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l^arbarö ColUge Übtarg. 

THE FUND OF 

Mrs. HARRIET j. g. denny. 
of boston. 

Gift of S50CX) Irom ibe chÜdren ol Mrs. Denny, 
at her lequesl, " foi ibe puTchase ol books foi (he 
public libraiy of the College." 

XLlwU,, /Uff. 



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Jjateinische Litteraturdenkmäler 

' ' des XY. und XVI. Jahrhunderts. 



Herausgegeben von 
Max Herrmann. 



ti tAL V. 



lOANNEs Nicolai" SECVNDVS 



BASIA 



Mit einer Auswahl aus den Vorbildern und Nachahmern 



herausgegeben 



von 



Georg* Blllngep. 



BERLIN 



WEIDMANNSCHE BUCPIH ANDLUNG. 

^ 1899. 







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MICROFiLMED 
AT HARVARD 



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Einleitung. 



I. Die Basia und ihre Vorbilder. 

Schon den ältesten Nachahmern der 'Basia' des Johannes 
Secundus fiel die Verwandtschaft einzelner von dem Dichter 
verwendeter Motive mit bestimmten Stücken der griechischen 
Anthologie auf. Der allgemeine Grundzug des Werkchens 
ist in den Gedichten Meleagers (No. 10 und 74 b; die Zahlen 
nach Brunck), des Paulus Silentiarios (No. 1 und 3) und eines 
Anonymus (Anth. Palat., ed. Dübner, 1, S. 119; 5, No. 305) vor- 
gebildet; zu der in Bas. XIX vorliegenden Erfindung wird 
wiederum eines der bekanntesten Epigramme Meleagers 
(No. 108) die Anregung gegeben haben. Auch sonst berühren 
sich inhaltlich die *Basia' mit der Anthologie; für Bas. XIII 
wird das Piaton zugeschriebene Epigramm noch erwähnt 
werden; aufserdem scheint das schöne Gedicht des Kalli- 
machos von Kyrene (No. 4) vorbildlich gewesen zu sein. Eine 
unmittelbare Einwirkung der graziösen kleinen Kunstwerke 
auf die Entstehung der 'Küsse' wird daher umsoweniger anzu- 
zweifeln sein, als wir den Einflufs der griechischen Anthologie 
auch auf die sonstige dichterische Thätigkeit des Secundus 
nachzuweisen im Stande sind. Wir haben also ein Recht, die 
Anthologie als die eine der beiden Hauptquellen anzusehen, 
die das klassische Altertum dem Secundus geliefert hat. 
Die zweite Hauptquelle sind die beiden bekannten Stücke 
des CatuU (No. 5 und 7), die nicht allein den Gesamtcharakter 
von Secundus' Buch entsclieidend bestimmt, sondern auch 
zu einzelnen Erfindungen (so v. 2/3 von No. 5 zu dem in 
Bas. XI verarbeiteten Gödanken) angeregt haben. Was sich 
sonst an Beeinflussungen durch griechische und römische 
Dichter verzeichnen läfst, ist mehr sekundärer Natur. Die 
Bukoliker, Properz und Tibull (I, 8; 37 f.) mögen gelegent- 

a* 



V 



IV EINLEITUNG. 

lieh zur Vervollständigung des Gemäldes einen oder den 
anderen Zug geliefert haben, wenn es auch nicht immer mit 
Sicherheit behauptet werden kann, ob in jedem einzelnen 
Falle eine wirkliche Anlehnung vorliegt; auch Martial VI, 34 
ist vielleicht vorbildlich gewesen. Daneben kommen natür- 
lich noch für einzelnes antike Vorbilder in Betracht; die in 
Bas. I geschilderte Situation beruht auf Vergils Aeneis I, 
680 ff. ; der schöne Vorgleich am Eingang von Bas. II ist im 
Altertum oft verwendet (Horaz, Epod. XV, v. 5. Ovid, 
Her. IV, v. 47), und sicher ist Secundus von diesen antiken 
Vorgängern beeinflufst worden. Was sonst an gelegentlichen 
Anlehnungen an klassische Muster in Betracht kommt, haben 
\ ; P. Burmann und P. Bosscha in ihrer reichhaltigen Ausgabe 
sorgfältig zusammengestellt; für den Aufbau des Kunst- 
werkes und die Einzel ausführung sind diese Reminiscenzen 
indessen nicht von grofser Bedeutung. Im wesentlichen ist 
damit der Kreis der antiken Anregungen geschlossen. Sie 
sind immerhin sehr beträchtlich und zeigen, wie das Wesent- 
lichste des Stimmungs- und Gedankengehaltes im Altertum 
schon vorhanden war und wie das dankbare Material nur 
der Zusammenfassung und Formgebung harrte. 

Sind somit die Fäden, die vom Altertum zu den 'Küssen' 
des Secundus hinüberleiten, deutlich erkennbar, so verhält 
es sich nicht ebenso mit den humanistischen Vorbildern des 
Werkes. Burmann-Bosscha haben in ihrer Ausgabe eine 
Keihe von Parallelstellen aus Politian, Pontanns und Marullus 
mitgeteilt, welche zeigen, wie sehr die von Secundus ge- 
stalteten Motive damals in der Luft lagen; bei einer näheren 
Prüfling crgiebt sich indessen, dafs ein unmittelbarer Zu- 
sammenhang zwischen ihnen und unserem Werke nicht not- 
wendig angenommen zu werden braucht, obgleich Einzel- 
beeinflussungen zugegeben werden können, wie denn Bas. I, *.> 
orsichtlich unter der Einwirkung der Stelle aus einem Epi- 
gramm Ariosts steht: 'Heu, heu talis', ait, 'noster Adonis 
erat' (Del. p. Ital. 1, S. '283). Dagegen haben Burmann-Bosscha 
mit vollem Rechte auf Sannazaros ähnlich geartete Gedichte 
hingewiesen; aber sie haben keinen Versuch gemacht, das 
Verhältnis dieser Stücke irgendwie zu bestimmen. Völlig 
entgangen sind ihnen und allen denen, die sich bisher mit 



EINLEITUNG. V 

Secundas beschäftigt haben, die beiden wichtigsten huma- 
nistischen Vorbilder. Das erste ist das elegische Gedicht 
von Philippus Beronldus 'Osculum Panthiae', das unten 
S. 17 zum Abdruck gelangt. 

Obgleich Beroaldus in der bekannten Elegie des Secundus 
an Hieronymus Montius (III, 7) nicht erwähnt wird, wäh- 
rend Pontanus, die beiden Strozzas, Marullus, Bembo, Vida 
und Sannazar rühmende Erwähnung finden, darf doch wohl 
an der Abhängigkeit des Secundus von diesem Gedicht um- 
soweniger gezweifelt werden, als Secundus auch in einer 
Elegie deutlich an Beroaldus anknüpft (I, 7). Er verheifst 
hier seiner Geliebten ewiges Leben *Inque puellarum, quas 
olim carmine vates Laudavere pii, . . . choro' (vgl. Beroaldus, 
v. 35 ff.) und fahrt fort: 

*Qualis quae falso Nasoni dicta Corinna est 
Deliaque et Nemesis et bene culta com am 

Cynthia forma potens nee non tua, Galle, Lycoris, 
Quarum immortalis forma perenne virot.' 

Hier ist die Anregung durch Beroaldus, v. 72 ff. nicht 
zu verkennen; sie zeigt sich sogar in der sprfichlichen Form, 
in der bei Lycoris gebrauchten Anrede, die freilich hier 
auf den Mann übertragen worden ist. Läfst sich nun aber 
die Einwirkung des *Osculum Panthiae' auf die Elegien mit 
Sicherheit nachweisen, so werden wir keine Veranlassung 
haben, an ihrer Einwirkung auf die *Basia' zu zweifeln, 
zumal die hauptsächlichsten von Secundus verarbeiteten 
Motive schon hier zu finden sind. Aus Beroaldus stammen 
z. B. die am Schlüsse des Bas. II erwähnten Frauen, zu 
denen die poesielose Aufzählung im 'Osculum Panthiae* 
offenbar die Anregung gegeben hat. Weitere Analogien 
liegen auf der Hand; aber auch wörtliche Anlehnung scheint 
stattgefunden zu haben; das durch Goethe berühmt gewor- 
dene Wort des Secundus: 'O vis superba formae!' (VIII, 49) 
erscheint hier schon in den W^orten: 'Tantum forma valet' 
V. 33 vorgebildet. Der poetische Wert von Beroaldus' Ge- 
dicht ist allerdings aufserordentlich gering anzuschlagen; 
die rhetorischen Wiederholungen wirken ermüdend, und 
ganz unfruchtbar sind die fortgesetzten Vergleiche mit an- 



VI EINLEITI'NG. 

tiken Frauen, die offenbar weiter nichts als ein ungeschicktes 
Excerpt aus Boccaccios Schrift *De claris mulieribus' sind. 
Auch kann man wohl einer Geliebten kaum etwas Sonder- 
bareres wünschen als ein aufserordentlich hohes Alter, ein 
Wunsch, dessen Geschmacklosigkeit auch durch den Zusatz 
*perpetuumque decus' nicht aufgehoben wird (v. 107 f.). 

Die zweite bisher unbekannte Quelle ist ein Gedicht 
von Petrus Crinitus: *Ad Neaeram' (gedruckt unten S. 21 f.). 
Auch dieses Gedicht geht auf ein Epigramm der griechischen 
Anthologie zurück, welches dem Philosophen Piaton zuge- 
schrieben wird; eine erweiternde Umarbeitung des anmutigen 
Epigramms rührte von einem Freunde des Gellius her und 
wurde von Gellius in den *Nocte8 Atticae' mitgeteilt. Cri- 
nitus hat sich in der Form an die bei Gellius vorliegende 
Fassung angeschlossen, aber eine weibliche Adresse gewählt 
und das Motiv breiter und anschaulicher ausgeführt. — Der 
Wortlaut von v. 21 scheint durch Kaiser Hadrians bekanntes 
Gedicht : *Animula vagula blandula' (Anth. lat. No. 206. Ausg. 
V. Meyer, 1835, 1, S. 70) beeinflufst worden zu sein. 

Vergleicht man nun die endgiltige Form, die Crinitus 
dem anmutigen Motiv gegeben hat, mit der bei Secundus 
Bas. XllI vorliegenden Behandlung, so läfst sich ein inniger 
Zusammenhang nicht verkennen. Wir werden daher wohl 
anzunehmen haben, dass die Wahl des (offenbar fingierten) 
Namens Neaera auf die Anregung des Crinitus zurückgeht. 
Allerdings wäre es möglich, auch an antike Vorbilder für 
den Namen zu denken, da er bei den römischen Dichtern 
mehrfach vorkommt; allein bei der sachlichen Überein- 
stimmung liegt es wohl am nächsten, Crinitus als Quelle 
anzunehmen. 

Ebenso scheint es keinem Zweifel zu unterliegen, dafs 
Secundus durch das Gedicht Sannazars 'Ad Ninam' (unten 
abgedruckt S. 22 f.) entscheidend beeinflufst worden ist. 
Der Gedanke Bas. IX, 11 ff. steht ganz ersichtlich auch in 
der Form unter der Einwirkung Sannazars v. 3 ff., wenn er 
auch anders gewendet ^ird; und auch sonst sind die An- 
klänge bei Secundus nicht zu verkennen. Auch das nach- 
folgende Gedicht, auf das schon bei Burmann-Bosscha auf- 
merksam gemacht ist, kann auf Secundus eingewirkt und 



\ 



EINLEITUNG. VII 

V. 4 namentlich das in Bas. VI verarbeitete Motiv angeregt 
haben (a. a. 0. S. 43), während der Schlufs vielleicht für 
Bas. IV vorbildlich gewesen ist. 

*Ad amicam. 

Da mihi tu, mea lux, tot basia rapta petenti, 

Quot dederat vati Lesbia blanda suo. 
Sed quid pauca peto, petiit si pauca Catullus 

Basia? Pauca quidem, si numerantur, erunt. 
Da mihi, quot caelum Stellas, quot litus arenas 

Silvaque quot frondes, gramina campus habet, 
Aere quot volucres, quot sunt in aequore pisces, 

Quot nova Cecropiae mella tuentur apes. 
Haec mihi si dederis, spernam mensasque deorum 

Et Ganimedaea pocula sumpta manu.' 

Weiter möchte ich auf die von Burmann-Bosscha nicht 
angezogene Elegie *Ad amicam' hinweisen (a. a. 0. S. 5 b f.). 
Es ist nicht unwahrscheinlich, dafs das Hauptmotiv von 
Bas. II, die Beschreibung des Wandeins im Elysium, auf 
dieses Gedicht zurückgeht; und Sannazars Schlufswendung, 
die im Hinblick auf Alter, Krankheit und Tod zum Lebens- 
genufs auffordert, ist vielleicht für den Schlufs von Bas. XVI 
vorbildlich gewesen, wenn auch zuzugeben ist, dafs der 
gleiche Gedanke sich auch bei den klassischen Dichtern 
mehrfach findet. 

Wenn es nun aber nach den gegebenen Mitteilungen , 
auch unzweifelhaft ist, dafs Secundus' Werk vielfache An- 
regungen von der klassischen und humanistischen Dichtung, 
aufzuweisen hat, so ist es anderseits doch als eine durch- 
aus originale Schöpfung zu bezeichnen. Denn die entlehnten • 
Motive sind in einer Weise aufgenommen und selbständig 
neugestaltet worden, dafs sie ganz in den individuellen Be- 
sitz des Dichters übergegangen sind. Ja, man kann sagen, 
dafs man die poetische Kraft des Secundus gar nicht besser 
erkennen kann als durch Vergleichung mit dem. was seine 
humanistischen Vorbilder mit den von ihm entlehnten und 
umgebildeten Motiven ausgerichtet haben. Namentlich eine 
Nebeneinanderstellung von Beroaldus und Secundus ist nach 
dieser Richtung hin ungemein lehrreich. Auf der einen 



VIII EINLEITUNG. 

r 

Seite eine öde Anhäufung antiker Phrasen und Reminiscenzen, 
auf der anderen eine ganz lebendige, aus persönlichem Er- 
lebnis herausgewachsene Dichtung, deren unmittelbare Wir- 
kung durch das klassische Gewand viel mehr erhöht als 
vermindert wird. 

Bei dem verhältnismäfsig kleinen Kreise von Motiven, 
innerhalb dessen sich der Dichter bewegt, liegt die Gefahr 
aufserordentlich nahe, dafs eine gewisse Eintönigkeit sich 
geltend macht, wie wir das z. B. bei den Anakreontikern 
beobachten können. Wenn Secundus diese Gefahr durch- 
aus vermieden hat, so ist das wohl vor allem daraus zu er- 
klären, dafs seine fruchtbare Phantasie immer neue Formen 
und Einkleidungen zu finden verstanden hat Neben den 
leidenschaftlichen Monologen der Liebesrhetorik ist die er- 
zählende Form in verschiedener Art verwendet; eine gewisse 
Abwechslung wird auch schon durch den wechselnden Ton 
der Anrede an die Geliebte herbeigeführt. Vor allem aber 
ist es die überall erreichte Lebenswahrheit, die jeden Über" 
drufs verscheucht. In der leidenschaftlichen Kraft der 
dichterischen Sprache spürt man den Hauch des unmittel- 
baren Lebens; es sind keine schablonenhaften Liebesempfin- 
dungen, die vorgetragen werden, sondern man steht überall 
auf dem Boden der dichterisch verklärten Wirklichkeit. 

Auch der Aufbau des ganzen Werkchens trägt mit dazu 
bei, ihm eine lebendige Wirkung zu sichern. Die beiden 
ersten Gedichte gestalten noch nicht eigentlich die Haupt- 
motive der Dichtung, sondern geben eine aus epischer und 
lyrischer Form gemischte einleitende Darstellung. Die sich 
anschliefsenden acht Stücke (bis Bas. X) schöpfen dann 
den Gegenstand nach allen Seiten hin aus, und es ist hübsch 
zu sehen, wie immer ein neues und fruchtbares Motiv aus 
dem schon behandelten gleichsam herauswächst. Hierauf 
schiebt der Dichter zwei Gedichte ein, die von dem Cha- 
rakter der vorhergehenden acht Stücke abweichen und beide 
das Verhältnis des Dichters und seiner Geliebten zum Urteil 
der Menge zum Gegenstand haben. Aufserordentlich fein 
ist hier die Anknüpfung an das Vorhergehende und Nach- 
folgende hergestellt. Bas. XI schliefst sich in der Ausführung 
noch an die Art an, m der Secundus unmittelbar zuvor die 



EINLEITUNG. IX 

Kufämotivc behandelt hat; Baa. XII führt von dem in 
Bas. XI angeschlagenen Gegenstand zu Neaera zurück nnd 
bereitet so den Übergang zu den beiden nächsten Gedichten- 
(XIII und XIV) vor, die wieder im wesentlichen den Ton 
von III— X fortsetzen und weiterführen. Indessen diesmal 
reiht der Dichter mit weiser. Absicht nicht wie beim ersten 
Male eine gröfsere Anzahl von Gedichten ähnlichen Inhalte» 
nebeneinander, sondern er schiebt schon nach zwei Stücken, 
ein kleines episches Gedicht (Bas. XV) dazwischen, «/ffen 
bar hatte er das Gefühl, dafs der Uberdrufä, der bei dem 
ersten Einsetzen der anmutigen Motive nicht zu fürchten 
war, sich bei der Wiederaufnahme zu leicht einstellen könnte. 
Deshalb läfst er auch auf Bas. XV wiederum nur zwei die 
Hauptmotive behandelnde Stücke folgen und reiht dann 
von neuem eine kleine epische Dichtung ein (Bas. XVIII),. 
die durch die Anfangszeilen vortrefflich mit dem vorher- 
gehenden Gedicht verbunden ist. Den Abschlufs bildet dann 
passend ein anmutiges Stück, in dem die beiden abwechselnd 
auftretenden Erfindungsreihen sehr glücklich miteinander 
verschmolzen sind. 

Die Abwechslung, die der Dichter durch die Art des^ 
Aufbaues herbeizuführen verstanden hat, wird auch wesent- 
lich durch das Metrum gefördert. Das wechselnde Versmaf» 
verleiht der ganzen Dichtung eine freie Bewegung. Mit 
hohem Feinsinn hat der Dichter die verschiedenen Mafse 
den verschiedenen Gegenständen anzupassen gewufst. Da» 
Gleiten und Schweben des liebenden Paares in den elysi- 
schen Gefilden kommt in dem für Bas. II gewählten Metrum 
vortrefflich zum Ausdruck, ebenso die leidenschaftliche- 
Rede in dem Bas. XIV und XVIII verwendeten Versmafs. 
Wie ausgezeichnet sonst das Mafs den Charakter der dar- 
gestellten VorgJinge wiedergiebt, lehren Bas. VII, VIII, IX 
und XVI. Das elegische Metrum wird mit der Frische und 
Kraft gehandhabt, die aus den Elegien bekannt ist, den 
Diciitungen des Secundus, denen innerlich und äufserlich 
der Preis unser seinen Werken zuzugestehen ist. — 

Bei der Abfassungszeit wird man als äufserste Grenzen 
des Dichters Ankunft in Spanien (Sommer 1534) und seinen 
Tod (Oktober 1536) ansetzen müssen. Dafs die in den 



X EINLEITUNG. 

Basia besungene Geliebte eine Spanierin war, ist mehrfach 
bezeugt. Da das Werk überall den Stempel unmittelbaren 
Erlebnisses trägt, so wird man wohl kaum anzunehmen 
haben, dafs die Abfassung in die letzten Lebenstage des 
Secundus fällt. Da anderseits doch wohl ein gewisser 
Zeitraum zwischen dem Eintreffen in Spanien und dem Zu- 
standekommen des Liebesverhältnisses liegt, so erscheint es 
wohl als das richtigste, ungefähr die Mitte der in Betraclit 
kommenden Zeit ins Auge zu fassen. So ergiebt sich ganz 
ungezwungen etwa, das Jahr 1535; früher jedenfalls als Ende 
1534 oder später als Anfang 1536 wird das Werk sicher nicht 
verfafst worden sein. 



II. Die Nachwirkung der Basia. 

1. Einflars auf die iieulateinische Lltteratur. 

Die *Kü8se' des Secundus haben eine aufserordentlich 
grofse Nachwirkung ausgeübt, und es gehört zu der Ge- 
schichte des Werkes, diese näher darzustellen. Bedeutend 
war zunächst der Einflufs, den das Buch auf die neulatei- 
nische Dichtung hatte. Über diesen Punkt dürfen wir uns 
hier etwas kürzer fassen, da im Text durch sorgfältig aus- 
gewählte Proben dafür gesorgt ist, dafs der Leser von der 
Art der Nachwirkung eine Vorstellung erhält. Die Ein- 
wirkung macht sich in der neulateinischen Dichtung ziem- 
lich früh geltend. Am stärksten äufsert sie sich liaturgeraäfs 
in des Dichters Heimat, und hier wirken nicht blofs die Ge- 
danken des Secundus fort, es wird auch die Form nachgeahmt; 
Janus Douza (1545 — l()üi), Janus Lernutius (1545—1019) und 
Albertus Eufrenius (y 1<)25) erscheinen je mit einem: 'Basia' 
betitelten Werke auf dem Schauplatze. Im allgemeinen 
kann man von diesen Dichtern sagen, dafs sie sich zu ihrem 
Meister verhalten wie die deutschen Anakreontiker zu ihrem 
Vorbilde, den unter dem Namen des Anakreon überlieferten 
graziösen Gedichten. Es konnte nicht anders sein, als dafs 
die Motive des Secundus vielfach wiederholt und umschrieben 



EINLEITUNG. XI 

wurden und trotz mannigfacher Umstellungen doch immer 
deutlich erkennbar blieben. Am natürlichsten und frischesten 
zeigt sich von den drei genannten niederländischen Dichtern 
noch Janus Lernutius; eine gewisse anmutige Darstellung 
kommt ihm zu gute und läfst den bei derartigen Nach- 
ahmungen so leicht entstehenden Überdrufs nicht aufkommen, 
obgleich die Sammlung 29 Gedichte umfafst. Schwerfälliger ist 
Douza; seinen Gedichten merkt man vielfach das Gekünstelte 
und Gequälte an. Am höchsten stehen noch die elegischen 
Gedichte; hier bewegt sich Douza freier, während die 
in lyrischen Mafsen verfafsten Stücke recht trocken und 
ungeschickt erscheinen. So ist es nicht wunderbar, dafs 
Douzas beste Nachahmung des Secundus gar nicht in den 
Basia zu finden ist, sondern in seinen Elegien 'Cupidinum 
üb. II. Elegia VII.' (Poemata, 1609, S. 551 ff.), einem Stücke, 
•das sich durch Lebhaftigkeit und Gewandtheit vorteilhaft 
vor den ^Basia' auszeichnet, um seines zu grofsen ümfangs 
willen indessen keine Aufnahme in unsere Sammlung finden 
konnte. Trotz des eben gekennzeichneten Charakters von 
Douzas *Basia' haben diese doch einen französischen Über- 
43etzer gefunden; in dieser (prosaischen) Übertragung tritt 
allerdings die Armut an fruchtbaren Gedanken und Erfin- 
<lungen noch deutlicher als in dem Original hervor. Die Über- 
setzung steht in dem Sammelworkchen: Choix des poesies, 
traduites du grec, du latin et de l'italien. Tom. II. Lond. 178(). 
Kann man bei den beiden ebengenannten Dichtern noch 
immer von einer selbständigen Thätigkeit sprechen, so zeigt 
«ich dagegen Eufrenius als ein ganz äufserlicher Nachahmer; 
er lehnt sich so unmittelbar an Secundus an, dafs vielfach 
von einer eigenen Arbeit gar nicht die Rede sein kann. 
So wenn hier der Eingang von Secundus' Bas. X folgender- 
mafsen umschrieben wird (Poemata Alberti Eufrenii. 1601. 
S. 630. Bas. XIII): *Non eadem semper delectat basia 
amantes Figere, sed variis quao variata modis', worauf 
•dann im wesentlichen eine verwässernde Bearbeitung des 
ganzen Basiums folgt. Auch scheinbar neue Motive wie die 
Zurückweisung eines Freundes, der den Frauendienst des 
Eufrenius tadelt, sind schon bei Secundus vorgebildet. Doch 
ist das letzte Motiv noch ganz erträglich in Bas. VIII S. 60 f. 



XII EINLEITUX(i. 

behandelt. Im allgemeinen aber ist der poetische Wert sehr 
gering anzuschlagen. 

Ebenfalls noch dem 16. Jahrhundert gehört die cykiische 
Nachahmung an, die Janus Bonefonius (1554 — 1614) unter dem 
Titel 'Pancharis' (zuerst 1587) herausgab, während die ein- 
zelnen Gedichte wie bei Secundus die Überschrift *Basium' 
führen. Auch hier ist ziemlich genaue Anlehnung an da» 
( )riginal nicht immer vermieden, aber eine gewisse poetische 
Kraft ist doch vorhanden und macht sich in der anmutigen 
Ausfuhrung des Einzelnen geltend. Dem dichterischen Wert 
nach wird man Bonefonius etwa neben Lernutius zu stellen 
haben. An die 32 Basia schliefst sich ein längeres Gedicht,, 
das seinen Titel *Pervigilium Veneris' von der bekannten 
psoudocatullischen Dichtung entlehnt. Thatsächüch ist aber 
das Gedicht weiter nichts als eine Nachahmung von Secundus' 
graziösem Epithalamium (Bl. Ra ff. der Ausgabe v. 1541), einem, 
der wenigen wahrhaft poetischen Stücke dieser Gattung. 

Die letzte Nachahmung, die auch die cyklischo Form 
beibehält, ist in Deutschland entstanden. Ihr Verfasser,. 
Caspar Barth, ist als Opitz' Studiengenosse bekannt; seine 
allerdings wegen ihrer dunklen Ausdrucksweise nicht immer 
leicht zu vorstehenden lateinischen Gedichte verdienten wohl 
eine besondere Untersuchung, mehr noch sein ^Deutscher 
Phönix' (lü26), der eines der lehrreichsten Beispiele für die 
Krsclieinung giebt, dafs sich ein Poesiebeflissener des be- 
ginnenden 17. Jahrhunderts äufserlich an die von Opitz an- 
gebahnten Keformen anschliefst, während er thatsachlich 
noch auf dem Boden der Metrik des Reformationszeitalter& 
stellt. Barths *Erotopaegnion' entlehnt den Titel nicht von 
S(»cunduß, sondern von einem kleinen gleichnamigen Werk- 
ohen des Italieners Hioronymus Angerianus (s. 1. 1520)^ 
welches eine Anzahl kleiner ansprechender Liebesgedichte 
enthält.') Barth hält sich in den 31) Gedichten, welche 



') Gleichfalls von Angerianus entlehnt ein französischer 
Humanist den Titel: 'Gervasii Sepini Salmurei Erotopaegnion 
libri tres ad Apollinem'. Parisiis 1553 (Exemplar auf der 
Anibrosiana). Das Büchlein enthält einige recht gelungent»- 
Stücke. 



EINLEITUNG. XIII 

den Inhalt seines Erotopaegnions bilden, von direkter An- 
lehnung an Secundus freier als die bisher behandelten 
Dichter und zeigt eine gewissö selbständige Erfindungskraft. 
Dagegen ist sein sprachlicher Ausdruck so geschraubt und 
künstlich, dafs der Sinn zuweilen dadurch vollständig ver- 
dunkelt wird. Deshalb wird man das Buch an Bedeutung 
in die letzte Reihe der Nachahmungen zu stellen haben, 
nur der Freund der deutschen Dichtung wird dem Werke 
«eine Teilnahme zuwenden, da Paul Fleming No. 19 des 
^Erotopaegnions' recht hübsch ins Deutsche übersetzt hat 
(Deutsche Gedichte her. v. Lappenberg 1, S. 208). 

Freier konnten sich die Nachahmer des Secundus be- 
wegen, welche auf die durch die cy kusche Form bedingte 
gröfsere Anzahl von Nachdichtungen verzichteten. Das gilt 
namentlich von dem Schotten Georg Buchanan (1506— -1582), 
der in fünf Gedichten seiner Hendecasyllaben die Motive des 
Secundus recht anmutig zu verwerten gewufst hat (vgl. dazu 
noch das Epigramm 'Ad Neaeram', S. 357 der Ausgabe von 
1687). Bei anderen Dichtern hat freilich auch die beschränkte 
Zahl vor wörtlicher Benutzung des Materials nicht geschützt, 
so bei dem Franzosen M. A. Muret (15*26 — 1585), der in seiner 
Sammlung: Juvenilia, S. 65 (vgl. unten p. XXXVIl f.) den 
Hauptinhalt von Bas. VII mit der bekannten Schlufszeile von 
Bas. VIII zusammenschweifst. Mit gröfserer Selbständigkeit 
hat er die unten S. 36 f. wiedergegobene Elegie dem Secundus 
nachgedichtet. Selbstverständlich ist mit diesen wenigen 
Stücken der Einflufs des Secundus auf die neulateinische Poesie 
nicht erschöpft. Am stärksten zeigt er sich in den Nieder- 
landen, wo z. B. Daniel Heinsius, der merkwürdigerweise in 
seinen niederländischen Gedichten keine Anlehnung an Secun- 
dus zeigt, unmittelbar an ihn anknüpft (Dan. Heinsii poemata. 
S. 191 der Ausg. V. 1617. Eleg. Lib.l. No.VIIIu.ö.). Spärlicher 
ist die Nachwirkung in Deutschland, obgleich es auch hier 
wenigstens nicht ganz an Nachklängen fehlt, z. B. bei Matthäus 
Zuber ('Rosibella, hoc est Amores et suspiria'. Walckhornae. 
1617. S. 47) das Gedicht: *Ad Rosibellam, suam Nycem'. 

Wichtiger indessen als derartige vereinzelte Spuren des 
Einflusses ist die Wirkung nach einer anderen Richtung. 
Nach dem Vorbilde der *Basia' stellten neulateinische Dichter 



XIV EINLEITUNG. 

cyklische Dichtungen zusammen, bei denen in ähnlicher 
Weise wie die Küsse bei Secundus irgend ein beliebiger 
Reiz der Geliebten den Mittelpunkt bildete und nach den 
Motiven hin, die sich ihm abgewinnen liefsen, möglichst 
ausgeschöpft wurde. Der erste, der dem Secundus auf dieser 
Bahn folgte, war Janus Lernutius mit seinem Cyklus *Ocelli'. 
Zeichnen sich schon die ^Basia' des Lernutius unter allen 
Nachahmungen des Secundus vorteilhaft aus, so darf man 
den 42 Gedichten, aus denen die *Ocelli' bestehen, ein noch 
höheres Lob zuerteilen, weil der Dichter hier nicht in aus- 
getretenen Geleisen wandelt, sondern selbständig gestaltet,, 
obgleich auch hier das Vorbild des Secundus nicht zu ver- 
kennen ist. Selbstverständlich gereicht der dadurch nahe- 
gelegte Vergleich dem Lernutius nicht zum Vorteil, denn 
dieser ist nicht ein wirklicher Dichter wie Secundus, sondern 
gehört zu den Durchschnittspoeten der neulateinischen 
Dichtungsmasse. Immerhin aber hat er den dankbaren StofF 
gut auszubeuten verstanden und eine Reihe anmutiger 
kleiner Gedichte geschaffen, denen eine bedeutende und bis 
jetzt wenig bekannte Wirkung bestimmt war. — In ähnlicher 
Weise wie hier Lernutius die Augen, hat Eufrenius das 
Haar der Geliebten in den Mittelpunkt seiner Dichtung ge- 
stellt. Auch bei Eufrenius läfst sich das Belebende selbst* 
ständiger Arbeit nicht verkennen; denn in seinem Cyklus 
'Coma' (aus dem das Gedicht unten S. 33 entnommen ist) 
zeigt er sich bei weitem frischer und urwüchsiger als in 
seinen 'Basia'. Manche Motive werden dabei nicht ohne 
Anmut gestaltet; Bienen fühlen sich von dem Haare Isa- 
bellas angezogen und wollen dort Honig naschen; der 
Liebende überrascht seine Freundin beim Kämmen; Amor 
hält Isabella beim Kämmen den Spiegel vor; der Dichter 
schildert die verschiedenen Arten, in denen die Frauen ihr 
Haar behandeln, Isabella aber erscheint ihm am schönsten 
{n ihrer einfachen und immer gleichen Haartracht. Eine ge- 
wisse Erfindungs- und Gestaltungskraft mufs auch hier, an- 
erkannt werden. — Diese Art des cyklischen Aufbaues hat 
sich dann auch in der neulateinischen Poesie der anderen 
Nationen durchgesetzt; und die *Basia' müssen jedenfalls 
als Ausgangspunkt dieser Entwicklung angesehen werden. 



EINLEITUNG. XV 



2. Einflurs der Basia auf die Nationallitteraturen. 

War die bisher geschilderte Entwickhiog wenigstens in 
ihren Grnndzügen bekannt, so ist über das Nachleben des 
Werkes in den verschiedenen Nationallitteraturen bisher nur 
einzelnes an den Tag gekommen. Deshalb wird ein Versuch 
gewifs gerechtfertigt sein, auch diesen Teil der Geschichte 
des Werkes darzustellen, zumal die meisten Thatsachen, die 
in dem Nachfolgenden mitgeteilt werden, ganz unbekannt 
sind. Bei der Bedeutung des Gegenstandes und bei der 
schweren Zugänglichkeit vieler der behandelten Schriftsteller 
sind eine gewisse Ausführlichkeit und die Darbietung ein- 
zelner Stellen wohl am Platze. 

Holland. 

Frühzeitig wurde es unternommen, die ^Basia' dem 
Niederländischen anzueignen. Ein von J.Douza und seine» 
Freunden herrührender Versuch ist mir nicht zugänglich 
gewesen; auch eine bei Burmann-Bosscha erwähnte Nach- 
ahmung von L. Reael (1583—1637) habe ich nicht benutzen 
können. Aber auch in späterer Zeit war die Wirkung der 
*Basia' auf die niederländische Litteratur grofs und bei 
weitem gröfser, als man bisher angenommen hat. 

Ziemlich genau an seine Vorlage hat sich J.Westerbaen 
(1599 — 1670) gehalten (Alle de Gedichten van J. Westerbaen,. 
Deel 1. 1672. S. 87 ff.), und er bezeichnet auch seine Arbeit als 
Übersetzungen aus Secundus. Die 15 Stücke, die er vorlegt,, 
geben denn auch im wesentlichen die entsprechenden Gedichte 
wieder; in einzelnen Fällen aber hat Westerbaen es doch nicht 
unterlassen können, Zusätze einzufügen, die allerdings seinem 
Geschmacke keine Ehre machen. So hat er den schönen 
Anfang von Bas. XIII noch durch ein ganz prosaisches Bild 
von einem sterbenden Fisch, der seine Flossen von sich 
streckt, zu verdeutlichen gesucht (a. a. 0. S. 96). 

'Ick lagh heel asgeslooft, siel-toogend, uytgereckt, 

Mijn Kosemond, myn leven, 
Gelijk een vischje, dat zijn vinnen van sich streckt 

Als het de geest wil geven.' 
In noch häfslicherer Weise hat er das Bas. XIX durch 



XVI EINLEITING 

Zufügung plumper Eindeutigkeiten entstellt; ich kann dar- 
auf verzichten, die Stelle anzuführen, 

Haben wir es in diesem Falle nur mit einer freieren 
Übertragung zu thun, so liegt die erste in das Gebiet der 
wirklichen Nachahmung gehörende Dichtung in einer Samm- 
lung von Liedern vor, die vielleicht, aber keineswegs sicher, 
dem Dichter und Staatsmann Simon von Beaumont 
{1573 oder 74—1657) zuzuschreiben ist (abgedruckt in der 
Ausgabe der Gedichten van Simon van Beaumont, her. v. 
J. Tiedemann, Utrecht 1843, S. 268 ff.). Es sind dreizehn 
Stücke; wieso die einem jeden zuteil gewordene Bezeichnung 
^Kusje' nicht schon auf Secundus hin, so würde die Anleh- 
nung sich daraus ergeben, dafs No. 5, 8, 11, 12 und 13 
ziemlich genaue Übertragungen von Bas. III. IV, XI, VII 
«nd XIV sind. Die anderen Gedichte (mit Ausnahme eines 
einzigen [No. 4], das Catull nachgeahmt ist), behandeln die 
in den ^Basia' verwerteten Motive freier und zum Teil nicht 
ohne Reiz. Aus Secundus übernommen ist das zwiespältige, 
zwischen Lust und Schmerz schwankende Gefühl, welches 
<iie Küsse der Geliebten in dem Dichter erzeugen (No. 1, 
2, 9), aus Secundus stammt die Ermahnung zum Lebens- 
genufs (No. 3), ebenso sind die Aufzählungen in No. 6 durch 
Secundus vermittelt. Etwas freier bewegt der Dichter sich 
in dem zehnten *Kufs', wo er sich mehr der Weise der Ana- 
kreontiker nähert und gar nicht übel schildert, wie er sich 
trotz des Verbotes der Geliebten durch List einen Kufs zu 
verschaffen weifs. Von der dichterischen Eigenart des Ver- 
fassers mag das nachfolgende kürzeste Gedicht (No. 7) eine 
Vorstellung geben. 

'O weergaaloze kus, vol hoonighraan! 
Zo meesterlijk ghegheven en ontfangen; 

Uw weelderige kittelingen braan 
Mij't harte in een rusteloos verlangen, 

Om weer op zulk banket te ghast te ghaan, 
Zo dat die pijn mij zo komt prangen, 

Dat ruek en smaak van al uw zoet verslaan 
En ongelijk meer druk, als luk mij langen. 

Des will ghij mij met rechte wceld verzaan, 

Zo maak, dat ik, wen ik mijn lippen aan 



EINLEITUNG. XVII 

Liefs lipjes druk, daar door haar zo vervange, 
En doe in zulk een vloedt van nectar baän, 
Dat zij daar op verzot, mij toe wil staan 

Onscheidelijk haar an haar mondt te hangen.' 

Eine gewisse Frische wird man diesem kleinen Gedichte 
zugestehen müssen, diese fehlt auch da nicht, wo der Dichter 
sich enger an Secundus anschliefst; man vgl. z. B. den An- 
fang von No. 13 (= Bas. XIV): 

*WeghI wat biedt ghij mij uw lippen? 

Harde Doris, harder dan 
D' allerhardste Noordsche klippen^ 

Om mijn hart te stecken an 
En te troonen tot uw kusjes.' 

Hier zeigt sich in der Sprache und Aneignung, z. B. in 
der Wiedergabe des *duro marmore durior', doch eine freie 
und lebhafte poetische Beweglichkeit. 

Es schliefst sich zunächst J. Six van Chandelier 
(geb. 1612) mit zwei *Kusje' betitelten Gedichten an (Poesy, 
verdeelt in ses booken, en eenige opschriften. Te Amster- 
dam 1657. S. 243 f. und S. 264 f.). Das längere der beiden 
Gedichte knüpft an das Motiv des Secundus von den thau- 
igen Küssen an ; die Geliebte wischt sich nach jedem Kusse 
den Mund ab; darüber macht ihr der Dichter Vorwürfe und 
führt die Gedankenreihe, die sich hieraus ergiebt, nicht ohne 
Anmut weiter aus. Noch näher hält er sich in dem nach- 
folgenden ersten Stück an Secundus, doch ist auch • hier 
eine gewisse eigene Freiheit nicht zu verkennen. 

*0 Suikere sukaade mond, 

Die't huisjen van myn zieltjen, wondt. 

Als ik, met kusjes, heb gesoogen 

Den nectar van uw rooseboogen. 
Het bietje, dat het soete was, 
Uit rosmaryn, en saali las, 

Zou ver, van nuchtre bloempjes, wyken, 

Zoo't op u lipjes neer mocht stryken. 
Dat lekkertant, om Hyble, wensch, 
Of om den hooningh die Provens 

Lat. Litteraturdenkm, 14. D 



XVIII KINLEITUNG. 

Vergaart: Ik heb Rosclles roosen, 
Voor mynen bloembergh, uitgekoosen.' 

Auch Lo Bleue hat in seinen zehn *Kusjes'. Le 
Bleus Minnevlam. Amsterdam 1650. S. 64 ff.) die aus 
Secundns entlehnten Motive meist in selbständiger Weise 
zu verwerten gewufst und sie entweder mit anakreontischen 
Motiven vermischt oder sie doch in anakreontischer Weise 
ausgeführt. So erweitert er z. B. das in Bas. XIX vor- 
liegende Motiv in Kusje III zu einer förmlichen anakreon- 
tischen Erzählung; die epische pastorale Einkleidung er- 
innert an die in der deutschen Dichtung des siebzehnten 
Jahrhundorts typisch gewordenen Anfänge (*Daphnis ging 
in tiefen Sinnen' usw.), die aus der holländischen Dich- 
tung zu stammen scheinen und bei Le Bleus auch sonst 
vorkommen (vgl. S. 26). Ahnlich frei ist in Kusje IX 
(S. 130 ff.) der Gedanke von dem Herübergehen der Seele 
dos Geliebten in die Geliebte (Bas. XIII) verwertet worden. 
In and(U*n Stücken, so z. B. in Kusje I, versucht der Dichter 
selbständige Motivo auszuführen, was jedoch wiederum 
mit starker Anlehnung an die Art der. pastoralon Poesie 
geschieht. Indessen läfst sich doch dig unmittelbare Nach- 
ahmung des Secundus auch im einzelnen nicht verkennen. 
So z. B. in den allgemnincn Ausrufungen Kusje IV (S. 80). 

'0 Goddolijke kus! O voodsel van mijn loven ! 

Wilt doch altijd aon my dit ondorhoudsel geven, 

Ghy Pult my in de plaets van Godendrank en wijn, 
•Ghy sult my in de plaets van kost'lijk eeten sijn.' 

Noch genauer schlieföt er sich in anderen Stücken an 
Secundus an, so in Kusje VII (S. 120 ff.) an Bas. XIV (der 
Anfang erinnert aufftilligan die oben p. XVII unter Beaumonts 
Namon behandelte Übertragung, doch scheint die Überein- 
stimmung nur zufällig zu sein). 

*Waerom biedt ghy my de tippen 

Van u lippen 

Rood als bloed? 
Ghy sult met u dertel hecken 

Niet weer trecken 

Mijn gemoed. 



EINLEITUNG. XIX 

Ick en acht niet meer u kusjes 

Noch de lusjes 

Van u mond; 
Schoon dat ghy my door u wangen 

Hebt gevangen 

En gewondt.' 

Im weiteren Verlaufe des Gedichtes werden dann die 
bei Secundus zu Grunde liegenden Gedanken weiter ausge- 
führt Ähnlich wie hier lehnt sich der Dichter in Kusje IX 
(S. 130 ff.) an Bas. V an; der Anfang zeigt die Überein- 
stimmung deutlich: 

*Als ick u lippen met de mijn 
Vast houde en daer aen blijf hangen, 
En doe die mijne ziel ontfangen 

Terwijl ick aen u mond verdwijn', 

En ghy gelijke lust betuygt 

Als ghy weerom mijn lippen suygt, 
En sijgt van vreuchd ter neder, 
Dan seg ick by mijn seif, o! hoog-verheven Goon, 

AI schonckt ghy my u troon 
Voor Amaril, ick gafs' u willich weder.' — 

Noch stärker als bei Le Bleus sind die Gedanken des 
Secundus bei Jan de Brune, dem Jüngeren, (f 1649) mit 
Motiven der pastoralen Poesie vermischt. Seine aus 9 Stücken 
bestehende Sammlung ^Kusjes' (Alle volgecstige Werken 
van Jan de Brune. 1668. S. 344 ff.) bietet uns mehrfach 
ganz nach dem bekannten Schema Hirten gespräche zwischen 
Philemon und Laura, und auch sonst bedient sich Brune be- 
liebter pastoraler Einkleidungen. Trotzdem tritt auch hier 
überall die Einwirkung des Secundus hervor, so z. B. in der 
Ermahnung zum Lebens- und Liebesgenufs, die das Grund- 
motiv fast eines jeden der neun Gedichte bildet. An 
Bas. XIII werden wir erinnert, wenn es in Kusje I heifst: 
*Ach! ach! Nimph voor wie ik kniele, — Mijne ziele — 
Leyt gevangen in u mont', — worauf dann dieser Gedanke 
ganz im Sinne des Secundus, aber in selbständiger, sinn- 
fälliger Darstellung nicht ohne Anmut ausgeführt wird. Das 
Bas. XIII hat offenbar den Dichter besonders angezogen, 

b* 



XX E1NLE1TL'N(J. 

denn er hat es auch in Kusje II nachgedichtet, wobei er 
noch Motive aus Bas. XIX hineingearbeitet hat. Ich gebe 
die erste Hälfte des Gedichtes. (Die auffallende Uberein- 
»timmung der ersten Zeile mit der oben angeführten Über- 
setzung von Westerbaen springt in die Augen; es wäre 
nicht unmöglich, dafs Brune Westerbaens Übersetzung ge- 
kannt hat', leider ist mir die Ausgabe der Gedichte und 
Lieder Westerbaens vom Jahre 1644 im Augenblicke nicht 
zugänglich.) 

*'K lag zieltogend' uitgestrekt, 

En bedekt 
Met een wölk des doodts mijn ooge. 
't Scheen mijn ziele zou terstont 

Uyt mijn mont 
Haar vlucht drijven naar om hooge. 
Wanneer Laura tot iny schoot, 

En anbood 
Hare minnelike lippen: 
Hare lippen, daar de bien 

Wel toevlien 
Om haar honig uit to kippen. 
Door de soetigheen, die sy 

Doe an my. 
Quam door haar gokus te geven; 
Voeld' ik strax dat in my weer 

Daalde neer 
Een nieu en een minlijk leven.' 

Merkwürdigerweise scheinen die eigentlichen Gröfsen 
der niederländischen Poesie, Hooft und Vondel, von Secun- 
dus nicht beeinflufst worden zu sein. Auch Cats weist 
keine Einwirkung auf, was bei dessen Sinnesart allerdings 
nicht allzu wunderbar ist. Eher könnte mau glauben, dafs 
Cats gelegentlich gegen Secundus polemisierte. In einem 
kleinen Gedicht bezieht er sich vielleicht auf den Anfang 
von Bas. II und bekämpft die Ansicht, dals der Epheu den 
Baum aus Liebe umschlinge, während doch vielmehr seine 
Umarmung schädlich sei. (Dichtwerken van Jacob Cats. 
Deventer 1845. 2, S. 101; Text nach der Amsterdamer 
Ausgabe von 1661, S. 118.) 



EINLEITUNG. XXI 

*Wanneer het klim de boom omvanght, 
En om sijn galle tacken hanght, 
Of aen sijn groene schorse kleeft, 
Het schijnt al waer het vry beleeft; 
Het schijnt (nae dat men buyten siet) 
Dat *t kruyt den boom sijn liefde biet; 
Maer daer het ooge niet en gaet, 
Daer schuylt, o vrient! daar leght het quaet' usw. 
Die daraus sich ergebenden Gedanken führt er dann 
in seiner trockenen und prosaischen Weise weiter aus. 

Da oben gezeigt worden ist, dafs Lernutius' *Ocelli' 
durch die ^Basia' angeregt sind, so hat man wohl das 
Recht, wenigstens hier auf eine von den 'Ocelli' abhängige 
Dichtung einzugehen, die demnach mittelbar durch Secuu- 
dus' Anregung hervorgerufen ist. Eine Verfolgung der 
Spuren der *Ocelli' in der Litteratur namentlich des enden- 
den 16. und des 17. Jahrhunderts wäre überhaupt eine aufser" 
ordentlich lohnende Arbeit. Hier kann selbstverständlich 
nicht im einzelnen auf alle Nachwirkungen eingegangen 
werden, doch wird der Leser hier und da gelegentliche 
Nachweise finden. Wohl aber mufs auf eine niederländische 
Nachahmung der 'Ocelli' aufmerksam gemacht werden, näm- 
lich auf den Liedercyklus 'Roselijns Oochies' von Daniel 
Jonctys (1600—1654; das Buch erschien Dordrecht 1639). 
Die 59 Gedichte, geben teils mehr oder minder freie Über- 
tragungen von Lernutius' *Ocelli', teils führen sie die von 
dem neulateinischen Dichter gelegentlich angedeuteten Mo- 
tive näher aus. Für unsere Zwecke wird es genügen, den 
Anfang der Nachahmung des unten S. 28 mitgeteilten Ge- 
dichtes zu geben (a. a. 0. No. 50, Sa f.). 
'Soele Sephyr, lustich luchje, 
Levend-makend Lente-vruchje, 
Wien ons aller Moeder d'Aerd 
Vt haer lenden heeft gebaert; 

Dat gy Chloris sachte sinnen 
Altijd minsaem vind', in't minnen; 
Dat gansch Aeoli geslacht 
V de schoonst van allen achtt: 
Lieve wilt u vlugge veren 



XXII KJNJ.EJTLXG. 

Na de Lage Landen keeren; 

Lage Landen, hoeg geroemt, 

Waer men Mars, en Veniu noemt. 
Landen, die de Min-6odinne 

Boven Eryx schijnt te minnen; 

Landen, die haer keiirig kind 

Boven Cypras heeft gesint.' 
Nun hat aber Jonctys keineswegs blofs von Lemutius 
gelernt, sondern er hat sich, wie namentlich aus den freieren 
Gedichten hervorgeht, ganz offenbar an Secundus angelehnt 
und seine Weise nachzuahmen gesucht, wenn auch die wört- 
lichen Anklänge nicht allzu auffallend sind. Äufserlich 
findet dies Verhältnis seinen Ausdruck dadurch, dafs er den 
^Oochies' ein Gedicht beigegeben hat: 'Eerste Hovlycks-Kusies* 
(a. a. O. Va ff.). Es ist eine freie Übersetzung von Secun- 
dus^ graziösem Hochzeitsgedichte (s. oben p. XII). Die nahe 
Verwandtschaft, die dieses Stück in seiner Stimmung mit 
den ^Basia^ aufweist, hebt Jonctys dadurch hervor, dafs er 
es in einer Anmerkung scherzhaft als Basium XX bezeichnet. 

Frankreich. 

Noch stärker als in den Niederlanden war die Ein- 
wirkung der *Basia' in Frankreich. Dafs das Buch in 
Frankreich schon sehr bald sich den Beifall der besten 
Gointor gewann, bezeugt uns Montaigne, der es neben dem 
Dekameron und Babelais als sein Lieblingsbuch bezeichnet 
(Essais II, 10). So kann es uns nicht Wunder nehmen, dafs 
wir in Frankreich schon ziemlich früh die Beeinflussung der 
Nationallitteratur durch die 'Basia' beobachten können. Die 
lateinigichen Nachdichtungen der *Basia' von Bonefonius 
(9. 0. p. XII) fanden schnell einen Übersetzer in Gilles 
Durant {cm. 1550 — 1616; die lieber tragungen und Dichtungen 
zuorst Paris 1587. Ich mufs nach der Ausg. Amsterdam 1725 
oitioi^en^« und dieser hat seinen l^bertragungen der ^Basia" des 
Bonefonius noch eine Reihe zierlicher 'gayetez amoureuses' 
hinzugefügt, in denen der Einflufs des Secundus nicht zu 
Yorkonnen ist. So hat Gilles in einem sehr umfangreichen 
Gedichte * Baiser* S. 127 eine ganze Reihe von Motiven aus 
Secundus vorarbeitet; man vgl. z. B. S. 128: 



EINLEITUNG. XXII I 

'Mais avant que je te baise, 
Fais im peu de la mauvaise, 
Feignant de me refuser, 
Quand je te voudray baiser, 
Et plus ferme qu'une röche, 
Ne permets que je t'aproche.' 

Dieses Motiv, das dann breit ausgeführt wird, entstammt 
Bas. IX, während im weiteren Verlaufe Motive aus Bas. XIII 
verwertet worden sind. In ähnlicher Weise sind in anderen 
Gedichten, dem Sonnet S. 117, der Gayet^ S. 127, dem 
Baiser S. 109 und S. 158 und anderen Stücken Motive aus 
Secundus nach- und umgebildet worden. Und in dem Baiser 
S. 125 haben wir es mit nichts anderem als mit einer freien 
Übertragung von Bas. VIII zu thun, wie schon der Anfang 
zeigen wird: 

'Quelle fureur insens^e, 
Quelle rage t'a poussee. 
De mordre ma langue ainsi, 
Qui estoit ä ta mercy? 
Est-ce que tes dents ont crainte, 
Qu'assez ma poitrine atteiute, 
Ne seit de ce trait vainqueur, 
Dont tu m'as perce le coeur?' usw 

Durant Gilles hatte Beziehungen zur Plejade, wie denn 
einzelne zur Plejade gehörende Dichter seinem Werkchen 
empfehlende Verse beigegeben haben. Thatsächlich scheint 
es sich dabei um gemeinsame Neigungen gehandelt zu haben, 
denn auch die Dichter der Plejade sehen wir stark durch 
Secundus beeinflufst. So giebt z. B. Ronsard in einer 
Chanson eine ziemlich genaue Nachdichtung von Bas. II, 
allerdings ohne irgendwie auf sein Vorbild hinzuweisen 
(chanson III: Oeuvres ed. Marty-Laveaux. 1887. 1, S. 363 fF.). 

I. 

Plus estroit que la Vigne ä l'Ormeau se mario 

De bras souplement-forts, 
Du lien de tes mains, Maistresse, ie te prie; 

Enlace-moy le corps. 



XXIV EINLEITUNG. 

II. 

Et feignant de dormir, d'une mignarde face 

Sur mon front panohe toy: 
Inspire, en me baisant, ton haieine et ta grace 

Et ton coeur dedans moy. 

III. 
Puis appuyant ton sein sur la mien qui se päme, 

Pour mon mal appaiser, 
Serre plus fort mon col, et me redonne Tame 

Par l'esprit d'un baiser. 

IV. 
Si tu me fais ce bien, par tes yeux ie te iure 

Serment qui m'est si eher, 
Que de tes bras aimez iamais autre avanturc 

Ne pourra m'arracher. 

V. 

Mais souffrant doucement Ie ioug de ton Empire, 

Tant soit-il rigoureux, 
Dans les champs Elisez une mesme navire 

Nous passera tous deux. 

VI. 
La morts de trop aimer sous les hranches Myrtiues, 

Nous voirrons tous les iours 
Les anciens Heros aupres des Heroines 

Ne parier que d'amours. 

VII. 
Tantost nous dancerons par les fleurs des riuagos 

Sous maints aecords diuers, 
Tantost lassez du bal irons sous les ombrages 

Des Lauriers tousiours verds: 

VIIL 

9 

Oü Ie mollet Zephyre en haletant secoue 

De soupirs printaniers 
Ores les Orangers, ores mignard se iouii 

Entre les Citronniers. 



EINLEITUNG. XXV 

IX. 
La du plaisant Auril la saison Immortelle 

Sans eschange se fuit: 
La terre sans labeur de sa grasse mammelle 

Toute chose y produit 

X. 

D'embas la troupe sainte autrefois amoureuse, 

Nous honorant sur tous, 
Viendra nouö saluer, s'estimant bien-heureuse 

De s'accointer de nous. 

XI. 
Puis nous faisant asseoir dessus T herbe fleurie 

De toutes au milieu, 
Nulle en se retirant ne sera point marrie 

De nous quitter son Heu. 

XIL 
Non Celle qu'un Toreau sous une peau menteuse 

Emporta par la mer: 
Non Celle qu'Apollon veit vierge despiteuse 

£n laurier se former: 

XIII. 
Ny Celles qui s'en vont toutes tristes ensemble, 

Artemise et Didon: 
Ny ceste belle Grecque ä qui ta beaut^ semble 

Comme tu fais de nom. 

Augenscheinlich genofs gerade das entsprechende Ge- 
dicht des Secundus bei den Dichtern der Plejade grofse Be- 
liebtheit; wenigstens hat es auch Remy Belleau, von 
dessen Beeinflussung durch die *Basia' noch weiter die Rede 
aein wird, treu übersetzt. Das dreizehnstrophigc Gedicht 
ist in Belleaus Werk *La Bergerie' eingewebt; so wenig 
wie bei Ronsard wird hier mit einem Worte darauf hin- 
gewiesen, dafs es nur eine freie Umdichtung des Bas. II 
ist (Oeuvres poetiques de Remy Belleau ed. Marty-Laveaux. 
1, S. 310 ff.), 

*Comme la vigne tendre 

Bourgeonnant vient estendre 



XXVI EINLEITUNG 

En menus entrelas 
Ses petits bras, 
Et de fa^on gentille, 
Mollette s'entortille 
A l'entour des ormeaux, 
A petits noeuds glissante 
Sur le ventre rampante 
Des prochains arbrisseaux.' 

Man kann schon aus dieser einen Strophe die weit- 
schweifige Art der Umdichtung ersehen; da das ganze Stück 
hier nicht mitgeteilt werden kann, so sei wenigstens noch 
Strophe 7 angeführt, die Z. 12—14 des Secundus umschreibt. 

^Mais sur la bouche tienne 
Et toy dessus la mienne 
Languissans nous mourrions, 

Et passerions 
Deux ames amoureuses, 
Les rives tortueuses 
Par dessus la noire eau, 
Courant dedans la salle 
De ce royaume palle, 
En un mesme bateau.' 

Etwas freier hat Antoiue de Baif dieses Basium des 
Secundus nachgedichtet, aber immer noch mit genauer An- 
lehnung an den Gedankengang von Secundus* Gedichte 
(Oeuvres en rime de Jan Antoine de Baif ed. Marty-Laveaux. 
Paris 1881, I, S. 81). Der eben citierten Strophe entsprechen 
dort folgende Verse: 

'En ces baisers nous mourrions: 
Deux amants en bateau mesme 
Passez au royaume blesme 
A iamais nous demourrions.' 

Überhaupt zeigt sich Antoine de Baif aufserordentlicb 
durch Secundus beeinflufst; das Gedicht in den 'Amours- 
de Meline', 1. Buch (a. a. 0. S. 46): *I1 m'^chape un iour 
de dire' ist eine Nachahmung von Bas. XVIII. Durchaus 
auf Anregungen der 'Basia' des Secundus beruhen die Ge- 
dichte im 2. Buch der 'Amours' (a. a. 0. S. 69 f. u. S. 70 f.). 



EINLEITUNG. XXVII 

Zeigt Baif hier noch wenigstens eine gewisse dichterische- 
Freiheit, so hat er in anderen Gedichten Secundus ziemlich 
wörtlich übersetzt; a. a. 0. S. 75 steht eine Nachdichtung 
von Bas. IX, wie wohl bei dem Vergleich der hier mitzu- 
teilenden ersten beiden Strophen mit den vier ersten Strophen 
des Secundus niemand bestreiten wird. 

'Tousiours ne me donno pas 
Des baisers de moyte bouche, 
Ny tousiours entre mes bras 
Comme mourant ne te couche: 
Souuent l'aise trop ioyeux 
Rend le plaisir ennuyeux: 
Le trop de miel a coutume 
De tourner en amertume. 

Lors que ie t'en demandray 
Tout en im bloc trois fois quatre, 
Quant plus ie m'y attendray, 
Dix tu me dois en rabatre, 
Et ne m'en bailler que deux 
Qui ne soyent longs ne moyteux: 
Tels que la fille ä son pere 
Ou la seur donne ä son frere.' 

In der gleichen Weise hat Baif (a. a. 0. S. 78) Bas. VIII 
bearbeitet: 

'Quelle furieuse rage 
. Ton courage 
EpoinQone tellement 
A mordre quand ie te baise, 

Ha, mauuaise, 
Ma langue cruellement ?' 

Natürlich ist auch bei diesen beiden Gedichten mit 
keinem Worte angedeutet, dafs es sich um Nachahmnng^ 
eines fremden Dichters handelt. 

Joachim duBellay zeigt sich in seinen * Jeux rustiques* 
von Secundus abhängig. In dem Gedichte: *Bayser' (Oeuvres. 
Paris 1573, S. 443) lehnt er sich allerdings ganz offenbar in 
erster Linie an das oben p. VII mitgeteilte Gedicht Sannazar» 
'Ad amicam' an, daneben sind aber doch wohl Anregungen 



XXV JII KINLEITI N<;. 

de» Socundus wirkeam pjewesen. Unzweifelhaft scheint mir 
j<?denfall» da» Gedieht *Autre Bayser' (a. a. O. S. -44:4 a) 
von Sccundas abhängig zu »ein. 

'Quand ton col de couleur de rose 
So donne k mon ambrassement 
Et ton oeil languist doulcement 
D'unf^ paupiere k demy close, 

Mon arae se fond du desir, 
Dont eile est ardentement pleine, 
Et ne peult souffrir a grand' peine 
La force d'un si grand plaisir. 

Puis quand i'approche de la tienne 
Ma löuro, et qui si pves je suis, 
Que la fleur recueillir ie puis 
De ton haieine Ambrosienne: 

Quand Ie souspir de ces odeurs, 
Ou nos deux langues qui se iouent, 
Moitement folastrent et nonönt, 
Euonte mes doulces ardeurs, 

II mo semble estre assis a table 
Avec les Dieux, tant suis heureux. 
Et boire ^ longs traicts sauoureux 
Leur doulx breuuage delectable. 

Si Ie bien qui au plus grand bieu 
Est plus prochain, prendre on me laisse, 
Pourquoy ne permets-tu, Maistr^sse, 
Qu'enoores Ie plus grand seit mienV 

As- tu peur que la iouissance 
Dun si jrrand heur me face Dieu, 
Et que Sxins toy ie vole au lieu 
D er rn o Ke rei^ i o u is^a n o e ? 

Belle. n\ve peur dt^ celvU 
r^r to'it Oll soni ta ii»^:reup*, 
Mou ciel iu5«.u";4 tatir "lue ie m-uw. 
Et ui«>u i>v^r:to*is <':r:t .si. 

E'tto Aute'^nui;r '»R Secun-l:-? !wj:t .-i ch bei «^iivier 
<i* Ma^ruv vor. Di»* He.i'n G-«i'v'h'e *A :^ arwe* ur.-? *A 
Aime tHHir b«:*er' «I.e$ >i^s d«»::\i-^r Ie Mjl^t->. N-it-u*.k. 



E1NLE1TUN(;. XXIX 

Lyon 1876. S. 390 ff.) stehen ganz ersichtlich unter der 
Einwirkung der ^Basia*. In diesen Gedichten ist Magny 
etwas selbständiger; dagegen giebt er in einer andern 
Ode wie Baif nur eine freie Umdichtung von Bas. VIII^ 
wie die Anfangszeilen beweisen mögen (a. a. 0. S. 396 f-X 

*Et quoy belle en vous apaisant, 
En vous baisant et rebaisant, 
Vous m'auez la langue mordüe, 
La langue qui vous a rendüe 
Dedans mes vers en mille lieux, 
Immortelle comme les Dieux?' 

Sehen wir so, wie von den Dichtern der Plejade die 
einzelnen *Basia' in mehr oder weniger freier Form nach- 
geahmt wurden, so kann es nicht Wunder nehmen, wenn 
auch schon hier der Versuch auftaucht, die gesamte cykli- 
sche Form nachzubilden. Die *Baisers', die Remy Belleau 
in seine 'Bergerie' eingewebt hat, umfassen 49 Gedichte^ 
meist Sonette, welche die Motive des Secundus nachbilden 
oder an Einzelheiten aus den ^Basia' anknüpfen und sie 
weiter aasführen. In welcher Weise auf bestimmte Gedanken 
aus Secundus angespielt wird, läfst sich z. B. an der eraten 
Strophe des nachfolgenden Sonettes (a. a. 0. II, 9Ü) erkennen 
(wo ein Hinweis auf Bas. I nicht nötig ist); 

'Ba! doux baiser, fils aisne de la Kose 
Qui deroba de la playe d'Adon 
Le teint vermeil, et prit de Cupidon 
Le doux parfum dans sa leure declose', 

worauf dann die überirdische Wonne des Kusses der Ge- 
liebten geschildert wird. Obgleich es hier ähnlich wie bei 
den lateinischen Nachahmungen an wiederholter Wiederkehr 
gleicher oder doch sehr ähnlicher Motive nicht fehlt, muf» 
man es Remy Belleau doch nachrühmen, dafs er die ent- 
lehnten Gedanken nicht selten glücklich weitergebildet und 
mit gutem Geschmack zum Ausdruck gebracht hat. Unan- 
genehm fällt dabei allerdings manchmal die rhetorische 
Häufung und die Wiederkehr der gleichen Formeln auf. 
Freilich ist zum Teil daran die gewählte poetische Form 
schuld; und am freiesten bewegt sich der Dichter in den. 



XXX EINLEITUNG. 

-wenigen Stücken, in denen er die Sonettform aufgiebt, so in 
No. 6, dessen Anfang wenigstens zeigen möge, wie der 
Dichter die Motive des Secnndus (vgl. namentlich Bas. V 
•und XIII, doch sind auch gelegentlich andere Motive ver- 
^wendet) auszugestalten sucht (a. a. 0. S. 88). 

*Quand ie vay recueillant dessus tes 16ures douces 

Un baiser moite et glout, 
<(juant ta langue et la mienne k petites secousses 

Frayent bout contre bout, 
•Ceste humeur devient giere, et se prend, et se caille, 

Pour faire un petit corps. 
Je le sens qui desia nuit et iour me travaille 

De mille et mille morts.' 

Im allgemeinen wird man über Belleaus Nachdichtung, 
^wenn man den aus der Zeit sich ergebenden Mafsstab an- 
legt, ein günstiges Urteil fallen; an Frische und Leiden- 
schaftlichkeit ragen diese Gedichte unter den Erzeugnissen 
der Plejade beträchtlich hervor, wenn auch diese nicht 
wegzuleugnenden Vorzüge zum gi'ofsen Teile der anregenden 
Kraft des Secundus ihren Ursprung verdanken. Remy 
Belleau scheint selbst übrigens bei der beständigen Wieder- 
ikehr derselben Motive eine gewisse Einförmigkeit gefürchtet 
zu haben; deshalb knüpft er am Schlüsse seiner ^Baisers' an 
-ein anderes Vorbild an, nämlich an Janus Lernutius. Die 
zehn Sonette, die sich an das eigentlich letzte der Kufs- 
gedichte anschliefsen (a. a. 0. 1, S. 102 ff.), sind nämlich 
weiter nichts als Nachdichtungen von Lernutius' 'Ocelli', die 
hier in ähnlicher Weise benutzt werden wie die *Basia' in 
<ien ^Baisers'. Bei unserer Bestimmung des Verhältnisses 
<liefier Gedichte zu Secundus' Werk kann also auch in 
-diesen Stücken Belleaus eine indirekte Nachwirkung des 
Secundus gesehen werden. 

Spärlicher als bei den bisher dargestellten Vertretern 
der Plejade sind die Anklänge bei Malesherbes' Vorläufer 
Philippe Desportes; doch wird man wohl immerhin be- 
rechtigt sein, die nachfolgenden Verse auf den Einflufs des 
Secundus zurückzuführen (Oeuvres ed. A.Michiels. Paris 1858. 
5. 442); 



EINLEITUNG. XXXI 

*Ce ne sont point des baisers, ma mignonne, 
Ce ne sont point des baisers quo tu donne; 

Ce sont de doiix appas 
Faits de nectar, de sucre et de canelle, 
Afin de rendre uno amour mutnelle 
Vivre apres le trepas.' 
Dagegen scheint Malesherbes von Secundus nicht beein- 
üufst worden zu sein. Überhaupt ist wohl seit dem Beginn 
des 17. Jahrhunderts die Einwirkung des Secundus zurück- 
getreten. Im Laufe des 17. Jahrhunderts und am Beginne 
des folgenden finden wir zwar wiederholt ähnliche Motive 
wie in den *Basia\ aber es ist nicht notwendig, sie auf 
Secundus zurückzuführen, und eine Einwirkung, die aller- 
dings auch nicht ganz ausgeschlossen ist, könnte höchstens 
mittelbar sein. Das gilt z. B. von dem Gedicht Brebeufs 
(1618-— 1661), *Sur un baiser d^robd' (Oeuvres diverses, s. 1. 
e. a. S. 187 ff.), welches kaum Beziehungen zu Secundus 
hat. Etwas näher stehen diesem die beiden Sonette von 
Colletet (1598—1659) *ßaisers' und *Baisers receus* (Poesies 
diverses. Paris 165G. S. 136 und 166), von denen nament- 
lich das zweite am Schlüsse von unfreiwilliger Komik ist, 
was uns bei einem Dichter überrascht, der der Freude an 
der Waldeinsamkeit so feinen Ausdruck zu verleihen weifs. 
Auch um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts finden 
wir wenig Anklänge an Secundus; so haben Gedichte ver- 
wandten Inhalts bei Jean Baptiste Rousseau (Cantate 
*Sur un baiser: Oeuvres complettes. 1795 Bd. I, S. 569 f.) 
und Grecourts trockenes und schwungloses Stück *Le 
baiser' (Oeuvres. 1763. 3, S. 23 ff.) mit Secundus kaum etwas 
zu thun. Ebenso verhält es sich mit zahlreichen Gedichten 
in französischen Almanachen und ähnlichen Sammlungen 
des 18. Jahrhunderts. 

Dafs indessen die *Basia' trotzdem in Frankreich fort- 
fuhren, ihre Wirkung auszuüben, bezeugt die freie Umdich- 
tung, die Claude-Joseph Dorat in seinem Cyklus 'Les 
baisers' (1770; ich mufs nach einer späteren Ausg. Paris 1793 
citieren) ihnen zuteil werden liefs. Das Werkchen besteht 
aus zwanzig Gedichten, denen eine schöne *Hymne au baiser' 
vorausgeht. Von den zwanzig Stücken lehnen sich elf (No. 1, 



XXXI I EINLEITUNG . 

2, 5, B, 8, 10, 11, 12, 14, 18, 19) ziemlich genau an Secundus 
an; einen (No. 13) giebt eine Nachahmung des Catull. Die 
übrigen erinnern eigentlich weniger an die Art des Secundu» 
hIh an die landläufige Weise der französischen Lyrik des 
IS. Jahrhunderts. So wenn in No. 3 die Überraschung der 
Hchlafenden Geliebten geschildert wird oder in No. 17 die 
Gefühle zum Ausdruck kommen, die den Dichter während 
dvr Abwesenheit der Geliebten bewegen. Schön weifs der 
Dichter in No. 4 die alte Zeit als das goldene Zeitalter der 
Liebe zu preisen. Mythologische Erfindungen etwas frostiger 
Art zeigen No. 7 und 9. Als das gelungenste Stück ist wohl 
No. 15 zu bezeichnen, während No. 16 wieder durch seine 
Anlage aus dem Hahmen des Ganzen etwas herausfallt. 
No. 20 möge als Beispiel hier folgen (a. a. 0. S. 71). 
*La couronne de fleurs. 
Renverse doucement dans les bras de Thais, 
Le front ceint d'un leger nuage. 
Je lui disois: lorsque tu me souris, 
Peut-otre sur ma tete il s'elclive uu orage. 

Que pense-t-on de mes Berits? 
Je dois aimer mes vers, puisqu'ils sout ton ouvrage. 
Occuperai — je les cent voix 
De la vagabonde deesse? 
A ses faveurs pour obtenir des droits, 
Suffit-il, ü Thais! de sentir la tendresse? 
Tha'is alors, sur de recens gazons, 
Cueille des fleurs, en tresse une couronne: 
Tiens, c'est ainsi que je reponds; 
Voila le prix de tes chansons. 
Et c'est ma main, qui te le donne! 
Keuonce, me dit-elle, ä l'orgueil des lauriers; 
Laisse ces froids honneurs qu'ici tu te proposes, 

11 faut des couronnes de roses 
A qui peignit l'Amour et chanta les Baisers.' 
Überschaut man nun diese freien Dichtungen Dorats sowie 
die teils ziemlich genau Secundus folgenden, teils seine Motive 
im einzelnen weiter ausführenden Gedichte, so wird man 
auch bei der Beurteilung des ganzen eine gewisse Unein- 
heitlichkeit nicht verkennen können. Der Widerspruch 



EINLEITUNG. XXXIII 

zwischen dem Geiste der Renaissance, der in Secundus zum 
Ausdruck kommt, und dem Ton, auf den die französische 
Lyrik des 18. Jahrhunderts gestimmt war, macht sich zu 
aufiPallig geltend. Das hat kein Geringerer empfunden und 
ausgesprochen als Mirabeau, der während seiner Haft in 
Vincennes (1778 — 1780) eine Übersetzung der *Basia' an- 
fertigte und diese an seine geliebte Sophie schickte. In 
dem Briefe, in dem er Sophie die Übersetzung ankündigte 
{Lettres originales de Mirabeau etc. Paris 1792. 2, S. 98 ff.), 
sagt er: 'Mr. Dorat a imite en vers quelques uns de ces 
baisers, mais il n'a pris que les id^es, qui lui ont convenu. 
II a souvent mis sa maniere (oh oui c'est bien le mot) a la 
«haleur de son modfeie.' Mirabeau hat sich in seiner Über- 
tragung (veröffentlicht ist sie zusammen mit der ebenfalls 
in Vincennes entstandenen Tibullübersetzung, Paris 1796) 
genau an sein Vorbild gehalten, nur dafs er Neaeras Namen 
durch den seiner Sophie ersetzt. Aber trotzdem man es 
mit einer blofsen Übersetzung zu thun hat, trägt diese 
Arbeit doch ein höchst persönliches Gepräge, denn die 
Sprache atmet eine solche Glut und Kraft der Leidenschaft, 
dafs wir in dem Übersetzer eine dem Dichter kongeniale 
Persönlichkeit erkennen. Zu der unmittelbaren Wirkung 
trägt allerdings nicht wenig die Thatsache bei, dafs Mira- 
beau es verschmäht hat, die Poesie des Secundus in fran- 
zösische Verse zu pressen, dafs er vielmehr sich einer frei 
dahinrauschenden, schönen und kernigen Prosa bedient. 

Italien. 

In Italien sind die Nachwirkungen der 'Basia' nicht so 
ausgedehnt wie in Frankreich; immerhin aber übt das Werk 
eine nicht unbeträchtliche Wirkung aus. So zeigt sich 
Marini durch Secundus beeinflufst. Es ist nicht unwahr- 
scheinlich, dafs die zahlreichen Madrigale und Kanzonen, 
in denen der Rufs nach den verschiedensten Seiten hin be- 
leuchtet wird (Rime S. 249 — 65 ; ich mufs nach einer späteren 
Auflage, Venedig 1664, citieren), auf die Anregungen des 
Secundus zurückzuführen sind; unzweifelhaft abhängig von 
Secundus und zwar von Bas. VIII zeigt sich Marini in dem 
Gedicht *Bacio mordace' (a. a. O. S. 43): 

Lat. Litterfttnrdenkm. 14. C 



XXXIV EINLEITUNG. 

*Che feritä, che rabbia 

Fü ]a tua, Lilla mia, qiiando mordesti 

Con le tue le mie labbia? 

Forse cosi volesti 

AI tuo servo disciolto, 

Perch'a fuggir non habbia, 

Segnar la boeca, ou' altri suole il volto? 

Bastar dovea, che questi 

Carattcri stampasse, o rigid'angue, 

Nel core il foco, e non nel labro il sangue.' 

Im Wetteifer mit Marini haben nun andere gleichzeitige 
itiilienische Dichter die Motive des Secundus behandelt. 
Die Kufsgedichte des TommasoStigliani(t 1625) scheinen 
allerdings von Marini unabhängig zu sein, weisen auch ver- 
hältnismäfsig wenig Beziehungen zu Secundus auf, so daf& 
hier über die Beeinflussung gestritten werden kann (Tom- 
maso Stigliani, 11 Canzoniero. Venetia 1025. S. 210 f.). 
Bei den anderen Poeten ist indessen, wie schon die Wieder- 
kehr des Titels *Bacio mordace' beweist, Marinis Vorbild 
mafsgebend ; ja man kann darüber im Zweifel sein, ob diese 
Dichter nicht ausschliefslich Marini nachahmten, ohne Se- 
cundus überhaupt gekannt zu haben. Für wahrscheinlich 
halte ich die ausschliefsliche Nachahmung des Marini bei 
einem etwas späteren Dichter, bei Antonio Abati(t 1667); 
sein Gedicht *Bacio mordace' (Poesie postume di Antonio 
Abati. Venetia 1676. S. G6) gemahnt mehr an die Weise 
des Marini als an die des Secundus. Dagegen mufs man, 
wie ich glaube, die Kufsgedichte von Giovanni Battista 
Mamiano (Rime o. J. [1620J S. 154 fi^.) auf Anregungen 
des Secundus zurückführen. Auch hier begegnet uns ein 
'Bacio mordace', der eine Vorstellung von der Art des 
Autors geben möge. 

'Bocca, strale d'Amor dolce, e pungente, 
Nel campo del piacer guerrera ardita, 
Tromba, ch'un pigro cor desta, ed invita, 
D'amoroso venen vipera ardcnte, 

Guerra m'indisse, e con l'acuto dente 
Stampando nel mio seno empia ferita, 



EINLEITUNG. XXXV 

r 

L'anima mi feri Hefa e smarrita, 
Che volontaria al suo morir consente. 

Onde, benche condotta ä morte Thave 
Pur richiede di novo i morsi suoi 
E del labro crudel Tago soave. 

Maga gentil, che spiri ira, e pietate, 

Con quäle arte d'incanto (oime) far puoi, 
Che le ferite sian care, ed amateV 

Kann man über das Verhältnis der bitiher mitgeteilten 
Gedichte verschiedener Meinung sein, so scheint es mir da- 
<^Äg®gd sicher, dafs in dem Cyklus *1 baci' von Gasparo 
Mnrtola (Rime. Venetia 1604. S. 120—45) eine unmittelbare 
Nachahmung des Secundus vorliegt. Das erhellt namentlich 
aus Ganz. XXVI (a. a. 0. S. 144 b f.), die weiter nichts ist 
als eine freie Übersetzung von Bas. VII I, wie die nach- 
folgenden vier ersten Strophen zeigen worden: 

*Perche mordesti i miei 
Labri cruda che sei, 
Perche, ohime, gli pungesti, 
Filii, mentre baciar qiielli vol<»stiV 

Forse non sono assai 
Le saette, che mi hai 
Fisso, lasso. entro il seno 
Con la fiamma, e l'ardor col lor baleno? 

Ah non far dura piaga 
A chi solo ß'appaga 
Di cantar le tue lode 
E ne le tue dolcezze, ebra »ol jrode. 

Questa bocca ferita 

Canto gia di te ardita, 

£ diese alterameute 

La tua bocca, il tuo crin, Tocchio lucente.* 

Hier kann wohl die nmnittelbare P^inwirkung des Se- 
cundus nicht in Abrede i^estf^llt werden; indessen tritt sie 
auch in anderen G*^dichten deutlich hervor. Jn vielen 
Stocken dagegen verhält der Autor sic-h selbständig, er 
führt mancherlei neue Motive ein und weil's sie in den 



XXXVI EINLEITUNG. 

kurzen Madrigalen nicht übel darzustellen. Anakreontische 
Krfindungon drängen sich zwischen die Gedanken des Se- 
cundoB und führen manchmal zu ganz hübschen Gedichten. 
Ks ist immerhin nicht ohne Interesse, zu verfolgen, wie 
<lie8<; Vermischung vor sich geht. Aus Secundus entnimmt 
Murtola z. B. den Streit zwischen Lippen und Augen 
(Bas. VII). Aber die Art. in der er dieses dankbare Motiv 
in oincr längeren Kanzone *Gli occhi e la bocca' (a. a. O. 
S. 128 ff.) in erzählender Form vorträgt, zeigt, dafs er bei 
der Verwertung durchaus mit den Mitteln der Anakroontik 
arbeitet. 

Murtola hat wie Belleau in Frankreich nicht blofs Se- 
cundus, sondern auch Lernutius benutzt. An diesen lehnt 
sich sein Cyklus 'Gli occhi' (a. a. CS. 16 ff.) an. Es scheint 
überhaupt, als ob diese cyklieche Zusammenfassung in der 
Lyrik Italiens durch Secundus und Lernutius angeregt 
worden 8(*i (wobei sich selbstverständlich darüber streiten 
lilfst, ob diosc Einwirkung direkt oder indirekt stattgefunden 
hat; vgl. die Ausführungen unten). Die Küsse und die 
Augen gobcn das Vorbild für weitere Aneinanderreihungen 
nach einem bestimmten Gesichtspunkte. Murtola selbst ist 
«•in guten Beispiel; er behandelt in der gleichen Weise Me 
lacrime', *i pallori', *i nei' usw. (Die Thränen als cykli- 
sehe Zusammenfassung auch in anderen Litteraturen, z. B. 
bt'i den Niederländern, so der oben erwähnte Le Bleus, 
Thränen über den Tod von Amaril [a. a. (). S. 146 ff.] ganz 
wie Secundus: erste Thräne, zweite Thrane usw.; ähnlich 
in Polen boi Kochanowski). Aber auch bei anderen gleich- 
zeitigen italienischen Dichtern finden wir die gleiche Form, 
z.B. bei Mutio Manfredi (Madrigali Venetia. 1606). 

Die Frage mufs selbstverständlich aufgeworfen werden, 
ob die behandelten Motive vielleicht nur mittelbar von 
Secundus entlehnt worden sind. Unmöglich wäre es nicht, 
dafs die französische Dichtung, namentlich die Plejade, hier 
die Vormittlerin gemacht hätte, zumal es ja bekannt ist, wie 
grofs die Einwirkung namentlich Konsards auf die italieni- 
sche Poesie gewesen ist. Allein nach der Beschaffenheit 
des zu betrachtenden Materialos liegt ein zwingender Grund 
zu dieser Annahme nicht vor. 



EINLEITUNG. XXXVII 

England. 
In England beginnt die Einwirkung der 'Basia' auf die 
selbständige litterarische Produktion verhältnismäfsig früh. 
Zwar die verwandten Motive, die sich gelegentlich bei 
Sydney (The complette poems ed. Grosart. London 1877. 
1, S. 107) und Spenser (Works ed. Collier. 1862. 5, S. 148. 
Sonett No. 64) finden, können auf zufalliger Übereinstimmung 
beruhen. Nicht zu bestreiten ist dagegen wohl die Ein- 
wirkung des Secundus auf Giles Fl et eher,, den Älteren 
(t 1610). Dieser hat in seinem 19. Sonett (Poems of Giles 
Fletcher [1593] ed. Grosart. 1876. S. 20), die in Bas. XIII 
vorliegenden Motive benutzt und in freier Weise ausgeführt . 
In einem zweiten Falle scheint er sich nicht an Secundus 
selbst, sondern an einen seiner unmittelbaren neulateinischen 
Nachahmer anzulehnen. Denn seinem 35. Sonett (S. 36) 
liegt höchst wahrscheinlich das oben p. XIII erwähnte Gedicht 
Murets zu Grunde, in welchem der Hauptinhalt von Bas. VII 
zusammengefafst und aufserdem noch die Schlufszeile von 
Bas. VIII mit hineinverwebt ist. Unmöglich wäre es nun 
freilich nicht, dafs Fletcher selbst ebenfalls auf den Ge- 
danken einer solchen Umschmelzung gekommen wäre; in- 
dessen eine Nebeneinanderstellung beider Gedichte beweist 
doch wohl, dafs Muret die unmittelbare Quelle war. Für 
die Geschichte des Nachlebens der 'Basia' ist auch dieses 
Beispiel einer mittelbaren Nachwirkung nicht ohne Interesse. 
*When as I wish, faire Licia for a kisse: 
From those sweet lippes, where Rose and Lillies strive, 
Straight doe mine eies, repine at such a blisse. 
And seeke my lippes, thereof for to deprive: 
When as I seeke, to glut mine eies, by sight, 
My lippes repine, and call mine eies away: 
Thus both contend, to have each others right: 
And both conspire, to worke my füll decay. 
O force admyr'd, of beautie in her pride: 
In whose each part, such stränge effects there be, 
That all my forces, in themselves devide: 
And make my senses, plainlie disagrec. 

If all were mine, this envie would be gone: 

Then graunt me all (faire sweet) or grant me nono.' 



XXXVIII EINLEITUNG. 

Daneben das Gedicht von M. A. Muretus (Juvenilia. Paris 

1553. S. 67): 

Margaridi: 

Dum te, Margari, basiare conor, 
Labris protinus invident ocelli, 

Aspectiique tui carere nolunt. 
Quod si contuitu beare ocellos 

Tentarim, labra protinus repugnant, 

Quae ad sese iste tuus vocat trahitque 

Candor purpureo natans in ore, 

Vt ferrum Herculeus trahit lapillus. 
vis eximiae superba formae, 

Quae me vel mihi dissidere cogit. 

Unter Secundus' Einflufs steht ersichtlich auch William 
Drummond (1585— 1649). Von Bas. VIII abhängig sind die 
S. 101 f. (The poetical works of W. D. ed. by W. Turnbnil 
London 1856) zusammengestellten drei Gedichte (wozu noch 
in den nachgelassenen Gedichten a. a. 0. S. 322 zu ver. 
gleichen ist); auch das Gedicht 'A kiss' (S. 100) geht offen- 
bar auf Secundus zurück. Von der Art, in der Drummond 
die entlehnten Motive verwertete, wird das nachfolgende 
Gedicht (S. 96) noch am besten eine Vorstellung geben; 

'Kissos desired. 
Though I with stränge desire 
To kiss those rosy lips am set on fire, 
Yet will I ceaso to crave 
Sweet touches in such störe, 
As he who long beforc 

From Lesbia them in thousands did rcceive. 
Heart mine, but once me kiss, 
And I by that swoet bliss 
Even swear to ceaso you to importune more: 
Poor one no number is; 
Another word of me ye shall not hear 
After one kisse, but still one kiss, my dear.' 

Jedenfalls hat der Einflufs des Secundus bei Drummond 
ziemlich lange angehalten, denn auch unter seinen nach- 
gelassenen Gedichten findet sich ein Stück, in welchem die 



EINLEITUNG. XXX I X 

Motive des Seeundus nicht übel verarbeitet sind ('Of a kiss' 
a. a. 0. S. 324 f.). 

Diesem ersten kräftigen Einsetzen von Seeundus' Ein- 
wirkung entspricht aber sein Einflufs auf die spätere eng- 
lische Lyrik keineswegs. Im Laufe des 17. Jahrhunderts 
tritt die Nachahmung des Seeundus durchaus zurück; es 
finden sich ja, wie es bei einer Liebesdichtung selbstver- 
ständlich ist, gewifse äufserliche Anklänge, aber diese 
nötigen nicht dazu, einen unmittelbaren Zusammenhang an- 
zunehmen. Dafs Seeundus auch am Anfange des 18. Jahr- 
hunderts mit seinen 'Küssen' in England noch keines- 
wegs vergessen ist, lehren die Übersetzungen von Bas. I 
und II, die der in Popes Kreis gehörende Elijah Fenton 
(1683—1730) geliefert hat (Works. London 1779. S. 303 fi'.). 
Die Übertragungen sind geschickt und geben das Original 
getreu wieder, nur dafs der Name Neaera dem anakreont- 
isch - Pastoralen Geschmack der Zeit entsprechend durch 
Chloris wiedergegeben wird. Dafs auch im weiteren Ver- 
laufe des Jahrhunderts in England das Interesse für S^^cun- 
dus nicht erlosch — wenn es sich auch in der BeoinfiuHHung 
der selbständigen litterarischen Produktion wenig bemerk- 
bar machte — , bezeugt eine von Peerlkamp f'De vita et 
doctrina Nederlandorum etc. S. 47) angeführte anonyme 
englische Übersetzung: London 177j. Diese ist mir h/uUr 
ebenso wie die bei Goedeke IP, S. 1*21 citierte Über»f;rznn;.' 
London 1S12, unzugänglich geblieben, fco dafs ich über (\U;k*' 
Übertragungen und ihr Verhältnis zu einander k^ine An- 
gaben zu machen vermag. 

Deutschland. 

Verhältnismäfeig recht g'^ring ist auch die Einw:;k^r.:f. 
die die 'Basia' in Dentschiand aii»iji><;rj. wenl^ht^ms «äf.r'rr:-«^ 
des 17. und dej^ beginn^^rr.don !•*, Ja/;r».i.MJert*,. ijU^h*: hht.n.],- 
tung wird überraMrh'in. da die Ar>i':rit zu \\f',rr*i^:ufj. v;.'.<'.'r.t. 
dafs der Eintli'fs d^-g S*rcund''a a'if die d<fijtw;f>'r I>;'t*rr?«^ » 
des 17. Jahrhui;.j'rrtÄ \'.*',U(.*A.r a»jA^'ror'.'f/j*;>';. gr'.,* 'j*" 
wesen seL .So r.e:.%t e^r \u iU:ut fr'r^Ici. u^ri.t erv./. p:-'- ^'r;. 
Artikel in d»fr A.l2eir.<rir;er: De^.■ti^cf.en B>.c'7api.-> ->,. S. '^^ 
über Secund"*: •Ü<;r'5'.;.'3erfe iu *i*:T d*::;tMi:.-ea LvKil :— ? 



XL EINLEITUNG. 

17. Jahrhunderts finden sich seine Spuren auf Schritt und 
Tritt/ Da es sich demnach wohl um eine Aufstellung^ 
handelt, die ohne Prüfung nachgesprochen wird, fto wird es 
notwendig sein, im einzelnen festzustellen, wie es sich mit 
diesem angeblichen Fortleben der ^Basia* in der deutschen 
Litteratur des 17. Jahrhunderts verhält. 

Unzweifelhaft scheint mir bei Weckherlin eine An- 
lehnung an Secundus vorzuliegen; das Gedicht 'Kufs' (G. 
R. Weckherlins Gedichte, her. v. Fischer. Tübingen 1894. 
S. 262 ff.) erinnert, und zwar nicht blofs in den Motiven» 
sondern auch in ihrer Ausführung, so deutlich an Secundus^ 
dafs ich eine direkte Beeinflussung für gesichert halte. 
Ebenso glaube ich, dafs der Lobgesang auf die Küsse in 
der vierten Ekloge (Fischers Ausgabe, 2, S. *584) auf Secun- 
dus zurückzuführen ist, zumal auch in der dritten Ekloge 
sich eine Stelle findet, die aller Wahrscheinlichkeit nach dem 
Anfang von Bas. II nachgebildet worden ist (a. a. 0. 2, S. 380). 

^Gleichwie das Epheu, grün den bäum jung oder alt, 
Gleichwie die liebend-gaile Reben, 
Den Pfal und auch sich selbs umgeben: 

So lieb und halt mich hoch wie ich dich lieb und halt 
Mit lieb und lusts-gewalt. 

Ich weifs nicht was, wo, wie, indem ich understützelet 

Mit meinem deinen mund, mich kützelet und kritzelet.' 

Dagegen bin ich nicht sicher, ob die Schilderung der Rosen 
S. 486 fl^. von Bas. I abhängig ist, halte es aber für 
wahrscheinlich. 

Für ebenso sicher halte ich die Herübernahme wenig- 
stens des Titels der *Basia' in einem geistlichen Werke, 
dem 'Hohenlied in Küssen' von Justus Sieber (1653). 
Den Stoff für diese Sammlung hat Sieber einem anderen neu- 
lateinischen Dichter, dem Polen Sarbievius, entlehnt. Sar- 
bievius' in Betracht kommende Arbeit *Divinus amor' hat 
aber die Bezeichnung *Küsse' nicht, und da Sieber ganz wie 
Secundus:. Erster Kufs, zweiter Kufs usw. schreibt, so 
dürfen wir wohl annehmen, dafs er den Stoff von dem einen 
neulateinischen Poeten, die Form von dem anderen, nämlich 
von Secundus, entlehnt hat. 



E1NLE1TUN(5. XLI 

Mit diesen Nachweisen aber verlassen wir schon das- 
Gebiet der Wahrscheinlichkeit und begeben uns auf das 
der allgemeinsten Anklänge, bei denen eine sichere Ent- 
scheidung schwer zu treffen ist. So berührt sich Opitz*^ 
Gedicht *Au die Bienen' (Poemata. Frankfurt 1644. 2, S. 364> 
zwar mit Bas. XIX, es wird aber wohl eher auf Meleagers 
Gedicht (oben p. III) zurückzuführen sein. (Opitz hat zwei 
Epigramme des Secundus übersetzt: Florilegium epigram- 
matum. Frankfurt 1644. S. 86 f.) Ahnlich verhält es sich 
mit Flemings Gedicht: 'An die Bienen' (Lappenbergs Ausgabe 
1, S. 498). Möglich wäre es, dafs Fleming, der in seinen 
lateinischen Gedichten durch Secundus beeinflufst worden 
ist, von den 'Basia' zu seinem Gedicht *Wie er wolte geküfst 
sein' (1, S. 406) angeregt worden wäre, aber die Anklänge sind 
nicht so, dafs sie eine derartige Annahme unumgänglich nötige 
machten. Auch 'Der Rufs' von Zacharias Lund (Allerhand 
artige Deutsche Gedichte. Leipzig 1636. S. 48 f.) ist trotz^ 
der verwandten Motive wohl nicht von Secundus abhängig. 
Ähnlich verhält es sich mit scheinbaren Anklängen bei 
Homburg (Schimpff- vnd Ernsthaffte Clio, ander Theil 1638^ 
No. XXXVII und mehr noch No. CXXXII an seine Chloris)» 
und bei David Schirmer (Poetisches Kosengepüsche. 16.57),. 
wo aber doch vielleicht wenigstens der Ausdruck ^Kufrfrosen* 
aus Bas. I entlehnt ist. Vielfach ist die Verwandtschaft der 
Motive darauf zurückzuführen, dafs die gleichen Quelleiv 
wie bei Secundus vorliegen, z. B. Catull; so singt ein ärm- 
licher Poesiebeflissener, Joachim Christoph Finx, in seinem 
'Preufaischen Ehren-Preifs' (Königsberg 1645. E. v. b.) 

*Nim hin, da hast du meinen Mund, 

Vnd küfs jhn tausendmahl! 
Wenn er dich machen kan gesund, 

Vnd frey von Licbes-Qual; 
Doch lafs niemand wissen, 
Wieviel wir gemessen 
An der Zahl! Echo. An der Zahl.' 

Zu den drei letzten Versen hat der Autor am Rande 
angemerkt: Catull. 

Auch in der späteren Lyrik des 17. Jahrhunderts kann 



XLII EINLEITUNG. 

tnan von einer deutlich erkennbaren Einwirkung der 'Basia' 
nicht eigentlich sprechen. M. v. Waldberg bemerkt in seiner 
Tortrefflichen Monographie *Die galante Lyrik' S.50: 'Manche 
anderen (Kufs) Motive lassen sich auf die Basia des Secun- 
<ius zurückführen.' Indessen mufs ich auch hier sagen, dafs 
aufser den allgemeinsten Anklängen wenig Schlagendes zu 
finden ist. In den Liebesgedichten Hofmanswaldaus und 
seines Anhanges z. B. ist direkte Anlehnung selten mit 
Sicherheit nachzuweisen. Das anonyme Gedicht: *Die vor- 
trefflichkeit der Küsse' (Herrn v. Hofmanswaldaus und 
anderer Deutschen . . . Gedichte. 1, 1695, S. 273 ff.) be- 
rührt sich so gut wie gar nicht mit Secundus. Eher könnte 
tnan an die Einwirkung der 'Basia' bei zwei anderen Stücken 
<iieser Sammlung denken. 1, S. 209 ff. steht eine Arbeit 
von Hofmanswaldau *Streit der schwartzen äugen, rothen 
lippen und weissen brüste'. An dieses Gedicht knüpft ein 
2, S. 303 veröffentlichtes anderes Gedicht von Heinrich 
Mühlpforth an, das den Gegenstand noch erweitert: 'Wett- 
streit der haare, äugen, wangen, lippen, halfs und brüste. 
Hier wäre eine Beeinflussung durch das oben erwähnte 
Oedicht Murtolas 'Gli occhi e la bocca' nicht nur möglich, 
sondern sogar wahrscheinlich. Da dieses Stück unzweifel- 
haft durch Bas. VII angeregt worden ist, so hätte man hier 
wenigstens das Recht, von einer mittelbaren Einwirkung der 
^Basia' zu sprechen. Auch bei den späteren galanten 
Dichtern flndet sich keine Anlehnung au die 'Basia', z. B. 
nicht bei Menke, was in der That Wunder nehmen kann, 
<ia diese Poeten verwandte lateinische Dichtungen, z. B. 
■das 'Erotopaegnion' des Angerianus (oben p. XII) benutzt 
haben. 

Ebensowenig kann man am Anfange des 18. Jahrhunderts 
von einem stärkereu Einflufd der 'Basia' reden. Günther 
hat zwar — wenig glücklich — das Hochzeitsgedicht des 
Secundus (Gedichte. 1733. S. 241 ff.) nachgebildet, im übrigen 
aber zeigt er keine nennenswerte Einwirkung des Secundus. 
Ähnlich stellt sich das Verhältnis bei den meisten Dichtern 
■der ersten Hälfte des Jahrhunderts. 

Später dagegen ist der Einflufs der 'Basia' von nicht 
geringer Tragweite gewesen. Es ist bekannt, wie sehr 



EINLEITUNG. XLIII 

Goethe sich durch das Werkchen angezogen fühlte, das 
er am Anfang der siebziger Jahre kennen gelernt und 
namentlich seit dem Herbst 177G wieder eifrig gelesen hat. 
Wie grofs der Eindruck war, den die heitere Sinnlichkeit 
des Secundus auf ihn ausübt, bezeugt das Gedicht 'An den 
Geist des Johannes Secundus', das er am 2. November 1776 
an Frau von Stein schickte (Löpers Ausgabe 2, S. 339). 
Später (1789) strich Goethe die Beziehungen zu Secundus 
ans dem Gedicht, das er in dieser Umformung unter dem 
Titel 'Liebebedürfnis' in seine Werke aufnahm. Auch so 
wie das Stück jetzt vorliegt, ist der Einflufs des Secundus 
nicht zu verkennen. Er zeigt sich nicht blofs in dem ver- 
wendeten Versmafs und der Herübernahme von Motiven aus 
Bas. V und VHI, sondern vor allem in der ganzen Stimmung, 
■die ersichtlich an die Weise des Secundus gemahnt. Dafs 
sich auch Goethe später immer noch mit den 'Basia' be- 
schäftigte, lehrt die Thatsache, dafs er die Schlufszeile von 
Bas. Vni sich als ein bedeutungsvolles Wort besonders 
notiert hat (Sprüche in Prosa, No. 321, Hempel 19, S. 72). 
Dafs Goethe auch durch die andern Dichtungen des Secun- 
dus wesentlich angeregt worden ist, glaube ich im Goethe- 
Jahrbuch 13, S. 199 ff. dargethan zu haben; es genügt hier, 
auf diesen Aufsatz zu verweisen. 

Auch Bürgers poetisches Schaffen hat aus den 'Basia' 
Nahrung gesogen. Zwar auf gelegentliche kleine Überein- 
stimmungen in den Motiven, wie sie z. B. A. E. Berger in 
den Anmerkungen zu seiner trefflichen Ausgabe von Bürgers 
■Gedichten, S. 405 u. ö. hervorhebt, möchte ich keinen zu 
^grofsen Wert legen, da ihnen eine entscheidende Beweis- 
kraft abgeht. Trotzdem kann an der Beeinflussung Bürgers 
durch Secundus kein Zweifel sein. Denn Bürgers Gedicht 
^Die Umarmung' (Bergers Ausgabe S. 106 ff.) ist nicht blofs 
durch Bas. II augeregt, sondern ist überhaupt weiter nichts 
als eine freie und sehr gelungene Umdichtung mit breiter 
Ausführung einzelner, dem Dichter besonders dankbar er- 
scheinender Motive. Die Art, in der die Umformung 
erfolgt ist, wird man am besten erkennen, wenn man die 
nachfolgenden Strophen mit der Vorlage bei Secundus 
Bas. II, 12 ff. vergleicht: 



XLIV EINLEITUNG. 

*Komm' o kom' und lafs uns sterben! 
Mir entlodert schon der Geist. 
Fluch vermachet sei dem Erben, 
Der uns von einander reifst! 

Unter Myrthen, wo wir fallen, 
Bleib' uns eine Gruft bevor! 
Unsre Seelen aber wallen 
In vereintem Hauch empor. 

In die seligen Gefilde 
Voller Wohlgeruch und Pracht, 
Denen stete Frühlingsmilde 
Vom entwölkten Himmel lacht; 

Wo die Bäume schöner blühen, 
Wo die Quellen, wo der Wind 
Und der Vögel Melodieen 
Lieblicher und reiner sind; 

Wo das Auge des Betrübten 
Seine Thränen ausgeweint, 
Und Geliebte mit Geliebten, 
Ewig das Geschick vereint' usw. 

Zuletzt möge hier ein kleinerer Geist angeführt werden, 
der weniger um seiner litterarischen Bedeutung als um 
seiner persönlichen Wirksamkeit willen bemerkenswert ist, 
Johann Georg Scheffner. Dieser war ein grofser Ver- 
ehrer des Secundus und hat in einem hübschen, anonymen 
Büchlein *Die Küsse des Joh. Secundus in drey Sprachen* 
(1798) den Urtext, Mirabeaus Übersetzung und zwei deutsche 
Übertragungen abgedruckt, auch eine hübsche Einleitung 
vorausgeschickt, die manche brauchbare Notiz bringt. 
Seine Vorliebe für Secundus hat er auch in seinen berüch- 
tigten 'Gedichten im Geschmacke des Grecourts* (Frankfurt 
und Leipzig 1771) bewiesen (ich konnte nur die 4. Auflage 
benutzen, die unter dem Titel: Gedichte nach dem Leben. 
London 178() erschienen ist). Er sagt hier in der Vorrede, 
S. 4, die Gedichte müfsten eigentlich *Gedichte im Ge- 
schmacke des Joh. Secundus' heifsen. Thatsächlich aber 
pafst für diese Erzeugnisse einer ganz verdorbenen Phan- 
tasie der Name Grecourts besser als der des Secundus; und 



EINLEITUNG. XLV 

tnan wird in dem Bach auch nur einmal an Secundus, näm- 
lich an den Anfang von Bas. II erinnert: 

*Wie sich die Rebe um den Ulmbaum schliefst, 
Wie in der Hecke sich zween Bosenzweige galten 
Und unbemerkt dann unterm ßlätterschatten 
Der Zephyr ihre Rosen küfst; 
So schlank wand ich mich auch in Röschens Arme.' 



III. Textbehandlung und Bibliographie. 

1. Basia. 

Für die Gestaltung des Textes kommen hauptsächlich 
zwei Drucke in Betracht: 

A = Joannis Secundi Hagiensis Basia. Et alia quaedam. i.' 
Lugduni Apud Seb. Gryphium. 1539. 

B = Joannis Secundi Hagiensis opera. Traiecti Bata- ,,> 
vorum Hermannus Borculous excudebat. Anno XLI. 

A erweist sich durchaus als der Abdruck einer un- 
fertigen und flüchtig niedergeschriebenen Fassung. Das 
geht aus der Mehrzahl der unten mitgeteilten Lesarten 
deutlich hervor, wie es sich auch aus dem Fehlen des 
Bas. XIX ergiebt. Es war daher notwendig, die sonst 
bei der Bearbeitung der LLD. herrschenden Grundsätze zu 
durchbrechen und von einer Wiedergabe der Editio princeps 
abzusehen. Deshalb ist der in B vorliegende Text abge- 
druckt worden, und zwar haben wir die Fassung auch in 
den Fällen beibehalten, wo A unseres Erachtens die bessere 
Lesart bietet, z. B. Bas. I Z. 8, wo Scriver in der sogleich 
zu nennenden Ausgabe den Text von A wiederhergestellt 
hat. Im übrigen giebt diese Ausgabe: 'Joannis Secundi 
opera, quae reperiri potuerunt, omnia, curante atque 
edente Petro Scriverio. Lugd. Bat. 1619.' (2. Aufl. 1031. 
3. Aufl. 1651) B getreu wieder. Nicht zugänglich sind mir 
die bei Burmann-Bosscha, Bibliogi*aphie, III und IV ge- 
nannten zwischen B und Scrivers Ausgabe liegenden Drucke : 
'Poetae tres elegantissimi, emendati et aucti, Marullus, An- 
gerianus, Secundus. Parisiis 1582' und Toemata et effigies 
trium fratrum Belgarum. Apud Elzevirium. 1612.' Indessen 
für eine Ausgabe scheinen diese Drucke keine Bedeutung 
zu haben, wenigstens haben Burmann-Bosscha keine ab- 
weichende Lesart angemerkt. Anders verhält es sich mit 
einem mir ebenfalls leider unzugänglich gebliebenen Buche, 



XLVI EINLEITUNG 

dem sog. Codex Francii. P. Francius hat zu Scriver» 
dritter Ausgabe aus den in seinem Besitz gewesenen Auto- 
graphen Lesarten mitgeteilt. Ob es sich bei den Auto- 
graphen um Secundus' Manuskripte oder um die Scrivers 
gehandelt hat, ist zweifelhaft. Für die *Basia* scheint sieb 
indessen nach den von Burmann-Bosscha gegebenen Nach- 
weisen aus dem Codex wenig zu ergeben. Auch er weist 
I, 8 die Lesart von A auf; eine zu Bas. XIX gegebenen 
Lesart soll uns noch unten beschäftigen. — Die weiteren 
Ausgaben, die entweder B oder Scrivers Text nachdrucken^ 
aufzuzählen, hat keinen Sinn. Hervorgehoben sei noch die 
Ausgabe von Franz Passow, Leipzig 1807, mit einer vor- 
trefflichen deutschen Übersetzung. Andere Übersetzungen 
findet der Leser oben in Abschnitt]! bei den einzelnen Ländern 
erwähnt; nicht zugänglich waren mir die 'Natürlichkeiten 
der sinnlichen und empfindsamen Liebe' von Freiherrn Fr. 
Wilh. V. d. G. : o. 0. 1798, auf die sich die oben ange- 
führte Ausgabe SchefFners bezieht. Nicht gesehen habe ich 
auch die nachfolgende französische Übersetzung: *Jean 
Second, traduction libre en vers par Michel Loraux.' Paris 
1812. 8». 

Wir geben nunmehr die Lesarten von A: 

I, 5 revocabat 8 O quoties dixit, Talis Adonis erat 
1 () Totius terrae II, 13 defunctos ratis etc. 19 laeti 24 si- 
bilantes (ofl^enbar Druckfehler) IV, 7 tegunt in antro 11 
Sed tu vivere parce 14 Eutulis V, 7 Et linguam tremulam 
hinc et inde sugis 8 fehlt in A. 9 fragrantis auram IH 
Nach diesem Verse folgt in A: Infestum penitus meis me- 
dullis 18 lam dico 20 f. Sed si quae Dea, si Deus quis 
usquam est. Tu Neaera Dea es Amore maior VI, 5 surgere 
spicis 8 quinque poposcit 11 cum Borea nimbosus 14 
Nescius invertat quot 15 mala sint 19 dona coarctas 23 
bis 26 in A nur zwei Verse: Haec numera: vel et illa nega 
numerare: refertque Innumera innumeris basia pro lachry- 
mis. Bas. VII steht in A an achter, Vlll an siebenter 
Stelle; die Citate nach unserer Ausgabe VII, 3 mille et 
10 Darem continuo 29 Heu quam VIII, 3 sie violare 4 Inique, 
dura linguam 15 diesque totos 18 est Neaera 21 petulcos 
ocellos 22 in A = 23; 23 = 22 24 fehlt in A 29 Quae 
te meum levamen 30 Animaeque meae flores 31 fehlt in 
A 33 Dionem 37 An est, an est hoc ipsum 40 Quem 
43/44 Cum semper IX, 2 Nee vincta 4 moritura coUum 
It) Curre procul pede molicello 18 abde sub intimis 24 
accipiter protervis 25 Indo crepanteis victa feres manus 
31 Atque hinc X, 4 ossa calor 7 totove 8 sive sinu in 
niveo 11 labris tremulis 15 rapiet 21 data sunt XI, 
5 Sollicitus repetam quid de me 6 non meminisse iuvat 
XII, 7 in scholis 10 modo protervos 11 puellulaeque 



EINLEITUNG. XL VII 

castae XIII, 13 tuo hoc in 16 Usque per 17 lamque nisi 
per te nota foveatur ab aura 18 Collabescenteis deseret 
articulos XVI, 9 geris neces 14 Iiiseruit volucris 17 Adde 
blanditias 22 rostra Columbula 23 dura remisit 26 volve 
rotatileis 32 Keddam flamine 39 mihi tunc XVII, 7 sub- 
frondibus 11 labris hunc da formosa colorem XVIII, 2 
candidae coronae 4 Corallinis signum baccis eburneum 8 
Vicisse divas ad Troiam labellis; dementsprechend fehlt in 
A V. 9 15 fehlt in A 21 liquescit aestu 23 aut aequor 
Sicanum 24 Aut Adria undis tundit aestuosis 29 et laesae^ 
Diones 31 sume dignoe ore 35 intimis faroris. 

Der Vergleich dieser Lesarten mit der in B vorliegen- 
den Fassung ist ästhetisch ungemein lehrreich. 

Eine monumentale Ausgabe der sämtlichen litterarischen- 
Arbeiten des Secundus hat Petrus Bosscha veranstaltet. Er 
benutzte dabei die Sammlungen Burmanns, die er aber aus- 
dem Schatze eigener reicher Gelehrsamkeit erweitert und 
vermehrt hat. So ist eine ausgezeichnete Arbeit zu stände 
gekommen: ^Joannis Nicolai Secundi Hagani opera omnia,. 
emendatius et cum notis adhuc ineditis Petri Burmanni 
Secundi, denuo edita cura P. Bosscha. Lugd. Bat. 1821.* 
Zwei Bände. Für die ^Basia' sind hier in einer Weise die 
Parallelstellen aus klassischen und humanistischen Dichtern 
zusammengestellt, die für die Klassiker wenigstens jede 
Nachlese ausschliefst, so dass wir in diesem Falle einfach- 
auf Burmann-Bosscha verweisen können. Nicht in dem 
gleichen Mafse kann man sich mit der Gestaltung des 
Textes und der Angabe der Lesarten einverstanden erklären. 
I, 21 steht für das durch A B und Scriver bezeugte *mise- 
rae' *nostrae' ohne jede weitere Bemerkung; ein Druckfehler 
ist wohl nicht ausgeschlossen. VII, 29 fehlt meis am 
Schlüsse. Für ganz unzulässig halte ich in XIX, 2 die Er- 
setzung des 'rorera' durch 'succum'. Die recht fragwürdige 
Bezeugung durch den Codex Francii kann der Überein- 
stimmung von A B und Scriver gegenüber nicht aufkommen. 
Durch das in VI, 6 stehende *succum' ist eine Verwendung 
des gleichen Wortes in 2. dem Sinne nach höchst un- 
wahrscheinlich und wird auch durch den Hinweis auf das 
mehrfache Vorkommen von *thymum' und *anethum' nicht 
wahrscheinlicher. — Auch die Lesarten sind keineswegs 
vollständig angegeben. Sie fehlen bei VII vollständig; 
ferner IX, 4; bei 25 ist nur ^feres' angegeben; XIII, 13; 
XVI, 17 und 22; XVII, 7. — So mag auch nach dieser Kich- 
tung unser Neudruck zur Ergänzung der Ausgabe dienen, die 
im übrigen vortrefflich ist und der jeder auf diesem Gebiete 
Arbeitende zu aufserordentlichem Danke verpflichtet ist. — 
Noch ist zu bemerken, dafs, da es sich hier um einen Neu- 
druck von B handelt, natürlich das IV, 9 in A und B- 



XL VIII EINLEITUNG. 

cstehende 4i8' stehen geblieben ist, das Scriver — es ist 
nicht bekannt, auf welche Autorität hin — in 'his' geändert 
hat. Selbstverständlich mufsten daher auch zwei Konjek- 
turen Bosschas wegbleiben, über deren Berechtigung ich 
^uch sonst zweifelhaft bin: XIII, 22 das durch A B und 
Scriver gesicherte 'fluet' für Bosschas fluat; ferner die IV, 2 
von Bosscha vorgenommene Trennung 'suave olentes' nach 
A, während B und Scriver das Wort in eines zusammen- 
ziehen. Die in A vorhandene Schreibung beizubehalten, 
«cbeint mir nicht notwendig, trotz der metrischen Schwierig- 
keit, die sich dabei ergiebt; die neulateinischen Dichter 
nehmen sich mehrfach den Grundsätzen der klassischen 
Metrik gegenüber ähnliche Freiheiten heraus. 

2. Anctores et Imitatoren. 

A Beroaldus, Osculum Panthiae (S. 17 ff.) nach der 
•ersten Ausgabe: Orationes et carmina Philippi Beroaldi. 
Bononiae 1491. S. vor bi ff. Ganz ungenauer Abdruck: 
Del. poet. Ital, 1, S. 398 ff. Crinitus, Ad Neaeram (S. 21 f.) 
nach: Petri Criniti viri eruditissimi De honesta disciplina 
4ib. XXV. De poetis latinis lib. V. Et poematum Hb. IL 
■Cum indicibus suis. 1508 (Exemplar Mailand, Ambrosiana). 
Die zweite Ausgabe von 1513 (Exemplar Bibl. Brera in 
Mailand) ist nachverglichen worden. Eine hs. Aufzeichnung 
^as der Mitte des 16. Jahrhunderts (Venedig, Marcusbibl. 
Cl. XII Cod. C 7) bietet keine Abweichungen und hat 
keinen selbständigen Wert. Unzuverlässiger Abdruck: Del. 
poet. Ital. 1, S. 843 f. Sannazarius, Ad Ninam (S. 22 f.) 
nach der Ausgabe von 1585: die von 1533 ist mir nicht zu- 
«anglich. 

Bei dem allbekannten Zustande der Überlieferung der 
späteren neulateinischen Litteratur war es für die unter B 
vereinigten Gedichte nicht immer möglich, die ältesten 
Ausgaben zu ermitteln und zu erhalten. So mufste für 
Bonefonius als ältester erreichbarer Text der Abdruck in 
-den Del. poet. Gallorum, Tom. 1, S. 656 ff. (No. VII, XII, XIII, 
XXI) zu Grunde gelegt worden, doch ist durch eine Ver- 
^leichung zahlreicher recht korrekt gedruckter Ausgaben des 
17. und 18. Jhs. die Authentizität des vorliegenden Textes ge- 
sichert. Wenn man S. 35, II, 17 melle und 18 feile erwartet, 
während alle Ausgaben das umgekehrte Verhältnis aufweisen, 
«o hat man es hier wohl mit einer der bekannten humani- 
stischen Wortspielereien zu thun, und ich habe mich daher 
nicht für berechtigt gehalten, eine Änderung eintreten zu 
lassen. Im übrigen sind folgende Ausgaben benutzt worden. 
Buchannanus. Geoi'gii Buchannani Scoti Poemata quac 
extant. Amstelaedami 11187. S. 335 f. 337 f. Lernutius. 
Jani Lernutii Initia, Basia, Ocelli, et alia poemata. Lugduni 



EINLEITUNG. XLIX 

Batavorum fl6U. Basia No. 1, 10, 15, 11). Ocelli No. 11, 
15, 18, 36. S. 30o, 313, 310 f., 318 f., 340 f., 349, 351, 302. 
Douza. Jani Douzae Poemata pleraqae selecta. P. Scri- 
verius .... edidit. Lugd. Bat. 1019. Basia No. 4, 
12, 14, 15, 18. S. 585, 594 f., 590 f., 599. Eufrenius. 
Poemata Alberti Eufreni Georgiadis . . . Erotica, Basia, 
Coma, Sylva. Lugd. Bat. 1601. Bas. VII S. 59 f. Coma 
S. 74 f. Muretus. M. A. Mureti Inveiiilia. Parisiis 1553. 
Eleg. VIII S. 52 f. Barth. C. Barthi Fabularum Aesopi- 
carum Libri V. Phoenix. Psalmi XVII. Erotopaegniou. 
Satira in Bavium etc. Francofurti 1623. Erotopaegnion, 
No. 3, 18, 20. S. 112 f., S. 123, S. 124. 



IV. Anmerkungen. 

S. 17 Osculum Panthiae. Der Bequemlichkeit halber 
stehen hier einige kurze Nachweise der verwendeten mytho- 
logischen und der Geschichte des Altertums entnommenen 
Namen. 4 Tyndaris Helena wie Bas. II, 32. STaenarides puer 
Hyaciiithus. 6 Gemeint ist Herkules. 23 Pythius, Zeit- 
genosse des Xerxes aus Lydien, durch seinen Reichtum be- 
kannt. 73 Corinna fingierter Name der Geliebten Ovids. 

74 Cynthia, Geliebte des Properz, Nemesis, die des Tibull. 

75 Lesbia braucht wohl nicht erklärt zu werden. Perilla, 
fingierter Name der Geliebten des römischen Dichters 
L. Ticida, beide in Ovids Tristien mehrfach erwähnt. 76 
Lycoris, Geliebte des Dichters L. Cornelius Gallus, de's 
Freund^ von Vergil und Ovid. 78 Lais: die ältere Lais 
isi gemeint; Ephyra, der alte Name von Korinth. 79 Thais, 
Geliebte des Dichters Menander. 82 Sulpitia, Dichterin, 
unter Domitian lebend, Gemahlin des Calenus, dem sie un- 
verbrüchlich treu war. 83 Cornelia, die Gemahlin des 
Pompejus. 84Hippodamia, Tochter des Oenomaus, Gemahlin 
des Pelops. Laodamia, Gemahlin des Protesilaus, berühmt 
durch ihre Treue. 85 Abradates, König von Susiane, Zeit- 
genosse des Cyrus, fiel im Kampfe gegen Krösus. Seine 
Gemahlin Panthia tötete sich aus Gram um seinen Tod. 
91 Camilla, Verg. Aeneis, VII, 803. XI, 534 f., 648 ff. 

93 Stratonice, Tochter Antiochus' I., vermählt mit Deme- 
trius II., den sie dann verläfst. Poppaea, Gemahlin Neros. 

94 Thargelia, jonische Frau, durch ihre Schönheit berühmt. 

S. 28. Ij 9, Die den Versen zu Grunde liegende Orts- 
angabe vermag ich nicht festzustellen. S. 29. II, 9. Der 
'dux Haemonius' ist Achilles, und die ganze Stelle bezieht 
sich auf die Sage von Telephos, der bei dem Einfall der 
Griechen in Mysien von Achilles' Speer verwundet wurde 

Lat. Littcraturdenkm. 14. r] 



L EINLEITUNG. 

und später durch den Host des Speeres oder durch abgefeilte 
Spähne der Spitze Heilung fand. S. 38. II9 2. Salisubsuli 
Gradivus der Mars des tanzenden Saliers = der vom tanzen- 
den Priester verehrte Mars. 



Ich möchte nicht, schliefsen, ohne dem Leiter unsrer 
Sammlung, Herrn Privatdozenten Dr. Herrmann, für die 
freundliche Hilfe zu danken, die er mir namentlich bei der 
Korrektur dieser Arbeit gewährt hat. 

Eine im vorigen Jahre unternommene, der Erforschung 
der neulateinischen Litteratur gewidmete Studienreise in 
Oberitalien ermöglichte es mir, auf den Bibliotheken in 
Mailand und Venedig auch für die vorliegende Ausgabe 
und den verwandten Stoffkreis zahlreiche in der Einleitung 
nicht immer namentlich aufgeführte Werke in den Original- 
ausgaben zu benutzen, die fast sämtlich in Deutschland 
nicht vorhanden sind. Ich will daher auch an dieser Stelle 
nicht unterlassen, der Kgl. preufs. Akademie der Wissen- 
schaften, die mir diese Reise ermöglicht hat, meinen auf- 
richtigsten und ehrerbietigsten Dank auszusprechen. 

Berlin, im Februar 18IM). 

Georg Ellinger. 



Namenverzeichnis. 



Abati, A. XXXIV. 
Auacreon X. 

Angerianus, H. XII, XLII. 
Ariost, L. IV. 

Baif, A. de. XXVI f. 

Barth, C. XII, Xlll. 

Beaumont, S. de XVJ, XVII, XVIII. 

BcUay, J. de XXVII f. 

Belleau, R. XXV f., XXIX f., XXXVI. 

Bembo, P. V. 

Beroaldus, Phil. V, VII. 

Lc Bleus XVIII, XIX, XXXVI. 

Boccaccio, G. VI, XXII. 

Bonefonius, J. Xli, XXII. 

Brebeuf, G. XXXT. 

Brune, J. de. XIX, XX. 

Buchanan, G. XIII. 

Bürger, G. A. XLIII. 

Cats, J. XX, XXI. 

Catullus III, XVI, XXXII, XLI. 

Colletet XXXI. 

Crinitus, P. VI. 

»esportes, Ph. XXX f. 
Dorat. C. J. XXXI f. 
Donza, J. X, XI, XV. 
Drummond, W. XXXVllIf. 
Dorant, G. XXII, XXIII. 

Eafrenins, A. X, XI, XII, XIV. 

Fenton, E. XXXIX. 
Finx, J. C. XLI. 
Fleming, P. XIII, XLI. 
Fletcher, G. XXXVll. 

Crcllius, A. VI. 

Goethe, J. W. v. V, XLIII. 



Grecourt, J. B J. Villart de XXXI, 

XLIV. 
Günther, J. C. XLII. 

Hadrianus VI. 
Heinsius, D. XIU. 
Hofmanswaldau, Ch. Hofmann v. 

XLIL 
Homburg, E. Ch. XLI. 
Hooft, P. C. XX. 

Jonctys, D. XXI, XXII. 

KaUimachos von Eyrene. III. 
Kochanowski, J. XXXVI. 

Iiernutius, J. X, XI, XIV, XXI, 

XXII, XXX, XXXVI. 
Lund, Z. XLI 

Magny, O. de XXVIII f. 

Mamiano, G. B. XXXIV f. 

Manfredi, M. XXXVI. 

Marini, G. XXXHI f. 

Martialis IV. 

MaruUus IV, V. 

Meleager III. 

Menkc, B. XLII. 

Mirabeau, V. R. de XXXIII, XLIV. 

Montaigne, M. XXII. 

Montius, H. V. 

Mühlpforth, H. XLII. 

Muretus, M. A. XIII, XXXVH f. 

Murtola, G. XXXV f., XLII. 

Opitz, M. XII, XLI. 

Platou 111, VI. 
Politianus, A. IV. 
Pontanus, J. IV, V. 
Pope, A. XXXIX. 
Propertius, IV. 



LH 



NAMENVERZEICHNIS. 



Babelais, F. XXII. 

Read, L. XV. 

Ronsard, P. de. XXIllff., XXXVL 

Rousseau, J. B. XXXI. 

Sannazaro, J. IV, V, VI, VII, XXVII. 

Sarbiovius XL. 

Schefltaer, J. G. XLIV f. 

Schirmer, D. XLI. 

Sepinus, G. XII. 

Sidney, Pb. XXXVII. 

Sieber, J. XL. 

Silentlarios, P. III. 

Six, J. van Chandelier XVII f. 



Spenser, E. XXXVJI. 
Stein, Charlotte v. XLIU. 
Stiglianl, T. XXXIV. 
Strozza V. 

Tibullus IV, XXXIII. 

Vida, H. V. 

Vondel, J. van den XX. 

Weckherlin, G. R. XL. 
Westerbaen, J. XV, XX. 

Zuber, M. XIII. 



BASIVM I. 

Cum Venus Ascanium super alta Cythera tulisset, 

Sopitum teneris imposuit violis 
Albarum nimbos circumfuditque rosarum 

Et totum liquido sparsit odore locum. 
sMox veteres animo revocavit Adonidis ignes, 

Notus et inrepsit ima per ossa calor. 
quotiens voluit circumdare coUa nepotis! 

quotiens: *Talis', dixit, *Adonis erat!' 
Sed placidam pueri metuens turbare quietem, 
10 Fixit vicinis basia mille rosis. 
Bcce calent illae, cupidaeque per ora Diones 

Aura susurranti flamine lenta subit. 
Quotque rosas tetigit, tot basia nata repente 

Gaudia reddebant multiplicata deae. 
15 At Cytherea natans niveis per nubila cycnis 

Ingentis terrae coepit obire globum 
Triptolemique modo fecundis oscula glebis 

Sparsit et ignotos ter dedit ore sonos. 
Inde seges felix nata est mortalibus aegris, 
20 Inde medela meis unica nata malis. 

Salvete aeternum, miserae moderamina flammae, 

Humida de gelidis basia nata rosis! 
En ego sum, vestri quo vate canentur honores, 

Nota Medusaei dum iuga montis erunt 
25 Et memor Aeneadum stirpisque disertus amatae 

Mollia Romulidum verba loquetur Amor. 



Lat. Lttteraturdenkm. 14. 1 



lOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 



BASIVM IL 

Vicina qjiiantum vitis lascivit in ulmo 

Et tortiles per ilicem 
Brachia proceram stringunt immensa corymbi: 

Tantum, Neaera, si queas 
5 In mea nexilibus proserpere colla lacertis ! 

Tali, Neaera, si queam 
Candida perpetuum nexu tua colla ligare 

lungens perenne basium! 
Tunc me nee Cereris nee amici cura Lyaei 
10 Soporis aut amabilis, 
Vita, tuo de purpureo divelleret ore; 

Sed mutuis in osculis 
Defectos ratis una duos portaret amantes 

Ad pallidam Ditis domum. 
15 Mox per odoratos campos et perpetuum ver 

Produceremur in loca, 
Semper ubi antiquis in amoribus heroinae 

Heroas inter nobiles 
Aut ducunt choreas alternave carmina laetae 
2ü In valle cantant myrtea, 

Qua violisque rosisque et flavicomis narcissis 

Vmbraculis trementibus 
Inludit lauri nemus et crepitante susurro 

Tepidi suave sibilant 
25 Aeternum zephyri nee vomere saucia tellus 

Fecunda solvit ubera. 
Turba beatorum nobis adsurgeret omnis, 

Inque herbidis sedilibus 
Inter Maeonidas prima nos sede locarent; 
30 Nee Ulla amatricum lovis 
Praerepto cedens indignaretur honore 

Nee nata Tyndaris love. 



lOANNES NICOLAI SEOVNDVS, BASIA. 



BASIVM III. 

*Da mihi suaviolum,' dicebam *blanda puella!' 

Libasti labris mox mea labra tuis. 
Inde velut presso qui territus angue resiütat, 
Ora repente meo vellis ab ore procul. 
5 Non hoc suaviolum dare, lux mea, sed dare tantum 
Est desiderium flebile suavioli. 



BASIVM IV. 



Non dat basia, dat Neaera nectar, 

Dat rores animae suaveolentes, 

Dat nardumque thymumque cinnamumque 

Et mel, quäle iugis legunt Hymetti 

5 Aut in Cecropiis apes rosetis 

Atque hinc virgineis et inde ceris 
Saeptum vimineo tegunt quasillo. 
Quae si multa mihi voranda dentur, 
Immortalis in iis repente fiam 

10 Magnorumque epulis fruar deorum. 
Sed tu munere parce, parce tali, 
Aut mecum dea fac, Neaera, fias. 
Non mensas sine te volo deorum, 
Non, si me rutilis praeesse regnis 

15 Excluso love dii deaeque cogant. 



BASIVM V. 

Dum me mollibus hinc et hinc lacertis 
Adstrictum premis imminensque toto 
CoUo, pectore lubricoque vultu 
Dopendes umeris, Neaera, nostris 

1* 



4 lOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 

5 Componensque meis labella labris 
Et morsu petis et gemis remorsa 
Et linguam tremulam hinc et inde vibras 
Et linguam quenilam hinc et inde sugis, 
Adspirans animae suavis auram 

10 Möllern, dulcisonam, humidam meaeque 
Altricem miserae, Neaera, vitae; 
Hauriens animam meam caducam, 
Flagrantem, nimio vapore coctam, 
Coctam pectoris impotentis aestu, 

15 Eludisque meas, Neaera, flammas 

Flabro pectoris haurientis aestum — 
iucunda mei caloris aura! 
Tunc dico: *Deus est Amor deorum, 
Et nuUus deus est Amore maior. 

20 Si quisquam tamen est Amore maior. 
Tu, tu sola mihi es, Neaera, maior!' 



BASIVxM VI. 



De meliere nota bis basia mille paciscens 

Basia mille dedi, basia mille tuli. 
Explesti numerum, fateor, iucunda Neaera, 

Expleri numero sed nequit uUus amor. 
5 Quis landet Cererem numeratis surgere aristis? 

Gramen in inrigua quis numeravit humo? 
Quis tibi, Bacche, tulit pro centum vota racemis, 

Agricolamve deum mille poposcit apes? 
Cum pius inrorat sitientes luppiter agros, 
10 Deciduae guttas non numeramus aquae; 
Sic quoque cum ventis concussus inhon^uit aer 

Sumpsit et irata luppiter arma manu, 
Grandine confusa terras et caerula pulsat. 

Securus sternat quot sata quotve locis. 



JOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA« 5 

15 Seu bona, seil mala sunt, veniunt iiberrima caelo, 
Malest as domui convenlt lila lovls. 
Tu quoque, cum dea sls dlva formoslor lila, 

Concha per aequoreum quam vaga ducit iter, 
Basla cur numero caelestia dona coerces 
20 Nee numeras gemitus, dura puella, meos 
Nee lacrimas numeras, quae per faciemque slnumque 

Duxerunt rivos semper euntis aquae? 
Si numeras lacrimas, numeres licet oscula, sed si 
Non numeras lacrimas, oscula ne numeres 
25 Et mihi da, miseri solacia vana doloris, 
Innumera innumeris basia pro lacrimis! 



BASIVM VH. 



Centum basia centies, 
Centiim basia millies, 
Mille basia millies 
Et tot milia millies, 

5 Qiiot guttae Siculo mari, 

Quot sunt sidera caelo, 
Istis purpureis genis, 
Istis turgidulis labris 
Ocellisque loquaculis 

10 Ferrem continuo impetu, 

formosa Neaera! 
Sed dum totus inhaereo 
Conchatim roseis genis, 
Conchatim rutilis labris 

15 Ocellisque loquaculis, 

Non datur tua cernere 
Labra, non roseas genas 
Ocellosque loquaculos 
Melles nee mihi risus, 



^ JOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 

20 Qui, velut nigra discutit 

Caelo nubila Cynthius 
Pacatumque per aethera 
Gemmatis in equis micat, 
Flavo lucidus orbe, 

25 Sic nutu eminus aureo 

Et meis lacrimas genis 
Et curas animo meo 

Et suspiria pellunt. 
Heu, quae sunt oculis meis 

80 Nata proelia cum labris? 

Ergo ego mihi vel lovem 
Rivalem potero pati? 
Rivales oculi mei 

Non ferunt mea labra. 



BASIVM VIII. 



Quis te furor, Neaera 
Inepta, quis iubebat 
Sic involare nostram, 
Sic vellicare linguam 

5 Ferociente morsu? 

An, quas tot unus abs te 
Pectus per omne gesto 
Penetrabiles sagittas, 
Parum videntur, istis 

10 Ni dentibus protervis 

Exerceas nefandum 
Membrum nefas in illud, 
Quo saepe sole primo, 
Quo saepe sole sero, 

15 Quo per diesque longas 

Noctesque amainilentas 



lOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 

Landes tuas canebam? 
Haec ^est, iniqua, (nescis?), 
Haec illa lingua nostra est, 

20 Quae tortiles capillos, 

Quae paetulos ocellos, 
Quae lacteas papillas, 
Quae coUa moUicella 
Venustulae Neaerae 

25 MoUi per astra versu 

Vitra lovis calores 
Caelo invidente vexit, 
Quae te, meam salutem, 
Quae te, meamque vitam 

80 Animae meaeque florem, 

Et te, meos amores, 
Et te, meos lepores. 
Et te, meam Dionen, 
Et te, meam columbam 

35 Albamque turturillam 

Venere invidente dixit. 
An vero, an est id ipsum, 
Quod te iuvat, superba, 
Inferre vulnus illi, 

40 Quam laesione nulla, 

Formosa, posse nosti 
Ira tumere tanta, 
Quin semper hos ocellos. 
Quin semper haec labella 

45 Et qui sibi salaces 

Malum dedere dentes 
Inter suos cruores 
Balbutiens recantet? 
vis superba formae! 



8 10ANNE8 NICOLAI 8ECVNDVS, BASIA. 



BASIVM IX. 

Non semper udum da mihi basium 
Nee iuncta blandis sibila risibus 
Nee semper in meum reeumbe 
Implicitum moribunda coUum, 

5 Mensura rebus est sua duleibus, 

Vt quodque mentes suavius adfieit, 
Fastidium sie triste seeum 
Limite proximiore dueit. 

Cum te rogabo ter tria basia, 
10 Tu deme septem nee nisi da duo 

Vtrumque nee longum nee udum^ 
Qualia teligero Diana 

Dat easta fratri, qualia dat patri 
Experta nuUos nata Cupidines; 
15 Mox e meis laseiva oeellis 

Curre proeul natitante planta 

Et te remotis in penetralibus 
Et te latebris abdito in intimis! 
Sequar latebras usque in imas, 
20 In penetrale sequar repostum. 

Praedamque vietor fervidus in meam 
Vtrimque heriles iniciens manus 
Raptabo, ut imbellem eolumbam 
Vnguibus aecipiter recurvis. 

25 Tu deprecantes victa dabis manus 

Haerensque totis pendula brachiis 
Plaeare me septem iocosis 
Basiolis eupies, inepta. 



JOANNES NICOLAI 8ECVNDVS, BASIA 

Errabis! lUud crimen ut eluam, 
30 Septena iungam basia septies 

Atque hoc catenatis lacertis 
Impediam, fugitiva, collum, 

Dum persolutis omnibus osculis 
lurabis omnes per Veneres tuas 
35 Te saepius poenas easdem 

Crimine velle pari subire. 



BASIVM X. 



Non sunt certa, meam moveant quae basia mentem. 

Vda labris udis conseris: uda iuvant. 
Nee sua basiolis non est quoque gratia siccis, 

Fluxit ab bis tepidus saepe sub ossa vapor. 
5 Dulce quoque est oculis nutantibus oscula ferro 

Auctoresque sui demeruisse mali, 
Sive genis totis totive incumbere collo 

Seu niveis umeris seu sinui niveo 
Et totas livore genas collumque notare 
10 Candidulosque umeros candidulumque sinum 
Seu labris querulis titubantem sugere linguam 

Et miscere duas iuncta per ora animas 
Inque peregrinum diffundere corpus utramque, 

Languet in extreme cum moribundus amor. 
15 Me breve, me longum capiet laxumque tenaxque^ 

Seu mihi das, seu do, lux, tibi basiolum. 
Qualia sed sumes, numquam mihi talia redde, 

Diversis varium ludat uterque modis. 
At quem deficiet varianda figura priorem, 
20 Legem summissis audiat hanc oculis, 

Vt quot utrimque prius data sint, tot basia solus 

Dulcia victori det totidemque modis. 



10 JOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 

BASIVM XI. 

Basia lauta nimis quidam me lungere dicunt, 

Qualia rugosi non didicere patres. 
Ergo ego cum cupidis stringo tua coUa lacertis, 

Lux mea, basiolis immoriorque tuis, 
6 Anxius exquiram, quid de me quisque loquatur? 

Ipse quis aut ubi sim, vix meminisse vacat. 
Audiit et risit formosa Neaera meumque 

Hinc Collum nivea cinxit et inde manu 
Basiolumque dedit, quo non lascivius unquam 
10 Inseruit Marti Cypria blanda suo, 
Et: 'Quid', ait, *metuis turbae decreta severae? 

Causa meo tantum competit ista foro.' 



BASIVM xn. 

Quid vultus removetis hinc pudicos, 
Matronaeque puellulaeque castae? 
Non hie furta deum iocosa canto 
Monstrosasve libidinum figuras, 

5 Nulla hie carmina mentulata, nulla, 

Quae non discipulos ad integellos 
Hirsutus legat in schola magister. 
Inermes cano basiationes, 
Castus Aonii chori sacerdos. 

10 Sed vultus adhibent modo huc protervos 

Matronaeque puellulaeque cunctae, 
Ignari quia forte mentulatum 
Verbum diximus evolante voce. 
Ite hinc, ite procul, molesta turba, 

15 Matronaeque puellulaeque turpesi 

Quant castior est Neaera nostra, 
Quae certe sine mentula libellum 
Mavult quam sine mentula poetam! 



JOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. n 

BASIVM XIII. 

Languidus e dulci certamine, vita, iacebam 

Exanimis, fusa per tua coUa manu. 
Omnis in arenti consumptus spiritus ore 
Flamine non poterat cor recreare novo. 
5 lam Styx ante oculos et regna carentia sole, 
Luridaque annosi cymba Charontis erat, 
Cum tu suaviolum educens pulmonis ab imo 

Adflasti siccis inriguum labiis, 
Suaviolum, Stygia quod me de valle reduxit 
10 Et iussit vacua currere nave senem. 
Erravi: vacua non remigat ille carina, 

Flebilis ad manes iam natat umbra mea. 
Pars animae, mea vita, tuae hoc in corpore vivit 
Et dilapsuros sustinet articulos; 
15 Quae tamen impatiens in pristina iura reverti 
Saepe per arcanas nititur aegra vias 
Ac nisi dilecta per te foveatur ab aura, 

Iam conlabentes deserit articulos. 
Ergo age, labra meis innecte tenacia labris, 
20 Assidueque duos spiritus unus alat, 
Donec inexpleti post taedia sera furoris 
Vnica de gemino corpore vita fluet. 



BASIVM XIV. 

Quid profers mihi flammeum labellum? 
Non te, non volo basiare, dura, 
Duro marmore durior, Neaeral 
Tanti istas ego ut osculationes 
Imbelles faciam, superba, vestras, 
Vt nervo totiens rigens supino 
Pertundam tunicas meas tuasque 
Et desiderio furens inani 



12 lOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 

Tabescam miser aestuante vena? 
10 Quo fugis? Remane nee hos ocellos, 

Nee nega mihi flammeum labellum! 
Te iam, te volo basiare moUis, 
Molli moUior anseris medulla! 



BASIVM XV. 



Adducto puer Idalius post tempora nervo 

Stabat in exitium, pulchra Neaera, tuum; 
Cum frontem sparsosque videns in fronte capillos 

Luminaque argutis inrequieta notis 
5 Flammeolasque genas et dignas matre papillas, 

lecit ab ambigua tela remissa manu 
Inque tuas cursu effusus pueriliter ulnas 

Mille tibi fixit basia mille modis, 
Quae succos tibi myrteolos cypriosque liquores 
10 Pectoris afflarunt usque sub ima tui, 
luravitque deos omnes Veneremque parentem 

Nil tibi post unquam velle movere mali. 
Et miremur adhuc, cur tam tua basia fragrent, 

Duraque, cur miti semper amore vaces! 



BASIVM XVI. 

Latonae niveo sidere blandior 
Et Stella Veneris pulchrior aurea, 

Da mi basia centum! 

Da tot basia, quot dedit 

Vati multivolo Lesbia, quot tulit; 

Quot blandae Veneres quotque Cupidines 

Et labella pererrant 

Et genas roseas tuas; 



JOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 13 

Quot vitas oculis quotque neces geris, 
10 Quot spes quotque metus quotque perennibus 
Mixta gaudia curis 
Et suspiria amantium. 

Da, quam multa meo spiciala pectori 
Insevit volucris dira manus dei 

Et quam multa pharetra 

Conservavit in aurea. 

Adde et blanditias verbaque publica 
Et cum suavicrepis murmura sibilis, 
Risu non sine grato, 
30 Gratis non sine morsibus, 

Quales Chaoniae garrula motibus 
Alternant tremulis rostra columbulae, 

Cum se dura remittit 

Primis bruma Favoniis. 

25 Incumbensque meis mentis inops genis 
Huc, illuc oculos volve natatiles 
Exsanguemque lacertis 
Die te sustineam meis. 

Stringam nexilibus tete ego brachiis, 
80 Frigentem calido pectore comprimam 
Et vitam tibi longi 
Reddam afflamine basii. 

Donec succiduum me quoque spiritus 
Istis roscidulis linquet in osculis, 
35 Labentemque lacertis 

Dicam conlige me tuis. 

Stringes nexilibus me, mea, bracchiis, 
Mulcebis tepido pectore frigidum 
Et vitam mihi longi ad- 
40 Flabis rore suavii. 



14 JOANNES NICOLAI SECVNDVS, BA8IA. 

Sic aevi, mea lux, tempora floridi 
Carpamus simul; en iam miserabiles 
Curas aegra senectus 
Et morbos trabet et necem. 



BASIVM XVII. 

Quälern purpureo diffundit mane colorem, 

Quae rosa nocturnis roribus immadult, 
Matutina rubent dominae sie oscula nostrae 

Basiolis longa nocte rigata meis; 
5 Quae circum facies niveo candore coronat, 

Virginis ut violam cum tenet alba manus: 
Tale novum seris cerasum sub floribus ardet, 

Aestatemque et ver cum simul arbor habet. 
Me miserum! Quare, cum fragrantissima iungis 
10 Oscula, de thalamo cogor abire tuo? 
saltem labris serva hunc, formosa, ruberem, 

Dum tibi me referet noctis opaca quies. 
8i tarnen interea cuiusquam basia carpent, 

lUa meis fiant pallidiora genis. 



BASIVM XVIII. 

Cum labra nostrae cerneret puellae 
Inclusa Circo candidae figurae, 
Vt si quis ornet arte curiosa 
Corallinis eburna signa baccis, 

5 Flevisse fertur Cypris et gemendo 

Lascivientes convocasse Amores 
Et: 'Quid iuvat', dixisse, *purpuratis 
Vicisse in Ida Palladem labellis 
Et pronubam magni levis sororem 

10 Sub arbitro pastore, cum Neaera 



10 ANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA 15 

Haec antecellat arbitro poeta? 

At vos furentes ite in hunc poetam 

Et dira plenis tela de pharetris 

In illius medullulas tenellas 
15 Pectusque per iecurque per iocosum 

Distringite acres perstrepente cornu. 

At illa nullo pertepescat igne, 

Sed tacta pectus plumbea sagitta, 

Torpescat imas congelata venas.' 
20 Evenit; imis uror in meduUis, 

Et torrido iecur liquescit igne; 

Tu fulta pectus asperis pruinis 

Et caute, quales aut maris Sicani 

Aut Hadriae unda tundit aestuosa, 
25 Secura ludis impotentem amantem. 

Ingrata! Propter ista labra rubra 

Laudata plector. Heu, misella, nescis. 

Cur oderis nee ira quid deorum 

Effrena possit et furor Diones. 
30 Duros remitte, mollicella, fastus 

Istoque dignos ore sume mores 

Et quae meorum causa sunt dolorum 

Meilita labris necte labra nostris, 

Haurire possis ut mei pusillum 
35 Praecordiis ex intimis veneni 

Et mutuis languere victa flammis! 

At nee deos nee tu time Dienen: 

Formosa divis imperat puella. 



BASIVM XIX. 



Mellilegae volucres, quid adhuc thyma cana rosasque 

Et rorem vernae nectareum violae 
Lingitis aut florem late spirantis anethi? 



16 JOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 

Omnes ad dominae labra venite meae. 
5 lila rosas spirant omnes thymaque omnia sola 
Et succum vernae nectareum violae. 
Inde procul dulces aurae funduntur anethi, 

Narcissi veris illa madent lacrimis 
Oebaliique madent iuvenis fragrante cruore, 
10 Qualis uterque liquor, cum cecidisset, erat, 
Nectareque aetherio medicatus, et aere puro, 

Impleret fetu versicolore solum. 
Sed me iure meo libantem mellea labra 
Ingratae socium ne prohibete favis. 
15 Non etiam totas avidae distendite cellas, 
Arescant dominae ne semel ora meae 
Basiaque impressans siccis sitientia labris, 

Garrulus indicii triste feram pretium. 
Heu non et stimulis compungite moUe labellum 
20 Ex oculis stimulos vibrat et illa pares. 
Credite, non uUum patietur vulnus inultum: 
Leniter innocuae mella legatis apes. 



AVCTORES ET IMITATORES. 



A. Ezempia. 
I. 

PHILIPPVS BEROALDVS. 

Osculum Panthiae. 

Qualia lascivo dedit oscula saepe Tonanti 

Dardanius Phrygia raptus ab arce puer, 
Qualia formosae Veneri dilectus Adonis, 

Qualia pastori Tyndaris Iliaco, 
5 Qualia Taenarides tribuit puer oscula Phoebo, 

Amphytrioniadae qualia pulcher Hylas, 
Qualia purpureae, quae conspicit omnia, Lunae 

Latmius in somnis contulit Endymion, 
Talia mille dedit roseis mihi basia labris 
10 Panthia, fervoris prima favilla mei. 
Quantus odor, quantum divini nectaris illis, 

Quantus mellis inest ambrosiaeque liquor! 
Cinnama quod spirant, quod ölet Cinyreia myrrha 

Et quod odorus Arabs Coryciumque crocum, 
15 Sucina quod fragrant manibus tractata, quod omne 

Vnguentum et fracto fusa Falerna cado, 
Balsama quod spirant, redolent quod florea rura, 

Quod citrum et violae purpui^eaeque rosae: 
Hoc redolent dominae dulcissima basia nostrae, 
20 Hoc OS foraiosum labraque purpurea. 
me felicem, cui tu pharetrate Cupido 

Et Cytherea Venus tot tribuistis opes! 
Non ego fortunas Croesi Pythiique Bithyni 

Lat. Litteraturdenkm. 14. J 



18 JOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 

Expeto, non gazas divitiasque Midae. 
25 Me mea formosis teneat foveatque lacertis 

Panthia: rex regum tunc ego summus ero. 
Me iuvat, ut dominae placeam, tolerare labores, 

Aerumnasque graves imperiumque ferox; 
Me iuvat aestivas sub Cancro ducere liices 
30 Aegocerique nives ire ad Hyperboreas. 
Obsequar ut dominae, durum nil ferre recuso: 

Si iubeat, Stygias nunc aditurus aquas. 
Tantum forma valet; tanti est spectata venustas 

Et decor et facies et lepor atque sales. 
35 Si redeant veteres facundo pectore vates, 

Elysium vacuet si pia turba nemus, 
Si Marc nunc repetat superos et culta Tibulli 

Musa et Nasonis Pieriusque chorus: 
Nemo satis queat eximiam laudare puellam 
40 Et decus et faciem corporis egregii. 
Huic est forma potens, sunt aemula lumina stellis, 

Lumina, quae possent sollicitare deos. 
Procerum corpus dominae est teretesque lacerti, 

Est formosa manus articulique leves, 
45 Pes parvus fulvaeque comae facundaque lingua, 

Sunt modici risus, Atticus estque lepos. 
Haec candore nives vincit superatque rosarum 

Fulgorem, in toto corpore nuUa nota est. 
Quidquid agit: sive incedit, sive accubat aut stat 
60 Aut sedet, exornat subsequiturque decor. 
Tota decens, urbana, sagax est, tota venusta, 

Totaque nativo pulchra colore placet. 
Non cerussatis incedit Candida buccis 

Nee fucata genas atque supercilia. 
55 Aesopa non spirat Pharii nee stercora piscis, 

Non Greta aut asinae corpora lacte fovet, 
Non oculos stibio linit aut fuligine pingit: 

A pereant, quibus haec cura decoris inest! 



AVCTORES ET IMITATORES. I91 

Quid iuvat, exterrio formam corrumpere liixu 
60 Atqiie peregrinis cultibus inficere? 

Nonne Deus vobis faciem dedit? Heu scelus: illam 

PoUuitis fuco et laeditis artificem! 
luppiter hinc in vos iaculatur fulmina, mittit 
Excidium, pestes femineumque malum. 
65 Nostra Venus vivo prodit formosa colore 
Nativisque placet dotibus atque bonis. 
Quantum inter flores amaranthi et lilia fulgent 

Et violae et loti coccineaeque rosae, 
Quantum inter Stellas conlucet luna minores, 
70 Cynthia, te, quantum Cynthius exsuperat: 
Tantum inter pulchras radiat formosa puellas 

Panthia, purpureis aemula sideribus. 
Cedat Paeligni celebrata Corinna poetae, 
Cinthia cum Nemesi, culte TibuUe, tua! 
75 Lesbiaque adsurgat dominae Ticidaeque Perilla 
Et tu, iam Gallo dicta Lycori tuo! 
Dissimulet faciem Lais Ephyreia, cuius 

Traxerat attonitos forma superba vires! 
Forma Menandreae fuerat nee Thaidos olim 
80 Tanta, nee est Phrynes tam decor egregius, 
Sordida Penelope, turpis Virginia, turpis 

Est conlata tibi, Panthia, Sulpicia. 
Cedat Darei coniunx, Cornelia Magni, 
Hippodame et comptis Laodamia comis. 
85 Cedat et Abradatae consors tibi, Panthia, cuius 
Ipsa geris nomen nomine ficticio. 
Si Paris hanc Phrygius Phrygia spectasset ab Ida^ 

Non peteret portus, Tyndari, pulchra tuos; 
luppiter hanc videat: subito descendet Olympo, 
90 Fiet olor, satyrus, taurus et Amphytrion. 
Dia Camilla minor, minor est Lucretia et omne& 

Italides matres Cecropiaeque nurus; 
Stratonice Antiochi dispar, Poppaea Neronis, 

2* 



'_ I 



20 lOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 

Lamia Demetri Candida Thargelia. 
95 Cedite iam divae Tritonia, luno, Dione, 
Quas Paris Ideis viderat ante iugis! 
Quid maiora loquor? Te, Penthesilea, probabit 

Et colet: heu, nomen dulcius ambrosia! 
Panthia formosis formosior, heroinis 
100 Digna soror, Phoebo coniuge, digna love est. 
Digna quidem caelo facies. lamque incipit esse 

Cognita et Eois, cognita et Hesperiis. 
Hanc ego viventem vivus, defunctus amabo 
Hanc quoque defunctam; sie iubet alma Venus 
105 decus, facies, o Cypride digna parente, 
et germanis digna CupidinibusI 
Panthia, di tibi dent tercentum Nestoris annos, 

Saecula Tithoni perpetuumque decus! 
Oscula felicem dudum et fecere beatum 
110 Me tua; si dederis cetera, divus ero. 

Interea ardentem quaeso miserare Philippum; 
Sit tibi cura mei: me cape mancipiuni! 



II. 
Epigramma Piatonis philosophi. 



AVLVS GELLIVS. 

Hoc diciixoy amicus meus, ovx ä/uovaog adulescens, 
in plures versiculos licentius liberiusque vertit. Qui 
quoniam mihi quidem visi sunt non esse memoratu 
indigni, subdidi: 

Dum semihiulco savio 
Meum puellum savior 



AVCTORES ET IMITATORES. 21 

Diilcemqiie florem spiritus 

Diico ex aperto tramite, 
5 Anima mea aegra et saucia 

Cucurrit ad labeas mihi 

Rictiimque in oris pervium 

Et labra pueri mollia 

Rimata itineri transitus, 
10 Vt transiliret, nititur. 

Tum si morae quid plusculae 

Fuisset in coetu osculi, 

Amoris igni percita 

Transisset et me linqueret 
15 Et mira prorsum res foret, 

Vt fierem ad me mortuus, 

Ad pueriim ut intus viverem. 



PETRVS CRINITVS. 

Ad Xeaeram. 

(Ex epigrammate Piatonis philosophi.) 

Dum te, Neaera, suavior 
Gratumque florem spiritus 
E semihiulcis suaviis 
Per mutuas vices traho, 

5 Tum mi labella pressula 

Tenello amore saucia 
Animam tenere gestiunt, 
Xe se relinquat protinus 
Tuisque labris moUibus 

10 Decepta dulci suavio 

Sensim reperto transitu 

Labatur in pectus tuum 

Et dicat esse gratius 



22 lOANNES NICOLAI 8ECVNDVS, BA8IA. 

Servare tarn bonos lares 
15 Tecumque semper vivere, 

Vbi alma Cypris incalet 
Blandusque germinat lepor 
Et grata lusitat Charis. 
Quod si Neaera advenerit, 
20 Vt igne amoris percita 

Animula mea misellula 
Me linquat in coetu osculi 
Et me relicto transeat. 
Remitte quam primum potes 
25 Et redde mi vitam, precor, 

Vt serviam semper tibi 
Fidemque firmam comprobem. 



III. 

lACOBVS SANNAZARIVS. 

Ad Ninam. 

Sescentas, Nina, da, precor roganti 
Sed tantum mihi basiationes, 
Non quas dent bene filiae parenti 
Nee quas dent bene fratribus sorores, 

5 Sed quas nupta rogata det marito 

Et quas det iuveni puella caro. 
luvat me mora longa basiorum, 
Ne me tam cito deserat voluptas. 
Noio marmora muta, nolo pictos 

10 Dearum, Nina, basiare vultus, 

Sed totam cupio tenere linguam 
Insertam humidulis meis labellis, 
Hanc et sugere morsiunculasque 
Melles adicere et columborum 

15 In morem teneros inire lusus 



AVCTOBES ET IMITATORES. 23 

Ac blandum simul excitare murmur. 
Haec sunt suavia dulciora melle 
Hyblaeo et Siculae liquore cannae. 
Haec sola ambrosiaeque nectarisque 

20 Succos fundere sola habere possunt. 

Quae si contigerint mihi tuisque 
Admovere sinas manum papillis, 
Quis tunc divitias, quis aurum et omnes 
Assis me putet aestimare reges? 

25 lam non maluerim mihi beatas 

Aurorae Venerisque habere noctes, 
Non Hebes thalamos beatiores, 
Non si deserat haec suum maritum, 
Non si me roget usque quaque, non si 

80 Aeternam mihi spondeat iuventam. 



B. Imitatores. 

GEORGIVS BVCHANNANVS. 

Ad Neaeram. 

Seu procacibus adnuas ocellis, 
Seu minacibus abnuas ocellis, 
luxta me miserum, Neaera, perdis; 
Spe torques modo credula timentem, 

5 Nunc formidine maceras dolentem: 

Spes, si lumine respicis benigne, 
Lentis ignibus ustulat medullas; 
Timor, lumine si aspicis maligne, 
Pigro f rigor e congelat medullas. 

10 Sic iactor miser huc et huc timores 

Spesque inter dubiae patens procellae; 
Nee unquam vigili quieta cura 
Vitae noxve diesve mi refulsit. 



24 10ANNE8 NICOLAI SECVNDVS, BASU. 

saevissime numinum Cupido, 
t5 Si infensus pariter favensque perdis, 

Quis portus mihi spem feret salutis? 

Ad eandem. 
Quantum delicias tuas amabam, 
Odi deterius duplo ampliusque ' 
Tuam nequitiam et procacitatem, 
Postquam te propius, Neaera, novi. 
5 At tu si penitus perire me vis, 

Si vis perdite amem et magis magisque 
Totis artubus imbibam furorem, 
Sis nequam magis et magis proterva. 
Nam quo nequior es proterviorque, 
10 Tanto impensius uror inquieto 

Ventilante odio faces amoris 
Et lentas iterum ciente flammas. 
Quod si sis melior modestiorque, 
Odero minus et minus te amabo. 

Ad eandem. 
Cum das basia, nectaris, Neaera, 
Das mi pocula, das dapes deorum, 
Vt factus videar mihi repente 
Vnus e numero deum, deisve 

5 Si quid altius est beatiusve. 

Sed nectar mihi dulce basiorum 
Sic fallacibus imbuis venenis, 
Vt qui nunc fueram deus, deisve 
Si quid altius est beatiusve, 

10 Praeoeps in Stygium datus barathrum, 

Degam Erinyas inter, aut barathrum 
Si quid sit Stygium infra Erinyasve. 
Sic statim mihi cor, iecur, medullas 



AVCTOBES ET IMITATORES. 25 

Et venas tacite malum pererrat. 
15 Sic corpus mihi tabe conliquescit, 

Ardet ignibiis, aestuat venenis; 

Sic mentem mala pestis occupavit, 

Vt Sit nectare suavius venenum, 

Vita mors potior, labor quiete, 
20 Sanitate furor, salute morbus. 



IA.NVS LERNVTIVS. 
B a s i a. 

I. 

At vos Chaldaeo incerti pendetis ab ore 

Et Ventura magis quaeritis in numeris, 
Sanguineus si quando minaci ardore cometa 

Territat et reges, territat et populos; 
5 Sive novum sidus solitis Deus adicit astris 

Seu lunae ac solis lumina deficiunt, 
Kursus et abiectas leges pacemque doletis, 

Cum fera civilis fertur in arma furor, 
Praeterea pestem, febres, incendia, casus 
10 Et tot fallacum tristia facta hominum, — 
Verus amans solo percussus pectora amore 

Seit causam atque horam funeris ipse sui. 
Nee timet ex alto capiti impendentia fata, 

Nee maris et terrae caeca pericla timet. 
15 En ego formoso dominae dum pendeo ab ore, 

Certum est, basiolis moUibus immoriar. 
Quin ubi pallentes Erebi novus advena ad umbras 

Venero iamque atram per Styga Untre vehar, 
Si cineri illa meo aut gelido ferat oscula saxo, 
20 Quo Sita sub saxo cum cinere ossa mea, 
Ilicet in vitam invito vel Dite revertar 

Et spernam, quidquid continet Elysium. 



26 JOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 

II. 

Fert geminas mea vita rosas uno oris in orbe, 

Altera lacteola est, altera punicea est. 
Labra rosis sunt tincta rubris, at circulus oris 

Provocat albentes aequiparatque rosas. 
5 Cum nive non tacta minium sie certat Iberum, 

Sic cana autumni tempore mala rubent. 
Spiritus ipse rosas roseo diffundit ab ore 

Et spirat, quidquid cum Zephyro Enna parit. 
Quae miratus Amor: *Iam cedant*oscula matris! 
10 Os', ait, *hoc nobis mattya vera dabit.' 

III. 

Hesterna, mea lux, cum fessus nocte cubarem 

Nee possem maestae ponere mentis onus, 
Tandem ubi Sol summo caelum rubefecit ab ortu 
Astraque lascivos deseruere choros, 
5 Post lentas animi curas, post taedia lenta 
In somnum somno lumina victa dedi. 
Hie tu cuncta tibi similis vultumque habitumque 

Ante pedes lecti es visa sedere mei; 
Cumque ego conarer proserpere in oscula, nulluni 
10 Basiolum potui vel dare vel capere. 

Et tamen a quotiens visus mihi tendere dextram 

Teque avida iam iam-corripuisse manu! 
Prustra, nam simulatque inieci brachia collo, 
Colla retrocedens subtrahis osque mihi. 
15 Sic fugit exsultim natitante per aera penna, 

Et captatorem ludit inante culex. ^/^ 

Nescio, quid sperem, cupido male subdola amanti 
Si, lux, in somnis gaudia vana negas. 
' Felix Endymion prae me : licet oscula non det, 
20 Accipit in somnis oscida multa tamen. 

Sed scio, quid sperem: non vis dare gaudia vana 



AVCTORES ET IMITATORES. 27 

Nec cupidum fictis ludere basiolis. 
Spes mea ne fallat, da, lux, mihi gaudia vera 
Et cupidum veris imbue basiolTsI 
25 Sic ego non Lunam prae te, non Latmia saxa. 
Cum caelo spernam caelicolam at Venerem. 

IV. 

Vinclis, age, solve papillas! 

Gemina haec cur Candida poma, 

Gemina haec cur flammea fraga 

Sic fibula vana coercet? 
5 Latere informia fas est, 

Nefas est pulchra latere. 

Oculis aurum eice purujn, 

Flammisque interfice flammas, 

Penitus quibus intus aduror. 
10 Sic ignes ignibus olim 

Restinxit luppiter, axis 

Cum caeli arderet uterque. 

Profer decus oris eburnum 

Et labra micantia pande! 
15 Nolo nunc basia centum, 

Nolo, lux, basia mille: 

Vnum mihi sufficit, unum, 

Vel dem tibi, vel mihi, lux, da, 

Geminae modo basio ab uno 
20 Animae conflentur in unam. 

Alia arce et contege veste, 

Veste invidiosa et amica! 

Nam quid cupiam omnia, vitam 

Vt iam inter basia fundam? 
25 Satis, a satis! Immo supersunt 

Labra, os, oculi atque papillae. 



28 JOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA 

Ocelli. 

I. 

Aura felicis Zephyri, aura felix, 
Aura, quam Phoebo dea mater antris 
Clam sub exesis genuit, secundo 
Sic in amore, 

5 Chloris ardenti tua semper adsit, 
Sic Ulis cedant animosa fratrum 
Plabra, sie regnes: age nunc, volatus 
Suscita et arcem, 

L pete heroi positam Maluto, 
10 Quam Venus spretis Eryce atque Cypro 
Incolit, simul mea lux eam oris 
Praetulit istis. 

Defer has illi lacrimas, per ora 
Quae mihi nivis liquidae instar undant! 
15 Defer et suspiria nostra ab imo 

Pectoris aegri 

Quae traho noctuque dieque, mortem 
Dum miser viVo miseram atque curas 
Inter insanas iecur usque saevo a 
20 Vulture rodor. 

Die, bona oppressum nisi sublevet spes 
Mox fore, adspectu ut recreer cupito, 
Nil fore, optatum totiens subire 
Cur morer Orcum. 

25 Sed quid haec amens tibi? Luce tacta 
Vt meae prima fueris puellae, 
Flamine actutum ex humili emicabis 
Arduus ignis. 



AVCTORES ET IMITATORES. 29 

n. ^ 

Ex oculis mea Hyella tuis modo gaudia mille, 

At modo tristitiae semina mille traho. 
Cor micat, et trepidis exsultant pectora fibris, 

Spem vultu quotiens candidiore facis. 
5 Mens cadit atque exspes iaceo in maerore metuque, 

Spem vultu quotiens turbidiore negas. 
Quid iam non in me tibi di voluere licere, 

Motibus bis animum sie mihi quando rapis? 
A ducis exemplo Haemonii, lux, moUior adsis, 
10 Cumque tot intuleris vulnera, confer opeml 

ni. 

Cor mihi nescio quis rapuit. Quis? Nunquid Hyella? 

Sic est: luminibus praeda fuit dominae. 
Quid nunc? Quid faciam? Qua cor ratione reposcam? 

An totiens captus audeam adire iterum 
5 Sirenumque iterum ad scopulos haerere et iniquas 

Ilicet in pedicas non rediturus agi? 
An potius maneo? Praestat; sed corde remoto 

Languida qui solitus membra calor recreet? 
Quo feror ambiguus? Pro me puer ito Cupido 
10 Aut Paphiae caeston huic cedo matris: eo. 

IV. 

Cur numquam satier tuos 
Spectans, lux mea, ocellulos, 
Istos, lux mea, ocellulos, 
Qui cor sie mihi carpunt 
5 Ignitum faculis suis, 

Vt nee Aenariae obrutus 
Altis verticibus gigas 
Coeus ardeat aeque, 

Mirabar prius, at modo 



30 JOANNES NICOLAI SECVNDYS, BASIA 

10 Nil novi vi^eo: in necem 

Sponte tendere pyralin 
Vidi liicis amore. 



lANVS DOVZA. 
Basia. 

I. 

Purpura cum labris cedat calycesque rosarum, 

Astra tuis oculis, spiritui Ambrosia, 
Vive in basiolis, dico tibi, lux mea, vive! 

His sine nam peior funere vita tua est. 
5 His sine nee caelum placeat mihi. Lude, Rosilla, 

Lude nee a labris ora recelle meis! 
Oscula pange ; parum est, pange altius, adde salivas 

Inque meum toto corpore corpus abi! 
Scilicet haud vita est, vulgo quae vita putatur: 
10 Basia quam faciunt, vita ea vera mihi. 
Atque eadem si non aliud quam luminis aura est. 

Quid novum et hanc ipsam basia si faciunt? 
Ergo fac assidue iungas tua gaudia nostris. 

In mea transfusis ossa suaviolis! 
15 Sic illi vixere, quibus se lumine claro 

lustitiae et tangi numina passa Deum. 
Sic nostro cum vate Neaera Hispana, nee ipsos 

Caelestes aliud nectar habere puta. 

n. 

Vita mihi, sed morte ipsa crudelior, Ida, 

Atque eadem luce hac, lux, mihi cara magis. 

Cur promissa mihi quotiens te basia posco, 
Ilicet opposita contegis ora manu? 
5 Quantum pauca dares erat ut mihi basia? Quantum 



AVCTORES ET IMITATORES. 31 

Haec erat, ut sineres vel tibi pauca dari? 
An data ne mediis intercipiantur ab auris 

Inque notos abeant non bene iuncta, times? 
Pone metum: nobis haec cautio prima futura est, 
10 Perdita ne possis ulla fiiisse queri. 
Tu modo labra meis include tenacia labris 

Et me tricenis imbue basiolis, 
Sed quae concharum nexu potiora beato 

Esse diis possint omnibus invidiae. 
15 Immoriensque meis demum sine mente labellis. 

Die, animae reddam te tibi flore meae. 
Reddam animae te flore tibi reducique susurro, 

Vive meo, dicam, munere, vive mea! 
Si tamen interea si quod tibi se fugitivum 
20 Surpuerit tacito tramite basiolum, 
Vnius, Ida, loco capies mox basia centum! 

Sic poterunt labris nulla perire tuis. 
Quin et rem iusta libeat si expendere lance, 

lam tua sunt lucro damna futura tibi. 

III. 

Pauca Idae furtim rapui quod basia nuper, 
Heu furti assidue me facit Ida reum. 

Desine mi lites nequiquam intendere, ne te 
Criminis eiusdem lex agat, Ida, ream. 
5 Nam quae rapta meo quereris tibi basia furto, 
Haec eadem iam me surripuere mihi. 

IV. 

Postquam nil aliud misero proponis amanti, 
Pange mihi saltem, lux mea, basiolum! 

Quäle velim, quaeris. Vdum tremulumque tenaxque, 
Mellitum et dulci murmure dulce sonans, 
5 Quäle pares rostro iungit mordente columbas. 
Quäle salax socio cortice concha capit, 



32 JOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 

Quäle suo Veneris miscet Venus improba Marti, 
Quäle mihi demum tu dare sola potes. 

V. 

Non ita vocales Cancro fervente cicadas 
Aut ros aut tepidi flaminis aura iuvat, 

Algentem Phoebus, siccum liquor, esca famentem, 
Defessum requies et leve murmur aquae 
5 Quam me quae Charite libas mihi basia; quid si 
Addere et his velles cetera? Sed taceo. 



ALBERTVS EVPRExXIVS. 
Basium. 

Laesus acu dominae digitus, pus stillat; at illa 

Poscit opem, et medicas advocat ipse manus. 
A me poscit opem: *Si quid tua pharmaca possunt, 

Prome*, ait, 'atque herbas prome salutiferas!' 
5 Admoveo paucis quae cognita. Nympha repente 

Sentit opem et digitum convaluisse videt. 
Tunc ego: *Pro meritis quae restant praemia nostris? 

Certa tibi venit quo mediante salus, 
Sicne indonatus discessero? Siccine linques 
10 Et vatem et medicum, cara Isabella, tuum? 
Gaudia certa tuo da, munera paucula amanti 

Infigens nostris basia grata genis! 
Si deprompta iuvant nostra te pharmaca ab arte, 

Pelle meos morbos, nam potes, arte tua!* 
15 Ast Isabella graves tandem miserata dolores, 

Solvit pro meritis praemia digna meis. 
Protinus incaluit corpus simul ac sua sentit 

Gaudia, corque istis basiolis rediit. 



AVCTORES ET IMITAlK)ßES. 33 

Amor ligatus crine Isabellae. 

Dum cernit sparsos ad frontem ludere crines 

Cincinnosqe videt, pulchra Isabella, tuos, 
Arcum tendit Amor iaculumque imponere tentat, 

Vt iecori ferret vulnera certa tuo. 
5 Sed capiens arcum corpus dum flectit in arcum, 

Stringitur a rutilis crinibus acer Amor, 
Idaliusque puer religatus compede forti 

Non potis est Diae solvere vincla comae. 
Erubuit fletuque madet captivus acerbo, 
10 Temnere qui suetus numina cuncta fuit. 
Qui potiiit summi contemnere tela Tonantis 

Vincitur a dominae crinibus ille meae. 



JOANNES BONEFONIUS. 
Basia. 

I. 

Quo ml sie animus repente fugit? 
Pugit, quod reor, ad meam puellam. 
Ad illa aurea vincla convolavit. 
A quo in exitium ruis, miselle? 

5 Hi quos aureolos putas capillos, 

Quae tibi aureolae comae videntur, 
Non sunt aureolae comae aut capilli, 
Sed sunt vincula, compedes, catenae, 
Sed sunt retia nexilesque casses, 

10 Quibus, si semel occupatus haeres, 
Peribis, moneo, a miser, peribis 
Nee ad me poteris, miser, redire. 

Vsque ab unguiculis meam pererres, 
Totam denique Pancharin retractes, 

15 Illius licet ebrius lepore 

Lat. Litteraturdenkm. 14. O 



34 lÜANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 

Incubes ociilis, labris, papillis. 
Verum cautius invola capillis. 
Nam praedico iterumque tertiumque, 
His si retibus occuperis unquam, 
20 Peribis miser, a miser, peribis 

Nee ad me poteris, miser, redire. 

n. 

Cum sis mellea tota, tota suavis, 
Vt mellita magis nee ipsa mella 
Nee Sit suavior ipsa suavitudo: 
Qui tot spicula delibuta feile 

6 Evibras oculis tuisque labris 

Tantam amaritiem mihi propinas? 

Kursus tu quoque, Pancharilla, tota, 
Cum sis fellea, sis amara tota, 
Mage ut fellea sint nee ipsa fella, 

10 Non amarior ipsa amaritudo: 

Qui tam dulcia mella basiorum, 
Tam dulcem ambrosiam mihi labella 
Propinant tua? Qui tuis ocellis 
In me spicula tam benigna vibras? 

15 An vis ista tui est, puella, ocelli, 
An vis ista tui est, puella, labri, 
Vt me feile beent suaviore, 
Vt me melle necent amariore? 
amarities nimis suavis! 

20 amara nimis suavitudo I 

III. 

Ergo, floscule, tu meae puellae 
Hoc florente sinu usque conquiesces? 
Ergo tu dominae meae papillis 
Beatus nimis insidebis usque? 



AVCTORES ET IMITATORES. 35 

5 si, floscule, mi tiia liceret 

Ista Sorte frui et meae puellae 

Incubare sinu atque desidere 

Hos inter globulos papillularum, 

Non sie lentus inersque conquiescam, 
10 Non sie insideam otiosus usque, 

Sed toto spatio inquietus errem 

Et feram sinui feramque collo 

Mille basia, mille et huic et illi 

Impingam globulo osculationes. 
15 Nee mihi satis haec putes futura, 

Namque et discere curiosus optem, 

Quid discriminis inter hune et illum 

Et qiiantus tumor huius illiusque, 

Quantum albedine praestet hie vel ille, 
20 Quantum duritie hie vel ille vineat, 

Sinisterne globus globusne dexter 

Figura plaeeat rotundiore; 

An dexter globus, an globus sinister 

Papilla rubeat rubentiore; 
25 Explorern quoque, quo beata dueat 

lUa semita, quae globos gemellos 

Sie discriminat et subesse elamat 

Mellitum magis eleg n que quiddam; 

Indagem quoque, quidquid est latentis, 
30 Et labar taeitus ferarque sensim 

Vsque Cypridis ad beata regna. 
At mi Paneharidis meae papillas 

Nee summo lieet ore suaviari 

Nee levi lieet attigisse palma: 
35 sortem nimis asperam atque iniquam! 

Tantillum illa negat mihi petenti, 

Tantillum illa negat mihi seienti; 

Quae tantum huie tribuit nee id petenti, 

Quae tantum huie tribuit nee id seienti. 

3* 



36 lOANNES NICOLAI SECVNDVS, BASIA. 



IV. 

At mi dicite, lacrimae tenellae, 
Vos, quae candidulae meae puellae 
Os argenteolo rigatis imbre: 
Qui fas nascier his puellae ocellis, 

5 Qui toti igneoli undequaque spargunt 
Tot incendia missilesque flammas! 

Verum fallor ego, et tuae, puella, 
Quae mihi lacrimae et putantur imbres, 
Non sunt hae lacrimae aut aquosus imber, 

10 Sunt incendia flammeaeque guttae, 
Quae me sie adeo intime perurunt, 
Consumpta ut rapidi coloris aestu 
lam mi pectora tota conliquescant. 
Quid iam non igitur miselli amantes 

15 Sperent aut metuant, quibus creare 

Vndam flamma potest et unda flammam! 



t' 



M. A. MVRETVS. 
Elegia. 

Basiolum blando tetulit mihi Margaris ore 

Ambrosia et dulci nectare dulce magis, 
Quäle thymo aut casiae verni sub primula solis 

Lumina cum blando murmure libat apis; 
5 Inde l'ugit propere pedibus lasciva protervis. 

Dum sese in tenebris posse latere putat. 
Sed nihil est: non sinit eam latuisse Cupido, 

Erranti faculas praetulit ille mihi. 
Iam te igitur nirsus teneo, formosula, iam te 
10 (Quid trepidas?) teneo, iam, rosa, te teneo! 



AVCTORES ET IMITATORES. 37 

Da mihi pro grata siimpti mercede laboris 

Ter tria terque tribus basia ducta modis. 
Die age, num sentis animos concurrere nostros, 

Dum sibi dimidium quaerit uterque sui? 
15 Sic age, sie mea vita, animos iungamus utrimque, 

NuUa ut eos possit dissoeiare dies, 
Quin tandem ambiguae post iura precaria lucis 

Vnicus e gemino spiritus ore fluat. 



CASPAR BARTH. 
Erotopaegnion. 

I. 

Istos purpureos tuos ocellos, 

Quando ego ad satiem, Neaera, cernam? 

Ista purpurea, ista quo labella 

Fine rosidula, o Neaera, sugam? 

5 Istos aureolos tuos capillos, 

Quando ego ad satiem, Neaera, pleetam? 
Istas turgidulas tuas papillas, 
Quando ego ad satiem premam, Neaera? 
Tune ista omnia et illa et illa et illa 

10 Meram usque ad satiem, Neaera, dueam. 

Cum tu purpureos tuos oeellos, 
Cum tu rosidulos suaviatus, 
Cum tu flammeolos tuos capillos. 
Cum tu turgidulas tuas papillas 

15 In sinum tibi proprium retondes, 

Vt istinc ego proferam, tuique 
Et mei similem, atque utrique nostrum 
Noseendum, sine se cuique nostrum, 
Vnum purpureum, Neaera, pusum. 



38 lOANNBS NICOLAI SECVNDV8, BA81A 

IL 

Non me fortia bella, non furor me 
Perdidit Salisubsuli Gradivi, 
Sed miles dominae insidens ocellis 
MoUis, ridiculus, fugax, protervus, 
5 Cui flamma est mera pro levi sagitta. 

Sein quod nomen ei? Vocant AmoFem 
Quodam nomine primulum suavi, 
Verum is est furor atque amara pestis. 

III. 

Sic amemus, amabilem 
Vivamus mea vitam 
Vita, gratia, lux, Venus! 

Sic vivunt superum chori 
5 Mutuo dati amori 

Nee illine pote deiei. 

Vera est regula: amet prius, 
Qui vult auetor amari, 
Sic amans redamabitur. 
10 Amemus, redamemus et 

Nusquam exspatiari 
Amorem patiamur! 




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