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Full text of "Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte"

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Beitrage 

bayerischen Kirchengeschichte 



herausffegeben 



D. Theodor Kolde, 

irii. Trot, (lor Kiitjuiiigpsthk^htc un dcr UJiivorsitat Erlftngnn. 







Erlangen 1905. 
V c !■ I ii g V o 11 F r. .1 II II g u. 



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(1-12. 



K, b. Hof- u. Uoiv.-Buchdmckerei von JuBge & Sohn, Erlangen- 



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Inhaltsverzeiehnis des XI. Bandes. 



Seite 

Th. Kolde, Zum Beginn des zweiten Jahrzehnts der Beitrage .... 1 
E. Schornbaum, LeuterehauseD bei BegiDn der BeformatioDszeit und 

das Elide Eberlins von Gunzburg 5 

J. Batteiger, Znr Geschichte des Pietismus in Bayreuth .... 34 

H. Leffler, Eine Thuogensche Trau- UDd Taufverordnung .... 45 

Zur Bibliographie 47 

Th. Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach .... 49 
E. Schornbaum, Leutershausen bei Beginn der Beformationszeit und 

das Ende Eberleins von Gunzbui^ (Schlufi) 78 

Zur Bibliographie 93 

Th. Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach .... 97 

P. Griebel, Das alteste Kirchenbuch Heroldsbergs 124 

Wolff, Pfarrbesoldung in Schopfiohe aus dem Jahre 1522 .... 143 
O. Bieder, Kirchengeschichtliches in den Zeitschriften der historischen 

Vereine in Bayem . . .• 144 

Zur Bibliographie 145 

Th. Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach (SchluB) . 149 

J. Haufileiter, Zur Lutherbibliographie 188 

Th. Kolde, Suddeutsche Katechismen von 1530—1600 191 

Zur Bibliographie 198 

Fr. Roth, Kaspar Huberinus und das Interim in Augsburg .... 201 
K. Schornbaum, Zur Brandenburgisch-Niirnbergischen Kirchen- 

visitation 1528 218 

Th. Kolde, Ein Ablafibrief fiir die Kirche zu Leerstetten .... 222 
Fr. Herrmann, Ein Brief des Dominikaners Gallus Kom an Wolfgang 

Fabricius Capito 225 

Th. Kolde, Zur Geschichte des Niirnberger Augustinerklosters . . 228 
O. Rieder, Kirchengeschichtliches in den Zeitschriften der historischen 

Vereine in Bayern 233 

Zur Bibliographie 236 



IV Inhaltsverzeichnis des XI. Bandes. 

Seite 

Th. Kolde, Ein kryptocalvinistischer Katechismus fur die Grafschaft 

Ortenburg aus dem Jahre 1598 241 

K. Schornbaum, Das Testament des Kanzlers Georg Vogler . . . 268 

Th. Lauter, Der erste evangelische Pfarrer in Cadolzburg .... 274 
O. Rieder, Kirchengeschichtliches in den Zeitschriften der histo- 

rischen Vereine in Bayern 281 

Zur Bibliographie '."..... 283 



Zum Beginn des zweiten Jahrzehnts der Beitrage. 

Dem 1. Heft des 11. Jahrganges dieser Beitrage, das ich 
mit Dank gegen Gott ausgehen lasse, sei es gestattet, ein Wort 
der Begrtifiung and Erinnerung voranzuschicken. 

Es war ein kuhnes Unternehmen, an dessen Durchftthrung 
nicht wenige zweifelten, als ich vor nunmefir 10 Jahren mit 
dem Plane eines neuen Organs fur bayerische Kirchengeschichte 
hervortrat, und ich muC bekennen, daB ich mir die Sache nicht 
ganz so schwierig gedacht habe, als sie sich schlieBlich herans- 
gestellt hat; und manchmal woUte der Mut sinken und erhob 
sich die Frage, ob es sittlich berechtigt ware, soviel Kraft, 
Miihe nnd kostbare Zeit auf dieses Unternehmen zu verwenden. 
Wie schwierig war es schon fur den erst nach Bayern ver- 
pflanzten, sich so weit in die bayerischen Verhftltnisse und die 
Spezialgeschichte hineinzuarbeiten; um halberwegs den An- 
fordemngen, die man billig an den Herausgeber stellen muBte^ 
zu genugen! Welch eine nmfangreiche KorrespondenZ; nicht 
immer beide Telle befriedigender Art, muCte, um nur dies eine 
ZU erwahneU; im Laufe der Zeit bewaltigt werden! Indessen 
der Erfolg hat die Miihe reichlich belohnt. Die zehn B^nde, 
die jetzt vorliegen, sind doch, wie man ohne Ruhmredigkeit 
sagen kann, wirklich das, was sie sein woUen, im wissenschaft- 
lichen Sinne „ Beitrage zur bayerischen Kirchengeschichte" und 
dtirfen sich anderen gleichartigen Unternehmungen, wie sie in 
den letzten Jahren fast in alien Landes- und Provinzialkirchen 
Deutschlands aafgekommen sind, getrost an die Seite stellen. 

Das verdanke ich der treuen Mitarbeiterschaft so vieler 
Krafts, die anfangs teilweise zogernd der Sache gegeniiber- 
standen, oder auch dem Ganzen lieber einen mehr popularen 
Charakter gegeben hatten, je langer je mehr aber immer bereit^ 

BeHrige snr bayer. Kircliengeseldcbte XI. 1. 1 



2 Zum Beginn des zweiten Jahrzehnts der Beitrage. 

williger waren mitzuschaffen and mitzuwerben, und mit mir darin 
ubereinstimmten, daB etwas von bleibendem Wert nur erreicht 
werden konne, wenn die neue Zeitschrift einen streng wissen- 
schaftlichen Charakter erhielte. Auch ausw^rts ist es riihmend 
hervorgehoben wordeii, wie viele bayerische Pfarrer, von den 
jiingsten bia zu den altesten, neben hochgeschatzten Autoren 
aus anderen Kreisen und anderen Gegenden nach und nach als 
Mitarbeiter aufgetreten sind und zum Teil in raiihseliger, durch 
ihren abseits von Bibliotheken und Archiven gelegenen Wohn- 
ort und ihre personliche Lage gar oft erschwerter Forschungs- 
arbeit nicht nur lokalgeschichtlich WertvoUes, sondern auch 
solche Arbeiten geliefert haben, die als eine FOrderung der 
deutschen Kirchengeschichte uberhaupt bezeichnet werden konnen. 
Nicht ohne Freude glaubt der Fachvertreter an der evange- 
lischen Landesfakultat darauf hinweisen zu diirfen, in welchem 
Mafie das Tnteresse an geschichtlichen Fragen und uberhaupt 
der geschichtliche Sinn innerhalb gerade der letzten 10 Jahre 
in der bayerischen Geistlichkeit sich gehoben hat, wovon u. a. 
eine nicht kleine Zahl neben unserer Zeitschrift selbstandig 
erschienener Schriften, die zumeist in der Bibliographie be- 
sprochen wurden, riihmliches Zeugnis ablegt. — 

Ein fliichtiger Blick auf das Inhaltsverzeichnis der jetzt vor- 
liegenden 10 Bande kann daruber belehren, daB so ziemlich alle Ge- 
biete des bayerischen Landes, freilich nach Lage der Dinge das 
eine Gebiet mehr das andere weniger berucksichtigt worden ist und 
namentlich dank der rait so vielerMiihe von Herrn Reichsarchivrat 
0. Rieder inMunchenzusammengestelltenNotizen altere Arbeiten 
aus den Zeitschriften der historischen Vereine wieder in Erinnerung 
gebracht wurden. Und das umfangreiche Ortsregister wird manchen 
Leser erkennen lassen, daB auch sein Dorfchen, das ganzfern von 
dem Strom der Geschichte zu liegen schien, doch in einem nachweis- 
baren Zusammenhange mit der groBen Entwicklung steht, was 
hoifentlich zu weiterem Nachforschen anregen wird. Denn wie weit 
wir auch gekommen sein mogen in der Erhebung neuen Quellen- 
materials und daraufhin im Verstandnis des geschichtlichen 
Zusammenhangs, der Erkenntnis des Werdens der kirchlichen 
Zustande in diesen oder jenen Landschaften und besonders des 
Lebens hervorragender Personlichkeiten, so sind wir doch immer 



Zum B6ginn des zweiten Jahrzehnts der Beitrage. 3 

noch in den Anfangen begriffen. Je tiefer man grabt, um so 
niehr findet man Neues, was das miihsam gewonnene Geschichts- 
bild wieder zu verriicken droht, und das, was etwa als Resultat 
bezeichnet werden kann, reicht z. B. langst noch nicht aus, 
um eine wirklich wissenschaftlich fundierte Geschichte der 
evangelischen Kirche in Bayern, geschweige denn eine Kirchen- 
geschichte Bayerns iiberhaupt zu schreiben. Es ist verstandlich, 
daC das Interesse der meist protestantischen Mitarbeiter sich 
der Reformationszeit, neuerdings auch der Geschichte des Pietis- 
mus zugewandt hat, aber diese Erkenntnisse erhalten doch erst 
den richtigen Wert, wenn sie sich auf einer nicht minder ein- 
gehenden Kenntnis der vorreformatorischen Zeit erbauen. In 
diesem Punkte sind wir aber zuruckgeblieben, und die vor- 
reformatorische Zeit in erheblich grofierem Umfange, als bisher 
geschehen, in den Kreis der Untersuchung zu ziehen, mufi eine be- 
sondere Aufgabe flir die Zukunft sein. Die mittelalterliche Ge- 
schichte Bayerns ist eine so reiche und in ihren Wirkungen so weit 
reichende, wie das von wenigen anderen Gebieten Deutschlands 
gesagt werden kann. Wo gab es eine groBere Anzahl von 
Stiftern und Klostern? Wo dank der vielen selbstandigen 
Hen-niehen und Reichsstadte eine grofiere Zahl eigenartiger 
kirchlicher Gebilde? Und wie vieles harrt da noch im einzelnen 
der Erforschung, haben wir doch nicht einmal ein bayerisches 
Klosterlexikon. Das dtirfen wir nicht alles den allgemeinen 
Historikern tiberlassen oder den Nationalokonomen, die ira 
Interesse der Wirtschaftsgeschichte neuerdings sich sehr eifrig 
mit dem Klosterwesen zu beschaftigen anfangen. Und weiter, 
die Kirchengeschichte des 17. Jahrhunderts ist im groBen und 
ganzen, abgesehen von einigen Gebieten, die durch die Greuel 
des SOjahrigen Krieges beleuchtet etwas mehr Beachtung ge- 
funden haben, fast noch eine terra incognita. Wie viel auch 
der FleiB des Veteranen unter den bayerischen Kirchenhisto- 
rikern, Pf. Medicus, dessen Verdienste unvergessen bleiben 
sollen, zusammen gebracht hat, so sind das doch nur Richt- 
linien fttr spatere Forschung. AUein ich brauche die vielen noch 
unbebauten Felder nicht aufzuzahlen, sie drangen sich jedera, 
der sich eine Totalansicht verschafifen will, von selbst auf. 
Freilich mit der Erkenntnis der Fulle der Aufgaben wachsen 

1* 



4 Zam Beginn des zweiten Jahrzehnts der BeitrsLge. 

auch die auBerlichen Schwierigkeiten. Wie die Dinge bis jetzt 
liegen, haben wir nur vermoge des groBen Entgegenkommens 
der Verlagshandlung hier und da mehr als die vereinbarten 

18 Bogen im Jahre bringen k5nnen, und mancher Autor ist 
wohl dariiber verstimmt gewesen, daB sein Aufsatz, wie er 
meint, ungebuhrlich lange ungedruckt geblieben ist. Das w^r 
aber nicht anders zu machen sowohl des mangelnden Kaumes 
wegen, als auch weil der Herausgeber doch auch nach MOg- 
lichkeit fiir Abwechselung im Stoff zu sorgen hat. Es ist be- 
kannt genug, wie der Anerkennung der „Beitrage", die sie sich 
namentlich auch auBerhalb Bayems errangen haben, die Zahl 
der Abonnenten nicht entspricht. Wir sind dankbar dafiir, daB 

19 Dekanate durch eine kleine jahrliche Subvention, die hoifent- 

lich noch weiter flieBen wird, die Fortfuhrung des Untemehmens 

bisher ermoglicht haben. Wie lange diese Unterstutzung genftgen 

wird, ist eine andere Frage, und jedenfalls ist zur Zeit an die 

sehr wiinschenswerte Vergr5Berung der Zeitschrift nur zu 

denken, wenn alle Interessenten auch fur grSBere Verbreitung 

sorgen. Wenn es gelange, in jedem Kapitel zwei oder drei 

neue Abonnenten zu gewinnen, k5nnte man der Sache naher 

treten^). Vor allem aber mochte ich die Henen Mitarbeiter 

bitten, dem Unternehmen weiter ibre treuen Dienste zu leisten 

und neue frische Krafte dafiir zu werben, zur Ehre der Wissen- 

schaft, und wie wir hoffen dlirfen, auch zu Frommen unserer 

Landeskirche, in deren Dienst sich die BeitrSge in erster Linie 

auch im neuen Jahrzehnt stellen wollen^). 

Th. Kolde. 

1) Siehe dazu die Anerbietnngeti der Verlagsbucbhandlnng auf dem 
Umschlag. 

2) In redaktioneller Beziehnng mag hier noch folgeodes bemerkt 
werden: Mit dem 11. Bande soil auch in dieser Zeitschrift die neue 
Orthographie eingeflihrt werden. Im Interesse der Druckerei liegt es, 
daB alle fiir die Beitrage bestimmten Manuskripte nur auf einer Blattseite 
beschrieben sind. Bel der Wiedergabe von Urkunden, Aktenstiicken etc. 
nicht aber bei Darstellungeu sind die Personen und Ortsnamender 
besseren Obersicht wegen zu unterstreichen. BeiZitaten von Schriften 
ist der Name des Verfassers ebenfalls zu unterstreichen, auch nach Wdg- 
lichkeit der Titel genau mit Ort und Jahr des Erscheinens anzugeben. 



Leutershausen bei Beginn der Reformationszeit und 

das Ende Eberlins von Giinzburg. 

Von Dr. Earl Schombaum. 

Das Ansbachische Stadtlein Leutershausen ^) war am Aus- 
gang des Mittelaltei's im Verhaltnis zu seiner Grofie reich mit 
kirchlichen Pfriinden und Anstalten versehen. AuBer der 
Pfarrei gab es 1528 eine Mittel-, Friih-, Kapell-, Bruder- und 
Engelmesse^); auch finden wir eine Bruderschaft der Schuster 
und Schneider, die ihren. Jahrestag am Tage Crispini und 



1) Zur Yerfttgung standen mir aus dem kgl. Eonsistorialarchiy zu 
Ansbach 2 Aktenvolnmina. N. 411. Acta die Pfarrei Leutershaugen be- 
treffend. U61— 1678. (zitiert: Pf. L.) n. N. 416. Acta die Eaplaneien zu 
Leutershausen betreffend. 1496 — 1656. (zitiert < K. L.). Aus dem Niim- 
berger Ereisarcbiv Tomus V pars I der Ansbacher Religionsakten. Wie 
Uber die itbrigen markgrSflicbeu Pfarreien ist auch liber Leutershausen 
wenig Yorhanden; die Ansb. Rel. Acta sind vielmebr die offiziellen Akten, 
welche die SteUung Braudenburgs in den religidsen Bewegungen des 
16. Jhdt. zum Ausdrucke bringen*. Eine Reihe von Akten verwahrt auch 
das kgl. preuB. Staatsarchiv zu Kdnigsberg i. Pr. Herzogliches Bnef- 
archiv A 3. (alt: 3. 3. 46.) 6. Nov. 1532. Die im 11. Jahresbericht des 
hist. Yereins fOr Mittelfranken 1841 (Ansbach 1842) S. 65 u. 73 erwShnten 
Episcopalakta (1528—1726) u. Lateinische-Teutsche Schnlacta (1520—1736) 
standen mir leider nicht zu Gebote. Die Oberamtsakten von Eolmberg 
im Ereisarcbiv zu Niirnberg [Rep. 144] entbalten nichts sachdienliches. 

Cber Leutershausen s. obigen Jahresbericht S. 43—89. 

2) 1. Bericht des Amtmauns Wolf vonHefiberg an Markgraf Georg 
tiber die Pfarreien und Gotteshauser im Amte Eolmberg. d. d. Matthaei. 
ap. [21. 9] 1528. A. R. A. Tom. Y. p. 1. fol. 70 ff. und 2. Bericht des Amt- 
manns Wolf v. Hefiberg an die Statthalter tiber die Pfrtinden. d. d. 
Donnerstag Burkhardi [12. 10?] 1531. A. R. A. Tom. Y. p. 1. fol, 100 ff. 



6 Schornbaum, Leutershausen bei Beginn der Bcformationszeit. 

Crispiniani hielten ^). Neben der Gotteshauspflege ^) bestand 
ein St. Wolfgangsaufheben *) and eine Stiftung „die elenden 
Kerzen" genannt*). Wir diirfen dabei nicht vergessen, dafi 
nicht weniger als 18 Dorfer in die Pfarrei gehorten^). Bei 
einem derartigen Umfange der Pfarrei waren natiirlich auch 
die Ertragnisse derselben nicht gering. Im Jahre 1529 schatzte 
man dieselben auf 304 fl. Sort lOcJ^); nach einem Bericht 
des Kastners Veit Gattenhofer aus dem Jahre 1531, nachdem 
alle katbolischen Stiftungen und Einrichtungen schon langst 
gef alien waren, belief en sich die Einnahmen doch immer noch 
fast aaf dieselbe Hohe '^). Infolgedessen teilte sie auch, trotz 
mancher auf ihr ruhenden Lasten®), das Scljicksal so manch 

1) A. R. A. Tom. V. p. 1. fol. 84. cf. obiger Jahresbericbt S. 84. 
Aus einem wohl 1555 entstandenen Verzeichnis der erledigten Pfriinden 
ergibt sicb, dafi die Einnahmen 13 fl. 1 ort betrugen. 5 fl. wurden ver- 
teilt unter arme Leute, 1 fl. bekamen sie fiir Brot, ^/, fl. fiir Wein. 
IVs fl- die Armen im Siecbenhaus. 1 fl. Haasarme. 1 fl. der Stadtschreiber. 
Vs fl* betrug die Stadtsteuer. Va fl* wurde zn einem Mahle bei der 
Austeilung vcrwendet Ansb. Rel. Acta Tom. Ill f. 23. 

2) cf. 11. Jahresbericbt. S. 82. A. Rel. Acta. Tom. V. p. 1. f. 83: 
Aufbeben des Gotteshanses St. Peter za Leutershausen 1528. 

3) cf. 11. Jahresbericbt. S. 66. A. Rel. Acta Tom. V. p. 1. f. 85: 
S. Wolfgangs Aufbeben. 

4) A. Rel. Acta Tom. V. p. 1. f. 86. 

5) Nach Pf. L. foU 25 gehorten nach Leutershausen: Sachsen, 
Btichelberg, Rottenbach, die Hof, Velbregt, Orttenberg, Binzenweiler, 
Rotenweiler, Erlbach, Neunkirchen teilweise, Wisterbach, Reinsdorf, 
Reifihart, Winden, 'Klonsbach, Emdorf, Fromnaetsfelden (teilweise), Hoch- 
stetten, Bauzenweiler, Kressenhof. 

6) Ansb. Rel. Acta. V, p. 1. f. 91: Einkommen der Pfarrei Leuters- 
hausen 1529. 

7) Ansb. Rel. Acta. V. p. 1. f. 99: Veit Gattenhofer, Kastner zu 
Leutershausen an die Statthalter zu Ansbach. d. d. Di. n. Omn. Sanct« 
(7. XI) 1531. Nach J. Looshorn, Die Geschichte des Bistums Bamberg IV. 
Bamberg 1900. S. 738 im Jahre 1536: 284 fl. 2 ^ 1 Heller. 

8) Joh. Nagel, Pfarrverweser zu Leutershausen zahlt auf folgende 
Leistungen : An die Herrschaft Brandenburg jahrlich 2 fl. ; 15 Tage lang 
voUkommene Kost fiir Schulmeister und Priester; Ostern, Kirchweih, 
Pfingsten wurde der ganze Rat von Pfarrer bewirtet; der Schulmeister 
erhielt vom Pfarrer 1 Malter Korn, 1 Schober Heu, 3 FuderHolz und 1 fl.; 
der Pfarrer von Weinberg 1 Malter Korn. Bei Annahme eines neuen 
^chulmeisters mufite 1 ort dem Rat zum Trunk gegeben werden; dem 



SchornbaHm, Leutershaiisen bei Beginn der Rcformationszeit. 7 

anderer eintragliclier Pfarrei des Markgraftums, daB der eigent> 
liche Pfarrer sich wenig urn die Pfarrgeschafte bekummerte, 
sondern dieselben gegen eine geringe Vergiitung durch einen 
Kaplan versehen liefi, wahreud er selbst in der Feme die 
reichen Einklinfte fiir sich verwendete ^) . Urn den Beginn der 
Reformationszeit besaB die Pfarrei der Wurzburger Domherr 
Dietrich von Thiingen; die Pfarrgeschafte besorgte jedoch der 
Mittelmesser Mag. Konrad Beringer ^), der zugleich die Wlirde 
eines Dechanten fiir das Kapitel Leutershausen bekleidete. 
^ Eigentlich ware er verpflichtet gewesen, die Pfarrei Geslau zu 
verwalten; er zog es jedoch vor, sie dnrch J. Meder versehen 
zu lassen ^). Fruhmesser war Georg Reigel, Kapellmesser Mag. 
Friedr- Engerer, Brudermesser Georg WeiCgerber *), der auch 
die vom Markgraf Albrecht Achilles im Anftrag seines sterbenden 



Bischof von W^iirzburg und dem Dompropst 6 Q 10 ^; der Frtthmesser 
bekam ein siebenklafteriges Schober Heu von den PfrUndewiesen. Pf. L. 
foU 25. cf. 28. 

1) Fr. W. A. Layriz, de primae evangelicae lucis ortu in terris 
Brandenburgico Baruthinis schedion historico epistolare. Baratbi 1795. 
S. 24 zahlt eine Reihe von Beispielen auf: Bayreutb: 1420 Jakob von 
Plafienburg; 1431 G. Kunsberg von Wernstoin, can. Wirzeb.; 1456 Job. 
Kocbiam de Kochheim can. Eicbst. etBrix.; 1493 Ulrich von Lentersbeim. 
Weidenberg: 1471 Andreas de Wirsperg; 1486 Franc, de Wirsperg. 
Neankirchen: 1496 Jodocus a Reizenstein; Oberngesees: 1476 H. 
Stiirmer; 1511 Fr. von Rusembach. Gesees: 1511 Chr. von Wicbsen- 
atein. Kirchleus: 1505 Job. v. Schaumberg. Wonsees: 1452 G. 
v. Aufsefi, can. Bamb. Wirsberg: 1456 Aug. v. Rabengtein. Drosen- 
feld: 1513 Aug. v.Rabenstein. Trumsdorf: 1409 Oswald von Mengersdorf. 

2) Seine Vorganger waren H. W^eiglin, M. Friedrich. Pf. Leut. f. 25. 

3) Bericht des Amtmanns Wolf v. He^berg. Matthaei ap. 1528. 
[21. 9.] A. Rel. Acta T. V. p. 1. f. 70 ff.; aHerdinga waren die Auf- 
stellangen schon am Mo. u. Di. n. Egidi [7. u. 8. 9.] 1528 in Gegenwart 
des Yogtes H. Scblund, des Kastners und des Predigers Job. Nagel gemacht 
worden. — Am 20. Aug. 1528 hatte derselbe Amtmann als Kaplan an- 
gegeben: Jobst Niederreut. Anab. Rel. Acta T. VIII. fol. 35 ff. d. d. Do. 
n. Sebaldi 1528. cf. Blatter f. bayerische Kirchengeschichte. I. (Ro then- 
burg 1887/1888) S. 112. 

4) A. Rel. Acta Tom. V. p. 1. f.73ff. Die Brudermesse ertrug 30 fl., 
die Engelraesse 31 fl., ebenaoviel die Mittelmesse; die Friihmesse 40 fl.; 
die KapeUmesse 21 fl. Fur das Jabr 1531: S. A. R. A. T. V. p. 1. f. 102, 
1536: s. J. Looshorn S. 738. 



8 Schornbaum, Leatei'Bhausen bei Beginn der Reformationszeit. 

Vaters 1451 gestiftete SchloCmesse zu Kolmberg verwaltete ^). 
Die Einkunfte der Engelmesse hatte man 1628 dazu verwendet, 
als ihr Inhaber gestorben war, auch hier eine Praedikatur zu 
errichten. Dieselbe war Job. Nagel ubertragen worden^). 

Zum erstenmal griff die markgraf liche Regierung im Geiste 
der Reformation in die kirchlichen Angelegenheiten im Jahre 
1527 ein, als es gait, den nach manchen Verhandlungen erst 
von Georg gebilligten Landtagsabschied vom Jahre 1526 zur 
Durchfiihrung zu bringen^). Der alte Pfarrverweser Mag. 
Konrad Beringer ftihlte sich durch denselben sehr beengt; es 
war, wenn man nach einem Vermerk bei sp^teren Abmachungen 
mit ihm schlieBen darf *), vor allem die Bestimmung, daB keine 
Konkubinen mehr bei den Geistlichen geduldet werden soUten. 
Er hatte deshalb dem Domherr Dietrich von Thlingen gekiindigt. 
Da dem nunmehr gesandten Kaplan von der markgraflichen 
Regierung die Verwaltung der Pfarrei trotz Fursprache des 
Dompropsten Friedrich von Brandenburg verweigert wurde, 
andrerseits auch der eigentliche Pfarrer nicht nachgeben wolUe^ 
schien es, als ob die Pfarrei langer unbesetzt bleiben sollte^). 



1) Stiftungsbrief des Markgrafen Albrecht fiber eine Messe im 
Schlosse zu Kolmberg zu Ehren der drei Konige, Hieronymi und Maria 
Magdalena. d. d. Ansbach. Jnv. crucis [3. 5.] 1451. Orig. Perg. Kreis- 
archiv Nttrnberg. I. Kasten- und Vogtamt Kolmberg. A. Schlofi im all- 
gemeinen. S. XVI. 273/1 1 N. 14. BestatigungBbrief des Bischofs Gott- 
fried von W^urzburg. d. d. W^iirzburg, 17. Mai 1451. ibidem N. 15. Claufi 
Heinlein und seine Ehefrau Katharina von Frommetsfelden verkaufen 
2 Tagwerk Wiesen zu Frommetsfelden an den Ansbacher Chormeister 
und Singherrn Joh. Medlinger von Ansbach zu einer ewigen Fruhmesse 
im Schlosse Kolmberg um 60 fl. Di. n. S. Walp. (4. 5.) 1451. ibidem 
N. 13. 8. J. Looshorn IV. S. 939. 

2) A. Rel. Acta Tom. V. p. I. f. 73 f. 

3) K. Schornbaum, die Stellung des Markgrafen Kasimir von 
Brandenburg etc. Nttrnberg 1900. S. 106. 

4) Pf. L. fol. 21. 

5) Pf. L. fol. 17. Dietrich von Thiingen an den Markgrafen Kasimir: 
bittet seinen Kaplan auch ohne Verpflichtung auf den Landtagsabschied 
die Pfarrstelle beziehen zu lassen. Er war aufgefordert worden, einen 
frommen gelehrten Priester auf die durch Verzicht Beringers frei gewordene 
Stelle zu senden. — Erneute Bitte Dietricbs von Thtingen unter Hinweis 
auf die Verwendung Friedrichs. d. d. Mo. n. Rem. (18. 3.) 1527. Pf. L. fol. 19, 



Schornbaum, Leutersbausen bei Beginn der ReformationBzeit. 9 

Urn aber die vielen Schwierigkeiten, die die Einfiihrung des 
oben erwahnten Landtagsabschiedes mit sich gebracht hatte^), 
nicht noch zii vermehren, unterhandelte man mit dem alten 
PfaiTverweser wiederum wegenFortfiihrungderPfarrgeschafte*). 
Man uberlieB ihm gegen eine jahrliche Abgabe von 100 fl. an 
den eigentlichen Pfarrer samtliche Pfarreinkttnfte und gab ihm 
hinsichtlich seiner Magd beruhigende Versichernngen (1. Juli 
1527)*). Doch soUten sich die Verhaltnisse bald andern; noch 
im September starb Markgraf Kasimir zu Budapest. Mit der 
Ubernahme der Regierung durch seinen Bruder Georg war der 
Sieg der Reformation im Lande eigentlich schon entschieden. 

Von alien Geistlichen in Leutersbausen hatte sich auBer 
dem Kapellmesser Mag. Fr. Engerer allein der Prediger J. Nagel 
der neuen Lehre zugewandt, wodurch er groBen EinfluB auf 
das Volk gewann. Die andern hingen anfanglich um so hart- 
nackiger am Papsttum. Noch 1530 '(10. Nov.) konnte man 
samtliche Vikarier*) iauBer dem 1529 auf die Engelmesse ge- 
setzten Endres Lauden von Dettelbach, einem friiheren M6nch; 
als Papisten bezeichnen ^), Dem entsprach auch das Ergebnis 
der ersten markgrjlflichen Kirchenvisitation. Wahrend der 
Prediger das Exanien gut bestand, wurde der Pfarrverweser 
Konrad Beringer und der Friihmesser G. Reigel „male" be- 
funden ^). Durch das Festhalten derselben am alten Glauben 

1) K. Schornbaum, 1. c. S. 106 ff. 

2) Statthalter und Rate zu Ansbach an Co. Beringer, Mag. Pfarrherr 
zu Leutersbausen. d. d. Mitw. n. Estomibi (6. 3.) 1527. Bitte, die S telle 
nocb so lange zu verseben, bis ein neuer Verweser aufziehe. Pf. L. fol. 18. 

3) Pf.L.fol.20.actumMo. n.PetrietPaulil527. aucbA.B. A.y.p.l.f.89. 

4) Job. Eberlin an Alexius N. [Frauentraut], markgraflichen Sekretar, 
d. d. Leutersbausen. auf Vigil. Martini. (9. XT.) 1530. Pf. L. f. 28. 

5) Job. Eberlin an den Markgrafen. So. Estomibi (19.. 2.) 1531. 
Pf. L. f. 46: „Vor 1^2 Jabren babe der Markgraf einen ebemaligen Moncb 
auf die Engelmesse gesetzt." 1531 war Engelmesser A. Lauden v. 
Dettelbacb, vorher wobl Pfarrverweser in Mainbernbeim s. Blatter fur 
Eircbengescbicbte. L S. 11. 

6) Das Visitationsergebnis v. Rurer gescbrieben. A. R. A. VIII. f.446. 
Abg. 43. Jabresbericbt des bistoriscben Verelns von Mittelfranken. 1889; 
Ansbacb S. 60. cf. H. Westermayer, Die Br. Nurnbergiscbe Kirchen- 
visitation und Kircbenordnung 1528 — 1533. Erlangen. 1894. S. 35. tlber 
den Termin: Beitrage X.-.S. 40. 



10 Schornbaum, Leutershaasen bei Beginn der Befoimationszeit, 

war naturlich die Einfiihrung der Neuerungen und die Durch- 
fuhrung der Kirchenordnung in Leutershaasen ernstlich ge- 
fahrdet, und man benutzte in Ansbach nicht ungem die Qe- 
legenheit, als die Leutershauser Gemeinde' sich liber den 
Pfarrverweser beschwerte, urn durch den Amtmann von Kolm- 
berg, Wolf von HeBberg, diesem die Weisung zukommen zu 
lassen, seine eigene Pfarrei baldigst zu bezielien lind an seiner 
statt den Priester, „den die armen Leute so gern horen", als 
Pfarrer zu verordnen^). Es war wohl niemand anders als der 
Pradikant Job. Nagel. 

Damit erlangte der Mann in der kirchlichen Geschichte 
Leutershausens eine groBere Bedeutung, den man als den ersten 
evangelischen Stadtpfarrer dieser Stadt bezeichnen darf. Leider 
geben uns die bis jetzt zuganglichen Akten keinen AufschluB 
daruber, woher er stammte und welches sein Bildungsgang 
war. Sein Nachfolger teilt uns eimal . mit, daB er im Wiirz- 
burger Bistum friiher also eineu Priester geschlagen hatte, daB 
ihn nur die vergebenden Worte desselben auf dem Totenbette 
vor einer argeren, als der Gefangnisstrafe bewahrten. Auch 
in Wertheim soUte er sich zu Tatlichkeiten gegen einen Gfeist- 
lichen in der Kirche haben hinreiBen lassen, daB ihn Graf Georg 
von Wertheim aus dem Lande weisen muBte^). Er scheint 
von nicht geringer Willenskraft gewesen zu sein, und es ver- 
standen zu haben, mit dem kleinen Mann umzugehen. Vor 
allem ging er energisch an die Durchfuhrung evangelischer 
Grundsatze im Gottesdienst; er schaffte die lateinische Sprache 
vollkommen ab^). Auch die beiden Visitatoren A. Althamer 
und Joh. Rurer mlissen von ihm einen guten Eindruck be- 



1) Georg an Wolf v. He6berg. d. d. Do. nach Exalt. Crucis. (17.9.) 
1528. Pf. L. f. 22. Ko. BeriBger hatte gebeten (7. u. 8./9. 1528. befor- 
dert 21./9.) ihn bis auf Cath. Petri 1529 auf seiner Stelle zu lassen und 
mittlerzeit einen Prediger zu verordnen, der das Wort Gottes und Evan- 
gelium 'verkiinde, angesehen sein Alter und Unwissenheit, bis ihn der 
Geist Gottes erleuchte. Ansb. Rel. Acta. Tom. V. p. 1. fol. 89 f. 

2) Johann Eberlein an den Kammersekretar Alexius N. d. d. Louters- 
hausen. auf Vig. Mart. (9. XL) 1530. Pf. L. fol. 28. 

3) A. Tetelbach, vicarius zu Leutershausen an den Kastner. KOnigs- 
"berger Archiv. Beilage III ad A 3. (6. XL 1532) alt: 3. 3. 46. Unten 
gedruckt. s. Beilage V. 



Schornbaum, Lentershausen bei Beginn der Eeformationszeit. H 

kommen haben. Zur Befestigung des neuen Kirchenwesens 
schlugen sie dem Markgrafen vor allem die Aufstellung von 
Superintendenten vor; fur das Amt Leutershausen-Kolmberg 
wird sein Name genannt^). 

Keine leichte Aufgabe wurde ihm damit ubertragen. Aber 
Nagel machte sich mit allem Eifer daran. Gemeinsam mit dem 
Pfarrer J. Reulein von Buch^) visitierte er zweimal samtliche 
Pfarreien seines Bezirkes; er lieB sich die Muhe nicht ver- 
drieBen, die widerstrebenden Geistlichen an der Hand der 
heiligen Schrift von der Wahrheit der lutherischen Lehre zu 
liberzeugen. Es gab zwar eine Eeihe von Pfarrern, die die 
Neuerungen voUstandig durchgefuhrt hatten und keinen AnlaB 
zur Klage boten: so Mag. Fr. Engerer, der Kapellmesser zu 
Lentershausen, Petrus Eckstein Pf. von Auerbruch, H. Kutth, 
Pf. V. Mitteldachstetten, M. Eiring, Pf. v. Obemdachstetten, 
N. Braun, Pf. v. Kadolzhofen, Jod. Seuber, Pf. zu Frommets- 
felden und der Pf. Veit Gall v. Brunst. Wenig Schwierig- 
keiten machte auch der Pfarrer J. Beck von Windelsbach, fiber 
den die Bauern nur das zu klagen hatten, daB er nichts vom 
Sakrament gepredigt hatte. Der Pfarrer von Binzwang, Joh. 
GriBbacher scheint ein alter zittemder Mann gewesen zu sein; 
denn fiber ihn lief die Klage ein, daB er die Bauern mit Wein 
zuviel flberschfitte. Viel widerspenstiger fand man den Pfarrer 
Melchior Frei von Kolmberg; man fand ihn in alien Punkten 
straflich. Nie hatte er die Gemeinde aufgefordert, in beiderlei 
Gestalt das Abendmahl zu genieBen ; bei der Taufe gebrauchte 
er Chrisam und andere Spezerei; fiberhaupt richtete er sich 



1) A. Kel. Acta VIII. f. 445. (hier wm-de Nagel schon Pfarrverweser 
genannt, noch im Sept. Praedicator), auch 470, ebenso 473: Nota: in 
hemach benannten amten sollen noch Speculatorea angezeigt und be- 
nannt werden. (von Rurer geschrieben). s. Blatter fiir bayerische 
Kirchengeschichte I. (Rothenburg. 1887/88) S. 34. Th. Kolde, 
Andreas Althamer der Humanist und Reformator in Brandenburg-Ansbach. 
Erlangen 1895. S, 52. 

2) Nach A. Rel. A. VIII. f. 445 stand Joh. Nagels . Wahl zum 
Superintendenten fest. Rurer schlug nun, well das Amt viele Priester 
habe, noch zwei vor: M. Eiring von Oberdachstetten und G. Rewlein zu 
Buch. ibidem f. 473. SchlieBlich begntigte man sich docb mit zwei 
Superintendenten, f. 470, 



12 Scbornbaum, Leutershausen bei fieginn der Beformationszeit. 

nach der Wiirzburger Agende. Die Aufforderung der Visi- 
tatoren sich zu rechtfertigen, lieB er unbeachtet; doch zeigte 
er sich bei der zweiten Visitation geftigiger. GroBe MiB- 
stimmung herrschte in der Pfarrei Obersulzbach, wozu Hegenau, 
Hohenaub, Grafenbuch, Untersulzbach und Berndorf gehSrten, 
gegen den Pfarrer Konrad Hofmann, der nicht nur alle Ge- 
brauche beibehalt, sondern auch die beiden Visitatoren von der 
Kanzel herab Ketzer schalt. Der Dorfmeister H. Fiedle warf 
ihm in Gegenwart derselben samt andern Bnrgern oflfen vor, 
daB er sein zu Ansbach im Examen gegebenes Versprechen, 
seine Pfarrstelle vertauschen zu woUen, noch nicht gehalten 
habe^). Joh. Nagel gewann aus den Unterhandlungen mit 
ihm den Eindruck, daB er besser zu einem Sauhirten als zu 
einem Prediger tauge. Bei einem zweiten Besuche fand man 
das Sakramentsh^uslein und andere Dinge noch vor, sodaB man 
den Eindruck gewann, daB er sich in nichts hatte umstimmen 
lassen. Miindliche Unterredungen, die Joh. Nagel und Ni. Braun 
am 15. April 1529 mit ihm anstellten, hatten auch keinen Er- 
folg, sodaB diese einen Stellentauch zwischen ihm und dem 
zweiten Superintendenten vorschlugen. Doch gelang es, den 
harten Sinn dieses Mannes zu beugen; bezeugt er doch 1530, 
daB Joh. Nagel sich immer christlich und recht priesterlich ge- 
halten habe und es nie an christlicher Ermahnung habe fehlen 
lassen 2). Ganz unerquickliche Zustande herrschten auch in 
Leutershausen selbst. Als man am Tage Purif. Mariae das 
Abendmahl unter beiderlei Gestalt austeilen woUte, fand man 
das Sakramentshauslein verschlossen. Erst dem Burgermeister 
gelang es, von dem alten Dechanten Ko. Beringer den Schlussel 
zu erlangen. Seinen Standpunkt verrSt es deutlich, wenn von 
seiner Bereitwilligkeit, 5 fl. gern hergeben zu woUen zur Be- 
leuchtung des Sakramentshausleins, berichtet wird. Georg 
Reigel war sein Gesinnungsgenosse ; in Wissersbach (wohl 
Wiedersbach) hielt er ganz nach altem Branch die Messe. Nur 
den Mag. Friedrich Engerer fand man bereit, sich nach den 
Anordnungen des Markgrafen zu richteti. Vor allem wurde 



1) 8. Blatter zur bayerischen Kircbengeschichte I. S. 36. 

2) Pf. L. f. 36. 



Schombaum, Leatersbausen bei Beginn der Reformationszeit. 13 

hier die Tatigkeit der Visitatoren erschwert durch den alteu 
Pfarrverweser Ko, Beringer. Man fand namlich, daB in Geslau, 
wohin dieser Job. Meder als Verweser gesetzt hatte, noch nie 
deutsche Messe gehalten, nie eine Exhortation vor dem Abend- 
mahl vorgenommen worden war; die Pfarrkinder wuBten nichts 
liber den Unterschied zwischen Testament und Opfer, noch viel 
weniger vom Katechismus. Da nun eine Aufforderung an 
Beringer, seine Pfarrei doch selbst zu iibernehmen nichts 
fruchtete, so nnternahm es Job. Nagel den Pfarrverweser in der 
heil. Schrift zu unterweisen. Mit wenig Erfolg. Auf erneute 
Klagen machte er sich am 14. April 1529 wieder nach Geslau 
auf. Er fand, daB der Pfarrverweser viel Partikel im viatico 
urn viele in einem Beutel hatte; 30 Partikel, die zu Ostem 
ubrig geblieben waren, hatte er in ein besonderes corporate 
getan, in das Sakramentshauslein gesteckt und ein Licht davor 
angeziindet. Auch hier empfahlen es die Visitatoren, ihn zu 
entfemen und daftir den Pfarrer von Buch an seine Stelle zu 
setzen, da der eigentliche Pfarrer durjehaus nicht seine Pfarrei 
versehen woUe^). Ihre Vorschlage hatten wenig Erfolg; man 
beschloB zwar in Ansbach, binnen 14 Tagen habe Ko. Hofmann 
seine Stelle zu raumen, und Ko. Beringer wurde angewiesen, 
entweder selbst in einem Monat nach Geslau zu ziehen oder 
durch einen von den Examinatoren gepriiften Kaplan dasselbe 
verwalten zu lassen^), aber noch 1531 treffen wir beide auf 
ihren alten Stellen^); doch waltete jetzt in Geslau ein neuer 
Kaplan Endres N.*). 

. Derartige Erfahrungen erschwerten natiirlich die Tatigkeit 
der Visitatoren. Es war nur gut, daB der Amtmann Wolf von 
HeBberg ihnen keine Schwierigkeiten in den VS^eg legte. Neue 
VerdrieBlichkeiten erwuchsen Nagel von einer Seite, ' von der 
man es zunachst nicht erwarten soUte. Schon in der Ver- 
fiigung, die ihn zum Pfarrer in Leutershausen ernannte, war 



1) Joh. Nagel an den Markgrafen. Wohl aus dem Jabre 1529. 
Original. Ansb. Rel. Acta Tom. VIII. f. 542 (pars. II. Pr. N. 120). 

2) Ansb. Rel. Acta Tom. II. fol. 23. 

3) Ansb. Rel. Acta Tom. V. p. II. fol. 100 ff. 

4) Wohl Andreas Scherpfig, der bis 1536 Pf. in Geslau war. Akt: 
Pfarrei Geslau 1536—1736 fol.. 5. auf dem kgl. Konsistopium zu Ansbach. 



14 Schornbaum, LeaterBhausen bei Beginn der Reformationszelt 

bemerkt, dafi er dem armen Mann so sehr gefalle^). Wirklich 
hat er auch, das geht aus den vielen Bittschriften bei seiner 
Absetzung unzweifelhaft hervor, bei dem groBen Haufen den 
meisten Einflufi sich erworben, aber dadurch auch sich den 
Rat entfremdet. Zu einem friedlichen Zusammenwirken diente 
es auch nicht, dafi Joh. Nagel ziemlich eigenmachtig verging 
bei Annahme von KapUnen, den Stadtschreiber, ohne den Rat 
zu fragen, entlieB, auch sich weigerte die biirgerlichen Lasten 
auf sich zu nehmen^), was doch schon 1525 im Markgraftum 
eingefiihrt worden war ^). Es verwuudert uns daher nicht, daB 
der Rat gegen seinen Pfarrer sich beschwerdefiihrend 1529 
nach Ansbach wandte. Nagel hatte seine Sache selbst ver- 
schlechtert, indem er sich manche BlSBe gab. Es wird wohl 
auf Wahrheit beruhen, wenn ihm ungestumes Predigen und 
Schelten auf der Kanzel vorgeworfen wird, sowie sein Betragen 
in Wirtshausern gerttgt wird*). Trotzdem hatte ihre Bitte 
keinen Erfolg ^) ; vielleicht wurde E. Lauden ^) jetzt als Engel- 
messer nach Leutershausen geschickt. Erst im nachsten Jahre, 
als die Anzeige nach Ansbach gelangte, dafi man keinen Pfarrer 
habe, erging die Mitteilung, daB bald ein neuer Pfarrer ein- 
treffen werde (18. Oktober 1530)'^). In einem wenige Tage darnach 
ergehenden Schreiben (22. Oktober 1530) ®) war der Verkehr Nagels 
in den Wirtshausern und das eigenmachtige Verlassen seiner 
Stelle als Grund der Amtsentsetzung angegeben. Man kann 
billig bezweifeln, ob das wirklich der einzige Grund war. Es 
war die Zeit, wo durchs Markgraftum die Wiedertaufer hin 
und her wanderten; sogar in Ansbach kam es zu Verhandlung^n 



1) Pf. L. f. 22. 

2) Pf. L. f. 23 gedruckt in der Beilage N. 1. 

3) K. Schornbaum, 1. c. S, 67. 

4) Beilage I. 

5) Das Gutachten Nagels fiir den Augsburger Reichstag in A. R. A. 
T. Xllf. 289 ff. 

6) gewohnlich nur Endres Tetelbach genannt. 

7) Markgraf Georg an den Kastner Veit Gattenhofer, Vogt, Bttrger- 
meister etc. zu Leutershausen. Ansbach Di. n. Galli (18. X.) 1530. 
Pf. L. f. 33. 

8) Georg an AmtmanD, Kastner, Vogt etc. von Leutershausen. 
Ansbach. Sa. n. Ursale (22. X.) 1530. Pf. L. f. 34. 



SchorDbaum, Leutershausen bei Beginn der Reformationszeit. 15 

mit denselben. Auch in Leutershausen scheinen sie Boden ge- 
funden zu haben. Am 28. August 1530 leistete G. Nespizer 
von Leutershausen „der bekannte Jorg vonPassau*' mit seiner 
Hausfrau Brigitte offeutlichen Widerruf^). Vielleicht, daB man 
in Ansbach das eigenmachtige Verschwinden von der Pfarrei mit 
dieser Bewegung in Zusammenhang brachte uud deswegen 
diese Strafe verfiigte. Der Markgraf wachte ja angstlich iiber 
alle Regungen dieser, wegen ihrer pol. Ansichten h5chst unan- 
genehmen Bewegung. 

Bereits am 18. Oktober 1530 erschien als neuer Pfarrverweser 
Joh. Eberlin von Giinzburg in Leutershausen^). Bis jetzt 
nahm man an, daU dieser Mann, einer der bedeutendsten Volks- 
schriftsteller der Reformationszeit, bald nach 1530 in Wertheim 

1) Uber die umfangreiche Tauferbewegung werde ich spater noch 
mehr zu berichten imstande sein, da das gesamte Material noch vorhanden 
zu sein scheint. (A. Rel. A. Tom. 38. 39. Tom. Siippl. I.) Georg 
Nespizer ist der bekannte J5rg v. P.assau. s. Fr. Roth, Augs- 
burgs Reformationsgeschicbte 1517—1530. Munchen 1901. S. 244ff. Von 
Augsburg ging er nach Strafiburg, wo er ins Gefangnis gelegt aber bald 
des Landes verwiesen wurde. Aus dem Urphedbach der Stadt Strafiburg. 
d. d. Di. n. Ostein.. (30. III.) 1529. A. R. A. 39 fol. 80. Er wandte sich 
dann nach Leutershausen, wo er unerkannt blieb, dafi ihm 1530 der Rat 
das beste Zeugnis ausstellte. Durch die Aussagen M. Meirs v. Erlangen 
wurde auch er wieder erkannt und gefanglich angenommen. Der Mark- 
graf erkundigte sich bei den Stafiburgern uber ihn (A. R. A. 39 f. 80) 
und befahl, ihn als rUckfalligen zn behandeln. Georg an seine Statt- 
halter, d. d. Mo. n. Marg. (18/7) und Mitw. n. Jacobi (27/7) 1530. A. R. A. 
Tom. 39. fol. 81. 84. Da er sich bereit erklarte zur Widerrufung aller 
Irrtiimer (Urgicht G. Nespizers von Lauingen, Biirgers von Leutershausen, 
Jorg V. Passau genannt. Mitw. n. Marg. (20. VII.) 1530. A. R. A. 
Tom. 39 f. 95 f.), auch Burgermeister und Rat von Leutershausen sich ffir 
ihn verwandten (Bngitta Nespizerin an die Rate zu Ansbach; Btirger- 
meister und Rat zu Leutershausen an die Statthalter zu Ansbach. d. d. 
Fr. n. Ass. Mariae (19. 8) 1530. A. R. A. Tom. 39. f. 63 u. 68), wurde 
er gegen Urphede und Kirchenbufie freigelassen. Urphede G. Nespizers 
und seiner Hausfrau Brigitta. So. n. Ass. Mariae (21. 8) 1530. Grig. 
Kreisarchiv Nttrnberg. Ob. Colmberg. (Vogtamt Leutershausen. A. Stadt 
Leutershausen.) S. XVI. 273/2 N. 22 a, cf. auch 11. Jahresbericht etc. 
S. 63. Auch der Pfarrer Hechtlein von Schalkhausen war rtickfallig ge- 
worden. A. R. A. 39 f. 84. 

2) Wolf V, Hefiberg an Markgraf Georg. d. d. Di. n. Mart. (15. XI.) 
1530. Pf. L. f. 31. 



16 Schornbaum, Lentershausen bei Beginn der Beformationszeit. 

gestorben sei. Aber auch hier soUte der weit herumgewanderte 
Mann sein miides Haupt nicht zur Ruhe legen durfen^). Nach 
seinen eigenen Angabeu hatte er Wertheim verlassen, weil 
Graf Michael n. und die Witwe des Grafen Georg ihm nicht 
mehr den n5tigen Schutz vor den Verfolgungen der Katholiken 
geben konnten. War doch Graf Georg selbst hart vor den 
Toren seiner Hauptstadt von einem Mainzischen Reiter ttber- 
fallen nnd beinahe erstochen worden^). Aber nach den von 
dem ehemaligen Leutershausener Kastner Veit Gattenhofer dem 
Markgrafen Albrecht, Herzog in PreuBen tibersandten Schrift- 
stiicken scheint dies doch nicht der einzige Grand gewesen zn 
sein^). Wenn sie zwar auch nicht anf voile Glaubwiirdigkeit 
Anspruch erheben konnen, so ergibt sich doch soviel als sicher, 
daB zwischen ihm nnd dem Amtmann Hundt Streitigkeiten 
entstanden sind, vielleicht wegen der strengen Kirchenzucht, 
die er in Wertheim hielt*). Altere Beziehungen zu dem mark- 
graflichen Kanzler G. Vogler^) nnd dem Kammersekretar Alex. 
Frauentraut®) bewogen ihn wohl, sich nach Ansbach zu wenden, 
wo ihm bald die Verwesung der Pfatrei Leuterhausen liber- 
tragen wurde. 



1) s. den Artikel Kolde, Eberlin in Pr. R. E. » V, 122ff. daselbst 
auch weitere Llteratur. 

. 2) Verantwortung J. Eberlins. 28. VII. 1531. Pf. L. f. 57 ff. «aut 
S. Marthae Tag". 

3) cf. Beilage VIII und IX. 

4) H. Neu, Geschichte der evangelischen Kirche in der Grafschaft 
Wertheim. Heidelberg 1903. S. 17. 

5) Beitrage z. bayer. KG. I. S. 266. 

6) Eberlin schreibt Sfter an einen Alexius N. markgraf lichen Sekretar. 
Pf. L. f. 28 u. 30. Dieser ist identisch mit dem bekannten Teilnehmer 
an der Gesandschaft der protestierenden Stande nach Italien. Vgl. 
Dobel, Memmingen III. T. S. 229. Alex. Frauentraut. 1515 Kais. Notar. 
s. Oberamt Schwabach. Frauentrautsche Pflege. N. 1. (Kreisarchiv Nttrn- 
berg. Rep. 151. S. XVII. 297/1. N. 1). Kammersekretar 1528. s. seinen 
Revers. d. d. Di. n. Inv. (2.3.) 1528. Kreisarchiv Niirnberg. Rep. 117 a. 
S. X. 170/1. N. 161. 1541. Kammermeister. s. K. H. Lang, Neuere Ge- 
schichte des FUrstentums Baireuth. II. Gottingen 1801. S. 172. Teilung 
des Alex. Frauentraut unter seine Kinder. CI. Tetelbachin, Joh. Florian, 
Wilhelm, Alexius, Konrad. 1541. NUrnberger Kreisarchiv. S. 17. 297/1. 
N. 6. Frauentrautsche Pflege. 



Schornbaum, Leutershausen bei Beginn der Reformationszeit. 17 

Ob die Wahl eine recht giinstige war? Job. Nagel und 
sein Freund der Pfarrer von Kolmberg, Job. Beger^), friiber 
Kaplan in Leutershausen^), mussen Eberlin von Wertbeim her 
gekannt baben. Unliebsame Erinnerungen mufiten in aller 
Herzen aufsteigen. Hatte doch Graf Georg von Wertbeim 
Beger wegen seiner Unzucbt und seines argerlichen Lebens 
entlassen; auch Nagels Vorleben war nicbt einwandfrei ge- 
wesen^). Vielleicbt ist es Eberlin gewesen, der die notigen 
Visitationen vorgenommen hatte. Andrerseits hatte es die 
Klugheit erfordert, dem Nagel einen gleich tiicbtigen Nachfolger 
zu geben. Durch seine Energie, Redegewandtheit und Leut- 
seligkeit hatte er sich bis auf den Rat aller Herzen gewonnen; 
die Kinder auf der Strafie freuten sich vor allem, wenn sie ihn 
kommen horten *). Eberlin scheint damals schon krank gewesen 
zu sein, sodafi die Verwaltung einer solchen Pfarrei ihm aufier- 
ordentliche Muhe machen mufite. Die Bauem schildern ihn 
als einen „schweren, verdrossenen, zerbrochenen Mann von einer 
fast langsamen Rede, die sie libel verstehen*'^). Es nimmt 
uns nicht wunder, dafi die Einfiihrung des neuen Pfarrers sich 
nicht so leicht vbllzog. 

Joh. Nagel horte wohl bald von dem Treiben des Rates; 
er mu8 aufs hochste empSrt gewesen sein liber dieses hinter- 
listige Benehmen und woUte nicht ohne weiteres auf seine 
Pfarrei verzichten. So kebrte er denn nach Leutershausen 
zuriick und blieb ruhig im Pfarrhof, bis Eberlin eintraf, um so 
mehr, als sich seine Frau in anderen Umst^nden befand. In- 
zwischen hatte er unter dem Volke dafiir Stimmung zu machen 
gesucht, dafi es sich gegen seine Entfernung auflehnen soUte^). 



1) A. Eel. Acta Tom. V. p. 1. fol. 102. Eid des Joh. Beger 
Pfarrer von Kolmberg. d. d. Franeisci (4. X.) 1529. Eonsistorialakt Kolm- 
berg. 1529-1769. fol. 9. 

2) Pf. L. fol. 23. cf. Beilage I. 

3) Pf. L. fol. 28 ff. Joh. Eberlin an Alexius N. (Frauentraut). Leu- 
tershausen. auf Yigilia Mart. 1530 (9. XL) u. Mo. n. Mart. (14. XT.) 1530. 
ib. fol. 30 ff. 

4) Pf. L. fol. 42. 

5) Pf. L. fol. 41 u. 42. 

6) Joh. Eberlin an Alex. Frauentraut. auf Vigilia Martini (9. XL) 
1530. Pf. L. fol. 28 ff. 

Beitrilge ear bayer. KirchengescMclite XI. 1, 2 



18 Schornbaum, Leutershausen bei Beginn der Reformationszeit. 

Zum guten Gliicke war am 18. Oktober 1530, als Eberlin von 
Gunzburg eintraf, der Amtmann Wolf v. Heflberg gerade in 
Leutershausen, sodafi der argste Unwille des Volkes. hintan- 
gehalten wurde. Auf seine Verraittlung bin nahm er auch 
davon Abstand, den Pfarrhof sofort zu beziehen, sondern zog 
zum Schulmeister, sodafi er seine Frau nebst 4 Kindern^) in 
Ansbach lassen mufite*). Doch nicht gar lange liefi sich der 
Zorn Nagels zuruckhalten. In seiner Hitze und Leidenschaft- 
lichkeit schalt er Eberlin in Wirtshausern und auf oflfener 
Strafie einen Bosewicht und warf ihm vor, daft er die Pfarrei 
erschlichen habe, wobei ihm der Pfarrer von Kolmberg getreu- 
lichBeistandleistete^), umsomehr, als sie von dem neuen Kastner 
Veit Gattenhofer, der noch vor wenigen Wochen ihr erbittert- 
ster Peind war*), oflfen unterstiitzt wurden. AUe Bitten des 
neuen Pfarrers um Auszahlung eines Teiles der Pfarrbesoldung, 
um Lieferung von Holz schlug er ab; er nahm den alten Pfarrer 
in Schutz: ihm geschehe Kurn (wohl Unrecht) und ermahnte 
ihn immer zur Geduld, sodafi er in die bittern Worte ausbrach, 
der Teufel habe auch dem Kaiser Julian in den Sinn gegeben, 
so bittre Reden gegen die armen Christen zu fiihren. Bei 
der iibrigen Geistlichkeit fand Eberlin keine Unterstiitzung, 
dehn abgesehen von dem Engelmesser A. Lauden waren alle 
noch Papisten. Auf diesen war auch nicht viel zu bauen, denn 
er safi gern in Wirtshausern und woUte sich im Pfarrdienst 
nur gegen Bezahlung verwenden lassen*^). 3 Wochen ertrug 
Eberlin alle Anfeindungen ; erst am 9. November 1530, als er 
einsah, daft in Giite nichts auszurichten war, klagte er sein 
Leid Alexius Frauentraut®). Inzwischen hatte Nagel nicht ge- 
feiert. In Sachsen, Erlbach, Buchelberg hielt er Versamm- 



1) Pf. L. fol. 111. 

2) Wolf V. Hefiberg an Markgraf Georg. d. d. Di. n. Mart. (15. XI.) 
1530. Pf. L. fol. 31. 

3) Pf. L. fol. 28 f. Eberlin an Alexius Frauentraut. auf Vig. Mar- 
tini 1530. 

4) Nach Eberlins Bemerkung. Pf. L. fol. 29. 

5) Pf. L. fol. 28 f. Eberlin an Alexius Frauentraut. auf Vig. Mar- 
tini 1530. 

6) Pf. L. fol. 28 f. 



Sehornbanm, Leutershansen bei Beginn der Reformation szeit. 19 

lungen^); seine Bemiihungen waren auch gar nicht erfolglos. 
Am 20. Oktober verwendeten sich die Pfarrer G. Reulein zu 
Buch, J. Gruber zu Prommetsfelden, J. Pistor zu Windelsbach, 
A. Scherpfig, Verweser zu Geslau, Ko. Hofmann von Obersulz- 
bach, J. Beger von Kolmberg, N. Praun von Stettberg und 
Kadolzhofen, J. Griefibach von Binzwangen und P. Eckstein 
von Auerbruch fiir ihn bei dem Markgrafen; sie gaben Nagel das 
riihmenswerte Zeugnis, 4a8 er sich die 3 Jahre als Pradikant und 
Pfarrverweser christlich und priesterlich allezeit gehalten habe^). 
Auch Bauern von verschiedenen Dorfern wie Karger Zobel zu 
Romesdorf^), H. Fischer und P. Fo6, Dorfmeistfer zu Sachsen, 
H. Betz und.M. Hertle, Biirgermeister zu Biichelbferg, G. Raws- 
hart und H. Usamer, Dorfmeister zu Erlbach, der Vogt zu 
Clonsbach, die ganze Bauemschaft von Rottenbach*), C. Raw- 
schatt, Vogt und Bauerschaft zu Jorgsheim, L. I^eller Vogt 
und die Gemeinde zu Rauchenbuch*), Fritz Haspel, L. VoUet 
und Marx von Sachsen, H. Falck und H. Eckart voh Leuters- 
hausen®) baten, ihn auf seiner Stelle zu belassen. Er hatte 
ihnen das Wort Gottes getreulich gelehrt, dafi sie keinen Man- 
gel an ihm hatten, wahrend sie Eberlin nur schwer verstunden. 
Fiir den 13. November hatte man eine grofie Versammlung in 
Leutershansen geplant. Schon hatte der Amtmann die Erlaub- 
nis gegeben auf die Bitte von 4 Biirgern hin, sich nach alter 
Weise versammeln zu durfen, um wichtige Fragen zu besprechen, 
da er ja von alien Seiten von Bauern in dieser Sache iiber- 
laufen wurde, da verweigerte es der aufiere Burgermeister mit 
dem Burgermeister des inneren Rates; die Antwort versprach 
man zu geben vor dem Amtmann zu Kolmberg. Der Stadtrat 
war erschrocken uber die entstandene Bewegung, um so mehr, 
als auf sein Betreiben die Absetzung Nagels erfolgt war, lind 
zeigte dem Amtmann die furstlichen Befehle vor, sodafi dieser 



1) J. Eberlin an Markgraf Georg. d. d. Mo. n. Laet. (20. 3.) 1531. 
Pf. L. fol. 48 ff. 

2) d. d. Dom. Sim. et Jude (30. X.) 1530. Pf. L. fol. 36. 

3) d. d. Mart. (11. XI.) 1530. Pf. L. fol. 27. 

4) Pf. L. fol. 39 f. 

5) Pf. L. fol. 41. 

6) Pf. L. fol. 42f. 

2* 



20 Schornbaum, Lcutershausen bei Beginn der Reformationszeit. 

beunruhigt sofort ein Entschuldigungsschreiben nach Ansbach 
schickte, dafl er die Versammlung erlaubt hatte ^). Beobachtete man 
doch im Hinblick auf den Banernkrieg und die Wiedertaufer 
alle Versammlungen des Volkes argw5hnisch. Was die 2 Bitt- 
schriften Eberlins vielleicht nicht erwirkt hgltten, erfolgte jetzt. 
Am 25. November 1630 wurde der Ansbacher Kastner P. Bach- 
mann nach Leutershausen geschickt, um den Pfarrer in den 
Pfarrhof zu fiihren, ihm seine Besoldung zuznweisen nnd den 
alten Pfarrverweser Joh. Nagel gefangen zu legen, wenn es 
sich als wahr herausstellen soUte, dafi er seinen Nachfolger einen 
Bosewicht genannt hatte 2). Zwar wurde er bald wieder aus 
dem Gefangnis entlassen auf die Fursprache des Amtmann hin; 
doch scheint er diese Gegend ganzlich verlassen zu haben^). 
Dagegen h5rten seine beiden Preunde, der Pfarrer zu Kolmberg 
und der Kastner zu Leutershausen, Veit Gattenhofer nicht auf, 
zu wiihlen und zu hetzen gegen den neuen Pfarrer, was um 
so leichter ging, als das Volk Joh. Nagel nicht so leicht ver- 
gessen konnte und die Vikarier an den Messen sich auch 
nicht mit Eberlin befreunden konnten. 

Schon die nachsten Streitigkeiten, in die er verwickelt 
wurde, sollten es zeigen. Wohl war die Pfarrei eine der ein- 
traglichsten, aber der Pfarrverweser bekam das wenigste davon. 
Abgesehen von den 100 fl., die an Dietrich von Thiingen abge- 
liefert werden sollten, wahrend sie in Wirklichkeit der Amt- 
mann einzog, weil ihm von seiten Wiirzburgs sein im Banern- 
krieg erwachsener Schaden noch nicht vergiitet war*), zog die 



1) Wolf V. Hefiberg an Markgraf Georg d. d. Di. n. Mart. (15. XI.) 
1530. Pf. L. fol. 31. Die Schrift W^olf v. Hefibergs an Fritz Haspel, 
L. VoHrath, Marx Walz zu Sachsen, H. Valck zu Leutershausen und 
H. Eckart, worin er ihnen die Yersammlong erlaubt. ibidem fol. 35. 
d. d. Di. n. Mart. 1530. cf. dazu den Brief Eberlins an Alexius N. (Frauen- 
traut), d. d. auf Mo. n. Mart. (13. XL) 1530. ibidem fol 30 f. 

2) Instruktion fur Peter Bachmann, Kastner zu Ansbach zur Hand- 
lung mit Kastner, Rat und Gemeinde zu Leutershausen. d. d. Kath. (25. XL) 
1530. Pf. L. fol. 44 f. 

3) 8. Beilage IV. 

4) Am 24. Juli 1532 wandte sich der Dompropst und Propst von 
Neuenmiinster zu Wuizburg, Dietrich v. Thiingen an die Rate zu Ans- 
bach, mit der Bitte, ihm ftlr die letzten 5 Jahre die durch M. Friedrich 



Sohornbaiim, Leutershansen bei Beginn der Reformationszeit. 21 

markgrafliche Eegierung wohl seit der Ernennung Job. Nagels 
zum Pfarrer alle Pfarreftikunfte ein, dem Pfarrer iibeiiiefi man 
nur 80 fl. jahrlich samt Pfarrholz sowie den Ertrag zweier 
Gfiter zu Leutershansen, der sich auf 7 Malter Haber, 7 Metzen 
Korn und etliche Pfennige belief^). Bei der grofien Ausdehnnng 
der Pfarrei machte sich bald aber die Anfstellung eines Kap- 
lans dringend notig; hatte doch Eberlin auch zu den 2 Sonn- 
tagspredigten und der Mittwochspredigt nodi eine Ansprache 
am Samstage eingefiihrt und bemuhte sich besonders urn die 
Beichte der Kommunikanten^). Er hatte sich nun zunachst da- 
durch geholfen, dafi er den Engelmesser Eudres Lauden gegen 
besondere Belohnuug zur Ubernahme einiger Pfarrgeschafte 
bewog. Doch bald geriet er mit ihm in Streit wegen der 
Holzbezuge ^). Am 19. Februar 1631 weilte er in Ansbach, 
wo die markgraflichen Juristen und Theologen liber den'Bei- 
tritt zum schmalkaldischen Bund berieten, welchen der Mark- 
graf Georg deswegen ablehnen zu mussen glaubte, weil die 
Berechtigung des Widerstandes gegen den Kaiser aus der 



bewirkte Absenz zu bezahlen (500 fl.). d. d. heil. Apostel Jacobiabend. 
(24. VII.) 1532. Pf. L. fol. 78. Auf Befragen erklarte der Amtmann, 
daO der Pfarrer nur drei Jahren keine Absenz bekommen babe laut bei- 
liegender Quittung iiber 160 fl., erhalten von Ko. Beringer fUr das Jahr 
1528/1529 (d. d. die Kuneg. 3. 3. 1529. beglaubigt durch Kastner Rain 
und Stadtschreiber M. Kornperger. Mitw. n. Jac. Ap. (31. VII.) 1532. 
Pf. L. fol. 84). Statthalter zu Ansbach an Wolf v. HeBberg d. d. Sa. 
n. Jacobi (27. VII.) 1532. Pf. L, fol. 80. Antwort des Amtmannes d. d. 
So. n. Jacobi (28. VII.) 1532. ibidem fol. 81. Auf Mitteilung der Statt- 
halter (d. d. Mo. n. Jacobi (29. VII.) 1532 ib. fol. 82), bestand der Dom- 
herr auf seinem Recht, zeigte daB die Quittung bloig ein an seinen Pfarr- 
verweser iiberschicktes Formular war, da ja quittiert sei uber 160 fl., 
welche er bis 1528 bekommen habe, und bestritt entschieden das Recht 
dem Amtmann, das Geld zur Bezahlung seiner im Bauernkrieg erlittenen 
Schaden zu verwenden. (d. d. Di. n. Barth. (27. 8.) 1532. ib. fol. 87ff.). 
Die Rate verwiesen ihn' an den Amtmann, der gerade auf dem Tiirken- 
znge war und versprachen von nun an die 100 fl. ihm zukommen zu lassen. 
Pf. L. fol. 89. d. d. Sa. n. Barth. (31. 8.) 1532. 

1) Eberlin an Markgraf Georg. So. Estomihi (19. II.) 1531. Pf. L. 
fol. 46. 

2) Eberlin an Georg. Mo. n. Laet. (20. 3.) 1531. Pf. L. fol. 48. 
cf. auch fol. 29. 

3) Pf. L. fol. 48 ff. 



22 Sehornbaum, Leutershausen bei Beginn der Beformationszeit. 

Schrift niclit zu beweisen war^). Er benutzte die Gelegenheit, 
um den Markgrafen seine Not zu schildeni nnd ihn zu bitten, 
doch den Engelmesser A. Lauden oder den Frfihmesser Georg 
Reigel zu veranlassen, weil sie in der Woche nur ein Kapitel 
lasen, die Kaplaneistelle zu versehen mit Litaneien, Vespern, 
taglichen Kirchengesangen und dem Austeilen des Abendmahls 
in der Stadt und auf dem Lande^), weil er nicht imstande sei, 
bei dem geringen Einkommen, selbst einen Kaplan zu halten. 
Seine Bitte hatte Erfolg, war sie doch unterstutzt von den 
versammelten Geistlichen^). Aber die beiden Kapl^ne lehnten 
es ab sich der markgraflichen Anordnung zu fugen, bestritten 
jede Verpflichtung dem Pfarrer helfen zu miissen und ver- 
sprachen nur in Notfallen aushelfen zu wollen. Doch 
schlugen sie wenigstens einen geziemenden Ton an*). Aber 
der "Kastner, hinter den sie sich steckten, wufite seinen 
Unwillen iiber die markgrafliche Anordnung nicht mehr 
zuruckzuhalten. Als er mit Eberlin nach dessen Riickkehr 
in Stefan Wolfs Wirtshaus zusammentraf, ' rief er ihm zu: 
Du Bosewicht, du Schalatsbosewicht, dafi dich Gott Veltin, 
Gottes Marter sch^nde; du bist ein Bosewicht und w^rest du 

1) Einladungsschreiben Georgs Mittw. n. Purif. Mariae (8. II.) 1631 
in Ansbach zn erscheinen. d. d. Ansbach 15. 1. 1531. Eingeladen wurden: 
Brenz, Ad. Weifi, Meglin, H. Gast, J. Eberlin, A. Obermeier, alle Pfarrer 
und Predjgev zu Ansbach samt dem Lektor B. Ziegler, H. L. LuCner, 
Pf. zu Gunzenhausen. A. K. A. T. XVI. fol. 193. gedr. Th. Pressel, 
anecdota Brentiana. Tubingen 1868. S. 104. N. 27. u. J. H. v. F ale ken - 
stein, Chronicon Suabacense* Schwabach 1756. S. 200. Handlung des 
Hans V. Planiz u. Werner von Wildenstein mit Markgraf Georg. d. d. 
Ansbach. Fr. n. Val. (17. 2.) 1531. A. R. A. Tom. suppl. I (S. XII. R. Ve) 
fol. 231 flf. u. S. I. L. 10. N. 6. im Nttrnberger Kreisarchiv. Bedenken 
der markgraflichen Theologen iiber die Frage, ob dem Kaiser Wideratand 
geleistet werden diirfe bei Hor tie der II, 1,8. Tiber diese Angelegenheit 
hoffe ich mich in Balde auBern zu konnen in einer eingehenderen Unter- 
suchung iiber die Politik des Markgrafen Georg 1528 — 1532. ^ 

2) Eberlin an Markgraf Georg. d. d. So. Estomihi (19. II.) 1531. 
Pf. L. fol. 46. 

3) A. R. A. VIII. fol. 123. Pr. N. IdVj: «der Markgraf m5ge Joh. 
Eberlins und der beiden Eaplane allhie Armut bedenken", ist wohl in 
diese Zeit zu verlegen. 

4) Georg Reugell u. A. (Lauden von) Tetelbach, vicarii zu Leuters- 
hausen an den Markgrafen. Pf. L. fol. 14. 



Schornbaum, Leutersbausen bei Beginn der Beformationszeit. 23 

fromm, du warest nicht hierher gekommen. Auf die bescheide- 
nen Einwendungen des Pfarrers und seine Hinweise auf seine 
guten Zeugnisse fuhr er mit der Faust ihm ins Angesicht und 
schrie: Siehe, du Bosewicht, dein Leben soil nicht sicher sein 
von meiner Hand* Er lehnte sich hinaus zum Fenster mit dem 
Euf : Ich habe ein Amt versehen, da du noch ein Monch warest, 
daft dich Gottes Marter schande ; du B5sewicht hast den Kastner 
von Ansbach hierher gebracht und mich verklagt vor den 
Eaten des Markgrafen ^). Seinem Bestreben ist es wohl zuzu- 
schreiben, daB der Befehl wieder zuriickgenommen und dem 
Pfarrer ein eigner Kaplan auf Kosten der Regierung beigegeben 
wurde. Die Autoritat des Pfarrers aber wurde dadurch unter- 
graben. Die Leute sangen offen auf der Strafie: Eberlin hat 
ein Schwein geschlagen, ist ihm nicht wohl geraten. Obwohl 
der neue Kaplan noch nicht erschienen war und Eberlin 
durch Krankheit arg heimgesucht wurde, weigerten sich 
die beiden Vikarier ganz entschieden Aushilfe zu leisten, sodafi 
dieser an 2 Sonntagen die Messe ausfallen liefi. Auf Kriicken 
schleppte er sich in die Kirche, um wenigstens eine Predigt 
dem Volk zu halten. Am Sonntag Okuli (12. Marz) schickte 
dann doch der Engelmesser zum Pfarrer und erklarte, Messe 
halten zu wollen, doch nicht ihm zu Hebe. In der Kirche 
schrie er nun laut: der Pfarrer hat das Zipperlein, hatte er 
doch auch die Franzosen, sodafi dieser es nicht mehr langer 
mit anhSren konnte und auf Kriicken in die Kirche humpelte, 
um Messe und Predigt zu halten. Aber damit begnugte sich 
der Kastner Veit Gattenhofer nicht; er warf ihm in einem 
Schreiben an die Statthalter zu Ansbach allzugrofie Mildtatig- 
keit und Nachlassigkeit im Bezahlen vor; auch beschuldigte 
er ihn, er hatte sein Amt nicht fleifiig genug versehen. Eberlin 
konnte bei dem alien ruhig bleiben; aber man merkt seiner 
Beantwortung dieses Schreibens die innerliche Entrustung an 
Uber diese ungerechtfertigten Behauptungen. Er fragt den 
Kastner, ob er einen Biedermann auf Erden anfiihren konne, 
dem er einen Pfennig schuldig geblieben sei, er weist darauf 



1) Geht aus dem Schreiben Eberlins an Markgraf Georg d, d. Mo. 
n. Laet. (20. 3.) 1531 hervor. Pf. L. fol. 48 ff. 



24 Scbornbauin, Leutershansen bei Beginn der Reformationszeit. 

bin, dafi er in der Woche 4 — 5 Predigten halte; er beruft sich 
fiir sein Leben auf das Zeugnis seiner Pfarrkinder; endlich 
deckt er den Raten einmal das Treiben und Wuhlen des 
Kastners auf. Doch machten dera die Rate zu Ansbach kein 
Ziel; sie liefien die Sache auf sich selbst beruhen^). 

Eberlin bekam nun wie gesagt einen Kaplan auf Kosten der 
Regierung. Er hatte nachweisen konnen, dafi ein fruherer Pfarr-- 
verweser Mag. H. Weiglein die Einkiinfte der Brudermesse zur 
Besoldung eines Kaplans und Ko. Beringer die Mittelmesse dazu 
hatte verwenden diirfen. Job. Miirlin wurde, obwohl er schon 
40 Stellen bekleidet hatte, nach bestandenem Examen zu Ans- 
bach von Althamer nach Leutershausen gesandt^). Am Anfang 
kamen-beide auch ziemlich gut miteinander aus. Eberlin war 
zufrieden, wenn er sich wenigstens einigermafien von dem Treiben 
des Kastners und der Vikare freihielt. Ofifener Zank und Streit 
ware diesen natlirlich lieber gewesen. Aber schon das geniigte? 
den Versuch untemehmen zu lassen, den Kaplan zu beseitigen. 
Hierzu leistete der Amtmann Wolf von Hefiberg hilfreiche 
Hand. Man hatte dem Kaplan eine Besoldung von 40 fl. ver- 
sprochen, bis sich eine Messe erledige. Nach dem Tode des 
Kapellmefiers Fr. Engerer gab man nun die eine Halfte der 
Stadt zur Besoldung des Schulmeisters, die andere durfte fur 
den Stadtschreiber verwendet werden, sodafi es moglich wurde, 
beide Stellen zu trennen. Nur die Wohnung raumte man dem 
Kaplan ein^). Wohl auf Einfliisterungen der Vikarier hin, 
schlug der Amtmann am 5. Juli 1531 dem Markgrafen vor, 
durch die drei Vikarier die Kaplanstelle versehen zu lassen 
gegen eine jahrliche Entschadigung von 15 fl., die markgraf- 
liche Kasse hatte somit eine Einsparung von 25 fl. jahrlich 
gehabt*). Da man in Ansbach unter einer grofien Schuldenlast 



1) Pf. L. fol. 48 ff. Bescbeid : „8tebt diesmal auf ihm selbst". 

2) Pf. L. fol. 66—70. Am Mittwoch vor dem Palmtag wurde er auf 
ein Viertel- oder Halbjahr angenommen. (29. 3.) 1531. 

3) Wof V. HeCberg an Markgraf Georg. d. d. Mittw. n. Vis. Mariae. 
(5. VII.) 1531. Pf. L. fol. 52. cf. A. R. A. III. fol. 24 u. 385. u. V. p. 1. 
fol. 102. Nach Loo shorn I. c. S. 738 wurden die Einkunfte von der 
Kapellmesse (22 fl. 3*/, ort 18 ^) zur Schule verwendet, 

4) Pf. L. fol. 52. 



Schornbaum, Lentershaasen bei Beginn der Reformationszeitw 25 

seafzte, begriifite man jedes Ersparnis mit Freaden; befahl aber 
doch, den Pfarrer vorher urn ein Gutachten anzugehen. Dieser 
hatte wohl manches an seinem Kaplan auszusetzen; aber er 
arbeitete doch immer noch lieber mit ihm als mit den Vikariern; 
so war es denn kein Eigensinn, wenn er sich gegen die durch 
den Schlofikaplan von Kolmberg J. Bub*) iiberbrachten Vor- 
schlage des Amtmanns ablehnend verhielt^). Aber er hatte 
seinen Feinden eine Waffe in die Hand gegeben, die leicht zu 
seinem Verderben ausschlagen konnte. Wir horen so und so oft, 
dafi er krank war, daft er auf Kriicken z. B. in die Kirche 
hinkte; schon wie er nach Leutershausen kam, war er so ge- 
brechlich, dafi die Bauem es nicht fiir mSglieh hielten, dafi er 
diese grofie Pfarrei versehen konnte. Daraus erklart es sich, 
wenn er auf der Kanzel und sonst scharfer und barter im 
Urteil war, als es selbst in jener Zeit, die ein grofies Mafi von 
Derbheit vertrug, gang und gabe war. Als sich das Verhaltnis 
zu den verschiedenen Vikariern immer unangenehmer gestaltete, 
liefi er sich dazu hinreifien, auf der Kanzel gegen sie loszuziehen, 
wobei wir allerdings nicht vergessen diirfen, dafi er der An- 
gegriffene war. Auch sonst scheint er die Fehler der Gemeinde 
so auf der Kanzel geriigt zu haben, dafi sich die einzelnen sehr 
betroffen fiihlen mufiten. Auch fehlte es ihm an der Art des 
Joh. Nagel, bes/bei dem Volk sich Zuneigung zu erwerben^). 
Es miiflte denn sein, dafi die unten folgenden Schriftstticke des 
A. Tetelbach- und des Rates von Leutershausen eine Erfindung 
des Kastners Veit Gattenhofer seien, der seine in Preufien 
auf Eberlin gemachten aber zuriickgewiesenen Angriffe dadurch 
zu beschSnigen suchte. Doch erwahnt auch der Amtmann, dafi 
Eberlin die Vikare Papisten und Antichristen heifie*). Vor allem 
aber hatte er die Herzen dadurch sich entfremdet, dafi er wieder 
lateinische Gesange im Gottesdienste einfiihrte, was man als 
einen Rlickfall ins Papsttum ausah. Am 28. Juli 1531 erhielt 
er nun ein Schreiben des Amtmanns durch die Statthalter zu 



1) A. R. A. Tom. V. p. 1 fol. lOOf. 

2) Wolf V. Hefiberg an die Statthalter zu Ansbach. d. d. auf den 
Tag Jac. Apost. (24. VII.) 1531. Pf. L. fol. 53. 

3) s. Beilage II u. III. 

4) Pf. L. fol 53. 



26 Schornbaum, Leatershausen bei Beginn der Reformationszeit. 

Ansbach^), worin ihm Eigensinnigkeit, rucksichtsloses Vorgehen 
gegen die Vikare, eigenmachtiges AbHndern der Kirchenordnung^) 
vorgeworfen wurde. In Kiirze werde es so gehen in Leaters- 
hausen, schrieb der Amtmann, dafi niemand mehr etwas za 
seinem Lobe sagen werde wie in Wertheim. Man kann die 
Entriistung des Pfarrers verstehen; hatte er doch bis jetzt in 
Wolf von Hefiberg einen" unparteiischen Beamten gehabt und 
mufite nun sehen, wie auch hier das Hetzen der Vikarier 
und des Pfarrers von Kolmberg von Erfolg begleitet war. Schwer 
gekrM,nkt zeigte er die Zweideutigkeit derselben, die sich zuerst 
geweigert batten, ihm zu helfen und nunmehr den Kaplan zu 
verdrangen suchten. Besonders erbittert war er iiber die Vor- 
wiirfe wegen seiner Predigttatigkeit. Er berief sich auf das 
Zeugnis des Amtmanns, seiner Frau und seiner Kinder, ob sie 
je etwas an seinen Predigten zu tadeln gehabt hatten. Unbe- 
greiflich war es ihm, wie man seine Kirchenordnung angreifen 
konnte, war sie doch erst von Althamer, Brenz und anderen 
gebilligt worden. Die ganze Landschaft von Wertheim rief er 
zum Zeugen dafur auf, dafi man an seiner Tatigkeit sowie 
seiner Kirchenordnung in Wertheim nichtszu tadeln gehabt habe; 
von Luther sei sie vielmehr belobt worden. Als grundlose 
Verdachtigung bezeichnete er es, wenn man ihm vorwarf, dafi 
er sich habe aus Wertheim fluchten mussen; die Erkenntnis 
allein, dafi es unmoglich sei, ihm dort den nStigen Schutz zu 
verschaffen, habe ihn bewogen, seine Stelle aufzugeben. Furcht- 
samkeit konne man ihm nicht vorwerfen, sei er doch 6 Wochen 
auf dem Reichstag zu Augsburg mit seinem Grafen gewesen*). 
Eberlin aber mochte fuhlen, dafi seine Verantwortung noch nicht 
den notigen Dienst leisten wiirde und begab sich selbst nach 
Ansbach, um miindlich mit den Raten iiber die Belassung des 
Kaplanes zu verhandeln. Hier ubergab man ihm neue Klagen 
des Amtmanns und der Vikarier und des Rates, vielleicht die 



1) In diese Zeit fallt wohl Beilage IV. 

2) Aufforderung der Statthalter an Eberlin zur Beantwortung des 
Schreibens des Amtmanns Wolf v. Hefiberg (Pf. L. fol. 53). d. d. Do. n. 
Jacob! (27. VII.) 1531. ibidem fol. 55. 

3) Verantwortung Eberlins. d. d. auf S. Marthatag (28. VII.) 1531. 
Pf. L. fol. 57 f. 



Schornbaum, Leutershausen bei Beginn der Befonnationszeit. 27 

obenerwahnten Schriftstucke ^). Nar auf die erste Klage scheint er. 
schriftlich geantwortet zu haben; der Amtmann hatte vorge- 
schlagen, wenn man den Kaplan nicht entfernen woUe, doch 
wenigstens ihn im Pfarrhaus unterzubringen und das Pfrunde- 
haus zu anderen Zwecken zu verwenden; auch warf er ihm vor, 
daft er die Gemeinde zu wenig ermuntere, die Zehnten zu be- 
zahlen, er sei ein Augendiener. Diese Vorwurfe zuruckzuweisen 
war leicht. Die alten Pfarrer waren unverheiratet gewesen 
und batten deswegen viel Platz im Pfarrhaus gehabt; wie 
stimmte aber damit, dafi man ihn fruher eigensinnig gescholten 
hatte, der Vorwurf der Augendienerei. Auf die anderen An- 
klagen ging er wohl nur mundlich ein^); es gelang ihm auch, 
die Belassung des Kaplans durchzusetzen ^), doch wurde ihm 
das Pfriindehaus genommen; er mufite ins Pfarrhaus ziehen. 
Die Rate batten allerdings vorgeschlagen, den Kaplan, der eine 
ziemlich zweideutige RoUe spielte, trotz seiner Bitte zu entlassen 
und wohl einen neuen aufzustellen. Da fuhlte Eberlin Erbarmen 
mit ihm und erbot sich, es noch einmal mit ihm zu versuchen. 
Aber es wurde ihm schlecht gelohnt*). 

Der Kastner, erbittert; dafi dieser Vorstofi nicht gelungen 
war, chikanierte den Pfarrer, wo er nur konnte. Den ge- 
raumigen Pfarrhof benutzte man dazu, die Feldfriichte der 
Pfarrgrundstucke und die Zehnten aufzubewahren. Seitdem die 
Pfarreinkiinfte von dem markgraflichen Kastenamt eingenom- 
men wurden, hatte natiirlich auch der Kastner darin etwas zu 
sagen. Veit Gattenhofer gedachte aber den Pfarrer zu argern. 
Er liefi in der Pfarrscheune einen Stall herrichten fiir seine 
Ochsen. Mist und Unrat liefi er nun ruhig im Hofe liegen, bis 
er giinstige Gelegenheit hatte, ihn zu verkaufen. Ellenhoch 
lag er vor den Fenstern des Pfarrhauses. Mehr als 100 Fuder 
wurden dann aus demselben fortgeschafft, wobei sich der Kastner 
fiir 9—10 Fuder 1 fl. zahlen liefi. Uragekehrt wollte er dem 



1) Beilage II a. III. 

2) Eberlin an die Rate. d. d. Mitw. n. Vine. Petri (2. VIII.) 1531. 
Pf. L. fol. 68 f. 

3) Entscbeid auf Pf. L. fol. 14. Riickseite. Bitte des Joh. Murle, 
Kaplans zu Leutershausen, auf der Stelle bleiben zu diirfen. K. L. fol. 6. 

4) Geht aus Pf, L. fol. 66—70 hervor. 



28 Schornbaum, Leutersbaasen bei Begiim der Reformationszeit. 

Pfarrer nicht erlauben, seine Pfarrgiiter zu bestellen, damit sich 
sein Gehalt nicht vermehre. Als nun dieser verhindern woUte, 
dafi er wieder seine Ochsen in den Pfarrhof einstellte und des- 
wegen Holz in den Stall legte, benutzte er die Klage eines 
Bauern^), der seine Ochsen im Pfarrhofe nicht hatte unterbringen 
k5nnen, um sich beschwerdefuhrend an die R^te zu Ansbach 
zu wenden. Da wallte von neuem der Zorn des Pfarrers auf 
und er entwarf ein Bild von dem herrischen und hinterlistigen 
Treiben des Kastners (5. Okt. 1531.) Er wies darauf hin, daft 
er genug Raum in den 2 Scheunen des Pfarrhofes habe, dafi 
er zwar von dem Pfarrglitern grofien Nutzen ziehe, indem er 
das Malter Getreide fur 3 fl. verkaufe, dagegeu den Pfarrhof 
herunterkommen lasse. _ Unersattlich sei er in der Vermehrung 
seiner Habe. Auch nahm sich Eberlin der Armen an und 
zeigte; wie der Kastner eine arme Frau, „Bruckin" genannt, 
ins Gefangnis geworfen habe, weil sie ihm seine Tuche nicht 
gebleicht batte. Den.Erfolg erzielte wenigstens der Pfarrer, 
dafi diese Qualereien abgestellt wurden^). 

Aber noch vor seinem Abschied vermochte Gattenhofer 
Eberlin einen neuen Schlag zu versetzen. Man verstand es, 
den Kaplan Joh. Miirlin ganz auf seine Seite zu bringeu. Er 
wurde immer ungeberdiger. Als man ihm nicht gestattete, auf 
eine absonderliche Weise zu konsekrieren, schrieb er nach Ans- 
bach, der Teufel regiere zu Leutershausen. Immer berief er 
sich auf deji Kastner, der gebe ihm den Sold, der sei sein 
Herr. Er verglich die aufriihrerischen Bauern mit dem Volke 
Israel und die verbrannten Stadte mit den verbrannten Stadten 
in Kanaan, sodafi der Pfarrer ihm verbieten mufite, wegen 
seiner „Glossen" das Deuteronoraium weiter zu lesen. Warum 
er so widerspenstig war, war klar. Denn taglich sah man 
ihn im Verkehr mit dem Kastner und anderen Papisten; sie 
iiberboten sich gegenseitig im Schmahen gegen den Pfarrer, 
dafi auf dem Markte einer Miirlin zurief: „Herrlein, Herrlein, 
ist's auch recht, dafi ihr euren Herrn also iibel ausschreit." 



1) C. Metziger an den Rat zu Leutershausen. Pf. L. fol. 62. Veit 
Gattenhofer an den Markgrafen. Sa. n. Mich. (30.9.) 1531. Pf. L. fol. 63 f. 

2) J. Eberlin an die Rate zu Onolzbach. 5.10. 1531. Pf.L. fol. 71ff. 



Schornbaam, Leaterafaansen bei Beginn der Refonnationszeit. 29 

Urn Ordnung im Pfarrbofe kummerte er sich nicht; er kam and 

ging, wann er wollte; besonders hatte auch die Pfarrfran unter 

seinem Schelten zu leiden. Am Sonntag, den 22. Oktober 1531 

batte er betnmken seinen Eircbendienst gehalten und war dann 

gleich wieder ins Wirtshaus gelanfen. Hier suchte ibn der 

Pfarrer aaf, weil es gait, einen Eranken in einem aoswartigen 

Dorfe zu besacben and Mfirlin die Glocke uberhSrte. „Ihr 

raacht rair also einen butzen," schrie ihm dieser zn; ;,ihr wollt 

mich nnr vexieren vor der Gemeinde." Da der Eaplan keine 

Anstalt macbte, sich zn erheben, kundigte ibm der Pfarrer auf 

Petri. Am nachsten Tage benahm er sich also im Pfarrhause, 

dafi ibn dieser sofort beurlaubte. Auch am Mittwoch wiedeiv 

holte sich dieselbe Szene ; in ganz roher Weise beantwortete er 

die definitive Beurlaubung mit den Worten: rja aufs Maul ge- 

schissen, in der ars kei-ffen." Nachher reute es ihn doch, er 

suchte dieselbe ruckg&ngig zu machen oder doch wenigstens 

ein gutes Zengnis zn erlangen. Aber sowohl der Amtmann 

als der Rat lehnte seine Bitte ab^); auch in Ansbach scheint er 

keinen besseren Bescheid bekommen zu haben, trotzdem man noch 

beide, Pfarrer und Eaplan, 28. XIL 1531 in Ansbach verh6rte^). 

Von nun an herrschte in Leutershausen grofiere Ruhe. Veit 

Gattenhofer merkte wohl, dafi auch manches gegen ihn vorlag 

und zog es vor, nach Preufien ftberzusiedeln. Die Vikarier 

waren jetzt auf einmal froh, gegen eine geriuge Entschadigung 

die Kaplanstelle versehen zu durfen. Doch horen Elagen iiber 

Eberlins scharfe Predigten nicht ganz auf. So beschwerte sich 

der alte Eastner H. Rain iiber ihn; doch konnte der Amtmann 

berichten, dafi sich die Angelegenheit doch etwas anders ver- 

halte. (28. Jan. 1533 »). 



1) Joh. Eberlin an die Statthaltcr. Zinstag n. Elis. (21. XL) 1531, 
Pf. L. fol. 66 ff. 

2) Statthalter an den Amtmann zu Kolmberg. d. d. Mo. n. Katli. 
(27. XL) 1531. Pf. L. fol. 70. 

3) Statthalter und Rate zu Ansbach an Wolf v. He(}berg. d. d. Sa. 
n. Circumcis. Dom. (4. I.) 1533. Pf. L. fol. 98. Wolf v. HeOberg an 
Regenten und Rate; d. d. Antoni (17. I.) 1533. Pf. L. fol. 99. 



30 Schornbaum, Leutershausen bei Begixm der Keformationszeit. 

Beilage I. 

lustrnktion des Rates zn Leutershausen ftir 6. Hnckel 
and Gregor Lack. 20. Augast 1529. 

Yon meinem gnedigen herrn ist den burgermeistern vnd rathe 
zu Leutershausen ein beuelh zukomen, in sich haltende; das seinen 
f.gn. clagend furgebracht; wie Johan Nagel, pfaryerweserzuLeuters- 
hausen, sich in seinem leren vnd lebenso vngesteme halte, des sein 
f. gn. (Wo dem also) als ein cristlicher furste nit gedencke zu ge- 
dulden. demnach sein f. gn. ernstlichen beuolhen, den pfarverweser 
sampt zwaien glaubhafftigen menu em aus dem pfarvolck nach assnmp- 
tionis marie [15. Aug.] fur seine f. gn. oder in abwesen derselbigen 
rethe zubeschaiden vnd alda weiters benelhs zugewarten. 

auf denselbigen beuelh habenmeineh. zw Leutershausen zuge- 
horsam Jorgen Huckel vom rath vnd Gregorien Lacken, iren stat- 
schreiber bemelten t4g zversuchen verordnet vnd^ was in alsdann von 
seinen f. gn. oder derselbigen rethe des pfarverwesers ler vnd lebens 
halben furgehalten wurdt, das. soUen sie gehorsamlich nach irem ver- 
stand vnd nachvolgendem beuelh anzaigen, sovil in deshalb beuolhen^ 
kund vnd wissen ist. 

Erstlich der lere halben. 

so setzt Johan n N age 1 pfarverweser seine predigten den merer- 
teil vf argument, frag vnd beschlusreden vnd furet sovil latein darein^ 
das sich das gemein volk beklagt; sie konden seine lere nit versteen. 

vnd wann er vff der cantzeln oder sonst den bobst mit seinem 
anhang, stifft; fegfeuer^ selmefi oder ander ding straffet; so erzurnt 
er sich, ficht mit den henden vnd wirt so ungestume, darob sich 
das einfeltig volck hoch stefit, ergert vnd sprechen: er predig aus 
zorn, neid; es kond sich niemandts an seinem zirnen vnd schmehen 
bessern; wann er vs dem geist redet, so thet er ander s vnd werden 
ye longer ye irriger. 

Item so hat er ytzund einen zupredigen aufgestelt^ Johann Begr 
genant on ein rats wissen^ der er^rnt sich auch dermafien^ der 
schlecht mit den henden vnd bachern vf den predigstul, dcht mit dem 
haubt, maht sich so vngesteme, daran sich das einfeltig volck hoch 
stefit vnd ergert. 

Zum andern seins leben halben. 

item er stelt vnd nembt priester auf zupredigen vnd gibt in 
wider vrlaub one eins rats wissen wider das mandat. 

item er hat sich vnderstanden dem statschreiber vrlaub zugeben^ 
des mein g. h. gantz ein vnbillich furnemen gedunckt, wie meniglich 
abnemen mage, dann sie haben alweg vnd ye die freyheit gehabt 
einen statschreiber, der auch schulmeister sein soil; aufzunemen 
vnd vrlaub zugeben ; vnd ist einem pfarrer oder vicarier vnd 



Schombaum, Leatershansen bei Beginn der ReformationsEeit 31 

andern (in die kircheu gewidembten) priestern nit mer scbnldig, dann 
was die kircben mit meflleiten vnd altardienen antrifPt rnd das 
er nit zanck vndter inen anricbte laut des statbucbs. 

item er allein yndem an dem priestern widersetzt sicb, bnrgerlich mit- 
leiden zutragen wider das mandate des sicb die andeiii priestern 
ergem vnd bescbweren. 

item er hat etlich benrige abnutznng der engelmefl verkaufft^ 
des im nit zngebort, bat ein rat solcbs anf ytzigs engelmefiers be- 
gem als ein glied der obrikbait nit wollen gestaten vnd dem engel- 
mefier wollen verbelffen, das er seine pfrundabnntznng selbs auf 
auf das hocbst verkauffe vnd ine bescbickt. bat er in seiner be- 
bausnog geantwnrt, er bab nichts bei ineo zuscbaffen; ydoch bat 
er sicb bedacbt vnd ist vor einem rat erschinen vnd knrtzlicb ge- 
sagt, was er yerkaufft bab, mnefl verkanfft sein vnd also auf seinem 
fnmemeu bis bieber verbart vnd dabej anzaigt, mein gnediger berr 
sey sein berre \iid er sey pfarrer dagewesen^ ee sie darumb gewist 
haben. 

item er bat sicb im scbenckbans in der forstat vom tag so tief 
in die nacb vu vrsach verbart, bis man die tbor verspert; bat er 
etlich rats burger in der vorstat wollen getrangen^ sie soUen im 
biuein belffen, baben sie geantwart, sie konden niemands binein laflen, 
die Bchlofi sein inwendigs angeschlagen, vnd bat daruf zu inen gesagt^ 
ey ir seit ratsberrn, ir wert mir nit gut gnug (cum reverentia), den 
hiodem an eucb zu wiscben. 

item die andern artikel, so ime die ret furgebalten babeu, wie 
er das sein in scbenckbeusern verzere etc. vnd sicb in seinem leben 
inhalt seiner ler widerwertig balte etc. vnd sonderlicbeu dises arti- 
kels von den bocbtzeiten vnd kindtztauffen bekenn^n meine berren, 
das mein gnediger berr derselbigen recbt bericbt sey. denn es bat 
sich wolgefngt, das in einem tag zwu bocbzeit gewesen seiu, ist er 
apff die einen vnd sein weib auf die andern gangen vnd bede 
nichts geben. 

bey disem seine f. gn. aus cristlicbem furstlicben gemut leucbt- 
lich zu vernemen baben, was vngestemigkeit vnd wider mefiigkait 
des evangeli vnd mandats er sich in seiner lere vnd leben gepracht 
md genbt bat. 

indem geben meine h. solben bericbt; da sie well erkennen, 
das sein £ gn. vnser gnediger berre ist, so sein sie doch des billi- 
cben versebens, das sein f. gn. darumben kein gefallen haben, das 
ymandts die glider fnrstlicber obrikait. das ist ambtleut burgermeister 
vnd rathe verscbemebe solte, dann wer die glider vneert, der vuert 
auch das haubt vnd entzeiht dem fursten sein eere. 

vnd weil wir aus gutigen gotlichen gnaden aus dem evaugeli 
erlemet haben (am Rande: laus deo, deo gratias) das die hailigen 
wort vnd mandat gots allein vnser weg, warhait vnd ewigs leben 



32 Schornbaum, Leutershanseu bei Beginn der Reformationszeit. 

sein, vnd wie dasselbig wort des got selbs scherpfer ist, dann ein 
zweischneidigs schwert, das durchdringt marck vnd gedancken, so solte 
dasselbig wort nit ans zoren vnd vngesteme des predigers scbnei- 
deu; sonder die prediger sollen dasselbig schwert, das wort^ lauter 
vnd rain mit einfeltigen zuchtigen freantlichen worten vnd lieblichen 
hertzen im munde furen vnd dasselbig im gemafltem leren vnd leben 
mit ebnem claren senfften worten dem einfeltigen volk vortragen, 
wie es Christus vnd seine apostel selbs dem volk vorgetragen vnd 
darnacb gelebt haben vnd dasselbig ans seinen aigen hochangeadelten 
crefften in den menschen schneiden wnrken und walden lafien, welchs 
alsdann on alien zweifel den menschen zuchtig, frnchtbar vnd 
zu cristen machet Esaj 55 vnd das vbel von vns auffhebet. Iheremie 23. 

Doruf ist unser hochsts vertrawen, mein gnediger herr als ein 
cristlicher gotlibender furst werde vns in diser geferlichen zeit mit 
rainem einfeltigen cristlichen predigern gnedigklichen bedencken, 
damit wir das hochst gat vnser seele das gewissen vnd wiirkung 
zn gotlichen friden vnd wolgefallen ordnen vnd setzen moge. 

dann aus misverstand des gemainen mans ist vil einzusehen 
anf die clamanten vnd stturmer ; wo sie nit abgeschaffl vnd zuchtig 
prediger eingesetzt, wurde zubesorgen^ das mit der zeit ergers erwach- 
sen mechte. solchs haben mein h. ingehorsam meinem gn. h. auf den 
beuelh zu vndericht sampt iren vnderthenigen willigen dinsten nit wol- 
len verbal ten. actum am 20. tag August! Anno etc. 29. 

Gregorius Lack statschreiber notarius scripsit. 

presentatum dominica post Ass. Marie post vesperas 4. bora 
22. Augusti. 

Or. im Kgl. Konsistorialarcbiv zn Ansbach. Acta „die Pfarrei 
Leutershausen betrefltend." Tom. I. (1461—1678) fol. 23f. 

Bei lag e II. 

A. Tettelbach an Statthalter und Rate zu Ansbach. 

15311). 

Volgt ein vnderricht Andres Tettelbachs an die stadthalter vnd 
rethe zw Onoltzbach. 

Oestrenge edlen vesten gnedigen gunstigeliebehern. Nachdem e. g. 
ein schriftlich beuelh Laben geben dem edlen vnd vhesten Wolf fen 
von Hespergk^ amptmann zu Kolmberck^ auf des pfarverwesers 
zu Cjeuttershausen beschwernus von wegen ethlichen vicarien aldo 
also, das der amptmann rechte vnd grundliche vnderricht geb^ so fuge 
ich E. O. zn als einer aus den vicarien, nachdem der edel vnd vhest 



1) Da6 dieses Schreiben aus dem Jahre 1531 stammt, zeigt der £in- 
gang, der sich deutlich auf das Schreiben des Amtmanns Wolf von Hel^berg 
an den Markgrafen (5. VII. 1531) bezieht. Pf. L. fol. 52. 



Schornbaam, Lentershausen bei Beginn der Reforniationszeit 33 

Wolff von Hesbergk angezaigt bat sein gutbeduncken, das wir 
vicarii nit also mit vnser miifiig geben ergernus vortrugen dem ge- 
nieioen volck vnd das almusen der kircben vergeblicb vorzerten, auch 
das pfandt von got entpfangen nit begrtiben in die erdeu, sonder 
dom pfarvorweser zu Lentersbansen bebulflicb weren am wort 
gottes vnd darreicbung der sacrament, darumb das vnsere pfriindle 
gering sein, mochten gebessert werden von der besoldung, die man 
sonst einem caplan gibt, aucb der caplan staudt in der stadt vod landt 
als der besser verseben werden, will icb solche gute meynung vnsers 
amptmanns nit abscblageu, sonder das gern willig trenlich tbun, als ein 
geborsamer, so mir ein scbwere sacb wurdt aufgeladen von meinem 
g. berrn, geborsam sein. aber G. gimstige liebe berrn. das der 
pfarvorweser Jo ban n Eberle anzeigt, wie icb als vff der engel- 
mefi vor E. G. sey verclagt worden von burgermeister und ratb 
zu Lentersbansen meins strefflicben lebens balben, also das 
icb von E. G. sey genrlaubt worden, spart er die wabrbeit 
vnd zeigt E. G. vnrecbt an, das dan nit seltzam bei im ist. 'icb 
bin vor einem jar durcb berrn Johann Rurer mit vorwilliguug des 
pfarrers zuScbalckbausen aucb einer gantzen gemeyn alda zu ei- 
nem pfarrer verordent worden vnd nit anders dran war, dann das 
icb solt aufziehen, in dem baben die von L enter sbaus en svplicirt, 
das in gemelte engelmefi pfriindt zu gemeynem nutz wurd gestattet, 
aber do mir mein g. b. marggraf Fridericb Thumbprost nit wolt 
leyben, must icb also pleiben, derbalben zeucb icb micb vff dem 
amptmann. weiter so zeigt der pfarvorweser an, wie wir uutuglicb 
leut sein zu der seelsorg vnd sein gewissen nacb seine pfarrkioder 
nit gern wolt mit vns beladen etc. in diesem anzeigen kan vnd mag 
gespurt vnd erkant werden sein gemut vnd vnbestendigkait, dan 
er bat vns vorbin darzu wollen treiben, aucb so bab icb im vorbin 
xvj wocben die gantz pfarr verwesen in alien dingen vnd mein lid- 
Ion scbwerlicb durcb vill verclagen von im bab mussen bringen; do 
icb nit mehr sein diener wolt sein, hat er micb gescholten ein ver- 
echter des evangelii, so icb vor im das evangelium predigt bab zu 
Leutersbauseu aucb an vil enden in diesem loblicben furstentum. 
aucb so ist sein leer groblich vermischt mit gift, dan er ist also grob 
mit seinem scbenden vndschmeben, dafi sicb das gemein volck sebran im 
ergert, dan dickermals auf der cantzel vns vicarii gescbmehet, daskeiner 
mit vns kain gemeinscbaft soil baben, wie wir im bann seyn, do 
creutz fur sich macben, wue wir geen, speyen an den wegk, do wir 
seyn, ebr wolt vns gern aus dem chor treyben, so steen es der obrig- 
keit zu ; auch mufibei vns steen vnd mit vns singen, ebr thuns nit gern, ehr 
las sew vnd hundt bei im stehen, auch so lobt ehr sich allein, das 
er zwifacher eer schuldig sey vnd mehr vmb das predigtampt verstee, 
dann zweitausent priester. auch auf der cantzell itzund gesagt, 
ehr mufi bei den hundert fl. einbufien, konn kein allmusen mehr 

Beitrage Eur baycr. Kirchengescbichte XI. 1. 3 



34 fiatteiger, Zur Geschichte des Pietismus^ m Bayreuth. 

gebeD; auch wan ehr die comunicanten verhort, do ebr solt handeln 
mit dem hell der seelen, so bandelt ehr, das im die paurcu soIIcd 
holtz fhuren; auch so ist ehr ein vrsacher mit seiner selltzanier 
form der verhor in den, das ehr ein itzlichen menschen anschreibt, 
was standts ehr sey vnd von wegen seiner fragstuck, das vil men- 
schen heur das sacrament nit h'aben entpfangen; auch so khan er sein 
stolzen geist nit bergeu, dan ehr nymbt sein weib an sein seytten 
vnd trit oifentlich an den feirt^eu auffs scherpfst zum thor hinans 
vnd wann in ein paur ein wenig beschreit, so predigt ehr auff der 
cantzel davon, auth so mufi man im vorklingen mit eincr schellen, 
wann er will eineu berichten in der stadt; vnd weifi das volck nit, 
ob er ein geweihte hostie bei im trSgt oder bei dem kranken conse- 
crieren will, vnd geschicht doch eer vnd reverentz als wie vor alt- 
her. solche stuck vnd andere mehr handelt ehr nauh seinem kopff. 
sagt sein ordnung sey recht. das hab ich auch E. G. nit wollen 
verhalten, diew«il ehr mich unbillicher each gegen E. G. verclagt 
hat vnd mit der wahrheit nit beweisen, das er bat furhracht; begert 
mich also vnverdienter sach mit meinem weibe vnd cleinen kindle 
von dem pfrundle zu treiben, so ich mich doch lafi an ein gantz ge- 
meyn leer vnd lebens halben. bit hierumb vmb gottes willen, E. G. 
woUe kein vngnadt aufF des pfarrvorwesers gegen mir schSpffen vn 
diese meine entschuldiguug mit gnaden aunehmen, dan ich vrbutig 
bin, mich allzeit zu halten nach vnsers g. h. ordnung vnd refor- 
mation, das will ich mit meinem gebet allzeit gegen gott vmb E. 
G. laug leben geflifien sein zu bitten. 

Endres Tetelbach E. G. vndertheniger caplan. 
Copie im Kgl. Preufi. Staatsarchiv zu Konigsberg i. Pr. A 3. 
Beilage IV ad 3. 3. 46. 

(Schlufi folgt.) 



Zur Geschichte des Pietismus in Bayreuth. 

Nachtrage. 

Von Dr, J. Batteiger in Germersheim. 

I. 

In meinem Buche „Der Pietismus in Bayreuth"^) babe 
ich darauf hingewiesen, daB Paul Eugen Layriz seit 1731 
an der gelehrten Schule in Neustadt a. d. Aisch in pietistischem 
Sinne wirkte, zugleich mit Sarganeck^). Nach dem Weggang 
des Superintendenten Steinmetz im Jahr 1732 traten diese 



1) Berlin 1903 (E. Ebering). 

2) A. a. 0. S. 86 f. 



featteiger, Zur Geschichte des tietismus in Bayreuth. 55 

beiden an die Spitze der verwaisten Pietistengemeinde ^), bis 
1735 auch Sarganeck dieser Stadt den Riicken wandte, und 
Layriz nur an Steinmetzens Nachfolger, dem neuen Super- 
intendenten Lerche, einigerinaCen eine Stiitze fand^). Seit 1732 
unterhielt Layriz eine lebhafte Korrespondenz mit Zinzendorf 
und andern Gliedern der Briidergemeinde. Wahrscheinlich war 
er 1732 bei der frankischen Reise des Grafen mit diesem bekannt 
geworden. Wenigstens wird diese Annahme nahe gelegt durcli 
die Tatsache, daB der Briefwechsel erst mit dem Jahre 1732 
einsetzt^). In den Jahren nach dem Tode des Markgrafen 
Georg Friedrich Karl, ^Is der Pietismus im Bayreuther Land 
langsam aus seiner belierrschenden Stellung verdrangt wurde, 
machte Layriz sich allmahlich mit dem Gedanken vertraut, sich 
eine andere Wirkungsstatte zu suchen. Ohne daC Angaben in 
seiner Korrespondenz sich finden, gehen *wir doch kaum irre, 
wenn wir fiir seinen EntschluB die namlichen Griinde annehmen, 
die einen Flessa nach Altona, einen SilchmuUer ins Exil nach 
Kulmbach trieben. Eine innere Hinneigung znr Briidergemeinde 
mag endlich den Ausschlag gegeben haben, daC Layriz 1742 
als Seminardirektor nach Marienborn ging. Gerade fiber diesen 
Abschied von Neustadt bieten seine Briefe im Herrnhuter Archiv 
ziemlich genauen AufschluB. 

Es lafit sich nicht sicher feststellen, wann der Gedanke, 
Nenstadt a. A. zu verlassen, bei Layriz bestimmte Gestalt an- 
genommen hat. Im Marz 1741 schreibt er an ein Mitglied der 
Briidergemeinde, es sei ihm seit langer Zeit klar, dafi in Neu- 
stadt nicht seines Bleibens sei. „Es war mir aber noch nicht 
klar, wohin: bis der Antrag wegen Magdeburg vor fiinfviertel 
Jahren kam. Da wurde ich dorthin geneigt und zu gehen 



1) Vgl. die beiden von mir a. a. 0. S. 158 ff. mitgeteiiten Briefe • 
Layriz, an Zinzd. 

2) A. a. 0. S. 113. — Am 15. Juli 1733 schreibt dagegen Layriz 
uber Lerche an Zinzd.: ^Bey uns sieht es doch recht betrtibt ans und 
unsere Umstande beugen mich recht sehr. Unser Superintendent ist zwar 
freundlich, liebreich und gut; aber es fehlt doch was.** 

3) Die Originale im Herrnhuter Archiv. Allerdings ist nicht aus- 
geschlossen, daB friihere Briefe Layrizens verloren sind. — Briefe von 
Zinzd. und andern Herrnhutern an Layriz sind im Herrnhuter Archiv nicht 
vorhanden. 

3* 



36 Batteigcr, Zur Geschichte des Pietismus in Bayreuth. 

bereit gemacht. Icb antwortete aber auf den ersten Antrag 
gar nichts." Er besprach sich dann dariiber mit Zinzendorf, 
der ihm riet zu gehen. Weiter schreibt er in diesem Brief, 
daU am letzten Tag des Jahres 1740 eine Vokation des Abtes 
Steinmetz folgte, and in „voriger-* Woche habe er seine Dimission 
gefordert^. Es lilCt sich nicht ergriinden, was mit dem ,, An- 
trag wegen Magdeburg" der in den Anfang des Jahres 1740 
fallen tnuB, and der „ Vokation des Abtes Steinmetz" am Ende 
des Jahres 1740 gemeint ist. Lediglich der groBe zeitliche 
Abstand legt die Vermutung nahe, dafi es sich um zwei ver- 
schiedene Dinge ban del t. Soviel geht jeden falls daraus hervor, 
daB Layriz im Jahr 1740 den Gedanken, aus Nenstadt zu 
scheiden, energischer ins Auge faBte. Eine Reise nach Kloster 
Bergen zu Steinmetz im Marz 1740^) und zu. Zinzendorf im 
August dieses Jahres^) mogen das Ihre dazu beigetragen haben. 
Wie es mit der im Marz 1741 erbetenen Dimission stebt, ob 
sie durch Steinmetzens Vokation oder durch einen andern An- 
trag veranlaBt war, ob Layriz selbst sein Gesuch um Ent- 
lassung wieder zuriicknahm, oder ob der Markgraf es abschlag- 
lich beschied, laBt sich nicht entscheiden. Jedenfalls blieb 
Layriz noch wahrend des Jahres 1741 in Neustadt a. d. A. 
Erst im folgenden Jahr 1742 horen wir aufs neue von einem 
Plane, zu wandern. Dieses Mai war die Brudergemeinde sein 
Ziel. Am 29. Mai 1742 schreibt er*): „Dem Herrn Superinten- 
denten und meinen KoUegen habe ich declariret, daB ich von 
hier weg und zur Gemeine gehen wiirde. Sie haben mir aber 
sehr angelegen, es nicht jetzt und zu einer solchen Zeit zu 
thun, da der Ruin der Schule augenscheinlich damit verkniipft 
ist. Es sind von der Herrschaft den Praeceptoribus 350 fl. frk, 
Besoldung eingezogen und von den Gotteshausern zu refundiren 



1) P. E. Layriz an Jonas Paul Weifi in Herrenhag, Neustadt a. d. 
Aisch, 19. Marz 1741. 

2) Diese Reise beweist ein Brief Layriz' an Zinzd., datiert Kloster 
Bergen, 16. Marz 1740. 

3) Am 9. Aug. 1740 sciireibt Layriz im Auftrag Zinzendorfs an 
,,Monsieur Deubler, Ministre de la parole de Dieu k Preiselbach''. 

4) Der Brief tragt keine Adresse, ist aber an ein Mitglied der Brttder- 
gemeinde, vielleicht an den Bischof Polykarp Mfiller in Marienborn, mit 
dem Layriz damals lebhaft korrespondierte, gerichtet. 



Batteiger, Zur Geschichte des Pietismus in Bayreutb. 37 

angewiesen worden, daraus nicht 50 fl. zu nehmen. Man hoffet 
aber mit Grund, daU die Herrschaft diese abgeschlichene Ver- 
ordnung werde cassiren . . . Meiu Bruder, wenn Sie es doch 
wollten in der Conferentz vortragen und mir Verhaltungs- 
ordre schreiben. Denn mein Herz ist doch nicht mein, sondern 
des lammes, und ich kan mich nicht anderst ansehen, als ein 
Glied der Gemeine, davon der HeiT das Haupt ist, und also 
erwarte und hofife auch darinnen Zurechtweisung wie ein 
Kind . . ." 

Bereits anfangs Juni ist er entschlossen, vielleicht auf 
eine Anweisung von Herrnhut hin, ohne Riicksicht auf die 
Verhaltnisse an der Neustadter Schule seine Entlassung zu 
fordern. „Es ist einmal mein Herz nicht mehr mein sondern 
des lammes und auch nicht mehr zu Neustadt sondern bey 
seiner Gemeine. Daher ich ohne Reflexion auf die andern 
Umstande alle meine Dimission fordern werde, sobald meinen 
bevorstehenden actum oratorium, der auf den 19. Juli gesezt 
ist^ werde gehalten habeu^)." Die Ausfiihrung seines Vor- 
habens wurde jedoch noch verzogert^ wenn auch nicht durch 
seine Schuld. Im Juli 1742 klagt er^): „Nun sollte ich meine 
Dimission fordern. Der Markgraf aber reist herum, ist jetzt 
in Stuttgart, wird, dem Vernehmen nach, von dort aus nach 
Berlin gehen, und bey dem Geheimden-Raths-CoUegio, wo in 
Serenissimi Abwesenheit alles mufi gesucht werden, besorge 
viel mehr Schwiirigkeiten. Ich bitte mir also der theuern 
Altesten ihren Rath aus, ob ich auf Serenissimi VViederkunfft 
warten, oder in dieser Zeit meine Dimission fordern soil, in- 
gleichen, ob ich in meinem memoriali bios meinen Abschied 
fordere, oder zugleich mitgedencke, da6 ich im Namen des Herrn 
entschlossen zur Gemeine zu gehen, und daselbst im Seminario 
mit Hand anzulegen, nach dem Maas der Gnade, so mir ge- 
schenckt wird? ... Es thun manchmal meine Collegen recht 
jammerlich um mich herum, dafi ich noch gehen will." Offen- 
bar gab der Bischof der Briidergemeinde, Polykarp Muller in 
Marienborn ihm den Rat, sein Abschiedsgesuch sofort einzu- 



1) Layriz an Polykarp Muller in Marienborn, Neustadt a. A., 13. Juni 
1742. (Kopie im H. A.). 

2) Layriz an Polyk. Miiller, Neustadt a. A., 20. Juli 1742. 



38 Batteiger, Zur Geschichte des Pietismus in Bayreatfa. 

reichen, denn am 8. August schreibt Layriz an MuUer: „Sonn- 
abends empfing ich ihr Schreiben, Sonntags darauf verfertigte 
ich mein Memorial um meine Dimission und sandte es unter 
unsers Herm Superintendenten Couvert nach Bayreuth. Nun 
erwarthe ich denn, wie mich das gute lamm aus alien Schwiirig- 
keiten gar herausftihren wird. Vor Michaelis sehe ich nun doch 
nicht wegzukommen, weil sich dort erst der cursus lectionum 
schliefiet^)." Das Bayreuther Konsistorium sandte sein Memo- 
rial an den Markgrafen Fried rich. Doch verging ein ganzer 
Monat, ohne dafi irgend eine Entscheidung dartiber erfolgte. 
Wohl aber fiirchtete man, wegen dieses Gesuches mochte die 
Ungnade des Markgrafen auf die Neustadter Schule fallen^). 
Uber seine weiteren Schritte in seiner Angelegenheit berichtet 
Layriz am 25. September an ein ungenanntes Mitglied der Briider- 
gemeinde, vielleicht an Miiller^): „Bis jetzt habe noch keine 
Resolution vom Hofe . . . Vorgestern habe aufs neue an den 
dermaligen Hofprediger Schmid*) in Bayreuth geschrieben, der 
des Markgrafen Ohr hat, und ihn,. da wir ehehin in Leipzig 
nach der Welt Art gute Freunde gewesen, sehr instandig er- 
suchet, mir die Liebe zu thun und mir durch seine Cooperatio 
meine Dimission zu verschaffen." 

Da auch dieses Schreiben erfolglos blieb, wandte sich Layriz am 
5. Oktober ^) in einer franzosischen Immediateingabe (franzosisch, 
damit dieser es lesen moge) an den Markgrafen. Dieser las es 
und gab es an Superville, bei dem es ohne Resolution liegen 
blieb. Diese Verzogerung erklart Layriz sich damit, daC er 
in seinem Memorial an den Markgrafen angegeben hatte, er 
woUe sich nach Marienborn zur Briidergemeinde begeben. Nun 
woUe man nicht „ durch eine rasche Dimission seinen Vorsatz 
approbiren". Als er erfuhr, daC seine Eingabe bei Superville 
liege, reiste er am 13. November zu diesem nach Erlangen. 
Superville versprach ihm, mit dem Markgrafen von dieser An- 
gelegenheit zu reden. Doch vergingen abermals acht Tage, 



1) Layriz an Polyk. Miiller, Neustadt a. A., 8. August 1742. 

2) Layriz* Brief, Neustadt a. A., 3. September 1742, ohne Adregse. 

3) Neustadt, 25. September 1742. 

4) Der Hofprediger 'Joh. Christ, Schmid. 

5) Vgl. Beilage I. 



Batteiger, Zur Geschichte des Pietismus in Bayreuth. 39 

ohne daC eine Antwort erfolgte. Deshalb richtete er am 
19. November ein zweites franzosisches Gesuch „durch einen 
andern Canal" an den Markgrafen ^). Dieses Mai waren seine 
Bemuhungen von Erfolg gekront. Bereits eine Woche spMer, 
am 27. November 1742 berichtet er voUer Freude an Polykarp 
MttUer, dafi er endlich (am 22. November) seinen Abschied er- 
halten habe^). Er hat es sehr eilig, . von Neustadt a. Aisch 
wegzukommen. Am 10. Dezember scbreibt er an Muller, er 
woUe am kommenden Montag 16. Dezember von Neustadt ab- 
reisen und denke Freitag 20. Dezember in Marienborn einzu- 
treffen und dem Bischof „die Hand zu kiissen". Er wunscht, 
daB zwei ,,Bruder", Hoger und Busch ihm bis Hanau ent- 
gegenkamen ^). Es ist wohl anzunehmen, dafi Layriz, wenn es 
ihm moglich war, diese Reisedisposition eingehalten hat. Ge- 
naues lafit sich nicht sagen; sein Briefwechsel bricht hier ab. 

n. 

S. 45 meines Buches wird ein Traktat „Milch fiir die 
Unmiindigen^^ erwahnt, der in dem Waisenhaus zu Bayreuth 
als Lehrbuch fiir den Religionsunterricht bei den kleineren 
Schiilern dient, und der in einfacher Form von den Vorteilen 
einer fruhzeitigen Bekehrung handelt. In der Bibliothek des Herrn- 
huter Archivs befindet sich ein kleines 48 Seiten starkes Biich- 
lein in 12", das den Titel tragt: 

„Milch fiir die Unmiindigen Kinder oder Kurtze und deut- 
liche Anweisung zum Wahren Christenthum denen Einfaltigen 
zum Besten aus hertzlicher Liebe herausgegeben Im Jahr 1729. 
Zweyte verbesserte Auflage. Jena, bey Johann Friederich 
Rittern." Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daC wir 
darin den in Bayreuth gebrauchten Traktat vor uns haben. 
Demselben ist folgende Vorrede vorangeschickt: 

„Geneigter Leser. Auf Verlangen eines vornehmen und 



1) Layriz an einen ungenannten „Bruder^, wohl Muller, Neustadt a. A. 
20. November 1742. Das Gesuch findet sich in Abschrift auf der letzten 
Seite dieses Briefes. (S. Beilage I.) 

2) Layriz an P. MUller, Neustadt a. A., 27. November 1742. Auf der 
3. Seite des Briefes eine Abschrift seiner Diraission. (S. Beilage II.) 

3) Layriz an P. Muller, Neustadt a. A., 10. Dezember 1742. 



40 Batteiger, Zur Gescbichte des Pietismns in Bayrenth. 

angesehenen Mannes sind diese wenige Blatter den einfaltigeu 
KindeiTi zura Besten aufgesetzt worden: Weil man wahrge- 
nommen, daK die meisten Biicher, die uns von Christlicher Lehre 
unterweisen, vor Kinder zu schwer und zu weitlauftig sind. 
Daher man sich bemtthet, hlerin alles kurtz und deutlich vor- 
zutragen, was einem Kinde insonderheit zu wissen niitzlich und 
nothig ist. Die Spruche heiliger Schrifft, welche die kurtzen 
Satze entweder erlautern, oder beweisen, sind deswegen dabey 
angezeigt, daB Eltern oder Praceptores, die etwa dieses Biich- 
lein bey ihren Kindern zu brauchen belieben, dieselben auf 
Gottes Wort fuhren konten. Grott segne diese wenigen Blatter 
iiberschwanglich und lasse sie zu seines Nahraens Ehre gereichen. 
Jena, den 24. Februar 1729." 

Das Biichlein ist nicht in Frage und Antwort abgefaCt, 
sondern es werden kurze darlegende Satze aneinander gereiht, 
zuweilen durch ein „Nun mercke, liebes Kind" (S. 6. 26),^Hore 
weiter liebes Kind" (S. 7. 13), „Bedencke doch ferner liebes 
Kind" (S. 12) und ahnliche Ausdriicke eingefuhrt. So zei'fallt 
das Gauze in kleine Abschnitte von zwei, drei oder mehr 
Satzen. ' Unter jedem derartigen Abschnitt werden zum Beweis 
des Vorgetragenen einige Stellen der heiligen Schrift angegeben. 
Die Darlegung beginnt mit dem Dasein Gottes: „Liebes Kind, 
Wenn du den Himmel und die Erde auch deinen Leib ansiehest; 
so dencke: es sey ein Gott. Hiob 12, 7. 8. 9. Rom. 1, 19. 20." 
(S. 3). Von Gottes Eigenschaften und Wesen leitet sie iiber 
zur Schopfung der Welt („Gott hat Himmel und Erde aus 
Nichts gemacht durch seinen lieben Sohn". S. 6) und des 
Menschen. Vom Urstande des Menschen heifit es (S. 8): 
„Darum konnte Adam und Eva den lieben Gott und alles, was 
Gott gemacht, und alles, was Gott befohlen, vollig erkennen. 
Sie konnten alles Bose meiden, alles Gute thun und Gott liber 
alles fiirchten, lieben und vertrauen. Sie hatten auch einen 
schonen Leib, und wiirden nicht gestorben oder krank geworden 
seyu, wenn sie nicht Slinde- gethan hatten." Der Siindenfall 
ist eine Wirkung des in der Schlauge verborgenen Teufels 
(S. 10). Infolgedessen „siDd nun alle Menschen und Kinder 
von Natur bose und mussen sterben. Rom. 5, 12". Charakte- 
ristisch flir den pietistischen Geist des Schriftchens heifit es 



Batteiger, Zur Geschfchte des Pietismus in Bayreuth. i{ 

hier (S. 10 fi): „0 liebes Kind, wie b6se bist du in die Welt 
gekommen!^ „Du freust dich mehr uber Zucker, Honig, und 
andere Speisen, die dir wohl schmecken als liber den Herrn 
Jesum." „Du haltst dich wohl vor frdmmer und besser als andere 
Kinder." „Alle diese Sunden kommen vom Teufel." tJber- 
haupt wird der Name des Teufels nicht allzn sparsam ge- 
braucht. 

„Aber hore doch, dn liebes Kind, und mercke auf" (S. 13) 
leitet iiber zu den Satzen, die von Christi Person und Werk, 
von BuBe und Bekehrung handeln. Die Forderung der Be- 
kehrung wird damit begrlindet, daK „du das in der Taufe dem 
lieben Gott abgelegte Versprechen nicht gehalten, sondern ihn 
mit mutwilligen wissentlichen Sunden betriibt hast, darum rauBt 
du deinen Sinn andern" (S. 20). Aber: „Ach liebes Kind, nie- 
mand als der Herr Jesus, kan deinen bSsen Sinn andern und 
dieses will er auch gerne tun" (S. 23). Darum folgt die Mahnung 
(S- 24 f.): „Bitte den Herrn Jesum, und h6re ja nicht auf mit 
Bethen, bis er dich ferhore und dir eiu neues Hertz feebe. 
Matth. 7, 7. — Ach, liebes Kind, warum wilt du solches nicht 
gleich heute noch thun? wilt du denn nicht bald selig seyn? — 
O bedencke doch, daB Christum lieb haben tausend mal suBer 
und lustiger sey, als dem Teufel zu gehorchen und sundliches 
Spiel zu treiben. Ps. 34, 9. — Wenn ein Kind stindigt, hat 
es nichts als Unruhe und Quahl davon: aber der Herr Jesus 
erfreuet das Hertz frommer Kinder rait der siiBesten Lust. 
Esa. 48, 22. 61, 10. Ps. 32, 11." 

Den SchluB des Biichleins bildet eine lange Reihe von 
Erraahnungen und VorschrifteD, wie das Kind sich verhalten 
muB, ,,wenn du ein Schaflein Christi seyn und bleiben wilt." 
Nahezu die Halfte des Buchleins, 20 Seiten (S. 26—46) ist 
von diesen in kasuistischer Weise ausgeftihrten Mahnungen an- 
gefuUt. Vom Gebet heifit es (S. 29 ff.): „Wenn du des Morgens 
aufwachest, so dencke gleich an den Herrn Jesum und sprich: 
Lieber Herr Jesu, ich dancke dir, daB ich gesund aufgewachet 
bin, und daB du mich so gnadiglich und vaterlich bewahret." 
„Wenu du aus deinera Bette aufgestandeii, so falle auf deiue 
Knie, und sprich: Lieber Herr Jesu, gib mir heute deinen 
heiligen Geist in mein Hertz, daC ich nichts Boses thun moge. '' 



42 Batteiger, Ziir Geschichte des PietismnB in Bayreuth. 

Beim Anlegen der Kleider soil das Kind beten, der Herr Jesus 
moge sein Herz schmucken mit seiner Liebe, wahrem Glauben, 
herzlicher Demut und rechtschaffener Aufrichtigkeit. Beim 
Waschen soil es an Christi Blut denken, das uns von alien 
Slinden reinigt. Den ganzen Tag soil es bestrebt sein, sein 
Herz auf Christus zu richten, und imraerdar seufzen: „Gedencke 
meiner, mein Gott, im Besten." (S. 30.) Beten soil das Kind 
auch dann, wenn es keine Lust dazu hat. Wenn es keine 
Worte hat, soil es doch seufzen im Herzen, da ja der Herr 
ohnehin nicht will, daC man viele Worte mache. Nicht gerade 
geschmackvoll, aber echt pietistisch heifit es (S. 51): „Wenn 
dir das Essen gut schmeckt, so dencke: ach lieber Herr Jesu, 
wie sttfi bist du doch : du bist noch tausendmahl suBer als diese 
Speise und Tranck." 

An die Mahnung zum Beten schlieCen sich (S. 33 ff.) Vor- 
schriften iiber Sonntagsheiligung, Kirchengehen, Betragen in 
der Kirche: „Habe keine fremde Gedancken, plaudere nicht, 
spiele nicht und lache nicht in der Kirche; sondeni bethe, singe, 
und hore fleifiig zu, und mercke insonderheit, was von dem 
Herrn Jesu gepredigt wird." „Erzehle zu Hause, was du in 
der Kirche gehort und behalten." Unter den kasuistischen 
Vorschriften vom Verhalten gegen die Eltern findet sich der 
padagogisch etwas bedenkliche Satz (S. 37): „Wenn deine 
Eltern was Boses befehlen, so folge nicht, sondern sage: lieber 
Vater, liebe Mutter, das hat Gott verbothen." Auch wird nicht 
vergessen, wie das Kind sich in der Schule und auf dem Wege 
zur Schule oder von der Schule, gegen andere Menschen, be- 
sonders gegen andere Kinder verhalten soil (S. 39 ff.). Freilich 
werden nicht allzuviele die Vorschrift beachtet haben (S. 41): 
„Wenn du von andern Kindern ausgelacht, gescholten, oder 
geschlagen wirst, so must du nicht bose werden, nicht zanckeu, 
nicht schelten, nicht schlagen, nicht schmeissen, sondern den 
Herrn Jesum bitten, dafi er das bose Kind bekehren und ihm 
seine Stinden vergeben wolle." Dagegen mochte es manchem 
zur Aiigeberei geneigten Kinde nicht unerwlinscht sein, zu 
horen (S. 44): „Will ein andres Kind was hinwegnehmen, das 
nicht sein ist; so sage ihm, es solle in den 1. Gott nicht betrilben. 
Will sich aber das bose Kind nicht sagen lassen, sondern nimmt 



Batteiger, Zur Gescbicfate des Pietismus in Bayreuth. 43 

es doch hinweg: so gib solches an, aus hertzlicher Liebe und 
nicht aus HaB." 

Zum SchluB (S. 47 f.) wird geredet von dem ewigen Leben, 
das dessen harrt, der ein „treues ScMflein Christi" bleibt bis 
in den Tod. „Die Seele glaubiger Kinder wird von den 1. Engeln 
in das Paradies getragen." „Der Herr Jesus wird sicli iiber 
dir freuen." „Er wird dir eine schone Krone auf das Haupt 
setzen." „Da wirst du dich dann ewig freuen, und dicli zu 
den Fiissen des Herrn Jesu niederlegen und ewig mit den 
heiligen Engeln singen: Amen. Lob und Ehre, und Weisheit, 
Danck, und Preifi, und Krafft, und Starcke, sey unserm Gott 
von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Offb. Job. 7, 12." 

Man ersieht aus dieser kurzen Inhaltsangabe deutlich den 
pietistischen Charakter der „Milch". Auch hier zeigt sich wie 
bei Silchmullers Katechismus das Streben, das Gewissen der 
Kinder zu rtihren, den Willen zum Guten zu lenken. Das 
Gelernte soil sich im Leben bewahren. Uber die Person des 
Verfassers lafit sich weiter nichts sagen, als dafi er in Jena 
lebte; wahrscheinlich war es einer der dortigen pietistischen 
Theologen. Wann das Buch zuerst erschien, ist ungewifi, so- 
lange nicht ein Exemplar der 1. Auflage gefunden wird. Darftber, 
daB es in dem Bayreuther Waisenhaus eingefuhrt war, braucht 
man sich nicht zu wundern, denn in der Lehrmethode war 
man in der Bayreuther Anstalt abhangig von Jena^). 

Beilage L 

P. E. Layriz' Entlassungsgesuch an den Markgrafeu 

Friedrich. 

Neustadt a. A., 19. Nov. 1742. 
Monseigneur, Qu^il plaise a Votre Altesse Serenissime de Se 
souvenir tres-gracieusement de la tres bumble reqnete^ que j'ai eu 



1) In dem Konferenzbuch des Waisenhauses (Bibl. des hist. Vereins 
f. Oberfr.) beifit es unter dem 3. Oktober 1732: „Heute hat man den 
Anfang gemacht diejenigen Erinnerungen zu lesen, welche von Jena aus 
communizirt worden und die Erziehung und Unterweisung der Kinder 
betreflfen. Und zwar ist zuerst vorkommen, was die in den Jenaischen 
Scbulen arbeitenden Praeceptores fiir Anmerkungen iiberhaupt gemacht, 
was bey der Information nStig und niitzlich sey." (Vgl. die ProtokoUe 
derKonferenzen vom 8. und31. Oktober, 14. November 1732, 24. Januar 1733.) 



44 Batteiger, Zar Geschichte des Pletismus in Bayreutb. 

I'honneur de Lui presenter le 5"^® du mois pass^ dans laquelle j'ai 
address^ a Votre Altesse Serenissime mes tres humbles prieres de 
me donner gracieusement ma dimission. Me voiant jusqu'a cette 
heure sans aiieune resolution, et trouvant en moi une veritable im- 
possibility de veiller davantage aux affaires de la literature avec la 
meme application, dont j'ai tach6 jusqu'a cette heure regenter Sa 
petite ecole d'ici: je La supplie cette troisieme fois avec le plus pro- 
fond respect, de m'accorder favorablement ma susdite dimission, 
afinque je me puisse retirer au plutot et servir plus librement a notre 
Bon Sauveur le reste de mes jours. Je ne manquerai jamais de lui 
offrir mes voeux ardens pour I'heureux gouvernement de Votre Altesse 
Serenissime et de con server pour cette la plus profonde veneration 
comme 

Monseignour 
D. V. A. S. 
a Neustadt ce 19"*® Nov. 1742. 

Le tres humble, trfes obeissant et tr^s fid el Serviteur 

et Sujet P. E. Layriz. 

Beilage IL 

Memor. Rect. Layrizens zu Neustadt sonderllich dessen 

Dimision betr. 

Erlangen, 22. Nov. 1742. 

Ad Consistorium ^), uud finden Ihro hochfurstl. Durchl. kein 
weiters Bedenken, Supplicireuden Rectori Layi'izio zu Neustadt an 
der Aisch die bisher wiederholtermahls unterthanigst gesuchte Dimis- 
sion zu ertheilen : defien demnach derselbe zu bedeuten : zugleich aber 
auch von Consistorii wegeu der ohnzielsezliche Vorschlag zur Wieder- 
besezung dieses Rectorats fordersamst zu erstatten ist, darbey jedoch 
die vorlauffige gnadigste Resolution denhin eroffnet wird daft hochst- 
ermeldte Ihro hochfurstl. Durchl. auf die fernere Beybehaltung der 
seitherigen Verfassung des Neustadt. Schulwesens reflectirt, [und]^) 
auf den bisherigen Conrectorem Dorflern daselbst, der vorzugliche 
Bedacht genomen werden soUe. 

Erlaug den 22*®^ Nov. 1742. 

F. M. Z. B. 

Beilage III. 
Die Pietisten zu Erlangen an die Brtidergemeinde. 

Erlangen, den 11. Juli 1741. 
Wertheste Gemeine! 
Wir erkennen euch vor eine Gemeine, die Jesus Christus ge- 
sainlet und auf sein Blut und Todt gegriindet. Wir dancken euch 



1) Den Anfang hat Layriz offenbar nicht mit abgeschrieben. 

2) Lucke im Original. Das Wort ist nach meiner Vermutung erganzt. 



Leffler, Eine Thiingensche Treu- und Taufverordnung. 45 

hertzl. vor eure Liebe, die Ihr gegen una geliabt, da Ihv uns auch 
eures Segens einige Zeit her habt genifieii lafien, u. euren Bruder 
Lang nebst seiner Frau und Liebs Geschwisterten zu uns geschickt 
habt. Wir mlifien uns als todte u. zweymahl erstorbene Leute er- 
kennen, welche die erste Liebe verlafien ii. dujch viele eigne Wege 
Zeit u. Krafte verzebret haben, nun aber die andere mit Schmerzen 
suchen miifien, wir sehen uns vor die elendesten in dieser Gegend 
an, batten dabero eurer Liebe u. Dienstes vor andern nothig, bittet 
den lieben beyland, daft er euch erlaube eure Briider und Schwester 
nocb auf einige Zeit bey uns zu lafien. theure Gemeine helfft uns 
mit bin zum Lame, damit wir solcbes mit euch bier und dort preifien 
Konnen. 

Solches bitten wir unterschriebene 

Balthasar Memmert. 

Johann Diestler. 
Nicolaus Blenckert. Johann PfeufFer. 

Job. Heinrich LUdy Albrecht Behm 

Johann Kornlender Gottfriedt Joscher 

Heinrich Teutsch: 



Eine Thiingensche Trau- und Taufverordnung. 

Mitgeteilt von 
Pf. H. Leffler in Bonnland (Unter frank en). 

Im Kirchenbuch zu Bonnland, Dekanat Weizenbach, findet sich 
folgender Eintrag, der, obwohl ahnliches schon aus anderen Gegen- 
den bekannt, doch wegen gewisser Eigentiimlichkeiten allgemeineres 
Interesse in Auspruch nehmen durfte: 

Aus befelch und Ratification des Edlen und vhesten Hans 
Albrechts von Thiingeu, unsers gbnstigen gepietenden Junckern, 
von offener Cantzel einer Kirchen zu Bonnland am 24. Sontage nach 
Trinitatis des (1610) Jars publicirt und abgelesen: 

Demnach wir diirch so viel aergerliche Exempel erfahren und 
Innen worden, das durch Vielfeltiges nachsehen so wenig befierung 
bei unsern Unterthanen und eingepfarrten erfolgen wiel (?), das Je 
laenger Je mehr Unordnung einreist, und dergleichen Faelle, sonder- 
lich in Ehesachen, wider Unsere Zuversicht von Tagen zu 
Tagen sich begeben, also haben wir es hochdringender uuvermeid- 
licheu (?) Notturft nit umbgehen koennen, die vormals gegebene 
ordnung mit hohem Ernst nit allein renovieren und verneuern zu 



1) Das Original des Briefes mit den eigenhandigen Unterschriften 
im Herrnhuter Archly; geschrieben ist er der Handschrift nach von 
Memmert. Die Adresse auf der Ruckseite lautet: „Herrn Herrn Jonas 
Paulus WeiB in Herrenhaag abzugeben bey Herrn Nicolauy in franckfort." 



46 Leffler, Eine Thungensche Trail- und Taufverordnung. 

lafien, sondern anch mit solcher Feen und straff zuverbinden^ obs(?) 
each das hierdurch eins besserer obsequenz und geborsamb ufF solche 
und desgleicben (?) wolgemeindte Ordnung dermal einst erfolgen wollte, 

setzen demnacb, fordern und bevelen hierbei mit allem ernste 

alss folgett, , 

1. wo khiinftig Irer Zwey nach gottlicher ordnung zusammen 
heyrathen, oder Eltern Ire Kinder ehelicb zusammen versprechen, 
8ie solche under Inen gemachte Ehe, nit ferner Irer bbsen gewohu- 
heit nach mit ^o grofier gefahr und Ungelegenheit aufzihen, sondern 
hiebey wissen sollen, das wir es in alle Wege von dato Tag und 
Zeit Ires geloebniss in einem viertel Jar uffs lengste mit dem olFent- 
lichen Kirchen gang vollzogen haben wollen, 

Bei (?) der straff 10 fl. 

2. Weren aber Perssonen, die einander bereit vor diesem ehe- 
licb Verlobt und Versprochen, fur handen, sollen dieselben, wo sie 
die von dem heutigen Tage an zugelassene Viertel Jars Zeit iiber- 
sitzen und nit zur Kirchen gehen wiirden, mit doppeler straff, 

nemlich 20 fl. angesehen werden. 

3. Uff den wiederigen aber und Unverhofften fall^ Irer Zwey auch 
von solcher vergoennten Zeit In Unehren sich zusammen fiigen wlirden, 
sollen solche hernacher, wo es an den Tag kommen soUte, mit 

15 fl. gestrafft werden; 

4. Wo vielleicht Irer Zwey (: In meinung solcher determinirter 
straff zu entgeheu : ) Ir geloebuis mit einander machen und diss 

heimlich und gelegenheit verborgen tragen wollen, sollen 

dieselben dieweil gemeiniglich allerhand Ungelegenheit dahero ent- 
steht; wo es offenbar werden wird, gleicher straff 

der 15 fl. hinngewiesen werden. 

5. Tauff Kosten betreffende, soil es 

In des Kindsvatters freien Willen stehen, nach erlangter Tauf 
neben dem Gevatter, Jemandts ferner bey sich zubehalten, hier- 
zwischen auch ferner nichts aufgewendet, sondern ueber 14 Tage 
mit einem Hembdlein, Kuchen und Zech alles beschlofien werden. 

Nach dem auch der Zeit eben schwind, .und wegen grosser 
Kosten manchmal ein arm frommes Kind von dem christlichen 
werk fast armut halben ausgeschlofien wirdt, ist (?) es(?) fur gut an- 
gesehen worden, ueber einen halben Thaler nit einzubinden, und dem 
Kuchen ueber einen halben gulden nit zu ersteigen (?) 

bei der straff 1 fl. 

6. Dieweil es auch gar aergerlich, das Kindbetterinnen, die 
von der Sechs wochen Zahl den Namen haben, das sie Sechs- 
wbchuerinnen genannt werden, vor Ausgang solcher Wochen sich 
herfuer tun, — ? — sollen sie eutweder der sechsten Wochen uffs 
wenigste erwarten (?) oder fur jede wochen so sie davon abkurzen, 

1 fl. zur straff geben. — 



Zur Bibliographie. 4^ 

Zur Bibliographie.'') 

*Hbgl, Dr. Mathias, Prafekt am kgl. Studienseminar zu Amberg. 
Die Bekehning der Oberpfalz durch Kurfiirst Maximilian I. Nach 
Archiv-Akten bearbeitet. I. Bd. Gegenreformatioii. 11. Bd. 
I. und II. Rezefi (i. J. 1629 und 1630). Regensbu.ig, Kom- 
missionsverlag der Verlagsanstalt vorm. G. T. Manz. V und 182 
und 220 S. I. Bd. 3 Mk. II. Bd. 4 Mk. 

Da die Bearbeitnng des vorliegenden Themaa durch Wittmann 
^katholischersei^js, die durch Lippert prostestantischerseitsnichtbefriedigte", 
hat sich der Verf. entschlossen, „aus den Archivalien selbst die Gegen- 
reformation zu studieren und zwar ohne Rlicksicht auf frtihere Bearbei- 
tungen. Wenn ich mich hin und wieder auf diese berufe, so geschieht 
es nur, soweit es unbedingt notwendig ist, oder um unnotige Wieder- 
holungen zu vermeiden" (S. III). Die letztere Bemerkung ergibt schon, 
daB er darauf verzichtet, frtihere Bearbeitungen zu ersetzen, und davon 
kann auch bei seinem Buche nicht die Eede sein, da er manches nur sehr 
kurz skizziert, wofiir bei Lippert reiches, die gauze Sachlage deutlich 
illuBtrierendes Material sich findet, z. B. im Kapitel uber die Austreibung 
der Pradikanten. l^ach Seite des Materials erganzen sich die beiden 
Arbeiten infofern, als Lippert mehr die Unterdrtickung und Vernichtung 
des Protestantismus, H5gl mehr die Wiederaufrichtung des Katholizismus 
schildert, auch bringt der letztere sonst manche neue schatzenswerte 
Mitteilungen, namentlich im II. Bd., aber auch hier und da schon im I. Bd., 
z. B. S. 63 uber die Stolgebiihren und die divergierenden Bestrebungen 
der M6nche und des Weltklerus. DaB der Veif. sich bemiiht, „8ine ira 
et studio die Tatsachen in ihrer Objektivitat darzustelfen" muB anerkannt 
werden, ja seine Darstellung ist auch da, wo man nach seiner prinzipiellen 
Stellungnahme zu den betreffenden Fragen wenigstens einen leisen Laut 
der Entrtistung erwartet, gegentlber der sehr temperamentvoUen Lipperts 
eine fast kalte za nennen. Er ist viel zu modern, um die Zwangsbekehrungen 
Maximilians billigen zu k5nnen, und er hat gewi^ recht, daB es unhistorisch 
ist, jene Zeiten nach dem MaBstabe unseres modernen Toleranzbegriffs 
zu messen, aber wenn wir tiberhaupt urteilen wollen, dann haben wir 
nicht nur das Recht sondernauch die Pflicht, das Yerhalten Maximilians nach 
dem Mafistabe seiner Zeit zu beurteilen. Und danach steht der Zwangs- 
bekehrer einzigartig da. Denn was Hdgl als Analogon tiber das Ver- 
halten derprotestantischen FUrsten sehr kurz und dtirftig anzufUhrenjweiB, ist 
ungentigend und irrefuhrend, und einen sehr bedenklichen Mangel an Ver- 
standnis des Wesens und des Verlaufes der evangelischen Reformation 
verrat es, wenn er S. 2 8chreiben kann: „Ein Hauptgrund des allgemeinen 
Abfalls vom Katholizismus war der Verfall der Sitten und Bildung jener 
Zeit.** Auch zugegeben, dag Maximilian nur von seinem Reformations- 
rechte Gebrauch machte und ihm die zwangsweise Rckatholisierung als Ge- 
wissenspflicht erschien, so bleibt doch der schwerste Vorwurf, die greu- 
liche, die Beamtenwelt demoralisierende Heuchelei, mit der er wenigstens 
zu Anfang die Sache betrieb. Obwohl die Rckatholisierung aller 
Akatholiken beschlossene Sache war, werden die Beamten angewiesen, 
darauf zu achten, „dafi es nicht einer yehlingen durchgehenden Refor- 
mation der Oberpfalz im Religionswerk gleichsehe"; wo sich ihnen „nur 



*) Die mit * versehenen Schriften sind zur Besprechung eingesandt 
worden. Alle einschlagigen Schriften werden erbeten behufs Besprechung 
von der Verlagsbuchhandlung Fr. Junge in Erlangen. 



48 Zur Bibliographie. 

ein wenig scheinbarer Pratext und Gelegenheit zur Amotion** der Geist- 
lichen bietet, sollen sie eingreifen, „um ihrer Verbrechen willen oder unter 
anderm praetextu politico, oder weil sie der ealvinischen, also einer im 
heiligen rom. Beiche und dessen heiligen (I) Satzungen verbotenen unzu- 
lassigen Sekte zngetan sind**, sollen die Geistlichen aiisgetrieben warden 
(S. 16). Und es ist unveistandlicb, wie derVerf. sich den Satz des Frhrn. 
V. Egkber aneignen kann: „diese Religionsveranderung war bei ihm 
(Kurf. Max) nicht bloC eine religiose Laune, sondem eine politische 
Wotwendigkeit**, und er damit die Eile, womit der Ftirst verfuhr, glaubt 
entschuldigen zu k6nnen. Gegeniiber den Besch5nigungsverauchen ver- 
schiedener katholischer Historiker stellt er fest, dafi die Dragonaden tat- 
sachlich als Bekehrungsmittel gebraucht wurden (S. 141). Aber diese 
anerkennenswerte Objektivitat leidet Einbu^e durch den *im Interesse der 
Ehrenrettung des Kurftirsten gemaohten Versuch, nachzuweisen, daB die 
Zwangseinquartierungen nicht zur Bekehrung ersonnen seinen, sondern 
urn die Rebellion zu verhindern. Indessen der Nachweis ist nicht gelungen, 
da der grofie hierftir angezogene Bericht der Amberger Regierung vom ^ 

23. Jan. 1629 (S. 159) deutlich sagt, „daB einzig und heilsamste Remedium, 
die Leute vom alten unkatholischen Irrtnm abzubringen, sei die Einquar- 
tiernng.** Man kann aus dem ganzen Aktenstiicke nur ersehen, daB die 
Amberger noch nicht auf dieEinquartierung verzichten zu konnen glaubten 
und daB sie von ihrem Herrn gelernt batten, ^Pratexte** aufzufinden. — 
Und nun noch eine Bemerkung uber die Form der Geschichtsdarstellung. 
Der Verf., der offenbar sehr HeiBig gearbeitet hat und von dem besten 
Streben erfUllt ist, glaubt nach der besonders durch Janssen eingebtirgerten 
Methode seine Objektivitat am besten dadurch zu erweisen, da^ er seine 
Quellen oft seitenlang Wort ftir Wort in dem schrecklichen Kurialstil 
jener Zeit einftihrt, auch wo der Inhalt recht unbedeutend ist, oder mit 
ein paar kurzen Worten wiedergegeben werden konnte. Das ist keine ij 

wirkliche Geschichtsschreibung, wenn auch diebequemste Form der Bericht- 
erstattung, und wirkt ermiidend. Auch fehltjeder Versuch, die hier und da 
genannten Personlichkeiten, die bei dem groBen Trauerspiel mitwirken, zu 
charakterisieren. Lagen die Faden des Ganzen auch in der Hand desFUrsten, 
so waren doch alle jene Leute, deren er sich bedient, nicht nur Mario- 
netten, sondern waren, wie man zuweilen aus den mitgeteilten Schrift- 
stUcken ersehen kann^ auch Personlichkeiten mit sehr bestimmten Mei- 
nungen. Welchen Reiz mufite es haben, die einzelnen Bischofe, die 
namentlich bei den Rezessen (im 11. Bd.) so lebhaft beteiligt waren, 
naher kennen zu lernen ! Und von den Protestanten, die eineRolle spielten, 
erfahren wir kaum ein paar Namen, die aber Namen bleiben. So haben 
wir zwar jetzt durch Lippert und Hogl eine sich vielfach erganzende 
Materialiensammlung, aber eine wirkliche Geschichte der Gegen- ^ 

reformation, die mit historischer Eunst den Gegenstand behandelte, 
bleibt immer noch eine Aufgabe. 

Hoffmann, W. Die Politik des Fiirstbischofs von Wurzbnrg und 

Bamberg Adam Friedricli Grafen vou Seinsheim von 1766 

bis 1763. Ein Beitrag zur Geschichte des siebenjahrigeu 

Krieges. Nach archivalischen Quellen bearbeitet. Miinchen 1903. 

M. Riegersche Universitatsbuchhandlung (G. Himmer). 102 S. 

1,60 Mk, 

Doberl, M. Bayern und Frankreich vornehmlich unter Kurfiirst 
Ferdinand Maria 'II. Archivalische Beitrage. MUnchen E. Koch. 
8. V. 166 S. 12- Mk. 



wm 



Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

Von D. Th. Kolde. 

Kein deutsches Gebiet hat als solches wie bekannt sich 
so entschieden und so lange der Reformation verschlossen, ala 
das Herzogtura Bayern ; aber schon friih hat es auch dort 
einige mutige Bekenner des Evangeliums gegeben, deren 
Schicksale weit liber das engere Vaterland hinaus von sich 
reden machten. Unter ihnen ragen Arsacius Seehofer und Ar- 
gula V. Grumbach hervor, deren Andenken man hier und da 
immer wieder erneuert hat, ohne daB bisher eine wissenschaft- 
liche, quellenmaUige Darstelluug ihres Lebensganges versucht 
worden ware. Die vielfach zerstreuten Nachrichten iiber sie 
sind verhaltnismaCig diirftig, reichen doch aber aus, um ein 
halbwegs klares Bild ihres Entwickelungsganges zeichnen zu 
konnen. Es ist fraglich, ob sich die beiden jemals,gesehen 
haben, gleichwohl berechtigt die zeitweilige enge Verkettung 
ihfer Schicksale, sie gemeinsara zu behandeln. 

Arsacius Seehofer^) wurde einige Jahre nach dem Be- 
ginn des 16. Jahrhunderts in Miinchen geboren. Sein Vater, 
Kaspar Seehofer, war ein wohlhabender, angesehener Burger. 
Nach den Ratsprotokollen war er im Jahre 1503 einer der 36 
der „Gemein'*, dann in deu Jahren 1505 — 1507 „Vierer" des 



1) Eine sehr durftige Skizze uber ihn lieferte Th. Wiedemann 
in Oberbayer. Archiv, Bd. 21, 61 ff. wesentlich auf Grund von V. A. Winter, 
Gesch. d. Schicksale der evangelischen Lehre in und durch Bayern be- 
wirkt. Munchen 1809 ff. Neues Material brachte C. Prantl, Gesch. d* 
Ludwig-Maximiliansuniversitat MUnchen 1872, 2 Bde., das noch yermehrt 
und verbessert wurde durch A. v. D ruff el, Die bayerische Politik im 
Beginne der Reformationszeit. Abh. d. bayer. Akad. d. Wiss. III. Kl. 
XVII. Bd. III. Abt. (1885). 

Beitrage ztir bayer. Kirchengeschiolito XI. 2. 4 



50 Kolde, Arsaciiis Seehofer und Argula von Grambach. 

Handwerks der Schenken. In den ProtokoUen von 1617—1530 
kommt er als Mitglied des auBeren Rats vor, von 1521 an audi 
als einer der drei Hauptleute des Rindermarktviertels^). 

In noch sehr jangen Jahren bezog er die Universitat 
Ingolstadt, begab sich aber dann dem Zuge der Zeit folgend nach 
Wittenberg. Die dortige Matrikel enthalt seinen Namen nicht, 
aber er wird schwerlich vor Friihjahr 1521 dorthin gekoramen 
sein, denn wohl deshalb, weil Luther fern war, wurde Melanch- 
thon sein hauptsachlichster Lehrer. Bei ihm horte er die Vor- 
lesungen tiber den Romerbrief und die Korintherbriefe^) und 
war bald voUig fiir die evangelische Lehre gewonnen, voll 
Freude, „von den Fallstricken des Teufels und den papistisehen 
Dienern seiner Kunst" befreit zu sein. 

Zeuge davon sind zwei von Wittenberg aus — „vel Beth- 
lehem ubi Christus iterum erupit in lucem** — am 4. Januar 
1522 geschriebene Briefe^) an unbekannte Freunde, von denen 
der eine jedenfalls in Mlinchen zu suchen ist. Das erste 
Schreiben enthalt einen durch Bibelstellen begriindeten Lobpreis 
des Evangeliums, „ cuius tota praedicatio est, nobis remitti pec- 
cata gratis sine ullo operum nostrorum respectu, oranemque 
nostram salutem esse ex deo^, aber des Verfassers Auslassungen 
enthalten zugleich scharfe Angriffe auf die Messe, die deutlich 
erkenneu lassen, dafi Seehofer die ganze stiirmische Zeit seit 
Luthers Abwesenheit in Wittenberg mit durchlebt hat, ja sich 
teilweise vom Geiste Carlstadts hat anstecken lassen. Seine 
Eltern drangten ihn, sich die Magisterwlirde zu erwerben. 

1) Diese Notizen verdanke ich der Giite des Vorstands des MUuchner 
Stadtarchivs, des kgl. Archivrats Herrn v. Destouches, wofUr ich auch 
an dieser Stelle meinen Dank aussprechen mcJchte. — Ob dieser Easpar 
Seehofer mit der als Patrizierfamilie bekannten Miinchner Familie See- 
hofer, an deren Spitze damals Seb. Seehofer, Besitzer des Hauses Rosen- 
str. 10, stand, verwandt war, lafit sich zur Zeit nicht feststellen. — Ein 
Eochus Seehofer Monacencis wurde am 15. Okt. 1534 in Wittenberg in- 
skribiert (Album Vitebergense ed. Forstemann S. 154). 

2) Vgl. dazu Hartfelder, Phil. Melanchthon als Praeceptor Ger- 
maniae. Berlin 1899, S. 46 und meine Mitteilungen in der Einleitung zu 
Loci Communes Philipp Melanchthons in ihrer Urgestalt 3. Aufl. (Leipz. 
1900, S. 45 ff.). 

3) Teilweise abgedruckt bei WinteJ- I, 306; vervollstandigt unten 
im Anhange Beilage I. 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. .51 

Davon will er nichts wissen. Er bittet den Freund, die 
Eltern davon zu uberzeugen, um welche lacherliche Sache es 
sich dabei handele, ja wie es gegen das Gewissen und das 
Evangelium ware, wenn er ihrem Wunsche nachgebe. Ganz 
wie Carlstadt beruft er sich auf das Herrenwort: Ihr soUt 
euch nicht Meister nennen lassen, und daC, wer ihm nachfolgen 
wolle, Vater und Mutter, Briider und Schwestern, wie. alles, 
was ihm am Heile hinderlich sei, hassen solle. In einem zweiten 
Briefe von demselben Datum, der wesentlich Melanchthons da- 
maligen Standpunkt wiedergibt, sucht er den Empfanger von 
der Richtigkeit der Lehre vom unfreien VVillen.in der schroffsteu 
Fassung zu iiberzeugen: „Omniu quae eveniunt necessario iuxta 
praedestinationem eveniunt" ^). Daneben erfahren wir von der 
Abschaifung des unevangelischen Beiwerks bei der Feier der 
Messe^), und was besonders interessant ist, Seehofer weiC von 
Luthers heimlichen Besuch Wittenbergs am Anfang Dezember^), 
ja er muB den Reformator wahrscheinlich weil er zum vertrauten 
Kreise Melanchthons gehSrte, damals selbst gesehen haben. 
Sonst konnte er kaum schreiben: „Lutherus nuper visitavit nos 
tamquam pios Alios pater, denique iterum se recepit in locum 
suum abditum." 

Nicht lange darauf kehrte er fiber Nurnberg und Ingol- 
stadt, an welchen beiden Orten er, wie man spater wissen 
woUte, sich „hoch lutterisch merken" lieC, zuruck nach Munchen *). 
Vielleicht gehorte er zu den vielen, die auf Carlstadts Rat die 
Studien aufzugeben beschlossen. Aber die Eltern schickten ihn 
wieder auf die hohe Schule nach Ingolstadt. Dort hatte man 
langst nicht geringe Sorge wegen Eindringens lutherischer 
Neigungen und suchte sich davor zu schutzen. Bereits im Jahre 
1520 hatte der Jurist und spaterer Pfarrer an St. M^ria in 
Ingolstadt, Georg Hauer aus Tirschenreuth, ein vielseitiger 



1) Wortlich aus Melanchthons Loci communes entnommen, vg). die 
Loci communes MelancLtlions in ihrer Urgestalt ed. Th. Kolde, 3. Aufl. 
(Leipz. 1900) S. 67. 

2) Missa(m) abolerunt apud nos non tota(m) sed solum additiones 
papisticas. 

3) Vgl. Th. Kolde, M. Luther T, 28. 

4) Prantl II, 170. 

4* 



52 Kolde, Areacius Seehofer und ArguLa von Grumbach. 

Mann^), einen SenatsbeschlnB erwirkt, dafi liber die „Acta 
contra haeresin Lutheranam" genau Protokoll gefiihrt werden 
soUte und er selbst damit beauftragt wurde^). Dann kara das 
scharfe, gegen jede lutherische Reguug gerichtete Religion sman da t 
der bayerischen Herzoge vom5. Marz 1522^). Es steht dahin, 
ob es die Ingolstadter Professoren, wie sie sich riilimten, veran- 
lafiten^ oder Herzog Wilhelm es aus freien Stucken erlieB *), um der 
Kurie seinen gut katholisclien Eifer zu bezeugen, jedenfalls kam 
das Edikt den Wiinschen der fiihrenden Manner an der Hoch- 
schule entgegen. Denn soeben (am 13. M^rz) hatte man dariiber 
Klage zu fiihren, dafi der Ingolstadter Franziskanerguardian 
Caspar es als in derSchrift gegFiindet erklarte, das Sakrameut 
unter beiderlei Gestalt zu nehnien, und dafi Papst und Kaiser 
gegentiber Lutber nicht den richtigen Weg gegangen seien^). 
Im April beschloB man, nicht nur den ErlaB feierlich zu ver- 
oflfentlichen, sondern auch selbstandig vorzugehen. Die Buch- 
handler soUten von Inquisitoren aufgesucht, die etwa aufgefun- 
denen haretischen Bucher ihnen abgenommen und offentlich 
verbrannt werden; zugleich wurde die Unterstiitzung des Vor- 
gehens gegen die Haretiker jedem Universitatsraitgliede zur 
Pflicht gemacht und im November wurde weiter beschlossen, 
daB alle der lutherisch Ansteckung verdachtigen Studenten dem 
Rektor angezeigt werden mliBten^). Wie begreiflich fiel dieser 
Verdacht in erster Linie auf die von Wittenberg Kommenden. 
Das lieB man Seehofer sehr bald merken. Als er wegen Be- 
teiligung an einem Raufhandel zwischen den Bayern und 
Schwaben') — angeblich hatte er sich „fur der Baiern Haupt-^ 



1) Uber seine Verdienste als Padagoge und Gramniatiker Einiges 
bei Job. Miiller, Quellenschriften zur Gesch. des deutschsprachlichen 
Uoterrichts. Gotha 1882, S. 198, 202 f., 243, 266, 301, 337. 

2) Prantl I, 148. 

3) Abgedruckt u. a. bei Winter I, 310 ff. 

4) So V. Druffel S. 626 ff., der ausfuhrlich davon handelt, gegen 
Prantl I, 148. 

5) Druffel S. 626 ff. 

6) Prantl I, 149. 

7) Solche Handel zwischen d^n einzelnen Nationen waren nichts 
Seltenes. Leider hat Prantl I, 216 die Sache nur gestreift. 



I 



^ 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 53 

mann aufgeworfen^^ — im Winter 1522 bestraft wurde, nahm 
man auch Gelegenheit, ihn wegen der lutherischen Lehre zu 
verwarnen, und als er urn Weihnachten 1522 doch noch Magister 
werden wollte, ninUte er auf Veranlassung Joh. Ecks an Eides 
statt geloben, „daB er sich der luthrischen Leer nit gebrauchen 
woUe** . Unter dem Druck der Verbal tnisse tat er, was man wollte ^). 
Bald darauf zeigte sich, daB die Sorge vor dem Ein- 
schleichen des Luthertums nicht ungerechtfertigt war. Ein an- 
geblich aus Wien zugezogener Priester Jakob Dachser wurde 
wegen lutherischer Aufierungen verhaftet und nach eingehendem 
Verhor auf Befehl des Herzogs, der fiber jeden einzelnen Fall 
Berichterstattung angeordnet hatte, gefesselt dem Bischofe von 
Eichstatt uberliefert ^). Verdachtig war auch der damalige 
Professor der griechischen Sprache, der spater als Mediziner 
hochgeschatzte Johann Peurle (Agricola) aus Gunzenhausen, 
der, als er zum Vorstande der Drachenburse gewahlt wurde, 
sich eidlich verpflichten muGte, von dem Verkehr mit seinem 
Landsmanne, dem Nurnberger Prediger Andreas Osiander, abzu- 
stehen*), der wahrscheinlich wahrend seines Ingolstadter Studi- 
ums sein Schfiler gewesen war. ImJulil523 wurde es ruchbar, 
daB in den Bursen die KoUoquien des Erasmus gelesen wfirden, 
ja sogar die Briefe des Paulus von Leuten erklart wurden, die 
von der heiligen Schrift zu wenig verstanden. Man beschloB 
daher, rascher vorzugehen, damit aus solchen Vorlesungen das 
lutherische Gift sich nicht weiter einschleiche *). Die Gelegen- 



1) Prantl II, 170. 

2) Prantl I, 140, Druffel S. 643. Er wurde nach einiger Zeit 
unter uns unbekannten Umstanden frei, fand in Augsburg Zuflucht und 
spielte dort anfangs in der wiedertauferischen Bewegung, dann als Geist- 
licber und Liederdichter eine Rolle. Vgl. M. Radlkofor, Jakob Dachser 
und Salminger. Beitr. z. bayer. KG. VI, S. Iff. und F. Roth, Augsburger 
Reformationsgeschichte, II. Aufl. (Miinchen 1901 f.) passim. 

3) Mederer, Annales Ingolstadiensis Academiae I. Bd. Ingolstadt 
1782 S. 118. (Jber seine spatere Tatigkeit ebenda S. 323. 

. 4) Prantl I, 149, Druffel 644: Super eo quod fama est de collo- 
quiis Erasmi, quomodo iilud opuscuhim legatur in contuberniis, item etiam 
epistolae Pauli, per illos qui de litteris sacris parum sentiant, inter- 
pretentur, placuit dominis, quod celeriori cura provideatur, ne virus hoc 
Lutheranam ex hniusmodi lectionibus in universitatem serpat. 



56 Kolde, Arsacias Seehofer und Ai-gula von Grumbaph. 

Abschliefiung angeordnet, damit niemand mit ihm verkehreu 
Oder ihm Briefe bringen konnte. 

Das machte groBes Aufsehen. In den Bursen fielen 
mancherlei Reden zugunsten des Angeklagten, was zu weiteren 
MaBregelungen fuhrte. . Seehofers 12 Zuhorer, es waren zur 
Halfte Schweizer, wurdeu vernommen. Sie erhielten nur leichte 
Karzerstrafe, rauBten die lutherische Lehre abschworen und 
geloben, fortan alles zu halten, was die heiligen Vater und die 
christlichen Konzilien gehalten haben u. s. w. ^). Die konfiszierten 
Manuskripte des Magisters warden einer Theologenkoramission 
.ubergeben und am 16. August beschlossen, seine Irrtiimer, die 
man unter 17 Artikel gebracht hatte, dem Kanzler Leonhard 
V. Eck vorzulegen. Noch ehe man dajs ausfiihren konnte, lief 
ein Schreiben von Herzog Wilhelm ein, der durch eine Bittschrift 
des alten Kaspar Seehofer veranlaBt, von der Universitat Bericht 
Tiber ihr bisheriges Verfahren einforderte. Dieser erfolgte sofort 
am 17. August, wobei die auch von dem Vater Seehofer vor- 
gebrachte Behauptung, der junge Magister habe keine andere 
Lehre vorgetragen als die des Athanasius^), sehr bestimmt 



1) Vgl. D ruff el S. 646. Der Schwur bei P rant I II, 169 Nr. 51. 

2) Interessant ist, dafi bei Untersiichung der Frage, wer eigentlich 
an den Vater SeehSfer geschrieben und was ihm geschrieben worden sei, 
was den Forsehern bisher entgangen ist, ein Mann sich bervortat, der 
in der Reformationsgeschichte noch eine grofie Rolle spielen soUte, 
Gereon Sayler, der spatere Stadtarzt von Augsburg. In dem von 
Prantl II, 170 mitgeteilten Bericht wird zwar nur ein meyster Geryon 
genannt, dafi dieser Mann aber tatsachlich identisch ist mit dem be- 
kannten Gereon Sayler, geht aus dem bei Mederer, Annales I, 119 ab- 
gedruckten Elegiacum des Job. Alex. Brassicanus uber die Ingolstadter 
Gelehrten jener Zeit hervor, wo es heiBt (S. 121): His videas nostrum 
licet adiunctum Geryonera/Nullo qui minor est artibus ingenuis, deiin 
dazu bemerkt Mederer 125: Doctor Geryon Seyler, alias Wigiles, 
alias Anthopedios vel Plomenthaler ex Aicha (i. e. Blumenthalenais 
prope Aicham), primum valde addictus D. Joanni Eckio adeo ut Bibliopolae 
Lutherani ab eo vapularent. Deinde insaniit in amore scriptorum haereti- 
corum. Catholicos miro odio persecutus est. Augustanorum factus Mercurius 
in conducendis Zwinglianis praedieatoribus. Hie egitModeratorem contu- 
bernii Draconis, Augustae Physicum Medicum. — Damit fallt etwas mehr 
Licht anf die Anfange Saylers. Uber seine spatere Zeit und den Beginn 
seiner Tatigkeit in Augsburg F. Roth, Augsburger Reformationsgescb. '^I, 
360 Anm. 



Kolde, Arsacias Seehofer und Argula von Grambach. 57 

zuriickgewiesen wurde: die mit der Untersuchung betrauten 
Theologen hatten vielmehr gefunden, daC er „nichts Anderes 
gelesen, denn der Melanchthon in ein eng oder kurtz gezogen"- 
Zum Beweise wurden die betreifenden Artikel und die be- 
lastenden Briefe mitgeschickt. SchlieBlich baten die Herren 
unter Berufung auf ihre Privilegien, der Herzog m6ge ihnen 
gestatten, „mit ziemlicher Strafe gegen maister Arsacien^^ vor- 
zugehen. 

DaB die 17 Artikel^), in denen der Satz von der Recht- 
fertigung allein durch den Glauben und von der Schrift als 
alleiniger Grundlage fiir Glauben und Leben obenan standen, 
wirklich lutherisch waren, wenn auch mit einem Einschlag, der 
hier und da den EinfluB Carlstadts bemerken laBt, war nicht 
zu verkennen. So war denn auch der Herzog durchaus damit 
einverstanden, daB der Magister im Gefangnis wohl verwahrt 
werde, wollte jedoch die weitere Bestrafung den Ingolstadtern 
keineswegs iiberlassen und begehrte erst zu wissen, was sie 
eigentlich mit ihm vorhatten^). Das Interesse, die Einmischung 
des Bischofs zu vermeiden, der ohne Zweifel in dieser Ketzer- 
^.ngelegenheit zustandig war, was besonders Leonh. Eck betonte, 
fiihrte dann zu einer Einigung zwischen Universitat und Re- 
gierung, wonach Seehofer 6J0fentlich widerrufen und dann in ein 
Kloster gesperrt werden soUte. Die IngolstJldter haben sich 
spater dagegen verwahrt, Seehofer, wie man ihnen vorwarf, 
mit dem Feuertode bedroht zu haben, aber daB man damit eben 
den Jiingling weich machte, wird man kaum bezweifeln dttrfen, 
wenn man sich der Predigt Hauers erinnert, und das bestatigt 
auch der sogleich zu erwahuende Revers, indem Seehofer sich 
dafiir bedanken muBte, daB man ihn nicht dem Bischof Gabriel 
von Eichstatt liberantwortet habe, ^gegen ihn als ein Echter 
zu handeln," worauf eben doch der Tod stand. 

Gegen eine Kaution von 1000 Gulden, welche seine Ver- 
wandten in der Stadt dafiir aufbringen muBten, daB der Gefangene 
in Freiheit gesetzt „frdwillig" den Widerruf leisten oder ins Ge- 
fangnis zuriickkehren werde, und einem Revers, in dem der 



1) Siehe Beilage III. 

2) Bei Prantl II, 171, Nr. 53. 



58 Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

Angeklagte seine Bestrafung als einen Akt der Gnade aner- 
kannte, auch gelobte, sich nach des Herzogs Befehl uuverztiglich 
Jns Kloster Ettal begeben und sich an niemandem rachen zn 
wollen, wurde er einstweilen befreit. Am 7. September sollte 
der feierliche Akt vor sich gehen. Die ganze Universitat, 
darunter der damals in Ingolstadt studierende Matthias Held, 
der spatere Vizekanzler Karls V. ^), versammelte sich im Saale 
des alten KoUegiums. Seehofer wnrde hineingefiihrt und be- 
stieg das untere Katheder. Ein Notar verlas die mkriminierten 
17 Artikel. Hierauf leistete Seehofer, das Neue Testament in 
den Handen haltend, unter Tranen den verlangten Widerruf, 
indem er alles, was er in seinen Vorlesungen aus Melanchthons 
Schriften gezogen oder sonst geredet habe, wie es jetzt durch 
den Notar verlesen worden sei, als eine rechte Erzketzerei und 
Biiberei bezeichnete, und weiter versprach, daC er sich sofort 
in Ettal stellen, ohne besondern Befehl das Kloster nicht ver- 
lassen, auch kein lutherisches Buch wieder lesen oder ausgeben 
woUe^). Daran schloB der Dekan der Artisten Fakultat, An- 
tonius Braun, noch eine Eede mit der ernsten Mahnung an 
alle Universitatsangehorigen, sich ja vor den lutherischen Neue- 
rungen zu huten. 

Und Seehofer ging wirklich nach Ettal, wohin derHerzog 
Befehl gegeben hatte, ihn vermoge seines Eides bis auf weiteren 
Befehl zn verwahren, „ihm ziemliche Lieferung Essens und 
Trinkens mitteilen zu lassen und Bericht zu erstatten, wenn 
er weitere Spuren der lutherischen Lehre zeigen wiirde"^). 

Indessen war damit die Sache nicht zu Ende. Obwohl 
Georg Hauer am S. September in einer zweiten Marienpredigt 
gegen die Lutheraner donnerte, zeigte es sich, daB es in der 
Stadt nicht an Leuten fehlte, die das Verfahren gegen den 
Magister nicht billigten, sich zu lutherischen Lehren bekannten, 
ja katholische Gebrauche geradezu verhohnten. Die Schuldigen 



1) Vgl. Mederer I, 118. 

2) Der Eevers bei Prantl II, 171. Der Widerruf bei Lipowsky, 
Argula V. Grumbacb, MUnchen 1801, Beilage XVIII. Uber den Akt 
Mederer I, 118; Winter I, 111. 

3) Winter I, 110. 



Kolde, Aisacius Seehofer und Argula von Grumbach. 59 

fanden sich zumelst unter den von auswSrts zugezogenen Buch- 
ftihrern und Buchdruckern. Auch sie muBten, so weit man ihrer 
habhaft wurde, widerrufen, Stadt und Land verlassen und Ur- 
fehde schworen, niemals iiber die vier Wilder, Bohmer-, Thii- 
ringer-, Schwarz- und Scharnitzerwald zuriickzukehren ^). 

Aber noch schlimmere Verlegenheiten standen bevor. Als 
niemand fiir den unerfahruen, jungen Magister oflfen einzutreten 
wagte, ergriflf eine angesehene Frau das Wort. Es war Ar- 
gula V. Grumbach^), unstreitig eine der interessantesten 
Frauengestalten zur Zeit der beginnenden Reformation. Etwa 
1492 geboren, entstammte sie dem Geschlechte der Reichsfrei- 
herren von Stauff, das im Laufe des 15. Jahrhunderts zu hohem 
Ansehen und reichem Besitz gekommen war. Freilich hatte 
die Teiluahme an dem Lowlerbunde, jenem kiihnen Versuche 
der Adelsgeschlechter, unter dem Schutze des Kaisers alte oder 
vermeintliche Selbstandigkeitsrechte gegen die aufstrebende 
Herzogsgewalt zu verfechten, einem Kampf, iudem Argulas Vater 
Bernhardin und noch mehr ihr Oheim Hierouymus eine fiihrende 
Rolle spielten, den Wohlstand der Familie schwer geschadigt, 
und der bayerisclie Erbfolgekrieg hatte weitere Einbufie ge- 
bracht. „Ihr wiCt", schrieb Argula spater, wohl iibertreibend, 
ihrem Vetter, dem Herrn von Torring, „dalJ mein Vater unter 
den Herren von Bayern verdorben und ihre Kinder zii Bettlern 
geworden." Indessen hatte sich Herzog Albrecht mit seinem 
Adel vertragen, . und die Treue Bernhardins im Erbfolgekriege 
wurde dadurch belohnt, daB er im Jahre 1508 die Herrschaft 
Schonberg erhielt, und weitere Aussichten fur ein Wiederempor- 
kommen des Geschlechtes bot der Umstand, daB der schon ge- 
nannte Oheim Hieronymus nach dem Tode Herzogs Albrechts in 



1) Bei Prantl II, Nr. .55 und 56. 

2) fiber sie handelte G. C. Rieger, Das Leben Argula von Grum- 
bach etc., Stuttgart 1737. F. J. Lipowsky, Argula v. Grumbach etc., 
Mtinchen 1801, eine sehr viele Irrtumer enthaltende Akademierede, die 
im Anhange wichtige Aktenstticke und, freilich in ungenaucr Wiedergabe, 
auch Argulas Schriften zum Abdruck bringt. H. A. Pistorius, Frau 
Argula von Grumbach und ihr Kampf mit der Universitat Ingolstadt, 
Magdeburg 1843. E. Engelhardt, Argula von Grumbach, die bayerische 
Tabea, Nlirnberg 1860 (beide popular und erbaulich). 



60 .Kolde, Arsaoius Seehofer und Argula von Grumbach. 

demselben Jahre 1608 einer der Vormiinder des jangen Herzogs 
Wilhelm wurde. 

Argula muC, wie ihre Schriften ergeben, eine fiir eine 
junge adlige Dame von damals auffallend gute Erziehung ge- 
nosseu haben, und mit Recbt hat man aus den ungewohnlichen 
Vornamen ihrerBriider, Feirafis und Gramaflanz, geschlossen ^), 
daU man sich in dem Hause an der alten Heldenpoesie erfreut 
hat. Aber mehr noch scheint Gottesfurcht und fromme Sitte 
darin geherrscht zu haben. Denn Fran Argula kann in ihrer 
ersten Schrift berichten, daB ihr Vater ihr, als sie 10 Jahr alt 
war, die deutsche Bibel in die Hand gab^) und ihr sehr em- 
pfohlen habe, darin zu lesen, was sie leider nicht befolgt habe'*) 
„aus Verfiihrung der Geistlichen, sonderlich der Observanten", 
das ist der reformierten Bettelmonche, weil diese erklarten, die 
Bibel wlirde sie zur Ketzerei verleiten. Schon in jungen Jahren, 
jedenfalls noch zu Zeiten Albrechts*), kam sie an den herzog- 
lichen Hof und dankbar riihmt sie, dort Zucht und gottliche 
Furcht gelernt zu haben. Sie wurde „Frauenziramer" (Kammer- 
frau Oder moderner, Hofdame) der energischen und kirchlich 
frommen Herzogin Kunigunde, der im Jahre 1518 Johann von 
Staupitz seine in Miinchen gehaltenen Predigten unter dera Titel 
„Von der Liebe Gottes" widmete^). Wie sehr man sie am Hofe 



1) So Ki ezl er, Geschichte Bayerns IV, 10. Feh'afis und Grammaflanz 
sind Namen aus Wolframs Parzival. 

2) Sie gibt im Jahre 1523 an, dafi ihre Bibel vor 41 Jahren gedruckt 
worden sei, da es aber eine deutsche Bibel von 1482 nicht gibt, wird 
man an die sogenannte 9. vorlutberische Bibel, die be! Koburger in 
NUrnberg erBchieo, zu denken haben. Vgl. darUber W. Waltber, Die 
deutsche Bibeliibersetzung des Mittelalters, Braunschweig 1889 ff. 

3) D. h. nicht in dem Mafie, wie sie hatte tun sollen. Jedenfalls 
gohort Argula von Grumbach neben Margareta Peutinger (vgl. dazu meine 
Nachweise in den Gdtt. Gel. Anz. 1887, S. 66 ff.) zu den wenigen, von 
denen wir feststellen konnen, dafi sie sich mit der vorlutberischen Bibel 
wirklich beschaftigt haben. 

4) Nicht erst spater nacb demTode ihrer Eltern, wie Engelhardt 
S. 47 nnnimmt, denn sie dankt 1523 den Eltern der damaligen Herzoge. 

5) In Staupitz Werke ed. Knaake S. 92. ttber d. Miinchner Ex. 
mit vielleicht eigenhandiger Widmung des Staupitz s. Riezler IV, 64 Anm. 
Cber den Inhalt dieser schonen Schrift vgl. Th. Kolde, Die deutsche 
Augustinerkongregation und Johann von Staupitz, Gotha 1879, S. 297 ff. 



mm. 



Eolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 61 

schatzte, durfte sie erfahren, als ihr binnen fiinf Tagen Vater 
und Mutter wahrcheinlich durch die Pest entrissen warden^). 
Da sagte der junge Herzog Wilhelm zu ihr, woran sie ihn spater 
erinnerte, sie sollte nicht also weinen, er wolle nicht nur ihr 
Landesfiirst, sondern auch ihr Vater sein^). Und sie muBte 
dankbar sein, Schutz und Untei'kunft zu haben, denu das Erb- 
gut stellte sich als so gering heraus, daB der Oheimim Interesse 
der zahlreichen Kinder Bernhardins die neuerworbene Herrschaft 
Sch6nberg im Jahre 1513 an die Baumgartner verpfandete. 
Viel frohe Tage wird sie iibrigens schwerlich in Miinchen ge- 
habt haben. Ihr Aufenthalt fiel in die Zeit des Zwistes der 
beiden herzoglichen Briider Wilhelm und Ludwig und des er- 
neuten Kampfes mit der Landschaft, aber sie tat, wie ihre 
spateren Aussagen erkennen lassen, tiefe Blicke in das Leben 
und Treiben der Grofien und erfuhr, was Fiirstengunst bedeutet, 
muBte sie doch erleben, daB ihr Oheim Hieronymus, der zu 
immer hoherem Ansehen bei seinem Fiirsten gekommen und end- 
lich Oberhofmeister geworden war, nicht ohne personliches Zu- 
tun ihrer Herrin, der verwitweten Herzogin Kunigunde, ein 
Opfer der inneren Wirren wurde. Auf Grund einer jedenfalls 
entstellten und durch die Folter erpreBten Urgicht ward er 
am 8. April 1516 auf dem Salzmarkt zu Ingolstadt als Hoch- 
verrater enthauptet^). 

Bald darauf wird sie sich verheiratet haben. Ihr Gatte 
war der aus Franken stammende und auch dort beguterte 
Friedrich von Grumbach, der seit 1515 als Pfleger in Dietfurt 
in Diensten Herzog Ludwigs stand. Dort und in der ihrem 



1) Der Tod des Vaters erfolgte nicht wie Engelhard meint (S. 28), 
erst 1510, sondern bald nach der Erwerbung der Herrschaft Schonb erg 
und dem Tode Albrechts, spatestens 1509, denn er wird in einer Erb- 
schaftsangelegenbeiten betreffenden Urkunde vom 12. November 1509 
vorausgesetzt. Vgl. Sitzungsberichte der Miinchner Akademie. Hist-pbil. 
Klasse 1890 3 Hft, S. 477. 

2) In der Schrift an alle christlichen Stande etc. siehe unten. 

3) Vgl. S. Riezler, Der HochverratsprozeB des herzoglich baye- 
rischen Hofmeisters Hieronymus von Stauf. Sitzungsber. d. Miinchner 
Akad. a. a. 0. S. 435. Wie das Volk die Sache auffafite, s. das Volks- 
lied „Von dem Stauffer" beiR. v. Liliencron, Historische Volkslieder III, 206. 



62 Kolde, Arsacius Seehofer iind Argula von Grumbach. 

Manne gehorigen Hofmark Lenting bei Ingolstadt, hatte sie 
Gelegenheit genag zu erfahren, was an der hohen Schule zu 
Ingolstadt vorging, zuraal seit 1522, in welchem Jahre ihr 
jiingerer' Bruder Marzellus dort seine Studien begaun^). Auch 
Regensburg war nicht zn fern, nm die dortige Austreibung der 
Jnden (1519) und die von Balthasar Hubmaier, dem Mheren 
Ingolstadter Professor und Prediger inszenierte groCe Wall- 
fahrtsbewegung „zur schonen Maria" und die damit verbundene 
Abgotterei zu beobachteu^). Man kSnnte auch daran denken, 
dafi jenes der Herzogin Kunigunde von Staupitz tibersandte 
Buch „Von der Liebe Gottes" auf sie Eindruck gemacht hat? 
fand sich darin doch dieKlage liber die zunehmende Abgotterei: 
„Auf diesen Tag, o giitigster Gott, betet man in der Christen- 
heit Kiihe, Pferde, Gold, Silber, Holz und dergleichen an, als 
bei den Heiden vor tausend Jahren geschehen."^). Aber wir 
wissen es nicht, nur das steht fest, was sie selbst bezeugt, daU 
sie friih von Luthers Lehre ergriffen, nunmehr eifrig ihre Bibel 
zur Hand nahm, um selbst zu forschen, wie es sich verhielte, 
und durch Luthers Freund, Georg S|)alatin, mit dem sie in 
Briefwechsel stand*), darin befestigt wurde. Auch zu andern 
evangelisch gesinnten Miinnern hatte sie Beziehungen, so zu 
dem friiheren Doraprediger von Wiirzburg Paul Speratus, der 
nach seiner Exkommunikation durch die Wiener theologische 
Fakultat im Sommer 1522 eine Zuflucht in Iglau in Mahren 
gefunden hatte ^). Er iibermittelte bereits im Juni dieses Jahres 
einen Brief von ihr an Luther, indem sie ihn von der Ver- 
folgUDg des Evangeliums in den Niederlanden unterrichtete^). 



1) Das ergibt sich aus Mederers Annalen I, 114 vgl. S. 122. 

2) Vgl. J, Loserth, Doktor Balthasar Hubmaier, Briinn 1893 und 
Th. Kolde, Dr. Job. Teuschlein und der erste Reformationsversuch in 
Rothenburg o. d. T. Erlangen und Leipzig 1901, S. 11 if. 

3) Bei Knaake a. a. 0. I, 95. 

4) Leider ist dieser Briefwechsel, wie der mit Luther und mit Osiander, 
wie es scheint, voUig verloren gegangen. 

5) Vgl. P. Tschackert, P. Speratus, Halle 1891. (Schriften d.Ver. 
f. Ref.-Gesch. Nr. 33) und die ErgSnzungen dazu fiir die WUrzburger 
und Salzburger Tatigkeit, Th. Kolde, P. Speratus und J. Poliander 
als Domprediger in VV^urzburg. Beitr. z. b. K.G. VI, S. 49 ff. 

6) Luther an Speratus 13. Juni: Accepi literas tuas sum quaestiun- 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula 'Von Grumbach. 63 

So beobachte sie weit fiber ihre nachste Umgebung hinaus den 
Gang der Dinge nnd nicht am wenigsten die Stellungnahme 
der offentlichen Gewalten zur religiosen Frage. Auch in der 
Kirche zii Dietfurt, wo ihrer Angabe zufolge von lutherischen 
Eiufliissen nichts zu spuren gewesen war, hatte der Pfarrer das 
Edikt des Nurnberger Reichstags vom 6, Mslrz 1523 verkundigt. 
Daraus schopfte sie neue Hoffnung, denn danach soUte nichts 
gelehrt werden „als das rechte lautere Evangelium nach der 
Lehre und Auslegung der bewahrten nnd von der christlichen 
Kirche angenomraenen Schriften." Wie Luther, dessen Schrift 
„ Wider die Verkehrer und Falscher kaiserlichen Mandats" sie 
bald erhalten haben mu6, hoffte sie, daB man nun bis auf das kunf- 
tige Konzil das „Schulgezank" werde ruhen lassen^). Statt dessen 
begann gerade jetzt das ketzerriecherische Treiben in Ingolstadt. 
Die AuBerungen des Georg Hauer fiber die Brfisseler Martyrer 
waren auch ihr zu Ohren gekommen: „Ich hab lang gehort, wie 
euer decretalischer prediger zu unser Frawen hat geschryen, 
ketzer, ketzer, wie wol es schlecht latein ist, kfinds selbs wol, 
bin auf keiner Hohenschnl gewest. Aber zu probirn, bedarffs 
mer. Ich hab ymmer jm synn gehabt, jm zu schreiben, mir 
die ketzerischen artikel anzuzaigen, die der getrew arbeiter 
des Euangeliums Martinus Lutther gelert hat". Im Hin- 
blick auf 1. Tim. 2, 12 (1. Kor. 14, 34) hatte sie es immer 
wieder, wenn auch mit schwerem Herzen, unterlassen. Aber 



culis, simul et literas Herae Juliae a Stauffen, in quibus legi, quae 
placuerunt, esse scilicet eyangelium fractiferum in terra, quod Caesariani 
sateUites, sophistae, incredibili furia persequuntur in partibns inferi- 
oribus. Enders, Luthers Briefwechsel III, 397. Dafl Luther hier ver- 
sehentlicb Jnlia statt Argula schreibt, wird keinem Zweifel unterliegen. 
1) Luther schreibt in der obengenannten Schrift, W. A. 12, 64: 
„Darumb hab ichs vnszerm volck also gedeuttet (vgl. W. A. 11, 126), 
das K«y. Majestat mit diszem mandat schaffe die sache za rugen, das 
sie sich nicht weyttere bis auffs Concilium, ynd gepiete unszerm widder- 
part, das sie yhr schulgezenk und heydenisch kunst aus s. thomas und 
hohen schulen gesogen, daheymen lassen''. Dazu ygl, Argula in ihrem 
Schreiben an die Universitat Ingolstadt: „Teh het gemaint, ir het nach 
laut keyserliche Mandats euer schul gezenck wol ruen lassen bis auff 
beruffts zukunffigs Concilium, welches allhie auf offner Cantzell gelesen 
ist worden." 



64 Kolde, ArsaciuB Seqhofer nnd Argula von Grumbach. 

als sie jetzt von ausw^rts, namentlich durch einen Burger von 
Niiniberg, der dabei iiber das Rechtsverfahren in Bayern ge- 
spottet hatte, von dem Handel mit Seehofer horte, dem acht- 
zehnjahrigen Jiingling, wie sie ihn nennt, den man, ohne nur 
den Versuch gemacht zu haben, ihn der Ketzerei zn uberfuhren, 
unter Drohungen zur Verleugnung der offenbaren Wahrheit ge- 
zwungen babe, da konnte sie sich nicht mehr zuriickhalten. Am 
7. September war, wie berichtet, der Widerruf Seehofers erfolgt 
Schnurstracks reiste Prau von Grumbach nach Niirnberg zum 
Prediger von Sankt Lorenz, Andreas Osiander, der iiber ihre 
Bibelfestigkeit nicht genug staunen konnte, um sich mit ihm 
zu beraten^). Und schon am Sonntag den 20. September 
schrieb sie von Dietfurt aus ihren Sendbrief an den Rektor 
und die gesamte Universitat zu Ingolstadl^). Die verurteilten 
Satze scheint sie noch nicht zu kennen, denn sie bezieht sich 
nirgeuds darauf, aber sie weiB ganz genau, wie es bei der Ab- 
schworung zugegangen ist, wie man dem Jiingling das 
Evangelium in die Hand gegeben und ihn doch gezwungen 
habe, das Evangelium zu verleugnen. Da niemand dagegen 
auftrete, wahrend doch derHerr gesagt habe: „Siehst du deinen 
Bruder siindigen, so strafe ihn", so miisse sie es tun. Denn 
es heiUt im Evangelium : Wer mich bekennet vor den Menschen, 
dem will ich wieder bekennen vor meinem hiramlischen Vater. 
Da sind auch die Frauen nicht ausgeschlossen. Darin und in 



1) Vgl. Berichte des Hans von der Planitz (Planitzbriefe) ed, 
Virck, Leipzig 1890, S. 657. 

2) Wie eyn Christliche/fraw des adels, in Beiern durch/jren jn 
Gotlicher sohrift, wolgegrlind/ten Sendtbrieffe, die Hohenschul zulngold- 
jstsitj vmb das sie einen Evangelischen Jiing-/ling, zu wydersprechung 
des wort/Gottes, betrangt haben, /straffet./ 8 Bl. 4. Letztes Blatt leer 
(Erlanger Univ.-Bibl., MOncbner Hof- u. Staatsbibl.) Eine andere Ausgabe 
bei Weller, Kepert. Nr.2698 z. B. in NUrnberg, Stadtbibl. — Die Schrift 
(ungenau) wiedergegeben bei Lipowsky Anbang Nr. 1. 

3) Gewisse Einzelheiten, die sonst nicht iiberliefert sind, wird sie 
ihrem Bruder Marzellus verdanken. So schreibt sie: Ich h3r nit das im 
mit Bchriflft von euer kainem, kaiu artickel vm sey gestossen. Das hor 
ich wol, das ayn gelerter Jurist zu jm sey tretten, gesagt. Wartimb 
er wain? Ob er noch ayn ketzer sey, aber Juristerey dienet dahcr 
gar nicht. 



Kolde, Arsaoias Secbofer und Argula von Grumbach. 65 

Stellen wie Jesaia 3, 4 u. 29, 4^), Joh. 6, 45, Ps. 8, 3 u. s. w. 
sieht sie ihre Legitimation, um sicli mit Zeugenmut, unbe- 
kiimmert um die Folgen, gegen das Treiben der Ketzerraeister 
za wenden. „So ichs betracht, so erzittert meln Herz und alle 
raeine Glieder. Was lehrt dich Luther oder Melanchthon anders 
denn das Wort Gottes? Ihr verdammt sie uniiberwunden. Hat 
euch das Christus gelehrt oder seine Apostel und Evangelisten? 
Zeigt mir, wo es stehet, ihr hohen Meister, ich finde es an 
keinem Ort der Bibel, daB Christus noch seine Apostel, Pro- 
pheten oder Evangelisten gekerkert, gebrannt oder gemordet 
haben". WohlsoU man derObrigkeit gehorsam sein, „aber iiber 
das Wort Gottes haben sie nichts zu gebieten, weder Papst, 
Kaiser noch Fiirsten. Ich bekenne aber bei Gott und meiner 
Seelen Seligkeit, wo ich Luthers und Melanchtons Schriften 
verleugnete, daU ich Gott und sein Wort verleugnet." Und 
es wird ihnen nicht gelingen, „denbrennenderi Hafen" (Jes. 7, 13) 
zu verloschen, „des Papstes Dekretal noch Aristo teles, der nie 
ein Christ geworden, vermogens mitsamt euch nicht*'. Gott 
wird sein heiliges gebenedeites Wort wohl erhalten, wie er es 
bisher nach dem alten und neuen Testament getan hat, und 
er wird jene strafen, wie er Hos. 13, 7f. den Gotzendienern 
in Israel droht. Der Geiz hat euch besessen, ihr mochtet 
sonst Gottes Wort besser leiden, aber freilich das Evangelium 
tragt nicht soviel Pfennige als des Papstes Dekretalen. Unser 
Glaube soil nach Paulus 1. Kor. 2 nicht in menschlicher Weisheit 
stehen. „Ihr werdetjins mit euren papstlichen Gesetzen, die 
ohne Gottes Befehl gemacht . sind, lang nicht dazu dringen." 

Und in der Tat, die Uberzeugung von der alleinigen Autori- 
tat der Schrift und ihrer alleinigen Grundlage fiir alle Heils- 
erkenntnis hatte diese Frau in sich aufgenommen, wie das 
damals bei nicht vielen der Fall gewesen sein mag. . Wohl 
tritt sie fur die Wahrheit von Luthers Lehre ein, aber eben 
nur, weil sie seine Lehre in der Schrift gegrundet findet. An 
die Bibel, den Befehl Gottes, an sein Wort soUen wir uns 



1) Sie las Jes. 3, 4: Ich scbick jn kinder zu fUrsten vnd weiber, 
oder weibisch weren sie beberschen und Jes. 29,24: Die irrenden werden 
wissen die Yernunft im geist, vn die murmler lemen dz gesatz. 

Beitrilge znr bayer. KirchengcBchlchto XI. 2. 5 



66 Eolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

allein halten. „Ach wie fein lehret und gibt der Geist Gottes 
den Verstand und spaziert von einem in das andere. Gott sei 
Lob, dafi ich das rechte wahre Licht scheinen sehe", „braucli 
raich der Bibel, als auch all sein (Lutbers) Arbeit dermaBen 
gewest, daC man die soil lesen." „Und wo es gleich dazu 
kame, davor Gott sei, dafi Luther widerrufet, soil es mir nichts 
zu schaffen geben. Ich baue nicht auf mein oder eines Menschen 
Verstand, sondeni auf den wahren Felsen Christum selbst, 
welchen die Baumeister verworfen haben". Zu diesen geh5ren 
die Ingolstadter Gelehrten ; . sie fallen unter das Gericht welches 
der Herr liber die Pharisaer ausgesprochen hat. „Wie haltet 
ihr das kaiserliche Mandat, das geboten hat, das Evangelium 
zu predigen, wie es Gott geboten hat und die Lehrer, so von 
der christlichen Kirche approbiert sind, nicht von der romischen 
Kirche, von der in der Bibel kein Wort steht"? Mit der Ver- 
urteilung Seehofers haben sie der Universitat schlechten Ruhm 
eingebracht und sich undankbar erwiesen gegen ihre Stifter 
und ihre Fiirsten, die sie jamraerlich verfiihren und betriigen. 
„Schamt Ihr Euch nicht, daB er alle Schriften Luthers hat 
verleugnen mussen, also auch das lediglich nach dera Text ver- 
deutschte Neue Testament? Damit ist das heilige Evangelium, 
die Epistel und die Apostelgeschichte auch bei euch Ketzerei 
gescholten." Das ist alles ohne Beweis geschehen. Darum bittet 
sie, ihr die Artikel Luthers und Melanchthons, die ketzerisch 
seien, schriftlich anzuzeigen. „Wollt Gott, ich sollt in Gegen- 
wjirtigkeit unser dreier Fiirsten und ganzen Gemein mit euch 
reden. Ich begehr von jedermann belehrt zu werden. Philo- 
sophic die soil nichts, als Paulus zu den Kol. 2 sagt: Htitet 
euch von der Philosophic und Hoch reden der weltweisen 
Menschen. — Juristerei schadet mir nicht, denn sie gar nicht 
daher dienet, gottliche Theologie spiir ich nicht. . . . Darum 
ftirchte ich mich nicht, so ihr anders schriftlich und nit ge- 
waltiglich mit Gefangnis oder dem Feuer unterweisen wollt. — 
Ich kenn kein Latein, aber ihr konnt deutsch, in dieser Zunge 
geboren und erzogen. Ich habe euch nicht Weiberteidinge ge- 
schrieben, sondern das Wort Gottes als ein Glied der christ- 
lichen Kirche, vor welcher die Pforten der HoUe nicht be- 
stehen mogen. Aber vor der romischen Kirche bestehet sie 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 67 

wohl. Besehet nur dieselbige Kirche, wie sie vor den Pforten 
der Holle bestehen moge. Gott gebe uns seine Gnade, daB wij- 
alle selig warden". — 

Das war die Strafrede gegen die Dniversitat und zugleich 
angesichts des bayerischen Religionsmandats ein evangelisches 
Bekenntnis von iiberraschender Kiihnheit. Aber damit nicht 
genug. An demselben Tage lieB Argula noch ein zweites Schreiben 
an Herzog Wilhelm abgehen. Auch hierin erhebt sie schwere 
Klage gegen, die Universitat, die da vorgibt, im Namen des 
Fiirsten zu handeln, und damit in Gottes Gewalt eingreift,. 
was jener gewifi nicht woUe, da kein Mensch Gewalt hat, Gottes 
Wort zu verbieten, oder darein zu regieren. Sie hieBen es 
lutherisches Wort, es sei aber nicht lutherisches, sondern Gottes 
Wort. Sie dankt dem Fiirsten, daB Seehofer auf seinen Befehl 
den blutdiirstigen Hslnden entrissen sei, und hofft, daB der Jiing- 
ling wie Petrus nach seiner Verleugnung sich bekehren werde, 
bittet aber zugleich den Herzog, nicht allezeit den Worten der 
Ingolstadter Gelehrten zu glauben, sondern die Geister zu 
priifen, denn der ist aus Gott, der Christum bekennt. Es ist 
nicht genug, so wir sagen woUten, ich glaub, was raeine Eltern 
geglaubt haben, wir mussen in Gott und nicht in unsere Eltern 
glauben. Wenn das Alter eineu rechten Glauben machte, w£lre 
der jiidische der beste. Den Glauben an Christum soil man 
bekennen und sich dessen nicht schamen, und sich nicht fiirchten 
und schweigen, ob es tausend Halse koste. Der Fiirst soil 
daran nicht zweifeln: wer das Wort Gottes annimmt, gibt einem 
jeden, was ihm gebiihrt, leistet Gehorsam aller Obrigkeit, auch 
der bosen. Diese darf aber ihre Gewalt nicht miBbrauchen. 
Das Wort Gottes zu verbieten lehrt das Evangeliura nicht, 
Oder solchem Befehl gehorsam zu sein, vielmehr eher Leib und 
Leben verloren. Wenn aber der Furst iiber dem Worte Gottes 
halt, so wird Glaub und Heil Land und Leuten, wo nicht, 
wird es Gott nicht ungerochen lassen. Gott hats geredet, wie 
sie durch viele Beispiele- aus dem alten und neuen Testament 
beweist, nicht Luther, und das Wort Gottes ist ja ohne alles 
Nein, Mochte es doch der Fiirst zu Herzen nehmen und das 
teuer erkaufte Volk nicht ewiglich verderben lassen. Niemand 
ist wiirdiger zu halten, als ein guter Prediger, der im Gottes- 

5* 



()8 Kolde, Arsacius Seehofer nnd Argula von Grurobach. 

geist und nicht im Buchstaben gelelirt ist, denn all unser Heil 
liegt am Horen des Wortes Gottes. Aber wo sind diese Pre- 
diger? Dagegen triiFt Gottes Gericht die falsclien Propheten, 
die Rauber, Pfaffen, Monche, Nonuen. Der Herr heifit sie 
Rauber Jes. 3: Sie haben beraubt mein Volk und Weiberhaben 
sie beherrscht. „Das redet Gott, so ichs redete, so wUrs 
liitherisch." „ Ach Gott der sodoraitischen Reinigkeit und geizigen 
Armut! Sie haben den Kitzel des Fleischer gleich sowohl als 
wir, ob sie es schon mit dem Schanddeckel der Kutten befarben, 
.bilft vor Gott nicht; hlilfe es, woUten wir alle Kutten an- 
legen." Paulus sagt: Ein jeder Mann soil ein Weib haben, 
eine jede Frau einen Mann. Und ganz wie Luther sagt Argula: 
So ich Keuschheit gelobte, ist gleich, als ob ich gelobte, mit 
einem Finger an den Himmel zu riihren oder zu fliegen. Das 
steht nicht in der Menschheit Gewalt. — Die Arniut der Bar- 
fiifier sieht man an ihren Gebauden, vollen Kasten, an Kiiche 
und Keller. „Ich urteile nicht, aber Christus tuts Matth. 23,14. 
Ich kann nichts anderes sehen in der Stiftung so vieler Dom- 
herren und Priester samt dem andern Geschwiirm als Erhaltung 
von Buben und Biibinnen, wie es unverschamt am Tage liegt. 
Der Papst hat dem Rate des Teufels gefolgt, Eheweiber ver- 
boten und um Geld Biibinnen (Konkubinen) erlaubt. wenn 
die Fiirsten darein sehen wollten!** Ihnen gehort das Schwert: 
„Wollt Gott, dafi eure Augen aufgetan wiirden und ihr selbst 
das Schwert, das euch Gott gegeben hat, in die Hand nehmet." 
Die sogenannten geisUichen Fiirsten und Pralaten haben das 
Geld, die weltlichen den Sackel. Schon droht der Zorn Gottes 
und ist zu besorgen, daB der Tiirke der Herr unseres Vater- 
landes wird. An alien Orten erhebt sich Emporung; die Sache 
kann in die Lange nicht Bestand haben. WoUte Gott, die 
Fiirsten lieCen sich von den sogenannten geistlichen Herren 
nicht langer am Affenseil ftihren. Leicht konnte der Herzog 
eine Tiirkensteuer finden, er brauchte nur das Vermogen der 
Geistlichen aufnehmen lassen. Hatten sie zu viel, konnte es zu 
gemeinem Nutzen verwandt werden, auch dazu, dafi der arme 
Mann nicht allzusehr beschwert wiirde. Auch auf den Unfug 
des „Absenz" kommt sie zu sprechen und beklagt es, daB die 
reichen Pfriindeninhaber nur den SchweiB der Armen verzehren 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 69 

und urn geringen Lohn Geistliche, und zwar selten geschickte, 
dingen. Dafiir verweist sie auf zwei drastische Beispiele. „Der 
Pfarrer von Voburg, Ifreiberger^), hat mehr als 800 Gulden 
von Pfriinden und tut das ganze Jabr keine Predigt. Und 
was hat HeiT Bernhard Arzt zu Eichstett?"^). Und doch liegt 
alles an der Predigt des Evangeliums. — Als ilirem Bruder, 
der sie nach ihrer Eltern Tode so freundlich getrdstet und in 
dessen Dienste sie mit ihrem Manne lebe, babe sie ihm ge- 
schrieben, um ihre Dankbarkeit zu bezeugen. „Mir ist wie 
Sankt Peter. Silber und Gold babe icfi nicbt, sondern die Lieb 
gegen Gott und E. F. G. als meinem Nachsten", von dessen 
Handen Gott die Seelen seiner Untertanen fordern wird. Moehte 
er docb nicht allewege den Pfennigschluckern glauben und 
ibnen Gewalt geben, namentlicb nicht den Juristen, die selbst 
reicb werden, aber das Land arm machen. Und so schliefit 
sie: „Ich hab E. F. G. die grofien Artikel meines kleinen Ver- 
stands, damit das Volk Christi beschwert, angezeigt. E. F. G. 
bedenke es baU, denn ich es schreibe. Denn es betrifft nicht 
ein Zeitliches, sondern ein Ewiges." 

Dieses Vorgehen der adeligen Dame machte ganz unge- 
wohnliches Aufsehen. DaB eine Frau zur Feder griflf und nun 
sogar in Sachen des Glaubens und der Kirche, war in deutschen 
Landen, wie der Schreiber der Vorrede zu ihrer ersten Schrift 
sehr richtig bemerkt, ,,vom weiblichen Geschlecht gar wenig 



1) Man konnte daran denken, daB dieser Freiberger, von dem ich 
sonst nichts mitzuteilen weiB, derselbe ist, gegen den in demselben Jahre 
der unten nocb mehr zu erwahnende Martin Reckcnhofer schrieb: ^Ein 
Urteyl Martin/Reckenbofers iiber ein Sermon gepredigt/am anffertag dess. 
1523 iars zu Frey singe/ wider die Euangelische Christlichen/leer, durch 
Joanne Freyberger/vnsers Hergots priindner/im Thumbstifft daselbst./ 
M.D.Xiij. Vgl. 0. Clemen, Beitriige zur Reformationsgeschichte I, 49. 
Die Bezeichnung „Hergotspfrundner" im Titel, und in der Abhandlung 
selbst nGottes, Maria vnd Sanct Corbinian prebendarij vnd pfriindner 
daselbs**, wurde auf ihn passen, nicht aber die Behauptung Argulas, daiJ 
er gar nicht predigte. 

2) Uber diesen beruchtigten Pfriindenjager aus Augsburg, eincn ge- 
lehrten Juristen, Domscholast in Eichstadt f 21. August 1525, vgl. 
Sax, Bischofe von Eicbstadt, S. 348, 3GI, 369, 398 und Al. Schulte, 
Die Fugger in Rom. Leipzig 1904 I, 281, 287. 



70 Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

and bei unsern Zeiten nie gehort", und erst ein Jahr darauf 
fand ihr Beispiel Nachahmung^). Namentlich Argulas izweiter 
Brief war ein Reformationsmanifest in groBem Stil. Er war, 
wie gesagt, an Herzog Wilhelra gerichtet, aber der Heraus- 
geber bezeichnet ihn mit richtigem Verstandnis auf dem Titel- 
blatt als eine Ermahnung an „alle Christliche Stande und 
Obrigkeiten bei der Wahrheit und dem Worte Gottes zu bleiben, 
und solches aus christlicher Pflicht zum ernstlichsten zu Hand 
haben"^). Beide Schriften kamen zunachst handschriftlich in 
Umlauf, die an die Universitat ubrigens von vornherein mit 
einer Vorrede, die das Ereignis, daB eine Prau die Schrift- 
gelehrten mit unuberwindlichen gottlichen Schriften „mehr als 



1) Zuerst, soweit meine Keontnis reicht, durch Ursala Weidin, die 
SchSsserin von Eisenberg, in ihrer Schrift: „Wyder das vnchristlich 
schreiben vn/Lesterbuch, des Apts Simon zu Pegaw vnnd seyner/Bruder. 
Durch Ursula Weydin Schosserin zu/Eyssenbergk , Eyn gegriindt Ohrist- 
lich/schrifft Gottlieb wort vnnd Ehe-/lich leben belangende" .-./Darunter 
Johelis 2. (Es soil geschehen* in den letzten Zeiten etc.) Anno Domini: 
Tansent fUnffhundert vnd/Vier vnd Zweyntzg./ (In meiner Bibl.). Vgl. 
0. Clemen, Die Schosserin von Eisenberg in Mitteilungen des Geschichts- 
und Altertumsforschenden Vereins zu Eisenberg im Herzogtum Sachsen- 
Altenburg, Heft 13 (1898, S. 73 ff.)- Ihr reiht sich an eine mir sonst 
unbekannte K.Schtitzin, den leydenddn Christglaubigen weybern der gemain 
zu Eentzingen meinen mitschwestern in Christo Jhesu zu handen. 0. 
0. 1524.4. 6.B1. bei Kuczinsky, Thesaurus, Leipzig 1879, Nr. 2421. 
Es ware eine nicht uninteressante Aufgabe, den AnfSngen der weib- 
lichen Schriftstellerei in der Reformationszeit weiter nachzugehen. 

2) Ein Christenliche schriflFt/ainer Erbarn frawen, vom (!) Adel/ 
darjn sy alle Christenliche stendt/vn obrikeyten ermant, bey der warheyt, 
vnnd dem wort /gottes zu bleiben /vn sol/lichs ausz Christlicher/pflicht 
zum ernast-/lich8te zu hande/haben/ Argula Staufferin./ M.D.XXiij/ Ac- 
tuum 4./ Richtent jr selbs, obs got recht/ sey, das wir ewch meer gehor- 
eam/sein sollen den Gott./ 0. 0. u. J. Titelbordtire, 8 Bl. letzte S. 
(MUnchen. Hof- u. St.-Bibl. Ntirnberg, Germ. Mus.). Eine andere Ausgabe 
vom Jahre 1524: Ein Christeliche schrifft / einer Erbaren frawen, vom 
adel/daryn sie alle Christenliche stendt/vnd obrigkeyten ermant. Bey 
derjwarheit, vnd dem wort Gottes zu / bleibe, vnd solchs-ausz Christlich-/ 
er pflicht zum ernstlichsten zu hand/haben./ Argula Staufferin/M.D.XXiiij. 
/Actuum. 4./ Richtet jr selbs, obs vor got recht/sey, das wir euch mehr 
gehorsam/sein sollen, den got./ Titelbordtire, 6 Bl. Am Schlufi Datum 
Sonntag nach der heiligen Crenzerhebung. Anno domini. 1523. Darau^ 
die Unterschrift (Erlangen, Univ.-Bibl.). 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 71 

glaublich" straft, in den hochsten Tonen feiert und die Argula 
mit Judith und Esther vergleicht und sich die grofiten Erfolge 
verspricht: „0 Herr, es wird ein groBes Gedachtnis deines 
Namens, so sie die Hand des Weibes iiberwindet" ^). Der 
sachsische BevoUmachtigte beim Reichsregiment in Nurnberg, 
Hans von der Planitz, war bereits am 15. Oktober darliber 
unterrichtet^). Am 27. konnte er Friedrich dem Weisen eine 
Abschrift des Briefes an die Universitat mit der Vorrede 
schicken, wobei er meldete, dafi der Brief demnachst gedruckt 
werden soUte, und daB er eine Kopie des Briefes an Herzog 
Wilhelm noch nicht habe erhalten konnen^). Das war auch 
am 13. November noch nicht der Fall, an dem er ein gedrucktes 
Exemplar der Schrift an die Universitat an den Kurfiirsten 
tibersenden konnte*). (Schlufi folgt.) 

Beilage la. 

Arsacius Seehofer an ? 
Wittenberg 1522. 4. Jan. 5). 

Zsvg ikeog'. Ad aliquod tempus mutuis Uteris certavimus, qiiibus 
satis superque declaratum • est (ni fallor) quantas radices egerit 

1) Da diese intercssante Vorrede, deren Verfasser man in Nurnberg 
(Osiander?) wird suchen mtissen, bei Rieger und Lipowsky nicht mit ab- 
gedruckt ist, und sich nur bei Rabus, Martyrerhistorie 1556. V. Bd., S. 38 
findet, gebe ich sie im Anhange Beilage III. 

2) Planitzbriefe S. 557. 

3) E. cfl. G. habe ich hiervor geschriben von einer frauen im lande 
zu Beyern, wie dieselbige der universitett zu Ihngelstett geschriben und 
auch den Herzogen von Beyern etc. mit undertheniger erpitung, wue 
ich der schrift copia bekomen mocht, E. cfl. G. dieselben zuzuschigken. 
Demnach ubersende E. cfl. G. ich hiebei dieselbige abschrift des briffs, 
den gnante frau der universittet geschriben. Aber wie sie den fursten 
geschriben, hab ich noch nicht. Zu diszer schrift, an die universitett 
beschen, ist ein kurze vorrede begriffen, der copia E. cfl. G. ich 
himit auch undertheniglich ubersende; vorsehe mich, es werde alzso der- 
massen in kurz gedrugkt werden; wie es aber den hern von Beyern ge- 
felt und gefallen wirt, weisz ich nicht; gleub nicht sehr wohl. Ebenda S.573. 

4) Ibid. S. 582. Am 11. November wuBte man in Ingolstadt, dafi 
der Brief an die Universitat in Nurnberg gedruckt sei. Vgl. v. Druflfel 
S. 651 Anm. 

' 5) Die beiden z. Z. im Miinchner Universitatsarchiv nicht aufzufin- 
denden Briefe (Kopien) sind hier nach einer mir von A. v. Druffel im 
Jahre 1888 tiberlassenen Abschrift wiedergegeben. 



72 Kolde, Arsacius Seehofer nnd Argula von Gi-umbach. 

amicitia nostra^ qnae a puero mihi tecum intercessit. Idcirco hac de 
re amplius scriptis te obtuudere in auirao non est. Est qnidem 
excellentius quoddam prioribus quod tibi scribam. Nempe quod ad 
salutem auimaram nostrarum expedit atque non parum dignosces ex 
his, quantis vinculis illaqueati estis a diabolo per subministratores 
artis suae papisticos. Et quam longe aberrastis a scopo verae institiae 
proh dolor! utinam verbis consequi possem, scd pauca explicabo tibi, 
quantum captu meo assequi possum quam brevissime. Luther us euim 
omnia copiosissime pertractat, quapropter nolo IJiadas post homerum 
depingere primum, Cauponantes verbum divinum volunt suis operibus, 
suorum operum hyprocrisi iustificatiouem asserero, o scelesti ho- 
mines, qui tam aperte audent variare a Evangelio, cuius tota praedi- 
catio est nobis remitti peccata gratis, sine ullo operum nostrorum 
respectu, omnemque nostram salutem esse ex deo, id quoque . passim 
attestatur tota scriptura, psalmus 32. da nobis auxilium domine, 
Quoniam vana salus homiuis, hoc idem dicit paulus. Justus ex fide 
vivit. Item Roma 3. Justitia dei per (idem Jesu Christi, revelata est 
non operum hypocrisis, quam homines pro iustitia reputent, sed 
talis iustitia revelata est, quam deus pro iustitia reputat, nempe 
ea quae per fidem constat, paulus Roma 4. credenti reputatur fides 
ad iustitiam. Accedit huic locus Gene. 15. credidit Abraham deo 
et reputatum est ei ad iustitiam, Christus luce 7. erexit mulierem 
peccatricem dicens mulier fides tua salvam te fecit. Tum Mathei. 7. 
quid cogitatis vos modicae fidei etc., porro si iustitia ex operibus 
nostris constat, quis tum misericoi*diae locus est, quam in tota scrip- 
tura ventitat Christus? Verum quid multa connumerem, quum in 
aprico sit, iustitiam hominis nullam esse: qui enim fieri potest, cum 
nobis filium suum dilectum tradidit pro nobis dens, ut non omnia 
simul cum eo donaret? Idcirco id pro thesi habeas fidem esse iustitiam 
nostram, adstipulatur Paulus 2. Corinth. 3. omnis sufficientia nostra 
ex deo est, Christus quoque acriter coarguit hjporritas, qui se suis 
operibus (Math. 21.) iustificari ratum habebant. Dein^) videant illi 
nefarii homines, quam foeliciter doceant se suis bonis, ut aiunt operi- 
bus salutem assequi, cum omnia hominum opera citra cordis puri- 
tatem peccata sint, atque omnes hominum conatus. Sed cor hominis 
abominabile est, dum non agitationibus epiritns Dei gubernatur, at- 
que dummodo non penitus mortificatus fuerit vetus Adam et omnes 
affectus sopiti et extincti fuerint. Hoc comprobat Salomon dicens...^). 
Jam licet videre, quid boni in nobis reperiri possit, praeterea non 
difficile est perspicere, quam belle arguunt papistae technis suis 
nobiscum in missa, quam usurpaut pro sacrificio, atque aiunt efferri 
Christum Deo — quam egregii uugatores! — pro vivis et defunctis 
et instituerunt missam de S. Katharina, de beata Maria virgine et 

1) Das Folgende bis zum SchluCabsatz : Jam etc. fehlt bei Winter. 

2) Die bier folgenden Bibelstellen fehlen in der Druffel»cben Abschrift. 



Kolde, Arsacins Seehofer und Argula von Grumbach. 73 

id genus reliqua. Sed obsecro papisticos helluones producite unum 
Jota quo confisi auderent tali a in medium afferre, sed hoc comperis 
quod scriptura adimit eis facultatera coudendi aliquid novi in hunc 
modum neque quidquam addatur vel detrahatur legi Dei. Et nihil 
aequo abhorret divinum atque constitutiones humanas. dicit enim 
Christus in vanum me colunt qui praecepta Dei negligtint et hominum 
institutiones inculcant. Irapie ergo errant qui missas faciant tamquam 
bouum aliquid opus exequantur et Christum Deo offerant. Obtulit 
enim filius Dei se semel, nee potest denuo offerri pro delictis nostris 
et exhibuit nobis Christus hoc eucharisticum, quod missam appellitant, 
ad erigendara fidcm uostram, ut hoc pignore quomodo capimus, certi 
nos essemus Deum esse nobiscum praesentem propicium. Ea vero 
omnia invertit papa in suum fiscum, probeque usurpat sibi nomen 
piscatoris. Expiscatur ut homini non constat omnium crumenas, ut 
ne nummus nobis supersit. Paulus aliam praescri&it formulam epi- 
scopi docere populum suum et consolari affiictos, non opprimere suis 
decretis; is esset dignus mercede sua. Dicit enim qui altari servit 
de altari vivat. Altare id ne est quod est extructum in lapidea aede, 
non sic impii! nullum aliud altare est nisi cor nostrumi Ergo ille 
qui plantat verbum Dei in cordibus nostris de altari vivat et a populo 
subministrentur omnia necessaria. Ergo illis qui non decent populum, 
qui totam substautiam miser[or]um hominum devorant^). omnibus ius 
est interpellandi apud Deum, missas celebraudi; nos ipsos oiFerimus 
Deo, Petrus ait omnes reges in Christo et sacerdotes. Sed quid 
multis moror. Consule scripta Lutheri divinitus demissi, imprimis 
evangelium, in quo annuo ti ant, tibi remissa peccata tua per Christum. 
Demum non ignoras quibus modis parentes mei effiictim cupiant 
me ad gradum magisterii, sed hoc aequum esse non possum persuaderi. 
Christiani non est deelinare in sua consilia et alta afflare, exigit 
enim Christus ut vivamus in humilitate et simplicitate cordis, ait enim 
Mathei 23 ubi mere Pharisaeos adarguit superbiae: Nolite vocari 
Rabbi, imus est enim magister vester, nempe Christus, omnes autem 
vos fratres estis, item qui maior est vestrum erit minister vester, 
et qui se exaltavit, humiliabitur, et qui se humiliavit, exaltatui*. 
Item dicit: qui vult me sequi, abneget se ipsum et tollat crucem suam 
Math. 16. Quod dicit abnegat se ipsum, satis indicat, nihil in huma- 
nis viribus sani et boni et quod quidem virium naturae repugnare 
Deo. Natura omnes eflFerimur animo. Filius Dei praebuit nobis quo- 
que exemplum, vixit enim omni humilitate et paupertate, sancti 
quoque eius fuerunt omnium despectissimi et omnibus ludibrio habiti. 
Quapropter doce eos quam ridicula res sit, non enim possumus sequi 
vestigia eius nisi per crucem et afflictiones. Propterea dicit: Beati qui 
persecutionem patiuntur in nomine meo. Non enim possumus eis 
obsecundare in hoc, si scripta evangelica observavero. Quapropter 

1) Hier fehit der Nachsatz. 



74 Kolde, Arsacius S^ehofer und Argula von Grumbach. 

petit, qui mea vestigia capessere voliierit odio habebit patrem et 
matrem, fratres et sorores et omne id quod sibi obstaculo erit. Quid 
multis moror. Nihil aliud volo quam ut parentes et omues amicos 
imbuas sacris scripturis ne diutius immorentur in caligine tenebrarum, 
Quapropter delego tibi hoc munus atque solum in hoc innitere, ut 
ostendas eis viam veritatis. Interim mittet vobis spiritum suum Deus 
et sanabit vos. Jam non pluribus agam tecum, sed deus avertat 
iram et mittat verbum suum. His vale bono omine ex Witten- 
berga vel Bethlehem, ubi Christus iterum erupit in lucem. Vale 
iterum felioiter, die 4. Januarii Anno 1522. 

Arsatius Seehofer 
tibi deditus. 

B e il age I**. 

Arsacius Seehofer an einen Geistlichen. 
Wittenberg 1522. 4. Jan. 

Miraris fortasse, cur litteras ad te do, certe mirari desines, si 
animo consequi velis benevolentiam meam praecipuam in te, quam ex 
tuis compositis (qui in te singulariter siti sunt) moribus coucepi. Es 
enim homo facilis omnium horarum, omnes sine taedio perfers ac 
pateris, cum quibus es. Ideo non est, ut temeritati meae ascribas sed 
amori meo immodico, cui temperare non possum. Hoc quo in re 
est, cur ad te scribo, quum enim vobiscum degerem, viderem te in 
aliquibus lutheri coelitus demissi^) dictis haerere. Videbaturque 
tibi variare a veritate quod^) homini liberjjm arbitrium abnegaret. 
Idcirco statui paucis ad te scribere ac eius sententiam explicare, 
quantum mihi licet. Quandoquidem omnia, quae eveniunt necessario 
iuxta divinam praedestinationem eveniunt. Testatur id pau. Eo. 11, 
quoniam ex illo et per ilium et in illo omnia, quis ergo liberi (ut 
sophistae nostri vocant) arbitrii locus. Item ad Ephe. 1. qui operatiir 
omnia secundum consilium voluntatis suae. Hoc idem agit Cristus 
math. 10. Nonne duo passeres asse veniunt. Et unus ex illis non 
cadit super terram sine patre vestro. proverb. 16. Uni versa propter 
semetipsum operatus est dominus. Impium quoque ad diem malum. 
Et rursus prover. 20 a domino diriguntur gressus viri. Quis autem 
hominum potest intelligere vias suas etc. Sed quid multa conger o, 
facile enim lectione assidua observabis in sacris literis, quae sit 
libertas abitrii nostri. Et quod paulo asperior nobis sententia 
scripturae videatur, debemus imputare impiis illis sophistis, qui' nobis 
adeo inculcaverunt rerum contingentiam et libertatem voluntatis 
nostrae, quae prorsus nulla est. Et ^) quid erroris in ecclesia exortum 



1) Bei Winter: — dimisse. Coelitus fehlt. 

2) Winter: quum. 

3) Das Folgende fehlt bei Winter. 



Eolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 75 

« 

est, sophisticis nebulonibus attribiiendum , impii illi homines suis 
operibus iustificari hominem asserunt^). Vides quanam parte discre- 
pant a Cristi dogmate. Docet enim totam nostram salutem pendere 
ex Deo. Item Paul us Eoma. 3 Justus ex fide vivit. Justitia Dei 
per fidem Jesu Cristi, Item Eoma 4. Credenti reputatur fides ad 
iustitiam. Cristus praescripsit nobis unicum opus Job. 6. Sed fides 
habetur ei quod ipse sit salbator (sic) noster dicens: hoc est opus 
Dei ut credatis in eum quem misit ille. Sed de his satis. Paucis 
enim tecum agere volui, Hoc novi et certe scio quod titi scribo : 
Lutherus nuper visitavit nos tamquam pios filios pater, denique iterum 
se recepit in locum suum abditum, ubi iam latere propter verbum 
divinum, quod ipse promulgavit omnibus, cogitur, sed evangelium 
non potest fieri efficax nisi afflictionibus. Missa (!) quoque abole- 
verunt apud nos non tota (!) sed solam additiones papisticas. est enim 
ius eis ademptum a scriptura condendi aliquid novi neque quidquam 
addatur vel detrahatur legi Dei. instituta est a Cristo ad certificandam 
fidem nostram, ut is qui participat, de ea certus sit hoc pignore 
Deum sibi bene velle. Haec ex scriptis Martini nostri qui omnia 
pcrtractat ut res postulat. His vale atque populum in tuam curam 
commissum imbue evangelio^), non doctrinas humanas. Dicit enim 
Christus in vanum me colunt qui doctrinas dominum docent et 
praecepta Dei negligunt. Haec^) scipsi tibi non ut te doceam, solum- 
modo ut commonefaciam. Vale iterum felici auspitio ex Witten- 
berga, ubi Cristus iterum in lucem erupit. 
Die 4, Januarii anno 1522. 

Arsatius Seehofer 
tibi deditus. 

Beilage 11. 

Die als ketzerisch verurteilten, von Seehofer am 7. Sept* 

1523 widerrufenen Artikel. 

1. Sola fides ad hominis iustificationem est sufficieus. 

2. Justicia dei eiusmodi est, quam deus imputat. nullorum 
operum respectu. 

3. Justificationem nullo operum merito consequi potest homo. 

4. Solus deus iustificat, in nos transfundens spiritum suum sine 
nostra actione. 

5. In nullo opere spes ulla est ponenda. 

6. Impossibile est fidem esse sine bonis fructibus*). 



1) So wohl statt der von Druflfel zweifelhaft gelassenen Lesung ^asse- 
verunt". 

2) Hlernach war der Empfanger ein Geistlicher und Prediger. 

3) Von hier an den SchluB wieder bei Winter. 

4) Bei Stratus Engedinus (s. u.): operibus. 



76 Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbacb. 

-7. Cum scriptura usnrpat praemium pro operibus dari, sic in- 
telligendnm est, id est fide salvari. 

8. Hi Dou in petram sed in harenam aedificant, qui operibus 
iustificari contendunt. 

9. In ecclesia nemiui est credendum, nisi certo afferat divinum 
verbum. 

10. In ecclesia nihil agendum aut docenduifi est homini^ nisi 
quod dominus tradidit ac demandavit. 

11. Episcopo non licet nisi verbum docere. 

12. Episcopum esse, est verbum dei profiteri. 

13. Yiro dimittenti uxorem suam faoultas est, aliam ducere^ 
similiter mulieri viro alteri nubere, nisi ille arceatur, qui in culpa 
fuit; cur prius solutum sit matrimonium. 

14. Non licet iurare nisi^) propter gloriam dei aut necessitatem 
proximi, propter bona autem temporalia nequaquam licitum est iurare. 

15. Necesse est, ut ille qui ab aliis extorquet iuramentum 
animo sit suspicioso, diffidenti^), malicioso et levi, non reverenti di- 
vinae veritatis^). 

16. Lex per Moysen data exegit ab homine, quod non poterat 
assequi. 

17. Evangelium Christi non est spiritus sed litera, contra doc- 
trinam B. Pauli 2. Corinth. 3 dicentis: Litera occidit, spiritus autem 
viviticat per spiritum intelligeus legem evangelicam*). 

Beilage III. 

Vorrede zur Schrift A. v. Grumbachs an die Universitat 

zu Ingolstadt^). 

Briider: es ist zeit vom schlaff aufzusten. Wann vnser heyl ist 
neher, weder wir glauben. Darumb, Christlicher leser, vnd auch 
ir verplenten, plinden, wutenden Phariseier, die ir allewegen dem 
heyligen geist widerstanden habt, wolt ir den worten Christi nit 
glauben, so glaubt doch den wercken, die er dodurch thut. Legt 
ab den decksal euer grofien hoohfart, geytz vnd fleyschlichen wollust. 



1) Nisi im Nachdruck ausgefallen. 

2) So fur diffendenti ira Ingolstadter Text bei Stratus Engedinus 
verbessert. 

3) Artikel 14 und 15 lauten in der von einem Freunde Seehofers 
herausgegebenen deutschen F.issung, worauf die Eiiiladung der Ingolstadter 
zur Disputation hinweist, wescntlich anders: Art. 14. Das man nit schweren 
soil, den umb gottes ere vnd des nechsten not willen. Art. 15. Das gar 
nit zimlich sey, vmb zeitlicher gutter willen zu schweren. 

4) Vollig ivrofUhrend ist bier die deutsche (offizielle) Wicdergabe 
des Ingolst jitter Zettels, der als Art. 17 nur auffiihrt: Das evangelium 
Christi, ist nit der Gayst, sonder der buchstab. 

5) S. oben S. 70 f. 



Kolde, Arsaoius Seehofer und Argula von Grambach. 77 

Mercket vnd greuffet; wie gnediglich, vetterlich, mannigfeltig vnd 
wiinderberlich Christus vnser seligmacher, in diesen letzsteu tagen 
(als im anfang seiner Kircheu auch beschach) vns nit allein gelerte 
der schrift Sunder auch durch ander vil junger vnd alter, manfi vnd 
weibsbilder grosseu bestcndigkeyt, pein, marter vnd tod zum seinem 
gbtlichen seligmachenten wort locket vnd stercket, vnd die veruolger 
desselben so scheynlich; eutlich schendet. Damit euer hertzen nit 
als Pharaonis (Exodi am iiij) verstockt vnd verhertet beleibe. So 
ir doch nichts gewiesers spuret, dan so die kinder (Luce am xix) 
schwigen, dz die steyn reden wurden. Vnd (Johel am ij) nach dieser 
zejt, wurd ich giessen meinen Geyst auff alles fleysch, vnd werden 
Propheceyen oder warsagen euer Siine, vnd euer dochter. Auch" 
euer knecht vnd euer meyde, vnd ich wurd wunder wUrcken jm 
Himel, vnd auff erden, ehe der grofi vnd erschrockenlich tag gottes 
kumbt. Welcher spruch ytzo mancherley weyfi und sunderlich ytz 
in gemeltem weib offentlich erscheynet, die weyl aufi irem nach ge- 
schriben Sendbrieff funden wirt, das sie darinnen die schrifftgelerteu 
der Hohenschul zu Ingoldstat (als Judith am viij. die irrenden 
Priester) mil vil eingefdrten vniiberwindtlichen Gottlichen schrifflteu, 
von wegen irer veruolgung des heiligen Euangeliums^ mer weder 
glauplich (vnd vormals von weiplichem geschlecht dergleichen gar 
wenig, vnd bei vnsern zeyten nie gehbrt) straffet, ermanet vnd vnder- 
weiset. Vnd das noch mer ist, sich in gemelten irem sendtbrieff 
erbeut, deshalb fiir gedachte schrifftgelerte zu uerhSr zu kummen. 
Daraufi zu versteen ist, dz sie sblch ir gethanes schreiben nit durch 
anderer vnderweysung, sunder allein vom geist Gottes hat. Sie lest 
sich auch vil ueulicher exempel greuslicher straff (wider etliche ver- 
fechter des Gotlichen worts gebraucht) an sblchem irem Christlichen 
werck nit verhindern, sunder sich, gleych der heyligen Hester, vmb 
beils willen des volcks (Hester am iiij) dem tode vnd der ver- 
defbung ergeben hat. Vnd will mit der heiligen Susanna (Danielis 
am xiij) lieber on werck in die heand der menschen fallen, dann 
mit verschweiguug der warheit vor Got slindigen. Darumb wir, von 
wegen siglicher uberwindung der aller hochfertigsten grbfiten feind 
Christi (als Judith am ix) zu Got betten vnd sprecheu mbgen. 
herr es wirt ein grosse godechtnus deines namens, so ine die handt 
des weibs Uberwindet, Vnd soUen billich mit dem heylichen 
zacharia in Got iubiliren vud singen. Gebenedeyet sey der her 
Got Israhel, der heimsuchung vnd erlosung gethan hat seinem volck. 



78 Schornbaum, Lentershausen bei Beginn der Reformationszeit. 

Leutershausen bei Beginn der Reformationszeit und 
das Ende Eberlins von Giinzburg. 

Von Dr. Earl Schornbaam. 

(SchluG.) 

Eberlin hatte nun Zeit, mit manchen Mifibrauchen aufzu- 
raumen. Wii* b6ren ihn klagen, dafi an einem Tage liber 20 
Fuhrwerke iiber den Priedhof fahren, dafi die Graber ganz 
jruiniert warden; die Totenkapelle diene zur Aufbewahrung von 
Hen und Stroh; in die frisch aufgeworfenen Kindergraber sanken 
die Pferde bis an die Knochel hinein. Audi beklagt er sich, 
dafi man mit Schlitten um die Kirche fahre wie bei einer Hoch- 
zeit Oder Fastnacht^). 

Noch einmal soUte er im Jahre 1532 mit seinem alten 
Widersacher Veit Gattenhofer zu tun haben. Was wohl diesen 
bewog, so gar unversohnlich zu sein? Er teilte Herzog Albrecht 
mit, dafi in Franken ein Priester die papistische Ohrenbeichte 
und andere gottlose Gebrauche wieder eingefiihrt habe. Der 
Plan war nicht iibel ausgedacht. Albrecht schaute mit banger 
Sorge auf seinen Bruder Georg; er fiirchtete immer, dafi dieser 
infolge seiner bedrangten Lage nur allzusehr seinen evangeli- 
schen Standpunkt verleugne^); er bat deshalb Georg um Auf- 
schlufi^). Gattenhofer^ Arglist wurde bald entdeckt. Eberliii 
konnte sich glanzend rechtfertigen und scheute sich nun nicht, 
offen den zu nennen, der auch in der Feme noch Pfeile nach 
ihm absende *). Dieser erntete den Lohn fiir seine Verlftumdungen ; 



1) Pf. L. fol. 76; fol. 75 beschaftigt sich mit der Beerdigung eines 
Wahrsagers. 

2) cf. die Handlung Albrechts und Georgs zuKosten 18. — 21. Marz 
1532. Ntirnberger Kreisarchiv. S. X. R. ^4- N. 986. (A. A. Akten. Rep. 137). 

3) Georg an seine Statthalter und Rate. d. d. Jagerndorf So. n. 
Ass. Marie (18. 8.) 1532. Pf. L. fol. 85. bittet um Auskunft tiber diesen 
Priester. 

4) Joh. Eberlin an Rate und Statthalter zu Ansbach. d. d. Mittw. 
n. Mauricii (25. 9.) 1532. Pf. L. fol. 91ff. Staatsarchiv Konigsberg. A. 3 
ad 6. XI. 1532. Gedruckt Beilage VI. Statthalter und Rate zu Feucht- 
wangen an Markgraf Georg. d. d. Feuchtwangen. Dienstag n. Franc. 
(8. X.) 1532. Pf. L. fol. 95. Kdnigsb. Archiv. Beilage VI. Georg an seinen 



Schornbaum, Leutershausen bei Beginn der Beformationszeit. 79 

denn Eberlin enthiillte sein Betragen, bes. seine Abendmahls- 
verachtmig, dafi Georg seinem Bruder Albrecht bitter mitteilte, 
dafi er einen solchen Mann nicht in seinem Lande gedaldet 
hatte. Gattenhofer snchte nun wohl den Zorn des Herzogs 
durch die Ubersendung der unten abgedruckten Briefe etwas 
abzuschwachen ^). 

Bald darauf mufi Eberlin in schwere Krankheit gefallen 
sein, Von der er sich nicht mehr erholen sollte. Es wurde ihm 
bald immer weniger moglich, seinen amtlichen Verpflichtungen 
naehzukommen. Jorg Reygel und E. Lauden mufiten nun all- 
inahlich das ganze Amt auf sich nehmen, da der dritte Vikarier 
J. Weifigerber inzwischen gestorben zu sein scheiut^). Sie taten 
es nicht besonders gern, bekamen sie doch nur 5 fl. vom Kastner^). 
Zuerst mufiten sie die Messe tibernehmen, dann wurde ihnen 
das Taufen sowie die Wochenpredigten libertragen, zum Schlufi 
auch das Beichthoren. Nur eine Predigt hielt Eberlin noch am 
Sonntag, dabei ging er direkt von der Sakristei auf die Kanzel. 
Die Unlust der Vikare scheint ihn nicht wenig gereizt zu haben, 
so dafi er ihnen am AUerKeiligentag von der Kanzel zurief: 
ich sch . . . auf euren Kirchendienst, einem anderen warf er das 
Barett vor die Ftifie*). Der Amtmann sollte darauf die ganze 
Angelegenheit untersucheu ; aber die Krankheit Eberlins scheint 



Bruder Albrecht. d. d. Jagemdorf. Mittw. n. Omn. Sanct. (6. XI.) 1532. 
Konigsb. Staatsarchiv u. Pf. L. fol. 96 f. gedr. Beilage V. 

1) s. Beilage VII, VIII, IX. 

2) A. R. A. IIL fol. 25: G. Weifigerbers selig pfrtinde: 38 fl. 21 ^ 
Einnahmen. Man gibt 10 fl. dem Schulmeister als Addition aus Befehl 
M. Georgs. 8 fl. dem Kaplan Job. Mecklern. 1 ort an arme Leute, ver- 
triebene Pfarrer nnd Studenten. (ca. 1555). — Bericht des Kastners zu 
Kolmberg an den Markgraf G. Friedrich. d. d, Mitw. n. heil. Christtag 
(30. XII.) 1562. H. Friedrich (Engerer) seligen Pfrund: 2 fl. 2 ort Ein- 
kommen; gibt man einem Stadtschreiber. Georg WeiBgerbers Pfrund: 
40 fl. 2^2 ort I6V2 '4> Einnahmen •, 26 fl. 3^2 ort 21^2 -4 Ausgaben, 
namlich: 8fl. dem Kaplan, 28^ den Armen, 28^ einem armen Madchen 
fiir ein Paar Schuhe, 2 Batzen an arme Menschen, 28 ^ einem Armen 
aus Dinkelsbiihl, 2 Batzen einem Studenten, 1 fl. vertdebenen evang. 
Pfarrern. A. R. A. T. III. fol. 384 ff. 

3) Wolf V. HeCberg an die Rate. Osterabend (12.4.) 1533. Kapl.L. 
fol. 17. cf. 18. 

4) E. Tetelbach u. Georius Reygel an den Amtmann. Pf. L. fol. 100, 



80 Schombaum, Leutershausen bei Beginn der Reformations^eit. 

dies unmOglich gemacht zu haben; er selbst hatte schon andere 
Urteile gehort (28. Jan. 1533)^). 

E. Laudeu und J. Reygel mufiten weiter die Pfarrei ver- 
sehen; die Vergutung von 5 fl. wurde ihnen trotz ihrer Bitte 
nicht gebessert; der Amtmann scheint dagegen gewesen zu sein. 
Da versuchte es E. Lauden allein, eine liohere Bezahlung zu 
erlangen; er stellte es so bin, als ob alle Last auf ihm ruhte; 
er bat urn 16 fl. Zulage^); J. Reygel bestritt nun seinerseits 
auch wieder diese Behauptungen ^), sodafi wohl keiner etwas 
bekam*). Der Rat von Leutershausen wandte sich vielmehr, 
da die Krankheit Eberlins sich als unheilbar erwies, an die 
Stadthalter zu Ansbach, mit der Bitte, einen Prediger ihnen zu 
senden, der das Wort Gottes lauter und rein lehre und das 
Volk nicht so unbillig schmahe wie Eberlin. (20. XIL 1532) «). 
Konrad Prunner, der markgr^fliche Hofprediger^), ging nun nach 
Leutershausen, um die Pfarrstelle einstweilen zu verwesen. 
Bereits im Oktober war Eberlin von seinem Leiden erlost'). 

Man wird ihn nicht von Schuld freisprechen durfen, wenn 

1) Statthalter und Regenten an W^olf v. Hefiberg. d. d. Do. n. Seb. 
(23. 1.) 1533. Pf. L. fol. 101. Wolf v. Hefiberg an die Regenten u. Rate, 
d. d. Di. Pauli Bekehrung (28. I.) 1533. ibidem f. 102. 

2) Pf. L. fol. 15. Andreas Lauden v. Dettelbach an Statthalter u. Rate, 

3) K. L. fol. 19. 

4) Wolf V. Hefiberg an Statthalter und Rate zu Ansbach. d. d. Mo. 
n. Alexi (21. VII.) 1533^ die Eaplane sollten sich zafrieden geben. E. L. 
fol. 18. 

5) Biirgermeister und Rat zu Leutershausen an Statthalter und Re- 
genten zu Ansbach. d. d. So. n. Alexi (20. VII.) 1533. Pf. L. fol. 105. 
Bescheid am Rande. 

6) Bereits 9. Mai 1529 kommt Konrad Prunner und Sim. Schnee- 
weifi als Prediger zu Ansbach bei einer Verhandlung wegen Wiedertaufer 
vor. Staatsarchiv zu KcJnigsberg i. Pr. Ostpreufi. Foliant 84 fol. 48. 
Markgraf Georg hatte ihm, well er seine Bereitwilligkeit erklarte, wieder 
nach Sclilesien zu Ziehen, 16 fl. von der Schlofipfriinde zu Kolmberg und 
10 fl. von erledigten Pfrunden als Addition reichen lassen. d. d. Jagern- 
dorf. Mitw. n. Lucie- (20. XIL) 1531. A. Rel. Acta VIIL fol. 395. Doch 
lehnte er es im nachsten Jahre ab, nach Schlesien zu ziehen. d. d. Mo. 
n. Mis. Dom. (15. IV.) 1532. ibidem fol. 393. 

7) Andreas Lauden gibt als sein Leiden: „epylentya" an. Pf. L. 
fol. 15. Nach Pf. L. fol. 107 war er bereits 13. Oktober tot. Abfertigung 
seiner Witwe, um die sich Alex. Frauentrant annahm. Pf. L. fol. 111. 



Schorhbaum, Leutershausen bei Beginn der Beformationszeit. 81 

es wahrend seiner Amtstatigkeit so viel Streit und Zank gab; 
aber die Hauptursache scheint gewesen zu sein der Kastner 
Veit Gattenhofer, der Kaplane und Vikare in ilirem Trotze 
gegen den Pfarrer immer zu bestarken suchte. Es ware Pflicht 
der Regierung gewesen, von Anfang an die Schaden mit der 
Wurzel auszurotten. 

Fortan scheint die kirchliche Entwickelung Leutershausens 
ruhig verlaufen zu sein. Konrad Prunner setzte es durch, gegen 
Aufgabe seiner Vikarei nicht nur die Pfarrei von Leutershausen 
yerliehen zu bekommen, sondern auch noch seine Ertragnisse 
ans der Schlofikaplanei Kolmberg fortbeziehen zu diirfen^). 
Allerdings hatte ihn der Markgraf am liebsten nach Schlesien mit- 
genommen. In spateren Zeiten such ten Poppo von Henneberg^) 
und Ambrosius von Gumppenberg^), die vom Wtirzburger Bischof 
zu Pfarrern in Leuterhausen ernannt worden waren, ihre Eechte 
durchzusetzen, allerdings ohne jeglichen Erfolg. 

1) Ko. Frunner an den Markgrafen. d. d. Mo. vor Burkh. (13. X.) 1533. 
Pf. L. fol. 107. £r bittet entweder ihm 20 fl. zu geben, da er mit seiner 
Besoldung von 56 fl. nicht auskomme, oder die Pfarrei Leutershausen. 

^ Der Markgraf erklarte sich zu letzterem bereit, wenn er die Vikarei zu 
Ansbach abtrete und auf die 12 fl. von der SchloBpfrunde zu Kolmberg 
verzicbte. d. d. Plassenburg. Fr. n. Ursule (24. X.) 1533. ibidem fol. 109. 
Georg begniigte sich dann mit der ersten Forderung. d. d. Plassenburg. 
Mittwoch nach Otmari (19. XI.) 1533. ibidem fol. 112. of. J. Looshorn 

IV. S. 738. 

2) Poppo V. Henneberg bat 1540, die von dem Bischof von Wtirzburg 
verliehene Pfarrei durch einen Verweser versehen lassen zu diirfen. 
d. d. Wtirzburg. Mitwoch n. St. Veit (16. 6) 1540. Pf. L. fol. 114. Die 
Rate zu Ansbach teilten ihm dann mit, da^ der Markgraf nicht anwesend 
sei nnd ohne seinen Willen nichts beschlossen werden dtirfte. d. d. 22. 6. 
1540. ibid. fol. 117. Nachdem die gauze Angelegenheit vom Markgrafen 
nicht beachtet worden war (fol. 117), und Poppo eine erneute Petition 
eingereicht hatte (fol. 118. 13. VII. 1540), teilten sie mit, dafi eine per- 
sOnliche Verwaltung unbedingt no tig ware (Georg an Seb. Heller, d. d. 
Horneck. Fr. n. Vine. Petri (6.8.) 1540. u. Georgs Rate an Poppo. Sa. n. 
Sixti (7. 8.) 1540. ibidem fol. 120 u. 121); eine weitere Bitte des Poppo 

V. Henneberg blieb dann wohl unberticksichtigt. (Poppo v. Henneberg an 
Georg. d. d. Mo. n. Ass. Mariae (16. 8.) 1540. fol. 122.) 

3) Ambrosius v. Gumppenberg scheint das Recht auf die Pfarrei zu 
Leutershausen noch von Dietrich v. Thtingen ftir 55 Goldgulden gekauft 
zu haben. Pf. L. fol. 136. Seine Forderungen lehnten die Rate zu Ans- 
bach ab 1549. 8. Pf. L. fol. 128—135. 

Beitrage Eur bayer. Kirchengeschichte XI. 2. (J 



82 Schornbaum, Leutershausen bei Beginn der Reformationszeit. 

So waren die letzten Jahre des hervorragenden Mannes, 
dessen Name eine Zeitlang in aller Munde gewesen war, fiber- 
aus traurig. 

Bell age III. 

Burgenneister und Rat zu Leutershauseu an den 
Amtmann W. v. Hefiberg. ca. 1531. 

Edler vnd vliester gunstiger lieber junckher. es tragen vnd 
schicken sich die sacben zwischen vns vnd vnserm pfarvorweser 
teglich vnd ye lenger ye mehr besorglich vnd vns zu bescbwerden 
zw, das wir solhs aus guten vrsachen, wie nacb stebt, euer vhest an-" 
zuzeigen oder die zu dulden lenger nit konnen. damit aber solichs 
abgescbnitten mocbt werden vnd niemandt sich zubeclagen hab yne 
sey nie nichs angezaigt oder vudtersagt worden, so haben wir die 
bescbwerden vffs kurzs, so wir vnsers pfarrvorwesers balben in pre- 
digon vnd andern wie folgt vfgeschrieben, bitten die gunstig zu verlesen. 

Erstlich 
das die gotslesterung vf offner cantzel andererweis angezogen vnd 
gestrafft werde vnd nit wie bishere als nemblich, doch hiemit gotlich 
meyestat vneutert, das dich gotswunden, sacrament, leiden, ohnmacht, 
frantzhossen, kures leiden vnd pestilentz etc. vrsacb, ob scbon solche 
scbwure der gotslesterung, wie es der pfarrer mit seinem anzaigeu 
oder straff bisher im gebrauch gebabt, vns als den alten nit ergerlicb 
were, so ist es doch der vnschuldigen jugend gantz ergerlicb; dan 
die bos natur allweg ehe das bos dann das gut vecht, wie wol es 
vnder den alten auch nit ler abgeht, zugeschweigen der frembden, 
so zuzeiten in vnser predig sein, die offentlich sagen, wenn ir von 
Leutershausen nit schweren kunth, so sollt irs von euerm pfarrer 
leren, wollen aber hiemit in keinen weg wider das, als solt man 
wider die gotslesterung nit predigen, geschrieben haben, sondern 
allein aus gehorter vrsacb. 

ist beizubringen mit dem amptmann vnd ganzer gemein. 

Zum andern. 
so werden wir vom rath von dem pfarrer vnd in seinen predigen 
gantz leicht vns zu schmach oftmals angezogen, wie zuvor am negst 
vorgangen sanct thomastag bescheen, als sollten wir sauffeu, das die 
gleser schwitzen vnd trinken, das die kraussen (krug) vff dem tisch 
wagten (sich) bewegen zugeschweigen, das ehr vns dem teufel gar 
zuaigent. 

Ist zubeweiseu mit etlicher der gemein 
vrsacb, daraus dan ein sprichwort erwachsen vnd zuvor zu Onoltzbach, 
wen vnser einer solicher art oder anders wo kumpt, das man sagt, 
es gilt dir eins das fenster schwitzen vnd krausen wagen^ wie der 



Schornbaum, Leutersbausen bei Beginn der Reformationszeit. 83 

♦ 

pfarrer von Leutershausen sagt; ob vns vbm radt oder gemeiner 
stadt solichs ein eere sey, khan ein clein verstendiger ermessen. 

Zum dritten. . 

derbeicht halben, der pfarrer will ein yglicber solle ime allein beicb- 
ten oder anzaigen vnd keinem caplon, ist vns bescbwerlicb. 

Ursacb. 
wann sicb pfarrer mit ethlicben darnacb belt, das sie ime nicht 
beicbten wollen oder sonst in ir naygung zu eim andtern mebr 
stundt, wo aber den capalanen beichte zuhoren wie vor alter vnd an 
andern orten der gebrauch ist, auch vergunt wurde, so beicbten vnd 
giengen vil mer lent zum sacrament, dan also gescbicbt, zuge- 
scbweigen, was es mit der Zeit frids oder ander ainigbkeit der kirchen 
geberen mocbte. 

leyt offenlich am tag vnd mit den vicarii zu beweisen. 

Zum vierdten. 
so lest der pfarrer sicb allein an einem gantzen ratb oder gemein nit 
beniigen die spotlicb vff oifner cantzel auzugreifen, sondern nembt 
ime etlicbe besonder person, daran ebr sein sin erkbule fiir. wie wol 
ehr sie mit namen nit nent so redt er docb so deutlicb darvon, das 
mans vorsteen mnfi, welcbs aucb ergerlich. 

Ursacb. 

im beiligen evangelium wurdt clerlicb gemelt, so dein bruder wider 
dicb sundigt, so straff in zwiscben dir \uid ime allein etc sagt nit, 
scbrey in erstlicb offenlich vff alter weiber redt zum ergsten aus, 
vnd dannocht oft in weltlichen sachen, die man billich ingegen des 
widerthajls vor aim amptmann, vogt oder burger meister beclagen, 
soldt, was mit der zeit vngeschickts wesen daraus erwachsen mocht, 
ist gut abzunemeii. 

der alt^), neu castner*), alter decbant^), ainer vicarii vnd bans 
Best. An solichem allem sicb aucb pfarrer nit will settigen, sender 
sicb horen vnd vemebmen laflen, so ehr aus seiner krankheit kome, 
wol ehr vns erst recht abpreunen vnd sagen, was zu sagen sey zuvor 
denyhenigen, so seins vermeinens jme vrsach zw solicher krankheit 
geben sollen haben. damit aber ainicberlay vngescbickter handlung, 
so daraus erwachsen mocht sampt ergernus neidt vnd baft abgeschnitten 
werde, dazu gedencken wir sampt oder sonderlich dermaffien bindter 
keinem pfarrer zu sytzen, der vns seins gefallens vnvervrsacht 
schmehen zu geschweigen anderer sachen, so vns zu nachteil oder 
spot an vnsern burgerlicben eeren gerichten vnd handlungen daraus 
vnd mit der Zeit ye lenger ye mebr gedeien wolt leiden, sonder ge- 
dachten solchs bei stadthaltern vnd rethen anzuzaigen vnd vmb bes- 
serung zusuchen. 



1) H.Rain. — 2) Veit Gattenhofer. — 3) Co. Beringer. 

6* 



84 Schornbaum, Lentershausen bei Beginn der Reformationszeit. 

vnd bitten eur vest derhalb zum vleifiigsten als vDserm gun- 
stigeu lieben junckherrn vnd amptmann, zu dem wir vns eem vnd 
guts vertrosten, wie wir dan in erfarung erkant, vns in solchem allem 
euern getreucn rath vnd hilff mittheilen, wes vns zethun vnd ze- 
lafien sey oder mittel vnd wege gegeu gemelten vnserm pfarrer fur- 
wenden, damit gedacbte vnsere beschwerdten wi obsteht durch ine 
abgelegt werden^ alsdaun woUen wir aucb than als die geborsamen^ 
vnd das dem satan gewebrt werde, verer vnfrydt nit anznrichten: 
solichs wolleu wir vmb eur vest in aller gehorsam vnd mit vleifi 
verdienen; bitten gunstig antwort. 

Burgermeister vnd rath zu Lentershausen sampt vnd sonderlich. 

Zum FunfPten. 

Ist vns beschwerlich, so ein biirger oder anderer aus vorhenckuus 
gottes des almechtigen mit todt abgangen vnd vor solichem seinem 
abschiedt das heilig sacrament (doch aus keiner verachtung des 
vnterlafien vnd nit empfangen vnd aucb nit in offentlicher ban vnd 
acht sein.) das ime gemeine cristliche vnd burgerlicbe begrebnus 
abgeschnitten oder abgeschlageu soil werden. 

vrsach : 

das soliche nie vnd vormals bei vns erhort oder im gebrauch gewest, 
aucb im furstenthumb Brandenburgk aufterhalb gemelter vrsach, 
dermafi wie sich vnser pfarrvorweser aus eigenem fnrnehmen vndter- 
standen gehalten worden vnd noch nit wurdt gezogen vflf erkuu- 
diguug etc. 

zu beweisen mit dem rath vnd amptmanu. 

Copie im Kgl. Preufi. Staatsarchiv zu Konigsberg i. Pr. Bei- 
lage V. ad 3. 3. 46. A 3. 

Beilage IV. 

Endres Tetelbach, vicarius zu Leutershausen an den 

Kastner. 

Lieber herr castner. Als ir mir am nechsten beuolhen, das 
ich in euerm abwesen gut acht auf des Eberleyns jtzigen pftir- 
vorwesers ceremouien vnd predig, wie ers in der kirchen zu Leuters- 
hausen belt, haben soil, dioweil ehr nit gesandt, ist auch von der 
gemeyn nit beruffen, vnd hat ein bose zeugnus bei demjhenigen^ wo 
er vormals fur ain prediger hat gedienet: vnd dweil er sich mit 
gewalt in diese pfarre gedrungen vnd dem christlichen prediger 
herr Johann Nageln bei der obrigkeit mit der vnwarlieit zum 
ofternmal verungliempft vnd verclagt, das man ine den Johann 
Nageln one alle verhor auf des Eberleius jtzigen pfarvorwesers 
zu Leutershausen anbringen geurlaubt vnd mit sampt seinem weib 
vnd kleinen kindlein hinwegk geschafft vnd den Johann Nageln 
gefencklich auf des Eberleins anbringen bei der obrigkeit anzu- 



Schornbauii), Leutershausen bei Beginn dei* Beformationszeit. 85 

nemen beuolhen. hat Wolff von Hefiberk, der amptmann zv 
Colmbergk des Joban Nageln vnscbiildt, wie yne derEberleyn 
mit der vnwarheit beclagt, wol gewufit vnd dem Jobanu Nagell 
solicber gefenncknus abgescbafft vnd vndterkommen. 

Lieber herr castner. dieweil J oh an n Nagel voriger pfarvor- 
weser bie zu Leutersbansen alle ceremonieu vnd geseng oacb 
meius g. w. b. ordnung teutzsch in der kircben gebalten, bat es der 
Eberlein, itziger pfarvorweser alles wider lateiniscb angericbt vnd 
alle teutscbe geseng auf einen tag vmbgestofieu vnangeseben die cr- 
gernus bei dem gemeynen volck, das aucb etblicb frawenvolgk licbt 
bei seiner lateiniscben mefi aufzunten vnd sagten, got sey gelobt^ 
das es wider auf die alten weis ist kommen. vnd dieweil icb eucb 
bericbten soil, wie es der Eberlein jtziger pfarvorweser zu Leuters- 
bansen in der kircben belt, babt ir, wie folgt, zuvornebmen. 

bie volgendt die Ceremonien^ die der Jobann Eberle braucbt 
in der kircben zu Leutershausen in der mefi vnd sonst: 

zum ersten zeucbt der priester, wan ehr mefi will balten^ alle 
diese stuck an, die ein papist braucbt, so ebr mefi belt, vnd kniebet 
vor dem altar nider vnd spricht die offene beicbt, wie binden 
vorzeichent ist; darnach singt man den introytum lateiniscb, darauf 
kirieleyson et in terra lateiniscb; nacbdem kert sicb der priester, 
spricht etblicb stuck oder gebet aus der teutscben letanei> da- 
rauf die epistel teutsch, darnacb alleluia oder ein tractum 
als itzundt lateyuiscb; nacbdem volgt das evangelium teutscb 
bei dem altar, darnach das teutscb patrem, nacb welbem wendt 
sicb der priester nacb dem volck vnd verkundt die heiligentag 
oder die eeleut, die begem zu greiffen zum eelichen standt. dar- 
nacb list der priester dem volck vor die zeben gebot, Glauben, vater 
vnser, die wort des tawffs nacbtmals christi, darnach gebet der 
Eberle vff den predigstul aus der sacristen oder seiner stuben. 
nacb der predig bebt der priester an die prefation zum ersten, 
dominus vobiscum, sursum corda, gratias agimus, vere dignum et 
justum etc. ganz aus wie die papisten alles lateiniscb. darnach Conse- 
criert der priester teutscb, nacbdem comuniciert er das volck, da- 
rvndter singt man im chor das sanctum vnd agnum dei teutscb, dar- 
nacb kert sicb der priester gegen dem volgk vnd singt dominus 
vobiscum. darauff volgt die compledt, wider dominus vobiscum, 
benedicamus domino alles lateiniscb, wie es in mefibuch steet der 
papisten, darnacb gibt der priester den segen teutscb gegen dem volck 
also, der berre gesegne dich vnd bebiit etc. 

Volgt nun die vesper an einem feyrabent: 

bebt der eberle an: dens in adjutorio aber kein antiffen oder 
psalmen; wan die spalmen (!) aus seiu, geht der eberle zum altar 
vnd sagt ein wenig dem volgk vom sacrament oder sonst, was im 
eynkumpt. nacbdem volgt das magnificat, darnacb antiffen, darauf 



86 Schornbaum, Leutershausen bei Beginn der Beformationszeit. 

listder eberle die collect lateinisch; ist es ein apostel, so belt er das 
comane von den ap ostein aucb collect alswie er getban bat an Sant 
Matbias abent; sung er also: deus qui apostolis psam [ipsum?] Mattbiam 
associasti concede quesumus vt eique intercessionem etc. danacb yer- 
hort.der eberle die comunicanten vnd scbreibt sie an. wie ein 
iglicber beyst, was standts oder von wan ebr sey vnd fragt die nacb- 
folgende artickel : zum ersten, ob er beten kann : vater vnser, zeben gebot, 
glauben. zum andern : was er bait vom sacrament, was er im kelcb nem, 
was undter dem brot; zum dritten: wie cbristus gesagt babe, do ebr dis 
sacrament bat auffgesetzt; zum vierdten: warumb ebr das sacrament woU 
nemen. zum funften : was standt ebr sey vnd ob ebr yemand beleidigt 
bab am leib, gut, eer, das ebr sicb mit yme versone, etlicben spricbt 
er die absolution etlicben nicbt, vnd wban die comunicantes wollen 
berzu geben, tbut er kein erbortatiou (!), spricbt in das vater vnser 
vor. item so bat er aucb itzund an unser lieben frawen tag vil 
comunicantes gebabt vnd bat sij gespeist auff der liiicken seiten bei 
dem altar, auff der recbten bat der scbulmeister mussen trencken mit 
dem bluet vnd der scbulmeister bat sein aigen scbiiler mussen beicbt 
boren aucb sein gesindt, so er will, vnd sein nit von dem priester ver- 
bort worden vnd baben docb das sacrament entpfangen. aucb so bat 
ebr den scbulmeister verordent^ darzu als einen briester den andern 
zu scbandt vnd scbmacbeyt, das ebr das blut aus dem kelcb bat 
geben vnd vnser keiner wer gewest, er bets gern getban. item so 
will er nit baben, das eym das sacrament soil gereicbt werden in 
der kircben, der starck oder gesuntb ist an einem scblecbten tag, so 
einer nit kumpt frue, sunder das man dieselbigen soil bericbteu in 
den beusern als krank lent, als er dann getban bat mit einem man 
von Lentzesdorff vnd mit der scbeffere von Ramsdorff. item 
so belt er den tauf auf deutscb, aber' wie die papisten tewfen, 
allein das er den speigel vnd crisma nit braucbt, ebr tauft aber vor 
der kircben balb, macbt creutzt an die stirn, mundt. brust, bescbwerdt 
das kindt, daruacb teufft ers bei dem tauffsteyn, beizeiten begeust ers 
mit wasser, bei zeiten stSfit ers gantz bineyn als des byrten kindt 
zu Clausbacb. item so postulirt er kein euangelium nit, pleibt 
aucb auff keiner materii vnd seine predig sein allein dabin gewendt 
zu neydt vnd baft, die menscben scbendt vnd scbmebet; wann ebr 
frey gesagt bat an vnser frawen tag in der predig zu der vesper, 
das man auf die papistiscben pfaffen sol ausspeien, sie flieben vnd 
meyden den wegk, do sie sein, mebr^ wie ir einer ein aug darumb geb, 
das der evangeliscben prediger keinem nicbts gescbee; weytter so ricbten 
die papistiscben pfaffen gerue an, da das arm volck im blut scbwum; 
mit im kein gemeinscbaft zu baben, dan sie baben vns bracbt^vmb 
er vnd gut, leyb vnd seel etc. vnd dergleicben will mit an- 
reytzung des gemeynen volcks wider die priester sein predig ge- 
spickt sein 



Schornbaam^ Leutershausen bei Beginn der Reformationszeit. 87 

aiich wann ein reycher in der stadt stirbt, so geht er zu der 
begrebnus aber zu keinem armen kumpt er nit. etc. 

Endres Tettelbach vicari zu Leuttershausen. 

Copie im kgl. pr. Staatsarchiv zu Konigsberg i. Pr. A 3. 
BeUage HI ad 3. 3. 46. 

Beilage V. 

Markgraf Georg an Albrecht v. Preufien. 
JUgerndorf, 6. Nov. 1532. 

Was wir in briiderlichen treuen liebs vnd guts vermogen alzeit 
zuvor. hochgeborner furst, freuntlicher lieber bruder. Als vns eur 
lieb davorgeschrieben vnd angezeigt, das ein priester, wie eur lieb 
bericht, zu .Leutershausen vnser land zu Francken sein, der die 
orenpeicht vnd anders wider gottes wort vnd also bebstlicher ordnung 
nach noch halten soil, haben wir solchs vnsern statthaltern vnd rethen 
(nachdem vns gar nichts davon wissenhaft gewest) zugeschrieben vnd 
jetzt derhalb wider antwort von inen empfangen, wieE.L. ab inliegenden 
abschriften vernemen. vnd insouderheit werden E. Lieb aus der 
pfarrverwesers verautwortung versteen, welcher gestalt er es in 
seiner pfarrkirchen halten soil; das vns, wo dem also ist, nit vntzim- 
blich vnd gottes wort nit vugemefi sein bedunckt; leret oder hiellt ers 
aber anderst, oder hets bishere gethan, tragen wir darob kein ge- 
fallen, vnd vnsere verordente superattendenten sollten in dem billichs 
einsehen gethan vnd vns solchs nit vuangezeigt gelaften haben. Aber 
vns ist dises pfaffen halben nichts furbracht worden. Nachdem aber 
er der pfarrverweser meldet, wie sich Veit Gattenhofen, dauor 
vnser castner zu Leutershausen vnd jetzt widerumb eur lieb 
diener gegen ime so vngeburlich mit verachtliqjien reden des heilligen 
sacraments vnd anders gehalten hab, vff maynung, das er jetzt in 
weiten landen vor ime nit ruhe haben moge, vnd, das er der Gatten- 
hofen eur lieb solch anzeigen von ime dem pfarrverweser, wie ers 
dermas dem alten bebstlichen wesen nach noch hall ten, gethon haben 
soil, davon tragen wir auch kein wissen; vnd wo der Gattenhofen 
E. L. diener die bemelteu verechtlichen wort des sacraments halben 
gegen dem priester, wie er angezeigt, geubt, vnd man vns solchs zur 
zeit, als wir noch draufien zuland oder gleich hie innen in der 
Schlesien gewest sind, angetzeigt, vnd er sich desselben mit der 
warheit nit hett entschlitten mogen, sollen eur lieb vngezueivelt 
sein^ wir wollten ine darumb nit vngestraft gelafien haben. es hette 
auch vns imselben billichs einsehen zethon geburt; aber wir haben 
von dem, alls vorberurt, gar nichts gewiftt, dann was wir jetzt durch den 
pfarrverweser bericht werden. darumb so mogen E. L. derselben diener 
den Gattenhofen deshalb besprechen, ob er dem pfarrverweser 
seins furgebens gestendig sei, vnd wo ers gethan, hett er, wie eur 



88 Schornbauin, Leutershausen bei Beginn der Reform atioiiszeit. 

lieb acbten mogen, nit ein vnbilligbe straf verschuHet. das wollten 
wir E. L. vff derselben schreiben freuntlicher maynung nit verhalten vnd 
than hiemit E. L. derselbeu freundlichen lieben gemahel, junge Tochter 
sambt alien den iren gottes ewigen gnaden^ scbuz vnd scbirm vnd 
vns E. L. alls vnserm freundlichen lieben bruder beuelben. datum 
Jegerdorff, am Mitwoch nach Omnium sanctorum. Anno etc. XXXII. to. 

Von gottes gnaden Georg marggraf zu Brandenburg, etc. manu 
proppria scrit. 

. Inscriptio: dem hochgebornen fursten vnsern freundlichen lieben 
bruder Herrn Albrechten etc. 

Or. im Kgl. Preufi. Staatsarchiv zu Konigsberg i. Pr. A. 3. 6. 
XI. 1532. 3. 3. 46. Concept im Kgl. Konsistorialarchiv zu Ansbach. 
^Pfarrei Leutershausen betreff.*' Tom I. 1467 — 1678. (Schlegel re- 
petorium411) fol. 96 f. 

Beilage VI. 

Joh. Eberlein, Pfarrer zu Leutershausen an die Statt- 

halter und Rate zu Ansbach^). 25. Sept. 1532. 

Gestrengen hochgelerten edeln vnd vesten gnedige herrn. in 
nechstverschinen tagen hab ich empfangen von eurn gnaden ain 
geschrift, als sollt ich bobstische oren.beicht vnd andere stuck im 
kirchendienst noch bobstisch halten. daraiif solle ich gruntlichen ge- 
schriftlichen vndepricht E. G. widerumb zuschicken. dieweil ich dann 
vormals durch geschwinde aufsetzige pratick des Veyt Gattenhofers, 
etwan hie castner gewesen, auch des vnd mehers bin beschuldigt 
worden vor vnserm gnedigen herrn marggraf George n, vor seiner 
E. gn. statthalter vnd rethen auch vor dem edeln vesten Wolff 
von Hefiberg, amptmann zu Colmberg vnd Leutershausen, 
ich aber mich deshalb mundtlich gegenwertig, auch geschrifftlich ab- 
wesend genugsam entschuldigt auch aller kirchenambter vnd diensten 
ordnungen geschriftlich dargeboteu vnd vil genugsam zeugnus hab 
meins wol herbrachteu lebens on rhum zu reden; darzu hats gott al- 
so geordnet, das gemelter ambtmann sich mit aller haushaltung ge- 
fUgt gein Leutershausen vom SchloB Colmberg;- haben er, seine 
erbare hausfrau vnd gesind sampt andern edeln frauen vnd junk- 
frauen (in die pfarr gehorig) vleifiig gehoi't mein bredig schier ain 
ganz jar lang, auch gesehen alle ordnungen im tanffen, nachtmal 
des herrn, ehe einleythen, krank versehen, begrebuus etc. haben auch 
selb mich oft vmb verhor vnd absolution gebeten vor der comunion 
vnd erlernet auch bezeuget, das ich vnbillich bin beschuldigt 



1) Von den Statthaltern und Raten zu Feucbtwangen an Georg ge- 
sandt am 8. Okt. 1532. Orig. im Konsistorialarchiv zu Ansbach. Pf. L. 
I. fol. 95. Copie im Kgl. pr. Staatsarchiv zu Konigsberg i. Pr. A. 3. 
Beilage I. ad 6. Nov. 1532 (3. 3. 46.) d. d. Feuchtwang. Di. n. Franc. 1532. 



Schornbaum, Leatershausen bei Beginn der Reform ationszeit 89 

worden. so hat kain verstendiger gutherziger mensch ain beschwerd 
an meinem vnd meins weibs vnd kinds wandel. dieweil aber veit 
Gjattenhofer sambt seinep mitgesellen zu spott seiu worden vnd 
nicht mehr muetwillens mochten wider micL hie ausrichten, dann 
vil fromer lent auch der amptmann selbs mich verthaidingten^ hat 
der Satban seinen werkzeug, den Gattenhofer, in die feme ge- 
saut, mich ziivervnglimpfen, da ich mich nit mochte verantworten. 
aber ich hofiPe zu got, er solle zu spot an mir werden auch in 
preufien. darumb hat got geordeut^ das der christliche hertzog 
in preufien, mein gnediger herr, solchs mir zu wissen fugen last 
vnd zwr antwort lesst kommen, welchs ich mich vndertheniglich 
gegen seiner F. gn. bedaucke. ich bin mir von gottes gnaden kainer 
babstischen lere noch ceremonieu wissen t, sofern sich mein selb 
arbeit vnd dienst strecken kan, ich fuchts auch teglich wider das 
recht babsthumb, welchs ist ein gotlos vnd vnchristlich wesen, in 
vngestraften aigen willen vnd bosheit in gotlichen auch burgerlicheu 
sachen vnd der satthan wais solchs wol von mir. darumb lestert vnd 
hindert er mich, woe er kann, yetzt im lutheriscben schein, dann im bobsti- 
schen. aber Got soil in vndter meins fues tretten, alsich hoffe, ich halt 
warlich die, so mich babstisch schelten, etlich mich nit kienen ; etlich 
wollen mich nit kennen ; bin ich babstisch^ warumb verfolgen mich dann 
die papisten so fast yetzt zwelff jar lang mit geschriften^ worten vnd 
thaten, ich leide auch noch teglich vil vom babstischen pfaffen vnd 
layen vnd von denen, so gem wollten ir babstumb furdern, auch in 
guten verstolen schein . bin ich bobstisch, so hab ich vergeblich 
sovil wider das babsthumb gehandelt. kan mich der babst seiner 
part halten, so kan er wol schimpf versteen etc. Ich hab auch mit 
laid miifien hbren, das veyt Gattenhofer mit grofiem geschrei vor 
vilen personen mir vnter augen sagt diese wort, ich schifi dir in 
dein sacrament; du kanst mir kain sacrament geben. solche red ist 
kundliche worden in der gantzen pfarr, das der amptmann sagt: 
er wolt nit hundert gulden nemen vnd ain solche red sagen. vnd 
wie oft vnd seher er gelestert hab hailsame bredigt von gehorsam 
gegen der oberkeit, wider anfrur vnd wider andere laschter, so ich 
mich geflissen dem volck zu predigen, ist zu beweisen, vnd ich P]. 
G. vorhin von ime auch schriftlich hab augetzaigt sambt andern 
stucken mehr hie von kurz wegen vnderlafien. ich will kurtzlich 
E. G. antzaigen die form, so bei der verhor der commuuicanten 
gehalten wurdt von mir: ich halts also: dieweil die christlichen 
flirsten in irer bekantnus vor kay. mt. auf dem reichstag^ zu 
Augspurg verlesen antzaigen ir ordnung der beicht vnd communion 
halb mit disen worthen; „die beicht ist durch die prediger distheils 
nit abgethan; dan dise gewonheit wurdt bei vns gehalten, das 
sacrament nit zeraichen dencn, so nit zuvor verhort vnd absoluirt 
seind etc." auf dise bekantnus verhor ich alle commuuicanten selb. 



90 Schornbaam, Leutershausen bei Beginn der Reformationszeit. 

jegliches allein besonders still, netnlich was es halt, das dis sacrament 
sei, ob er glaub, das ime werdt geben der war leib vnd blut 
Christi, vnd ob er glaub, das baide gestalt entphahen christlich sey, 
item warzu die entphabung dits sacraments ime nutz sey, ich sag 
yeglicbem seins stands regel aus heiliger geschrift, den isltern, kindern, 
eeleuten, gesinde etc. 

ich warn yeglichs vor den greulichen lastern diser zeit, als 
gotsschwur, auffrur, sauffen, hurerei, verachtung gottes worts, boser 
gesellschaft etc. vnd das ist der verhor halb, deren stuckken halb 
rede ich mit jegcklichem, sovil mich not gedunkt, und es selten oder 
offt zum sacrament geet, mir vbel oder wol bekandt ist, aber der 
absolution halb frag ich, was trost es hoffe von der absolution etc. 
vnd ob es deren beger^ antwort [er]: ja, mir sind all mein sund laid, ich 
will mit gottes hilf mein leben bessern, ich bit got vmb gnad und euch 
umb ain absolution, ich will jedermaun vergeben vnd mich nach got mit 
den beschedigten von mir vertragen etc., dann absolvir ichs im namen 
des herrn. ich dring aber nit hart das einfaltig volck avf eben solche 
wort, ich lafi mich an der meinung benUgen. solchs thu ich darumb^ 
das weder furstlich gnad noch ich schuldig werden an den grofien 
sund en des haufens, der one alle fragen vnd absolution das sacrament 
braucht, darumb zu besorgen ist gottes zorn etc. wie doctor Mart: 
Luth: im buchlein von z way en gestalten in der mefiordntmg an den 
pfarhern von Zwickau etc. vnd herr Johann Pomern im sendtbrieff 
an die prediger in 1 i f f 1 a n d volliger schreiben auch in andern buchern 
mer, aach gibt gott gnad, das die pfarrleut hie offt zum sacrament 
geen fleyfiig. 

gnedige herrn. das ist kurtzlich mein vndterricht auf difimal. 
ich bitt E. G. wollen mich entschuldigen, auch bevelhen vor beiden 
fuersten meinen gn. lieben herrn vnd gewis dafur hallten, das ich 
jerlich wolt etlich gulden gebeij von mein em sold, das baide fiirsten 
mein gnedig herrn vnd derselben weyse rethe solten aller meine predig 
horen vnd kirchendienst sehen, wie das gesehen haben der edel 
Wolff von Hefiberg, sein weib vnd gesind. ich hoffte, es solt 
mir zu mererm friede, danck vnd narung furderlich sein, zeitlich vnd 
vilen menschen besserlich, gaistlich. der will des herrn geschehe 
allwegk, der wolle euch alle bewahreu. datum auff Mitwoch nach 
Mauricii anno etc. 32. 

E. G. 

vnndtertheniger 

Johann Eberlin pfarrherr zw Leutershausen. 

Copie im Kgl. Preufi. Staatsarchiv zu Kbnigsberg i. 0. Pr. 
A 3. (6. XI. 1532) Beilage II ad 3. 3. 46. u. im Kgl. Konsistorial- 
archiv zu Ansbach. „Pfarrei Leutershausen 1467 — 1678," Schlegel- 
rep. 411 fol. 91 ff. 



Schornbaum, Leutershausen bei Beginn der Reform ationszeit. 91 

Beilage VII. 

Veit Gattenhofer an Herzog Albrecht von Preufien. 

ca. 1582. 

Durchleuchtigster bochgeborner gnedi^er furst vnd berr. E. F. 
G. sindt mein vndertbenig geborsam vnd willig dienst alle zeit zu- 
vor. gnediger berr. es haben mir e. f. g. in kurtzverscbinen tagen 
ein scbrifft von dem durchleucbtigen bocbgebornen fursten vnd berrn 
berrn Georgen marggraffen zu Brandenburg etc. meinem gnedigen 
berrn vberantwurt, darin ein clagscbrifft mit eingescblofien gewest, 
die eberlein von giensburg, jtziger pfarrverweser zu leutershau- 
sen wider micb gestelt vnd etlich artickel in solicber clagscbrift 
anzeigt, die icb wider ine solt gebandelt baben. auf solicb Eber- 
leins clagscbrifft gib icb e. f. g. gantz vndertbeniglicb zuvernemen, 
das der eberlein, jtziger pfbarverweser zu leutersbausen meinen 
gnedigen berrn marggraf Georgen aucb seiner f. gn. statbalter vnd retbe 
die vnwarbeit wider micb bericbt bat, wie er sicb dan, wo er vor- 
mals gewest, solicber vnwarbaftiger clagen gebraucbt vnd sunderlicb, 
do er bei graff Jorgen zu Wertbeim ist gewest, bat er sicb do- 
selbst also gebalten, wie dan e. f. g. in beigelegten copeien zu 
steur der warbeit gnugsam vnderricbt baben. aucb gnediger furst 
vnd berr! wie sicb der Eberlein itzt zu leutersbausen so cristlicb, 
wie er sicb selb rumet vnd lobt, balten that, ist bei einem rodt vnd 
einer ganzen gemein doselbst zu erkundigen, ob es seinem selb lob 
die warbeit sei vnd sunderlicb, wan er mit den armen leutten mit 
dem beil der sele solt baudeln, so bandelt er. in der beicbt mit ine, 
das sie ime boltz mufien furen etc. aucb gnediger furst vnd berr, 
dieweil solicber scbwindelgaist die vnwarbeit unvei'scbambt wider 
micb scbreiben tbut, so gedenk icb micb nichts mit ime einzulafien, 
sofern er verantwurt sicb diser beigelegten copeien genugsam; kan 
er micb darnacb sprucb nit erlafien, wil icb ime vor E. F. G. aucb 
vor meinem gnedigen berrn marggraff Georgen aucb vor seiner 
furstlicben gnaden statbaltern vnd rethen gnugsam antwurt geben vnd 
bit darauf e. f. g. mit vndertbenigem vleis, die wollen micb gegen 
E. F. G. berrn vnd bruder gnediglicb verantwurtten, das will icb 
vmb E. F. G. gantz vndertbeniglicb geflissen sein zuverdinen. 

E. F. G. vndertbeniger Veit Gattenbofen. 

Or. im Kgl. Preufi. Staatsarcbiv zu Konigsberg. A 3. Beilage 
IV ad 3. 3. 46. 

Beilage VIII. 

Eberbard Hundt, Amtmann zu Wertbeim an Veit Gatten- 
bofen, Kastner zu Leutersbausen. 14. XII. 1531. 

Mein willige dienst zuvor, lieber berr castner. icb bab euer 



92 Schornbaum, Leutershausen bei Begion der ReformatioDszeit. 

schreiben vnd ansucben den boswicht Johan Eberleyn von Guntz- 
bergk belangendt alles inhalts vorlesen. demnach gib ich each 
hiemit zuvornebmen, das gemelter Eberlein sich der evangelischen 
Lere weuig geflifieu auch sich selber nit darnach gehaldeu. dan 
war ist, das er vff ein zeit den schultheis vnd ein gantzen rath auch 
etlicbe ans der geraeynde daselbst zu Wertheim vuverschulter sachen 
vor irem gnedigen herrn, Graf Georgen seiliger (!) gedechtmis 
verclagt, der meynunge, den gedachten schiiltheifien, burgermeystern 
vnd eym rath ein vngnedigen herrn durch sein falsche erdichte vnd 
erlogene wort zu erwecken vnd alle seine sachen zu barter straffe 
vnd vffrur zuprengen gestellt vnd vff der cantzel zu vilnjalen manchem 
frommen, erlichen bydermann vnd frawen mit seinem verlieptem 
bosem maule geschraeht vnd geschent, vnd were solicher bbsen hand- 
lung, so ehr getrieben, vyll davon zu schreiben vnd wo von noten 
weys ich in solchs alles mit der warheit zu beweisen etc. was ehr 
aber boswicht stuck gegen mir gehandelt, bin ich gut hoffnung, der 
allmechtige werde mir zeit vnd gliick mich an ime zu rechen ver- 
leyhen. datum mein handtschrifft uff Donnerstag nach Lucie im 
XXXj t. jahre. 

Eberhart Hundt etc, Amptmaun zu Werthem. 

Insc: dem erbaren Veiten Gattenhofen castner zu Leuttershausen 
meinem guten treundt zu handen. 

Copie im Kgl. preufi, Staatsarchiv zu Konigsberg. A 3. Bei- 
lage VI zu 3. 3. 46. 

Beilage IX. 

Schultheifi, Burgermeister und Rat der Stadt Wertheim 
an Veit Gattenhofen, Kastner zu Leutershausen. 

14. Dezember 1531. 

Unser freuntlich grus vnd willig dienst zuvor. lieber her cast- 
ner. Eur schreiben vns im rathe gethan, haben wir seinem inhalt 
wolvernomen. dweil in anzeige eur schrift meldend burger in Leutters- 
hausen, ist vns nicht wifien, von wem sie solchfen bericht haben. 
aber Eberlein hat vns burgern nicht sonder lieb gethan. das haben 
wir euch uff eur schreiben nicht bergen wollen. Donnerstag nach 
Lucie anno etc. Tricesimo primo. 

Schultheis, burgermeister vnd rathe der stadt wertheim. 

Insc. dem achtbaren vnd furnemen veyt Gattenhofen castner zw 
Leutershausen vnserm in sondern guten freunde. 

Copie im Kgl. preufi. Statsarchiv zu Konigsberg i. Pr. A 3. 
6. XL 1532. Beilage VI ad 3. 3. 46. 



Zur Bibliographie. 93 



Zur Bibliographie. 






*Archiv fi\r Reformation sgeschichte. Texte und Untersuchungen. In 

Verbindung mit dem Verein fur Reformationsgeschichte heraus- 

gegeben von Walter Friedensburg. 1. jahrgang. (4 Hefte.) 

Berlin, C. A. Schwetschke und Sohn 1901/1904. 416 8. Prei8 

bei Subskription (jedoch nur fur den ganzeu Band rabgiich): 

I. Hft. 2,80 (Einzelpr. 4,40), 11. 2,70 (4,20), III. 3,00 (4,60), 

IV 3,10 (4,80) Mk. 
Trotz der Ftille der historischen Zeitschriften, die namentlich im 
letzten Jabrzehnt im Interesse der Provinzial- und Lokalforschung ent- 
standen sind, fehlte una ein spezielles Organ fiir die Reformationsgeschichte, 
die aus allgemeinen Griinden und nicht zuletzt dank dem konfessionellen 
Kampfe, der nicht zur Ruhe kommen will, in weiten Kreisen im Vorder- 
grunde des Interesees steht. Hat auch der Verein fiir Reformationsge- 
schichte in nunmehr 21jahrigem Bestehen in einer langen Reihe von 
mehr als achtzig Veroll'entlichungen die verschiedensten Gebiete der 
Reformation behandelt, so mu6te er sich nach den Zielen, die er sich 
steckte, doch auf l)arstellung beschranken, and man vermiBte eine Zeit- 
schrift, in der die imraer wachsende Quellenforschung ihre reichen Funde, 
fiir die die iibrigen Zeitschriften bei ihren besonderen Zwecken keinen 
Raum batten, niederlegen konnte. Archivdirektor Professor Dr. Walter 
Friedensburg , einer der geschatztesten Quellenforscher und Kenner 
des Reformationszeitalters, langjahriger Vorstand des preuj^ischen histo- 
rischen Institnts in Rom, jetzt Leiter des Staatsarchiv^ in Stettin, 
den unsere Leser auch aus seinen wertvollen Arbeiten in diesen Beitragen 
kenneo, hat es unternommen, diese LUcke auszufiillen. Als Hauptzweck 
des in zwanglosen Heften erscheinenden Archive, das jedes Jahr etwa 
20—25 Druckbogen bringen will, bezeichnet"der Herausgeber „in streng 
wissenschaftlicher Weise und dem Stande der modernen Editionstechnik 
entsprecbend anveroffentlichtes Quellenmaterial zu bringen, dem im allge- 
meinen auch solche Texte gleichgeachtet werden sollen, die lediglich in 
unzulanglichen oder schwer erreichbaren, insbesondere etwa nur in zeit- 
genOssischen Drucken vorliegen. Ferner sollen auch kritische Unter- 
suchungen, zumal solche, die der Erlauternng von Quellenmaterial dienen, 
hier zur VerOflfentlichung kommen, und endlich wird darauf Bedacht ge- 
nommen werden, neue Erscheinungen auf unserem Gebiet, namentlich Zeit- 
Bchriftenartikel, zu verzeichnen, sowie kleinere Mitteilungen, I^otizen 
Uber Funde und einzelne Beobachtungen zu bringen, die fur den Forscher 
Oder den Freund der Geschichte des Reformationszeitalters von Interesse 
sein mogen." Bis jetzt liegen 4 Hefte oder der erste Band vor. Aus 
dem reichen Inhalt kann hier nur das Wichtigste und das, was die 
Kirchen- und Keforraationsgeschichte Bayerns speziell betrifft, hervor- 
gehoben werden. So bringt das erste Heft u. a. von P. Tschackert in 
Gottingen einen ungedruckten Bericht des Antonius Corvinus vom Kollo- 
qium in Regensburg 1541 (S.84ff.). Der denLesern der ^Beitrage" wohl- 
bekannte Prof. Dr. Roth in Augaburg ist beteiligt durch eine sehr wert- 
volle Publikation: „Au8 demBriefwechsel desGereon Sailers mit dem Angs- 
burger Burgermeistern Georg Herwart und Simprecht Hoser** (April bis Juni 
1541) S. 102 if. und durch einen anderen „zur Kirchongiiterfrage in der Zeit 
von 1538 — 1540. Die Gutachten Martin Bucers und der Augsburger 

*) Die mit * versehenen Schriften sind zur Besprechung eingesandt 
worden. AUe einschlagigen Schriften werden erbeten behufs Besprechung 
von der Verlagsbnchhandlung Fr. JungeinErlangen. 



94 Zur Bibliographie. 

Pradikanten Wolfgang Musculus und Bonifazius Wolfart tiber die Ver- 
wendung derKirchengttter" S. 299 flp. Prof. G. Mentz in Jena nimmt zu meiner 
Freude einen frtiher von mir gehegten Plan, die Briefwechsel uDseres 
Landsmanns Spalatin (Georg Burkhardt aus Spalt) herauszngeben, in 
etwas auf, iudem er die Briefe Spalatins an V. Warbeck von 1517 bis 
1526(107 Nummern) nebst erganzendeh Aktenstiickten ver^ffentlicht, wobei 
bemerkt sein mag, daB Spalatin aus Briefen des Wenzeslaus Link in 
seiner Korrespondenz nicht Weniges auch tiber Ntirnberger und frankische 
VerhSltnisse bericbtet. Mochte bald eitie Fortsetzung des Spalatiniana aus 
dem Weimater Archive folgen ! In die bayerische Geschichte schlagt dann 
noch direkt ein einAufsatz von Ad.Hasenclever in Bonn „ Zur Geschichte 
Ottheinrichs von Pfalz-Nenbnrg (1544) S. 396. Aus dem ubrigen Inhalt 
mochte ich noch erwahnen als von allgemeinstem Interesse den Aufsatz 
von 0. Albrecht in Naumburg. „Zur Bibliographie und Textkritik des 
kleinen lutherischen Katechismus**. S. 247 und den des Herausgeber 
n Giovanni Morone und der Brief Sadolets an Melanchthon vom 17. Juns 
1537". S. 372ff. .Ganz besonders dankenswertist aber dieObersicht tibei 
die in anderen Zeitschriften erschienenen einschlagigen Arbeiten nnr 
die Bucherschau, wodiirch die neue Zeitschrift, die hiermit aufs warmstd 
empfoblen sein mag, zu einem Repertorium fiir die Literatnr der Refore 
mationsgeschichte wird. Endlich mochte ich noch zwei WUnsche auj^ern- 
einmal beim Abdruck von Aktenstiicken, Briefen etc. die Personen und, 
Ortsnamen gesperrt wiederzugeben, wodurch die Benutzung erheblioh 
erleichtert wird, und zweitens nicht zulange mit einem Orts- und Namen- 
register zu warten. 

*G5tz, Job. B., Expositus in Roth. Die versuchte Umwandlung 
des Zisterzienserklosters Qeilsbronn iu ein weltliches Chor- 
herrenstift. Urkundliche Beitrage zur frUnkischen Reformations- 
geschichte. Beilagezur AugsburgerPostzeitung 1904 Nr. 14 — 16. 
DerVerf., der fur nachstes Jahr sine ^Geschichte der Kirchenspaltung 
im Gebiete der Markgrafschaft Ansbach-Eulmbach" in Aussicht stellt, 
bebandelt hier auf Grund eines bisher nicht ausgenutzten Aktenfaszikels 
im Ntirnberger Kreisarchiv, Aufschreibungen des Abts Wenck und — 
tibrigens Dr. Schornbaums auch inzwischen bekannt gewordene — Aufzeich- 
nungen des Eanzlers Georg Vogler im Ulmer Archiv, in lichtvoUer Weise, 
eine Episode der Klosterpolitik des Markgrafen Kasimir (1525 if.), tiber 
deren Verlauf wir, obwohl einige Dokumente bei Hocker darauf hinwiesen, 
nichts Genaueres wuBteu. Daneben werden die einzelnen Pers^ulichkeiten 
im Heilsbronner Eloster, freilich etwas einseitig charakterisiert und manches 
Wertvolle tiber sie beigebracht. Dem Pfarrer Hocker (Heilsbronnscher 
Antiquitatenschatz) dtirfte tibrigens unrecht geschehen, wenn ihm der 
Verfasser Unterdrtickung des spater bei Muck und Stillfried mitgeteilten 
Berichtes tiber das schandliche Treiben des Ftirsten im Kloster im Jahre 
1504 unterschiebt oder von ihm schreibt: „er durfte aber diese curieuse 
Particularia nicht publizieren.'* Woher weifi das der Verf.? Welcher 
Autor, der in Archiven gearbeitet hat, darf sich rtihmen, dafi ihm wirk- 
lich alles einschlagige Material vorgelegen hat? Das wird der Verf. weder 
bei dieser dankenswerten Studie noch bei dem versprochenen grofieren 
Werke von sich sagen konnen, — um wieviel weniger war das frtiher 
der Fall! 

*Flemming, P., Beitrage zum Briefwechsel Melanchthons aus der 
Briefsammlung Jakob Monaus in der St. Genvi^vebibliothek 
zu Paris. Progr. von Schulpforta 1904. 76 S. 4^ 
Eine eingehende Besprechung dieser reich erlauterten, wichtigen 



V 



Zur Bibliographie. 95 

Briefsammlung ist hier nicht am Platze, aber drei Stiicke sollen bier als 
in die bayerische KircheDgeBchichte einschlagend erwahnt werden. 1. Ein 
Zeugnis der Universitat Wittenberg flir den von Naumburg nach Nord- 
lingen berufenen Caspar Loener vom 25. Jan. 1544 (S. 20). 2. Ein Brief 
Melanchtbons an Hans Heinrich Herwarth in Augsburg vom 12. Okt. 
1546 (S. 25): Empfehlung des Job. Crato von Breslau. 3. Ein an Me-w 
lanchtbon von Schwabach aus gerichteter Brief des Erasmus v. Minkwitz 
(vom 14. Juli 1547), der den Kurftirsten Job. Friedrich in die Gefangen- 
Bchaft begleitete. Der Brief und die beigegebene ausfiihrliche Erlaute- 
rung epthalten wichtige Notizen tiber den spateren Lebensgang des ersten 
evangelischen Predigers Kitzingens, des Christopb Hoflfmann von Ansbacb, 
der spater Hofprediger des Kurflirsten wurde, ihn ebenfalls in die Ge- 
fangenscbaft begleitete und auf den FUrsten einen grojgen, blsher noch 
nicht geniigend gewtirdigten EinfluB gebabt zu haben scbeint (S. 29fif.). 

Sander, Paul. Die reichsstadtiscbe Haushaltung Nurubergs dargestellt 
auf Grund ihres Zustandes von 1431-^1440. Mit zahlreicben 
Tabellen sowie 5 Kartenskizzen im Text und auf drei Tafeln. 
Leipzig 1902. B. G. Teubner. XXX u. 938 8. 

Streiter, Kich. Die ScblSsser zu Schleifiheim und Nymphenburg. 
Berlin u. Stuttgart 1902. 18 S. Fol. 

Schrepfer Rud. Pfalzbayerns Politik im Revolutionszeitalter von 
1780 bis 1793. Auf Grund archivalischen Materials be- 
arbeitet, Munchen 1903 J. F. Lehmapn. VIII u. 137 S. 

Sepp, Job. Nep. Ludwig Augustus, Konig von Bayern, und das 
Zeitalter der Wiedergeburt der Kiinste. Zweite vermehrte 
und verbesserte Auflage. Mit zwei Bildnissen. Regensburg 
(G. J. Manz). XIY u. 965 S. 10 Mk. 

Schleglmann, Dr. Alfons Maria. Geschichte der Sakularisation 
im rechtsrheinischen Bayern. I. Bd. Vorgeschichte der Sakulari- 
sation. Regensburg. J. Habbel. XVI u. 297. (Vgl. dazu Forsch- 
ungen zur Gescbichte Bayerns Bd. XI. S. 20.) 

Kruscb, B. Der hi. Florian und s. Stift. Ein Beitrag zur Passauer 
Bistumsgeschichte. Neues Archiv der Gesellschaft fiir altere 
deutsche Geschichtskunde 1903. F. XXVIII p. 337 ff. 

Riezler, S. Die Vita Kiliani. Ebendas. p. 232f. 

Kruscb B. Die Gesta Hrodberti. Ebendas. 601 ff. 

Levis on, W. Die Hlteste Lebensbeschreibung Ruperts von Salz- 
burg ebendas. S. 283 ff. 

Zur Erziehungsgeschichte. 

Brand, Eugeu. Uber Vorbilder und Prlifung der Lehrer an deu 
bayerischen Mittelschulen seit 1773. Beibeft der Mitt, der 
Ges. fiir deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte, herausgeg. 
von der Gruppe Bayern. Berlin 1901. (1. Heft.) 

Gebele, Jos. Die Ausbildung der Aufsicht liber die Volksschule 
in Bayern im tJbergange vom 18. und 19» Jabrh. Ebenda. 
(A, u, d. Tit. Texte und Forschungen zur Gescbichte des Unter- 
ricbts in den Landern deutscher Zunge (Heft IV). 



96 Zur Bibliographic. 

Heigenmoser, Jos. Pfarrer Bartholomaus Bacher, em Schulmann 
des Chiemgaues aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts. 1901. 
Ebenda. Heft 2. 

Thalhofer, Franz Xav. Zur Geschichte des Volksscliulwesens in 
Dillingen vom Ende des 16. bis zum Ende des 18. Jahr- 
hunderts. Ebenda. 

Flemisch, Mich. Die pSdagogischen Str5mungen des 19. Jahr- 
hunderts in den pSdagogischen Programmen des Kgl. Wilhelms- 
gymnasiums in MUnchen. Ebenda 1901. 

Hartl, Joh. Zur Geschichte der oberpfalzischen Volksschulen im 
Jahre 1643. Ebenda 1903. Beiheft 1. 

HSrneSj Jos, Beitrage zur Geschichte der Volksschule in Franken 
(Hochstift Wttrzburg) vom Anfange des 15. Jahrhunderts bis 
in das 18. Jahrhandert. Ebenda. 

Schmidt, Fr. Zur Geschichte des Volksschulwesens im Hochstifte 
Wurzburg 1772—1795. Ebenda. 

Kiickert, Georg. Geschichte des Schulwesens der Stadt Lauingen 
vom Ausgange des Mittelalters bis zum Anfange des 19. Jahr- 
hunderts. Ebenda 1904. Beiheft 5. 



*Heuser, Emil. Die Protestation von Speier. Geschichte der 

Protestation und des Reichstags 1529 nebst Veroffentlichung 

bisher unbekannter Nachrichten iiber diesen Reichstag. Mit 

2 Schriftabbildu^gen. Herausgegeben zur feierlichen Einweihung 

der Gedachtniskirche in Speier am 31. August 1904. Verlag von 

Ludwig Witter. Neustadt a. d. Hdt. (1904). 64 S. 1,20 M. 

Diese Festschrift bietet zumeist auf Key (Gesch. des Reichstags zu 
Speier ira Jahre 1529. Hamb. 1879) fufiend eine zweckentsprechende, ge- 
drangte, aber klare Darstellung des Speierer Reichstags, die denen, die 
sich in aller Kiirze ttber die Vorgange auf dem denkwiirdigen Tage 
orientieren wollen, nur erapfohlen werden kann. Als besonders wertyoU 
mufi aber der zweite Teil bezeichnet werden, der mit Kommentar ver- 
sehene Wiederabdruck eines bisher unbeachteten zeitgenossischen Be- 
richtes, den Hans Lutz, der Herold des schwa bischen Bundes, noch im 
Jahre 1529 in Durlach erscheinen lieB. Beschrankt sich auch der Bericht- 
erstatter leider nur auf AuBerliches, das Leben und Treiben der Fiirsten 
und Stande, so fehlt es doch nicht an kleinen, interessanten Zugen, die 
das bisher bekannte Bild in dankenswerter Weise erganzen. Beacbtens- 
wert ist u. a., wie man im Volke die Nichtachtung des Landgrafen durch 
Konig Ferdinand bei seinem Einreiten sehr wohl bemerkte (S. 34), auch 
das Urteil tiber die Predigten Fabers. Leider erfahren wir nichts Naheres 
tlber den Herold Hans Lutz, tiber dessen Personlichkeit sich wohl uoch 
Naheres feststellen liefie. Auf das wohlgelungene Faksimile der letzten 
Seite der Protestationsschrift mit den Unterschriften der Fiirsten soil 
noch besonders aufmerksam gemacht werden. 



Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

Von D. Th. Kolde. 

(Fortsetzung statt Sohlufi,) 

Die Ingolstadter fiihlten sich offenbar in ihrer Gelehrtenehre 
tief verletzt, dachten aber nicht daran, ein^r Frau eine Ant- 
wort zu geben. Als sie am 26. September znm ersten Male 
daruber berieten, beschloB man, den Brief an den Herzog zu 
schicken, damit dieser ,,die Vettel zahme** (earn vetulam com- 
pescat)^). Auf Herzog Wilhelm machte jedoch weder diese 
Aufforderung noch das an ihn gerichtete Schreiben der Argula 
irgend welchen tieferen Eindruck. Wenige Tage spater war 
er mit seinem Bruder Ludwig zusammen und verhandelte dabei 
aucb iiber das in Religionssachen einzuschlagende Yerfahren, 
bei welcher Gelegenheit Herzog Ludwig aufierte, man durfe 
darin weder zu viel noch zu wenig tun. Aber von dem NUchst- 
liegenden, dem Schreiben der Argula v. Grumbach war nicht 
die Rede^). Da schtirte der Kanzler Leonhard v. Eck, der 
noch gar nicht einmal den Brief an den Herzog kannte, sondern 
nur den an die Universitat, indem er dem Ftirsten brieflich 
auseinandersetzte, daC die Pflegerin zu Dietfurt die Hand- 
lung der Universitat verunglimpfe, sich zu Luther und Melanch- 
thon bekenne, das alles wider das herzogliche Mandat und den 
christlichen gemeinen Gebrauch, daC Weiber in christlichen Sachen 
nicht lehren sollen. Und wie wohl sie ein Weib und flir ein 
Weib „streitig" geachtet werden moge, so falle ihr doch zur Last, 
die lutherische Lehre ausgeschrieen zu haben, ja er will wissen, 
daB Argula auch vor dem gemeinen Volk in Dietfurt predige, 
was wahrscheinlich Erfindung ist. Nichts dagegen zu handeln, 



1) Druffel S. 65X u. Prantl I, 154. 

.2) Vgl. den Brlefurechsel. zwischen Wilhelm und Ludwig bei Li- 
powsky Beil. VII u. VIII. 

Bei^Uge snr bayer. Kirchengeschichte XI. 8. 7 



98 Eolde, Arsacius Seehofer and Argula von Grombach. 

hieBe die Sache Luthers mit erhebeo, ware fur den Herzog 
scliimpflich und wider sein Gebot. Freilich konne man gegeri 
ein Weib nicht handein wie gegen eine Mannsperson. Sein Rat 
ware daher, auf Herzog Ludwig einzuwirken, daB dieser den 
Friedrich v. Grumbach, der sein LandsaBe sei, weil er solches 
Schreiben, Schreien und *Ausstreuen der Lutherschen Lehre ge- 
stattet habe^ von Stund an seines Amies entsetze und ihn und 
sein Weib weit von Dietfurt verbanne, damit das gemeine Volk 
nicht verfiihrt wurde^). Dem entsprach der Ftirst in einem 
Schreiben vom 11. Oktober, in dem er den Bruder aufforderte, 
den Pfleger abzusetzen und die Strafe gegen die Frau sich vor- 
zubehalten, und ihn zugleich ermahnte, sich ja nicht erbitten 
zu lassen und Grumbach langer im Amte zu behalten. Ludwig 
antwortete kurz, daB er noch jetzt bei seiner frtiheren Meinung, 
man durfe weder zu viel noch zu wenig tun, beharre, nichts- 
destoweniger den Grumbacher vorfordern und, wie sichs gebtihre, 
mit ihm handein wolle^). 

Dazu ist es sicher gekommen, und wie Hans von der Planitz 
am 13. November berichtet, erzahlte man sich in Nurnberg, die 
beiden Herzoge hatten „bei dem von Grumbach gesucht, daB er 
daran sein wolde, das der brieflf nicht gedrugkt werde, und das 
er sein hausfrau darumb strafien solde, ir zwene linger abhauen 
und ob er sie gleich ganz erwiirget, so solde er daran nicht ge- 
frevelt haben"^). Das war ohne Zweifel ein stark ubertreibendes 
Geriicht, das auf Grund der Forderungen Herzog Wilhelms und 
der Verhandlung seines Bruders mit Friedrich v. Grumbach ent- 
standen sein wird. Aber daB dieser wirklich, obwohl es ihm 
leicht gewesen sein diirfte, zu erweisen, daB er an dem Vor- 
gehen Argulas unschuldig und er dieser Frau gegentiber macht- 
los war, seine Stelle verlor, ist kaum zu bezweifeln. Auf Grund 
einer eigenen Mitteilung Argulas berichtet Luther im Februar 

1} Lipowsky, Beilage II. Gegen die Richdgkeit des Datnms 
(11. Nov.) hat bereitB Druffel 652 Anm. 1 wichtige Bedenken geltendge- 
macht. Ich ftige hinzu, dafi der Brief schon um de^wiUen nicht aus dem 
November sein kaun, weil, wie ich bereits im Text bemerkt habe, der 
Eanzler noch nichts von dem Briefe der Argula an den Herzog wei0. 
Lipowskys Vorlage hatte vielleicht Freitag p. Rem. (od. Freitag Die.) 

2) VgL die Briefe bei Lipowsky Beil. VII u. VIII. 

3) Planitzbriefe S. 682. 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 99 

1524 seine Absetzung auf das Bestimmteste ^), und das Jahr 
darauf wird nicht F. v. Grumbach sondern Hans v. Hohenburg 
als Pfleger von Dietfurt erwahnt^). 

Aber was geschah mit Argula selbstP Die gewohnliche 
Annahme, daU sie daraals^) oder erst spater*) ausBayern ver- 
bannt worden ware, muC als unhistorisch bezeichnet werden. 
Wohl ist sie, wahrscheinlich aus Sorge, daU auch sie verfolgt 
werden konne, alsbald nach ihren ersten Briefen nach Grumbach 
gegangen, von wo die nachsten Sendschreiben erlassen sind, 
aber schon im Sommer 1524 war sie wieder in Lenting^), und 
auch in der Folge durfte sie ungehindert in Bayern verweilen®). 
Man handelte also nach dem Bate des Eanzlers L. v. Eck, 
indem man 'den Mann bestrafte und ihn fflr das Verhalten seiner 
Frau verantwortlich machte, aber von der tJbeltaterin selbst in 
mittelalterlicher Geringschatzung des Weibes amtlich keine 
weitere Notiz nahm. 

Gleichwohl war die Absetzung fur die nicht mehr wohl- 
habende Familie ein barter Schlag. Die noch vorhandenen Korre- 
spondenzen mit den Juden wegen nicht eingeloster Pfander 
und den Bitten um neue Darlehen z. B. an den „bescheiden mosse 



1) Luther an Joh. Brismann : Mai'itus per sese illi tyrannus, nunc ob 
ipsam praefectnra deiectus, quid sit factnrus cogita ; ilia sola inter haec 
monstra versatur forti qnidem fide, sed ut scribit, non sine pavore cordis 
interdum etc. Enders IV, 292. Dafi der Brief nicht, wie Enders an- 
nimmt, in den Jan. zu setzen ist, sondern erst in den Febr., und zwar 
wahrscheinlich erst in die zweite HSlfte, ergibt slch daraus, dafi Joh. 
Eck, der (nach Druffel S. 659) etwa Mitte Febr. nach seiner Romreise wieder 
in Ittgolstadt eintraf, als znrtickgekehrt bezeichnet wird. 

2) BeiJdrg, Deutschland in der Revolutionsperiode. Freiburg 1851, 
S. 332 u. 391. Obwohl die betrefi'enden, von Jorg bentitzten Schreiben 
z. Z. im Reichsarchiv in Munchen nicht aufgefnnden werden konnten, 
andere an den „Pfleger zn Dietfurt** in den nachsten Jahren gerichtete 
Mandate nach frenndlicher Mitteilung des Beicbsarchivs vom 27. Okt. 1904 
den Namen nicht nennen, dtirften die Bedenken Riezlers (Gesch. Bayerns 
IV, 90 Anm.) damit erledigt sein. 

3) Riezler IV, 90: Argula mufite nach Franken Ziehen. 

4) V. Druffel S. 652. 

5) (Gemeiner) Reformationegeschichte ron Regensburg 1792, S. 33. 

6) Nach Aktenstttcken und Briefen im Reichsarchiv in Mlinchen lebte 
sie in der Folgezeit fiir gewohnlich in Lenting, aber auch zeitweise, wovon 
noch zu sprechen sein wird, in Grumbach und Zeilitzheim. 

7* 



100 Kolde, ArsaciuB Seebofer und Argula von Grumbacb. 

iuden zu aurbach ytzt am hoff zu regenspurg" (Lenting Dins- 
tag nach Jacoby d. i. 26. Julj 1524), die Mahnbriefe der Dom- 
herren zu Wlirzburg und Eichstadt wegen Zahlung der auf den 
Gutern lastenden Reichnisse zeigen genugsam den wachsenden 
Vermogensverfall. Aber weder dies noch die fortwahrenden Be- 
feindungen^) konnten sie veranlassen, zuriickhaltender zu sein. 
Als die Universitat ihr nicht antwortete, aber man um so 
mehr von ihrem Schreiben sprach, und ihr allerlei bedrohlicbe 
Geruchte zu Ohren kamen, schrieb sie, es war schon am 27. Ok- 
tober 1523, von Grurabach aus einen bald auch in Druck aus- 
gegangenen Brief an den Rat der Stadt Ingolstadt, dem 
sie eine Kopie des Schreibens an die Universitat beilegte^). 
Sie weifi, dafi es dort manche heimlich mit dem Evangelium 
halten, aber das geniigt nicht: wir miissen bekennen. Dazu, 
das betont sie auch bier wieder und leitet daraus ihr Recht ab, 
mitzusprechen, sind wir durch die Taufe verpflichtet. Jene 
Nikodemusseelen will sie aufriitteln, dafi sie sich nicht mitschuldig 
machen. Man solle sich an der Verfolgung, die sie leide, nicht 
argern. So sei es Christus auch gegangen. Sie sagen auch, 
„wie die Juden zu Pilato sagten, wir haben ein Gesetz, nach dem 
mufi er sterben. Ich wollt gern wissen, was Gewinnes sie batten, 
wenn sie mich gleich ermordeten. Sie trosten sich vielleicht 
der Freiheit des heimlichen Richtens, das ihnen nit iibel dazu 
dient. Nun in dem Namen Gottes! So denn das die Stadt ware, 
darin man die Christen mart'ert, als Jerusalem auch war, so 
geschehe mir auch wie Gott will. Aber ich bitte Gott, daC er 
nicht auch iiber Euch durch sie zu Mitschuldigen geworden, die- 



1) Dartiber an Adam v. Torring s. u» VoUig unrichtig ist tibrigens, 
was En der 8 Luthers Briefwechsel III, 401 Anm. 2 wohl nach Engel- 
hardt wiederbolt, daO Argula „wahi'scheinlicb, am ihren katholisch 
gebliebenen Mann nicht zu verletzen, sich in ibren Scbriften Argula von 
St auf fen nannte". Das tat sie nie, sie unterschreibt vielmehr Argula 
V. Grumbacb (eine) Geborne von Stauff, und nur in den jedenfalls nicht 
von ihr berriibrenden T i t e 1 n von zweien ihrer Sendbriefe (an Herzog Wil- 
helm u. Kurf. Friedrich von Sacbsen) wird die Verfasserin als Argula 
StauiTerin bezeicbnet. 

2) An ain Ersamen/Weysen Radt der stat/Ingolstat, ain sandt/brieff, 
von Frau/Argula vo grun/bacb geborne/von Stauf/fen./ Titelbord. o. 0. a. 
J. 4: Bl., letztes Blatt leer. (Erl. Numb. Germ. Mus.) 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argala von Grumbacb. 101 

selbe Straf verhange ... So ich schon 'gestorben bin, so ist 
das Wort Gottes nicbt vertilgt, denn es bleibt ewig. Ich achte 
auch dafur, so ich die Gnade hatte, den Tod urn seines Namens 
willen zu leiden, wtirden zwar viele Herzen dadurch erweckt, 
ja wenn ich allein stiirbe^), warden hundert Weiber wider sie 
schreiben, denn ihrer sind viele, die belesener und geschickter 
sind denn ich u. s. w.* Darum soUen jene sich vorsehen, daU sie 
nicht von den falschen Lehrern und Propheten ins Verderben 
gefuhrt werden. 

Ob dieser Appell irgend welchen Eindruck gemacht hat, 
wissen wir nicht. Die Universitatsbehorden werden jeden Ver- 
such einer Parteinahme fiir'Argula oder Seehofer alsbald unter- 
driickt haben. Aber einen Nachklarig jener Schrift kann man 
in einer dritten am 8. Dezember gehaltenen Marienpredigt Georg 
Hauers finden, in der er gegen die hochmlitigen Evakinder „die 
ketzerischen Hiindinnen und verzweifelt Schalkinnen" donnert, 
die da behaupten, daC wie in Maria, so in jedem Glaubigen 
Christns wohne, „wie denn auch Lathers geist jetzden weybern 
einplast vnd narrin daraus macht, wie Montanus mit Prisca and 
Maximilla" -). 

1) Im Druck steht „8crib". 

2) A. a. 0. Fiij. Nach dieser Predigt mufi es auch in Ingolstadt 
Bchon Verachterinnen des Salve Regina gegeben haben, und ffir die weit- 
gehende MiGachtung romischer £inrichtungen spricht die in jene Zeit faHende 
Behaaptang Ecks in seinem Gutacbten fiii die Curie: Scio antem mulieres 
in Germania, quae colo suffigunt ilia confessionalia: tantum honoris im- 
pendunt tantis concessionibus. Beitr. z. bayr. K.-G. II, 223. Hauer er- 
zahlt auch von einem ketzerischen Monche „in der grossen stat, der am 
licbtmesstag offenlich auf der kantzl gesagt hatt, es sei khain wunder 
das maria hab Jesum getragen, trag doch ain kue ain kalb**, eine Ge- 
schichte, von der man sonst nichts weifi. Dafi diese rohe Aufierung von 
einem Lutheraner gefallen sein sollte, ist wenig glaublich, aber der be- 
stimmte Hinweis auf den 2. Februar macht es doch wahrscheinlich, daC 
es damals wegen einer AuBerung eines Monches zu einem KetzerprozeB 
gekommen ist und zwar gegen einen Aiigustinerprediger in Mtinchen. 
Denn in der weiter unten zu besprechenden Satire „Acta Concilii Doc- 
torum Universitatis Ingolstadiensis celebrati"* riihmt der Verf. ironisch 
das Vorgehen des MUnchner Augustincrpriors Cappelmaier, der seinen 
ketzerischen Prediger dem weltlichen Arm Uberliefert hat und setzthinzu : 
Ideo bene fecit quia iam est martyr, et ordo suus potest faqere unam 
novam historiam, et festum eius tenere in Februnrio, quando propte^r 



102 Eolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grambach. 

Inzwischen versammelten sich die deutschen ReichsstRnde 
zu einem neuen Reichstage in Niirnberg, um neben anderem vor 
allem wieder iiber die Religionsfrage zu beraten. Da beschloB 
die kiihne Frau, ganz erfullt von dem BewuBtsein ihrer Be- 
kennerpflicht, ebenfalls dahin zu gehen, um an ihrem Teile fiir 
die Sache des Evangeliums zu wirken und womoglich einige 
der GroBen der Erde zu entschiedenem Eintreten dafiir zu be- 
wegen. Ende November war sie in Niirnberg. Es war wohl 
mehr die Absicht, die schnell bekannt gewordene Schriftstellerin 
kennen zu lernen, als inneres Tnteresse an der von ihr ver- 
fochtenen Sache, das ihr am 30. November^) von dem Pfalzgrafen 
Johann v. Simmern und Sponheim, der seit dem 13. August* 1523 
den pfalzischen Kurfiirsten im Reichsregiment vertrat^), eine 
Einladung eiutrug. Vor ihm und ,,anderen des Regiments" 
durfte sie ihre tJberzeugung frei und offen aussprechen: — rg^rn 
hatte ich vielmehr geredet, wer Volk gewesen zu horen;" sie 
wurde sie, ob Gott will, nicht fiirchten^). — Und aus den 
Reden des Pfalzgrafen glaubte sie entnehmen zu durfen, daB 
er angefangen habe, das Wort Gottes zu lesen und das Licht 
scheinen zu sehen. Schreibselig, wie sie inzwischen geworden, 
meinte sie, in einem dann auch der Offentlichkeit libergebenen 
Schreiben an den Pfalzgrafen*) der Hoffnung Ausdruck geben 
zu soUen, daB Gott das in ihm angefangene Wort voUenden 
und ihn vollkommen erleuchten werde. Mochte der Furst den 
himmlischen Vater nur auf dem Reichstag frei und unerschrocken 



testimonium Christ! et verbi eius occisas est. An Leonhard Beyer, dessen 
damalige Gefangenschaft in Miinchen noch immer nicht aufgeklart ist 
(Vgl. iiber ihn G. Bossert zur Biographie des Reformators von Guben. 
Jahrb. f. brandenb. Kirchengesch. 1904 S. 504), ist wohl nicht zu denken. 

1) Planitzbriefe S. 522. 

2) Das Datum ergibt sich aus den beiden sogleich zu besprechenden 
Briefen an den Pfalzgrafen Johann u. Friedrich den Weisen (vom 1. Dez.) 
wo sie von der nnachten** stattgehabten Unterredung schreibt. An den 
Pfalzgrafen: ,,Als ich nachten zu Nacht von E.F.G. auch andern meinen 
Herren zur Wirtschaft geladen und beruffen". (Lipowsky, Beilage XI.) 

3) In der Schrift an den Kurfiirsten bei Lipowsky, Beilage X. 

4) Dem Durchleiichtigen Hochge/bornen Fiirsten vnd herren, Herrn 
Jo/hansen, Pfaltzgrauen bey Reyn/Hertzoge zu Beyern, Grafen/zu Span- 
haym etc. Mey/nem Gnedigisten /Herren./ .'.Argula Staufferin o. 0. u. J. 
3 Bl. (Germ. Mus.). Ein anderer Druck bei Weller Nr, 2696 u. 3196. 



Kolde, AreaeiiiB Seehofer and Argula tod Grumbach. 103 

bekenBeB uBd „helfen nnd raten, damit das Reich Gottpes den 
Armen nicht versperrt wird, nnd ihr samt nns nicht ver- 
derbef An demselben Tage (i. Dezember) richtete sie anch noch 
einSchreibenanKurfurstFriedrich den Weisen^), der vor knrzem 
(28. November) zum Reichstag eingetroffen war'). Eben das 
habe sie mit hoher Freude erfallt nnd ihre HoffnnDg belebt, dafi 
das Evangeliom wieder den Armen gepredigt nnd nicht nach 
dem Willen etlicher heidnischer Fiirsten mit Gewalt verboten 
werden wurde, halte doch der Knrtiii-st hart nber dem Worte 
Gottes: „Ich wnnsche nnd bitte von Gott solches Gemnt, als 
bisher bei E. Ch. Gnaden gespiirt Gott zn Ehren. — Wir sehen 
das Heil, Gott sei Lob nnd haben alle Gewalt anf unserer Seite, 
la&t sie toben nnd wtiten, ist doch ohne Kraft. Der Fels wird 
sie zerknirschen nnd zn Grnnd sttirzen." Der Kurfurst m5ge nicht 
achten, daB „gryBgrammen nber Christnm". Alle Gewalt ist 
ihnen genommen nach dem 139. Ps. nnd ibre Ratschl^ge werden 
zertrennt (Jes. 8.), trotzig solle er mit Gottes Wort in seiner 
Kraft den Gegnern nnter die Augen treten, voll Dankbarfceit 
dafar, ^dafi nns seine Ordnung ans seinem Land und dnrch seine 
Schntznng unser Heil verkiindet und Christns wieder gelehret 
wird." 

Dieser Brief mit seinem Hinweis anf den bisherigen Schntz 
der eyangelischer Bewegung dnrch den Kurfiirsten wird den vor- 
sichtigen und zuruckhaltenden alten Herrn schwerlich angenehm 
beriihrt haben, noch weniger, dafi auch dieser Brief ver5ffentlicht 
wurde ^). Ihr Auftreten in Ntirnberg hatte keinerlei Erfolg, und 
Argula nahm auch schlieBlich den Eindruck mit fort, daB es 



1) Dem Durchleuehtigiaten Hoch/gebornen Fttrsten vnd herren, Herrn 
Frie-/derichen, Hertzogen zu Sachsen, Des/hayligen Romischen Reychs 
ErtZ'/oiarschalck ynnd ChurfUrsten, fLandtgrauen in DUringen,/ vnnd 
Marggraaen zii/Meyssen, meynem/Gnedigisten/herren./ Argula Stanfferin./ 
4 Bl. 1. Bl. leer. Am Schluss: Actum am Afftermontag nach Andree. 
Anno domini. MDXXiij. K E G. Diemiittige Argula von Grumbach ain 
geborne von Stauff. (Erlangen.) 

2) Nach Spalatin, Annales bei Mencken, Scriptores II, 631. 

3) Es ist auch auffallend, dafi Spalatin, der doch sonst dergleichen 
gem mitteilt, tiber Argulus Erscheinen in Niirnberg und ihren Brief an 
den EarfUrsten kein Wort sagt, wahrend er liber den angeblichon Bauern- 
prediger von Word soviel zu sagen weifi. 



104 Kolde, Arsaeins Seehofer und Argula von Grumbach. 

den Ftirsten wenig ernst sei, denn anstatt auf Gottes Wort legen 
sie ihren PleiB auf Trinken, BankethalteD, Spielen, Mummen- 
schanz and anderes. „Wie vielmal hnnderttausend Gulden i8t 
in Reichstagen, Landschaften bei meinem Gedachtnis verzehrt 
worden. Was kann man ratschlagen, so sie Tag und Nacht die 
Kdpf „krumm*' tragen vor Voile. Ich habs selbst zuNfirnberg 
gesehen, ein solches kindisch Wesen der Fiirsten, das mir, dieweil 
ich leb, vor Augen ist." 

Ihre persOnliche Lage wurde immer gedrflckter. Niemand 
schien auf sie zu horen. Und es ist ein deutlicher Beweis da- 
von, wie fremdartig den Zeitgenossen das schriftstelleriscbe Auf- 
treten einer Frau in Glaubenssachen war, dafi trotz der weiten 
Verbreitung ihrer Sendbriefe auch von seiten der Evangelischen 
niemand das Wort zu ihren Gunsten ergreifen wollte. In der 
groBen Flugschriftenlitteratur jener Zeit wird sie, soweit ich 
sehe, nur einmal ruhmend erwahnt und das von einem Manne 
aus dem Volke, der wie sie um sein Recht, mitreden zu 
durfen, kampfen muBte, dem Memminger Ktirschnermeister Se- 
bastian Lotzer, der sie als ein „recht adelich, tugentsam vnd 
cristlich gemiit" preist und in ihrem unerschrockenen Auftreten 
das wunderbare Wirken des Geistes Gottes sieht^). 

Sonst hatte sie nur Spott und Schande zu erfahren und 
namentlich den Unwillen ihrer Verwandtschaft. Das gab ihr 
AnlaB zu einem Schreiben an ihren Vetter Adam v. Torring*), 



1) Id seinem Widmungsscbreiben an Christoph Schappler zu seiner 
Auslegang des Evangeliums vom 20. Sonntag nach Trinitatis bei Alfred 
GStze, Sebastian Lotzers Schriften, Leipzig 1902, S. 76 (auf S. 75 der 
genaue Titel der Schrift): Ich kann each nitt gnugsam anzai^en den 
groszen trost vnd frewd, den ich enpfachvnd hab durch das hailig wort 
Gots, So nit allain ir vnd ewers gleichen S61chs so tapffer vnd vner- 
schrocken verkiinden, Sunder auch die weiber gantz Ghrietenlich vnd 
ernstlich sich in dem wort Gots yeben nach dem spruch des propheten 
Johelisij. capi. Wie dann yetz die Edel vnd wolgeborn fraw Argula 
geporen von Stauffen sich beweiszt vnnd den schulgeleertten schreibt, 
Sich erbeutt mit in zu disputieren, wie die haylig junckfraw Entherina 
thatt, So die f tinfftzig gelerten vberwand : das hiesz (mayn ich) ayn recht 
adelich, tugentsam vnd cristlich gemut. Hie wirckt der gaist Gottes 
wunderparlich. 

2) An den Edlcn/vnd gestrengen her/ren Adam vo Thering/der 
Pfalzgrauen stat/halter zu Neuburg/etc. Ain sandtbrieff yo fraw Argula/ 



Koide, AnaeiiiB Seehofer usd Argfila you Grumbach. 105 

der als Statthalter des Pfalzgrafen zu Neabaig besoDderen An- 
stofi an ihrem Treiben genommen haben mocbte. Wie sie er- 
fdhr, sollte er die Aafierang getaD haben, wenn ihr Haaswirt 
nicht daza late, mnfite es die Freundschaft tan nnd sie ^ver- 
maaem^. Was ihren Mann betrifft, so konnte sie den Vetter 
bernhigen, er tate, schreibt sie, nur zuviel dazo, am Chi'istnm 
in ihr zn yerfolgen^), and dieses eine Wort lafit einen tiefen 
Blick in das darch die Verschiedenheit der religiosen Stellnng 
gestorte Familienleben tnn. Sie weifi, daS maD dem Gatten 
das Amt nehmen will: „kann ja Dit dafnr, hab yor alles wol 
bet3*achtet. Das soil mich nicht hindem an meinem Heil, hab 
mich darein gesetzt, alles za verlieren, ja Leib and Leben. 
6ott stehe mir bei!*' „Das 6nt, das man mir nehmen kann, ist 
nicht viel,^ and das ihres Manaes hatten bereits die Pfaffen za 
Wnrzbarg verzehrt. Auch die Sorge am ihre vier Kindlein soil 
sie nicht irre machen: Gott wird sie wohl versorgen wie die 
Vogel in der Laft and die Blamen anf dem Felde. Er hats 
gesagt and er kann nicht lagen. Dafi ihr allenthalben Ver- 
folgang, Schimpf and Schande znteil wird, sieht sie als gates 
Zeichen an, daS ihr Tan aas Gott ist, denn wenn es die Welt lobte, 
ware es nicht aas Gott. So ist sie mehr als je iiberzeagt, recht 
gehandelt za haben, and von neaem begrandet sie ihr Aaftreten mit 
der Taafe. Da habe sie gelobt za glaaben, ^hn za bekennen 
and za widersagen dem Teafel and allem seinem Gespenst. 
Das haben alle, die getaoft sind, gleichmafiig gelobt, kein Doktor, 
Papst, Eaiser and Ftirst hat mehr gelobt. Darum gilt es far 
alle za glaaben and dem Teafel abzasagen, aaf daB das Ge- 
lobnis, das der Tot (der Taafpate) fiir sie gegeben, erfiillt werde. 
Deshalb soil der Vetter sich nicht verwandern, daB sie Gott 
bekenne, denn wer Gott nicht bekenne, sei kein Christ, ob er 
taasendmal getaaft werde. Jeder maB far sich selbst beim 
.letzten Urteil Rechenschaft abgeben. „Man heiBt mich latherisch. 



▼o Grumbach/geborne vo/Stauf-/feii/ Titelbordure, o. 0. u. J. AmSchlufi: 
Datum sn Grumbach. Argula you Grumbach geborne von Staaffen. 
(Erl. Bibl.) • 

1) Ebenso mu6 sie an Luther geschrieben haben, denn dieser be- 
ricbtet Anfang 1524 an Joh. Brismann iiber ihren Gatten: Maritus per 
Bese illityramus. Enders, Luthers Briefwechsel IV, 293. 



106 Eolde, Arsacius Seehofer und Argnla von Grambach. 

Ich bin es aber iiicht. Ich bin auf den Namen Christu^getauft. 
Den bekenne ich und nicht Luther. Aber ich bekenne, daB ihn 
Martinus auch als ein getreuer Christ bekennt. Gott helfe, das 
wir solches nimmermehr verleugnen." 

Wer Gott um seinen Geist bittet, dem wird er ihn ver- 
leihen. Aber es ist zum Erbarmen, daB die Obrigkeiten das so 
gar nicht zu Herzen nehmen. Wo ist einer unter den geistlichen 
und weltlichen Herren zu finden, der zur Bibel greife, um Ge- 
wiBheit dariiber zu erlangen, was Gottes Befehl sei! Solche 
Mahnung gilt ihnen als eine Narrheit. Sie sind davon so gut 
berichtet wie die Kuh vom Brettspiel, und ihre gewohnliche 
Antwort ist: ich glaub, was meine Eltern geglaubt haben. Wie 
die Fiirsten sind die meisten vom Adel: ,,Ich habs von vielen 
geh5rt, die sagen, so mein Vater und meine Mutter in der HoUe 
waren, woUt ich ungern im Himmel sein." Das kommt daher, 
daB die Eltern die Kinder in der Schule nur solche Bucher wie 
den Ovid und Terenz haben lernen lassen, aus denen man Buhlen 
lernen kann, und wie man zum Buben und zur Biibin wird. 
Das kSnnen sie auch wohl, ja man riihmt sich dessen mehr, 
als daB man sich dessen schame, in der Ehe und auBer ihr. 
Klagt mans den Freunden, ist ein Gelachter. Sie diirfens auch 
nicht strafen, ebensowenig als die Obrigkeit, weil sie „gemeinig- 
lich des Holzes selber ein Geigen haben". „Ihr habt lange den 
Fiirsten Rat gegeben," ruft sie dem Statthalter zu, „nun ist es 
Zeit, daB ihr eure Seele, die ewig ist, beratschlaget." Konne 
er vor seinem Ende nicht mehr die ganze Bibel lesen, so doch 
wenigstens die vier Evangelisten. „Es ist auch nie Luthers 
Meinung gewesen, daB man seinen Biichlein glauben soil, sie soUen 
allein Leitbtichlein zum Worte Gottes sein." Wieviel Gutes k5nnte 
T5rring in seinem Regiment schaffen, sonderlich wenn er dazu 
helfen wollte, daB die Pfarreien und Pradikaturen mit gelehrten 
Mannern beetzt wiirden, denn alles Heil wirket das Wort Gottes. 
In dieser kraftigen Weise redete die unerschrockene Frau, in- 
dem sie jede Aussage mit Bibelstellen begrundete. Aber ihr 
Wort verhallte, es soUte noch lange wahren, ehe die evangelische 
Lehre auch in Pfalz-Neuburg eine Statte fand. — 

Die Universitat, die offenbar in groBer Verlegenheit war, 
schwieg noch immer. Am 11. November 1523 beschloB man zu 



Eolde, Arsacins Seehofer und Argula yon Grumbaoh. 107 

warteuv bis der Kanzler Leonb. v. Eck nacb Ingolstadt kame, und 
als dies wahrscheinlicb nicbt gescbab^ einigte man sicb am 
21. Februar, als die Sacbe von neuem zur Spracbe kara, dabin, 
an den Farsten eine Bittscbrift zu ricbten, dergleicben Scbmah- 
scbriften, wie sie von Argula v. Stauffen ausgegangen, zu ver- 
bindern^). 

Aber eine Antwort sollte sie docb erbalten, wenn aucb 
nicbt von Rektor und Senat, so docb von einem Mitgliede der 
Hocbscbule: 

„So bin ich Johannes genennt 
Zu Ingolstadt ein frey Student 
Eiu Burger ssohn von Landshut^ 

Dieser junge Mann sab sicb gemufiigt, in einem „Sprucb 
von der Staufferin ibres Disputierens balben" die Ver- 
teidigerin Seebofers in groben Knittelversen zu verbobnen*): 

Fraw argel ist ewer nam 

Vil ergcr das ir ane scham 

Vnd alle weiplich zucht vergesssen 

So freuel seit vnnd so vermessen 

Das Ir euer FUrsten vnd herren 

Erst wolt ein en neuen glauben lenien 

Vnd euch daneben vnderstet 

Ein gantze Vniversitet 

Z& straffen vnd zu verschnmpfieren — 

wabrend sie docb nacb dem Apostel Paulus, weil Eva nicbt 
Adam zuerst Gottes Gebot libertreten bat, scbweigen, nicbt 
lebren, sondern das Haus regieren soil 

Vnd in der kirchen schweigen still. 

Sehet nun mein liebe Sibill 

Wie ein frech vnd wilt thier ir seit. 

Ibr Abgott ist der „Martan luder, der abtrunnig und los 
Bruder", der mit sicb selbst im Streite ist, 

Vnd was im heut gar wol gefelt 
Morgen so baldt wider abstelt 
Noch sprichstu blinde kobel, fort 
Als das er schreib sey gottes wort 

1) V. D ruff el a. a. 0. S. 57 Anm. 

2) Ein Spruch Von/der Staufferin lines disputie/rens halben./ Tjtel- 
bordtire, o. 0. u. J., 4 BL, letzte Seite leer. (Munchen. Universitatsbibl.) 



108 Kolde, Arsacius Seehofer und Argala voo Grambach. 

Er vnd Philippus melanthon 
Die zween stern in septendriou 
Die da leuchten wie schwartze kohlen 
Felschen die schrift gantz vnuerholen. 

Daiui spottet er liber den „inaister Palatein" (Spalatin), 
der ihr solches eingegeben, den groBen Helden, der ihr das 
Maul mit Liigen schmiere. Aber das Kind habe einen andern 
Namen. 

Ich merck erst was dich wol behagt 
An Lathers leer und seinen worten 
Das er eucb weibern offt^) die pforten 
Der vnzucht vnd der buberey 
Die Ee zerbrechen frisch vnd frey 
Vnd vmb ein bosz wort oder rauffen 
So baldt von aim zum andern lauffen 
Ich sag bei meiner trew vnd ayt 
Das ich von der weyber keuscbayt 
Die Luthers schrifften hangen an 
Gar nichtz guetes halten kan. 

Ja er geht in seiner bubenhaften Frechheit noch weiter 
und schiebt dem Eintreten flir Seehofer geradezu unzuchtige 
Motive unter: 

Daher kumpt auch dein grosz mitleiden 

Vnd gefelt dir filleycht an der schneiden 

Arsacius im krausen har 

Ain jungling von achtzehen iar 

Derhalb du im sein sach thuest gelimpfen 

Snnst wiirdest dich wol darab rlimpfen 

Merck nun mein liebe argel traut 

Wie bistu sogar ein arge haut 

Das du vns mit der schrifft wilst schrecken 

Dein schaudt vnd boszheit mit zudecken. — — 

Wiltu aber mit eren bestan 

So stell ab dein muet vnd gut dunckel 

Vnd spin dafur an einer kunckel^) 



1) OfTnet. 

2) Hierauf beruht wohl die bei Spateren sich findende Erzablung, 
daB Joh. Eck auf Argulas Herausforderung zur Disputation ihr einen 
Spinnrocken geschickt habe. Eck war aber wahrend des ganzen Handels 
in Rom, und mit Unrecht lafit die Fhigschrift „die luterisch Strebhatz" 
(bei Schade, Satiien und Pasquille, Hann. 1863, III, 121) ihn bei der Yer- 
nrteihing Seehofers eine Rolle spielen. 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 109 

Oder strick haubeD vnd wirck borten 
Ein weyb solt nit mit gottes worten 
StoltziereD vnd die maoner leren 
Sender mit Madaleu zu boren — — — 
Vnd kummet mit diser sacb nit wider 
Ir ligt mit alien ewern ketzern nider. — 

DerTon warroh, aber was „ Johannes" vorbrachte, wirdsicher 
die Auffassung der durch Argulas Eingreifen in ihrem akademischen 
SelbstbewuIJtsein schwer gekrankten Ingolstadter Gelehrtenwelt 
entsprochen haben\). Indessen der Dichterling kam libel an. 
Frau V. Grumbach war ebenso gewandt in Versen wie in Prosa. 
Flags schrieb sieeineherzhafte,,Antwortin GedichtsweiC"^). 

Nicht ohne Grand wirft sie dem Dichter Feigheit vor, da er 
seinen Nanien nicht nenne, und erklart sich bereit, ihre Sache 
auf einem Tage zu Ingolstadt oftentlich zu vertreten: 

In gottes namen heb ich an 
Zu antworten dem kiinen man 
Der sich Joanuem nennen th&t 
Zaygt mir an er sey von Lantzb&t^ 
Dasz ich wissz zuerkennen in 
Acht wol, es hab ain andern syn 

1) Der Unwille iiber sie klang in Ingolstadt noeh lange nach. Der 
Jesait Jakob Gretser, f 1625, nannte sie eine lutherische Medea odor Furie, 
ein von wiedertauferischem Gift angestecktes Weib (in Defensio Bellar- 
mini T. I, L. II c. 2, nach Rieger, Argula S. 22), der Universitats- 
annalist Mederer bezeichnet sie noch 1782 als mulier nasutula. — Risn a 
nonnullis, ab aliis commiseratione excepta cpistola; Argula vero pro fatua 
muliere ab omnibus passim in urbe traducta est (Annales p. 118). In- 
teressant ist auch das Urteil Prantls aus dem Jahre 1872 I, 154 Anm.: 
,,Da6 Argula in ihrer Weise wirklich bibelfest war, zeigt sie durch die 
vielen StUcke des alten und neuen Testaments, welche sie in voUen 
Handen ausgiefit. GewiB auch hatte sie wie jeder Mensch die Befngnis, 
ftir ihre innerste Gemiitsangelegenheit begeistert zu sein, aber durch ihre 
Cberreiztheit liefi sie sich zu einem Vorgehen hinreifien, welches ihr als 
Weib nicht znstand." 

2) Eyn Antwort in/gedichtB weisz, ainem ausz d'/hohen Schul zu 
Ingol/stat auff ainen sprucb,/newlich vo jm ausz/gagen, welcher/hynde 
dabey/getruckt/steet./Anno. M.D.XXiiij./ Rom, x / So mann von hertzen 
glawbt, wirt/man rechtuertig, so man aber mit de/mundt bekennet, wirt 
mann selig./Argula von Grumbach,/geboren von Stauff./ Rlicks. d. Titelbl. 
bedruckt. 14 Bl. 4^ Letzte Seite leer. (Muncheu H. u. St.-Bibl. Ntirn- 
berg. Germ. Mus.) 



110 Eolde, Arsacias Seehofer und Argala von Grnmbach. 

An das liecht nit recht furher gat 

Der selb Student zu Ingelstat 

Nit gar so frey als jr etich rumpt 

Het sonst ewerri nam nit so yerplumbt. — 

Mit dysem nam seind ^il getaufft 

Ey lieber doch herfiir recht lanfft 

Seyt jr ain redlich Ohristlich man 

Zu Ingolstatt trett auff den plan 

Auff eynen tag der euch gefelt 

Hab ich geirrt, das selb erzelt. 

So ir mir gottes wort berbringt 

Volg ich, wie ain gehorsam kyndt 

Zaygt mir mein irrsall redlich an 

Wie sich gepurt ayra Christenman 

Darvor drey wochen oder vier 

Denselben tag em en net mir 

Damit auch ander khommen her 

Zu horen was mein sach da wer. 

Gar fr5lich will ich zu euch gan 

Seyt dass trifft Got mein herren an. 

Von dem Herrn selbst aus der Schrift weifi sie, dafi sie sich 
nicht zu fiirchten braucht, und er ist es, der den Seinen seinen 
Geist gibt, die Bauern und die Weiber nicht ausgeschlossen, 
denn es ist nicht so, wie jene behaupten, 

dasz er st5ll 

Sein gayst so in ain engen stall 
So ainer nur ain blatten mal — — 
Wer seind doch die Aposteln gewesen 
Wo hands in hohenschulen gelesen. 

Darauf kommt es an, wie sie mit vielen Schriftstellen be- 
legt, dafi wir von Gott gelehrt werden und seinen Geist in uns 
wirken lassen, nicht auf ihre Dekretalien, die nur vermaledeien 
und verbannen, oder „Skotus mit seiner subtilitet, da weniggott- 
lichs Wortinsteet," oder dem „maister von hohen synnen". Und von 
der Abwehr geht sie zum Angriff tiber gegen die Gelehrten, die 
das Wort Gottes verdunkeln und gegen ihr ungeistlich Leben: 

Dieweiyl jr gottes wortt vertruckt 
Schendt got, die seel zum Teiiffel zuckt 
Will ich es gar nit vndterlassen 
Zureden im hausz vnd aufP der strassen 
Sovil mir Got gnad drin gibt 
Will ichs taylen meym nachsten mit 



Rolde, Arsacius Seehofer und Argula von GroiDbacb. HI 

Paulas mirs nit verspotten hatt 
Wo go ties wort im schwaDuk nit gat 
Wie es dann layder bey vos steet 
Ey liber Hans spart ewer redt 
Nempt euch ein exempel darvon 
^ Wie Balaamd Eszlin hat gethan etc. 

Welter beruft sie sich auf Judith und Deborah. 

Darumb so zUrnet nit so hart 

Ob Got noch yetzt wurde weiber schaffen 

Die euer hoffart musten strafeu. 

Wie frliher tritt sie fiir die Gottesmanner Luther und Me- 
lanchton ein, die sie doch nie gesehen habe. Sie glaube nicht 
an Menschen, wie man ihr vorwirft: 

Auf gottes wort will mich verlassen 
An dysem felsz werdt jr euch stossen. 
Wiird mich nach kaynen sehen vmb 
Wo er mit seinem glawben hyn khum 
Ob er fall ja hyn oder her 
Will mich nur halten an Gotsz leer. 

DaU sie Verfolgung leiden muC, bringt ihr keine Bitterkeit, 
auch wurde sie schweigen, wenn man nur sie allein angetastet 
hatte, wie sie denn auch den schnoden Angriff auf ihre weib- 
liche Ehre mit Verachtung straft und ihn nicht beruhrt, aber 

So ir wolt gottes wort verletzen 
Will ich mich starck darwidersetzeu. 

Wir erfahrein hier auch, dafi sie ihre Gegner hier und da 
persSnlich zur Rede gestellt hat: 

Gar offt hatt sich vor ainer vermessen 

Er woll mich auff der Cantzel fressen 

So ich jm vndter angen kam 

Gar wenig schrifFt von jm yernam 

Ir prob ist, ich verstee es nicht. 

Sag ich, taylt mir ewer weyszhait mit 

So khommens mit der gunckel her 

Das ist gar fast in (ir) aller leer 

Dyser mayster von hohen synnen 

Will mich lern hauszhaben vnd spinnen 

Th& doch taglichs darmit vmbgan 

Dasz ichs nit wol vergessen kan 

Auch Christus mir dabey erzelt 

Sein wort zShorn seysz best erwelt. — 



112 Kolde, Arsaciag Seehofer und Argula von Grumbach. ' 

So gebt YDS auch noch ayn beschaydt 
Zu dienen iu gehorsamkayt 
Vnd unset mann halten in eern 
Es wer mir layd solt ichs verkern 
Mein hertz vnd gmut darz& gnaygt ist 
Z& dienen jm z& aller frist 
Geborsamlich mit gantzer frewdt 
That ich es nit es wer mir laydt 
Acht auch darfiir es sey am tag 
Dasz er fur vber mich kayn klag 
Hoff gott wer mich auch lernen wol 
Wie ich mich gegen jm halten soil 
Wo er aber mich wollte driiigen 
Von gottes wort treyben vnd zwingen 
Dasz ich daruon uichts halten solt 
Welches jr auch gar gem wolt 
Findt ich Mat the! gschriebn stan 
Am zehenden da lest daruon 
Ja dasz wir miesten tretten ab 
Yon kindt; hausz, hoff; vnd was ich hab 
Wers vber jn liebt steet gar frey 
Derselbig sein nit wirdig sey 
So ich gotszwort verlaugnen solt 
Ee ich das alles verlassen wolt 
Ja leyb vnd leben ergeben frey 
Da mir mein seel nit lieber sey 
Dann mir ist auch mein herr vnd got. 

Und mit groBem Ernst warnt sie die Lasterer Gottes vor 
dein schweren Gerichte, das sie treffen wird, wie sehr sie auch 
jetzt alle Menschen loben. 

Darumb last ab vnd seyt besindt 
Auff dysz mal nym gnSg daruon 
Bisz er herfiir dritt auff den plan 
Von Balaams Eszlin nempt zSgSt 
Mein lieber Joannem von LantzhBt 

Wills Got, nachdem ain anders. 

Aber der studentische Gegner trat nicht auf den Plan und 
Frau Argula hatte nicht notig, ihrem „ersten Gedicht** ein zweites 
folgen zu lassen. 

Als diese Schriften erschienen ^), war die Frage nach der 

1) Will man eine Bemerkung in Argulas Gedicht, wonach sich der 
Ingolstadter Student „ain gantz jar bedacht" genau nehmen, waren die 
Spottverse erst nach Mitte 1524 erschienen. 



Eolde, Arsacins Seehofer und Argula von Grambach. 113 

Berechtignng der Verurteilung Seehofers bereits in weiteren 
Kreisen in FluB gekoramen. Gute Freunde des Verurteilten 
sorgten dafiir, seine Satze in deutscher Sprache zusammen mit 
der ihm abgezwungenen Abschworungsformel bekannt zu machen. 
Ein kurzes Nachwort machte den christlichen Leser noch be- 
sonders auf die Verleugnung des Apostels Paulas durch Ver- 
werfung der letzten Artikel aufmerksam^). Offenbar eine Ent- 
gegnang hierauf war eine zweite Veroffentlichung, gleichfalls in 
deutscher Sprache, die jedem der sehr ungenau und ungelenk 
tibersetzten Artikel eine kurze Rechtfertigung seiner Verwerfung 
beifiigt^). Dafi sie zum mindesten rait Vorwissen der UniversitUt 
ausgegangen ist, wird trotz der spateren Ableugnung kaum zu 
bezweifeln sein. Sie macht durchaus den Eindruck einer offi- 
ziellen Kundgebung. Gleich zu Anfang werden samtliche bei 
dem Verfahren gegen Seehofer beteiligten Personen aufgefiihrt, 
und am SchluB riihmt sich der ungenannte Verfasser, den Beweis 
erbracht zu haben, dafi Seehofers Satze „aus angezeigten in der 
heiligen Schrift gegriindeten Ursachen" als ketzerisch anzusehen 
sein, und ihr Urheber rait Eecht „von uns bezwungen worden", 

1) Diss seint die artickel, so ma/gyster Arsacius sehoffer von/MUnchen 
durch die hohen-/schul za Ingelstat beredt am/abent vnser frawen ge- 
burt/nechst verschinen wider-/ruflfen vnnd ver-/worffen hat/MDXXiij./ 
Actum./Ingelstat./ Mit Titeleinfassung, 4 Bl. (Vorh. z. B. MUnchen. H.- 
n. St.-Bibl. Universitatsbibl.) Andere Drucke bei Waller, Bepertorium 
Nr. 2343 ff. Wenn Planitz, was allerdings nicht genau ersichtllch ist, am 
31. Okt. dem KiirfUrsten die gedruckten Artikel ttberschickte, miiOten 
sie in der zweiten Halfte des Ok^ober ausgegangen sein. Planitzbriefe 
S. 49. 

2) Sybentzehen Artickel/so die Doctorn, der Wolberumbte/Vniver- 
sitet Ingolstatt, fUr ketze-/ri8ch verdammet, vnd Mayster/Arsacij Seehofer 
von Mtin-/chen ofFenntlich an Ynnser/frawen gepurdt abendt/ widerruefft 
hat. jnn Idem 1523 jar./ AmSchlufi: Finis/. Mit Titeleinfassung, Titeh-tlck- 
seite bedruckt. 4 Bl. in 4^ Nach Albrechts Mitteilung in Luthers Werken 
Weim. A. 15, 98 vrh. z. B. St. Gallen Stiftsbibl. MUnchen, H.- u, St.-Bibl. Gegen 
Albrechts Meinung (ebda. S. 97), daB diese Veroffentlichung nur in einer 
Ausgabe bekannt geworden sei, bemerke ich, dafi die Miinchener H.- u. 
St.-Bibl. noch eine zweite Ausgabe besitzt: „Sibentzehen Artickel so die 
po-/ctorn, der Wolberuembten Unfversitet/Ingolstatt, fiir Ketzerisch ver- 
dammet, vnd/Mayster Arsacij Seehofer vo Miinchen/offentlich an vnser 
Frawen geburt/Abent widerrufft hatt, in/dem 1523 Jar./ Am SchluB/Finis/. 
Ohne Titeleinfassung, Titelruckseite bedraokt. 4 Bl. 4^ 

Beitrage ssur bayer. Kirchengeschichte XT. 3. 3 



114 Eolde, Arsacias Seehofer and Argala von Grumbacb. 

die zu widerrufen, und er zu einen abschreckenden Beispiel 
„nach Ausweisung der geistlichen Rechte, in einem iiarten Kloster 
furder beschlossen sein soil." 

Nun hielt auch Luther es an der Zeit, in die Sache einzu- 
greifen. AnfangJanuar 1524 hatte Argula an ihn geschrieben, 
und voll Freude dariiber schickte Luther den leider nicht er- 
haltenen Brief, in dem sie ihm auch intime Mitteilungen uber 
ihre innere Entwicklung und ihre schweren Sorgen gemacht haben 
muB, an den damals in Nlimberg weilenden Spalatin mit der 
Bitte, sie einstweilen inseinem und Christi Namen zu trosten^). 
Wie hochersieschatzte, spracher etwaEnde Februar auch in einem 
Briefe an Joh. Brismann aus. Sie, die den grofieu Kampf mit 
hohem Geiste, erfiillt vom Worte und der Erkenntnis Christi im 
Bayerlande fiihrt, gilt ihm wert, daC alle fiir sie beten, daC 
Christus in ihr triumphiere, denn sie ist sein besonderes Werk- 
zeug^). Vielleicht hatte er durch sie jene kummerliche Ver- 
teidigungsschrift, den „ZeddeI", wie er sie nennt, erhalten und 
alsbald setzte er sich daran und schrieb seine Schrift: „Wider 
das blind und toll VerdammniB der siebenzehn Artikel 
von der elenden schandlichen Universitat zu Ingol- 
stadt ausgangen"^). 

Ihm kam es offenbar weniger darauf an, die Christlichkeit 
.der dem Seehofer vorgeworfenen Artikel darzutun, — denn mit 
dem 15. und 16., diezum mindesten misverstHndlich sind, ist er 
selbst nicht zufrieden und von dem letzteren sagt er: „Dieser ist 
wol ein wenig zu hui, aber doch nicht ganz falsch" — , als viel- 
mehr zu zeigen, wie iiber alle MaBen toll und ungeschickt der 
..Versuch der Ingolstadter Gelehrten ist, Seehofers Aussagen aus 
der Schrift zu widerlegen, wie jene sich selbst widersprechen, nicht 
zu belehren, sondern nur zu bannen verstehen. So gieBt er denn 

1) Mitto ad te optime Spalatine, litteras Argulae, Christi discipulae, 
ut vldeas et gaudeas cum angelis super una peccatrice iilia Adam con- 
versa et facta filia Dei. Tu quaeso, si potes earn attingere, nomine meo 
salutes, et in nomine Christi consoleris. Nam et ego quaere qua ad 
earn pertingam, scripsissem jam, si certus fuissem per te posse litteras 
ad illam venire. Enders, IV, 274. Vgl. S. 295. 

2) Ebenda IV, 293. 

3) Weim. Ausg. XV, 95 ff. DaB Luther iibrigens auch den latei- 
nischen Urtext der Seehoferschen Artikel kennt, ergibt S. 121, 20. 



Eolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbacb. 115 

mit derben Worten die ganze Schale seines Zornes fiber sie aus, 
indem er bei jedem Pankte den betreffenden Satz Seehofers 
mitteilt, darauf die Ingolstadter Beweisfuhrung und dann seine 
Glosse dazu folgen laCt. „Man hat, so schliefit er, bisher der 
. Bayern mit den Sauen gespottet^). Nun hoffe ich, wird es besser 
mit ihnen werden. Denn dieser Zettel truge mich denn, so 
dunkt mich, alle Saue in Bayerland sind in die beruhmte Schule 
gen Ingolstadt gelaufen, und Doktorn, Magistri und eitel be- 
ruhmte Universitat worden, das hinfort eines besseren Ver- 
stands im Bayerland zu hoffen ist. Erlose und behute Gott 
Bayerland vor diesen elenden blinden Sophisten." 

Wie diese Anfang April 1524 erschienene Schrift^), in der 
auffallenderweise Argula v. Grumbach mit keiner Silbe erwahnt 
wird, in Ingolstadt aufgenommen worden ist, wissen wir nicht, 
wohl aber wissen wir, daB eirie andere wahrscheinlich schon Anfang 
des Jahres bekannt gewordene Schrift zugunsten Seehofers^), 
die ubrigens nicht durch die Ingolstadter Verteidigung, sondem 
nur durch den ersten Druck seiner Satze hervorgerufen ist, die 
Gelehrten beunruhigte. 

Der uns wenig bekannte Verfasser*) nennt sich „Martinus 

1) Scbon Heinrich Bebel scbreibt (Adagia Germanica Argentor. 1508): 
Bavaros enim sues vulgns vocat ob maximum eorum in Bavaria proventum. 
Andere Beispiele bei M. Plant, Deutsches Land und Volk im Volks- 
mund. Breslau 1897. S. 79. 

2) Ygl. Ha rtf elder, Melancbtboniana Faedagogica. Leipzig 1892. 
S. 135. 

3) Die Artickel warumb der rector/ vnd Bethe der Hohenschul zu 
Ingolstatt zwungen vnd genottigt haben zum wi-/derspruch Mayster 
Arsacium See-/hofer von Miincben, mit sampt/dcs lauts der widerruffung/ 
vnd seyner erklerung./Die erklerung der Sibenzehen Artickel, durch/ 
Mayster Arsacij von Mtlncben Christlich gelert, vn/wie vnbillich, vnd 
wider Gott eer gezwungen/ist. zu widerspruch durch den Rectorn vnd/ 
Bathe der hohenschul zu Ingolstatt/mit sampt dem lauti seyner wi-/der- 
ruflfung, aynem yetlichen wol zu behertze./. 24 Bl. 4<> Bl. 23 b u. 24 weiB. 

4) Was bisher fiber ihn bekannt ist, hat 0. Clemen, Beitrage zur 
Beformationsgesch. I, 41 u. 49, u. Nachtrag III, 109 zusammengestellt. 
Dazu bemerke ich, da6 die betreffende Predigt Freybergers unter dem 
Titel „£in bruderlich ermanung^ 1523 zu Landsbut erschien, und dai3 er, 
wie ich inzwischen durch Herrn D.N. Paulus in Miinchen erfahren habe und 
wodnrch Argulas Angabe (s. oben S. 69) bestatigt wird, in einer andern 
Schrift Ad Curam animarum . . . collecta (Landshut s. a.) sich nennt 

8* 



116 Kolde, Arsaoins Seebofer and Argula von Grumbach. 

Reckenhofer zu Clausen", worunter jedenfalls Clausen in Tirol 
zu verstehen ist. Da er davon spricht, „in dreiCig Jahren" viel 
Doktoren und Schriften gehOrt und gelesen zu haben, war er 
kein junger Mann mehr, gleichwohl mufi er am Ende des zweiten 
Jahrzehnts sich noch einmal in Wittenberg aufgehalten haben *)i. 
Denn er hat bei Luther gehort und weiB in einer seiner Schriften 
davon zu erzahlen, wie dieser sonderlich „ein predigblichlein 
der Tawler genannt im deutschen, uns tzu erkaufen ermandt yhnn 
der schul," auch daU er oft gesagt, „das seyn kunsfc mer yhm 
gebenn sey auss erfahren denn lesen." .Er spricht es als seine 
Uberzeugung aus, „das keiner raag kumen tzum rechten ver- 
standt des warenn glaubens, Er less den dye bucher tzu Witten- 
berg geschriben oder sey eyn zeyt lang daselb gewesen. Do 
ist der rechtt chrichlich glaub uff gangen, den keyn schul yn 
vyll hundert jaren gewiss noch erkennt hat 2)." Dieser Mann, der 
das Bayerland sehr genau kennt und auch schon im Jahre 1623 
„ alien christlichen briidern liebhabern der Euangelischen leer, 
wonhafft hin vn her zerstreyt im Bayerland, Nemlich [nament- 
lich] zu Freysing" eineSchrift gewidmet hatte, die sich gegen 
eine von dem Domherrn Joh. Freiberger gehaltene Predigt 
richtete^), will auch jetzt in erster Linie diejenigen trSsten, 
deren Herzen durch den Widerruf „der laut erschoUenen christ- 



J. Freyberger ex Vohbiirg . . . canon. Frisengen. et pastor plebis S. Petri 
in Vohbtirgk — quondam Pataviensis ecclesie praedicator. ~ Wenn Winter, 
I, 148 unter Berufang auf Gem einer, Reformationsgesch. von Regens- 
burg 1792, S. 15 Reckenhofer alsPrediger in Freising bezeichnet, so be- 
niht das offenbar anf einem Mi^verstandnis, das dnrch seine Schrift gegen 
die von Freiberger in Freising gehaltene Predigt hervorgerufen ist. 
Falls Reckenhofer in Clausen eine Anstellung gehabt hat, so kann er 
hochstens Prediger oder Vikar gewesen sein, denn die Pfarrei besafi da- 
mals Doktor IphofFer, Kustos und Domherr zu Brixen. Vgl. Sc hell- 
horn, Ergotzlichkeiten aus der Kirchengesch., II. Bd., 5. H., S. 247. 

1) In der Wittenberger Matrikel findet er sich nicht, ebensowenig 
habe ich ihn in Erfurt, Leipzig und Tubingen gefunden. Wahrscheinlich 
hat er in Ingolstadt studiert, dessen Matrikel leider noch immer nicht 
herausgegeben worden ist. 

2) Vgl.. Clemen, a. a. 0. I, 50f. 

3) Ebenda S. 49. Ebendas. S. 41, iiber die aus demselben Jahre 
stammende Cbersetzung der Historic von dem Martyrertode der Augustiner 
in Brtissel. 



Eolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 117 

lichen Lehre" erschreckt sein. Sie soUten sich vielmehr freuen, 
daU des Teufels Grobheit und Arglist an den Tag gekommen 
sei, denn was die Magistri nostri beschlossen, sei fiir gut und 
heilig gehalten worden. Dawider durfte man nicht husten bei des 
Endchrists Ungnad und Bann. Aber die Sophisterei hat ein Ende. 
Der barmherzige Gott hat woUen das Licht seines heiligen 
Glaubens aufstecken im Bayerland. Aber das Nachtgefleder mag 
nicht dulden den hellen Schein, fliegt gewohnlich bei Nacht. 
Dem Arsacius Seehofer ist der Fall geschehen, vor dem Christus 
warnt, Matth. 7, 6: „Gebt nicht die Heiligkeit den Hunden, 
werft nicht die Margarithen vor die Saue, daB sie*s nicht zer- 
treten und fahren herura und zerzerren euch. Wir wollen aber 
aufl5sen die Margarithen und mit Gottes Hilfe und Gunst wiederum 
auspolieren, und befehlen den Kindern, den Schweinen aber ihre 
Treber und Eicheln lassen". 

Es handelt sich dabei nicht nur um Seehofer, sondern um 
alle Pfaffen und Monche, die grausam und schmahlich das ein- 
faltige arbeitsame Volk bei ihrem Irrsal und Unglauben behalten, 
gibt es doch kaum mehr Abgotterei und Wallfahrten als in 
Bayern, wohin auch Fremde gelockt werden, „als ist Sannt Wolf- 
gang im Gebii'ge und in der Schwindau/), zu Sant Leonhart, auf 
den heiligen Berg Andechs, zu Sant Ruprecht zu Salzburg, zu 
unserer Frauen zu Bayrotting, zu Wozeii (Bozen), zu Tunten- 
hausen und yetzo zu der schonen Marien. Dahin lauft das un- 
verstandige Volk und opfert Gold und Silber, das alles kommt 
aus Unwissen des wahrenEvangelii". Deshalb will er zeigen, 
wieviel Gift die Widerrufung Seehofers enthalte. Satz fiir Satz 
nimmt er vor und geiBelt mit scharfen Worten das unchristliche 
Verfahren der Ingolstadter, wobei sich der Verfasser auch mit 
der Geschichte des bisherigen Verfahrens gegen Luther sehr 
vertraut zeigt und sich gelegentlich, so fiir die Behauptung, dafi 
man sich der Siinde nirgends weniger schame als in Rom, auf die 
Schriften Karlstad ts beruft. Mit der Verurteilung der Satze 
Seehofers haben die Ingolstadter so grob und ungeschickt sich 
benommen wie die Vater auf dem Konzil zu Kostntiz (und Basel), 
die Johannes HuC und die andern verdammten, „als klar aus 



1) Winidau im Isarwinkel? 



118 Kolde, Arsacius Seehofer imd Argula von Grambach. 

dem Buch ihrer Handlung durch Eneum Silvium beschrieben und 
kttrzlich gedrucktist/ Dann sncht der Verfasser unter ausflihr- 
licher Begriindung aus der Schrift die Christlichkeit der einzel- 
nen Artikel darzulegen, oder wie sie christlich zu deuteu sind. 
Besonderen AnstoB nimmt er wie der erste Herausgeber der 
Satze Seehofers an der Verwerfung des wunderlichen, wahrschein- 
lich auf einem Mifiverstandnis Melanchthons^) in seiner Vorlesung 
iiber den IL Korintherbrief beruhenden 17. Artikels, den Luther 
.wie erwahnt als „zu Hui-* gemacht bezeichnet hatte: „Das 
Evangelion Christi nicht ein Geist sei, sondern Buchstaben." 
Auch hier sucht der Verfasser die SchriftgemaCheit der Aussage 
festzuhalten. AUe Qebote und Verbote Gottes im alten und 
neuen Testament, auch die Christus im Evangelium gebeut, sind 
totender Buchstabe, weil wir sie ob der in uns befindlichen Be- 
gierde und Widerspenstigkeit nicht halten, solange der Geist Gottes 
uns nicht zu Hilfe kommt, und alle VerheiCungen die Abrahams und 
seine Nachfolger erhalten haben, sind Evangelium, denn sie deuten 
alle auf Christum und sind in ihm voUbracht. Und das Evan- 
gelium ist nicht das geschriebene Buch, „die Stimmen in den 
Ohren, oder Wissen der Vernunft, sondern das Wesen und Geist 
im Herzen." Um dies noch klarer zu machen^ stellt Reckenhofer 
Satze aus dem Neuen Testament zusammen, die nach ihm „Buch- 
stabe" sind, wie: „Nit ziirn mit deynem bruder. Fluch nitracha 
oder narr dein bruder. Beger nit ains andern eeweybs im sehen. 
Brichs auge ausz, die handt schlahe ab die ergert, haue den 
fuesz ab." etc. 

Wer das tue der ist selig, wer nicht, der ist verdammt 
Diese Gebote Christi sind aber der menschlichen Natur zuwider, 
folglich mufi sie verdammt werden, „also ist klar, daB das Neue 
Testament auch Buchstabe ist, der tote ..." 

Dem stellt er nun den Geist Gottes oder lebendig machende 
Sprlichedes.Evangeliums gegenfiber: Ich erkenne mich als einen 
Siinder und untlichtig. Ich kreuch zum Kreuz, rufe um Hilfe zu 
Gott. Ich glaube und vertraue Christo allein und verhoffe in 
sein Verdienst. Ich hore nicht auf zu schreien zu Gott, so lange 



11 



^ 1) Wie Melaachthon II. Eor. 3, 6 in den locis behandelte, siehe 
meine Ausgabe, 3. Aufl., S. 153, 



Eolde, Arsaeins Seebofer und Argula von Grumbacfa. 119 

ich einen schnelleren Willen meines Gemiites empfinde zu Gottes 
Geboten. Ich nehrae auf raich das Joch und Krenz und lerne 
und trage, so lange es mir gering und siiC wird. Gott will nicht 
den Tod des Sunders. Gott will, dafi alle Menschen selig werden. 
Wer glaubt und getauft wird, wird selig. 

„Also macht der Geist den Siinder rufen mit unaussprech- 
lichem Seufzen. Also treibt er und geistet in den Kindern Gottes 
und macht ihnen verdrieBlich dies sterblich leben, das die Natur 
liebt und belustigt und macht ihn begierlich bei Christ zu sein. 
Also meine ich, sei verstandlich, daC nicht allein Moses Gesetz, 
sondern auch das Evangelium Buchstabe sei." 

Dieser scharfe Angriff Reckenhofers, der am SchluB noch 
einmal liber die Aussaugung gerade der Bayern durch die Pfaffen 
klagt, so daU Witwen und Waisen Mangel leiden, „deren Blut 
auch Tag und Nacht Rache schreit uber die voUen Pfaffen, 
Monche und Nonnen," hat in Ingolstadt oiFenbar, wie schon be- 
merkt, sehr peinlich beriihrt ^). Zudem war Joh. Eck inzwischen 
aus Rom zuriickgekehrt und mit ihm, dem gefeierten Bekampfer 
der lutherischen Haresie, auch neuer Eifer. Jetzt sollte mittelst 
einer grofiartigen Disputation die Haresie der Seehoferschen Satze 
vor aller Welt kundgetan werden. Die Professoren 'Eck, Hauer 
und Burckhardt erhielten Vollmacht, nach Gutdiinken zum From- 
men der Universitat alles einzuleiten. Einen Augenblick dachte 
man an einen groBen Zulauf von Fremden, scheint sich aber 
bald davon iiberzeugt zu haben, daB dieser, wie die Dinge lagen, 
schwerlich eintreten wiirde^); und wenn man spater in dem offi- 
ziellen Bericht in den Universitatsakten die Sache so hinstellte, 
daB keiner von den Ketzern den Fiirsten um Geleit angegangen 
habe, was ihnen ohne Zweifel gewahrt worden ware, so wider- 
spricht dem schon eine andere in demselben Akte sich findende 
Notiz, wonach die Universitat den Fiirsten um freies Geleit fiir 
die Teilnehmer ersucht, dieser dem Ansuchen aber nicht ent- 
sprochen habe^). 



1) Das ergibt sich daraus, daB in der Ingolstadter Disputationsein- 
ladung (s. w. unten S. 121 Anm.) deutlich gegen ihn polemisiert wird. 

2) Druffel, S. 653. 

3) Prantl, II, Nr. ^7. Dafi die Disputation, wie Mederer 1,127 
behauptet and auch Prantl annimmt, eine Antwort auf Luthers Scbrift 



120 Kolde, Arsacias Seehofer and Argala you Grumbach. 

SpatesteBS in der ersten Halfte des Marz lieUen die Ingol- 
stadter, speziell die Theologen Dr. Leonhard Marstaller aus 
Niirnberg und Dr. Nikolaus Apell .aus Egweil ihre Einladungs- 
schrift ausgehen^). Sie war merkwlirdig genug. 

Nach einer hochtrabenden Aufforderung an die Gegner, an 
der Disputation, in der die rechtmaUige Verurteilung der hare- 
tischen Satze Seehofers erwiesen werden soUe, teilzunehmen^), 
und der Behauptung, dafi diese durch einen Schurken in deutscher 
Sprache unvollstandig und nicht getreu wiedergegeben seien, 
werden die widerrufenen Artikel in lateinischer Sprache abge- 
druckt. Da ihre friiher erschienene deutsche Widerlegung, die in- 
zwischen unbequem geworden war, am Schlufi durch eine deutsch 
geschriebene Kundgebung nunmehr abgeleugnet und als eine Er- 



gewesen ist, ist cbronologisch unmdglich, da die Ingolstadter Einladaugs- 
schrift in der ersten Halfte des Marz ansgegangen sein mu6, weil das 
Vorwort der Gegenschriften von Stratus und Billicanus (s. u.) vom 
31. Marz bezw. 1. April datiert sind. 

1) Ingolstadii XI. A/prilis anni praesentis vicesimiquarti, pu/blica 
disputatione per Sacre theologie / professores axaminabuntur./Septendecim 
articuli per M. Ar-/satiuni Seebouer nuper reuocati./Centum Conclusiones 
per D. Leo-/nardum Marstaller Nurnbergen8em,/de vera Libertate Christi- 
ana./Septuaginta quinque Assertiones/per D. Nicolaum Apell Aeguelum 
de/Fide, Spe, Charitate, ac legis Veteris/cum Euangelica collatione./ 
Super omnia vincit veritas./3 Esdrae. 3, et desyderinm pec/catoriim peribit. 
ps.111./ Titeleinfassung, Titelrtickseite bedruckt, 16 Bl. iui^. Letztes Blatt 
leer. (Mtinchen. H.- u. St.-Bibl.) Ein Nachdruck unter dem Titel: Ingol- 
stadij/XI. Aprilis anni pre|sentis vicesimi quarti publica dispu/tatione 
per Sacre tbeologie. pro/feesores examniabuntur (!)/etc. 16 Bl. 4^ Letztes 
Blatt leer, in der Mtinchner Universitatsbibl. Davon erschien eine scblechte 
tibersetzung: Zu Ingelstadt auff den/aylfften tag des Aprils des gegen-/ 
wertigen vier vnd zwayntzigstn/jars werdenn durch der haili/gen schrifft 
Doctores exam/miniert vn bewerdt./Sybentzehen Arttickel durcb/maister 
Arsatiii Seehoifer/jUngst wyderruflft./Hundertt schluszredenn durch Doctor 
Leon- /hart Marstaller Niiernberger, von/der waren Christenliche frey- 
hait./Ftinff vnd sibentzig maynung vn proposition /durch D. Nicolau Apel 
Aeguelum vom/glauben, hoflfnung, liebe, vnnd ver-/gleychung des altenn 
gsatz mitt/dem Evvangelischen./Vber alle ding vberwyndt die warhaitt/ 
3. Esdre. 3. Vnnd die begird der slln-/der wiirt verderben. Psalm 111./ 
1624./ 20 Bl. 4«. Letztes Blatt leer. (Universitatsbibl. Mtinchen.) 

2) Adsint ergo insani vitiligatores, adsint indocti rerum theologi- 
carum censores atque palam (quod honestas suadet) congrediantur* 



Kolde, Arsacias Seehofer and Argala von Grambach. 121 

dichtnng eines ^MiBgonners der Hohenschule" bezeichnet wurde, 
konnte man jetzt eine ausgiebige Bestreitung erwarten. Aber 
nichts von alledem. Marstallers 100 Satze von der christlichen 
Freiheit galten nnr dem Nachweis, dafi die wabre christliche 
Freiheit, wie sie die Schrift lebre, entgegen der angeblichen 
Lebre Lnthers — Jener bestialischen Freiheit, welche die 
Lutheraner, die Epikuraer unter den Christen erdichten" — den 
Christen nicht von der schnldigen Unterwerfang unter ihre Oberen 
and den Gehorsam gegen sie befreit. Daraus wird die Unter- 
ordnung unter die weltliche Obrigkeit, vor allem aber unter die 
in Petrus gesetzte geistliche Gewalt abgeleitet. Unter sehr loser 
Bezugnahme auf Seehofers Satze, die niemals direkt herangezogen 
werden, lauft das Ganze darauf hinaus, in den kiihnsten Be- 
hauptungen den Nachweis zu fuhren, dafi alles und jedes, was 
die romische Kirche lehrt und tut — bis auf das alleinige Vor- 
recht der Bischofe, die Weihen der Priester und Kirchen und 
die Firmelung vorzunehmen — auf gottlicher Anordnung beruht 
und zu befolgen ist. Nicht viel anders* ist es mit den darauf- 
folgenden Thesen des Nikolaus Appell De fide, Spe et Charitate, 
wenn dieser auch bei seiner scharfen Zuriickweisung von Luthers 
Lebre vom Glauben und der Glaubensgerechtigkeit mittelst der 
hergebrachten scholastischen Definitionen etwas mehr auf See- 
hofers Satze eingeht^). 

Am angesetzten Tage des 11. April begann der feierliche 
Akt mit einer Messe in der Marienkirche. Dann zog man in 



1) Den Schlufi macben Collationes legis Mosaicae et Evangelicae, 
ex Bcripturis sacris desumptae contra Blateronem quendam, qui erroneo 
Bpiritu ductus omnem legem indiscriminatim, etiam Chrieti sacrosanctam 
Evangelicam, litteram dici posteriore Pauli epistola ad Corinthios per- 
peram intellecta, contendit. Diese AusfUhrungen richten sich offenbar 
gegen Reckenbofer, wollen aber aucb Melaucbtbon treffen, so inTbese 12: 
coDtra blateronem qui Paulum iion nisi grammatice interpietari novit 
(Th. 12). Den Melancbthon bezeicbnet aucb Marstaller ob seiner Lebre 
vom freien Willen (Tbese 74) rerum tbeologicarum prorsus iguarus. Sonst 
werden nocb aufier Lutber mit Namennennung bekampft Carlstadt mit 
seiner Scbrift de coelibatu, monacbatu et viduitate 1521 (bei Marstaller 
Tbese 51) und Job. Lonicer, letzterer wie von Georg Hauer in seinen 
Predigten wegen seiner Scbrift: Catecbesis. De bona Dei voluntate erga 
quemvis Cbristianum. Deque sanctorum cultu et invocatlone. c. 152B. 



122 Eolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

die Aula des altea KoUegiengebaudes, -wo der Magister Georg 
Stenglein von Augsburg^) die Disputation mit einer Rede ein- 
leitete. Hieruf verteidigte D. Leonhard Marstaller seine SM,tze, in- 
dem der Magister Antonius Praun respondierte. Dazu brauchte 
man noch den folgenden Tag. Erst am dritten Tage trat man 
in die Verhandlung fiber die Satze des Apell, was wiederum 
zwei Tage in Anspruch nahm. Da, wie die Universitatsakten 
sagen, nur „einige Fremde, die jedoch sehr wenig von der luthe- 
rischen HUresie befleckt waren" ^), erschienen waren, die Gegner, 
,,die die Universitat wegen ihrer Verdammung der Artikel See- 
hofers tagtaglich durch ihre Schriften und ubelwollenden Reden 
h^rabsetzten," fehlten, so war man v5llig unter sich und war 
das Ganze ein bedeutungsloses Schauspiel. Aber wenn auch 
Luther und die Wittenberger sich nicht darum kummerten, so 
blieben die neuen Ingolstadter Satze keineswegs unbeachtet. 

Der erste, der sich mit einem schon am 31. Marz beendeten 
Schriftchen dagegen wandte, nennt sich Hulderich Stratus Enge- 
dinus und datiert seine' Schrift aus Rorach im Engadin^). Es 
lag nahe, an einen von Seehofers schweizerischen ZuhOrern zu 
denken, der fur ihn eintrat. Aber der Name Stratus ist Pseudo- 
nym, und der Verfasser war kein anderer als der bekannte 
Urban Rhegius*), der damals in Augsburg wohnte, und der 
mehrfach pseudonyme Flugschriften ausgehen lieB^). Er mochte 

1) tjber ihn, der spater Pfarrer in Mtinchen wurde, Mederer, 
Annales 124. 

2} Ad fuerunt . . . nonnulli advenae ab Lutberana tamen haeresi 
minus contaminati. Prantl II, 175. 

3) Adser/tiones arti-/cvlorum Ar/sacij Seehofer, con-/tra Ingol- 
stadien/ses Damna/tores. Per Hvlderi-/chiim Stratum En-/gedinum./ 
M.D.XXIII./ Titelbordiire. Am Schlufi; Rorachio in Engedinis/ultimo 
Marcij/Anno M.D.XXIIII. (Erlaugen. NUrnberg. Stadtbibl.) 

4) Den Beweis dafiir erbringt die von mir schon frtiher bei meinen 
Arbeiten iiber Billicanus gefundene Tatsache, dafi auf dem Titel- 
blatt des Niirnberger Exemplars (Th. 557«) die' handschriftliche Wid- 
mung zii leden ist : Theobaldo Billicano/Nordlingensis Ecclesiae Episcopo/ 
Ex dono V. Regij harum nugarum/, wozu autoris oder scriptoria zu er- 
ganzen scin wird. Jedenfalls wird an des Rhegius Selbstbezeichnung als 
Autor nicht zu zweifeln sein und ware damit eine neue ihm zugehorige 
Schrift gefunden. 

5) Vgl. iiber ihn als Simon Hessus 0. Clemen, Zentralblatt fiir 
Bibliothekswesen Bd. XVII, S. 566 flf. 



EoldOr Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 123 

an der ganzen Sache noch ein besonderes Interesse haben, als 
er in Ingolstadt studiert und dort wie Seehofer sich die Magister- 
wiirde geholt hatte^) und die einzelnen Personlichkeiten, die 
dabei eine RoUe spielten, sehr wohl kannte. Der christliche 
Glaube und die christliche Liebe, so schreibt er am SchluB, ver- 
anlaUten ihn, ftir die Sache Seehofers einzutreten, denn das sei 
keine Privatarigelegenheit, ginge vielmehr alle an, die Chris#um 
bekennen. Nur wenig geht er auf die Satze Marstallers und 
Apells ein, denn die, deren Anker allein die kanonische heilige 
Schrift ist, miissen die Schulmeinungen, wie scharfsinnig sie auch 
vorgebrachtwerden, als somnia carnis verachten. Und mit scharfen 
Worten schilt er den Hochmut der Ingolstadter Gelehrten und 
ifire AnmaBung, rait der sie auf ihre Gegner schon in der Auf- 
fordening zur Disputation als indocti rerum theologicarum cen- 
sores und grammatisti herabsehen. Im librigen begniigt er 
sich, die wahre Meinung der Seehoferschen Artikel, ihre 
Schriftgemafiheit und Christlichkeit in kurzen Erlauterungen 
darzutun. Feiert nur Triumphe, ruft er Jen en zu, schreibt 
tiber euer KoUegium „venimus, vidimus, viciraus, vicistis enim 
imberbem iuvenem, sed carcere potius quam scripturis". Da- 
mit ist es aber nicht getan, er fordert vielmehr von ihnen, 
daU sie sobald als moglich lediglich auf^Grund der Schrift 
Rechenschaft ablegen sollen tiber ihr Tun, sonst wtirde er sie 
mit Wort und Schrift des ruchlosen Schweigens liberfuhren. 
Hatte man in Ingolstadt gewuBt, daB dieser scharfe An- 
griff von dem frtiheren Parteig^nger Joh. Ecks ausging, so 
hatte man ihm vielleicht in irgendeiner Weise geantwortet. 
Aber so lieB man die Sache gehen. Indessen noch ein anderer 
Theologe, der Nordlinger Prediger TheobaldBillicanus, nahm 
AnlaB, seinen Widerspruch zu bezeugen. Er schrieb eine nicht 

1) Sein Ingolstadter Aufeothalt ist aUgemein bekannt (vgl. Uhl- 
horn, Urb. Rhegins, Elberf. 1861, S. 89 ders. P.R.E.* Bd. 13 S. 148, 
nicht so, daB er dort Magister wurde, aach scheint man tiberseben zu 
baben, daB er, ira Sommer 1519, eine zeitlang in Ttibingen war, wo er 
am 20. August als ^Vrbanus Rogius ex Lindau Magister vnin. Ingelst/ 
eingetragen wurde. Vgl. (Rotb) Urkunden zur Gesch. d. Univers. Ttibingen 
(Ttibingen 1877), S. 616. Rogius, Druckfehler fur Regius, cf. Index. 

2) Vgl. tiber ihn meinen Art. Billicanus, Prot R. E.« III, 232 u. 
Beitr. 3. B. K. X, 28 ff. 



124 Griebel, Das illteste Kirchenbuch Heroldsbergs. 

ungeschickte und sehr scharfe Widerlegung der Satze Mar- 
stallers^). Ihr wollte er eine Bekampfung der Aufstellungeu 
Apells folgen lassen. Da aber Marstaller nicht antwortete 
und sich darauf beschrankte, mittelst eines offenen Briefes an 
Leonhard vob Eck in einem, den Gegner verachtlich be- 
handelnden Tone die Griinde seines Schweigens anzugeben^), 
schrieb Billikan Ende September 1524 eine „ Apologia"^) seiner 
Confutatio, in der er den Vorwurf der Haresie entschieden 
zuriickwies und sich auf den ReichtagsbeschluB beruft, der 
das Evangelium frei zu predigen gestatte. Der Schrift war 
noch eine ebenfalls gegen die Ingolstadter gericlitete Ab- 
handlung De libero arbitrio und der Brief Marstellers an 
L. V. Eck beigefiigt. 

(SchluB folgt.) 



Das aiteste Kirchenbuch Heroldsbergs. 

« 
Von Pfarrer P. Griebel in Heroldsberg. 

Erst in den beiden letzten Jahrzehnten ist die Frage nach der 
Entstehung und Anlage der altesten KirchenbUcher in Flufi gekommen. 
Vor allem war es der Gesamtverein der deutschen Geschichts- und 
Altertumsvereine, der dazu beitrug, indem er im Jahre 1891 auf 
seiner Generalversammlung in Sigmaringen der III. und IV. Sektion 
die Fragen stellte: 

Fr. 13: Zu welcher Zeit entstanden die Kirchenbiicher in 
Deutschland? 

1) Adver-/vn8 propositiones Leo-/nardi Marstalleri IngolBtadiensis./ 
Confutatio Theobaldi Bil-/licaDi, Ecclesiastae./s. 1. e. a. — Vorwort Nor- 
lingae. Kalendis Aprilib. Anno Domini M.D.XXIIII. (MUnchen. H.- u. St.- 

Bibl.) 

2) Cur Billicano cuidam, Lutherana perfidia infecto, non respon'derit, 

Epistola excusatoria ad nobilem D. Leonard, de Eck. s. I. 1524. Vgl. 
dazu noch v. Druffel, Kaspar Schatzger, Sitz.-Ber. d. Miinch. Akad. 
philos. u. hJ8t. Klasse, II. Bd. (1891), S. 413 u. 433. 

3) Apolo/gia Theobaldi Bil/licani, ad excueato/riam Epistolam 
Leonardi Marstal/leri ad Leonald. Eccium./Equi. Germa./De libero arbi-/ 
trio quaedam./Epifitola/Marstalleri ad finem ex-cnsa./ (s. 1. e. a.) Miinchen. 
H.- u. St.-Bibl. Eine spatere Ausgabe Impressum Vitebergae 1530. Jo8, 
Clug. (Gymnas.-Bibl. Rothenburg o. d. T.) Dieser* ganze Streit zwischen 
Billican und Marstaller ist Prantl unbekannt. tlber spatere Schriften 
Marstaliers ygl. Waldau, Neue Beitrage 1, 122. 



Griebel, Das alteste Kirchenbuch Heroldsbergs. 125 

Fr. 14: Wo befinden sich in Deutschland die 15 altesten 
Kirchenbiicher? 

Fr. 15: Welcher besonderenVdi'anlassungverdaDken die Kirchen- 
biicher ihre Entstehung, bezw. sind sie durch kirchliche 
oder weltliche Anordimng eingefuhrt word en? 

Fr. 16: Auf welche Weise wurden vor der Einfiihrung der 
Kirchenbiicher die Geburten, Taufen, Hochzeiten und 
Todesfalle aufgezeichnetV 

Pfarrer Reinwald von Lindau berichtet nun im Korrespondenz- 
blatt fiir die evang. luth. Geistlichen in Bayern, Jahrgang 1894 
Nr. 37, indem er bemerkt, dafi die Fragen 1893 wieder auf der 
Tagesordnung des genannten Vereins standen, als Resultat der dies- 
beziiglichen Verhandlungen, dafi die Kircheubiicher im heutigen Sinn 
erst nach der Reformation und im Zusammenhang mit ihr aufge- 
kommen, ebenso dafi zu den Sltesten Matrikeln die Nlirn bergs zu 
rechnen sind. Hierzu hat dann Kirchenrai Heller im gleichen Blatte 
desselben Jahrgangs p. 372 die ErklHrung abgegeben, dafi die Ehe- 
bucher der Pfarreien St. Sebald und St. Lorenz mit dem J. 1524, 
die Taufbticher aber erst 1533 beginnen; das Totenbuch von St. Loreuz 
beginnt 1547, das von St. Sebald 1557. Uber diese Biicher von 
Niirnberg aber hat Pfarrer Jordan in Haundorf eiue Abhandlung im 
dritten Bande dieser Zeitschrift (p. 151 — 170) veroffentlicht. Dabei 
bemerkt er, dafi die Fragen des obengenannten Vereins noch nicht 
endgUltig gelost werden konnten, sofern das dargebotene Material 
noch zu gering sei. Die neueste Bearbeituug der Fragen finden sich, 
wenigstens soweit mir bekannt, in der III. Auflage von Herzogs 
Real-Enzyklopadie ad vocem Kirchenbiicher von E. Jakobs. Danach 
ist das Resultat bis jetzt folgendes: In Hinwyl bei Zurich wurden 
Kirchenbiicher angelegt 1525, im nachsten Jahre in Ziirich selbst; 
in den zwanziger Jahren im Elsafi, das alteste Taufbuch von Strafi- 
biwg ist aus dem Jahre 1525. In Koustanz findet sich ein Tauf- 
buch aus dem J. 1531, in Lindau aus dem J. 1533, das Traubuch 
aus dem J. 1534, in Frankfurt das alteste Tauf- und Traubuch vom 
J. 1533, das alteste Begrabnisbuch vom J. 1565. In Zwickau ist 
ein Traubuch aus dem J. 1522, ein Tauf buch von 1535 vorhanden. 
In Henfenfeld, Hersbruck und Alton sitten bach setzen die Register 
1533 ein. Zahlen wir die Biicher von St. Sebald und St. Lorenz 
in Niirnberg gesondert, so haben wir nach dieser Zusammenstellung 12, 
sonach ware die oben zitierte Frage 14, wo sich die 15 altesten 
Kirchenbiicher in Deutschland befinden, noch nicht gelSst. Cbrigens 
lafit sich die Zahl 12 leicht erganzen durch eine Tabelle, welche sich 
im genannten Korrespondenzblatt Jahrgang 1895 p. 126 findet, die 
die altesten Pfarrmatrikeln des Dekanats Hersbruck enthalt, und wo 
wir aus dem 16. Jahrhundert noch Matrikeln finden in Affalter und 
Artelshofen das Tauf- und Traubuch aus dem J. 1564, Engelthal 



126 Griebely Das Slteste Kirchenbuch Heroldebergs. 

1586, Eschenbach 1566, Forrenbacb 1568^ Kirchsittenbach Taufbuch 
1554, Traubucb 1585, Lauf Taufbuch 1565, Traubuch 1579, Ober- 
krumbach Taufbuch 1586, Pommelsbruun Taufbuch 1559, Traubuch 
1597, Sch5nberg .Tauf- und Traubuch 1563, Velden Tauf-, Trau- 
und BegrSbnisbuch 1537. P. 328 im gleichen Jahrgang des bayer. 
Korrespoudenzblattes findet sich weiter die Notiz, dafi in Grofihabers- 
dorf das Taufregister 1535, das Trauregister 1537, das Sterbe- 
register 1583 anfangt. Es sind dies alleiu uoch 12 Pfarreien, deren 
Kirchenbucher in eiue so fruhe Zeit zurtickgehen. Wenn es ohne 
Frage auch sonst noch KirchenbUcher aus jener Zeit gibt, uber die 
nur noch keine VerQffentlichung stattgefunden hat, so gehbrt gewifi 
auch das Kirchenbuch hierher, auf das dieser Artikel aufmerksam 
machen mochte, das Slteste Kirchenbuch der Pfarrei Heroldsberg. 

Dieses Buch, in Quartformat, in Schweinsleder gebuuden, um- 
fafit 99 Seiten. Das erste Blatt, das hundertste, ist herausgerissen. 
Es trSgt als Aufschrift auf der Aufienseite des Einbandes die Worte: 
Heroltzberger Taufbuch. Von A® 1532 bifi A** 1551. Nicht nur 
das hohe Alter des Buches; sondern auch die Art der Aulage und 
sein Inhalt ist es gewifi wert, dafi dariiber auch weiteren Kreisen 
etwas bekannt werde. 

Werfen wir zunHchst einen Blick auf das Jahr seiner Ent- 
stehung, so ist, wie soeben augegeben, dies das Jahr 1532. Danach 
ntlhme es unter den aufgezahlten die achte Stelle ein. Nur das von 
Zwickau 1522, Nurnberg (St. Sebald und St. Lorenz) 1534, Schweiz 
(Zurich) 1525 und 1526, Strafiburg 1525 und Konstanz 1531 sind 
alter. Jedoch ist dabei zu beach ten, dafi, wahrend in all diesen 
Orten die Biicher entweder nur Ehebiicher oder Ehe- und Taufbiicher 
sind, das Heroldsberger Ehe-, Tauf- und Beerdigungsbuch ist. 

Aus dem Jahre 1532 enthsllt es 5 EintrSge im Eheregister 
und 24. im Taufregister. Merkwiirdig sind die EintrSge im Be- 
erdigungsregister. Dieselben beginnen namlich mit dem Jahre 1528, 
sind also zunachst Nachtrage aus frliheren Jahren, namlich 2 aus 
dem J, 1528, 1 aus dem J. 1529, 2 aus dem J. 1531, ebensoviel 
aus dem J. 1532. Und wer sind die eingetragenen Personen? Nicht 
solche, die in Heroldsberg gestorben oder beerdigt worden waren.. 
Nur bei einer Person aus dem J. 1532 ist dies der Fall. Es ist 
dies der NUrnberger Losunger Martin Geuder gewesen. Die Uber- 
flihrung von Nurnberg nach Heroldsberg und die Art und Weise der 
Beerdigung ist genau im Buche beschrieben. Wir werden spater auf 
diesen sehr iuteressanten Bericht zuruckkommen. Alle ubrigen Per- 
sonen sind in Nurnberg gestorben und beerdigt; namlich aus dem 
Jahre 1528 ein Martin Tucher. Der Eintrag lautet: 

Item am 7. July do gieng Herr Merthen Tucher | der was eben 
altter Burgermaister zu Nurmberg [ zu avents haim. Und leget sich 
zu nachts gesunt nider. Und wart zii morgens tot im pet ^nd. 



jGfriebel, Das Slteste Eirchenbuoh Heroldfibergs. 127 

Er was ein dappfrer langer man. Und recht giit Erangelisch zu 
alien dappfern Hendln weis und gepreuchlich ^). 

Der zweite Eintrag von 1528 besagt: Item am 21. Octobr in. 
d nacht ist verschieden zum guld kreiitz zu Nurmberg Her Hanns 
von Schwartzberg. MargraflF Jorgen Hoffmaister ein vast weiser. streit- 
bar ernsthaffter man. Ein seer grofier.liebhaber des heilligen worts 
gott. Hat vil guts geschriben. Nemlich wider die widertauffer ein 
pnchlein. Und ein seer kostlich puch in welchem er antzeigt alle 
loci coes [communes] dem Babst und seinem anhang seer schedlich 
und sein tjtl haist die beschwerung d altten schlangen sambt andern 
puchlein. Ist verschieden in dem Herrn Christo am viertegigen fieber. 
Und dornach am 27 tag Octobr hat man in in das klein capelle zu 
S. Johans begraben. hat in also in einer verpichten. verschlossen 
truhen behalten pis sein son friderich zur begrebnus kommeii ist^). 

Und nun kommen wir zu dem gewifi wichtigsten Eintrag des 
ganzen Buches aus dem Jahre 1529: Item am 6. Januarij ist ver- 
schieden Maister peter vischer | ein Rotschmidt | ein seer unaussprech- 
licher giefier in alien ertzen. welcher auch S. Sebalts sarg gemacht 
und gegossen hat. — Zu beachten durfte bei diesem Einti-ag der 
Anklang an Gen. 4, 22 sein, wo es nach Luther heifit: Zilla gebar 
auch den Thubalkain, den Meister in allerlei Ertz und Eisenwerk^). 
Aus dem J. 1530 findet sich kein Eintrag im Buche. 

Die beiden EintrSge aus dem J. 1531 haben folgenden Wortlaut: 

Item am 12. tag Octobr ist d. alt grunther. gestorben^). 



1) Martin Tucher ist geboren zu Niirnberg am 12. Nov. 1460. 1524 
kam er in den Eat und wurde bald alter Biirgermeister. £r verhandelte 
zugleich mit Hans £bner im Namen des Rats mit den aufrnhrerischen 
Bauern, d,ie am 13. Mai 1525 von ihrem Lager bei Heidingsfeld eine Ab- 
ordnung nach Niirnberg sandten. Auch bei dem Aufstand im Bamberger 
Gebiet im Juni 1525 wurde er vom Rat nebst Bernhard Paumgartner zur 
Vermittelung gebraucht. Er war ein wohltatiger Mann. Zum Bau des 
Sebastianspitales in Niirnberg gab er 1500 fl. Ftir die Armen des Spitals 
errichtete er eine Stiftung. Diesen sollte aus dem Ertrag seiner Wiese 
beim Steinbtihl jahrlich am Martinsabend zwei Pfennige „in die Hande 
nebst anderem mehr** ausgeteilt werden. (Vgl. bes. Ernst Biedermanu, 
Geschlecbtsregister des hocbadeligen Patriziates zu Niirnberg 1748 Ta- 
bula CCCCXCVII.) 

2) Des Joh. V. Schwarzenberg wird in dieser Zeitschrift an verschie- 
denen Orten Erwahnung getan. Vgl. das Register zum X. Band a. v. 
Jobann v. Schwarzenberg, bes. Bd. VII. p. 98 f. 

3) Am Peter Vischer-Haus in Niirnberg gibt die Gedenktafel als 
Todestag den 7. Januar an. Worauf diese Angabe basiert, ist mir nicht 
bekannt. Immerhin mochte zu bedenken sein, daJ3 der 6. Januar als Epi- 
pbanienfesttHg sich dem Gedachtnis des Schreibers lelcht eingepragt hat, 
weshalb ich den 6. Januar als richtiges Datum anzunehmen geneigt bin. 

4) Leonhard Grundherr kam in den Rat 1486, wurde 1490 alter Ge- 
nannter, 1502 erster Biirgerherr, 1503 Obrister Kriegshauptmann im Lands- 
huter Erbfolgekrieg, 1526 Pfleger des Klosters von' St. Katharina (Ge- 
8chl.-Reg. d. hochadel. Patr. Tab. CLIII). 



128 Griebel, Das silteste Kircbenbuch Heroldsbergs. 

Item am tag Clement [23. November] ist hr. Eudres TUcher 
am milcbmark verschieden ^). 

Der erste Eintrag vom J. 1532 lautet: 

Item am 26. Augstmons ist im Christo verschioden ber Hierony- 
mus ebner am Obstmark zu Nurmberg Losanger eiu seer senfft- 
mutiger { demtitiger fromer und weiser man. Dem Evangelio seer 
forderlich. als beillig als woll hundert pebst uud BiscbSff. Seines 
altters im 55 Jar 7 monat 21 tag^). 

Hernach am 8 tag ist d. alt br. Merthen Geud. zu Losunger 
an sein slat erwelt word^). Mors optima rapit. deterrima relinqnit. 
Vom zweiten Eintrag dieses Jahres wird spSter zu reden sein. 

Weitere EintrSge finden sicb im Beerdigungsbucb aus den ge- 
nannten Jabren nicbt. Aus den spSteren Jahren sind vorbanden: 
Ein Eintrag aus dem J. 1541, zwei EintrSge aus dem J. 1545, 
zwei aus dem J. 1549 und einer aus dem J. 1551. WShreud im 
Taufbuch vom J. 1540 und im Ebebucb vom J. 1541 Eintrsige von 
gleicber Hand sicb finden, wie die im Beerdigungsbucb bis 1532, 
sind die Eiutrage im Beerdigungsbucb von anderen H&nden, und 
zwar sind die Eintrage von 1541 — 1545 wieder von anderer Hand 
als die von 1549 und 1551. Spater werden wir seben, von wem 
sie stammen. Die Scbrift ist scbwer leserlich. Es sind lediglicb 
Glieder der Familie Geuder, die jetzt eingetragen sind, nllmlicb 1541, 
Freytag, den 14. Oktober: Frau Gertraut Geuderin geb. Holzschuberin*); 
am 27. Juny 1545, Affra Geuderin, geb. Welserin^); am 8. July: 
Jungfrau Sophia Geuderin®): am 6. July 1549 Juliana, Hausfrau des 
Martin Gender, eine geborene Birkheimerin''); am 13. November 1549 

1) Diesen Andreas Tncher konnte ich in dem Gescblechtsregister 
nicbt nnden. Sollte damit der nacb diesem Register als am 21. Nov. 1521 
verstorbene Andreas Tucher gemeint sein? Derselbe war geboren am 
22. Marz 1453. Er war ebenfalls im Landshuter Erbfolgekrieg Kriegs- 
oberster, nahm an der Schlacht von Regensburg (11. Sept. 1504) teil. 
Wegen seiner Tapferkeit wurde er vom Kaiser Maximilian zum Ritter 
geschlagen. Er ging 40 Jabre in den Rat. Geschl.-Reg. Tab. DVIII A. 

2) ^Hieronymus Ebner ist der bekannte Nurnberger Ratsherr, der 
Freund des Job. v. Staupitz, geb. 1477, der von Anfang an das leb- 
hafteste Interesse an Luther nahm**. D. Kolde, Beitrage Bd. Ill p. 82. 
Weitere Notizen liber Ebner vgl. das Register vom Bd. X a. v. Hierony- 
mus Ebner. 

3) Martin Geuder, geb. 1455; 1486 rannte er mit Markgraf Friedrieb 
von Brandenburg in einem Turnier; 50 Jabre lang safi er im Rat, wurde 
endlich Losunger und KeicbschultheiB. 1. Gemahlin eine Niitzel; 2. Ge- 
mahlin: Julianna Pirkheimer (Geschl.-Reg. Tab. L). 

4) Gertraut Geuder, Gemahlin des Andreas (III.) Geuder, Tochter 
des Lazarus Holzschuher (Gen. Reg. Tab. XLIX). 

5) Affra Geuder, Gemahlin des Sebald Geuder, Tochter desBartho- 
lomaus Weiser), Rats des Kaisers Earl V., dann Senators von Augsburg 
(Gen. Reg. DLVIII). 

6) Eine Tochter des Sebald und der Affra Geuder. 

7) Diese Julianna Pirkheimer ist eine der drei Schwestern des be- 



Griebel, Das lilteste Kirchenbnch HeroldsbeVgs. 129 

herr Georg Gender^) uud am 30. Dezeniber 1551 her Georg Gender 
am heumarkt^). 

Aus alledem aber ergibt sich, dafi sowohl der Verfasser des 
Baebes als auch seine Nachfolger bis znm Jabre 1541^ soweit es 
sicb nm die Gemeinde Heroldsberg handelt^ keine EintrSge ins Be- 
erdigungsbncb gemacbt haben. Es fand^n vielmebr nur die wichtigsten 
Sterbefalle Aufzeichnnng, die^ in den Patrizierfamilien NiirAbergs 
Yorkamen und entweder in irgend einem Zusammenbang mit der 
Heroldsberger Familie Gender standen, oder mit deneu der jeweilige 
Geistlicbe von Heroldsberg vielleicht nSher bekannt war. Der Tod 
Vischers war dem Pfarrer von Heroldsberg an und fur sicb schon 
wicbtig genug^ um ibn in sein neu angelegtes Totenbucb aufzunebmen. 
Die Frage, warum der Pfarrer sicb auf diese bescbrankte und Todes- 
f&We aus der Gemeinde Heroldsberg nicbt verzeichnetC; soil spliter 
bebandelt werden. 

Jetzt fragen . wir vielmebr nacb dem Verfasser des Buches. Da 
lesen wir im Eingang desselben folgendes: 

„In dem Namen unsrers lieben berren Jbesn Christ! 1532. 

In diesem gegenwerttigen Registerpuch sein eigenttlicb verzeignet 
vnd angescbriben | dnrch mich Veitten Eyfiler dieser Zeit von einem 
Erbarn weysen rath meiner Herren von Nurmberg verorddentem 
kircbendiener hie zum Herelsperg. Erstlich alle die so sicb nacb 
' Ghristlicbem gebrllucb vnd ordnng in den beilligen gottlicbe stand 
der ebe begeben babe vnd also eingelait worden sein in obgemeltter 
pfar hie zum Herelsperg | Ztim anderen all die kinder so in ytz ge- 
dacbter pfar nacb befelb des Herren Christi Geht bin vnd leret alle 
volker vnd taufft sie fc: getaufPt worden sein | Zum dritten sollen 
angezeigt vnd bescbrieben werden alle die so in dem Herren ent- 
schlaffen sein. das ist wie wir sprechen | verstorben sein". — Wer ist 
nun dieser Veit Eyfiler? 

Im Taufregister der Pfarrei Heroldsberg vom J. 1788 — 1835 
finden sich auf der Euckseite des ersten Blattes die Pfarrer von 
Heroldsberg von 1528 bis jetzt, also sSmtlicbe evangeliscbe Pfarrer 
verzeichnet. Bei den 5 ersten finden sich folgende Bemerkungen: 



rlihmten Hnmanisten Wilibald Pirkheimer. Die zweite Schwester Gfiaritas, 
iLbtissin des Elaraklosters, war entschiedene Gegnerin der reformato- 
riscben Bewegung, f 1532 ; ihre Nachfolgerin wnrde die dritte Schwester 
Klara. Die Tochter Pirkheimers, Eatharina (f 1563), schlojQ die Reihe 
der Abtissinnen (Gen. Eeg. Tab. L). 

1) Georg Gender war 16 Jabre im Rat, Burgpfleger von der Reichs- 
veste; er quittierte dann die Ratsstelle und nahm das Amt Lauf dafUr 
an (Gen. Reg. XLIX B). 

2) Georg Geuder, ein Neffe des vorigen, Sohn des Martin Gender, 
diente Karl V. in den Niederlanden und in Italien; er wurde 1530 zu 
Bologna zum Ritter geschlagen, kam 1551 in den Rat und starb nocb in 
diesem Jabre [nicht 1552 wie es in dem Gen.-Reg. heifit] (Gen. Beg. L). 

Beitrage zur bayer. Kirchengeschichte XI. 3. 9 



130 



Giiebely Bas alteste Kirchenbuch Heroldsbergs. 



1. 1528 Konrad Erkel, dim. 

2. 1531 Blasius StQckel, ward Prediger im Kloster Pillenreatb. 

3. 1544 Wolfgang KalmUntzer; kam nach Hersbruck. 

4. 1546 Veit Holder, nid. don. (?) 

5. 1544 Jobann Walker starb. 

Die Dipt^cba ecclesiaruifi in oppidis et purgis Norimbergensibns 
von Andreas Wlirfel (1759) weisen die gleichen Namen in gleicber 
Reihenfolge auf. Die beigefUgten Beroerkuugen sind ausfUbrlicher. 
Ebenso lanten die Yerzeicbnisse der Pfarrer in den Pfarrbescbreibungen 
vom J. 1834 und 1864/65; die offenbar Abscbriften der Diptycba sind. 

BezUglich der beiden ersten Pfarrer lesen wir daselbst: 

1. Konrad Erkel. Dieser war bei der 1528 vorgenommenen 
Kirchen visitation scblecht bestanden; desbalb wurde ibm das Predigen 
und Messehalten untersagt and dem bisherigen FrUhmesser Blasius 
StSckel ttbertragen. Im Dezember 1531 wurde er ganz seines Dienstes 
entlassen und kam 2,, Blasius Stockel 1531 an seine Stelle, welche 
er bis 1537 versah, wo er als Prediger fiir das Kloster Pillenreuth 
ernannt wurde und spater als Diakon nach St. Jakob kam. 

Endlich findet sieb in dem BUchlein: Der Kalcbreutber Kirch- 
turmban in den Jahren 1750 — 1790 von Dr. Eehlen^ aus dem J. 
1840 ein Verzeichnis der Pfarrer und Friihmesser za Heroldsberg 
und Kalcbreuth bis 1569. 

Da lesen wir: 



Jahr 



Namen der 
Pfarrer 



Namen der 
FrUhmesser 



SonstigeLebens- 
verhaltnisse 



Quellen 



1523 



1528 



1531 



1546 



Konrad Erkel 



Wird 1531 ab- 
geschafft 



Georg Bub 
Konrad Frickel 
Blasias Stockel 



Blasius Stockel 



Veit E61er 



Kommt 1531 
nach Pillenreuth 

[hm wird aufge- 

tragen, das Kir- 

chenvermogen 

zu ordnen. 



K. Gotteshaus- 
recfanung 

Ntirnberger 

Kirchen- 
beschreibung 

ditto 

Auszug aus 

einer K. Gottes- 

hausrechnung 



Ein Vergleich dieser Verzeichnisse nun ergibt, dafi in sSmtlichen 
von 1531 bis 1537 Blasius Stockel als Pfarrer von Heroldsberg 
aufgefiihrt ist. Dieses ist aber unrichtig. Nach dem Kircbenbuch 
vom J. 1532 ist unzweifelhaft Veit Eifiler Kirchen diener, wie er 
sieh nennt, in Heroldsberg gewesen, und zwar zugleich mit Konrad 
Erkel: denn in der schon erwShnten Beschreibung der Beerdigung 
des Martin Gender aus dem J. 1532, dessen Leiche von Niirnberg 
nach Heroldsberg verbracht wurde, heifit es: „Nach singens hub man 



Griebel, Das alteste Kirchenbach Heroldsbergs. 131 

an zu lentten { mit der grSffern glocken. Das wehret pei vier pis 
in die 5. stundt. Do warttend ich mitsambt Conrad Erkell in peter 
laimans Hans pei der stros^. Und dann: ^Do giengen. wir tzwen 
priester vor dem wagen her in unssem Gorrocken. pettetn miteinander 
septe psalmos^. 1532 hat sich also St5ckel nicht als Ffarrer in Herolds- 
berg befunden. Derselbe verliefl vielmehr Heroldsberg im September 
1531. t)ber seinen Aufenthalt nnd Wirksamkeit in Heroldsberg ISfit 
sich im allgemeinen folgendes konstatioren^). Wie die Augustiner am 
13. Dezember 1524 an den Rat das Anerbieten stellten, alle ihre 
Guter dem grofien Almosenkasten zu iibergeben nnd anf alle ihre 
Einkunfte zu verzichten, sich dagegen erboten, in nnd aufierhalb der 
Stadt nach des Eats Befehl der Gemeinde durch Verkiindigung des 
gbttlichen Wortes zu dienen, so ahmten diesem Beispiel die Kar- 
th£luser alsbald nach d. h. ein Teil derselben^ an ihrer Spitze der 
Prior des Klosters, Blasius St5ckel. Daraufhin entsetzten die VSter 
zu den KarthSusern ihren Prior seines Amtes und Standes (an Weih- 
nachten). Das Haupt der Gegen parte! war Pater Martin. Es kam 
zu Verhandlungen zwischen dem Konvent und dem Rat, die damit 
endigten^ dafl am 9. November 1525 das Kloster dem Rate iibef- 
geben wurde. Pater Martin hatte bereits zu An fang des Jahres die 
Stadt verlassen miissen. StSekel aber bat den Rat um ,,ein weltlich 
Kleid". Im Juli 1527 finden wir StSckel, wi6 Soden sagt (a. a. 0. 
p. 210) als Pfarrer von Heroldsberg. Man gab ihm um diese Zeit 
eine Zulage von 12 fl. Diese Stelle bekleidete er bis zum September 
1531. Am 22. d. M. erhielt er vom Rat die Erlaubnis, Herrn 
Friedrich von Thun^) zu dienen und mit dessen S5hnen auf eine 
UniversitSt zu ziehen. Der Rat verehrte StSckel fiir seine treuen, 
der Pradikatur zu Heroldsberg geleisteten Diensto 10 fl. und versah 
ibn mit einem guten Enipfehlungsschreiben. Im September 1536 

1) Die folgenden Angaben sind entnommen F. von Soden, Beitrage 
zur Geschicbte der Reformation in Klimberg 1855. Aufierdem sei ver- 
wiesen auf den Literaturnachweis bei Heinrich Heerwagen, die Karthause 
in Nttmberg 1380—1525, in; Festgabe des Vereins ftir Gescbichte der 
Stadt Nilrnberg zur Feier des 50j£ihrigen Bestehens des Germaniscben 
Nationalmuseams in Ntirnberg 1902, p. 117 ff. 

2) tiber Friedrich von Thun konnte ich nichts Sicheres eruieren. 
In den Beitragen Bd. VIII, p. 120 u. (J. wird wohl ein Friedrich v. Thum 
erwahnt, ein Wiirttemberger Edelmann und Sch wager Schwenkfelds. 
Dieser ist aber gewig nicht zu StOckel in Beziehung getretcn. Dagegen 
findet sich bei Biedermann, Geschiechtsregister der reichsfreien unmittel- 
baren Ritterschaft in Franken 1748 ein Friedrich von Thiina, auf den 
mich Dr. Reicke in Niirnberg aufmerksam machte. Dieser Friedrich von 
Thiina war sSchsischer Minister, wurde viel in Religionssachen gebraucht, 
ging mit dem Kurfiirsten Johann nach Augsburg, hielt vor dem Kaiser 
Earl V. eine Oration drei Stnnden lan^. Er war geboren 1464 und starb 
1549. Er liegt in der Eircbe zu Leimbach begraben. Er hatte sieben 
Sobne. Es ist sehr wahrscheinlich, dafi wir in diesem den hier genannten 
Friedrich von Thun zu sehen haben (Tab. CCLXXY). 

9* 



132 Griebel, Das lilteste Eirchenbuch Heroldsbergs. 

kamen die Herren von Thun wieder nacb Niirnberg zuruck, und nun 
tritt anch St^ckel in den Akteu wieder anf. Er wnrde nnnmehr zum 
Prediger von Pillenreuth ernannt. Die Klosterfrauen waren aber 
nicbt zn bewegen, seine Predigten zn h<5ren. Am 8. September 1538 
predigte St5ckel in der Kircbe zu St. Sebald an Stelle des ^schwachen^ 
Predigera Veit Dietricb. Hatte sein Gehalt bisber aus lOOfl. be- 
standen; so bewilligte ibm jetzt der Bat anf seine Bitte eine Znlage 
von 50 fl. wegen seiner Fr^mmigkeit und Eedlicbkeit, „weil er sicb auch 
allentbalben bin gutwillig gebraucben lasse^ wobin man ibn rufe^^ 
Am 9. September 1541 wurde er zum Prediger von Hersbruck er- 
nannt. Bei dieser Ubersiedelang liefi ibm der Eat das von einem 
FUficben . Wein bereits erlegte Dmgeld zuriickerstatten. (Soden a. a. 0. 
p. 495.) Nacb Medicus^ Gescbicbte der evangel. Kircbe im Konig- 
reicb Bayern diesseits des Rbeins p. 26 wurde dann Stockel 1542 
bei der Reformat i on seinfiibrung in Regensburg mitverwendet, 1546 
kommt er bei der EinfUbrung der Reformation in Ravensburg ^), seit 
1547 als Mittagsprediger bei St. Jakob und Friibprediger bei St. CSlara 
in Niirnberg vor (f 1556 am 8. April). — Gewifi ein Beweis fur 
das Urteil des Ntirnberger Rats tiber ibn, „dafi er sicb allentbalben 
bin gutwillig gebraucben lasse^ wobin man ibn rufe^^ 

Was aber nun seine Stellung in Heroldsberg angebt, so ist er 
nicbt, wie es in ded verscbiedenen, oben angefiibrten Yerzeichnissen 
der Pfarrer von Heroldsberg beifit, nocb nacb 1531 daselbst Pfarrer 
gewesen. Er war Uberhaupt nicbt Pfarrer von Heroldsberg (aucb 
gegen von Soden und Heerwagen), sondern nur Friibmesser oder, wie 
Eyftler sicb nennt, „Kirchendienor". Pfarrer war Konrad Erkel, 
und zwar bis 1537. Erst aus diesem Jabre stammt die Resignations- 
urkunde ^). Zudem gebt ja aucb aus dem Bericbt Ey filers^ den wir 
oben zitierten, hervor, daB Erckel nocb im Cborrock an der Be- 
erdigung Martin Genders gemeinsam mit Eyfiler Psalmen betend teil- 
nahm. Die Notiz, dafi Erkel bei der Visitation 1528 scblecbt be- 
«tanden babe und desbalb ibm das Predigen und Messehalten untersagt 
wbrden sei, erfiibrt schon dadurcb eine Korrektur, dafi Stockel bereits 
1527 in Heroldsberg fungierte. Gewifi mag es rait dom Predigen 
scblecbt gestellt gewesen sein, so dafi dadurcb die Cbertragung der 
Predigt an den Friibmesser veranlafit war. Allein es kamen andere 
Griinde bierzu. Erckel scbeint sicb in die neue Ordnung der Dinge 
nicbt gefunden zu baben. So lesen wir bei Soden (a. a. 0. p. 357): 
Der Pfarrer von Heroldsberg hatte vom Biscbof von Bamberg ein 
Mandat mit der Weisung angenommen, es zu verkUnden ^). Der bieriiber 

1) Vielleicht nur eine Verwechslung mit Regensburg, wie schon E. 
Waldan meint. (Vermischt. Beitr. z. Gesch. der Stadt Niirnbeg, Bd. Ill p. 70.) 

2) Dieselbe findet sich im Kreisarchiv zu Niirnberg S. I Nr. 248. 

3) Das Pfarrvolk soil verwarnt werden „vor gotteslesterung, schworen 
und dem zutrinken^ davon uff berurtem zu Augspnrg gehaltenen Reichs- 
tag auch gehandelt.** K. A. S. I L. 30 Nr. 11. 



Griebel, Das alteste Kirchenbueh Heroldsbergs, 133 

aufgebrachte Rat verbot ihm nicht nur die Verkiindigung ^dieses 
Bambergiscfaen Dings ^^, sondern er miifite sogar wegen'ungeschickten 
Benehmens im Dezember 1531 sein Predigtamt niederlegen ^) . Nacb- 
dem aber Blasius Stock el bereits im September 1531 Heroldsberg 
yerlasseu hatte, so wird man Erkel bis zum Dezember allein habeu 
fangieren lasseu, und von 1532 an wurde ihm Eyfiler beigegeben, 
der bis 1537 Fruhmesser war, von da an der eigentlicbe Pfarrer 
wurde und es bis 1541 blieb. Die Bemerkung Hehlens/ dafi Veit 
Eyftler 1546 als Pfarrer von Heroldsberg das Kirchenvermbgen zu 
orduen hatte, wobei sich Rehlen auf einen Auszug einer Heroldsberger 
Gotteshausrechnung bertift, vermag ich nicht auf ihre Richtigkeit zn 
priifeii; da dieser Rechnungsauszug nicht mohr vorliegt. 1546 war 
hier Veit Holler oder Holder. Es ist moglich^ dafi infolge des 
gleichen Vornamens Veit daraus eine Verwechslung der beiden Mslnner 
entstand, 

Veit Eyfiler aber ist zu Heroldsberg von 1532 — 1541 als 
OeistUcher tatig geweseu. Bis dahin nUmlich gehen die EintrUge 
des Ehe- und Taufbuches von der Hand Eyfilers. Im Ehebuch findet 
sich als letzter Eintrag Eyfilers die Jahreszahl 1541. Der leizte 
Eintrag im Taufbuch stammt vom 15. Dezember 1540. Daun finden 
wir in beiden F^lllen die Bemerkung: hier mangeln 4 Jar und ein 
halb; das niemand eingeschrieben worden. Im Taufbuch ist noch 
hinzugefugt: ^vnd hat das ansehen^ als ob sie heri^us gerifien worden.^ 
Dieser letzter en Bemerkung kanu ich nicht beipflichten. Mir scheint 
das Buch v5llig intakt bis aUf das Fehlen der ersten Seite, wie be- 
reits bemerkt. Diese Angaben machte, wie sich aus einem Vergleich 
der Haudschriften mit den EintrSgen in die Kirchenbiicher durch die 
spateren Pfarrer ergibt, Pfarrer Heinlein, der vom Jahre 1587 — 1625 
in Heroldsberg Geistlicher war. Die weiteren Eintrage von 1545 
an im Ehe- und Taufbuch, gleich denen im Begrsibnisbuch von 1546 
an sind von Veit Holler, der von 1545 — 1553 die Pfarrei Herolds- 
berg inne hatte. Seine EintrSge brechen mit dem Jahre 1552 (April) 
ab. Nach dem letzten Eintrag vom 22. April 1552 im Taufbuch 
fugt Heinlein wieder die Bemerkung an: Von dieser Zeit ist d. Marg- 
grMvische Krieg angegaugen, unnd ist von der Zeit an nichts vfge- 
zeichnet worden, bifi Anno 1555 mense februario. Zwischen 1541 
und 1545 ist Koburger, genannt Kalmiinzer, Pfarrer in Heroldsberg 
gewesen, von dem sich die oben erwShnten drei Eintrage, namlich 
einer aus dem J. 1541 und zwei aus dem J. 1545 im Sterberegister 
finden*). tJbrigens, wenn es in der Pfarrbeschreibung von Herolds- 

1) Ntirnberger Kreisarchiv S. I L. 30 Nr. 11. 

2) Wolf Koburger s. Kalmiinzer kam, nachdem er in den genannten 
Jahren zu Heroldsberg Pfarrer war, als Diakon nach Hersbruck, wurde 
1558 daselbst Pfarrer und starb 1. Mai 1561. Ernst Waidau a. a. 0. Bd. Ill 
p. 104. 



134 Qriebel) Das alteste Eii'chenbucb Heroldsber^s. 

berg heifit, dafi Yeit Holler wegen Alters im Jahre 1558 in eine 
Zelle iu der Kartliause eingewiesen wnrde, so erklart dies auch die 
schwer zu lesenden EintrUge von 1549 — 1552, die eine zitternde 
Hand bei der Niederschrift erkennen lassen. iJber Veit Eyfiler aber 
konnte bis jetzt nichts Naheres in Erfahrung gebracbt werden, weder 
wober er stammt, nocb wo er sicb aufhielt, bevor er nach Herolds- 
berg kam, nocb . wohin er von da aus versetzt wnrde, oder ob er 
daselbst starb. Vielleicht, dafi eine weitere Nacbforscbung im Kreis- 
archiv zu Nurnberg nocb Licbt ius Dankel bringt. 

Fassen wir aber nun zusammen, so ergeben sicb fur uns jetzt 
biusicbtlicb der ersten evangeliscben Pfarrer, resp. Prediger von 
Heroldsberg folgende Daten: 

1. Konrad Erkol. Er soil seit 1523 Ffarrer daselbst geweseu 
sein. 1527 tritt ibm Blasius Stockel zur Seite als Kircbendiener bis 
September 1531, wo dieser die UniversitSt mit den Sohnen des 
Herrn von Tbun beziebt. 

Bis Dezember 1531 versiebt Erkel allein das Amt. Dann wird 
ibm das Predigen untersagt und Veit Eyfiler an die Seite gegeben. 
1537 resigniert Erkel. 

2. Veit Eyfiler 1537—1541. 

3. Wolf Kobarger 1541—1545. 
4^ Veit Holler 1545— 1553 1). 

5. Jobann WSlcker 1554—15792). — 

Was war aber die Veranlassung zur Verabfassung unseres Kirchen- 
bucbesp Diese Frage wird uns weiter 2u bescbaftigen baben. Eine 
dabingebende Verordnung von seiten des Ntirnberger Rates gab es 
im Jahre 1532 bierzu nocb nicht. Diese findet sicb erst in der 
Brandenburg-Nlirnberger Kirchenordnung vom J. 1533^ in der es 
nach Bicbter, Die Kirchenordnungen des XVI. Jabrhimderts Bd. I 
p. 210 heifit: Es soUen auch die Pfarrher oder Kircbendiener yedes 
orts in ein sunder Register fleyfiig einscbreybeu die namen und zu- 
namen der Kinder | die sie tauffen unnd der personen | die sie 
eelicb einleiten unnd auf wellicben Tag unnd in wellicben Jar 
solliches gescbeben sey. Jetzt verstehen wir's, wenn wir lesen, dafi 
in Nurnberg selbst im gleicben Jabr (1533) TaufbUcber angelegt 
wurdeu (EbebUcber waren ja scbon seit 1524 vorhanden) und aucb 

1) Veit Holder war zu Heroldsberg Pfarrer bis 1553; dann wnrde 
er Altershalber mit Beibehaltung eines jahrlichen Gehaltes eutlassen und 
in eine Celle in der Karthause eingewiesen (Heroldsberger Pfarrbeschrei- 
bung 1843). 

2) Johann WOlker stammte aus einem alten Gescblechte der von 
Wolkersdorf; er wurde 1530 geboren, kam in dasKloster Heilsbionn, wo 
er 1549 Profefi tat, trat 1553 aus, verb eir ate te sicb zu Bo^stall, nahm 
das Diakonat von Eatzwang an, wurde dann Vlkar von M(5geIdorf und 
St. Jobst, 1555 Pfarrer von Heroldsberg. Er starb zu Heroldsberg am 
18. Mai 1579 (Heroldsberger Pfarrbeschreibung 1843). 



(jriebel, Das. alteste Eirchenbuch Heroldsbergs. 135 

in Henfenfeld; Hersbruck und Altensittenbacb die Begister mit diesen) 
Jabre beginnen. Andere Orte sind nacbgefolgt, wenngleich aucb 
vom Rat zu Niirnberg nicbt sofort mit der Strenge auf ibre Anla^e 
gedraugen worde^ wie spater. wo wir in der Brandenburger Visitations- 
ordnung vom Jabre 1573 lesen^ dafi die PfaiTer ein Verzeicbnis fUr 
Traunngen, Taufen und Beerdigungen, desgleicben ein Inventarium 
Uber.Mefi- und andere Biicber anznlegen baben bei 10 Taler Strafe. 
Es bestand eben allentbalben das Bedurfuis, vor allem urn die 
Familien zu wissen, welcbe sicb der neuen Lebre anscblossen, um 
dieselben seelsorgerlicb bedieneu zu konnen, wesbalb meines Eracbteus 
der Anfang mit der Anlegung von Ebebucbern gemacbt wurde, und 
dann erst die der Taufbiicber, spater der Beerdigungsbucber folgte. 
„Der allgemeinen Befriedigung dieses Bediirfnisses balf man allm&blicb 
mit Verordnungen nacb. Die . einsicbtigen unter den Oeistlicben, 
denen es vor allem ai^cli um die Seelsorge zu tun sein mocfate^ 
legten aus eigenem Antrieb solcbe Begister an. Dabei wirkten 
einzelne VorgSnge in dieser Bichtung ermuuternd. Es ist docb merk- 
wUrdig, wenn man beobacbtet, wie solcbe BUcber. alsbald mit der 
Durcbfiibrung der Kircbenerneuerung eingefUhrt wurden von den 
Alpen bis zum Harz, von den Yogesen bis nacb Scblesien^ (so Jakobs 
a. a. O.). Cbrigens wenn man solcbe BUcber, vor allem also Trau- 
und Taufbiicber, anlegte, um die der evangel ischen Kircbe zugeb(5rigen 
Glieder zu fixieren^ so batte man dabei in Deutscbland nicbt etwa 
den Gegensatz der am alteu Glauben Festbaltenden im Auge — von 
diesen bofifte man, daft sie sicb allmablicb fiirs Evangelium gewinneu 
lassen wurden — sonderu die Wiedert&ufer, die sicb ja gerade aucb 
in Nurnberg und Umgebung Einflufl zu verschaffen suchten. DaS 
gerade diese wiedertSuferische Opposition wenigstens mitbestimmend 
war bei der Anlegung der Kirehenbiicber, speziell des Heroldsberger, 
das gebt aus der Einleitung hervor, die dem Ebebuch vorange- 
scbickt ist. 

Nacb den bereits (s. o. S. 129) zitierten Worten, mit denen 
Eyfiler ein Inbaltsverzeichnis des Bucbes in grofien Ziigen als Ebe-;i 
Tanf- und Beerdigungsbucb gibt, f^brt er nSmlicb fort: ;,Und solcbes 
acbt ich fur nutz und gut aus volgenden vrsacben. { 

Erstlicb dariimb | dweil itzt ein Zeitlang vnd nocb vil Schwer- 
merei vorbanden sein. die solcbe gottlicbe ordnung der beilligen ehe 
Vnd das wirdig heillig Sacrament der tauff { sunderlicb der iungen 
kindlein lestern vnd vernicbten. Vnd mit vil unnutzen worten die 
beilligen scbrifft besudeln und felschen. Bereden die armen ein- 
feltligen in dorflFern | einSden | vnd aufF dem felde | die ebe zu ver- 
acbten | die erste tauff so sie in der kintbait entpfange baben zu 
v^laugne welcbes alles des teuff-elspil { wutten od. | prulle solcbe arme 
einfeltige in Zweifflung bringt. Solcbes aber ein fleissiger, trewer 
pfarrer oder kircbendieuer zu v'kummen sol er solcbe arme einfeltige 



136 Griebel, Das silteste Kirchenbuch Heroldsbergs. 

vnd v'furte wider anfirichten | mit trostlichen wortten heilliger scbrifft 
trosten | vnd inen anzeigen das sie solchen gottlichen Christlichen 
ynd ehrlichen stand der beilligen ebe | nit sollen verachten { Od ein 
gemabel das ander nit verlassen | od wie die Scbwermer sagen ver- 
wecbselen | es sei w3der got | wider gottlicbe Cbristliche ordnung | 
Got wird es ungestrafft nit lassen. Dan also straffet er den Abimelecb 
welcber dem Abrabam sein weib vorbielt | wie im ersten pnch Mose 
am 20. ca. 

Desgleichen mit der tauff der inngen kindlein | welcbe die Scbwermer 
wie obgemelt veracbteu | mag man anzeigen das man nacb Christ- 
licher ordnung vnd gebraucb getaufft worde sey vnd das solcbe einigk. 
der tauff genug sei den befelb des Herre Christi zu erfallen { vnd 
weitter keinr andern tauff mer bed<)rff Wie dan aucb Paulus ad Epbe 4 
sagt Ein ber | ein glaub | ein tauff { ein got | fc Das aber der arme'| 
einfeltige v'furtbe { mog solches des stattlicb^r glauben | so mag ein 
Pfarrer od kircbendiener ^olcbes anzeigen od. beweisen das iar | den 
tag fc daran er getaufft worden ist anzeigen | darzu dient diesies buchj. 

Zn andern Es begibt sich offt | das ein kindt in frembden laud en 
sicb v'ehlicbt | vnd von wegen der lent desfielbigen orts vnd gepraucbs 
wirt erfordert das er einen purtb brieff aus seinem vatterlande bringe | 
das er eines frnmmen mans sun | vnd ehelich geporn sei re : 

Dweil dan solcbes offt groffe muhe mit zusamme bringung ett- 
licber menner die seine elttem kent baben { vnd des Zeugnus geben 
erfordert | Oder offt ein solcber lange Zeit aufpliben | vnd in ver- 
geffung feiner eltern pei den nacbbaurn kUmmen ist { derbalben ein 
purt brieff scbwerlicb gegeben | od gar abgescblagen wirt | welcbes 
ein frummer gesel vnpillicb gedulde vnd entgelten muft | Und also 
an seine vertraute gemabel etwa gebindert wurd | Solches zu v'kumme 
mag man solcbem angezeigtem Register | treulicb vnd gerecht von 
mir bescbriben glauben geben | welcbes solches warhafftig anzeigt | 
on alle kost vnd mlihe oder Zeugnus anderer mensche. Also aucb 
wo einem solcbe seine elttem vater vnd mutter in dem berren ent- 
schlafen od gestorben seindt | vnd solches in vergefiung pei den 
mensche od nachbaurn kummen wSr | Mag man suchen hernach in 
disem Register puch vnd in ware kuutschafft kumme | das also einem 
geholffen und er gefurdert wurd { Und wo in solcbem allem nur einem 
gutten frummen goselle geholffen wUrd | so soil al mein beschreibung 
nicht vergeblicb und unnutz geacht werden'^ 

Was fUr ein edlos, von warmer seelsorgerlicber Liebe getragenes 
Herz, in das uns diese Ausfiihrungeu hiueinblicken lassen! Ohne 
alle Kosten soil von nun an ein frommer Gesell sicb Aufschlufi in 
den beregten FSllen erholen konnen, die Muhe, die ihm aus der 
Eruierung der nStigen Daten erwachsen konnte, sollen ihm abge- 
nommen werden. Das Dnbequeme, das durch Erbitten von andern 
Leuten als Zeugen sich ergibt, soil beseitigt werden. Uubillig miiflte 



Griebel, Das alteste Kiiebenbuch Heroldsbergs. 137 

&r es erdnlden, wenn ihin die £rla]ig;iuig eines Grelmitszeugnisses 
schwer fiele oder ein solches gar abgeschlagen wuide. Und bei aller 
Mube^ die dagegen der Verfasser anf sicfa nehmeii will, ist er za- 
friedeu und sieht seine Arbeit nicht als nnnutz an, wenn auch nnr 
einem guten fironunen Gesellen damit gebolfen wird. So haben nnsere 
Vater gedacbt! Solcben Inteutionen ist die Anlegnng der Register* 
bucher entspmngen! In welchem Kontrast stebt dazn die Gegenwart! 
Jetzt wird die Ansfertignng jedes Zengnisses anf Grnnd der Register- 
bdcher mit Mk. 1.60 berecbnet! Der Idealismns der Alteu hat fur 
uns etwas BeschSmendes ! 

Doch sehen wir sn, welches nach den Erlautemogen Eyfllexs 
der Zweck der Kircbenbucher sein soil! Es ist ein doppelter. Sie 
sollen 1. einmal dazu dienen, dem Umsichgreifen des Wiedertaufer- 
tums entgegenzutreten und sodann sollen sie den Gremeindegliedern 
zn den zn irgend welchem Zwecke notwendigen Fersonalien ihrer 
eigenen Person oder ihrer Angehorigen roSglichst leieht Terhelfen. 

Beznglich des ersten Pnnktes ists ein rein seelsorgerlicher Zweck, 
dem die Kircbenbucher dienen sollen. Die Eheschlieflungen sollen 
aufgezeichnet werden. Kommt namlich ein Glied der Gremeinde in 
Gefahr, den Wiedertaufem das Ohr zu leihen, wagt er es, sein ehe- 
liches Gemahl zu verlassen oder gar es mit dem eines andem zu ver- 
tauschen, so soil ihm aus dem Rirchenbuch nachgewiesen und zu 
Gemiite gefnhrt werden : Siehe, du hast die Ehe geschlossen, was du 
jetzt zu tun yorhast, resp. getan hast, ist wider Gott und sein Gebot 
Er wird dich richten. Den gleichen Zweck haben die Taufregister. 
Damit wird nachgewiesen, die Taufe ist an dem und dem Tage, in 
dem und dem Jahre vollzogen, das genngt, der Befehl des Herrn 
ist erfdllt. Also lasse dich nicht von den WiedertSufem irre machen ! 
Es bedarf keiner weiteren ' Taafe. 

Auch die diesbeztiglichen Ausfiihrungen kann man nicht lesen, 
ohne zu empfinden, welche Serge um das geistliche Wohl seiner 6e- 
meindeglieder den Verfasser erfdllt hat. Es erhellt aber auch daraus, 
dafi die Gefahr, welche der Gemeinde drohte, nicht gering gewesen 
sein kann. In der Tat wisseii wir ja, wie gerade in und um Niirn- 
berg im Reformation szeitalter das Wiedert&ufertum sicli gelteud zu 
machen snchte. Es wSre gewii^ intcressant, naher darauf einzugehen. 
Doch besitzen wir daruber manche Abhandlung, worauf hiermit ver- 
wiesen warden soil, in dieser Zeitschrift. Man vergleiche wieder das 
Register, besonders Th. Kolde, Hans Denk und die gottlosen Maler 
von Nlirnberg, Jahrgang 1902 p. Iff. Auch auf Roth, Die Eiu- 
fiihrung der Reformation in Nurnberg 1517 — 28, Kapitel VI, das 
den Abendmahlsstreit und die Wiedertaufer bebandelt, sei hiuge- 
wiesen. 

Der andere Zweck, den Eyfiler mit der Aniegung seines Kirchen- 
buches erreichen wollte, war der, den Gemeindegliedern daheim und 



138 Griebel, Das alteste Kirchenbucb HeroldBbergs, 

in der Feme eventuell leicht die nStigen Angaben der Personalien 
YOQ sich oder ihren Angehorigen zu verschaffeD. Datnit nslhern sich 
die Biicher Linsichtlich ihres Zweckes unseren Matrikeln. Allein es 
bleiht doch auch hier der Unterschied bestehen, dafi man sicb damals 
bei der Anlage und Fortflihrung derselben von kircblichen Gesicbts- 
punkten leiten liefi^ besonders eben wiederum von dem der Seelsorge. 
Mbcbten nnsere Matrikeln^ nachdem der Staat die Personenstands- 
fiibrung davon getrennt bat, ibrem urspriinglicbcn Zweck wieder mebr 
und mebr zuriickgegeben werden! 

Es eriibrigt uns bier nocb, einige Worte speziell uber die so 
friihe Anlage des Beerdigungsbucbes anzufugen^ dessen Zweck uns 
Ey filer aucb angibt. Vergleicben wir die Register biicher anderer Orte, 
so iindon wir eine solcbe Anlegung durcbweg spSter. Auch die altesten 
Kirchenordnungen verlangen nocb keine. Die Niirnberg-Branden- 
burgiscbe (1533) ordnet nur Tauf- und Traubiicher an. Erst in einer 
Bran den burgischen Visitationsordnung vom J. 1573 beifit es, es sollen 
auch die Namen derer, so zu ihren Zeiten verstorben, mit Fleifl ver- 
zeichnet werden. Nicht als ob man nicbt auch friiher Verzeichnisse 
von Verstorbenen angelegt bStte. lu der alten Kirche und im Mittel- 
alter finden wir dieselben in den Diptycha. Hier haben sie aber einen 
ganz anderen Zweck als in den Kirchenbucheru. Hier sind sie fur 
die Messe aufgezeichnet. In Niiruberg finden sich im Mittelalter sog. 
Totengelautbucber fur St. Sebald und St. Lorenz. Dr. Bauch hat 
bieruber in der Archivalischen Zeitschrift Bd. VIII, 119 — 148 aus- 
fiihrlicb und sehr interessant gescbrieben. Da wurden die Namen 
der verstorbenen Patrizier verzeichnet, bei deren Transfer ierung zum 
Gottesacker mit den Glocken gelSutet wurde. Dabei ist besonders 
auch angegeben, was jedesraal fiir ein solches GelSute an Gebiibren 
entricbtet wurde. Dafi die Kirchenbiicher zunSchst die Totenregister 
nicht anfweisen, erklart sich aus dem seelsorgerlichen Interesse, dafi 
die Anlegung derselben veranlafite. Da gait es, sich an die Lebenden 
zu halten. Wenn nun Eyfiler trotzdem ein Totenregister bereits 1532 
anlegte, so haben wir ja gesehen, dafi der Gedanke, ein Personen- 
standsverzeichuis zu geben, auch bei den andern Registern sicb schon 
geltend machte. Seinen eigenen Worten ist zu entnehmen, dafi er 
mit diesem Verzeichnis den Hinterbliebenen einen Liebesdienst er- 
weisen wollte, sofern sie nun leicht das Sterbedatum erfahren konnten, 
falls es von ihnen vergessen wordeu war. Daraus erklSrt es sich 
auch, dafi nur die wichtigsten TodesftHJe von ihm aufgezeichnet' 
wurden, 

Es eriibrigt uns noch, auf die Art, wie die Eintrage in unser 
Kirchenbucb gemacht wurden, einen kurzen Blick zu werfen. Auch 
dafiir wurden schon, was das Beerdigungsregister angeht, Belege ge- 
bracht. Die Eintrage von 1528 — 32 wurden in extenso mitgeteilt. 
Wir ersehen daraus, wie Eyfiler sich nicht damit begniigte, nur Per- 



Griebely, Das alteste Kircbenbucb Heroldsbergs. 139 

sonal- und Zeitaugabeo zu machen, sondern er hat 5fters die Todes- 
ursache oKber beschriebeD, bat eine CharakterisieruDg der betreffendon 
Person angefiigt, bat auf ibren Stand bingewiesen, deu Wobn- und 
BegrSbnisort teilweise bezeicbnet, iiberbaupt sicb nicbt an ein be- 
stimmtes Scbema gebunden, sondern eben das aufgescbrieben, was 
ibm in dem bestimmten Fall wissens- und beachtenswert erscbien. 
Im Ebe- und Taufbucb sind die Angaben gleichmSfiiger und kiirzer 
gebalten, was sicb ans der Natur der Sache erklSrt. Nur einige Bei- 
spiele mSgen das beweisen. So beiflt es im Ehebncb 15B2: Item 
— es ist das der erste Eintrag im Buche — am 5. tag des Hornungs 
sein eingelait worde zur ebe fritz des fritz boffmanns sun vom Neun- 
boff mit margared purtig von der glasbutten ^). 

Item am 7. tag Hornungs sein eingelait worden zur ebe Hans 
des Haintz mulners sun { mit Ursula des peter laimanns dochter zum 
Herelsperg. 

Item am 3. Gbristmons (1533) sein eingelait word zur ebe Merthe 
mayr mit ellsen die pierels genant. 

Item am 12. Heumon (1538) sein eingelait worden zur ebe 
Endres pader von gontzenbausen | mit anna des banssen mertzen 
seliger vo rolhofen dochter | Discs sein arme sieche lent, vuntten im 
kobell vnd habeu an mir ires ehestands halber schrifftliches Zeugnus 
begert { habe ich iuen solches nach irem begeren mit meinem auff- 
gedruckten sigill willig gern mitgethailt. 

Der erste Eintrag im Taufbucb hat folgenden Wortlaut: 

Item am 23. Hornimgs (153^) ist getaufft worden dem Hanssen 
kar klein Kernlein genat ein kiudt ist genant worden kontz { gefatter 
ist gewest Contz niissel. 

Item am V. Augustmons (1553) ist getauflPt worden mir Veitten 
Eyfiler diser Zeit hie zum Herlsperg prediger | meiu sun^) | ist ge- 
nent worden Caspar. Mein gefatter ist gewest Caspar Koburger von 
Nurmberg. 

Item am 5. berbstmons (1533) ist getaufft worden ein kindt dem 
heyntz mulner ist genent worden els Gefatter ist word els die pierels 
genant. 

Item am 9. Aprilis (1536) ist gettauft worden ein kind N einem 
armen frembden siechen welchem sein weib hie gelag im siechbaus ^). 



1) nGlasdfen, die wegen ihres bedeuteuden Holzverbrauches dem 
Waldbestand nachteilig waren, kommen noch verhaltnismaUig spat vor. 
So wird ein Glasofen zu Gescheid und Schollenbach in einer Urkunde 
vom 27. Juni 1569 genannt.* Mummenhof, Mitteilungen des Vereins flir 
Gescbichte der Stadt Niirnberg, Heft 16, p. 239. Ohne Zweifel ist das 
die ^glasbutten'*, aus der Margareta Purtig stammte. 

2) Ist also der erste evangelische Pfarrerssohn zu fleroldsberg. 

3) Vgl. den Eintrag vom 5. Sept. 1533 p. 34 und die Beschreibung 
der Beerdigung Martin Geuders s. u. S. 141. 



140 Griebel, Das alteste Kirchenbnch Heroldsbergs. 

1st das kindt worden genent bans. Oefatter ist worden Hans Lorentz 
forster pei hiindsmull^). 

Diese Eintrllgo mogen geniigen. 

Wenn dem Ehebuch die bereits mitgeteilte Einleitung vorangebt, 
die deu Verfasser und Zweck des Bucbes enthHlt^ so baben das Tauf- 
und Beerdigungsbncb folgende Uberscbriften : 

Das erstere (wie das Ebebucb): 

In dem Namen unsseres lieben barren Jesu Cbristi 1532. 

Das letztere: 

Johannis XI. Icfa pin die aufferstehung (spricht Jhesus der berr 
zn der Martha) und das leben. Wer an micb glaabt { der wirt lebe 
ob er gleicb stUrbe | Und wer do lebt und glaubt an micb | der 
wird nimmer sterbe. 

Ca. XYII Vater das ist das ewig leben» das sie dicb | das du 
alleine warer got pist und den du gesaut bast Jbesu Cbrist erkeuncn 
Pretiosa in conspectu dni [domioi] mors sctor. ej. [sanotorum 
eius Ps. 116, 15 Vulgata] 

Beati mortui qui in dno [domino] moriuntur [OfiFenb. St. Job. 
14 V. 13] 

Justus si morte praeoccupatus fnerit in refrigerio erit [Spr. 
Sal. 14. 32P). 

Nacb dieser tiberscbrift folgt der bereits ang«fubrte Eintrag von 
Martin Tucber. 

Nun aber mocbte icb nocb die Aufzeicbnung iiber den Tod und 
das Begrabnis des Losungers Martin Gender, des Scbwagers von 
Willibald Pirkbeimer, mitteilen^ dessen Heimgang dem Verfasser des 
Bucbes selbst sebr nabe gegangen ist, wie das aus der ganzen Art 
der Darstellung, sowie aus der Ausfiibrlicbkeit des Eintrags, im Be- 
erdigungsbncb (p. 86 flP.) hervorgebt. Eyfiler scbreibt: „1532 Item am 
21 tag Decembr. ist verscbiden vnd in Obristo entschlaffen { mein 
altber her. Der Erbar vnd vest: ber Mertbe Gender ein Losunger 
zu Nurmberg. P]in seer fromer gotsforcbtiger man vnd liebbaber der 
warheit vn gerechtigkeit. Ward ser eerlicb auff einem wagen | mit 
4 starken pferd des closters S. Clara | aus seinem Haus (am Ileumark 
das cck) mit einem ser grossen leicbtucb vmb dem wagen bebengt | 
gefiirt. 

Neben dem wagen giengen statknecht | mit prennenden kertzen. 
Nacb dem wagen ein Erbarer rath in schwartz geclaidt. Und seer 
vill volks aus der gemain (dweill es eben aucb ein feiertag, als S. 
Thomas tag ward) volget hiuten nach pis zum eiifiern laiffer thorj 
doselbst kereten die Herren vnd yder man wider umb. • 

1) ^/4 Stunde von Heroldsberg entfernt. 

2) Die Yuglata tibersetzt: Sperat iustus in morte sua. Luther: Der 
Gerechte ist in seinem Tode getrost. Sollte obiger Spruch eine freie 
fjbersetzung hiervon sein? 



Griebel, Das alteste Kirchenbuch Heroldsbergs.* 141 

Also riten seine sun Junker Jorg Sebald vud Merthen { Auch 
die Erbarn iunkhern Endres vnd Jorg gebruder | vnd obgemeltter 
Geiid. vettern {. Es riten auch mit sonste ettliche reutter und knecht. 
Vor vn nach dem wagen dur^jh den wald von. Nurmberg | pis gem 
Heroltsperg, 

Als aber erstlich die potschafft kam | gem '^Heroltsperg { stund 
icb Veit Eifiler eben aufFm predigstull vn prediget | vnd wie ich eben 
darvor gepeten het zu got | mit dem volck fur sein leben. wurd mir 
so paid angezaigt { er war entsehlaffen. icb solts dem volck antzeigen. 
yderman oder der maist tbail so da verband vom volck. das weinet 
vn trauret. 

Nacb singeus bub man an zuleutten | mit der grosseren glocken. 
Das webret pei vier pis in die 5. stundt. Da warttend ich mitsambt 
Conrad Erkell in peter laimans haus pei der stros. das volck aulF 
der gassen { die pubeu mit kreutz vnd kertzen | pei dem siecbhaus. 
vnd also kam der wagen { mit der leich in eiuer truhe vermacht 
seine sun | vorgemeltte vettern fc. 

do giegeu wir tzween priester vor dem wagen her in vnssern 
Gorrocken, petteten miteinander septe psalmos. die man nent peni- 
tentiales. in fine psalm or [um]. Gla [gloria] patrj. vnd nit Requiem 
eternam | d. boffnung. Er sei scbon vorbin in der ewigen rube, 
vnd seligkeit dweill er in recbtem warem Christlicbem glauben von 
hinne auch abgescbieden ist. Amen. 

Als aber der wagen dorauff die leich den perg pei d. kircben 
hinauff kam. ward er gefurt zu der kircbbo£P thur | als man vom 
pfarhoff herab geet. alspald warn do ettliche aus dem gericht hie 
schopffen. die namen die truhen vom wagen, legtens aufF die por. 
truges in die kirchen. wir tzwen priester sangen Media vita in morte 
sum[us] fc pis in die kirche zu seiner begrebnus. 

Also do nun yderman zu kircben verband was I befalh icb man 
soil stille sein. So paid hub icb an steend vor dem grab neben 
seinen sonen vorgemelt | bub an vnd thet ein Admonicion aus den 
wortten paulj : Nolum[u]s vos ignor' de domientib[u]8. aufF ein viertel 
einer stund. Dorinnen icb auch meldet. wie das unsser lieber alttcr 
herr vn vater nit gstorben war | wie andere | die der seligkeit kein 
boffnung nit haben. sond. er war entsehlaffen mit Cbristo | vnd ytzt 
pej im I im ewigen leben. des war kein tzweiffel nit. vnd anders 
mer. Und als mich doch zuletzt das wainen anderer auch beweget 
wurd icb auch mit waineuden wainendr. 

Als solcbe admonicion aus wardt | befalh ich man sollte inen 
bineinlegen. do sprach ich : Memento homo q[uijcinis es . . . in cine- 
rem reverter[i8] | lateinisch. 

do ward er gelegt in ein grab | dorinne vormals sein schwester \ 
mit namen Cecilia gelegen ward, ein Junkfraw | als man hat zelt 
1. 4. 62 iar | aber nun erfault. Seine son vorgemeltte. vnd sonder- 



142 Griebel, Das alteste Kircbenbnch Heroldsbergs. 



lich der Erbar her bans Geuder seiu eltster son | haben im ein eer- 
lichs begrebnus (welche er im vor im leben erwelt hat) mit einem 
koBtlichen grabstein (wie vor augen) lassen zurichten. 

Vnd kost solcher grabsteiu den E. hanssen Geuder nit minder 
dan pej 28 fl. zu graben furen pallirn vnd zu legen. 

Solcher stain mitsambt schilt vnd helm ist zur linken so man 
erstlich in Ghor der Kirche zum horlsperg geet. dorzu schreib ich im 
zu eeren dises Epithaphm hieher. 

Vive deo felix anima. hie regesce [requiesce] corp[u]s 
Mox aderit q[ui] vos suscitet atq[u]e beet^). 

Nach der begrebnus gieng ydermau zu haus haim (das ward 
ongeverlich anderthalb stunde vor nachts. 

Des andern tags gab man yderman (wer nur wolt weins vn 
proths genug zu essen do ward ein grosse antzall von altten lenttcn 
vn kindern pey der pierelssen. 

Man saget auch das do zu mall Juliana des altten herren ver- 
lassene hausfraw sich so kleinmiitig vn bekummert gewesen sei von 
ires herren wegen | das von not | wegen ir son der E. bans Geuder 
pei der begrebnus seines vaters nit hat konnen entgegen sein. Er 
war sonst on zweifell nit auspliben^. 

Der Eindruck, den man von diesem Bericht gewinnt, ist gewifi 
der, daft man in ihm ein sebr wertvolles AktenstUck aus jener Zeit 
besitzt, wertvoll in kirchen- wie in kulturhistorischer Beziehung. 
Wir ersehen daraus genau; wie damals, also in der ersten Zeit der 
Reformation, eine Beerdigungsfeier gehalten wurde, wenigstens wenn 
es sich um Standespersonen handelte^ und, um auch Nebensachliches 
zu bemerken, dafl man damals schon den Thomastag in Niirnberg 
sehr frequent! ertO; dafi eine Art Leichenschmaus stattfand u. dergl. m. 
Doch es sei genug. Eine ausfUhrlichere Behandlung dieses Stoffes 
liegt aui^er dem Eahmen unserer Aufgabe. 

Das aber wird man wohl zugeben mussen, dafi es ein sehr in- 
teressantes und wichtiges Buch aus der FrUhlingszeit der Reformation 
ist; jenes alte Kirchenbuch Eyfilers, und dafi wir nicht nur uns 
freuen diirfen, dafi es durch die Stiirme der Jahrhunderte bis auf 
unsere Zeit hindurch gerettet wurde, sondern auch heute noch dem 
Verfasser danken miissen^ dafi er sich an seine Anlegung gemacht hat. 

Oben wurde gesagt, bis jetzt babe man nichts N^heres Uber das 
Leben des Mannes erfahren konnen, der gesorgt hat, dafi es uber 
andere an Notizen bezuglich ihrer Person nicht fehle. Vielleicht 
dafi es weiteren Nachforschungen uber ihn gelingt, wie bereits be- 
merkt, Aufschliisse iiber ihn zu geben. Doch dem sei wie ihm wolle. 
Sein Buch selber lafit durch die Zeilen sein Bild hindurchblicken. 
Er war eine fromme, von Liebe zu seineu Mitmenschen erfiillte, fur 
deren geistliches und leibliches Wohl besorgte Seele; dabei imeigen- 

1) von beare (beseligen). 



Wolff, Pfarrbesoldnng in Schopflohe auB dem Jahre 1522. 143 

niitzig iind gefUllig* Er besafioffenbar ein weiches Gemiit, und nach 
allem, was wir von ihjn gehbrt, scheint er auch in geistiger Beziehung 
nicbt einer der Letzten gewesen zu sein. Wir griifien ibn iiber die 
Jabrhunderte hinweg und sagen: 

Have pia et Candida anima! 



Pfarrbesoldung in Schopflohe aus dem Jahre 1522. 

Miszelle. 

Von Pfarrer Wolff, Scbopflohe, 

Die alteste geschriebeue Pfarrbesoldung fUr Schopflohe a. Ries 
findet sich in einer Urkunde^) ans dem Jahre 1522, welche der 
Magistrat und die Spitalpfleger zu Dinkelsbuhl, nachdem ,.Babstlich 
jjHailligkayt die Pfarr Sanct Sixti vnd Benedicti zu Schopfloch Tm 
^Kiefi gelegeu; Augspurger Bisththnmbs, vnserm Spittal hie zu 
^Dinckelspuheln Incorporieret", ausgefertigt haben behufs Festsetzung 
des Pfarreinkommens, sowie Verteilung der Lasten am Pfarrhaus und 
der Verbindlichkeit gegen den bischoflichen Stuhl zu Augsburg. 

Nach dieser Urkunde sollen „dem yetzigen vnd ainem yeden 
^uacbkommendejn Stetten vnd ewigen vicar werden . vnd aigentlich 
^veruolgen wie hernachuolgt, Nemlich 

vfi dem widenhofe zu gedachtem Schopfloch 
vier guldin wifigelts, 
vier malter Dinckels^ 

vier malter Haberns, alles Dinckelspuheler mefi, 
der Hewzehend der gross Zehend Aller clainer Zehendt, 
zway Horbtsthonner, 
aiu vasnachthennen^ 
Hundert ayr. 

sechs dinst mit wagen vnd pferden, 
In Ettern Alles von demselben Widenhofe, 
vfi ainera Gutte zu Segloch 

dritthalben Guldin gelt; 
Ain malter Haberns, 
Hewzehenden daselbs, 
zu Segloch der clain Zehend zu Segloch die vier Opffer 

die gestifften JarttUg, 
die behawftung vnd Gartten zu Schopfloch. 
Item vnd zway malter korns vom casten oder grossen Zcheuden. 
Welches alles vff anzaigen vnd darlegen des obgemelten Herrn 
Johann Hellers (d. i. der erste von Dinkelsbiihl prUsentierte Pfarrer) 
durch den Babstlichen Comissarius auf das negst vnd geringst 1st 
angeslageu, funfftzig guldiu vnd darob One all Zufall ertragen 

1) Dlnkelsbtthler Archiv, Mappe 235 (alte Nr. 415. 309). 



144 0. Rieder, Aub historiBcbeD Zeitschrifteh. 

mag, Von welchen ain Stetter vicarixis die Kathedratus Archidiaco- 
nalia^ den dritten tail der ersten Frucht fruntlich hilflP vnd Stewer 
Auch all auder Bischoflich genant vnd vngenant gerechtigkait 
tragen mag." — — Aiifierdem wird in dieser Urkunde nocb be- 
stimmt: „So offt an dem Ffarrbawss zu gemeltem Scbopfloch not- 
turftige gebew vnd Besserung Sich erbayschen wurden, daran sollen 
vnd wbllen wir , . . vnd all vnser nacbkomen Auch an den ersten 
friicbten zwien tail, vnd ain yeder pfarrer oder vicar den dritten 
tail geben vnd bezalen. — — Montag nach AUerhaylligen tag. 
Nach vnsers lieben Herrn geburt funffzebenhundert zwantzigst vnnd 
zway Jare." 

Kirchengeschichtliches 
in den Zeitschriften der historischen Vereine in Bayern, 

zusammengesteHt von 

0. Bieder, 

Kgl. Reichsarchivrat in Mtinchen. 
(Fortsetzung.) 

XYll. Landsberger Geschichtsblatter fiir Bezirk und Stadt, 

herausgegeben von J. Job. Scbober, k. Reallehrer und Stadarcbivar 

in Landsberg. ^) 

Jabrgang 1 und 2: 

1902. 

Merkwiirdige Glocken (mit Abbildungen von Inscbriften etc., in 

Epfenbausen S. 2 — 4, Ummendorf S. 13 — 15, Schwifting 

S. 33 f.). 
Eine Wallfahrt vor 400 Jahreu (eines Landsbergers nach S. Jago 

de Compostella 1499) S. 21 f. 
Das Wallfabrtsbild in Obermeitingen (mit Abbildung desselben und 

der Ortscbaft) S. 25 f. 
Stiftung des Ursulinnenklosters zu Landsberg S. 53 — 55. 

1903. 

Das Bauernjabr am Lecbrain in seinen Festen und GebrSuchen (nach 
Leoprecbting u. a. gescbildert) S. 1 f., 7 — 10, 13—15, 17 — 19, 
26 f., 34 f., 41—43, 46 f., 50—52, 58 f., 62—65. 

Die Blasiuskapelle in Egling (mit einer merkwiirdigen Glocke) 8. 5 — 7. 

1) Im Januar 1903 verwandelte sich der bisherige Museumsverein 
in einen historischen Yerein fiir Stadt und Bezirk Landsberg, welcher 
sich zur Aufgabe setzt, aufier der Erweiterung und Vervollstandigung 
des historischen Museums in Schrift und Wort zur Hebung der heimat- 
lichen Geschicbtsknnde beizutragen. Von obiger Publikation erscheint 
jeden Monat eine Nummer. 



Zur BibliograpMe. 145 

Aus den Pfarrmatrikeln der Stadt Landsberg S. 11, 23 f.^ 27 f., 89 f., 

52 f, 59 f. 
Bitten und GebrsKuche: Das HaselnufilSuton S. 12. 
Jesniten- und Jobanneskirche zu Xjandsberg S. 66. 
Die St. Ulrichskapelle bei Eresing S. 67. 



Zur Bibliographie. 



*^ 



*Kadner, S., Jahrbucb fiir die evangeliscb-lutbcriscbe Landeskircbe 

Bajerns. 6. Jabrgang 1905. Nordlingen. C. H. Beckscbe 

Buchbandlung. 154 S. geb. 1;20 Mk. 
Eadners Jabrbucb bedarf keiner Empfehlung mehr. Sein Bedtirfnis 
ist ISngst anerkannt und sein Erscheinen wird iiberali in der Landes- 
kircbe mit Frenden begrttfit, und wer die einzelnen Jahrgange mit ein- 
ander vergleicht, kann leicht bemerken^ dafi der Herausgeber mit Erfolg 
bemUbt ist, nach Inhalt und Form immer Besseres zu bieten. Soharfer 
als friiher bestimmt er sein Programm: „Au8 dem Jahr, aus der Gegen- 
wartsarbeit herans das Jahrbucb !" Damit soil das, was die evangelische 
Kirche in Bayern z. Z. besonders bewegt — oder aucb bewegen sollte, 
scharf ins Ange gefaBt und aucb fiir spatere Zeiten als Marksteine ihrer 
inneren und auGeren Entwieklung festgehalten werden. So verbreiten 
sicb denn aucb mehrere Aufsatze fiber allgemeine religiose und theo- 
logische Tagesfragen, die jetzt mehr als friiher anch fUr die Laien zu 
Fragen geworden sind, z. B.: F. Braun, nOffenbarung oder Evolution**, 
S. Iff. W. Lotz, „Der Sonntag der Cbristenheit, der Sabbat Israels 
und der monatliobe BuBtag der Babylonier^, S. 9ff. S. Kadner, „Der 
konfessionelle Streit und Jesus**, S. 46ff. etc. Andere greifen speziell in 
das Leben der bayeriscben Landeskircbe ein, so der Art. von Scboller, 
„C^ber die innere Mission in Bayern", der wiederum sehr reichbaltige und 
belehrende Aufsatz von Stein lein „t}ber die kirchenpolitische Lage*, 
undHaufileiter, nMitteilungen aus dem Pfarrverein^ der iibrigens wobl 
in der Meinung, daB die meisten, was bei den Laien doch eben nicht 
zutrifft, die Arbeit des Pfarrvereins scbon kennen, weniger bringt, als 
man wiinschen m6cbte; ferner der scbbne^ im Anhang sicb findende Auf- 
satz von Emma Seifert: „t)ber das Jubilaum der Neuendettelsaner 
Anstalten" nnd nicbt zuletzt H. Schott, „Gedanken eines Laien znr der- 
zeitigen Praxis des Praparanden- und Konfirmandenunterricbts**. Die 
Anslassungen des letztgenannten Yerfassers werden kaum in alien Punkten 
Zustimmungfindenj und ich kann den Yorscblag, die Gymnasiasten soUtenden 
Konfirmandennnterricbt durch ibre Beligionslebrer erhalten, nicht glUck- 
licb finden. M. E. sollte dieser Unterricht immer von denen gegeben 
werden, die die Kinder konfirmieren und, wennm()glieh» immer von ander en, 
als deren Unterricht sie bisher genossen baben , denn er soil etwas Be- 
sonderes sein. Der von mir durcbaus geteilte Wunsch des Verf., Ab- 
sehaffnng des vcSliig unnotigen, nicht selten znr religi5sen Erschlaffung 
fiibrenden, von Eindem, Eltem und Lebrern als Last empfnndenen Prapa- 
randennnterrichts , wird wohl nocb lange ein frommer Wunsch bleiben, 
weil dabei, was der Verf. nicht in Betracht gezogen hat, in den Stadten 
wenigstens auch dieleidigeGeldfrage wiedermitspielt. Aberwie man aucb im 

■ ti» ■■ ■ ■ — . — 

*) Die mit * versebenen Schriften sind zur Besprechung eingesandt 
worden. Alle einschlagigen Scbriften werden erbeten behufa Besprechung 
von der Verlagsbuchhandlung Fr. JungeinErlangen. 

Beitrage zur bayer. Kirohengeschichte XI. 3. 10 



146 Zur Bibiiographie. 

einzelnen darUber denken mag, so ist es doch hocberfreulich , daB die 
sog. Laien mit ihren kircblichen Sorgen und Wttnscben, deren sie mebr 
baben, als viele Geistlicbe abnen, etwas bervortretcu, und es ware sehr 
wilnscbenswert gewesen, wennsie gerade in diesem Jabrbuch angesichts 
der kommenden Generalsynode in besonderen Artikcln ihre daranf be- 
zUglichen WUnscbe recht deutlicb ausgesprocben biitten. — Yon den 
anderen Artikeln^ die alle aufznzliblen zu weit fUbren wUrde, mocbte ich 
noch besonders den schSnen Aufsatz von S. Gttntber, iiber Pbilipp 
Appian erwabnen. Und solcbe Aufsatze, die der Gegenwart die Yer- 
gangenbeit als Spiegel yorbaiten, mOchten wir ancb ferner nicht ent- 
bebren. — 

*Har tm an n , Dr. Karl, Der Prozefi gegen die protestantischen Landes* 
stSndein Bayern nnter Herzog Albrecht V., 1564. Mtiucben 1904. ' 
Verlagsanstalt vorm. G. J. Manz. 270 S. 3 Mk.. 

Der fraglicheGegenstand ist schon baufig eingebend untersucbt worden. 
Gleicbwohl bat der Yerf. mit Recbt eine nene Durcbforscbung des reicben 
Aktenmaterials vorgenommen und bat mit groBem FleiB nicbt unwicbtige 
neue Quellenstucke ans Tageslicbt gebracbt, was gerne anerkannt werden 
soil. Namentlicb ist es ibm zu danken, daB er aus der inkriminierten, 
in Mattigkofen aufgefundenen Briefliteratur reicbe AuszUge mitteilt und 
das ist nm so mebr zn begrilBen, als wir, obwohl oder vielleicbt gerade 
well der Yerf. nur die von ibm als fur die angeklagten Adligen belastend 
angesebenen Brucbstttcke mitteilt, jetzt einen klareren Einblick in die Yer- 
baltoisse erbalten, besonders aber die evangclischen Adligen, denen ibr 
evaugeliscbes Bekenntnis liber alles gebt, in der Tat nacb meiner Auf- 
fassung in viel besserem Licbte crscheinen, als man nacb den bisber be- 
kannten Quellen annebmen durfte. AUerdings der Yerf. urteilt anders. 
Fttr ihn ist der Hocbverrat, eine wirklicbe VerschwSrung, die Majestats- 
beleidigung, ja isogar der Plan, mit Eilfe Wilhelms von Grumbacb zum 
Ziele zu kommen, nunmebr erwifsen. Das ist freilicb nur moglicb, weil 
ibm die gerade fiir die Darstellung und Beurteilung dieser, fiir die ge- 
samte iiinere Entwicklung Bayerns so wicbtigen Episode besonders not- 
wendige ObjekHvitat und Rube feblt. Ein bier und da fast leidenscbaft- 
lieber Konfessionalismus, der in den evangelischen Standen als Bekennern 
einer andern Religion als der vom Landesfiirsten vorgescbriebenen sebon 
an und fiir sicb Aufriibrer und Rebellen siebt, laBt ibn zu einer vor- 
urteilsfreien Ausntttzung seiner Quellen nicbt kommen. FUr den Gewissens- 
standpnnkt der inkriminierten Stande feblt ibm jedes Yerstandnis, und 
man gewinnt scbon auf den ersten Seiten den bis zum SchluB sicb steigern- 
den Eindruck, d&Q sein Resnltat^ daB man es wirklicb mit Hocbverratern 
zu tun bat, ibm von vornherein feststeht. Nun ist das Yerfabren der 
A. C. Yerwandten, obwobl abnliches auf der andern Seite oft genug aucb 
geUbt worden ist, mittelst des Steuerbewilligungsrecbts wpmoglich nicbt 
nur flir sicb, sondern aucb fiir andere die freie Austibung der evan- 
geliscben Konfession zu erreicben, nacb unsern heutigen sittlicben An- 
scbanungen gewiB nicbt einwandfrei, aucb fanden sicb in der bescblag- 
nabmten Korrespondenz einige recbt scbarfe Ausdrllcke iiber den Herzog 
und Seine Rate, die freilicb aus der bibliscben, Spracbe beurteilt sein 
w.ollen, aber dem Yerf. ist der Yorwurf nicht zu ersparen, daB er sicb 
aucb nirgends bemiibt bat, das ganze Auftreten zu versteben oder nacb 
der Zeit zu beurteilen. Das bezieht sicb' nicht nur auf die religiose 
Fragei hinsiehtlicb deren der Yerf., was ich von seinem Standpunkte aus 
begreife, nie zugeben wird, daB es Gewissenspfiicht sein konnte, wider 
das.Reformationsrecbt desFUrsten sicb aufznlebueD, obwohl das tatsacblich 
nicht gescbab, sondern nicbt minder auf die politische Seite der ganzen. 



Zur Bibliographie. 147 

Angelegenbeit. Dem Verf. steht vod vornherein fest, dafi die betn 
Stande aacb der Graf von Ortenburg und der Herr von Maxelrain einfach 
als Untertanen des Herzogs anzusehen sind. Er vergiBt ferner in Rech-> 
nnng zu Ziehen, da6 die beiden Parteien iiber die Frage nach den Grenzen 
der Landeshoheit des Herzogs und des Kechtes der Stande, sich znr Er- 
reichnng ihrer Zwecke zusammenzuschlieBeny piinzipiell auseinander gingen 
(ygl. S. 222). Man soUte es auch nicht mehr betonen miissen, dafi noch 
wabrend des ganzen Jahrhunderts das Verbaltnis der Stande zum FUrsten 
vice versa vor alien iiber die Grenzen der Selbstandigkeit der innerhalb 
des bayerischen Gebietes angesessenen Reich sritterschaft ein unklares, 
von beiden Seiten sehr verschieden aufgefaBtes war. M. E» ist der ganze 
ReligionsprozeiB nnr richtig zu wUrdigen, wenn man ihn auch unter dem 
Gesichtspunkte eines neuen YorstoBes der Filrstengewalt gegeniiber der 
standischen Freiheiten und des erneuten Versnehes, die reichsstandsichen 
Enkiaven unter die herzogliche Gewalt zu bringen, auffafit. Davon ist 
der ganze Handel mit Ortenburg, aber auch mit Maxelrain ein deutlicher 
Beweis. Und nun die Quellenbebandlung! Was der Herzog und seine 
Rate behaupten, was der Kronzeuge Hager, der frUhere Sekretar des 
Ortenburgers an Anklagen vorbringt, entspricht immer den Tatsachen 
(S. 47 etc.), was die Angeklagten aussagen, ist im besten Falle der Ver- 
such sich herauszureden. Mehrfach wird be tout, dafi der Graf von Orten- 
burg, obwohl er am 5. Juni 1551 vom Kaiser belehnt war (S. 31), well 
seine Reichsunmittelbarkeit von Bayern angefochten worden, nichts dafiir 
Prajudizierliches wie die Einftihrung der Augsburgischen Konfession vor 
Austrag des Prozesses hStte vornehmen dtirfen. Wepn das damals schon 
allgemein geltendes Recht war, dann hatte aber doch fur Albrecbt die- 
selbe Verpflichtung gegolten, was aber, well es gilt, den Grafen ins Un- 
recht zu setzen, nicht behauptet wird. Die angeblichen Aufierungen der 
Protestanten wahrend des Landtags von 1563 werden einfach als erwiesen 
angenommen. Es fehlt jede Untcrsuchung iiber ihre Entstehung, anBer 
der kurzen Bemerknng auf S. 16, aus der gar nicht hervorgeht, daB 
die vorher mitgeteilten Reden auf einer Denunziation beruhen, und Riez- 
ler IV, S. 525 spricht von einem „geheimen Bericht**, wahrend Freyberg, 
Gesch. d. bair. Landstande H, 352 den Herzog Eundschaft einzieben lafit. 
Erst hinterdrein (im Anhang) bei Gelegenheit der Invektiven gegen 
K. Pregers Schrift iiber Pankraz von Freyberg, welcher Autor die Anklagen 
als iibelwoUenden Elatsch bezeichnet hatte, wird gesagt, d&Q „die meisten 
derselben durch Zeugen, so durch den Yitztum Haslang, durch den Depu- 
tierten Georg Schober von Ingolstadt und durch andere bekundet sind". 
(S. 257.) Aber gerade hier als dem offiziellen Ausgangspunkte des Pro- 
zesses, wenn auch nicht seiner eigentlichen Ursache, ware eine genaue 
Untersuchung sehr notwendig. Wie kam man denn dazu, Uberhaupt die 
Nachforschungen nach den Reden der protestantischen Stande anstellen 
zu lassen? Wie mir scheint, weil man absolut, um die unbequemen Stande 
unterdriicken zu konnen, einKomplott babenwollte. !Nur so erklart sich, 
daB der Bericht nach Riezler S. 525 „zugab, daB ein Einverstandnis der 
Opposition mit Auswartigen nicht nachgewiesen werden konne*'. Man 
hat also von vornherein diese Anklage erhoben, noch ehe ttberhaupt 
Material zu einer Anklage vorlag. Doch das Einzelne kann hier nicht 
erQrtert werden. Nur ist noch hervorzuheben, daO mit der schwachste 
Punkt der Beweisfuhrung der Versuch ist, aus den Fluchtversuchen der 
Angeklagten auf ihre Schuld zu schlie^en. In der Tat bei der damaligen 
Jnstiz, in die der Herzog, der angebjich Beleidigte, fortwahrend selbst 
eingriff, muBte jeder das Schlimmste fiirchten, wenn er ttberhaupt mit 
ihr in Beriihrung kam. Mit welcher Brutalitat schleppte man den Maxel- 
rainer nachMunchen! „Ichbin wohl begrundet, schrieb der edle Freyberg, 

10* 



148 ^u^ Bibliogmphie. 

wo eioe Gewalt nicbt vor dem Eechte wirkt^, (8. 123), aber sehr bald 
mufite er wie die anderen einseben, dafi bier allerdings Gewalt vor Recbt 
ging und der Herzog, dessen Bild gegen die Meinung des Yerf.s Dicbt 
gerade gewinnt, sebr bestimmte Zwecke verfolgte, nicbt biofi sein Land 
vor dem Latbertum zii bewabren, sondern die OppoBition gegeii die zu- 
neb'mende Steoerlast mundtot zu macben und durcb scbarfere LehenB- 
verpflicbtungen, das ist sb ziemlicb bei alien das greifbare Resultat, seine 
Macht zu stiirken. Und was die angeblicb auf alien Punkten eiwiesene 
Schuld der evangeliscben Stande angebt, fUr die sogar eine brief Hebe 
Aussage des Jesuiten Canisius ins Feld geftihrt wird, so wird es nach 
den neoen Qaellen erst recbt bei dem Uiteil bleiben miissen, welches 
Biezler, Gescbicbte Bayerns lY. 530 zum Bedauem des Yerf.s (S. 228 f.) 
festgelegt bat. Endlicb muQ das SelbstbewnOtsein, mit dem der jugend-> 
licbe Yerf. uber die friiheren Bearbeitungen, namentlich tiber K. Pregers 
Studie fiber. Pankraz von Freiburg (Scbriften des Yer. f. Ref. Geecb. 
Nr. 40) herfallt, zum mindesten als nicbt gerecbtfertigt bezeicbnet werden. 

*Clemen, O. Ein Brief des Urbamis Rhegius. Ztscbr. d, hist. 
Ver. f. Niedersachsen. Jahrg. 1904. S. 371. 
Entbalt einen kommentierten, bisher unbekannten Brief des Urban 
Rhegius an Job. Lang in Erfurt, d.d. Celle. 14. Jul! 1538. 

*Clemen, 0. Hieronymus Schencks von Sumawe „Kinderzucht". 

Mitteilungen der Gesellschaft fur deutsche Erziehungs- und 

Schulgeschichte XIY. (1904.) 4. Heft. S. 218ff. 

Eingehender Bericht fiber die bisher unbekannte Schrift des frltnkischen 

Humanisten H. Schenck von Sumawe : „Ein newes vnd hubscbes bucblein 

kinderzttcbte genant, darjnne ein itzlicber vntterricht wird, wie er jm einen 

elichen gemahel sucben, wie er in der ee leben vnd wie er sein kinder 

zu guten tugend ziben solle. Wirtzburg 1602*^, 

Wrede, A. Urbanns Rhegius zu Hall im Inntal. Ztschr. d. hist. 
Yer. f. Niedersachsen 1904. 1. Heft. 

Ley, Hans. Die literarische Tatigkeit der Lady Craven, der letzten 
Markgriifin von Ansbach und Bayreuth. Erlangen 1904. Diss. 

Diir rwHchter, A. Christoph Gewold [geb. 10. Okt. 1556 in Am- 
berg, f 17. Juni 1621 in Ingolstadt]. Ein Beitrag zur Ge- 
lebrtengeschichte der Gegenreformatiou und zur Gescbicbte des 
Kampfes um die pfUlzische Kur. Freiburg in Breisgau 1904. 

A. Schonbach. Das Wirken Bertholds von Regensburg gegen die 
Ketzer. (Studien zur Gescbicbte der altdeutscben Predigt. 
Drittes Stuck.) Sitzungsber. d. Wiener Akademie der Wissen 
sehaften. Bd. 147. (1904). 

•Krebs, Rich. Die Weislumer des Gotteshauses und der Gotteshaus- 
leute von Amorbach. Alemannia. Neue Folge Bd. 3 S. 106ff. 
und Bd. 4 S. 193ff. 

Schott, Th. Die evangelische Kirche zum hi. Kreuz, ein Gedenk- 
blatt. (51 S. m. Abbilduugen u. 1 Tafel.) gr. 8. Augsburg. 
S. A. Schlosser. 1803. M. —,75. 

Meyer, Dr. Chr. Chronik der Stadt WeiSenburg i. B. MUnchen 
1904. gr. 8. 58 S. 



Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

Von D. Th. Kolde. 

(Scblufi.) 

Aber auch die Satire hatte sich des Falles bemachtigt, 
Etwa 14 Tage nach der Ingolstadter Disputation erschien mit 
dem angeblichen Druckort Miinchen ui)ter dem Titel Acta con- 
cilii etc. ^) im Latein und Ton der epistolae obscurorum virorum 
eine bittei'b5se Spottschrift gegen die Ingolstadter Gelehrten. 
Der Verfasser, der oflfenbar mit den Verhaltnissen an der 
Universitat und im ganzen Lande sehr vertraut ist^ giebt sich 
den Namen C. Emilius Landspergius, und da er ziemlich un- 
vermittelt den Miinchener Minoritenguardian Kaspar Schatzgeyer 
mit hineinzieht, wjrd man ihn vielleicht unter dessen literari- 
schen Gegnem suchen miissen. Doch laCt sich, da jede weitere 
Spur fehlt, zurzeit etwas Bestimmtes nicht feststellen ^). In 

1) Acta Goncilij Doctorum Uniuer-/sitati8 Ingolstadien. celebrati, 
super de-/cem septem Articulos hereticales Lu/theranos, quos tenuit ma- 
gister/Arsathis Sehofer cum no-/mine de Monaco. An-/no dni. 1523./ Cum 
gratia et priuilegio Uniuersitatis/Ingolstadieusis, quod nemo debet illam 
materiam impri/mere in eorum ciuitate diu, et nisi post decern annos/ 
et qui Yult legere istam materiam, debet cum matu-/ritate facere, quia 
de misticis fid.ei, que conclusemnt/magistri nostri in Concilio predicto, 
tractat./ M. D. xiiij./ Am SchlnO : Impressum Monaci per industrium virum 
Johannem Schob-/ser, ciue illic. Expensis Ingolstadien. pro honore alme 
Dni/versitatis'^t magistrorum nostrorum. Correctore doctissimo viro pa/tre, 
domino fratre Casparo Schatzgeyro, ordinis sanctissimorti / fratrum Mino- 
rum discalciatorum. Dictatore ter. Imperatore qua/ter. Censore semel. 
Anno M. D. xiiij. i Marcij Indictione. XL ho/ra xij. in nocte post Galli 
cantnm, minuto primo./ 18 Bl. Kgl. Bibl. in Berlin. 

^ Meine friiher (G6tt. Gel. Anz. 1902 S. 760) ausgesprochene Ver- 
mutnng, der Verfasser k5nnte, zumal er von Augsburg geschrieben liaben 
will, trotz des Yornamens Emilius, den er sich gibt, identiscb sein mit 
demEarmeliter JohannLandsperger in Augsburg (vgl. M. Martin, Johann 



150 Eolde, Arsacius Seehofer and Argula von Grumbach. 

seinem von Augsburg am 29. Sept. 1523 (zuruck)datierten 
Widmungsbriefe an Wolfgang Cappelmeyer^), den Miinchner 

Landtsperger, Augsburg 1902, S. 23 ff.), scheint mir nach eingehenderer Be- 
schaftiguDg mit der Satire jetzt selbst auwahrscheinlich^ da der Karmeliter 
schon 1487 in Ingolstadt stndierte, darnm kaum mit den damaligen Ver- 
hlkltuissen so vertraut sein konnte, wie der Verfasser offenbar ist. Will 
man ihn In Augsburg suchen, so k5nnte man an Jakob Dachser oder 
Rhegius denken. Fiir den ersteren sprache nur, dafi er vor kurzem in 
Ingolstadt gemafiregelt worden war, und gegen Rhegius, dem man die 
Satire wohl zutrauen kSnnte, scheint zu sprechen, dafi er Eiemlich zu 
gleicher Zeit als Stratus Engedinus auftrat and seine Verteidigung der 
17 Art. da eine andere ist, als in den Acta concilii. Nicht nnmoglich 
ware, d&Q Osiander dahinter steckte, aber mehr als eine Yermutung soil 
das nicht sein. 

1) C. Emilius Landspergius R. patri, fratri, viro domino Vuolff- 
gangiolo, Oapellamayorolo, Augustiniolo, heremitatolo sacre theologiae 
dootorculo suo Gharitatissimo amiculo. — W. Ostermeyer yulgo Cappel- 
meyer bezog, damals schon Augnstiner, die Universitat Wittenberg als- 
bald bei ihrer Grundung im Jahre 1502 (Alb. Viteb. ed. Forstemann S. 2), 
erwarb sich dort die akademischen Grade und las als Inhaber des einen 
der auf das AugustinBrkloster gestifteten Lehrstuhle im Jabre 1507 in morali 
philosophia (vgl. Strobel, Neue Beitr. zur Literatur, 2. St. S. 59 ff.) und 
woi'de am 20. Aug. 1509 Dr. theol. (Forstemann lib. Dec. S. 5). Im 
Dekanatsbuch der theol. Fakultat wird er im Jahre 1510 zum letztenmal 
als einer der Galli bei der Promotion Garlstadts erwabnt. Obwohl er 
alter als Luther und diesem in den akademischen Graden voraus war> 
wird es doch zuviel gesagt sein, wenn Easpar Bruschius (bei J. Wolf, 
lectionum memorabilium. Lauingen 1600, S. 576) ihn praeceptor M. Lutheri 
nennt. Wann er wieder nach Miinchen gekommen ist, kann ich nicht an- 
geben. Doch ist er zweifellos identisch mit dem von Geisz (DieReihen- 
folge der Pfarr- and Ordensvorstande MUnchens, Oberbayr. Arch. Bd. XXI, 
S. 17) fUr 1623 nachgewieseneu Dr. Wolfgang August! (sc. Augustinensis) 
und mit dem Prior, an den die Einladungen des Wenceslaus Link zu dem an 
Pfingsten abzuhaltenden Ordenskapitel erging (vgl. M. Martin, Zur 
Gesch. des Mttnchner Augustinerklosters, Beitrage Bd. VIII, 215. Joh. 
Eck gab nach seinem Tode (f 28. Jan. 1531) von ihm heraus: «An- 
zeigung was set das war christenlich und lebendig Evangelium unsers 
Herrn Jesu Christi. Durch D. Wolfgang Coppelmair, weyland Prior und 
Predikant im Augustinerkloster zu Miinchen 1538*' und bemerkte spater 
zam Art. IX (de auctoritate ecclesiae) des Regensburger Buches vom 
Jahre 1541: De quo egregie prae ceteris Yuolfgangas Calpelmair, Bava- 
rus, olim condiscipulus Luteri, qui solus sufficeret ad expugnandum 
errorem adversariorum literae mortaae incumbentium. Bei Hergang d. 
Religionsgesprach su Regensburg. Eassel 1858, S. 116 Anm. 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argnla von Grumbacb. 151 

m 

Augustinerprior, spricht der Verfasser sein lebhaftes Bedauern 
dariiber aus, daB jener nicht bei dem Prozefi gegen Seehofer 
zugegen gewesen sei. Die Ingolstadter batten n^mlich den 
Magister nicht iiberwinden kdnnen, da er die Bibel auswendig 
gewuCt habe. Wie anders wftre das verlaufen, wenn Cappel- 
raeyer zur Stelle gewesen, der doch erst im Februar seinen 
ketzerischen Prediger besiegt und ihn dem weltlichen Arm zur 
Totung uberliefert habe^). Dann wird in phantasievoUer Weise 
als Neuigkeit liber Seehofers Abschworung berichtet, der der 
Verfasser als Augen- und Ohrenzeuge beigewohnt haben will. 
Um nun zu zeigen, wie die Verurteilung zustande ge- 
kommen ist, gibt der Verfasser von den einzelnen Akten und 
Vorberatungen eine Beschreibung, die an Verh5hnung und 
drastischer Zeichnung der Unwissenheit und des sittlichen 
Schmutzes, so wie des niedrigen. Kulturzustandes der Ingolstadter 
Wiirdentrager nichts zu wiinschen librig laUt. Da die Schrift 
auCerst selten und so gut wie unbekannt ist^), soil hier der 
Inhalt kurz zusammengefafit werden. 

Zuerst erlaCt der Universitatsnotar Calixtus Katzenbirn 
zur Vorsicht ein Mandat, in dem jede StOrung der Verhandlungen 
durch Husten und nnanstandige Gerausche mit Strafe bedroht, 
auch ein „lupus" aufgestellt wird, der jedes deutsch gespro- 
chene Wort aufschreiben soil sub poena trium solidorum cum 
pritschina recipiendorum, denn besser ist schlechtes Latein als 
gutes Deutsch. Am 14. August findet dann in templo Bachi 
circa domum Leonardi Dumer eine erste Besprechung statt, an 
der neben dem Notar der Kektor Apell und die beiden Pedelle 
Eonrad Feygenesel und Petrus Backstock teilnehmen. In be- 
weglichen Worten schildert der Rektor die schwierige Lage. 
Kein Mensch woUe mehr seine Vorlesungen horen, wahrend zu 
Seehofer die Schuster und sonstige Handwerker stromten. Letzt- 
hin habe er liber des Scotus Quodlibeta iiber Matthaus lesen 
woUen, aber trotz langen Lautens sei niemand gekommen. Da 



1) Vgl. hierzu oben S. 101 Anna. 2. 

2) Sie fehlt in MUnchen und ist vielleicht nur noch in Berlin vor- 
handen. Nachdem die Unsch. Nachrichten (Fortges. Sammlungen etc.) 
1732, S. 20f. kurz daraufhingcwiesen haben, hat zueist wieder 0. Albrecht 
in d. Weim. Lutherausgabe 15, 99 darauf aufmerksam gemacht. 



152 Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

habe er sich einen Laienbruder von den Franziskaneni als 
Zahorer geholt. Der habe aber von Anfang bis zu Ende ge- 
schlafen und geschnarcht und sei nicht einmal aufgewacht, als 
er aufgehort habe: „Also mit den Monchen ist es auch jiichts''. 
Und so wie ihm ginge es alien andern auch: „Wir konnen 
uns nicht mehr ernahren''. Der Notar bestatigt dies. Das 
Neue zieht an, und die neoterici theologi verkiinden, wie sie 
sagen, das Evangelium. Da fuhrt Apell auf: Diese Magister 
in philosophia haben gar kein Recht, theologische Vorlesungen 
zu halten. Sie vexieren uns mit dera Evangelium. Was heiBt 
Evangelium? Das verstehen die Dorfpfarrer auch. Deshalb 
ist es nichts damit, wenn nicht die Theologie dazu kommt. Und 
diese durfen nur die magistri nostri in theologia lesen. Hierauf 
wird eine allgemeine Universitatssynode beschlossen. 

Auf Ladung erscheinen am 22. August abends 9 Uhr alle 
Wurdentrager der Universitat in der Prauenkirche, aber der 
Rektor laCt sie, weil es schon Nacht geworden ist, in die 
Weinkneipe des Hans Schober^) holen und gibt dem Pedell 
den Auftrag, bei dem Wirte einen „guten Schluck" (bonum 
haustum) und kalte Kliche (frigidam assaturam) zu bestellen. 
Da man hier in Sachen des Glaubens und der Universitat tage, 
soUe die Zeche aus dem allgemeinen Fiskus bezahlt werden. 
Nun berichtet der Rektor von neuem iiber die Not, in die sie 
alle gekommen seien, hat er doch inzwischen von dem Kalfakter 
gehort, daB der Magister Seehofer sogar deutsch gelesen habe 
und daC die Leute schon sagten, er sei gelehrter als alle 
andere Menschen in der Stadt und die Magistri nostri. Hier 
galte es „Principiis obsta", deshalb woUe er den Rat der Kol- 
legen horen. Er selbst beweist die Tatsache, daB es mit dem 
Evangelium nichts sei, und daB die Behauptung, man diirfe in 
der Kirche nichts predigen als das Evangelium, falsch ware, mit 
einem drastischen Beispiel. Wenn die Franziskaner oder gar der 



1) Das wird kein fingierter Name sein. Auf dem verhangnisyollen 
Ingolstadter Landtag von 1563 war ein Georg Schober Deputierter von 
Ingolstadt und geh^rte zu den Denunzlanten gegen die evangelisch ge- 
sinnten Adligen. Vgl. K. Hartmann, Der ProzeB gegen die protestan- 
tischen Landstande in Bayera unter Herzog Albrecbt von 1564, Mtinchen 
1904, S. 257. 



Kolde, Arsaoius Seehofer und Argula von Grumbacb. 153 

f romme Kaspar Schatzgeyer ^) am Kftse betteln gehen und dabei 
subtile Fragen aus Skotus oder Metfret^) vorbringen, dann 
staunen die Bauern liber ihre tiefe Gelebrsamkeit und geben 
ihnen gern Ease und Wurste, bringt aber jemand das Evan- 
gelium, dann gibt niemand etwas: „Also sind diealten Doktoren 
besser als das Evangelium". 

Leonhard Marstaller, die Zierde der Universitat, soil als 
erster sein Urteil abgeben. Aber er kann vor Trftnen tiber 
die MiCachtung seiner Vorlesungen kaum sprechen. Der Eektor 
ermahnt ihn, einen guten Schluck zu tun^). Nun flndet er, 
daU Seehofer ein Haretiker ist, weil er nach der Mitteilung 
eines Busenfreundes gesagt haben soil, dafi aucli Laien und 
Frauen Theologen sein k5nnten. Das ist aber falsch und 
haretisch, denn ein Theologe mufi geweiht sein, was bei einer ' 
Frau nicht moglich ist*), auBerdem ist eine Frau weiblicheu, 
ein Theologe aber mannlichen Geschlechts. Entziickt von 
dieser Beweistuhrung ermahnt der Rektor den Notar, alles 
sorgfaltig aufzuschreiben. Dann wendet er sich an Franziskus 
Burkhardt, der eigentlich als Jurista und Theologus ein Herma- 
phrodit sei. Dieser will nicht viele Worte machen, da doch 
dabei nicht viel zu verdienen sei, weifi aber zu berichten, dafi 
er im Schlafe jemanden habe sagen horen, daC die Heiligen 
und Reliquien nicht angebetet werden diirfen. Seine Kochin 
habe ihm darauf gesagt: „Herr Doktor, ein Engel hat mit euch 
gesprochen, weil Seehofer dies vorgetragen hat, und ich glaube, 
dafi es ein Orakel war, weil ich im Bette sehr fromm bin". 
Jene Eede ist aber haretisch, weil daraus folgen wiirde, daB 



1) tlber diesen eifrigen BekSmpfer der lutherischen Bewegung 
(t 18. Sept. 1527) vgl. A. v. D ruff el, Der bayr. Minorlt der Observanz 
Kaspar Schatzgeyer and seine Schriften. Sitzungsber. d. phil. u. hist. Elasse 
d. bayr. Ak. d. Wiss. 1890, Bd. II 3. Heft und N. Paul us , Kaspar Schatz- 
geyer, Freib. 1898. 

2) Ygi. tiber dessen umfangreiches, viel gebrauchtes Predigtrepertorium 
Hortulus reginae mit seiner Fttlle von gelehrtem Material etc. Cruel, 
Geschichte der deutschen Predigt im Mittelalter, Detmold 1878, S. 486 ff. 

3) Aufierdem gibt er dem Pedell den Auftrag: Dicite Coce in 
coquina, quod det magistro mappam ex indusio interiori vel qua oUas 
mundat, ut magister noster tergat oculos post fletum. 

4) nisi inferiuB esset clausa. 



154 Eolde» Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

der Esel, auf dem der Herr geritten sei, nicht angebetet werden 
dilrfe, wfthrend doch die Juden ihm grofie Verelining erwiesen 
und Palmzweige auf selnen Weg gebreitet . batten, weil er den 
Herrn trug, damit der Esel mit Vergntigen dartiber hinschreiten 
konnte. Deshalb ist er wie ein Heiliger zu adorieren. Apell 
bewundert den Geist des KoUegen, macht aber noch die Gegen- 
bemerkung^): Wie denn, wenn der Esel die Kleider besudelt 
hatte? Aber Burkhardt erwidert, das schadet nichts, es sind 
doch Reliquien — und erhait zur Belohnung einen besseren 
Wein vorgesetzt. 

Der n^chste, der hochgelehrte Georg Hauer, der beriihmte 
Casuist, zu dem die Leute von auswarts pilgern, um sich von 
ihm scbwierige Falle losen zu lassen, legt zunachst den KoUegen, 
um die Schwierigkeit und Tiefsinnigkeit seiner Studien vor 
Augen zu fiihren, einen hochst verzwickten Fall (perplexus 
caseus (!)) vor: Ein Schiffer band seinen Nachen an eine Muhle. 
Der Esel des MuUers bestieg den Nachen, dieser 15ste sich los, 
und beide gingen zugrunde. Die Rechtsfrage ist nun die, ob 
der Esel das Schiff ertrankt hat, oder das Schiff den Esel. 
AUes staunt Man begreift nicht, wie ein Mann, der sich mit 
solchen schwierigen Problemen beschaftigen mu6, iiberhaupt 
noch schlafen kann. Eine Antwort weiB keiner. Man verschiebt 
deshalb die Beratschlagung fiber den schweren Fall auf spatere 
Zeit. Hauer soil einen Becher Weins zu sich nehmen, um sein 
schwaches Augenlicht scharfsichtiger zu machen, und vorerst 
seine Meinung fiber den Ketzer sagen. In Form einer Zote 
bringt er dann auch eine ketzerische Auslegung des allgemeinen 
Beichtgebotes Innozenz III.^) vor, die Seehofer nach der Mit- 
teilung einer der Herzensfreunde Hauers, eines Schusters, „der 
selten Iftgt", vorgebracht haben solP): 



1) Ego etiam interim profunde speculavi, et in incidit mihi magnum 
dubium, et est talc. Quid si asinus merdasset super vestimenta? quid 
tunc est? Franciscus: Nihil non nocent, quia sunt reliquie etc. 

2) Es ist das Dekret: Omnis utriusque sexus fidelis etc. beiMirbt, 
Quellen zur Geschichte des Papsttums. 2. A. Feb. 1901, Nr. 223. 

8) Quod omnes homines debent deo tantum confiteri coram crucifixo, 
praeter illas (!) qui habent duo membra circa genitalia, quia dicit papa, 
quod omnes utriusque sexus debent confiteri presbytero alii non. Sed 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 155 

Nun kommt die Reihe an die Mediziner. Auch sie haben 
in dieser Glaubensfrage zu Ehren der Universitat mitzusprechen, 
weil die Haresie den ganzen Korper inflziert, und der Rektor 
ermachtigt sie ausdriicklich dazu im Namen Gottes u. s. w. und 
trinkt ihnen einen guten Schluck vor ob der alten guten Freund- 
schaft mit ihrer Fakultat. Dr. Wolfgang Peiser^) findet See- 
hofers Haresie darin, dafi er unter Berufung auf Paulus die 
Unterscheidung von Tag und Tag, Nacht und Nacht geleugnet 
habe. Das ist ketzerisch, denn der Tag ist im Sommer langer, 
heller und warmer als im Winter, namentlich wenn in der 
Nacht kein Schnee da ist. Und wenn wir alle jedes Fleisch 
essen diirften, dann dlirften die Juden auch Schweinefleisch 
genielJen, was wider das alte Gesetz ware. Endlich hatte, 
wenn wir jeden Tag Fleisch essen diirften, Gott eine Kreatur 
ganz umsonst geschaffen, namlich die Fische. Gott schafft aber 
nichts umsonst, und wie soUten sich die Fischer ernahren? 
Folglich ist Seehofer ein Haresiarch, der die ganze Welt um- 
stiirzen will. 

Vol! Bewunderung erklart Apell, das sei beim heiligeu 
Gott ein Argument, das allein gentige, den Angeklagten zu 
verbrennen. Er ermuntert den Kollegen, der bisher nur einen 
kleinenund,,jumpferlichen Zug" (virgineumhaustum) getan, tiichtig 
zu trinken, denn er habe es verdient. Noch mehr verspricht 
er sich von Petrus Burkhardt, der selbst in Wittenberg ge- 
wesen sei und alle Geheimnisse der Ketzer kenne*). Wahr- 



hoc est hereticum et erroneum. Probatur, quia quando quia confitetur deo 
vel crucifixo et babet caseos reservatos, tunc conscientia sua non est 
quietus, quia nescit utrum deus habet auctoritatem absolvendi tales caseos, 
et nescit etiam, quid debet habere pro poenitentia) quia deus nihil dicit 
nee imago, sicut ego nuper probavi in die Pasce apud fratres minores, 
quando volui communicare iuxta antiquam consaetudinem. Hi. — Sollte eine 
solche alte Sitte, vor dem Kruzifix zu beichten, damals noch vorhanden 
gewesen sein? Uber die kath. Beichtpraxis bei Beginn der Reformation 
vgl. E. Fischer, Zur Geschichte der ev. Beicbte, Leipzig 1902, I. Bd. 

1) Peiser war damals schon ein alter Mann, denn er war seit Okt. 
1483 Mitglied der Fakultat, gait ubrigens als tuchtiger Arzt. Er starb 1526. 
Prantl I, 76 f., 196. 

2) Peter Burkhardt aus Ingolstadt war 1497 Prof, der Medizin in 
semer Vaterstadt geworden, gab jedoch 1504 diese Stellung auf, nicht, 



156 Kolde, Arsacias Seehofer und Argula von Grumbach. 

scheinlich war es nicht unbekannt, dafi Burkhardt eine Zeit 
lang ganz auf Luthers Seite gewesen war ^). Denn das Pamphlet 
laBt ihn zogeni; weil er Glied der Wittenberger Universitat 
gewesen sei, darum ihre Ehre suchen miisse, wie er auf Szepter 
und Matrikel geschworen habe. Aber der Rektor sucht ihn 
zu beschwichtigen. Jener Schwur verbindet nicht, weil es 
gegen die Ketzer geht, „und wenn Ihr eine kleine Liige tut, 
so ist es eine Pflichtliige und eine lafiliche Sunde, die mlissen 
wir tun aus Liebe zu unserer Universitat- Und wenn Ihr 
morgen zur Frauenkirche geht und Euch mit geweihtem Wasser 
besprengt, ist die Siinde vergeben". AUein Burkhardt will von 
den Leuten Jenseits des Flusses" schweigen. Aber gegen den 
Haretiker hier in Ingolstadt selbst will auch er auftreten, hat 
jener doch neulich gegen die Verbindlichkeit der kirchlichen 
Fastengebote gesprochen und das Fasten in jedes Belieben ge- 
stellt. Aber das ist gegen die Mediziner, die den Kranken ge- 
bieten zu fasten, und gegen die Schrift Sap. 20(!) Plenus 
venter non studet lib enter etc. Deshalb ad patibulum cumillo! 
Der dritte Arzt, Panthaleon Brunner, betreibt als Spezialitat 
die Krauterkunde und beschreibt mit zynischen Worten seinen 
Verkehr mit den Krauterweibern und Hexen*). Seehofers un- 

wie Prantl I, 120. 197 angibt, am nach Wittenberg uberzusiedein, sondern 
urn in Niiinberg, dann in Ulm, Begensburg und anderen Stadten zu prak- 
tizieren, wie Christoph Scheurl in seinem Empfehlungsbriefe am 17. Sept. 
1518 an Rektor und Senat in V^ittenberg berichtet (Scheurls Briefbuch 
ed. Soden u. Enaake II, 49 f.), und feam erst um diese Zeit nach Witten- 
berg, wo er bis Anfang 1521 blieb, um dann nach Ingolstadt zurtickzu- 
kehren. Dort ist er am 30. Marz 1526 gestorben, was anch Spalatin in 
seinem Chronicon (bei Mencken, scriptores II, 656) notiert hat. 

1) Luther bezeichnete ihn 1519 als „frommen Mann** (De Wette I, 
321. Vgl. Scheurls firiefb. II, 96). Zu einem ZusammenstoB kam es dann 
.wegen der Stellung, die Burkhardt als Rektor im Jahre 1520 bei einem 
Stndentenauflauf eingenommen hatte. Vgl. Enders, Luthers Brief wechsel 
II, 440. 

2) Ego resume discipulis meis et suppositis vnam special^m etsub- 
tilem materiam in medicinis, scilicet Herbarum in materna lingua, et habeo 
etiam seorsira lectiones pro precio suppositis quibusdam et pre omnibus 
illis honesti's matronis, que de nocte equitant super vnctum baculum, et 
qnando dicunt superius ex,.et nullibi ad, tunc equitant multa miliaria in 
vna nocte. Et tales matrone veniunt de remotis partibus ad me, et audiunt 
resumptionem meam, et discunt naturam herbarum et lapidnm, vt, quando 



Eolde, Arsacius Seehofer and Argula von Grumbacb. 157 

erhorte Reden, meint er, wiirden wohl mit Verdauungsbeschwerden 
zusammenhangen, er mttsse daher erst sein Wasser untersuchen, 
urn festzustellen, ob er ein Ketzer sei oder nicht. Ohne das 
Ergebnis abzuwarten ^), — Brunner erhalt einstweilen ein Glas 
Marsala vorgesetzt — fragt der Rektor nunmehr die Artisten 
um ihren Rat. Sie sind es, von denen es heiBt, die ^ersten 
veerden die letzten sein, und die letzten die ersten. Denn die 
Philosophie ist die Wurzel aller Wissenschaft von der Physik 
bis zur Theologie; deshalb, sagt Apell, seid Ihr gewissermaUen 
Gott, Ihr seid Anfang und Ende, das A und das 0. Ihr 
Fiihrer, Anton Braun, ist inzwischen sehr mftde geworden und 
mochte lieber schlafen, aber man laCt ihm keine Ruhe und er er- 
klart endlich auch seinen Unwillen iiber Seehofer, weil dieser 
die Scheidung als erlaubt bezeichnet babe, was die alten Vetteln 
begehrlich mache, wie er schon bei seiner zahnlosen Hausfrau, 
die ihn gern zum Manne haben mochte, erfahren habe. Der 
letzte endlich, Johann Schrotinger, kann kaum mehr sprechen 
und flndet selbst, daB er ziemlich betrunken sei. Der Rektor 
trostet ihn aber, daC das keine Todsunde sei, wenn man sich 
nicht erbricht, und nun weiB auch er eine Anklage gegen den 
Magister, namlich daB er gelehrt habe, daB Monche und Nonnen 
heiraten diirften, was doch unmoglich sei, da sich ja die Monche 
um des Himmelreichs willen verschnitten haben ^). Nun ist der 
Rektor befriedigt, hat er doch acht Anklagepunkte gegen See- 
hofer. Es wird beschlossen, an einem andern Tage weiter zu 
verhandeln, und rait einer gemeinen Bemerkung entlaBt das 
Haupt der Universitat die KoUegen und befiehlt den Pedellen, 
ihnen heimzuleuchten^). 

Am 27. August versammeln sich die Gelehrten von neuem 



est necessitas, sciant applicare activa passivis et adducere amasium et 
amisiam (!) ad inuicem super liircum. 

1) An einer spateren Stelle wird als der von ihm vorgebrachte hareti- 
scheSatz SeehofersbezeiiehnetiNemo tenetur ex praecepto divino ieiunare. 

2) Sed hoc est impossibile, quia monacbi non habent testicnlos, quia 
castraverunt se propter regnum celorum etc. 

, 3) Domine pedelie recipite laternam et praecedite magistros nostros 
et doctores praecellentes. Si aliquis vellet forsitan sacrifieium affere Deae 
Cloacinae, vel pro devotione contemplare in templo Veneris, tunc accen- 
.dite lumeo, nt sciat videre quid ibi est. 



158 Kolde, Arsaoins Seehofer und Argula von Grambach. 

in der oberen Stube Hans Schobers hinter dem Ofen zur end- 
gttltigen Verurteilung. Da alles ordentlich zugehen soil, wird 
beschlossen, Seehofer kommen zu lassen, damit er die ihm vor- 
geworfenen Artikel anerkenne. Wahrend der eine Pedell ihn 
abholt, muB der andere ein gates Friihstuck besorgen. Der 
Magiater erscheint nnd der Rektor halt ihm vor haereticalia, 
scandala, frivola et piarum aurium offensiva gelehrt zu haben. 
Wenn er sich begnfigt hatte, den Petrus Hispanus u. s. w. zu 
erklftren, wlirde man mit ihm zufrieden sein, aber so habe er 
fremden Acker abgemaht und sich mit den Geheimnissen des 
Glaubens beschaftigt, die fiir ihij als Magister zu hoch seien. 
Vergebens sucht Seehofer sein Recht, in Dingen des Glaubens 
auch mitsprechen zu durfen, wie Argula aus der Schrift zu 
erweisen. Der Rektor IftBt die acht Vorwiirfe seiner Kollegen 
verlesen. Seehofer erwidert, daU die inkriminierten Satze alle 
wahr und katholisch seien, und erbietet sich, den Beweis dafilr 
aus der Schrift zu bringen. Das erklart der Rektor ftir un- 
moglich, wenn er nicht den Teufel bei sich habe, da sie mit 
Skotus und den anderen Autoritaten im Widerspruch standen. 
Nun beginnt Seehofer seinen Beweis mit einer Menge von 
Bibelstellen. Aber Apell unterbricht ihn: „Ich kann eure ver- 
fluchte Rede nicht hSren, weil ihr die alten Doktoren und 
Heiligen verachtet, die das Evangelium besser kannten als ihr. 
Geht hinaus, daB wir Zeit haben, uns zu besprechen**, Ebenso 
miissen alle Nichtstimmberechtigten das Zimmer verlassen, und 
die Pedelle haben aufzumerken, daB niemand in der Kuche oder 
im Kamin borcht. 

Als man unter sich ist, beginnt Apell mit dem Bekenntnis: 
„Ihr seht, daB die Lutheraner alles aus der Bibel beweisen 
und unter uns gesagt (sub rosa loquendo), wir konnen ihm 
nicht widersprechen, denn es gibt Vieles bei Skotus und den 
heiligen Doktoren, was nicht aus der Bibel erwiesen werden 
kann. Das durfen wir aber die Bauern nicht wissen lassen, 
die schon von der Argula von Stauff, die die Bibel auswendig 
kann, gesagt haben, daB sie gelehrter ist als wir, was aber 
nicht wahr ist, denn sie ist nicht auf der Universitat gewesen^)". 



1) Ego tamen timeo quod scribit contra nos, tunc permerdaret nosdiabolus. 



Eolde, ArsaoiuB Seehofer und ArgulA von Grumbach. 159 

Aber was ist zu tun ? Der Rektor ist ratios. Der Mensch, sagt 
er, spricht viel von fides, aber ich weiB nicht, was fides ist. 
Gestern und heute habe ich im Vocabularius ex quo^) und im 
Mamatrectus^) danach gesucht, kann aber nichts finden. Auch 
der Suffragan von Regensburg . weiB nicht, was fides ist und 
sagt, daC man das den groBen Hansen fiberlassen muB, wie er 
neulich in der Stadt Weiden gepredigt hat^). Ich woUte, ich 
hatte die fides (den Kredit) der Fugger in Augsburg statt der 
theologischen fides, denn ich weiB nicht, was ich sagen soil. 
Marstaller weiB auch keinen Rat: „Mit dem Evangelium ist 
dieser Mensch nicht zu besiegen, und eine Bibel habe ich nie- 
mals gesehen. Ja wenn noch unser Eck da wUre, der schriebe 
gleich ein Buch gegen ihn „de toto et totaliter" und disputierte 
mit ihm in Leipzig und lieBe uns in Frieden. Vielleicht konnte 
Brunner den Magister durch seine Schiilerinnen (die Hexen) 
auf einem gesalbten Stecken oder auf einem Bock abflihren 
lassen, oder man konnte den Franziskanerpater Kaspar Schatz- 
geyer holen lassen, den geistvoUen Mann, der schon Rat wissen 



1) Vocabularius ex quo eio viel gebrauchtes lateiniscbes Vokabular, 
das zuerst 1467 in Eltville erschien. Ygl. F. A. Eckstein, Lateinischer 
und griechischer Untemcht. Leipzig 1887, S. 54. 

2) Gemeint ist der im 14. Jahrhundert von dem Franziskaner Gio- 
vanni Marchesini aus Keggio verfaftte Mammotrectus, „eine Sammlung yon 
grammatischen, orthograpbischen, exegetischen und anderen Glossen znm 
Yerstandnis der bibliscben Sohriften." Ebd. S. 58. 

3) Nee suffraganius Ratispo. scit quid est iides sed dicit, quod 
magnis Johannibus est committendum scire, quid est fides, sicut nuper 
praedicavit in opido Weyden. Gemeint ist der Regensburger Weihbischof 
oder GeneraWikar Peter Erafft (Deutsche Stadtechroniken 15, 62), von 
dem wir wissen, dafi er Ende April 1524 die Hilfe der Ingolstadter gegen 
den lutherisch gesinnten Prediger zu Weiden, Joh. Freiesleben, anrief. 
Vgl. Winter I, 166, Prantl I, 159. Dieser sehrieb unter dem Pseudo- 
nym Garitonimus Eleutherobius eine Scbrift gegen das Salve Regina unter 
dem Titel: „Das Salve re/gina, nacb dem richtscbeyt, das da heyst, 
Graphitheopneu/stos, ermessen vnnd abgericht"/, die, wie bereits Tb. 
Ficker, DieEonfutation des Augsburger Bekenntnisses etc., Leipzig 1891, 
S. 54 erkannt hat, in der zweiten Marienpredigt Hauers (s. o. S. 58) be- 
kampft wird, also schon 1523 evschienen sein mufi. Nach der vorliegenden 

' Satire dUrfte der Regensburger Generalvikar schon damals gegen Freyes- 
leben in Weiden, aber mit wenig Gltick, gepredigt haben. Mehr liber 
Fr. bei Clemen, Beitr. z. Reformationsgesch. Ill, S. 34 ff. 



160 Kolde, Arsacins Seehofer und Argula von Grnmbach. 

wtirde. Das leuchtet dem Rektor ein. Der gerade im Kloster 
der unbeschuhten Minoriten anwesende Pater soil gerufen werden. 
Aber der Pedell macht Einwendungen: es scheint ihm be- 
denklich, einen Fremden Einblick in die Geheiranisse der 
Fakultat zu gewfthren, auch stehe Schatzgeyer^) als Verfalscher 
der heiligen Schrift und ob seiner AuBerungen fiber die Ehe, 
die er in seiner Schrift fiber die Verehrung der Heiligen getan 
habe, bei vielen in fiblem Geruche ^). So laBt denn der Rektor 
den Gedanken fallen und wendet sich an die juristischen 
KoUegen. Georg Hauer halt die ganze Frage, was eigentlich 
Glaube sei, ffir unnotig. Man soUe es so machen wie die 
Bischofe, die auch nichts davon wissen oder wissen wollen, 
sondern schlechtweg (sine medio) alle, die vom Glauben sprechen, 
toten Oder einsperren. So haben es auch die Magistri nostri 
in Lowen gemacht, so machen es die Bischofe, weil sie mit 
anderem genug zu tun haben, der eine mit der Jagd, der andere 
mit dem Gelde, der dritte mit seiner Hurenherde. Da der 
Pfarrer, wenn er ein Kind tauft, fragt: Glaubst du an Gott, so 
ist das genfigend. Man soUe den Haretiker einfach bei Wasser 
und Brot im tiefsten Kerker verwahren. Das erscheint auch 



1) Schatzgeyram, qui apud quosdam male audit, non secus atque 
sacrarum adulter. In eo euim, quemL de veneratione sanctorum edidit 
tractatUy cum virginitatis decus admodum immoderatius efferet, dixit 
matrimonio iunctos inexplebili libidiuis siti ardere ceu ydropicum potu 
et tali nota divinum matrimonium incefisit, quod potissimum dictum plures 
male habet, atque veritati pepercit. Darauf an twortet der Rektor: Domine 
pedelle. Nolite scandalizare, quia ipse habet omnia in quotidiana ex- 
perientia et practica. — Die betreffende Stelle findet sich wirklich in 
Sehatzgeyers Schrift: „De sanctorum imploratione et eorum sufifragiis'' 
etc. 1524 (im Schriftenverzeichnis bei N. Paul us a. a. 0. Nr.7) F. 5. Unter 
den nenn Motiven, die angeblich der Apostel Paulus zum Rat der VirginitSt 
yeraulaBt haben, ist der zweite : Ob tribulationem carnis quam conjugati habent, 
cui satisfacere nequeunt sicut hydropicus nunquam plene siti potest satis- 
facere, sed quanto magis bibit tanto amplius sitit. Unde plerisque facilius 
est omnino continere, quam aliis in matrimonio honestatem matrimonii 
oum timore domini et thorum immaculatnm custodire. Ne fiant ut equus 
et mulns, quibus non est intellectus Ps. 3K Dies und die ganze sich an- 
schliel^ende Darlegung ein neuer Beleg fiir die mittelalterliche Gering- 
schatzung der Ehe. Ygl. dazuTh. Eolde, P. Denifle, seine Beschitnpfung 
Luthers etc. 2. A. Leipzig 1904, S. 58ff. 



Rolde, Arsacius Seebofer imd Argula von Grumbach. JGl 

dera Mediziner Peisser das Richtlge : wenn der Gefangene kein 
Licht hat und nichts zu essen erhalt, wird auch sein Gedachtnis 
schwach werden und er wird alles vergessen. Daftir ist jetzt 
auch Marstaller: „Konnen wir ihn mit der Wissenschaft nicht 
uberwinden, so dttrfen wir doch gegen den Haretiker List an- 
wenden. Deshalb wollen wir nur sagen, er ist ein Haretiker. 
Und wenn er im Kerker ist, wollen wir aus seinen Buchern 
seine H^resien feststellen." Die Pedelle erhalten den Auf- 
trag, den Angeklagten ins Gefangnis zu fiihren und seine Bficher 
zu bringen, aber sie haben Mitleid mit dem Armen, der nle 
gegen sie schlecht gehandelt habe und, obwohl nicht iiberfiihrt, 
verurteilt worden ^sei. .Sie finden es hart, an dera jungen 
Menschen Henkerdienste verrichten zu sollen. Doch A pell sucht 
sie zu beruhigen, man wolle ihn gar nicht toten, soudern nur 
ein wenig demutigen. 

Dann kommt die vierte Sitzung. Der Rektor berichtet, 
was inzwischen geschehen. In den Buchern. Seehofers haben sich 
wunderliche Zeichen gefunden. Er selbst glaubt, dafi der Ma- 
gister die schwarze Kunst versteht, und Marstaller habe den 
Inhalt als b5hraische Sprache bezeichnet. SchlieBlich habe der 
in solchen Dingen sehr bewanderte und belesene Kalfaktor fest- 
gestellt, die Sprache sei griechisch und hebr^isch. „Da habe 
ich gesagt, seht, da ist es kein Wunder, daC dieser Mensch ein 
Ketzer ist, da er die Griechen und Hebraer liest, die keine 
Christen sind**. In den Buchern hat man nun 17 Artikel ent- 
deckt, die nach Haresie schmecken. Da wir sie nicht verstehen, 
erklart der Rektor, haben wir sie den beiden Pralaten der 
Ingolstadter Kirche, naralich „Episcopo vulcani de nigro foramine 
(Schlotfeger?) et sacerdoti Cloacine de podistis (Kloakenreiniger?) 
gezeigt, die sie fiir ketzerisch erklart und versprochen haben, 
einen Komraentar dazu und eine Glossa ordinaria und interlinearis 
in einem Deutsch zu schreiben, daU jeder, der auch nur eine 
Fibel zu lesen versteht, weifi, was daran ist. Sein Vorschlao: 
geht nun dahin, diese ganze Materie drucken zu lasseu und 
Seehofer als Ketzer zu verdamraen. Zeigen dtirfe man ihm aller- 
dings die Artikel nicht, weil er sie sonst beweisen wurde; viel- 
mehr miisse man einfach von ihm Widerruf fordern, oder er 
vei*fiele der Strafe bis zum Feuertode (vel ire ad ignem inclusive), 

BeltragG ziir baycp. Kircbcngeschiclite XI. 3. 11 



162 Kolde, Arsacius Seohofer uiid Argula von Grumbach. 

wisse doch jedermann: „Ware dieser nicht ein Ubeltater, wir 
hatten ihn nicht iiberantwortet." 

Aber nun wird die Sache dramatisch. Die Juristen ent- 
decken ihr RechtsbewuCtsein und erklaren sich dagegen, je- 
manden in seiner Abwesenheit und ohne Verhor zu verurteilen. 
Auch die Mediziner ziehen zuriick. Sie hatten in der zweiten 
Sitzung angegeben, was ihnen an dem Magister nicht geflele, 
geniige das nicht zu seiner Verurteilung und handle es sich urn 
theologische Satze, so ginge sie das nichts an. Apell findet die 
Sache nicht so gefahrlich: ^Fiirchtet euch nicht, auch nicht vor 
Gott, um der guten Sache willen. Wenn wir ihn verurteilt 
haben, obwohl er unschuldig ist, so soil er zur BuBe in ein 
Kloster gehen und zu seinem Heile dort im Kerker bleiben bis 
zum Tode". Dann kann er nicht gegen uns disputieren. Wutend 
ruft Marstaller: „Da soil der Teufel Abt sein, wenn die Dok- 
toren von uns abfallen." Aber auch die Artisten bereuen, friiher 
im Rausche ihre Sentenz gegen Seehofer abgegeben zu haben, 
und wiinschen ein milderes Verfahren, zumal zu furchten sei, 
man werde den Rat anderer Fakultaten einholen und ihnen 
nachsageu, sie hatten aus Neid gegen Gott und sein Wort ge- 
urteilt. Der Rektor versteht ihr Mitleiden mit dem friiheren 
Spezialkollegen, aber das sei mit Unterschied anzuwenden. Die 
Glaubenssache gehe vor. Noch einmal beruft er sich auf das 
Gutachten der beiden versoffenen (ebriosi) sachverstandigen 
Priester Vulcani et Cloacine, die mit ihrer Devotion schon viel- 
fach andere erwarmt haben, besonders wenn es kalt ist. Den 
etwaigen Vorwurf, sich in fremde Dinge eingemischt zu haben, 
konnten die KoUegen leicht damit zuriickweisen, daC sie Ordi- 
narien seien und deshalb alles wissen muBten, was in der Welt ist, 
auch der Rektor ihnen die Gewalt gegeben hatte, mitzusprechen, 
und einer den andern zur Ehre aller B'akultaten unterstiitzen 
miiBte. 

Damit ist die Sache erledigt. Der Rektor fertigt eine Ver- 
dammungsbulle aus, in der er wiederum unter Berufung auf jene 
sachverstandigen Autoritaten Seehofers Satze verurteilt und kund 
gibt, daB dieser, durch Einkerkerung bei Wasser und Brot halb 
dumm geworden, seine Artikel widerrufen habe. Darauf hin sei 
er in die Hande Schatzgeyers iiberantwortet worden, auf daB 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grurabacb. 163 

er ihn mit seinem Stricke geiBele und aufreibe bis zum Tode, 
Oder ihn sogleich nach seiner Weise opfere, auf dafi seine Brflder 
den unter die Gotter versetzten als Heiligen verehren, zur Ab- 
schreckung anderer, damit sie dem Evangelium nicht so leicht 
glauben, sondern mit Frieden in der Kirche der Boshaftigen 
und Gottlosen bleiben und die Magistri nostri nicht argern^). 
Endlich werden gegen -jeden, der da widersprechen oder den 
Bauem die Dumraheit der Richter Seehofers offenbaren sollte, 
die unflatigsten Drohungen ausgesprochen ^). 

Mit dieser von dem Notar Katzenhirn beglaubigten BuUe 
hatte die Satire einen passenden AbschluB gefunden. Aber 
der Verfasser bringt noch die 17 Artikel Seehofers cum magi- 
strorum reprobatione, d. h. Beweisfuhrung der als Redner auf- 
tretenden Ingolstadter Sachverstandigen Vulcanus und Cloacinus, 
et Arascii restitutione. Wahrend jene nur ihr Verdammungs- 
urteil unter deutlicher Anlehnung an den Ingolstadter Zettel 
und oft mit denselben Worten vorbringen, widerlegt sie Arsacius 
mit iiberlegener Kenntnis der Bibel und Vater, aber doch in 
einer Breite, die das Interesse an dem Schlusse der Satire er- 
heblich abschwachen muBte. — 

Wieweit das hier gezeichnete Zerrbild der Ingolstadter 6e- 
lehrten irgendwie richtige Zuge enthalt, laBt sich nicht sagen, 
weil wir zu wenig von den Personlichkeiten wissen ; auch fehlt 
uns jedes zeitgenossische Urteil daruber. Das einzige, was sich 
feststellen laBt, ist, daB das Pamphlet im April 1524 in Ingol- 
stadt bekannt wurde und die Universitatsbehorden beschaftigte. 
Man beschloB, auf Drucker und Autor zu fahnden und bei dem 



1) Etpost reuocationem adiudicamns eum ad mantis zelosipatrls Cas. 
schatzgeiri urdinis sanctorum minoriim, ut eum disciplinet cum fune suo, 
et maceret usque quo est mors vel statim sacrificet more suo, ut inter 
deos relatum pro sancto colant fratres sui in terrorem aliorum, ne sic 
facile credant evangelio, convertantur et vivant, sed maneant cum pace in 
ecclesia malignantium et impiorum et non scandallzant magistros nostros. 
Die freie Erfindung, da8 Seehofer dem Schatzgeier iibergeben worden,sei, 
ist ein neuer Beweis daftir, dafi der Verfasser ein personlichcr Gegner 
desselben gewesen sein mnfi. 

2) Et diabolus et mater eius debent eum permerdare et volumus ei 
facere, sicut fecimus magistro Arsacio. 

11* 



164 Kolde, Arsacius Seeliofer und Argula von Grumbacfa. 

Kanzler L. von Eck und dem Herzog anzufragen, was in der 
Sache geschehen soUe^. Die Nathforschungen werden wohl 
erfolglos gewesen sein und man wird sich begniigt haben, die 
Exemplare, von denen zur Zeit nur ein einziges noch vorhanden 
zn sein scheint, nach M5glichkeit zu vernichten. 

Die besprochene Satire dtirfte die letzte Druckschrift ge- 
wesen sein, die durch den Fall Seehofer hervorgerufen wurde. 
Aber noch einmal griff Frau Argula in die Sffentlichen Ange- 
legenheiten ein. Auf die Kunde, dafi der Eat zu Regensburg 
das auf Grund des Reichstagsabschieds von 1524 ausgegangene 
kaiserliche Edikt^) bekanntgegeben hMte^), schrieb sie am 
29. Mai 1524 von Lenting aus an den Regensburger Rat: Lieben 
Herren, Freunde und Brttder in Christo. Ich Lab vernummen, 
wie bey euch neulich ein Mandat wider die Wort Gottes sey 
ausgerufen worden, wahrlich aus Anrichtung des Satans . . . 
Mich jammert nicht wenig, daC ihr euch laBt bereden vor alien 
Reichsstadten wider Gott zu streiten; furwahr es wird kein 
Kraft haben . . . Nun seh ich euch irren, darum kann ichs 
auf Befehl Gottes nicht unterlassen, euch zu verraahnen, wie 
wohl ichs gar wohl bedenke, mein werde gelacht u. s. w. 
Leider sind uns von diesem wohl nicht gedruckten Schreiben 
nur diese wenigen Worte erhalten*). 



1) Der von Prantll, 150 nur kurz zitierte Eintrag lautet w5rtlich: 
De Hbcllo famoao contra nniyersitatem super evocationem Arsatii Sehofers 
edito placuit dnis m. ab offerentibus libellulum inquiratur an Veritas in- 
vestigari possit et impresaorps] seuautorfis]; deinde fiant litterae ad dnm 
D. Leo Egkium et illnstrissimum principem an contra illos debent per 
universitatem a re institui (Arch. d. Univ. Mtinclien D. Ill, Nr. 4 S. 167 f. 
GUtige Mitteilung des Herrn Privatdozenten Dr. Bitterauf in Miinchen). 
Prantl wufite mit der Notiz nichts anzufangen, da auch Mttnchcn kein 
Exemplar des Pamphlets besitzt. Dafi es sich urn die „ Acta concilii"* han- 
delt, hat bereits 0. Albrecht in Luthers Werkcn, Weim. Ausg. XV, S. 99 
vermutet. 

2) Vgl. darUber Th. Kolde, M. Luther II, 97 f. 

3) Vgl. Gemeiner, Chronik der Stadt Regensburg IV, 612. 

4) Ebenda S. 521 u. ders. Reformation von Regensburg. 1792 S. 33. 
Prantl I, 155 hat also Recht (gegen Druffel S. 650), wenn er von einem 
Briefe an den Regensburger Magistrat spricht, allerdings ohne etwas 
Naheres davon zu wissen. Gemeiner berichtet : „Das Schreiben ist datiert 
Lentting am Tag Petrus und Paulus ira Jahre 1524, aber spracli- und 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 165 

Aber obwohl Balthasar Hubmaier, der friihere Prediger an 
der Kapelle der schonen Maria zu Regensburg, den man damals 
von Waldshut zuriickbegehrte, kurze Zeit vorher den Rat noch 
besonders auf Argula aufmerksam machte, indem er schrieb: 
„Sie (die Gegner des Evangeliums) wissen wohl, daC eine einzige 
Frau, vnd soil es schon die fromrae christliche Fran Argiila 
von Stauff sein, mehr weiB des gottlichen Wortes, denn solche 
rote Hanbler (Kardinale) je sehen und greifen", wird man sie 
auch hier keiner Antwort gewttrdigt haben^). Und mehr als 
je wurde nach dem Regensburger Konvent vom Juni 1524 2) und 
dem zweiten bayerischen Religionsmandat vom 2. Oktober 1524*) 
auf jede evangelische AuBerung inquiriert, was zu zahlreichen 
Religionsprozessen fuhrte*). 



wortreich und aus dieser Ursache zu weitlaufig, als daB ich es abdrucken 
lassen kdnnte/ Nach demselbcn Autor war es zu seiner Zeit bei den 
Regensburger Kirchenakten, ist aber heute nicht mehr da yorhanden und 
konnte anch im Miinchener ang. Reichsarchiv, wohin ich vom Regens- 
burger Stadtarchiv gewiesen wurde, nicht aufgefunden werden. 

1) Das Schreiben s. d. bei Gemeiner, Chronik der Stadt Regens- 
burg IV, 519 f. Vg]. dazu Loserth, Doktor Balthasar Hubmaier, Brilnn 
1893, S. 41 f. 

2) Vgl. Fried ens burg, Der Regensburger Konvent von 1524 (Hist. 
Aufs., G. Waitz gewidmet), 1886, S. 503 flF. 

3) Bei Winter I, 315. 

4) Fur das einzelne vgl. Winter I, 165ff. Riezler 108ff. Ders. 
meint, dafi aufier der Hinrichtung des MUnchner Backergesellen (ttbrigens 
nicht 1524, sondern 1523, vgl. DruffelS. 657 u. oben S. 55) sonst nichts 
von Todesurteilen und Hinrichtungen verlaute, es auch wenig wahrschein- 
lich sei, dafi solche Vorgange keine Spur hinterlassen hatten. Dligegen 
ist zu beachten, dafi Joh. £ck in seinen Denkschriften ftir die Kurie 
(Beitr. z. Bayr. KG. II 251) berichtet: nam etsi aliquos occiderit, plures 
tenet captives dux Bavariae", obwohl wir im einzelnen nichts davon 
wissen. Und dafi Hinrichtungen in jener Zeit vorkamen, diirfte auch 
Osiander bezeugen in seiner Schrift: Wider Caspar Schatzgeyer,/ Barf user 
Munchs, vnchristlichs/schreybe, damit- er, dasz/die Messz eyn opffer/sey, 
zu be-/weysen ver/maint./ Andreas Osiander./Nttrnberg./Anno M. D. XXv./ 
(Meine Bibl.) Bj schreibt er: du vnseliges Bayerlandt, dasz dn solich 
jewt nicht alleyn leyden, sonnder auch ftir gottlich lerer halten vn horen 
must. Vnd wee den Ftirsten, die sich soliche buben wider gottes wort 
zu fechten vnnd das vnschuldig blut jrer vnderthanen, die sy beschiitzen 
vnd beschirmen vnd jve vater sein solten, zu vergiessen lassen erwecken. 
Got wirts on Zweifel nicht lang. vngerochen lassen. 



160 Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

Dafttr Uatte Argula wenigstens die Genugtuung, daB der 
aiifangliclie UDmut ihrer Verwandten uber ihr Auftreten ffir die 
evaugelische Sache sehr bald verstummte. Eine Kousine Sidonie 
(t 1569), die Tocliter ihres Oheims Hieronymus, eine Kloster- 
frau in Obermftnster in Regensburg, legte das Ordensgewand 
ab und heiratete 1525 den evangelisch gesinnten Georg von 
Parsberg auf Luppurg bei Regensburg ^). Und ihr altester 
Bruder Bernliardin, der Herr von Ehrenfels (f 1541), und seine 
Gemahlin waren schon 1524 eifrige Anhanger der evangelischen 
Lehre und hatten in ihrem Wohnsitz Beratzhausen einen weithin 
geschatzten evangelischen Prediger Doktor Johann. Als dieser 
sich iiber die Herrschaft hinauswagte, wurde er am 5. Sep- 
tember 1524 vom Gerichtsdiener in Laber ergriffen, mit Ketten 
und Stricken gebunden und unter Verletzung der reichsfreiherr- 
lichen Gerechtsame nach Regensburg an dasbischofliche Gericht 
ausgeliefert. Vergebens war es, daC die zufallig in der Stadt in 
dem alten Staufferhof^) anwesende Freifrau auf dem Rathaus 
fiir ihn eintrat und die Unschuld des Mannes beteuerte, an dessen 
Predigten sie und ihr Gemahl und jedermann, der jemals sein 
Zuhorer gewesen, groBes Wohlgefallen gehabt hatten. Vergebens 
war es, daB Bernhardin mit anderen aus der Sippe und mehreren 
benachbarten pfalzischen LandsaBen nach der Stadt kam und 
vom Administrator die Freilassung erbat: als entsprungener 
Ordensmann, der ihre Verwendung nicht verdiene, wurde er 
festgehalten, ohne daB man erfiihre, was aud ihm geworden ist^). 
Dieses Vorkomranis mag den Freiherrn in seinem evangelischen 
Eifer noch bestarkt haben. Beratzhausen wurde der Sammel- 
punkt der Evangelischen der Umgegend. Auch von Regensburg 
stromten Manner und Prauen hinaus, um dort das Abendmahl 
unter beiderlei Gestalt zu erhalten*), und dem kiihnen Reichs- 
freiherrn, der auf seine Reichsunmittelbarkeit trotzte, ubrigens 
mit seinem Wandel seinem evangelischen Bekenntnis wenig Ehre 



1) Widmanns Chronik von Regensburg. Deutsche Stadtechroniken 
Bd. XV, 150. 

2) £r stand da, wo sich jetzt das Gasthaus zum griinen Eranz be- 
findet. 

3) Gemeiner, Chronik IV, 506. 

4) Deutsche Stadtechroniken 15, 70. 



Kolcie, Arsacius Seehofer iind Argula von Grumbach. 167 

raachte^), konnte weder der Administrator von Regensburg noch 
die "bayerischen HerzSge etwas anhaben. Er wagte es auch, in 
seiner Behausung in Regensburg selbst, dem schon erwahnten 
Staufferhof, am 18. April 1542 das Abendmahl durch seinen 
Prediger Leopold Moser reichen zu lassen^). 

Auch mit anderen katholisch gebliebeneu Verwandten stand 
Argula bald wieder in gutem Einvernehmen, so mit ihrem Vetter, 
dem Eichstatter Domherrn Priedrich von Leonrodt, einem offen- 
bar nicht sehr kirchlich gerichteten, behaglichen Herrn^), der 
die Pfrunde von Zeilitzheim in Unterfranken, eines ihrem Gatten 
gehorigen Gutes, inne hatte. Freilich ihre mehrfachen Versuche, 
von ihm einen evangelisch gesinnten Vikar fiir Zeilitzheim zu 
erhalten, waren von keinem Erfolg gekront*). 



1) Der strengkatholische Widmann bezeichnet den von ihm besonders 
gefaafiten Eitter, den „6ernhard Unkrauf*, wie er ihn nennt (ebenda 55, 
124, wie freilich so ziemlich jeden Lutheraner, ^.Is Ehebrecher (ebenda 
S. 182), und wie es scheint, in diesem FaUe nicht mit Unrecht. Denn in 
einem Briefe eines offenbar frommen Mannes Eolmar Grasser (d. peretz- 
hausen des audern Suntags nach dem obresten 1531 Jar) an Argula wird 
auch liber den> ehelichen Unfrieden im Hause geklagt und berichtet: 
„Frau Otilie ist aus dem Haus^ (Allg. Reichsarchiv in Miinchen). . 

2) (Gemeiner), Geschichte der Kirchenreformation in Regensburg. 
Regensburg 1792, S. 118ff. 

3) Auf den Vorwurf, ihr lange nicht geschrieben zu haben, ant- 
wortet er Montag nach Johannis Baptisten (27. Juni) 1530 sehr charak- 
teristiscb: „so bin ich sanberlich faull vud drege, wie das meins hant- 
wergks prauch ist.** Die Grumbachs hatten ihm den Zehnten ftlr Zeilitzheim 
zu zahlen, und er besoldete, wie aus demselben Briefe zu ersehen ist, 
einen Vikar um 20 Gulden. 

4) Zur Pfarrgeschichte von Zeilitzheim notiere ich, daB im Jahre 
1527 Jakob Pfeffer die Vikarei aufgab, und Argula mit dem Domherrn 
Beys (?) V. Hesperg in Wiirzburg wegen Berufung eines andern Vikars 
verhandelte, Hesperg aber die Vikarie oder wenigstens die Pension selbst in 
Anspruch nahm. (Arg. an v. Hesperg, Grumbach Freitag nach ursule 1527.) 
Als im Jahre 1536 Leonrodt die Pfrunde zu resignieren gedachte, wollte 
Argula unter gewissen, von Leonrodt zu bestatigenden Bedingungen den 
evangelischen Prediger Oswald Ruland als Pfarrer von Zeilitzheim ange- 
stellt wissen, aber der Eichstatter Domherr HeB sich auf nichts ein, 
wollte die Pfriiude nach Wiirzburg resignieren und erklarte, er woUe 
seine »ayde hoher bcdenken, weder yetzunder von vill. vnd sonderlich 
etlichen des newen evangelii und secten beschicht.** Eystet am tag 
siluestri A^ 36*0 (Allg. Reichsarchiv in Munchen). Ruland, den wir spater 



168 Kolde, Arsacius Seehofer und Argulii von Grumbach. 

Jeiier Brief an den Eat von Regensburg vom Jahre 1524 
dttrfte der letzte gewesen sein, mit dem Fran Argula in die 
offeutlichen Verhaltnisse eingriff. DaB man ihr durch die Obrig- 
keit Scliweigen anferlegt haben soUte, ist nicht wohl anzunehmen, 
da ihre letzten Veroflfentlichungen schon in die Zeit nach der 
Absetzung ihres Mannes fallen mlissen. Sie mochte sich sagen, 
ihre Pflicht getan zu haben, und die Aufgabe, das wenige, was 
die Familie besaU, zusammenzuhalten und die Verwaltung der ver- 
schuldeten Gftter in Lenting, Zeilitzheim und Grumbach in 
Franken wird schwer genug auf ihr gelastet haben, da ihr Gemahl 
wie ihre noch erhaltene, meist wirtschaftliche Korrespondenz^) 
ergibt, ihr alles und jedes iiherlieU. Gleichwohl verfolgte sie alles, 
was auf religiosem Gebiete verging, und blieb mit Spalatin und 
den Wittenbergern in Briefwechsel. Wir erinnern uns, daB sie 
in ihren Schriften auch fur das Eecht der Priesterehe einge- 
treten war, un^ als ihr im Herbst 1524 das Geriicht zu Ohren 
gekoramen, daB nun -auch Luther selbst heiraten woUe, schrieb 
sie ihm, wohl mit der Mahnung, den Gedanken auch wirklich 
auszufuhren. Luther lieB ihr dafiir durch Spalatin am 30. No- 
vember 1524 herzlich danken, aber auch mitteilen, daB er zur 
Zeit nicht daran dachte, da er taglich den Tod und die wohl- 
verdiente Strafe des Ketzers erwarte^). Anderthalb Jahre spater, 
am 23. Mai. 1526, berichtete sie an Spalatin von dem Martyrertod 
eines Evangelischen mit den Worten: Gott sey lob wir haben 



in Deggendorf als Prediger finden, und nach seiner Vertreibung von dort 
im Jahre 1546 in Rotenburg a. d. Tauber (Beitr. Bayer. KG. Ill, 184ff.) und 
noch spater in Regensburg, scheint die Zeilitzheimer Stelle nicht erhalten 
zu haben. 

1) Im AUgem. Reichsarchiv in Munchen. Ich habc davon tiber 80 
I^ummern einsehen konnen. Zu ihren Korrespondenten geh5rte auch seit 
1521 Martin Cr on thai, der Stadtschreiber von Wurzburg, dessen Chronik 
„Die Stadt Wurzburg im Bauernkriege" etc. ed. M. W^ieland (V^^tirzburg 
1887) wir kennen. Ob Cronthal ein so gutglaubiger Katholik war, wie 
Wieland S. IX annimmt, wird zweifelhaft, wenn wir aus einem Briefe an 
Argula vom Dienstag nach Katharina (29. Nov.) 1524 ersehen, dafi er 
Argula Biicher besorgt, auch aus dem Kloster Himmelpforten, und er selbst 
mit Luther Briefe wechselt: „ Schick euch hiemit ein abschrift von Mar- 
tin us brieff mir geschrieben und dabey etlich missine etc. 

2) Enders V, 77: animus alienus est a coniugio cum expectem quotidie 
mortem, et meritum haeretici supplicium. 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 169 

mer eiu neuen Mertrer, itz Freitag acht Tagen vergaDgen in 
unserra land zu Wasserburg enthaubt on alle anclagen und 
weyel. Kurtz gesagt: Er ist ein Ketzer, drum sol er sterben- 
Also beschach auch Christo u. s. w. ^) DaC sie auch in diesen 
Jahren manches Schwere durchzumachen hatte, ohne daC wir 
erfiihren, worum es sich handelte, ergibt ein Schreiben Luthers 
an Spalatin vom 11. November 1528, mit welchem er diesem 
eiuen Brief Argulas ubersandte, damit er daraus entnehmen 
konne, was diese so fromme Frau zu tragen und zu dulden 
liabe^). 

Die regsten Beziehungen unterhielt sie zu den Nurnberger 
Predigern, denn in Niirnberg lieB sie ihre Kinder zeitweise erziehen. 
Ihren altesten Sohn hatte sie, was bisher unbekannt war, bei 
keinem Geringeren untergebracht als dem gelehrten Schulmeister 
von St. Sebald Johann Denck^), und der Knabe gehorte, als sein 
Magister am 21. Januar 1525 „von wegen eines yrsaraen fur- 
nemens und schwiirmes geurlaubt ist worden und vertrieben, 
mit molern und andem mer, den er anhangig war," zu den da- 
durch verwaisten Kostgangern desselben. Da war es Osiander, 
der ihn, nachdem „dieFurerin"*) sich ein paar Tage seiner an-* 
genommen hatte, um dasselbe Kostgeld von 18 fl. bei dem Schul- 
meister von St. Lorenz Johann Ketzmann unterbrachte^). Dort 
blieb er fiber vier Jahre, bis ihn die Mutter im Dezember 1529 
auf die Universitat nach Wittenberg schickte®). Er scheint 
wenigstens zuletzt bei Melanchthon gewohnt zu haben, denn an 

1) Spalatins Chronikon bei Mencke, Scriptores II, 657: Berthansen 
(zu lesen ist Beratzhausen) Feria IV p. Pentecosten. 

2) De Wette III, 400. Enders VII, 24. 

3) Vgl. liber ihnTh. Kolde, Hans Denck uDd die gottlosen Maler von 
Nurnberg. Beitr. Bayer. KG. VIII. Bd. 

4) Jedenfalls eine Frau aus der bekannten Patrizierfamilie. 

5) Ich lasse den schonen Schtilerbrief, in dem Georg dies merk- 
wiirdigerweise erst zu Pfingsten den Eltern mitteilte, unten als Beilage 
Nr, IV abdrucken. 

6) Ketzmann beschwerte sich liber ihn am Aschermittwoch 1529, 
dafi er unter dem EinfluiJ seines Onkels, des Bernhardin v. Stauif, der 
damals langere Zeit in Nurnberg weilte, sich gewohnt habe, mehr im 
V^irtshause zu sein als bei ihm, und wollte ihn gerne los werden. (Allg. 
Reichsarchiv in Miinchen.) — In W^ittenberg: Forstemann, Album 
Viteb. S. 137: Georgius a Grunpach Bavarus 24, Pezembris, 



170 Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

diesen scbickte Osiander noch ira Jahre 1534 in Argulas Auf- 
trag eine Summe Geldes fur das, was ihr Sohn ihm schuldete, 
verkebrte aber auch in Luthers Hause und war auch Prau 
Kathe wobl bekannt^). 

Ibren zweiten Sohn Hans Georg vertraute sie der Erziebung 
des Andreas Altbamer in Ansbacb an, bei dem er vom 2, No- 
vember 1529 bis zum 14. November 1532, an welchem Tage 
eir von Altbamer der ausgebrochenen Pest wegen nach Hause 
geschickt wurde, verblieb. Aus der wabrscheinlich reichen 
Korrespondenz scheint auCer den kulturhistoriscb wertvollen 
Abrechnungen mit der Freifrau leider nur ein Brief Althamers 
erhalten zu sein, aus dem man ersehen kann, wie der frankische 
Reformator sie auf dem Laufenden erhielt. Darin berichtet Alt- 
bamer am 26. Mai 1530 von der einige Tage vorher erfolgten 
Abreise des Markgrafen und seines Gefolges zum Reichstage 
nach x^ugsburg und von seinem Vertrauen auf die Starke und 
Macht Gottes, dem man die Sache befehlen mlisse^). — 

Auf die Kunde, daC Luther nunmehr in der Nahe sei, konnte 
Argula es nicht lassen, ihn aufzusuchen. Am 2. Juni 1530 war sie 
auf der Koburg. Und Luther, dem gerade damals die „Wall- 
fahrt" fast zu groB wurde, nahm sie freundlich auf, lud sie zu 
Tisch ein und freute sich, wie seine Brief e ergeben, des Zu- 
sammenseins mit ihr. Von Argula, deren gute Ratschlage fur 
die Entwohnung des jtingsten Kindes er an seine Kathe weiter 
gab, erfuhr Luther u. a. auch von den grofien Festlichkeiten, 
die man in Miinchen fur den Empfang des Kaisers planted). 
Neu gestarkt in ihrem alten Bekennermut schrieb sie dann am 
17. Juli 1530 an Spalatin nach Augsburg: ^Furchtet euch nicht, 
die Sache ist Gottes; der sie in uns angefangen hat, der weiB 
und wird uns wohl beschiitzen ; er schlaft nicht, der da behiitet 



1) S. d. Brief des Andreas Osiander an Melanchthon in den Beilagen 
Nr. v. — Luther an Kathe Enders VII, 362. Ferner an Peter Weller: 
Saluta Georgium a Grumpach. Enders YIII, 8. 

2) Die betreffenden Briefe in den Beilagen VI bis VIII. Die Ab- 
rechnungen, die ganz genau ergeben, was damals ein Schuler in Ansbach 
fiir BUcher, Kost und Kleider brauchte, sind meines Erachtens kultur- 
historiscb so wichtig, dafi ich glaubte, sie mit abdrucken zu sollen. 

3) De Wette IV, 30, 32f. Enders VII, 3611, 365, 367. 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 171 

Israel. Die Sache ist sein und er wird den Streit wolil stillen 
und hiuausfuhren" ^), 

Unraittelbar darauf muB ihr Gatte gestorben sein*). Darauf- 
liin kam der alteste Sohn im Pruhjahr 1532 yon Wittenberg 
zurttck, um die Lehen seines Vaters in Besitz zu nehmen. Aus 
der Tatsacfae, dafi er sich ungehindert sogar in Ingolstadt be- 
wegen durfte, ersieht man, daC man trotz des dritten bayeri- 
schen Religionsmandates von 1531*) nachlassiger geworden war 
und jedenfalls die scharfeu Bestimmungen des Regensburger 
Konvents gegen den Besuch der Universitat Wittenberg nicht 
in Anwendung kamen. Am Sonntag nach St. Viti 1532 (16. Juni) 
konnte er der Mutter von Burggrumbach aus melden, daC er 
mit Hilfe seines Vetters, des spater als Parteig^nger des Mark- 
grafen Albrecht Alcibiades und durch die „Grumbacliischen 
Handel" bekannt gewordenen Wilhelm von Grumbach (geboren 
1503) die Lehen zu Wtirzburg erhalten habe und es mit deuen 
zu Zeilitzheim auch keine Scbwierigkeiten haben werde*). 
Dann ging Georg eine Zeit lang nach Ingolstadt®) und wohnte, 



1) Dieses Brieffragment bei Salig, Vollst. Historie der Aiigsb. 
KoDfession Halle 1730, I, 265. 

2) Der Brief Althamers an Argula yom 26. Mai und ein Schreiben 
des Eichstatter Friedrich von Leonrodt vom 27. Juni 1530 setzen ihn noch 
als lebend vorans. Am Tag Johannis Evangelistae 1531 (d. i. wohl 
27. Dez. 1530) unterschreibt sie sich „Wittib**. 

3) £r scfareibt am Freitag nach Letare 1532 an seine Mutter von 
Ingolstadt ans. 

4) Bei Winter II, 280 flf. 

5) Wieaus der bei Wi el and, Die Stadt Wtirzburg im Bauernkriege 
etc. S. 122 abgedruckten „Ritterlichen Anlage" im Jahre 1526 hervorgeht, 
hatte Friedrich v. Grumbach im Bistum Wtirzburg Lehen zu Zeilitzheim 
(bier konkurrierten die Fuchs zu Bimbach), Niederblechfeld and Grumbach, 
wo sein Anteil neben Wilhelm, Hans und Adam von Grumbach ein sehr 
geringer gewesen zu sein scheint. — Da3 Argulas Sohne sich in erster 
Linie als ihre SOhue ftihlten, zeigt eine Bemerkung Georgs tiber seinen 
Vetter Hans, den Sohn des Adam von Grumbach : „er ist awer ein bauer 
nach der grumbacher art.** 

6) D&Q gut evangelisch gesinnte Adlige damals noch in Ingolstadt 
studierten, weil die dortige Juristeufakultat in besonders gutem Rufe 
stand, war etwas ganz gewohnliches. Auch Luther empfiehit 1541 einen 
seiner Tischgenossen, den pommerschen Adligen Martin Weigher, auf 
seiner Durchreise durch Nurnberg an V, Dietrich mit der Bemerkung: 



172 Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbacb. 

ein deutliches Zeichen davon, daB man dort Argulas Ketzereien 
langst vergessen hatte, sogar bei dem Schaffner des alten 
KoUegs, dessen Frau eine Gevatterin Dr. Job. Ecks war, und 
eigentttralicherweise berichtet uns fiber die vielleicht einzige 
personliche Beziehung, die Eck mit Argula gehabt, eine Bitte 
des letzteren, seiner Gevatterin die noch uubeglichene Schuld 
ihres Sohnes zu bezahlen^). Wahrend Georg bald nach Leip- 
zig ubersiedelte, in der dortigen Matrikel aber nicht zu finden 
ist, waren seine jungeren Bruder Hans Georg und Gottfried in 
diesen Jahren auch in Ingolstadt und zwar bei dem Organisten 
„mayster Wolfgang laydtmayer in kost und lernung"^). Von 
da kam Gottfried 1538 nach Nttrnberg^). 

Inzwischen hatte sich Frau Argula im Jahre 1533 wieder 
verheiratet und zwar mit einem Grafen Schlick. Nur diese 
Tatsache laCt sich fesstellen, nicht aber der Name des Grafen 
mit dessen Sippe die Freiherrn von Stauff mehrfach verwandt 
waren. Da ein Brief an Argula in der Zeit, in der die Wieder- 
vermahlung stattfand, im Herbst 1533, nach Prag gerichtet 
ist, so gehorte ihr Gatte vielleicht zu einer der Linien, die im 
EUenbogener Kreise in Bohmen angesessen waren*). Welche 



Ingolstadiiim missus est a suis, isthic iuribns, at puto, datnrus operam, 
postquam rumor inorebruit, iurium studia flovere potissimum logolstadii. 
De Wette V, 390. Vgl. 391. 

1) Da dringend zu wttnschen ist, daR die Briefe Ecks endlich einmal 
gesammelt werden, lasse ich das sonst uubedeutende, nur um der beider- 
seitigen Personlicbkeiten bemerkeDswerte Briefcben Yom 18. Dez. 1535 
unten in den Beilagen Nr. IX folgen. 

2) Laut Abrechnung vom Mittwoch nach Jacoby 1535. — Von der 
einzigen Tochter Apollonia welfi ich nur zu berichten, daB sie 1532 lange 
krank in Niirnberg war. Auf einen Trostbrief an sie vom ^mitboch nach 
dem ostertag ao 1532" hat Argula spater geschrieben ^ist 51 wochen 
am artztet gelegen that fur kost all wochn 1 11. und 20 fl. fur artzetlon. 

3) Nach einem Briefe Job. Ketzmanns Mittwoch nach Letare (3. April) 
1538 konnte ihn dieser wegen Mangel an Platz nicht aufnehmen, brachte 
ihn aber ftir 26 Gulden „aufierhalb Kleider und Getrank" bei seinem 
frilheren-Dlener untor. Danach war der Pensionspreis in Niirnberg seit 
1525 (s. Beilage IV) von 18 auf 26 Gulden gestiegen. 

4) Ein von dem Wirt ihres Sohnes von Leipzig aus geschriebener Brief 
vom „Dienstag nach nativitatis Marie" (9. Sept.) 1533 hat die Aufschrift 
^Argula geborne von Stauff itzund zu Prag". Zwei Monate spater unter- 



Kolde, Arsacius Seehofer iind Argiila von Grambach. 173 

Veranderung ihrer Verhaltnisse das mit sich gebracbt, laBt 
sich nicht angeben, auch war sie nacb kaum 1^2 Jahren wieder 
Witwe ^). 

tJber ihre letzten Jahre ist wenig zu berichten. Manche 
schwere Sorge machten ihr ihre Kinder, namentlicb der etwas 
leichtsinnige Hans Georg, von dem Althamer schon 1532 geurteilt 
hatte, dafi er „fleifiiger Zucht bedarf, soil er anderst geraten". 
Im Jahre 1538 mu6 er in Burggrumbach etwas sehr Schweres 
begangeu haben. Als er dann reuig die Mutter um Verzeihung 
bat, schrieb sie ihm einen Brief, aus dem wir noch einmal die 
fromrae charakterfeste Frau erkennen konnen. Sie will ihm, 
wenn er sich wirklich bessern und ihr von nun an gehorsam 
sein will, noch einmal verzeihen, aber er soil sofort heimkommen, 
jedoch nicht eher, als er zu Nurnberg das Sakrament erapfangen 
hat. Er soUe zu Osiander gehen, dem sie inzwischen alles ge- 
schrieben, ihm all sein Anliegen klagen, der werde ihm raten 
konnen. Aber sie traut dem Sohne nicht: „HeiB dir Dr. Osian- 
der einen Zettel geben, sonst glaube ich dir nicht." Auch an 
den noch in Nurnberg lebenden jlingeren Bruder Gottfried gibt 
sie ihm eine strenge Mahnung mit: „sag dem Gottfried, dasz er 
fleissig studir und bey der lernung beleib und nicht in der stat 
Oder in wirtshSusern hin und her laufe, dasz er auch fleissig 
die predigt merk und warhaft ziichtig getreu und from bleib"^). 

Ihr altester Sohn Georg scheint schon 1539 gestorben zu 
sein*). Im Jahre 1542 starben auch ihre Bruder Bernhardin 



schreibt sie ^Ingolstadt Mittwoch nach Andree ao 1533 argula schlickin 
und greffin eine geborne von Stauff** — tibrigens eiu neuer Beweis dattir, 
daO dievon Adlzreiter annal. gent. Boic. II lib. p. 250 in Umlauf ge- 
brachte Behauptnng, daB sie aus alien Gebieten Bayerns verbannt worden 
sei, unhistorisch ist. Nach Wiguleus Hundt, Bayerisches Stammbuch 
III, 308 waren die Ehefraucn ihrer Brlider Bernhardin und Gramaflanz zwei 
Schwestem, Grafinnen Schlick, und war cine ihrer Schwestern die Ge- 
mahlin des Grafen Victorius Schlickh. tJber die bohmischen Schlicks 
vgl. Matthesius, Luthers Leben ed. Losche, Prag 1898, S. 475ff. 

1) Mittwoch nach Jacoby (28. Juli) 1535 wird sie als Argula 
schlickh greffin wittib bezeichnet. 

2) S. den Brief Beilage Nr. X. 

3) In dem Briefe eines Leipziger Blirgers vom 25. Juli 1539 wird er 
als in Gott vcrschieden bezeichnet. 



174 Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

und Gramaflanz, und bald darauf (wahrscheiulich Anfang 1543) 
auch der zweite Sohn Hans Georg. Auf die Kunde davon kehrte 
Gottfried, der unter Leitung eines frankischen Landsmanns 
GroB von Trockau eine Zeit lang am Hofe des Herzogs von 
Pommem in Wolgast gelebt hatte, in die Heimat zurlick, urn nun- 
raehrseinerseits dieLehen seines Vaterszu ubernehmen 2). Wahrend 
sie friiher in der Kegel in Lenting lebte, soli Argula die letzten 
Jahre ihres Lebens in Zeilitzheim ihren Wohnsitz gehabt haben. 
Daselbst ist sie 1554 gestorbeu. Die dortige Tradition laBt sie 
in der Kirche begraben sein, aber kein Denkstein eriunert die 
Nachwelt an die mutige Bekennerin evangelischen Christen- 
tums und die erste Schriftstellerin des deutschen Protestantis- 
mus, die dort ihre Ruhestatte gefunden hat. 



Aber was war aus Arsacius Seehofer geworden? Dar- 
iiber wissen wir bis jetzt sehr wenig. Seine Gefangenschaft 
in Ettal scheint nicht allzu lange gedauert zu haben ^). Es 
gelang ihm zu entfliehen, aber wann und unter welchen Um- 
standen dies geschah, ist vollig unbekannt. Die Tradition*) 
laBt ihn unmittelbar nach seiner Befreiung nach Wittenberg 



1) Dies alles ans Briefen resp. Aufschriften, die Argula macht, im 
Allg, Reichsarchiv in Miinchen. Danach reiste Gottfried Freitag nach 
Jubilate 1543 yon Wolgast ab. Davon, dafi Hans Georg in bayerische 
Dienste getreten, dann aber daraus entlassen worden ware (Lipowky 
S. 24), findet sich keine Spur. 

2),Dasist spezieU fur die Eichstatter Lehen (Lenting?) bezeugt, in- 
dem der Bischof Moritz durch einen Brief Tom 15. Dczember 1544 an 
Argula flUnser lieben besundern Freundin Argula gebornen Freyin von 
Stauff ZU Lennting", anzeigen lie6, daB die von ihrem seligen Gatten 
Friedrich innegehabten Lehen nunmehr durch ihren Sohn Gottfried von 
Grumbach empfangen werden kSnnten. Vgl. 0. Rieder, Beitrage znr 
Kulturgeschichte des Hochstifts Eichstatt (Sep. Abdr. aus dem Neuburger 
Kollektaneenbl. 56 Jahi:g. 1892), S. 29. 

3) Alle seinen ProzeO betreffenden Schriften setzen seine Gefangen- 
schaft noch voraus. 

4) Sie beruht auf einer sehr allgemein gehaltenen Notiz bei S c c k en - 
d r f , Comment. Lutheranismi I,p, 270 : Arsacius Seehofer ... in monasterium 
detrusus et eo se abduxit et Wittembergam venit inde in Borussiam 
missus sed postea in Sueviam rediens Augustae et Wynidae Scholis et 
ecclesiis .praefuit. 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grambach. 175 

kommen^). Das ist sehr wahrscheinlich, aber bisher durch 
kein gleichzeitiges Zeugnis belegt. Dasselbe gilt von der viel- 
leicht auf einer Verwechselung mit einer Tatsache aus 
spaterer Zeit beruhenden Behauptung, daB Luther ihn alsbald 
mit einer Sendung an den Hoch- und Deutschmeister betraut 
hatte^). Urkundlich taucht er erst im Jahre 1528 wieder auf, 
als Melanchthon ihn seinem Freunde, dem Pastor Nikolaus Kind 
in Eisfeld unter rlihmender Anerkennung seiner Gelehrsamkeit 
und unter Hinweis auf sein friiheres Martyrium als Schulmeister 
empfahl. Und diese Empfehlung hatte Erfolg. Melanchthon 
dankte fiir die freundliche Aufnahme, die sein Schlitzling in 
Eisfeld gefunden hatte ^). Aber sein Aufenthalt in Thiiringen 
war nur von kurzer Dauer. Im Sommer 1530 war er in PreuBen, 
vermutlich um eine Stellung zu suchen*). Wenn ihm dieses 
gelungen ist, so hat er sicher nicht lange ausgehalten. Denn 
im Jahre 1532 begegnen wir ihm wieder im Siiden, und zwar 
in Augsburg^). Das war die Zeit, In der die antiwittenbergische 
Partei daselbst die Oberhand gewonnen hatte, die Lutheraner 
Johann Frosch und Stephan Agricola hatten weichen miissen, 
aber man doch den direkten Bruch mit Luther angesichts der 
Zerkliiftung der Gemeinde und des sichtlichen Rlickganges des 
Protestantismus in der Stadt vermeiden woUte. So kam es, daB 
man unter dem Vorgeben mit Luther eins zu sein, Seehofer, 



1) Riozler IV, 88 berichtet, daB ,,Luther ihn mit offeDen Armen 
aufnahm/ Davon wissen wir gar nichts. In Luthers Briefwechsel ans 
den nachsten Jahren wird er Uberhaapt nicht erwahnt. 

2) Riezler a. a. 0., u. Reusch schreibt in der Allg. deutschen Bio- 
graphic sub voce ohne Beleg: „er wurde von Lather nach Preufien ge- 
schickt, kam aber von dort nach 18 Monaten wieder zuriick." 

3) Corpus Ref. I, 366f. Zu Nic. Kind vgl.S char old, Dr. M. Luthers 
Reformation in nachster Beziehung auf das Bistum Wiirzburg. Wtirzburg 
1824 S. 185. Beitr. Bayer. KG. VI, 51. 

4) VgL Cosack, Speratus, Braunschweig 1861, S. 27 u. 415 u. 
S. Speratus an Apel*. Novarum rerum nihil est apud me. Quae habui ad 
Arsacium dedi, si libet istum roga bei Tschackert (der die Personlich- 
keit nicht diagnostiziert hat), Urkundenbuch der Reformationsgeschichte 
von PreuBen Bd. I Nr. 737 S. 246. Danach ist die Bemerkung von Ger- 
man n, Joh. Forster (1894), S. 55 Anm.: „Von 1528 bis wenigstens 1532 
war Seehofer Rektor in Eisfeld** zu berichtigen. 

5) F. Roth, Augsburgs Reformationsgeschichte II, 209 Anm. 84. 



17(5 Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

eben well er aus Wittenberg gekommen war, als Diakonus ge- 
winnen wollte. Der Stellenlose war dazu bereit, woUte nur 
nach Wittenberg zuruckgehen, um seine Sachen zu ordnen, 
schrieb aber dann, „nachdem man ihn dort offenbar eines Besseren 
belehrt hatte", wieder ab, ,,da er betrogen sei und ihm der 
Handel nicht recht ware vorgehalten worden"^). So gait es 
fur ihn wiederum zu warten und zu wandern. Und die Not 
wird ihn gezwungen haben, im Jahre 1534 von neuem sich nach 
Siiddeutschland zu wenden, wo er, wie es scheint, jetzt von 
Bucer empfohlen, bei Frecht in Ulm Hilfe suchte. Dieser gab 
sich, auch von Wolfgang Musculus in Augsburg darum angegangen, 
die groBte Miihe, durch Empfehlungen bei Blarer und anderen 
den „gelehr-ten frommen, durch das Kreuz geiibten jungen Mann", 
— man nennt ihn noch immer juvenis, irgendwo unterzubringen. 
Aber es war schwierig, denn er war kranklich, hatte ein FuB- 
leiden, auBerdem eine entstellte Nase, Mangel, die, wie 
Frecht hofft, durch seine Frommigkeit, FleiB und Gelehrsam- 
keit ausgeglichen werden wiirden^). Da damals durch Bucers 
Bemlihungen eine Konkordie der Augsburger mit den Witten- 
bergern in Aussicht stand, bewarb er sich um eine Pr^dikanten- 
stelle, aber er muBte erfahren, daB die Prediger Michael Keller 
und Wolfhardt — so berichtet freilich der schroffe Wittenberger 



1) Roth S. 53. Germann S. 55. Dazu Roth II, 209 Anm. 89, 
welche Notiz sich wohl auf dieselbe Sache bezieht. 

2) Er kam im Januar 1534 von Bucer zu Frecht in Ulm (Frecht an 
Bucer 26. Jan. 1534). Am 27. Sept. 1534 ders. an Frecht: Habent nostri . 
in ditione Heidenbeimensi tria opulenta monasteria, quae si reciperent 
verbum aut saltern praedagogum, possit hie Arsacius praestare praecep- 
torem. Sed isthic apud te certiora sunt loca quam apud nos. Ea propter 
Arsacii memor sis. Non dubito quod illi ob nasi et pe'dis morbum deest, pia 
eruditaque diligentia sarciet. (G. Veesenmeyers handschriftliche Kollek- 
tanen III, 51, die mir vor Jahren von seinem inzwischen verstorbenen 
Sohne zur Einsicht iiberlassen wurden und die sich wohl jetzt in der 
Stadtbibliothek oder dem Archiv in Ulm befinden werden). Dazu in einer 
Nachschrift von dems. Tage: Arsacio . . . quid statuendnm. Musculus 
nuper et nunc hominem commendat atque ipse Arsacius saepe me nunc 
soUicitavit, ut se tibi commendarem, Doctus pius et cruce exercitatns 
est iuvenis. Quaeso huius quoque rationem, etiam si sit postremus, quern 
tibi commando. 



Kolde, Arsacius Seehofer and Argula von Gnimbach. 177 

ParteigaDger Kaspar Huberinus^), die sich ihm gegenuber auBer- 
lich freundlich stellten, seiner Bewerbung heimlich entgegen- 
wirkten^). Nicht minder war sein alter Bekannter von Ingol- 
stadt her, Dr. Gereon Seyler, ihm entgegen nnd schwarzte ihn 
wie Precht meinte, bei Bucer an, der diesem gegenuber See- 
hofers Unbesonnenheit und seiner Fran taktloses Benehmen 
beklagte. So muBte er sich begniigen, im Marz 1535 bei der Neu- 
ordnnng der Schnle von St. Anna als Lehrer der dritten Klasse 
angestellt zn werden. Aber die Verhaltnisse in dem vom Partei- 
treiben zerkliifteten Augsburg waren unerfreuliche, zudem er- 
hielt Seehofer nur den karglichen Gehalt von 40 Gulden 2). 
Kein Wunder, daB er sich fortsehnte. 

Da tat sich ihm in Wiirttemberg eine Tur auf Wahr- 
scheinlich schon im Oktober desselben Jahres wurde er, auf 
Freeh ts Empfehluhg als Lektor an das Kloster St. Georgen an 
der Bregach*) berufen, aber bald darauf von Erhard Schnepf, 
den Herzog Ulrich mit der Durchfuhrung der Reformation be- 
traute, in den unmittelbaren Kirchendienst gezogen, und wirkte 
an mehreren Orten als Prediger, u. a. wenn wir recht berichtet 
sind, eine Zeit lang in Leonberg*), und kam schlieBlich 

1) Germann, Job. Forster S. 55 Anm. 

2) Bereits am 1. Febr. 1535 berichtet Frecbt an Blarer, dem 
Arsacius sei in Augsbnrg oblatam legendi conditioncm . . . Praedicare 
quandoqae simul posset, sed nasi morbus forte obstulit. Veosenmeyer 
CoH. IV, 13. Ders. am -7. MSrz: De Arsacio nudius tertius Bucerus ab 
Augusta Bcripsit. Arsacium hie retinnimus quia et ipse non esset his 
locis idoneus cum propter suam imprudentiam tum costae. £r wolle Bucer 
beschworen, ob er Arsaeius nicht ftir tauglich halte, und bittet Blarer, 
ihm die Rektorstelle in St Georgen offenzuhalten. Ebd. p. 14. Ders. am 
3. April 1537 : Miror Arsatium tum subito factum esse malum. Multa, 
crede mihi Arjsatinm enecant Augustae, was er auf Anschwarzung Seyler 
bei Bacer zuriickfiihrt. Ebd. p. 26. — tlbcr seine Anstellung in St. Anna 
Roth 11, 192 u. 209 Anm. 

3) Vgl. Wlirttemb. Kirohengesch. Calvu. Stuttgart 1893, S. 339 u. 
Kon r. Bothcnhaji8ler,DieAbteicnund Stifte de'sHerzogtums Wiirttem- 
berg, Stuttg. 1886, S. 259 Nr. 19. 

4) Dies berichtet Salig, Historie d. Augsb. Koufession III, 46 (und 
nach ihm die Spateren) unter Hinweis auf die Vorrede zu dem sogleicli 
zu erwahnenden Werke Seehofers, worin aber davon nichts zu leson ist. 
Dieselbe Angabe bei Binder, Kirchen- und Lehramter S. 93 Anm., wo- 
nach er 1535/36 in Leonberg gewesen ware, was damit stimmcn wlirde, 

Buitrage zur bayer. KiivheuKesi-hichte XT. 3. 22 



178 Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

nach WinnendeD, wo er seit Frulijahr 1538 nachweisbar ist. 
Hier lieB er 1539 seine einzige Druckschrift ausgehen, seine 
Enarrationes Evangeliorum dominicalium ^), eine Art Houailetik 
in praktischen Beispielen. Das dem Herzog Ulrich in Dank- 
barkeit gewidmete Werk entsprang den Bedttrfnissen der neu 
entstehenden Wurttembergischen evangelischen Kirche. Wie 
anderwarts war es auch hier. Die wenigsten unter den fruheren 
Me£priestern waren imstande, selbst^ndig zn predigen. Man 
griff zu Luthers Postille, oder zn der ktirzeren, die Antonius 
Corvinus vor kurzem heransgegeben hatte*), ^ut, wie Seehofer 
sagt, tarditati plebanorum consnleret. Das mochte gnt nnd 
richtig sein, aber viele begnngten sich damit, solche fremde 
Predigten wortlich auswendig zu lernen nnd velut simiae vor- 
zntragen, wodurch sie natlirlich niemals dazn kommen wfirden, 
eine regelrechte Predigt proprio Marte ausarbeiten zu kSnnen. 
Melanchthon habe in seiner Dialektik gute Anleitnng in expli- 
candis sacris Thematibus gegeben. Und dem Verfasser ist nicht 
unbekannt, daU daraufhin vor kurzem ein junger Mann von scharfem 
Urteil, P. Artopoeus, acuti iudicii adulescens, die Kunst, wie die 
Evangelien zu behandeln seien, kurz und gelehrt dargetan habe. 



daB Anfang 1537 Pf. Budolf Helm nach Leonberg kommt. (Glitige Mlt- 
teilung von D. G. Boseert.) 

1) EDarrationes evangeliorum dominicalium, ad dialecticam Methodnm, 
& Rbetoricam dispositionem accommodatae. Anthore Arsatio Seehofer. 
Adjecti sunt loci Theologici, quorum cognitionem omnis Ecclesiastes in 
promptu habere debet, subnexis aliquot propositionibus non contemnendis. 
Accessit quoque index locorum memorabilium in toto opere, omnibus piis 
admodnm utilis & necessarius. Roman. 10. Quam spetiosi pedes annun- 
tiantium pacem, annuntiantium bona. M. D. XXXIX. 307 Bl., wozu noch 
eine Tabelle de Contentione legfs et Evangelio kommt. Am Schlufi 
Excudebat Henricus Steynerns, Augustae Yindelicorum^ AnnoM. D. XXXIX 
mense Novembri, die YI. Die Widmung ist datiert: Datae in oppidnlo 
Winiden, Mense Aprili. An. a nato Christo M. D. XXXIX (Erl. Bibl.). 
Obwohl G. Bossert in seinem Art. „ Arsacius Seehofer, der erste Homi- 
letiker der evangelischen Kirche WUrttembergs" in der Ztschr, „Halte 
was du hast^ YIII (1885), S. 59 auf die Bedeutung hingewlesen hatte, 
scheinen auch die neuesten Homiletiker und Geschichtsschreiber der Pre- 
digt davon keine Notiz genommen zu haben. 

2) Siehe dariiber P. Tschackert, Antonius Corvius Leben und 
Schriften. Hannover u. Leipzig 1900, S. 33 ff. 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 179 

Aber dieses nicht ungeschickte Buch^), das er offenbar selbst 
fleiUig studiert hat, mit seiner reichen methodiscben Anleitung, 
erschien ihm offenbar ffir die voUig nngeiibten, die ob. ingenii 
h'ebetudinem aiich mit der besten Methode nichts anzufangen 
wissen, nicht einfach genng. So beschloB er, denn methodische 
Anleitung und Predigtbeispiele zn liefern, unter Wiedergabe 
von einfachen Predigten, wie er sie in den letzten Jahren ge- 
halten hatte. 

Um die Leser von vornherein mit seiner Methode bekannt 
zu machen, stellt er in Form einer Tabelle einen Typus tractan- 
darum sacrarum concionium zusammen. Danach unterscheidet er 
1. ein genus didascalicum, 2. deliberativura und 3. demonstra- 
tivum, zeigt aber nur die Behandlung der beiden ersten, um 
die Ungeiibten nicht mit einem Zuviel von Arten zu tiber- 
schutten, und verweist fur das in der Predigt selten zur An- 



1) Der Titel des wie scheint heute ganzlich vergessenen Werkes — ich 
habe es nirgends erwabnt gefunden und anch Bossert weiO a. a. 0. nichts 
daruber zu berichteD, lautet: Evangelicae condones dominicarum totins 
anni, per Dialectic/i & Rhetorica artificia breviter tractatae. Subnexis Epi- 
stolarum argumentis. Autore. Petro Artopoeo. Psal. 67. Dominus dabit 
verbum evangelizantibus, virtute multa. Vitel?ergae. Anno 1537. Voran- 
steLt eine undatierte Vorrede Bugenhagens, dann eine ans Stettin vom 
Jannar 1537 datierte Widmung an Paulo von Rhode, den Superintendenten 
von Stettin. Das von mir benutzte Exemplar der Erlauger Bibliothek, 
284 BL umfassend, scheint unvollstandig zu seiu, denn es schlieBt mit der 
Bemerkung: Sequitur compendiaria formula de sacris concionibus for- 
mandis. Wahrscheinlich gehort dazu noch eine ahnliche, auf einer Seite 
abgedruckte Tabelle, wie sie unter der Uberschrift : Typus tractandarum 
sacrarum concionum bei Seehofer vorliegt. — Dieser Petrus Artopoeus, 
eig. Becker aus Coslin, ein gelehrter Mann, kam, nachdem er in seiner 
Vaterstadt im evangelischen Sinne gewirkt hatte, aber von dort vertrieben 
war, bald nach Ausgabe des genannten Werkes als Nachfolger des nach 
LUneburg gekommenen Paul v. Rhode als Hauptpastor an die Marien- 
stiftskirche in Stettin, kampfte eifrig gegen das Interim, wurde dann aber 
als Verfechter des Osiandrismus 1556 abgesetzt und starb in Coslin am 
29. Marz 1563. Vgl. Cramer, Das grofie pommersche Kirchenchronikon 
1628, 11, 23 und Salig, Historic d. Augsb. Konfession II, 1045 fT. F.L: von 
Me dam, Gesehichte der Einflihrung der Reformation in Pommern, Greifs- 
wald 1837, wo wahrscheinlich mehr uber ihn zu finden ist, war mir nicht 
zuganglich. Eine Spezialarbeit iiber Artopoeus, der eine ganze Reihe 
Schriften geschrieben hat, ist mir nicht bekannt geworden. 



180 Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

wendung kommende genus demonstrativum in quo laudamus 
rem ut iustitiam temperantiam etc. personam ut regem David, 
Paulum Apostolum etc., Factum ut victoriam Davidis, officium 
Pauli, auf Melanchthons Rhetorik ^). Bei den darauffolgendeh, 
das ganze Kirchenjahr umfassenden Predigten schickte er in 
der Regel eine kurze Anweisung voran, wie das Thema zu 
linden, und nach welchen Richtungen es zu behandeln sei, und 
lafit dann die Predigt selbst folgen, bei der durch Rand- 
bemerkungen auf die einzelne Teile, Ubergange etc. liingewiesen 
wird. So war das Werk gewifi dazu angetan, denkende Benutzer 
allmahlich zu eigener Predigtarbeit anzuleiten. Auf die Zeit- 
verhaltnisse nimmt er wenigRticksicht, wenn auch die Sch warmer 
mehrfach bekSmpft werden; nur einmal am 15. Sonntag p. Trin. 
spricht er sich mit einer gewissen Leidenschaft gegen die Monopol- 
wirtschaft aus (p. 223 b). In einer nach dem Palmsonntag ein- 
geschobenen Abendmahlspredigt tragt er unter Berufung Ire- 
naeus 4, 34 die Lehre vom Nutzen des Abendmahls flir den 
Auferstehungsleib vor. Darauf folgen zwei von ihm aus dem 
Deutschen ubersetzte Predigten des Matthaus Alberus in Reut- 
lingen, eine Predigt de meditatione Passionis Christi, und eine 
Auferstehungspredigt, beide in genere didascalico geschrieben. 
Nach alteren Vorbilderri wahlt er fur den 25. Sonntag p. Trin. 
die Verklarungsgeschichte, um de autoritate Christi unici eccle- 
siae doctoris zu predigen. Anhangsweise gibt er eine Kirchweih- 
festpredigt und eine wohl fur das Michaelisfest gedachte Predigt 
Melanchthons iiber die Engel, die er aus der deutschen tTbertragung 
Spalatins zuriickubersetzt hat 2), und endlich eine Leichenrede 
iiber 1. Thess. 4, 13. Damit aber die jungen Prediger klare Ein- 

1) Ebenso schweigt er aus denselben Griinden, wie er spater Bl. 294 
erwahnt, von dem 4. durch die Rhetorik an die Hand gegebenen genus 
iudiciale, stellt aber eine Beschreibung desselben, wenn seine bisherige 
Arbeit Peifall finden sollte, ftir spater in Aussicht. 

2) Sacra Philippi MeKanchthonis concio de Angelis, in genere didas- 
calico scripta, e Teutonica (jreorgij Spalatini translatione, per Arsatinm 
Latine reddita. Bl. 287. Vgl. Sc hi eg el, Historia vitae G. Spalatini. 
Jenfte 1693, S. 197 Nr. 26. M. P. Melanchthons Christliche Erinnerung 
von den lieben Engeln, an S. Michaels Tage zu Jena an die Studenten 
getan, durch G. S. cum praefatione eiusd. & dedic. Henrico e Abrahamo 
ab Einsiedel in Guandslein & Sch arffeii stein, Witteb. 1536, 4. 



Eolde, AisaciuB Seehofer und Argula von Grumbacb. 181 

sicht in die dogmatischen Hauptbegriffe erhielteo;. fiigt er unter 
dem Titel Loci theologici, quorum cognitiones onines ministri 
ecclesiae in promptu habere debent, dem Beispiele des Artopoeus 
folgend, kurze dogmatisehe Begriffsbestimmungen bei. Sie sind 
seinem Freunde, dem um die Reformation wohl verdienten Martin 
Cless von Uhingen, damals Pfarrer von Goppingen, gewidmet, 
dessen Gastfreundschaft der Verfasser oft genossen und der ihn 
bei der Herausgabe dieses Teils vielfach unterstiitzt hat^). 
Daran schlieBen sich nocli Thesen fiber konfessionelle Streit- 
fragen, mit denen die Prediger Wurttembergs es damals oft 
genug siu tun haben mocbten, fiber Messe, Fegefeuer, AblaB 
und eine Tabelle de contentione legis et evangelii. So hatte 
das Buch einen sehr reiclien Inhalt, und da es mehrfach wie- 
der abgedruckt wurde, muB es groBe Verbreitung gefunden 
haben. Wenige Jahre spater ist Arsacius Seehofer im Jahre 
1542^) in Winnenden gestorben. 

Nachtrag. 

Zu Seehofers Artikeln S. 76 f. ist nachzutragen, daB Art. 15 
aus Melanchtons Annotationes in Evangelium Matthaei 1523 
(cf» C. Ref. XIV, 529), die ohne sein Wissen herauskamen, 
entnommen ist. Da heiBt es Bogen C: si ab aliis extorqueas 



1) Die Widmung ist schon vom 24. Juni 1638 daticrt. tJber Cless 
eine Heihe von Notizen in der „Wurttemberg|8chen Kirchengesch.** S. 
Index s. voce. 

2) Th. Wiedemann (Ob. bayer. Arch. 21, 70 erwahnt einen Neu- 
druck von 1541, s. 1. 8, 16 u. 304 Bl. Nach E. Hoebstetter, Zur Gesch. 
der Predigt in Wtirttemberg «eit der Reformation, Blatter fiir Wfirtt. 
Kirchengesch. 1894, S. 42, wo einige spatere Urteile iiber Seehofers Buch 
mitgeteiit werden, miifite auch eine (mir gleichfalls unbekannt gebliebene) 
Ausgabe von 1544 vorhanden sein. Dagegen fand ich (in Schwabach) eine von 
Wiedemann a.a.O. erwahnte, aberganzfalschbeschriebene Ausgabe, die sich 
ohne Grund bloO zu Reklamezweoken Nunc denuo summa cura ac diligentia 
castigata bezeichnet: Ursellis excudebat Nicolaus Henricus Anno 1562. 
Ihr fehlt die Engelpredigt Melanchthons und am Schlui) die Tabula de 
contentione. 

3) Nach anderen erst 1545. DaO das Jahr 1542 das richtige ist, er- 
gibt sich daraus, daO in den Listen fiir Anlage der Ttirkensteuer im 
Jahre 1542 bereits Job. Gro6 (Magnus) als Pfarrer in Winnenden ver- 
zeichnet ist (Mitt, von D. G. Bossert). 



182 Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

iuramentiira, vel ipse facile praestes, aiiimo sis necesse est suspi- 
tioso diffidente, malitioso et levi non reverenti veritatis divinae 
(Erl. Bibl. Theol. V, 200). — Betreffs Georg Hauer oben S. 52 
Anm. ist noch zu beiuerken, daC seine padagogischen Ver- 
dienste neuerdings gewiirdigt sind durch J. Knepper, Der 
bayrische Humanist Georg Hauer als Padagoge und Graramatiker. 
Mitteilungen der Gesellschaft fur deutsche Erziehungs- und Schul- 
geschichte. 1904, 4. Heft, S. 2531f. 

Beilage IV. 

Georg YOU Grumbach au seine Mutter Argula. 

NUrnberg d. 5. Juni 1525. 
Gnad und fried in christo. Mein allerlibste frau mutter und her 
vater. euch ist on zweyffel woll wisseu, wie das mein magister zu 
sant SebaHt^) von wegen seines yrsamen furnemens und schwtirmes 
geurlaubt ist worden und vertrieben mit molern und andern mer, den 
er anhengig was, des ich und auder vil, ein grosz mit leyden trag, 
dwcyl aber die sach nit anderst mucht sein, musten wirs lassen 
gott walten, bin ich derhalben nach seinem abschied etliche tag bey 
der furerin ausz und eyngangen, szolang bisz das mich osiander 
einem andern leermayster befollen hat. nemblich dem magister bey 
sant Laurencium^) do ich itzunt bey bin, verhoff mich da selbt nit 
weniger nutz zu schafPen dan bey dem voringeu; bin zu im durch 
osiander verdingt allermassen und gestalt wie zu dem von sant 
sebaldt^ des was umb 18 fl., und den nechsten mitwoch nach dem 
andern sontag in der fasten, den man Eeminiscere benent, bin ich 
zu im in sein hausz angenumen, kein fel an uichte nit hab, got sey 
lob, er hat grossen fleysz mit unsz, ist ein frum erber man, hat atich 
ein frumbs eeweib^), hoff, ich wolle mich dermassen halten gegen 
in und euch, das yn sein mile und arbeit, und euch die kost an mir 
nit reue, wille mich in all weg euros und seines will ens fleyssen da 
mit ich etwas lern, got zu eren und mir und dem nechsten zu gut, dan ich 
waysz woll, das nemant im selbs allein geporen ist^ darumb bit ich euch 
libe frau mutter und her vatter, woUet euch nit reuen lassen, was ir auff 
leget, hoff zu got es soil nit ubell angelegt sein, mitt der zeit hundert- 



1) Job. Denck. s. o. S. 

2) D. 1. Job. Ketzmann f 23. Aug. 1542. Vgl. Zeltner Gel. Send- 
schreiben an Scbwindel von dem merkwiirdigen Leben Joh. Ketzmanns 
Frkf. u. Leipz. 1734. 4°.. Siebenkas, Materialien zur Nurnbergischen 
Gesch. NUrnberg 1792 I, 102, Heerwagen, Zur Gescb. der Ntirnberger 
Gelehrtenschulen im Zeitraume von 1526—1535. NUrnberg (Progr.) 1864 
S. 23. 

3) Demnach muC die Ursula Saltzerin, die er Exaudi 1528 beiratete 
(Beitr. X, 83), seine zweite Frau gewesen sein. 



Kolde, Arsacius Seehofer uud Argula von Gnimbach. 183 

feltige frucht bringen, ueue zeittuug wolt ich euch gern schreiben; szo 
findt der so vill, das mir papirs vnd dyntten zu run, wen ich nur den 
wenigsten teyl wollt schreiben, bit euch aber beyde fireuntlich, wollet 
in disen unrnigen sachen ein gut gemut mit aller gedult gegen got 
und den nechsten tragen, got bitten das ers auf beyden seyten went 
nach seinem gotlichen willen, unser seel seligkait zu gut, es ist hie 
noch styll vnd gut, got geb lang, itzunt nit mer dan got alzet 
befollen und grust mir meine geschwisterhait mit sambt alien gutten 
freuntten fleyssiglich, und schreibt mir bider. Datum zu numb erg 
am andern pfingstag 1525. ich hab itzund seer geeilt und vor nit 
triben darumb nembt verguedt am nechsten will ichs bessern 

georg von grumbach 
ewer williger sun 

Aufschr: Der irbern und tugenthaftigen frauen argula von 
grumbach gebornen von Stauff meiner liben mutter. 
(Or. im AUg. Reichsarchiv zu Mlinchen.) 

Beilage V. 

Andreas Osiander an Melanchthon. 

Ntirnberg, 15. Febr. 1534. 
8. Misit hisce diebus Joannes Carolus procurator A rgulae a 
Stauff pecuuiam ad me, quae tibi nomine 6 eorgii a grumpach filii 
eius debetur, scz 13 Jochimstaler & 8 fl. tamen (?) 20 gr. pro uno 
fl. numeratis, rogans ut quam possem celerrime ad te mitterem. ego 
vero quamvis alioquin eiusmodi negociis libenter careo, tamen tua 
caussa libentissime recepi, quam pecuniam quia nondum fuit, cui tuto 
committerem, interim hoc tamen te scire volebam esse scz. depositam 
apud me, cum potero commode et absque periculo mittam, interim 
si quid est, quod aliter fieri velis, scribe. Apud nos nil novi, nisi 
quod federe Suevico dissolute nemo non et latrocinia et intestina 
germanie bella ominatur. Georgius wicelius suis mendaciis et 
blasphemiis tarn multos seducit et mihi necesarie fiierit, eum publico 
in concionibus confatare. non credidissem tarn caecos adhuc esse 
plerosque, qui sibi multum sapere videntur. Vale bene et si per 
negocia licet nonnihil rescribe. Dat. 15. Febr. anno 1534. 

Andreas Osiander. 

Clarissimo doctissimo viro D. Philippe Melanchtoni amico 
candidissimo Wittenbergae. 

(Or. in der von Wallenbergischen Kirchenbibliothek zu Landes- 
hut in Schlesien I, 367 1)). 



1) Leider konnte ich den im Jahre 1880 an Ort und Stelle abge- 
Bchriebeuen Brief nicht mehr vergleichen. 



iy4 Kolde, Arsacius Seehofer und Avgula von Griimbacb. 

Beilage VI. 
Andreas Althamer an Argula von Grumbach. 

Ansbach, d. 26. Mai 1530. 
Gnad frid und barmhertzikait von gott nnserm himelischen vater 
durch seiuen geliebten sun unsern herrn Jesum wunsch ich euch 
zuvor. Edle und tugendhaffte frau, ich thu euch zewisseu, das wir 
alle in unserm hause frisch und gesuud seyen am leib. Got gebe auch 
gesundtheit der selen. So wissend auch das unser fiirst yetz am 
nechst verschinen son tag hinweck auf Augspurg ist geriten, der 
Cautzler mit sein gnaden. Und hat mein g. h. den Brent zen 
prediger zu Hall, den prediger von hinnen herrn Johann Rurer 
den pfarher von Kitzingen^)^ den pfarher von Chreulszheim^) 
mit sich genommen. Gott gebe Kay. Mt. und alien fursten seinen 
heiligen gaist Amen^ und uns armen eiu besteudigen festen glauben, 
das wir in zeit der Anfechtung mligen bestehen und selig werden. 
Ich spur noch ein behertzhafftiges gemlit bey unserem Landsfursten^ 
Gott wolle in gnediglich erhalten. Die bischoff mit yhrem anhang 
bochen wol ser und verhoffen Gottes reichs undergang, aber der Herr 
lebt, er kaan yr radtschlag wol zertrennen, wie er vor mermals getan 
hat und yetz auch neulich zu Minchen yr gedancken zerstreuet. 
Wir wollen die sach got bevelhen, der wils wol hinaus fiiren. denn 
er ist stark und mechtig genug, und der handel ist sein er hat in 
yn uns angefangen darum wirt er yn hinausz fiihren. Wir sollen im 
wol vertrauen. So stadt die sach bey uns in dem gantzen fiirsteu- 
tliumb, wie auch zu der zeit als yhr selbs erfaren habt; ist kein 
andere endernng fur gefallen. Die hoffmeysterin ligt noch kranck. 
Ich lasse auch euren sun nit vil hinein^ dann man liesz yn nicht 
zu yhr, so sorge ich, er mbcht anderst wa hin lauffen. Die leutt zu 
Hoff achten vielleicht der frembden nit ser als ich besorg. So laszt 
im mein haus&aw, die den kuaben besunderlich lieb hat keinen 
mangel. So behSr ich in al abent selbe und hab in mer der lernung 
halben gestrichen dan anders dings halben. Er hette nicht ein b5ses 
ingenium, wan ers selbs tray ben wolt und fleis ankeren. Ich gib 
seiner iugent die schuld, wirt villeicITt noch anders werden. So wirt 
er weder von mir noch anderstwo in der schule hort gehalten, das 
yr solichs nit dorft fiirchten, man halte in zu hart. Dann wir wissen 
auch wie man die iugent halten soil, es lernets uns auch Salomon in 
seinen spruchworten. Der gutig got wolle uns alle bewaren und er- 
halten bey sein em wort Amen. Bitten d got flir mich. Es gruszet 
euch mein hausfrau. Griessend mir auch euer Junckorn. Geben zu 
Onoltzbach am anffertags abents Im 1530 Jar 

And. Althamer. 

1) D. i. Martin Meglin. 

2) D. i. Adam Weisz. Vgh hierzu des Ad. Weisz Acta in comitiis 
Augustaiiis in Georgii Uffenheimer Nebenstanden 673 flf. 



Der Edkn T»d tt^gndkaflRtiw fbuuni Ar^ala von Gminb^ick 
gebom Ton Stamffen serner gviislig«n £nMieii» 

(Or. MsiidNB. Al%. RadisttrehiT. AiadEBcliriJft t«hi Ai^gulms H«it4: 
Als mein snn HaiiSK Geai;^ m juni^ach za sdral isl g«xig<»ii.^ 

Bdlage YIL 

RechnuDg Althamers fur Hans Georg voii 6riimp;ftieh. 

Item Hams Joig Ton GrompaM^ ist bej mir aiugstMideii axn 
aller seleotag Anno 1529. 

Item 4 creatser fur Grammatica Pliilippi 
6 ^ fGr den Tentschen Catechismum 
30 ^ liir ^n latejnischen Catechismum 
16 creotzer for das rot SchlSplein 
16 ^ fur ein gsangbuchlin ^) 
15 ^ dem Schneider Ton deu bosen za madieu 
56 ^ for 2 bar schacb 
5 crentzer for den Donat 
9 ^ for Erasmum de civil itate 
2\ ^ fur ein bar sch&cb 
12 ^ dem caIe£actori 
12 ^ bad gelt 
Facit 10 @ minus 2 ^ 
Item 5 crentzer nmb sch&ch 
Item 1 fl. 21 ^ 
(Andere Seite:) 

Nota die Iran Argula hat die alten schiild des 30 jar gar 
bezalt und auff das 31 jar geschickt h%j einem boten vou Kitziug 
VI fl. das ich emfangen hab den 18 Marcij am sambstag uach Ociili 
Im 1631 iar. 

(Or. V. Althamers Hand. Reichsarchiv MUnchen.) 

Rechnung Althamers 
Item die frau Argula sol mir ze thun auff aller soleii tag dos 
31 iar von irhes sons hans Jorgen wegen VI fl. fur kost 
Item V. bacen umb ein lateinisch testament 
Item 1 bar schfich fur 28 ^^ 
Item 1 bacen umb stimpf an dfe hoseo 
Item 32 -^ fur 1 bar schuch 
Item dem Schneider 60 ^ 
Item 23 ^ fur die fabulas Aesopi 
Item 12 ^ Calefactorj 
Item 3 fl. umb cost gelt von aller selen 
tag bis au£f Sant Brigitta 



1) Was mag das wol ftir ein Gesangbucb gewesen sein? 



186 Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 

Macht alls zusamen 10 fl. 3 ^ 

Actum am mitwuch vor Lichtmes Im 1532 jar 

(Or. Allg. Reicharch. z. MUnchen.) 

Beilage VIII. 
Andreas Althamer an Argula von Grumbach 

(Ansbach) d. 15. Nov. 1532. 

Gnad und Md von gott sey mit euch. Edle und tugenthaffte 
frau; hiemit schicke ich euch euern son Hansen Jorgen, da mit ich 
und ir der sorgen uberhaben seyendt, wolt ir yn nach dem sterben, 
so wir and erst frisch und gesundt bleyben, wyderher thun, das steht 
zu euch. Ich hette gemeynt. ir solt ein karren geschickt haben, so 
hette er seine kleyder und geret alles mit f&ren konnen^ weil das 
aber nit geschehen, wil ich das ander sein geretlein bey mir lassen 
bleiben, biss ir mir weiter schreibt, wa ichs hin thon soil etc. Fur 
das ander so hette ich mich euer selber verseheU; so hett ich mit 
euch kunden rechnen und alle sach schlichten, also kan es nit wol 
sein^ dann ich weiss nit, wie ir mir den wein habt angeschlagen, 
was ich flir yhn hab auszgeben und bezalt; das gib ich euch hir mit 
verzeichent. 

Item 5 fl. hah ich empfangen den letztcn Januarij des 32 iares 
Hansen Jorgen da mit ze kleyden. Davon auszgeben 
10 ^ for paedalogia Mosellani 

3 fl. umb thuch zum rock 
52 ^ fur satin 

6 ^ fur den grauen rock z& waschen 

4 ^ fur getrenck 

1 ^ fur flick leder 

25 ^ fur ein watschgerlein 

4 fur ein gurtel 

Item mer 18 ^ fur Satin und seyden 

Item dem Schneider von dem griinen rock z8 machen 84 ^ 

Item von dem grauen neuen rock 84 ^ zfi machen 

Item von . dem alteu grauen rock und von ein em neuen 

wammas 84 ^ ze machen 
Item 22 -^ fur Leinwat under den grauen rock 
Item 4 @ 9 ^ fur barchet um einen underzug 
Item 22 ^ von den roten hosen mit den leinin stympfen 
Item fur ein blau filter und den stimpfen 67 ^ 
Item 12 -^ dem Schneider trincks gelt 
Item 6 -^ fur nestel 
Item 40 -^ fur ein bar schuch 
Item 24 -^ fur ein bar schuch 
Item 12 ^ fur ein schlilssel 
Item 36 ^ fur schuch 



Kolde, Arsacius Seehofer und Argula von Grumbach. 187 

Summa 5 fl. 9 ffi 1 ^ 

Item ich hab empfaugeu 2 feszlin mit wein, fasset das groser bey 
6 aymer das ander 4 aymer 4 mass hieyger eych: Vnd schrib mir 
euer schultheisS; das sie bayde da undeu bey ime hielteu Xj aymer vnd 
XXiij mass 

Ferner so stelit mir noch eiu 2 aymerige feszlin ansS; das bat 
der Scbultbes zii Zewletzbeim etc. welcbes alles yhr biemit eiu 
copey brieff babt, wie mir der Schultbeis geschriben hat. Die ander 
schuld macht 41 wuchen kost gelt, kund ir selbs wol recbnen, was 
es mache, So vil bab ich euch in eyl wollen schreibeu. Ich hett es 
alles lieber muntlich mit euch austragen. Des knaben wolt sorge 
haben^ und on Zucht yn nit lassen, das wil ich euch in sonderheit 
bevolhen haben^ denn er bedarf fleisiger Zucht, soil er anderst ge- 
raten. Mein weib griiszt euch seer. Da mit bewar euch und uns 
Gott unser vater. Datum in eyl am dornstag nach Martini im 1532 iar. 

Andreas Althamer 

Der edeln und tugenthafften frauen, frau Argula von Grum- 
pach gebornen von Stauffen, meiuer gnedigen frauen z& handen. 

Dazu von Argulas Hand die Notiz: Andresz althamer als er 
mir mein sun hansz georgen ausz dem sterben hergeschickt. 1532. 

(Or. Allg. Reichsarch. in Miinchen.) 

Beilage IX. 

Job. Eck an Frau Argula von Stauff 

Ingolstadt, 18. Dez. 1533 
Gnadige frau. Es ist meiner gvatterin der mann gestorben der 
schaffiier: hat ihr verlassen ain jungen unerzogen waiszen vnd vil 
schuld en: thun die glaubiger streng gegen dem armen weib: musz 
sie auch das gelt auftreiben bey ihren schuldnern. Zaigt sye aber 
mir an, wie etwas lutzelsz vnd kleines, euer gnad, ir ze thun sey: 
hat mich deshalb gebetten, ain fiirgschrifft an e. g. ze geben : deshalb 
ist mein fleissig bitt, in ansehung der notturft und auch der billichkait 
wollen sye der schuld ^) guetlich und und un verzogenlich entrichten . . . ^) 
mir zu sampt der billichkait zu beschtilden. Datum Ingolstat. wunne- 
baldi et. Anno 33 

E. g. williger 
Johann Eck doctor. 

Der wol gebornen frauen Argula Schlickin geborn von 
Stauff, meiner gnedigen franen. 

(Or. Allg. Reichsarchiv in Miinchen.) 



1) Nach der Aufsobrift Argulas handelte es sich um Schulden fur 
ihren Sohn Georg bei dem Schaffner Vogl im alten CoUegio in Ingolstadt. 

2) Vielleicbt „8U8t«. 



188 HauSleiter, Ziir Lutherbibliographie. 

Beilage X. 

Argula V. Grumbach an ihren Sohn Hans Georg. 

Leuting d. 24. April 1538. 
Genad und frid mit dir lyeber sun. ich hab ausz deinem schrey wen 
uud vormals von den leutten die bandlung^ so zu burckgrumbach 
geschehen ^ mit grossem erschrecken vernumen und micli ser darum 
bekumert vnd noch klags got dasz ich so uogehorsame kinder getragen 
und an meiner prust erneret uud mit grosser sorg kostung und angst 
aufferzogen, got well dasz du bekert und dich hinfiir an pesserst, 
amen, dieweil du mir aber ytzt schreibst dir zuverzeihen und dich 
erpeuttest, wellest dich hinfiir an gehorsam halten, will ich dich noch 
diszmal; so du dich anderst meines bevelchs und zucht haltest, an- 
nemen^ und besehen^ damit die sach vertragen werd^ darum so mach 
dich von stund an her haym, doch wolst nicht kumen dan du nemest 
vor davor zu nurmberg dasz sacrament und ge vor zu doctor 
osyander, klag ym dein anligen imd sach warhafftig, der waysz 
dir in deyner conscienz wol ein radt zu gewen, darum so verschweig 
ym nichtZ; er waisz voraus umb die sach und hiit dich bey leib, dasz 
du kainem menschen nichtz sagest, vertrau niembt und behaltz aufs 
gehaymest. So du dan das sacrament empfangen hast^ so haysz dir 
osiander ein zetl gewen^ sunst glaubt ich dir nit. rechen auch alle 
sach wasz du v^erzeret hast zu nurmberg und wasz man vormals 
bey ym auffgeschlagen mit dem wurt ab, und dasz der wiird alles 
unterschidlich aufschreyb, das bring mit dir her. sag dem got frid 
das er fleissig studir und bey der lernung beleib und nicht in der 
Stat oder in wiirtzheussern hin und her lauff^ das er auch fleissig die 
predig merck und warhaft zucktig getreu und frum beleib. Damit 
sey got in seine genad bevolhen. Datum zu lennting mitboch nach 
dem ostertag ao 1538 

Argula schlickin greffin witib 
geporne freyn vn stauffen. 

Aufschr. Dem Edeln vnd vesten H a n s georgen von grumbach 
zu burck grumbach meinem lyewen sun etc. 

SpStere Aufschrift von Argulas Hand: Clausz manger sun 
belangent ao 1538. 

(Or. Allg. Reichsarchiv in Miinchen.) 

Zur Lutherbibliographie. 

An twort 

von Prof. Johannes Hanlsleiter. 

Das Interesse an meiner Nordlinger Heimat mag es entschuldigen, 
wenn ich der Beantwortung der auf Bd. X S. 217 — 223 entwickelten 
Frage unter freundlicher Begrlifiungihres Verfassers einige Zeilen widme. 



Haufileiter, Zur Lutherbibliogrnphie. 189 

Die Nachschrift des Sixtus Schmid vom 2. Dezember 1522 
redet von zwei neuen Biichlein. WSre nur von einem die Kede^ 
hatte der Ausdmck ,,eth1ich nenen bichlich auff das neust bey uns 
getruckt" keinen Sinn. Der Nordlinger Bote bekommt eingebSndigt 
1. dye misbrauchung der mes vortheutschett^ 2. auch (d. h. dazu) 
von einem leyen vrsach des irren bis hieher in der Christenhaitt 
geschehen. Sollte es sich um eine neue, von einem Laien ver- 
fertigte Verdeutschung der Scbrift Luthers vom Mifibraach der Messe 
bandeln, so wllre das docb dentlicher ausgedrtickt. 

Dem immerhin m5glichen Streit liber die Beziehung der Worte 
.,vou einem Laien ^ macbt die einfache Tatsache ein Ende, dafi 
Bicb das unter 2. genannte Bucblein nachweisen lUfit. Es ist die 
Scbrift gemeint: Die baubt || artickel durch || welche gemeyne Chri | 
stenbeyt byfibere \\ verfuret wor- || den ist. || Daneben auch grunc. 
vnnd [I antzeygen eyns gantzen [| rechten Christelichen || wefiens. || Wit- 
temberg. || M.D.XXij. || 7 Bogen in Quart, Signaturen Aij — Giij. 
Auf der Vorderseite von G 4 scbliefit der Druck: Gedruckt zu 
Wittemberg durch Nickel || Schirlentz Anno. M.D.XXij || (Exemplar 
der Kirchenbibliothek von St. J^kobi in Stettin). Es iHfit sich aber 
die Zeit des Druckes noch genauer angeben. 

Auf der Rnckseite des Titelblattes beginnt der Widmungsbrief 
des Herausgebers (nicht Verfassers) der Scbrift Nikolaus Amsdorf 
an Ott von Ebenleben. „Es hat ein verstSndiger Lai gar ein 
hUbsch BUchlein gemacht". Amsdorf gib t es heraus, „dieweil, der 
es meinem gnUdigsten Herrn^ dem Ghurfiirsten zu Sachseu, zuge- 
schrieben hat, seiuen Namen aus bewegenden Drsachen bergen will". 
Der Widmungsbrief umfafit den ersten Bogen und noch das erste 
Blatt des Bogens B und ist datiert „ Wittemberg freytag nach aller 
heyligen Anno M.D.XXij" d. h. den 7. November 1522. Wie das 
Ubergreifen in den Bogen B beweist, ist der Widmungsbrief nicht 
erst nach Vollendung des Druckes vorgesetzt worden, sondern mit 
ihm hatte der Druck begonnen. Wenn er in den nachsten Wochen 
fortgesetzt und vollendet wurde, so hatte am 2. Dezember die Scbrift 
(mit einer Nachrede Amsdorfs) eben die Presse verlassen und konnte 
als „auf das neust bei uns gedruckt" die Reise von Wittenberg nach 
Nordlingen antreten. 

Wer war der Verfasser? In der Zuschrift an den ChurfUrsten 
Friedrich (Bij u. iij), in der er von den Stricken der alten, lange 
eingewurzelten Irrungen redet und die Gnade Gottes preist, der 
man die wunderbare Befreiuug zu danken hat, Ubersendet er 
die Scbrift „ewrn Churf. Gnaden als einem beriihmten Christen- 
lichen Fursten und sonderlichen Liebhaber gfittlicher Wahrheit, 
unterthSnigs Fleift bittend, ewr Churf. Gnad geruhen solchs von 
mir gnSdiglich und andern Gestalt nit, dann wie in gleichem Fall 
ein jeder Christenmensch gegen dem andern aus brtiderlicher Lieb 



190 HauBleiter, Zur Lutherbibliographie. 

zu thua verpflicht ist^ annehmeii und mich ak Ihren Diener gnadig- 
lich befohlen haben. Dann ich bin geneigt^ ewrn Churf. Gnaden 
als meinem guadigsten Herra und Fursten unterthanig willig Dienst- 
barkeit meins Vermogens zu erzeigeu^. Redet so ein Landeskind 
oder ein Fremder? 

Die yortreffliche Schrift hat spSter Aufnahme in Luthers Werke 
gefunden. Johannes Aurifaber machte damit den Anfang in seinem' 
ersten Eislebener Supplementband 1564 (Bl. 119^). Er urteilte von dem 
BUchlein: „Man hiilts aber gewifi dafur^ dafi es M. Luther gemacht 
hab^ wie dieses M. Joachimus Westphalus auch in einer gedruckten 
Schrift zeuget. Zudem lasset sichs ansehen, als sei es in Latein 
gestellet und von einem gelehrten Mann nachmals transferirt^. 
Es folgten mit der Aufnahme die Altenburger Ausgabe der Werke 
Luthers (II, 224), dann die Leipziger (XVIII, 295), endlich die 
Hallesche oder Walchsche (XIX, 740—782, vgl. auch S. 67 u. 68). 

Inz'wischen war die Schrift des Laien mit Recht einem andern 
Verfasser zugeschrieben worden. Joh. Albert Fabricius redet in 
seinem Oentifolium Lutheranum (Hamburg 1728, I. Teil, S. 321) 
von „Laz. Spe'nglers Hauptartikel, durch welche gemeine Christen - 
heit bisher verfUhret worden ist, Wittenberg 1522"; er gibt keinen 
Grund an, als versttinde sich diese Verfasserangabe von selber. 
Der treffliche Joh. B. feiederer folgte dieser Angabe (Beitrag zu 
den Reformationsurkunden u. s. w., Altdorf 1762, S. 49) und be- 
miihte sich nun um Griinde. Dafur, dafi der fromme Nurnberger 
Ratsschreiber der Verfasser sei, spricht nach Riederer der Dmstand, 
dafi, „wie Herr Haufidorf (der Biograph Spenglers, Niirnberg 1740, 
S. 108f.) meldet, Spengler zu Aenx grofien und weisen Churfursten 
von Sachsen freieu Zutritt gehabt und mit seinem Vertrauen beehret 
worden, auch von Religionssachen sich mit ihm zu Nurnberg uuter- 
redet, welches vermutlich auf dem Reichstag 1522 und 1523 ge- 
schehen. Der Name eines verstandigen Laien schickt sich vor- 
trefflich auf Spenglern. Die Schreibart ist auch derjenigen, so er 
in seineu andern Schriften gebraucht, vollig Shnlich." Die Grunde, 
aus denen Spengler seinen Namen verbarg, liegen auf der Hand, 
wenn man sich an seine AbhHngigkeit vom Nurnberger Rat erinnert, 
wie sie in seiner Bannangelegenheit hervorgetreten war (vgl. Bd. II 
dieser BeitrHge S. 1 — 8), 

Theodor Pressel hat in seiner Schrift uber Lazarus Spengler 
(Elberfeld 1862) die „ Hauptartikel" ohne weiteres dem NUruberger 
Ratsschreiber zugeschrieben und auf S. 46 — 50 einen kurzen Auszug 
mitgeteilt. In dem Artikel der Realenzyklopadie (2, Aufl., 14. Bd., 
1884, S. 516 — 518) urteilt Prof. Kolde vorsichtig, aller Wahrscheia- 
lichkeit nach riihre von Spengler auch die Schrift „ Hauptartikel u. s. w." 
her. Vielleicht regt die gegenwartige Mitteilmig zu einer abschliefien- 
den Untersuchiing der Frage an. 



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Kolde, Silddeutsche Katechisraen von 1530—1600. 191 

Wie Sixtus Schmid den Titel der Spenglerschen Schrift nicbt 
genau aDgegeben, sondem ihren Inhalt kurz umschrieben hat^ so 
werden auch die Worte ri^J^ misbrauchung der mes vortheutschett" 
uicbt eine uns unbekannte tJbersetzung der Schrift Lutbers de abro- 
ganda missa privata im Auge baben, soDdern von einem Anfang 
Dezember 1522 eben in Wittenberg voUendeteu neaen Drnck der 
iJbersetziiug Lutbers reden* Ob das der Druck D (S. 221, vgl. 
Weimarer Ausgabe VIII 480) oder ein anderer des Jabres 1522 
war^ mag dabingestellt bleiben. 

Silddeutsche Katechismen von 1530—1600^). 

Von 



e D. Th. Kolde, 



Die einen gr5fieren Umfang verlangende Besprecbiing des vor 
knrzem erscbienenen Baches von J. M. Eeu gereicht mir zu hoher 
Freude. Der Verf., der aus der bayerischen Landeskirche hervor- 
gegangen ist, ein frtiherer Zogling des Neiiendettelsauer Seminars^ 
hat die theologiscbe, speziell die katechetische Literatur durch ein 
wirklicbes Standardwork bereichert, dessen Wert freilich nur der 
vollstSndig ermessen kann, der auf diesen Gebieten gearbeitet und^ 
^ie es mir oft gegangen ist^ unter grofien Miiben und nicht selten 
ohne Erfolg nacb den spSteren Katechismen geforscht hat. Die aller- 
ersten AnfUnge der deutscben evangeliscben Katechismusliteratur sind 
seit lange der Gegenstand vielseitiger Forschung gewesen und neuer- 
dings liegen die ersten Katecbismusarbeiten bis 1530 in der aus- 
gezeichneten, frliber besprocbenen Sammlung von Cobrs (die evang. 
Katechismusversuche von Lutbers Enchiridion, Berlin 1900 ff.) vor. 
Dagegen bat man sich in den letzten Jabrzehnten um die spatere 
Katechismusliteratur des 16. Jabrhunderts verh^ltnismafiig weuig ge- 
kUmmert. Und doch baben gerade die spateren Katechismen historisch 
betrachtet eine besondere Bedeutung, einmal im allgemeinen^ weil 
sio erkennen lassen, wie vielseitig das Bedtirfhis nach immer ueuen 
Fassungen war, und in wie individueller, oft auch recht subjektiv 
abbiegender Weise man Lutbers und der anderen Eeformatoren Ge- 
dankeu verarbeitete^ zum andern aber und hauptsachlicb deshalb^ weil 
die Katechismen der spateren Zeit, namentlich die aus der zweiten 



1) "^Johann Michael Ren, Professor der Theologie am luthenschen 
Wartburgseminar zu Dubuque, Ja., Quellen zur Geschichte des Katecbismus- 
^i\- unterrichts. I. Bd. Silddeutsche Katechismen (a. u. d. Titel Quellen zur 

ein- 



Geschichte des kirchlichen Unterrichts in der evangeliscben Kirche Deutsch- 
lands zwischen 1530 und 1600. Eingeleitet, herausgegeben und znsammen- 
fassend dargestellt. Erster Teil.) Giitersloh. 'C. Bertelsmann 1904. XIV u. 



Jf" 847 S. 16 Mk., geb. 18 Mk. 



192 Kolde, Stiddeutsche Katechismen von 1530—1600. 

HUlfte des 16. Jahrhunderts, den katecbetischen Lehrstoff der seit 
dem Augsburger Religionsfrieden stabil werdenden Landeskircben ziim 
Ausdruck bringen und una zeigen^ was in Scbule und Kircbe nun- 
mebr zumeist kircbenregimentlidb autorisiert bis tief in die Zeit des 
Pietismus, teilweise aucb nocb in der Zeit des Bationalismus bis zum 
Anfang des 18. Jahrbunderts gelehrt wurde. 

Der Kaum gestattet es nicbt; bier davon zu sprecben, was der 
Verf. fUr die folgenden Bande verspricbt, wir balten uns vielmehr 
an das, was jetzt vorliegt, nnter begreiflicber Hervorbebung der 
bayeriscben Katecbismen. Aus wobl zu borenden Grtinden gibt Eeu 
die katecbetiscbe Literatur SUddeiitscblands gesondert, wobei man 
freilicb dartiber streiten kaun, ob die Ausscbliefiang Hessens mit der 
Begriindung; „dafl das Scbwergewicbt der bessiscben Kircbe inner- 
balb des bebandelten Zeitraumes nordlicb der Mainliuie lag^, ganz 
berecbtigt ist, da die buceriscb-oberlslndiscbe Eicbtung docb das ganze 
Jabrbundert nocb uacbwirkt. Aber das ist eine untergeordnete Sacbe. 
Befremdender konnte sein, wenn sie aucb fUr die Gegenwart bequem 
isty die Einteilung nacb den beutigen landeskircblicben Grenzen, da 
wir innerbalb derselben, man vergleicbe allein Bajern, sebr ver- 
scbiedenartige bistoriscbe Entwicklungen vor uns baben, und f\ir 
Preufien soUte der Verf. in den spMteren Banden wenigstens Provinzial- 
einteilung eintreten lassen. 

Der gewaltige Stoff wird in vier grofie Abscbnitte geteilt: 1. El- 
sassiscbe Katecbismen S. 123 — 187, 2. Pfalziscbe und badiscbe Katecbis- 
men S. 187—283, 3. WUrttembergiscbe Katecbismen S. 284—417, und 
4. Bayeriscbe Katecbismen S. 417 — 841. Das Verfabren ist dann 
dies, dafi der Verfasser jedem Abscbnitt eine gedrangte bistoriscbe 
Einleitung voranscbickt, die eine Darstellung der katecbetiscben Ent- 
wicklung in den betreffenden Landesteilen gibt, und dann, soweit 
sie wirklicb Originelles bieten, die alten Katecbismustexte unter mog- 
licbst genauer Reproduktion meist vollstandig folgen ISfit. tlberall 
ist die wicbtigste Literatur verzeicbnet, aucb bringt der Verf. Lebens- 
skizzen der Autoren, die freilicb nacb Lage der Dinge sebr kurz 
ausfallen mufiten, nnd bespricbt, was nocb besonders erwabnt sein 
mag, in der Einleitung aucb diejenigeu Arbeiten, dereu Abdruck un- 
n<5tig oder des Umfangs wegen uicbt moglicb war, in ausgiebiger 
Weise, so dafi man sicb ein klares Bild davon macben kann. Freilicb 
wSre gerade um der vielen in diesem Rabmeu bebandelten Person en 
und Arbeiten willen ein Namenregister sebr angebracbt gewesen. 
Sebr dankenswert ist,' dafi der Verf. bei Besprecbung der einzelnen 
von ibm benutzten Exemplare der Katecbismusscbriften nicbt blofi 
die betr. Bibliotbeken, sondern auch deii Standort angibt. 

Den Lowenanteil nebmen die bayeriscben Katecbismen nach 
Zahl und Umfang in Ansprucb. Die sebr geschickt gescbriebene, 
von Gebiet zu Gebiet gebende Einleitung wird aucb dem Kundigen 



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Rotb» Kaspar Huberinus und das Interim in Augsburg. 209 

Doch nun war auch schon der durch die „Furstenr evolution" 
veranlafite Umschwung der Dinge im Anzuge*. Am Morgen 
des 1. April 1552 stand die Reiterei der Verbundeten „l\ber jeder- 
manns Versehen" vor den Toren der Stadt, und das FulJvolk 
riickte rasch nach. Wichtige Ereignisse liberstiirzten sich nun, 
jeder Tag brachte eine neue groKe Aktion. Schon am 4. April 
zogen die Fiirsten, von der evangelischen Bevolkerung als Be- 
freier aus anertraglichen Verhaltnissen angesehen, in die Stadt 
ein; am nachsten Tage begann man mit der Restitution der vom 
Kaiser, vor vier Jahren abgeschafften Regimentsform, am 8., 
Freitag vor Palmarum, predigte der Pradikant des Landgrafen 
von Hessen bei St. Anna^), am 9. warde einer Ratskom mission 
aufgetragen, nach den verbannten Predigern zu sehen und ihnen 
zu schreiben^), am 11. gestattete man den Schullehrern, die 
wegen ihrer Weigerung, das Interim anzunehmen, hatten „still 
stehen" miissen, die Wiedereroffnung ihrer Schulen und lielJ an 
die Interimisten die Weisung ergehen, den Krisam weiter nicht 
zu gebrauchen, „sondern sich in alien Sachen, die Religion be- 
langend, der augsburgischen Konfession gemS,fi zu erzeigen und 
zu halten"*). 

Damit hatte die Tatigkeit der „ Interimisten" als solcher, 
nachdem sie nur wenig mehr als ein Vierteljahr gedauert, ihr 
Ende erreicht. Die frtiheren Pradikanten, die, dem an sie er- 
gangenen Rufe folgend, zuriickkehrten, wurden am 12. Juni 

1) Aus der iiber diese JDinge erwachsenen Augsburger Literatur sei 
bier genannt die Arbeit Heckers, ^Der Augsburger Bttrgermeister 
Jakob Herbrot und der Sturz der ziinftischen- Regimentes in Augsburg^ 
in der Zeitschrift des hist. Ver. f. Schw. u. Nbg., Jahrg. 1874 S. 82 ff. und die 
von Radlkofer, „Der Zug des ssLchsischen Eurfursten Moritz und seiner 
VerbUndeten durch SchwabenimFrtthjahre 1552", ebenda, Jahrg. 1890S.153ff. 

2) Aus der oben erwahnten Relation iiber das Interim. Die Predigt 
begann urn 7 Uhr morgens und endete um 8^2 Uhr. „Der inhalt der 
predig ist gewest: erstlich, dafi man pillich kriegen soil wider die tiran- 
nen, die das wort gottes nmbstiirtzen wellen. darnach, warumb die 
fiirsten diesen krieg fierten, als namlich das wort gottes za heschutzen, 
auch fiir ire alte freihaiten; zuletzt hat er das volck ermant, daB siegott 
treulich bitten fttr die zwen gefangen fiirsten, daB sie got einmal erl5sen 
wolle.** 

3) Ratsdekret Bl. 43b. 

4) Ratsdekret Bl. 44 ». 

Beitrage zur bayer. Kirchengeschichte XI. 6. 14 



210 Koth, Kaspar Huberinus und das Interim in Augsburg. 

wieder angesteUt und die Interirasgeistlichen gleichzeitig ent- 
lassen. 

Huberinus — seine beiden Genossen kommen fiir uns 
nicht mehr in betracht — begab sich nach Ohringen zuriick^); 
aber auch dahin verfolgten ihn die Schraahungen seiner Feinde, 
und einer von ihnen sandte das oben mitgeteilte Pasquill samt 
ahnlichen Machwerken an den Grafen Ludwig Kasimir und 
dessen Rate, urn ihn bei diesen in der Achtung herabzusetzen. 
Tief gekrankt und emport wandte sich nun Huberinus am 
5. November 1552 — also zu einer Zeit, in der die Reaktion 
auf die durch die Kriegsfttrsten in der Stadt vorgenommenen 
Anderungen bereits erfolgt war — an den „Statthalter" Heinrich 
Rehlinger und erbat von dieseni die Ausstellung eines Zeug- 
nisses uber seinen Wandel und seiner Amtstatigkeit wahrend 
des letzten Aufenthaltes in der Stadt, um damit bei seinem 
Herrn und den iibrigen seine „Unscbuld" zu retten^Beilage V]. 
Er erhielt auch ein solches, in welchem ihra bezeugt wurde, 
dalJ er sich ,,in seinen Lehren und Leben bescheidenlich" und 
in der Beforderung christlichen Wesens wie auch „in schuldiger 
Gehorsam gegen die Obrigkeit und in ander Weg" dermalJen 
gehalten, daU man ihn, wenn es „die furgefallen beschwerliche 
Anderung" erlaubt haben wlirde, „wohl langer hatte leiden 
mogen." Was sollte dieses Zeugnis dem Gekrankten niitzen? 
Gegen seinen Wandel war nie und von niemand Einwand er- 

1) NachBossert, Das Interim inW. S. 171, waren Huber und seine 
Genossen schon im April 1552 zurtickgekehrt, batten also die ^-^h- 
schaffung'*, die erst am 11. Juni erfolgte, nicht abgewartet. Beziiglich 
Hubers scheint sich dies in folgendem zu best££tigen: Als er im Jahre 
1544 Augsburg verliefi, wurde „uff Lerrn Gasparn Hubers supplication er- 
kant, daB seine kinder, so er in zeit seines anwesens alhie im eelichen 
stand ertzeugt, das burgerrecht haben und behalten sollen, unangeschen 
da6 er yetzt aus der stat an andere ort zeucht. doch soil er aitem branch 
nach jerlich hereinsteuren" (Ratsdekret, 3. Juli, Bl. 117*). Darauf grtindet 
sich die Ftirsorge des Rates fiir Hubers Kinder, yon der ein Eintrag in 
den Ratsdekreten des Jahres 1552 unter dem 23. April (Bl. 49*) berichtet: 
„Casparn Hubers eltist kind soil verdingt (d. h. in Kost gegeben) und 
die zwei jtingsten in das Findelhaus genomen werden/ Ich wiifite dies 
nicht anders zu deuten, als daB Huber, vielleicht unter dem Drucke neuer 
Beschimpfungen, die Stadt schleunig verlieO und der Eile halber die Kinder 
in Augsburg zurUcklassen mu^te, bis sie abgeholt werden konnten. 



Roth, Kaspar Huberinus and das Interim in Augsburg. 211 

hoben worden, und beziiglich seiner Lehre und seines Verhaltens 
gegen die Obrigkeit wird ihm ja gerade das bestatigt, was man 
ihm zum Vorwurf machte, namlich, dafi er sich als williges 
Werkzeug zur Durchfiihrung des Interims babe gebrauchen 
lassen. Interim und Papsttum aber gal ten als dasselbe. Und 
was hatte er sich auch, sollte man meinen, vor seinem Herrn, 
der ihn doch zur „Anrichtung'* des Interims nach Augsburg 
entsandt und als so gut katholisch empfohlen hatte, viel zu 
rechtfertigen? Aber freilich wehte jetzt, nach AbschluB des 
Passauer Vertrags, ein anderer Wind; der Graf schickte sich 
an, nun endlich zu reformieren^), und Huberinus selbst ist es 
wahrscheinlich gewesen, der den Grund zu der evangelischen 
Landeskirchenordnung legte^). 

Huberinus starb schon am 6. Oktober 1553^), hat also den 
Zusammenbruch des Interims nicht lange iiberlebt. Imraerhin 
aber war der inzwischen liegende Zeitraum lang und ereignis- 
voll genug, um ihn zur Erkenntnis zu bringen, daB die RoUe, 
die er dabei gespielt, eine Verirrung gewesen, wenn er dies 
auch nach auBen hin nicht eingestehen wollte. Eines aber ist 
gewiB, nS^mlich daB er alles, was er tat, in bester Meinung 
getan hat, und daB insbesondere der Vorwurf der Bestechlich- 
keit durch Geld als schnode Verleumdung bezeichnet werden 
muB*). Er war nur nicht immer fest genug gegen das Zureden vor- 
nehmer Herren, die seine Schw^che ausnutzten, im Grund seines 
Wesens aber war er ein Ehrenmann. 



1) Bossert (Th. St.) S. 259ff. 

2) Ebenda S. 259 ff. u. S. 261 mit Anm. 1. 

3) Seine Grabschrift be! Wibel, I S. 38h 

4) Er kam fast mittellos in Augsburg an, wie sich aus dem Um- 
stande ergibt, dajQ er bald darauf, am 12. Januar 1552, von seinem G()nner 
Bartholomaus Welser ein Darlehen von 40 Gulden aufnehmen muBte. 
(S. Roth, 1. c. I S. 107 Nr. 14). Man darf ihm sicher glauben, wenn er 
aagt (s. Beil. V), daB er in Ohringen, wo er ja im Genusse eines Stifts- 
kanonikats war, melir zurttckgelassen, als er in Augsburg zu erhoffen 
hatte. Auch was oben (S. 210 Anm. 1) beztiglich der (vorttbergehenden) Ver- 
sorgung seiner Kinder durch den Rat gesagt ist, deutet auf armliche Ver- 
haltnisse hin. 



14* 



212 Both, Kaspar Hnberinas and das Interim in Augsburg. 

Beilagen. 

I. Tenor eines Schreibens des Rates der Stadt Augsburg 
an den Grafen Ludwig Kasimir von Hobenloh^; dd. 

5. Oktober 1551. 

Und geben e. gu. dienstlicb zu erkenneu; dafi die rom. kais. 
mt., unser allerguedigter berr^ uns uff das ausschaffen der praedi- 
canten albie, darcb ir kais. mt. bescbeben, aufgeladen und mit allem 
ernst eingebunden bat nach andern zetrachten, die sicb mit dieser 
irer mt. deklaration, so man das interim nennt^ gemes erzaigen. 
wiewol wir uns nun seitber muglicber weis bemuet und allerbalb 
nacbfrage zetbun verordnet, »o baben wir docb uber alien furgewendten 
vleis bisber kbainen solben aufierbalb des Huberinus^ so euer 
gnaden mit diensten verwant, erfaren mogen, und ist demselben nach 
an e. gn. unser besunder bocb vleifiig und dienstlicb bitt, e. gn. woll 
der sachen zu guetem und uns in disem bescbwerlicben obligeu zu 
sundern gnaden jetzgemelten Hub er in us diser zeit begeben und 
zuelafien, in zue ainem praedicanten uffzenemen und zum wenigsten 
so lang zu entbalten, bis wir in ander weg zur notturft verseben 
sein. damit werden e. gn. sunder zweifels bocbgedacbter kais. mt. 
ain sunder angenembs gefallen erzaigen. so sein wir urbietig es in 
ainem vil mercerm uqib e. gn, guetwilliklicb zu verdienen. und wie- 
wol wir uns kaines abscblags besorgen^), so begem wir docb nicbts 
minder bieriiber e. gn. scbriflPtlicbe gewerlicbe antwurt, uns darnacb 
zu ricbten. Augsburg am 5. octobris. a. 51. (Fragmentariscbes Kon- 
zept von der Hand des Stadtscbreibers Sebastian Bemler, Eef.-Akta.) 

II. Scbreiben des Grafen Ludwig Kasimir von Hobenlobe 
an den Biscbof Antonius von Arras, dd. Neuenstein, 

22. Oktober 1551. 

Hocbwirdiger in got vatter fiirst und berr ! E. gn. seind mein willig 

dienst zuvor. 
Das scbreiben e. gn., wie jetzo getbon von wegen meines predi- 
canten (der Huberinus genannt), welcben icb umb anricbtung der 
von r5m. kais. mt., unserm allergnedigsten berrn^ in religionsacben 
publicirten declaration den statpflegern, burgermaistern und rat be der 
stat Augspurg ein zeitlang begunstigt, babe icb seines inbalts lengs 
vernomen samt dem gnedigen gesinnen, dafi aus ursacben, in e. gn. 
scbreiben angeregt, vorderst aber bocbgedacbter kais. mt. zu under- 
tbenigen eeren und gefallen, dem vorhabenden cbristenlicben werk 
zu steur, aucb gemelter stat zu gfittem uff e. gn. furscbrifft icb be- 



1) Diese Worte lassen auf voransgegangene milndlicbe Verhandlungen 
zwischen den Augsburgern and dem Grafen schlieBen. 



Roth, Easpar Huberinus und das Interim in Augsburg. 2L3 

willigen solt, dafi gedacht statpflegere, burgermaister und rath ge- 
melten Huberinum bei inen behalten mochten, mit gnedigem er- 
bieten, dafi e. gn. mein willige gehorsam bei hbchstgemelter rom. 
kais^ mt. ruemen und bezeugen, was auch e. gn. hierinnen gewilfaret, 
dessen fur sich in gnadeu nit vergessen wolten. gib denselben 
hierauff aller dienstlicher mainung zu erkeunen, dafi weiland die 
wolgebornen herrn Albrecht und Georg, graven von Hoenloe, 
gebrudere, meiue herrn vetter und vatter gotseliger und loblicher 
gedechtnus, gemelten predicanten Huberinum nun etlich jare zfi 
abwendung ettlicher verderblicher secten und schwermerei und z8 
pflantzung unser alten, wahren, catholischen religion in 
irer liebden herrschaflPt erhaJten haben, als dero beder liebdeu jeder 
zeit sich zS hochgedachter rbm. kais. mt. und in irer mt. gehorsam 
gehalten, sich auch von unser allgemeinen, catholischen kirchen nie 
gesundert haben, daraus dann und mit gottis gnaden gevolgt, dafi in 
irer liebden landtschaften bifiheer die ergerlichen,- bosen secten, dero 
in neulichen jaren vil entstanden, vermitten bliben und, sovil an 
ettlichen wenigen orten von nbtten gewesen, der kais, mt. declaration 
one befelch in iren' landen und gebieten ist angericht worden; got 
welle das furan also erhalten; zu welcher erhaltung ich mich dann 
dises Huberini nit wenig zu getrbsten gehabt; nit allein dafi durch 
seinen christenlichen, guthertzigen vleifi er bifiheer, onbewegt aller 
widersacher, bestendig pliben, sender auch dafi ich in nieiner an- 
geenden regierung, dareiu mich got verordnet, sonderlichen der- 
jhenigen mich zu getrbsten und zu gebrauchen haben sollte, welch 
wolgemelte mein herr vetter und vatter in irer liebden lebzeit zu 
irer rechten und guten regierung irer landt und lent gebraucht und 
fur nutzlich; auch tugenlich erfaren haben. wiewoll nun dann den 
gemelten Huberinum gentzlichen z& lassen mir desto beschwerlicher 
fallen will, desgleich jetzo^ im eingang meiner regierung, sonder- 
lichen in religion sachen, andere sollent gebraucht und erfaren werden, 
welchs mir doch hbchst zu bedenckhen steet, damit diejhenige^ so in 
der alten, wahren, catholischen religion bei meinen lieben eltern und 
mit gotis gnaden bifiheer erhalten, darinnen nit geschwecht, auch die 
weltliche police! doher in desto besser ruhe bei inen besteen mbge: 
noch dennocht, dieweil aus e. gu. schreiben ich zu vernemen, dafi 
hbchstgedachter kais. mt. in dem ein under thenigstes gefallen ertzaigt 
und es e. gn. z5 gnedigem willen gelangen thet, so der gedacht 
Huberinus e. gn. begerens von mir erlassen [wUrd], so stelle ich 
die verordnung desselbigen meines predicanten Huberini in e. gn, 
hand, gnedigsten willen und gefallen, zu beschaiden, ob der bei ge- 
melter stat Augspurg beharrlichen pleiben oder zu mir khomen 
soil, in undertheniger zuversicht, e. gn. werden dero gnedigem er- 
bieten nach disen meinen gehorsamen willen bei hbchstgemelter rbm. 
kais. mt. gnedigclichen vermelden und dessen fiir sich selbs mit mir 



214 Both, Kaspar Huberinus und das Interim in Augsburg. 

zufrideD und mit gnaden ingedenck sein, dann one e« gn. so an- 
sehenlicher erzelung und besonder gnediger gesinuen hett ich den 
vilgedacbten Huberinum gar nit wissen zu begeben, als der sicb 
gegen wolgedachten meinen lieben eltern lenger zeit verpflicht und 
versprocben und von inen mit gnaden und wol tractirt worden, dessen 
icb gegen ime nit weniger genaigt, 

Bitt derbalben mit besonderm vleifi, wofern e. gn. uflP obberurts 
mein baimbstellen bescbaiden wurden, dafi er, Huberinus, zu 
Augspurg beharren und pleiben sollt, e. gn. gnedigo befurderung 
tbuen wolten, damit er, Huberinus, gutlicben tractirt und durcb 
gemelte statpfleger, burgermaister und rat mit den seinen woll under- 
balten werde. und babe seiches alles e. gn., denen ich zu under- 
thenigen diensten gantz wilferig, uff berurt schreiben und gesinuen 
zu begerter wilferiger antwurt nit wellen verhalten. Datum Neuen- 
stein^), uff donerstag nacb Ursule (22. Oktober) anno 51 etc. (Kopie 
in den Eef.-Akten.) 

m. Antwort auf das vorbergehende Schreiben, dd. Inns- 
bruck, 15. November 1551. 

Dnser freundschaft und alles guts bevor, Wolgeborner, in senders 
lieber herr und freundt. Wir haben euer schriftliche antwurt, deS 
datum steht Ne wen stein, uf donnerstag nach Ursulae 1 22. Oktober] 
empfangen und daraus insonderbait gem und mit gantz freuntlichem 
angenemen gefallen vernumen: wiewol ir in angeender euer regierung 
und bei disen leuffeu, audi allerlai sorglichen, beschwerlichen an- 
gehenden und regierenden secten euers predicahten Huberini nicht 
allain zu erhaltung unser alten. waren, catholischen religion, so bis- 
heer mit sonderm vleifi under euere uuderthanen gepflantzt worden, 
auch mit zimblicher frucht erwachseu, sender auch zu wider- 
stehung der gefarlichen, bofien und verfuerischen secten insonderbait 
notturftig und euch denselbeu dergestalt gantz und gar von euch zu 
lassen insonderbait schwer und bedencklich fallen werde: dafi ir 
dennocht uf unser freundlich furschrift, auch in bedenckung, dafi der 
kais. mt., unserm allergnedigsten herrn, ain sonder underthenigs, 
angenems gefallen daran beschehen werde, und ander mehr ursachen 
bedacht seit, die gantze handlung, damit unserm guten bedunck«n 
nach haben zu schaffen, uus haimbzustellen, wie ir auch dasselb in 
solichem eueren schreiben thuet und uns gantzlich haimbsetzen in- 
halts solches euers schreibens. wollen euch darauf freuntlicher mai- 
nung nicht verhalten, dafi wir solchs euer gutwilligen erpietens und 
gehorsamer und undertheniger erzaiguug gegen ir kais. mt. mit son- 
derm threueu fleis gedacht und furgetragen. 



1) Neuenstein, Stadtchen und SchloB nahe bei Ohringen. 



Roth, Easpar Huberinus and das Interim in Augsbarg. 215 

Und wiewol wir entlich dafiir halten, wie wir auch deshalben 
YOU ander leuthen^ so dessen ain guts wissen tragen, satten und ge- 
Dugsamen bericht empfangen haben, daft euere underthanen 
alberait dermassen in uuser wahren, alten^ catholischen, 
christlichen religion fandiert, underricbt und bestiCttet 
sindt; dafi nicht zu zweifeln, sie werden in derselben be- 
stendigclich verharren und kain andere, uachtailige, bofie, schad- 
liche sect bei inen lassen einreissen oder denselben in aiuig weg 
stat geben, inmassen ir und sie gemelts Huberini desto ehr und 
leichter endratlien und ander an sein stat, ob sie gleichwol in allem 
nit gemefi, verorduen mogen, dieweil sie allain ditz recht und 
ordenlichen zu laiten und zu furen haben, so er, Huberinus, mit 
grosser arbait und vleiS in den gang gebracht hat; und aber, 
wie ir selbst wisset, die Yon Augspurg ains solcheu christ- 
lichen, gotsforchtigen , gelerten mans als die schwachen und kran- 
cken, den man mit linder, angenemer artznei helfen mufi, auch 
durch dessen geschicklichait, erbarn wandel und wesen das gmain 
volk desto ehr von irem irthumb, in dem sie so lang erwachsen und 
verstockt sindt, abgewisen und auf den rechten weg gefuert werde, 
hoch von nothen haben, auch ir uns, wie obsteht, die gantze hand- 
lung haimbgestelt : so ersuchen wir euch nochmals hiemit gantz 
freuntlich, ir wollet ime, Huberino, gantz und gar bei inen, denen 
von Augspurg, zu pleiben gonnen und gestatten, dann wir gar nicht 
zweifeln, er werde daselbst nicht mit weniger frucht sein, als bei 
euch beschehen. 

So erzaigt ir auch der kais. mt. und uns ain sender angeuembs 
und freuntlichs gefallen, in gnaden und allem gutten wider zu er- 
kennen und zu beschulden, zu deme, dafi solches gemelte von Augs- 
purg umb euch zu verdieneu die tag ires lebens werden beflissen 
sein und ir ain sender gotlichs und christlichs werk daran erzaigen, 
so euch und aiuer solchen grossen, ansehenlichen stat in vil weg zu 
nutzen komen mag. daneben aber wollen wir darob sein wie wir 
auch achten, sie fur sich selbst thun werden, dafi er, Huberinus, 
mit den seinen eerlich und wol, wie billich, underhalten werde, in- 
massen er kain klag haben solle. versehen uns also gantz freunt- 
lich, ir werdet solcher unser furbit stat geben und euch euerm erpieten 
gemefi erzaigen. das wollen wir in anderm mit allem freuntlichen 
willen beschulden, dann euch alle freuntliche, gute furderung und 
naigung zu erzaigen sind wir willig und urbiittig, das wir euch 
freuntlicher mainung nicht wollten verhalten. Datum Insprugck, 
den 15. novembris anno 51 etc. (Kopie in den Ref.-Akten). 



216 Roth, Kaapar Haberiuus und das Interim in Augsburg. 

IV. Caspar Hub eriuns an Leon hard Sah en peck inRegensburg, 

dd. Augsburg, 2 0. Febr. 15521). 

Gnad und frid von got dem vatter, durch Jesum Christum, 
unsern hail and. 

Achtbarer, filrnemer, ersamer, gUnstiger herr Sahenpeck. 
Nachdem und ir von hinnen verruckt, haben wir erst den angriff 
mit der tauff fiirgenommen und die alten ceremouien, welche die 
heiligen vStter, lerer und bischoff, bald nach der apostel zeit, dar- 
bei gebraucht haben, als in Clemen te^ Basil io magno, Augustino etc. 
zu sehen ist, nemlich das chrisma, den exorccismum sambt den alten 
gebetten, doch alles in teutscher sprach. dieweil sich aber die 
schwermer^) etwas darob gestossen und eiu abscheuhen zum teil 
entpfangen haben, haben wir, die predicanten, solche kirchenbreuch 
verklert und iren rechten branch anzeigt, daft solche unser gewissen 
nicht sollen tangen noch binden, darob vil frommer hertzen ersettigt 
sind worden. warumb wir aber den, chrisma brauchen, und wie er 
recht und nutzlich sei zu gebrauchen, hab ich solches in den truck 
verfertigt, will euch das selb buchlin, so es ufitruckt ist, zu- 
schicken ^) ; dieweil aber die fassnacht ietzt vorhanden, haben wir die 
sach lassen beruen mit dem sacrament des altars bis uff die fasten, 
da man sich zuvor wirdt mlissen anzeigen in der beicht, die absolution 
entpfahen mit dem examen, was ein jeder vom sacrament halte, 
darauff das sacrament gehalten soil werden mit den lateinischen, alten, 
guten gesaugen, in dem ornat und etlichen teutschen psalmen, orglen 
etc., uflP das wir keinen actum mutum halten. so viel dissmals in 
eil. euer pot hat sich erboten zuwarten hie etliche tag uflF bescheid. 
aber solches kan ich vor mitterfasten [27. Marz] nicht verrichten, 
dann gmach geet man auch weit. hiemit got befolhen! in grosser 
eil in Augspurg am 20. Febr. anno 1552. 

Caspar Huberinus*). 

1) Dieser Brief (Orig. Stadtarch. in Regensburg) wurde mir freund- 
lichst von Herrn Prof. Kolde zur Verwendung an dieser Stelle ilber- 
mittelt. 

2) Als „Schwarmer" bezeichnet Huberinus in seinen Schriften alle seine 
Gegner — Sektierer, Zwinglianer etc' — Hier meint er demgemafi ein- 
fach die Gegner des Interims. 

3) Da yon ihm keine Spur zu finden, ist wohl anzunehmen, dafi es 
nicht in die Offentlicbkeit gelangte. 

4) Original mit Siegel, (ein Tviangel liber der oberen Seite ein herab- 
hangendes Kreuz, links und rechts davon die Buchstaben H. u. C.) im 
Stadtarchiv zu Regensburg (Eccl. I, 12, 13). — Aufschrift: „Dem acht- 
baren, ftimemen und ersaraen herrn Leonhardt Sahenpeck, wonhafft zu 
Regenspurg". — Es ist dies eine sonst nicht bekannte Personlichkeit, die 
sich jedenfalls, weil damals auch die Stadt Regensburg hart zur Annahme 
des Interims gedrangt wurde, iiber das, was man hierin in Augsburg 
tue, unterrichten wollte. 



Roth, Kaspar Huberinas iind das Interim in AngBborg. 217 

V. Kaspar Huberinns an Heinrich Rehlinger, Statthalter 
der Stadt Augsburg, dd. Ohriugen, 5. November 1551. 

Gnad und frid von got, dem vatter in Cristo, unserm herren. 
Hochachtbarer, ernvester herr atathalter! 
Ich hab hertzlich gem vernomen, das got, der almechtig, euer ernfest 
unschuld, trew, fleifi^ mue, sorg, last, geferlichkeit und diemut hat ange- 
sebeu und e. e. wiederumb in das ampt gesetzt, nachdem and die frautzo- 
sische auflPrur gestilt ist worden ^). dieweil ich auch durch die kriegsfUrsten 
meines ampts in Augspurg eutsetzt bin worden und mich got, der 
herr, hat auch widerumb in mein vorig befolben ampt gefordert, da 
hat sich der satan durch seine lesterer freyelich wider mich mit 
allerlei lUgen gelegt und durch ein grosseu schwermer etlich schmach- 
und lesterschriften, reimweifi gedichtet wider mich, herab geschickt^), 
als babe ich Augspurg mit meiner leer wbllen verfureu und mich 
geitz und gelt lassen ubergeen, sambt audern vilen schmachworten 
mer, welche meiner mifiginner einer meinem gnedigen herren 
und seiner gnaden rhSten zugeschickt hat, mich damit zu verhindern, 
zu verkleinern und zu schmehen. got verzeihe solches disem sacra- 
men tierer! 

Dieweil dann, ernvester herr, von diesem augspurgerischem 
schwermer etliclie schmachzetel sambt dem beruff, welchen der vorigo 
gewesene rath wider uns hat lassen beruffen in absolvieruug vom 
eid und uffuemung irer vorigen predicanten, in welcher copei wir. 
angetastet worden seind als verfirerische, wanckelmlitige predicanten^) 
und derohalb geurlaubt worden, so bitt ich e. e. in aller uuter- 
thenigkeit, wbllen mir meiner leer und lebens halh, welche ich got 
lob gefttrt hab mit gutem gwissen und zu frid und einigkeit geleert und 
gepredigt, nit zu .uffrur und spaltung, solcher meiner leer und lebens 
ein zeugknufi und schriftliche urkundt und abschied geben, wie es 
denn e. e. fur gut ansehen, von den herren des geheimen raths oder 
von einem gantzen rhat; durch den herren statschreiber gestellt, mit 



1) Heinrich Rehlinger war bei der im Jahre 1548 vom Kaiser vor- 
genommenen neuen Regimentsordnung in den Rat berufen worden, wurde 
1549 (neben Leo Ravenspurger) Stadtpfleger oder Statthalter, verier dieses 
Amt im April J 552, als auf Befehl der KriegsfUrsten der vom Kaiser 
eingesetzte Rat gesturzt wurde, und erhielt es zurtick bei der am 
25. August dieses Jahres erfolgten Restituierung des Rates von 1548. 

2) Offenbar das Pasquill auf S. 208. 

3) Gemeint ist der von den KriegsfUrsten erlassene und vom Kate 
angeschlagene „Bei'uf" vom 7. Juni 1552, der bei Hortleder, Hand- 
lungen und Ausschreiben etc. von RechtmaBigkeit etc. des teutschen 
Krieges (1645) S. 1313 gedruckt ist. Darin wurden die vertriebenen 
Prediger von dem ihnen bei ihrer Verbannung auferlegten Eid entbunden 
und die stadtischen Behbrden aufgefordert, sie und die ^abgeschafften" 
Schulmeister zu restituieren. Die Interimsprediger wurden als „arckwbnig, 
wanckelmtttig und ergerlich** bezeichnet. 



218 Schornbauni) Zur Brandenb.-Niirnbergischen Kirchenvibitation 1528. 

angehencktem sigil^ wie dann der branch ist^ eiu abschid zu geben. 
was dann in der cantzlei davon zu schreiben zu bezalen ist, solle 
zeiger difi prieffs, her J org Vise her, welcher sein leibgeding droben 
holet^), von meinetwegen verrichten. bitte also e. e, wie vor in 
aller unterthenigkeit, wQllen mir treulichen beistandt thun und die 
sachen affs beldest fudern und verschaffen, dann herr Jorg wirt ein 
tag oder drei droben bleiben und wider herkomen; so woUe ich 
solchen abschid meinem gnedigen herrn und den rhUten zeigen und 
mein unschuld retten, dann ich je in grosser treuen in grosser kelte 
ferritten, bin hinauff gezogen mit weib und kindern und mich von 
dereu von Augspurg wegen .in grofi unru, last und ferligkeit be- 
geben hab. da ich mer hie verlassen hab, dann ich droben hab 
gehabt, noch schmehet man mich^ als habe ich umb gelts willen sei- 
ches getan und ein eid geschworen in das interim, welches doch nit 
geschehen ist. 

Hiemit befelhe ich e. e. und die edlen und ernfesten herren, 
die geheimen rath, in den gnedigen schutz des allerhohesten. Datum 
Ohringen, am 5. novembris anno 1552. 

E. E. 
undertheniger, gehorsamer 

Caspar Hub er inns, prediger daselbst. 
(Ogl. in der Autographensammlung.) 

ZurBrandenburgisch-Niirnbergischen Kirchenvisitation 

1528. 

Von Dr. K. Schornbanm in NUrnberg. 

Es ist bekannt, dafl die Akten Uber die erste gemeinsame 
Kirchenvisitation der Eeichsstadt Niiruberg und der Markgrafschafit 
Ansbach verloren gegangen sind. Zuletzt hat sie wohl der Altdorfer 
Professor Will gesehen, der in dem historisch-diplomatischen Magazin 
fiir das Vaterland und aogrenzende Gegeuden (NUrnberg 1783. 2. Bd. 
S. 375 ff.) wenigstens die Visitationsberichte uber die Kaplane von 
St. Sebald, St. Lorenz nnd dem neuen Spital abdrucken lie© und 
damit vor dem Untergang rettete. Nun befinden sich im Nurnberger 
Kreisarchiv unter der Bezeichnung S. I L. 296 Nr. 1 — 25 (Kep. 11) 
eine Anzahl Akten uber die spateren Visitationen von 1560 — 1659, 
am meisten noch uber die grofie Visitation von 1560. Den spar- 
lichen Eesten liber die Visitation von 1652 verdanken wir noch et- 
liche Nachrichten uber die erste Visitation der Pfarreien Ottensoos 



1) Dieser Jdrg Viscber (Piscatoris) ist der letzte Prior des Augs- 
burger Karmeliterklosters (1527—1544). Das Leibgeding, das Huber er- 
wahnt, ist die Pension (40 fl.), die ihm bei Ubergabe des Klosters (15. Okt. 
1534) vom Rate ausgeworfen wurde. 



Schorabaam, Zar Brandenb.-Ntirnbergischen Kirchenylsitation 1528. 219 

und Kornbnrg. Da die Rechtsverhaltnisse dieser Pfarreieu sebr an- 
gefochten waren, so beschlofi man, zunachst Erknndigungen einzn- 
ziehen, in welcher Weise dieselben frliher visitiert wordeu waren. 
Aus dem damals noch vorhandenen Visitationsbuch vom Jahre 1528 
wnrden nnn die unten folgenden Anszuge uber beide Pfarreien 
Ottensoos und Kornbnrg gemacht. 

I. 
OttensooB. 

Herr Cunradns Kempf, pfarrer zue Ottensoes sagt, er sej 
yon meinen herreu dahin yerordent, hab weib ynd kind. 

dieser pfarrer ist yerbort. bat wobl geantwortet; findet sich 
bej ihm ein gnter cbristlicber yerstandt 

Hainz Pirkmann, Herman Teurlein, Jorg Stain ynd 
Hans Loser, gesandte yon der gemain zn Ottensoes, die baben an- 
gesagt, daft sie yon ibrem pfarrer seines lebens, wesens ynd wandels 
balb kein clag zn tbnn baben; er bait sicb eins ebrlicben redlicben 
wesenS; fubre ein priesterlicb leben. 

so wifien sie seiner lehr halben aucb kain clag anznezaigen; 
er lebre ynd predige i]inen das wort gottes ibres yerstands trenlicb 
yor, ynd wo er ibnen das wort gottes gar ins berz k3nnt giefien 
oder stofien, tbet er das gem. 

ynd seyen allein in dem bcscbwert, das etliche jartag^ yer- 
kUndungen der todten ynd salye regiua in der pfarr znhalten ge- 
stiftet, die halt aber ihr pfarrer nit mebr, zaigt an, es sej nit nntz 
ynd nemen doch nicbts dester weniger die gottshauspfleger die 
guldten ynd zins, die daramb an das gottsbaus gegeben werden sin, 
geben dem pfarrer dayon sein gebtirnus, zehen gulden, ynd bebalten 
das uberig znm gottsbaas, yermainten, dafi man billicb solcbe zins 
ynd guldt, die fbr solcbe gestifte jartag ynd audres an das gottsbaus 
geben werden, nachdem das alles nit mebr gebalten wurdet, denen, 
die berlirte guldt an das gottsbaus geben baben, widerumb zugestelt 
oder an steg ynd weg oder aber Lausarmen leuten gegeben wiirde; 
yn bett dennocbt ihr pfarrer ibres achtens on das genug, dann er 
sonst hey siebenzig gulden einkummens hab. 

item so baben sie sonst noch ein fruemefier, derselb sey auch 
ein gut frum Mann, er mog yielleicht so yiel nit konnen: er hab 
sicb aber ein zeit hero sehr gebefiert, wissen darum kain sender clag 
zu tbun. 

die gelehrten baben obgemeldts pfarrers halben geratschlagt, dafi 
der zu einem pfarrer wobl zu halten sey : ynd ist diesem pfarrer gesagt 
worden, dafi er als ein seelsorger seinem pfarryolck im wort Gottes 
treulich yorgehen ynd ynterweisen woll, auch fleifiig lesen yndt stu- 
diren ynd sich im selben solcber gestalt halten, daraus man sein 
fleifi spfiren mSg. 



220 Schornbaum, Zur BraDdenb.-NUrnbergisohen Eirchenvisitation 1528. 

darzu hat der gedacht pfarrer angezaigt; daft er dem lesen vnd 
studieren nit sowohl, wie er billig thun sollt anhaugen konnt. er 
hab ein grofie haussorg; woll er viel haben, miifi er darnach trachtea 
vnd arbeiten vnd ehebalten balten. 

so mufi er allemabl Uber den dritteu feyertag das gottshaus ziie 
Scbonberg in aigner person mit predig vnd mefi versehen, von 
welchem er danu das maist einkummen hab; hab zu Ottensos ein 
cleins zehendlein vnd etliche claine wislein vnd eckerlein, item er 
mnfi gein Rottenberg jabrlich drey gulden jaggeldts geben; so 
gesteben ihne die diener vom Rottenberg, die er vff denen klir- 
tagen zu Ottensos mit essen vnd trinken versehen mufi, des jahrs 
nicht wenig, also dafi er deshalb zehen gulden wol haben mufi. 

der stiftung halb hab er bisher das geldt, so ihm die gotts- 
hauspfleger geraicht, genommen, achte darflir, dieweil das gottshaus 
des jahrs liber 100 gulden einkumens hab, dafi sie sich des ge- 
legenheit aller sachen vnd dafi sein ander einkumen nit so grofi, nit 
zn beschwern haben. 

dafi er aber dise jartSg, verklindung der toden vnd salve regina 
bisher nit gehalten, acht er nit vnrecht sein, dieweil er in der schrift 
vnd in sein em gewifien ein anders finde. 

vnd hat der pfarrer gemeldt, wo ihm diese sein cura mit der 
versehung der pfarr zu Scbonberg vnd sein grofie haushaltung in 
zimblich vnd leidentlicher weg mbcht gewendet werden, vnd dafi er 
etwo ein ruiger wesen haben kondt, wer er vngezweifelt, er-wolt sich 
im studiren vnd in der kirchendieust dermafien befleifien, darob man 
ein gut gefallen haben sollt. 

Extrakt aus einem Kirchenvisitationsbuch de a. 1528. • 

II. 
Komburg. 

Mittwoch den 16. September 1528. 

Herr Paulus Lbffler, Pfarrer zue Kornburg, sagt er sey 
von meinen herrn dahin verordent, bey zweyen jahren daselbst ge- 
west; hab ein eheweib. 

der gedacht pfarrer ist verhort^ der hat zimblich wol geant- 
wortet, vnd findet sich bey ihme ein christlicher verstandt. 

Linhardt Schmidt, Augustin J'eurstain vnd CuntzMayr, 
gesandte von der gemein zue Kornburg, die sagen erstlich des 
pfarrers halb, dafi sie an ihres pfarrers leben vnd wesen ein guet 
gefallen haben, wifien derhalb nichts zu clagen. 

so hftben sie an seiner lehre aufierhalb nachfolgender mengel 
auch kein clag. allein vermainten sie, dafi ihr pfarrer je bisweilen 
an feyrabendten vndertag vesper sing vnd in demselben hielt, wie 
man es hie vnd zu Schwabach belt; wo ers also hielt, wolten sie 



Schornbaum, Zur Brandenb.-Ntirnbergischen EirchenviBitation 1528. 221 

wol zu&ieden sein; dann er sonst in der wochen nichts thue, wann 
daft er an feyrtagen mefi bait vnd predig. 

item der pfarrer fordere vnd predig stets in seiner predig den 
zehenden, bielten dafUr^ dafi er solchs billicb in der predig vnterliefi 
vnd wo ihme jemandt den nicbt reebt gebe, dafi er das der oberkait 
anzaiget vnd nit in der predig so oft meldet. 

item der pfarrer tauf die kinder in den bSusern^ vermainteu 
sie, dieweil die tauf so ein grofi treffenlicb ding sey, es wor dan- 
nocbt viel ebrlicber vnd befier, dafi man die zu kirchen trag vnd 
daselbst taufte. 

item so ihr pfarrer jemandt ein kindt tauft oder dafi er ebe- 
leutb, so bocbzeit miteinander baben wollen, vff der cantzel verkundt, 
ist ibm von solcbem hievor ye ein mafi weins gegeben worden, aber 
jzt vermaint er, man soil ibne zu solcbem es sey bocbzeit oder kindt- 
scbenk laden, wo er dann je geladen wirdt, bleibt er da, ess ond 
trink, woll aber nicbts zablen. 

item der pfarrer lafie im gebet vff der cantzel das ave maria 
aufien, vermaint die gemain, das er dennocbt das von wegen der 
jungen kinder billicb aucb bete vnd lernte. 

item das sacrament consecrire ir pfarrer gar teutscb, wifien sie 
als arme vnverstendige pauersleut nit, ob es so gar gut sey oder nit, 
wolleu solcbes, wie es derbalb soil gebalten werden, zu den ver- 
ordenten herrn gestellt baben. 

item als bievor ihrem pfarrer etlicbe klaider entwendet worden, 
bab er bey einem warsager zue Gunzenbausen darumb forscbung 
gebabt; nacbmals viel davon geredt vff meinung, er wlifite nun wobl 
wcr ibme seine klaider gestoblen mit betrobung, ibme die wieder zu 
geben, oder er wolt den anzaigen, das er dem benker werden miifit. 
acbten sie in der gemein dafur, dafi er als ein pfarrer vnd seelsorger 
billicb nit mit solcb^r zauberey vmbgehen, vnd wo er von yemandt 
das in der gemein borte, das er solcbs zum b5chsten webren vnd sie 
davon als von teuffeliscben diugen weisen sollt. 

vnd wo in diesen fallen enderung getban werde, seyen .sie sonst 
an andern ibres pfarrers leben vnd wesen aucb seiner lebre balben 
wobl zufrieden, er sey sonst ein gut from mann. 

von scbwurmern oder tauffern wifien sie nicbts zu sagen. 

als nun der pfarrer von wegen der gebrechen von der gemein 
angezaigt gefragt worden, bat der zu alien beschwerden aufierbalb 
der letzten gut richtig antwort geben, darob die gesaudten zufriden 
gewest. 

vnd zur letzten die gestoblnen klaider belangeudt bat er waiuendt 
angezaigt, ibm seyen bievor zween gut rock, bembdt vnd anders ge- 
stoblen worden. nun seyndt ibm aber etlicbe geringe stlick, so ibm 
aucb eutpfrembdt, bey seiner naclxbaurn einem zunecbst .nidergelegt 
worden, darauf er mog gesagt baben, er bette vermutung uf etlicbe 



222 Kolde> Ein Ablafibrief fur die Kirche zu Leerstetten. 

etc. ob yemandt mit ihme gescherzt, bete er zum hochsten ihme das 
wider zii geben. 

den warsager betreffend^ sagt er bey hochstem glauben, dafi er 
fUr sich selbst bey keiuem warsager gewest noch ans seinem befelh 
yemandt dahin geschickt; wol sey nit on, er hab eiu schwager der 
mag flir sich selbst ohu sein befelh beim warsager gewest sein vnd 
darumb nachfrag gehabt haben ; derselb hab ihme aber uichts senders 
anzaigen konnen. er halt vnd glaub desselben anzaigen nit, k5nue 
sich auch y(m den gnaden gottes selbs aus der schrift wohl erlernen, 
das solcheii ansagen nit zn glauben vnd nichts anders dann teuffels 
werk seye etc. 

dises pfarrers halb raten die verordenten, dafi er zu einem 
pfarrer als der zimblichen vnd guteu verstandt hat, wol ^u halten 
und nit zu endern sey. 

doch ist ihm angezaigt, hinfiiro im studirn guten vleifi zuthun 
vnd sich dermafien christlich zu halteU; damit seinerhalb nit clagens 
noth seye. 

sonderlich dafi er sich obgeschribens artickels des warsagers halb 
bey der gemain bei ainigen vnd ihneu anzaigen well, dafi er vf das 
gar nichts halten vnd dafi es nichts anders dan teuffels lugen seyen. 
der hat das alles zuthun zugesagt. 

Extrakt aus einem Kirchenvisitationsbuch de a. 1528 Fol. 43. 

NUrnberger Kreisarchiv. S. I L. 296. Nr. 7. 

Ein Ablarsbrief fiir die Kirche zu Leerstetten. 

Mitgeteilt von D. Th. Kolde. 

Die Kirchenbibliothek zu Schwabach besitzt neben nicht un- 
wichtigeu scholastischen Manuskripten und reichen, wohlgeordneten 
BUcherschatzen, zumeist aus der Reformationszeit, einen wie es scheint, 
bisher noch nicht bekannt gegebeuen Ablafibrief ^) aus dem Jahre 1486 
flir die Kirche zu Leerstetten. Diese den Aposteln Petrus und 
Paulus geweihte Kirche der Pfarrei Leerstetten, die zu dem De- 
kanate Eschenbach in der Dibzese Eichstatt gehbrte, und fur die 
dem Abte des Klosters Ebrach das Prasentations- oder KoUations- 
recht zustand^), bedurfte der Eeparatur. Es fehlte auch an Mefi- 

1) Derselbe wurde mir von Herrn Dekan B6ckh in Schwabach^ der 
ihn aufgefunden hat, freundlichst zur VerSffentlichung uberlassen. 

2) Dartiber belehrt uns das sehr wevtvolle Programm von J. G. 
Suttner, Schematismus der Geistlichkeit des Bistums Eichstatt aus dem 
Jahre 1480, Eichst. 1879, wo es S. 60 heifit: Leerstetten eccles. 
paroch. SS. Petri & Pauli: De praesentatione Abbatis in Ebrach. Ple- 
banus': Petrus Engenlandt ex diocesi Bamberg, ordinatua in Czitz ad 
titulum monasterii in Munchaurach. Fuerat 1475 vicarius in Graven- 
steinberg. 



Kolde, Ein AblaBbrief flir die Kirche zu Leerstetten. 223 

biichern, Eelcheu und sonstigeu kirchlichen Ausstattungsstticken. Da 
griff man zu der allgemein Ublichen Auskiinft, die notigen Mittel 
durch einen Ablafi zu verschaffen. Der damalige Inhaber der Pfarrei 
war der Magister Petrus Engenlanit oder Engellant, iiber desseu Ent- 
wicklung sich weuigstens einiges feststellen ISfit. Er stammte aus 
Nlirnberg, studierte in Leipzig und erwarb daselbst den Grad eines 
Baccalaureus und setzte im Sommer 1476 seine Studien in Erfnil 
fort*), wo er auch die WUrde eines Magisters erlangt haben wird. 
Auf Veranlassung des Klosters zu MUnchaurach wurde er in Zeitz 
zum Priester geweiht und kam dann als Yikar auf die dem Bischof 
von Eichstatt zustehende Pfarrei Grafensteinberg ^). Der Aufenthalt 
daselbst wird uicht lange gewahrt haben, denu schon 1480 finden 
wir ihn in Leerstetten. Dieser Mann, der sich entweder brieflich 
nach Horn wandte oder auch zu diesem Zwecke eine Pilgerreise da- 
hin unternahm, war es, dem es gelang^ zu gunsten seiner Kirche von 
zehn KardinSlen einen freilich nur sparlichen Ablafi zu erhalten. 
Den Glaubigen wurde flir ewige Zeiten versprochen, sie sollten, 
wenn sie am Tage des Apostels Petrus, am Palmsonntage^ zu 
Ostern, zu Pfingsten und am Kirchweihfeste von der ersten bis 
znr zweiten Vesper die betreffende Kirche frommen Sinnes besuchen 
und zu besagten Zwecke hilfreiche Hande darreichen wurden — 
dies eine oft wiederkehrende allgemeine Formel — , alljahrlich an 
jedem einzelnen der genannten Festtage je 100 Tage Ablafi erhalten. 
Die Urkunde ist vom 28. September 1486 datiert, aber erst andert- 
halb Jahre spater erhielt sie die bischofliche Anerkeunung und zwar am 
1. April 1488 durch den bischoflichen General vikar Christoph Mendel 
de Stainfels, eine Zierde des Eichstatter Kapitels^ deun der gelehrte 
Mann war der erste Rektor der neugegrUndeten Universitat Ingol- 
stadt gewesen und hatte gegen die Statuteu unmittelbar auf An- 
ordnung des Herzogs Ludwig diese Wurde das ganze Jahr hindurch 
bekleidet und fungierte im Jahre 1476 noch ein zweites Mai. Auch 
findet sich sein Bild in der Ingolstadter Matrikel^). Der schon er- 
wahnte Schematismus von 1480 fiihrt ihn, der spater (1502 — 1508] 
Bischof von Chiemsee wurde, in folgender Weise auf: R. Pater 
Christophorus Mendel de Stainfels, artium et LL. doctor, 1472 
Professor Institution um in Universitate Ingolstadiaua, 1476 Rector 



1) Petrus Engei'land de Nornberga baccal. Lipczensis dedit totum. 
Akten der Erfurter Universitat I (Halle 1881) S. 364. In der Leipziger 
Matrikel findet sich auffallenderweise sein Name nicht. 

2) Das dafiir bei Suttner angegebene Jahr 1475 stcht im Wider- 
spruch mit dem Eintrag^ der Erfurter Matrikel, er miiOte denn zwischen 
dem Besuch von Leipzig und Erfurt kurze Zeit in Grafensteinberg ge- 
wesen sein. 

3) G. Prantl, Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universitat I, 
21, 38. 



224 Eolde, £in AblaBbrief fttr die Kirche zu Leerstetten. 

ejusdem Scholae secundo, 1479 Rmi Episcopi in Comitialibus 
Imperialibns Norimbergae Orator, Canonicus eccles. cathedr. et Vica- 
rius general! s. 

Der Ablafibrief bat folgenden Wortlaut: 

Roderi^us Portueasis Oliuerins Sabinensis Johannes / Albanensis 
Julian us Ostieusis Episcopi Johannes michael tituli sancti Marcelli 
Johannes tituli sancte Praxedis Johannes iacobus tituli sancti / Ste- 
phani in Celio monte Paulus tituli sancti Sixti Presbyteri Franciscus 
sancti Eustachii Raphael sancti Georgii diaconi sancte Romane ecclesie 
Cardinales / Uniuersis et singulis christifidelibus praesentes litteras 
inspecturis salutem in domino sempiterna[m] Quanto frequentius 
christifideles ad opera caritatis inducimus tanto salubrius / eorum 
animarum saluti consulimus Cupientes igitur ut ecclesia parrochialis 
sancti Petri in villa Lerstetten Eystetensis diocesis congruis frequen- 
tetur honoribus et / a christifidelibus iugiter ueneretur ac in suis 
structuris et edificiis debite reparettir conseruetur et manuteneatur 
libris quoque calicibus ornamentis aliisque ibidem / necessariis decenter 
muniatur ornetur et decoretur utque christifideles eo libentius deuotionis 
causa ad huiusmodi ecclesiam et ad premissa manns promptius 
porrigant / adiutrices^ quo ex hoc ibidem done celestis gratie uberius 
conspexerint se refectos Omnibus et singulis utriusqne sexus christi- 
fidelibus uere penitentibus et confessis / qui in sancti Petri Apostoli 
dominice palmarum Pasche Penthecoste ac dicte ecclesie dedicationis 
festkutatibus ac celebritatibus a primis uesperis usque ad secundas / 
uesperas singularum festiuitum (!) ac celel^ritatum dictam ecclesiam 
honorando(?) inclusiue denote uisitaueri[n]t annuatim et ad premissa 
manus porrexerint adiutrices ut prefertur / Nos Cardinales prefati 
humilibus dilecti nobis in Christo Petri Engellaut artium magistri et 
dicte ecclesie plebani suplicationibus (sic) inclinati de omnipotentis 
dei / misericordia ac beatorum Petri et Pauli apostolorum eius auc- 
toritate confisi pro qualibet dictarum festiuitatum ac celebritatum 
quibus id fecerint Centum dies de iniunctis eis / penitentiis uerum (?) 
in domino relaxamus et quilibet nostrum relaxat presentibus perpetuis 
futuris teraporibus duraturis. In quorum omnium et singulorum fidem 
et testimo / nium premissoram preseutes litteras fieri mandauimus 
sigillorumque nostrorum iussimus et fecimus appensionibus muniri 
Datum Rome in domibus solitarum residentiarum / sub Anno a Natiui- 
tate domini Millesimo quadringentesimo octuagesimo sexto Indictione 
Quarta die vero Vicesima octava mensis Septembris / poutificatus 
sanctissimi in Christo patris et domini nostri domini lunocentii 
diuina prouidentia pape Octavi Anno Tertio 

Eat Gerona^). 

1) In der Beglaublgung findet sich dieselbe Formel „Eat" als Zu- 
lassungserklarung. Gerona ist vielleicht der Name des ausfertigenden Be- 
am ten. 



Herrmann, EinBriefd.Dominik. GallusKorn an Wolfg. Fabrioius Capito. 225 

Die Siegel fehlen, doch hSugen an drei der noch vorhandenen 
Siegelschnuren die leeren, blecheruen Siegelkapseln. Auf der umge- 
bogeueu Siegelfalte des Pergaments, das einen Umfang von 73X^2 cm 
hat, findet sich folgende Beglaubigung: 

Christofforus Mendel de stainfels legum doctor cauonicus et in 
spiritualibus generalis vicarius Eisteteusis vidimus has litteras sanas 
illesas nee in aliqua parte suspectas easque admittimus. Eat. Eisteti 
Kal. Aprilis anno octuagesimo octavo 

vicarius generalis motu proprio 
1). 



Ein Brief des Dominikaners Callus Korn an Wolfgang 

Fabricius Capito. 

Mitgeteilt von Fritz Uerrmann in Darmstadt. 

Fiir die Kenntnis des Lebens von Gall us K or n ist man immer noch 
auf die diirftigen Nachrichten seines Biographen Held^) angewiesen, 
iiber die hinaus auch Roth^) nichts Neues beizubringeu vermochte. 
Einiges Licht auf die Lage und die Plane des wegen seiner evange- 
lischen Predigten von seinem Konvent gemafiregelten und am 

9. Juni 1522 aus dem Kloster entwichenen Niimberger Domini- 
kaners wirft der bis jetzt unbeachtet gebliebene, nachstehend abge- 
drucktc Brief, den er zugleich mit seiner bekannten Verteidigungs- 
schrift*) an den kurmainzischen, mit Erzbischof Albrecht, der am 

10. April seinen Sitz im Reichsregiment eingenommeu hatte, in 



1) Unleserlich und zum Tell radiert. tlber den Siegelschnuren 
scheinen die Namen der Kardinalstitel gestanden zu haben. Auf der 
Rtickseite findet sich die Aufschrift: Genesis, in diesem Falle wohl nach 
Du Cange s. v. = decretum. 

2) J. G. F. Held, Nachrichten von GallusKorn, eines Dominikaner 
MSnchs zu Niirnberg und standhaften Vertheidigers der evangelischen 
Wahrheit, Leben und Schriften. Niirnberg 1802. 

3) F. Roth, Die Einfiihrung der Reformation in Ntirnberg. Wiirz- 
burg 1885. 

4) Eyn handlung wie es eynem Prediger Munch tzu Nurmberg mit 
seynen Ordens brudern von wegen der Euangeliechen warheyt gangen ist. 
0. 0. 1522. Wieder abgedruckt bei L. Rabus, Historien der Martyrer, 
2. Tl. Strafiburg 1572, f. 220 ff. und bei Held a. a. 0. p. 46 ff. Die Capito 
Uberreichte Originalhandschrift -ist lateinisch. Der Abfassungsort — ex 
gurgustalo =:: ynn vnszer elenden herberg — ist nicht das Kloster, wie 
Held will, sondern Korns vaterliche Behausung, in der er unmittelbar 
naeh seiner Flucht — die Verteidigungsschrift ist vora 12. Juni datiert — 
sich verborgen hielt, bis ihm die unten zu erwahnende Haltung des Stadt- 
rates sich freier zu bewegen gestattete. 

Beitrage zur bayer. Kirchengeflchicbte XI. 5. 15 



226 Herrmano, Ein Brief d. Dominik. Gallus Korn an Wolfg. Fabricius Gapito. 

Niirnberg anwesenden Rat Capito gerichtet hat^). Der undatierte 
Brief ist zwischen dem 12. Jnni — welches Datum die Verteidigungs- 
sohrift trSigt — und dem 1. Juli, dem Tage der Abreise Albrechts*), 
geschriebeu, and zwar wohl an einem Montag, woranf die Er- 
wKhnung der sonst nicht bekanuten eindrucksvollen Predigt Capites 
hiudeutet. 

Oallus Korn versuchte durch sein Schreiben, den Mainzer 
Staatsmann, dessen Stellung zur religiSsen Frage er wohl langst 
kannte tmd zu dem er auf Grand der erwUhnten Predigt besonderes 
Vertrauen gefaftt hatte, fUr seine Sache za interessieren, und 
hat sich vielleicht auf eine Verwendung im Mainzer geistlichen 
Dienste Hoffnung gemacht. YorlSufig hielt er sich bei sein em Yater 
Hand Korn aaf; in dessen Haase das Hofgesinde Albrechts Herberge 
genommen hattO; and betrieb von da aus seine Entlassung aus dem 
Ordeu; daB ihm diese von Rom aus gewahrt wurde^ ist um so unwahr- 
scheinlicfaer, als der am 25. September in Niirnberg eingetro£Fene 
papstliche Nuntius Chieregati^ dessen scharfes Auftreten gegen die 
evangdlifichen Prediger bekannt ist, gerade bei den Dominikanem 
abstieg'). Gegen deren Nachstellungen war Gallus von dem Rate 
der Staat geschiitzt worden^), ihn veirlangte aber nach ungehinderter 
5ffentlicher PredigttStigkeit. Sein Brief an Capito hat diesen viel- 
leicht zu einer Empfehlung des Predigers an den evangelisch ge- 
sinnten Freiherrn Joh. von Schwarzenberg veranlafit^ in dessen 
Dienst wir Gallus 1524 finden. 

In der Unterschrift nennt er sich, wie auch in seiner 1524 
in Schwarzenberg verfaftten Schrift Warum die Kirch vier Evange- 
listen hat angenommen etc., Gallus Gallaeus. Die zugleich mit 
dem Brie^ an Capito eingereichte, durch den deutschen Druck be- 
kannt gewordene lateinische Yerteidigungsschrift zeigt auf der HUck- 
seite den Titel: Apologema Galli Gallaei in eius abitum a coenobitis 
praedicatotiis, anno domini 1522 Junii 12. Am Schlusse derselben 
hat er did folgeude Notiz beigefiigt: 

Sequentia post me reliqui verba die quo abii, altera vigilia 
pentecostes Junii nona: 

spiritus domini 
ecce ille iste instabilis, inquietus, praesumtuosus, superbus, ignavus 
et fatuus Vester^ quern et haeresi (nescitis ante quot annos damnata) 
dicitis maoulatum, excommunication e papali et ordinis carcere (ut 
iudicatis) dignissimus a vobis recessit. 



1) In GapitoB Nachlafi, Univers.-Bibl. zu Basel, Bd. K. A. G. IV 
5, f. 21 ff. 

2) Vgl. Des kursachsischen Rates Hans von der Planitz Berichte 
aus dem Beicharegiment in Niirnberg 1521—1523, ed. Virck, p. 135. 188* 

3) Deutsche Reichstagsakten, Jiing. Reihe, Bd. 3 p. 824. 924. 

4) Held a. a. 0. p. 25. 



Herrmann, Ein Brief d. Dominik. Gallus Eorn an Wolfg. Fabric! us Capito. 227 

vos fratres gaudete et letamini^ qui translati estls de morte in 
vitam, quoniam diligitis fratres in Christ o. 

pro vestra sunt haec scripta pace, vestrum erit. non suscitare 
donnientem, alioquin primum probabitis^ quod falso obiicitis. 



Salve in servatore nostro, candidissime doctor veritatis etc. mihi 
non servitutiS; non necessitudinis, non d^nique familiaritatis suppetit ratio^ 
quo te litterulis meis obruerem. et enim una horum omnium potentior 
accedit occasio, qua me audaculum et tuam praestantiam non gravem 
efficiet spero exauditorem. vera sunt; quae assero. aput senatum 
populumque nostrum ex tua concione summum nactus es favorem^ 
nactus est et gloriam immortal em ille tuus, immo et noster princeps 
et praesul beatissimns^ qui praeter omnem spem talem evangelicae 
veritatis doctorem in sua curia alet. dispeream^ si beri non omnium 
erat clamor: ecce quid nunc in Maguutiuum nostrum pontificem et 
principem hunc effutire habeut, qui ipsum iam dudum evangelii 
suppressorem cavillarunt. certe contrarium nos hodie audivimus auri- 
bus nostris, gloria deo et pax principi nostro. verum quia nunquam 
sine querela aegra tanguntur, simul te incidisse noti dubitare in fer- 
mentum phariseorum malitiae, sed autem non curandum^ quia genus 
est hjpocriticum^ peribit parimodo atque nix et tum parebit nuditas 
et confusio borum. ex his puto mihi suppetias affatim administratas 
te ineptiis meis adoriri. sum (novit dominus) ab illo genere iam 
ferme decennio persecutus, nee uuquam invenientes, quo me con- 
funderent, nunc illis diebus ex duabus concionibus in me suum virus 
confiavenint; veritatem negocii in adiuncta his habes schednla, quam 
legas oro et per Christum tuum te obtestor. sum modo apud geni- 
torem meum^ qui hospitem agit aulicorum reverendissimi atque illu- 
strissimi principis nostri Moguntini etc. sum nutu senatorum securus 
at publicum frequentare; divina item celebrare extra domum et 
praedicare per ingeniperdarum et christianicidarnm horum tyranni- 
dem non est mihi integrum, misimus ad Romanam curiam, nee 
sum nee volo amodo et usque in aeternum sub horum esse iuris- 
dictione. nunc ergo, mi candidissime simul et colendissime in 
Christo pater et doctor veritatis, per Christum et christianam te ad- 
inro pietatem: da consilium ignaro, fer auxilium misero, fac omnibus 
modis efficias, ut princeps ille noster beniguissimus, qui haereditario 
iure adeptus est banc insignitatem, ut quanto sit in cunctos oppres- 
sores et violentos stomachosior, tanto consuerit benignius audire et 
iuvare lacessitos iniuria, cura, inquam, aput tantum et talem princi- 
pem, ut in sua abitione sua benedictione relever, ut ubicumque non 
oporteat a publico abstinere, sed secure possim sacerdotis of&cia 
exequi, ubi ubi opportunum videbitur, quo usque super hac I'e 
Romanum venerit indicium, facies, crede, pro veritate, deo vero 
Optimo maximo rem gratam omnique populo nostro acceptissi- 

15* 



228 Kolde, Zur Geschichte des Niirnberger Augustinerkiosters. 

mam. accedet item praeclarum hoc facinus iu illustrissimi principis 
uostri gloriam immortalem. vale in Christo. 

Galhis Gallaeus sacerdos, 



servulas tuus in Christo. 



legat tua liiimauitas tantum 
duodecim axtomata et iudicet, 
legat et meorum sententianfi ta- 
li signo^) exaratam. 



i 



Adresse: Evangelicae veritatis prestantissimo interpret! atqiie 
doctor), domino ludico(!) suo preceptori. 

Zur Geschichte des Niirnberger Augustinerkiosters. 

Von D. Th. Kolde. 

,,Im Bereiche der jetzigen ErzdiSzese Bamberg gab es einst drei 
Augustinerkloster — Kulmbach, NUrnberg, Windsheim," von denen 
sicher nicht nur das bedeutendste, sondern auch fiir die Geschichte 
des Gesamtordens wichtigste das zu Nilrnberg war. Mit Recht be- 
tont Dr. Joh. Baier in einer kleinen Studie^), die die Veranlassung 
zu diesen Zeilen gibt, wie ich es schon ofter, wenn auch bisher. ohne 
Erfolg, getan babe, dafi eine „Klo8tergeschichte Nurnbergs" eine 
lohnende Aufgabe wUre, und ich m5chte bei dieser Gelegenheit darauf 
aufmerksam machen, dafi wie fur alle Niirnberger Verhaltnisse gerade 
auch dafiir die mir erst vor kurzem bekannt gewordene Merkelsche 
Handschriftensammlung, die jetzt in der Bibliothek des Germanischen 
Museums in Ntirnberg aufbewahrt wird, reiches Material enthalt, was 
d^n Benutzer weiterzufiihren imstande ist. Namentlich ware aber 
eine eingehende Geschichte des Augustinerkiosters sehr wunschenswert. 
Was Baier liefert, ist eine fleifiige Skizze auf Grund des bekannten 
Materials^ macht aber das Fehlen einer wirklichen Geschichte um so 
fiihlbarer und veranlafit mich zu mancheu Fragezeichen, deuen ich 
fiir eine spatere Bearbeitung einige Notizen aus meinen Sammlungen 
beifUgen will. 

Unklar ist zunachst die Entstehuug des Klosters. Wie allent- 
halben kann man auch hier beobachten^ dafi die Briider die Neigung 
batten, die Entstehung ihres Kon vents in moglichst friihe Zeiten zu 

1) Dasselbe Zeichen kehrt bei den in der Verteidigungsschrift an- 
geflihrten Schimpfreden der Monche wieder. 

2) *Prof. Dr. Baier in Wtirzburg, Das ehemalige Augustiner- 
kloster in Niirnberg S. A. (aus dem Kalender fiir katholische Christen. 
Sulzbach 1905?) 



Kolde, Zur Geschichte des Nflrnberger Augustinerklosters. 229 

verlegen. Das im Stadtarchiv in Nurnberg aufbewahrte Salbucb des 
dortigen Augustinerklosters, das iinter dem Priorat des Priors Eukarius 
Karl 1503 angefangen wiirde, meldet, dafi ein Kloster des Ordens 
seit undenklichen Zeiten in der Stadt bestandon habe, aber abgebrannt 
sei; darauf aber „mit wissen und mit will en des Stuls zu Eom auch 
mit willen und gunst eines erbarn Eats von neuen gepaut hieher an 
die Stat, da man gezehlt zweihundert und funfundfUnfzig jar". 

Die von Ussermann, Episcopatus Bambergensis., St. Blasien 
1801, S. 421 festgelegte Tradition lafit Angus tin ereremi ten schon 
1218 oder 1224 aufierhalb der Stadt wohnen und zwar in einem 
ihuen von dem Grafen Heinrich von Nassau geschenkten Hause. Da 
der Orden selbst erst 1256 durch Papst Alexander IV. gestiftet 
wurde, nimmt Baier an, dafi die friiher in Niirnberg lebenden 
Augustiner nicht Ordensleute im vollen Wortsinne, sonderu eben nur 
Eremiten = Einsiedler gewesen seien, und erst im Jahre 1266, dem 
eigentlichen Jahre der Ordensgrlindung (in Nurnberg) als geschlossener 
Orden das Hans in der Stadt bezogen haben, und findet es nur 
sonderbar, dafi das eigentliche Ordensgriindungsjahr mit einem Brande 
des alten Hauses, von dem Ussermann a. a. 0. berichtet, zusammen- 
falle. Der Sacbverhalt ISfit sich nach den NUrnberger Chroniken 
noch einigermafien feststelleu. Die fruhere Anwesenheit von Ere- 
miten vor Grundung des Gesaratordens ist nirgends bezeugt, und das 
Jabr 1218 und die Behauptung, dafi sie ihre erste Statte durcb eine 
Scbenkung des Grafen von Nassau erhalten batten, berubt auf einer 
Verwechselung oder fliichtigen Lesung der Meisterlinschen Chronik, 
die Ussermann vielleicbt gekannt hat, denn in dieser Chronik^) lesen 
wir, dafi im Jahre 1218 Dominikus seinen Orden begann, inner- 
halb dreifiig Jahren der dortige Konvent gebaut wiirde, wozu ein 
Burger, Winkler geuannt, „den flecken des ertrichs geben". Darauf 
heifit es weiter: „Ein klein weil darnach gabent die von Nassau, 
grafen und burger [die] stat zu sant Franziscen convent." Der Graf 
von Nassau war also der Stifter des Grund und Bodens fiir das 
Franziskanerkloster. Auf der nSchsten Seite berichtet der Chronist 
iiber die AnfSnge des Augustinerklosters: „Es waren auch die Here- 
mitaner, die wir nennen Augustiner, in die stat gesetzt unter Ale- 
xander dem vierten des namens, anno domini 1255, vnd in werd 
ein stat gegeben, da nun stet das newe thor, darnach auf den wein- 
mark gesetzt und seind geistlicb, abgeschaiden, andechtig ruwig veter." 
Hieraus ist zu schliefien — denn das Jahr 1255 ist, da Alexander IV., 
der den Orden 1256 griindete, nicht zu pressen — , dafi die Augustiner 
sehr bald nach Entstehung des Ordens in die Stadt kamen, erst sich 
da niederliessen, wo dann das neue Tor zu stehen kam, und dann 
auf dem Weinmarkt eine neue Niederlassung erhielten. Die Zer- 



1) Jetzt in Chroniken der deutschen Stadte. 3. Bd. S, 100, 



230 Kolde, Zur Geschichte des Nilrnberger ADgustinerklosters. 

storung des ersten GebSudes durcli eine Feuersbrunst ist nicht nur 
Tradition^ sonderu urkundlich bezeugt durcb einen Ablafi von 40 Tagen, 
den der Biscbof Albrecbt von Regensburg im Jahre 1265 den Au- 
gustineru in Nurnberg zugunsten dea Neubaues des durch eine Feuers- 
brunst zerstbrten KlostergebUudes erteilte^). ZweiJahrhunderte spelter 
begannen die Angustiner mit dem Neubau ihrer Kirche. Auf Grund 
einer von Murr (Denkwiirdigkeiten in der Reichsstadt Nurnberg. 
2. A., Nlirnb. 1801, S. 82) abged ruck ten Inschrift, die sich an der 
jetzt nicht mehr vorhandenen Kirche befaud, gibt Baier wiederum an, 
dafi der Bau im Jahre 1485 seinen Anfang genommen habe. Allein 
schon Th. v. Kern hat (NUrnberger Chroniken IV. Bd. S. 359) nach- 
gewiesen, dafi Murr seine Yorlage falsch gelesen hat, indem daselbst 
zu lesen war, dafi 1479 am Abend St. Yeits (14. Juni) der erste 
Stein zum Bau gelegt worden ist. Der NUrnberger Chronist be- 
halt also recht, wenn er zum Jahre 1479 schreibt (ebenda): ,,Item 
in dem jar haben die augustiner zu Ntirmberg ir kirch on den kor 
von grund auf an zu pauen, sctzten im herbst die vier seul.^ An 
derselbeu Stelle wird auf Grund der Niirnberger Ratsprotokolle be- 
richtet, dafi die Augustiner „den steinmetzen von Nordlingen, der 
den paw zu hails'prunn gepauet hat", — nach Murr a. a. 0. S. 85, 
der die Kirche ausfuhrlich beschreibt, hiefi er Hans Beer — zu ihrem 
Baumeister angenommen haben. 

Es liegt in der Natur der Sache, dafi die Geschichte des innereu 
Lebens eines Konventes zu den schwierigsten Dingen gehort, da wir 
nur selten dariiber urkundliche Nachrichten haben. Aber gerade fur 
das Nurnberger Kloster ist nach dieser Richtung einiges vorhanden, 
einmal, weil dieser Konveut, wie ich friiher dargetan, eine sehr be- 
deutende Rolle bei der Entstehung uud den Kampfen der deutschen 
Augustinerkongregation gespielt hat, sodann, weil die Prediger des 
Augustinerklosters eine grofie Tatigkeit entfalteten, ja zeitweise als 
die Prediger xai i^ox^jv galten, wofiir die Niirnberger Chroniken 
fiir die Zeit des ausgehenden Mittelalters Belege genug geben^); end- 
lich weil im zweiten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts das Augustiner- 
kloster, iiber welches damals Hieronymus Ebner das Pflegeramt hatte 
(Nurnberger Chroniken V, 800), den Mittelpunkt des geistigen Lebens 
bildete. Das alles, das von mir und daun von Fr. Roth, Die Ein- 
fuhrung der Reformation in Nlirnberg^ Nurnberg 1885, behandelt 
worden ist, ist natUrlich nur von Baier gestreift worden, sollte aber 
einmal gesondert dargestellt werden, zumal wir iiber die dabei in 
Betracht kommenden Personlichkeiton gut unterrichtet sind. Auch 
den Beziehungen Luther s zum Nurnberger Augustinerkloster hat 



1) Ebendaselbst S. 101 Anm. 4. 

2) Vgl. Th. Kolde, Job. v. Stanpitz und die deutsche Augustiner- 
kongregation, Gotha 1879, S. 203 f. 



Kolde, Znr Gescliichte dea NUrnberger Aogiifitinerklosters. 231 

Baier einen eigeDen Abschnitt gewidmet. Aber gerade dariu findeD 
sicb manche Uorichtigkeiteii; auf die aber bier im einzelnen eioza- 
gehen nicht notwendig ist. Die von ibm fur Luthers Reise nacb Augsburg 
im Herbst 1518 angenommene Reiseroute Wittenberg, Leipzig, 
Kulmbacb, Bayreuth, Pegnitz, Heroldsberg, NQrnberg ist scbou des- 
balb ausgeschlossen, well Lutber, wie wir wissen, aaf der Reise am 
29. September in Weimar predigte (Tb. Kolde, M. Lutber I, 171 
u. Anm. auf 8. 378) und der gewohnlicbe Weg von Wittenberg oder 
Torgau fiibrte, wie wir das aus der Reiseroute des Kurfiirsten zum 
Augsburger Reichstag wissen, immer uber Koburg. UnverstSudlicb 
ist mir, wie der Verf. auch nocb nacb Zuckers Albrecbt DUrer, Halle 
1900, von Dtirer scbreiben kann, daft er sicb anfangs flir die Be- 
wegung begeisterte, ,.jedoch katbolisch starb^. 

Am Scblnfi gibt Baier obne Quellenangabe, aber aus Ussermann 
bezw. dessen Quelle, Wtirfels Diptjcha entnommen, ein Verzeichnis 
der Numberger Prioreu, soweit sie ibm bekannt gewordeu sind. 
Wir besitzen bereits ein ricbtigeres und viel reicberes, das 
Locbner als Erganzung zu Wtirfels Diptycba S. 13 im Anzeiger fur 
Kunde der deutscben Vorzeit 1875, S. 152 f. und 180 mitgeteilt. 
Im folgenden gebe icb ein aus meinen eigenen Notizen vervoll- 
stSndigtes Register unter Hinznfugung anderer Beamtennamen^ soweit 
sicb solcfae in den Urkunden vorfinden. Die Zableu bedeuten das 
Jahr^ in dem sie vorkommen. 
1276. Conradus. 
1336. Heinricbus. 
1354. Hermannus von Stein. 
1358. Derselbe. 
1361, Heinricus Gostenbofer. 
1379. Conradus Tobenecker. 
1401. Conradus von Murr. 

1412. Conradus Weift Prior; Heinrich Rusembacb, Scbaffer. 

1413. Derselbe. 

1422. Nicolaus Becber al. Kacbener, prior; Heinrich Rusembacb, 

Scbaffer. 
1426. Johannes Renner. 

1429. Derselbe. 

1430. Johannes Wagner. 

1435. Oswald Reinlein. 

1436. Derselbe. 

1438. Johannes Molshin. 

1439. Derselbe. 
1441. Adamus. 

1446, Conrad von Zenn. 

1450. Job. Rupp (Prior?), Lesemeister. 

1451. Conrad von Zenn. 



1 



232 Kolde, Zur Geschicbte des Nttrnbergor Augustinerkiosters. 

1453. Derselbe. 

1457. Adam Butz von Schwobacb. 

1459. Conrad von Zenn, Lesumeister, Prior; Eberbard, Subprior; 
Hans Kreglinger. Prediger. 

1460. Nikolaiis Schnitzer. 

1464. Simon Lindner von Leyssenock. 

1467. Derselbe. Ulrich Schreiner, Subprior. 

1468. Simon Lindner^ Vicarius; Ulrich Schreiner, Prior ; Hans Gross- 
mann, Subprior. 

1481. Simon (Lindner). 

1486. Johann Hauenreuter, Prior; Ulrich Schreiner, Subprior. 

1488. Conrad Heyden, Prior; Johann Hauenreuter, Subprior; Johannes 
Vogt, Prediger^). 

1489. Johannes Comentaler, Prior; Ulrich Schreiner, Subprior. 

1492. Johannes Comentaler. 

1493. Johannes Comentaler, Prior; Ulrich Schreiner, Subprior. 

1494. Dieselben. 

1495. Niclas Pesler, Prior; Ulrich Schreiner, Subprior. 

1496. Dieselben. 

1498. Niclas Pesler. 

1499. Derselbe; Johann Hauenreiter, Subprior. 

1500. (Andreas Proles, Vicarius), Johannes Mantel, Prior; Friedrich, 
Subprior, alle drei Lesemeister der heiligen Geschrift. 

1502. Johann Mantel, Prior; Johannes Rucker, Subprior. 

1503. Eukarius Carl. 

1504. Derselbe. 

1505. Steffau Weynachter^), Prior; Johann Peutinger, Subprior. 

1507. Augustin Lupf (nach Wiirfel)? 

1508. Steffan Weinachter, Prior; Joh. Peutinger, Subprior. 

1509. Augustin Lupff der heiligen Geschrift Baccalaureus, Prior; 
Johann Pouting, Subprior. 

1510—1512. Joh. Rucker. 

1513. (20. Juli) Johannes Rucker, Prior; Johannes Pouting, Sub- 
prior. Dann am 16. September Niclaus Pesler, Prior; Johannes 
Peutinger, Subprior. 

1517—1525. Wolfgang Volprecht. 



1) Vgl. dazu Th. Kolde, Innere Bewcgung^en unter den deutschen 
Augustinern und Luthers Komreise, Ztschr. f. Kirchengesch. II, 465. 

2) Wiirfel, und nach ihm Ussermann fiihren 1405 einen Stephan 
Weinacber auf, was wohl ein Versehen ist. 



Rieder, Ans historischen Zeitschriften. 233 

Kirchengeschichtliches 
in den Zeitschriften der historischen Vereine in Bayern, 

zusammeDgestellt von 

0. Bleder^ 

Egl. Beichsarchivrat in Mtinchon. 
(Fortsetzung.) 

XVIII. Mitteilungen des Vereins fiir Geschichte der Stadt Niirnberg. 

Heft 1—16, Niirnberg 1879—19041). 

Kr efi, Frhr. Georg v. (bei kleineren Mitteilungen regelmafiig -ss 
gezeichnet), Die Statue des heiligen Paulus in der Lorenz- 
kirche in Nurnberg (gestiftet 1513 von dem Propst Dr. Anton 
Krefi daselbst mit Kostenbereclinung): H. 1, 1879, S. 98. 

St(egmann), Das Kaiserfenster ftir die Lorenzkirche in N.: S. 102. 

Mummenhoff, Ernst (vielfach blofi Mff. gezeichnet), Ubersicht liber 
die aiif N. bezUgliche historische Literatur seit 1870 (alpha- 
betisch geordnet und nicht uur die selbstandigen Schriften, 
sondern auch die zahlreichen in Zeitscbriften zerstreuten, gr66e- 
ren und kleineren Aufsatze beriicksichtigend) : S. 127. 

Kamann, J(ohanne8), Die Pilgerfahrten Nurnberger Burger nach 
Jerusalem im 15. Jahrhundert, namentlich die Reiseberichte 
des Dr. med. Hans Lochner und des J5rg Pfiuzing (mit dem 
Text des Pfinzingischen Berichts): H. 2, 1880, S. 78. 

Imhof, G. Frh. v., Hans Sebald Lautensacks Ansicliten von Nurnberg 
(6 Blatter in Atzdruck von 1552, welche, je 3 zusammengefligt, 
den perspektiviscben Aufrifi der Stadt von Osten und Westen 
zeigen, mit Kirchen imd Klostern etc.): S. 164. 



1) Der Verein wurde im Jahre 1878 gegriindet. Naheres hierttber 
in Heft 16, 1904, S. 16 ff. („Zum 25jahrigen Vereinsjubilaum" von Justiz- 
rat Georg Frhr. v. KreB, I. Vorstaud); wegen des unregelmafiigen Er- 
scheinens der Publikationen s. ebd. 8. 33 f. Jedes Heft enthalt regel- 
mafiig mehrere „Abhandlungen und Quellenpublikationen", danach 
„Kleinere Mitteilungen" und zum Schlufi eine ausgedehnte Literaturschau 
mit fachmannischen Besprechungen. Vom 12. Heft, 1898, an „heraus- 
gegeben im Auftrag des Vereins von Ernst Mummenhoff, Stadtarchivar 
und Archivrat", II. Vereins vorstand. Dem Heft 14 ist ein Verzeichnis der 
Publikationen in Heft 1 — 12 beigeftigt, welches jedoch nur die Abhand- 
lungen und Quellenpublikationen, nicht den sonstigen reichen Inhalt auf- 
zahlt. Einerschopfendes alphabetischesPersonen-, Orts- und Sachregister 
zu samtliclien fleften fehlt noch, ware aber, um die vielen darin stecken- 
den Einzelheiten rasch und sicher nutzbar machen zu k6nnen, auBerst 
erwiinscht. — Die ersten beiden Hefte enthalten zugleich die Jahres- 
berichte des Vereins und zwar vor den quellenmaBigen Mitteilungen; vom 
dritten Vereinsjahr ab (1880) erschienen die Jahresberichte unabhangig 
davon. 



234 Bieder, Ans historischen Zeitschriften. 

K(amanD, Job.), Bestrafnng von Bigamie im Jahre 1466 (Er- 
trSDkung in eiuem Sack): S. 195. 

Krefi^ Frhr. Georg v., Wert und Ertrag eines ehemaligen KloBter- 
guts im NUrnberger Gebiet im Jabre 1543: 8. 198. 

Grtindlacb (Pfarrdorf, 2 Stun den nordlich von NUrnberg) 
und seine Besitzer: H. 3, 1881, S. 175 (S. 201 Abscbu. IT, 
Kloster Himmeltbron, nacb Gr. verlegt und 1525 aufgel5st); 
Heft 5, 1884, S. 97 (Abscbn. Ill, Gr. im Besitze des Grofien 
Almosens, dann des Rates zu N. etc.); H. 6, 1886, S. 175 
(Abscbn. IV, Gr. und die Pfinzing von Henfenfeld); H. 8, 
1889, S. 201 (Abscbn. V, Gr. und die Haller von Haller- 
stein). Aucb vollstSndig in einer Separatausgabe zu baben. 
Der PaumgSrtneriscbe Altar von DUrer: H. 3, 8. 249. 

Vogt, Dr. Wilh., Die Korrespondenz des NUrnberger Rates mit 
seinen zum Augsburger Reicbstag von 1530 abgeordneten Ge- 
sandten („eine unentbebrlicbe ErgSnzung zu den von C. G. 
Bretscbneider im Corpus reformatorum ver5ffentlicbten Bericbten 
der Gesandten an den Rat"): H. 4, 1882, S. 1. 

Ha gen, Dr. Rud.>, Wilibald Pirkbeimer in seinem VerbSltnis zum 
Hnmanismus und zur Reformation: S. 61 (in den S. 153 be- 
ginnenden Anmerkungen u. a. eiu Auszug aus einer Ordnung 
der lateiniscben Schule zu N. im Beginn des 16. Jabrbunderts: 
Anm. 70 auf S. 158 — 163, dann eine vollstSndige tJber- 
setzung des Eccius dedolatus oder * des „gebobelten Eck^, 
einer Satire aiif Jobann Eck, welcbes Erzeugnis seiner Mnfte 
P. selbst stets verleugnet bat: S. 108 f. und Anm. 149 auf 
S. 175—206). 

Mummenhoff, E., Georg Wolfgang Karl Locbner (quiesz. Rektor 
und Stadtarcbivar, Ehreumitglied des Vereins, f 1882, Nekro- 
log — aucb Verfasser verscbiedener kirchen- und kloster- 
gescbicbtlicber Arbeiten): H. 5, 1884, S. 1. 

Lbffelholz von Kolberg, Eugen Frb., Ein Beitrag zur Gescbichte 
des alten NUrnberger Knnstgewerbes (11 Kircbenglocken im 
Gebiete des wurttembergiscben Oberamts Mergentheim aus Werk- 
statten NUrnberger Meister): S. 216. — Vgl. Bossert, (H. 6). 

Krefi, Frb. Georg v., Urkunden Uber Cbristoff Rosenbard den Glocken- 
giefier (1598—1626): H. 5, S. 218. 

Kamann, J., Aus Hans Olbafens Reisetagebucb (Reise nacb Witten- 
berg 1555): S. 224. 

Scbreiben des NUrnberger Kriegsbauptmanns und Diplomaten 
Cbristopb Krefi vom Speierer Reicbstag 1529 an Cbristoph 
FUrer: 226. 

Hartmann, Bernbard ^), Kulturbilder aus Altdorfs akademiscber Ver- 
gangenheit: H. 6, 1886, S, 1, 

1) Nekrolog ttber ihn (f 1891): H. 9, S. 211. 



Rieder, Aus hiBtorischen Zeitschriften. 235 

Kama nil; J.^ Aus Nurnberger Hausbaltungs- and Rechnungsbiichern 
des 15. nnd 16. Jabrhunderts: H. 6, S. 57 (Anbang: Ver- 
zeicbnis der Ansgaben beim Eintrltt der Dorotbea Holzscbuber 
ins Kloster St. Klara zu Niimberg 1494, S. 105; RecbnuDg 
fiber Abbaltung des Schopperscben Jabrtages 1494, 8. 106; 
Ansgaben beim Eiutritt der Brigitta H. ins Elloster zu Pillen- 
reut nnd bei ibrerEinkleidnng daselbst 1499—1503, S. 107) ; H. 7, 
1888, 8.89: II. Aus Paulus Bebaims I. HansbaltungsbUcbern 
1548 — 1568, bezw. 1576 (darnnter interessante Mitteilungeu 
aus dem Jahre 1602 Uber TStigkeit nnd Stnndenplan eines 
^ Deutsch nnd Latein lernenden ScbUlers 8. 124 Anm. 2). 

PetZ; Dr. (Jobann)^ Urkuudlicbe Beitr%e znr Gescbicbte der 
BQcberei des Nurnberger Rates 1429 — 1538 (darnnter manche 
geistlicbe Werke) : H. 6, 8. 123. 

Bossert, Gustav, Die Glocken Nurnberger Meister im nSrdlichen 
Wiirttemberg: 8. 259. 

P(etz, Jobann), Wie Sigmnnd Meisterlin Pfarrer in Grundlach wurde 
(1481): 8. 266. 

Krefi, Frbr. v., Die Berufimg des Jobannes CocblSns an die 8cbnle 

bei 8t. Lorenz in N^ im Jabre 1510 (Briefe des Humanisteu 

» an den Propst Dr. Anton Krefi bei St. Lorenz, seine Bewerbung 

urn die Rektorstelle betr.): H. 7, 1888, 8. 19. 
^ M(ummenbo)ff, Die Anbringung des Viertelscblagwerks an der 

Turmubr bei St. Sebald (1493/4): 8. 271. 

Kaiser Rudolpb II. begehrt vom Rat die Lautensackschen 
Tafeln in der Katharinenkircbe (1597): 8. 272. 
Beitrag zur Hoflfabrtsordnung (1599): 8. 274. 
Weinmarkt nnd St. Sebaldskirchbof (RatsverlKsse von 1526, 
1527 und 36): S. 276. 

Hartmann, Bernhard, Konrad Celtis in Niirnberg: H. 8, 1889, 8. 1 
(insbes. 8. 2 Iff.: Sebald Scbreyer, dessen beriihrnte Tittigkeit vor- 
nehmlich alsKircbenmeister bei St. Sebald), Aucb separat erscbienen. 

Lier, Leonhard, Studien zur Gescbicbte des Ntirnberger Fastnaebt- 
^ spieles: 8. 87 (II. von Hans Sacbs bis zu J. Ayrer 8. 123 ff., 

insbesondere AusbeutuDg bibliscber Stoffe 8. 125). 

Heide, Dr. Gustav, Niirnberg und die Mission des Vizekanzlers 
Held (1537; mit Beilagen — viel Kircbengescbicbtlicbes dar- 
bietend): 8. 161. 

(Kre)6, Dr. H. W. Heerwagen f (1888, Nekrolog) : 8. 235 (u. a. 
Bearbeiter wertvoUer Aktenstucke zur Scbnlgeschicbte. 

Altmann, Dr. Wilh., Ein fur die Beziebungen des Ntirnberger 
Kaufberrn Georg Fugger zu dem pSpstlicben Hofe und zu 
Scblesien wicbtiger Brief (vom 2. Oktober 1487, betr. Abfuhrung 
in Scblesien zusammengefiossener Ablafigelder an die pSpstlicbe 
Rechenkammer, lateiniscb): 8. 238. 



236 Zur Bibliographie. 

M(ummenho)ff, Die 1561 abgebrochene Galerie an der St. Sebalds- 

kirche: S. 246. 
Soltau, Dr. Wilhelm, Zur Genealogie der Grafen von Abenberg (mit 

Geschichtlichem aus Kloster Heilsbronn etc.): H. 9, 1892, S. 1. 
JSger, Dr. Carl, Markgraf Casimir und der Bauernkrieg in den 

sUdlichen GrenzHmtern des FUrstentums unterhalb des Gebirgs 

(vom 26. April bis 21. Mai 1525): S. 17 (PlUnderung von 

KlSstern, insbesondere der Benediktinerabtei Aubausen, S. 68, 

94, 111; Haodlung von den zwblf Artikeln, Pfarrferwahl durch 

die Gemeinden S. 131). 
DSbner, A. W., Peter Vischer-Studien: S. 165 (III. Zwei Gedenk- 

tafeln in der Stiftskircbe zu Ellwangen S. 184; Epitaph des 

Deutschmeisters von Cronberg in der Marienkirche zu Mergent- 

heim S. 190). 
Krefi, Georg Frhr. v., Die Seyfried Pfinzingische Kleiderstiftung 

(1617), ein Beitrag zur Geschichte des Stiftungsweseus in 

Nurnberg: S. 196. 

Das Missale des Propstes Dr. Anton Krefi (1513 der Lorenz- 

kirche, der er vorstand, geschenkt, spater an die Familie zu- 

ruckgelangt) : S. 213. 
Donaubauer, Dr. Stefan, NUrnberg in der Mitte des dreifiigjahrigen 

Krieges (1631/32): H. 10, 1893, S. 69 (auch die Gegen- 

reformation etc. beriihrend). 



Zur Bibliographie. 



*\ 



* *Systematische Zusammenstelluug der Verhandlungen des bayerischen 

Episkopates mit der koniglichen bayerischen Staatsregierung 

von 1850 — 1889 liber den Vollzug des Konkordates. Freiburg 

im Breisgau. Herdersche Verlagshandlung. 1905. 121 S. 

grofi 4^ — 5 M. 

Der Titel der vorliegenden Sammlun^ verspricht sehr vielmehr, als 
der Inhalt wirklich bietet. Es handelt sich, wenn man von den beiden 
nur indirekt dazu gehorigen Schreiben Pius' IX. an die bayerischen Bisch9fe 
vom 20. Februar 1851 und Laos XIII. vom 29. April 1889 absieht, nur 
um acht teilweise freilich sehr urafangreiche SchriftstUcke, die aber langst 
nicht alias bringen, was man erwarten durfte, z. B. nicht die S. 109 
zitierten Eingaben vom Jahre 1873 und 1875 tiber die Angelegenheit der 
gemischten Sehulen und die Mifistande in der Volksschule, aber auch nicht 
alle einschlagigen Ministerialentschliefiungen. Der Grund filr diese Be- 
schraiikung ist nicht recht einzusehen. l)enn die naheliegende Meinung, 
man liabe nur die vom „bayerischen Episkopat" als solchem — ein Be- 



*) Die mit * versehenen Schriften sind zur Besprechung eingesandt 
worden. Alle einschlagigen Schriften werden erbeten behufs Besprechung 
von der Verlagsbuchhandlung Fr. Junge in Erlangen. 



Zur Bibliographie. 237 

griff, der zum Erstaunen and MiiBvergnugen des Ministeriums znerst im Jahre 
1850 anftritt — aasgegangenen Schriftstucke mitteilen wollen, tiifft nicht 
za, da jene oben vermi^ten Aktenstiieke in die gleiche Eategorie gehoren. 
Auch bricht die Aktenmitteilung da ab, wo sie ganz besonders interessant 
werden dlirfte, and wo der Herausgeber wahrscheinlich aach bisherUnbe- 
kanntes mitzuteilen in der Lage gewesen ware, im Jahre 1889. Die seit deni 
Rticktritt des Ministers Lutz beginnende neue kirchenpolitische Ava mit alle- 
dem, was der bayerischeEpir^kopat mitHilfe der Zentrumspartei in den letzten 
sechzehn Jahren erreicht hat, wird nicht beriihrt. Auch glaube man 
nicht, wesentlich Neues za erfahren. Die einschlagigen AktenstUcke sind 
samtlich schon frtther gedruckt worden, aber sie sind in der Tat, wie es 
im Vorberieht heifit, „trotz ihres hochst wichtigen und interessanten In- 
halts in Vergessenheit gekommen", weniger allerdings bei den Historikern, 
als bei denen, welchen es obliegt, praktische Politik zu treiben und fUr 
das Staatswohl zu sorgen. — Den Grundstock, um den sich alles schlingt, 
das Ergebnis des ersten Zusammenschlusses des bayerischen Episkopats 
zu Freising — eines Pendants zur Zusammenkunft des deutschen Epi- 
skopats in Wiirzburg im Jahre 1848, ist die groBe Denkschrift des Epi- 
skopats vom 20. Oktober 1850, Uber deren Vorgeschichte wir durch 
J. Fried rich, J. v. Dollinger II, 87 ff. unterrichtet sind. Der Bischof 
Peter Richarz hatte zu seiner Dnterschrift die Worte hinzugefugt „fur 
das Konkordat — - das ganze Konkordat — nichts als das Konkordat," 
Und will man die vielseitigen Forderungen der Denkschrift mit einem 
Worte zusammenfassen, so handelt es sich unter dem Yorgeben, im In- 
teresse der „Freiheit der Kirche" das Konkordat endlich durchgeftihrt zu 
sehen, um das Yerlangen, unter Aufhebung des Religionsedikts das nach 
der Auffassung der Bischofe zu deutende Konkordat zur alleinigen Norm 
fjir die staatskirchenrechtliche Verhaltnisse zu erheben, und u. a. das 
gesamte Erziehungs- und Unterrichtswesen von der Volksschule bis zur 
UnivefsitatdenBischofenauszuliefern. Dieministerielle Antwort vom 8. April 
1852 halt zwar im Prinzip an der Staatsaufsicht fest, zeigt aber bereits 
iu sehr wichtigen Punkten ein weitgebendes Nachgeben und bestimmt 
namentlich als das fiir die Folgezeit wichtigste: „Bei Anslegung und An- 
wendung mehrdeutiger und zweifelhafter Stellen der II. Yerfassungsbeilage 
ist jene Interpretation anzunehmen, welche mit den Bestimmungen des 
Konkordates iibereinstimmend ist, oder sich denselben annahert" (S. 36). Die 
natiirliche Folge waren die verscharfteren Forderungen in der Gegen- 
erklarung vom 15. Mai 1853, worauf die Regierung unter dem 9. Oktober 
1854 rescribierte. Die Einschrankung der Bestimmungen iiber das Plazet 
(S. 47), das Nachgeben bei der Frage der PfrUndenverleihung (S. 58) und 
der Schulaufsicht (S. 99), vielleicht auch der Umstand, das dafi Ministe- 
rium, wie man bei den Landtagsverhandlungen uber die Altkatholiken 
Frtihjahr 1890 erfuhr, bei der Proklamierung des Dogmas der Immaculata 
conceptio die Plazetrechte geltend zu machen vergaB, scheinen damals be- 
friedigt zu haben. Eine neue Phase trat erst ein, als man sich unter Umstanden, 
fiber die man aus den vorliegenden Akten nichts entnehmen und auf die hier 
nicht eingegangen werden kann, unter dem Ministerium Lutz daran zu erinnerri 
anfing, daO es Sache des Staates ist, die Grenzen seines Rechtes selbst 
festzustellen, und am 20. November 1873 den Erlafi vom 8. April 1852 zu- 
zttckzog, d. h.im wesentlichen die Bestimmung, die II. Yerfassungsbeilage 
uach dem Konkordat auszulegen, aufier Wirksamkeit setzte. Die darauf 
sicher erfolgten Beschwerden sind nicht mitgeteilt. Erst das bischofliche 
Memorandum vom 14. Juni 1888 (S. 121) zeigt, wie die Forderungen in- 
zwischen, wohl nicht unbeeinflufit von den Siegen der preufiischen Ultra- 
montanen, gewachsen sind, namentlich in bezug auf das Einspruchsrecht 
bei Besetzung der Lehramtsstellen — an den Universitaten auch in bezug 



238 Zur Bibliographie. 

auf die Professnren der Profan- und Literaturgeschichte — , der Beaaf- 
Bichtigang der Mittelschulen and ihrer Disziplin bis zar bisch5flichen Eon- 
troUe der Lesebibliotheken. Eben deshalb dQrfte diese Denkschrift, obwohl 
Oder vielleicht gerade, weil man von ihren Ansprttchen neuerdingg mancbes 
erreicht hat, auf lange Zeit das Programm bleiben and verdient besondere 
Beachtung. Den SchlulS macht das malSvoUe, in einigen Pankten auch 
nacbgebende, aberdoch dieBechte der Krone wahrende Antwortschreiben 
des Ministeriams vom 28. Marz 1889, welches noch einmal die Aafrecht- 
erhaltang des Plazets auch gegenttber dem vatikanischen Dogma (S. 99) 
betont and die Aufgabe des kQniglichen Aufsichtsrechts fiber die Eirche 
als gegen die Yerfassung znriickweist. — Billig darf man die Frage 
aufwerfen, welchen Zwecken diese anonym, aber offenbar sehr ofBzielle 
Ver^ffentlichung gerade jetzt dienen soil. Der etwas naiven Bemerkung 
im Vorbericht, sie sei zum Zwecke historischen Stadiums erfolgt, stehe 
ich sehr skeptisch gegeniiber, denn dazu ist die gegebene Aaswahl zu 
dlirftig. Aber in eine kirchenpolitische Er3rterung daiUber einzntreten, 
ist nicht Sache dieser rein historischen Zeitschrift. Nnr soviel m5chte 
ich bemerken, dafi es wirklich an der Zeit ware, endlich einmal eine Ge- 
'scbichte der bayerischen Kirchenpolitik im 19. Jahrhundert zu versuchen. 
Voraussetzung daflir ist allerdings, dajB endlich einmal aach bei uns, wie 
das in anderen Staaten langst der Fall ist, die Staatsarchive fQr diesen 
Zweck riickhaltslos ge5ffnet werden. Soviel ich weiB, hat sogar fttr die 
genug entfernt liegende Zeit der Entstehung der Verfassang and des 
Konkordats nur Sicherer einmal einen, wie mir scheint, in vielen 
Pankten nicht allzutief eindringenden Blick in die einschlagigen Akten 
tun d^rfen. 

*Meisinger, Job., Pfarrer der evangelisch-lutherischen Freikirche 

in Bayern^ Staatskirche und Freikirche, Union und Separation 

mit besonderer EUcksicht auf Bayern biblisch und geschichtlich 

beleuchtet. 0. J. (1905) im Selbstverlage des Herausgebers, 

wohnhaft in Westheim bei Augsburg. In Kommission bei 

Johanna Alt in Frankfurt a. M. Ill S. 1 M. 

Als ich die Anfrage, ob ich die fragliche Schrift zur Besprechung 
haben woUte, bejahte, babe ich es getan in der Meinung, eine dokumen- 
tierte Geschichte der lutherischen Freikirche in Bayern und eine Dar- 
stellung ihres jetzigen Bestandes etc. zu erhalten. Leider ist davon in dem 
Schriftchen nichts eu finden. Die zu Propagandazwecken geschriebene 
Schrift ist nur eine selbstbewuBte Anklage ^der Staatskirche" und zwar 
von einem Manne, der offenbar die bayerischen Verhaltnisse noch sehr 
wenig kennt. Und der zur Gentige bekannte Standpunkt dieser Leate —- 
bei ihnen allein die reine echte lutherische Kirche, alles andere ein 
„ Babel** — , bietet dem Historiker auch nichts Neues. Bemerkt sei noch, 
dafi der Verf. die von 1878—1894 erschienene Zeitschrift: „Suddeutsche 
ev.-luth. Freikirche* hat wieder aufleben lassen. 

*Kraus, Ph., K. Rektor, Pirminius und Pirmasens. Eine ge- 
schichtlich- sprachliche Untersuchung. Progr. des Progymnasiums 
Pirmasens. 1904. 

Veranlafit durch die vulgare Annahme, daO Pirmasens eine Grtindung 
des heiligen Pirminius sei, untersucht der Verf. erstens von neuem die 
alteste Vita desselben und kommt im Gegensatz za Brand! (Qaellen and 
Forschungen zur Gesch. der Abtei Beichenau I S. 891, und Hauck, s. d. 
Art. d. prot. Realenz. Bd. XV, S. 410) zu dem Resultate, dafi sie nicht im 



Zar Bibliographie. 239 

Eloster Hornbach abgefaBt worden ist und da6 die Person des Alemannen 
Sintlaz^ auf dessen Grund und Boden Sintlazesoaua, Beichenau 724 ge- 
grttndet wnrde, nicht eine Fiktion des Biographen sei, worin ioh ihm nicht 
beistimmen kann. Zweitens sucht er aus geschichtlichen und, sprachlichen 
Grilnden nachzuweisen, dafi Pirmasens mit Pirminins niehts zu tun hat, 
vielmehr ^^Bermesens** alter als Pirminius sei und eher aaf einen Eigen- 
namen B^rmann =: Ebermann znrtickzufiihren, und aas Bermanshausen 
nach und nach Bermesen oder Bdrmesens, wie man den Ort heute im Yolk 
spricht, entstanden sein dtirfte, was sehr viel Wahrscheinlichkeit ftir 
sich hat. 

*G. Bossert, Die alte Frau Hofapothekerin. Ein Lebensbild aus 
dem 16. Jahrhundert. Besondere Beilage des Staatsanzeigers 
fur Wurttemberg Nr. 3 u. 4. Stuttgart 28. MSrz 1905. 

Unter diesem Titel verbirgt sioh das Lebensbild einer interessanten 
Tbeologenfrau. Denn es handelt sich nm Helene, die Tochter des ange- 
sebenen NQmberger Arztes Joh. Magenbuch, der zweiten Frau des An- 
dreas Osiander, roit der dieser sich am 2B. August 1545 vermahlte. Nach 
dem Tode ihres Gatten (17. Oktober 1552) zog sie dem schon 1553 nach 
Tubingen gegangenen Stiefsohne Lukas Osiander nach Wtirttemberg nach, 
heiratete ihren Landsmann, den als Pfarrer nach Pfaffenhofen (in W.) be- 
rufenen, ihr gleichalterigen Joh. Rucker, der frUher eine Art Amanuensis 
des Andreas Osiander gewesen zu sein scheiut, und spater Superintendent 
in Eirchheim u. Tcck und endlich Propst zu Denkendorf wurde, aber 
scfion 1579 starb. Nachdem sie eine Zeit lang mit ihren Kiodern in 
Tubingen gelebt, gelang es ihrem zu hohen kirchlichen Wiirden gekom- 
menen Stiefsohn Lukas Osiander, ihr 1583 die Leitung der Hofapotheke 
zu Stuttgart zu verschaffen. Da sie darin einem angesehenen, wissen- 
schaftlich gebildeten Manne Sebastian Volmar folgte, wird die Yermutung 
Bosserts richtig sein, dafi sie wohl schon unter Anleitung ihres Yaters 
sich die dazu n5tigen Eenntnisse angeeignet hat. ^Jedenfalls stand sie 
bis zu ihrer Pensionierung im FrUhjahr 1597 der Hofapotheke vor, und 
hat diese Tbeologenfrau so als die erste den Beruf ausgeUbt, den man 
heutigen Tages fttr die Frauenwelt zu erobern strebt. Am 16. September 
1597 ist sie gestorben. 

K. Wild, Lothar Franz von Schbnborn, Biscbof von Bamberg und 
Erzbischof von Mainz 1683 — 1729. Eiu Beitrag zur Staats- 
und Wirtschaftsgeschicbte des 18. Jahrhunderts. Heidelberg 
(K. Winter) 1904 (A. u. d. T. Heidelberger Abbandlungen zur 
mittleren und neueren Geschicbte. 8. H.). 5,40 M. 

F. LandmanU; Das Ingolstadter Predigtbuch des Franziskaners 
Heinrich Kastner, in Festgabe, enthaltend vornehmlich vor- 
reformatlonsgescbichtliche Forschungen, H. Finke gewidmet. 
Munster 1904. S. 423—480. 

0. PfUlf, S. J., Savigny und die Dinge in Bayern. Stimmen aus 
Maria-Laach 1904. t. LXVH. 

^A. v. Steichele, Das Bistum Augsburg historisch und statistisch 
beschrieben, fortgesetzt von Dr. Alfred Schroeder, Professor am 
kgl. Ljzeum in Dillingen. Sechster Band. Das Landkapitel 
Kaufbeuren. Augsburg (B. Schmidsche Verlagsbuchhandlung) 
1896—1904. 679 S. 



240 Znr Bibliographie. 

Nachdembei Gelegenheit der BeBprechung (Vgl. Beitr. X, S. 45 fF.) eines 
groBen Ausschnittes aas dem vorliegeuden Bande, der iinter dem Titel : ^Ge- 
Bchichte der Stadt und katholischen Pfarrei Kanfbeuren 1903'' erschien, die 
groiSen Vorztige der Fortsetzung des in mancher Beziehung einzigartigen 
Werkes durch den jetzigen Bearbeiter hervorgehobeD worden sind, kann ich 
micli hier daraaf beschranken, meine Freude ttber dieVollendung des ganzen 
Bandes anszasprechen. Welcher miibseligen Kleinarbeit dieses Resultat ver- 
dankt wird, welche Fiille von archivalischen Forscbungen, die sich bis auf die 
kleinste Dorfgemeinde erstreeken, dazu notig war, davon empfangt jeder 
Leser alsbald einen Eindruck, kann aber nnr der ermessen, der naehza- 
arbeiten versucbt, was er bald aufgeben mu6. In den meisten Fallen mnB 
man dankbar hinnehmen, was der Verf. bietet, weil man es nicht zu 
kontrollieren vermag, und beiderbekannten Sorgfalt und Grtindlichkeit dess. 
hat man anch alles Recht dazu. Besonders mag noch hingewiesen werden 
auf die vielen genealogischen Notizen, denen der Verf. grofie Aufmerk- 
samkeit zugewendet bat. Dem Bande ist ein sorgfaltiges Register bei- 
gegeben. 

In der Realenzyklopadie fur protestantische Theologie und Kirebe 
sind inzwischen (vgl. Beitrage X, 96 folgende in die bayerische 
Kirchengeschichte einschlagige Artikel erschienen: 

Bd. XIV. Niirnberger Religionsfriede 1532 von Tb. Kolde. — Wil- 
helm von Occam f 1349 von R. Seeberg. — Kaspar Olevianus f 1587 von 
Ney. — Hermann Olshausen f (a' 8 Professor in Erlangen) 1839 von Pe)t. 
— Andreas Osiander f 1552 von (W. Moller f) P. Tschackert. — Otto von 
Bamberg f 11^9 von A. Hauck. — Otto von Freising f 1158 von 
0. Holder-Egger. — David Pareus f 1622 von Ney. — Passau, BIstum 
von A. Hauck. 

Bd. XV. Job. Pfeffinger (geb. zu Wasserburg a. Inn) f 1573 von 
G. MUller. — Piligrim von Passau f 991. — Wilibald Pirkheimer f 1530 
von List. — Pirminius f 753 von (A. Kohler) A. Hauck. — G. Plitt 
t 1880 von F. Frank. — J. Poliander f 1541 von D. Erdmann. 

*Fr. Roth, Die Spaltung des Konventes der Monche von St. Ulrich 
im Jahre 1537 und deren Folgen. Ztschr. d. hist. Vereins 
fur Schwaben und Neuburg. 1903. 

Die hier vorliegende Studie bietet eine sehr wesentlicbe Erganzung 
zu dem Enpitel ttber die Durchftthrung der Reformation in Augsburg, die 
der Verf. in seinem Buche Augsburgs Reformationsgeschichte II, 309 
naturlich nur in grofien Zugen vorfiihren konnte. Da in dem wichtigsten 
und reichsten Kloster, dem von St. Ulrich und St. Afra, die Benediktiner- 
monche sich nur zum Teil unterwarfen und das Bttrgerrecht annahmen, 
und es dem Abt, der nach Schlofi Unterwittelsbach bei Aichach gezogen 
war, gelang, alle Monche bis auf einen hertiberzuziehen, der im Kloster 
zuvuckgeblieben,dieser nun Abt und Kon vent war, sokameszusehr schwieri- 
gen Verhaltnissen. Der Verf. schildert nun auf Grund der Aktenstucke 
die von Erfolg gekronten Bemttbungen des Abts, mit Hilfe auswartiger 
Machte, seine Anspruche auf das Einkommen des Klosters aufrecht zu 
erbalten, und die sehr geringe „Tapferkeit" des Augsburger Rates bei 
dem Bestreben, seinen ursprtinglichen Standpnnkt zu wahren, und endlich 
die Neubegrundung des Klosters und Wiedereinftihrung des katholischen 
Gottesdienstes in seiner Kirche im Jahre 1548. 



Kolde, Siiddeutsche Katechismue von 1530—1600. 193 

raauchcs Neue bieten^ denn Reu hat sich nicht darauf bescbraokt, 
die bisherigen EiDzelforscbungen zusammenzustelleii , sonderu hat; 
80 weit ich urteileu kaun, den grofien Stoff allcnthalben neu durch- 
gearbeitet. An erster Stelle stehen die oft behandelten Nurnberger 
Katechismuspredigten, die uns, was der Verf. mit Recht betont, in 
ihrer Anlage und praktischen Verwertung erst durch das von Knoke 
wieder entdeckte Textbuchlein (vgl. S. 424), clas den Kindern in die 
Hand gegeben wurde^ nm sich auf die Predigten vorzubereiten, ver- 
standlich werden. An 2. Stelle wird zum erstenmal wieder abgedruckt 
angeblich nach dem von Riederer (Nachrichten zur Kirfehen-, BUcher- 
und Gelehrtengesch. Ill, 114) benutzten Exemplar eine eigenartig 
redigierte lateinische Wiedergabe von Luthers Katechismen fiir die 
Nurnberger Trivialschulen von 1532 (S. 664). Dazu babe ich zu 
bemerken, dafi das benutzte Exemplar falls es nicht etwa Riederers 
Namen tragt, schwerlich dessen Exemplar ist, denn Riederers Exemplar 
war vollstandig, und es ist auffallend, dafi Reu den im Nurnberger 
Exemplar fehlenden Text (ein ganzes Blatt) nicht nach Riederer, der 
gerade diesen Abschnitt de coena dominica (a. a. 0. S. 117) wieder- 
gibt, einfach erganzt hat, sondern auf S. 572 eine Liicke lafit, und 
es sei deshalb ausdriicklich darauf hingewiesen, dafi die bei Reu 
fehlende Stelle bei Riederer sich findet. Ferner ist hiuzuzuftigen, 
dafi ich wahreud des Druckes dieser Zeilen auf der von denForschern 
bisher unbeachteten^ wohlgeordneten Kirchenbibliothek in Schwabach 
eine noch friihere Ausgabe gefunden habe : Catechis- / mvs minor. D. M. / 
Lutheri pro triuialibus scho- / lis latinitate douatus, & ad / formam puerilis 
collo- / quij redactus, / Ad Catuchemeuos. / Parue puer, paruum tu 
ne contemne libellum, / Continet hie summi dogmata summa dei. / D. M, 
XXXI. / 24 Bl. letztes Blatt leer. Am Schlufi. Nurembergae Excude- / 
bat Friderichus Artemisius. Anno / M. D. XXXI. Meuse Julio. / Die 
von Reu nur erwahnte Vermutung Riederers, dafi der Verfasser der 
Nurnberger Prediger Thomas Venatorius sein kbnnte, weil sich auf 
der Ruckseite des Titelblattes eine Ode Sapphica Thomae Venatorii ad 
spiritum sanctum findet, ist belanglos, da Venatorius nach Humanisten- 
weise viele Schriften anderer mit Versen begleitet hat. Anders stellt 
das mit einer von Reu nicht gekannten, und wie mir scheint bisher 
uberhaupt unbekannten, wohl sicher nicht nur in Nurnberg gedruckten 
sondern auch aus NUrnberg stammenden Katechismusarbeit, die ich 
ebenfalls in Schwabaeh gefunden habe: Catechis / mvs minor. /Hoc 
est de instituenda in fide Christiana. Dialogi VI. / Titelbild: Geist- 
licher auf der Kanzel, davor die sitzende ZuhSrerschaft, darunter: 
Norimbergae. 32 Bl. kl. 8. das letzte Bl. leer. Am Schlufi unter 
dem Druckerzeicheu : Excudebatur apud Jo. Petreium, / Anno D. XXXV. /. 
Diesor in ganz humanistischer Einkleidung abgefafite, mit gelehrten, 
aus den Klassikern entnommenen Zitaten versehene Katechismus zer- 
lallt, wie schon der Titel sagt, in sechs Dialoge, und zwar so, dafi 

Beitrage zur bayer. Kirchengeschichte XI. 4. 23 



194 Kolde, Stiddeutsche Katechismen von 1530—1600. 

jedesmal andere Kolloquenten auftreten. Fiinf handeln von den fiinf 
Hauptstucken, dagegen das sechste auffalleuderweise De speciebuB 
Eeipublicae Deque Eemissioue peccatorum, quae est in ecclesia Cbristi. 
Zur Cbarakteristik des selir gektinstelten Verfahrens mag die Ein- 
fuhrung des ersten and des sechsten Dialogs dienen : Dialogue primus. 
Vigilius et Paulinus. Vig. Jam inde ab adolescentia sedulo quidem 
stndui; ut quidnam ipse a nobis requireret Deus, scire possem, quo 
potissimum voluntatis suae uos faceret certiores. Video enim, nisi 
certum aliquem divinae voluntatis teneamus scopum^ nuoquam cum 
Deo in gratiam redire posse mortales homines. Paul. Laudo studium 
tuum. Atqui facile coguoscere queas, quid velit, quidve detestetur 
DeuS; ubi illorum apud Mosen, decem verborum te nulla adbuc 
coeperit oblivio. V i g. Sentio quid dicas, nimirum de decem praeceptis 
loqueris? Paul. Ita est. Sive igitur praecepta voces, sive decem 
verba, sive more graecorum Decalogon, nihil nioror, dummodo de rebus 
inter nos probe conveniat. Sed prestat hie Mosi verba abs te audire. 
Darauf folgt der Wortlaut der Gebote und dann die Besprechung 
der einzelnen. — Dialogus sextus. Hilarius et Sophronius. Hil. 
Hodie cum forte negotiorum uostrorum caussa in forum deambulaturus 
coDcessissem, ultro se nobis obtulit, ut £ere fieri solet hoc loci, homo 
peregrinuS; baud facie omnino illiberali, sed qui ingenua aliqua pro- 
sapia editus videri possit. Quem cum percuutaremur, qui simul ad 
novi hospitis adveutum confluxeramus, rogantes : undo nam se reciperet, 
aut quonam se referrent pedes? E Galliis sese adventare respondit. 
Esse eniip in Galliis homines hand ignobiles, qui singula privatim 
Christianae pietatis rimarent mysteria, non utique personatos crucis 
Christi confessores. Ideoque nisi regnum nollet amittere Rex, nisi 
mature cordata consilia admitterent hi, qui rerum tenent gubernacula, 
brevi futuinim, ut divisam in se ipsam ruituram aspiceremus Galliam, 
tam omnia nutarent Marte ancipite. Sophron. Gallia in sua ut 
conversa fuerit viscera, hand exiguam toti simul Europae allatura est 
mutationem. Solent enim statim ad primum canentis verbi Dei classi- 
cum, simul omnia commoveri regna mundi. Hilar. Scilicet verum 
est quod cecinit regius psaltes : Tange, inquit, montes, et fumigabunt. 
Sophron. Verum et illud, quod Christus ait: Non veni ut mitterem 
pacem, sed gladium. Et alia, quae ex propheta Michea, in banc 
sententiam adduxit Christus. Hilar. Periculosius seditione in regno 
accedere potest nihil. Sophron. Variantia atque pugnantia in 
Ecclesia si d ocean t Magistri Nostri, periculosum non dicemus? Hilar. 
Omnino. Nisi enim quaeque rerum publicarum species nomini suo 
revera respondeat, cur Respublica dici debeat, non video etc. Hierauf 
wird vom Staatswesen und sehr oberflachlich von seinem Verbaltnis 
zur Kirche gehandelt, woran sich sehr unvermittelt einige Auslassungen 
liber die der Kirche zukommende Vergebung der Sunden anschliefien. 
Auf der Ruckseite des Titelblattes dieses Katechismus findet sich 



Kolde, SUddeutsche Katechismen von 1530—1600. 195 

nun eine Ode des Thomas Venatorius ad Deum optimum maximum, 
und am Schlufi des Werkes in Versen eine Oratio ad Christum 
Servatorem nostrum Tho. Venat. Hierauf Lectori gewidmet das Distichon : 
Magna dabunt alii dedimus nos parva, sed ut sint / Parva tamen 
magnis iuncta, iuvare queant. /, und dafi bei diesem Katechismus wirk- 
lich an Venatorius als Verfasser zu deuken ist, wird abgesehen 
vom Inhalt in hohem Grade wahrscheinlich, als die Schrift auf der 
Innenseite des Einbanddeckels des Schwabacher Sammelbandes oflPen- 
bar von der Hand des ersten gleichzeitigen Besitzers als „catechismus 
venatorii" bezeichnet wird. 

Es folgt bei Reu 3. die Catechistiea Summula religion is von 
Sebald Heyden und 4.vder wohl fiir Frank en wichtigste Kate- 
chismus, der von GeorgKarg. Zu den etwas kurzen Bemerkungen 
dartiber hat der Verf. leider noch nicht die Arbeit von Georg 
Wilke, soin Katechismus und sein doppelter Lehrstreit Erl. Licen- 
tiatendiss. 1904 benutzen kSnnen, aus der man u. a. erfUhrt, dafi 
dieser Katechismus eine auch inhaltlich / nicht unwichtige Vor- 
geschichte gehabt, im Mscr. vielfach anders gelautet hat, eine Reihe 
von Jahren handschriftlich (die Bezeichnung editio princeps bei Wilke 
S. 47 ist irrefiihrend, da es sich um keine Druckausgabe handelte) 
kursierte und trotz Wider ratens von Brenz und Eber gedruokt 
wurde. Auf einem Mifiverstandnis beruht Reus Beschreibung des 
Rosenthalschen Exemplars (S. 429), da die Schrift „Kurtzer sum- 
marischer Bericht" keine and ere Schrift Kargs ist, sondern nur 
eine von Laelius unternommene Bearbeitung des 3. Toils des Karg- 
schen Katechismus (vgl. Wilke, S. 47), der zuerst ohne Wissen 
Kargs im Druck erschien. Daran schliefien sich 5. u. 6. zwei Nord- 
linger Katechismen von Caspar Kanz imd Caspar Loner, liber 
welche beide Manner wir jetzt durch die Arbeiten von W. Geyer 
(in Nurnberg) trefflich unterrichtet sind. Der von Hans Zeitschr. 
f. prakt. Theol. Bd, 14, S. 106 f. benutzte Katechismus fUr Donau- 
wbrth von Wolfgang Musculus, den doch noch vor kurzem erst 
(vgl. Beitr. B. K. G. X, 159) auch Fr. Roth eingesehen zu haben 
scheint, und der an diese Stelle gehbrt, hat leider nicht mit abgedruckt 
werden konnen^ weil er angeblich nicht in der Miinchner Hof- und 
Staatsbibl. vorhanden ist. Von hier aus geht Reu nach Pfalz- 
Neuburg, und lediglich dem Umstaude, dafi der Wiirttemberger Jacob 
Andrea e seine Katechismuspredigten den Evangelischen zu Lauingen, 
wo sie gehalten wurden, widmete, wird es verdankt, dafi wenigstens 
eine dieser Predigten als Nr. 7 abgedruckt ist. Hierauf folgt 
der sehr selteue, von Reu in Zweibrucken wieder aufgefundene 
Katechismus des Streittheologeu Tilemann Hesshusius (Nr. 8), 
gedruckt zu Lauingen 1568, Wie weit er wirklich in Gebrauch 
kam, lafit sich schwerlich feststellen. Eines der wertvoUsten Stlicke, 
jedenfalls das, was die Fachmanner nach Inhalt und Form immer 

13* 



196 Kolde, SUddeutsche Katechismen von 1530—1600. 

am hocbsten geschStzt haben, obwohl es bisber recbt UDbekannt war^ 
ist Nr. 9 Das goldene Kleinod von Job. Tetelbacb, Pfarrer 
und Superiutendenten in Burglengenfeld (S. 667). Der Lebensgang 
und die Entwicklung des ohne Zweifel bervorragenden Mannes bietet 
nocb mancbe Unklarbeiten, die durcb seine eigeneu Angaben in der 
Vorrede nicht sonderlicb erhellt werden. Docb konnen Reus Mit- 
teilungen Uber ihn (S. 442) etwas ergauzt werden. Er ist allerdings 
in seiner Jugend in Wittenberg gewesen, denn er ist offeubar der- 
selbe^ der am 16. Juni 1533 sicb als Jobannes Dettelbacb de 
Dinckelspnbel Suevus in der Wittenberger Matrikel (ed. Foerstemaun 
S. 149) findet> 1535 Baccalaureus und am 5. Februar 1540 Magister 
wurde (vgl. J. Koestlin Die Baccalaurei und Magistri. Halle 1888, 
S. 15 und 1890, S. 10). Wann er als Kirch endiener nacb Dinkels- 
blihl gekommen ist — im Wittenberger Ordiuiertenbucb findet sicb 
niclits uber seine Ordination — , ist unbekannt. Wir wissen uur, dafi 
er wegen Nichtanerkennung des Interims durcb Beschlufi des Rats 
vom 3. Jan. 1549 von dort weicheu mufite (Plirckbauer, Gesch. d. 
ev. Kircbe in Dinkelsbubl, Dinkelsblihl 1831 S. 30). Aus dem Um- 
stande, daft er 1568 in der Vorrede zum ,,goldenen Kleinod" 
(S. 670) schreibt, dafi, er aus dem Lande (Sachsen), in dem er vier- 
unddreifiig Jahre (also ganz ricbtig seit 1533) gewesen sei, vertrieben 
worden wSre, wird man scbliefien durfen, dafi der Dinkelsbiihler 
Aufentbalt nur kurz war und desbalb von ibm nicbt mitgorecbnet 
wird. Noch 1549 wurde er Konrektor an der Kreuzscbule in Dresden, 
dann Diakonus und spHter (nach Kreyssig, Alb. der ev.-lutb. Geist- 
licben in Sacbsen, 2. A., 1898, S. 125) im Jabre 1551 Pfarrer von 
St. Afra in Meifien und 1554 Pfarrer und Superintendent in Chemnitz, 
wo er 13 Jahre verblieb. Von hier aus beteiligte er sicb an der 
Reufiischen Koufessionsscbrift von 1567 (vgl. 0. Meusel, Die Reufiiscbe 
oder Reufiisch-schbnburgische Konfession von 1567. Beitr. zur sachs. 
Kirchengesch. XIV, S. 689 und Berth. Auerbach, Die Reuflische 
Konfession. Thuringer kirchliches Jahrbuch X. Jahrg., 1905, S. 36). 
Wohl eben desbalb des Flacianismus beschuldigt, wurde er noch in dem- 
sel ben Jahre vertrieben, kam sehr bald in Schwandorf ^) in der Ober- 
pfalz als Pfarrer unter (von 1567 — 70), imd wirkte seit 1570 als 
Superintendent in Burglengenfeld (so nach G. Hubmann, Chronik 
der Oberpfalz. Amberg 1865, S. 65 ff.). Dafi er 1601 nicht mehr am 
Lebeu war, wird man daraus scbliefien konnen, dafi er nicht am 
Regensburger Kolloquium teilnahm, dagegeu ein Dr. Heinrich Tettel- 
bach, vielleicht sein Sohn (vgl. Brock, Die evangelisch-lutheriscbo 



1) Be! Pesserl, Chronik und Topographic von Schwandorf. Jahres- 
bericht d. hist. Vereins von Regensburg und Oberpfalz 24, 285 soil sicb 
ein Verzeichnis der Pfarrer von Schwandorf finden, das mir aber nicht 
zuganglich war. 



Kolde, SUddeutsche Katechismen von 1530—1600. 197 

Kirche der ehemaligen Pfalzgrafschaft Neuburg. Nordlingen 1847, S. 65). 
Leider ist die erste Aiiflage des „Kleinods" nicht aufzufinden ge- 
wesen, so dafi wir nur die „aiifs neue korrigierte" von 1577 erhalten. 
Aber trotz der griindlichen Bucherverbrennung in der Oberpfalz im 
Jahre 1628 (vgl. Lippert Beitr. VI, 173) mochte ich die Hoffnung 
nicht aufgeben, dafi sie sich noch irgendwo findet, und vielleicbt 
dienen diese Zeilen dazu, zu ernenten Nachforscbiiugen anzusporuen. 
Eine Ansgabe vom Jahre 1571, auch schon als „auffs neue korri- 
giert" bezeichnet, fiudet sich auf der Erlanger Bibliothek. Sehr 
merkwiirdig ist der Amberger (luth.) Katechismus aus dem Jahre 
1595 von Jakob Schopper (Nr. 10), den Eeu der Vergessenheit 
entrissen hat, dessen Verf., der eine ganze Eeihe Traktate geschrieben 
hat, einmal besonders behandelt werden soUte (ein paar Bemerkungen 
Uber ihn bei Lippert, Reformation etc. d. Kurpfalz S. 176 fF., 183, 
uber die Verbreitung seines Katechismus S. 197). — Von Amberg weiidet 
sich der Verf. nach Regensbnrg, dessen erster, von dem spater in 
Konigsberg hingerichteten Funck verfafiter Katechismus 1542 oder 
1543 nicht aufgefundeu werden konnte^). Dafiir erhalten wir (Nr. 11) 
den von Nik. Gallus empfohlenen eines nnbekannten Layen, „Ein 
kurtze Ordenliche summa der rechten Waren Lehre vnsers heyligen 
Christlichen glaubens" (S. 720), der, eine wichtige Beobachtung Reus, 
(JS. 198 und S. 201), in seiner Heidelberger Ausgabe von 1558 die 
Anlage des Heidelberger Katechismus entnomraen ist. 

Von den sehr umfauglichen Katechismuspredigten desNik. Gallus 
aus dem Jahre 1554 wird- wenigstens (Nr. 12) ein charakteristisches 
Bruchstiick mitgeteilt (S. 735). Ein weiterer Regensburger Katechismus 
sind (Nr. 13) die „Kurtzen Fragen und Autworten uber die sechs 
Hauptstucke" 1580 von dem vielseitigen und gelehrten Bartholomaus 
Rosinus^), der die sechs Hauptstticke auf die sechs Wochentage ver- 
teilt (S. 743) und indirekt auch in Norddeutschland auf weite Kirchen- 
gebiete eingewirkt hat (S. 449 f.). Den Schlufi machen die Augs- 
burger Katechismen, erstens. (Nr. 14) der von Wolfhart verfafite 
^Katechismus, das ist ain anfengklicher Bericht der Christlichen 
Religion" vom Jahre 1533 (S. 756), bei dessen Abdruck doch hatte 
uutersucht werden solleu, ob die nach Luthers Tadel herausgekommenen 
Ausgaben, wie sehr wahrscheinlicli ist, Anderungen aufweisen, zweitens 
(Nr. 15) der kleine Katechismus des Caspar Huberinus (so schreibt 
er sich immer, nicht ETuber) von 1544, mit einem Bruchstiick aus 



1) SoUte er sich nicht in der Regensburger Kreisbibliothek fiDden? 

2) Ich besitze das ihm einst gehorige Exemplar von Job. Sleidan, 
De statu rel. etc. 1555, 8^ in das er neben Lobgedichten auf Sleidan von 
Job. Sapidus, Joh. Sturm, Martin Crusius auch ein eigenes eintrug. Das 
ganze Bach ist mit zahlreicben Marginalbemeikungen von seiner Hand 
versehen und am SchluB durch einen "handschriftlichen Index Memorabilium 
cuiusque anni bereichert. 



198 Zur Bibliograpbie. 

dem grofien dess. Verf. vom Jahre 1543, danu drittens der von 
Meckhart (Nr. 16), der vielleicht schon 1551 erschieuen ist (S. 819), 
eodlicb Uber den Zeitraum binausreichend eine der Scbule von St. Anna 
gebraucbte Bearbeitung des lutberiscben Katecbismus von 1628^ die 
aber vielleicbt scbon 1559 (?) daselbst in Ubung war (Nr. 17, 
S. 834). Nimmt man nocb hinzu, dafi der Verf^ wie icb wiederbole, 
uber minder originelle Arbeiten, wie z. B. ein en Lindauer Katecbismus 
von 1586 sebr genaue Mitteilungen in seiner Einleitung (vgl. S. 460) 
briugt, und vergegenwSrtigt man sicb, dafi in dieser Besprecbung 
nur auf die bayeriscben Arbeiten eingegangen werden kounte, so 
kann man die bohe Bedeutung dieser Veroffentlicbung, deren baldige 
Weiterfubrung dringend zu wUnscben ist, einigermafien beurteilen. 
Sicber bat Eeu das grofie Verdieust, nicbt nur das bekannte Material 
in bisber nicbt erreicbter Weise zusammengetragen und in sorgfaltiger 
Wiedergabe nutzbar gemacbt, sondern nicbt Weniges, was vergessen 
war, wieder ans Tageslicbt gebracbt und gewttrdigt zu baben, und 
dieses Verdienst ist um so grofier, als der Verf., in Amerika lebend, 
naturlicb gerade bei dieser besonderen Aufgabe unter den scbwersten 
Verhaltnissen gearbeitet bat. Wie weit es ibm gelungen ist, Voll- 
standigkeit zu erreicben, die freilicb bei solchen Arbeiten in absoluter 
Weise niemals z\\ erzielen ist, Vd&t sicb mit Bestimmtbeit nicbt sagen. 
Icb vermute aber, dafi es zumal in den ganz kleinen Landeskircben 
nocb mancben Katecbismus gegeben bat, der heute vergessen ist. Zu 
dieser Annabme veranlafit micb u. a. die Tatsacbe, dafi dem Verf., 
wofiir ibn keine Scbuld trifft, ein kleiner Katecbismus iur die Graf- 
scbaft Ortenburg aus dem Jabre 1598 entgangen ist. Diesen von 
demPfarrer Adam Hertzog verfafiten, bocbst interessan ten Katecbis- 
mus mit stark pbilippistischer Farbung, dessen in meinem Besitz be- 
findlicbes Exemplar ein Unikum zu sein scbeint, da icb ibn auf 
verschiedenen grofien Bibliotbeken nicbt gefunden babe, gedonke icb 
in einem der nacbsten Hefte dieser Beitrage bekannt zu geben. 



Zur Bibliographie.'') 

*(Dr. Karl Hartmann gegen Dr. Kolde.) Der Prozefi gegen die 

protestantiscben Laudstande in Bayern unter Herzogs AlbrecbtV. 

1564. Bayeriscber Kourier 1905, Nr. 78 und 79 (19. und 

20. Marz 1905). 

Gegen meine Besprecbung seiner Sehrift auf S. 146 f. richtet der 
gekraukte Verf. eine von Schmahungen und Verdachtigungen strotzende, 
iiber fUnf groBe Spalten sicb erstreckende Erwiderung, auf die icb nattir- 
lich nicht antworten werde, deren LektUre unter Berticksichtigung meiner 



*) Die mit * versehenen Schriften sind zur Besprecbung eingesandt 
worden. Alle einschlagigen Scbriften werden erbeten behufs Besprecbung 
von der Verlagsbuchbandlung Fr. Junge in Erlaugen. 



Zur Bibliographic. 199 

Besprechung and Hartmanns Schrift ich aber alien denen, die cinen Ein- 
blick darein gewinnen wolleu, wie herrlich welt wir 63 schon gebracht 
haben, dringend empfehlen mochte, namentlich aucb zur Warnung fur 
alle, die etwa, obwohl sie Beamte sind, sich mit bayerischer Geschichte 
befassen. Denn wenn sie anderer Meinung sind als Herr Dr. Hartmann, 
konnte das die schlimmsten Folgen baben. Ich hatte zu schreiben ge- 
wagt, dafi durch die.vom Verf. neu beigebrachten Quellen das „Bild des 
Herzogs (Albrecht) nicht gerade gewinne" (S. 143). Darauf schreibt der 
Verf. : ^Meines Erachtens aber soUten sich doch Leute, die an den beaten 
FleischtSpfen Bayerns sitzen, nicht entbloden, Verleumdungen fiber einen 
Ahnherrn des Herrschers, aus dessen Hand das Brot sie essen, in die 
Welt zu lancieren, wie dies Preger tut, und es soUten sich auch nicht 
berufene Historiker wie Riezler und Kolde dazu herbeilassen, die un- 
wiirdige RoUe von Kolporteuren der Irrtilmer zu spielen, deren Natur 
als solche durch aktenmaiQige Diagnose erkannt wurde. Schon das Ge- 
fiihl der Dankbarkeit und der Liebe zum Vaterlande soUte sie davon 
abhalten, das Andenken des erlauchten Sprossen aus dem Hause Wittels- 
bach, Herzog Albrechts V., bei der Mit- und Nachwelt durch ktinstliche 
Yerdunklung zu triiben.** Um wie viel sittlich hoher steht doch Herr 
Dr. Hartmann, wenn er im Gegensatz zu K. Preger, S. Riezler und mir 
von sich selbst schreibt: ,,Mich aber werden alle Anfeindungen und ge- 
heimen Machinationen meiner einfluBreichen Gegner^ gegen die esin 
Bayern hoffentlich noch eine Prophylaxe geben wird (vom 
Verf. selbst unterstrichen), nicht davon zurilckhalten, weiterzuforschen 
in den goldenen Annalen der Geschichte bayerischer Ftirsten und zu 
schreiben zum Ruhme des wittelbachischen Hauses." — Offenbar hat der 
Mann alle Anlage zu einer glanzenden Karriere. — 

*Specht, Dr. Thomas, Geschichte des Kgl. Lyzeums Dillingen 
(1804 — 1904). Festschrift zur Feier des lOQjShrigeuBestehens. 
Regensburg 1904. Verlagsanstalt vormals G. J. Manz, Buch- u. 
Kunstdruckerei, Akt.-Ges. Miinchen -Regensburg. 311 S. 6 M. 

Bd. IX dieser Beitrage S. 92 ff. konnte ich desselben Verfassers Ge- 
schichte der Universitat Dillingen besprechen. Die jetzt vorliegende 
Geschichte des dortigen Lyzeums, das im Jahre 1904 sein hundertjahriges 
Bestehen gefeiert hat, kann gewissermaiBen als Fortsetzu'ng betrachtet 
werden. Besonders ftir Dillingen allein Charakteristisches bietet sie nicht, 
und die Verhaltnisse scheinen sich in alien bayerlschen Lyzeen ziemlich 
gleichmafiig entwickelt zu haben; aber die ruhige objektive Art des Ver- 
fassers, die ich schon frtiher zu riihrnen hatte, bietet einen dankenswerten 
Einblick in den daselbst herrschenden Studienbetrieb, und darein, wie diese 
Bayern allein eigentumlichen Anstalten, die anfangs als Vorbereitung 
ftir den Universitatsunterricht gedacht, bei Gelegenheit der Organisation 
des Sffentlichen Unterrichtes durch Niethammer im Jahre 1808 als „aka- 
demische Lehranstalten" zu einer hoheren Stufe emporgehoben und endlich 
fur gewisse Facher zugnnsten der katholischen Theologiestudierenden, 
„welche eine Universitat nicht besuchen", den Dniversitaten beinahe 
gleichgestellt wurden, wie denn auch unter dem Ministerium Muller 1892 
ihren Professoren der gleiche Bang wie den Universitatsprofessoren ge- 
wahrt wurde. Der groBe Unterschied bleibt freilich immer der, da6 es 
Fachschulen sind, eine Lernfreiheit ftir die Studierenden nicht existiert, 
sondern die zu horenden Vorlesungen vorgeschrieben sind. Es liegt in der 
Natur der Sache, dafi den Hauptinhalt des Werkes statistisches Material — 
im weiteren Sinne des Wortes ausmacht. Aber sollte von der inneren Ent- 
wicklung wirklich so wenig zu berichten sein, als der Verf. mitteilt? 
Wer in den ersten Kapiteln von der zu Anfang auch in Dillingen herr- 



200 Zur Bibliographie. 

• 

schenden Anfklarung Kenntnis genommcn, erffihre doch auch gem etwas 
mehr, wie das allmShlich anders geworden. Sollte die allmahliche Ver- 
drangung des Rationalismns and das Aufkommen der neaeren kirch- 
liclien Ricbtung so ganz oboe Kainpfe vor sich gegangen sein ? In eine 
Geschichte des Lyzeuois geh5rte doch eigentlich auch der Yersuch, 
im Zusaminenbange darzatun, in welchcr Weise die dortigen Gelehrten 
an der Entwicklung von Theologie und Kircbo fordernd Anteil genoromen 
haben. Die blofie Aufzahlung der Schriften der einzelnen Professoren 
kann da nicbt genugen. So weit ich sehe, geht der Verf. nur ein ein- 
zigesmal auf die angeregten Fragen ein, im Falle Uhrig nacb dem Vati- 
kanum, aber ancb da erfahrt der Leser nicbt genau, woriim es sicb 
eigentlich gebandelt bat. In dieser Zuriickbaltung sehe ich einen Mangel, 
den der gescbatzte Yerf., obne indiskret zu sein and ohne sein Bucb 
nnn(3tig anschwellen zn lassen, bei seiner Beherrscbang des Materials 
leicbt hatte vermeiden kSnnen. Den SchluB macht eine 36 Seiten lange 
Antwort auf eine Besprechung seiner Geschichte der Universitat Dillingen 
durcb Knopfler (Hist. pol. Blotter Bd. 131 S. 476 ff.), auf die hier einzu- 
geben, der Raum fehlt. 

*W. Stolze, Zur Gesch. der 12 Artikel von 1525. Hist. Viertel- 
jahrsschrift 1905, 1. Heft. 

Der Yerf. tritt hier von neuem gegen die Einwendungen von Alfred 
Gotze (Hist. Vierteljahrsschrift 1904) fiir seine bereits friiher (BeitrageX, 
195) besprochene These ein, daB die 12 Artikel nicht in Oberschwaben 
und nicht von Seb. Lotzer in Memmingen, sondern im sudlichen Schwarz- 
wald durcb Baltbasar Hubmaier verfaBt seien. 

*Zietz, Martha, Wie urteilen Theologen Uber das kirchlicbe Stimm- 

recht der Frauen? Gesammelte Umfragen des deutschen Ver- 

bandes fur Frauenstimmrecht. Hamburg 1905. Otto Meifiners 

Verlag. 97 S. 1 M. 

Wird, obwohl in diese Zeitscbrift nicht gehorig, nur erwabnt, weil 
auch mehrere Geistliche der bayerischen Landeskircbe uber diese m. E. 
nicht ohne weiteres von der Hand zu weisende Frage sich geauBert 
haben. 

Koch, A._, Austriaca aus Regensburg. (Korrespoudenz des Nikolaus 
Gallus in Regensburg.) Jahrb. d. Ges. fur Gesch. d. Protest, 
in Osterreich. 1903. T. XXIV. p. 14. 

Eingesandt wurden ferner, konnen aber hier nur erwabnt werden; 

*August Strindberg^ Die Nachtigall von Wittenberg. 2. A. 1904. 
Berlin-Leipzig. Herra. Seemann Nacbfolger. 1 M. 

*P. Ch. Martens, Das deutsche Konsular- und Kolonialrecht. 
Leipzig 0. J. Verlag von Dr. jur. Ludw. Huberti. 2,70 M. 

*Helmling, L., 0. S. B. Hagiographischer Jabresbericbt fUr die 
Jahre 1901 und 1903. Zusaminenstellung aller im Jabre 1901/02 
in deutscher Sprache erschienenen Werke, Ubersetzungen und 
grbfierer uud wichtiger Artikel Uber Heilige, Selige und Ehr- 
wurdigc. Kempten 1903 (Verlag der Job. Koselscben Buch- 
bandlung). 204 S. 



Kaspar Huberinus und das Interim in Augsburg. 

Von Dr. Friedrich Both. 

Nicht nur die Zeitgenossen Kaspar Huberinus'^), sondern 
auch die meisten Historiker, die sich mit seiner Personlichkeit 
befaBten, haben ihre Verwunderung iiber die von ihm dem In- 
terim g^geniiber eingenommene Haltuns ausgesprochen. Und 
diese Haltung schrfnt auch merkwurdig genug bei einem Manne^ 
der sich allzeit als flberzeugten Anhanger der Wittenberger 
bekannt and bei diesen in einem gewissen Ansehen gestanden, 
der fast ein Vierteljahrhundert in einer Menge polemischer und 
erbaulicher Schriften fur das Evangelium eingetreten war, 
der in Augsburg zuerst als Heifer des Musculus, dann als 
Pfarrer von St. Georg*) eine segensreiche Wirksamkeit in der 



1) S. ttber Haberinns : W i b e 1 , Hohenlohlsche Kyrchen- nnd Ref.-Historie, 
Bd. I (Onolzbaoh 1752) S.344fif., 379ff., Bd. Ill S. 308 ff. : Bossert, Beitr. 
zm* Gesch. der Ref. in Franken in den Theol. Studien aus .Wiirttemberg, 
Bd. I S. 201 ff., 253 ff.; Bossert, Das Interim in Wurttemberg (in den 
Schriften des Verf. fUr Ref.-Gescb.), Halle 1895 S. 15, 171; den Cod. 
chart, fol. nr. 91 in der herz. Bibiiothek za Gotha, eine wichtige Relation 
Hubers uber seine Erlebnisse in Augsburg enthaltend, von der viele StUcke 
bei Germann, Dr. Job. Forster (1894) mitgeteilt sind. Koldes Art. in 
der Realenzykl. fiir prot. Tbeol. u. Kirche, III. Aufl. (mit Literaturangabe) ; 
Roth, Augsburgs Ref. -Gesch., Bd. I (Miinchen 1901) u. Bd. II (Mttnchen 
1904), Register. 

2) S. zu Hubers Anstellnng als Heifer des Musculus seinen eigenen 
Bericht bei Germann S. 260 und Luthers Sohreiben an Huber, dd. 
5. Oktober, ebenda S. 261. Die fttr die Angsborger Geistlichen bestehende 
Bestallungsformel (gedrackt bei Germann S. 312 ff.) ist von Huber am 
11. Dezember 1535 unterschrieben und hat sich in der Autographensamm- 
lung des Augsburger Stadtarchives erhalten. Sie beginnt mit den Worten : 
„Ich, Caspar Huber aus Stotzhart" (bei Aichach). Sein Gehalt betrug 
pro Qnatember „dritthalben und zweinzig gulden reinisch**, pro Jahr also 



202 Roth, Kaspar Haberinus and das Interim in Augsburg. 

Seelsorge entfaltet hatte und zuletzt bemuht gewesen war, in 
dem hohenlohiscben 8t§.dtchen Ohringen dem Evangeliam den 
Boden zu bereiten. Aber das Auffallende verliert sich, wenn 
man aus seinen Schriften, vor alien aus der von ihm uber seine 
Augsburger Erlebnisse verfaBten Relation, ersieht, wie sehr er 
in bezug auf Kirchenbrauche noch am Alten klebt, wie er weit 
weniger Anstofi nimmt an den Papisten als an den Zwing- 
lischen und anderen ^Rottengeistern", wie er Sfter in tausend 
Angsten schwebt, man mochte die Altgiaubigen mit zu rauher 
und derber Hand anfassen, wie er sich an den auf die Ver- 
dr^ngung des „Papsttums^ gerichteten Eampfen seiner Augs- 
burger Amtsgenossen nicht nur nicht beteiligt, sondern murrend 
beiseite stebt. Es verkniipfte ihn eben, wohl ohne daB er sich 
dessen bewuBt war, noch manches starke Band mit dem Eatholi- 
zismus, und er geh5rte zu jenen, die immer noch Hoffnnngen 
auf das Eonzil setzten und es fur moglich hielten, dafi die 
Kluft zwischen den neuen Kirchen und der alten doch noch 
flberbrttckt werden wttrde. 

Bei solchen Anschauungen konnte ihm das „gleiBende^ 
Interim nicht allzu schreckhaft erscheinen, zumal er und seine 
Gemeinde, bei der kaum die allerersten Anfange einer Refor- 
mation zur Durchfiihrung gekommen^), wenig davon beriihrt 
wurden. Die evangelische Predigt soUte ja nach wie vor, wenn 
auch unter bestimmten Beschr^nkungen, gestattet sein, und was 
das Abendmahl unter beiden Gestalten betrifft, das vom Interim 
ebenfalls zugestanden worden war, so machte man damit in 
Ohringen, wo es vorher wohl kaum Eingang gefanden*), sogar 



neunzig Gulden. Pfarrer von St. Georg wurde er im Jahre 1542 (Roth, 
1. c, II S. 455). Als solcher bezog er eine Besoidung von 150 Gulden, 
zu welchen noch 50 Gulden Nebeneinkommen kamen. 

1) S. hierzu Wibel, I S. 344flF. Bossert (Theol. St.) S. 197; 
die Wtirttemb. Kirchengesch., ed. Calwer Verlagsverein, 1893, S. 349. 
Ygl. auch unten Bell. II. 

2) In sine m Schreiben Hubers an den hohenlohischen Rat Stembler, 
dd. IS.April 1546 (gedruckt bei Wibel, HIS. 345 ff.)heifit es, dafi „dieGlaubi- 
gen ohn UnterlaB nach dem Sacrament (sc. unter beiderlei Gestalt) 
schreien." Bevor es hierin zu der erbetenen Anderung kam, brach der 
schmalkaldische Krieg aus, der alle Reformationsbestrebungen im Hohen- 
lohischen znm Stillstand brachte. 



Both, Caspar Huberinus und das Interim in Augsburg. 203 

einen Fortschritt. Diese und andere Elrwagungen ^) sowie ein 
gewisser Mangel an Klarheit, der ihn hinderte, die im Interim 
enthaltene Verschleierung der Rechtfertigungslehre zu durch- 
schauen, brachten ihn dahin, daU er enipfahl, sich demselben 
zu fiigen, und sich dazu verstand, den darin befohlenen Gottes- 
dienst ins Werk zu setzen. 

Dieses ^Umfallen" Huberinus' wurde weithin bekannt, und 
so ist es leicht erklarlich, daU der vom Kaiser in Augsburg 
neu eingesetzte Rat nach der am 26. August 1551 erfolgten 
Austreibung der evangelischen Pradikanten sich in seiner Ver- 
legenheit, Interimsgeistliche aufzutreiben, rait ihm in Verbindung 
setzte, um ihn fiir die Stadt zu gewinnen. Er veranlaBte ihn, 
Ende September nach Augsburg zu kommen^), um mit ihm 
mundlich deshalb zu unterhandeln, und Huberinus zeigte sich 
schlieBlich bereit, dort wieder eine Stelle anzunehmen, voraus- 
gesetzt, daC es ihm gelinge, sich aus seinem bisherigen Dienst- 
verhaltnisse los zu machen. Daraufhin ersuchte der Rat dessen 
Herrschaft schriftlich [Beil. I], ihn frei zu geben, zum minde- 
sten auf so lange, bis fur ihn Ersatz beschafft werden konnte, 
war aber gleichzeitig bemiiht, von dem Bischof von Arras, der 
seit dem Tode seines Vaters Perrenot Granvella am kaiserlichen 
Hofe die laufenden Geschafte leitete, eine „Furschrift" zu er- 
halten, in der der Graf von Hohenlohe um Huberinus' dauernde 
Uberlassung an die Augsburger angegangen werden soUte. Der 
Bischof, dem darum zu tun war, daB das Interim in Augsburg 
endlich in alien Stucken vorschriftsmaBig zur Durchftihrung 
kame, lieB sich zu einer solchen nPurschrift** herbei^). Sein 
Schreiben hat sich im Augsburger Stadtarchiv nicht erhalten, 
wohl aber die Antwort des jugendlichen Grafen Ludwig Kasimir, 
des Nachfolgers des Grafen Georg, welch letzterer am 16. Marz 

1) S. die Thesen, siuf Grund deren Huber das Interim ftir annehm- 
bar erklarte (lateinisch), bei Wibel, III S. 343 ff. 

2) BaurechDUng 1651, Bl. 69^, 26. Sept.: 27 fl. 12 kr. mintz herrn 
Caspar Huberino fur zerung von Eringen alher laat seins zetels betzalt. 

3) Der Vermittler zwischen den Augsburgern und dem Bischof wird 
wohl Huberinus' Schwager, der Vizekanzler Sigmund Seld, bekanntlich 
der Sobn eines Augsburger Goldschmiedes, gewesen sein , doch batten 
die Haupter des Augsburger Rates auch manche direkte Beziehungen zu 
dem Bischof. 



204 Roth, Kaspar Huberinus und das Interim io Augsburg. 

1551 gestorben war. In diesem Briefe, datiert vom 22. Oktober 
1551 [Beil. n], bemerkt der Graf, daC sein Vater und dessen 
Brader Albrecht (f am 19. August dess. Jahres) den Pradikanten 
Huberinus „etliche Jahre zur Abwendung etlicher verderblicher 
Sekten und Schw&rmer und zur Pflanzung der alten, katho- 
lischen Religion erhalten" batten, wie auch das Interim „so 
viel an etlichen Orten von N6ten gewesen . . . ohne Befehl" in 
den hohenlohischen Gebieten sofort „angerichtet" worden ware. 
Ungern nur lasse er, der Graf, der, am Anfang seiner Regierung 
stehend, auf die bewahrten Diener seines Vaters und Onkels 
angewiesen sei, einen Mann wie Huberinus Ziehen, da zu be- 
flircbten stehe, daC damit diejenigen, die bisher in der aiten, 
wahren, katholischen Religion erhalten worden seien, geschwacht 
wttrden" etc. Doch wolle er sich dem Bischof und dem Kaiser 
zuliebe, wenn es sein mtisse, zu dem verlangten Opfer entschlieBen 
und liberlasse es ersterem, die Sache nach seinem Ermessen zu 
regeln. 

Wenn naturlich auch anzunehmen ist, daB der Graf den 
Sachverhalt, den Zeitverhaitnissen entsprechend, stark gefarbt, 
urn vor dem Kaiser in mSglichst giinstigem Lichte — als Herr 
eines von der ketzerischen Lehre voUig unbefleckten Landchens 
— dazustehen, so kann man sich angesichts des hier Huberinus 
gespendeten Lobes doch des Eindruckes nicht erwehren, daB 
dieser in seinen Konzessionen an das Papsttum noch viel weiter 
gegangen sein muB, als bisher bekannt war; wird er ja doch 
fast als ein Hort des Katholizismus gepriesen! Und dieser Ein- 
druck wird verstarkt durch die auf Huberinus bezilglichen 
Stellen in dem Antwortschreiben des Bischofs, (datiert vom 
15. November 1551 [Beil. IIIJ), der sich ttber die Religions- 
verhaltnisse im Hohenlohischen auch bei „andern Leuten, so 
dessen ein guts Wissen tragen", erkundigt hatte. 

Wie Huberinus vor mehr als sieben Jahren von Augsburg 
ausgezogen war, um in der Grafschaft Hohenlohe fiir das Evan- 
gelium Raum zu gewinnen^), so machte er sich jetzt, nachdem 



1) S. den zwischen dem hohenlohischen Bat Stembler und Hnber 
damals (vom 12. Jan. bis 22. Juni 1544) wegen Hubeis Berufang 
nach Ohringen entstandenen Briefwechsel bei Wibel, HI S. 308 ff.; vgl. 
Roth, J. c. II S. 474 Nr. 133. — Der bei Wibel S. 320 von Ruber er- 



Both, Kaspar Haberinus and das Interim in Augsburg. 205 

ihm sein Graf „Urlaub*' gegeben, mitten im Winter mit Weib 
iind Kind auf den Weg, um die Augsburger von ihrem „Irr- 
tum, in dem sie so lang erwachsen und verstockt gewesen," 
abzubringen und ihnen, wie der Bischof sich ausdrtickt, „als 
den Schwachen und Kranken" mit „gelinder, angenehmer Arznei** 
zu helfen. 

Er kam in der Woche vor Weihnachten in derStadt an^) 
und tibernahm nun mit zwei anderen aus dem Hohenlohischen 
herbeigerufenen Gfeistlichen, die er ftir seine Anschauungen zu 
gewinnen gewuBt hatte — zwei Augsburgern — samtliche 
Funktionen des interimistischen Gottesdienstes*). Er selbst 
wurde bei St. Anna angestellt, wilhrend Thomas Widmann, 
fruher Pfarrer von Miinkheim*), beini hi. Kreuz, Hieronymus 
Hertl*), Pfarrer in Neuenstein, an der BarfliBei-kirche wirkte. 

Sie gaben sich wohl der HoflEhung hin, daC die nun schon 
seit Jahren voii den empflndlichsten Schlagen heijngesuchte 
evangelische Bevolkerung der Stadt endlich die Fahigkeit und 
den Mut zu weiterem Widerstande verloren hatte, um so mehr, 
als sie, seit dem Verlust der Pradikanten fiihrerlos geworden, 



wabnte Pradikant,. der am 1. Marz von den Angsburgern ^etlicher Ursach'' 
wegen eritlassen wurde, ist der im Okt. 1543 als Heifer aufgenommene 
Job. Herold (s. uber ihn das Archiv fur Ref.-Gescb., Bd. I S. 115), der 
S. 330 erwahnte „Wittenberger Pradikant**, der durch einc Augsburger 
Ratsgefiandtscbaft von dem Eurflirsten von Sachsen erbeten werdcn sollte, 
ist Thomas Naogeorgius (1. c. S. 170 mit Anm. 3). 

1) Am 14. D.ez, war er noch nicht in Augsburg^ doch wurde uin 
diese Zeit sein £intreffen jeden Tag erwartet. 

2) Aus der von einem der vertriebenen PrSdikanten herriilirendeii 
Aufzeicbming Uber das Interim in Augsburg, die sich in einem Cod. des 
Augsburger Stadtarchivs, „Schatze" Nr. 10^ erhnlten hat und auch sonst 
ziemlich haufig (z. B. in den derMiinchencr Hof- und Staatsbibl. angeborenden 
Cod. germ. 2037, 2038) zu finden ist. Das von Gasser, Stetten und 
anderen fiber das Interim in Augsburg Mitgeteilte ist groBtenteils aus 
dieser Quelle. 

3) Thomas Widmann aus Augsburg war BUrger dieser Stadt. Er 
hatte im Jahre 1544 bereits neun Jahre auswarts gewohnt, und ersuchte 
am 25. Jan. 1544 um Verlangerung der Erlaubnis hierzu. Er war damals 
Pfarrer in Bermaringen im Ulmer Land, 

4) Hieronymus Hertl war nach Bossert (Th. St.) S. 255 der Sohn 
6ines Augsburger Zimmermanns. 



206 Roth, Kaspar Huberinus und das iDterim in Augsburg. 

umherging, wie eine „Herde phne Hirten". Aber gerade diese 
letzte Grewalttat, die Austreibung der Geistlichen, die einen 
Teil der Stadt in ein groBes „Trauerhaus" verwandelt, hatte 
die Erbitterung der Leute aufs hochste gesteigert und ihre Ab- 
neigung gegen das Interim wom5glich noch vermehrt; das 
muBte gerade Huberinus sehr bald erkennen. 

Er begann seine neue Wirksamkeit am Weihnachtsabend 
1551 an der Stelle, von wo aus vor mehr als dritthalb Jahr- 
zehnten sich zuerst die neue Lehre in der Stadt verbreitet 
h|itte, und von den alteren der Anwesenden, die zumeist durch 
die Neugierde angelockt waren, mochte mancher mit Wehmut 
der damals von dem mutigen Karmeliterprior Dr. Johann Frosch 
gehaltenen Predigten gedacht haben. Welche Anderung der 
Dinge! 

Langsam und vorsichtig soUte Schritt fttr Schiitt vorwarts 
gegangen werden, „denn gemach gehet man auch weit". Am 
Sonntag, den 24. Januar, berichtet uns ein Chronist^), ^haben 
die neuen Pradikanten zu morgens, wie die Predigt aus ist 
gewest, auf der Kanzel angefangen und anzeigt, wie sie, uns 
zu gefallen, den Krisam haben angenommen, damit uns das 
Wort Gottes nit genommen werd, sondern [sie] uns dasselbe 
noch langer und lauter predigen konnten. Und haben das Volk 
um Gottes Willen gebeten, sie sollen sich doch nit argern, 
denn die Seligkeit liege nicht daran, sondern es sei nur ein 
auCerlich Zeichen; so wolle es auch der Kaiser und die Obrig- 
keit also haben. Und man hat am selben Tag nach zwolf Uhr 
angefangen mit dem Krisam und Salz, wie dann die Pfaffen 
taufen, auch wie sie den Teufel beschworen, und wie sie das 
Kreuz machen. In Summa: Wie es die Pfaffen in Latein 
machten in alien ihrem Wesen, also machten sie es auf deutsch." 
Das „Abscheuchen", das dadurch erregt wurde (s. Bejl. IV), 
suchten die Pradikanten zu uberwinden, indem sie die erwahnten 
Taufzeremonien, „welche schon die heiligen Viiter, Lehrer und 
Bischofe bald nach der Apostel Zeit" angewendet batten, „ver- 
klarten und ihren rechten Branch anzeigten", und Huberinus 
gab sogar ein Buchlein liber die Bedeutung des Krisma in den 



1) Der Verfasser der oben S. 205 Anm. 2 erwahnten Aufzeichnungen* 



Both, Kaspar Huberinus und das Interim in Augsburg. 207 

Druck, Mit der Neuordnung des Abendmahles woUte er warten 
bis nach der Fastnacht; erst am 27. Marz verkundigten er und 
seine Amtsgenossen auf den Kanzeln, daC „ fiber acht Tagen zu 
St. Anna, fiber vierzehn in der BarffiCerkirche das Nachtmahl 
gespendet werden wfirde ,,wie von den vorigen Pradikanten"; 
doch soUte sich ,jeder zuvor anzeigen in der Beicht, die Ab- 
solution empfangen" und sich einem ,,Examen", was er von dem 
Sakrament halte, unterziehen ^). Der Hauptakt selbst sollte von 
dem Geistlichen im Ornat gehalten werden unter Orgelklang 
,,mit den lateinischen alten, guten Gesangen und etlichen deut- 
sChen Psalmen". 

Wenn Huberinus meinte, daU durch seine beschwichtigen- 
den Auslegungen ,,viel fromme Herzen ersattigt worden"*), so 
trifift dies vielleicht bei dem einen oder dem andern seiner 
Preunde zu, die er noch von frfiher her in der Stadt besaC; 
der „gemeine Mann" aber wollte nichts davon wissen und machte 
daraus auch kein Hehl. Nur mit Hohn und Spott sprach man von 
den Interimisten und ihren Qottesdiensten. Insbesondere von 
Huberinus, und mancher konnte sich dessen Verhalten nicht 
andera erklaren, als daC er alles des lieben Geldes wegen tue. 
Wie klaglich erschien er solchen, wenn sie ihn mit dem ent- 
schlossenen Masculus verglichen, der sofort, nachdem der Rat 
das Interim angenommen, die Stadt verlieB^), oder mit dessen 
Heifer Johann Karg*), der lieber sein Amt aufgab, als daC er 

1) Ebenda. 

2) Beilage IV. 

3) S. die am 28. Juni 1548 von Musculus deshalb an den Rat ge- 
ricfatete Erklarung in den Augsburger Ratsdekreten ad. a. 1548 Bi. 14&. 
— Vgl. Tro6, des Grafen Wolrad von Waldeck Tagebucli wahrend des 
Reichstages zu Angsburg (Stuttg. 1861) S. 195. 

4) Johann Karg, ein Augsburger Stipendiat, war nach Beschlufi des 
Rates am 22. Jnli 1546 dem Musculas als Heifer beigegeben worden. 
Ratsdekret ad. a. 1546, Bl. 14» — Am 28. Juli 1848 waren die Augs- 
burger Pradikanten ersucht worden, den Chorrock anzunehmen. „Auff 
Bolche begern und furhalten haben sich alle predicanten bewilligt den 
Korrock anzQtziehcn ausserhalb h. Hanns Karg, hat sich dessen verwiderf* ; 
es wurde ihm deshalb sofort „eins ersamen rats schutz, schirm und dienst- 
gelt auffgeeagt**. Ebenda Bl. 34» Am 30. Sept. wurde dann beschlossen, 
ihm sein ,verfallen quatembergelt vollig zu geben**, womit er „abgefertigt" 
sein solle. Ebenda Bl. 73^. 



208 Itoth, Kadpar Huberinua nnd das Interim in Augsburg. 

in den verhaBten Chorrock schlupfte, oder mit den vertriebenen 
Prftdikanten, die sich zwar unter dem auf sie geiibten Druck 
dem Interim aufierlich gefiigt, aber sich auf der Eanzel und 
sonst freimutig genng uber dasselbe geanUert batten. 

In der Nacht vor dem 4. Febraar wurde an die Kirchen- 
tur. von St Anna ein gegen Hnberinus gerichtetes Pasquill an- 
geheftet, das von seinen vielen Gegnern mit lebhafter Schaden- 
freude begruBt und verbreitet wurde und * groBe Erregung 
hervorrief. Es hatte folgenden Wortlaut: 

Christus wort hat er bekandt lauter und clar 

Anno 1529 nach und vor; 

Sein buechle vom zorn und guethe gottes^) zeuget das. — 

Pfew dich, du ellender madensack! was 

Aber hebstu jetzund an zu reden? 

Redest offenlich, als solten wir nach .dem bapstum leben. 

Hast allweg darwider geredt nach Chri&tu& leer, 

Und vons gelts wegen kumbstu wider her! 

Bit got, daB er dirs vergeben woU. 

Ei pfew dich, du phariseischer und Lucifers gesoll, 

Recht reden voni tauf und nachtmal [sich] gehorn, 

Ja nicht von mentschensatzung und pfaflfenraern. 

Nit friB wider, das gespihen ist! 

Und wer wissen will, wer diser ist, 

Sein namen hiebei neben liB!^) 

Natiirlich wurde die „aufruhrerische Schrift" sofort weg- 
genommen, und die „Statthalter" lieBen noch am gleichen Tage 
in einem vom Rate genehmigten ,,Berufe", der an alien Qffent- 
lichen Platzen angeschlagen wurde*), nach dem Verfasser der 
Beime forschen und die Bevolkerung vor derartigem Unfuge 
warnen, waren aber nicht imstande, den „gemeinen Mann" zu 
hindern, daB er auch weiterhin bei jeder Gelegenheit seinen 
Unwillen gegen Huberinus und dessen Genossen zu er- 
kennen gab. 



1) S. hierzu Beck, Die Erbauungsliteratur der ev. Kirche Deatsch- 
lands, Bd. I, Erlangen 1883, S. 173. 

2) Aus Nr. 118 (Bl. 375a) der „Schatze" des Augsburger Stadt- 

archiva. 

3) Raisdekrete ad. a. 1552, Bl. 13>. 



Ein kryptocaivinistischer Katechismus fur die 
Grafschaft Ortenburg aus dem Jahre 1598. 

Mitgeteilt von D. Theodor Eolde. 

Die wertvolle Ver5ifentlichung von J. M. Reu, Quellen 
zur Geschichte des Katechismusunterrichts 1. Bd. Suddeutsche 
Katechismen (Giitersloh 1904), liber die oben (S. 191 f.) aus- 
fiihrlich berichtet worden ist, erinnerte mich an einen dort 
fehlend^n Katechismus fur die Gemeinde Ortenburg in Nieder- 
bayern aus dem Jahre 1598, den ich vor einigen Jahren in 
einem Sammelbande erworben habe. Da das Schriftchen v5llig 
unbekannt zu sein scheint, und mein Exemplar vielleicht das 
einzig erhaltene ist^), wurde schon darum ein Wiederabdruck 
gerechtfertigt sein, eine nahere Beschaftigung mit seinem In- 
halt macht dies sogar zur Pflicht, da das Schriftchen auf nichts 
Geringeres ausgeht, als auf dem Wege einer Kinderlehre in 
eine lutherische Gemeinde den Calvinismus einzuschmuggeln. 

Als Verfasser nennt sich Adam Hertzog, Pfarrer zu 
Ortenburg. Aber wer war das, und wie ist der Mann zu seinem 
eigentiimlichen Verfahren gekommen? 

Die einzige Schrift, die uns liber die damaligen kirchlichen 
Verhaltnisse der kleinen Grafschaft Ortenburg berichten kann, 
die dtirftige Arbeit von C. Mehrmann^), kennt zwar Adam 
Hertzog als Pfarrer von Ortenburg, weiC aber nichts iiber seine 
Herkunft und seine dortige Wirksamkeit. Gliicklicherweise gibt 
er selbst in der Vorrede seines Katechismus das Kurfiirstentum 



1) Abgesehen von der Pfarrbibliothek in Ortenburg und der Er- 
langer Universitatsbibliothek habe icb bisber vergebens danach forschen 
lassen in Miinchen, Berlin, Halle, Zwickau, Regensburg, Neustadt a. Aisch, 
Schwabach, Nfirnberg (Germ. Museum, Stadtbibl.), Leipzig Stadtbibh 

2) C. Mehrmann, Geschichte der evangeliscben lutherischen Gemeinde 
Ortenburg. Landshut 1863. S. 110. 

Beitrage znr bayer. Eirchengeschichte XI. 6. 15 



242 Kolde, Ein kryptocalvinist. Eatechismus f. Ortenburg a, d. J. 1598. 

Sachsen als seine Heimat an, und weitere Nachforschungen, 
die sich leider nur auf zum Teil widerspruchsvolles gedrncktes 
Material erstrecken konnten^), gaben wenigstens einigen Auf- 
schluB fiber liertzogs Vorleben. 

Danach stammte Adam Hertzog aus Leipzig, scheint aber 
seine Studien nicht in seiner Vaterstadt gemacht zu haben, da 
sich sein Name in der Leipziger Matrikel nicht flndet. Im 
Jahre 1677 wurde er Diakonus in der Epliorie Oschatz*), als 
welcher er die Konkordienformel unterschrieb, nnd folgte im 
Jahre 1682 einer Berufung als Pfarrer nach Markkleeberg bei 
Leipzig^). In der Folge zeigte er sich als entschiedenen Partei- 
ganger der philippistischen Richtung, die unter dem EinfluB 
des Kanzlers Nikolaus Krell *) in Kursachsen wahrend der Re- 
gierung des Kurfursten Christian von neuem um sich griff. 
Wahrend sehr viele Geistliche in der Meinnng, damit ein Palla- 
dium des Lnthertums aufzugeben, in die Abschaffung des 
Exorzismus zu willigen, sich weigerten und lieber auf ihr Amt 
verzichteten, andere, nur dem Zwange folgend, nachgaben, unter- 
schrieb Adam Hertzog die alien kursachsischen Theologen vor- 
gelegten darauf bezuglichen Fragen am 22. Juni 1591 mit den 
Worten: „Adamus Hertzogk, verbi divini minister in Klebergk, 
manu et corde subscripsit^ ^). Das taten zwar andere auch, 
aber wilhrend die meisten seiner Gesinhungsgenossen sich vor- 



1) Eine Anfrage beim HauptBtaatsarchiv in Dresden brachte die 
Antwort (vom 1. Mai 1905), daB der Name des Pfarrers Adam Hertzog 
in den Begistranden nicht vorkomme, and eine per8()nliche Durchforschnng 
der umflinglichen Akten gegen die Eryptocalvinisten, die wahrscheinlich 
noch einiges historisch WertvoUe iiber ihn enthalten werden, war mir zur- 
zeit nicht moglich. 

2) Ygl. Kreyssig, Album der eyangelisch-lutherischen Geistlich- 
keit im KSnigreich Sachsen. 2. A. Krimmitschau 1898, S. 618. 

3) Ebenda S. 397. 

4) Aus der reichen Literatur hebe ioh hervor A»V. Richard, Der 
kurfurstlich-sachsische Kanzler Dr. Nikolaus Krell. Ein Beitrag zur 
Sachsischen Geschichte des 16. Jahrhunderts, Dresden 1859. Die neueste 
Arbeit von B. Bohnerstadt, der ProzeB des Kanzlers Krell. Halle 
(Diss.) 1905 ist unvollendet geblieben und bietet nicbts zur Sache dien- 
liches. 

5) Mitteilung des Sachs. Hauptstaatsarchivs in Dresden. Zur Sache 
vgl. Richard a. a. 0. I, 280f. 



Kolde, Ein kryptocalvinist. Eatechismus f. Ortenburg a. d. J. 1598. 243 

sichtig zuriickhielten, scheinen er und ein anderer Geistlicher 

« 

aus der Leipziger Inspektion, Wittich in Hohenheyda es ftir 
Pflicht gehalten zu haben, offeii ftir weitere Reformen einzu- 
treten. Liefi Wittich es dabei be wen den, in der Predigt fur 
calvinische Auffassung zu werben, so ging Hertzog auch praktisch 
vor. Weuigstens woUte man wissen, er habe die Bilder aus 
seiner Kirche gerissen und das „nackende mit einem Schurz um- 
gurtete Bild des Gekreuzigten unter dem Vorwande, daB es 
einem Badeknecht ahnlich sehe, mit anderen in der Kirche be- 
flndlichen Bildsaulen zu Brennholz bearbeitet"^). 



1) Die einfache Tatsache berichtet zuerst Sleidani continuatio 
T. Ill, Strafiburg 1625, S. 1427. Dann weiter ausgefuhrt E. H. A 1 b r e c h t , 
Sachsische evaDgelisch-liitherischc Kirchen- und Predigergeschichte I. Bd. 
II. Forts, ed. J. F. Kohler, Leipzig 1802, S. 889: 

„Adam Hertzog aus Leipzig, war 1577 Diac, in Strebla, wo er die 
Concordienformel unterschrieb, und 1582 Pfarrer aHbier. Er und Pastor 
Wittich in Hohenheyda waren die einzigen Landprediger der Leipz. In- 
spection, die nach dem Wunsche des Kanzlers Nic. Krell fur die Aus- 
breitung des Kryptocalvinismus in Sachsen sehr geschaftig waren. Wittich 
liefi es bey den Vortragen auf der Kanzel bewenden. Hertzog ging noch 
weiter. Er empfahl nicht nur die beabsichtigte Reformation in offent- 
lichen Predigten, sondern begann auch einen fSrmlichen Bildersturm : Das 
nackende and mit einem Schurz umgUrtete Bild des Gekreuzigten warf 
er, unter dem Vorwande, dalS es einem Badeknecht ahnlich sehe, aus der 
Kirche und bearbeitete es mit anderen in der Kirche vorhandenen Bild- 
saulen zu Brennholz. Zur Bestrafung dieses Mutwillens flihrte man ihn 
nach dem Tode des Churfursten, da sich die Scene in Sachsen anderte, 
im Oct. 1591 auf die Pleisenburg nach Leipzig, und im Nov. 1592 nach 
Dresden gefanglich ab. Seine Entlassung erfolgte erst dann, als er feierlich 
widerrufen hatte. Von der Zeit an lebte er in. Leipzig und starb da- 
selbst d. 27. Juni 1613." Ohne dafi Hertzogs Name genannt wUrde, wird 
wohl auf sein Vorgehen angespielt in einer der vielen damals ausge- 
gangenen Spottschriften „dem Gesprach von der calvlnischen Schule", wo 
der Bauer Hans spricht: 

Sie dichten und trachten mit ganzem FieiB, 
Dafi sie die Altar aus der Kirchen reifion, 
Die Crucifix und Taufsteindecken 
Wollen sie in Ofen stecken, 
Das gottlos calvinisch Geschlecht 
HeiCt das Crucifix ein Baderknecht, 
Diirfen auch wohl noch Fisch mit sieden u. s. w. 
Freundliche Mitteilung von Herm Dr. Wustmann in Leipzig. 

16* 



244 Kolde, Ein kryptocalvinist. Katecbismus f. Ortenbnrg a. d. J. 1598. 

Da trat mit dem Tode des Kurfttrsten Christian (25. Sept 
1591) die Reaktion ein. Unmittelbar nach der Verhaftung des 
Leipziger Geistlichen Dr. Christoph Gundermann, der als Fflhrer 
der dortigen Calvinisten gait, wurde auch Adam Hertzog ge- 
fangen gesetzt^) und auf die PleiBenburg nach Leipzig gebracht, 
von dort aber spater nach Dresden zur Aburteilung geschafft*). 
Ober den Verlanf seines Prozesses ist bis jetzt nichts Naheres 
bekannt, nur wird berichtet: ,, Seine Entlassung erfolgte erst 
dann, als er feierlich widerrufen hatte"^). Das wird richtig 
sein. Aber wenn dieselbe Quelle weiter erzahlt: „Von da an 
lebte er in Leipzig und starb daselbst den 27. Juni 1613," so 
beruht das auf einem Irrtum, denn derselbe Mann fand viel- 
mehr unmittelbar nach seiner Freilassung eine Wirksamkeit in 
Siiddeutschland. Unter v5llig unbekannten Verhaltnissen er- 
hielt er die Pfarrei zu Ortenbnrg, wo der edle und tatkraftige 
Reichsgraf Joachim (1530—1600) schon im Jahre 1563 luthe- 
rischen Qottesdienst eingeftihrt und unter den schwersten 
Kampfen, an denen das ganze evangelische Deutschland Anteil 
nahm, aufrecht erhalten hatte*). 

Nach Hertzogs Angabe in der Vorrede zu seinem Kate- 
chismus ware er „noch bei Lebzeiten Kurfursten Christiani zu 



1) Nach SI e id an B Continuatio a. a. 0. und diinach bei anderen 
ware Hertzog einen Tag nach Gundermann am 16. des Weinmonats (Okt.) 
verhaftet worden. Nach G. Wustmann, Geschicbte der heimlichen 
Calvinisten in Leipzig in Neujahrsblatter der Bibliothek und des Archivs 
der Stadt Leipzig I, 1905, S. 49, wo leider liber Hertzog nichts zu finden 
ist, ware Gundermann erst am 15. Dez. 1591 auf die PleiBenburg gebracht 
worden. 

2) Nach KQhler ware das erst im Nov. 1592 geschehen, was aber ein 
Irrtum sein wird, da er schon im April 1592 als in Ortenbnrg anwesend 
bezeugt wird. S. 11. 

3) Albrecht-KOhler s. ob. S. 243 Anm. 

4) Vgl. J. F. Huschberg, Geschichte des Gesamthauses Ortenbnrg, 
Sulzbach 1828. KonradPreger, Pankraz von Freyberg auf Hohenaschau 
(Schriften des Vereins fiir Reformationsgeschichte Nr. 40), Halle 1893. 
Jul. Denk, Die EinfUbrung des Exercitium Augustanae Gonfessionis in 
der Grafschaft Ortenburg und die daraus entstandene Irrung, Landshut 
1894. S. Riezler, Geschichte Bayerns IV.Bd.(1899) S. 525flF. K. Hart- 
mann, Der ProzeB gegen die protestantischen Landstande in Bayem 
unter Herzog Albrecht V., Mtinchen 1904 (zu diesem Buche zu vgL meine 
Auslassungen ob. S. 146 und S. 198). 



Kolde, £in kryptocalvinist. Katechismus f. Ortenburg a. d. J. 1598. 245 

Sachsen etc." dorthin berufen worden. Nach dem, was soeben 
liber seine Vergangenheit festgestellt worden ist, ist das ent- 
weder eine wissentlich falsche Aussage, oder sie kann, obwohl 
in dieser Form darauf berechnet, die Leser irre zu fiihren, da- 
hin gedeutet werden, daC Graf Joachim ihn schon vor dem 
Ausbruch der kryptocalvinistischen Wirren in Leipzig und Um- 
gegend berufen nnd ihn ohne Kunde von seinem Eeligionsprozefi, 
nachdem er frei geworden war, wirklich als Pfarrer angenommen 
hat. Sind wir recht beriehtet, so ware er im April 1592 in 
die Grafschaft gekommen^). Wie er selbst mitteilt, wnrde er 
bei seiner Bestallung auf das Exerzitium Angsburgischer Kon- 
fession verpflichtet, aber trotz seines Dresdener Widerrufes 
blieb er nicht nur Kryptocalvinist, sondern suchte anch hier in 
dem ganz latheiischen Landchen calvinistische Lehren einzu- 
fiihren. DaB sie nicht ganz unbemerkt blieben, kSnnte man 
vielleicht daraus schlieBen, daB er fiirchtet, die juuge Grafin 
Johanna von Ortenburg, der er sein Schriftchen widmet, mochte 
an fremden Orten, wohin sie zn reisen gedachte, ihrer christ- 
lichen Religion halber zu Rede gesetzt werden. Und eben um 
sie in den Stand zu setzen, zu bezeugen, „daB keine andere 
als die wahre christliche Religion, wie dieselb in den Haupt- 
stacken der christlichen Lehr begriffen in dieser loblichen Reichs- 
grafschaft, ihrem Vaterlande, gelehrt werde," auch damit seine 
Pfarrkinder „nicht wieder in vorigen Irrthum und Abgotterey 
geraten", entschloB er sich, seinen Kinderkatechismus zu 
schreiben. Und dieser Katechismus diirfte in mancher Beziehung 
seinesgleichen suchen. Wir haben zwar manches krypto- 
calvinistische Bekenntnis, wir wissen, wie man damals an vielen 
Orten besonders durch Eifern gegen lutherische Gebrauche dem 
Kirchentum unter der Hand ein anderes Geprage aufzudrucken 
suchte, es ist auch bekannt, daB eine von den Parteigangern 
Krells herriihrende Textausgabe des kleinen Katechismus Luthers 

1) Mehrmann schreibt S. 110: Von ihm ist beriehtet, dafi er vom 
27. April 1592, als wie lang er sich in Altortenburg aufhielte, bis er in 
den Pfarrhof ziebe, 26 Kandel Wein vom Hofwirt zu beziehen habe." 
Mehrmanns Schrift beruht tibrigens auger auf Huschbergs Buch (s. ob.) 
lediglich auf den sehr unklaren Materialien zur Geschichte Ortcnburgs, 
die F. Loschge, ein frUherer Pfarrer von Ortenburg, handschriftlich im 
Germanischen Museum (Bibliothek) in Nurnberg niedergelegt hat. 



246 Kolde, Ein kryptocalvinist. Eatecfaismus f. Ortenburg a. d. J. 1598. 

darch die beigefiigten Schriftstellen in den Verdacht kam, zu 
calvinisieren, aber meines Wissens kennt man bisher keinen 
exponierten Katecbismus, an dem das Verfahren der Krypto- 
calvinisten, die doch nicht blofi in der Vorstellung lutherischer 
Eiferer existierten, so dentlich beobachten kann, als an diesem 
kleinen Ortenbnrger Katecbismus. Unter der Maske des Lnther- 
tums nnd unter dem Vorgeben, seine christliche Unterweisung 
nur aus der Ortenbnrger Kirchenordnung (die leider nicht auf- 
zufinden war) zn wiederholen, gibt der Verfasser eine nicht 
nngeschickte Zusammenstellung von Satzen aus Luthers und aus 
dem Heidelberger Katecbismus, doch so, daB bei den zwischen 
Lutheranern und Calvinisten streitigen Fragen die calvinische 
Auffassung vorgetragen wird. 

Das konnte unmoglich verborgen bleiben, denn die nicht 
nur philippistische, sondern direkt calvinische Abendmahlslehre 
war zu deutlich ausgesprochen. Auch hatte die Abneigung 
gegen die Konkordienformel, die er friiher, wie gesagt, unter- 
zeichnet hatte, den Verfasser verfiihrt, am SchluC noch eine 
besondere Bekampfung der Dbiquitatslehre anzufugen. Es ist 
deshalb kaum anzunehmen, daB sein Katecbismus langer als 
ganz voriibergehend zur Einflihrung kam. Der gut lutherisch 
gesinnte Ortenbnrger Graf, der mit den Nurnberger Theologen 
engste Fiihlung hatte und eben damals in Niirnberg lebte, wird 
wahrscheinlich das Biichlein bald unterdriickt und Adam Hertzog 
entfernt haben. Wir haben ein von Niirnberg aus an seine 
Rate gerichtetes Schreiben des Grafen mit der Mahnung, sie 
sollten neben den Sonntagsgottesdiensten „auch in der Woche 
eine oder mehr christliche Zusammenkiinfte anstellen und gleich- 
falls ein Kapitel aiis der Bibel lassen lesen und das gemeine Gebet 
verrichten, bis daB wir einen Pfarrer hinunterordnen, 
wie wir denn allbereit mit der St ad t Nurnbergum einen 
gelehrten frommen und gottesftirchtigenMann im Werke 
sind". Das Schreiben ist datiert: Niirnberg den letzten Dezember 
1596 ^). Aber dieses Datum kann nicht richtig sein, da Adam Hertzog, 
als er seinen 1595 geschriebenen Katecbismus im Jahre 1598 
druckeu lieB, noch im Amte war. Ich vermute, daB im Original 

1) Abgedfuckt bei Mehrmann a. a. 0. S. 63if. £s ist dcrLoschge- 
Materialiensammlung entnommeD, wo gleichfalls 1596 als Datum zu lesen ist* 



Kolde, Ein kryptocalvinist. Katechismas f. Ortenburg a. d. J. 1598. 247 

entweder 1598 oder 1599 gestanden hat, und daS es sich in 
dem Briefe um die Vakanz handelt, die nach dem Weggang 
Oder der Vertreibung Hertzogs eintrat. Sein Nachfolger, dessen 
Amtsantritt aber nicht bekannt ist, Andreas Anwandter, wirkte 
in Ortenburg bis 1616. Hertzog wird sich nunmehr in seine 
Vaterstadt zuriickgezogen haben. Dort ist er, darin hat die 
Tradition Recht, im Juni 1613 gestorben; allerdings ist der 
27. Juni nicht sein Todestag, sondern nach freundlicher Mit- 
teilung des Herrn Stadtarchivars Dr. Wustmann in Leipzig 
der Tag seines Begrabnisses. 

Ich lasse nunmehr den Abdruck des Katechismus folgen, 
der 68 bedruckte Seiten und 2 leere Blatter in 32® umfaBt, 






mmifm^ in tcin'^iU 

Otcftgton: 

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• Adamum^crtiog/^farrmiju 
Oxtitibntit 

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©ctmcfr(m2f4^«f98. 



248 Kolde, Ein kiyptocalvinist. EatecblBmus f. Ortenburg a. d. J. 1598. 

Der^) Wolgebor- 
nen GrSvin Freulein 
J o h a D n a^), des elteren Gescblecbts 
GrSvin zu Ortenbnrgk etc. mei- 
nem gnSdigen Freu- 
lein. 

Gottes gnad und barmhertzigkeit, dnrch das erkantnufi Ohristi, 
und was zum Leben riiid Gottseligkeit dienet zuvorn; Wolgeborne 
Grevin, gnadigs Freulein, dafi ich diese Christliche unterweysung 
aus der Ortenburgischen Kirchenordnung wiederholet, und auf diese 
kurze form und HaudbUchlein endlich zum truck befordert, baben 
uicht allein £. gn. und viel gutherziger personen mebr, an micb 
zum oftern begeret: sonder hab micb dessen auch umb vieler ur- 
sachen wegen zu tbun schuldig erkeunet. 

Denn erstlicb ist Gottes wille, dafi alle Christen, nrsach und 
bekanntuufi ibres Glaubens, denen, so es begeren, anzeigen sollen: 
sonderlich aber will es aucb deuen Kircben von noten sejn, welchen 
von wiederwertigen Leuten scbuld gegeben wird, als ob sie falsche 
Lehr vnd irrthumb angenommen hetten. 

Nachdem dann diese unsere Evangeliscbe Kirche der Eeichs- 
Grafsphaft Ortenburgk bey etlicben aufs hochst bescbweret, und 
durcb falsche Bericht ahngegeben worden, hat es woUen eine noturft 
seyn, die summa der Hauptstiicke Christlicher Lehr aufs einfSltigst 
zu wiederholen, und damit zu bezeugen, dafi unsere wahre Christliche 
Religion, auf keinen anderen grund, als auf das einige seligmachende 
Wort Gottes gebauet und keine neue oder Menschenlehr eingefuhret 
sey. Wie dann auch mit diesem Handbiichlein bezeuget wird, worauf 
die Predigten in dieser Evangelischen Kirchen flirnemblich gerichtet, 
so bin ich von dem Hoch und Wohlgebornen Graven vnd Herrn, 
Herrn Joachim en ^ der Eitern Graven, Graven zu Ortenburg etc. E. 
gn. geliebten Herrn Vettern. meinem gnSnigen (!) Herren, noch bey 
lebzeiten Churfursten Christiani zu Sachsen^ etc. hochloblichster 
gedSchtnufi aus irer Churf. gn. Land zu Meissen^ als meinem Vatter- 
land anhero ordentlich beruffen, und mir in meiner ahnnehmung diese 
. austriickliche bestallung gegeben worden, dafi ich in ihrer gn. Graf- 
Fchaft das exercitium Augspurgischer Confession aus reiner Gottlicher 
Lehr, wie dieselb in den Schriften der Propheten und Aposteln ge- 
griiudet, nach anleitung der drey Hauptsymbolen, etc. pflanzen, und 
die heylige Sacrament nach des Herrn Christi ordnung bedienen 
solle. Dber dieses hat sich auch befunden, dafi noch viel Lent im 

1) Die Scbreibweise ist nach den Stieveschen Grundsatzen leise 
modernisiert, indem die Doppelkonsonanten fortgebssen sind und statt 
des vokalischen v und w immer u eingesetzt ist. 

2) Tochter Ulrichs VL von Ortenburg geb. 11. Juli 1575, f 2. Okt. 
1626. S. Huschberg, Gesch. d. herzogl. u. grafl. Gesamthauses Orten- 
burg, Sulzbach 1828. Tab. IX. 



Kolde, Ein kryptocalyinist. Eatechismiis f. Ortenburg a. d. J. 1598. 249 

rechten verstand des Gatechismi wenig unterrichtet seyii; und durch 
allerley irrigen gedancken ihnen eine besonder Keligion einbilden, 
oder von andern eiubilden lassen. Denen kan nicht bessor gerathen 
werdeD; dann daft ihneu der Catecbismus aufs einfeltigst erklart; und 
griindlicb fiirgelegt werde. Wie wol nun von gelebrten Leuten 
volkommenere uud ausfubrlichere unterweisnng fur ibre Kircben an tag 
gegeben seynt, so ist docb dieser anserer Kircben gelegenbeit nocb 
fiir gut abngeseben worden^ dafi die Kinderlebr auf diese form, 
welcbe unsem Zub5rern mehr bekant ist, - auf difimabl abm nutz- 
licbsten gescbeben moge, ebe sie zum grossen Catecbismo, und 
reicberem oder weiterem verstand gefiibret wUrden. Endlicb, so 
maun aucb bedenket, wie es mit diesem gescbwacbten Reicbsstand, 
und bedrangten Kircben allbie bescbaffen: so ist von nStben, dafi wir 
aucb der nacbkommenden in acbt nemen, darmit sie nit wieder in 
vorigen irrtbumb und abgotterey geratben, auf dafi wir in en ein o£fentlicbes 
Zeugnufi nacb uns lassen, daraus sie erkennen mogen, dafi diese 
Lebr, so man in dieser uralten Reicbsgrafscbaft angenommen, und 
darbey so viel zugesetzet, die recbte Cbristlicbe, Catboliscbe, Aposto- 
liscbe, und allein seligmacbende Lebre sey, dariiber wir unbillicber- 
weise verbasset vnd bescbweret werden, Auf dafi aucb sie, die nacb- 
kommenden im selben grund der Cbristlicben Lebre^ der warbeit weiter 
nacbzuforscben, und darbey zu verbarren gesterckt werden: Bin derwegen 
guter zuversicbt, es werden fromme und friedliebende Herzen weniger 
nicbt als E. gn. und andere Gottselige, und fiirneme personen, die micb zu 
diesem summariscben Aufizug und HandbUcblein beweget, und ver- 
mabnet baben, ibnen dasjenige, was zur erbauung und fortpflanzung 
Gottlicber Warbeit den einfSltigen und unwissenden zum besten ge- 
meinet, nit mififallen lassen, Weil dann Wolgeborne Grevin, E. gn. 
sicb vielleicbt bald auf die vorstebende reifi begeben mScbten, bab 
E. gn. icb dieses Handbucblein zum Cbristlicben valet mitgeben 
wollen, ob vielleicbt dieselb an frembden orten ibrer Cbristlicben 
Religion balben mocbten zur rede gesetzt werden, dafi sie biemit 
bezeugen konne, dafi keine andre als die ware Cbristlicbe Religion 
wie dieselb in den Hauptstucken Cbristlicber Lebr begrieffen in dieser 
loblicben Reicbsgraffschaft, ibrem Vatterland gelebrt werde. Der 
barmberzige Gott wolle umb Cbristi seines lieben Sobns willen 
durcb seine genad und segen uns in erkantnufi' seiner G<5ttlicber 
warbeit erbalten, wieder den Satban, und seiner Kircben feiude 
scbutzen, und dem Graflicben Hause Orttenburgk nacb der lang- 
wierigen triibsal wiederumb freud und woblfabrt verleiben. Amen. 
Geben am tage Petri und Pauli, Anno 1595. 

E. gn. 
undertbeniger 

Adamus Hertzog 
Pfarrer. 



250 Kolde, Ein kryptocalvinist. Katechismus f. Ortenburg a. d. J, 3598. 

Christliche Unterweysung fiir die Kinder und einfftltigen. 

Welches Glaubens oder Religion bistu? 

Antwort: Aus Gottes gnadeu bia ich eiD Christ, und bekenne 
mich zu dem alien Catholischen Allgemeinen christlichen Glauben^ 
daranf ich in den Tod Christi getauft bin^). 

Worauf ist dein Religion und Glauben begrtindetV 

Antwort: AUein auf das unfelbare wort Gottes, durch den 
Heiligen Geist, von den Propheten und Aposteln in der heiligen 
Bibel beschrieben, und von Gott selbst mit Gottlichen wunderwerken 
bestettigt. 

Was ist dein und aller Christen einiger trost im 
Leben und sterben? 

Antwort: Dafi ich mit Leib und Seel, beide im Leben and 
sterben, nicht mein sondem meines getreuen Heylands Jesu Christi 
eigen bin, der mit seinem theuren Blut fiir alle meine sunden voU- 
kommlich bezahlt, und mich aus allem gewalt des Teufels erloset 
hat, und also bewahrt, dafi ohne den willen meines Vatters im 
Himmcl kein Haar von meiuem Haupt kann fallen, ja auch mir alles 
zu meiner seligkeit dienen mufi, darumb er mich auch durch seinen 
Heiligen Geist des ewigen Leben s versichert, und ihme forthin zu- 
leben von Herzen willig vnd bereyt macht^). 

Wieviel seynd Hauptstuck der Christlichen Reli- 
gion, welche einem Christen zu wissen von nothen 
sein, dafi er in diesem Trost Christlich leben und 
seliglich sterben moge? 

Antwort: Sechs. Das erste, die zehen Gebotte Gottes. Das 
andere, die Artikel des Christlichen Apostolischen Glaubens. Das 
dritte, das Gebet. Das vierte, das Ampt der SchlUssel. Das fiinfte, 
das Sacrament der Heiligen Tauff. Das sechst, das Sacrament des 
Leibs vnd Bluts, oder Nachtmahls des Herren Christi. 

Das Erste Hauptstuck^) 

von den Heiligen Zehen Gebotten Gottes, wie dieselben im 
2. Buch Mosi ahm 20. und im 5. Buch Mosi am 5. Capit. be- 
schriebeu stehen, und darin die summa des Gesetzes Gottes be- 
grieffen ist. 



1) Hierzu vgl. den Anfang des Zweibriickener Katechismus von 1588 
bei Reu I, S. 216. 

2) Wortlich aus dem Heidelberger Katechismus vgl. Reu I^ 242. 

3) Vgl. den Heidelberger Katechismus, an den sich Hertzog im ganzen 
Abschnitt anschlieBt. 



Kolde, £in kryptocalvinist. Katecbisniofi f. Ortenbnrg a. d. J. 1598. 251 

Was erfordert das Gesetz Gottes von uns in einer 
snmma? 

Autwort: Difi lehret uns Christus Matt, am 22. Da solt 
lieben Gott deinen Herren von ganzem Herzen, von ganzer Seelen, 
yon ganzem Gemut, and alien kraften^ difi ist das fUrnembste und 
groste Gebott : Das ander aber ist dem gleich, da suit deinen nabesten 
lieben als dich selbest. In diesen zwejen Gebotten bauget das 
gauze Gesetz and die Propheten. 

Konnen wir dann die Zeben Gebott vollkommlich 
balten? 

Ant wort : Neiu. Denn das ticbten vnud tracbten des Menscben 
Ilerzeus ist b5fi von seiner j agent an, and wir seynd von natur 
geneigt Gott and unsere nabesten za bassen. 

Wober kompt dann solcbe verderbte anart des 

Menscben? 

Antwort: Aas dem fall and angeborsam anserer ersten Eltern 
Adam vnnd Even im Paradifi, da nnsere natur also verderbt ist, 
da$ wir alle in sUndeu empfangeu and geboren werden. 

Weil aber uiemaud die Zeben Gebott balteu kau, 
warum lafit uns denn Gott dieselben so scbarff 
predigen? 

Antwort: Erstlicb darumb: auf dafi wir daraus unsere sUnd er- 
kennen und so viel desto begiriger vergebung der sUuden und ge- 
recbtigkeit in Ohristo suchen, darnach, dafi wir daraus lernen, was 
Gott will vou uns gethan und gelassen baben, uud also durcb die 
gnad des H. Geistes je lenger je mebr zu dem Ebenbild Gottes er- 
neueret werden, bis wir das ziel der vollkommenbeit nacb diesem 
Leben erreichen. 

Konnen wir dann mit unseron guten Werken die 
Seligkeit verdienen? 

Antwort: Mit nichten: dann auch imsere besten Werk seind 
noch in diesem Leben unvollkommen, und mit siinden befieckt, sender 
allein Cbristus hat uns die seligkeit verdient. 

So dann unsere gute Werk nichts verdiienen, warumb 
verhoisset dann Gott, dafi er sie belohnen willV 

Autwort: Solche belohnung geschicbt nit aus verdienst, sondorn 
aus genaden. 

Warumb sollen wir aber gute Werke tbunV 

Antwort: Erstlicb darumb^ dafi wir mit uuserem ganzon Leben 
uns gegen Gott unserm Scbopfer, Erlbser, und Seligmacber daukbar, 



252 Kolde, Ein kryptocalvinist. Katechismus f. Ortenburg a. d. J. 1598. 

und als die Kinder Gottes gehorsam erzeygen, dafi er durch uus 
gepriesen werde: darnach dafi wir bey iins selbst nnseres Glaubens 
au8 seinen friichten gewifi seynd und mit unserem Gottseligen wandel 
unseren nShesten auch Christo gewinnen^). 

Welches seynd dann gute Werke? 

Antwort : Allein die aus wahrem Glauben nach dem Gesetz und 
Gebotten Gottes ihm zu ehren, und dem nSbesten zu uutz gescbehen, 
and nicbt die auf nnser gutdtincken^ oder Menscbensatzung ge- 
griindet sein. 

Wie werden die Zeben Gebot Gottes getheilt?*). 

Antwort: In zwo Tafeln: deren die erste in vier Gebotten leret, 
wie wir uns gegen Gott sollen halten : die ander in secbs gebotten, 
was wir unserm nSbesten schuldig seyn. 

Wie lautet das erste Gebot? 

Antwort: Gott redet alle diese wort: Ich bin der Herr dein 
Gott, der Ich dicb aus Egyptenlandt aus dem Diensthause gefiibret 
habO; du solt keine andre Gotter ftir mir baben. 

Was ist das? 

Antwort: Wir sollen Gott uber alle ding fiircbten, lieben, und 
vertranen, darneben alien falschen Gottesdienst, Abgotterey, Aber- 
glauben, anruffung der Heiligen oder andre Creaturen flihen und 
meiden. • 

Welchs ist das ander Gebot? 

Antwort: Du solt dir kein Bildnufi nocb irgend ein glecbnufi (?) 
machen, weder defi, das oben im Himmel, nocb defi, das unten auf 
Erden, oder defi, das im Wasser unter der Erden ist. Du solt sie 
nicht anbetten, noch ihnen dienen, denn Ich bin der Herr dein Gott, 
ein eyfferiger Gott, der die missethat der Vatter heimsucht an den 
Kindern bis ins dritte und vierte glied deren, die mich hassen, 
und thu barmhertzigkeit an viel tausenden, die mich lieben und 
meiue gebott halten. 

Was ist das? 

Antwort: Wir sollen Gott fiircbten vud lieben, dafi wir ihn in 
keiiien weg verbilden, noch auf irgeiit ein andre weise dann Er in 
seinem wort befohlen liat, vorehren sollen : dann Gott will seine 
Christen nit durch stumme Gotzen, sondern durch die lebendige Predigt 
seines Worts unterwieseu baben. 



1) Dies aus dem 3. Teil des Heldelb. Kat. Von der Dankbarkeit 
genommen. Vgl. Reu S. 256. 

2) Vgl. Heidelb. Kat. bei Reu I, 256, im tibrigen ist es interessant 
zu beobachten, wie die lutherische Erklarung hineingearbeitet wird. 



Eolde, Ein kryptocalvinist. Katechismus f. Ortenburg a. d. J. 1598. 253 

Welches ist das dritte Gebot? 

Antwort: Du solt den Namen des Herrn deines Gottes nicht 
mifibrauclieD, deim der Herr wird den nit ungestraflFet lassen, der 
seineu Namen mifibrauchet. 

Was ist das? 

Antwort: Wir sollen Gott fiirchten und lieben, dafi wir bei 
seinem Namen nicht fiuchen, falschlich schweren, zaiiberen, segnen, 
liegen oder triegen, sondern denselben' in alien nothen ahnruffen, 
beten, loben nnd danken. 

Welches ist das vierte Gebot? 

Antwort: Gedenk des Sabbathtages^ dafi du ihn heiligest. 
Sechs tage soltu arbeiten, nnd alle deine werk beschicken, aber am 
siebenden tage ist der Sabat des Herrn deines Gottes, da soltu kein 
werk tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, 
noch deine Magd, noch dein Vieh, noch der frembdlinger, der in 
deinen thoren ist. Denn in sechs tagen hat der Herr Himmel und 
Erden gemacht, und das Meer, und alles was darinnen ist, und 
ruhete am siebenden Tag, darumb segnete der Herr den Sabathtag, 
und heiligte ihn. 

Was ist das? 

Antwort: Wir sollen Gott fiirchten und lieben, dafi wir die 
Predigt, sein Wort, nit verachten, sondern dasselbig heilig halten, 
gem hSren, lernen, und unser Leben darnach richten. 

Welches ist das flinfte Gebot? 

Antwort: Du solt deinen Vatter, und deine Mutter ehreu, auf 
dafi du laug lebest im Laud, das dir der Herr dein Gott gibt. 

Was ist das? 

Antwort: Wir sollen Gott fiirchten und lieben, dafi wir unsere 
Eltern vnd Herrn nicht verachten, noch erzurnen, sondern sie in 
ehren halt«n, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und werth haben. 

Welchs ist das sechste Gebot? 
Antwort: Du sollst nicht todten. 

Was ist das? 

Antwort: Wir s5llen Gott fiirchten und lieben^ dafi wir unserem 
nahesten an seinem Leib kein schaden noch leyd thun, vil weniger 
in hassen, neyden, oder mit ihm zurnen, sender ihn lieben, helfen, 
und fordern in alien Leibs nothen, 

Welches ist das siebend Gebott? 
Antwort: Du solt nit Ehebrecheu. 



254 Kolde, Ein kryptocalvinist. Katecbismas f. Ortenburg a. d. J. 1598. 

Was ist das? 

Antwort-: Wir sollen Gott fUrchten und liebeu, dafi wir keuscb 
und ziichtig leben in gedanken, worten uud werken, und ein jeg- 
licher sein gemahl liebe und ehre, und alle unkeuscbe lust und 
anreizung fliben und meiden. 

Welcbes ist das acbte Gebot? 
Antwort: Du solt nit stelen. 

Was ist das? 

Antwort: Wir sollen Gott flircbten und lieben, dafi wir unsers 
nSbesten gelt oder gutt nit nemen nocb mit falscber wabr, wucber^ 
geiz, list odej bSsen Handel an uns bringen, sondern ibm sein gutt 
und nabrung belffen bessern und behuten. 

_ Welcbes ist das neunte Gebot? 

Antwort: Du solt kein falscb zeugnufi reden wider deinen 
nHbesten. 

Was ist das? 

Antwort: Wir sollen Gott furchten, und lieben, dafi wir unseren 
nabesten nit fsLlscblicb beliegen, verratben, afterreden, Ifistern, ver- 
dammen, oder bosen leumund macbeu, sondern sollen in entscbuldigen, 
gutes von ibm reden und alles zum besten kebren. 

Welcbes ist das zehnte Gebot? 

Antwort : Lafi dicb nit gelUsten deines nabesten Haufi^ lafi dicb 
nit geliisten deines nabesten Weibs, nocb seines Knecbts, nocb seiner 
Magd, nocb seines Ocbsens, nocb seines Esels, nocb alles was dein 
nSbester bat. 

Was ist das? 

Antwort: Wir sollen Gott fiircbten und lieben, dafi wir unserem 
nabesten nit mit list oder begierde nach seinem weibe, Erbe oder 
Hause steben nocb mit einem scbcin des recbten an uns bringen, 
etc. Sondern ibm dasselbig zu bebalten fdrderlich und dienstlicb 
seyn, und dafi auch die geriugste Lust oder gedanken wieder irgent 
ein Gebott Gottes in unser Hertz nimmer mebr kommen sollen. 

Was dreuet Gott den ungehorsamen und uber- 
trettern seiner Gebott? 

Antwort: Er dreuet seinen zorn und ungnad, den zeitlicben 
Tod uud ewiges verdammnufi, wie er gesprocben bat: Verflucbt sey 
jederman, der nit bleibt in allendem, das gescbrieben stebet im Bucb 
des Gesetzes, dafi ers tue. 



Kolde, Ein kryp local vinist. Katechismns f. Ortenburg a. d. J. 1598. 255 

Das ander Hauptstiick 
von deD Artikeln des Christlichen und Apostolischen 
Glaubens, dariDnendie sum ma defi Euangelii begrieffen ist. 

Welches ist der rechte alte uDgezweifelte Christ- 
liche Glaube? 

Autwort: Es ist das kurze bekendtnufi^ welches man das 
Apostolische Symbolum oder Artikel des Glaubens nennt, und ist 
ein kurze snmma des Evangelii; oder alles dessen^ was wir glaubeu 
sollen, so unsere seligkeit botrifft. 

Woraus kann aber ein einfSltiger Christ wissen, 
welche Lehr und Religion recht oder unrecht sey. 

Antwort: Aus der einigen Kegel, und richtschnur des Christ- 
lichen Glaubens in Gottes Wort gegriindet: Was nun demselben in einem 
oder mehr artikeln zuwieder ist. das ist unrecht, wer aber einfaltig 
bey den artikeln des Glaubens bleibt, der kan nicht irren noch ver- 
flihrt werden. 

Viel Lent fuhren das wort, Glauben, im Muude, 
ohn verstand, sage mir derwegen, was heist dan 
Glauben, oder was ist der seligmachende Glaube? 

Antwort: Der Glaube ist ein gewisse zuversicht des Herzens 
auf die barmhertzigkeit Gottes, daft . er uns umb Christi willen 
gnadig sey. 

Woher kompt aber solcher Glaube? 

Antwort: Er kompt nit her aus eygener vernunft noch kraft, 
denn wir konnen nicht von uns selbst, ahn Christum glauben, oder 
zu ihm kommen, sondern der Heil. Geist wirket ihn in uns durchs 
Evangelium, und fiihret uns also zu Christo, dafi wir ihn fiir unsern 
einigen Mittler, vud Seligmacher erkennen, und mit Gott in Christo 
vereiniget, und Gottes Kinder werden. 

Kann man dann auf keinen anderen weg zu Gott 
kommeu, oder Christum ahnnehmen, und aller 
seiner wolthaten theilhaftig werden, vergebung 
der sundeu, gerechtigkeit undseligkeitempfahen, 
denn nur allein durch den Glauben an die gnaden- 
verheissung des Evangelii? 

Aytwort: Nein : Dann wie nur ein einiger Grund und Weg zur 
Seligkeit ist nemblich Christus, der mit einem opfer und genugthuung 
hat in ewigkeit voUkommen gemacht, die da geheiliget werden : Also 
ist auch nur eine lehr von der Seligkeit : Nemblich, das Evangelium, 
das Wort des Heils von Christo, die Kraft Gottes zur Seligkeit, 
desseu verheissungen und guter nit anders, dann allein durch den 
Glaubeu, konnen ergrieffen werden. 



256 Kolde, Ein kryptocalvinist. Katechigmus f. Ortenburg a. d. J. 1698. 

Wie werden die Artikel des Christlichen Glaabens 
abgetheilt? 

Antwort^): In drey theil: Der erste ist von Gott dem Vatter, 
und unser erschSpfung. Der ander von Oott dem Sohn^ und unser 
Erlbsung. Der dritte von Gott dem Heiligen Geist, und unser Heiligung. 

Warumb nennestu dann drey Personen, den Vatter, 
den Sohn, und heiligen Geist, und nennst doch 
im Glauben nur einen Gott? 

Antwort: Darumb^ dafl nur ein einiger Gott und drey under- 
scfaiedlicbe Personen seyn, wie dessen ein berzlicbes Bilde bey der 
Tauf Christi gezeygt wird. Al da der Vatter vom Himmel ruffet, 
der Son im Jordan stehet; tmd d^r H. Geist in gestalt einer Taubeu 
Uber dem Herm Christo scbwebet. 

Wie lautet der erste Articul? 

Antwort: Icb glaub in Gott Vatter den AllmSchtigen^ Scbopfer 
Himmels und der Erden. 

Wie verstehstu das? 

Antwort: Icb glaub, dafi micb Gott geschaffen bat, samt alien 
Creaturen, mir Leib und Seel, Augen, Obrn uud alle Glieder, 
Vernunft und alle Sinne gegeben hat, und noch erhelt, darzu Kleider, 
und Schuh, Essen und Trinken, Haufi uud HoflF, Weib und Kind, 
Acker, Vieb, und alle Gutter, mit aller notthurft und nabrqng des 
Leibs und Lebens reich und taglich versorget, wieder alle f^hrlich- 
keit bescbirmet, und fur allem XJhel behlitet und bewabret, 
und das alles aus lauter Vatterlicber gutte und barmhert^igkeit, obn 
alle mein verdienst und wlirdigkeit. Defi alles icb ihm zu danken, 
und zu loben, und dafiir zu dienen, und gehorsam zu seyn, scbuldig 
bin, das ist gewifilich wahr. 

Was trostestu dich des Articuls von der SchSpfung? 

Antwort*): Dafi der AUmachtige Gott durch seine gegenwertige 
kraft und Vatterlicbe fursorge, alles erhelt, und regirt, also daft 
nicbts obn seinen Willen gescbehen kan, well er alles in seiner 
Hand hat, und derwegen urab Christi willen mein getreuer Vatter sey, 
dafi mich keine Creatur von seiner Liebe scheiden konne, sonder 
mir alles zu meiner Seligkeit wenden wolle. 

Wie laut der ander Articul? 

Antwort: Und in Jesum Christum, seinen eingebornen Sohn, 
unseren Herren, der empfangen ist vom H. Geist, geboren aus Maria 
der Juugfrauen, gelitten unter Pontio Pilato, gekreutziget, gestorben 

1) Dies und das Folgende wieder ganz naoh dem Heidelberger 
Katechismus bei Eeu I, 245. 

2) Vgl. Heidelb. Kat. Reu I, 246. 



Kolde, Ein kryptocalvinist, Katechismus f. Ortenburg a. d. J. 1598. 257 

und begraben, niedergefabren zur Hellen, abm dritten tag wieder 
auferstanden von den Todten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zu 
der Recbten Gottes des Allmacbtigen Vatters, von dannen er kommen 
wird zu ricbten die Lebendigen und die Todten. 

Wie verstebstu das? 

Ant wort: Icb glaub, dafi Jesus Cbristus, wabrbaftiger Gott vom 
Vatter in ewigkeit geboren, und aucb wabrbaftiger Menscb von 
der JuDgfrauen Maria geboren, sey mein Herr, der micb verlornen 
und verdampten Menscben erloset bat, erworben, gewonnen, \ind 
von alien sunden, vom Tod, und von der Gewalt des Teufels, 
nicbt mit Gold oder Silber, sondern mit seinem beiligen tbeuren Blut und 
mit seinem uuscbtildigen Leyden und sterben, auf dafi icb sein eigen sey, 
und in fieinem Reicbe uuter ibm lebe, und ibm diene, in ewiger ge- 
recbtigkeit, unscbuld und seligkeit, gleicb wie er ist auferstanden 
vom Tod, lebet und regieret in ewigkeit, das ist gewifilicb wabr. 

Was trostestu dicb des Articuls von der Erl5sung? 

Antwort: Dafi Jesus Cbristus wabrer Gott und Mens^cb in 
eiuer unzertrennlicben Person mein Seligmacber und Erloser sey, 
welcber micb mit dem einigen Opfer seines Leibes vollkommlicb er- 
loset bat, und dafi icb durcb den Glauben an ibn ein Glied seines 
Leibs, und aller seiner Wobltbat tbeilbaftig bin, also dafi icb von 
ibm nimmermebr kann nocb sol gescbeiden seyn. 

Hette dann nicbt eine Creatur fiir uns bezablen k6n- 
nen, damit der Sobn Gottes nit bat sterben diirfen? 

Antwort: Nein: dann es war keine Creatur, weder im Himmel 
nocb auf Erden, die solches bette verricbten konnen, sondern es 
mufite der Mittler und Erloser, so zwiscben Gott und Menscben 
tretten solte zugleicb ein wabrer Gott, und gerecbter Menscb seyn. 

Warumb mufite er ein wabrer und gerecbter Menscb 
seynr 

Antwort: Darumb dafi er konnte leyden und sterben, dann 
wenn er nur allein Gott gewesen were, bett er nie kbnnen leyden, 
sterben und begraben werden. 

Warumb mufite er zugleicb wabrer Gott seyn? 

Antwort: Dafi er aus kraft seiner Gottbeit den last des Zorns 
Gottes an seiner Menscbbeit tragen, den Tod uberwinden, aufersteben, 
uns in Himmel fUbren und die seligkeit geben mocbte, welcbes sonst 
kein blosse Creatur bette tbun konnen. 

Wie lautet der dritte Articul? 
Antwort: Icb glaub in den H. Geist, ein beylige, AUgemeine 
Cbristlicbe Kircben, die Gemeynscbaft der Heyligen, Vergebung der 
siinden, Auferstebung des Fleiscbes, und ein ewiges Leben. Amen. 

Beitrage zur bayer. Kirchengoschichte XI. 1. X7 



258 Kolde, Ein kryptocalvinist. Eateehismus f. Ortenburg a. d. J. 1598. 

Wie verstehstn das? 

Antwort: Ich glaub dafi ich nit aus eigener verunft noch kraft 
^hn Jesum Christa meinem Herrn glanben, oder zn iin kommen kan, 
sondem der heilige Geist hat mich durchs Evangelinm beruffen^ mit 
seinen gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiliget and erhalten, 
gleicb wie er die ganze Christenheit auf Erden berufft, samlet, er- 
leuchtet heiliget und bei Jesn Christo erhelt im recbten einigen 
Glauben, in welcher Christenheit^ er mir und alien glaubigen, taglich 
alle sUnden reichlicli vergibt und am Jiingsten tage^ mich und alle 
Todten auferwecken wird und mir sampt alien Glaubigen in Christo 
ein ewiges Leben geben wird, das ist gewifilich war. 

Was trostestu dich des Articuls von der Hey- 
ligung. 

Antwort : Dafi der Heilige . Geist, welcher gleich ewiger Gott 
mit dem Vatter, und dem Sohn ist, mir yon Christo, als meinem 
Haupt, geschenkt sey, dafi ich im durch waren Glauben eingeleibet, 
und also Christum durch seinen Geist in meinem Herzeu wohnend, 
und mit Gott selbsten gemeinschaft babe, welcher als der rechte 
TrSster und Pfaud meiner seligkeit ewiglich bey mir bleiben wird. 

Was verstehestu durch die Gemeinschaft der 
Heiligen? 

Antwort: Dafi ich und alle Glaubigen, als Glieder an dem 
Leib des Herren Christ!, miterben und mitgenossen seyn, aller gutter 
und wohlthaten Christi. 

Haben dann alle Menschen solche Gemeinschaft? 

Antwort: Nein: dann die Gottlosen und Unglaubigen, weil sie 
den Geist Christi nit haben, konuen sie keinen theil oder gemeyn- 
schaft an Christo haben^ noch Glidtmassen seines Leibes seyn. 

Das dritte Hauptstuck vom Gebet. 
Was heyfit beten? 

Antwort: Es heisset sein Herz in wahrem Glauben zu Gott 
im Himmel erheben und im namen Christi alles, was uns an Leib 
und Seel vonnoten, allein bey Gott suchen und ihm fur seine wol- 
that danken. 

Wie lautet das Gebet, welches uns der Herr 
Christus selbst gelehrt hat? 

Antwort: Uuser Vater, der du hist im Himmel. 

Was ist das? 

Antwort: Gott will uns darmit locken, dafi wir glauben sollen, 
Er sey unser rechter Vatter, und wir seine rechte Kinder, auf dafi 



Kolde, £in kryptocalyioist. Katecbismus f. Ortenborg a. d. J. 1598. 259 

wir getrost und mit aller zuversicht ibn bitten soUen, wie die lieben 
Kinder ihren lieben Vatter. 

Wie lantet die erste Bitt? 

Antwort: Gebeiliget werde dein Name. 

i 

Wie verstehstn das? ! 

Antwort: Gottes Name ist zwar an ihm selbst heilig, aber wir 
bitten in diesem Gebet, dafi er bey uns auch heylig werde. 

Wie geschieht das? 

Antwort: Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird, 
und wir aucb heilig als die Kinder Gottes darnacL leben, das helf 
uns lieber Vatter im Himmel. Wer aber anders lehret, und lebet, i 

dann das Wort Gottes lehrt, der entbeiligt uuter uns den Namen ' 

Gottes, da behUt uns fUr Himmlischer Vatter. I 

' I 

Wie lautet die auder Bitt? | 

Antwort: Dein Reicb komme. j 

Wie verstehstu das? 

Antwort: Gottes Reich koippt wohl ohn unser gebet^ von ihm 
selbs, aber wir bitten in diesem gebet^ dafi es auch zu uns komme. 

Wie geschieht das? 

Antwort: Weun der Himmlische Vatter uns seinen H. Geist gibt, 
dafi wir seinem heyligen Wort, durch seine gnad glauben, und 
Gottlich leben, hie zeitlich und dort ewiglich. 

Wie laut die dritte Bitt? 
Antwort: Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. 

Wie verstehestu das? 

Antwort: Gottes guter gnSdiger Will geschieht wohl ohn unser 
gebet, aber wir bitten in diesem gebet, dafi er auch bey uns geschehe. 

Wie geschieht das? 

Antwort: Wenn Gott alien bosen raht und willen bricht, und 
hindert; so uns den namen Gottes nit heyligen, und sein Keich 
nicht kommen lassen w^Uen, als da ist des Teufels, der welt, und 
unsers Fleisches willen, sondern starket und behelt uns fest in 
seinem Wort und Glauben, bis an unser ende, das ist sein guadiger 
guter wille. 

Wie lautet die vierte Bitt? 
Antwort: Unser taglich Brot gib nns heut. 

Wie verstehestu das? 

Antwort: Gott gibt das taglich Brot auch wol ohn unser ge- 
bet alien b5sen Menschen, Aber wir bitten in diesem gebet, dafi er 

17* 



260 Kolde, Bin kryptocalvinist. Katechismus f. Ortcnbarg a. d. J. 1598. 

* 
nns erkeunen lasse^ und mit dancksagung empfahen unser tSglich 
Brot. 

Was heifit dann taglich Brot? 

Antwort: AUes was zur Leibes nahrung und uotthurft gehort, 
als EsseU; Trinken, Kleider, Schuh, Haiifl, Hoff, Acker, Vieb, Gelt, 
Gutt froram Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesiud, from me und treue 
Oberherren, gutt Regiment, gutt Wetter, Fried, gesundheit, zucbt, 
ehre, gute freund, getreue Nachbarn und defigleicben. 

Wie laut die funfte Bitt? 

Antwort: Und vergib uns unser scbuld, als aucb wir vergeben 
unsern schuldigern. 

Wie verstehestu das? 

Antwort: Wir bitten in diesem gebet, daft der Vatter im Uimmel 
nit ansehen wolle unsere sUnde, und umb der selbigen willen, solche 
bitt nit versagen, denn wir seyud der keines werth, das wir bitten, 
habens auch nicht verdienet, sondern er wolts uns alles aus gnadeu 
geben, dann wir ttCglich viel stindigen und wol eitel straff verdienen, so 
wollen wir zwar wiederumb auch herzlich vergeben und gern woltliun 
denen, die sich an uns versiindigen. 

Wie laut die sechste Bitt? 
Antwort: Und fUhre uns nicht in versuchung. 

Wie verstehestu das? 

Antwort: Gott versucht zwar niemand, aber wir bitten in diesem 
gebet, dafi uns Gott woU behuten, und erhalten, auf dafi uns der 
Teufel, die Welt, und unser Fleisch nit betriege, und verfuhre in ^ 
mifiglauben, verzweiflung, und and ere grosse schand uud laster, und 
ob wir darmit angefochten wurden, dafi wir doch endlich gewinnen 
und den sieg behalten. 

Wie laut die siebende Bitt? 
Antwort: Sondern erl3se uns vom bosen. 

Wie verstehestu das? 

Antwort: Wir bitten in diesem gebet, als in der summa, dafi 
uns der Vatter im Himmel vom bosen feiud dem Teufel, und von 
allerley iibel Leibs und Seele, guts und ehre erlbsen: und zuletzt 
wen unser stiindlein kompt, ein seligs end bescheren und mit gnaden 
von diesem Jammerthal zu sich in den Himmel nemen wolle. 

Wie laut der beschlufi des Gebets? 

Antwort: Dann dein ist das Reich, und die Kraft und die 
Herri ichkeit in ewigkeit, Amen. 



Kolde, Ein kryptocalvinist. Eatechismus f. Ortenburg a. d. J. 1598. 261 

Was ist das gesagt? 

Autwort: Seiches alles bitten wir darumb von dir, dafi du als 
unser K5nig, und aller ding mechtig, uus alles gutes geben wilst 
und kaust, und dafi dadurch niebt wir, sondern dein heiliger Name 
ewig soil gepreiset werden. 

Was bedeutet das Wortlein, Amen? 

Antwort: Dafi ich soil gewifi seyn, solch bitte seynd dem Vatter 
im Himmel angenem und erhort, dann er selbst hat uns gebotten^ 
also zu beten und verheissen, dafi er uns wolle erhoren^ Amen Amen, 
das heifit Ja, Ja^ es soil also gescheheu. 

Das vierte Hauptstiick vom Ampt der Schlussel. 

Was ist das Ampt der Schlussel? 

Antwort: Es ist die Predigt, oder verkiindigung des heyligen 
Evangelii, von vergebung der sunden, dadurch das Himmelreich alien 
Glaubigen und bufifertigen siindern, allein umb des verdiensts Christi 
willeu; aus gnadeu aufgeschlossen, und alien unglaubigen und un- 
bufifertigen zugeschlossen wird. 

Wo sjtehet das geschrieben? 

Antwort: Joan, am 20. v. 22. Jesus bliese seine Jlinger ahn, 
und sprach zu ihnen: Nemet hin den H. Geist, welchen ihr die 
sunde erlasset, den en seynd sie erlassen, und welchen ihr sie be- 
haltet^ den en seynd sie behalten. Item Matth. am 16. v. 9. und am 
18. V. 18. Ich will dir des Himmelreichs Schlussel geben, alles 
was du auf Erden binden wirst, soil auch im Himmel gebunden seyn, 
und alles was du auf Erden Ibsen wirst, soil auch im Himmel 
lofi seyn. 

Wie kan dann ein Mensch die sUude vergeben, weil 
solches allein Gottes werk ist? 

Antwort: Solchs kann kein Mensch thun aus eygener kraft oder 
wirkung, sonder der diener Christi verkiindiget solche verheissung 
des Evaugclii an Christi stadt, welche alien denen, so der verheissung 
Gottes glauben eine vergebung der siinde, und Gottes absolution ist, 
welche aber nit glauben, deuen ists keine absolution, oder vergebung, 
sondern der zorn und uugnad Gottes bleibet uber ihnen, und seyn 
schon gerichtet, denn sie glauben nit ahn den namen des eingeborneu 
Sohn Gottes. 

Das Fiinfte Hauptstuck vom Sacrament der Heiligen Taufe. 
Was seynd die Sacrament? 

Antwort : Es seynd sichtbare warzeichen und siegel von Gott 
darzu eingesetzt, dafi er uns durch den branch derselbigen die ver- 
heissung des Evangelious desto besser zu verstehen gebe und ver- 



262 Kolde, Ein kryptocalyinist. Katechismus f. Ortenburg a. d. J. 1598. 

siegle: Nemblich^ dafi er uns von wegen des einigen Opfers Christi 
am Oreaz vollbraclit, vergebung der sUnden, und ein ewiges Leben 
auB gnaden schenke. 

Was gehSrt zu rechtem branch des Sacraments. 

Antwort: Der wahre Glaub, welcher in herzlicher Zuversicht, 
die verheissung von der ganzen ErlQsung nnd Opfer dnrch Christum 
geschehen ergreift^ nnd ihm dieselben im rechten branch zuejgnet. 

Wozn dienen die Sacrament? 

Antwort: Znr sterkung unseres Glaubens^ zur versicherung der 
gnadenverheissung Gottes nnd dafi die Christen sich dadurch yon 
anderen unglaubigen absondern. 

Wie viel Sacrament hat Christus im Neuen Testa- 
ment eingesetzet? 

Antwort: Zwey: den H. Tauf nnd das H. Nachtmahl. 

Was ist die Tauf? 

Antwort: Die Tauf ist nit schlecht Wasser, sondern sie ist ein 
Wasser, in Gottes Gebot gefasset und mit Gottes verheissung ver- 
bunden, Nemblich^ dafi das Blut Jesn Christi des Sohns Gottes uns 
reiniget von alien unsern siinden, und dafi er uns durch den H. Geist 
erneuern woUe zum ewigen Leben. 

Was heifit dann wiederumb geboren werden? 

Antwort: Wiederumb geboren werden, heifit nicht wiederumb in 
Mutterleib kommen, und also leiblich noch einmahl geboren werden^ 
wie Nicodemus mejnete, sondern es heifit durch das Blut Christi in 
Kraft des H. Geistes von unserer stindlichen geburt erlediget, neu- 
geboren, und zu Kiudern Gottes angenommen und geheiliget werden. 

Welches ist dann solch Wort und Gebott Gottes 
von der einsatzung der H. Tauf? 

Antwort : * Da unser Herr Christus spricht Matth. am letzten : 
Mir ist gegeben alle gewalt im Himmel und anf Erd|^n, drumb 
gehet hin in alle Welt, lehret alle VSlker, un taufet sie im Nahmen 
des Vaters^ und des Sohns, und des H. Geistes, und lehret sie balten 
was Ich euch befohlen hab. 

Was gibt oder wirkt Gott durch die Tauf? 

Antwort: Der H. Geist wirket dadurch in uns die versicherung, 
dafi wir also gewifi durch das Blut Christi innerlich von alien unsern 
siinden abgewaschen^ und zu Kindern Gottes wiedergeboren, gleich 
wie wir mit dem Wassertauf eusserlich bespreuget werden, und dafi 
wir in Christo haben vergebung der sUnden, Erlosung vom Tod und 
Teufel, und dafi Gott die ewige seligkeit geben wcJlle alien, die 
solches glauben, wie die wort und verheissung Gottes lauten. 



Kolde, Ein kryptocalvinist. Katechismus f. Ortenbarg a. d. J. 1598. 263 

Welches seyud dann solche wort und verheissung 
Gottes? 

Antwort: Da nnser Herr Christus spricht Marci am letzten, Wer 
da glaubt und getauft wird, der wird selig, wer aber nit glaubt, der 
wird verdampt. 

Wie kann wasser solche grosse ding thun? 

Antwort: Wasser thuts freylich nit, sondem der H. Geist durch die 
verheissung des Worts Gottes, so mit und bey dem Wasser ist, und 
der Glaube, so solchem Wort Gottes trauet, dann ohne das Wort 
der verheissung ist das Wasser schlecht wasser und keine TaufO; 
aber mit der verheissung Gottes ists eine Tanf des Lebens, und ein 
Bad der Wiedergeburt im H. Geist, wie S. Paulus sagt zu Tito am 
3. Cap.: Nach seiner barmhertzigkeit hat er uns selig gemacht, durch 
das Bad der Wiedergeburt und erneuernng des H. Geists, welchen 
er ausgegossen hat uber uns reichlich durch Jesum Christum unsern 
Heyland, auf dafi wir durch desselbigeu gnad gerecht, und Erben 
seyu des ewigen Lebens^ nach der Hoffnung^ das ist gewifilich wahr. 

Was bedeutet dann solche Wassertauf? 

Antwort: Es bedeutet dafi der alte Adam in uns durch tSgliche 
reu und bufi, durch Kraft des H. Geistes im Blut und Tod Christi 
soil ersenffet werden^ und sterben mit alien siinden und bosen lusteu^ 
und wiederumb taglich herauskommen, und auferstehen ein neuer 
Mensch durch die kraft der Auferstehung Christi, der in gerechtig- 
keit und reynigkeit fUr Gott ewiglich lebe. 

Wo stehet das geschrieben? 

Antwort: St. Paulus zun Romem am 6. spricht: Wir seynd 
sampt Christo durch die Tauf begraben in den Tod, dafi, gleich 
wie Christus ist von den Todten auferweckt durch die Herrligkeit 
des Vatters, also soil en auch wir in ein em neuen Leben wandlen. 

Das Sechste Hauptstiick vom Sacrament des wahren Leibs und 
Bluts, Oder I^achtmahls des Herren Christi. 

Was ist des Herren Abendmahl? 

Antwort: Es ist ein Sacrament oder Gottlieb pfand des wahren 
Leibs und Bluts unsers Herren Jesu Christi, mit Brot und Wein 
uns Christen in wahrem Glauben zn essen und zu trinken von Christo 
selbst zu seinem gedSchtnus eingesetzt. 

Oder, 

Es ist nicht schlecht Brot und Wein sondem solch Brot und 
Wein, welches in Gottes Gebott gefasset, und mit Gottes verheissung 
verbundeu, dafi wir an seinem Fleisch eine speifi und trank fur 
unsere Seelen haben, und durch seinen Geist mit ihme vereiniget 
werden soUen. 



264 Eolde, Ein kryptocalvinist. Eatechismus f. Ortenburg a. d. J. 1598. 

Welches ist dan solch Wort und Verheissung Gottes? 

Antwort: Da unser. Hen* Christus spricht: Das ist meiu Leib, 
der fur Euch gegeben wird: Dieser Kelcb ist das Neue Testament 
in meinem Blut, das fur Eiich und fiir viel vergossen wird zur ver- 
gebung der sunden, darinneu die summa aller Evangeliscben ver- 
beissnngen gefasset ist. Nemblicb dafi Christus sich nns selbst 
schenkt, dafi er als das Haupt in uns^ und wir als seine Glieder 
in im, ein Fleisch und Bein von seinem Fleisch und also allein in 
seinem Bint und Tod Vergebung der stinden, Gemeinschaft mit 
Gott, und das ewige Leben haben sollen. 

Wo stehet das geschrieben? 

Antwort: So schreiben die heiligen Evangelisten Matth. am 26., 
Marc, am 14., Luc. am 22. und der Apostel Paulus in der I. an 
die Cor. am 11. Capitel: Unser Herr Jesus Christus in der nacht, 
da er verratou ward, nam er das Brot, danket und brachs, und 
gabs seinen Jiiugern und sprach: Nemet bin und esset, das ist mein 
Leib, der fiir Euch gegeben wirt^ solches tliut zu meinem gedScht- 
nufi. Desselbigen gleichen nam er auch den Kelch, uach dem Abent- 
mahl, dankt und gab ihn den, und sprach: Nemet bin, und trinkt 
alle daraus, dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, 
das ftir Euch und fUr viel vergossen wird, zur vergebung der sUnden, 
solches thut, so oft ihr es trinket, zu meinem gedachtnufi: dann so 
oft ihr von diesem Brot esset, und von diesem Kelch trinket, solt 
ihr den Tod des Herrn verkiindigen, bis dafi er kompt. 

Was nutzt dann solch Essen und Trincken? 

Antwort: Das bezeugen uns diese Wort der verheissung, das ist 
mein Leib der fUr Euch gegeben wird, das ist mein Blut, das fiir 
Euch vergossen wird zur vergebung der sunden. Nemblieh dafi uns 
durch rechten Branch des Sacraments nicht allein vergebung der 
siiuden, leben und seligkeit in solcher verheissung gegeben, sondern 
auch Christus selbst als unser Haupt mit uns vereiniget wird. Dann 
in ihm ist die vergebung der siinden, und leo vergebung der sunden 
ist, da ist auch leben und. seligkeit. 

Wie kann leiblich Essen und Trinken solche 
grosse Dinge thun? 

Antwort: Essen und Trinken des Brot und Weins thuts frey- 
lich nicht, sondern der heilige Geist durch den Glauben an die Ver- 
heissung der wort, so da stehen, fiir mich gegeben und vergossen 
zur vergebung der sunden, Welche wort seynd ueben dem Leiblichen 
Essen und Trinken des Brots und Weins des Herren, als das Haupt- 
stiick im Sacrament, und wer denselbigen wort glaubt, der hat was 
sie sagen, und wie sie lauten, nemblieh vereinigung mit dem Leib 
und Blut Christi, vergebung der sunden, leben und seligkeit. 



Kolde, Ein kryptocalvinist. Katechismiis f. Ortenburg a. d. J. 1598. 265 

Wer empfehet dan solch Sacrament wurdiglich? 

Antwort: Fasten und leiblich sich zubereiten ist wohl eine 
feine eusserliche zucht, aber der ist rechtwUrdig, und wolgeschickt, 
wer den glauben hat an diese wort der verheissung, Fur Euch ge- 
geben und vergossen zur vergebung der sunden. Wer aber dieser 
verheissung nicht glaubt oder zweifelt, der ist unwurdig und unge- 
schickt, denn das wort (fiir euch) fordert eitel glaubige und bufi- 
fertige herzen, und sterkt unsern glauben. 

Was ist flir ein unterscheid zwischen dem Abend- 
mahl des Herren und der Mefi? 

Antwort: Das Abentmahl bezeuget, dafi wir vollkommene ver- 
gebung aller unser sunden haben, durch das einige Opfer Jesu Christi, 
so Er selbst einmal am Creuz volbracht hat, und daft wir durch 
den heiligen Geist in wahrem Glauben, Christo werden eingeleibt, 
der mit seinem Leib im Himmel zur rechten des Vatters ist, und 
daselbst will angebetet werden: Die Mefi aber leret, daft die Leben- 
digen und die Toten nicht durch durch das leyden Christi vergebuog 
der sunden haben, Es sey daun, dafi Christus noch taglich fiir sie 
in der Mefi geopfert werde, und dafi Christus leiblich unter der ge- 
stalt Brots und Weins sey, und derhalben darinnen soil ange- 
betet werden. 

Wird daun aus Brot und Wein der wesentliche 
Leib und Blut Christi? 

Antwort: Nein: Sondern wie das wasser im Tanf nicht in das 
Blut Christi verwandelt, oder die abwaschung der sunden selbst wird, 
Also wird auch das Brot im Abentmahl nit der Leib Christi selbs 
oder darein verwandelt. 

Warumb nennet daun Christus das Brot seinen 
Leib, und den Kelch sein Blut, oder das Neue 
Testament in seinem Blut, und St.Paulus die gemein- 
s^haft des Leibs und Bluts Christi? 

Antwort: Er will uns nicht allein damit lehren, dafi, gleich wie 
das Brot und Wein das zeitliche Leben erhalten, also sey auch 
sein gecreuzigter Leib und vergossen Blut, die wahre speifi und 
trank unserer Seeleu zura ewigen Leben, sondern , vielmehr dafi er 
uns dadurch wil versichern, dafi wir so wahrhaftig seines wahren 
Leibs uiid Bluts, durch die wirkung des H. Geists, in wahrem 
Glauben teilhaftig werden, als wir dieses heilige Sacrament mit dem 
Munde seiner gedachtnufi- empfaheu, und dafi alle sein leyden und 
verdienst so gewifi unser eygen sey, als hetten wir selbst in unser 
eigenen Person alles gelitten und genug gethan. 



266 Kolde, Ein kryptocalvinist. Eatechismus f. Ortenburg a. d. J. 1598. 

Was heisset den gecrenzigten Leib Christ! essen? 
und sein vergossen Blut trinken? 

Autwort: Es heifit iiicht einen unsichtbaren Leib und unsicht- 
bares Blut im Brot und Wein verborgen, unempfindlicher weise in 
Mund nemen^ und hinein schlucken : dann Ckristi Leib und Blut 
gehen nicht zum Mund ein, wie auch in der Tauf keine leibliche 
wiedergeburt geschicht, wie Nicodemus aus blinder vernunft meynete, 
sondem es lieifit den gecrenzigten Leib Christi, und sein vergossenes 
Blut mit dem Mund des Herzens ergreifen, das ist mit wahrem 
Glauben ins Herz fassen, dafi wir an Christo das Leben und die 
rechte speifi und erquickung unserer Seelen baben sollen. 

Wo stehet das geschrieben, dafi den Leib Christi 
essen, und sein Blut trinken^ so viel heisse, als 
ahn Christum glauben? 

Antwort: In den worten Christi, Solches thut zu meinem gedachtnufi, 
welche gedachtnufi so nichts anders ist dann eine erfrischung, und ver- 
neuerung des Todes Christi, welchen der glaubige Mensch in kraft des 
H. Geistes ihm in sein Herz drucket, und zu eigen macht, also dafi er 
nicht alleine wahre gemeinschafft mit Christo soiidern Christum selbst, 
durch den glauben, in seinem Herzen wohnend hat, und lebendig 
empiindet, wie Christus solch essen und trinken seines Leibs und 
Bluts Jo. am 6. Cap. erklaret. 

Wo ist aber jetzo Christus mit seinem Leibe oder 
seiner Menschlichen Natur? 

Antwort: Solches zeygen uns die Articul des Christlichen 
Glaubens, Aufgefahren gen Himmel^ von dannen Er auch kommen 
wird zu richten die Lebendigen und die Toten. Item die Engel 
am Himmelfarttage sagen zu den Jungern : Ihr Menner von Galilea 
was stehet ihr da, und sehet hinauf, gen himmel, dieser Jesus, wel- 
cher von euch hinauf genommen ist gen Himmel, wird kommen,- wie 
ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Und in der Einsatzung 
des heiligen Nachtmahls, da Christus befohlen, dafi wir dasselbige 
halten sollen zu seinem gedachtnufi, setzet der Apostel Paulus darzu 
und spricht: So oft ihr von diesem Brot esset, und von diesem 
Kelch trinket, sollt ir den Tod des Herren verkundigen, bis dafi 
er kommet. 

Ist dann Christus ganz und garnicht mehr bey uns 
auf Erden? 

Antwort: Das wer uns ein kleiner Trost, wan Christus also 
von uns gewichen wer, dafi er ganz und gar nie mehr bey uns wer: 
dann er ist und bleibet bey uns bis ans Ende der Welt, aber sol- 
ches nicht nach seiner McDschlichen Natur, sondern nach seiner 
Gottheit, Maiestet, Geist, imd gnad. 



Kolde, Ein kryptocalvinist. Katechismus f. Ortenburg a. d. J. 1598. 267 

Werden aber die zwo naturn in Christo nicbt ge- 
trennet, so der Leib Christ im Himmel bleibet, 
und seine Gottliche Natur allenthalben ist? 

Antwort: Mit nichten, dan die Menschliche Natur, weil sie 
endlich und begreiflich ist, hat sie ihr gewifi ort und raum, und 
bedarf nicht, daft sie allenthalben sey, wo die Gottheit ist. Aber 
die Gottheit, weil sie unendlich und unbegreiflich ist, und also 
Himmel und Erden erfullet, so ist sie von der Menschlichen natur, 
welche droben im Himmel ist, keinswegs getrennet, sender ist und 
bleibet in und mit derselben persQnlich vereiniget. Dann so Wenig 
die Gottheit von dem Leib abgesondert war, als der Leib in der 
Erden begraben lag, und Christus dennoch nach seiner Gottheit im 
Paradifi war, wie er zum SchScher saget: Also wenig wird die 
Menschheit von der Gottheit getrennet, ob der Leib gleich jetzo im 
Himmel, die Gottheit aber allenthalben ist, sonst mUste folgen, dafi 
die Menschheit der Gottheit gleich worden wer, dardurch dann Chri- 
stus nicht mehr wahrer Gott_ und 
Mensch seyn, und alle articul 
des Glaubens zersto- 
ret wurdeu. 

(Das Folgende fiir sich auf der letzten Druckseite.) 

Augustinus. 

Es mbchten und konten wohl ihr viel zur erkanntnufi der Warheit 
kommen, wo sie nicht in dem wahn stiinden, dafi sie fiir lengst 

albereit darzu kommen weren. 

S SR D ffi. 



Nachtrag. 

Nachtraglich ist mir zweifelhaft geworden, ob die wenigen 
Daten, die uns liber den Aufenthalt des Adam Hertzog in Orten- 
burg erhalten sind, nicht vielleicht anders gedeutet werden 
konnen, als dies oben S. 246 geschehen ist. Da es jedenfalls 
auffallend ist, daC die Vorrede des Katechismus schon am Tage 
Petri und Pauli 1595 datiert ist, der Katechismus selbst aber 
auf dem Titelblatt als Druckjahr 1598 verzeichnet, ware es 
nicht ganz ausgeschlossen, dafi, obwohl inhaltlich nichts dafiir 
spricht, mein Exemplar nicht die Urausgabe sondern ein spa- 
terer Druck ware. In diesem Falle konnte dann das von mir 



268 SchornbauiD, Das Testament de8 Kanzlers Georg Vogler. 

beanstandete Datum in dem Briefe des Grafen von Ortenburg 
„Nurnberg, den letzten Dezember 1595" richtig sein, und ware 
weiter zu folgern, daC Adam Hertzog seinen Katechismus schon 
1595 herausgegeben hat und bald darauf entlassen worden ist, 
u^d im Jahre 1598 zu uns unbekannten Zwecken ein Neudruck, 
der vorliegende, veranstaltet wurde, bei dem, obwohl Hertzog 
langst nicht mehr Pfarrer von Ortenburg war, die Autorbezeich- 
nung der ersten Ausgabe „durch Adamum Hertzog l^farrer zu 
Ortenburgk" einfach stehen blieb. Doch ist das alles unsicher, 
aber vielleicht ist es noch raoglich, durch weitere biblio- 
graphische und archivalische Forschungen der Sache auf den 
Grund zu kommen. 

Das Testament des Kanzlers Georg Vogler. 

Von Dr. K. Schombanin. 

Die Bibliothek des kgl. Progymnasiums zu Rothenburg o. T. 
verwahrt, wie schon J. D. W. von Winterbach in seiner Geschichte 
der Stadt Rothenburg an der Tauber (Rothenburg 1826. I. S. 223 f.) 
bemerkt hatte, eine stattliche Anzahl von wertvoUen Bucherbestanden. 
Nicht zum mindesten erweckt das Interesse eine Serie von 59 in 
Leder gleichformig gebundenen Quartbanden, welche ca. 500 Schriften 
aus der Re formation szeit enthalten^). Eine genaue bibliographische 
Beschreibung wurde unsere Kenntnis dieser Literatur gewifi nicht 
unbetrachtlich erweitern. Fur die frankische Kirchen geschichte hat 
aber diese Sammlung vor allem dadurch Bedeutung, weil sie auf 
niemand anders als auf den markgraf lichen Kanzler G. Vogler, den 
eifrigen Forderer der Reformation in Brandenburg^), zurlickgeht. 

1) Zuerst hat wieder Dr. Eolde darauf aafmerksam gemacht s. B e i - 
trage III S. 174, A. 2. 

2) S. die kleinen Aniialen Kilian Leibs, eines Zeitgenossen : 
1526. Georgius Vogler, Casimiri marchionis iHustris scribahomo versuto 
satis ingenio, ob nescio quod qualeque facinus in arce Neuenmur, quae 
tunc erat Viti a Lentersheim aurati militis, in custodiam medio Octobri 
traditus ibique detentus, donee Casimirus iUustris moreretur. Tunc enim a 
Georgio marchione, Casimiri fratre, solutus apud ilium potens admodum, 
ne dicam omnipotens factus est. Vulgata certe opinulo erat, omnia illius 
apud marchionem tractari tunc gerique consilio. Cum enim Vogler ipse 
Lutherano felle asset infectissimus et propterea his, qui Bomanae ecclesiae 
obediebant, infestissimus hostis, egit, ut marchio suus nihil non adversus 
divinum cultum a majoribus nostris observatum auderet et faceret, ob 
quod et alia quaedam cum sciret se exosum illustribus Friderico ac Joanni 
Alberto marchionis germanis fratribus se Windsheim transtulit ibique 
mauet hodie. Sammelblatt des historischen Vereins Eichstatt. II. 
1887. Eichstatt S. 59 f. 



Schornbaum, Das Testament des Kanzlers Georg Vogler. 269 

Die Dedikationen Osianders (Bd. 9) u. V. Dietrichs (Bd. 9 u. 30) be- 
weisen das zur Geniige. 

Nach seiner Flucht ans Ansbach (1533) hatte sich G. Vogler 
nach Windsheim gewandt^), wo er auch nach dem Tode seiner Frau 
Cleopha^) eine neue Ebe schlofi mit Helena Bernbeckin^). In die 
Gescbicke der Stadt besonders ilire Beziebungen zu den Schmalkaldiscben 
Bundesverwandten scheint er auch hier tatkrKftig eingegriffen zu 
haben*). Wir wissen nicht, was ihm hier nun den Aufenthalt un- 
moglich machte. 1545 kniipfte er mit Rothenburg o. T., das kurz 
vorher der Reformation sich zugewandt hatte ^), Unterhandlungen an 
wegen seiner Niederlassung. Er wollte gestutzt auf seinen kais. 
Freibrief der Verpflichtung enthoben sein, Burger werden zu miisseu. 
Trotz anfanglicheu Straubens ging der Rat auf seine Vorschlage ein, 
nachdem er sich anheischig gemacht hatte, ein theologisches Stipen- 
dium zu stiften ®). Noch im gleichen Jahre gab er dem Rate die 
notigen Garantien durch Aufnahme eines diesbezUglichen Artikels in 
sein Testament. Zugleich aber stellte er die Uberlassung seiner 
Bibliothek an ihn in Aussicht'^). Nachdem er in einem Kodizill 
diese Bestimmung von neuem bestatigt hatte®), ubergaben Wilhelm 
Ferger und Hans Weickersreuther^) 4 Jahre nach seinem 1550 er- 
folgten Abscheiden ^^) seine sSmtlichen Biicherschatze ausgenommen 



1) Beitrage X S. 190 cf. M. M. Mayer, Spengleriana. Niirnberg 
1830, S. 154; cf. Ulmer Stadtbibliothek Manuskr. Vogler. f. 2092. 2090. 2042. 

2) Trostgedicht Melanchthons nach dem Tode seiner Fran Cleopha. 
Corpus Reformatorum 10 (Halle 1842) N. 201 Sp. 582. 1543. 

3) Eine Tochter des Burgermeisters und Stadtricbters Michael Bern- 
beck. S. Chr. W. Schlrmer, Geschichte Windsheims und seiner Nach- 
barorte« Ntlmberg 1848. S. 62. G. Muck, Geschichte von Kloster Heils- 
bronn von der Urzeit bis zur Neuzeit. I. Nordlingen 1879, S. 377. Zur 
Familie Bernbeck: B. Bachmann, Kitzinger Chronik des Friedrich 
Bernbeck 745. 1565—1899. Kitzingen S. Vff. [Das Zeit- und Hand- 
btichlein d. H. Beringer, aus dem dieser schopfte, befindet sich im Original 
im Ntirnb. Kreisarchiv. A A acta N. 868. Unter Nr. 874 tindet sich ein 
Eonzept P. Riickleins betr. historische Notizen liber Kitzingen.] 

4) Die Akten des Windsheimer Stadtarchivs, welcbe sich jetzt im 
Germ. Museum zu Niirnberg befinden, gedenke ich baldigst darauf hin zu 
nntersuchen. 

5) Winterbach II (Rothenburg 1827) S.47ff. Beitrage HI S. 174. 

6) Manuscr. Vogleriana f. 2059 Vorschlage Voglers an den Rat zu 
Rothenburg bez. seines Aufenthalts daselbst d, d. Mo. n. Judica 23. 3. 1545. 
f. 2062 Antwort des Rates, f. 2060 neue Vorschlage Voglers, nachdem 
er seinen Aufenthalt in R. genommen hatte. In den Biirgevbuchern im 
Stadtarchiv zu Rothenburg findet sich sein Name nicht. 

7) S. Bellage I. 

8) S. Beilage II. 

9) Richter zu Kloster Heilsbronn s. G. Muck I S. 468. 

10) t 30. 4, 1550. J P. Reinhard, Beytrage zu der Historic des 
Frankenlandes. II. 1761. Bayreuth. Titelkupfer. K. Schornbaum, Die 
Stellung des Markgrafen Kasimir von Brandenburg zur reformatorischen 
Bewegung. Niirnberg 1900, S. 152. — Bemerkt sei, dafi der Rektor des 



270 Schornbaam, Das Testament des Eanzlers Georg Vogler. 

die Cautional, welche sein Schwager Bernbeck bekommen hatte, dem 
Rat^). Dieser Uberliefi sie zunachst dem Konsistorinm. Nach dessen 
AufhebuDg (1804)^) wanderten sie dann wohl in das Gymnasium. 

Beilagen. 
I. Das Testament Georg Voglers. 

1545. 

Nach etlichen einleitenden Bemerkungen allgemeiner Art erkl^rt 
er zunachst; dafi er alle friiheren Bestimmungen hiemit aufhebe. 
Dann fahrt er fort: „zum andern bekenne ich mich zu dem rechteu 
alten wareu christlichen glauben, der jetzt durch sonderliche gnade 
Gottes zu Wittenberg und an andern dergleichen christlichen orten 
aus heiliger gottlicher und biblischer schrift rain und lauter geleret 
wurdet und zu derselben religion^ wie etliche der christlichen chur- 
fursten und fursten auch vil andere st£lnde des heiligen reichs fur 
sich und ire untertanen ire christliche confefiion uf dem reichstage 
zu augspurg anno 30. ubergeben und dieselben durch ire apologi 
auch andere folgende christliche handlung bishero beschirmet und 
vertaidigt haben mit herzlicher bitte und trostlicher hoffnung zu gott, 
das ich dabei in ewigkait bestendig sein und bleiben moge und wolle 
zja ewiger seligkait durch den herrn christum unsern ainigen ewigen 
und vollkomnen in hochsten gnaden getreuen und angenemen mittler^ 
fursprecher, gnadenstul^ herrn, maistern^ heylaud, k5nig und briester 
in ewigkait. Amen." 

Zum dritten bestimmt er, dafi nian ihn ohne ^ainig besondere 
toten gepreuge" begraben solle. Zur Zeit seines Begrabnisses oder 
innerhalb 30 Tage darnach soil an hausarme Leute und fremde 
diirftige SchUler fiir 12 fl. Brot verteilt oder ihnen Tuchrocke ge- 
kauft werden. 

Nachdem er zum vierten die Bezahlung etwaiger Schulden an- 
geordnet hat, gibt er weiter (5.) seinen Willen kund^ etliche 100 fl. 



Ansb. Gymnasiums J. S. Strebel (ca. 1759) eine Biographic Voglers ins 
Auge gefafit hatte. L. Schiller, Das Carole- Alexandrinum Programm. 
Ansbach 1880, S. 19. Die von ihm erwahnten Akten habe ich in meiner 
Arbeit fiber die Politik des Markgrafen Georg 1528-- 1532 eingehend ver- 
wertet. 

1) S. Beilage III. 

2) W i n t e r b a c h 2 S. 61. 15. Die Rothenburger Konsistorialakten be- 
finden sich jetzt im Kgl. Kreisarchiv Niimberg. Wo sind die Akten der 
Konsistorien der kieineren Bestandteile der jetzigen bayerischen Landes- 
kirche? Die der Grafschaft Pappenheim sind heute noch in Pappenheim; 
die der Herrscbaft Eastell in Kastell. Ihre Sammlung und Durcharbeitung 
ware sehr zu empfehlen. — Die bei Winterbach I S. 227 erwahnte Rats- 
bibliothek ist jetzt auch wieder im Ratbause aufgestellt und damit dem 
drohenden Untergaug entrissen. 



Schornbaum, Das Testament des Kanzlers Georg Vogler. 271 

zu einem Stipendium fiir eiuen „jungen geschickten Gesellen" zum 
Studium der Theologie zu verordnen. 400 fl. bestimmt er dazu, doch 
behalt er sich alle nUheren Anordnungen noch vor. 

Seinem Bruder „nach dem Fleisch" Georg Vogler, der Zeit 
Pfarrer zu Stadelschwarzach vermacht er 5 fl. ; an seinem Ubrigen 
VermSgen hat er keinen Anteil (6). 

Sibylle, die hinterlassene Tochter seines Bruders zu Grub im 
Amt Burgthann erhalt die Zusicherung, dafi seine Gemahlin ihr oder 
ihren Kindern jahrlich 30 fl. reichen wird (7). . 

600 fl., die von der Markgrafschaft Brandenburg mit 30 fl. vor- 
zinst wurden (Verschreibung dd. Ansbach 28. 2. 164:2), sollen seinem 
Bruder Georg Vogler zu Kulmbach (20 fl.) und dessen Tochter 
Appolonia Huzelmannin gehbren (10 fl.). Nach dem Tode seines 
Bruders sollte alles an seine Kinder fallen; letztere aber dabei den 
Hauptanteil bekommen; gUnzlich ausgeschlossen wird jedoch dessen 
ungeratener Sohn Heinz (8). 

Andere 600 bei der Markgrafschaft stehende Gulden bestimmt 
er der Margarethe Claufiin, der Tochter seines Schwagers Hans 
Claufi^), ilie gebrechlicheu Leibes ist, aus seiner ersten Ehe sowie 
seiuen ubrigen Kindern (9). Falls diese alle ohne eheliche Leibes- 
erben sterben wurden, werden als nlichste Erben die Kinder seines 
Bruders in Kulmbach bezeichnet. 

Seine Magd Margarethe Dornin bedenkt er mit 10 fl. fiir den 
Fall, dafi sie noch zur Zeit seines Todes bei ihm ist (10). 

Seiner Frau Helen e gibt er fiir ihr Heiratsgut von 1000 fl. eine 
AnWeisung auf die ihm zustehende Forderung auf das Umgeld des 
Amtes Emskirchen (22. 2. 1543). 

Alle ihre Kleider, Schmuck etc. fallen ihr zu. Ebenso verspricht 
er ihr fiir den Fall seines kinderlosen Todes alle Ketten und Ge- 
schmeide, welche seine erste Hausfrau getragen hat (11. 12). Doch 
werden dadurch nicht beriihrt fruhere Anordnungen liber seine eigene 
Kleinodien, Harnische, Wehr etc. 

„zum dreizehenden so ist mein letzter will und mainung, dass 
alle meine bticher nach willen und gutbedunken meiner testamen- 
tarier an ein christlich ort zu gemainem christlicheu nutz bei einander 
zu pleiben verordent werden sollen uf das getreulichst unsern nach- 

1) H. Claus war 1518—1532 Lf^ndschreiber auf dem Gebirg; dann 
Kanzleisekretar in Ansbach. J. Beyschlag, sylloge variorum opus- 
culorum. T. I. Hallae Suevorum 1729, S. 536 ff. 545. Chr. Meyer, 
Hohenzollerische Forschungen. Mtinchen II. 1892 S. 174. 192. K.H.Lang, 
Neuere Geschichte des FUrstentums Beireuth. II. Gottingen 1801, S. 2. 63 f, 
78. 84. Bemerkenswert ist, dafi er 1527 auch gefangen genommen wurde. 
Urfehde desselben dd. Mittw. n. Inv. (4. 3) 1528. Kreisarchiv Bamberg. 
Brandenb. Urkunden I, S. 602 Nr. 154 a. Sein Vater war wohl der Kanzlei- 
verwalter Chr. Claufi, der noch 1518 als Besitzer eines Hauses in Ansbach 
erwahnt wird. Seine Tochter Cleopha war Voglers Gemahlin. S. Kreis- 
archiv Numberg, Rep. 151, Frauentrantsche Pflege Nr. 2 u. 4. 



272 Schornbaum, Das Testament des Eanzlers Georg Vogler. 

komenden and posteris zu behalten. doch soil iind mag meyn yetzige 
eliche liebe hausfrau under meinen dreien deutschen biblien aine, 
welche sie will, darzu alle klaine postillen, bethe- und gesangbuchlein 
far sich behalteu und sicb darinnen christlicher weise ueben. in dem 
alien ich mir ander verordnung die zeit zneins lebens vorbehalte wie 
icli dan wol one ein testament thuen und verordnen mag.^ 

Zur Haupterbin ernennt er seine Gemahlin Helena: ^und das 
zu ainer ergezung irer lieb und treu, so sie mir vielfeltigklichen 
erzaicht auch zu erstattung ires herzlichen laides und mitleidens, 
so sie in meinen widerwertigkeiten getragen und erduldet gehabt 
und zum tail noch heutigs tags tregt und erduldet.^ Falls sie nach 
seinem Tode kinderlos stirbt, so hat sie den Erben seines Bruders 
zu Kulmbach noch 400 fl. zu vermachen und dann das oben er- 
wahnte Stipendium um 200 fl. zu vergrofiern. Falls sie vor ihm 
stirbt, ist naturlich dieser Punkt ganz hinfallig (14). 

Wer von seinen Erben einen Punkt anfechtet, dem soil sein 
Erbteil entzogen und die auf ihn fallende Summe ad pias causas ^) 
verweudet werden. Zu Testamentsvollstreckern bestimmt er den 
markgraflichen Bentmeister Hi. Hartung und Michael uud Floriau 
Bernbeck, so wie Markgraf Albrecht Alcibiades. Etwaige Anderungen 
und ZusUtze behMlt er sich vor. 

(Konzept im Rothenburger Stadtarchiv, Tom. Nr. 1602 Testa- 
menta betr. (1474—1563) f. 324ff.) 

II. Kodizille zu obigem Testament. 

1549. 

ex codicillo. 

Furs ander als im funften articl meins hieobon angetzogeneu 
testaments meldung gescheen ist von ainer stiftung aines jerlichen 
stipend iums zu eins jungen geschickten gesellens oder knabens studium 
uf ainer christlichen universitet in theologia vermoge solches 
fanften articls demnach so thue ich desselben funften articls halben 



1) Bei dieser Gelegenheit sei noch auf etliche andere Stiftungen 
Voglers aafmerksam gemacht. Mart. 1524 stiftete er mit seiner Frau 
13 fl., damit jahrlich V* ^' gereicht werden kOnnte zur Bezahlung des 
Mefiners, der jeden Morgen und Abend (vor and nach dem Lauten des 
Engl. Grufies und des Ave Maria)' in der Pfarrkirohe zu Ansbach solange 
die Glocke lauten solle, als man ein andachtiges Vater Unser sprechen 
konne. Denn kein Mensch konne etwas besseres beten, denn solch heil- 
sam andacbtig Gebet: und alien Christenmenscben gebtihre, allezeit hie 
im Leben den allmachtigen ewigen Gott ftir einander zu bitten and 
sonderlich in diesen gefahrlichen letzten Zeiten ftir alle Anliegen der 
Christenheit, daB die in rechter Erkenntnis Gottes stehen, gemehrt und 
erhalten werde. Dann hatte er fur die Armen in Ansbach gemeiusam 
mit seiner Frau 2 Schiisseln gestiftet (s. Stadtarchiv Ansbach. Tom. 
Stiftungen and Legate betr. 1486—1740 f. 88. 92flF.). 



Schombaum, Das Testament des Kanzlers Georg Vogler. 273 

dise ercleruDg und will and schaffe: wann die erbarn vnd vesten, 
fursichtigen und weisen herrn burgermaister vnd rate zu Rottenburg 
uf der Tauber bei vorgemelter christlicher lere und religion be- 
stendigklich bleiben als icli zu Got hoffe, das inen in zwaien jaren 
den nechsten nach meinem totlichen abgang von meinen verlafien 
hab und guetern \rierhundert gulden haubtguets zugestellt werden 
soil en, davon einem geschickten jungen gesellen oder knaben jerlicb 
zwaintzig gulden ad studium zuraichen wie sonst angeregter funfter 
articl in meinem obbemelten testament mit sich bringet. wo sich 
aber zutruge, das ein er barer rat zu Rottenburg uff der Tauber 
von der rechten rainen christlichen ler gedrungen wurde (das Gott 
genediglich verhUten woUe), so sollen meine veror3ente testameutarier 
hierinnen etlichermafi von neuem benennt oder ire nachgesetzte 
solch vierhundert gulden haubtguts sambt jerlicher abnutzung mit 
rat oder wifien meiner lieben frommen ehelichen haus&awen helene 
Vogleriu, well ich mich alles gueten bei ir versihe, an ein ander 
ort, do mergemelte cbristliche leer vnd religion bleibt angezeigter 
mafien ordnen^ stiften und aufrichten auch jedesmals an dem ort^ do 
die stiftung geschicht, notturftig reversbrief mit allem notwendigen 
bedingungen nemen^ bestimte stiftung zuhalten und allerdings vol- 
komenlicb zuvolziehen bei peen der widerlegung bestimbter vierhundert 
gulden hauptsumme, auch alles hinderstelligenlnteresses, costen vnd 
schaden zu der stifter handen^ sonst wie hernach volget, anzulegen. 
Ob sie aber an keinem ort diese stiftung des stipendiums ad studium 
wie oben gesetzt tun mochten, darah sie doch kainen moglichen vleifi 
sparen, so sollen sie die vierhundert gulden hauptguts sonst ad pias 
causas anlegen uf genugsame versicherung, das jerlicb die abnutzung 
davon frommen christlichen hausarmen leuteu, die das irig nit ver- 
spilt, vertrnnken, verwarlost oder sonst unnutzlich verthan haben, 
ausgetailt werde oder jerlicb ein jar umb das ander die zwaintzig 
gulden abnutzung ainen &omen redlichen handwerksgesellen oder 
fromen redlichen maide zu iren ehrlichen verheiraten ain jar umb 
das ander als erstlich einem fromen redlichen gesellen zu einer ehr- 
lichen redlichen maide und das ander jar dergleichen maid zu einem 
redlichen gesellen auch also ain jar umb das ander gegeben werden, 
darinnen ich dann der testameutarier vnd annemer solcher stiftung 
gewissen beladen haben wilP). 

den dreitzehenden articl in dem angetzogeneu meinem testament 
begriffen den leuter vnd erclere ich also, das mein hausfran und 
testamentarii meine bucher an ein christlich ort zu gemainen christ- 
lichen nutz verordnen uf das getreulichst unsern nachkommenden 
posteris zubehalteu; sonderlich alle tomos D. Martini Lutheri, 



1) Die Stiftung besteht wohl heutzntage nocb. S. Winterbach 
I S. 235. 

Beltr'ftgo jBtir bayer. Kirchengesehichte XI. 6. Ig 



274 Lauter, Der erste evangelische Pfarrer in Cadolzburg. 

docb das meiner hausfrauen die bncher in solchem articl vernieldet 
uud ir insonderheit legirt und^ was ich ir weiter die Zeit meins 
lebeuB zustellen werde, bleiben. das auch meinem schwager Michel 
Berupeckcheu dem juDgeru alle meine getruckte und geschriebeue 
partes der Music vud was ich ime mer fur buecher mit aigner handt 
yertzaichne, zugestellt werden sollen fur sich zu haben und mein 
dabei im besten zugedenken, sovern er mich uberlebt und bei der 
musica bleibt. wo aber nit, wolle alle solcbe Cantional auch zu 
den audern meinen buchern gethan werden vnd sonst uiemand volgen. 
Kopie im Kothenburger Stadtarchiv. Tom. Testament betr* 
Nr, II (1474—1663) f. 290. 

III. 

Burgermeister und Rat der Stadt Rothenburg o. T. bestatigen 
am 10. 12. 1554 (Mo. u. Conv. Mariae), daft Wilhelm Frey und 
Hans Weickersreuter als Exekutoren des Testaments G. Voglers ge- 
mSfi dessen Bestimmungen vom J. 1545 nebst dessen Erlanterungen 
vom J. 1549 ihnen 400 fl. Ubergeben haben „und dartzu die bucher 
alles nach vermog und aus weisung zweier sondern gleichlautenden 
verzaichnussen, dero aine sie die testamentarier bei handeu behalteu 
und uns die andern uberantwortet haben. ^ 

Hans Weickersreuter, Richter in Kloster Heilsbronn, hat am 
11. 9. 1557 den Stadtschreiber Joh. Baumann, einen gleichlautenden 
Revers seinem Schwager Barth. Freyen^) einzuhandigen. 

Rothenburger Stadtarchiv. Testamente II (1474—1563) f. 286. 

Der erste evangelische Pfarrer in Cadolzburg. 

Von Theodor Lanter, Pfarrer in Grofihabersdorf. 

Wer war es? Wie hieft er? Wie ward ers? Diese Fragen 
legen sich nahe, wenn man die verschiedenen Angaben dariiber liest. 
Zwar der von H. Westermayer (Brandenb. NUrnb. Kirchen visitation en etc. 
1894, S. 29) genannte Hans Ollenstich scheidet von vornherein aus, 
da er nur Verweser war und eigentlich Friihmesser an der Schlofi- 
kapelle, dem die Verwesung von Februar bis Herbst 1528 ubertragen 
war. Hiob Gast, welchen Pf. G. Bossert in den WUrtemb. Viertel- 
jahrsheften VIII S. 207 noch im Jahre 1528 von Markgraf Georg 
von Brandenburg-Ansbach nach Cadolzburg berufeu sein lafit und 
zwar als Pfarrer, hat nach dem Aktenbaud im Kgl. Konsistorium 
Ansbach „Pfarr Kadolzburg 1488 bis 1751" die Pfarrei erst am 
Freitag nach Ottilien 1535 ubertragen erhalten und war bis dahin 
nicht Pfarrer, wohl aber Pfarrverweser gewesen. Wer war nun Pfarrei^ 



1) Ein Frey starb 1577 als BUrgermeister von Rothenburg. S. Wi nt er- 
bach I S. 240 



Lauter, Der erste evangelische Pfarrer in Cadolssburg. 275 

in Cadolzburg in den Jabren 1528 bis 1535; sollte es sein und — 
war es docb nicbt? 

Scbauen wir iins die kircblichen Verbaltnisse in Cadolzburg sbu 
jener Zeit etwas an ! 

Folge der Einfdhrung der evangeliscben Lelire und KultusUbung 
in der Markgrafschaft Ansbach war^ daft der bisberige Pfarrer 
Mel<hbior von Sparneck, Tbumbherr und Scbolastikus in Regensburg 
auf sein seit ungef&br 1515 innegebabtes Pfarrlehen in Cadolzburg 
frei libere verzicbtete und die Pfarrei (wabrscbeinlich mit cathedra 
Petri 1528) verlassen mufite. 

Am Dienstag nacb crucis exaltationis (14. September) 1528 wurde 
dem H. Eucbarius von FronbofPen, Dechant des Stifts Comburg bei 
Scbwiibiseb-Hall, die Pfarr Cadolzburg verlieben, nacbdem sie seit des 
Pfarrers Melcbior von Sparneck Abzug durch den Friibmesser^ dessen 
Name nicbt genannt ist; verwest worden war, welcher daftir seine 
ganze 5 fl. Entlohnung zugesprochen erbielt, dagegen, was er ein- 
genommen batte fiir Jabrtage und an anderen Pfarrzngeborungen, ab- 
zugeben batte. Da der pension ierte Vorfahr des Pf. Melcbior von 
Sparnecky sein Vetter Veit von Sparneck (von November 1485 bis 
um 1515) noch lebte, wurde zugleicb dessen Pension neu geregelt 
mit jSbrlicben 70 fl., welche von Fronboffen von seinen auf 222 fl. 
20 kr. angesetzten PfarreinkUnften an den Emeritus abzugeben batte, 
so dafi ihm, dem neuen Pfarrer 152 fl. 20 kr.. verblieben, woven er 
auch den Pfarrbof im ziemlichen, d. b. geziemenden baulichen Weseu 
erhalten sollte. Dem Herrn Decbant des reicben Kollegiatstifts 
Comburg mag die Emeritusabgabe (fast ^j^ des fassionsmafiigen Ein- 
kommens) nicbt recbt gepafit baben, wenigstens pressierte ibm der 
Antritt der Stelle gar nicbt. Vielmebr scheint er, der „rechte" 
Pfarrer, d. i. deutscb fur ^pastor verus", einstweilen einen Vikarius 
bestellt zu baben; vom recbten Pfarrer oder seinem vicarius Tst 
wenigstens die Rede, die von dem t)berschuffi der Einkunfte sicb und 
ihr notdiirftig Gesinde (und den Pfarrbof) „enthalten" sollten. Dieser vica- 
rius^ dessen Name in den Jabren 1528 — 1584 nie genannt wird, diirfte 
wobl Hiob Gast gewesen sein, womit Bosserts Angabe, dafi er, Gast, 
nocb im Jahre 1528 vom Markgrafen nacb Cadolzburg freilich nicbt 
als Pfarrer berafen, sondern als Pfarrverweser angenommen wurde, 
sicb vereinigen lafit. Wie der Fruhmesser oben auf der Burg^) und 
der Pfarrverweser unten im Markt zueinander standen, lafit der 
Konsistorialakt nicbt erkennen, wSbrend Bossert aus den Akten des 
Kreisarchivs Niirnberg konstatiert, dafi ersterer nocb Papist, Gast 
dagegen eifriger Lutheraner war. 

1) Diese diente nicbt bloB zum vortibergehenden Aufenthalt der 
Markgrafen, sondern war lange Zeit ihre eigentliche Residenz im Unter- 
lande, wie die Plassenbarg bei Knlmbacb im Oberlande. Dort wurden 
auch Landtage, so 1. J. 1529 gehalten, der Besuch Kaiser Earl V. Diens- 
tag nacb Yalentini 1541 empfangen. 

18* 



276 Lanter, Der erste e^angelische Pfarrer in Gadolzburg. 

Der Amtmanu von Hefiberg in Cadolzburg mufi nach seinem 
Bericht d. d. Palmarnm 1528 (soil unbedingt .1529 heifien) an die 
Hofr&te uud Statthalter in Ouolzbach von der Verleihung des Pfarr- 
lehen an Eacharius von Fronhoffen nicht besonders entzUckt gewesen 
seiu — er war nach Bossert noch AnhSnger der alien Ordnung — 
denn er beklagt sich, dafi der, dem mein guSdiger Herr etc. die Pfarr 
zu Gadolzbnrg wiederum verliehen nnd zu dem er, Amtmann, sich 
versehen hat, er wttrde selbs oder aber an seiner Statt einen anderen 
Priester uff die beilige Zeit hieher dem itzigeu Pfarrverweser zu 
Hilfe geschickt haben, dies nicht getan babe. Des Pfarrvolks^ das 
die pfarrlichen Rechte geben mufi, sei viel, die Arbeit dem itzigen 
Pfarrverweser allein^ obwohl er fiir seine Person genugsam geschickt, 
zu viel; die Hofrfite sollen mit dem, so die Pfarr verliehen ist, ver- 
fUgen, dafi er jemand dem Pfarrverweser zu Hilfe schicke. Hieraus 
erhellt, da nach Bossert (a. a. 0. S. 208) der Friihmesser noch da 
war, das Verhiiltnis der beiden Geistlichen zu einander und ihr Am- 
tieren von selbst. 

Anfang des Jahres 1530 schrieb von Fronhoffen an den Mark- 
grafen, er habe dessen Schreiben (d. d.?) erst am Ohristabend erhalten, 
habe auf vergangene cath. Petri die Pfarr Cadolzburg beziehen sollen, 
sich selbst in eigener Person nach Gadolzburg begeben, dort aber, 
wo gerade Landtag gehalten wurde, keinen Bescheid erhalten, des- 
halb die Sache seinerseits beruhen lassen, seitdem kein Votum er- 
halten. Er erwartet Bescheid; „zur Zeit ist Cadolzburg im besteu 
mit dem Pfarrverweser versehen". Er selbst stehe dem Stift Comburg 
vor und wolle dies nicht unversorgt lassen. (Kons. Akt fol. 49.) 

Dafi die Sache den Herren auf beiden Seiten nicht besonders 
auflag, geht daraus hervor, dafi der Markgraf erst am Sonntag nach 
BartholomSi (27. August) 1531 den Dechant auffordern liefi, sein 
Jurament zu tun und die Pfarre zu beziehen; am Freitag nach 
MariM Conceptionis 1533 (12. Dezember) ging ein Monitorium an 
von Fronhoffen ab, an Petri cathedra (22. Februar 1584) anzutreten: 
er wolle die Pfarr nicht weiter durch einen Pfarrverweser verwalten 
lassen, sondern werde wegen Cadolzburg anderweitig verfugen. 

Da nunmehr entscheidende Erklarung abgegebeii, der entscheidende 
Schritt getan werden mufite, der Herr Dechant aber sichtlich keine 
rechte Lust hatte, sein schSnes Stift und Amt an diesem Stifte gegen 
die in ihren Einktinften stark beschnittene Pfarrei Cadolzburg zu ver- 
tauschen, mufite sich Johann Brentz in Schwabisch-Hall als Herr 
Nachbar ins Mittel legen und tat das in zwei Briefen, einem an den 
Markgrafen und einem an den Kanzler Heller (Holler geschrieben), 
damals jedenfalls auf der Plasseuburg, in welchen er an Stelle des 
Dechants von Fronhoffen, der aus triftigen Griindeu nicht von seinem 
Stift weggehen konne, den Verweser Gast fiir die Pfarrei Cadolzburg 
empfahl. Da die Briefe als Anlageu zum Abdruck kommen^ ist hier 



Lauter, Der erste evangelische Pfarrer in Cadolzbarg. 277 

nicht weiter auf sie einzugehen. Pem Pfarrverweser Hiob Gast 
wnrde denn auch wirklich die Pfarrei Cadolzbtirg iibertragen am 
Freitag nach OttilieD 1535, also am 17. Dezember. (Brentz Briefe 
Bind vom 12. und 13. Januar 1534 datiert!) So war wirklich Hiob Gast 
der erste evangelische Pfarrer in Oadolzburg, freilich nicht schon 
seit Ende des Jahres 1528, sondern nachdem er erst 7 Jahre lang 
als Pfarrverweser amtiert hatte. 

Sein Geburtsjahr ist nicht bekannt. Da er im Jahre 1517 die 
Universitat Erfurt bezog, durfte er etwa 1500 — 1502 geboren, 
am 9. Mai (Hiob) getauft worden sein. Sein Geburtsort war KUnzelsau 
a. Kocher (Bossert a. a. 0. S. 200). 

Am Freitag nach S. Sebald (19. August) 1544 zeigte der Kastner 
von Oadolzburg an, dafi Pfarrer Hiob Gast selbige Nacht gestorben 
sei. (Kons. A. f. 62.) Sonst ist darin iiber ihn nichts zu finden, 
auch nicht, dafi er Superattendent des Kapitels Zeun gewesen sei, 
welche Funktion ihm bald, nachdem er als Pfarrverweser nach 
Oadolzburg gekommen war, iibertragen wurde. (Bossert a. a 0. S. 207.) 
Anno 1*544 bei seiuem Ableben waren die Superattendenturen wohl 
wieder aufgehoben. Was noch weiter von Pfarrer Gast zu sagen ist, 
is£ in dem angezogenen Lebensbild von Pf. Bossert in den Wtirttemb, 
Vierteljahrsheften B. VIII (1885) zu ersehen. Wenn da angemerkt 
ist, ganz falsch sei es, wienn Pf. Walther in seinem Oadolzburgischen 
Denkmal der Einweihung der neuen Pfarrkirche dortselbst 1751 be- 
hauptet, Gast sei Frlihmesser des Pfarrers Veit von Sparneck (1490 bis 
1513) gewesen, so ist das ja richtig angemerkt, aber Pf. Walther, 
der freilich hatte wissen konnen und sollen, daii^ der Frlihmesser 
den Pfarrer und umgekehrt dieser jenen gar nichts anging zur 
selbigen Zeit — erst im Jahre 1535 wurde bestimmt, dafi „unser 
Kaplan im Schlofi des Pfarrers Kaplan sein und sich gegen unsern 
Pfarrer, wie sich geburt, als ein Kaplan halten soUe" — ist un- 
schuldig insofern, als im Pfarrbuch (Pfarrregistratur 0.) zu lesen ist: 
Als Veit von Sparneck 1512 hier in Oadolzburg Pfarrer gewesen, 
ist seinem Substituten (!) QiobGast 150 fl. (frk.) von den konsiderablen 
Pfarreinkiinften gereicht worden. — Von wem und wann dies ver- 
kehrte Zeug geschrieben worden, ist mir unbekannt. 

Nur einmal wird in dem Kons. Akt des Pfarrers Gast noch ge- 
dacht, ohne dafi sein Name genannt wird, und zwar vom Kastner 
Eyselein in seinem Bericht vom 27. ^ai 1654 (fol. 282): Vor und 
zur Zeit der Reformation hat der Pfarrer nicht allein den kleinen 
(und) lebendigen Zehent, sondern auch den grofien Zehent samt 
28 Morgen Widdumsfeld (nach der Fassion von 1528 waren nur 
2 Morgen bei der Pfarr) genossen; und ist um selbige Zeit hier 
gewesen Veit von Sparneck : dieser hat einen vicarium gehalten und 
ihm jShrlich 150 fl. gereichet, welcher auch der erste evangelische 
Pfarrer hier gewesen. Als gedachter von Sparneck mit Tod abging, 



278 Laater, Der erste evangelische Pfarrer iD Oadolzbnrg. 

siDd die Pfarreinktinfte samt (!) grofien nod kleinen und lebendigen 
Zehent zum Kastenamt eingezogen und von da dem Pfarrer nicht 
mehr denn 180 fl. zur Besoldang gereicht worden und ist solcLe Ver- 
ftnderang in anno 1533 gescheben. 

Dafi hier Wabres und Falscbes durcheinander geworfen ist, 
liegt anf der Hand; dies nacbzuweisen, gebSrt kaum bierher. Aucb 
uicbt, daS der Pfarrer im Gegenbalt zu den wirklicben Pfarrein- 
kiinften mit seinem Fixum scbou 1535 auf Halbsold, spSterbin bei 
den steigenden Oetreidepreisen auf Drittels-; Yiertelssold gesetzt wurde 
und nocb weniger! 1528 kostete das Simra Eorn 1^/2 fl., 1G93 = 13 
und 1694 17 fl. Der Pfarrer blieb bei seinem Fixum von 150 fl., 
und dem Holzbezug; was wollte die Addition von 30 fl. im Jahre 1606, 
die jeder neuer Pfarrer lange Zeit erbetteln mufite^ dagegen besagen? 

Beilagen. 

I. Juramentum des Cadolzburger Pfarrers Melcbior v. 

Sparneek v. Jabr 1515. 

Ich Melcbior von Sparneek, Thumbber vnd Scholasticus zw Regeus- 
purgk pbarer zw Oarelspurgk Gelob. vnd Scbwer den durchleucbtigen 
bochgepornen Fursteu vnd Hern Hern Casimir vnd Hern Georgen 
als den Eltesten regirenden gebrudern margrauen zw Brandenburg 
zw Stettin Pomern der Gassuben vnd wenden bertzogen Burggraffen 
zw Nurmberg vnd Fursten zw Rugen nieinen guedigen Hern Irer 
genaden erben vnd furstentbumb des Burggrafstbumb zw Nurmberg 
getrw vnd gewer zesein Irer genaden frummen zw werben vnd Irer 
genaden schaden zuwarnen fur ire furstlicbe genaden vnd derselben 
berscbafft lebendig vnd tod getreulicb zw bitten der pbarr Carelspurgk 
nicbtfi entzieben zw lassen aucb im genaden kein newerung zu- 
macben oder furzunemen vnd ob icb mit irer genaden leuten icht 
irrig oder strittig wurde So baben ire furstlich genaden gewalt dar 
Inn leuterung zetbun damit die geistlichkeit bey wirden bleyb vnd 
irer genaden lent mit geistlicben gericbten nit vmbgetriben oder 
verderbt werden bey solcber leuterung sol vnd wil icb es zw ider 
Zeit bleiben lassen Desgleichen baben die gen an ten mein gnedig 
Herren fur sicb vnd irer genaden Erben In vorbebalten alle werntlkeit 
do soil vnd wil icb Irn gnaden nicbtfi vertragen oder entragen 
lassen vnd Iren genaden Ire berbrachte Vbung vnd gebraucb Inn 
der werntlichkeit Inn Irren Erfordern vnwidersprechenlich vnd von 
nyemandt aynicb newerung gedulden on vergunst meiner gnedigen 
Hern. Icb sol vnd wil aucb fur mich nocb meiner pbar Carelspurgk 
ai*mleut kein andern scbutz vnd scbirmb bitten vnd gebraucben denn 
mit vergunst meiner gnedigen hern obemelt vnd Ir gnadt virmal 
defi Jarfi Inn der Bruderscbaff*t ^) helfien begeen vnd gar getrewlicb 

1) Dies bezieht sich auf die Verpflichtung der ^PfafTheit", die unter 
der Herrschaft um Langenzenn heram eaiS, zur Begehung zweier Jabrtage 



Lauter, Der erste evangelische Pfarrer in Gadolzbnrg. 279 

fur ir gnaden langkleben ancli yrer genaden vnd derselben voreltern 
seel heil bitten waft aber die . . . oder ketzerey angieng dafi sol vnd 
wil ich Irn furstlichen gnaden vnd der herrschafft vrspruugklich 
anbringen ob Ir gnaden dafi mochten beylegen wo dafi nit sein wil 
Ist mir vergent solch der kirchen furzubriugen vnd ich sol vnd 
will personlich auf der phar Carelspurgk residiren Efi wer dan sach 
dafi ich mit Irn furstlichen gnaden gunst absentz erlangen mocht 
alfidan vnd sonst nit sol vnd will ich die vormelten phar Carels- 
purgk mit einem anndern geschickten redlichen briester statlich be- 
setzen, domit dafi volck vnuersaumt bleybt vnd nit ergerzung neme. 
Ich sol vnd wil auch meiner phar hoff vnd haufi Inu gattem beulichen 
wessen halten vnd ob ich Inn aynem oder mer stuckeu verbrech vnd 
nit thet vnd hielt wie obengeschriben steet So sol vnd wil ich als- 
bald on ferner erklerung Sendentz oder leuterung mayuaydig In- 
famafi vnd der obgemelten vnd aller meiner pfnindt die ich itzund 
hab oder hernach vberkumme beraubt entsetzt vnd sol solch phrundt 
vnwidersprechenlich geledigt vnd den lehenhern haimgefallen sein 
die auch solch pfrundt andern verleyhen mugen von mir vnd menigk- 
lich von meinetwegen vnangefochten vngeengt vnd vugelrrt dawider 
sol vnd wil ich noch iemand von meinetwegen Inn oder ausserhalb 
rechth keinerley behelff haben noch gebrauchen dafi aufi gemeinen 
rechten oder sunderlichen freyhaiten von der oberhandt oder sonst 
aufgesetzt oder gegeben wie dafi erdacht were oder wurd In kein 
weifi vnd nichtfi des minder maynaydig vnd infamifi sein vnd bley- 
ben Also helff mir gott vnd die heyligen Euangelia. Amen. 
(Akt des Konsistoriiims Ansbach, Pfarrvolumen I)*), 



am Montag abend und Dienstag frilh nach Misericordias Domini und 
ebenso nach St. Veit (Monuro. Boica, Neue Folge Bd* I S. 574, Salbuch des 
Burggrafentunis Nurnberg v. J. 1414). Es waren zur Teilnahme ver- 
pflichtet die Pfarrer von „Ro8tal, Cadolzburg, Zyrendorf, Ammerdorf, 
Viczentzenprun, Pyrgleins, Hadmannsdorf (seit 1450 Grofihabersdorf), 
Grofienhaslach, Evelbach, Burckfarmbacb, Emskirchen, Frawenawrach, 
Kegelsbach, Lawbendorf, der Kaplan in Frawenawrach (im Kloster) und 
zu Putendorf" (jetzt blankweg, ein Filial von Rofistall mit jahrlich 
5 Gottesdiensten I). Am Abend war eine Vigilie zu singen mit neun 
Leczen (Lektionen), mit erbern (ehrbaren) Leichzeichen und vier 
kerczen, des anderen Morgens in der Frfih mil Messen, besunder mit drei 
gesungenen Messen und Amptern, die erste von Unseren Frawen, die anderee 
von dem h. Leichnam Christi und die dritte von den Seelen, darunter 
man auch der Herrschaft gedenken soil, und die andern Priester sollen 
Mefi darunter sprechen und lesen, d. i. zu gleicber Zeit sollen die Priester, 
welche Messe nicht singen, an den andern Altaren eine stille Messe 
lesen. 

1) An derselben Stelle findet sich auch das feria quarta ante festum 
sancti Martini episcopi (9. Nov.) anno 1485 datierte, aber teilweise nicht 
mehr leserliche Juramentum des Cadozburger Pfarrers Vitus von 
Sparneck. 



280 Lauter, Der erste evangeliscbe Pfarrer in Gadolzburg. 

II. JohannBrentz, Prediger zuHall an denMarkgrafenGeorg. 

12. Januar 1534. 

Durchlauchtigster hochgeborener FUrst. Gottes gnad durch Jesum 
Christum, sampt meinem alzeit ynderthenigeu vnd gehorsamen Dienst 
zuvor. Gnediger Herr, Der ErwUrdig Herr Eucharins von 
Fronhoff Dechan zn Camberg, hat mir als seinem willigen angezeigt, 
das £. F. G. Inen zu der besetzung vnd oignen residentz der pfar 
zu Kadolspurg laut der verschreibung von E. F. G. In der selben 
pfarr halb gnediglich gegeben erfunden, hatt auch darueben mich 
verstendigt, wiewoll Er gantz willig, E. F. G. hier In scbnldigen 
gehorsam zu erzeigen, yedoch seye Im spUichs zu diser Zeit zn thun 
viler vrsach halb hoch beschwerlich Vn vnbequemlich. Nachdem Ich 
nun E. F. G. allwegen als ein sonder Christlichen Fursten erkant, 
so aufi Christlichen fUrstlichen griinden das heilig, Euangelion bey 
meniglich zu fiirdern gnediglich gesinnet sey. Vn aber Ich befunden^ 
so der eegenant Her Dechan yetz von dem Stifft sollt abziehen, 
das es des StifTts vnderthanen, denen zu dieser Zeit das heilig 
Euangelion vn der Christlich Branch der Sacramenten &ey zu be- 
suchen zugelassen^ zur Beraubung des Euangelions vn zu merklichem 
nachtheill Irer Seelen geradten werde, In dem, das on Zweiffell die 
von WUrtzburg ein solchen Dechan nach dessen abzug verorduen 
werden, der Ir liedlein In alien stUcken singen, vn die Underthan 
zur falschen, vnchristlichen Leer vn mifibrauch der Sacrament zwingen 
miist. So weifi Ich, das der yotzig verweser der pfar zu Kadols- 
purg ein sonderlicher feiner, vn fUr vill ander gelerter man, der 
auch vndter den pfarherren In E. F. G. land seiner geschicklichkeit 
halben nicht eine geringe Zierd Ist^ vn hore darbey, er halite sich 
beid, mitt Leer vn leben In der pfar Cadolspurg vnstrUfflich. 
Hierauff bitt Ich E. F . G. furnehmlich wegen der armen vnderthan 
des Stiffts Camberg gantz gehorsamlich, E. F. G. w(5lle des oftgenanten 
Herrn Dechan, auch den yetzigen verweser der pfar zu Kadolspurg 
bey E. F. G. vorigen erlaubnufi gnediglich bleiben lassen^ Das werden 
sonder Zweyflfell sie bayd, Dechan vn sein verweser, sondern auch 
die armen vnderthan des Stiffts Camberg vn Ich mit vnserm ge- 
horsam Dienst vn steter furbittung fiir E. F. G. wolfart vn langwirig 
^idlich regierung allwegen zu verdienen bereit sein. Vnser Herr 
gott w5lle E. F. G. alien gottlichen Segen verleyhen. Amen. t)atum 
zu schwebischen Hall Dienstags nach Erhardi Anno XXXIIIJ. 

E. F. G. vndertheniger vfl gehorsamer 

Johan BrentZ; prediger zu hall. 
A d r e s s e : Dem Durchleuchtigen hochgeborenen 

Fiirsten vn Herrn, Herrn Georgen 

Marggrauen zu Brandenburg etc. 

In Schlesieu; zu Rattibor hertzogen, 

meinem gnedigen Herrn. 



Rieder, Aus historischen Zeitschriften. 281 

III. Johanu Brenz an den markgrafl. Kanzler Seb. Heller. 

13. Januar 1534. 

S. in Christo. Significavit mihi, vir clarissime, venerabilis vir 
D. Eucharius a Fronhoffen, decanus Camburgensis, quod 
priuceps noster illustrissimus vocauerit eum ad praesidendum parrochiae 
suae Kadolspurgensi; cuius munus ecclesiasticum minister agit 
Hiob gast. Hoc autem nuneium mihi multis nominibus iugratum 
fuit, primum quod timebam saluti eorum, qui subjecti sunt dominio 
collegii Gamburgensis, quibus hoc opere liberum est, Evangelio operam 
dare, idque pietate D. Eucharij decani, qui si abiret, baud vanis 
conjecturis futurum esse video, ut Herbipolitani ei collegio praeficiant 
hominem quendam impium, qui non solum ipse impietati studeret, 
vero eciam subditos suos ad sectandam impietatem cogeret. Deinde, 
dolebam virum Hiobem Gast, quod cum sit vir pins ac doctus, 
et ecclesiam Kadolspurgensem bactenus fidelissime administraverit, 
expellatur (?) tamen et (?) ejiciatur, perinde, ac si nullis ingenii dotibus 
praeditus sit, et reipublicae christianae nihil prorsus contulerit. 
Quare, vir animo meo carissime, obsecro claritudinem tuam, ut si 
qua in re potueris opera tua D. Decano et Hiobi Gast aliquid 
prodesse, id pro tua humanitate eis praestes. Ambo enim digni 
sunt bonorum virorum favore. Commendo quoque tibi causam 
D. Vogleri amici tui, nostri vero patroni. Optarim quidem ipsi 
Don tarn meticulosum esse, vt principem nihil ei succensentem, 
quantum e litteris tuis ad D. Adam iutelligere potui, fugiat, sed 
nosti vetus dictum, Amici mores noveris, non oderis. Vale ex 
Hala 13. Januar ij Anno XXXIIII. 

Tuus Jo. Brentius. 
Inscriptio. 

Amplissimo viro D. Sebastiano Hollero Jureconsulto et 
Caucellario Brandenburgensi Domino et amico suo obseruaudo. 

Kirchengeschichtiiches 
in den Zeitschriften der historischen Vereine in Bayern, 

zusammeDgestellt von 

0. Bieder, 

Kgl. Reichsarchivrat in Miinchen. 
(Fortsetzung.) 

XVIII. Mitteilungen des Vereins fiir Geschichte der Stadt Niirnberg. 

Heft 1—16, Niirnberg 1879—1904. 

Miiller, Dr. Nikolaus, Beitrage zum Briefwechsel des altern Hiero- 
nymus Baumgartuer und seiner Familie (10 Briefe aiis den 
Jahren 1541 — 63): S. 241 („einzigartig und epochemachend 



282 Rieder» Aus historischen Zeitschriften. 

war seine Wirksamkeit anf dem Gebiete des nUrnbergischen 
Kirchen- iind Schulwesens^; er hatte am meisten zur Ein- 
fUhrung der Reformation in der Reichsstadt beigetragen). 

Joacbimsohn^ Dr. Paul, Hans Tuchers Bacb von den Kaiser- 
angesichten: H. 11, 1895^ S. 1 (die Einleitung erwllhnt eine 
interessante Bescbreibung seiner Jerusalemsfabrt von 1479). 
Vgl. H. 16, S. 66. 

Miltenberge-r, F(ranz), Ausztige aus den pSpstlichen Recbnungs- 
bucbern des 15. Jabrhunderts ftir Ntirnberger Gescbicbte (Zab- 
lung von Annaten seitens der Erwerber kircblicber Pfiiinden 
1444_1509): H. 11, S. 87. 

Krefi, Goorg Frbr. v., Briefe eines NUrnberger Studenten (Cbristof 
Krefi) aus Leipzig und Bologna (55 Nummern von 1556 bis 
1560): S. 97. 

Hampe, Dr. Tbeodor, Lienbard Nunnenbeck (ein NUrnberger Lein- 
weber und Hans Sachsens Lebrer in der Kunst des Meister- 
gesangs — nacb einem Vortrage): S. 173 (Nunnenbecks Ge- 
dichte liber die Passion, die Jungfrau Maria, Weibnacbtslieder etc. 
S. 178 ft). 

Krefi, Georg Frbr. v., Dr. Adolf Frbr. von Scheurl f (24. Januar 1893, 
„weiland Professor der Rechte an der UniversitSt Erlangen, 
ein bervorragender Romanist und Kircbenrecbtslehrer, ein alle- 
zeit rat- und bilfbereiter Patron der lutberiscben Kirche in 
ganz Deutscbland"): S. 191. 

Die Stiftung der NUrnberger Kaufleute fiir den Skt. Sebalds- 
altar in der Skt. Bartbolomauskirche zu Venedig (1434): S. 201. 
Ein NUrnberger Stammbuch aus dem 16. Jahrhundert (im 
Besitze der NUrnberger Patrizierfamilie von Olbafen mit nahe- 
zu 100 Eiutragen aus den Jahren 1596 — 1601; dabei Er- 
wabnung Luthers und Melancbthons) : S. 211. 

Tucber, Christopb Frbr. v., Krypten und GeschlechtergrUfte bei St. 
Sebald: S. 213. 

Scbaefer, Dr. Karl^ Des Hieronymus Braun (Stadtkanzlisten) Pro- 
spekt der Stadt NUruberg vom Jabre 1608^) und seine Vor- 
laufer: H. 12, 1898, S. 3 (mit Abbildungen einiger alterer 
Stadtansichteu ; das Altargemalde des Jodocus Krell in St. Loreuz 
S. 10). Vgl. H. 13, S. 28. 

Hampe, Dr. Theodor, Die Entwicklung des Tbeaterwosens in NUrn- 
berg von der zweiteu Halfte des 15. Jabrhunderts bis 1806: 
H. 12, S. 87 (Kap. 1. Geistliches Drama und Fastnacbtspiel 
im 15. Jahrbuudert S. 91 ; Kap. 2. Schuler- und Handwerker- 
auffuhrungen des 16. Jabrhunderts, aucb geistlicben Inhalts 



1) Wiedergabe des Originals auf 16 Blattern in Grofifoliofoi'mat durch 
Lichtdruck in ^^ Grofie; beigegeben ist auf einem besonderen Blatt eine 
tibersicht in verkleinortem MaCstab. 



Zur Bibliographic. 283 

S. 121); H. 13, 1899, 8. 98 (AuszUge aus den Ratsprotokollen : 
941 Nummern von 1449 — 1806). 
Grupp, Dr. Georg, Maihinger Brigittinerinnen aus NUrnberg: H. 13, 
S. 79. 



Zur Bibliographie. 






*Bi8le, Dr. Max, kgl. Gymnasialprofessor. Die bffentliche Armen- 
pflege der Reichsstadt Augsburg mit Beriicksichtigung der ein- 
scbl^igen VerbSltoisse in anderen Reichsstadten SUddeutscb- 
lands. Ein Beitrag zur cbristlicben Kulturgescbicbte. Paderborn 
(Druck und Verlag von Ferdinand ScbSningh) 1904. XIV u. 
192 S. 8«. — 4 M. 

Den mancberlei neuen historischen Arbeiten iiber die bffeDtliche 
Armenpilege, die toils dem sozialen Znge der Zeit toils dem modernen 
Interesse an der Wirtschaftsgeschichte ihre Entstehung verdanken, reibt 
sich das vorliegende Werk wiirdig an. Der Verf., der mir bisher nur aus 
einem Programin ttber den Benediktiner P.Placidus Brauu (Augsb. 1897) 
bekannt war, hat nicht die Absicht, eine Gesamtgeschichte der Armen- 
pflege in Augsburg zu liefern, und das wSlre auch augesichts der aus- 
gedehnten Stiftangen und WohltHtigkeitsanstalten, die gerade dort eine 
so grofie Tatigkeit entfaltet haben, ein sehr grofies Untei'nehmen, sondern 
„jene Ftirsorge fttr die Armen, wie sie von der gemeindlichen oder offent- 
lichen Behi)rde geUbt wurde, im Gegensatz znr kirchlichen vereinsmafiigen 
und privaten Annenunterstiitzung" darzustellen und zwar nur in der 
reichsstadtischen Zeit. Diese Beschrankung ist jedenfalls richtig, nnd 
was der Verf. auf Grund sehr weit ausgedehnter Detailarbeit bietet, ist ein 
sehr empfehlenswerter und namentlich in der Darstellung der vielen Fehl- 
griffe sehr lehrreicher Beitrag zur cbristlicben Kulturgescbicbte. Aber 
das Werk als historische Arbeit wiirde sicher bei einer anderen Methode 
und anderer Einteilung sehr gewonnen haben. Zunachst vermisse ich 
eine klare Feststellung des Terminus a quo. Bei scinem Begriff der 
offentlichen Armenpflege mufite man erwarten, daB der Verf. den ersten 
Anfangen der offentlichen Armenpflege nachgehen wiirde, wie sie nnabbangig 
von der kirchlichen und Privatarmenpflege im stadtischenGemeinwesen eine 
Statte fand. Und eine solche setzt er auch schon vor der Reformation 
voraus, er spricht auch von einer ,,Reform der Armenpflege" und der 
^Nenorganisation der Armenpflege** seit 1522, aber von der mittelalter- 
lichen Armenpflege in Augsburg, die nns jene ncue Organisation (vgl. 
den Abdruck Beilage Nr. 5) erst wUrdigen laQt, erfahren wir, abgeseheu 
von ein paar kurzen allgemeinen Bemerkungen und den in deu Beilagon 
abgedruckten Bettelordnungen, so gut wie nichts. Ferner beginnt Bislc 
mit einem Kapitel ttber die „ Organisation der Armenpflege", das in sehr 
gedrangter Form die verschiedeuen Versuche bis 1806 aufzablt. Ich bielt 
das znerst fiir einen kurzen AbriC dessen, was dann die nachsten Ab- 
schnitte in ausfuhrlicher Darstellung und Begriindung bringen sollten. 



1) Die mit * versehenen Schriften sind zur Besprechung eingesandt 
worden. Alle einschlagigen Schriften werden erbeten behufs Besprechung 
von der Verlagsbuchhandlung Fr. Junge in Erlangen. 



284 Zur Bibliographie. 

Dem ist aber nicht so. Ohne tlberleitung folgt 2. Ursachen der Ver- 
armung. 3. Mittel gegen die Verarmung. 4. Almosenkassa. 5. Ein- 
heimische Arme. 6. Fremde Battler. 7. Almosenhauser, und endlich 
8. Kirchliche Beteiligung an der Sffentlichen Armenpflege. Nach und nach 
ist inir klar gewordeD, daig der ganze Aufrifi wohl durch einen S. 7 zu 
lesenden sehr richtigeu Satz bedingt ist: „Die Gcschiehte des Armen- 
wesens gestaltete slch zu einer Geschichte des Bettelwesens.'' Aber alles, 
was dariiber zu berichten ist, ware klarer und durchsichtiger und natur- 
gemaC freier von Wiederholuugen geworden, wenn der Verf. es nicht 
unter die genannten, immer bis 1806 durchgefUhrten Bubriken gebracht 
batte, sondern rein historiscb verfabren ware, wenn er gezeigt hatte, wie 
die allmahlich entstandene und immer weitergehendeVerarmung je und je neue 
Versuche, des Bettlerwesens Herr zu werden und eine geordnete Armen- 
pflege einzurichten, veranlaOte. Bci seiner Methode hinkt namentlich auch 
das sehr inhaltsreiche und dankenswerte Schlufikapitel etwas nach, wah- 
rend es doch zelgt, nicht nur welchen reichen Anteil die Geistlichkeit beider 
EonfessioDen an der Gewinnung der grofien Mittel ftir die Armenpflege 
hatte, sondern auch, dafi sie bei dem Ftir und Wider der einzelnen Ein- 
richtungen nicht selten ein gewichtiges Wort mitzureden hatte. Dabei 
ist gem zuzageben, dafi andere vielleicht die von dem Yerf. beliebte 
Methode vorziehen. Jedenfalls soil das auch sehr preiswUrdige Werk, 
das eine FUlle von interessanten Einzelmitteilungen enthalt und, was be- 
sonders schatzenswert ist, auch vielfach Streiflichter auf andere Stadte 
wirft, so dafi niemand, der sich mit einschlagigen Untersuchungen ftir 
andere Stadtgebiete beschaftigt, daran voriibergehen darf, noch einmal 
als sehr belehrend empfohlen werden. — Als kleine Erganzung mochte 
ich eine Notiz beiftigen, die erkennen laBt, wie man schon im Jahre 1530 
die gro^artige Armenpflege Augsburgs bewunderte. AdamWeiB, der im 
Gefolge des Markgrafen Georg von Brandenbarg auf dem Reichstage zu 
Augsburg befindliche Pfarrer von Creilsheim notiert in seinem Diarium 
bei J. F. Georgii, Uffenheimische Nebenstunden VII St. Schwabach 1743 
S. 680 auf Grund der Mitteilung seines Hauswirts, des Senators Hans 
Lauginger: „Zu Augsburg gibt man alle Wochen den gemeinen Biirgern, 
elm yeden nach seinem Uausgesind Brot um 11 Creuzer, das sunst beim 
Becken gilt 1 Batzen, und roacht jede Woche in der Snmraa XII. tausend 
Leib.^ Unmittelbar vorher notiert er auf eine Mitteilung des Eanzlers 
Vogler hin: '„Der gmainLast zuNtirnberg hat jehrlich tiber XV III tausend 
Gulden Einkommens.'* 

*G. Braun, lutherischer Pfarrer in Burk, Bechhofen in Mittel- 
franken. Ein lokalgeschichtlicher Versuch. Ansbach (C. Briigel 
& Sohn) 1905. 78 S. und 3 S, Beilagen. 80 Pf. 

Welche reiche historische Vergangenheit selbst eine kleine Dorf- 
gemeinde haben kann, wenn eine kundige Hand sie aufzufinden und dar- 
zustellen vermag, hat uns O.Erhard in seiner Geschichte von Hohenaltheim 
(Erl. 1904) gezeigt, und ich habe bei ihrer Besprechung (Beitr. X, 145 f.) 
auf den hohen Wert solcher lokalgeschichtlicher Arbeiten hingewiesen. 
Mit der jetzt vorliegenden Schrift von Pfarrer Braun tiber Bechhofen, die 
der Verf. bescheiden einen „lokalgeschichtlichen Versuch** nennt, haben 
wir nach kurzer Zeit eine zweite solche Arbeit erhalten. Was der Verf. 
bietet, ist eine sehr gediegene Leistung, das miihevolle Resultat rast- 
losen Forschereifers, das die hochste Anerkennung verdient, denn das 
Geschichtsbild, welches er in knappem Rahmen zeichnet, war nur auf 
Grund sehr eingehender, oft auch recht langweiliger IJrkunden- und 
Aktenforschung zustande zu bringen, weifi doch jeder, der sich mit ahn- 
lichen Dingen beschaftigt hat, daB man oft tagelang dickleibige Akten^ 



Znr Bibliographie. 285 

faazlkel mit breiten Auflfahmagen dorcliaTbeiten kann, ohne eine einzige 
far das GesamtbUd brauchbare Notiz zn findeo. Wie es die Natur des 
Gegenstandes mit sich bringt, mul^te bei Braun der AnfriG ein ganz 
anderer werdea als bei Erhard. Der Markt Becbhofen in Mittelfranken, 
der nacb der Mitte des 14. Jahrbunderts sogar als Stadt erscbeint (S. 13), 
wnrde nnter der Landeshoheit der Eichstatter Biscbofe Jabrhnnderte lang 
beberrscht von einem Adelsgescblecbte, den Seckendorfs, ais Lehns- 
manneo der Braodenburger, bis nach dem Aussterben der dortigen Linie 
der Seckendorfer (ihre Stammtafel in Beilage I) das Lehen an die M ark- 
grafen von Ansbach fiel. Deshalb zerfallt die Geschicbte Bechhofens in 
die zwei Abschnitte, die Zeit der Herren von Seckendorf and die Zeit 
der Markgrafen. Daza kommt eine iibrigens mehr als auffallende Tat- 
sache, dafi dieses Becbhofen auch zn der Zeit, als es als Stadt fignrierte, 
weder Kirche nocb Pfarrer hatte, sondern kirchlich za dem nahen Konigs- 
hofen geborte and eben die Seckendorfs lange Zeit das Patronat fiber die 
Kirche za Kdnigsbofen, Beyerberg, Wieseth and Bark ausobten. Daraas 
ergibt sieb zweierlei von selbst, erstens, dafi die Geschicbte der Familie 
Seckendorf einen groOen Banm einnimmt, and zweitens, da6, weil Becb- 
hofen bis anf die neaeste Zeit keine eigene kircblicbc Geschicbte bat, die 
Darstellnng, soweit sie Kirchengescbicbtlicbes bereinziebt, tiber Becbhofen 
weit hinans ^reift, and die kirchlicben Yerbaltnisse nicht nar in KQnigs- 
hofen, sondern aach in Beyerberg, Wieseth and Bark beleacbtet, Iibrigens 
anch wertvolle Mitteilongen uber andere Kirchengemeinden enthalt, z. B. 
Fenchtwangen, Merkendorf, Weidenbach, Sommersdorf (vgl. S. 26—33). 
Dabei soil die sebr dankenswerte Notiz hervorgeboben werden, daQ der 
bekannte Bitter yon Lang als Konsistorialdirektor 1807 yon samtlicben 
Pfarreien des damaligen Ansbacber Eonsistorialbezirkes Pfarrbescbrei- 
bungen einforderte, die in der Regierangsbibliothek za Ansbach aafbe- 
wahrt, eine wicbtige Quelle fUr die Geschicbte der einzelnen Gemeinden 
bilden. — Die begreiflicherweise ausfiibrlich gescbilderten, immer wieder 
sich erhebenden Kampfe der Geistlicben mit den meist uu kirchlich ge- 
sinnten Patronen bieten ein iiberaus traoriges Bild friiberer Zastande. 
Aber ob der Yerf. recht bat zu sageo, dafi aus dem Treiben dieser Pa- 
trone deatlich zu seben ist, ,,wie das Wort „Patron** zu der despektier- 
lichen Nebenbedeutung kam, die es beute hat," ist mir sebr zweifelhaft. 
Die Seckendorfs sind keine allgemeiDgUltigen Typen, and das Patronat 
hat zu alien Zeiten sein Gates gehabt, und bat es nocb beute, wenn auch 
wie bei alien Institutionen es immer auf die Personlicbkeiteu als Trager des- 
selben ankommt. Bei seinen Mitteilungen liber die Durchftihrung der 
Beformation in Eonigshofen bemerkt der Verf. (S. 32): ^Wie zu dem alien 
die Gemeinde sich stellte, darttber schweigen die vorhandenen Akten." 
Das ist gewifi richtig, und von dem kirchlicben und religi&sen Leben er- 
fahren wir tiberhaupt verhaltnismafiig wenig (doch vgl. Uber die Ein- 
fiihrung des Beicbtpfennigs und des Klingelbeutels S. 61), weil der Verf. 
dariiber eben nicbts gefunden bat. Aber in einem Falle hatte der Verf. 
uns' wabrscheinlich etwas mehr mitteilen konnen, namlicb Uber die pieti- 
stische Bewegung, woriiber wir nur die Bemerkung lesen: ^dafi einem 
Pfarrer wie DOderlein (Abraham Dcfderlein 1697—1724) die zu seiner Zeit 
in Becbhofen stattfindenden Konventikel nicht gefielen, ist erklarlicb* 
(S. 70 f.), und wenn der Verf. fortfahrt, „die8elben entsprachen so ziemlich 
den ZusammenkUnften der Gemeinschaftsleute in unsererZeit", so ist das 
kaum richtig, weil die pietistiscben Konventikel im Ansbachischen um 
diese Zeit fast alle separatistische Neigungen hatten, also auch emster 
gesinnter Geistlicben, als A. D(5derlein es vielleicht war, zum Anstofi 
gereichen konnten. Und wenn wir im ubrigen, um nocb einmal darauf 
zurHckzukommen, von der Stellung der Gemeinden zu den kirchlicben 



286 Znr Bibliographie. 

Fragen nichts wissen, weilman siiBiiicht darnm be frag that, noddies 
fttr die Vergangenheit beklagen, so soil nns das eine ernste Mahnnng sein, 
dafUr zu sorgen, daB man nicht einmal spater von unserer Zeit dasselbe 
sagen muQ. oder etwa gar das bittere Wort Goethes fin den zahmen 
Xenien) auch anf die Rirchengeschichte unserer Zeit nocn pafit. 

^Mit Kircbengeschichte was hab ich zn schaffen? 
Ich sehe weiter nichts als Pfaffen. 
Wies um die Christen steht, die gemeinen 
Davon will mir gar nichts erscheinen. 
Ich hatt' auch k6nnen Gemeinde sagen, 
Ebensowenig ware zu erfragen. — 
M5chte die sch6ne Arbeit Brauus dazn anregen, auch anf diesem 
Gebiete weiter zn arbeiteu. 

*C. Schornbaum, Zur Gescbichte des Reichstags von Augsburg im 
Jahre 1530. Ztschr. f. K.G. XXVI, S. 142f. 

Dem schoD oft erprobten Sptirsinn Dr. Schorubaums ist es gelungen, 
auf dem. NUmberger Krei&archiv eine Reihe bisher vermifiter AktenstUcke 
aufzufinden, die unsere RenntDis der Einzelvorgange auf dem Angsbnrger 
Reichstage von 1530 wesentlich bereichern duiiten. Da ist zuerst ein 
Schriftsttick hervorznheben, das Schornbaum fUr das Niimberger Glanbens- 
bekenntnis znm Angsbnrger Reichstag halt (S. 146), was sich hoffentiich 
bestatigen wird. Indessen mochte ich dabei auf etwas aufmerksam machen, 
was bisher, wie mir scheint, zu wenig beachtet worden ist. Die Niirnberger 
haben sich namlich z w e im al mit einer Apologie fttr den Angsbnrger Reichs- 
tag beschaftigt. Die erste schickten sie spatestens Mitte Mai nach Augsburg 
und legten sie Melanchthon vor, dessen Urteil die Nttmberger Gesaudten 
am 20. Mai nach Hause (C. R. II S. 96) berichten konnten. Merkwttrdiger- 
weise schreibt nun Osiander an Luther am 21. Juni d. h. zu einer Zeit, 
wo die Niirnberger (nachdem bereits am 9. Mai dartiber beraten worden 
war. Siehe das bei Schornbaum S. 146 unter Nr. 3 aufgefUhrte Schrift- 
stUck) schon sich den Sachsen in der Bekenntnisfrage angeschlossen hatten 
(vgl. 0. R. II 112) und Osiander Melanchthons Arbeit, so weit sie fertig 
war, in Handen hatte, dafi er gezwungen sei, eine Apologie zu schreiben. 
M(5glicherweise handelt es sich bei dem neuaufgefundenen auch um dieses 
Schriftsttick. Der Beweis wttrde sich leicht nihren lassen, da Osiander 
voraussichtlich in dieser Apologie auf eine S telle in den pseudoisidorischen 
Dekretalien den Finger g^legt hat. Denn er schreibt — um den ganzen 
Abschnitt seines Briefes hier wiederzugeben — Ego hisce diebus scribere 
ceactus sum apologiam sive consilium, quomodo nostri agere debeant, 
eo animo nt me quoque illuc profecturum putarem ; quit futurum sit, adhuc 
nescio, nihil certe dignum efficere possum post Philippum, cuius Apologiam 
vidi ac valde probo. Dura obiter acta Conciliorum oberrans perlustro, 
incidi in locum Apostolicae fictitiae Clementis, in qua aperte suadetur 
imo praecipitur communio uxorum etc. (Enders VIII 17). Hat nun i^si- 
ander damals eine Apologie schreiben miissen, dann dtirfte er wahrschein- 
lich an der, welche Mitte Mai in Augsburg vorlag, nicht beteiligt gewesen 
sein, in der zweiten milBte also seine Rechtfertigungslehre enthalten sein, 
iiber die er spater behauptet, bereits in Augsburg mit Melanchthon ver- 
handelt zu haben (vgl. Moller, A. Osiander Elberfeld S. 130 f.). Ferner 
fand Sch. u. a. das Original des Gutachtens Osianders iiber die Confutatio 
Pontificia, das wir bisher nur in schlechten Abschriften kannten, z. B. 
bei Schirrmacher, Briefe und Akten etc. Gotha 1876, S.279. Dabei' 
mochte ich die Frage aufwerfen, ob nicht die Aufzeichnung des Camerarius 
iiber die Confutatio, auf Grund deren Osiander sein Gutachteo abgab 
(vgl. Vogt, Die Korrespondenz des Niirnberger Rates etc., MitteUuogen 



Zur Bibliographie. 287 

des Ver. f, d. Gesch. NOrnbiargs IV 30) und die auch Melanchthon haupt- 
Bachlich bei seinem ersten Entwarf der Apologie benutzte, nicht noch 
in Niirnberg zu finden sein sollteD. Die iibrigen von Schoinbaum aufge- 
fundenen Schriftstticke beziehen sich zumeist auf die traurigen Ausgleichs- 
verhandlangen mit der romischen Partei. Schornbaum beschrankt sich 
einstweilen darauf, die fraglichen Aktenstiicke zu registrieren. Nur ein 
bisber vermiBtes Gntachten Melanchthons Yom 24. August, welches flir 
seine damalige Haltung sehr charakteristisch ist, und ein Sciireiben 
der NUrnberger Gesandten an den Rat vom 18. Sept. wird abgedruckt, 
das uns tiber ihn und des Herzogs von Ltineburg Vorgehen gegen die 
von Melanckbthon begiinstigten Sonderverhandlungen der markgraflichen 
Gelehrten berichtet. Weiteres dttrfen wir in einer gr5fieren Monographic 
Schombaums tiber die Politik des Markgrafen Georg erwarten. 

*P. Mitzschke in Weimar, Job. Horner. 

Im 50. Bande der deutschen allgemeinen Biographie (wieder abge- 
druckt im Frankischen Landboten 1905 Nr. 61) bringt P. Mietzsche eine 
karze Darstellung des Lebens und Wirkens des frankischen Geistlichen 
Joh. HQrners, aufdieich hier urn so lieber aufmerksam mache, als dieser 
8. Z. wohibekannte Schriftsteller, obwohl erst vor 30 Jahren verstorben, 
schon der Vergessenheit anbeim gefallen zu sein scheint. J. Horner, geb. 
am 22. Dez. 1795 in Thurnau, wurde nach beendigten Erl anger Studium 
und mehreren Yikariatsstellen 1825 Pfarrer in Burggrub bei Kronach, 
1834 in Schnabelwaid, 1840 in Wachstein bei Gunzenbausen, 1846 in 
Konigshofen bei WassertrUdingen, 1858 in Berolzheim. Seit 1869 emeri- 
tiert starb er am 20. Juli 1874 in Ansbach. Im Jahre 1830 begann er in 
Form einer fortlaufenden Schrifterklarung ein ,,Neues biblisches Er- 
banungsbuch fCir die hausliche und offentliche Andacht", das im ersten 
Teile, dem Leben Jesu nach Matthaus, eine Evangelienanslegung von dem 
bekannten KatioDalisten. Dekan Dr. Stephani brachte, wahrend der zweite 
und letzte Teil (Magdeburg 1834), das Markusevangelium von Prof. Dr. 
Heydenreich in Herborn bearbeitet wurde. In einem in Magdeburg 
1830—40 erschienenen homiletischen wRepertorium ftir die sonn- und fest- 
taglichen Evangelien, mit Predigtentwurfen ans groGtenteils noch unge- 
drnckter Predigt**, kamen Manner aller Richtungen von R5hr bis Clans 
Harms und Fr. Delitzsch zum Worte, denn es soUte ^in die Parteikampfe 
der evangelischen Eirche mehr MaBigung, Yerstandigung und womoglich 
endliche Stthnung bringen." Ohne sich als Herausgeber zu nennen, leitete 
H5mer zu derselben Zeit ^Annalen der gesamten theol. Literatur** (Koburg 
und Leipzig 1831—32 und Bayreuth 1833—35), die womoglich die Kluft 
zwischen Protestantismus und Katholizismus ttberbrucken helfen sollte. Unter 
den Mitarbeitern fanden sich evangelische Gelehrte verschiedener Richtung, 
und solche von hohem literarischero Rufe, aber kein Katholik, und neben 
der Irenikgegeniiber der romischen Eirche blieb die scharfe Bekampfung der 
Hengstenbergischen und neulutherischen Richtung bestehen. Eein Wunder, 
da6 sich die Sache nicht halten konnte. Es kamen andere Stromungen 
auf and brachten den nicht ungelebrten Mann friih zum Schweigen. Seine 
Schriften, die mir selbst nicht bekannt geworden sind, durften fur die Ge- 
schichte des literarischen Lebens in der bayerischen Geistlichkeit in der 
ersten Halfte des 19. Jahrhunderts nicht ohne Wert sein. 

*Schmidt, Ernst, Zur Geschichte des Gottesdienstes und der 
Kirchenmusik in Rothenburg o. d. T. Rotheuburg, S. P. Peter 
1905, 229 S. 

Die Tagung des deutsch- evangelischen Eirchengesangvereins in 
Rothenburg vom 17. n. 18. Juli 1905 hat dem urn das musikalische Leben 



288 Zur Bibliographie. 

Rothenburgs hoohverdienten Verf, die Veranlassung ge^eben, der Ge- 
schichte der Kirchenmusik and des Gottesdienstes in der kleinen alten 
Beichsstadt bis auf die neueste Zeit nachzugehen and alles, was etwa von 
AktenstOcken und Druckwerken dafiir Wert hat, zu sammeln und dem Leser 
TorzttfUhren. Das gibt eine reiche Sammlang, und aucb wer gr5Bere Kenntnis 
der Musikgescbichte besitzt als der Referent, wird voraussichtlich erstaunt 
sein, wie viele bedeutende Manner, unter denen namentlich Erasmus 
Widman gest. 1634 bervorzuheben ist, dortgewirkt und wie vieles sie, zum 
Tell unter sehr schwierigen Verhaltnissen, geleistet baben. Rotbenbnrg 
muB lange Zeit eine besondere Pflegstatte der kirchlichen Musik gewesen 
sein, und nicht bloB dieser. Aber mit der Aufklarung und der Ver- 
flachung des Gottesdienstes trat auch hier der Verfall ein, und 1811 lag 
die Sache bereits so, daO eine „allerhocbste Entschlie^ung** vom 31. Jan. 
desselben Jahres auf Grund der Schilderung des Dekans und der-Rothen- 
burger Geistlichkeit erklarte, daB die Kirchenmusik dermalen in einer 
solchen Verfassung sei, d&Q dieselbe fUr jetzt eingestellt werden solle; 
und es hat lange gewahrt, bis sich wieder neues Leben entwickelte, wie 
wir es jetzt dort bltthen sehen. DaQ es iibrigens in Rotbenbnrg schwerer 
war als anderwSrts, in neuerer Zeit die Kirchenmusik wieder im Gottes- 
dienst zn Ehren bringen, lag freilich, was der Verf. klipp und klar hatte 
anssprechen sollen, nicht zum wenigsten daran, daB, als die neue baye- 
rische Agende vom Jahre 1856 eingefiihrt wurde, Rothenburg gemeinsam 
(soviel ich weiB) mit alien friiheren Reichssadten entsprechend der da- 
mals in den bUrgerlichen Kreisen herrschenden Oppositionslust die an- 
geblich katholisierendeLiturgie, an die allein sich doch wirklich kirch- 
liche Musik anlehnen kann, nicht annahm. Umso interessanter ist es zu 
erfahren, was mir neu war, daj3 nach dieser Beziehung sich in letzter Zeit 
ein Umschwung geltend macht, indem (vgl. S. 30) wenigstens an fiinf 
Festtagen „die Gottesdienste mit voller Liturgie ausgestaltef gefeiert 
werden. Und aus der ftir „Pfingsten** mitgeteilten Probe ergiebt sich, 
daB die Rothenburger sich an die Agende anschlieBend doch fiir ihre 
Festgottesdienste eine eigene Liturgie geschaffen haben, was man be- 
sonders begriiBen muB, denn gerade hier ist, und das entspicht echt 
lutherischen Grundsatzen, wie immer im gottesdienstlichen Leben starre 
Uniformitat nur vom tJbel. — Hiermit sei alien Interessenten die gut aus- 
gestattete and auch mit einigen guten Illustrationen versehene Schrift 
bestens empfohlen. 

Fellner, Dr. Rob., Die frankische Ritterschaft von 1495 — 1524. 
Mit einer Einleitung. Hauptsachlich nach Quellen aus dem 
Hochstift WUrzburg. Berlin 1905. E. Ebering. — 8 M. 

Conrad, Frz., Gesch. der Wallfahrt und des Klosters Mariabuchen. 
3. Aufl. Wurzbnrg 1905. 96 S, 

Albert, Jos. Fr., Praktikant am Kgl. allgemeinen Reichsarcbiv in 
MUnchen, Die Wahlkapitulationen der WUrzburger BischSfe bis 
zum Ende des XVII. Jahrhunderts. 1225—1698. Eine histo- 
risch-diplomatische Studie. (S. A. aus d. Arch. d. hist. Vereins 
von Unterfranken und Aschaffenburg. Bd. XL VI.) WUrzburg 
1905. 160 8. 



Beitrage 

bayerischen Kirchengeschichte 



D. Theodor Kolde, 

ord. Prof, der KircheDgeschichte an der Univereitat Eilangen, 




Erlangen igo6. 
Verlag von Fr. Jung 



1 



tL t. Hof- nod UolTersltlUsbnohdruckeral von Janf • * fiohn In BrUngea. 



iDhaltsyerzeichnis des XII. Bandes. 



Seite 

Chr, Geyer, Das kirchliche Leben in Nuraberg vor uod Dach dem 

Cbergang der Reichsstadt an Bayern 1 

K. Schornbaum, Das erste Ansbacher Proklamationsbuch' 21 

V. Wirth, Kirchenguter und Ornate zu Hersbruck im Jahre 1593 38 
O. Rieder, Kirchengeschichtliches in den Zeitschriften der histo- 

rischen Vereine in Bayern 44 

Zur Bibliographie 46 

Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemeinde in Erlangen . . 49 
Chr. Geyer, Das kirchliche -Leben in Niimberg vor und nach dem 

Ubergang der Reichsstadt an Bayern (SchluB) ,100 

O. Clemen, Noricus Philadelphus z= Caspar Niitzel 131 

Zur Bibliographie 134 

K. Schornbaum, Zur Geschichte der Reformation und Gegen- 

reformatioQ im Amte Hoheneck und der Kommende Virnsberg 141 

O. Clemen, Noch etwas von D. Joh. Teuschlein 181 

Zur Bibliographie 187 

R, Herold, Das Kirchenpatronat in Windsheim 193 

G. Bossert, Ein Brief von Jakob Schopper. Ein Beitrag zur Ge- 
schichte der Schule in Hornbach 207 

K. Schornbaum, Die Sakularisation des Klosters Solnhofen . . . 212 
G. Bossert, Ein Dankschreiben von Pfalz-Neuburger Exulanten an 
Konr. Dietrich, Superintendent, und das Ministerium in Ulm 

von Ende 1616 oder Anfang 1617 226 

Th. Kolde, Die Gesellschaft fiir frankische Geschichte und die 

Kirchengeschichte 229 

Zur Bibliographie 234 

Chr. Geyer, Niirnberg und die Gegen reformation 241 

V. KreB, Die Kirchenordnung fiir eine Landgemeinde (Kraftshof) aus 

der ersten Halfte des 15. Jahrhimderts 258 

K. Schornbaum, Zur Stellung der brandenburgisch-ansbachischen 

Regierung zum Konzil von Trient 1551—52 271 

Zur Bibliographie 284 



\ 



Das kirchliche Leben inNiirnberg vor und nach dem 
Ubergang der Reichsstadt an Bayern. 

Von Hauptprediger Dr. Geyer. 

In die Klage, daB allzuviel Jubilaen gefeiert werden, ein- 
zustimmen, haben wohl die Freunde der Geschichte am wenigsten 
AiilaB; denn die Gedachtnisfeiern bringen es mit sich, daB die 
Frage nach den Ereignissen und Zustanden der Vergangenheit 
laut wird, und der Forscher, der sich in die Akten und Biicher 
vergraben hat, in denen die Vorzeit schlummert, darf bei solchen 
Grelegenheiten darauf rechnen, daB mancher seiner Erzahlung 
ein freundliches Gehor schenkt, der sonst mit der schnelllebigen 
Zeit leichten Mutes liber der Gegenwart die vorigen Zeiten ver- 
gaB. So hoffen wir, daB diese Blatter nicht nur von denen, 
die sich selbst mit der Erforschung der Geschichte abgeben, 
sondern auch von solchen gelesen werden mochten, die sich fiir 
das kirchliche Leben und seine Wandlungen zu interessieren 
durch das herannahende Jubilaum Ntirnbergs veranlaBt werden. 

Der Zustand Ntirnbergs am Ende des 18. Jahrhunderts 
zeigte sehr wenig mehr von dem Glanz der Vergangenheit. 
Nachdem der B^bergang des Flirstentums Ansbach an PreuBen 
bei den neuen Herren die Erinnerung an die^ beinahe ver- 
gessenen Ansprliche der alten Markgrafen erneuert und die 
ehemals iiber ein groBes Landgebiet herrschende Reichsstadt 
wesentlich eingeschrankt hatte (1796), war die Finanznot der 
schon vorher nicht glanzend gebetteten Stadtvervvaltung aufs 
auBerste gestiegen^). Weder die 1792 eingesetzte Okonomie- 



1) Als im Jahre 1796 die Strafienbeleuchtung «ingerichtet wurde, 
fand folgendes Pasquill Yerbreitung: 

„Als Niirnberg noch im Wohl stand war, 
So war es finster ganz und gar, 

Beitrage zur bayer. Kirchengeschichto XII. 1. 1 



2 Geyer, Das kirchl. Leben in Ntimberg vor u. nach d. Cberg. an Bayern. 

verbesserungsdeputation, noch die 1797 von Hofrat Gemming 
ins Leben gernfene kaiserliche Lokalkommission brachte die 
erwunschte Besserung. Die ganze Finanzwirtschaft litt bei dem 
Fehlen einer einheitlichen Zentralbeh5rde an einer entsetzlichen 
Zersplitternng und Verwirrnng and es zengt von dem guten 
Blick des bayerischen Landesdirektionsrats von Lochner, dessen 
Bericht von 1807 die beste nnd zaverlassigste Quelle ftir die 
Zust^nde Niirnbergs vor 100 Jahren bildet^), daB er sogleich 
dieses eigentliche Grundgebrechen erkannte. Die bestandige 
Finanznot bewirkte in. den unrnhigen Zeitlauften der Napo- 
leonischen Ara eine so voUige Machtlosigkeit, daB die Stadt 
einfach mit sich geschehen lassen mufite, was iiber sie verfugt 
wurde. J. Baader hat auf Grund „bisher nnbenutzter archivali- 
scher Aktenstlicke" den drohenden Verlust der Reichsfreiheit 
nnd die Bestrebungen zur Erhaltung der Selbst^ndigkeit und 
Unmittelbarkeit geschildert. Wenn wir unter seiner Fuhrung 
die Nlirnberger Eatsdeputation nach Munchen und an das kgl. 
Hoflager begleiten, sehen wir, daB dem Rat gar keine andere 
Wahl blieb, als die Zivilbesitzergreifung Niirnbergs durch die 
Krone Bayern willig oder unwillig zu dulden^). Der bayerische 
Minister Graf Montgelas und der Franzose Fririon, inspecteur 
aux revues, als Generalkommiss^r Napoleons vollzogen die 
iJbergabe am 8. September 1806; die formelle Aktion in Niirn- 
berg fand am 15, September statt. An diesem Tage iibergab 
Fririon Niirnberg in aller Form und Feierlichkeit an den 
bayerischen General-Landeskommissar in Franken, Graf Thlir- 
heim. Der bayerische K5nig erhielt mit der Souver^nitat die 
voile Befugnis, die Stadt nach bayerischen Gesetzen zu regieren 
und einzurichten ^). Das konigliche Besitzergreifungspatent ver- 

Jetzt, da der Staat zugrund gegangen, 
Hat man Laternen aufgehangen, 
Damit der arme Bilrgersroann, 
Des Nachts zum Betteln sehen kann.** 
Manuskr. in der Stadtbibliothek. Will VIII, 426 b. 

1) Entwurf des Berichtes an S. Majestat den Konig iiber die kiinftige 
Organisation der vormaligen Reichsstadt Niirnberg. 1807. Kgl. Kreis- 
archiv in Ntirnberg 4348. 

2) J. Baader, Der Heichsstadt Mrnberg letztes Scbicksal and ihr 
lib er gang an Bayern. Niirnberg 1863. 

3) Vbergabsprotokoll bei Baader, a. a. 0. S. 38. 



Geyer, Das kirchl. Leben in Nurnberg vor u. nach cl. Uberg. an Bayern. 3 

langte auch von den geistlichen Behorden Gehorsam, und 
alsbald wurden nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem 
Lande alle geistlichen und weltlichenDiener verpflichtet^). Am 
21. September wurde ein Dankfest bei St. Sebald gefeiert, bei 
dem der Prediger bei St. Sebald D. Christian Junge in Gegen- 
wart des Grafen Thurheim und des ganzen Eats mit seinen 
Konsulenten und Assessoren der Gerichte liber Ps. 118, V, 23 
bis 25 sprach. Nicht nur die frostigen Poesien, mit denen der 
Tag verherrlicht wurde 2), sondern auch die Predigt laBt er- 
kennen^ daB — und wie hatte das anders sein konnen und 
durfen ? — mehr die Stimmung der Ergebung in ein unabwend- 
bares Geschick als der innerlichen freudigen Zustimmung zu ihm 
vorherrschte. Junge hat sich ubrigens seiner schwierigen Auf- 
gabe in recht taktvoUer Weise erledigt^). 

Sein Thema lautete „Die Denkungsart des Christen bei 
wichtigen Staatsveranderungen*' und er fiihrte aus, daB der 
Christ solche Veranderungen auf Gott beziehen und als seine 
Ftigungen betrachten und daraus Griinde zu seiner Beruhigung 
und Erweckung ableiten werde. „Ihr seid es," so redete er 
die Nurnberger an, „schon seit Jahrhunderten gewohnt, euren 
Vorgesetzten Treue und Gehorsam zu leisten. Nur einmal, vor 
mehr als vier Jahrhunderten, entstanden Parteien, die, irre ge- 
fiihrt, gegen ihre Oberen gewaltsam verfuhren, aber dennoch 
blieb ein angesehener Teil auch damals seinen Pflich ten getreu; 
auBerdem aber, weder vorher oder nachher, befleckt in dieser 
langen Reihe von Jahi-en, irgend eine offenbare Gewalttat 
hiesiger Burger gegen ihre Oberen die Annalen Niirnbergs. 
Dies moge unserm AUergnadigsten Konig ein Beweis der treuen 
und patriotischen Gesiunungen Seiner neuen Untergebenen sein 

1) A. a. 0. S. 42 u. 44. 

2) A. a. 0. S. 52—55. 

3) Predigt am 16. Sonntag Dach dem Feste der Dreieinigkeit als an 
dem verordneten Dankfest wegen der feierlichen Besitznehmung der Stadt 
Ntirnberg und ihres Gebietes von Seiten S. Majestat des durchlauchtigsten 
K6nig8 Maximilian Josephs unsers AUergnadigsten Herrns gehalten von 
D. Christian Gottfried Junge, vorderstem Antistes, Prediger an der 
Sebalder Kirche und Bibliothekar. Im Jahr Christi 1806. den 21. Sep- 
tember. Ntirnberg, bei G. P. J. Bieling, Buchdrucker in der Juden- 
gasse. 

1* 



4 Geyer, Das kirch). Leben in NUrnberg vor u. nach d. t)berg. an Bayern. 

uud Ihn in Seiner Liebe zu ihnen kraftigst befestigen"^). Auch 
die Art, wie er der bisherigen Regierung gedenkt, ist sehr 
wohituend. „Mit diesem Geflihl der Dankbarkeit gegen unsem 
Vater im Himmel woUen wir noch einen herzlichen Dank gegen 
nnsere vorigen Regenten verbinden, unter deren Schutz und 
Leitung wir so lange ruhig und gliicklich lebten und auch 
selbst in den neuern unglticklichen Zeiten, unter manchen Leiden, 
die auch ihnen selbst schmerzlich waren, noch manches Gute, 
Angenehme und Erfreuliche genossen. Ihnen wolle der allgtitige 
Gott, was sie aus Liebe des Vaterlands und ihrer Mitbiirger, 
aiis Achtung gegen ihre heilige Pflicht zu dem allgemeinen 
Besten Gutes taten und beforderten, reichlich belohnen und sie 
und Ihre B^amilien mit mannigfachem Segen erfreuen"*). 

So war also Ntirnberg bayerisch geworden. Wie sah es 
daraals aus? Der oben bereits genannte Freiherr von Lochner 
hat seinen Organisationsbericht an die Krone erstattet, nachdem 
er ein voiles halbes Jahr in Nurnberg geweilt hatte^). Er 
hatte — abgesehen von der Organisation der Polizei — ab- 
sichtlich alles zunachst beim Alten gelassen urn die Geschafte 
moglichst griindlich kennen zu lernen und seinen Vorschlagen 
eine gute Grundlage zu sichern. Im Berichte gibt er zunachst 
historische und statistische Notizen uber die Stadt und die 
Pflegamter, dann stellt er die bisherige Geschaftsbehandlung 
und Verfassung dar und endlich macht er Vorschlage zur Neu- 
organisation. Wir erfahren da, daU Nurnberg 25176 Seelen 
zahlte (11764 mannl , 13709 weibl. Geschlechts), 2712 Hans- 
besitzer, 4005 Mietsleute, 5297 Manner, 6079 Weiber, 3963 Knaben, 
4537 Madchen, 2207 mannliche Dienstboten und Verwandte, 
3057 desgl. weiblich^. Diese alle wohnten in 3284 Hausern, 
die auf der Lorenzer- und Sebalderseite in je 4 Viertel ein- 
geteilt waren*). Dazu kamen 198 offentliche Gebaude, darunter 
16 Kirchen. Die Salvatorskirche und die BarfuBerkirche dienten 



1) A. a. 0. S. 16. 

2) A. a. 0. S. 15 f. 

3) Lochner bat den Bericht laut Postbescheinigung am 5. April 1807 
an den Grafen Thurheim gescbickt. 

4) Barfufier-, Kornmarkter-, Karthauser- und Elisabetber-Viertel ; 
Weinmarkter-, Milchmarkter-, Egidier- und Salzmarkter-Viertel. 



Geyer, Das kirchl. I.eben in KOmberg Yor u. nach d. Oberg. an Bayern. 5 

als Magazine. Die Karthause ist der katholischen Qemeinde 
iiberlassen — die Eiisabethkirche wurde umgebaut, die Refor- 
mierten haben die Marthakirche inne^) (seit 1800). Die Nttrn- 
berger Bevolkenmg erscheint dem bayerischen aufgeklarten 
Beamten kleinlich und alien Neuerungen gegeniiber miUtrauisch. 
Die in alien Standen herrschende Armut wirkt nach seiner 
Meinung nachteilig anf das ganze geistige Leben ein. 

Bei der Darstellung der kirchlichen Verhaltnisse bezieht 
sich Lochner auf einen erst jiingsthin iiber die evangelischen 
Pfarreien erstatteten Bericht. Die Zahl der Geistlichen erscheint 
ihm sehr grofi, die gottesdienstlichen tJbungen seien zahlreicher 
als in anderen protestantischen StMten. Das Eitual bei den- 
selben unterscheide sich wesentlich von dem an anderen prote- 
stantischen Orten. AUe Tage konne man entweder eine Priih- 
oder Nachmittagpredigt horen, „aber die Predigten entsprechen 
demZweck, welcher Volksbelehrung sein soil, bei weitem nicht; 
der Vortrag derselben ist so wenig anziehend, dafi solche von 
den Einwohnern wenig besucht werden, so daB man oft in einer 
Kirche nur zwei Personen wahreud der Wochenpredigten als 
ZuhQrer finden kann". Eine genauere Untersuchung der kirch- 
lichen Verfassung, eine andere Einrichtung der gottesdienst- 
lichen Verrichtungen nnd selbst anch manche AbRnderungen in 
den Personen, denen die pfarrlichen Verrichtnngen obliegen, 
seien notwendig. 

Die katholische und reformierte Konfession sei nur geduldet; 
die Katholiken konnten weder das Burger- noch das Meister- 
recht erlangen. Dies verstoBe gegen das Religionsedikt. Die 
katholischen Gottesdienste wurden von drei Geistlichen, einem 
Prases und zwei Kapljinen in der vormaligen Deutschordens- 
kommende besorgt, die Geistlichen werden auch nach auswarts 
(Feucht, Katzwang, Rostall, Schwabach, Fiirth, Zirndorf, Wen- 
delstein u. s. w.) gerufen; denn den 500 Katholiken in der 
Stadt sttinden 2000 auf dem Lande gegeniiber. Ftir die Aus- 
lagen komme seit der Reformation diir deutsche Orden auf. Der 



1) Man vgl. zu Lochners Bericbt, Georg Wolfgang Karl Lochner, 
Die Stadt Ntirnberg im Ausgang ihrer Reichsfreiheit. Zeitscbrift f. deutsche 
Eulturgeschichte) herausgegeb. von Muller u. Falke, 3. Jahrgang (1858) 
S. 255-293. 



6 Geyer, Das klrchl.Leben in Nlirnberg vox u.nach d.Cberg. an Bayern. 

Gottesdienst fande jetzt in der Kai'thauserkirche statt. Ob eine. 
Pfarrei^) errichtet werden soUe, lasse sich noch nicht entscheiden. 
Vor allem miisse man den Katholiken eine andere Kirche an- 
weisen, und zwar die Marienkirche auf dem Markt, deren Lage, 
innere Einrichtung und GroBe entspreche und deren Abtretung, 
da sie keine eigentliche protestantische Pfarrkirche sei, wenig 
Widerspruch erregen diirfte. 

Die reformierte Gemeiude bestehe. aus sieben Familien, 
unselbstandigen Fremden, Handiungsdienern, Gesellen u. s. w. 
Von hier aus wlirden auch vier reformierte Familien in Fiirth, 
desgleichen einige Seelen in Farnbach und an einigen anderen 
Orten pastoriert. Die Kommunikantenzahl betrage 60. Nach- 
dem die Eeformierten von 1660 bis 1703 ihre Gottesdienste in 
Stein gehalten, batten sie in diesem Jahr einen Garten mit 
Saal bei Wohrd gekauft, nach der preuBischen Okkupation 1796 
hatte die Gemeinde ein im Stadtgebiet liegendes Gotteshaus 
erbeten und 1800 die Martkakirche erhalten. Die Eeformierten 
seien biirgerlich den Lutheranern gleichberechtigt, nur mtiBten 
sie fiir ihr Kirchenwesen selber sorgen. KoIIekten, die bei den 
Glaubensgenossen in Holland und in der Sphweiz erhoben worden 
seien, batten von 1775 bis 1790 8400 fl. ergeben, die bei den 
Stadtamtern verzinslich angelegt worden seien. Obwohl diese 
seit 1804- nur mehr 2^/^ statt 4^/^ bezahlten, seien 420 fl. Zinsen 
im Riickstande, weshalb sich die Gemeinde in grofier Verlegen- 
heit beflnde^). 

Die Juden ^eien seit 1499 in Nlirnberg nicht geduldet; sie 
durften nur durch zwei Tore, das Spittler- und das Tiergartner- 
tor die Stadt betreten, immer von einer Polizeiwache begleitet. 
Die ehemals bestehende Judensteuer sei zwar seit 1800 in ein 
Eintritts- oder Passiergeld umgewandelt; allein auch dies ver- 
trage sich nicht mit dem Geist einer „liberalen Eegierung". 



1) Die Katholiken durften keine Umgange auBerhalb der Kirche und 
keine „ProzeC" zu Kranken halten. Die Leichen bezahlten der (protestant.) 
Pfarrkirche iura stolae. Junge, Bericht iiber das evang. Kirchenwesen 
vom 1. Dez. 1807. Abschnitt III. Ms. der Dekanatsregistratur. 

2) Die Reformierten Ubten ungehindert ihren Gottesdienst aus, hatten 
aber keine Parochialrechte, d. h. sie muBten die Stolgebiihren an die 
protestant. Pfarrkirchen zahlen. Junge, a. a. 0, 



Geyer, Das kirchl. Leben in Niirnberg vor u. nach d. t^berg. an Bayern. ^ 

Was fiber die offentlichen Schulen, die 4 lateinischen Schulen, 
die 18 deutschen Schulen und die 5 Armenkinderschulen be- 
richtet wird, mussen wir ubergehen. Nur das sei bemerkt, daU 
Lochner meint, den lateinischen Schulen musse eine grofie Ver- 
anderung bevorstehen, wenn sie zu hoheren Studien vorbereiten 
soUen. Die deutschen Schulen, denen der Stempel des Zunft- 
zwanges aufgedruckt sei, so zwar daB die neuen Schulmeister 
die Stellen der Alten einnehmen oder in sie einheiraten wie 
in ein anderes Geschaft, das die Witwe nach dem Tode ihres 
Mannes weiterfuhrt, ohne daB der Staat irgendwie die lediglich 
auf das Schulgeld angewiesenen Lehrer bezahle, seien noch 
schlechter als die lateinischen und sehr reformbedurftig. „Grafieste 
Unwissenheit, ganzlicher Mangel an richtigen Begriffen, Aber- 
glaube sind hier leider zuhause." Eine veraltete Lehrmethode 
gebrauche fast nur Bibel und Gesangbuch; „kein neues zweck- 
mafiiges Lehrbuch der Eeligion" sei vorhanden. Die SchuUehrer 
seien meistens alt und ganzlich unbrauchbar^). Auch bei den 
Armenkinderschulen kommt er trotz mancher Anerkennung im Ein- 
zelnen — so wird von dem Diakon Seyfried, dem die Aufsicht 
fiber die Lodelsche Kinderschule ubertragen war, gesagt, er be- 
mfihe sich, in seinem Unterrichte mit dem Geist der Zeit fort- 
zuschreiten — zu dem Ergebnis, daB diese Schulen entweder zu 
reorganisieren oder aufzuheben seien. Aufrichtiges Lob spendet 
er dagegen den von der Gesellschaft zur Beforderung der vater- 
landischen Industrie gegrfindeten Industrieschulen ffir Madchen 
(1793) und fur Knaben (1803) sowie der von eben dieser Gesell- 
schaft ins Leben gerufenen Rumfordschen Suppenanstalt. 

Die Bibliothek des Predigers Solger sei 1766 uml5000fl. 
zur Stadtbibliothek erkauft worden. Dem gegenwartigen 
Bibliothekar Dr. Junge — der im Predigerkloster wohnende 
Prediger bei St. Sebald war immer zugleich auch Bibliothekar — 
soUe zur notigen Katalogisierung Professor Penzenkofer und 
Registrator Kief haber (der Verwalter der Bibliotheca Williana) 
beigegeben werden, da er sein Amt gegen 60 fl. Besoldung nur 
im Nebendienst verwalte. 



1) Vgl. Geyer, NUrnberger Tochterschulen vor hundert Jahren im 
Jahresbei'icht des Lohmannschen Instituts von 1904/5, S. 3 und namentlich 
Schultheifi, Gesch. der Schulen in Ntimberg 1857.- . 



8 Geyer, Das kircbl. Leben in Nilrnberg vor u. naeh d. Oberg. an Bayero. 

Aus der eingehenden und instruktiven Be8chreibung des 
stadtischen Verwaltungsapparates woUen wir nur hervorheben, dafi 
das Vormundamt, dem die geistlichen Angelegetiheiten zugeteilt 
waren, eine der 16 in Nurnberg vorhandenen Gerichtsstellen war. 

Der von Lochner genannte Bericht fiber die evangelischen 
Pfarreien ist mir nicht znganglich gewesen; dafur habe ich 
unter den reponierten Akten des Dekanats Nurnberg ein ein- 
gehendes Eeferat des Predigers Dr. Junge gefnnden, das diesem 
am 1. Dezember 1807 abgefordert wurde uiid einen vollstandigen 
Uberblick fiber das gesamte Nfirnberger Kirchenwesen gestattet^). 
Auf Grund eines kgl. Eeskripts vom 4. Sept. hatte Lochner 
am 11. Oktober Junge unter tJbersendung von ausffihrlichen 
Fragebogen zu genauer Berichterstattung aufgefordert. Den 
groBten Teil des Schriftstuckes nimmt die Beschreibung des 
offentlichen Kultus ein; darnach istnoch vonliturgischen 
Formularen, Religions- und Andachtsbuchern, von kirch- 
licher Disziplin und Polizei, von Amts- und Standes- 
pfjichten, endlich von Kircheninspektion und Kirchen- 
regierung die Rede. Die im Folgenden gegebenen Nachrichten 
gehen stets, wenn nicht andere Literatur ausdrficklich angezogen 
wird, auf dieses nur allzulange vergraben und ungenutzt ge- 
bliebene Schriftsttick zurfick. 

Wir woUen zunachst eine Vorstellung von der kirchen- 
regimentlichen Organisation Altnurnbergs gewinnen. Esist 
begreif lich, daB der Rat, dem als Summus episcopus die Ver- 
waltung aller Kirchenangelegenheiten gebfihrte, nicht alles in 
seinen Sitzungen beraten konnte. Nur Sachen von besonderer 
Wichtigkeit, wie etwa die Einftthrung eines neuen Gesangbuchs, 
eiuer neuen Agende und neuer Lehrbficher muBten ihmvorgelegt 
werden. Fur alle minder bedeutende und gelaufige Angelegenheiten 
waren in der Stadt das Kirchen- und Vormundamt, auf dem 
Lande teilweise die Landpflegearater zustandig, deren Inhaber 
zu einem Kollegium der Landpfleger unter dem Oberlandpfleger 
als ihrem Chef zusammentraten. Finer der Herren des Rats 
war in der Stadt als Kirchenpfleger aufgestellt, der mit seinen 
Kollegen vom Kirchen- und Vormundamt, namentlich den drei 

1) Bericht iiber das evangeliscbe Kirchenwesen zu Ntiraberg. An 
das Egl. B. General-Land-Kommissariat (Konzept). 



Geyer, Das kirchL Leben in Ntirnberg vor u. nach d. tJberg. an Bayern. 9 

Herren ^Scholarchen*' das Meiste selbst besorgte. Bei Erledigung 
von Pfarrstell^en legte er die Bewerbungen nebst daraus ge- 
fertigten Auszttgen vor — bei Landstellen tat der betreflfende 
Landpfleger das gleiche — und suchte durch seine damit ver- 
bundenen Bemerkungen die Wahl zu ieiten. Schullehrer auf 
dem Lande wurden ohne Genehmigung des Rates angestellt, 
ftir die Pfarrer in Stadt und Land, desgleichen fiir die stadtischen 
Rektoren war dieselbe jedoch erforderlich. Uber die Arten der 
Leichen oder Hochzeiten und fiber die Dispensationen entschied 
das Kirchenamt. Dasselbe ffihrte auch die Rechnung. 

Unter dem Kirchenamt stand das Kollegium- der Prediger, 
deren frfiher sechs, nunmehr aber nur noch vier — Sebald, 
Lorenz, Egidien und heil. Geist — waren. Die Prediger batten 
die Aufsicht fiber die Geistlichen und stellten als geistliche 
Rate in den Sachen, die sich auf die Lehre, Sitte, Gebrauche 
und gottesdienstliche Einrichtuugen bezogen, ihre „Bedenken", 
wie sie denn auch bei Pfarr- und Rektoratsbesetzungen auf 
Grund der ihnen mitgeteilten Bewerbungen taten. AUein der 
Kirchenpfleger wandte sich nicht immer an das ganze Kollegium 
der Prediger, sondern bisweilen nur an die beiden ersten — 
die Prediger von Sebald und Lorenz — oder auch nur an den 
ersteren, den Prediger von Sebald, der die Aufsicht fiber das 
ganze „Ministeriura" fuhren soUte, d. h. fiber die gesamte Geist- 
lichkeit. Eine eigentliche Konsistorialverfassung war also kaum 
ffir die Stadt, noch weniger aber ffir das Land durchgeffihrt^) 
und die Befugnisse des Predigers von St Sebald ermangelten 
einer genauen .Abgrenzung. Eine eigentfimliche Einrichtung ffir 
die Stadt war der jahrliche Konvent, zu dem sich der Kirchen- 
pfleger und die Scholarchen mit den Predigern und Schaflfern 
(den ersten Pfarrern) und je einem Diakon (2., 3., u. s. w. 
Pfarrer) aus jeder Pfarrkirche versammelten, wobei die. Geist- 
lichen ihre Wunsche und Vorschlage vortragen konnten, fiber 
die das Kirchenamt alsdann , weiter beriet^). 

1) Bei Unordnungen auf dem Lande wurde eine Visitation mit Hin- 
zuziehung eines Predigers angeordnet- oder der Beklagte vor die Sitzung 
des Kirchenamtes, der alsdann auch ein Prediger beiwohnte, berufen und 
seine Sache aUda abgehandelt. 

2) Die Ordnung des Konvents ist aus folgendem Schriftstuck der 
Stadtbibliothek (Nor. H. 410) zu ersehen: 



10 Geyer, Das kirchl. Leben in NUmberg vor u. nach d. Cberg. an Bayern. 

Das Kirchen- und Vormundsamt war naturlich auch die 
Instanz, die allenfallsige grobere Verfehlungen der Geistlichen 



^Directoriam 
den jahrliohen Eirchen Convent betreffend. 

Der jahrliche Kirchen Convent /: welchem zuvorderst der Herr Eircben 
Pfleger neben denen anderen Herren Scholarchis, und nechst denenselben 
die 6 Herren Prediger, als zn St. Sebald, St. Laurentzen, St. Egidien, 
St. Jacob, Zn unser Frauen und im Neuen Spittal, deBgleichen die beeden 
Schaffer in denen beeden Pfarr Eirchen, und derPfarrer zu Wohrd, dann auch 
aus jeder der 4 Nebenkirchen, als St. Egidien, Unser Frauen, St. Jacob u. 
Spittal, wie nicht weniger aus jeder PfaiT Kirchen noch ein Diaconus wexels- 
weifi beywohneri :/ wird in denen beeden PfarrhcJfen denen Herren Schaffern, 
in denen iibrigen Eirchen aber denen Senioribus, durch den Vormundbieter 
angesagt, solchen umwexelsweig zu halten, in denen Convent-Stuben bey 
St. Sebald und St. Laurentzen; Allwo an elner langen Tafel /: mit Auf- 
legung Papier, Dinte, Federn und Gestiipp :/ zu Oberst der Herr Kirchen- 
pfleger allein praesidiret, Zu defien linken Hand so wohl die iibrige drey 
Herren Scholarchae, als auch nachst denenselben die Herren Predigere 
ihre Sitzstellen nehmen. Welche anfangs allein eingelassen, und nach 
beschehenen kurtzen miindlichen Vortrag von dem Herren Eirohenpfleger 
um ihre Erinnernng allein vernommen werden. 

Zur rechten Hand sitzt der Vormundschreiber als Protokollist und 
nechst demselben nehmen auf Vorfordern alsdann die andere anwesende 
Herren Geistliche ordentlich nacheinander Platz. 

Denen alien insgesamt wird von dem Herrn Kirchen-Pfleger ein 
nocbmaliger mtindlicher Vortrag gethan, mit Anfilhrung der Ursachen, 
• warum solche Conventns angestellet worden. 

Darauf wird von dem jiingsten der Herren Predigere das gewohnliche 
Gebet in Lateinischer Sprach gesprochen, und nach solchen die Umfrag 
vorgenommen. 

Mit der Umfrag aber fangt der Herr Kirchen- Pfleger an, bey dem 
vordersten Prediger, so neben dem letzten vor denen Herren Scholarchen 
sitzt, biB zu dem letzten Prediger; 

Alsdann wird gefragt der Herr Schaffer bey St. Sebald, so auf der 
rechten Seiten neben dem Protocollisten sitzt, bifi an den letzten von 
denen Herren Geistlichen. 

Nach diesem fragt der Herr Kirchenpfleger den nechsten von denen 
Herren Scholarchen nach Ihme, welcher demselben die erste Stimme wieder 
zurtickgibt. 

Darauf der Herr Kirchenpfleger, nach abgelegtem Voto die iibrigen 
Herrn Scholarchen jeden insonderheit um dessen Votum = und so dann 
die Herren Predigere um deren fernere Erinnerung befraget. Welches 
alles von dem Vormundschreiber fleiBig protocolliret und in eine Relation, 
solche bey Rath vorzulegen, verfafiet wird. 



Geyer, Das kirchl. Leben in NUrnberg vor u. naoh d. Oberg. an Bayern. H 

zu behandeln hatte und Suspension oder I{,emotion beantragen 
konnte. Zu solchen Verhandlungen wurden gleichfalls die 
flAntistiten oder Prediger" beigezogen. Besondere gesetzliche 
Bestimmungen liber die Kleidung der Geistlichen waren nicht 
vorhanden. AuBer deij Amtsverrichtungen war ihnen „jede 
modeste Kleidung" erlaubt. 

Fur die Rube und Ordnung im Innern der Kirchen sorgte 
der Mefiner^), zur Erhaltung der auBeren Ruhe wurden Sauve- 
garden und aite Soldaten, seit der bayerischen Okkupation au<;h 
Polizeidiener gebraucht. Klagen iiber StOrung des Gottesdienstes 
gingen an den Kirchenpfleger, der sie dem Kriegsamt (uach der 
Okkupation der Polizei) vortrug. 

Die Pfarramter fiihrten Tauf-, Toten- und Trauungsmatrikeln. 
Das vollstandige Totenbuch hatte das Vormundamt; denn da 
im Pfarrhof viele Leichen zur Ersparung der Gebiihren nicht 
angezeigt, sondern einfach auf den Friedhof getragen und ein- 
gegraben wurden (sogen, Freiheitsleichen), muBte die Pfarr- 
matrikel luckenhaft bleiben. Die Konfirmanden-, Beicht- und 
Kommunionregister fiihrten die einzelnen Geistlichen. 

Wervor hundert Jahren einen Nurnbergischen Gottes- 
dienst besuchte, muBte erstaunt sein iiber zahlreiche auf 
protestantischem Boden fremd anmutende AuBerlichkeiten, die 
aus der katholischen Vergangenheit stammten^), namentlich 
hatte sich sowohl bei den Kommunionen, als auch bei den 
Kanzelvortragen und anderen geistlichen Funktionen der Ge- 

Und hierauf thut der Herr Kirchenpfleger die Erinnerung, in welcher 
der zweyen Pfarrkirchen, auch von welchem Diacono der Passion und der 
Catecbismns in denen kiinftigen Fasten-Vesperpredigten wechselsweiB 
erklaret werden soUe. Endlich wird von dem jiingsten Caplan, init Ab- 
lesung einer Lection aus denen Libris Normalibus, wo man das Jahr Yor- 
herr aufgehoret, continuirt; 

Und darauf von dem jiingsten Prediger die Preces abermals lateinisch 
gesprochen, and hiemit solcher Conventus nach genommenem Abscbied 
beschlossen.'* 

1) Es sei zum Oberflu^ daran erinnert, daB dieser Name nichts mit 
der Messe zu tnn hat, sondern eine Yerstiimmelung des lateinischen 
Wortes mansionarius = Hausaufseher ist. 

2) H. V. Schubert, Der Streit iiber die Lauterkeit der Niirnb. Zere- 
monien i. d. Mitte des 18. Jahrh. in dies. Zeitschr. Bd. Ill, S. 197-226. 
Herold, Alt-Nttrnberg in seinen Gottesdiensten, Giltersloh 1890. 



12 Geyer, Das kirchl. Leben in NUrnberg yor u. nach d. Oberg. anBayero^ 

* 

brauch der MeUgewtoder, Chorhemden und Kragen erhalten. 
Erst am 11. November 1810 wurde diese alteTracht von alien 
Pfarrern abgelegt^). Es war dies der letzte Uberrest aua einem 
ganzen machtigen Apparat von lateinischen und halblateinischen 
Gottesdiensten, die zusammen mit dem alten Institut der Privat- 
beichte dem Nurnberger Kirchenwesen ein wunderlich-altertiim- 
liches Aussehen gaben. Nachdem dem Ansturm von Geist- 
lichen und Laien — es seien hier nur der Kirchenpfleger Paul 
Karl Welser von Neunhof*), der uberaus fleifiige Schriftsteller 
Waldau^), damals Sudenprediger, der anonyme Verfasser einer 
viel gelesenen Schrift*), namentlich aber der trotz des an- 
genommenen Inkognito alsbald als der Verfasser einer recht 
boshaften Schrift erkannte Dlakonus bei St. Jacob Johann 
Ferdinand Roth ^) genannt — eine der veralteten Einrichtungen 

1) Amberger, Ntirnbergs Geschichte oder Niirnberger Chronik 
Nachrichten S. 45 f. Ms. in der Stadtbibliothek. 

2) Waldau, Nurnbergisches Zion 1787, S. Iff. Derselbe, Die 
Abschaffung der WochenfrUbmessen in NUrnberg durch den Kirchenpfleger 
von Welser (1783) in „Vermisehte Beitrage zur Gesch. der Stadt Niirn- 
berg Bd. II (1787) S. 397 ff. 

3) Waldau, Historische Bemerkungen iiber das Belch twesen in 
NUrnberg in „Vermischte Beitrage zur Gesch. der Stadt Nurnberg** Bd. I 
(1786) S. 11—30. 

4) Uiber den Evangeliscben offentlichen Gottesdienst in Franken oder 
eines Patrioten wohlgemeynte Vorschlage den Offentlichen Gottesdienst 
der Evangeliscben Gemeinden besonders in Franken Zweckmafiiger ein- 
zurichten. Erlang und Schwabach 1779. — Vgl. dazu D. Joh. Augustin 
Dietelmeyers Bedenken ttber einige vorgeschlagene Yerbesserungen des 
evangeliscben Gottesdienstes in Franken. Altdorf 1780. 

5) Beschreibung des Religionswesens in der Reichsstadt 
Nurnberg, welche vielleicht auf mehrere Stadte pafit. Aus einer Reise- 
beschreibung. Nonquis? Sedquid? 1789. Im Exemplar der Stadtbibliothek 
findet sich auf der Innenseite des Einbandcs die handschriftliche Bemerkung: 
„Eine Schandsaule erbaut sich der selber, der sein Vaterland (Jffentlich 
schandet". — Rothbekampft die Beichtanstalt als eine Folge des Interims, 
Tagamter, Fruhchore, VesperchSre, Fruhmessen, Mefigewande, . Chorhemde, 
Kirchenornat, Lampen die bestandig brennen, die Lichter bei dem Gottes- 
dienst am hellen Tage und den lateinischen Gesang als Uberbieibsel des 
Papsttums. Schon seien manche Verbesserungen erfolgt, so Abschaffung 
des Exorzismus bei der Taufe (Dez. 1783), der Fruhmessen, des Gewitter- 
lautens und des lateinischen Magnificat vor der Nochmittagspredigt. Der 
Rat woUe in Verbessernng des Religionswesens fortfahren, weshalb zwei 



Geyer, Da9 kirchl. Leben in Ntiriiberg vor u. nach d. Oberg. an Bayern. 13 

nach der anderen zum Opfer gefallen war, am 24. April 1783 
die Wochenfruhmessen, am 25. November 1789 die Ch6re, Tag- 



Parteien in der Biirgerschaft besttlnden, die sich durch Schriften nnd 
Pasquille befehden. Er wendet sich besonders gegen den Gebrauch der 
Dietrichschen Snmmarien, gegen die ttblichen Kir'chengebete, 
namentlich die Litaney, gegen das Agendbtichlein, den Gesang 
yon Kollekten, Einsetznngsw.orten und Vaterunser, gegen die 1359 Seiten 
starken Normalbticher, gegen die in den Betstunden benutzten 
Summarien und ^Historia des Leidens und Sterbens un seres Herm 
Jesu Ghristi'^, gegen das Stadt- and das ebenso ^erbarmliche'* Land- 
Gesangbuch, mit besonderer Scharfe geifielt er das Kinderlehrbtich- 
lein „yon der jammerlichsten Bescliaffenheit", das nnr den Aberglauben 
befordere. IJber die Beichte und das in KHrnberg bis heute herrschende 
Beichtvatersystem spricht er sich also aus (S. 54): „Schon Islngst waren 
mir in unserer evangelischen Kirche die Worte Beichtvater, Beicht- 
kinder, Beichtstuhl, Beichtgeld vom Groscben bis zum Pfennig 
herab — ekelhafte Worte. Wann r— wann werden alle diese Worte zu 
den veralteten gerecbnet werden k(5nnen? Wann — wird das bisherige 
Beichtwesen, das ein Werk des Fanatismus, des Geldgeizes, der Bank- 
sncbt, des Pfaffenbetruges ist, aus der evangelischen Kirche verbannt 
werden? Wer kennt nicht den Unfug, der hie und da — von diesen und 
jenen — mit dem Beichtwesen getrieben wird ? Wem sind die schadlichen, 
niedrigen, eigenniitzigen und habsiichtigen Handlungen, welche das Beicht- 
wesen veranlaBten, ganz unbeka.nnt geblieben? Wer hSrte nicht, daJB 
Religionslehrer sich herabwurdigten, Beichtkinder zu werben oder durch 
andere werben zu lassen, wie man Soldaten anzuwerbeti pflegt? Und 
— wer bemerkt nicht die nachteiligen Folgen, welche fUr- den Stand der 
Religionslehrer, ja selbst fUr die Religion daraus erwachsen?" Er spricht 
sich.flir vollige Abschaffung des Beichtvaterverhaltnisses 
aus. — Die „kostbaren und lumpenreichen" alten MeBgewande moge 
man ablegen. Der Predigten seien zu viel, wochentlich 42, am Sonntag 
22, wozu noch FrUhmessen, Betstunden, Ch{)re und das Salve Regina in 
der Marienkirche kamen. Der Gottesdienst am Sonntag sei zu lang. 
Eingeleitet mit dem Gesang Vaterunser im Himmelreich, Epistel, All- 
gemeine Furbitte, Eatechismus, Verktindigungen und langem — die Lieder 
wtirden immer ganz gesungen — Hauptlied vor der Predigt, beendigtmit 
Beichte, Absolution, Gebet, Notifikationen, Mandaten Furbittenzettel, Unser 
Vater u. s. w. nach der Predigt, dauere er 2—3 Stunden, bei St. Jakob, wo 
sich das Abendmahl an den Hauptgottesdienst anschlieBe, gelegentlich 
von Vs9 bis Vjl Uhr. Das Vaterunser werde zu oft gebraucht; er 
rechnet nach, daB manche Leute an ein em Sonntag 27 Vaterunser beten. 
Die Perikopen seien abzuschaffen. Bei Sebald, Lorenz und Egidien 
wiirden nach der Friihpredigt noch tiberfllissige Tagamter gehalten. 
Die Kinderlehren seien zu sehr predigtartig. In den Nachmittags- 



14 Geyer, Das kirchl. Leben in Niirnberg vor a. nach d. Uberg. an Bayern. 

«lmter^) u. a.; bald darauf die Privatbeicht^), die etwas 
spMer auch aaf dem Lande durcb die Allgemeine Beicht ersetzt 
wurde^), war die Bahn zu einer tief einschneideiiden Umgestaltung 
des gesamten Kirchenwesens erSffnet, die beim tibergang der 
Stadt an Bayern noch nicht voUig abgeschlossen war. Als 
nach der Abschaffung der Privatbeicht im Jahr 1790 die Zahl 
der Kommunikanten von 28147 desVorjahres auf 22223 herab- 
gesunken war, konnte sich freilich auch Waldau, der Fubi^er 
gerade dieser Bewegung, nicht enthalten iiber die Verdiisterung 
so vieler Kopfe und Herzen durch die mifiv^rstandene Auf klarung 
zu klagen*). Wenn man iiberhaupt die Teilnahme an Beicht 
und Abendmahl als einen Gradmesser der kirchlichen Sitte gelten 
lassen will, so reden hierwie anderwarts gerade dieKommuni- 
kantenzahlen eine lauteSprache von der zuEnde des 18. Jahr- 
hunderts eingetretenen Verander ung. Eine voUstandige Zusammen- 



gottesdiensten, in denen stets entweder tiber die Epistel oder den 
Eatechismns geprediget werde, werde za anfang ein lateinischer Introitus 
gesungen. Am Mittwoch Nachmittag sei bei St. Jakob noch ein lateinisches 
»Geplerre und Geheule** von 3 Schul- und 2 Eirchendienern, die eine Art 
Mannleinlaufen vomPult zu den Sttihlen u. 8. w. ansteilen. Die Wochen- 
predigten kSnnten wegen des geringen Besuches uberhaupt eingestellt 
werden; es sei doch zu viel, wenn jahrlich in Niirnberg 2766 Predigten 
gehalten wtlrden. Von den lateiniBcben Horis sei die Fru]m>efi (Prim) an 
den Werktagen jetzt aufgehoben, aUein Tagamt (Terz) bestebe noch am 
Sonntag, desgleichen die Non oder der Vesperchor, bei dem doch nur 
Kirchendiener und SchUIerchor anwesend seien. Auch der Feiertage seien 
zu Yiel: ^Man gehe an Feyertagen in die dasigen Eirchen, und man wird 
sehen, wie wenig sie besuchet werden. Yornehme und beguterte machen 
Spazierfahrten oder bereiten sich zu nachmittagigen Gastmalen Yor; der 
Handwerksmann arbeitet vormittags und nachmittags besucht er das Land. 
£s wird also nur sehr wehigen Zuhorern, desto mehreren leere'n Eirchen- 
stuhlen geprediget." 

1) Batsdekret wegen Abschaffung der Chore, Tagamter u. a. bei 
Waldau, Neue Beitrage zur Gesch. der Stadt Ntirnberg 1. Bd. (1790) 
S. 74. Herold, a. a. 0. S. 315ff. 

2) 18. Marz 1790. Me die us, Geschichte der evang. Eirche imEgr. 
Bayern diess. d. Rh. Erlangen 1863, S. 274 ff. 

3) Waldau, Neue Beitrage II, 39 ff. Oberherrliche Verordnung wegen 
Einfuhrung der allgemeinen Beicht in den Niirnbergischen Eirchen auf 
dem Lande. Vom 4. Januar 1791. 

4) Neue Beitrage II, S, 49. Anm. 



Geyer, Das kirchl. Leben in Ntirnberg vor u. nach d. ©berg, an Bayern. 15 

stellung der Kommunikanten bei St. Jakob von 1632 (in welchem 
Jahr zuerst Abendmahle in dieser Kirche gefeiert wurden) bis 
1806 zeigt folgende lehrreiche Schwankungen^): 

1632: 2525 Kommunikanten, 1640: 4649, 1650: 4441, und 
dann weiter von Jahrzehnt za Jahrzehnt 5400, 5539, 6140, 
7603 (1698 wnrde die hochste Zahl mit 8207 erreicht!) 7454, 
7633, 7037, 6947, 5929, 5936, 5782, 4339. Wahrend 1780 die 
Zahl noch 3823 betrug, waren es 1790 nur mehr 2601 und 1800 
nur noch 939 Abendmahlsgaste. Aber die Zahlen sinken von 
1801 bis 1806 noch weiter: 901, 913, 901, 830, 597, 577. 

Wenn wir nunmehr wieder dem Berichte Junges in der 
Schilderung des gottesdienstlichen Lebens folgen, lernen wir das 
gegen den fruheren Zustand stark veranderte Kirchenwesen 
kennen. 

„An Sonn- und Festtagen", so beginnt er seine Schilderung 
des „Offentlichen Kultus", ist ein besonderer Gottesdienst zu 
der Kommunion veranstaltet, welches wir ftir vorziiglicher halten, 
als wenn selbige nur der sonntaglichen Predigt angehangt wird, 
weil die Teilnahme durch die Lange der Dauer vermindert und 
besonders alteren Persouen beschwerlich gemacht wird. Kom- 
munion wird alle Sonntage in den beiden Hauptkirchen und in 
den Nebenkirchen beiEgydien, Jakob und Spital geliialten, bei 
Jakob und in der Sude nach der Predigt. Dann ist eine Frtih- 
kirche in der Margarethakirche auf der Pestung, die mit einem 
Kandidaten besetzt ist und sich dann enden soil, wenn die 
ubrigen Kirchen anfangen. Die Einrichtung war deswegen, daU 
in einem auBersten Notfall, wo schnell ein Prediger krank wiirde, 
dieser die Vormittagspredigt noch versehen konute.** Darauf 
folgte der Hauptgottesdienst bei Sebald, Lorenz, Egidien, im 
Spital, bei Jakob, in der Prauenkirche, in der Walpurgiskapelle 
auf der Burg und in der Suden. Mittagspredigten wurden 
zwischen 12 und 2 Uhr von einem Kandidaten und dem Senior 
(1. Diakon) in der Prauenkirche und in der Spitalkirche ge- 
halten. Urn 2 Uhr fanden bei Sebald, Lorenz, Egidien, im 
Spital, bei Jakob, in der Augustinerkirche und in der Karthauser- 
kapelle Vesperpredigten statt. Diese Gottesdienste wurden alle 

1) Kommunikanten bei St. Jakob. Maniiskript in der Stadtbibliotbek, 
Nor. H. 395. 



16 Geyer, Das kirchl. Leben in Niirnberg yor a. nach d. t^berg. an Bayern. 

in der schlichten, um nicht zu sagen niichtenien Form gefeiert, 
die aus der von Junge selbst verfaBten Neuen Agende von 1801 
bekannt und im wesentlichen unter entschiedener Ablehnung 
der spateren liturgiefrohen Bestrebungen der bayerischen Kirchen- 
behorden bis heute beibebalten worden ist. Der Hauptgottes- 
dienst begann im Sommer um 8 im Winter um 9 Uhr. Das 
Hauptlied wurde etwa '/^ Stunden nach dem Beginn gesungen^). 
Dem Prediger stand es frei, sich an die Perikopen zu halten 
Oder nicht. „Da die Perikopen nicht alle gut gewahit sind, so 
sind solche in der Neuen Agende mit anderen ansgetauscht, auch 
iiberhaupt dem Zusammenhange gemafier angeordnet worden. 
Die nftmliche Freiheit herrscht anch in ADsehung der anfier- 
ordentlichen Predigten, weil wir uberzeugt sind, daU vor- 
geschriebene Texte dem Geistlichen oft zu viel Zwang auf legen, 
und da ihm das wichtigere, der Vortrag der Materien und die 
moralische Behandlung seiner Beichtkinder tiberlassen werden 
muB, ihm wohl auch die Wahl eines Textes zugestanden 
werden kann." 

Als besondere Feiertage wurden eben noch die Aposteltage, 
das Dreikonigsfest, der Griindonnerstag gefeiert, doch trug. man 
sich bereits mit dem Gedanken ihrer Beseitigung. Der BuBtag 
wurde am'Aschermittwoch, das Erntefest am 15. Sonntag nach 
Trinitatis, das Reformationsfest als Gedenktag der Ubergabe 
der Augsburgischen Konfession am Sonntag nach Johannis, die 



1) Man vgl. die oben mitg^eilte Scbilderung Roths (S, 13). Der 
Anonymus, der tiber den evangel. Gottesdienst in Franken scbrieb (1779), 
sagt, da6 der Hauptgottesdienst um 8 Uhr eingelautet wurde, 10 Minuten 
spater begann das Orgelspiel, worauf drei bis vier Anfangslieder gesangen 
wurden. Unterdem kam erst die Gemeinde zusammen, der P5bel um ^/^O, 
die Burger um Va^, JRate undBeamte um '/^O und die Noblesse um 9 Uhr. 
Die Predigt, der ein Exordium voranging, nach dem noch einmal ge- 
sungen wurde, worauf nach der Textesverlesung ein zweites Exordium 
kam, dauerte in der Kegel IV2 Stunden. „Aber diefi darf ich bemerken, 
dafi hier ihr Werth, besonders der vormittagigen Amtspredigten am meifiten 
nach der Uhr bestimmt wird. Und wenn Mosheim, Saurin, Spalding oder 
ein jeder anderer vortrefflicher Prediger auftrate, und bliebe nicht 
wenigstens 6 Viertelstunden auf der Kanzel, so ware sein Ruf in N. dahin. 
Doch la6t man diese ^lligkeit Statt find en, daB dem Bedner vergdnnt 
ist, sich mit langsamer Aussprache und Sfterem langen Schweigen zu 
helfen«. S. 15. 



Geyer, Das kirohl. Leben in Ntirnberg vor u. naoh d. Uberg. an Bayeru. 17 

Kirchweih am Sonntag vor oder nach dem Tag der Kirchen- 
heiligen begangen. 

Filnf Wochenpredigten, zu denen Stiftungs- und Fasten- 
predigten kameu, waren der Rest des friiheren noch groCeren 
Predigtsegens. Am Neujahrsabend, dem Lieblingsfest des Zeit- 
alters, fand natlirlich auch in Nurnberg in all^ Kirchen Predigt- 
gottesdienst statt, in der Frauenkirche wurde sogar die Vesper 
durch Musik und Gesang des Te Deum ausgeaseichnet. 

„Der unnatiirliche Gebrauch, das Evangelium, den Glauben 
Oder den Segen zu singen" bestand nicht. Das ,,Liturgische" 
beschrankte sicli auf den Schlufi des Gottesdienstes; da sang 
der Geistliche „DerHerr sei mit uns alien**, eine KoUekte und 
das Benedicamus. Bei der Kommnnion wurden Einsetzungs- 
worte und Vaterunser nach den in der neuen Agende S. 105 
gegebenen Noten gesungen, „ welches, wenn der Geistliche eine 
ertragliche Stimme hat, uberaus feierlich klingt und riihrender 
als das blofie Sprechen ist". Nur bei der Abendmahlsfeier 
fungierte der Geistliche „auf" dem Altar, bei alien anderen gottes- 
dienstlichen Verrichtungen blieb er „vor" dem Altar. Lichter 
brannten nur wahrend der Vormittagspredigt und beim heiL Abend- 
mahl. Besondere Fiirbitten wurden gesprochen fiir die Pruchte, 
fur die Kommunikanten. Danksagungen fiir die Ernte waren in 
der Agende (S. 20) vorgesehen. „Dann aber ist auch hier die be- 
sondere Gewohnheit, daC nach dem Gebet und vor dem Vater- 
unser Fiirbitten fur Schwangere, Kranke, Verreiste, auch Dank- 
sagungen fiir Geburten, Genesung oder Tod der Kranken und 
gliickliche Nachhausekunft in einzelnen Zetteln auf die Kanzel 
geschickt und dann von dem Prediger verlesen und mit einem 
Segenswunsch begleitet werden." An den Pesttagen fiihrte der 
Kantor nach dem SchluB der Predigt eine Kirchenmusik (Vokal- 
und Instrumentalmusik) auf. Auch bei einigen Stiftungspredigten 
war die Begleitung des Gesangs durch Instrumente bestimmt. 

An die in den letzten Jahrzehnten abgeschafften Gottes- 
dienste erinnerte noch das Gelaute, das als „Zeichen der Zeit" 
beibehalten wurde, obgleich in den Kirchen nichts dabei vor- 
ging. So wurde z. B. das Fruhmefilauten um 8 oder 9 Uhr, 
das Vesperlauten um 2 Uhr noch an alien Tagen fortgesetzt, 
obgleich keine Priihmesse und kein Chor und nicht jeden Nach- 

Beitrage zur bayer. Kirchcngeschichto XII. 1. 2 



18 Geyer, Das kirchl. Leben in Ntirnberg vor u, nach d. Cberg. an Baycrn . 

mittag eine Predigt gehalten wurde. Auf das Erntefest, das 
Konfessionsfest and den Bufitag wurde mit ausfiihrlicheren in 
der Agende vorgeschriebenen Anktindigungen aufmerksam ge- 
macht. Sonst durfte nur die Verkiindnng der zahlreichen 
Stiftungen fur Arrae, die von der Kanzel aus geschah, erwahnens- 
wert sein. Der Klingelbeutel ging in den meisten Kirchen nur 
bei der Kommunion herum. Bei den Vormittagskirchen wurden 
die Becken an den Tfiren ausgestellt, bei denen ein Handwerks- 
mann saB, der auf das Geld acht hatte^). 

Die am Montag friih je nach der Tageslange zwischen 
6 und 8 Uhr in alien Kirchen eingerichteten Betstnnden, bei 
denen aus den Veit Dietrichschen Summarien vorgelesen wurde 
— Junge weist darauf hin, daC die Ausarbeitung eines neuen 
besseren Betstundenbuches nur durch die noch vordringlichere 
BeschaflFung eines neuen Lehrbuchs fur die Schulen aufgehalten 
worden sei — i wareu schlecht besucht, weil bei den Vornehmeren 
die Lebensweise und bei den tJbrigen die Notwendigkeit mehr 
zu arbeiten als sonst, deren Abwartung hinderte. Gottesftirchtige 
Familien beteten ihren Morgensegen gemeinschaftlich in ihren 
HSusern, und die das nicht taten, gingen auch in keine Bet- 
stunden. AUe Feiertage wurde zum Andenken des Todes Christi 
um 8 Oder 9 Uhr, niimlich zur Chorzeit, eine Lektion aus der 
Leidensgeschichte mit Erklarung nach Seiler vorgelesen und 
ein Lied gesungen. 

Die sonntaglichen offentlichen Katechisationen in der Egidien-, 
Frauen-, Jakobs- und Marthakirche, von. den Geistlichen ab- 
wechslungsweise zwischen 1 und 2 Uhr gehalten, waren schlecht 
besucht, weil die Honoratioren ihre Kinder nicht schickten, und 
die iibrigen Burger diesem Beispiel folgten. Beliebter waren 
die von den Beichtvatern in den Pfarrhausern gehaltenen Wochen- 
kinderlehren. Gleichfalls in den Pfarrhausern, die alle mit ge- 
raumigen Lehrzimmern versehen sind, wurde der Konfirmanden- 
unterricht zwischen LichtmeB und Ostern in taglich zwei Stunden 
erteilt. Hierzu wurden die Kinder mit dem 14. Lebensjahr 
angenommen, wenn sie die erforderlichen Vorkenntnisse hatten, 
woriiber die Beichtv^lter von den wochentlichen Kinderlehren her 



1) An diese Einrichtung erinnern die noch in den Nurnberger Kirchen 
vorhandenen „ZunftstuhIe**. 



Geyer, Das kirchl, Leben in Ntirnberg vor u. nach d. Oberg. an Bayern. 19 

wohl Bescheid wuBten. Nur in NotfeUen wurden auch jungere 
Kinder zugelassen. Da sich in der Neuen Agende (S. 121) ein 
Konfirmationsformular findet, konnte man meinen, die Kon- 
firmation sei allgeniein iiblich gewesen. Dies war jedoch nur 
auf dem Lande der Fall, wo eine solche in der Osterzeit oder 
am Himmelfahrtsfest gefeiert wurde, worauf alsdann am folgenden 
Sonntage die Kinder gemeinschaftlich kommunizierten. In der 
Stadt war eine offentliche Konfirmation, „so erbaulich und 
riihrend auch eine solche Anstalt ist", nicht eingefiihrt, weil 
sich die h9heren StSnde wegen ihres Ranges und audere wegen 
ihrer Armut weigern wurden. So wurden die Kinder einfach 
in der letzten Unterrichtsstunde im Pfarrhause konflrmiert. 
Jeder Beichtvater machte das „so feierlich und so erweckend, 
als es in seinem Vermogen stand". 

Obwohl die Privatbeicht abgeschafft war, blieben die Nach- 
mittage am Sonnabend dazu bestimmt, dafi an ihnen die Beicht- 
vater von 1 bis 2 Uhr „Beicht sitzen" soUten. An diese von den 
Beichtvatern nur fur ihre Beichtkinder gehaltene Beicht schloC 
sich jedoch noch von 2 bis 3 Uhr ein gemeinsamer Beichtgottes- 
dienst an, bei dem der jungste Diakon eine Vorbereitungsrede 
Melt. Zweimal im Jahr wurde in der Augustinerkirche besondere 
Beicht fiir die Armen gehalten. Die Kommunion fand immer 
am folgenden Sonn- oder Festtag statt. Die Kommunikanten 
meldeten sich Freitags oder Sonnabend morgens an, die gemeinen 
Stande kamen selbst, die hSheren schickten ihre Dienstboten. 

Es war allgemeine Sitte, die Kinder innerhalb acht Tagen 
und zwar immer im Hause taufen zu lassen. Da in Niirnberg 
die Gevatterschaft manche Kosten mit sich brachte, war 
der Vater immer froh, wenn er nur einen Gevatter hatte, doch 
kam es bei Angesehenen auch vor, daC mehrere Taufzeugen 
gewonnen wurden. Der Exorzismus war langst abgeschafft. 
Die Jungesche Agende bot verschiedene Taufformulare dar, die 
sich teils an die Sprache der Alten anlehnten, teils dem Ge- 
schmacke der Zeit Rechnung trugen. 

In der Kirche „vor dem Altar" lieBen sich nur zuweilen 
noch Bauern trauen. Die vornehmeren Stande lieCen den Geist- 
lichen ins Haus kommen, die anderen Brautleute aber wurden 
in den Pfarrhofen, wo die Schaffer als die einzigen Copulatores 



20 Geyer, Das kirchl. Leben in Ntirnberg vor u. nach d. Oberg. an Bayern. 

ein dazu eingerichtetes Zimraer batten, im Beisein ihrer Ver- 
wandten oder des MeBners und Hochzeitladers getraut. „Hocli- 
zeitreden sind hier nieraals gew5hiilich gewesen, aacli wohl 
iiberflussig, da die Kopulationsformel schon die Ermahnuiigen 
enthalt, die den Neuvermahlten notig sind, und die Gemiiter 
bei Hochzeiten gemeiniglich nicht zu Anh5rung langer Predigten 
gestimmt sind." In der Tat erinnere ich micli nicht unter den 
vielen gedruckten Predigten und Gelegenheitsreden jener Zeit einer 
geistlichen Hochzeitsrede begegnet zu sein. Personen, die sich 
miteinander fleischlich vergangen batten, wurden in der Regel 
nicbt proklamiert; wurde die Proklamation aber ausdriicklicb 
verlangt, so fiel der Ebrentitel Jungfer weg, denn es konne 
dem proklamierenden Pfarrer nicbt aufgegeben werden, eine 
faktiscbe Unwahrbeit von der Kanzel vorzutragen und durcb 
Gleicbstellung der Keuscben und Unkeuscben die Unkeuscbbeit 
zu unterstutzen. Fur die Trauung solcber Personen entbielt 
die Agende drei Formulare, ein gelinderes, scbarferes und 
scbarfes, unter denen der Pfarrer die Wabl batte. Da diese 
Trauungen meist im Gefangnis oder in der Kircbe nacb einer 
Betstunde oder zu anderer Zeit vorgenommen wurden, nicbt 
aber vor versammelter Geraeinde, lag in ibrer Anwendung nicbts 
Bescbimpfendes. 

Bei den Leicbenbestattungen unterscbied man „besungene" 
und „unbesungene" Leicben. Die ersteren waren naturlicb 
die vornebmeren und zerflelen wieder in drei Klassen. Die 
Funfherrnleicben wurden von fiinf Geistlicben begleitet und 
fanden urn ^/gl Ubr statt; die Acbtberrnleicben paradierten urn 
^/^ nacb 1 Ubr mit 8 Geistlicben und die Dreierleichen wurden, 
ebenfalls von 8 Geistlichen begleitet, um 2 Ubr fortgetragen. 
Die Scbiiler^) und Geistlichen versammelten sich in der Kircbe, 
gingenvor das Trauerbaus, wo ein kurzes Lied gesungen wurde; 
von bier bracbte man die Leicbe unter Vortragen von 4 Kerzen 

1) Professor Penzenknffer beklagt sich in der Schrift „Ver- 
teidigung der in dem obersten Staatszwecke begriindeten Rechte und 
Anspriiche der gelehrten Schnllehrer meines Vaterlandes. La justice est 
le point d'appui de I'autorit^. Ntirnberg 1805** liber die Zuriicksetzung der 
Lehrer bei den Beerdigungen. Nur die Geistlichen wurden als „Herren** 
bezeichnet. Aiich erhielten sie am Trauerhause groBe Zitronen, die Lehrer 
kleinere und schlechtere. 



Schornbaum, Das Erste Ansbacher Proklamationsbuch. 21 

mit GesaDg in die Johanniskirche auf dem Friedhof. Ein eigens 
dazu verfertigter Sermon mit einem Lebenslauf wurde hier ab- 
gelesen^). Nacli Gesang einiger Verse trug man die Leiche 
zum Grab, wo sie unter dem Wechselgesang des Liedes: „Be- 
grabt den Leib" eingesenkt wurde. Nur Personen von den 
ersten Standen batten das Recht einer Leichenpredigt von der 
Kanzel, die dann meist von den Predigern gehalten wurde. 
Diese Leicben waren aber schon damals sehr ins Abnehmen ge- 
kommen. 

Meistens^ begniigten sich die Leidtragenden mit einer un- 
besungenen Leiche. Bei einer solchen wurde der Verstorbene vor- 
mittags auf dem Leichenwagen oder Peuntwagen mit oder ohne 
Begleitung hinausgefahren oder auch getragen und unter dem 
Gesang „Begrabt den Leib" eingescharrt. Vorher wurde in der 
Kirche auf Wunsch ein Sermon oder auch eine gedruckte Ver- 
mahnung (Leseleiche) gelesen. Arme wurden in der Friihe 
hinausgetragen. Als Unfug bezeichnet es Junge, daB manche, 
ohne etwas zur Kirche und Schule zu bezahlen, ihre Leichen 
hinaustragen liessen, die dann auch nicht in die Pfarregister 
eingetragen wurden. Es sind das die schon oben erw^hnten 
„Freiheitsleichen"2). (Forts, folgt.) 



Das Erste Ansbacher Proklamationsbuch. 

1528—1552. 
Von Dr. K. Schornbaum-NUrnberg. 

Zn den altesten Kircbenbuch^ru^) gehort das Erste Ansbacher 
Proklamationsbuch y welches beutzutage bei der Pfarrei St. Jobannis 

1) Nocb jetzt ist es iii Niirnberg vorherrschende Sitte, daB die Grab- 
reden gelesen werdeo. 

2) Im ehemals NUmberger Landgebiet hat sich bis in die Gegenwart 
herein eine tlbergroBe Mannigfaltigkeit der Beerdigungsklassen erhalten. So 
hatteich in Altdorf Einsegnungcn, halbe Leichen (kurze Leseleiche), Drei- 
viertelsleichen (langere Leseleiche), ganze Leichen (mit Predigt), Orgel- 
leichen (Grabrede und Predigt), Florleichen und Standesleichen (nur Grab- 
rede am Vormittag) zu halten. Auch eine ^Universitatsleiche**, bei der 
der Sarg in der Stadtkirche aufgebahrt wird, ist dort noch bekannt. 

3) Schon 1805 hat man sich mit der Frage nach den altesten Kirchen- 
bttchernbeschaftigt; s. literarische Blatter V. Niirnberg 1805. Nr. 10 
Sp. 156. 



A 



22 Schornbanm, Da8 Erste Ansbacher ProklamatioDsbucb, 

in Ansbach auf bewahrt wird. Ja es ist wohl das alteste Kirchenbncli 
der Markgrafschaft; Brandenburg- Ansbach uberhaupt. Ein kleines 
schmales Quartbllndlein 8^/2 cm breit nnd 22 cm hoch. Den Umschlag 
bildet ein Pergamentblatt aus einem ebemaligen Kalender. Darauf 
steht: I. Angefhangen 1528 vielleicht Althamers Hand; ein anderer 
schrieb dazu — 1552. Auf 8. 1 a befinden sich von Monningers 
Hand folgende Notizen: Jorg Mair Pfaff Hansen Knecht gewesen 
Scbmiderbansen tochter barbara. — Hans Krebet zu bintzwaug, dem 
ist sein weyb im baurenkrieg entlaufen mit einem andern zugehalten, 
ist hie im bad; haist Els actum 5. feria post Fentec. 44. — Ein 
geschehen frag on alien spot, warumb so vil teuffel seind vnd nur 
ain Got. Schwaig hab ein claine gedult — es ist der munchen vnd 
pfaffen schult — daun hetten sie in iren mefien — so vil teufel 
als iter hergott gefrefien — sie hettens alle aufgriben — das nit ein 
teufel wer uberbliben. — zu Wirtzburg im thumb — angeschlagen 
anno 1537. Blatt 1 b ist leer. Auf Seite 2 steht von Althamers Hand: 
nuptiarum catalogus. Von Blatt 3 — 97 reichtdas Register; die wenigen 
folgenden Blatter (2) sind wiederum unbeschrieben. 

Begonnen hat dieses Register A. Althamer. Auf Blatt 3 steht 
von seiner Hand: Nuptiae a nobis proclamatae et confirmatae a mense 
Augusto anni 1528. Der erste Eintrag lautet: Peter Vogmiillers sun 
von Onoltzbach Margareta Conrat schmids dochter von wasserzell sunt 
proclamati quarta feria post Bartholomei (26. 8). Er selbst hat mit 
einer einzigen Ausnahme im Jahre 1533, wo vier Paare von andrer Hand 
eingetragen sind, die Aufzeichnuugen bis 1536 auf f. 41a besorgtM. 
Nur noch wenige Notizen finden sich fiir dieses Jahr. Von 1537 
bis 1552 fUhrte Monninger das Buch. Seiu letzter Eintrag stammt 
aus dem August*). Es folgen nur noch 9 EintrUge von andrer Hand. 
Eben in diesem Jahre starb ja Monninger^). 



1) Letzter Eintrag von seiner Hand: Fritz Feler von Erlenbach 
Eatharina Erlenbach KatharinaAnthoni Hansen von Feuchtwangen dochter 
Dom. p. Job. Bapt. (25. 6) 1536. " 

2) Eintrag: Michel neher von gnotzheim Margretha Gamprechtz nachg, 
tochter. cop den ... f. 96 a. 

3) SeineGrabschriftbehauptetain 26.10.1552. NachMag.S.Priester, 
Onoldum in requie lautet sie (Rep. 141. St. Onolzb. J. Nr. 46): 

Terra crucis sanctae Monigeri contegit artus, 

qui fuit Anspachiae pastor et urbis lionos, 

ingenio praestans, doctrina clarus et usu 

rerum percelibris consiliisque bonus, 

salvificum Christi multos sinceriter annos 

verbum constanti mente fideque docens. 

non hostes ilium, non ulla pericula mortis 

terrebant, veri semper amator erat. 

Lustra suae numerans vix sex et quinque senectae 

ad coelum ex misera morte vocatur humo, 

illic cum sancto coelestia gaudia coetu 

carpit cum Christo perpetua haec fruens. 



Scbornbaum, Das Erste Ansbachel* ProklamatioDsbuch. 23 

Die Eintrage sind, wie die unten angefUhrten Beispiele zeigen, 
ziemlich genau erfolgt Im Unterschied von den Niirnberger Ehe- 
buehern ist oft der Stand des Brautigams, der Name des Vaters der 
Braut samt dem Wolinort angegeben. Wahrend nun Althamer sich 
damit begniigte, den Proklamationstermin anzugeben, setzte Monninger 
an dessen statt immer den Kopulationstag hinzu. 

Wie Althamer dazu kam, ein derartiges Buch anzulegen, wissen 
wir nicht. Eine amtliche Veranlassung war es wohl uicht. Viel- 
mehr scheinen es ihm praktischen Eucksichten nahe gelegt zu 
haben, die Namen der zu proklamierenden in ein Buch zusaramen- 
zutragen. Denn ein Proklamationsbuch haben wir vor uns, was schon 
daraus hervorgeht, dafi die Kopulationstermine von Monninger nicht 
in chronologischer Reihenfolge aufeinanderfolgen. Aucb das Format 
des Buchleins mbchte darauf hinweisen. Die Pfarrei St. Lorenz zu 
Nurnberg bewahrt ebenfalls noch aus dieser Zeit ein Proklamations- 
buch, das sogenannte 1. Ehebuch; und das Sebalder 1. Ehebuch 
scheint aus einem Proklamationsregister erst spater zusammengestelU 
worden zu sein^). 

Da in Ansbach der markgrafliche Hof residierte, so verwundert 
es nicht, eine grofie Anzahl von markgr, Bediensteten aufgezeichnet 
zu finden. Doch ist es immer nur uiedriges Personal. Adelige 
kommen fast gar nicht vor. Dagegen tauchen bfters Soldaten auf, die 
in Ansbach bei voriibergehendem Aufenthalt ihre Ehe schlossen^). 
Was die Zahl der Proklamationen betrifft, so sei bemerkt, dafi im 
Jahre 1528 noch 25 Falle verzeichnet sind. Am meisten waren es 
1538: G5 Falle; am wenigsten 1586: 37 Falle. 



1) Beitrage zur bayerischen Kirchengeschichte X, S. 82 ff. 

2) Auffallt vielleicht folg. Eintrag: f. 11a: Eberhart von Mulfingen 
Cordula Lingkin celebraverunVnuptias dominica quarta post oct. Epiph, 
(19. I) 1530 citra proclamationem iubente principe. f. 14a: Hans Eber 
Schneider vnd burger zu Kitzingen Anna des Wilhelms offenlochs seligen 
verlafine witwe meiner g. frawen fraw Margret (Schwester Georg d. Fr.) 
kbchin sunt proclamati Dom. sec. adv. (4. 12) 1530. Wohl der Vater P. Ebers. 

— Zu den Soldaten s. f. 60 a: Thoma von Beurreyt landtknecht Appolonia 
eins landsknechts weyb, der zw ungarn gestorben; sein copuliert alhie den 
dienstag nach quasimodogeniti in beysein lorenz von lauf, Jacob von 
ladenburg, bans heOen von cassel, bans Oswald von Winsheim 18. 4. 1532. 

— Lorentz von lauf ein landsknecht hat katharina Contz teckers nach- 
gelaBene wittib, welcher tecker erst den 30 Martii tods verschinent zur ee 
genomen vnd den 19 aprilis eingelait desselben tags mit ime getzogen. 
1542. — 69 b: Michel Hofraann von Karstet Margretha Jorg Lorers nach- 
gelasne witbe; sagt man, er hab ziivor viel weyber; sey zw Rottenburg 
mit ruten ausgehauen 1544. — f. 76b: Gorg Wild in daxbach marggraf 
albrechts fufiknecht hauptmann barbara Valten'gronstetters tochter. 1546. 
f. 94b: bans Richtcr von Culmbach Katharina Michel Werners seligen 
tochter zu Mainbernhaim ein kriegsmann ist mit seiner schwiger bei mir 
gewesen, erbetten, das ich sie auf dinstag den ersten Junii wolt ein laitten, 
welches also gescbehen. 1552. 



24 Schornbanm, Das Erste Ansbacher Proklamationsbach. 

Im folgenden sind nun eiue Anzahl von Geistlichen und mark- 
grSf lichen Beam ten anfgefuhrt; welche in diesem Buche aufgezeichnet sind. 

Andreas Althamer Maria Cleophae Lenhart Brands schreiners dochter^) 

Procl. Dom. Prim. p. Octavas Pentecostes [IB. 6] 1536 f. 40^ 
Clans Bachmann cantzleyschreiber Margretha Six Kornbergers tochter 

cop. 16. octobris 1548. f. 83 ^ 
Johan Ber pfarher zu ipsheym*) Agatha Weifiin p. dom. p. Circ. Dom. 

altera Jan. 1530 f. 9^. 
Mag. Georg Berchtold m. g. h, secretari^) Anna Sebaldin Prenners 

burgers zu Nurenberg dochter pr. Dom. quarta, quae fuit 

festum Purif. Mariae (2. 2) 1533 f. 26*. 
Georgius BeSolt pfarrer zu Egeuhausen Madlena bans Plaichen seligen 

zu Wassertruhendingen nachgelafine tochter verkundt alhie vnd 

zu Egenhausen hochzeyt gehalten in der letsten wochen augusti 

1544 f. 69 ». 
Christophorus Betz pfarrer zu Dnterickeltzhaim*) Helena Peter Nuphers 

tochter c. den 1. Juli 1550 f. 88. 
Johanues Buchner cantor ^) anna Anthoni Grabers nachgelafine wittib 

cop. 3. feria p. Quasimodog. (26. 2) 1541 f. 57*. 
Sebastian Burkel camermaister^) Eufemia Jorgen Berlers alten burger- 

maisters zu Rottenburg an der Thauber tochter cop. den 30. Ok- 

tobris 1545 f. 72^. 
Sebastian Burkel camermaister Anna Casparn von Roth nachgelafine 

tochter, cop. 24. februarii 1549 f. 85*. 



1) Althamers zweite Frau. Sie verheiratete sich spater wiederum. 
s. f. 51 »: Thoma Wild von Schnaitach Maria Cleophe hern Andre Alt- 
hamers pfarrers seligen nachgelafine wittib proclamati 25. Septembris 1539. 
Seine erste Frau wird erwahnt Beitrage z. bayr. KG. VII, 206. X, 31. 
85. Th. Kolde, A. Althaoaer. Erl. 1895. 8. 75. 138. 

2) Dieser fehlt bei der Aufzahlung ^er Pfarrer v. Ipsheim in M. J. 
M. Grofien historischem Lexikon ev. Jubelpriester I. Ntirnberg 1727 S. 15. 

3) S. K. H. Lang, neuere Geschichte des Furstentums Bayreuth II. 
Gottingen 1801, S. 84, 115. Beitrage etc. Vlf, 259; X, 190. 

4) G. Stieber, historische und topograpliische Nachricht von dem 
Ftirstentum Brandenburg-Onolzbach. Schwabach 1761. 8. 509. 

5) Erwahnt J. Fr. Georgii Uffenheimischer Nebenstunden II. Band. 
Schwabach 1754, S. 746. L. Schiller, die Ansbacher gelehrten Schulen 
unter Markgraf Georg von Brandenburg. Ansbach 1875, S. 20.. 

6) Sein Revere als Karamerschreiber und Rat. d. d. So. u. Barth. 
(28. 8.) 1541. NUrnberger Kreisarchiv. Rep. 117 a. N. 187^: Akta die Bei- 
behaltung des alten Kamraerraeisters Seb. Burkel betreftend. 1580 ibidem 
f. 168. N. 289 d d. Er starb im Alter von 78 Jahren am 28. 9. 1583. 
s. Mag. S. Priester, Onoldum in Requie 1742. Rep. 141. J. (Kasten- und 
Almosenamt) N. 46. 1534"verlieh ihm Georg die St. Gilgenmesse zu Ips- 
heim zum Studiura fiir seine beiden Sohne Wilhelm und Kaspar, Sle 
sollten beide sich der Theologie widmen. d. d. Ansbach Me. n. Gnntate 
(4. 5.) 1654. Markgr. Gemeinbuch 7 f. 271. Rep. 157 Tit. 13 N. 37a. _ 
Lang III, S. 22. 25. Eufemia war seine 2. Frau. Die erste Elis. starb 
am 30. 5. 1545. Eufemia f 29. 4. 1546. Priester, Onoldum in requie. 



Schornbaum, Das Erste Ansbacher Proklamationsbucb. 25 



~\ 



Thomas Butz*) caplan zu Onoltzbach Veronica Beckin von Gnotzen 

sunt procl. dom. LX (20. 2) 1530 f. 11*. 
Blasius Dachflbach^) Elizabeth Gumprecht becken nachgelafine wittib 

cop. sec. fer. Inv. (7. 3) 1541 f. 56 ». 
her Georgius Eckstayn^) vicari im styft Walpurg Gullerin sunt 

proclamati Dominica infra octavas Nativitatis christi (27. 12) 

1528 f. 5b. 
her Caspar Ezel*) licentiat Barbara Sprengin zu Kytzingen. cop. zu 

Kyctzingen. 1544 f. 69 ^ 
Johannes Fetzer auf der schul Ursula Dietrich Jossen tochter c. 

16. Februarii 1546 f. 74^. 
Peter Flaming schnlmaister Dorothea Rotten bncherin zu Nurnberg 

cop. den 11. . . . (1551) Nurnberg f. 91 b. 
Hans Frauentraut cantzleischreiber*) barbara Sixen Kolben seligen 

1) Auf die Bitte der KaplSne Butz u. Job. FuxthUber ersuchten die 
Statthalter am 6. 5. 1581 ^ das Stift zn Ansbach, ihnen ihren Gehalt zu 
erhOhen. Da dieses es ablehnte (7.5.1531), ordneten jene auf eine erneute 
Beschwerde an, daB ihnen pro Woche je 1 fl. gereicht werden solle 18. 20. 5. 
1531. Rep. 157. Tit. 29. N. 4. f. 251, 250, 248. Butz kam 1533 nach 
Uffenheim als Pfarrer. S. Eid des Pf. Th. Butz von Miinsterhausen z. Z. 
Pfarrers zn Uifenheim. Kgl. Konsistorialarchiv. Akt Uffenheim Dekanat 
1491—1743 f. 23. Georgii Uffenheimische Nebenstnnden I S. 1278ff. Ein 
Brief von ihm an Althamer s. Bamberger Kreisarehiv. Manuskr. VI N. 31. 

— Die Ehe wurde in Ntirnberg geschlossen. Beitrage X, 84. 

2) Er trat mehrmals unter den evangelisch gesinnten Burgern Ans- 
bachs hervor. Beitrage VII 155, 198. Sein Sohn hiefiHans. Hans Dachs- 
pach Blasi Dachsbachs son Margaretha Hansen Kaltenbrunners dochter 
von feuchtwangen p. Dom. p. Oswaldi (9. 8.) 1534, S. 33 ». 

3) Vikarius St. Hieronymi am Oumbertusstift f 26. 4. 1541. Rep. 157. 
Tit. 29. N. 5. f. 43, 41. Er gehorte zu denen, welche die Vorlesungen des 
Obsopoeus nur ungern besuchten. N. 4 f. 218. S. L. Schiller S. 18 cf. 
f. 74*. Egidi Stethamer Schneider Margretha her jorg Eckstains seligen 
nachg. tochter. cop. 8. 2. 1546. — 1538/9 studierte in Wittenberg ein 
Andreas Eckstein aus Ansbach. C.E.Forstemann, album academiaeVite- 
bergensio. Leipzig 1841. S 174. 

4) S. S. 1532 in Wittenberg. C.E.FcJrstemann, a. a. 0. Leipzig 1841. 
S. 145. K.H.Lang III. NUrnberg 1811. S. 5, 44, 49, 56, 59, 62, G. Muck, 
Geschichte des Klosters Heilsbronn I. Nordlingen 1879. S. 503. 43. Jahres- 
bericht d. hist. Ver. f. Mittelfrankon. 1889 S. 120 f. Beitrage VI, S. 119. 
Sein Vater J. 0. Etzel war ein entschiedener Protestant. 1. c. VII, 198. 

— cf. J. J. Spiefi, Brandenburgische historische Miinzbelustigungen III. 
Ansbach 1770. S. 286. 

5) Ein Sohn des Kammerschreibers Alexius Frauentraut, der 1529 die 
Protestation dem Kaiser zu liberbringen hatte. Seine Geschwister liieUen 
Florian, Wilhelm, Alexius, Koniad und Cleopha verb. Tetellbachin. Rep. 151, 
Frauentrautsche Pflege Nr. 6. Ein Revers von ihm als Rat und Diener 
findet sich d. d. Ansbach 22.2. 1573. Rep. 117a. S. 161. Nr. 274. Gestorben 
ist er wohl 14. 12. 1587. S. Rep. 151. Frauentr. Pflege Nr. 11. cf. J. H. v. 
Falckensteins Chronicon Suabacense^ Schwabach 1756. S. 181 if. — 1534 
studierten in Wittenberg Florianus und Johannes Frauentraut aus Ansbach. 
C. E. Forstemann I.e. S. 152. — cf. noch Chr. Fr. Jacobi, Geschichte 
der Stadt und des ehemaligen Stifts Feuchtwangen. Ntirnberg 1833. S. 70, 



26 Schornbanm^ Das Erste Ansbacher Proklamationsbuch. 

nachgelafiene dochter. procl. dom. quarta post octavas Pentecostes 

(2. 7.) 1531 f. 17». 
Antoni Graber rat und alter kamerschreyber zu hof^) Anna Form- 

kellerin c. sec. f. Mis. Dom. (6. 5.) 1538 f. 45^. 
Colomannus Grafier caplon in der pfar zu OnoUzbach ^) Anna Renzin 

des pfarhers von Uffenheym seligen^) verlafine wittib Dom. p. 

Elis. (21. 11.) 1535 f. 38\ 
Colomannus Grafier pfarrer Uffenhaim missus proclamatus est tertio 

in nostra ecclesia Onoltzpacbiana cum Anna Osterreycberin 

filia editui nostri MelcUioris dominica Reminiscere (22. 2.) 1540 

f. 62b. 
Jacob Gofi chorher im stift*) Anna des JSrg Mendlins dochter pr. 

Dom. p. Mich. (4. 10.) 1534 f. 33^. 
her Jorg Grunenwald Caplon zu Creulzheim Margretha Claufi Spindler 

nachgelafine tochter cop. 18. Januarii 1547 f. 77*. 
Hieronymus Hartung marggrefischer rendtmayster ^) Margaretha des 

Brandts schreiners dochter sunt procl. Dom. p. Asc. Dom. (29. 5.) 

1530 f. 12t>. 
Hieronymus Hartung der junger rentmaister®) Anna Plefiin Philipsen 

Plafien rentmaister zu aystet eliche dochter. p. Sim. et. Jude 

(28. 10.) 1535 f. 37 ^ 
Barth. Hartung*^) Marg. Herwartin pr. Dom. p. Egidii (6. 9.) 1534 

f. 33 ^ 



75, 214 u. Rep. 159. Tit. 10 Nr. 36*. Tit. 11. Nr. 115, 116 (Cautionen v. 
Joh. u. Wilbelm Frauentraut 1540) T. 17. Feuchtwangen Nr. 26. 

1) Revers A. Grabers tiber seine Bestallung als Rat und Diener. Do. 
n.Rem. (12.3.) 1528. Rep. 117*. Nr. 162. f. 112. Lang II S. 2. EinHaupt- 
gegner Voglers : Bamberger Kreisarchiv Rep. 192. B. N. 39. T. I f. 39. — 
Fol. 53 b: Hans Neusteter von Culmbach Katharina Antoni Grabers tochter 
copulati 3. f. Exaudi (11. 5.) 1540. 

2) Eid Col. Grafiers aus Steireckh als Pf. v. Uffenheim 1539. Kgl. 
Konsistorialarchiv. Akt Uffenheim Defcanat 1491— 1743. f. 27. Georgii I 
S. 1284 f. II, 192 f. 

3) Eid des Mag. Chr. Rentz als Pf. v. Uffenheim. d. d. Di. n. Mich. 
(4. 10.) 1524. Kgl. Konsistorialarchiv. Uffenheimer Dekanat I. 1491—1743 
f. 4. Georgii 1. c. I S. 1278. 

4) t 19. 8. 1540. NUrnb. Kreisarchiv. Rep. 157. Tit. 29. Nr. 5 f. 21. 
cf. C. Ferd. Jung ens Miscellaneorum Tom. II, Frankfurt und Leipzig 
1740. S. 79. Sein Nachfolger war Chr. Polmann. 

5) Bestallung Hi. Ilartungs als Gegenschreiber 8.1496. Rep. 117*. S. 62. 
Nr. 88. 1508. Rentmeister. S. 94. Nr. 132. cf. 43. Jahresber. d. hist. Ver. 
von Mittelfranken. 1889. S. 72. (aus Herrschaftl. Buch 25 im Ntirnberger 
Krei?archiv.) K. H. Lang II S. 2. 1514 wuide ihm ein Kanonikat fiir 
seine Sohne versprochen. Gemeinbuch 6 f. 105 (Niirnb. Kreisarchiv) cf. 
f. 87 1>: Kylian Ruppert Margaretha Jheronymus Hartung alten rentmaisters 
nachg. witbe, cop. 21. 1. 1550. 

6) Sohn des vorigen cf. Lang II S. 172, 227, 259, 285. 

7) Ebenfalls ein Sohn des alten Rentmeisters. 1541 Leibschreiber 
Albrecht Ale. Lang II S. 170ff., 285. Dann pfalzgrafischer Kammerrat zu 
Amberg. 1537 — 1563 besafi er ein Kanonikat zu Ansbach. Eep. 157. 



Schombanm, Das Erste Ansbacher Proklamationsbnch. 27 

Georg Haft bruder zu dem heiligen kreutz Kanignnd Simon Meckin 

gnant wittib sunt procl. Dom. 70 (28. 1.) 1532 f. 20». 
Doctor Hippolitus HasenzagP) barbara Sebastian Vueismair seligen 

dochter. p. dom. paschae (5. 4.) 1534 f. dlK 
Stephan Henfi cantzlejschreiber^) Margretba Gotzin Peter Gotzen 

gegenschreiber dochter^) pr. Dom. p. Circ. Dom. altera Janaarii 

1530 f. 9^ 
Stephan Henfi cantzleyschreiber Barbara Wirbsyn von Nnrenberg. 

p. Trin. (23. 5.) 1535. 
Johan Hoffmann vicarier im styfit*) Ursula Mulichin von Nnrenberg 

sunt proclamati dom. prima post octavas Trinitatis (6. 6.) 1529 f. 7*. 
her Lorenz Ho^ann Canonicus im stift ^) Kunigundis bansen Bruners 

burgers zn Oeultzheim tocbter copulati 8. Tag Februarii 1552 

f. 94 ». 
Bernhart Jeger von Weinberg Gertruden herrn Hansen Besolts vi- 

cariers^) tocbter. cop. 11. Maii 1546 f. 75*. 
Michael Kaltenhofer vicari im styft'') Margret Steydin von Spalt sunt 

proclamati dominica post Leonhardi (8. 11.) 1528 f. 4^. 

Tit. 29. Nr. 5. f. 55, 189. Am 10. JuDi 1531 stellte der Rat zu Ansbach 
einen Geburtsbrief aus fur Valentin, Hans, Hieronymus, Bartholomaeus 
Hartung. d. d. Sa. n. Coi-p. Chr. (10. 6.) 1531. Tit. 9. Nr. 78. Die Stadt 
Kulmbach am 9. 9. 1549 fUr Albrecht Hartung. Tit. 9. Nr. 90. Das waren 
wohl alle Brtider, Sohne des alten Rentmeisters. Friedrich war 1544 — 1563, 
Albrecht 1548 — 1563, Bartholomaeus von 1537 ab Chorherr des Gumbertus- 
stifts. S. Rep. 157. Tit. 29. Nr. 5 f. 206. f. 55, 189, 197. [Jurament B. Hartungs 
als Chorherrn d. d. Mittw. n. Vine. Petri (8. 8.) 1537 Tit. 10 Nr. 101]. 
Val. Hartung war 1547—1560 Dekan des Stifts zu Feuchtwangen. S. Jakob i 
S. 212, 214. Ein Hans Hartung kommt als Amtmann auf der Wulzburg 
vor (1556). W. Korte, Altes und neues uber Wiilzburg. Ansbach 1869. 
S. 53. — S. S. 1530 studierte ein Val. Hartung aus Ansbach in Witten- 
berg. Forstemann, alb. ac. Vit. S. 139. s. Muck I S. 269. 

1) Oft nur her Has genannt. Leibarzt des jungen Albrecht, s. z. B. 
Rep. 103 a. S. 247. 3e f. 48 (Numb. Kreisarchiv S. X, 2/6. Nr. 11). Ge- 
burtsbrief der Stadt St. Polten fiir Hipp. Hasenzagl, Leibarzt. 4. 9. 1534. 
Rep. 157. Tit. 9 Nr. 79. 

2) Erwahnt z. B. S. X, 2/6, Nr. 11, f. 48. 

3) 1497 Registrator, 1508 Gegenschreiber. Rep. 117*. S. 63. Nr. 91. 
S. 94. Nr. 132. 43. Jahresbericht. S. 72. 1528 noch im Dienst. Niirnb. 
Kreisarchiv. Ansb. Landtagsakten Fasc. 15 (Hofordnung 1528). 

4) Geburtsbrief der Stadt Niirnberg fiir Job. Hofmann. 7. 1. 1528. 
Rep. 157. Tit. 9. Nr. 76. Vicarins St. Michaelis. Rep. 157. Tit. 29. Nr. 4. 
f. 202. Wollte auch die Vorlesungen des Obsopoens nicht gem besuchen. 
Nr. 4. f. 218. 

5) Canonicus 1543—1563. Rep. 157. Tit. 29. Nr. 5. f. 21. 206. 

6) Primissarius in Chore. Obwohl er zweifachen Diebstahl begangen 
hatte, bat man doch, ihm Ecksteins Ffriinde zu verleihen. Rep. 157. 
Tit. 29. Nr. 5f. 35. 

7) Durch die FUrbitte der Kaiserin Maria Blanca erlangte er die 
Vicarei S. Sebastiani. Rep. 157. Tit. 8. Nr. 43. (1494.) Tit. 9. Nr. 55 
(Geburtsbrief der Stadt Windsheim d. d. Fr. n. Exaudi (9. 5.) 1516 ge- 
druckt bei C, Ferd.. Jung ens Miscellaneorum Tom. Ill, Onolzbach 1740 



28 Schornbaum, Das Erste Ansbacber Proklamationsbncb. 

Christoph Kayser canzleyschreiber ^) Anna Knollin copulati qnarta 

f. hoc est 3. Julii 1538 f. 46». 
Leiibart Keller pfarrer ira stift^) Margretha bern Lorenzen Biscbofs 

pfarrers seligen zn Egenbausen nacbg. witbe cop. den 10. Mail 

1546 f. 76». 
Micbael Keller korber hie zu Onolzbacb^) Ursula Zwickin berrii 

Hans von Seckendorfs magt sunt proclamati dominica quae fuit 

dies om. Sanct. (1. 11.) 1528. f. 4^ 
Thoma Kern von Blawfelden katherin Michel Vuackers cantors im 

stift seligen verlasne wittib sunt proclamati Dom. Bem. (9. 3.) 

1533 f. 27 a. 
Sebastian Doctor Valtin Kyfers*) sone margretha K6ler in von Main- 

bernbaim copulati 4fer. Cantate (18. 5.) 1541 f. 57*. 



(Vorrede) cf. Tit. 29. Nr. 4f. 192, 196, 202, 218. Nr. 5f. 43. Ansb. Rel. 
Acta II f, 75, aucb Pfarrer von Flacbslanden ARA. Ill, .224. Nach seinem 
Tode wiirde seine .Pfrtinde dem Pfarrer v. Eyb W. Brunner tibergeben 
unter der Bedingung, dafi er der Witwe des Kuchenmeisters Oswald Dorscblin 
30 fl. jahrlich zum Stadium fur ihre Kinder abtrete. Rep. 157. Tit. 29. 
Nr. 5f. 35. Tit. 8. Nr. 68 f. 22—26. — cf. Literarische Blatter V. Niirn- 
berg 1805. Nr. X. Sp. 156. 

1) Lang III S. 25. Er war wohl verwandt mit Chr. Kayser, der als 
Rat und Kammerscbreiber am 10. 7. 1588 Pflicht tat. Rep. 117 a. Nr. 295. 
J* S. 173. 

2) Vicarins in Choro. Kep. 157. Tit. 29. Nr. 5 f. 35. 1561 bat er, seiner 
Hansfrau nach seinem Tode ein kleines StUblein als Wohnung in seinem 
Hause anweisen zu wollen. ibidem Nr. 4 f. 369. Nicht zu verwecbseln 
mit dem Dechanten L. Keller (1524 — 1536), der nach langerem Aufentbalt 
in der Mark Brandenburg 1540 — 1548 Propst und Kammermeister zu Ans- 
bachwar. Rep. 157. Tit. 10. Nr. 103, 104. Tit. 13. Nr. 43, 45. Tit. 29 Nr. 7. 
Gemeinbnch 9 f. 25 b. Rep. 117 ». Nr. 183 f. 120. 

3) GehSrte zur evangelischen Partei des Stifts. Rep. 157. Tit. 29. 
Nr. 4. f. 152. g. J. L. Hocker, supplem. zu dem Hailsbr. Antiquitaten- 
schatz. Nurnberg. 1739. S. 184 f. Nr. 27. cf. Tit. 29. Nr. 4 f. 218. Sein 
Bruder war der Dechant L, Keller. Bamb. Kreisarchiv. Rep. 192. B Nr. 39. 
I f. 46. Er selbst starb 6. 7. 1533. Rep. 157. Tit. 8. Nr. 68. Pr. 5. Sein 
Sohn M. Keller besa8 spater die Vikarei Joh. Evangeliste als 14— 15jahriger 
Knabe. Tit. 29. Nr. 5 f. ^5. 

4) Sein Vater Joh. Kieter war Leibarzt Friedrichs d. a. u. Sigmunds. 
Revers d. d. Laur. 1489. Rep. 117a'. Nr. 65a s. 44 u. 1508 s. Nr. 133 
S. 94. Er verscbaflFte seinem Sohne schon 1502 eine Pfrtinde im Gurabertus- 
stift. Geburtsbiief der Stadt Ulm d. d. Mittw. n. Elis. (21, 11.) 1502. 
Rep. 157. Tit. 9. "Nr. 27. Kaution desselben d. d. Mittw. n. Luc, Ev. 
(19. 10.) 1502. Tit. 10. Nr. 65. Er bekam spater die Kustorei (Tit. 29. 
Nr. 5. f. 21), auch die Propstei zu Feuchtwangen (Rep. 159. Tit. 13. 
Nr. 24) und starb am 2, Jan. 1551. C. F. Jungens Misc. II S. 79. Er 
wurde von dem Miwkgrafen bes. zu rechtlichen Dingen benutzt; so war 
er Mitglied des kais Landgeriebts u. jur. Beirat bei der 2. Marker. Kirchen- 
visitation 1536. Lang II S. 83. Jakobi S. 65, 69. Rep. 117*. S. 113. 
Nr. 167» S. 121. Nr. 187^. Rop. 157. Tit. 22. (Archidiakonat im Rangau 
Nn 6). Th, Kolde S. 52. A. R A. II a (d. d. 3. 2. 1536). Bemerkens- 
wert ist, dafi er wegen seiner Verheiratung manches vom Stift zu Ansbacb 
auszustehen hatte. S. Rep. 157. Tit. 29 Nr.4. f. 197. S. nochfolg. Eintrage: 



Schornbanm, D&8 Erste Anebacher Pi-oklamationabnch. 29 

Johan KiDcUein ^) castner zu Caclotzbiirg Beuigna doctor Johan Weiu- 
manns') techier copulati 6. Febraarii 1545 f. 70^. 

Johannes Krafft vicarius vnd pfarher im Stifi') Katherina Mullerin 
sunt procl, dom. p. Lucae (20. 10.) 1532 f. 23«. 

Leonhardus Krieg cantor in der schal *) Barbara Hansen Uaunemans 
statnmllers zu Wassertruhendingen tochter cop. Mo. n. 'Jubilate 
(5. 5.) zu Truhendingen 1544 £ 67» 

Michel Koberer tentsch schulmaister Els Conradt Echslings zu Wasser- 
truhendingen dochter cop. den 18. Septembris 1548 f. 83 ^ 

her Johan Kulmer vicarier^) Margretha herrn Mathiasen Pauren 
pfarrers zu Markendorf nachgelassene wittib*) copulati den 
28. Nov. 1541 f. 58b. 

Ulrlch hennicke von Leutershaueen Regina herrn D. Valtin Kyfers toehter. 
Cop. Job. Ev. (27. 12.) 1541. f. bbK Michael Krieger von arnswald Susanna 
des erwirdigen hern doctor Valtin Ky ferns tochter, cop. 24. 1. 1547. f, 77». 
— Ein Sohn von ihm, Chr. Kifer, war 1544—1557 Pf. in Kadolzbarg. Sein 
Eid d. d. 22. 10. 1544. Kgl. Konsistorialarchiv Ansbaoh. Pf. Kadolzburg 
1488—1751 f. 65. f 24. 7. 1557 ibidem S. 71. cf. M. Walther, Cadolzburgischea 
Denkmal. Onolzbach 1751. S.35, 83. BeitrageVI S.119. G. Buchwald, 
Wittenberger OrdinierteDbuch 1537—1560. Leipzig 1894. I. S. 18. Nr. 277. 
FSrst^mann S. 153. —Rep. 157. Tit. 8. Nr.68. Pr. 5. 6. — A. Steiehele, 
das Bisthiim Augsburg III. Augsburg 1872. S. 388, 390. 

1) S. M. Walther, Cadolzburgisches Denkmal. Onolzbach 1751. S.20. 

2) Markgraflicber Rat; von Georg auch in Ungarischen Sachen ver- 
wendet. Lang II S. 77, 84. 

3) Zuerst Zisterzien sermon ch zuEbrach. cf. Dr. J. Jager, Verzeich- 
nis der Abte und Religiosen der Cisterzienserabtei Ebrach 1126—1803. 
Bregend 1903. S. 51. 1527 entzweite er sich mit dem Abte wegen Ent- 
ziehuDg seiner Kongrualportion. S. Beitrage VII S. 208. cf. Rep. 151. 
Pfarrsachen Nr. 14. Er bekam dann .die Pfarrei im Stift zu Ansbach 
(= vicaria Chori). Er gehorte zur evang. Partei im Stift. S. Rep. 157. 
Tit. 29. Nr. 4 f. 150, 152. (J. L. Hocker, suppl. S. 184. Nr, 27.) Trotz- 
dem war er keiner der eifrigsten Besucher der Vorlesungen des Vine. 
Obsopoeus. f. 217. 1535 hatte er einen Streit mit dem Stift wegen Er- 
hohung seines Gehaltes. f. 307—319. Ein Geburtsbrief dor StadtKarlstadt 
fur ihn d. d. Di. n. Luce. (20. 10.) 1528. Tit. 9. N. 77. Er bat spater um 
eine Zuiage von den Einktinften der Pfarrei Brodswinden oder um eine 
Stelle an der lateinischen Scbule. Der Frau Hellers hatte er ein samtnes 
Biret geschenkt. Der Kanzler eiwiderte hierauf, wer samtne Barette ver- 
schenken konne, diirfte iiber seine Armut nicht kla^en. Kgl. Konsistorinl- 
archiv. Brodswinden 1528—1773. f. 33 ff. cf. f. 65b. Hans Fuchs bogner 
Katharina hern Hansen Krafts pfarrers im stift nachgelafine witbe. Cop. 
28. Aug. 1543. 

4) Studierte in Wittenberg 1540/41. Forstemann album. S. 187. 
Dann Kantor am Gymnasium zu Ansbach. Schiller S. 26. 1548—52 
Wallenrodische'r Vikar in Schwabach. Fa 1 eke n stein 1. c. S. 214. 

5) Vikarius S. Magdalenae. Rep. 157. Tit. 29. Nr. 5. f. 43. Nr. 4. 
f. 142, 150, 152 (J. L. Hocker, supplement etc. S. 184f.). 202, 218 (He- 
such der Vorlesungen des Obsopoeus) 243, 246, 258, 259. Geburtsbrief 
der Stadt Schwabach fur ihn. d d. Eritag. n. Barth. (29,8.) 1525. ibidem 
Tit. 9. Nr. 71. 

6) Eid des Pfarrers Matthias Bauer zu Merkendorf, z* Z. Easimirs 
u. Georgs. Kgl. Konsistorialarchiv Ansbach. MerkendorfPf. 1427— 1749f. 2, 



30 Schornbaum, Das Erste Ansbacher Proklamationsbuch. 

Caspar Loer Schumacher^) Margareth Berin von Eschenbach witwin 

sunt proel. dom. p. Octavas Pentecostes (19. 6.) 1630 f. 12^ 
Johan Leffelad doctor*) Margretha Jorgeu Schiderlins zu Nurnberg 

naehgelafine toehter copulati Di. n. Letare (25. 3.) 1544 f, 67*. 
Hartung ,Limpacher vicarier im styft^) Appolonia senfftin von Hall. 

p. dom. LXX. (5. 2.) 1531. f. 15^. 
Jorg Maler Margretha Pauls Karpfen seligen camerschreibers *) nachg. 

toehter cop. den 21. Aprilis 1545 f. 71**. 
Michel von Wertheym cantor im styft^) Katharina der pleyin dochter 

sunt proclamati dominica Palmarum (21. 3.) 1529 f. 6». 
Johan Michel von lUesheim Sara hern Wolfgangs Salingers hof- 

predigers^) toehter cop. 12 Julii 1552 f. 95 ^ 
her Caspar Merklin vicarier im stift '^) Ursala StoUin von dinckelspuhel. 

Copulati 2f. p. Sim. et J. (29. 10.) 1537 f. 44* 
Caspar Merklin vicarier margretha hern Johan Kulmer nachg. witbe, 

copulati dom. quarta adventus (23. 12.) 1543 f. 66*. 
Hans Metzler schulmeysters sun von Kungshofen Ursula Wolf Michels 

dochter von Herrieden sunt proclamati dominica 13. post Trin. 

(22. 8.) 1529 f. 8^ 
Magister Martians Moninger pfarrer zu Onolzbach ®) vnd Mafgretha 

1) Ein eifriger ev. Burger Ansbachs. Beit rage VII S. 155, 198. 

2) Kommt 1541 mit Val. Kiefer, Etzel, Dr. Val. Hartung als Assessor 
des Hofgerichts vor. Rep. in». Nr. 187 ». S. 121. Er war der Nachfolger 
Val. Kiefers auf der Chorherrnpfrtinde des Stiffs St. Gumbertus. 1556 
wurde sein Kanonikat Felix Hornungverliehen. Rep. 157. Tit. 29. Nr. 5 f. 73, 

3) Vicarius S. Stephani. Rep. 157. Tit. 29. Nr. 5 f. 43. Nr. 4 f. 202. 
144, 150, 152, 154, 265. Er wurdo dann als Gehilfe an der lat. Schule 
verwendet. 1 240. L. Schiller S. 25 (der Bericht ist eine Vorarbeit zur 
zweiten niarkgr. Kirchenvisitation 1536). 

4) Eid P. Karpfen als Rat 1511. Rep. 117a Nr. 137. S. 98. LangIIS.2. 

5) Wohl Michel Vuacker. s. v. Kern. 

6) W. Salinger aus Ostreich, zuerst in Weifienburg a/S. Stadtpfarrer 
1535—48. S. M. J. A. D ((5 der I ein), Wei6enburgische Jubelfreude 1730. 
S. 43, 51, dann Pf. in Alfershauseu — 1550, dann Hofprediger Georg 
Friedrichs. f 1560. S. Muck I S.496. Ill S. 241. Konsistorialakt. Ansbach 
Hof- u. Stiftspraedikatur 1 1431—1747. d. d. 22. 9. 1555. Nach den Wochent- 
lichen Onolzbachischen Nachrichten 1741. Nr. 24 (14. 6.) war er von 1558 
bis 1560 Hofprediger u. Beichtvater. Gemeinsam mit Karg u. Eschinger 
arbeitete er bes. an der Abschaffung des Auctnariums in Brandenburg. 
A. R A. 25. 

7) Vicarius St Katharinae in Ansbach. f 1545. S. Muck II 8. 154. 
Rep. 157. Tit. 29. Nr. 5 f. 43, 85. Nr. 4 f. 144, 150, 152, 162 (Beschwerde 
liber das Stift, das die Entfernung seiner Frau u. Kinder angeordnet 
hatte), 202, 218 (besuchte sehr selten die Vorlesungen des Obsopoeus), 
Tit. 29 Nr. 3 

8) Beitrage I. 222. V. S. 208. VII. 260. Dr. G. Wi Ike, Georg Karg 
(Parsimonius), sein Katechismus u. sein doppelter Lehrstreit. Erl. Diss. 
Scheinfeld 1904. S. 21, 33. 35. Briefe des Obsopoeus, J. Schnabel (8. 7. 
1535), SchneeweiB (6. 8. 1546 u. 6. 7. 44. 30. 7. 1537), Karg (1541), 
Nicolaus Weifi aus Weifienburg (1541), Reischenbeck Pf. in Roth (30. 10. 



Schornbaum, Das Erste Ansbacher Proklamationsbuch. 31 

weylandt Stephan Hagenbuchers nachgelafine wittib, copulati 

16. Novembris in die Othmari 1542 f. 61**. 
Andres Mufiman^) Kimigundt weilandt des hochgelerten vnd erbarn 

hern Sebastian hellers^) doctors vnd cauzlers seligen nach- 

gelassene tochter copulati den 5. Novembris 1548 f. 83 ^ 
Johan Newkam vicarier im stift^) Elisabeth Sexin von Onoltzbach 

sunt proclamati dom. p. Ascensionis (9, 4.) 1529 f. 7*. 
Hans von Neunstetten m. g. h. marschalk*) Ursula Kornin der 

marstallerin dochter sunt proclamati in die S. Michaelis (29. 9.) 

1528 sed postea rejecti, quod impie contraxerint f. 4*. 
Vincentius Obsopoeus ordinarius professor litterarum^) Ursula Wenzel 

1542), J. Saltzer (Idus Marti! 1544), Conr. Praetorius (16. 8. 1544. "9. 6. 
1545. 1546), G. Schagk V. Wassertrudingen (20.8.1546), Lusnerv. Gunzen- 
hausen (1544), Jo. Vueccus v. Uffenheim (6. 8. 1545), Pithenius (1549), 
Seb. Theodorieus (1549), S. Lazarus, Pf. v. Rosstall (30. 3. 1546) an ihn 
im Bamberger Kreisarchiv. Manuskr. Alth. VI, 31, die von Prof. Kolde 
zur Heransgabe vorbereitet werden. — Vielleicht zuerst tritt er als Pfarrer 
auf in einem Scbreiben an Dechant v. Kapitel zu Feuchtwang, worin er 
nach dem Tode Vogtherrs mit Rurer als Naehfolger J. Feel, Kaplan zu 
Ansbach empfiehlt. d. d.. Ansbach Conv. Pauli. (25. 1.) 1539. Rep. 159. 
Tit. 22. Nr. 1. f. 268. 

1) S. Lang III S. 26, 32, 87fif., 44, 62. Einer der bedeutendsten Rat- 
geber Georg Friedrichs, Stieber S. 334. 1556 zum Kammerschreiber 
bestellt, GemeinbuchX f. 7*, Rep. 117a Nr. 213. f. 132. Ein neuerRevers 
d. d. Di. n. Laet. (23. 3.) 1563. f. 147. Nr. 244. Akta das Absterben des 
fiirstl. geheimen br. Rats MuBmann 1589. S. 173. Nr.295. Kd. J. A. Vocke, 
Geburts- und Todtenalmanach Ansbachischer Gelehrten, Schriftsteller u. 
Kunstler. II. Augsburg 1797. S. 322. Kunigunda f 25.9. 1562. Priester, 
Onoldum in Requie 1742. 

2) Aus Schwabach. 1517 in Leipzig. G. Erler, die Matrikel der 
Universitat Leipzig. Leipzig 1895. Annahme als Rat u. Diener v. Georg, 
nachdem" er schon etliche Jabre gedient hat. Ansbach Mart. 1530. Rep. 117. 
Nr. 161c. AAAktaNr.779. 1533Kanzler. Wiederholt sollte er nach Witten- 
berg berufen werden. t29. X. 1542. S.VoigtjMarkgrafAlbrechtAlcibiades 
von Brandenburg-Kulmbach. I. Berlin 1852. S. 67. J. H. v. F ale kens t ein s, 
Urkunden u. Zeugnisse. Neustadt 1789. S. 543. Nr. 449. Corpus Refor- 
ms torn m IIL p. 526, 576. IV, 478, 662, 714, 1022, 1025, 1055. VI, 760. 
G. Veesenmeyer, kleine Beytrage zur Geschichte des Reichstags zu 
Augsburg 1530. Niirnberg 1830. S. 14flf. K.E. Forstemanii, Urkunden- 
buch zur Geschichte des Reichstages zu Augsburg im Jahre 1530. Halle 
1835. I, 371. II, 12, 219, 290f., 300, 420, 432, 455, 466, 601. Lang II 
S. 25 f., 29, 63, 75, 77, 58, 64, 73, 129, 156. L. Bachmann S. 130. 

3) Vikarius S. Bonifacii. Rep. 157. Tit. 29. Nr. 5 f. 43. Geburtsbrief 
der Stadt Ansbach fur ihn d. d. Sa. n. Barth. (25. 8.) 1520. Tit. 9. Nr. 61. 
1528 besafi er die Vicarei S. Georgii Tit. 29. Nr. 4 f. 202. Urfehde der 
beiden Priester Wolfg. Kepner u. II. Neukam. Viti. (15. 6.) 1528. Gemein- 
buch VII f. 111b. — f. 44b. Hans Neukam tuchscherer els sixin bans 
Neukams vicariers im stift verlassene wittib copulatisunt 2. f. p. fest. Dom. 
Epiph. hoc est 25. Januarii 1538. 

4) Kolde, Althamer S. 52. C. Ferd. Jungens Miscell. Ill S. 259. 
C. Ref: I, 1011. J. Chr. v, Aretin, Beytrage . . . 1807. IX, 1021 f. 

5) S. L. Schiller S. 3ff. Beitrage VII, 77, 206f. Neustadt, 
Markgraf Georg als Erzieher am Ungarischen Hofe. S. 40 Anm. J. A. V o c k e I 



32 Schornbaum, Das Erste Ansbacher Proklamationsbuch. 

HenniDger seligen nacbgelafiene witwe^). pr. dom. p» Epipb. 

(9. 1.) 1530 f. 10 », 
Yincentius Obsopoeus Margret des Hanson Hertzogen docbter von 

Nurenberg. p. dom, Cantate (28. 4.) 1532 f. 21 ». 
Jobannes Oel Canonicus auf dem styft^) Margret Waltorin von Danbacb 

sunt proclamati Dominica infra nativitatem et circumcisionem 

Domini (31. 12.) 1531 f. 19 b. 
Joan. Oel cborber im stift cristina berbstin stepban vneigels magt 

pr. 4. adv. (22. 12.) 1532 f. 24». 
Her Jobann Oel canonicus celebravit nuptias Weiflenburgi cum 

Margretba relicta vidua ipsius andree Munderlins^) pastoris 

olim ibidem Galli (16. 10.) 1537 f. 44 ». 
Lorenz Paur canzleyscbreyber Kunigund Kropfbeuserin weylandt 

Jorgen Kropfbeuserin zu Leyttersbausen verlafiene tocbter ein- 

geleyt quarta feria p. Cantate (2. 5.) 1537 f. 42 ^ 

S. 63 ff. Einzelne Briefe aucb im Bamberger Kreisarchiv Ms. VI Nr. 31. 
Cber seine Bibliothek s. Rep. 159. Tit. 21. Nr. 14 acta betrefifend die 
von dem Markgrafen zu Brandenburg dem Decbanten u. Kapitel zu Feucht- 
wangen anbefoblene Ankaufung vom Stift der von Obs. hintcrlassenen 
Bticber. 1548. 9. Gemeinbncb9 f. 46b d.d. Mittw. n. Os tern 1549. Muck I 
S. 417. — Beilage zur Augsburger Postzeitung Nr. 57 (25. 12. 1904) 
Sp. 453. Anm. 87. — 1531 hatte er ftir Georg eine ungarische Chronik zu 
iibersetzen, Cbarlottenburger Hausarchiv I K 42. A. 3 f. 60. (Georg an 
die Statthalter d. d. Jagerndorf. Fr. n. Om. S. (3. 11.) 1531.) cf. Ansb. 
Rel. Acta 13. Pr. 21^2. XI, 54 ff. Regierungsakt Nr. 6091. (Rektorat zu 
Ansbacb: Besoldungsverbaltnisse) Instruktion zur 2. Kirebenvisitation. 
ARA II a (1535). 43. Jahresbericht des hist. Ver. von Mittelfranken. 
Ansbacb 1889. S. 119. Gestorben ist er zwischen 1537 u. 1539. Rep. 157. 
Tit. 29. Nr.4f. 329. K. Simonsfeld, Eim*ge kunst- und kulturgeschichtl. 
Funde, Sitzber. d. pbilos.-philol. u. hist. Klasse d. MUncbn. Akad. d. 
Wiss. 1902. 541 ff. Ein Sohn von ihm soil in Kadolzburg Pfarrer gewesen 
sein. Walther S. 36. Ein Vetter von ihm G. Leutner aus Bayern besaB 
1544 die Vicarei S. Bonifacii, dann wobl Hofprediger G. Friedrichs. 
G. Schnizer, Anzeige von der Kirchenbibliothek zuNeustadt a. A. 1782. 
S. 13. Rep. 157. Tit. 29. Nr. 5 f. 35. — f. 53^ miche Diner vnsers g. h. 
cemcrling margretha hern vincentius Obsopoeussen nachgelassene wittib 
copulati feria tertia p. Jubilate (20. 4.) 1540. Diner = Michael Denis. 
Gemeinb. 7 f. 232 ». Rep. 117 a. S. 120. Nr. 186. 

1) Mitglied des Rates von Ansbacb. H. Westermayer, die branden- 
burgisch-niimbergische Kirchenordnuiig .u. Kirebenvisitation 1528 — 1533. 
Erlangen 1894. S. 22. 

2) Cborberr. Geburtsbrief v. Klestatt fur ihn d. d. Sa. n. Lucie 
(14. 12.) 1527. Rep. 157. Tir. 9. Nr. 75. Caution et juramentum d. d. Di. 
n. Andreas (3. 12.) 1527. Tit. 10. Nr. 93. f 1547. Seine Pfrtinde wurde 
J. Gotz, dem Sohne desLeibarztes G. Gotz verliehen. Tit. 29. Nr. 5. f. 61. 

3) t 1535. E. Engelhardt, Ehrengedacbtnis der Reformation in 
Franken. Nurnberg 1869. S. 64, 68 f. W. V o g t , Antheil der Stadt WeiBen- 
burg a. N. an der reformatoriscben Bewcgung. Erlangen 1874. S. 10, 12. 
M.J. M. GrojQ, des hist. Lexikon. . . . 2. Toil. Niirnberg 1732. suppl. S.43. 
M. J. A. DSderlein 1. c. S. 43. Im allgemeinen zur Geschicbte der 
Reformation daselbst v. Pastoralblatt des Bistums Eicbstadt. 1870. 
S. 146. 



Schornbanm, Das Erste Ansbaoher Proklamationsbuch. 33 

Christianus Polmaun von Gladpach ^) hofprediger Barbara Sebald 

Fulckers tochter von Geylesheim copulati 23. Februarii auno 1541 

(steht unter 1540) f. 54a. 
Jacob Braun statschreyber Margrethe Hansen Sprengen seligen tochter 

burgers zu Kytzing cop. quarta f, Pasc. (24. 4.) 1538 f. 45^. 
Herr ConradtPreufi vicarius im stift'*) Anna Wernlerin weilandt des 

erwirdigen hern Sebastian Wagners abts zu Hailbronn ^) nachg. 

witbe. Cop. 10. Mali 1547 f. 78 ^ 
Herr Conradt Preufi vicarier im stift Margretha herrn Hans Lazarus 

Pfarers zuRostall*) nachg. witbe cop. 30 Januarii 1548 f. 81*. 
Laurentius Putrich caplon Els Jacob Hagenbuchers zu Wassertruhen- 

diugen tochter cop. 13. 7. 1545 f. 72*. 
Christof Raiser von harburg^) auf der schul Dorothea Peter Bach- 

manns nachgelafine tochter copulati in die Viti (15. 6.) 1540 

f. 54 ». 
Hans Riedel einspeniger Barbara weiland hern Lienhart Lusners 

pfarers zu Guntzenhausen ®) nachg. witbe. Cop. 2 die Decembris 

1544 f. 69 b. 



1) Jurament Chr. Polmanns von Gladbach, Hofpredigers im Schlofi 
zu Ansbach, wegen eines Kanonikates. Mo. Om. Sanct. (1. 11.) 1540. 
Rep. 157. Tit. 10. Nr. 102. Geburtsbrief der Stadt M.-Gladbach. Fr. n. 
Vis. Mariae (8. 7.) 1541. Tit. 9. Nr. 85. f ca. 1559. S. Rep. 157. Tit. 29. 
Nr. 4 f. 368. Nach den W5chentlichen Onolzbachischen Nachrichten 1741 
(14. 6. 1741) S. 185. 1550—1558 Hofprediger und Beichtvater.# 

2) Seit 1545 Vikarius St. Katharinae im Stift. Muck II, S. 156. Im 
Jahre 1562 wurde er zum Spitalmeister des neuerrichteten Hospitals er- 
nannt; seine Ffrunde wurde zu demselben geschlagen. Gemeinbuch 10 
(1555 — 71) f. 156. J. B. Fischer, Geschichte u. ausf iihrliche Beschreibung 
der . . . Ansbach. Ansbach 1786. S. 114 f. G. Muck I S. 493. Stieber 
S. 223. S. Rep. 141. Hospitalpflege^Nr. 2. 3. 

3) Muck I S. 397 flf., 408. 

4) Zuerst Kaplan in Ansbach. E. Schornbaum, die Stellung d. 
Markgrafen Kasimir v. Brandenburg, Nurnberg 1900, S. 242, dann in Niim- 
berg. 1533 Pf. v. Rosstall. S. Bid des J. Lazarus aus Wassertriidingen als 
Pfarrverwesers zu Kosstall. Der eigentliche Pfarrer war G. Ferber, ehemals 
Dechant zu Ansbach, ab 1534 Theod. v. Reden. Markgraf Georg genehmigte 
die Cbertragung der Pfarrei an ihn unter der Bedingung, daB er den 
jetzigen Pfarrverweser ruhig auf derselben bleiben lasse. d. d. Kadplzburg. 
Mo. n. Conv. Pauli (27. 1.) 1534. Kgl. Konsistorialarchiv. Rosstall. Pf. 
1462—1652. f. 67—72. f 20. 10. 1546. f. 80. S. auch Ansbach er 
WOchentliche Nachrichten 1741. S. 324. Stieber S. 676. 

5) S. L. Schiller S. 26. Vielleicht aber mufi Chr. Kaiser gelesen 
werden. S. Beitrage VII S. 260. 

6) Pfarrer zu Gunzenhausen schon 1528. f 1544. J. P. Riedel, 
Yersuch eines Beitrags zur Landesgeschichte des hochf. Hauses Br.-Onolz- 
bach. Niirnberg 1780 S. 93 f. Der freyen Reichsstadt Nurnberg vest- 
gegrlindete Landes- vnd Oberherrlichkeit . . . Wittenberg 1797. S. 22. 
Blatter fUr bayerische Kirchengeschichte I. 1887, Rothenburg S. 34. Erster 
Superintendent v. Gunzenhausen. 1529 bezeichnet ihn Georg als einen 
der Theologen, die man in schwierigen Fallen um Rat fragen solle. Rep. 
103 ». S. 247. Nr. 3©. f. 37. 

Beitrage zur bayer. Kirchengeschichte XII. 1. 3 



34 Schornbaum, Das Erste Ansbacher Proklamationsbucb. 

Her Hainrich Eoracber vicarier im stift^) Madlena Wainherdin hern 
Jorgen Denderlins Pfarrers zu Obernmichelbacb ^) nachg. witbe. 
cop. dritten tag Julii 1548 f. 82 *. 

Wolf Ruff der jung^) zu Wassertruhendingen Margretba Hansen 
Blaichers auch zu Wassertruhendingen nacbg. tocbter seind von 
mir 3mal verkaudt Mattbie aber nit eingelait. zu Weyltingen 
bocbzeit gehalten in der wocben nacb Trin. 1545 f. 71**. 

Wolfgangus Rust auf der scbul*) Veronica Melcbior Lebsanften seligen 
nacbg. tocbter. cop. den 13. Augusti 1549 f. 86**. 

Joban Sawrman vicarier im styft®) Sabina des Platners docbter uxor, 
sunt proclamati Dominica Paschae (28. 3.) 1529 f. 6*. 

Pangratz Saltzmann m. g. b, cammersecretari ®) Anna Zotscbin weylandt 
Sixen Zoltscben von Aufkircben seligen nacbgelafine docbter 
sunt proclamati d. LX. (19. 2.) 1531 f. 16^. 

Jacob Scblairer caplon zu Flacbslanden '^) Elizabeth Herrn Hansen 
Besolts vicariers tocbter copulati den 5. Novembris 1544 f. 69*. 

Sixtus Scblosser vicarier im stift^) Margret des Claus Hansen von 
Leutershausen docbter. p. Dom. p. Mart. (14. 11.) 1535 f. 38*. 

Hans Scholl todtengraber Margretba Fritz Barts nacbgelafine tocbter 
von Weyenzell Copulati 4 f . p. Purif. (5. 2.) 1539 f. 49^ 

1) Nach Akta Onolzbach Hof- u. Stiftkaplanei 1470—1791 (kgl. 
Konsistorium zu Ansbach) besaB er die Primissaria in choro Praep. im 
Stift St. Gumbertus. Nachfolger Job. Besolts. Aucb besafi er eine Pfrunde 
im Kloster Heidenheim, auf die er 1537 gegen eine jabrliche Entschadigung 
von40fi.verzichtete. Kep. 160. Tit. 14. Nr. 4. Tit. 3. N. 9b. Gemeinb. 8. 
f. 93» • 

2) Stieber S. 591. f 1548 Ostern. S. kgl. Konsistorium zu Ansbacb. 
Obermichelbach Pf. 1535—1663. f. 18. 

3) Sobn des markgraflichen Kastners Ruff v. Wassertriidingen. Cf. 
aucb Scbornbaum 1. c. S. 200. Besonders mit Auhansen hatte er viel 
zu tun, als der Abt TruchseB nach Eicbstadt gefloben war. Rep. 165. 
Tit. 15. Nr. 1. Rep. 158 Tit. 8. Nr. 3, 4. 

4) Kam als Schulmeister nacb Uffenheim und dann als Pfarrer nach 
Uttenhofen. Eid d. d. 8. 2. 1555. f 8. 9. 1561. KgK Konsistorialarchiv 
Ansbacb. Uttenhofen Pf. 1536-1704. f. 39—50. 

5) Vicarius Primissariae in Chore Praepositi. Rep. 157. Tit. 29. Nr. 5 
f. 43. Geburtsbrief der Stadt Herrieden fur ibn. d. d. Mo. n. Appol. 
<13. 2.) 1520. Tit. 9. Nr. 59. Er wurde wohl auch als Kanzleischreiber 
verwendet. Rep. 103 ». S. 247. Nr. 3e. S. 48. Rep. 157. Tit. 29. Nr. 4. 
f. 144. 150. 152. 218. 

6) Zuerst Hofgerichtsscbreiber, dann Kammermeister, Landschreiber 
t 1563. S. Lang II S. 84, 129, 172, 231, 242, III 6, 77, 113, 152 f. 192. 

7) Spater Pf. zu Absberg, dann zu Neunkirchen. Eid alsPf. v. 
Neunkirehen d. d. 19. 1. 1548. Kgl. Konsistorialarchiv Nurnberg. Pf. 
Neunkirchen 1484-^1795. f 39. 

8) Pf. zu ThalmaBing 1528. Blatter fur bayerische Kircbengeschichte I, 
S. 142. Als Vikarius vom Stift (Viti) bekam er m'it dem Kapitel Streit, 
weil er mbglichst die neuen Zeremonien einfUhren woUte. Rep.'157. Tit. 29. 
Nr. 4. f. 237, 239, 245, 271. 1541 nahm er auch noch die Pfarrei Forst 
an f. 334. cf. Tit. 22. Pf. Forst Nr. 16. — S. f. 73*. Stephanus Neuckham 
weber margaretha herrn six Schlossers seligen nachg. witbe. cop. 12. 12. 1545. 



Schornbaum, Das Erste Ansbacher Proklamationsbuch. 35 

Haus Schmidt Hauck genant canzleyschreyber Anna weylandt Clausen 

Herwarts seligen gewesen castners alhie verlafine tochter copu- 

lati 26. Jan. 1540 f. 52^. 
Georgius Schuman auf der schnl Barbara Hardung Teufels tochter 

cop. den 6 Tag Octobris 1551 f. 93*. 
her Johan Seger caplon zu Onoltzbach in der pfarr^) Anna Hans 

Ortolphs candelgiefiers zu Chulmbach dochter s. procl. Dom. p. 

Purif. (7. 2.) 1535 f. 39^ 
Kochus Sehehofer korher im stift^) Ursula Hans Greylers seligen ver- 
lafine wittib Procl. Dom. sec. adv. Dom. (8. 12.) 1532 f. 24». 
Kochus Sehehofer khorherr im styft Barbara Stephan Keuters gold- 

schmids dochter^) p. Dom. 14. p. Trin. (17. 9.) 1533 f. 29^ 
Jorg Sefiel auf der schul coadjutor*) margretha hertzogin von Nurn- 

berg Obsopei geschwey copulati altera Matthie 25.Febr. 1539 f. 49^. 
Lenhart Stark von dinkelspuhel Margretha Rurerin ^) cop.^en 30. Junii 

1544- f. 68 b. 
her cristof Strafi Licentiat®) Elisabeth Zotzin p. Dom. p. Jacob! 

(26. 7.) 1534 f. 33^ 



1) AusKempten. S. S. 1520 in Leipzig. Erler I S. 571. 1527 unter- 
sttitzte er den ev. Prediger Mag. Jac. Heistung in Kerapten. 1533 stimmte 
er fur Beibehaltung der Bilder in den Kirchen. Wohl weil die Mehrzahl 
der Burger dagegen war, begab er sich nach Ansbach. J. B. Haggen- 
m tiller, Geschichte der Stadt und gefursteten Grafschaft Kempten II. 
Kempten 1847. S. 2, 6. Als am 28. 6. 1536 Job. v. Wald (Pfarrverweser zu 
Lehrberg) gestorbenwar (Pfarrer war Georg von Wolmershausen f 1. 2. 1542), 
baton Althamer, Rurer u* Monninger, ihm diese Stelle .zu geben. Georg 
genehmigte es am 29. 6. 1536. Da er mit den Bauern wegen der Pension 
an den wirklichen Pfarrer (50 fl.) irrig wurde, verfugte Georg, dafi 
er mit dem Hofkaplan G. Burraann, der von der Pfarrei Rofifeld 150 fl. 
neben seinem Eanonikat zu Ansbach bezog, tauschen sollte. Kgl. Kon- 
sistorialarchiv Ansbach. Lehrberg Pf. I 1536—1689 f. 2, 3, 9, 19. 1543 
bis 1552 war er dann in Rofifeld Pfarrer. Schiller 1. c. S. 21. 43.Jahres- 
bericht des hist, Vereins von Mittelfranken S. 117 f. Beirage I, 125. — 
Zu B u r m a n n : G. A. W i 1 1 , narratio d'e M. Gregorio Purmanno Decano Lehr- 
bergensi. Altdorfl774. BeitrageVI, S. 114£f. Auf Fiirbitte seiner Gemahlin 
u. B, Zieglers befahl Georg, ihm pro Jahr 20 fl.. zum Studium zu geben. 1532. 
Herrschaftl. Buch Nr. 2 f. 54i> (Nurnberger Archiv). Uber ihn manches 
in den Akta: Pf. Lehrberg u. Kaplanei Lehrberg. (1534—1634) Nurn- 
berger Kreisarchiv. Rep. 141. Vogtamt Lehrberg. Nr. 15, 16. Rep. 157. 
Tit. 8. Nr. 68. 

2) t 1554. Seine Pfrtinde wurde dann dem Rochius Etzel, dem Sohne 
des 0. Etzel, zum Studium uberlassen. Rep. 157. Tit. 29. Nr. 5. f. 69. 

3) Verheiratete sich dann mit C. Ezel. f 14. 2. 1590 im Alter von 
80 Jahren. Priester, Onoldum in requie. 

4) Schiller S. 20f. 1537—1539 an der lateinischen Schule tatig. 
Vorher war er in Ochsenfurt. Wohl wegen geringer Besoldung ging er 
nach Nurnberg. Rep. 157 f. Tit. 29. Nr. 4. f. 324 ff. 

5) Eine Tochter J. Rurers? 

6) Markgraf licher Kanzler. Lang II S. 129, 133, 139, 172, 186, 209. 
238, 247, 284 f. Ill S. 9, 22, 47. 1539 als Rat angenommen. Rep. 117 a 

Nr. 219. S. 135. 

•> + 



36 Schornbaum, Das Erste Ansbacber Proklamationsbuch. 

Jacobus Stradner von Grsttz prediger zu hof *) im Schlofi Anna 
Spindlerin Clausen Spindlers weyland muntzmaisters zn franckeu- 
husen dochter. Pr. Dom. prima p. Octavas Peutecostes (18. 6.) 
1536 f. 40b. 

Sebastianus Styler prediger zu Hailsprun^) Ursula Jorgen Batzen nach- 
gelassene tochter Bastlin Bnrklins magt. in Hailsprun copulati 
Jnventionis crncis (3. 5.) 1541 f. 57". 

Doctor Christof Tetelbach^) Maria Cleophe Alexius Frauentraut Camer- 
schreybers tocbter c. 15. Septembris 1539 f. 51*. 



1) Zuerst markgraflicher Hofprediger, dann 1543—1550 Stiftsprediger. 
Beitrage V, S. 204 ff. Re vers J. Stratners als Hofpredigers d. d. Ansbach 
Catb. Petri 153a. Rep. 117°. Nr. 178. S. 117. Cf. Rep. 157. Tit. 8. Nr. 71. 
(Seine Kinder betr.) Beitrage VI, S. 110. Akt ,,Hof- und StiftsprSdikatur 
zu Ansbach betr." I 1431—1747 im Konsistorium zu Ansbach. Nr. 14. cf. 
f. 67 b Andreas von Gretz Els Clans Spindlers weylundt muntzmaister zu 
franckenhausen nachgelassene tochter copulati Di, p. Quaeimodog. 1544. 
— Vocke I S. 21. 

2) Kam 1544 nach Gunzenhausen bis 1567. S. Muck II S. 109 f. 
Riedel S. 94. Das Kloster Hailsbronn entlieB ihn geme, da er manchen 
Unwillen durch sein eigenmachtiges Verhalten erregt hatte. Nurnberger 
Ereisarchiv. Regierungsakt Nr. 6163. (Pradikatur zu Hailsbronn 1530 bis 
1716.) Er war gegen die Abschaffung des Auctuariums ARA. 25. W. Lohe, 
Erinnerungen aus der Reformationsgeschichte von Franken. NUrnberg 1847. 
S. 145. 

3) Im Nurnberger Kreisarchiv AA-Akten Nr. 797 fiiidet sich folg. 
Genealogie dieser Familie: 

Job. Tetelbach 

t)T. Chrlsto ph Tetelbach I Ewald Tetelbach Wilhelm l^ete lbacli 

Job. Bapt. Tetelbach Job. W. Tetelbach I Chr. Tetelbach II 

I I 

Maria Tetelbach Job. W. Tetelbach II 

verm, mit D. Job. Strebel 

Euphrosyne cop. Anna Maria cop. 

1619 mit Tob. Knobloch f 1634 mit Laur. Laelius 1622 

1639 mit Ph. J. Christmann t 1645 
1647 mit H. Rauchbarn. 

Job. Tetelbach war 1486 Registrator u. 1505Landschreiber. Rep. 117*. 
Nr. 52. S. 34. Nr. 128. S. 90. 43. Jahresbericht etc. S. 71, 84. Seine 
Geraahlin hieB Katharina. — Chr. Tetelbach I war 1534 — 1541 Assessor 
am Hofgericht. 7.9. 1541. 28. 12. 1555 stellte er einen Revers als Rat und 
Diener aus. 1560 Kanzler. Rep. 117a. Nr. 167 a. S. 113, 189. S. 121, 196* 
S. 126. S. 128. Nr. 204. Gemeinbuch 9 f. 159 a. Lang III S. 6, 8, 21, 23, 
26, 47, 49, 56, 59, 97. Seine erste Frau Barbara war die Tochter des 
Hi. Scburf. f 8. 4. 1538. S. Priester, Onoldura in requie. — J. B. Tetel- 
bach 1567; Rat u. Landschreiber an stelle seines verstorbenen Vaters. 
Rep. 117a Nr. 257a. S. 150. 28. 4. 1553 in Wittenberg (Torgau) immatri- 
kuliert. Forsteraann S. 279. Seine Frau Helena Hartungin f 26.8. 1568. 
S. Priester, Onoldum in requie. — J. W. Tetelbach I auf Dtirren- 
mungenau verheiratet mit Kath. Elis. D. Andreas Mufimanns Tochter. 
t 1598. — Chr. Tetelbach II. Er bekam 11. 6. 1555 die Chorherrn- 
pfriinde des J. Frays verliehen. d. d. Ansbach Di. n. Trin. 1555. Rep. 157. 



Schornbaum, Das Erste Ansbacher Proklamationsbuch. 37 

doctor Christopliorus Tetelbacb Anna doctor Sebastian Hellers cantzlers 

nachgelassene tochter^). cop den. 8. Sept. 1544 f. 68^. 
Joannes Baptista Tetelbach des landtschreibers sun zu Onoltzbach 

Magdalena hern sigmunden kebitz^) Licentiaten zu Bamberg 

dochter. pr. dom. tert. p. oct. Epiph. (18. 1.) 1530 f. 10 ^ 
Wilhelmus Tetelbach decanus Martha weylandt des erbarn Christopheu 

Sparmairs burgern und des raths zu arnstein nachgelafine tochter 

cop. 30. August! 1546 f. 76 ^ 
Wilhelmus Tittelbach Anna Lienharts Dachspachers ^) tochter cop. 

14. Noverabris 1552 f. 96*. 
Martin Thauer von Altenbernau Clara Anna Pratzlerin auch von 

Altenbernau des pfarrers tochter. cop. 26. Februarii 1548 f. 81\ 
Jacob Vischer von Munchen ein reutter Margretha herrn Conradt 

Werlins weylandt Pfarrers zu Wernspach nachgelassene witbe 

cop. den . . . 1544 f. 67.^ 
Johan Week weylandt pfarrer zu Lengkersheim mit Anna N. seiner 

vertrauten eingelayt den 25. tag Junii 1543 f. 65^ 



Tit. 29. Nr. 5 f. 70. Gemeinbuch 9 f. IbSK Als das Stift 1563 sakularisiert 
wurde, bekam er zur Vollendung seiner Studien 100 fl. jahrlich. Rep. 157. 
Tit. 29. Nr. 5. f. 212. — Ewald Tetelbach 1516 Chorherr. Jiirament 
d. d. Mittw. n. Sim. et Jude (29. 10.) 1516. Rep. 157. Tit. 10. Nr. 88. Ge- 
burtsbrief der Stadt Ansbacb fiir ihn d. d. Do. n. Sim. et Jude (30. 10.) 
1516. Tit. 9. Nr. 56. 3. 6. 1557 in Wittenberg immatrikuliert. Forste- 
mann S. 330. — Wilhelm Tetelbach 1522 Canonicus. Geburtsbrief 
der Stadt Ansbach ftir ihn d. d. Do. n. Lucie (18. 12.) .1522. Rep. 157. 
Tit. 9. Nr. 67. An der lat. Schiile dann verwendet. Schiller S. 15. Wegen 
seiner Verheiratung (1528) hatte er Differenzen mit dem Stift S. Rep. 157. 
Tit. 29. Nr. 2. Tit. 8. Nr. 41. f. 13, 14. Tit. 29. Nr. 4. f. 162. Er war 
der letzte Dechant des Stifts St. Gumbertus. Der Sakularisation wider- 
setzte er sich vergebens. Man machte ihn zum Aufseher und Gegen- 
schreiber des Klosteramtes und gab ihm neben einer reichlichen Getreide- 
besoldung jahrlich 200 fl. Tit. 29. Nr. 5. f. 212. Die Einkiinfte des Stifts 
St. Gumbertus und'Feuchtwangens wurden dazu verwendet, um dem Vor- 
schlage Kargs gemaB ein Konsistorium aufzurichten. Jacobi S. 74. 
Rep. 161. Tit. 17. Nr. 8. Ansb. Rel. Akta F. supph V. Fasc. V. Rep. 159. 
Tit. 22. Nr.l, 9. — Georgiil S.1191. Sein Streit mit Karg : s.G.Wilke, 
Georg Karg etc. S. 55 ff. — Interim s. A. Rel. A. 24. Pr. 10. EinfUhrung 
des Auctuariums im Stift St. Gumbertus. Rep. 157. Tit. 29. Nr. 4. f. 337 ff. 
cf. Lobe S. 145 if. aus L. J. J. Lang, oratio historica de turbis in burg- 
graf. Norici provinciis ex libro interim ortis Bayreuth 1781. — Rep. 157. 
Tit. 29. Nr. 4. f. 144, 150. — Ein Wilhelm Tetelbach aus Ansbach 10. 9. 
1550 in Wittenberg immatrikuliert. FcJrstemann S. 261. — Maria Tetel- 
bach geb. 14. 11. 1572 f 9. 11. 1634. S. Priester, Onoldum in reqnie. 

1) Eine dritte Tochter Hellers hiefi Beatrix ; sie war mit dem markgr. 
Rat G. Adelmann verheiratet (7. 9. 60.). S. Priester, Onoldum in 
requie. f 2. 5. 1581. 

2) 1533 wollte man ihn fiir den markgraf lichen Dienst gewinnen. 
Herrschaftl. Buch Nr. 34. f. 419. 

3) S. f. 90 1» Helias Rautenkrantz appolonia lonhart Dachsbachg 
tochter c. 2. Dezembris 1550. 



38 Wirth, Eirchenguter und Ornate zn Hersbmck im Jahre 1593. 

her Stephan Weinmann canonicus^) Marie Cleophe Michel Schmids 
Hang genannt nachg. tochter den 17. octobris 1552 f. 96 ^ 

M. Georgius Widman^) Anna Buchnerin zwayntal verkundt haben 
hochzeyt zu Wetelsbaym gehalten den 19. 6. 1543 f. 64 ^ 

Petrus Zeiszmann^) von Wasserburg Wiltzburgers orden Margreth 
Schreyber beckeu dochter von Onoltzbach p. 1528 f. 3^. 



KirchengOter und Ornate zu Hersbruck im Jahre 1593. 

Von Pfarrer V, Wirth in Hersbruck. 

Wie sorgsam ehemals mit den aus der katholischen Zeit stammenden 
Klein odien verfahren wurde, mbge aus den nachstehend abgedruckten 
SchriftstUcken aus dem K. Kreisarchiv in Nurnberg ersehen werden. 
Von den da aufgezfihlten StUcken ist jetzt freilich nicht mehr eines 
hier zn finden. Vielleicht war dies das Schicksal der Kleinodien 
anderer Kirchen auch: sie sind einfach verschwuuden. 

Mit der Aufbewahrung der Bucher aus der Zeit Luthers uahm 
man es ebenso genau. Dieselben sind bis heute in der Kirchen- 
bibliothek dahier aufbewahrt. Nur sollte letztere einen anderen Eaum 
zur Aufbewahrung und Benutzung erhalten. Ihr Zweck, einem grbfieren 
Kreise zum Studium zu dienen, ware dann besser erfiillt. 

I. 
Ein versiegelt gewesenes Schreiben mit der Adresse: 
Den Ehrnvesten, Fursichtigen Erbarn 
vnnd weisen eines Erbarn Rats der Stadt NUrnberg 
verordennten Landtpflegern 
vnsern gepietenndt gonnstigen Herrn. 
Das Schreiben lautet: 

Ehrnueste, Fiirsichtig, Ehrbar vnnd Weise, derselben sinnd 
Vnnsere gehorsambe Vnnd vnderthenige willige Diennst zuuor, ge- 
pietennd gonnstige Herrn, 



1) Sohn des J. Weinmann. 1532 besaB or das Kanonikat G. Huters. 
Rep. 157. Tit. 29. Nr. 5. f. 21. 1563 wurde er mit einer Pension von 
100 fl. und Naturalien entschadigt f. 212. Jurament d. d. Di. n. Oculi (5. 3.) 
1532. Rep. 157. Tit. 10. Nr. 95. S. S. 1545 in Wittenberg. S. Forste- 
mann S. 223. 

2) Prediger zu Langenzenn 1544. — Akt Langenzenn Pf. 1538—1653 
im kgl. Konsistorialarchiv Ansbach. 

3) Verzichtete auf eine Pfriinde zu Wilzburg gegen eiue andere in 
Ansbach. 1537 Rep. 165. Tit. 15. Nr. 10. 1539 sicherte der Markgraf seine 
Pfrunde (St. Georgs Altar) seinem Sohne zu. Rep. 157. Tit. 22. Nr. 17. 
Rep. 141. Hospitalpflege Nr. 43*. Gemeinbuch 8 f. 173b. 9 f. 103^. cf. 
f. 75 b. Hans D5ner Miltenberger margretha weiland herr peter Zeismans 
nachgelassene witbe. 17. Mail 1546. 



Wirth, Kirchengiiter und Ornate zu Hersbrnck im Jahre 1593. 39 

Vff E. E. vnnd htl. Zuschreiben vnnd beuelch, thue denselben, 
wir hiebey eine Abschrifft, des hieuor, vfgerichten Inuentarj, was 
fiir Kirchengutter, und Kleinoter so ziim Kirchen- vnnd Gotthauss 
alhie gehorig vorhannden seyen/ vberschicken, Denen wir vniis hie- 
mit inn geborsamb, vnnderthenig beuehlennd, 

Datum Herspruckb den 27. Septembris Ao. 1596. 

E. E. vnnd bh. 

Gehorsambr vnnd 
vnndertbenigr 

Alexander Gender 

Pfleger, aucb Burgermeister 
vnnd Raths daselbst. 
(Alexander Gender war zuerst Pfleger in Grafenberg, dann 1587 
bis 1599 Pfleger in Hersbrnck, kam 1599 in den Rat nacb Nurn- 
berg, und starb daselbst 1601.) 

II. 
In dem zweiten SchriftstUcke sind nacb einem vorberstehenden 
Aufnabme-Protokoll die einzelnen Klein odien aufgezUblt. Das Scbrift- 
stuck lautet: 

Kirchengutter 

vnnd Ornat zu Herss-Prucks. 

Beschrieben den Neundten Pebmarj 

Anno 
159 3. 
Nacbdem kurtzuerscbienener tagen Hanns Niebler, gewessner 
Kircbuer zu Herspruckb todtes verscbieden, an dessen statt Veit 
Guttmann, Burger aldo vffgenommen, Sinthemal aber die Kircben- 
gUtter vnnd Ornaten, Inn langer Zeit nicbt Inuentirt worden, Also 
bat man dieselben zuuor, vnnd ee ermelter Guttmann an gedacbten 
diennst getretten, Durch Hannseu Hauslaib^) dieser Zeit Statt- 
scbreibern zu Herspruckb beschreiben, vnnd beriirte Ornata vnnd 
Kircbengutter, Durcb vorernants Niblers Sobne Wolff genannt, 
Ibme Guttmann fiirzaigen, vnnd ihme uberanthwortben lassen, Wie 
Von einem zum andern vnnderschiedlicb bernacb volgtt. 

Gescheben Inn Persounlicher gegenwart, der Ersamen Weisen, 

vnnd Bescbaidnen, Jobst Seinzen des Ratbs, vnnd Jorg Maiern 

bede Burger vnnd geordente Kirchen- vnnd Gottsshaus-Pflegere alhie, 

Vff" Freitag den Neundten des Monats Februarj, Vonn der geburth 

Christi Im Funff*zehenhunndert vnd dreyundneunzigsten Jare! 

Erstlich in einer verspertenn Truhenn. 

Eiu grofie Silberne Monstranzen. 
Mehr ein Silberne Monstranzen. 



1) Hanns Haufilaib war Nurnbergischer Stadtschreiber in Hersbruck 
1588—1598, dem Jahre seines Todes. 



40 Wirth, KirchengUter und Ornate zu Hersbruck im Jahre 1593; 

Eiu Silberns Vergult Sacramentgefess. 

Ein Silbern Vergult Creutzlein. 

Drey Silberne PUchslein zu Particuln^), 

Sachs Silberne Vergnlte Kelch, mit Sechs Silberen Vergulten 

Patenen. 
Mehr drey Silbere Vergnlte Kelch, welche der Kirchner In 

seiner gewaltt bat. 
Dann haben die beede Herrn Capeleine^ ein Jeder ein Clein 

Silbere Vergult Kelchlein, bey Thnnen Inn Iren Heusern. 
Ein Weifi Silbere Paten e, mit vier Perlein, Vnnd Vier steinen. 
Mehr ein Silbere Vergult Patene, mit sechs Perlein, vnnd sechs 

steinlein. 
Ein silbere Vergult Patene mit etlichen Turckislein Vnnd steinlein. 
Ein Silbere Weifi Patene, mit steinlein. 
Ein zweyfachs silberes Puchslein zu oel. 
Ein Rot eiserne Puchsen. 
Ein Kupfere Vergulte Monstrannzen. 

Inn einem Versperten Behalter an Mefigewennternn. 

1 Eots Mefigewanndt von einnem gulden stuckh, mit aller Zu- 
gehSrung. 

1 Blaw Damascirts Mefigewandt, mit einem gulden Creuz. 

1 Weifi Atlafi Mefigewanndt, mit einem gulden Marienbildt. 
Vnnd einnem leibfarben Vnnterfutter, 

1 Weifi damascirts Mefigewanndt, auch mit einem gulden Marien- 
bildt. 

1 Praun Sammets^) Mefigewanndt, gleichfalls mit einem gulden 
Marienbildt. 

1 Schwartz Sammets Mefigewandt, mit einem guld. stuckh, Vnnd 
gulden Creutz. 

1 Goldfarben Damascirtes Mefigewanndt, mit einem Crucifix, 
Vnnd seiner Zugehorung. 



1) Teilchen der Gebeine Heiliger, oder uberhaupt Gegenstande, die 
mit dem Leibe Heiliger im Leben oder im Tode, oder mit seinem Grabe 
in Beriihrung gekommen waren. 

2) Samt (frz. velours, engl. velvet, ital. sciamito), unser heutiger 
Samt? Oder e^diJUTogl Vgl. Otte, Handb. d. kirchl. Kunstarchaologie d. 
deutsch. Mittelalt. 5. Aufl. 1883. I, S.273; und Alwin Schul tz,da8 hOfische 
Leben z. Z. d. M. 2. Aufl. 1889, I, S. 332 u. 343. Samt, samit nannteman 
namlich in friiherer Zeit einen kostbaren Seidenstoff, der auch pfeller, 
pfellel, phellel genannt wurde (aus mlat. palliolum, lat. pallium). Es war 
der 'E^df^aog, von dem Stoffe, den wir heute Sanimetnennen, wohl zu unter- 
scheiden. Derselbe war aus sechsfadenstarkem Aufzuge gewebt, ein sehr 
starkes, festes Seidengewebe, das gewohnlich mit Gold- oder Silberfaden 
brochiert war, also dem spater Brocat genanntcn Stoffe entspricht. (Vgl. 
auch Bock, Gesch. d. litiirg. Gewander, 1859, I, S. 329. Dessen Zurtick- 
fiihrung der e^dfiira auf hebr, Scheseh ist nicht haltbar.) 



Wirthy Kirchengiiter und Ornate zn Hersbriick im Jahre 1593. 41 

1 Roth Atlafi Mefigewanndt, mit einem gnldenen Sanct Wolf- 
gang ^)bildt. 

1 Grun atlafi Mefigewanndt, mit einem gulden Creutz. 

1 Weifi damascirts Mefigewanndt, auch mit einem gulden Creutz. 

1 Goldfarb seides mefigewanndt, mit seiner Zugehoer. 

2 Praune Wullene Mefigewenndter, mit Crucifixen. 
1 Griin damascirts Mefigewanndt. 

1 Rot Scharlach mefigewannd. 
1 Weifi damascirts Mefigewanndt. 

1 Gelb harlasts^) Mefigewanndt. 

2 Schwartz Schamlots^) Mefigewanndt. 

1 Schwartz Borschats*) Mefigewanndt, mit einem Crucifix. 

1 Schamlots Mefigewanndt, mit S. Christophori Bildtnufi^). 

2 Goldfarb Atlafi Diacon, oder Leuiten Rockh®), mit Irer Zu- 

gehor. 
2 Schwartz Sametine diacon Rockh, mit goltfarben Podnen, vnnd 

Irrer Zugehbr. 
2 Praun Sammete Diakou R5ckh. 
2 Weifi damascirte Diacon, oder Leuiten Rockh. 
2 Roth seiden Leuiten RSckh. 
1 Praun Sammaten Chormantel. 
1 Schwartz Wiillen Chormantel. 
1 Roth schamloten Chormantel. 
23 Aim''). 
Nota. An jUngster Inuentur sinnd derselben 24 gewest, 1st die 

eine zerschnitten, vnnd die anndern damit gebessert worden. 



1) Die Stifterin des Spitals und der Elisabethenkirche am Spital zu 
Hersbruck, Cath. Alhart, war aus Regensburg. Wolfgang, der Patron von 
Regensburg, bat darum an dem prachtigen Schnitzaltar dieser Kirche ein 
Feld, auf welchem seine Gestalt mit Bell und Kirchenmodell, seinen 
Attributen, dargestellt ist. 

2) Harlasten, arlasten ist pannus arelatensis, ein zu Aries in Burgund 
gewebtes Zeug. Aries war die Hauptstadt des Konigreichs Arelat oder 
Burgund, und war Residenz der Burgundischen Eonige. Nach dieser Stadt 
sind auch die Arelatischen Synoden genannt 314; 354; 452; 475. 

3) Schamlot ist ein dichtes und festes Seidengewebe von grobkomigem, 
nicht glanzenden Aussehen. (Harapc, Eatalog des Germ. Nationalmus., 
1896, I, S. 134 Nr. 842.) 

4) Borschat, Bursat ist halbseidener Zeug. Er wurde zuerst ver- 
fertigt in Worstead in England, einer jetzt wenig bedeutenden Stadt in 
Norfolk. (MaxCulloch, Handelslexikon, Art. Wollenmanufaktur ; Miiller, 
etym. Wbch. d. engl. Spr. II, 559: Bursat, vestis subserica, hyposerica, 
tramoserica). 

5) In der Stadtkirche zu H. war ein Altar dem hi. Christophorus 
geweiht. 

6) Levitenrock ist das Mei)gewand des Diakonus und Subdiakonus. 
(Otte a. a. 0. I, 268.) 

7) Aim = Alben. Gemeint sind weiUe Chorhemden. Vgl. Otte, I, 270, 



42 Wirthy KirchesgUter und Ornate zu Hersbruck im Jahre 1593. 

15 Sammete, Vnnd Von anderm Zeug gemachte Humeral Penter, 

Ymb die hSlss, oberhalb die Mefigewenndter gehdrig. 
23 Kurtze binndten. 
14 Weifie Altar thucher. 
1 Grun damascirts Sacraments ddcklein, mit einem gulden Poden. 

3 Sammatine docklein, Von Roth grlin, ynnd blauen sammat. 
1 Plane damascirts d5cklein. 

9 Corporal^) thucher. 

1 Roth Sammate Corporal taschen^). 

4 Roth Lehr Corporal Taschen. 

1 Grtin Sammatine Corporal Taschen, mit einem gulden Poden. 

2 Grtin Lehr Corporal taschen. 

1 Prann Sammate Corporal taschen, mit einem Crucifix. 

3 Schwartz Lehr Corporal taschen. 

2 Plane Corporal taschen. 

6 Von allerley farben Corporal taschen. 

2 Messingene Leuchter ante obern Altar. 
2 Messingne Leuchter VflPm Vnntern Altar. 
2 Messingne Leuchter aufm neben Altar. 

4 Messingne Leuchter Ihnn die Sacristey. 
4 Messingne Leuchter in die Liberey^). 

7 Cleine Zinnere KSnndelein. 

Nota! Die anndern KSnndelein Vnnd Zinnern Leuchter, so 
hieuor Juuentiert worden, hat man, als man die Orgel renovirt; an 
Zinnerne Pfeiffen gedauscht! 

2 Allte eiserne Pfannen zu Kollen. 

^ucher Jnn der Sacristey! 

Der erste theil der Bibel*). 

Der annder thail der Bibel teutsch, bedes zweyfach, Vnnd Weifi- 

bundten. 
Mehr der erste theil der Bibel, Vnnd das Neue Testament, auch 

die Propheten, schwarz bunden. 
Die Summarien Vber die Bibel®). 
Thomus primus operum Lutheri. 
Enarrationes in primum librum Moyse. 

1) Corporal-Tucb, womit Kelch und Hostie auf dem Altar zugedeckt 
warden. Vgl. Otte a. a. 0. I, 235. 

2) Corporaltaschen vgl. ibid. I, 235. 

3) Liberei = Biichersammlnng, aus dem lat. libraua, liberaria iiber- 
nommen. Die gelehrte und sorg^ltige Form ist Libarei, libraria, biblio- 
theca, Buchkammer. (Vgl. Grimm, Dentsches WOrterbuch, VJ, 1885, 
Sp. 853). Es ist die jetzt noch bestehende Kircbenbibliothek gemeint. s. u. 

4) Biblia, Wittenberg, 2 Teile, Hans Lufft, 1555. 

5) Hrsg. von Veit Dieterich, 1578. Der Herausgeber kann der be- 
kannte Yeit Dietrich nieht gewesen sein, da derselbe schon 24. Marz 1549 
gestorben iat. 



Wirth, Eirclieiigiiter and Ornate zu Hersbmek im Jahre 1593. 43 

Thomas secnndaB operam Lather! . 
Thomas tertias operam Latheri. 
Enarrationes Jn Genesim thomas tertins. 
Thomas qaartas omniam operam. 
Thomas qaintas Luther i. 
Thomas septimas Latheri. 

Die teatschen Bucher. 

Der erste thail der Biicher Latheri. 

Der annder thaiL 

Der drite thail. 

Der Vierte thail. 

Der fuiinffte thail. 

Der Sechste thail. 

Der siebente thail. 

Der Achte thaill. 

Der Neandte thaill. 

Der ZwSlffte thaill. 

Die hier augefuhrten Werke Lathers sind die Wittenberger 
Aasgabe dieser Werke, 12 Bde. deatsche and 7 Bde. lat. Schriften, 
die deatschen 1539 — 1559 (Bd. 10 a, 11 sind in hiesiger Kirchen- 
bibliothek v. J. 1593), die Jateinischen 1561 — 1568. 

Aufier dieser Ausgabe besitzt die K.-B. noch Lathers Werke in 
der Altenbnrger Aasgabe (10 Bde. 1661—1664; Suppl. 1717); 
in der Jenaer (8 deutsche a. 4 lateiuische Bde. 1555 — 58, dazu 
2 Erganzangsbande 1564 — 65); and in der Leipziger Aasgabe 
(23 Bde. 1729—1740; ein Geschenk des Pflegers Holtzschuher in 
prachtvollen Einbanden). Zu der Leipziger and den anderen Aus- 
gabeu schrieb Greiff 1740 ein vollstandiges Register, welches auch 
hier vorhanden ist. 

Manch wertvolle]; Schatz ist in der K.-B. zu finden. Leider 
sind die Biicher oft in schadhaftem Zustande. Drei geschriebene 
Bucher liegen auf dem Tische, welcher in der Bibliothek steht; eines 
davon hat eine starke Kette am Einbande. Mehrere sehr alte 
lateinische Drucke sind vorhanden, welche auf sehr frlihe Zeiten der 
Buchdruckerkunst zuriickzufuhren sind. All diese Biicher haben keinen 
Titel. Bei ein em lat. Werke kann man auf der Riickseite des Ein- 
bandes lesen: PA . . . S. . . . LIMINAE Antoniui archiepiscopi 
Florentini Ordinis praedicatorum. 

Die geschriebenen deutschen Biicher haben oft prachtige Initialen. 
Manche dieser alt en Biicher sind in Holz gebunden. 

Ein sehr alter Druck der Vulgata (2 Bde. mit einigen llolz- 
schnitten o. J.), ein solcher des Missale Romanum (o. J., doch sehr 
alt) u. a. m. stehen hier. Ein sehr grofi uud schou gedrucktes Ge- 
sangbuch mit viereckigeu Noten ist in der Bibliothek. Das Titel- 



46 Znr Bibliographie. 

Mummeahoff; Ernst^ Erneueruug der Adam Kraftschen Leidens- 
Btationen (anf dem Wege zum JohaDnesfriedhof) im Jahre 1662: 
S. 205. 

Hampe, Dr. Th.^ Kuustfreunde im alten Ntirnberg und ihre Samm- 
lungen (nebst BeitrSgen zar NUrnberger Handelsgeschichte — 
nach zwei im Vereine gehaltenen Vortragen): H. 16, 1904, 
S. 57 (NUrnberger KircbenscbStze u. dgl. 8. 61). 

6 Umbel, Albert, Sebaid Schreyer und die Sebalduskapelle zn 
ScbwSbisch-GmUnd : S. 125. 

Bredt; Dr. E. W., Das Glockendonsche Missale der NUrnberger 
Stadtbibliothek, ein kUustlerisches Kopialwerk: S. 179. 

Mummenhoff, E., Ein merkwUrdiger Ziegel vom nordlichen Turm 
der St. Lorenzkirche: S. 258 (mit Nacbrichten Uber mebrfache 
Bescbadignng von Kircbe und Turm durch den Blitz). 



Zur Bibliographie.') 

*Rott, Hans, Friedrich 11. von der Pfalz und die Reformation 
(Heidelberger Abbandluugen zur mittleren und neueren Ge- 
scbicbte 4. Heft), Heidelberg, Carl Winters Universitatsbuch- 
handlung 1904, 156 S. 8. — 4. Mk. 

FUr eine eiogeheudere, fiber die allgemeinsten Ziige hinausstrebende 
Erforschung der Reformationsgeschicbte der badisch-pfalzischen Lande 
war bislang wenig gescbehen, nicht am wenigsten deshalb, weil die ein- 
schlagigen Urkunden und AktenstUcke tells unterg'egangen, tells in ver- 
schiedenen Arcbiven Deutschlands zerstreut sind. Der rastlosen Tatigkeit 
G. BoBserts verdankeu wir jetzt in seinen an Einzelforschungen uberans 
reichen „Beitragen zur badisch-pfalzischen Reformationsgeschichte" (Ztschr. 
f. d. Gesch. d. Oberrheins Bd. XVII bis XX), die eine mit einem Register 
versehene Separatausgabe verdienten, die erste wissenschaftliche Grund- 
lage. Noch ehe Bosserts Arbeit vollstandig vorlag, hat H. Rett, da jener 
seine Untersuchungen nur bis zur EinfUhrung der Reformation durch 
Kurftirst Friedrich II. fortftihren wollte, eben diese darzustellen unter- 
nommen. Hatte er Bosserts Arbeit ganz abwarten konnen, so ware dies 
ohne Zweifel seinem Werke von Vorteil gewesen. Die kurzen Bemerkungen 
uber Ludwigs V. Verhaltnis zur Reformation S. 41 f. waren vielleicht 
etwas weniger diirftig ausgefallen. Zum mindesten durfte man aber er- 
warten, da6 der Leser einen Einblick in die jeweilige frUhere Stellung 
des spateren Kurf. Friedrich zur reformatorischen Frage erhalten wiirde. 
Liest man z.B. die Instruktion, die dieser als Statthalter derOberpfalz seinen 
Raten ftir den nicht zu stande gekommeoen Reichstag zu Augsburg 1525 
mitgab (vgl. Friedensburg, der Reichstag zu Speier, Berlin 1887 , S. 504 ff.), 
die der Verf. mit keinem Worte erwahnt, so gewinnt man den Eindruck, 
daB dieser FUrst damals wenigstens klarer als mancher andere die Sach- 
lage erkannte und weitgehende Reformationen fiir notwendig erklarte. 



1) Die mit * versehenen Schriften sind zur Besprechung eingesandt 
worden. Alle einschlagigen Schriften werden erbeten behufs Besprechung 
von der Yerlagsbuchhandlung Fr. Junge in Erlangen. 



Zur Bibliographie. 47 

Dafiir, daB uns von seiner religiosen und kirchlichen Entwicklung nichts 
berichtet wird, konnen uns solche allgemeine Bemerkungen, wie sie auf 
S. 4 zu lesen sind, nicht entschadigen. Doch wir miissen uns daran halten, 
was der Verf. wirklich bietet, und in den einscblagigen Abschnitten : Fried- 
richs reformatorische Handlungen in seinem Lande etc. bietet er allerdings 
manches Neue, da er auBer den Karlsruher Akten noch die bayerischen Archive 
und den Thesaurus Baumianus (vgl. jetzt Job, Ficker, Thessaurus Bau- 
mianus. Verzeichnis der Briefe und Aktenstucke, Strafiburg 1905) durch- 
forschen konnte, namentlich aber dankenswerte Verbesserungen alter Irr- 
tiimer, die sich in den frtiheren Darstellungen ungepriift von eineni Buch in 
das andere gerettet haben. Die einzelnen Vorgange, welche den Ubergang 
zar Annahme der Augsburgischen Konfession vorbereiteten, wie die all- 
mahliche Einfuhrung der Reformation einleiteten, sind klar gezeichuet. 
Leider lassen die Quellen in den wichtigsten Punkten im Stick. So erfahrt 
man z. B. nicht, wie die Proposition fiir denHeidelbergerTag vom7. April 
1546 (S. 37), die sich durch unzweideutiges Bekenntnis zur evangelischen 
Lehre von der bei den Vorberatungen eingenommenen Haltung der Rate unter- 
scheidet, zustande kam, namentlich nicht, ob da personliche religiose Motive 
desFtirsten, der bereits Ostern 1545 das Abendmahlunter beiderlei Gestalt 
genommen hatte, mitwirkten. Erst nachtraglich (S. 64)/ was methodisch 
zu beanstanden ist, handelt der Verf. tiberhaupt von der damaligen 
Stellung des Hofes. Der 18. April 1546 (nicht wie man bei der Jubilaums- 
feier im Jahre 1846 annahm, der 3. Januar) ist, wie jetzt festgestellt ist, 
der Tag der Einftthning der Reformation in Heidelberg, auch ist es Rott 
gelungen ein Mskr. der Ende April 1546 erlassenen kurf. Kirchenordnung 
wieder aufzufinden (abgedr. im Anhang). Wer der Verf. dieser ad interim 
einzufuhrenden, auf die Niirnberger und Neuburger zuriickgehenden Ord- 
nung war, hat sich nicht feststellen lassen (S. 61), da wir leider nicht 
wissen, wer der eigentliche theologische Berater des Kurftirsten war. An 
StraQburger Einflusse ist nicht zu denken, denn.wenn es auch richtig ist, da6 sie 
wie Erb an Bullinger schreibt, ad simplicissimam for mam hergestellt ist, so 
ist sie doch olfenbar lutherisch gestaltet, und es ist sehr fraglich, ob die 
weitere Nachricht Erbs, daO der Flirst damit die deutsche Messe, quam 
cum omni cultu instituerat hisce hibernis mensibus — wovon wir sonst 
nichts wiijsen — abrogavit, den tatsachlichen Verhaltnissen entspricht. — 
Ist die'Aufklarung dieser bisher kaum in den allgemeinsten Umrissen be- 
kannten erstenReformationsperiode schon sehr dankenswert,so gilt das nicht 
minder von den weiteren Kapiteln, in denen zum ersten Male die traurigen 
Zeiten von Beginn des Krieges bis zum Interim wissenschaftlich behandelt 
werden, wobei man freilich hier und da wiinschen mdchte, dafi der Verf. 
Baum genug gehabt hatte, manches, was er nur andeutet, etwas weiter 
auszufiihren. Sehr vielesLokaJgeschichtliche, das noch weitererVerarbeitung 
harrt, findet sich in den Anmerkungen, besonders sei auf die verschiedenen, 
dort erwahnten Korrespondenzen hingewiesen, unter denen die leider noch 
immer nicht gesammelten Briefe von Frecht und der Briefwechsel Bucers 
mit Ottheinrich (vgl. S. 105), aus dem der Verf. in den Beilagen drei 
Nummern mitteilt, die erste Stelle einnehmen werden. 

^•*M. Weigel, Rothenburger Chronik. Gedruckt und verlegt bei Ge- 
brlider Schneider, Rothenburg o. Tauber o. J. (1904). 

Ein in seiner Art vortreff liches Buch, das nicht nur denen, die Rothen- 
burg kennen, viele Freunde machen, sondern auch der sch5nen Tauberstadt 
manche neue Freunde werben wird und das alien Lesern dieser Blatter 
aufs warmste empfohlen sein mag. Was der Verfasser bietet, ist keine 
trockene Chronik im gewohnlichen Sinne, sondern eine mit hervorragendem 
Erzahlertalent geschriebene Darstellung des Rothenburger Lebens in 



48 Zm Bibliographie. 

Vergangenheit und Gegenwart. Bei der reichen historischen VergaDgen- 
heit der alien Reichsstadt auf politischem, kirchlichen, wirtschaftlichen 
und kUnstlerischem Gebiete nimmt natUrlich die Geschichte den gr5fiten 
Baum eio, und der Verf. hat es verstanden, aus den reichen Quellen zu 
schopfen, aber auch sein Material kritisch zu verwerten. Mit grofiem 
Geschick ist der reiche Bilderschmuck ausgewahlt, und der Yerlagsbuch- 
handlung gebiihrt besondere Anerkennung fur die trefFliche Wiedergabe 
der Bilder und die einfache, aber ungew5hnlich geschmackvolle Aus- 
stattung des ganzen Bandes. — Sehr dankbar bin ich fttr den Nachweis 
(8. 275), des mir seinerzeit entgangenen Schriftchens des Job. Teuschlein. 
Dasselbe ist so selten, dafi auch dieRepertorien tiber die Inkunabelliteratur es 
nicht zu kenneu scheinen. Unklar ist mir in der dann enthaltenen Widmung: 
Baccalaureus Johannes Teuschleins Heroldensis de Frickenhausen der Aus- 
druck Heroldensis. -Auch mehrere Spezialarbeiten tiber Rothenburg habe ich 
erst darch ihre Aufzahlang im Anhange, die, was ich fiir eine zweite 
Auflage empfehle, durch alphabetische oder sachliche Orientierung ge- 
winnen wttrde, kennen gelernt, was zum Tell daher kommen dtirfte, daB 
mancbe in Rothenburg verlegte Arbeiten infolge unangebrachter Spar- 
samkeit der Yerleger nicht in den offizielien Bticherkatalog des Buch- 
handlerborsenvereins Aufnahme gefunden haben. Zum Schlufi kann ich 
mir die Bemerkung nicht versagen, dafi das vorliegende Werk den Wunsch 
nach einer rein wissenschaftlich, aber fiir jedermann les^bar (etwa nach 
dem Vorbilde von Fr. Roths Augsburger Reformationsgeschichte) ge- 
schriebenen Geschichte Rothenburgs oder wenigstens seiner kirchlichen 
Geschichte, die uns beide noch feblen, von neuen in mir erweckt hat. 
Sie kann uur in Rothenburg mit seinem wohlgeordneten Archiv geschrieben 
werden und von jemandem, der ganz mit der Sache vertraut ist wie der 
Verf. Auch eine solche markante Theologengestalt wie die von J. L. Hart- 
mann waren eigener Bearbeitung wert. 

*Geyer, Chr. Dr., Hauptprediger in Niirnberg. Niirnbcrger Tochter- 
schulen vor 100 Jahren. Jahresbericht des Instituts Lohmann 
in Niirnberg 1904/5. 

Dr. Geyer gibt als Vorstudie zu dem oben S. 1 begonnenen Auf- 
satz auf Grund archivalischer Forschungen auf wenig Blattern eine sehr 
interessante Geschichte der ersten Versuche, die man in Niirnberg, nach- 
dem die alte Reichsstadt bayerisch geworden war, mit Griindung von 
h()heren Tochterschulen gemacht hat. Die kleine Studie bietet nicht nur 
einen wichtigen Beitrag zur Geschichte des Schulwesens, sondern ist auch 
nach der kulturgeschichtlichen Seite sehr beachtenswert. 

Bach; Jos., Jakob Balde Interpretatio Somnii de cursu Historiae 
Bavaricae. Mit Einleitung herausgegeben. Strafiburg (Progr. 
d. bisch. Gymnasiums St. Stephan) 1904. 

Buttmann, Rud. Die Matrikel des Horn bac her Gymnasiums 1559 
bis 1630. Verzeichnis der Professoren und Stipendiaten. Zwei- 
briicken (Progr. d. Gymn.) 1904. 

Denk, Jul. Zwei ehemalige Lehr- und Erziehungsanstalten Ambergs. 
Amberg (Progr. v. Gymn.) 1904. 

Fries-, Siegm. Beitrag zur Gesch. der Verhandlungen des schwabischen 
Kreises mit Fraakreich im Jahre 1796. Augsburg (Progr. d. 
Gymn. von St. Anna) 1904. 



Die Anfange einer katholischen Gemeinde in Eriangen ^). 

Eine archivalische Studie von D. Th. Kolde. 

Bis zum Elide des 17. Jahrhnnderts war Eriangen ein rein 
lutherischer Ort. Weder Reformierte noch Katholiken, geschweige 
denn Juden durften sich daselbst niederlassen. Mit der Auf- 
nahme erst der franzosischen evangelischen Fluchtlinge, dann 
der deutsch-reformierten^) wurde das anders. Bald linden wir 
in der neuerstehenden Stadt anch romisch-katholische Einwohner, 
und zwar nicht nnr solche, die aus der katholischen Umgegend 

1) Vorbemerkung. Anffallenderweise scheint bis jetzt noch niemand 
den An^ngen der katholischen Gemeinde in Eriangen nachgegangen zn 
sein. An gedrucktem Material sind nur einige sehr diirftige Notizen ia 
den popular gehaltenen Erlanger Stadtgeschichten vorhanden. Infolge- 
dessen erbaut sich dieser erste Versnch, der wahrscheinlich darch manche 
mir nicht zugangliche Quellen wird verbessert werdcn k5nnen, fast aus- 
schliefilich auf Archivalien. Znerst stieJB ich auf die wichtigen, bis zum 
Jahre 1770 zurlickreichenden Verhandlungen der Universitat iiber Zu- 
lasBung katholischen Gottesdienstes, Weiteres wertvolles Material lieferten 
die Akten des Erlanger protestantischen Dekanats und diejenigen der 
hiesigen franz^eisch-reforroierten Gemeinde, einiges auch das stadtische 
Archiv. Es wurde erganzt durch Aktenstucke und Briefe aus den Bam- 
berger und Kiirnberger Kreisarchiv. Allen denjenigen, die meine muhe- 
voUen Forschungen unterstiitzt haben, besonders Herrn Dekan Bohrer, 
Herrn Pfarrer Fehl und Herrn Rechtsrat Schmidt dahier eei auch an dieser 
Stelle verbindlicher Dank gesagt. 

2) Hierliber vor allem G. Schanz, Zur Geschichte der Kolonisation 
und Industrie in Franken. Eriangen 1884. Dann A. Ebrard, Christian 
Ernst von Brandenburg- Baireuth. Die Aufnahme reformierter Flucht- 
lingsgeraeinden in ein lutherisches Land. 1686 — 1712. GUtersloh 1885. Eine 
wirkliche Geschichte der franzbsisch-reforniierten Gemeinde haben 
wirleider noch nicht, denn die sehr dankenswerte Arbeit von W. Dennler, 
Die reformierten Gemeinden in Eriangen. Erl. 1893, behandelt nur ihre 
rechtliche Stellung. Vgl. ferner Haenchen, Kurze Gesch. d. deutsch.- 
reform. Gemeinde in Eriangen. Erl. 1893. 

Beitrago zur baycv. Kirchengeschicbte XII. 2. A 



50 Koldc, Die Anfangc elner kathoUsclien Gemeinde in Erlaugen. 

hereihgezogen waren, sondern auch katholische Franzosen, die 
oflfenbar ihren evangelischen Landsleuten anf die Kunde von 
ihrem Wohlergehen in die Fremde nachgereist waren ^). 

Bereits ira Jahre 1711 sah sich der Markgraf Christian Ernst 
veranlaUt, ihre Verh^ltnisse zu regeln. In seiner grofien, alle 
Privilegien Erlangens zusammenfassenden Deklaration vom 
4. Mai des genaunten Jahres, jenem Fundamentalgesetz, welches 
der Fiirst aus Anlafi seines funfzigjahrigen Regierungsjubilaums 
erlieB, bestimmte er in § 4 ganz im Sinne seiner Zeit: 

„Die der Pabstischen Religion Zugethanen, welche ent- 
weder dermahlen schon in Christian-Erlang wohnen Oder kunftig 
an eine der Evangelisch-Lutherischen oder Reformierten Religion 
anhangigen Manns- oder Weibs-Person sich dahin verheurathen, 
und sofort sich alida festsetzen, die soUen zwar fur sich bey ihrer 
Religion und Gewissens-Freiheit verbleiben, und ihren Gottes- 
dienst aufierhalb der Stadt in Catholischen Kirchen ungehindert 
besuchen, dabei aber schuldig und gehalten seyn, nicht allein 
alle Actus, als Taufen, Copulieren und Begrabnisse bey der 
Evangelisch-Lutherischen Kirche und Gemeine in Christian- 
Erlang verrichten, sondern auch ihre Kinder beyderlei Geschlechts 
alstets bey der Evangelischen Religion allda erziehen und unter- 
richten zu lassen, sie zur Kirchen und Schulen fleifiig zu halten, 
und daran im Geringsten nicht zu hindern, oder auf ein oder 
andern Weise noch Wege abzuhalten, oder zu storen, sie die 
Eltern auch fiir sich selbst und deren Gesinde gegen die beyden 
Evangelischen Religionen, wie sichs gebiihret, sitsam und be- 
scheiden aufzufiihren und zu bezeigen^)". 

Diese Bestimmungen fafite man, und das war auch wirklieh 
die Meinung der damaligen Regierung, so auf, daB ein katholischer 
Kultus in Erlangen selbst niemals zu dulden sei, und daB die 
Kinder auch rein katholischer Ehen katholisch erzogen werden, 



1) Im Jahre 1720 wird in den Erlanger Dekanatsakten ein Capitao 
Claude Fournet, („ein Franzos, hat ein eigen Hans aUhier in der Neuen Gafi") 
und 1725 ein katholischer Enopfmacher Jean Marlieau erwahnt, und die 
Akten der franzosisch-reformierten Gemeinde ergeben mehrfach das Vor- 
kommen von Ubertritten franzdsischer Katholiken. 

2) Corpus Constitutionum Brandenburgico-Culmbacensium II, 2 (Bay- 
reuth 1748), S. 668 f. 



Kolde, Die Anfange einer katholischon Gemeinde in ErlangeD. 51 

die lutherische Schule besuchen miiBten, uiid „bei reifen Jahren 
lutherisches Abendmahl empfangen soUten'*; and bei Mischehen 
muBten die Nupturienten, ehe sie von der RegieruDg die Er- 
laubnis zur Verehelichung erhielten, sich durch einen Revers 
eidlich verpflichten, nach der erwahnten Deklaration zu leben. 
Dafiir war man aber in anderer Beziehung toleranter als anderswo 
und namentlich, als dies damals in katholischen Gegenden gegen- 
iiber den Protestanten der Fall zu sein pflegte, indem auch die 
Katholiken mit alien kirchlichen Ehren, Leichenprozession, Ser- 
mon etc. vom evangelischen Pfarrer auf dera Kirch hof be- 
erdigt warden, wahrend es etwa 1718 vorkam, daB ein in 
Porchheim verstorbener evangelischer Burger Erlangens „mit 
groBen Unkosten auf einem anderen Platze verscharrt wurde" ^). 
Der Notigung, die Kinder lutherisch werden zu lassen, such ten 
strengere Katholiken natiirlich u. a» dadurch zu entgehen, daB 
sie die Kinder nach auswarts in die Lehre schickten, von wo 
sie katholisch geworden zuriickkehrten, und ira Jahre 1720 
hatte man schon von eingeborenen Erlanger Protestanten zu 
berichten, die sich zum Katholizismus gewandt hatten^j. 

Eine offizielle Untersuchung, die* in dem gleichen Jahre im 
Auftrage der Regierung vorgenommen wurde, ergab, daB in der 
Altstadt Erlangen damals 21 Katholiken vorhanden waren, dazu 
kamen noch gleichviele in den dort eingepfarrten Orten'^), so 
daB man in Stadt und nachster Umgegend, „die vorhandenen 
Handwerksburschen und Dienstboten nicht eingerechnet," 42 
zahlte. 

Hiernach war die Zahl der Katholiken in Erlangen nicht 
gerade groB. Gleichwohl begannen schon in den dreiBiger 
Jahren ihre Versuche, sich zu emanzipieren. Es war, wie be- 
greiflich, nicht unbemerkt geblieben, daB in Bayreuth ein pri- 

1) Bericht des Erlanger Pfarrers Stark vom 8. Febr. 1720 an den 
Superintendenten Barth in Baiersdorf (Erlanger Dekanateakten). 

2) Genannt wird ein Tuchhandler Wolf Megerlein. 

3) I^ach den Bericht des Superintendenten Christoph Gottfried Barth 
in Baiersdorf vom 7. Februar 1720 waren in Bubenreuth 9, Rathsberg 6, 
Atzelsberg 1, Spardorf 2, Sieglitzhof 1, am Wald 2 Katholiken. In der 
Neustadt scheint es 'damals* noch keine Katholiken gegeben zu habcn. 
Wenigstens wird in den einschlagigen Erlanger Dekanatsakten davon 
nichta erwahnt. 



52 Kolde, Die Anfangc einer katholischen Gemeinde in Erlangen. 

vatum exercitium genehmigt worden war^). Wenn man dies 
in der Hauptstadt des Landes, vor den Augen des Hofes ge- 
stattete, warura soUte dies nicht in Erlangen moglich sein? 
Freilich hatte man da weitergehende Plane, man daclite an den 
Ban einer katholischen Kirch e. Obwohl Erlangen in der 
Bamberger Diozese lag, hatte man es verstanden, den Bischof 
von Eichstatt daftir zu interessieren. Dieser, es steht dahin, 
ob es schon der Bischof Franz Ludwig, Frh. Schenk v. Kastell 
(1725-— 1736) war, oder erst Johann Anton, Frh. v. Freyberg 
(1736—1757), lieC in seinem Bistum eine KoUekte ftir den Ban 
einer katholischen Kirche in Erlangen sarameln. Das lieC man 
sich in Bamberg zwar gefallen, machte aber in EichstMt darauf 
aufmerksam, daB es sich um keine oflfentliche Kirche, sondern 
nur um einen blofien Hausbau zur Ausiibnng des Privatexer- 
zitiums der romischen Religion wie in Bayreuth handeln konne, 
aufierdem um eine Gnadensache, die der Fiirst oder einer seiner 
Nachfolger willkiirlich widerrufen konne. Da man nun in 
Bamberg, wohin Erlangen gehore, den Fortgang des Werkes 
besser beaufsichtigen konne, und es gef^hrlich sei, so viel Geld 
Privatpersonen zu ubergel)en, wunschte man den Ertrag der 
KoUekte nach Bamberg geschickt zu sehen. Und nachdem bereits 
150 Gulden nach Erlangen abgegangen waren, schickte man 
deii Rest von 574 Guldeu 50 Kreuzer wirklich nach Bamberg, 



1) FUr die kircbliche Geschichte Bayrenths ist rocb sehr wenig ge- 
schehei), und iiber dleEntstehung der katholischen Gemeinde in Bayreuth 
kenne ich nur die kleinc Notiz hel Eranssold, Gesch. der evangelischen 
Kirche im ehemaligen Fiirstentum Bayreuth, Erl. 1860, S. 277, wonach der 
Katholizismus dadurch dort Eingang gefunden hatte, dafi der Fiirst von 
Ilohenzollern-IIecliingen, der sich in Bayreuth auf hielt, sich mit der mark- 
graf lichen Prinzessin (Eleonore Magdalene) im Jahre 1704 vermahlte. 
Zunachst habe er sich nur eine Hauskapelle einrichten durfen, aber unter 
Georg Wilhelm sei den Katholiken 1722 die offentliche Austibung 
ihres Kultus gestattet worden. Das letztere ist sicher unrichtig. Die 
bischOfliche Regierung in Bamberg weifi im Jabre 1737 nur von einem 
privatum exercitium in Bayreuth; und wenn G. HoUe, der von der ganzen 
Vorgeschichte gar nichts weiO, in seinem vollig ungeniigenden Buche 
^Geschicht der Stadt Beyrouth", 2.^., Bayreuth 1901, S. 142 echreibt: 
„Im Jahre 1745 wurde der Bau der katholischen Kirche begonnen," bo 
wird es sich dabei auch nur um den Bau eines Bethauses znm Privat- 
gottesdienst gehandelt haben. 



I 
1 



Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemcinde. in Erlangen. 53 

woruber die bischofliche Regierung unter dem 27. Marz 1738 
quittierte ^). 

Inzwischen war man in Erlangen nicht miifiig gewesen. 
DieFiihrer der dortigenKatholiken, ein Kaufmann Franz Bulla 
and der Hofwagner Nikola us Gafi boten alles auf, urn ihr 
Ziel zu erreichen, und scheinen in ihren Mitteln nicht sonderlich 
wahlerisch gewesen zu sein. Es gelang ihnen, in Bayreuth 
einflufireiche Conner zu gewinnen, vor allem einen Baron von 
Reitzenstein ; aber auch auf den Geli. Referendar Philipp An- 
dreas EUrod setzten sie ihr Vertrauen ^). Und am markgraf lichen 
Hofe hatte sich in der letzten Zeit vieles verandert. Auf den 
pietistisch gesinnten Markgrafen Georg Friedrich Karl (f 17. Mai 
1735), der freilich zeitweilig unter Festlichkeiten, Ballen und 
anderen ^Divertissements" seinen Pietismus vergessen konnte^), 
war Markgraf Friedrich gefolgt und mit ihm und seiner Ge- 
mahlin, Wilhelmine, der Schwester Friedrichs des GroBen, war 
ein anderer Geist in Bayreuth eingezogen. Zwar konnte man 
in den ersten Jahren bei aller Abneigung gegen die im Lande 
groB gewordene pietistische Richtung nicht gerade von auf- 
klarerischen Tendenzen sprechen, aber wenn die Katholiken 
um Zulassung ihres Kultus baten, so waren konfessionelle Be- 
denken bei Friedrich wohl am wenigsten zu liberwinden. Indessen 
wir wissen nicht, welche Motive den Fiirsten und seine Re- 
gierung bestimnrten, den Wiinschen der Erlanger Katholiken 
entgegenzukommen, wir kennen nur die zeitweiligen Resultate 
ihrer Bemuhungen. Mit Hilfe hochmSgender Freunde und unter 



1) Nach zwei Schreiben der boschoflichen Eegierung vom 19. Dez. 
1737 und 7. Marz 1738 ira Kreisarchiv zu Bamberg. 

2) Dies und das Fo]gende ergibt sich aus den in den Beilagen mit- 
geteilten Akten der franz.-ref. Gemeinde im Zusammenhalt mit einem 
Schreiben des Nikolaus G&Q und Franz Bulla an den Bischof von 
Bamberg d. d. Erlangen 19. Febr. 1739, in dem sie unter BeifUgung 
weiterer Briefe tiber den Gang der Dinge berichten (Katholicher Kirchen- 
bau zu Erlangen: Bayreuther Pfarrakten Nr. 19 Kreisarchiv in Bam- 
berg). 

3) Vgl. ttber diese Verhaltnisse die ausgezeichnete Darstellung von 
Batteiger, Der Pietismus in Bayreuth. Berlin 1903 und ders. in Beitr. z. 
bayer. KG. IX, 153 ff. Ferner Richard Fester, Die Bayreuther Schwester 
Friedrichs des GroBen, Berlin 1902. 



54 Kolde, Die ADfange einer katkolificlien Gemeindc in El'laitgen. 

„considerabeln Kosten"^) war es ihnen im Somraer 1737 ge- 
lungeD, von dem Markgrafen die (vorlaufige) Erlaubnis zur Ein- 
richtung eines katholischen Gottesdienstes und zum Bau eines 
Bethauses zu erhalten. Sie war noch iiicht publiziert, aber 
der Amtshauptmann Frh. v. Hefiberg war beauftragt worden, 
das weitere zu regeln. 

• Auf die Kunde liiervon regte sich die franzosische Gemeinde. 
Montag, den 15. Juli, trat das Konsistorium zu einer aufier- 
ordentlichen Sitzung zusammen, um dariiber zu beraten. Ein- 
stimmig wurde beschlossen, der Pastor O'Bern ein ,,gentil- 
homme Irlandois", der 1733 berufen worden war, solle ein 
Schriftstiick aufsetzen, um in den „scharfsten, aber immer unter- 
tanigsten Ausdriicken" gegen die Zulassung der Katholiken vor- 
stellig zu werden. Seine Arbeit wurde in einer zweiten Sitzung 
vom 18. JuU vorgelesen und gebilligt, und zugleich wurde ihr 
Verfasser beauftragt, in Gemeinschaft mit dem Altesten Sabatier 
die Vorstellung dem Markgrafen personlich in Bayreuth zu fiber- 
reichen^).. 

Diese Vorstellung ist ein interessantes Schriftstiick •"*)» Sie 
atmet noch ganz den Geist des echten Calvinismus und lafit 
die fast leidenschaftliche Erregung erkennen, welche die Re- 
formierten bei der Nachricht ergriff, daB ihre alten Bedranger, 
um derentwillen sie die Heimat verlassen hatten, ihnen von 
neuem auf dem Nacken sitzen sollten. 

Nur schwer haben sie sich davon ilberzeugen konnen, daB 
die schreckliche Nachricht auf Wahrheit beruhe. In ihrem Schmerz, 
in ihrem Arger, um nicht zu sagen in ihrer Verzweiflung ist 



1) D. h. BestechuDgen. So mu6 man urteilen, wenn Bulla und Gafi 
zu einer Zeit, in der vom Bau eines Bethauses u. s. w. noch gar keine 
Rede sein konnte, behaupten, etliche tausend Gulden laufende Unkosten 
aufgewendet zu haben. Dafi Ellrodt Geschenken jederzeit zuganglich war, 
gibt auch an R. Riithnick, Die Politik des Bayreuther Hofes wahrend 
des siebenjahrigen Krieges, Bayreuth 1905, S. 20, und man braucht nur 
den Brief des „dien8twilligen'* Reitzenstein an den Hofwagner GaB zu 
lesen (Beil. Nr. Ill), um von diesem Manne den gleichen Eindruck zu 
gewinnen. 

2) Vgl. nnten Beilage Nr. la u. b. 

3) Es ist unten Beilage Nr. II in seinem franzosischen Wortlaut ab- 
gedruckt. 



Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemcinde in Erlangen. 55 

ihre einzige Hoffnung die Giite des Fursten. Ihm woUen sie 
daher die traurigen Ubel, die fiirchterlichen Unzutraglichkeiten, 
die Untergrabung ihrer glticklichen Verhaltnisse, das unsagbare 
Unheil vorlegen, die, wie der Flirst selbst urteilen raiifite, die 
notwendige Folge der den Katholiken gewahrteo Duldung sein 
wiirden. 

Die R5mischeu KatholikeD, die man ihnen jetzt zu -Mit- 
biirgern geben will, sind die geschwornen Feinde des prote- 
stantischen Namens. Der HaB der Juden gegeu die Samaritaner 
gibt nur eine schwache Idee von dem gegen die Protestanten, 
den die Katholiken mit der Muttermilch einsaugen, und der von 
ihren Monchen und Pralaten genahrt wird, .die nicht aufhoren, 
die Protestanten als Ungeheuer zu malen, die die H5lle her- 
vorgebracht hat, und die man mit Feuer und Schwert verfolgen 
muB. Sie k5nnen es nicht verzeihen, daB die Protestanten ihren 
Aberglauben und die Abgotterei ihres Kultus und ihre profane 
Verachtung des gSttlichen Wortes an den Tag gebracht haben. 
Sie konnen es nicht verzeihen, daB man die Gefahren auf- 
gedeckt hat, die in der Lehre von der Unfehlbarkeit der Papste und 
der Konzilien liegen, und die ganze Ungerechtigkeit und Tyrannei 
ihres kirchlichen Regimentes. Der aus diesen Ursachen hervor- 
gangeneHaB gereiche den Protestanten zwar zurEhre, abersei 
nicht minder ein AnlaB zu ernsten Befiirchtungen. Sie hatten 
die Massakre, die Tausende ihrer Briider in Frankreich, Italien, 
Spanien, England, Irland und in Deutschland selbst zu dulden 
hatten, nicht vergessen. Noch lebe die Erinnerung an die 
blutigen Komplotte gegen die Protestanten, bei denen man auch 
die Qesalbten des Herrn nicht verschont habe, — man denke 
an Heinrich IV. von Frankreich, der auf Veranlassung der Jesuiten 
erdolcht worden sei! Sie erinnern ferner an die erstvor kurzem 
unternommenen AnschUge der Katholiken gegen Wiirttemberg, 
die zur Ausflihrung gekommen waren, wenn nicht die weise Vor- 
sehung sie zum Scheitern gebracht hatte. Diese Vorkommnisse 
zeigen klar, daB die Absichten der Katholiken immer dieselben 
sind, und was zu beflirchten ist, wenn S. Fiirstl. Hoheit auf 
ihrer Absicht beharre, ihnen ein Asyl in Erlangen zu ge- 
wahren. 

Aber das sei das geringste, und gern waren die Reformierten 



56 Kolde, Die Anfange einer katholischeii Gemeinde in Erlangen. 

bereit, wenn es notig ware, urn den Ftirsten zufriedenzustelleii; 
ihre Ruhe, ihre Sicherheit, ja ihr Leben zu opfern ; aber es 
handele sich um mehr, denn durch die Niederlassung der 
Katholiken in Erlaogen sei ihre Religion in Gefahr, an den 
Rand des Abgrnnds zu koramen. Die Erfahrung ergibt ja, wie 
der tagliclie Verkehr mit Personen einer falsclien und irrigen 
Religion nach und nach auch das verniinftige und pflichtmaUige 
Fernhalten von ihren Prinzipien verringert. Unmerklich werden 
sich Evangelische wie Reformierte den Irrtiimern des Papismus 
naheru, die heilige Abscheu, der von den Reformatoren iiber- 
koramene Widerwille gegen die Abgotterei und den Aberglauben 
der Katholiken wird verblassen und wird dem Eifer, Proselyten 
zu machen, Raum geben, und dieser Eifer wird um so mehr 
Erfolg haben in einer Stadt, wo so viel Arme und Bediirftige 
wohnen, und man ihnen angesichts des Reichtums, den diB 
Katholiken aufzuwenden vermogen, das gleiche Anerbieten machen 
wird wie einst der Satan demHerrn: Wenn du vor mir nieder- 
fallst, will ich dir geben alle Reichtiimer und alle Herrlichkeit 
der Welt. 

Dazu nehme man die unausbleiblichen Mischehen! Alle, 
auch die scharfsten Gesetze, die da etwa bestimmten, die 
Kinder solcher Ehen in der evangelischen Religion erziehen zu . 
lassen, vermogen es nicht zu verhindern, daB ein katholischer 
Vater oder eine katholische Mutter den Samen ihrer fiir die 
allein wahre gehaltenen Religion in die Herzen ihrer Kinder 
streuten. 

Wohl werde die Richtigkeit dieser Befiirchtungen sich nicht 
sofort zeigen, vielmehr wtirden die Katholiken nach der An- 
weisung ihrer Pralaten und Monche mit Lammereinfalt beginnen, 
nur von Frieden und Eintracht sprechen, aber davon wiirden die 
Reformierten sich nicht tauschen lassen, denn auf Grund tausend- 
facher Erfahrung seien sie uberzeugt, daB jene doch immer reifiende 
Wolfe seien, und wenn sie sich erst festgesetzt hatten, suchen 
wiirden, sie zu verschlingen. Und alle etwa von der Weisheit 
der Regierung zugunsten der Protestanten festgestellten Schutz- 
maBregeln miiBten wirkungslos sein, da die neuen Untertanen 
S. Fiirstl. Hoheit bei Strafe des Bannes das schreckliche Dekret 
des Konstanzer Konzils anzunehmen verpflichtet sind, daB man . 



Kolde, Die Anfange einer katholiscLen Gemeinde in Erlangcn. 57 

den Ketzern nicht die Treue zu halten branch t. „Wozn sind 
dann die Katholiken nicht fahigV Welches Vertranen kann man 
auf ihre Trene setzen? Folgt darans nicht klar, daB E. Fiirstl. 
Hoheit, wenn sie durch dieses Mittel nene Untertanen gewinnt, 
ihre Leiber nnd nicht ihre Herzen (des Corps et non pas des 
Coeurs) gewinnen wird? Folgt daraus nicht anch, daB die Sicher- 
heit, die Ruhe E. Fiirstl. Hoheit nicht weniger gefahrdet sind, 
als die Sicherheit und die Ruhe Eurer guten und treuen prote- 
stantischen Untertanen". „Mochten doch so schreckliche Wahr- 
sagungen ftlr immer von den Staaten E. Hoheit abgewandt sein, 
und Ew. Hoheit den Sturm beschworen, der nur unser Ver- 
derben und unseren ganzlichen Untergang verursachen konnte". 

Man sieht, der Pastor O'Bern war seiner Aufgabe, die 
scharfsten Ausdriicke zu gebrauchen, sehr wohl nachgekommen. 
Der geschickteste Kunstgriff war wohl der Hinweis auf die Vor- 
gRnge in Wiirttemberg, die sich eben erst abgespielt hatten und 
noch in aller Munde waren. lu Herzog Karl Alexander, der 
wider Erwarten 1733 auf den Thron gekommen war, hatte das 
Land einen katliolischen Fiirsten erhalten. Die Einfuhrung eines 
katholischen Hofgottesdienstes, des Fiirsten engen Beziehungen 
zu dem Bischof von Wiirzburg und Bamberg, dem er in seinem 
Testamente unter Betonung der Gleichberechtigung der drei 
Bekenntnisse sogar eine Teilnahme an der vormundschaftlichen 
Regierung zugesichert haben wollte, die Aufnahme schweizerischer 
Kapuziner, die Bestellung katholischer Feldprediger und anderes 
mehr, was den Plan einer Verfassungsveranderung zugunsten der 
Katholiken und zwar mit Wiirzburger Hilfe zu olfenbaren schien, 
erregte im Lande so ernste Befurchtungen, man wolle das Land 
mit Gewalt katholisch raachen, daB die evangelische Kirchen- 
behorde zur Abwehr des Unheils allgemeine BuB- und Bettage 
anordnete. Da wurde der Herzog unmittelbar vor einer Reise 
nach Wiirzburg plotzlich ira Marz 1737 durch einen SchlagfluB 
dahingerafft*). Die Erinnerung hieran war in der Tat geeignet, 
bedenklich zu machen":' 

Mit dieser Bittschrift reisten die Deputierten unverziiglich 
nach Bayreuth. Schon am 24. Juli konnten sie in der Sitzung 



1) Vgl. WUrttembergische Kirchengeschichte. Calw, 1893, S. 517 f. 



58 Kolde, Die Anfange einer katholischon Gemeinde in Erlangen. 

des Presbyteriums von ihren Erfolgen berichten. Sie waren 
aufs huldvoUste empfangen worden, und ihre Voi'stellungen 
batten auf den Fiirsten den frhoffteu Eindruck gemacht. Mehr- 
fach hatte er ihnen das Versprechen gegeben, daiB die Nieder- 
lassung der Katholiken nicht statthaben sollte, und sie ans- 
driicklich beauftragt, alle Mitglieder der franzosischen Kolonie 
dessen zu versichern ^). 

Man hatte meinen sollen, daB mit dieser furstlichen Er- 
klarung die Sache erledigt gewesen ware. Das war aber durch- 
aus nicht der Pall. Wohl nicht ohne Grand batten die Franzosen, 
anders als spater die Lutheraner, sich mit keinem Worte auf 
ihre Privilegien berufen, denn der neue Markgraf hatte sie noch 
nicht bestfttigt Und eben darauf bauten die Katholiken ihre 
Plane^). Und Markgraf Friedrich war unbestandig und von seiner 
jeweiligen Umgebung abh^ngig. Die Hoffnung der Katholiken, 
das Werk werde zwar „einigermalJen accrochiret, jedoch aber 
keineswegs redressiert werden", schien sich zn erfiillen. Der 
katholikenfreundlichen Partei am Bayreuther Hofe muB es nach 
ein paar Monaten gelungen sein, den Fursten wieder v5llig 
umzustimmen. Denn am 16. Dezember^) 1738 publizierte der 



1) Siehe Beilage Nr. Ic. 

2) Wenn sie in dem sehr Bummarischen Berfcht fiber die Verhand- 
iungen an den Bamberger Bischof angeben, da|i die Reformierten sich 
auf die noch nicht bestatigten Privilegien berufen hatten, so wird das 
durch die Bittschrift selbst widerlegt. 

3) Franz Bulla und Nikolaus GslQ sagen in ibrem Schreiben an den 
Bischof vom 19. Febr. 1739: „den 16 passati mensis" also Januar. Das 
inu6 aber ein Irrtum sein, denn echon am 16. Dez. 1738 beriet das 
franz6sische Konsistorium dariiber und wufite von den Mafinahmen des 
Stadtamts und der Kaufmannschaft (s. Beilage Nr. Id). Die Eeinhardsche 
Chronikvon Erlangen^ die sonst von der ganzen Entwicklung der Katholiken- 
frage nichts weifi, berichtet nach Erwahnung der Deklaration von 1711 Bd. I 
f. 461: In dem benachbarten bambergischen Dorfe Bficbenbach, sonnr eine 
Stunde von hier liegt, wie auch im teutschen Hause zu Niirnerg, haben sie 
liberfliissig Gelegenheit, ihren Gottesdienst abzuwarten. Gleichwohl ver- 
suchten sie nnter der Regierung des Markgraf Friedrichs ein Oratorium in 
der Stadt zu bekommen. Urn dieses zu verhtithen, wnrde oine Deputation 
von beyden Magistraten der Alt- und Neustadt und von der Kaufmann- 
schaft den 8. Januar 1739 nach Bareuth geschickt und durch die gemachte 
Vorstellung hintertrieben (Archiv in Bamberg). 



Kolde, Die AnfaDge einer katholischen Gemeinde in Erlaugen. 59 

Amtshauptmann Baron von Hefiberg das uns leider nicht er- 
haltene „h5chst laudierte hochfiirstliche gnMigste Dekret", 
welches die Errichtung eines katholischen Privatgottesdienstes 
and den Ban eines Bethauses gestattete. Eine kleine Nach- 
wirkung der franzosischen Deputation wird darin zu sehen sein, 
daB der Amtshauptmann zugleich den Stadtrat, die Kaufmann- 
schaft (Conseilliers de Commerce) und die Reformierten ^) auf- 
forderte, ihre etwaigen Bedenken dagegen schriftlich einzureichen. 
Und wie sehr die Katholiken der Hilfe des Amtshauptmaniis sicher 
zu sein glaubten, geht daraus hervor, dafi sie . dem Bischofe 
meldeten, er habe das getan „zu seiner besonderen Information 
und um etwan die vermeintlichen obstacula removiren zu kQnnen". 
Aber „da ging ein neues Feuer auf". Stadtrat und Kaufmann- 
schaft^), die wohl wissen raochten, wie der Baron von Hefiberg 
dazu stand, begnugten sich nicht damit, ihre Einwendungen 
schriftlich niederzulegen, sondern schickten ihren Protest mit 
einer Deputation nach Bayreuth, in der der Conseillier de 
commerce und Stadtsyndikus Matthieu Verdier, ein noch junger 
Mann, der auch bei Hofe Zutritt hatte, eine fiihreude Rolle 
spielte, und die Reformierten beschlossen, sich der Erklarung 
der genannten KoUegien anzuschliefien, dabei aber von neuem 
auf ihre friihere Vorstellung zu verweisen^). 

Das beunruhigte die Erlanger Katholiken um so mehr, als 
sie dariiber in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, indem ein 
gewisser Gabriel Castelli in Furth, von dem sie 2000 Gulden 
auf Wechsel entliehen hatten, bei der wieder erueuten Ver- 
z5gerung nicht mehr prolongiereh woUte, sondern nunmehr 
dringend Kapital und Zinsen zuriickverlangte, weshalb sie den 
Bischof flehentlich um seine Hilfe und um Ausfolgung der an- 
gesammelten Eichstatter Kollektengelder ersuchten. 

Natiirlich unterlieCen sie es auch nicht, in Bayreuth selbst 
durch ihre Gonner eutgegenzuarbeiten, und der Baron Reitzen- 



1) Von den Lutheranern ist keine Rede, und auch in den Erlanger 
Dekanatsakten findet sich keine Spur davon, daO man sie gefragt hatte. 

2) Die Namen des damaligen Conseilliers de Commerce im „Hoch- 
fiirstlich-Brandenburgischen Adrefi- und Sehreibkalender auf das Jahr 1739 
(Erl. Bibliothek) S. 102. 

3) Siehe Beilage Nr. Id. 



60 Kolde, Die Anfange einer katliolischen Gemeindc in Erlangen. 

stein suchte den Hofwagner Gafi in einera Briefe vom 18. Jan. 1739 
zu beruhigen, indem er ihm mitteilte, die Deputierten hatten 
„bei ihrer gehabten Audienz von Se. Hochfiirstl. Durchlaucht 
nicht nur einen ziemlich derben Verweis bekomraen, sondeni 
seien noch dazu ab- und daB sie nimmer wiederkehren sollten, 
angewiesen** worden. Der junge Verdier befande sich zwar 
noch in Bayreuth, es konne aucU sein, dafi er alle Tage „nach- 
Hoff" komme, er werde aber gleichwohl „in dieser Sache so 
wenig als ein Mezgers Hund in Eriang ausrichten konnen"^). 
Damit noch nicht befriedigt, sandte der Kaufmann Bulla einen 
expressen Boten an den damals in Bayreuth sich aufhaltenden 
Baron von HeBberg und den Geh. Referendar Ellrodt, um sich 
nach dem Stand der Sache zu erkundigen und die endgiiltige 
Eegelung zu erbitten. HeBberg lieB ihm darauf bedeuten, ,,nach 
dem Serenissimo alles mit Umstanden iibergeben, so beruhe 
denn auch der Ausgang der Sache lediglich auf dem gnadigsten 
BeschluB, welcher nicht impetuose zu erlangen, sondern in ge- 
horsamster Geduld zu erwarten stehe*)". Und man hatte ziemlich 
lange zu warten. Die Entscheidung erfolgte wahrscheinlich 
liberhaupt nur mittelbar, indem Markgraf Friedrich endlich am 
2jO. April 1740 die Erlanger Privilegien von 1711 und aus- 
driicklich auch den Artikel 4 bestatigte, der die Katholiken- 
verhaltnisse regelte^). 

War auf diese Weise der erste Versuch, katholischen Gottes- 
dienst in Erlangen einzufiihren, abgeschlagen worden, so wurde 
der Gedanke daran von den Beteiligten doch nicht aufgegeben, 
und es gelang ihnen, von neuem einfluBreiche Leute fiir ihre 
Plane zu gewinnen, so den Grafen Cobenzl, den osterreichischen 
Gesandten beim frankischen Kreise. Da dieser im Jahre 1742 
sich mehrere Monate lang in Erlangen auf hielt und dort keinen 
katholischen Gottesdienst haben konnte, wird es leicht gewesen 

1) Dieser charakteristische Brief, der dem Schreiben der Katholiken 
an den Bischof beigeschlossen war, in den Beilagen Nr. III. Welcher von 
den verschiedenen, damals am Bayreutber Hofe lebenden Reitzensteins 
der Briefschreiber war, vermag ich nicht anzugeben. 

2) Schreiben des Barons HeBberg an den Sekretar der Amtshaupt- 
mannschaft, lustitienrat Gemeinhart in Erlangen, d. d. Bayreuth 11. Febr. 
1739, als Beilage zum Schreiben an den Bischof (Kreisarchiv in Bamberg). 

3) Corpus Constitutionum II, 2, S. 695. 



Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemeinde in Erlangen. 61 

sein, ihn fur die Erlanger Katholikenfrage zu interessieren ^). 
Noch mehr mochte man erwarten von der Hilfe eines Mannes, 
der damals zu deneinfluBreichstenPersonlichkeitenamBayreuther 
Hofe gehorte. Das war Daniel von Superville, der 1739 Leib- 
arzt der Markgrafin Wilhelmine, dann Geh. Rat und Direktor 
der Bergwerke geworden war. Es kann kaum ein Zweifel sein, 
daC er zu derselben Zeit, als er mit den Vorbereitungen zur Er- 
richtung der Erlanger Universitat, deren erster Karizler er 
werden sollte, beschaftigt war, sich in weitgehender Weise in 
Verbindung mit Cobenzl und dem Bischof von Eichstatt fur die 
Erlanger Katl^oliken engagierte. Das ergibt die einzige Notiz, 
die wir liber diese Dinge liaben, ein aus Erlangen am 26. Marz 
1743 an Cobenzl gerichteter Brief, in dem Superville schreibt: 
J'ai pris en attendant des arrengemens pour Tetablissement de 
la chapelle catholique, et j'espfere que demain avec Taide du 
St. Esprit on celebrera ici la premiere messe, et j'espSre que 
V[otre] P][xcellence] se souviendra de ce que Teveque d'Eichstadt 
a promis et qu'elle voudra bien preter son intercession pour les 
coUectes, que le troupeau d'ici sera oblige de faire . . . Erlang 
ce 26. Mars lliS^). 

1) Dafi dies auf diesem Wege geschehen ist, ist bislang lediglich 
Vermutung. Der Aufenthalt in Erlangen von Oktober bis Dezember 1742 
la^t sich aus den Briefen Kobenzis feststellen. Vgl. dariiberR. Riithnick, 
Die Politik des Bayreuther Hofes S. 16. 

2) Ich verdanke diese aus dem Wiener H. H. und Staatsarchiv Grofie 
Corr. 269 fol. 405 stammende Notiz der Giite des Herrn Dr. Riithnick in 
MUochen, der mit einer Monographic tiber Superville beschaftigt ist. Da6 
nicht etwa Bayreuth gemeint und Erlangen ein Schreibfehler ist, ergibt 
sich aus dem Hinweis auf die uns schon bekannte Eollekte des Bischofs 
von Eichstatt und sein Interesse an den Erlanger Katholiken. Es fragt 
sich nur, wie weit der Brief Tatsachliches berichtet. Da sich sonst in den 
Akten keine Spur findet, und die damals noch sehr sensibeln Franzosen 
sicherlich Larm geschlagen hatten, bin ich zunachst der Uberzeugung, 
daO Superville, was die Einrichtung oder Errichtung einer katholischen 
Kapelle anlangt, die in dem kleinen Erlangen nicht unbemerkt hatte 
bleiben kOnnen, denMund etwas voll genommen hat, und was er Cobenzl 
in Aussicht gestellt hatte, schon als fait accompli hinstellte. Die An- 
kiindigung der am 27. Marz zu haltenden Messe lautet allerdings sehr 
bestimmt, so dafi man glauben mochte, er konnte nicht so schreiben, wenn 
die Sache nicht in der Tat so vorbereitet war, wie er angibt. AUein, 
wenn man den Brief naher ansieht und nach den Motiven fragt, wird das 



62 Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemeinde in Erlangen. 

Diese Nachricht ist uberraschend. Der reformierte Super- 
ville, der sich soeben um die Grtindung der spezifisch prote- 
stantischen Universitftt Erlangen bemliht hat, soil eine katholische 
Kapelle eingerichtet habeD, and stellt in Aussicht, dafi am 
27. Marz, eiuen Tag spater als der Brief geschrieben ist, die 
erste Messe in Erlangen gelesen werden soil! AUein in dieser 
Form ist die Sache unglaub wiirdig. Mag Superville den Katholiken 
grofie Hoffnnngen gemacht and seine Grunde gehabt haben, das, 
was der 5sterreichische Gesandte und der Bischof von Eichstatt 
wiinschteu, schon als Tatsache hinzustellen, davon, daB man 
damals in Erlangen an die Erriclitung einer katholischen Kapelle 
gegangen ware, kann nicht die Rede sein, und wenn er etwa 
wirklich an jenem 27. Marz 1743, um eingegangene Ver- 
sprechungen zu erfuUen, eine Messe halten lieB, so mufi das so 
heimlich geschehen sein, dafi man in der Stadt davon nichts 
erfuhr. Fur die Zulassung des katholischen Kultus war Erlangen 
noch nicht reif. 

Wenige Monate spater, am L November 1743, wurde die 
Universitat Erlangen eroffnet, die, obwohl neben Reformierten 
auch Katholiken daselbst studieren und sogar promovieren konnten, 

alles doch wieder fraglich. Obne Zweifel hat Superville mit diesen Mit- 
teilungen bei dem katbolischen Osterreichei* etwas Bestimintes erreicben 
woUen und batte seine guten Grunde, sein energiscbes Eintreten fUr die 
katboliscbe Sacbe in moglicbst belles Licbt zu setzen. Und einem Manne, 
der soeben eine wesentlicb lutberiscbe Universitat einricbtet und der als 
Reformierter es fertig bringt zu sebreiben, er bofi'e „mit Hilfe des 
Heiligen Geistes die erste Messe celebrieren zu lassen" wird man, mUd 
ausgedruckt, eine groBe Flunkerei scbon zumnten dtirfen. Wenn sicb diese 
dann herausstellte/ konnte er immer mit Recht bebaupten, daO sich un- 
iiberwindbare Hindernisse ergeben batten. Infolgedessen glaube icb, daO 
Superville sich zwar mit der Sacbe beschaftigt bat — - er weiB von Be- 
ziehungen der Erianger Katholiken zum Eichstattcr Biscbofe — wahr- 
scbeinlich auch groBe Hoffnungen gemacht bat, aber daj3 es zum Lesen 
einer Messe ebensowenig gekommen ist, wie .zur Einrichtung einer 
Kapelle. Sollte aber wirklich damals am 27. Marz eine Messe gelesen 
worden sein, so war dies lediglich eine Episode, die, well sie gar nicht 
bekannt wurde, ftir die weiteie Entwicklung bedeutungslos war. Wicbtig 
ist die ganze Nachricht aber darum, weil sie deutlich erkennen la^t, da($ 
auch (3sterreichi8cher EinfluQ bei der Erianger Katholikenfrage eine Rolle 
gespielt bat, und weil sie neues Licbt wirft auf die etwas protensartige 
PersQnlicbkeit des vielgenannten Superville. 



Kolde, Die Anfange eiBer katholischen Gemeinde in Erlangen. 63 

eineu wesentlich lutheriscben Charakter trug, mid sicherlich 
wurde auch in der Stadt das protestantische Bewufitsein durch 
das Vorhandensein einer lutheriscben theologischeu Fakultat von 
neuem gestarkt. Doch kam es vor, freilich nur ganz ausnahms- 
weise, „ hauptsachlicli nur bei Militairpersonen oder sonst auf 
besondere bocbste Erlaubnis", daB einem katholischen Geistlichen 
gestattet wurde, nachdem er einen Revers ausgestellt hatte, 
seine Kranken zu versehen, woraus der Pfarrer von Buchenbach, 
wohin die Erlanger Katholiken sich zumeist hielten, sehr bald 
aber ein observanzmafiiges Eecht abzuleiten suchte. 

Das fiihrte Anfang 1750 zu einem Konflikt. Auf eine beim 
Bayreuther Konsistorium^eingelaufene Denunziation, nach der 
der Buchenbacher Pfarrer sich unterstanden, „nicht nur einigen 
in der Stadt Erlang wohnhaflften Romisch-katholischen Glaubens- 
genossen die Sakramenta zu reichen, sondern auch erst jiingsthin 
zweien in dem (1749) neuerrichteten ArmenhauB befindlichen 
Personen von gedachter Religion die sacra zu administrieren," 
erhielt der Superintendent Prof. Dr. Pfeiffer von seiner Behorde 
unter dem 21. Jan. ein sehr entrlistetes Schreiben^) mit der 
Aufforderung, der Sache nachzugehen. Die Denunziation war im 
allgeraeinen richtig, und die Folge war, daB der Markgraf am 
3. Febr. sein allerhochstes MiBfallen dariiber aussprach, und 
dem Amtshauptmann den Anftrag erteilte, dariiber zu wachen, 
daB nur Erlanger ins Armenhaus kamen, katholischen Geist- 
lichen „die Verrichtung einiger actuum Ministerialium durchaus 
nicht mehr gestattet werden soUe**, auch der Rat ohne sein 
Vorwissen keine katholischen Burger mehr aufnehmen durfe. 

Die groBe SchsLrfe dieses Erlasses erklart sich zum Teil 
daraus, daB gerade in jenen Jahren die Spannung zwischen 
den Protestanten und den in der Nahe Erlangens wohnenden 
Katholiken eine sehr groBe geworden war, und nicht am wenig- 



1) „Nun k^nnen wir gar nicht begreifen, wienach diese unleidentliche 
und hOchst prajudizirlicUe Eingriffe von gedachten Pfarrer vorgenommen 
seyn, zumahl in einer der Haupt-StSdte dieses Fiirstenthums, wollen auch 
zu desselben bekannten Religions Eyffer das Zutrauen haben, dafi der 
Herr Superintendens dergleichen strafliches Unteinehmen nicht mit 
gleicbgUltigen Augen werde angesehen, sondern viel mehr behorigen 
Orts die ungesaiimt Anzeige gethan haben (Erlanger Dekanatsakten). 



64 Eolde, Die Anfange einer katholischen Gemeinde in Eilangen. 

sten deshalb, well in den umliegenden evangelischen Ortschaften 
der Katholizismus derartig zunahm, dafi der Markgraf in einem 
Erlafi vom 22. Juui 1750 den ^nachdrticklichen Befehl gab, 
sothenem Anwuchs der Papisten kraftig zu steuern"^). Marloff- 
stein und Alterlangen, die beide, obwobl bambergisch, nach 
Erlangen-Altstadt eingepfarrt waren, seien, wie der Super- 
intendent Dr. Pfeiffer berichtet: „von der Parochie gar ab- 
gerissen". Dasselbe sei von Bubenreuth zu flircliten, wo noch 
vor dreifiig Jahren kein einziger Katholik gewesen ^), nun aber 
„der groBte Teil papstlicher Religion zugetan sei, ja in der Alt- 
stadt selbst sei bereits der dritte Sohn eines Burgers katholisch 
geworden". Und davon, dafi man auf der Gegenseite nicht etwa 
toleranter ware, woUte man viele Beispiele wissen; so hiitte 
vor einiger Zeit eine kranke evangelische Person (wahr- 
scheinlich aus Alterlangen) „bei dera ungesttimsten Winterwetter 
auf der Alterlangischen kleinen Brucken unter freiem Himmel 
communiciert werden miissen", well man dem Pfarrer ins Dorf 
zu kommen nicht gestatte. Kranke Personen mufite man aus 
den umliegenden papstlichen Ortschaften wegnehmen, weil man 
sie lieber umkommen lasse, ehe man ihnen einen evangelischen 
Geistlichen vergonnte, „und noch ganz neuerlich soil zu 
Buchenbach eine evangelische Christin durch ganzliche Ent- 
ziehung aller Pflege auch bis auf einen Trunk Wassers ge- 
zwungisn sein, von der wahren Religion sterbend abzutreten. 
Ja, der Unfug gehet soweit, dafi wie vor etlichen Tagen der 
bilchenbachische Pfarrer einen hiesigen, aus Buchenbach ge- 
burtigen Schutzverwandten den Taufschein versaget hat mit 
der Bedeutung, daC er ihn gern bekommen sollte, wenn er sich 
in ein katholisches Ort begeben wiirde, so aber nicht be- 
kommen werde, weil er sich unter denen Evangelischen zu 
wohnen setze, wie wohl es nachderhand, da man sich der Sache 
angenommen hat, mit einem vorgegangenen Mifiverstandnisse, 
ob hatte man nur der Religion halber Erinnerungen getan, hat 
wollen beschonigt werden." 



1) Dies nach einem sogleich zu besprechenden Gutachten des Super- 
jntendenten Dr. Pfeiffer vofh 23. Jan. 1751 (Erl. Dekanatsakten). 

2) Das war allerdings nicht ganz richtig, da man 1720 daselbst 
Bchon 9 zahlte. S. oben S. 51, Anm. 3. 



Kolde, Die Anfange einer katholiechen Gemeinde in Erlangen. 65 

Was an diesen Aufierungen richtig ist, oder ob sie etwa auch 
tJbertreibungen enthalten, laBt sich nicht mehr feststellen, jeden- 
falls charakterisieren sie das gespannte Verhaltnis und man 
begreift, daB die Evangelischen Erlangens nicht sehr erbaut 
waren, als die Katholiken den Versuch machten, den mark- 
graflichen Erlafi vom 3. Pebr. 1750 rllckgangig zu machen. 
Die uns schon als Fiihrer bekannten Franz Bnlla and Nikolaus 
G-afi batten sich wieder mit dem Bischof von Wiirzburg und 
Bamberg in Verbindung gesetzt und richteten daraufhin am 
2. Jan. 1751 eine „fufifallige Bitte" an den Markgrafen, daB 
ihnen „im Fall einer todtlichen Krankheit der Zutritt eines 
katholischen Geistlichen von Biichenbach zu ihrem Seelen- 
trost gestattet werde". Die Begrtindung war etwas eigen- 
tumlich, aber geschickt. Jene frtiher erwahnten Ausnahmefalle 
wurden als eine von altersher bestehende Observanz, somit der 
ErlaB des Markgrafen vom Jahre vorher als eine neue, ihr 
Gewissen schwer bedruckende Last hiugestellt, durch die ihnen, und 
das war sicher richtig, „am letzten Sterbestiindlein der not- 
wendige Seelentrost ganzlich untersagt wird". Die Gewahrung 
ihrer Bitte werde den Gerechtsamen des Fttrsten keinen Nach- 
teil bringen, da sie eine Gegenleistung zu bieten batten. Der 
Pfarrer von Biichenbach war namlich auf sein Ansuchen vom 
Bischof ermachtigt worden, „den furstlich-brandenburg-bay- 
reuthischen Herrn Pfarrern zu erlauben, daB dieselben ihre 
etwa in Buchenbach oder anderen eingepfarrten Ortschaften, 
als Alterlangen, Kosbach, Staudig, HeuBling, Neumiihl er- 
krankenden Glaubensgenossen in Zukunft ungehindert besuchen 
und providieren diirften, sofern einem katholischen Pfarrer zu 
Buchenbach die Besuche und Providierung der katholischen 
Kranken in den brandenburgischen Orten Erlangen, Bruck, 
Mohrendorf, Frauenaurach, Kiiegenbrnnn, Hiittendorf, Eltersdorf, 

Tennenlohe, Griindlach, wie auch in Bubenreuth, gleich- 

maBig verstattet und zugelassen werde". Dariiber sei der 
Pfarrer aus Buchenbach erbotig, einen schriftlicheu Revers aus- 
zustellen. 

Das von dem Superintendenten Pfeiffer uber diesen Antrag 
eingeforderte Gutachten vom 23. Jan. 1751 erklarte sich sehr 
entschieden gegen die Gewahrung der Bitte. In nicht weniger 

Beitriige zuv biiycr. Kirchengescliichte XII. 2. P^ 



66 Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemeinde in Eriangen. 

als 14 Punkten fafite er alles zusammen, was auf damaligem 
evangelischem Standpunkte dagegeu gesagt werden konnte. 
In dem ganzen Vorgehen sieht er eine groCe Gefahr: „Da biB- 
hero das Papstum bei aller moglichsten Glimpflichkeit und 
Nachsicht protestantisclier hoher Obrigkeiten nicht gelinder, 
sondern nur einriBiger geworden, so will endlich die Christen- 
pflicht erforderu, demselben, daB es nicht weiter urn sich greife, 
vielmehr mit allem Ernste vorzubeugen, als durch fernere 
Herablassung zur Bestarkung in seinen weit aussehenden Ab- 
sichten AnlaB zu geben." Die jetzt gewiinscbte Erlaubnis 
werde man bald als ein Recht betrachten, und es sei ohne Frage, 
im Widerspruch zu den bisherigen fiirstlichen Konzessionen, 
der Anfang eines freien Exercitii papstlicher Religion, wenn 
die katholischen Geistlichen zumal ohne An frage und jedes- 
malige Spezialkonzession ihre Kranken providieren diirften* 
Die Erfahrung habe zur Geniige gezeigt, daB die Papisten, wo 
ihnen ein Fingerbreit eingeraumt wurde, mehr als die Hand- 
breit zu . nehmen pflegen, so wtirden sie bald in Betreff der 
Kindererziehung neue Forderungen stellen. „Sie lassen ohne 
Bevers unseres Geistlichen niemand ein, machen es aber so, 
daB sie die unsrigen miBbrauchen und wir nicht viele Reverse 
ausstellen diirfen. In Alterlangen haben sie nicht geruht, bis 
alles fortgeschafft ist, was Evangelisch hieB, und zu Marlofi- 
stein das gleiche." Mag die angeboteiie Gegenseitigkeit, 
wenn sie richtig eingehalten wird, auch ganz gut sein, untl 
auch sonst vorkommen, so gehe es doch nicht an, Eriangen als 
eine Hauptstadt des Landes und den Sitz einer evangelischen 
Universitat mit den sehr geringen Ortschaften Buchenbach, 
Alterlangen, Kosbach, Staudig, HeuBling, Neumuhl u. dgl. in 
Vergleich zu bringen, und vollends offenbarten sich „ die nach- 
teiligen Maximen des Papstums aufs deutlichste an der Herein- 
ziehung von Alterlangen, das erstlich zur altstadtischen Pfarrei 
gehorte, so daB es vora Markgrafen abhinge, ob diesen katho- 
lischen Geistlichen erlaubt sein soUte, die Kranken dieser 
Religion zu providieren; jetzt sollen es unsere Geistlichen von 
der Altstadt fiir eine Gnade von Wlirzburgischer Seite ansehen, 
wenn sie hinein diirfen, und man rechnet die Erlaubnis dazu 
Ew. Durchlaucht als etwas GroBes an. So kehrt man im 



Eolde, Die Anfange einer katbolischen Gemeiude in Etiangen.. 67 

Papstum allgemach die Sachen urn und windet der evangelischen 
Qbrigkeit die iura episcopalia aus den Handen, dafi sie am 
Ende bittlich suchen inuB, woruber sie anfangs zu befehlen 
hatte". .Feriier wird auf das.schon oben erwahnte Vordringen 
des Katholizismus, die unfreundliche Haltung der Katholiken 
gegen die Evangeliscben in ihren Dorfern, die vollige Ver- 
anderung der kirchlichen Verhaltnisse, die dadurch eintreten 
miisse, hingewiesen und nicht am wenigsten auf die groBe 
Verstimmung der Protestanten iiber die schon bisher vor- 
gekommenen Eingriffe der Katholiken, und endlich darauf, dafi 
die Ehre Christi leide, so oft sein heiliges Abendmahl 
den klaren Einsetznngsworten zuwider nicht unter beiderlei Ge- 
stalt gereicht werde. Deshalb konne man es keiner evan- 
gelischen Obrigkeit verdenken, „wenn sie in Gestattung der 
Administration desselben nach dem papstlichen hier eine Ver- 
stiimmelung einfiihrenden Gebrauch keinen Schritt liber die 
einmal festgestellten Grenzen hinaus zu tun sich bewegen laBt". 
Was der Markgraf darauf entschieden hat, scheint leider 
nicht erhalten zn sein. Wahrscheinlich hat der ebenfalls zu 
einem Gutachten aufgeforderte Amtshauptmann sich anders zu 
der Sache .yerhalten, denn tatsachlich erlangten die Katholiken 
um diese Zeit, wenn auch in etwas anderer Form, das, was 
sie zunachst erstrebten. Die Sache wurde neu geregelt, wie man 
es 25 Jahre spater als von altersher bestehend bezeichnete: Wenn 
ein Kranker die Sterbesakramente begehrte, so hatte der Pfarrer 
von Biichenbach vorerst den Herrn Superintendenten oder den 
betreffenden Geistlichen,' in dessen Bezirk der Kranke wohnte, 
„darum zu begriiBen" uud einen Revers auszustellen. Es be- 
durfte also gegeniiber der urspriinglichen Absicht fur jeden 
eihzelnen Fall der besonderen Erlaubnis, und der Revers 
bestand in der Erklarung, daB aus der betreffenden Erlaubnis 
kein Recht oder sonstige Konsequenz gezogen werden, sondern 
daB sie „in alien Riicksichten ganz unprajudizierlich sein soUe" ^). 

1) In den Dekanatsakten hdbe ich nur eine Abschrift eines soicben 
Reverses gefunden, der aus dem Jahre 1783 stammt und sich auf die 
besondere, schon unter anderen Verhaltnisse gegebene Erlaubnis des 
Fiirsten bezieht, eine Haustaufe yornehmen zu dUrfcn, aber doch das Wesen 
des gewQhnlichen Reverses deutlich erkennen ViQU ^Nach dem Ihro des 

5* 



68 Kolde, Die AnfliDge einer katholischen Gemeinde in Erlangen. 

Dabeiblieb doch sonst offiziell alles sO; wie es die Deklaration 
von 1711 bestimmte: alle kirchlichen Akte, Taufen, Trauungen, 
Begrabnisse muBten von dem evangelischen Pfarrer erbeten 
werden, und die Kinder waren evangelisch zu erziehen. Allein 
es kamen auch Ansnahmen vor, welche die katholischen Ad- 
ligen, die sich nach und nach in Erlangen angesiedelt batten, 
darchzasetzen wn£ten. Die Akten haben uns einen eklatanten 
Fall aufbewahrt. Als im Jahre 1757 die Tochter des Kammer- 
herrn Baron Tubeuf gestorben war, wiinschten die Eltern, sie 
in der katholischen Kirche zu Bflchenbach beigesetzt zu sehen. 
Vergebens berief sich der Superintendent auf die Deklaration 
von 1711, vergebens erinnerte er den Markgi-afen daran, daU 
er selbst bei der evangelischen Taufe „als Taufzeuge erbeten 
gewesen". Der Fiirst resolvierte, dafi, nachdem der Kammer- 
herr von Tubeuf eher als ein Fremder als ein einheimischer 
anzusehen sei, dessen verstorbene Tochter salvis tamen stolae 
iuribus nach Biichenbach begraben werde^). Und so geschali 
es. In der Kirche zu Biichenbach findet sich noch jetzt, rechts 
vom Hauptaltar, groBtenteils durch die Stationsbilder verdeckt, 
der Leichenstein des Frl. von Tubeuf. 



Regierenden Herrn Marggrafens zu Ansbach Bayreuth Hochffirsth Durch- 
laucht mir die Yerrichtung der Haufitaufe der neagebohmeo Comtefisen 
von Ahlefeld gegen Ansstellnng der gewOhnlichen Reversalien gnSdigst 
zu erlanben geruhct haben, Als gebe ich solcbe hierdnrcb in der Maase 
von mir, dajQ jene gpiadigste Concession von diesseits zu keinem Recht 
Oder zu einiger Consequenz gezogen werden — sondern vielmebr in alien 
RUcksichten ganz unprajudizierlich seyn sol). Urkundlicb meiner eigen- 
handigenUnterscbrift und beigedrucktenPettscbafts. Erlang d. 18. Jan. 1783. 

Ernst Wilbelm Baner, Pfarrer 
zu Biicbenbacb. 
1) Entscbliefiung vom 4. Jan. 1757. Erlanger Dekanatsakten. Als 
derselbe Tubeuf spater seinen Sohn, der als Page in die Dienste der 
verwitweten Markgrafin aufgenommen werden war, vom Besuch der 
Katecbisationen abbielt, verlangte das Konsistorium vom Superintendenten, 
ihn ernstlich dazu anzubalten nnd dariiber bocbsten Ortes zn bericbten. 
7. Marz 1764. Ebenda. TJbrigens fungierte Tubeuf schon 1750 als Patron 
der Katholiken. Vgl. Beil. le. Es war wohl derselbe, den L. Freyes- 
leben, das jetzt lebenden Erlangen Erl. 1775 S. 5 nnter den „Hoch- 
adelichen** Bewohnern Erlangens aufftibrt: „Monsieur le Bar. de Du Boeuf, 
Hr. zu Beerbach, Hocbfiirstl. Bened. Onolzb. u. Culmb. Geb. Ratb bat sein' 
eigenes Hau6 in der Friedrichsstrasse," (Nach dein Wappen Haus Nr. 28.) 



Kolde, Die Asfange einer katholischen Gemeinde m Erlangen. 69 

So lagen die Dinge, bis bald nach dem Beginn der Re- 
gierung des "Markgrafen Christian Friedrich Carl, dem nach 
dem Tode des kinderlosen Markgrafen Friedrich Christian 
(t 20. Jan. 1769) das Bayreuther Gebiet zuflel, die Katholiken- 
frage in Erlangen von neuem in FluB kam. Das geschah im 
innigsten Zusammenhange mit den Bestrebungen des Fiirsten, 
die dem TJntergang nahe Universitat zur Bliite zn bringen. 
Unter den zu diesem Zweck gemachten Vorschlagen befand 
sich auch der, katholischen Gottesdienst in Erlangen einzurichten. 
Das wiirde, wie der Markgraf meinte, katholische Studierende 
in groBer Anzahl in die Stadt ziehen. 

Gegen diesen Gedanken erhob jedoch die bei der Regierung 
eingerichtete Universitatsdisputation nnter dem 9. Juli 1770 
Gegenvorstellungen. So rnhte die Sache, aber nach vier Jahren 
kam der Markgraf darauf zurlick. In einem Schreiben an die 
Universitat vom 4. Juni 1774 erklarte er, daB er trotz jener 
Gegenvorstellungen fiir seine Person, „noch immer des wohl 
erwogenen Davorhaltens sei, daB durch Concedirung eines 
catholischen Privatgottesdienstes zu Erlang, viele der catho- 
lischen Religion zugethane Studiosis beygezogen, mithin auch 
hierdurch Unsere Friedrich- Alexandrinische Universitat in be- 
sondere Aufnahme gebr^cht werden k5nne". Zugleich erhielt 
die Universitat den Auftrag, gutachtlich daruber zu berichten, 
„ob dergleichen Gestattung wirklich vertraglich sei, und wie 
die Einrichtung eines Cultus privati Religionis Catholicae am 
schicklichsten zu machen sein mochte^)". 

Der Prorektor, der Philosoph Ph. Ludw. Statins MuUer, 
verwies mit dem Bemerken, daB er „von serieusen Absichten, 
nach welchen diese Sache in Vorschlag kommt, informiert sei", 
die wichtige Angelegenheit zur Sitzung, so daB wir die Stellung 
der einzelnen Senatsmitglieder nicht erfahren, nur der Jurist 
Rudolph lieB seine Abneigung sogleich in der Missive in 
charakteristischer Weise erkennen, indem er binzufiigte: „die 
Catholischen Auditores, welche ich bisher gehabt, baben noch 

1) GegeDgezeichnet: Friedrich Heinrich von Wechmar, Karl Frh. 
V. GemmiDgen, Jac. Carl Schegk: Erlangische Universitats-Akta die Er- 
richtung eines Catholischen Privat Gottesdienstes dahier betreffend. Th. 
I. Pfl. 8, Nr. 119. . . 



70 Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemeiude in Erlangen. 

allemal Schulden genug gemacht, und sind alsdann durchgegangen. 
Ich bin noch von keinera, auBex' einem einzigeir, von dessen 
Vater man Wagen und Pferde arretiert, 1?ezahlt worden. Das 
ist der Vorteil, welclien die Stadt zu erwarten hat, Mir scheint 
es, als bedienten sich vornehme Katholiken der Neigung Ihrer 
Durchl., der Universitat aufzuhelfen mit Arglist, .und gebenvor, 
daB nach verwilligtem Gottesdienst viele Katholiken hierher 
kommen wurden^ und nachher werden doch keine kommen. Sie 
dlirfen nur erst kommen ; dannwiirde sich weiter redenlassen". 

Am 17. Juui wurde in feierlicher Sitzung dariiber beraten. 
Man besehloB „des gnadigst anbefohlene ratliche Gutachteu 
negative zu erstatten". 

Das offenbar mit groBer Sorgfalt und weiser Zuruckhalturig 
ausgearbeitete Schriftstuck^) verwahrt sichvor allem gegen den 
etwaigen Schein, der Intoleranz das Wort zu reden, wozu der 
Senat niemals Veranlassung gegeben habe, erkennt auch die 
wohlmeinende Absicht des Fursten, mit der von ihm in Aussicht 
geriommenen MaBregel, der Universitat forderlich zu sein, dank- 
bar an, muB aber doch davon dringend abraten. Ein Bedurfnis 
riach einem katholischen Gottesdienst ist nicht vorhanden; die 
katholischen Studierenden sind mit den bestehenden Verhjlltr 
nissen ganz zufrieden. Eine betrachtliche Zunahme der Studenteii- 
zahl ist nicht zu erwarten, denn die Studierenden pflegen 
in der Kegel Universitaten ihrer Eonfession vorzuziehen, und 
das werde jetzt noch mehr der Fall sein, als nach Auf- 
hebung des Jesuitenordens in den Bistiimern Bamberg und 
Wurzburg sehr viel fiir die Verbesserung der Universitaten und 
Schulen geschehe. Auch hatten die Privilegien der Reformierten 
picht den Erfolg gehabt, daB reformierte Studenten in groBerer 
Zahl nach Erlangen gekommen waren, und es konnte auch ein- 
treten, daB manche, die an der Einrichtung des katholischen 
Kultas AnstoB nehmen, jetzt ihre Sohne nicht mehr hierher 
schicken wurden. 

Aber auch fur den Fall, daB wirklich dadurch mehr Studenten 
herbeigezogen wurden, diirften nach der Meinung des Senats 
die zu befiirchtenden Nachteile iiberwiegen. Nachdem die Burger- 
schaft bisher zu wiederholten Malen ihre Privilegien, welche den 

1) Beilage Nr. IV. .... 



Kolde, Die Anfauge einer kalholischen Gemeinde in Erlangen. 71 

katholischen Gottesdienst ausschlieBen, kraftig zu wahren gewuCt 
babe, wlirde sich ihr HaB und ihre Erbitterung gegen die 
Universitat, mit der man fortwahrend zu kampfen habe und die 
schon raehrfacb zu Tumulten und Unruhen gefiihrt batten, nocb 
vergrOfiern, denn man werde der Universitat vorwerfen, daB 
die stadtiscben Privilegien nur zu ibren Gunsten eingescbrankt 
w&rden, und dies um so mehr, als der kathdliscbe Gottesdienst, 
weil die Universitat daflir keinen Raum babe, docb in einem 
Biirgerbause stattfinden miiBte. 

Aucb ware zu befiircbten, dafi in der Studentenschaft Un- 
ruben vorkamen, denn „bei jungen munteren Kopfen" konnten 
Spottereien liber die katboliscben Kircbengebraucbe nicbt immer 
verbiitet werden, und aucb die katboliscben Studenten konnten 
leicbt, wenn einmal katboliscber Gottesdienst erlaubt ware, 
„bigotter und unleidlicber" werden, und aucb aus diesen Griinden 
konnten evangeliscbe Eltern ibre Sobne von Erlangen fern- 
balten. Zudem sei docb bekannt, daB der katboliscbe Klerus 
es nicbt unterlassen k5nne, Proselyten zu macben, und seine 
Freibeit miBbraucbe und namentlicb mit den Reformierten in 
scblecbtem Einvernebmen zu leben pflege. Aus alien diesen 
Grunden erklart der Senat am ScbluB es als seine Oberzeugung, 
daB die Einricbtung eines katboliscben Privatgottesdienstes 
weder notwendig nocb zutraglicb, sondem im Gegenteil dem 
Besten und der Rube der Universitat binderlicb sein wlirde. 

Diese Eingabe scbeint Erfolg gebabt zu baben. Es scbwieg 
alles still. Indessen zeigte der Umstand, daB der Markgraf 
genau ein Jabr spater, am 11. Juli 1775 den Katboliken in 
Ansbacb — wenn aucb mit sebr rigorosen Einscbrankungen, von 
denen nocb zu sprecben sein wird — einen Privatgottesdienst 
gestattete ^), daB in der Regierung ein anderer Wind webte, und 
man die Lage der Katboliken im Lande allentbalben zu er- 
leicbtem gedacbte. Und einen kleinen Anfang macbte man 
einige Jabre spater damit aucb in Erlangen. Im Jahre 1781 nam- . 
licb wurde die Kanzlei des frankiscben Ritterkantons Steigerwald 
nacb Erlangen verlegt, und man wird mit Recbt vermuten 
dttrfen, daB dies nicbt ganz obne die Absicbt, die dortigen 
Katboliken zu stiitzen, gescbeben ist, denn Bamberg und Forcb- 

1) Siehe d&rttber Beilage Nr. VII. 



72 Kolde, Die Anfange eiuer katbolischen Gemeindc in Erlangen. 

heim waren gewifi nfther und bequemer gelegen, und der Chef 
des Kantons war der Mann, dem die Katholiken fur die spater 
erlangte Konzession ganz besonders verpflichtet zu sein glaubten, 
der Geheime Minister Frh» von Seckendorf. Jedenfalls richtete 
die Ritterschaft an den Markgrafen alsbald eine Immediat- 
eingabe, „den der R5misch-katholischen Religion zugethanen 
Mitgliedern ersagten Cantons wslhrend ihres jeweiligen Aufent- 
halts dort^elbst die Haltung eines Privat Gottesdienstes in ihren 
Quartieren durch einen benachbarten katholischen Geistlichen 
gegen einen jedesmalen auszustellenden Revers in Gnaden zu con- 
cediren". Und das wurde genehmigt und der protestantischen 
Geistlichkeit einfach mitgeteilt, mit dem Auftrag, darauf zu 
„vigiliren", dafi dabei die gehorigen Schranken inne gehalten 
warden" (29. Mai 1781).^^ 

Damit war der katholische Gottesdienst wirklich eingezogen, 
wenn er auch nur zeitweise gestattet war, und die Teilnahme 
daran gesetzlich nur der katholischen Ritterschaft zustand. Und 
es begreift sich, dafi die eingesessenen Katholiken, vor allem 
wohl die teilweise katholische Dienerschaft der in Erlangen 
residierenden Markgraflu, Sophie Karoline, der Witwe des Mark- 
grafen Friedrich, mehr als je den Wunsch laut werden liefien, 
dieselben Freiheiten zu genieBen, und nach dem Interesse, 
welches die Markgraflu spater an dem Zustandekommen des 
katholischen Bethauses zeigte, zu schliefien, wird sie ihre Bitten 
gewifi unterstiitzt haben. Und ein welthistorisches Ereignis kam 
ihnen zu Hilfe. Wenige Monate nach jener Konzession fiir die 
katholische Ritterschaft, am 13. Okt. 1781, erliefi der Kaiser 
Joseph 11. fiir seine Staaten das beriihmte Toleranzedikt, und 
es ist von allgemeingeschichtlicher Bedeutung, dafi dieses in 
erster Linie zugunsten der Protestanten erlassene Edikt bis 
nach Franken seine Wirkung ausubte und in deutlich erkenn- 
barer Weise den letzten Ausschlag zur Befreiung der Erlanger 
Katholiken gab. 

Am 16. Jan. 1783 beschlofi der Markgraf in Rticksicht 
„auf den fiir Unsere Universitat und Stadt Erlang hieraus 
ohnfehlbar entspringenden Vortheil, vornehmlich aber auch um 
Unser Seits zu zeigen, w^ie sehr wir die dem dermaligen Jahr- 
hundert so viele Ehre machendeu principia der Toleranz zu 



Kolde, Die Anfange eincr katholischen Gemeinde in Erlangen. .73 

fordern gemeint sein", die Einrichtung eines katholischen Privat- 
gottesdienstes zu gestatten. Der Minister Frh. von Seckendorf 
erhielt den Auftrag, bei einer pers5nlichen Anwesenheit . in 
Erlangen iiber die Zahl und Leistnngsfahigkeit der katholischen 
Einwohner Erkundigungen einzuziehen nnd auf Grand von Ver- 
handlungen mit Universitat und Amtshauptmannschaft iiber das 
„Qaomodo" der Konzession „ein standhaftes Gutacbten" ab- 
zugeben. Von vornherein war in Aussicht genommen, die Ans- 
bacher Konzession mit ihren Beschrankungen , die zu diesem 
Zweck der Universitat inAbschrift mitgeteilt wurde, zugrunde 
zu legen. Am 10. Februar 1783 trat der akademische Senat daruber 
in Beratung. Da die Sache an sich bereits entschieden war, ver- 
wies man zwar in dem ah dem gleichen Tage an den Minister 
abgelassenen Schreiben auf „die unterthanigste Vorstellung" vom 
Jahre 1774, war aber klug genug, anzuerkennen, daB haupt- 
sachlich durch die den Catholiken in Anspach vorgeschriebene 
Norm, welche auch hier eingefiihrt werden soUe, ,.jene damals 
vorgerufene Bedenklichkeit beseitigt werde". Im iibrigen be- 
gnttgte man sich, den Wunsch auszusprechen, erstens daB der 
Privatgottesdienst aufier der Stadt in einer Vorstadt exerziert, 
zweitens ein Weltpriester und zwar ein solcher, der nicht nur 
iiberhaupt friedfertig gesinnt sei, sondern insbesondere mit der 
Akademie ein gutes Einvernehmen zu unterhalten habe, berufen 
werde, und daB drittens, was die Krankenkommunionen an- 
belange, der katholische Geistliche wie bisher den betreffenden 
evangelischen Geistlichen, in dessen Bezirk er amtieren wolle, 
darum begrUBen und einen Severs ausstellen soUe^). 

Ganz anders urteilte der Professor Pfeiffer, der in seiner 
Eigenschaft als Superintendent der Erlanger Diozese auch zu 
einem Gutachten aufgefordert war. Der alte Herr, er war 
schon 1709 geboren und starb 1787, war der letzte konfessionelle 
Lutheraner alten Schlages, den Erlangen noch besafi. Es war 
einsam um ihn gewoi'den, vergeblich kampfte er in zahlreichen 
Schriften gegen die beginnende Aufklarung und konfessionelle 
Gieichgftltigkeit. Die Studenten batten ihn schon verlassen*), 
aber er behauptete seinen Standpunkt. Bei ihm horen wir zum 

1) S. Beilage Nr. V. 

2) Vgl. Fiken8cher,Voll8t.ak.GelehrteiiGesch. Niirnb.1806. S.16f. 



74 Kolde, Die Anfltnge einer katbolischen Geir.elnde in Erlangen. 

letzten Male recht scharfe Worte gegen den Katholizismus. 
Sein Gutachten war durchaus ablehnend. Die hochfiirstliche ' 
Versicherung von 1711, „daB in Erlangen nur die Protestanten, 
die Evangelischen und die Reforraierten das freie Religions- 
exerzitium nnd den 5ffentlichen Gottesdienst haben sollten," 
wird nur vorubergehend erwafint. Wichtiger konnten seine 
andern Argumente erscheinen. Er erinnert daran, und es ist 
bezeichnend, daU all-in der Theologe die politische Tragweite 
des beabsichtigten Schrittes betont, dafi mit der Zulassung 
r5mischen Gottesdienstes und eines Priesters, wo diese bisher 
nicht waren, „einer neuen geistlichen Obrigkeit auch zugleicli 
eine Gewalt in dem Staat eingerRumt werde, wo vorher das 
summum ius circa sacra dem Landesherrn allein zustande" ^). 
Es sei auch bekannt, wie das Papsttum, wenn ihm etwas ein- 
geraumt sei, immer weiter greife und sich mehr anmafie, und 
es dann sehr schwer halte, der geistlichen Gewalt Schranken 
zu setzen und die eigenen hochsten Rechte aufrecht zu erhalten. 
Es fehle auch nicht an Beispielen, dafi, wo die Gnade des 
Landesherrn den Katholiken einen Ort zu ihrem Gottesdienst, 
jedoch auf Widerruf eingeraumt hatte, ,,nachnialen, wenns zum 
Widerruf hat kommen soUen, daraus bei dem Reichstage zu 
Regensburg ein gravamen religionis gemacht worden". Schon 
sei die Anhanglichkeit an das Papsttum so weit gediehen, dafi 
man die evangelische Taufe verabscheue, wahreud doch sonst 
die drei im deutschen Reiche berechtigten Religionen unter- 
einander ihre Taufe anerkennen und bei tJbertritten keine 
Wiedertaufe vornehmen — , „so steht leicht zu ermessen, was 
nachmalen erst gescheben werde, wenn sie vollends ihren 
eigenen Gottesdienst und Priester haben durfen". Dadurch 
wiirde auch die Gleichgliltigkeit in der Religion bei den Er- 
langern befordert werden, und Gott habe bei seinem Volke des 
Eigentums im alten Testamente dergleichen Vermischung sehr 
ernstlich verboten und gestraft. Zum wenigsten sei die Messe 
nach Sinn und Gebrauch des Papsttums eine solche Entehrung 
und schn5der Mifibrauch des heiligen Abendmahls, dafi sie in 

1) Etwas iiberraschend ist es, wenn der Verf., urn dies zu exempli- 
fizieren, fortfahrt: „wie dann sogar in den koniglich preu^isclien Landen 
des Papstes Befehl bei Abschaffung des Jesnitenordens darchgegriffen hat**. 



Kolde, Die Anfange einer katholiscben Gemeinde in Erlangen. 75 

(leii evangelischen Glaubensbuchern langst verworfen sei. „Sollte 
es also wohl ratsam sein, dergleichen einzufiiliren, woes bisher 
Bicht war ? Welches jedoch bei Einrauinung eines Papistiscben 
Gottesdienstes nicht unterbleiben wird noch kann". 

Gerade diese letzten Ausflihrungen ^) werden in Bayreuth 
am wenigsten Eindruck gemacht haben. Denn dort, wo der 
Pietismus langst durch die Aafklarung verdrangt war, war 
man entschlossen, sich die Kirchenpdlitik Joseph ll. zum Muster 
zu nehmen, und die nachste Folge war, daB „Serenissimas zur 
oflfentlichen Bewahrang hochst dero auf die verniinftigen Grund- 
satze gebauteii Neigung, die wohltatige Duldung in puren 
Glaubenssachen auf alle mogliche Art zu befordern," unter dem 
13. April 1783 verordnete, daB die den Dispensen zu Ehen 
zwischen evangelischen und katholiscben Glaubensverwandten an- 
gehangte Bedingung, alle Kinder miiBten evangelisch werden, 
aufgehoben sei und fortan bei Mischehen nach Anleitung 
des kaiserlichen Toleranzediktes, da wo der Vater 
evangelisch ware, alle Kinder mannlichen und weiblichen Ge- 
schlechtes in der evangelischen Religion „zum besonderen Vorzug 
der in hochst dero beyden Fiirstenttimern herrschenden evangeli- 
schen Religion erzogen werden, wenn aber die Mutter evangelisch, 
der Vater hingegen katholisch w^re, die Kinder in Ansehung 
der Religion, in welcher sie zu erziehen waren, dem Geschlechte 
ihrer Eltern folgen soUten". Daraufhin bestiramte das Bay- 
reuther Konsistorium unter dem 18. Juni 1783, daB bei Kindern 
katholischer Eltern bei dem nach der Taufe zu sprechenden 
Dankgebete statt der Worte: „in reiner evangelischer 
Lehre" etc. nur der Ausdruck „in der christlichen Lehre" 
gebraucht werden soUe^). 

Nachdem so die katholische Kindererziehung freigegeben 

1) Es fehlt in dem am 14. Febr. 1783 dem Frh. v. Seckendorff zu- 
gegangenem Gutachten natiirlich auch nicht an dem Hinweis auf den zu 
erwartenden Ausfall an den der protestantischen Geistlichkeit bisher 
rechtlich zustehenden Stolgebtihren, „wenn aUe in der Erlanger Diozese 
lebenden Eatboliken sich nunmehr zum katholiscben Geistlicben balten 
wUrden," und wir erfahren dabei u. a., dafi „der Syndiaconus ohne alle 
Besoldung blo6 auf die Accidentia verwiesen . ist und allermeist davon 
mit den Seinigen leben muB**. (Erl. Dekanatsakten.) 

2) £rl. Dekanatsakten. 



76 Kolde, Die An^nge einer katholischen Gemeinde in Erlangen. 

war, muBte jetzt auch den katholischen Einwohnern die Moglich- 
keit gewahrt werden, eigenen Kultus zu haben, und wenn man 
dies nicht sogleich tat, geschah es wohl deshalb, weil man nicht 
zu viel auf einmal gewahren und zuerst beobachten wollte, 
welche Wirknng die genannte groBe Konzession auf die evan- 
gelische Bev5lkerung haben wiirde. Leider ist uns dariiber 
gar nichts erhalten. Aber ich vermute, dafi die lutherische 
Gemeinde, wie die Reformierten, unter denen der ursprttngliche 
schroffe Calvinismus langst erweicht, und deren Zahl sehr 
zusammengeschmolzen war, so dafi die Obrigkeit aufihreStim- 
mung gar keine Riicksicht mehr genommen zu haben scheint ^), 
jetzt die Sache ohne jede Erregung aufgenommen wird. Urn so 
groBere Anstrengungen werden die Katholiken jetzt gemacht 
haben, das seit Jahrzehnten erstrebte Ziel, das mehr als einmal 
ganz nahe geruckt schien, nun wirklich zu erreichen. 

Aber erst am 31. Marz 1784 erhielten sie provisorisch 
bis zur Ausfertigung einer formlichen Konzessionsurkunde in 
widerruflicher Weise die Erlaubnis, in einem in der Altstadt 
Erlang zu mietenden Privathause oder Gemach in der Stille 
zusammen zu kommen daselbst bei „eingefallten" (verschlossenen) 
Tiiren mit Singen, Beten, Lesen, Me6 und Predigthoren, wie 
auch mit Haltung der Kommunion ihren Privatgottesdienst zu 
tiben und hierzu einstweilen auf ihre Kosten einen benach- 
barten Weltpriester anzunehmen, der jedoch schriftlich vorher 
die Erlaubnis des Piirsten nachzusuchen habe, und wenn er einen 
Kranken v6rsehen woUe, jedesmal unter Namhaftmachung des- 
selben die Genehmigung der Amtshauptmannschaft erbitten miisse. 
Zugleich wurden die Katholiken aufgefordert, „sich ausdrlicklich 
zu reversieren," aus dieser Gnade keinerlei Recht abzuleiten ^). 

Inzwischen war schon alles vorbereitet worden, so daB 
bereits am 11. April 1784 die erste Messe in Erlangen 



1) In den Protokollen der PresbyterialsitzuDgen der franzOsisch- 
reformierten Gemeinde findet sich keine Spnr davon, dafi eie urn ihr Gnt- 
achten angegangen warden, und als dem Consistoire endlich am 19*Dez. 
1785 eine Abschrlft der Konzessionsurkunde mitgeteilt worden war, wurde 
sie in der Sitzung vom 5. Jan. 1786 einfach verlesen und zu den Akten 
genommen. Siehe Beilage Nr. If. . 

2) Beilage VI. 



Rolde, Die Anf^nge einer katholischen Gemeinde in Erlangen. 77 

gelesen werden konnte, und zwar, und das zeigt das 
. Entgegenkomraen der Erlanger Burgerschaft, nicht in einem 
gemieteten Raume, sondern im grofien Saale des AltstMter 
Rathanses. 

Nach weiteren Verhandlungen wurde dann den Katholiken 
am 30. Jan. 1785 endlich die offizielle Konzessionsurkunde 
erteilt^), worauf ibre Deputierten, Joseph ThaddaiLeiderer, 
katholischer Geistlicher, Louis Abeille, Johann Michael 
Strobel, Franz Rohrbach, Kammerlaquai^), am 26. August 
den geforderten Revers unterschrieben und darin gelobten, allem 
unverbrfichlich nachzukommen und diesen Revers alle funf Jahre 
zu erneuem. 

Der dadurch geschaffene Rechtszustand, der in vielen Be- 
stimmungen mit denen des 5sterreiehischen Toleranzediktes zu- 
sammenklingt, aber, weil das gleiche schon 1775 flir Ansbach 
festgesetzt war, von ihm unabhangig ist, war nun dieser. Es 
war den Katholiken nur ein Privatexerzitium ihrer Religion 
gestattet, und jeder Versuch, dieses zu offentlicher Religions- 
iibung weiter auszubilden, sollte ausgeschlossen sQin. Sie durften 
zwar zu gottesdienstlichen Zwecken ein Privathaus errichten, 
das aber nicht die Form einer Kirche Oder Kapelle haben diirfe. 
Im Innern war nur die Aufstellungeines Altars gestattet. Der 
Gebrauch einer Glocke war untersagt, ebenso die Aufstellung 
einer Orgel, eines „sogenannten Krippeleins" oder des Grabes 
Christi, und der Gottesdienst, zu dem das Zusammenlaufen des 
katholischen Landvolkes aus der Umgegend zu verhindern ist, 
hat „bei zugemachten Ttiren" stattzuflnden. 

Nur die katholischen Beisafien (also nicht der Bischof) 
, durfen unter Vorschlag von zwei oder drei Weltpriestern nm die 

1) Siehe den Wortlaut der Urkunde Beilage Vll. 

2) Es ist interessant, dafi zwei der Deputierten und spateren Kirchen- 
Yorsteher zur markgraf lichen Dienerschaft gehorten, denn auch Louis 
Abeille, dessen Frau ,, WeiBzeugfrau** der Markgrafin war, fnngierte als 
Eammerdiener. (Vgl. L. Freyesleben, Das jetzt lebende Erlangen. 
Erl. 1775, S. 2.) Strobel war Seifensieder. Mit ihm, der aus Neumarkt 
in der Oberpfalz stammte, hatte der Magistrat am 23. Jan. 1778 zu 
verhandeln, weil er, urn von seinen Eltem nicht enterbt zu werden, 
sein Kind nicht evangelisch erziehen, sondern in seine Heimat schicken 
wollte. 



78 Kolde, Die Anfangc einer katholischen Gemeindc in Erlan^en* 

Einsetzung eines Geistlichen bitten, den der Fiirst beruft und Veiv 
pflichten lafit. Seine Tatigkeit beschrankt sich auf den Gottes* 
dienst im Bethause mit Messe, Beichthoren und Abendmahls- 
verwaltung. AUe Kasualien, Taufen, Trauungen und Begrab- 
nisse mit Ausnahme einer etwaigen Uberfiihrung einer Leiche 
nach auswarts, in welchem Falle er die Leiche ohne alle Pro- 
zession in einer Chaise begleiten mag, sind nach wie vor vt)n 
der evangelischen Geistlichkeit zu voUziehen. SoUen Kranke 
in ihren Hausern mit den Sakris versehen werden, so hat 
jedesmal die Amtshauptraannschaft (also nicht wie friiher die 
evangelische Geistlichkeit) die Erlaubnis dazu zu erteilen/ „das 
sogenannte Venerabile wie auch die Rosenkranze, dtirfen 
niemals 5ffentlich iiber die StraBe getragen werden, auch darf 
weder aufierhalb noch innerhalb des Bethauses eine Pro- 
zessiongehalten werden, Dem Geistlichen, dersich jeder- 
zeit einer weltlichen Kleidung zu bedienen hat und 
wie alle anderen Untertanen der Polizei-, Zivil- und Kriminal- 
landes unterworfen ist, und sich auf keine sonstige Subjektion 
und Dependenz berufen darf, ist es gestattet, mit einem zu 
diesem Zweck anzustellenden Kantor den katholischen Kindern 
Religionsunterricht zu erteilen, nicht aber eine offentliche Schule 
zu halten oder halten zu lassen, und der Furst behalt sich fiir 
sich und seine Nachfolger ausdriicklich das Recht vor, den 
ganzen katholischen Gottesdienst eventuell wieder aufzuheben, in, 
welchem Falle es den Katholiken erlaubt sein soUe, das selbst- 
gebaute Bethaus zu verkaufen. 

Das waren nach uuserer heutigen Auffassung sehr rigorose 
Bestimmungen, aber im Vergleich zu dem Verbal ten gegen die 
Protestanten von seiten der katholischen Regierungen in den 
Nachbarlandern, namentlichin Bayern^), waren sie relativ weit- 
herzig, und sie wurden sicher von den Katholiken Erlangens 
als groBe Errungenschaft angesehen. Sie waren indes, wie das 
so haufig bei staatlichen Bestimmnngen gegeniiber der katholischen 
Kirche zu beobachten ist, ohne jedes Verstandnis fiir das Wesen 
des Katholizismus aufgestellt. Es war unmoglich, sie genau 
inne zu halten. 



1) Vgl. Th. Kolde, Dasbayerische.Religionsedikt. 2. A. Erlangen 
1903. 



Kolde, Die Aofange eincr katholischen Gcmeinde in Erlangen. 79 

Die evangelische Geistlichkeit, die den wenig erfreulichen 
Auftrag erhalten hatte, auf etwaige Uberschreitangen „zu 
vigilieren", und sich dieser Aufgabe pflichtraafiig unterzog, hatte 
nach kurzer Zeit aaf Verschiedenes aufmerksam za machen. 
Nicht nur, daB man alsbald, noch im Altstadter Rathause eine 
Orgel aufgestellt und, wie man wissen woUte, auch am Kar- 
freitage gegen das ausdriickliche Verbot ein „Grab Christi" ge- 
zeigt hatte ^), die Gottesdienste wurden nicht bei zugemachten 
Tiiren gehalten, das Zusammenstomen der Katholiken auch aus 
dem Bambergischen, wurde nicht gehindert, und der katholische 
Geistliche sprach auch von den Katholiken in den zur Altstadter 
Pfarrei gehorigen Ortschaften Bubenreuth, Rathsberg, Atzelsberg 
als von seinen Eingepfarrten und zog ihre Kinder zu seinem 
Unterricht heran^). DaB dies untersagt worden ware, horen wir 
nicht, und als ein mit einer Evangelischen verheirateter Katholik 
unter Berufung auf die Tolerierung des katholischen Gottes- 
dienstes seinen Sohn aus der evangelischen Schule nahm, und 
die evangelische Geistlichkeit anfragte, ob nicht, da eine Be- 
stimmung daruber in der Konzessionsurkunde fehle, die Frage 
der Kindererziehung nach der Deklaration von 1711 zu ent- 
scheiden sei, resolvierte Sereni^simus unter dem 25. Jan. 1787, 
der evangelisch-lutherischen Geistlichkeit ibren „Irrwahn" zu 
nehmen, und bestimmte am 3. April, daB die einschlagigen 
Festsetzungen der Deklaration d.urch die Konzession an die 
Katholiken aufgeboben seien, und es hinsichtlich der Kinder- 
erziehung bei der friiher besprochenen Verordnung vom Jahre 1783 
sein Bewenden haben solle^). 

Auch die alleinige Oberherrlichkeit des Markgrafen uber 
das katholische Kirchenwesen lieB sich nicht aufrecht erhalten, 
denn schon bei der ersten ordentlichen Anstellung eines Kuratus 
im Jahre 1786 — es war der uns schon bekannte Joseph 
Thaddaeus Leiderer — zeigte sich, daB nach Lage der Dinge 



1) Das Btellte sich als nicht ganz richtig heraus. Man hatte nur 
auf ein am Boden ausgebreitetes Tuch ein Kruzifix gelegt. 

2) Entwurf eines Schreibens der evangelischen Geistlichkeit vom 
14. Marz 1787 an den Amtshauptmann Geh. K. Baron von Pollnitz. (Erl. 
Dekanatsakten.) 

3) Erl. Dekanatsakten. 



80 Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemoinde in Erlangen. 

die Mitwirkung des Bischofs nicht zu vermeiden wer. Man 
einigte sich dahin, daB der Bischof von Bamberg dem Mark- 
grafen drei Kleriker zur Auswahl vorschlug, dafiir aber zu 
seiner Besoldang 200 Gulden zu zahlen hatte, w^^hrend von 
seiten des Markgrafen 300 Gulden zugeschossen wurden. Von 
Bamberg aus wurde auch, und zwar im Jahre 1787, der erste 
katholische Schullehrer nach Erlangen geschickt, den der Bischof 
allein mit 200 Gulden besoldete, wozu die Regierung noch 
2 Klafter Holz bewilligte^). 

So war der Fortbestand der katholischen Seelsorge ge- 
sichert. Und unmittelbar nach Empfang der Konzession begann 
man auch mit der Vorbereitung zum Bau eines Bethauses und 
eines Schulhauses, denn auch dieses war von vornherein beab- 
sichtigt, obwohl in der Konzession davon nichts zu lesen war. 
Natariich muBte dazu die Beihilfe der auswartigen Glaubens- 
genossen erbeten werden, und die Kirchenvorsteher entfalteten 
in dieser Beziehung eine sehr energische Tatigkeit und wandten 
sich bis an den Kaiser, der ihnen auch wirklich eine Beisteuer 
sandte und Kollekten bewilligte. Der Reichsritterkanton Steiger- 
wald, dem sie u. a. auseinandersetzten, daB „die gnadigen 
Herrn Mitglieder und die kunftig hier studierenden jungen 
Herrn Cavaliers durch Ersparung der Reisekosten an entfernte 
Orte ihren Beitfag wieder erhalten wurden", gewahrte mehr 
als 400 Gulden 2). Der Bischof von Wlirzburg und Bamberg 
lieB unter dem 22. Febr. 1787 in seinem ganzen Gebiete eine 
Kollekte ftir den Kirchbau ausschreiben. Und obwohl man 



1) AuBerdem erhielt er von der Markgrafiichen Begierung noch 
4 Schock Wellen, und von der Kirchenadministration 90 Gulden nnd 
GO Gulden zur Hausmlete. Der Kirchner erhielt 7 Gulden Besoldung, 
hatte aber das Recht, „am neuen Jahre bei den Mitgliedern der Ge- 
meinde ura eine milde Gabe zu sollicitieren'*. Diese Angaben beruhen 
lediglich auf Notizen des Kuratus Rebhahn aus dem Jahre 1812, aaf 
Grund deren das Polizeikommissariat zu Erlangen am 24. Nov. 1812 an 
das Generalkommissariat des Rezatkreises nach Ansbach berichtete. (Acta 
des kgl. Poiizeikommissariats Erlangen die katholische Pfarrei allhier 
betr. 1812/47 im Stadtarchiv in Erlangen.) 

2) Erwahnt zu werden verdient, daC die Ritter vom Steigerwald, 
woran der Frh. v. AufseB in einem Zirkular erinnert, auch an die Aug's- 
burger Religionsverwandten in Wien seiner Zeit einen namhaften Beitrag* 
geschickt hatten. 



Kolde, Die 'Anfaiige einor katholischen Gemeibde in Erlangem Si 

damals fast alien thalben iibef schwere Zeiten kla^e und'des- 
halb nicht mehr geben zu konnen bedauerte, sind die aus der 
Bamberger Diozese groBtenteils noch erhaltenen Listen ivber 
die abgefiihrten Beitrage ein scliones Zeichen groBer Opfer- 
willigkeit. Aus der Umgegend zelchnete sich besonders die 
Gemeinde Eggolsheim aus, dessen Kuratus J. V. Felsecker 
unter Hinweis auf „die gegenwartige Geldklemme" 36. Gulden 
56 Kreuzer ablieferte, aber zugleich dem Bischof berichten konnte, 
dafi seine Gemeinde auf dringendes Ansuchen der Erlanger audi 
noch Eiehstamme zur Herstellung der Kirchenstuhle liefern urid 
sogar auf eigene Kosten in die vom Baumeister anzuweisende 
Sagemiihle abfiihren woUe ^). Auch die in der Wiirzburger Diozese 
aasgeschriebenen KoUekte fiel so reichlich aus, dafi die geistliche 
Regierung den Vorschlag machte, einige 100 Mark fur eine in- 
landische Kirche, z. B. die sehr bediirftige zu Neuses zurtick- 
zubehalten, aber der Bischof entschied, daB der ganze Ertrag von 
871 Gulden 9 Kreuzer rb. nach Erlangen geschickt werden soUte*). 
Am 23. April 1787 wurde der Grundstein zum Bethause 
gelegt und am 29. Juni 1790 konnte es in Gegenwart der ver- 
witweten Markgrafin Sophie Karoline, die die vier Eingangs- 
tliren gestiftet hatte, bezogen werden. Dem Festakte, bei dem 
der Kuratus-Jph. Georg Saner, der am 3. April 1787 an 
Leiderers Stelle getreten war, fungierte, wohnten auch aus- 
wartige Geistliche bei, so der Propst von Neunkirchen, der 
Prases des Deutschordenshauses in Niirnberg und die Pfarref 
von Hochstadt a. d. Aisch und Herzogenaurach ^). Wie die Vor- 

1) Kreisarch. in Bamberg. 2) Ereisarch. in Ntirnberg. S. R*, Nr. 1655 f, 
3) DieseAngaben entnehme ich Lammers Gesch. d. Stadt Erlangen 
3. Ausg. Erlangen 1843, S. 140 und Stein und Milller, Geschichte von 
Erlangen. Erl. 189B, S. 148 f, die beide keine QneUen angeben. Die 
Erlanger „Real Zeitung"" vom 25. Juni 1790 (der betreffende, wie es scheint 
einzig erLaltene Jahrgang im Besitz des Herrn Hof- und Universitats- 
buchdrucker Junge dabier) enthalt folgendes Inserat: ,,Erlangen, den 
21. Junius 1790: Durcb die Hilfe und denB)Bistand Gottes und durch die 
UnterstQtzung hdchst iin8er0 Durchlauchtigsten gnsidigsten Landesfiirsten 
Bowohl, als anderer allerh()chsten, hiichsten, hohen und niedern Gonner 
und Wohlthater, ist es mit dem biesigen neuerbauten katholischen Gotteis* 
bause so weit gekommen^ daB den 29. dieses, als am Tage Petri und 
Pauli der erste Gottesdienst darin wird gehalten werden.^ Es ist demnach 
fraglich, ob eine richtige kanonische Weihe damals vorgenommen wurde< 

Beitrage sur bayer. Kircheugcsckichte XII. 3. g 



82 Kolde, Die AnfSnge einer katholischen Gemeinde in Erlangen. 

schrift gebot, erinnerte auBer der Inschrift Soli Deo Gloria, 
die an dem Giebelaafsatz iiber der Haapttiir zn lesen war, in 
der Tat nichts an eine Kirche, sonst war es ein einfacher, 
aber nicht unwiirdiger, im Stil der ausgehenden Markgrafenzeit 
errichteter Saalbau, an dem nnr eines stOrend anffallt, namlich 
daU die nnteren Fenster vermanert oder richtiger nur markiert 
waren^). Ubrigens hatte man, obwohl einer der Kollektenre, der 
Kammerlakai Franz Eohrbach, den wir 1785 unter den Kirchen- 
vorstehern antreffen, mit dem von ihm gesammelten Gelde durch- 
ging*), so viel znsammengebracht, dafi man bereits 1787 ein 
Kii'chenararium mit 2685 Gulden bilden konnte^). 

Schon 1786 erschien wahrscheinlich noch von Kuratns 
Leiderer zusammengestellt, das erste ftir den katholischen Kaltas 
in Erlangen bestimmte Schriftchen: „Gesange znm Amte der 
heiligen Messe sammt dem Gesange vor der Predigt"*). Im 
Jahre 1798 gab der damalige „Seelsorger bey der katholischen 
Gemeinde", wie er sich nannte, Ludwig Busch, der 1793 die 
Kuratie ubernommen hatte, ein eigenes Gesangbuch mit316Liedern 
heraus, die er mit riihrender Unbefangenheit von iiberall her 
gesammelt hatte, so daU sich nicht weniger als 30 Lieder von 
protestantischen Liederdichtern darin vorfanden^). Die zehn- 
jahrige Wirksamkeit dieses friedliebenden Mannes, der besonders 
fftr die Einftihrung der dentschen Sprache im Gottesdienst ein- 

1) Vor mir liegt eine hiibsche farbige Zeichnung des GebaudeS| 
deren Einsicht ich der Gtite des Herrn Stadtpfarrers Galster verdauke^ 
Yon dem ich anch die Liste der Erlanger Kuraten erhalten babe. 

2) Das berichtet ohne Quellenangabe Lammers a. a. 0. 

3) Stadtarcbiv in Erlangen. 

4) Erlangen bei J. M. St. (wohl der Seifensieder und Eirchen- 
Yorsteher Johann Michael Strobe!) 1786. Das sehr selten gewordene, nur 
8 Blatter nmfassende Schriftchen in meiner Bibliothek. 

5) Christliche Religionsgesange zur Bef5rdernng wahrer Tugend nud 
GottesYerehrung znm Gebrauche bey dem 5fifentlichen Gottesdienste der 
Eatholiken Erlangens zum Beaten der katholischen Gemeinde daselbst 
and in Kommission bei Johann Jakob Palm 1798. Aus dem Jahre 1801 
stammt seine „Dankpredigt nach dem Erntefest den 4. Okt. 1801 im 
ersten Jahre des allgemeinen Reichsfriedens, gehalten und herausgegeben 
Yon Ludw. Bnsch, Prediger und Seelsorger bei der katholischen Gemeinde 
dahier. Znm Besten einer neuen Orgel". 12 Kreuzer. — Diese 
Schrift kenne ich nur aus dem Inserat im Erlanger Intelligenzblatt Yom 
12. Okt. 1801. 



Koldo, Die AnVinge einer katholischen Gemeinde in Erlangen. 83 

trat^), und dem seine Preunde „besondere Anlage fur acht 
religiose PrSmmigkeit" nachriihmten, und der ein typischei* 
Vertreter der damaligen katholischen Aufklarung war, durfte 
das meiste dazu beigetragen haben, den Eatholizismus in Er- 
langen einzubiirgern. Und da auf der andem Seite jetzt die-" 
selbe Stimmung herrschte, so lebten die beiden Konfessionen 
Medlich nebeneinander, und wenn auch die von der Duldung des 
katholischen Gottesdienstes erwartete Hebung der Studentenzahl 
niemals eintrat, so war doch die Zahl der Katholiken in Er- 
langen durch Zuzug von auBen in langsamem Steigen begriffen. 
Aber die politischen Ereignisse brachten die Gemeinde zeit- 
weise in schwere flnanzielle Bedrangnis. Nachdem Bamberg 
schon 1802 Bayern einverleibt worden war, erklarte . die Re- 
gierung im Jahrel807, „daB man nicht mehr gesonnen sei, ftir 
im Auslande angestellte Subjekte zu zahlen". Der Kuratus Joh. 
Baptist Rudelt, der 1803 auf Busch gefolgt war, und der Schul- 
lehrer verloren dadurch den Bamberger ZuschuB von je 200 Mark, 
gaben den Dienst auf und gingen ins Bambergische zuruck. 
Die Vakanz scheint jedoch nicht lange gewahrt zu haben und 
die Besoldung des neuen, vom Bischof gesandten Kuratus Reb- 
han, wie die des neuen Schullehrers wurde nach kurzer Zeit 
ganz von der Bayreuther, d. h. jetzt preufiischen Regierung 
ubemommen, und eine neue Zeit begann mit dem iJbergang 
des Fiirstentums Bayreuth an die Krone Bayern im JahrelSlO. 
Nun wurden auch die Erlanger Katholiken der Segnungen des 
bayerischen Religionsedikts vom Jahre 1803 teilhaftig, und die 
erste Polge war, daB ihnen jetzt das ausdrticklich gewahrt 
wurde, was sie am moisten begehren muBten, namlich ihre 
kirchlichen Handlungen als Taufen, Trauungen und Begr^bnisse 
von dem eigenen Geistlichen und nicht mehr dem protestantischen 
voUziehen zu lassen. Und endlich am 14. Marz 1812 fiel die 



1) Er Bchrieb auch: Liturgischer Versuch oder deuteches Ritualbuch 
far katholische Kircben. Erlangen 1803. 2. Aufl. 1810. Vgl. W.Baumker, 
Das katholische deutsche Kirchenlied IIT. Bd., S. lllff. und H. Weber, 
Der Eirchengesang im Flirstbistum Bamberg. K6ln 1893, S. 57 f. Busch 
wurde nach der Allg. deutsch. Biogr. am 23. April 1765 zu Bamberg geboren, 
wurde 1793 Seelsorger in Erlangen, 1803 Pfarrer in Weismain; spater 
auch Dechant des Kapitels Lichtenfels und 1818 Pfarrer in Schefilitz, wo 
er am 30. Jul! 1822 starb. 

6* 



64 Koldc, Die Anfange einer katholiscben Qemeinde in Erlangen. 

letzte Abhaugigkeit von den Protestanten, indem durch kgl. 
Verordnung die noch bestehende Verbindlichkeit, die Stolgebfihren 
an die evangelische Geistlichkeit zii zahlen, aufgehoben wurde. 
Da diese gegen die Verkiirzung ihres Einkommens Vorstellung 
erhob, sah sich die Ansbacher Regierung Ende des Jahres ver- 
anlaUt, der deflnitiven Regelung der Verhaltnisse naher zu treten. 
Es wnrde festgestellt, dafi die Zahl der zum Knratus in 
Erlangen sich baltenden Katholiken 500—510 betrug — „nebst 
einigen Staatsdienern, Honoratioren und Studierenden, groBten- 
teils Handwerksleute, Bauern und Taglohner** — , woven 294 in 
der Stadt, die tibrigen „in 3 zur Altstadt eingepfarrten DSrfern" 
wohnteu. Die Zahl der Schulkinder, die in einem von der 
Stadt umsonst zur Verfiigung gestellten Eaume des Militar- 
hospitals unterrichtet wurden, belief sich auf 72. Weitere Er- 
hebungen lieBen die Forderung der protestantischen Geistlich- 
keit, tiir den Entgang der Stolgeblihren entschadigt zu werden, 
als berechtigt erscheinen. Eine konigliche Verfugung vom 
24. Febr. 1813 bestimmte, indem die Katholiken von neuem 
als von jeder Verbindung mit den protestantischen Pfarramtern 
befreit erklart wurden, daU dem Stadtpfarrer der Neustadt 
Dr. Ammon 18 Gulden 26 Kreuzer und dem der Altstadt 
Dr. Vogel 24 Gulden 7^2 Kreuzer jahrlich auf ihre Dienetzeit als 
Entschadigung aus der allgemeinen geistlichen Unterstiitzungs- 
anstalt zu Ntirnberg zu zahlen sei, ,,die tibrigen Geistlichen 
und das niedere Kirchenpersonal aber," so heiCt es weiter, und 
das ist ein bewunderungswiirdiges Auskunftsmittel bureau- 
kratischer Weisheit, „haben ihren Ersatz auf dem Wege der 
Beforderung zu suchen". Wenige Wochen spater, am 3. Mai 1813, 
wurde endlich die bisherige Kuratie Erlangen zu einer selb- 
standigen Pfarrei erhoben und das Bethaus zur Pfarrkirche 
erklart. Der Umfang der Parochie erstreckte sich anfangs ledig- 
lich aUf die Stadt Erlangen und die kirchlich in die Altstadt 
gehorenden Dorfer, und erst im Jahre 1847 wurden die katho- 
lischen Einwohner zu Kleinseebach, Mohrendorf und Oberndorf 
aus dem Verbande der protestantischen Pfarrei Mohrendorf ge- 
lost und nach Erlangen eingepfarrt. Allein die weitere Ent- 
wickluDg der katholiscben Gemeinde liegt auBerhalb des Eahmens 
dieser ihre Anfange behandelnden Skizze. 



Kolde, Die Anfaage einer katholischen Gemeinde in Erlangen. 85 

Beilagen. 

I. 

Aus den Sitzungsprotokollen des Presby teriums der 
franzbsich-reformierten Gemeinde in Erlangen^). 

a. 

Du Lundi, 15. Juillet 1737. 

La compagnie du ConsistoirQ s'^tant assemble extraordinaire- 
ment; pour deliberer a faire de representations a S. A. S. au sujet 
du bruit qui court de la permission que les Catboliques Romains ont 
de batir une maison pour y faire leur exercice ou lire messe, apres 
I'in vocation du saint nom de Dieu, M' le Pasteur O'Bern moderant 
Taction; presents les S" Sabatier, Barde^ Margerie, Fabre, 
Caubet; Fraisse, Astruc et Dutent, anciens, La compagnie a 
cbargS unanimemeut M^ le moderateur O'Bern de faire une minute 
d'une tres bumble requette en termes les plus fortS; toute fois tres 
soumis, pour en faire la lecture Jeudy procbain. 

(Unterzeichnet : die obengenannten) . 

Astruc^ ancien et secretaire. 

b. 

Du Jeudy, 18. Juillet 1737. 

La compagnie du consistoire s'6taut assembl6e apres Tinvocation 
du 8^ nom de Dieu, mons^ le Pasteur O'Bern moderant Taction^ 
presents les s*"^ Dutent, Aldebert, Sabatier, Barde, Margerie, 
FraissO; Caubet, Fabre^ Astruc, anciens. La minute des Re- 
quettes, qui doivent etre presentees a S. A. S. ayant ete lues, et 
approuv6es, doivent etre mises au net, et presentees par M^ O'Bern 
et le 8^ Sabatier a S. A. S. Monseigneur. 
O'Bern pasteur. 

Astruc, pour tous et avec charge. 

c. 

Du Jeudy, 24. Juillet 1737. 

La compagnie du^ consistoire s'^tant assembl6e apres I'invocation 
du s* nom de Dieu mons' le Pasteur O'Bern moderant Taction, 
Presents Mess^^ Dutent, Sabatier, Aldebert, Fraisse, Barde 
et Nicolas Fabre, anciens, 



Selon le rapport que Mons^ le Pasteur O'Bern et M^ Sabatier 
ont fait de la deputation dont ils avaient ete charges par la com- 



1) Die zum Teil fehlerhafte Schreibweise des Originals ist be!- 
bebalten wordeu. 



86 Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemeinde in £rlangen. 

pagnie aupres de S. A. S. au sujet du rescript accord^ aux Catho- 
liques Romains et dous avons appris avec satisfaction que les dits 
deputes avaient et6 favorablement recUs de S. A. S. et que leurs 
representations avaient produit un effet si favorable que S. A. S. 
leurs avait proxnis expressSment plusieurs fois que I'etablissement des 
Catholiques Romains dans cette ville n'aurait aucun lieu, jusque la 
meme que Monseigneur le Margrave les avait charges d'en assurer 
tous les membres de la Colonie francaise etc. 

d. 

Du Jeudy, 16. Dez. 1738. 

La compagnie du Consistoire s'etant assembl^e apres Tinvocation 
du s* nom de Dieu, Mon^ le Pasteur O'Bern moderant Taction, 
Presents Messieurs le Pasteur Malvieux, Dutent, Pelegrin, 
Aldebert, Barde, Navelot, Puy, Lautier, Cobet, Andres et 
Fabre anciens. 



La compagnie ayant murement delibere [bier findet sich eine 
ausgestricbene Stelle : Sur les ordresque Son Exelence Monsieur le Baron 
D'Esperg] toucbant les raisons solides que nous avion s a alegu6 
[er] contre la concession d'un oratoire aux Catboliques Roi^ains dans 
cette ville nous avons jug6 apropos selon teneur d'un Ecrit que 
Monsieur le Pasteur Malvieux nous a comuniqu6; de nous referrer 
aux Representation qiii ont ^t6 faittes par la Police et par les 
Con®^^ de Commerce^), mais nous avons ajoutt6 qu'il faillait faire 
aussi mention des Representations, qiie notre dit Consistoire avait 
fait et qui tendaient a representer a S. A. S. le domage que cause- 
rait une pareille concession a la Religion Protestante. Toutte la 
Compagnie a aprouv6 unanimement cette deliberation a Texception de 
Mons^ le Pasteur Malvieux qui ^'est retir6 de Consistoire, prote- 
stant qu'il presenterait son avis particulier. 

e. 

Aus dem Jabre 1750 findet sicb eine Verbandlung Uber die 
Beerdigung eines Katholiken, der auf dem reformierten Friedhof be- 
graben werden soil. Der Superintendent Pfeiffer ist damit einver- 
staudon, verlangt jedoch einen Revers, in welcbem das franz.-reform. 
Presbyterium die Parochialrechte der Intberischen Geistlichkeit aner- 
kennen soil. Der 1. Pfarrer der franz.-reform. Gemeinde, Le Maitre, 
spricbt sicb dahin aus: ,,Quoique je sois per8uad6 que Mess^^ les Lutbe- 
riens ne devraient pas se pr^valoir, comme ils font, de ce que les decla- 
rations de S. A. S. leur accordent, et que le cas du defunt Collignon 
fut disputable pour diverses raisons conniies, je ne ferai point de 

1) Unter diesen conseillers de Commerce befand sich (vgl. oben S. 59 
Anm. 2) auch das Glied der Gemeinde „con8eiller Verdier** ^syndic de 
la ville-. 



Kolde, Die Anfange einer katholiscben Gemeinde in Erlangen. 87 

difficult^s, en accordant a M^ le Surintendant le Revers qu'il deinande 
en ajontant qne par le present acte on De pretend prdjudicier ni a 
BOS droits ni a ceux de I'Eglise Lutberienne/' Der 2. Pfarrer^ 
Hollard; ist der Ansicht: ^Messieurs les Lutheriens ont tonjoiirs 
pretendu enterrer les franco is cathol iques qui leur ont pil payer 
leurs jure stole; et nous ne devons faire ensevelir que les miserables^ 
et cela donnant encore un Hevers. II me semble que ce serai t ass^z^ 
si nous le faisions enterrer a la pri^re des parties (der Baron de 
Tubeuf hatte mit dem Super! ntenden ten verbandelt und an das 
Presbjterium die Bitte fur die pauvre famille gerichtet), en leur 
laissant le soin de prevenir des oppositions de M^^ les Lutheriens 
qui pourraient reserver leurs droits par uue protestation. Cependant 
la chose ne soufrant pas du delai, je ne m'oppose pas a ce que Ton 
donne un Revers comme il est dit cj-dessus." 

f. 

Du Jeudy, le 5® Janvier 1786. 

, La compagnie du Consitoire s'6tant assembl^C; M^ le Pasteur 
Hollard moderant Taction^ present M^ le Pasteur Agassiz; M^ 
Gilly, Tribon, Perrin et Fabre anciens, 



Le lonable Gouvernement de cette ville, ayant sous le 19® Decern bre 
1785 communique au Consitoire francois Reform^ une copie de la 
Cbartre ou du Decret de Concession accord^e par S. A. S. le 20® 
Janvier 1785 aux Catboliques Romains, couceruant Torratoire quails 
peuvent b^tir pour y celebrer leur culte Divin avec les conditions 
sous lesquelles cette Permission leurs est accord^, avec ordre d'y tenir 
la main afin qu'elle ne soit point par eux trausgress^e; et en ce cas 
en donner notice au Louable Gouvernement, il en a ^t^ fait Lecture 
dans la Compagnie et les dittes pieces seront conserv6es aux actes. 

n. 

Bittschrift der franzosisch-reformierten Gemeinde von 

dem Markgrafen Friedrich^). 

19. Juli 1737. 

Monseigneur. 

Un Prince dont la Bont6 et TEquit^^ sout les Vertus favorites, 
est proprement le Pere de ses sujets, c'est sous cette id6e infioiment 
douce que nous envisageons Votre Altesse Serenissime que la Divine 
Providence nous a donn^ pour Souverain. — 

Ainsi pleins d'une Confiance egalement Respectueuse et filiale 
nous prenons la liberty de faire a V. A. S. nostres humbles repre- 



1) Fait par Mods. D'Obern pastenr de la colonie. 



88 Kolde, Die Anfltnge eioer katholischen Gemeinde in Erlsngen. 

sdntations, au siijet de la Permission que V. A. 6. a accpfd^e aiix 
Catholiques romains de s'etablir dans cette Ville et d'y avoir meme 
jusqnes a un certain point le libre excercice de lenr Religion. 

Nous ne pouvons dissimuler a Y. A. S. que notro Douleur a 
et£ extreme a I'ouie de cette nouvelle^ elle nous a paru meme si 
facheuse, que nous avons fait tout ce qui etait en notre pouvoir 
pour nous persuader qu'elle etait destitute de realit6, mais a present 
qu'elie nous est verifi^ de tontte part, rien n'egalerait notre chagrin 
pour ne pas dire notre desespoir, n'etait la sure ressource que nous 
esperons de trouver dans la Bont^ de V. A. 8. 

Permettez done, Monseigneur; que nous fassions a Y. A. S. un 
triste mais naturel Expos^ des maux funesteS; des terribles iucon- 
veniens qui nous menacent, si la Grace que Y. A. 8. accorde aux 
Catholiques romains a son execution. L'avenir; qui nous promettait 
depuis I'heureux aveuement de Y. A. 8. a la Regeuce la Pro- 
sperity plus douce et la plus parfaite, ne nous laisse plus entrevoir 
depuis cette concession que des malbeurs sans nombre^ nous supplions 
Y. A. 8. d'en juger elle meme. 

Les Catholiques romains que Y. A. 8. veut nous donner pour 
Compatriotes et concitoyens, sont des ennemis jur^s du nom prote- 
stant; la haine implacable que Ton remarquait autrefois entre les 
Juifs et les 8amaritainSy ne donne qu'ime faible id^e de celle que 
les Catholiques romains ont contre nous, Haine autant plus forte 
quHls la suceent avec le lait et qu'elle est comme exig^e en Yertu 
par leurs Moines et leurs Prelats, qui ne cessent de nous peindre a 
leur yeux comme des monstres que I'Enfer a enfante pour la mine 
de I'Eglise de J. C. et que Ton doit poursuivre avec le fer et le 
feu. lis ne peuvent nous pardonner d'avoir expos^ au grand jour 
la 8uperstition et Tldolatrie de leur culte, le mepris prophane qu'ils 
font de la Parole de Dieu^ en lui substituant en quelque maniere 
la tradition^ ils ne peuvent nous pardonner d'avoir fait connoitre 
tout ce qu'il y a de faux et de rUineux dans le sisteme de I'infailli- 
bilit6 de leurs papes et de leurs conciles, tout ce qu'il y a d'injuste 
et de tirranique dans leur Gouveurnement Ecclesiastique Nous 
avouons, Monseigneur, que la haine que les Catholiques romains 
ont contre nous, n'ayaut point d'autres causes que celles que nous 
venous d'indiquer, nous fait infiuiment d'honneur, mais il n'est pas 
moins vrai, qu'elle nous donne tout a craindre, une triste experience 
ne nous laisse aucun lieu de douter des fuuestes effets dont leur 
Zele aussi amer que fiirieux est capable, nous n'avons pas encore 
oublie le Massacre quails ont fait de taut de milliers de nos freres 
en France, en Italic, en Espagne, en Angleterre, en Irlande et en 
Allemagne meme; nous n'avons pas encore perdu le 8ouvenir de 
touttes les trames funestes; de tons les complots sanguinaires qu'ils 
ont machine contre nous^ Complots dans lesquels les Dints memos 



Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemeinde in firlangen. 89 

du Seigneur n'ont pas et6 epargn6 — temoin Henry quatre Roy 
de France de Glorieuse Memoire qui fut poignard^ a T instigation 
des Jesuites. Les affreux projets que 3es Catboliques romains viennent 
de former tout recemment sur le Wirtemberg et qu'ils auraient execute 
si la sage Providence qui veille toujours a la conservation de. son 
Eglise ne les avait fait echouer, nous prouvent clairement que 
leurs Dispositions a notre egard sont toujours les memes et que nous 
avons tout a craindre si V. A. S. ne se laissant point toucher par 
nos representations ; persiste dans le Dessein de leurs ouvrir un 
asyle dant cette ville et de nous les donner pour Compatriotes et 
Concitoyens. 

Mais oserions nous le dire, Monseigneur, les inconvenients que 
nous venous d'exposer a V. A. S. sont les moindres que nous ayons 
a aprebender, car enfin, s'il n'etait necessaire pour contenter V. A. B. 
que de lui immoler notre repos, notre suret6, notre vie meme, ce 
seraient autant de sacrifices que nous ne balancerions pas un instant 
de lui fairo; mais nous avons la douleur de voir que notre Religion 
est ici vivement interess6e et que Tetablissement des Catboliques 
romains dans cette ville va la mettre sur le pencbant de sa mine. 

Gar enfin Mon seigneur, c'est une verity d'experience que le 
Commerce et la frequentation perpetuelle des Personnes qui sont 
d'une Religion fausse et erron^e, affaiblit pen a pen Teloignement 
raisonable que I'on doit avoir pour leurs principes. Cet inconvenient 
est surtout inevitable a Tegard du Peuple dont les Inmieres moins 
solides et moins etendues, le rendent plus susceptible d'erreurs et 
d'illusions; ainsi nous aurons la Douleur de voir nos freres les 
Evangeliques aussi bien que les Reform^s, s^apprivoiser iusensiblement 
avec les erreurs du Papisme, ct cette sainte borreur^ cette juste 
indignation contre Tldolatrie et la Superstition des Catboliques ro- 
mains que nous avons receu de nos reformateurs^ s^eteignant iusensi- 
blement parmi nous, donnera plus de prise a ces Convertisseurs dont 
VEglise romaine est remplie et leurs procurera la facility de deployer 
le Zele egalement outr^ et aveugle qui les porte a cbercber des 
Proselites par terre et par mer, Zele qu'ils ne pourront deployer 
qu'avec succes dans un Siecle vendu comme le notre aux plus sordides 
interets et dans une ville ou il y a tant de pauvres et d'indigens, 
vu que par leur opulence ils sont en etat de faire a ceux qu'ils 
veulent seduire les memes offres que Satan fit autrefois a J. Cb. 
Si Tu Te prosterues devant moi, je te douneray touttes les ricbesses 
et la gloire du monde. 

Joignez a cela, Monseigneur, les Mariages que Tuniou des 
Protestant avec les Catboliques, dans cette ville rendra inevitables 
entre les uns et les autres a la suite des temps, mariages que l^on 
doit regarder comme la Perte de la Religion. Nous savons bien 
que les loix de TEtat semblent remedier a cet inconvenient en or- 



J 



90 Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemeinde In Eriangen. 

donnant que les Enfants qui naissent de ces Mariages mixtes; doivent 
etre elev^s dans la Religion Protestante, mais les loix les plus severes 
et les plus positives peuvent elles empecher, qu^un pere ou une 
mere Catholique ne fassent tons leiirs efforts pour jetter dans le 
coBur de leurs enfants les semences d'une Religion qu'ils croyent la 
seule veritable. 

Telles sont, Monseignetir, les justes allarmes que jette dans nos 
coeurs la grace que V. A. S. veut accorder aux Catboliques Remains, 
nous n'ignorons point que ces craintes et ces allarmes he seront 
pent -etre pas d'abord realis^es^ nous sommes persuades que les 
Catboliques par le Gonseil meme de leurs Prelats et de leurs Moines; 
aborderont dans cette ville avec la simplicity et la douceur des brebis 
et qu'ils ne nous parleront que de paix et de Concorde^ mais de 
si specieux dehors ne nous tromperont jamais; Mille raisons egalle- 
ment Solides touttes fondles sur VExperience nous portent a croiro 
que ce seront interieurement autant de loups ravissant qui n'aurons 
pas plutot assur^ leur Domicile parmi nous, qu'ils ne chercberous 
qu'a nous devorer. Nous somme pleinement persuades que V. A. S. 
prendra touttes les Precautions que la prudence la plus consomm6e 
pent suggerer pour nous garantir de tons les inconvenients que 
nous craignons; mais de fortes presomptions nous font appreheuder 
que ces Precautions n'ayent pas tous le succes desire: puisque les 
nouveaux Sujets dbnt V. A. S. veut faire Taquisition sont obliges 
d 'adopter sous peine d^Anatheme Todieux Decret du Concile de 
Constance qui porte que Tout ne doit point garder la foi aux 
Heretiques. Imbus de pareils principes, de quoi les Catboliques 
remains ne sont ils pas capables, quel fond pent on faire sur leur 
fidelity; ne s'en suit il pas clairement qu'en acquerant par ce moyen 
de nouveaux sujets, V. A. S. acquera des Corps et non pas des 
CoBurs; ne s'en suit il pas meme, que la suret6; le repos de Y. A. S. 
ne sont pas moins impliqu^es ici que la surety et le repos de vos 
bons et fideles Sujets protestans. Pnisse de si funestes augures etre 
a jamais detourn^s des Etats de Y. A. S., puisse surtout Y. A. S. 
prendre la resolution de conjurer un orage qui ne pourrait que causer 
notre perte et notre mine entiere^ ce sont les voeux qu'adressent 
ardemment au ciel les membres de la Colonie Fran^aise, en suppliant 
celui qui dispose de la destin^e des Rois et des Princes et qui tient 
Leurs coeurs dans sa Main, de repandre ses plus abondantes Benedic- 
tions sur Y. A. S. et sur toute Son Auguste Maison, etant comme 
nous le sommes avec un profond respect un zele entier et inviolable 
pour Son Service 

Monseigneur 

de Yotre Altesse Serenissime 

Les tres humbles, les tres obeissants et tres obliges sujets et 

serviteurs. 



Eolde, Die AnfaDge einer katbolischen Gemeinde in Erlangen. 91 

ni. 

Baron von Reitzeustein an den Hofwagner Nicolaue Gafl 

in Erlangen. 

Bayreuth, 18. Jannar 1739. 

Vielgeehrter Herr Hofwagner! 

Dessen beede Schreiben vom 13. und 16. diefi. babe wobler- 
halten und melde bierauf^ dafi derselbe, wie bereits in meinen vorigen 
Schreiben gedacht^ den Math fallen za lassen gar nicht Ursacb 
baben^ indem dasjenige, was von der Verrichtung derer Deputirten 
in Erlang ansgesprenget wird, grundfalsch, aller mafien mir sehr 
wohl bekannt, dafi gen. Deputirten bey ihrer gehabten Audienz von 
Sr. hochfiirstl. Durchl. nicht nur einen ziemlich derben Verweifi be- 
kommen, sondern auch noch dazu ab- und dafi sie nimmer wieder- 
kehren solten, angewiesen worden, dafi sie. also auf all ihr Anbringen 
nicht die mindeste Eesolution erhalten. 

Der junge Verdier befindet sich zwar noch hier und kann es 
auch sein, dafi Er alle Tage nach HoflP kommt : Er wird aber gleich- 
wohlen in dieser Sache so wenig als ein Metzgers Hund in Erlang 
ausrichten k5nnen. 

Diese Sache mufi ganz auf andere Art, als sich derselbe ein- 
bildet, tractirt werden und mufi man also nur Gedult haben, dann 
ich vorjeczo wegen andern vielen Verrichtungen ohnmoglich in dieser 
Affaire etwas vornehmen kan. Sobald nun hierinnen etwas effectuiren 
werde, soil demselben Nachricht gegeben werden, damit Er anhero 
kommen m5ge. Ich verharre inzwischen Bayreuth den 18. Jan. 1739 

Meines vielgeehrten Herrn Hoffwagners 

dienstwilliger 
E. E, v.^) Reitzeustein. 

Or. Kreis-Archiv in Bamberg. Akten der kath. Kirchenbau 
in Erl. betr. 

IV. 

Der akademische Senat zu Erlangen an den Markgrafen. 

Erlangen d. 13. Jnli 1774. 

Ew. Hochfiirstl. Durchlaucht haben per Rescr: clem d. d. 4 et 
pr. 9. Jun. a. c. uns gnSdigst zu erkennen gegeben, wie HUchst- 
dieselben noch immer des wohl erwogenen Davorhaltens wSren, dafi 
durch Concedirung eines catholischen Privat Gottesdienstes zu Erlang^ 
viele der catholischen Religion zugethane Studiosi beygezogen, mithin 
auch hierdurch Hochstderoselben treu devoteste UniversitSt in be- 
sondere Aufnahme gebracht werden kSnne, und derohalben darUber, 
ob eine dergleichen Gestattung wUrklich vertraglich sey? und wie 

1) Die Bucbstaben sind, well ineinander gescblungen, nicht ganz 
genau zn lesen. 



92 Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemeinde in Erlangen. 

die Errichtung eines Cultus privati religionis catbolicae zu machen 
seya m5chte? uuser rathliches Gatachten erfordert. 

Zuforderst nun mussen Eu. HochfUrstl, Durchlaucht wir fur 
dieses abermahlige Zeichen der ganz ausnehmenden Gnade nnd Vor- 
sorge, deren HQchstdieselben ans jederzeit zu wiirdigen geruhen, 
den unterthSnigsten Dank in tiefster Ehrfurcht abstatten^ und werden 
uns umsomehr beeifern, diejenigen Pflichten auf das genaueste zu 
erfUlleU; welcbe uns durch so wiederholte Beweise landesfiirstlicber 
Gnade und Zufriedenheit auferleget werden. In diesen reinsten Ge- 
sinnungen wagen wir es Eu, Hocbfiirstl. Durchlaucbt^ Hochstdero- 
s.elben gnSdigen Begehren gemSfi diejenige Gedenken nacb unseru 
besten Wissen und Gewissen untertbSnigst vorzulegen, welcbe wir 
nacb reifer t)berlegung und genauer Ermefiung aller UmstSnde uber 
die intentirte Anlegung eines exercitii privati der catholiscben 
Religion allbie zu Erlang begen. 

Wir setzeu voraus, dafi wir uns niemals den Verdacbt einer 
Intoleranz oder eines unfreundlicben Betragens gegen andere Glaubens- 
genossen im geringsten zugezogen, sondern uns vielmebr jederzeit 
nacb nnsern Sufiersten KrSften bestrebet, den Pfiicbten der Menscblicb- 
keit ohne einigen Unterscbeid des Gottesdienstes gegen jedermann 
ein Gentige zu leisteu, und mit andern Religions Verwandten ein 
gutes nacbbarlicbes Vernebmen zu unterbalten^ in der gewissen 
"Cberzeugung, dafi Lebrer der Wissenscbaften die ibrer Unterweisung 
anvertraute Jugend aucb bierinne durcb Beispiele zu unterricbten 
und zu desto braucbbarern Dienern der Kircbe und des Staats auf 
kunftige Zeiten zu bilden verbunden sind. 

Nicbtsdestoweniger aber kSnnen wir, nacbdem annjetzo Eu. Hocb- 
furstl. Durcbl. unser rStblicbes Gutacbten Uber die Eiufubrung eines 
catboliscben Privat Gottesdienstes allbie erfordern, nacb unsern ob- 
habenden scbweren Pflicbten nicbt umbin, Eu. Hocbfiirstl. Durcb- 
laucbt darwider folgendes in scbuldigster Untertbgnigkeit vorzustellen. 

Eine Notwendigkeit dieser Einricbtung ist bei der bekannten 
Situation des biesigen Orts nicbt vorbanden, da in einer geringeu 
Entfernung von kaum einer kleinen Stunde, wie bereits in dem vor 
einigen Jabren auf Befebl edierten Scbreiben von dem Zustande der 
allbiesigen Universitat oflFentlicb gemeldet worden, die bequemste 
Gelegenbeit zu Besucbuog des catboliscben Gottesdienstes befindlich 
ist, deren sicb bisber alle und jede catboliscbe Studiosi, welcbe sich 
bey uns eingefunden, jederzeit und obne einigen Anstand bedienet, 
indem wir dieses bald anfangs untertbSnigst bemerken mlissen, daB bis 
daber obne der catboliscben Promotionum in facultate iuridica, medica 
et pbilosopbica zu gedenken, scbon gar viele der catboliscben Religion 
zugetbaue Studiosi die allbiesige Universitat besucbet, aucb sich 
gegenwSrtig nocb actu dergleicben dabier befinden, obne dafi jemahls 
nur die geringste Klage uber Mangel zur Gelegenbeit des catbolischen 



Kolde^ Die AnfSnge eiuer katholischen Gemeihde in ErlaDgen. 93 

GottesdienBtes von ihnea zu vernehmen gewesen, indem sie vielmehr 
im Gegenteil jederzeit die grbfite Zufriedenheit tiber die allhiesige 
Eiorichtung bezeiget. Es kann auch in der That die Sache um so 
weniger AustoB habeD, da reicbe und wohlbabende Studiosi dieseh 
Weg mit gar geriDgen Kosten im Wagen, dUrftige aber ohne die 
geringste Bescbwerung zu Fufi zuriickzulegen im Stande siud, und sich 
verschiedene andere evangeliscbe Universitaten, unter deueu wir nur 
Jena Damhaft macben wollen, in Teutscbland finden^ welche wcder 
in ihren Kiugmanern, noch auch sogar in ibrer Nacbbarscbaft einige 
Gelegenbeit zum catbolischen Gottesdienste babeu, und gleichwobl 
von catbolischen Studiosis fleifiig besuchet werden. 

[Das Beispiel der Universitat Gottingen^), woselbst zum Behuf 
der catbolischen Studiosorum dergleicben Privatgottesdienst angerichtet 
worden, kann bierunter nicbts sLndern, da es mit deren LokaU 
bescbaffenbeit eine gauz andere Bewandnis^ als mit der unsrigen^ 
bat, und die Catholici aufierdem daselbst viele Meilen weit umbei* 
keine Gelegenbeit zu ibrer Religion subung antreffen.] Zudem ist es 
noch sebr ungewifi, ob dieselbe durch dieses Institut einen wirklicben 
Vorteil erbalten, da es sogar eine ganz bekannte Sache ist, dafi diese 
und andere abnliche Anstalten derselbeu bier und da allerhand offent- 
licbe VorwiJrfe, zugezogen und mebrere junge Leute aus diesem 
Grunde dabin nicht geschicket worden. 

Ohno UDS indessen dabey aufzubalten^ so diirfte doch bey uns 
durch Anlegung eines solcben catbolischen Privat Gottesdienstes gewifi 
kein besonderer Nutzen^ oder ein betracbtlicher Zuwachs der Studio-? 
sorum zu erzielen seyn^ da noch immer die Studiosi denenjenigeu 
Universitclten^ welche ibrer Religions Parthei zugetban sind, baupt- 
sachlich nachzuzieben pflegen, und sogar die Reformatio welche doch 
allhie die voUige unbeschrankte Ausubung ibrer Religion finden^ 
auch in ibrer Maafie nach denen uns gnSdigst verliebenen Statutis 
zu academischen Lebratntern gelangen konnen^ nicht eben in all-' 
zugrofier Ansabl anherkommen. Bei denen catholicis erlauben 
Eu. Hocbfurstl. Durcblaucbt uns gn^digst^ noch hinzuzusetzen, dafi 
diese sogar vormalsj wie gar leichtlich in sonderheit aus einem' 
Protocollo Concilii Decaualis d. d. 11. Juni 1748^) zu verificieren 

1) Dieser (vom Prorektor?) dem Eonzept beigeftigte Hinweis auf 
GSttingen, wnrde wohl durch Harlesz, den Philologen veranlaBt, der bereits 
In der Missive bemerkt hatte: „In Gottingen haben die Cathol. in eincm 
Privat Haus ihren Gottesdienst erlaubt. tibrigens ace. majoribus". Er 
blieb aber bei der Reinschrift aller Wahrscheinlichkeit weg, denn in dein 
ISenatsprotokoU vom 24. Juni 1874 ad 6 hei^t es; Ist der Bericht wegep 
des katholischen privat Gottesdienstes verlesen worden. Wurde derselbe 
approbiert, ausser daB darinn das Dubium wegen der Universitat Gottingen 
I'emovirt werden solle. 

2) Daselbst heiBt es: ^l^^m Oath, studioso Reit wollte man ein 
attestat universi. weggeben, daB bereits verschiedene Eatholiken bier 
stndiert noch auch studierten, damit sich derselbe zu Hause legitimieren 



.94 Kolde, Die Anfange einer kathoHschen Gemeinde iu Erlangen* 

stUnde; ihren Glaubensgenossen Uber die Besuchung der hiesigen 
UniversitSt, als einer protestantischen verschiedentlich VorwUrfe ge- 
macht, und daher gegenwSrtig, nachdem insbesondere in den bey 
den benachbarten Hochstiftern Bamberg und Wtirzburg insonderbeit 
nach Aufbebung des Jesuitenordens so grofie Kosten auf die Yer- 
besserung der Scbnleu und UniversitSten verwendet werden, desto 
weniger glaublich fallen will, dafi sie aucb bey noch mehrerer Be- 
quemlicbkeit des Gottesdienstes eine evangeliscbe und solcbe Uni- 
versitSt zahlreich besuchen sollten^ welche doch in facultate iuridica 
ibren Meinungen allemabl zuwider lehren mufi^ da sie in ihrem 
Vaterlande Gelegenbeit finden, die evangeliscben LebrsEtze zugleicb 
mit der vorgeblicben Widerlegung zu erlernen^^ wenigstens gegen- 
wSrtig in WUrzburg und Bamberg verschiedene Professores bestellet 
worden, welche hiebevor auf evangeliscben Universitaten studieret. 

Allein, wenn aucb alleufalls einige mehrere Studiosi durcb eine 
dergleicben neue Anricbtung des catboliscben Privat Gottesdienstes 
beygezogen werden sollten^ so kQnnen wir doch dagegen, unsere 
grofie und gegriindete Furcht in keiner Weise bergen, dafi nicht 
dadurch auf der andern Seite Eu. HochfUrstl. treu geborsamsten 
UniversitUt mancherlei grofier Nachtheil zugehen werde. Bey einer 
solchen Einrichtung ist es nicht anders mbglich, als dafi der Hafi 
und die Erbitterung der Stadt und Burgerschaft, mit der wir ohnebin 
unaufhSrlich zu kampfen haben^ noch mehr vergrbfiert werde, da die 
derselben gnadigst verliehene Privilegia mit sich bringen^ dafi kein 
cultus religionis catholicae darinnen angeleget werde, und selbige 
sich in den vorigen Zeiten zu verschiedenen malen durcb ihre bey 
gn^igster Landesherrschaft gethane Vorstellungen bey diesem Vor- 
rechte krUftigst zu erhalten gewufit hat, mithin aber dergleicben 
Anstalt flir eine blofi zu unserm Vorteil geschehene Einschrankung 
ihrer Privilegien desto mehr ansehen wtirde, als doch wegen er- 
mangelnden Platzes in den academischen Gebauden ein dergleicben 
Privat Gottesdienst in der Stadt und ein em Burger Hause anzurichten 
sein wtirde. Was aber die Erbitterung der Blirgerschaft flir schSd- 
liche Folgen babe, zeigen die vorigen Zeiten mit mehrerm, wo es 
verschiedentlich dartiber zu grofien Tumulten und Unruhen gekommen, 
welche die mehrer Aufnahme und Wachsthum HSchstderoselben ge- 
treusten Universitat gar sehr gehindert. 

Aufierdem ist es sogar leicht moglich^ dafi durcb einen solchea 
catboliscben Privat Gottesdienst aller unserer Sorgfalt ohneracbtet 
Unordnungen unter denen Studiosis selbor entstehen, wenn etwa, 
wie bei jungen muntern Kbpfen nicht allemal zu verhiiten, liber 
die dabei gewShnlichen Kirchengebrauche Spottereyen gebraucbet 
werden sollten, indem doch bey einem cultu et exercitio privato 

kbnnte, weil es seinem Vorgeben nach Anfsehen machte, daB er auf einer 
protestantischen Universitat stadiere**. 



Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemeinde in Erlangen. 95 

religionis fremden Eeligionsverwandten der Zntritt nicht wohl zu 
yerwehren und von denenjenigeu catholischen Studiosis, welche sich 
etwa noch dutch diese Anrichtung ihres Gottesdienstes besonders 
anhero ziehen lassen sollten, uotweudig zu befurchten ist, dafi sie 
bigotter und unleidlicber als andere ihresgleichen seiu durften. Dem- 
DUchst k5nnte dieses aber auch gar leicht eine Ursache werden, 
warum wir auf der andere' Seite eine starke Einbufie an Studiosis 
erleiden kSnnten und viele evangelische Eltern ihre SShne nicht 
anherO; soudern an andern Orte schickten, wo nur eine gleichformige 
Religions Ubung hergebracht, indem es doch gar zu bekannt^ und 
wir ohue jemand zu nahe zu treten, wohl behaupten konnen, dafi 
der catholische Clerus zu keiner Zeit unterlassen k5nne, Neubekehrte 
zu macheu; uud es daher leicht geschehen durfte^ dafi man auch 
dann und wann auf Studiosos dergleichen Versuche inachte. tJber- 
haupt bestattiget die tEgliche Erfahrung nur gar zu sehr und zeigen 
es die traurigen Beyspiele vom Simultaneo augenscheinlich, dafi die 
catholische Geistlichkeit ihre Freyheit und erhaltene Erlaubnifi ins- 
gemein mifibrauche und insonderheit mit denen Reformirten, deren 
allhier doch eine betrachtliche Anzahl vorhanden, in gar schlechtem 
Vernehmen zu leben pflegen^ welches am Ende 5fters zu Unruhen 
uud Unordnungen ausartet^ die an Uuiversitats Orten mit desto 
gr5fierm Nachtheil verbunden sind. 

Aus alien diesen Orunden nun, durchlauchtigster Marggraf und 
Herr, k5nnen wir nach unserer besten Cberzeugung nicht anders^ 
als dergleichen Anlegung eines catholischen Privat Gottesdienstes 
weder fur notwendig noch fdr zutraglich, vielmehr im Gegenteil dem 
besten und der Ruhe h5chst deroselben treu gehorsamsten UniversitSt 
auf viele Weise fur hinderlich erachten^ und hegen die unterthUnigste 
HofFnung, Eu. H. D. werden diese unsere auf so vielen Griinden 
beruhende Meinung, nicht in Ungnade vermerken, die wir uns ub- 
rigens zn ferneren landesvUterl. Gnaden und Hulden unterthSnigst 
empfehlen und mit tiefstem Respect verharren 

E. H. D. 

Erlang d. 13. Juli 1774. P. 

(Concept.) 

V. 

Der akademische Senat an den Minister Frh. v. Seckendorf* 

Erlang, 10. Febr. 1783. 

Ew. Hochfreyherrl. Excellenz haben uns durch den gegen- 
wartigeu Pro Rectorem gnUdig eroffnen lassen, welch gnUdigsten Auf- 
trag Ihro Hochfiirstl. Durchlaucht, unser gnSdigster Furst und Herr 
Hochdeuenselben wegen eines dabier zu verwilligenden Romisch 
Katholischen privat Gottesdienstes gemacht und dabey tiber die 
Quaest. Quomodo? unser unterthllniges Gutachten abverlangt, welches 
wir mit devotem Dank erkennen. 



96 Kolde, Die Anfange einer katholischen Gemeinde in ErlaDgen. 

Nun haben wir zwar Anno 1774 anf die Quaest. An? unter- 
thSnigste Vorstellung gemacht, allein da diese von Ihro HochfQrstl. 
Durchlaucht bereits gnSdigst entschieden worden : hiernach nicht nur 
wegen der inzwischen verSnderten UmstUnde sondern auch haupt- 
sacfalich dnrch die den Catholiken in Anspach yorgeschriebenen 
Norm, welche auch hier eingefiihrt werden soUe, jene damals vor-* 
gewesene Bedenklichkeit beseitigt worden, so verehren wir Ihro 
Hochfiirstl. Durchl. gnadigsten Befehl in tiefster UnterthSnigkeit und 
wiiuschen quoad quaest. Quomodo nur dieses^ dafi es dabei bleibe, dafi 

1. dieser privat Gottesdienst aufier der Stadt in einer Vor- 
stadt exerciert und 

2. zu dem anzunehmenden Oeistlichen ein solcher Weltpriester 
genommeu werden moge^ der nicht nur Uberhaupt friedfertig, sondern 
auch insbesopdere mit der Academie ein gutes Vernehmen unter- 
hKlt und dazu gesehHrftest angewiesen werden m5ge. 

3. da in hiesiger Stadt seithero gewohnlich gewesen, dafi wenn 
der catholische Geistliche zu Btichenbach hier jemand communicieren