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Li*'-. .K ■"' 



m^\i.: .: 



BEITRÄGE 



ZUR 



GESCHICHTE DER DEUTSCHEN SPRACHE 
UND LITERATUR 



UNTER MITWIRKUNG VON 
HERMA» PAUL UND WILHELM BRAUNE 

HERAUSGEGEBEN 
VON 



EDUARD SIEVERS. 



XXVI. BAND. 




HALLE A. S. 

MAX NIEMEYER 

77 78 GR. STEINSTKASSE 
1901 



9r 



INHAL T. 

Seite 

Sageiigescbicbtlicbes zum Hiklebrandsliede. Ton Br. Busse . . 1 

Untersuclmugen über Wolframs Titurel. Von A. Leitzmann . 93 
Zu Überlieferung- und text von Kunz Kisteners Jakobsbrüdern. 

Von K. Helm 157 

Ein Zeugnis für Wirnt von Grafenberg? Von demselben , . 107 
Dialektiscbes in der ags. Übersetzung von Bedas Kircbengescbichte. 

Von M. Deutschbein Iö9 

Saxonica. Von A. Leitzmann 245 

(2. Zum Geruroder psalmencommentar, s. 2'45; — 3. Zu den 

Essener denkmälern, s. 2(50.) 

Nachtrag. Von M. Peutschbein 26G 

Vom rhythmischen zwischenaccent und schlussacceut im deutschen 

verse. Von A. Brieger 2G7 

Hercynia. Von S. Muller 281 

Germanisches und slavisches. Von C. C. Uhleubeck . . . . 287 

Zur deutschen etymologie. Von demselben 291 

Zur Summa theologiae. Von M. Ihm 312 

Die Krimgoten. Von A. Götze 313 

Nachträgliches zu Beitr. 24, 476 ff. Von W. Zuidema .... 315 

Zu Beitr.25,567ff. Von J. Meier 317 

Zum kämpf des vaters und sohues. Von B. Kable 319 

Das artikellose substantivum in drn jjredigten Berthuids von 

Regeusburg. Von F. Zimmert 321 

Ueber ruhe- und richtungsconstructionen mittelhochdeutscher 

verba, untersucht in den werken der drei gros.'<en hüfischen 

epiker, im Nibelungenlied und in der Gudrun. 1. Von 

E. Wiessner ^'" 



INHALT. 

Seite 

Northmubrisch blefla? Von E. Sievers 557 

Altsäclisische uamen im Gandersheimer plenar. Von H. K. Schil- 
ling 558 

Jakob Ziegler über die Kriragoten. Von R. Loewe 561 

Etymologien. Von C. C. Uhlenbeck 568 

Zu Beitr. 26, 290 ff. Von demselben 572 

Nochmals andwordnni im Sächsischen taufgelöbnis. Von A. Leitz- 
mann 573 

Zu Heinrich Kaufringers 22. gedieht. Von K. Euling . . . . 575 



SAGENGESCHICHTLICHES Zmi HILDEBRANDS- 

LIEDE. 

Vorbemerkungen. 

Qui s'excuse, s'accuse, und docli mijchte es vielleiclit an- 
gebracht sein, den folgenden erörterungen eine kurze apologie 
vorauszuschicken. Das ehrwürdige, einzige denkmal des helden- 
sangs unserer vorfahren hat schon so früh und in so reichem 
masse die aufmerksamkeit der forscher auf sich gezogen, dass 
es füglich unnötig scheinen möchte, die überreiche literatur 
noch zu vermehren. Mancher wird vielleicht auch fragen, was 
über den längst abgearbeiteten gegenständ noch irgendwie 
neues gesagt werden könne, und unmutig diesen aufsatz bei 
Seite legen ; mancher, der aus Kauffmanns, Lufts, Josephs und 
anderer arbeiten mit staunen gesehen hat, dass man über das 
scheinbar längst abgetane tliema noch ganz neues, uner- 
wartetes vorbringen kann, wird vielleicht etwas ähnliches auch 
hier zu finden erwarten. Auch ihm würde die enttäuschuug 
nicht erspart bleiben. Meine absieht war es überhaui>t nicht, 
neues zu finden, sondern zu ermitteln, was man mit Sicher- 
heit für die entwicklung der sage, speciell der deut.sc]ien. aus 
unserui Hede herausholen kann. Dass dabei oft dinge gesagt 
werden mussten, die schon andere (von Uhlaud und Laclnnann 
abwärts) längst erkannt hatten, dass auch ein grosser teil 
meiner ausführungen sich nur mit der kritik gegenteiliger an- 
sichten zu beschäftigen hatte, lag in der natur der sache. 
Aber ich glaube, es ist nicht minder verdienstlich, irrwege 
der forschung nachzuweisen, als positiv neue resultate ans 
licht zu fördern. Und ich halte die neuesten riclitungen der 
forschung über das Hildebrandslied, .^owol bei Kauffmann, wie 
bei Luft und Joseph, die sich beide gegensf-itig eng berühien. 

Beitrüge zur geschlchte der ileuuchea spräche XXVi. i 



2 BUSSE 

für Irrwege, und ich halte es zugleich füi^ eine pflicht, den 
neuen, blendenderen resultaten z. b. Kauffmanns gegenüber an 
den bescheideneren, aber sicheren, die man schon früher kannte, 
festzuhalten und sie zu verteidigen: nicht etwa aus blosser 
Oppositionslust oder Vorliebe für das alte : der erste teil meiner 
ausführungen wird, denke ich, zeigen, dass ich auch das alte, 
selbst wenn es im neuen gewande erscheint, ebenso kräftig 
bekämpfe. Wenn hier und da doch die lust am streite selbst 
hervorbrechen sollte, so bitte ich, das mit dem heisseren blut 
des anfängers entschuldigen zu wollen: persönlich irgend 
jemand zu nahe zu treten, lag mir vollkommen fern. 

Im übrigen habe ich zu bemerken, dass ich meinen aus- 
führungen den text Braunes') zu gründe legen werde, dem 
ich mich ganz anschliesse (auseinandersetzungen mit anderen 
auffassungen sind gelegentlich weiter unten gegeben). Ich 
habe mich überall streng an die Überlieferung gebunden (aus- 
genommen, wo offenbare versehen vorliegen, die auch bei 
Braune schon verbessert sind, vgl. z. b. v. 26. 43), auch in der 
Verteilung der reden (vgl. unten teil II). Natürlich sehe auch 
ich, dass die Überlieferung durchaus nicht vollkommen, sondern 
erstlich lückenhaft, zweitens oft aus formalen gründen un- 
haltbar ist, und ich gestehe daher die berechtigung, ja sogar 
notwendigkeit von emendationen gern zu. Von solchen emen- 
dationen verlange ich dann aber auch, dass sie zunächst 
formell tadellos seien, zweitens inhaltlich nichts dem son- 
stigen text fremdes in diesen hineinbringen, oder doch nichts, 
was nicht mit Sicherheit erschlossen werden kann. Aenderungen 
des textes, wie sie z. b. Joseph, Zs. f da. 43, 59 ff. vornimmt, von 
denen auch nur die wenigsten allein metrischen forderungen 
genügen können, glaube ich daher a limine abweisen zu 
müssen; für noch bedenklicher halte ich es aber, aus solchen 
schon formell unmöglichen 'besserungen' inhaltliche Schlüsse 
ziehen zu Avollen, wie sowol Luft, 2) als besonders Joseph 
es tun. 

Was sonst die methode anbetrifft, so war mein bestreben, 
mich möglichst eng an das zu halten, was im gedichte selbst 



1) Braune, Ahd. lesebucli * s. 76. 

'^) W. Luft, Die eutwicklung des dialogs im alten Hl. (diss.), Berlin 1895. 



SAGENGESCHICHTLTCHES ZUM IIH.DKnUANDSLlEDK. :} 

stellt, und der combination (gleichviel ob historischer, ob 
sagenhafter natur) nur ein möglichst geringes feld einzuräumen. 
Natürlich sind sowol die geschichtlichen Zeugnisse, wie die 
spätere sagengeschichte berücksichtigt worden, aber ich hoftV, 
man wird nirgends die lust am blossen combinieren selbst 
hervorleuchten sehn. Dies bezieht sich besonders auf den 
zweiten hauptteil der austührungen (die Dietrichsage im Hl.). 
Beim ersten teil, der die sage vom kämpf des vaters und 
Sohnes behandelt, wird der loser vielleicht überrascht sein, ein 
so reiches fremdes nuiterial herbeigezogen zu sehn; aber ich 
glaube, ein derartiger vergleich kann — abgesehen davon, 
dass die heranziehung dieses materials für die kritische be- 
trachtung anderer anschauungen notwendig war — nur nützlich 
sein. ') Sind es doch überall wider dieselben factoren, die die 
Sagenbildung veranlassen, dieselben culturellen bedingungen 
und der gleich veranlagte menschengeist, besonders bei so nah 
verwauten stammen, wie die Indogermanen es sind: was 
wunder, wenn sich da überall ähnliche poetische gebilde ge- 
stalten? i\ran braucht daraus noch lange nicht den trug- 
schlu.ss der älteren veigieichenden mythologie zu ziehn: weil 
sich später ähnliche Schöpfungen finden, müssten diese alle 
notwendig auf eine schon in indog. urzeit vorhanden gewesen»* 
grundfassung zurückgehn. ^lan braucht auch nicht, wie eine 
neuere richtung es liebt, überall eine direete abhängigkeit 
von einem irgendwo zuerst entstandenen prototyp anzunehmen: 
sollte der menschliche geist wirklich so arm sein, da.<s er 
dasselbe motiv stets nur einmal hervorbringen kiinnteV Ich 
glaube daher im allgemeinen überall dort, w»), wie bei unserer 
sage, eine direete beeinflu.^sung höchst unwahr.^cheinlich, um 
nicht zu sagen undenkbar ist, an eine unabhängige poly- 
genesie des betreffenden motivs.-) Trotzdem halte ich die 
vergleichung mit den andren ähnlichen fassungen für wertvoll 

') Man verzeihe, wenn ich schon hier in der einleitnnjf »linfi^« iH-Tühro. 
(Ho vielleicht an .»«ich am botroffendon orte besser am platze wÄrcn, «b.rt 
aber jedenfalls nicht mit der wünschenswerten klarh<'it angebracht wenieu 
könnten. 

") Etwas jfauz anderes ist es dort, wo eine direete Utcrariiwhe heeiu- 
rtussunj,' nii(hwtisl)ai ist, wie z. b. in den dem afrt. epo« entlehnten t>«|.«r 
ihm nahestehenden fassungen der vatersohnsage. 

1 



4 BUSSE 

und notwendig zum Verständnis des einzelnen, i) eben weil sie 
überall aus älmlichen ciüturellen \^'ie poetischen anschauungen 
herausgewachsen sind, und in diesem sinne bitte ich auch die 
widergabe der von Jiiiczek aufgestellten typen der sagen- 
behandlung aufzufassen. '^) 

Meine Stellung zu den übrigen fi'agen, die sich an das 
Hl. knüpfen, ist kiu'z folgende: ich halte, liierin der jetzt am 
meisten verbreiteten annähme folgend, das Hl. füi' die nach 800 
von zwei bänden angefertigte abschrift einer schiiftlichen 
vorläge. Das original ist hochdeutsch, speciell ostfrän- 
kisch gewesen. 3) AVii- haben also in iinserm gedichte nicht 
ein Zeugnis für die sächsische gestalt der Dietrichsage, wie 
Kögel wollte, sondern für die hochdeutsche, wenn man 
überhaupt für diese frühe zeit schon einen unterschied zwischen 
hd. und nd. sage machen darf. Auf eine nähere begründung 
dieser Stellung kann ich mich jedoch hier nicht einlassen. 

Die literatur über das Hl. 

Als einziger rest unserer heimischen heldendichtung in 
in älterer zeit hat das Hl. schon immer unsere gelehrte weit 
stark beschäftigt, und eine umfangTeiche literatur behandelt, 
wie die form der Überlieferung, auch den inhalt und seine 
einordnung in den gi^ossen Zusammenhang der germanisch- 
deutschen heldensage. Eine bequeme Zusammenstellung dieser 
literatur, soweit sie unmittelbar mit dem Hl. zusammenhängt, 
findet sich bei Braune, Ahd. lesebuch* s. 170 ff. (besonders 
1751) und bei Kögel in Pauls grundriss 2a, 174 ff. und seiner 
Literaturgeschichte 210 ö. Ich verzichte daher auf eine noch- 
malige airEzählung der dort bereits angeführten literatiu'. Von 
in den letzten jahi'en neu erschienenen Schriften habe ich be- 
sonders benutzt : E.Joseph, Der dialog des alten Hl., Zs. f da. 
43. 59 ff. und C. E. Boer, Zur dänischen heldensage. Beitr. 22, 
342 ff. Am meisten hatte ich mich mit Xutt, Problems of 



Tgl. besonders den schluss, den die fremden fassungen auf den uns 
verlorenen ansgang des Hl. gestatten. 

2; Vgl. unten unter I, C. 

^) Vgl. Kauffmann s. 126 — 138: besonders zu beachten sind die aus der 
Schreibung -braut, -Iraht für alter und herkunft gezogenen Schlüsse. 



SAGENGESCHICHTLICHES ZUM HILDEBRANDSLTEDE. 5 

heroic legend,') Jiriczek, Hildebrand und die Wüllinge, '-i) 
E. Heinzel . Ueber die ostgotisclie heldensage, ^) der darstellung 
Kugel s im Grundriss und seiner Literaturgeschichte und dei- 
Kauffmanns in den Philologischen Studien <) zu beschäftigen. 
Von sonstigen werken, quellenschriften, wie abhandlungen, 
lagen mir ausserdem hauptsächlich vor^): 

1. Ahlström, Studier i den fornfranska laislitteraturen, Upsala 1892. 

— 2. Aliscauz, Chanson de geste ed. par F. Guessard et A. de Montaiglon 
(A.P.F. 10), Paris 1870. — 3. Ammianus Marcellinus, Herme.s VI. — 
4. Ans saga bogsveigis (Fomaldarsögur 2, 325ff.). — 5. Asmundar- 
saga kappabana (bei Detter, Zwei fornaldarsügur, Halle 1891). — 
6. V. Bahder, Germ. 29, 276ff. — 7. Baudouin de Sebourc Ced. Bocca), 
Valenciennes 1841. — 8. Beowulf hg. von Holder, Freiburg i. B. und 
Leipzig 1896. — 9. Bibliotheque universelle des romans (Conte 
de Tressan, Oeuvres choisies bd. 7, Paris 1788> — 10. B i n z , Beitr. 20, 145 flf. 

— 11. Bistrom, Zs. f. Völkerpsychologie u. sprachwissen.schaft 6, 132ff. — 
12. Bovo d'Antona (Reali di Francia I) ed. P. Rajna «. G. Vardelle, Bo- 
logna 1872. — 13. V. Busse, Fürst Wladimir u. seine taf eirunde. Alt- 
russische heldeulieder, Leipzig 1819. — 14. Campbell, Populär tales of 
the West Highlands 3, Edinburgh 1862. — 15. Cassiodor, Variarum libri 12, 
in den MG., Auct. autiquiss. 12. — IG. Comes Marcellinus, in den M(t., 
Chronica minora 2 (Auctoresautiquiss.il). — 17. D'Arbois de Jubain- 
ville, Cours de la litterature celtique 5 (L' epopee celtique en Irlaude 1), 
Paris 1892. — 18. Demantin von Berthold v. Holle, hg. v. Bartsch, Tü- 
bingen 1875. — 19. Saga Diöriks kouungs af Bein udg. af C. E. Uuger, 
Christiania 1853. — 20. Lai de Doon, Eomania 8, 61 ff. — 21. Du Meril, 
Histoire de la poesie scandinave au mo3-en äge, Paris 1839. — 22. E 1 1 i s , 
Specimeus of early English metrical romances t. 3, London 1805. — 23. En- 
u od ins, Panegyricus dictus Theoderico regi etc., MG., Auct. antiquiss. 7, 
208 ff. — 24. Fiugal, an ancient epic poem in six books etc. translated by 
James Macpherson, Edinburgh 1762. — 25. Floovanz, Chanson de geste. 
ed. par H. Michelant et F. Guessard (A.P.F. 1), Paris 1.8.')8. — 26. Gaufrey, 
Chanson de geste, ed. par Guessard et P. Cliabaille (A.P.F. 3), Paris 1859. 



>) The Second International Folk-Lore Cougress 1891. Papers aud 
Transactions ed. by John and Nutt, London 1892, s. 113 ff. 

^) Deutsche heldensagen 1, 273 ff. 

>) WSB. 119, s. Iff. 

*) Festgabe für Sievers, 1896, s. 124 ff. 

*) Bei den abgekürzten einzelcitateu im cuntoxt habe ich der kürze 
halber oft bloss die nummem dieser liste in klammem beigesetzt. — Ich 
brauche wol nicht erst zu bemerken, dass auch die citatc ans historischen 
quellen u. dgl. nicht bloss nachcitiert, sondern sämmtlioh neu verglichen «xier 
neu hinzugezogen sind. 



6 BUSSE 

— 27. Gantier, Les epopees franraises'^, Paris 1878—82 ('l)iWiographi(! 18f)7). 

— 28. Gesta Theoderici regis, MG., Scriptores rcr. Merov. 2, 200ff. -- 
29. Grein- Wülker, liibliolliek der ags. poesie, Kassel 1881ff. — HO. W. 
Grimm, Kleinere Schriften 2, 174 f. — 31. W. Grimm, Deutsche heldon- 
sage'-*, Berlin 18G7. — 32. Gormond et Isembart, hg. von Heiligbrodt, 
Kora. Studien 3, 501 ff. — 33. G. de la Barra (Aniaut Vidal de Castelnau- 
dari) ed. P.Meyer, Paris 1895. — 34. Guy de Bonrgogue ed. par F. 
Guessard et H. Michelant (A.P.F. 1), Paris 1858. — 35. Guy von War- 
wick, hg. von Zupitza, EETS., Extra series 25 u. 26. — 3(5. Hein zel, 
1':ber die Hervararsage, WSB. 114, 417ff. — 37. Deutsches H eldenl)ucli, 
Berlin 1806— 70. — 38. Hörn etRimenild ed. par F. Michel, Paris 1845. 

— 39. Hubad, Ausland 1881, s. 890f. -- 40. Isidor, Historia Gothorum, 
Vandalorum et Suevorum (Opera ed. F. Arevalus 7, 1803). — 41. Jor- 
danes, Getica, MG., Auct. ant. 5, 1. — 42. R. Köhler, Revue critique 1868, 
s. 412 ff. — 43. Krumbacher, Geschichte der byzantinischen litteratur, 
München 1897. — 44. Lachmann, Kleinere Schriften 1,407 ff. — 45. Le- 
grand, Recueil de chansons populiiires grecques, l'aris 1874. — 46. Lieb- 
recht, Zui' Volkskunde, Heilbronu 1879. — 47. Lais de Marie de France, 
hg. von K. Wanike (Bibl. Normannica 3), Halle 1885. — 58. E. H. M ey er, 
Germanische niythologie, Berlin 1891. — 49. O.Miller, HeiTigs archiv 33, 
257 ff. — 50. Mogk, Mythologie, in Pauls Grnndr. 3^, 230ff. — 51. Mone, 
Anz. f. künde der deutschen vorzeit 4, s. 178 ff. — 52. P. E. Müller, Saga- 
bibliothek 2, .543 ff. — 53. W.Müller, Mythologie der deutschen heldensage, 
Heilbronn 1886. — 54. Nöldeke, Das iranische nationalepos Csonderabdruck 
aus dem Grundr. der iran. phil.;, Strassburg 1896. — 55. Ny rop-r; orra, 
Storia deir epopea francese nel medio evo, Turin 1888. — 56. Parise la 
duchesse, Chanson de gcste, ed. par Guessard et Larchey (A. P.F. 4), Paris 
1860. — 57. Prise de Pampelune ed. Mussaffia CAfrz. gedichte bd. 1), 
Wien 1864. — 58. Rambaud, La Ru.ssie epique, l'aris 1876. — 59. Li 
romans de Raoul de Cambray et Bemier, ed. par E. le <'lay (R.D.P. 7), 
Paris 1840. — 60. Raszraann, Deutsche heldensage, Hannover 1863. -- 

61. Reimann, Die chanson de Gaydon, ihre quellen und die angevinische 
Thierry-Gaydonsage (Stengel, Ausgaben u. abhh. 3, 105 ff.), Marburg 1881. — 

62. Richars li biaus ed. par Casati, Pari« 1868. — 63. E. Roh de, Der 
griechische roman, Leipzig 1876. — 64. Rückert, Röstern und Sohrab, (Je- 
sammelte poetische werke 12, 125 ff. -- 65. Saxo G rammaticus, HiHtorii 
Danica ed. P. E. Müller, Havniae 1859. — 66. Schröder, Zs. fda. 41, 21 ff. 

— 67. Schulz, Zur geschichte der kritik und erklärung des Hl., Naumburg 
1876. — 68. Siebs, Zs. fdph. 29, 394 ff. — 69. Sievers, Altgerra. raetrik, 
Halle 1893. — 70. Sijraons, Heldensage, Pauls Grundr. 3«, 606 ff. — 

71. Wagner, Anz. f. künde d. deutschen vorzeit, N.F. 1863, s. 439f. — 

72. Wesselofsky, Archiv f. slav. pbilol. .3, 549 ff. — 73. Wigamftr, 
Deutsche gedichte des mittelalters, hg. von v. der Hagen und Biisching 1 , Berlin 
1808. — 74. v. W 1 i H 1 c k i , Magazin f. litt, des aiislands, bd. 1 9 Cl 880) s. 386 ff. 

— 75. Zimmer, Zs. f. nfrz. .spräche u. litt. 13, Iff. — 76. Zimmer, Kel- 
tische beitrage 1 CZs. fda. 32, 196 ff.). — Schliesslich bemerke ich noch, dass 
es mir leider nicht möglich war, ru-ssiache werke, wie die liedersammlungen 



SAGENOESCHICHTLICITES ZUM HIT.DEBRANDSUEDE. 7 

K irt\j«'\vskijs. tVnur K irpii n iko w , Vorsuch ciiur vi-r^:!. llu-ori«; «l«i 
wostliohon u. russisclioii opos: 1. I>io geciidite ilos lunnobaniisrheu i-yklii». 
Moskau IS73; 0. Millor, Uju Murouiec i lM>g;jityrstvo Kiewskoe. IVttr» 
bürg 1S(;;>; Stasof, Viestnik K>\roity lS«iS, s. IKJft'.; Wesselofsky . 
Russische revue 4, heftG; t\\ Wuutxen. Aussi'rdem hak« ich mich Ter- 
ireblich bemüht, das bei Knume s. 171 angeführte jiroi^'ramm von A. Bam. 
Motive UH(l Stil im Hl., angeblich aus Iglau und dem jähre IKH',, uufzu- 
treibon. lS!»r>— It? enthalten die Igliiuer proirrunniie nur einen katalug der 
lehrerbibliothek, 1S!>,'> eine idiilosojdiische abhiuidhing: auch sonst konnte 
ich die arlu'it nirgends nachweisen, und eine directe anfmge in Iglau sell)>t 
blieb uubeautwortet. l'ebrigeus sehe ich aus Josi]ih> annuikiuir i/» fd.i- 
43, 79), dj\ss es ihm uicht besser ergivugeu ist. 



I. Die sage vom kämpf des vaters und sohnes. 
A. Verbreitung der sage. 

Schon auf dfii ersten Miek gliedert sich die behandlunp 
der sagengesehielite des HiUU'brandsliedes in zwei grosse 
fiTUppen: aut der einen seile handelt es sieh um das Verhältnis 
des liedes zu den zahlreiehen andern sagen, die einen kanipt 
zwischen vater und söhn schildern, auf der anderen um tlie 
einordnung: in den g:rossen cyklus der gotisch-deutschen sagen 
von Dietrich von Bern. 

l>ie sage vom kämpf des vaters und sohnes ist ungemein 
weit verbreitet und zeigt — wenigstens in ihivr älteren ge- 
stalt — überall spuren des hitchstens alters. Schon Thland 
(Schriften I.löt ff.) kannte ausser der germanischen sage') 
bereits die pei"sische von Kustam und Suhräb,') die russische 
von Ilja von Murom und seinem söhne Sbuta (S(»kolniek; 
V. Busse Ol ff.. Kambaud 04 ff. u. a.) aus dem Sagenkreise Wla- 
dimirs von Kiew, dann die norwegische sage von Ann dem 
bogenschwinger und liörir (uo. 4. s. ;>öSff.\ Bitendf und IUet- 
leip, (löde uutl (ialder im dänischen volksroman von Ulger 
Danske und den me. Sir Degore (Kllis 3, 43 ff.). Dem eifrigen 
suchen der sj\genforscher ist es gelungen, seitdem noch eine 



') Hildebrand!<lie<l, l>ll^n•kv•.,^g,» «ap ^i", >|»-ii<i«-. .i-u; 
lied, Suu und vater im I>resdener heldenhuch uml K« vi». 
Hildebrand. 

*) Finhuisl» Schahuame uml die Klten- U.irb.uuuK vi.u .Vux.ajj, tgl. 
auch KüfkeTt» kunstvolle ncudichtung (otn-u uo. 46). 



8 BUSSE 

ganze reilie von widerliolimgen desselben motivs nachzuweisen. 
So finden wir bei Jiriczek (276ff.) ans der griechisclien sage 
den kämpf des Odysseus und Telegonos, des Zeus und Herakles 
(Liebreclit s. 406. Nonnos, Dionys. 19, 375. Tzetzes), des Laios 
und Oedipus, aus dem iriscli-gälischen Sagenkreis den kämpf 
Cücliulains und Conlaochs (bei Ossian-Macplierson : Clessamors 
und Cartlionns; d'Arbois 51 ff. Campbell 3, 184 ff. Macplierson, 
Fingal 1, 15), Finns und Oisins (Nutt s. 128); ebenfalls wol auf 
keltische quellen zurückgehend das Lai de Milun der Marie 
de France (no. 47, s. 152 ff.) und das Lai de Doon (Romania 8, 
61 ff.), Otnit und Alberich im mhd. spielmannsepos, eine bailade 
der Siebenbürgischen Zigeuner (Wlislocki a. a. o.), selbst im 
fernen China hat man in einem Singspiel von Jen-kueis rück- 
kehr (Liebrecht s. 214) eine ostasiatische Hildebrandsage ent- 
decken wollen. 

Besonders häufig kehrt das motiv im bereiche des afrz. 
epos wider. So führt Köhler in seiner recension von Casatis 
ausgäbe des Richars li biaus noch verschiedene andere Vertreter 
des alten motivs an: den provenzalischen roman Guillaume 
de la Barre (Meyer, no. 33, s. 126 ff. ; vgl. besonders v. 4258 — 
5214), dem me. Sir Eglamour of x^rtoys (Ellis 3, 537) und den 
kämpf Reinaids von Montalban mit Guidon in dem ital. gedichte 
Anchroja regina (Du Meril 423 ff.), wozu dann P. Meyer noch 
den Zweikampf Malabrons und Robastres im Gaufroy (no. 26, 
vgl. besonders v. 5565 ff.) und Balduins und des bastards von 
Bouillon in Baudouin de Sebourc (no. 7, cap. 25, besonders 770 ff.) 
hinzufügt. Ebenfalls der afrz. epik gehören an (vgl. Reimann 
s. 105): Clovis und Floovant (no. 25, vgl. besonders 2463 ff.), 
Gauvain und sein söhn (im Perceval), Julien und Bernier 
(no. 59, s. XIII und 302 ff.), Raynouart au tinel und Desramez 
(no. 2, vgl. besonders 6597 ff.). Hinzuzufügen wären noch der 
kämpf des Isories und Maogeris (no. 57, vgl. besonders 1052 ff.), 
Hugues' und Raymonds (no. 56, vgl. besonders 2167 ff.), die 
eingangscapitel des Tristan li Leonois (no. 9, bd. 1, 67 ff.), der 
me. Sir Triamour (Ellis 3, 176ff.), Berthold von Holles Demantin 
(v. 4870), und der Wigamür (vgl. besonders 3850 ff.). 

Auf slavischem boden finden sich weitere parallelen 
in den sagen von Eruslan Zalazarewitsch (Rambaud 183), 
Saul Levadinovitsch (Wesselofsky s. 587 ff.), Mstislaw (?; vgl. 



SAGENGESCHICHTUCnES ZUM ini-PEBRANDSMKDK. 

Busse VIII), Marko und ViikoM-liiii in den serbLscliHi volks- 
liedern. ') 

In dem neugriecliisclien TQayoi'dtor vom solm»* des An- 
dronicus (Legrand s. 186 ff.), dem von Aimuri, Armuris solin 
(Wesselofsky s. 5 10 ff.), und dem me. (Juy von W'arwick (no. 35) 
schimmert das motiv wenigstens liindurch, el)en.s() wie es in 
den aus dem Volksbuch bekannten vier Haimonskindern (Kenaud 
de Montauban) eine gewisse rolle sjtielt. Fasst man es etwa« 
weiter, so kcinnte man schliesslich die chansons de geste von 
(4ny de Bourgogne, die von Gaydon (Keimann s. 105) und den 
me. roman von Merlin (EKTS. no. 10. 21. 36) hinzuziehn, wo 
zwar nicht direct vater und söhn, aber doch wenigstens auf 
der einen seite das beer der väter, auf der andern das der 
sidine sich gegenüberstehn ( im (Tuy de Bourgogne kommt e« 
übrigens gar nicht einmal zum kämpf). Verweisen will ii-h 
wenigstens noch auf den kämpf der beiden d'Ailly l)ei \dltaire 
(Henriade 8, 205 ff.), auf A. v. Arnims Auerhahn (Werke ed. W. 
(irimm 5. 100 ff.), Gogols Taras Bnlba (den tod seines .s(dines 
Andreas), die interessante belege für die Verwendung des ur- 
alten motivs bei modernen Schriftstellern sind. Nicht liierher 
gehört dagegen die erzählung aus den Sieben weisen meistern 
(EUis 3, 43ff.) trotz ihrer Überschrift : The father munlered l)y 
his son, die nur eine freie Umbildung des bekannten erzählung 
Herodots (2, 121) vom diebischen baumeister Khampsinits und 
seinen sühnen ist. 

Ebenso war es nicht richtig, wenn man den kämpf Hildi- 
biands des Hunnenkämpfers und .Äsniunds (no. 5, cap. X) und 
den Predrags und Nenads^) hinzuziehn W(dlte; denn in beiden 
fällen handelt es sich um den kami»f v«m br ädern. .\uch das 
motiv der feindlichen brüder, das von Eteokles und INdyneike.s 
an eine grosse rolle gespielt hat ^) und das l)esondei-s im skan- 
dinavischen noiden tiefen eindruck gemacht /u !i.ib«'n schrillt. M 

') I)ozon. Cliiinsiiiis ponulairt'^ des Srrlns h.iW iili Imkr uulit crhuigru 
küiuien; vgl. iibor Rambainl s. \K\. 

») Tftivj. Vulk^li.a.T (ItT S.tWii 1». 'jsitfr. 

») Vgl. auch l'arzivul uml P'cirefiz uu<l die ncbottisch«' b.illHil«> The tw« 
brothers. 

•) Vgl.ilicHchiltleningde» Eeitalters Tor dfin weltonrndo, Vnln*pA45(B.): 
linr/fr mono berjask ok at bynom rerfxtü: etc. 



10 BUSSE 

hier behandeln zu wollen, würde viel zu weit führen; ebenso 
können kämpfe zwischen sich nahestehenden personen, i) trotz- 
dem beide motive zweifellos in engen beziehungen zu unserni 
stehen, hier nicht behandelt werden.-) 

B. Dio einzelnen vorsionen. 

Die Zusammenstellung- der einzelnen Versionen des motivs 
vom kämpfe zwischen vater und söhn, wie sie im voraus- 
gehenden abschnitt vorliegt, ist chronologisch geordnet, 
d. h. in der reihenfolge, in der die einzelnen fassungen bekannt 
wurden. Eine solche anordnung hat den nachteil, dass sinn- 
gemäss zusammengehörendes auseinandergerissen wird, ganz 
zusammenhangloses dagegen nebeneinander auftritt, und so 
fürchte ich, wird kaum jemand aus dem vorhergehenden einen 
klaren überblick über die Verbreitung des motivs erhalten 
haben. Dazu kommt, dass, besonders in der frz. epik, unser 
motiv oft genug nur eben eins der unzähligen ist, aus denen 
der Stoff einer grösseren dichtung sich zusammensetzt, und 
dass daher auch von einem guten kenner der betreffenden 
werke nicht zu verlangen ist, dass er sich der art und weise, 
wie der kämpf an jedem einzelnen orte behandelt ist, oder 
überhaupt nur seines Vorkommens, entsinnen soll. Ich halte 
es daher für nötig, wenigstens eine knappe angäbe des Inhalts 
der einzelnen dichtungen, soweit er für uns in betracht kommt, 
mit besonderer hervorhebung des kämpf es selbst, seiner ver- 
anlassung, art und weise der behandlung, ausgang etc., zu geben 
und werde dabei zugleich einer methodischeren anordnung folgen. 

1. Griechische Versionen. 
Telegonos (oben s. 8), der söhn desOdysseus undderKirke, 
zieht auf geheiss der mutter aus, seinen vater zu suchen, und 



^) Vgl. z. b. Hildebrand und Alphart , Arthiu- und Modi'ed , Parzival 
und Gäwän, Demantin und Gander etc. 

2) Im allgemeinen habe ich zu diesem abschnitt noch zu bemerken, 
dass mein streben auf Vollständigkeit der nachweisbaren Varianten 
gieng, und ich glaube auch, alle mir erreichbaren quellen herangezogen zu 
haben; trotzdem zweifle ich keinen augenblick, dass ein besserer kenner 
der romanischen oder slavischen literaturen die liste ohne mühe wird ver- 
mehren können. 



SAGENGESCHICFITLICHE8 ZUM nil.DEBRANDSUEDE. 11 

wird von einem stürm, ohne es zu ahnen, nach Itliaka ver- 
schlagen. Als er, von not gezwungen, dif fehh*r idündert, 
tritt ihm Odysseus entgegen und fällt von der hand des sohnes. 

Herakles (no, 46, s. 406): 'Ei' rm xaraQxug dt rtOivxu 
jtQcözm uycovi 'I/gaxXTjt; jTQOtxaXfTro th JTnXTjV tov (iovXofitvov . 
ovdti'Oi^ 6i ToXfJOJVTog ö Ztvj: TKcXaiorTj tixciof^Hj: ovri'fii^tv 
'JlQuxXtl . xcu fU'/jii JioXXov rij^ jr«///(,- lüojtctXov^ yn'oat'vij^ 
o Ztv^ (paiegol tavTaf rä jxaidl (Tzetzes). 

Oedipus will das orakel in Delphi über seine geheimnis- 
volle herkunt't befragen; unterwegs begegnet ihm in einem 
hohl weg ein greis auf einem wagen und fordeit ihn auf, i>latz 
zu machen. Der lieissblütige Jüngling weigert sich, und es 
entsteht ein streit, den Oedipus dadurch beendet, dass er den 
fremden erschlägt : der ermordete aber ist sein vater Laios. 

2, Persische version. 

Kustam (no. 64) hat in Turan mit der fürstentochter 
Tehmina ein liebesverhältnis angeknüpft, dem Suhräb ent- 
springt. Als der heldenkna])e herangewachsen ist, schlie.'sst 
er sich dem gegen Iran ziehenden Türkenheere an; er ver- 
richtet grosse heldentaten, bis sich auf bitten des schahs 
Kustam selbst ihm entgegenstellt. Wol ahnt Suhräb. dass der 
gegner sein vater ist, aber Rustam gibt sich für einen andern 
aus. Am ersten tag verlänft der kämpf unentschieden, am 
zweiten wird Suhräb sieger, verschont aber, durch eine list 
des alten getäuscht, grossmütig den gegner. In der nacht 
erbittet sich Rustam vom geiste des berges die ihm in der 
Jugend anvertraute überschüssige kraft zurück und b»'zwingt 
nun leicht den söhn; er stösst zu und eifährt jetzt erst, da.^s 
Suhräb .sein eigener .söhn ist. 

(Firdausis Schahname ist erst um 1000 (080— 1011 J ent- 
standen, doch geht die sage zweifellos in viel ältere Zeiten 
zurück.) 

3. Die keltischen Versionen. 

Ci'ichulain (n«>. 17) erzeugt mit der fee Aife einen söhn 

Conlaoch, dem er scheicb^nd einen ring {.onhuisr) und di-ei 

magische Weisungen hinterlässt (vgl. unten unter ('. S, b). 

Conlaoch zieht aius, seineu vater zu suchen, und landet in 



12 BUSSE 

Irland. Jenen magischen Weisungen folgend, weigert er sich, 
den helden Conchobars seinen namen zu nennen. Cüchulain 
will ihn mit Waffengewalt dazu zwingen, aber dei' junge er- 
weist sich stärker, als der gefeierte held von Ulster. Cüchulain 
muss fliehn und die zauberlanze gae holga holen, mit der er 
den Jüngling durchbohrt. 

(Die hs. [Trinity College, Dublin, H 2. 16] stammt aus dem 
14. Jh., sicher bezeugt wird uns die sage bereits im 10. jh., 
s. weiter unten unter C, 1.) 

'Cuchullin (no. 14) gives a feast, and then goes to Skye 
to help Fionn, leaving a ring for his son (= Conlach, söhn 
Cuchullins und der Fairy sweetheart). He grows up and 
follows, and his mother swears him never to teil his 
name tili forced. Conlaoch finds the Feinn fighting at 
Thaigli Mheüe min an Dura. Fionn sends to find out his 
name. Conan goes, they fight, and Conan is beat. Cuchullin 
goes, and the son keeps him up with his sword. They go 
out into the sea, to the bands of their kilts to try catJi huilg, 
and they cast their spears at each other, but the son casts 
shaft foremost. At last he is pierced by his father and dis- 
covers himself, and they curse the Fairy mother.' 

(Vgl. Campbell 3, 184; diese fassung lebt heute noch im 
Volke und wurde auf veranlassung eines freundes von Campbell, 
John MacLean, nach dem dictat des Neil Macalister in Port 
Charlotte, Islay, aufgezeichnet.) 

Carthonn (no. 24) bedroht das land Fingais mit 'söhnen 
der wogen', er will die Zerstörung seiner Vaterstadt Balclutha 
rächen und weist alle friedlichen bemühungen des königs zu- 
rück. Vor seiner furchtbaren lanze') erliegen CathuU und 
Conall ; da ruft der könig von Morbhenn Clessamor zum kämpf 
gegen den fremdling auf. Vergeblich sucht dieser, von einer 
plötzlichen alinung erfasst, den greisen krieger zurückzuhalten, 
es kommt zum kämpf, an der zauberlanze Carthonns zerbrechen 
Speer und schwert Clessamors. Schon will Carthonn den be- 
zwungenen gegner fesseln, da gibt er sich eine blosse, der alte 
zieht schnell den dolch und stösst zu, und Carthonn, der söhn 



*) Macpherson hat irrtümlich die zauberlanze dem söhne zugeteilt, von 
der Wirkung des gae holga scheint Macpherson indessen nichts zu wissen. 



SAGENGESCHICHTLICHES ZUM HILDEBKANDSLIEUE. IH 

Clessamors und Maonas, stirbt, naclidem er sicli zu erkennen 
gegeben, in den armen des verzweifelten vaters. 

'Finn o' Baiscne (vgl. Nutt) was seeking liis son Oisin 
througliout Irelaud. Oisin liad been a year witlioiit anyone 
knowing his wliereabouts. He was augry witli liis fatliei-. 
Then Finn found liini iu a Avaste, cooking a pig. Kinn upset 
it and gave hiui a t laust, Oisin seized his weapuns. ile did 
not recognise liiui at ouce. Then said Finn, that it was a 
foolisli thiiig for a young warrior to tight witli a grey man. 

0. *I am sure, though the grey man . . . me. his sj)ears 
are not sliarj), his shield is not ..." 

F. 'Though his spearpoints are not sharp, though his 
shield is not . . ., at the hour of combat the gi*ey man will 
have the upper band.' 

0. 'It is clear, though liis arm is stronger, and though 
his ... is broad, he is not narrow in his ribs . . .' 

In dieser lieblichen weise setzt sich das gespräch noch 
eine weile fort, der schluss ist nach Nutt s. 128 versöhnlich. 

(Die hs. stammt erst aus dem 15. jh.) 

4. Französische (und vom französischen abhängige) 

Versionen, 
a) Iu Frankreich selbst. 
Lai de Milun (no. 47): Milun de Suhtoralis hat ein liebes- 
verhältnis mit einer dame angeknüpft, das nicht ohne folgen 
bleibt. Das neugeborene kind Avird heimlich zu einer Schwester 
der dame (in Norhumbre) gebracht und von dieser erzogen. 
Als das kind zu einem stattlichen Jüngling herangewachsen 
ist, zieht es aus, seinen vater zu suchen, und erhält beim ab- 
schied von seiner pflegemutter einen ring als erkennungs- 
zeichen. Bei einem turnier il munt Scint Michiii besiegt er 
Milun, ohne ihn zu kennen. Milun fragt nach dem namen 
seines überwinders, der sehn sagt diesen, erzählt seine her- 
kunft und zeigt den ring, v. 471 ff.: 

E deusi' fait il, 'cun> sui guarizi eissi uaii f«'rs do iiia tom'.' 
Par fei, amis, tu es mi« fiz. Quant eil l'oY, a pie desci'iit, 

Por tei trover e por tei querrc, snn pere baisa dulcemenf eto. 
(Das gedieht ist nach 117u ent«taudeu> 



14 BÜSSE 

Lai de Do 011 (no, 20): Doon vermählt sich, nachdem er 
zwei proben bestanden, mit einer jung-frau aus Daneborci) 
und zieht wenige tage später wider auf abenteuer aus; für 
den neugeborenen söhn lässt er einen goldenen ring als er- 
kennungszeichen zurück. Der zweite teil deckt sich voll- 
ständig mit dem lai de Milun: beim turnier au mont saint 
Micliiel en Bretaigne wird Doon von einem jungen ritter über- 
wunden und erkennt an jenem ringe den söhn. 

(Das gedieht ist dem inhalt, wie der spräche nach, gleich- 
zeitig mit dem vorigen, vgl. Ahl ström s. 95.) 

Floovant (no. 25) ist von seinem vater Clovis auf sieben 
jähre verbannt und verrichtet viele heldentaten gegen die 
heiden. Unterdessen hat der admiral Galiens von Persien 
könig Clovis in der feste Laon eingeschlossen, und Clovis bittet 
seinen söhn um liilfe, Floovanz rückt heran, zu gleicher zeit 
machen die belagerten einen ausfall, im kampfgetümmel treffen 
sich söhn und vater, vgl. v. 2463 ff. : 

Li bons rois Clovis i feri comme bers; 

Et lui et rioovanz se sont antrecontrez. 

Li uns ne queiiuit Fautre, granz cous se sout doiiez; 

Floovanz fit son pere ä la terre verser, 

Sor lui s'est arestez li gentis bachilers; 

II li eust la teste fors dou bu desservre, 

Quant Richiers 2) li escrie : ' Que f aiz tu, f orsenez ? 

Ja est ce Clovis, ton pere l'andurez.' 

Quant l'antant Floovanz, es piez li est aulez, 

Venuz est ä son pere, merci li a crie' etc. 

(Das uns verlorene original soll bis auf die mitte des 
12. jh.'s zurückgehn ; dass es indessen unser motiv enthielt, ist 
nicht wahrscheinlich; vgl. unter C, 1.) 

Gormond et Isembart (no. 32): König Loevis (= Lud- 
wig ni) bekämpft die Sarazenen (= Normannen) Gormonds, 
unter denen sich besonders der renegat Isembart, ein neffe 
des fränkischen königs, auszeichnet. Während der schlacht 
trifft Isembart mit seinem vater Bernard zusammen und hebt 



1) Riebtiger Edenhurc, vgl. Strengleikar IX, Douns Ijöö (R. Köbler, 
bibl. Norm. 3, XCVIf.). 

2) Ricbier ist der treue gefäbrte Floovants. 



SAGENGESCHICHTLICHES ZUM HILDEBRANDSMEDE. Vi 

ihn aus dem sattel. Die beiden flielin, unter ihnen Isenibart, 
der seinen tod herannahen fühlt . . . 

(Die hs. stammt aus d(Mii 13. jh., das (ii-ij^in;il soll noch 
dem 11. angehören.) 

Raoul de Cambrai (iio. 59), mit den abenteuern Raouls 
und seinen kämpfen gegen seinen lehnsherrn Karl sind die 
seines Waffenbruders Bernier. bastards von Kibemont, ver- 
bunden. Bernier entführt die schöne Beatrix und geht mit 
ihr auf die pilgerschaft nach St. Gilles. Unterwegs schenkt 
sie einem söhn, Julien de St. Gilles, das leben. Die pilger 
werden von Sarazenen überfallen, und Bernier gerät in di«' 
gefangenschaft des sultans Corsable, aus der er aber durch 
kühne heldentaten zu hohen ehren emporsteigt. Der sultan 
gerät später mit dem emir de Cordes in streit, Bernier eilt zu 
seiner hilfe herbei und hat einen Zweikampf mit einem jungen 
beiden Corsabre zu bestehen, durch den er den krieg zu gunsten 
Corsables entscheidet. Corsabre soll hingerichtet werden, zum 
guten glück stellt sich aber heraus, dass er der geraubte söhn 
Julien ist, und alles endet in Versöhnung. 

(Diese chanson de geste ist noch im 12. jh. gedichtet.) 

Aliscanz (no. 2): Raynouart au tinel, der söhn des Sa- 
razenenkönigs Desramez und bruder Guibourcs, ist in seiner 
Jugend von Seeräubern entführt und an könig Lud^^^g verkauft. 
Er muss den küchenjungen spielen, bis Guillaume nach der 
blutigen ersten schlacht bei Aliscanz zu könig Ludwig kommt, 
um hilfe für die bedrängte mark zu erbitten. Mit einer furcht- 
baren keule bewaffnet, verrichtet er gewaltige heldentaten — 
so tötet er seinen bruder Valegropes, nachdem beide vergeblicli 
versucht haben, einer den andern zu bekehren — und trifft 
schliesslich mit seinem vater selbst zusammen, vgl. v. G597ff. 

Dist Desraiui'S : 'Ronoars, biax amis. 
Tu es nion filz, par foi le te iilevi.'».' 

Aber Renoai« will nichts davon wissen: 

'Fol plet avcz eupris; 
Je vos (lefi par le eors «aint Deuisl 
Ne sui vo filz, certes, ne voz ami.s; 
Si je tlcvoie eii onfer estri' inis, 
Ne cesseroie taut oom tu soie« vis' 



16 BUSSE 

und zerschmettert seinem vater mit einem keiüensclilag ein 
paar rippen, bricht dann allerdings in reuevolle klagen 
aus, u, s. w. 

(Aliscanz ist noch vor 1200 gedichtet.) 

Parise la duchesse (no. 56): Durch die ranke der Ga- 
neloniden verleitet, verstösst herzog Raymond seine gattin 
Parise. Sie gebiert auf der flucht einen söhn, der ihr aber 
von drei räubern entführt wird, die ihn dem könig von Ungarn 
übergeben. Bei diesem wächst der junge Hugues auf; er 
zieht dann aus, seine eitern zu suchen; zuerst trifft er die 
mutter. Unterdessen hat sich Eaymond ganz von den Ver- 
rätern umgarnen lassen, nur der treue Clarembaut verteidigt 
die Sache der herzogin Parise. Zu ihr stösst nun Hugues mit 
den söhnen Clarenibauts ; im kämpfe trifft er mit seinem vater 
zusammen, hebt ihn aus dem sattel, verschont ihn aber, weil 
er weiss, dass es sein vater ist. Die erkennung, schliessliche 
entlarvung der Verräter, Versöhnung u. s. w. erfolgt erst ziem- 
lich spät. 

(Die chanson ist vermutlich um 1230 entstanden.) 

Richars li biaus (no. 62): Der Inhalt deckt sich im 
wesentlichen mit dem des me. Sir Degore (vgl. unten), nur 
wird Richard von einem ritter, nicht von einem eremiten, 
erzogen, und die erkennung der mutter ist etwas anders 
motiviert. Uebrigens irrt Köhler, wenn er meint, die er- 
kennung von mutter und söhn erfolge im englischen in einer 
pause des kampfes, und der kämpf des vaters und sohnes 
fehle dort. 

G. de la Barra (no. 33), vgl. bes. das cap. Eras ausiretz 
cum se hatalhec en camp claus ab so filh mosenlier G. de la Barra 
e nol conoyssia. Der Inhalt deckt sich im wesentlichen mit 
der achten novelle des zweiten tages des Decameron (= ge- 
schichte vom grafen Walther von Anguers). Zuerst eine art 
Potipharerzählung : Guillaume muss fliehn und geht mit seinen 
beiden hindern in die Verbannung. Beide werden von ihm 
getrennt. Ohne es zu wissen, wird er später seneschall bei 
seiner eigenen tochter und soll füi^ seinen herrn gegen den 
könig von Armenien streiten. Der kämpfer des königs ist 
Guillaumes söhn, den der könig adoptiert hat. Zweimal wird 



SAGENGESCHICHTLICHES ZUM Hlf^DEURANDSLIEDE. 17 

der alte besiegt, docli von dem edelgesinnten sieger verscliunt. 
Als er zum dritten mal ergrimmt heranstiirmt, erkennt der 
söhn den vater an seinem sclilaclitruf Ihuni! liami! u. s. w. 

((t. de la Barra ist von dem provenzalischen dichter Arnaut 
Vidal de Castelnaudari um 1318 verfasst.) 

Gaufrey (no. 26): Robastre, der treue held Garins, Ist der 
Sühn ]\[alabrons, einer art Proteus. Einst, als Kobastre in 
einsamem walde leitet, kommt er zu einer räuberherberge; 
die räuber ermorden den boten Robastres, der um nacht- 
quartier bitten soll, werden dafür aber sämmtlich von l^)bastre 
niedergehauen. Drinnen findet Robastre eine bahre, auf die 
er seinen erschlagenen freund legt, und schläft ein. Malabron 
le lüiton will den mut seines sohnes prüfen, verbirgt sich 
in der bahre und erhebt ein furchtbares geschrei. Robastre 
erwacht, drückt bahre und toten, die sich bewegen, mit aller 
kraft nieder und legt sich wider schlafen. Plötzlich steht 
furchtbar wiehernd ein schwarzes ross an seinem lager; als 
Robastre es besteigen will, verwandelt es sich in einen stier. 
Robastre schlägt nach dem stier, der packt ihn mit den hörnern 
und wirft ihn über die bahre. So kämi)fen sie bis zum morgen ; 
da endlich zeigt sich ]\[alabron in der gestalt eines sch<»neu 
Jünglings und gibt sich zu erkennen. 

(Gaufrey ist im 13. jh. entstanden, vgl. übrigens un.ser 
märehen vom Toffel, der das gruseln lernen wollte.) 

Baudouin de Sebourc (no. 7): Der bastard von Bouillon 
und seine brüder ziehen aus, ihren vater Baudouin, den könig 
von Jerusalem, zu suchen. In Rohais erschlägt der bastard 
den grimmen Thiery und macht sich zum herrn der Stadt. 
Der könig von Syrien erfährt, dass Rohais von fremden er- 
obert ist, und schickt Baudouin gegen die eindringlinge. Der 
streit soll diuch einen Zweikampf beider führer entschieden 
werden, vgl. chant 25, 770ff.: 

Dou p^re vers le fil i ot g^rand caplemeut: 

Li un ne coiinoist l'autre, par nes . j couvenent, 

Pour ochirre l'uu l'autre avoient graut talent. 

Nach heftigem, lange schwankendem kämpfe gelingt es schliess- 
lich Baudouin, den jungen zu bezwingen, der voll schmerz 
ausruft : 

Beitrage lur geschichte dtr vleulscben spräche XXVI. jj 



18 BÜSSE 

A! Baudewins, biaus pere, diex vou voeille avanchier! 
Aujourd'ui perderes le Bastard droiturier, 
Qui de vous ä veoir avoit grant desirier. 
Jamals ne vous verrai ne vous f rauche moullier! 

Bestürzt hält der sieger inne, forscht genauer nach, und vatei 
und söhn liegen sich in den armen. 

(B. de Sebourc, einer der besten kreuzzuggsromane, gehört 
dem 14. jh. an.) 

Prise de Pampelune (no. 57): Pampelona ist von Karl 
erobert, könig Mauzeris und sein söhn Isories sind gefangen. 
Beide wollen Christen werden, Mauzeris aber nur, wenn er 
unter die zwölf pairs aufgenommen wird. Als man ihm dies 
verweigert, flieht er und bezwingt zwei barone, die ihn ein- 
holen sollten. Isories hat unterdessen die taufe empfangen und 
setzt dem abtrünnigen vater nach. Es kommt zum kämpf, 
der aber unentschieden bleibt, da Mauzeris die flucht ergreift, 
als er in der ferne Eoland und die pairs heraneilen sieht. 

(Die entstehung fällt in das jähr 1325.) 

Tristan li Leonois^): Die einleitung erzählt die taten 
der vorfahren Tristans. Sadoc ist der zwölfte söhn Brons, des 
bruders Josephs von Arimathia. Einer der brüder verführt 
Sadocs gattin Chelinde und wird dafür von Sadoc erschlagen. 
Zur strafe für diesen frevel erhebt sich auf der nächsten reise 
Sadocs ein furchtbarer stürm: man wirft das los, Sadoc wird 
an einer unwirtlichen küste zurückgelassen. Die vielum- 
worbene Chelinde gebiert noch von Sadoc einen söhn Apollo 
l'aventureux, der aber von könig Thanor ausgesetzt wird, da 
ein Wahrsager verkündet, könig Thanor werde von der band 
dieses knaben sterben. Sadoc hat unterdessen wilde abenteuer 
in hülle und fülle durchgemacht (sein aufenthalt bei dem rätsel- 
riesen), trifft schliesslich mit könig Thanor zusammen und 
verwundet ihn: mais hientöt apres il voit venir derriere lui 
Apollo l'aventureux, son fils ne ches le Roi Thanor, et portant 
les memes armes que ce Roi. II croit son ennemi ressuscite; 
ü attaque avec fureur le Chevalier inconnu; et Apollo, qui ne 
sait pas qu'il est son pere, le combat et le tue. Luces, fils du 



^) Leider musste ich hier den im allgemeinen sehr unzuverlässigen 
angaben der Bibliotheque universelle des romans (no. 9) folgen. 



8AGENGESCHICHTLTCHE8 ZUM IIir.DRniUNDRLIKnK. 10 

lioi Pellias, arrive sttr le champ de hatuiUe, instruil Apollo 
du parricide involontaire qu'ü vient de commettre et, voyant de 
loin revenir le lioi Thanor, Iaiccs court Vaffaqurr, mais Tlinnor 
le hlcsse ä mort d\m couj) de lance. Apollo, furicnx d des- 
espere d'avoir tue son pere, et de la hlessure morteUe de son ami 
Luces, attaque le Bot Thanor, le tue et accomplit hi jtn'dldion 
du Philosophe etc. 

Regina Aiicliroja (vgl. s. 8): Renaiid de Montauban hat 
mit einer Sarazenenfürstin Constance einen solin erzeugt und 
ihr beim abschied einen ring als erkennungszeichen hinter- 
hissen. Als Guidon le Sauvage lierange wachsen ist, zieht er 
aus, seinen vater an Karls hof zu suchen; zunächst will er 
aber erproben, ob sein vater wirklich ein so grosser hehl ist, 
wie ihn die mutter geschildert hat, und fordert dalier die 
beiden Karls zum Zweikampf heraus. Erst nachdem er bereits 
viele Franken besiegt hat, tritt ihm Kinaldo entgegen. Sie 
kämpfen lange und erbittert, der sieg schwankt hin und lier, 
bis endlich Guidon sich zu erkennen gibt. 

b) In Deutsch lau<l. 

Biterolf (vgl. bes. die beiden äventiuren Wie Dicthip in 
einem stürme mit shiem rater streit und Wie Dietleip sincn 
vater vant): Dietleip macht sich auf, seinen vater Biterolf zu 
suchen, der vor jähren auf abenteuer ausgezogen ist, und trifft 
in einer schlacht zwischen Hennen und Reussen (Pöjäneii) mit 
ihm zusammen. Beide halten sich für geguer und käni|ifen 
sehr erbittert mit einander, bis sie endlich durch Küedeger 
getrennt werden, der dann auch die erkennuiifr vermittelt. — 
Uhland irrt, wenn er meint, die erkennung habe noch in der 
Schlacht stattgefunden und sei durch den klang des schweiie.s 
Welsunc herbeigeführt wurden. 

(Der Biterolf ist bald nach 1200 entstanden.) 

Künec Otnit zieht aus in den wald, wie seine mutter es 
ihm geheissen hat ; unter einer linde findet er einen lieblichen 
knaben einsam schlummernd. .\ber der knabe hat neun 
männerkräfte, denen der starke Lampart enküni^r nur mit mühe 
stand hält. Schliesslich gibt sich der scheinbare knabe als 
zwergkönig Alberich und vater Otnits zu erkennen. 

(Der Otnit wird um 1225 entstanden sein.) 

2» 



20 BÜSSE 

Demantin (no. 18), vgl. v. 4868 ff.: 

Gander sich dar gebot di gast sprach 'Alyen mimt 

dorch ein gestüde nf einen bach. di sal mich trösten, daz is war, 

einen gast he haklen sach baz dan ich or nu zwenzig jär 

des he nicht hette irkant. mit ungemache habe unberen. ' 
dar wordin ros mit sporn gemant. 'der willich dir noch geweren, 

zusamene worden si getreben. du salt von or getröstet siu. 

di sper dorch di schiUle bieben son, ich binz di vater diu' etc. 
gestochin üf or beider brüst etc. 

(Der Demantin fällt in die jähre 1251—70.) 

Wigamür (no. 73) wird als kind von der meerfrau Lepia 
entführt, dieser aber wider durch ein meerwunder geraubt. 
In ritterlichen künsten erzogen, zieht er auf abenteuer aus 
und nimmt dienste beim könig Atroklas. Als kämpe des 
königs tritt er seinem vater Paltriot zum Zweikampf gegenüber. 
Beide erkennen und versöhnen sich, Wigamür vermählt sich 
mit der tochter des iVtroklas Dulciflür etc. 

(Der Wigamür ist erst nach 1250 entstanden.) 

c) In England. 
Sir Triamour (no. 22): Der kinderlose Aradas zieht nach 
dem heiligen lande, um dort abhilfe dieser not zu erflehen, und 
lässt seine gattin unter dem schütze eines verräterischen 
Vasallen zurück. Es folgt die bekannte Genovefageschichte in 
Verbindung mit der vom treuen hund, der die mörder seines 
herrn entlarvt, i) — Die verstossene gattin hat einen söhn 
geboren, der als jugendlicher ritter mit seinem vater im furnier 
zusammentrifft. Er besiegt ihn, wird dagegen von Aradas 
kurz darauf aus höchster lebensgefahr errettet etc. Die 
erkennung zwischen Triamour und Aradas erfolgt erst am 
Schlüsse des gedichtes. 

Sir Eglamour of Artoys (no. 22) verliebt sich, noch 
als gewöhnlicher ritter, in die tochter des earls von Artoys, 
Crystabell, und besteht, um sie zu gewinnen, drei gefährliche 
abenteuer. Während er aber noch an seinen wunden krank 
liegt, gebiert ihm Crystabell einen söhn, und wird von dem 
erzürnten vater sammt ihrem kinde den wellen preisgegeben. 



1) Vgl. bes. Aubry und seinen hund. 



SAGENGESCHICHTLTCHES ZUM Hir.DERRANDSLIKDE. 21 

Während sie selbst glücklicli zu ihrem oheim, dem könige von 
Aegypten, kommt, raubt ein greif den knaben und setzt ilin 
in Palästina aus, wo ilin der könig von Israel adoptiert. -Die 
mutter erkennt den söhn gerade noch wider, wie beide ver- 
mählt werden sollen. Degrabell tut nun ein gelübde, nur wer 
ihn selbst im turnier bezwinge, solle die band seiner mutter 
erhalten. Zufällig ist Eglamour bei einem dieser tuiniere 
anwesend: als Degrabell alle anderen litter geworfen hat, 
fordert er auch den einsam abseits stehenden zum kämpf 
heraus. P^glamour weigert sich zuerst, hebt dann al)er den 
jungen aus dem sattel, und nun folgt die übliche erkennung 
und Versöhnung. 

Sir Degore (no. 22): Ein ritter vergewaltigt die verirrte 
königstochter von England ; beim abschied schenkt er ihr sein 
Schwert, dessen spitze er als erkennungszeichen behält, und 
zwei handschuhe. Die prinzessin gebiert einen söhn und setzt 
ihn aus. Ein eremit findet und erzieht den knaben. Bald 
verrichtet der junge Degore gewaltige heldentaten; an den 
handschuhen erkennt ihn seine mutter, deren band er im 
turnier gegen ihren vater erworben hat. Nach mannigfachen 
abenteuern trifft Degore in einsamem walde einen unbekannten 
ritter. Nach heftigem, unentschiedenem streite eikennt der 
vater den söhn an dem Schwerte mit abgebrochener spitze. 

Guy von W'aiwick (no. oö): Am sclihiss de.s gedichtes 
wird das motiv im kämpfe Kaynburns, des sohnes (-iuys, mit 
seinem erzieher Heiaud und im kami)fe Aslaks, des sohnes 
Herauds, gegen llaynburne (und Heraud) wenigstens gestreift. 

fl) Ju r>ii IIP mark. 

Olger Dauske (vgl. s. 7): König Göde von Dänemark und 
sein söhn Galder treffen während einer sclilachl zu.sininien. 
aber keiner vermag den andren zu bezwingen. Schlit'.^^slich 
erkennt Galder den vater an der stimme, fällt ihm zu fü.^isen 
und bittet ihn um Verzeihung. 

5. Russische (und byzantinische) Versionen. 
Ilja von Murom (vgl. .^.7), der gefeiertste bngatyr des 
Sagenkreises von \\'ladimir Scliönsonne, erzeugt auf einer 
.seiner fahrten den Sbuta-Sokolniek (die mutter \wiss\ meistens 



22 BUSSE 

L^tigorka und ist entweder fürstin von Litauen oder eine 
einfache bauernfrau). Als der söhn herangewachsen ist, zieht 
er in die weit hinaus und trifft zufällig mit Ilja zusammen. 
Leicht bezwingt der alte den jungen, schenkt ihm aber das 
leben, wie er merkt, wen er vor sich hat.') Doch der söhn 
sinnt arges. In der nacht dringt er in Iljas zeit ein und 
spannt den bogen gegen den ruhig schlafenden; der pfeil prallt 
an dem eisernen kreuz auf Iljas brüst ab, Ilja erwacht, und 
nun fällt der söhn seinem gerechten zorn zum opfer. 

Nach andern liedern kämpft Ilja nicht mit seinem solin, 
sondern seiner tochter: eines tages erscheint eine riesige 
polenitsa und fordert die beiden Wladimirs zum kämpfe heraus. 
Keiner wagt sie zu bestehn, nur Ilja versucht es. Schon 
scheint sein Untergang gewiss zu sein, aber Ilja kann nicht 
im kämpfe sterben, und in erneuter anstrengung gelingt es 
ihm, sich zu befreien und die gegnerin zu bezwingen. Seiner 
auff orderung, ihren namen zu nennen, setzt sie zuerst beissenden 
höhn entgegen, schliesslich gibt sie sich aber zu erkennen, und 
Ilja umarmt voll vaterfreude die tochter. Doch ihr groll ist 
nicht besänftigt: sie zürnt dem vater wegen ihrer niederlage 
und zugleich auch wegen seiner gewalttat gegen ihre mutter. 
Das pferd Iljas weckt den beiden, gerade als sie ihn ihrer 
räche opfern will : er springt auf und reisst sie mitten entzwei. 

Eruslan Zalazarewitsch (RuslanLazarewitsch, vgl. s. 8): 
Wie zuerst Stasof (Vjestnik Evropy 1868, s. 183 ff.) sah, ist 
die russische sage von Eruslan Z. weiter nichts, als eine be- 
arbeitung des Schalmame, kann also auf selbständigen wert 
keinen ansprach erheben. 

Swetlana und Mstislaw (no. 13): In die schöne Swet- 
lana verliebt sich selbst der grossfürst Wladimir Schönsonne, 
aber sie liebt den jungen Mstislaw, Wladimirs jüngsten söhn, 
und weist daher die Werbung des fürsten zurück. Zornig stellt 
er den söhn zur rede und verbannt ihn aus der heimat. 
Mstislaw entflieht zusammen mit der geliebten; im wilden 
walde tritt ihm ein gewaltiger kämpe entgegen und verlangt 
preisgäbe der Jungfrau. Mstislaw antwortet ihm mit dem 



1) Hiermit schliessen die sog. abschwächenden Versionen. 



I 



SAGENGESCIIICHTLICHES ZUM HILDEBRANDSLIEDE. 23 

scliwerte, doch vor der furchtbaren kraft des feindes sclieiiit 
er erliegen zu müssen. Da führt er mit letzter anstrenjjcung 
einen schwerthieb nach dem haupte des fremden, der heim 
zerspringt, und Mstislaw erkennt in seinem gegner den eigenen 
vater, der, seinen zorn bereuend, nachgeritten ist, den solin 
und seine braut heimzuholen. 

'0 vioq Tov jivdgovixov (no. 45): Die Sarazenen iaul)eii 
die schwangere frau des Andronikos, in der gefangenschaft 
gebiert sie einen söhn, der, von kindesbeinen an riesenstai-k, 
Simsonstaten gegen die ungläubigen verrichtet. Dann zieht 
er zum lager seines vaters, das die mutter ihm beschrieben 
hat. Er setzt über die hohe mauer, und nun ents[>innt sich 
zwischen söhn imd vater folgendes gespräch: 

Andren.: '!^, ßQt /hcjqov x^ dvi]hxov, nöQ^ev fV ^ yeviü aov, 

xal n6d-£v tv 7} QiL.a oov xcci xd yevvrjTixu oov ;' 
söhn: 'I^v ötv fxov '^/xöo^g ZQsZg <poQcäg, öiv yvgvw vd TieL.evrsio.' 
Andr. : 'T^v nidaot) to ana&dxt fiov, xa?.a df'P.w aov fiöaüj/ 
söhn: '^v nida-^q xo ona&dxi oov, tx<o xHyd) öixöv ftov/ 
Andr.: 'T^v ntdaco xo xovxdgi fxov, xaXa S-elo) aov ''fiöao}/ 
söhn: 'T-lr niaatjq xö xovxdgi aov, txo) x^eyci Sixöv fiov/ 
Andr.: ^ Md xo anai^l nov twvo/icci, xid nuy' d^ngöq xrd niow, 
dq XTjv xaQÖidv fiov vd ßvrjxS-^, av ah xccxaöixtjaw.' 

Da endlich gibt sich der söhn zu erkennen. 

(Das gedieht ist uns zwar erst aus dem 17. jli. überliefert, 
sicher aber viel älter). 

Armuri (no. 72), Armuris söhn, wächst zu einem furcht- 
baren beiden heran und erschlägt allein ein ganzes Sarazeneu- 
heer. Wie er nach seinem vater fragt, erfährt er, .sein vater 
schmachte seit langen Jahren in der gefangenschaft der un- 
gläubigen, und er eilt fort, ihn zu befreien. Der emir will seine 
mannen zusammenrufen, aber sie hat Armuri eben erschlagen; 
so muss der ungläubige den alten Armuri frei lassen und dem 
jungen seine tochter zur frau geben. 

Saul Levadinovitsch (vgl. s. 8) zieht aus. das lateinische, 
litauische und sarazenische reich zu erobern; seine frau .soll 
ihm, falls sie einen söhn gebiert, diesen im neunten jähre 
nachschicken. Schon mit sieben Jahren ist Konstantin ne.sen- 
stark, mit einem ehernen kolben venichtet e)- giosse hehlen- 
taten, erschlägt allein beere von Sarazenen und Tataren und 



24 BUSSE 

zieht aus, seinen vater zu suchen. Saul ist inzwischen lange 
jähre von den ungläubigen gefangen gewesen; erst jetzt er- 
innert man sich seiner wider, holt ihn aus dem kerker und 
verspricht ihm die freiheit, wenn er den schrecklichen fremd- 
ling bezwinge. Ein furchtbarer kämpf entbrennt zwischen 
beiden. Saul fleht zu gott um hilfe und besiegt endlich den 
gegner. Konstantin gibt sich zu erkennen, und beide um- 
armen sich. 

6. Alleinstehende Versionen. 

Anssaga bogsveigis (no. 4): Der starke Ann wird von 
könig Ingjaldr wegen meuchelmords geächtet und flieht zu 
einem einsamen gehöfte, wo er mit der tochter des hauses 
einen söhn erzeugt; scheidend lässt er für diesen einen ring 
zurück. Nach seiner rückkehr sieht er abends einen licht- 
schein ; er fürchtet, der könig stelle ihm wider nach, schleicht 
sich näher und findet einen Jüngling am feuer sitzen, der 
gerade mit essen beschäftigt ist. Ann spannt seinen wunder- 
baren bogen und schiesst mit dem ersten pfeil dem fremdling 
den bissen aus der band, mit dem zweiten durchbohrt er den 
teller, der dritte zersplittert die messerschale. Als der fremde 
nun auch zum bogen greift, verbirgt sich Ann hinter einer 
grossen eiche, die genau dort, wo er steht, von drei pf eilen 
getroffen wird: pd mceltl sei hinn ungi maÖr: 'hitt er ])eim 
rdd, er skaut at mcr, at synii silc nü, ok hittumst viö, ef kann 
ä viö mik sakirJ Siööan gekk Ann frani, ok töku til glima, 
ok var Peirra atgangr mjgk sterkligr. Ann nueddist skjötara, 
pviat hinn var stinnleggjadr ok sterkr. Ann had pd hvilast, en 
hinn ungi madr Uzt hüinn til hvorstveggja , ok J)ö red Ann; 
hann spyrr: 'hvert er nafn pitt?' Hann kvedst Pörir hcita, 
en sagöi fgdur sinn heita An, 'eöa hverr er tu?' — 'Ek heiti 
Ann,' sagöi hann etc., bis endlich die definitive erkennung 
erfolgt. 

(Die älteste hs. stammt aus dem 14. jh., die sage ist ver- 
mutlich älter; Ann bogsveigir selbst scheint eine historische 
persönlichkeit gewesen zu sein, vgl. Vatnsdselasaga cap. 5 und 
Landnämabök 145. 185.) 

Die Zigeunerballade (no. 74; vgl. s. 8): Ein Jüngling 
erschlägt im walde am heiligen flusse einen alten mann und 



SAOEN«ESCniCnTr-UHi:s ZIM IIU.PKHRANnSMKPK. 2.') 

raubt ihm sein tliaf^ai tiidi. ilieian eikeiiiit die miittei-, dass 
der söhn den eigenen vater erschlagen hat, und verfincht d^n 
niörder. 

(v. Wlislocki möc'lite dies kleine gedieht noch in die in- 
dische heimat der Zigeuner zurückversetzen (der 'heilige Uns«' 
= (langes?); ob mit recht, ist allerdings sehr zweifelhaft.) 

.Ten-kueis heimkehr (vgl. s. 8): Der weitberiihmt«' feld- 
lierr Jen-kuei kehrt nach achtzehnjähi-iger Verbannung in die 
heimat zuriick und erschiesst einen ihm unbekannten jünglintr. 
weil dieser besser mit dem bogen umzugehen weiss, als .len-kuei 
selbst. Zu spät erfährt er, dass der einior<lete sein eigener, 
erst nach der Verbannung geborener söhn Ting-Schan ist. und 
stürzt besinnungslos zu boden. 

C. Die verschiedenen typen der sagonbildung und der 
mutmassliche ausgang des alten Hl. 

Aus der wirren masse der eben angeführten sagen und 
erzählungen, die nur das eine motiv zusammenbindet, la.^sen 
sich mühelos grössere gruppen herausheben ; ebenso ergil)t sich 
schon bei obertläclilirlier betrachtung, dass durchaus nicht alle 
diese beispiele gleichwertig sind, dass besonders für die be- 
urteilung des Hl. ein gi'osser teil einfach fortfällt. Zunäclist 
sind directe nachahmungen, wie Eruslan Zalazarewitsch oder 
Sadoc und Apollo, ganz wertlos;') ebenso ni<«chl»' ich den 



') Das.s die erzähluiit;: von Sarloc uiul .\it<ill<i mir oiiif mit t-iu i>*ar 
initt»Ma!terli<hpii ziii,'Pii ausf,'efitattet(' uiiitiililmij,' <l<r (V«liiiu.«<«up i-t, ilUrft« 
schon an.«» »Icr inhalt.sanicfabe hervorjfphrn , vj^l. tx'-nntlfrs <\m orakel und 
den idiilosDphen, die aussetzunp. den rätselriesrn nnd di»' »-iiliini nnd di«« 
tötung des (pflegeOvaters, den er nicht kennt, l'eberhaupt i^t die p»»x«' 
eiuleitung de« Tri.stan aus allen möglichen sagenfetren znHaniinenk''"fli<'kt, 
vgl. be.sonders den hrudennord , die aui«.'«etzung Sadoc« nnd die nchickwüe 
Chelindens, die von eimr haud in die andre geht (vgl. «. b. Iloc«-«rrioii 
Decameron 2. abend 7. erzählun;: und die Tragikonn'Klie ilen lieb.><ik«n>iiff»); 
die rätsel de.s riesen sind wol mit benutznng des .ViMilloniuH von Tvnw 
entstanden. Da-s motiv de« verwantenuiordes ist bis zum Ubenlrti^n (ft«hituft: 
.Sailoc erschlügt seineu bruder, AitoUo den vater und nicht grnug d»mit, 
auch noch den pHegevater (der im orakel für den wirklichen v»l*r der 
OedipussMge «iniretreten ist). L«ider vermag ich nicht fi^^UHUtrllen . wie 
weit der l)eri( bt des grafeu Tre.H.san hier zuverhU^ig ist, vgl. »uch ». IH, mmn. 



26 BÜSSE 

kämpf Wladimirs und Mstislaws übergehn, da er von vorn- 
herein einen selir modernen eindruck macht und ich ihn auch 
nirgends sonst wider erwähnt gefunden habe; vermutlich hat 
also V. Busse diesen gesang selbst erdichtet (ob mit benutzung 
einer alten sage, vermag ich nicht zu sagen). Zwischen den 
rein oder doch halb scherzhaften kämpfen (Herakles und Zeus, 
Otnit und Alberich, Eobastre und Malabron) und den übrigen 
fassungen ist wol kaum irgend ein innerer Zusammenhang 
herzustellen; Jen-kueis heimkehr enthält überhaupt keinen 
kämpf, sondern einen ganz gewöhnlichen meuchelmord, auch 
in der Zigeunerballade i) ist nirgends die rede von einem 
kämpf zwischen vater und söhn: beide sind also mit nicht 
mehr recht hierher zu stellen, als etwa Shakespeares Titus 
Andronikus (Titus und der unbotmässige Mutius) oder die 
bekannte schottische ballade Edward, die schwedische Sven i 
Rosengärd etc., um von modernen dramen, wie Lillos Fatal 
cuiiosity, Werners Vierundzwanzigstem und Müllners Neun- 
undzwanzigstem februar ganz zu schweigen. 2) 

Was übrig bleibt, teilt sich schon auf den ersten blick in 
zwei grosse gruppen : solche mit tragischem und solche mit 
versöhnlichem ausgang, zu denen dann noch 'abschwä- 
chende' typen der ersten gruppe kämen, 3) Zur ersten gruppe 
würden Eustam, Ilja, Telegonos, Cüchulain (und Hildebrand) 
gehören, ziu- zweiten die sämmtlichen französischen "•) 
und dem frz. epos nahestehenden fassungen, ausserdem die 
byzantinisch-russischen Versionen und die Anssaga, die aber 
ganz für sich steht. Jiriczeks 'abschwächende' gruppe würde 
sich aus der jüngeren Hildebrandfassung, einigen Iljaversionen 
und wol auch dem von Kuno Meyer entdeckten kämpfe Finns 
und Oisins zusammensetzeiL 



^) Aehnlich auch in der Oedipussage. 

2) Ich würde diese kaum erwähnt haben, wenn nicht Du Meril (no. 21) 
a. a. 0. sie zur erklärung des alten motivs heranzuziehen versucht hätte. 

3) Vgl. Jiriczek s. 277. 

*) Nur die kämpfe von Renoars und Isories mit ihren vätern enden 
ohne Versöhnung, wenn auch nicht tragisch; hier ist die motivierung 
(religiöser fanatismus, gegensatz von Christen und Sarazenen) aber so 
durchaus verschieden von den andren fassungen und so offenbar unursprüng- 
lich, dass wir beide ohne weiteres ausscheiden können. 



SAGENGESCIIICHTLICHES ZUM HILDEBKANDSI.IEDK. 27 

1. Der versöhnliche typus. 

Schon beim ersten blick muss der starke contrast zwisclieu 
der ersten und zweiten g-ruppe und wider die enpc litei-arisrlic 
Verbindung innerlialb der zweiten gruppt' auffalh'U. Handelt 
es sich bei der ersten um alte heldensage, (lic teilweise 
selbst mit mythischen zügen ausgestattet ist, und ist dem 
geiste wirklicher heldensage entsprechend hier das problem 
des kampfes zwischen den allernächsten blutsverwanten mit 
tiefem ernst und erschütternder tragik btdiandelt . s(» dient 
dasselbe problem in der zweiten grupiie nur zur angenehmen 
Spannung für einige augenblicke, die nicht minder angenehm 
ausgelöst wird: beide kämpfer erkennen sich oder weiden ge- 
trennt, und wo sich gar einige tragische accente bemerkbar 
machen, me im Baudouin de Sebourc, gibt sich der unter- 
liegende gerade noch zur rechten zeit zu erkennen, und vater 
und söhn liegen sich gerührt in den armen: ganz wie im 
modernen roman oder lustspiel. 

Es fragt sich nun, ob man nicht trotz dieses ganz ver- 
schiedenen geistes einen Zusammenhang zwischen beiden 
gruppen herstellen kann. Zunächst liegt auf der band und 
ist einfach zahlenmässig nachzuweisen, dass überall, wo tra- 
gische und versöhnliche fassungen unseres motivs nebenein- 
ander, d.h. in derselben literatur, auftreten, die tragischen 
fassungen die älteren sind: wir können daher schliessen, da.ss 
ursprünglich der kämpf zwisclien vater und solm überall 
tragisch endete. Wo aber tinden wir bindeglieder zwischen 
den beiden so abweichenden behandlungsweisen? Da die haupt- 
masse und zugleich auch die ältesten Vertreter der versöhn- 
lichen gruppe dem frz. epos angeluüen, so dürfen wir wol von 
hier aus weiter suchen. Die ältesten fassungen auf frz. bodeii 
sind die beiden lais von Milun und Doon: beide stimmen 
(wenigstens in dem für uns in betracht kommenden zweiten 
teil) so gut wie ganz überein und gehören ausserdem dei-selben 
zeit und gegend an (vgl. die spräche), wir können sie daher 
füglich als einheit betrachten, sicher die «rleiche quelle für 
beide in anspiiich nelim»'n.') Wo aber haben wir die.M» zu* 



') Die annähme, eins von beiden gehe anf da« andere rurück. int nicht 
znlässijr, da der ernte teil starke abweichnn»;:»'" aufweist (v^H. Ix^Monders 
den briefschwau des Milun). 



28 BUSSE 

suclieii? Schon der iiame lai weist uns auf bre tonischen, 
d.i. keltischen Ursprung; von Marie de France wissen wir 
auch sonst, dass sie aus bretonischer Volksüberlieferung 
schöpfte, 1) schliesslich ist die handlung selbst in die Bretagne 
verlegt. -) AVir können demnach mit Sicherheit sagen, dass es 
vor 1170 eine bretonisch-keltische fassung des motivs 
gab, die unblutig endete. Auf keltischem boden können 
wir aber sonst nur die tragische fassung nachweisen, wie 
sie in Cüchulain und Conlaoch vorliegt; diese geht dafür in 
um so ältere zeit zurück 3) und hat um so tiefere wurzeln in 
der seele des Inselkeltenvolkes geschlagen. ') Diese sage nahmen 
die Aremoriker mit in ihre neue heimat, und hier muss die 
Umbildung zu dem von den beiden frz. lais dargestellten typus 
stattgefunden haben. ^) Wir haben es also bei unserer sage 



1) Vgl. Chevrefeuil (?) Bisclaveret (?), Giiingamore, Iwenec etc. 

2) au mont Saint Micliiel en Bretaigne, der auch sonst in der uor- 
mannisch-frz. epik eine grosse rolle spielt. 

3) Man braucht sich keineswegs den phantastischen, von wissenschaft- 
lichem geiste unberührten träumereien von D'Arbois de Jubainville 
(a. a. 0. s. XXXVf.) anzuschliessen und kann selbst Nutts ansieht (a.a.O. 
s. 116), die sage von Cfichulain schildere die taten eines mannes, der etwa 
um den beginn der christlichen Zeitrechnung gelebt habe, kritisch gegenüber- 
stehn (wie wenig ängstlich Nutt in Zahlenangaben ist, beweist z. b. , dass 
er sagt, die beiden lais von Mihm und Doon seien spätestens im 12. jh. 
entstanden, während wir beinah das jähr ihrer entstehung [um 1175] nach- 
weisen können), sicher aber ist die sage von Cüchulain und Conlaoch eine 
der ältesten keltischen und für das 10. jh. durch ein gedieht des Cinaed 
hua Artacain (f 975) sicher bezeugt. Dort heisst es (Leinsterbuch s. 31, vgl. 
D'Arbois de Jubainville a. a. o. s. 52 f.) col. 2, 1. 8 — 9: Do cer Cücliulainn co 
fi — for cneis corthe Crumthert; For träig Baue Bressim n-gle, — doro- 
cliair öinfer Äife, d. h. es fiel Cüchulainn — welch ein Unheil! — neben 
dem hohen stein von Crumtheri; am glänzenden gestade von Baile Bressim 
— fiel der einzige söhn A'ifes (Aife ist die mutter Conlaochs und geliebte 
Cüchulains) ; vgl. ferner Zimmer, Zs. fda. 32, 196 ff. 

*) Die von Campbell (no. 14) a. a. o. widergegebene fassung beweist, 
dass die sage noch heute fast unverändert im volksmunde fortlebt. 

^) Besonders zu beachten ist, dass in der überwiegenden mehrzahl der 
frz. fassungen der söhn sieger ist, während ebenso in der überwiegenden 
mehrzahl der tragischen Versionen der vater den söhn schlägt. Auch diese 
umwandelung beruht auf der alten keltischen sage; denn hier zeigt sich 
Conlaoch zunächst überlegen und wird nur durch die zauberwaffe des alten 
schliesslich bezwungen (der ähnliche verlauf in der persischen sage kann 



SAGENGESCHICHTLICHES ZUM HILDEBKANDSLIKDE. 20 

mit einem ähnlichen process zu tun. wie er sicli mit dci- altcu 
keltischen nationalsage von könig; Artliur und seinen helden- 
mütigen kämpfen gegen die germanischen endierer, ebenso 
auch mit der Tristansage ') bei den liretonen vollzogen hat. 
Losgelöst von ihrem entstehungslande und unter dem eintluss 
der neuen lebensverhältnisse und culturbcdingunjicn verloien 
die alten sagen allmälilich ihren tieferen Inhalt und das un- 
mittelbare nationale lebensinteresse und sanken zu blossen 
unterhaltungsstoffen herab, die nun mit einem iiMclien kianz 
phantastischer neubildungen umschlungen Avurden. 

Marie de France und dei- unbekannte dichter des Doon 
griffen einen dieser zu blossen märchen herabgesunkenen Stoffe 
(eben den, mit dem unser motiv verknüpft war) auf, und so 
wanderte dies in die frz. epik, wo es sich bald als beliebtes 
moule epique geltung zu verschaffen wusste. Dass zwischen 
den einzelnen fi-z. romanen, die unser motiv benutzen, von 
Raoul de Cambray und Floovanz bis auf Baudouin de Sebourc 
nnd die Anchroja Regina, wie überhaupt der gesammten afrz. 
epik ein enger literarischer zusannnenhang besteht, bedaH 
wol hier nicht erst des beweises; ebenso ist vidlig sicher, dass 
sowol die me. romanzen, wie der Olger Danske auf frz. (luellen 
zurückgehn und dass der Biterolf, der Wigamfir und der 
Demantin stark unter frz. eintluss stehn. \\'i(litiger ist e.s 
den einzelnen typen der sagenbehandlung innerhalb dieses 
gebietes nachzugehn. Die einleitnng zunächst ist fast überall 
dieselbe: der vater hat irgendwo in der fremde einen scdin 
erzeugt, ihm einen ring oder dergleichen als erkennungszeiclien 
hinterlassen, nnd der söhn macht sich nun auf, seinen vater 
zu suchen. Dagegen ist die art des Zusammentreffens ver- 
schieden motiviert: die älteste form (Milun und Doon) läs.st 



weni;?stens auf bcwusst künstlerischer erweiterung bemliu , vgl. anch die 
Zerlegung des kanipfes auf drei volle tage). 

•) Die Tristansage schilderte ur8i)rünglich deu kuinjjf eines rictonlnldru 
(Tristan) des 9. jh.s gegen räuberische vikiuge, die von Irland hrr die 
britannischen Kelten brandschatzten (vgl. die irischen Nornianneureiche). 
Später wurde dieser historische kern besonders durch motive aus der Thesous- 
sage und der weit verbreiteten luärchen- und novelleuliteratur verdunkelt. 
Vgl. besonders die abhandlung von Zimmer, Zs. f. nfr«. spräche n. litt. 13, 
bes. 3. lOÜ ff. 



80 BUSSE 

vater und söhn sich im turnier zufällig treffen, ebenso 
Eglamour und Triamour; ein zufälliges zusammenstossen 
zeigen auch Richars li biaus, Degore und Gander; während 
einer seh lacht treffen sich Clovis und Floovanz, Bernard 
und Isembart, Clarembaut und Hugues, Biterolf und Dietleip, 
Göde und Galder. Das motiv eines gerichtlichen Zwei- 
kampfes, ich meine eines besprochenen Zweikampfes, der 
meistens über sieg und unsieg zweier Völker entscheiden soll, 
weisen Eaoul de Cambray, Baudouins de Sebourc, G. de la Barra 
und Wigamür auf. In der mitte zwischen diesem typus und 
dem Zweikampf aus religiösem fanatismus steht der kämpf 
Rinaldos und Guidons ; die letzte gruppe endlich bilden Eenoars 
und Desrames und Isories und Mauzeris. 

Für die literarisch eng zusammenhängende westeuropäische 
gruppe') wäre demnach der aiisgangspunkt erwiesen: interessant 
ist, dass auch dieosteuropäische (byzantinisch -russische) 
derselben wurzel entsprossen ist. Betrachtet man näm- 
lich die sage von Saul, Leos söhn, etwas genauer, so zeigt 
sich eine bis in einzelheiten gehende Übereinstimmung mit frz. 
parallelen, besonders der sondergruppe des gerichtlichen Zwei- 
kampfes, die kaum anders als durch directe entlehnung erklärt 
werden kann. Wie sollen wir uns aber die Wanderung eines 
frz. epischen Stoffes nach dem fernen, von der westlichen 
cultur schroff abgeschlossenen, heiligen Eussland des mittel- 
alters vorstellen? Ich gestehe selbst, dass der gedanke zu- 
nächst etwas phantastisch scheinen mag, die möglichkeit 
an sich darf aber nicht abgeleugnet werden : auch die bylinen 
von Bove Korolewitsch und der schönen Drujnewna sind weiter 
nichts, als eine notdürftig mit einigen zügen der nationalen 
epik ausstaffierte widergabe der afrz. chanson de geste von 
Beuve d'Hanstone, vermutlich nach den Reali di Francia.^) 
Die entlehnung ist unzweifelhaft, wir können aber keine 
Zwischenstufen nachweisen und müssen uns mit der blossen 



') Nur die Ans saga bogsveigis steht allein. Hat sich hier das motiv 
aus einem wirklichen ereignis entAvickelt, oder ist es unabhängig entstanden, 
oder liegen noch unaufgeklärte literarische beziehungen vor? (am ehesten 
erinnert die einkleidung des kampfes noch an die irische 'abschwächende' 
Version von Finn o' Baiscne und Oisin). 

2) Vgl. Eambaud (no. 58) s. 429 ff. 



«AGENGESCHICHTLICnES ZUM HILDEBRANDSLIEDE. 31 

tatsaclie begnügen. — In unsenu falle dagegen wird die auf- 
gäbe dadurch erleichtert, dass ohne Schwierigkeiten schon aus 
den blossen namen') festgestellt werden kann, dass die 
Saulsage nicht russischen, sondern byzantinischen 
Ursprungs ist. Vermutlich geht dies dem nissischen Saul 
Levadinovitsch zu gründe liegende b^-zantinische gedieht auf 
dieselbe quelle "iiurück, wie das mgriech. lied von Annuris 
söhn, wo zwar der kämpf selbst fehlt, die einleitung aber 
auffallend mit der des Saul übereinstimmt. In welchem zu- 
sammenhange endlich der söhn des Andrunikos "^j mit dieser 
sage steht, lässt sich, da das motiv des kampfes zwischen 
vater und söhn in dem rQcr/ovdiov ganz verwischt ist, nicht fest- 
stellen, doch ist ein solcher wahrscheinlich vorhanden gewesen. •'') 
Von Byzanz ist die brücke zum fiz. epos nicht so schwer 
zu schlagen, wie es auf den ersten blick scheinen mag. ^^'ie 
in früheren Zeiten die byzantinische literatur, besonders der 
spätgriechische roman, einen bedeutenden einfluss auf die ent- 
wicklung der westlichen literatur ausgeübt hatte, ^) so wirkte 
(besonders nach der gründung des lateinischen kaisertums) 
auch die w'estliche dichtung, speciell das frz. epos, nicht un- 
bedeutend auf die byzantinische ein. Wir haben eine ganze 
reihe von mgriech. romanen nach frz. mustern, wie directe 
bearbeitungen fiz. Stoffe. So den Il^iOtiv^ Ijtjtoxiji; (um 1300) 
nach dem Artusroman GjTon 11 Cui-teis, 'HfintQio^ xai Muq- 
yaQcova (nach 1350) nach dem fiz. Pierre de I'rovence et la 
belle Maguelone, •'') 'EQoaToxQnog mit benutzung der Keali di 



I 



*) Levadiuowitsch = 'solin Leos'; der söhn Sanis lieisst Konstantin, 
die frau Helena. Vgl. übrigens Wessclofsky (no. 72) s. 594 ff. 

'■') Der söhn des Andronikos ist Digenis Akritas, der vielgefeierto held 
der nationalen byzantinischen dichtnng. 

*) Die Übernahme byzantinischer Stoffe in die rassische dichtung hat 
nichts überraschendes: die ganze altrnssische cnltnr war ja eigentlich 
byzantinisch, die mssischen erzählungen von Adam, Noah, .\bniham. Salomo, 
Barlaani , dem babylonischen reiche, dem priester .lohanncs, v«in Truja, 
Alexander, wie der I'hysiologus etc. beruhen .sänimtliih auf byeantini.-when 
quellen; selbst die griechische nationalsage von Digenis Akritas hat eingang 
in die russische literatur gefunden. 

♦) Vgl. bes. die freunde, dius tindelkind und die treuen lieb«uden, die 
in der abendländischen literatur immer wider auftreten. 

") Vgl. auch unser Volksbuch. 



32 BUSSE 

Francia, 'EQcocplXrj mit benutzung des Tasso. ') Ebenso haben 
wir in Avßiorog xal 'Poödfirr/ und BtX&avdgog xcd XQvOavzC,a 
zwei mgriecli. romane, die nacli dem muster des frz. angelegt 
sind, ohne dass wir directe fremde quellen nachweisen könnten.'^) 
Eine ähnliche freie Umbildung eines frz. Stoffes aus der Unter- 
abteilung des gerichtlichen Zweikampfes haben wir wol auch 
in dem den liedern von Armuri, Armuris söhn, und Saul, Leos 
söhn, zu gründe liegenden original zu erblicken. 

2. Die 'abschwächenden' Versionen. 

Denselben geist, wie der vom frz. ausgehende versöhnliche 
typus, atmen auch die sogenannten abschwächenden fassungen, 
besonders die jüngere Hildebrandssage: Hildebrand weiss 
genau, dass der fremde kämpe sein söhn ist; er weiss, dass 
sein söhn ein gewaltiger kriegsheld ist und ihn zum kämpfe 
herausfordern wird ; er weiss, dass ein wort von ihm genügen 
würde, den ganzen kämpf unmöglich zu machen, aber es drängt 
ihn, dem jungen zu beweisen, dass er ihm doch überlegen ist, 
und einzig aus diesem gründe entspinnt sich der kämpf, der 
nur durch den verräterischen schlag Alebrands und durch die 
namensverweigerung hier und da eine leise tragische färbung 
erhält. Es fragt sich daher, ob man nicht directe beziehungen 
zwischen dem frz. romantypus und dieser 'abschwächenden' 
fassung herstellen kann. 

Nun lässt sich ja nicht verkennen, dass schon im alten 
Hl. ausätze enthalten sind, die eine friedliche entwickelung 
erleichtern. Gewis musste es einer weicher empfindenden zeit 
als furchtbare Unnatur erscheinen, dass der vater den söhn, 
den er gleich an dessen ersten Worten erkennt, tötet, mag der 
söhn den kämpf provociert haben oder nicht, und gewis wird 
man hier versucht haben, zu ändern. Zu einer so radicalen 
änderung, wie sie in den jüngeren fassungen vorliegt, wird 
man indessen nicht ohne weiteres gegriffen, sondern man wird 
zunächst andere, zwingendere motive für Hildebrands hand- 
lungsweise gesucht haben. Glücklicherweise können wir aus 
den späteren fassungen noch ersehen, wie man änderte. Im 



^) Vgl. Krumbacher, Geschichte der byz. lit. s. 866 ff. 
^) Vgl. E. Rohde, Der griech. roman s. 535. 



SAGENGESCniCHTLICHES ZUM IIILUEUKANÜSLIEÜK. 33 

allgemeinen kann man wol sagen: ziigc, die nicht vcistanden 
sind, sind nicht mehr verstanden, enthalten also rudimente 
einer früheren sagengest alt. Solclier rndimente finden 
wir nun in der jungem Hildebrandsage zwei: den ver- 
räterischen schlag und die namensverweigerung. Ueber 
den ersten punkt erfahren wir genaueres in der IjiArekssagu, 
der zweite ist in beiden fassungen gleich behandelt, ^^'il• 
würden demnach eine sagengestalt erhalten, wuiiach der schon 
bezwungene söhn verräterisch den gegner zu tüten versucht, 
ausserdem aber seinen namen verweigert. Dass dies eine 
häufung von motiven ist, von denen jedes für sich genügen 
würde, die handlungsweise Hildebrands zu rechtfertigen, liegt 
auf der band. AVas für ein Interesse soll Hildebraiul daran 
haben, den gegner, den er nicht kennt (niu- so hat ja die 
namensverweigerung einen sinn) und der ihn verräterisch zu 
töten versucht hat, nacli seinem namen zu fragen? ^\'äre es 
da nicht viel natürlicher, dass er ihn in aufloderndem gerechtem 
zorn ohne weiteres niederhaut? Wir dürfen daher wol mit 
Kögel (Lit.-gesch. s. 234, vgl. auch s. 49 ff.) diesen zug (den 
verräterischen schlag) schon der alten sage und dem uns vei-- 
lorenen ausgang des alten Hl. zusprechen, und sehen dann in 
der namensverweigerung einen anderen erklärungsvei-such 
für die tat des vaters. AMr würden auf diese weise eine 
sagenform erhalten, die auffällig mit der persi.-^chen und 
irischen übereinstimmen würde, die aber wahrscheinlich nur 
ein secundärer versuch wäre, Hildebrands tat dem gefühl einer 
späteren zeit gemäss zu motivieren (wobei dann der ver- 
räterische schlag sinnwidrig oder doch ohne ersichtlichen 
nutzen mitgeschleppt wäre), vielleicht aber auch .m-Iiou neben 
der im Hl. erhaltenen form existierte (suthiss dann die der 
piörekssaga zu gründe liegende fassung aus einer contamination 
dieser beiden sagengestalten entstanden wäre?). Auf alle fälle 
bliebe das resultat des kampfes dasselbe tragische, und es ist, 
so lange man das Hl. als für sich stehendes, abgesclilossenes 
ganze betrachtet, gar nicht abzusehn. warum man diesen auch 
für moderneres zeitemi)finden neugestützten ausgang aufgegeben 
haben sollte. Anders wird dagegen die sache, wenn man das 
Hl. im rahmen der ganzen grossen Dietrich.^age ansieht. Für 
den Verfasser einer grossen sagencompilation. wie z.b. den der 

Beiträge zur geschichte der deuucheu spräche XXVI. 3 



34 BUSSE 

piörekssaga , oder überhaupt für jemand, der mit der aus- 
geprägten Dietrichsage des 12. und 13. Jh.'s vertraut war, 
musste allerdings der tragisch verlaufende kämpf zwischen 
Hildebrand und seinem söhne einen stein des anstosses bilden, 
da die äusseren Verhältnisse des Zusammentreffens völlig ver- 
ändert waren. Im alten Hede will Hildebrand an der spitze 
eines hunnischen heeres die landesgrenze überschreiten, von 
der andern seite rückt ein Gotenheer zur ab wehr heran, 
zwischen beiden beeren treffen sich söhn und vater: hier ist 
ein blutiger kämpf nur natürlich. Anders in späterer zeit. 
Da kehrt Dietrich heim, nur von Hildebrand und frau Herrat 
begleitet, und ohne Schlacht fällt ihm sein reich zu, zumal 
der böse oheim Ermenrich gestorben ist. In diesem frohen 
Schlussbilde würde allerdings der fall Hadubrands-Alebrands 
von der band des vaters einen hässlichen fleck bilden, und es 
war nur natürlich, dass man hier nach einem anderen, ver- 
söhnenderen ausgang suchte ; nicht minder natürlich aber auch 
ist, dass der betreffende dichter') sich an Vorbilder für 
seine umdichtung anlehnte. Solche Vorbilder boten ihm aber 
eben die versöhnlichen typen aus dem machtbereich des frz. 
epos: vorausgesetzt, dass er sie kannte. Mit unrecht und 
nur auf grund eines durchaus unzulänglichen sagenmaterials ^) 
versucht Nutt in seinem sonst sehr lesenswerten aufsatz (s. 128) 
diesen gedanken (der ihm doch selbst gekommen sein muss) 
lächerlich zu machen: 'we find in Milun and in Doon two 
presentments of the same theme,^) from which the tragic 
issue has been eliminated. If the Hl. really was originally 
tragic, the same development took place in Germany. Now 
the keenest partisan of the borrowing theory will hardly 
maintain that the author of the piörekssaga changed the tragic 
nature of the older German version because the author of 



') Das dichtende 'volk' der romantiker ist ein wol endlich über- 
wundener Staudpunkt, und ob der betreifende dichter nun kunstmässig ge- 
schult war oder nicht, ob er in poetischer form dichtete oder nicht, ob er 
sich überhaupt dessen bewusst war, dass er umdichtete oder nicht, bleibt 
völlig gleichgiltig, jedenfalls ist aber festzuhalten, dass es sich zunächst 
um einen rein subjectiven act handelt. 

2) Cüchulainn, Finn, Hildebrand, ßustam, Milun und Doon. 

8) sc. 'the father and son combat' (s. 127 ff.)- 



SAGENGESCHICHTLICHES ZUM HILDEBRANDSLIEDE. 35 

Milun liad clianged the tragic nature of the older Celtic 
Version. Surely liere is an example of independent development 
acliieving- the same result.' Auf die gefalir liin, von Xutt für 
einen der 'verwegensten Vertreter der entlelinungstheorie' ge- 
halten zu werden, behaupte ich dies niclit nur, sondern lioffe 
es sogar zu beweisen, freilich nicht, dass der autor der piAreks- 
saga gerade die Veränderung vorgenommen habe, ') aucli niclit, 
dass Marie de France das alte keltische motiv umgestaltet 
habe, 2) wol aber, dass die umwandelung der alten 
tragischen sage von Hildebrand und seinem söhne in 
eine solche mit versöhnlichem ausgang unter dem 
einfluss der frz. epik erfolgte. 

Zunächst ist zu beachten (was Xutt nicht erwähnt), dass 
dieses frz. motiv bereits in die hd. wie nd. literatur^) ein- 
gedrungen war, und zwar weniger in die eigentlich höfische 
(keines der drei in frage kommenden epen gehört ja im 
strengsten sinne der höfischen dichtung an), wo es merk- 
würdiger weise überhaupt auf deutschem boden nicht vor- 
kommt, als vielmehr in die auf der grenze zwischen volks- 
tümlicher und höfischer kunst stehende dichtung. Natürlich 
meine ich nicht etwa, der umdichter habe gerade die drei 
erwähnten epen gekannt (von denen der Demant in vielleiclit 
sogar jünger als die piörekssaga ist), aber das ist auch gar nicht 
nötig: neben der uns literarisch überlieferten dichtung gab es 
ja noch eine reich entwickelte Spielmannsdichtung gerade 
in Niederdeutschland, von der wir so gut wie gar nichts*) 
wissen würden, wenn nicht zufällig der nordische sagasclu-eiber 
alles das was in irgendwelcher beziehung zu könig läi^rekr 
stand oder doch in beziehungen zu ihm zu setzen wai-, in 
seiner grossen sagencompilation verarbeitet hätte. Dass 
rührige fahrende aber, wenn sie auch nicht die feine glätte 
des ausdrucks und die kunst des Versbaues der höfischen dicliter 



') Au deu Verfasser der piörekssaga ist selbstverstäudlicb keinen angeu- 
blick zu denken: dann müssteu wir ja zweimal dieselbe umdicbtniig an- 
nebraeu, die beide mal zu ganz gleicbem resultat gefübrt bätte. 

=*) Vgl. bieizu s. 28. 

3) Vgl. Biterolf, Wigamiir und Dtmantin. 

*) Einige fetzen, wie Koninc Ermenrikos döt oder die nd. fassuug des 
Jüngern Hl. und das zeugnis Saxos ausgenommen. 

8* 



36 BUSSE 

erreichen, wenn sie auch nicht, wie jene, die frz. originale 
selbst benutzen konnten, doch sehr wol mit den hauptmotiven, 
personen und Situationen des höfischen epos vertraut sein 
konnten, zeigt am besten das beispiel des Strickers (im Daniel). 
Woher sie im einzelnen falle diese kenntnis genommen haben, 
lässt sich nicht sagen ; wenn aber z. b. Wirnt von Grafenberg 
die frz. quelle seines Wigalois nur aus der erzählung eines 
knappen kannte, so ist gar nicht abzusehn, warum die fah- 
renden nicht auf ähnliche weise den stoff der ritterlichen 
dichtung (wenigstens im grossen und ganzen) sich angeeignet 
haben sollen, i) Jedenfalls kann ich keine allzu grosse kühn- 
heit darin sehn, wenn man einem deutschen volkssänger des 
13. jh.'s kenntnis des frz. motivs vom vater und söhn zuschreibt, 
zumal es zu den allerbeliebtesten motiven des frz. epos gehört, 
und die nd. Volksdichtung (wie widerum die piörekssaga be- 
weist) sich auch sonst vom frz. epos beeinflusst zeigt;'-^) 
im gegenteil vermag ich gar nicht abzusehn, warum er es 
nicht hätte kennen sollen. Ich halte es demnach besonders 
wegen der auffallenden ähnlichkeit der deutschen 'abschwä- 
chenden' Version mit dem frz. romantypus nur für natürlich, 
dass dieser die Umwandlung der alten deutschen sage beein- 
flusst hat. Die einwirkung psychologisch-cultureller factoren 
bleibt ja dadurch nicht ausgeschlossen, und gewiss haben wir 
es hier, wie überhaupt in der ganzen heldensage des 13. jh.'s, 
besonders aber wider der piörekssaga , mit einer parallel- 
erscheinung zu jener bretonischen sagenabschwächung , dem 
herabsinken der alten nationalen sage zu blossem unterhaltungs- 
stoff, zu tun. 

Von der alten sage behielt die Umwandlung vor allem 
den sieg des vater s bei, der jedenfalls zu fest im volks- 
bewusstsein wurzelte, als dass er ohne weiteres hätte geändert 



*) Ob die fahrenden vielleicht nähere heziehung zu Frankreich hatten 
und ob sie, wie Walther von sich rühmt (vgl. Walther hg. von Lachmann I 
s. 31, 13: Ich hän gemerket von der Seine unz an die Muore, von dem 
Pfade unz an die Traben erkenne ich al ir fuore etc.) Frankreich durch- 
streift haben, darüber wage ich nichts zu sagen. 

2) Vgl. z. b. die Genovefageschichte von Sigmundr und Sisibe, Heimis 
moniage und die einf ührung von Tristan (Tristram) und Isolde ; selbst könig 
Artus wird erwähnt. 



SAGENGESCHICIITLICIIES ZUM IIII.DEnRANDSLIKDK. M7 

werden können. Einen versuch, sich dem frz. lomantypu« 
(bei dem in der iibervvief^enden mehrzahl der so im den sieg 
davontriig-t, falls der kämpf nicht uiiHntschicdjMi l)lcil)t')) zu 
nähern, haben wir wol in dem scheinkaiiiiif vor dt-u aug-cu 
frau (xuts im Dresdener lieldenbuch zu seht-u. Ixirdi- 
geflihrt liegt diese fassunj,' vifllcicht in einem hiudistiick 
aus dem jähre 1493 vor, das von Wagner in der \\'iener iiof- 
l)ibliotliek gefunden wurde-) und das ich, da es wenig beachtet 
zu sein scheint, vollständig widergeben will: 

Nnu Sohweygcinl fraw Mutter Stylle Nun saj,' mir Siiu gilt Hyltrpranii'l 

Enpiet Im Zucht vud Eir, wa pringstn dein vatter lifr, 

Es ist der alte Hylteprannd Er begegnet mir vff wyter hcydo 

der liebste Vatter mein, Er hat mich schier erschlagen, 

Wol vff Stund Sy mit züchte Da nam Ich In gefangen 

vnd Empot Im zucht vnd Er, Als einen alten ."^pot 

nun sagt mir Edeler herre Ich füret In mit mir zu launde 

was pringt Ir vnns newe mer. das helft' vns allen gott. 

(Hylprannd von IJerenn B. T. 14!>:{.) 

In welchem Verhältnis die keltische 'abschwächende' 
Version (der kami)f Kinns und Oisin.s) zu der alten tragi.schen, 
wie zu dem frz. romantypus steht, vermag ich nicht festzu- 
stellen, zumal da die bei Xutt widergegebene Übersetzung m> 
unvollständig ist, dass ich ohne das zeugnls K. Meyei-s iiber- 
haupt nicht Avagen würde, es einer unserer drei gruppen ein- 
zuoidnen. Dass sie vielleicht 'an Iri.^h adaptation of the. 
Hildebrand story' sei (Nutts.120), scheint mir allerdings hallioH, 
eher könnte sie noch mit der Änssaga zusammenhängen (vgl. 
s. 30, anm. 1). 

Es blieben demnach nur nocli die -ab.sch wachenden' llja- 
versionen zu besprechen. Hier ergibt sich ein .starker gegen- 
satz zu unserm Jüngern Hildebrandsliede. Während dies eine 
historisch jüngere Umbildung der alten sage ist, bildet die so- 
genannte abschwächende fa.ssung im ru.ssischen - wie sie z. b. 
bei Busse vm vorliegt — einen integrierenden bestan«l- 
teil der alten tragischen sage, und die .sogenannte ab- 
schwächung i.st nicht sowol eine Umbildung, als eine un- 



*) Vgl. auch 8. 28, anm. Ti. 

«) Vgl. Anz. f. künde d. d. vorzeit \f¥'i3, ?». 4,'«» f . auf dem pnpierbUit 
finden sich son.-'t nudi einige liebe«lie«lcr vou ütTövlbu» baud. 



38 BUSSET 

vollständige wid ergäbe derselben. Ob die alte sage diese 
versöhnende episode von vornherein kannte, oder ob diese 
erst später eingefügt wurde, lässt sich nicht sagen; jedenfalls 
kann man nicht von einer abschwächenden tendenz reden 
wie beim Jüngern HL, da in den russischen bylinen der ver- 
söhnliche ausgang des ersten kampfes zwischen vater und söhn 
nur dazu dient, den verrat des sohnes noch schwärzer zu 
malen und seinen tod von der hand des vaters besser zu 
motivieren. 

3. Der tragische typus und das alte Hl. 

a) Der ausgang des Hl. 
Betrachten wir nun die letzte (historisch erste) haupt- 
gruppe unseres motivs: die tragisch endende. Zunächst gilt 
es, da uns ja der schluss des gedichtes nicht erhalten ist, nach- 
zuweisen, dass unsere Hildebrandsage, wie sie im alten Hl. vor- 
liegt, wirklich dieser gruppe angehört. Ausser den allgemeinen 
gründen, der Stimmung, die über dem ganzen gedichte liegt,') 
der consequenten entwicklung, die notwendig zum tragischen 
ende führen muss^), beweisen es bekanntlich auch directe 
Zeugnisse: der Marner berichtet, zu seinen zeiten sei 'von des 
jungen Alebrandes 3) tod' ein sehr beliebter liederstoff gewesen, 
und die nordische Asmundarsaga kappabana cap. 8 beweist 
ebenfalls, dass das Hl. ursprünglich mit dem tode des sohnes 
geendet haben muss. Die saga erzählt zunächst höchst un- 
geschickt und offenbar nur als notbehelf: Oh er Ilüdihrandr 
frd ])etta, at Icappar lians vom drepnir,^) pd liom d Jiann her- 
serJcsgangr ok sneriz Jjcgar tu ferÖar . . . En i vanstüli Jjcssii, 



1) Vgl. s. 27. 

2) Icli wenigstens habe von dem sonnigen humor Hildebrands, den 
Luft und Joseph so schön schildern (vgl. unten; übrigens nehmen beide 
trotzdem tragischen ausgang an) bisher nichts entdecken können, und das 
leidenschaftliche pathos des tcelaga nü, waltant got, u-eumri skihit verträgt 
sich nicht mit einem matten abbrechen der tragischen katastrophe und darauf 
folgender friedlicher Versöhnung. 

3) Albrant-Alibrandr ist der corrumpierte narae des sohnes in den 
jüngeren fassungen. 

*) Hildibrandr Hünakappi hatte nicht mit Asmundr kämpfen wollen, 
weil er wusste, dass er sein halbbruder war, und deshalb seine berserker 
nach einander zur bekämpfung Jung-Äsraunds ausgesandt. 



SAGENGESCHICHTLICHES ZUM HILDEBRAND8LIEDE. 39 

er d hgunm var, olc kann var d ferdina kominn, Jni sd Itunn 
son sinn olc ärap kann Pcgar. 

Alt sind dagegen die visur, bez. der uns davon intere«- 
sierende teil'): 

(Stendr mer at ht^ffli hlif in Itiutmi; 
eni par taldir ügir ins ättu 
nianna peirra, er ek at niorrti varA.) 
Liggr J'ar inn sväsi sonr at ln>ffti, 
eptirerlinKi, er ek ei{i:a gut, 
öviljandi aldrs synjaöak. 

Vgl. ferner Saxo s. 356 ff., wo der sterbende Hildigerus sagt: 

. . . niedioxinia nati 
Tllita conspicuo species faelaniino constat, 
C'ui nianns haec cursinn nietae vitali« adeniit: 
Unicus hie nobis haere.s erat, nna paterni 
ciira aninii, superoque datus .solamine uiatri. 

Da hier nicht von einer speciell nordischen diclitiing die 
rede sein kann (vgl. Boer a. a. o. s. 348; eine nordische Hilde- 
brandsage ist uns durchaus nnbekannt, nnd die ItiArek.s.saga 
beruht auf nd. (luellen), so dürfte damit der ausgang unseres 
gedichtes (dass nämlich Hildebrand den solin fällt) erwiesen 
sein. Unzulässig erscheint es mir abei\ mit Müllenhoff, Zs. Ma. 
10, 140 ff. noch einen inneren grund für diesen ausgang darin 
finden zu wollen, dass schon im 8. jh. der Untergang des 
heldengeschlechts endziel der gesammten epik gewesen s«m': 
Hildebrand habe also, nachdem an F^tzels huf all«- liurgunden-, 
Hunnen- und Amalungeiiheldeii ausser Dietrich und ihm ge- 
fallen seien, auch noch in seinem söhne jede hoffnung auf eine 
enieuerung des heldenalters vernichten müssen. Sulcli»' ge- 
danken an sich sind zwar einer späteren entwickluiig nicht 
fremd (vgl. z. b. den prolog der pit^rekssaga). dass aber diese 
erwägnngen (abgesehen davon, dass wir nicht den geringsten 
anhält haben, den Hildebrand unseres gedichtes mit den Nibe- 
lungen zusammen zu bringen) auf die Umbildung der sage 



«) Nach Boer (a. a. o. ». i}47 f.) sind die drei letxteu xeilen, dif iiu 
jetzijj;eu zuhanunenhaiiKC eine i lirunolo^Mwche nnnitijflichkeit euth«ll»-u, nur 
iu folge de.s anklan^-s dis siciulr mer at /«//<>' »"'• %!/'' A"" "' '"'1^* '"'* 
den sterbevisur des halbbnideiu .\sniun<ls verbunden «..nhn und cehörrn 
eigentlich zu einem verlorcneu Hl., d.is vi rnmtli.h hu.h lH:uliHiil»ud iukIi 
dem uordcu gewandert wäre. 



40 BUSSE 

vom vater und solin keinen einfliiss gehabt haben, beweist 
am besten, dass gerade in den späteren fassungen der kämpf 
mit erkennung und Versöhnung der gegner endet.i) 

b) Entstehung der alten sage. 

AVir haben demnach bei Griechen, Kelten, Persern, Russen 
und Germanen (Deutschen) eine alte sage von einem kämpfe 
zwischen vater und söhn, der tragisch, und zwar überall (mit 
ausnähme der Telegonossage) mit dem tode des sohnes endete. 
Wir dürfen daher die Telegonossage ohne weiteres isolieren, 
zumal von dem tief tragischen ernst, der durch die übrigen 
fassungen weht, in der griechischen sage nicht die rede sein 
kann. Wol fällt Telegonos unwissentlich den vater im kämpfe, 
aber er weiss sicli bald zu trösten, versöhnt sicli mit Telemachos 
und Penelope, nimmt beide mit zu seiner mutter und verheiratet 
sich schliesslich mit Penelope. Schon der letzte zug, der so 
gar nicht zu dem bilde der zwanzig jähre treu auf ihren 
gatten harrenden dulderin der Odyssee passt, beweist, dass wir 
es hier mit einer sehr jungen sagenbildung zu tun haben, und 
dass die Telegonossage uns jedenfalls nur sehr entstellt über- 
liefert ist, wenn ihr kern wirklich alt sein sollte. 

Wie erklärt sich aber die grosse und auffällige Überein- 
stimmung unseres sagentypus bei so entfernten Völkern, wie 
Persern, Russen, Germanen und Iren? So lange man noch in 
jeder heldensage verdunkelte mythen sah, war die erklärung 
ziemlich einfach. Vater und söhn waren dann eben personi- 
ficierte naturkräfte oder auch Jahreszeiten: der alte winter 



1) Vgl. auch s. 32 ff. Der von Grein (ebenso von Schulze, Zur ge- 
schichte der kritik und erklärung des HL, progr., Naumburg 1876) ver- 
mutete schluss, Hildebrand sei von der band des sohnes gefallen (vgl. 
Telegonos), erledigt sich durch die oben angeführten Zeugnisse. Grein kam 
zu diesem Schlüsse auch nur, weil er die begriffe 'schuld' und 'sühne' in 
das alte lied hineinconstruierte : Hadubrant provociert den kämpf, daher 
muss er als sieger aus ihm hervorgehen, um dann den rest seines lebens 
in quälender reue zu verbringen. Die notiz Matthias Burgleituers , die 
Grein zur stütze seiner Vermutung anführt: der alt Hüdeprand, so vor 
Bern ist erschlagen ivorden, beruht jedenfalls auf der angäbe des anhangs 
zum Heldenbuch: Icünig Günther, der hrüder fraw Crimhilten habe den 
alten Hildebrand vor der Stadt Bern erschlagen (nach einer anderen stelle 
war es nicht Günther, sondern sein söhn). 



SAGENGESCniCHTLICHES ZUM IIILDEBRANDRMEDE. 11 

erschlägt den jugendlichen sonimer, der doch sein eigener söhn 
ist, oder die nacht mordet den von iiir geborenen tag,') und 
dieser indog. mythos wäre dann mit den anderen indog. Jahres- 
zeiten-, Sturm- und wolkenmythen etc. von dem indog. urvolk 
mit auf seine fernen wandei-ungen genonmien. Skeptiscliere 
Zeiten folgten, und man begann zu fragen, ol) <lenn die sag«« 
nicht auch auf andere weise entstanden sein könne. DuA 
wege boten sich da für die Untersuchung: man konnte entweder 
directe abhängigkeit, sagenwanderung, oder unab- 
hängige entstehung annehmen. 

Der erste weg ist im allgemeinen nicht betreten, und Xuii 
s. 128 bemerkt dazu mit recht: 'Now I do not tliink it can 
be contended that the Hildebrand episode (even a.ssuming that 
its issue was tragic) gave rise on the one band to the story 
of Rostem and Suhrab, on the other to that of Cuchulainn 
and Conlaoch; nor do I think it can be contended that the 
original of these three stories is to be found in what late 
Greek legend relates of Odysseus and Telegonos. Tlie idea, 
that the Persian and Irish versions, which are astonishingly 
alike, can have influenced each other, is of course not to be 
entertained for one moment. Dates alone forbid such a i)ossi- 
1)ility.' Trotzdem hat d'Arbois de Jubainville (alh'i'dlugs völlig 
unwissenschaftlich und anscheinend nur von nationalktdtisciiru 
motiven getrieben) zwischen der keltischen sage und un.'<enn 
Hl. ein abhängigkeitsverhältnis construit^rt'n wcdlm, und zwar 
so, dass unser Hl. eine unverständige und abge.schwäc]»te 
nachahnmng der keltischen sage wäre. Gründe für diese kühne 
l)ehaui>tung gibt er nur wenig, und auch diese sind hahh's 
und beruhen grösstenteils auf einem völligen misvei>tändnis 
des deutschen gedichts."^) 

'Dans cette pi^ce allemande, le combat que Hadubrand 
livre k son pere, qui Ta dfinuMit prevenu de cette patcrnit«'*. 
n'est pas motive suftisamment ; le cadcau fait ä Hadubrand 



') Telegouos wiinle <lium dtn »leg des sounucrn wler dea licht* f*yni- 
l)olisiereu. 

*) So soll z.l). (abgesehen von dem citierten) dw oetland. ans doiu Hilde- 
brand kommt, das falsch aufirofassto land der gütter und toten Mag 3/f// 
sein, wohin der irische CiKiiulainn allerdings gebt. 



42 BUSSE 

par son pere au moment de se battre avec lui est presque 
ridiciüe (!); taiidis qu'en Irlande ce cadeau regu par le fils a 
ete laisse par le pere ä la mere au moment de leur Separation ; 
destine au fils, il est porte par le fils au moment du combat, 
et, apres le combat, le pere le reconnaitra sur le fils mort; 
le fils, en Irlande, ne dit pas son nom, parce qu'une prediction 
mag'ique du pere le lui a interdit ; fatalement son pere le tue 
Sans le connaitre, et cette mort donne au morceau un charac- 
tere tragique, detruit par un sentimentalisme tout moderne 
dans la litterature allemande ou le Als survit (!). Tout est 
puissant, logique, primitif dans la piece irlandaise; sa concor- 
dauce avec la piece persanne atteste une haute antiquite (!). 
Elle peut remonter aux epoques celtiques les plus anciennes 
et avoir ete du nombre des »carmina« cliantes par les Gaulois 
ä la bataille de Clusium, en 295 av. J.-C, (!). Le poeme 
allemand dont on a une copie du huitieme siecle, est une 
imitation inintelligente et affaiblie du cliant celtique, 
qui a du retentir sur les rives du Danube et du Mein 
mille ans plus tot et dont la redaction germanique 
est l'oeuvre de quelque naif Macplierson, predeces- 
seur lionnetement inliabile de celui du dix - liuitieme 
siecle' (!). 

Unwissenschaftlicher kann man wol kaum argumentieren, 
und ich glaube, ich brauche über diese unerfreuliche leistuug 
kein wort Aveiter zu verlieren. Ebenso kann der versuch 
Dambergs (vgl. Jiriczek s. 27(3), nachzuweisen, dass die lljasage 
durch die Peringskiöldsclie ausgäbe der I^iörekssaga literarisch 
beeinflusst sei, auf wissenschaftliche beachtung keinen anspruch 
erheben. 

Auch der zweite weg (annähme einer sagenwanderung) ist 
verschlossen, da gerade die beiden entferntesten Versionen am 
genauesten mit einander übereinstimmen und die Zwischen- 
stufen so wol unter einander wie gegen die persisch -irischen 
Versionen zu sehr abweichen. Wo sollte man das centrum 
suchen, an dem die sage sich zuerst gebildet und von dem aus 
sie sich weiter verbreitet hätte? Sonstigen analogien gemäss 
doch wol im Orient, also in der persischen sage, bez. ihrer 
Vorstufe. Dann müsste man aber annehmen, diese orientalische 
sage habe sich völlig unverändert über den ganzen occident 



SAGENOKSrnICHTMCIlKS ZUM HII-DKIJUANDSF.IKDK. 43 

verbreitet, und diese unveränderte fassung sei nur am aiis- 
gangspunkt und im äussersten westen in dieser forni erhalten 
geblieben, wälnend sie auf allen zwisidicnstiifj-n starke sekun- 
däre Veränderungen erfahren hätte. Damit kännMi wir aber 
in ein solches tohuwabohu von unwahrscheinlichkeiten. unnWig- 
lirhkeiten und vagen Vermutungen, dass es sich wirklich nicht 
lohnen würde, eine solche auffassung ernst zu nehmen. 

Was zwingt uns aber überhaupt, solchen träumcrcim 
nachzuhängen? Kann eine sage wie die. da.ss vater und s((lin 
zusammentreffen ohne sich zu kennen, und dass der vater 
unwissentlich den söhn erschlägt, .sich nicht überall unab- 
hängig bilden, oder besser, musste sie sich nicht von selbst 
überall dort bilden, wo krieg die normale ausfüllun£r des da- 
seins ist, wo Verbannung, fremder heeresdienst und blutige 
eroberungszüge zu den alltäglichsten dingen des lebens ge- 
hörten? A\'ir dürfen nicht vergessen, dass derartige fälle sich 
im lieldenalter der indog. stamme sehr häufig ereignen konnten, 
und jedenfalls auch ereignet haben: der vater kehrt nach 
langer Verbannung in die heimat zurück und findet den söhn 
als wart an der landesgrenze, oder der vater hat auf einem 
seiner wilden wanderzüge irgendwo einen söhn erzeugt, der 
nun zu einem stattlichen hehlen herangeblüht ist und seinen 
vater aufsuchen will; beide erkennen sich nicht, oder verhüten 
selbst die erkennung; der kämpf bleibt unvermeidlich, und 
als dann die erkennung endlich erfolgt , ist es zu spät : der 
vater kniet an der leiche des eben erst gefuutlenen söhnen. 
Das ist alles so einfach nuMischlich, so zwanglos, da.ss icli mir 
eine unabhängige entstehung dieser sage bei allen Völkern 
mit ähnlichen culturellen bedingungen sehr wcd vorstellen 
kann und dass mir diese erklärung die einfachste und zugh'ich 
befriedigendste zu sein scheint. 

Der eigteifeiule inlialt wird der sage bald iiberall zu h<dier 
Wertschätzung verlndfen lialieu. \\"\v finden in aller allen 
dichtung eim* auffallende Vorliebe für das tragi.>*ohe. ja eine 
gewis.s(! freude daran, tragis<he ct»ntlicte l»is auf die letzte 
spitze zu treiben: eine Vorliebe, die (»ft genug in bloNse.s b«- 
hagen am giausigen, blutigen umschlägt. Was ist aWr 
tragischer, als wenn der vater den eigenen, einziireii >• " 
schlägt, tragischer besonders fiii- il.i> nfühl drs Ind"!/»: : 



44 BÜSSE 

dessen höchstes gut eben seine männlichen nachkommen sind.') 
Liebrecht (no.46, s.406) hat zur erklärung noch einen, angeblich 
auch bei den Indogermanen bekannten rechtsgebrauch herbei- 
ziehen wollen: auf Raratonga (in Polynesien!) galt als recht, 
dass der söhn den vater schon bei seinen lebzeiten beerbte, 
wenn er ihn im Zweikampf besiegen konnte. Meines erachtens 
ist diese erklärung sowol unnötig, wie falsch; denn erstens 
wissen wir von einer weiteren Verbreitung dieser sitte gar 
nichts, zweitens ist in allen fassungen der sage eine absieht 
des Sohnes, den vater zu töten, und umgekehrt, völlig aus- 
geschlossen. 

Die bis auf kleinigkeiten sich erstreckende Übereinstim- 
mung der keltischen und persischen version bleibt immerhin 
merkwürdig, und so hat sie auch jetzt wider einige forscher 
veranlasst, ältere und directere beziehungen zwischen beiden 
fassungen anzunehmen. Lässt sich aber dieses enge zusammen- 
gehen nicht einfacher aus der natur der Sache selbst erklären? 
Die einleitung ist in beiden dieselbe, wie überall, mit ausnähme 
des einzigen Hl. (vgl. s.49 ff.). Das erkennungszeichen kehrt 
ebenfalls überall dort wider, wo das motiv der namens- 
V er Weigerung angewendet wird, fehlt demnach naturgemäss 
im Hl. (vgl. unter 3, c) und einzelnen Iljaversionen. Dass im 
persischen wie im irischen Suhräb-Conlaoch erst eine reihe von 
beiden erschlagen und nun erst Rustam-Cüchulainn auf bitten 
ihrer fürsten heraneilen, erklärt sich auf das einfachste durch 
die Verlegung des kämpf es in eine schlacht-) und durch das 
bedürfnis, den jungen beiden als einen würdigen gegner des 
alten, in hundert siegen ergrauten hinzustellen. Die namens- 
verweigei'ung ist aber ganz anders begründet. In der persischen 
Version ist es Rustam, der seinen namen nicht nennt, ja sogar 
sich, als Suhräb ihn direct fragt, ob er Rustam sei, für einen 
andern ausgibt; im irischen zwingen drei geis, d.i. magische 
Vorschriften,^) die Cüchulainn dem jungen söhn scheidend 



^) Vgl. den Seelen- und ahnencultus. 

2) Am besten geht dies schon daraus hervor, dass die älteste irische 
Version weder von einer schlacht, noch von irgendwelchen vorhergehenden 
heldentaten Conlaochs etwas weiss. 

3) Er soll niemand, auch dem grössten helden nicht, ausweichen, 
keinem krieger aiif erden aus furcht seinen namen nennen, keinem manne, 
auch dem gewaltigsten kämpfer nicht, den Zweikampf versagen. 



SAGENGESCIIICIITLICHES ZUM HILDEBKANDSLIEDE. 45 

hinterlassen hat, diesen zui namensvenveigerung und zum 
kämpf. Auffallend bleibt nui\ dass in beiden vei-sionen der 
söhn zunäclist die olxMliand /gewinnt (von der list Rustnms 
weiss indessen Ci'ichulainn nichts) und dass in beiden fällen 
der alte sich übernatürlicher mittel") bedient, um schliesslich 
den gegner zu besiegen. Ob man aber auf diese beiden imiikte 
allzuviel gewicht legen darf, scheint mir fraglich, da sie eben- 
sogut aus dem blossen bestreben hervorgegangen sein können, 
die Spannung noch mehr zu erregen und die bedeutung des 
kampfes zu steigern. Wer bürgt überhaui)t dafüi-, da.*<s die 
persische sage diesen zug besass, und wer will es wagen, in 
der darstellung F'irdausis volkstümliche sage und bewu!<st 
kunstgemässe Umgestaltung zu trennen? 

Ich verstehe dalier nicht, wie Xutt einzig und allein auf 
die ähnlichkeit der keltischen und iiersischen version sich 
stützend, einen gemeinsamen indog. Ursprung der sage hat an- 
nehmen,-) und ebensowenig, dass sich Jiriczek in .seinem sonst 
so trefflichen capitel über Hildebrand und die Wülfinge dieser 
ansieht hat anschliessen, ja sie sogar weit bestimmter als 
Nutt hat fassen und unsere sage auf mythische grundlagen 
hat zurückführen können. Die angäbe Jiriczeks, Nutt vermute 
die 'erhaltung einer ursprünglich gemeinsamen epischen form' 
in der irisch-persischen sage, ist übrigens nicht genau, da Nutt 
nur vorsichtig erklärt: 'whether they (d.h. the Celts and tlie 
Persians) reached it indejjendently of each other by de- 
velopment from an incident once common to both race.s or 
whether they alone retained the füll version of what was 
once common to the various Aryanspeaking i)eople.s is a que- 
stion that i>robably cannot l)e decided.' Nutt scheint demnach 
eine historische tatsache als au.sgangspuiikt der .»<age an- 
zunehmen. Nun kann es ja an sich wol kaum direct für 



•) Vgl. die vom berggei-st rückerbeteiie knift und die iny8ti«<hc lanzo. 

*) Nutt 128: 'The idea, that the Persian and Iri!<h version« , which 
are astonisljiugly alike, lau have influeuoed each other, in of conrse not to 
be entertaiued for one nioinont. I>ates alone forbid »uch a iH>wibility. 
I can coine to nu other conclusiou but that in the father and n*^n ».iiuh»t 
we have a pan-Ari/tui heroic Uile, whi( h ha» beeu Hhaiud diffiTuitlv by 
differeut members of this race (and which haa reache«! it« extirwe liuiit of 
beauty and pathos aiuong the CAx-* und tb.- PersiansV 



46 BUSSE 

unmöglicli erklärt werden, dass die Indogermanen eine gewisse 
lieldendiclitung- besessen haben (ich drücke mich absichtlich 
so verclausnliert aus): irgend eine art von historischer oder 
pseudohistorischer erzählung oder dichtung finden wir ja bei 
allen primitiven Völkern. Ebenso würde ein kämpf zwischen 
vater und söhn für die mutmasslichen lebensverhältnisse des 
indog. urvolkes ebensowenig auffallend sein, wie für die spätere 
heldenzeit. Aus diesen schwachen möglichkeiten von möglich- 
keiten aber irgend welche Schlüsse zu ziehen, scheint mir zu 
gewagt. Zu einer solchen erklärung dürfte man auf alle fälle 
nur dann greifen, wenn alle andern versagt hätten, und ich 
würde (und ich glaube hierin nicht allein zu stehen) jedenfalls 
auch bei vollständiger Übereinstimmung der irischen und 
persischen version unabhängige entwicklung annehmen, die 
unter dem einfluss gleicher cultureller wie poetischer be- 
dingungen zu gleichem resultate geführt hätte. Nun haben 
wir aber schon oben gesehen, dass diese angenommene voll- 
ständige Übereinstimmung gar nicht existiert, und dass die 
ähnlich k ei t ohne weiteres in der sache selbst ihre erklärung 
findet: dass nicht alles erklärt werden konnte, liegt einfach 
daran, dass wir es ja nicht mit naturvorgängen zu tun haben, 
die sich mit logischer notwendigkeit entwickeln, sondern mit 
in jedem einzelnen fall subjectiv gestalteten dichtungen. 

Bedenklicher noch als Nutts versuch, eine gemeinindog. 
historische sage zu construieren, scheint mir der Jiriczeks, 
unsere sage auf mythische, d. h. natur mythische, anschau- 
ungen zurückzuführen: bedenklich sowol, weil sie ohne not 
wider die frage nach der existenz gemeinindog. mythen über- 
haupt, wie die nach der mythischen erklärung der heldensage 
aufrollt. 

Was ist überhaupt mythos? und worin unterscheidet er 
sich von der sage? Durch ihre klarheit empfiehlt sich die 
Scheidung Nutts im eingang seiner mehrfach erwähnten ab- 
handlung s. 114: die heldensage enthält erstens geschicht- 
liche bestandteile, d.h. tatsachen oder doch dichterisch um- 
gestaltete wirkliche ereignisse; zweitens sagenhafte, d. h. 
erdichtete, die an sich aber wol geschehen sein können; 
drittens mythische, d.h. erdichtete und zugleich unmögliche 
dinge, die naturvorgänge oder auch historische ereignisse 



«AGENGESCHlCITTLTCnES ZUM HILDKBRANDSLIKDE. 47 

symbolisieren; solche bestandteile sind (.linc weiteres an 
ihrer physischen nnmitglichkeit zu erkennen: 'this is the cha- 
racteristic of niyth, its contents are not only invcnted, they 
are as a rule invented oiitside any possible linut of luinian 
experience.' Scliliessen wir uns dieser erklärun^ an, so ergibt 
sich sofort, dass kein grund vorlianden ist, für unsere sage 
als solche eine mythische grundhige anzunelimen: das zu- 
sammentreffen von vater und solin und der fall des solines ^•on 
der liand des vaters haben nichts übernatürliches an sich. 

Doch vielleicht ist Nutts definition zu eng, und mythos 
ist überhaupt nur symbolisierung. ohne dass die äussere form 
notwendig den naturgesetzen zuwiderlaufen muss. Vielleicht! 
Nur hätten wir bei dieser auffassung nicht mehr das geringste 
kriterium dafür, was mythos ist oder nicht. Dem alten liinein- 
geheimnissen von mythen in die allermenschlichsten und aller- 
natürlichsten dinge der weit wäre danach wider tür und tor 
geöffnet, und trotz alledem wäre immer noch die annalime 
zurückzuweisen, unsere sage enthalte einen alten, gemeinsamen 
mythos. Was wissen wir denn überhaupt von indog. mythen ? 
Und welche mittel sollen wir haben, indog. mythen nachzu- 
forschen, nachdem sowol die Sprachvergleichung, wie die ver- 
gleichende mythologie zu negativen resultaten gefülirt liaben? 
Alles was wir mit einiger Sicherheit sagen können, ist. da.^^s 
die Indogermanen eine gottheit des strahlenden liimmels 
(Dyäus-Ztt'^---Tuppiter-*Tr\vaz) verehrten: sonst können wir 
nur scliliessen, dass die Indogermanen wie alle primitiven 
Völker eine gewisse summe von mythischen Vorstellungen 
besessen haben, die sich hauptsäclilich mit dem fortleben der 
Seelen nach dem tode und den unzähligen dämonen beschäftigt 
haben werden, die das all bevidkern. Vi>n .solchen mythi- 
schen Vorstellungen bis zur ausbildung auch nur eines 
einzigen mythos ist aber noch ein weiter schritt, auf alle fälle 
ein unendlich weiterer, als es uns kindern einer sich übei-schneil 
entwickelnden culturwelt scheinen mag. ein schritt dn- bis 
heute von vielen primitiven vidkeiii noch nicht getan ist und 
der eine culturstufe voraussetzt, die wir für die Indogermanen 
vor der zeit ihrer trennung gewis nicht in ansprach nehmen 
dürfen.») 

') Man darf nicht vergessen, doM nnsere ganze caltur vielleicht »ech«- 



48 BUSSE 

Man wird mir vielleicht entgegen halten, dass die persische 
wie irische version doch sicher 'mythische elemente' enthalten. 
Indessen fehlen erstens diese mythischen elemente in den 
übrigen fassungen, und zweitens beweist der umstand, dass 
eine sage mythische elemente enthält, noch keineswegs, dass 
sie selbst mythisch ist.i) So mögen II ja, wie Cüchulainn, 
wie Eustam, wie Odysseus ruhig auch sonst mythische züge 
aufweisen: auf die beurteilung unserer sage kann das keinen 
einfluss ausüben, und für unsern Hildebrand wenigstens muss 
ich jeden mythisch -heroischen Charakter durchaus ablehnen.-) 

c. Unterschiede der germanischen version von den 
übrigen. 

In der ansieht, dass ein unmittelbarer Zusammenhang 
zwischen den älteren fassungen der vatersohnsage nicht exi- 
stiere, werde ich auch dadurch bestärkt, dass eine ganze reihe 
von unterschieden, wie überhaupt zwischen den einzelnen Ver- 
sionen, so auch besonders zwischen dem Hl. und den übrigen 



tausend jähre alt ist, während der Ursprung des menscheugeschlechtes 
sich in unabsehbare hunderttausende verliert, und dass primitive Völker, 
wenn sie nicht von fremden, höher stehenden beeinflusst werden, Jahr- 
tausende auf demselben culturstandpunkt verharren können und verharrt 
haben. 

^) Ist die Dietrichsage mythisch? Und doch enthält sie mancherlei 
mythische züge (rosengarten, drachen, riesen, feueratmen u. s. w.). Ist der 
Sachsenkrieg im Nibelungenlied seinem geiste nach weniger historisch, 
weil der mythische held Siegfried in ihm die hauptrolle spielt? Würde 
der historische Ursprung der Ermenrichsage irgendwie durch die Verbindung 
mit den Harlungen (vorausgesetzt dass dies wirklich mythische persönlich- 
keiten sind) in zweifei gestellt? u. s. w. 

2) E. H. Meyers ansieht (Germ, mythologie s. 299): 'doch wird er (Diet- 
rich von Bern, der halb historisch, halb ein blitzheros sein soll) von einem 
geist oder teufel erzeiigt und vom meister Hildebrand erzogen, der als 
alter Wölfing, als Odinsartiger Waffenmeister und kriegsreizer und als 
töter seines eigenen wilden sohnes, vielleicht als ein ursprünglicher wind- 
dämon angesehen werden darf, vgl. Siegfrieds und Thors erzieher', scheint 
mir ebenso vage, wie die Vermutung W. Müllers (Mythologie der deutschen 
heldensage s. 188), ausser religiösen motiven (nach s. 237 soll nämlich Hilde- 
brand ein Wuotansheld sein) seien auch historische erinnerungen an innere 
zwistigkeiten der Goten oder an das gegenüberstehen von Ost- und West- 
goten auf den catalaunischen feldern für die entstehung der sage mass- 
gebend gewesen. 



SAGENGESCHICHTLICHES ZUM HILDEBKANDSLIEDE. 41« 

fassungeil besteht. A\'as erfaliieii wir denn diiect üUti den 
kämpf zwischen vater und söhn aus unserni gedieht (alles zur 
liistorischen Dietrichsage gehörige s. weiter unten)? Stdin und 
vater treffen sich zwischen zwei heeren. Sie kennen einander 
nicht. Der alte fragt nach dem geschlechte (und nanien) des 
Sohnes und erhält die gewünschte auskunft nebst einem kurzen 
bericht über die flucht des vaters, zugl(d(;h aber auch die 
nachricht, dass der söhn ihn für gestorben hält. Er bemüht 
sich vergebens, den söhn zu überzeugen, dass er der angeblich 
gestorbene vater ist; der söhn wird nur fester in seinem glauben 
an den tod des vaters, schüi»ft den verdacht, der fremde wolle 
ihn betrügen und verräterisch erschlagen, und zwingt durch 
schmähworte den alten zum kämpf. Auf beiden Seiten wird 
mit erbitterung gefochten (das ende kann nicht zweifelhaft 
sein: der söhn fällt von der band des vaters). 

Einen wesentliclien unterschied von den übrigen Versionen 
zeigt schon die einleilung. A\'ährend bei allen andern der söhn 
auf einem kriegszuge des alten in der fremde gezeugt und 
auf der suche nach seinem, ihm nur dem namen nach be- 
kannten vater begriffen ist, kehrt im Hl. der vater nach 
dreissigjähriger Verbannung in die lieimat zurück. Jiriczek 
s. 282 ff. vermutet, dass hier die alte sage von den p.^eudo- 
historischen Verhältnissen der Dietrichsage beeinflusst sei, und 
gewis ist diese Vermutung der überwältigenden ma.'^se der 
übrigen Versionen gegenüber sehr ansprechend (sicheres VAssi 
sich freilich nicht sagen'))- Auch sonst ist die niotivierung 
teilweise eine andere. So erschlägt in den irisch -persischen 
Versionen der söhn erst viele feinde, und (ähnlich wie Hagen 
im Waltharius) lässt sich dei- vater erst als letzter schliess- 
lich vom könige erbitten, den kämpf gegen den jungen helden 
aufzunehmen. Von alle dem ist im 111. nichts zu Hnden.*) 

') Notwendig: wünlc diese venmituiiy mir. wenn man mit .Mrirzek 
gemeiiLScliaftliclieii iiKlog-. uisi»iniig der sage iuniähmi'. 

*) Eine ilhnliihe gcstalt unserer sage \V(dlte MilllenhofT zu lU-ukiu. II 
(wie .schon Lachmann, Kl. sdiriften 1,438) ftus v. .">»; enichlie.-wen, indem er 
in SH.s hcremo man als 'bei einem eltenso hehren mann (so. wie irh e« 
bin') anffasste und diese worte auf da.s iiunnisrh»' jjtfol^'f Hiid.hnind.«4 »n-zog. 
Mit der falschen ühersetzung fällt natürlich auch die (ranze Vermutung. 
Ebenso ist die ähnliche Situation in der Asmuudarsagu nach Böen» dar- 
leguugen nicht mehr hierher zu ziehen. 

Beiträge zur geschichte der UcuUcbea spräche. XXVI. \ 



50 BUSSE 

Besonders wichtig ist ferner, dass das motiv der namens- 
V er Weigerung, das in anderen Versionen eines der weit- 
tragendsten ist, im Hl. völlig fehlt.') Im Hl. dagegen weiss 
der vater ziemlich von vornherein, wen er vor sich hat; trotz- 
dem kämpft er mit dem söhne und erschlägt ihn. Sehr an- 
sprechend ist der versuch Kögels, Lit.-gesch. s. 234, diese wider- 
natürliche handlungsweise Hildebrands durch die annähme zu 
erklären, der schon überwundene söhn habe einen verräte- 
rischen schlag gegen den vater geführt, dem der alte nur mit 
mühe entgangen sei, und der alte habe dann in ehrlichem 
zorn den unwürdigen sprössling erschlagen; vgl. das jüngere 
Hl. V. 35 ff.: 

Ich weiss nit, wie der junge dem alten gab ein schlag, 
Dass sich der alte Hilteprand von herzen sehr erschrack, 
Er sprang hinter sich zurücke wol siben klafter wit: 
'mi sag, du vil junger, den streich lert dich ein wip',^) 

und die piörekssaga cap. 408: oh fcer nu Alihrandr miJcit sar, 
sua at nalega er honum sinn fotr unytr. Oc nu mwUti Jiann: 
' Se her nu mitt sverÖ. Nu verö eJc ])at upp gefa, Jwi at nu 
fce eh eigi stadit lengr ftrir per. Pu hefir fianäann i henäi 
per,' oJc rettir fram hondina. En liinn gamli snyr shüldinimi 
frei, oh rettir fram Jiondina a moti sverÖinu oh cetlar viö at 
taha. Nu lioggr Alihrandr til Jiins gamla leynüega oh vill af 
hoggua hondina, en hinn gamli shytr shilldinum upp hatt oh 
shyndilega oh mcellti: 'Petta slag mun per hent Jiafa pin 
hona en eigi pinn faöir.' Oh soehir hinn gamli sua fast, 
at nu fellr hinn ungi til iardar u. s. w. In beiden germanischen 
fassungen passt der versöhnliche ausgang nur schlecht zu 
diesem verrat, und die russische parallele von Ilja von Murom 
und seinem söhne (seiner tochter) lässt wol darauf schliessen, 
dass ursprünglich der ergrimmte vater den söhn erschlägt. 
Wenn wir die gleiche motivierung auch für unser gedieht 



1) Das jüngere Hl. kennt dagegen die namensverweigerung, vgl. v. 45 f. : 
Nun sag du mir, vil junger, dein beichtvater wil ich wesen, 
bistu ein junger Wolffinger? vor mir soltu genesen. 

Vgl. auch s. 33. 

2) Kraus (a. a. o. s. 328) scheint bei seiner erklärung dieser stelle die 
I)iÖrekssaga vergessen zu haben und wirft daher mit unrecht Kögel ein 
misverstäüdnis des alten Volksliedes vor. 



SAGENGESCIIICIITUCITES ZUM IIILDERRANDSMKDE. 51 

voraussetzen dürfen, so begreift sich die handliingswt-ist' des 
Vaters allerdings um so leichter, als dei- söhn ihn scliun vorher 
(v. 37 ff., als er ihm in guter absieht die armringe zum ge- 
sclienk bot) durch den verdacht verräterischer absiebten scliwer 
gekränkt hatte und nun sel])st verrat ausübt. 

Schliesslich hat d'Arbois de Jubainville noch das erken- 
nungszeichen. das in den meisten fassungen die erkennung 
vermittelt, in den kreis seiner krausen betrachtungen gezogen 
und die wuntane hougä, die Hildebrand dem söhn zum geschenk 
anbietet, als residuum des alten motivs im Hl. auslegen wollen. 
Him schliesst sich Jiriczek (allerdings mit starkem vorbehält) 
an, und auf der andern seite sehen auch Kauffmann und Joseph 
in diesem geschenk einen versuch des alten, seine Vaterschaft 
mit vollgiltigen beweisen zu documentieren. An d'Arboi.s' 
ansieht, die auf einem völligen misverständnis des gedichtes 
beruht, brauche ich wol nicht noch einmal kritik zu üben 
(vgl. s, 41 ff.), bei der von Kauffmann-Josei>h bleibt mir einiger- 
massen dunkel, wie Hildebrand hätte auf den gedanken konnnen 
sollen, er könne sich bei Hadubrand durch eine spange mit 
dem bilde des Hunnenherschers oder Zenos (Kauffmann) voll- 
giltig legitimieren, während doch aus dem ganzen gedidit 
hervorgeht, dass Hadubrand nichts von den beziehungen Hilde- 
brands zu den Hunnen w^eiss. Wenn es noch eine spange mit 
dem bilde Dietrichs gewesen wärel Jiriczeks Vermutung, das 
erkennungszeichen habe einmal eine rolle in der Hildebrand- 
sage gespielt, ist mr)glicherweise richtig, aber doch als richtig 
nicht zu erweisen, denn im zusammenhange des Hl. sind alle 
so weit hergeholten erkläruugen unnötig. Hier erscheinen 
die gewundenen ringe nur als freundschaftliche gäbe, die der 
glückliche vater dem endlich widergefundenen söhne ])i«'tet, 
und auch Hadubrand scheint sie als nichts anderes aufzufassen: 
nur in der art der Überreichung wittert er eine hinterlist. 
Ich habe mich daher von dem tieferen sagenzusammenhang 
dieses geschenkes nicht überzeugen können. 

Doch genug hiervon. Nur noch ein paar worte über eine 
auffallende ansieht Kauffmanus (s. 113 ff.) über unsere sage. 
Er zieht freilich nur die germanischen Versionen in den krei.s 
seiner betrachtungen und erklärt ziemlich überra-schend die 
Hildebrandsage für ein schwertmärcben. Seine gründe scheinen 

dl* 



52 BUSSE 

mir freilich nicht sehr überzeugend zu sein. Er geht aus von 
der betrachtung des letzten bestandteils der namen der Hilde- 
brandfamilie (Heri-brant, Hilti-hrant, Hadii-hrant; -hrand 
^feuersbrand', dann 'schwertklinge'); dann erwähnt er, dass 
Hildebrands schwert einen namen trage, 'wie sonst die zauber- 
sch werter namen führen'. Ich vermag darin nichts besonders 
merkwürdiges zu sehen. In der ganzen germanischen, wie in 
der unter germanischem einfluss stehenden sage finden wir ja 
fortwährend, dass jeder irgendwie hervorragende held ein mit 
einem namen versehenes schwert führt: sind das alles zauber- 
sch werter? Und gesetzt, sie wären es, was würde weiter 
daraus folgen, als dass der besitz eines zaubersch wertes eben 
für jeden wirklichen beiden der dichtung gleichsam officiell 
war? Soll unsere germanische epik überhaupt etwa eine reihe 
von schwertmärchen sein? Dass die sage gerade Hildebrands 
schwert keinen besonderen wert beigelegt haben kann, geht 
schon daraus hervor, dass es an den verschiedenen stellen, an 
denen es aufgeführt wird, verschiedene namen trägt. i) Die 
beiden Schwerter in der Asmundarsaga und bei Saxo sind nach 
Boers mehrfach erwähnter abhandlung nicht mehr für die 
beurteilung der Hildebrandsage zu verwerten.^) Von nicht- 
germanischen Versionen könnte nur die irische zur Stützung 
herangezogen werden (mit der zauberlanze Cüchulains), aber 
der magische sper spielt auch sonst in der keltischen sage 
eine grosse rolle und hat an sich nichts mit dem kämpfe 
zwischen vater und söhn zu tun. Ich kann daher auch hier 
den ausführungen Kauffmanns nicht folgen. 

II. Das Hl. als zeugnis für die ostgotisclie Heldensage. 

War für den ersten hauptteil dieser ausführungen wenig- 
stens immer noch die leise möglichkeit vorgermanischen Ur- 
sprungs zuzugeben, so stehen wir bei betrachtung der gotischen 
Sagenbestandteile des Hl. fest auf dem boden rein historisch- 



*) Brinnig in Alpliarts tod, Freise in der Virginal, Lagulfr in der 
Jdörekssaga (im Dresdener lieldenbuch heisst es Weihe, was aber wol nnr 
misverständnis ist). 

^) Damit erledigt sich auch, was Jiriczek s. 283 über die rolle der 
Zauberwaffe sagt, vgl. auch den anhang s. 329. 



SA6ENGESCHICHTLTCHES ZUM nn^DEBRANDSLIKDE. 53 

menschlicher heldensage. Wir müssen also versuchen, iln 
auch rein historisch beizukonimen. Di« älteren arbeiten, die 
sich mit dieser frage bescliäftigvn. krank»'n fast alle andern 
fehler, dass man versucht hat, das Hl. in den rahmen der be- 
reits fest ausgei)rägten späteren mhd. -nordischen Überlieferung 
zu pressen. Auf der anderen seite ist dann unter den neueren 
Kauffmann meines erachtens wider zu weit in der einsetzung 
historischer Verhältnisse gegangen. Ich avüI mich bestreben, 
zwischen beiden extremen die mitte zu Iialten, nichts in das 
gedieht hineinzulegen, was nicht darin steht, aber auch nichts 
zu übergehen, w^as es enthält. 

A. Das Hl., Übersetzung, Verteilung des dialogs u.s.w. 

Ich liörte das sagen, 
dass sich die kämpfer allein trafen '; 
Hiltibrant und HaÖubraut zwischen zwei beeren, 
söhn und vater.') Sie richteten ihre rüstungen (zurecht), 
5 bereiteten ihre Streitgewänder, gürteten sich ihre Schwerter au,*) 
die beiden über die ringe, als sie zum kämpfe ritten.*) 



•) Aeltere, von Luft s. fi ff. und A. Erdmann. Beitr. 22, 424 ff. wider auf- 
genommene auffassung: 'sich forderten zum einzelkampf herau.s' {muutm 
conj.: es wäre eigentlich miiottin zu erwarten; ausserdem wird das verbuni 
nur im ags. mit dem acc, sonst stets mit dem dat. construiert). Die 'bosse- 
rung'Lufts: (htt sih iirkPUioi (tiion {ithar)iii(otiii) ist freilich .vchon aus me- 
trischen gründen zu verwerfen; denn ubtiniiKutin (^L v — - ) ist kein müg- 
licher halbvers. Ausserdem macht die ganze aulfa.><sung inhaltlich .Schwierig- 
keiten, denn Hihlebrand tut doch alles, um den kämpf zu vermeidtu« 
Man darf dagegen wol nicht geltend machen, dass er gleich erfährt, wcu 
er vor sich hat und deshalb dem kämpfe ausweiche. Auch sonst ist eher 
anzunehmen, dass der lieimkehrende den kämpf mit einem Volksgenossen 
eher vermeiden wird, als dazu lieraustorilern. 

*) So zu interpungicren, dt-nn das ül)frgnifen des sinnes in die nÄrhste 
zeile (möglichst conseqututes zeilcnenjambcmciit) ist stilgesetz. 

') So. Kögel übersetzt "fest", was aber nicht «lastobt. 

*) Einigenna.ssen auflallend ist diese beschreibnug und auf alle fillle 
nicht zu verstehen, wenn man annimmt, vater und söhn seien wilhroud 
einer schlacbt aufeinander gestos.sen. Weit besser verstUndlich wini nie 
bei der annähme einfs zufiilli>jren Zusammentreffens, bei dem ji^ler 'en«t' 
seine riistnng in (»rdnung bringt, wie er den fremden beranreiten »ieht. 
Der Vorschlag von Luft (s. 8), v. 4— (i erst auf v. (ri foljfon zu la/wn. wünle 
beide beiden unverdient zu unvorsichtigen wa*rebälsen stem|>eln, die ««irh 
mit einander einla.ssen, (dine die utitwemligsten schutxmasare^n g«'tr..ffin 



54 BUSSE 

Hiltibraut sprach [Heribraiits söhn]: er war der ältere') mann, 

der lebenserfahrnere; er begann zu fragen 

mit gemessenen werten, wer sein vater wäre 
10 im Volke der menschen, — — — — ^) 

— — — — 'oder welches geschlechtes du seist. 

Wenn du mir einen sagst, weiss ich (mir) die andren, 

kind, im königreiche: kund ist mir das ganze grosse volk.'^) 

Hadubrant sprach, Hiltibrants söhn: 
15 'Das sagten mir unsere leute,*) 

alte und erfahrene, die früher lebten, 

dass Hiltibrant Messe mein vater: ich heisse Hadubrant. 

Vormals ging er ostwärts, er floh Ötachers hass, 

von hier mit Theotrich, und seiner degen viele.-^) 



zu haben. Der annähme plusquamperfectischen sinnes durch Kauffmann 
s. 145 und Siebs, Zs. fdph. 29, 442. Kraus, Zs. f. d. öst. gymu. 1896, s. 326 ver- 
mag ich nicht beizustimmen, da ich nicht glaube, dass unser dichter, der 
sonst so knapp in der Schilderung der Situation ist, 2^'2 Zeilen darauf ver- 
schwendet habe, etwas so selbstverständliches mitzuteilen, wie 'dass die 
beiden gerüstet waren' (man vgl. dazu die vorhergehenden 2^/2 zeilen, die 
dann die ganze exposition enthalten würden). 

*) So jetzt wol allgemein übersetzt, vgl. Edzardi, Beitr. 8, 445, übrigens 
schon von Feussner und Schmeller ebenso aufgefasst. 

-) In der lücke ist wol mit recht die frage nach dem namen des 
gegners selbst zu vermuten, vgl. Roediger, Zs. fda. 34 (33, 412). Solche vers- 
ungeheuer, wie sie Joseph einsetzt, sind deshalb aber doch nicht gleich 
nötig {eädo sage zi furist dhian namun u. s. w. soll eine halbzeile sein, 
die auf furist alliteriert, während dem geforderten sinne entsprechend dlnan 
den ton tragen müsste) ; von dem ' redressierten fanx pas ' Hildebrands habe 
ich nichts entdecken können. 

^) Zur interpunctiou vgl. Siebs, Zs. fda. 33, 412 und Braune, Beitr. 21,1 ff'. 

*) Reimvers? (Lachmann), prosa? (Sievers, Altgerm, metrik § 125). Auf 
alle fälle ist die stelle schlecht überliefert und auch inhaltlich einigennassen 
befremdend. Den kühnen Schlüssen, die Joseph s. 64 hieraus zieht: die verse 
seien nur elende nachbesserung und aus v. 42 ff. geschöpft, vermag ich keinen 
glauben zu schenken, ebensowenig wie ich glauben kann, dass dca erhina 
tcärun heissen könne: 'die früher auswärts waren' (das soll = 'die See- 
fahrer' sein): erhina heisst doch weiter nichts, als 'früher, von hier aus 
gerechnet'. Die annähme Josephs, der 'Überarbeiter' habe die sache so 
darstellen wollen, als habe Hadubrant überhaupt erst von den Seefahrern 
erfahren, wer eigentlich sein vater sei, ist für mich ebensowenig discutabel, 
wie die andere, der alliterationslose reimvers v. 15 sei ein specimen der 
kunst, die diesem manne eigentlich angestanden haben möge, oder wie die 
metrisch ganz unmöglichen verse, mit denen Joseph den text bereichert hat. 

^) Steiiimeyer bemerkt mit recht, filu könne nicht von miti abhängig 
sein (doch vgl. Kögel, Lit.-gesch. s. 218); ob shiero deshalb notwendig auf 
Hildebrand bezogen werden niuss, scheint mir allerdings eine andere sache. 



SAGENGESCHICHTLICHES ZUM HII.DEHHANDSLIEDE. 55 

20 Er Hess im laude im elend sitztu 

die junge frau im gemache, das unerwachsene kind, 

erblos: er ritt ostwärts von hier. 

Später entstand Deotriche mangel ') 

meines vaters. Das war ein so freundloser mann';: 

25 er war Otacher sehr zornig gesinnt,^) 
der degen bester [bei Deotrich]. 

Er war immer an der spitze des volks: ihm war immer kamiif zu 
kund war er kühnen männern. [lieb*): 

Ich glaube nicht, dass er noch lebt' — — — *) 

30 'Bezeuge (?), grosser gott [sprach Hiltibrant] von oben vom himmel,«) 



') fZrtr?;a f//s/i<o»/)OJ nach Heinzel-Kögel-Kauftmann = 'er hatte nütig, 
er brauchte'. Kögel freilich war auf diese deutung nur durch seine theorie 
von der as. herkunft des liedes gebracht worden und wusste selbst nicht 
recht, was er inhaltlich mit seiner Übersetzung anfangen sollte ('bezieht 
sich diese äusserung auf eine besondere, uns unbekannte sage?'). Da ich 
au einen nd. Ursprung des gedichtes nicht glaube, so halte ich mich an die 
hd. bedeutung des Wortes, und die ist auch nach Kögel nur 'privatio, 
jejunium' {tharf, pearf kann übrigens auch as. ags. = 'privatio' sein). 

^) friunilaos = ags. freondUas, tvineleas = 'geächtet' (Dietrich oder 
Hildebrand y vgl. unter B, 3). 

ä) utimet Ttrn die hs.; auf keinen fall = unmet iiiui, wie Wacker- 
uagel und Heinzel wollen ; ob man hri oder tirri (Grein-Kögel) liest, bleibt 
für den sinn ziemlich gleichgiltig. Joseph vermutet s. üG anm. flrri, un<l 
übersetzt ungefähr so: 'H. hätte so weit fliehen müssen, dass er von Ötaclier 
sehr fern, aber bei Dietrich der beste degen gewesen wäre"! 

*) K(>gel vermutet ti Icohe; das wäre aber nur eine nichtssagende 
widerholung der vorhergehenden halbzeile und metriscli wegen der ül)er- 
ladung des auftakts vor einem A-verse sehr anstössig. 

») Der schluss der ersten rede Iladubrants ist leider sehr schlecht über- 
liefert: haben wir in v. 28 einen halben sdiwcUvers (Sievers, Altgerm, metrik 
§ 128)? Die ergänzungsversuche vim Martin {mdiiiitn'iii) und Kt'igol (tcitu) 
sind wegen der sinnwidrigen caesuren abzulehnen. (Janz verfehlt scheint 
mir Josephs text: 

chful was her er chOnnem mannuni 

doh lango nü Hut nichani ni wäniu ih in üb habbe. 

«) iccttu immer noch nicht ganz erklärt; ubutia ab hcuum — von 
oben vom himmel heral)', dalier sind deutungcn, wie -wisse gott oben im 
himmel' mir nicht wahrscheinlich. — Luft s. 17 irrt, wenn er auK'ibt. Jellinek 
habe die bedeutung -ebenso wenig, nicht einmal' für »tu </<i»<i halt fest- 
gestellt; dieser erklärt es vielmehr Z.s. fda. 37, 20 als 'elH>n»oweuig jemals, 
trotzdem niemals", und ihm .schliesst sich Kugel, Lit.-gesoh. 9.213 mit seinera 
'trotzdem nicht' an. Die ganze auf die deutun;: 'nicht einmal einen pr«)CCJ«" 
U.S.W, aufifebaute constructit'U fällt mit dieser unmö^Micheu «leutuug (Luft 
vennisste ein bestimmtos erkennungswwrt von »eiteu llildebrauds, cb«u»u 



56 BUSSE 

dass du trotzdem nicht mit so verwantem manne 
eine verliandlnng führtest' — — — 
Er wand da vom arme gewundene ringe 
ans kaisermünzen, wie sie ihm der könig gegehen hatte, 
35 der Hunnen herscher: 'dass ich dir es nun in freundschaft gebe 

(oder; 'dass ich dir es nun, um deine huld zii 
Hadubrant sprach, Hiltibrants söhn: [erlangen, gebe). 

'Mit dem ger soll ein mann gäbe empfangen, 
spitze gegen spitze — — — — i) * 



eine genügende motivierung des geschenkes und folgerte ungefähr so: der 
alte hat natürlich seinen söhn bei dessen Worten gleich erkannt, freut sich 
über den ruhmredigen eifer, mit dem der junge den glänz seiner abstam- 
mung hervorhebt, und ruft nun launig: 'ich mache dich, gott, zum bürgen, 
dass du nicht einmal einen process [geschweige einen kämpf] zwischen mir 
und einem manne aus so herrlicher sippe (sus sippan) führst!' Er lässt 
sich noch weiter von seiner freude hinreissen und bietet gutmütig ironisch 
dem jungen seine armspangen zum geschenk, gleichsam um damit die gnade 
des gewaltigen zu erkaufen. Aber Hadubrant merkt angeblich diese Ironie, 
fühlt sich beleidigt, wittert verrat und ist nunmehr für alles zureden des 
alten unzugänglich). — Die zur erleichterung seiner annähme von Luft 
s. 30 vorgeschlagene änderung: clat du neo dana hält — mit sus liöhsippan 
man leidet an demselben fehler, wie die von Joseph s. 60: dat du neo dana 
Mit — ih hin Hiltihrant, diu fäter (?), dass nämlich (abgesehen vom übrigen) 
hcdt alliterieren soll, während der natürliche accent auf neo liegen müsste. 
Freilich sind Lufts verse immer noch besser, als die Josephs, vgl. z. b. mit 
sus sippan man sülih dinc ni gileilös. Sonst hat Joseph wol recht, wenn 
er annimmt, Hildebrand habe sich am ende dieser rede mit klaren worten 
zu erkennen gegeben (vgl. auch Lachmann -Kauffmann-Müllenhoff). Dass 
Steinmeyer dagegen hervorhebt, durch die nennung des namens werde inan 
V. 48 auch kaum verständlicher, fällt nicht allzu schwer ins gewicht 
dagegen, dass sonst dunkel bliebe, weshalb Hadubrant überhaupt noch 
einmal so genau von dem tod seines vaters zu erzählen beginnt. — Josephs 
erklärung von v. 80 ff. berührt sich übrigens eng mit der von Luft. Auch 
er fasst die worte Hildebrands als scherzhaft auf: ' der kämpf esdialog malt 
sich dem freudig überraschten vater plötzlich zu einem rededuell mit un- 
blutigem ausgang' etc. Ich glaube nicht, dass Hildebrand, der soeben seinen 
söhn als gegner widergefunden hat, ausserdem hören muss, dass der söhn 
ihn für gestorben hält, gerade zu scherzen aufgelegt gewesen sein werde. 
Das heisst doch dem alten recken etwas zu viel frohsinn und zugleich Un- 
bedachtsamkeit zutrauen. Warum sollte ein ursprünglich juristischer ter- 
rainus technicus (di^ic gileitös), wenn er scherzhaft auf den kampfesdialog 
übertragen werden konnte, nicht auch im ernste so übertragen werden 
können ? Die rede ist gewis ganz ernst gehalten gewesen und hat die ent- 
hüUung des vaters gebracht. Daher kann icli Lufts ansieht nicht für richtig 
halten, die erkennungsworte seien erst nach v. 41 zu denken. 

') Ob Hadubrant den ring wirklich angenommen hat (Kauffmann), 



SAGENGESCHICHTLICHES ZUM IIILDEBFtANDSLIEÜK. 57 

Du bist (<lir), alter Hnnne, solir sdilan, 
40 verlockst mich mit deinen wurti-n, willst nii< li mit ilt-ineni Speere 

werfen, 

du bist ein ebenso alter mann. wie du ewigen trug vollbrachteht. 

Pas sagten mir seefalircr 

westwärts über den Wendelsce, «lass ilm streit entraffte: 

tot ist Hiltiltrant, Ilerilirants söhn.' 
45 Hiltibrant sprach Heribrants söhn'): 

'Wol sehe ich an deiner rüstunir. 

dass du daheim einen guten herrn hast, 



ob er ihn verächtlich zu boden geschleudert (Luft-Jo.seph), ob Hildebrand 
ihn auf dem sper gereicht (Kauft'mann), und ob dies eine alte sitte war 
(.1. Grimm, Kl. Schriften 2, 199, Müllenhoff-Kögel-Heinzel-Kauft'mann) oder ob 
er ihn in seiner freude, den söhn widergefunden zu haben, der heldeu- 
sitte nicht achtend mit der band angeboten hat (Edzardi-Luft un<l Schröder, 
Beitr. 8, 490), scheint mir ziemlich bedeutungslos; jedenfalls geht aus dem 
text weiter nichts hervor, als dass Hadubrant hinter dem geschenk eine 
hinterlist vermutet. 

') Die Verteilung der folgenden reden ist sehr verschieden aufgefasst 
worden: die einen legen sie Hildebrand, die andern Hadubrant in den mund, 
ausserdem werden je nach belieben lücken angenommen und verse um- 
gestellt oder gar die reden auseinander gerissen und die einzelnen teile 
auf beide gegner verteilt; vgl. dazu die literaturangaben bei Braune s. 173 f. 
Mit dem überlieferten lässt sich immer noch am besten auskommen. Je<len- 
falls darf man die grosse abschlussrede Hildebran<ls v. 49 ff. nicht durch 
eiufügung von v. 46— 49 ihrer ganzen w irkung l)erauben. Ich kann mit 
dem wehruf, mit dem Hildebrand das unabwendbare sdiicksal hereinbrecheu 
sieht, wol die furchtbare Ironie v. 55 ff. vereinigen: ganz unmöglich ist es 
mir aber, dazwischen noch eine so verhältnismässig ruhige bctradituug 
eingefügt zu denken, die selbst von einem strahle freudigen vaterstolzes 
verklärt wird. Ich nehme daher als sinn von v. 4G ff. an ihrer stelle: Hilde- 
braud hofft, den kämpf noch venneiden zu können, und setzt sich daher 
selbst über die scbmähworte des jungen (alter Hun, die verdärhtigiuig des 
Verrats u. s. w.) hinweg und will ungftahr sagen: 'i<h sehe an deiner 
schönen rüstung, dass du nie verbannt wurdest, daher weisst d»i auch 
nicht, wie es mit einem landtliuhti};tn iKStt-llt ist.' vgl. auch untm unttr 
C,3. Damit fällt für mich auch Lnfts ansieht fort, der diese wi.rt.- Hadu- 
brant in den mund legt und dahin ergänzt, Hadubrant IialH» «n da» lob 
der rüstung die absiebt angeknüpft, sie zu erbeuten, und nun merke erst 
Hildebrand, wie enist die Sachlage sei. Kine scheinbare lM?«tHtigung er- 
fährt die Zuteilung der rede auf Hadubrant allerdin«p< durch da.« volkslie«! 
Str. 0: Du ßrrst ilhi haniasrh h'itrr umlr rlnr, rrht als ilii aisl rhis ktittrgrf 
kint, du irilt mich jutuji'n hehlen mit nesrhenilcn nutjot inarhni Miitl tj.s. w. 
(die Edzardi freilich dem alten zuteilen möchte), un<l sicher hat die be- 
zeichnung kütieyes kint für <len greisen Hildehrand etwas sehr merk- 
würdiges. 



58 BUSSE 

dass du miter diesem könige noch nicht verbannt wurdest.' ') 
'Wolan denn, waltender gott [sprach Hiltihrant], wehgeschick er- 
füllt sich. 

50 Ich wallte der sommer und winter sechzig 2) aus dem laude, 
wo man mich immer einstellte in das volk der schützen. 
Nachdem man mir bei keiner bürg den tod verhängte, 
soll mich nun das traute kind mit dem Schwerte hauen, 
mit der Streitaxt schlagen oder ich ihm zum mörder werden. 

55 Doch kannst du nun leicht, wenn deine kraft dir taugt,^) 
bei einem so alten mann die rüstung gewinnen, 
die kampfbeute rauben, wenn du irgend ein recht dazu hast.'*) 
'Der sei doch nun der feigste [sprach Hiltibrant] der ostleute,^) 
der dir nun den kämpf verweigere, mm es dich so wol nach ihm 

gelüstet, 

60 des Streites gemeinschaft : es versuche der, dem es bestimmt ist, 
ob er heute dieser ringpanzer sich entschlagen muss,^) 
oder dieser brünnen beider walten.' 



^) Vielleicht ist hier eine lücke anzunehmen, vielleicht aber ersieht 
auch Hildebrand einfach aus der haltung des gegners, dass der kämpf un- 
vermeidlich ist. 

2) = 'dreissig jähre', vgl. die übrigen sagenzeugnisse und 0. Schröder, 
Symbolae Joachimicae s. 23. Heinzel hat entschieden unrecht, wenn er s. 48 
sagt, man dürfe der auffassung '60 jähre' nicht entgegenhalten, dass dann 
zwei greise sich gegenüber ständen. Wichtiger als die angäbe der einen 
hs. der piörekssaga, Hildebrand sei im exil hundert jähre alt geworden, ist 
die, dass Hadubrant bei der flucht seines vaters bereits geboren war (barn 
umvahsan), oder doch bald darauf geboren wurde. Hadubrant aber wird 
uns überall als jugendfeuriger held geschildert. Ausserdem würde auch die 
anrede chhul v. 13 kaum für einen sechzigjährigen passen. 

^) Davon dass Hadubrant diese worte sprechen soll, vermag ich mich 
nicht zu überzeugen. Steinmeyer hebt mit recht hervor, dass die worte 
in sus heremo man im munde Hadubrants sehr geschraubt klingen würden. 

*) Moralisches recht?; nach Eoediger, Zs. fda. 35, 174: 'recht auf beute', 
Avie die überlegene kraft es gibt, doch vgl. Kauffmann s. 151. 

'') Vielleicht ist zwischen v. 57 und 58 erst eine directe beschimpfung 
Hadubrants wie h/y/o zu denken, an die Hildebraud nun anknüpft; vielleicht 
ist dies wort 'feigling' auch schon vor v. i8 anzusetzen. Die ostleute sind 
wol kaum die Ostgoten (Kögel, Lit.-gesch. s. 211:), sondern die Hunnen: 'da 
müsste ich ja der feigste Hunne sein' oder 'da müsste ich allerdings ein 
Hunne sein und zwar der feigste' u. s. w. (zum gebrauche von Htm in 
verächtlichem sinne vgl. v. 89). 

'^) rämen, vgl.Steinmeyer-Kögel-Kauffmann; hniomen Lachniann-Kraus- 
Joseph, die dann allerdings Jiiocrdar trennen. Ich glaube der ersten ansieht 
beipflichten zu müssen, da mir nach der zweiten v. 62 nur eine ganze nutz- 
lose widerholung des eben in v. 61 gesagten scheinen würde, 



SAGENGESCHICHTLICHES ZUM HILDEBKANDSLIEDE. 50 

Da liossoii sie zuerst mit den Speeren (die rosse) schreiten,') (?) 
mit scharfen schauern, dass es in den schihlen stand. 
65 Da scliritten sie zusammen, die kampfschildherühmteu,'^) (?)' 
hieben grimmig die weissen schihle, 
bis ihnen ihre linden klein wurden, 
mit den waft'en zerschlagen (?) — — — — 



B. Hildebrand. 
1. Die entstelinng der Hildebrandgestalt. 

Kurz und knapp ist die einleitung- des gediclites, die uns 
gleich mitten in die Situation hineinführt. Zwischen zwei 
lieeren treffen sich allein vater und söhn; ob als kundschafter 
ist nicht gesagt, immerhin aber wahrscheinlich. A^'('lches sind 
die beiden beere? Das Hadubrants ist natürlich ein gotisches 
bez. italisch-gotisches ;=^) in dem andern beere dürfen wir wol, 
entsprechend der sonstigen Überlieferung, ein hunnisches sehen: 
alter Htm nennt Hadubrant den vater, und die ivuntanc hougä, 
die Hildebrand dem söhne zum geschenk bietet, hat ihm der 
chuning, der Hünco truhtin gegeben. Ein eigenes beer Diet- 
richs kann es trotz der dcgano flu v. 19 schon deshalb nicht 
sein, weil dann nicht abzusehen wäre, weshalb Dietrich über- 
haupt in die Verbannung gegangen, oder weshalb er nicht 
schon längst wider zurückgekehrt ist. Ausserdem meldet alle 
alte Überlieferung, dass Dietrich seine hehlen im exil verloren 
habe, vgl. Guör.-kv. 2: PjöpeJcr Iconungr var mep Atta ok hafpe 
par Idtet flesta^) ulla menn sinn, und 3,5: 



1) So Lachmann-Mül leuhoff, vgl. dagegen Meissner, Zs.fda.42, 122 ft'., der 
scrttan als 'gleiten' fasst und den dativ (iscJcnu von Icttiin abhängig machen 
möchte: 'da Hessen sie zuerst die spere lliegen' (?). Dem sinne narh sdieint 
mir Meissners Übersetzung besser, da ascJxim scntan für den sjjcrkampf zu 
ross recht sonderbar klingt, skritan =■- 'sciiulere' jetzt wider Kauft'mann. 

■-) So Heinzel. Der ganze sehhiss ist sehr schlecht überliefert und seiu 
Inhalt l<ässt sich nur erraten. T'eber den mutmasslichen ausgang de.s ge- 
dichtes vgl. s. 38 ff. 

3) Ausser der angäbe, dass der Wendelsee und das llunnenreich im 
Osten zu denken sind, findet sich allerdings nirgemls eine «imr von locali- 
sierung in unserem getliciitc und es bat sich auch keine crinncrunir an 
die unter gotischer her.schaft lebenden Romanen in der germanischen .sage 
erhalten. 

') Dci- Inhalt der jjrosa ist allerdings wol ci-st aus dcu versen geschöpft, 



60 BUSSE 

Her kom pjoj^rekr mep pria teigo, 

Ufa peir ne einer') prir tiger^) manna. 

Die Situation im einzelnen ist etwas dnnkel. Nach der 
späteren Überlieferung-, und auch weil die dreissig- verbannungs- 
jahre abgelaufen sind, müsste man annehmen, Dietrich versuche 
jetzt an der spitze eines hunnischen hilfsheeres das land zu 
erobern bez. widerzuei'obern. Offenbar weiss davon aber 
wenigstens Hadubrant nichts: er sieht in den ankömmlingen 
nur Hunnen, also feinde. Wüsste er, dass Dietrich heran- 
nahte, so bliebe sein verhalten gegen den alten beiden aus 
Dietrichs beere ganz unerklärlich: auch wenn er ihn nicht 
für seinen vater halten könnte, müsste es ihm doch lieb sein, 
einen mann zu treffen, der ihm auf alle fälle näheres über 
seinen vater, über Dietrich und seine beiden melden könnte. 
Hadubrants benehmen lässt im gegenteil darauf schliessen, 
dass er nicht einmal weiss, dass Dietrich und seine beiden 
sich bei den Hunnen aufgehalten haben. Am wahrschein- 
lichsten ist demnach, dass sich der ganze Vorgang an der 
lau des grenze abspielt, und man im Gotenlande noch nichts 
von Dietrichs heimkehr weiss, wie sie ja auch im ganzen 
liede nicht erwähnt wird. Auf alle fälle kann das zusammen- 
treffen nicht, wie Kögel annimmt, in einer der eroberungs- 
schlachten, etwa in der Rabenschlacht stattfinden: dem wider- 
spricht (und ich muss hierin der auffassung Lufts beipflichten) 
schon die Schilderung v. 4 — 6 iro saro rihtim etc., die ja auch 
so zu bedenken anlass gibt, bei einem zusammentreffen in der 
Schlacht aber völlig sinnlos wäre; vgl. s. 53 f.; ebenso unberech- 
tigt ist es aber auch, die andere auffassung, Hildebrand und 
Hadubrand hätten sich als kundschafter getroffen, durch unmet 
Späher v. 39 stützen zu wollen, wie Luft es tut. 

Wer sind die beiden einsamen kämpf er? Hiltibrant, Heri- 
brants söhn und Hadubrant, Hiltibrants söhn. Der alte Hilde- 
brand ist eine der beliebtesten gestalten unserer deutschen 

und das par ist bedenklich, weil es eine Verbindung pjoöreks mit den 
Niflungenkämpfen anzudeuten scheint, von der der norden sonst nichts weiss. 

') Nach der Klage, Nibeluuge not, Dietrichs heimkehr, piörekssaga etc. 
wäre freilich Hildebrand am leben geblieben. 

^) Die dreissig spielen überhaupt eine grosse rolle in der Dietrichs- 
sage: 30 beiden, 30 verbannungs- und 30 herscherjahre. 



SAGENGESCHICIITLICIIES ZUM IIILDKBUANDSLIEDK. Ol 

lieldensage, dessen aiideiikeii sich bis in die siKile.sleii zciLeii 
ihres fortlebens gerettet hat,') so leclit das lubihl eines in 
allen lebensnöten erfahrenen reeken ohne furcht und tadcl. 
In ihm verkörpert sich, wie schon riiland-j sah, in idealei- 
Verklärung jene wichtige institution germanischer heldenzeit: 
das majordomat. Bei dem typischen charaktcr der ganzen 
altgermanischen dichtung könnte man sich vielleicht mit diesei- 
erklärung zufrieden geben und Hildebraud einfach als dtMi 
maior domus xar tso/Ji!' auffassen, wie er zu jedem fürstenhof 
gehört und infolgedessen auch überall in der heldensage wider 
auftritt (vgl. Berhter, Berhtung, Eckart, Hagen, A\'ate etc.), 
ohne sich um etwaige historische Vorbilder zu küiiiiiicni. .Vbci- 
die Verknüpfung Hildebrands (bez. seines histurischcn V(m- 
gängers) mit dem der geschichtlichen sage ursprünglich 
fremden märchen vom kämpf des vaters und sohnes weist uns 
darauf hin, dass wir in Hildebrand mehr als solch ein not- 
wendiges inventarstück zu sehen haben, dass er jedenfalls 
früher eine selbständigere rolle in der sage gespielt hat und 
dass er infolgedessen wol auch auf ein directes geschichtliches 
Vorbild zurückgehen wird. Die gotische geschichte bietet uns 
verschiedene ähnliche gestalten, und so kann man einige r- 
massen zweifelhaft sein, in wem wir das historische ') prototyp 
unseres sagenhelden zu erblicken haben. Da hören wir zuerst 
von der treue der maiores domus Alatheus und Saphrax (Safrac) 
für den jungen Viderich, Vithimers söhn,') dann von der Gensi- 
munds für die königsbrüder A\'alamer, A\'idimcr und 'i'hcodemr'r,'') 
schliesslich wird uns auch noch von einem vertrauten fr»'unde 



') Anspieluiig-en auf Hildebraud Hudoii sich noch bei Melchior (inMiist 
(1576— l(J34j, Paraonesis l,;{4(if.: lanuinn de lliHihrando (iotha, uiul bei 
Prätorius, Weltl)eschreil)uug (KiOG) 1, 273: uärrixche (juukilers zelte, tro ilvr 
alte IlUdebnind uh solche jjosseii, mit dueken (fcspielt irerden, puppen- 
comedien genannt, vgl. (iriiuni, Heldensage* s. yiSf. 

") Schriften 1,2.72, vyl. anch Kauflfmanu «. I.'jI ff., der eine reihe iuter- 
essauter belege für <lie Stellung der maiores domus bei Goten, Fraukeu und 
im germanischen ei)os aufiihrt. 

^) An einen mythischen Ursprung HiMelirands ist nicht zu denken, 
vgl. s. 48. 

") Amm. Marc. 31, 3: cnins [sc. Ytt/iimeril parn filii Viderichi nomine 
curam susceptam Alatheus tuebatur et Saphroj-, duces tjeerciU et finnitate 
pectorum noti. ") Vgl. t'ossiüdor, Variae 8, U. 



62 BUSSE 

Theodericlis, Ptolemäiis, berichtet, in dessen namen Uliland 
zuerst eine gräcisierung des gotischen Hildibrands sehen wollte; 
vgl. Fredegar cap. 57: Tolomeus quidam ex Senator ihtis vclie- 
mcnter cum Thcuderico amicicias inians quo usque die ovctus 
custudivit, und die späteren Gesta Theoderici: Vita Fuldensis 
cap. 11: unus senatonun, nomine Ptolomaeus, Theoderico ami- 
eissimus; Vita ex Aimoino hausta cap. 2: Ftholomaeus, qui 
fidissimus amicorum Theuderici dum esset et ah adolescentia 
viri amicitiae foederatus nulla potcrat in eins odium calliditate 
deflccti. Leider ist Uhlands geistvoller Vermutung entgegen 
zu halten, dass dieser Ptolomaeus nicht Gote, sondern römischer 
patricius und Senator war, und dass er Theoderich besonders 
diplomatische dienste geleistet zu haben scheint (er soll Theo- 
derich einmal durch list aus der gewalt des kaisers befreit, 
ein anderes mal ihn durch die fabel vom löwen, fuchs und 
hirsch vor gleicher gefahr gewarnt haben, vgl. Fredegar 2). 
Die Vermutung Mones (in seinem Anz. 4, 437), der noch Heinzel 
folgte, die Gesta berichteten nicht die taten unseres Theode- 
rich, sondern die des etwas älteren Theodericus Strabo, eines 
gotischen freischarenführers, der eine schwankende Stellung 
zwischen dem Amaler und Byzanz einnahm, gründet sich nur 
auf ein misverständnis der worte narn ille alius Thcudericus 
\Tlieudoris^ regt filnis, natione GotJnis fiiit. Dieser alius Theu- 
dericus wäre eben nach Mone der Ostgotenkönig, ist aber in 
Wirklichkeit der Westgote Theoderich, der bruder Tlioris- 
munds.') Wir dürfen daher nicht mehr bezweifeln, dass jener 
Ptolomaeus wirklich mit unserm Theoderich befreundet war. 
Trotzdem wird man nicht mit Kauffmann wider für die gleichung 
Ptolemaeus = Hildebrand eintreten dürfen, zumal direct be- 
richtet wird, Ptolemaeus sei nicht etwa, wie es ja sonst viel- 
fach Sitte war, nur titularpatricius und Senator gewesen, son- 
dern habe sich dauernd in Byzanz aufgehalten und im geheim- 
rate des kaisers selbst gesessen. 

Mir scheint immer noch die annähme am wahrschein- 
lichsten, dass wir in Gensimund das historische vorbild 
unseres Hildebrand zu sehen haben,'-) zumal wir wissen, dass 
Gensimund unter den Goten selbst schon im heldenlied be- 



1) Vgl. Krusch, MG., Script. Merov. 2, 78, note 2. 

2) So schon MüUenhoff, Zs. fda. 12, 254. 



SAGENGESCIIICnTLICTIES ZUM IIILDEBUANDSLIEDK. 00 

sungen wurde, vgl. Athaiiariclis worte bei Cassiodur: KiUU 
gentis goticae hiiius xnohitatis cxemplum: Genshnundus iUciofo 
orhe cantahilis, sohim arm'is fxlius facfus tanta se Jfamalis de- 
votionc conhmxit, ut hercdibus corum ciiriosum exhibttcrH fa- 
midatum. Quamvis ipse peterctur ad regmim, impenilchat (das 
incritnm snum et modcratissimiis omnium quod ipsi confrni 
poterat, üle parndis cxhibchat. Atque Idco cum nofttronou 
fanm concdchrat : vivit sempcr relationihus qui quandixiui' 
moritura contempsit. Sic quamdiu nomen stiperest Gotionni, 
feriur eins ciinctornm adtestatione pracconium. 

Dass man Geiisimund später mit Tlieoderich zusaininen- 
braclite, würde sich ungezwungen erklären, wenn man die von 
Heinzel s. 17 für lateinische autoren nachgewiesene Verwechse- 
lung Theoderichs mit seinem onkel AValamer {ThcodoricHs 
eognomento Valamer Marcellinus comes s. 92) ') weiter über- 
tragen dürfte. Den Griechen galt übrigens A\"ahimer allgemein 
als vater Theoderichs,-) wie er ja auch zweifellos der be- 
deutendste der drei brüder war und die eigentliche künigs- 
herschaft inne hatte.'^) Durch diese Vermischung von ^^'alamer 
und Theoderich würde sich auch der aufenthalt Dietrichs am 
hofe Attilas und die grosse freundschaft des königs niit ilim 
auf das einfachste erklären: Walamer war ja die grösste zeit 
seines lebens am hofe des grosschans. und neben dem GepidtMi- 
könig Ardaricus Attilas vertrautester ratgeber, vgl. .Turdanis 
Getica cap. 38: nam perpendcns Attda sagacHatc sua cum 
\Ardarknm] et Valamerum, Ostrogotharum regem, super ccteros 
regidos ddigehat. 

Leider findet sich aber die Verwechselung Walamers und 



') Nach Heinzel soll sich tlieses misverständnis durch fal.'*cho anfl'a.'<.'*uiiir 
de.s giiech. o OvtO.äufQoq als uoiii. erklären. Die vorwochseluiu,' ist hier um 
so auffallender, als der comes Marcellinus noch zeitj,'en(»sse TlioDderichs '\A. 

*) Theophanes 112 : f-)tvSi{>tyoq 6 Oialäftf(>nq; Vita Fuldeusis 1: Tlint- 
(loricus, M'iilameiis fUius; vgl. ferner den Anonymus \'alesianns 42: Thro- 
(loriciiit, (lux (iothonm, fUim Widamcris und 58: vir enim InUirosisHimu», 
fortis, cm/»s juttcr Walamir dirdis, rc.r (iatltorum, natiirnliH tnmrn ein* 
fnil (erinnerung an die unechte ahkunft Theoderirlis). 

=•) Die annähme von Heinzel s. 17, Vnlamcriitci sei Uherhanitt feste bo- 
zeichnung der Ostgoteu geworden, und die daraus gezogenen schlUH.so über 
die entstehung von Menm, Mitrin^a bur^ etc. haben mich nicht «Ijerxengi'n 
können. 



64 BUSSE 

Tlieodericlis mir bei fremden scliriftstellern. Wir sind dalier 
niclit bereclitigt, ähnliches für die Goten selbst anzunehmen, 
deren sage im gegenteil den namen des vaters Theodemer- 
Dietmar stets treu bewahrt hat. Wir müssen daher Walamer 
aus dem spiel lassen und uns an Theodemer halten. Schwierig- 
keiten für die entstehung der sage ergeben sich daraus nicht, 
da Theodemer sowol zu Gensimund, wie zu Attila in ähnlichem 
Verhältnis steht "vvie sein bruder. Wir haben also vermutlich 
eine Übertragung historischer Verhältnisse vom vater auf den 
söhn anzunehmen: ein in der sagengeschichte häufig wider- 
kehrender zug, vgl. die merowingische königssage von Hug- 
und Wolfdietrich; noch instructiver ist die genesis der frz. 
Karlssage, ähnlich auch die entstehung der russischen sagen 
von Wladimir Schönsonne und Iwan dem schrecklichen. 

Nehmen wdr Gensimund als urbild Hildebrands an, so 
bleibt doch immer noch dunkel, weshalb der name verändert 
wurde. Jiriczek vermutet, Hildebrand sei ursprünglich der 
lield der alten sage vom kämpf des vaters und sohnes gewesen, 
und als diese sage mit der historischen von Dietrich und Gen- 
simund verbunden wurde, habe der name des gotischen maior 
domus dem des alten sagenhelden weichen müssen: gewis eine 
sehr ansprechende Vermutung. 

Eine völlig abweichende ansieht über die entstehung der 
Hildebrandgestalt hat Kauf f mann: nach ihm wäre Hildebrand 
gleich Heime zu setzen. Kauffmanns argumente sind freilich 
nicht eben schwerwiegend. Aus einigen Unklarheiten in Alp- 
harts tod und der piörekssaga, und aus sonstigen, ganz all- 
gemeinen ähnlichkeiten, die so ziemlich bei jedem Dietrich- 
helden sich waderflnden, zu schliessen, zwei in der ganzen 
Überlieferung so streng geschiedene persönlichkeiten wie Hilde- 
brand und Heime seien ursprünglich eins gewesen, geht doch 
nicht an. Mit ganz demselben recht könnte man auch be- 
haupten, Hildebrand sei gleich Wittich: die allgemeinen ähn- 
lichkeiten (grösste Wertschätzung bei Dietrich, der von Kauff- 
mann Hildebrand untergeschobene Übergang zu Ermenrich, 
innige treundschaft mit Heime etc.) würden ja auch für ihn 
zutreffen; seine rolle in Alpharts tod und sonst ist ebenfalls 
sehr unklar, und vor allem könnte man hier die dunkle stelle 
des ags. Waldere 2, 4 ff . hinzuziehen: 



SAGENGKSCIIICIITLICITK«( 7.VM IIILDICnKAN'DSMKDK. 05 

Ic Wiit fl*t hit (das schliert) Äöhte iJeudric Widiau 
selfum onsemlaii and ^ac »ine raicel 
mäöiiia niid Öi mtfece, moni;^ ööres iniil liini 
Äolde jeis'iwan — iülean /;enaiii — 
Jnvsöe Line of nearwuni Nirthädes init*Äi 
Welaudes bearn Widia üt furlet: 
Öuih fifela seweald forö önette. 

Eine derartige errettung- Dietridis aus der gewalt der 
riesen wird uns sonst nie von ^^'itticll, wol aber von Hilde- 
brand erzählt, vgl. den SigenOt. 

Ganz lialtlos ist der liinweis Kauffnianns darauf, dass 
Hildebrand in der agfu. diclitung gar nicht vorkomme, wol 
aber Häma. AWdche Zeugnisse haben wir denn überhaupt für 
die Dietrichssage in England? Auch Binz lelint Beitr. 20, 141 ff. 
die annähme einer näheren kenntnis dieser sage auf englischem 
boden ab. "\^'ud5a und Häma erscheinen im \\i(lsij' 12-1 — l^U,') 
im Beowulf 1197 ff.-) niu* in Verbindung mit der älteren Goten- 
sage von könig Eormenric und seinen beiden. I)eodric wird 
ausser in Deors klage (vgl. s. 78) im ^\'idsi|' 11.") zwar beiläutig 
erwähnt, doch ist durchaus nicht sicher, ob der iJeodric des 
"\Vidsi|> wirklich Dietrich von Bern ist.-') Im gegenteil hat 
der Widsi]> die alten historischen verhältni.s.^e bewahrt: im 
Wistlawudu^) kämpfen die Goten gegen die leute des .Ethi 
(die für die Sarmaten eingetreten sind). Die einzige spur der 
Verbindung nicht Heimes, aber AN'ittichs mit Dietrich ist die 
eben citierte stelle aus dem Waldere, die sich aber jedenfalls 
auf deutsche, nicht auf ags. Überlieferung ginindet. Ich kann 



') Wiidjan and Hänian. 

ne wferon ptet ;^esi)m ^ä sipnie.stan. 
Jj^ahpe ic hy änyliHt neninau .scoldo . . . 
wr?eccau f>;iT wöoldan wundiian Ä''l"l^N 
wennn oud wifuiii Wud.sa und llaina. 
«) Nitnisne io under swesle selran hyrde 

hordniäfluin ll;l'le^a, syöftan Hiinia iptwaps 
tö piirt' hyrlitaii byri.s HnVsinÄa nienc, 
.si.-^le «nd sincfiet, searonlfta-s Ht-ah 
Eomunrires, jec^aa tcno ned. 
») Sijmons in Pauls (inindr. 3». ('.74 berieht dieaen iK^rlc nicht »af 
Thcodericl), sondern auf Hujj^- oder Wolfdietrich. 

«) Ileinzel, l'eber die Hervarar«aKa, WSB. 114,51 f., »)e«ieht den HVW- 
Inirudu freilich auf l>acien. 

Beitrage tur (cschichle der (ieuUchco tpr»chc XXVI. 5 



66 BÜSSE 

dalier der annähme Kauffmanns, Hama sei Hildebrand, keinen 
viel höheren wert beilegen, als etwa der von Haigh (The 
Anglo-Saxon sagas s. 148 f.), Hama sei der Verfasser des Widsi]'- 
liedes, und bleibe bei der alten anschauung, dass Hildebrand 
und Heime nichts mit einander zu tun haben. Die entstehung 
der Heimeflgur kann uns hier nicht interessieren, 

2. Hildebrands geschlecht und Charakterbild. 

Im Hl. erscheint Hildebrand in einer festen genealogischen 
Verbindung mit Heribrant und Hadubrant. Von Heribrant ist 
uns sonst wenig bekannt. Als vater HiMebrands erscheint er 
nur noch im Wolfdietrich und im anhang zum Heldenbuch, i) 
Hadubrant, im Dresdener heldenbuch OUebrant, ebenso in der 
I)iörekssaga Alihrandrp) im Jüngern Hl. nur als 'der junge 
Hildebrand' bezeichnet, kommt nur in Verbindung mit der 
vatersohnsage vor. Nach dem Hl. wäre er bei Hildebrands 
flucht schon am leben gewesen {harn miwahsan), nach der 
piörekssaga cap. 368 ist er erst später geboren. Sonst erzählt 
die saga von ihm, er sei herzog von Bern gewesen und habe 
nach Erminreks tode bürg und land nicht an Sifka ausliefern 
wollen, sondern habe boten ins Hunnenland geschickt, um 
könig iDiörekr heimzurufen. Er spielt infolgedessen auch eine 
grosse rolle bei der widergewinnung des reiches, besonders in 
der Schlacht bei Gregenburg, in der er könig Sifka erschlägt. 
Es wird dann noch berichtet, piörekr habe ihn mit dem 
herzogtum Räna belehnt und er habe dem könige den guten 
hengst Blanka geschenkt; dann verschwindet er spurlos aus 
der sage. Der ganze bericht verrät sich als junge sagen- 
bildung. Nach mhd. sage wird Sibich schon in der Raben- 
schlacht von Eckart gefangen genommen und aufgehängt; das 
kriegerische auftreten Sifkas entspricht überhaupt nicht seinem 



^) Auffällig ist die Verbindung der namen Herebraut imd Hildebrand 
im me. Cbild Hörn, wo sie als Sarazenen erscheinen. 

2) Wie kommt Kauffmann s. 169 zu dem apodiktischen urteil: 'denn 
dass Alebrand nicht eine »Verderbnis« aus Hadubrand, sondern aus Hilde- 
brand ist, liegt für jeden, der nach belegen sich umtut, am tage (vgl. 
übrigens Beitr. 9, 499)'? Ich kann an der citierten stelle weiter nichts als 
den urkundlichen nachAveis von zwei Allehrandus finden, ohne irgend eine 
sonstige bemerkung. 



SAGENGESCIIICiriLKIIKS ZUM IIH.DKUKANDSMKDE. Cl 

sonstigen benelimen, \^\. auch Jiriczck s. 172. Sonst liabt-n 
wir zahlreiclie nachricliten über llildcbiands <,'esclileclit. Nach 
dem Wolfdietrich stammt er von Berlitnnj; von Merän ab 
und sein gesclilecht lieisst das dt-r Wiilfin^c (ob ein zu- 
samnienliang dieser mlid. ANTilHiigc mit den an^s.-an. Wyltinsits- 
Ylfingar bestellt, ist nicht nachzuweisen, vj?l. Jiriczek h. 291 f.). 
Ganz kurz wird v. 21 nodi die frau Hihlebrands «'rwäliiit 
{2)ritt in burc), die später den typischen namen der helden- 
mutter, Uote, erhält, aber nirgends besonders hervortiitt (ver- 
hältnismässig- am meisten nocli in Alpliarts tod). 

Die Charakteristik Hildebrands im Hl. entspricht durch- 
aus der späteren Überlieferung. Er ist der weitgewanderte, 
vielerfalirene alte, ') dem «/ innindcot bekannt ist, der dvgano 
ih'chisto des Dietrich, stets an der spitze der krieger, weit- 
berühmt unter kühnen mannen, von siclierm kampfbewusstsein, 
dabei kein hitzkopf, sondern bedächtig, wie es dem alter ziemt, 
aber von unbeugsamem hehlenstolz. der seiner kriegerelire 
selbst den einzigen söhn opfert. Sogar der von Luft und 
Joseph entdeckte launige humor v. 30 ff. würde sehr gut zu 
seinem Charakterbild passen, vgl. besondei-s im Jüngern Hl.: 
wer sich an alte hessel reibt, empfahet (jern den rain, be.sser 
freilich noch die grimmige ironie von v. 55ff.: 

•loh iiiabt du uü aodlihho, ibu dir diu eilen tuoc, 

iu .sus heremo mau hrusti giwiuuau, 

rauba birabaneu, ibu du dar ^nic rebt hab^s. 

Auffällig sind dagegen v. 24 dat uuas so friuntlaos man 
und V. 27 imo was co fehta ti Icop, der so gar nicht in d»Mi 
mund Hadubiants zu passen scheint. Ist der friutitlaos mau 
Hildebrand oder Dietrich? Beides ei*scheint bedenklich wegen 
der di(/(nw fdu. Ist friunthws ags. fränidhas, wintlt'as nur 
ein tyi»isches epitlieton des urieehco'^ An sich knunle man 
ja auch denken, es bedeute: •der war (in folge der Verbannung) 
so verbittert und menschenscheu geworden"; dies winde indessen 
zu der üoiistieren Charakteristik sowol Hihlebrands wie Dietri»-hs 



') Von der jngond Hildebrand.H erfabreu wir mir im WOlfdietrirb nnd 
der piöreksaaga einiges: beide.«« offenbar junjr«* "lurenliildungen; fcnwt ist fr 
eben immer der alte" Ilildebnuid. der nach iler pl^r^•k.H.•«l^^ra (rap. 3H1) ein 
niytbiscbes alter vnn IfiO bis 2<I0 j'''""»'» erreicht. Tgl. aiub Virginal ♦>49, 
11 f.: di. ich strit io;j ersti- nur vieiu; driitt rolleclirh tcol ahtitr jär. 



68 BUSSE 

schlecht passen (Heinzeis wie Ivanffmanns erklärung-en der 
stelle kann ich mich nicht anschliessen). Und was bedeutet 
imo tvas eo fehta ti leoj)? Galt der alten sage vielleicht das 
ganze geschlecht Hildebrands als von massloser kampfbegier 
erfüllt, und ist diese eigenschaft des Hildebrandstammes erst 
später speciell auf Wolf hart übertragen worden? i) Sind dem 
entsprechend die namen Hiltibrant, Hadubrant, Heribrant als 
kämpf br and, streit br and, heerbrand zu deuten? 2) 

3. Hildebrands Stellung zu Dietrich und 
Ötacher. 

Ueber die geschicke Hildebrands, seine Verbannung und 
ihre gründe gibt Hadubrant selbst auskunft v. 18 ff.: 

forn her Ostar giweit, floh her Otachres nitl, 

hina iliiti Theotrihhe, enti siiiero cleg-ano hlu. . . 

sid Detrihhe darbä gistuontun 

fateres miiies. dat uuas so friuntlaos mau: 

her was Ötachre unmet tirri, 

degauo dechisto [miti Deotrihhe]. 

Ich glaube nicht, dass man mit Kauffmann (Philol. Studien 
s. 174 f.) diese stelle so interpretieren kann, als handele es sich 
zunächst nur um eine privatstreitigkeit zwischen Ötacher und 
Hildebrand: 'spiel und gegenspiel liegt in den rollen des Öta- 
cher (Sibich) und Hildebrand (Heime). Hildebrand übernimmt 
es, die gegen seinen brotherren Dietrich eingeleiteten ranke 
des Ötacher zu zerstören und den ungetreuen ratgeber zu be- 
seitigen. Der anschlag mislingt, den attentäter trifft die strafe 
des gesetzes, er wird geächtet, setzt aber von seinem versteck 
aus einen kleinkrieg gegen seinen feind ins werk. Inzwischen 
war Dietrich der hofkabale zum opfer gefallen, musste die 
heimat räumen und flüchtete aus Italien nach dem Balkan. 
Nachdem für Hildebrand alle hoffnung auf ausgiebigen erfolg 
gescheitert und die not Dietrichs aufs höchste gestiegen war, 
hatte der treue meister, dem rufe seines herrn folgend, diesem 
auf der flucht sich angeschlossen' u. s. w. Und das alles nur, 



^) Vgl. auch Alphart uud deu möuch Ilsäu. 

2) Viel anderes würde ja auch Kauffmanns Übersetzung 'kämpf schwer t' 
etc. nicht sagen, wenn man die heziehung auf eine mystische zauberwaüte 
aufgibt; vgl. s. 52. 



SAGENGESCmCHTLU'IIES ZIM llir.nKUKANDSMKDK. »i!» 

weil V. 18 stellt, lliklebraiid sei vor Ötacliers nhl jr^'flolim. uikI 
erst in der nächsten lialbzeile dasselbe von I)i«'tii<li und seinen 
degen erzählt wird, und weil v. 23 f. nach Kauffniann nun ein- 
mal heissen muss: 'seitdem brauchte Dietrich meinen vater' 
(Kögel: 'später leistete mein vater Dietrich grosse dicnste'), 
das war ein so freundloser mann' (wol Dietrich nach Kauff- 
mann-Kögel). Wie verschieden übrigens dieselbe stelle trotz 
gleicher Übersetzung ausgelegt werden kann, zeigt Heinzel, 
der darhä gistuontun ebenso auffasst wie Kauffmann. dann 
aber (s. 48) in y. 25 ummct fiuri liest und somit folgende sagm- 
gestalt erhält: "Hildebrand war könig Odoaker sehr lieb und 
ihm sehr ergeben, bis nämlich Theoderich seiner bedurfte. . . . 
Davon, dass Theuderich nachher Hildebrand verloren habe, 
weiss die sage nichts, und es wäre doch ein wichtiges ereignis 
im leben Theoderichs und Hildebrands nach der Verbannung 
oder flucht aus Italien gewesen. ... Hildebrand war ja 
nicht im conflict mit Odoaker, nur Theoderich,') aber 
weil dieser ihn bedurfte, so folgte er ihm in die Verbannung.'-) 
Man sieht, wie weit man hier im resultat der Interpreta- 
tion auseinander kommen kann. Ich glaube, wenn man die 
Verse einfach und voraussetzungslos betrachtet wie sie da- 
stehen, so kann man kaum etwas anderes herauslesen als: 
Ötacliers hass richtete sich sowol gegen Dietiich wie gegen 
seine freunde; infolgedessen flohen beide ostwärts. Eine be- 
sondere flucht Hildebrands anzunehmen, liegt gar kein giund 
vor, sie würde auch aller sonstigen Überlieferung wideispn'chen: 
das stärkere betonen der rolle, die Hildebrand gespielt hat, 
liegt vielmehr, wie Luft s. 15 richtig auseinandersetzt, einfach 
menschlich in dem kindesstolz Hadubrands begiündet. Ich 
verstelle auch nicht, wie man sich daran hat stos.^en krmnen, 
da.ss die sage nichts davon wisse, dass Dietrich später Hilde- 



») Es ist mir cinigemiassen dmikcl, wie Kaurtiiuinn h. m» 'ii.-.,. 
klaren worte ho misvorstelieii kann; 'in »lor tat Iianddt •••( sich znniirhüt 
nni einon persünlirlicn ronfliit /wischen Hihlehraml nn<l Atnchor. wie 
Avidcrum Ileinzel zuerst j^eselicn hat.' 

») Wie sehr tänschte sich doch Schulze (Zur jfeschichte der kritik un-l 
erklärunp des HI.), als er schrieh: 'nienian«! winl cinwcn«Un, da«» «ich i- n. r 
nid nur auf Theoderich heziehe: erstlich widenttreht diw den worton - 
zweitens der ganzen stelle und den beziehungeu Hildebraud.s za lUrin» 



70 BUSSE 

brand verloren habe. Woher soll sie es denn wissen? Handelt 
es sich denn hier um wirkliche alte sage oder um ein leeres 
gerücht, das Hadubrant über seinen vater vernommen hat und 
dessen grundlosigkeit schon durch die blosse tatsache erwiesen 
wird, dass Hildebrand leibhaftig vor ihm steht? Mit ganz 
demselben rechte müsste man ja dann auch v. 44: tot ist Hilti- 
hrant, Herihrantcs sunu angreifen. Ich kann daher auch die 
meinung von Joseph s. 66 nicht als berechtigt anerkennen, 
V. 23 f. seien interpoliert. Seine begründung: '[der interpolator] 
fragte sich: wenn Hildebrand als gefolgsmann Dietrichs auszog, 
wie kommt es, dass er hier ohne ihn und in anderm dienst 
erscheint? Weil Dietrich ihn später verlor, antwortete er findig 
— aber leider möglichst gegen den sinn der dichtung! denn 
diese muss es gerade vermeiden, Hadubrant mit einer kenntnis 
auszustatten, die ihm begreiflich machte, dass sein vater in 
den dienst des Hunnenkönigs getreten sei. Hadubrant muss 
sich vielmehr völlig in der Vorstellung befangen zeigen, dass 
wenn sein vater erschiene, er es nur im gefolge oder als mann 
Dietrichs könne', scheint mir durchaus nicht zwingend. Lach- 
manns Vermutung (Kl. Schriften s. 435), unsere stelle beziehe 
sich auf den 'sieg Attilas über Gundicarius', erledigt sich da- 
mit, dass wir hier nicht den geringsten anhält für eine Ver- 
bindung der Dietrich- und Nibelungensage haben. 

C. Die exilsage. 
1. (Pseudo)historische Voraussetzungen. 

Forii her ostar giweit, floh her Otachres nid 
hina miti Theotrihhe enti siuero degano filii. 

Wir finden hier entgegen der späteren sage, die Ermen- 
rich und seinen bösen ratgeber Sibich-Bikki zu Dietrichs 
feinden macht, noch den alten namen des historischen gegners 
Theoderichs. Sonst freilich nichts, was mit der geschieh te 
übereinstimmte. In Wirklichkeit hat ja nicht Odoaker den 
Theoderich vertrieben, sondern Theoderich ist in Italien ein- 
gedrungen und hat den Skirenfürsten des reiches und des 
lebens beraubt, vgl.Comes Marcellinus (MG., Chronica min. 2, 93): 
idem Theodoricus rex GotJiorum optatam occupavit Italiam. 
Odoacer itidem rex Gothorum metti Theodorici perterritm 



SAGENGESCIlIClirLlClIKS ZUM IIFLDKHKANDSI.IEDE. 7J 

liavennam est clausus. Vornj ah ludcni jKriuriis inUdus 
ifilcrfcctusque est. 

Wie ist diese völli{?e vi'iscliicbiiii^^ der ;,M*scIii(lile in 
unserer sage zu erklären? Vnd wie erklärt sich tVrner, dass 
Tlieoderich, der in Wirklichkeit der grüsste, ja eigentlich der 
einzige friedensfiirst der gennanischcn Völkerwanderung war, 
dessen macht sich weit über Italien hinaus erstreckte, dessen 
befehlen ^^'estgoten, Wandalen, Alamannen, Thiiringe, Ihir- 
gunden, Bulgaren und A waren gehorchten, dem selbst die 
trotzigen Merowinge nicht offen zu widerstreben wagten, und 
dessen rühm sich bis zu den fernen Esten verbreitet hatte, 
dass dieser 'i'lieoderich in der sage als heimatloser reckt; er- 
scheint, der in fremden diensten schlacht um schlacht schlägt ? 

AVas erstlich die angebliche Vertreibung Theoderichs durch 
Odoaker angeht, so dürfen wir w'ohl annehmen, es habe sich 
bereits bei den Ostgoten selbst die meinung herausgebildet, 
dass sie das bessere recht auf den besitz Italiens hätten, als 
Odoaker und seine scharen. Der officielle rechtstitfl, den 
Tlieoderich von kaiser Zeno erhalten hatte, konnte freilich 
der volksphantasie der Goten zur motivierung kaum genügen, 
und so bildete sich ganz natürlich allmählich die tradition, 
gotische Stämme hätten bereits vor Odoaker in Ita- 
lien ihie lechtmässigen Wohnsitze gehabt. F^ine solche 
ansieht konnte recht wol durch das hervorgerufen werden, 
was man von den zügen der Westgoten und anderer ger- 
manischer Völkerschaften in Italien wusste. Ausserdem mögen 
ja auch tatsächlich sowol von den Westgoten Alarichs, wie 
von den scharen des Kadagaisus') versprengte reste in Italien 
zurückgi'blieben sein. Ferner war Theoderichs oheim Widenier 
wenige Jahrzehnte vor diesem in Italien eingefallen, aber bald 
darauf gestorben, und von seinem gleichnamigen nachfnlger 
hatte kaiser (ilycerius den frieden erkauft, worauf der junge 
^\'i(l^'mer in die prorincia zog und .^ich dort mit den west- 
gotischeu Stammesbrüdern vereinigte: gewis wird auch dies« 
orinnerung mit eingewirkt haben. Als erklärung für das ein- 
greifen Theoderichs ergab >icli unter dieser Voraussetzung von 
selbst, Odoaker, der aus natürlichen gründen in der gotist-lien 

•) Auch Ra<la|fai«n« galt filr ciuen Goten, Tgl. Isidor, HUt. (i..tl»i»nim 
(uo. 40) 8.72: rcx Gvthorum liadagaitMS genert <!>cy(Att. 



72 BUSSE 

sage möglichst belastet werden musste, habe diese italischen 
Goten bedrängt und sie hätten in ihrer not den stamm- 
verwanten Amaler zur hilf e herbeigerufen, vgl. zunächst 
die merkwürdigen worte Theoderichs bei Joannes Antiochenus 
(ed. Mommsen, Hermes 6, 332), als er Odoaker niederstiess: tovto 
löTLv o xal 6v TovQ kßovc, l6Qa6aq\ und bei Ennodius (Paneg. 
dictus regi Theodorico, MG. Auct. ant. 7, 268): nata est felicis 
inter vos causa discordiae, dum perduelles animos in propin- 
qtiorum tuorum necem Romana prosperitas invitavit. Aus- 
gebildet findet sich diese pseudohistorische sage bei Fredegar 
(cap. 56): temporihus imperatores Honoriae rcgnum GotJiormn 
post captam Romam hefaria deuisione partitur: et qui in 
Aetalia consederunt, dicionem imperiac se tradent. ... In 
Ms vero, qui in Aetalia consedentes Romano pertinebant 
imperio ... Theodericus natione Macedonum permissum 
Leonis imperatores principatum adsumit. Noch ausführlicher 
heisst es im nächsten capitel: GotJii postquam Romam uastaue- 
runt, et terra Aetaliae possiderunt, se dicionem imperatores 
Leonis espontaniae tradiderunt. . . . Ah Odoagro rege et 
JErolis seo et reliquas uicinas gentes eorum adsiduae 
uastarentur, per legatus Leonem imp. postulauerunt, 
ut Theudericum eis institueret patricium, ut per ipsum 
adiiersariis resisterent . . . und in den Gesta Theodorici (Vita 
ex Haimoino hausta cap. 1 [no. 28] : qua de causa Romani e t 
maxime Gothi legatus ad Leonem Constantinopolitanum im- 
peratorem dirigunt, oratum ut sibi aliquis mitteretur principum. 
Hier sehen wir also den historischen officiellen rechtstitel Theo- 
derichs mit der volksmässigen anschauung vom sitze der Goten 
in Italien verbunden. Wenn wir es bei Fredegar und den Gesta 
auch nicht mit directer, volksmässiger Überlieferung zu tun 
haben, so gibt uns diese stelle vielleicht doch einen noch nicht 
ziu^ genüge beachteten, wichtigen fingerzeig für den entwick- 
lungsgang der gotischen sage. 

So weit dürfen wir wol die ausbildung der sage den Goten 
selbst zusprechen. Die nächste Veränderung erfuhr sie, als sie 
über die Alpen zu den deutschen stammen (besonders kämen 
jedenfalls die Alemannen in betracht')) wanderte. Jetzt galt 

^) Südalemannien gehörte ja zum reiche Theoderichs und die aleman- 
nischen herzöge Butuliu und Leutharis waren die einzigen, die den Ost- 



SAGENGESCHICHTLKHES ZIM MILDKHKANDRLIEDE. l'.'j 

Italien iiiclit iiiclir bloss für (Irii msiniiii^liclM'ii \v(ihii>itz v»'r- 
sprengter gotischer volksreste, sondern iibeiiiaupt für die lecht- 
mässi^j^e lieiniat der Ostgoten. Diese meinung konnte sich nni 
so leichter bilden, als ja die Ostgoten, seitdem sie unter Herig 
die viujina (jcntium Scandzia verlassen (Jord., (jet. cap. 4), nir- 
gends wider eine feste heimat gefunden hatten, sondern in 
fortwährenden kämpfen von land zu land hatten wandern 
müssen; vgl. übrigens die Quedlinburger chronik ;5, .'51: 77« o- 
doricits, Thc'odmuri films, ex Ostroyothis, iil est qui olitn 
in Italia rcmanscrant Got/iorum (ebenso llermanni Au- 
giensis Chron. 5, 84 und die chronik Bernolds r», 411). 

Hatte sich aber diese anschauung einmal festgesetzt, und 
war die erinnerung an die sendung Tlieodciiclis durch Zeno, 
die wol auch bei Fredegar nur auf gelehiter kennt uis be- 
ruht, verschwunden, so musste die sage in ein ganz anderes 
licht rücken. Odoaker selbst musste zunächst ein (iot»« 
werden: eine änderung, die durch die nahe verwantschafl 
der Odoaker botmässigen stamme mit den Goten sehr erleichtert 
wurde, und sich infolgedessen schon früh nachweisen lässt, 
vgl. Isidor, Hist. Gothorum (no. 40) 282: pcrcmptoquc Odoacar 
rege Ostrogothorum ... und fuyato Anudfo rege Ostro- 
gothorum;^) Comes ^Marcellinus 98: Odoacar itidcm rex (io- 
ihorum, und Quedlinburger chnmik: Odoacar, rex Gothorum, 
Itomani obtiniiit. Daneben hatte sich aber die erinnerung an 
die eroberung des landes durch Theoderich und an .seine 
kämi)fe mit Odoaker erhalten. Das musste nun andei-s moti- 
viert werden. Theoderich kann jetzt nicht nudir als eroberer 
eines fremden landes auftreten, sondern will sein an- 
gestammtes land. aus dem er durch Odoakei-s ranke ver- 
tuen in iliriMii letzten verzweillnnpskaniiilV hilf»* zu brinj^en vep«u«lite», 
freilich ertulglus: Leutlmris wurde mit dem j^nlssten teile nein«« beeren 
von einer seuehe dahingeraftt und Hutulin fiel in der blutijren xrlilaelit boi 
Capua (55.'?), mit ihm sein jjranzes heer. Sonst könnte man auch uo»h an 
die IJaieni denken, die sich ja spiltcr srem seihst als (Joten boteiehneten 
und hei denen Dietrich allniähli« h die stelle eines nationalhero« einnahm, 
vgl. z. h. das ('hriinii-ou im|i. et iiontif. hawarienm: Jinimri. rr tjui.rum 
stirpc f'uit ThvoilinicHS </«• Iknw, Aruniiis, rt frntrr nus I 
Jlisjmttif cel (ioüuc. Doch filllt die entwicklnnij dieser i ^' m 

eine spiltcre zeit. 

') Arnulf oder Onoulf ist der bruder Oloaker-«. 



74 BUSSE 

trieben ist, widergewiunen,') und die gegnerscliaft Theo- 
derichs und Odoakers, die beide zu Gotenfiirsten und damit 
zu nahen verwanten geworden sind, kann nun nicht mehr 
rein politischer natur sein, sondern muss zum teil wenigstens 
auf persönlichen niotiven beruhen (Ötachres nid).-) 

In der späteren sage tritt dann an die stelle Odoakers 
Ermenrich: auch diese entwicklung ist bei einem nicht- 
gotischen Volke durchaus verständlich und entspricht nur der 
allgemeinen cyklischen tendenz späterer sagenentwicklung (vgl. 
Jiriczek s. 113). Zu untersuchen, welche gründe sie im einzelnen 
hatte, würde uns hier zu weit führen,'') ich will daher hier 
nur noch kurz auf den versuch einer Vermittlung zwischen 
dem Odoaker- und den Ermenrich typus hinweisen, wie er in 
der Quedlinburger und Würzburger chronik (31, 11 ff. bez. 
23, 43 ff.) und nach ihnen bei Ekkehard von Aurach (11,85) 
vorliegt: co tempore Ermanricus super omnes GotJios regnavit, 
astutior Omnibus in dolo, lar<jior in dono; cpit post mortem 
Friderici fiUi sui unici, sua perpetratam voluntate, patrueles 
suos Emhricam et Fritelam patihulo suspendit, Theodericum 
similitcr patruelem smim instimiilante Odoacro patruele 
suo, de Verona pulsum apud Attilam exulare cocgit, vgl. dazu 
die polemik Ekkehards, die das bestehen dieser sagenform auch 
für den volksgesang zu gewährleisten scheint: non solum vul- 
garl fahulatione et cantilenarum modulatione usltatur, 
verum etiam in qiühusdam chronicis armotatur, scilicet quod 
Hermanarieiis tempore Martianl principis super omnes Gothos 
regnaverlt, et Theodericum, Dietmarl fllium, patruelem simm, 
ut dieunt, instimulante Odoagro, item, ut aiunt, patruele suo, de 
Verona pulsum, apud Attilam, Hunnorum regem, exulare coegerit. 



') Vgl. übrigens die ganz ähnliche motivierung der eroheruug des 
Peloponnes durch die Dorier (die Herakliden). 

2) Für eine solche halb politische, halb persönliche gegnerschaft Theo- 
derichs zu andern Gotenfürsten gab es ja auch geschichtliche beispiele, vgl. 
den oben erwähnten Theodoricus Strabo (Comes Marcellinus 92: Theodericus, 
Triarii fiUus, rex Gothor^im) und den gleichzeitigen Amaler Sidimund, 
der eine ähnliche Stellung zwischen Byzauz und Theoderich einnahm wie 
Strabo. 

2) Kauffmann s. 156 will in Hildebrand das bindeglied zwischen der 
Ermenrich- und Dietrichsage sehen. Das wäre aber nur denkbar, wenn 
man, wie er es tut, Hildebrand mit Heime identificiert. 



SAGENGESCIIICHTliK HKS ZUM IIIM)EBUANI)SMEDK. 75 

Hier spielt also Odoaker die rolle des l»r»seii lales Kmien- 
riclis, die in der späteren deutseheii sa^e »Sibicli {gehört,, und 
die wol einerseits aus dem lfarliiu<?eiiiiiytliiis von Kriiienricli- 
Irmintiu (?), andererseits aus der Sniiil(lsa{,'e (vgl. dordanis 
Get. 24) stammt. Leider ist die (^uedlinburger clironik für 
sag'enj^eseliiclit liehe zwecke nur mit grosser vorsieht zu be- 
nutzen und ihren angaben daher kein allzu grosser wert bei- 
zulegen (E. Schröder, Zs.fda. 41, 24 ff.); wenn sie sicli aber hier 
auf alte sagen stiitzen sollte, so wäre wol möglich, dass das 
Hl. auf ähnlichen Voraussetzungen beruht. Direct erfahren 
wir allerdings nichts über die Stellung Ötachers. Nach dem 
Wortlaut des liedes könnte er sowol die rolle des späteren 
Ermenrich, wie die des bösen rates ges[>ielt haben. Es heisst 
ja nur, Hildebrand, Dietrich und viele hehlen hätten vor 
Ötachrcs nid die heimat verlassen und ostwärts fliehen müssen 
und Hildebrand sei infolgedessen Ötacher sehr feindlich ge- 
siinit gewesen. An diesem wenigen wollen wir dafür aber 
auch festhalten, und uns nicht stören lassen, wenn aueh Kauff- 
mann meint: ich lehne diese annähme, die über alle massen 
kühn und gewagt ist, a limine ab und halte alle hypotheseu 
zur erklärung dieser vermeintlichen geschichtsentstellung für 
überflüssig und dejdaciert. .Man hat kein lecht, dem liede die 
ansieht aufzubürden, Dietrich habe — zum trotz gegen den 
geschichtlichen verlauf — vor Odoaker aus Italien fliehen 
müssen. Das steht nirgends im liede und ist nirgends voraus- 
gesetzt.' Nach meiner ansieht steht es vielmehr deutlich und 
klar im liede, und die sagenrestitution Kauffnuinns (s. 17 t f.) 
ist noch unsicherer. Denn sie vermeidet (um jetzt nur die 
haupt punkte hervorzuheben) erstens doch nicht die klippe der 
Verbannung und der feindschaft Ötachers, zweitens setzt sie 
die Verbindung mit der Krmenrichsage bereits sicher voraus,') 
drittens nimmt sie schon friedliihe rüekktdir Dietrichs für 
unser lied in ansi»ruch: alles 'zum trotz gegen den g«*sehie|it- 
lichen verlauf. Dass Ötacliei- nun gar noch ein anderer sein 
soll als dei' historische Odoaker (Kauffmann s. l.V») scheint mir 
ganz unglaublich. 



•) Wer sonst soll «Icr 'v«>n ötarlu-r nt"l l"r:(f.ue machth»'«r' .M>iu? 



76 BUSSE 

2. Das exil selbst. 

Dietrich wurde also von Odoaker (bez. Ermenrich) aus 
seiner lieimat vertrieben.') Als natürliclier aufentlialtsort für 
den landfliichtigen fürsten ergab sicli, allerdings mit einiger 
chronologischer ungenauigkeit, der hofAttilas, und so finden 
Avir auch in unserm liede, dass Dietrich und seine beiden ost- 
wärts geflohen seien, und erfahren, dass Hildebrand in be- 
ziehungen zu dem könig der Hunnen gestanden hat. Die 
gleiche anschauung findet sich in aller späteren sagenüber- 
lief er ung. Um so mehr muss es befremden, dass Kauf f mann 
s. 154 auch dies umzustossen versucht hat. Er redet etwas 
dunkel von grössten Schwierigkeiten, in die man dadurch ge- 
raten sei, und meint dann, ostwärts in der Balkangegend 
hätten Griechen, Awaren und Bulgaren gesessen, mit denen 
sich der historische Theoderich allerdings in seiner Jugend 
herumschlagen musste; der herscher des Balkans aber sei der 
kaiser von Ostrom, Zeno, erst später sei an stelle des Balkan- 
herschers das Balkanvolk, d. i. die Hunnen, getreten. Dass 
diese erklärung gekünstelt ist, braucht wol kaum hervor- 
gehoben zu werden. Zunächst scheint es mir einigermassen 
auffallend, dass es einer sage, die schliesslich die historischen 
Verhältnisse völlig auf den köpf gestellt hat, so besonders 
schwer gefallen sein soll, nachdem sie einmal Theoderich aus 
dem lande seiner väter vertrieben hat (was doch auch alles 
andere als historisch ist), Theoderich statt seiners vaters Theo- 
demer in beziehungen zu Attila zu setzen. Wo steht ferner 
in unserm liede etwas von Theoderichs kämpfen mit Griechen 
und Bulgaren? Ich vermag weiter nichts zu entdecken, als 
dass der könig der Hunnen dem alten Hildebrand ivuntane 
hougä, cheisuringu gitän'^) geschenkt habe, und das lässt doch 
nur auf freundschaftliche beziehungen schliessen. Ferner leugne 
ich entschieden nicht nur die möglichkeit, Hüneo tnihtin auf 



1) Zu beachten ist auch noch, dass die sage nicht einfach Italien als 
heimat Theoderichs nennt, sondern Verona, und dass die eroberung Italiens 
durch Dietrich überall erst eine folge seiner rückkehr aus dem exil ist. 

2) cheisun'ngti wird auch Kauifmann wol nicht als beweisend auffassen 
(doch vgl. Kauffmann s. 154): byzantinische goldmünzen giengen ja durch 
das ganze abend- wie morgenland, 



SAGENGESCIIICIITLK HKS 7.VM IUIJ)EHKANI)SMKI)K. 77 

Zeno, sondern überhaupt die, es auf irgend jcniiind anders als 
Attila zu beziehen.') Für die germanisclie heidensage gibt es 
überliaupt nur einen TTunnenlierscher, das ist Attihi: y7'.V/« 
irnjld Jlihium sagt schon der ^^'idsi)', so Attila als den ein- 
zigen legitimen Vertreter des hunnischen königtunis in der 
germanischen sage cliarakterisierend.-) Was sich sonst noch 
Aon der künigsgeschichte der Hunnen erhalten hat, beschränkt 
sich auf die erwähnung des Bleda-Bhedel, des Jüngern brudei-s 
des grosskönigs, und auf den tod seiner jungen söhne im 
kami)f gegen gotische stamme (die Schlacht am Xetad löl 
und die Rabenschlacht; die specielle ausgestaltung im mlid. 
epos ist wol durch die einfülirung Diethers und die ei-innei-ung 
an den durch verräterei herbeigeführten unteigang Theode- 
munds, des Jüngern bruders Theoderichs, veianlasst, vgl. Meinzel 
s. 57). Die kleine chronologische Schwierigkeit, Dietrich an 
den hof Attilas zu bringen, die uns ja doch bei allen andern 
fassungen nicht erspart bleibt, sollte man nicht zu hoch an- 
schlagen: es handelt sich ja nur um rund 40 bis 50 jähre, 
während Ermenrich und Dietrich, die doch nachher nicht minder 
eng mit einander verbunden erscheinen, in Wirklichkeit durch 
einen dreifach grösseren Zeitraum getrennt sind, ne.schicht- 
liche sage ist eben noch lange keine geschichte. und wie wenig 
ängstlich germanisclie sänger gerade in chronologischen dingen 
waren, beweist am besten das älteste denkmal germanischen 
heldensangs, der AMdsip: derselbe sänger will bei Kormeniic 
(f 374), Giiöhere (f 437) und .-Elfwine (0(31-573) gewesen 
sein, und im späteren mlid. epos gilt Dietrich für den enkel 
A\'olfdietrichs (= Theudeberts I, 534—545), der als Zeitgenosse 
des Langol)ardenkönigs Otnit erscheint. — 250 jähre sind eine 
lange zeit und genügen völlig, um auch eine an geschichtliche 
Verhältnisse angelehnte sage von grund ans umzugestalten: 

') Woher Kauflraann weiss, dass man erst in der ateit der Vucdlinburjiri'r 
annalon unter den Hunnen die des Attila verstanden, diuw man don namrn 
des Attila zuj^'lcieh mit di-m des Ermenrieli ins U-ln-n j;«'mfin 1uiIm>, und 
dass dies durch die erweittruiii,' der f,'i-s(iii(htlit hcn kenntniss«' in I>«ut>. Ii- 
land erfol;,'t sei, entzieht sicli meiner kenntnis; cbonao wohi-r ili«- .ik'-. 
quellen oder der Riikstein (s. s. 7M) irgend etwa« von Hunnen, (iriechen ixhr 
Bulgaren wissen sollen. 

») Der llnnnenkönig Jluinli der Hervararsaga ist unurnprllnglicb. vgl. 
Heinzel, WSB. 114, 400 und 491 ff. 



78 BUSSE 

das zeigt am besten die ausbildiing der frz. Karlssage, die 
sich, ohne Wanderung zu fremden stammen, bei den Franken 
selbst ausgebildet hat und trotzdem mindestens ebenso stark 
von der historischen Wahrheit abweicht wie die Dietrichssage. 
In unserm fall erklärt sich der chronologische Irrtum ausserdem 
auf das einfachste durch die Übertragung vom vater auf den 
söhn, die wir ja auch schon vorhin für die Verbindung Gensi- 
munds mit Dietrich heranziehen mussten, Wir dürfen daher 
Hildebrand und seinen herrn unbedenklich die Jahre der Ver- 
bannung im Hunnenlande verbringen lassen. 

Zu widersprechen scheint dem nur die angäbe des ags. 
Sängers, der, nachdem er (Deors kl. 14 ff.) die traurige läge 
der ihres landes beraubten Goten geschildert hat, fortfährt: 

peodric ähte J^ritis wintia 

Mtferinsa biirj: pset w?es mouesum cüf». 

(pses ofereode: pisses swä msej). 

Dem sinne des ganzen gedichtes entsprechend kann dieses 
dreissigj ährige wohnen in der bürg der Msringe nur als 
grosses unglück für peodric aufgefasst werden, die pritiz 
tvintra weisen zugleich auf die zeit der Verbannung. Wo 
liegt aber diese geheimnisvolle Mieringenburg? Aus allem, 
was wir wissen (vgl. besonders Heinzel s. 9 ff.), geht hervor, 
dass Merer = Mderin^as ein alter, epischer name der Ost- 
goten ist, dessen alter und weitere Verbreitung auch die In- 
schrift des runensteins von Rök') in Ostgötland bezeugt: 

rai]? piaiirikR hin J)urmuf>i 
stiliu flutiia strantu hraipmaraR 
sitir nu karuR a kuta siuum^) 
skialti üb fatlapR skati marika. 

Ueber die sonstige Verbreitung dieses namens {Gotlii Meranare 
in den Regensburger glossen, TJieodoricus rex McrgotJiorum 
et Ostroyothorum im prolog zu Notkers Boetius) und dessen 
mutmasslichen Ursprung (Valameriaci?) vgl. Heinzel a. a. o. 



1) Zehntes Jahrhundert; die spräche der verse ist älter. 

-) Dies bezieht sich wol anf eine der vielfach bezeugten reiterstatuen 
Theoderichs, vgl. z. b. die von Karl dem grossen nach Aachen gebrachte, 
die Theoderich nur mit dem flatternden bärenfeil bekleidet, den wurfspiess 
schwingend, darstellte. 



SAGENGESCIIICnTUrnKS ZT'M IIII-DEBKANDSLIKDK. 70 

Dass Dietrirh in der 'biiig der Ostgoten' dreissif? jalii-e 
geherscht habe, kann aber nicht der sinn der stroplie sein. 
]\ran Avird also, wenn man. wie icli, vor P^ttniiilh'rs nr dlitc 
zurückschreckt, sich nach einer anderen bedeutnnf>f von Mee- 
ringa hurs umsehen müssen. So erklärt Kö{>-el unsere stelle 
einfach mit 'im Hunnenlande', er gibt aber keinen grund für 
seine deutung an. Der name hat sich nun (und ich glaub«', 
dies wird uns auf den rechten weg führen) in das mhd. «-pos 
liinübergerettet, das häufig in der gotisch -mhd. sage wider- 
kehrende Mcrän bezeichnet aber nie Italien, sondtM-n die 
früheren Wohnsitze der Goten, speciell die ostküste des Adria- 
tischen meeres (Istrien, Kroatien, Dalmatien).') Die einfachste 
erklärung für M(Erin,s<( hu)\s scheint mir demnach zu sein, es 
in diesem speciell geographischen sinne zu fassen. Es würde 
demnach anzunehmen sein, Dietrich habe die jähre der vei- 
bannung in dem östlichen küstenland der Adria zugebracht, 
das dann (um den Zusammenhang mit Attila aufrechtzuerhalten) 
unter hunnischer Oberhoheit zu denken wäre. Ob man freilich, 
der allgemeinen sonstigen Überlieferung widersprechend, die 
gleiche auffassung auch für das Hl. annehmen darf, lä.sst sich 
bei der mangelhaftigkeit des materials nicht sagen. 

Ueber die dauer des exils gibt das Hl. v. 50 die angäbe 
ih icallöfa siimaro cnfi wintro schstic nr lantc, also volle 
dreissig jähre. Damit stimmt die oben erwähnte ags. angäbe: 
Peodnc dhtc Pntij tcintra Mcerinsa bürg und die des Dresdener 
heldenbuchs überein. Ein wenig abweichend sind die angal>en 
der l)iO>rekssaga cap. 395, der Klage und des jüngen*n Hilile- 
brandsliedes, wo die zeit des fernbleibens auf zweiunddreis.sig 
jähre berechnet wird, was ja nicht viel ausmacht. 

Man kann zweifelhaft sein, welche historische erinnerung 
sich in dieser Zeitangabe verbirgt. Entweder kann man sie 
auf die wanderzüge der Ostgoten unter Walanier. Widenirr. 
Theodemer und auch noch Theoderich in i'annunien beziehen.'-; 
oder auf Theoderich selbst, der 4G2— 472 nacli KoiLstantinoiM-l 

') Vgl. V. Bahder. (iomiania 29, 27(5 anm. (tlor den nainen allenlinjfn für 
Hlavisch Maronin liiilt) mul Kirpiriiikov, Aiiz. fil.i. !). 2."i2. 

") Nach der sihlailit am Netail (4;>4) siuhleii .sicli die Ost^oteii uutrr 
fortwähreudeii käiiipfou mit Gepideii, bulgareu, (Jriechen uml Iluuueu iu 
der paunuüiscbeu ebene zu behaupton. 



80 BUSSE 

vergeiselt war und erst zwanzig jähre später die eroberung 
Italiens zu ende brachte (493 übergibt Odoaker Ravenna, und 
bald darauf wird er von Theoderich ermordet). In beiden 
fällen handelt es sich ungefähr um dreissig jähre, also einen 
Zeitraum, der von der sage treu bewahrt ist. 

3. Die rückkehr. 
Ueber die endliche rückkehr aus der Verbannung und ihre 
folgen gibt unser lied keine directe auskunft; aber die zeit 
der Verbannung ist abgelaufen und Hildebrand steht mit hun- 
nischer macht an der landesgrenze. Wir dürfen demnach an- 
nehmen, dass dem dichter ungefähr eine fassung der sage 
vorgeschwebt habe, wonach Dietrich mit hunnischer hilfe 
in die heimat zurückkehrt (die Situation ist also ungefähr 
dieselbe, wie die vor der Rabenschlacht in der späteren mhd. 
Überlieferung). Eine solche kriegerische rückkehr findet 
sich direct nur in den Quedlinburger annalen (s. 31) bezeugt: 
Theodoricus Attüae regis auxilio in regnum Gothorum reductus, 
suum patruelem Odoacrum in liavenna civitate expugnatum 
{interveniente Attila, ne occidcrctur, cxilio deputatum, paucis 
villis iuxta confluentiam Alhiae et Salae fluminum donavit). 
Dass aber auch die spätere Überlieferung von der gleichen 
anschauung ausgegangen ist, beweist noch deutlich genug der 
ausgang der Eabenschlacht: sie endet siegreich, nur in folge 
der einschaltung des todes Diethers und der söhne Etzels 
bleibt der sieg ohne fruchte. Ebenso unklar sind Dietrichs 
flucht und Alpharts tod. Um so auffallender muss es er- 
scheinen, dass Kauf f mann bereits für das Hl. friedliche 
rückkehr annimmt. Seine einzige stütze ist seine auffassung 
von V. 45 ff.: 

wela gisihii ih in dinem hrustim 

dat du habes heme herron goteu, 

dat du uoh bi desemo riebe reccbeo ni wurti, 

die freilich auch sonst zu verschiedenen deutungen anlass ge- 
geben haben. So legen Kögel und Roediger sie Hadubrant in 
den mund: 4ch sehe an deiner (prächtigen) rüstung, dass du da- 
heim (d.h. im Hunnenlande) einen guten herrn hast und dass 
unter diesem künige (d.h. meinem könige, also wol Ötacher)') 



1) So wenigstens Kögel, Lit.-gesch. s. 



SAGENGE8CIIICIITLTCHES ZI'M inr,l>F,lJI{AND5!LIKnK. ^1 

nocli iiiclit veil);iimt wiutlcst"; zu (Mj^üiizimi ist daht-i •(Ifim du 
bist ja gar kein laiultlliclitiger Gote, sondern ein Ifunnt-'. ich 
glaube niclit au ciue soldie uuiiUMb-runji: der überlicfci im<r. 
sondern teile, hierin mit Kault'uiaun übereinstimmend, diese 
werte Hildebrand zu: "ich (Hildebrand) sehe wol an deiner 
rüstuuo-, dass du daheim (d. li. im (lotenlande) einen ^utm 
herrn luist, dass du unter diesem könige noeli nicht vei-baunl 
wurdest.' Wer ist dann aber 'dieser könig'? ^\'ährend alle 
andern, die Hildebrand die worte sprechen lassen, sie auf 
Otacher beziehen, bezieht sie Kauffmann s. loG auf 'i'heodeuMM-. 
Er gellt von der oben erörterten ansieht aus, Italien hab»' als 
heimat der Goten gegolten und demnach auch die ahnen 
Dietrichs als lierscher Italiens, und fähit dann überraschend 
fort: 'selbstverständlich hat dann auch Dietrichs vorgäng»*r, 
sein vater Theodemer, der Dietmar der sage, in Italien resi- 
diert, und selbstverständlich ist er es, den Hildebrand mit 
den Worten rülimt: u-da f/isilin ih etc.' So ganz 'selbstver- 
ständlich' erscheint mir das nun gerade nicht: ich sehe mich 
vielmehr vergebens nach einem anhält für diese annahui»* um. 
sowol in unserm liede. wie überhaupt in der ganztMi «-iu- 
schlägigen literatur. A^'o ist überhaupt von kr»nig Dit'tmar 
etwas anderes berichtet, als dass er Dietrichs vater war uiul 
starb, ehe Dietrich zum manne heranreifte? (-Jleiclnvol widrr- 
hült Kauffmann seine ansieht noch einmal, s. 175: 'in holien 
ehren haben sie (Dietrich und Hihlebiaud) g«'iueinsam »-in 
dreissigjähriges kriegerleben auf dem l^alkan geführt, bis der 
von Otacher übel beratene niachthaber starb, der vater Diet- 
richs ihm auf den thron folgte, der söhn Hildrbiands zu 
würden und ehren kam, der rückkehr der vertiieb»Mien nichts 
mehr im wege .stand.' Von den im liede erwähnten pei-sonen 
könnte meines erachtens mit den woiten /// lirsnno rirhc nur 
l)tacher vei-standen sein. \un i.st es aber immerhin möglich, 
dass Otacher hier .schon die .stelle des bö.scn rates einnimmt: 
dann wäre (entspiechend der späteren sjige) vielmehr an 
Ermenrich zu denken. Die heicinziehung Dietmars .scheint 
um .so g«'Z\vungt'ner, als man gar nicht .sit-ht, \vi»lM'r drr altf 
vater Dietrichs auf einmal wider auftauchen und was er die 
tranzcn dreissig verbannunjrsjahre hindurch rigt-ntiich an- 
gt'langen halH-n .soll, bh niuss tlahrr auch diese annähme 

Beitruge xur getchichte <ler Jcuuchcn ipractie. XXVI. Q 



82 BUSSE 

Kauffmaniis ablelinen und halte an der annähme einer kriege- 
rischen heimkelir fest, ähnlich wie die Qiiedlinburger chronik 
sie schildert. Was aus Odoaker-Ötacher nach seiner besiegung 
in der sage wurde, können wir nicht einmal vermuten: denn 
die angäbe der Quedlinburger chronik hierüber ist im besten 
falle nur localsage. 

Die friedliche rückkehr der späteren sage erklärt sich 
nur durch die Verbindung der Dietrichssage mit der Nibelungen- 
katastrophe (Heinzel s. 60 ff.) und ist, wie überhaupt die dop- 
pelte rückkehr, sicher unursprünglich. 

4. Die entstehung der sage. 

Bei nichtgotischen (deutschen) stammen verwandelte sich, 
wie wir gesehen haben, die eroberung Italiens durch Theoderich 
allmählich in eine pseudohistorische sage von der Verbannung 
Dietrichs aus seinem heimatlande Italien, seinem exil und 
seiner endlichen rückkehr.') Dabei bleibt aber noch unerklärt, 
warum das hauptereignis im leben Theoderichs, die gewinnung 
Italiens (die 'rückeroberung' der sage) immer mehr und mehr 
in den hintergrund tritt, warum von der darauf folgenden 
segensreichen und glücklichen friedensherrschaft des grossen 
königs so gut wie gar nichts gesagt, und warum das Schwer- 
gewicht der Sagenbehandlung allmählich auf den aufenthalt 
im exil verlegt wird. Gewis haben auch hierzu historische 
erinnerungen beigetragen. Indem man die angebliche Ver- 
bannung Dietrichs mit dem unstäten herumziehen in Pannonien 
und der Balkanhalbinsel contaminierte, ausserdem das Ver- 
hältnis Walamers, Widimers und Theodemers zu Attila auf 
ihren nachfolger übertrug, ergab sich die notwendigkeit einer 
langen dauer des exils, und sie machte dann wider eine reihe 
kühner heldentaten Dietrichs während dieser dreissig Jahre 
nötig. Auf die reiche ausbildung dieser exiltaten hat sicher 
eingewirkt, dass der typus des recken sowieso einer der be- 
liebtesten in der germanischen poesie war: vgl. Wudja und 
Häma, Sisemund und Fitela, Wolfdietrich, Walther, Iring etc., 
auch könig Rother, Wate und Hörant geben sich wenigstens 



^) Die historischen erinnerungen, an die man bei der ausbildung dieser 
sage anknüpfte, s. im vorhergehenden abschnitt. 



SAGENGKSCIIICIITMCIIKS /UM IIILIHIHWANDSMKDE. H-', 

für recken aus. und wie sehr der betriff 'icckc' mit dem des 
episclien lielden iiberliaupt veischniul'/, bdirl ja am I)esten die 
bedeutungsent Wicklung- des Wortes selbst. Alles dies aber 
begründet noch nicht zur genii'iv den umstand, dass der 
aufenthalt im exil anssciilifsslicli über die spätere zeit domi- 
niert. Die eiklärung hierfüi' müssen wir wol schon bei den 
Goten selbst und im weseii ilnei- dichtnng suchen. 

Die gotische, wie überhaupt die ganze germani.'^clie poesie. 
hatte einen sehr eng begrenzten kreis von niotiven und Situa- 
tionen, die überall tyiiisch widerkehren. Wie alle alte poesie 
erscheint auch sie eng mit der Wirklichkeit verbunden und 
entnimmt aus dieser jene typen, die die (luintessenz des inhalts 
sowol des täglichen lebens, wie der geschichte des Volkes 
ausmachen. Welche hervorragenden ereignisse boten sich da 
für den gotischen Sänger?') Zunächst die uralte wander.sage 
vom auszug der Goten und Gepiden aus 8candzia, von iiiren 
versuchen, an der Weichselmündung Wohnsitze zu erringen, 
und von ihren fortwährenden kämpfen gegen die germanischen 
und slawischen nachbarvölker. Viel besungen wurden dann 
sicher die gründung des grossen reiches im südlichen Ru.<;.^land, 
die kriegstaten Krmanarichs gegen Herulei- und \'eneter. die 
kühnen vikingszüge ül)er das Schwarze meer nach Kleinasien, 
die heldentaten Vidigöjas im kämpfe gegen die Sarmaten. vor 
allem aber der Zusammenbruch des leiches und (h'r venat der 
Rosomonen. Aus der zeit der Hunnenhei-schaft .sang man vnn 
der treue Gensimunds, von den kriegszügen 'Väterchens', (h-ui 
glänze seines liofes und seinem plötzlichen tod in der braut - 
nacht; aus späteren tagen von der ab.schüttelung des Mongolen- 
jochs und dem fall Ellaks am Netad, von den unstäten zügen 
in I'annonien, den kämpfen gegen (lepiden, Bulgaren und 
Byzantiner, vom jungen Theoderich und seinen heldentaten 
gegen Bulgaren und Awaren, endlich von der Wanderung narli 
Italien, den wechselnden ge.schicken des kriegs gegen Odoaker 
und dem .schlies.^lichen siege. 

Der Inhalt dieser jedenfalls sehr reichen Ijeldendichtunj? 

>) Gotischer beldensaug ist uns freilich nicht UbtTliefert. ab«'r der bc- 
richt des Jordanc.i, verbunden mit dem wa.«« wir sonst von >;emiaiiiiMher 
dichtung wissen, genügt, »im den allgenieinen charnkter diiwr iM>e<tic fest- 
zustellen. 

6* 



84 BUSSE 

der Ostgoten ist demnach eigentlich überall derselbe: kämpf, 
kühne heldentaten, unstäte wanderzüge, Vertreibung aus den 
alten Wohnsitzen und eroberung neuer. Damit ist zugleich 
das gebiet nicht nur der gotischen, sondern überhaupt der 
ganzen germanischen epik umschlossen, wenn man von den 
mythischen bestandteilen absieht. Innerhalb dieses gebietes 
war dafür die entwicklung um so reicher, das thema des 
kampfes wurde unermüdlich variiert und eine ungemeine fülle 
von typischen ausdrücken und Situationen hierfür ausgebildet. 
Wie lebendig wird z. b. selbst der poetisch sonst so armselige 
Widsil?, wenn er auf dies thema zu sprechen kommt; vgl. 

V. 38 ff.: 

ac Offa seslöj seiest mouua 

cniht wesende cynerica rn^st. 

nsejiij efeneald Mm eorlscipe märan 

on orette: äue sweorde 

merce jemgerde wiö Myrsrnjum 

bi Fifeldore: lieoldon forö sippan 

En^le and Swsefe, swä hit Offa seslöj. 

V. 45 ff.: 

Hr6f>wulf aud Hropsär heoldon lenkest 

sibbe getsomiie suhtorfaedrau, 

sippan hy forwr^con Wiciii^a cynn 

aud In^eldes ord forbisdan, 

forheowau aet Heorote HeaÖo-Beardna prym, 

und V. 127 ff.: 

Fuloft of ]?äm beape bwineude fleaj 
^iellende ^ar on jvome p'eode. 
wrpeccan ]?f«r weoldan wimdnan ^olde, 
weruni ond wifum, Wnd^a and Pläma. 

Dass der krieg als normal zustand des lebens betrachtet 
wurde, beweist nicht minder die art, wie z. b. im Beowulf die 
einfache tatsache umschrieben wird, dassHioj'sar 'könig wurde'; 
vgl. V. 64 ff. : 

]m woes HroÖjäre bere-sped ^yfen, 
wijes Aveorömynd, J^pet bim bis winemajas 
^eorne hyrdon etc. 

Für das leben im frieden dagegen hatte das germanische epos 
nur ein bild: der volksfürst und seine mannen sitzen in der 
königshalle, das methorn kreist, der Sänger singt zur harfe 



RAGENOESCEIICHTI.K HKS /IM lllI.DKintANDSF-IKDE. '' ". 

von kühnen taten, nnd der -milde' lierscher spendet ilim 
goldene ringe zum lohn; vgl. wider den \\'idsi|', wo dieses 
motiv bis zur ermüdung widerkehrt; 

v.65ff.: 

. . . ic wses . . . 
... mid BniÄendnra, \>xt ic bea;^ ÄOl'i'di: 
me jner Gi'iÖhere foi^eaf ^litdliciu: luäplmin 
soujes 16 leane; 



V. 70 ff.: 



V. 88 ff. 



V. 07 ff. 



Swylce ic wses on Eotule mid .Elfwine: 
se haefde moucyuues inine jefri^se 
leohteste houd lofes tö wyrcenue, 
heortau uuhneaweste hrinja jedäles, 
beorhtra beaja, beani Eadwines; 

And ic wses mid Eormaurice ealle präjc, 
pffer me Goteua cyniiij ^üde dohte, 
se me beaj foi-jeaf, burswareua fnima; 

aud me }'ii Ealhhild i>|'erue (.sc. bea^) forjeaf, 
drylitcweu dujuj'e, dohtor Eadwines; 



und V. 137 ff.: 

pearfe sec^aö,') poncword spreca)', 
simle süp of>pe uorft sumne gemetai^ 
Sydda sleawne, seofura unhneawne, 
se )'e fore dujupe wile dorn äriferan. etc. 

imd den Beowulf v. 80: 

h6 beot ne dleh, bea^as d«lde, 
sine set symle, 

und V. 88 ff.: 

(pset he döjora jehwäm) dream xelO'rJe 
hlndne in healle: J'ter w»s hcaq)an swej, 
swntol sanj scopes, ck: 

Fiir den gotischen Sänger, der die friedensherschafi Tlieo- 
derichs hätte schildern wollen, ergab sich demnach, mutatis 
mutandis, eine ähnliehe Schwierigkeit, wie fiir die späteren 
christlichen (-Jermanen, als sie das leben des heilands besingen 
wollten: die ganze poetische technik versagte. Wir 
lieben es zwar, z. b. unserm Helianddichter es als btvsond.-r.s 

') Die ^Uomcn ^umeiia. 



86 BUSSE 

verdienst auziirecliiien, dass er den dem säclisisclien volks- 
bewusstsein an sich direct entgegengesetzten Stoff so geschickt 
in das altgewohnte gewand gekleidet und dadurch dem gefühl 
der neubekehrten so sehr genähert habe; aber in Wirklichkeit 
war dies verdienst wol weiter nichts, als dass der dichter 
notgedrungen, ohne irgend welche besonderen zwecke dabei 
zu verfolgen, die ihm überkommene technik, vor allem die 
dichterische spräche, an deren stelle er keine neue zu setzen 
vermochte, auf den ganz fremden stoff übertrug, und so kommt 
es, dass die gesammte as.-ags. christliche epik, bei allem glänz 
der technik gerade im Heliand, nur den eindruck eines un- 
erfreulichen compromisses direct entgegengesetzter factoren 
zu erwecken vermag: man glaubt fast zu spüren, wie die 
dichter befreit aufatmen, wenn endlich eine stelle kommt, wo 
Inhalt und form sich decken, vgl. z. b. Heliand v. 4865 ff.: 

Tliö gibolgau unanl 
snel suerdtliegan Simon Petrus: 
iiuel imu iiiiian bugi, that he ni mähte enig 

[uuord siirekau: 
so harni uuai'd imu an is hertan, that man is herron thär 
binden uuehle. Tho he gibolgan geng-, 
suido thristmod tbegan for is thiodan standen, 
hard for is herron: ni uuas inni is bugi tuifli, 
blöth an is breostun, ac he is bil atöh, 
suerd bi sidu, slog imu tegegnes 
an thene furiston fiund folmo craftu, 
that tho Malchus uuard mäkeas eggiun 
an thea suidaron half suerdu gimälod: 
thiu hlust uuard imu farhauuan: he uuard an that 

[höbid uund, 
that imu herudrorag hlear endi öre 
beniuunduu brast: blöd aftar sprang, 
uuell fan uundun. Tho uuas an is uuangun scard 
the furisto thero fiundo. Tho stöd that folc an rüni: 
andredun im thes billes biti. 

Die christlichen sänger hatten aber vor den ostgotischen 
noch den vorteil voraus, dass der Inhalt ihrer dichtungen und 
auch die art der behandlung ihnen ja schon in den evangelien 
etc. vorlag, und dass es für sie mehr oder weniger nur auf ein 
umgiessen des dort berichteten in germanische verse ankam, 
während den Goten jedes vorbild fehlte. Glücklicherweise 
können wir verfolgen, wie sich ein germanischer sänger in 



SAGKNG?:SCHICHTI.lCIIi:s /AM IIIMH'.MUANDSIJICIH;. H7 

sülclier not zu lielfeii (riclitiger freilüli: nicht zu li.Uciu wusste: 
aucli iui den Beuwulfdidilcr tiat die aiif;,^al)e heian, nach den 
heldeiitateii gegen Uieiidtd und seine mutter Beowulfs l'Unfzi;^- 
jährige fnedenslierschaft über die (jeaten zu schildern. Wus 
tut der dicliter aber? Wälirend der autVuthalt bei Hr<V\sär 
und die riickkelir mit fast ermüdender breite (2200 vei-se) ge- 
schildert werden, heisst es ganz kurz v. 2207 ff.: 

SyÖÖan Beowiilfe Itnide rice 
on band sehwearf: lie ^ebeold tela 
fiftis wintra (wtes Öa fröd cjuinj, 
eald ejiehveard), [oftfiiPt an on;s!^'> 
deonniu iiilituiii draca litsiaiil, 

und darauf folgen (I.uin wider fa.st tausend versc. die d»'n 
drachenkanipf, tod und bestattung des beiden behandt-hi. 
Aehnlicli wird es auch bei den Ostgoten gewesen sein: fiir 
den heldengesang ignorierte man einfach die spätere zeit') 
und beschi'änkte sich auf die ei)isclie veiherrlicliung des kanipf- 
frohen Jugend- und frühen mannesalters Theoddrichs.-) 

') Uhlaud wollti-' iu den inythii^cheu kiiiui»feu I»ietiiclis fiiieu versuch 
sehen, die friedenst.ätigkcit des grossen künigs darzustellen, und brachte die 
eindäinniuns: und austrooknuncr von siiTni)feu, die Cassiodor (Variae 1,21..T2) 
lobpreisend hervorhebt, mit den späteren drachenkämiifen in zusanniienbanp. 
Doch beruht diese aiischauuiiy: auf einer heute wol iibfrwundcnt'ii allejifu- 
risch-abstraiiierenden auftassuiig' des niytiiiselien bildes. Ausscrdeni sind 
diese sagen sänmitlieb erst in späterer zeit und auf deutschem \hh\vu mit 
Dietrich verbunden worden (vgl. Jiriezek s. 2()4ft".)- l^^'C^ möchte ich «lie 
anlehuung an charakterzüge des historiscbeu Theoderich zur erleicbtenuijf 
der Verschmelzung ni<bt so unbedingt von der haiid weisen, wie Jiricxek 
es tut, vgl. Ennodius, Tanegyricus *21 : Ualiae rector in amicitiam colligit 
duo dirersissimd, ut sit in im sine lonparntione fulminrus, in 
lactitia sine mibe foiniosns und den feueratem und die dämonische her- 
kunft Dietrichs in der deutschen .sage. 

'^) Vgl. dazu auch die unigestultung der historischen vcrhilltni.«»>e in 
der Karlssage. Auch diese ignoriert völlig die friedliche tiltigkeit Kurln, 
die doch in dessen leben einen breiten räum einnimmt, und b«-.Hchrünkt »iih 
ebenfalls nur auf behandlung der kriegerischen erei«iiisse. Ausnenlcm i«l 
zu bedenken, dass die germauisdie heldenpoesie durchami stande»|H>«»ie i«t: 
das publicum, an das sie sich wemlet. ist aus.schlie-«lirh der krieg^wlfl. 
Jedenfalls wird daher aiis.ser den techni.xchcn s. h\\ ' auch ucnh 

die im grossen und ganzen ablehnende haltung de.-* ; »deU »regeii- 

ilber der milden Versöhnungspolitik Theuderichs (und iK'jtonden« »einer uftch- 
fülgerin) die gotischen silnger abgehalten \\aWn, diem-!» friedliche wirken 
des künigs zu verherrlichen. 



88 BUSSE 

Gotische säiiger verbreiteten diese episcli umgestalteten 
Jugendsclücksale Tlieodericlis in den angrenzenden germanischen 
gebieten (vgl. dazu z. b. die Schilderung der fahrten ger- 
manischer Sänger von einem fürstenhof zum andern im AVidsi)? 

V. 135 ff.: Swä scn)?entle sesceapum liweoTfaÖ 
Sleomen siimena ^eoud srunda fela, 
):'eaTfe secjaö, ]7oncwoi'd sprecap, 
simle süp> opJ?e norö smiiue jenietaö 
sydda ^leawne, jeofum iinlmeawne, 
se }:»e fore dii^iipe wile dorn är^ran, 
eorlscipe sefnaii, oppset eal scaeceö, 
leoht and lif somod: lof se jewyrceö, 
hafaö under heofomim heahfaestue dorn), 

und hier bildete sich dann die sage in der richtung aus, die 
ich oben anzudeuten versucht habe. 

Ob die wenigen kriegerischen ereignisse der späteren 
regierungszeit Theoderichs, die entsetzung von Arles durch 
Ibba und der kämpf Pitzias gegen Sabinianus und die Bul- 
garen noch gegenständ des gotischen heldensangs wurden, 
lässt sich nicht ermitteln. Auf alle fälle könnte man nicht 
als argument dagegen anführen, es habe an zeit gefehlt, diese 
Stoffe episch zu verarbeiten. Die germanische poesie war im 
gegenteil zum guten teile gelegenheitsdichtung (vgl. z. b. die 
historischen lieder der ags. Chronik). Vom tode Theoderichs 
und den späteren Schicksalen seines Volkes hat sich dagegen 
sicher kein nachhall in die deutsche epik gerettet. An ihrem 
bestellen zu zweifeln haben wir trotzdem keine veranlassung: 



^) Was sich im Auhaug-e zum heldeiibiich , in der piörekssaga und 
sonst gelegentlich über den tod oder vielmehr das geheimnisvolle ver- 
schwinden Dietrichs findet, geht nicht auf gotische sage zurück und be- 
deutet nicht, wie Dahn meinte, ÖÖinn habe seinen liebling nach Valholl 
geholt, sondern ist nur ein nachklang der kirchlich-tendenziösen legende, 
die sich zuerst in Gregors Dialogen findet. Auch die nachricht der schwe- 
dischen Didrikssaga, Didrik habe erfahren, dass Witege sich auf einer 
fernen, einsamen insel versteckt halte, sei durch list in den Schlupfwinkel 
Witeges eingedrungen und habe ihn niedergestreckt, sei aber selbst bald 
darauf den wunden erlegen, die ihm Witege geschlagen, beruht nur auf 
dem bedürfnis, den tod Diethers und der Etzelsöhne gerächt zu sehen, und 
zeigt deutlich ihren späten Ursprung in dem misverstandenen zug von dem 
riesigen, schwarzen pferde, das Dietrich uuter der erde für diese letzte tat 
aufziehen lässt. 



SAGENGESCIIICHTLICHES ZUM HILDEHRANDSLIEDK. 89 

die klage um den tod des g-estorbenen helden ist ein der 
germanischen epik geläufiges tliema (vgl. z. b. die Schilderung 
der bestattung- Attilas bei Jordanes ca]». 10. die doch wol eher 
auf gotische, als auf hunnische (luellcn zuriickgelit, untl dfu 
scliluss des Beowulf). Diese lieder aber, wie die von (U-ii 
Siegestaten des jugendschönen Totila und die vom letzten 
Verzweiflungskampf am ]\Ions lactarius und vom heldentode 
Tejas sind ebenso spurlos verschwunden, wie die armseligen 
letzten reste des Ostgotenvolkes, die von den blutgetränkten 
felsschluchten des Vesuvs nordwäits den Alpen zu zogen, "um 
sich mit andern barbarischen stammen zu vereinigen'. 

Die epischen nachrichten über Tlieodericli. die über die 
Alpen drangen, schlössen demnach mit der erobernng Italiens 
ab, die nun, da man weiter nichts von Dietrich wusste,') folge- 
richtig an das ende seines lebens gestellt wurde. Als dann 
die Dietrichssage mit den übrigen grossen deutschen sagen- 
cyklen verschmolzen wurde, wurde Dietrich natürlich auch 
mit der Nibelungenkatastrophe in Verbindung gesetzt, und 
hierdurch ergab sich wider eine neue, wichtige Umgestaltung 
der rückkehrsage. Durch die kämpfe mit den lUirgunden 
verlor Etzel die macht, Dietrich zu helfen. Die erinnerung, 
dass Dietrich an der spitze eines hunnisclien heeres in die 
heimat zurückgekehrt sei, blieb aber, und man sah sich daher 
genötigt, eine doppelte rückkehr anzunehmen: Dietrich ver- 
sucht zunächst mit hunnischer hilfe sein land zurückzuerobern. 
Der versuch verläuft aber unglücklich, oder der sieg kann 
wenigstens nicht ausgenützt werden (ob die Verbindung mit 
der sage vom tode der söhne Ktzels von anfang an mit dieser 
fassung verbunden war, lässt sich nicht feststellen). Dietricii 
kehrt daher zu Etzel zurück. Da dessen macht in den Xibe- 
lungenkämpfen für innner gebrochen wird, tritt an stelle eines 
neuen eroberungsversuches die friedliche rückkehr der über- 
lebenden (Dietrichs und llildebrand.s), die nun nur noch wie 
ein unvermeidlicher romanschluss wirkt und jedenfalls kein 

') Die wenigen, s»lir uubedentenflen taten, <lio die I)iörck»»ajfa noth 
nach der erobern iii,»^ von Hönuibnr^' von Itietri<b (und Meimr) m eraählfu 
weiss (die plündcrung dos klosters Vedimüsan, riesonkümpfr etr.) xind ihrer 
^janzen lialtung natli, ebonso ww. die verschmelznng piflreks mit Wolf- 
(lietricb, enst in sehr si>äte zeit zu setzen. 



90 BUSSE 

lebhafteres Interesse mehr zu erwecken vermochte. Der ver- 
such der t)iörekssaga, dieser friedlichen rückkehr doch noch 
durch kämpfe zwischen piörekr und Sifka grösseres Interesse 
zu verleihen, ist sicher unursprüngiich, vgl. s. 66. 

Schlussbemerkungen. 

Ich stehe am ende meiner ausführungen und will nur noch 
kurz die hauptresultate der vorhergehenden Untersuchungen 
zusammenfassen: 

Die alte tragisch endende sage vom kämpf des vaters und 
Sohnes hat sich überall, wo sie nachweisbar ist, unabhängig 
entwickelt, sowol die annähme einer gemeinschaftlichen lier- 
kunft, wie die gegenseitiger beeinflussung sind abzulehnen. 
Die trennung der jüngeren fassungen in eine 'abschwächende' 
und eine 'versijhnliche' gruppe kann sich nur darauf stützen, 
dass bei den sogenannten abschwächenden Versionen der Zu- 
sammenhang mit der alten sage nie verloren gieng; ein innerer 
unterschied zwischen beiden gruppen existiert nicht, und auch 
der versöhnlich endende typus ist auf eine abschwächung der 
alten, tragisch verlaufenden sage zurückzuführen. Diese ab- 
schwächung vollzog sich bei den Bretonen und drang von hier 
aus als 'moule epique' in die frz. und vom frz. abhängige 
romandichtung von Frankreich selbst bis nach Byzanz und 
Russland ein, und sämmtliche glieder dieser versöhnlichen 
gruppe') gehen auf den frz. typus zurück; ebenso erfolgte die 
Umbildung der alten sage von Hildebrand und Hadubrand in 
eine solche mit versöhnlichen ausgang unter dem einfluss der 
frz. epik. 

Im Hl. ist die alte sage vom kämpf des vaters und sohnes 
auf Personen des Dietrichsagenkreises übertragen worden; doch 
scheinen die ursprünglichen namen beibehalten zu sein. Der 
hauptträger der handlung, Hildebrand, geht vermutlich auf 
den historischen Gensimund zurück; bemerkenswert ist, dass 
seine Charakteristik bereits durchaus der späteren sage des 
12. und 13. jh.'s entspricht. Für den stand der deutschen 
Dietrichsage im 8. jli. geht aus dem lied hervor, dass sie 
bereits den allgemeinen Charakter der exilsage angenommen 



1) Mit ausnähme allein der Aus saga (?). Vgl. s. 30, amn. 1. 



SAGENGESCHICHTMCIIKS '/AM IIH.DKMUANDSLIKDK. 1»1 

hatte, dass aber die eriiincniiij;- an den liistorisclien ß:ep:ner 
Tlieodeiiclis (Odoakei-Ötaelier) und an die kiieprerische erobe- 
riiiig von Italien noch nicht verloren geganj?cn war. Die sa^e 
war bereits, ähnlicli wie in späterer zeit, mit der hunnischen 
verbunden. Dagegen lässt sich nicht ermitteln, ob die Ver- 
bindung mit der älteren ostgotischen sage von könig Krmana- 
rich bereits vollzogen war. Die umgestaltun«;- der liistorisclu'n 
Verhältnisse in der deutschen Dietrichssage erkläit sich aus 
dem wesen der germanischen pocsie und der unvidlsläiidigkcit 
der über die Alpen gedrungenen gotischen Überlieferungen. 
Die ausbildung der sage erfolgte vermutlich zunächst bei den 
Alamannen. 

Das wäre wol alles, Avas mit einiger sicherheil sageii- 
geschichtlich aus unserm Hl. gefolgert oder in Verbindung mit 
ihm behandelt werden kann: neben vielem bekannten auch 
einiges neue. Manches niusste auch unerklärt bleiben, iloch 
ich denke, das erklärt sich zur genüge aus der art des nuite- 
rials. Von dem dürftigen rest von 68 Zeilen, die noch dazu 
schlecht überliefert und unvollständig sind, wird niemand eine 
genaue aufklärung über alle sagengeschichtlichen fragen ver- 
langen, die man an das gedieht knüpfen kann. Im gegenteil 
dürfen wir uns freuen, dass wir doch verhältnismässig noch 
so viele positive resultate haben gewinnen ktinnen. Für un- 
bedingte Sicherheit dieser resultate kann man freilich keine 
garantie übernehmen: auch der logischeste schluss kann bei 
so subtilen und schliesslich subjectiv vidlig freien ding«'n 
vorbeitreffen, und immer wider muss man schmerzlich be- 
dauern, dass die absieht des grossen Karl, der nach weit die 
heldensagen seiner zeit und seines volkes zu erhalten, niiht 
gelungen ist, und dass sich nur in folge eines nicht genug zu 
preisenden zufalls wenigstens ein kleiner rest der allen helden- 
dichtiing unseres volkes zu uns hinübergerettet hat. Dass 
dieser selbst dadurch uneiullich an wert und Wichtigkeit für 
uns gewonnen hat, dass er jedem, der nur eiuigerma.'vsen mit 
unserer älteren literatur vertraut ist, iJcixinlich wert geworden 
ist, brauche ich wol nicht erst zu sagen, und ich denke, aucii 
dies wird erklären, weshalb ich schon so oft geführte Unter- 
suchungen wider aufgenommen habe. Fülirt doch das Hl. 
allein uns die heldenzeit unseres Volkes vor äugen: nicht die 



02 BUSSE, SAGENGESCHICHTLICIIES ZUM HILDEBRANDSLIEDE. 

liöfiscli umgestaltete der kreuzzüge und der Holienstaufen, 
sondern das alte, echt germanische reckentum der Völker- 
wanderung. Wem weht es nicht wie ein hauch aus den tagen 
der Eombezwinger entgegen, wenn er die verse hört: 

Ik gihorta Öat seggen, 
8at sih urhettuü «non muotiu, 
Hiltibrant enti Haöubraut imtar heriuu tuera, 
sunufataruugo? 

LEIPZIG. BEUNO BUSSE. 



unteksuchungp:n UEI^KK WDLFIJAMS 
TITUREL.') 

Wenn ^vir die reiche, allmälilich zu reclit stattlichem 
umfange angewachsene liteiatur über Wolfram von EscImmi- 
bach durchmustern, wie sie uns jetzt Panzers handliche 
bibliographie bequem zusammengestellt darbietet, fällt uns 
der merkwürdige umstand ins äuge, dass dasjenige seiner 
werke, welches von jeher als dichtung am höchsten gepriesen 
worden ist, der Titurel, von der forschung immer reclit stief- 
mütterlich behandelt worden ist. Das gedieht, das (4ervinus 
(Gesch. d. d. dicht, l', 603) gewis mit vollem recht und ohne 
Übertreibung 'einen der herrlichsten, vielleicht den ausgezeich- 
netsten rest altdeutscher dichtung* genannt hat, das nach 
AVilhelm Grimms worten in der einleitung zu seiner Vorlesung 
über Hartmanns Erec (Kl. sehr. 4, ö8."); ähnlich auch Helden.s.' 
s. 428) 'an macht der darstellung, des gefühls und des aus- 
drucks sich dem höchsten zugesellen kann', ist tatsächlich .so 
sehr vernachlä.ssigt worden, dass fast über keine der bei seiner 
betrachtung sich aufdrängenden fragen sich bis heute eine 
übereinstimmende, fest begründete ansieht hat durchsetzen 
können. Andrerseits kann man es duch nur schwer für mi'g- 
lich halten, dass das auf uns gekonnuene material so lücken- 
haft und unzulänglich oder so schwer deutbar .sein .M»llte. dass 

') Den hier vorgelejcrten drei lapiteln die.ter nnt»'p*iubnDk'en, von 
denen da.s zweite nnd dritte am 2i>. september \KVJ in der jn'nniinistiü« hen 
section der Bremer jdiilolt>genveninmmlnnp einem kleinenMi kn-iso Ton f»«-h- 
genosseu zuerst Itekaiint wurden, sollen in allernÄrlmter zeit ftinf weitere 
folgen: IV. Stiiistisdus. V. Zur nittrik. VI. (MsamnitaufTa.'wung nn<l teu- 
denz. VII. Zur i|Utllenfrage. Vill Heitrilge zur kritik und erklaniutr J« 
textes. 



94 LEITZMANN 

wir an einem versuch zur lösung der vorliegenden probleme 
gänzlich verzweifeln müssten. 

Lachmanns kritische bemühung ist nicht allen werken 
"Wolframs mit gleicher innerer anteilnahme und mit gleichem 
erfolge zugewant gewesen: das darf man wol heute behaupten, 
ohne der bleibenden bedeutung seiner monumentalen edition 
zu nahe zu treten. Die kritische behandlung des Willehalm 
steht, wie Paul und Panzer nachgewiesen haben und Kraus 
nicht zu widerlegen vermocht hat, entschieden nicht auf der- 
selben höhe wie die des Parzival. Dass er aber beim Titurel 
von einer genaueren vergleichung des Docenschen textes mit 
der Münchener hs. glaubte abstand nehmen zu können, weil 
er Docens erste dreizehn Strophen genau fand (s. xxvii), stimmt 
übel zu dem von ihm selbst (s. vi) aufgestellten cardinal- 
grundsatz 'die echte lesart aus den riuellen zu holen'. Und 
wenn wir ihm weiter auch zugeben müssen, dass der text des 
gedichtes stark verderbt und eine plausible herstellung nicht 
überall möglich ist, so berührt uns doch die resignation eigen- 
tümlich, die in dem satze 'ein geschickter leser wird sich 
durch besserungen aus dem Stegreif zuweilen selbst helfen 
müssen' (s. xxviii) zum ausdruck kommt. Auch abgesehen 
von der heranzielmng des j. Tit., in dessen handschriftenchaos 
erst Zarnckes abhandlung über den graltempel licht gebracht 
hat (vgl. besonders den excurs s. 48), scheint mir Lachmanns 
kritische leistung beim Titurel am wenigsten gelungen. Die 
besondere beschaffenheit der Überlieferung gab ihm hier für 
die specifische richtung seiner kritischen begabung keinen 
geeigneten angriffspunkt (vgl. auch Paul in seinem Grundr. 
12,91). 

Die anschauungen und resultate Lachmanns wurden hier 
wie überall canonisch für die folgezeit, deren arbeiten ich hier 
kurz mustere. Streng auf dem Lachmannschen wege hielten 
sich die bemerkungen Haupts, die auch seine beistimmung 
fanden (vgl. s. xxviii). Pfeiffers hypothese über das chrono- 
logische Verhältnis des Titurel zum Parzival wirkte, ob wol 
verfehlt und auch durch Bartschs spätere unbedingte billigung 
nicht gerettet, doch dadurch fördernd, dass sie energisch auf 
das gedieht hinwies und zu erneuter betrachtung anregte. So 
hat der Widerspruch gegen sie Herforths tüchtige abhandlung 



UNTERSUCH l!XOi:\ IKIiKI! WOf.KItAMS TITl'KKF-. Oö 

gv/A'üi'^t. r>;iits(lis iiixwisclit'ü vciiiftViitlicIilfr v«'!sii'li, zwei 
verlorene l)rii(listii(kr WOUrnuis ans dein j. Tit. durch recon- 
stnictioii zu ucwiuMcn, hat U(m Ii heute anhän^'-er wie ;''e{>-ner, 
uhne dass bisher eiue neue, nachprüfeiuh- uute; -uchung dieser 
.so eminent wiclitigen frage v()i<,^elegt worden wäic. \\'enn ich 
uubeth'utendes und werth)ses üljeigche, so siiul von fördernden 
kh'ineren beitragen zu unsenu thema nur noch die für die 
textkritik bedeutench^ nüsceHe Zanu'kes sowie Stoschs und 
Behag-liels benierkungen zur c]ironoh>o-ie des gedichtes zu 
nennen. Ein verliängnisvoller einfall Haupts und MiiHenhoffs. 
welclie in den beiden von Lacliniann hergestellten abschnitten 
der Titureldiclitung den alten volksiuässigen Nibelungenliedern 
nachgebildete einzelne Mieder' zu erkeniuMi glaubten, wurde 
eutilich der angelpunkt einer abhandlung Stu.M-hs, durch die 
die unbefangene betrachtung unsres denknials meines erachtens 
aufs schweiste geschädigt worden ist: auch au diese tliese 
und ihre begründung hat trotz ihrei- ungemeinen bcdeutung 
für wichtige fragen der altdeutschen literaturgeschichte noch 
niemand l)is heute die kritische sonde gelegt. In welche sack- 
ga.sse die Titurelforschung durch diese betrachtungsweise ge- 
raten ist, geht am deutlichsten wol aus der tatsache hervor, 
dass (lolthers epochemachende entdeckung einer dritten und 
zwar sehr guten hs. weder von dem entdecker .selbst irg»*ndwie 
ausgenutzt wurde, noch auch sonst in den seitdem verHo.ssenen 
sechs Jahren eine levision der bisherigen ansichten angeregt hat. 

80 brauche ich denn wul die existenz der folgenden bliitter 
nicht weiter zu rechtfertigen. \\'as ich hiei- vorlege, ist mir 
durch langjähiige, fa.st ein decennium in ihren anfangen zurück- 
liegende, nie lange unterbiochene beschäftigung mit Widfram 
und speciell dem Tituiel allmählich zu immer festerer ülwr- 
zeugung geworden. Dass ich die herrliche dicht ung mehi-fach 
und mit besonderer voiliebe akademischen Übungen zu prunde 
gelegt habe, wild man. hoffe ich, dem exegetiscjien cajiitel 
anmerken. 

Die von mir benutzte literatur tindet sich 111 l'an/iTs 
bibliographie s. I.') verzeichnet. Seitdem ist nur rnnh V\\H'\y, 
abdruck der Münchener hs. (t in .seinen Nachtrügen zur Älteren 
deutschen literatur von Kürschners Deutscher national''' 
s. 3ü'J hinzugekommen. Ki>t längere zeit nacli dem ;ii 



96 LEITZMANN 

der hier vorgelegten drei capitel kamen mir Noltes bemerkungen 
im Anz. fda. 25, 304 zu gesiclit, die sich inhaltlich mit einigen 
meiner ansführungen decken. Leider hat Panzer drei wichtige 
recensionen übersehen, die in den jähren 1811 und 1812 Docens 
abdruck der Münchener hs. von 1810 erfahren hat; da ich sie 
öfters zu eitleren haben werde, verzeichne ich sie gleich hier. 
A.W.Schlegel besprach das ihm gewidmete büchlein Docens 
in den Heidelbergischen Jahrbüchern der literatur 4, 1, 1073 
(widerholt in den Sämmtlichen werken 12, 288), Benecke in 
den Göttingischen gelehrten anzeigen 1812, s. 937, Jacob Grimm 
in der Leipziger literaturzeitung 1812, 2, 2401 (widerholt in 
den Kleineren Schriften 6, 116). 

I. Der stropIieiil)estand. 

Dass die Münchener hs. G, nach der AVolframs Titurel 
zuerst 1810 von Docen herausgegeben wurde, uns das gedieht 
nicht vollständig überliefert, sondern an mehreren stellen 
lücken aufweist, ergab sich schon aus der Ambraser hs. H, 
die, wenn auch im Wortlaut vielfach verderbt und durch 
Schreibfehler entstellt, aus einer vollständigeren vorläge ab- 
geschrieben ist; leider bricht sie schon mit str. 68 ab, so dass 
eine weitere controlle von G aus ihr nicht möglich ist. Die 
in H allein überlieferten str. 30. 31. 33. 34. 36 und 53 sind 
daher mit vollem recht von Lachmann in den text aufgenommen 
worden. Darauf dass Haupt unter Lachmanns Zustimmung 
zwei davon für unecht erklärt hat, komme ich später bei 
gelegenheit der noch weiter gehenden athetesen zu sprechen, 
die Stosch innerhalb der handschriftlich überlieferten Strophen 
glaubt empfehlen zu müssen. 

Auch die von Golther zuerst herausgegebenen wichtigen 
bruchstücke einer zweiten Münchener hs. (ich bezeichne sie 
im folgenden mit der sigle M) ermöglichen uns nun eine con- 
trolle des in G überlieferten Strophenbestandes, und das glück- 
licherweise auch für andere teile des gedichts als den in H 
allein auf uns gekommenen anfang. Es sind uns von M eine 
reihe fragmentarischer streifen, die zu zwei blättern des 
ursprünglichen codex gehören, und ein drittes vollständiges 
blatt erhalten. Der Inhalt dieser blätter stellt sich folgendei'- 
massen dar: 



UNTERSUCIIUNOEN ÜEHKR Wol.KKAMS riTlUEL. «I? 

bhitt 1 Vorderseite: 31, 1 — 38,2 7' , stroplieu 

rückseite : 38, 3 — 45, 4 1' , 

zusaiiiiiicii 1,") Htnuilu'ii 
lihitt 2 vonlei-seite: 76,4 — 81,4 (ohne 79 und S<), 

mit *5G. *.J7. *Ö8 und ^i)\)) . . . 7' , Strophen 
rückseite: 81,4 — 85,4 (mit 79. 80und ♦Gl) 7'/, „ 

zusammen 14' j Htrophen 
Idatt 3 Vorderseite: 100,3 — 106,4 (mit [Hi) . 7'/« Strophen 
rückseite: 107,1 — 114,2 7"^ 

zusammen 15 strophcn. 

Mit einer regelmässigkeit, wie sie bei dem forthiufeiid 
gescliriebenen, nicht nach reimzeilen abgesetzten texte wol 
niclit strenger erwartet werden kann, finden sicli also hit-r 
auf jeder seite des alten codex 7' ■,, auf jedem blatt 15 stroidien. 
Diese tatsache ermöglicht einen absolut siclieren riickschliiss 
auf die sti'oi»henzahl der am anfang und zwischendurch fehlen- 
den blätter der hs. und damit eine reconstruction des struplien- 
bestandes derselben bis str. 114, die uns bei der spärliclien 
Überlieferung des Werkes doiipelt willkommen ist. Es fehlen 
demnach: 

zwei blätter vor blatt 1: 1,1—30,4 30 Strophen. 

zwei blätter zwisclien blatt 1 und 2: 46,1 — 76,2 ... 30' j 
ein blatt zwischen blatt 2 und 3: Sfl. 1 — 100,2 (ohne %) . 13' , .. 

So erhalten wir folgendes resultat: innerhalb der er.sten 
114 Strophen hatte M, als es nocli vollständig war, 
alle sechs zusatzstrophen von H; durch fünf neue 
Zusatzstrophen beweist es andrerseits, dass (t aueli 
in der auf str. 08 folgenden partie unzuverlässig und 
lückenhaft ist. Angesichts der Sicherheit der hier vor- 
getragenen combinationen ist es besonders zu beklagen, dass 
keines der späteren blätter, deren schwerlich mehr als vier 
oder fünf gewesen sein dürften (Lachmanns text cibt von 
114, li an noch öti' ^ Strophen, also von zu.«^at/,strophen ab- 
gesehen den iuhalt von norli nicht vier bjätteni). sich erhalten 
hat. und uns .so die mr.;rij,iikeit genomuieii ist. «lie gewi«-hti>ff 
stinuue von M bei der frage des etwaigen zusinnnenhangs der 
beiden ab.schnitte der Titureldichtung zu verwerten. Nach 
(lolthei-s mitteilung (Zs. fda. .{7. '2sO) stanunt der ban«l. von 
dessen einband dit; streifen von M abgelöst sind, aus d«*m 

Beitrage lur geschichle der «Icuuchan iprach«. XXVI "J 



98 LETTZMANN 

minoritenkloster zu Landshut; bei der Wichtigkeit des fundes 
verlohnte es sich doch wol der mühe, systematische nach- 
forschungen anzustellen, ob sich nicht noch weitere blätter 
finden Hessen. 

Nur bis zur 114. Strophe des Lachmannschen textes kann, 
wie bisher gezeigt worden ist, auf grund der drei auf uns 
gekommenen hss. die Untersuchung über den echten strophen- 
bestand des Titurel geführt werden; darüber hinaus haben 
wir nur die einzige mehrfach stark unverlässlich erfundene 
hs. Gc als quelle vor uns. Für die Schlusspartie des gedichtes 
sind wir genötigt auf eine abgeleitete und mannigfach getrübte 
quelle zurückzugreifen, auf die bearbeitung der Wolframschen 
dichtung in dem sog. j. Tit. Ob in dieser von Lachmann 
(s. xxix) mit recht 'langweilig und albern' gescholtenen com- 
pilation sich doch vielleicht noch einzelne edelsteine zu uns 
herübergerettet haben, die in echt Wolframscher fassung uns 
nicht mehr erhalten sind, darüber zu einer ansieht zu gelangen 
ist für den fortgang unserer Untersuchungen dringend notwendig. 

Die wissenschaftliche benutzung des j. Tit. ist durch den 
an sich beklagenswerten umstand erschwert, dass wir bis heute 
noch keine kritische ausgäbe des gedichtes besitzen, und jeder 
der sich nicht die zeitraubende mühe eigener collationen macht, 
noch immer auf den von Hahn mit sträflicher nachlässigkeit 
veranstalteten rohdruck der Heidelberger hs. B* (ich schliesse 
mich im folgenden Zarnckes bezeichnung der siglen an) an- 
gewiesen ist. In das schier unentwirrbare chaos der hss. und 
bruchstücke der im mittelalter so beliebten dichtung liat erst 
Zarnckes 1876 erschienene abhandlung 'Der graltempel, Vor- 
studie zu einer ausgäbe des j. Tit.' licht gebracht, in der nach- 
gewiesen wurde, dass die ganze weitverzweigte Überlieferung 
am ende auf drei von einander unabhängige redactionen zurück- 
geht, von denen widerum zwei sich zu einer engeren verwaiit- 
schaft zusammenordnen. Diese trotz vereinzelter complicationen, 
auf die ich hier nicht einzugehen habe, verhältnismässig ein- 
fachen Verhältnisse sind meines erachtens ganz mit unrecht 
von Schönbach (Anz. fda. 3, 170) in zweifei gezogen worden: 
für die von mir selbst verglichene grössere partie des textes 
hat sich mir durchaus eine bestätigung der Zarnckeschen auf- 



UNTERSUCHUNfSEN ÜEHER WDI.FKAMS TITrUEL. 00 

Stellungen über das abliängio^kcits- und verwantscliaftsvci-liälfnis 
der hss. ergeben. Ueber die bcziehungm dn- Woitranisclu-n 
dicht ung zur Überlieferung des j. IMt. hat Zarncke in einem 
schon früher citierten excurs (s. 48) fördernd, wenn aucli nielir 
anregend als abschliessend gehandelt. Die liierbei auftauchen- 
den sehr complicierten fragen lasse ich hier unerörtert, da sie 
den gang der vorliegenden Untersuchungen nirgends beeinflussen, 
eher vielmehr den künftigen kritischen hei-ausgeber des j. Tit. 
angehen; ob die von Zarncke (s. 40) vor nunmehr fast einem 
vierteljahrhundert angekündigte arbeit eines 'jüngeren freunde.s, 
der schon länger das volle nuiterial gesammelt hatte", nucii zu 
erwarten ist, weiss ich nicht zu sagen. Zarnckes auf den 
j. Tit. bezüglicher nachlass, der mir durch die gute der frau 
Johanna von Hase in Leipzig zugänglich wai-, enthält, wie ich 
hier im vorbeigehen mitteilen darf, keinerlei materialien, die 
nicht in der abhandlung von 1870 ihre Verwertung gefunden 
hätten; offen])ar hat Zarncke über die im Miraltempel' ver- 
öffentlichten Partien der dicht ung hinaus keinerlei textkriti.sclie 
Untersuchungen ernstlich in angriff genommen. - Eine vor- 
zügliche arbeit, deren resultate wol in allen haui)ti)unkten als 
gesichert gelten dürfen, ist Borchlings 1807 erschienene studie 
über den j. Tit. und sein Verhältnis zu WOlfiam. Dass der 
gelehrte nachahmer und compilator nicht nui- in allen spracli- 
lichen und stilistischen eigenheiten, .sondern auch in bezug 
auf den stoff in seinen einzelnen elementen von .seinem vor- 
bilde sklavisch abhängig ist, hat dei- verfassei- ausfülnlicli und 
schlagend nachgewiesen. Die.se untei'suchungen lassen uns in 
mancher hinsieht das nichtvorliandensein einer kriti.MJien aus- 
gäbe des gedichtes verschmelzen, da denn einmal zu einer 
solclien noch niemand, wie Panzer (Lit.-bl. 1808, s. 12:5) sich 
treffend ausdrückt, "den mut oder bes.ser die resignation' hai 
linden mögen. 

Wo ich im folgenden den j. 'i'iturel citiere, beruiien meine 
angaben auf eigenen collationen der haupthss. aller drei retlar- 
tionen (A', B', I)', IV-^, C^ D^, H nach Zarnckes bez«'i.hnungen(, 
die ich mir für die ganze partie vcm.str. 440 l.MUi angefertigt 
habe. Die daneben in bt-nacht ktunmendi-n bruchstücke be- 
nutze ich nach den vorhandenen abdiücken (vgl.Zs. fdph. «». 1.%. 
(Jerm. '21, l:M. '_M. 177. 'J.'., 17-J. D»H«'n .s. «i'»). 

r 



lOO LJEITZMANN 

Vergegenwärtigen wir uns kurz, in welcher weise die 
Strophen der Wolframsclien dichtung von dem jüngeren nach- 
ahmer in sein werk eingeordnet sind (vgl. Bartsch, Germ. 13, 6 
und Borchling s. 13; die dem Schlüsse dieses capitels angehängte 
tabelle, in der ich die differenzen der Strophenordnung durcli 
fettdruck gekennzeichnet habe, hat den zweck, die gesammte 
Überlieferung anschaulich vor äugen zu führen). Die ersten 
13 Strophen Wolframs sind vom bearbeiter weder in der Ord- 
nung des Originals noch auch in ihrem ursprünglichen zu- 
sammenhange benutzt; sie finden sich in einer reihe von 155 
Strophen (476 — 630) verstreut. Von der 14. str, an folgt der 
jüngere dichter schritt für schritt seinem grossen vorbilde 
nach und unterbricht den fluss der Originaldichtung nur ver- 
einzelt durch zwischengeschobene Strophen, die bald eine para- 
phrase, bald eine gelehrte oder spitzfindige Weiterbildung 
Wolframscher gedanken oder andeutungen enthalten. So geht 
es fort bis zum ende des ersten Wolf ramschen abschnitts (779). 
Nachdem er dann die zwischen den beiden abschnitten für sein 
gefühl klaffende lücke durch eigene erfindung ausgefüllt hat, 
verfährt er bei der herübernahme des zweiten abschnitts der 
Originaldichtung (1140 — ^1188) durchweg in der zuletzt geschil- 
derten verhältnismässig conservativen art. Dass er ihm im 
original vorliegendes gänzlich unbenutzt habe beiseite liegen 
lassen, werden wir ihm, wenn wir seine ganze arbeitsweise und 
seine ungemessene hochschätzung AVolframs bedenken, nicht 
wol zutrauen: nur eine halbe Strophe des alten textes (8, 1) hat 
er übergangen, wahrscheinlich weil ihm, worauf ich später 
noch komme, hier ein verderbter text vorlag, den er nicht 
verstand. Es gilt nun seine zusatzstrophen kritisch zu prüfen, 
ob wir darin noch weiteres Wolframsches gut zu entdecken 
vermögen, das uns durch den nachlässigen Schreiber von G in 
echter gestalt vorenthalten worden ist. Da frühere forscher 
(vgl. besonders Bartsch, Germ. 13, 8 und Stosch, Zs. fda. 25, 200. 
26,145) diese prüfung, da ihnen M noch nicht bekannt war, 
schon bei str. 69 (der ersten, wo wir die controlle von H ent- 
behren müssen) beginnen, so wollen auch wir an dieser stelle 
einsetzen, obwol für uns durcli die autorität von M noch eine 
strecke weit der weg für rascheres fortschreiten geebnet ist. 
Was die allgemeinen kriterien der beurteilung betrifft, so 



UNTERSUCHUNGKN UKBEU \Vn|,l kaMS TlirKKl,. I«»! 

werden wir weder auf fonufllc, siieciell iiichisclie verhält niss«' 
(die zudem, wie später gezeif^t werden soll, ganz anders zu 
deuten sind) so viel gewicht legen wie Bartsch, noch auch die 
begriffe und Schlussfolgen einer bald utopisch -i)hantastis(h«Mi. 
bald pedantischen betrachtungsweise zu hilfe rufen, deren 
Stosch sich vielfach bedient. Eine niiiglichst genaue inter- 
pretation der werte und des gedankenzusanmienhangs im 
verein mit den inneren kriterien, die uns unsere sonstige 
kenntnis von Wolframs eigenart an die band giltt. wird uns 
fast überall zu einer sicheren entsclieidung fühlen; aus Horch- 
lings Untersuchung lernen wir einem allzu wörtlichen anklang 
au stellen in den echten werken Wolframs eher zu mistrauen 
als darin die klaue des löwen zu erblicken. 

Nach Str. 80 des alten textes bietet der j. Titurel fünf 
Zusatzstrophen *55 — *59 (ich bezeichne nach Stoschs Vorgang 
die strophenzahlen in Laclimanns lesarten mit einem Sternchen; 
bei Hahn 720 — 724), die wir einzeln besprechen. 

Es ist erzählt, dass Gamuret sich zur fahrt nach Bagdad 
rüstet, um seinem früheren dienstlierrn, dem kalifen. im kamjife 
gegen seine angreifer, die brüder Pompejus und Ijtomidon, bei- 
zustehen. Seine ausrüstung ist beschrieben: knappen, rosse, 
gold und edelsteine nimmt er mit, aber keinen schildtragenden 
mann. Dann berichtet str. *55 (720) weiter (nach B-C-I)^): 

Sin pantel da verkeret wart: von zoIh»! ein ankiT tiun- 
slnoc man uf sinen schilt die vart, als in tnioc in recken wis 
alsns wart üz geziert der l(tl)es riolie; [der p^ehiure. 

darunder nam er ende vor lialdac mit tjost liurticliche. 

Schon Lachmann (s. xxix) hat diese stroj.he für echt erklärt; 
Bartsch (s. 8) und Sto.sch (s. 200. 147) haben ihm zugestiunut. 
Die autorität von M erweist, dass sie ein zusatz des bearbeitei-s 
ist, und sie kann auch bei genauerer betrachtung ihre unechi- 
heit gar nicht verleugnen. Das was sie erzählt, ist gänzlich 
sinnlos, und der nachalimer wollte nur zeigen. da.ss er sich an 
den Wappenwechsel (4amurets im ersten und zweiten buche, 
des Parzival erinnerte, ohne das motiv zu dem.selben riclitig 
verstanden zu habt-n. Als (4aloes nach dem tode (tandins 
fürst von Anjou geworden ist. und (iamuret. der jüngere er»)- 
lose solin, auf abenteiier ausziehend das Innd verlüs^st, wählt 
er sich an stelle seines väterlichen hauswaintens, des panthers, 



102 LEITZMANN 

das nunmehr allein dem Galoes zukommt, ein 'pliantasiewappen' 
(Schultz, Das höf. leb. 2^, 95), den anker: wie dieser festen fuss 
im meeresgrunde zu fassen sucht, so will er sich ausserhalb 
der heimat eine statte erringen (vgl. Parz. U, 12. 29). x41s er 
dann später auf dem turnierplatz vor Kanvoleiz erfährt, dass 
Galoes gestorben, er selbst also nun fürst von Anjou ist, ver- 
tauscht er das symbolische wappen mit dem väterlichen panther: 
wie liät nü mtns anJcers ort in riuwe ergriffen landes liabe! 
der wäpen teter sieh dö ahe . . . ich sol mtns vater tväpen tragen, 
sin lant min anJier hat heslagen. der anJcer ist ein recken zil 
(' Symbol des heimatlosen'); den trage und neme nü, swer der 
wil . . . daz pantel, daz sin vater truoc, von wobeie üf stnen 
schilt man sluoc (Parz. 92, 12. 99, 13. 101, 7). Diesen wol- 
motivierten wappentausch hat der bearbeiter gar nicht ver- 
standen, wenn er den Gamuret bei seinem neuen zuge nach 
Bagdad nun wider den panther mit dem anker vertauschen 
lässt. Was hätte Gamuret damit bezwecken sollen? Er wurde 
doch dadurch nicht wider zum rechen und hörte nicht auf 
fürst von Anjou zu sein. Bei Stosch (s. 200) freilich ist er ein 
'abenteuernder glücksritter' und musste, da er ^ nicht erkannt 
sein will', auch 'sein schildzeichen verändern' (s. 201. 147). 
Von einem nicht erkannt sein wollen berichtet aber Wolfram 
gar nichts; wie hätte auch Gamuret, der dem kalifen zu liilfe 
eilte und gewis dort als retter in der not begrüsst wurde, 
diese sonderbare absieht haben können? Dass dieses motiv 
des Wappentausches noch zweimal im j. Tit. (2528, 1. 5685, 1) 
begegnet, zeigt gauz deutlich, dass es aus jener misverstandenen 
Parzivalstelle erwachsen ist (anders Stosch s. 147). Diese klingt 
ja auch wortgetreu in den beiden ersten zeilen der Strophe 
nach; der anker tiure stammt aus Parz. 98, 26. Die Wendung 
sin pantel da verlceret ivart für das was der Verfasser meint, 
ist mindestens in ihrer prägnanz befremdlich; ob die von 
Lexer 3, 140 citierte stelle Apoll. 18908 er verkerte dö sin iväpen 
gar hiermit zu vergleichen ist, kann ich nicht ausmachen, da 
sie in Strobls ausgäbe fehlt; jedenfalls würde Wolfram sich 
schwerlich so ausgedrückt haben. Dass Bartsch (s. 8) fälsch- 
lich zur erklärung Parz. 99, 11 heranzieht, hat schon Stosch 
(s. 200, anm. 2) bemerkt. 

Anders steht es mit den vier folgenden str. *56— *59 (721 



UNTERSUCHUNGEN ÜEbElt WOI.FKAMS TITUKEL. lOiJ 

—724). Lachmann (s. xxix) hielt die erste davon fiir rdit. dl»; 
andern drei für interpoliert; Bartsch (s. 8) und Stoscli (s. 2(J0. 
201) traten dieser ansieht bei. Der letztere fand die trennunps- 
scene 'nach gewöhnlicher Schablone weitergeführt: thriinen und 
das versprechen baldiger heinikehr'; Bartsch blieb trotz einiger 
Wolfraniisch klingender Wendungen und dreier stumpfer «-ae- 
suren, die sonst für ihn das wichtigste merknial der echtheit 
sind, bei der annähme Lachmanns stehen. Einer genaueren 
jirüfung sind wir bei diesen Strophen überhoben, da sie durch 
M alle vier als echt erwiesen werden. 

Auf Str. 82 des alten textes folgt die vielbesprochene str. 
*(31 (727), in der des landgrafen Hermann von 'l'hüringen ge- 
dacht wird. Ihre echtheit, die durch das Zeugnis von M sicher- 
gestellt wird, ist schon 1810 von Docen behauptet worden, 
der zu str. 82 (s. 41) bemerkt: 'nächst dieser strophe lese man 
die ... no. 61 im anhange; zu ihr passt der folgende vers besser*. 
Weiter wurde sie für echt gehalten von J. Grimm (s. 119), 
Lachmann (s. xxix, zweifelnd auch Kl. sehr. 1, 352), Herforth 
(Zs. fda. 18, 293), Bartsch (s. 9) und Stosch (s. 201. 145). Leber 
die unbegründeten änderungen, welche Bartsch an dem über- 
lieferten Wortlaut vorgenommen hat, handle ich spätei'. Die 
Strophe wird uns weiterhin für wichtige Schlussfolgerungen 
als unterläge zu dienen haben. 

Das Zwiegespräch zwischen Schionatulander und Gamuret, 
in dem jener dem älteren freunde seine liebe zu Sigunen ge- 
steht, ist im j. Tit. nach str. 106 des \\'olframschen textes 
durch die str. *85 und *86 (751 und 752) erweitert worden: eine 
lialbmonologi.sche aitostropheSchionatulanders an Signum nimmt 
das gleichnis vom Salamander im berge Agremontin aus sir. 121,1 
vorweg; Gamurets ermahnungen, hoffnungsvoll in die zukunft 
zu blicken, sind im verlauf des gespiächs schon nicht mehr 
neu. Beide Strophen sind von Barisch (s. 10) mit recht ver- 
worfen worden, was dadurch bestätigt wird, da.'is die hs. .M 
sie nicht enthält. 

Diesen sicheren füiirer hab«'n wir nun im folgenden Jiicht 
mehr zur seite. Zwei zusatzstrophen weist gleich wider die 
gewaltige, monologisch gedaclite liebesklage Sipunens auf. *97 
(763) nach str. 116 und no2 (768) nach str. 120 des allen ge- 
dichts. Lachmann (.s. xxix) hielt sie beide für echt, Bartsch 



104 LEITZMANN 

(s. 10) nennt die erste sogar 'unzweifelhaft wie wenige echt'; 
Stosch dagegen (s. 202) verwirft beide, obwol sie 'manches 
verlockende haben'. Str.*97 (763) lautet (nach A'D'B2C2I)2H): 

Ez wart M mer geworfen nie üz kocken noch üz kiele 

ein anker also swgere, der ie ze tal durch wäc so tiefe geviele, 

also min herze in jämer ist versenket. 

ez nert ein klein gedinge, daz ez vor tode alsam ein hase wenket. 

Dass das erste lang ausgeführte bild für den ersten augenschein 
etwas bestechendes hat, ist nicht zu leugnen; man begreift 
daher Bartschs uneingeschränkte anerkennung sehr gut, zumal 
wenn man bedenkt, von wie starkem gewicht für ihn formelle 
kriterien des metrums sind; hier sieht er durch den verdäch- 
tigen männlichen caesurreim die ungereimten weiblichen aus- 
gänge noch klar erkennbar durchscheinen. Stoschs gegen- 
beweise allerdings bringen die frage um keinen schritt weiter. 
Die Überlieferung in G biete keine 'lücken': das tut sie auch 
sonst nirgends und niemand wäre im stände, die echten plus- 
strophen aus M oder auch aus H durch etwaige 'lücken' in 
G als notwendig zu erweisen. Dass durch eine stelle, wo die 
metaphern sich drängen, einem interpolator die Versuchung, das 
original zu überbieten, besonders stark nahegelegt werde, 
könnte uns schon eher mistrauisch machen, aber dies argument 
ist doch zu allgemein gehalten, um durchzuschlagen. Aber 
noch mehr: die beiden Strophen treffen nicht 'den innersten 
ideengang des ersten dichters', sind nicht 'aus einem gusse 
mit den übrigen gesetzen', da Sigune in str. 116 — 119 die grosse 
ihrer liebesqual 'nach den Symptomen, nach der Wirkung' be- 
schreibt, str. *97 dagegen 'nicht eine äusserung, sondern einen 
vergleich dieser unbegrenzten Sehnsucht' bringt! Das ist die- 
selbe schematische betrachtungsweise, dieselbe Vergewaltigung 
einer dichterpersönlichkeit durch eine blutleere logik, wie wir 
sie auf dem gebiete der sog. höheren kritik immer und überall 
bei dem versuche, Interpolationen nachzuweisen, widerfinden. 
Trotz alledem aber dürfte die Strophe unecht sein, und zwar 
aus dem gründe, weil die Wolframianismen zu aufdringlich 
sind. Wollten wir auch Wolfram das an sich wirkungsvolle 
bild von dem ins meer geworfenen anker, der in ungemessene 
tiefen gleitet (vgl. aber j. Tit. 1872, 2), trotz des verdächtigen 
anklangs an Parz. 461, 13 hmde gotes Jcraft mit helfe sin, was 



UNTERSUCHUNO KN UKBKK VVOLFUAMS TITUKKr,. I O.j 

(inlcrs ira'fc diu rrvuäc min! diu siulut dunli dt r riuiiv i/ru)il 
wiiklicli zutrauen, so bringt doch di«- vierte zeile di«« ganzn 
stroplie zu falle, da sie Parz. 1, 18 uandc rz hau vor in ninhin 
rehte alsani ein schellec hasc einfach ausschreibt. Auch s(»nst 
hat der nachahnier liie und da gute vergleiche aufzuweisen 
(vgl. Borchling s. 156), und so werden wir ilini auch d»'n vor- 
liegenden zuschreiben; dass er damit eine WOlfranischc vdr- 
stellungsweise adoptierte (vgl. Ludwig, Der bildl. ausdr. b. WOlfi. 
V. Esch. s. 42), entspricht ganz seiner art. 
Str.*102 (768) lautet (nach BH:^). 

Öwe, swenne ich entsläfeu bin, so kumt er mir vil <U( ke 
und ich erwaclie (er ist dähiu) der vil süczi'U ininiKMliclu'ii 
so wirt aber erniiuvet min altez trnren. |s<:hrirke: 

man mölite uf min vlinsliche sorge wol vür stnrme ein l)nri' niüren. 

Bartschs argumeute (s. 11) sind hier genau die gleichen wie 
bei der eben besprochenen strophe: das "kühne bild' der vierten 
zeile, die zugleich stumpfen caesurreim und einige ausgela.s.^en»* 
Senkungen aufweist, und der umstand, dass er die urform der 
beiden ersten Zeilen durch die angeflickten caesurreime durch- 
scheinen .sieht, entscheiden ihm die echtheit. Auch Stoschs 
gegenbeweis (s. 203) gleitet in gewohntem fahrwasser: die 
Strophe "unterbricht den Zusammenhang oder schwächt doch 
die Wirkung'; zudem würde sie mit den vorhergehenden "nicht 
harmonieren', weil Sigune doi-t "in activer, nicht wie hier in 
passiver weise ihre Sehnsucht zu erkennen gibt'I "Ich glaube 
nicht, dass ein und derselbe dichter die Symmetrie der dar- 
stelhmg so verletzen konnte!' Auch liier dürten wir wnl be- 
scheiden darauf hinweisen, dass die phantasie eines dichters 
nicht mit der pedantischen genauigkeit eini'r nähma.<chine 
arbeitet. Meines erachtens ist auch für die.se strophe die 
schlus.szeile verhängnisvoll: die bürg als bild der festigkeit 
und der rlins als bild der härte und unwiderstehlichkeil sind 
Wolfram durchaus geläutig (vgl. Parz. :W.\ :.. ti7H. 20. Willeh. 
12, IG. 76, 7. Lied. 9, 32), aber das bild von einer auf iÜe stein- 
harte sorge gemauerten bürg, die dem stürme trotz bietet, 
scheint mir doch für ihn zu gewagt und entspri«"ht ganz der 
weise des nachahmers, der "die ihm überlieferten bilder nach 
der einen oder der andern .M'ite, meistens zum nachteil des 
dichterischen wertes' weiter auszuführen pflegt (Borchling 



106 LEITZMANN 

s. 156) und das gleiclinis vom vlins besonders liebt (vgl. noch 
1002, 4. 2046, 2. 2333, 4. 3765, 3. 5057, 2. 5259, 2. 5412, 4). Er- 
ivachm mit dem genetiv ist zwar nach den Wörterbüchern 
nicht unerhört, aber doch bei Wolfram sonst nicht belegt; 
auch schrie in dieser Verwendung kennt er nicht, während es 
dem nachdichter geläufig ist (vgl. 381, 2. 505,2.4. 1752,2. 
2534, 4. 2644, 4. 2877, 1. 4369, 2. 4894, 2. 5019, 2. 5253, 2. 
5387, 2. 5558, 1. 5773, 4. 5948, 3. 6023, 3). Nach alledem 
werden wir auch diese Strophe dem alten Titurel absprechen 
müssen. 

AVenn wir uns nun zum zweiten abschnitt der älteren 
dichtung wenden, um auch hier die zusatzstrophen der jüngeren 
Überlieferung zu prüfen, so ist uns hier unsere aufgäbe wesent- 
lich vereinfacht. Da von den neun in betracht kommenden 
Strophen nur eine einzige bisher für Wolfram in anspruch ge- 
nommen worden ist, die unechtheit der übrigen aber deutlich 
zu tage liegt, so dürfen wir auch unsere nachprüf ung auf 
diese eine strophe beschränken. Es ist das str. 1151, die bei 
Lachmann in den lesarten fehlt. Nachdem in str. 138 voraus- 
deutend bemerkt ist, wie verhängnisvoll der bracke mit dem 
kostbaren halsband, den Schionatulander soeben eingefangen 
hat und auf den armen zu Sigunen trägt, in das Schicksal 
des Jünglings eingreifen wird, unterbricht den ruhigen f ort- 
gang der erzähl ung folgender bericht (nach AiB^D'; in den 
andern beiden klassen B-^C^D^ und H fehlt die strophe, vgl. 
Stosch s. 148): 

Der bracke was liarmblauc gevar, eiu klein vor an der stirne, 
diu oren lanc, rot sam sin liär, ze rehte gemület und mit breitem 
nach brackeu wis geedelt und geleret; [hirne, 

daz wilt, daz er da jagete, mit guldiner sträle was ez geseret. 

Der gedanke an die mögliche echtheit dieser beschreibung des 
bracken kam Lachmann offenbar überhaupt nicht, denn sonst 
hätte er sie wol nicht von seinen lesarten ausgeschlossen, wo 
er sonst alle zusätze der Jüngeren dichtung sorgsam verzeichnet. 
Bartsch hielt sie (s. 12) zwar nicht unbedenklich für echt wegen 
des männlichen caesurreims und der Wolframisch klingenden 
bildung (jemület, hat sie aber später in seine ausgäbe von 
AVolframs Titurel mit aufgenommen. Stoschs gegenargumenten 
(s. 206 und besonders s. 148) kann man in allen einzelheiten 



ÜNTERSÜCHUNGKN UEBER WOLFRAMS TITUREL. 107 

nur zustimmen: die Spannung der an dieser stelle gerade rasdi 
weitersclireitenden erzälilung wird durch eine beschreibung der 
äusseren ersclieinung des bracken, der für Wolfram weit wt'nijrer 
wichtig ist als sein seil, an einer sehr unpassenden stelle unter- 
brochen, und, was noch bedeutungsvoller ist, die Strophe steht 
nur in einer der drei hss.-klassen, während die beiden andern 
eine ähnlichen Inhalts an späterer stelle (zwischen 14;{2 und 
1433) bringen, wo sie wahrscheinlicher ihren platz gehabt haben 
dürfte; sicher war dieser umstand auch für T.achmann bereits 
ausschlaggebend. Dem gegenüber ist das (jcmüht, bei dem sich 
übrigens Bartsch statt an gelmnäet Tit. 142, 2 eher an genaset 
als ein hunt Parz. 313, 21 hätte erinnern sollen, eine belanglose 
kleinigkeit, zumal derartige verbalbildungen bei dem jüngeren 
dichter beliebt sind (vgl. Borchling s. 132). 

Ich fasse das ergebnis der bisherigen betrachtungen noch 
einmal in kürze zusammen. Ausser den durch die hs. M 
bestätigten strr. *56 — *o9 und *01 ist kein einziger der 
Zusätze, die wir im j. Tit. finden, der alten dichtung 
Wolframs zuzuschreiben. Die von Bartsch vorgebrachten 
argumente, formelle wie inhaltliche, beruhen sammt und sonders 
auf einer zu sporadischen und nirgends tiefer gehenden kenntnis 
der literarischen persönlichkeit des nadiahmers: manches was 
ihm für echt Wolframisch galt, forderte uns gerade am stärksten 
zum mistranen auf. Bartsch bekundet weiterhin damit ein so 
geringes mass von Verständnis für die eigenart ^^'olfranls selbst 
und ein so wenig fein ausgebildetes Stilgefühl, dass wir seinen 
weiteren kritisch -chorizontischen Unternehmungen am j. Tit. 
von vornherein sehr skeptisch gegenübei-stehen werden. 

Wir wenden uns zu den bei<h'n neuen bruchstücken des 
Tit., die Bartsch innerhalb des conte.xtes der jüngeren ül>er- 
lieferung zu erkennen glaubte. Seine ansichten linden sich 
in der zweiten hälfte seiner schon mehrfach citierlen abhand- 
lung ((Term. 13, 13). Nur mit ihnen haben wir es im folgenden 
zu tun, wenn wir seine für die echtheit vorgebra«-hten aryru- 
mente zu entkräften und die ganze hypothe.se als unhaltbar 
zu erweisen vei-suchen, nicht mit der von ilini versuchten 
herstellung des textes in ihren einzelheiten. wie er sie an 
derselben stelle un«l später in seiner ausgäbe der Wolframs^-heu 



108 LEITZMANN 

gralepeii vorgelegt hat. Diese reconstruction des von ihm 
vorausgesetzten Originaltextes wäre besser als dichtung Bartschs 
zu bezeichnen und ist durchaus wertlos : dass er diese von ihm 
zurechtgemachten Strophen für Wolframisch oder auch nur 
annähernd Wolframisch halten konnte, beweist nur, wie me- 
chanisch ihm seine auch an andern denkmälern mit gleich 
geringem erfolg geübte, von ihm selbst offenbar sehr hoch- 
gehaltene reconstructionsmethode verlorener älterer fassungen 
geworden war, und wie sehr es ihm trotz seiner grossen 
belesenheit an sicherem gefühl für stilistische Individualitäten 
selbst bei einer so leicht fassbaren eigenart, wie sie uns in 
Wolframs werken entgegentritt, gebrach. Merkwürdig ist die 
tatsache, dass Bartsch auch durch das nach erscheinen seiner 
ausgäbe des Albrecht von Halberstadt aufgefundene echte 
bruchstück der Metamorphosen sich nicht zu grösserer vorsieht 
und Zurückhaltung in derlei experimenten bewogen fühlte, da 
ihm doch die Unfruchtbarkeit seiner methode an diesem bei- 
spiel so grell als möglich vor äugen geführt wurde. Zugegeben 
selbst, dass man das frühere Vorhandensein weiterer AVolfram- 
scher Titurelbruchstücke nachweisen könnte, wäre man doch 
sicherlich gezwungen, auf eine widergewinnung derselben aus 
der jüngeren dichtung zu verzichten: denn, wie Stosch (s. 196 
anm.) mit recht bemerkt hat, wer von uns würde im stände 
sein, die ersten 13 Strophen von Wolframs gedieht aus dem 
j. Tit. zu i'econstruieren? Und wenn auch später der nachahmer 
sich fast schritt für schritt an sein grosses vorbild anschliesst, 
wer könnte uns dafür bürge sein, dass er eine solche gewalt- 
same zerStückelung nicht doch an einer späteren stelle wider- 
holt haben könnte? Sind doch jene anfangsstrophen des Ori- 
ginals in dem werke des epigonen im wahrsten sinne des 
Wortes disjecti memhra poetae (Docen s. 21)! 

Bartsch war nicht der erste, der Wolframs geist und aus- 
drucksweise aus einzelnen stellen der jüngeren dichtung heraus- 
zuhören glaubte. Ohne es zu wissen, hatte er einen Vorgänger 
an J, Grimm, der in der oben erwähnten recension (s. 118) 
bemerkt: 'vielen der übrigen Strophen, z. b. den herrlichen in 
Sigunens klage, hat notwendig derselbe echte grund unter- 
gelegen, und alle sie tragen das zerarbeitete und zerstörte, 
vornehmlich in den zwei ersten zeilen an sich, welches durch 



UNTERSUCIIUNOEN UEBKR Wf)l,FUAM«< TITL'KEL. 1(>0 

die Umarbeitung- so einleuclitend erklärt wird iind an sich 
durcliaus nicht in der beschaffenlieit der siebenzeiligen vei-sart 
liegen kann.' (irimm hat hier die mit str. 5058 einsetziMidt^ 
partie (vgl. Borchling s. 84) im äuge, hat sicli aber auf rin»' 
nähere auseinandersetzung und begründung seiner ansieht nicht 
eingelassen. Die frage positiv anzufassen und. wie er weni^»-- 
stens glaubte, mit streng philulugischem rüstzeug, hat ei-st 
Bartsch unternommen. Zwischen Wolframs ersten und zweiten 
abschnitt schiebt er ein fragment ein. dem er die Überschrift 
'Gamurets tod' gegeben hat. Es umfasst str. 923— *J55 des 
j. Tit.: Str. 932 und 939 scheidet er aus, weil in ihnen die 'geist- 
liche richtung des jüngeren dichters' deutlich zu worte konnne. 
Str. 948 dagegen aus dem rein äusserlichen gründe (s. 20), weil 
er 'den inneren reim nicht zu beseitigen' wisse. Hinter W'oK- 
rams zweiten abschnitt stellt er ein weiteres fragment mit 
dem titel: T)er abschied': dieses besteht aus str. 1234— 12t) 1 
des j. Tit., wobei nach str. 1237 nach der autorität eines \\iener 
fragments (bei Zarncke no. 34) str. 1192 eingefügt ist. Auf 
diese weise erscheint bei ihm der echte Titurel um 02 sti-ophen, 
also um fast ein drittel des bisherigen umfangs, vermehrt. I)ie 
forscliung hat sich dieser bereicherung des A\'ulfiamtextes 
gegenüber fast durchgängig recht lau verhalten: nur von einer 
Seite ist, wenn ich nichts übersehen habe, bedingungslose Zu- 
stimmung ausgesi)rochen worden. Dass die neueren auHagen 
der literaturgeschichten von (lervinus und Koberstein diese 
hypothese als bewiesene tatsache aufführen, kann nicht wunder 
nehmen, da Bartsch bei jenem werke als bestimmender rai- 
geber, bei diesem als selbständiger bearbeiter beteiligt war. 
Einen zweifei an der rieht igkeit der argumentation von Bart-sh 
liaben nur 8tosch (s. 195 anm.) und .San Marie (Zs. fdph. 15, 391) 
geäussert, beide jedo(di (dme sich bis zu beherzterem Wider- 
spruch oder offener negation zu wagen: der letztere gibt nui 
einigen bedenken ausdruck, da er aiu-h in von Bartsch un- 
beanstandet aufgenommenen Strophen *des .salbungsvollen prie- 
sters .Sprache', also unwolframische töne zu vernehmen meint; 
dass der erstere in einer doch als ab.schlies.seiul gedachten 
Untersuchung über den älteren Tit. gar nicht daran denkt, da.«* 
pioblem fest ins äuge zu fa.ssen, ist beinahe unbegififlich. 
,AIit der zusatzerklärung, dass ich ihn sonst nirgends ern.Nt 



110 LEITZMANN 

nehme, darf ich hier wol auch erwähnen, dass Domanig (Par- 
zivalstiid, 1, 5, anm. 1) kurz und klar sein mistrauen bekennt, 
indem er meint, dass Bartsch den Titureltext ' wol freilich mit 
mehr Zuversicht als gründen' bereichert habe. Diesen mehr 
oder weniger sicheren stimmen des z weif eis gegenüber (vgl. 
auch Bötticher, Die Wolframlit. s. 9) hält allein Hamburger in 
seiner abhandlung über den dichter des j. Tit. (Zs, fdph. 21, 418) 
Bartschs fragmente ^als unwiderleglich echt Wolframisch er- 
wiesen'; bei dieser festen formulierung seines beifalls begreifen 
wir es, dass ihm Bartschs metrische argumente 'durchschlagende 
gründe' scheinen und dass er sogar versucht mit diesen 'objec- 
tiven kennzeichen' ausgerüstet einen eroberungszug in bisher 
unberührte teile der jüngeren dichtung zu unternehmen, auf 
welchen schwankenden boden wir ihn zu begleiten ablehnen 
müssen. Eine nachprüf ung der auf Stellungen Bartschs ist von 
keinem der genannten forscher auch nur im mindesten ver- 
sucht worden. So steht denn noch Vogt, der letzte wissenschaft- 
liche bearbeiter der mittelhochdeutschen literaturgeschicbte, 
der so bedeutungsvollen frage mit einem kühl referierenden 
non liquet gegenüber (vgl. Pauls Grundr. 2\ 1, 282). 

Es ist zunächst unsere aufgäbe, die be weisgründe, die 
Bartsch zur stütze seiner chorizontischen thesen aufführt, 
etwas genauer ins äuge zu fassen. Es sind dieselben beobach- 
tungen, die auch bei der betrachtung der früher behandelten 
einzelnen Strophen sein urteil in erster linie bestimmt haben, 
beobachtungen , die sich auf die rein formelle seile, speciell 
auf die metrik des gedichtes beziehen. Ich habe ihnen früher 
bei der frage nacli der echtheit einzelner Strophen keine nähere 
beachtung geschenkt und nur im allgemeinen auf die mislich- 
keit derartiger argumente bei ungenügender empirischer 
Statistik hingewiesen, weil sie eigentlich erst für das uns 
jetzt beschäftigende problem von erheblicherer Wichtigkeit 
sind. Womit beweist nun Bartsch die echtheit seiner beiden 
neuen bruchstücke? Man sollte meinen, er hätte vor allem 
andern versuchen müssen nachzuweisen, dass stil und aus- 
drucksweise, composition und Charakteristik, mit einem worte 
die individuelle dichterische eigenart in jenen abschnitten 
sich erheblich und durchgängig von der sonstigen dichtweise 
des jüngeren epigonen, zu deren genauerer Charakterisierung 



UNTERSUCHUNGEN UEBER WOLFRAMS TITUREL. 1 1 1 

uns ja in seinem endlosen niaeliwerk ein reielies niatnial vor- 
liegt, unteisclieidet. nnd dass diese eif^enart sich mit der Wolf- 
rams deckt, dessen dicliterisehe und stilistische individiialität 
man mit vollem recht immer für eine durch ilii-e schroffe und 
scharfkantige form unschwer erkennbare gehalten hat. In 
zweiter Instanz mochten ja immeihin beobachtungen icin 
formeller natur als erwünschte bestätigungen die so gewonnene 
these fester begründen helfen. Aber genau das umgekehrte 
begegnet uns in der abhandlung Bartschs. Für jenen nacli- 
weis rührt er keine band, er begnügt sich vielmehr mit mageren 
bemerkungen: 'gerade in dieser strophenreihe finde ich einen 
andern dichterischen geist, als sonst im j. Tit. weht' heisst es 
(s. 14) von 'Gamurets tod', 'dass gerade diese Situation Wolfram 
sich auswählte und bearbeitete, wird, wer seine art kennt, 
nicht auffallend finden' (s. 37) vom 'Abschied'. Im Vorder- 
gründe der beweisführung stehen zwei an sich sehr heikle 
formelle beobachtungen, und zwar so aufdringlich, dass die 
beiden eben citierten sätze über den poetischen Charakter der 
brachst ücke sich nur ungefähr wie lichter ausnehmen, die ein 
maier ohne innere anteilnahme einem fertigen bilde nachträg- 
lich aufsetzt. Ps3'chologisch beruht dieser merkwürdige tat- 
bestand, Avie ich schon oben erwähnte, auf dem ausgesinorheuen 
mangel, den Bartschs philologische begabung nach der seite 
des Stilgefühls hin aufweist, und auf einei- mechanisierung der 
untersnchungsniethode, wie wir sie in .seinen textkritischen 
arbeiten schrittweise verfolgen können. 

Doch es ist an der zeit, die kriterieii selbst nähei- /u 
betrachten. Die eine beobachtung Bartschs hat es mit dein 
geschlechtschaiakter der caesuren in der Titurelstiophe zu 
tun. Bei ^^'olfram besteht die strophe aus drei je durch eine 
caesur in zwei hälften gespaltenen langzeilen von differeiitem 
umfang und einer kuizzeile mit feststehender hebungszahl. 
Die leimstellen haben duirhgängig weiblichen ausgang. in den 
caesuren dagegen wechseln weibliche au.sgänge mit männli<heii. 
Der jüngere dichter, der im ei-sten und zweiten vei-se der 
•Strophe den weiblichen caesurieim (d)li^Mtorisch einführt, ge- 
winnt dadurch also drei klingende reinipaare; die.seni über- 
wiegenden gel)]auch weiblicher ausnrän?e füg-t sich dann auch 
die caesui' der vieilen zeile. so da.ss die typi.s<ln' form der 



112 LEITZMANN 

Strophe bei dem jüngeren dichter an allen sieben in betracht 
kommenden stellen klingenden ausgang zeigt. Bartsch hat 
nun richtig beobachtet, dass der nachdichter in einer grossen 
zahl von fällen die stumpfen caesurausgänge beibehielt, wo 
er sie im originale bereits vorfand; aus dieser tatsache zieht 
er dann den rückschluss, dass überall da wo sich stumpfe 
caesuren in erheblicherer zahl finden, echte Wolframsche 
Strophen zu gründe gelegen haben müssen. Wäre die regel, 
dass der jüngere dichter überall klingende ausgänge bevorzugt, 
stumpfe dagegen meidet, ausnahmslos, so wäre gegen diese 
Schlussfolgerung nichts einzuwenden. Nun ist aber, wie die 
Statistik zeigt, jene alleinherschaft der klingenden ausgänge 
nur in der tendenz, in dem idealtypus der Strophe vorhanden, 
während in Wirklichkeit stumpfe ausgänge in allen drei caesur- 
stellen durch den ganzen j. Tit. hindurch mehrfach vorkommen, 
wenn sie auch, je weiter das werk vorschreitet, desto seltener 
werden. Angesichts dieser tatsache zeigt sich also in Bartsch« 
argumentation ein logischer fehler. Die resultate einer früher 
von mir angelegten Statistik der stumpfen caesuren hier vor- 
zulegen bin ich durch Borchlings genaue angaben über diesen 
punkt (s. 112, anm. 1. 2. 113, anm. 1) überhoben. Aus einer er- 
wägung dieser Verhältnisse ergibt sich, dass Bartsch zu keiner 
richtigen ansieht der dinge gelangt ist. Während der dichter 
des j. Tit. an dem ersten viertel seines Werkes arbeitete, hat 
er, auch abgesehen davon, dass er Wolframs männliche caesur- 
ausgänge aus bequemlichkeit beibehielt, seinerseits den be- 
wussten verzieht auf diese art von ausgängen noch gar nicht 
in der schärfe sich als gesetz vorgehalten, zu der er beim 
fortschritt der arbeit gelangte, ohne doch je ganz sich von 
ihnen freihalten zu können. Diese, wenn ich es so nennen 
darf, entwicklungskrankheit seiner verstechnik kann jedenfalls, 
wenn man dem bisher gesagten beitritt, für unser problem von 
gar keiner bedeutung sein. 

Die andere formelle beobachtung Bartschs erweist sich 
noch weniger brauchbar; sie betrifft die häufige ab weichung 
der lesarten in den caesuren der beiden ersten verse. Er 
constatiert, dass zuweilen die beiden hss.-klassen von einander 
abweichende innere reime aufweisen, und fährt fort (s. 22): 'das 
lässt sich nur so erklären, dass die gemeinsame grundlage 



UNTERSUCnUNGEN UEBER \VOF,FUAMS 'UTI'REL. 11^. 

beider klassen in den betreffenden Strophen überhaupt noch 
keine gereimten caesuren liatte.' Da nun dei-ai'ti<?e differtrnzen 
in den caesurreimen auch bei siclier ecliten Strophen be/,^egnen 
und die originalgestalt des j. Tit., die den uns bekannten be- 
arbeitung-en vorausliegt, die alten Strophen Wolframs noch in 
metrisch unbearbeiteter form beliess (vgl. schon Lachniann 
s. xxix), so schliesst Bartsch 'allein schon' aus der 'analogit- 
der tatsachen', dass alle Strophen mit al)\veichenden inneren 
reimen echt sein müssen. Hier liegt nun der logische fehler 
der Schlussfolgerung noch deutlicher vor äugen als oben bei 
den stumpfen ausgängen: das ausschliessende 'nur' in dem 
oben citierten satze ist vollkommen unberechtigt. Bart.sch 
übersieht vollständig, dass auch andere als rein metrische 
motive für die änderung der lesart in dieser oder jener hss.- 
klasse massgebend gewesen sein können, und dass eine ände- 
rung nicht von der reimstelle ausgegangen zu sein braucht, 
wenn sie auch die reimworte in mitleidenschaft zieht. Genau 
demselben trugschluss begegnen wir in Bartschs wenige jähre 
früher abgeschlossenen Untersuchungen über die vermeintliche 
urgestalt des Nibelungenliedes: auch dort werden abweichende 
lesarten verschiedener hss., die auch die reime berühren, durch 
ihre blosse existenz beweisgrüude für das Vorhandensein von 
älteren assonanzen. Die factischen Verhältnisse sind hi»M' wie 
dort ganz analog und legen auch ähnliche erklärungen nahe; 
mit vollem recht hat daher Paul in seiner eing»^h(*nden kritik 
der assonanzentheorie (Beiti*. o, 304) die Unrichtigkeit der er- 
klärung Bartschs durch beispiele aus dem j. Tit. nachgewiesen. 
Erst eine kritische ausgäbe des j. Tit. kann lehren, wie häufig 
die vielgestaltige Überlieferung des Werkes uns diese merk- 
würdigen abweichungen der inneren reime darbietet, und .sache 
des herausgebers wird es sein, die geschichte des textes so 
darzustellen, dass sie uns in ihren motiven begieillidi werden. 
Dass sie häutig sind, ersieht niaii .schon aus den von l'aul 
nach Zarnckes collationeu mitgeteilten fällen, die aus den 
letzten 270 Strophen entnomnu'n sind; bestätigt wird es aucli 
durch die von mir collationierte partie des texten. Da es un- 
verhältnismässigen räum beanspiuchen würde, diese l^'tzteren 
.stellen hier aufzufühien, so verwei.su ich lieber auf Zarncke.s 
kritischen text des (-Jraltemi»els, de.sseii apparat die ab- 
Beiträge zur geschichte Ucr deutschen «pniche. XXVI. Q 



111 LEITZMANN 

weicliimg-en der lesarten vollständig' überselien lässt. Die 
dort vorkommenden fälle (10,1. 13,2. 16,1. 28,1. 29,1. 36,1. 
69, 1) und die von Paul citierten sind Innreicliend, um nach- 
zuweisen, dass Bartschs schlussfolgerung- irrig ist, und dass 
differenzen in den inneren reimen als kriterium der echtheit 
der betreffenden Strophen nicht verwertbar sind. 

Die formellen beweisg'ründe, die Bartsch als stützen seiner 
construction verlorener Titurelbruclistücke aufgeführt hat, 
haben, wie sich aus den bisherigen betrachtung-en ergibt, 
einer kiitischen prüfung nicht standgehalten. Nebenher und 
ganz ohne nähere ausführung wairde von Bartsch noch be- 
merkt, dass er in diesen partien der dichtung den geist Wolf- 
rams, seine art und knust verspüre. Der umstand, dass auf 
diesen wichtigsten punkt einer normalen beweisführung so 
gar nicht näher eingegangen wird, deutet handgreiflich darauf 
hin, dass nicht hier, sondern in dem metrischen calcul und nur 
dort der psychologische grund liegt, auf dem die ganze hypo- 
these erw^achsen ist. Wie es aber mit diesem AVolfi'amschen 
geiste steht, das wird aus den betrachtungen deutlich werden, 
durch die ich im folgenden die unechtheit beider abschnitte 
darzutun hoffe. 

Eichten wir unsere aufmerksamkeit zunächst auf 'Gamu- 
rets tod'. Nach Bartschs muster beginne ich mit der äusseren 
form und zwar mit der reimtechnik; ich lasse dabei die caesur- 
reime, da sie ja erst vom bearbeiter eingeführt sind, ganz 
ausser berücksichtigung. Durch die Untersuchungen von 
Kraus und Zwierzina über den reimgebrauch unserer mittel- 
alterlichen klassischen epiker ist neuerdings mit erfolg die 
aufmerksamkeit auf diese sprach- wie literarhistorisch wichtige 
Seite ihrer poetischen technik gelenkt worden. Damit ist eine 
betrachtungsweise glücklich eröffnet worden, die, mit nüch- 
terner vorsieht angewant, der forschung hoffentlich nie mehr 
abhanden kommen wird. In den arbeiten jener beiden ge- 
lehrten sind nun aucli für Wolframs reimgebrauch eine anzahl 
von sprachlichen und stilistischen tatsachen nachgewiesen 
worden, die für die vorliegende frage von bedeutung sind. 
Dass reimtechnische beobachtungen für echtheitsfragen mit 
glück verwertbar sind, zeigt Kraus' arbeit über das zweite 
büchlein, das nun w^ol niemand mehr ernstlich Hartmann von 



ÜNTKKSUCHr\OE\ VF.nKU WoMKAMS llirUKI,. 11', 

Aue zusi'liivibfii wild. I'riit'eii wir (jcii rt'iiii<,'fl<iiiii(li in 'Ha- 
inurets tod' mit den für WOiriiim auf f,Mim(l vollstänüiger 
Statistik gewonnenen reiniteclmisclien <re|»tl«){renlieiten. ><» he- 
geo:iien wir einei- reihe von bindinif^nMi. die hei WoJtVain uii- 
inii<,'-Ii(li sind. \\'()lfram reimt rückunijifehiutete praeieritale 
indicative wie hnsd; lit.^fr stets nur mit einander, andrei-seits 
unigelautete casusformen wie brüsti\ rlüstr, ähiistr f^h-ichfalls 
nur mit einander, so dass durcli die strenge .scheiduii}^ das 
vorliandensein des unihiuts für die letzteren furmen gesicliert 
ist (Krau.s, Ahhh. z. /^ei-m. phil. .s. 127): 012. 1 finden wir den arr. 
\)\. Innste auf den ind. husk- gereimt. Heim typus nnijtiu) 
reimt Wolfram die umlautsfähigen conjunctivfornien .starker 
verba der dritten klasse nur unter einander, nie etwa mit 
jioufc, samenunijc oder ähnlichen Worten, die widerum unter 
sich eine reimende gruppe bilden, wonach es nicht zweifelhaft 
sein kann, dass er jene conjunctive umlautete (Kraus s. 120): 
047, 1 steht der conj. rüuiic mit jnnm' gebunden. Schon Her- 
uumn Fischer (Z. gesch. d. mhd. s.68; vgl. auch ^^'rede, Anz. fda. 
10.2^7 und Zwierzina. Aldih. z. germ. phil. s. 471) hat gezeigt, 
dass Wolfram die contraction seit^ scitv < arnjct, suyetc nicht 
kannte und im reime niemals anwendet: 954,3 zeigt cntseite 
< entstiffctc im reim auf leite 'leitung'. Nicht Wolframisch 
ist ferner die bindung zieh {-- zichje) : amie 020,3: er kennt 
das wort 'zweig' nur mit auslautendem guttural; vgl. stclc : wie 
Parz. 57, 9, zivic : stic 120, 13 und erzu'uiet : stUjel Tit. 10.3, 1. 
Schwache flexion bei nachgestelltem posse.ssivum verwendet 
\\"olfram sehr .selten im reim (Kraus s. 135), während sie dem 
jüngeren dichter bei seinem streben nach klingenden au.»m:i4ngen 
naturgemäss nahe lag (Horchlinc: s. 113, anm. 2 hat die formen 
i»iclit richtig beurteilt): OlS, ;; reimt die (jähe sim auf Aekrrine. 
Endlich ist ein rühiender reim von der art Aiischotare : schouice 
041.1 bei ^^'olflanl niigends b»degt: er reimt den namen von 
tiamurets stammland neunmal auf noutee (Schulz. Keiinreg. 
s. 0«>). Im ganzen enthalten also die 30 Strophen von Mtamu- 
rets tod' sechs reime, die mit \\'tdfranis sonst ganz conse<iuenter 
reimtechnik unvereinbar sind. 

Auch was die Wortwahl anbetrifft, unterscheidet sich 
Miamurets tod' merklich von Wolframs echten werken. Wenn 
mir nichts entgangen ist, sind folgend.- wuit.- und wenduni'. ii 

tr 



116 LEITZMANN 

AVolfram unbekannt, während sie in dem briiclistück begegnen 
(ich lasse wider, was in den caesurreimen steht, ausser be- 
tracht, wodurch die liste beträchtlich vermehrt werden könnte) : 
gescJiefte 923, 4 (das wort ist wol hier im juristisch-technischen 
sinne als 'letztwillige Verfügung, testament' zu fassen, wofür 
Lexer 1,897 reiche belege aus prosaquellen gibt); sich sloufen 
bildlich 'sich eindrängen' 929,2 (die belege der Wörterbücher 
entstammen sämmtlich jüngeren quellen; auch sliefen hat Wolf- 
ram nicht reflexiv; es war wol Parz. 28, 12 und Tit. 69, 1 bei 
der obigen Wendung dem nachahmer im sinne); vor valsche gar 
sclioene 933, 4 (so haben alle hss. statt von bei Halm; die sonder- 
bare Wendung ist nach den bei Borchling s. 158 besprochenen 
gebildet); genende 'person' 935, 1 (die grammatik verlangt hier 
genenden : wenden, wie nur in D' überliefert ist); rosenvanve 
942, 4 und rösenUüete 947, 4 (diesen trivialen vergleich kennt 
Wolfram nicht, trotzdem er das bild der tauigen rose oder der 
sich eben erschliessenden knospe sehr liebt; vgl. Ludwig, Der 
bildl. ausdr. b. Wolfr. s. 17); diner vreuden Spiegel bildlich für 
Gamuret943, 4 (das bild ist sehr selten und, wie es scheint, 
nur aus Mariengr.397 und MSF. 168, 12 belegt; auch das banale 
gleichnis vom Spiegelglas, das Meier zu Jol. 148 aus der lite- 
ratur der epigonen reichlich belegt, hat Wolfram nur zweimal 
im Willehalm, worüber Zwierzina s. 462 zu vergleichen ist; 
etwas seitab steht doch Parz. 692, 13); drum 'splitter' 951,2 
(Wolfram kennt das wort nur in der bedeutung 'ende', für 
'Splitter' braucht er sprize und trimmm); entrennen 'zerhauen' 
952,1 (ebenso 1341,2. 4953,2; Wolfram kennt wwy zertrennen, 
worüber ich im letzten capitel zu 41, 2 handle; auch bei dem 
jüngeren dichter ist dieses compositum beliebter); in starke 
jämers snite Meiden 953, 4 (für dieses seltsame und geschmack- 
lose bild weiss ich keinen weiteren beleg, doch vgl. Borchling 
s. 160); leite 'leitung' 954,3 (hier liegt eine freie Weiterbildung 
eines Wolframschen bildes vor, deren Varianten Borchling s. 165 
zusammenstellt); söte 'aufwallen' 955, 1 (ähnlich 5058,2, 5864,2); 
gelcete 'gewicht' 955, 4 (die verderbte zeile lautet nach B'^ diu 
tüäge stner krefte und stner jugent viel nähen gen tödes gelcete). 
Durch Borchlings Zusammenstellungen ist uns zum ersten 
male recht deutlich vor äugen getreten, wie der dichter des 
j. Tit. in Charakteren, motiven, bildern, subjectiven und humo- 



ÜNTERSUCHUNGKN UKBKU \V(iI,l-KAMS TITURKF,. 117 

ristischen bemerkungcii, wcinliiiigt'ii und j,n;iimiiali.s(ln'n struc- 
tuien, kurz auf allen gebieten von \\'olfiams übeiragender 
I)eisöiiliclikeit heeinflusst ist. Die abliängigkt-it ist so stark, 
(lass man vielfach geradezu von einer niosaikarbeit ans Wolf- 
ramsclien steinchen reden kann. Charakteristisch für den 
ei)igonen ist es bei verschiedenen von ihm nachgeahmten stil- 
mitteln und vorstellnngsweisen, dass er das Vorbild weiter- 
bildet nnd in mannigfacher weise vaiüert, womit er, olme es 
selbst zu merken oder zu beabsichtigen, dem Wolframschen 
erbgnt den Stempel seiner eigenen individualität aufs deut- 
licliste aufdrückt. 'Gamuret.s tod' enthält nun eine ganze 
zalil von stellen, die sich als derartige nachahmungen oder 
fortbildungen "W'olframscher gedanken und Wendungen erweisen 
und damit für die echtheitsfrage von bedeutung werden. Ich 
habe mir folgendes angemerkt: davon ir vreude wart sihte 92.3,4 
(viele belege bei Borchling s. 158); diu jämcrs uwrlo.stc 027. 1 
beruht auf Parz. 733, 10 und A\'illeh. \% 30. 100, 2it Irünns un- 
erlöst (von Borchling nicht aufgeführt; vgl. noch 2710,4. 3892,2. 
4512,2. 5089,2. 5403,2); l:oufm im sinne von "erwerben' 920. 1 
(vgl. Borchling s. 101; Wolfram hat es nur vereinzelt neben 
dem sehr häufigen bezahl); die strengen jumers lere 934, 4 nach 
Parz. 28, 19. 575,12 (vgl. Borchling s. 150 und Fürster, Z. spr. 
u. poes. Wolfr. s. 43); altissimiis als bezeichnung gottes 930, 1 
nach Willeh. 100, 28. 216,5. 434,23. 454,22 (vgl. noch 00,2. 
1011,1. 1594,1. 5049,2. 5911,3); «n vrrudm (/rplundct 011,2 
(vgl. Borchling s. 101, Förster s. 50 und Bock, Wolfr. bild. u. 
wö.it. f. fr. u. leid s. 32); der feuerberg Agremont 945,3 (vgl. 
noch 751.2. 1»)02. 3 und Kant, Scherz u. hum. in Wolfr. dirjit. 
s. 92); der reim sohlimnite : prcsentc 940,.". stammt aus Parz. 
77,5 (die hss. der gruppe (t haben auch hier die längere»! 
formen); du tvierc hi rinden scltarjdi ein dorn 947,4 erwuchs 
Avol aus Parz. 305,22. 000. 10 (vgl. Bdrchlinfr s. h\\ und Foi>ter 
.s. 02); das l)ild von der presse 918,1 iM ungrschickte Weiter- 
bildung von Willeh. 391, 20 (vgl. J^orchling s. 102); e# ist an 
dir diu minne m<tt 051.1 (vgl. Borchling s. 101 und Forster 
S.53); feuer aus helmm .^hlagen 951,3 (reiche Variationen 
dieses Vergleichs bei Borchling s. 105). Die liste konnte n«M'h 
um einige stellen vermehrt werden, dm-h mag dft.s angeführte 
für den vorliegenden zweck genügen. 



IIS LEITZMANN 

In reimtecluiik, spräche und stil von 'Gamurets tod' findet 
sich also nichts, wodurch dieses stück aus dem rahmen des 
j. Tit. herausfiele und einem andern Verfasser zugeschrieben 
werden müsste; vielmehr ergaben sich eine reihe merkmale, 
dass jedenfalls Wolfram nicht der Verfasser des Stückes sein 
kann. Dass es keine spur Wolf ramschen geistes enthält, lehrt 
uns schliesslich auch eine allgemeine erwägung des inhalts 
und der composition und ein blick auf das zweite buch des 
Parzival, auf dem es in seinen einzelnen elementen ganz offen- 
kundig beruht, indem der Verfasser die erborgten motive mit 
eigener Weisheit zusammenarbeitete. Gamuret reitet, so erzählt 
der Verfasser, zum tode verwundet aus dem kämpfe; Schiona- 
tulander fängt den sterbenden in seinen armen auf. Dass er 
vom pferde gestiegen ist und sich auf der grünen wiese nieder- 
gelegt hat, wird nicht berichtet; die hauptsache ist dem dichter 
die nun folgende lange abschiedsrede des beiden an seinen 
erben. Gamuret vertraut dem Jüngling die sorge für sein ver- 
waistes weib und den noch ungeborenen söhn ; zum lohne dafür 
soll ihm Herzelöude später Sigunens hand geben, nachdem er 
sie sich zuvor durch ritterdienst erworben hat; verweser von 
fünf ländern soll er sein, in notfällen die hilfe Artus', Kaylets 
und Ekunats anrufen; endlich bittet ihn Gamuret, seine ver- 
waisten mannen sicher in die heimat zu geleiten und alles 
nötige für das heil seiner seele zu tun in hospitäl und guoten 
religiösen, der wort ze himel dringet vil scelecUcJie üz Möstern 
und US Jdosen (932,3). Nach einem kurzen schmerzausbruch 
Schionatulanders beginnt Gamuret eine zweite längere rede: 
zunächst betet er zu Christus und gott um Vergebung der 
Sünden und Verleihung des Sakraments, dann übergibt er Herze- 
löudens hemd und die aus seiner wunde gezogene Speerspitze 
dem Schionatulander, um beides der königin zu überbringen, 
gesteht nochmals seine hoffnung auf erlüsung durch das kreuz 
Christi und bittet schliesslich, der kalif möge ihm ein christ- 
liches begräbnis zu teil werden lassen; dann stirbt er. Schio- 
natulander ergiesst endlose klagen über den toten, in die dann 
auch der kalif einstimmt, der den an der leiche ohnmächtig 
gewordenen Jüngling zu seiner gemahlin bringen lässt. Diese 
ganze stelle mit ihren endlosen reden ist sicherlich nichts 
anderes als eine breite ausgestaltung des kurzen berichts des 



ÜNTKRSrCFU'N(JKN' l'KUKK Wnl.l K-A.MS | | | lUl.i.. H'.l 

knappen Tampauis im zueilen huclic dv.s l'arzival, (It-r man 
die individuelle denk- und emitlindun^sweise des jünf^n-reii 
dicliters auf schritt und tritt ansieht. Jenes pathetische wort- 
p:eklingel erwuclis aus den in ihrer einfachen und nionumiMitalt-n 
knappheit ergreifenden Worten AN'olfi-anis (10«), 18): 

iedoch gesaz der wigant. diz IhukIc und daz selbe sper, 

altöuwende er üz dem striti; reit daz in viui uns gt-soheiden hat. 

üf eiiK'u plan, der was breit. er starp ane alle niissutät. 

über in kom sin kapellan. junclit-rrcn uml die knuppt-u sin' 

er sprach mit kurzen wortcii sän bevalrh er der kUnegin. 
sine bilite und sandc her 

"Wolfram Hess sich sicher nicht die haarsträubende nnwahr- 
scheinlichkeit zu schulden kommen, einen sterbenden, der sich 
kaum mit mühe auf dem rosse hielt, lange pathetische reden 
halten zu lassen; hebt er doch oben selbst hervor, dass Ganuiret 
seine beichte tnit lairzen ivortcn sprach. Hier hat ein nach- 
ahmender verseschmied die einzelnen von^^'olfram angegtdjenen 
gedanken jenes mündlichen testaments breit und hohl zum 
ausdruck gebracht, wobei ihm (dne anzahl geschmacklosigkeit«'n 
mit unterlaufen, die niemand \\'(»lfram zuti'auen wild (vgl.'.>:?7. 1. 
943,1. 944,4. 948,4): so namentlich in Schionatulanders klage- 
rede der hinweis auf (laniurets liebesverh;iltni.s.«<e, der au.s- 
sprucli, dass Iferzelöude bei der nachricht seines todes nicht 
tanzen werde, die Versicherung, dass Gamuret mehr aus kampf- 
lust als aus geldgier zum kalifen gezogen sei, und anderes 
mehr. Bestätigend kommt noch der umstand hinzu, dass auch 
für viele andere gedanken des fragments das zweite buch des 
Parzival nach der sonstigen manier des nachdichters aus- 
gebeutet Worden ist, wofür ich folgende beispiele anführe: 

927,3 ich weiz ouch wol, daz si die vniht verderbet, 
die si vou miner niiniie einphieuc 

= I'arz. 110, 14. 20 

si sprach: mir m\ got Hcnden 

die werden vruht von (Jamurcte ... 

die wSle ioli bi mir trilcir*'. 

ilaz ich von siner niinne ernjibienc; 

die erwähnnng von (lamurets minneverh;iltni.><sen ('.»»:?.!) geht 
auf Parz. los, 20. 110,') zurück: 

!ttt. 1 öw^ lant ze NorgAls, Wftlei.M und .\U'«rhouwe, 
vi] wordin stai KingrivaU 



120 LEITZMANN 

^= Paiz. 103, 7 Wäleis und Anschouwe, 
darüber was si vrouwe; 
si triioc oucli kröne ze Norgäls 
iu der houbetstat ze Kingriväls; 

946, 1 drier künicriche darüber trüege du kröne 

= Parz. 103, 6 künegin über driu laut, 

108, 6 gewaldec künec über driu lant, 
ieglicbez im der kröne jach. 

Andererseits ist aucli ein schlimmer Widerspruch mit dem im 
Parzival gegebenen bericht vorhanden: in str. 940 lässt Ga- 
muret den kaufen um ein christliches begräbnis bitten; auch 
im Parzival wird ihm ein solches zu teil, aber tvir tätenz äne 
der heiclen rät erzählt Tampanis (107, 16). Im Parzival werden 
die näheren umstände von Gamurets tod sehr wirkungsvoll 
nur in der rede des Tampanis vor Herzelöude angedeutet, da 
es dem dichter mehr auf den eindruck des ereignisses als auf 
die tatsachen selbst ankam: unser stück ist ein beweis von 
der Sorgfalt, mit der der jüngere dichter sich bemühte, in jede 
kleine lücke, die in der erzählung gelassen war, mit seiner 
nacherfindung einzuspringen, unbekümmert, ob ihr Vorhanden- 
sein vielleicht einer künstlerischen absieht entsprach. Freilich 
findet auch Bartsch (s. 13) jene lücke 'auffallend', 'wo doch 
dem liebenden weibe der bericht über seine letzten augen- 
blicke das kostbarste sein musste'. Die dort dafür gegebene 
erklärung ist an sich schon für uns undiscutierbar, da sie auf 
einer falschen ansieht von der Chronologie der Wolframschen 
werke beruht. 

Bei dem zweiten bruchstück Bartschs, dem 'Abschied', 
kann ich mich wesentlich kürzer fassen, da hier schon eine 
kurze betrachtung des Inhalts es ganz unbegreiflich erscheinen 
lässt, wie man diese Strophen Wolfram zuschreiben konnte. 
Das stück beginnt mit einem längeren gespräch Schionatu- 
landers und Sigunens: jener fragt die Jungfrau, ob es ihr denn 
mit ihrem brennenden wünsche das brackenseil zu bekommen 
wirklich ernst sei, und bittet ihm die fahrt zu erlassen, wor- 
auf Sigune ihm erklärt, dass nur um diesen preis ihre minne 
zu erlangen sei. Schionatulander versichert, dass für diesen 
lohn nichts ihm zu schwer sein solle, und fleht sie an, sie 
möge ihn einen teil ihres hlanJcen lihes, nämlich ihre brüste, 



UNTKKSÜCIIUNGKN UEBKK WOLKKAMS TITUKKr., 1l!1 

nackt seilen und beiülnen lassen, nni nn-lir kraft und niut für 
die bevorstehenden kämpfe dadurch zu {gewinnen. Sit^nine liist 
iliren gürtel uiul erfüllt ihm seine bitte, er nimmt innigen 
abschied und folgt der fährte des bracken, den inzwisdu-n 
Teanglis von Teseac gefunden hatte, Ks liegt deutlich auf 
der hand, dass diese motive und Situationen nicht Wolframiscli 
sind. Pas gespräch der beiden liebemlcn im anfang widei- 
spricht dem schluss des ZAveiten echten W'olframschen ab- 
schnitts: dort weiss Schionatulander bereits sicher, dass die 
erwerbung des brackenseils die unumgängliche bedingung 
dafür ist, dass ihm Sigunens liebe zu teil wird; dass ihm 
neuerdings zweifei darüber entstehen, ist ebenso töricht wie 
das ganze gespräch geschraubt und inhaltsleer. Dass dann 
die geliebte sich dem liebhaber nackt zeigt, um seinen liebes- 
mut zu erhöhen, ist ein motiv, das Schlegel in der Lucinde 
und Gutzkow in seinem geschmacklosen roman "Wally d'w 
zweiflerin' verwerten konnte, das aber A\'olframs kiinst nie- 
mand wird zutrauen wollen. Dem jüngeren dichter freilich 
gefiel die Situation so gut, dass er sie noch zweimal wider- 
bringt (2502, 1. 4104,2). Und nicht nur das ganze motiv. auch 
die einzelzüge sind unmöglich A\'olf ramisch: so nennt z. b. 
Schionatulander Sigunens brüste direct die ephel ungevelscht 
ttf hliicnäcm risc (1247, 3). Gewis ist AVolfram in seinen Schil- 
derungen der Sinnlichkeit nirgends prüde, aber mit dieser 
stroi)he würde man ihm doch eine rohheit der ausdrucksweise 
aufbürden, von der seine höfi.^che kunst nichts weiss. Dass 
die weiblichen brüste mit äpfeln oder birnen verglichen werden, 
kommt in der höfischen poesie vereinzelt bei jüngeren epikern 
^\ie Konrad von Würzburg und dem dichter des Wigamur vor 
(vgl. Schultz. Das liöf. leb. 1-.217, anm.5); djiss sie direct als äpf«'I 
oder birnen bezeichnet werden, finden wir sonst nur in der 
roheren phanta.sie und ausdrucksweise Oswalds von \\'<»lk«'n>tein, 
des mönchs von Salzburg oder der fastnacht.^spirle. Da der 
dichter des j. T\\. auch .sonst auf die.sem gel)iete wenig Zart- 
gefühl besitzt. \vir<l man mir nicht die belege aus (ioethe ent- 
gegenhalten, die (iriiiim (DWb. 1, '>:{:'.) citiert. 

Dass die si)rachlicli»' und stilistische fi»rm des bnichslück.H 
widerum nicht zu derjenigen der echten werke Wolframs 
stimmt, brauche ich wol nur durch ein paar beispielc zu zeigen, 



122 LEITZMANN 

ohne in eine genauere Zergliederung der Strophen einzugehen. 
Von unwolf ramschen Worten und Wendungen nenne ich folgende: 
der minnc flörie 1237, 1 (Wolfram kennt Florie nur als eigen- 
namen, daneben zweisilbiges flöri 'glänz der haut', das Parz. 
531, 25. 796, 5. 809, 14 mit M reimt; der nachahmer liebt den 
wortstamm ausserordentlich in appellativen wie eigennamen, wie 
Borchling s. 124. 129 nachweist); morgensterne hildlidi 124:6,2] 
gesiUet: gewillet 1248,1 (Wolfram hat beide verba nicht); scelden- 
wünschelarm 1248, 4 (Wolfram kennt überhaupt die composita 
mit tvünschel- nicht, die im j. Tit. sehr beliebt sind; vgl. Lexer 
3, 998); hegerde 1252, 4 (wie 80, 2. 6061, 2); schrove 1257, 3 (noch 
4923, 1). Auf nachahmung von Parz. 114, 14 beruht 1192, 2 min 
lierze Hemmet sam ein hahendiu zange, ein bild, das der jüngere 
dichter dann nach seiner manier abnutzt (Borchling s. 162). Mit 
Wolframs reimgebrauch unvereinbar sind folgende bindungen: 
soldemende : sende 1239, 1, da Wolfram das t der fi-emdwörter 
auf -ent nicht erweicht (lente : Nourtente Parz. 790, 15; sente : 
pigmcnte Willeh. 276, 5) und zudem bei ihm der nominativ 
soldement heisst; brachen : lachen 1257, 1 wegen smacJce : brache 
Willeh. 240, 9. König Teanglis von Teseac (1263, 1. 1264, 4), 
'ein typischer junger höfischer fürst' (Borchling s. 31), ist gewis 
eine erfindung des jüngeren dichters; die von ihm handelnden 
letzten Strophen des bruchstücks können daher nicht echt sein, 
zumal sie einen neuen faden nur anknüpfen, ohne ihn weiter- 
zuspinnen. Dass der name des turnierorts Florischanze (1235, 3) 
nach dem muster von Alischanz gebildet ist, hat Borchling 
(s. 129) richtig erkannt; durch die bildung vom stamme flör- 
erweist er sich als unecht. Endlich liegt kein grund vor an- 
zunehmen, dass Wolframs Titurel irgend eine Verwendung für 
könig Artus hatte, der hier (1235,4. 1236,2) wie auch in 
'Gamurets tod' (930, 3) genannt wird; auch seine einführung 
dürfte auf die rechnung des nachdichters zu setzen sein. 

Somit wird man nach allem vorhergehenden als erwiesen 
ansehen müssen, dass die beiden von Bartsch als stücke 
der echten Titureldichtung aus dem jüngeren Titurel 
construierten bruchstücke unecht sind und in Zukunft 
keinen anspruch mehr haben, in einer ausgäbe der 
werke Wolframs zu figurieren. Wir gewinnen durch 
dieses ergebnis eine sichere unterläge für alle weiteren an 



ÜNTKRRÜCIIUNGRN FRKKK Woll KAMS TITrHKI.. 



ii^ ; 



das gedieht aiizukniiitfeiulcii iiiitt'rMi<liiiii<;»'ii. die volh- besiati- 
guiig der ansiclit Laclimanns (s. xxix und schon früli»T Kl. 
sclir. 1, 158. 175. 352), dass A\'olfiani nidits weiter von seinen» 
Titurel der nach weit hinterlassen hat, als was uns in den 
alten liss. überliefert ist; aucli der compilator des jüngeren 
ei)os hat nicht mehr davon gekannt und vor äugen gehabt, 
als wir heute kennen und b<'sitzen. Ich erwähne nctch, was 
schon Zarncke (Beitr. 7, GOG) bemerkt hat, dass für die richtig- 
keit dieser auffassung aucli der umstand schwer ins gewicht 
fällt, dass die vielbesprochenen Strophen, in denen sich der 
unidichter über seine Wolf ramsche vorläge und die principien 
seiner bearbeitung derselben ausführlicher auslässt, gerade an 
den beiden stellen des gedichtes stehen, wo die beiden ecliteu 
abschnitte der Originaldichtung beginnen. Den ui'spriinglichen 
zusammenliang dieser wertvollen confession hat Zai-ncke mit 
durchaus einleuchtenden gründen dargelegt. 

Anhang. 

Strophentabclle (vpl. s. 100). 



Lachiii. 



H 



M 



I. 1 


1 


1 — 


476 


2 


2 


2 — 


477 ; 478 


3 


3 


3 - 


568 


4 


4 


4 1 - 


585 


5 


5 


5 — 


588, 587 


6 


6 


6 


488 


7 


7 


7 ' - 


591 


8 


8 


10 — 


- 617 


9 


9 


8 — 


618 


10 


10 


9 ' — 


titO ') 


11 


11 


11 — 


57M 574») 


12 


12 


V2 — 


574a») *^2l 


\'^ 


i:{ 


i:{ — 


622 


u 


it 


14 


6:u 



') 618. 610 nach 590 H. *) Fehlt B»rM>'. 
steht aber in allen *Irei hi^d.-kiasseu. 



») Fehlt bei lUhu, 



124 



LEITZMANN 



Lachm. 


G 


H 


M 


j. Tit. 


1.15 


15 


15 





632 


16 


16 


16 


— 


633 


17 


17 


17 


— 


634 


18 


19 


18 


— 


635 2) 


19 


18 


19 


— 


636 


20 


20 


20 


— 


637 


21 


21 


21 


— 


638 


22 


22 


23 


— 


639 


23 


23 


24 


— 


641 


24 


24 


22 


— 


642 


25 


25 


25 


— 


643 


26 


26 


27 


— 


649 


27 


27 


28 


— 


651 


28 


28 


26 


— 


645 


29 


29 


29 


— 


652 


30 


— 


30 


— 


655 


31 


— 


31 


1 


656 


32 


30 


32 


2 


658 


33 


— 


33 


3 


659 3) 


34 


— 


34 


5 


661 


35 


31 


35 


6 


662 


36 


— 


36 


4 


660 


37 


32 


37 


7 


664 


38 


33 


38 


8 


665 


39 


34 


39 


9 


666 


40 


35 


40 


10 


667 


41 


36 


41 


11 


670 


42 


37 


42 


12 


671 


43 


38 


43 


13 


672 


44 


39 


44 


14 


673 


45 


40 


45 


15 


674 


46 


41 


46 


— 


675 


47 


42 


47 


— 


676 


48 


43 


48 


— 


677 



631—633 nach 626 H. ^ 631—635 nach 626 B^C^D^. ^) Nach 
660 B'^C^D^H. 665,3 — 754,2 (fünf hlätter) fehlen H. 



UNTERSUCIIUNOEN ÜEBKR WOLKIUM.^ Till KIM,. 12r. 



L;k1iiii. 


1, 


•1 M i. Tit. 


1.49 


44 


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45 


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54 


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56 


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685 


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57 


— 


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58 


51 


58 


— 


687 


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52 


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— 


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60 


54 


60 


— 


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61 


55 


61 


— 


G90 


62 


56 


62 


— 


G91 


63 


57 


63 


— 


692 / 693 


64 


58 


64 


— 


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65 


59 


65 


— 


704 ') 


66 


62 


66 


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700 


67 


60 


67 


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70G 


68 


61 


68 


— 


7U7 


69 


63 


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708 


70 


64 


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— 


709 


71 


65 


— 


— 


710 


72 


66 


— 


— 


711 


73 


67 


— 




712 


74 


68 


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713 


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— 


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714 


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715 


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2 


71G 


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— 


— 


4 


721 


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— 


— 


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?23«) 


♦59 1 


— 


- 


7 


7L'4 '» 



•) Fehlt B»t'*D». ») Nach 725 B»C»I)» luiil im Kt'tfeuHburjfer bnich- 
stück (Doceu .H. Gö). ») Fehlt BH'»D». 



126 



LEITZMANN 



Lachm. 


ü 


H 


M 


j. Tit. 


1.79 


72 — 9 


718 


80 


73 i — 10 


719 


81 


74 


8 


725 


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76 . 




11 


726 


*G1 


— 


— 


12 


727 


83 


77 


— 


13 


728 


84 


78 


— 


14 


729 


85 


79 


— 


15 


730 


86 


80 


— 


— 


731 


87 


81 - 


— 


732 


88 


82 — 


— 


733 


89 


83 \ - 


— 


734 


90 


84 j - 


— 


735 


91 


85 - 


— 


735 a ') 


92 


86 - 


— 


736 


93 


87 , - 


— 


737 


94 


88 


— 


— 


740 


95 


89 


— 


— 


738 


96 


90 


— 


5 


747 


97 


91 


— 


— 


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98 


92 


— 


— 


741 


99 


93 


— 


— 


742 


100 


94 


— 


1 


743 


101 


95 


— 


2 


744 


102 


96 


— 


3 


745 


103 


97 


— 


4 


746 


104 


98 


— 


6 


748 


105 


99 


— 


7 


749 


106 


100 


— 


8 


750 


107 


101 


— 


9 


753 


108 


102 


— 


10 


754 


109 


103 


— 


11 


755 


110 


104 


— 


12 


756 


111 


105 


— 


13 


757 



^) Fehlt bei Hahn, steht aber in beiden hss.-klassen nnd im Regens- 
burger bruchstUck (Doceu s. 69). '') Fehlt B-äC-'D*. 



iTNTERSUCnrNOKK VF.BFAt WOI.KHAMs TITriJKr. 



12; 



Lacliiu. 


" 11 .M j.Tjt. 


I. 112 


' 1^« - 14 ToH 


113 


1 107 


— 


15 


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114 


108 


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10 


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115 


109 


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116 


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117 


111 


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118 


112 


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119 


113 


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700 


120 


114 


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121 


115 


— 





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122 


116 


— 


1 


770 


123 


117 


I 





771 


124 


118 


— 


— 


772 


125 


119 


— 





773 


126 


120 


— 





774 


127 


121 


— 


— 


775 


128 


122 


— 





770 


129 


123 


— 





777 


130 


124 


— 





778 


131 


125 




— 


779 


IL 132 


12G 


— 




1140 


133 


127 


— 





1141 


134 


128 - 


— 


1142') 


13.j 


120 


— 1143 


13G 


130 


- - 1145/1146 


137 


131 


— - 114S 


138 


132 - _ 114., 11:^) 


139 


133 - _ n:.2 


140 


134 


- — 11.J3 


141 


135 


— 


— 1154 


142 


136 


- 


— \\'>:t 11:.«; -1 


143 


137 , - 


— 1 15V 


144 


138 - 


- 1158 


145 


139 


- 1 


— 


1159 



') 1142,3-1143,2 ItLIou II. 



») Fehlt b'L'V'lL 



128 



LEITZMANN 



Lachm. 


G 


H 


M 


j. Tit. 


IL 146 


140 


— 





1160 


147 


141 


— 


— 


1161 


148 


142 


— 


t 


1162 


149 


143 


— 


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1163 ') 


150 


144 


— 


— 


1164 


151 


145 


— 


— 


1165 


152 


146 


— 


~ 


1166 


153 


147 


— 




1167 


154 


148 


— 


— 


1168 


155 


149 


— 


— 


1169 


156 


150 


— 


— 


1170 


157 


151 


— 





1171 


158 


152 


— 


— 


1172 


159 


153 


— 


— 


1173 


160 


154 


— 


— 


1174 


161 


155 


— 


— 


1175 


162 


156 


— 


— 


1178 


163 


157 


— 


— 


1179 


164 


158 


— 


— 


1180 


165 


159 


— 


— 


1182 


166 


160 


— 


— 


1183 


167 


161 


— 


— 


1184 


168 


162 


— 


— 


1186 


169 


163 


— 


— 


1187 


170 


164 


— 


— 


1188 



ir. Die composition. 

Im ersten capitel seiner abliandlung 'Zur geschichte der 
Nibelunge not' kommt Müllenlioff, indem er die Stellung der 
mild, dichter zur nationalen lieldensage und zum stile der 
volkstümlichen dichtung in kurzem überblick mustert, auch 
auf Wolfram zu sprechen: er verrate genaue bekanntschaft 
mit der heldensage, sei stilistisch vom volksepos beeinflusst, 
'seine Titurelstrophe ist nur die kunstvolle gestalt einer der 

1) Fehlt H. 



UNTERSUCHUNOEN UEnKU \V(il,KI{A.MS TITnü:!,. 12'.» 

epischen iialiveiWiUilL'U volksniässigeii stioplu* . . . ja, die ^anze 
art, wie er, die lierschende höfische weise verlassend, in dieser 
füi in den fVeinden stoff zu beliandeln anficn«,' und so das iiörli.ste 
in mild, poesie erreichte, lässt sich in mehr als einer hinsieht 
eine rückkehr zur volksmässigen weise nennen' (s. 1')). l)iese 
Worte chaiakterisieren bei aller knappheit die Stellung vor- 
trefflich, welche die Titureldichtung in der dichterischen eiit- 
wicklung A\'olframs und seiner iioetischen ideale und damit 
in unsrer mittelalterlichen literaturgeschichte einnimmt; ich 
komme im sechsten capitel auf diese dinge zuiück. Zwanzig 
jähre später citiert Müllenhoff diese selbe stelle in einem 
redactionellen zusatz zu der bekannten tüchtigen aibeit Her- 
furths über Wolfiams Tituiel (Zs. fda. IS, 200) 'in einer etwas 
eiweiteiten fassung", wie er selb.st sich ausdrückt; diese er- 
weiterung gibt jedoch der sache ein gänzlich anderes gesicht. 
dessen formen durch eine hinzugefügte anmerkung noch schäitVr 
und greller beleuchtet werden. J)ass er statt 'verlassend' 
'kühn verlassend' setzt und die 'volksmässige' weise nun eine 
'altnalionale volksmässige' nennt, sind nur kleinigkeiten: aber 
statt der Worte 'in dieser form den fremden stoff zu behandeln 
anfieng' lesen wir nun 'ein paar einzelne abschnitte von be- 
sondei-s anziehendem Inhalt aus dem fremden stoff herausgriff 
und in einer der volksmässig epischen nahe verwanteii kunst- 
vollen stroidie behandelte', inülier nahm also Müllenh(»ff wie 
alle andern an, dass Wolfram in nachahmuiig der vnlks- 
epik in stil und strophenf(irm einen höfischen roman zu dichten 
begann, dessen weiteifiilirung aus irgend einem nicht näher 
berülirten gründe dann unterblieb; spätei- dagegen war seine 
ansieht die. der dichtei- habe einzelne nicht zusamm .ihänsrcnde 
ab.schnitt«' seines Stoffes mit l)ewusster künstlerischer absieht 
isoliert in balladenform behandelt, auf eine bearbeitung des 
ganzen romans aber niemals damit hinausgew(dlt. I)a beide 
auffa.ssungen sich principiell vollkommen au.s.>ichlies.s«'n. ja die 
zweite die ei-ste direct aufhebt, ist es .schwer zu iM-gieifen. 
wie Müllenhdff jene eine -erwt'iterte fassung' von dieser nennen 
kann. Da.ss wir aber jene zweite fassung, die den oben dar- 
gelegten sinn nicht mit diiecten und deutlichen werten aus- 
spricht, richtig gedeutet haben, zei;;t die anmerkung (s. 2'.»7): 
'diiss diese stücke als einzelne lieder gleici» den Ni»».hiin'. n- 

Beilrage lur gesdiichtc Uer «leultchcn ipracbc. XXVI. y 



130 LEITZMANN 

liedern aufzufassen seien, war auch Haupts meinung, und die 
Vermutung-, dass Wolfram es damit auf ein grösseres ganze 
abgesehen habe, entbehrt ganz und gar jedes haltes.' Begründet 
werden diese knappen behauptungen durch nichts als durch 
die autorität Haupts und — Müllenhof fs selbst, der ja seiner 
abhandlung von 1855 Lachmanns viel citierten satz 'sein 
urteil befreit nur, wer sich willig ergeben hat' als motto 
voranstellte. Dass er selbst jene 'haltlose' Vermutung einst 
mit derselben Zuversicht vorgetragen hatte wie jetzt ihr ver- 
dammungsurteil, wird mit stillschweigen übergangen, seit ihm 
die erkenntnis aufgegangen war, dass der Titurel als gewisser- 
massen objective waffe in dem parteikampfe um Lachmanns 
Nibelungentheorie verwertbar war. War uns hier eine offen- 
kundige nachahmung der alten vorausgesetzten und von Lach- 
manns divinatorischer kritik reconstruierten epischen lieder 
historisch gegeben, so mussten ja wol die gegner die waffen 
strecken und ihre position aufgeben. 

Ein ausführlicher Interpret erstand denn auch, wenn ich 
von Kinzels kurzer andeutung (Zs. fdph. 11, 127) absehe, dieser 
Haupt - Müllenhof f sehen these, die ich oben (s. 95) einen ver- 
hängnisvollen einfall genannt habe, in Stoscli, dessen abhand- 
lung 'Wolframs Titurellieder' (Zs. fda. 25, 189) es sich zur 
hauptaufgabe macht, den von Müllenhoff schuldig gebliebenen 
beweis nachzuholen und die richtigkeit seiner anschauung im 
einzelnen und allgemeinen darzutun. Der versuch dieses be- 
weises ist wichtig genug, um eingehend geprüft und schritt 
für schritt widerlegt zu werden, zumal die Titurelforschung 
seit jenem aufsatz Stoschs entschieden den eindruck eines 
festgefahrenen Schiffes macht, das nicht wider flott werden 
kann. Wenn ich im folgenden Stoschs darlegungen als durchaus 
unzulrefiend nachzuweisen versuche, muss ich freilich wol die 
hoffnung aufgeben, für diejenigen überzeugend zu sein, die 
wie Stosch selbst die Untersuchung damit beginnen, dass sie 
das nachzuweisende als bewiesen voraussetzen und nun rein 
analytisch vorgehen ('die sogenannten bruchstücke des Titurel 
sind zuerst von Müllenhoff in Übereinstimmung mit Haupt als 
lieder nach der weise des volksepos erkannt worden' s. 189; 
'für jeden unbefangenen musste Müllenhof fs bemerkung 
schon aus äusseren gründen einen hohen grad von wahrschein- 



ITNTERSUCHUNOEN TEBKU NYOI.FKaMS TITLUKL. 131 

liclikeit gewinnen' ebenda), und denen das zu f?e\vinn«'nd»' 
lesultat von voinheiein sich mit einem parteiinteresse amal- 
gamiert ('aber von ge^^^sser seite scheut man einmal allen, 
was episches lied heisst und die vielbestrittenc li»Mlertheorie 
an weiteren beispielen bestätigt' ebenda). .lenc •unb«'fang«'nen'. 
denen eine hypothese gleich eine erkenntnis rejiräsentiert, er- 
scheinen bei genauerem zusehen durch die Tiachnianns<he lieder- 
theorie recht arg voreingenommen. Das thjcütov i/'fTfUj,- in 
Stoschs beweisverfahren sei hier im anfang unsrer kritischen 
nacliprüfung gleich in aller küize aufgezeigt: durch eine pa- 
rallele mit den alten epischen liedern soll nachgewiesen werden, 
dass die bruchstücke des Titurel ähnliche epische lieder sind, 
obw'ol wir jene lieder ja gar nicht als historisch geg»'b«'ne b««- 
sitzen, sondern nur durch eine hyi)othetische, in ihrer Sicher- 
heit und zulässigkeit von mehreren Seiten stark bezweifelte 
construction gewonnen haben; umgekehrt sollen widei- die 
danach auch nur durch hypothese gewonnenen Titurellieder 
die existenz jener epischen lieder beweisen. Wenn das kein 
typischer zirkelschluss ist, so gibt es keinen. Dieser generelle 
liinweis auf eine hier vorhandene i)etitio principii mag nur im 
voraus zeigen, auf welch schwankendem bodt-n das bew»'i>- 
verfahren Stoschs und der anhänger der liedertheorie lUn-rhaupt 
in der vorliegenden fiage si<h bewegt, und .soll uns nicht ab- 
halten, den einzelnen von Stosch vorgebrachten aigiinienten 
die gebührende aufmeiksamkeit zu schenken. 

(lewlsseiniassen einleitungsweise bespiichl Stosch zunächst 
drei äus.sere gründe füi- Müllenhoffs ansieht: die strophische 
form trotz des umfangreichen Stoffes, den volkstümlichen Cha- 
rakter der Tituielstroi'he und das veihältnis des 'I'iturel zum 
l'arzival. Die ersten beiden punkte will ich, da sie in un- 
mittelbarer beziehung zu einander stehen, gemeinsam In-ti-achlen. 
Stosch construiert aus den bei \N nlfram gejrel>enen vereinzelten 
andeutungen den vermutlichen inhalt und gang der erzithlung 
von Schionatulander und Sigune und findet dann, der stoff. 
'der verarbeitet zum roman ein umfangrreiches werk ei-gi-lM-n 
hätte', passe in keiner wei.se zu der 'künslli«h gebauten lyri- 
schen' stroph»'. Kin solcher 'misgriff in der form' sei wi»l dem 
j. Tit. und den '.Sammlern unsrer Nibelun;:»!! und Kudnin mit 
ihrem tlickliandwerke' zuzutrauen. W\ einem 'meister' wii« 

y* 



132 LEITZMANN 

Wolfram jedocli undenkbar; er habe den 'künstlerischen takt' 
besessen, i-omaue nicht in 'lyrische strophenform' einzugiessen. 
Resultat: 'die sogenannten bruchstücke des Titurel müssen 
epische lieder sein, in denen der dichter abschnitte seiner sage 
besungen hat.' Da Wolfram ferner allein unter den höfischen 
epikern sich der Strophe bedient, die sonst nur dem volksepos 
eigentümlich ist, und er auch sonst Verständnis und neigung 
für den volkstümlichen Charakter zeigt, so beruht auch hierin 
die nachahmung auf bewusster absieht. Daraus folgt streng 
Lachmannisch: 'dann aber heisst es dem philologen überhaupt 
jede folgerung von dem gewissen auf das ungewisse nach ana- 
logie ähnlicher erscheinungen verbieten, wenn er in den so- 
genannten bruchstücken des Titurel, sofern nicht gewichtigere 
gründe dawider sind, nicht auch lieder nach der weise des 
volksepos voi'aussetzen darf.' Diese ganze argumentation steht 
und fällt mit der annähme der liedertheorie : nur für den der 
die existenz der volksepen, vor allem des Nibelungenlieds und 
der Kudrun, in form von Lachmannschen einzelliedern um 1200 
für bewiesen annimmt, sind die Schlussfolgerungen bindend. 
Glücklicherw^eise sind wir nun durch einen dankenswerten Zu- 
fall genau davon unterrichtet, welche gestalt der Nibelungen 
Wolfi-am bekannt war; da eine kenntnis der Kudrun für ihn 
nicht belegt w^erden kann, so werden es ja auf dem gebiete 
der volksepik wol in allererster Knie die Nibelungen gewesen 
sein, deren form und stil ihm als muster vorschwebten, als er 
auf den bahnen des volkstümlichen epos wandelte. Zarncke 
hat in seiner ausgäbe des Nibelungenliedes (''S. v; vgl. aber 
schon Pfeiffer, Germ. 2, 84) auf die wichtige tatsache hin- 
gewiesen, dass AVolfram im Parz. 420, 26 auf eine stelle der 
Nibelungen anspielt, die nur in der Wallersteiner hs. über- 
liefert ist (1408,5; bei Zarncke 224,1), die der hss.-klasse 
zugehört. Diese stelle steht weder in der nach Lachmann 
ältesten redaction A noch in einem seiner echten lieder. 
Wolfram kannte also das Nibelungenlied in derselben gestalt, 
in der es auch uns bekannt ist, und nicht in form von einzel- 
liedern: eine tatsache, deren bedeutung für unser specielles 
Problem wie für die gesammte Nibelungenfrage gar nicht hoch 
genug angeschlagen werden kann. Wer nun noch epische 
lieder als Vorbilder des Titurel annehmen will, muss zugleich 



rNTERSÜCHÜNOEN l'KBEK WOLFRAMS: TI'ITRKL. 1.13 

annehmen, class sie unbekannten inhalts und für uns spurlos 
untergegangen sind; damit entgeht ihm natürlirh jede mög- 
lichkeit eines veroicicjis und dadunh jegliche Sicherheit der 
sclilussfülgerung. Näher liegt es doch, sich die sache so 
zurechtzulegen, wie sie dem einfachen und unbefangenen blicke 
notwendig ei-scheint: alleidings ahmte \\'(dfram mit bewusster 
absieht das vcdksepos seiner zeit nai-h, sicherlich in erster 
linie das Nibelungenlied, das ihm als umfangreiclies strophisches 
gedieht bekannt war; er kannte keine epischen einzellieder im 
sinne Lachmanns; das erklärt uns zugleich sein nnternehmrn, 
die strophische form für ein längeres ejios. einen roman anzu- 
wenden. ]\rag die Strophe des Nibelungenliedes innnerhin 
ihrem ui'sitrunge nach '13'riscir sein: wenn sie in dem liede 
zu epischer daistellung verwertet und zu so gewaltiger wiikung 
gebracht war (man traut seinen (diren nicht, wenn man Stosch 
von 'flickhandwf'rk" sprechen holt), so bewies \\"olfram damit, 
dass er sie nachahmte und gleichfalls stropliisdi zu eizählen 
unternahm, sowol den von Stosch vermissten künstlerischen 
takt als auch ein hohes und mutvidles poetisch«'s streben. 
Weit entfernt, sich in der form täppisch zu vergreifen, konnte 
er gerade mit dieser strojdiischen erzählung nach Mülh*nhoffs 
Worten 'das höchste in mhd. poesie" erreichen. Alles stimmt 
pS3'chologisch wie literargescliichtlich trefflich zusammen und 
gibt eine einfache und einheitliche auffassung. während bei 
der auffassung Stoschs sich alles vei-schiebt und der theorie 
zu liebe gezwungen wird. Auf die ejjischen foimeln. die der 
Titurel mit dem volksepos gemein hat, brauche icli nicht näher 
einzugehen, da Stosch selbst (s. 190. anm.) keinen höheren wert 
auf diese übereinst innnungen legen will: sicherlich entstammen 
auch sie weniger (h^r nacliahmunu des vtdksepos als vielmehr 
Wolframs dichterischer individualität . zu deren charakteri- 
stischen eigenheiten ja eben das enge persönliche Verhältnis zu 
seinem leserkieise gehört (vgl. im allgemeinen Körst er. 7.. spr. 
u. poes. Wolfr. .s. 30 und Horchling s. 170). Audi da.«* dritte 
äussere argunicnt Stoschs. das Verhältnis de.s Tit. zum Pai-zival. 
übergehe ich kurz, weil er mir hier auch nicht Axm- niinde.'.le 
beigebracht zu haben .scheint, das die lösung der fra^e fonleni 
könnte. Ich {restehe, dass mir die joßisclie f«dcr»Michtiirkeit in 
eüieni satze wie *w»'n T^^^/i\.ll nn.l Titunl dcmsellwn sagm- 



134 LEITZMÄNN 

kreise angehören, konnte Wolfram nur in dieser volkstüm- 
lichen manier zum zweiten male an seinen stoff herantreten, 
ohne sich zu widerholen' (s. 191) nicht deutlich geworden ist: 
wer sagt uns denn, dass er sich hätte widerholen müssen? 
Was wissen wir überhaupt von dem, was Wolfram im Titurel 
dargestellt hätte, wenn er ihn vollendet hätte? Nach Stosch 
freilich wollte er ' weniger neues bringen ... als gewisse punkte 
des schon früher (im Parzival) gesagten stärker hervorheben' 
(s. 192): dass der Inhalt der beiden bruchstücke dieser Cha- 
rakteristik entspreche, wird niemand ernstlich behaupten 
wollen. 

Durch die im bisherigen secierten gründe glaubt nun 
Stosch seine aufgäbe bereits erledigt und den beweis für die 
unumstössliche richtigkeit der Müllenhoffschen these erbracht. 
Er weiss nun als gesicherte erkenntnis, dass Wolfi^am seinen 
Stoff in epischen liedern behandelt hat, ja sogar, 'weshalb er 
ihn so behandeln musste' (s. 192); er hat ein 'resultat ge- 
wonnen' und braucht dies nur noch an der Überlieferung zu 
'erproben'. Dass diese geduldig stillhalten muss, wenn sie in 
das Prokrustesbett der theorie eingespannt wird, ist klar. 
Aber ein eigenartiges beweis verfahren bleibt es immer, rein 
aus theorien und constructionen heraus über eine kritisch- 
historische einzelfrage eine ansieht und ein festes resultat zu 
gewinnen und dies dann an der Überlieferung, die doch den 
eigentlichen ausgaugspunkt der betrachtung hätte bilden 
müssen, nur nachträglich zu erproben! Wie nun bei dieser 
Prüfung der Überlieferung nach dem codex der theorie sub- 
jective willkür und gezwungene construction schrankenlos 
herschen, müssen wir im folgenden in etwas hellere beleuchtung 
rücken. 

Zunächst wendet sich Stosch (s. 192) zu einer betrachtung 
über die composition und innere giiederung des ersten Wolf- 
ramschen bruchstücks. Er gibt eine kurze Inhaltsübersicht 
in einzelnen kleinen absätzen, die die Symmetrie der entwick- 
lung und des aufbaus verdeutlichen wollen. Da auf diese 
giiederung in eine einleitung und sechs kleine abschnitte 
nachher eine wichtige und sehr eigenartige Schlussfolgerung 
gegründet wird, so müssen wir sie einer genauen nachprüfuug 
unterziehen. 1) str. 1 — 12 (s. 196). Hier wird durch die 



UNTERSUCHUNGEN UEBER WOLFRAMS TITUREL. 135 

abschiedsrede des Titurel. die im eing^ang- das tlienia der ritter- 
lichen minne bedeutsam und vernehmlich anschlägt, die ex- 
position 'historisch und der Intention j^eniiiss' (s. llK]j gegeben. 
Zweifellos bildet Titurels rede den stimmenden accord, aber 
nicht bei str. 12. sondern bereits bei str. 11 ist ein fiihlbarer 
abschnitt des sinnes: durch die thronentsagung des greisen 
königs erschüttert steht das ingesinde des grals in tiefem 
schmerze und gedenkt in welnnut seiner langen kräftigen 
nmnnesjahre. Dann setzt str. 12 neu ein: so war es denn wirk- 
lich unvermeidlich geworden, dass Frimutel an seines vatei-s 
stelle trat: und str. 13 fähi't in unmittelbarem an.schluss fort: 
ihm waren zwei holde tüchter erbliiht. — 2) str. i:')--.".7 (s.lOG). 
Der abschnitt reicht von Sclioy.sianens Vermählung bis zu dem 
punkte, wo die verwaiste Sigune zu Herzelünde gebracht wird. 
Bei dieser gliederung ist zunächst ein deutlicher sinne.^abschnitt 
bei str. 25 übersehen (Stosch will fälschlich s. 198, anm. even- 
tuell eine teilung schon bei str. 24 vornehmen): bis dahin wird 
iSchoysianens Vermählung und tod, Sigunens geburt und taufe 
erzählt, der Jammer der brüder des verwitweten kiaiigs ge- 
schildert, endlich in str. 25 abschliessend berichtet, dass Sigune 
mit ihres oheims tochter Kondwii-amurs eine frohe und sorg- 
lose kindheit verlebt. Dass mit str. 2() dann ein neuer abschnitt 
einsetzt, der zunächst Herzelöudens Schicksale nachholt, liat 
bereits J. r^rimm (s. 121) an der Übereinstimmung der eingangs- 
formel mit stellen wie Xib. lUSo, 1 und Fundgr.2, 14<>, 41 riclitig 
erkannt. Weiterhin aber schliesst dieser mit str. 2G beginnende 
absatz sicherlich nicht, wie Stosch will, mit str. 37, sondern 
schon mit str. ob: bei Herzelüuden, der trefflichsten und be- 
rühmtesten frau ihrer zeit, hatte Sigune das glück erzogen 
zu werden. Str. 8() bringt dann das thenm des ft)lgenden, 
Sigunens miuitiKunlUhc winnc, vordeutend ins bewibvstsein, 
worauf der Übergang zu Schionatulanders kindheit gemacht 
wird. — 3) str. 38 — 55 (s. lOG). Schionatulandei-s knal)enaltfr 
und das aufkeimen der liebe zwi.M-hen ihm und Sigunen wird 
geschildert: die mehrfa<'h eingestreuten längeien reflexionen 
unterbrechen den gang der ereigni.»<se und könnten den ge- 
danken, kleinere teilabschnitte zu ccmslatieren, nahe legen. 
wenn nicht (»hnehin schon die haarscharfen Spaltungen der 
abschnitte Stoschs den prachtvollen gewaltigen ström der rede 



136 LETTZMANN 

zuweilen recht gewaltsam und zum schaden der poetischen 
Wirkung" durch stauende dämme unterbrächen. Sicher aber 
scheint mir, wenn schon wider abgeteilt werden soll, ein 
stärkerer sinnesabschnitt nicht bei str. 55, sondern erst bei 
Str. 56 zu sein, die das thema des ganzen romans vor dem 
beginn des grossen dialogs der liebenden nochmals aufstellt. 
— 4) str. 56—73 (s. 196). Das liebesgespräch , das dieser ab- 
satz enthält, schliesst mit str. 72; in str. 73 beginnt schon 
etwas neues, und wir begegnen hier wider derselben eingangs- 
formel, die oben zu str. 26 nachgewiesen wurde. Stosch hat 
auch hier den schluss des abschnitts um eine Strophe zu spät 
angesetzt. — 5) — 7). Die letzten drei abschnitte des ersten 
bruchstücks kann selbst Stosch (s. 199) nicht mit seiner son- 
stigen schärfe durch die str. 83 und 108 als grenzsteine fest- 
stellen, da beide Strophen die eigentümlichkeit haben, zugleich 
das vorhergehende abzuschliessen und das folgende anzukün- 
digen, also gewissermassen eine neutrale zwischenregion bilden. 
Hier können wir also ebenso wie beim zweiten bruchstück, 
dessen sehr schwach begründete teilungen (s. 205) einzeln zu 
besprechen ich mir wol ersparen kann, den versuch einer 
solchen Scheidung, gegen den wir überhaupt schon mehr und 
mehr mistrauisch geworden waren, als gänzlich gescheitert 
betrachten. Die geheimen compositionsgesetze, die auf diese 
weise erschlossen werden, sind doch im letzten gründe, mag 
man nun den teilungen Stoschs beistimmen oder andere vor- 
ziehen, deren möglichkeit und grössere Wahrscheinlichkeit ich 
nachgewiesen habe, blutlose Schemen gegenüber der pathetischen 
grosse der diction der genialen dichtung, deren einheitlicher, 
wahrhaft künstlerischer aufbau aller chorizontenklugheit spottet. 
Was soll nun aber eigentlich, wird man fragen, durch dieses 
ganze teilen in kleine abschnitte, vorausgesetzt dass es sich 
wirklich widerspruchslos durchführen Hesse, gewonnen werden? 
Wird denn die wissenschaftliche erkenntnis der dichtung da- 
durch irgendwie gefördert? Zu einer wichtigen entdeckung hat 
Stosch diese betrachtungsweise verholfen, deren resultat gläubig 
hinnehmen mag, wer dazu im stände ist. Die strophenzahl 
jedes einzelnen dieser kleinen abschnitte ist, wie er gefunden 
hat, immer durch 6 teilbar (s. 194)! Wolfram hat also bei 
der abfassung des Tit. eine völlig sinn- und zwecklose mystische 



UNTERSÜCnUNfJKN UKBKK \VOI,FKAMS TITrKKI-. \'M 

zalilenspielerei getrieben und dir nilid. literaturgescliiclite daif 
mit stolz nun neben den beptadcn der Laehmannsclu'n Nibe- 
lungenlieder auch die liexadcn des 'l'iturel registrieren. J)n 
liccrd ouch (jdouhc zuo! Stoseh weist zwar (s. 207) darauf 
hin, man werde nicht 'die teilungszahl seclis mit wolfeilt-m 
spotte widerlegen", da dies auch bei den heptaden nicht ge- 
lungen sei. Indessen wird mir jeder un))efangene zugeben, 
dass es schwer, ja fast unmöglich ist, ein derartiges hirn- 
gespinnst ernsthaft zu discutieren. seit Zarncke in seinem be- 
kannten aufsatz (l^reuss. jahrl)b. 40, 475) die zahlenspielereien 
Lachmanns griindlicli beleuchtet und, sollte man denken, für 
immer abgetan hat. Aber unsere position dieser frage gegen- 
über ist durchaus gar nicht so verzweifelt schwach, da.ss wir 
notwendig zu den waffen des spottes greifen müssten: auch 
hat das Zarncke meines eraclitens in seinem aufsatze nirgends 
getan. Im ernste will ich Stoseh nur das oben gewonnene 
resultat entgegenlialten: eine unbefangen vorgenommene gliede- 
rung des Tituiel in kleinere abschnitte ei'gibt nicht durch 
teilbare .«^trophengruppen; vielmehr entstehen nur dann hexaden, 
wenn man mit einer petitio principii ihr Vorhandensein voraus- 
setzt und mit diesem Vorurteil an die betrachtung herangeht. 
Stoseh hat die hexaden nur gefunden, weil er sie suchte; ihr 
objectives Vorhandensein ist unbewiesen und unbeweisbar. 

Und noch ein zweites kommt hinzu. Auch wenn man Stosrli 
in allen jiunkteu in seiner feststellung der einzelnen al)schnitte 
der Titureldichtung beistimmt, auch dann k<»nnen die hexaden 
erst durch die üblichen weiteren manipulationen, durch athe- 
tesen und ansetzung von Micken, hergestellt werden, wie wir 
.sie ja bei der liederconstructiou überall in kauf nehmen nni.v<en. 
Auch auf diese kritik des echten und die dabei in action ge- 
setzten kriteiien muss ich mit »*in j-aar Worten zu sju-erhen 
kommen. Auf die allgemeine l)egrün<luiig (s. IDri), die kenn- 
zeidien des unechten .seien die.selben, die Müllenhoff für die 
Xibeluufren präcisiert habe, und es zeige sich in der er- 
weiterung und .Sammlung e|>ischer Weder ülwrall dH.v.«ielbe 
princip, das von der 'geschmacklosigkeit gewij^wr rompilaton'n' 
bestimmt wurde, blanche ich w(d nicht ein/.npehen: es ist 
schon oft darauf hingt'wiescn worden. wa.s für ein .M)nderbHrer 
menschenschlag diese menge von geschmacklosen inleri»olatoren 



138 LEITZMANN 

gewesen sein müssten, die es sich zur lebensaufgabe machten, 
schöne und vollendete dichtungen planmässig durch alberne 
oder langweilige Zusätze zu zerstören, wenn ■ — es je der- 
gleichen gegeben hätte; denn nirgends und zu keiner zeit ist 
etwas derartiges historisch nachgewiesen, das zudem zu den 
psychologischen Ungeheuerlichkeiten gehören würde. Dass die 
Lachmannschen kriterien des echten von verschiedenen selten, 
namentlich von Heinrich Fischer in seiner bekannten Streit- 
schrift einer eingehenden kritik unterzogen worden sind, musste 
Stosch erwähnen und sich mit den dort ausgesprochenen zweifeln 
auseinanderzusetzen versuchen, wozu gar kein ansatz gemacht 
wird. Nun decken sich aber die gründe, durch die sich Stosch 
zur athetese einzelner Strophen bewogen fühlt, durchaus nicht 
immer mit den von Müllenhoff präcisierten kennzeichen. Sechs 
Strophen (33. 34. 36. 94. 135. 136) sind nach Stoschs macht- 
spruch nicht von Wolfram ; nur in zwei fällen aber wird eines 
der Müllenhoffschen kennzeichen verwertet. Str. 33 und 34 
wurden schon von Haupt (Zs. fda. 4, 396) wegen je eines inneren 
reimes für unecht erklärt: nun wird der innere reim einmal 
für die erste dieser beiden Strophen erst durch eine sicher 
falsche caesurstellung hergestellt, die dann leider in die späteren 
auflagen von Lachmanns ausgäbe übergegangen ist, andrerseits 
ist das kriterium, wenn wie hier nur ein verspaar der Strophe 
caesurreim aufweist, nicht stichhaltig, da dieser eine innere 
reim sehr wol unbeabsichtigt und zufällig sein kann (vgl. 
Kauffmann, D. metr. s. 80) ; also hat Haupt seine athetese nicht 
'bewiesen', wie Stosch (s. 197) behauptet. Bei str. 135 und 136 
wird der Übergang der construction von einer Strophe in die 
nächste als kriterium geltend gemacht (s. 205): dass dies kein 
absolut bindender grund zur athetese ist, musste sogar Lach- 
mann selbst zu Nib. 827 zugestehen. Die str. 36 und 94 da- 
gegen fallen einzig dem hexadensystem zu liebe; denn was 
Stosch (s. 197. 202) gegen sie ins feld führt, dass sie 'unnötig' 
den Zusammenhang unterbrechen und 'unschöne' wortwider- 
holungen enthalten, wird er wol selbst nicht anders als rein 
subjectiv begründet nennen können. Da war freilich guter 
rat teuer, aber den hexaden zu liebe mussten zwei Strophen 
fallen, und er meinte wol, um mit Lachmann (zu Iwein 3474) 
zu reden, man werde keine andern 'mit leichterem §[e wissen 



UNTKRSrciirNCKN l KHKK Wol.KUAMS TITIUKI-. 1.",«) 

liiiigeben' können. — Auch z\v»'i litckcn stutiii«Mt Stoscholin»! 
jede handschriftliche gewähr aus der theorie lieraus. Die eine 
vor Str. 1.S2 (s. 204) würde man ihm h-irlit ghiuhen, da der 
unvermittelte ant'ang mit sus natürlich kt-in iinlanfang' sein 
konnte; wie es sich mit dieser stelle in wirkli(hk«'it verhält, 
werden wir später sehen. Di«' zweite nach str. :i(i ang»'.setzte 
lücke gewinnt er jedoch nur durch ein grammati.><ch«'s mis- 
verständnis (s. 198): er findet, dass nicht erzählt worden ist, 
dass Gamuret es war. der Hei-zelönden gewann, nachdem er 
vorher zu Belakanen und Ami)hlisen in b«'ziehungen gestanden 
hatte: 'der dichter will aber str. 37 nur verschweigen, wie 
Gamuret die.^e ersten Verbindungen lt»ste und wie er Herze- 
löuden sich erkämpfte". So hat Wolfram das wie sicherlich 
nicht gemeint, und ich glaube nicht, dass diese stelle aus.ser 
von Stosch jemals so aufgefasst worden ist: n-ic ei-setzt hier 
wie so häufig im mhd. und nhd. das gewöhnlichere d(u in 
objectssätzen (belege dafür im ^Ihd. wb. 3, 573a und bei Lexer 
3,87t)). Die hexadenliyi)Othese verrät Stosch sogar den um- 
fang der beiden von ihm angenommenen lücken: nach str. 3i) 
sind zwei, vor str. 132 fünf, wenn nicht elf oder gar siebzidin 
Strophen verloren. Damit dürften wir wol den festen boden 
nüchterner Untersuchung endgiltig verla.^sen haben, und es ist 
zeit, von Stoschs abhandlung ab.M-hied zu nehmen. 

Ich hielt es für angeme.s.sen, der Widerlegung «Icr au.s- 
einandei-setzungen Sto.^^chs .so viel zeit und raun» zu widmen, 
wie im vorhergehenden geschehen ist. nicht weil sie mir an 
und für sich so aus.serordentlich bedeutsam ei-schienen, sondern 
weil sie, wie ich schon früher hervorgehnben hab»«. n> kühn 
mit der absieht, etwas abschlie.ssendes zu geben, hervorgetreten 
sind, und weil facti.sch seit ihrer Veröffentlichung die forsohung 
über die.sen giö.vsten toi-so unsrer mittelalterlichen dichtung 
völlig stagniert hat. Selten dürfte »'in altdeut.'^cher text einer 
theoreti.M-hen <tinstruction oder einem parteidojfnm zu U^'Ih* w) 
gemishandelt und vergewaltigt worden .«^ein wie Wolfranu* 
Titurel durch Stosch, und doch haben wir derarliger eXjHTi- 
mente nicht wenige zu verzeichnen. 



140 I.EITZMANN 

Weiicleii wir uns nun von der negation zur position und 
versuchen wir zusammenzustellen, was sich über plan und 
composition von Wolframs Tit. etwa mit hilfe der gering-en 
handhaben, die uns leider nur gegönnt sind, wahrscheinlich 
machen lässt. 'Die Vermutung-, dass Wolfram es damit auf 
ein grösseres ganze abgesehen habe', so waren Müllenhof fs 
Worte, 'entbehrt ganz und gar jedes haltes.' Dass er selbst 
diese 'haltlose Vermutung' früher angenommen und aus- 
gesprochen hatte, wurde oben gezeigt. Und er stand damit 
keineswegs allein; vielmehr ist von allen forschern, die sich 
mit der dichtung eingehender beschäftigt haben, ohne aus- 
nähme die ansieht vertreten worden, dass wir den Tit. als 
bruchstücke einer höfischen erzählung anzusehen haben, die 
aus irgend einem gründe nicht fortgesetzt und zum abschluss 
gebracht Avurde. Schon der erste herausgeber Docen hat das 
in einer anmerkung klar und scharf ausgesprochen, deren 
Wortlaut ich nachher eitlere. Sein i-ecensent J. Grimm gibt 
einer ähnlichen anschauung ausdruck, wenn er sagt (s. 118): 
'wir gehen davon als etAvas gewissem aus, dass das alte lied 
kein blosses fragment, kein blosser versuch, sondern ein ganzes 
gewesen ist, dessen anfang und ende verloren gegangen'; auch 
ihm schien also, w^as für unsere betrachtung das wesentliche 
ist, das auf uns gekommene fragment nur als teil eines grösseren 
ganzen verständlich; ob dieses ganze einmal vorhanden, wie 
er meint, oder nur im geiste des dichters geplant war, wie 
Docen behauptete, ist eine nebensächliche frage. Mit modifl- 
cationen, die den kern der sache nicht treffen, haben sich in 
ähnlichem sinne Lachmann (an den schon früher citierten 
orten), v. d. Hagen (MS. 4, 210), Pfeiffer (Germ. 4, 305), Bartsch 
(ausgäbe 1-, xvi), Domanig (Parzivalstud. 1, 32, anm.), San 
Marte (Zs. fdph. 15, 390) und zuletzt noch Borchling (s. 96) aus- 
gesprochen. Wenn eine ansieht übereinstimmend von so ver- 
schiedenen selten aus gewonnen wird, so müssen wol in der 
Überlieferung momente gegeben sein, die mit einer gewissen 
zwingenden notwendigkeit den weg dahin weisen. 

Diesen von Müllenhoff abgeleugneten, aber darum nicht 
weniger festen und sicheren 'halt' bildet in erster linie str. 39, 2 
des alten gedichtes selbst. Dort heisst es, wie Schionatulander 
in die erzählung eingeführt wird: 



UNTERSUCIIUNOKN VKUVAl WOI.lUAMs TI HUKI-. 111 

(lin werde kiine^'imif im It'.li ,liz kiiit: .liiz mUfZt-n wir iiorli ynmu. 

tlaz erwurp sin wiuin kiii<lt;.s mIUzi-: 

er wirt dirre riventiiire lierre. irli )ikii nlit, iliiz i<li kiiit iliirch in trrliez»-. 

ISc.iiuu I)()c»Mi (s.3()) iiiaclit liicrzu die .iiiiii.m kiiiijr: '«h-r (liilii.-i- 
liatt«^ «'S also ziivt'ilässi^ daraiit' aii^Tlc^l , ilni j^oiiizcii loniuii 
von SclKtyiiatiilandt'rs und Si^nincn lifbc so zu lit'aiheiti-n.' 
Wenn man dir genaue [.aialleic l'arz. IKl, 12 üac ir irol iniitjit 
erkennt ti, irrr dlrre änntiure lierre st daneben liillt, so sielit 
man deutlich, dass dirre drentmre lierre nichts anderes be- 
deuten kann als 'lield dieses ronians, dieser geschichte'; ülm- 
li«-h nennt Wolfram Parz. 434, 1 der trau Aventiure gegenül>er 
wortspielend den l^uzival ihren und seinen liern-n. \\«iin 
Stosch (s. 2()7) bemerkt 'drintinn: bedeutet den scliriltlich aut- 
gezeichneten bei'iclit. die uikuiidliclie (|iielle, (dine dass damit 
übel- die dichtungsart, ob lied oder e|.(»iiöit'. etwas entsdiiecb-u 
wäre', so setzt er eine gezwungene deiiiung an stelle einer 
einfaclien und naheliegenden und kommt ausserdem mit dem 
Sprachgebrauch der mlid. dichter in ctmllict. durchaus tret'iVnd 
hat Lachmann (^- >^.) darauf hingewiesen, dass, so alt der name 
«/•c;<///ov für teile grosser gedichte in liss. sei, bei cb-n dichtem 
selbst nui' die ganze sage so heisse; fiii' W'idfram s|»eciell )»e- 
zeugt das ein übei blick über die im .Mhd. wb. 1, 71 gesammelten 
stellen. So muss es denn wol angesiclits dieser ausdrücklichen 
angäbe \\'(dfiams ])ei der anschauung, dass er einen liötischeu 
roman von Schionatulander dichten wollte, sein bewencbn 
haben. Wenn ich weiterhin darauf hinwei.se, dass er auch 
schwerlich etwas anderes als einen loman habe dichten können, 
da die ganze praxis und te<hnik seiner zeit ihm nur elwn dies*« 
und keine andere hötische kunstform für ein erzählendes ge- 
dieht nahe legte und er in diesen traditionell seiner zeit natur- 
gemäss befangen war und blieb, .so kann ich mich mit diesem 
Wahrscheinlichkeitsargument freilich nur an diejenigen wenden, 
die nicht durch die liedertheorie von anderen künstleri.-when 
traditionen überzeugt sind. 

in zweiter linie kommen dann auch nm-h eine anzahl 
anderer stellen in betracht, in denen der dichter auf den inlialt 
»les von ihm geplanten ronums. wenn auch nur in nlljfemeinereu 
Wendungen, anspielt. Diesen inhalt in g«'naueren einzelheitm 
/.u reconstruiereii, wie dies melirfacli vei>ucht wurden isl, i»t 



142 LEITZMANN 

uns natürlich unmöglicli. Aus den anspielungen, die im Parz. 
vorkommen, gellt nur das mit Sicherheit hervor, dass den beiden 
liebenden, die wir im ersten frag-ment so glühend ihre empfin- 
dungen für einander äussern hören, eine befriedigung dieser 
Sehnsucht ihrer herzen nicht beschieden war. Die schwere 
Verschuldung, die Sigune dadurch auf sich lud, dass sie ihre 
minne an die widererlangung des brackenseils knüpfte, musste 
sie mit bitteren schmerzen büssen, indem Schionatulander seine 
treue liebe durch einen frühen tod in ritterlichem kämpfe be- 
siegelte. Der Parz. führt uns dann Sigune mit dem leichnam 
des geliebten im schösse und später als einsiedlerin bei seinem 
grabmal vor äugen, wie sie ihr ganzes übriges leben der er- 
innerung an den verlorenen geweiht hat. Wie und auf welchen 
Umwegen im einzelnen Wolfram seine zuhörer zu diesem glanz- 
vollen endpunkte führen wollte, wissen wir nicht. Dass, wie 
Stosch (s. 189) will, auch Schionatulanders Schicksale im Orient, 
ein darauf folgendes neues zusammenleben mit Sigune und 
später abenteuer im suchen nach dem seile und in der Ver- 
teidigung von Parzivals erbe gegen Lähelin geschildert wurden, 
möchte ich nicht mit solcher Sicherheit behaupten. Ein zu 
genaues reconstruieren scheint um so bedenklicher, wenn man 
den Inhalt unsrer beiden eihaltenen bruchstücke mit den 
mageren andeutungen im Parzival zusammenhält, aus denen 
auch nur einen zug der Wolframsclien erzählung zu gewinnen 
niemand im stände gewesen wäre. Die oben erwähnten all- 
gemeineren Avendungen, die uns auf den gang der handlung 
einen rückschluss erlauben, vorausdeutungen auf zukünftige 
ereignisse, wie sie das volksepos liebt und wie sie Wolfram 
auch in seinen beiden andern romanen nicht so gar selten, 
wenn auch nicht so häufig anwendet wie hier, wo er den ton 
der volksepik bewusst nachahmt, sind von Stosch in seiner 
abhandlung meines erachtens nicht richtig aufgefasst worden. 
Er bezieht diese vorausdeutungen viel zu ängstlich auf das 
unmittelbar folgende, was ihm freilich bei der aufstellung seiner 
symmetrischen abschnitte in den 'liedern', die wir oben als 
mislungen zurückweisen mussten, eine wesentliche Unterstützung 
gewährt. Dabei übersieht er aber, dass diese Wendungen weder 
im volksepos sich jemals in dieser art, sozusagen als capitel- 
überschriften oder paragraphentitel gebraucht finden, noch 



UNTEKSUCIIUNOKN TTKHFH WOT.FUAM« TITUKKI,. l IT 

Uberljaupt ciiu» solche sclieiiiatischc unlH'liolfenlH'it «•(•lit«*n 
(liclitern zuzutrauen ist. Diese voiausdeulunKen beziehen sieh 
stets auf (Umi weiteren oder auch zuweilen weitesten verlauf 
der ^esaninitfabel; das lehrt eine durchsieht schon einer kleinen 
l)artie irgend eines unsrer volksepen. (lenau so ist e« mit 
den ähnlichen stellen im Titnrel, di«' Stosch (s. 11)0, anm.) un- 
vollständig- aufVezälilt hat. ^^'enn ^\'(llfram str. 37, t lon mmj- 
tuomlh'hcf minne künden will oder 50, 2 ausruft na hcerd 
miujtUch sorijc nnäc nianheil mit den arbeiten, so j^ibt er damit 
das thema seines ganzen romans, nicht einzelnei- teilst ückchcn 
an: die liebenden gelangen nie zum gegenseitigen besitz, nach 
dem Scliionatulander in den siiczen snreii urlxiten il'1/1) ringt, 
und so ist Sigunens liebe und der dadurch ihr veiursacht*^ 
kummer zeitlebens jungfräulich; sie bleibt eine mufftuomlichc 
witene ('A,), 1), wie llerzelüude. ehe (lamuict sie gewann. Auf 
die ritterlichen kämpf«', dit; Scliionatulander bevorstehen, wiid 
auch 102,1. 128.1. 1(')3, 4 hingedeutet; noch häutiger wird 
genau wie im Nibelungenliede der tragische ausgang der er- 
zählung namentlich im zweiten biuchstiick von anfang an be- 
tont (108,4. 185,3. 130,4. l;!8, 1. 151.3. 15S. I. 15H.4). Inder 
schlusssti-oidie (170,3) wird dann ausdrücklich die Spannung 
auf das endresultat der abenteuerlichen fahrt des Jünglings in 
aller schärfe erregt. Wenn Stosch also (.«<. 104) fragt, wo in 
den bruchstücken eine lücke in der composition, wo ein niotiv 
sei, das nicht bis zu ende durchgeführt wäre, wo ein punkt. 
der zu seinem Verständnis ein«'i' directen fortsetzung bedüift«'. 
so veimag ich diese fragen mir so wenig anzueignen wie die 
daran angekiiüj.fte spitzfindige Unterscheidung zwischen einer 
dem 'eidschen sängei ' zukommenden 'freilicit ', den gruntlst«M'k 
seiner sage als bekannt vorauszusetzen, und eim*r lücke in der 
composition. Ww sehen nichts von uKinlnit mit tlrti nttuitm 
(50,2), von Schionatulanders waldveixhwendung im minne- 
»lienst (102,1), von seinem an i>risc üf stufen (128,1); nur 
versprochen wird uns. da.ss wir es .sehen .sollen, und die 
schlussstiophe stellt eine Weiterführung der er/äiilung direct 
und unzweideutig in aussieht, l'nd alle diese Spannungen xu 
hi.stMi. alle diese angedeuteten motive fortzuspinm-n war nur 
möglich im rahmen eines roman.s. 

Zwei bruchstück«* nur dieses geplanten ShiniiatulandtT- 



144 LEITZMANN 

romans sind uns aufbehalten, in der Überlieferung zwar un- 
mittelbar zusammenliäng-end, aber inhaltlich un verbunden; 
zwischen beiden klafft eine fühlbare lücke, die uns auch der 
j. Tit. nicht überbrücken hilft. Der anfang- des zweiten 
fragnients schwebt mit einem recapitulierenden .sns, dem nichts 
vorangehendes Inhalt gibt, völlig in der luft; wir befinden uns 
in einer ganz andern Situation als zum Schlüsse des ersten 
bruchstücks. Es liegt kein zwingender grund vor, diese lücke 
allein der entstellenden Überlieferung zuzuschreiben: schon 
früher habe ich darauf hingewiesen, dass bereits der jüngere 
bearbeiter diesen unvermittelten anfang vorgefunden hat (vgl. 
oben s. 123). Die str. 170 kündigt eine nicht vorhandene fort- 
setzung an; es ist äusserst walirscheinlich, dass auch str. 1 
nicht den anfang des ganzen romans hat bilden sollen. Seine 
beiden andern grossen gedichte eröffnet Wolfram durch all- 
gemeine betr achtun gen, von denen aus er erst zu seinem 
Stoffe überleitet; man wird schwerlich annehmen wollen, dass 
er es beim Tit., seinem dritten höfischen roman, so ganz anders 
gemacht haben und olme irgend ein einleitendes wort, ohne 
exposition direct mit der rede des greisen gralkönigs eingesetzt 
haben sollte. Wir erinnern uns, dass sclion J. Grimm ähnliche 
anschauungen aussprach und anfang und ende des romans für 
verloren hielt. Näher wol liegt eine andere annähme, die 
den zustand der Überlieferung einfach und vollständig erklärt: 
Wolfram hat zunächst zwei ihn besonders anziehende stücke 
seiner fabel gesondert bearbeitet, ist aber dann nicht mehr 
dazu gekommen, die Verbindung zwischen beiden herzustellen, 
ebenso wie er anfang und ende, vorausgehendes und nach- 
folgendes, sich für spätere zeit zur bearbeitung aufsparte. Er 
bearbeitete also seine quelle nicht streng nach dem chronolo- 
gischen faden der ereignisse, sondern stückweise nach freier 
neigung, um dann die fertigen teile aneinanderzufügen. Diese 
anschauung von seiner arbeitsweise wird uns durch die Über- 
lieferung der Titurelbruchstücke ungezwungen nahegelegt. 
Die perspective, die sich dadurch auch auf seine beiden 
anderen grösseren erzählungen eröffnet, darf ich hier nur 
andeuten: man hat die Selbstverteidigung am Schlüsse des 
zweiten buchs des Parzival für ein späteres einschiebsei ge- 
halten ; man hat neuerdings mit gewichtigen gründen, die mir 



UNTEKSUCUUNGEN UEBEK UOMKA.MS 'MTUREL. 145 

Uuicli Zwierzina und Nolte, auf deren gegenarpumfiitr ich an 
andeieist('lle näher <'iiizii<;(*lit'n hdftV, nicht «üschiitteit scheinen, 
die ersten beiden büclier und mit ihnen die retlectierende ein- 
leitung für jünger erklärt als die zunächst folgenden. Der- 
artige behauptungen würden an der cuiiii>osition des Tit. eine 
gewichtige stütze linden. Weshalb Wolfram den Tit. unvoUendet 
Hess, können wir gleichfalls mit ziemlicher Sicherheit sagen. 
In früherer zeit hat sich namentlich Pfeiffer ((jerm. 4, :iOü) 
damit abgequält, motive für diese merkwürdige tatsache aus- 
findig zu machen, da ja ihm der Tit. für eine Jugendarbeit 
des dichters galt. Ich brauche auf seine auseinandersetzungen 
nicht des genaueren einzugehen, da alles was er angeführt 
hat und worin ihm Bartsch in der einleitung seiner ausgäbe 
treulich gefolgt ist, sich beim ersten blick als gesucht und 
gezwung^-n erweist und zum teil auch auf falschen voiau.s- 
setzungen beruht. Da der Tit., wenn ich das ergebnis des 
folgenden capitels hier kurz vorausnehmen darf, Wolframs 
letztes, nach dem ^\'illehalm begonnenes werk ist, so werden 
wir nicht zweifeln können, dass der tod ihn an der fortsetzung 
und Vollendung der bruchstücke gehindert hat, die wir nun 
als gewaltigen torso besitzen. 

Unsre bisherigen betrachtungen über comitosilion und 
technik des Tit. haben, wenn ich es noch einnml kurz zu- 
sammenfasse, folgendes resultat ergeben: die beiden Inhalt - 
licli unverbundenen bruchstücke sind nicht 'eitische 
lieder' von gesonderter künstlerischer existenz nach 
dem muster etwa der von Lachmann construierten 
Nibelung«'n'lieder'; es sind vielmelir fragmente eines 
geplanten höfischen romans von Schionat ulandei-, an 
dessen abschliessender, lückenloser ausgestaltung 
der dichter, in dessen al)sicht eine solche zweifellos 
gelegen hat, durch den tod verhindert worden ist. 

III. Die ahlasMini^szeit. 
l'eber das chronologische Verhältnis des Titurel zu den 
beiden andern hölischen ronmnen \\'olframs sind im laufe der 
zeit die verschiedensten ansichten aufgestellt worden. Die 
kritiker der Docenschen ausgäbe (vgl. .1. Grimm s. 118 und 
ychlegel S.31U) setzten ihn an das ende der dichlerlscbeu 

Beitrage zur gcschichte der deuUchco tprachc XXVL 10 



146 LEITZMANN 

lauf bahn Wolframs, und zwar mehr aus gTÜnden des gefühls 
und wegen eines gewissen eindrucks von künstlerischer reife, 
den sie von den bruchstücken empfiengen, als dass sie ihre 
anschauung durch greifbare beobachtungen und discutierbare 
gründe zu stützen auch nur versucht hätten. Und ein solcher 
nach weis müsste doch unternommen werden, wenn wir auch 
von vornherein zugeben müssen, dass Grimms feiner poetischer 
sinn zu einem durchaus richtigen Werturteil geführt hat, wenn 
er sagt: 'Oranse und selbst der Parzival können sich dem 
Titurel auf keine weise messen'. Zu derselben auf Stellung ist 
dann selbständig, wie es scheint, auch San Marte (Leben und 
dichten AVolframs 2, 344) gelangt; aber auch er formuliert, 
ohne sich der älteren gewährsmänner zu erinnern, nur schlecht- 
weg einen subjectiven eindruck von rein individueller beweis- 
kraft. Späterhin erscheint diese möglichkeit, das chrono- 
logische Verhältnis der Wolframschen dichtungen anzusehen, 
ganz und gar ausser beachtung gestellt, und ist auch nirgends 
wider von selten neuerer forscher einer prüfung wert erachtet 
worden; wenn daher ganz neuerdings Wechssler (Die sage v. 
heil, gral s. 181) die Titurelbruchstücke schlechthin als Wolf- 
rams 'letztes, unvollendetes werk' bezeichnet, so spricht er 
nicht die bis heute allgemein herschende ansieht aus. Zwischen 
Parzival und Willehalm hat Lachmann in seiner ausgäbe den 
torso des Tit. eingeordnet, und man darf wol annehmen, dass 
er mit dieser Ordnung auch seiner meinung über die Chrono- 
logie der drei werke ausdruck geben wollte. Pfeiffers hypo- 
these, dass der Tit. ein jugendversuch des dichters und vor 
dem Parzival geschrieben sei, hat Herforth widerlegt, der 
seinerseits zu dem resultat kam (Zs. fda. 18, 297), die bruch- 
stücke seien, 'ob wol später begonnen, gleichzeitig mit dem 
Willehalm entstanden'. Dieser meinung, die hauptsächlich auf 
dem Inhalt der nachher näher zu besprechenden str. *61 be- 
ruht, ist man heutigen tages wol fast allgemein beigetreten 
und hat sie auch anderweitig zu stützen versucht. AVer sich 
von der echtheit der str. *61 nicht wie Herforth und andere 
überzeugt halten mochte, ein zweifei, der jetzt allerdings durch 
die auffindung der Münchener fragmente gegenstandslos ge- 
worden ist (vgl. oben s. 103; Nolte, Anz. fda. 25, 304 anm. hat 
das übersehen), musste Lachmanns ansieht zu der seinigen 



UNTERSUCHUNGEN ViKWER \VOLFl{AMs TITLHKl-. 117 

maelien. Es lässt sicli mm. w'w ich fjlaiilx'. in der plauzen 
frage und speciell auch in Ijezug- auf das z«'it liehe Verhältnis 
des Titurel zum "Willchalin mit siclierheit zu einen» festen er- 
gebnis gelangen uiul der Sachverhalt ist wiiklich so, wie ihn 
J.Grimm schon vor fast neunzig jähren intuitiv erkannt hat: 
der Schionatulanderroman ist jünger als der ^\"ille- 
halm und A\'olfiams letztes, leider unvollendet ge- 
bliebenes werk. Die baiisteine, wie ich sie im folgenden 
zum beweise dieser neuen und doch alten behauptung benutzen 
werde, sind zum allergrössten teile schon von früheren forschem 
zusammengebracht und hergerichtet worden; aber man hat das 
verstreute material bisher nie im zusammenhange betrachtet 
und aus richtigen beobaclitungen oft nicht die richtigen schluss- 
folgerungen gezogen. 

Während ich die übrige einschlägige literatur dankbar 
verwerte, darf ich wol, ohne widersjjruch zu befürchten, die 
abhandlungen von Pfeiffer, Domanig und Janker ein für allemal 
von der berücksichtigung ausschliessen; als begründung dieses 
Verfahrens genügen wenige worte. Pfeiffers versuch (Germ. 
4, 301; widerholt Freie forsch, s. 85), "Wolframs Titurel als einen 
mislungenen und deshalb vom dichter selbst mit absieht auf- 
gegebenen jngendversuch nachzuweisen, hat ausser l)ei Bartsch 
(ausgäbe 1-, xv), soviel ich sehe, nur bei Edzardi (Tnterss. 
üb, d. ged. v. St. Oswald s. 105, anm.) volle Zustimmung gefunden 
und darf durch Herforths einwandfreie beweisführung (Zs. fda. 
18,281) für endgiltig widerlegt gelten. Pfeiffei-s ansieht ruhte 
in erster liuie auf einer falschen deutung der str. 37, die doch 
schon Docen (s. 17. 29) richtig verstanden hatte (vgl. auch noch 
Lachmann s. xxvii und v. d. Hagen, MS. 4, 210); da.^s dieselbe 
Strophe später für Stosch quelle eines neuen misvei"ständni.K.ses 
wurde, habe ich oben (s. 139) gezeigt. Schon das citat 78, 1 
zeigt klar, was Herforth noch durch eine reihe anderer stellen 
nachweist, da.ss Wolfram im Tit. «genaue bekannt.schaft mit dem 
vorau.ssetzt, was er im l'arz. berichtet hat. Pfeiffei-s .«sonstige 
nebengründe siiul gleichfalls durch die argmnentatinn Herforths 
hinfällig geworden: d'w ganze C()nstiuetii»n der stili.vti.«iehen 
und dichterischen entwicklung Wolframs, zu der Pfeiffer auf 
grund die.ser hypothese gelautet, tut der Überlieferung offen- 
bare gewalt au und ist entschieden zuiüekzuwei>en. Hartschs 

10* 



148 Leitzmann 

darlegung- schliesst sich sklavisch an Pfeiffers aiisführungen 
an, ohne die dagegen erhobenen scliwerwiegenden einwände 
irgend zu berücksichtigen; so sind denn auch die neueren auf- 
lagen der literaturgeschichten von Gervinus und Koberstein 
durch die hypothese inficiert worden. Auf die wunderlichen 
theorien näher einzugehen, die Domanig im ersten heft seiner 
Tarzivalstudien' über das chronologische und sonstige Ver- 
hältnis von Tit. und Parz. aufzustellen sich gedrungen gefühlt 
hat, liegt nach den ausführlichen besprechungen von Lucae 
(Anz. fda. 6; 152) und Kinzel (Zs. fdph. 11, 126) trotz des Ver- 
fassers rettungsversuch (ebenda 11, 486) keine veranlassung vor. 
Auch den versuch Jaukers in seinem programm über die chro- 
nologische behandlung des Stoffes bei den klassischen höfischen 
epikern (s.31), die Priorität des Tit. vor dem Parz. aus begriffen 
und erwägungen einer rationalen poetik heraus zu construieren, 
kann man wissenschaftlich nicht ernst nehmen: Wolfram, der 
seinen stoff im Parz. und Willeh. so streng chronologisch zu 
fixieren verstehe, habe diese technik im Tit. nicht geübt, also 
noch nicht gekannt! Die beobachtung an sich mag richtig 
sein; wert für die frage der Chronologie kommt ihr natürlich 
nicht zu, und die tatsache erklärt sich genügend durch den 
oft mit recht hervorgehobenen lyrischen grundcharakter des 
Tit. oder, vorsichtiger gesagt, der auf uns gekommenen frag- 
mente ; denn wie Wolfram im vollendeten roman die erzählung 
chronologisch gegliedert haben würde, wissen wir nicht. Es 
wird niemandem beikommen, Jaukers resultat als bestätigung 
von Pfeiffers ansieht, mit der es sich inhaltlich deckt, gelten 
zu lassen. 

Aber noch ein weiterer punkt muss erledigt werden, ehe 
ich zum eigentlichen beweise meiner obigen these fortschreiten 
kann. Herforth schliesst seine mehrfach erwähnte abhandlung 
mit den worten (s. 296): 'es ist demnach der Tit. . . . unter den 
werken Wolframs dasjenige, das am letzten begonnen worden 
ist. Dass es aber des dichters letzte arbeit überhaupt sei, dürfen 
wir wegen des ebenfalls unvollendeten AVillehalm nicht an- 
nehmen. Die bruchstücke werden, obwol später begonnen, 
gleichzeitig mit dem Willehalm entstanden sein'. Gegen den 
inhalt dieser sätze und ihre allgemeinen Voraussetzungen muss 
ich zwei einwendungen machen. Einerseits scheint mir die 



UNTERSUCHUNG I:N UEBER WOLFRAMS TITURKr,. 140 

annähme einer ;^leiclizeitigen entstelinjirr von 'l'it. und W'ilh'li. 
an sich aufs äussersie unwahisclieinlic li. Hei einem modeiiHMi 
dicliter wundern wir uns natürlich keinen auj^enblick. wmn 
wir ihn an mehreren di('litunj[>-en g-leiclizeitipr Ix'sdiiiflijrt linden, 
mögen sie nun dersell)en poetischen und stilistisclieii galtunf( 
ang-eliören oder verscliiedenen, ja heterogenen dichtungsgebieten 
zuzurechnen sein: die vielfältig versehlungmen fäden des 
modernen geisteslebens, die fülle verschiedenartigster an- 
regungen, ideen uiul motive, wie sie lieute und Uberliaupt in 
den neueren Jahrhunderten einer dichterpersrmlichkeit von 
allen selten zugeführt werden, lassen uns mehrfach neben 
einander aufkeimende uiul zu gleicher zeit in bearljeitung ge- 
nommene dichterische concei>tionen durchaus begreiflich er- 
scheinen; wir bedürfen sogar heutzutage häufig einer eigenen 
absichtlichen concentration, um den anforderungen einer ein- 
zigen aufgäbe gerecht werden zu können. Diese vei-hältnisse 
lassen sich aber nicht ohne weiteres ins mittelalter übertragen; 
sie sind vielmehr für einen mittelalterlichen dichter undenkbar. 
Dieser bearbeitet die eine ihm vorliegende (juelle und bedarf 
zu dieser seiner aufgäbe geAvis der vollkommensten concen- 
tration: gibt er nun die dichterische bearbeitung nicht aus 
ii'gend einem gründe vor dem abschluss ganz auf und lässt 
sein werk unvollendet, so dürfte er wahrscheinlichei-weise sicli 
im bannkreise seiner aufgäbe eingeschlossen halten, bis er 
dieselbe völlig gelöst hat. Ich spreche absichtlich von einer 
aufgäbe, denn in den meisten fällen, wo wie beim höfischen 
ronian der klassischen zeit Übersetzungen fremder literatur- 
werke in betracht kommen, arbeitet der dichter direet oder 
indirect auf veranlassung oder im auftrage eines fürsten o<ler 
gönners, durch den ihm auch seine (luelle zu banden kam. 
Entstand während der arbeit ein neuer dichteri.sclier idan. 
der gedanke einer dichterischen behandlung einer anderen 
quelle, so wurde doch gewis das angefangene werk ei-st zu 
ende geführt, ehe das neue in angriff genommen wurde; schon 
die lectüre der neuen quelle würde, ganz abgeselien von dem 
Zeitverlust, den dichter in einen ganz fremden gedankenkreis 
versetzt und so der älteren arbeit schaden getan haben. .\mii 
historisch kiainen wii- nirgends, wenn ich nichts übersehen 
habe, einen fall von gleiclizeitiger arbeit an verschiedenen 



150 LEITZMANN 

höfischen romanen constatieren. Icli miiss daher Herforths 
lösung der vorliegenden frage als innerlich unwahrscheinlich 
abweisen: wir müssen uns die alternative stellen, dass der 
Tit. entweder vor oder nach dem Willehalm gedichtet ist, 
und die entscheidung muss nach einer von beiden selten hin 
ausfallen. Trotz der technisch - metrischen Verschiedenheit 
beider werke, wie sie durch die anwendung der Strophe im 
Titurel und der reimpaare im AVillehalm notwendig bedingt 
war, haben wir es doch in beiden fällen mit derselben dich- 
terischen gattung, dem höfischen roman, und mit bearbeitungen 
fremder quellen zu tun; eine gleichzeitige abfassung erscheint 
mir darum um so mehr ausgeschlossen. 

Andererseits scheint mir Herforths auffassung der ent- 
stehung des Willehalm anfechtbar. Zu jener annähme einer 
gleichzeitigen abfassung wird er dadurch förmlich gezwungen, 
dass er den Willehalm für unabsichtlich unvollendet hält. 
Diese verbreitete ansieht ist meines erachtens unrichtig, 
jedenfalls aber unerweisbar. Ich gedenke anderweitig auf 
diese frage eingehend zurückzukommen und begnüge mich hier 
mit einigen kurzen andeutungen. San Martes ausführungen 
über den plan, den Wolfram in seinem Willehalm verfolgte 
(Ueb. Wolframs ritterged. Wilh. v. Oranse s. 122), sind durch 
Seeber (Ueb. Wolframs Willeh. s. 17), wie ich glaube, nicht 
widerlegt worden; aber sie verlangen eine kritische nach- 
prüf ung, die ich seiner zeit zu geben hoffe. So viel wird 
man mir ohne weiteres zugeben, dass die tatsache, dass im 
Willehalm der letzte abschnitt der Bataille <VÄliscans (vgl. 
darüber San Marte s. 94) nicht berücksichtigt ist, sondern das 
neunte buch mit dem abzuge des Matribleiz ins heidenland 
schliesst, sich an sich auch anders erklären lässt als durch 
die annähme, Wolfram sei durch den tod an der fortsetzung 
verhindert worden. Es kann sein, dass das exemplar der 
BafaiUe, das Wolfram durch den landgrafen Hermann erhielt 
und nach dem er arbeitete, am schluss unvollständig war, ihm 
also nichts weiter vorlag. Noch näher liegt eine andere 
erklärung, die mir die vorhandene Sachlage richtiger zu 
deuten scheint. Der Willehalm ist nicht unabsichtlich, sondern 
absichtlich unvollendet gelassen worden. Wolfram hat gegen 
ende des achten buches aus irgend einem gründe die lust an 



UNTERSUCH UNfiKN UERKK \V<pI,KIv'AMS TIT[-UI;i,. I .". I 

(1er arbeit verloren; das sagen mii aller wiiiiHlifii.su.'rl.-ii 
deutlichkeit die schlussverse (402, 18. 28): 

swer si kan an geläzen, 

als ez der ritersohefte gezeme, 

mit iniuein urlouhe er noiiie 

diz inii-re an sicli mit wtirtcn . . . 

swer nft lieze nilit ver(lerl)eu 

dirre aventinie niiere, 

deste holder ich dem wiere. 

Aus freiem entscliluss bricht der dichter seine arbeil ab und 
will sieh freuen, wenn der noch übrige dank])Hre sloff nicht 
verloren geht, sondern von einer andern kundigen haiul widei- 
aufgenommen wird. Was das treibende motiv zu diesem ent- 
schlusse gewesen sein könnte, wissen wir nicht sicher, \iel- 
leicht Avar es der tod des landgrafen Hermann, der im neunten 
buche (117,22) als verstorben erwähnt wird: von ihm hatte 
AVolfram einst, wie er selbst (:5, 8) berichtet, die «luelle und 
den auf trag der bearbeitung erhalten, in seinem dienste da.s 
werk rüstig gefördert; nun mocjite ihm sein Un\ die freude 
an der Vollendung für immer getrübt haben, zumal il»'rmanns 
nachfolger die weitgehenden literarischen Interessen uml >\ni- 
pathien seines Vorgängers nicht teilte. Dass er dann il<»ch in 
einem neunten buche, dessen eingang (KW,«)) die vertlus.M-ne 
arbeitspause deutlich erwähnt, wenigstens die haupt.sithlichsteu 
fäden der erzählung zu einem gewissen ende spann (vgl. auch 
Kohl, Zs. fdidi. l;{. 1()2), dazu Hess er sich vielleicht durch das 
zureden teilnehmender freunde bestimmen: aber die alte lust 
fand sich nicht dauernd wider, und auch dies neunte buch 
wurde vor der Vollendung mit einem iu)ldürftigen abs»'hluss 
aufgegeben; es befriedigte z. b. Wolframs fort.^etzer l'lrich von 
Türheim so wenig, dass er gros.se stücke daraus, wie Kohl 
(s. 158) nachweist, unberücksichtigt liess und die quelle neu 
übersetzte. Nimmt man an, da.^s der tod die volleutluug ver- 
hinderte, das werk also unabsichtlich fragment gebliebtMi 
wäre, so bleibt dei- s( hlusspassus des achten buches unver- 
ständlich und ;hmkel. Hei der von mir vorgetragenen an.«^iclit 
scheinen mir die tat.vachen am ungezwungen.sten und ein- 
fachsten erklärt zu sein. I>ie iiberlief.'rung des Willehalm 
kann uns also so wenig wie etwa die bekannten Worte l'I- 



152 LEITZMANN 

riclis von Türlieim über seinen grossen Vorgänger ein hindernis 
sein, den Tit. eventuell für Jünger zu erklären; für die cliro- 
nologisclie frage hat jener als vollendet zu gelten, da der 
dichter freiwillig auf eine fortsetzung verzichtet hat. 

Ich wende mich nach erledigung dieser Vorfragen nunmehr 
zum beweise der oben aufgestellten these, dass der Schiona- 
tulanderroman Wolframs letztes werk und später als der 
AVillehalm gedichtet ist. Hier ist zunächst der Inhalt von 
str, *61 von allerliöchster bedeutung. Obwol bis zur auffindung 
der Münchener fragmente nur aus dem j. Tit. (727) bekannt, 
wurde sie doch ganz allgemein von Docen bis auf Stosch 
für echt gehalten (vgl. oben s. 103); erst Nolte konnte sie 'in 
Wolframs munde ganz unmöglich' erscheinen; seit dem be- 
kanntwerden von M kann niemand mehr daran zweifeln, dass 
sie Wolframisch ist. An die bemerkung, dass Gamm^ets rühm 
bei Christen und beiden nie vergessen werden könne, schliesst 
Wolfram die worte an (ich suche den ursprünglichen text 
herzustellen und verweise für das einzelne auf die bemerkungen 
des letzten capitels): 

Si müezen in erkennen: er mac et niht eralten. 

Hennan von Düriugen wilent pMac eren, der immer künde 

Wunsches walten: 
swä man hoert von sinen genozen sprechen, 
die vor im hin gescheiden sint, wie künde sin lop vür die 

so brechen! 

Daz rede ich wol mit wärheit, niender nach wäne. 

Der rühm Hermanns von Thüringen übertraf alles bisher 
dagewesene, ruft der dichter in stolzer erinnerung seinem 
dahingeschiedenen gönner nach, indem er zugleich den nach- 
geborenen ein bild der nacheiferung aufstellt. Für Bartsch 
war diese Strophe, da er den Titurel für ein jugendwerk 
Wolframs hielt, naturgemäss ein stein des anstosses: statt sie 
aber für unecht zu erklären, stellte er die gezwungene Ver- 
mutung auf, ursprünglich hätten statt der praeterita praesentia 
gestanden, die Umwandlung in das tempus der Vergangenheit 
sei erst durch den jüngeren umdichter vorgenommen worden; 
der Tit. müsse ja auf alle fälle noch bei lebzeiten des land- 
grafen geschrieben sein (Germ. 13, 9). Seine argumente sind 
durch Herforth (s. 294) mit recht als nicht stichhaltig zurück- 



UNTERSUCHUNGEN UEBEH WOLFRAMS TlTrUKL. 103 

gewiesen worden, znnial sie eine jtetitio priiicipli enthaltHii. 
Später hat dann iStoscli (Zs. fda. 2«>, MO) diesen nacliruf auf 
Hermann mit vollem recht mit der oben erwähnten stelle im 
A\'illehalm in nähere verinndung f^esetzt, in der des land- 
grafen als eines verstorbenen gedacht wird; ubei- ei- hat die 
Schlussfolgerung nicht gezogen, die notwendig aus dieser /u- 
sanmienstelhuig folgt. Die bewusste stelle im Willehalm ^telll 
im neunten buche; wir glaubten vorhin den lesignieremieii 
schluss des achten auf den tod des landgrafen und A\'olfranis 
tiefen schmerz über dies ereignis beziehen zu dürfen. Wahr- 
scheinlich war Hermann gestorben, während W'oUVam am 
achten budie arbeitete, sicherlich nicht erheblich früher; 
demnach würde das erste Titurelfragment frühestens in die- 
selbe zeit wie das neunte buch des A\'illehalm fallen. Erinnern 
wir uns nun weiter der obigen ausführungen über die wahl- 
scheinliche continuität der arbeit an ein und demselben roman 
und über die wahrscheinliche entstehung des neunten buches, 
so leuchtet ein, dass es kein allzu gewagter schritt mehr ist, 
wenn wir den Tit. erst nach dem neunten buche entstanden 
ansetzen. Dazu stimmt eine vergleichung der beiden nach- 
rufe, von denen der strophische zweifellos wärmer und mehr 
mit dem ton der tiefsten, durch den wandel der dinge in 
Thüringen gefestigten Überzeugung vorgetragen erscheint. 

Weiterhin haben nach Bartschs vorgange Stosch (Zs. fda. 
32, 471) und Behaghel (Germ. ?4, 488) die beobachtung ge- 
macht, dass zwei namen. der des kaufen von Bagdad. Akarin. 
und der der grafschaft Ehkunats, Berbester, sowie die sara- 
zenische Würdenbezeichnung admirät Wolfram erst durch die 
JiataiUe (V Aliscans, die (luelle seines ^^'illehnlm. bekannt ge- 
worden sind. Der kalif von Bagdad, der in den ei>ten 
büchern des Parzival eine wichtig«' ndle spielt, hat dort keinen 
namen; im Willehalm (vgl. die stellen bei San Marte. l'eber 
Wolframs ritterged. \\ilh. v. Oranse s. 140) und im Tit. U». 2 
heisst er Akarin nach dei- lUümlk (vgl. schon Hart.sch. (lenn. 
stud. 2, 130). Aus derselben «luelle (vgl. ebenda s. 131) stammt 
der Ortsname Berbester, der im Willehalm (die stellen bei .^an 
Marte s. 142) als schlacjitruf, inri'it.42, 2 als name der heiniat 
des pfalzgrafen Khkunat vorkommt. Auch hier wider hat 
Stosch die notwendige consequenz seiner beobarhtuniren nicht 



154 LEITZMANN 

gezogen: 'mithin', sagt er (s. 471), Svurcle der Tit. verfasst 
zu einer zeit, als Wolfram entweder schon am Willehalm 
arbeitete oder doch bereits mit der hauptqiielle desselben, 
der Bataüle cV Aliscans, sich bekannt gemacht hatte.' Dass 
ich die erste dieser beiden möglichkeiten nicht gelten lassen 
kann, habe ich schon mehrfach betont; aber auch die zweite 
ist äusserst unwahrscheinlich, Wolfram sollte erst die Ba- 
taüle d' Aliscans gelesen, dann den Tit. geschrieben und dann 
erst jene fiiiher gelesene quelle bearbeitet haben? Bei jedem 
modernen dichter könnte ich mir einen derartigen process 
denken, bei Wolfram nicht. Dieser konnte w^ol nicht so gut 
französisch, um ein umfängliches gedieht wie die Bataille zum 
vergnügen durchzulesen und vor der bearbeitung erst eine 
andere dichtung zu schreiben. Als er das französische buch 
vom landgrafen erhielt, bekam er doch wol unmittelbar den 
auftrag der Verdeutschung, und lectüre und dichtung giengen 
dann hand in liand; diese annähme scheint mir glaubhafter 
als die Stoschs. AVie genau müsste Wolfram zudem gelesen 
haben oder eine wie merkwürdige auswahl nahm sein ge- 
dächtnis mit dem beträchtlichen namenmaterial der Bataille 
vor, wenn ihm gerade jene zwei nebensächlichen namen, die 
in dem französischen gedieht keine rolle spielen, bei der 
lectüre hängen geblieben sein sollten! Dass er vielmehr beide 
namen für den Tit. aus seinem fertigen Willehalm entnommen 
hat, wird ganz deutlich, wenn wir uns das vorkommen des 
Wortes admirät näher ansehen; auch hier muss die beobachtung 
Stoschs erst fruchtbar gemacht werden. Erst in der mitte 
des neunten buches des Willehalm taucht der name admirät 
als bezeichnung Terramers, einer der hauptpersonen des ganzen 
Werkes, auf (432, 16). Kurz darauf wird der name erst er- 
klärt (434,1): 

Swer den keiserlicben namen hat, 
den die beiden neunent admirät, 
der ist ouch voget ze Baldac. 
Terramer der beider pblac: 
er was voget und admirät, 

und kommt dann im verlauf des neunten buches nicht Aveniger 
als vierzehn mal vor (zu den bei San Marte s. 139 gesammelten 
stellen kommt noch 457,21). Wolfram gebraucht diese neue 



UNTKKSKCMUNfJF.N UKUKK WOLFRAMS 1 iriUl.I,. löö 

bezeifliminp- mit nnvt'rkcnnbaier vorlirlic. iiml wii- k»"tniuMi 
sogar best iiuiiit'ii, woher er sie «'iitlelint hat: aus (h-in Ivuhinds- 
lied des i)fatfen Koiirad. Den engen beziehnngen. dif den 
AVillehalni mit diesem gedieht verbiiKbMi. ist San Maite (s. 1»7) 
sorgsam nachgegangen, hat jedoeli diese enth-hnnng über- 
selien: der amirät von Vulih- (Kol. 130, 28) ist Wolframs 
([iieHe nnd die veranbissnng (hifür gewissen, (biss sidi aneh 
ihm noch am ende seines gedichts der fianzösisehe wortstamm 
in zwei getrennte werte cmcnd und (dlminU spaltete. Aus 
dem neunten buche des "W'ilhdialm ist dann der (ubnirnt al 
der Sarrazlne Tit. 93, 2 übernommen, dessen bedeutung nun 
als bekannt vorausgesetzt wird. 

Landgraf Hermann von 'J'hiiringen starb am 25. april 1217 
in (lOtlia. Nach diesem termin also ist das neunte buch des 
Willehalm gedichtet. Nachdem sich "Wolfram dann von der 
Vollendung dieses romans endgiltig losgesagt hatte, nahm er 
den Schionatulanderroman in angriff, von dem er nur zwei 
fragmente hinteiliess, als der tod ihn, wol nicht später als 
1218 oder 1211», abrief. Der dichter des j. Tit., der gegen 
1270 schrieb, war, Avie es scheint, recht gut orientiert über 
die lebensvei'hältnisse seines grossen voi'gängers. denn seine 
angaben bestätigen die vcu uns im vorigen gewonnenen 
lesultate durchaus. Kr setzt \\'olframs Titurehlichtung etwa 
fünfzig jähre vor seiner eigenen an und weiss auch, da.<s 
jener durch den tod an der Vollendung seines Werkes ver- 
hindert wurde; das lehrt die in B-'C-D- auf ll.'.O folgmde, 
bei Hahn fehlende strophe: 

Rime tlie zwivsilleu ilini l>iai ktuseil liio w.irfu 

vil verre hin dan geKpaltrii: (liirnärh »lic Iciifj«' w..l in vnnfzi. 

jAron 
zwivalirr rede was dilz niarc ne5<innet. 
ein nieister istz iif iifiiicn<lf, swt-nne oz mit t«>«li' «in nn<l«r 

liie tjoruniot. 

-Mit den imrhrnclK n seiner zeit übereinstimmend nimmt er 
zwar an (.V.)10, 1), dass dem Willehalm der anfang. dem Tar- 
zival der schluss fehle; hier wird er aber wol die fortM'lzung 
ririchs V(m Türlieim stillschweigend auf Wolframs rechnnnp 
setzen, weshalb ich seine ansieht für die oben dai-gelegte Auf- 
fassung des Willehalm nicht als zeugen anführen m«Vht»». 



156 LEITZMANN, UNTERSUCHUNGEN UEBER WOLFRAMS TITUREL. 

Eine betrachtung des stils soll im folgenden das hier ge- 
wonnene resultat noch weiter stützen. 

[ C r r e c t u ni o t e. Seit dem abschluss der vorsteheiuleu nntersuchimgen 
luid der al)liefeniiig- des niauuscripts an die redaction ist nur eine arbeit 
erschienen, die mir im liinldick anf s. 150 zu einigen bemerkungen anlass 
gibt, Bernliardts aufsatz 'Zum AVillebalm Wolframs von Escbenbacir (Zs. 
fdpb. 32, 36). Auch Bernhardt kommt (s. 40) auf grund der Schlussworte 
des achten buches, die doch deutlich genug reden, zu dem resultat, dass 
Wolfram 'willig' einem fortsetzer seine stelle räumen Avollte, dann aber 
doch einen 'notdürftigen scbluss' im neunten buche anfügte. Wenn er als 
grund für das abbrechen der arbeit 'ermüdung' und 'gefühl der alters- 
schwache ' anführen möchte, so sind das für uns uncontrolierbare annahmen ; 
eine greifbarere motivierung habe icli oben zu geben versucht. Der be- 
kannte nachruf Ulrichs von Türheim steht, was ich noch ausdrücklich be- 
tonen möchte, mit meiner auffassung in gar keinem Widerspruche. Wenn 
Bernhardt (s.37) allgibt, auch Gervinus habe wol den Willehalm für vollendet 
gehalten, so stimmt das nicht ganz, da dieser vielmehr sagt (Gesch. d. d. 
dicht. 1^, 610), Wolfram habe das ende des gedieh ts, das er anfangs nicht 
ganz übertragen wollte, liegen gelassen; auf eine begründung dieses Ver- 
zichts geht er nicht ein. Weiteres mag der oben angekündigten Unter- 
suchung vorbehalten bleiben. — Für die Wolfram bekannte Nibelungen- 
redaction (oben s. 132) und den gebrauch der bezeichnung äventiure (s. 141) 
ist jetzt auch auf Braune, Beitr. 25, 88. 189, anm. 2 zu verweisen. 2. april 
1900.] 

JENA, 4. october 1899. ALBERT LEITZMANN. 



zu UEBKELIEFKUrNT; UXI) TKXT VON KVSZ 
KLSTKXKKS JAKOliSlUa'KDKUN. 

In Eulings arbeit über die Jakobsbiüder Kunz Kistenei-s 
war die herstellung des textes die scliwierigste aufgäbe, da 
wir für den grüssten teil des werkes auf eine einzige durchaus 
nicht fehlerlose hs. zu Wolfenbüttel (A) und auf Gengenbachs 
bearbeitung (C) angewiesen sind. Trotzdem ist es Kuling 
gelungen, uns einen guten text zu bieten, wenn auch freilich 
noch nicht alles in Ordnung ist. Ich gebe im folgenden einige 
Vorschläge zur Verbesserung zweifelhafter stellen,') und beginne 
mit V. 801 — 950, die allein ausser in AC noch in den Frank- 
furter fragmenten B überliefert sind (abgedruckt mit gegen- 
überstellung von A und (' von R. P. AVülcker, (lerm. 17, 5'» ff.). 

Für den text der partie ist es natürlich wichtig, das vei- 
hältnis dieser drei Überlieferungen zu einander sicherzustellen. 
Wülcker a.a.o. s. ')') macht die bcmcrkung, dass öfters (icngen- 
bachs vorläge mehr zu B als zu A stimme. Kr .schlie.><.><t danui.»* 
jedoch nicht auf eine engere Zusammengehörigkeit beider: dies 
wäre auch nicht richtig gewesen. Knliiif,'' nimmt s.:V2 für AHC 
eine gemeinsame grundlage an, die sc Ikui >tark f«'jilerhaft ge- 
wesen .sei; eine nähere verwantschaft zwi.schen zwei dersidlien 
.sei jedoch ausgeschlossen. Hicscn .satz l)egründet er mit dem 
hinweis, dass alle drei Versionen ziemlich vir! eigene fehler 
hätten. Das beweist aber nicht.s, und E.'s annahm«' ist über- 
haupt nicht stichhaltig. 

Die Untersuchung der verwant.M-haft von AlU'. wolx'i 
unter C Gengenbachs vorläge verstanden werden .soll, miLss 



•) Die nachsttliiinltii l>»iiit'rknn^,'tii t-n» urlpion «as ««iner druiuichnt im 
Lit.-bl. f. gerra. u. roin. pliil. ersrhtiiH'mlen t)esprechnn|f . von «ler »ie ibmi 
umfauges wegen losgelöst wer<l»'n nnuisteu. 



158 HELM 

ausgehen von v. 867 — 876, die in AC felilen, aber in B stellen 
und zweifellos echt sind, nicht ein zusatz von B. Nähmen 
wir an, A und C seien nicht näher verwant, so müssten wir 
behaupten, dass sie beide diese zehn verse selbständig- aus- 
gelassen haben. Eine betrachtung der verse zeigt aber, dass 
dies ein sehr merkwürdiger zufall wäre. Es müsste doch ein 
äusserer oder innerer anlass nachzuweisen sein, der diesen 
zweimaligen ausfall wahrscheinlich machen könnte. Davon 
ist nichts zu finden. Weder überspringen auf den gleichen 
reim noch auf einen vers ähnlichen Inhalts ist anzunehmen. 
Der einzige nähere berührungspunkt zwischen 866 und 877 
ist das wort darnach; man könnte allenfalls zugeben, dass 
dies möglicherweise einmal mitwirken konnte, v. 877 direct 
an V. 866 anzuschliessen. Dass es aber zweimal derart gewirkt 
habe, ist doch im höchsten grade unwahrscheinlich. Viel ein- 
facher und ganz natürlich erklärt sich der Verlust von 867-876 
in AC aus einer gemeinsamen vorläge y, die bereits diese 
verse verloren hatte. 

Ob zwischen dieser vorläge und AC noch weitere Zwischen- 
glieder einzuschieben sind, ist nicht bestimmt zu ergründen, 
für A ist es aber, wie sich unten zeigen wird, anzunehmen. 
Die gemeinsame grundlage aller hss. x ist, wie schon Euling 
erkannt hat, bereits nicht mehr fehlerlos geAvesen, so dass sie 
nicht mit dem original gleichgesetzt werden darf. Wir erhalten 
also für die Überlieferung folgendes Schema. i) 

*original 



Von einer grundsätzlichen bewertung einer der Versionen 
einer andern gegenüber kann also allerdings nicht die rede 
sein, wol aber darf im allgemeinen eine lesart als gesichert 



1) Dass wir eine so betiächtliclie zahl von hss. annehmen müssen, hat 
nichts hefremdliches, da ja das thenia sich, wie wir Avissen, einer hesonderen 
beliehtheit erfreute. Es wäre deshalb nicht ausgeschlossen, dass auch noch 
weitere fragmente gefunden würden. 



zu KüNZ KISTENKUS JAKOnSMUrDKUN. I.V.» 

gelten, wenn J> und eine lis. dri- «^niipitc y iil»cr('in>tiniui«'n. 
Aber aucli davon sind ansnalinien mripflich. Wenn in x schon 
ein felller eing-ediiin^-eii wai-, so konnte eventuell H und eine 
hs. der gruppe y ihn beibelialten, während die dritte ihn ver- 
besserte; solche gemeinsame fehler von AB oder BC s. unten 
bei V. 005. 925. Wo sich B einerseits und A( ' anderei-seits 
mit verschiedenen lesarten gegenüberstehen, muss von fall zu 
fall die entscheidung getroffen Averden. Icji gebe nun zunächst 
eine Zusammenstellung der fälle, in denen wir in v. 861 — 950 
auf grund des Verhältnisses der Überlieferung von Kuling ab- 
weichen müssen. Daran schliesse ich textkritisches zu den in 
B nicht überlieferten partieu des Werkes. 

V. 861 lies tvell hegcrn BC. 

V. 866 u-ol, das Euling beseitigt, ist durch BC gesichert. 

V, 883. Der vers ist in der Überlieferung (AB) metrisch 
zu kurz. Aber das von Euling eingesetzte vor will mir nicht 
recht gefallen. Ich würde als ergänzung vorziehen: vrrr und 
uit, vgl. Troj.;jG03;3. 

V. 895 f. Die von Euling aufgenommene lesart steht nur 
in A. W haben gemeinsam 

(laz er in lieze wizzon <l:iz 
wie im ze helfende was. 

Dem hss.-verhältnis nach ist dies für das original anzu.setzen: 
die ansdrucksweise ist ganz die Kistenei-s. Das im reime 
stehende das, das den folgenden satz vorwegninnnt , begegnet 
bei ihm oft, vgl. v. 282. 321. 129. 513. 731. 791. 851. 1(>:;5. 
Uli. 1114. 1111. 

Auffallen kannte in v. H!t6 der indicativ. Alx'i wii- habm 
im gedieht selb.st noch weitere beispiele für denselben gebrauch: 
V. 907 des hcrrcn sun (jtdahtr, nie er die trü volbmitte; v. 112«» 
€Z ist niit laut/, do srile er mir, tric lui ze hdfcndv was (wortl. 
= 896!). 

V.905 fehlt AB ahcr, da.s Kuling aus (' in den text auf- 
nimmt. Zweifelh»s verlangt der sinn ein thxit «wler ahn-, es 
wäre jedoch verfehlt, aus diesem -gemeinsamen' fehler von AB 
auf eine engere zusannnengehörigkeit zn schlieswn. Solchi's 
zufälliges zu.samment reffen von h.vs., die ganz unabhäntriß: von 
einander sind, findet sich ja in der Überlieferung j««I.'s d.iik- 



160 HELM 

mals. Es wäre übrigens leicht möglich, dass der fehler schon 
in X steckte und C selbständig dem sinne entsprechend ge- 
bessert hat, 

V. 920 do fehlt AB. Das vom ansfall des aber in v. 905 
g-esagte gilt hier in noch höherem grade, da dieses do gar 
nicht vom sinn gefordert wird. Ich würde deshalb sogar vor- 
ziehen, es als einen zusatz von C zu betrachten und zu streichen. 

V. 925 BC da lieyme. Euling streicht hcyme mit recht. 
Dass BC selbständig lieyme zugesetzt haben sollten, ist schwer- 
lich anzunehmen. Wahrscheinlich gehört der fehler schon x 
an, und wurde von A wider beseitigt. 

V. 927 lies einer traclde B, speise, gericht. 

V. 928 lies l>alde anwie und trags (auf traclde zu beziehen) 
hinah. halde ist durch AB, anime durch BC gesichert, se ist 
Zusatz von y, das an der knappen ausdrucksweise halde und . . . 
anstoss nahm und zu trag ein correspondirendes verbum ein- 
setzte. B tilgte das ihm überflüssig scheinende und, das aber 
gerade durch die ergänzung in y für x belegt wird. Zur aus- 
drucksweise selbst ist zu vergl. v. 1030 halde, daz wir hin 
ahe sind, wo halde wie in 928 an stelle eines ganzen satzes 
steht; 853 sü uf undc halde hin. 

V. 941— 945. 9411 fehlen in A, sind aber durch BC in 
der von Euling aufgenommenen lesart gesichert. 943 — 945 
übernimmt Euling den text von A; davon fehlen aber 943 f. 
in BC, und 945 lesen diese beiden er sprach: nu ivil ich sniden. 
Hierin sieht E. gemeinsame änderungen von BC. Nach dem 
Verhältnis der Überlieferung ist dies nicht denkbar. Vielmehr 
sind auf grund von BC die verse 943 f. dem original abzu- 
sprechen und trotz Euling s. 34 als ein zusatz von A zu be- 
trachten. Wie dieser entstand, ist leicht zu erkennen. Wir 
müssen zwischen y und A noch ein weiteres glied annehmen, 
in welchem v. 941 f., die nach dem ausweis von C in y noch 
standen, ausgefallen waren. Die dadurch entstandene lücke 
im gedankengang sucht A durch einfügen der neuen verse zu 
füllen. V. 945 muss dann ebenfalls die lesart von BC eingesetzt 
werden. Euling hat das wil jedenfalls nicht aufnehmen wollen 
wegen v. 949. Der Widerspruch ist aber nur ein scheinbarer. 
Der gedankengang ist folgendermassen anzusetzen. V. 934 ff. 



zu KUNZ KISTENKKS .lAKOHSIUCÜDKUN. 1()1 

klagt der graf. dass er sein kiiul umbringen müsse; !♦}') f. 
spricht er den entscliluss aus, nun zu einen der leiden Christi 
die tat zu vollbringen; 947 erwacht das kind und lächelt ihn 
an. Dadurch wird sein entschluss erschüttert. Es ist dies 
ein zug der auch sonst begegnet, z. b. in der sage von W'oU- 
dietrich: Berchtung reitet in den wähl, dort das kind zu töten, 
als der kleine aber mit seinen iianzeriingen spit-lt uinl ihn 
anlacht, vermag er die tat nicht zu vollbringen. 

V. 951. BC sprach. Das von Euling aus A aufgenommene 
brach ist zweifellos ri(;htig. B und (' haben selbständig ge- 
ändert, w^as bei diesem ungewöhnlichen ausdruck durchaus 
erklärlich ist. 

V. 74 ff. sind wol anders abzuteilen. Ich ziehe v. Tö zu 71 
und lese durch das er ein rrnni man hic-. Der sinn ist durch- 
aus klar: er hatte land und leute; deshalb hiess er ein an- 
gesehener mann. Das von Euling eingesetzte ze rchte ist 
überflüssig und wird in der Überlieferung durch nichts gestützt. 

V. 7G f. müssen dann natürlich wider in Verbindung gesetzt 
werden. Dazu will aber die lesart von A nicht recht passen. 
Ich lese deshalb 70 mit C durch Ucp und Icit er nit enliez und 
setze in v. 77 cm tvcrc . . . 

V. 122 f. können wol recht sein, auffällig ist dabei aber 
die widerholung von v. 122 in v. 129, wenn auch solche wider- 
holungen dem dichterkreis, in welchen Euling Kistener ein- 
reiht, dui-chaus nichts fremdes sind (vgl. P. .Täckel, Egenolf v. 
Staufenberg s. 17 ff.). Vielleicht ist deshalb in v. 122 zu le.sen 
i'tf der vart. V. 128 würde dann eher zu erwarten sein .so v: ... 
Das von Euling in den text aufgenommene daz scheint dagegen 
durch A {daz cz) und (' {danunhc daz vz) gesichert, wenigstens 
für die gemeinsame vorläge beider. Ich vermute aber, da.s.s im 
original dieses daz eine andere Stellung hatte und schon dem 
vorliergehenden verse angehörte, dort den inhalt des folgenden 
vorausnehmend, wie Kistener dies oft tut (s. ob«'n s. 10«.' zu 
V. 895); wir könnten also für dius original wol lesen: 
der her gelobte <liu üf <ler vart, 
so cz ein knabe wero, . . . 

V. 210 f. Euling hat 211 gegen die Überlieferung uU do 
zuge.setzt. Dadurch erhält der vei-s aber einen sinn, den der 
dichter wol nicht beabsichtigt hat. Eulings text l)e.»y»gt: \sie 

UcKrjge lur gcschichte Uer ücuUchcii »|>iaclic XXVI. 11 



162 llELM 

wurden nie so froh, als damals und später manchen tag-'. Da 
der dichter aber ja einen ganz besonders hohen grad von 
freude bezeichnen will, so wäre viel ang-emessener, wenn er 
sagte: 'so froh wurden sie nie vorher noch jemals später 
wider'. Diesen sinn erhalten wir, wenn wir an der Überliefe- 
rung eine änderung vornehmen, die weit geringer ist als die 
Eulings, und lesen noch darnach mangen tag. Das nie in 
V. 210 ist prägnant zu fassen etwa als ob da stünde vor des nie. 

Bedenken erheben sich sodann noch gegen den ausdruck 
sie ivurden vröuden vrö, der mindestens sehr auffällig ist und 
nirgends belegt werden kann. Ich schlage vor zu lesen an 
oder mit vröuden vrö. Zum zweiten Vorschlag ist zu ver- 
gleichen Virginal, str. 136, 12 weset frcelich mit fröuden vrö 
(Zupitza, Deutsches heldenbuch 5, 27). An vröuden vrö scheint 
sonst nicht belegt zu sein, ist aber sprachlich durchaus in 
Ordnung und hat eine parallele bei Konrad v. Kirchberg 6 so 
wirde ich an stmten vröuden geil (HMS. 1, 26). 

Möglicherweise ist aber vröuden, das ja nur in A steht, 
überhaupt zu streichen und dafür vordes einzusetzen; ein flüch- 
tiger Schreiber konnte sehr leicht vröuden statt vordes lesen. 

V. 229 f. Sowol A als C geben keinen befriedigenden text. 
Wenn Euling trotzdem A folgt, so ist daraus wol nicht zu 
schliessen, dass er dessen lesart für das original in anspruch 
nehmen will. Ein reim wol : vor kann durch nichts glaubhaft 
gemacht werden. Der sonst im alem. bezeugte Übergang von 
r zu l ist eine reine dissimilationserscheinung, an die hier 
nicht zu denken ist. Wir müssen also notwendig die Über- 
lieferung corrigieren. Ich schlage vor, mit möglichstem an- 
schluss an A zu lesen: 

der pfaffe segente ez wol. 
er vrote sie aber vor: wie sol 
des kindelins name sin. 

Das von Euling v. 229 eingesetzte gar ist nicht nötig (vgl. s. 35 
seine eigene warnung die verse zu sehr nachzuglätten); zu vröte 
vgl. vrögte : genöte v. 671. 717. 

Geschickt ist die darstellung der heiligen handlung v. 229 f. 
gewis nicht. Es wäre deshalb auch zu überlegen, ob wir in 
V. 229 nicht lieber an einen segen denken sollten, den der 
priester zu beginn der handlung den anwesenden in gesammt- 



ZV KCNZ KISTENKkS JAKObSBUÜDEUN. l(j;j 

heit erteilt, und deinpemäss .svV statt rj lesen; in v. 2'iO dürfte 
dann das ungescliickte ror pfestrichen werden. Kreilich ist mir 
von einer benedictio /u l)ef^inii der taiifliandlmij? sonst iii< lit> 
bekannt. 

V. 253 — 255. Der nebensatz dirc mit ouijrn sähcnl hat bei 
dem text, den Euling gibt, keinen sinn: leute, denen die zeichen 
geschahen, müssen sie, selbstverständlich mit andren gesehen 
haben. Sowol A alsC weisen aber auf einen andern text hin: 
beide construieren litte zu v. 253 ich hdn (jehurd siujcn lütc (A), 
von liitcH (('). Man lese also: 

. . . sa>^eu 
groze zeicheu, die geschäheut, 
von liiten dies (nicht iliezi) in. o. s. 

(so Übrigens auch Euling in der einleitung .s. 17) oder vielleicht 
besser noch mit Umstellung der verse: 

. . . sageu 
lüte (liez mit ongen sahen 
groze z . . . 

V. 263 f. Die Überlieferung lautet: 263 A da:; noch leol 
(jcrdten teil, (' das zu crcn tccnlcn teil. 264 AC da: kint darf 
man niit straffen vil. P^iiling ergänzt für v. 263 den text von 
A nach Staufenberg 501 {des du noch tcol (jcniesen mäht) zu 
daz noch tcol [/. ir. Diesen vers zieht er dann zu v. 262 als 
eine lobende äu.s.serung über die vorher angegebene erziehnngs- 
methode. V. 264 betrachtet er als isoliert stehende allgemeine 
Sentenz, vielleicht gegen Rudolf von Ems gerichtet. Die,'^;r 
auffassung fallt das durch AC überlieferte das zum opfer. 

E.'s auffassung und lierstellung dieser verse scheint mir 
durchaus veifehlt. Dei- von AC überlieferte Wortlaut von v.264, 
den zu ändern an sich keinerlei grund vorliegt, lässl keinen 
zweifei daran, dass die verse 263 f, in .syntaktischem zu.'^animen- 
hang stehen. 263 ist relativsatz zu 2<"»1; der sinn ist klar: 
'das kind, das (von natur) gut geraten will, braucht man nicht 
viel zu strafen'. 

Auf giund davon ist nun v. 2()3 herzustellen. Soth uU 
wäre möglich, aber kein glücklicher ausdnnk: das noch yhssl 
nicht in den gedanken hinein. Die überliefeninj? zeigt uiw 
einen be.sseren weg. 

A\'enn auch das in .\ übellieferte tjcniUn vor tctrdcn C 

11* 



164 HELM 

zweifellos den Vorzug verdient, so hindert uns doch nichts an- 
zunehmen, dass in einem anderen punkt C das ursprüngliche 
besser bewahrt hat. Ich glaube bestimmt, dass das in C' über- 
lieferte eren dem ursprünglichen text angehört. Wir könnten 
also vielleicht einfach dies eren in den Wortlaut von A herüber- 
nehmen und hier noch statt nocJi einsetzen. Nach eren geraten 
ist freilich ein ungewöhnlicher ausdruck, den ich sonst nicht 
belegen kann, er Hesse sich aber wol erklären. Ich würde in 
nach eren keinen rein modalen zusatz zu geraten erblicken, 
sondern übersetzen: 'nach dem vorbild der ehre', wie man 
sonst etwa sagt nach shien mägcn geraten 'nach dem vorbild 
seiner verwanten geraten'. Man wird zugeben müssen, dass 
ebensogut als eine person auch ein abstracter begriff als vor- 
bildlich hingestellt werden kann. CTanz ebenso lässt sich der 
ausdruck nach tvunsche geraten verstehen. Nach moderner 
auffassung heisst dies: in erwünschter weise geraten, und das- 
selbe kann es auch im mhd. bedeuten. Aber möglich wäre 
auch, dass im mhd. der ausdruck noch mehr sinnliche fülle 
hatte und zu übersetzen ist mit: 'nach dem vorbild des »Wun- 
sches* d. h. der idee der höchsten Vollkommenheit'. 

Die lesart nach eren g. Hesse sich also wol vertreten. Ich 
ziehe jedoch vor, noch zu streichen und durch das in C ge- 
botene se zu ersetzen, und lese also die verse: 

daz ze ern geraten wil, 

daz killt darf mau iiüt strafen vil. 

Ze eren geraten darf betrachtet werden als ein durchaus pas- 
sendes passivum zu ze eren bringen, das Walther v. d. Vogel- 
weide 87, 3 (den man ze eren bringen mac) anwendet, um ein 
erfolgreiches erziehen zu bezeichnen. Da Walther an dieser 
stelle einen gedanken ausspricht, der dem in unseren versen 
ausgesprochenen ganz ähnlich ist, so wäre es leicht denkbar, 
dass ein directer Zusammenhang zwischen beiden stellen vor- 
liegt. Walthers gedieht hat durchaus den ton, der es populär 
machen konnte. 

V. 266. A im seite, C von im seite. Es ist darnach höchst 
wahrscheinlich, dass in y im gestanden hat, und wir müssen 
versuchen damit auszukommen. 'Einem ein ding sagen' = 
einem etwas zusprechen, als eigen beilegen, ist nur selten zu 
belegen, Elisabeth 9517 got dem ere und ewecUche dugent 



zu KUNZ KISTENEK8 JAKOHSHUÜDKHN. 1«).'> 

gesiujct si, Fridanc 80, 25 sucr in fjHot und hr sril. Hesser 
wäre deshalb wol (jruzcr zu lesen, wozu dann die parallelen 
Wendungen mit jr'hni zu vergleichen sind (W'althei- 71, 1» und 
andere). Ja ich halte es soj^ar für wahrscheinlieh, dass im 
original jdrh stand. Im 14. jli. i»e;.Mniit das verbum ji-hm ab- 
zusterben; es wäre deshalb leicht möglich, da,ss die jinigen-n 
Schreiber es beseitigten, wo es Kistener noch angewendet 
hatte; tatsächlich ist es in unserer Überlieferung nur im reim 
( : (jf sehen (319) belegt. 

V. 20(3. A das diu diu tnuoter ist ganz richtig. 

V. 209 — 302 scheinen nicht in Ordnung zu sein. (4egen die 
lesart von A, die Euling in den text aufgenommen hat, erheben 
sich bedenken wegen der einfachen widerholung der gleichen 
ausdrücke. Wahrscheinlich gehören dem original nur die vei-se 
299 f. an, die auch C gibt, und die verse :}01 f. sind jüngere 
interpolation. V. 200f. in C sind sicher eine junge überflüs.sige 
erläuterung einer zeit, der die Jakobfahrten niciit mehr ge- 
läufig waren. 

V. 'i43f. Diese in A fehlenden verse werden alh'rdings 
echt sein; aber Bühelers Königstochter (3510 darf als stütze 
dafür nicht herangezogen werden. Die Wendung ist zu all- 
gemein; ß kann sie ebensogut selbständig anfr^'Wendet haben. 

V. 357 f. stehen in der Überlieferung in umgekehrter reilicn- 
folge. Die von Euling gegen AC vorgenommene Umstellung 
ist nicht triftig. Die reilienfolge der verse in der übeilicfcrung 
lässt sich sehr wol rechtfertigen, nur darf man sie nicht mit 
Kuling im anschluss an nach v. 35(5 einreihen, sondern mu.'vs 
ihnen nach A ihre Stellung nach v. 31(» anweist'U. Hierher 
gehören sie. .\uf den ganz allgemein gefa.'^sten rat des vaters 
(v. 345 f.) antwortet der söhn (jvrne, hcrrc, das tuon ich (Kuling 
357); dann gibt der vater eine nähere an Weisung, wider Ih*- 
ginnend mit den Worten (.'{58) lidnr sun. des bit ich dich. 
(' hat die vei-se an den schluss gestellt, um die wortf dex vaters 
in einem stück zu haben. Dies ist ein leicht begreifliches ver- 
fahren; aber schwer wäre es einzusehen, wie ein H-hreiln-r dazu 
hätte konnneii solh-n, die verse. wenn sie ui-sprünglich am ende 
gestanden hätten, in die mitte zu .»setzen. 

V. 3(3(3. Der vers in \ ist zu kurz, aber die rin.<chiebung 
von dich hätte genügt. 



166 HELM, ZU KÜNZ KISTENERS JAKOBSBRÜDERN. 

V. 769 ist wol besser nach C emphät zu lesen, als gehirt A. 

V. 794 schreiben AC do, das Euling in dar ändert. Die 
lesart der Überlieferung ist jedoch beizubehalten; es heisst nicht 
^dorthin ritten viele', sondern 'dort ritten viele', nämlich im 
turnier (v. 795). 

V. 855 lies uns (C) statt mir. 

V. 1098 A muoter. Euling schreibt vrouwe. In C fehlt der 
vers, aber C 1099 se lieber sun zeigt, dass auch die vorläge 
von C muoter gehabt haben muss, Dass diese lesart dem ori- 
ginal angehört, ist dadurch freilich nicht bestimmt erwiesen; 
ich sehe aber keinen grund daran zu zweifeln. 

Dass A 1099 die anrede lieber man hat, die ich mit Euling 
für ursprünglich halte, widerspricht dem nicht. Wie der junge 
graf vater genannt wird, wo von dem kinde die rede ist, ebenso 
wird seine frau muoter genannt, so auch v. 1149. Dies bedachte 
der Schreiber von C nicht, und setzte in v. 1099 lieber sun ein, 
da er glaubte, unter der muoter in v. 1098 sei die alte gräfin 
zu verstehen. 

V. 1160 ff. Ich glaube nicht, dass nach v. 1162 etwas aus- 
gefallen ist. Wir erhalten einen völlig befriedigenden sinn, 
wenn wir v. 1160 lesen in einen, wie C hat, und in v. 1162 
und streichen. Die interpunction kann fraglich bleib n. Wir 
können v. 1161 mit 1160 verbinden und nach lobe einen punkt 
setzen. Oder wir setzen den punkt nach orden und ziehen 
V. 1161 zum folgenden: got zu eren — und ze lobe dem vürsten 
sant Jacope büwetens . . . Ich ziehe die zweite interpungie- 
rung vor. 

GIESSEN, 20. märz 1900. KARL HELM. 



168 HELM, EIN ZEUr.KIS VVlt WIRNT VON fJKAFENBERO? 

dafür, (lass in dem ^eschlrdit dn- fränkischen (iiafenbeix«M" 
der nanu' W. tatsädilicli vdrkonnnt. Dadurch wird die Zu- 
gehörigkeit des dichters zu dicscni haus«-, für die wir s<jn>l 
nur wenig anhaltspunkte haben (Saran s. 257 ff.), weiter ge- 
stützt. In dem AV. (h-r Urkunde dürfen wir W(d einen nahen 
verwanten, vielleicht grossvaler, vater oder vatei-shiuiler (!.•> 
dichters erblicken. 

GIESSEN, 6. märz 1900. KAKL HELM. 



EIN ZEUGNIS 
FÜR WIRNT VON GRAFENBERG? 

Nachdem das von Benecke zuerst angeführte zeug-nis für 
Wirnt von Grafenberg aus dem jähre 1217 sich bei genauerer 
betrachtung in ein nichts aufgelöst hat, müssten wir eine neu 
auftauchende urkundliche erwähnung des dichters mit beson- 
derer freude begrüssen. Eine solche glaubt v. Aufsess gefunden 
zu haben. Im dritten teile seiner Untersuchungen über die 
alten freien geschlechter im gebiet des bistums Bamberg 
(59. bericht des histor. Vereins zu Bamberg, 1898) erwähnt er 
(s. 19 ff. 34) eine Urkunde aus dem Jahre 1172, in welcher 
Sigehard und Wiritto de Grevenberc als zeugen für abt Ecke- 
hard von Weissenohe auftreten. 

Es fragt sich, ob wir berechtigt sind, mit ihm in diesem 
W. den dichter des Wigalois zu erblicken. Seine auffassung 
wäre sehr gut zu vereinen mit Pfeiffers ansieht (Wigalois 
s. xiv) über das lebensalter Wirnts bei abf assung des Wigalois. 
Aber umgekehrt zwingt uns Pfeiffers ansieht, falls sie richtig 
ist, gewis nicht dazu, die Urkunde auf den dichter zu beziehen. 
Auch wenn dieser erst etwa 1165 geboren war, kann er zur 
zeit der abfassung des Wigalois als ein mann in reiferem alter 
bezeichnet werden. 

Durch Sarans Untersuchungen (Beitr. 21), die v. Aufsess 
offenbar nicht kennt, ist nun aber Pfeiffers ansieht widerlegt 
und die ältere von Benecke wider in ihr recht eingesetzt 
worden, wonach W., als er den Wigalois schrieb, noch jung 
war. Es folgt daraus, dass der in dieser Urkunde genannte 
W. nicht mit dem dichter identificiert werden darf. Die Ur- 
kunde ist also aus der reihe der quellen für Wirnts leben 
wider zu streichen. Immerhin ist sie von wert als ein beleg 



DIALKKTISCIIES IN DER AGS. UKHEUShny.rNG 
VON 15EDAS KIRCHENGESCHlCH'l^E. 

Einleitung. 

Als Verfasser der ags. übersetzuii«? von Redas Kirclien- 
gescliichte') hat lange zeit unbestritten Alfied der grosse 
gegolten. Doch ergibt eine näliere i)riifung der hss. zunächst, 
dass die ihnen gemeinsam zu gründe liegende vorhige aus 
einer nördlichen (mercischen) gegend stammt, und dass unsere 
hss. nur eine Umschrift in das ws. entlialten. Schon dieser 
umstand erfordert eine eingehendeie uutersucliiing. l)em- 
gemäss geht die vorliegende arbeit einmal darauf aiLs, die 



') Von ansgjiben dieses textes koiuraen jetzt nur inxli in hetraoht die 
von Tli. MilliT, The Oltl En^lish Version nf Bede's Ecrlesiiwtiral HiMtory of 
the Km,'lisli l'eople, Lumlt.n (EET8.) 1H90 DH und die von J. .Vhii>jM>r 
(LeipzijtJi: IHSCJ, -- lUbl. der af^s. jtrosa 1x1.4); endlicli die hruclistiicke die 
Zupitza, Z.s. fda. .'J3, IGö f. veröffentlicht hat. Citiert wird im folgenden »tetü 
nach Miller, f ) bei einer zahl deutet an, das« die h». T an der betr. 
stelle fehlt. 

l'eber die fünf erhaltenen Ii.hs. des textes s. Miller 1, xiii ft". nml 2. ix ff. 
Wa.s .Miller iil»er die fünf stlireil)er der hs. T (hier mit T' T** ■ 'i 

sagt, stimmt vollkummen i,Mif zu den ergeluiissen der fol^jendi-n -; u 

untersuchuntjen. 

Das schon früher von Zuiiitza aufjfestellte tiliati(>U!««hema: CCK'a auf 
der einen, BT auf der andern seite, ist dur« h .Miller bcutätii^ wortirn. 
Nur erscheint es bei der gnis-sen Verschiedenheit, die der text von H ««"iirt, 
nicht unmr.j,rlirh, dass 1} auch mit der amlern >;rui»|M« verwant int ; v»rl. i b. 
den fthhr 4'J«i, ;{*J, wo T V {^ \&t. quitu/ue) monna, fif mvnna hat, abrr 
Ca iiilmdtnui, H irifmutma. 

Teber den auj^enblicklichen stand der l'-edaforschunt; orii nliert J .Vhij>- 

per, I)ie pcschichtc und der >fp(renwiirti>;e stand der fonu hunjj Ub^'r K, .\lfr«'«l» 

«liersetzung von Bedas Kirchenge»«hichto, Wien IMÜ« (an* WSB. bd. I3H); 

die ältere literatur verzeichnet WlUker, (Jrundr. lar ge»*h. der a««. liL 

§ 438. 4t>;J. 

1') 

Beiuige für gcschichte der JeuU«l>«Ji «pracbc. XXVI. 



170 deütschbein 

spräche des denkmals festzustellen, wie es uns überliefert ist. 
Andrerseits habe ich mich stets bemüht, auch den dialekt der 
ursprünglichen vorläge zu fixieren, soAveit dies möglich war. 
Vor allen in der ältesten und besten hs. T tritt uns eine 
reiche fülle von dialektformen entgegen (was Miller in seiner 
einleitung bietet, ist durchaus nicht erschöpfend). Ein ver- 
gleich der übrigen hss. ergibt dann, dass diese dialektformen 
von T durchaus nicht alle auf das conto der einzelnen Schreiber 
zu setzen sind, vielmehr grösstenteils auf die alte gemeinsame 
vorläge zurückgehen. Wir haben ja ein leichtes mittel, dies 
festzustellen. Namentlich wo eine dialektform in zwei hss. 
erscheint, die verschiedenen familien angehören, dürfen wir 
annnehmen, dass sie bereits der gemeinsamen vorläge unserer 
Überlieferung angehört hat.^) 

Auch eine reihe weiterer gründe deutet auf anglischen 
Ursprung der vorläge (im folgenden mit V bezeichnet) hin. 
Vor allem erklären sich zahlreiche lesefehler und misverständ- 
nisse der hss. nur durch die annähme, dass die avs. Schreiber 
dialektformen von V falsch aufgefasst haben. 

Aus T führe ich an: Ti Jiere 142, 7 (V hcr^, vgl. § 28); 

— sealde 342,22 für scalcle-, OCaB sceo-; § 14. 2; — 2)urh all 
meodum 262, 32 (für meodume V; B richtig medeme; inedtim; 
Ca eadmodX)] vgl. § 27; — eadgum 230,30 für da^um (V dea- 
jum); dazu T^ eadija 406,20 für daga (V dea^a); vgl. § 26; 

— B steaftum [4, 1] für stafuni; vgl. § 26; — T- smaelo 354, 23 
(V smealo ?); vgl. § 26; — ongeneman 278, 11 (OCa on^eneoman 
= V); vgl. § 27; — aus T^ niedbehcefdlic 396,24 (nydbehoßic 
OCaB; C nedbehöflic; V nedhehcefelic); — lirceöran 436, 15 (OCaB 
redran, V roedran)\ vgl. § 12, 4 D und anm. 3; das unorganische 
h erklärt sich vielleicht dadurch, dass der Schreiber an hrceöe 
dachte; — Puhteswe^ 430,6 tür purhswej V; ws. piirhsweoz', 
§28a 



^) Wenn Schipper a. a. o. s. 5 meint, mercischer Ursprung sei wegen der 
verhältnismässig geringen anzahl der gerade in mercischem dialekt uns 
erhaltenen und zur vergleichung dienenden Sprachdenkmäler nicht ohne 
weiteres sicher, so ist dies insoweit richtig, als uns zur genauen localisie- 
rung die hilfsmittel fehlen. Aher das stört nicht im mindesten die tatsache, 
dass alle erhaltenen hss. auf eine vorläge zurückgehen, die auf keinen 
fall westsächsisch gewesen ist. 



DIALEKTISCHES IM AGS. «EDA. 171 

Aus den aiKicH'ii li>s. liilirc ich ;iuf: i'nB odtrccnile Mfi,'i 
für codorcetuk TOC, vgl. § 28; — OCa ^ebeor^annc 76,25 fftr 
V. ^cbcor annc, so in T; vgl. § 28; — B (50, 7 1 ucemmh- (Ca 
aci^ik; \. iicede); vgl. § 2:}; — C ^ifeÖ \41S,:V1\ (Ca f.-lilt, 
B friöl V. ,s^/<J); vgl. §29; — B nmiiu für mnnne {nenne) 
der V.; s. s. 173. — Besoiulcrs interes.s;int ist dei- felil»'r OCa 
226, 29. 30: die Schreiber lasen für .sr/hßudion falsch ,;nß/'rn(lum 
und machten daraus unsinniges ws. ,sJ//t'W(/Mm (der lat. text hat 
(juHdvntr rcfir, rouijdudenfe imircrso jxtpulo); ebenso [l<i«). 15] 
ÄyfeoHih' ('; ^yfcnde 0; s'ift' B; Ca; 434,7 T' ^cfianu, si/f'tiia 
OB; gifena Ca; [470,6] gifiende C für gefconde; geofum 142,27 
^r' (OCa gefean); vgl. dazu § 27. — P>rner: forc sc r,^e 
25(3,34 {forsr^e T^] -sa>,se Ca; -scalde B\)\ vgl. § 7. 1; — fionrs 
OCa 88, 6 ijcondes B; fcednis T und V.); vgl. § 12,4 A; — 
rv(estnie 52,10 B für V. ivcnste (Ca ncste); §12, anni. 3; — B 
mman 110,24 für matncan V. T; §22. — C wcpcnde 404, 1 
für werpende T; § 22. 

Die bisher allein besprochene mercische 'vorläge' ei-scheint 
aber weiterhin mit dem original der ganzen arbeit identi.sch 
gewesen zu sein, die demnach ihren Ursprung einem Mercier 
verdankte. Darauf weist vor allem der Wortschatz, welcher 
deutliche spuren nichtw.s. Charakters trägt. Zwar sind bei 
der um.schrift die im ws. ungebräuchlichen Wörter oft besser 
bewahrt als die vorher erwähnten dialektformen, oft jedoch 
setzen die Schreiber auch ein ihnen geläufigeres wort ein. oder 
sie glo.ssieren ein dem ws. fremdes wort. Hierfür einige ge- 
legentlich gesammelte belege'): 

Nichtws. sind z. b. rccsvfc.son (piaet.); — ncosian ist häutig 
im Beda; fehlt vollständig in Cl*. und Or. — sarcWan, sctöOn» 
(wofür man im ws. scijööan mit unfestem y erwarten sollte. 
vgl. shipjdu > sri/ftp<nt) fehlt bei /Klfred und in -l*]lfrics Ht)- 
milien und Heptateuch und Buch Hiob (s. Brühl, dis.^., Marburg 
1892) und Grammatik (s. ßraunschweiger, diss., Marbui-g 1890); 
in der Cl*. kommen nur das (selbst vei>tändlich denominative) 
adj. unsccaöfid (2 nuil) und 1 unsccadfidms vor; s. Bülbring, 

>) Wie stark <l«'r B«Nla anrh hxikalwh tom w». abwricbt, bMoadei* 
Ton (1er .nprache .Klfreds, kann man beim wrjfleirh drr wortlutcn in t'o- 
»ijn.H (Jraniniatik xvhfu: man bnun ht keineawenpi mit den «elU-nen Wörtern 
zu upcriorcn. die Miller auf ». u auffuhrt. 



l72 DEUTSCHBEIÜ 

Anglia, Beibl. 9, 98, anm. Im Beda ist das verbum sehr häufig' 
und zwar stets mit ce, e, auch in den hss. OCaB. — ^escrepe 
(auch mit m, ce) scheint dem ws. unbekannt zu sein (übrigens 
nur noch im Rit. belegt). Das e, m, ä ist wol als umlaut von 
ö aufzufassen, und schon dadurch ist das wort auch der form 
nach als dialektisch gekennzeichnet, und so haben selbst OCaB 
gerade in diesem worte öfters w, ce. — Ebenfalls ein dialekt- 
wort ist das fem. strynd; belegt sind: strynde 194,6 (= CS; 
cynnes B; cynne OCa); 328,17 (= CaO; ^estreones B) ; 406,10 
(= CaO; ^ebyrdo B); ausserdem noch [52, 14] Ca (B cynnc)] 
[452, 29] OCa (B sebijrdo). 

Den gebrauch von on (= ond) und den Wechsel von in 
und on hat schon Miller, Introd. xxvi dargelegt, ebenso von 
ono. — Vielleicht ist auch öon, pon i) (= quam nach comp.) 
als ausserws. anzusehen. Da aber bei einer etwaigen abkürzung 
])ofi leicht auch das - weggelassen werden konnte, so muss bei 
der beurteilung der überlieferten l)on immer der grad der 
Sorgfalt des betr. Schreibers in betracht gezogen werden. Da 
nun Ti im allgemeinen sehr sorgfältig ist und neben 23 ^owwe 
11 ]ion zählt (die andern hss. haben stets 7Jö)*we), so muss man 
die form ])on für Ti bez. dessen vorläge offenbar als berech- 
tigt anerkennen.2) 

Auf das nebeneinander von nemne'') und nym])e (beides be- 
sonders häufig in Ps. und Ri, während es ws. so gut wie fehlt) 
hat schon Mather, MLN. 9, 154 hingewiesen; zu seinen 15 be- 
legen aus Beda füge hinzu: 180, 17. 31. 208,27. 220,26. 232, 1. 
244,24. 264,5. 384,23 {naemne) 426,11; ausserdem noch [52,22] 
Ca; [462,7] Ca; [162,15] 0; [304,10] 0. Dass aber die form 
nemne dem originale zukommt, beweist das verhalten der hss.: 
278,31 und 280,2 hat auch Z nemne; stets nemne, ausser 208,27, 
wo überhaupt beide hss. auseinander gehen (s. unten). Bezeich- 



^) Es sei gleich hier bemerkt, dass auch im Beda, wie auch sonst, 
kein unterschied zwischen Ö miüp besteht; T' setzt gewöhnlich anlautend/), 
in- und auslautend Ö; die anderen Schreiber sind ohne jedes princip. 

'■*) Wie ich nachträglich sehe, will auch Trautmann (Bonner beitr. zur 
Anglistik 1, 86) für Cynewulf und über ihn hinaus aus metrischen gründen 
pon für ponne setzen (dass in der hsl. Überlieferung der poet. denkmäler 
meist po¥i statt pon steht, braucht uns nicht wunder zu nehmen). 

^) Zur etymologie dieses wortes s. MLN. 9, 314—318. 



DIALEKTISCHES IM AGS. BEDA. 173 

iiend ist auch dtr p:ebrau(ii in Ca, das mpnjir nni\ nrninei)f\e\-s 
(z.b. 52,22. 78,24. 160,17. 102,15. 100,31. 2H,24etc.) durch 
hutdu pflnssiert, wodiircli diese fonnen als dem Schreiber niclit 
gebräiiclilich erwiesen werden (daneben zeigt Ca Hi/tnj», 
auch ncmjie 220, 2(3. 228, 1. 420, 1 1 ; 1 ni/nme 78, 1). H hat da.s 
WS. hiilon (hiitan) neben 2 nialigeni nntinr und 2 ni/ni/ir 7H. 1. 
204,5; 78,27 sii'hi nannu-; SO, ;;() liat B sinnh)ses nannr, das 
nur als misverständnis von neynnc (nfrninc) zu erklären ist. 
C scheint xmnir nicht zu kennen; 1^2.24 steht hidttn. 30J. 10 
HC] C entfernt sich ülx-rhaupt dem ganzen Sprachgebrauch nach 
von T weiter als CaO. Bemerkenswert ist fenier, dass R'R'^ 
und L nur )n/nij)t' kennen, während Ps. ncmnc bevorzugt. Dies 
passt gut dazu, dass auch sonst der Beda mehr nach Ps. als 
nach Ri hin neigt. 

Hierher möchte ich ferner ^icn(a), ^id{a) stellen (über die 
etymologie s. Hempl, Academy 40 [ 1802 1, no. 1024, s. 5()4. Sievei-s, 
Ags. gramni.'' § 74, anm. 1). Hart (MLN. 7. 122) betrachtet die 
formen mit n (also ^cmi, ^cn) mit recht als au.»<.^erws. Auch 
das verhalten der Bedahss. weist darauf hin. TOC haben 
zahlreiche ,sc/i(a), CaB fast nur ^///(«);') vgl. dazu die folgende 
belegliste'i): T' k) gen 60,3. 64,21. 00,16. 108,6. 114,5 (20 mal); 
Ae«H338,20; davon weicht ab: 150, 13^c/ja; 154,10, 150.11 
gern; syt 254, 20. — ^en 338, 20; 202, 12. 23 fehlt 0, da es hier 
aus der ws. Version geschöpft hat. — b) scna 66, 23. 70, 25. 
72,13. 84,27. 86,23.24. 110.13. 112.11. 122.23. 140.20 
(27 mal). davon abweichend: ,^///u 10«), 14. 270,22; - 201, 15 
gäia glossiert durch ^yt- — c) ^et 172, 14. 226,28 (0 in beiden 
fällen ^'//O. - d) .q/td 104,32. 210,13. 240.15. — e) .s «/M'.2, 3. 
00, 20. i28, 30 (15 mal); abweichungen von 06, 20. 126, 33 äch. 
— T2 — . — T-» gena 374, 30. 376, 18. 378, 12; T« gena 394, 4. 8. 
308,27. 408,24. 428,6; ^c/ 408, 20 {0 ^ift)- 438,6 (,^cm«i 0); 
ida 438, 8 (0 ,s-c«a). — T- .sni 420,25; sntn 411, 2: ^rl 420, 1 1 



») Dazu pa-sst au« h wiilcr di«- «liah-ktforni lH.'i<l«'r ».Tirr mit e . 
den einwand, da.s.s .sfH(«] und Äf'I"] älter«' fornion tind »p»t«r durrli , -, 
verdrängt worden seien, spricht Am verhaJteu de« frUhwu., diu wedrr <• 
noch H-fomien hat; vffl. «.56): da-s aw«. kennt eben weder e- n«»ch N-fonnen. 
Wir haben also anzu.setzen: aUH.M'rws. .^rM(<i)-, ,?*•/(«). w»- nur .cy'(*»). 

*) Wo niilitM lMin»Tkt. jfiht O mit T ciiMmmen; CaB hüben BteU 
SyK(')i wo uidit.s auilcre« bemerkt. 



174 DEUTSCHBEIN 

(0 gen). Ausserdem kommen aus an stellen, wo T nicht 
erhalten ist, hinzu: ^m 446, 19. 448,9. 96,16. 136,10; gm 
304,27; geen 150,28; gena 444,5. 446,3. 10. 22. 452,4. 458,7; 
geta Ca 18, 25; aus C gen 474, 9, C geta 476, 29. An aus- 
nahmen für Ca habe ich 8 fälle gezählt: get [28, 22. 28. 96, 16. 
136, 10. 446, 10]; geta 246, 15. [18, 25]; gena 428, 6; bezeichnend 
ist auch geond to dwg Ca 28, 29 (B gyt to doege) wol für gcon(a), 
wie Miller einsetzt. C schwankt stark; es ist nicht so rein 
wie 0; ich habe gezählt: 1 gen, 4 gena, 2 geta, 5 gita, 1 git, 
2 gyt. 

Auch die syntax des Beda zeigt abweichungen von Alfred, 
wie im gegensatz zu Wülfing (der den Beda unterschiedslos 
mit den sicher aelfredischen werken zusammenwirft) zuerst 
Sarrazin, Zs. fdph. 29, 223 hervorgehoben hat. Seine ausfüh- 
rungen über die construction von onfon, fijlg{e)an, {ge)fultemian 
bestätigen sich durch das verhalten der einzelnen hss.: z. b. 
bei onfon bevorzugen TCO den dativ, während CaB in gleichen 
fällen meist den acc. haben; ebenso hat bei fylgan TO meist 
den acc, CaB den dat. Ferner ist mir aufgefallen: 1) fore (so 
meist in TO gegenüber for CaB) mit dem dat. oder acc. (TO); 
— 2) letiveoh in TOCa mit acc, in B mit dat. (Alfred und 
^Ifric gewöhnlich dat.); — 3) wiö mit dat. oder acc. (letzterer 
fall kommt auch sonst vor). 

Endlich kann es nach meinem erachten auch nicht ein 
blosser zufall sein, dass die hss. um so stärkere dialektische 
färbung haben, je älter sie sind: zeigen doch die von Zupitza 
publicierten excerpte noch mehr dialektformen als selbst T. 

Wenn wir aus allen diesen gründen, wie ich glaube, ge- 
zwungen sind, ein anglisches original des Beda anzunehmen, 
so müssen wir auch den glauben an die autorschaft iElfreds 
des grossen fallen lassen, wie das auch schon Miller in seiner 
einleitung getan hat. Wie aber steht es dann mit dem Zeug- 
nisse JElfrics und Williams von Malmesbury?') Sie beweisen 
doch nur, ebenso wie die verse der ziemlich späten hs. Ca: 

Historicus quondam fecit me Beda latinum, 
.ällfred rex Saxo transtulit ille pius, 



») Vgl. Wülker, Grundr. § 446. 



DIALEKTISCHES IM AGS. KKDA. 175 

dass geraume zeit nach ^]lfie(i eine tradition bestand, welche 
diesem das werk heih'f^te. Eine solclie tradition kann an sich 
liistorisch richtig sein, in unserem falle lässt sich ihr aufkomm«Mi 
auch leicht verstehen, wenn sie falsch ist; denn yKlfreds schrift- 
stellerische tätigkeit war ja bekannt und forderte geradezu 
dazu heraus, ihm weitere bedeutendere werke beizuleg»Mi. 
Steht ja doch auch in beiden hss. des I^oethius ein Vorwort, 
das ^-Elfred als den Verfasser der prosaischen und der allite- 
rierenden Übertragung nennt, und doch stammt die letztere 
von einem anonymus des 10. jh.'s (vgl. A\'ülk(.'r a. a. o. § 487 — 199 
und Geschichte der engl. lit. s. 55). 

Xach angäbe der Marie de France (Warnke s. xi-iv f.) soll 
-Alfred sogar fabeln übersetzt haben: 

Li reis Alvrez qui mult l'ama 
le translata puis en eiigleis 
et jo Tai rime en fran^eis. 

Aber auch diese angäbe wird mit recht von Wainke und G. Paris 
verworfen. 

Auch ist nicht zu übersehen, dass die annähme der autor- 
schaft .Elfreds für unsere Übersetzung auch mit einer reihe von 
Schwierigkeiten verbunden ist. Schon ten Brink und Wülker 
haben darauf aufmerksam gemacht, dass der übei'setzer dem 
lat. originale nichts aus der kirchengeschichte von Wessex 
hinzugefügt hat.') Andrerseits ist die geschichte Nordenglands 
fast ohne ausnähme vollständig widergegeben; selbst tatsachen 
die nur ein locales Interesse haben konnten, sind nicht über- 
gangen worden; und was das fehlende betrifft, so kann dies 
ebensogut ein Engländer des mittellandes wie des Südens aws- 
gelassen haben. 

Ferner unterscheidet sich dei- Heda \on den anderen üIum- 
setzungen, die .Elfred zugeschrieben werden, durch eine fast 
sklavische anlehnung an das lateinische (vgl. A. Schmidt, l'nter- 
suchungen über könig .Elfreds Bedaübei-setzumr. Herlin 1S89 
und Schipper a.a.O. s. 9). 2) Wesentlich gewanter ist schon die 



>) Vgl. hierzu Hoops, Lit.-bl. 18, 22»5 f. 

») Auch Sweet, Dictiouary ». vin l)eiiierkt, da« jreraile «lie Bo<Uiiber- 
setzuug sich thirclj bilduug ui<.hiidi(.imatischer würtcr besonder» hcrrurtue. 



176 DEUTSCHBEIN 

Übersetzung- der CP.,i) die doch gemeiniglich 2) als früheste 
Übersetzung Alfreds gilt. 

Gegenüber diesen Schwierigkeiten schlägt Schipper einen 
vermittelnden ausweg ein. Er hält zwar an der Überlieferung 
fest, dass Alfred der grosse unsere Übersetzung gemacht habe, 
meint aber, diese sei mit Unterstützung von ihm an den hof 
gezogenen gelehrten geschehen (er denkt dabei besonders an 
Werf erö, den bischof von Worcester) : wir hätten also dasselbe 
verfahren wie bei der Übersetzung der Cura pastoralis, in 
deren einleitung Alfred selbst seine arbeitsmethode schildert. 
Vielleicht liegt die annähme näher, dass ^Elfred überhaupt 
einen gelehrten wie Werferö zu der Übersetzung des Beda 
veranlasst habe, ohne selbst an der arbeit teilzunehmen. Dann 
liesse sich auch der mercische dialekt der vorläge unseres 
denkmals leicht erklären. Das vorwort, mit dem Alfred die 
auf seinen wünsch von AVerferö verfasste Übersetzung der dia- 
loge Gregors =^) einleitet, würde vollständig zum Beda passen: 
and for pan ic sohte and tvilnade to minum getreoivurn freon- 
dum ]}oet hi me of jodes hocum he hali^ra manna Jjeaivum 
and wundrum aivriten pas cefterfylgendan lare, Jxet ic purli 
J)a mynesunge and lufe gescypped (hs. H ^etrymmed) on minum 
mode hetwih Jms eorÖlican ^edrefednessc Jitvilum gchicge pa 
Jieofonlican (Anglia 2, 68 f.). Denn es ist bemerkenswert, dass in 
der ags. Bedaübersetzung, die ja sonst zahlreiche auslassungen 
gegenüber dem lateinischen zeigt, fast keine der wunder- 
geschichten der heiligen weggelassen ist, die vielmehr mit 
einer gewissen Peinlichkeit genau registriert werden. 

Die spräche und die ausdrucksweise der dialoge,^) die 
nach Skeat einen hochpoetischen Charakter trägt, verdiente 
wol einmal mit der unseres Beda verglichen zu werden. Denn 
auch diese zeigt, worauf mich prof. Sievers aufmerksam macht, 



1) Vgl. G. Wack, Ueber das Verhältnis von könig ^Elfreds Übersetzung 
der Cura past. zum original, Greifswald 1889. 

2) Schipper, der an der autorschaft Ji^lfreds im wesentlichen festhält, 
ist aus diesen gründen gezwungen, den Beda als die erste Übersetzung 
JElfreds anzusehen, wodurch er die bisherigen ergebnisse der kritik preisgibt. 

3) Vgl. Wülker a. a. 0. § 503—506. Krebs, Anglia 2, 65—70. 3, 70—73. 
*) Nach einer persönlichen mitteiluug von prof. Wülker ist die schon 

längst notwendige ausgäbe in bälde zu erwarten. 



DIAl-KKTISCHES IM AGS. HEDA. 177 

namentlich in wdit- und forinelscliatz iiuinrlic »'itrenlMMten. die 
sich sonst nur in den poetisclu-n texten finden, die eben auch 
vorwiepfcnd dem aiip:lisclien si>riicli;;el)i«'t cnstaniiiien und sumit 
den Wortschatz und die diction der nimllichen gebiete wider- 
spiegeln. Ich führe hier nur einige beispiele an: hone Jesu 
wird mit ihi^uöa huhnd übersetzt 180, ;{ (hs.CCa), während \\ 
das prosaische Ä^da hu Und dafür einsetzt, nach Sweet.s Dic- 
tionary, Oxford 1897, fehlen der ws. prosa z. b. hleoöor IMG,»), 
^vhlcoJrc (adj.) GO, 18, hlcoörUni 212, 9, hhoömde 208, 19. Viel- 
leicht ist auch heu.s als poetisches wort anzusehen, wenigstens 
haben es die Schreiber nicht mehr verstanden: lnh [470, 22| 
Ca {hvah B, /^c^'CW); hi^es\ [472, 14J Ca {\Uea,scs); hm^e [472,241 
B (Ca c^c; der 'palatalumlaut' stammt aus d(>r vorläge; richtig 
[40,5] bcah CaB). 

^^'ie aber auch Werferc") untl .Klfred zu der Bedaüber- 
setzung stehen mögen: an dem anglischen nrspinng des Beda 
ist festzuhalten, und demnach eine beweisfühiung abzuweist-n, 
die folgendermassen calcnliert: die ws. originalhs. des krmigs 
ist verloren gegangen, ebenso alle ws. abschriften davon. Vor 
diesem grossen Verluste war jedoch eine mercische Umarbeitung 
bez. abschrift vorgenommen, und auf diese sind unsere hss. 
zurückzuführen. Vielmehr liegen die Verhältnisse derart. Ent- 
weder ist die Überlieferung, die J^lfred als übei-setzer nennt, 
in dem sinne aufzufassen, dass dieser der anreger und damit 
der geistige Urheber der Übertragung ist, und tla.y^ ein andeivr 
(natürlich ein Angle [ Werfe r(^?]) sie au.^geführt hat. Oder 
wenn sie doch im buchstäblicheren sinne der worte richtig 
ist, so hat es zwei verschiedene Übersetzungen, eine angl. und 
"WS., gegeben. Diese ansieht mag zimächst etwas frappierendes 
haben: a])er bei dem inteiesse. «las Bedas werk l)ei den .\ngel- 
sachsen finden musste, und bei der Verbreitung und l)eliebt- 
heit, die .seine werke übrrhaujit genossen, wäre es dm-ji nicht 
erstaunlich, wenn man an zwei vei-schiedenen orten an die 
libei-setzung herangegangen wäre. Für eine derartige annalime 
sprechen vielleicht auch folgende erwägungen. 

nie diftVrenz der hss. TB einer- und n<'a (C) andrei-seits 
von 202,9 — 204,33 und 208,5 — 210,2 (letalere scheint Miller 
vidlig übersehen zu habm) fände In»! ' •• der 

existenz zweier üb<iN,f/.iiiig»>n eine brfi !• «rung, 



178 DEUTSCHBEIN 

als die von Miller 1, xxiv versuchte. OCA hätten hier aus der 
südenglischen vorläge abgeschrieben, während TB aus der 
nördlichen schöpfen ; 206, 1 — 208, 4 hätten dann (sie fehlen in 
TB) nur in der südlichen version, 210, 3 — 220, 18 nur in der 
nördlichen vorgelegen. Und in der tat, vergleicht man beide 
Versionen, so hat der Wortschatz der betreffenden partien in 
CaO ein stärker südwestliches gepräge als in TB; letzteres 
schliesst sich der übrigen Übersetzung an. 

Vielleicht hängt hiermit auch die eigentümliche beschaffen- 
heit von ^Ifiics citat zusammen. Während sonst ^Elfric die 
ags. Übersetzung des Beda nicht benutzte (vgl. Wülker, Grundr. 
s, 460, anm. 10), sondern vielmehr bei gleichem Stoffe nur einen 
freien bericht oft mit hinzunahme anderer quellen gibt, ähnelt 
die homilie über Gregor (gerade die stelle, wo ^Ifric die 
Bedaübersetzung citiert, Thorpe 2, 116 und 180) einigermassen 
unserem Beda, aber doch nicht völlig; und da vElfric hier mit 
dem lateinischen ziemlich wörtlich übereinstimmt, so könnte 
er vielleicht die etwa zu construierende Übersetzung Alfreds 
benutzt haben. Durch eine solche annähme würden dann 
auch die angaben Layamons über seine quellen verständlicher 
werden (vgl. darüber Wülker, Beitr. 3, 524 ff.). Wie bekannt, 
nennt Layamon als erste quelle für seinen Brut ein englisches 
buch, das der heilige Beda verfasste: 

He nom p»a Englisca boc 

p)a makede seint Beda. 

Gewöhnlich, und mit recht, versteht man darunter unsere ags. 
Übersetzung. Wie kommt aber Layamon dann dazu, diese 
dem Beda selbst zuzuschreiben? Es muss doch wol in Wor- 
cester eine tradition nicht existiert haben, die dem könig 
Alfred unseren Beda zuerkannte: aus welchem anderen gründe 
sonst hätte Layamon den namen des königs verschwiegen? 

I. Teil. Lautlehre. 

A. Vocalismus. 

Die vocale der Stammsilben. 

Vorbemerkungen. 1. Ein Verzeichnis der benutzten 
grammatischen abhandlungen s. bei Sievers, Ags. gramm.^ 
s. 272 ff.; seitdem sind noch die wertvollen ausführungen 



DIAIiEKTISCHKS IM AGR. BEDA. 170 

Biilbrings im Reibl. zur Aiifcliii '.», 1-05. 85-111!. K». 1 ft. Iiiii- 
ziigekonimt-n. Um den dialekt des Beda sicherer beistimmen 
zu können, luibe icli di<' ar])eiten V(tn I^rown über Fi' um! Zeuner 
über den \'esi>. Psalter benutzt, da Heda diesen beiden grösseren 
denkmälern am nächsten steht. Da Brown (Br.) in seiner 
verdienstvollen arbeit die verp:b'i('liunp: von K' mit den übrigen 
kleineren merc. und kent. denkmälern durchgeführt hat, .so 
kann ich mich mit einem liinweis auf ihn begnügen. Wichtig 
ist ausserdem noch R. A\'olff, I'ntersuchung der laute in den 
kentischen Urkunden, Heidelberg 1893. 

2, Die handscliriftlichen accente habe ich mit angeführt, 
oline mich jedoch im stände zu selien, sie irgendwie verwerten 
zu können. Wenn man annehmen wollte, dass jeder accentu- 
ierte vocal lang sei, so würde man bald keinen kurzen vocal 
im ags. mehr antreffen, Audi die accentuierung von l und ü 
in offener silbe in der hs. ß bedarf einer erklärung, da ja die 
dehnung von < und u nur in den nördlichen dialekten ein- 
getreten ist. Was soll es auch bedeuten, dass (namentlich in 
T"^) oft neben der accentuierung dojiitel.^chreibung ♦M-scheintV 
Die ganze frage bedarf erst nocli einer gründlichen Unter- 
suchung. 

3. Bei der darstellung der spräche des Beda liegt im 
wesentlichen die hs. T zu giunde, nicht nur weil sie die beste 
ist, sondern vor allem weil sie als die älteste dem originale 
am nächsten stellt. Die anderen liss. sind nur insoweit be- 
rücksichtigt worden, als sie aus giammatischen oder sonstigen 
gründen intere.s.^ant sind; auch liat .schon Sievei-s, I^itr. 9, 197 
den Whelockschen text nach dieser hinsiclit durchgesehen. 

l'eber die einzelnen .schreiber der hs. T sei im voraus 
bemerkt: T' und T' .sind Westsachsen; T' hat jedmh im 
ganzen die anglische voiiage tn-uer Ix' wahrt als T\ so dass 
dieser am meisten von allen schieibern ein ws. gepräge zeigt 
T2 steht dem Psalter am nächsten, rückt jedoch etwas mehr 
nach Kent hin; T' und T' endlich .sind Kenler, aber nicht 
ans derselben gegend. 

Was den dialekt der übrigen h.ss. l)etrifft. so wheidet B 
sofort au-s das alle characteristioa des si»Ätws. hat (für fejrtes 
i tritt y und für festes y auch ♦ ein; formen wie ötrnHe, htc<enMf, 
tminis siuil nicht selten); 0<'a iiaben im ganzen auch ein wk 



180 DEÜTSCHBEIN 

gewand, wenn auch in folge seines höheren alters mehr 
dialektformen zeigt als Ca; letzteres hat einige besondere ab- 
weichungen (s. § 10, anm. 1. § 2, anm. 2); C (nur fragmentarisch 
erhalten) steht T am nächsten, 

Miller hat in einer besonderen schrift: Place Names in 
the English Bede and the Localisation of the Manuscripts, 
Strassburg 189(5 (QF. 78) versucht, auf grund der Schreibung 
der Ortsnamen eine localisation der hss. vorzunehmen. Bedenken 
gegen ein derartiges verfahren hat Binz (Zs. fdph. 29, 414 f.) 
erhoben, dem sich Pabst, Anglia, Beiblatt 8, 133 f. anschliesst. 
Beide betonen namentlich, dass das resultat einer solchen 
Untersuchung nur ein mehr negatives als positives sein kann. 
Ausserdem ist noch zu beachten, dass ein sorgfältiger Schreiber 
auch wol ihm unbekannte namen so genau und präcis wider- 
geben kann, dass es uns unmöglich wird, seine heimat irgend- 
wie zu bestimmen. Andrerseits haben wir mit der verschiedenen 
bildung der Schreiber zu rechnen: eine grössere kenntnis der 
geographie eines landes kann einen solchen befähigen, die ihm 
nur auf schriftlichem oder mündlichem wege bekannt gewor- 
denen namen richtig niederzuschreiben. Interessant z. b. ist 
die widergabe des namens der Bere\ 140, 18 Dera OCa, ^mre 
TB; 194,7 dere OCa, Imra T, daera B; 300,7 dera B, ^cere 
TOC, dwre Ca (daneben auch häufig richtig). In diesen drei 
fällen also haben die jüngeren hss. den namen besser bewahrt 
als die älteste hs. T; in 300, 7 hat sogar B allein das 
richtige. 

Ueberhaupt ist den eigennamen gegenüber grosse vorsieht 
am platze. Diese werden oft mechanisch in ihrer ursprüng- 
lichen gestalt weitergeführt und können daher für die bestim- 
mung von alter und dialekt eines denkmals nicht in betracht 
gezogen werden. Wenn daher Miller in seiner einleitung s. li 
unter den i-stämmen formen wie Edivini, gen. Edwinis aufführt, 
so sind diese vielmehr auf reclmung der lateinischen vorläge 
zu setzen. Deutlich zeigen dies formen wie gen. apostolis, 
Peodoris, die doch nur eine contamination der lat. genetiv- 
endung -i und der ags. -es sein können. Existiert haben alte 
i-formen um die zeit der Bedaübersetzung nicht mehr, denn 
der Übergang des alten unbetonten i in e fällt nach Sievers 
(Anglia 13, 13) um die mitte des 8. Jh.'s. Vielleicht stammt 



DIALEKTISCIIKS IM Af;s. BKDA. ISl 

auch aus der lat. vorläge 358, 2 'I'O Cwlhnhle (lat. Cudbercto), 
Ca Cuöbcrht, H CwV,rihtr"s. 

Aus allen diesen giinulcn haln- ich die eigennanien nur 
insoweit mit aufgenommen, als sie in direeten gegcnsatz zum 
lat. original treten; bei den Ortsnamen kann ich mich auf die 
erwähnte schritt Milleis (abgekürzt mit M.Pl.N.) b»'zieh»Mi. 

4. Um die dialekteigenheiten des ßeda deullidirr hervor- 
treten zu lassen, bin ich zunächst überall vom w s. ausgegangen. 

§ 1. 

A. ^^"s. « entspricht im Beda gewöhnlich a. 

Ainn. 1. Wcj^^en einer reihe von fällen, wo o,«-uiiiliiut auftritt, vgl. § 20. 
Anui. 2. Wegen dialektischer warben, ^etrarden etc. vpl. § 14. 

B. An besonderheiten habe ich folgendes notiert: 

1. (IC, ah erscheint in T' stets als ac {ali nur '.'8,7); T- 
nur ah (5); T' ah (5), ac (13); T' ah (12), ac (8); T- nur uh 
(9); ah stets im angl., ac und ah im ws. (Pos, 1, § 1, 2). 

2. a stets im inf., gerund, und plur. ind. praes. von hahhan 
und dessen compositis; bei ahabhan {^^ ahstinerc) ist zuweilen 
Vermischung mit ahchhan {=■ tollere) eingetreten: ahaUxiu trl.'Jd. 
70,32. 82,31. 80,18; ähabban 10,8. 82,3; ahaabl>cuma2,{) 
{•hebb- BO; -habb- Ca) (aa in T ist Schreibfehler); ahcefde (conj. 
pl.) 84,5. — c liegt vor in ahebban inf. 228.21 ( - B; a CaO); 
ahcbbc 400, 7 (= B; w CaO; aha-fde C); ahebban (conj. pl. 70. 27 
(fp 0; a Ca; ahebbcnB); ausserdem noch forhebbenihan 242,2 
{-ha'bbemha OCaB). Zur erklärung dieser foiinen diene folgen- 
des: habban und hebban stehen in enger Wechselbeziehung, 
namentlich wenn sich die bedeutungen so nähern wie in unserm 
falle. Auch scheint das spätws. hefde und hefnd zum inf. hiblntn 
wol nach hirfdc und hvfvd gebildet zu sein. 

3. Wegen der formen hafast, haftu), sa.;a, .sy/,?«.s7, sa^sod s. 
die belege in der formenlehre. Alle die.se formen sind im Heda 
belegt, und zwar neben T auch in CaO; H hat meist «lie ws. 
formen; gerade diese bildungen sind ein wichtige,«; dialekt- 
kriterium. Nach 8ievei-s § 410. anm. 1. 3 felilen sie dem stivng- 
ws., das north, zeigt meist rr, ebenso IC; nur IN. hat hufust. 
hafaö, asasas (und se.^aO); hier steht also H«Hla wider dem l's. 
näher als K'. Hierzu würde noch kommen für Kent 1 lufst 



182 DEUTSCIIBEIN 

KGl. und liafest KHymnus; dalier hat auch der Kenter T^ 
hoeß 410, 18 (gegen liafaö COCaB); sa^c 410, 17 {sasa OCa; 
scge B); saga 412, 1 (= OCa); doch hat T^ wider so^ast 345, 10; 
hafast 354, 31, während für T^ belege fehlen. 

4. Aus altem ablaut erklärt sich nose (acc.) 144, 17; nasum 
428,10 T-* {nosiim OB; nösum Ca); rodor 424,20 T^; roiJor 
428, 25 T* {reador CW deutet auf rador). 

5. Während das subst. ondswaru stets a hat (z. b. 64, 5), 
wechseln im verbum a und o: z. b. ondsivarcde 60,1; ondsivo- 
rede 136,26. 192,6. 214,6. 260,4, -on 276,32, «wcZ- 192,11. 
Ausserdem treten in formen mit e auf, z. b. ysweredon 
276,32 0; ysiverede 426,3 etc. Zwar ist ondsivorian ein de- 
nominativum, und die formen mit o könnten auf das subst. 
ondsworu (Siev. § 51) zurückgehen, aber das ist etwas un- 
wahrscheinlich. Die formen mit e erklären sich vielleicht aus 
alter e-flexion (Siev. § 416, anm. 13). 

6. Vor sc erscheint a in ascan 352, 26 {acsan B, axscm 
CaO), aber ivcescan 378, 18 (= BC, wacsan CaO). 

7. Die conj. des praes. der starken verba der 6. klasse 
haben angl. oe, ws. a. Beda hat T' tviöscecen 212,26; aus T^ 
noch fere 410,19 (== 0, fcere Ca, fare B: gehört wol kaum zu 
feran)] das e für ce erklärt sich nach § 4. Vgl. dazu auch das 
part. purhfcerende 250, 24 (= OCa), purhfarende (B). 

8. Ich stelle mit hierher das part. praet. von seon, das 
WS. meist als geseiven bez. ^esawen erscheint. In Beda finde 
ich: T' ^eseiven 60, 6. 27. 142, 4. 294, 10; bevorzugt jedoch ist 
das dialektische sesesen 64, 3. 68, 14. 20. 26. 70, 32 etc., fore- 
segen 340, 33 (== C); im ganzen hat T^ 19 -se^en neben 4 ge- 
seiven (OCaB haben nur ^esaiven j ^esewen\ B 324,21 auch ein 
sescewen). — T^ (das überhaupt dem ws. am nächsten steht) 
hat geseiven 366, 19; gesawenliera 362,5. — T* hat 4 geseiven, 
1 geswwen 430, 22 und 1 sewen (verschreibung) 428, 29, da- 
gegen 3 sesesen 436, 2. 438, 11 (= C). 438, 32. — T'' hat gesesn 
424, 20, gesesene 424, 27. Ausserdem noch C gesesen [470, 12J. 

§ 2. a vor nasalen. 
Vor nasalen wird a im ags. zu offenem o. Die ältesten 
quellen schreiben dafür a, im 9. jh. herscht o vor; Ps. hat 
stets 0, El 800 o gegen 122 a; north, hat ebenfalls o, mit 



DIALEKTISCnES IM AOS. BEDA. 183 

causnahme der praett. der 3. klasse; später dringt a wider durdi 
(letzteres auch in der hs. B des Beda). T" hat stark iibrr- 
wiegend o. — T- liat nur o (aiisuahincn (ihlmni :UM). 2; nnmnti 
388,30); nicht hierhei- zu steHen sind (gegen Miller, einl. s. uv) 
hiconan 3r)2. 31 und fmni.s'in :!S4.'J2; (tnrorlifrs ;{H4. ist wol 
mit ä durch anlehnung an <7« anzusetz«*n; vgl. T' atinirlifts 
218,8, -e 218,11; aancoran 100,20; üdncorstoive 421. 12 '!"•; 
f/«rvj;7// 112, 18 T\ — T^, bei anschluss der unter 1 auf- 
geführten fälle: ö : a :== 2 : 1; T« : a :-- 5 : 1; T^ o : a 'o : \ 
(ausserdem 1 mieni^e T^ 3G8, 11). o scheint in die.ser zeit be- 
sonders merc. zu sein, wie aus den Urkunden hervorgeht. T^ 
neigt dem Wi<. zu, daher der hohe procent.satz von u. 

I. In 'V^—'V'-' erscheint stets mit o: ond (wechselnd mit 
on, s. Miller, einl. s. xxvii). In den nominalcompositis sollte die 
betonte form and- erscheinen, wofür jedoch in un.serm denkmal 
ond- eintreten musste; and- steht in T' in andlifnclA,A, and- 
stvarc 04,5. 344,3, andsworodc 192,11, and iceardnesse 20S, 21, 
andivlitan 352,22; in T- stets o; T^ 1 andireardncsse neben 5 
ond: T' 19 ond-, 3 and-; für T'» fehlen belege. — Die verbal- 
composita haben on- (auch verkürzt zu «-). 

Anm. 1. Wenn T' omreard KS, 29, o>iirf«n/rf 200, \i) (nebi-ii 12 ond-); 
T* ebenso omceardc 39(\ 3 (neben 3 ond-) zeigt, so ist »lies wul ebenso anf- 
zufa.ssen wie der Wechsel von ond und on (s. o.) 

Aehnliches gilt von der imiep. on (so stets in T); an sollten wir elien- 
falls in nominalcompositis erwarten; es ist jedoch stets zn an- geworden, 
mit ausnähme von T' unitudd 120,4, (unceald 120,3 (nel)eu 4 o«-); T* <««- 
iciddc 3<)4, 21, onicahle 382,1; T« ansien 420, 11 neben 2 omeonf. 

Ferner haben stets o: ono 31 mal; onn IIH, 20; ona 172, :U); hxcoune, 
ponne; Jjonnc, /)on (= quam); ponr (arr. s.) hironf (acc. s.). Au.inahm«' bildi-l 
Jutuc 350,2:3; puuc '220A'.i M., Scli. y;*»««-; auch t-in don (arc.?^ 42«, 24. 

pon, Incon ersclieiuon in T'— T' stets in dieser form (nur ein/x«»i 2.'iO, 22); 
T" dan 410,32, forjxiu 412,2. 414,7 (neben 14 o). 

Die praep. froin hat in T» 234 from gegen 1 fram; 'V' -•• »- " T* 22 
from, 2 fram; T* 12 from, 10 fram; T» D from, />«»«. 

II. l a in sonstigen Wörtern. 

1. in T: a) vor einfachem n: wio«/>(und ca.-^.) .stets o; 
ebenso unmoncsuni 204, 13, ,semoni,sfvaldaö 208,29; mouum 54,9 
(15), monuns 124,3 (7); honcrcd 212,5. 338,24; {its)hu'mnn 
90,34 (8), hu'onnn 334,23; ponon 80,12 (18), Itomm 12«», 10. 
228,15; ,s<ivon 110,31, uon 3.'>0, 1. müw/»».sMWi ti8. 5. iconunÄf 
104,7. 110,2.; {wonpc 238,1. 252,9. 38C,25), mm 118,0, ^r- 



184 DEUTSCHBEIN 

ivanad 358, 14; part. asponen 258, 29, ^espönen 220, 31, ^csponen 
332,20, sesponan (inf.) 316,32; moni^e 110,1. 120,5. — b) vor 
einfachem m: noma 54, 13 (56 mal), naman 106,7. 218,1, freo- 
nama 110, 18; from (adj.) 260, 18. 336, 18, fromlice 106, 24. 
292, 3, fromesta 146, 29. 150, 3. 208, 25, fromscipe 92, 14, fro- 
mian 162, 17, fromade 162, 25, -edon 212, 17; lichoma 66, 7 (105), 
licliomlecan 88,12, licliomlic 254,11, -lice 100,8. 200,22, -licre 
116,32 (7) und 1 licumlicre 120,23; somod (4), somed (5). — 
c) vor n + consonant: «) mon (pron.) (70); mon (subst.) 
54, 13. 14 (66) neben monn 122, 8 (11), monnes 54, 14 (13), 
monnan 80, 9. 10, monna 56, 14 (29), monnum 66, 3 (27) g'egen 
onan (subst.) 110 10. 23. 208,6. 270,34, mcmnes 228,22, mmtna 
296,28; also im ganzen 148 o : 6 a. In den compp. mit mon 
als erstem oder zweitem bestandteil erscheint stets o (40). [Dazu 
tritt noch Gearumon 240, 16, Gearomounc 260, 23 (dat.), wo 1 
Geraman 250, 19 (aus der lat. vorläge) eintritt.] — ß) vor nd: 
liond 102, 24 (34), dazu hondgeivinne 274, 21, -um 218, 12 neben 
hand 54, 3, handseax 122, 12, hereJiand 356, 22; lond 92, 18 
(34), edlond 54,8 (7), in anderen compositis 8 mal; im ersten 
teil von compp.: londleode 96, 15, -fyrde 196,27, -hi^cn^an 306,21, 
-are 314, 16; dagegen a: Und 240, 11, lande 236, 6. 282, 13, 
gehatlandes 346, 8, landleodan 356, 23, hocianda 236, 1 ; stondan 
102,32 (5), sestondan 178,19. 282,16, 5^owf?c^ 234, 5, 5^o?if?e 
72, 16, stondendan 274, 11, stöndende 204, 3, ^estonden 218, 19 
(5), ividstondan 118,5, as^ow(Zwes5i<wi 312, 5; a nur in iviöstan- 
dan 1 54, 17; spönne 296, 18. [Tondhere 194, 20, Tondherlit 316, 13, 
Wilbrond 188,21; wegen CWif : Caw^ 31 : 5 s. M.Pl.N. s. 67J. 
Den Übergang von a zu o macht auch das fremdwort ontemn 
60, 18 mit (antcfn CaO, untefn B, vgl. Pogatscher § 79, der 
antefen ansetzt: dies erscheint mir fraglich). — /) vor Mg-: 
über Onjol- und Ongle s. M.Pl.N. s. 19: On^ol- 71, On^el- 4, 
OnsleG; onfongenbQ,8{2b), fottgne 324, 9, onfottgennesse 2Q8,2, 
onfongnesse 64,17, onfonsennis 118,31, onfongen 64,27 (conj. 
pl. praes.) ^ gegen onfan^non 338, 18, -an 220, 2; also 30 o : 2 a; 
36 lon^ neben 1 gelang 182, 3, lange 352, 1; song (subst.) 174, 15 
(11); in compp.: sealmsong 242,33 (5); lof- 188,7. 284,10. 12, 
ciric- 298,23, uM- 348,14, 6Z/55e- 264,28, leoä- 342,9. 344,26, 



') Vgl. dazu praet. onfongon bei Napier, Anglia 10, 144, z. 136. 



DIALEKTISCHES IM AfSR. FIKDA. 18r> 

mcessc- 62,6 (6), sunscraft 2r)(), ll». ;{12, 15, .vow^crc 258,17, 
Jieahson^crc 314, ;{ gfegeii sim^cras 314,21, uhtsanxes 318,23; 
also 35 : 2 rt; .s7ro>?,s (adj.) 68,6 (11); vorb. .^cstron.sadr 74.0; 
also 12 : «; das yrrbiim ^ow.s«» 74, 13. 18 rtc. und coniiii». 
liat 53 und nui- 1 sdn^an 340,23. Daneben besteht ;:nan 
186,4, San 184,31, ,s<m 326,10, ,sCsvm» 202,1. s^s^/h 111,23. 
306,24; das subst. ^on^ und Zusammensetzungen haben nur o 
(27 mal; z. b. hi^oti^e 66,8); sonst tritt n noch auf in wouj^e 
74,26, tcon.strc 296,30; hongodc 182, 1. 4. — 6) vor nc: J)ou- 
cim^c 76,11 (4), poncunce 130,3, ])onctncotutm' 88,4, ßonce 
128,3 (2), ],oncßil 278,8. J)oncfuUc 78,21; « in y^awc 188,11 
(2), niodgi'panc 344,7, panciryröllcc 316,8; also 10 o : t a; 
Fronend 172, (') (4), Froncloiidc IH), 12; oncras 200, 12. — 
d) vor m + consonant: complan 146,28 (3), uiöcompodon 
856,26, subst. compe 236,2. 310,1, cow/i)- (in compi).) 102,33 
(7); also 13 : «; somnian, ^c-, in-, io- 34 mal o gegen a; 
z. b. somnian 02, ij, gesomnian <')0,21 etc.; das subst. ^e.s"om;j««<j 
72,17 (15) und tosomne 132,8, cetsomnc 346,28 haben nur o; 
also 51 : a. Ausserdem noch icomnic 218, 29, das fremd- 
wort ompcllan 200,17. — e) die praeterita der III. klas.^e. 
Hier ist o die regel (112 o : 9 a): u) ongon 62, 11 (41) gegen 
on^an 154. 34 (7), blon 216, 6 (4), hhnn 178, 27. 220, 10. .j^vloml 
180, 19, bchond 184, 19, son^ 184, 34. 344, 15. 346, 5, as6ni 
344, 29, ddronc 236, 19, ])urkston,s 122, 21, tvon 338, 15, tconn 
122, 1 (9); uond 178,28. — ^) vor nr. ^<'h^up 96. 8 (30) gegen 

1 gdamp ()2, 10. — y) Das praet. zu ftndun ist \vs. in der 
regel schwach, dialektisch stark. Im Beda hat T« fond 
144,25 (CaO /i/m/, \^ fundr\ onfond (-/»m/r O('aB) 25«'.. -Js 
298.19, /»m/c 198, 27. 326,29; onfondc [16, 8j Ca i.st deutlich 
Vermischung von onfond und onfitnde. — d) mit metathes«»: 
or7» 184,28. 270,34. 340,16, born 118,15, forborn 180.31. 
204,21. — con 234,30. 31. 342,30, cow» 82,25, cotist 61 1 1 
66, 18, Äcmon 322, 19. 

2. In T' (belegstellen sind nur in denjenigen fällen hu- 
gegeben, wo da.<^ betreffende woit in T' nicht vorkommt). 
a) vor einfachem n: 9 tnoui.:;, i ;m»i/>. 1 »«<p»i»>r IW8, 11. 

2 donon, 1 (f^hwonon, 1 wiowMW.s-f, 1 monn\Ä»n>. 1 »hommmc 
2 vianod, 1 nowaw, zus. 15 o : 7 « : 1 «•. — b) vor ein- 
fachem w: 4 »jo»/^i, 5 somod, 1 somrd, 1 samod, 13 lirhoma, 

BeitraK« nir rcicl^it^^te >lcr ileuuchcn tprachc XXVI 13 



186 DEUTSCHBEIN 

2 licliomlicum, 1 lichama, zus. 25 o : 2 «. — c) vor n + con- 
sonant: d) 3 mow (pi'on.), 3 mon (subst.), 1 monn, 2 mon- 
gegen 7 man (subst,), 3 man (pron.), zus. 9 o : 10 a. — /?) vor 
nd: 3 lionä, 2 Jwnd^einn, G ealonä, 1 ealanäe, 1 morlandiim, 

3 ZrtW(7, 1 scstonden, 1 gestanden, 1 CVmf-, zus. 12 o : 6 a. — 
/) vor «vt: 1 Ongol, 1 onfongen, 1 onfongnan, 3 ?öw^ und 
3 /«>?($-, von gong an {to-, ut-) 4 o und 3 «, 1 (subst.) in ganz, 

1 gestrongad, zus. 11 o : 7 a (ausserdem noch 1 ^rt« inf.; /b/vJ- 
«t^ffwe part. 368,22). — c)) vor nc. 1 Jwnc und 1 doncwyrdlice. 

— d) vor m -f consonant: 3 gesomnian, 2 eampode. — die 
praeter! ta: «) om^ojz 1, woon 382,9 (verschreibung?), 1 sang. 

— ß) 3 gelamp, 1 gelomi^. — d) ^^-cörw 366, 32, heorn 360, 26. 
Im ganzen 81 o : 38 a : 1 a? : 1 eo (?). 

3. In TM a) vor einfacliem n: 14 monig, 2 ponon, 

3 Jjonan, 1 ceghtvonan, 1 onhtvonan 428, 31, zus. 21 o : a. 

— b) vor einfacliem *>«: 1 fronte, 1 fromlice, 1 fromung 
406, 29, 1 ?ow?a 396, 18, 6 somod, 7 noma, 2 nama, 17 lichoman 
(1 llcumlice 392, 1), 4 monian, zus. 38 o : 2 «. — c) vor m + 
consonant: «) 4»?ow (pron.), 18 mow (subst.), 2 w«ow in compp., 
11 w«>^, ymhspannan 392,6, zus. 24: o : 12 a. — ß) vor 7id, 
nt: 6 Aowc?, 1 liondseax, 2 hand, 6 Zone?, ealond, 1 stonden 
404, 28, 4 gestanden, 1 standenne, 1 Cantivara, zus. 19 o : 3 «. 

— /) vor w^j-: 5 Zow^, 1 strongum, 1 stronglice, 1 gestrongad, 

2 onfongen, 1 onfongne, 1 onfongnan, 1 onfangne, 14 formen 
von gongan und compp., 1 ^om,?- (subst.), 1 ingong (daneben 
2 ($■«« und 1 utgan); 1 songes, 1 sealmsonge, 1 mcessesong, 
1 saw,?', 1 Ongle, 2 Ongel-, 1 suongrum 434, 5, 2 tangan 428, 11. 
22, zus. 34 : 4 a. — d) vor w + consonant: 1 gesom- 
nunge 430,9, sowmm^a 430, 24. — e) Praeterita: «) vor n: 
Yangon, 4ongan, Ihlon, 1 song, 1 sang, 1 dronc. — jS) vorwi: 

4 gelomp. — 6) 1 orn 400, 21 (metathese des r). — f) 1 ge- 
mon, zus. 14 o : 5 a. Im ganzen 152 ö : 26 a. 

4. In T^: a) 15 monig, 2 Jwnon, 1 panon, 1 «t^o«, 1 /ore- 
manad, zus. 18 o : 2 «. — b) 1 frotn, 1 somod, 2 nama, 1 />"eo- 
naman,^) zus. 2 o : 3 a. — c) vor w + consonant: «) mon(n) 



') 7 lichoman, 1 licoman 41G, 33, 1 licohoman 422, 21 (1 licumlicre), 
2 h'chaman gehören zum capitel der rainderbetouten vocale, da für lichbma 
frühzeitig Imimu eintrat. 



DIALEKTISCnKS IM AOS. HKDA. 187 

(»')), 1 nioH (piun.), in coinitp. 1 -)n<»i und l muunum, ausser- 
dem Tilmon 418,7, zus. 12 o : l a. — (i) 7 lond und conjpp., 
3 lanä, 1 .scstondrn, 1 ('ontivearn, zus. 9 o : 3 «. — y) 1 <)n,sol-, 
1 onfon.^ni, 1 onfon.scnc, 1 /o^.^-, 1 ,^ow,^ (iinp.), 1 ,sO;>,^«/5, 
1 it}\sO)is, 1 ^'isOVÄ, 1 xhfson.s, 1 w///.sY(7?,s-, zus. 12 o : 1 «. - 
d) 1 öonciri'oröUrr, 2 Fronrna, 2 Froncmui 411,0, zus. 4 o : 
Ort. — e) Praeterita: «) 1 on,s<inn, 1 />/r///»j. - /^) 'A ,;;plomp. 
— y) 1 oferorn, zus. 4 o : 2 «. — Ausserdem vor wr 1 row»;;- 
Ärt(?es 422, 17. Zusammen 71 o -. 11 u. 

Anm. 2. Für o vor nasalen »Tsclieint Itosonders in Ca eo in frfom 
2G0, 18, freouilices [30,28], frromini,; M)C>,2i), freouii,;cii<l(' (14,2i»|. |i:{<;,22| 
steht bricfititlc mit ülxTt^'i'sclirit'hi'iieni freonieDe. Diost'lWn formen strlu-u 
im Ps. Zur erkliirun«,' veniiai,' auch ich nichts zn tun, wenn nirht alter 
abhiut verliunden mit i> «-unilaut v()rlie<,'-t, wa.s freilich sehr fra^jlith ist. 
Weiterhingehören hierher: T^ />co/-/( :j(k), 20, seoHio(/4UH, 3; heiiliseiin_;n-e 
[20, 11 j Ca ist wul nur Schreibfehler. Zu der ganzen frajje s. noch § 14, 5. 

§ 3. Ws. ä. 

Ws. (7 ist im Beda gewöhnlicli erhalten. Bemerkenswert 
ist folgendes: 

1. Vereinzelte (ü für ä sind durch /-umlaui veranhi-sst 
worden: T^ scestlicra 386,30 (sonst stets <?«.?/); T* hml 434,10 
(sonst hüd), ha'tm 258,18 Ca {hntcn T), w^ennc 278, IG. 

2. Regelmäi^sig ersclieint cu im acc. sg. und im inslr. von 
(7»: T' (ennc 184,3. 214,12.31. 312,5, anie (acc.) 214,3, fz-nr 
(instr.) 244,23 (5); T^ anc 414,10; T' (Bune 31X5,2; '!'■ nmv 
424,7 (auch sonst ist cnne belegt, vgl. Sievers J5324, 1; oder 
es gehört zu ij 9). 

3. Neben ma 50,3. 00,21 (43 mal) ei-scheint auch »m-92.4 
288,18; besonders häutig in B. z. b. 82,2t). HO, U; auch in (M'a 
190,24; daneben noch in B ein comp. m<'rc 2«>0. 17. wegen T^ 
s. ij 9. 

4. l)er gen. plur. Jxirn etc. eisdieini regelni;i>sig in T'. 
T'. T'. T' als J>nia\ ausnähme nur T' ihara l:?s. 12, /«mi 
380,22; hingegen hat T» 2 öcara 351. 13. 388,32 neb«*n dara 
356,8. 384,11; T- s. ij 9. 

5. Von siva (vgl. Sievers § 121) gilt folgendes: T'.T* stet« 

stva, T* 4 Sica, 4 swa, T« 49 s%ca, l sicir, T» 22 virrt, 1 tum 

und 1 i^Hc. 

0. Wegen II westgerm. m vgl. § 7. 

13- 



188 DEUTSCHBEIN 

§ 4. Ws, ce. 
Ws. ce, einerlei welchen Ursprungs, erscheint in T' — T* 
gewöhnlich als ce. An besonderheiten ist folgendes zu be- 
merken: 

1. Wenn in T' 186,10. 218,18 cftcr für gewöhnliches 
cefter erscheint, so ist dies wol an eft angelehnt (das um- 
gekehrte, T^ (eft 396,14 neben 24 eft); Ti aftcr 104,29; T^ 
öfter 378, 1, afterfijl^ende 372, 19 sind vielleicht als ausserhalb 
des satzaccentes stehend zu erklären. 

2. ost erscheint in compositis nur in dieser form (nur 1 
otwite [6,3] Ca; C od-, B oö-). 

3. Hierher gehört auch die 1. pers. sg. ind. praes. von 
hahhan, dessen part. praes., praet. und part. praet., das öfters 
in CaB als liefed erscheint (das nähere s. in der formenlehre). 
Diesem schliessen sich an das adj. T' forluefdesta 270,18 
{-Juefed- CaB); die substt. forhwfdnesse {-nisse) 270, 13 (14 mal), 
unforhcefdnisse 76, 32, forhcefednesse 268, 9 (die formen mit 
-hcefed- sind in CaB bevorzugt, auch 5 mal in 0). 

sce^de und sce^d erscheinen in T stets mit ce; ebenso das 
subst. on{a)scesdnis 330, 21 (im ganzen in T 7 verschiedene 
formen); formen mit -sesd- zeigt B 330,21. 370,10. 416,14; 
142, 6, vgl. die spätws. se^{e)st, se^{e)ö Sievers § 416, anm. 3. 
Wenn B 330, 15. 19 -se^ed- zeigt und Ca 370, 10 -sceged-, so 
setzt dies ein part. sceged voraus (in L ist asce^ed belegt, vgl. 
oben hcefd und hcefed). 

4. Das praet. zu stre^dan erscheint stark in T strcegd 
118,13 (CW stred !; B hedraf; CaO fehlen); strcegd [42,21] 
B (Ca stregde). Ws. wird diese form schwach gebildet (vgl. 
Sievers § 389, anm. 1). 

5. Im zweiten teile von compositis bleibt ce in der regel 
bestehen; also stets sidfcet, ^cmyndd(B^ etc.; nur wrn erscheint 
in comp. Imal mit ce und 5 mal mit e: T' hordcern 174,30, 
hlcecern 286, 13. 18, blcecern 286, 21, slceperne 370, 5, skestern 
414, 27. 

Eine ausnähme bilden ferner die Zusammensetzungen mit 
-foest- (das Simplex foest, adv. fceste, fcestlice erscheinen natür- 
lich stets mit (e, ausgenommen der comp, festre 380, 3). Die 
compp. mit Cir- (arfcest, arfcestlice, arfiestnesse, -nisse), mit soä-, 



DIALEKTISCH KR IM AOS. BET)A. 180 

^cmd- liabfMi in T" - T» stets -first (im pan/cii TJnial); ebenso 
auch T' si,;;('f'(rst läl. 1>, -a IC.S, :}, /;csi^efa-stc .'iOH, 7, liß'iistan 
120, .S (und nur 1 ////cv/an T« 101, 7). Hingegen srhwankl der 
gebrauch bei (e-, und zwar zähle ich für T' ivffsHM\'H\ (ir>), 
wfi'stnissc, -ntssf 02, 7 (7), dagegen irfirstnissc 00, 11 (7 (p, 1 <•); 
für T-i fehlen belege; T' hat cBfcst 382, 2, (pfcstr. 308, 11, ^/rs/re 
304,29 und 1 ivu-fivstcs 300,20; T' hat afcstncssc 100,8, (cfrshs 
434,23; T'* s. § 5,2. A\'orauf der unterschied Ixiuht. ist schwer 
zu sagen. 

0. Im gen. und dat. instr. sg. der o- stamme (auch im 
zweiten teile von comi>it.) erscheint gewöhnlich (c (vgl. dazu 
auch § 1,5); ausnähme nur r<rsted(t,j;cs 401.28 (H zeigt hier 
überall gewühnlich a: also ^r^y^f 70, 33. 138, 18. 140,11. 231,8. 
302,4 etc., baj)cs 82,2. 302,10, 7vale 190, 11. 200,30, tvalis 
154, 3. 

7. Aus der adjectivflexion liegt vor: T' hra'dc (instr.) 
138,21, htvcetcsta 148,7, /tra^c (instr.) 154,23, gladeT^ 392,30. 

8. Das adv. hneJc: T' hrceJe 102, 27. 190, 22. 252, 5. 
260,2. 282,9. 350,28 (0), daneben 9 h>a()c 98,1 etc.; T^.?-" 
stet« hraÖe (3); T* hraÖe 392,29. 428,20, /»•«■( Je) 390, 31. I)a 
CaOB stets {h)r(i(7c haben und B irrtümlich 102,27. 252,5. 
200,2. 274,12 liicaötrv schreil)t, .so scheint die form hradc 
den Schreibern von OCaB ungeläuHg gewesen zu sein. Weitere 
schlüs.se zu ziehen, wage iclj vorläufig nicht. 

9. wieter 150, (5 etc. und stets mit .synkojte no'tns, -« , -d, 
-Mm; eben.so fmhr für den ganzen .sg.; der pl. stets mit Syn- 
kope fcedras, -a, -um; ebenso auch w in fiedran 182. 18 (jmtrui). 
236, 10, ftedniirc 140,9. Cime synkope erscheint in T^ tnvtrns 
306, 8 und ftvdrra 370, 30. — (e liaben amh Inmdir, (r^hintdcr, 
hi€(edrc (Imal hnmhe 212,17, 392,18 hcmlre text, htcirörc 
in der annwrkung). Beachtenswert ist hier, da.ss in T Iwi 
hiccFÖrv (und ebenso bei to-, at^iidn) stets synkope eintritt 
{humdere nur 88, 14. 194, 10), wälirend OCaB regelmä.^vsjg Amr- 
Ö*'rf haben. Vgl. übrigens Sievers. Beitr. B>. 10;>. 

10. Der /-umlaut des a v<u- consoiuintengiuppen ist »r. 
Die bei Sievers § 89, anm. 2 aufgeführten ausnahmen gelten 
auch für '\\ .Abweichend hat nur T« npsU- »2«'. 1, Krshda^rs 
404,28 neben l nstr 424.30, uft 390, 14 (neben 21 rfl). huscan 
164,7 T' hat r (s. Sievers, Beitr. 24, 383). 



190 DEUTSCHBEIN 

11. Während T'* sonst stets ce hat, tritt e auf in hweÖre 
368, 8. 22. 374, 4, ceshwedcr 362, 4. 364, 6, oesliwcderne 362, 17, 
cp^/ie/>er 368, 29. Dieses stimmt zu R' (Brown § 2 a, 3 kwwper 
neben 2 hwej)er und 5 hivepcre); auch sonst ist es dialektisch 
belegt (Sievers § 342, anm. 1). Dieses e ist als e aufzufassen 
(vgl. ahd. hivedar). 

12. Die participia der VI. ablautsreihe zeigen starke 
Schwankungen (Sievers § 368, anm. 4. § 378, 2. § 392, anm. 7), 
und zwar steht ajoe auf der einen, e auf der anderen seite 
(veranlasst durch den alten Wechsel von onoieno im suffix): 
a) gefaren 56, 2, oferfaren 316, 2 hat a. — ß) liefen hat in T* 
6 e, 3 ?, 2 a; (OCaB dagegen a): ahefan 212, 18. 288, 13. 17. 22. 
336, 12, ahefenne 202, 15, Mfen 164, 31, aMfen 164, 26, -nne 
322, 6, a/iafew 284, 18. 320, 31. — y) In on-, ajnvesen 80, 23 
etc. hat T stets e (11 formen), ebenso 0; Ca hat w und c, B e 
und auch o (3 mal, z. b. 234, 10). Ausserdem noch Ca, ajnvcgen 
[40, 14] (B aivegen). — 6) Im part. ^Zc^evi ist e für T^ das 
normale (36 e und 1 ce 358,17 ofslcesene), also ofslegen 114,4. 
138,27 etc.; T'^ 1 slcegene 356,5; T^' 1 geslcesene 376,24; T^ 
ofslegne 418, 19, s^slcegene 422, 30, ofslcegene 416, 24, ofslcegne 
416,31 (also 3 ce neben 1 e trotz § 5). Ausserdem kommen 
noch hinzu: aus Ca (wo nichts besonderes bemerkt, hat B a) 
heslegen [40,11], geslegene [30,5], ofslegen [6,26. 92,20], ofsle- 
senum [12,28]; aus öfslegen [92,19. 152,15. 152,5] (Ca 
ofslwsen), gesUsen [442, 24:] (=B); aus C ofslegen [472, 1]] aus 
B besiegen [40, 5] (beslagen Ca), slegene [52, 31] (Ca slwgene). 
— (ß liegt vor in ofslwgen [14, 16. 30] Ca. Das resultat für 
OCaB ist im allgemeinen folgendes: OCa haben meist e, B a 
(spätAvs.) — f) gescepene 74, 27. 224, 25 ist als durch i-umlaut 
umgelautetes part. aufzufassen; es könnte jedoch auch sog. 
palatalumlaut enthalten. 

§ 5. Ws. ce in T^ 
Für WS. ce tritt in T^ oft e ein, und zwar sind diese e 
auf rechnung des Schreibers zu setzen. Dieses e ist für den 
Ps. und für die kleineren merc. und kent. denkmäler cha- 
rakteristisch (Brown § le. § 2d. Wolff § 1), in R» jedoch selten. 
Da wir auch aus anderen gründen gezwungen sind, in T^ einen 



DIALEKTISCHER IM AOS. HKDA. !!•! 

Kenter zu sehen (§0), so ist wol unser c h'wv als k»Miii('iMiius 
anzusehen. Beh^j^e: 

1. ;30 icws gegen 11 ircs, 1 uues 422,21, 7 Jkls ((Jiea) und 
7 pcs, 45 ])wt und 7 7;t/, 1 oJJf< 422, 27, 8 Jxi'tte g»*gen /«//<• 
424,14; stets cet, aucli in coinpp. (8), 1 etmncd 410,27, 7 oflrr, 
aeftcr 420, 10, mi'fkr 422, 1-'^ gegen 3 cficr und 1 cftcrfyUcnd 
420, 14. — Äfc/i; (3. pers.) 410, 18 (COCaB httfaOl), tiiefdan 410,3, 
gC(€f(kiH), 12, //«(/(/ 412, 20, /Ku/(/r/n 410, 11. 41»), 15. 2(1 : hcfdc 
420,1.1(3. 422,10, lic fdon 4lG,l, -««412,8, »jr/i/(nt 420, 13, 
forhefdncssum 424, 13, forhehhcndum 420, 20 (vgl. auch i^ 4). — 
swsdc 410,10.25. 424,18, -on 410.10, sied 418,10, asa\sdticsse 
410,14 : SL-^dc 410,31. 422,22, sc^dcs (2. pers.) 410,32, se^don 
410,1. — Die starken praeterita: civceö 410,20, cmeö 410,11. 
412, 14 : meaÖ 410, 15 : cweÖ 410, 14, med 424, 2. 18; bad 
422,1.420,31, asict \22,2% /roj^n 410, 14, w^e^ 410, 17. — 
Hierher gehört auch mwsHc (lat. missa, roni. m{'ssa) : w<t'6sc'- 
prcostas 414, 15. 410, 20 : nmsseprcost 414, 4, vuessan 410, 15 
(ma'sse ist nonnalform für T' — T'; nur hat Schipper 244,20. 
240,0.12. 248,10. 252,12 messepreost, wo Miller tmvsscinrost 
schreibt). 

2. di^s 424,0. 13, gcmiindd(e,s 422,2, da'shivcndice 410. II : 
(?f^ 418,13. 20, dv^hwcmlicc 422,27, (/«-^ 424,24; /ic 420, 2<;, 
/acc 422, 21, hw^les 424, 25, hredlice 422, 23, hr(e)dlice 418, 24, 
hmdlicc 414, 13, ;«fe^)^ 424, 28, w/r/'.rna 412, 2(5, siöfal 410. 17, 
<(Ye6"/ew 412, 22 (für wcstm), «7«W/a' 410, 33 {irlixticcCO, ulivt- 
lice Ca, wceclice B). In den compositis mit -/ics< ei"scheint c 
(vgl. §4, 5) ni'fvstne.ssc 41(), 1:5, r<r/>.s//äv" 422, 25, (ricfcstUcc 
414,23 (die.se drei fälle gehören vielleicht unter ij 4, 5), soö- 
fcstncssc 420. 18. — ce in gcnietfcEstnc 420, 0. 

8. a) dwÄC 422, 2, dc^c UCy/AO. 422,28, /Wrr422,12. 424,0, 
fccc 420,17, Än-eJe 410, 23, .s/J/^Wc.s- 410. 20, .s/J/Wf.v 412, 0, iciU- 
/f^cn 420, 5. — b) /(e-r/^r 422, 24, fc.skrfirdvr UO, U\ iceUr 
418, 21, /narJrr 410, 14, hivaJrc 412, 22, dagegen hurörc 4lo. 27. 
412,10. 424,3. 414,21, hurÖar 410, H'.. 414, 24, </-.^Af<vJtr 411,20, 
oe^hwaövr 414,23, .schncövr 424,20 (vgl. dazu ij 4, 11). 

4. \\'egen der verba der VI. ablautsreihe .•<. § 4, 12. 

5. Auch für das n\ das als /-unilaut des <r V(»r con.>«Mianlen- 
gruppen auftritt (Sievers i; 80,2), er.MJieint «•: (Uireftuin 424,20. 
unaanfndlice 424,25 (hier auch uuaref'mudlice), forbcnum 



192 DEUTSCHBEIN 

416, 28, jehlested 412, 8. Hingegen bleibt ce in aeöelre 418, 8. 
(Eöele 420, 12. 

Welcher laut der vorläge zukommt, ob ob oder e, lässt sich 
kaum sagen: T^ hat nur 1 de^e 318,17, 1 hernisse 324,23; 
T2.T^ haben stets ce; in T^ sind die abweichungen schon häu- 
figer: 1 7>e5 394, 27, 1 et 442, 5 neben 10 cet, 1 fresn 402, 13 
neben 2 froesn 392,11. 438,20, 1 set 408,9 neben smt 398,9. 
434, 25, sesmt 392, 31, stets aber hced (7), abced (1), hwr (2), 
^ehrcec (1), ce^ce(? (40), ^^-ecM^ced" (1), Iceg (5). Vielleicht hat 
gerade das praet. e gehabt (vgl. das schwanken gerade hier 
in K'; Brown §lc); C hat öfters e: fresn 410,14. 402,13. 
438,20, Z^e/Ve^ji 468, 20; doch sind diese vier fälle nicht streng 
beweisend, da manche texte e und ce nach r (iv) schlecht 
scheiden. Ausserdem wird das angl. wort fccs 78, 13 von 
mit fes übernommen; und T^ leten 394, 28 geht wahrscheinlich 
auf lete (für Icete) zurück. 

§ 6. Ws. W = germ. w. 

Ws. ce {= got. e, ahd. as, a) erscheint im ausserws. als e. 
Für T'.3 gilt ohne einschränkung w. Vereinzelte ausnahmen 
erklären sich durch herübernahme aus der angl. vorläge: T' on- 
drede (part.) 54, 31, ondredau 56, 2 (?), hede (conj. praes.) 162, 21, 
gehede 292, 12, rcsade 256, 26. 29 neben rcesiau 180, 16 (C re- 
siau); wegen onslepte s. §7,6; ferner sprece (subst.) 72,25; 
T2 hat 19 ce, 1 e in tvere 384, 10 (und wäre 384, 25), her 388,20; 
oe in ivoedelnisse 388, 12 {tvepel- CaO, ivijbel- C, ivedle- B). Auch 
T^ hat in der hauptsache ce, aber 1 öer, ivedlum 394, 26, lec- 
nian 390, 14. In T^ überwiegt e: 9 Jjcr 418, 4. 19 etc., iveran 
416,24. 28. 31. 33 (11), iveron 422,30, weeran 424,27, were 
424, 1, heran 416, 15, cuede 410, 32, slcp 410, 12, mo7ipuerne 
420, 9, seerendade 420, 22, ondredan 424, 2, unmetan 424, 28, 
meere 418, 8, meran 422, 6, unmetes 424, 27 für unnietnesse. 
CB liegt vor (in den eigennamen J^ceiec^ 414, 7, Roßdhedde 412, 20) 
undj^cer 414, 8 (4), M;cBmw 412, 12 (12), tvcere 410, 27. 28. 412,6. 
416, 20, (Brende 410, 16. 416, 1, hoedan 416, 11, -on 414, 27, cuoe- 
dan 416,32, scBton 422,30, forlceten 412,28, forlcegen für for- 
Iceten 424, 3, sticcemcelum 416, 20, unmcete 422, 30, moes^e 414, 18. 
416, 20, mcere 412, 18, mcersade 418, 15. 

Anm. 1. Auffällig viele e zeigt das fem, subst. tvcer nebst ableitungen; 



DIALEKTISCHES IM AfJS. BEDA. 193 

das veib. gewcerian kommt vor als ^^rweredon (H, 12] Ca (B unredon); [52, 19) 
BCa, das subst. T' wa-re 128,5 (^^0; B intrc, Ca narr, treoufir). 324,27, 
in Mf/r 370,22 (T* +• ; narc B, tnuivde Vu), nur |17K, 3(»| C. 

An 111. 2. In nebentoniger silbe tritt a- auf in n\^huar 't\, 11. 

§ 7. \\'s. ä = germ. ä5. 

1. Vor 7v sollte « erljaltcn bleiben, besonders im praet. von 
seon. Im Beda erscheint jedoch öfters das angl. praet. ^t'^'^ow: 
T' ^esmvon 00,82. 180,80. 184,82. 884,21 Ucsv^on OCa), ^c- 
.<f«/te 142, 8. 184, 14 (= B; sc^<'6<^ 0, ^esie^e Ca), ^rse^un 102, G. 

112.7. 174,18. 208,19. 266,7. 284,5. 310,27. 386,7 (=-OCa). 
340, 33. 352, 19, scsesc 216, 25. 268, 7, /bmt-sc 256, 34 (siege Ca, 
waWc B, fore se ege 0), sesqgc l74, 6 (gcscagon 200, 16 ist ein 
misgliickter versuch, gcsmcon herzustellen); ausserdem mich 
Sesvgc [474, 21J Ca. T- <5/;6T^ö« 886,4, Ä-tw^c 856,10 (conj-jd.). 
T» ^e5a?<;oH 372,21. 376,5. T' hat stets a: gesaicc 430,31. 

432.8. 11.25. 440,21, .s-'W'"« (2. pers.) 480, 29. 432,21 (endung 
-a Schreibfehler? Es folgt in beiden fällen «). T'- hat ,sts(ucc 
418,11, geseg07i 418,5. 

2. Aus T'' gehört hierher tdicicnnc 366, 24 (taicigenue B, 
teagcnnc CCa, tegcnne 0), ^riafcod 366,24 (-- B, gdeiul COCa), 
das zu got. tcica gehört. Die formen mit ^ sind wol diah'kt- 
formen und scheinen zu got. taujan zu gehören, vgl. got. stniiij<in 
: angl. stri^gdn, haujan : hc^an, auch hc,^ {*luuvja) |2S, 88[ BCa. 

3. a eischeint stets in hläwan, säivan (wahrscheinlich liegt 
aber hier germ. ni zu gründe): saiced%%l, satcan 166, 27 etc. 

4. Sonst ist ä für ve selten: T' /accJom 78, 26 neben l(e- 
ccdom 180,20 (5; Uvcc 320, 19 hat <-umlaut), Urcnian 326. 11. 20, 
Icecnod 308,17; T^ lacnude 860,11 neben umgelautetem Itece- 
domum 362,14, Uecas 382,5; T« (livcc 390,13. 404,2) Ucnian 
390, 14 {lucnian COCa). 

5. Vor gutturalen in (»ffener silbe: tmegiim 68,27, fwrxa 
226,32, ma^gati (f.) 320,2, ntasas 328,25, miga 130,7. 

6. Vor p- (v ><tets im subst. shvp: T' .v/<r;) 84,21. -c 840.13 
(2), sl(vpcrnc 840.5; T-^ 854,6. 18; T« 402, 17; T> .s/«;) 410,12. 
Vom verbum sind folgende formen belegt: T' sUrpcnde 80,22. 
344,15, an 86,5, -es 86,20, »m 822.7; T^ sUrpnuhim 376. 1 
und 1 alapan 186,7. Das praet. hei.^st meist otisltpic (dies i.nt 
das angl. juaet. zu shepan; im \vs. ist die starke form sUp 



194 DEUTSCHBEIN 

gebräuchlich; aus diesem gründe hat sich auch im Beda das e 
gehalten; onslcepte in OCa ist mischform): Ti onslepte 114,15 
(CW onslce2)tc, OCa +; B hat gewöhnlich [on]slep). 296, 2 (OCa 
onslcepte) = 296, 15 = 342, 27 = 348, 18 (OCa in allen vier 
fällen onslcepte); daneben onslep 180,7, slepon 128,19, slepe 
128,21 {sleptc Ca); T^' onslep 380,4 (OCa onslepte). 

§8. 

1. Wie {on)slepte dem ws. fremd ist, ebenso ist es der pl. 
])eson (Sievers § 391, anm. 8): T» i>ege (conj. pl.) 228, 13 (OCaB 
schwache formen); T^ pese 394,21. 28. 

2. Von ^efeon sind im praet. belegt: T' gcfe^on (= 0; 
B gese^on, ^esatvon C, Ca ^efe^on glossiert durch hlisscdon 
272, 3; T3 ^efe^on 380, 20 (= C, fcegnedon Ca, fas.nedon 0, 
^efcegneclon B), ,^efegon [464, 2] Ca (B fcegnoclon) [474, 14] CCa 
(B gefce^on), ^efe^e [40, 9] (B gefercle). Danach ist das praet. 
gefe^on offenbar nur dialektisch (angl.) und dem ws. fremd, 
und scfce^on, wo es in ws. texten auftaucht, nur durch Um- 
setzung von angl. grundformen entstanden (z. b, in der poesie). 
In rein ws. texten habe ich kein *^efce^on gefunden (vgl. Cos. 
2, § 95 und die listen bei Fischer [zu ^Ifrics Hom.], Braun- 
schweiger, Brühl, und Harris, A Glossary of the West-Saxon 
Gospels, Boston 1899). 

3. Während es ws. hrcew, hreaw heisst, lautet dieses wort 
angl. hreg: daher Beda T^: hres 382, 4 (=0C, Ca hregli, brcetv B); 
bre^e 382, 28 (= 0, breche Ca, bretve C, brcewe B), bre^e 384, 3 
(brcetve CaOB). 

4. Wegen ce nach g vgl. § 20. 
Schlussbemerkung zu § 6—8. Da das ausserws. ganz 

allgemein e für ws. w setzt, so können die e unseres denkmals 
nicht zu genauerer localisierung dienen. Die vorläge hat sicher 
e gehabt, wie aus den angl. formen gese^on, gefegon, Jjejon 
hervorgeht. T^ hat nicht e, sondern meist ce, ein fingerzeig 
zur dialektbestimmung dieses Schreibers. 

§ 9. Ws. ce = germ. ai 
Ws. ce (== i- Umlaut von westg. ai) ist consequent ce in 
T>— T3. Ti hat nur 1 lecled 182,18; T^ hat auch durch- 
gängig ce; nur 1 er 438, 10 (neben 26 ceri-)), öere 428, 8 (neben 
51 ce\ preste 426, 1. Hingegen schwankt der Kenter T"^ stark 



DIAr,EKTISCHE.S IM AOS. BKDA. 10.'» 

zwischen ce und c: ji) im prunoiiifn; jnirr, öicre (peii. und 
dat. f.) Ü0,31. 412,6. 23. 24. 30 (14), yKcm'418,18, neben t>cre {ö) 

410.10. 418,10.19.20. 420,8.17. 422.0.7. 424,28 ahiial); /»on 
(dat. sg.) (J-) 420, 8. 25 (0), i.l. 410, 20 (5) neln-n ö,im {x>\.) 41«i, .-,, 
pam 412,22 (pl.) neben j!»cm (sg.) 410,19. 414,10. 420,30 (Jtw 
(sg.) 410,22. 416,17. 418,23. 420,24. 422,27. 424,10 (2nml): dem 
(pl.) 416,32. 418,15.27. 420,5; ausserdem gehört noch hierher 
418,1 Perc sae (verschrieben iKiv ^em resc), fenier dcej^htremlicc 
410, 14, dcs;hH-cmlice 422, 27. Der gen. pl., der eigentlich juira 
ist (so auch 414,3 [6J), zeigt 2maiyvt'm 418,28. 422,13 ( - 0); 
— b) in sonstigen Wörtern: me 416,19, ucfcstUcc 422,25, 
acfeslncsse 416,13, mvfa'stlicc 414,23, (er 416,32. 424.4, arcst 
410,21 (3), -a 410,20, crcstuu 418,22. inii^e 414.18, rt'«/,s«c 
412,22, nani^iiin 410,25, tiwniÄum 412,15, (v.shuurjcr 414, 20, 
esivijlcrc 418,4, uUiiddc 412,9, Z/m'«/^ 424,22, ditl 424,7, -c 424.10. 

412.11, -a.v 414,2, norÖdiele 410, 2\, todaldc 424,10, xrdcldc 
424, 8, ftvmnnn 422, 2 (2), //fc/o 412, 21, h^'hndcs 410, 16, halton 
424, 29, /wtryjan 416, 6. 418, 5, -«<(m 416, 32, -nessc 422, 10, 
?<c</«;i 416,2, xchedan 418,17, /«'(Wc 424,19, .schvdcd 422.28, 
Iwrannc 410, 29, 19 (im ganzen 9 vei-schiedene formen von ladan), 
hvs 412, 6. 424, 25, >«ac 410, 28. 414, 24 (ma 112, 5. 26), mw^ta 
418,3, ;»C67«u 424, 10, rcerde 418,29, dazu resac 418, 1, ayp 420. 15. 

§ 10. Ws. e =■- germ. f. 

Ws. c i^" germ. r) bh'ibt durchgängig in T'— T\ nur ist 
sein gebraudi durch liäutisreren » r;-umlaut stark eingeschränkt, 
vgl. § 27. 

1. Vereinzelte ausnahiiicn mit le .sind'): aj in der naiie 
von labialen: T' inrs 14«;, 24 (=0), «vr.v 266, 3 ( B, Ca-f ; 
tcces zu icrs corrigiert. (' hco); (vfni 96,24 neben «'/i»»!- (16), 
4 efn- und 4 cfm:; ferner das dialektwort nnrc (pain) 322.24 
(^: OCa; B iccorccs); T^ ,sdmdlats 388,6, im|>. ctnn) 3hS. 31 
(letzteres offenbar vei-schreibung, da an die.ser stelle der im|». 
cu'cö und das praet. cnaö stark dunlieinander gehen, vgl. da.«* 
praet.twrJ 388,31); - b) in anderen fällen: T • >7»nir«- (nmj. 
praes.) 372, 1; T- 7><r.cn 418.9 (neben ///•^-Miiiwe 420.8. 418,21). 

') T' l>fA, -Vs S'i.'il. 110. h; (14) tin.l I *r« 2H0,7; T« >« 390,24, 
/»^s 404,5) (I? hat meist (r, äu« h im V*. ir in ilie^in wort*, Z. 9 5) gebOrt 
zu genu. (i. 



196 DEÜTSCHBEIN 

2. Hingegen zeigt ce mit Vorliebe T^; hier stimmt T* zu 
Ri (Brown § 15) und zu den kent. Urkunden (Wolff § 14); 
a) nach iv. e<?cr390, 23 (7) neben wcer 436, 23, ^ffBröfZe 430,10, 
ivese 398, 29. 428, 18, cernewes 398, 30, ivoesc 400, 21. 430, 26, 
onwoe^ 394, 6. 428, 21. 430, 6, ivcl 392, 10 (5), ivell 408, 14, wcel 
408, 3. 442, 16, swoefncs 406, 22, swcegre 396, 10 (in e aus ce 
corrigiert), Wesseaxna 404, 17. 406, 9. Oft tritt kreuzung mit 
dem ^t/ö-umlaut ein; daher ist noch § 27 zu beachten: ic cwqöe 
398, 22, ctvedan 406, 26. 442, 21 (1 ' civeodan 400, 18), cweden 
404,11, ivesan AQ^,2il, wese 430,30; — b) im acc: mcßc 398,22. 
402,18.33. 426,12. 428,11 neben 30 mec 394,26 etc. und ^ec 
396, 31 (man beachte, dass iElfred mec, pec natürlich nicht 
kennt); — o) \ov ^n (auch in Ri häufig): belegt sind pens 
436, 24, desn 410, 7, pcgnun^a 396, 18, penunge 390, 12. 396, 15. 
402, 30. 31, pe^node 396, 9, -ade 396,13, öce^nian 404,12, ^esceg- 
node 394,2. 392,26, -ade 396,29, sce^nade 402,18; — d) im 
verb. sprecan: sprcecende 402, 14. 440, 17, sproecan 402, 20, spre- 
caw438, 19, foresprcecenan 2,^^,22. 404,14 (=OCa), -«««408,25. 

Anm. 1. Bei stefn (nie mit assimilation von /"«>• mii, s. o. cfn) ist die 
Sache zweifelhaft; hier hat Ca in 16 fällen fe mit ausnähme von 106,26. 
268,28, Ti hat 314,21 ebenfalls stcefne, 260,4; T* sUefm 430,18 (= B), 
438, 15 (= C) ; einmal hat Ca sogar stafne 370, 11 ; die letztere form macht 
es wahrscheinlich, dass oe in stcefn auf a zurückgeht. 

Anm. 2. Neben sweltan mnss ein sivyltan existiert haben (vgl. neben 
unsern hss. OCCa noch die zahlreichen belege bei Bosworth-Toller) : wie dies 
zum starken verbum steht, wage ich nicht zu entscheiden ; swyltend 286, 6. 
288, 20 OCa, sivyltan 242, 22. 27. 228, 23, i'c stvylte 440, 15 (dazu vgl. abeige 
212, 30, Avo B ahylgen hat). Daher ist auch wol das sioylte in R' 22, 24 
(aus sivcelte corrigiert, vgl. Sievers § 377) auch der form nach als praes. 
anzusehen, besonders da für die stelle präsentische bedeutung erfordert wird. 

Anm. 3. Hierher stelle ich auch das dialektwort towestnis 300, 3 
(e<C(e) {towesnes OC, Ca toivesnes, toworpednes, B +); geivesnisse 274,5 
(= 0, Ca towisnesse, toivesennesse B). Die erklärung des e würde Schwierig- 
keiten bereiten, wenn man es zum starken verb. *wisan (Sievers § 382, anm. 3) 
stellen wollte. 

§ 11. Ws. Umlauts -e. 

I. Ws. e = i- Umlaut von urags. ce ist auch im Beda e. 

Ausnahmen sind sehr selten: in eigennamen T' Trumheere 

240,15, -hcer 238, 18, gegen Trumhere 224,3. 238,24, -es 250,19; 

T^ uEcshrütt 410, 24. 410, 33, Ecghrihte 410, 16. 412, 28; ausser- 



DIALKKTISf'HKS [M AfJS. BEDA. 107 

dem T' hced 438, 4 (-= C) neben hcihJe 302, 7. Die von Sievers 
§ 80, anni. 1 aufgeführten wr>rter verlialten sich folf^end^M-- 
massen: a) cl{l)- {-^gotaljis) ersclieint in T'/r'.T- stets mit e: 
T' clreoräis 56,4 (7), elreord 158,0. 258,20, iipeodan 50,10, 
flj'codlj; (jO,b (3), -«es.^e 100, 5 (0), (■l])(o< 1^ ioi:^e :V.V2,IH, lU- 
Jteodisnc'fisc 244, 19; T' eljnodi^ntssc 408, 17, dÖmUian 400, 14; 
T^ hat stets eil- 412,18.22.24. 414,17. 410,12; — b) scc^an 
und compp. erscheinen in T'.T* stets mit e, T'.T^ schwankiMi: 
T^ swc^an 304, 1. 420, 3. 430, 12. 434, 5. 8. siBc^ad 440, (dah«-r 
auch schwanken im subst. swsene 434, 22 und gcsrgcne 434, 15); 
T^ scec^an 410, 17. 410,27 neben sec^anne 412, 1, secgendc 418, 10, 
dasecsan 422,23; — c) ivrccca 124,29. 120,9 (9) und 1 n-npcra 
158, 7; — d) instcepc 78, 13 stets mit ce (8); T-^ imtcepc 388, 29, 
instepe 356,4; T ' msteije 396, 6. 428,32. 440,10, mÄ^eiJe 398, 4 
404,1; T^ instepe 424,8; — e) .s^rmecc.an 316,9, hcafod^emirc- 
€117)1 326,18; — f) u'wcce stets mit (e: 60,24 etc., ebenso iv(tc- 
cenum 210, 16. 266, 16. 352, 6 neben ivcecene 128, 23, ivoeccende 
86, 19 (5), Kceccrc (adj.) 84, 2. 

II. Ws. c = 2-umlaut von ö erscheint auch im Beda als e, 
z. b. efstan 62, 14. Beaclitenswert ist der dat. sg. deuhhr 
122, 29. 338, 4. 

'III. Der Umlaut des mit q wechselnden a vor na.salen 
ist c; Beda hat in T' — T' e mit wenigen ausnahmen (s. c); 
liingegen schwankt der gebrauch in T'.T'* a) T* hat 39 v, 
19 (f, 1 f. T^eberwiegend e liegt vor in sf^frcmman 438, 17, 
Scfnmede 440,4, ^efremcdcv 410,2, ^cfirmcdtin 4:)2. 1, fulfn- 
wiet/c432, 17 (part.), /'«//'m«6'(//;ce 398, 27. 402, 27, fulfrcmcd- 
w^.9.sT 432, 14, /cwn/t' 436. 18; tm?f 426, 28. 428,20. 440,25, 
cndt'byrdw'ssc 430,1 (1 lende-) 434,2; 7'X?/j'st 408,14, stvenctd 
896, 11, un^eswencedlice 4S6, 16 (1 stvcencte 436, 17), fore,;:e»^an 
408,5, .sr>a?«« 428, 12, sciidc (praet.) 396,1 (3), o».sTH^/r 398. 1, 
ow5ew(/t'(/ 430, 19; men (n. a. pl.) 300,27 (5), mt« (dal.) 392,21. 
396,23, denn 430,30; ])cnca7i 426,2. 430, 11; ^eticnntan 442, 10. 
^rnnuurd 300, 28, nvmned 408, 2 : 2 twmde 402, 11. 25. IVber- 
wiegend ce liegt vor in Dane 408, 23, (avuI 4U8, 7. 9, hisarn- 
ccime 436,8, sci:nclc 396,9 (/o.s/ewc/c- 428,21). stucnces 430, 19, 
Änu(e)i,sdc 400. 15 (1 ^vmni.scdttc 428. 7), hnt.so 42«. 28 (- - Ca); 
r<pm^)a 408,25 (c«.s/«.v 440, 28, (»«^/^w 440, 20). Hierher i.st 
Wül auch siemnitiÄd (COCa scmnittÄa, B si^nuuu^a ist wie 



198 DEUTSCHBEIN 

mcenis zu beurteilen) zu stellen: smnnin^a 426, 8. 14, 17. 28. 
436, 28. 438, 3. 28 und somninga 430, 24; — b) T^ hat 38 e, 
2 ce, 2 ae: fremede 414, 1, ^efrcmed 420, 6, fremsumnessum 
414,11, fnllfremednesse 4:12, 19, gecndadc A2^,21, ^eenddad 
416,8, nnscaendadre 424,23; von nemnan 8 formen: nemdon 
410,24 etc.; von sendan und compp. 8 c {sende 414,8) und 
2 sended 412,14:. 420,15; 1 saendan 414,ii; dene 424,22; llxenge 
424,23; menn (n. a. pl.) 416,22.26 (5), aldormenn 416,3, eal- 
dormenn 416, 9, dat. menn 412, 5, aldormen 414, 27. 416, 10, 
ealdormen 416,17, nuen 410,25; semnisa 416,22, semninja 
422, 29 (das wort scheint nach Cos. dem altws. zu fehlen). 
Diese ce deuten auf einen kent. Schreiber (vgl. Sievers § 89, 
anm. 5) hin; Ps. hat e (Z. § 4, 1), Ri 233 e, 24 ce, 1 § (Br. 
§ 12); die Corp.-gU. ac (4 mal); öfters auch in den kent. Ur- 
kunden (Wolff s. 20); — c) vereinzelt hat auch T^ ce; doch 
können diese neben den ungemein häufigen e nicht von be- 
deutung sein. Ausser dem fremdwort cengltwi 214, 13, wnlice 
96,23 kommen in betracht: mwn 230,23, m^nn (hs. n^n) 272,3; 
hi^cen^uiu 114,2, dblmide 122,6; crnde 346,21 (übrigens 1 mal 
schwach endan 138, 29), dcemnessum 290, 2, part. geslcensdc 
342, 8, onwcende 320, 30. 

Anm. 1. Neben dem normalen mengu, -o (menig{e)o, -ti) z.b. 166,5 
nnd seinen derivativen ist in T' 2 mal ce belegt in ^emangnisse 82,1, ^e- 
vuengnis 82, 5; in T* finde ich mcen^o 426, 1, vuem[^o 426, 32 (könnte natür- 
lich auch zu a gehören). B hat in den beiden letzten fällen mceni^o, eine 
form, die im spätws. ganz gewöhnlich wird und eine art secundärumlaut zeigt. 

Anm. 2. Für das umlauts-e in sendan findet sich in T' 3 mal y: 
sijnäe 126,23, sijnd 200,2b, syndon (praet. oder inf.?) 200,12; dazu Ca 
Syndorn [42, 1]. Zunächst möchte man dies für einen keuticismus halten 
(Sievers § 154, anm.). Da wir jedoch sonst in T^ keine sichere spuren von 
kent. dialekt haben, so liegt eine andere annähme näher: die 3 p. pl. 
praes. zu u-esan war in der vorläge vielleicht sendon (seondon) (vgl. § 27, 
Vorb. 2/S'), und bei der Übertragung wurde aus diesem eo (e) ein y her- 
gestellt. Dabei griff der abschreiber vielleicht hie und da fehl, indem er auch 
einige andere sendan mit umsetzte. Denn es bleibt auffällig, dass nur bei 
diesem worte y für e eintritt; auch hat T* nie e für umlauts-y (vgl. § 15,2). 

§ 12. Ws. e. 
Ws. e ist in T regelmässig erhalten. Ausnahmen: 

1. Vereinzelt erscheint 1 ivoe 282, 23 und 1 dce 204, 14. 

2. Für WS. med, got. mizdö erscheint dialektisches meord: 



DIALEKTISCUKS IM AP.H. HKDA. 109 

meordum 422,18 T\ w/cor Je 378, IG T', neben T' wnlr 121. 2t;. 
29 (9 mal). 

X Auch Frosan pfeliöit hierher; das lat. liat J-'nsours. 
Später steht daneben Fri/sau, .so «^ewidmlich in OCu: T' Frr- 
scna 190,1, Frysan 328,29 (Ca Frcmn); T' Frcmn 408,23; 
T- Frtsan 414,7, -cna 412,20. 418,22. 420,28. -.sw« 420,31; 
aus.serdeni Frcsna öeoiJc 122, 33j Ca (H Fnsrmt); frcsHumesse 
420,7 falsch für //r.svf/^/ (so in K); Fn/.sntd hnulc |22, 29| Ca 
{Fn.'ihnide B). 

4. Auch der umlaut von uraf'-s. n ersclieint in '!''.'!' •.'1"' 
durchweg als e; die wenigen ausnahmen .scheinen aus der vor- 
läge einge.schleppt. a) T' ^cnufttc tin, 21. nel)en ,snuittr 214.20; 
wegen dieses [angl.?] i s. Cook, MLX. 3, 13), nmi^ian 78.22 
(= B), wcBura 212, 14, ivcer^e 298, 15 (= OC), w^rsan 212. 1'., 
hrcfsdcn 208, 21, fmhiisi 88, (3 (feondcs B, fcones OC'a), r»rr 
(subst.) 33C, 2G. — Ferner 4 durch /-umlaut entstandene formen, 
die zu K'öh gehören: T' ivaicsse 82,15, -iasc 142,20, -rssuiH 
82,12, und 1 ce in nwnesstim S2, 11. Die.se formen fehlen 
sonst; es heisst gewöhnlich u-ones (T' nonnessc 442.5). und 
der /-umlaut. hervorgerufen durch das suftix -uis, ist ntirdiicheii 
Ursprungs. — 1 eahtan 68, 14 für chtan. — Das part. praet. zu 
ihn hei.sst in der regel {j;c)doyi\ ausnähme bildet das dialek- 
tische dücn 80,1. 0; au.sserdem vgl. ^t uvndc W'A), 17; — b) T^ 
hat (K in scmcvtan 418, 11, hlcetsunse 418,20; oe in trocpnide 
422.30 und orc/z/rcJcr 414, 23 neben 22 e\ — c) T-^ hat ver- 
hält nisniä.ssig 4 ov, 2 ae, 20 e: — oc: .s-troc/«/ 384, 18, rovöe 
384,21, roeÖnis 380,13, tpoen 384, 25; m (ae): .scmvitonSmA, 
hacc 383,2; c: h'c 350,10, hntsie 354, 10. hhtsou,se 384. IM, 
Äcdeme 350. 1<), dest 354, 5, .scdirfcd 354, 30. 352, 29, afhlai 
384, 14, fordferde 356, 8. 386, 27, ^eond forde 354. 15, .ff/i'»*"»' 
388, 7, .sc/f)Y//i 388, 1, frcccmssc 354, 24, /)r/;77/c 354. I. .^vscaiu 
384,26, »mi(/o« 356, 4. 384,23; — d) T« hat neben 07 c 19 tr 
und l oe: (p liegt vor in ,; c fif rscl pc :VJS, 16 (=C), «rrnf 426, 29, 
sinvtnis 430.20, raJe 43r>. 13. hnrdjnan 430.15 (mit un(»rga- 
ni.schem h, vielleicht an hraöc gedacht), niaiht JuifdUc :WK2i. 
uuHH 402,9; (v zeigt sich stet.s in blffhian (Sievers § 198.4 
setzt hlctsian an; dann wäre die obige zahl von 19 (r zu 
reducieren): hlwtsiun 396, 25 (= C), ,^f^^»As'u«/r 392, 9. 26. 394. 2. 
ade 394, 27. V,M, 29. 398, 3, hlaulsadc 402, 18, subst, UaUun^t 



200 DEUTSCHBEIN 

390,15. 392,16. 398,24 (=C), hlmtsimse 404,3; oc in forö- 
/bere^Z 390. 25; — e) aus den anderen liss. sind hier noch auf- 
zunehmen: dfceded 66,19 OCa, htvwne OCa 68,6; hrcegden 

428.13, htvcene zu Jncenc umcorrigiert 80,10. 438,21; Ca 
/>-6ece>mc55e 354,24, iüce2)endre [4:4,24:], wcejJende 422,30; B wceris 

114. 14, frcecennesse 324, 23. 

Anm. 1. Die eigennamen mit Cen-, Cwen- sind ausgeschlossen worden, 
da das lat. hier oi, oe hat, das die Schreiber oft mit ce widergaben: T' ücen- 
walh 168,15.26, Cenwdlh 298,3, üwenhurghe 138,33; T* CVe«?-efZes 436, 22, 
Owcenburh 392, 28. 

Anm. 2. Verhältnismässig viele oe (ce) zeigen sich in ^escrepe und 
ableitungen, und zwar aus dem s. 172 angegebenen gründe. T^ ungesa-epnes 
322, 31 (un^escroepnes 0, ^eivemmednes Ca, hefignes B), ^escrepa 330, 13 
(= B, ^escreopa Ca, ^escrlpa 0), ^escrepe 324, 1 (gesa-epe 0, gemete Ca, 
gemcete B), gescrepeUce 324, 4 (gescro.pelice 0, gesceaplice Ca, geseyrpendlice 
B); T^ Mwjescrcppe 366, 10 (=Ca, -re B, ungescr^j)re 0, ungescrope C), un- 
gescrcepo 382, 9 {-gescrepo B, gescrope C ; OCa ändern stark) ; T* gescrope 
398, 30 (= C, gescroepe OCa). Ausserdem gescrceive [26, 4] Ca (gescroepe C, 
gescrcepe B), gescrcepe [26, 14] Ca (B gescrepene). 

Anm. 3. Die vorläge scheint ce (bez. oe) gehabt zu haben, da die 
selteneren Wörter dies gern beibehalten haben, und auch sonst die verein- 
zelt auftretenden ce am leichtesten ihre erklärung finden; auch deutet der 
fehler B 52, 10 wcBstme auf wceste (Ca tveste) hin. 

5. Neben den ^-formen der reduplicierenden verba 
mit dem praeteritalvocal b sind auch dialektische formen mit 
erhaltung des alten reduplicationstypus erhalten, a) Verba mit 
a vor n -f consonant im praes.: in T' heisst es stets {on)fenj 
und andere compp.; stets Jien^ (und compp.), ebenso in T''; 
TMiat /ew^ 388, 16, onfoens 38(j, 28; T'/ew^ 408,1, onfen^ 
396, 8, onfwns 396, 12. 398, 11. 434, 27, fcen^ 406, 9. 436, 23; 
T-^ ow/ew^ 418, 23. 424, 11, -on 420, 20, onfoen^ 416, 9; — 
b) verba mit praesensvocal ^: T' ondredllQ,2. 196,32. 326,15. 
350,14, -e {timuisti) 132,25; von {a-, ^e-)rcBdan sind in T' 8 
schwache formen, in T^ 3 belegt neben 1 reordan 316, 8 (in 
OCaB misverstanden: OCa reordedon, B seleornoden); von loetan 
heisst das praet. in T^ let; z. b. forleton 62,15; zusammen ist 
das praet. let (einschl. der compp.) 41 mal belegt; daneben hat 
C forlcort 112,3, -e 114,21, forleorhte 116,3, /brZeor^ 332, 9. 
In T erscheint auch 1 mal forlceton 176, 10 (-an Ca, forleton OB; 
das ce ist aus part. praet. eingeschleppt und findet sich beson- 
ders in Ca; 284,15. 318,4. 344,32 [450,11] etc.). T2 hat 



DlALEKTISCHKft IM Af!S. IJICDA. 201 

2 ondrcil, 1 ondrede, 1 forlcton; T' forlrl 4<»l, 18. 420, 18, 
-e 436,27, /brZea»-^ 406,12; T"" 1 ondrcd, 1 ondrcdan, forleort 
412,12, -e 416,21. 424,9; — c) mit dem i.räseusvociil ä: T> heht 
88,28. 90,20. 104,4 (23 mal), ^fAeA^ 54, 16. 60,13. 122,33 
126,11 (13 mal), -ow 266, 32. 278,14; dagegen /<t'/ 126,25. 
140,22 (12), -OH 112,25, s;chct 120,17. 126,28 (12), -on 54,3, 
-c 13U, 16. 132,27; T-: heht 388,10.21.24 (8), ^chehl 352,30; 
T^ 3 Äd, 2 heht; T^ /ic/t^ 404,1. 406,4 (3), -on 398,8, Ad 
2 mal, sehet 394, 23. 394, 26 (0 scheht)-, T> heht 416,28. 418, 16, 
ausserdem heht [460, 29] 0. 

Ueber die bedeutung des ce in {on)fiens'V^ und des or in 
onfoen^ in T-.T' bin ich mir nicht reclit klar. ^lan müclite 
sich versucht fühlen, diese für alte c zu halten, wofür die 
Schreiber ce, oe sclireiben, wie sie auch für unilauts-^ ein ce 
und oe haben. Dem widersprechen jedoch die ausfülirungen 
von Sievers, Beitr. 1, 504 f. 16, 263 f., der dort kürze des vocals 
nachweist. Complicierter wird die sache nocli dadurch, dass 
auch fieferadle 396, 11 mit ce erscheint, und Pogatscher (s. 118) 
und Sicvers setzen beide c für dieses wort an. Die c in T« 
fänden ihre erklärung, wenn wir § 10 herbeiziehen; doch Ueibt-n 
dann die anderen formen noch unerklärt. 

§ 13. Ws. r. 

Ws. f (= germ. f) ist auch im allgemeinen erhalten; wegen 
des '»-Umlauts vgl. ij 27. 

1. y für einfaches i tritt selten auf (besonders in T' in 
der nähe von r); sonst ist y nur in den fällen häufig, wo alter 
«/o-umlaut vorlag (das nähere s. § 27). a) y ei-scheint in T' 
ganz vereinzelt: 1 w/f/(/ 316, 16, 1 /<//m 338, 27 (.sonst stet.s /jjwi, 
1 hvom dat. pl. ()4,27, in Ca 228,3. 254,22), 2 y>yw»i 84, 16. 
318,22, 1 /j/Ay>'«» 220,26, 1 6^/yn,sC 122,21, '1 fyrst 132,7. 386,9, 
\ spryccst \Wy.'l-2, l ahry^dcö ^)(\rlO {idnidid {M\\). Oefters 
ersiheint y in öyder und hnyder (neben regelmä.ssigen öulcr 
\\\\(\ hividc'r): Jyd'cr ^22,34, J,yder 'S2H, SO. 21>2,31, /ifry«/<T 258,5. 
262.2. 298,22, er// /n/r/r/- 202, 28, (r.^A»rv(/<"r 144, 22; m» T^ 
Oydrr 36('), 23. 37«), 14, J>yder 3()8, 16 und 1 öidrr 3r)6. 21; ms 
'P <)ydcr (6), 1 J>yder 394,22, 1 pider 390,30, 3 hidcr 41^,11 
etc., huider 42tl, 27. Für die.ses / erscheint in H öfters (f: 
JxederSiUJ,!, hmnUr 128,8. 426,27, ashtuEJet C) 144.22 (^vgl. 

Beitrüge nir geschieht« der deuuchco «prmch« XXVL H 



202 DEUTSCHBEIN 

Sievers, Beitr. 9, 263). Ob twiecse 122, 12, üvydcBslic 350, 32 
und tweofealdne [48, 8] CaCS hierher gehört, weiss ich nicht; 
vgl. auch no. 5; — b) aus T^ swydust 368,18; — c) aus T^ 
wynstran 424,23 (nach ^^); — d) T' zeigt häufig y neben r: 
frysenisse 434, 23, srymme 438, 4, ^c^rypen 440, 16, on^ryslican 
426, 6 (neben onsrislkan 426, 18, -um 438, 2 (9), on^ryslicre 
438, 33, fyrstmcarce 424, 33, dazu auch dryfan 400, 28. — Nach 
l: lyfsan 402, 16 (neben lifscf-n 434, 2, lifgan 432, 22, Ufi^enära 
432, 5, und 3 lifde, syn^an 442, 19). Unerklärt ist mir jeliese 
406, 8 (B selice), scUse T^ 360, 26 (C ^else). 

2. Die 2. und 3. pers. der starken verba mit dem präsens- 
vocal e hat i; im frühws. meist mit contraction (vgl. Sievers 
§ 358. 371. Cos. § 41). K' hat e, Ps. i (Zeuner § 6). Ti civist 
78, 17. 130, 8, 196, 22, ctvi^ 84, 24, S2}riceö 262, 19, iteö 92, 13 
(ete^B), forg'i feö 82,2S. 84,25, ahireö 72,2 (OCa mit angleich ung 
obere])), hired 88, 25. Daneben zeigt sich schon y nach r: spry- 
cesn96,22, abrysdcd m,2^ {abredet OCsi). T-^ forg'ifeöS7Ö,24:- 
T^ cwid 390, 8 (= 0, cwe^ Ca). 

3. Es besteht die neigung, im zweiten teile von compositis 
i in e übergehen zu lassen: T' nemveste 202,3. 292,16. 346,25, 
neoiveste 190,17; T^ neawiste 406,14, nioweste 432,18, ceriste 
108, 1. 250, 29. 284, 24 neben wrest (gen.) 220, 28, wegneste 
338, 24. 348, 12 (= 0). 

4. symle erscheint (116,31) in Ti stets mit y, mit i nur 
146,23; T2 symle 388,14. 390,1; T^^ simle 360,26. 376,9, 
symle 370,8. 372,12; T'^ simle 416,13. 

5. Für WS. Mw- (familie) in compositis erscheint im Beda 
dialektisches heo{iv)-, liio{iv)-: T' heoiüscipes 332, 20 (CaOB 
hiiv-); T^ Jiioweslice 386,30 (= C; B +; Mwcudlice OCa); T^ 
heoiveslice 364,23 (= 0; B +; Mo- C; heoivoeslice Ca); T^ hio- 
scipes 422, 24 (Mw- OCaB). 

6. Durch tt/o-umlaut nach vorausgegangener kürzung er- 
klärt Brown (ähnlich wie seoödan § 27) T^ heorode 64, 16. 
144, 2 {ws.M{e)red), hyrede 124, 7; T^ hcorde 422, 26; es ist aber 
wol zu no. 5 zu stellen: das o vertritt ein vocalisiertes iv. 

§ 14. AVs. 0. 
Ws. ist auch im Beda im wesentlichen erhalten. An 
einzelheiten ist folgendes zu notieren: 



DIALEKTISCIIKS IM AGS. BEDA. 203 

1. Das piaet. vuu niman lautet gewöhnlich nöm, von 
ctiman com, cwöm. 

2. Für WS. ö erscheint dialektisches a in foljrenden fällen: 
T' on murne 114,28. 182,29; daneben morne 114,10 (:i), on 
mor^cnne 284,25 (warwc Ca). 344,17 {marncO, mar.^€nne Vix). 
344,28, (er mor,scnne 140,12, cermer^en 02,13; T* on mor.:;ni 
404,5, (ermorden 410,0. 402,11 ((' ^rmer,scn); 'V^ ÄtuanUn 
360,30 (neben 8 geworden und 1 gewordne 'ilCy^G); T^ waldon 
410,27 neben uolde 410,29 (3), uohhn 414.12. ?ro/Jr 418. 25, 
scadde (für sc(ddv) 410, 15 neben scoldan 414, 8. 41t), 2. \\'t'iter- 
hiu ist ein fehler in T' bemerkenswert: 342,22 liat T stuhle 
für scalde (scccddr), (0 sccoldc", -cm Ca, -on TV). Dies«* ti er- 
scheinen also stets vor gedeckter li([uida, und Zeuner i; 4o hat 
wol unrecht, wenn er das a von margm auf die einwirkung 
des folgenden palatals zurückführt. 

3. T- Äcwurden 350, G (neben 1 Ät-'ii'ordcn) ist angleichung 
an den pl. geivnrdon (part. gewurden besonders häufig in H, 
z. b. 80, 2). 

4. Beachtung verdient der Wechsel von sniolt — snufltc 
(Sievers § 299, anm. 1). Soweit ich zu übersehen vermag, 
scheint smoU dem strengws. fremd zu sein: bei Cos. fehlt es, 
nach Fischer auch in .Flfrics Hom. Es ist daher erklärlich, 
dass auch die hss. des Beda gein smolt in smyltc umändern. 
OCaB haben stets y. Belege: T" smolt 302,33 (= C, sinylte 
OCaB). 348,5 neben smyltc 22S,i. 348,21, -r^' 348. 20, smyl'tnis 
208, 23, -nes 200,0; T^ smyltcstan 380, 14 (C smoltcstan), smyltnis 
384,20 (CsmoUncs)] T ' 5w»o//e 380, 5 (= C); T' .>.wo//e.s- 428, 0, 
ausserdem smoltnrssc [HO, 9. 

5. Nach ir erscheint in Ca (seltener in 0) für wo ein wco, 
dessen bedeutung nicht ganz klar ist. Wenn in Ca auch .M>n.st 
wco zu wo geworden wäre (was vereinzelt vorkommt . xnl. 
§ 19, II), .so hätte vielleicht der Schreiber kein gefühl für den 
unterscliied von wro und wo gehabt und beidos promi.««Mie jfe- 
brauchen kidinen; aber Ca hält im wesentlichen an tlem unter- 
schied lest; häutig steht wcoruld ( vgl. J; 19, anm. 1 ) für ws. 
worold. Als o-umlaut lies.se sich erklären Ca gedtccolda [42, V2\, 
gedweola [42,22]. 412.2, dwcoU^enduiu'MVl. H: durch anlehnun^ 
an weorc gtwcorhtc \\[(>,U, Ca «ror/i/«' 200, 4 ; unerklärt 
bliebe B 100, 17 heorscs (was nur schreibfeiiler zu sein .soiieintX 



204 DEUTSCHBEIN 

weolde Ca [58, 6]; vgl. auch hleoöedon Ca 48, 24 zu Idöd-^ eanum 
Ca 304, 11 (zu atium), und § 2, anm. 2. 

§ 15. Ws. f. 

1. Der Umlaut des # in f gilt für alle Schreiber des Beda. 

2. Ausnahmen sind sehr selten: T2 unsefernessum 356,2; 
Ti vereinzelt: ^Mcd 421, 30, defde 436, 2, ccTtow 434, 9 (?), dede 
440, 31, cZecZon 392, 13. 406, 17 neben dyde 390, 15 und 1 gedyde 
438,25; T'^ dede 412,19, f?7/fZe 422,1, dcdest C [94,25]. Diese 
e sind als kenticismen anzusehen. 

3. Kein kenticismus ist, wenn neben dem gewöhnlichen 
ym'b{e) auch emh erscheint: 120,33. 314,25. 318,9. 

4. Nicht hierher gehört cirice (cyrke) und ableitungen, 
die ein i als grundlage haben (Pogatscher § 239): T-.T'.T'* 
hat stets i; T^ 9 y und 3 i; Ti 13 y und 213 i. 

5. micel und ableitungen mit altem i hat i stets in T'. 
Ts.TiT-"; nur T» hat 20 y und 2 i. 

6. In Z^^ {-el) erscheint der regel nach y: T» lyt 122, 12. 
264,9, lytel 76,26, «wZyfe? 294,21; i in Z/ifZe 232,2; T^ lytel 
430, 21. — lytesne scheint ungebräuchlich gewesen zu sein 
(dialektisch?); wenigstens lassen die anderen hss. es meist 
weg oder geben es falsch wider. T^ lytesne 182, 28 (= 0, 
CaB +). 194, 35 (= 0, CaB +). 236, 12 {lytestne OCa, CB +). 
252, 21 (= 0, let B, mcet Ca); T* lytestne 438, 33 (= OCa, C ly- 
telne, B +)• 

7. hysen ist ein sehr dunkles wort (Kluge, Sievers setzen 
es mit y an, Cos. mit y, Sweet mit i); doch scheint auf jeden 
fall festes y vorzuliegen. Annehmbar erscheint mir Cosijns 
versuch (Gramm. 1, 79), das i des Wortes durch anlehnung an 
hispell auf dem wege der Volksetymologie zu erklären. Im 
Beda hat das wort meist y, ohne synkope des mittelvocals, 
was für y sprechen würde: T* hysen 314,31. 316,6. 336,24, 
hysene 106,20 (9 mal), hyseniim 106,27. 216,29, und Imal hysne 
114, 22, i in bisen 338, 6, hisene 196, 5 (6); T^ hysene 362, 2. 8, 
hisene 362,5; T^ hysen 406,7, ftwene 436, 18; T^ hisene 4U, Ib, 
hisenum 412, 26. 

8. Im conj. und part. praes. von cuman tritt neben u auch 
y auf (vgl. die formenlehre). 

9. Vor Jit (jedoch nicht vor anderen palatalen und palatal- 



DIALEKTISCHES IM AGS. HKDA. 205 

Verbindungen) ersclieint in T' / für y. a) stets heisst es drihUn 
60, 17 etc. nebst ableitungen; — b) stets / in ^cnihtsumlic »0,12 
und ableitungen; im ganzen ^ formen; — c) ij erscheint in 
,schifhtrl(\i,2l. 248,21. 20i), ;M, ////A/ 858, 13; 'P bat 1 // und 
1 / in (hiihtcn{-\ 1 1njht\ T^ scliwankt stärker: von (Injhhn 
und al)leitnngen sind 13 foimen mit //, 2 mit / brb-gt. .\iu<ser- 
dem ,st'nylilsu)tiJivc 3t)(), 1, .scnihtsumlic ;5ttii, :{.{, ,srnHifsittun(sse 
366,22, hiht :36t). ;;i: T' bevorzugt ij: dn/hUn :J0O, 10. 402,17 
im ganzen 10 formen mit t/). hi/hfc 434,7. ^c/ii/ifoidc 401.2.!: 
T-' hat durchgängig /: 4 drihftn etc.. 1 ;;cnihtsumu. 

10. Sonst ist i für y selten: in T' 1 6w««e96, 8 1 c//»^c 
156.11, sclpenc 342,26 (vgl. Kluge, Et. wb. unter schuppen), 
bricsade 2i4. 22, sticcema'him 54,8 (3) neben stycccnudnm 1»)4, 7, 
styccum 166,8; T^ 1 stycccma'him, 1 sficccmwhim; T* 2 styrrr- 
mcelum, 1 sficcum- T' 1 siicccmcelinn. 

11. In der nähe nichtpalataler consonanten findet sich / 
für y in: T' l)inrc2A\,2\ {neben 3 pynnc) und T' öinre 400,25; 
T' ])islic 130,14, -licre 128,30, Pyslicc 130.5. J>yslic 174,6. 
228,5; T' Öyllic 382.9. T' cT* 390,30. 

§ 16. A\'s. r(( und r^O. 
Diese beiden diplithonge werden auch im Beda im all- 
gemeinen streng nach ihrem etymologischen werte auseinander 
gehalten. Vereinzelt tritt jedoch — vielleicht durch die vor- 
läge veranlasst — vermi-schung ein. 

I. ^0 für A/: cofcran 208 OCa, Afdcofanade 312. IS T'. 
ondsweonide 388,34 T-^, ^coronyrdc 390, 17, T' pcoiai 174,2, 
jjrowas 108,6, Ae/fo/t 166,19, heorran 142,3. neotriste 190.17, 
^encolcctc 186,14, ^cncolccton 214,27, T* fhm 434. H> (wegen 
ernenn, coivan vgl. § 23, anm. 1); T- IIcouoUl 416, 22 nelx'n 
7/crt««W 414,21 (5).' Vereinzelt auch in C /i^-omwi [486. 12] C. 

II. fti für (»o: T' yjcafra 318. 26, pcatie (conj. praes.) 210. 17, 
eeifealh 350.21. //v*/« 186.11. 348,1.5. 438.18 (', fca (für /Vo) 
130.34. 216, S. 324,2t), netifan 322,24. nn,^enton (inf.) 368.18; 
T- eam 424,3 (sonst steht com in T'.T'); T^ Arard .*io4, 22. 

III. .\us.*<erdem ei-scheint 3 mal m. 1 mal io, die als ken- 
ticismen anzusehen .^ind: T' hiadoradon :'('. t 7 '!'• hUnjutfun 
390,9, wjotcfs/e 432,18; T*- hiara 414,13 



206 DEUTSCHBEIN 

§ 17. Ws. eo und ro. 
In bezug auf den gebrauch von ml%o gehen die Schreiber 
von T sehr auseinander. T'.T^ haben principiell nur eo, ohne 
rücksicht auf die etymologie der Wörter. Daher erscheint auch 
in den fällen, wo westgerm. i oder iu zu gründe liegt, stets eo. 
Ich habe in den beträchtlich langen texten von T' und T^ 
nur 1 iode und 1 ])ios gefunden. — Bei den Schreibern T^.T^T^ 
liegen die Verhältnisse folgendermassen: 1. in allen den fällen, 
wo früh WS. fo und eo nebeneinander stehen, sind auch bei ihnen 
10 und eo nicht streng geschieden; 2. für westgerm, e und eu 
erscheint in der regel eö; doch tritt daneben %o auf, das als 
kenticismus anzusehen ist. Offenbar ist es so gewesen, dass 
die vorläge nur eo kannte, dass aber die kent. Schreiber T2. 
T^.T^ den bereich der Jo ausdehnten. Solche dial. fo begegnen 
in T2 hiofenum 354, 26, hiofones 384, 20, siolfe 354, 25, üon 
388,27; T* hiorhtnes 430,22, wiorc 408,19, -e 432,17, -um 
432,13, öiode 40Q, 11- T- hiofana iU, U, Jiiofonlices 418, S, 
pod 420, 19, -e 422, 7, diode 420, 1, -um 418, 27. 

§ 18. Ws. u. 
Frühws. te fehlen im Beda; nur hat T^ 1 ^esiehd 354,32, 
T4 je 1 seliese (?) 406, 8, aliesan 394, 24, niedhehcefdlic 396, 24; 
wegen hiene, hiere vgl. die formenlehre. Meist erscheint dia- 
lektisches e, ce, wenn nicht durch die Umschrift veranlasstes i, y 
auftritt; vgl. darüber § 22—25 und § 28. 

§ 19. Einflüsse des w. 

I. Wegen ive > ivoe in T^ s. § 10. 

II. Die gruppe weo- bleibt auch in T erhalten; also stets 
weorpan (136, 26 to-) etc., hweorfan 54, 7 {-ende etc.), iveordian, 
weordan und deren ableitungen, sweord 138, 4, weorc 56, 1 (-e), 
weorö (pretium) 162, 19. 330,5, weordis 166, 5, weorpige 194, 18 
{woröi^e B; woröine Ca; ivorpijne 0). In diesen fällen hat B 
häufig 0, OCa daneben u: ^eworpan OCa 304, 25, toworpan BCa 
136, 28, 138, 11 OCa, wurdunse 314,22 OCa, wordoden 108, 1 B, 
worc 94, 4. 9 B etc. 

A nm. 1. Für ws.-north. toorolä hat T in der regel weorold, wie raerc- 
kent. Die hss. OB haben hier meist o, Ca meist iceo-; für T^ habe ich 
für weoruld 21 ivo- und 16 weo- gezählt. T^ vacat. T^ weordlicum 372, 3 



DIALEKTISCHES IM AGH. HEDA. 207 

für iceoruhle lichomlicum (ho C). T» iceoruhlltcra 4:J<I, 20, »ror«/«/ -HX», <>. 
T* tceorulitpin^s 424,!», u-eoruhh 418,1«. 

Bei n'erod schwankt (Ins ws. zwischen irerod nnd ireoroil. Im Bfda 
hat B stets werod; OCa schwanken; T' stets eo RH, K!. ini, 10 etc. (ziw. 
40raal) und nur 1 tceoroden 358,5; T^ 1 treorod; T* 3 ireorod, 1 wonida 
4:50.11. 1 imror/r 430,10; T' u-eorud, 1 »von/. 

III. Die p:nii>i>e iciu, wio aus g«M-in. ui wiid im w.»^. cf- 
wölmlicii zu fr»; in T zeigt sicli häufiger eo (io) und / (wegen 
des letzteren vgl. Jiucli § 28). Formen mit uio, uro sind im 
■WS. sehr selten (ausser iccoloc, s. Sirvcrs i; lu5, anm. '2 und if 107. 
anm. 3). 

a) Die gruppe wi verbunden mit »-umlaut: T' ,;;»uulon 
54,4. 18(3,14. 242,1, ^eivcoton U2, '32, ucotan (xh.) 1^, \0. 
112,17, -on 88,29. 210,19, tveotum KU, 3. 224,30 [452,0]C'W, 
tnjr^cwcodulra 56,14, wcerscu'codoh 85(3,20; T^ ^ejtvV«» 350, 9 
(praet.); T' ^cneotan (praet.) 428, 3 -an 440, 11, ,s^'r//ow 420, 30, 
n-ifoti 440,8, w/c«m 394, 17; ausserdem ucolcsctjUc [20,8] Ca, 
urolocas [20, lOJ Ca, ireolocrcada [20, 10] Ca. « ei-scheint stets 
in uton 98, 27 (3), wiiton 234, 30. 348, 15. 

Anm. 2. ■htn(,^u (Siev. § 344) erscheint in T' als hirathiru,;;ii 72,7 
(6), hinjkhicu,^n 82,3 (4), htra'thnii,;;u CO, 2!>, /ikäu.sH ITC. (i. :{24, «1. /imC" 
240,22, /j»f///c/tH^-« 288, 19, /<a-y/ce/jH,^« 8(5, 12. 328, 14, -/«»rr^o (diese fornt 
ist nach Sievers dialektisch): htrelcehwe,^o Q^,2, htnjlcnehtre^o \:il\, 22, 
hinjl(rhur,;o 22C),r}; die anderen hss. haben -h(ir)u,;;u. An dialektiMchen 
formen sind belegt: C hir(Hhire,^a n2^,i\. 240,22. 4(i2. 1. -/i.rr.s« :{8S. 4, 
huhur,^(i 3r.O, 24 ; ( "a hirchhirdthirrs" ^-' '^ fitfme.^i' 'W2, 2!l ( 0), huhtrr.^o 
388, 4 (-0); 15 «//u/r, f« 112. ä, /iim7/i»r,s 342, 20. /iJivH/urr.s-» 240. 22, 
hwa-thirr,; 300. 4, -/(»r s« 440, 31. Ferner sind in T> - T» belt'trt : T' huhur^o 
388,4 neben 1 /nn/r/iu.?», 1 ■hinij;u; T' 1 /i»»^f» 3»i2. 17. /im/im.ci« :w10. 24; 
T« hti^H 394, 15, 1 huhimi, 1 hwcrthtru,;;», l hirclchtrus»' 1 ÄM.fM. 

Anm. 3. Von sjr/,s»V"i kennen T'.T* nur formen mit i, tlber dcweu 
fiuantitiit sich nie hts bestimmtes sagen liisst. Au.ssenleni T' fornicu^^intHt 
38C),28, T' l'orsiru,;ianuf 398, 14 neben sin,;r,idr 402,4. 

Anm. 4. Neben *sirclul ;:> »umtid existierte •»irZ/iW > (uriW«/. In 
T' kommen 15 formen mit eu vor (82,15 etc.), und 2 mit i«: »irulHiice 
174, 15. -lecur 298, 12; in T* »neotoUicf .370, 19; in T« »umUdr 440. .3, »H^ro- 
toUce 428,«. Ebenso stehen strrostor und »»rM«<or nebeneinander; in T' 
erscheint sireostnrlO, 4 (15); femer uweostra 2H4.2. 320.32. :M0, 4. ;e»trfoalra 
70,5; daneben ,c'-s"-"«'w «58,22, siru«tor K5H, 19. »iriiJtfrMm 2H4, H, Btrtulor- 
8unu 104. r.). 

b) Die gruppe ui- verbunden mit oa-umlnut. T' tnotan 
(inf.) 100,24. 148,23, tccotanne 70,10, u-eotonne 214,24, ireo- 
tonde 72, 9. 80, 22, ne wcotende SC^ 10 (B ncoicnde), ne Kccten- 



208 DEUTSCHBEIN 

(hm 270, 35 (= CS), ivcotaö 286, 21, witon (inf.) 100, 31, wita^ 
102,1. 286,16, seivitan 174,17, 314,27, tvitmme 3SA,26, subst. 
iveotan 164,9. 270,27, tveota 144,11 [454,22 CW], ^eM;eoto 
316, 20, weotena 154, 5. 162, 26, witan 120, 22, witena 100, 16; 
T* g'e^(;^7öw (inf.) 428,2, gewiotan (subst.) [398,21 Cj, (T^ je- 
tüunan). u tritt auf in wwö'a Ti 54,5. 210,23. 302,19; T^ 
wuda 404,11; ivucan 242,35 T', 364,9 T^ neben wican 350, 
30. 31 (natürlich iviice 388, 23 T^, wicdoe^e 162, 11. 352, 8, 
wiicdcege 350, 9), twiga 254, 23, twijea 278, 33. 

Anm. 5. Wegen der ev. noch hinzutretenden ebnung vgl. § 28, F, II. 

IV. Die Verbindung wio + r + consonant geht im ws. 
durch ?'- Umlaut zu wie-, tvi-, später auch zu wy- über (schon 
im früh WS. ie, i, y neben einander, Cos. s. 61. 65), während im 
angl. ivio- über ivu- direct zu wy wird. Die y in ivyrde u. ä. 
sind also, namentlich für spätere texte, nicht streng für den 
dialekt beweisend. Im Beda erscheint in TO durchgängig y, 
in Ca u (neben seltenem eo, y), in B eo (neben seltenem u, y) 
im adj. tvyräe und ableitungen: T^ wyr^e 80,31 (13 formen), 
imwyräe 190, 31 (5), 1 wijrdnisse, 1 tvyrönesse, ivyrdelice 130, 3. 
In compp. besonders häufig in arwyröe 88, 27 (33), arwyrdlice 
82,3 (11), arwyrdnesse 78,32 (5), efenwyröe 282,17; deorwyröe 
130, 34 (3), -estena 174, 31, pancwyrdlice 316, 8. Ferner in 
wyrrestan 312, 25, ivyrson 142, 3 (B ivcersan); T^ 2 ivyrse. 
wyrcan lautet stets so in T' — T\ ist also auf *wurJcjan zurück- 
zuführen; T2 arivyrdnisse 354,29 etc., im ganzen 7 -wyrd-\ T^ 
{ar)wyrde und Zusammensetzungen, zus. 9 fälle; T^ 2 arivyrdan, 
1 aanvyrda, anvyrda 408, 15, wyrÖre 404, 15, hiscopivyröe 
398, 19, efenwyrdum 434, 25 (T efenwyrdum)\ T'^ arwyrÖe 
(5 formen), 1 wyrdmyndum, 1 gemyndwyrÖe. 

V. Ueber die Vertretung von westgerm. -eiv- s. Sievers 
§ 250, 2 und Cosijn 1, § 19 [vgl. jedoch auch H.M.Chadwick, Stu- 
dies in Old English s. 37 ff.]. Für den Beda ist bemerkenswert, 
dass die w- losen formen des nom. sg. auch in die anderen 
casus eindringen, eine eigentümlichkeit die sonst nur in den 
dialekten auftritt. T': \. ])eowlQ2,\ erscheint stets in dieser 
form, ebenso ^eowes etc.; eine ausnähme bildet nur ])eos 
(=peowas) 278,20; ebenso heisst es stets lareow 62,22 etc., 
latteow 54,12; peowdom erscheint mit und ohne w: ])eowdom 



i>jAi,r.KTis('rii:s im ao«;. rfda. 200 

54, 3. C2, 22. 124, 15. 382, 34, peodonic 358, 14. Ueber ßtowian 
im einzelnen s. die formenlehre. Rs ersclifint stets mit eo 
(nie io). — 2. Von tno sind fnlf-^ende foriii«-!» liclefj^t; jr^n. treos 
156,22, /reof 5 192, 13, ircow es W2, 17 ; dat. //ro 138,21. 150,5. 
27; pen. pl. trca 224, 15; dat. pl. (rrom 224, 15, /;rof/Tw;T318. 32 
(adj.), trcoicgeireorc 272,1'): cnto {ycnua) als \A. lOOj). 154,30. 
21. 188, 11. 204,20; dat. j-l. cncom 292,28, cmcowi 296, 23 (=C). 
— T-! 1 öi'ow 364. 14. 1 trcnua (gen. pl.) 366,8; acr. pl. 3()H. \\\ 
cneoica (0 cneou), cncow 380, 1. — T' 1 Jjeotc, 1 Jco«', 5 lat- 
teoiv, 1 ?a^eoM; 432,32, piohade 424,11, Öcotcij^an 434,29, /»co- 
^^'ru/f 408, 25 (C J)ioiricnde), J/o</^ 442. 17 (praet.). T» 1 /*ro- 
era^, 1 7'fO(/(/ow 416, 14, larcouas HS, 22, luniiv -iU), 22, lattoice 
416, 7 (zu den letzteren formen vgl. Sievers § 250, anm. 2). 

VI. Urspr. m -f vocal bleibt im strengsws. als iw erlialten; 
dial. tritt daneben ioir (coir) auf. Dazu in T< niohicssr 42«'). 2(>. 
428,4, niobicssc 42S,S, iieolnesse i2i},2i (OCaH haben in dir.^en 
4 fällen ncoivol-, -cl-). 

§ 20. Wirkung voraui<gehender palatale. 

In diesem punkte weicht der Beda nicht wesentlich von 
dem gebrauch des ws. ab. Wegen der vorläge s. weiter unten. 
Die beispiele führe ich im folgenden nach ihrem etymojitgi.^clu'U 
Ursprung auf; wegen des umlauts-c nach palatalen verwei.*ie ich 
auf ii 22, III. 

J. Westgerm. a. 1. \\ s. m nach c, sc wird kv. .»^tets ccastrr 
(ceastre 60, \b) und compp.; stets Ccadu'(c)all(i {\rI. Caduuilla) 
146,29. 148, 16 etc.; nach sc: stets .«fem/ 66, 29, j^escrafte Hl. 7. 
-a 224, 21, frumsceuft 344, 2, xesccape 34«), «>, orscealtifK^n 242. 7. 

2. (r nach ^ (westgerm. ^); hier zähle ich für T' 19 ra : 
21 e (die r in T' sind wol durch da.s ^ veranla.sst worden); 
T\ T ».'!"• haben .stets cfj. (le.sammtbelege: .seafiV2,2'X 106.5(5). 
a^c«/"3l1,20. /o;vsm/(;(), 13 (5). ,m,si<it KU, 1 (5). h,-snit 222. M. 
^eat (subst.) 184, 29, ^eate 184, 28; forgef 2iM\22. 308,21. 328. 34. 
ou^ft 126,31. 168.22 (16), /;>r,rrM56. 29. />c,^-c/ 300. 2 1 ; T' /'>'• 
,rrf//372. IS; T' /i>r.sai/;U>0, 10, «w.s««/ :t02, 12; T' forj;raf42Xiy 

.\ nni. 1. Für anjfl. to-, on,;(rx», w«. ou^fitm (Ctm. 5 3, 1. 7^ cnrhrint 
im Betia meist Io-, iin;r,;n (anf ein ',;(*;» ■ • h 

der Bc«1ä mit der prhaltnn»r «lo.t f rii <I«mi in * 

100,33, onsegH 122,29. 308,22, OHjr^-rn (24,3lJ t»; !♦ o»v«wnj 4iW, Ä> ^0 



210 DEUTSCIIBEIN 

ongen aus onscen corrigiert), togc^nes 102,3. 132,6. 146,16. 156,1. 196,33. 
198, -4. 236,5 neben o)i,^en 310,1, to^eanes 196,11. 228,16, on;^ean 118,8; 
aiTS T5 ongen 416, 33. 424, 20. 

3. Nach c, s vor nasal stets o {d): gongan (s. § 2), con 
(§2) stets so; 1 for^gconge [48,6] Ca (vgl. §2, anm. 2 und 
Sievers § 157, 4). 

4. Nach 6 (germ. j) vor nasal entsteht eo: jeond 98,25 
und die zahlreichen compp. von geond-. 

5. a in offener silbe nach .sc: sceadena 230, 19, sceare 
208, 16. 254, 32, scare T^ 424, 11. 

6. a/o vor nasal nach sc: scondlicnesse 70,8. 14, 18, scond- 
licum 86,19, sceondlicnesse 70,17 (Seh. scond-), scomiende 100,12, 
forscome 342, 23. 

7. In Ca ist (vgl. § 28, A, IV) öfters ce erhalten: ^cefl^O, 6, 
«6-£P/' 204, 3, o??6ö5^ [38, 2]. 234, 7, if^s"^^ 300, 24, i-«?fe 184, 28; 
in cacsfre 90, 19. Dies re möchte ich überhaupt für das 
original in anspruch nehmen. Deutlich zeigt dies das wort 
sccefpa, das offenbar im avs. ungebräuchlich war und daher 
unverändert aus der vorläge übernommen wurde: es ist das 
der einzige fall, wo wir oe auch in T finden (abgesehen von 
dem seltenen ^fp^?/5cc, das T^ 400,13 mit ce belegt ist): sccefpan 
192, 13 (= Ca), 282,8 scceßan (=Ca); e in scefpon 156,6; 
ea in sccafpan 20 A, 32 (OCa anders; B ^ejnvit), seeaßan [30, 6] 
Ca (B pcet man dcer ofscof). [Vgl. aber jetzt Bülbring, Angl., 
Beibl. 11, 106 f.] 

IL Westgerm. e. e nach palatalen wird im ws. über ie 
zu /, y (Sievers § 75. 3. Cos. § 21). Die fälle, wo tt/o-umlaut 
concurriert, werden unter § 27, A, IL B, II behandelt werden. 
In den übrigen schwankt der Beda zwischen e und i (y). 
Bedingslos i herscht in T ^//" 56, 7 etc. Sonstige belege: ^efe 
76, 2, of^efen 288, 29 neben gife 62, 10 (33), ivoroldsife 90, 8, 
forsif{e)nesse 82, 29. 34 (5), fomfen 78, 28 (8), a^ife 128, 28, 
forsyfen 78, 29, gyfunge 86, 25; seldan 68, 18; in Verbindung mit 
deofol- erscheint sild 106, 14. 112, 4 (13), syU 112, 6 (3), seid 
116, 3. 12 (6); gafolsyldim 92, 9. 110, 6; onsete (conj. pl.) 80, 34, 
(conj. sg.) 86, 3, ond^ete 84, 30, ondsü 124, 30, onsyten (conj.) 
70, 28, on^yten (part.) 76, 10: 80, 28. 88, 4; dazu onsytenisse 
120, 34, -esse 138, 10; ferner das poet. sydde 188, 16, gc^ddis 
188,12 {myoides 0C&; BC ^odes); ^ylp^eornesta 92,4. — Nach 



DIAI.EKTISCUKS IM ACiS. BKDA. J 1 1 

sc: scyld 122,20; verb. scildc 118,18, sciUlon 214, 15, ^c.voWr 
250, 12, sescilded 202, 21; y in snildan 122, 20, ;^escylde 120, 17, 
Scscißdan 154.^2. snßdon -IXIAl. 214.19, xcsct/ldtiettse 110.10. 
248,20. — Xacli c: ci/stc ICtUC) ((>); T^ vacat; T^ 7 ^'//<-, 2 ,^y/>, 
1 for^ifvn, 1 drofol^i/lda, 1 scyldc, r//Ä/f; 'i'« 1 ^c/e 430, 10, 
1 forÄifncssc; T' 1 ^//"c, 1 diofoJ,s*h1, 1 -.^ddutn. (I)ie eifjen- 
namen mit ^c/- [J'/"'"«'^ 2iiS. 2t>. lOS, 11: lat. >»///»»>/(/;/>' l).-- 
weisen niclits.) 

Die gemeinsame vorläge wird wol c gflial»t liabj'ii, da sich 
dieses auch in den anderen hss. zuweilen rindet: OCa ^ef'r 
fl34,17j; C^e/e238, 12. 380,18.25 [472,31], o^e/c [480, 1 1 ], 
deofolsdd [304, 12]. Zu einer bestimmten localisierunir dt*s 
Originals können aber diese formen nicht dienen, da sie über- 
haupt ausserws. sind. 

III. HO. 1. HO bleibt in der regel nach .sc unverändert 
(Sievers § 70, 2). ^^'egen scottas s. M. PI. X. s. 20. Stets biscop. 
Sonst: T' ascofen 300,4, hcscoren 254,32, scop^ereorde 342,7, 
scoldc 50, 8. 04, 13 (24), scoldon {-an, -en) 102, 32 (7), scoldr 
(conj. pl.) 220,23; daneben sceo in sccolde 02,22. 08,18 (38), 
sccoldon 84,9 (10). Ferner scö in T> ^cscop 104,23. 224.20. 
scole 190,12. 208,10 und 1 sccop 344,10; scÜ in scttlon r.4, 7. 
68, 9 (15), ascufon 224. 8. uiÖscRfun 21«), 2, uiÖscnfc 280. 3, 
sculdrc 210, 15, -n 214,33; T^ 1 sccolde- T' 4 sccolde, 1 sceolon 
378,8; T* 1 sealmscop, 1 bescoren, 1 hcscorcne, H scoUle, 1 scol- 
don, 1 sroldan, 1 ascufon, 1 scdp 4(H), 1; T' .»<. ij 14.2. 

Nacli geim. j ersclieint ws. oft eo (Sievei-s § 74. Cos. § 48,2. 
§ 51). Im Beda ei-scheint das wort 'jung' in T als xroiw« 130,20, 
-(' 20S. \{) etc., zus. in T' 8 formen mit eo neben 1 s/w.c 220.22 
und ,s<ncM(?c 270, 12, .^:co.soOhadc 35(>, 12. I>er comp, hat »»fler 
i-umlaut (vgl. Sievers § 307); auch ws. ist der comp. ,stn^ra be- 
legt H'oa. § 51): ,;iv,sr<iu 2S |, 2i). sitt.^rc 340, 17. .seon,^rtin 2^8. J. 
312,18; ausserdem ^iu^nim [ 100,9] (M'a; T' hat .s-*>i.f 3ss. !.-.; 
T' 1 ^eon^, 1 a, 1 an; T* 1 ^con^c, 1 an 400, 1. .^roxudhad 
nissc 398,25, ^eo^HÖlintm 398,28. ^cocc 438.17. u steht in 
gun^a 390, 10, io in .sio,so(1lKnlnessc 432. 11. i in j^iÄudhade 442, 2, 
comp, ^in^rum 40t), 12; ju erscheint als .reo T' xeo tV2, 3. 90. 15. 
124,29 (13); iH 92,0; ,?» 138,12, ^im 120,8; T^ hat io3tM,21. 
T' iu 410,7, T> ^iM 410,13. 

IV. Ws. a. Nach den palatalen s und sc wird (f zu 



212 DEUTSCHBEIN 

ca, ') später zu c (Sievers § 75, 2. § 109), doch tritt in offener 
Silbe vor velarem vocal das e nur selten ein. — 1) In T' er- 
scheint meist e: jer 54,18.27. 116,9 (38), ^e'res 188,22, ^ere 
192, 26 (5) neben ^car 142, 14. 154, 7 (7), gearcs 314, 22, geare 
54,24. 28 (26), sce2') 114, 20; Avegen on^ete etc. s. no. 3. T"^ ^^ee 
388, 29, T^^ 6 ^ear, 1 sccir 374, 18, ^eare 360, 5. 19. 374, 12; T^ 
2gear, 4^eare; T^ 3^ear, ausserdem ^ca 410,14. — 2) In offener 
Silbe vor dunklem vocal: Ti geara (gen. pl. und adv.) 62,3. 90,15 
(17), ^can(W 168, 12. 170,9 (13); T2 1 ^earmn, Mn^eara 354, 1 ; 
T3 4 ^earuni, 1 ^eara 370, 22 (B ^ara = ne. yore); T^.T'^ vacat. 
— 3) Im praet. von on^ietan und ^iefan erscheint e (ws. hier 
normalerweise ea, Cos. 1, § 61, 2; vgl. jedoch auch Sievers § 109, 
anm. [und Bülbring, Angl.,Beibl. 11,112]): T' on^eton70,Q. 90,31. 
102,12 (11), otj^ete 130,18, 224,13. 266,27. 278,28, ongeaton 
340, 28, he^caton 226, 13; ^efon 168, 7. 242, 7, sefe 126, 29, for- 
sefe 54, 4. 100, 7. 124, 1 (6), for^efe 294, 30, agefe 126, 22, for- 
^eafonbS, 10; T^ owi-^/c 352, 31; T^ ow^e^e 406, 23; T'^ on^eofan 
416, 12 (0 onjeton). hat in allen diesen fällen meist e. Dies 
auffallend häufige e ist wol sicher von dem späteren ws. e nach 
palatalen zu trennen, da dieses wie bemerkt im ws. nicht in 
offener silbe vor velarem vocal erscheint. Ausserdem bewahrt 
der Beda treu formen wie ceas, geat, sceat; also spätws. ^er, ces, 
aber ^eafon. Beda ger, ceas, aber gefon. 

V. Ws. ä. T' sescead{e) 76,24. 86,4 (6); ^erh. tosceadap 
358, 32, tosceaden 212, 23, tosceadne 104, 15, tosceadenne 240, 1, 
ascaden 272,26, scdn 192,4; T^ ofscan 362,30, scdn 364,14; 
T* Scan 426,11. geondscan 430,7, mit umlaut sesc^nde 436,7; 
T'^ tosceaden 414, 21, scan 418, 4. 

§ 21. Brechung. 
A. Brechung vor r. 

1. Durch r + cons. wird a (ausser im fall der metathese) 
zu ea gebrochen, sowie e zu eo. Diese regel geht auch durch 
T durch, mit 2 ausnahmen: T^ 380,21 liiverf (neben 2 hivearf) 
und T^ 388,3 harive. 

2. Es unterbleibt die brechung bei den fi^emdwörtern: 
cercehiscop (Sievers § 79, anm. 3) in T'. T^; in T^ ercehiscope 
420,31; so heisst es auch stets carcern, martir. 

^) Vor nasalen erscheint stets eo; also immer ^eomor. 



1)Iai,i:kiis(iii:.s im aos. hkda. 213 

3. Besondere bet rächt iiiif^ erfordert der z\v«'ite teil dt-r 
composita (Sievers § 51). Die coinposita mit ■.!;eanl belialteii 
stets das ca, z. b. middanscunlcs {){\,2^}., ebensD die mit Jimrf- 
gebildeten, Z. b. nedpearfkcu GO, 27; iiudi Wi.sluard 2tH, lO (8). 
Die mit -ivcard zusammengesetzten scliwanken; dius \vs, hat 
iiewrdiiilich -Uinyd, si)ätei- -utrd. Im Heda tritt neben inard 
{■iroil in '1' nie) auch das diah-ktisdie -«v/n/ (bes. in (aj und 
■irord auf. i^ei der aufzälilung habe ich Idufurd unberücksich- 
tigt gela.-^sen, da dies audi im ws. gewidinlich in dieser form 
auftritt. Belege: ondiviurdncssc 72,12. 122,28, -nissc 144,13, 
andweardncsse 208, 24, ondwcard 108, (14), onwcard 88, 29, 
■HC 200, IG; towcard 128,25 (1»)), hicmrdncssc 248,22 (in der 
Vorlage muss das dial. toivordc [so im Ps., Z. ij 24,3] gestanden 
haben, wodurch der fehler in T' 218, 15 erklärlich wird); 
«•/(J(r«-ao(/«n GO, 29 (8); daneben «f/Jcnrorf/f 72,3. 74,4. 98,21. 
102,9. IG, uiJcncordnessc 3G0, 10, -nisstmt 330,10 und noch 
inu'onUicor &2, 19 neben in)iciicardrc9['),ll (4), itpneard 188,10, 
forciveurd 12G, 32, a'/irf«/(/ 200, 33; mit yrfe- erscheint -ueard 
G8, 13. 9G,24. 112,3. 1(JG,21. 27G, 1. Ca hat öfters -/r«/-//, z. b. 
134,25. 200.1G. 21. 224,21. 250,8. 2G8,32. 3G8,21; /.rl'Mouürd. 
-ward in T' nur in cfnccrfcuatd 250,13 (=Ca); T^ hat ond- 
U(iinhii,sse 354,:'), forcuordiitH '.i>ii}, 27 (=^ C), forcuord ',\SS, h>; 
T' hat stets ca (12 mal); ebenso T' (G), T'- (3). 

4. In uarnian steht a nicht vor urspr. r + cons. (irrtüm- 
lich Brown § 5, b), denn ininiian ist erst aus uarrHtan ent- 
standen (Sievers § 50, anni. 1. § 411, 4). Daher ist ,si't(f"ionodc 
132, lo (= 0, setvearnode Ca, ^cuarencde B) als «-undaut auf- 
zufassen. Die häufigen ca in Ca (12S.9. [5o. U]. [474.20]) 
können entweder alte foinu*n oder auch neubildiiiiL'.n .^ein. 

B. Brechung vor /. 
I. Brechung von a. 
Vor l -f cons. wird ^ye^stgernl. a meist zu m gebro<'hen; 
docji erscheint daneben oft, namentlich in den iilteren iiuellen. 
auch (/. besonders vor Id. - 1. T' liat überwiegend <*i gegen- 
über ti: in eall^) ist das Verhältnis 239 ea : 33 a, in den übrigen 
wortern wie 2:1: a) ca//(')0. 25 (25), <<i/ 02, 8 (25), m/Zc Oo, 4 

•) Stets mit <i ernclH'iut > " h M dm Ubrigvn «direibcre 

Vuu T; es ist wol als na Uei > <• 



214 DEÜTSCHBEIN 

(87), callnm 64, 24 (65), ealra 54, 10 (16), calre 102, 9 (6), ealne 
108,4 (3), eallre 288,28, ealles 60,12 (6), ealUn^a 84,16 (5), 
aber all 60,28 (11), al 78,23 (3), «7Ze 70,11 (4), allum 88,1 
(8), a?>-e 246, 19, alne 242, 34, alles 170, 33, aZ//mn 312, 31, 
allinsa 68, 17 (3). — b) In anderen Wörtern: «) vor Id: {s^)- 
scalde 60, 14 (47), sealdest 112, 10, sealdon 112, 6 (9), part. 
seald 68, 8. 14 (6), ^-esm^d 148, 15 (3), ymbsealde 202, 6. 264, 26, 
2/m&5ea?d! 320, 6. 322,14; a nur in saZt^e 256, 34, ?/m&.sa?tZ 302, 19. 
324,8, tealde {-on) 102,7 (5), tald 336,3; acivealde 122,25 (4), 
hivealde 152, 22, aciveald 336, 31, acivald 240, 3; onstealde 344, 9. 
Bei {se)healdan liegen mit ea 31 formen vor; ausserdem noch 
hihealden 80, 4, hehealden 80, 6, hihealdende 288, 14. 290, 15, 
hihealden 254, 28, hihcalde(n) 290, 15, zusammen 37 e« gegen 

5 a: haldanne 68,15 (2), /««Me 80,34, gehaldende 294,24, haldne 
110, 13; cealdes 156, 32, ca?cZ 216, 27. Häufig zeigt sich a in 
ß?(7 170, 8 (5), aldan 76, 7 (4) gegen eald 82, 24 (7), subst. aldre 
172,11, a^cZres 180, 1, aZfZor 96, 20. 114,16, a Mores 270, 30, 
aldor- in compp. mit -mon, -dorn, -hiscop, -hold, -licnesse, -apo- 
stol, ■hiir.s (30 a und 12 ea); alderas 114, 5, ealdras 74, 25, 
vb. forealdise 166,11; haldra 130,1 (2), fordlieald 144,16; ie- 
momsfealdad 268, 29, ivealded 82, 26, geivealde 92, 9. /3) vor 
anderen Z- Verbindungen: ^«?^r?^a« 106,19, taltrietidmnriSOjli, 
scealt 64, 20. 22 (4), saZ^ere 242, 34; healfe 176, 6 (5), Jieal- 
sun^e 120, 1, ivallistod 158, 22, cetfealh 334, 31 (hs. -7iA), gefealh 
226,16. 336,2, wallenda 118,6, -e 154,25, iveallendes 386,7, 
weahvian 178, 28, s^ca?? 106, 18 (4), /^eaZ^e 128, 11, tvealles 
138, 26, -a5 144, 4, ^(;a^^e 226, 2, tcallas 202, 15, -«w 320, 9, ^ealp 
154, 16, onfallendra 216, 33, cwealmnissc 70, 30. — c) im zweiten 
teile von compositis: sud}iealfe\i2,^2. 204,9, dnfealdne 2Qi,h. 
In -icald zähle ich 2 a neben 4 m: onivald 164,25, anwald 
120, 4 und aniveald 120, 1, omt^ertM 124, 12. 272, 16, -e 168, 35. 
Stets a zeigt om^'a^A 154, 11, -we 292, 26, -e 322, 13. 350, 9, 
omvalhne 192, 12, omvalJmesse 316, 17 (angl. wort?) — d) lieber 
die eigennamen, bei denen a vor e -f- cons. vorkommt, kann 
man kurz hinweggehen, da sie der lat. vorläge entsprechend 
das a meist bewahrt haben. Einige male (7 mal in T^) tritt 
ein: Ecedtvold 108, 30 (4) neben 4 Ecedtvald, ^Öeltvold 
228, 30 neben 3 ^delivald, Eadholde 120, 12, -es 150, 19 neben 

6 Eadhald. 



DIALEKTISCHKS IM AfSS. HKDA. 'J 1 ö 

2. T- liat ;> </// ZU ö (v///. Ausserdem sind lür Ij^ \n:k-*^l 

1 ymhsealde, 1 sealmson^e, 1 hulf're, 1 Mvi//f, 1 stalUs, also 

2 ea : 3 rt, für c) 1 oniiahh: 

3. T^ kennt für a) und b) 4ü ca und nur 2 a Ualdor 
302, 10, aldorlicnesse 362. 5). Für c) sind belegt onicalhne 
374,29; 301,9 liest T' un amcillr für ouicaUe CO; fenier 
1 dnualilc, 1 onnaldc. 

4. In T* überwiegt a gegenüber e«, ausgenommen im falle 
a), wo ich 35 cal gegen 3 a zähle. Für b) sind die belege 

3 sealde gegen 1 salde, 1 yynhsaldon, 1 suld, 1 ijmhsald, 2 euldun, 

1 aW {Aldscaxan 408,23, Aldfriöes 404,10 etc. zälilen nicht), 

2 aldor, 1 aldrc, 2 uldor-, 1 cdldot-, 1 Juddan, 1 .sitmldtnv, 
2 cculduu, 1 Ciddran; 1 Ar*//, 1 atfralli, 1 fallrnde, 1 hcfatleJ, 
1 A«//i", 1 ludfhroteura 4^M'),(\, 1 lirdlfr, 1 sruhiisüt),^e, 1 sailin, 
1 scealt, 1 sivcalt 440, 18, 1 tfe«W, 3 »ra/Ze, 1 ualtrnde und 
1 uppanalkndc, zus. 15 c« : 23 «. Für d) ist ein liirhtivold 
4t»8. 1 belegt neben Jtirscir(ddc 398, 23. 

5. T'- hat in f«/ .'. ra und :'. ^/. i''iir 1>) liegen vor 1 .sv//«/*-, 
1 sc(d<h', 1 ,s(.sa//(^', 1 «/</, 1 a/(/c, 1 caldiini, Kiddsciuc 411.20 
(4), 1 aldor, 5 aldor-, 4 raldor-; 2 IduI/'c, 1 stdnuis, 1 srtalt. 

1 walltndum, zus. 18 ea : 11 a; lüi' c) l utonigf'caldum 422. 17: 
für d) 1 JIrauuld 410,22 gegen 5 Jlcawald [und 1 Jkrlncald 
420, 14J. 

Im Beda ist also die brechung in ziemli«'h weitem umfange 
dun'hgeführt. Hauptsächlich kommen die fälle von b) in Ih«- 
tracht (der fall ai beweist nicht viel, da z. b. auch K' son.st 
fast nur « kennt, bei al jedoch 81 ta und 194 a hat). TMiat 
fast nur ca, bei T' und T» ist das Verhältnis ungefähr da.«* von 

2 : 1, und nur in T-' (2 ca : 3 a) und T* (15 <<i : 23 a) über- 
wiegt r/. Da für die mere. vorläge consetiuentes a anzusetzen 
ist, haben wir hier also eine starke um.setzung durch die süd- 
licheren Schreiber zu ( onstatieren. 

II. Rrechung von i-'. 
Im WS. tritt brediunL'^ von i- zu m nur vor /«• und Ih ein; 
da jedoch im angl. liier ebnuug eintritt, so haln' ich die hierher 
gehörigen fälle mit unter § 28 aufgeführt. St»n»il bleibt hier 
nur das ganz anomale stolf neben s»lf' zu erwÄhnen. Im 1' '- 
steht in TC fast durchgängig stolf {\V .schwankt, V». > 



216 DEUTSCHBEIN 

CP. und Chron. stets e, Oros. 75 selfwM 3 scolf). In T> zähle 
ich 109 CO (66,18. 68,12 etc.) gegen 1 selfa, 1 selfne, 11 sylf; 
C eo, wo T nicht erhalten: [474, 9. 476, 3. 21. 480, 7. 10]; T^ 
2 eo, 1 io\ T^ (ws.) 11 sylf, 3 seolf, 1 self\ T^ 11 eo und 2 e. 

C. Brechung vor h. 
Die brechung vor h von a zu ea, e zu eo und i zu ^o 
wird im angl. durch ebnung vereinfacht, vgl. deshalb § 28. 

§ 22. Der i-umlaut von ca. 
Der f-unilaut des ea (entstanden durch brechung vor r, l 
+ cons. oder durch vorausgehenden palatal) ist ws. 'ie, i, y, 
später /, y (Sievers §§ 97. 98 und Cosijn §§ 14. 15). 

I. Vor r. 

A) T> hat (B in cerfeweardum 68, 13; e in efnerfeweard 
250, 13, cefenerfetveardas 96, 24 ( : ^ in yrfeweard 166, 21. 276, 1, 
yrfeweardas 112,3), cermpa 126,11 (: erm])um 130,11, ermj)0 
308, 30 [= C], yrmdim 302, 24 [C e]). Das verbum cerran hat 
29 e und 5 y (60,11. 62,7. 98,3. 350,3. 12): cerran 104,4, 
secerran 126, 2. 190, 29, cerde 202, 27 (5), cerdon 56, 4. 62, 19 
(6), ^ecerde 122,5. 144,1, 166,32 (8), gecerdon 164,9, oncerde 
202, 18, gecerred 116, 15. 146, 7. 226, 17, oncerred 130, 26, awe^- 
oncernis 176, 24 (Ca onwe^cerrednes, omve^acernes); dyrne 
82, 8 (0 de'Jrne), -re 280, 3 (Z dernre). y erscheint constant in 
fyrd 102,28. 124,9 (11), londfyrde 198,27 {-ferde GS), fyrd- 
esne 148,8 (nur 1 ferd 92,15); ^^rc?e 208,28, gyrde 228,19, 
Syrdum 180,28; gegyrlan 128,16, ge^yrelan 264, 5, gesyrelena 
322, 25, im verb. on^yrede 264, 4, se^yredon 176, 18. 322, 23, 
gegyrede 296,7 (C ^e^era?e), on^yrived 212,5, gegynved 272,6; 
Selnverfde 346, 3, ^ehiverfdum 274, 18, geediverped 326, 8 (y in 
Jmyrfde 270, 14. 298, 16. 338, 23, selmyrfad 352, 25, gehivyrfde 
344, 27. 244, 18 part, ^eliivyrfed 188, 12, 248, 21 [C e], 250, 7, 
Sehivyrfcdnesse 62, 7, ymbhwyrfd 224, 22 subst., geinvyrfnesse 
278,14); ^ewyrpte 192,15; mwnvan 110,24 (= Ca, menvan 0, 
B mwran), myran 138,3. 196,22; syredon 124,11, senvaJ C 
[480, 1]; scscyrpedne 138, 6; ceiverdlan 110, 23, sc'i'<^y^'dledon 
202,20 (B ^ecetverdledon), vgl. Sievers §99, anm. 2; wyrgde 
356,27, awyr^dan 186,19 (werigan OCa, werianB, s. weri^); 
dazu ivyr^civcodtdra 56, 14, icyr^nessum 104, 4, tvcerjcweodole 



DIAI^KKTISCIIKS IM A(;s. HKKA. 217 

356,20; Hi/nndc VX>,-J.C), H-tr>ni)i,sc i\n'>, 27 (- 0, uojnnin.sui'd). 
Im g-anzeii 54 //, 39 c, i le. Der eigennaine Mcrce Ist hierbei 
iiusf^esclilosseii; im Heda 'V stes mit v, mir T' hat 1 a-, T' 1 ''-; 
M.Pl.N. S.23. 

B) T» hat 2 a;, i i; \ y. avnk 380,1, ,sW<<m-/V7/ 354, 20, 
yrmöum 350, 14. 

C) T' hat vor r //: ///v; 300, 33 (rorJC), dam-lH-n mn/ 
300,30 (-= B, ^/(T OCaB), Invyrßc 382,4, ^ihiviftfennc 302,10, 
^esyrwed 370, 10 (ge^ered C), ^esyretcad 370, 1<» Ue^crewaÖ C), 
:;r,s!/rc(l(>n 370,28 {.^e^crcdon C), .si/redon 380,25 (<' jircdon, 
B ^credüH), ifivclaii 380, 23 für ^egyrclan. 

D) T< Aecerran 408, 27 (= C), cen/c 428, 23, .sfccrt/f 442, 14, 
cerrende 430, 25, ^ecerred 392, 5, ongerwed 434, 15, ^egyrede 
398,5 {Ae,sercde C), hiver f de 400, 12, ahuvrfan 442,3 [liwnftnde 
430,27 (?, 7Al luceorfiude) \; ?i^r/r(/o« 428, 11. ,s^'«t'r;>«'</o;j 4;'.(), 5 
(Vermischung vitii causativum wernuai iiiid iiicolmtiviim ?rcflr- 
nii((n). icerpendc 'U)-iA {(' wipcnde), u'yrjuudr '.\\i\,'.\; aiver.sdun 
t2s. 22. Zusammen 12 c : 2 y (dazu 1 «- in Ma-rniii 4;'r». 22 
nt'btMi 1 Menna 430,20). 

K) T^ hat nur e: .s ccm/e 42( >, 18, -a« 414, 14, rm/«« 414,5, 
acerden 410, 19, .se^erehm 424, 19; .^churrfdc (eonj. jd.) 41»), 20; 
irfcueardas 420, 25. 

11. \'ur / f- consunant. 

Audi hier findet sicli neben // liäuHof r, <p. (7esammtre.<<ultat 
fiii- '!'• 30 //. 20 c, 15 (f, 2 {', 1 m, 2 /. 

.\) Belejre für T': .srhyldrd 114.27. .^rhyUrd 29(i, 19. hidu 
liir k/</M [3(), 32] Ca; t/(//«,s Ol), 3(>, Wt/rw 178.20, eldtussr 1(M>,9, 
<Wr/i(/c 192,11, c/(/rw«c 254,13. elde 132,10, /i<7</f (für ?/</<•) 
130.9; a; in trldenuc 7r), 25, a'/(/cJ 72, 2. 3. aUletid 12,'.^, trldii^ 
70, 2(), «'Wr (praet.) 292, 23; // in yldc 12<),9. y/W (iinp.) 130. 1.5, 
yldcinw 190,30; siib.st. «Wo 148,19. 174,2 (0), eUrena 104,22, 
(' cldo [478, 1|. [480,12]. r/A/o 251.19. <;ldr 292,3. 251.9. y/^/o 
170,20. 274,28 (5); yldc 310,1; «omimrativ von rald : yldnim 
82,1: ///</;■«• 172. 23. 284.30, yldnm 128.33. 234.20. .//«/rrM« 
1 30. 7. ////</<• 302, 28 ((' e), (>//>///<*« 302, 31. «/)//</»• 2 K». 20, 
subst. ,siluvldl2, 18 (die anderen hs.»«. haben, wo nichts bemerkt, 
//; B hyldon). 334. 10 (srluold CaB). 334,32 {^-- B, OCa fehlen), 

Beitrag« lur getchichte >l«r ilculichtn iprich«. XXVI. ^ 



218 DEUTSCHBEIN 

sehcelde 108, 3 (ingehlgd B). 246, 34 (= C, B sehysde). 292, 5 
(B sehceledum). 246, 30 (alle w). [480, 3] C, y in seJiylde 228, 26. i) 
Ferner onJielde 288, 33, onlieldon 322, 30, hylde 178, 20, onhylde 
186, 7. 348, 17 (T oA-), ivelme 68, 7. 346, 20 (= C), tvelm 72, 1, 
ivylme 200, 19, ^(;e^to^ 112, 13, tvyllan 234, 9. 302, 10 (B ivelan). 
ivyllan 226, 8, ivoellan 144, 26, wcellsesprynsum [26, 6] C (B wßZ 
^esprunscnum)] i in monncivilde 190, 9, ?>ww- 252, 25; ea in 
cwealmde 240, 31 (acyhnde OCaB) ist angelehnt an das subst. 
civealm; wir haben ctvelmde zu erwarten. Unklar ist mir he- 
tyldon 358, 4 (betelldon 0., hetüldon Ca, hetyndon B). 

A n m. Wenn syllan wirklich auf *sealljan (vgl. darüber Sievers § 80, 
anm. 2; anders Bülbring a. a. o. s. 96, der syllan aus sellan durch einwirkung 
des palatalen s entstehen lässt) zurückgeht, so muss es hier mit aufgefühi't 
werden. Von syllan sind uns mit II 11 formen erhalten: syllan 112,9 etc.; 
sylest 112,12 ist ausgeglichen (das suhst. hat y. sylene 132,25, sylena 
241,21); daneben hat T^ 15 formen von sellan 60, 9 etc. T^ syllan 882,17, 
syllend 376, 24. T* sellan 394, 27. 

B) Für T2 fehlen belege. 

C) T3 hat yldo 360, 25, wyllsprmjes 366, 18, moncwildes 
362,12, eldins 376,31, in hcelde 374,11 (geliealde C), selmled 
subst. 364, 18 (= B, ^eliyld OCa, ^eJieold C), zusammen 2 y, l i, 
1 e, 2 ce. 

D) T^ hat überwiegend ce, e; nur fylle 402, 5 (C feile), 
fille 402, 6. Sonst sind belegt eldo 434, 11, eidende 430, 33, 
eldenne 430, 25 (= CW), eldra 438, 1. 8, -an 390, 7 (= C), e?(^e5i5 
438,31; ce in ceürfo 404,12 (0 heldo). 440,30, «?Wew 400, 20 (C 
elden), wcellan 404, 2, forcelde 440, 19. Hierher gehört auch 
das öfter misverstandene stcelldon 424, 31 (= B, stelldon CaC, 
5^eZ(Zow 0, e < «), oferstcelde 400, 22 (= COCa, y B), aus T^ 
süeldan 424, 29 (-ow B, OCa stealdon) zu stcellan aus ^stalljan 
'springen'. Auch dies scheint ein angl. wort zu sein, wenig- 
stens fehlt es bei Alfred und ^Ifric. 

E) T^ hat celdo 422, 16; e in tvelle 418, 20, cuelmdon 416,23. 



*) Offenbar ist der vorläge die form ^ehceld zuzuschreiben; das ws. 
kennt nur geheald, nicht *^ehield. Daher haben dann die anderen hss. auch 
den comparativ gehceledra falsch aufgefasst, der doch noch wol zu hcelan 
gehört (belegt sind gehcdedra 56, 3 [^eliyldra CaC, ^ehaldra B, fehlt], 
geliceledre 112,29 \ß ^eliealdre\, gehfldran 102,32 (gehceldran OCa, ^eheal- 
denre). 



IMAl.KKTIf^CIIES IM ACS. HKDA. 210 

III. Nacli palatalen zei^t sich nur c (selten a-) oder //: 
A) in T': 1) nach sc: sceppeniksIX^i. 21Hj, 1, -e 388, IG, biscer- 
^enne 70, 31, hcscerian 72, 23, scyppendcs 9G, 32. 102, 18. 344, 4. 
348,23, scyppcnä 344,11, hescyrienne 72, G, bescynd 78, 10. — 
Reichlich belegt ist das ausserws. sctöönn (so auch in den 
übrigen hss., wo nichts besonderes bemerkt), sceöjian 204, 25 
(OCa onhnm), sceöpende 320,23 (sca'öjjmdc Ca). 358,10 (sced- 
Öedc B), unsceööcndan 35G, 20 {-t'dun B, nnscadöendan Ca), 
ttnsced]>endan 62, 1. 148, 18, part. unscedLÖ 218, 25 {ttn,s€sced- 
Jml B), praet. sceöeden 118, 20 {scaö- B) (über diese .schwachen 
formen vgl. Sievers § 400, anm. 1), dazu unsca'tJJcdnisse 150. 10 
{sca'ppi^nysse Ca, scejjinesse 0, B fehlt), sadJuK) [«.»4, loj OCa 
(sceÖpeö B). Mit 1 Ö kommen vor sceöenisse 118, 17 {sceönesse B, 
scydenesse 0, scyldcncssc Ca.), sccJenisse li\,2'.*> {sceöjn'dni'sse B, 
scca])cnesse OCa); zum capitel ce nach palatalen (§ 2<t, I) ge- 
hört die form unsceadöiendra Ca [iU, 5] {unsceööendra B). — 
2) nach c: cyle 78,25. — 3) nach ^: bei ,^rsf (.sc-st) ist die 
Sache dadurch compliciert, dass dieses wort auch bei .^^^Ifric 
mit e erscheint (wenigstens in ^esthtts, Sievers § 75, anm. 2). 
In der CP. ist nur einmal .sicsöhus (!), im Orosius überhaupt 
nichts belegt. Daher erscheint das wort sogar in OCaB mit 
CB, e (sogar mit n) neben y: ^cesta 64, 17 (systa B, ^esta OCa), 
sestlidnessc 60, 8 {snst B, Ä<^st- Ca). (S'o, ( - B( 'a, j;iest- 0). 
278,21 (=B, smst- OCa), in T- ^icpstern (!) 414,27 {^esUvm 
OCa, healle B), sestliöncsse [34, 15] Ca (B +)• \'M, 23] Ca {syst- B). 
[36,3] Ca {syst B). — B) Für T-: fehlen belege. — C) Für T' 
1 sceppcndc 362, 16. — D) Für T* sceppendv 4:54,20, 1 hescired, 
celcs 436,10, celum 430,31, cilcs 424,30. — E) Für T- ctk 
424,25, sicBstern 411,27. 

IV. Vor A.') 
In der 2. und 3. peis. sg. der starken verba ist der umlaut 
raei.st unterblieben (.s. formen lehre), z. b. ivciuci) 10(». 2u ( CaB. 
u'vxeö 0); oder es ist ausgleicliung nach den übrigen prne.'<«'ns- 
fomien eingetreten, l'mlaut ei-scheint in der 3. jktx. 8g. •feriC: 
slivhÖ 78,4 (.s7//J B, .s7<x-J0, Ca f, C sied), sUrö 27«», 5 {slyhp 
OCa, WeaJ Bj, vgl. dazu §20, VII. 



Wegen necüU und mtaht vgl. § 2S, A. 



220 DEUTSCHBEIN 

V, Die Verhältnisse des iimlauts sind im Beda stark ver- 
wirrt, und zwar erklärt sicli dies daraus, dass die vorläge oe 
bez. e hatte und bei dem absclireiber das ws. y nicht überall 
hergestellt wurde. Dass das original ce bez. e hatte, zeigt sich 
auch darin, dass die einzelnen liss. (besonders C) öfters e, ce 
bewahrt haben; die einzelnen fälle sind schon oben mit an- 
geführt worden; aus C füge ich noch hinzu: gecerdon 238, 13, 
secerde [304, 17], secerdon [350, 14], sc^erelena [376, 19]. 376, 28, 
hescered [396, 19], Ueber wiegend erscheint ce in seliceld. Auch 
die Schreibfehler wepende 404, 1 C für werpende, mceran 110, 24 
B für mcerivan weisen auf e, ce der vorläge hin. 

Im allgemeinen steht im Beda ce vor l, und e vor r; die 
vorläge scheint mehr ce gehabt zu haben. Zu einer scharfen 
dialektbestimmung kann dieser umstand nicht dienen (vgl. 
Sievers § 159). Verhältnismässig charakteristisch sind für die 
Schreiber des Beda die häufigen e vor l + cons.: sie zeigen 
sich sonst unter den für die vergleichung in betracht kommen- 
den texten nur in E' und in den kent. Urkunden (vgl. Wolff 
s. 22). Dagegen hat north, hier stets ce, ebenso Ps., Chad, 
Corp. Gl. In den vereinzelten ce vor r (so in T'.T-.T') stimmt 
Beda zu Ri, Corp. Gl. und Kent. Urkunden (Wolff s. 21), Chad. 

§ 23. «-Umlaut von ea. 
Der i-umlaut von ws. ea ist im Beda durchweg e (seltener ce); 
wenn daneben y erscheint, so stammt dies aus der Umschrift. 
— Vorausbemerkt sei, dass in dem adv. eaöelice formen mit 
und ohne umlaut nebeneinander bestanden haben; das simplex 
adv. eaöe und die composita mit ead- wie eaömodlic sind stets 
ohne umlaut (vgl. Kluge, Pauls Grundr. 1 2, 474). Für eadelice 
erscheint überdies öfters cej)elice, und dieses scheint sich aus 
der vorläge gerettet zu haben, wobei die Schreiber vielleicht 
an cedellice gedacht haben mögen. Bestärkt wird man in dieser 
ansieht, wenn man sieht, dass ceöellice (= nohiliier) durch eade- 
lice widergegeben wird, wobei man nicht annehmen kann, dass 
das ce nur ? bedeuten soll, da sonst ea stets erhalten ist; vgl. 
eadelice 106,25 {= nohiliter), eaÖlice 172, 5; vgl. auch wdelicor 
(= nohilius) 332, 3 (= OCa, cyöelicor B). Cosijn (§ 94) hat 
stets i{e)d (facüius), i{e)delice. — Belege: T^ cejjelice 72, 11 
{e])e- OCa, eajie B). 348, 29 (= B, OCa eajje), cedelicimi 112, 23 



1)Iam:ktischi:s im ags. iu-.da. 221 

(H ij(h'-), capeJicc 350, 30, cadvJicc 216, 32 {nncuÖc 100, 2. 201, 17 j, 
uncaddice 126, 1 (^ B, OCa y), eaöelicc 334, 18 {cÖe- OC'a, un- 
wÖclicnrs B); T' m<7r//«' 360, 1 ( -. B. f»>/.r///a' OraC -:-. nohiliUr); 
compaitvtiv: eaö 1\S,2 (rajic B, cj» r\\ ). 136,27 (^B,i'J)(\ 
Cavacat, edöe 0). 332,14 (eJOCa, fatTB); T' tou-M/ce 304, 28 
(=rr OCa, B +, iinc(ij>e1icc C). 

Andere Wörter: hecncndlican [482, 17J C. [482,23]; — T': 
hc^un 154,29, hcsean 204,29 {bcsan B), he^de 212,20, ^cbej^de 
100, 6, A'f'^Cs-'?^ (conj. pl.) 296, 23, .^ehr^dum 292, 28, oZ-Z^r^f/e 
118,13, ^;?6f?c 154,21; ccscan 336,23, cf,ir(/<' 190,17. 266,12. 
286, 3. 6. 9. 322, 5, -ow 356, 24 (2), cc^ed 246, 2, ^ecr^an 250. 21, 
gecejcati 358,12, ^cr?r^e 268,32, seccged 232, 13. 262, 11 (7), 
^ece^d 308, 10. 16 (5), ^eceed 114,6 (vgl. Sievers § 408, 3), ^e- 
cegdc {\mrt.) 96.29 (3), ^ecc^dc (praet.) 120,35. 328,17, ace^de 
126, 32, forJxccrsde 54, 15, ■^ecc^nessc. 172, 30 (,^ccenncssc C), 
ausserdem ,sccc,scd [478, 5. 27] 0. [168. 15] B:') r///»r 06, 10 (rr/)/' 
O('a), cT2)('])i)i,s 9i),H (r:r-('a), danebcMi oliiuMimlaut cai^^c 242, 6, 
ceapi^tow 104,17; ccan 106,25. ccto 128,30, rp/<'c/e 244,20. 
278,30, -an (1), /(betretest (1), towtcnndc (1), -»r (1), /o«'/rr/f 
112,1 (4), tod'iccton 296,19, %(•/(• 228,25 (/om»<-.yw 226,31 
und (Bicacvesse 68,20); ausserdem toceteccdC [478,29], to(etcctc 
[482,10]; xrßondn 236,11, sonst //: fli/ma 126, l.\ 128.8. ,^e- 
flynted 208, 29, ^fj}1i/mdc 298, 8. 300, 11, aflyrnfin 14H, 22, ^rfh/med 
148,6; ^ewrt«? 100,30, ^ewrfc 208,16 (4), ^etmlon 116,13 (3), 
ne ^cmfPnduvi 210, 35 (iin^cnnfndcl B). dazu ,!;<t)iehasnlssutn 
242, 28, ^cmuuÄiou 238, 3 i^cmijnon V, j^emyndiim B; nach Sweet, 
Dict. ein north, wort); ferner ^emmme 190. 13. 210,29. 246.21 
(^cwfntjc C). 318,3. 116,27 (mcniolC). 232.17 Ur/m/wr ( 'a ), 
^cmcene 106, 28 (= B), ^ernenne 25«), 28 (^rtnjw^f B), un^enunxuc 
118,3. 204,21 (Mn^m^«eB). 288,8. 348.28 (= B), xiimenm 
326, 11, ^ymnn 32r), 19; ausseidem .s^mr« [91. 25] (- Ca, xamen 
B), ,rf mrm/f [2, 5] B;^) hihstu'yWlh. 88,16. 21)8,28, /imrl74,27 
(comp.), um 210, 26 neben hyrran 138, 24. hifhstan :U8. 16, 
ausserdem heorum [486,12] ('; das vb. contractum /kvim 1<k». 27 

') Eine interessante mi«chfonn int ciidon 52, IS, da w*. dM ,f crbkltcn 
bleiben sollte (v>;l. Sioverfl § 40«, anm. 1.3); ferner i«t rhamktcriiiti»ch diw 
niisverstänilnis in R [ÖO, 7| arnninU (Ca ari,;tlri 

») Da.'<s die vorl.igo hier e trebabt bat. zoijfen die inimiTentAndniMe 
in B, welches offenbar au ^evttjml etc. gedacht hat. 



222 DEUTSCIIBEIN 

(= OCa, Injn B = ws, *Men); zu hicnan (alid. honen, got. Jiaun- 
jan) gehört gehende [306,11] C, gehyned [34,7] Ca {selieed 
Smith, ^eJieadB); Jiera (sb.) 104,19, /«ert^e 190,1.7, Teheran 
162, 25, gelierend 246, 27 (= CS), geheranne 258, 21, ^e/im?e 
264,19.22.27, -ow 174,16 (2), ^eherde (part.) 222,16. 292,18, 
sb. hernesse 250, 4 (= OCa), herenisse 236, 24 (= OCa, Jiern- C), 
liersumnesse 260, 7. 278, 14, ausserdem ungeheredre [40, 33] CaB, 
gelierend [474,18] C, ^cÄere^Z [472,8] B; ^ in hyran 98,19 (4), 
%r(?e 326, 27, -on 348, 26, -ew 214, 22, ^ehyran 178, 17 (5), 
-anne 62,14. 346,4, -ad^ 102,2, gehjrde 114,31 (29), -on 164, 9 
(9), ^eJiyrde 290, 30 (part.), jehyrede 244, 10 (part.), hyrsumodon 
54,32, Jiyrsim{e) 102,11. 158,18, %me55e 238, 31 (OCaC /^ere- 
wesse (2), ^ehyrnesse 346, 1 (jehernesse CO, hernesse Ca, ^ehere- 
nesse B: offenbar haben die anderen hss. hier an /«eWaw 'laudare' 
gedacht); mit ea ohne umlaut: unhearsumnesse 280, 24, hearsum 
130,9.10.132,28, /«ear^Mmet/e 116,16; ymhheped 122, 23, leheped 
188,14; /iZeie 148,2. 154,6, efenhletan 194,4 (= OCa); ?e/e(? 
100, 1, alefad 74, 17 (aZe/ej) Ca), alefad (3. p.) 74, 14 (-/e«? Ca). 
78, 16 (aZe/ed^ OCaB), alefed 84, 1. 278, 10. 21. 31, alefde (part.) 
82, 25, alefde 308, 20. 22, ^elefest 192, 8, ^e?e/xZe 194, 31, -on 
60, 6 (3), selefed 336, 3, rehfgelefdan 246, 33. 310, 30. 312, 9, 
-de 248, 13 (= C), rehtjelefed 248, 8 (= C), rihtgelefedra 246, 29, 
dazu rihtselefdon (part.) 474, 15 C; alyfan 132, 7, a?^/e(^ 60, 22. 
68,24 (7), selyfo (l.p.) 322,20, -an 234,22, -awwe 132,16 (3), 
-enne 224, 23. 234, 13, 1 -«d", 2gelyfed, 1 selyfedre, jelyfde 156,23 
(^e/e?(?eC).224,30(4), -ow 138,31, -ew222,24, unahjfedre n0,2b. 
80,29, -we214, 11. 228,9, -wm«m 66, 6, rihtselyfde 2i&,?>\; 
dazu neben leafnes nördliche umgelautete formen: lefnesse 
100, 14. 112, 6, Z?//ne5se 230, 28. 328, 34, lefnys Ca [56, 21] 
(ImfnesB, lif CS), lefnysse [10,7] Ca; lej 118,4.6.9. 202,14. 
18. 214, 14 (= B). 214, 28 (= B). 204, 22 (le^ OCa). 204, 23, 
lese 20i,lb. 348,28, Ze^ww 118,19, ^e^ms 214, 30 (le^asB), 
leses 300, 2 (= 0, dceges Ca, doges C, B +), Iceg 214, 3, dazu 
lebete 268, 20, -as 268, 29. 30, ferner le^eas B [12, 10], lesum 
[444,2]; a7e5m(ie5 288, 6, aZesde 238, 10 (= C), alesed 1Q,2Q, 
onlesde 174, 20. 256, 29. [306, 4] C, onlesed 290, 2. 30. 268, 3. 
322, 22, onlesde 328, 32, tolesde 328,32, 330, 12, alesnesse 194, 28. 
330, 6, tolesnesse 290, 16 neben aZi/5aw 330, 1, alyse 128, 27, 
ahjsendlecan 328, 6, aZ«/5cZe 142, 26, 162, 19, ahjsed 350, 25, 



DIArj-.KTISCIlKS IM A(J.S. ItKDA. 22^^ 

onlyscd '2[^,n. 328, a l.'J, alysncssc UVi, 17. 320, :n. .{.'Jo. Jl, 
verb. w«Wc 78, 17. 222,20 (--0). 254,12 ( - 0('a). 25«;. If,. 
262,1, j:encd€(i 8S,2i>, imhd IdO, 20, ^meöcdlic i)2,2^ Uene- 
iledlic 0(!a), ^encddc Ta [8, 5]; aber ntjddc {\2, 18; sb. ned 08. 4. 
70,9. 80,14 (Ö), nccde 130,33, ncde 350,11 neben nmd 78, «>. 
146,23, -e 148,8. 234,20; ncd- in compo.sitis 00,20 (nm/- 0, 
ned- Ca.). 04,3. 80,4.31. 00,1. 108,8 ( 0). 100.5. 151.22. 
144,20 (=0). 270,13. 278,3. B [10, llj, mdlimis 200, \l, 
ncdnyme 278. 11 iH'ljen ni/dpcarlleco 204, 11 (ncd- 0), nydjnai('c 
02,25. 318,21, -}iisse:V.U,U (n('d-0('a\ n!/dln.s<t 20H,22\ wini 
340,2 (=rO) neben nmtna (' 374, 13 für mtna\ scäc2'6\, II, 
-an 288, 10 neben .st///«m 322, 12; ausserdem symclcstc [20«), 17J 
0, swiMrcmre [38,0] Ca; rece [420, 23J Of'aB. 

T2 1 hesdc 380, 9 (= C), 1 secc^ed, 1 toietcch; 1 umilrfvd- 
nessum, 1 «na/t'/cfZ/ecm 354, 21, 1 le^um, 1 tolesne^se, 1 onhsrd, 

1 aZe^e (also nur f). 

T^« 1 /yf^-««, 1 hr,snidlic 374, 30 (= f), 1 hc^doii, 1 (r,s(/c. 
\ tocetccun, \,scmdv, l^yrndv, \ Äijmdcasedttyi'MYlA'-^, \ gchiirdr, 

2 -on, 1 ^ehyrenne, 1 ^elefde, 1 ^ehjfcnne, 1 ipnlepe 37«), 7, 
1 alysdv, 1 toIysnrs.se, 1 ,sryicdrd 308,17 (=0, Ca ^reMfra/), 
1 ncdpcarßican (also niischung von (• und ^). 

T* be^nisse 302, 24, 1 acc^cnde, 1 ,K€cirttcntssc 43«), 15. 
1 tocptencte 306, 21 (to(etecte C; an fac nn^^elehnt). afhindr 
430, (>, ^etndc (1), uuxctnruduw 431.5 (un,srtnyndum «aM, 
-f/r«» 0), 1 Äcmclcdsnrssc, 1 cftuhUlHm ( «'(M'a) l«H», 25, 
ÄfrrtM 434, 20 (hyran H. heri^can 0, herian < 'a). 2 /i«rr/f, 4 ^c- 
heran, 7 xeherde, 1 xfherdcsf, 1 xflurdan, 1 srhrral 434. 10 
( - 0), 1 unhersumnessc, 1 hcrcnlssc 430,20 (-mc.v.vc (MaB). 
1 aZe/f/e, 2 ^e/e/V/e, 1 /c/wmf, 1 /^'/iie^ 400, 8 (= C), 1 mm«- 
hfcdnessum, 5 fornuMi von /f.s, 1 Uxfnmhlawcndr 432. 7. 1 fi/* ■ 
5Cf/, 2 tolcscd, 1 ah'san, 1 tolcsdan, 1 alusan 304, 21. l «<•</<• 
442, 23 (= BCa),' 1 uedpearfe, 1 nedpearfUct*, \ niedltrhfrfdlic 
(nedbehöflic C) 396, 24 (also durchpilnjpg c, neben nur 2 t>, 1 «). 

T' 1 ymhrhr^nrssr 424. 1«), 2 .^rrr^ed, 1 cc,^endi\ 1 sfind, . 
1 ^emeleasUcc 410,33, 1 Arrt/r, formen von ^i heran, 1 /♦/ 
nesÄf, 1 lafnesse 418.26. 1 /««^mw 424,24, »irr/re/ 416,10. ri«/ 
412.0 (also durchgüng-i»: «' neb«Mi 2 ". 1 y\ dyj;lr 424, 12 ». 
unten anm. 2). 



224 DEUTSCHBEIN 

Aura. 1. Besondere betrachtung bedarf ((et)eaivan. Von diesem exi- 
stieren in T' nur nicbtumgelautete formen; das ws. dagegen hat gewöhn- 
lich nmgelautete formen, daher haben OCaB meist y, das ws. kennt daneben 
noch formen mit eo, aber keine mit ea, Cosijn § 100 (nur 1 ea in der hs. C 
der CP.). Bedabelege: T^ ceteawan 14,7. 130,7, -e 350, 34, -65 270,5, 
praet. eaivde 114, 28 (eotvode B), (etemvde 84, 2. 114, 15. 126, 8. 128, 6. 
130, 18 (18), -on 292, 11. 186, 16. 322, 13, ceteciwed 80, 13. 90, 31. 126, 11. 
138,12 (11); sb. cetemvnis 182,24, adj. eaiveslice 216,16 (wcerliceB); mit 
eo : eowdon 322, 8 {-edon 0, -odon Ca, ywdon B), eoicde 278, 1, ceteoivde 
324,4, -on 336,33, 1 ceteoimesse 62,13; — TM heatvan 388,25 (eoivian 
COCa); — T^ 2 ceteaivan (^=0), 1 ceteaivde, 1 -on, 1 ceteatide 384,4; — 
T* 1 ceteatvde, (eteowde 428,18, -an 426,14, ceteowde 440,26; — T^ 3 cet- 
eaude, 1 cetemvde, 1 cetceawde 410,31, ^temved 410,26 {-de G), CBtewnesse 
412, 6 (kent). 

A n m. 2. Statt dEagol heisst es im ws. diegel (vgl. Cosijn § 92. 100), 
daneben tauchen im ws. formen mit eo, lo auf (Cosijn § 98; alter ablaut?). 
Wir können daher sowol die formen mit e als auch mit ea als nicht ws. 
bezeichnen (die hs. B des Beda kennt in allen fällen nur i, y). Belege: 
Ti deagol 194, 21, deasle 308, 12, -xim [54, 9] Ca, deagolra 202, 12, -re 
242, 24, deahlan 114, 17, deagolice 240, 9. 262, 14, deagollice 308, 17. 328, 17, 
deagolnesse 130,29. 230,19. 270,6, -nisse 216,16. 262,33, -nissum 386,5; 
— T2 deagol 388, 3 (deogol C), deagolnisse 354, 28 ; — T^ deagolnesse 
376, 14 (= C), deogolnesse 362, 17 (deagol- 0), degolnesse 364, 1. 29, -nessa 
362,31, -ness?<m 368, 15, di^lum BIO, 8; — T* deagolm'sse S90, 5, dehle 
434,29; — T^ dygle 424,12. 

Anm. 3. Hierher stelle ich auch den Superlativ von neah, der ws. 
gewöhnlich mit /-umlaut als ni(e)hsta (so stets im altws., Cosijn § 66) 
erscheint; daneben superl. nehsta durch neubildung und palatalumlaut. Im 
Beda erscheint häufig e neben y. Dieses e möchte ich als ^■-umlaut an- 
sehen, da T^ sonst stets eac, peak, heali etc. hat. Die anderen hss. haben 
gewöhnlich nyhstan, B auch daneben nehstan, hier als palatalumlaut zu 
nehmen. Belege : nehstan 100, 5. 168, 35. 170, 17 (Seh. nestan, mit ausfall 
des 7t)- 224,29. 240,3 (11), nehste 290,25, -ena268, 12; — neahstan 112, 21 
(4), neahste 14:2,32, neahstena 212,31; — nyhstan 126,7. Ib. 164,4 (11), 
nyhsta 222, 10, nyhst 318, 20; — T^ nestan 384, 25 (mit angl. ausfall des h)\ 
T» nehstan 364,16 (5); — T* 1 nehst, 2 nehstan; nihstan 392,20. 400,5. 

Anm. 4. Der comparativ von neah hat gewöhnlich keinen umlaut: T^ 
nearran 304,5 (nerran C), neorran 142,3; — T* «m?- 426, 31 (nyr OCa). 

Anm. 5. ealond (54,8) erscheint stets mit ea (nie i^-); das simplex 
ea erscheint in dieser form für alle casus (nur dat. pl. nicht belegt); es 
fehlt ein gen. oder dat. sing, ie (der im Gros, häufig ist, Cosijn § 9). Hin- 
gegen erscheint in T^ eae 188,24; T' ce 360,21, cb 360,31 (2mal); T^ eae 
384, 14. 386, 29, eae 388, 4; T* o& 390, 24; T^ acc. eae 416, 25 neben ea (acc.) 
416,33; auch B hat 1 (d 272,21. Allerdings geht meist ein eigenname 
voraus. Vgl. dazu das 2 malige eae in R^ und Sievers §284, anm. 4. 

Hierher ist wol auch gesene zu stellen (ws. ^esiene) ; vgl. Sievers § 222, 2 
(st. *s5/mm-): T^ ^esmelice 216,14, un^escnelicne 224,20; T* ^esene 394,8. 



F)Iai,i:k'i iscMKs IM A<;s. iii:i>A. 22.'j 

§ 21. l'iags. hl. 

1. Der 2-umlaut zu ('o ist ws. ie, i, if, im merc. kt'nt. io, co. 
Im Beda steht dialektisrhes co (Sievcrs i; ir.O, :.); daiu'bcn auch 
/, y, letzteres durch die ws. unischrcihunj( veranhi.vst. 

T' hcorde 100,10. 111,21, -um 272,1, -es 100,20,. heor- 
deleas 150, 15, ausserdem (! heorde 0i,2C), daiiebeu 2 // in feor- 
hynle 120, 17, frorhhi/nle 1:50, 28; eorrc (subst. und adj.) 350, ;{. 11». 
228,19, daneben //rre 90, 28. 102,0. 228,1; — T^ »/rrc M50. M; 
— T^ eorre 410,27. — Auffällip^erweise findet sicli, wie auch 
sonst (Sievers § 159, anm. 1) nur /, // l)ei T' tifi/nh 11(1.15. 
296,4, a/^rm? 68, 19, /i/r 350, 10, ////r 1()0, :U (2), fijrrrstum 
160,26; T' fiiran 420,8. //;• 428,4; T- fiirmn 11 1.7. ' 

2. toweorpcö 208, 28 ist ausgeglidien. 

;i. Zu got. hrinnun, rinnan gehört ws. und kcnt. mit nu-ta- 
these hiermm und icnuin; im angl. «Mschcinen co-fcirnifU, im 
Beda: T' hvornan 82, 24, bconuö 210, 8, hcörned 214, 7 (3. pers.). 
ftf-or/irMr/wc 214, 32, -an 180, 31, fo/wc 278, 16, «j>cor«r;jr/f 300, 1, 
uppconioulre [470, 12] f, daneben for(hpnr)i(h-i' ^}'i.2\, i'ipifrnrndc 
230,21, 6//;;j«» 180,29, bi/rncJ 214,10 (2 mal). 214, 12, Xv;•;<c«- 
rf«/«208,34; T^ eornenf?e 300, 30; T' ^j/rwf/u/«« 424, 31. 428, 4 
neben hcomindra 394, 5. 

4. Für die fälle, wo ebnung hinzutritt, vgl. ß 28. 

§ 25. ?■- Umlaut zu >'<>. 

Der /-umlaut zu co ist w.><. )e, i, t/. Im lieda ist meist das 
dialektische co (io) erhalten; daneben tritt ab»'r auch /, // auf. 

A) CO = westgerm. ?■« : T^ strconne 82,21, ,j;cstrymle222,'M, 
■an 22«'), 13; ],costrc 212,21. 280. 18, /ms//» 174.12, a 9«;, 20, 
Peostrodon 292, 18; adj. ^ctrcoicc 250, 15. an 192, 19, ^rtnoic 
316,27 (cOCa); getrcoicestnc 194,19, a 126,30. 200,21; T' 
^rtrcouan, ausserdem .^vlrcoura [4, 32] Ca, [1. 23] Ca; T' Junstni 
42«), 33. 428, 19, Jcostra 428, 10, pcostro 42(), 10, pcostiau i:U>,5. 
438,31, dcostran 426, 13, Öeostrian 426,8 (=-C). aörostradc 442. 1. 
daneben 1 /o in Inostm 426, 26. 428, 8. 

.\nni. 1. I>ie »o-ftiniu'ii von {yrostrr Mind iii<lit nwwr M<h«r a\* lim- 
IcktiMch zu brz«'ichnen , «lii nol>»'n /tieslrr um h im «m. iimlnut.oIoM* formen 
mit ro erecht'inon (vpl. CoMijn 1. ij KVi. Fi!««liiT!« Ii!<trn h. 'Jt). 

.\Mm. 'i. Pif ci^chfinnnjr. ilio Sicvcrt mit 'linllmmlAnt ° Wrri.hnrt 
(§ lüO, 2 iiml anm. 2), teigt »ich Im Bin!» in folgvmUT gwt«ll: 



226 DEUTSCIIBETN 

T'.T' haben stets co in leodc und compp., z. b, leoäe 142,9, 
londleode 96,18; in den ableitungen Yon ])cod: ^edeodc 60,11, 
geJ)coddan 62,16, el])eodise 60,5 etc., elpeodi^nesse 56,10 etc.; 
steoran hat styrde 300, 6 (steorde C), steorde 172, 6, steorendum 
276,11, steore (subst.) 278,8 (5^?/rc OCaB); deor hat stets eo\ 
deorivyrde 132,34 (3), deonvyrdestena 174,31 etc.; setreowian 
hat 1 y in ^eortrytcanne 316, 16 neben jetreotve 190, 30, ^e- 
treotüende23Q,i, .^etreotvde bß, 12. 118,7, awsseräem ic jetreowi^e 
[2,5] Ca; ^dreoivodon [48,22] Ca. TiT^ schwanken zwischen 
CO und io. T^ hat gcdcoded 404, 30 (3), underjteoded 440, 20, 
gedcodncs 400,29, ?'o in 6'/(?/oc/^mw406, 14, eMiodi^nisse iOS, 17 , 
diodscipum 408, 4 (C Jnod-), gedioduesse 404, 2 ; ferner s^treoivde 
400, 9. T-» hat ellpeodis 412, 18, elldeodinesse 412, 24. 414, 17. 

An 111. 3. Sclawanken zwischen co und io zeigt auch neos{i)an, got. 
niuhsjan. T'. T^ haben dabei natürlich wider (?o: T^ neosien 296,10 (nio- 
sien C), neosode 230,3 (niosode 0). ncosim,^e 270,17; T^ tieosienne 364,5, 
neosedon 366,26, neosade 370,25; T' hat io in niosianne 438,14 {to nio- 
siende C), niosode 402, 19 (= C). 

Anm. 4. Wegen westgerm. iti vor palatalen vgl. § 28. 

B) ^V estgerm. iutv, ws. i{e)iv: T^ hat neowe 60,2. 298,30. 
320,2. 322,13, neoivan U, 21. lA, 21. 80,5 (10 mal), neowu 
66, 23, ncoivum 322, 33, -ne 260, 24, -re 106, 19, edneowun^e 
64, 18, edneotvade 90, 14, edniwian 250, 10, nicendum 144, 23 
(r=r nnvcm ccnnedum, lat. recens nato; ni- geht hier auf wn<?r- 
zurück); ausserdem neoivan C 300,10 [478, 27], neoivu [472,31], 
Ca 196, 8. Ferner heisst es in T> heoio 144, 15, ^eheoivod 
224, 16. 324, 11, gleotviende 346, 34. T3 zeigt weow^e 376, 4, 
-MW 376, 28 {nioivan C). 376, 19, neoivan 376, 28 (niowan C). 
378, 9 (niowan C). 380, 29, w/«?^ 374, 22, ^eedneowadc 360, 4 
(= C); T4 m■o^mw 392, 2 neben /«eo2<;e 438, 29; T'^ niowe 416, 21, 
-a« 416, 19 neben niwan 414, 7. 

C) Contractions-eo, ws. (i)c: 1) onsyne 96, 14 (5), onsy^i 
242, 26 (acc.) onsynes 194, 34, wcefersyne 158, 19 statt des zu 
erwartenden -seon(e) (doch hat auch Ps. in diesem worte 
stetste); T^ ow5cowe 390, 16. 438,31 (onseonesC), ansien i2Q, 11; 
T^ onsione 424, 19. — 2) Für das zahlwort 'zehn' erscheint ws. 
tien{e), Un{e), tyn(e), ausserws. ten(e) und teone. T* hat 5 tyn 
und 1 ten] in compp. preottyne 280, 10. 342, 1, feowertynum 
846, 23, -^2/wo 204, 4; syxtyne 320,1 (-^ewe Ca), seofontyne 142,29. 



DIAI,KKTIS(IIKS IM AflS. HKDA. 227 

240,14. 280,15, ca/i(a(i/nr:n2,n. 324,17; si/xUno 108,21. Preot- 
teno 54,27, seofonteonc 146,2t); T'> feuucrlcnc 422,4. — .'J. Im dat. 
sg. und nom. pl, von feond und freonil ^It auch ro (ws. gewöhn- 
lich t^cnd, friend): T' /to^f/c (dat.) 22ti, 32 (— O('aB), /rt'owr/c 
104, 15 (-- 0( 'aB). pl. feond 228, 2 (7>/>u/ 0( "aB); T' da fiond (pl.) 
360, 12 (/VnrfO('aB("), /Vt-onf/c 382, 17 (-»m OCa, (' +. fnjndW). 
382,25 (/reouf/eCOCa, fri/nd U); 'I'' //■om/^/.v 1 K). 27 (/iom/ OCa, 
///«rf B). 

§ 26. o,K- Umlaut von «. 

Der o/M-umlaut fehlt im allgemeinen in 'r'.'l''.T'.T\ doch 
tritt er vereinzelt auf. olme feste priiicipien. (h'sliaU) scheint 
er dem original zugesclirieben werden zu müssen. Man beadite 
auch die fehler in T' ead^um 230,30 für da^um; cadi^a '!'• 
406, 20 für dca^a, stcaftum B [4, 1] für stafitm. — Im folgenden 
sind alle belege aufgezählt. 

1. Der t<-umlaut von a ist im ws. nur in ealu, gen. dat. 
ealod vorhanden: fehlt im kent. und north.; in R' (vgl. Brown) 
steht ebenfalls nur 1 ondsncorudc, 3 cosulc. 1 heagc mit o-um- 
laut, dagegen ist dieser umlaut im Ps. die regel (Zeuner § 8, II). 
Beispiele: a) vor liquiden: -jawcarodon 348,15 0, ysivearcdon 
28, 10 Ca, taron 178, 14 T'; — b) vor labialen: eoferan 208,6 
CaO, ge]>c(ifiiuj!;c 224, 31 0, ^cdeofanade 342, 18; — c) vor guttu- 
ralen (im Ps. tritt hier ebnung ein, Zeuner § 8. III b): dea^ion 
410,30 Ca, dca^un;^ [20.24] Ca, j^csea^onc 216,20 T' Uesaunnc B). 
330,11; — d) vor dentalen: hcudoiri;; 37(>, 30 CaC) (h(pdcin\s 
BT3), eatolice 240,21 T', gehcadrod T' Uvhcaporod 0) 328,34, 
hiuÖorddon 364,7 T' {Jiea- CaOC, Jirroicodini B). neosn 141. 17 
Ca, rrador 428, 25 (W\ 

2. Der o- umlaut (ist noch wenigei* verbreitet als der 
»-umlaut): a) vor liquiden: efncidslcnmiran r)2, 2«) Ca, Cont- 
tveura 260, 11 0, ivcara 260, 11 C, Niniucticcamia 351 ►, 4 T', 
Contweara 420,13 T^ — b) vor labialen: j^epeafad 88,4; — 

c) vor gutturalen: pcacun 2(U, 21 T' ( BO), fV«a>N202. 5T« 
(zweifelhaft, dat.pl.?), dca^a.s 420.2:. T'. l-h.im 111.22 (aO; 

d) vor dentalen: vacat. 

3. Auffallend häutig ist der o »r-unilaui in den eigennanieu: 
vgl. dazu die belege bei Miller, PI. N. für LiiuUsfarona tu s. 31, 
Ua^ustaldcs ca s. 35, Ifcacanos ». AI, Weattidum s. 41, Jieacttlf'e 
8. 71, ausserdem noch die persouennamen Ucadouinc 280, 19 



228 DEUTSCH BEIN 

T' (= B, Beachvine CrO, \[it. Badtmini), JBmc?o/;e^w 378, 11 
(= COCaB), Heajwlac 478, 14 CCa. Da hier der ags. text so 
frappant vom lat. abweiclit und der o/i(-umlaiit sicli hier in 
allen hss. erhalten hat, so muss dieser auf das original zurück- 
gehen; und er konnte sich in diesen eigennamen in folge der 
traditionellen Schreibung treuer bewahren als in den fällen 
unter 1 und 2. 

4. In T- ist der umlaut noch ziemlich gut erhalten: 
a) t(- Umlaut: oiidstveorK de 388, M neben ondsicarode 354,29, 
weaccnum (richtig ohne gemination) 354, 1. 7. 8 neben tvacedon 

354. 18, icacian 390, 3, dogum 354,31. 33. 388, 13, smaelo 354, 23 
für smcalo?; — b) o-umlaut: steafa 388,30 {stafa 388, 32). 

§ 27. Der ^( /o-umlaut von e/?. 
Der «/o-umlaut von eji ist eine eigentümlichkeit der dia- 
lekte, besonders der mercischen. Ich führe hier alle ein- 
schlägigen fälle des Beda auf, lasse jedoch diejenigen unberück- 
sichtigt, in denen auch im ws. ??/o-umlaut eintritt. Besonders 
zu beachten sind die fälle, bei denen der umlaut erst durch 
analogische Übertragung entstanden ist. Hier kommt folgendes 
in betracht. 

1. Der «/o-umlaut fehlt im part. praet. der st. verba, also 
stets awriten 66, 2, omvrecen 70, 32 etc. 

2. Vor doppelconsonanz steht im allgemeinen kein umlaut, 
in T' jedoch a) in possimi 2U, 9. 286,8. 340,34. 342, 30 (7^eo5- 
sum 270,22, [136,8]), T' ferner ^co55ifw 356, 30 gegen 
Jussitm 70, 25 (43 mal), Injssmn 92, 3 (4). Der acc. lautet 7^eö.s«e 
(vgl. Sievers § 105, anm. 8 aus ""pisuna) 60, 18. 84, 24. 178, 4. 

212. 19. 254, 20. 300, 12. 310, 9, pisne 178, 28. 200, 5. 322, 35. 
Analogisch übertragen ist der umlaut in peosses 276, 8 neben 
pisscs 54, 8. 14 (23), piscs 188, 27, pijsses 164, 19 (3), pijses 172, 31. 
266, 17; gen.Jjeosse 288, 27, äeosse 342, 3 neben 30 pisse; gen. pl. 
pissa 104,28 (3), pijssa 102, 17. 176,25; T^.T» vac; T^ hatpissum 
394, 13 (6), dpssum 406, 16, öiisiie 438, 17, piosne 440, 24, öissa 
HO, 2, pisse 426,6; T=^ äassmn 422,19 (104,12 auch Zupitza), 
öisne 418, 20, deossa 414, 15, disse 424, 4. — b) Ws. sindon, 
syndon erscheint in T' als syndon 60,2.3. 68,2 etc. (14 mal), 
1 sindon 106, 3, sijnd 68, 5 (für syn?). 128,3. 240,1; gewöhnlich 
(21 mal) ist sconden 66,15. 24. 25. 68,3 etc. ; T2 syndon 354, 18. 19 



DIALKKTISCUKS IM AOS. MKDA. 229 

»indon 388, 13 (auch Ps. kein eo, io); T* siondan 400,27. 430,32, 
M'ondon 40(), 2o; T^ siondan 410,21, si/iidon 418,15, Hierzu 
koinineu noch aus C acondon [47»), :>(». 47s, 12. 23], siondon [478, 
14. 15], — c) sidjtan erscheint als nydJKin 110, IH, sidjuin 132,4 
((V), scodjnin HO, l.x 124,1.'). 1S2, 0. ISO, 10. 24s. 14. 2ÖH, 10, 
siujxhin 102.15, seuj)jwn 1S4, 20. 2S2, 33, scudOnn 202,0 (T» 
10 CO, /, 1 y); T' (kent.) siödan I In. 2 1, au.^.*<erdeni noch acodöan 
[02,24] B, sfodan \'l, 11 W (wef^cn der küizun^'- (U's i vj,M. Sievei-« 
ij 107. anni. 5). — d) Für ws. hismt rinn und abieitunfji'n er- 
sclieiiii'ii im Heda folgende formen: '!'' Inosmricndcs 420,30 
(hcushiriindcs (\ lii/sniri\,s]t'ndc's (J('aB); T' biosnit itti,si- 410. 20 
[beo^tttrunsc C, (ji/sniriDi.^e O('aB). T' zeigt daher y: In/siiinoi^r 
84,22. 80,4, -uns 80,9. 11.20, dazu bisumtd S4,20. 
Im einzelnen gilt .*<onst folgendes. 

A. \)i'V /<- II III laut. 

1. Von /: a) vor den licjuiden /, y und den labialen 
/, y>. Im WS. tritt hier regelmässig umlaut ein; nur wird er 
in der tlexion oft durch ausgleich beseitigt, in T' er.^^cheint 
hiei- regelmä.ssig eo. Beispiele: stets mcolc 70,28 etc., seofon 
100, 17 etc., vndleofan 124, (nur 1 cndlyfUin) etc., deofnm 
54,0; clcofuni 230,20 (zu clifa), scolforfalum 252,10, adj. 
sculfrcn 104, 31, -c h\{\, 10, clcopode 154, 20. 190, 10. 280, 2. 
:'.22, 5. c/r^^^Wo/i 274, 11, A/coHm/t' 258, 21, /toMr 2lo. 32. 
230,24, tioli'don 212,25; dnofon 112,24, adrifon 114,1. ci- 
sieopon 214, :'.0; wenn in otid-, audlifen 54,4 (0) der umlaut 
fehlt, hingegen in ondhufnc Oo. 20, ondleofonc 350,32 vor- 
handen ist, so liegt wol suflixablaut vor. — T^ hat onleofnc 
388,22; T ' sco/en 300, 25, cndhfcn Mi, l><. clcopode 'MJ4, l\ 
tndodc M'2, 12, /tT>/<f /on 3S2, 5; T' seofon -HHk IL .fto/oJr 402. 1, 
rliopode 302, 3S. 43S, 15; T- vacat. — b) vor m (slrengws. 
fehlt hier der umlaut): T' ImniK 111.15 {lionioCW) (5mal). 
Icoimim SS, 18. 10. 22. 322, 14, aus.M-rdem noin. pl. homa [04, 17 j 
OCa, mcomor [4()«>. 2j CW; T-^ Uomo 378,5 {Uomo i'). :{S0. 7 
(= C); T' limo 410. 12 {Iconut OCa). 410,24. -- c) vor guttu- 
ralen (hier fehlt der umlaut im w.s vgl. ij 2S, K, III): T' iusti.;on 
200, 10, itudi'rhni,sun 308,25, onureoÄon 322,5.8, .slicodc 138,0; 
T» 1 üüHäoh 420,10, aV«/co(/t' 402,3; T' acuicoäe 422,29; in 
den zahlwörteni uison 170,23 (4), nisoöe 208,29, -um 194,25. 



230 DEÜTSCHBEIN 

312, 21. 324, 13, neogoda 278, 29, dazu himdm^onii^ 54, 22, -es 
244, 15; T3 nisen 426, 19; ferner -tigoda neben teoda (das nach 
§ 29 zu beurteilen ist): zu 'zehn': Ti teoJan 54, 24, teo^dan 
240, 22, teosoöa 278, 30 (Zupitza tioseda, OCaB haben, wo nichts 
bemerkt, [-]^eo<?a), teg^an 310, 15 (teogedan Ca); T^ teoöan 
374,14 (^ecTfmCa); zu 'dreizehn': T' preottopan 194,25 O'eo- 
teoge])an OCa, Jmdclan B), preotteopan 358, 6 (-teogejjcm Ca, 
tes{ed)an 0, Örytteodan B). 238, 7 {PreoteoÖan B, -tese])an 0, 
-teosedan, Iwitisedan C); T^ dreotteoöan 377,22 {^=B, Preoteo- 
scpan OCa); zu 'vierzehn': feoiverteosdan 278,6 {-tegeöan 0, 
-tisdan, teogedan zu teoöan corrigiert), feowerteogepon 0, -an Ca 
346, 23 {feoivertynum T); zu 'fünfzehn': fiftegöcm 358,6 (=OCa). 
274, 34 [fifteoseöan OCa). 310, 16 {-teogejjan 0, -^e^aw Ca, /J/ifz- 
g-e^aw C), /I/"^eo<5 f (?fm 330, 31 ; zu 'siebzehn': seofonteopan 2'38, 8 
{-tisßpttn CO), seofonteogcdan 310, 18 Ca {-teoöan B, 5eo/e .... 
7jaw 0, T +); zu 'neunzehn': mgonteopan [482,3] C; zu 'zwanzig': 
twenfeosÖan 21(), 14 {tiventisöan OCaB); zu 'dreissig': ÖritijoÖan 
[482,4] C {drittigodan W)\ zu 'vierzig': feotvertegöatt ^bS, Q 
{-ttjgepan OCa, -tisodan B). - — d) vor dentalen: (das ws. kennt 
hier den umlaut nicht): T^ wreoton 346,5, iinderwreoton 312,30, 
pweoton 204, 32, iicZow 186, 9, gebidon 54, 5, geJileodad 320, 10, 
freoöode 116, 5 (=:BCW), Preodode 148, 21 (= OCa), preodunge 
88. 4, tvreottim 246, 7. 268, 13, getvreotum 254, 3. 258, 13, weoruld- 
gewreotum 254, 17, gewreotu 234, 7, gewritum 190, 12, mcegtvlitiim 
90,9, g-e/Ieofo 212,14, /^«7o (praet.pl.) 212, 14, Eotolwara 108,11; 
neben gewöhnlichem «?(?er auch neoöor (=B) 208, 19; vgl. auch 
iveoperweardan [8,10] B; T- Z«o<?ow 384,20 (?eo^ow CO, leoöan 
Ca); T' aw;n7ow 366,1. 378,8, ??"^ow 368,11, gewreoto 368,7, 
getvreotum 360, 1, durch Übertragung Ecsfreodes 368, 4; T^ 
«mYon 434, 16 (i?reö^ewe 408, 22. 26. 410,7); T^ meo^ow 424, 16, 
&eo(?fm 412, 10 (Breotene 420, 10. 16. 422, 19). — In dem fremd- 
wort seonod erscheint in T^. T'^ regelmässig eo (ebenso in B; 
OCa haben i, y): seonod 100, 15. 108, 11. 12, -e 108, 14, -es 170, 33 
etc., in compp. seonodstowe 100,32. 102,5; im ganzen in T» 
22 seonod, ebenso in B ausser 170, 35 {gemotstowe B 100, 32), 
seonod 280, 13. 312, 9. [448, 12] (B hat wider i); T^ seonod 
368, 2 (= C, B io), -e 368, 4 (B i). 368, 15 (B eo); ausserdem 
noch io B in [460, 1. 4. 8. 13. 464, 12] und eo [446, 24). — 
e) Wegen des umlautes nach iv vgl. § 19, III, a. 



DIAI.KKTISCUKS IM Af.S. HKÜA. 231 

ir. Der «-um laut V(Hi /'. Der «-uiiilaut von e zu to 
ist im WS. legel vor den lit|uid«Mi /, i \ d(j(li ist das eo in dci- 
flt'xioii durcli ausgleich beseitigt. Dasselbe {^ilt von dem uiiilaut 
vor labialen. Bei.spiele: a) vor liquiden: T' hat stets eo in den 
mit Eofur-, llcorot- gebildeten eigennamen, sonst ucrum 70. Mi. 
78,2. ivioium7S,-i, a(:üluni'l\)\J {r Caj, ausserd»'m (' ,s<'«to^o- 
Sode 304,0, T ^et^-e/^«(/e 214.21. 304,0, er(7^«t/e 90,22 und natür- 
lich ?rt7/<?' 334. 11. — b) vor labialen: es hei.sst stets heofon 
in T\ ausserdem noch Äcofu ilO, 22 neben ,sifu 3)44, 24 {^cofu ( '), 
vgl. §20; ,seofum 00,22. 120,28. 142,27 {^cfinn 0C&). 210,20, 
,siofu C [304,12]; T-^ hioftnum 3,.-,.|. 20. hiofoms :W4, 20 (ken- 
tisch); T' hat CO in heofon und ablcitungen (14), .scofu 30)i, 4, 
sifu 300.22; T* heofona 404,2.') etc. (im ganzen 14 formen 
von heofon), 2 Eofoncieccastrc 390, 2t). 404, 14; T' hlnfana 
414,10, hiofonlices 418.3,, hcofonllccs 422,17, -lieo 410,31. — 
c) vor guttural fehlt der umlaut im ws.; eo konnte sich 
hier auch im angl. nicht halten und musste durch ebnung 
weichen. Beda schwankt zwischen eo und t: T' i'c spneo 
190,30. 338,30, IireoÄosi(idS?j{j,20 (lat. J^m/«-), «T^-j<m 98, 30, 
])h,sO(le 96,31 {plco^odc 0, -«/e Ca); eine Sonderstellung nimmt 
das wort re^ol ein, das in T' 20 mal mit e erscheint: re,:;olc 
00, 5, re^oliun 04, 19, resollice 108, 14 etc., ebenso in T^ re,sol- 
tvard 302,4. 300,33, rc^ollicum 302,6; T'> regoliveard 410.18; 
in allen diesen 30 fällen erscheint in Ca eo, ausser 08, 17. 
108. 14. 232,4. 334,3. 302,4 (210,22 fehlt in Ca ganz); ausser- 
dem haben eo C 340, 18. 242, 3, Ca [158, 30J. [460, 20j. [470, 28J. 
[472, 22j. — d) vor dentalen, wo der umlaut im w.s. ebenfalls 
fehlt: ic cweöo 82, 34, ic onseote 198, 9 (Seh. onscate), .^t/t'o.so 
190, 24 (= CS), meotodes 344, 4, ,scmc(um 08, 24 (3), ])onctneo- 
tun,sc 8S, 4, ,sehedum m,23 (24), ^eheodmn 2\0, W. 3.'.0, 22. 
Äebcdo 1-2, ii) (b). 194,30 {sci^coda Ca), ^(^bcodo 174,3, fhoseuade 
122, 17?, eodorcende 346,3 (=C0, oÖer [!] CaB), Purh all meo- 
dian (!) 202.32 (für meodnme, B richtig mrdtmr, medum, 
Ca cadnod (!), ^elc-sum [104,28] 0; T- .silndum 354,2. 7. ,se- 
hcdu 388,8; T« ^cbcdtim 308,29, federfoim 374, 13 ( B, feo- 
Jmrfotra C, fcotrerfoltra ÜCa), »udctnuni 3()l.2 {tnrodonium C); 
T» schcdum 390,15 (0), ^cbcda (n. \A.) 432,5, .si'btodu 402. 17. 
ic cMfJe 398,22, ic ctceoöe 400,28; T* ,s«6e(/o 410, 12, sebcdum 
410, 14. - e) W'i'gtn des umlauts nach u- vgl. § 19, anm. 4. 



232 DEUTSCHBEIN 

B) Der o-umlaut. 

I. Der Umlaut von i. Urgerm. i wird vor liquiden und 
den labialen p, f normalerweise zu altws. io, gemeinws. eo. 
Bedabelege: a) vor den liquiden und ^9, /": T^ heora M,S.12 
(193 mal) und 238, 1 gen. sg. f. (sonst hire), gen. pl. hire 60, 26. 
174, 3, cleofan 288, 10, leofad 144, 20. 198, 8, foröhlifad 322, 24 
(% ?); durch ausgleich erklären sich formen wie deopian 184,24 
(3), cleopisad 104, 2, cleopien 270, 5 (= OCa), seofian 180, 3, 
seofiende 190,19; daneben richtig wider tiUenne 82,25; T^ hat 
2Mora, 1 heara 354,22; T^ mir heora; T* /«ora 406, 27. 410,3, 
15 hcora 400, 13 etc., kofad 406, 27; T^ 27 hiora, 1 heora, 
1 Mara 414, 23. — b) vor m fehlt der umlaut im ws. Der 
Beda hat in T^ neoman 166,6. 182,8 (5), neomaö, heneoman 
72, 24. 122, 11, ^eneoman IIA, 10, doslneomende 112, 14. 15. 
132, 31. 216, 4, neomende 178, 6, forneomende 282, 26 (fornio- 
mende 0). 212, 25. 240, 24 neben nur 1 dcelnimende 142, 18, 
1 nimaö 100,25;") leoma (gen.pl.) 178,27 (=0, lilioma Ca, 
Idima B). 290, 10 {leana B), lima 294, 28 {eo 0), leoma [40, 33] 
Ca, leomo gen. pl. [400, 31] C; in T^ geneoman 374, 20; T^ lioma 
396, 18 {leoma C). — c) vor gutturalen fehlen belege. — 
d) vor dentalen (umlaut hier dialektisch): T" ond{and-)- 
ivlitan 96, 11. 19 (7) und 1 ytvleotan, geivreota (gen. pl.) 168,29 
(5), seivrita 270, 13, mit ausgleich onhleoniende 204, 17, 6<^o- 
niendre 322,11 (= OCa); T'^ ondivleotan 354,3; T^ ^ewreota 
374, 10 (= C), ^etvrita 362, 2, leoöa 374, 30; T^ ondwleotan 
392, 31, ondwliotan 438, 29, ondivlitan 402, 33, ^etvrito (gen. pl.) 
408, 3; T'^ sewrita 414, 24, mit Übertragung heoflende 424, 1. 
— Wegen der gruppe ivi- vgl. § 19, III, b [stveopon sb. 110, 31]. 

IL Der o-umlaut von e. Dieser ist dem strengws. 
nicht bekannt. Alle im Beda auftretenden formen gehören 
also dem dialekte an. Belege: a) vor liquiden: T' weras 
214, 20 (3), wera 184, 9, ivelan 212, 28 neben teola 138, 7, teala 
186,11. 348,15; 4 feola, fela 234,22. 332,2 {feola OCa), feola 
Ca [448,19]. [452,3]. [454,27]; heorrenne 100,29, forbeorenne 
70, 11, ^ebeorenne 76, 25 {gebeorsanne OCa), abeorende 72, 3 



^) ongeneman 278, 11 (ongeneoman OCa) ist Schreibfehler, denn der 
Übergang des westgerm. e zu i vor einfachem nasal ist älter als der 
m/ o-umlaut. 



DIALEKTISCHES IM AUS. BEDA. 233 

forebeorende 294, 7, hcorende 300,2, uwstmheorende 08, 12. 304,2. 
-CS 74, 24, -bcorcnnisse 74,30 neben hcrun llH, 8 (3), hcranne 
330, 10, ahcran 21G,33. 200,20; T^ iccras 308, 11, hcnin 372, 11 
(be.ran 0, o radiert), aiemn 380, 5, />er6'wwc :{G0, 32 (bcorenneC), 
ÄeZaw 302,31; T* 6mm 390, 7. 440,2, blosttubennde ^2,10 
neben «na6eo>-cM(///c 440, 1 (-Z/cre C), /eo/a 438, 18 {kala V)\ 
T* iveoras 414,3 OCa {tvetras T). — b) vor labial: «e/a 
166,20, -fm 170,27, neafan 332, 1, rum.seofa 194,33, ^eofona 
234,22, for,seofan 190,27. 234,3:5, /br^-//«M 00,9. 192,10; T-: 
for^eofan 354,7, wcofaö 354,23; T'' .^ifendes 3<)().29 (.sCofendesC), 
Seofena 362,10 {^eofona C\ Ä'^/ewa OCaB, M. im text ;;efiana). 
— c) vor guttural: 5/;;-eocflJ 328, 8, S2)rcoccnde >^i,7. 190,19, 
sprecuö 78,18. 338,5, sprccende 130,23 (9), ^se-spreceyidc 81, 1, 
to- 290, 18, forc- 0(), 1 (4), sprecan 156,21 (4), sprecennc ()6, 8, 
ubrecan 202, 1, cercndivreca (OCaB stets a'rcnd\d\>-aca, \^\. 
Sievers § 43, 2). 62, 30 etc. (12 mal), 1 aicndwmca 232, 8, 
ierendtvr^can 158, 7; T^ specan 384, 17, sprecende 354, 5, spreocan 
388,28; T^ sprccenne 362,28, cercndivrecan 368,7; T^ sprccan 
438, 18, spnecan 402, 20, sprwcendc 402, 14. 440, 17, plc^an 
400, 15; T^ spreoende (für spreocendc) 424, 16. — d) vor 
dental: T' tceosan 72,17. 82,4. 84,2. 198,4. 340,15. :{3o. IC. 
tveosende 142,8, cneohticcsendum 188, 1; ,scbcoda 232, 13, .sibedti 
202,12 (3); on^eaton (inf.) 386,18, oriseotonne V2A,M. 230,21, 
-anne 224, 19. 24, onxeotcndum 76, 2:>, -omle 84, 28, ons:eotai) 
78,35, ofcKsCotcnde 114,22, on,sdan 348,29, on,^itan 1()8, 25, 
on^ytan 132,21. 118,2, cwcöaö 238,34, ciccöcnne 88,23, -anm- 
164,27. 334,28; c/aJ 80,2, c/aM«f80,7, e/a» 178,30; T^ cweoöan 
388,31, forcciccöan 388,3:',, ,;:ccivcÖan 388, 17; T^ ^cbeda :'.7o, 2, 
376, 11, on.sCutüH ;562, 27. 370, li», cueJennc 370, 1(). ctcidad 
378,24; T« wesan 408,21, uiJmcotene 408,5 (iviömeotcnm- C), 
otLsrotcnde. :^,98, 22 (/;/,s'<>/- i^). ou.svotinr \\()/M\ he.sUun UW.'l^K 
c«toJ(/n 100, 18, r/<T()</w 112.21. loO, J«;. rAoi :{98. 7; T- rMrJmJ 
422,8, otiscotan IK». 1 1. IJI. i:.. 

SchlussbeiiicrkiiM^'- zu i; 27. Aurli dii-M-r iimlaiit nuiss 
der vorla^i^e angehört haben: darauf weisen vor allem tlie fehler 
hin, die sieh nur aus misvei-stilndnis nmgelauteter formen der 
Vorlage eiklären. wie .scbror.sunnc 7i). 25 (^('a für ;*brnrnuuv 
etc., vgl. scliun s. 170 f. Kbenso ist das häufige auftreten um- 
gelauteter formen in den eigennamen anzuziehen. Unter diesen 

Beitrige iiu geschichtc «Icr Jcuucbcn i(>rachc. XXVI. \i, 



234 ÖEUTSCHBEIN 

ist namentlicli der name Brcotone, -ene zu beachten, der in T^ 
58mal in dieser gestalt, in T^ und T^ je 3 mal als Breotene 
erscheint. 

Wenn lautlich zu erwartender umlaut nicht erscheint, so 
ist teils ausgleichung-, teils die Übertragung' ins ws. schuld 
daran. Zur fixierung' des dialektes können besonders die fälle 
beitragen, die unter § 27, A, I, b— d. II, b — d. B, I,b — d. II, a — d 
aufgeführt sind. 

Besonders charakteristisch sind die formen mit eo vor 
doppelconsonanz (s. 228). Die formen siondon, seondon fehlen 
im WS. (Cosijn 2, 199), ebenso in R\ Ps.; auch im north, (die 
formen in R' 1 sendon, 3 sendun könnten allerdings für seondon 
stehen. Dagegen sind sie häufig in den kent. Urkunden (Sievers 
§ 427, anm. 3); somit rückt unser denkmal wider mehr nach 
Südosten (in T- stehen 2 syndon und 1 sindon, Avie überhaupt 
T- der spräche des Psalters am nächsten steht). Ebenso ist 
die iovm. 2)eossum nur Imal im Ps. belegt, in R' hingegen fehlt 
sie vollständig; in der poesie erscheint sie in den kent. Metra 
4 mal ?dsJ)iossum und 1 mal bIs J)eossitm, desgl. im Saturn v. 108. 
Der liaupt Schreiber T' gehört also in die gegend des w-umlautes 
vor doppelconsonanz, des Übergangs von io zu eo und der 
mangelnden ebnung, vgl. noch § 28. 

§ 28. Die ebnung oder der sog. palatalumlaut. 

Hier muss ich mich damit begnügen, das einschlägige 
material des Beda aufzuführen und im übrigen auf Bülbring, 
Anglia, Beibl. 10, 1 ff. hinzuweisen, der u. a. den mir ganz pass- 
licli dünkenden namen 'ebnung' vorschlägt. 

In der hs. T finden sich im allgemeinen solche ebnungen, 
welche auch das ws. hat: nur T^ besitzt auch eine grössere 
anzalil solcher, die dem ws. fremd sind. Manches scheint jedoch 
dafür zu sprechen, dass die vorläge sie in grösserem umfang 
gekannt hat. 1) Unws. ebnung tritt bei den verschiedenen 
Schreibern vereinzelt auf, was sich am besten durch die an- 
nähme erklärt, dass die belege als reste aus der vorläge 
stannnen; vgl. dazu A, IV. — 2) Manche misverständnisse und 
fehler des überlieferten textes erklären sich nur aus einer 
entsprechenden Voraussetzung, Ygl. H, 1 s. tidf. E, I s. ferh. F, 
Siimi.l, G s. Jmhtesive^. — 3) Deutliche dialektwörter bewahren 



DIALEKTISCIIKS IM A(JS. HKDA. 235 

ihr ie, r; vgl. ('. K, aimi. :'.. 1) Die n>nv<iiiivii .l.i- hs. O, vgl. 
E, anni. .;. 

A) Kbiiuug von ea vor li, ht, .i { hs). 1. W .'st^j-im. ^ 
wild vor h I cons. {x ----- hs) uder beim silbj-naiisluiit /u tu ge- 
brochen (Sievers § 82); dafür tritt spiltws. e ein (.Sievei-s §108,2. 
Cosijn Jj :?,'-• 7); im auL«-!. steht meist </• (Sievers i; lO'J). 1) In 
T' und T- gilt ausnahinslos ca: also stets meahl*', -on, 2. per«. 
mculit, sb. nicdlit, nüita, feaht,J)C(tlitlan, Inthtuf, ealitian und die 
hierher gehürigen ableitungen. ebenso stall und ((miiip. Audi 
vor u- erseheint stets ca: uvdxuti, feax. seax und ablritungen, 
die Völkernamen auf -scaxc (vgl. M. IM. \. 523 — 25), ebenso in 
der reg(d die mit Scau- gebildeten Personennamen Scajuulf 
280.2:. (;{), Sc(uln<rli:nS,:Mi (nur 1 >sV./7>«/r/<,.v22s, 27). — 2) T' 
zeigt 10 c : 1 i : 5 ca (die -scaxe nicht gerechnet): nii/itc i-on) 
300,18 (7) neben mihtnn (4), chta 30)0,8, humhhtati.s 30)0,5, 
tvcjun 3(>0, 28, .scuexcn 300,27, uexcndiim 30)4,28, f'rxc 382,31, 
tvcaxcnde SS2,ry, ,s€()eahte:i7-i,27, .scpeahk 'MH,'2\), /t-oj-fw 3H2, 1 0. 
/Wwr382, 20. — 3) T' hat stets ea; zu den oben aufgezählten 
Wörtern kommen noch hinzu hhuhtor 428,5, caihhclon 42H, 1, 
ceahctiitisc 420,30; sonst nur 1 mihtan 424,31 neben 21 inrahU; 
2 mcaht und 1 mculdun. — 4) T-* hat 7 e und 8 ca: wirA/c 410,20) 
(3), mehtan 424. 14. 2i) gegen mcahtc 4Io, 14 (3), ,^csvuh 412.28 
(3), .sfwA 424, 15, /'orm-«/* 424, 12, luhtlendf \\(\A1. fnixcs 
414, 22. 

TT. T)as praet. yai ])ic.s(tn wird ws. schwai'h gebildet (Sjrvn-s 
§391,8. Beitr. 1>, 283); dagegen Beda dialekti.seh stark: J>nüi 
244,24 (=OC'aB). 350,8 (= OCaB) neben Jmh 352,7 (/»nJ, 
Ca H. J>rl, ). ;:rj,uli 2:'. 1 , 1 (srj,rah 0( 'a M ), ausserdem J>r.stlf 22s, 1 5 
(<hitli ()('a. hnac 15); T« J>i,;dc 31M, 25 ( H, pir.sttn U('a).') 

III. I>ie schwachen praeterita ohne niittelvocal (Sievei"S 
(§ 407) zeigen ws. oft neben at auch r in anlehiiung an den 
praesensvocal. Für T' sind hier die folgenden falle lielegt: 
a) aslnahtf 200,21. hrjmthl 180,28. iraiUt .'Mn, 22. urrahtr 

') Die foniK-ti mit a sinil nir die k't>)4|)r(H*heiic !i|irachr ir»nx aniiiut;lii'b 
ninl nur wh. Hnrri>>;at»' fllr <lie unvcnttäuillichon /»r«iA Im-i. /xrA. an(;rj/*«-«.M, 
{j;f)tHih anirelt'hut; ilnber Iib*»t !<i«li aurh «li»« vi»n Sievcm, Ikilr. !», '.Xl auf- 
geworfiiif frni;e, ob die aufllilÜKe funii jxth nicht dftdarch erklärt werde, 
daaa /xti/t <luii um. .Ht-breiberii der |>i>eti.<i4-beu luw. (nud wir Alffcn binin de« 
B«da) uiigcliiu% war, iMjiibeu. 

16* 



236 DEUTSCHBEIN 

122, 17; daneben e in aivchtc 34:6, 17, aivelde 340, 7 (part.); 
T^ hat diveht 402, 12; T-> strehte 410, 12, aivehtnesse 422, 20, 
gedrehtnessum 424, 13. — b) Unklar liegen die Verhältnisse bei 
reccan (= s^rere, regere), da es sich im praet. schwer von 
rihtan (bez. reJäan nach reJif) trennen lässt. In einer reihe 
von fällen, wo T reaJite, reJite hat, tritt in OCaB rihte ein, 
das sich auch wie meahte > mihfe erklären Hesse; wunderbar 
wäre es nur, dass sich nur bei diesem verbum und nicht bei 
den unter III, a aufgeführten i zeigt. Belege: T' reahteM, 27. 
116,26. 118,21. 242,15, reahton 11Q,28 neben rehton (narrare) 
344, 25, arehton 340, 29, areht 352, 20, rehte (rej;ere) 158, 10. 
220, 15. 262, 18, reJdon 334, 7; zu reht möchte ich stellen rehte 
260,2, sereht 110,32, part. gerehte 68,5. 74, 1. 10, -Äeriht 68,2 
{sereht OCa); in T3 stehen rehte {regere) 364, 21 und rihte 360,29 
(zu reccan? rehte OCa); in T' rechte 172, 1 (fraglich, da Seh. 
richte liest). 

IV. Auffällig ist, dass die anderen hss., insbesondere Ca, 
öfters ce für ea haben, vielleicht als alte residua: awcehte 340, 22 
Ca, arcehton 340, 29, hcjmht 180, 28 CJa, whte [56, 29] Ca {wsti- 
matio), sf^pceht 134, 4 Ca, cehtiim (octo) 262, 15 0, cehta 406, 20 C, 
cehtienne 398,18 C, fceht 192,23 Ca, Westscexena iOi, 17 Ca, dazu 
iinsccehtendlican 84, 12 TOCa. Darauf deutet auch, dass leht 
{aestimatio) für eaht in OCaB 56, 28 (hier fehlt T) und 306, 28 
bleibt, während T 306, 28 hier richtig wie bei allen solchen ce 
in ea umcorrigiert. Darin geht jedoch T zu weit, dass es auch 
ceht (zu asan 'haben') durch eahte 110, 14. 298, 21, eaht um 
116, 5. 278, 11, eahta 306, 30 widergibt neben richtigem ccht{um) 
62,25. 214,1 etc. (zusammen 5 ea, 9 ce, 1 a in ahte 104,28; 
aus T'^ oeahte 424, 7). Wegen der ce in Ca vgl. auch s. 210. 

V. 1) Während das sb. meaht stets mit ea erscheint (120, 2. 
130, 1. 168, 18. 344, 7), erscheint ea nur 2 mal beim adj. cehneah- 
tcgum 66, 21, -meahtisne 224, 20, dagegen e, i in cßlmehteges 
76, 1. 84, 10, -um 338, 16, mlmihths 198, 19. 344, 14, -tisan 72, 19, 
154,30, -es 74,24, -ne 98,27. 100,7, -mihtcgum 66,7. 80,12, 
-te^a 74,28. 338,31 und 1 cehnihti 90,29; aus T^ celmihtises 
440,23. Die auftretenden / erklären sich auf einfachste 
weise durch i-umlaut, ebenso sind die i{e) in niht durch /-Um- 
lauf zu erklären, angl. wäre mceld, celmcvldig zu erwarten; vgl. 
dazu formen wie slcßhö 78, 4 und slad 270, 5 (s. 219). — 



DIALEKTISC'HKS IM AOS. IIKDA. 237 

2) ncahf (in CT. und Or. stets mit ie, i (vgl. Tosijn 1, tj II; 
keine bildiing mit -r, Cosijn 2, § :{'»). Im Beda steht uraht 
(nom. sg.) 2i>0, 2.'). acc. 272, 1. 28«), 12. :\\x, 1, mm. pl. 29(». 12, 
acc. pl. 850,0, im gen. und diit. sg. nrahtr III. 17. 122,2«). 
150,17. M (13 mal), dazu gen. pl. unJitti H52, lo, mahtitrum 
184,21; dagegen niht (nom. acc. .^g.) 12i>, 32. 2'.»(>, 3(». 00, :;<(. 
182,20. 180, IS. 32«), 21. 350,20, niht (dat.) 128.15, gen. dat. 
nilitc 111,10. 171,11. ISJ. II. :{20,«). 338,31, 1 nihtvs 111.13; 
in T- 0« «r«/</ 351, 1, )<(y//<///>/t 351, «>, n/A/c 30« »,2; in V^ niht 
378,20 (dat.); in T« »//// I(i2, I. (acc), -e 402, 8. 42«), 13, 
ftunrrnihtuc 3.02. 12. 14; in T-^ nvahl 122,28 (acc), -c 112.10. 
nctihtlicrre lls.«), nilitc 41ii, 10. 31. 118, I. 

B) w vor ,s, c als Vereinfachung eines zu erwartenden 
ea aus a mit «/o-umlaut existiert in T nicht (vgl. ij 20). 

(') Die veihindung eure-, kiks- bleibt meist (wie im 
WS.) und erhält nicht ein c: T' spcarcun iso, 27. .^i'incarcodv 
178,34; T« fyrstmenrcc 424,33; T' ^cswcarc 352.20 {mcara: 
208, 1«) Seh.; M hat .smor), hrarh]2X,9 (OCa jed(.ch WA), nur 
1 «7/T,s(vrco(/o^' (?) 35«),2«). .Auftälligerweise steht dagegen öfter 
ein aus der angl. vorläge übernommenes e bei hcars, einem 
W(trte, das ()ffenl)ar (als lieidnisch?) nicht mehr recht ver- 
standen wurde (vgl. Acre 142,7 für Acre); belegt sind hier 7 e: 
lur^as (pl.) 13«), 25 (B herxcas; CaOB haben ca, wo nichts be- 
merkt), Arr,r</.s2.'.0,2«"), Ac/-/>l:{S,8. 0. 112,5, Am>13H, 11, Iure 
112.7: ra steht in Acrtrcav 25«», lo {hvr,sa.s H). 

1») Kbnung von ni. Vor r,,s, A (auch A -}- dental) bleibt 
Ca wie im w.s. in T'.T'. T'. Vereinzelt hat T' 1 ec nelM*n 34 
car, T' 1 cc : 23 cac; T- hat 3 ec und '2 nir, 1 ^J/rasf 8.50. M, 
1 heahetL^lfs 388,0; T^ hat in der regel ebnung: cc 111,0(0), 
/ich 412,5 (0), hch 422,20 (neben regelmä.^^sigem llcmcald, Ileo- 
icahf); oftcüh 112. 15 hat das la durch .systemzwang erhalten. 

.\niii. 1. wiih uikI «laniit zu.'«nnuii<'iiK'«'»«'t>EtP wiirter crtp'ii in »Irr 
rt'ffel ra (wojfen <lfH MiiiK-rlntivs vul- j5 -«^ nnni. ;{), «. b. m/"«7i «rj. 2- nvi.m», 
i|(>«h tritt verfinztlt 1 » i\iif in nihlurnür 12H. 2.'i T' (»»• pruximo, N«aA/- B, 
fht- «11, rht- (^)\ T« rhlnessf 4.'M. !> {nrhittüoe OCft). 

K) Kbnung von co. I. 1 »ie.se tritt gewöhnlich in den 
Verbindungen -eorf, -eor^-, -eorA, -fo/A in T nicht ein; e» heis-Mt 
also stets wcorc. Vereinzelt i.nt die ebnung nach angl. arl in 



238 DEUTSCHBEIN 

T' vorhanden: cetfele 210. 15 (mit ausfall des h). T' hat einmal 
ebniing in ferh 406, 27 (nicht verstanden von BCaO, ferhd BCa, 
fcer.dfO, fcor C). T* hat herJite (adj.) 424,19, ivrcec (Hvcerc) 
414, 2 neben iveorc 418, 26 etc. 

Aiim. 2. Die eigennamen mit Eorcen- (im lat. Earcon-) fiuden sich 
im Beda folgendennasseu vertreten: T^ Erconherht 112,5. 252,7, -fs 172,24, 
Erc€ithi/r}ite[ib2, 21] OCa, ^reonbyrht 31S,di, ^rconwakles 29i,18, Ercon- 
imld 2S0, 29, -e 218, 16, Eorcomvald 218, 20, Ercongotce 172, 10, -an 172,20, 
-a [14,14] BCa; neben ^pelbeorg tritt 2 mal -berg 172,21. 174,33 ein. 
Hingegen müssen die zahlreichen eigennamen mit -berJd im 1. oder 2. teil 
von compositis ausser betracht bleiben (stets -herlit in T'.T^, nur JErcon- 
byrht 818,3-1:), da hier das lat. -berct hat. Als simplex kommt vor in T^ 
Bcorlit 356, 20, -e 110, 9, daneben Bijrht 58, 13. Hingegen hat T' öfters 
-byrht, -brylit: Herehryht 372,1, 1 Ead-, 6 Cud- neben CnöbrcJite 372,29, 
Cuöberhtes S78,S. 380,24, Herebyrhf 370,21 (2), 2 EadbyrM, 3 Ec-, 6 Ciiö-, 
1 Siciö-, T* hat Ecbrilit 408,15, Berhtwold 408,1, BerJithun 390,22, 
i'eor/(Y7»m390,30; T^ Wmbriht 4:12, 16. 414,1, ^cj-- 410, 16. 412,28, yEc,^- 
410,24.33, Swiöberht 420,9. 16, Berhmdd 420,14. 

Anm. 3. Dass schon die vorläge bei eorc etc. die ebnung gehabt hat, 
ist mindestens sehr wahrscheinlich. Bei dieser Voraussetzung erklären sich 
auch die zahlreichen correcturen in am besten: ^fCrcrt 96, 2, iveorc 17Q,9, 
fcrh 324, 25, vgl. auch ge°h°l 318, 18. Für die ebnung scheint auch das 
dial. wcerc 322, 24 (= OCa, weorces B) zu sprechen. 

Anm. 4. Nicht hierher gehört natürlich /i?>.sc«YfMe 398,23, pcerscwcddas 
[22,19] Ca. 

II, Vor h + cons. liegen die Verhältnisse anders: hier findet 
sicli neben eo auch angl. e ziemlich häufig in reJit; ausserdem 
kommen /, y vor. T> hat in der regel co (mit ausschluss des 
namens der Picten: Ti 11 eo, T-^ 1 e und 1 eo, vgl. M.Pl.N.): 
cneohtas 96, 10. 26 (6), -um 114, 22, cneoht 142, 8, 186, 21, 
-e 234, 4, -ivesendum 188, 1, -cild 284, 30, -hada 210, 19, -hade 
242,29; sefeoM 54,15. 16 (im ganzen 32 mal), fcolit (subst.) 
102, 30, feolitad 104, 3, -tend 112, 31, -tende 310, 1, ividfeohtende 
88, 18, afeoliton inf. 202, 21 und si^e^efeohtum 158, 6, und nur 
1 gefeilt 214, 17, 1 afehten C [480, 4]. Eine Sonderstellung 
nimmt wider rchf, riht (adj. und subst.) ein. Hier ist nur 
1 reohtre 100, 5 erhalten, sonst steht angl. reht und südl, (?) 
WM neben einander: rihtm,2Q. 68,17 (21), unriJit 70,27. 76,28 
(6), riht in compp, 18 mal (im ganzen 45 ?); daneben reJit 74,26 
(13), unreJd 74, 10 (5), {un)reht in compp, 7 mal (also im ganzen 
45 i : 25 e : 1 eo). Bei dem Zahlwort 'sechs' erscheint in der 



DIALEKTISCHES IM AOS. BKDA. 230 

regel y'): ^11^ 54,27. 7G,9 (24), syxe 302,20, ebenso syxtcno 
10S,21, syxhjnc -^^^W, syrta 110,2. .an IfrJ. 11 (5), syxti.s 
7(), (7), syxti 330,32, cliiiRibcn scxlu ((liircli das lat. sextua 
beeinflusst?) 220,11. 252.(5. 25C, 4. 278,20; V, hat e in sextun 
310,17, .w 2I(M0, scxtis 23(), 2^ (2), 23H, 2. 240,19; 'V- hat 
1 //A/^/Vy-; T' .svfcoh 372. 17. niihthmks 300,25, 1 .^rfcohfr, 
1 r/7//, 1 imrihtum, 1 5:^./-; T' 1 ,sCseoh, 1 nieoh fluide, 1 r/7//r, 
4 nV//, ^ rihilicc, 1 rihtnessc, l mirihte; T' .^efeohtcs (l), \ rihtrc, 
1 uu rihtrc, 1 .s7>. 

in. Die fälle, wo eo vor r, // mit c wechselt, sind scliwer 
zu beurteilen (wegen der beispiele s. s. 231,c. 233, c), da hier 
einerseits oft analo<^iel)ildung' vorliegt, andrei-seits das e erst 
durch di«; Umschrift aus co hergestellt sein ktinnte. Dasselbe 
gilt von dem Wechsel io{co)li (die beispiele s. s.229,c und 232, c). 

F) P^bnung von io. "Während im angl. io durch eltnung 
direct zu / wurde, trat im ws. oft /-umlaut ein, welcher das 
io zu ie und siiätei- zu /(//) veränderte, so dass also das end- 
glied der entwickluni:- im angl. und ws. z. t. dasselbe ist. Da 
nun der Beda ein mischtext ist, so kann man im einzelnen 
kaum entscheiden, ob ein einschlägiges / für angl. re.siduum 
oder für ws. foini zu halten ist. Nur in der giiippe ivio- macht 
sich ein deutlicher unterschied bemerkbar, denn aio- vor pala- 
talen wird im angl. zu tvi-, im ws. aber zu uu- (das nähere 
s. unter II). 

I. Die gruppe Io (nicht nach u). Hier halieu wii- im 
Beda meist /, y. T' ;^csihö 210,20 (9), ^fsyhÖ 100,7. K» (14), 
wrixcndlicc 348,8, //n/m 344,11; T^ \ ^csilti), 1 ^c.v/V//J3:)l, 32; 
T' 1 ^csihÖc; T» ^esiliJc, 1 ivrixks 424, 33; T' 7 .^csihöt; 
fyht (?) 410,8, ^etirixle 410, IC, urixrndlicc 424, 2»>. 

.\nm. 1. mrolin)r ~{\,2H etc. hat stets fo; «lorli hat die vurlaK<* w«>l 
milc gehabt: dadnrch wird allein der fehler micliim 7C.. 'JX 04 'a für wkAio« 
(meoicum) verstäiullich. 

Anni. 2. I>a.s verh. hirihdiit erscheint in T' mit anh-hnuncf an broiht. 
btorhtafi 218, :r2, hcnrlitr liri, 4: T' aber hat htjnjhtr :{«'.4. 1»5. 

Anni. '.\. Für wh. hirr^mt crschfinfn im H«'da fi>rm<'n mit f. di<- ■ ' 
im angl. anftreten, vgl. Sievers S? 1C>4. anm. 4; T* hrr;ni»e '.V.H\, 4 (•' ;■■■'■ 
.srtittr); praet. bre,^(ie 430. 20. vgl. auch hynne»st (44<5, 14] (!.'• bjfnj;; 
B beorh[t]-). 

•) Hier scheint übrigens an» h ein i- umlaut vorzuliegen: »ichrr gilt 
da.s wenigstens von dem flectiertcn atfxe 302,20 atu 'ffhsi. 



240 DEUTSCHBEIN 

Anm. 4. Mit / erscheinen stets dihtaÖ 68,16 (\?it. äictare), stihtian 
(daneben formen mit Jih): ^esiihliade 198,27. 218,9, .^estilüedon 112,33, 
atiht inende 202,19; T^ foret^tihtuii^e 372,27; T* stihtunge 440,22. 

II. Die gruppe tvio erscheint im Beda meist als tvi- 
(wie im ang-l.); wenn daneben tvii- vorkommt, so rührt dies 
von der Umschrift her; vereinzelt findet sich noch das alte 
io (eo). a) io (eo) entstanden durch ?«/o-umlaut erscheint meist 
als i: T* dcivicode 402,S, T^ aaiicode i22,29; T' umcan 2^2, 3b, 
T^ 304, 9 neben tvican 350, 30. 31 (natürlich tviwe 388, 23, 
T' tvicdcesc 162, 11. 352, 8, wiicdcese 350, 9); üvisa 254, 23, 
tivisea 278, 23; wegen sivi^ian vgl. § 19, anm. 3. — b) siveora 
(aus *swirh-, vgl. Sievers § 218, anm. 1): T^ siviran 322, 16 {sivii- 
ran B), swiran 322, 24, sweoran 320, 22. 322, 22. 178, 11 (hier 
OCa swiran), T* siveoran 436, 1; ausserdem noch siveoran 
[40,8] Ca, siviran [48,32] Ca. — c) tvio vor lit; für T^ gilt i 
in iviU, fuUviht (< «?), oiviht 64,24 (9), woeWA^ 68,17. 72,5 
(7) [oft contraction [n]oht[e] 80, 16. 102, 20 (29)]. Ebenso stets 
ftdiviht mit i in T», z.b. fidivihte 62,19, -es 70,33 (31 mal; 
ebenso mit i in COB; Ca hat fidküit); T'^ hat [1 noM, 1 -es], 

1 owiht, T^ 1 o?ü27i^ [1 wo/«^], 1 wiht, T^ 2 ow?7i^ [1 nolit, 4 nohte], 

2 fidivihte, 1 ftdivilües, T^ [1 o/^^^e, 2 wo/ti^, 2 -e]. >) — d) Der 
name Wiht erscheint stets mit i (vgl. M.Pl.N. s, 78); ebenso die 
mit Wiht- gebildeten eigennamen: T^ Wihtred 360, 14, T* Wih- 
tred 408, 6, T'^ Wihthriht 412, 16. 414, 1. 

G) Ebnung von eo. Diese tritt im Beda meist nicht 
ein; es heisst also stets leojan, seoc, weox; nur 1 flehende 
116,31 ist belegt; puhte sive^ 430,6 steht im ])urhsiveg der 
vorläge (= ws. Jnirhsweos). 

H) Ebnung von lo. Hier treten häufig formen mit i auf; 
diese müssen als anglisch angesehen werden, da man im ws. eo 
(Io) bez. i(e), y zu erwarten hätte. 1) io aus westg. iu: ^ctüÖ 
78, 19 (getiö Ca, geti^ 0, getitt B), tihö 88, 8 (tid 0, tid Ca, ge- 
tyhÖB)] die formen ohne h sind anglisch, vgl. s. 244), inlihtnesse 



^) Da B (auch OCa) oft -ivild zeigt, wo T contrahierte formen hat, so 
scheint dies mit Sievers § 344, anm. 3 in widersprach zu stehen. Doch müssen 
wir stets im äuge behalten, dass auch OCaB manche dialekteigenheiten 
aus der vorläge mit übernommen haben, vgl. B 128,6. 148,25. 178,18. 
200,13. 202,24. 410,28. 414,11. 426,11. 438,27; für OCa 208,27. 426,11. 
438,27 etc.; auch sceivihta [26,6] CaB. 



DIAI-KKTISCIIKS IM AOS. HEDA. *_* I 1 

100,8, onlihtncs 122,7. onlehtcd 100,10 (anj^leicli an leohl). — 
2) io aus westf^erm. 7: T' hohtor'.ViO,'!:*. Uohtnm f.'iO, 1] Ta, 
Icoht ieicht' (north. /('///, Sievers § H).'), 2); T' /<7vA///a' 200,18 
(2), aber T^ dial. liht 410,12 mt)())- imp. o«toToA 7(»,14, 
aber ömcriid 70,18; das v^rb. Jilttun (aus "llnlifjun zu //A/ 
'leiclit') erscheint stets mit /. da hit*r gh'ichfalls ebnun^ V(»rlie«?t: 
//Ä/e228,17. 18. 17s, 21. l<tß. 12. — :i) Für ws. Utweoh neben 
hcfiruh zähle icli im Beda folgend«' entsitn'chunp:en: T' .'»8 hc- 
tu'i'olt, 1 hiiuh 02, 10, heticcohn, 1 bcluHi<in sr», :{:>, während 
OCaH zalilreiche hchcili, hcttvijh zeigen, vgl dazu § 28, F. Als 
beispiele führe idi an hctweoh T', hcfiriJt OPa. Jutiri/h h ".•<;.«». 
108, l:i. 110.1. 10. 288,7.23. 208,.',, hcdn'oli T', hvtutfh OCaH, 

96.9. 158,7. 324,28. 328,4. Die 9 formen mit bctivcohn (über 
diese formen mit n vgl. Sievers, Beitr. 9, 270) .sind 08,28. 7(>. lo. 

72.10. 80,33. 240,32. 200,5. 208,8. 324,24. 338,28 (dazu ^c- 
turomim 98, 17. 102, 18. 254, 22. 290, 25, bittvconuni 290, 22, 
ht'tucouan2C)GA); T- /><>/«•//< 380, 10, hctuiltn ASSJr, T' hetucoh 

300.10. 372,20, hctiilh 370,29. 30. 31. 372,2. 24; T« hchcih 

408.11. 430,11. 432,22.24. 434,2. 438,3, heiniuh 428,7.19, 
hctnihn 434,1. 436,17; T^ hat hcticlli IUk \1, J.vtihn 412.12. 
Ein hduihn hat aucli 242, 9. 

Anin. I erfährt hrcchnug brecbuiicf zu cd im ws. ircobwl, inuifml. 
Pagpccn hat der Be<hi in T diah-ktisches u-i,^beil, cImmiso OCa, uIkt R wiricr 
treufud (ahwoichuiifjcn sind be.sonders notiert): T' irt,^hr<l 10(i, (>. ll{»;. 'J4. 
138, 15. 142, 5 (trihed 0), -hra-.sl fK), 2 (wi,shid- Ca, trihtd B), tri;;brdes 1.W, 13. 
218,29. 3:34,19. 204,9 {wibedeH 0\ tn,;;bedc 232.24 Or/Arr/f 0( 'a), trUj^bedc 
218,24, jr/,siw/o 136, IH («fo/W«! Ca), -«wi<U, 7; T» tcijibrdrs 41»;. Ifi; 
aussenlera iri.^bede [464, 21 J Ca, tribcdas (466,101 Ca, icibedum ('»2, 31|. 
{icenf'ofhitu C). 

§ 29. f'ontractionen. 

I. l'rspr. (tu aus iru oder voealisiertem ir wird zu ea 
(Sievers § 111,1). Eben.so im Beda, ai.M) Jma (für alh- casus) 
68,8 (acc.pl.). 68,16 (gen.pl.). 74,2. 162,14 (dat. sg.). 110,31 
(gen. sg.) etc. — Got. fatcai ei*scheint im B»'da als: T' fra 
88,29, fca wionwa 322, 1, /Wim m 252, 12 ( 0). 262.15, fcanis 
222,29, fcaintm 92,17 (3), niid featca 358,25 (nach fela ge- 
bildet); T2 fea 3.54,14 ( Of'a), fcaum 354,33, ßium 38S.7; 
T« fcoo 4:34,16 (Ot'a fca), fcauc 438,26; T» /"««im»! 41(>,:iO 
(= Ca), /frt«m [450, 18] 0. 

II. Urspr. ah {■ voc. wird nachdem aiisfall de« h (über 



242 DEUTSCHBEIN 

call + voc.) zu ca (Sievers § 112,2). Hier stimmt Beda völlig 
zum WS., also stets slean 104, 4, tear 86, 1, J)wean 86, 1 etc. 

a 

Anm. 1. Interessant ist die correctiir ßivceles in 82,2. 

III. Urspr. eh + voc. wird nach dem ansfall des h zu io, 
später CO, gemeiiiws. co (Sievers §§ 113. 166,2). 1) Für Beda 
gilt in T>. T^. T-*. T^ eo, also stets seon, s^fcon etc.; nur T^ 
sesion 416, 26, onsione 424, 19. — 2) In finden sich einige 
correcturen von e zu eo, z. b. je feinde 130, 21, jefCnde 346, 33, 
sese°ndum 284, 22 Seh., jesundum M., vgl. Brown § 24. 

IV. 1) Urspr. i + ti wird über urags. m zu altws. lo, 
dann gemein ws. eo (Sievers § 114, 1 und § 166). Im Beda er- 
scheint in Tl. T^ stets eo, also nom. fem. heo, seo, ])reo (neutr. 
pl.), fem. sg. J)eos: T- 1 Mo, 2 sio, 1 seo; T* 10 Mo, 5 heo, 
19 seo (sio 392,8. 430,20. 432,10. 19), 1 ^reo; T^ Mo 416,21. 
424, 1, 9 sio, 1 seo, 1 ]»-co. — 2) Urspr. f + urspr. a, o ver- 
schmilzt frühws. zu lo, später eo. Die bei Sievers §114,2 
und § 114, anm. 1 angeführten Wörter erscheinen in T'.T^ stets 
mit eo (nur 1 iodon 196, 23), desgl. die schwachen verba freojan 
und feoscm (Sievers § 416, anm. 7 und 8); T^.T^.T^ schwanken 
zwischen eo und io: T^ /"reoZsZ/cor 354, 13, friondscipes 354,25, 
heon 354, 30. 388, 19; T^ deofles 438, 13, freolslice 434,28, feon- 
dum 426, 31. 428, 15, feondas 440, 27, freondliean 440, 26, to- 
heotedon 428, 11, -an 428, 22, heon 396, 21 (17), hcod 426, 23 
(8) gegen diofla 428,6, -e 408,27, -u 440,15, &io»« 394,29 (4); 
T^ eo: frconaman 422,3, heon 410,26. 424,28, deofoljcldum 
414,14, f?/o/b;^c?c? 418, 29. — 3) Urspr. % -\- voc. wird zu alt- 
ws. lo, später co: co ist auch die normalform für Beda in T'.T^: 
stets tivco (subst.) 64, 10 etc., dazu hveogienne 234, 12, twyjeo ic 
190,21, hvcoden 308,26; part. praet. tweonde^): T' tweonde 
200, 23 {tweojende OCa, tiveonuns B), untweondlic 330, 24 {un- 
tweojendlicOGdiS); T^ ^M;eow<^e360,13 {tiv eoj ende OQ?i, teondcB)] 
T4 hat io in ttvion (subst.) 402, 23. 

Anm. 2. Zu den verba coutracta gehört auch teog(e)an, das wol ein 
poetisch-anglisches wort ist. Im Beda begegnen geteode (praet.) 332, 9 (B +, 

ho 

Ca geteohode, mit correctur geteode), geteod (part.) 23i, 25 (= OCaB), 
/"or^eof^e 138, 31 (=OCa; B ändert bezeichnenderweise in /"orecei«/;«;«?); teode 
34Jr, 13 im Hymnus zählt nicht (Ms. Bodl. hat hier tida). 



Vgl. Sievers §§ 414, anm. 5. 412, aum. 11. Dieses part. begegnet in 
der poesie und ist daher im Beda als anglisch anzusehen, 



DTALEKTISCIIES IM AGS. HEDA. LM'- 

1. rrspr. '} + / tMf^ibt angl. l (Sievers § 16C, aiiin. :. und 
§ M'i). Dazu im Beda: T' .^c.sii(}H(),:\2. M,-2\ C [{«0. IJ] (ri'<rt'U 
sesyxst litO, l!», xcsijltst '.\W1, 21 Uesysst 0( a), ausscrdeiu ( ' ilpei-s. 
rc/co(^ [480,17] ausgeglichen. Cliarakteiistisch ist [478,32] C 
^ifeJ (für ^e/^J) (Ca -f-, R fnJ); T^ omvrilö 70. IH. 

An m. 3. Unerklärt ist mir cotuh-x V.tC,. 7 (rndf.t 0, hroins ( a, /(/»/ s J{). 

hiinri 

1%, 19 (endrit 0, f>u/es Ca, ///(rrps B). 

V. Tispr. r + e ergibt im ws. u-, i, y (Sievei-s i; II I. h; 
in T erscheint dafür co: 1) das pron. hco (nom. acc. i»l.) hat 
CO in T'.T3 (r,l, 7. S. 10. H. i:,. h\ V.\. wi etc) und dies ist als 
normalform anzusehen. Daneben nur :{.") hy GO. :{(i. 02.20 etc. 
(wofür 338, 18 OCa hco haben). 5 /// (82, 27 etc.) und 1 huv 
162, 14. (leceniiber ca. SOG hco fallen diese kaum ins frewidit 
und sind der Umschrift zuzuschreiben. — Der acc. .sg. fem. lautet 
in T'.'l"' normalerweise hco 70,8. 78,17 etc. (nur 3 hy 28S.:',2. 
;U(;, 14. 318,20); T-^ hio (nom. acc. pl.) 11 mal neben 1 /// und 
2 hic\ acc. fem. hio 388,20.27; T^ hco (nom. acc. pl.) 23 mal, 
hio (nom. acc. pl.) 396,31 (7), hie 440,27. 442, 13; acc. fem. sg. 
hco 302, 9. 30. 392, 19, hie 392, 19. 29; T* nom. acc. pl. hio 
414,5.8 etc., 37 mal, 2 heo 412,8. 424,29, 4 hie 414,19. 410, 
8. 26. 420,28, 1 hi 414, 18, acc. fem. ^g.hio 424,2.«) — 2) Der 
conjunctiv von u^csan: T'5co60, 13. 74,14. 82,17. 18. 100,1. 
278, 10. 290, 24. 322, 3 (8), scon 74,9. 10. 80, 10. 278, 19. 21 (ö), 
sy «)8,0. 8. 20 (34), syn 74,1.9. 70,20. 102,10. 278,9.23, si 
76,27. 80,24; T^ sion 356,12; 'P sie 372,8; T« sion 432,11, 
.ffoM 430,29, .s/c 394,8. 408,4. — 3) Das zahl wort Jnco, da- 
neben ^-y: f;/ro290, 11. 258,3. 300,1 (- OCaH) neben >hy 
112,3, /»/7/ 214,26. 296,6 (der dat. id. lautet ////wi 86,25. 300,18, 
Jtrym 302,25, Jtrcom 102.10. 211.1:'.. :'.12. 5; in T' J>rrnm 
394, 17). 

') DaM die hm von T anf die vorlade znrückj^ohcn. hrweist nicht nnr 
das vereinzelte auftreten dieser fomi auch in den anderen h«»., itondeni auch 
die interessante stelle 120, 2S. 29, wu daü lat. ue innjnnurum i>os.*riit »arietalc 
piillui in T' mit /xrt hco (nom. pl.) . . . Itrsmilnt ue irare UlM>rtictzt int (coiy. 
pl. ohne »I, wie hänti^;: im Beda), \vilhri'n<l 0('a dafiir le.««-n Jxri hi ... hr- 
siniirn Hf Wim- (hi i^\ hier sicher nom. pl., denn der ni>m. f. sff. heiiwt in 
OCa Htef.s lifo, hin); ]\ endlich lie.-tt /xit hm ... hrsmilrii ttr inrrr, hat nl<»o 
hier nicht (geändert, indem es hfu als unin. fem i einen pliinil hm k* mit B 
nicht) and wctre aU singular auffoMte 



244 DEUTSCHBEIN, DIALEKTISCHES IM AGS. BEDA. 

VI. Das ö (einerlei welchen Ursprungs) -f- voc. ergibt ö 
(Sievers § 115), so regelmässig- auch im Beda (on)fön, {on)lwn, 
{(Jon) etc. T2 hat daneben dialektisches doan 388, 13 neben 
forödoon 388, 25, äöd 354, 14 und 1 onföan 388, 22; in T* findet 
sich doan 440, 19 neben don 392, 17. 438, 2. 11, gedon 390, 5, 
dod 440,20; vgl. noch ^ö«^ 88, 45, goiende 88, 17. 

YII. Besonders charakteristisch für das angl. sind con- 
tractionen nach ausfall eines inneren h in den fällen, wo das 
WS. und kent. das h unter synkope eines folgenden vocals er- 
halten (Sievers § 166, 6). 1) slcehdlS^A {shjdB, sle^öO, Gavac, 
sied C\ slceÖ 270,5 (slyhj) OC?i, sleadB); die ws. formen sind 
hier sJicJuy {slihÖ, slead 270,5 in B ist ausgleichung); ebenso 
kennt das kent. keinen ausfall des li\ die formen slwö T 270, 5 
und C sied erweisen sich somit als angl.; slceliö T^ 78,4 ist 
contamination; ebenso slyö 78,4 B. — 2) Die 2. und 3. pers. 
von onfön hat das li erhalten: T' onfehd78,o?j, onfchst24:4:,8] 
T' o«/e/<s^t6 432, 24 mit Verschmelzung. — 3) T' onwriid 70, 18, 
sesiiö 80, 32. 86, 21 C [480, 12] gegen sesyxst 190, 19, sesyhst 
352, 24 (OCa Äcsyxst), dazu C sg. gcfeoö [480, 17] angeglichen. 
Charakteristisch ist auch [478, 32] C sifeö (für sefid) (Ca vac, 
B friö). — 4) sctiid 78, 19 {sdid Ca, setiö 0, setitt [!] B), tihö 
88,8 {tidO, ^«ZCa[!], ^etyJiÖB). — 5) T^ nestan 384,25; T^ 
ncsicm 170, 17 Schipper, nehstan Miller. Die /i- losen formen 
fallen sicher der vorläge zu: das beweisen die zahlreichen 
misverständnisse und falschen bildungen in den anderen hss. 

[S. 170, 12 V. u. l. § 12, 4, d. — S. 171, 2 f. /. § 27; z. U l. § 12, 4, a. - 
S. 173, 4 V. u. l. vgl. Cosijii 1, 56. — S. 182, 6 füge hinzu: vgl. Kluge, Beitr. 
8,508; ^.22 Z. § 5. — Ä183,3 Z. ablan. — S. 184, 16 7. Gearaman. — 
S. 188, 18 l licumlk; z. 6 v. u. l T^ girpstem. — S. 190, 12 l ahefen. — 
S. 196,3. 207,6 l. w(eroäa. — S. 197,4 l. ellreord-; z.l v.u.l. denu. — 
S. 198, 23 l gemcenpiisse; z. 9 v. u. 1. § 27, 2, b. — S. 200, 18 l sescrcepe. 
— S. 205, 11 V. u. l. neoweste. — S. 207, 5 l 41 mal); T^ u.s.w.; z. 20 l. 
hivcethugu. — S. 214, 7 tilge 14. — S. 223, 13 füge hinzu: rec 202, 14. — 
S. 224, 20 l. deogolice 240, 9, deagolice. — S. 226, 9 l getreowodan. — 
S. 229, 13 l. bismmd. — S. 231, 18 v. u. l. regollico; z. 14 v. u. l 242,3 
Seh. [158,30]. 

LEIPZIG. MAX DEUTSCHBEIN. 



SAXONR'A. 

'2. /um (icnirodor psaliiicnroiinncntar. 

Die biiiclistiiikt' des altsiiclisischt'H |i>aliiitiitiiiiiinfnt;iis. 
die lins auf dem iiiiisclihijre einer aus dem trauenkl»»ter (iern- 
rode .stammenden rechnuno^ erhall eii sind. >ind derjenige text, 
der durch W'adsteins neue aus',Ml)e die erheblidiste fürdeinn«,' 
unter alh'U erfaliren hat. liei dem zustande der i»ei;,'ament- 
blätter und der art der zu ihrer weiteren erhaltung notwendig 
gewordenen massnahnien (vgl. Wadstein s. 121) konnte nui- 
allerpeinlichste akribie und entsagungsvolle, mehrfach wider- 
holte Prüfung zu einer sicheren grundlage der betrachtung 
führen. Es mus.ste ein sozu.sagen rein inductiver we«,' be- 
schritten und jeder versuch einer ergänzung des fehlenden 
bis nach der feststellung der tatsächlich vorliegenden text- 
bestände aufgeschoben werden, (lerade umgekehrt scheint 
(iallee bei .seiner behandlung des denkmals (s. '22i) vorgegangen 
zu sein: mehrfach macht es den eindruck. als habe er deductiv 
verfahrend seine ergänzungen in den vorhandenen text ei>t 
liiueingesehen, so da.ss der tatbestand sich ihm vielfach andei-s 
darstidlte. als er wirklich war; eine eingehende kritik seiner 
lesungen geben W'adsteins reiche anmerkungen zu seinem ab- 
druck der hs. (vgl. auch .schon Steinmeyer, Anz. fda. 2'J. liHO). 
1 dankenswerterweise gi])t Wadstein nicht nur einen rekon- 
struierten text. in dem deutlich gelesene.s undeutlich geh'.»ienes 
und durch conjeciur -rewonnenes durch verschiedenen druck 
klar auseinandergehalten ist (.s. 12). .sondern daneben auch 
einen rohdruck der liandschriftliclien bliUler in zeilengetreuer 
widergabe mit ausführlichen erliiuterungen (s. (); .so wird eine 
selb.stänilige nat'hi'rüfung ernniglichl. l)er betrachter kann 
von der gegebenen ergänzung. .so oft er will, jibstrahieren und 



246 LEITZMANN 

sich die rätsei der verstümmelten Überlieferung jederzeit von 
neuem aufgeben. 

Ich gebe zunächst eine reihe von bemerkungen zu 
AVadsteins reconstruction des textes. Man könnte 
meinen, dass alle hierauf bezüglichen zweifei sich lösen 
müssten, wenn sich die genaue quelle nachweisen Hesse, aus 
welcher unser Verfasser übersetzt hat, mit anderen Worten 
wenn entschieden wäre, dass der commentar wirklich nichts 
als eine einfache Übersetzung einer lat. exegese ist, wie man 
wül gemeinhin annimmt (vgl. z. b. Steinmeyer in den Denkm. 
23, 373 und Koegel, Gesch. d. d. lit. 1, 2, 570). Ich für mein 
teil bekenne starke zweifei, dass von dieser seite her noch 
viel aufschluss zu erhoffen ist. Steinmeyers bedeutungsvoller 
hinweis auf die auch von Notker benutzte, in einem Münchener 
codex erhaltene Generalis expositio psalmorum (Anz. fda. 22, 279, 
anm. 1) hat die quellenfrage erheblich gefördert; daneben 
aber sind die früher von Heyne nachgewieseneu beziehungen 
zu Cassiodor und Pseudo-Hieronymus nach wie vor wertvoll. 
Wer will sagen, dass die eigentümliche compilatorische arbeit, 
die unser commentar zeigt, schon lateinisch vorgelegen haben 
muss? Ich möchte glauben, dass sie ganz wol dem deutschen 
bearbeiter zugetraut werden kann. Der fragmentarische zu- 
stand des textes gestattet keine tiefer dringenden beobach- 
tungen: nur vereinzelt (wie z. b. in dem abschnitt 14,2) glaubt 
man zu erkennen, wie der commentator seine verschiedenen 
quellen stückweise ineinandergeschoben hat. Jedenfalls ist 
alles suchen nach einer genau entsprechenden vorläge (vgl. 
Wadstein s. 122; einige der von Scherer citierten commentare 
enthalten übrigens über psalm 4 und 5, die hier in betracht 
kommen, gar nichts) bisher vergeblich gewesen. Hauck, der 
(Kirchengesch. Deutschi. 2-, G(34, anm. 8) unsere bruchstücke als 
willkommenes zeugnis dafür bucht, dass die arbeit an einer 
deutschen geistlichen prosa auf niederdeutschem boden sich 
weiter ins 9. jh. hinein erstreckt als auf hochdeutschem, berührt 
die quellenfrage nicht. 

Steinmeyer hat (s. 279, anm. 1) bemerkt, dass unser com- 
mentar, auch darin der oben citierten lat. compilation folgend, 
die erläuterung jedes einzelnen psalmenverses dui'ch das lat. 



8AX0NICA. 2. 247 

citat seiner anfaiif^sworte einleit«-!. So ist l;{. 12 nrhn nirn, 
14,21 introilio und 1'), 7 dtuninc ilrdur ntr ühi-rlit-tVit. Auf 
diese gewuhnlieit hat Wadstein nur einmal rUcksiclit genunimen, 
indem er 14, 2 odisti eingesetzt hat. Wenn wir von dem ver- 
stüniinelten anfang 18, 2 abseilen, so war auch noch an folgen- 
den stellen der lat. eingang in die ergänzung aufzunehmen: 
12,3 a f'ntctu, 12,10 in pacc, 13,17 intimh; 15,17 ijuotiium. 
Gallee hat dieser fordeiung teilweise genügt. 

Im ganzen kann ^^'adsteins reconstruction als gelungen, 
ja an manchen stellen als glänzend bezeichnet werden; man 
sehe, wie der ursprüngliche Wortlaut in Sätzen wie 12, 4. 13, 12. 
14,2. 13 widergewonnen ist. Trotzdem scheinen mir ein paar 
anstösse zurückgeblieben zu .sein, die ich im folgenden einzebi 
behandle. In den citaten schlie.s.se ich die ergänzten worte 
und Silben in eckige klammeiii ein, ohne deutlich und undeut- 
lich gelesenes noch besonders zu .scheiden (vgl. darübei- Wad- 
stein s. 121). 

12,4 [Tlilu hcliijti s<())i)U(H(i<t] irirrid totv fhitti, t\lti(i Ihr 
t\har he[fnndanc i(if\Ui(d (Oi ho <jUh(mkon \<ji'rn(i\ flt'sdi- 
lc[ero thin(jo\\ über dem on von (jitlainhon steht cndi zwi.schen 
den Zeilen geschrieben. Das ganze gibt folgenden satz der 
Kxposilio wider: rcdit ad cos, qui rebus airtuiUhus jnohantnr 
inlinti. Als subject zu redit ist zweifelsohne die kirche zu 
ergänzen, die nach Cassiodois bemerkung im ganzen psalm als 
reilend gedacht werden soll; die Worte thiu hrllffu sammnufa 
hat Wad.stein daher ganz mit recht nach dem muster von 
stellen wie 13,4. 12 eingesetzt. Die widergabe von ptulxintur 
intinti durch gerna hcfundunr erscheint mir nicht glücklich: 
priilinntiir ist doch wol nicht viel mehr als dicnntur oder ni»ch 
farbloser sunt; nicht dieser begriff s(dlte meines erachteiis 
in dem participium mit In- ausgedrückt werden. Zu den 
Worten an ho ijithnukon muss noch ein part. im sinne von 
'beschäftigt mit, gelichtet auf, ergriffen von' k«mnu«'n, um 
den «ranzen Inhalt von itiltnti zur geltung zu briniren. Man 
kann zweifeln, was einzusetzen ist: denkbar wäre htfuwjam' 
oder beyripanv, ni«'ht unmöglich auch mit einer nUance des 
Sinnes, die das trügeris<he der weltlichen Verlockungen zum 
ausdruck brächte, he.suikttm: Wer einer in mnd. \>vo>t\ ge- 
läutigen phrase .so hohes alter zutrauen will (vgl. Mnd. wb. 



248 LEITZMANN 

1,321a), könnte an heworrane denken, das im sinne von 'be- 
schäftigt mit' gebraucht wird. Durch eine derartige ergänzung 
wird zugleich der von AVadstein durch gcrna besetzte räum 
verfügbar, und es kann nicht zweifelhaft sein, dass dafür eine 
von dem part. geforderte präposition, etwa fem oder mid, ein- 
zutreten hat. Der schluss des satzes würde dann fan (oder 
mid) then flescUkon thhigon lauten. Von dem übergeschriebenen 
endi glaube ich mit Wadstein (s. 12, anm. 3), dass es feliler- 
hafterweise hier steht; es passt weder so noch so in den satz 
und ist wol an eine falsche stelle geraten. 

14, 8 wird der vir sanguinum des psalmisten erklärt als 
derjenige, tlie tliar io wid th\i]a freniitha[n] liandflUid ^[A]m 
feru\uu\rdi te werhenne; die silbe hand steht zwischen fre- 
mitha und flitid über der zeile als nachtrag. Der satz gibt 
Cassiodors worte cpii . . . aliennm operari nituntur exüium wider. 
Das übergeschriebene liand scheint mir Wadstein nicht richtig 
aufzufassen, wenn er darin das präfix and- mit prothetischem, 
lautlich bedeutungslosem li sieht und es mit dem folgenden 
ßtid zu einem wortkörper verbindet. Solche prothetische h 
kommen zwar auch im as. vereinzelt vor (vgl. Holthausen, As. 
elementarb. § 216, anm.), wenn auch nicht so häufig als im ahd. 
(Braune, Ahd. gramm. § 152a); es fi-agt sich aber, ob wir zu 
diesem auskunftsmittel hier zwingende veranlassung haben, 
zumal das präfix and- sonst in unserm texte regelmässig als 
an- erscheint (vgl. 13,3. 14,6). Ich glaube, dass hand das 
gewöhnliche subst. 'hand' ist, und sehe in thia fremitha hand 
= alienus eine jener in verschiedenen germanischen dialekten 
vorkommenden Wendungen, in denen das wort 'hand' ganz in 
den begriff der person übergegangen ist und die vielleicht 
ursprünglich der rechtssprache entstammen, wenigstens in ihr 
am gebräuchlichsten sind. Belege verzeichnen die Wörter- 
bücher: vgl. Mhd. wb. 1, 628 a. Lexer 1, 1171. Mnd. wb. 2, 192 b. 
Richthofen, Afries. wb. s. 825 a. Bedeutet mhd. vrte hant einen 
freien, afries. schildige hand einen schuldigen oder tha sihhisia 
honda die nächsten verwanten, so steht nichts entgegen fre- 
mitha hand als alienus zu fassen. Ausserdem möchte ich im 
drittletzten worte des oben angeführten satzes einen buch- 
staben anders als Wadstein ergänzen. Er setzt im sinne von 
exitinm ein fem. fenviirdi an. Eine Wiener glossenhs. über- 



8AX0NICA. 2. L'l«» 

liefert uns cxitium, renvcnk ( Alid. «flössen :i, ;{t)l, *•); das deckt 
sich genau mit got. fruwanleins (1. Tim. 0, «>). Dassell).' wnii 
stand wol auch in unserm texte, wo demnach fnicmli zu h-scn 
ist; ein frnvünli hätte sonst kein»* paiaUdcn. 

II, 14 ergänzt Wadstein ein -at der Iis. zu tindä/: das ist 
si)i;uhlich unmöglicli. da unser schicilier kcinerh-i hiM-lidcutsche 
elemente in seiner ortlidgraidiie aufweist, also zweitVllos un(lihl 
geschrieben haben würde. Das einfachste ist -at in tluü zu 
verv(dlständigen und weiterhin vorher that hösa statt (liid hösd 
zu lesen; das neutr. ent.spricht aucli viel besser dem mahun iNm- 
lat. vorlagen. 

14, 'l^y miUhte ich doch mit Scherei- und Heyne himHisha 
statt des überlieferten liimilihd lesen, das A\'adstein im ghissar 
(s. 192) als himilUha deuten will. Wenn die Prudentiusglosstii 
(95,5) caelitus durch himiUho erklären, so ist das doch nicht 
ganz dasselbe, himilisk ist durchaus die form des Heiland 
(15. 240. 1209. 1767. 2437. ;3G08. 5287. 5654. 59.34); das einzi^M* 
himilic im Cott. 2437 hält Sievers wol mit recht gleichfalls für 
einen Schreibfehler, zumal der Schreiber auch 1209 bei dem- 
selben Worte ausgleitet. P^benso kennt die ältere mhd. jioesie 
nur himdisch. 

15.2 kann that, das von Heinemann gelesen hat, als die 
hs. noch in besserem zustande vorhig, gehalten werden, wenn 
man liest: tltat ik seid hedon. Scherers änderung in thar ist 
dann unnötig. 

15,21 fa.^st ^\'adstein in dem satze tJtiu tumja fohjod thena 
selfkuri thes tmiodcs das tlicna (im glossar s. 230) als dat., eben.so 
in der .'stelle 12, 14, obwol an zwei anderen stellen (12, 12. 
15, 19) der gleiche casus als themo erscheint und es einen dat. 
thena sonst nirgends gibt. Für unsere stelle hat schon Holt- 
hausen (As. elementarb, § 489. anm.) mit v(dlem recht an- 
gen(unmen, da.ss fohjon hier nach dem muster ^W^ lat. .sw/mi 
mit dem acc. verbunden ist: da.^s wir sonst keinen weiteren 
beleg dafür aus so alter zeit kennen (füi-s frühe nhd. vgl. 
DWb. 3, 1878), macht seine annähme um nichts unglaubhafter. 
Was den satz 12, 14 anlangt, so liegt die sache allerdings 
nicht so einfach: in dem thvnu dort mu.ss irgend ein f«*hler 
stecken, der freilich nicht leicht zu bessern sein wird, da auch 
Gallees von Wadstein gebilligte ergilnzung any\chafted\ mir 

Kciuägc lur geichicht« Jer Jcuuchen i[>r»ch«. X.WI. 17 



250 LEITZMANN 

auf sehr schwachen füssen zu stehen scheint. Die ganze 
logische Verbindung der beiden durch nevan in adversative 
beziehung gebrachten sätze ist in der Überlieferung nicht 
deutlich; ich vermag jedoch keine irgend plausible besserung 
vorzutragen. Nur dass der dat. thena aus dem as. formen- 
bestande wider zu verschwinden hat, scheint mir sicher. 

"Was die heimat unserer fragniente anlangt, so stehen 
sich zwei diametral entgegengesetzte ansichten heute schroff 
gegenüber: die eine setzt ihre entstehung in den dem fränki- 
schen benachbarten westen des altsächsischen Sprachgebiets, 
die andere in den durch Karl christianisierten osten, wo auch 
Gernrode, die heimat des codex, gelegen ist. Es gilt aufs 
neue die vorgebrachten gründe zu prüfen und zu versuchen, 
ob nicht nach einer der beiden richtungen hin Sicherheit zu 
erlangen ist. 

Die heimat des codex, das frauenstift Gernrode, musste 
von vornherein aus der betrachtung ausscheiden: der schrift- 
charakter weist, wie auch Wadstein (s. 121) übereinstimmend 
mit früheren gelehrten angibt, in das ende des 9. oder den 
anfang des 10. jh.'s, rund ins jähr 900, während die abtei 
Gernrode erst 961 gegründet worden ist (vgl. von Heinemann, 
Zs. d. Harzver. 10, 1 und Hauck 3, 1005). Zuerst hat dann Heyne 
(Klein, and. denkm. 2 s. xi) den commentar nach dem kloster 
Werden verwiesen, von wo er durch Vermittlung des bischöf- 
lichen Stuhles Halberstadt, in dessen diöcese Gernrode lag, in 
diese abtei gelangt sei: eine sprachliche begründung seiner 
hypothese hat Heyne nicht zu geben versucht, sich vielmehr 
mit der motivierung begnügt (s. ix), jeder müsse die brucli- 
stücke als in Werden geschrieben anerkennen, der die urkund- 
lichen Werdener denkmäler darauf hin ansehe. Während die 
herausgeber der Denkmäler dieser annähme Heynes gegenüber 
nicht Stellung nahmen, fand sie unbedingte Zustimmung bei 
Braune (Beitr. 1, 11) und neuerdings bei Kelle (Gesch. d. d. lit. 
1, 103); der letztere möchte nur ungewis lassen, ob auch das 
original der uns vorliegenden copie in Werden entstanden sei. 
Kauf f mann verwies (Beitr. 12, 357) wegen des später zu be- 
sprechenden acc. miJc die fragmente wider nach Ostfalen zurück 
und zwar nach Gernrode selbst, indem er der oben berülirten 



SAXONICA. 2. 251 

iciliiügrapliisclieii tatsaelie, die (lernnxlL' als lnim.it ausschliesst, 
nur zwcift'liul in einer annierkiuifi: ^MMlt-nkt. (ileiclifalls für 
Ustt'alen haben sich dann aus dcniselbt-n f^Munde (lallee (As. 
f^ramni. s. ;{) und nach einer notiz Schlüters (Ihm Dieter, Laut- 
und fonnenl. d. agerm. dial. s. xxix), der seihst sich keiner von 
beiden auffassungen mit entschiedenheit (vgl. s. xxx) zuneigt, 
auch Jostes auf der ( ulner philologenversanmilung von !«'.».'> 
ausgesprochen (in dem von Schlüter citierten referat über 
Jostes' Vortrag Zs. tdph. 28, 5:M ist allerdings von dem jisalmen- 
commentar überliauid nicht die rede). l)en von Heyne unter- 
lassenen sprachlichen nachweis für dir W'erdener oder doch 
extrem westliche, tlem niedertVänkisdien nahe benachbarte 
lieiiiiat hat neuerlich Koegel ((Jesch. d. d. lit. 1,2. ">tw) mit aller 
um- wünschenswerten ausführlichkeit zu «•eben versucht. So 
.scheint denn auch der jüngste heiausgeber W'adstein (.s. 122) 
die frage für in Heynes sinne erledigt zu halten. 

Ich beginne, indem ich die kirchenge.schichtlich-i>er.sün- 
licheii erwäguiifren, die Heyne anführt, bis zum schlu.ss auf- 
.spare, mit einer kritischen prüfung der sprachlichen 
argumenta Koegels. Je mehr die vielfach so dankens- 
werten und anregenden grammatischen excurse dieses ge- 
lehrten in seiner sog. literaturge.schichte mit dem ansprach 
auf exacte beweisführung und strenge, sozu.sagen mathematische 
methode auftreten, um .so mehr i.st es pflicht der kritik, in 
dem vorliegenden falle das beweismaterial einzeln und punkt 
tür punkt genau durchzugehen. I)as wird nicht nur für das 
uns gerade beschäftigende problem fijrderlich, .sontlern auch 
in allfremeiner hin.sicht für die ])enrteiliing ähnlicher partien 
des buches von wert sein. 

Koegel teilt seine .sprachlichen beobachtungeii in lirei 
haupt<rruppen. In einer ersten sucht er den Wortschatz der 
iiruchstücke auszunutzen. 

1. Es findet sich viermal (12. :>. 11,22. lö, H». H; Koi'gel 
sa«,'t dreimal) die cnniponierte (taut()l<i;,q.sche) piäposition löte, 
untr: für sie gebe es weder as. nuch mnd. belege, tlagegeU 
hersche sie aus.schlie.sslich im mnl. und dem heutigen hollan- 
di.schen. Zunäch.^t niiiss lierv(irgeh(d)en werden, dass al>jre>ehen 
von dem te beim gerundium (14, *.>. 1.'), 1;?. l.'>) auch in rein 
localer bedeutung einmal (15,3) das einfache te stfht (Wad- 

17* 



252 LEITZMANN 

stein liat daher in demselben satze 15, 2 nach Scherers Vorgang 
richtig gleichfalls te und nicht töte ergänzt). Im allgemeinen 
ist auf Grimm, Gramm. 3 2j 251 zu verweisen. As. belege sind 
allerdings sonst nicht vorhanden, wol aber mnd., besonders 
aus prosaischer spräche: ein beispiel aus den Lübecker zunft- 
rollen steht im Mnd. wörterb. 4, 593 a, das von Koegel ohne 
ersichtlichen grund beargwöhnt wird; weitere verzeichnet 
Tümpel, Nd. stud. s. 46. 47. Neben diesen nd. belegen war aber 
nun ausser auf das ninl. vor allem auf das im mhd. häufige 
zuo ze (ein paar belege im Mhd. wb. 3,852 b; genauere Samm- 
lungen, die zugleich auf die etwaige Verbreitungssphäre einen 
schluss gestatteten, fehlen, soviel ich sehe), das Grimm schon 
aus Notker nachweist, hinzudeuten. Ferner begegnet tot im 
afries. (Richthofen s. 1087 b). Die hd. und nd. belege halten 
den nl. doch mindestens die wage; ausserdem ist eine derartige 
tautologische Verbindung so naheliegend, dass aus ihrem nicht 
einmal ausnahmslosen und consequenten vorkommen keine 
folgerung abgeleitet werden kann. Wenn absolut das nl. ver- 
glichen werden sollte, so hätte Koegel in erster linie das 
tö te der Psalmen (71,8) anführen müssen, eine stelle, die 
überhaupt für diesen pleonastischen gebrauch lehrreich ist. 

2. gereJiön 'zubereiten' (nicht 'hinleiten, hinführen', wie 
Wadstein s. 185 glossiert) steht 15, 9. 10. 15. Dies wort sei 
im as. und mnd. sonst nicht belegt; das simplex scheine in 
beiden dialekten vorzukommen, doch sei der Identitätsnachweis 
nicht sicher zu führen; dagegen sei mnl. gherechen, mfrk. ge- 
reellen vorhanden. Hier sind fast so viel misverständnisse als 
Sätze. Wie gesucht ist es, einen landschaftlich-lexikologischen 
unterschied zwischen einem simplex und seiner composition mit 
ge- statuieren zu wollen, wo doch schon durch das part. perf. 
die engste berührung zwischen beiden im Sprachgefühl vor- 
handen war und jeden augenblick eine analogische neubildung 
nach der einen oder anderen seite eintreten konnte. Auch 
sonst lässt es sich Koegel öfters zu schulden kommen, mit hilfe 
der starren Schemata des Wörterbuchs die lebendige entwick- 
lung einer sprachlichen erscheinung und ihre freie beweglich- 
keit in feste unlebendige formen zu zwingen. Wir werden 
auf diesen künstlich construierten unterschied keinen wert 
legen und das as. rehön des Heliand ohne weiteres mit dem 



SAXONICA. 2. 253 

voi-liegenden (jcrclcon identificieren. Dass beide worte i''\\\ mitl 
dasselbe sind, lelirt ein blick auf die beiden Heliandstellen, 
wo rchnn vorkommt: «•:V2 sa«?t Johannes dei- tilufcr ilc shil 
thit Umd rc/iun, ihit wcrod aftar is niUion und variiert damit 
nur das biblische parate viam douiini (ik shil im tlanin iccy 
nhiiloi \Hi))[ :{749 lieisst es von Jesus, der die Wechsler aus 
dem tempel wirft, so nhndc hc tho mdi nJcodr, rilci dm/tfin, 
tlidf lirhujd lii'(s.^) Ich sehe nicht ein, welchen 'identität«- 
ii.ichweis' man nucli verlanp:en kann: wir bediiifen zur be- 
urteilun«^ unseres (jcrclcon des mnl. nicht, l'eber h-tzteres ist 
K'oeg-els anpfabe überhaupt unrichtig, wie mich J(diannes Franck 
brieflich belehrt: nicht (jhcrcchcn , was Koegel heranzieht, son- 
dern rckcn, (jhcrckcn 'in Ordnung bringen, zurechtmachen' ist 
mit nnserm as. worte identisch, dessen Scheidung von {(jh)rckcn 
=^ mhd. reichen und ((jJic)rcckcn zu nJicnr 'ausrüstung. guter 
zustand, be(iuemlichkeit' nicht immer ganz leicht ist. Sicher 
zu dem as. rckön gehört dann die auch von Koegel erwähnte 
Weiterbildung mhd. gercchcncn und die zugehr»rigen worte 
t/crcch, un[/crcch, gerechc (Mhd. wb. 2, 1, 587a), die dann wider 
im mnd. rekc, reken ihre entsprechung haben (Mnd. wb. :i, 454; 
vgl. auch Versuch eines brem.-nieders. wb. :^, 470). Das mfrk. 
Iirrcclicn (Karlm. 150, 24) ist wol vom Mhd. wb. 2, 1, 5H8a ricli- 
tif;-er beurteilt als von Bartsch, Ueber Karlm. s. 201 und ge- 
hört aufs engste zu unserem (jcrekdn. Die ganze sippe, zu der 
dies wort gehört, ist auf sächsischem boden ffenlijrend ver- 
breitet, so dass wir auch hier den ausldick nach Htdland ent- 
beliren können. 

:{. Scheinbar recht iibei-zeugend sind auf den ersten Idick 
die bemerkungen Koegels iilier das adveisative nennt (12,15. 
1:5, 17). Das wort steht sonst nur in folgenden denkmälern: 
in den Kssener evangeliarglo.ssen (50, 18. 55, 17. 50. 15); in den 
Kssener (^regorglossen (0:5, 10. 05, 7); in den ^^'erdener l*ru- 
dentiusglo.ssen (102,15); in den Oxforder Vergilglossen (113,22); 
im Cott. des Heiland (H>. «iO. 1S5. 5.S0. «r.a. Ht'.i. I5i:l. 151«.». 



') Dieselbe allitericrt'nde vorbimlniiK der bt-itlcn nabcüu Hruuiiynivn 
..rba Hmlt't .sich in einer Bremer urkund«* von 1470 (Mnd. wb. H, 4ärib); die 
znncbörif^tMi ailjectiva enx'hoinen fb«'n«o vrrbtindon im afrie«. rekon and 
rüm (Richthofen s. Wl b. WHn; vgl. fVnier Vcrunch eine» brrni.-nle<len«. wb. 
8, 471;. 



254 LEITZMANN 

1856. 2188. 2323. 2774. 2790. 2844 [novan]. 3344. 4364. 5375. 
5932 [novan]] im Mon. dafür stets Mdan\ vgl. auch Braune, 
Brnclist. d. as. bibeldiclit. s. 21); endlicli als novan in den 
Psalmen (61, 5. 6. 10. 67, 22. 70, 24. 72, 18; vgl. Lipsiusglossen 
719. 720 und Borgeld, De oudoostnederfr. psalmen s. 142); die 
bei Koegel noch aus dem Leidener Williram citierte stelle habe 
ich in Seemiillers ausgäbe nicht auffinden können. Trotzdem 
alle bisher bekannten belege nach dem westlichen Sachsen 
weisen, glaube ich doch, dass bei dem geringen wortmaterial, 
das aus dem as. überliefert ist, die Unmöglichkeit, dass nevan 
auch im ostfälischen gebiete in gebrauch gewesen sein könnte, 
dadurch nicht bewiesen wird. Koegels hauptstütze ist der Cott, 
den er für in Werden oder gar in Niederfranken sicher loca- 
lisiert hält: ohne auf die schwierige frage hier näher eingehen 
zu können, bekenne ich mich doch allen bisher vorgebrachten 
localisationsversuchen der Heliandhss. gegenüber stark skep- 
tisch und kann jedenfalls nicht beistimmen, wenn auf eine 
derartige hypothese wider Schlüsse für die heimat anderer 
denkmäler gebaut werden sollen. Unmittelbar identisch mit 
as. nevan ist aber zweifellos ags. nefne, nemne (belege bei 
Bosworth-Toller 3, 713); im afries. fehlt die entsprechende con- 
junction, und der begriff wird auf andere weise gegeben (vgl. 
Eichthofen s. 944b). Es steht nichts entgegen, in dem as. 
nevan, anfrk. novan etwa einen ingwäonismus innerhalb der 
sächsischen und niederfränkischen spräche zu sehen: denn es 
ist an sich höchst wahrscheinlich, dass nicht nur laute und 
formen dieser dialekte, sondern auch der Wortschatz von anglo- 
f riesischen elementen durchsetzt gewesen ist, die dann wie 
die übrigen allmählich untergegangen sind, so dass wir im 
späteren mittelalter keine spur mehr davon entdecken können. 
Aber auch abgesehen von einer derartigen deutung hat man 
jedenfalls wegen des ags. nefne kein recht, das as. nevan auf 
eine enge Verbreitungssphäre einzuschränken. Was die endung 
des Wortes sowie das nebeneinander von nevan und netvan 
im Cott. betrifft, so ist auch auf Lachmann zu Nib. 2081, 2 
zu verweisen. Koegel hält nevan für eine compromissbildung 
aus neva und newan (ähnlich schon Grimm, Gramm. 3^, 698); 
ich möchte eher an Verschmelzung von neva 'wenn nicht' mit 
einem zweiten ne glauben, eine annähme, die der sonstige 



8AX0N1CA. 2. 255 

syntaktische gebraiicli der nep^ation im as., /. h. im Htliaml, 
iialielej^t (vgl. auch die (htiipclucgatioii in imscnMu text«; lii, l:{). 

4. 'Selir bedeutsam' liudrt K(»»'g«'l das vorkommen des 
veibums hcirahlan (15,20), das ausser hier und in d«'n Lipsius- 
glossen l:»<) wedci- ahd. noch nihd. nocji nind. noch mnl. Ix-h-gt 
sei und 'offenbar nur ein ganz kleines Verbreitungsgebiet' ge- 
habt habe. Abgesehen davon, da.ss hciraltm, wenn auch als 
schwaches, nicht als starkes verbum, mhd. einmal voikommt 
(Lexer nachtr. s. 70), kann ich in diesem zufall weder etwas 
bedeutsames entdecken, noch auch gar (h'shalb einer comjio- 
sition ein ganz kleines Verbreitungsgebiet zuweisen, die jeden 
augenblick nach analogie anderer />f-verba aus dem lebendigen 
Simplex udUlan neu gebildet werden konnte; das wäre doch 
ein sclieniatismus schlimmster art. Unser autor scheint für 
eomiiositioneii mit he- eine Vorliebe zu haben: auch hnrmuUon 
(12, 1:5 und vielleicht 1!») ist sonst nirgends belegt. 

5. 'Ebenso bedeutsam' soll hvlirc (15,4) sein; 'denn den 
sächsischen (luellen der alten und der mittleren zeit ist das 
"wort duichaus fremd, während es die mnl. in der genau ent- 
sprechenden form hebe aufweisen (es gehört zu heilison 'ex- 
piare' und hat mit ahd. heihhi, mhd. heihfrc nur dann etwas 
zu tun, wenn diese als Umbildung daraus aufgefa.sst werden 
dürfen).' Kichtig ist, dass diese Übersetzung des lat. sahator 
sonst nirgends vorkommt;') gänzlich unrichtig ist es aber, 
dieses h'lire und das mnl. heJre von ahd. Uvilnri zu treniuMi. 
As, zeigt das suffix -äri schon im Heliand abschwächung zu 
•cri, woneben -iri ei"scheint (Schlüter bei Dieter s. 120. Holt- 
liausen, As. elementar!». ^ l.'^l); aus den kleineren denkmälern 
sind weitere belege für unser -/>/ muleniron im I''reckenhoi>ier 
lieberegister (87, 12) und nuik'nin in den W'erdener glossen. 
Das mnl. hebe hat Koegel, wie mir Franck freundlich mit- 
teilt, ganz nusverstanden: -re ist im älteren tlämi.M-hen die 
gewöhnliche entsprechung der hd. ntl. endungen eri, cre, z. b. 
riddre, lerdre, nnrne, hbe u.s. w.; \ü\. auch Franck. Mnl. pranini. 
s. 21, So fällt also Koegels combination in nichts zus^unmen. 

') Solltr vicllfiihf in ilcm h>'l<int AVc7 >U'H iiurl • • n<l Tmlo 

(Dcukiii. !tH, 2) ein liclin- »terkrii. «liw Huxhoru nicht u nud Ter- 

derbt hätte;" 



256 LEITZMANN 

Besässen wir eine anzalil kircliliclier denkmäler in as, prosa, 
wie wir sie in alid. besitzen, so würden wir ganz gewis anch 
weitere belege für Mlire haben. Unser autor wechselt mit 
dem aus dem Heliand bekannten neriondo (13, 5). Etymologisch 
werden wir das wort nach wie vor an hclkm anknüpfen. 

6. mendislo (15, 12; so, wie auch Ahd. glossen 2, 320, 49 
überliefert ist, nicht mendisli, ist fürs as. gegenüber den anfrk. 
psalmen anzusetzen) soll sonst nur noch in den Psalmen (62, 6. 
64, 13) vorkommen. Diese behauptung erledigt sich durch einen 
hinweis auf Hei. 402. 

7. — 9. Die letzten drei punkte kann ich unbesprochen 
lassen: tJiurugtkigen (13, 15; von Schlüter bei Dieter s. 276 
misverstanden) und tvorJcid (14, 3) weiss Koegel selbst für seine 
Werdener hypothese nicht zu verwerten, constatiert vielmehr 
nur Übereinstimmung mit dem hd., wodurch für die heimats- 
frage nichts gewonnen wird; stimna ist 6, 14 unrichtige lesart 
Gallees (vgl. 13, 13) und steht überhaupt nicht im texte, fällt 
also ganz fort. 

Zweitens bespricht Koegel einige eigenheiten der flexion, 
die im psalmencommentar begegnen; ich kann ganz kurz über 
sie hinweggehen, da sie sammt und sonders nicht beweisen, 
was sie hier beweisen sollen, Dass unser text die längere 
dativendung des starken masc. in thinenio (14, 22. 15, 8) auf- 
weist, während gerade der Cott. mit seltenen ausnahmen sich 
der kürzeren formen bedient, hätte Koegel schon verhindern 
müssen, beide nach Werden zu versetzen; er scheint jedoch 
diesen Widerspruch gar nicht bemerkt zu haben; im allgemeinen 
war vor allem auf Schlüter, Unterss. zur gesch. d. as. spr. 1, 113 
zu verweisen (vgl. jetzt auch Holthausen § 354, 4). Sicher ist 
jedenfalls, dass auf grund dieses dativs keine sichere locali- 
sierung möglich ist. Wichtig ist dagegen der acc. mik (15, 8), 
der schon von Kauffmann und Jostes als unwestfälisch erklärt 
und für eine Verweisung des denkmals in das ostfälische mik- 
gebiet als hauptstützpunkt verwertet wurde. Wenn Koegel 
dagegen (s. 553) behauptet, dass heute in der Werdener gegend 
mik nicht üblich sei, könne für eine um ein Jahrtausend ältere 
zeit nichts beweisen, so bedeutet das einen verzieht auf jeden 
versuch einer lösung des problems, und er gesteht damit zu, 
dass auch seine eigene ansieht auf nichts als vorgefasster 



SAXONIfA. 2. 2.') 7 

niiMHiinff brnilit. Trli luilt«' mit Kauffmann (Reitr. 12, 3r»7) ein 
mik in Werden für iinbcf^iviflich und verweise noch auf \\'rfMles 
jiinR-ste ausfiilirunp:en Zs. fda. 1:5, :M;{ und llidthausen, Anz. fda. 
'Jt), :{.'>. ^\'ir verlieren allen sicheren boden unter den füssen, 
wenn wir eine so deutliche dialektische eifrenheit wie das mik 
links lief^'en lassen Avollen; Koej^el verschliesst hiei- der theorie 
zu liebe seine äugen vor dem einfachen talbestande. 

Zum schluss führt Koej^el lautliche erscheiniuiiren 
ins fehl, die es noch kurz zu mustern irilt. Hier kommt zu- 
nächst die assimilatioii von Im • nni in itnuista (!'), lli in 
betracht, die von I\<»e^''el mcrkwürdififerweise unter den tlexi- 
vischen eigenheiten behandelt wird, cmui begej,nie nur noch 
in den Essener evangeliarglossen (40, 18. 55, 18), die assiniila- 
tion fehle dapeofen dem friesischen und hochdeutschen, beweise 
also die en<:^e zusammen.i^ehörij^keit des connnentars mit den 
glossen. Zunächst ist jedoch die heimat dieser glos.sen selbst 
nicht sicherg-estellt und bedarf noch g:enauerer Untersuchung;. 
Ich sehe nicht ein, warum man cmni und seine entsprechunj^'en 
in den verwanten dialekten nicht unter da.sselbe lautp:esetz 
wie stcmna, heran u.s.w. subsumieren und einen ursprünglichen 
Wechsel zwischen mn und tni annehnu'U soll, der dann nach 
einer der beiden Seiten hin auspfeg-lichen wurde (reiches material 
bei Noreen, Abr. d. urperm. lautl. s. 140). Dann könnte natür- 
lich an verschiedenen stellen des sächsischen pebietes cmni 
als n(»rmalfoim entstanden sein und das wurt ist für eine 
lücalisieiung: nicht verwertbar. Aber au<h für die ältere, 
neuerdinjrs wider von llolthausen (ij 'J2ii. anm. 2) vertreten»* 
annähme einer rein lautlichen jüngeren assimilalion haben wir 
I>arallelen im ags. emnc, stcnm (Sievei-s, Ags. gianim. ^ ij VX\. 2) 
und im afries. '^strmnr (Siebs in Pauls (irundr. 1'. 740). — ijc- 
nuftsiimidu (12, S) beweist durch .seine umgekehrte .Schreibung 
den Übergang von ft > ht: dieser sei den eigentlich .silchsi- 
.schen mundarten fremd, fnxle sich aber in den Werdener 
Prudentiusglossen {'M). 1<>) und in den Psalmen [\ I. M. Für 
«las as. ist jetzt auf Schlüter bei Dieter s. 270 und Ibdthausen 
ij VM\. für die anfrk. psalmen auf Porgeld ;i si. 02. anm. .'. zu 
verweist'n. Dass der wandel den .^ächsi.Mheu numdarten fnnul 
sei, ist zu viel behauptet: wir wissen, dn.«w er von westen 
nach Osten immer mehr abnimmt (Lübben, Mnd. gramra. s. Ol; 



258 LEITZMANN 

Jostes,Zs.fda.40,172)j können jedoch bei unserer Unkenntnis der 
älteren dialekte keine localisierung- darauf gründen, denn die 
heutigen grenzlinien (Wrede, Anz. fda. 19, 277) beweisen nichts 
für die alte zeit. Sein Verbreitungsgebiet kann damals grösser 
gewesen sein; da sich derselbe Übergang auch im afries. findet 
(vgl. Wrede, Zs. fda. 43, 341), haben wir es hier vielleicht wider 
mit einem ingwäonismus zu tun. Wenn Koegel die von Lübben 
(s. 61) gegebenen mnd. beispiele, deren übrigens viel mehr als 
drei sind, anzweifelt, so hätte er sich leicht aus den betreffen- 
den artikeln des Mnd. wb.'s eines besseren belehren können; 
vgl. auch meinen Gerli. v. Minden s. lxv. Freilich sind Avir 
noch weit auch nur von einer registrierung des factischen Vor- 
kommens dieser erscheinung in den quellen entfernt. Behaghels 
ansieht, der (Schriftspr. u. mundart s. 27) in unserem genuftsa- 
midu ein altes beispiel von hyperhochdeutsch sieht, kann ich 
nicht beistimmen. • — Für thurug (14, 23) verweise ich auf 
Holthausen § 234, anm. 1. Dieselbe Schreibung begegnet auch 
in den verwanten dialekten. — munfJie ist 10, 22 falsche lesung 
Gallees, fällt also fort: die hs. hatte miWie (15,19), überein- 
stimmend mit den beiden anderen stellen, wo das wort vor- 
kommt (13, 13. 15, 23). — Charakteristisch für unser denkmal 
ist die Schreibung des anlautenden sl als sei in Wörtern wie 
sclaJian (14, 4. 5), mansclago (14, 17) und scläpan (12, 12). 
Koegel vergleicht ähnliche Schreibungen in den Psalmen und 
den Lipsiusglossen: sclip (3,5), sclot (808); auch sc'mmo (807) 
dürfte für scliumo verschrieben sein. Dieselbe Schreibung 
findet sich aber auch im ahd. (Braune, Ahd. gramm. - § 169, 
anm. 3), im ags. (vSievers, ilgs. gramm. '^ § 210, 1) und im afries. 
(Richthofen s. 1037 b), überall sporadisch und nur gelegentlich. 
Nach Holthausen (§ 209, anm.) ist die bedeutung dieser Ortho- 
graphie unsicher: Braune adoptiert Scherers ansieht (Z. gesch. 
d. d. spr. 2 s. 127), dass das c das explosivgeräusch eines stimmlos 
gewordenen l zum ausdruck bringen solle; ich möchte eher 
mit Schlüter (bei Dieters. 271) darin den versuch erkennen 
einer beginnenden palatalen affection des s in der schrift ge- 
recht zu werden. 

Durch die vorstehenden erörterungen hat sich gezeigt, dass 
Koegels versuch. Werdener Spracheigentümlichkeiten 
in unserem psalmencommentar nachzuweisen, voll- 



SAXONICA. 2 2Ö0 

ständig mislungt'ii ist, da sich k.iii .-inzipes seiiHM* 
vorjrebraclilcii ai^rmiHMit»* als stichhaltig »Twifseii 
hat; vit'liiiehr wurde in dem acc. milc ein nicht gering zu 
achtendes kriterium gefunden, das Werdener Ursprung nahezu 
ausschliesst. l)ie ganze W'erdener hypothese fällt also in si«-h 
zusaiiiinen, wenn sie nicht von anderer seite her üherzeugende 
stützen zu gewinnen vermag. Das ist jedoch ni<'ht der fall: 
(It'iin aiicli die kirchengeschicht liehen erwilgunircn, 
die Heyne angestellt hat, stehen auf schwachen 
fi\ssen und können nur den namen einer hyiiothese für sich 
in anspruch nehmen, für die ein ])eweis auch nicht in den 
gröbsten zügen erbracht werden kann. Heyne fülirt aus (s.xil. 
dass die hs. nach (ternrode natürlich durch den bisch(»f Hern- 
liard von Halberstadt gelangt sei, in dessen Sprengel das neue 
frauenkloster lag und der es geweiht hat. bei welcher gelegen- 
lieit etwa der codex mit anderen zur begründung einer stifls- 
bibliothek von Halberstadt hinüberwanderte; nach Halberstadt 
aber müsse er aus "Werden (das wird, wie wir (d)en s. 250 
sahen, ohne genauere motivierung als sicher angenommen) 
durch bi.^chof Hildigiim II. (853—880) gebracht sein, der vor 
seiner erhebung auf den llall)erstädter bischofsstuhl lautrere 
zeit in Werden gelebt und dem dortigen kloster auch später 
sein Interesse erhalten habe. Ueber Halberstadt hinaus ver- 
mag ich Heynes Wanderungsgeschichte des codex nicht zu 
folgen: den gro.ssen schritt von dort nach \N'erden zu tun liegt 
auch nicht der schatten einer Wahrscheinlichkeit vor, ge- 
schweige di'iin ein beweis. Dass bischof Hilditrrim II. vor 
seinem Halberstädter episcopat lange jähre dort zugebracht 
hat, da Werden, die Stiftung seines oheims Liudger. .sein 
familienbesitz war, kann W(d nicht als .s(dcher anges<dien 
werden; und was .sein besonderes interes.se für das kloster 
anlangt, so ist doch gerade er es gewe.sen. der es dem künige 
übergeben hat, wodurch die engeren beziehungen, die es bis 
dahin zu seiner famili«'- g«'habt hatte, sich lösten (vgl. Hauck 
22, 408). 

So bleibt von Ilevnes ausführungen nur der hinwei.x auf 
Halberstadt bestehen, und ich glaube, dass damit auch l)en'it.s 
ein i'unkt gewonnen ist, auf dem man sich iM-ruhigen kann. 
Ich halte es für äusserst wahrscheinlich, dass der 



260 LEITZMANN 

psalmencommentar in Halberstadt geschrieben ist. 
Es liegt innerhalb des fjwZ;-gebiets, so dass von dieser seite 
her keine Schwierigkeit vorliegt; aber anch das geistige leben 
des schnell aufblühenden bischofssitzes im 9. jh. erscheint als 
ein geeigneter boden. Eine reiche bibliothek war vorhanden 
und literarische tätigkeit wird uns auch sonst bezeugt (vgl. 
Wattenbach, Deutschi, geschichtsqu. 1 "^j 344). Besondern rühm 
als gelehrter und fruchtbarer theologischer schriftsteiler genoss 
bischof Haimo (840 — 853), ein schüler Alcuins und Studienfreund 
des Rabanus, auf dessen exegetische compilationen neuerlich 
Wrede mit rücksicht auf den Heliand hingewiesen hat (Zs. fda. 
43, 350, anm.). Auch einen psalmencommentar hat Haimo ver- 
fasst: er liegt zwar unserer as. Übersetzung nicht als quelle 
zu gründe, aber vielleicht lag in der Wirksamkeit und den 
anregungen Haimos das treibende moment, das dann in der 
zweiten hälfte des 9. jh.'s unsern versuch, die psalmen deutsch 
zu erklären, entstehen Hess. 

3. Zu den Essener denkmälern. 

Die folgenden kleinen bemerkungen zu den beiden in 
Düsseldorfer hss. aus Essen überlieferten as. denkmälern, dem 
Beichtspiegel und der Allerheiligenhomilie Bedas, beschäftigen 
sich teils mit der erklärung einzelner strittiger stellen, teils 
mit Koegels behandlung ihrer spräche, besonders des Wort- 
schatzes. Diesmal ist es jedoch nicht das von Koegel ins 
äuge gefasste endresultat seiner darlegungen, was ich anzu- 
greifen mich genötigt sehe, da ich in bezug auf dieses voll- 
ständig mit ihm übereinstimme. Ich glaube mit Schlüter (bei 
Dieter s.xxx) und Wadstein (s. 124. 127), dass es Koegel (Gesch. 
d. d. lit, 1, 2, 545. 564) gelungen ist, Jostes' ansieht (Zs. fda. 40, 
132), dass diese denkmäler aus Hildesheim stammen, zu wider- 
legen, und kann mich daher auch nicht Holthausens totaler 
Skepsis (As. elementarb. § 24) anschliessen. So fördernd und 
klärend Jostes' behandlung des Beichtspiegels in allen übrigen 
hinsichten gewesen ist, so wenig scheint mir sein localisierungs- 
versuch aussieht auf allgemeinere Zustimmung zu haben. Starke 
blossen gibt Koegels darstellung dagegen, wie ähnlich beim 
Gernroder psalmencommentar, sobald er seine kriterien aus 
dem Wortschatz der denkmäler holt: nur die Glaubwürdigkeit 



8AX0NICA. 3. 201 

1111(1 /iivfiliissi^keit dieser p:nii)i)e seiner aiguiiient«' scliieii mir 
iiotwi-iidi^^ dmcli t'iiii^;c kiitisclie {flössen zu ei-scliütteni. 

Was zunächst den Bei cht spie gel im iiUj^enieiiien antrelit, 
so kann num den f!:riindle<(enden auseinandeisetzunj^en von 
Jostes (s. 13t), die ein wirkliches Verständnis des denknuils 
eigentlich erst ermöglicht haben, nur beistimmen, und Wadstein 
hat sich (s. 12()) ganz mit recht so eng als möglich an sie an- 
geschlossen. In den anmeikungen (s. 124) teilt W'adstein den 
lat. Ordo ad dandani poenitentiam, in den unser denkmal un- 
geschickterweise eingefügt worden ist, im vollständigen Wort- 
laut mit: hier hätte neben dem älteren werke W'asserschlebeiis 
auch die neue tiefgreifende aibeit von Schmitz, Die bussbücher 
und das kanonische bussverfahren (Düsseldorf 1H98) angeführt 
werden sollen. Dort findet sich (s. IIH») ein kritischer text des 
betreffenden Ordo mit einem reichen Variantenmaterial, zu dem 
allerdings der uns hier beschäftigende codex, der dem verfjus.ser 
unbekannt geblieben zu .sein .scheint, nicht herangezogen worden 
ist. Hei un.serem Heichtspiegel ist leitler so w«'nig wie bei den 
übrigen deutschen beichten, die in den Denkmälern gesammelt 
.sind, die lateinische formel erhalten, die in jedem einzelnen 
falle zu gründe gelegen hat. Wie diese etwa au.^gesehen 
haben mag. davon kann man sich nur nach zwei bei ^^'a.s.sel•sch- 
leben, Die bus.sordn. d. abeiidl. kirche .s. .'JÖO. 437 abgedruckten 
stücken, einem iiKiuisitorischen abschnitt des l'oenitentiale 
Saugernianense und der beichtanweisung Otmai-s von St. Gallen, 
einen einigermas.sen deutlichen begriff machen (vgl. schon 
Denkm. 2^, 3ü3). Diese ganze gattung von denkmälern bedürfte 
dringend einer erneuten genetisch -kritischen durchforschung, 
die aber wol von theologi.scher seite geliefert werden mü.vste. 
Ks liegt mir natürlich bei diesem wünsche fern. Kt>egel bei- 
zustimmen, der (s. 540) die ansieht vertritt, da.si« die.se dinge 
die phihdt)gie nichts angieiigeii. Da.ss ihm, wie «»r .selbst (a. 418) 
bekennt, theologi.sche und kirchengeschichtliche dinge durchaiu* 
fern standen, auch insowt'it deren kennt nis von den» alteren 
deutschen literarhistoriker verlangt werden kann und mu.v*. 
wird in .seinei- behandlung der ahd. geistlichen prosa vielfach 
leider allzu stark fühlbar. 



262 LEITZMANN 

IG, 3 allon sinon helagon ivthethon. Heyne und Sclierer 
haben hier mit recht nach dem nuister der Lorscher beichte 
(Denkm. 72 b, 1) endi theson vor u-ihethon ergänzt. Unser 
Schreiber, der eine vorläge abschrieb (das beweist die correctur 
17, 12 oder maclit es doch wahrscheinlich), hatte jedenfalls eine 
formel vor sich, die helagon im texte, wiltefhon für eventuelle 
einsetzung am rande beigeschrieben bot. Wurde die rand- 
bemerkung überhaupt verwertet, so geschah das natürlich in 
der weise, wie es in der Lorscher beichte geschehen ist, d.h. 
mit hinzufügung der notwendigen verbindenden worte; unser 
Schreiber dagegen hat sie, wie das so häufig geschieht, ohne 
weiteres in den text aufgenommen, wo sie so, wie sie nun da- 
steht, keinen sinn gibt. Es sollte wol der gesammtheit der 
heiligen noch besonders die gruppe derjenigen beigeordnet 
werden, deren reliquien die betreffende kirche besass; falls 
überhaupt solche vorhanden waren, wurde der zusatz in die 
formel eingefügt, andernfalls blieb er natürlich fort. Ich sehe 
keine andere möglichkeit, das sonst in den deutschen beichten 
nicht vorkommende nebeneinander von helagon und ivihethon 
als beichtempfänger zu erklären; die reliquien gelten hier als 
lebendige, fast persönliche kräfte (vgl. Hauck 1'^, 199). Dass 
der reliquiencult nirgends eifriger war als unter den sächsi- 
schen Stämmen, führt Hauck 22, 750 aus. Die jüngeren 
deutschen beichten setzen dann geradezu die namen der be- 
treffenden heiligen ein: vgl. Denkm. 94, 5. 95,31. 96,43 [disen 
gegemvurtigen heiligen und allen gotis heiligen). 

16, 9. Die hier vorkommenden bezeichnungen mester und 
herdöm sind zuerst von Jostes (s.l36) als 'nächster vorgesetzter' 
und 'abt (stift)' gedeutet worden. Es ist ihm jedoch ent- 
gangen, dass beide worte in gleichem sinne auch in jüngeren 
ahd. beichtformeln begegnen. Nebeneinander finden sie sich in 
der ersten Wessobrunner beichte (Denkm. 90, 97): ih ne eroti 
noli ne geivirdota mina forderen, mina maistere, miniu hertuom, 
heithaßiu liuta, noh ne was in getriu; wörtlich ebenso in der 
Bamberger beichte (91, 124); vgl. ferner hertuom allein in der 
zweiten Benedictbeurer beichte (94, 15). 

16, 15 ök itihu ih ihat ih giivihid mos endi dranh nithargot. 
Jostes bemerkt hierzu (s. 135), Scherer habe die stelle mis- 
verstanden, wenn er sie auf die verschüttung des sacraments 



SAXONICA. 3. 263 

deute; der ziisanniK'iihiinp: ergebe, dass es sich um v('rK<*liuii{,'en 
gej,'eii diis eif,n'iitiiiii dvs näclisleii liaiidle, luil dem man nicht 
Vdisichti','- und sparsam i^i-nuii; umjü:e},^angen sei, und ijiniltiil sei 
nur hinzu<<:efü{,^t, um die sünde noch scliwärzer zu nuUen, da 
alh' iiahiun;,'- im mittclalter geweiht worden sei. Mir scheint 
ht'hauptung wie hegründung verfehlt, und icl» werde in dieser 
ablehnung nocli durch die mit der nieinigen ganz überein- 
stimmende ansidit meines hiesigen tlieologischen coUegen I'aul 
Drews bestärkt, der sich speeiell mit liturgisdien fcnschungen 
beschäftigt. A\ir glauben entschieden, dass es sich liier, wie 
ja auch bei einem für cleriker bestimmten beiclitspiegel nicht 
auffällig sein kann, um nichts anderes handelt, als um die 
schwere sünde der sacraments-, insbesondere der kelchverschüt- 
tnng. .Man sehe nur zu, welche grosse rolle die.ses vergehen 
in den mittelalterlichen bussbüchern spielt (vgl. \\'a.sser.schleben 
s. 2-2H. 2l;{. -JOi». ;}0(3. ;{;]•.». :!71. ;;'.•'.). IHO. oi:>. OUS. Schmitz s. iJll». 
2<>8. C37. 038. 070. 09:'.); im Poenitentiale des Heda begegnet 
die directe frage cotÜKjit tibi tiUa nc(/h(jr)iliu de sunificio? 
(W'assersclileben s. 204. .Schmitz s. »JSl). Die worte drank ni- 
tlumjöt geben direct die lat. wendung calicem pcrfundcre wider. 
Der Zusammenhang kann über die bedeutung unseres .satzes 
nichts ausmachen, da das Verzeichnis der sünden, wie schon 
Scherer (Denkm. 2 3, 379) hervorgehoben hat, nicht systemati.sch 
angelegt ist. Die sacramentsverscliüttung hat mit dem folgen- 
den minus hädönius raica su nc (jilicld, sü i/c sLuhlu, cudi mir 
tvrida, than ik skoldi so wenig etwas zu tun als etwa sündliche 
lust und versäumte hören (1(5, 12), die doch auch in ein und 
demselben satze durch endi verbunden stehen. Die alte, wo! 
allseitig geteilte auffassung Scherers dürfte al.so aucli weiter- 
hin unseres erachtens zu recht bestehen, wenn wir auch aus 
antleren beichtfoinieln keine parallelen beizubringen venn»"»gen; 
enthält doch unser stück auch sonst Singularitäten, wie z. b. 
die erwähnung der unhn'nia scspilon (17,5). 

1«), 10 Diinas hhdömus raka so nc ijiUdd, so ik skohla. 
«lanz nahe berührt sich mit diesem satze folgend«'r aus der 
Keichenauer beichte ( Denkm. 75, 27): i7i (/ihu yodv, diu ih ... 
miiirs füren sdchti sii nr hitilt, sose ffot haht't ifilMdan. Zur 
saiche .sei auf bestimmungen wie die bei \Vas.sei-si'hieben .<*. 241. 



264 LEITZMANN 

273. 410. 415 stellenden verwiesen, ilucli liier fehlt eine älin- 
liclie Wendung- in den anderen beichten. 

16, 24 begeg-net firion. Koegel behauptet (s. 552), das wort 
sei unsächsisch; im as. stehe es nur noch in den Essener 
evangeliarg'lossen (52, 30), bei dem im Mnd. wb. 5, 259 b citierten 
einen nind. beispiel sei wol hochdeutscher einfluss im spiele. 
Die belege aus den glossen von St. Peter (80, 4. 83, 33) sind 
allerdings in bezug auf ihre dialektische Zugehörigkeit zweifel- 
haft; warum aber das wort in Korners Lübecker chronik auf 
hd. einfluss beruhen soll, ist nicht abzusehen. Aus einer 
schwierigen stelle bei Gerhard von Minden (93, 54) scheint 
sogar hervorzugehen, dass das wort im nd. eigenartige be- 
deutungsnüancen entwickelt hat (vgl. meine anm. zur stelle). 
Und soll das afries. firia (Richthof en s. 743 a) auch aus dem 
hd. entlehnt sein? 

17, 7 meneth siior an tvthetJwn. Koegel gibt an (s. 553), 
das wort ivthetha sei as. sonst nirgends belegt und scheine 
auch mnd. nicht vorhanden zu sein. Das stimmt allerdings, 
beweist aber nichts für den westlichen Charakter des Wortes. 
Auch im afries. ist es als ivitha häufig (viele belege bei Richt- 
hof en s. 1154 b, darunter auch einige für den reliquieneid, das 
wUhjuramentum, von Grimm, Rechtsalt. 2^, 562 unrichtig ety- 
mologisiert). Ahd. begegnet es in derselben formel in der 
Lorscher beichte (Denkm. 72 b, 25; vgl. auch 91, 128). Zur 
Sache vgl. AVasserschleben s. 190. 226. 238. 267. 539. 562. 593; 
Schmitz s. 691. 

17, 8 mistumft vergleicht Koegel (s. 552) richtig mit ahd. 
messe^iimft (Tat. 129, 7). Ein anderes gleichbedeutendes com- 
positum dieser ableitung von as. teman, ahd. seman ist unge- 
nmift (St. Petrier glossen 81, 23. Denkm. 90, 135. 91, 164). 

17, 18 so niid gilovon, so mid ungilovon. Dass diese worte 
'mit willen' und 'ohne willen' bedeuten und dem danlces oder 
iindanl.es anderer formein gleichwertig sind, hat Jostes (s. 134) 
ausgeführt, ohne zu wissen, dass Wilmanns (Gott. gel. anz. 
.1893, s. 539) dieselbe erklärung nicht nur vorgetragen, sondern 
auch schon lautlich begründet hat, indem er uns g'dovo von 
gilövo trennen lehrte. Der satz unseres textes so ih it tvitandi 
dädi, so \mivitandi, so mid gilovon, so mid ungilovon gibt 



sAXoNicA. n. 205 

wüitlirli. Hill' in miiL''t'k('lM!fr tul^rt', <l;i>>i mlnis nnt nohu^ mit 
scints mit iusrivus iWv l)«'iclitiiii\v«'isunp^ Otniais ( \Va.ss<*i"sclilel>eii 
s. A'M) willer. 

17. 'J.'» ///7//////// 'vt-niiittliiii^' .stflii naili Knc«;»*! (s. 5.V2) nur 
ikmIi in der AllerluMlififenlioinilic (IH, 17) und in niin-r nml. 
strilc. wälimnl CS im niiid. tVlile. Audi lii«'r \s\ di«« jsoIi«*niii{^ 
dt's Wortes auf llitllan<l und seine nacliharjrehit'i»* uniirhtijf; 
es findet sich auch in der eisten Benedict heurer l)eichte (l)enkni. 
87, M): ich hi/r ifciviyidrs uutr i/tdiniii s mim f'ionitu sancte 
Mnriihi. 

Zui- Allerheilifr<'iihoniilie möchte ich foltrendes an- 
merken. Die eifrentümliche schreihnn«; ö. die im Heichtspiej^el 
nur tili- urfferm. betontes 6 dreimal «rehiaucht ist {(/isonthi, 
ilisimnn 10.30; dön 17,22), tindet sich in diesem denkmal nicht 
nur in dieser selben verwendunp: viermal {(jndlilcd, (fnlön is, 12; 
hinli(jo 18, 11. 17), sondern auch fünfmal für unbetontes o oder u 
{Homo 18,4; uorthon 18, :>; /vWAo« 1 8, 1 1 ; //W///« 18, 14. 17). 
Koepfel hat (s. 'ü^\) bemerkt, da.ss für betontes ö dieselbe 
sclireibnn<r ö auch in den von Harless heiaus«ie<,'-ebenen alten 
Kssenei- nekrolo^-ien eini«,'eniale vorkommt, und setzt den laut- 
wert dieses buchst abens als ho an. .Mit rücksicht auf liod'njn, 
(las Ijnjthausen (§ 1»»:',. anm. l ) richti«,'- als hihhiju um.^chreibt, 
und auf da-s vorkommen in unbetonter silbe, wo gewis kein 
diphthon«: mn«rlich ist, miichte ich auch in <len anderen fällen 
monophthon;,Msclie ausspräche als n annehmen. Koeir»d hat 
übersehen. da.ss auch dies ö in unbetonter silbe einmal in den 
Kssener namenlisten btdejjfbar ist: derselbe nan»e ei-scheint 
zweimal als Eniu^t, einmal als Eni'»>f (\iih f. d. gescU. d. 
Niederrh. (), 78. 79. 75). 

Von den lexiko^rraphischen bemerkuuKen Ktirirels (s. .'»li.'i) 
>ind wider zwei, die über «///'>(/( 18, 5) mu\ <frnuuoht'd {ia,H), 
hinfiillij,'; da.s lehrt ein blick in die Wörterbücher; l)eide Worte 
sind weit ent feint, nur dem wesiliclien sprachtreliiet anzu- 
gehören. Dagegen scheint mir .seine auffas.^unir von /im</i</m 
als adj.. unserem 'heutig' entsprechend, plausibler als Hnjt- 
haii.sens annähme (Jj l:t8. 7; ähnlich .schon .I.«iriiuin. Kl. M-lir. 
•». .'{«)l). dass es alte bildung und unter «lern einflu.«*»« von diuj 
dreisilbig ^^eblicben sei: da.vs der ursprüngliche zu.'^inunenhang 

Bcilrife tut nc«chichl« (l«t dcuUchtn «|>r«ch(. XXVI. |0 



266 LEITZMANNj SAXONICA 3. 

mit dcuj zur zeit unserer as. denkmäler nicht mehr empfunden 
wurde, scheint mir sicher. Allgemein as. galt synkopiertes 
Jimdu (vgl. darüber Kluge, Beitr. 12, 376), und davon ist hüdigu 
eine adjectivische ableitung. Ebenso wird afries. hindefia 
neben hiude, hioda (Eichthofen s. 818 a) zu deuten sein und 
auch ahd. ist das adjectiv nicht so selten, wie man glauben 
möchte (vgl. Denkm. 77, 4. 88, 4. 89, 40. 95, 36. 96, 46). 

JENA, 6. juli 1900. ALBERT LEITZMANN. 



NACHTRAG 

(zii s. 150 ff.). 

Eine nochmalige (Uirchvergleichung der zahlen hat mir noch folgende 
besserungen ergehen (zu änderndes cnrsiv). S. 182, 3 1. 354, 10. — 183, 4 
V. u. 1. 124, 31. - 181, 2 1. 316, ^2; z. 6 1. 162, 27 (für 162, 17); z. 18 1. 92, 8; 
Z.20 1. 108,27. — 185,1 1. 258,^7; z. 8 1. G6,9; z. 11 1. ^^78, 21; z. 13 1. 
172, Jß lind 17.2,12; z. 15 1. 356,24. — 187,18 v.u. 1. 258,^^8; z. 16 v.u. 1. 

214.5 (für 214,3); z. 11 v.u. 1. 86,10. — 189,17 1. 138, i.9; z. 19 1. 98, S. 

— 190, 19 1. 378, 24 — 192, 17 v. u. 1. 292, 22. ~ 193, 5 v. u. 1. 402, 12. 

194.6 1. 380, 4i. — 196,4 1. 398,2.3 (für 398, 29); z. 18 1. 438,18. — 197,1 
1. 440,0. — 198,13 v.u. 1. syncl 200, .5. — 199,1 I. 12G,26; z. 12 v.u. 1. 
388,2; z.9 v.u. 1. 388, 4i (für 388,1). — 200,1 1. 392,10; z. 9 1. 168,16. 

— 201, 9 V. u. 1. 386, 19. — 202, 4 1. 424, i3; z. 6 1. 438, 29 (für 438, 2 [9]). 

— 203, 13 V. u. 1. 428, 26. — 204, 6 1. 42ö, 30; z. 7 v. u. 1. 216, Id. — 205, 5 
V. u. 1. 332, 4 (für 322, 24) und 3SG, 18; z. 1 v. u. 1. 414, 53. — 206, 4 v. u. 1. 
98, 4. — 207, 2 1. 418, 8; z. 14 1. 88, 9; z. 16 426, 20. — 208, 9 1. 278, 53; z. 16 
v.u. 1. 312, i5; z.2 v.u. 62, 2i. — 209, 1 1. 358, 18; z. 4 1. 192, 7; z.l2 1. 196,6. 

— 210, 4 V. u. 1. 84, 58. — 211,12 1.304,3. — 212,14 1.100,12; z. 15 
V. u. 1. 358, 52. — 213, 16 1. 330, 10 (für 3(i0, 10); z. 18 1. 200, 53. — 214, 14 
1. 294,25; z. 16 1. 84,24; z. 8 v.u. 1. 154, i. — 216,9 v. xt. 1. 352,26. — 
219,2 1. 338,16; z. 12 1. 94,16-. - 224,13 1. 410,27; z. 20 1. 328,18; z. 24 
1. 370, i8; Z.25 1. 434,59; z. 12 v.u. 1. 364,17. — 226,1 1. 142, J8; z.2 1. 
96,5; Z.6 1. 130,34; z. 7 1. 316,56; z. 13 v.u. 1. 324,4. — 227,10 v.u. 1. 
62,20; z.6 v.u. 1. 420,26. — 228,11 v. u. 1. 175,28. — 229,1 1. 388,5; 
z.6 1. 282,5; z.8 1. /^42,117; z. 13 1. 84,25; z. 15 v.u. 212, i5; z. 11 v.u. 
1. 368, 25. — 230, 2 1. 360, 24 (für 426, 19); z. 12 v. u. 1. 378, 7; z. 9 v. u. 1. 
422,50; z. 5 v.u. 1. 170,33. — 231,17 v.u. 1. 360,35; z. 11 v.u. 1. 344,7. 

— 232, 11 1. 400, 3. 

MAX DEUTSCHBEIN. 



VOM KHVTIIMTSCIIKX ZWISfllKXACCKN T IM) 
SCllLL'SSACrKXT IM DKrTSClIKN VKL'Si;. 

Zwischen den silben, die einen festen sinn wert haben, so 
dass sie überall einen ton trao^<'n, einen lianptaccent. oder, 
wenn dieser von einem stärkeren tone «redrückt wird, einen 
nebenaccent, und denen, die, ausser bei willkürlicher betonung, 
ininier tonlos sind, steht eine sehr grosse gruiipe von S(dchen 
in <lei- mitte — es sind fast durchaus einsilbige Wörter — 
die je nach dem zusammenhange der rede einen sinnwert 
haben, der sie zu tonsilben macht, odei- keinen haben. Voss 
hat sie. lecht unglücklich, mittelzeitige genannt. [']\\vr ihnen 
nehmen diejenigen eine wichtige Stellung ein. ilie sich oft vor- 
wäits oder lückwärts an (Umi ton eines anderen Wortes oder 
ein<'r unter einem tone stehenden wortveibinduiiL'' lehnen, die 
proklitiken und die enklitiken. 

Schlechtweg inoklitisch sind in allen formen die beiden 
artikel: ilcr (idUr, dir .schnelle niUer, ein itdlcr, einen tidler 
U.S. w., ferner die mit artikellosen Substantiven adverbialaus- 
drücke bildenden Präpositionen: i)i nrlit nclmien, zu ende (ja 
auch zuende geschrieben). Ferner sind die pei-sonalproutmiina, 
aus.ser im gegen.satze, je ihrer Stellung nach proklitisch oder 
enklitisch: du bist, bist du (einst bistit). Kbeiiso die posse.*yiiva, 
wo weder ein gegensatz noch ein gefühlswert vorliegt: seid 
ihr auch wohl, mein vaterY , aber sein vdterY seiner i* und der 
eure, nichteY und mein vdter, mein vdter, jetzt fVi.'ist er mich an! 
Kben.so die copula, wo sie auch allenfalls ohne einbiKse an 
deutlichkeit fortbUdbeu könnte: mter ist fort {vater fort). 
Häufig ist ferner die präpo.sition proklitisch. Kinen fall haben 
wir .schon vorhin gehaltt. .Aber auch wo kein adv«'rbialau.><dnick 
gebildet wird, dürfte die präposititiu. vor allem die eins Ibige, 

18* 



268 BKIEGER 

oft als proklitiscli anzusehen sein. Kaum bestritten dürfte das 
bei den jetzt veralteten ausdrücken werden wie m sessel, in 
himniel u. ä. Aber nicht anders steht es doch auch mit den 
Präpositionen, die mit dem artikel verschmolzen sind, und von 
hier ist wider nur ein ganz kleiner schritt bis zu dem falle, 
wo keine Verschmelzung stattfindet bei sonst gleichem werte 
der Präposition: tind im herben liats yeldungen — in den herzen 
wohnt das recht. 

Die enklitiken und proklitiken als solche sowie überhaupt 
alle tonlosen könnten nun offenbar nie eine hebung bilden, wenn 
zur bildung einer solchen durchaus ein logischer accent gehörte, 
Sie bilden aber oft genug hebungen: in ihrem langen schleier 
die gestalt lesen wir, doch wol ohne anstoss, bei Schiller, und 
zwei absolut tonlose biegungsendungen haben wir in dem 
AVielandschen verse den grazien und ihren Zöglingen. Wir 
sehen also, dass es noch einen anderen dynamischen 
accent gibt als den, welcher sinnton ist. Ueber diesen accent 
sind seit Jahrhunderten metriker gestolpert, ohne ihn zu er- 
kennen, und so hat er noch heute keinen namen. 

Friedrich Vogt hat eine vorzügliche arbeit von der 
hebung des schwachen e geschrieben. Sie steht in den 
'Forschungen zur deutschen philologie. Festgabe für Rudolf 
Hildebrand', s. 150 ff. Das gehobene e ist eben das e, das 
diesen bisher namenlosen accent trägt: aber es trägt ihn nicht 
als e; jeder andere vocal trägt ihn unter denselben Verhält- 
nissen auch. So zeigt die Überschrift, was auch die arbeit 
bestätigt, dass der Verfasser über das wesen der behandelten 
erscheinung nicht im klaren gewesen ist. Dessen ungeachtet 
ist aber die Untersuchung, die für einen der möglichen fälle 
das historische material in reichlicher fülle und musterhaft 
geordnet beibringt, auch für die in einer richtuug umfas- 
sendere erörterung, zu der wir uns hier anschicken, von 
grösstem nutzen. Es handelt sich bei Vogt, für die beiden 
klassischen zeiten wenigstens, um das des sinntons entbehrende 
gehobene e zwischen unbetonten silben. Von diesem sagt Vogt 
in einer kurzen Zusammenfassung des historischen, die ich 
später für ein kleines gebiet ergänzen werde, s. 178 f. u. a.: 
'in der mhd. blütezeit verliert das schwache e mehr und mehr 
die fähigkeit, übeihaupt eine hebung zu tragen. Diese durch- 



KIIYTIIM. /\VIS( |||;na< (KM IM» M MM SSArCKNT. 2»H) 

aus spiacli^emässe eiitu i<k<'liiii<r wini diiirli dj». silbeiizälilfiide 
technik der ineistersin«,'-»'!- jreslört ii.s. w. Als der aiiscliliiss 
der versbetoiiuiiy an die wortljetoimn«,' wider zum |»rinci|»e 
wird, liat die iilid. sil])en(lelinun<r und der ^.nundsatz des 
wechseis eiiisillii<rer lM'l)unjr»'n und senkunjreji den j^ehmucli 
eines in dritter silbe stehenden r auf (h'r hel)uny unvenneid- 
lich jreniaelit.' — ()i)itz ist in th-r theoiie ziemlich strenp'. in 
der praxis erlaubt er sich viel, s. Vo^t s. lOö. \\y und andere 
vorvossische theoretiker i)etracliten das *<reh(d)ene' r als eine 
iicentia' oder, um mit Sdiottel zu •-|»rechen. als eine *ver- 
gönstigiiiifr und übersehung', s. s. I<i7. \'n\n wesen der sarhe 
hat keiner eine ahnung, wenn auch keiiit-r so schlimm iril wie 
\'()ss. der in der Zeitmessung dei- deutschen >|iraclie s. iso 
schreibt: 'die natürliche zeit der silben kann duich die be- 
schaffenheit des taktes geändert' und '(lic kürze kann dui<li 
die hebung zu einer unvrdlkommenen lange von zwei Zeiten 
verstärkt werden", s. 251. Kr spricht hiei- so. als (d) das 
deutsche eine (juantitierende siuache wäre — übrigens eine 
anschauung, in die auch noch heute metriker zuweilen, ohne 
es zu merken, zurückfallen - -. und er schreibt dem rhylhmus 
eine Wirkung zu, die dieser im deutschen verse niclit haben 
kann. Kr gestaltet <la schmctkrti di-r donnerst n'ihl und ver- 
wirft, mit unrecht, die jlüMujeren sttmden. \'(»n dichtem be- 
handelt \'ogt (lOethe. und zwar voi- allem «loethe als drania- 
tiker. mit be.sonderer liebe und Sorgfalt, (loethe ist von 
unseren klassischen dramatikern in der metrik bei weitem 
der feinfühligste. Seine i)raxis ist zu verschiedenen Zeiten 
\ erschieden gewesen, aber ei- war auf dem licht igen wege, 
wenn er Schiller gegenüber bedenken äu.ss«*rte. den« » ül)er- 
hanpt einen vei-saccent zu geben. Auf (loethes verfahren in 
der lyrik komme ich später. Hier erwähne ich nur noch. 
dass Vogt, im einklauire mit (ioethe. das gehol>ene . im ivime 
LTanz verwirft und es. vom trimeler abgesehen, auch am ende 
reinjloscr veise «*ntschieden misbilligt. 

I)ass das e nicht als solches jrehoben wird. .Mindern als 
\ocal. ist leicht zu bewei.sen. Man vei>uche lldrua, Lerici 
oder liimini, Cicero, Ilion oder Itios. TnnUdus usw. 7.U 
sprechen ohne den schlussvwal und damit die sillw zu helM-n, 
und man wird sich alsbald von der Unmöglichkeit ül»er7eugen. 



270 BRIEGEE 

Es mag: übrigens bei dieser Gelegenheit bemerkt werden, dass 
nicht alle vocale als gleich stark, d. h. hier als gleich schwach, 
empfunden werden. Die silben mit tonlosem c geben die 
schwächsten hebungen. Das / und o haben immerhin mehr kraft 
als das e, das u desgleichen, ebenso en- u. s. w. Von schluss- 
consonanten verstärkt das r etwas: rauherer; os, on, us u.s.w. 
schwächen den versrhythmus gleichfalls nur wenig, und im 
versausgange, im reime, wird davon : Ilion kaum als rhyth- 
misch unzureichend empfunden. Wenn wir bei Freiligrath 

lesen : 

Heiss \\m\ durstig sali die düne 
Auf das Tueer, ein Tantal i\s; 
Wie ein grosser silberhalbmond 
Schäumte der oceanus, 

SO klingt uns das pikant fremdartig, aber nicht unschön. Oft 
widerholt würden solche reime freilich unerträglich werden. 

Wenn aber im allgemeinen zugestanden werden muss, 
dass die gehobenen tonlosen keine zierde des verses sind, so 
ist damit nicht gesagt, dass sie ein Verstoss gegen das rhyth- 
mische gesetz unserer spräche wären. Sie entspringen ja gerade 
aus einer rhythmischen eigentümlichkeit derselben. Wir be- 
tonen: Jesus redete sunt vollce und wenn wir das mm volke 
fortlassen: Jesus redete. Der accent auf dem e ist schwach, 
vielleicht schwächer als der schwächste logische nebeuaccent, 
aber wir nehmen ihn doch als dynamischen ton wahr. Ebenso 
betone ich Imhnere, rauherer, fanden es, freudige u.s.w., aber 
sprechen wir auch glücMicher, hoffnungcn, lächelnde so? Das 
ist bestritten worden, s. u. Man hat behauptet, wir sprächen 
glücJcVwher, höffnungen, lächelnde, tvünderte. Ich kann nicht 
behaupten, dass man nirgends in Deutschland so spricht, aber 
ich bezweifle es, und meine, hier liegt eine Verwechslung der 
Zeitdauer mit der tonstärke vor. In kiiJmere, freudige u. ähnl. 
Wörtern ist die mittlere silbe kurz, in glückliche ist sie, ich 
will nicht sagen lang, aber doch etwas länger, wol weil der 
alte sinnwert des liclb noch nicht ganz erstorben ist. Die silben 
nung{en), lächelnd aber kann kein mensch kurz sprechen. 
Denn wenn gewisse consonantenhäufungen auch nicht einer 
silbe den wert einer hebungssilbe geben können, so folgt daraus 
doch nicht, dass sie die silbe in keiner weise verlängern. Es 



KIlVrilM. /WISCHENACCKXT IND SCHIJ'SSACCKN 1. JT 1 

scheint iiiii- mm. dass das um ein fr«'nngfes liln^ere verweilen 
iiiif der l)esch\veiten niittelsilhe den intimi liervortrerufeii hat, 
als tlÜJ^e diese einen xliuarlicn tnii. was narli dem ^'i'Selz«? 

des rhytlmms unniö<,Hi(li ist. Hei daktylisch au.s{fehemleu 
Wörtern, die eine unheschwert«' inittelsilli«* haben und deren 
vocal so leicht ausfällt (Uidr/r, lcijiii<ir und nudii, kiin'tje 

stehen einander übrigens .srhr nahe kann aiidi nicht einmal 
der schein entstehen, als würden sie i)et(»nt. 

her rliytlmiische accent steht nicht iiunier aul der mitt- 
leren von drei tonlosen. .Nur in ianiliischen und trochäischen 
Versen ist es imnu-r so, in odcnnwis.M'U kann au<-h die erste 
von dreien g-ehoben werden. JJn o lud, du (hiij zu tUut (jvnuss, 
dass ihn (jott hört in des (jcbnnthals iiiicht. .Andere Klop- 
stocksche beispiele in der abh. *\'oni «rleichen verse'. zuei-sl im 
vierten bd. des Mess. 177U ofedruckl. und in den öden. l)er 
ohne vergleich wichtigste fall ist jedoch der der betonung einer 
mittleren tonlosen und der einer .M-hlies.senden zweiten ton- 
losen. l)er erstere ist ein zwischenac('ent. der zweite ein 
Hchlussaccent. Das we.sen beider, das ja da.sselbe ist. be- 
zeichnen wii- als ein rhythmisches. Ks ist uns ein bedürfnis, 
im innern einer reihe von drei oder nudir tonlosen, uml am 
Schlüsse, von zwei tonlosen eine, im letzteren fall immer di»* 
zweite zu heben. Aber die .spraclu* — ich rede hier nur 
von der ileutschen würde «liesen accent nicht haben, wenn 
er nicht im reinen rhythmus begrümlet wiire. I)as> er das 
ist, kann num natürlich nur am Ic-ren ihythmu«-. z. 1». an dem 
im tr(»mmeln sich darstellenden zeigen, und da weist mich 
lierr piof. Sievers darauf hin, dass. wenn nmn einen stärkeren 
ton mit diei darauf folgenden schwächeren auf <lem ti.sche 
iidiiimeln will, der mittlere, und wenn man nach eiiuMu stäi- 
keren zwei schwächere zu trommeln versucht, (dine da.'is andere 
töne folgen, der letzte etwas stärker wird. .Man troinuielt 

>tatt i,W^ vielmehr /.V»" ""'• ^*"'' »»^m vielmehr ,W^ 
wo der gi\ivis zunächst nur eine kleine Verstärkung des tnus 
bezeichnet, mit der freilich auch (*ine kleine vergrö.vM-rung der 
Zeitdauer verbunden ist.') 

I') .Miiu vjfl. h'wrtn nniiK'Utlirh E. Mciinmiiii, IntmucbauifiMi «nr |«vohi>- 
logio und iiDtlictik «Ick rlivthiunit, Lei|>zig IHM, «.75. E. HJ 



272 BRIEGER 

Es erübrigt noch, den rhythmisclien accent zu bezeichnen. 
Ich schlage dafür einen pnnkt über dem betreffenden vocal 
vor und wende ihn hier an, also tnit schauderndem ycfuhl, dem 
glücklichen, Helena, Cicero u.s.w. 

Wenn rhj^thmischer zwischen- und schlussaccent ihrem 
wesen nach auch gleich sind, so sind die bedingungen ihres 
Vorkommens doch verschieden. Der rhythmische schlussaccent 
tritt überall ein, avo eine sprechreihe auf mehrere tonlose aus- 
geht. Nicht einmal das wort Baläylus können wir daktylisch, 
d.h. ohne schwachen schlussictus sprechen, so wenig wie das 
gr. öäxxvXoq und die lat. Wörter corpora, omnia u. s. w., s. u. 
Der rhj^thmische zwischenaccent dagegen findet nicht überall 
statt, wo sich tonlose häufen. Ich gebe ein beispiel aus der 
Goetheschen prosa, aus den Noten . . . zum besseren Verständnis 
des W.-ö. divans. Wir haben den zwischenaccent in herrliche 
verstreute stellen, sittliche gehrechen und, bei vier tonlosen, in 
das glücldichste naturell, aber er ist nicht vorhanden bei ich 
habe in den Spiegel geschaut, überall da nicht vorhanden, wo 
von drei silben zwei zu der folgenden logisch betonten gravi- 
tieren. Dies gilt aber nur für die prosa unbedingt: für die 
poesie nur insoweit, als hier nicht die rhythmische gewöhnung 
einen zwang übt. Wir lesen: u-as blasen die trompeten, weil 
wir von vornherein den freieren bau des verses merken, an 
den wir von früher her gewöhnt sind, aber wir würden be- 
tonen: ivas blasen die trompeten, wenn das gedieht iambisch 
gebaut wäre. Wir lesen in einem bekannten gesanghaften 
Wilh. Müllerschen liede: und auf den Karpcithen sind die tvege 
beschneit, aber in trochäischer gewöhnung: ist es schnee ivohl, 
oder sind es schiväne? 

Der zwischenaccent ist naturgemäss in iambischen und 
trochäischen versen am häufigsten, denn die daktylisch — ich 
brauche diesen ausdruck wie auch die anderen den Griechen 
entlehnten namen der metra der kürze wegen — ausgehenden 
Wörter und die daktylischen Silbenverbindungen sind im deutschen 
zu häufig, als dass der dichter sie nicht ziemlich oft anwenden 
raüsste, und sie ergeben in den beiden genannten versmassen 
den rhythmischen zwischenaccent. in reimlosen versen leicht 
auch den schlussaccent. • Doch ist es nicht not, sondern schlechte, 
aus dem misverständnisse der griechischen Jamben entstammte 



UlIVniM. /\V|S( llKNACCKNT UND SCMI.rsSACCKN'T. 



07''. 



nianier. wniii l'lalfn in dt-r Kiiiladimt,^ narh (Icj- ins»-) Palniaiia 
fast 20 " u rhytliniischer scliliissacfM'iitc und in di-n 21 vei>»'n 
von l'hiU'niun 11 (d.h. über 52",,) liat. darnnt«'r 10 mit gf- 
liobeneni c: bcl(i(jertc, neunundntuiuijfjalirif/r, homödiv, mustn- 
ähnllcitc, iäf'i'hlicn u.s. w. Dass die besten rbythniikiT unter 
den dichtem den rhytliniiselien schlussan-ent. vor allem den 
mit c, im reime vermeiden, haben wir scIkhj ti:esehen. In 
daktylischen und anapästisdien versen wird der rhythmische 
accent nicht leicht unfjfesucht eintreten, und ihn suchen - 
\'()ss hat (lini rcrherrlichiHdin Diouyso.-; »'rsonnen . ist eine 
Verkehrtheit. Vor der cäsur des pentameters ist überhaupt 
kein schlussaccent berec]iti<!:t; (ioethes schätze .:u fmihu und 
sie (ililcLlnJi zu litin(ft)i (ms licht ist einer von den schlechten 
Versen der Kpip:ramme. die 'antiker form sich niiliein' skIKmi. 
Pentameterausg-änfre auf -^^L hat Klopstock. und l'Iaten 
einige mal, z. b. ndh ndetere. Sie sind h(">clistens leidlich. Kin 
zwischenaccent im liexameter, wie eines gesonderten rolks, das 
an den änsserstiti i/renzett charakterisiei't Bodmers un<r»*scliick. 
Im wiegenden (amphibradiischenj verse wäie e< bejn.ilie tjn 
kunststück, zwischenaccente anzubringen. 

Eigentümlich verhalten sich in bezug aut die rhythniixheu 
accente die antiken oder in nachahmung antiker verskunst 
frei gebildeten odenma.sse, vor allem derjenigen, die anf 1. . 
ausgehende verse enthalten. Wahrend nämlich in den öden 
im allgemeinen — aus guten gründen — die rhythmischen 
zwischenaccente sehr selten sind, verleiten die auf 1^ aus- 
gehenden odenvei*se, deren es in der alcäischeu ode 2, in den 
verschiedenen Strophen der asklei»iadeischen öden bis zu vier 
gibt, und die analug ausgehemlen vei-se von den dichteiii .M-lbst 
erfundener masse bei dem reichtum der spräche an daktylischen 
Wörtern uml wortverbiutlungen zu einer übermässijren Verwen- 
dung rhythmischer schliissaccenle. hazu kam bei Klopstock, 
wie wir sehen werden, noch ein misvei-stÄndnis der In-treffen- 
den antiken strojdien. 

Kin rhythmischer accent ist nach den vt»rangehenden er- 
örterungen überall anzunehmen, wo die .«M-hlusshebung keinen 
sinnt(»n hat, also nicht weniger bei Wörtern wie tinn/r. Vtlhtia, 
liomulus, als bei solchen, die auf hrit, kat, ung u..'<. w. endigen 
und bei solchen, die erst durcii tlexion oder coniparierung zu 



274 BRIKGER 

einem dakt3'lisclien ausgange kommen, ferner bei enklitiken 
oder zum nächsten verse gravitierenden proklitiken: denn auch 
das kommt vor, freilich als fehler: Ludctvig ruft männer des 
volles, dass sie \ ihm die lasten des volles leichten . . . Scham- 
lose liämj)fen, immer entstirnter hey | der neuen unscham, Klopst. 
1789 und 1793; ähnliches oft bei Hölderlin. 

Wenn man, wie es scheint, es ganz übersehen hat, dass 
der Schöpfer der antikisierenden ode den rhythmischen schluss- 
accent in grossem umfange gebraucht, so ist das sehr entschuld- 
bar, denn Klopstock selbst erkennt es ja nicht, ja er leugnet 
es, ohne worte. Er setzt über die meisten der betreffenden 
öden ein Schema, in dem die pseudodaktylischen, im griech. 
und lat. auf eine liebung ausgehenden füsse mit -^^ enden. 
Damals verstanden ja die philologen selbst die griechische 
metrik noch nicht, ') und andererseits konnte damals noch nie- 
mand ahnen, dass kein deutscher vers daktylisch ausgehen 
kann. So ist nicht Klopstocks Irrtum merkwürdig, sondern 
vielmehr nur, dass er einigemal das richtige Schema ansetzt, 
nämlich über den öden Der lehrling der Griechen, An Fanny, 
Dem erlöser, An Young. Nun wissen wir ja aus Klopstocks 
praxis im Messias, dass er, als er die ersten gesänge des epos 
schrieb, Wörter wie Vaterland, ungetiim u. ä. noch für daktylen 
hielt, und seine auffassung erst mit dem elften gesang entschieden 
änderte (Gruppe, Deutsche Übersetzerkunst 1, 25), aber er hat 
dort, wo die schlusssilbe ein daktylus sein soll, nicht selten 
sogar haupttonige silben, wie den frommen un'msch (Der 
Zürchersee), den frömsten wünsch (An Bodmer), menschlich herz 
— viel zu Mein, mit stiller hrdft — , erkauft (An Friedrich den 
fünften) und so wer weiss wie oft. Jaro Pawel, Wingolf, krit. 
ausgäbe etc. s. 137 sagt: ^nach Klopstocks Zeitmessung bestehen 
die ersten zeilen der alcäischen Strophe aus zwei Jamben mit 
einer nachschlagsilbe und zwei daktylen, von denen sich der 
zweite in der regel in einen creticus verwandelt'. So etwas 
rhythmisch unmögliches muss sich Klopstock allerdings gedacht 
haben. Tatsächlich besteht die weit überwiegende mehrzahl der 
Schlusssilben der betreffenden verse aus haupt- oder neben- 



') Noch jetzt wild iu Horazausgabeu nicht falsch aber irreleitend der 
ausgang der betreffenden verse mit — w^ bezeichnet. 



KHY'HIM. ZWISi IIKNACCKNT IND S( III.ISMACCKNT. JT.'. 

tonigen silltt-ii. iiäinlicli 1 ls7 von l.'.lv 84'/i%- I» diesem 
falle miiss nun imlx-iliiiirt. wie mir scjicint, das üherwieß^ende 
als (las iiuniiale ;^elien. Die l.MH \ eise sollten uul" v_ ._ aus- 
gehen, 1111(1 es ist eine Micentia', wenn 'SM 15' '^ "/o da« 
nicht tun. Natürlich kann eine solche ahweichung von der 
norm unter iimstämlen eine Schönheit sein, iiKh'ssen kommt 
das iiiti nicht in frage, l'nd dafür, dass in der tat die 
häufung der rhythmischen sclilussaccente ni<ht schön ist, 
dafür ist. ohne es zu wollen, der dichter selbst «-in /.»-uge. 
A\'ir müssen in Klopstocks odendichtung drei iicriodeii unter- 
scheiden: die der unfertigkeit, die der Vollendung und die des 
Verfalls, (ienau la.s.sen sich diese natürlirh nicht aligrenzen. 
wenigstens die zweite nicht gegen die dritte, ch-nn ilie erste 
hat ihre mitürliche begrenzung im beginn dn- gros.sen pau.se 
zwischen der ode Für den kituig 17.'>;{ und (h-r Die gestirnt- 
1704. In (h'r Zwischenzeit hat Kl. nur hymiien (sdir. fit-ic, 
rliytliiiit'ii) geschrieben. Die zweit«' i)t'rio(b' möchtt' idi nur 
bis zum J. 1772 ausdehnen. In der späteieii dicht ung erscheint 
das wahrhaft luetische doch mehr als ausnähme, so in dem 
lierrlichen anlauf: <Ur hilhne nichstay (idllii hs däwmirt schon 
(Die P'tats (leiieiaux) 1780. in dem abendlich schönen liede 
Das widersehen und sonst dann und wann. Im ganzen ist 
der niedergang des geistes und der kunst nicht zu verkennen. 
Tud nun sehen wii-. wie es in diesen drei perioden mit dem 
rhythmischen schlu.s.saccente steht. In der ersten haben wir 
17 auf 240. etwa 20 "/o, in der zweiten 30: 505, weniger al.H 
Ö'/i " o> i'i der dritten — ich rechne nur die wirklichen (»den. 
nicht die lieder, die elegien un«l jene nudirere hexametcr ent- 
haltenden pseudooden — l:U: 4Ö2. fast gleicli 2l> " „• 

l'latens öden stehen, wa.s die sjtarsamkeit der .Mijwä«-ii- 
lichen ausgänge betrifft, den Klopstockschen der U'sten zeit 
nahe, wenn er sein Vorbild auch nicht ganz erreiclit. Sie 
haben in 44<) auf Iv. . ausgehenden vei-seu t', mit gehobener 
tonloser, also rund 10 " „. 

Weit zurück steht in rhytiiniisclier In-ziehung hinter Platen 
Hölderlin. .Auf 540 verse mit dem au.sgang ' . hat er 1.12 
mit gehobener tonloser. ungefHhr 24' j"„. .\ber das ist das 
wenigste. Kr hat zwi.schenaccenle, die die (nlenniasse durchau.s 
nicht ertragen, in menge, darunter dais monströM; ijastfrruntliirh 



276 BEIEGER 

tönt dein Wanderer im \ friedlichen dorfe die ahendglocle. Dazu 
kommt die manier, an das versende, vor allem an das des vor- 
letzten Verses, eine proclitica zu stellen, deren tonwort im 
nächsten verse folgt. Kurz die öden des seelenvollsten und 
musikreiclisten aller deutschen odendichter sind in rhythmischer 
beziehung elend. Doch das beiläufig. 

Die menge der rhythmischen schlussaccente in Klopstocks 
öden der ersten und dritten periode hängt mit dem stil der 
Klopstockschen ode zusammen. Einerseits lockte der daktjien- 
reichtum der metra zur bildung und reichlichen Verwendung 
daktylischer Wörter, und andererseits kam die bequemlichkeit 
dieser verAvendung dem streben des dichters nach einer ge- 
Avählten, sich von der prosa möglichst Aveit entfernenden 
spräche entgegen. So finden wir denn in den ausgängen mit 
gehobener tonloser silbe sehr häufig edle und ungewöhnliche 
ausdrücke von daktylischem masse. Ich gebe von vielem 
weniges: donnerer, schattenhesänftiyer, (verhündigerin), richterin, 
Lyäerin, vereinerin, unerbittlicher, begeisternder, sterblicher, un- 
sterblicher (in allen formen, sehr oft), ewiger, unendlicher, ferner 
die ungewöhnlichen comparative gefeierter, empfindender {töne- 
voller und) lyrischer, beseelteren, der edlere, dann die der antike 
nachgebildeten pluralia von abstracten wie umschattungen, 
bercdtsomheiten, entziicliungen, geniusbildungen und so fort. 

In den hymnen, deren erste, Die genesung 1754 und deren 
vollendetste. Die frühlingsfeier, ein wunder genialer sprach- 
rhythmischer kunst ist, müssen wir natürlich weniger rhyth- 
mische schlussaccente zu finden erwarten als in den öden, 
denn hier liegt kein grund vor, die auf -^x ausgehenden 
Wörter gerade ans ende des verses zu bringen. Und wir finden 
auch weniger; in den 758 versen der hymnen der zeit von 
1754 bis 1776 : 50, wenig über öo/,,; bis 1792 bleibt der procent- 
satz derselbe und steigt dann bis auf 9 ^'A,. 

Goethe zeigt sich in seinen freien rhythmen lange zeit 
von Klopstock stark beeinflusst, so schon in den öden an Beh- 
risch (1767), die freilich schwunglos sind. Sie haben in 112 
versen 5 rhythmische accente. Klopstocksche kühnheit und 
doch Goethesche eigenart zeigt dann die nachstrassburgische 
hymnendichtuug bis 1781. Ihre 767 verse haben 55 schwache 
endhebungen, über 7 %. Nun nähert sich der dichter, seiner 



KlIVniM. /.\VIS( IHN \«( KNT rNI> srUMSSACCENT. L'77 

ganzen eiitwickt'lmi;^ fiitsiiUTliriid. nit-lii (Irin ii'jr»'liuiissitM'n: 
An Litlii, (ianyiiicd, (iieiizm (1«m- iiuMisililu'it. Das güttliilu« 
liak*n zusauniitMi fast ^oMiaii I " „. l)as l'arziMilird hat k«'in»-n 
suk'heii accent und kann ihn nirlit lialj»'n. I)»m- diclitn hat 
jetzt dii* freie form als zu foiiii-his aufj,''fgehen. 

Hölderlins liynincn sind srliwach. oft fast prosai.Mh und 
verdienen hi«'r kein»' l)^rü(•ksi(•l^tif(^nJ,^ Schön und man mörlite 
sagen (n)ethis(li ist llypciioiis schieksaislied. mit drei gut 
wirkendt^n rliyllimischcn accenten. Auf dt-r hrdi«' steht Heine 
mit seinen Nordseeltildern. mit denen er das meer für die 
poesie erobert hat. Zu ihrer grossen und leint*n rliythmisehen 
kunst stimmt es, dass sie nicht viel iiher 2 " „ schwacher 
sehlusshehungen enthalten, lud wie malen sie d"- h V'» Mllem 
im ersten cyclus! 

\\'ie andere Unregelmässigkeiten, so können auch rhyth- 
mische schlussaccente von schöner poetischer Wirkung sein. 
W'ei' möchte in (ioethes Schwager Kionos das srhloitoudc 
(jehein missen oder in der Iphigenie das mit srliuudcnuh'm yi- 
fühl, oder wer fühlt nicht, wie bezeichnend in den oben ei-- 
wähnten versen an Lida der einzige rhythmiM-he zwisclieii- 
accent ist, wenn er liest: 

Denu .seit ich vou dir bin, 

Scheint mir de.s schnei lst»'n leltvns 

Lärmende heweg^un«:: 

Nur wie t'in leichter fli>r. dun h den ich deine tre-xtalt 

Immerfort wie in wölken erldicke . . .'* 

oder wer empHndet nicht den ganzen zauber «les Vorganges, den 
er oft erlebt hat. bei Heines woiten: 

iMe ^'liihend rote .souue »«teigt 
Ilinüh ins weit aüfschaüenide 
Silbergraue Weltmeer ? 

Erhält nun auch von zwei tonlosen, die eine rhythnii.«<che reihe 
bejrinneli. die eiste i>erechti^'terweise einen iitlls? Hir frape 
ist zu verneinen. Hin mit zwei tonlosen beginnen«ler vei> — 
die ei-ste wird mit seltenen ausnahmen eine proi*iitica sein — 
würde, da es doch in der deut.schen poe>ie einen anapäst ischen 
rhythmus gibt, als anapästi.sch beginnend aufgefa.sst werden, 
wenn — die rhythmi.sche gewidinung nicht wäre. W ir hnl)en 



278 BRIEGER 

ja unendlich viel mehr trochäische als anapästische verse ge- 
lesen, und so bleiben wir, wenn der vers in einem trochäischen 
gedichte steht, einfach in dem schon angefangenen rh5^thmus, 
oder, wenn er am anfang eines gedichtes steht, orientieren wir 
uns durch einen raschen blick, ob wir den uns geläufigeren 
rhythmus sprechen dürfen. Damit ist aber nicht gesagt, dass 
uns der bau eines solchen verses anspräche. Das ist unzweifel- 
haft nicht der fall bei Das gegliederte gehilde und bei den 
gchdU in deinem hiisen, und nur der tiefe und sprachschön ge- 
formte gedanke macht den rhythmischen mangel weniger 
fühlbar. Ebenso muss den für den rhythmus empfindlichen 
menschen das die beschattete bucht gerade in einem rhythmisch- 
melodischen meisterwerke, wie die kleine Symphonie Auf dem 
see ist, um so peinlicher überraschen, wenn er nicht merkt, dass 
der dritte teil des gedichtes nicht acht, sondern vier verse hat. 
Damit fällt auch der vielleicht noch grössere anstoss fort, dass 
die enclitica sich, die zu bespiegelt gehört, in einer neuen zeile 
stände. Jetzt freilich heisst es, 'dergleichen kommt ja täg- 
lich vor, seit man in Theben verse leimt', aber es ist doch 
immer eine störende nachlässigkeit. Peinlich wird die bloss 
rhythmisch accentuierte anfangshebung da empfunden, wo 
trochäische anfange mit daktylischen wechseln. So lahmt in 
Schillers Würde der trauen der vers in der mutier bescheidener 
hatte, der zwischen den versen warnend zurück in der gegen- 
wart spur und sind sie geblieben mit schamJiafter sitte steht. 
Die häufung schwächlicher anfange und rhythmischer zwischen- 
accente, die besonders in trochäen vorkommt, ist hässlich. 
Wegen solcher häufungen ist vor allem Freiligraths Löwenritt 
berüchtigt, und sah man reichere scJiabracJcen \ in der marstall- 
kammer einer königlichen hofburg liegen, ist ja nicht schön, 
aber ist der vers an dem ufer des Btiscnto reihen sie sich um 
die tvette aus dem fast für klassisch geltenden Grab im Busento 
wesentlich besser? 

Wo die tonlose anfangssilbe durch zwei tonlose von der 
ersten starken hebung getrennt ist, tritt der rhythmische accent 
mit voller berechtigung ein. So ist in jenem distichon aus 
Schillers Spaziergang der versanfang in des gebirges schlucht 
ebenso richtig wie der: aus dem felsbruch falsch ist. 

Pie verkennung des rhythmischen accentes hat in der 



KlIvniM. /WISCIIKNACCKNT INI) SCIlLfSSACCKNT. liTU 

praxis wie in der tlicoric zu den LTösstcii V(Mk<*liillM*iten {,»■«•- 
fiiliil. Schiller liättc nicht könii/r auf Am/r.v höh' peniimt, 
wenn er diesen ucceiit nicht enipliinden und y-eniisdeiitet 

hätte, und Kauftinann wiiide nicht •ihiuhen nni- die wähl zu 
haheii zwischen der betonuii«^ mit schaüilvmänn i/rfuhi und 
der annähme, die fiinffiissler der ( J(»etheschen lidiiirtMiic seien 
— diiKtdisch gebaut, wenn ei- eine ahnung vom ihylhmi>clieu 
acceiit hätte. Eine solche hat SchnuH'kehier, aber ei- geht irre. 
Einen 'nebenton' sollen die dreisilbigen Wörter mit absteigender 
betonung haben, aber auf der miltleien silbe: iih nihulrrlt 
mich, s.o. \\ Clin ihmIi eine tonh)Se folgt, s(dl der ;ingebliche 
nel)ent()ii auf die h-tzte der dici silbeii gerückt weifb-n: iih 
in'i)nhitr »lieh hrsläiidiii. Den iitdx'nton auf <hil{i) habe ich 
niemals gehiu't. halte ihn auch nidii für mr.glich. da er weder 
sinnton wäre, noch durch das ihythmische gefühl erfordert 
wird. Im übrigen v»'rweise ich auf das s. 270 ge.sagte. 

Ganz nahe daran gewesen, den rhythmischen schlussaccent 
zu erkennen, ist Hildebrand, Heiträge zum deutschen Unter- 
richt s. 405, wenn er darauf hinweist, dass wir Deutschen 
carpora sprächen. Kr brauchte nui' nach dei- Ursache zu 
fragen, um inne zu werden, dass wii- auf der letzten deutschei- 
daktylischei- Wörter denselben rhythmischen nebenton haben. 

ich glaube bewiesen zu haben, dass der rhythmische 
accent in gewissem sinne minderwertig ist. Ist er das. so 
darf man annehmen, dass die grö.ssten meister der beseelten 
form ihn in ihren vollendetsten gedichten, vor allem in d»Mi 
lyrischen, im allgemeinen, so viel es angieng. vermieden haben. 
und dem ist auch so. Ich glaube, wenn hundert kenner der 
(ioeiht'schen lyrik die lieder bezeichnen Mdlen, in denen sich 
die Seele, die empfindung. die .schonrhythmische rede zum 
vollenth'tsten körper gestaltet. .\n den nioud. .Iägei> abendlied, 
der (iesang der elfen in Faust 11 und Auf dem see nicht 
darunter fehlen werden. Nun linden wir in .Fägei-s abendlied 
«M-st in der letzten Strophe zwei .schwächere accente: tiür an 
dich (;</</• an dich gäbe einen anderen sinn) und ein slillcr 
friede kömmt auf mich. In ftillesl tcider husdt und thitl (in 
:'••) Versen) tindet sich nur ein »-inziger rein rhythmischer accent. 
Der Elfengesang hat erst in der letzten s«'iner vier acht/eiligen 
Strophen accente ohne sinnwert, allerdings drei, lud Auf dem 



280 BRIEGER, RHYTHM. ZWISCHENACCENT UND SCHLUSSACCENT. 

See hat am sclihisse zwei rhythmisclie zwischenaccente, s. oben 
s. 278. Kann man zweifeln, dass der reiz, mit dem diese lieder 
das rli3'thmisclie org-an unserer seele berühren, durch das so 
entschiedene überwiegen der sinnaccente bewirkt wird? Aus 
derselben Ursache wirken die lieder ähnlich, die Geibels reifste 
kunst offenbaren. Auch hier begnüge ich mich mit wenigen 
beispielen. Die gedichte Durch tiefe nacht ein brausen sieht, 
So haW ich endlich dich umfangen, Du feuchter früJdingsahend, 
Und u-cnn die primel schneeweiss blinkt enthalten überhaupt 
keinen rhythmischen accent. Auf dem wasser und Es drängen 
lieder sich aus jeder brüst je einen. Habt ilir in hohen lüften 
— ebenso natürlich Mit der Verzweiflung haft — keinen. Es 
mag hier Aviderholt werden, dass gedichte, die einzelne rhyth- 
mische accente enthalten, deshalb nicht nach ihrem gesammten 
kunstwerte tiefer zu stehen brauchen. Aber hat der nach- 
goethesche meister der form nicht auch versanfänge mit ge- 
hobener tonloser silbe? In dem liede Herbstlich sonnige tage 
lautet ein vers in den bergen, am bach und ein anderer in 
harmonischem klang. Unzweifelhaft ist ein solcher vers als 
sprechvers nicht gut. Aber sprechend — d. h. in diesem fall 
schreibend — hat Geibel das lied auch nicht gedichtet, sondern 
singend, wenigstens innerlich. Geibel schrieb, nach einer münd- 
lichen mitteilung von Julius Grosse, seine gedichte erst auf, 
wenn er sie im köpfe vollendet hatte. Das gesanghafte dichten 
hat allerdings meistens die Wirkung, dass nebenhebungen nicht 
berücksichtigt werden: hei wie der weisse Jüngling in'n sattel 
sich schivang! und bei demselben dichter: schläft im arme der 
grünen erd\ den versen: in die schlacht, in die schlacht hinein 
(hinaus) entsprechend. Aber das gesanghafte dichten hebt 
auch tonschwache silben. 

HALLE a. S. ADOLF BRIEGEE. 



IIKKL'VNIA. 

Sclion vor zwölf jalnvii liat ^rucli in der Zs. fda. 32, 451 ff. 
zu erweisen versucht, diiss Miillciilioffs hyitotiiese, die älteren 
Griechen hätten unter dem nanien Hercynia die Alpen ver- 
standen, unrichtio: sei und dass damit stets das deutsche niittel- 
gebirj^e g;eHieint sei, speciell die randgebirge Hühniens. Seine 
beweisführung wollte mir schon damals nicht einleuchten, aber 
erst vor kurzem bemerkte ich, dass man sie vielfach über- 
zeugend findet, weshalb es mir der mühe wert scheint, noch 
jetzt nachträglich meinen eindruck zu begründen. Neues kann 
ich dabei freilich nicht bringen, da Müllenhof fs ausfühi'ung 
schon alle wesentlichen elemente enthält; aber es lohnt sich 
doch, den wert der gegenseitigen argumente zu prüfen. 

Ganz richtig sagt Much (s. 401): 'keineswegs ist //tTr//n/</ 
und Fenjunna unmittelbar zu verbinden; eine beziehung k<»nnte 
nur in einer herkunft beider worte aus gleicher historischer 
grundform bestehen. ... Da beide namensformen die laut- 
gesetzlichen eigentümliclikeiten jener sprachen, denen sie an- 
gehören, deutlich aufweisen, kann hier an eine jüngere ent- 
lehnung nicht gedacht werden'. Aber fehlerhaft scheinen mir 
die darauf fidgenden Schlüsse: 'Kelten und (lermanen mü.s.sen 
den hercyni.schen wald schon mit dem namen J'vrkihiid ge- 
meinsam benannt haben. Ich glaube daraus weiter zu dem 
Schlüsse berechtigt zu sein, dass diese beiden Völker sclum vor 
jenen lautveränderungen, d. i. der gerni. lautverschiebung einer- 
seits und dem abfall des p im kelti.schen anderei-seits, an einer 
stelle jenes grossen Waldgürtels lienaciibart beisammen W(dmten'. 
I )iese schlü.s.se beruhen darauf, da.ss das Krzgebirge im ( hron. 
Moi.ssiac. ad a. 805 (Pertz 1, :i08) Fcnjuntia genannt wird,«) 



«) Wahrscheinlich ist hier nicht <liia Erzgebirge, »ondern da» Fichtel- 
gebirge gemeint. Kussinna. 

lleitrUge lur pcichichte der Jeuuchen iprache. XXVI. 19 



282 MULLER 

und dass auch ein anderer teil der alten Hercynia, eine wald- 
liöhe im südlichen Franken und Riess, Virgunnia, Virgundia 
hiess. Nun kann letztere unmöglich je von den Germanen 
Perhinia genannt sein, da diese erst nach der lautverschiebung, 
weil frühestens beim anschlusse der helvetischen Teutonen und 
Tigurinen an die Kimbren in jener gegend und der darauf 
gefolgten einwanderung der Marcomannen, kenntnis ihrer exi- 
stenz bekommen haben. Andererseits aber beweisen das got. 
fairguni und das ags. firmen die existenz des Wortes als appella- 
tivum im germanischen mit der bedeutung 'gebirge', und mag 
nun dieses aus dem ursprachschatze stammen oder, was mir 
wahrscheinlicher vorkommt, vor der lautverschiebung, also an 
der nordseite des deutschen mittelgebirges, aus dem keltischen 
entlehnt sein, jedenfalls halte ich es für unmöglich, dass germ. 
PerJiimia im südlichen Franken zu Virgunnia wurde, und kann 
die benennung nur auf diese weise stattgefunden haben, dass 
die ersten germanischen ansiedier den wald durch die Kelten 
ErJcunia nennen hörten und dieses, wie an so vielen orten ge- 
schah, ') in ihr eigenes feryiUiia übersetzten. Beim Erzgebirge 
liegt die sache etwas anders. Denn da wir nicht wissen, ob 
die Germanen das gebirge schon vor der lautverschiebung 
erreicht haben, ist nicht zu entscheiden, ob der im Chron. 
Moissiac. bewahrte name Fergimna auf demselben wege wie 
"bei der silva Virgundia in Franken durch Übersetzung von 
kelt. Erliunia in germ. feryiinia entstanden ist, oder durch 
frühere Übernahme und lautgesetzliche Umbildung an ort und 
stelle von kelt. Perhinia; und mithin kann auch dort der name 
nicht als beweis dafür dienen, dass 'die beiden Völker schon 
vor der germ. lautverschiebung und dem abfall des p im kelt. 
an einer stelle jenes grossen Waldgürtels benachbart beisammen 
gewohnt haben'.'-) 



^) So ist z. b. der keltische ort Coriovallo auf der Peutingeriana im Lim- 
burgischen von den Frauken germanisiert in Harjovallon, woraus nl. Heerlen. 

2) Ich kann dieser auffassung, die ja in ähnlicher weise bereits von 
Hirt (Beitr. 23, 317 ff.) ausgesprochen worden , nach meinen letztjährigen 
archäologischen forschuugen nur durchaus beitreten. Die festen daten für 
das letzte Stadium der germanischen lautverschiebung, für die Verschiebung 
der tenues, sind mir unter den bänden wider zerronnen. Ein neuer beweis, 
wie viel sicherer die archäologie gegenüber der Sprachgeschichte in besied- 



HKIU'YNIA. 2^3 

Als Much seinen artikd schrit*!». im october 1^87, war der 
zweite teil der Deutschen altert mnskunde noch nicht ei-schienen, 
und er kannte somit nur die ausfiiliiun<,'-t*n MiilhMihoffs im «M-sten 
teile iilx'r die llercynii'U (s. 4:U— i;{;{). welche dieser selber im 
zweiten teile (s. 240) unvollständig nannte und erweiterte, 
^liillenliot'f hatte seine annalime, dass die älteren (iriechen 
unter dem namen Ucrcyniu die Alpen verstanden. haui)tsächli(h 



lungsfraiTCii entscheidet. Die (teiniiuieii meiden so hinjfe iils hiöküiIi den 
eintritt ins gel»irj,'e. Sie stehen l)ereits um lOOO v. Chr. in <ler nähe den 
Harzes, im gehiete der Bode (hausurnt-n von Astlu-rsh-hen und Hoymj, ah«T 
noch im 8. jh. finden sich ungermunische skelettgräher hei Wemigertxle, 
Ascherslehen, Oschersleben, und südlicher bei Giebiebenstein , Korbetha, 
Dürrenberjj:, Stedten heiSchrai)lau.Qufrfurt und weiter durch {^auzThilrins,'en, 
zu einer zeit also, da die (iermanen am linken SaalentVr aufwärts l)is nahe 
an die rnstrutmiinduuf; reichen \\w\ der eintluss ihrer cultur so^^ar in Schlöhen 
l)ei Jena und in Köstritz hei (iera t'iihlhar wird (H. — 7. Jh.). Die Finn»', deren 
nanie sprachlich so wichtig erscheint, ist im .j.jh. bereits überschritten, (Jotha 
und (-lera aber im 5. — 4.jh. noch nicht erreicht, (iera bleibt sogar noch im 
3. jh. in den bänden der Kelten. Ebenso zeigt der Sildharz noch im 5. — l. jh. 
nngennanische siedelung. Aehnlich steht es im nordwesten, wu die germa- 
nische besiedlun;^, wie die funde zeigen, weit früher stattgefunden hat. als 
ich no(h 1S!J.") aus si)rachlichen gründen schliessen zu niü.s.scn glaubte. Die 
Weser wird im !). - S. jh. schon südlich des ,'>;}. grades überschritten (ander 
müudung nocli früher): gleichzeitig oder noch etwas früher das Emsgebiet 
von der müudung bis an die hannoversch - westfälische grenze, endlich die 
holländischen provinzen Drenthe und (irouingen besetzt, während am 
Dümmersee noch später sich nngennanische demente zeigen. Im '>. ~4.jh. 
sind die gegenden zwischen ol)erster Hunte und Hase erreicht, ebenso unter 
nmgchung de.s Teutoburger waldcs das mittlere Lippegebiet. Man si<dit. 
dass, wenn Müllenhoffs ansieht, die flu.ssnamen auf -itpa seien kelti.srb, 
richtig wäre, man mit der aussage der archäologischen funde arg ins gc- 
dränge käme. Ich habe darum, wie manche andere gelehrte ans anderen 
gründen, die .MüUenhoffsche ansieht aus archäologischen, aber auch an« 
sprachlichen gründen (1. diese tlussnamen zeigen als erstes glied der in- 
samniensetzung oft zweifellos germanische, uienuils aber au.s*hlieÄslirh und 
klar keltische stammworte; *i. die linksrheinischen tluns- und siedlung»- 
namen erweisen sich als widerhnluniren der altern recht.srheinischeu, ni<ht 
umgekehrt) längst aufgegel)en. — Oestlich von (Jera ist die einzige '" 
wo Ciermauen um die wemle de« .">. und 4. jh.'s und bis ins :j. jh. <-i > ■ 
nicht mehr in vorchristlicher zeit) das gebirge berührt hal)en können, Am 
gebiet an der EU»e \xm Dresden und Pinia: di>ch iM'darf die ethnologische 
Stellung dieser Lateue-brandgräberfebler noch eingehenderer nntennchang. 
— Schlesien bleibt ganz au.sser l>ctracht. 

[Pfingsten l'.HXKj W. Kossinna. 



284 MULLER 

gestützt auf dem nachweise, dass die nacliricht, der Istros ent- 
springe in den Hercynien, nur aus der Argonautensage her- 
rühren könne, und dass diese, wie direct aus den Argonautica 
des Apollonius erlielle, damit nur die Alpen meinen könnte, 
zweitens auf den stellen des Apollonius und des Alexander 
Ephesius, worin das gebirge geradezu als in Italien liegend 
bezeichnet wurde, und drittens auf der stelle in den Meteoro- 
logica des Aristoteles, worin gesagt wird, dass die Arkynien 
flüsse nach dem norden entsenden. Much bestritt diese aus- 
führung mit dem hinweise, dass erstens, als man die Hercynien 
als quellen des Isters kennen gelernt, daraus für die Griechen 
die Vorstellung fliessen musste, dass die Hercynien 'hesperisch' 
waren, welches wort im engern sinne auch italisch' oder 'spa- 
nisch' bedeutete, woraus die localisierung des gebirges in Italien 
entstanden sei; dass zweitens die beweiskraft des Apollonius 
äusserst gering sei, weil die ganze geographische Vorstellung 
des nordens in den Argonautica mit dem sich dreifach teilen- 
den und nach verschiedenen meeren fliessenden Eridanus viel 
zu abenteuerlich und fabelhaft sei, um der angäbe bezüglich 
der Erkynien einigen wert beilegen zu können; und dass 
drittens die Arkynien bei Aristoteles nur im norden der Donau 
gedacht werden können, weil sie die ströme nach norden ent- 
senden und der Ister vorher als ganz Europa durchfliessend 
vorgestellt war. 

Fangen wir mit letzterm an, welches deshalb am schwersten 
ins gewicht fällt, weil die stelle von Aristoteles die älteste ist, 
welche den namen erwähnt. Die stelle lautet (Meteor. 1, 13) : 
tx de rrjg ÜVQrjVijq (tovto ö' tOrlv oqoq jiqÖq övOftijV lofjfie- 
QivrjV Iv rf] KsXzixfi) qsovOlv o re 'lötgog xal ö TaQZTjüög ' 
ovTog i^ev ovv e^co özrjkmv, o 6 IOtqoq öi 6Xr]g rijg EvQcöjirjg 
Big Tov Ev^eivov jiovrov, rmi> d' äXXcov jiorafictjv ol tcXüötoi 
JiQoq ccQXTOV £X xcov OQCÖv t(öv 'Aqxvi'icov ■ ravra de xal vipti 
xal jtXr/d-Ei (idyiOra Jtsgl rov rojiov rovrov löxiv. Nun würde 
Muchs argumentation etwas für sich haben, wenn der passus 
als ein einheitliches ganzes aufzufassen wäre, aber das ist 
keineswegs der fall. Er besteht aus zwei grundverschiedenen 
teilen, die eigentlich einander innerlich widersprechen. Was 
über den Ister gesagt wird, ist einfach aus den stellen Hero- 
dots abgeschrieben (2, 33), 'löxQog rt yäg jcora^ug aQ^ä^trog 



HKttCYNIA. 285 

tx KtXröJy xu/ IIvQtjVij^ .Tt't/.io^ (nii fu'ür/i' uxlZfui' rifV h'vQoj- 
Jrtji', iMld (4. 40) (nn ynQ (S/j Att'i jxudfj^; t7j^ E\\ni't.^ii^ o Iötqo;;; 
wälirt'ud die nacliriclit über die Arkyiiien neu war, aus einer 
f?anz anderen bis jetzt unbekannten quelle stannute. und von 
Aristoteles dem lieiddoteischen exeerpte unvenuittelt zur seit« 
jjfesttdlt wurde, obwol sie. was ilun ent^'ienj,'. und ei^'entlich 
auch eutj^t'lieii iiiusste. innerlich den beweis der unrii-hti^-keit 
der anji:abe Ileiodols über den Ister enthielt. (Janz richtig 
sagte denn auch Müllenhoff (1,4:{2). dass Aristoteles über die 
läge des gebirges nitch im unklaren war. Die nachricht s|)rach 
nicht viiu einem gebirge im norden der Donau, wie Much es 
v«<rstelll, sondern von dem an höhe und ausbreitung grrössten 
gebirge Mitteleuropas, das die nu'isteii Müsse nach ncuden ent- 
sende, und damit konnte im I. jh. schwerlich etwas anderes 
als die Alp«'!! genuMUt sein. Ks scheint sowol überflüssig wie 
gewagt zu versucluMi irgend einen namen als (juelle der nach- 
richt aufzustellen. Aber hierin wird man wol Müllenhoff bei- 
stimmen, dass sie Aristoteles, bez. den (iiiechen, von Massilia 
aus zugeflossen sein muss, denn es gibt meines wissens keine 
einzige andeutung, dass die (kriechen im letzten drittel des 
4. jh.'s schon irgendwelche directe kenntnis von den liindern um 
die (spätere) Herc3nia silva von ihrer ostseite her bekommen 
hatten. Das wenige, was sie damals von den ländern im norden 
der Alpen wussten. war ihnen, wie Müllenhoff m.a.n. über- 
zeugend dargelan hat, durch die Massilioten übermittelt. Wenn 
sie nun von diesen vernahmen, dass die meisten flüsse de,s 
nordens, d.h. Mitteleuropas, dem giössten und höchsten gebirge 
jener gegenden entsprangen — und man beachte, dass bei den 
Massilioten darunter sehr wol der Ister mitverstanden sein 
konnte, denn die herodoteische stelle hatte damit nichts gemein 
— so scheint es mir unmöglich, dass die (iriechen unter dem 
gebirge etwas anderes verstanden als die Alpen. 

Diese voi-stellung geht auch klar hervor aus der Argo- 
nautensage und Apollonius Hhodius. Ohne zweifei war die 
geogia|»hie bei diesen vielfa«h alHiiteuerlich un»l falndhafl. 
Wie sie zu der voi-stellung eines ungeheuere seen bildendes 
und sich dreifach teilenden tiusses kamen, wodurch die Argo- 
naulen aus dem westlichen meere ins östliche gelangten. ü«t 
sei» wer zu erraten. Aber das alles berechtigt noch keineswegs, 



286 MULLER, HERCYNIA. 

mm alles aus der sage einfach zu verwerfen, nur weil das 
besser zur argumentation passt. Sowol die grossen seen wie 
die aus einer gemeinschaftlichen quelle stammenden drei grossen 
flüsse (Rhodanus, Eridanus = Ticino und Rhenus) weisen mit 
bestimmtheit auf in ihrer ursprünglichsten noch leicht erkenn- 
baren fassung vollkommen richtige nachrichten über die Alpen. 
Nur dieses eine war dabei irrtümlich, dass das gebirge Her- 
cynia genannt wurde, und es ist selbst nicht unwahrscheinlich, 
dass dieser irrtum wider ursprünglich von den geographischen 
nachrichten über die Alpen unabhängig war, und damit erst 
von den Griechen verbunden wurde. 

Wo und wie der irrtum entstand, ist schwer abzusehen 
und auch ziemlich gleichgiltig. Die Griechen müssen in Mas- 
silia den namen als den des grössten gebirges im norden ge- 
hört, darunter die Alpen verstanden, und dann mit dem namen 
alles verbunden haben, was sie von dem gebirge wussten und 
hörten. Erst Posidonius, so viel wir bis jetzt wissen, hat eine 
neue richtigere ansieht zur geltung gebracht. 

ROTTERDAM, februar 1900. S. MULLER. 



GEiniAXISCIIKS UND SLAVISCHKS. 

1. An. ijlöpr. 
Aksl. glupü '(luiiim", ein genieinslavisches wort (Miklosicli 
s. (37), ist wahrscheinlich eine alte entlehnung aus dem gerni., 
wo ein stamm ^fflöjxi- in derselben bedeutun^ vorhanden war: 
vp:l. an. >/löjir "an ididt. baboon', das mit (fluj)r 'a crime", (jlaj) 
*a tlaw". <(f!/l(i}>i "an oaf, fool, simpleton'. (jhiima 'to grow blunt 
or dim*. (jhpjn "to confuse, to confound. tu bejrnile' verwant 
ist (über etwaige aussergerm. beziehungen s. ZiijdtZci, (ierm. 
gutt. s. 203). Aksl. (jhtpu aus germ. *(jlöpa- ist in einklang 
mit andern alten lehnwörtern, wo germ. o durch slav. /( ver- 
treten ist (s. Hirt, Beitr. -ja, 339). 

2. ^fhd. hadn: 
Hirt (Bcitr. 2:i, 3;U) meint, dass aksl. kutura {kokra) "streit' 
aus mhd. hadcr 'zank, streit' entlehnt sei. P^ür diese annähme 
dürfte sprechen, dass die sippe von ahd. IhuIh-, ags. hcaöu-, 
air. cüth, gall. caiii- 'kämpf, womit man mhd. htuhr zu ver- 
binden pHegt, wegen des aind. rütru- 'feind' palatalen anlaut 
gehabt haben muss. Anderei-seits fällt es aber schwer, aksl. 
kotora von armen, kolor 'st rage, uccisione' zu trennt'U, das 
nicht aus dem germ. stammen kann. Das armenische wort 
bedeutet auch 'frammento, pezzo', weshalb ziLsanimenhang mit 
ahd. Iiddiini "laiiijen, lumjten' wahrscheinlich ist. I>arum glaube 
ich mit Hugge (KZ. ;'.2. r.'i. dass mhd. /«/</<;• *zank. streit' und 
ahd. hadutu, mhd. hudvr iappen. lumpen' mit aksl. kotora und 
armen, kotor uiverwant sind. I)emna(h wird hader von ahd. 
hadn- U.S.W, getrennt werden mü.s.»ien (vgl. Zupiiza. (ierm. g\itt. 
s. 103). 



288 UHLENBECK 

3. Ahd. harfa. 

Allel, harfa, ags. hearpe, an. liarpa 'liarfe' ist bisher nicht 
genüg-end erklärt Avorden. Zupitza (Germ. gutt. s. 114 f.) stellt 
es zu an. herpash 'sich krampfartig zusammenziehen'. Besser 
vergleicht Schade ^ s. 374 (nach Fick) lat. crcpäre 'rauschen, 
knarren, knistern', wobei aber das p im germ. Schwierigkeit 
macht. Man könnte freilich *harpö auf Viarppö mit pp aus 
indog. jm zurückführen, doch ist dieses nur ein notbehelf. ') 
Ungleich näher liegt es, das wort mit ahd. ruofen, ruofan, as. 
hröpan, ags. Jiröpan, got. hröpjan 'rufen, schreien' zu verbinden. 
Auch dann ist 'die klingende, tönende' als grundbedeutung an- 
zunehmen. Vgl. ferner an. shrapa, mengl. scrapien 'schrapen', 
lit. slreheti 'rascheln', aksl. -skreha 'rado', skrohotü 'geräusch' 
und s. Johansson (Beitr. 15, 229). 

4. Ags. hligan. 

Ags. hUgan 'to give a reputation for, to attribute to', lilujsa, 
lilisa 'report, rumour, reputation, fame' scheinen vereinzelt da- 
zustehen. Ich vergleiche aksl. Mikncjiti, Tdikati, Idicati, Micati 
'rufen, schreien', Idikü 'ruf, woneben mit r aksl. Jcricati 'schreien', 
Jcrikü 'geschrei' (dazu stellt man mhd. reiger, ags. Jirdgra 'reiher'). 
Eine ganze menge anklingender onomatopoetica findet man bei 
Zupitza (Germ. gutt. s. 123 f.). 

5. Ahd. karpfo, finko. 
Loewe (IF. 10, 78) zweifelt, ob das germ. wort für 'karpfen' 
aus dem keltischen oder aus dem baltoslavischen stamme. Das 
letztere ist aber unmöglich, denn die gleichung mlat. carpa 
'karpfen' : lit. szapalas 'döbel', aind. gaphara-, gaphari 'cyprinus 
sophore' (vgl. auch gr. xvjrQivog, das von Lewy, Semit, fremd- 
wörter s. 16 unrichtig beurteilt wird) beweist, dass wir von 
indog. '^kajyih)-, ^kap{h)- auszugehen haben. Schon vor einigen 
Jahren habe ich auf grund von gaphara- für karpfen keltischen 
oder italischen Ursprung angenommen (Beitr. 19,331). Die slavi- 
schen Wörter sind natürlich deutschen Ursprungs und auch an. 
karß, das Loewe zu weitgehenden Schlüssen über die Chronologie 



[^) Tatsächlich weist aber das pf etc. dieses wertes im mhd. wirklich 
auf germ. pjj zurück , vgl. z. b. Sievers, Oxforder Benedictinerregel s. xii. 
Kauffmann, Beitr. 12, 525. E. S.] 



GERMANISCnES UND SLAVISCHES. 280 

der liiiitvc.'ischit'biinj,'- verwertet, lässt sich am besten als ent- 
lelimin^ aus alid. kurpfo, mlul. hirpß eiklilren. Ich kann nicht 
iinteilassen zu bemerken, dass ich den ganzen aufsatz Loewes 
für durchaus verfehlt halte. \\\K\.pfad, nt^s. patJ ist wahrschein- 
lich kein fremd wort (s, Zui)itza, (jerm. f^utt. s.ül), und ahd. IhiLo, 
ags. (ine, 5chw. //;//. darf kaum von schw. dial. sjtin/c getrennt 
werden, das nicht aus der romanischen sippe entlehnt sein kann. 
Vielmehr beiuht mlat. pincio, it. pincionv, franz. pinson auf 
einer s-losen nebenform von scliw. spinic (engl. dial. j>/mA), welche 
im geg-ensatz zu ahd. fmlco, das schon vorgerm. sein s ein- 
gebü.sst hatte, erst nach dem Übergang der tenues in .Spiranten 
durch satzsandhi aufgekommen war. Mit recht stellt man 
fmho U..S. w. zu gr. ojtlyyoj; 'fink' (s. Prellwitz s. 207). Ourch 
das gesagte ist den ausführungeii Loewes über das relative 
alter der tenuisverschiebungen der boden entzogen. Nach wie 
vor bleibt es unsicher, ob vorgerm. j), t, h gleichzeitig oder 
aber in irgendwelcher chronulogisclien tVdge zu spiianten ge- 
worden sind. 

LEIDEN, april Ükki. C. C. UHLENBECK. 



ZUR DEUTSCHEN ETYMOLOGIE. 

1. x4.alraupe. Kluge" 1 meint, dass &hA.rUppa, mhd.rüpe, 
ruppe 'aalraupe' kaum mit aksl. ryha 'fisch' urverwant sein 
könne. Warum aber nicht? Es gibt ja mehrere fischnamen, 
denen wir auch ausserhalb des germ. begegnen. Ich erinnere 
an hd. lacJis : russ. lososi : lit. lasziszä {läszis), schw. norw. harr 
'thymallus vulgaris' : lit. l-arsds 'brassen' : hirsslys 'thymallus' 
(Liden, Beitr. 15, 509 ff.), schw. gärs 'kaulbarsch' : aind.jAasa- 
' fisch, eine best, grössere fischart' (Ark. för nord. fll. 15, 154 ff.), 
and. yrimpo 'gründling' : gr. XQtfiip 'ein fisch' (Holthausen, KZ. 
28,282), nl. elft : gr. kXttfixiq 'weissfisch', an. hdr 'hai' : aind, 
ganhu- 'ein best, wassertier' : gakuld- 'ein best, fisch' (vgl. 
Zupitza, Germ. gutt. 133), ags. sceadd : air. scatan 'herring' (vgl. 
Schrader, Eeallex. 332 f.). Unsicher ist aschw. gyus 'ein best, 
fisch' : lit. zuvis : gr. ixdvQ. lieber ein uraltes wort für 'karpfen' 
(lit. szdpalas 'döbel' = aind. fjaphara- 'cyprinus sophore') habe 
ich oben s. 288 f. gehandelt. Man beachte noch den namen des 
Walfisches ahd. {h)wal, {li)iüelira, ags. hivcel, an. hvalr, der gewis 
mit apr. kalis 'weis' und vielleicht auch mit lat. squalus 'eine 
art Seefisch' zusammenhängt (vgl. Zupitza, Germ. gutt. 55). Und 
soll uns nicht die sichere gleichung hd. fiscli : lat. piscis : air. 
iasc bei der beurteilung proethnischer fischnamen vor zu grosser 
Skepsis warnen? 

2. Anger. Ahd. angar 'grasland, grasplatz, ackerland' ist 
nicht nur verwant mit an. eng f., engl n. 'wiese, anger' (Kluge*» 15), 
sondern auch mit mnl. enck (dat. enghe) m. 'grasland', nnl. dial. 
eng 'ackerland' (Verdam, Mnl. wb. 2, 670). Bekanntlich gehören 
diese Wörter in die weitverbreitete sippe von aind, äücati 'biegt, 
krümmt', ahM- 'biegung, haken, bug, schoss, zeichen, mal' (s. 
Zupitza, Germ. gutt. 128 f.). Ursprünglich werden angar und 



ZUU DEUTSCHEN ETYMOLOGIE. 201 

>)i<j 'tiefliegendes laiid' bedeutet lialxii wie das ebenfalls hierher 
gehörige gr. /^/xo^• 'tal'. Kluge scheint die gleidiung ahd. umjar 
: aind. aflc- 'biegen' abzulehnen, jedenfalls erwähnt er sie nicht. 
Nimmt er etwa anstoss an der bedeutungsentwicklung? Mit 
unrecht, denn von 'biegung, veitiefung' zu 'tiefliegendes land, 
tal, wiese' ist nur ein kleiner schritt. So gehört lat. campus 
zu gr. xiifiJtToj und lit. l<mku 'tal', iiuln. Inka 'wiese' zu lit. 
lenkti, aksl. l^sti 'biegen'. 

8. Bilcli. Nach Kluge*' U wäre ahd. hilih uiverwant mit 
riiss. bclliii 'eichhorn', das aber eher eine ableitung von slav. 
belü 'weiss' sein wird. Neben bclku stand früher in derselben 
bedeutung brlica, und davon ist das noch jetzt gebräuchliche 
adjectiv hi'lirij abgeleitet, ßrlkd und brlica sind beid«' demi- 
nutivbildungen von aruss. ^«7«, das kaum etwas anderes sein 
kann als das substantivierte und in seinei- bedeutung specia- 
lisierte feniininum von brln 'weiss', denn das eichhorn des 
nordens wurde wegen seines weissen pelzes geschätzt, und es 
lag nahe, ihm t'ineii namen beizulegen, wodurch man es als 
'weis.ses tier' chaiakterisierte. »So heisst der lepus variabilis 
beljuk und sein weisses pelzwerk beljarij nu-ch. Vgl, auch bellj 
nu'cli, das 'weisses pelzwerk' im allgemeinen bezeichnet. Ist 
bi'lka aber eine ableitung von bclu, dann ist Zusammenhang 
mit ahd. bilih kaum denkbar, denn brlu aus indog. *bhelo- ge- 
hört sicher zur wz. *b}ie- 'glänzen'. Auf dieselbe grundform 
fühlen uns an. bdl, ags. b^l 'Scheiterhaufen' und aind. bhulu- 
'glänz, Stirn'. Die einzige aus.sergerm. entsprechung von bilih 
ist cymr. bcle 'marder' aus *bilajo- (vgl. Stokes, l'rkelt. Sprach- 
schatz 17;i), das von Kluge mit recht herangezogen wird. 

4, Bohren. Aind. bliun'j-, das Kluge'- T)] f. hierher stellt, 
bedeutet nicht 'schere' und ist gewis ferne zu halten. Wais 
Kluge als .stütze aus dem irischen anführt, ist mir durchaus 
unklar. Die ausführliche l)ehantllung von bhurij- in den Ved. 
Studien (1,289 ff.) ist ihm entgangen. Dort hat Pi.M-hel gezeigt, 
dass unter bhurijau stets zwei arme (z. b. deichselanne) zu 
verstehen sind. Wol mit recht hat .Kthan.s.sDU ( 1 F. 2. 2.*Hf.) es 
mit hd. balken zu vermitteln versucht. Diese ansprechende 
gleichung fehlt bri Kluge' 2S, wie er sich überhaupt der jüngeren 
etynudogischeii fdrxliung gegeniiber zu ablehnend verhält. Wa- 
rum erwähnt er z. b. mit keinem wurte die von Kern (Tijdsclir. 



292 UHLENBECK 

V. ned. taal- en letterk. 4, 316) herrülirende etymologie von hacli 
( : aind. hhaj- 'brechen')? Auch das zweifelsohne mit hacli ver- 
wante russ. hagno 'sumpf — eine alte vrddhi-bildung — suchen 
wir bei ihm vergebens. Unter här'- fehlen aind. hlialla-, hhallaka-, 
WialWka- (vgl. Kern a. a. o. 5, 49 ff.). Bei hamn hat er weder 
Johansson (Beitr. 15, 224 f.) noch Loewe (Die ethn. und sprachl. 
gliederung der Germanen s. 5 fussnote) zu rate gezogen. Die 
evident richtige erklärung von beere als ableitung von norw. 
has, hase 'kleines gebüsch' (Bugge, Beitr. 21, 421) scheint ihn 
nicht überzeugt zu haben. Nach ihm hat hlöde keine ver- 
wanten ausserhalb des germ., obwol der vergleich von gr. 
(pXavQOQ doch sehr nahe liegt. Der Ursprung von loot, ags. 
hat ist nicht unbekannt (vgl. Kern, Tijdschr. v. Ned. taal- en 
letterk. 17, 237 ff. Liden, üppsalastudier 86). Bei hraut finden 
wir wol lat. Fndis, nichts aber über möglichen Zusammenhang 
mit aind. hm-, avest. mm-. Unter buche fehlt kurd. huz (Bar- 
tholomae, IF. 9, 271 f.). Bugsieren ist keine 'dunkle ableitung 
zu nl. boeg\ sondern das wort ist überzeugend von Kluyver 
(Tijdschr. v. ned, taal- en letterk. 18, 158 f.) aus portug. puxar 
erklärt worden. Diese wenigen beispiele ungenügender berück- 
sichtigung der etymologischen literatur Hessen sich erheblich 
vermehren, doch das wäre eine wenig erfreuliche aufgäbe. Mit 
bohren — denn auf diesen artikel bei Kluge will ich näher 
eingehen — ist zwar nicht aind. hhurij- zu vergleichen, sondern 
vielmehr aind. bhrmäti 'versehrt', avest. 3. pl. hrlndnti, np. bur- 
{r)%dan 'schneiden', aksl. briti 'scheren'. Aus dem lateinischen 
gehört noch das mit foräre ablautende fertre hierher. Es ist 
nicht schwer, noch andere Wörter in diesen kreis hineinzuziehen, 
und dies ist dann auch schon längst geschehen. Die angeführten 
formen genügen aber, um Hübschmanns ansatz *bheräi-, *bhri- 
zu rechtfertigen (Pers. Studien 28). Jedenfalls ist *hheräi- der 
Klugeschen wurzel *bhar- vorzuziehen, denn diese reicht nicht 
aus, das Verhältnis von foräre zu ferire aufzuklären. Die grund- 
bedeutung der wurzel war einfach 'schneiden', und daraus sind 
'bohren', 'scheren', 'schlagen' erst abgeleitet. Zur bedeutungs- 
entwicklung von lat. fertre und an. herja vergleiche man russ. 
seci 'schneiden, hauen, peitschen'. 

5. Brunnen. Bei Kluge ^ 60 lesen wir: ^maii stellt brunnen 
zu brennen, für das man eine grundbedeutung 'wallen, sieden' 



Zri{ DEUTSCHKN KTYMOI.OOIK. 203 

(vgl. iiilid. iiiul. snf 'hniniifii. /i('lil)nimif'ir) voraussetzt, ohne 
sie erweisen zu krumcir. Idi tiu<^»^ al)«*i\ ol) wir hnnnen von 
air. hretuilni "sijrudcle' tr«'nn«'ii diiitfii. IHt* hedentungen liegen 
einander doch nahe genug, wie z. h. der gebrauch von hd. 
irallen oder an. ösask beweisen kann {votnhi ösask, eldr ttmn 
(if (isaslc). Wenn nihd. söf, ags. sratJ 'brunnen' zu sinlen oder 
ninl. irelli', ags. tvicllc, wicll{(i) '(juelle' zu nullen gelnirt — 
und darüber kann doch kein zweifei obwalten — , dann winl 
Itrnmun auch mit brcujicn, air. hrcnn'nti zu vcibindcn sein. 
Aeliuiich gehören aksl. viraiüku, serb. rmtak '(|Ut'lle', slov. 
vröcnica ' quell wasser', serb. vrelo, czech. vi'idlo '(luellt' und 
andere Wörter mit derselben bedeutung zu ak.sl. rin'li 'wallen, 
sie(h'U, sprudeln, kochen', rdiifi 'kochfu', und hängt gr. •/(><'«(» 
{*(fQ/lfc((>) •brunnen', armen. aXhcur '<iuelle' mit hd. hrulcu, 
hrodem (ahd. hralan, hnidam) zusammen. 

0. Bulle. Kluge'' (54 und Franck 158 betrachten nd. hnllc, 
nl. Ind, engl, bidl 'stier', an. hall 'dasselbe' als urverwant mit 
lit. bidiiis, das natüilich ein lehn wort aus dem niederdeutschen 
ist. Kluge lässt bulle unerklärt, Franck aber stellt es zu 
b/illen, bullen, das in deutschen mundarten 'brüllen' bedeutet 
und mit bellen in ablaut stellt. Doch könnte bulle ursprüng- 
lich "grosses, .starkes tier' bedeutet haben und zur indog. wz. 
*bheu(l- 'wachsen' ^^ *bheua- 'werden' gehören (vgl. Ost hoff, 
Suppletivwesen 0(3 f.). Dazu gehört u.a. aind. bhüri- 'reichlich, 
viel, gross, gewaltig'. Diese auffas.sung von bulle tindet eine 
stütze in aind. tmtltishd- 'büffel', eig. ein adjectiv mit der be- 
deutung *gro.ss, gewaltig', und in got. uühsa, aind. ukshdn-, 
falls es auf *<inrks- 'wachsen' (got. ualisjau, aind. ükshati, gr. 
iu$,o)) beruht. 

7. Butte. Nd. buttc, mnl. hülfe, bottc 'ein seefisch' harrt 
noch immer der erklärung. I )as daneben stehende starke nias- 
culinum mnl. but, hol ist wnl nicht ui>i>iiMiu'-lich. Ich gehe aus 
von uigerm. *bultön- (woneben vielleicht ^buftjön- wegen butte 
neben //o//<) und stelle dies mit // aus dini zu indog. •/'/«»«Mwo- 
'bo(len, grund, nieeresgrund' {iniul. budlnid- u.s. w.). \ orgerm. 
*bhudhn(J)ön- ist also eigentlich 'zum meeresgiunde gehöri|B^, 
in der meerestiefe lel)end*. 1 )enoniinative bildunpen mit öh- 
{•ion-) sind im indog. gar nicht .selten (vgl. Brugmann, (irnndr. 
2, §114. 115). 



294 UHLENBECK 

8. Drohen. Alid. dromvcn, ags. prea^ean 'drohen', ahd. 
drö, ags.prea 'drohung' sind kaum von russ. traviti, poln. trawic 
'hetzen, jagen' zu trennen (indog. wz. "^träu-). Meines Wissens 
hat niemand diese gleichung- aufgestellt. Anders Schade 109. 
Kluge 6 83. 

9. Duft. Nach Kluge*' 85 ist mhd. tuft, duft 'duft, dunst, 
nebel, tau, reif dunkeln Ursprungs. Schade 965 vergleicht nl. 
duf, nd. duff 'feucht, dumpfig, dumpf, das mit hd. tanh, toben 
verwant ist und wol zunächst auf indog. *dhühh- beruht. Wir 
können duft aber auch aus *dhüp- herleiten und aind. dhfqm- 
' räucherwerk', dhupdijati 'räuchert' vergleichen. Jedenfalls 
gehört duft, wie schon Persson (Wurzelerw. 285) angenommen 
hat, zu einer labialerweiterung der wz. *dJm- (^dheuä-). 

10. Düster. 'i:^d. düster, Mid. thmstri, Sigs. ])ystre, peostre 
scheint nach Kluge*' 87 vereinzelt dazustehen. Eine indog. wz. 
Heiis- liegt aber vor in russ. tush 'trübung', tusUyj 'dunkel, 
trübe', tushiuii, ^ws/cwe^/ 'dunkel, trübe werden', serb. natustiti 
se, stustiti se 'sich verfinstern'. Falls der begriff 'dunkel' sich 
aus dem der ruhe und stille entwickelt haben kann, dürfen wir 
an die folgende sippe anknüpfen: aind. tüshyati 'ist zufrieden' 
(eig. 'ist ruhig'), tüslmim 'stille, schweigend', apr. tusstse 'er 
schweige', tusnan 'stille', bulg. rastusa 'tröstet' (eig. 'beschwich- 
tigt'), ^o\n. 2^otuszyv 'ermutigen'. 

11. Eben. Ahd. ebcm, got. üms wäre nach Kluge*' 87 
vielleicht mit got. ibuks 'sich rückwärts bewegend' und mit nd. 
ebbe zu verbinden. Diese nur auf gleichklang beruhende und 
semasiologisch unbegründete Vermutung ist mit bestimmtheit 
abzulehnen. Aber weshalb verwirft Kluge die von Johansson 
(Beitr. 15, 229 f.) vorgeschlagene anknüpfung an lat. imitor, 
imägo, aenmlor? Woher kann er wissen, dass die vorgerm. 
grundform *epwo- oder *ebJmo- lautete? Warum nicht *imno-? 
Denn auch dieses konnte im germ. nur zu *e'dna- werden (ags. 
emn ist bekanntlich zunächst aus efn entstanden, denn sonst 
würde das e vor m zu i geworden sein). 

12. Eis. Ich deute germ. *lsa- n. (m.) 'eis' als 'das schlüpf- 
rige' und stelle es zu aind. M«^i 'schleicht, gleitet'. Dieselbe 
bedeutungsent Wicklung vermute ich bei aksl. ledü 'eis', das 
vielleicht aus indog. *{s)ledho- entstanden ist und mit an. slöd 
'spur', slööi 'was nachgeschleppt wird', sUöa 'schleppen', sWur 



XI i: Dr.irsciiKN ktymolooie. 29.') 

1»1. 'schleppendes kltid. schleppe' abhuitef. Weitere spiiivii 
einer wz. *sle(Ili- '/^leiten' hat .Tohansson (Heitr. 14,824 f.) nach- 
o^ewiesen. Ich erwähne nnr isl. slmJr ' vertief luiß:'. norw. shul 
'dasselbe', shulr *ein sanft fi^eneij^tes fast Haches fehl", schw. 
dial. slddar '<,'-eneigt', sUuld 'ackerwalze', ags. shed 'tal'. in 
denen die stufe *sl<)dh- vorliejjft. (irössere verbreit un«,'- als 
*tilcdh- hat die wiirzelvaiietät *.v/r/<///- (ags. slidmi '«rleiten'. 
slidor 'schlüpfrio^'. lit. slidüs 'i^latt'. .s7//.s7j 'aiusgleiten". aksl. 
sh'du 'spur' u.s. \v.). 

13. Elbs. Mit recht stellt Kluge» \v2 nM. rlhi;, ags. I<1- 
fetu, an. tlptr, i^lpt, ak.sl. lebedl zu lat. (dbus. Hierher gehört 
auch nl. vlft, dl ff 'weissfisch'. auf dessen identität mit alnl. 
clbi^ 'sclnvan' Franck 232 aufmerksam gemacht hat. Man 
beachte das Avurzelverwante gr. iXtqnk 'weissfisch' ( : iXüfü^ 
'elfenbein' : uX(fÜQ 'weisser fleck auf der haut'). 

II. Esche. Ahd. asc, ags. cesc, an. askr aus indog. \i^sJc{h)o- 
ist am nächsten verwant mit gib. armen, hathsi aus *a^skhio- 
(Hübschmann, Armen, gramm. 465). das wir bei Kluge« 99 ver- 
gebens suchen. Als entferntere anverwante von c.<iche nennt 
er slav, jasiku und lit. usis, ohne aber auf die bedeutungs- 
differenz aufmerksam zu machen. Lit. iitiis, apr. tvoasis be- 
deutet 'esche'. gerade wie russ. jasml, südslav. czech. jasrn, 
poln. jasien, welche slavischen Wörter bei Kluge fehlen. Süd- 
slav. jasika aber bezeichnet nicht die esche, sondern die espe 
(poi)ulus tremula). weshalb Miklosich 100 und Schrader (Heal- 
le.\. 20t) f.) vorzielien, es mit hd. ('.s7)c, ahd. (ispa, ags. ^/sj), apr. 
abse, \ett. ajysa, Mt. apuszis, russ. ositut, [xAu. o.tika, oshid u.s. w. 
zu verbinden (Kluge« 00 ver<rleicht rspr nur mit lat. ^*/7v'>/-. das 
nach ausweis der baltoslav. formen nicht dazu gehört: wenn 
Kluge hd. Hcspe mit aksl. osv, lit. mpsd als verwant betrachtet, 
warum tiennt er dann hd. rsj>r V(»n .«meinen .slavischen ent- 
sprechiingen?). Ich miW'hte aber ja.s//.v< trotz der abweichenden 
bedeutung gerne mit jiLseiil zusammenhalten, umsomehr weil 
auch das walnscheiiilich hierher frehörige sv. i'r/nt-oU nicht 
die esche, sundern die pappel andeutet, i^ei Kluge venni.ssen 
wir noch lat. ornu^ aus *osinus 'bergesche', das sich nahe an 
niiiü. jdscni anschlie.sst, und die l)ei Stokes f)! s.v. ouna ver- 
zeichnete keltische sippe. 

15. Etter. Abd. t'/ar, ags. fO(/or, an. ^Warr *zaim' scheint 



296 UHLENBECK 

nach Klug'e" 100 ausserhalb des germ. nicht widergefimden zu 
sein. Ich vermute Zusammenhang mit aksl. odrü 'bett' (eig. 
'gestell'), czech. odr 'pfähl', odry 'gerüst in der scheune' u.s.w. 
(s. Miklosich 219 f.). Wir haben dann auszugehen von indog. 
""edhro- (hd. euer) : *odhro- (slav. odrü). 

16. Faser. Ahd. faso, fasa 'faser, franse', ags. fccs 'franse' 
werden bei Kluge« 105 nicht erklärt. Doch hat Miklosich 233 
ansprechend slav. pasmo 'gebind, bindgarn' herangezogen. Zu 
pasmo gehört wahrscheinlich bulg. pasmina 'rasse', und so 
dürfte es als möglich erscheinen, dass auch ahd. fasal 'junges, 
nachkommenschaft' mit faso, fasa verwant wäre. Schon Mi- 
klosich hat pasmina mit fasal verglichen. Zwar vermutet 
Kluge (s. V. faselschtvein) Zusammenhang von fasal mit lat. 
pario, dessen r aber auf grund von partiis und von lit. _^3enM 
'brüte' als ursprünglich zu betrachten ist. Schade 200 stellt 
fasal zu mhd. visel 'männliches glied', was jedenfalls als mög- 
lich bezeichnet werden niuss. Dennoch glaube ich auf grund 
von pasmina eher verwantschaft von fasal mit fasa, faso an- 
nehmen zu müssen. Die grundbedeutung von fasal ist dann 
'faser, faden', woraus sich leicht 'geschlechtsfaden, nachkommen- 
schaft' entwickeln konnte. Eine treffende parallele bietet uns 
aind. tdntu- 'faden, schnür, saite, ausläufer, faser, geschlechts- 
faden, reihe der nachkommen, nachkommenschaft'. 

17. Fehme. Mhd. veime 'Verurteilung, strafe, heimliches 
Strafgericht' gehört wahrscheinlich zur indog. wz. *pel- in got. 
faian 'tadeln', fijan 'hassen', lat. peior 'schlechter', gr. jifjfia 
'leid, verderben', aind. piyati 'schmäht, verhöhnt', piyaka- 
'sclimäher', ptyu-, plyatnü-, piyäru- 'schmähend, höhnisch', 
päpd- 'schlimm, böse, schlecht', papmdn- 'unheil, schaden, sünde'. 
Anders Kluge e 107. Franck 10601 

18. Fessel. Ich möchte ahd. fe^pl 'band, fessel, schwert- 
gehenk', ags. fetel 'schwertgehenk', an. fetill 'band, binde, 
schwertgehenk' nicht von ahd. fe^^era, as. fetur, ags. feter, 
an. fjgturr 'fessel' trennen (anders Kluge ^ 110): beide Wörter 
gehören zweifelsohne in die sippe von hd. fassen. Eine spui- 
von germ. *fatila- = hd. fessel glaube ich im slavischen nach- 
weisen zu können: vgl. sksl. petlja 'band, gehenk', das sich als 
entlehnung aus einer niederdeutschen form mit umlaut (etwa 
*fetilja f.) erklären lässt. 



ZI K l>i:( TS( IIKN KTVM(>LO(JIK. 297 

19. Fisch. In inciiicn beiiu*rkung:eii zu (nilraujtc : aksl. 
ti/ba habe ich einiyfe fisclinameii besprochen. Nach Kluge 
wären diese wol alle als wautlernde cultnrwörter zu b»'trachteu, 
denn selbst 'n\>rv fisrlt äussert er sich fMl«^endtMnia>sen ('- 114): 
'vielleicht ist das wort fisch ein wanderndes culturwort ge- 
wesen, dessen »luelle für uns unauffindbar ist'. Ach. die arni- 
selif^en, culturlosen, Hscldosen l'i iiidogernianenl So hat 
Kret.schuier (Kinl. in ilie «ie.MJi. der griechischen spräche 21) 
Ud.jocli, \d\.jn;/ttni, gr. ^r/ör, a'wul. i/iitjdin für ein altes wander- 
wort erklären wollen. Freilich gibt es keine Wörter ohne 
Wanderungen. Doch soll uns die hyperkritik nicht zu weit 
abführen von der nüchternen beurteihing spiachlicher tatsachen. 
Mir bleibt es wahrscheinlich, dass unsern vtufahren der weitest 
zurückliegenden proethni.schen perioden, ja den palaeolithi.scheu 
nien.schen Europas, die tische nicht unbekannt waren. Nun 
gibt es zwar kein in allen indog. sprachen auftretendes wort 
für 'tisch': hier *pelsko- : *piski-, dort i/ß^v^ — ziirh — ihukn, 
bei den Slaven ryba, im fernen osten tmitsyu-. Aber es gibt 
auch kein wort für 'vater', das allen indog. sprachen gemein 
ist (das baltuslavi.sche ist ja auch indogermani.sch). Vermutlich 
wird der eine oder der andere sociologisch geschulte foi*scher 
bald auch in indog. *pjler- ein wandei-ndes culturwort erblicken, 
des.^en Verbreitung mit dem aus matiiarchali.schen zuständen 
emportaucheuden begriffe der vaters(;haft band in band geht! 

20. p'liedei-. Mnd. r/c(/tr, i\s. fl{o(lar,*fli()(liar, n\. rIi({(U)r 
(Kluge'' 117) kann mit Vil. pul im t.s 'wa-s-serholunder' zu.sammen- 
hängen, falls dieses unter dem einfliLss von püti 'faulen' an die 
stelle von *j)li<({nns «retreten ist. 

21. Föhre. Mit Kluge'' 120 betrachte ich verwantschaft 
von fahre mit lat. /yjarcK.v als sicher; nur haben wir von in- 
d<»g. p im anlaut auszugehen (vgl. Hirt. IF. 1. 47*.» ff.). Mit 
staunen lesen wir bei Kluge in die.-;em artikel: 'fkhU, hirke, 
buche, führe sind die wenigen baumnamen, deren existenz über 
das germ. hinaus zu verfolgen ist'. \\'(» bleiben aftoru, riche, 
erle, a>che, espe, f'elbcr, hascl, hhm, linde, .s«/(« e/Wt), tceule 
u. a. m.? Mit solchen behauptungen soll man doch vor- 
sichtig .sein. 

22. (4 eck. Mhd. yec {ck) 'alberner mensch, narr. pt)ssen- 
hafter mensch", nl. yvk 'narr', isl. yikkr 'a pert, rüde pei-sou' 

B«üra(i tur gMchicbte der Ucuucbaa ipncb« XX VL fg^ 



298 UHLENBECK 

ist bisher nicht erklärt worden (vgl. Klug-e'' 136. Franck 275). 
Ich vermute eine g'rundbedeutung 'schief, fehlgehend' und ver- 
gleiche an. geiga 'to take a wrong direction, to rove at ran- 
dom', lata augun geiga 'to look askance', geigr 'a scathe, a 
serious hurt, danger, a squint, a leer', ags. forgcesan, ofers(B^an 
'seine pflicht verletzen, übertreten'. Das Ixli von geck ist dann 
auf ghn zurückzuführen. Man beachte noch poln. semivac, 
zezem imirzeC 'schielen', zezoivaUj, zezoohi 'schielend' {^zizu 
aus *ghigho-?). Nicht ganz sicher ist verwantschaft von aind. 
jihmd- 'schräg, schief (vgl. Kern, Taal en letteren 9, 189). 
Bestimmt abzulehnen ist die gleichung an. geiga : lit. zvaigineju 
(Zupitza, Germ. gutt. 97), denn indog. ghu im anlaut vor anderen 
vocalen als u hätte im germ. nur w ergeben können. 

23. Gerte. Trotz Kluge " 142 hat ahd. (/ar^ea, ^erto, ags. 
serd, sierd, stß'd nichts mit got. gazds zu schaffen. Dies hat 
Cosijn (Tijdschr. v. ned. taal- en letterk. 13, 19 ff.) gezeigt. ') 
Die gleichung gerte : aksl. Midi wird von Kluge mit unrecht 
Cosijn zugeschrieben. 

24. Grau. Ahd. grCio, ags. s'^'ces, an. grdr gehört vielleicht 
zu lit. zereti 'glänzen', aksl. zweti 'glänzen, sehen' (so jetzt 
Hirt, Indog. ablaut 80). Andererseits lässt germ. *greifa- sich 
auch auf indog. *ghreuo- (mit labiovelarer media aspirata im 
anlaut) zurückführen, denn vor consonant gieng die labialisa- 
tion lautgesetzlich verloren: vgl. got.gretan, mhd. grämen 'weinen' 
und got. *grötjan, ahd. gruo^an 'grüssen' zu gr. c/Qa^co. Dann 
aber ist es möglich, '^grewa- mit aksl. zeravü 'glühend' zu 
verbinden, das auf *indog. gliermw- beruhen kann und mit aksl. 
^ore7/ 'brennen', ^re^? 'wärmen', \\di.ivarm, aind. (//(«rma- u. s.w. 
verwant ist. Die bedeutungsentwicklung von *grewa- wäre also 

glühend, glänzend, weiss, grau'. Danach ist Kluge" 150 zu 
vervollständigen und teilweise zu berichtigen. 

25. Hagel. Ich vermute, dass SiM.hagal eigentlich 'das 
weisse' bedeutet hat, und stelle es mit gr. yMihiB, 'kiesel' (ui-- 
spr. 'weisses steinchen') zu aind. IcaMära- 'weisse Wasserlilie'. 
Vgl. Kluge 6 157. 

26. Hager. Kluges 157 kann das wort nicht erklären. 

[1) S. aber jetzt auch Sievers, Zum ags. vocalismus, Leipzig 1900, 
s. 24 ff. E. S.] 



'/Ali I» IM TSC HKS' KTYMOI-OdlK. 200 

Ziipitzii ((lerni, glitt. 101) lässt es ans */ianf('r (lissiiniliiMt und 
mit aind. Ärf«- verwant sein, was allerding-s möglidi ist. Das 
walir.scheinlichste ist mir aber, dass Im/jer mit aksl. ('eznnti 
'delicere' auf einer indog. \vz. *ktßh- beruht. 

27. Hauste. Mhd. hnstr -auf dem felde zusammenge.stellter 
hauten getreide. heu' kann mit an. haust 'herbst' in abhtut 
stellen, falls dieses urspiiinglich "ernte' bedeutet hat. Beide 
Wärter gehiiren vielleicht zu einer indog. wz. */.7m.s-, */,y>m.s-, 
"küs- 'sehneiden', wozu sieh noch russ. kust 'strauch' und bulg. 
hus 'gestutzt, kurzgesehwänzt' stellen la.^^sen. Jedenfalls wird 
es kaum gelingen, an. IkihsI mit hd. lurhst zu vermitteln. 
Andei-s Kluge« 1(35. 172. 

28. Heister. Mhd. hcistcr 'junge eiche oder biiclu'" aus 
*liaisfra- steht nach Kluge'' 170 und Franck .iöl (dine an- 
knüpfung da. Bei der erklärung des wortes dürfen wir v<iii 
der allgemeinen bedeutung 'unerwachsenei- bäum, niedriges 
holzgewäclis. strauch' (nl. hcislo-) ausgehen. \'ielleicht geht 
*haisfr(i- auf indog. */.«/.sro- zurück, welchenfalls es mit aind. 
krsnni- aus 'kcsra- identisch sein kann. Dieses bedeutet: 
'haar, mahne, Staubfaden, faser, rottleria tinctoria, mesua 
ferrea, mimusops elengi' ('als pflanzenname zu belegen, aber 
nicht näher zu bestinnnen' Bühtlingk). Das Verhältnis von 
kcsara- zu lat. caesarivs 'haupthaar' ist nicht ganz klar: jeden- 
falls ist kt'sara- aus *kcsra- entstanden, denn sonst hätte es 
*keshara- lauten müssen (vgl. ^\'ackernagel, Aind. gramm. 1, 2M2). 
Anders über hcistcr Prellwitz 110 (: ^y. x'nii>aQOi, xiolh')^, 
xioTOi, wozu Lewy, Die semit. fremdwr>rter 40 f. verglichen 
werden soll). 

'20. Hinde. Bei Kluge« 175 finden wir die alte und be- 
währte gleichung ahd. hitita, ags. an. hlml : gr. xi/tui; (-aö-). 
Der dental des germ. wortes braucht aber nicht ableitend zu 
sein, denn der gr. genitiv xniädo^ wird sein d statt des zu 
erwartenden t von stammen wie (h/(*«tJ-, aind. drshdd- ül)er- 
nommen haben. (Temi. *himijö- aus *kemtiü- (für indog. *kemti^-) 
ist eine femininbildung zu indog. *hm.U-. gr. *xifiaT- (x/ //«,). 
I*'alls (jctnsr, ahtl. t/mni^a, (jamu; ein lehnwort aus dem kelti- 
schen ist (vgl. Kluge« 140), kann es ebtmfails hierhergehören. 
Spätlat. rtinioj; 'i\a\. annoz'd u.s. w. scheinen mit ahd. ijnmi;n, 
ijamu; auf gall. *kamttt- hin/u Welsen, (iemsf als urverwant 



300 UHr.ENBECK 

mit xsfiäQ zu betracliten, wie man früher wol g-etan hat, ver- 
bieten die lautgesetze. 

30. Kabacke. Das von Kluge" 188 verzeichnete dialek- 
tische wort für 'baufälliges haus' erinnert an russ. Icahal; 
'schenke'. Ist es vielleicht daraus entlehnt? 

31. Kegel. Kluge ß 200 sagt: 'Ahd. hecjil 'pflock' (got. 
*kagils) könnte mit gr. jönq)0(i {(p für gli) 'pflock, hölzerner 
nagel, keil' — mit nasalierung der Wurzelsilbe — verwant 
sein'. Und für Jinehel, got. *hiaMs (213) vermutet er eine 
Wurzel *gomhh-, *gonhh-, welche ebenfalls durch gr. yofKpog 
repräsentiert sein könnte. Die Wahrheit ist natürlich, dass 
yofjcfog weder zu legcl, noch zu Jcnehel gehört, sondern dem 
freilich in der bedeutung etwas abweichenden kämm entspricht, 
wie man bei Kluge" 191 lesen kann. Es sollte einem doch 
nicht einfallen, yoiic/og von aksl. ^c/^hu und aind. jdmhha- zu 
trennen! Dann zweifelt Kluge, ob lit. mginiat pl. 'palisaden, 
pf Osten', mgaras 'dürrer ast' zu hcgel odei' zu Icufe 'Schlitten- 
kufe' gehören. Aber germ. /'ist doch nicht lit. gl Wahrschein- 
lich ist hufe 'Schlittenkufe' eine Umbildung von ahd. chiioliha 
(s. Kluge 6 230) unter dem einfluss von kufe 'gefäss'. Das buch 
Zupitza's hätte Kluge in diesem und in vielen andern fällen 
zur vorsieht mahnen können. Er hat es nur ausnahmsweise 
berücksichtigt. Was kegel anbetrifft, so sind zunächst drei 
möglichkeiten in erwägung zu ziehen: 1) es kann mit lit. £a- 
ginim, mgaras zusammengehören; 2) es lässt sich mit lett. 
dzeguli 'zinken an tischlerarbeiten', bulg. zegla, zegiil 'holz- 
zapfen zur Verbindung der beiden joch teile' vergleichen; 3) es 
beruht vielleicht mit aksl. zezlu, zizlü 'rute, stab' auf einer 
WZ. "^gegh- (vgl. Beitr. 21, 101 f.). Natürlich ist für *kagils auch 
eine grundform mit indog. tenuis im inlaut zulässig, doch findet 
eine solche keine stütze in den verwanten sprachen (an Zu- 
sammenhang mit lat. haculum, nd. ^^e^e? ist natürlich nicht zu 
denken) und kann deshalb ausser betracht bleiben. 

32. Kot. Die betrachtungen über etwaigen Zusammenhang 
zwischen hd. kot 'stercus' und aind. gutha- hätte Kluge" 222 
unterdrücken sollen (vgl. Brugmann, IF. 5, 375 f.). 

33. Krawall. Das nach Kluge" 225 erst nach 1830 auf- 
[1) S. aber jetzt auJfi^M'^^t slavisch: Vgl. russ. kramola 'auf- 

s. 24 ff. E. s.] ' ^T physiologischen verwantschaft 



7A'H DKl'TSCHEN KTY.MOF-dOI Fl. :{(ll 

von tc 1111(1 /// ist der crsatz dvs ('inni lautes diircli den aiidcin 
in einem frenidwoitc kaiiiii auffällig-. 

rU. Kreisflieii. Das von Kl u<^e" 22«) ei tierte nilid. /.r/^c« 
ist identisch mit mnd. Lntvn, ninl. cntm, nl. hrijtcn (s. Franck 
518). ^^'enn Busbefk got. gntun, kiinij?(jt. *<)ntcn durch nitm 
wideig-ibt, so kommt das dadurch, dass er irrtümlich an nl. 
Irijten 'weinen' dachte. Dies hat Loewe (Die reste der (.'er- 
manen am Schwarzen meere l:?3) nicht erkannt. Vermutlich 
ist germ. ""hntan \sclir«'ien' mit germ. *kritjön, ahd. hrizzön 
'einritzen' verwant, wie schon Franck vermutet hat. Die be- 
deutungsver.schiedenheit hat ein analogen in got. hrOjis, /tnjj>j(in : 
an. skrajKi (Johansson, Beitr. 15, 220). Dann aber haben w ir 
*lintan als eine nebenform von got. -shcitan (disshrcitan 'zer- 
reissen") zu betrachten. Anders Persson, ^^'urzelerw. 195. 

35. Kriechen. Ahd. Inioliliun darf nicht ohne weiteres 
mit ags. cn'opan, an. I.rjnjxi ( : as. /.rnpaii, iiilid. hrafcn) gleich- 
gesetzt werden. ]\lit krioJdtdn vergleicht Zujütza (Germ. gutt. 
212) ir. yruc "runzer, was ich dahingestellt sein lasse. Aber 
der labial von germ. */ncoj)an, ^h-riipcni ist zweifelsohne vor- 
germanisch, wie aus lit. (/nthincli 'straucheln, stolpern', tjrhhhis 
•rauhe Unebenheiten, holpern' hervorgeht. Dagegen darf aksl. 
tjrühu 'rücken ' nicht herangezogen werden (urslav. *(jnrha 
wegen russ. gurb u.s. w.j. Eher gehört ir. yrobach 'runzelig' 
hierher, das Zupitza (a. a. o.) mit Hreopan vergleicht. Jeden- 
falls aber genügen die von mir genannten lit. Wörter, um für 
*J:nopan eine vorgerm. wurzel *(frcijh- zu erweisen. Kine 
Wurzelvarietät mit indog. tenuis im au.slaut scheint in gi'. /(^t'.Tro^ 
'gekrümmt' vorzuliegen (vgl. Kluge** 229. Franck .')i;{. Zupitza 
a.a.O.). Anders Kluge'- 227. 

'M. Lab. Kluge'' 234 vermutet Zusammenhang mit got. 
Iid'jd-, an. ////u. s. w.. indem er sagt: 'das ablautsverhältnis 
von Iah zu li(hj(i entspricht etwa dem V(m hd. nasr zu ags. 
)iosu, engl. uosi\ Dies kann nicht richtig sein, denn hihja- 
hal vorgerm. u (vgl. air. lidh •kraut, strauch, pflanze'). 

37. Laub. Die nicht geracU' neue etymologie dieses 
wertes, welche an lat. liijjti, ak.sl. Inpiti '.schälen, abziehen' 
anknüpft, fehlt auffälligerweise bei Kluge" 238. Zur stütze 
dersellien Weise ich hin auf czecli. hi]> 's<-huppe. blättrlien', 
Itiptn "blatf (s. Miklosich 170). 



302 UHI.ENBECK 

38. Liederlich. Ob liederlich mit Rga.hjdre 'elend, schlecht' 
zusammengehört, weiss ich nicht. Sicher aber ist hßre von 
gr. Utvü^eQOQ zu trennen, denn dieses gehört mit lat. liher, 
osk. luvfreis (vgl. Brugmann, Grundr. I2, 107. 197) zur wz. 
Hcudh- in got. liudan u.s.w. Ich stelle ags. lydre und unter 
vorbehält auch liederlich, lotter- zu aksl. Ijutü 'saevus' (s. Mi- 
klosich 172), womit Prellwitz 187 und Berneker (IF. 10, 153) 
ansprechend gr. Xvooa 'kriegswut, raserei, leidenschaft' {^''?.vria) 
verbunden haben. Anders Kluge" 249. 

39. Linde. Am nächsten stehen die von Schrader (Sprach- 
vergl. und Urgeschichte ^ 341) und Mikkola (BB. 21, 220) ver- 
glichenen slav. Wörter: poln. l^t 'abgeschälte linde' (im aus- 
druck jalc l^t goly), klruss. lut 'rute', litte 'weidenzweige, 
lindenbast', wruss. lut 'bast einer jungen linde', russ. lutjc 
'lindenwald für bast', aksl. Ictsta 'lanze' {HiUla). Vgl. jetzt 
auch Schrader (Reallex. 503), der auf die bedeutung des linden- 
bastes im alten Europa hinweist. Mit unrecht aber hält er 
russ. lapoti 'bastschuh' für dunkel, denn es ist wol sicher eine 
ableitung von indog. Hep- 'abschälen, abrupfen, abblättern' in 
slov. lepen 'blatt', bulg. lepen ' Schierling', sorb. lopjeno 'blatt', 
lit. läpas 'dasselbe', gr. Xejioq, XojtÖc, 'rinde', ItJioj 'schäle 
ab'. Ursprünglich wird lapott ein synonym von lyho und luh 
gewesen sein. Gern möchte ich auch das anklingende aksl. 
lipa, lit. lepa 'linde' auf eine wurzel mit der bedeutung 'ab- 
schälen' zurückführen (vgl. die russischen ausdrücke ohodrali 
jego liok lipkii, lipka ohodrannaja): vielleicht stand neben *?ej> 
(gr. Xsjica) und *leup- (aksl. Inpiti) auch eine varietät "^'leip-. 
Dazu noch aksl. lisU 'fuchs' aus "^lipsü wie lit. läpe zu Hep-'^ 
Vgl. Schrader, Reallex. 259. Die m^sprüngliche bedeutung von 
Hep-, *leip-, Hei>p- war eine allgemeinere als 'abschälen' und 
läpe, lisü könnten den fuchs als 'räuber' bezeichnet haben. 
Auch aksl. listü 'blatt' (^lipstü?) wäre möglicherweise hierher 
zu stellen, doch fällt es schwer das wort von lit. laTszMs zu 
trennen. Soviel über lipa. Was linde — l^t anbetrifft, haben 
wir eher von dem begriffe der geschmeidigkeit auszugehen, 
denn trotz Kluge ^ 249 f. ist es wol mit lat. lentus 'biegsam, 
geschmeidig, träge', hd. lind, gelinde zu verbinden. Eine 
Wurzel "^lent-, *lnt- 'biegsam sein' vermute ich weiter noch in 
ahd. lind, lint, an. linnr 'schlänge' (mit urgerm. n^> und des- 



'AVK i)Ki'is( iiKN i:tym()I-()<;ik. :'0:i 

lialli iiiclit zu lit. hnilü •kiirdit*') mul in Jiiiid. htfä 'sclilinp:- 
p'wäilis, liiine. laiikc" (aus *luj(i). ()\) ^v. t).uTij 'Hellte' und 
\it. Icnla *l)ivtt' in diesrn znsammenlianp gehören, ist mir jetzt 
ft-aglich. 

10. Mark. I''alls man auf trnind von alid. ninr(<i)(i, as. 
nun II. a<i"s. iinur.s, an. iiirri/r mit l\Iuge*' 2(50 aksl. mo-(/n und 
avest. maziid- auf indo^if. '^nKui/ho- zuilickliihit, dann fordert 
aiud. majjan- eine besondere eiklärung'. denn hier kann von 
'regelreclit aufgegebener aspiration' keine rede sein. Audi 
kann ^nia-f/ho- (*nti>:(ih<)'^) wegen seines ijli nicht unmittelbar 
zu aind. majj- gehftren. 

tl. Meiden. Die bei Kluge« 265. 270 behandelte sippe 
von mehh'u, missen zeigt die Itedeutungen 'entbehren, vei'- 
meiden, verhehlen'. Ich vergleiche zunächst ajir. itidilint 'vei-- 
lieren' (anders Zupitza. BR.25,99). 

42. Meinen. Ich beurteile dieses wort anders als Kluge'' 
2(35. Hier will ich nur bemerken, dass ags. mcenan, *niunl<in, 
engl, to moan 'klagen' wahrscheinlich in einen ganz anderen 
Zusammenhang gehört. Ich halte es nämlich für eine ableitnng 
von indog. "mOi- 'brüllen, blöken, .schreien' in aind. im'mäli, 
mayü-. Dass wir mit einer r7/-wurzel zu tun haben, geht aus 
formen wie mimcti, änunicf, mimäya, mäniiat genügend hervor. 

48. Moder. Kluge" 271 scheint den versuch Hoffmanns 
(BB. 18, 200 f.) mudile ii.s. w. mit gr. höh '.schlämm eines tllls.s^^s' 
zu vermitteln, durchaus abzulehnen. Auch ich glaube, da.ss 
aoi^ sich bes.ser erklären lässt. Nicht dass ich es mit .To- 
hansson (IF. "2, 58) zu ahd. masa stellen möchte. Klier meine 
ich, dass aoi^ sich am besten mit ags. adda 'schmutz' und 
.sippe (s. Fianck 2 f.) vergleichen lässt. Bei dieser auffa.ssung 
ist uüii^ auf indog. *«//-,s" zuriickziifiihren und krmuen wir der 
immerhin etwas bedenklichen annähme von m im wortanlaut 
entbehren. Warum fehlt bei Kluge tlie alte combination von 
moder muddt mit avest. mnjtra- 'unreinigkeit, .schmutz', aind, 
mütra- 'harn":' Vgl. Franck G40 f. und die bei Pei-sson (W'urzel- 
erw. 155) behandelte gruppe. 

44. Möwe. (ienn. ^maiiiva-, *nit(i{tf)iii- 'möwe' ist nach 
Kluge« 271 in d(Mi anderen sprachen nicht widergefunden. 
Sclnm früher habe ich die Vermutung au.sgev;pntclien, dass wir 
es mit einer alten farbenbezeichnung zu tun haben, un«I aind. 



304 UHLENBECK 

mecaka- 'dunkelblau, dunkelfarbig' herang-ezogen. Wir brauchen 
aber nicht anzunehmen, dass möive ursprünglich der name eines 
dunkeln vogels gewesen sei, denn die begriffe 'hell' und 'dunkel' 
stehen einander semasiologisch sehr nahe. Wahrscheinlich be- 
ruhen möwe und mecaka- beide auf einer indog. wurzel *niclq-, 
*moiq- 'glänzen', welche in lat. micäre 'funkeln, blinken' und 
in obersorb. milmc 'zwinkern', niedersorb. miknus 'schimmern' 
vorliegen kann (die anklingende sippe von aksl. nitgnati hat 
wol indog. gh, vgl. J. H. Kern, IF. 4, 110). Dann ist die möwe 
unmittelbar nach ihrer glänzendweissen färbe benannt worden. 

45. Nachen. Die erklärung von germ. *naqan- aus *naivan- 
zu gr. vavg U.S.W, scheitert nicht so sehr an der Unsicherheit 
der lautentwicklung w > q, wie an dem umstand, dass indog. 
*näu- festes ä hat (s. Streitberg, Zur germ. Sprachgeschichte 
48 ff. 53 f. IF. 3, 336 f. 359 f.). Wir hätten wenigstens ''nöqan- 
zu erwarten. Ebenso verwerflich ist der erklärungsversuch 
Zupitzas (Germ. gutt. 92), der *naqan- mit einer ursprünglichen 
bedeutung 'waschtrog' und mit ablautsentgleisung zu gr. viC,o), 
v'ijiTco, aind. n&neJdi stellt. Eher hätten wir mit Liden (Stud. 
zur aind. und vergl. Sprachgeschichte 34) aind. naga- 'bäum' 
zu vergleichen. 

46. Napf. Wie verhält sich germ. Vmappa- (ahd. Imapf, 
ags. hncep) zu aksl. konohü 'pelvis', das Miklosich 127 heran- 
zieht? Beruhen beide auf einer zweisilbigen wurzel ^ka^na^'b-? 
Vgl. etwa aind. kamhu- 'muschel' neben gamim-. 

47. Nock. And. *hnoMa, älter-nnl. MocÄ:e, nl. woA: (woraus 
nhd. nocJi nach Kluge ^ 284 entlehnt ist)') zeigt die bedeutungen 
'gipfel, spitze, dachfirst' und gehört nach Franck682f. mit 
isl. hnukr Qinjükr) 'bergspitze' zusammen. Ferner vergleicht 
er M.hnokinn 'gekrümmt' (: ÄmU-a 'kauern') und säi. hni/kkja 
'to pull or tug', deren bedeutungen aber zu weit abliegen. 



[') Dass das wort nock im hochd. überall lehnwort sei, ist jedoch 
luiwahrscheinlich angesichts seines auftretens in nicht gerade wenigen berg- 
uamen der deutschen Alpen. Vgl. z. b. in dem einen typischen Verbreitungs- 
gebiet dieser namen (zwischen dem kämm der Zillertaler Alpen und der Eieser- 
feniergruppe : ein andres grosses 'iVoc^-- gebiet' liegt in Kärnten) beispiele 
wie Breit-, Gamslaner-, Gatter-, Gelenk-, Hirber-, Klaus-, Knutten-, Pfaffen-, 
Putzer-, Schaflaner-, Stuiten-, Zintnock, Sdmeebiger Nock etc., andererseits 
z. b. den Nockstein bei Salzburg, die NockspHze {= Saile) bei Innsbruck, 
U.S.W. E. S.] 



Zrii DKUTSCHEN KTYMt)r,Of;iE. ^0'» 

AiK'li ausseilialb des g-nm. meine idi ein»' walirsnlieiiilidH' 
ankiuipfiin*,'- p:efun(len zu haben. Nl. uorlc, nok ist bis auf das 
gesclHeclit iilentiscli mit ;iir. cmKii) 'Iiiig-el'. falls dieses näm- 
lich auf voikelt. *^/,ui((jnn- /urii<-kf;eht {\t;\. air. horr aus *hhuiini')-). 
Freilicli pflegt man air. cnoc{c) aus */cno(ftw- zu erklären und 
mit hd. )i(tr/,t'u zu veil)inden, was immeihin müf,ni(h ist. Hoch 
stehen die bedeutungen v^n uodr lim'i/.r Afv dc^ k»dtisclien 
Wortes näher. 

•18. Oft. 'Ein ursiniingliches adj. "uftnz fre(|u»'ns zum 
adv. ahd. ofto saepe, freijuenter, (luondam, olim ist möglich' 
(von (irienberger, Tnterss. zur got. wortkunde 22.'{). A\'ie ich 
aus Kluge*' 2S7 ersehe, hat man an eine particiiti.ilbiiduiig zu 
aind, ^in/«// gedacht. Dieser gedanke ist aber durchaus abzu- 
lehnen, denn die wurzel *u{{i)h konnte im germ. nur als *tr/^- 
auftreten. Tatsächlich liegt in got. bi-nhts ein nasaliertes 
Itarticipium dieser wurzel vor (vgl. lit. jhnJdas). Ja selbst 
wenn wir von indog. *u{n)q- mit labiovelarem auslaut auszu- 
gehen hätten, was kaum der fall ist (vgl. armen, usaniml), 
auch dann wäre got. nfia ferne zu halten, denn vor / verlor q, 
germ. /" lautgesetzlicli seine labiali>ati(in. wie aus got. hihts 
( : gY.LXaffQÖq U.S.W.) hervorgeht. Ks wird zeit, da.ss dem germ, 
labialunfug feste schlanken gesetzt werden! Kineii anfang hat 
Zui>itza schon gemacht. 

49. Polder. 'Shpolder, lid. lw./*oA/rr -marschland (Kluge« 
302) hat natürlich mit ;>o/f/r;- iiiilmerpark' -.xna mh\\. pnlhuiuw 
nichts zu schaffen (vgl. I'ranck 710). Vielleicht beruht puhUr 
'marschland' auf vorgerm. *6{/-o- und ist es mit nl. poel, hd. 
pfhhl, ags. pol, lit. hah), aksl. hlafo u.s. w. zu verbinden (ähn- 
lich \ercoullie- 225). Nebenbei sei bemerkt, da.ss der artikel 
pfuhl bei Kluge" 298 wol etwas mehr hätte bieten können als 
die hoffnungslose äusserung, da.^s die vorgeschiciite des Wortes 
dunkel sei. Kluge« 2W hält freilich die annalnne. da.^s die mit 
hd. pf, nd. ]i anlautenden Wörter nicht echt germanisch sein 
können, im allgeuuMuen für richtig. .Möglicherweise gelingt 
es jetzt .lohansson (KZ. .'?•». '^\- ff.) ihn zu einn- anderen ansi«-ht 
zu bekehren. 

r.o. Habe. Zunächst gehört ahd. (h)ralto, (h)rab(in, Hg». 
hrirfu. an. hrtifn zu lat. mpo (vgl. TVi-sson. ^^*urzel»'rw. .'>0. 
Zu]iitza, (ierm. gutt. 121;, womit aind. kjpatr •jammert, lieht. 



306 UHLENBECK 

ersehnt' urverwant ist. Germ. ViraTma- ist also eigentlich 
dasselbe wort wie aind. Irpand- ^jämmerlich, erbärmlich, arm, 
elend, geizig', wovon es sich nur durch ablaut {^hropnö-, 
*krponö-) unterscheidet. Die grundbedeutung von Irpand- und 
*h)-aTma- ist 'schreiend, krächzend, klagend'. Anders über 
rale Hirt (Beitr. 23, 306), über Irpand- Zubaty (Arch. f. slav. 
phil. 16, 397). 

51. Eatte. Alle Schwierigkeiten lösen sich, wenn man 
von der bedeutung 'nager' ausgeht und das wort als echt 
germ. betrachtet. Es gehört zu lat. rödo, rädo, aind. rddati 
(Beitr. 22, 196). Vielleicht haben wir für maus eine ähnliche 
grundbedeutung anzunehmen, denn dieses ist wol sicher ein 
wurzelnomen zu aind. nmshnäti 'stiehlt, raubt' und der begriff 
'stehlen, rauben' kann auf 'reissen, rupfen' u. dgl. beruhen 
(vgl. Persson, Wurzelerw. 144). Eine parallele dazu ist rauhen, 
got. -rauhön, np. ruhudan 'rauben' : an. rjnfa, ags. reofan, lat. 
rmnpo u. s.w. Aind. lumpdti bedeutet sowol 'zerbricht' wie 
'plündert, raubt', und die hierhergehörigen mit l anlautenden 
Wörter im baltoslav. (lit. Ihpti, aksl. hipiti) zeigen die bedeu- 
tungen 'abziehen, abrupfen, schälen, abblättern'. Die artikel 
maus, ratte, rauhen bei Kluge" bedürfen einer revision. 

52. Eeh. Nach Kluge'' 313 f. darf germ. *raiha- kaum zu 
aind. rgya- 'antilopenbock' gezogen werden. Kluge hätte sich 
stärker ausdrücken sollen, denn von Zusammenhang zwischen 
reh und rgya- kann überhaupt nicht die rede sein. Eine germ. 
i-epenthese gibt es nicht, auch nicht in der modificierten form 
Bugges. Bekanntlich gehört rgya- in die sippe von hd. eich. 
Eine ansprechende erklärung von reh hat Lideu (Stud. zur 
aind. und vergl. Sprachgeschichte 96) gegeben, doch diese hat 
Kluge noch nicht benutzen können. Hoffentlich wird er sie 
in der siebenten aufläge seines buches berücksichtigen. 

53. Reiben. Ahd. {iv)rthan beruht vielleicht mit klruss. 
ripity 'knirschen' (aus ^repeti) auf einer wurzel ^ureip-. Dass 
anlautendes u im baltoslav. vor r, l schwinden konnte, hat 
Liden (Ein balt.-slav. anlautgesetz) gezeigt. 

54. Reue. Ahd. {h)riuwa, ags. hreoiv 'kummer, trauer, 
reue', an. hryggr 'traurig', ahd. hriuivan 'schmerz oder reue 
empfinden, betrübt oder reuig machen', ags. hreowan 'betrüben', 
an. hryyyva 'dasselbe' gehören zu apoln. hy, aksl. h-üvi, air. 



ZIK DKL'THCIIEN KTYMOLOfilK. 307 

au, \'A\.. cnwr '\)\\\V u.s.w. Dass der begfriff •tiauiig'. Ix'tiiibl ' 
sich aus 'bliitif^' entwickelt haben kann, beweist ugs. ihiorij;, 
engl, dnanj zu aj^s. driur 'blut'. lieuc ist also mit roh verwant. 

r»5. Kufe. Nhd. n</'c 'kruste einer wunde', ahd. (h)ni(', 
•AU. Itntfd 'scliorf, iihil. {h)ri(t/>, n^i^s. Iirrnf, ww.hrjüfr 'aus.sitzi«;:' 
werden bei Kluge** 322 nicht erklärt. Sie gehören entweder 
zu lett. Ar'«;)/ 'vers(lirunii)feir. ki'dujKi '^^v'xmV u..s. w., wie z. b. 
von Pers.son (Wiir/ctleiw. lii'.') und Znpitza ((ierni. gntt. 12t)) 
angenommen wiid. oder aber v.w aksl. slntjui 'wunde', bulg. 
striij) 'schorl", serb. titnip 'art kindeiausschlaji:'. czech. s(ni}> 
'kruste', i)()ln. sfnip 'grind', vn>i^.s/nip kruste, schorf . Letzteiii- 
falls wäre slrnjui aus *};rupu (indog. *kreupo- oder *kroupo-) 
entstantlen. 

öl). Kiissel. Kluge' :'. 21 vermutet Zusammenhang von 
germ. *u'rüt- 'aufwühlen" mit hit. rodo 'nage'. Aber lat. rudo 
und das damit ablautende rado 'schabe, kratze' haben kein // 
im anlaut verloren: vgl. imu\. rddali 'kratzt, ritzt, gräbt, hackt, 
nagt', bal. r</J«r/ 'den boden aufreissen'. Nicht idsscl, sondern 
ratic ist mit lat. rodo verwant (vgl. oben). 

T)?. Sattel. Lidens untadelhafte erklärung dieses worles 
(Beilr. IT), 515) wird von Kluge »^ ;i'28 — wie so nmnche andere 
wahrscheinliche etymologie — stillschweigend verworfen. Nach 
Kluge wäre satfcl vielleicht ein altes lehnwort aus einer anderen 
indog. spräche. Vieles i.st möglich. Das einzige wort aber, 
das als cjuelle von satiel in betracht kommen könnte, nämlich 
aksl. snilo, hat leider r, woraus sich das u des germ. Wortes 
nicht erklären lä.^st. \\'elche culturhi.Ntoii.schen tatsachen 
zwingen uns, in saihl »'in lehnwort zu sehen':' Konnte bei 
dem bekanntwerden dei- reitkunst nicht ein altes wort für 
'se.s.ser die specielle bedeulung von '.sattel' annehmen";:' Mit 
slav. scdlo (aus *sedtdo oder *sedilo) ist dies doch sicher der 
fall gewesen, denn die nahezu entspreehrnden worler der 
anderen sprachen (got. sitb u.s.w.) bedeuten alle '.se.s.sel". 

58. Scheren. Kluge« :i3G fragt, ob aind. hshurd- hierher 
zu stellen sei. Hezweifelt er denn die ideiitität V(»n Lslniru- 
und ^vqö-':' liid<><j-. *l<n,n- \\\«\ <\*'\\ ni'lif mit *s/.. i- ver- 
mitteln. 

59. Schmollen. .Mlid. smoHm "aus unwillm xhweigen. 
lächeln' ist nach Klutr'' '>IT eine junge bildung zu mhd. smulai 



308 UHLENBECK 

'lächeln', dem älter-nl. smmjlcn 'subridere' (Kilian) entspriclit. 
Das neben smuylen stehende smollen ist vielleicht nicht echt 
niederländisch, sondern wol eher aus Deutschland zu uns 
herübergekommen: sonst würde es ein ziemlich hohes alter für 
mild, smollen erweisen. Jedenfalls hätten nl. smuylm, smollen 
(vgl. dazu Franck 909) bei Kluge berücksichtigung verdient. 
Schon vor einigen jähren habe ich auf ein verwantes wort im 
slavischen hingewiesen: russ. u-cJnmjljattsja 'lächeln'. 

60. Schwelgen. Die bedeutungen 'herunterschlucken, 
verschlingen, schwelgen' können sich aus 'gleiten lassen' u. dgl. 
entwickelt haben. So gehört ahd. slintan, got. -slindan mit 
mild, sltten, ags. sliclan 'gleiten' zusammen. Eine ähnliche 
bedeutungsentwicklung vermute ich für die sippe von schwelgen 
(Kluge " 358). Germ. *su'elx-, *sirelg- deckt sich, was das laut- 
liche anbetrifft, vorzüglich mit indog. ^suelk- 'ziehen, schleppen' 
in gr. sXxco 'ziehe', oAxdc, lat. sulcus 'furche', ags. sulli 'pflüg', 
woneben ohne s im anlaut aksl. vleka, lit. vendi 'ziehe, schleppe'. 
Gehört schwelgen zu dieser weit verbreiteten wurzel und ist 
es eigentlich 'durch die gurgel ziehen'? 

61. Silber. Trotz Kluge ^ 365 halte ich noch immer aksl. 
strebro mit seinen zwei r für die ursprünglichere form, woraus 
got. silubr durch dissimilation hervorgegangen ist. Auch lit. 
sidähras, lett. sudrabs, sidrdbs, apr. siraplis, sirablan lassen 
sich am besten aus einer grundform *sirahra-, ^sirapra- (ahd. 
süabar, silapar) erklären. Darum kann ich die etymologie 
von Grienbergers (Unterss. zur got. wortkunde 186) nicht wahr- 
scheinlich finden. Auch ist silber wol ein lehnwort aus dem 
Orient. 

62. Stab. Nach Kluge« 374 wäre stah vergleichbar mit 
einem altslavischen worte, das er als stahu, stabü anführt. 
Vermutlich meint er aksl. stapü 'stock, stab', das aber eher 
als lehnwort auf ahd. stap zurückgeht (die mit stab, got. stafs 
urverwanten Wörter im baltoslav. wie apr. stahis 'stein', lit. 
stäbas 'götzenbild, schlagfluss', lett. stabs 'pf eiler, säule' zeigen 
b aus bh, nicht pl). Es gibt auch ein mit aksl. stap)ü sjiio- 
nymes stap)ü, doch Zubaty (Arch.f.slav.phil. 16,414) hat gezeigt, 
dass dieses mit slov. scajj» auf "^skepii = lett. skeps 'speer, spiess' 
hinweist. Mit stab hat es nichts zu schaffen. 

63. Staub. Ahd. stäup, stuppi, got. stubjus 'staub', ahd. 



'/.\\t i)i:rrs( iiKN ktymoi.ocmk. 309 

stioliiüi 'stit'ljt'ii' gi'liüien vit'lli'icht zu '^v. urcf/ot 'mache iliclit, 
ziehe ziistimiiien', ürv(f{t)k6j: 'dicht, fest, hart', ört'r/oc, arv^rüt:, 
OTv(f(n'j^ 'ziisamnieiizieheiKl, lieil). hart, fest'. M(»«^liche balto- 
shiv. verwante von g:r. iirv(f(ij lindet man l)ei Ziibaty. SU. der 
küii. böhm. ges. 18*>r>, heft 1(), 2<K). 

04, Staude. Wol mit reclit denkt Kliij^e" ;i7() an ver- 
wantscliaft mit ^r. oti(u 'starre'. Zunächst aber beruht aiid. 
sfi((l(( auf einer </A-er\veiterunM: von **•/(/< )<'</«-, *st{li)efU; *s({li)a : 
vgl. 'dksl. sti/u(fti {*s(!/(hi(fH) 'kalt werden', stmlti, stitdl ^k&\it\ 
sfialtnü 'kalt', sti/ih'ti sr 'sicli scliämen', siudü 'schäm'. Dass 
.Mikh)sichs styd- 1. und stifd- 2. zusammeny:eliüren, lässt sich 
kaum bezweifeln, denn aus dem begriffe des ei-starrens können 
die bedeutun^en "kalt weiden' und 'sich schämen' sich leicht 
entwickelt hal)en. 

65. Turh. Kluge'' 401 führt ahd. IkoIi, and. (/(7/r auf voj- 
germ. *(Ht(i(j()- zurück, welche grundform an sich denkbar 
wäre, m. e. aber nicht wahrscheinlich ist. Mit an. iläh- aus 
*ilhti(jO; das durchaus nicht entlehnt zu sein braucht, wie 
I-'ianck ist) annimmt, würde Kluges *<lliäi/o- sich auf eine 
langdiphlhungische wurzel *ilhä{u)(j-, *dha(j- zurückführen 
lassen. Kher aber ist tuch aus *d{tv)öka- entstanden und 
hallen wir von indog. *dUmujo- oder *dhuö(jo- auszugehen. 
Diese erkläiung finden wir schon bei Franck, der aind. dhvujd- 
•fahne' heranzieht. Dass an. diikr mit westgerm. *d{ic)ö/ca- in 
regelmä.ssigem ablautsverhältnis steht, braucht kaum hervor- 
gehoben zu werden. Zusammenhang mit ags. dccan 'an- 
streichen, färben', lit. dazi'fti 'eintauchen' (s. Zupitza. (lerm. 
gutt. lOGf.) ist mir wegen an. du/er und aind. dhvujd- nicht 
annehmbar, denn diese ei-fnrdern eine wurzel mit dJin im 
anlaut. 

00. Ufer. Die grundform *uz-f)ti- (Kluge" 4ü:i) ist mir 
nicht wahrscheinlich. Kine einleuchtende erklärung von germ. 
*Ofara- linden wir aber bei I'rellwitz 10:5. der »'S mit gr. 
tjxttQO^, aeol. «.7f()(<o^- 'festland' zu aind. dpnru- 'der hintere, 
andere' stellt. Dem urriechischen worte entspräche eine aind. 
vrddhi-bildung npuniu-. Hei ufvr ist es nicht sicher, ob wir 
von *öfara- oder *öfra- auszugehen haben, doch ist letzteres 
aus nior|thol()gischen gründen wahi-scheinlicher. Vom germ. 
Standpunkte aus ist *<tf'ara-, dessen ursprüngliche bedeutung 



310 UHLENBECK 

•die andere seite, das andere nfer' gewesen sein muss, eine 
regelmässige vrddlii-bildung zu afar wie ahd. Imon zu hano, 
mhd. gruose zu gras, gr. 7]vt^öiiQ (^Civtuo- f^vT-) zu är&f/og. 
Ufer mit aind. ä})- 'wasser' zu verbinden, scheint mir nicht 
empfehlenswert, zumal eine andere, lautlich und begrifflich 
untadelhafte erklärung vorliegt. Will man aber doch von 
einer bedeutung ^wässerig' oder 'zum wasser gehörig' aus- 
gehen, so ist die möglichkeit einer secundären -ro-ableitung 
von ä}}- nicht zu bestreiten, denn bildungen wie aind. tdmisrä-, 
lat. tenehrae, ahd. dinstar zu aind. tdmas und lat. membrum, 
air. mir zu got. mims; erweisen, dass das sufflx -ro- seit uralter 
zeit auch als denominatives secundärsuffix gebraucht wurde 
(vgl. Brugmann, Grundr. 2, 169 ff.). Doch scheint es mir nicht 
geraten, ufer von rjjtsiQoc zu trennen. 

67. Vogel. Mit recht erwähnt Kluge" 409 die alte 
gleichung ahd. fogal : lit. panhsztis. Dagegen kann lit. pühas 
'daune, flaumfeder' nicht mit fogal verwant sein, denn es ist 
sicher aus poln. wruss. klruss. pudt entlehnt (vgl. lit. imMtas 
'flaumig' aus wruss. klruss. ^Jiic/.'ftiy/j). Diese auffassung finden 
wir schon bei Brückner (Die slav. fremdwörter 123), und Ber- 
ueker (IF. 9, 361 f.) hätte nicht davon abweichen sollen. Die 
weiteren combinationen Bernekers sind ebensowenig als ge- 
lungen zu betrachten. Russ. j^uh 'büschel, bündel, strauss' 
mit seinen ableitungen und verwanten ist gewis von fogal zu 
trennen; es geht ja nach ausweis von poln. pqlc, pah auf 
*pakü zurück. Das ungenügend beglaubigte aind. phuka- 
'vogel' ist fern zu halten, weil seine existenz äusserst frag- 
lich ist. So schrumpft die wurzel ^phetiq- 'schwellen, sich 
aufblähen' in nichts zusammen. Nur schade wegen der an- 
lautenden tenuis aspirata! 

68. Volk. Ahd. folc 'leute, volk, schar, heereshaufe' ist 
nicht genügend erklärt, denn von Zusammenhang mit lat. vulgus 
kann nicht die rede sein (s. Zupitza, Germ. gutt. 9). Germ. 
*folJM- lässt sich aber auf ""fuHika-, indog. *2^lJcnö- zurück- 
führen, weshalb wir an aind. prndhti 'mischt, mengt, füllt', 
part. ptrUd- anknüpfen dürfen. Die genaue entsprechung von 
*fol]{a- wäre ein aind. part. ""prlcnd-. Trifft meine Vermutung 
das richtige, so haben wir für ^folJia- als vorhistorische be- 
deutung 'menge, fülle' anzusetzen. Die gleichung siinä. prndkti : 



ZUR DKlTSCriKN ETYMOLOfüK. Ml 

air. ercüim wird aiit'ziijiclx'n sein. Zum sclilusse sei bemerkt, 
dass 'A\i'A\. jiluhn mimittclhiir aus dem <,^eiiiianis(lieii, lit. ;^?<//iy/.s' 
aber erst aus dein slavisclicn ciitlfliiit ist. 

nO. "Wa eil hol der. Alid. itrhluil-. ' /rr/i/iftn- (Klu^e« 1 lo t.) 
stellt ohne aiikiiiii>luii<^ da. \'ielleicht dürfen wir lit. bidaiiijs 
'wachholder' heranziehen, nämlich falls dieses aus *(/ai/tiili]s 
entstaiuhMi sein kann. Das anlautende /• für y lies.se sich 
durch dissimilation (// - //). die cun.sunautenfulge {d — <j statt 
(j — (/) durch Umstellung: erklären, A]id. tce/ih- aus ur^erm. 
*tct"/c- könnte mit lit. '(fai/adr/s auf einer wurzel *(jhct/- beruhen. 
Die labiovelare media aspirata im anlaut wiid leji^elmässij^ 
durch germ. ir vertreten. 

70. A\'ald. \'ielleicht ist auch das w von germ. *tcaljni- 
aus einer labiovelaren media aspirata entstanden. Ich ver- 
gleiche die bei Miklosich 71 zusammenf^cstellte giuppe von 
aksl. ijoh 'ast*, slov. <jol 'abgehauener Junger bäum', czech. 
hid 'gehölz', obersorb. hol'a "wald" u.s.w. Anders Kluge'' 41:5 
(ra. e. gehört aind. rata- mit pkr. / aus ;•/ als vrddhi-ableitung 
zu v^rti- 'einzäunung, zäun, hecke'). Die mir bekannten belege 
von germ. w im anlaut aus (jit sind jetzt: got. wamha : aind. 
yabltd-, ahd. uatni : aind. ijhunnd-, got. ivöjicia : gr. (fcöriov, 
ahd. ?<■«/<« : gr. yo^oc, Ahd. tcelihaltur : Mi. hudugf/s, ahd. wald : 
aksl. (joli. 

71. Weif. (lerm. *litcrlpa- 'tierjunges' beruht vielleicht 
auf einer zweisilbigen wurzel *fji'hh- 'sich herumbeweiien. 
schwanken' : vgl. aksl, koU-hati, kolcbiti 'schwanken machen, 
schaukeln, schütteln'. KhiKs. kolifhatif und russ. hoJfihdl 'wiege' 
haben anurj^anisciies // durch den eintluss von Loli/chaCt. 

72. \\dlf. Zu.sammenhang von indog. *>jlqo- mit *iu'lk- 
'ziehen' anzunehmen, i.st wegen der verschiedenen gutturale 
und wegen des neben *uclk- stehenden *surlk- äusserst bedenk- 
lich (vgl. oben no. CO), 

73. Zeidler. Aksl, hücela bedeutet *biene' und hat mit 
ahd, cidülinidd, -hhduri nichts ZU .'Schaffen (vcl. Kluge" H.'i). 
Vielleicht gehiWt :nUd-, urgtMin. Ut-Jdn- •bienen.schwarm' (vgl. 
Schade 1255 f.) zur indog, wurzel *</i- in gi\ dhfiat 'eile', dfr«w', 
dirr/ 'wirbel, Strudel", lett. driju Manze'. aind. diif<üi 'Hiegt' 
und anderen wintern. 



312 UHLENBECK, ZUR DEUTSCH. ETYMOL. — IHM, SUMMA THEOL. 

74. Zeihen. Dass aind. di^dti im germ. durch seihen, 
alid. zlhan und zeigen, ahd. zeigön vertreten wird, ist allgemein 
anerkannt (Kluge 6 433). Es scheint aber noch nicht darauf 
hingewiesen zu sein, dass auch aind. dccd- 'gegend' seine ge- 
naue entsprechung im germ. hat: an. teigr 'streifen landes' 
kann, falls ursprünglich ein «-stamm, mit de(^d- auf indog. 
*doiJiö- zurückgehen. 

LEIDEN, december 1900. C. C. UHLENBECK. 



ZUR SUMMA THEOLOGIAE. 

Die Wolfenbütteler Suetonhandschrift cod. Gudianus 268 
enthält eine randnotiz, die schon in orthographischer hinsieht 
die germanisten interessieren dürfte. Folio 172' steht am 
oberen rand: prohatio. Got uater eimicli der ist daz anegeggi 
aller, fol. 173 am oberen und rechten seitenrand: (ein buchstabe 
radiert oder verwischt) guoeten digge (das erste g ist aus n 
corrigiert) der gehimden habet den tiufel des maginch-aft \ diu 
uuonen \ liberal | diu ohcne | diu dinge \ richten \ de un \ der 
uf I habende. Es ist, wie mir herr prof. Burdach mitteilte, der 
anfang des von Jos. Diemer (Deutsche gedichte des 11. und 
12. jh.'s s. 93 ff.) aus der Vorauer hs. herausgegebenen und 
'Die Schöpfung' betitelten gedichts, das er um die mitte des 
11. jh.'s entstanden glaubt (unter dem titel Summa theologiae 
abgedruckt bei Müllenhoff und Scherer, Denkmäler no. xxxiv). 
Der Suetontext ist im 11. jh., allem anschein nach in Deutsch- 
land, geschrieben; die obige randbemerkung fast gleichzeitig. 
Es scheint fast, als ob der Schreiber etwas von griechischer 
Orthographie gewusst hat; das erste dinge hat er selbst in 
digge geändert. 

HALLE a. S. MAX IHM. 



\)\K KKLMGOTKN. 

Kunnid Gesiier biinf^t in seiner vorrede zu .lusua Maalers 
Deutsclieni würterbucli (Zürich 150 1) einige beinerkungen über 
die Krimgoten, die sicli von den aus seinem Mithridates be- 
kannten nianniclifacli unterscheiden. Zunächst auf der dritten 
Seite: . . . hodiequc in Taurica Chersonneso, ad quam usquc fcrc 
Moscouitarum fines periingunt, midta millia hominum, Jacoho 
Zicglero teste, Germanica utuntur lingna. Dann auf der vierten 
Seite: Nam et quat hodie nltra Balthicnm ntarc Gothia dicitur, 
toia Germanice sotiat: et Gothi alij, nis^i Getae potius dici de- 
heunt, circa Tauricam Clursonnesum, similiter, iit in Mifhridate 
dictum est. Am ausfülirliclisten aber sind die bemerkungen 
auf der fünften seite: Matthias Michouita mnlta de Gothis 
tradit, in Sarmatiae Äsianae descriptionc, cap. 10. et IL ac 
inter alia, qiiod e IScythia Asiatica {quam primum Amazones 
occupauerint, postea Scytiiae, demum Gothi) pulsi Gothi a Juhris 
siue ITunf/aris (non prorsvs tamen: uliquas cnim ciuitates et 
castra retinuerunt) partim circa Tauricam peninsulam, et mare 
Fonticum consederint: partim cum liagaso eorum rege, plus 
quam ducenta millia, Italiam iyiuaserint: et quod Ostrogothi 
(id est, orientales Gothi) sint Uli, qui circa Fontum remansrrunt : 
Visigothi vero, qui ex ijsdem in Italiam et Galliam profccti 
sunt dtice Alarico: quodque Gothis Ulis, qui Daciae regi subiecti 
sunt, (also aliqui Ostrogothorum et Visigothorum nomina tri- 
huant. denique Gothas cum Scgthiam adhuc inhahitarvnt, a 
uicinis Poloucos fuisse nuncupatos, quod Sclauonica lingua ra- 
paces et spoliatorcs .sonat. Cum uero Jiihri, inquit, in Pan- 
nonium migrassent, Golhontm in Scythia rcliquiac auctac et 
multiplicatae sunt: quas Tartari ah Oriente superuenientes, 
anno Domini MCCXI penitus dcleucrunt: ita ut in Taurica 

Beilrage tur getchichte der deutschen spräche. XXVI. 21 



314 GOETZE 

peninsula solum reliqui mnenirentur: unde postea etiam a 
Tartaris eiecti sunt, ducihus de Manciip generis et lingu^ Go- 
thonmi, dumtaxat castrum Mancup rctinentibus. quos tandem 
Malmmetes octmms imperator Taurica peninsula occupata, gladio 
percussit: ita ut Gothi penitus tarn circa Sarmatias, quam in 
Italia, Gallia, Hispaniaque extincti sint, nee eorum genealogia 
amplius coinpareat. Ilec ille: cui doctissimns Bilihaldus Fir- 
keimerus contradicit : et Ostrogotlios in montanis l^auricae Cher- 
sonnesi locis superesse, Turcis trihutarios, et Germanica adliuc 
lingua uti afßrmat: sicut et Jac. Zieglerus, ut superius scrip- 
simus. Josaphat Barharus quoque ante annos eirciter nonaginta, 
hoc est circa annum MCCCCLXX. a Venetis legatus ad Tanaim 
missus, Gothiam testatur sitam esse circa insulam Caphae (id 
est, Tauricam Chersonnesum : et ultra illam esse Alanos: a 
quibus duohus populis permixtis Gothalanos dictos conijcit: et 
Gothos Germanice loqui ait: nani famulum suum Germanum 
illorum linguam facile intellexisse. 

Gesner citiert hier hauptsäclilicli schon bekannte litera- 
rische quellen. Michow führt er hier grossenteils wörtlich an, 
während er ihn z. b. Mithridates 2 76 a aus dem köpfe citiert, 
von Pirkheimer entlehnt er den ausdruck montana Tauricae 
CJiersonesi und auch von Barbaro muss ihm etwas schriftliches 
vorgelegen haben, da hier offenbar durch versehen aus den 
beiden I in MCCCCLII zwei X geworden sind. Anders steht 
es mit Jakob Ziegler, dessen name zweimal hier und ausserdem 
noch einmal im Mithridates 2 31b genannt wird. Da bisher 
alle diese erwähnungen übersehen zu sein scheinen, fehlt sein 
name in der literatur über die Krimgoten. Ueber seine Persön- 
lichkeit ist mir nichts bekannt. In Jöchers Allgemeinem ge- 
lehrten lexikon steht 4, 2197: Ziegler (Adrian), ein Patricius 
aus dem Canton Zürch, dessen Vater gleiches Nahmens ein 
Mitglied des Raths zu Zürch gewesen und in verschiedenen 
Gesandtschaften gebraucht worden, lebte um die Mitte des 
17. Seculi, war Landvogt zu Sax und trug aus Osw. Crollii, 
Jos. Quercetani und anderer seine Pharmacopaeam spagyricam 
zusammen, die in Zürch 1616 in 4 durch den Druck bekannt 
gemacht worden. Li. Ferner s. 2201: Ziegler (Joli. Jac.) ein 
Bruder des vorherstehenden Adriani von Zürch, war Medicinä 
Doctor und Zunfftmeister daselbst, florirte in der Mitte des 



IHK KKIMfSOTEN. — ZIIDKMA. 7X ItKITK. 'J4, 47f; «'. HlTj 

17. Seculi U.S. w. Viclleiclit ist .Ijikot) Zit^ß:!»^- der giu-^-svater 
dieser briider und erprebcn n<u'lif(»rsrliuu<(fii in der durdi die 
belej^e auf^anieuletcn rieht uii<^' nälicrcs über iliii und .seine 
kenntnis der Kiinigoten. 

LEIPZIG. ALFKED GOETZi;:. 



XAciiTKÄciEiciiEs 7X in:m{. -IX, 47<; tr. 

Deutscher (tnrsf. Ei n Dnytschen dionk duen lieisst in 
Hoofts Nederl. Flistorit-n (1012) 'sich anlieitern', Buyts uezen 
in desselben lustspiel Warenar (1<)17) 'sich nicht vor einem 
kräftigen trunk fürchten'. Im Dun Clarazel de Gontarnos 
(aus dem fraii/. iilxM'S.. 1()97): die ... te(jen scs IJuijtscrs (je- 
zopen hüd. 

verd Kitschen = 'erklären'; aber dieis{ch) mähen == 'glauben 
machen was nicht wahr i.st'. 

In dei- angezogenen Lutherstelle (s. 177) ist 1. Cor. 11, 1 1 
übersetzt, also loideudsch = (iäoJtcQi)^. Desgl. nl. oiiditit.sdt 
u'oord = 'fremd wort' (veraltet). 

Kölnisches (/ricicht - 'zu h'iclites gewiclit' ist mir nicht 
bekannt, obgleicli das RTduisclic idinid hier zicinlich gebräuch- 
lich war. 

Gas (s. 481). Der landhiufi^ivn «'iklärung aus jenem ce 
n'cst ffu'nn tas de <jhcuj wiiUMspiicht ein brief Margretens an 
PhiliiH), in welchem sie ihm das atifkonmicn dies«'s namens 
für die verbündeten edeln bekannt macht, aber liinzusetzt, 
sie wis.se nicht was er bedeute oih'r woher er stamme. 

Ketzerisch - 'sodomiti-sch' (.s. 181). Franz. houyre, woher 
e\\g\. buf/(jer =■- 'sodomit', war am ende des 17. jii.'.s ein Schimpf- 
name für die Huguenotten. 

Schireiniffel {s. V.^H). Die Groningt'r mnndart nennt das 
tier vselber iyelsuin, wendet aber «las wurt auch (freilich .selten) 
auf eiueu schmutzigen oder cyuischen menschen an. 



316 ZUIDEMA, ZU BEITR, 24, 476 ff. 

Zu no. 19, s. 500. In Brederoos lustspiel Moortje (1615) 
wird vom sclavenliaiidel gesagt: 

Onmeuschelyck gebroyck! Godloose schelmery, 
Dat men de menschen venV) tot paertsche 

slaverny ! 

Ebenda. Nl. hengstig = 'brünstig', nur von der stute 
gesagt; loopsch, dass., von liund und katze utr. gen. 

Abgöttisch bei Fischart offenbar dem afgodisch des Origi- 
nals nachgebildet. 



1) feil bietet. 

AMSTEEDAM. W. ZUIDEMA. 



zr i'Kri'i:. 20, 007 n\ 

Leitzmann hat in dem s()el)eii ansgegebnen hefte dieser 
Zeitschrift (2'>. ')(')" ff.) iil)er das Sächsisclie taufgelrtbiiis «gehan- 
delt und durch einteilende Würdigung des denkmals neue und 
sichere ergebnisse zu erreichen gesucht. AA'enn ich auch nicht 
allem zuzustimmen in der läge bin und z. b. bei der dialekt- 
frage noch allerhand zweifei habe, so dürfen wir, denke ich, 
doch die hauptresultate annehmen. 

Nur seine zunächst bestechende conjectiir {and ivordnm 
= andwordum, das nach ihm ein lateinisches resjwn.sis über- 
setzt; a. a. 0. s. 575 f.) halte ich für ganz unmöglich und möchte 
sie wider streichen, ehe sie etwa bei den fachgenossen glauben 
findet. Leitzmann will das handschriftliche resp. und rcspon. in 
reaponsis auflösen (rcsponso, das er daneben vorschlägt, würde 
nicht auf and icordum führen). Ich concediere die möglichkeit 
vom i)aläograi>hischen Standpunkte, verneine sie aber materiell. 
Ausser anderen gründen') scheint mir der eine, den im gemein- 
samen gespräche College Bethe geltend machte, schon hin- 
reichend zu .sein, um die Unmöglichkeit darzutun. Kin lat. 
rcspoyisis setzt eine folgende frage voraus und der text wäre 
aufzulösen: Miud nachdem geantwortet »ich entsage dem teufeb 
[soll er fragen oder sagen (hKjidrat oder dirat)]-) und allem 
teufelsopfer? ' Es ist unmöglich, dass die letzte antwort durch 
ein responsis eingeleitet wird und keine neue frage folgt. I)a- 



•) Z. h. halte ich es für iiusserst imwahrschoiulich, dass am ruii<le der 
hs. resj). thunaer en deiiuoden n.s. w. gestanden habe, statt das« thuHacr 
tu (IcuHuilen n. ». w. einfach oder mit einfilg^nntjszeichen am rando uach- 
jfetragen sind. Worauf sollte sich da« re»p. hczielien? 

') I)as in klainniem geschlossene ist \m Leitzmanns annähme still- 
schweigentl zu ergänzen. 



318 ^EIER, zu BEITR. 25, 567 ff. 

mit aber wird Leitzmanns erklärung hinfällig, denn man müsste, 
um sie zu retten, zu der unwahrscheinlichen annähme greifen : 
es sei sonst stets respondeat oder responsum gemeint, und nur 
bei dem zusatze die abkürzung in responsis aufzulösen. Alle 
weiteren folgerungen, die Leitzmann daraus über das eindringen 
des Zusatzes zieht, entfallen damit und wir sind scheints nicht 
weiter als früher. 

Aber ich glaube, wir dürfen uns einen teil des Leitzmann- 
sclien gedankens aneignen und in der tat die Übersetzung eines 
von dem Schreiber des Zusatzes verwanten lateinischen Wortes 
annehmen; nur nicht eines resp., das dreimal unübersetzt stehen 
würde und einmal übertragen wäre, sondern eines ac verhis 
= 'und zwar mit Worten' {expressis verhis), eines ausdrucks, 
der eine nähere ausführung zu dem begriffe diobol gibt. Die 
specialisierung, ein späterer zusatz, soll möglicherweise in allen 
fragen eingefügt werden und steht deshalb am Schlüsse. Mir 
scheint dies wahrscheinlicher als die annähme, die jedoch auch 
bei unsrer erklärung angängig ist, der zusatz habe am rande 
gestanden und sei an die falsche stelle, zur dritten antwort, 
gerutscht, während er zur ersten gehörte. Damit erledigen 
sich auch die bedenken, die man gegen eine Zugehörigkeit 
des Zusatzes zum dritten punkte geltend gemacht hat, da die 
antwort nur den Inhalt der frage umschreiben und nichts neues 
hinzufügen dürfe. Die frage nach dem Urheber dieser speciali- 
sierung lasse ich hier unerörtert. 

Wir werden nach den obigen ausführungen m. e. Leitz- 
manns conjectur mit Sicherheit zu verwerfen haben und die 
von mir vorgeschlagene Vermutung dürfte wohl einen gewissen 
grad von Wahrscheinlichkeit besitzen. 

BASEL, am 1. december 1900. JOHN MEIER. 



Zl'M KAMPF l)i:s VATKKS UXI) SOIIXES. 

In seiiu'i- abliandlung 'Sagengeschiditliclies zum Hilde- 
brandsliede' (Beitr. 20, 1 ff.) stellt Busse alle ihm bekannt ge- 
wordenen vei'sionen der sage vom kami)f des vaters und sohnes 
zusammen. Ihm wie seinen voigängern scheint nun eine 
isländische fassung entgangen zu sein, auf die ich hier auf- 
merksam machen möchte. Sie gehört zu dem sogenannten 
'tragischen typus', unterscheidet sich aber dadurch von der 
bei (-rriechen, Kelten, Persern, Ru.ssen und Deutschen vor- 
kommenden sage, dass nicht der vater den söhn, i^undein dieser 
den vater tötet. Insofern stellt sie sicli zur griechischen 
Telegonossage. 

Die isländische erzählung findet sich in der Kialnesinga 
saga (Islendinga sögur'J, oli7^ — 100, Kopenhagen 1847). Diese 
saga, die sich, ohne historisch zu sein, doch ein historisches 
colorit gibt, verlegt ihre handlung in den schluss des 9. und 
anfang des 10. jh.'s. Verfasst worden ist sie am schluss des 
l:^. jh.'s (vgl. fortale XLVI). Der inhalt nun. soweit er hier 
in betracht kommt, ist in kürze folgender. 

Bi'ii, der söhn des Andripr und der I)urilM\ war nach Nor- 
wegen gekommen zum könig Harald dem schönhaarigen. Als 
dieser erfulii-, dass Büi einmal auf Island einen tempel mit- 
sammt den götterbildein verbrannt hatte, sante er ihn zur 
sühne auf eine gefährliche fahrt aus, von der bisher noch 
niemand lebend zurückgekommen war. Kr sollte zu dem 
mythischen pHegevater des königs, dem riesenkimig Dofri, dem 
herrn des Dovrefjelds, ziehen und dessen brettspiel dem könige 
bringen. Es gelingt Büi, die liebe der riesentochter Fri|>r zu 
erringen uiul. nachdem er den ganzen winter im reiche I)ofris 
geweilt, erhält er auf bitten seiner geliebten zum abschied 
von deren vater das kostbare brettspiel als gastgeschenk. Zu 
gleicher zeit teilt ihm Krij'r mit. da.ss sie schwanger sei. 
^^'ürde sie ein mädchen gebären, so wolle sie es behalten, .sei 
es aber ein knabe, so würde sie Um im alter von zwölf jähren 



320 KAHLE, ZUM KAMPF DES VATERS UND SOHNES. 

zum vater schicken. Er solle ihn gut aufnehmen, andernfalls 
würde er es an seinem amulet merken. Diese worte bezogen 
sich auf einen wunderbaren waffenrock, den Büi von seiner 
zauberkundigen pflegemutter Esia erhalten hatte. Diesen rock 
konnten waffen nicht leicht zerschneiden, nicht leicht konnte 
ihm Zauber etwas schaden. 

Büi überbringt nun dem könig das brettspiel und kehrt 
wider nach Island zurück. Nach zwölf jähren kommt eines 
tages ein norwegisches schiff dorthin. Unter der bemannung 
war ein Junger mann namens Jökull, der sofort zur wohnung' 
Büis ritt und sich ihm als sein söhn von Fri)?r, der tochter 
des königs Dofri, vorstellte. Dem Büi kommt der junge mann 
zu unansehnlich vor, als dass er das kind solcher eitern sein 
könnte, worauf Jökull erwidert, dass er ja erst zwölf winter 
zähle. Zugleich erinnert er ihn an die worte, die seine mutter 
beim abschied gesagt hatte. Aber der alte lässt sich nicht 
darauf ein, sondern will durch eine kraftprobe den söhn er- 
kennen. Er fordert ihn zum ringkampf heraus. Unwillig nur 
geht der jüngiing darauf ein, da es unerhört sei, dass ein 
zwölfjähriger knabe sich mit einem so berühmten ringkämpfer 
messe. Clleichwol beginnt der Kampf. Als nach einer weile 
Büi anfängt müde zu werden, schlägt ihm Jökull vor, sie 
sollten den kämpf abbrechen und Büi solle ihn als söhn an- 
erkennen. Aber dieser, der offenbar in zorn geraten ist, dass 
er den jüngiing nicht werfen kann, lehnt den Vorschlag mit 
den Worten ab: 'fallen muss einer von uns beiden'. Da be- 
ginnen sie aufs neue zu ringen, und schon war Jökull nahe 
daran zu fallen, da wars dem Büi plötzlich, wie wenn ihm 
beide füsse unter dem leibe fortgezogen würden. Er fiel vor- 
wärts nieder und es entstand ein grosses getöse. Da sprach 
Büi: 'vollkommen bin ich nun zu fall gebracht, und deine 
mutter dürfte nicht ohne anteil daran sein'. Als man sie 
trennte und den Büi aufhob, sah man, dass seine brustknorpel 
zerrissen waren, und alles darunter zu stein geworden war. 

Jökull verliess sofort das land. Ueber seine ferneren 
Schicksale, die hier nicht weiter interessieren, gibt es noch 
einen fabelhaften bericht aus späterer zeit (Islend. sog. 2, 461 ff.). 

HEIDELBERG. B. KAHLE. 



DAS AirriKELLOSE SUliSTANTIVUiM IN DEN 
PKEDKJTEX l^.EirmOLDS VON KEGENSBUKG.O 

Der unbestimmte artikel wird angewendet, um einen 
einzelneu gegenständ einer gattung oder (bei abstracten und 
stoftnamen) eine einzelne erscheinungsform des durch das 
Substantiv ausgedrückten begritfes als eine dem zuhörer vor- 
liiutig noch nicht näher bekannte Vorstellung in die rede ein- 
zuführen, der bestimmte weist auf eine Vorstellung als auf 
etwas bekanntes hin. A\'ird beiderlei art der kennzeicliuuug 
unterlassen, so geschieht es, weil entweder das Substantiv 
eine nur einmal existierende person oder sache bezeichnet, die 
einer hervorhebung ihrer Individualität nicht bedarf, oder weil 
das Substantiv nicht in individueller, sondern in allgemein 
begrifflicher auffas.sung gebraucht wird, oder endlich weil die 
tunction des artikels durch andere grammatische mittel bewirkt 
wird.-) Demnach kann das ausbleiben des artikels in der 
bedeutung des Substantivs oder in besonderen s^-ntaktischen 
Verhältnissen seinen grund haben. Doch nu)ge zunächst voraus- 
geschickt werden, dass bisweilen der artikel einfach der kürze 
wegen gespart wird. 

') Citiert ist nach ilor ausgäbe von Pfeiffer-Strobl. An syntaktischen 
<hirst(llun|,'cn sind die von .1. (irinun, 0. Erdniann, H. l'aul (Mhil. nr.''), 
lUhaghel (Heiland) benutzt; ferner L. Ednian, l'eber den gebrauch des 
artikels im nhd., 1862, Tomanctz, Anz. fda. 14, 1 ff., Schüubach ebda. 
7, :U2 ff. 

*) Dazu kommt noch ein rein gewohnheitsmäs-siger, formelhafter ge- 
brauch de.s artikellosen Substantivs in pe\vis.sen Verbindungen. Er ist meist 
aus einer der oben begründeten gebrauchsweisen erwach.sen und wird iles- 
halb im folgenden immer im au.schlus.>« an die erürtemn^ seines Ursprungs- 
gebietes besprochen werden («. 323. 340. 34G). 

Beitrage (ur geschicbtc der deuuchen spräche, XXVI. 2S 



322 ziaiMERT 

I. Ersparung des artikels um der kürze willen. 

Sie findet statt in befelilsätzen, um zeit zu sparen oder 
den eindruck der entscliiedenlieit zu machen. Hierher gehören 
die bei Erdmann, Grundz. § 26 ohne erklärung angeführten 
beispiele tno her schilt, tuo her ros, wä nii ros. Vgl. Mhd. \vb. 
2, 517 ivä nu slüzzel, ivä nü sper (nhd. Jcoj^f ivcgi hiit ah! 
DWb. 2, 986); bei Berth. tvan als der mensche die sünde getan 
hat, sä zehant 'fride iW, niht mm zarte tohter 2, 38, 21, ähnl. 
1,57,4. 81,32. 238,18.28. ez ist hezscr Umpf danne hals abe 
2, 2, 32. Dieser Sprachgebrauch mag in der befehlenden rede 
sich ausgebreitet haben auch auf fälle, wo solche kürze eigent- 
lich unnötig ist; so würde sich erklären lä Idöster äne ivtn 

2, 52, 39. 

IL Artikellosigkeit des Substantivs in folge seiner bedeutung. 

1. Eigennamen. 

a) Personennamen haben, wenn sie allein stehen, keinen 
artikel. Tritt zu dem namen ein adjectiv, so wird der artikel 
gesetzt: der edel BävU 8, 38 u. v. a. Nur sant macht eine aus- 
nähme: eng mit dem namen verwachsen, mit dem es zusammen- 
gesprochen wird, erscheint es wie ein notwendiger bestandteil 
desselben: sant Fatdus 45, 1 u. v. a. Bei sanctus kommt noch 
die lateinische form hinzu: sanctus Faidus 1, 10 u. a. Erscheint 
aber neben sant noch ein adjectiv, so verlangt es den artikel: 
der guote sant Patdus 5, 17 u. v. a. 

Die eine würde bezeichnende substantivische apposition 
erhält meist den artikel: 

der (dem, den) kimicDävU 136,20. 280,10. 69,22. 230,17.18. 2,71,20, 
Säule dem leimige 136, 4; andere 62, 9. 89, 16. 201, 1. 10. 173, 33. 175, 26. 29. 
182,8. 186,15. 257,13. 2,100,4. 1,211,3. 230,18.20. 276,21. 280,8. 349,18. 
26. 547, 27. 2, 71, 18. 25. 232, 14. 1, 378, 29. 398, 25. 31. 399, 23. 422, 15- 
2, 156,3. 1,272,7. Bei vorausgehender bezeicliuuug der würde darf der artikel 
auch fehlen: der Jcünic ConstanUmis unde der keiser Heinrich unde Minie 
Karle unde künic Stephan, ein herzöge sant Mauricius 450, 1 ; andere 24, 24. 
91, 39. 151, 33. 359, 34. 2, 3, 3. 192, 5. 223, 22. 271, 26. 

Die Worte her und frou vor dem namen haben auch in 

3. person gewöhnlich keinen artikel: 

her Salomön, hern Dävides sun 69,27, hern Davide %ind hern Con- 
stantinö 24, 24, froun Jesabeln 115, 31. 228, 20; andere 36, 19. 34. 72, 10. 11. 



DAS AKTIKIOM.OSE SUBSI. 15KI H. VON UKOKNSBUItO. 32^» 

1!». l.j:U<i- •"{"4, 10. |o:!, 10. 11,"),:,. 1:A,-MI 174,2»;. 27. :n u. o. rnvcrkUrzt: 
euo Herren Imav utul Itcnrit Jh'ivit 2, 5!), :{; andere 2, <K), \h. 'Jl, H. 'M. 103, 3. 
23. 13<J,34. 

Diese beiden wuite sind dm <li dfi» (;un vocativ erwachsenen) 
liänfif^en o:t'l)iaii(li in so en<,M' verhiiiduiij^'' mit dem namen ge- 
l)ra('lit worden, da.ss ihre hcdiMiliin^'" f^^aiiz al)g"»*srli\viiclit er- 
sclit'int; «'S kann daher dasselbe wint nucliinals als aiijMi.sitiini 
beigesetzt werden, niid zwar in unverkürzter foiiii und mit 
dem artikel aii.'^ji^estaHet : des licrrcn hvrn DCivUUs \:'A\,'.V1. ihr 
frouinn froun Seiht 2tj(>, 25.') Ans demselben grnnde erscheint 
her indeclinabel: i)i her Moi/ses hiiechern 2, 117,13. 

Selten tritt einfiulio.-< /«nr mit «Icni artikel zu doin niinien: thslicncii 
Ilcrddes 211,2, <ini dctii hcrrrn Jostte 2, !t7, 1 {ihm fehlt M); vgl. zc lirrn 
Jus. 2, iH», 12; sou.st nur nwli 2,102,37. 2GU, (! und thr herre sant Nicuhms 
1,23,5. 

b) Völkern amen werden wie gewöhnliche idnrale be- 
handelt (vgl. unten II, 3, p). 

Im priidicat niicli heizen schwankt der Sprachgebrauch: die heizent 
die l'liilister '.]7,24, diu siben ruik heizent Vhananii, J'Jthii etc. 184,3; 
ähnl. 130, 30. 

c) Ländernamen, die gewöhnlich mit präiiusitionen ver- 
bnnden ersclieinen, liabeii meist keinen artikel: 

ron KfdthVi (!!>, 33, der von Bilteim !>1,30; andere 74,27. 2(14. 1."». 
89,25. ;M,3!I. 148,17.18. 2(14,12. 271,12. 2,18,23; auch diejenigen, die 
urs|triinglich volksnamen sind: ze Jieiijern 54,15, von Kriechen 180, lü. 
227,34. 204,14. 2, 1J»8, 12; andere 2i")l,2. 571,8; auch die mit riche und 
htnt zusammengesetzten: in Frankriche Gi, \0. G4, 7. 51,38. 52,2. 170, C, 
tun Fr. !»1. 37, in (üz) Eijijptenlande 203,37.3!). 2, 1!»8, 13, die von Sahsen- 
lande 2^)1,3; sogar die ron Oberhmt 2."»0, 31* (dagegen die von dein obern 
hinde 251,4), die ron Niderlomle 2'i\,'2 und so nider- und oberhmt in Ulnr- 
trugener bedeutung für himmel und hülle, s. s. ;{,'{2. 

Mit dem artikel nur d<iz Jiitz 711, 13. 

d) Städtenanien haben keinen artikel: 

(jegen Uiijtnsbnrc \\A\ andere .'», 2:». 20.2."). C!», 31. 7!t. 11. 174. l.'>. 1(1. 
211,15 u.m. Hinzutretendes adjectiv fordert den artikel: in die hiine- 
lisrhen Jeriistdem (bildlich) 21M, 5. 15 n. ö. Bisweilen tritt .nyntakti.scii an 
stelle des namens dies mit dem artikel versehene wort atat, während der 

') Das zweite beispiel zeigt, da-ss man 130,32 nicht mit Schünbach zu 
schreiben braucht drs herm Herren J).: man mü.s.stc denn h*t»en wollen 
uudtr drm funcn fronn Stlla, was aber nicht angeht, weil A vor a immer 
r schreibt. Vgl. herre, her rihler 15, 20 und Scifr. llelbl. 15, 779 (freilich 
vocativ). 



324 ZIMMERT 

name mittels der präpos. ze beigefügt wird: gein der stat ze Gdhadn 185, 10; 
vgl. 211, 12. 218, 33. 2, 246, 2. Nur einmal lieisst es gein stat Gäbaön 
2, 97, 27. 

e) Fluss- und seenamen haben den artikel: der Jordan 
67,3.11. 184,13.14. 2,37,0, dw von dem Bodenshve 251,4. 

f) Die namen der sterne, die ursprünglich g-ötternamen 
sind, erhalten abweichend vom heutigen gebrauche keinen 
artikel (vgl. DWb. 2, 1002): 

sioenne Mars nnä Saturnus üf gent G4, 7, unz an den rndnen, imz an 
Mercurmm, unz an Venus, unz an Söl, tmz an Jupiter 2, 24(5, 17; nach 
heizen: der erste planete heizet Sol 52,7; iibiil. 54,13. IG. 55,32.35. 57,34. 
61, 11. 62, 30. 63, 11. 29. 

Die mit sterne zusammengesetzten haben ihn: so heizet ir in den 
morgensternen 63,20; ähnl. 21. Ueber sunnc und mäne s. s. 325. 

g) Die namen der Wochentage haben stets den artikel: 

der suntac 52,10; vgl. 2,33,6.7. 253,10, selbst nach präpositionen: 
vor der mittewochen 55, 37 und so 53, 22. 61, 15. 23. 26. 401, 4. 446, 8 if. 
2, 190, 10. 198, 31. 253, 19. Nur nach heizen kann wie bei allen gattungs- 
uamen der artikel wegbleiben: der tac heizet suntac 52, 8. 53, 21. 54, 16 u. ö. 
Sonst nur die sameztacnaht 2,195,10. — Die namen der feste bedürfen 
nach Präpositionen keines artikels: vor Ostern 21, 30. 322,10. 2,15,19. 
33,13.20, ze Ostern 4b5, 39. 2,257,23, vor pfingesten 322, 18, näch2)f.2,ii,l. 
vor wlnahten 2, 48, 38. 249, 7, ze w. 2, 131, 15. Nur einmal heisst es vor 
den pfmgesten 401, 4. 

Die mit tac zusammengesetzten verlangen den artikel: an dem öster- 
tagc, an dem pfmgesttage 21, 10. 446, 18. 502, 12. 2, 131, 18. 

h) Büchertitel. Abweichend vom gewöhnlichen nhd. 
gebrauche (DWb. 2, 1003) fehlt der artikel bei dem als buch- 
titel verwendeten personennamen: 

man liset in Thohiä 33, 38. Der ausdruck ist wol lateinisch gedacht 
wie in apolcalipsl 202,22.23. 233,24. 247,35. 266,15. 310,35. 2,107,21. 
108, 2, in Exameron 2, 88, 20. 

2. Appellativa, welche nur einmal vorhandene 
Personen oder gegenstände bezeichnen. 
Unter ihnen hat ein einziges sich bis auf unsere tage 
durchweg artikellos erhalten, es ist dies das wort got. Es 
erhält bei Berthold nur dann den artikel, wenn ein adjectiv 
hinzutritt: der almeMige, der minnecliche got 6,39. 156, 8 u. ö., 
oder ein relativsatz: der got, der nie deJieine lügen getete 234, 28 
u. ö. Solche bestimmende zusätze fingieren einen vergleich mit 
andern güttern: deshalb wird das wort dann wie ein gattungs- 



DAS ARTIKKLIiOSK SUBST. ni:i U. VON RKOENSBUKO. 325 

name beliHinlelt, wäliiviid es sonst am brsicii mit den ci^^fii- 
nameii vcrgliduMi wcnlcii kann. 

Iias wurt nolhcil i-rliiilt uiidi du, wo es mit (jot ^Miiz syinjuyiii ist, 
den artikel: wan diu sclr ijote als ijelkh ist umlc wider :hu der (jotheit 
kumel ... duz si nnch dir ifotfteit (jebildcl ist 2*2*2,10; v^\. nocli 08, K). 
'240, 21). 

.Sonst vcrlan^^n-n solche wcirtei-, "gerade weil sie notorische 
Personen bezeichnen, den bestimmten artikel, wie cmhkrist, 
tinrel, habest (tccdcr hniodcr, noch abhct, noch hischof noch 
cdniindl noch der habest 2, 224, IG), heiser erscheint ohne 
artikel bisweilen als bezeichnung: der würde bei eif^ennanien 
(s. 3.S2), ferner im i)rädicat (s. :i:}(j), endlich dreimal in ai>i)o- 
sition: aller engcle herre, heiser über alle Icünige, hat den pjlHOC 
selbe (/ehalten 2, 238, 13, got, edler engcle herre und leiser aller 
hiinige 1, 172,31». 291,7. 

Auch sachnamen dieser art erscheinen mit weni<^ aus- 
nahmen stets mit dem artikel. 

So die Wörter sunnc und mäne. 

Nur als artbestiuimeuder genetiv erscheint sunnc ohne artikel: dem 
sunnen ^rhine 2, ',10, 12. Dagegen (dien der sunne)i sehin 1, 165, 1. Sogar 
in sprichwörtlicher rede steht der artikel: der sunnen hetz 6,20. '25."), lö, 
niire danne stoubes in der sunnen 30, 1. .'59, '.iS. 7*2, 3 u. ii. In der zwei- 
gliedrigen fonnel heisst es: sunne und mäne 95,35. '292,10; dagegen die 
sunnen unde den vianen 264, 13. 393, 1. 

u'crlt erscheint im i)artitiven pfenetiv, wenn er dem quan- 
titätsworte folgt, bald ohne artikel, bald mit ihm: 

eil urrlte 188,32. '2:55, 34. 3!». :U0,31. 380, :},5. 5'20, 2. 5:}0,31, r// nur 
werlte 05, 17, u-u; u-erlte 274, 15, aber eil, daz märe feil etc. der werlte 
5*28,10. 5:50, '2. 8. '2,1*2.5,4. 1*20,30. '2*20.10; vor dem quantitätswort hat es 
stets den artikel: der weite vil *2:{7, .'{2. 47S, IS. 2, 13S, 30. 2(H5. 30; der w. 
duz mi'rre teil 2.'J9, 1. .5*29,7. Sonst immer mit dem artikel, sogar in der 
coordination: yein gute unde der werlte 35, 13. 36, 14.39. 37, 1. 155, *2ö nnd 
90 immer (ansgenoramen 515,33 gein gote unde werlte, 188, vJ2 so vil tcerlt 
und engele), nnd nach präpositionen: in der werlte <X), '2t5, zer werlte 31,13 
nnd so immer, l'eher ulliu diu werlt un<l tdliu irerlt h. unten III. 3 unt»'r <j/. 

himcl erscheint artikellos nur nach manchen präpositionen 
und (allerdings nicht immer) in der zweigliedrigen forniel: 

geinhimele 15,:«). 37. 28*2,17. '2, 3<'.. '25. 29. :r7,'29. 4'2,8. r28, 37. '247,30. 
250, 1. 

ron himele 39H, a3. 39t», *24. 4<;.5, 2. .VC., 10. '2, IJTi, 21. 04, ;k5. 94,1.5. 
\iri,'Jrl. i:{0.*27(9mal); &\icx von dem himele \\W,V1. i:r2,3«J. *2,*223, 3Ü i3iual). 

:e himele (wobiu?) 69,8. 161,36. *237, 18. 296,24. 906,3a 371,21. 



326 ZIMMERT 

377, 16. 553, 33. 5G4, 39. 2, 12, 3. 34, 12. 30, 10. 38, 30. 39, 18. 41, 20. 59, 22. 
70,29. 76,1. 77,22. 92,11. 100,9. 102,22. 125,26. 126,27.35.37.39. 127,7. 
129,3.6. 139,6. 142,32. 150,12. 154,22. 155,22.24. 156,35. 157,7.14.16. 
163, 5. 167, 14. 31. 168, 21. 172, 32. 174, 5. 211, 25. 213, 33. 2.34, 37. 237, 8. 
246,13.22. 248,25.26 (54mal); aber zcm himcle 69,14. 179,34.36. 2,25,1. 
155,14. 213,12.15 (7 mal). 

sehimele{\yo?)lb,32. 51,24. 69,8. 170,10. 188,18. 220,10.15. 235,20. 
23. 274,31. 292,34. 336,35. 344,4. 371,27.33.39. 372,11. 383,35. 390,1.2. 
399, 30. 460, 4. 493, 20. 29. 537, 15. 538, 14. 27. 541, 15. 2, 26, 32. 41, 16. 36. 
68, 13. 14. 82, 28. 107, 22. 142, 5. 150, 13. 21. 156, 5. 171, 13. 175, 1. 178, 26. 
181,10.25. 182,33. 191,14. 212,3.32. 226,22. 227,15.31. 236,8. 240,34.37. 
42. 241,4.11. 244,10.25. 251,13.25 (61 mal); aber zem Jmnele 2,150,16. 

in himele 514, 8. 2, 178, 17 (in dem Jiimele M); aber in dein himele 5, 11. 
21,35. 22,11. 24,38. 49,37. 57,20. 61,6. 101,29. 105,35. 115,23. 122,4. 
127,39. 149,28. 175,2. 177,29. 188,39. 201,38. 260,22. 264,11. 274,26. 
293,28. 298,39. 304,3. 329,15.16. 337,18.19. 380,29. 385,2. 444,18. 450,39. 
460,7.14. 493,26. 517,11. 550,30. 2,40,39. 42,5.12. 74,17.19. 86,19. 92,8. 
25. 94,20. 95,7. 106,21. 110,33. 124,16. 135,1.10. 139,29. 146,14. 150,36. 
157,28. 167,13. 177,17. 198,11. 212,39. 213,17. 215,3. 226,7. 227,23. 
228,13.20. 240,13.39. 243,7. 244,3.18. 245,10. 251,3.4. 255,6. 256,29.30. 
— in den himel 166, 3. 550, 26. 28. 32. 554, 19. 2, 92, 3. 155, 19. 172, 8. 178, 
85. 222,44. 

an dem himele 19, 14. 48, 28. 49, 33. 35. 51, 6. 15. 53, 25. 59, 21. 22. 24. 
157, 9. 11. 161, 12. 179, 25. 202, 24. 257, 28. 391, 27. 393, 16. 18. 398, 34. 
400,30. 402,6. 506,29. 507,13. 539,18. 2,24,20.22. 25,2. 88,14. — an den 
himel 161, 9. 19. 168, 29. 2, 228, 10. 249, 11. — unz an den himel 126, 27. 39. 
127, 30. 299, 23. 318, 9. 

durch den himel 280, 21. 337, 9. 379, 37. 

iif dem himele 14, 24. 331, 36. 335, 29. 379, 11. 402, 1. 424, 18. 444, 3. 
14. 501, 27. 549, 18. 2, 78, 34. 117, 3. 124, 10. — miz üf den himel 305, 12. 

under dem himele 50, 6. 14. 19. 410, 11. 2, 254, 16. 

Es steht also bei gein immer, bei ze fast immer, bei von überwiegend 
ohne artikel, bei an, durch, üf, under stets, bei in fast immer mit dem 
artikel. 

lu der zweigliedrigen formel berscbt schwanken: himel und erde 
80, 15. 302, 16 u. ö., an himel und an erden 161, 5, in himel und (oder) üf 
erden 130,10. 452,29. 560,8; vgl. 2,255,38 u.a. Dagegen der himel unde 
diu erde 48, 26, gen. 13, 8, acc. 560, 6 u. ö., an dem himel %uul an der erden 
157,11 u.a. Sonst hat das wort stets den artikel, z. b. 19,13. 31,11. 
96, 2 u. 0. 

Aucli helle erscheint im allgemeinen unter denselben be- 
dingungen ohne artikel wie die gattiingsnamen: 

Copulative Verbindung: helle unde vegefiures 9,36, als ob nie helle 
oder tiufel worden ivcere 167, 8 u. a. Vorausgestellter genetiv: an dem 
helle gründe 204, 14. 



DAS AUTIKKLI.OSK SriJST. MEI II. VON' KKOKSSUrUC. '.V27 

N'arh jiriiiiositioiu'li: 
nein htlle ■,,H. 2:i,21. 2VA,2t\. 217, tjnn der helle 5, 10. 282,35. M'ü,\. 

.'). 444,2» ). ijiCyH/.W. 2,44,21.2:t. Cl, 070, 4 (4iim0. 

:{ö. ()2, 1. Ht.ic. iis,2ä. 22:^,4 (i:{ 

luul). 

von lulle 2, .'{4, 22. 27. lun der lulle 17,'). 18H, G. :W).j, 12. 

2,34,20. 42,21.32. (;2, 10. 
:e helle (wohin?) 41, 27. HO, 20. S7, :er helle 4,31. 15,30. 32. .'Jö. 38. 

7. KH). 14. 207,:«!. 212. 10. Ki. 213, 1<),2. IH, 11. 23,2.5. 41,28. 80,37. 
:{H. 241, 14. 15. ;{.S«;, 17. 3i»4,5. 2,34, K1,2I).3!>. K2, 1. 12. KJ, 12. H4, 2. 7. 
12. 44,24. :>!, 17. «JO, 24. 25. 27. «57, lH. 3'J. H7,20.3I. 101,1. 104,10. 108, 
10. 81, 15. 1 10, 24. 1 IH, 20. 12H, 3!>. 30. 129, «3. 7. 8. 2D. 132, 14. 159, ÄJ. 
125», 7. 148,27. IGO, 30. ;f2. 1(!1,(5.27. Ifi0,7. 1H2,24. 203,3. 209,1. 212,9. 
1«2, 11. ir,3,30. 182,38. 18;{.ll. 203, 34. 213,3.27. 214, l.;{0. 215, 1.3. 10. 
1(). 17. 229, 35. :«). 2.m Ki. 2(1. 32 (40 22. 34. 21(5, 8. 217,30. 32. 218,4. 241, 
maO. 10.18. 2«J1,39. 2<]8,28. 272,2. 278, 

39. 279,7. 287,21. 289, 2G. 293,23. 

30. 307, 2(J. 309,21. 330,5. 342,35. 

343,20. 344,34.37. 348,19.38. 352, 

27. 354,10. 3(i2,9. 382,22. 384,33. 

420, 19. 423, 8. 450, 39. 471, 1. 11. 13. 

19. 21. 22. 3C. 480, 22. 491, 17. 30. 

494,37.39. 522,11. 570,11. 2,110,39. 

111,1. 127,15. 128,30. 129,1.3. i:}0, 

5. 1S0,32. 181,9. 12. 217,30 (101 mal). 
!C helle (wo?) 3. 8. 8, 27. 23, 23. 31. :er helle (wo?) 3, 25. 29. 133, 13. 

36. 41.21. 01,0. 09, 17. 77,9. 78, 10. 222,20. 2<J0, 27. 281,17. 320,32. 327, 
80.22. 82,39A. 115,36. 127,:J5.iW. 22.362,13.380,28.385,2.386,7.29. 
128,1.3.12.1.5. VXi,:iß. 2tV4,22.24. 422,9.24. 440,5. 444,10.471,7.17. 
225, 30. 22H, 2.S. 201, 9. 28!^ 1. 24. 492, 20. 533, 38. 2, 34, 19 (22 mal). 

:^3:{, ;j.5. ;};{o. 17. 38<;, 2. s. 14. 15. 20. 

3;{. 414.24. 444,17. 470, .U. 471.9. 

517.10. .521. 19. 541,1.5. 5.">8,10. .509, 
28. .m 2,:}4,22. ;38,28. 40,39. 41,. 37. 
:{8. 39. 44, 8. 26. 49, 3. 10. (>2, 29. 69, 
16. 81,13. 89,22. 91,7. 92,18.2.5. 

112.11. 12J»,28. i;39,3. l."»0, :35. 1.59, 
25. 1<;1.:K 16,3, :tJ. 175,8. 179.4. 
181,20. 182,13. :{4. 185), 8. 214,:{»;. 
21.5, 5. 7. 8. 5). 1 1. 1.3. 222, 30. 223, 3*:. 
226, 20. 227, «l. 10. 1.5. 29. :«). 24.^ 1- 
251. 10 (91 mal). 

in helle kommt nicht vor, mir im im der helle i}, 12. 9,32. 24,37. 41, 

htlleriche 2, 'A, 20. 32. 72, 32. 75, 36. 127, 32. 175, 1. 

177, 21>. 183,10. 188.12.15.38. 1H9, 
11. 2<»3,22. 2t;. 207,8. 212,27. 228, 
23. 327,21. 350,22. 354,1. 369,37. 



328 ZIMMERT 

386,23. 481,11.17. 438, U. 471,6. 
481,8. 492,18. 501,31. 514,8. 516, 
31. 527,37. 529,28. 559,9. 573,12. 
2, 2, 1. 5, 16. 6, 3. 26. 8, 13. 9, 14. 16. 

22.32. 18,15.18. 38,32. 95,8. 125, 
31. 159,24. 176,32. 179,33. 190,15. 

195.14. 215,4.18.22. 226,6. 227,4. 

230. 15. 243, 7. 244, 7. 251, 7. 264, 9. 
— in die helle 66, 4. 13. 80, 29. 188, 
31. 191, 1. 37. 216, 29. 37. 229, 21. 
282,38. 309,3.24. 321,30. 342,16. 
343,18. 385,9. 422,7. 429,2. 501,33. 
573, 17. 2, 1, 27. 5, 24. 6, 9. 18, 9. 11. 
21. 21, 1. 39. 22, 36. 23, 8. 19. 37, 10. 

56. 33. 111, 39. 121, 13. 192, 18. 246, 
12. 264, 14. 

Ü2 der helle 76, 33. 2, 18, 26. 22,31. 
39, 21. 
vor der helle 126, 28. 290, 1, 2, 171, 1. 

Es steht demnach hei <je/n und ze auf die frage wo? viel häufiger 
ohne den artikel, bei ze auf die frage wohin? und hei von überwiegend, 
bei in, üz und vor stets mit dem artikel. — Auch in der coordination 
kann der artikel erscheinen: der tiuvel nnde diu helle 557, 36; ähnl. 167, 11. 

— Ausserhalb formelhafter Verbindung hat es immer den artikel, z. b. 41, 15. 
73, 4. 77, 6. 7. 10 u. o. 

erde erhält, wenn es imsern weltkörper oder soviel als 
'boden' bezeichnet, den artikel: 19,13. 81,11. 109,8.22. 160,35 
u. ö.; wo es stoffliche bedeutung hat, wird es wie die übrigen 
Stoffnamen behandelt, vgl. unten III, 5. 

Nach den präpositionen in und üf steht es artikellos, wo es die irdische 
weit im gegeusatz zu himmel und höUe bezeichnet: (hie) in (en) erde(n) 
138,15. 498,21. 2,226,11. — {<f erden 60, 7. 103,22. 109,18. 130,10. 237,13. 
14. 265,17. 276,15. 364,38. 369,36. 417,19. 466,39. 508,16. 2,99,5. 105,32. 
125,33. 126,25. 168,19.22. 178,35. 183,36; auch unseren weltkörper im 
gegeusatz zum Sternenhimmel: nf erden öO,6. 51,8. 82,37, ja sogar die 
erde als nährboden und wohnplatz der lebewesen: üf e. 113,30. 2,183,34. 

— In der erden heisst immer 'im erdboden' (die loürme, der lip in der e.): 
50,13. 125,34. 182,22. 236,16. 237,6. 374,24. 478,14. 506,39. 2,33,15. 
125, 28. 195, 8. 209, 12, in die erden graben 119, 27. Dieselbe bedeutung 
des subst. liegt vor in oh der erden (kriechen) 375,28, üf der erden (hdiven 
etc.) 151, 16. 2, 33, 15. 116, 17. 181, 2, üf die e. treten 304, 19. 22. 2, 90. 20, 
under der erden 264, 12. 2, 260, 34, üz der e. 49, 20. 81, 12. 375, 19. 506, 30 
(aber in derselben bedeutung: dö kom niemer mer üz erde niht 2,152,22), 
von der e. 87, 22. 183, 2. 395, 11. 429, 8. 2, 249, 11 {von erde hinz an den 
himel 2, 228, 10), für die e. 353, 26. Den weltkörper bedeutet es in an der 



DAS AKTIKKI-IiOSK SUHST. MKI M. VON UEGENSnrKO. .'^20 

e. l!l, 1'). AH,'1H. ICl, 10. :)(t7, 11. IL'. 'J, L'1,'J1. 'AH u. ö. im r mit urtik«-!, 

üf der f. oiM), ;{(;, iif die e. 402,1. Aber iiiich >^iiii/, ^'li-itiiltnk'Htfml mit 
(Ifiii fnrniclliatfi'ii üf erden {- inlisciM! wAi) ln'iHHt oh üf der erden ö7, 21. 
2(14, 12. 477,12. 4!»ö,:}(i. 4!»7, 12. ÖOl/J!). r>02, 4. 2,2<r2,2. 2I(;,1H, von himel- 
riefie t'if die erde komen 2, 1 !{.'>, 21). 

In <lor rounliiiatioii 8cli\viiiikt der sinaclitjchniucli : hiimd und erde .'{71,12, 
(ui liimel und un erden KU,.'), Viji. 4.V2, 2!t. .">t»H, H u. in., den hiinel unde die 
erde 2,24. 17, an dem hiinel und an der erde 1,'»7, 11, v^l. l.")7, 12. UiH. 27. 
.'»4!>, IH u. a., weder in hiinel noeji iif der erden !{.')S, :{, irrih r in ihm hiinrle 
nneh iif enlr 2, \UX, 11 u. ii. 

iiicr liat (Icii aitikcl. aiidi nach der piiiiMiviiinii /// sti'ts. 
Nach rinij,'-eii präixt.'^itioiicii crscliciul es cun.siMiuL'iil artikellos: 

jeidialp meres 14S, If). 2:54,10. ül I. 22. .{Kl, 2<). 81K), 31. 425,22. 
2,24:{, 24. 24:», ;{; disesde vieis 175, :{.'); üljer mer .'{, IH. 17<;, H. 21». 209,35. 
:{7. 2;{4, 11.3;t.37. 31H),:52. 3!»S,38. 400,7. 421,37. 48.3,2!». 4:»4, 14. .503,2!). 
5.33,2.5. r»«i3, 1.5. 570,7. 2, 4!», 3. .Vi, :{.3. 112,15.21. 177,3.5. 224,12. 243,27. 
248,27.21». Nur einmal steht 399,38 iilier <l<t: mer uml ührr lant. 

Während die bisher f^enaniilcii die iiiallc artikellosifrkeit 
mir in formelhaften weiidnii^'eii bewahrt haben, finden wir 
himtirk'hc auch sonst nicht selten ohne artikel: 

«/*• liep uns himelriche st 113,15. 119,5. 1;J0,21. l.")4, 14. 242, .3.3. 
.3i»7, 31. 32(), 14. 3.")2. 10. 480,20. 4!»2, 28. 2,K5, 17. 110,21. 17!». 3!), Bonst 
nom. 2,177,22.23. 178,11.1,3.34; so miiyent die liule himelriche tcul irr- 
//V.soi !)7,24.2ü.38. KH), 29. 142,2.14. KiO, 4. 29(5,14.23. 377,13. 41.5,20, 
sonst acc. 314, 4. 317,21. :}5!»,23. 381,37. 41(5,29. 474,!). 48.3,28. 491,9. 
524,15. 552,38. 2,(58,21. 17(5,22. 178,15; iu ist oitch ttöt himelriches 48,23. 
414.4. sonst gen. 2, 75, 19. 141,22. 1G2,29. 1(53,1. Allcrdingfs häutigor mit 
dem artikel: als liep iu dcu h. si 2:iS,b. .301,17. 4(50, 2(1. 2, 1(»,23. l!t,3. 
60,17. (5.3,18. 90,2!». 128,1(5. 142. :W. 2(53,10, sonst nom. 22, (5. 4.S, 22. 0)0.32. 
73,8. 1(H,27. 110,2.3. 120.1. 130. .38. 132. .37. 14(». 1. ."). 11. 141,."). 2;{.5, 1. 
2.3(5, 10. 33(5,3!». :}37, 4. .3.-)7, 1.4. .38.8, 1. 2.36,5. 124, 14. 1(5. l.M), :{."). 212.3. 
2:k8, 1. 242,7.9. 25v8, 1; da; himelr. Verliesen: 22.13.15. .397,7. 5(54,28. 
2, (50,;{2. 120,10, sonst acc. 43, :3;l 45,1(5. (50, :k5. 67,30. 97.5.8. 101,:«. 
102.23. 104,:«). 114, i:i 141,:{!». 1(50,2.5. 172, 1. 1!)2.2. 227.22. 2:K1.5.20. 

2:«». 2."). 242,14. 2i")0,2. 27."), :J:». :30(5, :u. 310, :{4. :i{o,(5. •,\\a,'.u. :«♦!». :u. 

47(5,18. 4!»1,7. 10. ,")01,23. .5(54,28. 2.7(5,1. 125,22. 1(53.1. 1!H.:}9. 2.")!. 14; 
Ken. 3,2(5. 1.'), 12. 33. :j(5. 23.2.9. 31.2:}. 3:5, 23. 27. :15. 2. t50, 3:{. 77,11. 
1.").^, 12. 22:5,4. 258, :W. 29(5,31. 340,2:}. 377,8. 474, K). 4.8,8,19. 491,22. 
4!»4,:5:{. 506,8. i)61, 29. 2,38,7.8.9.121,7; dat. 73, 10. 140, 8. 27. 141,12. 
142, 17. 160,6. 311,8. 10. 2, 121, 1:1, kein himelr. 4.V), 15. 5.")8,;i4. Im prit- 
dicat: dii hast dir du: :eime himelriche erkoren '.^h 'XI; vpl. dartlbor«. .337. 
Mit .idjectiven: nm dem frönen himelr. 118, 1^0; \ti\. 145,28. 20:l, l 
u. a. Nur einmal ersdieint e.s aiuh mit einem a«ljectiv artikellos, noch daxu 
im gegensatze, wo mau ihn nubedingt erwartet: er hat nider himelriche 
rehte gcordent als daz ober 2, 186, 6. 



330 ZIMMERT 

In der coordiuiereiulen formel finden wir neben ausdrücken wie himel- 
riche und helle 38i. 38 (vgl. i7, 12. 370,31 u. a.) auch yot tinde daz hitnel- 
riche 281, 10. 

Bei den präpositionen ze (auf die frage wo?) und i-on steht es häufiger 
ohne als mit artikel, hei an, gehi, in, umbe und besonders bei zc auf die 
frage wohin? überwiegend mit dem artikel: 

ze JiimelricJie (wo?) 22,6. 23,4. zuo dem (zem) li. 170.19. 228,16 

84,23. 100,11. 142,20. 144,5. 336, 328,19. 343,31. 380,24.414,7. 2,244 
32. 372,16. 378,39. 386,6. 389,22. 10 (7 mal). 
436, 25. 490, 25. 538, 18. 550, 11. 
2, 129, 25. 179, 4. 244, 22. 247, 2. 
249,4. 251,20 (21 mal). 

von himelr. 56, 7. 8. 19. 57, 2. 27. von dem h. 97, 2. 3. 203, 1. 238, 13. 

142,6. 183,25. 191,3. 237,9. 238,21. 253,8. 293,12. 296,12.16. 326,22. 
340,11. 451,32. 458,12.32. 527,37. 327,9. 340,14. 474,17. 481,10. 526, 
535, 15. 39. 2, 99, 19. 135, 29. 170, 19. 22. 2, 170, 15. 181, 23. 193, 17. 246, 5 
236, 1 (21 mal). (18 mal). 

an h. 2,266,9? (in dem E). an dem h. 103,7. 384,36. 

gein h. 41, 12. 296, 27. gein dem h. 170, 16. 171, 32. 399, 

33. 2, 36, 15. 246, 8. 

in h. (wo?) 22, 36. 23, 8. 13. 14. 57, in dem h. 3, 30. 22, 10. 75, 37. 76, 

28. 76, 25. 94, 23. 95, 7. 96, 5. 97, 7. 39. 97, 22. 27. 98, 1. 120, 18. 180, 23. 
106, 10. 109, 5. 124, 12. 169, 6. 227, 188, 19. 200, 25. 220 titel, 221, 26. 
25. 36. 234, 20. 372, 13. 397, 25. 389, 222, 33. 233, 26. 242, 22. 260, 3. 262, 
17. 390, 15. 391, 28. 413, 4. 444, 16. 24. 281, 17. 287, 35. 299, 3. 329, 1. 6. 
445,4. 451,35. 455,30. 493,8. 506, 10.15. 330,15. 333,33. 336,25.31. 
19. 526,5. 530,1. 538,25. 539,31. 337,7. 368,10. 369,29. 371,15.30. 
540, 3. 547, 36. 567, 23. 2, 32, 29. 41, 372, 9. 376, 31. 379, 3. 9. 12. 383, 31. 
17. 83, 24. 106, 23. 154, 13. 167, 9. 384, 4. 438, 15. 458, 19. 488, 15. 492, 
178, 14. 191, 28. 196, 37. 214, 5. 263, 35. 501, 36. 526, 18. 537, 12. 16. 538, 
33 (47 mal). 32.36. 539,31. 541,38. 550,17. 553, 

36. 555,14. 556,29. 569,20. 2,4,3.8. 

9. 19. 23. 30. 11, 34. 39. 12, 4. 6. 51, 4. 
74,15. 77,24. 80,14. 94,17. 123,6. 
124, 18. 135, 18. 144, 3. 167, 26. 171, 
19. 178,36. 183,39. 251,23. 260,4. 
264,8. 265,4. 266,7. 269,12 (84mal). 

in h. (wohin?) 2,181,34. 182,22. in daz h. 41,8. 48,26. 66,2. 132, 

25. 178,3. 180,6. 182,22. 227,26. 
327,39. 348,19. 456,36. 489,29. 505, 
21. 28. 550, 13. 14. 564, 22. 565, 7. 

2. 20, 39. 21, 13. 28. 36, 32. 269, 39 
(23 mal). 

iimhe h. 29, 5. 337, 24. 340, 8. 474, nmhe daz h. 73, 7. 142, 12. 223, 39. 

15. 2,137,26 (5 mal). 224,18.23. 386,38. 475,11. 552,39. 

2,54,8. 212,26 (10 mal). 



DAS AUIIKKLLOSE 8UBST. MVA U. VON KEOENSBUKfJ. 331 

:e h. (wohin?) 15,30. 28,8. 58, 10. :uu (Um (:nn) h. 2,37. 3, 23. 37. 

G7. IC. a),25. 28. 101,38. 113,2.5. Ki, 1. 4!), 7. 51,21. 55, JW. «5, 12. 15. 

168,36. 173, 14. 18:1,12. 2:15,27. 2i>3, 16.18.20.2:128. 66,7.11.2:1 67,8. 

:i:]. 328,7.11. ;{.5!>,:{7. :«;i,26. :{5:{, lO. 68,8. 6«), 4. 71,:{7. TXX 75,28. 

'Ai. ;r73,9. ;iHH,2. 4!»1,22. 521,27. 7(J, i:{. !)4, 22. 97, 12. I0l,:{4. 14<),12. 

549, 10. 2, 76. 21. SO, 22. 127, :i. 141, i:{. 161, 24. 2(;. :W. 162, :{. 13. 17. 19. 

39. 142, :{4. l.">5. 2:!. l.">6,28.31. 172, 2.5. 16:{,2- 16.5,19. 170, 18. 19. 22. 2:{. 

6. 202, :{9. 247,5. 260, : {.5. 264, IS 25. 171, i:{. 15. 20.21. 2:{. 2.5. 28. 172, 

036 mal). 3. 4. 5. 27. lU. 177, 9. 179, 15. 16. 18. 

18(),:{.28.;{0. 183,2:1 195,27. 210, 
31. 218,25. 220,2:5.26. 221,16.22. 
224,27.31. 22H, :{2. 2:{1,30.:J5. 2:W, 
:J0. 2:56,7. 237. 22. :50. :5:5. :59. 24!», 23. 
250, 5. 7.25. 2.52,2:5. 2.57, 12. 14. 262, 
:^8. 274,25. :5:5.:56. 27S,:{9. 289,1!». 21. 
2:5. 297, :54. 2!H», 17. :{09, 1. 7- 9. 12. 
14. 27. :5io, 11. 1:5. 311, 9. :5:K), 1. 5. 8. 

16. :5:36, 15. 337, 14. :542, :52. :54fi, 10. 
:557,5.7.8. :J7:5,7. :582,2:5. :5!M\27. 
40<1,.5. 411,2.5. 414, :j. .5. 42:5,22. 44:5, 
21.22.:56. 460,28. 471, :36. 475,17. 
18. :51. 35. 38. 476,4. 480,7. 485, :i5. 
488, 10. 491,31. 492,:iO. 494,38. 50.5, 

17. 507,1.3. 521,2:5. 524,30. 525,:^. 
529,19. 5,37,2.5. .5:58, .5. 6. ,544,0. .*)48, 
11. 5.5:5,38. .5;56,28. .558,19. 561,11. 
564. 1. 7. 2, 2, 2!». 2:5, 6. 36, 22. :M. :58. 
:57, 14. 4:5,12.1.5. 74,2:5. 7.5, :5. ,5. 13. 
21. 81,2.5. 92,14. 124,4. 12.5,17. 
126, :52. 127,16. i:^6,6. 1:57,9. 1.54, 
24. 15.5,11.16. 157,20. 16:5,18. 1«>4, 
1:5. 172,22.2.5. 181,7. 1S4,7. 192,24. 
212, 2. 28. ;50. :5:5. 21:5, 11. 2J»6, 10. 14. 
24. 2,50, :5. 2.59, 2. 2(k), G. 2(^2, 2. 274, 
28 (207 mal). 

Vereinzelt finden sich noch: nach dem h. 224, :55, üf dem h. 379,6, 
ir/(/«T dem h. 2, 124, 11, ü: dem h. 2, 176,34, »"«»1 loht tuf)eiit riir himelriche 
2,177,20.21. 

Bei ertliche unterbleibt die anweiulung des artikels nur 
nach Präpositionen: 

ül' ertliche {ihi{.): 9, 2!». :»). :55. 17,22. 18,26. 19,28. 22, .5. 12. 14— 16. 
:50. .57. :5!». 2:5,:5.6. 7. ll.:5.M. .VJ, 14. .59,24. «54,11. 80.2:5. 81,15.18. 82,:«). 
HH, ;57. 90, .5. 97, 2:5. 27. 2!». ;54. :5.5. :57. :5!». 9!>, 13. 22. 104, :5;5. 10!), 22. 119,35. 
120,10. 127, :53. 131.5. i:52. 8. 141.12. 144. :J3. 157,!». 104,20. 1H2,:{.6. 188, 
22.20. 191.:5:5. 1!M;,7. 220, !>. 12. 222, :52. 227.1.5.24. 228, 10. 249,7. 2.57, :51. 
271, 10. 279, 21. 292, 24. 293, 34. 301, 33. 333, 10. 339, 15. 360, 7. 10. 371, 13. 



332 ZIMMERT 

377,7.12.15. 385,80. 38fi, 26. 389,18. 391,12. 405,4. 422,18. 427,10. 439,9. 
442,19. 445,4. 448,15. 477,22.23.25.27. 484,35. 489,10. 493,7. 498,16. 
500,11. 505,26. 508,16. 527,23. 539,33. 550,19.20.22.23. 554,2. 559,6. 
2, 1, 11. 2, 83. 5, 29. 32. 33. 6, 1. 11. 18. 27. 31. 36. 7, 4. 37. 9, 5. 8. 10, 17. 
11,31. 12,21,26. 18,13.22. 22,25. 25,27. 32,22. 41,14.35.36. 42,4. 66,13. 
83,17.24. 91,39. 94,4. 116,2.38. 135,2. 167,25.27. 168,28. 184,1. 212,4. 
31. 213, 17. 245, 21. 251, 26. 253, 2 («/ ertrkhen 2, 5, 28. 6, 31. 22, 8 nur 
hs. a, üf dem erfr. 306,21. 379,13. 899,1. 428,17. 2,42,17 [dem feblt DK 
Mm]. t(f disem ertr. 97, 38. 219, 2), tiffe ertr. 254, 16, «/' ertrkhe (acc.) 56, 32 
57,12.27. 183,29. 237,7. 288,21. 2,68,15. 139,88 (af daz ertr. \m,2i. 
387, 2. 400, 82. 585, 35), in ertrtchc (mir i)i coord. mit hhiui etc.) 506, 19. 
567, 28. 2, 255, 38, von ertr. 127, 30. 372, 14 (von dem ertr. 126, 87. 179, 24. 
235, 22). 

Ferner in der coordination: 

himcJr'idic und ertr. 370, 31. 2, 196, 12 u. ö. Sonst wird es artikuliert: 
49,8. ibl, 13 (htaven), 302.27. 837,1. 393,19. 400,32. 2,124,12. 212,8, und 
so immer; auch nach präpositionen, und zwar nach durch 398, 14. 15, nach 
486, 31, wider 235, 8. 337, 4. 

finnumcnt, vegefnver, paradise, auch Uift (wo es nicht stoff- 
liche bedeutiing- hat) werden stets mit dem artikel versehen, 
auch nach präpositionen. 

Synonyma für himmel und hölle: 

apgründe erscheint bisweilen nach präpositionen artikellos : voyi apgr. 
126, 88, in amiründe (acc.) 527, 38 A, in apfjründe der helle 218, 9 A, 531, 19a. 
Gewöhnlich aber heisst es ht, an dem grande der hellen, in daz apgründe, 
an, in den grünt der hellen. 

oherlant (vgl. die von Oherlant, dort her von Zürich 250, 39 und s. 328, 
W. Grimm zur Gold. schm. xxvii, 32) einmal ohne artikel; die mit der tnilte- 
keit oherlant besezsen hunt 257, 15. Dagegen daz oherlant 250, 14. 253, 26, 
gein dem ohern lande 262, 20, in dem obern lande 252, 80, in daz oherlant 
252, 28, von dem ohern lande 258, 8. 496, 5, zuo dem obern lande 250, 7. 
254, 36. 262, 88. 

niderlant. Wir finden neben einander niderlant bütven 252, 12. 257, 1, 
gein niderlande 262, 17, in niderlande 262, 13 (dat.). 260, 5. 261, 23 (acc), 
und andrerseits daz niderlant 250, 14. 256, 18, gein dem niderlande 262, 19. 
30, in dem nidern lande 260, 9. 29. 261, 4, in daz niderlant 250, 12. 258, 9, 
von dem nidern lande 496, 5, zuo dem niderlande 260, 16. 

Es zeigt sich also, dass, von den eig-ennamen abgesehen, 
die substantiva, welche als bezeichnungen einzigartiger personen 
und gegenstände in der älteren spräche des artikels nicht be- 
durften, im mild, den bestimmten artikel geradezu erfordern, 
weil sie notorische dinge bezeichnen. Nur got entbehi't immer, 
hinielriche öfters, apgründe, oherlant und niderlant als Synonyma 
von himmel und hölle bisweilen des artikels. Bei den übrigen 



DAS AltTIKKLLOSE SUBST. lUM M. VON KKflKNSHUKG. 333 

iiiitt'ihlfil»! sfiiic aiiufiidiiiiii um- iiadi iiiaiiclit-ii iiriLpdsitioiU'ii 
1111(1 in (ItT (-niinliiiatinii. 

rt'bi'i' die Wolter /<>/, lihrn, l-risltti<ßlotil>c wird bei den 
abslraclcn <;fliaii(lelt werden; die von Strobl und Scliönbacl» 
zu l*.>:l,20 angeführten snl)sliintivii geliören nnr zum teil hierher. 

3. ( Jat t lUl^^^nanle^. 
Nur bei (b-m wollt' iHaii ist es fester und allgemeine!- 
siirachgebrauch, dass der artikel wegbleibt, wenn über die 
ganze gattung in begrifflicher allg«'nieinheit ausgesagt wird. 
Die substantivische bedeutung des Wortes wurde wol zu Jier- 
tholds zeit nicht mehr deutlich gefühlt, denn nur selten wechselt 
es mit dorn gleichbedeuteiKb'ii (Irr num (mit (h'm generi.schen 
artikel): 

sich: man da nrlidlf ... du: dir uiaii versuüget '217,14 (auf der- 
selben Seite miin !>. 11. 12. 1!). iJ'J ff.), riht (ds der man hie swirrt, als snidrt 
er dort 383, 37, Du hrithte man yute alle taije zirei Opfer, ie dar nach und 
der man mohte 2, 7l>, 10, Vfi^l. 14. 

Kbenso steht in begrifflicher allgemeinheit an )>iluiz dIouIhu 
2, 70, 32 (der plural heisst gewöhnlich hllwilifcn oder hihvhzen), 
ferner als liep in lip si 518, 3 und 1, 96, 2 ez tvart sclc nie 
hin ilinc al.^ (ßich als duz einige dinc, wo nicht die negation 
das ausbleiben des artikels rechtfertigt, da in solchen all- 
gemeinen negierten Sätzen nur der unbestimmte artikel häutig 
vermisst wird, während es sich hier um den bestimmten 
handelt.') 

^\'enn es 531, 28 heisst wwre sünde als gröz alse die pfafl'cn 
marhcni, so ist hier sünde - 'Versündigung, das sündigen' und 
fällt daher unter die allgemeine regel über die abstracta (s. u.), 
desgleichen wol auch ich nil sünde über ein niltt hizen 4, 34. 

wunder erscheint gerne ohne artikel wegen seiner bald 
abstracten, bald collectiven bedeutung: 2.213,21 ff. 241, 1. häu- 
figer wunder unde wunder 1, 170, 17. 2t). 227, 30 u. ö. (vgl. jedoch 
ir iribet dass wunder ron ho/trart 485,27). 



•) Uebrigen« soll nicht verschwiegen werden, da.«w nnhercchtigte an»- 
lii.'<smi^en de« nrtikol.M und denionstrntivs in der hs. A nicht »elton 8ind. 
.\rtiktl: .'il, 1. M.h. 1»D, 2.'). 111.34. 12.">.2. 11«, 12. 147, .'H. UiH,2. I.V.). 14. 
1(;2, 14. 17H,t». IHO. IM u. (i. lUinon.str: 131, 2(). 18G,G, de«gleicheu relativ 
und cuiguuctiuu diu u. o. 



334 ZIMMERT 

Im übrigen ist die Verwendung des artikellosen Singulars 
von gattungsnamen nur in bestimmten Verbindungen allgemein 
und häufig. Es sind folgende: 

a) Substantiv mit adjectiv in sehr deutlichem begriff- 
lich allgemeinen sinne: 

äaz sich (jeicar got itiid war mensche verwandelt in ein bröt 53,4; 
älml. 163, 3. 453, 34. 458, 20. 459, 19 und so immer, so wäget ir leiden hlie 
an im iverden sehen 35,11, altin gwrc bedarf wol fitotcrs 417,1(5. 418,23. 

487.2. 2,143,16, armer Hute hühvart mid alter mit unicinsche unde richer 
lügener, diu driu sint fremde geste 897, 24, der niuwen funt vindet 2, 161, 25, 
reines {lindes) herzen sin 411, 30. 456, 7. 8. 480, 28. 2, 242, 23, daz er dir 
ganzen erbeteil gehe 2, 134, 39, vgl. noch 121, 18. 216, 12. 285, 12. 531, 23. 
2, 249, 9. 2, 39, 38 iiml s. 330. 338. 340 k, Lesoiulers s. 341. Nur einmal felilt 
der artikel bei individueller bedeutung des Substantivs: ir sidt im ein 
smitzelin tuon an blöze Mit, ir sidt ez aber an blözez honbet niht slahen 35,7. 

b) Wenn eine Wechselbeziehung zwischen ver- 
schiedenen wesen der gleichen gattung ausgedrückt 
wird (Paul § 223, 3), kann der artikel ausbleiben: 

swenne daz leint den vater tmde die imioter i^erdampnen sol . . . oder 
mäc den müc 188,3. Dock kann auch der artikel gesetzt werden: fride 
zwischen dem menschen unde dem menschen 50, 9. 12. 

Den artikel verschmähen besonders präpositionalverbindungen, welche 
das durchschreiten einer reihe gleichartiger dinge ausdrücken: von tage ze 
tage 37, 11. 41, 25. 98, 2. 474, 18 und so immer, von teile ze unle, von jare 
ze jare 98, 2. 421, 20. 450, 11 und so immer, von einen ze ewen 66, 13. 73, 1. 
87, 24 u. ö., marc für marc, pfunt für 2) funt, schillinc für schillinc etc. 73, 38, 
137, 5. 224, 24. 258, 32 und so immer, unmder über unmder 372, 10. — Anders 
von einem winliel in den andern 483, 14, daz Icrenzel hin unde hrenzel her 
415, 13. 

c) Neben verallgemeinernden adverbien steht das 
Substantiv häufig ohne artikel: 

wä ivart ie känic oder kciser so gen-cdtic SO, 11; andere 84,5. 140,15. 

349.38. 385,18. 439,8. 519,18. 570,37. 2,71,3. 109,31. 160,11. 176,39. 
208,21. 256,5. — daz du icmer pfenninc oder helbelinc oder ei oder sin 
wert iemer genemest 281, 11, une selten die iemer guoten tac gewinnent 230, 30; 
andere 323,24. 324,7; — der mimt, der nie lügen getet 138,9. 307,16. 
521, 14, der nie stich gesach 383, 15 (in diesem sinne nur ist Schönbachs 
anmerkung zu 143, 20 richtig, dass dieses wort keines artikels bedürfe) und 
so 69, 31. 97, 12. 166, 39. 210, 27. 222, 16. 227, 15. 228, 35. 247, 3. 256, 5. 

288.3. 348,35. 370,17. 390,21. 429,11. 444,36. 493,12. 498,22. 501,18. 
508,25. 548,9. 566,25. 570,34.35. 2,9,9. 12,30. 50,34. 66,13. 102,15. 
122,30. 152,17. 222,32. 244,8. 245,15. — daz ez niemer munt vollesagen 
wac 94, 26. 100,23. 227,35. 228,7. 291,6.22. 329,7. 339,27. 372,2. 379,39. 

383.39. 384,27. 2,75,25. 82,4. 124,22. 185,5. 201,7. 226,26. 228,38. 



DAS AUTIKKLLOSK SIMJST. IHM Ü. VON KKCKNSIUKC. 335 

L'4r», 14, iiifuier ijuoloi tue (jcUhfn f»!), 9. Oft, iJl u. «.; amlere 9, IH. 40.1. 
51,21. lK4,ö. 1!»1), lö. 2i'(;. i:{. 'JOö.'JS. 27(»,:j4. :{f)l,2!). 39'), 4. 412, KT. 4<;7, 4. 
468,29. 2, !5H, 18; itber tn'enur ende (jctcinnen h. 8. .'{Ii9, tiiemir tvirt eiule 
8. uuton uutiT 11,8, Kcjihiss; thtz iendcrt zäher in in hdihe 195, 2.">; i«( 
niendcrt sunder sü unjcr 271,30; andere 2,103,8. 121, itt".. 122,19. 127,2. 
i;i2,:ir). 20(5,35; «•« snhe du zeichen 2,70,34. 

Für artikrlloscs substunliv l>«*i «'iiifaclicr iiciratidii liiith't 
sich k«Mii lifispit'l: die Vfiliiiidiiiiu- zwcirr siiltstaiiliva (liircli 
ireder — uorli tiilli iiiilcr fiiH-ii aiidrin f^esicrlitspmikl, s. s. :M«). 

Doch kann auch ii)i jifc.sctzt werden; 

hei /(• mul iiuur in afliriiiiitivtT luMlmtnnj,': d<i: ein tnensche iV zer 
innhen ('jodt' wocIil'') eine merrttrt miihte erzinijcn 445,7, v>fl. 552, 36; in 
nt'pitivem nntl conditional.siitz nl.s zahl Wort (DWb. 3, 131): nie eine irorhen 
491,3, mühten mich niemer einer tütsiinde benitlen 'Ml, \\, d<iz nienderl ein 
heilige noch ein enijel bliid 2,!»4, IG, Vf,'l. 2,01,22. 103,11. 124,18. l:W,31. 
204,5, kiiine iendcrt ein tropfe 2, 9<), 33, vgl. 2,179,-31. l.liO, 4. swennc ein 
mnn eine frouiren ansiht itU't, Ui, viCfl. .5(i8, 15. 22. (ienie steht ein mit dem 
.snhstautiv vor dem adverb: da: sie die junc/'rouiren einen tac von in nie 
geliezen 527,24; vgl. 420,35. 552, : 55. 572,;«;. 

In der grossen niehrzahl der fälle wiid jedoch (hluln oder 
kein gesetzt: 

pfi dich, da; ie drhein ton/' üf dich hum 71,2(5. 93,8. ll.S, ;{3 U. o., 
der »lunl der nie deheine Imjen yclrt 2.34,28. 334, (i. 42(5,27, gewinnet niemer 
vier kein ende 29,7. 431,1(5. 247,2, so mac nieman den andern deheiner 
Sünde geno-ten 347, 32 u. v. a. Beisi)iele fa.st anf jeder Seite. Es erscheint 
auch in der coordination: nie dehein kiniic noch A*m<T 305,7; bei stoft- 
namen und ab.stracten, die doeh an und für sich schon artikellos liingestellt 
wenlen können: gclicz im nitmer dckcine ritoire 134), 2(5. 31. vgl. 271,2(5, 
dir git got nie mer keinen lim 2(5, .32, ich ensiiile niemer mne deheines 
fleisches enhizen .'MU. 17. 2, !K>, 12; auch beim plural: den gnrsten schaden, 
den diu icerlt ron deheinen Hüten ie getean 208, IG, bei himelriche (vgl. h. ;}29): 
daz in got niemer kein himelr. gegeben iril (58,1. 

d) Nach der priiposition änc bleibt regelmässig der 
arlikel weg: in dir bilde und dnc hildr III. |S. linr iouf er- 
sterben 32,12. r2('.. 23. 20'.». 2. I. 2,227. :'.:. (aber äw dm tnuf 
31,27) u.v.a. 

e) l>as iträdical ive siibstaiiliv kann den artikel eiit- 
btdiitn, wenn von einer i>er.«<on au.'^ge.sigt wird, da.^s sie die 
eigenschaften »dner gewissen nien.^chenkla.sse (geschlecht, stand, 
beruf) an sich trage oder die deixdben eigentümliche tätigkeit 
ausübe, \ielfach decken sich solche deutsche nominal|>rädicate 
mit verbalprädicaten anderer sprachen (reiimd, ,UtüiXivn, 
OuXQiiJtun). 



336 ZIMMERT 

Dalier stellt 2,169,31.33 äaz mm vint teuer tvirt in inhiem wingarten 
synonym mit teilende loirt 2, 168, 35. 39. 169, 33. — Beispiele : herre, pileger, 
furste, rofjct shi über 94,7. 110,13. 164,38. 366,8.9. 459,5. 2,170,12, diu 
froime ist über (die fromven 248,4, äliul. 240,39; bürge sin = 'bürgen' 
573,9, er sol dick niht naien boten sin 348,15, Jceiser sin über ... 563,7; 
älinl. 428, 15; mensche rverden 2,39,19. 82,10.13. 172,39. 267,1. 273,1, 
der ivart mensche geborn 443,2; älml. 103,25. 188,25. 206,24. 302,12. 
2,199,45; sivie du maget sist an dem fleische SSI, S2. 2,192,2. 258,13; 
andere 14, 10. 44, 8. 80, 13. 209, 22. 334, 37. 443, 28. 447, 15. 517, 30. 531, 20. 
2,99.18. 112,6. 141,13. 170,9. 265,5. — Mit artjectiven: siver niht giiot 
meister st 154, 8, er ist ivärer got und irarer mensche 188, 25. 206, 24. 302, 12, 
got wäre anders niht rehter rihter 205,1. 484,35 (ein r. r. 491,32); andere 
241, 18. 2, 207, 10. 1, 282, 4. 2, 199, 40. 2, 129, 12. 17. 

Doch ist auch in dieser bedeuti;ug ein zulässig: als got ein herre im 
hmelrkhe ist 3,30. 5,11. 61,6. 75, 37 u. ö. (31 mal), als der bäbest ein 
fürste ist über . . . 366, 4 ff. ; ähul. 2, 239, 25 ; sivie si ein maget si 283, 35. 
2,188,3 (dagegen ebenda 15 die sich maget uzen zeigent, 21 bist du maget 
an dem fleische, vgl. oben), ein man sol ein man sin, ein frouwe sol ein 
frouwe sin etc. 325,34.39. 326,10. 2,85,33; andere 214,26. 282,23. 361,1. 
2, 27, 24—26. 87, 34. 141, 13. 267, 3. — Mit adjectiven: er ist ein rehter rihter 
382, 30 (vgl. oben), ist er ein guot meister 509, 28. 2, 46, 6. 13. 51, 36. 

Das gleiche schwanken zeigt sich bei prädicativen präpo- 
sitionalausdrückeii dieser bedeutimg: 

ze Jceiser machen 2, 106, 27 (zeinem hünige 2, 3, 8. 34, 34, verwerfen 

1, 276, 22. 2, 223, 30. 232, 1. 6), ze rihter setzen 143, 23. 535, 2. 11, ze vriunde 
machen 200, 20 (zeinem vriunde 465, 12. 526, 17). Die allgemeine bedeutuug 
des prädicates ist der grund, dass es im siugular stehen kann, obwol es 
auf ein collectiv bezogen ist: ivir suln Däv/des geslehte niht mer ze Jcünege 
7iaw 152, 19. Mit em: zeinem xmdertänen geben 275,32, zeinem bäbeste 
machen 316, 39; andere 152, 20. 291, 18. 439, 20. 36. 443, 1. 2, 58, 31. 205, 1. 

Fester erhielt sich der ältere Sprachgebrauch bei sach- 
namen : 

ze teile werden 38, 37. 138, 34. 185, 27 und so immer, ze vorgäbe geben 
99, 20, ze Wien hän 261, 9, ze eigen, Upgedinge geben 437, 32, ze tvorte hän 
415, 1, ze gelte nemen 2, 39, 28, ze antwürte geben 1, 58, 16. Doch steht 
vereinzelt auch bei solchen der iTubestiramte artikel: ze einem opfer bringen 
499,29 (ze opfer 499,25. 448,23), ze einem steine tverden 437,6; ähnlich 

2, 271, 16. 

Abstracta und stoffnamen erhalten im allgemeinen wie 
sonst (unten II, 5 und 6) auch im prädicate keinen artikel: se 
löne werden, ze huoze, dienste, nutze gehen etc. Soll jedoch an- 
gedeutet werden, dass die prädicierung nur eingeschränkte 
geltung hat (nur für eine bestimmte person oder nur für eine 
bestimmte gelegenheit), so wird sie durch das unbestimmte 



DAS ARTIKELLOSE SÜBST. HEI H. VON liEGENSBURG. 337 

pronomen abg'eschwäclit, auch bei stoffnanien und abstracten. 
die sonst in begrifflidier bedeutun«^ den artikel versclnnähen, 
sogar beim plural. Der satz drückt dann aus, was das subject 
in den äugen jemandes ist, oder was es für einen besondern 
fall oder für eine gewisse person tatsächlich zu bedeuten hat. 
Im lateinischen entsprechen die constructionen mit pro, loco, 
numero, tumquatn, quasi und der prädicative dativ. 

dirre icerlte tnsheit ist vor gote ein turheit 2, 19, ez ist dir ein ver- 
dampnisse 20, 3S. 544, 15, f- ist mir niwan eine niüeive in den otujen 174, IT?. 
176,20, si (die seele) ist rehte ein wirtin in dem Übe 2, 12H, 3, so ist er dir 
niwan ein seyen 2S8, G, diu tatjent ist vor (jote ein gespötte [}G,'S\.3-i. 173,7. 
170,4.11; ähul. 224, 3. 415,12.14. 435,15. 4.53,17; audere 82, 22. 17'J,2. 
224, Oa. 220,37. 250,18. 273,10. 2S1,33. 284,30. 342,38. 377,29. 397,15. 
504,8. 2,221,15. 258,14.10 u. m.; so in ein leit heschiht, duz machent sie 
in selber zeinem liebe 425, 25, hast dirz zeiner verdampnisse genomen IG, 33, 
daz sie ein tcenic ividergaben ze einer glirhsenheit und ze einen eren 420, 2, 
Kellent ez zeinen reliten ht'in (als angel)liches recht ausnützen) 2, 101, 19, 
daz (weltliche guter) hast dti dir zeime himelriche crkorn 38i5, 37. 427, 10. 
13, got hat im den menschen ze einem tempel gemachet 500, 9, dii solt 
dich niht legen an den wec ze einem steine 2,271, 10; andere 34, 1. 81, 10. 
99,12. 229,17. 233,17. 2G1,G. 335,22. 304,7, vür einen kristen hän 407,5; 
andere 539,11.14. 545,38. 562,9. 2,142,24. 165,11. 258,12. 265,7. 209,20. 
271,8. 

Von diesem gesichtspunkte aus werden auch folgende ausdrücke zu 
betrachten .<ein: daz da hast, daz ist gar ein niht wider . . . 174,27. 170, 13. 
273, 10. 383, 39. 397, 4. 414, 27. 510, 39. 538, 2. 2, 08, 19. 250, 9. 39, alliu diu 
martel ist ein wint 203, 21. 

Seltener fehlt der artikel: daz im gröz schade ist 191,61, für eigen 
geben 477,5, daz ma)i ez für sütide niht haben wil 555,22, viir nihte hän 
42, 7. 2, 250, 4, daz machent si in zeinem tröste iDide ze freudcn 428, 28, 
du sult dich des niemer ze unscelden an gesagen lOO. 24. daz get dir allez 
ze fluoche unde ze verdampnisse 258, 29. 

Die Wörter, welche stand und amt bezeichnen, erhalten 
den artikel, wenn vom subject nicht die ausübung der tätigkeit 
oder der besitz der wesentlichen eigenschaften der klasse, son- 
dern bloss die Zugehörigkeit zu der kla.sse ausgesagt wird: 

etelicher wolte gerne ein gräve sin, sü muoz er ein schuoch<fiiter sin 
u. s.w. 14,4. 146,1. 271,14. 2,27,24.29; ähnl. 14, 10. 180,36. 234,18. 
247, 17. 2r)5, 3. 320, 13 u. a. Auch im griechischen würde in solchen fiiUeu 
nominales priidicat angewendet. 

Notwendig ist der artikel ferner, wenn das prädieat zu- 
fällige Charaktereigentümlichkeit bezeichnet: 

sin sun wurde ein munler \H>, 21 ft., ob er ein sumlcr w(tre 138, 18 uud 

Ueitmgc lur guchichle iler deuUchen •(irachc. XXVI. ^g 



338 ZIMMERT 

SO 40, 17. 43, 10. 55, 36. 59, 10. 62, 24. 71, 33. 104, 34. 115, 24 u. v. a.i) Bei 
subst. mit adj.: ich hin ein alter priester 161,2, ein yetriuwer kneht 110,9 
u. a.; beim substantivierten adjectiv: daz er ein dürftige s/n miieste 62,38, 
vgl. 323, 27. 342, 39 ; endlich bei sacbnamen : daz ez ein sclieyitlich wori ist 
55, 12, und so 79, 22. 82, 2. 99, 4. 18 u. o. 

Der bestimmte artikel bezeichnet die identität: ich bekenne 
dich wol, daz du diu hüniginne bist 118, 39, wer ist nü der 
acher? ... der schätz? (des gleiclinisses, also vorher genannt) 
140,5 und so häufig. 

f) Das accusativobject kann den artikel entbehren, wenn 
es nicht ein Individuum, sondern die gattung von dingen be- 
zeichnet, die von der im prädicat ausgesagten tätigkeit be- 
troffen wird. Es wird dadurch nur die richtung und art der 
tätigkeit angegeben, die häufig durch ein blosses verbum aus- 
gedrückt werden könnte {hüs haben = 'wohnen'). Diesen 
Sprachgebrauch als ausdruck einer 'gewohnheitsmässigen tätig- 
keit' aufzufassen, ist, wie die beispiele zeigen, nicht statthaft. 
Bei Grimm hat diese erklärung ihren grund in der vermengung 
derartiger ausdrücke mit stoffnamen und collectiven, die auch 
als object nur den allgemeinen für sie geltenden regeln folgen 
{bier brauen, frucht tragen etc., DWb. 2, 991). 

Beispiele : ampt hän 2, 27, 23. 28. 38 (er enhabe ein a. 23. 27), bihte 
hären 190, 26. 510, 26. 518, 22, e brechen 364, 9, hant anhaben 39, 28. 30. 
476, 30, Oberhaut geivinnen 82, 28. 241, 33. 246, 2. 363, 18. 394, 20. 496, 10. 
527, 35 (die oh. nemen Iw. 1537), herherge hän 261, 25, hof hän 203, 16. 
2, 212, 19, hüs haben 79, 15, hüfen machen = ' häufen ' 562, 34 (einen h. 39), 
kint geheren 377, 1 (wie ein maget ein k. gehcere 2, 235, 10), kint tragen 
2,109,33. 115,17, kröne tragen 120,11. 306,24. 2,239,9, market hän 2,2oS,B. 
messe frumen 3, 28. 25,33. 190,13. 332,20. 333,1.2. 501,20. 510,25. 516,15. 
23. 26. 563, 1. 2, 195,' 38 (messen fr. 516, 19), messe hoeren 4, 1. 206, 14. 323, 38. 
452,30.31. 493,6. 494,3.14. 503,30. 2,69,12. 230,13. 249,21 (rf/e m. 503,35, 
eine [zahlw.] m. 531, 3. 2, 27, 10. 257, 11), messe singen (sing., s. Mhd. wb. 2, 
1,160 a oben) 447,9. 460,5. 510,25 (nach mmer 351, 28. 2,223,46), namen 
geben 36, 20. 153, 15. 2, 228, 30 (sing. s. 551, 15), predige hmren 323, 39. 
493, 6. 2, 180, 14, mettin, prime, ierz singen 2, 131, 1, 2J/a«i behahen 364, 9, 
houbetsünde tuon 267, 5, State hän 304, 27 (öfter mit sin), teil hän 2, 272, 8, 
urteil sprechen, gehen 15, 28. 282, 21 (daz urt. 29), einem wort sprechen 
2, 29, 4, zeichen tuon (übers. Notk. Signum facis, also sing.) 323, 29. 

Nur mit adjectiven: guot bilde vorragen 134, 17. 143, 36. 2, 231, 2 (daz 
b. 541, 17); über reinez herze, übel zungen tragen vgl. s. 334, a. — ende hän 



^) Keine ausnähme ist 2, 171, 33 daz er ze allen ziten ginolf teil sin; 
das prädicat drückt deiitlich die ausübung der tätigkeit aus. 



DAS AUTIKKLL08E SUBST, MVA H. VON UEGKN8UUUG. 339 
11,2;}, uniini. (icwhiHcn iiiitli niimir, icmcr U/M. 11, [12. 102,30. 40H, 22. 

451, i). all, 10. ■)4(\,r.i. 2,0,14.1."). 120,18. ir,2,:{r), «ouHt äs, 2:5. 4H7, 12. — 

ein wird zugf.setzt, wenn zu ende ein adJL-ctiv tritt: ein unrchi (heilic etc.) 
ende nemen [)(),:i 2:50, 2:{. :«J7, 2!». 4K">, i:i. Ki. 4lil,()ff. .'/)*>, 19. 512,.%. 
560, 14. 2, Ui,3()..'{ü. 11), K;. 1H. 71, 12 (vgl. hezzer e. nemen 8H, 21 f., niemer 
reht e. n. 2,1\,\1), ferner nach einer zeitbcHtininiung: nw 29, 6. 30, 13. 
102,30. 408,21. .'')4r), 12 (ohne art. 47.'),.-)), schiere U/M). .08,24. '>'.),:>. :i31,:{2. 
431,1(1. .f)«.'), 11. 2, 120. IH, und anderen 224,34. 3K4, .35. 2, KU), 22, luodal- 
be.stininiung 115,2*!, ulier auch oline gruiid: dine titf/c sint tjezeli, <(a: die 
viite-en ein e. linn 4.50, 35. 2, 2, 13. 7, 17, Hogar nach niemer Hteht ein 5<j5, 11. 
2,152,35 und kein 11,24. 29,7. 59,0. 247,2. 331,33. 431,16. 2,5,12. 

Der artikel erscheint, wo ihn ein besonderer grund fordert: er treit 
die kröne 305, 24 (prieaterliehe Imartracht, l)\Vb. 5, 236H, (j), //• diebe, ir habet 
ouvh ein michel herberye 2(11, ItJ u.a., bisweilen aber aueh, wo er entbehrt 
werden könnte: di'i solt ein jifitnt von im ncmni 2.S0, ,'{!> f., daz ir eimn eit 
umb einitjrn h()l:(i}>l'tl snirt 2i')i\,'2^) ('er schwört jeder klcini;,'-keit wegen'; 
doch liat eit auch sonst stets einen artikel : 279, 13. 274, 9. 282, 9. 344, 22j. 

Inaut-r hei.sst es den sie an behüben 241, 34. 246, 18. Mhd. wb. 2, 2, 264. 

Dass der gebrauch des artikellosen Substantivs nur bei objecten raen.sch- 
licher tätigkeit sicli festgesetzt hat, zeigen folgende beispiele: da icolte er 
itn sine trillikitr niht binden (ds dem esel, der muoz den sac tratjen .50,24, 
also muoz der ohse den ua(fen ziehen oder den jjßuoc 296,4; ähnl. 13,12. 

Ausdrücke wie ttrloup nemen, seliadcn tuon etc. folgen den gewöhn- 
lichen regeln über die abstracta. 

g) Adverbialer accusativ. Au.s.ser adverbien, deren 
substantivischer Ursprung nicht mehr gefühlt wurde wie jen- 
halp, heim etc. finden sicli nur samztac naht 2, 159, 13, ferner 
halben wcc 3, 18. 17, 8. 374, 38, du)ch</niilen tue 255, 19, also 
subst. mit adj., vgl. s. 334, a). Wegen der coordination feiilt der 
artikel in (ar und naht 197, 14 u. ü. 

Den artiktd erhalten stets: die rihte fiir sieh yen 170,22. 171,3 u. ö., 
die girhe mute die slihie vorn 171,7, die lemje hin umhe gen 172, 2f), die 
teilen unde die breiten 393,27, die icile und alle die wile. — 'Den ganzen 
tag' hei8.st allen tac 35.25, allen den tac 2T,l H. 44H),29. 423,23; 'das giuize 
jähr' idhz daz Ja r 122,12; '<lie ganze woche' alle die n-orhen 269,9 u. ö. 

h) Artbestimniender genetiv. Ein genetivus posses- 
sivus wird oline artikel dem sul)stantiv vorangestellt, wenn der 
gegenständ, den dieses bezeiclinet, nicht einem individiiiim als 
eigentum ziigewie.sen. sondern durch angäbe der gattung. deren 
gliedern er zukommt, in seiner eigentiimlichkeit bestimmt 
werden soll, in des priestrrs handen 188,24. 458,11.20 be- 
zeichnet die bände eines bestimmten priesteix, desjenigen, der 
eben das messopfer daibringt, djigegen rc priesters handen 31,35. 

23» 



340 zrviMERT 

36. 162, 28. 298, 10. 29. 501, 34 meint überliaupt priesterliclie, 
d. i. geweihte liände, liände irgend eines priesters; auch hier 
könnte die aussage durch anwendung einer andern Wortklasse, 
diesmal des adjectivs, bewirkt werden. Neben dem für diese 
function hinreichenden gen. singularis finden sich auch einzelne 
artikellose genetive pluralis in gleicher bedeutung, die ich hier 
mit anführe: 

viit bischoves wthe 446,26, bockes bluot 2,143,39. 144,7, in fuoders 
tvise 46, 5, in sintß'iete ivise 84, 7. 87, 31, frouwen nanicn 2, 148, 34, an dem 
helle gründe 204, 14, die gebüres Hute 479, 32, herzen ivunne 2, 199, 1, ein 
edelez Tcüniges kleit 99, 19, in leien wts 2, 119, 26, den martelaere ivec 179, 13, 
mannes herze 245, 30. 32. 36. 246, 1. 20. 247, 11. 248, 7, under mannes künne 
208, 14, mannes gewant 325, 33, allez menschen künne 125, 25. 292, 7 u. ö. 
{allez menschlich k. 124, 6. 167, 16. 210, 11. 236, 17. 412, 39 u. ö.), menschen 
anhlic 223, 25, menschen Itp 2, 160, 8, m. fleisch 2, 147, 32, m. bluot 2, 147, 34. 
39. 148, 1, muoter barn 184, 5, ein ougen blic 223, 6, ein Schalkes herze 
, 229, 15, von vögelin sänge 389, 32, tvibcs herzen 114, 29, an den heiligen 
ztvelfboten tagen 268, 11, und so alle unechten composita. Das regierende 
subst. kann selbst im gen. stehen: daz er menschen bekorunge sicher was 
254, 29. 

Bei gleicher anffassung ist auch der generische artikel zulässig: dm 
amen klinget . . . alse des hundes bellen 109, 35. 195, 34, des menschen künne 
132, 21. 199, 10. 535, 16. 2, 45, 36, des mannes herze 2, 134, 14. 27. 135, 5, 
des menschen sele 98,35 u. ö., auch der unbestimmte: durch einer nadeln 
cere 164, 39, eine schüzzel als einer katzen vaz 91, 5, gleich darauf aber dln 
katzenvaz. 

Der bestimmte artikel erscheint ferner da, wo nicht die qualität eines 
dinges, sondern dessen träger, eigentümer gezeigt werden soll: des menschen 
frie tvillekür 66, 1 u. v. a., ferner bei individueller bedeutung des im genetiv 
stehenden Substantivs. 

Der seinem substant. nachgestellte genetiv bedarf in allen 
fällen des artikels (die s. 341 erwähnten partitiven genetive 
ausgenommen). 

i) Genetiv bei adjectiven: 

niht häres gröz 4:6,25. 529,19; dagegen mit dem zahlwort: eines vingers 
lanc 2, 265, 6, einer klaftern lanc 179, 35, eines häres niht schcener 438, 38. 

k) Genetiv bei verben: 

Niir dinges geben 16,4. 20,32 u.ö., und meines sivern2, 118,36. 1,446,13. 
Als prädicativer genetiv finden sich nur substantiva mit adjectiven : reines, 
lindes herzen sin, guotes m,uotes werden u. ä.; vgl. s. 334, a. 

1) Genetivus partitivus bei quantitätswörtern. Es ist 
eine eigentümlichkeit der älteren spräche, dass gattungsnamen 
im Singular als partitiver genetiv zu einem pronomen, quan- 



DAS ARTIKELLOSE SUB8T. HKI M. VON KEGEN8BURG. 3J 1 

titätswort (oder zur iief^atioii uUit) gesetzt werden können. 
Dabei felilt in der regel der artikel. Sehr d<nitlicli ist hier 
das Substantiv bezeichnung der ganzen gattung: 

irrlich ende ez neine und wetz enths dran (jeshi tniige H, 'J4. 10, 2G, luttc 
er in niht libes (jet/rhen 124.27, diu ni/tt rndcx hat 224,12; illinl. 451,9; 
daz selten u-ir ttn eil dintjrs 2115, 14; ähnl. '»72,0; oh du niht Lindes h'tst 
30<!, .'{4, sie treue niht mannes nenien 334,.%, ez get niht tveyes znn himel- 
riche uz der heidrnsrhuft 357,7. S, iraz frouiren ist dnz? 414,33, icaz 
iegelieher ambetes habe 2, 199, 9, niht teiles hän 2, 140, 9, habt ir atulers 
himelriches niht 2, <i8, 20, uaz zeichen tet er 2,207,27. 208, 1. 

licHoiKk're ji^iünde können den artikel fordern: «ö er der harpfen niht 
enhörte 1.%, 2H (der ^'enetiv Lünf^t wol von niht ab, vjfl. 27), ir tnutjet der 
(enrer) huolie niht ijebüiren 152,24, er (jibet der rehten tnä:e niht 151,4, 
ich (jibe dir des ruekes niht (von dem die rede war) 35!>. 17. 

m) Artikellose adverbiale genetive sind morgens or?, 10, 
nahtcs '61,\\. 1()S, 21 (nuch als substant. gefühlt trotz der un- 
organischen endung: des selben nahtes 115,21. 450,38), glkher 
u'ise 125, 7, ilankes, undanla's 2, 57, 1. 

Oeftor iiber nelimen solche au.sdrücke den artikel zu .sicli, und zwar 
nicht blos.s, wenn eine bestimmte ur-fuclie ihn fordert, wie 189,26 des 
(demonstr.) tages (am jüngsten tage), des tagcs, du sie sich tvul gerenret 
hete 228,22, des nahtes 324,10, 2,19,29, des morgens 2^)0,35. 2,19,29, des 
itbendes, du ich ... 370,12, des morgens an dem heil, karfrttage 370,2(5. 
2,62, 12, vierzic des ji'trea (generischer artikel in distributivem sinne) 258,7, 
vil des tages bl)ö, 12, sondern auch sonst: des morgens 10,21. 44, 17. 85, 19. 
163,15. 273,1. 324,29. 370.12. 467.8. 493,21. 571,12. 2, 47, Äi. 63,30, des 
nahtes 4S. 16. 4!», 32. 228, 23. :}24. 2. 356, 16. 409, 19. 21. 505. 4. 506, 27. 
547, 3. 553. 12. 2. 63. 30. .'{0, 14 (Gr. gr. 3, 13:1), des trinters 49, 14, des tages 
48, 16. 49, ;f2. 409, 22. 505. 3. 553, 12, des tages ttnde des nahtes 48. 18. 

Die adverbialen dative morgen, monte, dnheime etc., die instmmentale 
hittte und hinte werden nicht mehr als substantiva emi)funden; daher der 
ideonasmus hiide ze tage 163,25 u. o. .'"Jtets hat den artikel den tcnrten 
5, .T). 41.. 32 u. 0. 

n) Formelhafte präpositionalverbindungen.') .Vus- 
zusttndern A\\([ zunächst substantiva mit adjrctiven. welche, 
mit einer präposition verbunden, einen nominal- oder verbal- 
begi'iff bestinmien und so ein adjectiv oder adverb vertreten. 
Es ist dies die.selbe erscheinung, die s. 3:Vl,a betrachtet wurde. 

/// {mit) gesundem (siechem) liiic 112.21. 114.23. lll*. 6 u. o., du: kint 
trirt gebont mit offenem mttnde 159,28, mit lüterm (innigem, trürigem etc.) 

') Vgl. (JrafT. I)ie ahd. prilpositioncn, 1824. Knabe, Zar njrntax der 
mhd. klas-siker. a) die priljio.^itionen. Progr. de« dorog^nnnAiiinms la Magde- 
burg, 1874. 



342 ZIMMERT 

herzen 26, 3. 15. 43, 21. 109, 33. 269, 18 u. o., von ganzem herzen 2, 15, 34, 
in ivelscher, tiutscher zwngen 52, 3. 57, 31. 61, 9 u. o., mit hesunderem namen 
183,13, mit hluotigem swerte 2,100,10, mit hlözer {voller) hant 563,35. 
2, 145, 18 u. ö., üf trockem, lande 398, 38, üf guote gruntvesten bmven 44, 29 
u. a. Selten steht der artikel : In dem lebenden lihe 516, 16. 

Anderer art sind die eigentlichen präpositionalformeln, bei 
denen das ausbleiben des artikels nicht von der Verbindung 
mit einem adjectiv abhängt: 

ab ivege fliehen 37,27.29, 2,57,34, heizet bi namen Satiirnus 63,11; 
adv. bezite 33,20; biz mitte naht 547,5; heim gein lande 43,29, g.himel, 
helle etc. s. s. 325 ff. ; ein ros trtben in wagen oder in pfluoge 147, 31. 281, 32, 
in Jcintbette ligen 285, 20. 322, 19 {in eime k. 16, 14), swie si ein swester an 
orden in kJöster st 316, 14, in himele etc. s. s. 326 if., in tiusche, lattne 44, 4. 
46,15. 51,38. 52,2. 64,4. 165,24. 180,16. 423,16. 453,38. 2, 19,27. 63,31. 
174, 9. 235, 24 {in, der latine 520, 5. 2, 234, 31), in buochischem 44, 4, in 
kinttvesen 2, 12, 28, in anegenge 526, 10, adv. emvec 556, 23, inzit 2, 105, 12. 
113,3 u. ö.; nach ivtmsche 346,9, rehte (nach dem E.) 453,29; sit ane- 
genge der iverlte 1, 15. 2, 10. 48, 22 nnd so immer; sit mäles 314, 14 {sit 
des m. nnd ez dtn gemechede umrt 18); über lant 161, 17. 268, 13. 399, 1. 38. 
400, 7. 563, 15, über mer s. 329, über dank 488, 9, über alter (altar) kamen 
(nach niemer) 2, 223, 46, naht 32, 10. 90, 11. 16. 546, 32. 563, 17. 19, winter 
79,27, reit 268,13; üf pfant Wien 438,7, üf erden, ertriche s. 328. 331; 
U7nbe mitten tac, mitte naht, fcsper 63, 24. 25. 362,15. 2,131,10, imibe 
pfennie geben 2,30,33.34; und er hant nemen 319,10, henden (individuell) 
479,12, under tvegen 289,10. 388,5. 563,11. 2,244,20, ivilen 401,1b; unze 
naht 324,1, morgen 393,22. 547,5; üzer toufe heben (artikel? touf lieht 
ihn, doch bevorzugt Berth. das masc.) 313,24. 27. 32 f. 314,11. 315,2 {üz 
dem t. 314,1. 315,11); von anegenge der iverlte 61,27. 103,5. 194,4.12. 
227,38. 250,8. 278,17. 339,10. 370,15. 372,23. 409,36. 410,17. 505,22. 
535, 32, des lebens 196, 17, von kinde 35, 13, kinthcit 44, 27. 539, 38, kint- 
wesen 45, 3 {kintUcher jugent 44, 1), herzen 277, 6. 344, 18. 23. 26. 370, 29. 
573, 33. 2, 122, 11 {mit dem h. 12). 199, 7, v. primezit her ze sexte 10, 21, 
V. Oriente ze occidenie 392,36, heime 2,97,13, v. latine ze diutsche 423,11; 
vor gerihte 282,30, ougen 481,13 (ebenso metaphorisch vor diu ougen 
füeren 2, 20, 11), adv. vormäles 313, 10, Vorteiles (vor der teilung) 379, 17. 
2 187,5.11; ivider äbent 63,21.24, w. berc fliesen 397,28; ze acker gen 
269,27.39, ze banne tuon 129,30.39. 130,11. 364,10. 452,28. 530,35. 531,11. 
2, 230, 6, ze bihte komen 568, 27. 571, 27. 2, 224, 6, ze bodem 505, 10, ze 
ende komen 131, 12. 212, 20. 230, 4. 265, 6. 289, 9. 396, 32. 409, 34. 410, 17. 
414, 26. 429, 7. 442, 13. 26. 2, 66, 10. 102, 9. 174, 7. 183, 10. 203, 12 (sämmt- 
liche nach nie etc., vgl. ende nemen s. 339), ze gevancnisse angrifen 530, 37, 
ze handen komen 463, 9. 572, 18. 2, 207, 37, ze gerihte 2, 193, 33. 194, 4, ze 
herzen gen 467, 12, ze Mise {laden etc.) 6, 25. 330, 35. 544, 13, ze hüfen legen 
426, 23. 562, 27. 32 {zeinem h. 563, 9. 2, 64, 26. 202, 27), ze kirchen gen 102, 8. 
444,27.30. 466,35. 2,101,6, ze messe, predige{n) 5,16. 61,38. 102,8.21. 
249, 23. 269, 15. 392, 1. 444, 28. 31 (A). 466, 35. 493, 30. 516, 37. 532, 30. 



DAS ARTIKELLOSE SÜB8T. »KI U. VON KEGENSBURG. 343 

2,27,30. 203,19 (pred. decliniert stark 444, 31 und schwach 444, 27), ze 
Opfer (Jen 2, 142, 22, zalter (altar) 2, 2<J8, 17, ze liehte trugen 52, 29. 30. 
350,26. 2,98,30. 102,33, zuttyen :i,-A),2ii, hin ze morgen 'M,'.ii}, M«/t< 2;J0, :^ö. 
324,11. 35(i, 14. 31)3,21. 540,37. 2,225,14, rüte 5(K),24. 2,90,20 u. ö., hiz 
ze tage 547,0, ce löilc (sldhcn etc.) 15.9. 4<), 37. 43, H. 92,4. KJ, 38. 117, 2(]. 
128,2. 184,5.0.21. 200,20. 200,37. 207,9. 274,3. 349,12. :i<;3, 3. 427, 29. 
4.54,20. 405,29. 524,14. ;V)7, 27. 2,07,20.30. 71,23. 198,27. 229,21 {tot 
liebt soust den artikel); ze veUle varn 37,34. 175,38; — ze (wo?) veUle, 
wähle, holze 503,33. 2,230,10. 252,27, dorfe 2,118,39. 119,3; hie ze lamle 
57,33. 58,8. 314,31. 2,24,9.10. 230,7 (in diesem 1.), ze tiittsrhem lande 
52,1. 58.1, plur. 2.205,18, ze kirchen 31,30. 8.5,28. 102,12. 17.5,10. .5:^2,1. 
2,191,4. 2r)0, 30, ze stnUe, tische, bade 2,191,4, ze äder län 2, 2<x;, 13, ze 
munde 2,204,30, ze banne sin ,530,38. 531,10, ze wazzcr unde ze bröte 
vasten 2,235.28; ze markte sti'n 31,30. 200,21. — ze naht 103, 15, ze mitter 
naht 393, 4, biz ze tage .547, 5, hiute ze tage 103, 2.5. 173, 'M. 174, 3. 270, 12. 
38. 289,27. 489,31. 492,39 (zem t. distrib. 'jeden t.' .503,26), ze mitten tac 
2,240,26, ze jiire 330,11, ze mettin 500,7. 2,233,5. — ze e 2,218,24.28. 
262, 15, ze une 2, 187, 36. 199, 29. 229, 9. 262, 15 (sonst immer zer e, zer une 
1,278,8.30. 279,5. ;J07, 22 u. o). — ze tiusche 44,3, latine (il, 9. Zu ad- 
verbien erstarrt: ze tat, berge, male, rehte, not, zite, hant, stiint u. a. Nicht 
hierher gehören ausdrücke wie ze löne geben, sich ze icer setzen u. s.w., da 
Stoffnamen und abstracta in allgemeiner bedeutung des artikels auch sonst 
entraten, vgl. s. 352. 

Einige dieser Verbindungen dulden den artikel auch in 
fällen, wo eine stärkere individuelle beziehung nicht erwie.sen 
werden kann: 

über daz mer varn 399, 38, üz dem totife heben, in eime kintbettr, 
zeinem häfen legen s. üben, zuo der predige gin'l.'Sä. 3,32. 414,11. 444,27. 
30. .532,21. .5« i3, 13, zer knchen gin A,\. 208,39. 209,4.11. 378,1. 414,9. 
467,10. 470,0. .%3, 12, zer messen 249,23. 459,8, zer Awrc/ic» (wo?) 255, 20. 
273, 1. 322, 1. 3!>7,3. 448,35. 4<iO, 1. 493, ;i3; zer predige 4<')0, 1; zer strdze, 
zem tische 322, 1 ; vgl. das schwanken bei von und ze himele, gein, von, ze 
helle, üf erden, gein, in, umbe, von ze himelriche, üf, von ertriche s. 325 ff., 
ze herzen (s. oben) und zem herzen gen 427, 2, ze opfer und zuo dem opfer 
gen 397,2. 

Andrerseits haben manche der oben aufgezählten artikel- 
lost'U fornu'ln deutlich individuelle bedeutung: hie ::c lande, 
hiute ze tatjc, heim ijvtn Unide, da . . . 43, 13. 

Ferner lä^st Ik'rth. den artikel zu, wo ihn (nach den 
Wörterbüchern) andere denkmäler sparen: 

bi der naht 48, 9. 49, 1. 101, 10. 12. 401. 11. :aM\, 0. 13. .539. 19. 2. 30, 19. 
bi dem tage ■iH, 10. 2.S. 101, 11. 393, 1.5. 401, 12. 50«J. 0. 16. 539. 19. 2.30, 16. 
von dem tische gähen 91,15, zem tcine gen 2^'.i,'d, ligen 19,35. y2, 5. 469.14 
(ff ec. Wcinsthw. 309), under diu ougen sehen .'>:il,27. 2.40.20. 209,25, zer 
mettin fliegen 137,38 (vgl. Nib. 945,3. 1189,4). 



344 ZIMMERT 

Daraus geht hervor, dass für die Setzung und auslassung 
des artikels nicht die bedeutung des Substantivs allein ent- 
scheidet, wenn auch nicht zu verkennen ist, dass die eigen- 
tümlichkeit der artikellosen formein vielfach in einer all- 
gemeinen, sogar bildlichen auffassung des Substantivs besteht 
(z. b. ze tische, under wegen, von Jcmde). Dass vielmehr noch 
ein anderer umstand in betracht zu ziehen ist, zeigt die tat- 
saclie, dass dieselben substantiva, welche nach ge- 
wissen Präpositionen keines artikels bedürfen, den- 
selben nicht entbehren können, sobald sie mit andern 
Präpositionen verbunden werden, 

ze liehte tragen und an daz lieht tr. 52, 31. 2, 77, 33. 235, 2, an dem 
liehte (= in der öffentlichkeit) 2,70,24; ze velde (ins freie) 175,38; an daz 
velt 119, 16. 29. 122, 23. 32. 2, 117, 24, an dem velde (gegensatz zur Stadt) 
303, 9. 2, 3, 7, üf daz velt 119, 24. 467, 14, {(f dem velde 176, 1. 236, 16. 
269,12. 303,23. 347,21. 451,20. 479,23. 2,70,34. 222,41; zende: an ein 
ende komen 401,30, an daz ende 424, 10. 2,237,7; ze kirchen: in die k. gen 
201, 28. 493, 21, in die k. unde ze opfer 2, 142, 22, in der k. 408, 11. 448, 23. 
30. 460, 5. 533, 33. 2, 142, 19. 252, 35; ze mettin: in der m. 21, 8; ze markte: 
üf den market 2, 48, 21. 253, 25, an einem m. 2, 180, 19; M namen: mit dem 
namen 418,8; ze ivalde: in dem w. 478,9. 506,39, in einem w. 446,27. 
543, 13; ze sträze: üf der str. 514, 31; ze töde slahen: in den t. geben 528, 26, 
an den t. sich geben 422, 12. 523, 24, an dem t. ligen 42, 36. 522, 25. 534, 36. 
2, 34, 37. 47, 18. 48, 3. 7. 16. 62, 6. 20. 22. 63, 32. 64, 4. 10. 23. 65, 18. 22. 143, 
24. 28. 35; ze banne sin = in dem b. 121,22. 530,33. 2,121,18, bi dem 
b. gebieten 2, 16, 7; sit anegenge; M dem a. 80, 37. 81, 21, an dem a. 230, 27. 

Die bedeutung der präposition kann schwerlich einen ein- 
fluss auf den gebrauch des artikels ausüben; wol aber scheint 
hier die geschichte der präpositionen in betracht zu kommen. 
Die präposition an, welche im ahd. vor Notker als präposition 
wenig im gebrauche war (Graft s. 68. 73), bildet fast gar keine 
artikellosen formein. Bei Berthold findet sich nur einmal an 
himelriclie 2,266,9 (nicht ohne Widerspruch der hs.); in der 
reichen Sammlung von Knabe fehlen sie gänzlich, überhaupt 
sind sie im mhd. selten (aus dem ahd, führt Graff s, 76 ff. einige 
beispiele an). 

Deshalb heisst es an den tae komen 182, 19 (vgl. nhd. zu tage treten), 
an einem rate sitzen 2, 230, 39 (= ze rate), an daz herze gen 428, 18 (= ze 
herzen), verzaget an dem herzen 39, 11 (vgl. von h.), an der sträze 406, 6. 
2, 101, 29, an dem blatte sten 62, 32. 122, 29. 209, 11. 471, 18 u. ö., an einem 
tanze hupfen 2, 242, 25, an die iväge läzen 546, 35 == ze ioäge setzen Wb., 
ausdrücke, statt deren artikellose formein sehr wol denkbar wären. 



DAS ARTIKELLOSE 8ÜBST. HKI h. VON REGENSHURfJ. 345 

Wenn also mit ciiuT jünfj^civu {Ji-äposilion solche fonnoln 
selten ji^el)iliiet wcnleii. so iniiss man sclijiessen, dass sie aus 
älterer zeit überkommenes j2fut. also etwas }::ep:el)enes, ferti{r<'s 
sind. In der zeit, da das Substantiv des artikels noch nicht 
bedurfte, schlössen sich in manchen häutip:«*r gebrauchten aus- 
drücken Substantiv und präposition in der aussjirache so enge 
aneinander, dass sie gleichsam ein wort bildeten. So haben 
sie sich als feste formel der späteren regel, die den artikel 
verlangte, auch in fällen entzogen, wo die bedeutung des Sub- 
stantivs eine individuelle ist: 

viir get ze herzen, hie ze lande, hiitte ze tage, du snlt gein im üf- 
springen, so er ge hin ze hiise 330,3.") (zn deinem hau.sc), aller itngestult 
ist eine an iuch niht, xceder under ougen noch sus 228, 8 a. 

Eine folge der engen Verbindung mit dem Substantiv war 
die vocalerleichterung mancher präiiositionen in vielgebrauchten 
formein {hchindc, enucc, cnoutve, cnhant etc.). 

Dass wir es hier mit einer rein gewolmheitsmässigen, 
formelhaften festhaltung eines älteren Sprachgebrauchs zu tun 
haben, dafür .si)richt auch die tatsache, dass Wörter wie himd, 
helle, erde, tot, die sonst im mhd. als bezeichnungen notorischer 
dinge stets den bestimmten artikel verlangen und einer be- 
grifflich allgemeinen auffa.^sung nicht fähig sind, nach manchen 
Präpositionen ohne den artikel ei'scheinen können, weil sie in 
älteVer zeit seiner übei-haupt nicht bedurften (Knliuann ij i!5). 

In manche Verbindungen drang der artikel doch allmählich 
ein, daher das schwanken in einzelnen dieser redensarten. 

o) Toordinierte substantiva erhalten sehr häufig 
keinen artikel. 

So werden Synonyma in f(jrnielliafter rede neben einander gestellt: 
geriht unde gewalt 18,25. ö<), 14 u. ö., liegen unde triegin 1<!, 8, gedinge 
und huffennnge l(»ö, 33 n. ft., oder es werden teilbegriffo verbunden, um 
über die gesaninitheit auszusagen: die sterne habent kraft über büutne und 
über winiraJiS, über loup unde gras, über kriit und würze :A\ 10, tac unde 
naJit = zaJler zit 88, 8 u. o., tac noch naht 20, 21» u. a. 

Ihibei können die einzelnen substuutiva fUr sich in individueller be- 
ziehung stehen: der rihler sul im hüt und här abe heizen idahfn 2n7. 18 
(fehlen de.«* das pos.se.ssiv vertretenden artikels), nü ist man und irip tot 
(Adam und £va) .340, 3Ü, die nagele giengen im durcli )\eiule uiule durch 
füeze 358, 15. 

Aber nicht bloss wo Über die gesaramtheit an.sgesagt winl. sondern 
auch wo die einzelglieder hiitteu hervorgehoben werden sollen, kann der 



346 ZIMMERT 

fiitikel fehlen, so sehr war man gewohnt, ihn in solchen Verbindungen zu 
sparen : so ist ein ganzer friäe zivischcn libe unde seh 241, 29, nennen ivaz 
frotnven unde man habent 256, 16. 

Am häufigsten stellt tmd die Verbindung her: l/p und sele 6, 19. 35 
u. 0., Übe (dat.) unde sele 179,2. 481,33, an libe und an sele 47,24 u. c, 
berc und tat 399,2 u. v. a. — an libe oder an gnote 27,38, böume oder 
icalt 204, 37 u. a. 

Bei iceder — noch könnte auch die negation der grund der artikel- 
losigkeit sein: ir sult davon nihtes niht nemen, icedcr ei noch sin wert 
26, 29, iceder güsse noch loint noch regen 44, 33, weder ganzen tac noch halben, 
weder wile noch stunde 281,29, und so 76,16.28.34. 225,16. 257, 33 u.v.a. 

Auch bei fehlender coujunction kann der artikel ausbleiben: er rihtet 
über houbct, über ougen, über Zungen, über hant 2, 19, 10, der bäbest noch 
engel, noch bischof, noch priester 2, 63, 3. 

Nicht allzuselten ist der genetiv solcher Verbindungen: der scelikcit 
libes unde sele 18, 2. 322, 22. 345, 26. 350, 11. 434, 10. 457, 8, vgl. 9, 36, 
18, 18. 20, 4. 35, 26 u. ni. 

Beim plural bleibt der die gesammtheit, die klasse als bekannt kenn- 
zeichnende artikel aus : jüden, heiden unde kctzer 2, 34. 3, 35 u. o. 'Alles 
schwebt auf nichts': berge unde wazzer und weide 80,7, vgl. 18,27. 142,31. 
34, 35. 349, 12. 2, 119, 2 u. a. 

Hierher gehören auch sixbstantiva, die durch ez si — oder verbunden 
sind: oh dir dhi h'nt niht volgen ivil, ez si stin oder tohter 26, 28, ez si wi}) 
oder man 228, 13. 252, 3 u. c, ez si got oder Hut oder ander dinc 267,34; 
andere 255, 26. 273, 4. 305, 14. 340, 24. 377, 36 u. m. Die auffassung Erd- 
manns (§ 22 ez wcere künic oder roch), dass die prädicativische function 
den artikel hier entbehrlich mache, scheint zwar eine bestätigung zu finden 
an ausdrücken wie e r si rieh oder arm, frouwe oder man 12, 17. 66, 10. 
377,35, du sist man oder wip 3il,26, vgl. 313, 8. 28. 314,33. 437,35. 477,14. 
510,11. 2,37,11, allein dem steht entgegen 72,35: er si mörder oder 
ebrecher; denn nur Wörter, die einen berufsstand, eine würde oder das 
natürliche geschlecht bezeichnen, dürfen im prädicat ohne den artikel ge- 
braucht werden (vgl. s. 335, e). Vielmehr ist die formelhafte Verbindung der 
alleinige grund ; das alleinstehende Substantiv erhält in ähnlichen Wendungen 
den artikel : wcch, sprichet ieglicher (wenn es sich um einen mann handelt) 
... oder ist ez ein loip, man sprichet daz selbe 107,4, ist ez ein frouwe 
geivesen 315,10. Ferner erscheint er bei fehlender conjunction: ez si der 
Zimmermann, ez si der smit 90, 14. Dass wir es hier gar nicht mit prädi- 
caten zu tun haben, sondern ez si — oder als conjunction beliebige Satz- 
teile verbindet, zeigen folgende beispiele: dii solt dich niht anders under- 
winden, dan daz du gesehen oder gegrifen mäht, ez si wunden oder gesiver 
oder gestözen oder geslagen 154,26; daz eine sint alle die ir magettuom 
mit der e verlorn hänt, ez si man oder frouwen 330,18; ähnl. 223,13 a 
{fromm A); da muoz ez dir zweinziger ivert drumbe arbeiten, ez si an 
spinnen oder an tvingarten arbeiten oder an dinem hopf garten 108, 17; vgl. 
54,32. 122,1. 171,37. 218,2. 501,11. 2,118,9. — Wirkliches prädicat ist 
aber anzuerkennen, wo statt des ez ein er, du, daz, der u.s.w. erscheint; 



DAS ARTIKELLOSE SUBST. «KI H. VON REOENSBUHO. 347 

aber auch dann ist nidit die prädicative function die Ursache der artikel- 
losigkeit. 

Auch auBdrücko, dio nur ciiniial vorkoininonde gegenstände bezeichnen 
und sonst rogelmiissig mit dmi urtikel eniclioinon, entbehren ilin bisweilen 
(nicht immer) in der courdiniition: 8. 8. U'Jö f. 32J> f. iWJ; dazu urdtr tiurd 
noch vegefiwer 170, 24. Doch zeigt sich immerhin da« bodilrfnis nach dem 
artikel: weder bruoder, noch tihliet, noch biscliof, noch der l/übest 2/2!'24,'ii'J, 
in der iihte noch in dein Ixtnne 121,22. 
Sonst finden wir den nrlikel: 

1) Wo die beiden «flieder nicht einen gesammtbegriff ausmachen, son- 
dern in zufälliger verbiiidinig stehen: wn: hele er dure/i (jot tjeWizen? ein 
netze und ein schiff'elin 2(!, 12, in dem diln oder in der leitnt .'JT), (!; vgl. 
32,23. 35,7.22. 44,31. Hß, 15. 111,37 u. a. 

2) Bei loserer aneinanderreihung: dar umhe den lip rerliusel und die 
sele dar zuo 3o, 23, der sele unde dem Übe ouch 173,36; vgl. 49,2. ÖO, 3. 
119,3(). 108,11. 1<)1,7 u. a. 

3) Bei gegensätzlicher hervorhebung der einzelglieder: ir sult sie von 
eininuier le(jen diu knehtelin unde diu di) rnrlin [iC>, 1, die niderlcnder unde 
ilie oberlender sint (jar untjeli(h2i')0,3H; ähnl. .30. 2."j5, ö, er (jap die wisunye 
des tagen (durch wölken) unde des nahtes (durch die sterne) 4H, 19. 

4) Wenn die einzelnen glieder bestiramungen bei sich haben, jedes für 
sich oder beide gemeinsam : über die vogel in den lüften und über diu tier 
in dem walde öO, 12. 2'.Hi, 1.'), durch den haz unde durch den nit, daz er . . . 
200,37. :{;W,27 (befremdlich, wenn richtig überliefert, ist 209,28: daz kini 
von dem rater oder bruoder von der swester). 

5) Vm misverständnissc zu vermeiden: die reinen vienschen unde die 
engele 377,5; reinen gehört bloss zu menschen. 

(5) Wo eine besondere nötigung dazu nicht vorhanden ist, in Verbin- 
dungen, die sonst häufig ohne den artikel auftreten oder ihn wenigstens 
entbehren könnten. Er steht dann entweder: a) bei beiden gliedern: des 
ersten an der sele und an dem jungesten tage an dem libe «»// att iler sele 
2H,23. 120, ;i5. 100,13 (.lieselbe Wendung ohne den artikel (;4, 1!>. 71, 3!» f. 
IK), 5. 93,24. 123, 13. 139,3 u. o.), gut gesihuof die enget unde die menschen 
!>5, 8. 101. 20 ((dine art. 9«;, 18. 20. 22 u. ö., beide enget unde menschen 95, 18; 
l>eide hat keinen einfluss: der artikel fehlt wie 37, 17. 178, 17. 188, 37. 28»), 7 
u. ü. oder erscheint 14«), 11. 178,8); — b) oder bloss beim ersten: ir müezet 
des libes sorge hän und eren unde guotes 224,37, sä mit dem litte höhver- 
ticlichen getx'iren, so mit ahsetn, sä mit houbete, sn tnit gange .")15, 3; vgl. 
9.'i, 20. 2, 7<>, 2.'). 111, 13. 202. !<!, namentlich ein der irmizcn verl)indung ge- 
meinsamer artikel: die beiden, Juden unde ketzer llti, 34; vgl. !»1>, 4. lifJ, 15. 
KW, 24. 29. 150, 8 n. a., auch bei vcrscliiedenem geschlechte: einen kneht 
oder diente 273, 19, an dem libe und an sele 507, 32; vgl. 554, 10; — c) oder 
beim zweiten: ze libe utule zer sele 157,3. 506,5 (14 ee libe unde ee sele); 
vgl. 2:k), 27. 411.1. 

.Mehrgliedrige verhalten «ich venwhie<len : ireder wolf noch der are 
noch der ber 42."), 9. die hungrigen unde die durstigen umle die naekelen 
unde die eilenden 108, 33, Juden unde beiden uiute die ketzer 455, 19. Häafig 



348 ZIMMERT 

zeigt sich dabei Vorliebe für paarweise gliederung: ein schedelicMu Sünde 
libes linde sele, der eren unde des guotes 279, 11 ; vgl. 82, 19. 145, 2. 146, 11. 
188, 37. 361, 18. 522, 36. 526, 26. 

Die präpositiou wird gewöhnlich bei allen gliedern wiederholt; aus- 
nahmen habe ich, freilich ohne mich eigens darum zu bemühen, folgende 
gefunden : gein gote unde der iverlte 35, 13, über loup unde gras 50, 10 ; 
andere 88, 28. 139, 4 A, 360, 6. 431, 10. 466, 22 (vgl. 26), 548, 12. 2, 239, 31. 

p) Wenn die aussage nicht den gegenständ, den das Sub- 
stantiv bezeichnet, sondern das wort als solches betrifft, so 
kann der artikel wegbleiben: 

Sehr häufig nach heizen: diu vierde sünde heizet übel zunge 83,30. 
2, 71, 33. 230, 33, so fürhtent sie allez einz, daz heizet predige 201, 25, daz 
wort, daz da heizet tvitewen 336, 26, witetve daz ist ir name 330, 27, Homo, 
daz sprichet mensche 404,24, sie hiezen in meister 145,13, engel sprichet 
in kriechisch ein böte 2, 174, 9. — BisAveilen findet sich heizen in ab- 
geschwächter bedeutung als copula: diu erzenie heizet (= 'ist') diu heilige 
firmunge 299, 39; ähnl. 307, 19 (vgl. ist 297, 39. 300, 29 u. ö.). — Aus dieser 
ähnlichkeit mit der geAvöhnlichen prädicativen satzform ist es zu erklären, 
dass wie beim prädicat, so auch nach heizen etc. der artikel häufiger gesetzt 
als weggelassen wird, auch wenn das verbum seine volle bedeutung hat: 
Jovis pater heizet ein helflich vater 57, 35. 2, 236, 10, Assur qui interpretatur 
ein forst 204, 16. 18, und so 73, 4. 85, 25. 140, 10. 171, 2. 205, 18. 402, 21. 
403, 6. 18. 2, 101, 1. 18. 26. 102, 2. 109, 1. 22 u. ö. 

Der bestimmte artikel erscheint unter denselben bedingungen wie bei 
gewöhnlicher bedeutung des wortes : der ander sterne heizet der mäne 53, 20 
(s. 325), ir heizet in den morgcnsternen 63,20.21; ähnl. 2, 234, 18; der heizet 
der meier oder der schuUheize (bekannte person) 115, 6 und so 37, 24. 87, 37. 
93,4.5. 95,3. 126,29 u. o. Im gleichnis ein: got heizet die kristenheit ein 
himelriche 2, 185, 8. 15. 186, 18. 32. 238, 5. Ueber völkernamen s. s. 323. 

q) Der plural erhält im allgemeinen keinen artikel, wenn 
eine dem hörer noch nicht näher bekannte mehrheit von dingen 
in die rede eingeführt wird: wölken giengen über in 48, 16, ir 
sult gen, da gevangene Hute ligent 269, 22 ; andere beispiele auf 
jeder seite. 

Der genetivus partitivus erhält keinen artikel, wenn das 
quantitätswort vorangeht: 

vil (sivaz etc.) guoter dinge 3, 27. 134, 36 u. o., vil Hute 118, 30. 135, 30 
u. ö., waz Hute sit ir? 185, 3, niht tugende 98, 6. 11, vol stricke 39, 36, 197,26. 
408, 17. 474, 14. 2, 138, 15, sibenzehener lei boeser zungen 83, 3 u. v. a. Geht 
aber der genetiv voraus, so kann der artikel zwar fehlen: Übernamen hat 
sie vil 93,2, ztte genuoc 322,8; vgl. noch 2,35,37. 215,4; häufiger aber 
wird er gesetzt: der Hute vil 130, 36. 171, 31. 235, 33. 281,3. 284,3. 2, 124,26. 
125, 7. 126, 38, der engel hundert tüsent und ahtzic tüsent menschen 117, 25, 
der löuber ist gar vil . . . die vil löuber hänt 159, 30, vgl. 159, 34. 379, 19. 



DAS ARTIKELLOSE SUBST. IJF.I H. VON UEGENSBURG. 340 

401,28 (vgl. 30). 474,27. 2,89,30 (iilmlicli li.-i tmlt \<r\. h. 32')). Dassolbe 
zeif^t sich bei freierer stelliiii).f de.s gtnetivs; al.so eiiierseita wie ril der 
vicnsche siotden ht'it ö, 3, als )intnir tüseiil ji'tr als tropfen in dem mere ist 
72,33. 82,34. 221,7. 257,7. 2, 14!), 22. 244, (i.l!); y^l noch 45,20. 8-1,27. 
239, 13; anderseits: der sUnden icirt mer dan}ic buume oder unlt este haben 
204, 37. 

Ob beim vorjiu.^g'cstellti'n p^eiietiv der artikcl den zweck 
hat, die tiexion deutlicher hervortreten zu hissen (was beim 
nachgestellten unnötig ist), wage ich nicht zu entscheiden.') 
Dafür zu spreclien sclieinen sätze wie 212, 24 Icyclicher sümh-n 
ist noch mCre und 212, 2 rindcnt sie tätlicher sündcn i\f im, 
u'cnic oder ril, wo diese function schon von der starken Hexiun 
des adjectivs ausgeübt wird. Untersuchungen über die spräche 
der folgenden Jahrhunderte müssten zeigen, wie alt diese dem 
nhd. eigeutüniliclie Verwendung des artikels ist. 

Statt des genetivs beim (juantitätswort kann das Substantiv 
auch der syntaktischen fügung des satzes eingegliedert werden: 
vor ein iccnicliutcH2Si,:iS] vgl. 134,11». 147,17. 154.22. 171, l.j. 
20. 173, 13 u. a. 

Formelhafte präpositionalverbindungen sind: itndcr tccyen 
lün 28'J, 10. 388, 5, der tvirt von oiKjcn so hase 52. 3G, zc statcn 
homcn 18,2, zc hundcn komcti '2^)0, IVA. Dagegen felilt bei aus- 
drücken wie bi (juotcn icitzen 381, 14, mit triuiccn, freuden, 
nach (jcnädcn, zc huldcn etc. der artikel aus keinem andern 
gründe als sonst bei idurahMi. 

Da dem singular mit unbestimmtem artikel der artikellose 
plural entspricht, so ist das fehlen des artikels regel beim 
prädicat in der mehrzahl: sie sint itd törcn 2, 2t» ff., ir iccrdct 
ze uiscn liutcn 5, 38 u. o. 

Beim artbestimmenden genetiv schwankt dei- gebrauch: 
in tclrt weder rliutc lün noch tcitewen Ion, in wird der uescher 
lön nndc der neseherinne :5."^7, 20, den wirt der ('Hute lün 38; 
Vgl. s. 339). 

') Aach der objective tr<*»etiv erhält bi.sweileii den nrtikel, obwol eine 
Qubcstininite nieni^e aU neue vunttellnn^c ein^^eführt wird : euo den kindcit, 
die der tjense htietent 40:i, 34 (nhd. 'f^iinse hüt«n', weil acc.) sircnne ir der 
güiulen muot tjewinnet 241,24, wilhrend ila.H iidject. den urttkel entbehrlich 
wacht: mrenne dir ubeler dinge ze muote wirt 348,8. 11; T(;l. 241, 11.31. 
34.36.38. 117.34 a. a. 



350 ZIMMERT 

Selten wird dem plural ein beigegeben: seinen ztten 2, 37,2. 
71, 22. 255, 14, vgl. s. 337. 

Der bestimmte artikel wird gesetzt, wenn von dingen 
die rede ist, die dem liörer wie dem redner schon bekannt sind. 

Z. b. Avenn sie vorher in die rede eingeführt worden sind: diu Meinen 
st iudelm 37,10 (eingeführt 37, 2) ; vgl. 6, 19 : 34. 42, 18 ff. 88,8:5 u.v.a. 
Auch wenn sie noch nicht genannt sind, sofern nur durch den ganzen Zu- 
sammenhang ihre Vorstellung nahe gelegt ist, so dass bei der ersten erwäh- 
nung niemand über ihre art und bewantnis im zweifei sein kann: daz du 
hast (jekoufet korii oder ivhi . . . rmde du im die pfemiinge (die kaufsumme) 
drüf (jcehe 73, 25, ^) so mac ez taufen swer ez ist, der diu wort (die zur 
ceremonie gehören) ze rehte kan gesprechen 127, 13. 15, als verre ir die (von 
euch bewucherten) litite ivizzet 119,13. 224,26; vgl. 184,25. 217,1. 286,20 
u. a. — In possessiver beziehung: eteliche sint üzsetzic an den hiusern 
121,7.24, vgl. 127,6. 195,13. 198,27 u.a., besonders beim dativ: dir 
hangcnt die schuohe von den füezen 368, 37. So erhalten benennungen der 
körperteile gewöhnlich den artikel. 

Oder der artikel weist auf allbekannte dinge: die Sternen 2, 19. 27 u. o., 
namentlich auf gewisse kirchliche oder biblische Vorstellungen: als man 
diu kriuze treit an sant Markes tage 322, 17, in der künige buocJie 230, 24 
u. a. Oder er weist auf die ganze klasse von gegenständen oder personen 
hin, über deren gesammtheit ausgesagt werden soll, während das fehlen 
des artikels eine beliebige, unbestimmte anzahl andeutet. Beispiele allent- 
halben. Nicht immer sind sämmtliche Individuen der gattung gemeint, es 
kann sogar eine ganz beschränkte anzahl sein, deren tun der gesammtheit 
angerechnet wird: 

einer frouicen, die wolten die jüden versteinet hän 353, 24 (nhd. ' die 
Franzosen haben das stück ausgepfiffen', wo nur ein teil der Pariser ge- 
meint ist) 2, 16, 24; vgl. 551,33. 2,8,28. 23,1. 198,12. — So bekommt 
Hute häufig den artikel, ohne dass ein besonderer anlass ersichtlich wäre : 
die den Unten schedeliche fuoter snident 121, 27, mörder, die da die Hute 
tcetent 154,22; vgl. 106,38. 147,38. 206,12. 226,36. 256,39. 287,8. 303,31. 
348, 16. 403, 8. 457, 26. 477, 7. 478, 37. 530, 26, besonders von der mensch- 
lichen gemeinschaft im gegensatz zur einsamkeit: bi, ze, von den Hüten 
530,26. 533,17. 552,32. 2,118,12.27. 119,12. 230,24. 249,17. 258,6. 268,12. 
Andrerseits fehlt bisweilen der artikel, obwol sich die aussage auf die ganze 
gattung bezieht: also müezent geistliche Hute des almuosen leben 18,22, 
geistliche rihter sullen sie villen 267,15; vgl. 144,22. 209, 3 (mit art. 215,36 f.). 
2, 186, 21. 22. 36. 187, 15. 17. 202, 12. 15. 16. 38. 255, 34. 

In verkürzten nebensätzen, die mit ivan, danne, äne eine 
ausnähme einführen, ferner nach niwan fehlt gern der artikel: 



1) Das komma nach gap 24 muss fallen, wenn sinn in die stelle kommen 
soU, vgl. 438, 16. 



DAS ARTIKKLLOSE SUU8T. HKI U. VON UKGENSBUIlQ. 351 

ez ist VKinic lusettl si-lf rerhini, die nie verlorn uiirfn, trän übel zunfien 
\'>'J,22, lies hedurjent nnrun kletniu kini Ki'J, 27: V|k'l. 'J, 4. 'J, \'A. IC ItKl.-'W. 
1, 371», 17. 2, 14»;, :{l). l,yiK,:{:j. :n7,2K :«). 2,110,21 («ianselb«! ■M'\\ii sich bei 
alwtnicten, 8. nu. G), aber nicht iimner: nne diu kleinen kint ö37, 26. 2,25,22. 
»12, 17. 74,24. 7<), 9 u. ü., nne die jiriester 2, llö, 10, ican die gar (jrozetx 
Uute, die . . . 477, 3ö. 

Wird (las sub.stiiiitiv zimiicli.st srlbstandij? im nominativ 
dein satze vuran^cstellt und dann duirh ein demonstrativ ver- 
treten, welclies der syntaktischen tiifcunp des satzes unterlieg-t, 
so erhält das subst.. aucli wenn über die ganze guttunf,' aus- 
gesagt wird, keinen artikel: 

lifdiute, der muhte lihtc rät werden lö2, .'W, man, die suln üz mm, 
frouwen, die siiln da keime sitzen r><j3, 2(J; vgl. noch 209,1. 

?iin dem Substantiv beigegebener relativsatz macht den 
artikel nötig, wenn eine Vorstellung, die zunächst nur dem 
redner eine bekannte ist, d. h. mit andern vorstellungsgruppen 
in Verbindung stellt, durch den relativsatz auch für den hörer 
in den rechten Zusammenhang gerückt wird, dir hat dann 
stärkere, demonstrative bedeutung: 

er beijerte niht mir trän der brösemen, dir nni dem tische rieten 103, liC>; 
vgl. 2, 8. IS, 28. 4, 39. 203, 2. 25G, 33. 304, 18 u. a. 

4. CoUectiva. 

Sie erhalten wie der plural keinen artikel, wenn anzahl 
und nähere bewantnis der dinge noch unbekannt sind, al.'^o 
bei erster einlührung in die rede: in lUm lande uchsct obez 
93, IG, vil Volkes 0, lU, da soll ir guot niht gumpclvolke geben 
318, 18, »ich in geistlichen ordcn tuon 335, l'J. mit gr6::cm her 
2,98, 18 u.a. 

Kinige können auch «in einzelnes individuum bezeichnen 
und erhalten dann den artikel: da- <r ein ole: a:: 72. 10. ähnl. 
113,3t u. V. a. 

Aber auch bei cullectiver b«'deulung erscheint der artikel, 
und zwar der unbestimmte, wenn eine abgegrenzte, aber 
in «ler Vorstellung der zuhörer noch nicht vorhandene, also 
no<h nicht besprochene menge bezeiciinet werden soll: die er- 
motten ein miehel Volk 129, 13, eine miehel groze nerlt 129. 18, 
der bestimmte: a) wenn eine indivithndl abg«>gienzte menge 
oder eine besondere art der gegenstände als bekannt bezeichnet 
wird: da^ silier, duz sie im du gäben umbe das körn 74,29 



352 ZIMMERT 

ir veriverinne mit dem gehven gehende 367,22; vgl. 111,33.37. 
114,15. 118,3. 249,1. 257,24. 27G, 30. 329,32. 346,15 u. a,; 
besonders wenn vorher davon die rede war: da^ ohcz 346,20; 
vgl. 17; in anschaulicher darstellung, indem alle umstände leb- 
haft vorgestellt werden: (7er heuschreche in dem grase 368,34. 
369, 1 — 3. — b) wenn die gesammtheit als bekannt bezeichnet 
wird: daz arme Ihitech 101, 9 u. a. Doch kann bei dem voraus- 
gestellten genetiv der artikel ausbleiben: er was gräives ordens 
ein hisclwf 572, 15, wider meisterschaft (der schon genannten 
klosterobrigkeit) willen 2, 264, 2. 

Gattungsnamen, die einer collectiven bedeutung fähig sind, 
bedürfen des artikels nicht: so ein tvildener vederspil vcelit 467,37. 

5. Stoffnamen 
erhalten keinen artikel, wenn begrifflich die Wesenheit des 
Stoffes oder concret eine unbestimmte menge desselben ge- 
meint ist: 

side ist gar stark 360,31, ez gie ivazzer zuo 81,11, säme ti'agen 50, 11, 
ir müezet iuch davon hegen spise unde geicandes 18, 18, Jcorn ze brate backen 
151, 7 und so 25, 80. 36, 41, 33. 55, 1. 76, 4. 118, 4. 147, 27. 151, 8. 9. 174, 21 
u. V. a. — erde iu stofflicher bedeutung: Ctz, von, ze erden 229, 2. 13. 
486, 31. 33. 

Ebenso gattungsnamen, wenn sie stoffliche bedeutung 
haben: 

met und whi unde visch 59, 19, von oleiboum 68, 12. 2, 35, 15. 41, 30, 
dar umbe gap er dem menschen irdenischen lip (das irdisch - schwere im 
gegensatze zu den engelu) 98, 20, einem acker, da schätz inne lit 110, 24. 

357. 1. 2, 238, 1, fünf Schillinge wert koufschatzes 198, 38, da enist obläten 
500,38, diu ämeiz treit guot dinc und edelez ze hüfen bQ2,21; ähnl. 499, 39. 
572, 5. 2, 143, 10, vgl. noch 575, 18. 2, 39, 38. 213, 1 ff. 

Der artikel erscheint unter denselben umständen, die ihn 
bei collectiven und beim plural fordern: ein bei begrenzter 
menge oder individueller erscheinungsform des Stoffes, sofern 
sie dem zuhörer noch nicht näher bekannt ist: 

ein holz (eine führe) fiteren 16, 3i; vgl. 3, 19. 87,5. 90,34. 146,23.29. 

160. 2. 163, 7. 10. 188, 24 u. v. a. Heute ist uns dieser gebrauch minder 
geläufig, deshalb hat das nhd. oft den bestimmten artikel, wo im mhd. ein 
steht: in ein wazzer vallen 80,33. 2,85,20, der ze gitecUchen an ein ezzen 
vellet 429,26] ähnl. 32,11. 366,27. 375,38. 2,41,9.11, oder wir setzen keinen 
artikel, wo das mhd. ein hat: du gibest ein muoterin fleisch für berginez 
2, 28, 28; vgl. 386, 30. 2, 23, 14. 21. 71, 11. 89, 6 u. a. 

Besonders in vergleichender oder eingeschränkter prädicierung (vgl. 



DAS AUTIKKLLOSE ßlJBRT. MVA ]i. VON iCKiMONSULKO. 353 

s. ;j;j7): il(t~ i'iter icmt in tln viiufifl 21U,;y), ids a/i tillin diu laiK ein ftwcr 
wm-e 3HC, 38. 2,40,14; aber auch sonst beim prttdicat: kö ist duz hröt ein 
bröt, (Ur win ein win 2,88,0. «9, H; vgl. 1, 11), IC, 2, G8, 11). 

lU.sweileii zeigt sich ein schwanken: der schillknelit irrt in einer 
dünnen lait 2."{0, ;{.">, vgl. itKiniiji r ist ili'iliir ijcluufen in eil dünner iccete 
58,22; ähnl. 248, 1. -i'JO, ;}(;. 

I>('r artikel kann doni Worte ganz den cluirakter eines gattungx- 
luiniens verleihen: ein (stück) hui: 33,18, vgl. 147,27. 227,1.3, loup, spiae 
n. ähnl. 

Nicht artikel ist ein im gegensatze zu under: du: reht ein blnot in 
d(i: ander lliu:ct 91,32. 

der bezeichnet 

a) eine dem angeredeten bekannte individuelle nu-iige oder trs( iR-imings- 
liirni des stofl'es: ich teil du: yuot niht Icni/er hnn 7, 12 (si»richt ein mann, 
der sich eines unrechtmä.s.sigen besitzes bewu.sst ist). — Früher genanntes: 
du: unnhle (jnot 70,4. 11 (vgl. 75, 31) 243,30 (27), du: ulte (ßwunt 1!J4.34 
(31): andere 19ö, (!. 10 (3). iMX), 38 (30) u. m. — Durch den zusiinimenhang 
Ijestimnites: der brütbevke swemmet den teic mit hefel, sü hüst du den luf't 
für bröt kauft 285, 13. 152, 29. 2, 28, 34, man muoz im da: guut (das houorar) 
.7<^o»294, 12; vgl. 8,9. 17,20. 38,15. 39,14. 41,0. 82,20. 150,33 u.v.a. — 
Wenn das Substantiv durch einen relativsatz eine individuelle bedeutung 
erhält: da: fiwer, du die Mlen inne brinnent 83,2; vgl. 19, iW. 25,28.37. 
2»'), 1. 18 u. V.; oder durch einen genetiv: mit der venjift des euigen tödes 
13.'), 37. 159,39 u.a.; oder durch eine ajniosition: in den edeln icei:en, du; 
ist die heilige kristenheit 300, ;}0; oder wenn eine allgemciu bekannte art 
des Stoffes gemeint ist: da: hediye bröt 201,20, duz ewige (iwer 287,19 
u. ö. — Für fehlen des artikels bei so individueller bedeutung des Substan- 
tivs habe ich kein beispiel gefunden: 247, .'50 sciieint der nach tceder hi ilvr 
hs. ausgefallen zu sein: d(t: din her:e als reraleinet ist, da: ez weder win 
mit der wären minne nuch ulliu diu geselleschaft uller gutes heiligen über- 
winden mac. 

b) der weist auf den stoff Uberhauitt als auf etwa^ bekanntes hin: 
in i::et der hu: als der rust tuot isen 100,20; vgl. 50, 12. 79,27 u. v. a. 

Im ;illf,nMiu'inen vergleiche wird eigentlich nur die begriff- 
liche eigenart des Stoffes in bctnicht gezogen; trotzdem fehlt 
der artikel selten (im nhd. immer): 

r est er danne stuhel oder glockspise 417,9, der eine tcec ist linde als 
pfellt-r, huhnät taute side VAi, 14. 2, :i»J, 17. :]7, 31 ; vgl. noch 2, 40, 15. — 
(iewöhnlich aber ist die aufl'ius«ung eine concretore und es erschciut der 
iirtikel ein. So unmittelbar nach dem eben erwähnten beispiel 0«!, 15: unde 
>hht ids ein hermrlin unt ids lieht nh ein grliufrrt ffdt »tul iof nftrrr und 
uuc/t gar senfle als enrker umi honig und n' ... 

sint als ein gälte 1H9, 10; andere 52, 2*5. 17s, 

."il2. 15: besonder» wenn die individuelle bedeutung de« verglichenen deut- 
licher ii*t: durh^ihtic als ein isen, da: durchsmtdzen unde durehgtuewrt ist 

Ucilra^e für geichichle lier ilcuUchco tpr^cb« XX VL 24 



S54 ZIMMERT 

127, 28, (laz st icider jenem fmre als ein gemaltes an eine ivant 127, 33. 
82, 39 A. 

Der bestimmte artikel bezeichnet das verglichene als ein bekanntes: 
liehter danne der sunncnschin ... tmd vil gefüeger danne der luft 99,9; 
vgl. 417, 10. 

6. Abstracta 
erhalten keinen artikel, wenn nicht eine individuelle er- 
scheinung-sform, sondern der blosse begriff oder eine unbestimmte 
stärke, art, häufigkeit der durch das Substantiv bezeichneten 
eigenschaft, tätigkeit, des zustandes etc. ausgedrückt werden 
soll. Beispiele auf jeder seite des textes. 

armuot ist oft untugenthaft 27, 1, predigen ist min amt 14, 1, reht 
haben 44, 22, einem tmJciusche helfen 27, 16, der nam sich Spinnens ane 
325, 24, sich an koufe hüeten 73, 31. 118, 27, sich Mieten vor tanzen 31, 24, 
leider reht 114, 20, ze rate, sende gen 184, 26. 237, 29 if., sich ze tver setzen 
39,17, ze koufe, wnocher gehen 16,28. 27,4. 48,21, ze rehte 15,27, unrehte 
74, 8, ze not 24, 19 u. v. a. 

ein wird gesetzt, um eine dem angeredeten noch nicht näher bekannte, 
aber individuelle art, häufigkeit, stärke der eigenschaft oder tätigkeit zu 
bezeichnen : einen tröst gewinnen 7, 33, ir liezet daz gewant e erfiden, e 
daz ir eine miltekeit da von hegienget 60, 15, in eivie troume ('im tr.') 211, 14, 
in eime spotte 2, 85, 20. 228, 23; vgl. 8, 30. 34. 39. 9, 27. 23, 33. 35, 6. 43^ 13. 
20. 46, 29. 54, 31. 33. 38. 91, 38. 104, 20. 35 u. v. a. 

Bei den substantivierten Infinitiven zeigt sich, dass im 
mhd. die auffassung für das individuelle eine feinere war als 
jetzt: eine tätigkeit von unbestimmter dauer, die durch den 
Zusammenhang eine besondere beziehung, sei es auf einen 
bestimmten Zeitpunkt oder auf eine bestimmte Ursache u.s.w. 
erhält, wird durch ein gekennzeichnet: 

also ivirt (zvirischen dem geizigen und seinem kinde) ein n-idcrfhiochen 
und ein grisgramen wnd ein- zannen 193,31; vgl. 223, 39 if. a. 562,37. 
2, 23, 7. 9. 

In individueller bedeutung nähern sich manche abstracta 
den gattungsnamen, bilden dann einen plural und werden unter 
denselben bedingungen wie die concreta mit dem artikel ver- 
sehen, z. b. tugent, sünde, kunst. 

Bisweilen finden wir schwanken zwischen anwendung und 
ersparung des artikels in denselben rede Wendungen: 

daz ein fride st zwischen ... 57, 8, wir tvellen einen fride mit in machen 
185, 8. 11 ff. 195, 7. 236, 26. 28. 31. 33. 36. 38. 237, 2. 8. 10, einen statten, vesten 
fr. 57,14. 238,7.22. 364,19; dagegen fride machen 56,3.22.25.33. 238,9. 
35. 238, 9. 35. 239, 2 ff. 15, ir Ittt gote etewenne fride 244, 12 : einen fr. 



DAS AKTIKKLF.OSE SlfHST. MVA II. VON RKGENSBUIlG. 35;> 

244,;'), ki(nirt sin in rinr tjnit/nhfit 20(1,20. 2, 10, .'{2, (/"- «'V sin in (je w Un- 
heil ktmen 34, ;J<). 2t5(i, 7; vgl. 295, 39 : 2«J(), 3; 1*J7, 1. Hl. 33 : H(), 19; 89, 37 : 
128,24: 221,31 : 39 u. a. 

Kill zum .siib.stautiv treteiuU\s adjectiv hat im allj^emeinen 
keinen eiiiHu.^.s.auf die veiweiuiuiif^ des artikels; doch ist be- 
nieiken.swert, dass bei adjectiven mit verneinender be- 
deiitun«? {kurz, Jdcin) der artikcl wegbl«'ih«'n kann, 
wenn auf der negatioii (h'i- iiachdnick liegt, also da.s adjectiv 
den satzton trägt: 

ir hnfirt iliir uiiilir kliine sonje 112,7. 400, IH, //( (//s l,iir:er stuntle 
222,4, (In: ir ninh (tis kur^e freiule mnnic litsent mnrtel iime:et liden 
200,31. 391,12, der titt kamt in eil kurzem eil 421,32, ttnilie (jerinf/e; (/(ll 
4C7,20, viit liüzeler kust 498,12, ««.' »Iitet got uf sij klein dinr 201,12. 
— Allenliiif,'« kann auch ein gesetzt werden: umh einen kurzen (jehtgt 
278,24, muhe dise ()r(>:en li^re nitioie ich einer kleinen (ji'the 425,25 nnd ho 
14<i,28. 177,30. 209.20. 351,3. 13. 44!», 11. 4.">8,:{1. .■)2:{,28. .-,.32.11. 2. U2. 2.-,. 
100,4.7.15. 207,15. — Teber (ri-nir vgl. .s. 301. 

Deminutiva von abstracten bezeichnen individuelles: 

ein (jestiippelin 173,7, ein kleine- rurhtelin 280, 13, vgl. :W7, 11. 391. 15. 
2,00,32; dagegen etirnz untitlins 228, liJu.. vgl. .s. 341 f. 

Der bestimmte artikel bezeichnet: a) eine individuelle art 
des zustandes, der tätigkeit u. s. w. als etwas bekanntes: 

die innern kiinst (interne niedicini 1.54,20, diu freude diiies huren 
11,0.20 U. ö., die freude die er verlorn hete 1, 13 U. ü., der triwen unde der 
lugende, dac sie hi im belihen 142, 15; posse.ssiv: er si kiir:li(h in die ket-erie 
körnen 243,13; andere teispiele auf jeder seite. 

b) Erweist auf die tiitigkrit. eigmschatl. den zustand im 
ganzen als auf etwas bekanntes hin: 

diu gitikeit isl diu sehedellehesle aller untugende 108, 24. Namentlich 
haben die namcn der Hacramente regelmilssig den artikel: der touf, 
diu firme, diu wihe 112, 14. 10. 315, .'{(i (aber ulle die priesterlirhe icihe en- 
pl'itngen /«<i/W 315, 34), ebenso huaze, wo die kirehliche einrichtnng, diu 
.saerunient, genieint ist.' grijet an die buo:e 72,20. 7.3,2 u. o. ; wo e« die 
tiitigkeit bedeutet, bedarf da.s wort keines artikel»: den geht huoze nach 
gnnden 72,7.24 u. o. .\utli bei hihle kann er in ähnliehen fAllen fehlen: 
It'tter bihle gewinnen 218, 12. 312,32 u. ö. Uel)cr re e und eer i n. 8. 34ik 

Bisweilen finden wir den artikel. wo ihn das nhd. fehlen 
lässt, indem es den begriff allgemein und unbestimmt fa.sst: 

'au» gewuhnheit' = von der gnronheU 80,5. 82,3. 2,109,^ atctr 
unser frouuen (dirr gelirhesl tul mit der kiuarhe (an konwhiieit) 2.'»<i. 9, 
ri<ir/i der nhtikrit gellrn 70, 13: i"»» lie: er im die ruotrr \',U),'2S: brach den 
fridr mit der hidirttrt 23H, 20, slarp an dem durste 01.22; vgl. 101,:kif. 
104.0. I.-|<). 2H. IS»). 32. 2:'.9. 37. 2.57. 14 IttKJ. 2t 2. K^".. .5. 21«. :w; na. 



356 ZIMMERT 

Seltener ist der entgegengesetzte fall, dass wir den artikel 
gegen unsere erwartung nicht finden: 

diu cdelJceit edler eiigel diu ivcere ze nlhtiu, ivaii tnyent 98, 4 (vgl. 
s. 350 f.), vil Mute kcemen ze himele, man unrehtiu vorhte 2, 59, 23, hi kan niht 
geschaden wan sünde 436, 33 (danne dm Sünde 426, 18, 428, 30. 440, 31. 
554, 32. 2, 201, 20, vgl. imver wurde rät, ivan diu holwart 485, 34), äne htioze 
die nim ich alle zit uz 483, 6, an dem mäntage und alle tage nach orde- 
nunge 57, 6 ; vgl. noch 401, 19. 

Manche abstracta, die wichtige begriffe der christlichen 
lehre bezeichnen, erscheinen als ausdrücke für allgemein be- 
kannte dinge überwiegend mit dem artikel: 

der geloube, daz gedinge, der ungelouhe. Dagegen erscheint kristen- 
geloube gern ohne artikel: noni. 52, 24. 250,17. 361,11. 2,62,38. 77,3.35. 
186,27. 30 (mit adj. ineist artikel: der heilige, rehte etc. kr., aber auch 
an rehtem kr. 2,63,7); acc. 44,38. 46,12. 165,17. 180,8. 294,21. 295,12. 
15. 361,5.10. 491,35. 530,28. 542,20. 2,78,2; dat. 542,26; präp. 45,6.11. 
13. 171,37. 204,20. 250,30. 252,11. 262,31. 295,14. 361,5.10. 542,18. 
546,26. 2,62,36. 77,38. 155,31. 211,25. 254,30.31. Mit artikel : 52, 20. 
165,26. 172,17. 361,8. 403,16. 405,13. 491,36. 542,14.29. 564,10. 2,77,37. 
247,20. — Ebenso leben: leben ist daz beste daz got ie geschuof 124, 16. 
125, 1. 5. begcrt anders niht danne lebens 125, 28, durch leben 125, 30. 32 
und so 131,33. 145,4. 440,5. 560,3. 2,211,15. Ebenso lancleben 275,20. 
569,32. 2,216,18 u. ö. und geistltchez leben. Anderseits finden wir: begert 
des lebens 125,31.35, vgl. 125,7. 230,38. — Das wort tot wird als aus- 
druck eines allgemein bekannten begriffes fast immer mit dem bestimmten 
artikel versehen, auch nach präpositionen. Ausnahmen sind nur." maniger 
haut tödes 2, 2, 7 und die formein ze töde slahen und ze töde ziehen, vgl. 
S.343. Ist aber eine todesart gemeint, so steht entweder e/«: er nam einen 
stinkenden tot 89, 21 ; ähnl. 28. 367, 19 ; daz er einen schemelichen tot ^ver- 
diente 115,2b; vgl. 276, 3; eines bittern tödes sterben 153,37. 293,7. 508,35, 
für varn B23,B4:, ivarten S68,B9, oder gar kein artikel: rehten, unrehten 
tot nemen 80, 25. 88, 11. 369, 6, rehtes, unrehtes tödes sterben, für varn 80,34. 
89, 29. 230, 21. 231, 17, also feste Verbindungen. In Wendungen wie 198, 34 
wir sin des bittern tödes, 345, 21 müezen sorge hän des jcemerlichen tödes 
(vgl. 354, 18. 402, 37) bezeichnet das adjectiv nicht eine todesart, sondern 
eine dem tode überhaupt zukommende eigenschaft. Wenn es 80, 32 heisst : 
der stirbet des goehen tödes, 231, 7 sie fürhtent des unrehten tödes niht, so 
wird die todesart als etwas bekanntes hingestellt. 

Die adjectiva ivär und relit heben unter den erscheinungs- 
formen einer tätigkeit diejenige hervor, welche das wesen des 
begriffes rein darstellt. In dieser bedeutung verlangen sie den 
bestimmten artikel: 

diu tvure minne 100, 28. 166, 34. 180, 10. 20. 34 u. ö., die künnent des 
wären kochens 220, 16, diu rehte buoze 76, 22. 77, 9. 132, 18. 208, 32. 894, 9 



DAS ARTIKKIJ-OSE SUBRT. lU'.l H. VON UKOENfiBURO, 357 

11. ö., ihn rehtr irarhn't l't,'.]H. 170, .'{'2 und fo iinnifr. — Poch k'innoii sie 
auch eine «rhwilchoro, allfjemeinere bodeutunir liahcn: war = 'anfriclitip, 
gut', reht — 'goredit, ehrlich, j^ut'; (hiun bedilrfeu sie de» artikel« nicht: 
gewinnet wären riuwen 10, ;{(). 21,1!». 42, 2M n. o., reht (jeri/itr haben \H,2(] 
u. ö., tnnbe rchttn (ehrlichen) koaf 41S, 2'.\, se rehter buo;e kumen ;{44, lö 
u.a., können ihn aher auch erhalten: ilie da: (jebüezet hänt mit der wären 
riuwe und mit h'itirre hi/itr und mit biioce 1K7, 2; \^\. 57, 1'). 22. 72,27. 
78,0 U. ö. — Artikellos erscheint rehter ylonbe: die den lip yäbrn an die 
murtel durch rehten ylou/ien 18(5,11), wo wir den artikcl erwarten; eheuHo 
144, 14. 194, 13. 2, ():},(]. 18, andrerseits der rehte (jhmbe 4M, 2. Hi. :«). 45,22. 
26. 1}>4, lö. 250,21. 2,04,2. 

(Tattiingsniinicii in übcrtraj^aMier, ab.strartrr bedeutun^ 
können des artikel.s eiitbelnen: den teil ijof tajcUchen aciyez 
künicriche geben 237, 25. 

Bisweilen erscheint bei stoffnamen nnd abstracten der 
bestimmte artikel anstatt des nnbestimmten. ind<'m die Situation 
lebhaft vorj,^estellt wird: 

unz in daz wazzer in den munt (/et 82,20, .so miiezet ir den anyel 
tiuhen, als ir duz hünic da saget 210,30, riumrn zimi rehtr in ihr hihte 
als der fluoch bi dem segene 353, 9. 

7. Substantivierte adjectiva gen. neutr., 
welche stoftliclie oder abstracte bedt'Utung- haben, werden wie 
die eigentlichen stoffnamen und ab.stracten .substantiva be- 
handelt: 

daz übel gunt si unde guitl üliel si 3!)8, 15, ril (waz etc.) guotes 4, .'W. 
61,33 n. 0., willekiir ze iibrl unde ze guote 295,3."); auch das suhstantivierte 
adverb: srhiebent die buuze iif, hiuwrr biz fürwerter, und als danne für- 
werter kamt 509, ;{9. — Bestimmter artikel beim vorangestellten part. gen.: 
ir soll des Übeln wenic tuon unde des gtioten ril 4^5,20. 27; bei indivi- 
dueller hedentnng: so keret ir dem apfel daz füle hin under utule daz 
srhn-ne her üz 17,3; oder auf die gesammtheit hinweisend: daz guote tuon, 
daz ü/iel läzen 5,21 u.a. Bisweilen schwankt der Sprachgebrauch: man 
sagt furkuufer üf daz naher 18, ;{0. 2,111,14. 131,0, umlie da: iiiinn>r 
40,18, dinijesgcben üf (umbe) daz tiurre 18, .37. 20, ;UJ. 4<M9. 73.31, aber 
auch dingesgeben umbe tiwerrez 271,24. 2. 1.31,(;. 

Solchen Substantivierungen kommt in der bcdeutung sehr 
nahe das wort dinc mit adjcctivcn; wir finden es denn auch 
artikellos: 

Absalön trt so getan dinc, da mite fr ... 6, 35, ti woUen gote gros 
dinc erbitrn 271,2; ilhnlich 4!»;». 39: andere 201,12. 242. 28. »>. ¥)\,'X2. 
562,27. 2,0,3.5. 238,19; aber auch mit flu: ich wil ein gröz dinc reden 
411,7. 427, :tt!. 444, :W u. r>., ich wil in ein sä getan dinc leren 2, '2if2,l, diu 
f- ein kU-in ( h.tui.t ) dinc 51 4Ö8, 31. 523, 28. 2, 160. 4. 7. 207. 15. vgl. 532, 11. 



358 ZIMMERT 

575, 3. 2, 259, 31, fälle, in denen die individuelle auifassung bevorzugt 
vFurde. 

8. Eine anzalil 
unpersönlicher und formel ähnlicher Wendungen 
folgen nur den gewöhnlichen regeln über die abstracta, wenn 
sie ohne artikel erscheinen: 

eines dinges tvirt rät, ich vinde rat, mir ist not, unnöt, nötdurft, 
ernest, liehe, ez ist site (dagegen in der alten e was der site 499,21), sit, 
relit, lüunder (2, 71, 9), sioenne ez in zit dunket 569, 21, ich hän loillen, 
reht, rät, State, gewalt, orden. 

Auch die folgenden ausdrücke, die einen zustand oder 
Vorgang bezeichnen, sind am besten mit den abstracten zu 
vergleichen: 

ez ist naht 393, 19, ez st ivinter oder sumer, ez si guot wetter oder 
bcesez 271, 26, ivirt hisezze oder reise 258, 11, ez si bisezze, ez st hagel oder 
niht 244, 35, denn nur in diesen Wendungen erscheinen sie artikellos, vgl. 
ersieht ez in der hagel 426,20, ez trückent aber der winter 375,36 und 
44, 31. 35. 45, 3. 5. 7. 425, 10. 11, der liutesterbe 9, 5. 30, während 10, 13 ich 
ioil nemen liutesterben drte tage es sich um die dauer handelt, also stoff- 
liche auffassung herscht. eines dinges wirt ende findet sich ohne artikel 
9, 23. 125, 15. 135, 25. 2, 6, 17. 220, 33, doch jedesmal nach nie7ner (s. 338 f.), 
vgl. wanne der martel kein ende ist 2, 5, 16. 

III. Grammatische beschränkungen des artikels. 

1) Der vocativ bedarf keines artikels. 

Er fehlt in allen den zahllosen heispieleu mit ausnähme einer stelle: 
ir die tiuvele, die nemet ouch ze iu 469, 31 {die fehlt a). Gerne tritt das 
persönliche pronomen vor ir frouwen u. a. Dabei erscheint niemals (Zn vor 
collectiven: ir junge werlt 78,2 u.v.a., niemals das ir der höflichen an- 
spräche beim singular, eine einzige stelle ausgenommen : ir gttiger 2, 235, 29 
(geitigen DM). 

2) Der artikel fehlt, wenn die Individualität durch ein 
anderes pronomen ausser zweifei gesetzt ist: 

a) Persönliches pronomen: mr ^/"a^ew 48, 7, ims gewahsen Hute 
12,8 u. a. Der artikel fehlt auch bei der dritten person: von sin einiges 
Worte 399, 10, vgl. Job. Schmidt, Priest. Konrads deutsch, predigtb. : er ml 
lieber herre 11, 13. 39, in vil lieben vaier 10, 3; andere 8, 9. 23. 26. 9, 1. 6. 
10, 16. 25. 11,6. 16. 20. 23. 27. 31. 33. 34. 37. 12,3; er töre Walth. 22,28. 
28,21. 15,38 Mhd. wb. 'er', auch nhd.: er pfarrer Grimmelsh. (Kürschn, 
NL. 33, s. 90, 15). 

b) Neben dem possessiv um erscheint der artikel nicht häufig: einer 
din genöze 17, 36, einem andern dtnem ebenkristen 283, 5, durch einen mtnen 
friiint 347, 4, so get einer hin unde sivert einen eit für einen stnen friunt 



DAS ARTIKELLOSE 8UÜ8T. I5i:i H. V(»N IJKCENSBÜRO. 350 

27, 18. Lasse ich den aitikel weg, so entsteht ein fimlerer sinn; für shicu 
l'riunl ht'zoichiift einen in Her vorstfllnnj? Hfhon viirli!iii<li'nen, hostinimten 
fn-innl. 1)('h1i!\11) tTKrheiiit ein 8('i,'ar lii-im plural: in ili-r itrctÜK^t von den 
dienern den tenfels iieisst es von diu hnsen hinten ii/' ih-ni ijnihnt 2, \-iH,',iH: 
ir tluvflc, du: siitt ouch rhie iuirer diviur. HIeibt cini- wef^, so werden Hie 
Hehleehtliin als diener des teufeJH bezeichnet, <•//»' bewirkt, <hiS8 Kie al» 
kategorie den andern arten vi>n dieneni den teufein angereiht wenh-n, von 
denen vorher die rede war. 

Im negierten satze erseheint dihrin statt ein: duz dii kein diw tuon 
ftidt durch dektimn dinen frinnt 27,11; andere 40. .'W. n>7, f». IIKJ, (5. — 
rehertlü.'(sig ist dagegen der Itestinmite nrtikel; dennoch finden wir ihn 
zweinnil: da; di't du: sin arme: tfüelel hntest :uii dem ilimn (jiiute (!'J, 39, 
ziio der siner rehten hnnt 2, 23, 2'). 

Sollen coordinierte snbstantiva in eine possessive iicziilinng gesetzt 
werden, so erhalten entweder beide (von mehreren jedes) das j)ossf.«siv- 
pronoinen: mit dinein herzen und mit diner trinire und mit dinem willen 
und mit diner erbermede li")!), 2(5, in siner edeln Idüete und in siner lehc- 
liehen kruf't 37"», 23 n. a. ; oder das zweite statt des prononiens bloss den 
artikel: sins herzelieben ackers undc des Schatzes 3G2, 3; oder das erste erhlllt 
den artikel: von aneyenge des lebens tmd ir libes 11)6,18; oder bei einem 
der beiden glieder erscheint weder artikel noch pronomen: dnz si itelkeit 
und ir iippikeit vollebrimicn 118,19, dine f'riheit oder rerU'izenheit 85,14; 
vgl. iK5, 19. 300,3. — Bei niehrgliedrigen kann es verschieden gehalten 
werden: 127, 2;"). 2(J. 390.11. 

c) Neben dem demonstrat i vuni ist der artikel unzulässig. 

d) Neben dem in t errogat i vum und relativum u-elch in der be- 
dentung 7«/ steht meist kein artikel: weihen wec gen ich rehte? 2, '19, 
swelhez kleine: kindelin des niht cnh'it ir,2, 13 und so 2, 20. 44,12.28. 7(5,15 
u. o. — Eine ausnähme bilden die ausdrücke: wvlith der tiurel hat dir den 
gewalt gegebenY lA,h. 75,17. 31t5, 37. 39. 4(U, 5. 2,40,21 (dagegen jrf//i<T 
tiuvel hat den von dannan geholfen!' 2,18,10, welher tiurel wendet dich 
einer guoten gewizzen':' 2,261,3), welich der tiurel heizet dich kempfen unde 
welich der tiurel hat dir den kamj>(k(dben erlnubel 32."», 21, .SV, welch dem 
tiurel klagest du da: in der kirchcni' 448,3,"». In allen drei fÄllen ist tiurel 
nur tluihwort, die frage dagegen geht nicht auf einen teufel, sondern ist 
allgemein: 'wer in des teufels nanu-n hat dir die gewalt geLreh.nV Es 
scheint also eine Vermischung zweier satzformen vorzuliegen. 

Zu welch in der bedentung qunlis und quantus (vor a<ljectiven quam) 
tritt meist ein hinzu: seht, weih ein gelichiu ebrnmäze 70,2. IK'j, 28; vgl. 
96,28. litt;, 22. 221,29. 222,6. 22»;, 6. 2:1'.. 14. 2*<), 20. :«>9.«;.28. 412, :ö. 
413,34 u. o. Poch kann es auch fehlen: pfi, weih gesehrei über dich tcirt 
2,217,37 {weih ein geschrei eb<la. 7). 

3) Unbestimmte pronomina und Zahlwörter. 

Neben al halH>n manche collectiva niemals einen artikel: vor aller ditt 
88,6. 331,26. 5:35,3. 541,14, allez himtUsche her 107,5. U>9, 5. 144,3. 12 



360 ZIMMERT 

und so immer; aJJez menschlich Tiünne 124,6. 125,25. 167, 16 xmd so immer; 
alUn h-eatim-e 125,13. 377,27. 552,9. 2,183,32. 126, 2. 4. 5; andere 164, 24. 
245,24. 351,5. Bei andern schwankt der sprachgebraTich: alliu schrift 2b9,2: 
in aller der sehr. 448,16, aUiu diu pfaffeheä 2,147,8: alliu p f. 2,120,38, 
aZte tJoZc 2, 216, 31. 219,16: allez daz volk (ohne relativs.) 2,216,8. 217,20. 
25. 219, 28. 220, 10, ßr alle hristenheit 497, 20 : alle die kr. 503, 37. 537, 8. 
2, 167, 18; es heisst fast immer alliu diu iverlt (im zweiten hande allein 
73 mal, im ersten ausser 2 stellen immer), auch nach präpositionen; alliu 
tcerlt steht nur 278, 37, 439, 30. 2, 5, 27. 8, 31. 10, 17. 18, 38. 82, 24. 221, 9. 
16. 227, 16. 230, 17. 236, 2. 27. 

Er fehlt hei ahstracten, stoffnamen und pluralen, tritt aber hinzu, 
wenn sie nähere hestimmungen hei sich haben, die ihn fordern: alle die 
ivisheit, die alle meister kunnent 5, 24. 26, alliu diu geselleschaft aller fjotes 
heüigen 247, 31, alle die tvege, die gein Begensburc gent 3, 1. Doch kann 
er auch dann ausbleiben: zuo edler martel, die du hast 257,9, vgl. 340,15. 
371,24; alle tugende, der wir bedürfen 48,3, vgl. 22, 7. 50,6. 55,33. 66,37. 
101, 17 u. V., im zerrinne danne alles fiiires daz er iendert hat 2, 110, 18 
(sonst alles des fncers, z. b. 56, 31 u. c). 

Nicht hierher gehören die ausdrücke aller tugende beste, die diu iverlt 
ie gewan 104,5, aller lügen wirstc, die diu werlt ie g. 136,35 u.s.w., denn 
der relativsatz bezieht sich auf den Superlativ: aller dinge beste, daz got 
ie geschuof 96, 8. *) 

Bisweilen drückt der artikel eine possessive beziehung aus, welche die 
heutige spräche nicht andeuten würde: got hat uns aller der gelider mir 
gegeben wan der zungen 159, 7, cüle die kelre xmll icines und alle dine stcdel 
vol kornes 272, 31 ; oder er weist auf bekanntes hin : edle die Sternen des 
himels 390,7 {alle sterncn des h. 391,18); alle die Hute steht 297,30 ohne 
grund, weil Hute überhaupt gerne mit dem artikel versehen wird, vgl. 
s. 350. 

Zu gattungsnamen im singular tritt al ohne den artikel nur in 
formelhaften ausdrücken: von allem herzen 230,5, allen tac, s. s. 339, g, alle 
naht unde tac 48, 12. 

Bei iegelich ist der artikel entbehrlich: ziegUcher stunde 22,18, wir 
müezen ieglich pfunt zwivalt widerreiten 12, 35 und so 22, 26. 27. 98, 37. 
133, 14. 153, 12. 16. 201, 8. 18. 294, 2 u. o. Doch kann auch ein hinzutreten : 
ein ieglich mensche 8, 15. 13, 37. 33, 35. 44, 16. 46, 11. 100, 17. 111, 22 u. o. 
{ieglich mensche nm 2,11,20. 2,79,8. 84,9.20); andere 3, 16. 9,15. 18,14. 
35,16. 56,27. 111,12 u.V.; auch abstracta finden sich so: ein ieglichiu üz- 
setzikeit 116,38, vgl. 153, 20. 509,26; — substantivisch: ein ieglichez 4:9,38, 
ein ieglicher 544, 30, iegUchez 544, 32. 551, 18. 564, 9. 

ietweder, eintiveder, weder kommen m;r in folgenden beispielen 



1) Aehnliches ist auch in Wendungen wie 205, 38 der grcesten sünde 
einiu, die die werlt ie geivan, in denen man dies noch weniger erwarten 
würde, wirklich der fall; vgl. du bist der aller ivirsten üzsetzel einer, den 
diu werlt ie gewan 117, 4. 



DAS ARTIKKLL08E SUHST. lU:i II. VON REOENSBUUfJ. 3t'tl 

vor: ir irax icdredcn'H hehüetet 2\\,2i'}, in o'ntwederre ^•//f 2, 95, 30, icedrrm 
Herren 2, \A't, 'i't. 

Stets fehlt der artikcl l)t'i iiuinir, iteliih, suvulich, ieslith: 
vianic mensche 14,30 n. v. a., an eteUrher nUit 11,9, etelkhe bäume 158,35 
u.v.a., so betraget sumelichen 1(>2, 7, «ö nprevhent sumeli'dte 3,21 n. ü., 
HiimelMie liiitr H(), i) n. ü., ieHlirlien beiden 3'!5, .'{.3. 

Bei ei nie ist der unbe.Htiniinte urtikel iiniiiitiiif; «As nß er einiyez 
paler «o.s/«r »prirhet 22,21, des einiger trujil'e mi'r iciget 47,11 und HO 
21,18. 23,5. 59,21. <il,l. 73,8. 80,11 u.o.; kann aWr auch genetzt werden: 
rines einigen are Maria nur 2.3, 5 und Bo .')7, 33. 72, 8. 10. 82, 3.3. KJ, 7. 9. 
92,4. 113, K u.U., dalier nelien einander: unib einen einigen helbelinr oder 
uinb einiiftn pfinninc 117, !•. I>er bestimmte artikel darf nicht fehlen, wenn 
gründe ihn fordern: die einigen wile, unc er däcun kante 33, 1, dtiz einige 
dine 90,3.(1 (verweist auf 9.'), 2!() un»! so ii. 

IC e nie als a(\jectiv erhält den artikel nach den sonst geltenden regeln: 
die wenigen wile, als ... 130,20, in dem wenigen büechelin, da ... 249,10. 
Beim suhstantivi.«clien oder adverhiulen g« hranch kann entweder die positive 
oder die negative bedeutung stärker liervortreten. Das erste ist der fall, 
wenn schlechthin von einer gewis.'^en, wenn auch geringen menge (inten- 
sität der handluiig etc.) die rede ist (gegensatz: nichts, alles). I»ann ist 
eiti notwendig: du: er liiure ein wenic lunne und fiirwerl aber ein w. 75, 15. 
17. 2,40, 17. 18, daz sie ein w. widergaben (= 'doch etwa»') 137,5 und so 
41,39. 152,23. 210,5. 271,13. 325,5.10. 420,1. 519,8. 5e:>, 8. 2,30,19. 
39,35. 40,29. 51,20. 01.29. 120,28. i;}3, .33. 134, .34. 149,28. 191,32; auch 
wenn die geringfügigkeit betont ist: dt't bist getriuwc gewesen über ein 
wenic guntesl\,\i. 12,2.5. 2K,1(). 111,5. 2,24,0. 2.5,27. 32,22; andere 74, 14. 
!H),24. 120,21. 13.S,7.22. 240,32. 2.')8, .3.5. 284,38. 334,1. 477,4. 2. 4<t,31. 
113,3. 1.50,39. — Dagegen fehlt der artikel gewCdinlich, wenn der gegen- 
satz mit vil ansdHlcklich hingestellt wird: du sult des Übeln wenic tuun 
unde des guuten ril W,'2!0. 2, 2<), 18; andere 14, 37. 24,38. 212,2. 4415, .5. 
521,15. 528,18. 2,11,0. ;{.5, 27. 52,3 (vgl. dagegen der cht sin ril hat des 
unrehten guotes ... der sin ein wenic hat 519,5). In diesem gebrauche 
nähert sich das wort der negation, der es bisweilen vidlig gleit bkonimt. 
In dieser überwiegend oder ganz negativen bedeutung f<lilt der artikel: 
wrnie t'ren wirt an dich geleit 193,0, daz eht er wenir iimne 2,119,22; 
andere 220, 17. 2, 155, 10. 20. l.'><5, 13. 18. 29, vgl. s. 3.55. Adverbium: positiv 
ein wenic ■>4, U}. VU],'M. 138,21. 179,26. 187,21. 2r.9, 17. .'149,. '10. 48<i,21. 
2,44,5. 231, 3(;. 2.'f2, 11. 2.'10, 32, negativ: irr«««- Ol, 11. AuRgeurhlosuon ist 
er bei sü, als, gar wenic Substantivisch: 19,20. 25,0.8. .'vH, ;rj. <X>, 2.5. 31. 
2(17, :{2. 2»;9, 3. 4U), 18. 484,:«. 509,8. 2,3(5,4; adverbial: 4<), 20. 22. 70, 1 ff. 

I88,:i4.:r). 223,11.14 u. 0. 

solich verleiht abstracten und stoffnamen einen individuellen sinn. 
Trotz<lem kann der artikel fehlen: mit $vlicher untugent Xt,^); vgl. !(>;{, 2U. 
173, 9. 293, 13. 299, 35. .Tjr., 21 u. a. 

Bei beide kann der artikel fehlen, obwol Am wort »t«'t« auf be- 
kanntes hinweist: f'uoren durch bidiu wasser 07,6, sü ist bester, du rent 



362 ZIMMERT 

mit einer hant in daz himelriche, danne mit beiden zer helle 348, 19 und so 
457,2.7. 459,23. Docli kann er auch gesetzt werden: fuoi-te in durch die 
huote bede 211,11; swer der beder niht behaltet 361,13. 

Neben d eh ein, Je ein steht bei Berthold nie ein artikel. 

4) Neben dem card i n alz all 1 wort fehlt wie beim plural 
überhaupt der artikel, wenn eine noch unbekannte Vorstellung 
in die rede eingeführt wird. 

Kommt dann der redner wider auf diese Vorstellung zurück, so wird 
sie durch den artikel als eine bekannte bezeichnet: daz er dricr biioze eine 
nccme 9, 1 : er muoste der drier buoze eine nemen 9, 7. Der ausdruck 'bisher 
ungenanntes' darf nicht zu sehr gepresst werden; wird z. b. am Schlüsse 
einer erörterung zusammenfassend wider zur ausdrucksweise des anfangs 
zurückgekehrt, so bleibt der artikel wider weg: und also hat uns got cr- 
zöuc/et zwene wege in der alten e 67, 1, nachdem von den zwei wegen schon 
die rede war. Der artikel erscheint unter denselben bedingungeu wie sonst 
beim plural: dhi zehen gebot 27,25 (allbekanntes), ob du die zwo ein oder 
die drie gen liezest 146, 24 (durch den Zusammenhang bestimmtes), zuo den 
fünf meiden, die . . . 228, 20 (relativs.), die zwo teile, tac und naht 331, 38 
(apposition), die höhesten drie kcere 141, 20 (superl.). Wird aus einer 
grösseren zahl eine kleinere herausgehoben, so erhält sie den bestimmten 
artikel: daz loir des sunnen diu zivei teil kCmie gesehen 401,1, und so 
141, 20. 274, 19. 388, 5. 2, 33, 18. 

5) Die Ordinalzahl verlangt den bestimmten artikel. So 
auch die substantivierte der zehende 112, 34. 36. 39 u. ö.: 

Bei den aus Ordinalzahl w. und halj) zusammengesetzten adjectiven 
fehlt er: in ahthalbcm jare 69,30.38. Auch 108,13 hat ihn die hs. nicht 
(Pfeiffer: umb ein anderhalbez gelt). 

ander als ordinalzahlw. in der aufzählung erhält den bestimmten 
artikel: der ander fr ide 56,31 namentlich im gegensatz zu der eine: %Q,\i. 
19 Tl. 0. Das entgegengesetzte ein erhält nicht immer den bestimmten 
artikel; vielmehr genügt stark betontes ein, wo die beiden einander ent- 
gegengesetzten glieder aus einer grösseren anzahl gleichartiger heraus- 
gehoben werden: frizzest undc trinkest einen kröpf über den andern 103, 13, 
der ist einer ie icirser dann der ander 126, 20 und so 74, 36. 135, 2 u. a. — 
ander = 'der folgende' hat den bestimmten artikel: unz an den andern 
tac 268, 9. 18. — Im übrigen erscheint und fehlt der artikel bei ander ganz 
nach den gewöhnlichen regeln für die verschiedenen gattungeu der sub- 
stantiva. — Beim plural steht der artikel, wenn nach abzug des einen 
gliedes die gesammtheit der übrigen bezeichnet werden soll: die andern 
Sünder 280, 3; ferner wenn ander eine zweite gruppe oder klasse bezeichnet: 
die ersten hüte . . . die andern Hute 142, 34 u. ö. 

6) Adjectiva beim Substantiv haben keinen einfluss auf 
die Verwendung des artikels, ausser wenn sie in der s. 384, a. 



DAS AIITIKKLLOSE SUBST. HKl II. VON UEOEN8BUKO. 363 

338. 339, g. 340, k. 341, n erwälinteii weise dazu dienen, d»'in 
Substantiv eine begiifflicli allgemeine bedeutung zu geben. 

Dasselbe gilt für (!»'n coniparativ; der aitikel er.>iclieint 
bei ihm unter denselben bedingungen wie überall. 

Bemerkenswert ist, (laus bei ie—ie mit comparativ der artikel 
8tets wef:^bleil)t: /«• manirvditrr sihulc, ie mnnircaUrr murter und ie tiefer 
hvllv 128,10.17. 2(»:{,2:). 204.20.:«». :W(),:W). 2, 22i»,:{. 

Audi ^attung.snaiiieu im sing, bleiben iu dieser fUgung artikellos: ie 
gritzer sütuler, ie titfer helle 2, 229, 7, ie he;:er (jewizzen hie nidcnan, ie 
lüterre sele dort 200,3,'», ie hoher lere, ie tiefer tal Mhd. wb. 1,744. Da« 
snbstantiv steht in begrifflicher allgemeinhcit. Dagegen hcisst es im voU- 
stäntligen satze: sü diu zit ie huher und heiliyer ist, nö diu sitndt ie tjrazer 
ist 128,30; ühnl. 20. 16. 13. 

Der Superlativ, der unter einer grü.^.seren anzahl von 
dingen eines heraushebt, da.sjenige welches eine bestimmte 
eigenschaft im höchsten grade besitzt, verlangt den bestimmten 
artikel. Dieser bleibt nur dann weg, wenn dem Superlativ 
das Substantiv mit al im paitiiiven genetiv vorau.^geht: 

der (juote Job, aller manne beste 188,10, vgl -13,24. 54,19. 59,31. 71,25. 
83, 3(). !»4, 19. 95,29. JK], 8 u.v.a. Auch ohne aller: daz ir iht kuntt in 
Sünden H'/rsff 2, 148, G. Eine einzige ausnähme habe ich bemerkt: aller 
uisheit diu beste 8,25. Anders ist es, wenn das partitive Verhältnis mittels 
einer präposition ausgedruckt wird: under allen dintjen daz beste 2,175,7. 

Folgt der geuetiv nach, so wird der artikel gesetzt: diu sehedelicheste 
aller tnitugeiuie 108,25. Ebenso, wenn bloss aller vorangeht, wilhrend das 
Substantiv dem Superlativ iu gleichem casus folgt: der aller beste sinac 
68,12, vgl. l.iS, 10. .345,15 u.a. Eine ausnähme bildet 550,2») daz aller 
minneste irirde hat. 

Der höchste gi-ad der eigen.schaft kann aber nicht blo.ss 
einem ein/einen, .'^(•ndern auch einer mehrheit zii<,^»'sprochen 
werden. Soll nun aus dieser mehrheit ein einzelner heraiLs- 
gehoben werden, der gleich den andern die eigeuschaft im 
iiöchsten grade besitzt, .su kann das ge.><chehen durch ein mit 
dem partitiven gen. pl.: aUiü ist diu ziiutje dir icirslen mort- 
exte ciniu, däion man tjcrcdcn mac 133, 10, du trcist der birsten 
zmujrn vinc, diu dem liunl ie dirnst erbot 84, '» u, o. Rs kann 
aber auch dadurch ge.^lM'hen. da.^s das snbstantiv mit dem 
Superlativ und dem bestimmten artikel in dem .\viitakti.sch 
regierten casus steht und ein hinzutritt: du bist dem tiuvel 
ein der liebe stc kneht, den er i ender t hat 84.4. 208,20. 
393, 36. 



364 ZIMMERT 

ein hebt hier ans der mehrheit der liebsten knechte einen heraus, wie 
ein lugcncr ans der mehrheit der lügner einen heransheht. der neben ein 
konnte nidit wegbleiben, wenn der Superlativ den liöcbsten grad ausdrücken 
sollte; ci}i Jiehesicr kiicJd hätte einen amlern sinn. Auch ein konnte nicht 
wegbleiben, weil es neben dem ketzer auch noch andere arten von sündern 
gibt, die auch zu den liebsten knechten gehören; sie werden in der predigt 
von den dienern des teufeis aufgezählt, wan sie dem tinvel aller lieheste 
sint ... sie selbe zw elfte (2,147,21): raörder, ketzer u. s. w. 

Wird nun eine dieser kategorien nicht durch den singular (wie in den 
oben genannten beispielen), sondern dnrch den plural ausgedrückt, so er- 
scheint ein auch beim plural: daz sint ouch eine iiiwer diener, die lieh est e'n 
eine, die ir habt 2,148,38. Das ouch, der wenig geläufige plural eine, 
die widerholung desselben hinter dem Superlativ beweisen, dass der redner 
sie nicht einfach als die liebsten diener bezeichnen will, sondern dass er 
sie bloss mit zu den liebsten rechnet. Aus demselben gründe heisst es 
gleich darauf von einer anderen kategorie, der geizigen: die sint iuiver 
diener ouch eine die licbesten, die ir iendert habt 149, 7. Es könnte ebenso 
gut heissen der liehesten eine und im singular statt ein der liebeste: der 
liebesten einer. Dafür spricht auch 2,151,6 daz sint ztcö die unreinesten 
Sünde von aller der iverlde verglichen mit 15 da sint ez zwo d e r unreinesten 
Sünden die diu ivcrlt ie begienc. 

Tobler (Beitr. 15, 382) leugnet dies; er meint ein der beste sei geradezu 
'der beste'. Nun muss zugegeben werden, dass an einigen stellen der sinn 
diese auffassung fordert (Nib. 1173 les., zwen die besten Gudr. 472), andere 
widerstreiten ihr (Iw. 334 an ein daz scho'neste gi'as); ich kann hier nicht 
alle nachprüfen, jedenfalls geht aus dem oben gesagten hervor, dass wenig- 
stens für einen teil der stellen Grimm recht behält, der (Wb. 3, 136) ein der 
beste dem nhd. eine der schcensten gleichsetzt. 

Von den snperlativadverbien erhalten manclie stets 
den artikel, andere nie: 

des ersten 4, 9. 90, 4. 93, 17. 23. 123, 12 und so immer, an dem ersten 
260, 28. 403, 32, bi dem ersten 260, 7. 12. 332, 8. 9. 475, 21, mit dem. ersten 
332, 15, zem ersten 71, 39. 120, 34. 156, 12 und so immer, zem höhsten 438,35. 
513, 23, minnesten 453, 31. 33. 458, 7, an dem jungesten 372, 24. Mhd. Wb. 
776, a, zem boesten unde zem ungcebesten 23,24; aber erste 257,7, von erste 
4, 16. 6, 5. 75, 12. 126, 8 imd immer, ze jungest 171, 11. 439, 14. 489, 20 und 
immer, ze vorderst 2U, Ib. 551,9, aller erste 73, 2i. 81,26. 256,15. 2,161,31 
und immer, aller meiste 101, 3 und immer, aller liebeste 203, 19. 27, aller 
minneste 331, 26. 344, 39 (zem a. minnesten 298, 14. 453, 33), aller nceheste 
203, 10 u. ö., ze (aller) niderst 379, 2. 384, 5, a. beste 386, 26, a. gemein- 
licheste 892, 4. 

Gehören zu einem Substantiv mehrere adjectiva, so 
wird der artikel gerne bei jedem widerholt: 

der edele unde der frie herre 13, 12, vgl. 19. 27. 36, 16 u. v. a., auch mit 
widerholung des subst. : gar ein guot funt und ein nützer funt 43, 22 ; vgl. 



DAS AKTIKKLLÜSE SUHST. HKI H. VON KRÜEN8HURG. 3G5 

\2'.\,2. 221,. 'U. 2'.n,'M u. i\.; HeltJ'ner winl nur Liiinml dt-r iirtikfl ^•.•'ftzt: 
ein smahrr Ittiser wültnri'rtitjtr atir U'J, IH, einen vesten fride halten und 
Stuten 2:{.S, 7; v>;l. :{.S, :{.■>. 7l>, 27. !>H, 22 u. n. 

Hii])t'ii inehiere siibstantiva ein gemeinsames adjectiv, 
so «?enii}^t der artikcl bei diesem: diu sch(i)ist(n rinder xmd 
tus 'A4\\ 10, kann aber amli sammt dem adjectiv bei jedem 
jjfliede wiedeiliolt werden: cime töten nunschen oder einie tuten 
hohe oder tl)iini töten steine :{51, 15; Vgl. 91.22. '.•.'>, 1 1. 

8. Substantiv mit abhängigem genetiv. 

Der »lein suh.stuntiv vuruii(,'e.«stellte po8sos«.ive f,'rnetiv iniulit den be- 
stimmten iirtikel entbehrlich, du er zur kennzeiehnunj,' der individnalität 
ausreicht: dtr utiUe ivullust ('tH,',iH; sunt Franrisrum, des hijlnjr;!! icir hetjen 
t).'), 4, und so hiiuti}^, besonders zahlreich fii{jUDgen wie drin- {maniijrr etc.) 
leie, slafUe, fiunde. 

Auch genetiv von genetiv abhiingig: Verkäufer gutes zit 21, IH, zerrer 
ijotes ruk iM, 11). 27. IW. 535, Ü (flexionsloser gen., Weinhold, Mhd. gr. b. 471)); 
vgl. noch 2,220, 1 (bei David v. Augsb. häulig) und s. :J4<). 

Der artikel fehlt sellist dann, wenn das sulist. von dem gen. getrennt 
ist: der stricke ist sü ril, duz ir niemttn zul trciz 4(KS, 2"). 

Hat der genetiv selbst keiueu artikel, so kann der zum übergeordneten 
Substantiv gehörende artikel vor dem genetiv stehen, aber auch fehlen: mit 
der yotets hilfe 28(), 4. 421,2, mit gotes hilfe ;{U7, ü, üne den gotes lichnnmen 
2, \:A), 27, gotes lichn. 20ö, 28. 2U<i, lö. 19 u. ü., vgl. s. 3;5U f. 

Der unbestimmte artikel ist nach vorangestelltem genetiv nicht aus- 
ge.schlossen : er uns uusns ordens ein bniuder 6ö, .^. Freilich ist er nur 
nach partitivem genetiv häutiger, der nicht so enge zum Substantiv gehört 
wie der iio8.sessive: der andern ein mirhel teil 2, 14. (W, 211. 79, S u. o., vgl. 
98,9. 112.:«» u. v. a. 

Wird der genetiv nachgestellt, so bedarf das Substantiv des artikels: 
die kröne des lebens 14, 27 u. v. a. 

9, Substantiva, die durch einen relativsatz 
bestimmt sind. 

Es ist oben s. .'iöl. 303. :{55 gezeigt worden. (la.<s iilnrale, 
stoffmimen und abstracta den artikel zu si<'h nehmen, wenn 
sie durch einen relativsatz bestimmt sind. Hoch finden wir 
auch in die.MMn falle das Substantiv ohne den artikel: 

a) wenn der sprechende in dem augenblicke, da er das 
Substantiv ausspricht, die nachfolgende bestimmung noch nicht 
im sinne hat. wenn also der relativsatz einen epexegeti.M-hen 
zu.satz darstellt. I)as Substantiv wird einstweilen in l>egiiff- 
licher aligemeinhi'it hingestellt: 



366 ZIMMERT, DAS ARTIKELLOSE SUBST, BEI B. VON REGENSBURG. 

die müezent schaden haben, da vil unscelden von kümt 178,15; vgl. 
u-e (jeivaltes dens an mir hegdt MF. 1G2, G und MF. 156, 30. 

b) In pathetischer darstelluDg werden zu grösserer rheto- 
rischer Wirkung substantiva, deren bedeutung durch den Zu- 
sammenhang bestimmt ist oder durch den relativsatz bestimmt 
wird, und die deshalb den artikel erhalten sollten, lieber mit 
betontem adjectiv und ohne artikel in begrifflicher allgemein- 
heit hingestellt: 

tvarnent iuch gen zornidichem gerihte (von dem schon mehrmals die 

rede war), da niht tmgerihtet blibet! 2, 102, 32, Nii seht gröze gnade, die 

uns got erzeiget hat 292,8; ähnlich 854,4 (dagegen Nu merJcet mir die 
grözen iinde die edelen gnade, die der priester in tuo . . . 354, 11). 

c) Aber auch in fällen, wo keine dieser erklärungen zu- 
trifft, wo der relativsatz eine notwendige bestimmung enthält, 
auf welche durch den artikel beim substantivuni hingewiesen 
werden sollte, kann der artikel ausbleiben, sogar bei gattungs- 
namen: 

da von hdnt die tiuvel den alten hüten stric geleit, den nieman ge- 
brechen mac 486,12, dar umbe snlt ir tugende hant an haben, diu da 
heizet demüetilieit 476, 30 (vgl. dar umbe suU ir iuch der tugende under- 
winden, diu . . . 477, 30). Zu den von Paul, Mhd. gr. § 223, 7 und Tomauetz, 
Anz. fda. 14,16 augeführten beispielen füge ich noch folgende: MF. 170, 7. 
178, 25. Myst. 1, 355, 12 da ist ivirdeTceit, die sie mit disen tilgenden erworben 
habent. Beispiele aus Otfr. s. bei Erdmanu, Untersuchungen 1, 131. Oh 
seine erklärung auch für das mhd. angenommen werden kann? 

Im nhd. ist diese erscheinung nicht nachgewiesen; die 
stelle aus Gryphius, die Tomauetz anführt, ist anderer art: 
an x>ort enthält den mundartlich verkürzten und inclinierten 
artikel, wie er bei Goethe häufig erscheint (s. DWb. unter Der. 
Eapp, Herrigs Arch. 5, 461); vgl. um die du deine seel in tod 
gestellt Gryph., Sonnette (Lit. ver. 171) 1. buch, 55. son., v. 6 und 
ähnliche 1, 60, 13. 2, 12, 11, s. 369, v. 159. 200. 

BIELITZ, märz 1901. FERDINAND ZIMMERT. 



laiiK- rxi) K'icii rrx(;s('0NsTKi;("ii()NKN 
MirrKLi K )( 1 1 1 na;TS( 1 1 1 ;i: vkk ha, 

UNTERSUCHT IN I>KN W i:i>'KK.\ DKK' DI.'KI (IHOSSKX 
HÖFISCHKX KIMKKIJ, IM MnKUN( iKMJ IJ > 

UM) IN \)K\i üi:i)ia;N.'; 
I. 

Vorbemerkungen . 

Die fraffe, auf der die folo^eiiden zusaininenstelluii^^en fassen, 
hat hinsiclitlifh der pff'rinaiiisclieii sprachen und zwar speciell 
des ags. K. Sievers in tluss ^Thracht und als prnhleni für sich 
formuliert: in den scharf ablehnenden artikeln ffegen (t. Sarrazins 
aufsatz "Per Schauplatz des ersten Heowulfliecles und die heiniat 
des dichters' ( Heitr. 11, I.'jI» ls:{). die Sievers in dm Heitr. 11. 
354— 3G2 (speciell :W1) und IJ. H)8— 200 (speciell 18S ff,, nach 
Sarrazins entfrt'frnunp: Heitr. 1 1. '»-JS ."ill) erscheinen liess. zu- 
erst ;,^anz nebenher mit ein<::etl()ssen, verdichtete sich der dunh 
das misverständnis der nun so bekannten Beowulfstelle vnn 
Seiten Sarrazins actuell ^ewordem^ fra<rei»unkt für Sievers 
selber im zweiten artikel zu einem problem. Zwei seiner 
Schüler unteivuchten es dann in andern gerni. spraclipebieten: 
J. Borrmann. l\uhe und licht un;,^ in den got. verbalbegriffen, 

') Citate narh foljfj-nilt'n an.HualM-ii : Ilnrt niiinn: Eror muh Haupt' 
1871; flroffor nach Paul» UHU) (\\U\. testbihl. 4); I>«'r .\nno Heinrich nach 
Paul» lHl);M»'h«la. ä); Iweiu iiarii H«-ne«'ki' unil Lathniaun* 1H77; «liw l.HUch- 
loin nach IItiu|it-Martin ISNI, ilU- Mt-ilcr narh MF. <iottfrii-«]: Tri.<«tiUi 
narh IWhsttiii ' isiH». Wolfram: narh Larhmann' 1H!M. Nibf- 

1 unj^'cii lifil : niu l> I.uclunnnn* 18&1. — (tuilrnn: nach Martin 1883. — 
ütfried: nach Knluiann IHHÜ. 



368 WIESSNER 

Halle 1892, und E, Steitmann, Ueber raumanscliauung im Hel- 
jand, Leipzig 1894. Ich verdanke die aiiregung, dieselbe frage 
in der alid. oder nilid. spräche an einigen denkmälern zu ver- 
folgen, der gute Richard Heinzeis. 

Ursprünglich war meine absieht, das erhaltene ahd. sprach- 
material auf die gleiche weise zu durchforschen wie Borrmann 
die gotische bibelübersetzung und Steitmann den Heliand. Eine 
aus Otfrieds werk und Notkers Boethius angelegte Sammlung 
zeigte aber dürre resultate. 

Der grund dafür ist bei näherem zusehen nicht in der 
spräche, sondern im Charakter des überlieferten Sprachmaterials 
zu entdecken. Die vorliegenden Untersuchungen haben es mit 
wesentlichen capiteln der raumanschauung zu tun, soweit sie 
sich in der spräche widerspiegelt: gerade in diesem punkte 
sind nun die erhaltenen ahd. Schriftdenkmäler schwerlich ge- 
eignet, einen rückschluss auf die allgemeinheit zu gestatten, 
und zwar vermöge ihres Inhaltes. Dieser ist grossenteils un- 
sinnlicher, abstracter natur. Das locale element, Schilderung 
von örtlichkeit und örtlicher bewegung, tritt stark in den 
hintergrund. Otfrieds spräche z. b. — von Notker nicht zu 
reden — verflüchtigt sich, von der realen frische des as. 
Werkes weit entfernt, stets vom kerne lebendiger erzählung 
in übersinnliche, abstracte Sphären. 

Und ein weiteres. Die Verfasser der ahd. Sprachdenkmäler 
sind in der mehrzahl lateingelehrte, mönche! Selbst wo sie 
also nicht nach lateinischen quellen arbeiten — und das ist 
ja selten genug der fall — muss man vorsichtigerweise die 
frage offen lassen, ob und inwieweit ihr deutsch unter dem 
banne der ihnen so wol vertrauten gelehrtensprache steht, 
umsomehr, da gerade in den hier erörterten erscheinungen 
die lateinische spräche manche momente zeigt, die mit ags. 
und as., zum teil auch mhd. Sprachgebrauch, abweichend vom 
nhd., sich decken. Es fällt mir nicht ein, Otfried 'völlig im 
banne des lateinischen stiles geknechtet' zu nennen, wie Wunder- 
lich (Unsere Umgangssprache s. 172) es tut, in einer kühnen 
behauptung, um deren realen beweis er gewis verlegen wäre. 
Immerhin hätte man damit zu rechnen, dass die deutsche 
Übersetzungsliteratur damals eben erst schüchtern aufkeimte, 
dass ihre autoren mit dem lateinischen in einer weise vertraut 



RUHK- INI) UiniTUNOSCONSTIirCTrONKN. 309 

Wiirt'ii, voll der wir lit-iilt' k.iiini iiidir ciiic n-ditc V()i"slelliing 
liiilxMi, »lass trotzdem seihst heule Hoch vorziij^lich«' über- 
setzun^^en aus (h-iu hiteiuischeu oft ohne mühe als solclie zu 
eikeniU'U sind. u.s. w. 

Weit daukhaiei- als die unter tlieolopischeni eintluss«^ oft 
recht ahstracten alid. liteiaturindducte mussten nihd. denkmäier 
sein, epische weike, die voi\vie<^end zustände und ereij^nisse 
des concrettMi lebens schildern. Es wurde also in der vor- 
liegenden arbeit in sämnitliclien werken Haitmanns und Wolf- 
rams, in (lottfrieds Tristan, im Nibelungenlied und in der 
Ciudrun eine reihe von rulie- und richtungsconstructionen unter- 
sucht, die von dem lieute allgemein geltenden Sprachgebrauch 
abweichen. Die grenzen der arbeit sind ungefähr die gleichen 
wie bei Horrmann und Steitmann. Ks wurden nur construc- 
tionen berücksichtigt, denen wirklich räumliche Verhältnisse 
zu gründe liegen — natürlich mit einschluss aller eigentlich 
metaphorischen Wendungen — oder übertragene, wo solche doch 
deutlich durchschimmern, ohne da.ss hier besonderes gewicht 
auf die schärfe der umiisse gelegt woiden wäre. Kine solche 
Scheidung bleibt, bei der Unbestimmtheit der Übergangsgebiete, 
ja nie frei von Willkür. Es würden sich die grenzen bei einem 
unternehmen dieser ait sogar in der heute lebenden spräche 
nach den einzelnen individuen, ja nach der stimmunj,'- des ein- 
zelnen Individuums ganz merklich verschieben: um wie viel 
mehr in der alten spräche, die uns in toten lettern voiliegt, 
die wir nur durch un.sere eigene, aus anderem material geholte 
erfahiung beleben können, in der beständigen gefahr, moderne 
anschauung in die alte spräche hineinzutragen! Eine Scheidung 
war aber notwendig, .sonst hätte sich der rahmen der gesteckten 
aufgäbe ungemein erweiteit, zu einer abhandlung über die 
präi>ositionen, die casu.srection überhaui»t; bedroht ist dabei 
nur die Vollständigkeit der Untersuchungen, nicht das gegebene 
material .selber, l'nberührt bleibt hier daher die lehre von der 
einfachen casusrection, d.h. von casiLs, die nicht von Präposi- 
tionen 'regiert' werden, aus.ser bei vei-schiebungen in der con- 
currenz mit präpositionaler constru<tionswei.M*. I)er einfache 
arcusativ ist bekanntlich von haus aus Zielangabe, der genetiv 
und seine nebeucasus bezeichnen den ausgantrspunkt. der dativ. 
wenn die Vertreter der localistischi'U theorie recht haben, die 

llcittj^e lur gMchichl* dar «l«uuch«n tprkchc. XXVI. 26 



370 WIESSNER 

riclitung': also mit dem locativ alle wesentliclien pliasen der 
räumliclikeit. Der fernen periode, wo diese Verhältnisse 
lierscliten, steht das mhd. so fremd gegenüber wie das nhd.: 
längst hat sich ins gebiet des räumlichen ansdrncks der volle 
Strom der localen Partikeln, der präpositionen ergossen. Die 
casussufflxe, nur der ureinfachen widergabe localer beziehungen 
gewachsen, waren wehrlos den gesteigerten anf orderungen 
entwickelterer generationen hinsichtlich prägnanterer fassung 
der raumverhältnisse gegenüber gestanden und erlagen end- 
lich dem neuen wortcomplex. 

Somit sind diese Zusammenstellungen nur ein kleiner bei- 
trag zum grossen capitel der lehre von der mlid. präposition, 
wie Borrmanns arbeit für die got., Steitmanns für die as. 

Bei der fülle des Stoffes sind ruhe- und richtungsconstruc- 
tionen, die in die kategorie des temporalen gehören, unerürtert 
geblieben, trotzdem unsere spräche zum ausdruck zeitlicher 
Verhältnisse durchwegs metaphern aus der raumanschauung 
verwendet. 

Der historische Standpunkt, d. h. ausblicke nach rückwärts, 
wie nach vorwärts, oft wesentlich zum Verständnis einzelner 
mhd. erscheinungen, konnte mir durch verweise auf vorhandene 
arbeiten zu seinem rechte kommen. Aus dem ahd. gebiet ist 
Otfried öfters selbständig herangezogen, zur überbrückung der 
kluft zwischen dem mhd. des 13. jh.'s und der heutigen Schrift- 
sprache Grimms Wb.; bei einer syntaktisch lexikalischen arbeit 
im mhd. musste naturgemäss diese periode stets im Vordergrund 
stehen, andere dienten nur zur Illustration einzelner tatsachen. 
Und doch bot sich von selber das heutige schriftdeutsche als 
massstab dar, an dem das mhd. material zu messen war; d.h. 
es wurde das Interesse auf differenzen zwischen beiden Sprach- 
gebieten concentriert; identische, bez. parallele erscheinungen 
wurden nur kurz gestreift oder einfach übergangen, ausser 
wo sie durch concurrenz mit abweichenden bemerkenswert 
waren. 

Ein rückschluss aus den ergebnissen der arbeit auf den 
allgemeinen mhd. Sprachgebrauch wäre nur unter reserve ge- 
stattet. Aus dem ganzen corpus der mhd. literatur des 13. jh.'s 
— vom 12. und 14. ganz abgesehen — kamen nur poetische 
werke zur spräche. Zur controle der prosa wurde Vergleichs- 



Urili:- INI) RICnTUNOSCONSTRUCTIONTEN. o71 

weise der n. buiul der Altdeutschen itrrdifrtcii. heraiisf^pr. von 
A. K. Scliönbacli, lieruiij^ezoofen, ohne sonderlicli interessante 
crjjebnisse: was bei drr srli\v»'rf;illi{r<MJ. stark tonin-lhaften und 
dazu uusinulii luMi sprach«* difser prcdit^tcn Icidit b('f,Tritlich 
ist. I''cnicr (hilf nicht iihcrsidien werden, was tiir starke 
indiviilualitiitcn (ititltVicd und W'oltiani sind! Wenn auch b«'i 
bt'idcn an ei;,'t'ntli(di«* verj^»'\\alti;^un^'- der spräche nicht zu 
denken ist. sdialten sie docli souv«'rain mit ihr; neben manchen 
kühnlieiten im wortscliatz winden verwef^enlieiten in der con- 
struction nicht befremden. Wie man also die resultate der 
arbeit Bornnanns ni<'ht ohne weiteres für die pot. spräche 
überhaupt in anspruch nehmen dürfte, da der (lOte doch ül)er- 
setzer ist, wie man aus den erörterungen Steitmanns über die 
gleiche frage im Heliand nicht direct, d.h. ohne vorbehält, 
auf das geniein-as. schliessen könnte, da uns dies unbekannt, 
der Heliand aber immerhin ein dichterwerk ist, im banne der 
metrischen gesetze und der epischen formel, so gilt alles im 
folgenden gesagte in erster linie von der spräche des ab- 
gesteckten materials: rückschlüsse auf die allgemeinheit hal)en 
hierbei ihre geltung unter den Voraussetzungen, die schliess- 
lich jedei- lexikalischen arbeit zu gründe liegen. 

\\'as die gruppienmg des ganzen Stoffes anbelangt , war 
der weg im allgemeinen durch die arbeiten von Horrnuinn 
und Steitmann vorgezeichnet. Borrmann scheidet die behan- 
delten verba in drei grui>|ten. Steitmann in zwei, nändich 
verba sinnlicher utul geistiger tätigkeit. Kr scheint ihxs miss- 
liche und schwierige bei der aufstellung einer dritten gruppe 
zwischen beiden, 'veiba sinnliih-geistiger bedeutuufr' (so Borr- 
mann s. 22 f.) durchgefühlt zu haben und teilt das iibt-riranirs- 
gebiet nach beiden selten hin auf. 

Ich hätte diese .Scheidung in zwei grt)s.^e grupi»en auch 
in meiner arbeit durchführen können. Der kleine gewinn 
einer rein äusserlichen übei-sicht ohne rechten inneren wert 
schien mir aber die einbu.sse. die der organische Zusammen- 
hang erlitten hätte, nicht aufzuwiegen. Vor allem durften zu 
gunsten einer logischen .scheidung nicht tat.sichen au.seinander 
gerissen werden, die einander wech.sel.seitig beleuchten. Nun 
reichen aber die begriffssphären einer nicht unerheblichen 
anzahl von verbeu von einer der beiden gruppen in di»- andere. 

25' 



372 WIESSNER 

Um dem aufgesclüchteten material also durch den Yersuch 
einer streng logischen gliederung keinerlei zwang anzutun — 
eine gefahr, der syntaktische arbeiten in diesem fall schwer 
entrinnen — ordnete ich nach dem formalen gesichtspunkt, 
bei einem vorgenommenen verbum ruhe- oder richtungsconstruc- 
tionen, die vom nhd. Sprachgebrauch aus auffallen, auf einmal 
zu erledigen, auch wenn das verb mit einer bedeutungsfärbung 
ins sinnliche, mit einer andern hingegen ins geistige gebiet 
wies. In den allgemeinsten umrissen folgte ich dabei der 
anordnung Steitmanns in den entsprechenden teilen seiner 
arbeit. Der Übergang von einem verbum zum andern, von 
einer verbalgruppe zur andern ergab sich meist ganz zwanglos 
durch ähnlichkeit der bedeutung, parallele constructionsweise 
u. s. w. 

Sollte durch dies princip der anordnung die architektonik 
der arbeit gelitten haben, so wird dieser mangel, praktisch 
mindestens, durch ein genaues register der behandelten con- 
structionen hoffentlich wett gemacht werden. 

Bezüglich des Verhältnisses des mhd. zum nhd. in der hier 
erörterten frage, im allgemeinen, lehrt schon der gesammt- 
eindruck, den man bei der lectüre mhd. texte erhält, sowie 
ein flüchtiger überblick über die hier gebotenen tatsachen: so 
befremdende, wesentliche ab weichungen im sprachlichen aus- 
druck localer Verhältnisse, wie sie die spräche des Beowulf 
und anderer ags. denkmäler, des Heliand, ja auch der got. 
bibel Übersetzung, wenngleich in weit geringerem grade, dann 
besonders des altnordischen von der gegenwärtigen deutschen 
Schriftsprache trennen, bestehen zwischen dieser und der zeit- 
lich wie örtlich viel näher gelegenen mhd. literatursprache 
nicht, was ja historisch unmittelbar einleuchtend ist. 

Dennoch haben von der einen Sprachperiode zur andern 
Verschiebungen in der raumanschauung stattgefunden, insofern 
sie die basis entsprechender phrasen bildet, Verschiebungen 
oft recht schroffer natur, oft auch weniger aufdringlich. An 
sich sind die einzelnen für die mhd. spräche charakteristischen 
constructionen dieser art bekannt und als solche öfters betont 
in lexikalischen, grammatischen arbeiten, in commentaren 
U.S.W. Bei näherem zusehen freilich ergibt sich oft, dass 
gerade in diesem punkt die mhd. wbb., aber weit mehr noch 



RÜHE- UND UICHTUNG8CON8TKUCTIONEN. 373 

die iilul., (liirftij?e auskiinft ^'eben, oder gar völlig schweigen, 
lieber die Verbreitung einer solchen construction bei einem 
a.itor, seine auswahl aus den ihm verfiigbami syn<»nyiin*n 
construct Ionen etc. ist — und das soll ja absolut kein voiwurf 
sein — in unseren lexikalischen werken wenig zu luden; durch 
ersch("ii>fende zusauimens((dlung aller tat.sachen bei einigen 
intere.s.^anteii autoreii bez. denkmälern die frage klar zu 
stellen. W(d»ei sich vielleicht auch nicht wertlose beobachtungen 
für den stil des einzeliu'n ergeben konnten, das war der zweck 
dieser arbeit. 

Zur fixierung der begriffe, die hier wesentlii h, durchweg 
aber unmittelbar verständlich sind, wie verbum der bewegung, 
des zustandes, art der Verbindung solcher mit angaben des 
ausgangspunkte.s der richtung. des ziele.s, aufenthaltes. mediums 
U.S.W, verweise ich, um widerholungen zu vermeiden und diese 
Vorbemerkungen nicht noch weiter auszudehnen, auf die ent- 
sitrechendeii ausfiilnuiigen bei I^orrmann iiinl Steitniann, be- 
sonders auch auf die klare darstellung bei Behaghel, IIS. 
§179 ff. ^\'enn es nötig ist, wird im folgenden an ort uiul 
stelle dav(»n die rede sein. Speciell hinweisen möchte ich nur 
noch auf eine neuerung Behagliels in der terminologie dieses 
gebietes: er ersetzt die schon eingebürgerten bezeichnungeii 
'ruhe-, richtungsverba' ohne weitere begründung durch die 
abstraet klingenden lat. ausdrücke 'intralocale, tran.»jlocale 
verba'. ') Die.se würden sich vielleicht neben den alten em- 
pfehlen, falls man unter 'iutralucalen' verba alle verstünde, 
die mit Ortsangaben auf die frage 'wo' verbunden auftreten, 
also gewidinlich verba der ruhe, des zustandes, aber auch verba 
der bewegung. Denn auch diese construieren auf die frage 
*wo*, wenn damit das locale medium, innerhalb dessen die 
ganze bewegung erfolgt, angereiht ist. In diesem sinne also 
ist die allgemeinere bezeichnung 'intralocal' vielleicht neben 
der alten, 'ruheverbum' ( zustandsverbum), willkommen. 

Andrerseits ist bei der tixierung der gruppe der veiba 
der bewegung zu beachten, da.v«; auch zweifellose verba des 
zu.standes eine Verbindung mit angaben der richtung eingehen, 
also 'translocal' construiert werden können: bei rücks^-lilüssen 

>) Vgl. V. £. Muurek, Anz. fd». 24, 346. 



374 WIESSNER 

aus der anfügung- localer angaben der ruhe oder richtung auf 
die actiousart des betreffenden verbums ist also unbedingt vor- 
sieht geboten: es bedarf dieses kriterium, da es nicht unzwei- 
deutig ist, stets der controle durch betrachtung des zusammen- 
liangs der rede. — 

Der umfang meiner Zusammenstellungen v^ard naturgemäss 
ein recht beträchtlicher, da in den wesentlichen punkten stets 
Vollständigkeit der belege aus dem relativ ohnehin bescheidenen 
material angestrebt ist, wobei nach der genauen controle des 
ganzen Stoffes hoffentlich nicht viele versehen untergelaufen 
sind. Eine blosse auswahl aus dem gesammten material hätte 
manchen ausführungen den boden entzogen, den einblick in 
die Verteilung der einzelnen erscheinungen auf autoren und 
werke verwischt u. a. Auf die gefahr hin, der arbeit ein 
schwerfälliges äussere zu geben, liess ich in wesentlichen 
fragen stets alle tatsachen sprechen, mit beherzigung der oft 
citierten schönen worte Beneckes im Wörterbuch zu Hartmanns 
Iweini) s. iii: 'auslassen und abkürzen konnte nur auf willkür 
beruhen; die auf Zählung aller fälle ist es, aus der sich gesetze 
sowol als ausnahmen ergeben.' Specialarbeiten, wie diese von 
Benecke, sind für Hartmanns andere werke, für Wolfram und 
Gottfried eben noch immer ein pium desiderium. 

Betreffs des citierens sei noch bemerkt, dass stets die 
zahl desjenigen verses angegeben wird, in dem das eben 
wesentliche wort sich befindet. Störend mögen vielleicht einige 
Unebenheiten in accentuation und Orthographie der alten texte 
wirken: ich konnte mich nicht entschliessen, diesen kleinen 
mangeln zu liebe das princip des strengen citierens nach den 
oben bezeichneten ausgaben zu opfern. 

§ 1. sameuen u. ä. Unser nlid. sammeln, versammeln, 
refi. sich versammeln erscheint regulär mit ruheangaben (des 
Versammlungsortes) verbunden: also in Umschreibung 'personen 
an einer sammelstätte vereinigen, Sachen an einem orte zu- 
sammenbringen' und 'an einem Versammlungsorte eintreffen, 
zusammenkommen'. Das biblische 'zu seinen vätern versam- 



^) Meine citate beziehen sich stets auf die zweite ause-abe dieses bnches 
yon E. Wilken, Göttiugen 187-i. 



KIIIK- UND UICHTUNOSCONSTUL'CTIONEN. 37') 

iiK'lt wenlcn" kliiiiTt archaistisch, ein fall wie .[.(irimin lkA.7'.t7 
'noch jetzt trifl'l maii in den iiicistcii (ieiitschen dürfeni, /.. h. 
den licssiscJM'ii. fiiic linde auf eiiiciii liii^Tl. wohin der «i^iclu- 
die baucrn vcrsaininclt' nicht «^i-wiilinlitli. I'.ci sachlichem 
object da^^e^cii hctrcmtlct /ichin-^alic im nlui. kaum: 'hlunien 
in die schiii'zt^ sammeln'. ') 

Zielaiifrahen scheinen nun (h-m alten sädis. auch hei 
persönlichem (il)ject «ranz geläniifi:; v^d. Sievei*s. lieiti. 12, lO.'j 
und Steitmann s. 1 1 : ein fall. dei- natürlich sehr an die be- 
kannte rege! der lat. schulj^iainmatik {conrvnirc, roiKjnijdrc, 
concKircrc etc.) eiiniieit. Die auffassunj? wäre hier, in para- 
phrase verdeutlicht, tollende: "personen oder sachen an eine 
saninielstätle hinbringen' und 'sich an einen ver.sinnnlunjr.^^itrt 
hinbegeben'. Im ags. und as. ist also samnon auch rein durativ 
verwendet, d.h. der nachdruck liegt dabei auf dem andauern 
der bewegung nach einem ziele hin. Wird einmal auf ab- 
schluss der bewegung an einem ziele gewicht gelegt, so er- 
scheint folgerecht ruheconstruction (Steitmanns.il). l'ud 
dieses ist die im nhd. überwiegende auffassung. ^^■enn Steit- 
mann (s. 11) das as. samnon als durativ dem nhd. aannmln 
als perfectiv gegenüberstellt, ist diese trennung mindestens 
ungenau: das nhd. verb ist vielmehr durativ-perfectiv. d. h. 
die bewegung ist eine andaueinde. wobei der moment ihres 
abschlusses ins äuge gefasst wird. 

l)ie tfloiche (•oiistructionsweiso wie im nj^s. unil as. ist iiiu-li im ulul. 
li'lu'inlijf. Vtfl. 1 f r. ."), 1 1, U W'arutt tliie jumioron (ho ... in rhuu liiis 
ilisninanol; l.'JS, l'J IT/r h»i.s/7j mua:in siiwiinnn znt iinti'<i ilru(t/irfi<iiinu, 
mit trerkon filu ridic ;i thnnu hohen himilriche, in hoho tjunUiihi, thrist 
arur tha: himilrichi; mit »Avh]. oly. 1.27, <>7 Thn: er »> (= tha: körn) filu 
(jarairo in sinu rfadum sumano. Vgl. auch (irimm, Hr. 4, H12. (iraff, Alul. 
präp. 8. 22 lind 207. An latinismus ist hier natürlieh nicht zu «lenken: t\m 
mg», nntl a.««. zeijjen «lie verhiiuliuiir "Im verbs mit zielan^^ahen autochthnn 
im ^'cnn., unzweitleiitijji! mh<l. fälle auch im (leufs<-hen. 

§ 2. Die ausbeute aus den hier berücksichtigten mli<l. 
texten war freilich in diesem falle .^ehr dürftig: saiiuncN, 
ytsiOHcnm mit localangaben begegnet im ganzen sehr selten. 

•) Betrefla «ler hihlun^ eitfem-r lM'i.Mpiele fllr ('unHtni(-tit>ueu, an ch-ren 
tatsAehlirhe exi.ttene eine ernste skepsis sieh nicht hernnwaf^cn elnrfte. hin 
ich miniler h'ilenklich uowe«ien nU r. h. Wunderlich (t'n<«ero uniirnntrMpmrhe 

8. VIII f.). 



376 WIESSNER 

Hartm. kennt hier, unserem Sprachgebrauch ähnlich, nur construction 
der ruhe: Greg. 27-i2 icir suhi ez bringen dar zuo daz uns noch got gellche 
gesanme in sinem riche. Andere fälle Er. 9766 hie samenten sich die besten; 
Iw. 40 tvan sich gesament üf erde bi niemens ziten andersivä so manec guot 
ritter also da besagen wenig, da Ortsangaben so allgemeiner natur bei jedem 
bewegungsverb möglich sind. Sonst nur noch übertragene Wendungen, vgl. 
Greg. 26-1:6 in icären diu beide gesament in glichem leide, beidiu sele unde 
lip (s. K. Zwierzina, Zs. fda. 37, 414:), wo in wol schon modal zu fassen sein 
dürfte; unsinnlich auch Iw. 8066 daz ditc vremde von iu zivein ivurde gesa- 
menet enein. — Bei Wo 1fr. begegnet ruheangabe nie, richtungsangabe 
einmal Wh. 123, 16 zuo zim (Arnalt nämlich) gesamenten sich die: wenn auch 
die präpos. ze in solchen fällen zweideutig ist, da sie in ruhe- und richtungs- 
bezeiclmungen verwendet wird, so ist mir doch von der Verstärkung zuo 
ze bei Wolfram und sonst im mhd. kein fall bekannt, wo auf die frage 'wo' 
zu construieren wäre. Vgl. ferner Wh. 867, 18 sich sameJierten dicke dar 
(reim auf schar) aber die Franzoyse ividr: vgl. Nib.-l. B(artsch) 2291,5 
Swie vil von manigen landen gesamnet wcere dar, vil fürsten kreftecUche 
gegen ir Meinen schar: im Nib.-l. und der Gudr. erscheint sonst samnen 
mit riihe- oder richtungsangaben in dieser bedeutung nicht. — Wh. 427, 6 
sich samelierten aber gar ir sehs vanen zein ander: richtungscoustructiou 
nach dem context. In concurrenz mit samenen tritt im Wh. schar n mit 
Zielangaben: z. b. 864,13 fürriten die ArCibogse, die zuos rtches vanen loärn 
geschart ; 378, 7 . . . gröz her daz zuo zin loas geschart; 419, 29 manec fürste 
uvib in gestreut lac, die smorgens zuo zim warn geschart. — In Gott- 
frieds werk kommt für samenen und seine ableitungen hier nur eine stelle 
in frage: Trist. 1377 Morgan sin vient ha;te geboten ein starke samenung' 
in sin laut: also richtungsconstruction ; der fall ist aber mindestens un- 
sicher, da gebieten mit Zielangabe der mhd. spräche ganz geläufig ist (s. 
später). Eine ganz ähnliche stelle AI td. p red. 8, 14, 40 da hetoi och die 
Juden eine vil groze samenunge da ze Jerusalem gebotten, wo die local- 
bestimmung wol attributiv zu samenunge zu ziehen ist. Deutliche ruhe- 
angabe 112, 25 unde besamten sich alle vor dem huse ; vgl. richtungsconstruc- 
tion in einem ähnlichen falle 256, 34 loan . . . siva sich also maniges mannes 
muot unde herce uf ainen man ... verceinen sol 'in einem, bei einem m.'. 
— Im Nib.-l. wäre hier höchstens noch 580, 3 vor des sales stiegen ge- 
samden sich dö sit Kriemhilt und Prünhilt 'trafen zusammen' heranzu- 
ziehen; das für die spräche der Gudr. charakteristische sich samnen = 
'armis congredi' (518,1. 1414,1. 1417,1) tritt ohne localangaben auf. 

§ 3. samenen bedeutimgsverwant ist lesen 'sammle mit 
sondernder auswalil', wie es das Mhd. wb. (1,1006a — 1009a) 
umschreibt. Siehe Borrmann s. 16 galisan siJc du = jtqoq c. acc. 
(ein fall); s. 18 lisan in c. acc. = tig (ein fall); Graff, Ahd. 
präp. s. 257. 

Metaphorisch öfters bei Gottfr. mit Zielangaben: Trist. 886 Nu daz 
der herre Biwalin wol und nach grözen eren sin wol driu jär ritter ivas 



RUHE- UND KICllTUNOSCONSTKUCTIÜNEN. 377 

gewesen und lutte uol hin heim (jelenen ijnnzliche kunst ze nltemchufl; oder 
\()'X] ... un<l alles in tnin herze las, hwuz lohcHelies an im wan ; KiU) 8irer 
du du hl dem mare was und ez reht' in s!n herze las; !M<).'> in sin herze 
er allez las, reht' alse ez oucJi ergangen was; 1013.') und s!n dinc allez so 
gar besunder in viin herze las; VliA^ Nu Marjodoc erwatlut was, den 
troum er in sin herze las 'rief er sich alle uiiistiiii<Ic de« triiiiincs Üih j;e- 
däi-htiiis zurikk'. Anders Nil).-1. (I!) i:i!»4, 'J. II. 'I"ri«t. 122.'{(i wir muezen 
daz hrr uidir lesen etc.: I)ild viiin feldhaii. 

Kinif^'e iimlo steht Irstn mit zioluiitralte auch hei Wi)lfr.: I'arz. .'{2, '2ö 
iu <leiii herrlichen hilih- du hete diu mitede sunne ir liehten hlic hinz ir qc- 
lesn; 79,30 sine Sicherheit er an sich las vereinzelt, vielleicht witzijf gcMatrt, 
weil der gegner am boden liegt. ') 

lij einem hegrift'lichen gegensatz zu diesen verheu steht sundern 
'jemand (etwas) vereinzelt irgendwohin schaffen ': I'arz. T'J.J, 1.") fr hele der 
werden hundert in ein grzill (jeaundert. Das Mhd. wb. helegt sundrm mit 
zielany:uhe recht .«elten: ei'^'entliih heranzuziehen wäre aus den gegehenen 
belegen nur Silv. 2737 (<irimni) irtd rierzic unde riere Inschove such (man) 
ilen dar, die niht alle in einer schar riten vil geliche, wan si ron maniifem 
riche sich htten dar yesundert. Vgl. unser absondern, bei dem DWb. 1, 121 
allerding.'^ keine Zielangabe verzeichnet, aber sie ist wol gestattet : 'in eine 
Zelle absondern' u.a. — Merkwürdig mutet eine stelle in Otfried an, 
3, 1, l Mit selben kristes segenon will ih hiar nu redinon in einan lirul 
suntar thiu scltsanun wu)dar, die hier einzureihen wäre, wenn 0. Krdmann 
recht hat, der in seinen Untersuchungen über die .syntax der spräche Ot- 
frieds (Halle 1874 7« !, 2, t; 107) übersetzt 'sie redend in ein buch sammeln', 
d. h. redinon in ganz prägnanter bedeutung, dem gedanken nach ähnlich 
3,7,54 in buah sie iz duent zisamane. Wenig wahrscheinlich dünkt mich 
(Jraffs deulung, der (Ahd. präji. s. "(3 anm. 2) die stelle den phrasen anreiht, 
wo Otfr. für unser 'in einer spräche schreiben, dichten' das seltsame in 
c. acc. setzt. 

§ 4. suochen. «tut. sn/cjini (lursclien, fragen, fordern) hat 
ilu nach sich, wo wir Wos.*<en acr. oder ron .^et/en: vgl. Horr- 
niann s. :}:{; ähnliche Verhältnisse begegnen im lieliand (Steit- 
niann s. 12), wo .soklan gerne mit rieht ung.>>an;,'alM'n auf die 
frage 'wohin' Verbindungen eingeht. Kuheangaben .>-ind nach 
Steitmanns auffassung enge zu dem vom verb abhängigen 
object zu ziehen. 

(ianz ebenso zeigt nun mhd. snoclun in der Verknüpfung 
mit richtungsbestimniungen auf die frage 'widiin' gegenüber 
dem heutigen Sprachgebrauch zum teil recht auffallende diffe- 
reuzen und zwar in ganz bt-stimmten bedeutungsschattierungen. 

') Wegen des folgenden vgl. Chr. Starck, I»io danttcllangiimittcl de« 
Wulfranucbcu bumurs, Kostock 1H79, s. IG. 



378 WIESSNER 

§ 5. Es stellt sich z. b. in übertragener Verwendung- in 
die reiche gTuppe der verba des fordei'ns, begelirens u. s.w., die 
im folgenden zu behandeln sind, und weicht dann im gleichen 
sinne von der gegenwärtig in der spräche zum durchbruch 
gekonnnenen auffassung ab. Suchen im sinne von 'postulare, 
petere' ist uns ja noch geläufig: ich suclie gehl hei dir = 'ich 
glaube, dass du geld besitzest', oder = 'ich Avill, dass du geld 
hast', oder sogar = 'ich will geld von dir haben'. Vgl. ferner 
Wendungen wie jemand um etwas ersuchen, wn etu-as ansuchen, 
gesuch. Veraltet sind dagegen andere constructionen: etivas an 
einem suchen, das Luther und Goethe noch gebrauchen (Paul, 
Wb. s. 449), wie an einen suchen bei Goethe, Ilückert, Lessing, 
Schiller (vgl. ebda.). 

ZAveifelhaft ist 1 f r. 3, l-i, 79 So iver so ihes ruahta, thaz fruma zi 
imo suahla ..., um so mehr, als die phrase sonst nicht in seinem werk 
erscheint. 

H artm. gehraiicht dieses sitochen mit klaren richtungsangahen : Greg. 
3218 daz hegiinden si von herzen Idagen dem der in hcrnochei der gnade 
an in SKOchet (nach Zwierzina, Zs. fda. 37, 414); 1260 er suocMe gm'ide nnde 
rät zallen ztten an got (reim auf gebot, acc. sing.). Unsicher Er. 3150 richer 
got der giiote, ze dinen gnaden suoche ich rat. — Ganz ähnlich Wolfr. 
Lieder 7, 23 Min sanc loil genäde sitochen an dich, güetlich inp. Ferner 
Parz. 617, 21 sicer den prts hei ersiriten, an den solt ich minne suochcn; 
633,8 so daz er helfe siiochet durch tröst an iiver minne. — Ebenso bei 
Gottfr. deutlich richtungsconstruction auf die frage 'wohin': Trist. 7881 
sioaz ir dar über geruochet und her ze mir gesnochet; 15742 er flieget iindc 
suochet an, da man'z an in gesuochen ka)i; Bechsteins Übersetzung 'ver- 
suchen' sagt nichts; der sinn ist 'wenn man es nur versteht, ihn darum zu 
ersuchen'. Ist Trist. 7881 ze mir durch vorangehendes her als riclitungs- 
angabe markiert, so bezeugt begleitung von da ruheauffassung Altd. pred. 
3, 137,23 ivan da ze der irinrebe da endarf man der dornsiehe nith suochcn, 
also endarf man oiich da ze dem dorn der winbere niJit suochcn, wo suochen 
einem 'verlangen' auch recht nahe steht. 

§ 6. Interessant, weil die eigentümliche prägnanz der 
bedeutung, wie die dabei auftretende Zielangabe dem modernen 
Sprachgefühl völlig entfremdet scheint, ist mhd. suochen im 
sinne von 'aufsuchen in feindlicher absieht, feindlich anfallen': 
vgl. den ähnlichen bedeutungsübergang in lat. 2)ctere und unser 
heimsuchen im schlimmen sinne. 

Zielangabe begegnet dabei öfter, spec. im Nib. -1. 142, 4 Lindgast und 
IJudger die wellnt iiich stiochen inz lant; 148,2 man wil uns suochen her 
in unser lernt ; 164,3 welln si mich aber suochen her in mtniu lant; 174,1 



RÜHE- UND UH UTL'NGSCONSTUUCTIONEN. 379 

Die iiicli ili'i irutileit sitnc/teii ze Worin, ait iltn Hin; rulibculiHtructioii ul>cr 
Nili. ir)7,I{. 4 iln: xi mich irrllrnt sitnrhen mit hrrrerte hie. du: ijetntrn un» 
noch (kijuc hie :v Inmlc nie: H uhvv iiuili liiiT her ;uo tlisen landen; ije- 
tuten vertritt sitochen und s<-|iiiiicjft »ich diiltfi, wie gewöliiilirli luiid. (vjfl. 
raul, Mild. ^r. t| .'{Mi), (U'hscii retfulilror (^ebniiuliMWfi.se an, und dic-Ht- i^t 
i-lx'u rii-htun^'sconstrurtiiin auf di« {uinv •woliin'. Nirht unt-rwitlmt hWUlitc 
ich liiss*>n , duHM oicli siininitlit-lu- ID-If;,^- d<-r!<cU)c-n in LaclmiiiniiH II. Ii«-d 
(oncfntrit.'ri'n. — Piu (iudr. viTWtndi-t wid Huochen in ilicsrr ])rai^'nanlin 
iR'dfUfuny. z. 1». (j;U, 4. i;{14,4, aber ohne zichini,'alte. 

Meikwiirdi^ ist, da»H es unter den drei jfntssen hölisi-hen eiiikirn 
:,'enide Wolf r. allein verwendet, ein ganz kleiner zujf, aher nieht tfimz dem 
Itlinden zufall preiszu^ehen, wenn man die miiie bcrUhrunK der dirhtun;;en 
de« E.silienl»ailiei'» mit dem volksejios erwä^ft, die »ich Monst in »imuhe und 
Stil öfters bemerkbar marbt. I'arz. !11,14 (/(;• )lie andern dhle (hc. jtortt) 
uns siiinhet no<h des stolzen Fridehramles her. Vul. iwieh I'arz. 0<»:!, 2!» 
irellents (/«,•( hie (felilt (i^tJ) suochen mit ir (<i)t,'K hers) kruft, wo Hart--« h 
lesen will uellnt s uns suochen her mit kraft. Zweifelhaft Wh. 17S, 'J ich 
fiin ijesuvchet ze allen torn. Allgemeine lucalbestimiiiung tler ruhe I'arz. 
4;{. li'J da:s uns hie suohlen mit ir her {hie fehlt Cigj,') und ^^'h. 4(»(i, 28 
der admirüt, der wich nu hie (jesuochet hüt\ vgl. Wh. .'$."»(>, 9 Franzoyse und 
Alemi'inc durch si üf disem plane mich suorhenl hie mit rtlerschnft. 

Altd. pred. M, 92, 13 »»,• daz der chaiser nin herrurt suochen solte 
uf die heilten gehört die riehtungsbezeiclinung jedesfalls zu herrurt: vgl. 
<iudr. (12.) .trentiiire, irie Hernie hcrrertc üf llitelen. 

ij 7. In (liT allgemeinen function "zu timlt ii tnu'liU-n' i.^t 
suochin vun iulu'an^''alH'n bcfj^leitet wie im nlid.; ge},M'niil)(*r 
(lern heute wol verwentllmien 'narh allen richtiingm hin '^inli'n' 
lallen jileieh wert ige nihd. i»hrasen nicht auf: 

Iw. 12.")0 .1'» hei/innent si iuch ;iräre m maneijen enden (vgl. Larh- 
niann.s anm. zur stelle) suochen; vgl. auch 114*) du suuchtcr iridcr unde 
viir: bei (Jottfr. Trist. 91SI und suochte her unde Am; 1()(>'23 dttz der als 
irreclichr von riche ze riche sine notdiirfte suitcheti sol; oder Nib. 147;{, 1 
Dit suohtc er nah den rergen wider unde dan. — AufTallend i.st aln-r Ind 
Wo 1fr. 1'. :{77, 22 ungezalt maus (se. tjoste) in da bot, idlen den dies 
mochten unts it: ze relde suochten (vgl. die anm. bei Harf>'ch), wo im nhd. 
richtungHconatruction unerhört wilre. 

Hingewiesen sei noch auf Verbindung vuii sumhrn mit 
liclilung.Nhezfichnung auf die frage 'woher': 

I>ie stelle im Wh. 4»52, 17 suaz hie kunege lujt rrslagen, diu ir die 
suoihet in dem ical (nhd. 'auf der wahlfitatt'j »teht vereinzelt da. Kecht 
liegreitlirh ist uuh eine dem volkt»o|>u» eigene phnute dio«er qualitit: Nib. 
J"."). 1 Di} teart äz den sehrinen gesuoehet guot getcant : vgl. iinnor hm*- 
> liehen; .V21>, 7 '/• suochen iiz den kisten diu aller hesten kUil; l."iU:i, '2 «• 
•.Höhten iiz den kisten diu herlichrn klett ; vgl. nueh t'210. '2 si - 
der valten des nl dar iniie lue: 74t», 4 do Karl erjur gesmochct u. 



380 WIESSNER 

lieh gewant 'heivorsuchen'. — Gudr. 972,1 Dö suohtens uz den leisten 
die aller besten ^oät•, 1299,2 dö suohte man uz dem gademe manege 
magct guot. 

§ 8. Gottfrieds eigentum ist ansuochen, trennbare verbal- 
composition, in seltsamer bedeutimgsnuance: 'sich anschmiegen' 
von kleidungsstücken. 

Trist. 10916 der roc der ivas ir heinlkh, er tete sich nähe zuo der 
lieh: ern truoc an keiner stat hin dan, er siiochtc allenthalben an al von 
obene hin ze tal; 15741 . . . daz der vil tugenthafte Krisi in'utschaffen alse 
ein ermcl ist: er flieget unde siiochet an etc. Si;bject ist Krist; bildlich 
wird von ihm ansuochen gesagt, was eigentlich nur zu ermel passt. 
Beachte zugleich den stilistischen Avechsel in der folgenden verszeile da 
nian'z an in gesuochen kan. 

Nur Gottfrieds schüler Konrad von Würzburg gebraucht noch 
suochen in diesem sinne und zwar leicht modificiert mit der präp. an mit 
acc: Eugelh. 3080 (Haupt) daz hemde stuont gelenket nach einem fremden 
schrote und suochte so genöte an ir l/p vil üz erkorn daz etc. 

§ 9. Im gleichen sinne wie das simplex weicht auch 
versuochen {es versnocJicn) in seinen constriictionen vom 
heutigen Sprachgebrauch ab. Dem nhd. eticas hei einem ver- 
suchen, d.h. 'einen versuch machen bei ihm, sich mit einem 
ansuchen an ihn wenden, etwas von ihm erlangen wollen' 
steht schroff mhd. richtungsangabe (präp. an c. acc.) gegenüber. 

Hartra. Iw. 2913 Nu rersuochter zehant an die vrouicen daz er vant, 
eine bei Hartm. vereinzelte stelle, in der die hss. schon unsicher schwanken. 
— "VVolfr. P. 504,29 ez wurde iedoch versuocht an sie (sc. frou Kamille), 
op si mir striten hüte alhie, in prägnanter, feindlicher bedeutung; 508,4 
und den der helfe nie verdröz, stver in stnem kumber gröz helfe an 
in versuochen kan. — Gottfr. verwendet zwar nie dabei an c. acc. der 
person, doch zeigen ähnliche auffassung phrasen wie Trist. 9208 genuoc 
versuochie crz an den kragen; 17435 er versuochte ez an die krumbe. Vgl. 
11807 si versuochte ez manegen enden. Aber Trist. 14241 Nu daz der 
iruhsceze sach, daz stnes willen niht geschach, er versuochte ez aber ander swii 
(reim auf da), wo anderswar nach den oben gegebenen beispielen wol be- 
greiflich wäre. 

Immerhin ist versuochen in diesen phrasen bei den drei meistern 
relativ recht spärlich gesäet; öfter im Nib.-l.: Mb. 622, 4 mit ungefüeger 
krefte satzter ir sich ivider, versuochende angestlichen an froun Prünhilde 
sider (C aber er versuocht ez angestlichen an der küniginne sider, also 
deutlich dativ); 1049,4 si versuohtenz vriuutUchen an vroun Kriemhilde 
sint: Bartsch (im Wörterbuch s. 340) fasst beide fälle dativisch; ebenso meint 
Piper, in der anm. zu der stelle, vr. Kr. sei hier dat., nicht acc: 'denn in 
versuochen liegt hier der begriff des an gewinnen versteckt': eine nichts- 
sagende begründung, da sie auch auf die im folgenden anzuführenden fälle 



RUIIK- rxn RICnTUNGSCONSTRlTCTIONEN. 381 

pa«Mt, wo der luc. ioriiuil ^(fHicliert ist. Da also fllr mi c. acc. inclircre 
sichfre sti'Ucii ins j,'i\vi(lit fiilli'ii, für ttn c. dat. in A k<in «'inzitfcr (in H 
einer, Hartsrh 72« i, 1, in V auch Hartsch (J74, 4), so wenitn neutrale fülle, 
iu A niinilestens, mit ii^rüsster wahrächeiulichkeit für au c. aec. in anHpnub 
zu nehmen sein; um so mehr, da c: «•<•;•«. an einnn auch sonst recht selti-u 
erscheint: aus dem Mhd. wb. ist eigentlich nur noch die stelle in der Rahen- 
Hchlacht heranzuziehen, wozu ich Er. H()4r) er emrirt des nihl erU'tn, . . . e:n 
werde an im ren^uoiliel fli^jm könnte: diese stelle beweist ahcr (;ar nichts, 
wenn man die iibeiliiferunj,' des Kr., die son.«ti>;e verlireitnnt; der dativi^^clien 
plirase und das sdiwankcn ihr hss. I\v. 2*,i\'A bedenkt. Es i.st sehr fraglich, 
ob nicht der Schreiber das ihm schon seltsame an in der V(»rlai;e durch ihm 
verständlicheres an im ersetzt hat. — Zweifellose fälle von rerg. an c. acc. 
sind jedesfalls Nib. GG9, 1 Si versuohte an den künic etc.; l()8l], 8 hü sol 
man; doch lersuochen an das r/7 eihl irip; (Judr. (ÜJ«), 4 mit allen sinen 
mihjen versuidile erc an die matjet rlt'irlichen. 

rräf^niant vom feindlichen anf.jrill (wie Wolfr. P. .'AM. 2'.», der hier 
wider in einem kleinen zutife nahe an die siiradie des volksejios herantritt, 
und Kr. S()4r), wo von Hartm. noch mantlinial das gleiche zu sagen ist) 
Nib. ISIJ), 4 si versiiohteiL: an die Hinnen; (iudr. 829,3 si rersuuhlenz ril 
sere an die von Albaklne. 

Richtnngsangabe bei vers. ist anch in den .\ltd. pred. anzutreffen: 
U, If), 22 i>/' ir~ nrsunr/iet Hinz sinen (jnaden. — An nuovhen. versninhen 
als verba iwstulamli schlie.sseu sich leicht an die 

Verba des verlangeiLs, be^'elnens, fuideni.^ u. ä. 

§ 10. Besonders die aiigliedeiimg der person, auf die sich 
die tätigkeit dieser verba erstreckt, der persoii. 'von der' man 
etwas l)e<;elirt ii.s. w.. kurz vielleicht die mitteilend»' zu nennen, 
erfolgt im mini, oft auf eine wei.^e, die auf dem Wege zu dem 
heute herschenden sprachgebrauche .starken Veränderungen 
unteiworfen war und g-egenwärtig recht befiemdlich klingt, 
trotzdem die spuren solcher absterbender constructitmi-n öfters 
noch weit herauf ins nhd. zu v«'rfolgen sind. 

ij 11. inrn. Schrift- und Umgangssprache ist jetzt am 
geläufigsten die Wendung kh btifchre ctuas von cintni, d. h. 
da.ss er es besitzt oder da.vs er es mir zukommen lä.vst. also 
richtungsconstruction auf die frage 'woher', richtung der verbal- 
tätigkeit vom persönlichen object aufs begehrend«' subject : eine 
phra.se, bei deren ursprünglicher bildung wul anticipatiun der 
gewährung vorgeschwebt liaben nuiss, Sie ist auch bei allen 
drei hritischen epikern zu belegen: 

Hartm. .\. Iliinr. 'XVJ irhn »ol ourft nifit wir roH dir gern; Iw. 4.">41 
eine iji'iite der irh mn in ijrr; 1. lUkhl. 1^19 sirtr »ü lüuca run in grrt. — 
Wolfr. I*. Ki. '2t) sunt yeUtr och icfu con im niht gern; 214. 2M irea gerstu 



f{82 WIESSNER 

von viir viere? 373,29 .s?^ du diens von im fierM {(igg an in). — Gottfr. 
Trist. 19550 i'ne mac. von ir niht f?e« (jCf/crn. — Nib.-l. (A) \\m\ Crudr. 
(vgl. s. 88Jr) verwenden die plirase in dieser gestalt nicht. 

§. 12. gern — von einem, der nlid. lierscliend gewordenen 
gebrauclisweise entsprechend, luit bei Hartm. und Gottfr. vor 
andern gleichbedeutenden constructionen mindestens keinen 
vorsprung, bei Wolfram tritt es relativ sogar stark zurück. 
Bei allen dreien steht es in concurrenz mit (jern an einen, also 
richtungscunstruction auf die frage 'wohin' (vgl. ein begehren 
stellen an jemand), richtung der verbaltätigkeit vom begehren- 
den subject aufs persönliche object: eine phrase, die dem älteren 
nhd. noch geläufig ist (vgl. DWb. 1, 1289. Kehrein, Gr. d. d. spr. 
des 15. — 17. jh.'s 3, § 230; auch Vernaleken, Deutsche syntax 
2, 203). 

Hartm. Greg. 281 er pläac ir so (ich sage iu ivie), claz er si nildes 
entleerte sices st an in gerte von Meidern und von gemache; 2016 richer 
got vil gnoicr, des hast du anders mich geteert danne ichs an dich hän gcgcrt; 
Iw. 4281 er liete iuch alles des gewert des ir an in hetet gegert. Vgl. auch 
A. Heinr. 939 lesart B. — Besonders beliebt bei Wo 1fr. P. 33, 25 so iccer hint 
sän an iiich gegert eins pJdegens des iclt ivcere ivert; 121,6 nu sich, sivcr 
an mich strites gert, des seihen wer ich mich mit slegn; 611,25 solher not 
als ich hän an iuch gegert, der etc.; 681,14 stves er an mich gert; 741,29 
er solte helfe an den gern, der in sorge freude künde wem; 715,23 sone 
darf es niemcn an mich gern (Tit. 60, 2 H ich heger geniale an dicli; dagegen 
J gnade ich von dir gernde hin); Tit. 150,2 die fürsien üz ir rkhe eins 
herren an si gerten; Wh. 156,16 sices du an mich gerst; 298,20 ir gi'iefe 
mich geteerte al des ich an si gerte. — Gottfr. Trist. 11016 als ir an in 
es ivellet gern: der einzige fall. 

An sich mindestens nnsicher sind fälle wie Wolf r. P. 370, 26 oh iemen 
tjoste gein mir gert; 674,7 op der noch strites gein mir (Gdgg ane mih: 
vgl. oben Parz. 124,6; Dd gein mir) gert; da AVolfram aber in keinem 
unzweideutigen fall gern gein einem gebraucht, sicher jedoch tjostieren, 
tjoste gein einem etc., so ist die richtungsbezeichnung auch in diesen fällen 
hier mit aller Wahrscheinlichkeit zum subst. zu ziehen. Parz. 420, 23 7nirst 
in den strit der wec vergrabt, gein vehten diu gir verhaht ist kein gleich- 
wertiger beleg, da gein nicht die mitteilende person anreiht. Wh. 60, 2 mit 
spern gein dem (sc. gegen Vivianzes schilt) man tjoste gert ist die Zugehörig- 
keit der richtungsangabe zu tjoste ausser zweifei. 

Im Nib.-l. und in der Gudr. ist gern an c. acc. durchaus die ge- 
wöhnliche construction; Wolframs spräche rückt hier wider durch auf- 
fallende bevorzugung dieser constructionsweise unverkennbar in die nähe 
der volksepik^): vgl. Nib. 312,3 und gcretd staier suone an micJi und m/ne 



') Der grund hierfür ist natürlich in der gleichheit des dialekts zu 



KIIIK- INI) KICimTNOSrONSTlUTTIONKN. ^83 

viiitr. 4'.)!*,.") ihs i/ir ivh im iiich, Si/'iil; \'A\(),'.\ sirtn itnutn (tu si f/erfr, 
tlfs tn'ircn s/ Inrcit. - (iu<lr. 174, :{ wie irntic rr ilis lir:, (lex ni uii In 
lliilnt; 2H(), ;{ tUr hiinic leiste (jniie sices man an in nerte; ',M},'.i iler kiinic 
(fdp in nlhn, surr <tn in Hiles (jcrte\ G'J2, 4 du: er eileler viinne an liölic 
rrouiren ijertc hilUrhcn; 7'J4, '5 da: si ritiersdtal'l nihl irol fietj/hen künden, 
so man es an si gerte; 1(!7!>, .'{ swaz si hahen muhten und icman an ni 
(jerie: in der (Judr. also weit iiirlir als (l()|(iu'It so liilnfit^ Crclativ) als im 
Nil).-1. 

Nur eiiinial l»('gci,'iict statt an c. acc. das •flficliwortijfc hin :e: Nil). 
t47(i, 4 lies er dn ltin:e in ijerte, irnl hesrhieilen si im da:; c))OiiHO bei 
Wo 1fr. einmal: Parz. '»52,27 //'/ er ild hin :lr <te(jirt\ öfter \m fJottfr. 
Trist. 12(»<Mi stres er hin :ir (/ef/erle: ir»(M)2 des i/ert er her :e uns heiden\ 
vfjl. dazn Trist. 1104 da: er hin :'ir enhute deheine ijer. DicselliC constnic- 
tion in den Altd. prod. ."{, 2S, S na hastit )iiirh, herre, i/etrirt alles des des 
ieh hin: dir ie (jert. 

^ l'.\. Aticli blosses (/cm ze einem ist bei if.iitinaiin und 
Wdlliaiii aiiziiticffcii; wie die eben t'iüi-terteii erucitciim^eii 
(diiifli liiii.liir) beweisen, war liclitinmsaul'lassiui;^" dabt-i iiiaiich- 
nial hd)endis"; da abci' iiibd. ::<■ aurb auf die lraji:e 'wo' aiit- 
WDitet (Mild. wb. ;;, sr>r>a), kann in den lallen, wo blosses rß 
sttdit, au(di luiieconstrnction vorliej^en, mn so eher, als i/nn, 
wie das f^lt-i'"'' ''•^ besprechende (jern tm einem zei^t, aiieh 
I iihi-eonstriiction verträ<;t. 

Hartm. .MK. 21(5,24 Kr ist (tllrs des irul «r/7, ... des ein man :e 
icibe (jert: Er. [KM] sn-es si f/ert :e mir. — Wo 1fr. 1'. !>'J, 25 un: ir mich 
iiewerl des minnen irerv zer minnen <jert: Wh. 13."), 2 :iu nneh :e niemen 
iih des ijer; 244,8 :en andern fursten ichs oueh yer. 

\)i\. dazu die bei Ütfr. vereinzelte Htellc 1,11,32 .S'joj bar si thu 
:ei:ttn ther tras uns in iiihei:an: sin was mau allo worolti :i (fulc nitnsyeuti. 

§ 11. Deulliche niheconstruction ist das schon erwähnte 
t/irn an einem, das /.wischen (/ern an c. acc. (oder hin ze) und 
dem im nlid. duicliKidruii^cnen </ern ran einem die mitte hält 
(wohin wo - woher), ohne di»; richtun^iT der verbaltäti^^keit 
zum au.Ndruck zu brin^t-n. l'eber die pleiche construction in 
frühnhd. zeit v<,^l. I >\\b. 1. IJS«». W-nialekeii, I)eut.<che syntax 
2,20;]. ('. Franke, (irundzüge ib-r schrifl.viuaclir ljitln'r>. (Ji.rlitz 
1888, s. 257. 



Buchen. — Veher Woirrnrns stellnm; zum vulkt*e|)n.<4 r^l. diu Wnierkun<;on 
von (t. Böttiiher, (»erm. 21, 2."»7 -:{32, !<itcr. 27H f. K. Jander, Teher metrik 
und Stil in Widframs Titurcl, Kostork ISKi, ><. 3 und :{() fT. ; ferner aiieli 
0. .länicke, l)e diceudi uhu Wulfraiui de Enchenbach, Halle 18lk). 



384 WIESSNER 

Hartm. MF. 217,27 cm dem ich friuwe und ere ie vant und sives 
ein tv/p an manne gert; Iw. 2900 da.~ ich an iu niht loandels yer; 0469 
des der wünsch an u'ihe gert. — Wo 1fr. P. 370,4 sit och min vater helfe 
gert an friirenden unde an magen; 619,22 an dem ir minne hat gegert 
(An den alle ausser DG); 642, 16 oj) der helfe an iu ger; Wh. 196, 14 wan 
daz ern schöne teerte al des er an im gerte. 

Auch dem modernen sprachgebraucli ist übrig-ens rulie- 
construction bei hcgehrcn nicht völlig fremd; das DWb. gibt 
hier freilich keine auskimft; vgl. aber Wendungen wie 'ich 
begehre fleiss und aufmerksamkeit bei meinen Schülern'. Un- 
gebräuchlich scheint diese nhd. ruheconstruction im sinne von 
'verlangen, dass jemand uns etwas mitteilt', z, b. 'ich begehre 
bei dir ein federmesser' (d. h. dass du es mir gibst). Zwischen 
all den aufgezählten mhd. constructionsweisen der mitteilenden 
person bei gern ist ein merklicher bedeutungsunterschied nicht 
vorhanden. Ihre Verteilung möge noch einmal, übersichtlicher, 
eine kleine tabelle illustrieren: 





Hartm. 


Gottfr. 


Wolfr. 


Nib. 


und Gudr. 


gern von einem 


3 


1 


3 




— 


gern an einen 


3 


1 


9 




9 


gern an einem 


3 


— 


4 




— 


gern ze einem 


2 


— 


3 




— 


gern hin ze einem — 


2 


1 




1 



§ 15. Getrennt behandle ich die geschlossene phrase ur- 
loubes gern mit angaben der richtung, weil letztere öfters ent- 
schieden nur vom subst. dictiert sind und also nur mittelbar 
zu gern gehören. 

Von den drei höfischen epikern kommt hier nur ein fall bei Hartm. 
in betracht: Er. 2861 urlouhcs gert er sä von dem Jcänege Artuse, wo von 
d. Je. A. zweifellos enge zu gern zu ziehen ist. — Anders Nib. 69,4 nr- 
loubes er (Siegfried) do gerte zuo den Burgonden dan: wer die personen 
sind, von denen S. abschied nimmt, zeigt sogleich der folgende vers: 
In teerten trüricliche der künic %md sin ictp; zuo d. B. dan gehört also 
unmittelbar zu urloubes, so dass die stelle zu vergleichen ist z. b. Nib. 68, 1 
Do nähte in ir reise ze den Bxirgonden dan. Ebenso Nib. 1419,3 si gerten 
tegelicJie ttrlouhes von dan. — Gudr. 694,1 Der wirt urloitbes gerte von 
stnem inhe dan; Piper sagt in der anm. 'c/on gehört zu ?o-?o»Z^es': offenbar 
construiert er das dazwischen stehende von sinem icihe nur zu gern ; mög- 
lich; vielleicht gehört aber die ganze richtungsangabe mehr zu urlouhcs 
als zu gern, wenn man dagegen hält Gudr. 1087,1 Die boten urloubes gerten 
von im dan ze Wäleis in die marJce, wo diese auffassung noch näher liegt 
(vgl. auch Gudr. 4D9, 1 wir ivellen hinnen urloubes gern). 



KUIIE- UND HICHTUNOSCONSTKrcIlONKX. 385 

Au anderen stellen int ahw der iihipositionalauHdnick nnmittt-lltur 
znin verb zu coiiMtruiereii: Nib. l(),'.(i, 1 Siiif fftrlen uilDuhen tlä ze Iteinem 
viun; (ludr. 4;{(>, 4 Si (jcrtm tirlmi/iex vom kiinetje uml von allen sinrn 
vuinnen, fülle, die also unbedenklich auf 8. 382— 384 nachgetragen werden 
können. 

sj ir». ZielangalH' ist hei tjtni iiiich niöf^lidi, wrim orts- 
veräiiderim;? des begehrten objectes gewünsclit wird: 

Wo 1fr. P. 71,5 mir stUten ich irol i/iimlt (Ifx er het an ilen II ji (/njerl ; 
234, 2<] i'onn xiUter kt'nnen frituu-en wert, der dar :e dienste was (feijerl ; 
244. 2*J als min her für iurh ist (jeijert; 437, V.) er (jert ir an; renster dar; 
454, '{() diu inr)isih'it ist immer wert, der zun dem tfräle wirf (jeijert (eine 
stelle, die im neuen ubdruck von (iriuuns (ir. 4 unpasHend, weil we.sentlii.h 
anderer art, neben N. i».s. SK)b eines tinijes kereta ih ze gute eingereiht ist): 
764,3 etsirenne ich uuvh den pris erat reit, das man min drüber (vgl. 703,29 
tavelrunder) (jerle. Die.se gedrungene constmction von fiern ist Wolf ran» 
eigentümlich: bei Hartinunn und (tottfried begegnet sie nicht. Sin<l 
schon die gebrachten fülle unserem sprathgefühl nicht ganz fremdartig, so 
steht uns noch näher Wh. 4.")i», 2 J>er elsHiher ist sn wert, des Terramer hin 
wider yert; vgl. auch Wh.2()7, 14 und unser etiras ziirückhegehren, zurück- 
rerlunijen. 

Gleichwertige riclitungsconstruction zeigt nüid.tv ansehen: 

Bei Wo 1fr. Wh. 141, 11 f. etslirher wünschte in sus ron im, ze Känach 
od ze Assim, in die hitze ze Alamunsurä, od widr ze Scandinäriä über- 
rroren in dem ise . . . so wünschte in einer üne wer uf den wert im lebenner: 
vgl. uhd. /(7j wünsche ihn ins land, tco der Jifeß'er wärhst li. ä. — Bei 
Hartm., (lottfr. und in den beiden volksepen nicht.s ähnliches; vgl. 
dagegen Walth. ;{5, IH wünsche mir ze velde und ntht ze wähle; 21 Wun- 
sches du mich ron in; 24 wie hast du sus yetan, daz ich dich an din 
gemach gewunschet hän, vnd du mich an min ungemachi' Vgl. Lacbnianns 
eingehende anra. zu dem schwer verstündlichen gedieht. 

Nach analogie die.ser constructionsweisen ist gewLs auch Walth. 8, 18 
zu verstehen: die wolle ich gerne in einen srhrin; von einer 'verbaleil iiKxe", 
wie Vernaleken, D.S. 2, 518 annimmt, ist hier sowenig die rede wie in all 
den oben angeführten beispielen von grrft und wünschen in gleicher Ver- 
wendung. Es ist daher auch die Vermutung (irinini, (ir. 4', 1»>5 abzuweisen, 
als ob tuon oder legen zu ergänzen wäre, .\ehnlich ilie »teile bei(iottfr. 
Trist. 2^t25 saget, wä wellet ir mich hinY Vgl. (irimm, (ir. 4*. I<U <i:l<>r 
nachtrage 4, 12(iO offenbar versehensweise noch eiunial ritiert. 

Nhd. sind ültrigens constructionfn von *wiin.sclien" ^M«'iih«r 
art öfters anzutreffen; vgl. (loethe, Iphigen. z. tili? (W'eini. au.sg. 
10, 28) Mich wünscht' ich bald nach Troja, ihn bald her. 

Kichtungsconstruction ähnlicher natitr kann endlich bei 
peni noch eintreten, wenn das subject eine venlndernng des 
eigenen standi>unkts hegehrt: Wendungen, die für das nhd. 

B«iuag« lur fctchichta dar dauuchao *pncb«. XXVI. *J0 



386 WIESSNER 

Sprachgefühl schon gar nichts mehr auffallendes haben; ich 
verweise auf die beispiele im DWb. 1, 1289 oder vgl. Gottfried 
Keller, Ges. werke (Berlin 1897) 2, 227 (Der grüne Heinrich) 
Doch hesivang sie ihren kiimmer und hielt tapfer ans, ohne nach 
hause zu hegehren (dieselbe erscheinung im griech.: Homers Od. 
223 aXXa q^^ömq de xä'/xöra XiXaito] Vgl. die anm. bei Faesi- 
Hinrichs z. st). 

In dem hier berücksichtigten mhd. gebiet übrigens recht selten: 
Wolfr. P. 433,3 so gert ir zengem rüme; vgl. Walth. 76,31 wir gern zen 
sivehenden iinden. 

Bei Hartm. und Gottfr. finden sich nur ähnliche constructionen 
des subst. ger mit dem verb. subst., z. b. Er. 2780 zno ein ander was in 
ger; ebenso Greg. 2119 zuo ein ander tvart in ger; vgl. 1800 ja ist min 
gir noch merre zuo der werlte denne e; 1589 auch was mir ie vil ger für 
den griffet zuo dem sper, für die veder ze dem swerte; Gottfr. Trist. 452 
da hin (sc. zu Marke) was Biioalines ger.^) 

Die constructionen gern nach (vgl. Wolfram, P. 812, 5 u. ö.) 
und gern üf c. acc. (vgl. Grimm, Gr. 4 2, 1013), z. b. Gudr. 770, 4 
oder Wh. 204, 8, sind hier, die erste als dem nhd. Sprachgebrauch 
völlig gleich, die zweite als ganz abstract, übergangen. 

§ 17. Es sind nun einige concurrenzen im ausdruck des 
begriff es von gern zu betrachten, die begreiflicherweise, was 
ruhe- oder richtungsconstruction betrifft, identische erschei- 
nungen zeigen mit dem im allgemeinen ja bevorzugten gern. 
Bei muoten allerdings erscheint die person, an die sich das 
begehren richtet, auch im präpositionslosen dativ. 

Gottfr. Trist. 14725 daz ir mir ze dirre ztt deheiner spräche muotet] 
16228 ioaz ist iu liep? wes muotet ir? herre CHlän, ich muote iu ... (so die 
gruppe MH; in der andern hss.-gruppe schwanken in präpositionalformeln). 
Hartm. und Wolf r. ist übrigens diese gebrauchsweise \on 7mioten fremd. 
Es verdient daher bemerkt zu werden, dass im sog. 2. Büchl. (wo Hartm. 
als autor nach den entscheidenden einwänden von F. Saran, Beitr. 24, 1 f. 
und besonders C. Kraus, Abhh. zur germ. philol., Festgabe für R. Heinzel, 
Halle 1898, schwerlich mehr in frage kommt) v. 215 daz ich leider niht 
gar genendeclichen getar den Muten des gemuoten diese construction er- 
scheint. 

Im Er. speciell gebraucht Hartm. muoten von einem zweimal: 4467 
ichn muote mere von iu deheiner ere\ und ganz ähnlich 5688 nu muote ich 
einer ere von in; vgl. Altd. pred. 3,35,39 da si eines Zeichens von im 
muote. Formal ähnlich, aber anderer natur, ist der fall Iw. 5331 dö muot 



1) Ueber gleichartige constructionen bei wellen vgl. § 124. 



RlIIIK- l'NI) UM HTTTNOSCONSTUrCTFONEN. .'?87 

in iiiiltfiii siniif ihr truhtiteze, n/s t'r f/rrtc, von sinrn hruotlern zirein, wo 
man es mit i^iuiz iiii<l*'n'm uiioitcu uml timlfrciii nm ( ~ 'ubHeitH von') zu 
tun bat; vn^l. Bcueckcs aiun. 

FUr muoten an mit ucc. wir mit ihit. bieten <lie ungezü^eueu mini, 
texte keinerlei belefje; Vf,'!. nl>er z. b. Wultb. 110,22. 

Hierlier t^eliürt (i Ott fr. Trist. 01:50 s/ rl im tjote yemnoUutft und 72.'W 
der iraa niiritn an siner krüft und nllit <tn (julr ijnnuiitliiift. Obne i)rilp. 
bej,'ejfnet das wort nocb Trist. 13101; Hartm. und Wo 1fr. verraten keine 
kenntnis von dem adj.; auch sonst ist es nicht anzutreffen, und wol, wie 
Bechstein vermutet, eine neubildung (J ottf rieds, dem sie sein scbUler 
Kourud von Wiirzl)urf( aldausdit (zweimal im Troj. kriej^, vfi;\. Lexer). 
mtiolen an c. acc. setzt voraus (iudr. 4!{r), 1 vir linlicn n'nes dinijra, her 
ki'tnic, an i'ucli munt. In anderer wendunj^, nämlieb absolut, einen zustand 
bezeiebnend, einmal bei Wo 1fr. Wb. 207, 27 znu inunrüren hau irh muot. 
viuut haben be^-egnet im Nib. -1. relativ sehr häufig (vgl. Lübben, Wb.* 
B. 122), aber ohne anreihung der mitteilenden person, ein einziges mal da- 
gegen muoten (227H, 1; 3,2 ist gewi.s in nutolc zu le.fen), das in der (iudr. 
nicht selten i.st, stets aber ohne ltriiI)ositionalbestimmunl,^ 

Die Altd. jired. ',i, 1.S8, 10 .s//7'.s /;• da zini (fcmunt rvhtrs unde (juntr^ 
erscheinende Wendung ist in den behandelten poetischen denkmälern nicht 
zu treffen. Vgl. aber nnser ich mute einem etwas zu. Zu den oben an- 
geführten fällen von gern, wo das subject ortsveränderung anstrebt, wäre 
hier zu stellen (iudr. 1)91,4 jVi muotc iih aller tegelichc hinnen. 

Im ganzen ist muoten also Hartm. und (lOttfr. reclit 
wenig geläufig, ob es Wo 1fr. überhaupt kennt, bezweifle ich, 
wage aber keine sichere behaujituiig; gewis gebraucht er es 
aber nicht mit präposit. ausdrücken verbunden. Hart mann, 
der es im Kr. noch öfters verwenih^t. meidet es im Iw. gänz- 
lich: und doch war so oft gelegenheit den ausdriick anzubringen 
(vgl. die mehr als dreissig belege zu (jirn in Heneckes Wb.); 
auch für den reim war das verb ja nicht spröde. 

§ 18. Ist das besprochene miwUn heute ziemlich erloschen 
{\^\. zumuten\ so gewann aiidier.seit.s das bei Hartm., Wolfr. 
und (iottfr. noch sehr seltene vordem eine recht breite ge- 
brauchssphäre; wo es auftaucht, zeigt es ganz die constructions- 
weise .seines concurreiiten <jirn. 

Hie Btclleu, die in betracht kommen, sind: (iottfr. Trist 5H7H %tnd 
ronitrtr inn Marke mit kampfliehrn haiiden den .'iiw ron beiden landen. 
Hartm. t. IfUchl. 14H0 und ui.ien sin, den rvrdert mir noch niemen 
£ut>, lue trennbare verbal<<im|K»siti»)n (vgl. zumuten). — Nib. und (iudr. 
verwenden vordem >;ar nicht. — Vgl. in pr»>i»a: Altd. pred. 3,37,34 mm 
du da; her £e mir rorderst; KiU, 30 den graif er an unde fordert lan gelt 
an den i'il umcone; 202,38 den acaU Jen du hie :e mir xnder vordest (fast 

20* 



388 WIESSNEU 

ganz ebenso 203, 8): dies hie ze mir nnd das obige her ze mir zeigt zugleich 
schlagend den in diesem fall zwischen ruhe- und richtungsauffassung 
schwankenden gebrauch von ze. 

Ueber nhd. fordern vgl. DWb. 3, 1892: 'es lieisst von einem, 
zu einem, an einen fordern\ worauf für das erste kein beleg 
folgt, weil gewölinlich, für das zweite nur ein mlid., für das 
dritte mehrere nhd. Ich gebe aus eigener gelegentlicher lec- 
türe: Goethe (Stella) 11, 185, 1 Was habt ihr an mich zu fordern? 
und (Tasso) 10,221,2867 wie sehr ich ganz vergessen, dass ich 
eigentlich an ihn (vgl. laa.) zu fordern hätte. — Ueber erfordern 
an c. acc. im alt. nhd. vgl. Kehrein, Gr. 3, § 230. 

§ 19. rwoc/iew, ^^ er «oc/iew in der bedeutung 'verlangen' 
uns abhanden gekommen, ist auch bei den drei höfischen epikern 
nicht häufig. 

Hartm. gebraucht dabei von einem: 1. Büchl. 195 wes st von mir 
geruochte; Iw. 522 oh du iht von mir geruochest, äaz ist allez getan; 5442 
... cd die ere der er von in geruochte (= 'erwartete'). — Aehulich Wolfr. 
P. 115,25 swer des von mir geruoche, dem zels ze keinem buoche. Anders 
aber Wh. 337, 6 swes dan din iville ruochet an mich mit lehne oder mit 
gehe, des wart üf mich . . . , wo die hss. stark schwanken {An [ane K] mich 
JlC^lopt, Vff mich z, Gein mier mn). 

§ 20. Was übrigens die concurrenz im ausdruck des all 
diesen verben zu gründe liegenden begriff s betrifft, so soll 
nicht unerwähnt bleiben, dass das unserer schrift- und Umgangs- 
sprache vielleicht willkommenste wort dafür, verlangen, nicht 
nur den drei höfischen epikern und Nib.-l. und Gudr., sondern 
dem mhd. Sprachgebrauch, so weit ihn literarische denkmäler 
reflectieren, überhaupt sehr fremd ist: wenigstens steht im Mhd, 
wb. 1,934 b ein einziger beleg dafür. 

Bei Gottfr. vgl. Trist. 18608 nu helangete in vil sere hin tcider in 
die Jcünde : ebenso nhd. mich verlangt irgendwohin, angestrebte ortsverände- 
ruug des subjects (vgl. oben unter gern s. 385). Ueber die concurrenz- 
verhältuisse gegenüber synonymen schweigt das DWb., ebenso über die 
art der anreihung der persou, an die sich die verbaltätigkeit richtet; 
durchaus regulär ist wol von. 

§ 21. eischen, das speciell Wolfr. gerne gebraucht, con- 
struiert er einmal mit voti: 

Parz. 126, 19 Der knappe . . . iesclb von der muoter dicke ein pfert, 
also ganz wie nhd. heischen, das freilich nur noch in gehobener rede vor- 
kommt. Vgl. aber Altd. pred. 3,170,12 daz er diu da wider an im 
ciiskele. Im ahd. Otfr. -l, 16, 44 er eischoia avitr sar tho zi in, ivenan sie 



HIIIK- IM» ICIt II ll'N(;S('()NSri{l(JTIOXKN. 389 

Ifiur suahtiit, alkrtliiiKs iu der bodcutiinf,' 'fra>,'fn'. Feber eincon ;i bei 
Notkers. (iraff, Abd. prilp. s. 2')4. - Zu Parz. 471,7 ot> miui ir kint einrhrt 
dar (^ 'zum irnil') \k\. 4r»4,:{(>, h. MK"). — Ht-i (Jottfr. crscb.'iut nsrhfn 
selten (t2<;42. i:{7Mt'>), bei Ihirtni. ineinfs wissen« jjar «iclit, t-bensoweniif 
im Nib.-l., in der (Judr. selten CJI»'), 1 : das. 14'», l ist iesrli conjectur). 

^'ereillzelt K-ebraucht Hartiii. eiimial f/rs innen an r. acc. 
im sinne von 'zumuten, verlanf^en". 

l.Hilcbl. 1K40 Jrowe, durth <l(iz sü hcliult, als ich iin divh gesitme, an 
mir diu tiiijent maturralt, wofllr icb bei ibin «elber, (lottfr. und Wolfr. 
keine parallelstelle auftreiben kann. 

Ebenso stebt merkwllrdij; bei Wolfr. Wh. 222, H mit dt/itinen dingen 
iiiuhter (sr. 'J'tiratiu'r) si (se. (igfnirc) des ithcrlislen, sine irnlte Oninsr/te 
fristen, und ir lip iinde ir kranken diet. un; an in der ran ir sehiet nach 
helfe an den ranisrhen ragt vereinzelt da: ich reibe den fall bier an, weil 
icb an d. r. r. ursuriiiij^lirb bracbylogi.sch verstanden batte, d.h. mit der 
annabme, Wolfr. babe dabei ein gern oder stivchen im sinne (gehabt. Dem 
ist aber kaum so. Mhd. scheiden constniiert öfters, befremdlieh für unser 
Hpnichfrefübl. auf die fra^'C 'wohin'. Das Mhd. wb. 2, 2,97 b citiert un.sere 
stelle freilich nicht: ähnlich ist aber Parz. 420,28 du er von Wormz gein 
Hinnen srhiet \ noch näher stehen zwei stellen im Kr., die das Wb. hier 
nicht verzeichnet: UiILM) auch sehiet ... iler künec Gnirreiz . . . cngegen 
sinem riche und iMHMJ nu schieden si sich nnder in . . . Gnirreiz gegen Ir- 
laut, Krec gegen Karnant. Dass die Wh.-stelle so zu verstehen ist, wird 
noch einleuchtender, wenn man Trist. IGGööf. vergleicht: .tm gesinde bat 
er gnt heirarn and hiez si wider ze lande rarn (tn sinen rater liiiälen. 

Veiba des erwerbens, gewinnens u. ä. 

i} 22. Wie die verba, die ein begehren, verlangen, fordern 
u. ä. bezeichnen, also einen willensact oder eine willensdispo- 
sition, 'erreichen, erwerben, gewinnen wollen', bes. hinsichtlich 
der anreihung der person, an welche die verballiitigkeit ge- 
richtet ist, bemerkenswerte differenzen zwi.schen mhd. und nhd. 
Sprachgebrauch aufzuweisen haben: so auch eine andere, sinn- 
verwante gruppe von verben, nämlich diejenigen, welch«' das 
durch.setzen .solcher Willensbestrebungen, ein erwerben, gewinnen 
u. ä. au.sdriickeu. 

tj 23. Zwischen beiden gruppen schwankt als Übergangs- 
glied mhd. tcirlitn, eine Proteusgestalt. schwierig in hinsieht 
der bedeutungsanalyse, weil heute da.s verb, nach völligem Ver- 
lust der einstigen geschmeidigkeit, in einigen recht prägnanten 
fa.ssungen erstarrt ist. Einerseits neigt «'S zu ilen verbis postu- 
landi. andrerseits ist es öfters fast verbum efticiendi. ja mandi- 



390 WIESSNER 

mal sogar nuntiandi. Der entsprechende artikel im Mhd. wb. 
(3,722 a) ist reich ausg-estattet und bringt auch die mehrzahl 
der hier anzuführenden stellen aus dem abgegrenzten gebiete. 
Mhd. tverben erscheint nun, in mannigfachen bedeutungs- 
scliattierungen, mit ziel- bez. richtungsangaben verbunden, die 
uns vom nhd. Standpunkte aus befremdlich vorkommen, da wir 
gewöhnt sind, es allgemein mit 'betreiben, ins werk setzen' 
zu paraphrasieren. Weit weniger seltsam stellen sich aber 
solche constructionen dar, wenn man die etymologische her- 
kunft des verbums fest im äuge behält (vgl. den ausdrück- 
lichen hinweis im Mhd. wb. 3, 722a, 20 f.): 'sich um eine achse 
drehen (ivirbcl) — und so fortbewegen' (? vgl. tvirbeln, got. har- 
l)6n^) = wandeln, gehen): diese sinnliche kraft ist im mhd. 
werben weitaus nicht so verblasst wie im heutigen; vgl. nur 
AVolfr. Tit. 68, 3 nii sich wie minne uz fröude in sorge werbe 
'sich verwandelt'. 

Bei den nun zu erörternden richtungsconstructionen von toerben 
kommt Wolf r. fast allein in frage. Er gebraucht w. an c. acc. der persou, 
in der bedeutung recht nahe der gleichen geh rauchsweise von gern: Parz. 
266, 1 du tvart der fürste schiere bedunmgen stoes man an in warp (D an 
im) ; 539, 21 Gäwän warp Sicherheit an in ; 539, 29 tnit rede icarb erz an 
in so; Wh. 269,11 daz er genäde wurb an sie.^) 

Auch tverben gein einem verwendet Wo 1fr. öfters: Parz. 34:5,15 dö 
leiste der fürste Lyppaut al daz sin herre der künec Schaut an tödes legere 
gein im warp ; Wh. 184, 10 al die durh mich in räche sint umbe Vivianzes 
sterben, die läz ich gein mir iverben u. s. w., 21^,Q gein dir ich loerben miioz 
'ich habe eine bitte an dich'. Vgl. auch Wh. 222,1 Terramer der warp 
also, hiute vlehen, morgen drö, gein stner liehen tohter. 

tverben ze einem erscheint bei Wolfr. im Parz. dreimal kurz hinter- 
einander: 650,29 ... Gäwäns klage und sin iverben. döne liez och niht 
verderben der knappe zal den fromven tvarp dar an sin kunst niht ver- 
darp^): iv. ist natürlich nicht absolut zu fassen; das object liegt im satze 
mit dar an etc.; der fall ist also ganz parallel dem folgenden: 651,2 Ärttis 
warp herzenltche zer messente dise vart ('betrieb, suchte durchzusetzen 
bei'); 651,5 Gynover diu kurteise warp zen froinven dise stolzen reise. 



^) Zu hairban; in gleicher bedeutiingsfunction as. hwerban, ags. 
hweorfan. 

2) Ueber werben an mit acc. im alt. nhd. vgl. Kehrein, Gr. 3, § 230. 

^) Dasselbe spiel mit den beiden verben in zwei aufeinander folgenden 
reimpaaren und zwar in verschiedener form bei Hartm. Iw. 3815 f. dazs 
umbe den würben von deme st niht verdürben, dan si sich den liezen er- 
werben von deme si müesen verderben. 



UrilK- I NI) KKIlTUNOSCONSTklTTIONKN. MOl 

riiil eiiiiiml HiiiitiT rar/.. 71)0, t( hie si riltr oilir uirnjl, inrlut mir ih'i ein 
den tot: dieHer füll Kcheint wegen de« begleitenden iln für ruheauffiutKung 
in der phriise zu sprcihcn. 

Bei Ilnrtni. und(iuttfr., wie in ih'n Ixiilfn vol kni- jx-n tind«-t HJch 
keine der drei gcniinnten conHtrnctionfn von inrlnu, tnitzdfiii da« wort 
allenthalben recbt f^jclänfit; ist. Auf ilie nnsinnlirbfn rnn.slructifjnen »/•. 
mich oder umfii-, beide nibd. scbr gebrilurhlicb, niilier einzugeben, i.nt hier 
keine Veranlassung. 

AufTallend ist Nil). -1. Kl.'), ;{ muh irninlnt tlisrr muri-, ... viii\ wanne 
ir, eilel Sifril, sit kmin n in dil^v lant, odrr tniz ir ircllit irrrlirn, :e W'orm: 
an den l{!n. riper erklärt in der anni. ';e W. an d. U. hängt in d<'r eon- 
stniction von dem verli der bewtgung kumm ab, »o das« der «atz mit oder 
wie ein parenthetischer Zwischensatz erscheint'. Da« ist Lachmann« auf- 
fasfluug, wie seine iuterpunctiou zeigt. I)er gruud, warum er dem näcbst- 
gelegenen (d.i. v. !{ als 6inen satz zu fa.<<sen) ans dem wege gieng, liegt 
auf der band: die «(dtsame richtungsaiigabe bei irerhen. Sie ist aber tat- 
sacbe: vgl. bei Wo 1fr. P. ."j1,'J(> uil min her Ki/Ilirjarae inj her irerhen 
n/.s fn hite, wo der moderne Deut.scbe <la« verb der bewegung vermi.sst, 
anuabnic einer ellipse des.xelben aber den geist der alten spräche vergewal- 
tigte (»r. steht liier übrigens sehr prägnant, "eine botscbaft ausrichten", zur 
gnippe der verba nuntiandi neigend); so ist also auch die stelle N ib. KVi, .'{ 
zu verstehen und in der tat Mhd. wb. .'{, 72'Jb. ;{? f. und von Bartsch (inter- 
punction) so verstanden wonlen. ') 

Die (ludr. (!(>4.I{ er enireste irac ."«/ uurhen in dem stnem lande ge- 
braucht im gleichen falle construction der nihe. Ebenso Wo 1fr. P. r>2ö, 11 
daz er de» niemen da yeiriieye noch anderswA, iran da erz werben sulte; 
und bei (iottfr. Trist. HTvil daz min her Trixtan ... iuirer hote»chaft da 
werben iril; !>4H4 in't bistu her kamen od wie oder was wirbeidu hie'i' 

Nib. .').'{,;{ irh eniriirbe dar min her:e (jn'ize Hefte hat: Mhd. wb. dur 
= da dar; das localadverb steht hier wie mhd. so oft in vertn-tnng liiitT 
person: 'um eine solche frau, zu der'. Vereinzelt scheint Nib. 2*2C')<;. 2 wie 
habt ir .fö gewarben, frtinther, kfinic rieh, wider mich ellendenY (»an« 
synonym tuan. Merkwürdig (indr. 12.")!), .'{ werben, itwie wir künnett. über 
unser rrauwen. E. Martin (grosse au.sgabc, Halle 1.S72. anni.) und .1. (irimm, 
(ir. 4*, 1014, unter d^m striib) stehen der stelle ratlos gegenüber, aber u. 
rr. zu kunni n zu zii'hen, wie letiterer andeutet, geht absolut nicht an. 

ij 'J I. f'rucrbrn. Wird Kirhcti - 'etwas bei. von jeniand 
erreiilim wollen' mit dem prüHx er- versehen, das in der verhal- 
composition auch sonst deutlich perfective, ja resultative kraft 
hat (durch die handlunji: des verhs zu einem resultat pelanpen), 
80 bedeutet dies compositum die Verwirklichung der durch 



') Die gleiche ansieht vertrat R. Heinzel in »«iner Nibelangenvorlesung 
in» Wintersemester Isjm; 'J7. 



392 WIESSNER 

tverhen ausgedrückten absieht: zum ziele des iverhens gelangen, 
erlangen. 

Hartm. gebraucht enverben in einer reilie von stellen, ohne aber je 
die person anzureihen, von der (bei der) etwas erworben wird. Greg. 1469 
mi wil ich dir für war rerpflegen daz ich dir nu erwirbe, swenn ich dar- 
nach (Zwierzina, Zs. fda. 37, 413) ersiirbe, uinb unser sa/meniinge, cüie rinde 
junge, daz si dich nement ze herren, eine unsinnliche construction, ist bei 
Hartm. vereinzelt. — Ebenso kennt Gottfr. das verb, verbindet es aber 
auch nicht mit angäbe der mitteilenden person. — Im gegensatz zu beiden 
ist dies öfters bei Wolf r. der fall. erw. twn einem verwendet er allerdings 
höchst selten: ich kann nur Parz. 277,1 Keie erwarp dö niwen haz, von 
rittern, frouwen dafür beibringen. Häufiger an einem: Parz 156, 13 . . . prises 
des envarp sin haut an dem von Kukümerlant; 445,11 ... den geicin den 
er erwarp anParziväl; 540,18 bistuz Gringuljete? daz Urjäns mit valscher 
bete, er tveiz ivol wie, an mir rewarp ; 545, 14 daz (sc. das runzit) erwarb 
an mir sin strtt; 652,21 der Icnappe dan mit freuden reit, wand er an 
Artuse (da ze artuse Ggg) erwarp da von sms herren sorge erstarp; 674, 13 
ich erwirb ivol an der herzogm. 

Während also unser heutiger Sprachgebrauch es liebt, bei 
den verben des erwerbens, gewinnens u. ä. die richtung vom 
object (persönl.) auf das subject, vom mitteilenden zum em- 
pfangenden zu betonen, construiert Wolframs spräche die 
mitteilende person auf die frage 'wo' als den ort, an dem die 
handlung des verbs statthat. Fremd ist uns diese auffassung 
auch nicht; vgl. hei dem ist nichts zu holen, verdienen u. s. w., 
cttvas hei jemand durchsetzen, erreichen. Gerade enverhen 
scheint aber nur die construction mit von zu vertragen; das 
DWb. und Heynes Wb. geben darüber keine auskunft. ') 

Wh. 203, 20 die erwarp min haut mit cime sige an dem Icünec von 
Persiä habe ich vorsichtshalber aus den angeführten beispielen ausgeschieden: 
an d. Je. könnte nach mhd. Sprachgebrauch (sigen, sige nemen an einem) 



1) Es wäre misslich und auch müssig, zu erörtern, welche von beiden 
gebrauchsweisen das prädicat 'anschaulicher' verdient. Der vorstellungs- 
gehalt, der sich mit jeder von ihnen verbindet, ist und war gewis nach 
anläge und entwicklung der Individuen, ja nach Stimmung und laune des 
einzelnen bedeutenden Schwankungen unterworfen. Unser etwas erwerben 
von einem ist unzweifelhaft für die meisten ein eingefahrenes geleise, er- 
starrte redewenduug. Während der eine die richtung, den weg des erwor- 
benen objects von der mitteilenden person zu ihm durchfühlt, scheint dem 
andern von völlig unsinnlich, d.h. causal. Dass aber solche und ähnliche 
phrasen ihre entstehung einer mindestens einmal vorhandenen klaren an- 
schanung verdanken müssen, deren sprachlicher ausdruck zur formel er- 
starrte, kann nicht bezweifelt werden. 



UUHK- TNI) UKIITUSORCONSTRUCTIONKN. 393 

viellj-icht aiicli von «/>/«• ftbhilUKcn. Hierher würde no« h Wh. 124,22 min 
brunihr utKjiiunrh ijinuoc hrt nn tiusich rrwurlien K'"li<>reii, wenn Panzern 
vurschhi;,' (lititr. 21, 2.'{2), <lie la. an uns in den text zn Ht-tzen, zu recht 
bestünde. «'. KriniH hat aher (Keitr. 21,r).'»0f.) LaehmannH textpeHtallnnjf 
erfoltrreieh in «chutz pmoninien. Panzer» UherHetznnjjr von ('tu m»miV7» ('ohne 
da«.H wir ihn daije^en sehlUzten') vcrfelilt yewiH den »inn der Htelle. Krauii 
üherHrtzt: 'ahgeMeheu vun un» (d.i. den dreizehn »eini-H (feMeliit-cht«, mit 
denen Arnalt sich iih-ntititit-rt)'. Liej^t nirhl eini* anden- auflat<'<unj: deH 
an iinsir/i näh*-r: 'uline iiit.ter zutun', d.h. uhne daj<.H wir ihm auch nix-li 
untjemnch zufütjen (wofür die amlern, «eine feinde, »rlion gcnüfjend jjeHort^t 
haben)? Vjfl. Fans. 182,22 »// ir rientHrlie hrr komen, herre, drist an not. 
<tn itich UKtn uns ril h(t;zens pöt. 

Dieses bei Hartm. und (lottfr. ungebriluehliehe mnrfun an einem 
findet sieli, wie bei Wo Hr., in den beiden volksei)en: N i h. 2 IM, 2 ilen 
sie (jnh'iht frirrrhrn iler hrll n>n yitlnlmit an tirn km tu n Sahst n ist aller- 
diuKi« kein jjanz sieheres beispiel (vjfl. das oben zu Wh.2(>;{, 2<> irrmiifte); 
wo! aber (tudr. 4iS4, 3 an iltin uns unser mätje erwurfwn hahent )i>il<l'- 
1369, 'i die ireln an uns erirerhen mit strite michel ere. 

Vgl. Altd. pred. !{, 14<l, K! inule im mit sime sradfn friuntsrajt ila 
zim (l. :in mit beziehuny' auf das vorhergehende an sintn Intm) er- 
irorren hete. 

§ 25. Als con('un»'nt von ennrhrn ist bei jedj'in dt'V drei 
nu'ister das der heutig»'!» spracli»* vcrlumi»* In jniirti (iifUst 
dem subst, bejac) in gebraucli. 

Wolfr. construiert es, (jfenau so wie mrvrhen, mit an c. dat. der 
person : Lieder 7,4 dt-r unrercayte an ir hrjagte tlaz sorije in fläch; 7, .T2 
und ein liebez ende an dir hejayen; Parz. .'502, 2.M tra; muht ich prlss an 
IM bejayen? .')10, 29 den yewin, den ir mit minne an mir bejagt; '>H7, 2 mm 
irelt ir y>r/s an im hejagen; 61'», 6 ir megt »ro/ zaudern ziten dien» lön an 
mir hejagen; fi!>2, 27 ira; priss mohl ich an dir licjagen; 74."»,! Waz priss 
bejagete ich dannc an dir Y Wh. 241.22 ndd andrrr urbor moht er haben 
trän als der unrerzagtc an ticn rinden bejagte; 'M\, 1"» mac min haut da 
pris an den Stirrazin bejagen. Im ganz« ii al-o soi;ar etwa« hünttger als 
erwerben an einem. 

Einmal ifebrancht Wolfr. anch /-- ,. .-. ..»«»«: Wh. :J7(», 12 da ron 
si bejageten ze beder sit nach fhiste mer und aber niice herze»rr ron den 
diez tuan grtorsten. 

Hartm., der liejagen, bes. im Kr., »ehr nvrn verwendet, »eijft die 
phnutC bej. an einem nur Kr. 4.'lll7 und hrle ... drn jiris an manegem man 
bejaget, (iottfr. hat sie gar uirht, trotzdem anih er das verbnm k.iiut 
AlfH) ganz fthnlirhc verhAltni.we wie bei erwerben (vgl. s. 302). 

Auch Nib. (A( und (indr. wi-ijien hier keine Ähnlichen eon'«tru'ii'ii«ii 
anf; im Nib.-l. ist da.M w.irt sehr »elt«n (v«!. :u», 2 und lf»H, 2). in der 
(tudr. ff'hlt es ganz. Vgl. aber Nib. 429,6 »ö mac diu kunet/inne lucel 
ihi bejagen an dir deheine» niomea. 



394 WIESSNER 

§ 26. In dieselbe gruppe wie erwerben, bejagen ist nach 
bedeutung- und construction getv innen einzureihen. Betreffs 
der bedeutungssphäre des Wortes ist zu betonen, was das Mhd. 
wb. 3, 709b, 1 mit 'gelange zu etwas überhaupt' nur leicht an- 
deutet, dass sie mhd. viel umfassender ist als gegenwärtig. 
Mhd. geivinnen ist nämlich, entgegen seiner etymologischen 
gestalt, indifferenter natur, in gutem oder üblem sinne ver- 
wendbar (vgl. Paul, Wb. s. 182). Nhd. ist gewinnen, ganz in 
der richtung der etymolog. herkunft, wider prägnanter gefasst 
und nur im guten sinne verwendbar (gegensatz verlieren). 

Wider sei zunächst erörtert, wie die person angereiht 
wird, 'von der' (so der reguläre nhd. Sprachgebrauch) man 
etwas gewinnt. 

Hartin. construiert hier recht oft ganz dem nhd. entsprechend gew. 
von einem: 1. Büchl. 1291 daz er st gewinne von dem mit sclioenem sinne, 
der si in sime gewcdtc hat; Er. 137 ichn gereche viich an disem man von 
des getwerge ich mal gewan; 2709 sin gnöz des tages manec man der von 
im da vil gewan; 6742 ouch vorltte er in dem lande schaden unde schände 
von dem lantvolke gewinnen; 6755 des icenigen man von dem er die wunden 
gwan; 8385 ouch ist mir moere geseit daz hie ein äventiure M mit starkem 
gewinne st von einem guoten hnehte, das subst. in gleicher gebrauchsweise. 
Vgl. auch Er. 815 si liezen zsamen strichen also kreftecUchen so si meiste 
von ir sinnen üz den rossen mohten gewinnen. Greg. 3992 der gert dar an 
gewinnen . . . ze löne von iu allen (nach Zwierzina Zs. fda. 37, 415). Iw. 5732 
so mac si mit minnen vil wol von mir geivinnen stoaz st des mines ruochet; 
7453 ich vilrhte lasier ode den tot von iu gewinnen morgen. 

Hartm. gebraucht auch gewinnen an einem.^): Er. 8031 . . . ein man, 
an dem si ze gewinne stät; Iw. 1607 daz diu Minne nie gewan groezern 
gwalt an keinem man (c vher): der fall ist zweideutig; an k. m. könnte 
nach mhd. Sprachgebrauch auch von gewalt abhängen, vgl. Mhd. wb. 3, 475a, 
z. b. Trist. 10357 ich mac wol disen geivalt an mtnern vinde Heben. Oder 
belege, die ich gelegentlich sammelte: 1. Büchl. 46 wan des gewaltes ist so 
vil des dir an mir verläzen ist (dagegen 1. Büchl. 527 locer ich gewaltic 
über dich so du bist über mich wie nhd.); oder Reinmar MF. 152, 17 
das ich deheinen den geivalt an minem lieben friunde hän; noch näher 
Parz. 649, 16 ob triwe an mir gewan ie kraft. So verstand unsere stelle 
der Schreiber von c; seiner spräche (ende des 15.jh.'s) war wol gewalt an 
einem gew. schon fremd; er setzt dafür das uns heute allein mögliche über 
ein. Selbstverständlich ist mit der auffassung eines Schreibers nichts be- 
wiesen: der fall ist nur nicht sicher. 

Jedesfalls ist die genannte construction Hartm. sehr wenig geläufig 

^) Vgl. Hildebrandslied doh mäht du nu aodUhho, ibu dir dm eilen 
taue, in sus heremo man hmsti giwinnan. 



Rl'IlK- rSI» KI(Mn'N(}S('()NSTRr<TI<)NEN. 305 

und im iilni iiitlil iiolir Vfrvv*-ri<lliiir. (ninz uii<l*Ti.-r iiatiir xiii'i {ihrHitii 
wie er hat an ihm ritten trnirn freund (fniininrn (- iiiilciii er ihn ^•■waiin, 
gewunn er rineii tr. fr.). V^l. <M>ttfr. Triitt. l»2t»4 ern (jeirinnet mnner 
irip nurh f'ruuiren an hüte; ebonxu Wolfr. Wh. <l.'i, 16. .'J2.'», 10. Int da- 
jf«*irt'ii <Ii»' initti-ilt'iKlc iiinl <Ii«' ^ji-wuiiiitMi»' i>en«^iiilichk«'it nicht di«'««'!!)«», ho 
klingt »niH dif pliniH«' <ini|i-nts«-|i, z. I». rr iiminnt ilie hrnut an lUn ritern. 

W'ctrt'H tlrr (•oiicurit'ii/vcrhältiii.ss«' sind iimli di«' Irriin- 
l)ar«'U N rrl);il<'t>ni|Mt.sin()iicii riurm ripi iliiir (in odrr <//>/• i/i irinmn 
nicht zu Ubci-selifii. aui/iuinutn i.sl heut«' so uii^'ebrilmlilicli 
wie (feuinncn an, wol aber nmcht ahijavinnen dem (jcichmen 
von brträchllich»' ((»nrurnMiz. ['vht'v (inf/nrinnin mit dativ im 
iilterm iilid. \<rl. Kchrcin, (Jr. .'{, i> -Jol; das DWb. l.:5:,i» f. fr\],\ 
auch meist friilmhd. brlej^e. Ktwns naiv kling-t die mahnunp 
'doch sollte das ^'ut«', kräfti«,'«* wort, «gleich (nKjrsliytn, wider 
in gebrauch kommen'. 

Martin, verwendet einerseits (i/>r ijnr.: (irc^. :ü\ mit hete tjeirinnrt 
uns ithe ilii; wir der rriminn hulde sirrrn: !MU rr tfetran ir nhe die hrnten 
Htete und ir (nath Zwierzinii a.a.O. 8.412) resten; Iw. 2«iO.S ich entjer niht 
iutrer hnhe, ichn (jetrinne ins anders alie: 2HH(! und (jtrinnet mit minnrn 
der küneginne ein urloup ahe; — andrerseitn an (jrir. Er. .'{401 Also du 
der eine man den ftinren sifle an ijeiran: (»rejf. H02t) sin trip im rnkunde 
... da: niht an ijetrinnen; Iw. 2.">4.') ern he.srhirmte sinen hrunnen, er irurd 
im an (jrtrnnnen: ö,'{<!H ilochn midttnt si ime dehein err nirnames an ije' 
winnen. 

(tot t fr. vt-rwcndet »elten ipirinnen mn: Trist. 1774 nnil strer nm 
vrthe ie muot (feiran inier inner iril ifeirinnen. Viel nniHtritten ixt .'i«»*2<> er 
(»0. Tristan) tras mn dem herr unde man, nnt dem sin vatrr nie niht 
gewan: am näeb.Mt liegenden Rchcint et* ja, mit Heehittein (anm. in der 3. aufl.) 
tun dem auf Munjitn (hei HeelLstein verdnirkt Mondt) zu hezielien: '( der 
sinn iHt aher kein trlürkliclier. I>ii.'< rirhti^e m-heint mir J. Kotieukiimp, 
(ienn. 2<i, .'KH; zu treflcn, der eim dem auf Tristan nelhnt hezi«'ht: die Mtelle 
ist seherzlint't c't^'iiiciiit' der 'lielehnun^aet' in die.sem be.oondereu falle t-ine 
|taro4lie auf ilie gewohnliche Situation, nnscre stelle nur eine weitere au»- 
fUhmng den schon .'j<;22f. hie mite tras Tristande sin lehen und »in sumler- 
/(in/ rerlihen ü; sin ttelhe» haut begonnenen bilde«. Sonst verwendet 
fiottfr. in dieser phrase nur trennlwre Terbalc«>m|>usitii)U, und Jtwar ver- 
einzelt ahe-ijrinnnrn. Trist. <»24H rr iiiinilr im a/tr yrtrinnen et«'., hiiufijfer 
ane-yeirinnrn. Trist. f)[t2A l'ii rr'm mit siegen an ijruan. 7.'>IH't *ns , 
ich in mit nirten an dii seihe kleine srhiffelin; l.'JHlCi itas *i dem rm 
man sinen cirirel allen ane geiran; 14010 //i«' «/«i.r »»"m lösende ane getran 
beidiu rtrirri umle sorn; 1422(1 his das sCm ahrr ••" nru.ti, du- t it.- • 
— getc. an einetn kennt (tottfriedn iipr»rbe nicht 



') Ändert, kaom trtffend, U. l'aul, <«crm. 17, ai«j. 



396 WIESSNER 

Anders Wo 1fr.; er setzt oft geui. von einem, wie wir heute: Parz. 
97, 29 v'fin äaz ich schilt von ir (jeumn, ez wcer noch anders ungetan] 272, 23 
Sit si geivan zorn an ir schult von liebem man; 292,6 tvan der nie tröst 
von iu geivan; 297, 15 vil hazzes er von in gewan; 331, 13 kcem imer in sölhe 
not sin lant als ez von Clamide geivan. — Wh. 47, 20 dien westen niht 
von wem gewan TeiTamer so grözen schaden; 53,27 hi dem tage gröz un- 
gemach der marcgräve vo)i den geivan; 85,2 den man von dem Ptnel den 
tot geivan; 209,25 und daz äne schulde not sin eines Up von in gewan; 
254,30 wer mer üf Alischanz gewan sin ende vonn getauften; 299,2 Daz 
wir von den heiden sölhiuphant gewinnen; 419,1 si heten groezer ungemach, 
dise üJit, von im gewunnen. 

gewinnen an einem tritt, dagegen gehalten, auch bei Wo 1fr. stark 
zurück: Parz. 72, 12 und anders manegen werden man, an den (dativ plur., 
constr. ad sensura; Gdgg dem) er Sicherheit gewan; 577,15 wan ciniu sol 
gewinnen an vier kiineginnen daz potenhröt. Nicht gleichwertig ist Wh. 
7, 20 denne almuosens dort geivan an stncm toten Heimrich. 

Von den entsprechenden trennbaren verbalcompositionen gebraiicht 
Wo 1fr. abe- gewinnen gar nicht, an- gewinnen recht selten: Lieder 4,37 
naht was ez do mit druck an brüst din kus mim an gewan; Parz. 154, 15 
ouch min leben, möhtestu mirz an gewinnen; ebenso 419,30 swer dem sin 
leben an gewan. 

Wie drücken nun die beiden volksepen den gedanken 'ich gewinne 
etwas Ton einem' aus? Vor allem so wie der heutige Sprachgebrauch: Nib. 
45, 4 von der (s. v. 2 ein schcrniu meit) er stt vil fröuden unde arebeit geivan; 
sonst finde ich (in A) keinen gleichen fall, wobei hoffentlich kein versehen 
untergelaufen ist. Vereinzelt auch Nib. 335,2 die kappen ... die der helt 
küene ... gewan ab eime getwerge. — Spärlich auch in der Gudr. : 89,2 
des er von den grifen gröze not gewan; 666,2 da von er geivan von un- 
kunden recken michel arbeite. 

gew. an einem in gleicher bedeutung erscheint im Nib. -1. und der 
Gudr. gar nicht. Nib. 2226,3 sin aller grcestiu not, die er da het ge- 
ivunnen an mag und och an man ist anders zu fassen: die magen und 
mannen sind (dvxrch ihren tod) gegenständ seines (i. e. Hagens) Schmerzes; 
die mitteilende person (die feinde) ist hier sprachlich nicht ausgedrückt. 

Von den beiden trennbaren verbalcompositionen ist abe -gew. (einem) 
im Nib. -1. und in der Gudr. so wenig zu belegen als bei Wo 1fr.; an- 
gew. (einem) ist recht geläufig: Nib. 98,3 da er die tarnkapj)e stt Alhrtche 
an gewan; 326,3 der muose ... clriu spil an gewinnen der vroiven wol 
geborn; 442, 15 dö der vogt von Eine diu spil iu an gewan; 662, 8 hey waz 
im ungelücke sit der vriunde an gewan; 783,4 der dir den magetuom an 
gewan; 1048,3 ob wirn (sc. den bort) ir an gewinnen (B); 1571,4 dem von 
Troneje Hagne ein starkez iväfen an gewan; 2241,2 dem der küene Hilde- 
brant sin leben an gewan. — Gudr. 223,4 der im eine burc an gewinne; 
942, 4 swaz halt die vtnde . . . uns mugen an geivinnen. 

Vgl. in prosa Altd. pred. 3,210,40 dem gewunnen idoch vil bosiu 
wip unde vil ubeliu wip sin vil heiligen Up ane. 



UirUE- rS'I) UICHTUNOSCONSTUrCTloNKN. .3l»7 

Nicht zu tiiulni ist in ilt-n lii«r an^fezoffpiu'n toxti-n »'ine construetion, 
ilit' Waltlicr im ^Mi-iilien Hiiine K*''»'">i»'''t : lll,3<i sirer kunsen hie :e mir 
yciL'innen iril, dtr wtrhe ab ez mit fuotje uiul iine spil: deutlich ruhcaufTtUMtuUf^ 
(hie) uud ganz parallel z. b. Hi>, Jj ilaz hat ir mir im ijewunnrn mit dem 
iuicent miutuilichen lohe. 

Dass diese constnictioiien mui tfririnmn mit aiirrilumj^ 
(It-r luitteihMulcn persoii hei liarlin. z. b. so viel liünlig-er auf- 
treten als hei \\'(»lfr., trut/deiu ^'e;;eii c. 2<)0(K) veise des ersteren 
c. :'.*•( MJU des letzteren in hetriiclit kommen, erklärt sicji leicht 
angesichts der con(Hirrierendeii Gebrauchsweisen von irivcrhen, 
bejacjen, f)r::(tln, die in \\'(dframs spräche ungleicli mehr lebendig 
sind als in der llartmanns. 

§ 27. Unerörtert blieb bisher eine liier einzureihende 
phrase von (jetvinnen, nämlich Liiif iinriinim In riucr, 
einem (von der niutter. wie vom vater gebraucht), und zwar 
deshalb, weil die ruhebeslimmung dabei fest gewahrt bleibt, 
(diiie die sonstigen Schwankungen in der construct ionsweise 
des verbums mitzumachen. l)ie geringe anzahl der belege 
begreift sich aus der bedeutung der plirase. <jeui)nicn er- 
scheint nlid. in keiner derartigen Verbindung mehr, in ähn- 
lichen Wendungen ist uns aber durchaus von geläufig: vgl. 
ki)iiler Ih kommen, haben von jemand, ebenso Trist. 18705 einen 
sun und eine tohtcr hcef er von slnem teile. Zur erklärung 
der mhd. phrase ist wol Li Jitjen lieranzuziehen: btddes sind 
Wendungen aus dem sexuellen leben; ich halte es für nicht 
unwahrscheinlich, dass unter dem eintluss des geläutigen und 
ansidiaulichen hi ligen das minder verständliche kint ijetv. hl 
entstanden ist. Ueber ähnliche phrasen im älteren nhd. vgl. 
Kein ein, Ur. 3, § 245. 

Hartm. Cireg. 181 de» selben landes herre getran bt nhiem wibe ztrei 
kiiil; vgl. 39J) al.'iUM intrt s! der selben naht siianyer bi ir bruoder. — 
Wo 1fr. I'. 4r);'>, 21 bl der (iahmuret ein kint yeiran; vgl. Wh. 310, 11 des- 
urär ich lie; mich minne dort . . . und mhirniu kint, bi einem man, an dem 
ich nihi ijepruefen kan etc., brarhyli>j;iHcli. Wh. IWI), 1!> ein Mtrnnne «i; 
•Jitakranc .lumceiz bi im yebar. — (lottfr. uinl «la.« Nib. -1. seigcn die 
phraAe nicht. — (Judr. 571$, 1 Hilde ... sicei kindelin geiran bi Hetelen 
drm künege, wie in der prooa auch Hhnlirh Altd. pred. 3,57,14 daj er 
eins erben bi der berhi^me. 

(tanz parallel (lie.Hem kint geir. />i crM-beint in der (» udr. »periell AViif 
trugen Iti einem ^ '«»hwanger (trächtig) »ein von jemand', wolx'i tragen 
iM.iiK 1iiii.ll iii< lit mehr den zuütaud der Hchwangerschaft (durativ), sondern 



398 WIESSNER 

den act der geburt (momentan-eifectiv) zu bezeichnen scheint^): Gudr. 22, 2 
si bef/unde bi dem Icünege ein edel leint tragen ; 197, 2 diu vroiiwe M dem 
recken truoc eine tohter schiene; 1253,1 wä sint iuiver kint, diu ir bi Hart- 
viuoten habet getragen sint ...; einmal auch im Nib. -1. 662,1 Nu hete 
, . . bi Guntlier dem riehen einen su)i getragen Priodiüt diu sclia'ne. 

Ueber tragen, mit Unterdrückung des objects, von schwan- 
geren vgl. Hejnie, Wb. 3, 1010. Von tieren ist es in unserem 
dialekt ganz üblich, also dieselbe specialisierung der bedeutung, 
wie einst bei bern. 

Mit obj.-acc. vgl. die stelle im Wh. 58,15 ir gunerten Sarrazin, ob 
hediu Jiiiiit unde sivin iuclt trilegen und da zuo diu ivij) sus manegen tver- 
Uchen lip, wo vielleicht die interpunction von J. Stosch, Zs. fda. 33, 127 sich 
empfiehlt: korama hinter ?c?/j, 'so dass sas m. %v. lip apposition zu iuch 
bildet'. 

§ 28. Schliesslich sind noch einige richtungsconstructionen 
von gewinnen ganz anderer art als die besprochenen gebrauchs- 
weisen zu beachten, wo es sich um eine tatsächliche local- 
veränderung des gewonnenen objects handelt;"^) dem heutigen 
Sprachgebrauch ist gewinnen in dieser Verwendung schon völlig 
fremd. 

a) Richtungsangabe auf die frage 'woher': 

Hartm. Iw. 3199 von herzeleide geschach im daz daz er verdulte 
linde versaz daz siz (das vingerlin nämlich) im ab der hant geivan; ganz 
ähnlich Gott fr. Trist. 29-i2 die zimeren er abe gewan von dem lide, an 
dem si was, wo geiv. in völlig concreter bedeutung steht (= 'herabnehmen'). 
A\olfr. bietet nichts dergleichen; Nib. 319,4 Giselher der junge von der 
reise in (sc. Siegfried) gewan gehört hierher, wo die richtungsangabe aller- 
dings in übertragenem sinne zu fassen ist, von der änderung der willens- 
richtung des persönlichen objects, 'brachte ihn ab von seinem entschlusse, 
abzureisen'. 

b) Viel häufiger richtungsangabe auf die frage 'wohin': 

Hartm. Er.^) 3878 mit liste er mich furz tor gewan; 4816 als er daz 
ros zuo im gewan, ganz concret; 7574 tvie ers (sc. Laurente) in sinen gwalt 
gewan 'in seine gewalt bekam'; Greg. 858 dö si daz lant zuo ir gewan; 
2892 ein ranft von haberbröte ivart im dar geivunnen; ebenso 2516 



^) tragen begegnet auch sonst in momentan - effectiver function = 
'bringen'; vgl. z. b. Nib. 4'23, 3 nu er dunket sich so kiiene, so traget in 
ir gewant; oder 1639,3 diu vrowe truoc in Hagnen, er nam in an die haut; 
oder Parz. 390, 26. 

*) Vgl. die parallele constructionsweise von gern u. ä. s. 385. 

*) Er. 1830 als er diu hiuser zim gewan ist conjectur für zu im nam 
der hs. 



nrnK- rsi» KKiiTi'NOSCoNSTRurTioNKN. :W> 

ein hi)tf iriiii iinrunntii dar (n-iiii: rrnir) iiinl A lltinr. \Uh\ iht er s! iiHe 
dar ijetntn, beidf mätfe uiidr iiimr, Iw. lt>^)^} nie (jitr iiihit sintie einn andtrn 
irihes miniie in ir ijewalt ijewuttnen hat. 

Aucb widere tjeirinuen ist hifrlicr zu ziehen: (irt-jf. 'JMHI Dii »i in 
her widere ijewan; v^l. uhd. «ein ijtld :uriiektiewinnen. — (iunz ebeiwu 
bei Wolfr. P. 112,22 du diu kiini<jin ... ir kindel wider sir gewan; 117,20 
//• enle ni (jnr für sich tjewan: IJartHi-h 'lies« sie allt; ihre leute vor HJch 
koiniiH'n'; 4!{!), 24 durch einen lithfn man, des minne ich nie an mich (jeirtin; 
580, 10 l'nmwe, mine sinne, die viir warn enlrnnnen, die htiht ir ijfwitnnen 
wider in tnin herze: 710, 12 der liehste man, den innifl in' herze ie ijewun; 
für UU8 recht aufftilk-iul l'urz. AX2, 27 wir (jewnnn des tieres herzen über 
des kimeijes smerzen, wo iu uhd. Übersetzung^ zur venleutlichuiij^ der zJel- 
augabe einschub eines verbs Hinnlicher täti^keit (z. b. 'legen') nötig wird. 

— Wh. VA, 18 und der iif'ttlnzi/rt'ire Berlratn, der nie zofieheil tjennm under 
brüst inz herze sin, mit der hi. tjewnn, KIop, die H. I'aul (Heitr. 2. :{2»)) in 
den text setzt; 415,12 er (sc. Renuewart) bnuh die dillm muh m d<in, 
un; er si f/ar her für tjewan. 

Siiiirlich Hifssen die bele^je für die.se con.structiiiusweise in den beiden 
Volksepen: Nib. G45, 2 ir edel ingesinde rruii Kriemhilt zir geican; 729,2 
(die sine recken der wirt zuo im gewan; 1068,4 duz si so manegen man 
in ir dienst gewünne; 1191, 1 Dö hiez man dar gewinnen die Etzelen man. 

— (iudr. 1071,4 wie sie da nach gesünne, wie si ir lieben tohter üz Or- 
nntnielande gewünne. 

(iottfr. Trist. Ö90Ö ritter und särjandc, die er mit sinem tjuiite oder 
mit hiifsvhliehem muote zuo z'ime gewinnen künde: t!«;2H Su daz der lobe- 
bare, der gename kindesche man, Tristan den schilt an sich gewan: 7042 
»JH er den heim ze sich gewan; 7193 «i besande ein kleinez zängelin, da 
mite reichte si dar in unde gewan die scharten dan; 759H sus gewan ich 
in mit nuften an diz selbe kleine schiffelin und s6 vil sjjise dar in, daz ich 
ir hän biz her gelebet: zu dar in ist natürlich gewan zu erpinzen 'da hinein' 
(vgl. f;7r)8. TMi\): l.'Wll »im er Isolde z'ime gewan; 1(>2<)H Tristan dö er 
daz hundelin gewan in die gewatt sin. 

§ 29. In (ItT l)tMl«'utimg .steht (k'ii grnaiintt'U verlM'ii recht 
luihe hohl, crhuhi; aii<,^ahen des Hll.sKi'Hn'^l'i"il^l*'-'^ <^"l''i* zit'h'S 
folgen dabei im allj^enieinen unpefälu' der gleichen anffa.^j.^ung 
wie nhd.; statt der ersleren oder vielnielir neben ihnen begegnet 
auch localcunstructiun auf die frage 'wo': vgl. ich hole cticas 
bei dir ab u. ä. 

Die iM'treflVnden stfllen bei Hartni. haben i,M'g«'»llb<>r dem heutigen 
s|>rachgebrauch nicht« auft'allendes: Kr. 5K')1 wn-rent ir nü wise, »r hnltent 
iuwer spise hie mit vollem munde; A. Heinr. 378 du holte der arme Hein- 
rich tiefen süft von herzen: 47.') manegen süft tiefen holte si ron herzen, — 
Gott fr. kommt hier gar nicht in betnu-ht. 

Um .so mehr alier Wolfr., desj^cn itpracbe mannigfaUige Variationen 
in der cuutitructiou dietH't« verbs seigt: 



400 WIESSNER 

a) Das geholte object ist concreter natur : Parz. GOi, 27 sine holten 
hie durch höhen pris ab mime houme alsus ein rU: hie allgemeine Orts- 
angabe, durch die folgende richtungsbestiminung präcisiert. Blosses hie 
147,7 iran holeiit sin) hie sin goUcuz? Das ortsadverb könnte allerdings 
auch attributiv zum subst. (foltvaz gehören 'sein goldgefäss hier' = das 
ich hier in der band halte. Parz. 277, 12 fron Jeschüte wart geholt üf ir 
pfärde wäre nhd. wol 'von' gewöhnlicher. Fälle wie 471,9 man holt se 
(die kinder) in manegen landen; 552,16 mit einem pfellel, sunder golt verre 
in heidenschaft geholt sind in wörtlicher widergabe nhd. möglich. Parz. 
686,15 ein vingerUn ... daz ir bruoder wert erJcant holte über den Subhins: 
zweideutig, über d. S. kann, woran man zunächst denkt, angäbe des zieles 
sein ; vgl. nhd. er holte sie ab ins theater u. ä. ; Wh. 286, 17 ern hiez üf 
in niht salzes holn, oder Wb. 1,702b, 46 daz in der schifman über holte 
Flore 3516 S.; es könnte über d. S. nach mhd. Sprachgebrauch aber auch im 
sinne von 'jenseits' stehen (vgl. § 162), in welchem falle dann ruheconstruc- 
tion vorläge. Gedanklich passen beide auifassungen. 

b) Das geholte ist abstracter natur: Tit. 127,4 daz er den pris in 
mangen landen holt: Lachmann allerdings schreibt hielt, in den laa. hiet'^ 
Wackernagel (und Bartsch) setzt holt ein ; J daz er den pris bezalte in 
landen vil; der fall ist ziemlich sicher, immerhin aber einige reserve nötig, 
ebenso 128, 4 nn Jiol da zim die trastltchen frönd, unde er sorge über dich 
niht verhenge, wo in Lachmanns text wider halt steht; in den laa. vermutet 
er selber hol?, wie es das Mhd. wb. 1, 702b (und Bartsch) auch einsetzt. 
J Nu hol {hei oder liilf) daz im diu (dtn) tro'stl/ch freud iht ander sorgen 
über dich verhenge: daz offenbar als conjunction gefasst — der Schreiber 
verlas däzim in dazim, daz im, musste daher unde im folgenden fallen 
lassen — im als dat. ethicus, wenn die zeile überhaupt einen sinn geben 
soll. Bartsch übersetzt 'und er möge verhindern, dass die sorge keine 
gewalt über dich hat': steht das im text? Der sinn unserer stelle ist: 
' schöpfe daraus (aus seinem, nämlich Schionatulanders rühm) frohe Zuversicht, 
und möge er (der pris) dir keinen kummer bringen', also fast adversativ. 

— Wh. 303,6 nu denket, helde, ir habt gedolt in Francrtche mangen 2yris: 
Wackernagels conjectur geholt war gegen alle hss. ; vgl. H. Paul, Beitr. 
2, 334; Panzer, Beitr. 21, 237 (hinweis auf Parz. 311, 30) und C. Kraus, Beitr. 
21, 559. Vgl. auch Wh. 94, 21 dazs an den zingelen riterschaft und hie zen 
porten müesen holn. 

Ebenso verwendet Wolfram das compositum erholn mit ze, 
an einem: 

Parz. 742, 10 er was schumpfentiwe ein gast, daz er se nie gedolte, 
doch si manger zim erholte, wo die Schreiber verlesen, ähnlich Tit. 128,4. 

— Wh. 231, 12 diu mir her nach die not klaget, als ir durh mich habt 
gedolt unt iwer dienst an mir reholt; Parz. 342,23 hau ich sölhen ptn mit 
unfuoge an iu erholt (Bartsch ' habe ich solchen spott durch ungebürliches 
betragen euch gegenüber verdient'): Ggg an iuch, wahrscheinlich kein 
blosses verschreiben der accusativform statt der des dativs (die präpositional- 
formel kann nur vom verb abhängen, nicht vielleicht von unfuoge, wenn 



UIIIIK- INI) KKIITUNOSCONSTKIICTUJNKN. lOl 

iiiiiii an dii' stellt' i'iirz. filO, I W V» hiiht Ir miiinr mi muh rrhult'i' «TililHTt. 
Kii'btiiiii; vom Miihjfct auf diut iit-rsünliclie objnt, tiiu* dfiii nlid. diametral 
eiit>;ef(eiitresetzte aMfl'a.s.iuiit,' (rielittiii^' vwm iiersöiiliclieii oitjeit aufs siiltjei l), 
lullte (ranz llliverstiilidlieh, iiluT ailtli liilid. Vereinzelt, (i hat mir. 

fltin steht i)rä>,'naiit I'arz. 7äl>, (i ytiit wiin crhutl ir ilisn» pin:' 'wem 
geisfenUber, iui kaniiife ^etfen wen'. 

Aus dem Nih. -I. ist hier nielitH lieinerkenswertes heiztihrini^'en . fälle 
wie Nil». 14'.KJ, 2 "1/ IidI mich hi<\ nnir und 'il^J.'!, 4 xi hallin ü: ihn hihmn 
tirn hii: fUf:eniliu hmh, die einzi<;en, ilie in fra{,'e kommen, sind nhd. i,'unz 
LMit wurti^etreu widerzuvfehen. 

Sehr aulTullend ist al)»T (Judr. l.'J'), ;{ rr (ho. Ilii^en) hnitr h! (Um 
harr irni thi'ir in ilif iiHtlf. Piper übersetzt kurzwej; 'warf in die wo^en", 
was der zusammenliaiii; verlani,'!. Aber Hainen steht auf dem srhifle. 
hiiln zu sauren wäre nur möirlich, wenn er selber in den wellen sich Ix- 
fünde und die i,'e;,Mier hiiieinzerrte. hnlii mit Zielangabe, wenn dieses ziel 
und der Standpunkt des subjeets nieht zusammenfallen, ist nihd. so un- 
erhört wie nhd.: es ist daher U. Sprenjjjers eonjeetur /h;/« (Zu Kudrun, (ienn. 
H'J.IUO ft".) »ehr wahrscheinlich, wenn auch das wort sonst in der(tudr. ho 
weiiij; erscheint wie im Nib. -l. 

Hingewiesen sei endlich noch auf die heute befremdende construction 
von 'sich erholen' (iudr. KM), 1 Jltnciv von St'neu iraltf sich crholii ttn 
lUn von Al-itfit, einem sidi reihen an sehr nahe und iu zwiefacher hinsieht 
vom jetzt gelteudcn 8prachy:ebrauch abweichend: 1. setzen wir die präp. 
'vtiu', 2. reihen wir damit keine personi-n an. \f^\. aber I>\Vb. 3, 8ä4 
unter S. 

ij :?(». hl bedeiitinifi: inid (nn.stnictiunsweise der v\h-\\ he- 
spniclieiu'ii vtMlialjrrupl»«' vciwaiit i>t ein»* ivilu' ;indtM»'r veiba. 
di»* ;,M'\valt.>^aint'n. uiifieiwilligrii l)esitz\v»'('list'l bedeuten, ein 
erwerben diinli kämpf, zwang oder überhauitt besiegung des 
vuni erstbe.^itzeiideii j^adcistctm widerstaiiib'.«^. In die kategorie 
des gewalttätigen besitziiberganges gehören ja auch vieh* der 
schon oben besprochenen constructionen. Auch liier nun zeigt 
der iiihd. sprachgebiaurh. soweit ihn die brriicksichtigten trxte 
widerspiegeln. geg»*nül)er dem nhd. eine gewisse Vorliebe, die 
mitteilende person auf die frage *wo' zu construieren; z. b. 
trlwintfiu. 

Hei llurtm. kommt kein fall in l)etracht. \\'l. aber Wolfr. P. 49,29 
ini; irnllstf im mir rrtirinißn^ Nlul. von (bei) jemanil elirtiM rrticiniint, 
häuti^^er vielleicht jrmnml ctintn ab;iciu4jfn,*) ahnutiijen, U'i Luther (iii.«- 

') \g\. Goethe, Fatut 1, 675 GehcimniaruH am lichten tag lä*»t nich 

niilur ilrn Mihlricrs nuht lirrnuhen, uml uns nir deintm tjriit nicht uffrn- 
baren mmj, das nvimjst du ihr nicht ab mit hebeln umt hii/ »chrauben. 
B«iuA4« lur gMchicht« U«r J«uucb«ii «prschc. XXVI 27 



402 WIESSNER 

zwincfen. So Gottfr. im Trist. 17922 dem iribe ainnKj ir viiinie nieinen 
uz ertwingen. 

Wie in der vereinzelten stelle bei Wo 1fr. tritt die construction im 
Nib. -1. auf: 56,4 ich Irouwe an im erdwintjeii heidiu liiite toide laut; 109,3 
ich u-il an in ertwimjen swaz ir vinyet hau; ähnlich hetiringcn Nib. 210, 4 
doch nnioser werden gisel in GwntJieres lant: daz het an im hettntngen diu 
Sifrides hant. 

Trennbare verbalcomposition Gudr. 1017,4 anders Jean irz nieman 
an ertwingen: vgl. den Wechsel gewinnen an einem und einem an ge- 
winnen. 

In prosa ebenso: Altd. pred. 3,221,24 niwan aho er in daz mit 
forhten mitose an ertwingen. 

erdröutven erscheint in dem behandelten gebiete nur 
einmal und zwar in trennbarer composition bei Hartm. A. Heinr. 
1074 oh ir iht ir herre die rede hcte üs erdröt. Hingegen ist 

erzürnen ab einem Parz. 798, 3 sit ir ab yot erzürnet hat 
(vg'l. Bech, Germ. 7, 302), in trennbarer composition Parz. 463, 1 
Im megt im ah erzürnen niJd (^ durch zorn abnötigen, abtrotzen') 
Wolframs specielles eigentum. Hartm. und Gottfr. gebrauchen 
die phrase nie (vgl. G.Bötticher, Germ. 2 1,329). Gleichartig unser 
einem etwas äbsehmeicJieln = 'durch schmeicheln abgewinnen'. 

an ertriegen gebraucht wider nur Gottfried: 

Trist. 11592 den (dat. plur.) habet ir mich nu an ertrogen = 'durch 
betrug abgewonnen'; 13418 wan daz ir mit dem rotienspil dem Jci'inege 
Marke ertrüget an, daz fitere ich mit der harphen dan. Vgl. abtrügen bei 
Luther. Aehnlich Trist. 16158 dö hcete im Tristan an erlogen einen stich 
zem ongen ('durch eine linte beigebracht'). 

In dieselbe kategorie von verben wie die eben genannten 
fällt dann die gruppe derer, die ein erwerben, gewinnen i) 
durch kämpf, streit bezeichnen; wider zieht das nhd. anknüpf ung 
der person, 'von der' etwas erkämpft etc. wird, auf die frage 
'woher' vor; das mhd. construiert daneben gerne auf die fi-age 
'wo', z. b. erstriten. 

In Hartmanns Sprachschatz kommt keine hier anzufülirende con- 
struction vor; Iw. 5137 Mttgen st mirz ane st rite n, s/ne lant mich niender 
r/ten setzte Benecke ed. I. erstriten, das BDabcd haben , ed. II. aber nach 
AE striten. Der bedeutung nach ist freilich dieses simplex ganz identisch 
mit erstriten ('durch kämpf abnötigen'). — Gottfr. Trist. 10282 biz doch 
diu süeze ivipheit an dem zorne sige erstreit ist vielleicht besser unter die 
phrasen von sige (s. § 37) zu stellen. — Wo 1fr. gebraucht meist ab einem: 



^) Vgl. die etymologie des wertes. 



UUIIK- INI) UUI1TUN(}SCÜNSTUU(TI()NKN. 403 

l'iuz. ;!!(,'{, 2'i '■/■ /'/(/ si i/thni sithfrheit, tlif rr ihs Iih/ih nh in ciKinit; 
ö'JO, 12 '/o l'nr:iii\l visIitiI nh OiiIkh die huttlr; öäl), 14 xiid; er hat ah in 
nslritetr. öKJ, 27 miil Kirk der Srhnyilelnkurt rrsireil ah Mähnnaijriii; \\'\i. 
.")(!, K der lieiihnsrhefte leide mit jämern ijenellekeit der marcrure ah in (iiiiiii- 
lich tleii IjiiUleru) erntreit. — Trciinbiire coiiipoHJtiün mit ah: Wh. 308,2 
Nu ijelauht uuch dm diu menneitvheil den entjelen ir xtat ah erstriiit. — 
Nur eiuinnl an einem: Parz. 424,20 ... Sicherheit, die nin hant an mir 
erstreit. — Auch (/ein: I'ur/. 4()1,2() ••• urrdekeif die Schildes amhet mir 
erstreit i/ein irerlichen hnnden. — Nicht hierher gehört ^^'h. 412, 17 ica; 
half sin ijrüziu hcrs kraft, die im sin ratcr schauf .-<• wer, mani/c suniler- 
rotte, ither mer'f «. ihn het er sich erstriten, da; er in ;e cerre iras entriten, 
wo (liis vcrh in i)rüf,'nftuter function steht 'Hich kiinipfeud entfernen'. 

Nib. (A) und (iu«lr. bieten für erstriten in «olchen phrauen keine 
belejje; vgl. Nib. (Burtach) {>;{, 8, II mit ir rater sirerte, da:: l'almnnc iras 
(jciiant, erstreit ah in der kücne den hört unt Xiheliinf/e lant. 

Mit irstr. auf einer stufe steht da» im «ranzen weit .seltenere 
crvthten, das Hartm. einmal mit an c. dat. verwendet: 

Kr. 8()17 sncr si hie siil hcjaijen, daz hat er im zc rchte daz ers an 
im errchle. — In trcniiliarcr ctiniposition Wo! f r. 1'. 128,5 der stolze kiiene 
Jjidielin dinen fnrsten nh erraht zirei lant. 

Schliesslich noch einige vereinzelte fiiUu: Hartm. Iw. 4493 sirenn er 
(der riese) mirs (die tochter) an heherte, vgl. Beueckes anni.,') Wo 1fr. 
und (lottfr. verwenden das wort, aber nicht betjleitet von einer ruho- 
oder riihtuni^'sangabe. — Oder Wo 1fr. P. 743,27 ... unt an ir werden 
minne, die er mit sirertes schimpfe errunc ... ror l'elrajn-ire an Clamidc. 
— Kndlich Hartm. 1. Biichl. KSJ) daz dehein din mei.-<tcrsch<ift an mir 
ueme die kraft, daz ich etc. (Bech' 'das.s je, irgendwie deine Überlegenheit 
e« über mich vermögen werde'), eine phrase, <lie unter dem eindus« von 
erstriten, siijen, sitje nemen an gebildet sein mag. 

§ 31. Eine andere Unterabteilung^ in der reichen vcrhal- 
gi'Uppe, die am besten durch ihre häufigsten Vertreter encnhen, 
ycuinnrn repräsentiert wird, bilden diejcnif^^'n verba. die riu 
'erwerben durch dien.^te' bezcichm-n. Nhd. erfulj,^! der an.M-hluss 
der mitteilenden pei-son dabei regulär durch ron, wtdcher phnu<e 
nhd. eben.^d wie ndid. starke citncurrenz geuKuht wird durch 
die construction mit um, umUc In der bcdrutung 'geld ge- 
winnen' setzt die umgangs.sprache bei dem vcrb auch angäbe 
der ruhe: hei dem vtatni ist nichts *u verdienen. .Mhd. ist nWv 
auch verdienen au einem möglich, das noch bei Luther anzu- 
treffen ist (vgl. l)\Vb. IJ. 2'j:. mitte, auch 'JJ8 oben). Häutig 
ist die construction e. an einem auch ndid. keineswegs. 

*) Dm. lie« Trist 6iH)ö (sUtt t>j05). 



404 WIESSNER 

Hartm. z. li. g-eliraucht niemals verdienen, erd., (jed. oder einfach 
dienen mit an c. dat., noch auch mit ah {von) c. dat., wie nach analogie 
bedeutungsverwauter verba zu erwarten stünde, sondern stets umhe, z. b. 
Greg'. 35-1:3 ich liun lonb iinsern herren yot verdienet leider verre haz sfnen 
zornUchen haz; A. Heinr. 383 IcJt, Juin disen sclicnieUcJien spot vil ivol ge- 
dienet umhe got; 1439 die heten oiich vil ivol umb in verdienet ere unde 
guot; Iw. 4501 hab ich den lästerlichen spot verdienet iender umbe got; 
8094 gedienen müez ich noch tinib in daz er mich lieber welle hän. — 
Wo 1fr. verwendet solche phrasen recht spärlich und setzt dabei entweder 
auch umhe, wie z. b. Parz. 258,9 doch miies iu freiide %int ere got immer 
geben mere denne ir um mich gedienet liät, oder an c. dat.: Parz. 357,15 
der nie gediende an ivibe Ideinoet. Anderer natur ist Wh. 120, 8 man. mac 
an ir gedienen gote u)id unseres landes ere: hier steht ged. nicht im sinne 
von 'durch dienste erwerben', sondern = 'dienste leisten', ir vertritt daher 
auch nicht die mitteilende person; der sinn der stelle ist 'indem man ihr 
dient, dient man zugleich auch gott und der ehre unseres landes'. — Bei 
Gottfr. nichts entsprechendes. Trist. 13774 ican alse er an holde der 
liebe dienen u-olde, so tvarde es in der arcirän hat nur äusserliche ähn- 
lichkeit. Verschiedene deutungsversuche bei Bechstein in der anm.; nach 
meiner meinung- hat allein der Übersetzer Kurtz das richtige getroffen, der 
die phrase mit 'der liebe fröhnen wollte' widergibt, d.h. dienen = nhd. 
'dienen' und der liebe als dativ fasst; doch ist letzteres wol (mit R. Sprenger, 
Germ. 10, 411) in der bedeutiing 'freude' zu verstehen, im gegensatz zu 
V. 13770. Der fall wäre dann dem im Wh. 120, 8 ganz gleichwertig. 

In der Gudr. kehrt dienen und composs. an c. dat. öfters wider: 17, 4 st 
wart sit küneginne und dioite an dem helde michel löne; 141,1 Der nü 
tvelle dienen an mir michel guot; 206,2 der verdiente sint an Iletelen devie 
Jcünege, daz etc. ; 1355, 4 da mite si groze miete an vroun KCidrunen dieneit 
wolte (1404, 4 sam er mit siner hende an uns erdienen ivelle ein Jcünicriche 
ist conjectur). — Das Nib.-l. construiert im gleichen fall ebenso: 2038,4 
wie hun ich an den Hinnen hie verdienet den tot? 2110, 1 an uns wil dienten 
Bäedeger sine bürge und shiiu laut, ein fall, wo dienen schon iu die be- 
deutung 'durch dienste vergelten' übergeht; der besitzwechsel steht nicht 
bevor, sondern liegt bereits in der Vergangenheit. Ganz klar ist diese 
function von dienen Nib. 2199,3 iind Idt u)i.s an im (dem gefallenen Rü- 
diger) dienen daz er ie hat getan etc. 

In beiden bedeutungen concurrenz von umbe: 1. 'durch dienste er- 
werben': Nib. 932,4 daz hete ouch wol verdienet umbe alle Hute der helt 
gemeit; 975,4 got läze in gelingen als sie umb inis gedienet hun; 2. 'durch 
dienste vergelten': 159,4 daz dien ich immer umbe dich; bOo, 4: daz wil ich 
immer dietide umhe Kriemhilde stn; vgl. auch Nib. (Bartsch) 854,4. In 
dieser bedeutung ist uns dienen fremd. — (Auch das trennbare compositum 
erscheint einmal Nib. 1052, 10 waz ober ir an verdienet daz si noch wirdet 
vrö? = 'vielleicht erreicht er es noch durch dienste von ihr'.) — Wh. 120, 8 
und Trist. 13773 gleich ist Nib. 838,3 Kriemhilt, liebiu vrouive, ja sult ir 
mir sagen wie ich iu müge dienen an Sifride iwerm man, daher nicht hierher 
gehörig. 



nVUK- UND RICnTUNORCONSTRUCTIONKN. 405 

rncrh/irt in di'u werken (\or ilrei hJifischen opiker, wie (hühhI) in den 
beiden uationalepen ist riclitiingsconstriu'tion neben dienen in der bedeutun(f 
'durch dienste vergelten', wie sie Nib. (Bartsth) 141H, 4, II Hteht: iluz tniltlc 
ich immer mrre him im dienende »in. Vgl. dazu Altd. pred. 3,208,31) 
van der iras idorh ril, die nie ril rainen iiidil dar im nrsultten, oli iemen 
so srone . . . irnre, der du: . . . hinze ir renlienen multle, oh ki dit finden 
durch in tiion wolfe ('durch dieuHte erreichen'). — Nib. ü<!, 2 «»/vij ich 
frinntliche niht nh in erltit, du: mite sus encerhen mit clhn du min Inml 
sei wegen ilhnlichkeit der bedeutung hier angeführt. 

§ 82. Das siinplt'X dioirn, (las im inlid. .>^iira<-litrt*l)riiufli 
mit rulH'aii<j:al)e d^m nlid. rcnlioicn mit rieht iinf,'sangal)«! auf 
die frage 'woher' gegenübei-stand, geliört ziigh*ich mit einer 
anderen gebraudisweise in dtMi krei.s dieser Untersuchungen: 
es wird in der bedeutung 'dienste leisten' aueh mit rieht ungs- 
bestimmung auf die frage 'woliin' verbunden und zwar speciell 
mit dem adverl) des ortes dar, Wdbei dieses sonst ganz blasse 
würtehen oft reclit prägnante bedeutung annimmt: nämlieji 
Vertretung der pei-son, 'der'') (nach unserem siiracligebraueh) 
die dienst leistungen zugedacht sind, also -^ 'zu ihr (ihm) hin'.-) 

In Hartnianns epL^^clien werken finde ich diese forinel sowenig wie 
in Gottfrieds Trist.: wol aber in den Liedern einmal: MF. 2<17, 22 so 
iril ich dienen (indcrauar: s. die anni. bei Bech's. TjO: andersirar = 'einer 
anderen dame". — (ieläufiger ist sie Wol fr. : 1'. (170, 16 ... bi ieslichr ein 
riter, der ir jtfliic iint der sich diens (dienstes alle ansser D) dar hetrnc: 
dar = 'der dame'. Wh. 179,25 teil in da: rersmi'ihen, so dien ich nhrr 
andersirar (d. h. als euch, dem raarkgrafen). 

Auf gleiche weise wird das subst. dienest mit dar verbunden: l'arz. 
471,4 irol die munter diu da: kint i/chiir da: sol :e dienste haaren dar ist 
kaum hierher zu stellen, da dar jedesfalls von htrrcn abhlingt. Sicher aber 
l'arz. 41>ö, 3 Siix ijit man rome rfnile dan nffenlich meide, rerhnln die man, 
durch fruht :e dienste irider dar, (un«l weiter ausgefWhrt, zur erkliirung der 
ungemein gedrungenen verszeile) ob ir kint des ijrähs schar mit dimMe 
Silin meren: Bart.sch 'um kindcr zu erzeugen, welche wiiler zum dienste 
beim gral bestimmt sind'. Vgl. auch l'arz. S20. 15 min sun ist tjordent 
iif den ijri'd: dar muo: er dienstlich herze triiißen. 

In andern fallen, wo die pei-son (im dativ) genannt ist, 
wird die t)edeutung des dar natürlich weit farbloser: 

l'arz. i't-i't, 'J.'t ich tiiiin im ncrdcn dienest dar, wa.s HartHch Uben»et*t 

') Httrcff.H dos dalivs U-i diesem verb vgl.Enlmann,tirundx.2, gut. {|273; 
as. § 274; abd. i| '275. mhd. ?; '27«'.; nhd. 8 '277. 

*) I>ie beiden mhd. wbb. erwiihnen die fUgnng (antor dirnfn, ge- 
dienen) nicht. 



406 WIESSNER 

'ich komme dienstwillig dorthin', also in ganz prägnanter fassung des 
dienen. Parz. 599, 20 so wart nie not so hert erkant, ine st ze dienste iu 
dar henant (Ggg ze dieneste dar): Bartsch construiert dar-henant (wie 
seine Übersetzung zeigt), ebenso gut wäre auch die construction dienste 
dar möglich; 607,3 nu gelobet ouch min dienst dar gein der meide wol 
gevar zieht Bartsch dar zu dienst ('in dieser richtung, beziehung'). gein 
d. m., an sich neben dienst wol möglich nach mhd. Sprachgebrauch, ist hier 
jedesfalls zu geloben zu construieren. Unsicher, ganz wie Parz. 599, 20, 
ist auch eine frühere stelle 24, 24 sicas in, n-ar od 7r irret, swä daz wenden 
sol min hant, diu st ze dienste dar benant. — Bei "Wh. 19, 2 Monsclioy 
ivas der getotiften ruof, die got ze dienste dar gesclmof könnte man auch 
daran denken, dar zu dienste zu ziehen, da die Wendung öfters fonnel- 
haften Charakter zu haben scheint ; besser aber ist wol die construction dar 
geschuof = 'dorthin brachte', wenn man sich erinnert an Wh. 344,5 wen 
Terramer zuo zivi dö schuof; 350, 14 nnder dtnen vanen schaffe ich dar 
daz her etc.; 351,11 ich schaffe dinem vanen bi den snn des kitnec AnJct; 
399, 1 si soJden bt den goten varn, die dar zuo tvärn geschaffet. — Auch 
Parz. 766,30 üz heidenschaft gefuor nie man üf tonfpflegenden landen, den 
mit dienstltchen handen ich gerner diens loerte, sicar des dtn iville gerte ist 
hierher zu stellen. 

Auch gein braucht "Wol fr., wie gesagt, zur anreihung der person, 
der man dient: Parz. 476,7 dich sohlen hazzen icerdiu wtp durch stnen 
minnecltchen Itp: stn dienst was gein in so ganz; 495,7 swer sich diens 
(dienstes alle hss.) geim gräle hat bewegen; 587,1 die ivolt ir niht erlän, 
sine müesen dienst gein iu tragen. Wh. 378, 20 sin dienest locer gein in so 
gröz; vgl. auch Wh. 10,2 Terramers rtcheit was kreftic lott unde breit, 
und daz ander künge . . . dienst gein im begiengen. 

Auffallend für das nhd. Sprachgefühl ist Parz. 493, 21 es suln meide 
pflegn ... des grals, dem si da dicnden für, Bartsch 'vor welchen sie 
dienend traten'. Vgl. oben Parz. 645,23. 

Aber eben diese uns heute so kühn anmutende gedrungene phrase 
hat Avider schlagende parallelen im Nib.-l., sie ist also kein eigenproduct 
des kecken sprachbildners , sondern leises anklingen au die spräche des 
volksepos : 

Nib. 554,7 dienen schoenen wtben für den palas wit; dienen iu der 
eingeschränkten bedeutung ' turnieren ' ; 702, 4 sold ich herrerten durch si 
in drizec lant, da müese in dienen gerne hin diu Stfrides hant; 818,3 .so 
lobet er iu dar dienen, Piper ' euch dahin zu folgen und daselbst zu diensten 
zu sein'; wenn er aber bemerkt 'Vermischung zweier constructionen' 
(offenbar dienen + verbum der bewegung), so ist das ein hineintragen 
des nhd. Standpunktes ins mhd. und falsch: dienen mit solcher Zielangabe 
ist hier und in den vorher citierten stellen einfache construction mit stark 
prägnanter bedeutung. Vgl. auch noch N i b. (Bartsch) 617, 3 an daz gagen- 
sidele man Stfride sah mit Kriemhilde sitzen, dar diende im manic man. 
— In der G u d r. nichts dergleichen ; zu verzeichnen ist nur 917, 4 stt wart 
ez (das kloster) also rtche daz dar dienten wol clriu hundert huoben. 



RUHE- UND RICHTUNGSCONSTKUCTIONEN. 40? 

§ 33. Dem 'erwerbt'ii, gewinnen' steht in der bedeiitimp: 
nahe koufen = 'durch kauf etwas von jemand erwerben'. 
Nhd. re}2^nl;lr etwas von jinKunl hnuftn, doch auch bri jrttnnul 
in etwas veiänderter färbuIlJ^^ Mhd. scheint constructiun der 
ruhe vorzuliegen. 

Bei Iltirtm. A. Heinr. -ilH) mi kmif'cst du uml min ii»mahelr und diu 
u'ijt iin nur tien ncnjen lip\ (K52 du niuust run yutts hulden iemer sin r/e- 
schn'den: das koufext an uns beiden.^) In beiden Btellen ist es aber nicht 
die fiffeutliih niittcilonde iiersrnilichkeit, die mit an ant,a'i»'iht wird. 

p]iiio merkwünlii;»' ii(htuiii,'scoiistriuiii)n bei (Jottfr. Trist. 1(JH73 
man hntr in dllm lunden ilt/winc fiundr funden, die st :uei ;e dtn stundrn 
wultin hithcn ijckoiiltl dar in: nilmlich in die wüeste (v. 16K02), 'durcli kauf 
irgendwohin sohnffen' o.a. widerzngeben. \^\. dazu Altd. prcd. 3,73,2 
duz ist rrüde unde gnade utule sin selbes lip, da er iurh mit erchoufet hat 
him dem eiritjcn Übe unde hinz der ewigen urstendi: die stelle i.Mt kiiuni 
anders zu verstehen al.s (in nhd. iiaraphnise) 'erkaufen ( [= erlösen] und 
dadurcli bewirken, dass einer) irgend wohin fufeianyt)'. Wäre eine andere 
deutnnjjf niöj^lich, so niiisste der fall wol beiseite geschoben werden; denn 
gerade diese und ähnliche fornieln mit hin :e zeigen sich in diesen pre- 
digten ziemlich oft sehr lü.ssig und lose an ein beliebiges verb geknüpft, 
ohne eine ziel- oder richtungsangabe zu bedeuten, sondern durch 'in hin- 
blick, mit rücksicht auf widerzugeben. Ich eitlere nur einige fltlle von 
vielen (im dritten bände): 84, 41 ah ir da mit genesen sult hinz dem eirigem 
libe; 247, lö iiiin da mit habent si die heiligen rhristenhait ... eruasken 
unde erflout hinze dem ewigen lijt; oder 70,28 sunder daz er iurh mit sin^r 
rreterlichen zuht bthalten wil hinz dem ewigen libe; vgl. ähnlich 8(1, 14. 93, 35. 
114,5. 13<), 1. 148,37; 34, 3ö so sult ir ... alle iuwer not unde alle iuirer 
angest überwinden hinz got; 64,2 da ir in disem eilende mit gespiset sult 
wenlen hinz dem ewigem libe; 98,16 die itn da dient hinz dem ewit/en libe; 
.")3, 42 durch daz oeh wir vil arme uns hinz dinen gnaden sulen diemütigen; 
146,15 wie arer er sieh selben ... diemüteget hinz h»i,s«t/;i herren; ebenso 
19 und 21, U.S.W. 

Bei Wo 1fr. sind solche Zielangaben bei kaufen und compositis nicht 
anzutreffen, l'ebertragen Wh. 323. 4 und die ron Pareye Irmensrhart het 
erkaufet üf die rart; die person, von der man etwa« kauft, constrniert er 



') Vgl. K. Ludwig, I)cr bildlirhe ausdnuk bei W. v. Eschenbach 1. 2. 
GymnRsial|)rogr., Mies IKK*) f. s. 49: 'Mt-rkwünligerweise erscheint auih das 
ewige leben als eine art kaufobject.' Die tropische verwendnng von kaufen 
hat ja überhaupt im mhd. einen viel stärkeren umfang als nhd. ; ich erinnere 
nur an die geläufige parallele von kämpf und kauf, vgl. Iw. 71IK)f. (und 
Beneckes anm), heute nicht minder auffällig, wenn auch in manchen Wen- 
dungen noch anklingend, wie teuer be:ahlen, h<>rh zu stehen kommen 
(vom kämpf leben). Ks ist ntir schwieritr. eine t:renxlinie zwischen wirk- 
lichem vergleich und bedeutung«tkberg«ng {koufen =-^ encerben) zn ziehen. 



408 WIESSNER 

Avie das nhd., bez. gleichartig: Wh. 260,21 e daz uns Tyhalt Gyhurge nmme 
mit gewalt oder si ab uns erkotiße; auch mit umhe: Parz. 561, 7 ein Irnmer 
sitzet vor dem tor: . . . Jcouft mnh in, enruochet vnz; die Verbindung etwns 
kmifen um einen in der gleichen bedeutung belegt das DWb. 5, 326 noch 
öfters aus dem älteren nhd. Vgl. Parz. 564, 1 Uhte ir megt gedingen um 
mich, Bartsch 'so könnt ihr leicht mit mir handeln'. — verkaufen gein: 
Wh. 255, 2 u-er mer üf ÄliscJianz gewan sin ende vonn getouften die ir leben 
gein in verkouften. 

Andere interessante richtungsconstructionen bei häufen, 
die in der alten spräche lebendig waren, auf dem wege zur 
heutigen Schriftsprache jedoch abstarben, z. b. tvider einen oder 
an mit accusativ, auch mit ^u (belege DWb. 5, 326), sind in 
dem hier behandelten mhd. gebiete nicht anzutreffen. 

§ 34. In constructions weise und bedeutung berührt sich 
mit dem eben besprochenen verdienen: verschulden, v er sohl. 
Manche der im mhd. dabei auftretenden präpositionalconstruc- 
tionen gestatten keine wörtliche nhd. widergabe. 

Z. b. Hartm. A. Heinr. 1486 nu ratet mir (die durch got, von dem 
ich die genäde hän, die mir got hat getan, daz ich gesnnt n-orden bin, trie 
ichz verschidde wixler in, in der besonderen, heute erloschenen bedeutung 
'vergelten'.^) Oder 1. Büchl. 1245 wä mite verschulde ich daz ze dir? (= nhd. 
'verschulden, verdienen' im schlimmen sinne). — In überlegener concurrenz 
damit nmbe: 1. Büchl. 35 du, hcBtest wol versolt um mich; Er. 5883 hete ich 
umbe den versolt daz im geviele min lip; Iw. 4641 unde ez hat der künec 
Artus verschuldet umbe mich lool daz ich gerne ledegen sol mine vrouwen 
sin ivip. Ebenso in der function von 'vergelten': Er. 6208 vü gerne teil 
ich immer daz umb iuch verschtdden nnz ich lebe ; Iw. 7985 . . . e ich die 
grözen minne ze rehte umb iuch verschulden mäge als ez dem dieneste tilge 
den ir mir nü habt getan. — Vgl. ähnlich vom nhd. abweichende substan- 
tivconstructionen Iw. 2040 u-ider den hän ich schulde (anlass) gnuoc daz 
ich im vient si; 2053 ttnd machte im unschidt ivider si (nach Lachmanns 
conjectur) 'sprach ihn von der schuld gegen sie frei'. 

Wo 1fr. zieht in gleichartigen phrasen Hartmanns und Gott- 
frieds ioider die bei ihm ungemein beliebte präposition gegen (gei)i) vor 
(wie z. b. auch das Nib. -1.), eine erscheinung, die noch öfters im folgenden 
zu beachten sein wird. Z. b. Lieder 5, 31 diu nu den schiddehaften lip 
gegen mir treit, daz Idze ich sin\ Wh. 69, 6 sioaz ich ie schidt getruoc gein 
dir; 81,3 Nu sich, dort stetVolatin daz ors, da mit diu schulde min gein 
dir tvoere vergolten gar. Oder Parz. 266, 10 ir schidde ist gein mir ze grcez- 
lich. — Auffallend gegenüber dem nhd. Sprachgebrauch ist Wh. 120, 5 daz 
hat si wol verschuldet her, daz ieslich werder Franzoys loer sines dienstes 
zir geböte 'das hat sie sich hier (= bei uns) wol verdient' — wenn nicht 



^) Vgl. verdienen ebenso, s. 404, 



RUHE- INI) KtCHTrNOSCONSTHl'C'TIONEN. 409 

vicllt'iclit luv tenijioml zu verstehen iHt 'bisher' (lUier teinporaleH hr vi(l. 
Mhd. wb. l,(;88a, 31 f.). 

fiüttfr. Hetzt hier die in seiner spräche ftuch sonst sehr beliebte 
jtiiiposition widvr, ein zny, der seinen HpracliKi-branth offen von dem Wolf- 
ranis sclit-idet, an sich wol sehr ilusserliober natnr ist, alttr wetzen der 
niasse der fäUe bei einem Itibie der spradilitlien eitjcnart beider nieister 
ibicb niilit zu verjjessen wäre. Hartni. srlicint ziemlich in der mitte 
zu stehen, obwol auch er entschieden ulihr dem //«•//<•» ((iviii) vorzieht.') 
Trist. 14811 duz ich sü rehte uitschiiltlic hin iridrr iurh iiutl widvr in; 15298 
.so«* lieliahete uß'enitchen e iriiler in ir unscfiidd' nndf ir <-; lo.'}(H! oh si ir 
unschnlde erzeigen mar so irider iur/i nn iiider diu htnl; 1770O xi aint un- 
schidilir irider die iiinn. — Auch hin :e: Trist. 14H<>9 ich hrlr schulde 
(= veranhissiine:, ijrund) hin zr iu rit . . . dtiz ich in soltr sin tjchnz (ähn- 
lich Iw. 2()40, oben citiert): vgl. Altd. pred. 3,121,38 Ahcl der wnz nin 
heilic iiKin, nndc naz sin ojdier iindc sin yehrt nnsrrni hvrn ijtd lieh unt 
nuiphanclich. dnz het nrer sin hrnndcr Citin ze hazr unde ze nide, iran 
anders nelieter (Abel) deheine scnlde (im nhd. sinn) hinzini (Kain) niht. 
\'irl. ensnddefien irider mit acc. der person 123,21, ganz gleich verwendet 
•lern here<len ivider im selben stikk 123,23. 124,13. 20. 23. 30. 40. 

Trist. 152i).S und tr>.3!)t) sind iil)iii:ens nicht (dme vorbehält hier ein- 
zureihen, da ilcr jtriiiiositioniilausdruck immerhin, nach mlid. sjjrai ]igcl)rauch, 
auch vom verbum der genannten stellen abhängen k<>nnte. Trist. 10784 ir 
nnschnhl affetdiitreti wider Hufe und wider Innt liegt diese constniction 
vielleicht sogar näher: 'vor land und leuten'. 

Abweichend das Nib. -1., wo mehrmals an mit dativ neben rersoln 
begegnet: HIV», 4 oneh htm ich an den defjnen hie niht anders rerstdt; 
21S2, 3 >/•(' m/7 het Hiiedef/cr an in daz versoU. Vgl. auch Nib. (Bartsch) 
14<>H. 10, II <nich haht ir und Iliiijene ;ir anders nilit rersolt, wo da« ze, 
im binblick auf die fälle mit an (mit dativ), vielleicht auf die frage 'wo' 
zu construieren ist. — Nib. löfi, 4 lehe ich deheine wile, ez wirt wul umh 
'lieh rersuU (= wird vergolten): vereinzelt im gedieht. 

Gudr. 1Ü02, 3 ••«/ hnhenl an unsern maijen deheiner slahte schulde, 
ähnlich den eben citierten fällen im Nib. -1., abweichend vom spnich- 
gebranch der drei höfischen epiker. 

§ 35. Wie die verba, die den gewaltsamen he.sitzübergang 
eines objerts von einer person zur andern bezeichnen (trluim/tn, 
crstritrn u.s. w.), «"»fters nihd. ruheconstructiiiu aufwei.M'ii gegen- 
über nhd. riclitungsconstruction (auf die frage 'woher'), so ver- 
bindet der nihd. si)ra(hgebrancli auch das verbum, das die 
blos.se überb'geiiheit einer person über die andere im kämpfe 
(eigentlich und metaphori.sch) au.sdrückt. (dnie das dadurch 
erw(»rbene zu «'rwähnen. mit angaben der ruhe (und zwar 
der unterlegenen partei); d.h. mhd. i.^t gewtdinlich ich sitjc 



•) Im Tw. niiiidpsten». Vgl. nur iu Bencckcs Wb. zu Iw. n. 87 xmd 359 f. 



410 WIESSNER 

(gesigc) an einem, in concurrenz mit der trennbaren composi- 
tion {einem an), beides unserer modernen Schriftsprache völlig 
fremd geworden. Ueber angesigcn im älteren nhd. vgl. Kehrein, 
Gr. 3, § 204. D^^'b. 1, 351. Die heute allein mögliche Wendung 
ist ich siege über einen. 

Wie vorsichtig allgemeine urteile, die der alten spräche 
reicheren anschauungsgehalt beimessen als der heutigen (vgl. 
z. b. Steitmann a. a. o. s. 46), oft im einzelnen zu behandeln 
sind, zeigt der vorliegende fall. Die anscliauung, aus der einst 
die nhd. plirase hervorgieng, ist entschieden lebendiger als die 
der mhd., wo sigen intralocal und. die läge der gegner zu 
einander nicht präcisiert ist; nhd. siegen ist translocal, der 
gegner unterliegt, der sieger erhebt sich über ihn. Und doch 
kommt dem modernen Deutschen, wenn er seine phrase ge- 
braucht, kaum eine spur dieses sinnlichen gehalts in das be- 
wusstsein, die formel ist völlig erstarrt, höchstens die bedeu- 
tung des Vorrangs, Überlegenseins, also recht abstract, klingt 
in über noch durch. Ja, wem ist der sinnliche gehalt einer 
phrase wie unterliegen noch eigentlich bewusst? 

Die gleiche ziirückbaltung ist gegenüber der alten spräche geboten: 
an stellen wie Parz. 539,9 dö sprach der itnde ligeiide; 542,25 Lischoys 
der da inide lac liegt der sinnliche gehalt noch in der Situation. Aber 
andere stellen zeigen die phrase schon in abgezogener bedentnng: z. b. 
Parz. 366, 2-4 ir läget oh odr iinde, daz ivolt ich durch iuch Uden, Bartsch 
'ich wollte sieg und niederlage mit euch teilen'. Trist. 890 (dsus lac er 
(Riwalin) im (Morgan) ohe mit kraft. 

Die Scheidung zwischen dem mhd. Sprachgebrauch und 
dem modernen Schriftdeutsch ist in diesem falle ungewöhnlich 
schroff; nhd. ist siegen an einem oder einem ansiegen so un- 
erhört wie mhd. sigen, gesigen über einen: die mhd. wbb. bieten 
keinen beleg dafür. Gottfr. gebraucht einmal übersigen, Trist. 
855 unz er ze jtingeste gar sich selben vehtencle übersiget, in 
dieser form dem nhd. auch ganz fremd, immerhin einem siegen 
über schon nicht mehr so ferne. Vgl. übrigens Bechsteins 
anm, zu der stelle und weitere belege der im ganzen höchst 
seltenen verbalcomposition Mhd. wb. 2, 2, 266 a, 10 ff. und Lexer, 
2, 1658; die mehrzahl findet sich bei Gottfrieds schüler Konrad. 
von Würzburg. 

überstriten = 'im streite überwinden, besiegen' begegnet 
aber öfters: vgl. z. b. Hartm. Er. 4696. Iw. 5753. Gottfr. Trist. 



RUHE- UND RltHTUNOSCONSTRUCTIONEN. 411 

11207t>. Wolfr. P. 47a, i. '>41,2r). 547.12. r)0»>. 22. CVA,S. 010,1. 
020,18. r)2:i, II. 089,5.20. Wh. 10, 28. 207. «•. 201.12. 208.12. 
432,12. KU-nso iibervchten P. 717. 1:?. 

§ 36. Verfolgen wir iimi iWv concurrenzvrrliältiii.s.se der 
Iilira.<?en einem an <ics'ujvn uml i/rsiifrn (in cinnn in (l<'ni 
iil)f>:('.^t eckten p:«'biete. 

Hartm. verwendet mir zweimal ilie itrilpoHitiun an mit dativ: Er. 
8561 dm ich fjfsiiie mi disetit tnaii. Iw. 4224 ciri'ne ich In'iirr irnl ijesifitn 
an den riteni (dien drin. Sonst gebraucht Hartui. (lurrhaus') die trenn- 
liare cumpositiou: Er. 87i(4 der disnn ritler yesiijte an, wo Lacliniaiin (zu 
Iw. «)M)4) xiijte <(n lesen will. Iw. 442<! diu rurhte und die siinjin die üf 
(in titc inonjen heten irip unde man, die sitjten (gegen die li«.s. von Laeli- 
mann geändert; ed. I. hatte i/es.) ir rreuden an; r)t)04 wäre dehein sä stelec 
man der in beiden siyte an: vgl. Lachmanns anm.*) — yesiijen: Er. TlfJ 
«As ich iu nii gesiye an; 8515 »wem er noch (jesi(jie an; K79ö der disein 
riter ijesiyte an; 9340 sirie ir mir habt an yesiyet; 9558 daz in . . . ein man 
yesiye idtem eine an. (Jreg. 20{)0 ist aber daz ich im an yesiye; Iw. 535 
yesiye ich aber im an; 19G4 re}ite idsö hat ein man yesiyet mineme herren 
an (4224 zin'ire ich träne icol yesiyen an dett ritern (dien drin: tiele der 
versschlus.s zwi.«<ehen an nnd den, ao wäre der fall entschieden den obigen 
anzugliedern. Er fällt aber tat.sächlich zwischen yesiyen und an, es ist 
daher an als präposition zn fa.ssen und die stelle neben Er. 85(51 zn nennen. 
An ein enjambement, in dem die i)räpo.sition vom abh. subst. getrennt wird, 
ist nicht zu denken). Iw. 4751 suenn ich min reht (jetuo daz ich im an 
yesiye: 477H Er neue durch uns tiA liyen ode dem risen an yesiyen; 0.3(59 
nnde ye»iyte ab dehein man iemcr disen beiden an. — Wo 1fr. gebraucht 
(jes. an einem ^^ 'übrr einen' gar nicht. Iienn l'arz. 14«i, 11 eil iribes 
l'reude an dir yesiyt, der m'tch dir ji'tmer sware uiyt, Hart.sch 'gelangt in 
dir ans ziel ihrer wünsche', ist die mit an angereihte person nii ht die be- 
siegte. Da« verb steht hier in nuancierter bedeutung 'sich durchringen, 
zum zirl gelangen'. Nhd. i.st «laher an nicht durch 'über' widerzugeben, 
bondcrn durch 'in, an, bei' (vgl. s. 395). (ianz gleichartig l'arz. 795, '22 op 
diu yotes gurte an mir yesiye, wii Hart^ch treflVnd ergänzt 'nämlich ül)er 
seinen zorn, den ich venlient habe", und H(M), '22 di) munse freudr an im 
yesiyen, sc. 'üIht seine trilh' Stimmung'. Wo im nhd. aber zu .setzen ist, 
verwendet er al)er stets die trennbare composition: l'arz. 79, 18 si hänt 
uns vil nach an yeiiiyt; 108, 27 er hele der r(dscheH an (jesiijl; '291, 12 und 
siraz üf der erde yein iu decheines gtrites plUtfl, dem habt ir schiere hh 
(jesiyt; 431, 13 uande iuch kan .i(rlde leren, daz ir habt r(dsche an yesigl; 
451| 14 was ob gut lielfe phliijt, diu mincm trüren an (jcsitji'f (>90, 1 du hast 

) Pas Mhd.wb.'2,'2,2()5b. 21 f. citiert irrtümlicherweise Iw.'2i)(=^ v.535) 
iiir yis. an einem, zngleich ab«»r das. z. ;}2 (richtig) für einrni an yes.; es ist 
dllfür Iw. \m (= V. 4'2'24* einzu.xetzen. 
») S. Mhd. wb. '2.'2.'2<i^a. 52 f. 



412 WIESSNER 

dir seihen nn fiesifft. Tit. 98, 4 rhu (sc. Sig-nne) hat ane fiesir/ct wti» herzen; 

106. 1 Diu dir hat ane (jesigct, du ault siiienunft crairiten mit dienstlicher 
triwe an ir (min)ie). Wh. 49,30 indiraft het im an fjesigt; 326,9 diner 
vrexiden gewinne siden grözem trüren an gesign. — Bei Gottfr. recht 
selten; einmal setzt er trennbare composition : Trist. 1129 er vaht mit ime 
und sigete im an; einmal auch gesigen an einem: Trist. 12530 die beide 
triuice und ere die hetirungen ime (Tristan) sere sin herze und sine sinne; 
die da vor an der minne wären tvorden sigelös, dö er die minne vür si 
käs: die seihen sigelösen zirö die gesigeten an der minne dö: Bechstein 
(anm.) meint, das letztere an d. m. = 'über die minne' stehe in stilistischem 
gegensatz zu dem ersteren an d. m. = 'in der minne'. Vielleicht hat ihn 
das nhd. Sprachgefühl hier irre geleitet. Bei der Unbestimmtheit der phrasc 
im mhd. konnte sigelös icerden an einem recht wol heissen 'von einem be- 
siegt werden ',1) analog dem sigehaft werden an einem (vgl. unten). Und 
das muss es hier heissen: der fall ist andrer art als die oben besprochenen 
bei Wol fr. P. 146,11. 795,22 und 800,22; es stehen sich irinire und ere 
einerseits (das ist durch die v. 1252(5 vertreten, nicht vielleicht herze und 
si)ine: wie rar si kös und die . . . zirö zeigen), minne andrerseits feindlich 
gegenüber. Zuerst sind ir. imd e. unterlegen, jetzt siegen sie über die m 

Das Nib.-l. kennt beide constructioneu bei gesigen: a) an einem: 

113.2 siveder unser einer am anderen mac gesigen. b) einem an: 582,2 
. . . mit minnen an gesigen den ivcetlichen vrouiven; 589, 3 ine trouwiii, schcene 
rroince, nimmer an gesigen; 1948,2 e daz uns die Hinnen mit stiirme an 
gesigen. — Die Gudr. zeigt hier gar nichts ähnliches. 

In den Altd. pred., im 3. band, scheint nur die trennbare composition 
lebendig: 229,14 daz der giiote sa)it Michahel ... dem vil nheln tivel unde 
der sinen vil swareen scar an gesiget; 251,28 ivan die habent ... den ku- 
nigen unde den fursten dirre werlt also ane gesiget u. ö. 

§ 37. Mit sigen, gesigen concurrieren in der widergabe 
des g-leiclien begriff s breitere ausdrücke: vgl. neben nhd. siegen 
über plirasen wie den sieg erringen, davontragen über, also 
dieselbe constriictionsweise wie beim einfachen verbum. Ganz 
ebenso schmiegen sich auch im mhd, umschreibende phrasen 
der construction von sigen, ges. an; z. b. den sige nemen an 
einem. Vgl. Graff, Alid. präp. s. 45. Grimm, Gr. 4, 824; ebda. 
42, 992 einige weitere beispiele. 

Im alid. gebraucht z. b. auch Otfried diese phrase, nur setzt er 
statt des erst seit Notker so stark prävalierenden an das im ahd. herschende 
in: 4,3,23 Mit tJiiu meintun thie man, thaz er in tode sign nam; 5,4,49 
Er nam in todes riche sigi kraftliche; 5,16,2 sid tliemo sige, so gizam, then 
er in satanase nam. — Steitmann s. 17 sagt: 'an die ruheconstruction des 
as. niman erinnern ahd. Verbindungen wie nam sign in dhem liudim bei 
Is. 63, 21.' Kein beweisendes beispiel. sign n. ist eine geschlossene phrase, 



^) In den mhd. wbb. allerdings nicht belegt. 



KIIIK- IM) Kl(IlTi;N(JS('l)N.STKi:(;H(»NKN. 41.'i 

von ihr liiiiigt tlcr |iiii|Misiti(iitiiluuHilru('k iili, nicht von /m ül>or nihd. »/-/Nr/t 
in solchen ein einfuclic.s vcrl) nniHchrfihi-n*l«'n rtMlcnsartt-n vjjl. Mhd. wh. 
'J, l,!{()'Jii. 'J7 ff., für tlas nhil. I)Wb. 7, ');iO. W'w wcnit,' tlic iiräpiiHiliomil- 
foiiiicl (liilici ilirci't mit ufimii zu tun liut, zeigen umlrn- |ihr;i.scit ;,'li'i<h)-r 
lifdfutnni; iiinl rinistruttionswcisc, z. b. ilrn siiji- tnrnhnt an ilttfiii. 

Ilartni. Kr. \'A)~ ... lutt titni rilUr ihr ih't kam, im ilnii ir (lfn niije 
iiiinr, ij()12 di'i bl was ir ein liip firsv/iv/ini, ilu; e; ilrn siije an liitir iiinn. 
im I\v. nie: eben-so i.st siijf itetiifit an tiin'in in Wolfr.'s werken, Nib. und 
• iiiiir. nicht zu bele<jen. — Ik'i «Jutlfr. einii^e male: TriHt. 'utV) wie si 
von tliitnun ki'iiiicn, siije an ir rinih'ii tiäiiitii; fiiCiO /'/-* ila; er er irlainle 
kam iinil an ihm hinde siije ijenam; IDiJä'i ihi: minne im ir tien sir/e ijmam. 

Ihn siv crinrlun im: Nib. 2i;{, *2, vielieiclit hieriier zu Htellen, aber 
nitlit mit völii^jer Sicherheit: Vf,'I. s. IJ'JI}; eljcnso siiii- irslrilin an c. ihitiv, 
Trist. 1U2.S1: vy^l. s. 4()2. 

Vereinzelte phrasen wären dann nuch: Ini liaitm. hv. (;;{7."> </<«.- in 
iemer dehein man ihn siije miii/e bthitfnn an; y'j;\. (int t fr. Trist. llii(>2 
fr hat dnih an IsoUle hehahet (=-= 'erreicht'), da: er wuhh-. N i 1». (Bart.sch) 
y27, 3, II drin spil mnoK er ir (»c. Brünliilde) an In/nilien. — Wolfr. Wh. 
4r>H, 8 nir hän mit sihaden disen siije ernimien i/cin ihr nhirkra/t an 
stolzer irerden Iteidensiha/I: wo beiile luäiiositionalan.sdrücke direct mit .s. 
errinijen in verbinduiii,' zj> setzen sind: den zweiten vom ersten abhängig 
zu machen, ist wol nhd., nicht aber mhd. s{)rach<;ebrauch. 

Aehnlich dem siije nemen an einem ist bei Hartm. 1. Hiichl. STK) da: 
dehein din meistersvhaft an mir neme die kraft. Hartm. speciell gebraucht 
auch ^iiithaH werden an einem: 1. Hiichl. 2 Minne wallet i/riKer krall, wan 
si wirl sii/ehaft an Inmhen nnde an wisen, an jnnijen nnile an i/risen, an 
armen nnde an riehen; ebenso Er. i>;A\',l der Däride ijap die kraft da: er 
wart siijehafl an dem risen (iuliä. Einmal verbindet er auch das subst. 
sitje allein mit dieser ruheangabe, was in den hier betrachteten mhd. texten 
vereinzelt ist, vielleicht ganz zufiillig: Er. 8570 wirt im den sigen an mir 
(jejehen. I)ie gleiche ersclninung auch nhd., z. b. der sieij iiher die feinde 
ward nieht ansiieniil:l. 

Heinahe synonym mit einem an ijesiijen verwendet Hartm. zweinn\l 
einem an ijestriten 'eineni zusetzt'U, ihn überwältigen": Er. CiC».') ... loi.- 
mir da; aller im iiextreil: da: hat mir ijar die kraft henomen und 1. Hüchl. 
IÜTk) Wim >i inänilii'li die niinne) /////• alo'i im ni^lnit da: sah min litr:e 
enziinde. 

sj li.S. In iliT .spraclic di'S llcliaml {\'^\. St»'itiiiaiiii .s. \ü) 
/fio;»Mi ili«' verha nntfdliun und u/itiun { 'in t'mi»t"anj,^ iH'hiiuii, 
fi lialttii, ln'koimiH'u') nihcaii«raben, al)WrirlH'iul vom ivpuliiivn 
nlid. .«^i'iai Ii^'t'hraucli. der im <rlrirli('n fall«' auf »lir frag»' 'woIut* 
cou.stiuirrt. Wir bftout'U spiai'liliili di«* rirlitun^' d»'S em- 
pfangem'U objj'cts vom geber zum tMupfUugfr, das as. abtT 
f;i.s.st rr.stt'n'M als di*u ort auf, wo di-r ad di'.«< t-niiifangrus 
stattfindet. Für die illniliche eisclieinung im ags. vgl. Winkl«r. 



414 WIESSNKR 

Germ, casusssynt. s. 419. Das got. zeigt beide auffassuiigen: 
einerseits us = ex; af=dji6\ fram = vjto; andrerseits a^ = 
jccxQa c. gen., ebenso andniman, ganiman, wobei eine regelung 
im Wechsel der constructionen nicht zu beobachten ist (vgl. 
Borrmann s. 27 f.). Wenn aber Steitmann (s. 16) bemerkt, 'die 
richtungsconstruction von niman in der bedeutung »greifen, 
fassen wohin«, wie sie mlid. öfters in Verbindungen wie Ion 
nenien ze, herherge nemen in daz lernt vorliegt, ist im Heliand 
nur spärlich ') vorhanden', so ist die erste der genannten mhd. 
phrasen in diesem zusammenhange zu streichen; 2) mhd. ze ist 
auf die frage 'wo' oder 'wohin' zu construieren, Ion nemen ze 
einem also an sich zweideutiger natur. Es müssten erst sichere 
belege dafür beigebracht werden, dass das mhd., z. b. in andern 
präpositionalen Wendungen, nemen mit Zielangabe des gebers 
gebraucht: solche gibt es aber nicht. Es ist daher rätlich, 
zum nächstliegenden zu greifen und in ze einem angäbe der 
ruhe,"^) also eine ähnliclie abweichung vom nhd. herschenden 
Sprachgebrauch zu sehen, wie sie gerade das ags. und as. zeigen. 
Vgl. auch A. Gebhardt, Beitr. z. bedeutungslehre der altwestnord. 
Präpositionen s. 70. 

Für Ion nemen ze einem bietet das untersuchte mhd. 
textmaterial — immerhin über 100000 verse — einen einzigen 
beleg: 



1) Er bietet nur einen beleg, nämlich 3512 f. ; ebendenselben bat offenbar 
auch Behaghel, Syut. § 181 vor äugen, wenn er behauptet, es erscheine bei 
niman intralocale und translocale aiiffassung: 'translocal: also der geber 
als das ziel erscheinend, zu dem die empfangenden bände sich ausstrecken'. 
Vgl. dazu 0. Erdmann, Untersuchungen über die syntax der spräche Ot- 
frieds 2, 214. 

^) Ebenso die zweite : vgl. § 83. 

[^) Dass dies das nächstliegende sei, ist aber stark zu bezweifeln. Es 
düi'fte sehr schwer sein, gegenüber den zahllosen belegen von rieh tungs-^e 
aus dem mhd. cinwandsfreie beispiele für ruhe-,rf neben einem persön- 
lichen object (von den pluralischen völkernamen ist natürlich hier nicht 
die rede) beizubringen. "\^^as so gewöhnlich, z. b. im Mhd. wb., hierfür vor- 
gebracht wird, beruht mindestens seinem Ursprung nach auf richtungs- 
anschauung. Jedenfalls müsste man von der entwicklungsgesohichte der 
präp. ze (die doch ruhefunctiou überhaupt nur secundär übernommen hat) 
erst genaueres wissen, ehe man in dem oben gegebenen sinne mit Sicher- 
heit schliessen kann. E. S.] 



\ 



KUHK- 1:N1) UU:ilTUN(iSrON.STia;('Tl(>NKN. 415 

Parz. 811,2') dö mim uih »ieuii-n Inii dn r«V:') N i li. 14!H,'2 di't von 
er lön vil selten von iemnn dt'i (jeHam steht von, wie nhd. Sonst erHcbeiiieii 
neben Wm präi)ositioualiui8(lriitke in mancherlei Variationen: H art ni. l.I5ü(hl. 
10i<y en]>f('i/u' Ulis iiiiinitvr lön von ir; I\v. iJfid'J cin'irf du hitxt tf int'rr lön 
wider mich, (iottfr. Trist. 142(J4 er hwle es iemer mere iridir Mnrkni 
lön und ne. Wo 1fr. P. ölO, 12 des lönes ir an mir nilii lu'it: Wh. ;{31, 10 
den lön teil ie/i ron in Irdijen. 

P^benso vereinzelt steht rät nemen ze einem bei Wttlfr. da. 

Parz. 162,29 mieli put min mnuter nemen rät ze dem der ijri'ure locke 
hat; vgl. dagegen bei Hartiu. 1. Büchl. lOlU daz er (der Up) helfe unde 
rät ron dem herzen )irmen sol. 

Für nemen mit concretem object zc rincm \>\ in den be- 
trachteten nihd. texten nur «'in fall zu linden, und /.war widci- 
bei Wolfram: 

Parz. 384,2!) (iauän ze sinen knappen itain der zirelf sper eitiz ron 
Anyrum, wo Ggg die geläutige construction mit von aufweisen. Vgl. dazu 
Parz. 434, 23 siver prts zim leolte borijen, der miiesez iuon mit sonjen. 

§ 39. Wesensgleich den genannten constructionen von 
plnasen, die mit nemen gebildet sind, ist aber das weit liänfigere 
urloup nemen, dem die person, 'von der' man sich verab- 
schiedet entweder a) auf die frage 'woher' mit von angegliedert 
wird, wie nhd., oder b) mit dem hinsichtlich der riilie- bez. 
lifhtungsauffassung zweideutigen ze, zuo. 

llartni. verwendet nur ron: Er. 1477 urloup nämen si dö ron allem 
dem yesinde da; 527*5 Ji^rec urloup nam ... von riitern und ron fruuiren; 
77G*J habent st danne urloup ijenomen ron dem inijesinde':' Iw. 5721 ielin 
tneme urloup von lu; 5U52 der hat ... ron uns hie urloup ijenomen. — 
Wulff, bevorzugt dagegen durchaus ze\ nur einmal setzt er von neben ze 
in der gleichen stelle (vgl. Beuecke zu Iw. 3225): Parz. 179,7 urloup nam 
ihr junye man von dem {zedem Ggg) yetriwen ('ürsten mn unl zal der 
massenie, wo die .'tchreiber zum teil, mit verkennung die.ser stileigcntUni- 
lichkeit, zu uniformieren suclit-n. Sonst stets ze: Lieder S, 3ö uiinji ich 
nime zen rröidcn min; Parz. 1.j3, 21 urloup nam dö Iivänet zem fd li roy 
(lalimuret: 271,18 l'arziräl zer froutren nam urloup unt zir ämis, also 
beide male ze: öl4, 22 urloup nam er zem grätren man: <ds tet er hie unde 
dort;'*) 5G2, 15 urloup er zer meide nam: Göl,29 urloup ich dir zem (li run 



') I»as Mild. wli. 1. l(>42a. 28 fl'. citiert auch nur die.se stelle und zwar 
falsch («14. 2.'.). 

») Man könnte versucht .«»ein, aus der stelle zu schliessen, das« da« ze 
auf die frage 'wo' steht; denn tet er tritt ein ftir urloup nam er und rückt 
nach mhd. weise gewöhnlich in dessen construction. Wäre nun zem yräutn 
man angäbe der ricbtung, so mUsste dem parallel her utuie dar stebeu; 



41G WIESSNER 

dem) l-ihirf/c n/tn; 78G, 17 si )ifhncit iirloup ~(tl der diet; 821,18 loioKp zito 
dem riehen man mhnen (d die tcmpleiHe. Tit. 70, 1 der jinifje fürntc iirloup 
nam ze der mcKjet toiufcnl/che. Im Wh. kein gleichartiger fall ; 335, 20 der 
sul noch hiule der ertöte s/n an die ritr, oh ir erlaubt ez im. daz urloup von 
in ich nim (' diese erlaubnis ') ist anderer natur. — Verwiesen sei gelegent- 
lich auf das seltene urloiqj sprechen ze Parz. 397, 20 urloup er dö zin allen 
sprach. — Gottfr. setzt nur einmal ze: Tri.st. 143G5 urloup nam er zer 
künigm; sonst ron: Trist. 1419 tmd tcolte ncmen urloup von ir; 1568 t<r- 
loup nam er von ime ... da nach von al den s/iioi; mit localadverb vgl. 
11484 Urloup nam dö Tristan und al sin Hut hie unde dort. In anderer 
bedeutiing ('erlaubnis erwirken' Bechstein) Trist. 5911 Sus kerte er dünnen 
zeliant und nam von den ina-ren, den (jewaltcgen l\6ma-ren urloup unde 
hoteschafl. 

Das Nib. -1. verwendet von: 12G7, 2 dö het diu edel künegin urloup 
nu genoinen ron Miiedigeres tvibe; 1433,1 Urloup genomen heien von wihen 
und von vuoi die boten. Seltsam 506, 1 Sifrit der herre balde urlop nam 
vrouwen Frunhilde (so nur A, in B luid C von), als im duz ivol gezam, und 
zallem ir gesinde: vgl. Lübben, Wb. s. 183 'es ist wol zu lesen von v. P.', 
wodurch dann die stelle neben Parz. 179,7 zw stellen ist. — Inder Gudr. 
kommt die phrase Avol vor, aber nicht mit coustructionen, die hier zu ver- 
zeichnen wären. 

Zu urlouhes gern vgl. s. 384. 

Aber auch in der phrase urloup nemen von oder se einem 
ist der präpositionalausdruck nicht direct mit nemen, sondern 
nur mit der vollen formel in beziehung zu bringen; denn auch 
das subst. allein zeigt die gleiche constructionsweise wie die 
ganze phrase: Wh. 213, 6 mit urlouh er dannen schiet vorne hinge 
an einer stat aldä, fürhas ser Jcünegin anderswä, wo das subst. 
denselben constructionswechsel zeigt, wie (oben) P. 179, 7 die 
vollständige redensart. 

§ 40. Liegt also in phrasen wie Ion nemen ze, herherge 
nemen in das laut nicht, wie Steitmann annimmt, richtungs- 
construction von nemen in der bedeutnng 'greifen, fassen wohin' 
v