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Full text of "Beiträge zur Geschichte und Literatur: Vorzüglich aus den Archiven und ..."

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Geschichte und Literatur, 



vorEÜglich aus den 

Archiven und Bibliotheken 



/^Zißt^^c^/^^^ 



des j ä m A_ A^ 



Kantons Aargau. ^ 



Herausgegeben 



von 



Dt. Heinrich Kurzy 

"7* * 

Mitglied der BibUotliek-CoiDmittion drt Kaotoot Aargau, Profetaor aa der kaaU»Mck«lr; 

und 

Piaeid. fVei$$enhach. 

d. Z, Prätidenten des Grossen Ratha, uad Mitglied des Ob«i|(erichts des Kantoas AargaM , 

gew. Referenten der KlosierarckiTe. 



Erster Band. 



^^ 



Aarau 184b. ^ ^ 

H. R. SauerUnder, Verlagsbuchhandlunfir* 



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Vorwort. 



Der Kanton Aargau ist — wie vielleicht kaum ein anderer 
Kanton der Schweiz und im Verhältniss andere Staaten — reich 
an Archiven und Bibliotheken. 

Wir fähren hier die Archive des Staats, der Städte Aarau» 
Baden, Bremgarten, Brugg, Kaiserstuhl, Klingnau» Laufenburg, 
Lenzburg, Meilingen, Rheinfelden, Zofingen, Zurzach, die der 
noch bestehenden oder aufgehobenen Stifte und Klöster Baden, 
Fahr, Gnadenthal, Hennetschwil, König8felden,Leuggem, Maria 
Krönung zu Baden , Muri, Olsberg, Rheinfelden, Zofingen, Zur- 
zach, ferner die Archive von Dorfgemeinden und Pfarreien, 
endlich einzelner Geschlechter, so der von Hallwil u. s. f., auf. 

Durch die häufigen Brände namentlich des 14. und 15. Jahr^ 
hunderts wurden zwar viele ältere Archivschätze vemichtel, 
dennoch darf das Vorhandene als bedeutender Beichthum erklärt 
werden und die Aussicht auf schöne Ausbeute für die Geschichts« 
künde zusichern. Wie daraus die Geschichte der betreffenden 
Gemeinwesen und Korporationen beleuchtet werden kann, so 
liegen besonders auch darin Aufschlüsse über den da gesessenen, 
oder herstammenden, oder berechtigten und handelnden altem 
Adel mit seinen Grafen, Freiherrn, Rittern und Edelknecht^i, 
von dem in die Weltgeschichte eingreifenden Hause Habsburg, 
von den alten Grafenhäusern Bore, Lenzburg, Baden, Rhein- 
felden, Aarburg, auchFroburg, Kyburg, Dillingen, Homberg, 
Rapperschvnl, Thierstein, Toggenburg, Fürstenberg u. s. f., von 
den alten freiherrlichen Geschlecbtem Schwarzenberg , auch 
Eschenbach und Schnabelburg, Beussegg, Büttikon, Wilden*- 
stein. Kaiserstuhl, ferner Begensberg, Sellettbüren u. s. € bis 
auf das jetzt noch blühende Haus Hallwil , bis auf die Ritter 
und Dienstmannen , deren Schlösser und Burgen fast alle TbäJer 



— IV — 

und Höhen einst besetzten, lieber solche Mittheilungen, einzelne 
Gegenden und bedeutende Geschlechter betreffend, stellen sich 
dann Aufschlüsse über die allgemeinen Verhältnisse des Volkes, 
des Landes und der Kirche bis hinauf in die Zeiten Burgnndiens 
und Alamanniens, über Rechts- und Sittenzustände, wodurch 
nicht nur über den engern Gesichtskreis des jetzigen Kantons, 
sondern auch je nach den Entwicklungen und Stürmen der Zeit 
übei^ benachbarte Gauen und Völkerschaften Licht verbreitet wird. 

Ohnehin ist jede Specialgeschichte ein Bestandtheil der all- 
gemeinen und diese wird erst möglich, wenn jene allerwärts 
gepflegt wird. Auch wirft manche örtliche That ihren WeUen- 
kreis weit über jede Berechnung hinaus, und Zustände und 
Ereignisse auseinanderliegender Völkerschaften reichen sich oft 
auf eine überraschende Weise die Hände. Was der Dichter 
der Freiheit träumt, hat die Geschichte schon oft gesehen, dass 
die Alpen sich in der Nordsee, aber auch in den Meeren des 
Südens spiegeln. Welche Folge hatte, was freilich zum Theil 
noch in den Kreis der Sagen fällt, das Anschwellen des Wild« 
bachs bei Rudolfstetten , als der jagende Rudolf von Habsburg, 
später König, sein Pferd dem Priester gab? Welche Folgen 
hatte. Um mit der sicheren Geschichte zu reden, die Mordthat 
auf dem Königsfelde? Wie liegt nicht in dem Auftreten <ler 
Mächtigem in Muri und Wohlen gegen die Freien die Ge- 
schichte der ganzen damaligen staatsrechtlichen Entwicklimg 
enthüllt? Wir könnten noch eine Menge ähnlicher Fragen 
über Ereignisse auf aargauischem Boden stellen. 

Manches ist schon aus den Archiven und Bibliotheken des 
Kantons Apirgau, sei es durch urkundliche Mittheilung, sei es 
durch Bearbeitung hervorgehoit und bekannt gemacht wordeii, 
wir erinnern an Tschudi, Guillimann, Kopp, Herrgott, Heer, 
Gerbert, Neugart, Zapf, Lichnowsky, femer an Oelhafens 
Chronik der Stadt Aarau, an die Zofinger Chronik, an Re« 
dings Regesten von Baden, und an andere in Zeitschriften oder 
grössern geschichtlichen Arbeiten enthaltene Mittheilungen, allein 
bei weitem das Meiste ist noch nicht, oder noch nidit gdiörig 
gegeben und benützt worden, so dass die Herausgeber der 
Hoffnung sich hingeben dürfen, nicht nur eine Lücke zu er* 
gänsen oder eine blosse Nachlese zu liefern. 



Das woUwoUende Entgegenkommen der Aargauisehen Re- 
gierung bezüglich der unter ihrer Verfägmig stehenden Archive, 
so wie die Zusicherangen anderer Behörden nnd Privaten, unter 
denen Archive stehen, berechtiget ons zn der Annahme, dass 
unserm Vorhaben keine Hindemisse in den Weg treten w^en. 

Auch die Bibliotheken des Kantons werden uns reiche 
Ausbeute gewähren. Zwar enthalten die Sanunlungen der auf- 
gehobenen Klöster Muri und Wettingen bei weitem nicht so viel, 
als man nach dem langen Bestand und dem Beichthum derselben 
hatte erwarten dürfen; — insbesondere findet sich in den Hand- 
schriften derselben im Ganzen nur wenig Bedeutendes, dagegen 
wird die Kantonsbibliothek und in dieser namentlich die 
Zurlaoben'sche Sammhing viel Treffliches darbieten, dann neben 
ihr die Zofinger Stadtbibliothek bedeutenden Stofi* liefern« 

Ein grosser Theil des Beichthums der Aargauischen Büeher- 
sammlungen besteht in Incunabeln und seltenen Drucken — 
unter denen selbst solche sich vorfinden, die von den besten 
Bibliographen als gar nicht existirend angegeben w^den. Audi 
auf diese für Literatur und Bücherkunde gleich wichtigen Schätze' 
werden wir die gebührende Bücksicht nehmen. 

So viel über den Gehalt der Quellen. Nun fragt es sich 
noch um die Form der Ausbeute und der Arbeiten. 

Die Beiehhaltigkeit der aus den Archiven und Bibliotheken 
herausfliessenden Quellen und die Mannigfaltigkeit ihrer Auf- 
fassung und Behandlung machen es fast unmöglich, die da- 
herigen MiltheUungen zum Voraus in bestimmte, begränzenda 
Abscjbnitte zu sondern oder zu beengen und ihnen einen eigenen 
Zitöchnitt vorzuschreiben. Die Versuche anderer Untemeb- 
mungeo aus und auf dem gleichen Gebiete zu solcher Binth^ 
long beweisen dieses. v 

Jedoch mögen zur leichtem U^erskht und zur EntroHung 
der Aufgabe hier einige Fädier angedeutet werden, ohne dast 
die zu gewärtigenden Arbeiten unbedingt daran gebunden sind. 
IMese Söfideruttg wird nicht so sehr durch die Art und Weise der 
Bearbeiüiag , d^ historischen Objecte und der Chronologie^ als 
durch die Nakir der Quellen bedingt Wir denken einmal an 
folgende Abschnitte : 

I. Mittheäuttgen von wichtigen Originalurkunden vaad 



— VI — 

Aktenstücken aus den Arcbiven. Mit Recht wird die Zu- 
sammenstellung solcher, in eimer Menge von Archiyen und in 
den verschiedenartigsten Serien auseinanderiiegenden Originalien 
als eine vorzügliche Aufgabe einer histor. Zeitschrift gefordert. 
Dadurch wird einerseits dem Forscher und Bearbeiter der Ge- 
schichte der Stoff zusammengetragen, ohne welche Vorarbeiten 
ihm die gründh'che Durchdringung durch Zeit und Raum zur 
Unmöglichkeit würde, dadurch wird aber auch anderseits dem 
Freunde der Geschichte das in die Yergangenheit versenkte 
Leben wieder in lebendigen Zügen vor die Augen und sie 
redend und handelnd vorbeigeführt. Beigegebene Notizen oder 
Gommentare können Licht und Interesse bringen. 

IT. Regesten, wenn möglich über alle Archive des 
Kantons. 

Das grosse Bedürfniss für Forscher und Solche, die sich 
im Staats- und Rechtsleben bewegen, zu solchem Verkünden 
aller Aktenstücke eines Archiys wird allgemein anerkannt, und 
es hat die allgemeine schweizerische geschichtsforsdiende Gesell- 
schaft den Plan für alle schweizerischen Archive entworfen. 
Man glaubt hierseits, dieser Plan könne nur dadurch durch- 
geführt werden, wenn er auf die verschiedeneu Theile der 
Schweiz zerlegt werde. Jener Gesellschaft -Arbeitsplans wird 
auch hier befolgt, die chronologische Form gewählt und der 
Zeitraum bis auf 1520 umfasst. 

in. Auszüge aus Anniversarien und Pfarrbüchern, 
altern Bürgerregistern, Verhandlungsbüchern, Rodeln etc. 

iV. Mittheihingen über antiquarische Forschungen und 
Auffindungen , sowohl aus der alt-celtischen , römischen als mitt- 
lem Zeit; Mittheilungen zur Münz-, Siegel-, Fahnen- 
kunde etc. 

V. Freie geschichtliche Bearbeitungen, versteht sich 
urkundlich oder faktisch getreu aus der frü]iern pder spätem 
Vergangenheit. 

VL Ein wesentliches Augenmerk wird auf die Rechts - 
geschichte gerichtet, so wie Mittheilungen über Kirchen- 
nnd Sittengeschichte willkommen sein werden. 

VIL Mittheilung oder genaue Beschreibung noch 
ungedruckter Handschriften, wobei nicht bloss die histo- 



— VII — 

riscben Werke — obgldch diese in überwiegender Anzahl vor- 
handen sind — sondern auch alle sonst vorhandenen und ans 
irgend einem Grunde wichtig erscheinenden Manuscripte Berück- 
sichtigung finden sollen. 

VIII. Eän weiterer Abschnitt ^11 endlich literarische und 
bibliographische Mittheilungen enthalten. Die Absicht 
der Herausgeber geht nicht bloss dahin. Unbekanntes hervor- 
zuziehen, und selbst zu benutzen, sondern sie wollen auch 
Andern die Benutzung erleichtem oder mö^ch machen. Bei 
den höchst unvollständigen Katalogen der meisten Bibliotheken 
des Kantons sind viele Schätze derselben ganz unbekannt und 
unbeachtet geblieben, und es darf angenommen werden, dass 
mancher Gelehrte Werthvolles für seine Zwecke hier vorgefun- 
den hätte, wenn er nur von dessen Dasein unterrichtet gewesen 
wäre. Die Herausgeber werden es sich angelegen sein lassen, 
nach und nach auf die wichtigsten, noch unbekannten Schätze 
hinzuweiseen und deren weitere Benutzung gern den Fach- 
männern überlassen. Hiezu werden nicht bloss die handschrift- 
lichen Schätze, sondern auch die gedruckten Werke häufige 
Gelegenheit geben, da, wie schon oben berührt worden ist, die 
Bibliotheken des Kantons einen sehr grossen Reichthum an alten 
und seltenen Drucken besitzen. Die Herausgeber hofleu in die- 
sem Abschditt manchen nicht unwichtigen Beitrag zur Literatur- 
geschichte und Bibliographie liefern zu können. 

Dies wird der Inhalt unserer Zeitschrift sein. Jedoch ist es 
keineswegs unsere Meinung, dass wir in jedem Hefte alle 
diese Rubriken zu berücksichtigen gedächten; dies wäre ja 
schon wegen des beschränkten Umfangs der einzelnen Hefte 
nicht ausführbar ; wir wollen nur damit andeuten , was der In- 
halt der Mittheilungen allmählig sein wird. Auch werden wir in 
densdben keine bestimmte Reihefolge beobachten, sondern sie 
so geben, wie sie sich am zweckmässigsten darbieten. 

Die Herausgeber haben die Ueberzeugung — und sie nehmen 
keinen Anstand, sie hier auszusprechen — dass ihre Kräfte nicht 
hinreichen würden , den Beiträgen die wünschenswerthe Mannig- 
faltigkeit und Crediegenheit zu geben; sie haben es sich daher 
sogleich zur Pflicht gemacht, tüchtige und rüstige Mitarbeiter 
zu gewinnen. Es sind ihnen von mehreren ehrenwerthen Cre- 



— VIII — 

lehrten der Schweiz Zusicherungen eingegangen , so dass »ie 
schon in den ersten Heften im Stande sein werden, Beiträge 
derselben zu liefern. Da das Unternehmen vielseitiger Mit-» 
Wirkung bedarf, um recht ^u gedeihen , so ergreifen die Her- 
ausgeber diese Gelegenheit, alle Freunde der Geschichte und 
Literatur um ihre geneigte Mitwirkung zu bitten. Die Heraus- 
geber werden es sich zur Pflicht machen, alle eingegangenen 
Beiträge — in so ferne sie ihren Quellen und ihrer Ausfüh- 
rung nach zur Aufnahme in unsere Zeitsdirift sich eignen -- 
baldigst zu berücksichtigen, so wie sie durch die Verlagshand- 
lung, deren patriotischem Sinn allein die Möglichkeit des Unter- 
nehmens zu verdanken ist, in den Stand gesetzt sind, ein an- 
gemessenes Honorar zuzusichern. 



Die Herausgebier. 



Urkunden 

über 

das Hans Hababarg, 

gesammelt 

ia den aargauischen Archiven» 

und mhgetheilt 

▼0« 

PL Weissenbach. 



Eine Zusammenstellnng aller in den verschiedenen Archiven 
des Kantons Aargau vorfindlichen Urkunden über das Haus 
Habsburg wird hier angestrebt. Wir sind das der alten Wiege 
auf dem Wülpelsberg sdiuldig. Im Aargau und über dasselbe 
haben die Grafen, Herzoge und Könige dieses Geschlechts viel 
beurkundet und besiegelt, über sich selbst und über ihre Rechte 
natürlich dabei auch. — Es möchte aber nach der von Mar- 
quard Herrgott (Genealogiie diplomaticie august« genlis Habs- 
burgic6e voL Hl) schon angelegten allgemeinen Sammlung habs- 
burgi«eher Docnmente, ferner nach den bei Tschudi, Kopp, 
N^igart, Zapf, Eccard, Pez, neuestens bei Lichnowsky^s Ge^ 
schkhte des Hauses Habsburg und an andern Orten schon ab- 
gedruckten Lesen , so wie nach den zahlreichen Bearbeitungen 
Habsburg-Oestreichischer Geschichten, eine solche specieHe Ver- 
öffentlichung als überfKissig betrachtet werden. AUein , obschon 
namentlich Herrgott auf eine überraschende Weise überall hin- 
gedrungen und aufgesucht, so musste ihm dennoch manche 
Quelle, mandies Archiv zurückbleiben. Wir sind das bei unsem 
«orgauisefaen Archiven inne geworden. Viele, das Haus Habs- 
burg betreffende Documente in denselben sind weder benutzt 
noch veröffentUdiet worden. Jede Bfittbeilttag einer noch nicht 
za Tage gdonfarten Urkimde ergänzt daher ein« Lücke und 

1 



— a -^ 

gewinnt ihre Rechtfertigung. Abei^ fmeh die hier in Plan ge- 
fasste Zosammenstellnng, die sich nicht nur auf nie abgedruckte 
Akten beschränkt, sondern eine yöllständige aargauische Samm- 
lung bezweckt, lässt sich begründen. Denn einmal erleichtert 
jede Zusammentragung Ton Zerstreutem die Uebersicht und die 
Ausbeutung. Alsdann wird hier der Forscher keinen Abdruck 
Ton Gedrucktem, sondern die treue Abschrift der Original- oder 
Archiyurkunden finden, was zu Berichtigungen und zur Ver- 
gleichung von Duplikaten fuhrt. Jede Geschichte eines Volkes 
oder eines Geschlechtes darf auch so lange nicht als abgeschlos- 
sen erklärt werden , als deren Quellen nicht ganz erschöpft sind. 
Namentlich walten über die ältere Geschichte des Hauses Habs- 
burg noch manche Zweifel, wie die neuesten Schriftsteller, so 
Kopp und Lichnowsl^i, zugeben. Wir beginnen die Runde mit 
dem Archiv des Klosters Muri und setzen sie in den Staats-, 
Städte- und KlosterarchiTen des Kantons fort. 



A. Archiy Muri. 



i027. Stiftungsbrief von Bischof Werner. (€. III. A.) 

Ne qua ingeniorum peruicatia, que ordinauimus, peruer-> 
tantur uel transeuntibus etatibus obliuioni tradantur, presenti 
testamento tam presentium quam succedentium generationum 
memorie commendavus, qualiter ego Wernherua Straaburgen" 
nsEpiscopus et castri, quod Amixxr Hdbesbur^ fundator, mo-> 
Qasterinm in patrimonio meo, in loco, qui Mure dicitur, in pago 
Argoia^ in comitatu Rore ^ in honore sancte et individne 
Trinitatis et sancte Dei genitricis Marie omniumque sanctorum 
construxi, quod titulo beati Martini Episcopi in perpetuum 
dicaui, cui predia, que hereditario jure mihi contigerant, per 
manum germani fratris mei LanceJiniy qui utpote militie cingulo 
preditus defensor patrimonii mei extiterat, cum legitima pos- 
Oefif^ione DHÜarum» familiamm, agrorum, siloarum, pratorum. 



— 8 -^ 

moaUum, omDimnqae appeDdüium contradidlL Statninnis ettan, 
ut fraires inibi, sub monachica uiia secundum regnlam beali 
Benedicti degentes, Abbaiem sibi libera electione sine de sua 
siue de alia congregatione prestitaanl. Quod si in el^^eodo 
qoaudoque, quod Dens abnuat, fratres discordea foerint» pars 
sanioris consilii, quem elegerit, onanimiler omnes obtineaot 
Qui non superfluitate uel momm improbitate seu tyraimica 
dominatione dissipare, sed prouida ordinatione et indusUi saga- 
titate res Monasterii, ut fidelis dispensator stndeat diqponere, 
nee cuiquam in beneficium, sed pro legitime redila prestare 
presumat. Ipse aut^n Abbas commnnicato fratram consilio 
Aduocatum de mea posteritate, que prefato Castro Habesburch 
donunelnr, qui maior natu fuerit, tali conditioue eligat, ut si 
qaas oppressiones intolerabiles monasterio intulerit, et, inde 
secundo et tercio commonitus, incorrigibilis extiterit, eo ab- 
jecto, alius de eadeni progenie, qui in eodem sit Castro Habes^ 
bui'ch^ sine contradictione subrogetur. Hoc adjectcT, ut si 
masculinus sexus in nostra generatione defecerit, mulier eius- 
dem generis, que eidem Castro Habesburch bereditario jure 
presideat, Aduocatiam a manu Abbatis suscipiat. Quam Ad* 
uocatiam neque a Rege neque ab alia persona, nisi a solo Abbate, 
cuiquam suscip^e liceat, et si quis aliter ad eam accesserit» 
ipsa quam iUicite usurpauerat, omnimodis priuetur. Porro nee 
ipse Abbas eandem Aduocatiam , ut beneficium , sed ut quandam 
commendationem et Monasterii tuitionem cuiquam committat. 
Sed nee ipse, qui prestitutus fuerit, Aduocatus quicquam de 
rebus Monasterii siue in fundis siue in mancipüs siue de ipsa 
adttocatia cuiquam prestare audeat. Ad ampKorem etiam eins- 
dem monasterii honorem et utilitatem perpetua lege sanclimus, 
ut, si quis de nostris ministerialibus cujusque sexus quicquam 
de rebus suis siue in agris siue in mancipüs sanus uel in egri*- 
tudine positus illuc dare uoluerit, sine manu sine respectn 
domini sui sine cujusUbet parsone reclamatione , libera boc 
faciat facultate , et quod tradiderit , postmodum nee dominus Tel 
conjunx aut filius aut filia aut quisquam aliquo modo abalienare 
presumat. Alinor autem familia eiusdem Monasterii et familia 
dominorum, qui Castro Habesburch president, eodem jure ac 
ead^Q 1^6 et sua teaeant et penaom senptutis reddant. Si 



_ 4 — 

qpm demmD hotc DOstre conscriptiom aiiqaa temeritate contram 
Bisus faerit, eum uhigqIo anathematis imiodatum usque ad coo* 
digoam saiisfactioDem pontificali aolhoritate damnamus. SigilK 
quoqae nostri impressione hanc cartam, ut, quod conlinet» 
raiiim permaiieat, signamus. Anno ab incarnatioiie Domini 
millesinio uigesimo septimo. Indteiione decima. Regnante Co/t- 
rado Imperalore Augusto scripta sunt hec* 

Bemerkung. 

Die Urkunde ist abgedruckt in Aegid Tscbudi*s belvetiscber Chro- 
nik und in Heri^otts babsb. Genealogie; femer in Dom. Tschndi*« 
Qrigo et Genealog. Habs., in Pezius de Etymo nominis Habspurgiei, 
Eccard Origines familiae Habspvrgo-Avstriacae, Laguille faiist. Alsat. 
und in Murus et Autemurale. Mit dem Original verglichen, finden 
sich Auslassungen und Abweichungen , aber ohne Erheblichkeit. Bei 
unserm Abdruck ist zu bemerken , dass wir die Abkürzungen aus- 
geschrieben, sonst uns genau an den Buchstaben gehalten haben. 
Das Original ist noch sehr gut erhalten, das Siegel aber zerfallen. 
Bei dieser Urkunde und der darin enthaltenen Stiftung des Klosters 
müssen wir auf die Chronik oder die Acta fundationis Mon. Mur. 
und die darin enthaltene Strftungsgeschichte verweisen. Man könnte 
diese Acta Murensia auch ein Schriftwerk über Habsburg nennen, 
indem darin über dieses Geschlecht, dessen Thaten, Geschicke und 
Stiftungen Vieles verhandelt wird. Allein sie eignen sich besser zur 
bespndern Mittheilung und Bearbeitung. Sie wurden zuerst im Jahr 
161S Veröffentlicht, und sind den vom P. Fridolinus Kopp im Jahr 1750 
herausgegebenen Vindiciae Actorum Mur. angehängt. Auch Eccard 
hat sie nachgedruckt. Bezüglich der über diese Acta erhobenen 
Controversen siehe Marc}. Herrgotts angeführtes Werk , dann die von 
Kopp darauf erlassenen Vindicise , später wieder Angriffe in Rustinus 
Heer*s.Anon3rmus Murensis denudatus 1755, endlich darauf die Viiif- 
diciae vindiciarnum Koppianarum von P. Joh. Bapt. Wieland, 1765 
u. 1760. — Unter den neuern vergleiche Röpell, die Grafen von Habs- 
burg, 1832, und Lichnowski, I. Thl., 1836. — Uebcr das Schicksal 
des Urkunders sagen die Akten kurz : Bischof Werner sei auf den 
Befehl Kaiser Conrads nach Konstantinopel abgegangen und dort 
gestorben und begraben anno domini 1027. Indictione X. Die Ge* 
achichte weiss mehr* 

Es ist hier nicht am Ort, auf die über den Ursprung und die 
Ableitung des Hauses Habsburg in den vielen Schriften enthaltenen 
Ansichten einzutreten, wobei diese Urkunde, wie die Acta Mur., 
Veranlassung zu verschied^ier Auffassung geboten. Wir ziehen us 
4ei* Urkimde folgendes Sichere : Zur Zeit derselben wird die Gregend 



~ 5 — 

Yon Mmri, zwischen dem Lindeiiberg und der Reuis, in denAarg«« 
and in die Grafschaft Rore gesetzt; somit nicht in den Thor- oder 
Zürichgau; nicht Alamannien, sondern Borgundieu. Diese Gegend 
ist damals schon habshurgisches Erbgut (patrimoniom). Die alten 
reichen Freien , welche da gewohnt und lange vor den Zeiten Königs 
Chnnrad eine Taofkirche sich gehalten, sind schon, wie die Aeti 
Mar, offenherzig erzählen , gleich den Freien weiter onlen im Kinz« 
thal , zu Wohlen , vertrieben oder unterwürfig gemacht. Es lag dies 
in der Entwicklung der Zeit. Der Adel zog die Last und die Kraft 
des Kriegsdienstes zu Nutzen, er nahm den Freien auf seinen Hof 
in Schntzpflicht, begnügte sich oft aber auch damit nicht, sondern 
drückte ihn nodi tiefer und vertrieb ihn sogar bei Widerstand. Die 
Kaiser hatten die Militei nöthig und sahen zn. Wohl «inea der grell» 
sten Beispiele geht der Stiftung des Klosters Mari voran. (S. Eich* 
born, deutsche Staats- und Hechtsgeschichte, und die Acta Mur.). 
Unsere Urkunde erwähnt des Lanzelins, der mit ^^militi« cingnlo^ 
(ja wohl) der Schirmer dieses Erbguts sei. — Bischof Werner nennt 
sich sowohl Erbauer der Habsburg als Stifter des Klosters Muri. Die 
Acta führen ihn als Anreger und Hauptursaehe der Stiftung des 
Klosters hin, Graf Badebot, der seines Vaters Lanzelins Bezwin* 
gungsplan vollendet, habe den Ort seiner Gemahlin Ita zur Dos ge- 
geben , diese sei dann in sich gegangen und habe den Rath Werners 
zur Stiftung auch ihrem Manne endlich genehm gemacht. — Die Ver- 
urkundung der Stiftung durch Bischof Werner war , wie die Akten 
andeuten, F^e der Vorsicht. Die Urkuiide sichert dem Hause 
Habsburg die Kastvogtei zu. Die darin festgesetzten Bestimmungen 
erlitten später Veränderungen. 



1114« Kaiser Heinrich's BestStigfung und Schirm. 

(C. III. B. 1.) 

In Nonuae D«mni Amen. Cnnctid prssens instrumentnm 
pohlicam iniueatibas pateat enidenler. Quod sub aimo Naiiiii«' 
latis Cbri. MiHerimo qningeiitetinio quinquagerimo oolano. h^ 
dictione prima. Pontificatns sanctis"* in Chro. Domini Pauli diuina 
prouidentia P. P. quarii, anno quarto, mensis Martü, die yice-* 
sima prima, faora yndecima yel quasi, in domo mea infra scripti 
Notarü Suieie sita reirorsam Ecdesia Zu Kirohgas G>n6ta»lira. 
IHocM« in mei N«Urii pubUci €l teslium ii^a Seriptorum oon«i 



— 6 — 

stitutus pF8Bsentia, religiosus et honorabilis Dns. Georgias Stöyb 
Parochus curoniatus diui Sic. Martini in Suitz Zu Kilchgas, ex 
injunclione Re"' Dni. Dni. Joannis Christophori Abbatis Mo- 
nasterii Muri Argoye Ordinis Sti. Benedicti Canstantien. dioces 
quandam litteram Serenissimi Dni. Dni. Henrici Quarti Cesa-^ 
ris Romanorum exhibuit, presentauit et tradidit omnino inte^ 
gram, perfectam, eiusdem lU"^ Imperatoris signo signatam et 
roboratam. ()uam cum ea qua docuit Reverentia accepi, per- 
legi, perspexi et cum diligentia yna cum infra scriptis testibus 
consideraui et examinaui et inueni eam sanam , integram et 
illesam, carentem omni yitio atque suspicatione. Proposuitque 
dictus Dnus Parochus ut supra, et allegauit, quod dictarum 
literarum originalem in diuersit locis, ubi de ipsa fidem facere 
debet, habere non posset propter multas causas. Quare cum 
instantia debita alque precibus mullis me petiit ac pro Notario 
requisiuit, quod prsefato Abbati eandem de verbo ad yerbum fide- 
liter nil addendo yel minuendo transsumerem ac copiarem, quod 
etiam ad ipsius requisitionem et instantem petilionem feci et 
obtemperaui et ipsam literam de yerbo ad yerbum transsumpsi, 
copiaui et exemplaui de yerbo ad yerbum, nihil addendo nee 
fraudenter praetermittendo , quod sensum mutet, yariet, cuius 
yidelicet ,tenor de yerbo ad yerbum sequitur et est talis. 

In dem Namen der Heiligen ynd ynzertheiligen dryfahig- 
keit. Heinrich , yon Gottes yerhengt der Vyerde Römische 
Keyser, merer der heilligen Cristenheit, sy sigent gegenwärtig 
oder künfflig deren Verstendenheit soll wüssen, mercken ynd 
erkennen, das in Vnserem Riebe ein geistliches Gottshus ge- 
legen ist, in dem Lande Burgendon, in Constantzer Bistum, 
in der gegni Ze Ergow in der Graffschafll Rore, ynd ist genaüt 
Mure. Dafsselb Gotzhus yormals by Zyten Keyser Cunrads 
in der Ere Sant Martis, des hdligen Bis<^offs, erwirdiklidb 
gebuwden ynd Got gewichet ynd gewidm^ ist yon Wernher, 
einem Bischoff ze Stra&burg , der Graff Wemhers yon Hab- 
spurg Vetter gewesen ist Nu ist aber derselb Graff, yon dem 
das yorgnt Gotzhus oder Abtye daher yon eri)lichen recht be* 
sessen ist, beriret mit der Gnade Gottes, das er yorgenant 
Gotzhus ze Mure mit allem dem, so ze disen Zytten dabin ye 



— 7 — 

gegd»en ynd ärUcfaen gesetzet ist mit aUen Zngdiörclen, Gut«' 
ieren, eigen lütten, gälten, zjnsen, pfennigen oder ym die gütter 
genant sind, gentzlich vnd gar uff den Altar St. Ittartis gegeben, 
gesetzt, ynd geordnet vnserem Herren Gotte, sant Morien, 
sant Peter dem heilen Zwölfibotten, sant Martin dem Heiljgea 
rnd auch sant Benedieten in eigenschafll vnd ToUen gewah , vod 
,desselben Gotzfans Abte, genant Lntfiid, ynd allen sinen Nach- 
kommen ze fryer vnd yolkomner besorgnnls demselben Götz- 
hos ynd oach den Brüderen, die daselbs münchliche sind, not- 
torfll ynd nutz, ynd ouch dnrch das das yon sinen nachkonunen 
Gottesdienst daselbs niemer zerstört werde. So batt er besetzt 
ynd bestätiget, da£s da&selb Gotzbus mit allen sinen zngebörden, 
so nn dalnn gegeben sind, oder hemacb jemer dargegeben 
werdent, yon disem tag bin ewenkücb nüt soll nnderthan sin 
deheiner banden nocb gwalt keiner weltlicben persone noch 
wdtliebem gwalt, wie die genant sind, dan allein in pflegnnis, 
gwalt ynd Ordnung eines Abts. Vnd also mit den rechten aller 
firibeyt batt er des Gotzbns frybeit gemeret, ynd oncb ym Ion 
ynd erbe des ewygen riches in Christo batt er es bestät. Darzn 
bat er sich gentzlich entzigen alles gewalts, diensten, rechtongen 
ynd eygenschafilen desselben Gotzhns mit siner elicben Frowen, 
sinen sänen ynd tochteren ynd ouch durch hende eins edlen 
mannes yon Küfsnacht in recht des erwürdigen Bäpstliehen 
stnls bracht ynd gegeben ynd yff den altar sant Peters eins 
Fürsten der heilligen ZwölSbotten geopferet ynd gegeben mit 
sönmilicber bescbeidenhdt ynd geding, das ein Abt des yorge- 
nenten Gotzbus ze Mure järlich ein Guldin pfennig uff sant Peters 
altar in der fasten sol werden ze Zynso, darum das de gesetzt 
diser fryheit ynd gäbe dester werender ynd ynuerseret hinnen- 
hin j^ner belibe ynd ouch darum , das dasselbe Gotzbus under 
der Röndscfaen kilcben schirm ynd macht sicherlich alwegen 
bestätiget ynd beschirmt w^de. Ouch batt er besetzet ynd be- 
stät, wenne oder wie dick das beschicht ynd zuschulden kümpt, 
das die brüder des obgnenten Gotzbus ein Abt abgat ynd wyset 
werdent, so sollen sy fryen gwalt bau, nach der regel sant Be- 
nedieten in irem kloster oder wannen bar es inen not ynd durfll 
ist oder nützUch ein Al)t zu erwellen ynd zesetzen. 

Were aber , das dahein Abt, das Got lang wende, des Götz- 



hos frThöt verkeren oder rast dhekien satze »disHcber Diensten 
dem Gotzbns schädlicli vfibringeo weit, so mögent die briider 
desselben Gotzhus mit hilff ander geistlichen Abten vnd ander 
lütten Cristens glabens, die davmbe gesessen sind, nach gesedte 
Mnt Benedicten den Abte danuu ansprechen , vnd «irdt er des 
recht bewfset von inen, vnd so mögentz in oucb darum genta- 
lich TOD siner irirdikeit stossen md setzen, vnd mügenl toI 
einen anderen Abt nach der Torgeschribnen virdikeit vnd trj- 
faeit vnd sant Benedicten Regel erwellen vnd on alle viderred 
an des vonützen stat setzen. Er hat onch besetzet, das der 
eltist siner sünen von empfelhunge eines Abis des Toi^eschrib- 
>gtfa;e haben sol, doch niit im selber te 
te vnd eignen rechte, den sonderlich dardi 
lanckbarer gnad schinne vnd hilff des Gotz- 
nch nüt darcfa irdensche gemach vnd durch 
-woUust, den sunderlich vm ewjgen Ion sorgsamlieh vnd flissik- 
Ucb des Gotzhus giitter vnd bestäter fr^heit rechinng vnd gnad 
beschirmen vnd behüten sol, vnd sol ouch derselb vogt, ob 
es der Abt begert, von «nem künge den ehaSligen Ban em- 
pfacben. Derselb vogt soll ouch drystond in dem jare, ob es 
notärfiUg ist , vnd er von einem Abt darum ermant rnd brüeSt 
virt, daselbs oder wo es anderswo den Abt gut duncket, hin- 
komen vnd Tecbte tädonge , vm alle sachen vnd nottnrSl deg- 
selben Gotzhus da ordenlich zu hallen , vnd sol da von keinem 
änderen dienst , rechtnnge noch myetunge begeren , vorderen 
noch muten , denne allein den ewygen Gottes Ion , den besetzten 
bau vnd gevehnliche recht vnd ouch off den vorgnanlen dr; 
töding tagen an jeclichem besnnders ein malter konis et unum 
früschungum et ciclnm vini. Er seil ouch aue Sachen noch an 
willen eines Abts vS des Gotzhus giitlem noch zu dem Gote- 
hus in keiner fralTiier vyta kommen noch berüren. Er »oü 
ouch vngebelten daselbs kein tadang nachtzjl nemen noch 
h^)en. Er solle ouch für sich noch an sin slat kein fmderen 
vogl senden noch machen vnd sol onch keinen vnbescheid, b»- 
knmbrunge, ineinong, schände dem Gotzhus, dem Able, oder 
anderen des Gotzhus dienstlütten machen no<^ ibon. Were 
aber da& er nüt thäte, alfs ein erber vogt thnt vnd tbnn sol, 
mer als ein Schädiger vnd ein Meyer des Golzhns »o sol vnd 



— f — 

teH w Akl t#Miti Ynd gwüien gwak ml MHk «iiwr briuleni 
den yogi genüEÜcb intd g» «btlOMi Ytd «toeisra y«d aioM 
•itdt^m yogt «e-setx6D mit hilff eines kängee, 6h es BÜaai aöt 
gesin rnöcbt, der dem GoUbos nützlich were, yon wannen er 
joeh were, gentzliefa nack »nem wiUen« Dinr obgenant graff 
yerticbet ynd Terhengt onch den anpUditten ynd ^enstUitteB 
des egenanten (votzhns diescjben geaetzte ynd reefainnge » so oneh 
ander frjen Ablye^ band, die zu Ck>ttesdienst geordnet sind, 
darinn dafs sy oucb dester getrülicber irem Prelaten ynd Oi>«ren 
geborsam sjgent ynd dienen mögent. Das wir oncb aUea mit 
ymeren kejserlieben recbten bestäten ynd yestnen. Vnd das 
ooek faieDentbin kein person, klem oder gros, wie sy genant 
sind , das (Agenant Gotzbus an keinen sinen amptern » frybeiten 
ynd recbten kitzel nocb yyl roügen bekümmeren, besetzen noch 
entsetzen tbon sol noch mag nu oder hernach. Were aber dals 
yemwEi, das Crot lang wende, also firäffen ynd widerspennig were, 
das er disen brieff vosers gqioUes yberfüri , kränkli oder brächi 
mit Worten oder wercken , tützel oder yyl , wie oder in wellen 
weg od^ Sache das zngieng ynd gescbädie, wer der wäre, der 
soll hundert pfund goldes zesamen leggen ynd yerfallea sin, 
ynd halben theil desselben goldes in ynser kamery geben ynd 
den andern teyl dem obgeschribnen Gotzhns yerfallen sin ze 
gd>en. Vnd das dies mengklich gelebe ynd yattenklieh gehalten 
ynd yoUiracbt werde, so habend wir disen Inrieff mit ynser 
eignen band gezeichnet ynd darzue mit ynserem Insigel besiglet 
Difs dinges sind gezügen BischoiT Barckbart Monasteriensis» 
Bkchoff Rudolff yon Basel, Bischoff Wida yon Cbur, Herzog 
Friderieh , Herzig Berebtcdd , Graff Gotfrid PfalUgraff , Heiw 
man Margkgraff, Graff Arnold yon Lentzbnrg, Graff RndoMT 
sin bmder, Graff Adelbems yon Froburg, Graff Adelbercbtus 
yon Habspnrg. Das Zeichen des Keyser Heinrichs ist des 
yy^dten Römscben Keysers des aller ynüberwintlicbsten. -<- 
6d>en an dem Tag, al£i man nempt IQI Nonas Martü, in dam 
sybenden römscber stür jar, da man zalt yon Cristas gebott 
M. C. ynd XHII Jar. Da richfsnete der obgenant Heinrich der 
Vyerdt Römischer Küng in dem nündten Jare sines richs, ynd 
bescbacb dife ze Basel. Somlicber yirgulen dry machte der 
Keys^ selb an den brieff ze sicherer stätikeit^ 

2 



— !• ~ 

El Qt de ppeflHMis waiam rel ptet pidificani tcI pnkfea coo^ 
ficerem instranientain yel instramenta Dm. Georgias Stajb ßn^ 
prascriptas me Notariam publicum infra scriptum ut preferiur 
requisiuit. Acta sunt hec Anno Dom., Indictione, Pontificatu, 
mense, die, hora et loco, quibus supra, presentibus proyido 
yiro Joannes Färas , quondam prefectoErgoye, Jacobo Böckli» 
procuratore et Mgro fabrice eccle: ssmcti Martini, et Jodoco 
Argülano, moderatore litterarum in Suitz, ad premissa rogatis et 
Tocatis. 

Et ego Vdalricus Bouillus Heremitanus Clericus, conjugatus, 
Constans. dioc. publicus , Auth. Apost Notarius , Judex Ordina- 
rius et in Archiuio Curie Romane inscriptus et immatrieula- 
tus, necnon a Secretis Suitensium major Juratus, dicte littere 
ostensioni, perlectioni ac fideli exemplationi et omm'bus alüs 
atque singulis unacum prefatis testibus presens interfui, eaque 
sie fieri vidi et audiui, ideo hoc presens transsumptum per me 
fideliter de verbo äd verbum propria manu conscriptum exinde 
confeci , hie propria manu subscribens , signo et nomine meis 
solitis et'consuetis signaui^in testimonium premissorum rogatus 
et recpiisitus. 

Bemerkung. 

Wir theilen dieses im Archiir liegende Vidimus des Original« mit. 
Letzteres,. welches darnach vorhanden gewesen sein moss, findet sich 
nicht mehr vor. Dagegen hat schon der Schreiber der Acta Mar. 
die Urkunde in lateinischer Sprache au^enommen. Wie sie Guilliman 
nnd Eccard nachgeschrieben , theilt sie auch Herrgott in gleicher 
Sprache mit und notirt : Ex Archivo Abbatise St. Blasii. Ist sie etwa 
von Muri nach St. Blasien gewand^t? Diese verschiedenen Mit- 
fltöilungen enthalten gegen einander Abweichungen , welche aber 
keinen wesentlichen Einfluss üben, und welche wir, da wir kein 
Original haben, nicht berichtigen können. Aegid Tschudi führt nur 
Anfang und Ende an. Unser Vidimus führt als letzten Zeugen den 
Grafen Adelbert von Habsburg an , wie dieses auch bei der Urkunde 
Herrgotts und bei der Abschrift der Acta Murensia , wie sie F. Kopp 
abdrucken liess, der Fall ist. Die bei Eccard stehende Bezeichnung 
von Hasenburg ist offenbar unrichtig. — Unser Vidimus hat auch 
P. Leodegar Meier in seine Abschriftensammlung : Archivium Mur. , 
angenommen, aber durchaus nicht buchstäblich richtig, was über- 
haupt ein- für allemal von seinen Abschriften, namentlich deutscher 
Urkunden zu bemerken ist. Bei allem dem lässt er sich dennock 



— 11 — 

HÜBC wenig Simeiaat^ttiigen zu Seluütei koaBMn. — Ndbtt dem 
hier daigedruckten Vidimns liegt im ArcluY zu Muri unter C. m. 
B. 2. noch eine andere deutsche Abschrift von demselben Notar, mit 
dessen Handzeichen, aber mit keinem notariarischen Eingang und 
Schluss Tersehen. — Die Urkunde setzt wieder Muri in die Graf- 
schaft Rore , in den Aargau und in Burgundien , die lateinischen Ab- 
schriften sagen Provinz , jene deutsche Land. Graf Werner, der alle 
Ansprüche auf das Elostfcr au^egeben, ist der Sohn Radebots, dw 
seine Brüder überlebte , und Adelbert ^ der dieses CSonfirmations- 
document vom Kaiser zu Basel auswirkte, ein Sohn Werners. Solche 
Gonfirmationen und förmliche Verzichte waren nöthig , denn schon 
Radebots Söhne verstanden die Stiftung und deren Berechtigung nicht 
so^ wie die im Kloster. Noch später stosaen wir auf Anstfinde. 



1168. St. Martins -Capelle in Boswyl. (H. I. A. f.) 

In Clirisli Nomine. Notam sit cnnolis fidelibiis fotaris pM* 
sentibos. Qnia gloriosissimus comes Otto de HabespuiV^h nobile 
monasterium Mure , olini a parentibus suis constmctom , donis 
bonorifice augmentauit Nam inter cetera donaria Pohwüo 
capellam, que nulgari nomine suprema dicitnr, com dedmns 
et Omnibus periinentiis suis, monasterio legitime contradidit el, 
ut ex precepto Abbatis a fralribus in diuinis et secolaribnt 
procurari debeat, constituit. Aditiens etiam boc, ut omnis usuSt 
ad ipsam ecclesiam pertinens, in quesitis et in quirendit» ad 
edificia ecdesie beati Martini melioranda pertineat. Que tra- 
ditio a pie meroorie predecessore nostro H. episeopo in ipso 
loca ^n presentia muhorum banno confirmata est. Unde auctore 
do : O : diuina Gratia Constantiensis Episcopus rogatu Abbatb 
dilecti nostri W. et petitione aduocati comitis Adetberti ratam 
et in conuubam in perpetuum statuimus et eand^n traditionem 
monasterio banno nostro sub anatematis uinculo innouMniu ei 
sigilii nostri inpressione roboramus. 



-^ Iß — 



' Ebenfalls. (H. L A. 2.) 

* la Nomioe sancte et in diuidue trinitatis. Quia facta mor- 
tatiam irrememorabili uolabilitirte temporam obliuionis nnbilo 
firequenter obfascantur, ut non longeue commeiideiitar memo* 
rie non litterarum apicibus annotentur, presentis scripti testi- 
monio houerint tarn futuri quam presentes Christi fideles, qua- 
Uter illustris: comes'O^^o de Habesburc honorabile cenobium 
Mure, a parentibas suis olim eonstruetum, in rebus kudabiliter 
ampliauit et honorifice ditauit. Nam inter plurima illi monasterio 
collata Pozrvilo capellam , que uulgari nomine suprema dicitur, 
cum decimis et omnibus pertinenciis suis libere absque omni 
Gontradictione donauit. Statuens, ut Abbatis prouissione per 
fratres tarn in dioinis quam in secularibus debeat procurari. 
Id quoque stabiliter curauit, ut eadem capella cum omni usu 
fractu rerum suarum siue presentium siue postmodum ad uenien- 
tium ad edificia ecclesie beati Martini melioranda pertineat. Vt 
autem hec donatio, scriptis et sigillo et banno Constanciensis 
Episcopi Ottonis firmata, stabilis et inconcussa omni euo per- 
maneat, Ego Arnoldus , divina fauente dementia major in Mo- 
gQntia Prepositus, auctoritate qua uicem domini Moguntinensis 
Archiepiscopi dispenso ex petitione Abbatis et fratrum suorum 
anathematis uinculo prefato monasterio eam stabiüui et scriptis 
commendatam sigillo ecclesie beati Martini cörroboraui. 



Ebenfalls. 

Notwn onuribus sit prcsentibus et faturis, quia factos sermo, 
t«nerabili Episcopo Hermanno Cönstantiensi et Abbate y^e- 
rando Chounone presentibus , et alüs spiritalibos viris , tarn 
clericis, quam lajcis, in quo decretum est in ipsa consecrationis 
die ab ipso Episcopo , ut quandocunque Plebanus , scilicet Hu-- 
poldusy noyissimum clauserit diem, süperior*C!apella in Boswii 
tarn firmit^ ac stabiHter in potestate bujos eenobii sit , ut nee 



— 1% — 

if^ , qüi Saoerdos ftituros est hic, nee aüw onnino iiHan po^ 
testatem habeat» ut impleator hec conditio , pro qna tradita est 
prins in Altare sancü Martini ab Comite Ottone^ patre Wem- 
heri Comitis de Habsporg. 

Bemerkung zu No. 3, 4 n. 5. 

Die zwei ersten Urkunden, die gat erhallen, deren Siegel aber 
beschädigt und zerbröckelt sind, liegen im Archiv, die letztere ist 
eine Stelle der Acta Mur« No. 3 u. 4 hat Abt Dominic in seiner 
Origo et Genealg. Habsbnrg. 1702 herausgegeben, Marq. Herrgott 
und Eccard haben nur No. 3. Wir setzen mit Herrgott die JahrzaU 
1168. Derselbe gründet seine Rechnung auf den BisclM>f Otto, Nach* 
folger Hermanns, welcher von 1165 bis 1169 auf dem Stuhl war. 
P. Leodg. Mayer nimmt in seinem Archivium 1166 an. Abt Chuno, 
dem die Stelle der Act. Mur. ruft, erscheint von 1145 bis 11S8, 
resignirte aber vorher. Bischof Herrmann starb 1165. Die Sermo 
zwischen Bischof Hermann und Abt Chuno wurde somit vor 1166 
gehalten. — Die bischöfl. Incorporation des von denen von Hallwyl 
mit dem grossen Zehnten , dem halben InUnerzehnten und dem vier- 
ten Antheü an Zwing und Bann erst im J. 1483 an Muri geCidlenen 
Satzes der Pfarrkirche geschah im J. 1485. — Lichnowsky führt 
in seinen Regesten auch die Stelle der Acta Mur. über ^e Ein- 
weihung der Klosterkirche in Muri im J. 1064 als Urkunde auf. Wir 
lassen sie^ da sie keine Urkundenform hat, hier weg. 



6. 

Yor 1199. Besitzung za Waltenschi;?!! etc. 

Notum sit Omnibus tarn futuris, quam presentibus, quod 
ego Adeübercius comes accepi unam fauobam in predio meo 
JVaüeswüj persolyeniem annuatim in censum sextnm dedmum 
dimidium modium avene et siliginis aridi et in festivitate sancti 
Thome HI. solidos ad yiaitatiofleni et dedi sancto Martino ad 
Miffe in mutationem pro predio, quod clau8tnim adhuc in 
Vitarmis Ruoti, cum quo inbeneficiavi Dnnum. JVernherwn 
de Wülisouw. Accepi iterum in Waltiswil in predio meo duo 
dinnudes persolveiUea in censum duoa modios tritici et dedi 
vtwAo Martino, ut ex ipso tritico fiairt obkte ad divinonun 
Bttflleria peragenda et deatw oBHiftttS eeckaiia in proyineia, ut 



— u — 

i« oomibos äHs ecciedk fiat meaiofia pfftm mei el oounnm 
pareotiiai meorom. 

Bemerkung. 

Diese Stelle ist aus den Acta Mut. Sie gehört ihrer ürkunden- 
form wegen hieher. 

Der In No. 3 , 4 u. 5 genannte Graf Otto ist ein Sohn Werners 
und Enkel Radebots und Bruder des in No. 2 erwähnten Adelberts. 
Radebot und dessen Gemahlin Ita stifteten das Kloster, deren Sohn 
Werner leistete Verzicht und bestätigte die Stiftung, von des letz- 
tern Söhnen vergabte Otto die obere Kapelle zu Boswil mit Zehnten 
und Zugehörigem, sein Nachfolger in der Advokatie , Adelbert, 
liess seines Vaters Werner Bestätigungscharte vom Kaiser Heinrich 
bekräftigen. Radebots Todestag wird auf 1027 gesetzt, und er, Ita 
und ihr zweiter Sohn Adelbert liegen im Kloster Muri begraben. 
Ihr dritter Sohn Werner starb 1096, und er und seine Gemahlin 
Regelinde sind da beigesetzt. Otto, erster Sohn Werners, wurde 
litt zu Butenheim von Hesso, Edlem von Usinberg, getödtet und 
in Muri beerdigt. Der inNo. 5 genannte Werner ist ein Sohn dieses 
Otto (oder jenes Adelbert?) und starb 1163 oder nach Lichnowskj 
nicht vor 1167. Der in No. 3 angeführte Adelbert, welcher in No. 6 
als Urkunder erscheint, ist ein Sohn obigen Werners und Urgross- 
vater des Königs Rudolf. Sein Tod wird ins Jahr 1199 gesetzt. Von 
ihm spricht die Aufschrift des im Kloster Muri , jetzt in der Kantons- 
bibliothek aufbewahrten Harst - oder Jagdhornes : 

NOTVM . SIT . OIB . CORNV . ISTVD . ASPICIENTIBVS . QVOD . 
COMES . ALBERT . ALSATIESIS . LANDGRAVI . DE . HABISP. 
NAf . SACS . REQVIS . CORNV. ISTVD . DITAVIT. HEG . AC- 
TASVT . ANNO . M . C . XC . VHH. 

So das Original. Siehe Abschrift in Abt Dominicus Tschudi*s Origo 
und P. Kopps Vindicise. 



1243. Yerzicht auf die Pfarrkirche in Muri. 

(G. I. A. 6.) - 

Albertus, comes de Habspurk, Canonicus Argentiiiensis et 
BasiMensis. Vniuersis presens scriptum inspecturis noticiam rei 
ge8te. Quia labilk est hpminum memoria, ea, que fiunt m 
t«iiIK)re, ne trauseaut cum tempore, scdent literarum testimonio 



— 1* — 

commtfoAm. BjtMMtinI ergo^ quos noMe faerk oportanani» 
qaod cmn causa» que super parrochiali ecdema de Mure intet 
venerabilem in Christo Radegerum Abbatem et coauentam Mu- 
rensem» ex parte una, et nos ex altera aerteretor. Nobis non 
solum per literas Reuerendi in Chro. domini et patris Heinrid 
Constantiensis Epis« factum nostrum in hac parte redargue&tis» 
uerum etiam per yenerabiles yiros Chunradum Ymbriacensem 
et Wernherum Turicensem prepositos, nee non magrm. Chun- 
radum de Mure et magrm. Rud. de Rumilanc et magna. Jo- 
hannen de sancto Leonardo, qui ad ipspicienda fideliter et au- 
dienda dicü monasterii priuUegia cum aliis amminiculis de con- 
sensu partium, non solum apud Thuregum sed etiam in Bonstetin. 
et aUas fuerant deputati, plenissime constaret, quod sepedictum 
monasterium, e(si super ecclesia prenominata priuilegia, quibus 
inuenitur competenter munitum non haberet, prescriptione tamea 
legitima mum'retur, nos juris peritorum usi consilio omni actioni, 
que nobis contra ipsum monasterium, quantum ad sepedictam 
ecclesiam ad presens uel in futurum posset competere , omnino 
renunciamus et sepedictis Abbati et fratribus omnia instrumenta 
contra ipsos impetrata resignamus, eisdem nomine monasterii 
sui jus in ipsa ecclesia recognoscendo. Vt autem predicta 
renunciatio nuUo unquam ingenio eapsu temporis ualeat irritari» 
presens instrumentum de mandato et consensu renerabilium in 
Chro. judicum nostrorum • . Scolastici et • . Cellerarii ecclesie 
sancti Petri Argentinensis est confectum. Nobis , qui in hac 
parte fuimus actores renunciantibus omni juris subsidio ciuilis 
uel ecciesiastici, omni etiam instrumento seu beneficio in in- 
tegrum restitutionis, jure minoris, "siue cuiusb'bet alie occasio- 
ms uel Industrie , que rennnciationem antedictam rescindere 
possent uel huic instrumento uidentur prejudicare. Et ad ma- 
jorem cautelam Reverendorum in Christo patris Lutoldi basi- 
liensis episcopi nee non dne. et matris nostre JHeilwigis comi- 
tisse ac etiam fratris nostri Rudolfi comitis de Habspurk. 
Landgrayii Alsatie et honorabilis yiri Chunradi ymbriacensis 
prepositi sigillis et nostro exstitit roboratum. Testes huius rei 
sunt, qui presentes aderant coram yenerabiU dno. basiliens. 
epo., Heinricus basili&sis prepositus, Petrus eanonicus eccle- 
sie sancti Leoaardi, basiliensis magr. Heinricus de Ostra, Bur- 



chwrdo» canomcus seo^yenris , Amokkis pMuimis in Gen<»wa, 
Oerid. Berditoldus de fiambstein, Heioricus de Lowinberic, 
ArnoMas Da|»ifer de Habspurk» MiHtes, et alii qaamphires. 
Actum basilee. Anno Dni. M. GC. XLIII. in natali sancti 
Stepbani« 

Bemerkung. 

Diese Urkunde steht bei Herrgott. Er gibt als Quelle das Archiv 
von Muri an. 

Wir haben oben bemerkt , wie trotz Entsagungen und Confirma- 
tionen dennoch über die erste Stiftung sich Anstände erhoben. Hier 
ein solcher. Der Streit geht sogar um die Pfarrkirche Muri, um 
welche die Acta Mur. so eifrig kämpfen , und welche unter Radebots » 
Ita's und Bischof Werners specielle Bewerbung, und durch Bischof 
Warmann von Constanz dem Kloster einverleibt worden. Diese Ur- 
kunde zieht dagegen dem Kloster ein sicheres Privilegium zur Kirche 
sehr in Zweifel, enthält aber doch den Verzicht. — Mit dem Ur- 
kunder Albert, Graf von Habsburg, Canonicus zu Strassburg und 
Basel , handeln noch seine Mutter , die Gräfin Heilwig , und sein 
Bruder Rudolf, Graf von Habsburg und Landgraf von Elsass. Heil- 
wig, Tochter des Grafen Ulrich von Kyburg, war die Gemahlin 
Adelberts, Enkel des Adelbert, den wir oben bei No. 6 verlassen. 
Graf Rudolf, der hier auftritt, ist der spätere Kaiser. Vater Adel- 
bert war zur Zeit der Urkunde schon gestorben. Die Mutter handelt 
einzig mit ihren Söhnen, von denen der eine so mächtig in das Rad 
der Zeiten eingreift. Nicht nur der zweifache Canonicus, sondern 
das ganze Haus lag im Kampfe mit dem Kloster Muri. 

Hier muss auf die Urkunde des Bischofs Heinrich zu Konstanz 
vom J. 1244 hingewiesen werden. Darin nämlich sichert derselbe 
dem Kloster Muri die Pfarrkirche in Muri und die obere Gapelle in 
Boswil zu und spricht dabei von den Nachstellungen und Neckereien 
Böswilliger, welche das Kloster darum anzugreifen und zu Grund 
zu richten trachten. Aus der mitgetheilten , ein Jahr vorher aus- 
gestellten Verzichturkunde zu schliessen, wären unsere Habsburger 
die maligni. 

Bei Herrgott wird Ystein als der Ort der Urkunde angeführt, in 
der Urkunde zu Muri heisst er Basel. Auch weicht Herrgott in 
einigen Versetzungen ab , so wird bei ihm Bischof Heinrich von 
Konstanz unter den Sieglern aufgeführt, bei der Urkunde in Muri 
aber nicht, dagegen aber ymbriac. Probst Chunrad. Die Urkunde 
hält zwei Siegel , auf dem einen steht der gut erhaltene Habsburger 
Löwe. 



— IT — 



8. 



1248. Yerzicht auf Besitzung^en and das Patronat- 
reeht zu Beini;?il und Baar. (HI« I. A. 1. a.) 

Rydolfus , Comes de Habesburc , Senior. Vniuersis Christi 
fidelibus» presens scriptum intuenübus, subscriptoram noticiam 
£um sahite. Facilius ab faumana elabuniur m^noria, qu^ non 
scriptorum et sigiliorum testimonüs posteronun memorie com- 
mendantur. Quoniam igitur nouercari solet processus temporis 
rei geste memorie, mediante presenti scripto nouerit tam pre- 
sens etas, quam futura posteritas, quod cum diu inter nos et 
.conuentom monasterii de CapeUa^ Cysterciensis^ ordinis, super 
quibusdam possessionibus et rebus aliis, in yilUs Barro et 
Beimvüer sitis, nee non earundem yillarum ecclesiarum colla- 
cionibus questio uerteretur ; tandem mediante prudentum yiro- 
rum consilio prefate liti finem imposuimus in hunc modum. 
Videlicet quod nos ad manus domini Jorandi, predicti con- 
ueatus Abbatis, curtem in Barro cum vniuersis suis appeadicüs, 
dedmas in eadem parrochia adeptas, et possessiones in uilla 
Beinwiler, cum jure patronatus ytriasque yille ecclesiarum, 
resignauimus pleno jure. Omni etiam aCtioni, jori et grauamini» 
quo pretaxatum conuentum uidebamur impetere, recognos- 
centes, quod nee yxori nostre nee liberis aliquod jus in pre- 
latis possessionibus, decimis, ecclesiarumque collationibus cede- 
ret, renunciauimus. Ut autem predicte litis compositio rata 
permaneat ei inconulsa, presentem paginam sigUli nostri mu- 
nimine fedmus communiri. Testes: Gothfridus, iilius noster» 
Berctoldus {Hucerna, Conradus de WlreUngen et Walth^nis 
de Barro, Milites. Burchardus Gellerarius major de Capeila, 
fiurcardus et Conradus de Eschikon, fratres, et alii quam plures 
fide digni. Acta sunt in Castro Loufenburc. Anno Incarnatio- 
nis Dominice M . CC . XLVIII . V . Kl. februarii. 

Bemerkung. 

S. Herrgott, bei welchem zwei Wörter ausgelassen. 

Graf Rudolf, senior, ist der Oheim König Rudolfs, von ihm 
stammt die laufenburgische Linie her. Wie oben bei No. 7 m juris 
peritonun consilio^, so hier ,> mediante prudentum virorum consilio^. 



— 18 — 

Frau und Kinder, worunter der Sohn Gottfried als 2^nge mit- 
wirkt, werden verpflichtet. Diese Urkunde muss bezüglich des Pa« 
tronatrechts zu Baar mit derjenigen ¥om J. 1249. (Neugart) in Ver- 
bindung gebracht werden. Darnach übergab der Edle Ulrich von 
Schnabetburg im Einverständniss mit seinen Söhnen Berthold 
und Walt her dem Kloster Kappel das Patronatrecht zu Baar^mit 
allem Dazugehörenden , und erlUarte dabei , dass er dieses Patronat*- 
recht durch gültige Schenkung und Freigebigkeit Rudolfs, Alberts 
und Hartmanns, der edeln Herrn von Habsbnrgr mit Eigen- 
thumstitel besessen. Rudolfvon Habsburg wurde später Kaiser, 
dessen Bruder Albert haben wir ebenfalls schon als Ganonicns im 
Strassburg und Basel getroffen. Der andere Bruder, Hartmann, 
starb ohne Nachkommen. Die Quaestio und Verzichtleistung Ru- 
dolfs, des Aeltern zu Laufenburg, fanden im Jahr vorher statt. 
Sowohl id der Bezeichnung der früher Berechtigten als in der Zeit- 
angabe scheint Verwirrung zu liegen. Rudolf senior sagt nichts von 
seinen Vettern und denen von Schnabelburg, diese dagegen sagen 
nichts von ihm. Jener hai, schon Streit um Baar mit Kappel, bevor 
letztere ihre Uebergabe beurkunden. Allein jeder gibt für sich auf 
und handelt um seine Berechtigung, und oft ^vird früher abgeschlossen 
und verglichen , später förmlich verurkundet. Zuletzt findet sich die 
Lösung darin, dass die Rechte beider habsburgischen Linien und 
die der Schnabelburger und der ganze Kirchensatz an Kappel kam. -^ 
Aehnlich sieht es bei den Besitzungen und dem Patronatrecht zu 
Beinwil aus. Nach der mitgetheilten Urkunde hat Rudolf, der 
ältere von Habsburg, 124S Rechte daran und gibt sie auf. Um An- 
sprüche auf das Patronatrecht streiten sich ferner Kappel und Ritter 
Johann von Buchs, jenem wird 1257 die Kirche zu, diesem weg^ 
gesprochen. Schon firüher aber, 1239, wird Kappel der Kirchensatz 
zugesichert und dabei angeführt, wie Hartmann Miles, genannt 
Riessler, der ins Kloster gezogen, denselben eingebracht. Von Seite 
des Ritters Johann von Buchs und seines Bruders von mütterlicher 
Seite , Heinrich , Decan in Sarnen , fo^en noch im J. 1266 Verzicht- 
leistungen. (S. Archiv zu Muri.) Das Kloster Kappel beseitigte am 
{Inde so alle anderweitigen Ansprüche, besass das Patronatrecht, 
bis es dasselbe mit den übrigen Rechtsamen 1586 an die Holdermaier 
von Luzern verkaufte , von welchen es 1614 an das Kloster Muri kam. 
Waren die Rechte der ^^nobilium dominorum^*^ von Habsburg auf 
Beinwil die gleichen, wie auf Baar, und standen dort die Buchs 
und Riessler, wie hier die Schnabelburger? 

Die Urkunde trägt das gut erhaltene Siegel Rudolfs mit dem. 
aufrechten habsburger Löwen. 



- It — 



1249. GottetiHenst wikraid dem Inteidiet (G. I. F.) 

Innocenlias Episcopos» seram seraoruni Dei, dileclis filiis. 
Abbat! et Conuentiii monasterü de Mure» ordinit saneti Bene- 
dict!» Constantiensis dioc^ salutem et apostoUcam benedictioiieiii. 
Ad iadendam uobis gratiam specialem, dilecti fili!» Noinlis tiri 
Rodulpbi Senioris, Comitis de Hauesbiirc » deuoti ecclesie» 
preces ac uestra merita ei deuotiOt quam habetii ad sedeai 
apostolicam , dos !nd«ciint. Eapropter dilect! in- domitto filii« 
ejusdem Comitis» et uestris sappiicatiombus inclioati» ut, noA 
obstante, quod terra Nobilis uiri R. Janioris Comitis de Haues- 
bnrCy monasteri! uestri aduocati, pro eo» quod F. quondam 
Imperator! adheret, supposita est ecciesiastico iiita*dicto, et cum 
generale interdictum terre fuerit ^ possitis diuina officia celebrare 
januis clausis» snbmissa uoce, non pukatis campanis« excom- 
municatis et interdictis exciusis, auctorilate uobis presentium 
indulgemus; dummodo causam non dederitis interdicto, uel id 
noB contingat uobis specialiter interdici« Nulli ergo omnino 
hominum liceat banc paginam nostre concessionis infringere uel 
ei ausu temerario contraire. Si quis autem boc attemptare pre- 
sumpserit , indignationem Omnipotentis De! et beatorum Petri 
et Paul! Apostolorum ejus se nouerit incursurum. Datum 
Lugdua. Kl. Febr. Pontificatus nostr! anno sexto. 

Bemerkung. 

Herrgott hat diese Urkunde aneh , lasst aber tonderbarer Weise 
»F. qooadam^ vor ianperalori weg» will jedoch die Abflchrift aus 
dem Archiv Muri haben* 

Kttdolf der ältere von Bbbsborg, der gleiche, wie bei No. '8, 
war Anhänger der päpstlichen Partei » der Guelfen ; dessen Vetter 
aber» Rudolf der jüngere» später König» war dem Kaiser Friedrich 
dem zweiten» der ihn aus der Taufe gehoben» getreu. Mit dem 
Kaiaer fiel auch er und «ein Land unter das päpaüiche laterdiet 
Das Kloster Muri erhielt anf Verwenden ^ts alten guelfiachen Grafen 
die Gunst » stillen Gottesdienst abhalten %n dürfen. Rudolf der jün- 
gere war Kastvogt ; er sass auf der Habsburg. 



1234. Tadsdi um Erblehen zu Rumoltiiigen und 

Beinwil. (M. U. G. 2.) 

Rydolfos , Comes de Hapspurc , Langrauius alsaeie. Vniuersis 
Christi fidelibtis presentem paginam inspecturis snbscripte rei 
noticiam. Tenore presentium declaramus, quod Hartmänus et 
Hekiricus, frater eius, ciaes nostri, dicti de Mose, possessiones 
suas, sitas m viUa Rytnoltihcon, quas titulo heredifatis posside- 
bant, a Manasterio de Capella annuatim pro modio tritici . . , . 
Abbau et Gonuentui dicti monasterii causa permutationis faciende 
exintegro resignauerant. Predicti vero religiös! gra. dicte per- 
mutationis possessiones suas , quas habebant in Beinwile , pre- 
dictis fratribus Tidelicet Hartmano et Heinrico et ipsorum be- 
redibus eodem titulo bereditatia perpetuo concesserunt. Ita tarn 
quod modium tritici censualem prefatis religiosis annuatim de 
predictis possessionibus persohiere non omittant. In eins rei 
testimonium presentem paginam sigilli nostri apensione feci- 
mus communiri. Actum , apud Bremegartum. Anno domini 
M . CC . L . nn . Kai. Decembris. 

Bemerkung. 

Diese Urkunde hat Herrgott nicht« Sie wurde noch nie abge- 
druckt. Das Siegel ist zerfallen. Wir treffen hier wieder den Ru- 
dolf, Graf von Habsburg, Landgraf im Elsass, später König. £r 
nennt die Hartmann und Heinrich von Mose seine Bürger. Von 
Bremgarten, wo er die Urkunde ausstellt? 

Hier ist am Ort^ di^eier Urkunden zu erwähnen, welche vom 
Archiv des Klosters Muri an das zu Frauenthal übergingen und welche 
in diese Zeit fallen. Rudolf, später König, schenkt nämlich dem 
KlosiSr Muri die Vogtei über die Güter Islinkon am 13. Februar 
1259. An demselben Tag gibt auch Graf Gottfried von Habsburg 
mit Zustimmung seiner Brüder Rudolf und Eberhard, Sohne Rudolf 
des altem , Glieder der Laufenburger Linie , ihren Antheil an die«ef 
Vogtei an das Kloster Muri auf. Bald darauf,* den 19. Februar ,^ ver* 
kauft Muri Vogtei und Besitzung an Frauenthal. S. Herrgott. 

Nach einer Urkunde, in Neugar ts Codex Diplomat, abgedruckt, 
geben Abt Werner und Convent des Klosters Muri im J. 1260 mit 
Einwilligung des Kastvogts Rudolf, Grafen von Habsburg, Landgrafen 
im Elsass (später König) ihr Gut und ihre Besitzungen Ratolsberg 



- It ~ 

(RattUsb^^, Brudeff AUms» Oher-Albis), mk iem Bei|; Attiifl» nalie 
beim Schloss Schnabelbarg gelegen , wie diese Güter von den Grafen 
von Habsborg als freie Gabe an Muri gekommen, dem Abt an4 
Convent zu Kappel zn Erblehen. Im Archiv zu Muri findet sich 
diese ürlamde nicht to*. 

Endlich müssen hier die im Zürch. Ariehiv liegenden Urkonden» 
den lange danernden Streit zwischen dem Kloster Muri und Seldienaii 
betr^end» berührt werden. Muri behauptet, Peregrinus Miles von 
Yilingen habe seine Güter in Bunzena und Bozwile, jährlich zu 
fünfzig Stücken, weniger zwei, geschätzt, ihm verkauft; dagegen 
besteht Seldenau darauf, dass Gottfried, Graf von Habsburg (Sohn 
Rudolfe, Gründer der Laufenb. Linie), mit Einwilligung seiner 
Brüder Rudolf, Probst zu Basel, nnd Eberhard, auf die Bitte jene« 
Peregrins, ihres Ministeriais, ihm (Seldenau) dessen Recht und Be« 
Sitzungen gegeben habe. Der Streit wird 1273 beigelegt. Im Archiv 
von .Muri fehlen die Dublikate der vier Urkunden. S. Zapf mo- 
numenta anect. 



11279. Besitzangen und Rechte zu WalteuftchwU. 

(Q. IV. G. 8.) 

Vniuersis presentium inspectoribus Gertmdis» relicia Bur*« 
chardi, dicü de Baris, qooudam sculieü in Bremgarton, ei 
Jacobus, filius ipsonun, notitiam subscriptorum. NouerinI, 
quos nosse fnerit opportannm , qnod nos de boms in Waltos-« 
wüe sitis, in parocbia Boswile, videllcet tribust mansibns, quos 
a monasierio Mnrensi ad vitam nostram babemus et habere der 
bemns, qni mansns fueranl qnondam Arnoldi, miUtis de Wakot* 
wüe , et quos pie memorie qnondam Albertus, Comes de Habt^ 
bürg, qni transmarinis partibns obüt, monasteriis in Mure et 
in Hermozwile pro remedio anime sue tradidit et donauit, quM 
etiani prdibatns B. a . . . . . miUte» diclo de Hohinvels» .fM 
eosd^n pro XXIV marcis argenti nomine pignoris , a predicto 
Comite haimk obligatos, aceedente consensn . . . Abbatk al 
Conuentus dicti monasterü Mnrehsis redemit, ea confKlione, ut 
ipse B. et ego» Tidelicet predicta G., uxor sna, etpueri, quos 
tunc bd>uimus Tel imposterum nos simui habere contiogeret, 
eoadem näonsui pro tempore vite nostre a monaateijjs {Hredictii 
posflM&eremui et de ipw quinque modH>s tritici mmamte Turiomr 



n -> 



^, in Bittre tres et iif Henuocirfle dnes, Beaiae eeasm sab 
pena tantam sofidonim, d idem in toto uel in parte ia feste 
B« Martini solui neglig^etnr, redderemus annuatim; nobis auteni' 
cedentibus uel decedentibos , memorata bona ad moBasteiia pre^ 
dieta, sine qmdibet hmredum uel successorum noslrorum con- 
tradictione, integrafiter et pleno jure reuerterentur ; ita qno4 
monasterio Dfurensi de predictis bonis duo mansus cedant, et 
cenobio in Hermozwile ynus. Honorabili etiam in Christo 
Heinrico Abbati et Conuentui predicti monasterü Murensis duas 
flcoposas 9 qnarum ynam colit . • • . , dictus Wisse , et alteram 
H.y dictus in Kdre, receptis ab eisdem H. Abbate et Conuentu 
octo libr. denarierum vsaaUs monete , quo ad jus nostrum ven- 
didimus, tradidimus publice resignande^ et legitime cedendo ac 
renundande omni jure» quod nobis in eisdem competebat uel 
competere uidebatur, Preterea molendinum in predicto Wal- 
toswile situm» quod a monasterio Murensi supradicto here- 
ditario jure hactenus habuimus, quod tria frustra nobis an- 
Buatim $oluere consueuit» eisdem H. Abbati et Conuentui et 
ipsorum monasterio cum aqueductu et omni jure, quod mo- 
lendinum publicum habere debet, cum aliud in eadem yilla esse 
Bon debeat» pro decem libris denarierum ysurits monete legi- 
time yenditionis titulo centulimus , tradidimus pessidendum. Ita 
et fiUa quendam H. militis de Wolon, uxer mei, videKcet Ja- 
cobi, cmi molendinum jam dictum nomine dotis/qued vulgari- 
tar üpgedinge appellatur» cum ceteris bonis, que in Waltes* 
wie pessideo» deputaui et assignaui, omni juri, quod in pre-* 
diotis bonis habuit uel habere videbatur, de mei censensu et 
aactoritate in manus prenotati H. Abbat» publice renüntiauit, 
premittens se nunquam repetituram, prestato super hoc corpe^ 
rali juramentOy sicut inter nos in oppido Bremgarton fieri coo^ 
saeuit« Profitemur etiam , quod census de predictis trihus mau- 
abva debitus et consuetus , yidelicet quinque modii tritid ^ 
ittonasterüs sepedictis annuatim persoluendi , preteiLtu hujus 
venifitionis neu debet minörari, sed sub conditiene superpositli 
integraliter singulis annis persolui. Jus etiam aduocatie, tarn 
in molendino prelibate , quam etiam in predictis trihus mansibus 
vühi, yid^cet Jacobe prenotate et mek hercdibus dnxi reaer* 
uanduai; ita tarnen, ut mihi m^quo heredibi]» tbus tratitm* 



ttoda nodmt w m me mesMure Tnmirii ie gririn Mfeiti 
]^ jio« afaoealie soliiatiir amiMlim» preferquaoi bona sepe* 
^ta ad mooasteria prriibata fiierint renersa» sed nonc propor« 
cionaliter, quantum duabus scoposis et molendiao de ipso modio 
competat, p^rsoluatiir, nildlqQe ego uel mei heredes in bonis 
et de bonis supradictis idtra» qoam dictum est, reqourere oel 
exig^e deb^niis« Presentibus etiam reeognoseioras et expresse 
profitonitr 9 nos in sepedictis bonis» videiicet trftns mansibae 
nihil hereditatis et nihil Joris, preterqaam snpradictam est, 
habere, sed post mortem seu cessionem nostram ad monasteria 
prelibata eadem bona integraliter et sine diminotione deooluen* 
tur. Preterea Gepa , soror mei , Tidelicet Jacobi , ex ntroqoe 
parente, Yxor C. de Remingin , de auctoritate et consensu ipsius 
mariti sui libere et expresse eonsensit omnibos prenotatis. Vt 
autem predicta majorem habeant firmitatem, presens instromen- 
tom de nostro rogatu confectum sigillis Illustriam Dominomm 
nostrcmun Alberti et Harlmanni, Comitum de Habsbure et 
Eiborc, nee non honorabilis in Christo R. Prqpositi Beronen- 
sis, petinimus et obtinuimus roborari. Acta sunt hec in Brenn 
garton, in custoria. Anno Domini M • CC « LXXIX. Nonis 
Junii, Indictione VII« presentibus hiis: Jo. Plebano in Brem- 
garton, Ar« dicto de Gersowe, VL de Ottenbach, Wembero 
Flore, R. de Brügge, Sacerdotibus. H. de Renungin, R. de 
Barro, L. dicto Fuschi, militibus. Ottone deWile, B. de Sein- 
gin, H. de Schongowe, C. in Cliuo, Jo. de Bechern, H. 
Pdhfice, R. de Maswanden, C. Schaflber, Ar. et H. fratribus 
de Kussonach, Widter de Luceria, O. deEiehtberc, R. Ruom- 
hart, H. Institore, R. Wingarten, Walthero Theloneatore et 
aliis mullis fide dignis« Nos predicti Albertus et Hartmannua 
iratres, Comites de Habesburc et Kiburc, ad pelitionem par- 
tium presens instrumentum sigillis nostris fecimus patenter com» 
muniri. Nos R. Prepositus Beronensis , ad petitionem predicto- 
mm, sigiHum nostrum presentibus literis duximus apponenduou 
Anno, Indictione, et die prenotatis. 

Bemerkung. 

Die UrKnnde bat Herrgott abgedruckt, setzt das Original nach 
Mari; er lässt einen der ZefMf^n aus. Bei der in Muri sind die 
SigiUe zerlillen. 



Qttd Alb«rt ron Habstarg , Vater des Ednigs Rad^» starb soadt 
ii» i3>ersee'schaA Landen , man veruuithet zu Askalon, Die siegelnden 
Brüder Albert und Hartmann, Grafen ron Habsborg und Eyborg, 
sind Subne des damals seit secbs Jabren regierenden Königs Rudolf. 



•^^' 



vt. 

1307. Stitfltung aa das Frauenkloster zu Interlaeken* 

(Q. IV. T. 1.) 

niastrissime domine Agnese, Dei gratia Regine Vngarie» 
soror M. Magistra et totus conuentus inclusarum monasterii 
Interlacensis sue deaote orationes in Domino » et ipsam post 
presentis vite cursum vo. felicem eterna gaudia possidere, sin- 
ceritati vestre harum serie significamus » quod yestre dignationis 
deuotionem pietatis occulis attendentes ad legendmn yigiliam 
unam singulis diebus per annum presentem, a data presentium 
inchoando, pro anima inclite recordationis gloriosi domini qaon- 
dam Andree Regis Vogarie vestri chori consortis, nostrum 
conuentum harun contextu astringimus, id ipsum vobis yniuerse 
carnis tramitem ihgressa similiter impensure, et nibilominus 
pro yetris spiritibus coUectam specialem dicemus perpetuo in 
officüs defunctorum. Datum cum appositione sigilli bon. in 
Cbristo domini Petri nostri prepositi. Anno domini M • CCC .VII . 
crastino beate Agatbe virginis et martiris. 

Bemerkung. 

, Diese Urkunde fanden wir nirgends abgedruckt. Das Sigill scheint 
weggeschnitten zu sein. Wie kam die Urkunde nach Muri ? Zur 
Zeit der Urkunde war der Mord auf dem Königsfelde an Albrecht t, 
Vater der Agnes, noch nicht verübt; der Gemahl der Agnes, An- 
dreas III, König von Ungarn, aber schon gestorben. 



18. 

1337. Schuld- uud Pfaudbrief g^egeu Johanu von 

HallwU. (G. II. D. 13.) 

Wir Heinrich zer A« Sdiultheifs» Jenni von Lo» VI. Meyer, 
Vfanan HetdiDger vnd Vly Knöli, Bui^er ynd die Ret zu den 



iken ^knr Statt Lenttbarg» Tob kund dkmenglicIieiB, daft wir 
daen biieff gesehen ynd gehört' haben lesen, der Ton wort ze 
wort geschriben stat, tut ynd seit also : Wir Albr* ynd Otto 
Yon Gottes Gnaden, Hertzog ze Oesterrich, ze Steyr ynd ze 
Kemden Tun knnd mit disem brief , dafis wir ynserem getrüwen 
Johansen von Halwfl ymb den dienst, den er yns die haart 
hetir getan hat, schuldig sein vnd gelten sollen lierlrandert 
ynd zwo ynd zwentfig march ynd ein halb march silbers zoyinger 
gewichts , ynd setzen im ynd sinen erben darymb für hundert 
march den Kilchensatzz ze Vilmaringen. Also wenn er oder 
dn erben dieselben Eilchen ze einem mal yerlichen, dais der* 
selb Kircbensatzz yns denne wid^ ledig sin soll, ynd onch die 
hundert march silbers. So slahen wir in uff sin pfänden ze 
Egliswil sechzig march silbers, also dais er ynd sin erben die 
daryff haben sollen in alle dem rechten als si yor nüntzig march 
silbers daryf habent ynd als die Brief sagent, die wir in daryber 
geben habent. Damach slahen wir in sechtzig march silbers. 
yff sin burglehn ze Lentzburg yff yier march geltes, die er 
ynd sin erben daruff haben sullen , in alle dem rechten , als si 
yor yiertzig march silbers darvff habent, als ouch die brieff 
sagent, die si daryber habent So setzen ouch wir in yierzehn 
march geltes Zoyinger gewichtes yff der Stür in dem Ampt ze 
Zuge für hundert ynd yiertzig march silbers, dais er ynd sin 
erben dieselben yierzehen march geltes jerKch innemmen sullen, 
an abschlag, als lang yntz sj der yorgenant hundert ynd viertzig 
march silbers yon yns ynd ynseren erben gar ynd gentzlich 
werden yerricht Wenn ouch wir die yorgenant setzen oder 
welichen wir ynder den lösen wellen, des söU^n yns die yor^ 
genent Johans yon Halwil ynd sin erben ynd als uil gutes ynd 
er an yon yns bat, stat thun, ynd gehorsam sin an alle wider- 
red, yfsgenommen des Kilchensatzes ze Vilmaringen, den sie ze 
einem mal lihen sullen , ynd sol yns der dann ledig sin , als 
yoi^eschriben stat, ynd das zu em^n yrkund geben wir disen 
brieff yersigelten mit ynlsem Insigeln, der geben ist ze Wienn 
an dem ebenwichtag Anno domini millesimo trecentesimo tri- 
cessimo Septimo. Vnd da(s wir obgenent SchultheUs ynd der 
Rat disen brief ganz ynd gerecht ynuersert an berment an schrift 
an Insigeln ynd an allen stoeken gesehen habent, des le Vrkund 

4 



so henken wir vnser Statt -Inrig^U an disen brieff^ ifenant «in 
fidimos , der geben ist an dem necbsten fritag nacb des faeiUgen 
Crütt2es tag in dem Mejen des Jares do man zalt yon Gottes 
geburt Tusent vierhundert zwentzig ynd fünff Jare. 

Bemerkung. 

Sowohl die tlrknnde der Herzoge Albrecht mid Otto, als dta 
Vidiitms tob Schultheiss und Rath Ton Lenzborg sind noch nirgends 
abgedruckt worden. Unser Vidimus ist etwas verblichen, das Siegel 
von Lenzburg gut erhalten. — Otto und Albrecht sind Söhne 
Königs Albrecht. Diese beträchtliche Summe, welche sie dem Jo- 
hann von Hallwil schuldig waren und wofür sie' schöne Rechtsame 
einsetzten , mag die Annahme unterstützen , dass die Herzoge Albrecht 
imd Otto durch den böhmischen und die vorhergegangenen Kriege 
an Geld erschöpft gewesen. S. darüber Johann Müllers Geschichte 
Schweiz. Eidg. H. Buch, 1. Kap. Ueber den Kirchensatz von Vill- 
mergen siehe die nachfolgenden Urkunden , über die Steuer im Amt 
Zug siehe Stadlin*s Geschichte von Zug. 



14. 

1343. Offnnng; des Relnliofs zu BoswiL (H. I. D. 1.) 

Bemerkung. 

Wir rufen diese Urkunde in der chronologischen Reihenfolge an, 
ohne sie hier wörtlich abdrucken zu lassen. Sie bezieht sich näm- 
lich auch auf Habsburgisch-Oestreichische Vogteiberechtigung , allein 
ihr weitläufiger Inhalt eignet sich eher zur Mittheilung im rechts-^ 
historischen Theile dieser Zeitschrift, und sie soll später an die in 
diesem Heft schon herausgegebenen Rechtsquellen angereiht werden. 

Das Original ist nicht vorhanden. Die aus zusammengefügten 
Blättern bestehende , an der Spitze beschädigte Papierrolle gibt sich 
als ein Vidimus, durch Schultheiss und Rath von Aarau, 140^, Don- 
stag nach dem Pfingsttag gegeben, zu erkennen, trägt aber weder 
Siegell noch Notariatszeichen. J. E. Kopp gibt in seinen ,, Urkunden 
£ar Geschichte der eidgenössischen Bünde ^ von dieser Öffnung 
Nachricht und führt die darin enthaltenen Bestimmungen im Aufr- 
zuge auf. 

Hieher gehört: Ritter Johan von Hallwil hatte von der Äbtis- 
sin und Convent von Zürich den Twing und Kelnhof zu Boswil mit 
allen dazu gehörenden Gütern abgekauft. Dienstag nach dem Son- 
nentag, da man Rerainiscere singt, im Jahr 1S43 wurde auf dem 



Kelnhof vmitr dflm a»ri>acK, wo dar KtloMr de« Ho£»> WtrnlMr, 
Sftfs, dieser Kauf Yerkündet und die Offtmng gehalten. Dabei er* 
achien nebst den Vertrettern der Verkäuferinnen, dem Käiiler, den 
Zeugen und den auf den Dörfern und Höfen des Twin^s Gesessenen ^ 
Waltber von Hünenberg, der die Vogt ei in diesem Dorf hatte und 
zwar zu einem Leben von den Fürsten and Hersogen tmi Oest^ 
reich. 

lieber diese Vogtei sagt die Öffnung: ^Da nach sol dcnne dev 
Vogt rechten vmb fräflne ynd vmb die grofsen gericht ane vmb den 
tod vnd vmb nit anders^ u. s. f. 

^Da wart euch geöffnet vnd gemeinlich erteilt, dafs man jeck* 
lichs jares haben sol diu gedinge, zu denen man des Hofs rechtung 
vnd fryheit offnen sol. Das sol eins sin ze meigen, das ander zm 
sant martis tag, das dritte zu sant hylaris tag. Zu den sol der Vogt 
komen ob er wil. Vnd ist das erkennt, so sol im der Keller des 
tags, als die gedinge sind, ze Imbisse ze essenne geben, vnd were, 
dafs sich das gerichte als lang Verzuge, dafs er des tages nit wol 
dannan kommen möchti, so sol im der Keller aber ze nacht ze essenne 
geben vnd mornen des fru ein morgenbrot , vnd sol ouch der Keller 
damitte sin lib vnd gut dem Vogte verstüret han vnd verdienstet 
han gentzlich , vnd hat anders mit im nüt ze schaffen. Vnd sol ouch 
der Vogt kon^men , als er ze hof vnd ze tagen fert ane geuerde. Wer 
aber, dafs der Vogt zu den gedingen nit käme, "so ist im ouch der 
Keller anders nit gebunden. 

Ouch wart da geo£bet vnd erteilt gemeinlich vf den Eid, dals 
die gebursame vnd die genossen sant Regelen Lüte gemeinlich vnd 
wele des guts haut, das in den vorgen. Dinkhof gehört , von alter 
also harkommen siut vnd das recht ir bar brächt , ierlich geöffnet vnd 
erteilt vnd gehebt band , dafs sy eim jecklichem irem Vogte jerlich 
sullen geben Sechtzig IHüt Kernen , vnd jechlichs Hofs ein Hun von 
allen den vorgen gütern vnd sullent im ouch die egen. sant Regelen 
Lüte dienen, jecklichtr mit sinem Sper, oder als er mag gewonlich 
Reifsen in dem Lande, die den Lantgrafen, das ist der Hertzog voi| 
Oesterich, des die Eigenschaft der Vogtyn ist, atigänd, vnd band 
euch da mit lib vnd gut verstüret, also, dafs sy mit dem Vogt dar- 
über nit me ze schaffenne band, mit keiner bände slüre noch dienste, 
wäre aber , dafs sy darüber ein Vogt icht fürbasser nöten wolle , des 
sol inen vor sie vnd sy davor schirmen ir eigenschalt von der Vogtye 
här dan vnd die Eigenschaft von ir lib vnd von den gütern bar dan, 
vnd sullen ouch 8j darvmb der Eigenschaft ir Vogtye dienen g^ 
woulich reifsen in dem Lande alfs vor besehende ist. Da wart ouch 
mit gesammotter Urteil erkennet, geöffnet vnd erteilt vf den Eid» 
dafs die Eigenschaft, die nu des von Halwil ist, das recht von altem 
har brächt vnd gehebt hat, dafs der Zins der Eigenschaft, vor der 
Vfigtüäf« dns. erattn vnd vmt illrn dingen ab den vorgen. gütern 



gcfidkm'Tnd werden sol, also dafs der Vogt vmb dieseüie «in Vo|^ 
stnre» noch ymb enkeiner Hände Sachen nienuin nütes zenötende'hat^ 
e dafs der vorgen. von Hallwil Ton der Eigenschaft wegen , die sin 
ist, allen den Zins, der im werden sol, yfgehebt ynd ingenimpt 
gentzlich ab den vorgent. gütern rnd Ton den Lüten, die da vfiTe 
sitzent oder des gutes hand/^ 

Nach einem frühern Artikel fallen , wcfnn dreimal am drei Schtl*» 
kage gebnsst wird und die Eigenschaft dem Vogt klagt und ihm bietet, 
dass er die nenn Schilling gewinnen helfe, dem Vogt sechs Schilling 
und der Eigenschaft drei Schilling zu. Wird dem Vogt nicht geklagt^ 
so hat er auch nichts damit zu schaifen. 



Ueber das 

Schachzabelbach Konrads Ton AmmenhauseB 

und die 

Zofinger Handschrift desaelbeq» 



von 



Wilhelm JVackemageh 



X. 

Das Schachspiel im Mittelalter. 

Die erste Erfindung des Schachspieles ist anerkannter Massen 
in Indien zu suchen : neuerlich hat dayon wieder Bohlen ge- 
sprochen, und zugleich treffend nachgewiesen (das alte Indien 
2, 68), wie die Stellung der Figuren und deren Verhältniss 
unter einander nur das Bild einer Schlachtordnung nach alt- 
indischer Art sei. 

Auf welchem Wege nun und zu welcher Zeit ist das SpM 
auch nach Europa, auch zu uns Deutschen gelangt? 

Frühere Alterthumsforscher, der Schotte Thomas Dempster 
in seinen Nachträgen zu den Antiqmtates Romance des Kosinus, 
der Niederländer Daniel Souter in seinem Palamedes u. a. lassen 
den iFebergang schon uoter der Römerberrsckift und verauttdt 



dmrch die firobern^^en Ron» in Vordorarfen geschefaen, Mtm 
gie den römischen ludus latroman oder latruneularum bereits 
für ein und dasselbe Spiel mit dem Schachspiel halten. Indest 
war dieser hidua^ soyiel aus den Zeugnissen der Alten irgend 
abzunehmen ist , nur etwa unserem Damenspiel ähnlich : es war 
&sk Kriegsspiel mX blossen Steinen; schon das Brett» dessen 
man sich dafür bediente, scheiirt sich in der Zahl seiner Feld^ 
¥on dem Schachbrett unterschieden und auf jeder Seite nur 
Raum für zweimal sechs Steine gewährt zu haben. Und was 
vollständig entscheidet , wir wissen aus dem Bidpai und sonst » 
dass erst unter dei^ Regierung Kosroes des Grossen , also nach 
der Mkte des sechsten Jahibunderts » die Perser mit dem Schach- 
spiel bekannt geworden» dass de es da erst yon Indien her er- 
halten haben. Ein entfernterer Zusammenhang des hidus lo- 
trunctdorum und des Schadispieles ist damit nicht in Abrede 
gestellt : Griechen und Römer fährten alles Brettspiel mit Wüp- 
fdn und mit Steinen auf Palonedes und die Belagerung Trojas» 
d. h. auf asiatisdien Ursprung zurück» und so abgeändert» 
konnte schon frühzeitig das Schachspiel der Inder bis in den 
Westen Asiens yorgedrungen sein. 

Unzweifelhaft nachzuweisen wird die Bekanntschaft der Eu- 
ropäer mit don Schachspiel erst im Mittelalter» gegen Ablauf 
des ersten Jahrtausends nach Christo. Da ward es durch Nach- 
barschaft und HandelsTerkehr den Griechen aus Persien » den 
übrigen Völkern Europas von Griechenland her zugeführt. Die 
rechte Ausbreitung aber kam erst» als die Kreuzzüge und in 
deren Gefolge der Handd» namentlich der italiämschen Städte» 
den Westen selbst in unmittdbare Berührung mit dem Orient» 
und Orientalen sogar in das fernere Europa brachten. Floren- 
ihasche Chronisten erzählen von einem Saracenen Namens 
Borzaga» der 1265 in ihre Vaterstadt gekommen sei mid da 
zuhieb mit dreien der besten Schachspieler von Florenz ge- 
si»dt lud>e » zwei Spi^ aus dem Kopf und nur das dritte selb^ 
gegenwärtig: dennoch habe er in Frist ein^ Stunde zwei Cregner 
matt gemacht; das dritte Spiel sei nicht entschieden worden 
(Raumers Hohenstaufen 6» 589). 

Für Deutschland das älteste Zaigniss und überhaupt eins der 
üUestm von aUen mö^te eine Stelle in den Fragmenten des 



- «f ~ 

Ruo^eb sein, welches Gedicht nfidb SchB^eU^rs, seiaas H»^ 
ausgebers, Meinung von dem TegernseeiseheB Möndie Ftovli' 
munif also um das Jahr 1000 ist verfasst worden. Da wird 
(2» 187 fgg.) in geläufig fliessenden Reimhexametem erzählt, 
wie ein Gesandter erst yon dem Vitzthum eines Königs» dann 
von dem Könige selbst, dann auch noch Ton dessen übrigen 
Hofleuten zum Schach (scachorwn ludo) genöthigt wird» abw 
allen ein Spiel nach dem andern und den stäts erneuten reicbeu 
Eiusatz abgewinnt. Häufig jedoch werden auch für Deutsch«* 
land die Zeugnisse erst mit dem zwölften JiArhundert, nach 
Beginn der Kreuzzüge. 

Die Namen des Spiels und Bedeutung und Benennung dev 
einzelnen Figuren bilden in Europa, allgemein genommen» die 
persischen , während die persischen ihres Theils wieder nach 
Indien^ wiesen. Die Indier halten das Spiel tachatur anga^ 
d. ht yierkörperig genannt, sonst auch der Beiname eines wirkr 
liehen Heeres wegen seiner Zusammensetzung aus Reitern * 
Wagen, Elephanten und Fnssvolk; daraus machten die Pers^ 
mhiUreng oder scfiatrak, hieraus zuletzt die Griechen z^tri-^ 
kion: z. B. (die Stelle ist zugleich ein historisches Zeugniss) 
ia der Alexias der Anna Comnena S. 360 : el^e twv avyyevhiov 
nväg ^al^ior tb ^atgiKtov ^cuöiä Serovto ix tfjg t4p^AGav^ 
gUß}V tQvcp^g i^evQfifihov xai ig ^fiäg iXfiKv^og. Die La- 
tinität aber und die Volkssprachen des Abendlandes sagten 
aeachus oder scaccus^ französisch escheo^ deutsch sehdcht 
nach dem persischen Namen der Hauptfigur, des schah^ des 
Königs; besonders passlich im Deutschen, da hier da^dbe 
Wort im Sinne yon Raub schon yon jeher gebräuchlich ge^ 
Wesen: bloss dem Wortlaute nach ist unser Schachspiel aUer^ 
dings ein ludus latronum. Das Schachbrett aber hiess auf 
altdeutsch (zuerst in Glossarien des 11. 12 Jh.) schdchzab^U 
wie das Würfelbrett schon früher wurfzahal geheissen hatte: 
i^itbel aus lateinischem tabula. Wenn sodann yon der unge« 
bildeten Rede des H* und des 15. Jh. achdchzatel in schaff 
zabßl und noch weiter sogar in schdfzagel (Schafschwanz) 
entstellt ward, so sollte das einem nicht mehr yerstandeui^ 
Ausdruck wieder eine Art yon Sinn geben: ganz ähnlich hat 
die neoere Sprache its Wort SchachiuaUie, d. h. Baubmatte, 



— Sl - 

den orknn^oh atteii Namen des bekannten Jarapasses , in Schaf- 
matte verkehrt nnd umgedeutet. 

Der König selber ward nun eben König genannt ; ans seinem 
Feldherren (denn diesen Sinn hat ursprüngfich die Figur zur 
Seite des Königs und ebenso deren persischer Name fcrz) 
machten die Franzosen mit allmählicher und immer nur geringer 
Veränderung des Wortes , in der Sache jedoch höchst unorien- 
talisch, eine vierte ^ dann eine dxmte oder reine ^ danach die 
Lateinischredenden eine virgo^ domina^ Peginä, die Deutschen 
eine Königinn. Die somit aufgegebene Urbedeutung dieser Figur 
ersetzte man theilweis durch die Auffassung der jetzt soge- 
nannten Läitfer : man hiess sie auf Deutsch die Alten , auf La- 
teinisch Bcuerdosj presbyter^ episcopua^ wie jetzt noch eng- 
Msdi üskop; auf dem persischen Brett waren es zwei Elephanten, 
persisch^ oder mit arabischem Artikel alßi genannt: daher 
lateinisch auch atphinu9^ französisch Jbl und fou oder dal' 
phin, dauphin. In den Namen also noch ein Ueberrest von 
dem morgenländischen des Elephanten: dessen Gestalt jedoch 
übertrug man zuweilen mit weiter gehender Verschiebung auf 
die beiden Endiguren in der Reihe der Officiere : im Persischen 
hiessen sie rokh, d. i. Kamel (denn es stunden da zwei Kamele 
mit Bogenschützen) 9 und ebenso lat. roccusj altdeutsch roeh: 
diess aber führte durch rocea (Schloss) auf das Bild eines Thur- 
mes und eines Elephanten mit aufgesetztem Thurme: darum 
auch franz. tour, englisch castle. Die Figur zwischen den 
Alten und den Rochen war überall, auch im Orient, ein Reiter 
oder Ritter, und die Tordere Figurenreihe überall eine Reihe 
▼on Fusskriegern , pers. peada, l9i.pedes, fr. pion^ altdeutsch 
venAe ; letzteres zugleich ein echt einheimisches Wort für diesen 
Begriff: ygl. Schmellers Bairisches Wörterb. 1, 645 u. Jac. 
Grimm zu Andreas u. Elene S. ill fg. 

Vielleicht jedoch, ja wahrscheinlicher, sind die angeführten 
Abweichungen yon der persischen Stellung der Bilder nicht so 
bloss durch Missrerstand und Missdeutung der Namen Ter« 
anlasst worden, wie freilich die gewohnte Ansicht ist Auf- 
fallender Weise nämlich trifft diese europäische Anordnung 
wieder zusammen mit der ursprüngliclisten , der indischen, wo 
die Elephwien gteieMrik auf den beiden Flügdn stehn, und zu* 



nächst dem Kömg und «lern Feldberrn keine Elephäntai, son- 
, dern Streitwagen. Und selbst diese Streitwagen kannte man 
im europäischen Schach : die grossen Elfenbeinfiguren aus dem 
elften oder zwölften Jahrhundert» die man als Schachspiel Karlsl 
des Grossen in der Kunstsammlung des Louvre zeigt (abgebildet 
im McLgasin pittoresque ISS^. pg. 15. 16 ), sind ein König» 
eine Königinn, ein Wagen mit einem Viergespann, ein Reiter, 
ein £lephant und ein Fusskrieger. Also über das persische 
Vorbild hinaus zugleich noch Einwirkung des indischen: der 
Handelsyerkehr schon des früheren Mittelalters muss weiter ge- 
grifien haben, als man sich gewöhnlich denkt 

Ausserdem hat bei dieser Abänderung etwa noch ein zweiter 
Umstand mitgewirkt und sie befestigen helfen. Das Schach det 
Inder und der Perser war nur das Abbild eines indischen, eines 
persischen Kriegsheeres gewesen, in welchem alle, Yom Könige 
Us zum Fusssoldaten, zu einer und derselben Kaste gehörten: 
das europäische nun stellte eher die Gliederung eines germam- 
schen Staates dar, die ganze Abstufung von höheren zu niederen 
Ständen : an König und Königinn reihen sich zunächst die Prie** 
gter, an diese die Bitter, an diese, bezeichnet durch die Bnrg^ 
die Bürger an , und das Vordertreffen bildet der grosse Haufe 
des gensdnen Volkes, der Bauern. 

Nach allem Bisherigen waren Zahl und Stellung der Figuren 
dieselben schon in> Mittelalter wie noch jetzt, und demgemäsft 
auch die Zahl der Felder, in welche das Brett getheilt war« 
Wenn ein Bild in der Stuttgarter Handschrift des Schachzabel- 
buches Yon Konrad von Aifimenhausen (Aufsess Anzeiger 1833. 
Sp. 148.) dem Brette nur 36 Felder giebt, so ist das* um so eher 
bloss ein Versehen des Malers, als grade dieses Buch die ZM 
64 ausdrücklich bezeugt. * 

Auch der Gang der Figuren hatte nur wenig abweichendbs, 
und ebenso wenig, wie es scheint, die i^anze Spielart. Den 
^steren beschreibt ein dem Ovid untergeschobenes Gedicht de 
Vetula folgender Massen /Ovidii Erotica ed. Goldast pg. 128): 

Sex species saltus exercent sex quoqiie scacci, 
Miles et Alphinns, Roccas, Rex, Virgo Pedesque. 
In campttm primufh de sex istis saliunt tres, 
Res, Pedes et Virgo. Pedes in re^nm salit, atqne 



ex Mltn gandet «lr*qat. 
m Rtx ({OMK Tirg« narealar, 
ens obliqaiu in uile; 
tadii percurrerit, extnnc 
BDipum vero secnndiun, 
!tiim Roccns, eiqn« 
I citnqne salirc. 
sed Milea ntroqHe 

Schacb and matt vordan mit ebes diesen Worten mgekündigl, 
Hnd auch das Almcbach hiess scboii so. D»r kiäde »pradi zm- 
käniginne j,dä aehdeh !"■ y,Dä tehäehl^ «pradi Jiukähigtnt 
y,lde bucz mit dem rittar müi!"- y,AbtehdA* apnu fi d&r 
künie adn. Si gedäht „Abaehäeh mirt iu getdn' : HeJnriehs 
T. Fraberg Tristan 4155 f^. Den Persern bedeutet «efcoA 
■Roto der König ist tedt ; die Franzosen dachten dahti and bei 
dem Zdtworte maiteir (matt machen) zoglöch an das lateinische 
mactare, 

JSuT ansnahmsweise kamen auch schon im Mittelalter er- 
schwerende Ueberiiänstelnngen des Spieles vor. So du Coar- 
lierspid mit zweimal 24 Fignren auf achtmal IS Feldern: w^jf- 
rtens werden im Wigalois (V. 10583) tvurfudiel unde karruTt 
d. h. Wärfeibrett nnd Coarrieri>rett, als Mittel geseUiger Unte^ 
haUmg genannt ; ein andres Zengniss , das mit aosdrücUicber 
Beelimmtfaeit davon spricht, wird weiter nnlen im zweiten Ab- 
sctailt ftdgen. 

Es war aber, wie htk allen Völkern des Mitldalters, so an^ 
nnd vorznglicb bei d^i Beotscfaen das Schach ein bdiebtes va4 
rielgeöbteB Spiel. Da es gelegratlich nm Gewinn nnd Verioil 
grosser EinsäUe gieng (Rnodti^ a. a. O., Konrads Flore S. 35 fgg., 
J>iderics Floris S. 74 fgg.), so fand die Spicdsacht, die TacHoi 
schon an seinen Germanen zu rügen hatte [Germ. S4), hier «■ 
TN-Iockendes nnd erwünschtes Feld. Lente geringeren Stande« 
freilich and geringerer Kldwig blieben nach wie ror lidm* bei 
den altgermanischen Würfeln : Vornehmere jedoch zogen die 
Schachfiguren oder zogen den Damenstein im Brett. Und viel- 
leicht war letzleres Spiel auch nur eine Abart des Schachs, 
nnd neben diesem schon im Orient aalgekommen : slrenggUo- 
bige Mosleram spielten aach das Schach mit btassea Steinen 



— M — 



statt der ihnen rerbotetten BiUar; mb Baimeken Unterlande 
und z« Nürnberg verstdit man jetzt unter Schafzagel das sonst 
sogenannte Mühlenspiel (Schmeller, Bair. Wörterb. 3, 334). 
Als eine zweite, noch weiter gehende Umgestaltung, auf die 
zugleich das Würfelspid mag eingewirkt haben, ist vak HäU-* 
mann (Stadtewesen 4, 253) das Karten- oder eigentlich Quar- 
tenspiel anzusehn, diess eine europäische, eine französische Er- 
findung, und nach Deutschland schon im J. 1300 eingeführt 
(Br^kopf, Urspr. d. Spidkarten S. 9). 

Das Schach war ein Spiel der Vomdmieren , Herren wm 
Frauen übten es, und Herrn und Frauen gerne mit einander; 
man betrachtete es mit als ein Vorredht und eni Kennteicben 
iffr fidein : Vir nobiUs dtmünus Rizardus de Cairdoo^ dum 
more nobUiuin seacchis luderet pro solatio (Muraiori^ Rer* 
Ud^Scriptt. 12, 783). Auf andre Spiele yeruchteten sie wobU 
wton.dieNoth es forderte, auf dieses nicht: so reTersterte udi 
im J. 1461 Peter Kraft der jüngere , ein Geschlechter Yon Ulm« 
g€|[eB seine Eltom, nachd^n er sich eine Zeit her im SjMelen 
tti^ Karten nicht wohl gebalten und sich dadurch marklicb 
Schulen zugezogen, hinfort nicht mehr eu s]^en noch zu 
karten noch ein andres Sjnel zu thun, ab allem den Sehaefe- 
Mgel zu ziehn und Armbnist zu schiessen (Jäger, Ulms Mittel«« 
alter 543 fg.); und ebenso nahm der Raäi von Regensburg ^ 
dl er im J. 1393, um der zunehmenden Ueppigkeit zu steuern, 
ein allgemeines Spiely erbot erliess, selber gleich Ad& Schc^zabt 
«nd das Spidbrett davon aus (Gemeiners Regensb. Cluranik 2 
^tOd). Metur denn hundert Jdire früher, wo auch ein Regens- 
burger, der Franciscanormönch Berthold, die weltlicben Herrn 
ermahnt, Geistlichkeit und Laien zu beschirmen, madit er ea 
ihnen angelegentlich mit den Worten: Ez sol üuver s^Aäeh* 
mbel 9(n und iiaver vederspü und üwßer tagalt und üov^' 
kOrzewÜe (S. 38). Zwar Ausbrüche der Sittenroheit konnteo 
sich aiKh hiebei ereignen , wie z« B. einmal der Graf Ferrand 
Ton Flandern seine Frau prügelte, weil sie ihn matt gesetzt, 
was mit ein Anlass war, dass König PhiUpp August ihn be- 
kriegte ^d'^cÄery, Spicil 2, 626);. ähnlich der altfranzösischen 
Sage von den vier Haimonskindern, wo. als erstes Motiy der 
Feindschaft xwiachen diesen und Karl dem Groiaea (^cbialla 



— 31 ~ 

ein SeUag vofiEOttiiit, Mm em Nelfe des letcItfeH Mtt 2«orq, 
yiarmaKf en Verhst im Sdiach dem jmigen Hdden Aegnaat ge- 
geben (Bekkers Fierabras S. IV). Dennoch ward anter die septem 
probUatesy die man yon den edlen Laien forderte, ia Gegen* 
satze zu den si^n Künsten der Geldirten ottd der GeutficheD^ 
ansdrädiKch ancb das Scbachq[>id gerechnet (Pröbitaim vem 
hw sttnt: eqtaiare, ncUarei sagittare^ cestibus eertare^ «tt« 
cuparef scaeis ludere j versifieari: Petri Alf* Diseqd. ehric* 
44), imd eben dieses mnter die nothwendigen UaCenriditegtgett^ 
ffßtnde bm d^ Erziehong ftirsttieher Kinder: wo der CSir^nial 
und Dichter PhiKpp Moaskes darsteUen will,, wie ▼ortraflici 
und in welchen Dingen allen die Kinder Karis d. 6r* seiM 
ttflrterrichlet worden, fehlt das Schachspiel nicht: e'apriseai 
Jte9ciea et de tahies (V. 2844). Darum legen die Dichter de« 
HeMen ihrer Abentenem neben all den nbrigen Tagenden genl 
soch diese Kanst noch bei : so dem RnodUeb, wie wir gesehen 
haben, dem Regnaat (Regncatt savoit du jeu asses et ictrg^ 
fnentj Bekkers Fierabras S. 1¥), Karl dem Grossen [ei vuaden 
den heiser zwdre ob deme eehächzdble^ Pf. Konrad 22, 17), 
dem Tristan (Gottfr. 2247 %g.) and der GeKebten Tristans^ 
dar Königiitn Isolde (Heinr. v. Freiberg 4144 fgg.jf aeM>st dem 
grossen Alexander (Carpentier, Supplem. ad Cangii glaee* 
p. etaecij; ja der Verfasser des erwähnten Gedichtes de Fetidm 
macht zum Erfinder des Spiels den weisen Uljsses, mit Ueber« 
tragung dessen, was sonst yon Palamedes erzaUt wird *), wtf 
das Schaeh and diesen beröbmteren Namen des Tn>janisdmi 
Krieges {ed. GoidaM pg. 127 ) : 

Est alius lüdas scACoruin, ludus Ulixis, 
Ludas Troiana qn^m fecit in obsidione, 
N€ Tel faederet pr»c«res in teiq>ore trengae, 
Vel belli, si ^i pro v«liieribiu reatanerent 

^1***-* I I ■>■■! ■■■•■■■■ 

^) im Renner mit einem leicht erklärbaren Irrthnme von einem 
Ritter Aleo: Noch ist einer leie spily des herren spulgent^ 
von dem doch vil sünden und schänden kumi etsmenne : wurj^- 
zfdtei ich dax spil iu nennen daz vant ein riiter, hiez AleOy 
vor Troie. Der alte Druck liest Abeo , der neue Bambergische 
i2S n^ ahm z der Dichter hat das lateinische AppelkitiVum ۊeo 
(s. T. a. aUator) für einen fiigeMHMBtn mgesdiB. 



~ S6 -. 

In cftstris; lad«^ qüi eastris «mmilalnr, 
Inventor cuius jure laudandus in illo est, 
Sed causam laudis non advertunt nisi pauci. 

Nadi al^emdnster Sage jedoch, d!e ans dem Orient stammlet 
war es eben als Königsspiel zur Belehrung emes Königes er« 
fmden worden; der Name des letztem wird dann yeradüedent- 
Uch angegeben : vgl. weiteriiin den zweiten Abschnitt. 

Solcher Vornehmheit des Spieles angeniea$en, ward aneh 
das Spielg^älhe gern aus vornehmen kostbaren Stoffen, mii 
oft nicht ohne Kunst gefertigt, die Figuren z. B. aus £lfeid>eBi« 
Derer, die im Louyre sich erhalten haben, ist berat» ErwiAr- 
nung geschehen; in der Verlassenschi^t Graf Sibotos von Neuen- 
bürg, gegen Ende des 12. Jahrhunderts, befanden sidi unum 
9eahzcLbel , unum wurfzahel und noch einmal tria «coAzo&el, 
iria nmrfzabel und elefantei lapides tcan ad wurfzahel quam 
ad seahzabel pertinentes {Mon. Boica 7, 502); in Gottfrieds 
Tristan 2219 fgg. kommt ein schdchzabel yor, an brete und 
€m den gangen") vil schöne und wol gezieret ^ ze wünsche 
gefeitieret; dd bt hienc ein gesteine **) von eddem helfeidieum 
m'grahen meisterliche, Wirnt von Grayeid»erg in sdnem Wi» 
gdois 10&82 fgg. lässt sogar auf einem Brette Yon Elfenbeia 
mft Figuren yon edlen Stmen spielen; zugleicb aber bezeug 
er, dass der übliche Stoff der letzteren einfadi Holz gemesem 
sri : dd lägen vor der Jrourven fier wurfzahel undfi kurrier^ 
geworht von helfenbeine; mit eddem gesteine s/dltjen si^ mii 
holze niht^ als man nu frouwen sjdl&t siM. . DemMHdi sinil 
die Edelsteine kaum eine bloss romanhafte Uebertr^ung, sa 
wenig als das Schachbrett yon Gold und Silber in einem alt«- 
französischen Trojanerkri^e (Du Gange v* scacarium) : A&tm 
wirklich werden auch in einer histcnrische Schrift scachi cry*- 
staJüni genannt, und in einer Pariser Uikunde yom J. iS90 
unum scacarium de jaspide et cqlsidonio cum fajniHa (des 



'^) Spange der erhöhte Rand des Schachbrettes. 

'^) auch das Brett hieng, V. 2219; vgl. bei Du Gange v, scacarium: 
Tahütam scacor^tn ibi pendentem. Die Steine hat man sich 
in einem B^tel zu deiiken: vgl. die am Schlüsse ^eses Ab- 
schnitts angefahrte Prcdigtstdle. 



~ «r ~ 



ligmrai)» videlitet una parte de jqepide et oMa parte de 
crietallo (Dw Gange tn SeacciJ. 

Wie dker sahen die Figuren aus ? Das vorher schon ange- 
zogene Bild der Stottgarter Handschrift (es rührt ans dem 
15. Jahrhundert her , kaaui jedoch sehr wohl Copie eines äUercB 
sein) zeigt ans bereits eine solche Umformung ihrer nrsprüng- 
Udien und eigentlichen CrestaU, dass der König, der Ritter n. s. L 
sieht sowohl mehr einen König und einen Ritter darstellen, 
ab nnr , wie bei uns» bedeuten ; ebenso schon im 14. Jahrhnnderl 
das BiM» das in der s*. g. Manessischen Handschrift den Liedern 
des Markgrafen Otto mit dem Pfal Yorangesetit ist (le Bae^ 
AXUmagne, Th. 1, Taf. 81): jene Pariser Figuren sind alle 
noch wirkliche Abbildnngen« Üie Entstellung der Bilder faOl 
danach zwischen das zwölfte und das Tierzehnte , fällt in das 
dreizehnte Jahrhundert ^ wo die allgemeinere Uebung des Spie- 
les wohl ein Anlass werden konnte » die Figuren mit geringerem 
Zeitaufwande anzuf^tigen* 

Das Sehach war dn Spiel der Vornehmen» und zwar eigeni-* 
fich nur derer yon weltlichem Stande : der Geistlichkeit war es 
gleich allen andenm Spielen grundsätzlich yerbotai: yon dem 
GoDcil zu Triw im J. 1310 wurden den Mönchen scaci und 
^iobif d. h. Schachiguren und Brettsteine untersagt (Martene 
et Durand^ Theeaur. 4» 249)» und mit noch ausföhrlieherer 
Auficöhlung yerfttgte i9SA eine Würzburger Synode: Ludoe 
^alearwnj eartarwnf echaeanuny taxiUorum^ anulonanet glo^ 
herum monachie et mantaUbue prohibemue districte (TVürdt^ 
wvehiy Nova eubmd. diplom. 2» 272). Dass» wie Manche be*- 
hanpten wollten » msk Unterschied zu machen sei zwischen Wür*- 
fcispiel und Schach» räumte die strengere Kirchenzucht nicht 
ein (Du Gange a. a. 0.)» und nur den Ordensrittern gestiftete 
man» eben weil sie Ritter waren» Schach zu spielen» während 
man die Würfel ihnen so gut als andern Geistlidien untarsagte 
(Voigt» Gesch. y. Preussen 6» 504). Indess die Letzteren» Prie- 
ster wie Mönche» achten des unbequemen yeri>otes wenig: 
Du Gange unter d. W. scacd gewährt dafür hinreichende Bei- 
spiele; in döm wilden Klosterleben auf dem Petersberge bei 
Halle waren diejenigen noch die ruhigem und besser gesitteten» 
die bloas Schach und Würfd spielten (Räumer» Hohenst 6» 430). 



Das hauptiäcUidiste Zeugniss d»er, wie gom T^a bekkiiei 
Ständen und beiden Geschlechtern and "wie aUfiemein das Sdudbh* 
spid getridien worden, ist das Eii^reten bildlicher Ansdriicke, 
die Ton demselben hergenommen sind, in die Sprachen des Büttel« 
idters und Ins in den Krm der sieh ganz alltäg^ch wiedadiolen^ 
den Begriffe« Sdion das Würfelspiel hatte solcher Aiisdrüdbe 
genug an die Hand gegeben : das Schaeb vermehrte deren ZaU^ 
Wer z» B. sich in irgaid welcha? Noth befand, dem war nach 
aUgefW(daiter Redweise Schach, war darin verior oder unt6ff<«i 
gieng, dem war Matt geboten; Ton zaUlosen Stellen bloss einigem 
Auen irenfröuden mat wart dd gesaget sunder schdch^ Heh^ 
richs Tristan 1560 fg. Drien herzen was nu mat geseit mit 
mes tHilles sieine; der meisterzuc was worden eine^ sckdd 
rochy üf kimegtn und üf rtter. ist uns der zuc nu wordsn 
wüer^ sd fröuwe dichy eilende vrouwe^ Ulrichs t» d« TürMi 
Wilhdm 107 b. Die tage slichent hin^ und der tot alles 
ndch : der sagt uns mit den alten sehdch ; dar ndck erzeiget 
er Hn matf Kolocza^ Codex 153; unser AdjectiTum mcUt 
kommt nur daher ^ sammt dem Wortspiel Maithäi am letzten^ 
Fernere Bildlichkeiten sind, wenn Reinmar toa Zweter yo9 
seinem Leben am Böhmischen Hofe, wo ihm nur der König 
€kmst erweise, sagt und klagt: Ich hän den tarnte alleine nach 
mmd weder ritter noch daz roch mich stmret niht ein «Zia 
nocfc sin vehde (y. d. Hagens Minnesinger 2^ 204 b.), und weaa 
Hugo von Trimberg dnmal das Hin- und Hersdneben der 
^otstückchen auf dem Tisch eines Cieizige» mit dem Scbadr- 
zabelziefaen vergleicht: Goty Id mich nimmer dd gemtzeny M 
man mit hrdtes snitzen schächzabel ziuhet ob den tisdkatl 
wiöhte ich ein kürdc dd erwischen oder ein roeh^ s6 fitere ich 
mol : mit vaiden wird ich da sehen vol (Remier 65 b.) Vor-« 
zvgsweise passUc^ war es, den Krieg der Wafifen wie den det 
Worte in Bildern 4es Schachspieles durznsiellen. So Herbert 
TOD Frblar S. 166 fg. emea Kampf der Amazonen und der Grie- 
chen : Die frowen folgeten in ndch und täten in einen echddt 
uf und nider umh den etat* sie wären vü nach morden mat*^ 
dd mohte der vuozgenge genesen niht die lenge ; sidk enkmn'^ 
den J&e alden nieren behalden^ diu. schif sie in erArcmiem 
snKtz sie it beramUn^ die ritter mähten niht gemeset^ de^ 



käme tMne mat gmve§mi, ivan daz er vaeie vor JUeh ema 
diu küneginne nach zSeK von den schiffen unz an diu gezttt. 
M nenfca dehmnJVty et enwAre von warte vöL, wan daz er 
die Züge künde wd^ er müeste mai ein beuten; und hete dim 
nahe omeh nihi vertriben die käneginne dannen^ im und etnen 
mannen wA* zegangen der mäht, dö gdudf im diu nakt^ 
diu sie von dem sehdehe treip^ daz er uf dtm fMe Ueip. 
\gX Wd>er in dem Murtner Siegesliede (Ahd. Leseb. 1054) 
deo Zag der Eidgenossen gegen den Grafen yon Romont : Man 
treib mit im sehafkabdspU : der f enden hat er verloren vUf 
die huot ist im, zwürent zerbrochen*); sin roch die moditen 
in mt verfänj sin ritter sach man trurig stdn : schö^ matt 
ist im gesprochen. Und im Kriege auf Wartburg (y. d. HageM 
iünoes. 2, 15 b«) rühmt sich Klinsor , Ritter und Roeh zu haben, 
wilurend sein Gegner Wolfram nur dnen Venden besitze , und 
itör sei meht einmal gedeckt **). 

Aber auch die Sprache der ritterlichen Liebe und des weh- 
bdien und des geistlichen Minnegesangs holte Anschammgen 
Tom Schachspiel her. »Ehe ich^S singt der Franzose Guaea 
de Bethune (Ahfr. Lied^ 24, 3), »?on dieser Liebe ergriffen 
fOff, wuBSte ich andre Leute das Spiel zu leluren, und auch 
jetzt wriss ich wohl eines Andren Spiel zu ersinnen, und mein 
eignes weiss ich nicht zu spielen. Idi bin wie jener, der klar 
bMtt Schach sieht und andre Leute gar wohl lehrt, und wenn 
et qpklt, so seinen Sinn rerliert, dass er sich nicht vor dem 
Ibtt zu dteken weiis«^ Andre mit Beziehung auf die bekannte 
Gescbichte, wie der orientalische Erfinder des Schachspieles alt 
Lohn dafür dne von Feld zu Feld sich verdoppelnde Zahl yon 
Weimikörnern gefordert habe: »Ich kann die Felder des 
Sehachbrettes mit meinem Leid verdoppln ^^ (Guiot yon Pro- 
yms a. a. O. 13, 5. , ähfilich Folquet y. Marseille bei Rajnouard 
3, 159) und: »Man kann mit all dem Guten, das zu deinem 



•) die huote brechen oder zerbrechen : bis in die Felderreihe der 
Officiere vordringen. 

**) Die vröude mak sich tvol vergan ist nämlich in Dkl vende n. s. t^ 
weiloriiin den vsmdsn in dem venden zn bessern. 



— 46 — 

^der li^ Jungfraa] Lobe gebort, taiBeiidnial die FeMer des 
8ehaoU>rettes yordoppeln^^ (Altfr. Lieder 41^ S). 
' Und nicbt bloss auf Sprache und Poesie , auch aaf die b9u 
deDde Kunst -wirkte das Spiel , indem man einen bunten Weebsel 
t^on Fddem, wie der auf dem Schachbrett ist, häufig und gern 
*mch zur Verzierung Yon andern GerSdien, von Winden und 
Fnssböden , von Fahnen und Wajq^enschilden gebrauchte : die 
alldeutsche Heraldik nannte das underschaJderet (Herbort 1818) 
oder mit mehr deutsch gebildetem Ausdrucke sckdkfizabAkt 
{Konrads t. Wärzb. Trojanerkr. 23 a. Turnier y. Nantes 99). 
Von solch dnem geschachten Tisch oder Boden hiess bei den 
Normannen in Frankreich und in England der oberste Gerichts« 
hof scaceuium^ franzosisch eschequier oder eschiquier (Du Gange 
t^. seaeeuium^ W^arnkönigs Französ. Staats- und Rechtsgeseh. 

1, 345 fg.). Bei einem herzoglichen Gastmale zu München ioi 
J. 1476 war das achte Essen ain schäehzagl vonnumßmüeh 
praun und rveiss; dz roch und all ^tcdn waren van zuc^r 
(Westenrieders Beitr. 3, 139): man kann das auch zur bäden^ 
den Kunst rechnen. 

Dieser Eingang des Schachspieles in die Sprache des Alltag» 
lebens und die Formen der Kunst hieng aber , als Ursache zu- 
hieb und als Wirkung , mit der symbolischen BetracMung zu- 
sammen, die man der allgemeinen Ndgung gemäss ihm audi 
zuzuwenden liebte. Das Mittelalter begnügte »ich m^em mk 
der blossen Aeusserlichkeit : das Nächste, Gewöhnlichste musste 
inuner noch etwas Ferneres und Höhei«s bedeirten und mir 
die yerkörpernde Hülle eines tirfer liegenden Sinnes sein. MocIh 
ten auch Symbol und Symbolisiertes nicht aufe sdnekliciwie 
zu einander passen und die Verbindung beider das ethbche und 
ästhetische Gefühl yerletzen, um so willkommener grade dem 
deutenden Scharfsinn. Dass man z. B. (vgl. Oberlins Bßilebuoek) 
die einzelnen Theile der Priesterkleidung auf Theile der Glau- 
benslehre, dass Reinmar yon Zweter (y. d. Hagens Olinnes. 

2, 184 b.) auch die Kleidung und den Schmuck der Frauen 
Stück für Stück auf die Tugenden auslegte, die eine Frau be- 
sitzen solle, das finden wir etwa noch annehmlich, zumal der-r 
Reichen nur eine Weiterfuhrung biblischer Vorgänge ist (Ephes. 
6, 11 fgg. u« a.): nicht aber so, wenn im Kriege auf Wart- 



— « — 

h(garg 4et Wiitfei mit detn $iiaf«r mi i(6r drt$ th S;«M 4m 
ChristoilhoMtt mit gtiiwl iifcr Eiftigtli^^ 
Gotte g^ebfMcfci wir4 {a. », O, 9, tt k), wÜMwl « Mdera^ 
Didä/^ dhr Zeit, dra« jener ReiMUff* tott Zwvtar, ferade äem 
«^egea eiUirl» «bs Würftlspiel W>e der Teirfbl erftiMfai, im 
nk des ZaUm der iParMUedesea Würfe C»otl od die Wark# 
od CMote Gottes ra f«rii»liMii iumI den HUm^km a» fidi M 
ndm: ki sokbeoi: Simi iMe^ dar aaia auf Crattesf BnlMJt, das 
äär aaf Hittnel und Eide« dto drfe aaf die dw PMoaei 
CMtea, das fuotaraaf die ^erEv aa g e ü st S B , der tMt0 auf dk* 
ßbif Sana des Meoicbea, dis aes eadüch aaf die sedisirMtfgea 
Fasten (a. a. O. 2, 196 b.). 

Wiehior das Wiittekpiel, ebenso wnd wut mdk das Schach* 
s|Mel ajmboliadi aoffefasat ; leCitnw mn ao eher and üsbeT« 
1^ bei^ wiae a Bsr erit e Eitindmig einen iMNralisch lehihaflan 
Zweck soUte gehabt haben. Diesen Zwnk wieder a afnthm eii d 
«rf nach allen Seilm des mens cM i th en , beaandera aber das 
bfurferücfaen Lebens hin Terfoigend, inacile gegen Ende des 
dre^oehnten Jahrhondetts ein französiscber Oeislheher , Jaeobns 
de Cessolis, Predigenntech in Hheims (vgl. Qmääf et Eehatd , 
Scriptt. Ords prcBdiDot. 1, 471. 3, 818), das Schachspiel sMI 
Gegensümde einer lang* forthnfenden Reihe von KanaelvertiSigan, 
in wekhen er aU die eiaaehien Figuren nach einander dnreh- 
giedg^ am die Sälen tob König nnd Königinn, ¥on RXtben and 
Rittern , yon Geweribsieuten und Ackerbauern au sddideni nnd 
die religiöaen und manUschen und politiscben Pflicfaten ni enl- 
wicketn, die jegUchem Beruf nnd Stande augetheüt seien. Ras 
war allerdings eine gränitticiM Ehrenrettung des Spieles gegen- 
über joien Satzungen, die es^ ak unsittlich yerwarfim und den 
Geistiklien untersagten, es zu üben. Das» der Mönch für diese 
Arbeit zo^rst die ^redigtfonn wählte, darf uns wenig airftalleit: 
hat doch auch Geiler von Kaisersberg aber das NarrenscUff, 
ja ein Erzbischof yoa Canterbury, Stephanüs de Lange^tana 
(Lai^on), über ein französisches Tanzlied, Bde AUz maibk 
leva *) , gepredigt, indem er die bde AUz in die heil. Jungfrau 



^) Eigentlich fieitg es an Main se leva bele Aetiz: vgl. Kellers 
Romrart 5S5. 

6 



— 42 -^ 

umdeuleie (Hiai^ and Hofimann, Altd. Blätter 2, 143 — 145); 
und besser so, als ^enn ndt frevelhafter Verkehrung des Hei- 
Ifg^B in UnheUiges die Sequentia evangelü secundum Mar cum 
in eine Sequentia evang^üi secundian Marcam (Mark Silbers) 
papo^iertv dus . dem^ Dominus ein Decius , der persoaificierte 
Würfel , aus dem Paa: vobis ein Fraus vobis gemacht wiii:de u. s. f. 
(J^c. Grimm, Friedr. I. S. 92). Uebrigens hat Jaeobos, ifls 
seine Zuhörer ihn. zur Veröffentlichung drängten , die Form d^ 
Predigt, gegen di6 freiere, bloss abhandelnde yertauscht; mir 
diese Um -und Ausarbeitung hat sich erhalten; sie führt den 
Xitel De moribw hqminum et de qffipiis nobäium super ludo 
sccuccorum. 

Der Ernst und Eifer, womit Jacobus sein Werk durchgeführt 
bftte; die. vielen beispielsweise erzählten Geschichten, durch die 
es. unterhaltend und anziehend ward ; die gehäuften Citate a^ 
lürchlid^n.und profanen Schriftstellern, auch des clasdschen 
Alterthumes, die es zu einer wahren Fundgrube litterariscber 
Gelehrsamkeit machten : alt diese Vorzüge verschafften ihm eiiie 
Stel^. un|er den beliebtesten Büchern der Zeit : . es verbreitete 
sich alsbald in zahlreichen Abschriften über Europa hin; später- 
lljn.war diess. eines der ersten, deren sich die neu erfundene 
Budidruckerkunst annahm: es giebt davon mehr als einen Druck: 
der älteste soll der Mailändische von 1479 sein [Panzer^ Annal. 
typogr.,2^ 37); ,und noch während des Mittelalters.ward es 
wiederholcndlich aus dem lateinischen Urtext in die Volks- 
sprachen übertragen, m.die französische, die italiänische, die 
niederländische, in die hochdeutsche melurfach, sowohl prosaisch 
als poetisch. Eine prosaische Verdeutschung ward noch früher 
ads das Original selbst gedruckt, schon im JT. 1477 (Panzer, 
Ann. d. alt. deutschen Litt. 1 , 96 fg.). Poetischer Bearbeitungen 
giebt es zwei, die eine von Heinrich, von Berngen (Mone, An- 
zeiger 1838. Sp. 287), die andre von Konrad von Ammenhausen, 
Leutpriester zu Stein am Rhein, verfasst im J. 1337. Letztere, 
ein Erzeugniss also aus dem engeren Kreise der Schweizerischen 
Litteratur, gehörte nicht minder als das Original zu den eigent- 
lichen Lieblingsbüchern : das beweisen die vielen Handschriften, 
die sich in allen Theilen des deutschen Sprachgebietes auch da- 
von erhallen haben. Eioe derselben soll uns den zweiten Ab- 



— 43 — . 

schniU hindurch noch genauer mit dem ganzen Werke bekannt 
machen. -Hier möge nur noch, zn wdteretn Beleg für die 
litterarische Bedeutung, deren das Buch des Jacobus de Ce^ 
solis genoss ,' darauf ' hingewiesen werden, wie ein'Cifpitel dek* 
GrSsia Romahorimiy jener allgelesenen Sammlung von No?etten 
und Parabeln, das 166ste nämlich, weldies auch yom Schach- 
spiel handelt, in seiner mystischen Ausdeutung des ganzen Spie- 
les und der einzelnen Figuren unzweifelhaft auf Jacobus de 
C^solis als Muster und Anlass zurückgeht, wie es trotz dem 
gänzlich veränderten Standpunkte , indem es z. B. den König 
auf Christum, die Königinn auf die Seele bezieht, dennoch das 
\Verk des Jacobus und dessen mehr politische Erklärungs- und 
Benennüngsart als bekannt voraussetzt und bdbehält, undnul* 
mit Vergleichung dieser recht verständlieh wird. So sprechen 
^e Gesta unier den Figuren kürzhin und ohne weitrto au4sh 
von einem Ackerbauer, einem Wollenweber,* einem Haiidda^ 
mann: im wirklichen Spiele selbst gab es dergleichen nicht, 
aber Jacobus hätte drei von den Figuren der vorderen Reibe 
so benannt und dahin ausgelegt. 3ein Buch also das VorbüJl 
und die QueHe, die Gesta Romanorum es benutzend und mit- 
hin jünger : ein Einwand mehr gegen die wenig unterstutzle 
Behauptung Grässes (Gesta Rom. 2, 294 fgg.), dass letztere 
«chbn vor dem J. 1227 -seien abgefasst worden. 

Aber die nachahmende Benützung gieng noch weiter: nuA 
wandte das Verfahren des Jacobus nun auch auf andere Spide, 
zunächst auf das Kartenspiel an; das schon historisch mit dem 
Schachspiel ' zusainmenhieng , und machte nun auch diese zur 
Grundlage einer bald moralischen, bald mystischen Erklärung 
und Belehrung. So* schrieb im J. 1377 'Brüder Johannes , ein 
Predigermöhch , vielleicht zu Basel * ) , einen Liidus eartidarutn 
moixdisätus (Denia^ Catal. codic.theol. Findöb. 1, 2, 1284 sqq:); 
dann'im J. 1429 und gleichfalls hier zu Basel Petrus Johannes 
Hidler €diaJs de JVisceUächi dvis et Scolaris basiKensis, 
einltü Tractatus de'maribus et 'distipüna humame eonvieir' 



^) Er sagu ladus cartularum — ad nos pervenit -^ 1377, nnd 
grade in diesem Jahr ist das Kartenspiel nach Basel gekommen 
(Ochs, Gesch. v. Basel 2 > 451). 



~ 44 — 

MOÜ^miMf id e^ ludra oaü Mhmm (Odis, fieoriu v. BanI 
9» üt)*); ttni dttgpo Jiiirzeheade i^^ter^ «m das J. 1460^ 
Ibobattdeke Jfeiüar A^^, «iti Piaeiter des Pred^cronlem, itt 
Mem BttdduNT aQcli gediradUen Badie, 4as'gwU&t j^ gcnanst^ 
wdM ire«g«r ab dAm ßfitiHf am «b jeilrai eim der mktt 
ftüptotuMiMi dm enlwicbebi: dt liegie sr mhc^agd nider hof^ 
ß$ßt HU«» kreUfU mit dm ScheübttA^n (den rund^i St^Mo, 
j^obis) mder /rcf/t^teyt^ kmrtm»pü r»ider ^aakeusA ^ imirfjidf 
^pU fmißr geitikeiti ScJm^sen nMer zom^ tan&oeH mider 
trßß^^^ $ei$ßn$pü ndd^ neid vmi haffs ^Pmzot, Ann. d. äfc^ 
dentaeliM hi\L It ^)* Ingdd im Ini^iBeiiütitt , Johannes im 
iwrzehttten Jahrhundert» beide Predigeiinönchi; «bn m scdcher 
par im drcfeidittlM Jaoohas do fiessoKs ^wonn: die Syrnfadf« 
iNNrMg dar Sj^bde gieag wie eine OrdesMhm-ljiBfiniittg tob da«- 
aebfedkt ara >GeacUedMt; IngoH hcBMxkt amdröekfieh, daas er 
V0m JMem «IteBt^n Torgänger vrales enäofant habe: Fon db» 
ßf^ßUmy^ekf^kmgd^pü^ iafis ick ndasm^ da« idm preMgerwmB^ 
dmr hm/i bmder iamdf vtm tea^aJh^ der hcd dariAtr igssckA* 
fcni» daiymfs ick ml hob genamen. 

ßo war dann di» Sehach^pial^ diB im i^nne ao^er arsloi 
Erfinde nur am Abbild mid eina hätae dea ISnsga gawiesen« 
im w&(HfBL \fSiAmA aeiner Wandenmf durch dBe Völfcar imd 
die Zeiten zunäcM ^ SiU dar gennsH^schen J^atseimrkdH' 
Iwq;, dara ao^^ dßi Iiabans aller Wdt geir^CHrdsn, ein Bid für 
jaifidiea Vi^fbaliafi dar Blansßhfin unter auch «rad gegen Ctotl. 
IM imgeketot miAim db gimze Weit imn aSs «in Schach^ 
du» d^ Albmtt^hlifa a|piek, «rf deai ter naeh Bctiebaii Könige 
md Jbmm hin «od her räcfce^ gairimien iassa und reaAmetL 
gahp; JMtffo jvmU iat oU ein gtmkeMoMt : man ifd hat lels em 
m h d eln aM ä^udg umda ouA kikdgAij, roth^ ritten^ ^ataen^ 
yy i rftf ii n . des hat gat roal Jgtn gaakeiäpü ^ak %m^^ derz rdUe 
JMffb» ndl. äet f^ouhkr sprichu ^atfilar m dU taaehmü^ 
9S itptMM got ^nidoF im die aeeka»^ vän dar ir iddfe aft b^ 
k om m t t^ ^oide aETfit« bcne mit d»n frommi^ Renner 



^) Oder ist dieses Werl; eins mit dem vorigen, und HuMer nur 
der •Seteeiier , nicht aber der Verfasser ? Die flaiWkdnnft findet 
sich auf der öffentlichen Bihliethek sudit vor. 



- 4» — 

S48 a; oder aber, wenn das Spiel des Lebens beendigt sei, 
komme der Tod mid räume die Figorcn zusammen ond werfe 
rie onterscbledlos dnrth pjgander ins Beishatis-: Ein meUier 
gUehit dise rverlt eine echdfzabele; dd stdn üffe kunige uml 
immgijmem* und rtUer matd knappen und vendm; hie mite 
epilen M. manne ei nsdde geepiUt k mb en ^ ed fmerfen ei dem 
emen umdier den andere» in einem eaek. Abe tSl der Ukt 
dar nirfet iz oSec in £ erden, WMeh der rteke et <mler 
der eume e£ ader der bdba€ ei eider der ktmiej daz eehem^ 
OA deme gebeine : der kneckt iet dicke über den kernen ge^ 
leg^^ eösi tigen in deme bmäideet Pfeiffers Dcniselie Mystiker 
1, 16*. 

Und mit dicaen Worten, dem kwEc^tcn Mmgriff d«r vfee^ 
Aolbofaen fietnchtangaait » mögn die aUgmwHnere Dmrsteihrof 
des miltdallerlkken, nMueoAch des «Itdentscben Sebndispieiei 
kesehfossien sein. Mir das nocfa gUnbe ich mir znr Bniackrf^ 
digOBg kernten zu sollen^ dass idi keines weder der Ütem 
»oeh der nmievM Werke iU>er die Gesckicfale üasas Sfi dm 
hdb% benutzen ktenen, «nd dass «nch mir des niederdenCsdw 
ScbartgieiMt eines Ungenannten, fem wekbesn es cwe LfikediuBfr 
facmMbd gidil, sowie das ko chde ^ ts che von Jaoob ifennel, 
ferfesat zu Conslanz im J. I60T ond gedruckt «m IfM cn 
Oppenheim, nur aus den Anfiainmgen der Bibliographen (Pim» 
zer, Ann. d. alt. devtsehen litt. 1, 97. 4M} bekannt ist; dem 
Titel Mch ra urdieaan handelt las letHem kdigfidi nd afa^ 
faeh i^n dam %aele aelbst, nt eben mir eine fiescinohte des 
Sdmobspiels, bat^pWIddich riier eine Anweiswg daiu, und dann 
Iren den Biiohem dieser Art das älteste, wUirend es dos jingsla 
ist Ton der geaammten Scfaacfas^d-Littemtur des BBU claHars t 
der Titel lautet: SehaehizedM Spiel Dee BiOerHehen^ 
Hehen SehackUMbel l^ide ^ndemmyeung ^ erctärmtg^ 
vereiontj evö here dae kommen^ tvete dae ean ereien er/um 
den, vnnd aufe wae vraojch es erdacht eey. Auch wie man 
das kiihetlich lernen ziehen vnd epiden eolle^ eampt etHehen 
kiineOichen get^Uen ßpMen etc^ 



— 46 — 

Das Gedicht Konrads von Ammenliausen. 

Wie . sehen oben ^ erwl^nt worden , hat sich die Dichtiwg 
Konrads von Ammenhausen in zahbeichen Handschriften er*^ 
halten. ^ Ein Verreichniss dersdben giebt v. d. Hagens Cktuid^ 
rMs z. Geschichte d. deutschen Poesie S. 426, dem man .noch 
beugen mag was in Graffs Diutisca 3, 450 fgg. über die Pa* 
riser Handschrift und ebenda Bd. 2, S. 72 fgg., so wie im 
Aozdger des'Hrn. y. Aufsess 1832. Sp. 148 über die StuU^ 
gartische bemerkt und daraus mitgetheilt ist; auch Hr. y. Lass» 
berg zu Mdrsburg am fiodensee ist im Besitze einer Handschrift. 

Irgendwie authentisch erscheint jedoch keiner dieser Texte, 
keiner als Original des Autors, alle nur als Copien, zum Xbeil 
yon ziemlich später Anfertigung ; besondres Interesse gewähren 
die SttUtgarter Handschrift durch die yielen Bilder, mit denen 
sie geschmückt ist, Und die zu Heidelberg durch ihr Alter (sie 
eist yom J. 1365) sowie durch das naiye Schlusswort, das ihr 
dmr Schreiber in ferner Freude endlich und glücklich fertig zu 
* sein angehängt :hat (Adelungs Altd. Ged. in Rom 2, 149 fg. 
Wilkens Gesch. d. Heidelb. Büchersamml. 466); es darf wohl 
auch luer noch einmal abgedruckt werden; . 

Dys biwdi vingichbrtloder Reubolt Suesse von ßtras^ 
bürg an ZUG Sletzstxtt in der Stuben uf dem, tormenter *}^ 
der sdbeh Stuben venster stossent in der stette graben gein 
JStrasburg abe hin^ <in dem nehesten duhrestage nach vnäser 
vrewen ^tage der lichtmess , und voUeschreip es ^f einem 
strowinen> Sessel an. dem nehesten sammestage nojöh sante 
B&ußdieten dagej do,men lute zuo samene none und vesper 
mittenander f der selbe samesttag des\ übendes was da des 
morgens was mittelf aste, und von geheisse und bete des er- 



) Bei Adelung tormenty und auf Anlass , dieses Lesefehlers die 
Meinung, „der arme Bruder*' habe das Buch zur Strafe ab- 
schreiben müssen »und folglich eben nichl con ämore/^ Tor- 
menter, mit dem Accent auf der ersten Sylbe, ist s. v. a. dar" 
mitorium , Schlafgemach. 



— 47 — 

bernr geiachÜch^n bruader Hugen RUrinn von Cobnar^ $chctf^ 
fener des egenanten huses zuo Sletzstat sant Johana ordens^ 
wart dise data geschriben des jares^ da men zalte von gcdz 
geburte drizehen hundert jar^ sehtzig und fünf j<ire. Hie 
hat'.dis buechelin ein ende: des frBwent sich ndns hende. 

Noch- eine Handschrift za den vielen befindet sich seil, dm 
J. 1764 durch Schenkung eines patric^ischen Bärgers, des Pfar- 
rers J. JT. Zimmerlin zu Roggwyi , auf der Stadtbibliothek ?on 
Zofingen, lieber diese nun habe ich in Folge einet ehrenden 
Auftrages auf den nachstehenden Blättern zu berichten. 

Sie ist auf Papier in Folioformat, jede Seite zu zwei Spakea 
gesohrieben; oben auf der ersten Seite der Titel Dis buoch ist 
von dem sehMhzabeispil von latin ze diutsche gedichtet. Das 
Meiste von einer und derselben Hand des 15. Jahrhunderts; 
nuc. an einigen Stellen (S. 62 b., 66 b.» 76 b., 119 a. — 125 a.» 
236 a.) tritt noch eine zweite von gleichem Alter, wie es schttnl 
die Hand des Aliniators ein, dessen der auch die rothen An- 
faogsbuchstaben und Ueberschriften hinzugefügt, und ergänzt 
theils Lücken, die. der erste Schreiber frei gelassen, theils ein- 
zelne Verse , die er übersehen hatte. Die zweite Hand ist ge- 
nauer und folgt in allem, namentlich aber in der Bezeichnung 
der Diphthongen und der Umlaute, mehr den Regeln der clas- 
sischen Gesammtsprache, während die Mundart des ersten nnd 
eigentlichen Schreibers gerade hierin wahrhaft barbarisch ist. 

Von eben diesem Miniator mögen auch die Bilder sein, 
welche hier wie in der Stuttgarter Handschrift , > nur minder 
zahlreich als dort, den Gang des Textes unterbrechen : es sind 
deren nur 24. Auch in ihrer Beschaffenheit weichen sie durch- 
aus von den Stuttgarter Bildern ab: letzlere stellen ganze, zu 
bestimmter Handlung componierte Gruppen dar, die unsrigen 
immer nur einzelne Figuren, einen König , eine Königinn u. s. f., 
eines sogar (253 a.) ein blosses Schachbrett. JVur die vier 
Bilder , welche auf S. 7 und 8 die dort erzählte Parabel von 
Vater und Sohn mit dem Esel veranschaulichen sollen , enthalten 
eine grössere Figurenzahl. Die Zeichnung ist überall characte- 
ristisch und mit gewandter Sicherheit ausgeführt. 

Leider jedoch ist die Handschrift unvollständig : mit den 132 
Blättern, welche sie noch hefassl, erreicht sie den Schluss des 



— 4t — 

W«4ms nkkt: dieser febb^ unil^ somit msh die SfeBe,^ wo^ def 
Verfiiflset aeftsi maen Namen md die Zeit angiebt , in weteh^ 
er gediektet habe. Der Verliist kann aber nur wenigp Btätler 
bci^gen* 

Wir wdleft jetzi, indem wir die Zofinger Handeebrift zam 
Gnmde legen» «dies acnaammea zu stellen sucbeQ^ was de» Ver* 

« 

fimcff und seine Lebosnaislände^ sowie das Verbytirfs» seines 
Werkee za d«n leteiniscben Original belrift» dano aber, der 
Emtbeifang folgend, die er selbst beobacbtet» das Hanptsäcb- 

. liebe des Inkaks wiedergeben ; nur auszugsweise das Haupt- 
säeUadie: ein voAsländiger Abdruck möcbie, selbst wenn die 
Handscbfifl äker und bessmr wäre , dennocb unzweckinsng sein. 
Um den Namen des Dicblers zu crfiihrea, den er anfanglieh 
selbst refscbweigen woUle (S. 10 h.; die Stelle wird weiter 
unten folgen) uud den auch die Titelüberschrift nicht nenat, 
müssen wkr den Sdilnss d^ Dichtung anderswoher ergänzen. 

^ lautet nach jenen Handsclaiften von Paris und Heidelberg also : 

Dis buechelin wart vollebraht, 

do man zait von gotes gebart fUrwar 

siben utid drissig und drizehen Imiidert far 

vor^ ingondem merzen drige tage. 

eine» ick noch kar zno sage. 

als da vor geschriben ist, 

da man des bu^chlins anyang list, 

do sprach ich das ich wolt verdagen 

minen namen und in niht sagen. 

dammh straften die gesellen mich, 

warmnk idi es tset, das ick 

minen nan^n niht wissen lie. 

durch der gesellen willn ich hie 

eine raeterschen geschriben han. 

wer die reht gemerken kan, 

so erkennet er minen namen wol. 

die raeterschen ich sagen sol, 

also ich gedaht han, 

und wil es alsus imevan. 

Do Egge Dielerichen vant, 
Irmengart die rief zuohant 
„StroBwe drin, her Ludewik!** 
Behte die enbant den strik. 



>> 



- 19 - 

Uoz trAt Uodelhilten zuo. 
Gttoiize hatte ein rote kao, 
Hohe er die an den berg treib. 
Tratgeselle, wa ist der leib? 
Ich sesse harte gerne. 
Heinze der sprach verne 
y, frag her den spies , la tröschen ! ^ 
Ich horte ein michel höschen. 
Galogriand der ruolte her * 

yHalt uf , geselle ! biat mir das sper. 
Gai der spotte des vatters min/ 
Uodelger diente den dimelin, 
Nieman sang den reigen bas. 
Rachel Lyen swester was; 
Arphaxad was Sems kint. 
Tapz an hin ! ungerad sint 
Viere und ouch drie. 
Obe ieman me da sie? 
Nachor was des gesiebtes ouch ; 
Abraham was nit ein gouch. 
Moyses was ein gaoter man, 
Milte, als ich gelesen han; 
Er hatt schoene in siner kintheit ; 
Niht schirmt in wan sin saelikeit. 
Heliobolas der ewart 
Verderbet wolt in han, and wart. 
So schoene was sin angesiht, 
£r misseviel dem künige niht; 
Niemant mähte ime vigent wesen : 
Ich waene, das half ime genesen. 
Na merkent aber förbas. 
Der tag gar zerg'angen was, 
£ das es naht würde. 
Raopreht truog eine bürde 
Strowes onde warf si nider« 
Trib den esel bald hin wider 
An das Teld af die weide ! 
Tratz , das er dannen scheide 
Zaom erst! er maos bliben da. 
£ das wisses werde bla, 
^ So maos Inan es e verwen. 
Totes vihes hinte gerwen 
£r maos, swer leder macheu wil. 
Ich hie von niht me sage vil. 



Minne nnd oueh viere , 

Da yindt^ man ouch vU sckiere 

An der xale drizehen nnd niht rne. 

Ich wil inch sagen, wem ist we, 

Grank mnos er von schulden sin. 

Hat ieman froeade, dast ime ein pin, 

Mag er nit froende schowen. ' 

Uihergüldet sint die frowen, 

r^ieman gesach ie reiner frnht: 

Ich mein, diu schäm hat unde zuht. 

Greatur uf erd nie edeler wart. *) 

TTntugent, das stat ir niht wol. 

Nieman mir verkeren sol 

Das ich sie meine toqgen. 

Es ist ane longen, 

Lamech blint Ca3m schos. 

Uiber den bach ein antvogel schos. 

Tarant in Lamparten sint. 

Pueri heissent kint. 

Rat eben wer dis merken wil. 

lüdescher diet ist niht so vil, 

Es sig der cristen liute me. 

So man siht blaomen unde kle 

Tringen us der erden, 

Es muos e summer werden. 

Rat aber förbas, wiser man. 

Vviltu minen namen han 

Vnd ime an ein ende komen, 

Als ich denne han Ternoq^n, 

So muost du troumen* kleine. 

Ich weis wol was ich meine. 

Ganst du.es niht, so las es varn. 

Hohe fliegent die adelam. 

Knüpfe vaste den buntschuo. 

Vil kume dringest da dar zuo. 

Niht las dich überkriegen 

Der dich well betriegen: 

£ solt du Zttom sile stan. 

Es möbte wol zuQ heile ergan. 

So man bluomen springen siht, 

Nieman weis was dann besehiht 



*) Hier fehlt ein auf nnirt veimtndet und mitü^ beginnender Vers. 



— M — 

Ich sage aber förikas« 
Hie vor eis richer ktinig waa ; 
Truog der crone, 4er was er wert. 
Gramuflanz herzeliebes gert: 
Ei wie was er do so vin! 
Trutgespile, la din tmren sinl 
Ich wil dir gaote m«re sagen: 
Hin sont wir den winter jagen« 
Trit uf die fuesse, la zowen dir! 
Eilselin, du gang mit mir ; 
Nit las dirs misse Valien. 
Behalten si uns allen 
Aller saelden samen. 
Seculorum, amen. 

Die raetersche löst sich , wenn man nur did AofaBgsbuchstaben 
dieser bunt verworrenen Reimsätze liest : dana ergeben sich die 
Tier Zeilen: 

Dis bttoch tiht ich Cnonrat 

Von Ammenhusen in der stat 

Ze Stein, da ich münich unde lü^iriester war. 

Ich künde es niht getihten bas. 

Also Konrad von Ammenhausen » Leutpriester , d. h. Pfarrer 
zu Stein, nämlich Stein am Rhein, damals im Hegau, jetzt im 
Cantoa Schaflhausen, und ebendort Möncb: zu Stein befind 
sich ein Benedictinerkloster. Heimat und angeborenen Stand 
zeigt uns der Beiname : die von Ammenbausen waren du edles 
Geschlecht im Tburgau (Pupikofer 1 , 130). 

Auf eben diese Gegend und Umgegend, auf den Bodensee 
und Schwaben als vertrautes Heimatland des Dichters, weisen 
auch mehrere Stellen innerludb des Buches selber hin : S. 40 a. , 
wo er von einem ungewöknlicfa grossen Schachbrette spricbt, 
das er zu Constanz gesehen ; femer 122 b. : 

In fwaben von iwirdttingen 

Der gefleehte wachfent fere 

Ich wil ir nemmen mete 

Die ouch in fwaben beginnent lu^nien > 

Von trugenegg vnd von valfckcfnberg 

Von fpettenouwe. fi fint nit getwerg 

Ir künft. ii fint grofs rifen 

Von verratenburg hcerent wol xu6 difen 



- M — 

Von lugniu der ift ein micliel diet 
Her brich den 'eit fich nie gefchiet 
Von dien, die ich Tor han genant. 

150 o« Ze geliher wife ich ouch verftan 
Als ich feit von dem heringe.e. 
Da^ man och bi dem Podem fe. 
So fich die gank vifclie ^eigent 
Vnd fich ziTo dem vang neigent 
b. Das befchicht nach der yifcher fage 

Von Sant Martis duelt bi {lies bis) zuo dem zwellfte (zwelflen) 

tage 
Die £i denne vahen wellen 
Die mügen dar nach ftellen 
Der Torgefchriben viertagen. 

227 b, — ich mag niut verdagen 

Ein gefchicht gefchach von dem bodenfe 
Nit verre. — 

Andere Stellen im weitern Verlauf der Auszüge. Die Zeit» in 
welcher er gedichtet, hat uns Konrad selber schon vorher ge- 
nannt: er ist mit seinem Buche fertig geworden gegen Ende 
Hornungs 1337. Die Handschrift des Herrn y. Lassberg (auch 
eine papierene des 15. Jh.) giebt das J. 1381 an: jenes frühere 
Datum jedoch bestätigt sich durch die geschichtlichen Beziehun- 
gen » die sonst noch in dem Buche vorkonuQen: S. 44 a. ist 
Ton der zwiespältigen Königswahl Ludwigs von Baiern u. Fried- 
ridis von Gestenreich (1313) die Rede, als einer Begebenheit, 
die noch in frischem Andenken sei, und S. 100^. — 102 o. 
wird in eben solcher Art ein Ereigniss schon des J. 1298 erzählt: 

§ Bi minen ziten hab ich vernomen 
Voh den? die es wiften woel 
Des ich nicht verfwigen foel 
Vnd fags doch niut gerne 
ledoch mag ich fin nicht enberen 
Ich mues es onch hie vnder fagen ^ 

Vnd mag es daerch niut verdagen 
Do der herre wol geboern. 
101 a. Milt vnd kuene wart verloern 
Von hoechenberg Graff albrecht 
Der was an allen (alle) fchande flecht 
Vnd zno der weit ga^ ein helt 
Ob ier nuo gerne wiffen weit 



1 

Wie: das Tag iA ioch als iclia Teraaa 

Ein hertz«^ von Peyern kam 

Der was hertzoeg Oetto genaent 

Vnd wände fridlich dar das laut 

Des felben grauen Riten 

Do (Das) was bi den felben zietten 

Do hertzog Albrecht von Ofterrich 

Dar Tff hatt bewegen Iiech 

Das er woelte Techten 

Mit Rittern imd mit knechten 

Wider den küng Adolfen 

Dem wolt han geholfen 

Der hertzog Oetto den ich namde.e« 
i Nv hoerent lant Tch Tagen me 

Do der hertzoeg in das laent 

Graff albrechtes kam ze haent 

Des felben Grafen dinere 

Brachtent in die mere 

Zeoren: Tnd feiten wie das was komen 

Hertzoeg Oetto aUs ir hant vernomen 

Der faor gar köftliche 

Vnd was an habe Riebe 

Do minneten die diner mere 

Das gnot denne ir herren ere 

Vnd rieten im durch geitikeit 

Das er vff den hertzogen reit 

Vnd das er mit finer maecht 

Mit dem hertzogen vaecht 

Vnd die im die getaet rieten 

Ir etliche wenig verfchrieten 

Des hertzogen gefinde (fehlt ein Vers) 
5» Einen hlTernasch rienge 

Si woltent fchaffen ier felbers dieng 

Vnd Tielen an den roub zehaent 

Da Ton der herzog Tber wannt; 

Den Grafen -vnd die fine 

Der etliche groffe pine 

Mit im litten -vnd ze füngft den tot 

Dis was ein iemerli^he noet 

Das von der diener gitikeit 

Im fus fin toed was vfT geleit 

Do (das) fie im -vechten gehieffen 

Vnd in ander not do lieffen 

Das folt man Ton (von in) billich clagen 

Ich hoert och von im mere fagen. 



— 84 — 

Das finer Wiener mere 
Denne viertzig wider it «Te 
Verhuoben do fi in in ncKen 
Sachen: vud die finen to?tt«n 
Dis tet dem grafen von fchnlden we. 
Vmb hellff er fi da ime fehre 
Vnd mande fi^ das ii nicht TergdTen. 
Das fi ze den, zitten feffen 
Vff dien roffen die er in hette gegeben 
Das fi im hülffen retten fin leben 
Das fere vff der wage li^ 
Dennoch er doech des lebens phflaeg 
Vnd werens im zoo hittffe koemen 
Si hettent in von dem toed genomen 
Des do leider nicht befchach 
Gar lafterlichen fi man (man fi) fach 
Wider ir aller eren 
Von irem Rechtem herren kercn 
Vnd liefTen in verlieren da 

Suf menglichen was onch zoo dem roob £o gacb 
Das fi im nicht huelffen ymb ein oert 
Alfus begingen fi groff moert 
102 a. An irem Rechtem herren. 
Gelükke foel in verren 
Vnd alles vngelüke nahen 
Das fi in notten fachen 
ler herren vnd im kneifen nicht 
Es was ein chleglich gefekfiecht 
Das fi in vechten hiefCen , 

Vnd in an den notten Keffen 
Das verriuwet mieeh niemer 
Man fol es clagen iemer 
Das alfo cblegHeeh verdarb 
Vnd duerch frömde gitikeit erftarb 
Ein herr der fo mute was *). 



o 



) Diese Stelle kann zugleich eine genügende Prabe seim von der 
. gänzlich gesetzlosen Ausdehnung, welche der Schreiber den 
Diphthongierungen mit nachgeschlagenem e einräumt; das Zei- 
chen derselben sind überall nur zwei Punkte : wol , häni , 
ding u. dgl. In den weiteren Auszügen werden sie besser nicht 
mehr berücksichtigt, da solche Formen das Verständniss nur 
noch erschweren. Eben dieses letzteren wegen will ich auch 
von^mun an Interpnnctidn beifü^|;en. 



— » — 

Konrad war, als er sein Gedidit vorfmic , aock nicht be- 
jahrt (Ich bin rät ^ar alt 197 a. 204 b.J : gleichwohl hatte er 
schon weit und breit die Welt gesehn, war in Frankreich, in 
der Provence, in Churwalchen, d. h. Bünden gewesen (39 6* 
87 a. 216 a.); weiter aber bis in Italien hinein und bis nach 
Rom war er, der Geistliche, nicht gekommen : 

52 a. Hie vor ze rome ein herre falT, 
Der Colatinus genant was; 
Der halt ein Burg gar koftüch 
Erbuwen, das der nicht geleich 
Mochte in aller ftat do wefen» 
Als ich an difem buoch gelefen 
Habe, vnd man noch hiatte Iifcht, 
Des manig diatfcher ouch vergicht; 
Das ich han Temomen 
Von den, die zerome An komen. 
Das des gemiures noch vil da ftat, 
Vnd nach dem herren den namen hat, 
Das man es noch nemmet 
Golifens , wer es erkennet. 

111 b» Ze Rome heilTent etlich Senate 

Magiftratus ; Capitanei imd Poftat 
In mengen fteten fint genant. 
Ir empter fint mir Ynbekant, 
Wann iph nie in Lamparten kam: 
Wann als ichs ab difem baoch nam» 
Alfus hab ichs gefchriben hie. 

Er bedauerte das auch nicht, da die Wäischen nur Verräther 
und Giftmischer seien, und em Deutscher von ihnen doch nur 
Böses lernen könne : 

122 a. Nu ift das ein kleglich leit, 

Das man fo wenig vinden kan 

Riebe oder arme, an die man 

Sich getürre fiekerlicken lan. 

Triuwe vnd warfaeit wil zergan 

In allen ftetten, danket mich, 

Aber in lamparten fonderlich : 

Da befchicht foüehes mordes vil; 

Nieman ficb da fchamen wil, 

Wie er mag über liften 

Si^ vyende vnd fich gefriflen -^ 



~ 66 . — 

b* Bfit moräti wdher leye das fy« 
Li wonet yil wenig triuwen by. 
Beide triuwe vnd eide 
Sint in ze brechenne beide 
Vil ringer denne ro^en ftroti. 
Mit gifte- beide fus vnd fo 
Sint fi ein ander geuere. 
Es ift ein übel mere, 
Das iemer kein tiutfcher zno in kunt: 
Ich furcht, das ze ette)ieher ftunt 
Etlicher gelernie bi in da, 
Das er da he3rme vnd anderfwa 
Nicht vil defter getriawer fi. 
Wer den boefen wonet bi, 
Der gebeffert fich nit vil. 

Auf solch einer Reise durch Frankreich mochte der deutsche 
Geistliche zuerst mit dem Schachspielbuche des Jacobus de Ces- 
soUs bekannt geworden sein ; die Gehaltfülle desselben berührte 
ihn wie tausend andere, und er fasste, wenn schon ungewiss, 
ob er auch etwas neues unternehme , und nach eignem Gefühle 
ungeübt im Dichten, den Entschluss einer poetischen Verdeut- 
schung, damit das Werk auch den Laien der Heimat zu Gute 
komme und das Lesen unnützer Fabeln da verdränge. Vernehmen 
wir ihn selbst, wie er in der Vorrede über die Entstehung seines 
Unternehmens und über dessen Zweck, über seih Bedenken da- 
bei und über seine Wünsche und Hoffnungen berichtet. 

1 a. In gottes namen heb ich an. 

Wann nieman niht gefchafen kan 

An Iin hilf vnd fine gunft. 

Es ift kein wifheit noch kein kunft, 

Wan diu von ime fliufet gar. 

Alle ding find heiles bar. 

Wann diu. mit inie an.e vant, 

Vnd mittel vnd das end hant 

Von im; dis ift vntzwifilich 

Vnd f icher. da von wil euch ich 

Mit andacht an ruefen in. 

Das er erliuchte mir. den fin 

Ze allen guoten dingen. 

So das ich müg volbringen 

Des ich mich hab an.genomen, 

Dem ich , ze end nicht . mag . komen , 



— w ~ 

Si (Er) welle denbe ftmren midi 
Mit Iiner helf. da von bttt ich 
In an dem aneaange, 
An dem vs gange, 
Vnd an dem mittel dar zno, 
Das er mir fein helf tno, 
Das dis werk werde volbraeht 
Dar nach, alls ich hab gedacht, 
Das ieh ein kleines buechelin, 
Das ich vand gefchriben in latin, 
Das mir gnot gefellen r«iten, 
Wann fi mich wol erkanten, 
Das ich gerne horte frömdiu ding: 
Sus bracht mirs ein lüngeling. 

Sid nu menglich niat enkan 
Latin, da von nam ich mich an, 
Das ich es gerne brechte 
Ze diutfche, ob ich mechte 
6. Oder könde den rimen eben 

Ir mefT nach rechtem louffe geben. 

Ob aber ich des nicht enkan. 

So fi erloubet iedem man. 

Das er an minen has 

Dy Ryme zefamen fuege bas. 

Ob in kein Rim dank ze lang, 

Dawider ze kortz oder ze krank 

Vil Ucht ir ettlicher ift, 

So neme er ftonde vnd fr ift, 

Das er den zemen melTe. 

Ob ich oach vergeiTe 

Min felbs an den Worten, 

Das^fy «licht ze allen orten 

Sint befniten nach hofelicben fitten. 

So ertzürnet nyeman mich damite, 

Ob er diu wort befchnidet bas. 

Das wil ich laden ane has: 

Wann mir wonet hitzel kunft by. 

Wy wenig na des werkes fy. 

So ift es doch ze fwere mir 

Zetrageii: da von ift min gir, 

Herre gott, zuo diner erbermekeit, 

Diu ie den gerendeu was bereit, 

Die des woltent geruochen. 

Das fi dy wolten fnochen. 



8 



- w - 

;Vnd wer dich btilet, der wtrt geweret, 
Wes er jKe nneat heile gerel : 
Das haftu vns geheiHen V t * 

Den geheiff fol du yns leisten, 
Das wir betten ymb der feie heil. 
Nu ift \n£ex leider ein miohcl teil, 
Dye an der bette Tuntent fich« 
2 a, Owe dere tmer bi» ouch ich, 

Wie wol ich für dy warheit weis, 
Das ficher iTt der felb geheiff. 
Den du felb, hcrr, haft getan, 
Alls ich da vor gelprochen haa. 

HVereft aber du der bette nidbt, . 
So weis ich wol, das da (das) befchicht 
Da von, da« er vnwirdig fich 
Machet der bette ; da von ich 
Dich, herre, andechtklichen wü 
Bitten , das da mir da«- zu 
Hye vf der erde 
Gebeft, vnt» ich werde 
Wirdig, das diu bette min 
Werde nach dem willen din 
Ze der ewigen felikeit. 
Diu allen den dinen ift bereit. 
Ouch ift nu ze male min gir. 
Ob es loblich fige dir, 
Des ich mich hab an genomen, 
Das es zuo einem guoten end komen 
Müge, des bitte ich, herre, didi, 
Das du denne wifeft nli^ , 
Wye ich es volbrioge 
Alfo, das mir gelinge 
Dar naeb, ab ich mir habe gedacht 
Vnd würd es allfo volbraeht, 
So wil ich wennen fseherlich, 
Das etüicher fliffe fidi 
Defter fiirbas offen tngende, 
Swer es beert in finer jagende: 



**) Am Rande mit rother Schrift tu anf^ngfdia lue^ jc\ (lies xj'* > 
capite Qui petit accipit eU^ 



Wattn es fprichet SidOBMNi*^) 
^Der wife wttaiger wirt da von, 
^ utaii ie mer der wÜheit 
b. Vor iine kündet imde feit»* 
Also wü oucli ich offen ich*^), 
Das etzlicher bore midi 
Sagen in diatfohe, ^ms ich vant 
In latin, da von Minant 
Sin hertze werde nf tagende. 
Ich wü nach m3mer magende, 
So ich yoMr bel^e katt) 
Zno dintfch hringen, das idi han 
In latyn landen t 

Wann an der (den) fblben ftnnden, 
Do ich es des erften las, 
Zehant fehos in min hert», das 
Es tU belTer wer 
Denn manig üppig mer, 
Der TÜ in tiotfeh gefchriben (int. 
Ob yemant o«eh in dntfehe vint 
Gefchriben dis felbe bnechelin, • 

Des weis ich nicht, min kranker (In 
Weite, das es vor were l»ereit 
Ze dintfche an min arbeit, 
Vnd ich das wiftet wan fo ^(At ich 
Der arbeit über haben mieb 
Selber, vnd wolt lalTen abe. 
Des ich mich n^derwande habe. 
§ Sider aber ich na nicht kan ernaren, 
Ob es zao dintf^e (i, wy am 
Ich an den künften bin, 
So ftet doch dar nf min fin. 
Wie ichs zno tintfcb bringen möge, 
So das wol ze hörende tttge, 
Vnd das müge geaallen 
Der mengi. ob es nidit allen 
GeaaUet, dy es k(tot oder hosrent lefen, 
3 er. Da wil idi ane leid vmbe wefen. 
Wen es verdriTTe, der laff es Ali: 
Das ift wol der wille mynt 



•) Am Rande roth Salomon in prouerhijs AudietiB fapiens Sa- 

pientior erit, 
**) qfen aas offetdich gebessert; lies Alfo wil ouch hoffen ich. 



— «© — 

I 

Wann ich wolle, das es bdTcliehe) 

Das es niemer niemand gefehe 

Noch gehorte, den (dem) es wider zoeme 

Vnd im were vngeneme. 

Wann ich wil des f icher fin, 

Swer tugenthaffter dis bitechlin 

Hoert vnd es gemerken kan, 

Er gebeffer fich dar an 

In etdicher maffe; 

Vnd das er mich erlaffe 

Binder red, des wenen ich wol. 

Ob aber hinder rede ich dol, 

Das maeffent yntugentriche tuon. 

Ich tichte es nicht durch keinen raom. 

Ich wil oach nieman dinen mitte; 

Wann werre wer (w»re fwer) gnot fitte 

Vnd gantze tagende lernen wil, 

Hoeret er dikche vnde tu 

Ditz buechlin lefen öder lift es 

Selbe, wil (fo wil) ich wenen des, 

Ob der keine tilgende hat, 

Das er ir denne mer enph&cht. 

Swer aber ift tugende ane, 

So mag es fin in wane, 

Ob er kein tugende emphach davon: 

Wann es fpricht Salomon, 

Swer ein vntugenthaft hertze hat, 

Das kein wiTheit in den gat. 

ÜVas an dem buchlin nu fte, 
Von der (dem) ich hab gefaget e, 
b» Das wil ich lang (langer) niut yerdagen. 
Ich wil es künden vnd ouch Tagen. 
Es ift von fachtzabel fpil. 
Da mit kurtzwile vil 
Herren vnd och frowen hant, 
Dy leider alle niut. verftant, « 

Was es ze recht bediutte. 
Och fpilent es arm liute 
Vil dik' durch ir houenfchen muot. 
Vnd da uon dunket mich guot, 
Das es zuo diutfche wurde bracht. 
Vmb was fach es wurde erdacht. 
Diu was guot ficherlichen. 
Arm v?id och riehen, . 



— «I ~ 

Dy es wdlend Ji€liten 
Vnd ze recht betrachten, 
Was iklich ftein betioden kan, 
Es figint frowen oder man, 
In welher mafTe er denn fi, 
Der mag merken wol hy by 
Etliche lere» 

Da von er zocht vnd.ere 
Erkennet ieiner deTter bas. 
Ich fprich nf mine warheit das, 
Das mir nie «kam in den muot, 
Das dis felbe fpil To gaot 
Were oder durch (durch guot) erdacht, 
¥htz an dye ftnnd das es mir bracht 
Wart von gefellen vnd idis gelas. 
Do gevil es mir bas vnd bas» 
Do ich begund achten 
Der ftein, vnd betrachten. 
Wie künig und künigin, 
4 a. Roch, Ritter, Alten vnd vendlin 
le einer bey dem andern ftat, 
Was bediutange das felb hat, 
Vnd wye iglicher kan 
Bediuten frowen oder man, 
Si figin edel oder nicht. 
Der ditz buechlin hatt geticht 
In latin, alls ich es vand. 
Der was lacobos genant 
Von TheiTolis, ein brediger. 
In welhem hns er were, 
Des vand ich an dem buoche nicht. 
Eines mir min muot vergicht. 
Das er wer ein gnoter man. 
Der kunft künde, vnd noch kan, 
Ob er lebpt. das weiff aber ich 
Nicht, ich wil verleben mich. 
Das er kund fuog vnd vnfnog: 
Das zeiget fin gedickte kluog 
An difem bucheleine, 
Das er in latine 
Hat gedieht: wann dar an 
Schinet, das er ein kluoger man 
Was, der künften riebe. 
Ich weite im geliche 



An den künften gerne fbi, 

Bis das ich das baechelin 

Ze diutfch wol künde bringen. 

Gott lass mir gelingen, 

Als (Als ich) züo im han UMverficht. 

Ich getruw im wol, er laffe nicht, 

£r gebe mir dy genad fin, 

Bis das ich dis buechelin 

Volbringe, alls ich hab gedacht: 

Wann fol es werd^i Tolbracht, 

Das muoff ton finen genaden komen. 

Ich hoffe, das es nüge (mnge) fromen 

Den gooten ze gaote, 

Dy mit gootem nmote 

Es hcerent, als in wol getziii^. 

Wer aber vntngenhaff^r es vemimpt, 

Der fpricht iril licht »Was fol es fiwmenl* 

£s mag ze keinen gooten komen, 

Der Tns vil Tagen wil 

Von difem fchachzabel fpil^, 

Vnd wil nicht merken dar aao 

Kein guot ding, das er rechte too^'''). 

Semlicher leider ift genuog, 

Die weder tugent nodi fuog 

Gerne hoerent fingen oder (ages: 

Das muoss ich hiut Tnd ymmer klagen. 

Wann was man Yor dym gefeit 9 

Wer es diu rechte warheit, 

Dye gott US flnem munde fpraoh, 

Es were ime (in) fwere vnd vngemach. 

In genallet nieinan guoter wol; 

Was fi fehent oder horent, das ift hol 

Guotes in ir argen finen; 

Gütlicher m3nine 

Hant fi leider kleine; 

Ir hertzen lind vnreine, 

Verbofet vnd vergiftet; 

Ir zunge dik ftiftet 

Luge vnd bcefe mere ; 

Mit lüginen fint fi geuere 

Allen guoten Unten. 

Das mag vns wd bediutten 



^^ Am Rande roth Dauid inp/alterw, NMuit inieUigere ut bene 
ageret etc. 



— «8 — 



Ein bifchafi, diu befehach hj tot, 
5 a, Do künig Nabuehodonofdn' 
Den gnoten danielem waril 
In öin gmob, dar jmne farfl' 
Vnd freÜTamen kwen waren, 
Dy der li«ten konden Yaren, 
Dy man in teglicli warf dar in. 
Das ir fpife folte im 
Eines tages zwey fchaff vnd zwen man, 
Dy man doch verderbet folt han, 
Dy E warent verteilet mit gerichte. 
Dy wordent balde ze niefate 
Vnd zertzerret gar von in. 
Wann daniel kam aleine bin. 
Wie (ich das fnogte, das wU ich hie 
Nicht Tagen, wo* welle wilTen, wye 
Es gefchach, der gang im na 
Vnd faooh es an dem Iraoche, da 
Von daniel gefchriben ift: 
Wann ich wil hye an der firift 
Sagen, wa von ichs habe gedacht 
Vnd ze einer bifdieffte bracht. 

ICh las, das es bedinttet fns 
Sand Johanns Grifoftonras, 
Mit dem golden mnnde. 
Ich wold, das ich knnd 
Sine wort ze dintfche bringen baz, 
Dy ich in latine las, 
Denne ich leider knnne; 
Wann myner knnften bmnne 
Ift erfigen, das man drimae vint 
Wenig konft. fine worte fint, 
Dy hye nach gefchriben ftand 
Vnd alfos ane vand. 

§ Nu nement der bifchaff vrhab. 

b. Das man im (in) tzweyer bände gab, 
Lnt vnd fchaff, da merkent by, 
Das tzweyer bände hiaderrede fy, 
Von äbel vnd von gootte; 
Alls ich in m3mem nmote 
Merke vnd ich es ha» gdefen, 
Itweders mag och tzwifslt wefen. 

$ Dye verherer aivgent gelafTeii nicht, 
Qb fi wiffen arges icht, 



~ 64 — 

Swie Iieimlich es befchehen ift, 
Sy brinngentz vs in km*tzer frift. 
§ Ob aber es ift offenbar, 
So machent fi -es breiter gar. 
Swas oaeh gaotes ymand tuot , 
Das lant fi doch niut wefen guot, 
Oder fi fprechent dar zao, 
Das ers in boefer meinung tuo. 

Bi der gruoben man merken Fol 

Boefen liUmden ; da by ich wol . 

Dien loewen geliehen mag 

Dye argen, dye nacht vnd tag 

Trachtend uf der gaoten werk, 

Wie fi ir gutes Werkes verk 

Zer tzerren vnd ver demmen 

Vnd ir gaoten linmden lemmen . 

Vnd boefen liomden machen breit. 

Swer guote mere von ydem man (von ieman) feit, 

Das ift in ze tod gemeine. 

Ir hertz ift fo viireyne, 

Was fi hoerent oder fehen , 

Das fi dar zuo das beft' (boeft^) iehen. 
§ Swen fi froelichen fehend leben. 

Dem kunnent fi das wort geben, 

Das er gar verlaffen fi. ^ 

6 a. § Ift aber einem dtemuot bi, 

Der ift inen ein vifelere. 

Sus vindent fi ein mer« 

Von igleichem, was er tao. 
§ Hatt einer einualtigen muot, 

Si fprechend , da« er ein tor fi. 
§ Wont aber einem witze bi, 

Si fprechent, er fi houertig gar.. 

Kfet er fines libes nar , 
§ Si fprechent ze hanl, er fi ein frafT. 

Hält einer das recht an vnderlaff , 

Si fprechend das er vnlidig fy^ 
§ Wonet aber eim gedalte bi, 

Si fprechent, das ers von vorchte tuo* ' 
§ Ift einer fridlich vnd fwiget dar zno, 

Dem fprechens ein geleichfenere, 
§ Ob einer gerne were 

Geiftlieh^ den heyffentz eurichtig gar. 
^8 Nimpt einer richter < rechter) ruwe war, 



~ «6 — 

Dem fprechentz ein flaffere. 
9 Ob einer gerne were 

Mit andacht wachend an Hm gAet, 

Zemale der verloren heti, 

Vnd fprechend, er welle verderb^i fich. 
9 Strafft einen iemand redelich, 

Vnd danket in, es kome ze gaote» 

Das ers von übermuote 

Tagen (Tiieg), des zihientz (zihent si) in bald. 
9 Brediet einer (ein) allde 

Leret (Und leret) gate lere. 

Das ers darch weltlich ere 

Taege vnd durch weltlich mome (weltlichen raon), 
§ Des zihentz in. wil ers nicht tnon. 

So heiffentz (heiffent) fi in fomig gar. 
b,'§ Werdent fi an eim gewar, 

Das er der liat ganft hat. 

So zihent f i in of der ftat, 

Das er verdinet habe dye ganft 

Mit lineichenne vnd mit velfcher knnft, 

Vnd danket fi ze ninte gaot. 

Was yemand vor in gutes tuot. 

Dis fint fand lohannes wort 

Grifoftomi, als ir gebort 

Haut davor, alls ich e feit. 

Der arger (arge) niemer getreit 

Enkeinem gaoten guoten mund; 

Wol reden ift im gar vnkund. 

Das fallen dy gaoten achten nicht, 

Wann in fLcherlich befchicht 

Als daniel, der vor den loewen genas, 

So dien argen ir felbs baff 

Vnd ir nyd zekiuet ir hertze, 

Das fi groffen fmertzen 

Ze allen zitten mueffeiid han^). 

In befchit och dik alb einem man, 
Der an einem (einen) ftein fcbiuffet: 
Das fchos vil dik diuffet 
Her wider an den, der es fchos, 
Vnd machet im ein wunder (wanden) groH,' 



'^) Am Rande roth Imädus intidia comburitur vUm$ et extra. 

9 






Vnd fchadet aber dem fteine 
Sin fchienen harte kleine. 
Alfus befchicht dem guotem ouch. 
Si fim achtend (Tun ahlen) als einen rouch, 
Was dy bcftfen mügen chlafien, 
Vnd fönt fi ir dink fchaffen 
Bey dy (Beiditt) fpat vnd ouch fruo, 
Vnd was dy bofen reden dar zao^ 
Das fi in recht alls ein (lag 
7 a. In einem (einen) bach: wann nyemand mag 
Menglich genauen wol. 
le das menfch tuot (tuo) recht als es fol, 
Vnd lallen (laHe) fi, was fi wellen, reden. 
Ich folte l^den vnd ftegen (fteden) 
Vnd, kürtzen difen anevangt 
Ich fiircht, er etz wenn (etes wen) ze lang 
Danke: doch mag ich nicht enberen, 

Ich mueffe noch einer bifchafft wern. 

\ 

Nyematid hat recht ftetikeit. 
Wer achten wil, was menglich feit, 
Vnd nach ir aller redde wil leben. 
Des kan uns vrkünd geben 
Ein efel vnd tzwen, dy in triben, 
Alls ich ouch vand gefchriben; 
Das was ein vatter vnd fin fun. 
Den begegeut ein hövefcher gartzun; 
Do fi der aller erft erfach, 
In fpotes wife er zu im (in) fprach 
^^Ich wene, in toubheit das befchit, 
Das entwecbre Rittet nicht, 
Vnd lant den efel muelTig gan: 
Entwcdre möcht in geriten han.^ 
Der vater wol dye red vernam; 
Vnd do der gartzwn förfich kam ^), 
Do fprach zuo dem kinde 
Der vater vil gefwinde 
>,HcBreftu, fün, was der feit? 
Er zellet es ze einer torheit, 
Das enwedre Rittet, nv 
Wil ich ritten: fo gang du/^ 



*) Besser vrohi ßir fi kam: an ihnen Vorbei gekommen war. 



. ey -. 

Der vater af dto efel fdl» 
Vnd fuorend aber für ba«, 
Vnd koment ze einem gariMi« 
6. Dar \s begunde warten 

Ein man, der in dem garten gniob. 

Solhe red er an huob, 

Do er ir aller erft wart gewarr 

Er fprach in fpotes wiCe dar 

j^Ich wenen, dis tzwen toren fint; 

Der alt Rit, ?nd gfit da« kind. 

Dem knaben wirt fin gan xe for: 

Billikleicher ging der alt gebor: 

Wann der ift ftark, der knab ift fwaeb.^ 

Der Tater aber zno dem föne fprach 

^Der wil Tns für txwen toren ban« 

Sun, das ich dieh latfe gant 

Er mag wol felber fein ein gontb. 

Nu wil ich gan: fon, du rit ooch.^ 

Der vater erbeifte zno der erde nider; 
Der fnn fall of den efel wider» 
Vnd do der fun vf faff, 
^Dö fuoren fi aber fiirbas. 
In einer kleinen wile 
Do bekam in mit ile 
Ein weidenliches knechtelin; 
Das huob alfus dye red fin; 
Do es fi aller erft erfaeh, 
In fpotes wife es tzuotz in fprach 
^Dis dunket mich teerlich getan: 
Der Innge lat den allten gan. 
Der junge liuffe micheLs bas;. 
Der Yater ift von allter las/^ 

Do fi für den kamen 
Vnd finen fpot vernamen, 
Der vater fprach »fun, hoereflu? 
Vnfer ift gefpotct aber nv. 
8 a. Wir ritten oder wir ritten nicht, 
Vns beiden mau doch torheit gicht. 
Sun, la fehen, wi das dir (dir zu tilgen) behage, 
Das der efel vns beide trage /^ 
Suf faffens beide fament uf in. 
Do begegent in ein diernelin; 



— 68 ~ 

Das wolt ze merkte louffen 

Vnd wolt milich verkoiitfeD, 

Dye fi in einem Kübel tmog» 

Si fprach fpotlich genuog 

^Dis mugen wol t%wen toren fin: 

Si wellent ertmken das ef^lin.^ 

Der yater bort gefwinde ^ 

Dye red, vnd fpracb zaom kinde 

ySun, baftn dy red vernomen? 

Wir mögen für dy guflin nicbt komen 

An fpot. nu füllen wir beid tragen 

Den efel. was wil man dann Tagen ?^^ 

Sos worfifen fi den efel nider, 

Vnd bunden im all fyn gelider, 

leb meine» Iiniu vier bein, 

Ye tzwey tzefamen, ^^nd ftilTen ein 

Stangen, dy fi fhnden, 

Darob dy bein, dy gebunden 

Waren, alls icb hab gefeit. 

Der Tater dy dem fun uf leit; 

Der fun gieng vor, der vater na, 

Vnd fpotten oucb ir felbs do 

An der felben ftund do, 

Vnd fprach in fpotes wife alfo 

^Wer uns den efel tragen Hebt, 

Von fcbiüden er vns torbeit gicbt.^ 

Do bekam in beiden do zehant 
b. Ein knappe ; der truog in feiner hant 
Gar weidenlichen ein fteblin; 
An finem baot tzwey lepplin 
Hiengent weidenlichen; 
Er fprach gar fpottlichen 
„Wer fach folich torheit ye ? 
Zwen narren tragent einen efel bye/^ 

Do dis alfus alles befchach, 
Der vater zuo dem fun fprach 
,>Sun, was man tuot, das milTehagt 
Etzwem: das fi dir gefagt. 
Da von la chlaffen menichlich, 
Das er welle, vnd fliffe dich 
Des heften: dar an volge mir: 
Das rat ich, fun, an triuwen dir/^ 



— 69 ~ 

Bi dysem efel man mefken fol, 
Da3 nyman kan getaon fo wol, 
Das es menglich wol behage. 
Das mag man bruefen alle tag: 
Wann fwie wol ioch iemand tudt. 
Es danket doch etzwen nit guot; 
Vnd da von fol ein gnoter nicht 
Achten 9 was ein bcefer gicht. 

Wer nv nicht boes erkennen kann. 
Der Fol fy wol bmefen dar an: 
Wer gerne beeret bceliu ding, 
Er fi alt oder Iimgeling, 
Es fy ein frouw oder ein man. 
Mag man (Man mag) erkennen fi dar an: 
Was man arges von (vor) in feit, 
Das machent ii wit vnd breit. 
Dis merke, wer es merken wil. 
Dy guotten redent nicht zuo vil 
9 a. Ze keinen boefen dingen, 
Si möchtentz denne bringen 
Mit ir rede ze guote. 
Wem arges wont in dem muote, 
Des znnge muos oach wefen arg, 
Vnd muelTent (muos cht) gaoter rede karg 
Wefen, wann «r (er ir) nicht enhat 
Willen, was vs dem vasse gat? 
Nicht anders wan das drinne ouch was. 
Jo (86) vre dem argen, der das vas 
Hat , dar in nie Felde kan ! 
Es fi frouwen oder man, 
Der muos verfluocht von fchulden fin. 
Ich furcht, das ich die rede min 
Hab getzogen ein teil ze lang 
Von dem ane vang. 
Nu mocht ich des mit nint enberu, 
Ich muezte der bifchefte wem, 
Dye da vor gefchriben ftand, 
Vnd all vf die materie gant, 
Das niemant ift, der allen 
Liuten wol geuallen 
Müge. wann unfer herr got 
Leid er (e) vf erde fmecht vnd fpot, 
Swie guot doch fine lere was, 
Vnd etzeliche fprachend, das 



— 70 — 

Er felber guot were; 
Das er ein verkerere 
Were , fumeliche fprachent das % 
Der guot fand jojiannes was ' 

Geheiliget in finer muoter Übe, 
Das von keinem wibe 
Nie wurde geborn kein groiler knabe: 
bi Daz fprach got felber, als icb habe 
An dem buoche gelefen; 
Der mocht vri da vor nicht wefen : 
Do er mit in niut trank vnd as, 
Do zigent in die argen, das 
Er befefTen were für war 
Mit einem boefem geifte gar. 

Dar nach iefus criftus kam, 
Vnd durch demuot fich des an mam (nam), 
Das er mit dien fiindern as ; 
Do zigens in, er were ein Iras 
Vnd wines ein verderbere. 
Sid vnfer fchöphfere 
Vnd fand Johanns, den ich namd e, 
Vnd manig groffer heilig me 
^ Vor in nicht mochtent genefen. 
Wer fol denn ietzo ficher wefen 
Vor hinder red an dirre frift, 
Sid fo gar verbofet ist 
Diu weit an aller guoter tat? 
Da von fon merken wir den rat. 
Den der vater gab dem fun fin, 
Dye mit ein ander das eHellin 
Ritten , truogen vnd och triben , 
Als da vor ift gefchriben: 
Tuege ieklich menfche das befte, 
Vnd fi dar an vefte 
Vntz vf fin ende: ficherlich, 
So wil ich ze phfande mich 
Für in fetzen, das er gar 
Sicherlich vnd wol geuar. 



*) Am Rande roth In etvcMgeUo (Johannds) vii, c, Quidam ex^ 
iudeis dixerunt quia bonus e/t. AUj dix^runt non fed fiducit 
turbas. 



— 71 — 

Nt mag vühcfht fprchen ein inan 
^Ich tette gerne das befte: fo en kau 
10 a. Ich willen, was das hefte H.* 

So gedenkche min (din) hertze hie bi, 
Vnd tuege, als an dem Falter ftat, 
Das her dauid geleret hat^), 
y^Kere von dem ühel vud tno guot^, 
Vnd fetze dar in deinen muot, 
Das du dar an hefte lift (vefte ftft). 
Oh du dem ein guot ende gihft (gtft), 
Vnd dar an ftete heliheft, 
Oh du die warheit triheft, 
So kan dir niemer miffegan. 
Wilt aher du die warheit lan, 
So wirft da aller felden am, 
Vnd macht wol ein wile Tarn 
Mit luge vnd wert der weite wefen: 
Wil aher du ewichlichen genefen 
Vor des ewigen todes bitterkeit, 
So muoftu an die warheit 
Wider keren, diu got felher ift. 
Wann es enhilfet kündikeit noch lift, 
Wir muefen ze jungift fterhen. 
Got lafT vns hie erwerben 
Sin huld durch fin erbarmhertzikit. 
Ich hah ein teil ze vil gefeit 
Vor (Von) dem aneuange. 
War uf aber nv das gange, 
Vnd was ich hie meine? 
Das ift alles uf das eine, 
Das ich des mag geachten nicht. 
Ob miffeuallet dis geticht 
Iman ; das muos ich lafTen varn. 
Wer ich fo rieh an kunft, als arm 
Ich bin, ich dichte defter bas. 
Doch fol menglich wiffen das: 
Ob dis getichte niut ift guot, 
b. So weis doch got wol mynen muot, 
Das ichs in guoten finnen tuon 
Vnd weder durch miete noch durch mom. 



^) Am Rande roth Dauid declina amalo et fac honumitem gre^ 
goriua prima fapiencia eft vitare malum. 



— » — 

Wan das fidi etwer gebetfer trabe (drabe). 
Das ich ininen namen verfbigen habe, , 

Das ift befchen vmb das : 
Ich tulde weder gunft noch has, 
Lob vnd ftraffen dar vmbe gern'; 
* Ich wil beider iament enbern 
Von in, die hoerrent dis gedieht. 
Wanne fi mich erkennen nicht, 
So gedenk ich, das ich fi 
Von in beiden (beider) fament fri, 
Das fi mich vnder äugen icht 
Straften vmbe dis gedieht, 
Noch loben , wer icht gaotes dran. 
Nach dem, als ich mich verftan, 
Tuon ich das hefte, das ich kan, 
Als ich es gelefpn han 
Ab dem buoch, als ich feit e. 
Ich bedarff wol, das mans bas verfte, 
Denne ich es künne ge dichten 
Vnd mit Rimen berichten. 
Dpch. wenne (wsene) ich, das es ettwer 
Lefe oder beere mit folher ger, 
Das ers merke defter bas: 
Wann was man hoert mit girde , das 
Kan man defter bas merken. 
Grot muefTe mine finne fterken 
Alfo, das ich nicht laffe drabe, 
E ich es volle dichtet habe. 
Des bitte ich dich an allen fpot; 
Du gewer mich, milter herre got! 
Durch die miime, die du treift, 
Vater, fun, heiliger geift, 
11 a. Zuo der lieben muoter din. 
So la mich dir empfolhen fin 
In allen minen fachen. 
Ich wil ein end machen 
Der vor rede, vnd wil haben an, 
Des ich mich vnderwunden han. 

Ich habe diese Vorrede um so lieber in ihrer ganzen langen 
Ausdehnung mitgetheilt, als hier der Dichter gänzlich auf sich 
selber steht, und darum alles, was und wie er es sagt, doppelt 
bezeichnend ist für seinen Character und das Mass seines Kunst- 
berufes. Und da verdient namentlich, als zuverlässigster Beweis 



— 78 - 

wtlirbafter Bescheidenheit, hervorgehoben zu werden, wie be« 
reitwillig er sieh jeder spätem Besserung seines Gedichtes unter^ 
wirft , ja wie er darum fast anhält. Ganz anderen Hochmath 
hatte sein Landsmann und Zeitgenosse Suso , der sdn Büchlem 
von der Ewigen Weisheit mit einem Fluch übar jeden besehloss, 
wdcher es wagen würde, auch nur das Kleinste daran m an« 
dem *). 

Aus eben dieser Bescbeidenhat machte Konrad es sich zur 
Pfficht, seinem Originale so getreu und nah ab möglich zu 
folgen. Nur war ihm das nicht in gleichem Grade durchweg 
möglich: er ward öfters an smnem Autor irre, verstand nicht 
alle Worte desselben , stiess auf Lücken und Verworrenhdten 
in dessen Darstellung: 

128 er. £inen gebreften hab ich hie. 
Von das dis buoch ane vie, 
So hab ich vnder ftunden 
An mengen ftettcn fanden. 
Das er etlich materie ane vat. 
Diu weder ende noch trome hat 
Vnd hie nit ift gefchriben gar. 
Wie ich nu dar vnder var, 
Des kan ich niemani veriehen, 
Wann ich gar nit han gefehen 
Diu bnoch, der er gedenket hie, 
Der es in latin ane vie. 
Ich meine den brediere. 
Och ift mir eines fwere, 

Das (Das ich) ofte hie vinde gefchriben välfch, 
Das ich vil nach bas markti valfch (wälfch). 



') Swer dis buechli das mit fliff gefchriben vnd geriht ift well 
abfchriben. Der fol es alles fament eigenlioli «i werten vnd 
finuen fchriben als es hie ftat. vnd niut dar zuo noh dvrvon 
legen, noh diu wort ye rwandlen. vnd fol es denn eiueft oder 
zwirunt hier ab dvrnehtklich richten, vnd fol niut funders dar 
vs fchriben denn die hundert betrahtung zehindroft. Die fchrib 
dar vs ob er well. Wer im iut anders tuet der fol vörchten 
gottes räch, wan er beroubet got des wirdigen lobes. vnd diu 
menfchen der beffrung. vnd den der fich dar z'uo gearbeit hat 
finer arbeit, vnd dar vmb wer es hier vmb nit wäll lallen. Das 
mueff gerochen werden von der ewigbn wisheit. (Mach der mir 
gerade vorliegenden Handfchrift des Frauenklofters zu Sarnen.) 

10 



/ 1 



^ w - 

Das v^ht geCchnbai wer^. 
Ich weone , die fchribere 
Sigin an mengen ftetten fchuldig dran: 
Wann der was ein femlich man. 
Das ers, als ich wenne, recht dichte, 
Vnd ers alTo berichte. 
Das man wol gemerkeu konde. 
Wann mans fo gerechtes funide. 
Als er des erften in latin fchreib. 
Ob fider von dem (den) fchribern beleih 
Kein ding, das gefchriben folt fin dar an, 
Da ift er TnTchiildig an: 
Waiui ich tJtwifel dar an nicht. 
Er hab es ordenlichen geticht. 
So fuget der gebrefte min, 
Das ich nicht gar merkt die latin 
An difem buoch an menger ftat. 
Doch wenne ich, wer es, als ers batt 
Des erften getichtet 
Vnd in latin berichtet, 
Ich markte es vnd manig ander man. 
Die ich dar von gefraget han, 
b. Die fich bas denne ich verftuonden, 
Vnd mir doch nicht enkunden 
Nach miner ger bediuten. 
Das künde Jch allen liuten , 
Die horent lefen dis buechelin. 
Das ich nach der magende min 
Habe das hefte getan 
Dar nach, als ich fanden han 
An difem felben baoche. 
Wer welle, der verfuoche, 
Die wil fi bi ein ander fin, 
Beidiu dis tiufch vnd enes latin : 
So ift nicht vil miffeliuige dran. 
Daa dock ich drin geworffen ban. 
Das bewere ich harte wol 
Mit der gefchrifift, als ich fol. 
Da ich es ane vant gefchriben. 
Von mir ift och nicht beliwen 
Vngefchriben das latin: 
Ich fchreib es an dis buchelin»^ 
Das ich des erftei^ mit niiner h^nt 
3eU>e]r fchrc^ib» als ich es v^, 



— fS — 

Des ich d^n neren teil gefait ban^ 

Wann (Wa) kh e§ VAnt gefehriben Aat>. 

Das hab icb geateif^et bie« 

Vnd dar vmbe bitte icb alle die, 

Die es ab beiffent febriben, 

Bas fi nicbt lafTent beliben, 

Si heiinn an dis bnetbelin 

Ze dem tintfdie febriben die latin *) , . 

Dar vmbe» ob es febe kein gelerter man. 

Das er merken kunne dar an, 

Was icb drin geworffen han, 

Der man bie manges vindet ftan, 

Das icb docb nit mir felber wil 

Geben« icb bab ein teil ze vil 

Hie vs der materie gefeit 

VerdriuITet des yemant, das ift mir leit. 

Docb ducbt es micb notürftig gar. 

163 &* Na bat der dritte Tende 

Ein ende, das nicbt mere ift gelcbriben, 

Vnd ift ynendlich belibeni 

Vnd danket micb nit vollebracbt. 

Das dis baocb nit fanderlicb gedacbt 

Der reibe (felben) fcbribere! 

Warn das were ein gaot mere. 

Das die oacb weren warbafft« 

Gleichwohl hielt der deutsche Dichter nicht bloss im Ganzen 
und Grossen dieselbe Eintheilung des Stoffes, denselben Gang 
des Inhaltes fest, den er bei Jacobus fand, sondern richtete 
sich nach dessen Vorgang auch in allen Einzelheiten; und so 
gewissenhaft verfuhr er dabei, dass er fcst jede, auch die ge- 
ringste Einschaltung, die dem Originale fremd war, ausdrück- 
lich als eigene Guthat bezeichnet; selbstgefällige Aeusserungen 
entschlüpfen ihm bei keinem solchen Anlass , ja er entschuldigt 
sich noch deshalb : z. B» S« 25 a» 

ICb vand nicbt an dem baebelin, 
Das icb alles hie gefcbriben ban: 
Docb dacht es micb nicbt mitfetan, 



*) Diese Beifögang dw latetnisebeti A«tiifit«teii bat der Miniator 
ansrer Handscbrift wirkliicb attcb begonnen, islimait aber nicbt 
über die Vmnptdt binsM gekmgl.. 



— w ^ 

Das ifh 4i8 ouch dar in warff, 
Wan ein lichter elwenne bedarf. 
Das er Tage minder oder me,. < 
Denne vor t im gefchriben fte, 
Das doch nicht us der materie fi. 

Und doch sind diese Zusätze meist das Ergeboiss einer gelehr- 
ten Belesenbeit, wie sie zu seiner Zeit mdit vid Creistliche 
mehr besessen, einer Belesenheit, die der des Jacdbus wenig- 
stens nahe kam : er citiert ausser den Büchern der heil. Schrift 
und denen des Kii'chenrechtes noch die Historia Schölastieay 
das Leben der Altväter, Augustinus de Civitate Dei und de 
Poerdtendaj Cicero de Qffieiis^ Seneca, Valenus Maximus» 
Boethius u. a. Freilich schaut bei Rückblicken der letzteren 
Art auch er das Aherthum ganz mit den Augen seiner Zeit an ; 
am aufTälligsten S. 108, wo er von den Kämpfen Marius und 
Sullas al» einem Kriege der Guelfen und der Gibellinen spricht 
Andere Einschaltungen sind frisch aus dem Leben und der 
Geschichte der Heimat und der eigenen Zeit gegriffen: es drängte 
den Dichter, was er da Strafwürdiges wahrnahm, was er jedoch 
Aug in Auge nicht strafen durfte, diess dann in sein Buch nieder- 
zulegen^ jdamit das gegebene Zeugniss doeb vor Andere und 
pn d|e Nachkommenschaft gelange. 

181 o. Es ift nu wenig ieman fp tugenthaft, 
Das er hette foUich krafft, 
Vnd fin f eibers fo gewaltig fi 
Als hie vor : wan do wonle bi 
• Dien liuten ere ynd lügende 
In alter und in jagende. 
Nu enweis ich, wie es im fol ergan. 
Nieman wil gewalt fin felbers han, 
Das er vber winde fich 
An den dingen, diu vnerlich 
Sint vnd oui^h wider gott. 
Ein iung man wirt nu der liute fpot, 
Vahet er an in der ju^ent recht tuen: 
Des feit er lob wd ruom 
Haben, nu g^t ps hinder fichf 
Man lobt einen, der wunderlich 
Stellet fin gewant vnd fin har; 
h. Swel man ein fcheitel treit, lur war, 



— 77 — 

Der fol der farem (Mren) einer fui* 

Dodi r^idi ich vff die truwe min: 

Vnd folt ich vechten ze rechter not 

Vnd da ich fürchten mueft den tod,. 

Ich weite gerne (gerner) bi mir han 
. Viere, die man fehe gan, 
. Als hie iFor taten man, 

Denn ich fechfe wolte han, 

Die fich zihent fam die wip. 

Man vint mengen geraden mannes lip, 

Der doch ein wibin hertz hat, 

Wand Sand AuguTtinos an einer ftat 

Spricht ydes menfchen geberde erzeigent, 

War fich diu hertzen neigent 

In wendig mit dem finne.^ 

Das ich ie beginne 

Vnder wilent etwas zewerffene har in 

In'dis fchachzabel buechelin, 

Das bef^icht an fache nicht: 

Wan fwenne vnderwile fich (übt) 

Min ouge an iemant etwas, 

Das mifTevellet, vnd ich das 

Nit getar geftraffen, fo wirff ichs in 

Gemelich (Gemeinlich) in das buechelin. 

Alf US hab ich ouch hie getan. 

Dis wil ich aber alfo lan, 

Vnd das buoch wider griffen an. 

Da ich es gelaffen han. 

So yid zur yorlaufigen Characterisük von Konrads Dichtung 
und über deren Verhältniss zu dem lateinischen Originalwerk. 
Nan aber woUen wir das Ganze nach und nach in seinen ein- 
zelnen Theilen an uns Torbeigehen lassen, und zugleidi di^ 
Uebersicht durch Heraushebung bezeichnender Stdien zu be- 
leben suchen. 

(Fof t«etiaiig u. Beschluss im nachitcn Hefte.) 



— 78 ~ 



SaQe vom König Rudolf Ton Habsbiirg. 

Mitgetheik 



von 

PL JVeissenhach. 



Wir betreten das Gebiet der Sagen, Es ist für den Forscher 
eine schwierige Aufgabe^ darin eine objectiv ausgemittelte Wahr- 
heit zu finden. Das Reich der Urkunden, obgleich, wie alles 
auf Erden, dem Zweifel auch ausgesetzt, ist das zuverlässigere, 
sicherere. Die Chroniken-, voll von Sagen und Histörchen« 
haben durch die Leichtgläubigkeit und eine Art Prunksucht, 
mit der sie oft Unsinniges aufgenommen oder nacherzählt, dem 
in ihnen liegenden Kern gehaltvoller, auf geschichtHchem Boden 
wurzelnden Sagen selbst viel geschadet. Mit kalter Hand darf 
man diese nicht erdrücken; man soll sich ihnen freundlich nähern. 
Tragen sie in sich selbst die Merkmale der Glaubwürdigkeit, 
Verstössen sie sich nicht gegen den natürlichen Gang der Dinge, 
lassen sie sich in die geschichtlich ansgemittelten Thatumstande 
fügen, stellen sich sogar Urkunden unterstützend um sie herum» 
so hat auch der Forscher keinen Grund mehr, bei der Ver- 
neinung zu verharren. 

Als eine Sage solchen Gehaltes darf diejenige betrachtet 
wei^den , welche den Grafen Rudolf von Häbsbnrg auf der Jagd 
Sein Pferd dem verwahrenden Priester geben und des Letztem 
Empfehlung zur Königswahl mitwirken lässt. Sie ist von den 
Chroniken in die Creschichtswerke über das Haus Habsburg 
hinübergegangen, und wie sie durch ihren poetischen Zauber 
den Dichter (Schiller) angezogen, so wurzelt sie jetzt noch in 
der Volkstradition und gewinnt durch urkundliche Verhältnisse 
an Glaubwürdigkeit. 

Wir lassen zuerst die Chroniken und Geschichtschreiber 
sprechen, dann sind die einschlagenden Urkunden zu prüfen 
und an deren Hand die Stätte aufzusuchen, von woher sie 
stammt und wo noch das Volk davon redet. 



— 79 — 



lieber die Sage Yerhanddn : 

JcMomes Vitoduraniis 9 ed. Tesarar. hist Hehet Tigmk. 
Anooymua Leobiensis bei Hieronim. Pei Script rer. German, 
attd Hagen ib» Tritbemias Chron. Hirsaag* Wemk Scbodo- ' 
lers Cbronik. Aegid Tscbudi'ft bdy. Gbrouik. GuillnaniiBS 
Hid^sborgiaca. Dominiciis Tscbadi's Origo ei («enealogii^ comit 
de Habsburg. Gerberts Codex Epist Kudulfi L Job. Müllera 
Ges<[^b]diten scbweiz. Eidgenosaenscbaft L. Wirz helyet. KircheiH 
gescbicbte. Licbnowsky Gescbicbte des Hauses Habsbnrg* Ab^ 
derer» die nacbscbrieben » nicbt zu gedenken. 

Befreit von den AusscbmüdLungen , in welche sie von Jedem 
gebullt wird, lautet nacb den zusammentrefiTendeA AufTassungai 
die Sage dahin : 

Rudolf, damals noch Giraf von Habsburg, riti, wie er/ge« 
wohnt war, eines Tages wieder dem Wadwerk und der Jagd 
naoh , als er an' einem stark angeschwollenen , wilden Bach ohnd 
Steg einen Priester traf, welcher einem Kranken die Sterbe* 
Sakramente spenden wollte, durch den Bach aber aufgehalten 
war. Rudolf, fromm, freundSch und ritterlich, hiess den Erte** 
ster sein Pferd bezeigen und über das Wasser setzen. Als der 
Priester ihm das Pferd wieder zurükgeben wollte, weigerte skfa 
Rudolf und überliess es dem Geistlichen, weil er das Pferd, 
weldbes das Heiligthum getragen, nicht mehr reiten möge. Der 
Priester aber wurde später Kapellan bei dem Erzbischof von 
Mainz und machte, eingedenk jener Handlung, bei diesem Chur- 
fürsten, so wie bei Andern seinen Einfluss dahin geltend, den 
Grafen Rudolf bei der Königswahl zu empfehlen. 

Einige der Chronikschreiber führen als Zugabe die Reden 
an, welche der Graf und der Priester über das Pferd gewech« 
sett. Andere lassra den Priester sich über seine arme Pfründe^ 
welche ihm die Haltung eines Pferder nicht gestatte, klagen« 
Nach Einigen soll durch das Beispiel Rudolfs gegavä)er den» 
Pfarrer sidi sem Begleite haben bewegen lassen, dem Sigristen 
d>enfaUs sein Vteti. zu schenken. Auch soll Rudolf dem Prie« 
ster nicht aur das Pferd> sondern noch Güter und Besitzungen 
geai^enfct haben. 



— 80 — ^ 

Die Einen lassen den Grafea auf jene Han^mg zu aner 
Klausnerin unier einer Fluh und Höhle kommen, welche ihm 
sdne künftige Ehre prophezeite, dk Andern lassen ihn in das 
ndie gelegene Kloster Fahr sieh begeben , wo ihm eine Klosler- 
fin» seine kimftige Höhe weissagte. 

Die Zeit, in welcher sieh die Scene am Bache zngeltageii^ 
wird T^schieden angegeben. IHe Einen setzten .die JabrzaU 
1251, so Schodoler nach der Abschrift der Muri -^ Bibliothek, 
Andere 1265, so Guilümann, andere 1266, so Aegid Tscbudi, 
andere 1270, so Trithemius. Besser stimmen die Bezeichnung^ 
der Landesgegend überein. Die Nähe des Klosters Fahr wird 
Ton denen vorausgesetzt, welche den Grafen nach der Beg^n«!* 
heit dort finden. Andere bezeichnen geradezu die Gegend zwi- 
schen Baden und Fahr. Dem widerspricht die Annahme^ dass 
der Platz nicht sehr weit vom Kloster Muri entfernt sei, nichts 
Sidie Guillimann, Aegid und Domioic Tschudi. 

Die Bezeichnung dieser Gegend ist geeignet, der Si^e Gkub<- 
wärdigkmt zu erhöhen, weil da Rudolf und sein Haus Herr^ 
lidikeiten, Pi^onate und die Jagd hatten. Die Verschiedenheit 
der Zeitbestinmmngen vermögen dieselbe nicht zu sebwädiea, 
weil in allen angegebenen Jahren Rudolf in der Nähe sich auf««- 
bielt und handelnd, kämpfend oder jagend auftrat. Doeh hier^ 
auf k^nmen wir ziurück. 

Ueb^all wird mit der Begdbenheit aueh deren Folge ^^ 
wtlmt und die Verwendung des dankbaren Priesters bei semem 
Herrn und den Mitwählern erzählt. Es ist wohl glaublich , dass 
ein Priester dieser Gegend Kaplan des Erzbischofs von Mainz 
werden konnte, wurde doch ^äter des Bäckers Sohn von Isny, 
Heinrich Glöckehnann, der Knoderer, vom Beichtvater Rudolfs, 
vom Guardian in Luzern und in Basel, zum Bischof an letz- 
term Ort und endlich zum Erzbischof von Mainz selbst erfaöU. 
£s ist aber auch femer glaublich, dass der Kaplan Einfluss 
hatte und man seinen Versicherungen Gehör gab, denn m 
iolcbeu Stellen brauchte man tüchtige Köpfe. Allerdings muss 
rag^eben werden, dass durch eine solche That Graf Rudc^ 
eben noch nicht fähig zur Krone geworden wäre, dass sie ihm 
die Bahn nicht dazu geebnet haben würde, wena mehX seine 
ganze Persönlichkeit und die Einflüsse d^ ZeitvertäkraM^ 



gmrUl hiMMu Die desdookie wäss neb, dast Gnf BnAotf 
ii#di M iBdefM B«iklNuig yxm Endbiiobof voa Miiai geitmleai 
Bieaat CUnrfiinl war dem LaodgraüeB für das CMek, das dieür 
ihm arfiair Kme aaoli Hauen gagehoi^ und woM dkaar seisaa 
Cäaüakter, Math wk mb Wort oOedrarea konalai lu 0ank 
yerfliehtat. Aber bei allMi dm kooma die Freaadichaft das 
IJMfiam dem firaleB inuaer aocb zu Slattan komami« dat Salb* 
feber» tMet im adaan aMen Hemi konate den firsUidkrf aoai 
Kütirblnsae briages, fibr deoaelbeo eminatebm, uad jener konnlä 
mth nun SettMUMi der Mdem Wablfunten behfUflidi iaift. 
Wie viel bat aiebt ichoa ia dar CSeicbicbta ein Angwbiifk der 
Anregung beimfct? 

Uli iat bkr nicbl am Ort, den Scbabpialz , auf dam tkb der 
riMge, malbMlIe fii^lf , Ckaf tao üabibiirg and Landgraf 
im Ebam, yer aeiaer Wabi mm König, bawagte, nnd iat rfch 
jadeufiiHs desieilfli «ad jeateita der Aipen crüreekla, zu amsaen, 
9» iMHog es arfordariick ist^ allen den Landgtäflioben^ Vogtai« 
midGrnadbrrrNrhan Recbkia degseihen nnd demen Haages nacb» 
nftarscbea. 2n answm Zfwaeke ganägft es, naefaxatraisaii dasi 
da, iro die Sige spieUe, nnd zu ibrer Zett, Graf ' lUdcOf Gfi^ 
sehafts^, dann andsra specieHe nad lagd^^Baefate mne battet 
dasa er sich da in mnsugfaeben Lebensbeacbäftigoagcn aafliialt, 
dass er sogar da PMron des Priesters nnd dessen Kiitbe 
war. 

Auf dem reditea lammatnfer, an dem das Kloster Fabr 
sldH, warea im iS. Jabrbaadert und znr Zmt nnserer Saga 
die Freifaerrea ron Bagansfarg mäcbtig. Das J[losler Fdv 
aalbal ist ibre Stifkang. Da dräben bat Graf Bodolf ^mM nicU 
firiedlicb gejagt, wobl aber mit dem Sdiwmi gebnst, ab er 
mit den Zürcbern des Begenspergers Städteben Gkmenberg 
vemjcbtete. Je nacb dem man die Aassebmücknng dar Saga 
4aidi die Weissagnng der Klosterfrau zu Fabr in eina Zidt 
vcaiogt, wM diese Zugabe nnwabrscbeinlidu Da|^en be* 
»tanden dfe H a bsbnrgiacben GrafenreiAte anf dem gegemibar 
Uigeüden Ukr der LioMnat« Da ron dieser Gegend bei DielätM 

11 



iiii4 Urdoif an, wo sich der antore AH^is in Hagel veriicrt, 
wo der Hasenberg ob dem Egdsee , ob dem Thal der Reppisch» 
ch Radolfstetten sich erhdbt und auf der wesdichen Seka ins 
Thal der Beuss bei Bremgarten und Eggenwil hinabsteigt, wo 
^ als Mutschdler südwärts in das Zürchersche Freiamt an den 
obem Albb sieh erstreckt, nordwärts aber als Rordori^»rberg , 
U^ftersberg etc. gegen die lammat sich zidit und zw«r vom 
Krenzliberg ob Baden bis wieder das Limmatthal über ''den 
Rüdliker gegen Dietikon hinauf, — auf diesem ganzen schönen» 
Wald- und Gewild-, Frucht- und Fischreichen Gebnrgsnreal 
zwischen der AlUskette und d&t Beuss und Limmat , war überaH 
Habsburgische Grafschaft und Habsburgisehe Jagd. 

Wir legen für diese Behauptung folgende urkundliche Be- 
lege vor : 

Nach der Acta Mur. vergabte Graf Albert von Habsburg 
seine Besitzungen und Höfe von der Höhe des Hasenberges 
bis an die Tiefen der Beuss zwischen Bremgarten und Eggen* 
wil nnt dem P^bronatrecht der Kirche und dem Zehnten moi 
Eggaiwil dem Kloster Muri. Die grafscbi^lichen Beehte blior 
ben natüriteh dem Hause; diese Gegend gehörte zur Grafschaft 
Baden. In cmer Menge von Urkunden vom 13. JaMiundert 
bis zun 15. hinab nennen die Habsburger Bremgarten ihren 
Thurm oder ihre Burg oder Stadt, den Schultheissen den 
Hangen, die Bürger ihre Getreuen. Auch das Patroni^eeht 
dsr Kirche gehörte ibnexk. Siehe bei Marq. Herrgott Genei^. 
Hafasb. die Urkunden von den Jahren 1239, 1342, 1243, 1253, 
1256, 1259, 1261, 1272, 1279, 1338, 1346, 1374, 1387, 1408; hei 
Xrudp. Neugart Codex dipl. die von den Jahren 1246 u. 1247; 
im Archiv zu Bremgarten Brief vom J. 1287, die Handfeste, 
welche die Herzoge Friedrich und Leopold und ihre Brüder 
im J. 1309 gaben, Briefe yon 1359 u. 1376, die Documente 
über die Erwerbung des Kirchensatzes 1411 , 1412 u. 1420 etc. 

Vom Wendelstein bei Zufikon, von Dietikon, dem Schäfli* 
Ittch und Honrein bis gegen Zug hinein ging nach d« ähea 
Bedbtung des freien Amts auf dem rechten Beussufi^ der Herr- 
schaft TOn Oestreich Grafschaft. Von der Landgerichtestätte 
TOD Berkpn ob Bremgarten bis wbl der zu Bifferschwil am AQris 
fiährte eine offene Landstrasse. Siehe die in diesem Heft aln 



— 8» — 

gedruckte B«ditung. SpecfeO finden wir die Vogteien za Berkon 
und zu Oberwil als Mannleben derer von Habsburg und Oest- 
reich« Siebe die unten abgedruckten Reckte zu Bärkon, die 
Bbnnlebenlniefe Ton den J. ISTA, lJffi6, 1412, 1439 im Archiv 
Brcmgarten.^ Ud>er die Vogteien LieH und Zufikon lässt sich 
dasselbe scUiessen. Der Kirchensatz zu Lunkbofen kam ron 
Oestr«icfa an das Kloster Muri. Die betreffende Urkunde wird 
als Hahsburgische, gleich andern schon angeföhrten, mitgetheih 
werden; 

In der im J. 13M aufgerichteten Umschreibung der Rech- 
lungen, welche ^n Herzogen Rudolf und Albrecht, Königs 
Rudolf Söhnen , als Grafen zn Habsburg , zu Baden und Lenz- 
bürg gehören , finden wir unter der Grafschaft Baden bezüglich 
unseres Areals Folgendes : 

In den unterhalb Eggenwil und Hasenberg im Reussthal und 
am westtichen Bergabhang gelegenen Ortschaften Stetten, Sulz, 
Kanten, Bnsenach, Ober- und Nieder-Rordorf, Ruti, Star- 
ehentswüe, Bellikon, Hnsen, Remetschwil richtet die Herrschaft 
iron der Grafsdiaft Baden Dieb und Frevel. Ebenso zu FisUs-* 
bach , Ruti , im Dorf vor dem Thor zu Nellingen u. s. w. 

In den Ortschaften des Limmatthals und auf den Anhöhen 
desselben, Spreitenbach, Dietikon, Ober- und Nieder -Urdorf, 
Schlieren, Ahstätten, Rieden, Ringlikon, Utiken, RudoUbtetten 
hat die Herrschaft von der Grafschaft ebenfalls die Dieb und 
Frev^ zu richten. 

Die Notizen iber Habsburgische und Regenspergische Lehen 
vom Jahr 1321 geben uns die AufscUnsse, dass Herr Bernard 
Schwende den Hof und die Widme zu Friedlisberg als Lehen 
Ton Habsburg habe , dass der Tvring und Bann und eine MüUe 
iu Rttdolfstetten Lehen von den Herzogen und von Habsburg 
sind, dass die MiUler daselbst ihr Ldien tragen u. s. w. 

Dass die Vogtei Rudcdfst^en Hab^rargiscfaes oder Oest- 
reichisdies Ldien gewesen, sagen die Öffnung der Geb. SdiweA« 
den von Zürich, die Mannldienbriefe von 1404 und 1465 und 
der Kaufbrief von 1438. S. Arcluv zu Bremgarten. Als Grenz^i 
der Vogtei wer^n in der Öffnung der Apfelbaum zu Holen- 
slraas, der Bühel, der Loehracfastein auf dem Hasenberg, die 
Gngoienfiue , der genöte Marchstein hinter Friedfisberg' an^ 



— g4 — 

fegeben« Auch werdeir üe ke^n (kneliie bn m% WkA Um 
Landgrafen TOibdhalten« 

Endlidb konnten wir sn der iiUeresianten Urkusde Tom 
Jahr 1259» f7. Weinnmmt. Da yericanfeo cBe Grafai vim 
HabsM>nrg, nltanKcb Rudolf, Landgraf im Eisass , sj^Uer Kdnigr 
ferner dessen Patr«den Rudolf, CanonkMs ol Basd, Gottfn^ 
tmd Eb^eriiard, Bräder, üire Höfe und Gäier m'DietilQon nad 
Sddieren^ wddie Ton ihren Vorfahren her ihnett eigenttündicb 
gehören 9 der Matter des Landgrafen Rudolf aber, der Griin 
HeHwig, ala Pfand des Weiberguts gegeben, jetzt aber wieder 
davon gefreit worden, mit Ausnahme des Patromdi^cbts der 
Eirehe m Dietikpn, dem Kloster Wettingen. um S40 Mark 
SHber. Der Kaqf erging iiber jem Höfe und Guter mtl Leute», 
Ortschaften, Nutzungen, Zugehörigem undB^diles, wie me es 
alt kaiscarUehes Lehen besessen, mft Häusern, Aedi^n , Wiesen, 
GSrjtea, Angebauteih und ünangebautem , mit gemeinen und 
asdem Weiden, Wegen undUnwegen, Wäld^m, 9aumgirleQ^ 
CMbiscfaen, Pflanzungen^ Reben, Rie^Iätzen, Schilf, freiew 
Ein- und Weggang, Tavernen, Mühlen, Ofen, Wasserleitungen 
und Läufen, Tdchen und S«mipfen,v Grund und Boden, Qe^ 
wKssero» Ufern, Fisdieneen, Jagden, Vogelbeerden^ mit dien 
fVriheiten, Twfng nnd Bufm, den Rechten der H^rrsehaft deir 
S^entUimer oder .Vogtei, mft dem Kirchensatz zu ScUieren, 
wie sie alles tou Albert, Vater des Landgrafen, Ottäm deii 
drei Bruder , femer vom Grossvater Rudolf und Crgrossrater 
AHiert als kaisertiches Ldien gehabt. Die Grenz« werden 
mnschriebeo yon Attei^hdi zu d^n grölen Marebstein, TOm 
Badi ob Ober-'AJtstiittea bis zum Bmggebach, vcmi Berggipfel^ 
^Sdmeesleiphe gaaannt, bis zur Lmimat, durch diesen Fluser 
fem Chrewiblort bis m die Ikäcke zu Baden. ljd>er drei 
Mannlebenhöfe wvirden qpeclelie Besttmmungen getroftsft. Btm 
Reei^ i&er die andern Lehen behdteo skh dle^ TerfcSirfiiir tor^ 
Ehenso bebaken sie sich die Zdhwfate, d» QetUkift m$ BloC 
jMd (6e, welche zur Grafschaft gdiören, tw. Watere Pmnli^^ 
betrdfen die Verfafiltnisse der Höri^nr, ^ iler Freien und 
der Hörigen der Kirchen, über die Fiseb^zen fts der iAmoM^ 
Jm Brug^iaob u. s. w. *t- Das Püroiiatredit über di# KkAm 
m vDietikon mi dem über die Kapelle Ihriorf i^nd Sprdten» 



ImkA fafieb bdm Harne Habsbug , Im es ISI* Graf Rttdolf, 
GottfrisdB Sobn, an das Kloster Wettiogeo vergAhU wmi Ra* 
doKi Sohn, Graf Jofaaim, 132» die Schenkm« iMslätigta Scboii 
firälier, 1252, hatlM Landgraf Rudolf tnd mn Rmdcr Albrecbi 
die Auen in der Lramiat dem Kloster W^tiagen verkaoll. 

Itt das Bcrcdcfa diases Kaofes fällt aiieli dar Bödlenborf 
oAer HcFnherg ob dem Kloster WettingeD« auf dem Unkao 
Limmata£Br. Die im Archiv zu Wcttingea befiadfieiieii Ur* 
Inm^«, namentlich iear Kaufbrief von 1436, sagen, daaa dar- 
sdbe firnker Lelien d^ Horrsi&aft von Oestrdek gewesen wtd 
Ton da an das R^ch , s^er an die Eidgenossen gafdleo sd « 
wie gleiches die Rodolfrtetter Lehenbriefe auch melden. [1^ A« 
ivid H. , Grafen yo» Habdmrg , yeriLanfen ihren Heüershergerkcif 
1245 dem Kloster Wettingen. Denselben besass ab Mannlehen 
ihr Sfinisterial, Arnold Ton Wokm. S. Wetlittger Archiir. 

Durch alle diese Urkunden wird nun nachgewiesen sein, 
itm auf dem besekhneten Areal der Habsbnrger Landgrafen« 
rechte bestanden , daas die Vogleien , bald in d«r Laadgritflichen 
Berechtigung inbegriffen, bald neben sie gestellt und selbst* 
atändig aofgefasst, dkafalls densettien angestanden, von ihnen 
zu Ldien gegeben oder Terirassert wurden. — * Ferner hatten 
Ne efaste Menge eigener Häfe und Ciüter, anf denen ihre Mini- 
aietialM und Leherieis^e sassen. Die PatroniArechte über dia 
Kirchen zu Dietikon, Schlieren, Lunkbofen, Bremgarten, EgB«»r 
wil standen ebenfrib ilmen zu. Somit in hoheitUchen, gerichts« 
h^ETÜchen, priraten und kircUichen Dingen mächtig. Nament* 
Kek war die^ zur Zeä <ks Gnrfen Rudolf, sfätetn Königs, der 
F^ Er hatte somit auf dieami Gd>iet Manches zu tbnn und 
am iberwachen. & mnss mandmial hier sich au%ehaken haben^ 

WnrklitA finden wir auch in yielen Urkunde» die Spuren 
aenes Awfentkaltca in dieser Gegend« So^lässt er d«B Kauf- 
biief m Wettingen um das Amt Dietikon im Jbhr 1250 $o 
genau a nsa te Hen , dasa ihm Weg und Steg bekannt sein mus s ten . 
Im hitt Ü46 Teriumfen R. A« und H., die Grafen von Hab»^ 
bfurg den Heitersbargerhof an das Kloster Welligen und £a 
^dbeiige VerfaancUnng wird unter der Eiebe nahe bei der am 
Sbster f<»rbeifluthen(fa)n Limmat gepflogen* Als Hemma, WiUwe 
BnriAmrts, von Buniin» änr Gut in Birmansteffl dem Kloster 



— 88 — 

St. Blasienfverefarte, be»egette Rudolf dk hiefibr ausgesi^le 
Urkunde im J. 1259 zu Bremgarteo. Sein Haus^ Hofslatt und - 
Garten zu Bremgarten, des Grafen Haus genannt, v^schenkle 
Rudolf 1261 an das Kloster Engelberg. In mehrem Urkunden 
Rudolfs tritt mit ihm sein Schultheiss Burehard (de Baris) von 
Bremgarten auf. Dies^ war yiel um den Grafen. Er muss, 
dbschon nicht Ritter, ein Mann von Tüchtigkeit gewesen s^. 
Rudolf liebte solche Charakter, wie dieses sein Benelmi^ g^en 
den Jakob MüUer von Zürich beweist. Im J. 1266 urknndet 
Rudolf mit sdnen Vettern Gottfried und Eberhud bei Wetiingen, 
ds Heinrich und Johann, Ritter ¥on Schöeenwerd, diesem 
Kloster das Gut in dem Ried bei Sdilieren gegeben. Manciras 
ward von der Habsburg, Wildeck, von Baden, l^ugg, Aarau, 
Zimdi u. s. w. in der Nähe datirt. 

Nicht. nur sein Siegel, sondern auch sein Sdiwert flArte 
Rudolf in dieser Gegend. Als er als Führer der Zürcher den 
Frdhenrn yon Regensperg und dessen Verbündete bekriegte, 
stuiden jedenfedls seine Dienstmannen da hc^rum auch unter die 
Waffen. Das Städtchen Glanzenberg wurde ganz in der Nähe 
gegenübw Sehlieren und Dietikon den Flammen übergeben. 
In der Nähe fielen die Burgen auf dem Uetliberg. 

In dieser Gegend war aber auch Rudolf zur Jagd berechtigt. 
Einmal stand die den Landgrafen zu. Freilich jagte zur Zeil 
jeder Frde auf sduem Gut und Hof, später auch jeder Edle 
auf seinem Gebiet. Allein wie die königlichen Jagden das Vor- 
bild gaben, so warf sich die in Hoheit umschlagende Grafschaft 
auch auf die Jagd. Aus der angefübKen Urkunde über den 
Verkauf des Hofes und der Güt^ zu Dietikon geht hervor, 
dbss die Cbrafen von Habsburg dort das Jagdrecht halten, denn 
sie yerkauften es mit an Wettihgen. So sagt dann auch das 
SdUossurbar zu Baden : Der Wildbaim , soweit die Hohen Ge-»- 
richte der Herrschaft Baden reichen, gehöre an Thiermi und 
Gevögel an den Stein zu Baden, nur im Amt Diet&on gehöre, 
als im J. 1269 veriiauft , der Wildbann dem Kloster W^&igen. 
Ebenso enthält die Rechtung des freioi Amts die Vorschrift: 
Es soll dazwischen (den Märchen der Grafschaft) Niemand ein 
Hom erschaUen lassen noch das Gewild fällen , es wäre, dass 
ihm das an Landvogt gewähre. Dieselben Worte endiätt eine 



— w — 

alle Oftiinig des Kettsnnnts. Modite cUese» WAdbanareclil la 
Bxidolfe Zeileil noch meht so aussddiesseiid sich ausgeUdet, 
so wird wdhl dan mächtigen Landgrafen Niemand ein Verbot 
angelegl haben. 

Wir rä(^n nunmehr unsrer Sage wieder näher. Wenn 
dies^e yoh den Chroniken zwischen Baden und Fahr gesetil 
wird, so widerstreiten dieser Angabe die angeführten Urkondmi 
dmN^ns nicht, yielmebr tragen diese die höchste Wahrschein- 
Ucbkeit in sich, dass die IbndluBg der Sage da stattgefnnden. 
Hi«r auf dem linken Ummatnfar, vom rediten unter Regensperg 
kann natürlich k»ie Rede sein , auf den weiten Bergrücken and 
in den Thälem war Rn^lfs Jagd. Es ist dne der schönsten 
und anziehendstmi, die man sich denken kann. Auf den Höhen 
die F^nsicht südwärts beinahe in das ganze Halbrund des 
Alpengebirges, nordwärts in den Schwarzwald, im Westen der 
Jura, zur Seile der Albis, der Lindenb«rg und der Lagern, 
dazwischen die Thäler der Reuss, Limmat mit d^n Zürichfli^; 
etwas femer das der Aare , eine Menge von Thabchluchten , 
Wald- md Giessbächen. Bald alter dichter Wald, bald Alp- 
triften, Gehöfte, Fdd, selbst Weinwachs. Der B^- md 
Waldgart reich und fruchtbar an GewiM. Gewiss für das sinnige 
Auge, wie für den rüstigen Jäger &n lockender und fesselnder 
Landesstridi. Noch j^t sagt das Vcdk, dass da auf den Höhen 
Radolf seine Jagdhäuser gdiabt habe. Namentiich seien soldie 
asf dem Radebberg und bei Radolfetetten gestanden. In diesem 
Namen will das Volk noch Erinnerungen an Rudolf finden. 

Wenden wir uns wieder von dem jagenden Rudolf zu dem 
seinem Amte nachgehenden Priester, so treffen wir den ohne 
Anstand in der Pfarrm IMetikon. Einmal waren Radolf untf 
smne Velter hier Patronatherren. Die Geistlichen waren eben 
die ihrigen. Die mdsten Chronikschreiber führen als den Haupt- 
beweggrund der Handlang Rudolfs andächtigen Sinn und seine 
Ebrfiffcht yor dem Heiligthum an. Uns fällt nicht bei, solches 
zu bestreiten. Es lag das im Wesen Rudolfs. Aber einen Kopf- 
bänger kann man aus dem Pathen des Kaisers Friedrich H., 
dem ^frigen GibelUnen, der gegen die Feinde seines Kaisers 
gern in Kämpfe und Fehde sich warf, der im J. 1349 mit seinem 
Land unter päpstfiehen Inderdict fiel, dadarch aber nicht ge- 



hmfß wurde« wichi mach». Ab^ ietmoidk kcm&te «r 
iroumseifi» dazaaiich iretnidlKh, l^itsdigiiB^ IHme 

Züge ^Hrechea mis d^Sage mächlig mL Es ging ite nli^^ 
lea, wie schwär dem Priester sein geheiligtes Aaeit xnr Tmil^ 
«od GnadeBSpeode auf iem Stadtebette^ m der grooaeii» wdt 
Mseiiiaiufai^egeBden Pfairrei falle , ar sdh ۥ Bdbat, wie sdiwittrig 
der Gang, wie gefährlich die Bergsiröme dem amen gcJatUcheo 
Ataniie «eiea, — er gab ihm sein eigen Kerd« Bear Priealcr 
aber war ihm lud^ fremd, es war nidit nur die That pläüK 
K^er EingebiiBg. Eat war ja sein oder aänes Hauses Priesler, 
dte ^ in seiner Noth erblkdUe und der Jciein Pfedl zu hidtou 
▼ermodile, ja i^ nach der Meldang esiaa Chroaäisehreiba» 
ihm die ArnMilh semer Pfründe klagte. I^ modite woU ttaeh 
ein PflichtgeHihl zw Gid>e ilm bewegt haben wid zwar* wie d>eft« 
ftdb wieder Chroniken mitth^lün* nicht mar snr Gabe ^men^ 
witf er gi^rade bei der Hand hatte, sdnea Pferdes» sondem 
auch zur Gabe von Gittern. So Jiasal es jetzt noch im VoMüß^ 
der Pfarre ¥on Dietäon halte sich mi jMca- Zeil m Ptod 
und ZOT Pfründe gehöre eine Mi4le, mm daaielbe zn fiHtana. 
Die Volkssage, wefc^ interessanterweise noch gt^ianer und 
natürttcher ist, ab 4ie Sage der Chroniken « löhrt eidHeti Se 
B^^ebeirfttä selbst in die zur Pfarrei Dietikon, an der Land« 
strittse von Bremgmrten nach Zürich und im Kanlem Aargatt 
gelegene OrtschiA Rndol&tetlen. Von der Albissrile and dem 
Reppischthal strömt die zu Zeiten sflark ajiadiwdllende Bi^pisdk« 
In dieselbe fäUt von ^r HäMnbergseite dar Innabatärzettde 
Gffl^haftli , ^ddffich fliesst von der Höhe Beikona der Ran^l-' 
badi durch das I>orf in die Reppisch« Ueber eiam dieser 
Bache musste der Priester setzen, wenn er nach RodoUMIlee 
kommen wollte. Die Volkssage bezeichnet g^adezu dieBeppisdL 
In der Nähe der Kirche und des Dorfes DieUkon konnte okne*» 
hin die Scene nicht stattfinden, sie muss entfernter daron» in 
der dsimais einsamen Thalschlucht gesucht werden. — CH^ Ba«« 
dölfstetten den Namen yon daher empfangen , kann dahinge^elU 
bleiben. Zuerst treffen wir den Namen im J. läM^ ab der 
Söhne Rudolfs Rechtung aufgeführt wurde , somit geraume Zirit 
nachher, da wird nur der Herrschaftlichen Geridtte üb^ Dieb 
und FireTel erwähnt* Dann 1331 werden der Tifing und Bann 



«id & MiUe ab Umd fenamt ^ Wer mag der Ifrmtm 
gewesen seiii? Bei dem Schiedsprach über die Gremeii 4er 
Pfarreien zu Dietikoa und Winisgen im J. lSfi9 erscheint Rn* 
dolf von Habtbnrg» Canoniens zu Batel, Vetter Königs Rnddf, 
als Rektor da* Kirche zu Dietikon ; femer unter den Zeugen 
Chan. Präbendarins zu Dietikon und Chun. Vicepleban daselbst. 
S. HmrgoU No* 432. War es einer der Chunrad? Könnte 
sein Name in Mainz gefunden oder überhaupt dort Aufschluss 
über Am Kaplan gewonnen werden ? 

Wir haben uns an unser Gd>iet hdten müssen und stellen 
unsere Nachweisungen und Betrachtungai dar KriUk anhdm» 
Whr hi^en gegeben, was wir gefunden. Die Chronikrai haben 
adiw^lich erdichtet, die Urkunden und die Geschichle ent- 
gegnen nicht, sondern unterstützen. Die finseh noch erhaltene 
Volkssage stimmt mit Chroniken und den bestimmten gescUdit«- 
lichai Verhältnissen uberein. 

Vieles erklart die Geschichte als wahr, der Zweifel nagt nicht 
daram, es steht nicht auf so gutem Boden, ab unsere Sage. 



Wernher Schodoler. 

Mitgetheilt 



▼on 



Ph JVeis9enbach. 



Unter den Chronikschrc»bem der Schweiz nimmt Wemher 
Sehodoler von Bremgarten eine der Torzügtichern Stellen ein. 
Ueber s^nc^ Arbeiten und deren Werth ist schon Slanch^ ger 
achrieben und gestritten worden. Die Fragen ,, ob er und worin 
csr Urs{nrüngliches geliefert oder nur abgeschrieben und ergänzt 
habe» wo die von iiun geschriebenen und gemachten Werke 
sich befinden, sogar ob der gescbichtskundige Sehodoler Wenn 
her oder Balthasar hdsse, wurden schon öfter angeregt und 
besprochen, aber noch ungenügend gelöst. Schodolers Arbeiten, 
so wie sein einmal in der Geschichte der Schweiz ^ mngener 
Name verdienen es aber, dass man möglichst genaue Aufschlüsse 
Mdie und gewinne. Wir könnra uns zwar noch nicht rühmen, 

12 



*' 



— 9d — 



% . 



Über alle jene Fragen ins R^e gekommeB zu sein, aber Am-^ 
noch werden die bier folgenden Notizen einen Beitrag geben 
und insofern willkommen sein. Unsere Nacbforsebim^n nmis* 
ten sich aucb auf das Terrain dieser Zdtschrift beschränken. 



1. Litterarisehe Notizen. 

lieber Scbodoler spricht sich J. R. Iselin, der Heraui^eber 
Ton Gilg Tschudi's Chronik , in der Vi^rede zu diesem Werke 
im J. 1734 dahin aus: Petermann Etteriin's Chronik sei die 
^ste, im J. 1507, im Druck herausgekommene, w^ch^ sich 
Tschudi bedient haben möge, oder es sei diesem ein Ma^^seiipt 
Wemher Schodoiers, woraus Etterlin selbst das Meiste gekogen, 
bdkännt gewesen , weiches er mit grossem Nutzen habe ge- 
brauchen können. Dieser bisher beinahe unbekannte Auetor 
sei ein geborner Eidgenosse von Bremgarten gewesen , welcher 
in der Mitte des 15. Jahrhunderts geldbt habe und eine bis auf 
seine Zeiten aus vielen alt^n zerstreuten Schriften und Nach- 
richten zusammengetragene, bisher nur in Abschriften yorhan- 
dene Schweizer- Chronik hinterlassen habe. Wenn man Tschudi 
nicht hätte, welcher das Meiste davon in seine Werke gezogen, 
so würde Scbodoler unter allen Alten bei weitem den Preis 
erhalten. 

G. £. Haller meldet in seiner Bibliothek der Scfaweizer- 
geschichte, im 4. Theil, 1786 No. 383: Wemher Schodoiers 
Chronik eidg. Geschichte, Blanuscript in zwei Bänden, werden 
selten bei einander gefunden. Die Urkunde soll im Archiv zu 
Bremgarten liegen, auf Pergament geschrieben und mit schönen 
Zeichnungen versehen sein. Eine Abschrift in 3 Folio -Bänden 
finde sich im Gotteshaus Einsiedlen. Auch fin<fen sich Tbeile 
auf den Bibliotheken zu Zürich und Bern, bei H. von Zurlau- 
ben zu Zug, bei H. Honegger zu Bremgarten, wenn dieses 
nicht das Original selbst sei. Die Arbeit Schodoiers gebe bis 
zur Schlacht bei Pavia 1525. Der erste Band beschreibe sehr 
umständlich den alten Zürchcrkrieg, der andere den.Burgund^- 
und Schwabenkrieg. Der Bui^un^erkrieg sei fast wörtlich au$ 
Schillingen. Das übrige habe eigene Nadurichten , befondera 



— M -^ 

* 

T0II dai ScUaditeii ra Navarra uiid Marignaao. Hin oimI wie* 
der seien merkwürdige Nachrichten und Anekdoten, ai^h Ul^^ 
künden eingeräckt Schodoler scfardbe sehr, framätlug und 
sdione den Schweizern nicht, sorge aber sehrför den Ruhm 
seiner Vaterstadt Bremgarten, wo er zuerst Stadtsehreiber, dann 
Yon 1520 bis 1532 Schultheiss gewesen. Die Geschichte von 1480 
bis 1525 verdiene gedruckt zu werden. 

Im 5. Theil der fiibUothek 1787 No. 166 erwähnt HaUeii 
to Abschriften von Casp. Meier, W. Müller und L. Zinkh 
über den> siebenjährigen Zürcherkrieg , bezeichnet den Wemher 
Sehpdoler ^s den wahren Verfasser, dessen Name keiner der 
Abschreiber genmini habe, und fügt dann bei, Schodoler sei 
ganz auf der Seite derer von Schwiz und mit den Zürchero 
\ab%\ zufrieden. Er habe viel merkwürdige und wenig bekamite 
Nachrichten und Urkunden, er beschreibe besonders sehr weit- 
läufig die vorgefallenen Schlachten vor Zürich, zu St Jakob 
bei Basel, Wollrau, Ragatz, das traurige Schicksal der Be- 
satzung zu Greiffensee u. s. w. 

Die Helvetia oder Denkwürdigkeiten für die XXII Frei- 
stasUen der Schweiz. Eidgenossenschaft, 6. Jahrgang 1830, ent* 
hält in dem Aufsatz »Wernher Schodeler, Benedicht Tscfaiu^t^ 
lan und die historischeu Kopisten ^^ Folgendes über den Ersten: 
Aus der Vergleichung der im J. 1820 gedruckten Bernerchronik 
des Benedicht Tschachtlan mit Wemher Schodolers eigenhän- 
diger Besehrabung des siebenjährigen Zürcherkrieges habe man 
die Ueberzeugung gewonnen, dass Tschachtlans Werk nur eine 
Abschrift sd und zwar eine sehr verstümmelte. Jedoch könne 
nicht behauptet werden, dass Tschachtlan den Schodoler abge- 
sdirieben habe, Tschachtlan sei Utö gestorben, und Schodoler 
1520 Schultheiss zu Bremgarten geworden. Wahrscheinlich aber 
weisen bdde- auf eine gemeinsame Quelle zurück , wesshalb es 
wünscfaenswerth wäre, dass die Varianten und Zusätze ans 
Schodolers, Job. Frunds und Anderer handschrifll. Chroniken 
über den Zürichkrieg nach sorgfältiger Vergleichung ebenfalls 
tAs Nachtrag in besondem, Tschachtlans Werk beizufügenden 
Druckbogen bekannt ganacht würden. 

Wir fuhren nur diese einlässtichern Benaerkungen an und 
übergeben , was andere GescUchtsscbreiber über ihn gesagt und 



wie sie ihn benutzt haben. (So Hotting^, Blüler» Ghitz und 
^dare. } 

Wir wollen bei diesem Absdbnüte noch nicfat in die Umer- 
suchung der Arbeiten Schodolers selbst uns einlassen, sondern 
nur mittbeilen, welche Arbeiten Schodolers und wie sie sich ' 
in den aarg. B&lioÜieken und Archiven vorfinden. ^ 

1. In dem Archiv zu Bremgarten liegt, wie Haller vw- 
muthet, die HelveUa aber weiss, eine Original -Urkunde in einem 
Knbande, gross Folio. Sie enthält folgende Abschnitte: a. ^r 
Adel 9 der dem Haus Oestreich zugehörig und der im Aargau, 
Thurgau , Burgenthal , im Blauen und an der Etsdi in acht- 
hundert Jahren und auch davor sässhaft gewesen, b. Etwas 
von der hochbmihmten Stadt Zürich, ihrer alten Herrschung 
und ihren alten Creschlechtern. c. Die Beschreibung des Kriegs, 
der sich vor Zeiten zwischen denen von Zurich^und denen von 
Sdiwiz und andern Eidgenossen begeben. Beim Eingang nennt 
sieh der Verfasser Wernher Schodoler^ Burger von Bremgarten, 
und erklärt, dass er diesen Krieg zu Lob und Dienst seiner 
gnädigen Herrn Schultheiss und Räth und Bürgern zu Brem- 
garten beschrieben habe. Aus dieser Zueignung erklärt es sich , 
warum dieser Theil seiner Arbeiten in Bremgarten verbliebai 
i^. -^ Dann sind noch kleinere Abschnitte über verschiedene 
Erdignisse beigefügt. 

3. Auf der aargauischen Kantonsbibliothd^ befindet steh ein 
mit der Zurlaubischen Bibliothek erwori)ener Originalband eben- 
falls in gr<»s Folio. Derselbe beginnt mit dem Muhlhaus^- 
krieg 1468, erwähnt der Schaffhauser- und Waldshuterkriege, 
beschrribt den Burgunderkrieg, den vor Bdlenz, den Mailänder^ 
krieg. Laut einer Notiz habe dieses Original Seckehnräter 
KoUn dem Ritter B. J. Zurlauben überlassen. 

Diese bdden Originale von Schodolers Hand , sind mit eigen- 
Ihümlichen, colorirten Zeichnungen von Orten, Crefeclrten, La-^ 
gern u. s. f. geziert 

S. Aus der KlosterbMothek Muri finden sich zwei Bände 
Abecbriften vor, die den Verfasser unrichtig Balthasar Scfaodoler 
nennen und nidit wortgetreu abgesdirid>en sind. Wir kommM 
auf den Inh^t dkr dieser Manisscrqpte rarück. 



2. Biographische Notizen. 

Das Geschleehi der Scbodoler oder Schodeler treffen wir 
itti 15w und 16. Jahrhundert zu Bremgarten blühend. 

Ein Jenni Sehoddier erscheint 1407 als Bürger, 1435 als des 
Raths, er x^r Schwager des Schnltheissw Krieg Ton Bellikon. 
Ein Rudolf Scbodolw war 1452 Schultheiss und 1465 alt Schult- 
heiss, ein Henrich war 1484 und 94 Schultheiss. Unser Wem-, 
her WMT bis 1590 Stadischreiber. Von ihm sind noch Urkunden, 
Verhandlimgea» Register u« s. w. vorhandeo. Im J. 1519 fangt 
eat noch ds Stadtschr^'b^ ein Pfründenbuch an. In einem 
Fnch«- und Bürgerbuch ist yiel von ilun geschrieben. Mitten 
unter den amtlichen JMotken des Stadtschreibers schreibt der 
Geschichtschreiber die Stelle hinein : »Im Jar do man zellt nach, 
der mentschwerdung unsars Heyimachers Tusent hundert nüntzig. 
und ein jar war bem im Uchtlannd von Hertzog Berchlold Ton 
Zeringen zu Süfftenn angefangen.^ Offenbar sind abcir die 
meisten seiner amtlichen Arbeiten verloren gegangen. Im J. 1521 
erscheint Wemher Schodoler in einem vorhandenen Bürger- 
register ids Schultheiss, so noch in den Jahren 1529, 1532, 
1535; im Jahre 1531 wird et nur als Bürger, Hans Hedinger 
als Schultheiss aufgeführt ; im J. 1533 ist W. Schodoler zweiter 
Schulthitiss. In anem Manuale, angefangen an Hilari 1537, 
komi^ er im J. 1537 als Schultheiss und alt Schultheiss « im 
J. 1538 ab Statthalter, im J. 15^ als Schultheiss und im J. 1540 
als SchuUhebs und Statthalter vor. Das Bürgerregister vom 
J. 1541 beurkundet: Wemher Schodoler, Altschultheiss obüt 
1540. Das darauf folgende Verzeiohniss von 1543 enthält ihn 
Amm auch nicht mehr, wohl aber dai Meinrad Schodoler als 
Stadtschrdber, der in dieser Eigenschaft bis zum J. 1570 aul^ 
tr^ In den Jahren 1572, 1575, 1576^ 1587 ist ein jüngerer 
Wernber Schodotar, Sohn des altern, des Raths und Stadt^ 
schrdb^, von da an aber findet man keinen Sdiodoler mehr. 
£r war d^ letite seines Gctfchlechts. -*- Unsem Wemher Seho- 
iükt finden wir auch in zwei interessanten Urknnden des Ar«* 
c^?a zu Bremgartien. Nach der einen verkauft er, des Raths 
und Stadlschreibw, im J» 1519 den Hof zn Rickenbach samml 
einem OiittbeU Fisclwnz in der Renss, weiche jahrMcb 10 MüU. 



~ 44 ~ 

wenige 1 Vierlcl, Kernen Zuger Maass gdten und welche tob 
den Lüiharten von Meerenschwand erbs weise an ihn gekommen, 
waor 200 R. Goldgulden dem Spital zu firemgarfen. — Nsh^ der 
andern kauft 1522 Wernher Sdiodoler, alt Selmltfaeis» von 
Bremgarten, yon Abt Laurenz und Conyent von Muri um 120 
R. Gulden das Dorf Lieli und überlässt später dieses Dorfes 
Gerechtigkeit y wie er sie angekauft, an Bremgartaa. — Hdn- 
ridi BuUinger bemerkt in seinem Verzeidiniss des Geschleehts 
der Bullinger, dass Abraham Wüst von Bremgarten des Wernher 
Schodolers , des Schultheissen , Tochter geehliehet habe. 

Vor Wernher Schodolers Lebenszeit fallen die Ere^nisse d^r 
Kriege der Eidgenossen gegen Ziirieh , dahin auch die Schaff- 
bauser-, Mühlhauser- und Waldshuter-Kriege. Der Burgunder* 
krieg mit seinen nächsten Folgen mag sein Kindesalter berührt 
haben. Dagegen hat er den Schwabenkrieg und die Italienischen 
Feldzüge schon im bestandnern Alter erlebt, lieber alle diese 
Kriege hat Schodoler geschrieben und manche Scene daraus 
gezeichnet. Es waren das Alles wichtige und schwere Zeiten, 
welche nicht nur die Waffen, sondern auch die Köpfe in ge- 
waltige Bewegung setzten. Mit Schodoler griffen viele seiner 
Lebensgenossen zur Feder, um die um sie herum waltenden 
Begebenheiten zu schildern. 

In Schodolers späteres Alter fallen die Reformationskämpfe, 
welche auch seine Vaterstadt mächtig bewegten und ihn in die 
Wogen der Parteiungen warfen. Höchst Interessantes verzeich<- 
nete darüber Heinrich BuUinger, Pfarrer bei dem grossen Mün- 
ster in Zürich, Sohn des Decans Heinrich BuUinger von Brem- 
garten, in seiner Reformationsgeschichte. Beide BuUinger waren 
Lebensgenossen Schodolers. Der Vater Hdnrich, im J. 1469 
zu Bremgarten im wilden Mann geboren, wurde 1506* Leut- 
priester daselbst. Im J. 1529 in der Fasten {»redigte er dk neue 
Lehre und wurde darauf vertrieben. Er starb in Zürich im 
J. 1533. Sein Sohn wurde zu Bremgarten im J. 1504 geboren» 
im J. 1523 wurde er vom Kloster Kappel, wo er Schulmeister 
war , nach Bremgarten auf die Predicatur berufen. Er predigte^ 
die in Bremgarten angenonunene neue Lehre bis 1531, ab er 
im Ka{^lerkrieg aus Bremgarten wanderte. Später wurde er 
Pfarrer zu Zürich. In dies« drei Männern lag grosse Geistes^ 



— •* — 

kraft und ansgebniietes Wissen. Zu ihnen ges^en sich dann 
nodi der Sdmltheiss Hans Matschli , der bis auf sdnen Tod 
entschiedene Anhänger der nen^ Lehre, und Schnitheiss mid 
Mag. Hans Ifonegger , der eifrige Verlheidiger der ahen Lehre. 

Wemher Schodoler nahm bei diesen Känip£m in seiner 
Vaterstadt eine Stellung ein, welche auffallend derjenigen gleicht, 
wdche an dem Schultheissen Wengi in Solothum hojch ge- 
priesen wird. Als Ulrich Zwingli mit seinen Gefährten ab der 
Disputation zu Bern im J. 1528 zurück gegen Zürich fuhr und 
den Weg über firemgarten einscUug , hatten sich 50 Zürcher 
zur Sichcürang des Dinrchzugs in die Stadt geworfen, wie auch 
die Boten der katholischen Orte zur Verweigerung desselben 
^h bemühten. Die Bürger waren getheilt, die Parteien stairien 
Ceindsefa'g auf dem Markt und beim Spital, die Thore waren 
geschloss^. Da traten die beiden Scbukheissen Mutschli und 
^Schodoler Tor das untere Thor, bot^i Unterhandlungen an, 
bewirkten den ungestörten Durchzug und verhüteten den Aus« 
bmch feindseb'ger Reibung. 

Als darauf 1529 der Decan Bullinger auf der Kanzd für 
die neue Lehre sich erhob, der Rath ihn beurlaubte, die Par- 
teiung unter den Bürgern gahrte , Boten yon Zürich und den 
5 Orten warben und einwirkten , war der Ausbruch des Bürger- 
kriegs noch drohender. Schon standen 4ie Anhänger der 5 Orte 
mit Harnisch und Wehr beim Hirschen, dem Gasthaus der 
5 Orte, schon sammelten sich die Anhänger Zürichs yor dem 
Ochsen, wo die Zürcher Boten waren, ebenfalls in Harnisch 
und mit den Wehren, schon liessen die vom Ochsen ihre Spiesse 
meder und wollten gegen die beim Hirschen laufen, al& alt 
Schnitheiss Wemher Schodoler und die Zürcher Boten sich 
zwischen die Parteien warfen und sie Ton einander brachten. 

Nach der Schlacht bei Kappel, da Bremgarten Ton Zürich 
und Bern yerlassen, den Waffen der katholischen Orte preis- 
gegeben war, begab sich Wemher Schodoler, der alte Schnit- 
heiss, als Abgeordneter mit Jakob Hofimann nach Muri, wo 
Truppen lagen, um sicheres Crekit und Frieden zu erhalten. 
Später wurde Wemher Schodoler wieder mit Schnitheiss Johann 
Hedinger und Jakob Hofimann in das Lager der 5 Orte zu 
Hägglii^en gesendet, um die Friedensbedingungen für Brem- 



— 96 — 

gidrten aHscnwirken. Hier wirft ihm BulÜDger die Verwendwg 
(m die Einfubrung der alten Lehre vor. Schadoler hat sUk 
mehr zur alten Lehre hingeneigt. Aber wo wir ihn als han«- 
delnd und eingreifend selbst nach Bnllinger antreffen, steht er 
immer in einer vermittelnden, für das Wohl seiner Vaterstadt 
berechneten würdigen Haltung. Wir finden ihn geachtet und 
an den höchsten Stellen zu den Zeiten, als die der alten und 
die der neuen Lehre die Oberhand gewonnen. Wie er frei- 
müthig über Freund und Feind schreibt, so bider stürzt er 
sich unter die erbitterten Mitbürger und verhütet Blutvergiessen. 
Durch diese biographische Notiz ist Halters Bemerkung, 
dass Wemher Schodoler nur von 15^ bis 1532 Scfaulthdlss 
war, berichtigt. Dadurch ist auch die falsche Benennung des 
St. Galler Kopisten und der Abschrift der Klosterbibliothek zu 
Muri, welche Balthasar Schodeler schreiben, beseitigt. Denn 
zudem kömmt in den noch vorhandenen Bürgerregistem kein 
Balthasar Schodoler je vor und in dem Originalmanuscript zu 
Bremgarlen über den Zürichkrieg nennt der Verfasser ^b ja 
geradehin Wernher Schodoler. 



(Fortsetzahg folgt) 



i— W — 



Drei Urkunden 

über 

die Rechte des Freiamts auf dem rechten Reuss- 
ufer j der Yogtei Berkan «nd der Stadt Brette 

garten im 14. Jahrhundert, 

mit 

Bemerkungen zur Landes- und Rechtsgeschicbie 



voa 



PI, JVeissenbach, 



Nach der diefter Zeitscfarirt geseüeien Aufgabe soH besonders 
auch den Quellen der Recbtsgescbichte das Augennierk i^nge* 
wendet werden und £war in der Weise, dass nach und uack 
alle altern im Kanton Aargau yorfindhchen RechCsquellen mit- 
getheilt und mit Au(scbluss gewährenden Notizen begleitet 
werden. 

Wir beginnen mit der Gegend an der südöstlichen Grenze 
des Kantons und streifen dabei in den Kanton Zürich und seine 
Recbtsgescbichte *) hinüber. Von da weg werdtn wir dann 
unsere Fotschungen fortsetzen. 

Die hier gebotenen Urkunden sind: 

1. IMe ReebtuBg des firygen Ampfes, zur Zeit der ödtreichl* 
sehen Hersehaft, nach 1282, vor 1415. 

2. Die Rechte zu Bargken vom Jahr 1348 am St. I^lauA 
Abend. 

3. Der Stadt BrMigartett Handtve^tin , oder das alte StaiHr^ht ;^ 3 A 
vom Jahr 1309. - ^ 

Die Offhüngen des freien Amts und der Vogtei Berkon, 
No. 1. und 2., liegen in dem Archiv von Bremgarten zusam*- 
tnengebunden. Nebst ihnen fittdeii sid^ itt dem Rand noeh füt \ 



^) t)ie in Dr. J. C. Blttntsehli*s Züreh. äuau- und Rethtsgeschichte 
ihre vorxtglkhe Besrbeitiuig geftiaden. 

13 



— 98 — 

Der Nutzen des Amptes Fürstenberg ze Mure an Kernen mid 
Roggen und ouch and Gült; femer: Die Rechtang des Kelr- 
anipts. — Die Handveste yon Bremgarten liegt ebenfalls im 
Arclny zu Bremgarten. In der hier benutzten Urkunde, deren 
j<äegel zerfallen, fehlen Eingang und Schluss, so wie auch 
Worte Tom Text, welche wir aus der im Freiheilen -Bach ent- 
haltenen Abschrift ergänzt haben. 

Diese ausgewählten Urkunden mögen sidi besonders zu einem 
den Blick öffnenden Anfang eignen, indem sie in dar gleichen 
Gegend, unter ähnlichen Einflüssen und zu gleicher Zeit empor- 
gewachsen, doch die Manigfaltigkeit damaliger Rechtsgebilde 
entfalten. Alle fallen in die Zeit Habsburgisdi-Oestreichischer 
Herrschaft, enthalten Landrecht, Voglei- und Genossenrecht 
und Stadtrecht, beleuchten somit diese Verhältnisse, so wie sie 
andere geschichtliche Aufschlüsse geben oder ihnen rufen. 
. Wir lassen diese Rechtsquelleu wörtlich hier neben einander 
abdrucken, hierauf folgen Blicke in die Geschichte ihrer Ge- 
biete, endlich Erörterungen zu den mJtgetheilten Urkunden. 



1. Die Rechtsurkunden. 



Die Rechtang defz frygen Ampts. 

1. Item. Es ist ze wüssend , das Fryampt ze Afholtem mit 
disen nachgeschribnen Rechten , gedingen , fryhdten ynd gnaden 
Yon alters har kommen ist, de3 ersten dafe man diae geding 
Tud fryheit jerlich offnen sol ypr den Gnossnen zwürent in dem 
jar. Einist ze Meigen ynd Einist ze Herbst ze Rifeschwile in 
der weidhub, vnd sol man ouch das verkünden den gnossen 
vnd Jen gebietten, vnd wer^ ligende guter het in dena_ampt 
sjfeen schu^wit vnd breit, ynd jechlichem künden ze HuiS) ze 
Hoff oder vnder öugea davor ob viertsei^n tagen vnd vn4er 
drip wuchen, vnd welcher Gnois zu der offnug nit kunt vnd 
by dem gericht ist, so ein Vo]^ ze Recht sitzet, der ist dem 
Vogt verfallen Sechs Schilling ze bus, die mag et nemmen an 
Gnad. Es wäre denne^ dais sich Einer entachlahen piöcht mit 



— 99 — 

skieiii eidy daüi er im nit yerkmit were, noch ioe T^rBomen 
heCle. 

2. Man sol ouch wüssen, vnscr Herscfaaft Ton Oesterrich 
Gr rfsehaf t offnen ynd alsq^ymbgan, die gat gon Zuffikon an 
den Wendelstein ynd über gon Dieükon an den Scheffelbach 
ynd des uf gon Honrein an^ die vor an ynd des über an dem 
mitel Zürichse ynd des nf gon Arne an den bach ynd an schnew- 
schleissen ynd gon Zug an den Lowern ynd des hin an die wagen* 
den studen noch by Zoflfingen, ynd sol ouch da zwischeod nier 
man kein Hörn erscfaeUen , noch kein gewild yellen, nodi keine 
wig hafeen buw han , denne dem es ein Lanlyogt gan. ^ 

3. Es sol ouch in der selben Grafschafiliberjdas blut niema 
Richt en denne Ein Lantgraf oder der, dem er es empfilet, ynd 
wer ouch in der Grafschaft, wer es ist, dheinen schedlichen 
Man yacht oder anyallet, der sol inn Einem Lantgraffen ant- 
wurten oder dem, der sin stathaher, als gefunden ynd in all 
wi& ind ma(s als er inn gefangen het, denne sol man im den<- 
sdben Man abnemen ynd anders nit. 

4. Item beschicht Ei^Jlotgdilag in der Grafschaft, in weli- 
chem gericht denne das beschickt, d ajsol ein R ichter, der in 
demselben Twing ze Richten het, das erst sin Gebot inne han 
ynd sol mit lip inn nemen ynd denne sol er ymb die sach den 
Stab mit dem Rechten ynd mit yrteil yon im ^d>en einem Lant-^ 
graffen oder dem, der es zu sinen banden tun sol ynd mag, 
ouch yon dsnLjotten lichname denne zemal ein Wortzeichen 
nemen, indem er tod ynd leben was, mit Gericht ynd yrteil, da 
man das Fürgebot nimpt, dasselb Wortzeichen sol man fürren 
zu den zwein Lantgerichten ynd mag man denne dar ab Richten 
ynd klagen in all wifs ynd mafs, als ob der tod Lichname ze» 
gegen were ynd stunde. 

5. Man sol ouch Richten umb das blnt ze Berkon ynd 
Rifferschwile , ynd dewednem gericht der todschlag necher ist 
beschechen, da sol man haben das erst Lantj^ericht ynd ander 
geridit zu dem andern; und das drit gericht sol man haben, da 
das eirst was, ynd sol man ouch den lüten, die den schaden 
getan band , zu jd^Mchem Lantgericht fürtagen ynd das yerkün» 
den zu dem HuÄ, do sy da zemal zemal ze Hüls wäret, als der 
sdiad beachaeb, ob yiwtzechen tagen ynd ynder drin wuchen als 



— wo ^ 

m ßlQhier m vmb tag §^i^ yni wq^o m loan dem ^q fiiur« 
geholten ist, nit für gericht vnd sich vssprichet, so wirt an. dem 
driUen gericht erteilt dem liantgraffen vmb alles sin gut ynd 
den fründeu oder dem Kleger sin Hpvnd leb§p. 

6, Vnd wcnne Ein Richter vmb di^ BUit richtet vnd man 
fiaem Sechgr rufet ze antwurte« einem kleger» gat denne de? 
secher an das gericht vngebundeo vnd yng^fangen von byrgen^ 
vonTstetten, von holz, von veld, vnJ da Einen frjeneid schwe- 
ren wU vm die sach, den Eid sol man im nemen vnd sol maa 
ipp Qeme^ für ymb die sach vrisen , vnd sol damit von d^r saeh 
ledig vnd lofs sin. Were ouch, da fe die fründ vmb die sac b 
yit U^i j cen j WQUgg^ roöehtend , denne mag eiü Lantgi^ 
d ftrvmb klaye^Lv ^d die gericht volfüren^ ""~" ^^'^ ^ 

7. Wer Quch, 4^6 jeman in der Graffschaft a bsturb^ ^ 
Elrben, desselben gut » das er laset, sol &mx fryer Amptman 
^^che», vnd sol das inne halten jar und tagrisl^^enne da6 
^^w^schend nieman kunt, der desselben recht erb ist, $o aol 
man es denne ein em re chten Lantgrafien antwurten. Besehedie 
ouch» dafs dhein gut in der Graffschaft funden vFurd in der erd 
oder uf der erd, d^s sol man antwurten einem Lantgr^ifen, 
Wer^^ Qucb da& dhein Fich sich verluffe in der Graffschaft, da^ 
King eii | fgyer Aipptmawu inri gchen , vnd sol das halten dry tag 
yp4 fech;$ wucben nach swt mathi^s tag, vnd ist dazwüschend 
ioip^p kunt^ de« da» Fich i$tt der sol dem Amptmann siaeQ 
$<^had^ ^ege»^ 

8,. Vpd d^ime; tat ze vü«sep vop des Gerichts weg^ in de» 
^rj^g§ippt de$ ersten veppe Pdan das meyengeding hett, w^ 
4f^ da in gericht eij^n vnd ^fb ^n^prifiht, dar vmb 3fd d^ 

eriit gwcbt sin ^ Riffer^chwile in dem meigengeding vnd den^e 
die andere gericht zc Affholtern, da sol die sach volfürt werden 
9. h\ <>nch daft ieman ligepde gü^ bei in demsdB>en- 
Frycnwipt, y«4 ^f die verkQ^ÖetÄ will, der »qI sj des eralea 
Y ^ietep siffiei» gQ tejletjgn, vpd wellend «y «» koufe», er ^ 
da$ ipen geb^ al$ beficheideidicb int ; woM^ «y aber «6 »H 
kAitfQPt dwio i|ol ca^^s hietgp §i9§a nsidisteft erbe» Q*ch im 
4e«aQlb^9 piai)i, ypd ^Qltepd eß die miim vdt li<^itfeo, dorne 
sol er es t^ieA 4^9 gn4M!^ep; wältei4 abet e» die gi^os9<»i .pit 
kouSe« t deppe mg vm e§ ipi die wiUwitte ulirulfii, lind w#r# 



OB^, dais eia gaoh- abo tob den andern göttn konft«, die 
ntng «iD ^oft dem andern gnossen vigeb«» vnder tiee tagen 
in sia haud an offiter atrai», vnd het im damit geverligel; konfl 
ti)&: eia «ifBofs jJHU*!)*«!! göirp« in denMelben ampl, dw sol 
ei eropbahea tod «iiiein..Fre):enamplman. Wer aber, dafs er 
di« gül«- veneit jar vod tag, vnd sy nit empBeng«, die mag 
denne eio^J^i^e^üiliiua ja sinjuiid aiechffli; 'vnd velidi gat 
ia demselben aiupt bei vnd besitiet zecben jar vnd nun Lon- 
prisen von menliebem vaanaprocben sin gewer behaboi, et rj 
■vip oder man, vnd ion dab; ein Her sclürmen. Vnd koof ein 
vngnola güt^r , die mag im ein gaö& in den jarzilen abziecben 
vwl im stnen pfandscminiig indergeben , vereut in die' gül» 
TOrUn nit veil geboUen; vnd sol man nocb kein ligend gut,, 
die gelegen gint in dem Frienampt gwünnen noch Teriieren, 
d«we aH den stettcn, da sy gelegen sind in denselbeo t^ingen. 
'ampt rnd die in der 
, vou^Blesien gege n 
n griff in das andair 

rf vft der Vogtong 

der soll denne die- 

wwe oudi, dafs das 

OBS Haren wegen 

mag das ampt die- 

halten dariuM, als 

[en aohirmen. 

Üzel, der aol eineaa 

Herren dienen jerlicb iwüren im jar cmee scUUing pfennig h 

rbst vnd jerUch ein FiarteL-faalMr 

ich das «mft ^enen mit schilt yod 

Itt daheim _ajttid , was man ia*a 

rag«. 

'ryamt richtet vnd da jn ne stoe t 
>B sjnen eignen heim, der so! 
ifi/mt dannenitlD in das Fryampt dienra, T«d sol ina daiiy tm 
Hwf Kbirmen als^^ andrtn irjeu man. d« zu. wenne ein »an 
wbt iiik die GraQsctäft vnd d« imte ailz«t jar vnd lag vnar* 
4K4«lteit., der wl d«tiM ovoh dttensB in das Frjampi, md 



~ IM — 

welich sich Ton sinen dgnen Herren kouft vnd m^ejGr^ 
schuft sitzet, der sol oucBT in das ftjampt dienen vnd sei inn 
oueb däby ein H^r schirmen ynd halten. 

14. Vnd welTch ze Tansen gesessen ist ob den weg rnd Tf 
der Bullihofstatt nid dem weg, die geb(^rend gen A£foUern ze 
gerichty yi^d wer euch ze Lunnerren sitzet enned dem bach 
Tnd des Weidingers hofstat ynd yf des Bachers hofstat, die ge- 
hörend onqh gen Affholtern ze gericht , ynd wer euch ze Riffer- 
schwile uf Wanglishofstat ynd uf Lültzelshofstat, of Floris^f- 

' siaA^ die gehörend ouch gen Affeholtern ze gericht. \^nne 
ouch ein wip oder man yfs d em Fryen ampt ziechen wilTuen 
sol ein Fryeramptman beleiten ein tag ynSTein nacht ynd nit 

.für, wölte"aBer , dafs man inn für schirmte, darymbt sol er 
dem amptman als Liq> tun. 

15. Vnd ist ouch ze wüssen, dafs die Strassen yon Riffier- 
schwile gon Berkon offen sin sond, wenne man sie bedarf, also 
dafs ein Biderman einen wifsbom yor im füre yf sinem sattel, 
der achtzechen schu lang sje. Item dieselb strafs sol gan yon 
der weidhup yon Berkon ob Wile hin ynd des hin gon Arne 
ynd des hin durch Isnetten ynd yon ferenbach des hin yon 
Otebach gon Lo ynd dennehin gon Affholtern den alten weg 
ynd yon Afiholleru durch den Hombach gen Herferschwile an 
das türlj yor dem buch und des hinab die fad hat gon Herfer- 
swile in das Dorf Ij yor des Hentschers hufs ynd ab ynd denne 
des herüber den zossenherg uf die weidhub gen Rifferschwile. 

16. Item man sol Einen Amptm an in dem Freyenampt wdlgn 
vnd ve rlieren mit der meren band der gnossen, ynd sond das 
tun ze Meyen vnd ze HeiBisl vnd wen sy erwellend mit der 
meren band, den sol inen ein VpEl S^l^^9- 

17. Ouch ist ze wüssen, dafs in dem Fryenampt nieman den 
andren bewisen denne vmb dryerley Sachen, das is das erst 
vmb mord, das and^ kätzry, das drit vmb brand ynd vmb 
kein ander sach. 

18. Wer dem andere sine kind beschwert oder anspricht 
der E, vnd er es im bdiept mit dem Rechten, der ist verfallen 
zechen pfont dem Herren vnd sol den andren entschatgen, vnd 
wer dem andern sine lechen beschwert oder abenpfacbet vnd 
das koatlich wirt, dar ist verfallen zechen pfunt dem Herrn, 



- los . 

▼ad sol iea andren vidw in geyrer setzen vnd sol inn enl- 
schadgen. 

19. Oucb ist ze wüssen, dafs mia Herre bat vier bmsen in 
dem Frienampt, da ist die erst dreje scbitliog, die ander nun 
scbilling einem kleger und dem Herrn ein pfant siben scbiUing, 
die drjtt ist dem kleger drä pfimt vnd dem Herrn nän pfunt, 
die viert ist dem kleger nun pfant und dem Herrn siben vnd 
zvenzig pfiml. 

20. Ouch ist ze vrüssen. dafe der Hoff ze Zwillikon nd 
der Hoff ze Escfae, die sond dienen in das^Fryampt mit scbiH 
vnd mit sper. wenne das Frjan^treisen ^os , vnd damit sond 
sj gedienet han vnd sol man sy nit förer bekümbren. 

[Die folgenden 4 Satze anf dem letzten Blatt sind nnleseriich.) 



Die Rechte zu Bergken. 

Dis sint die Rechte, die die Herschafft von Schönenwerde 

ze Bergk«n in der Vqgtje zu jr IiütenlMsEef gebept vuä bdcE 

band, die sy ro o^ Laben b and von Habspurg, die geöffnet 

vrnrdeu ze Bremgartenn in Jungber Hartmans Hals v^ Scho- 

Denvrert. Da zugegen warend die Erber Lüt bienacb veavcbribm 

Heinrich Büler, Cunrat Becberer, Hans Zenagel, Hans von 

Lete '] , Cunrat Vnnützze, Heinrich Ejgensetze von Obreberikon, 

Bnrgi Hans tob obre Berkon, Heinrieb dem Hoffacber, Vli 

lie dis hortend offnen vnd sich 

end vrand das es recht geöffnet 

h&cb dis da von Gottes gebnrt 

ierizig Jar darnach im achtenden 'Sh ^ 

I die drä gedinge han, Eins ze 
Eins ze sant Hilaristag. Vnd 

sol man an den drie tagen rech- 
dem «stm. vnd sol man denne 
geben Sibennedit^es , ob es 



") Die Abschrift im Prsibeitenboch von Bremgarten scbreibt BRote". 



^ 104 — 

üMdurftig wer , vnd mag es nit gericht werden denne tf den 
tag, so die nachgeding beschicht, so sol man denne yf 4es 
necksten g^mg Warten. 

2. Es sol ouch Ein Herre vn d Vogt denne s elber ge gerich t 
sitzen ob^er mag vf die drü gedinge ynd sol sjn ein beschirmer 
Yor übrigem gewalt , mag er aber dahin nit kommen, so soi er 
sinen Amman da han mit vollem gewalt als ob er selb da were. 

3. Item die Vogtye Eins Herren gat ze Liele vf den Rein 
vnd an den gnöten stein vnd ze Taiachern in den Bach vnd 
denne ze Duggen an den Bol ob Znffikon. 

4. Was in den verscfariben Zilen bes<^ieht , das sol Ein 
Herre richten , es were denne einer verlnmbdet wnrde für einen 
offiien Diep , den i^ol der Herre s^ber oder sin A^ptman zu 
sinen Händen vachen vnd sol ze e inem Lan tgerichP^twiirten. 

5. Wen de ouch Einer in3en^vorbenempten Zilen ze tod 
erschlagen, den sol er ouch fachen vnd einemLantgeric ht an t- 
wurtten. 

6. Bescheche Ein notffog da in denselben zilen, den sol er 
^n^ vachen vnd dem Lantgericht^ ze antwurtten/ ^ 

7. Item vmb Ein^Ealz<^ge vnd vmb alles das, das dem 
man den lib genemen mag, da sol ein Here einen vmb vachen 
vnd eine m Lantge richt antwurten. 

8. So ein Amptman da sitzet, so sint die eroten dry Schil- 
ling, die da gevallend, eins weibels. 

9. Ein Herre sol ouch gesten richten alle Tag, so es not^ 
dürftig ist. 

10. ¥ia Herre sol ouch in den vorgeschribnen Zilen rich- 
ten vmb_AlIes, das den pfennig gewinnen vnd verlieren mag an 
vmb jdie^ vier Jörgen. Ding, die dem Man den Lip nemmet oder 
genemme mügend. 

11. Item Ein Herre sol ouch vmb alle ding richten als vor 
verschriben ist vnd git er einem pfand nach Vrteil, das sol er 
l^ben necht in dem gericht lassen b'gen vnd sol es einem Woibel 
empfdchen , ist es ein essend pfand , so sol er es fiiren vf die 
Hut) ist es ein ligend pfand, so sol er es gehalten, als er de«i 
gericht vnd dem Kleger darvmb welle antwurtten, vnd wenne 
die Siben necht vs werdent, so sol er eins Herren Weibel als 
lieb tnn, das er im es vsschrige, ob er. gast ist^ vnd wenne er 



— 105 — 

ea Tsgesekriget, so sol er es an dem nechsten oflneti merkt 
forren, vnd sol lösten, so er jemer meist mag, wirt im für, 
das sol er dem, des das pfind was, widergeben, gebrist im, 
da sol er fürbafe das gericlit Tmbsacben , ob er welle vnd et 
im fuge. 

12. Ilem füre ouch innati io die Vogtje vnd forte ein 
pfutd an recht darvis, dem su) ein Herre nachriteD rnd sol et 
wider in schaffen vad einem denne mes rechten gcslatto», 
bietlen vnd tun. 

13. Item wer in dem Iwing nlzet vmb alle Bussen, die einen 
Herren antreflend oder zagehörend, Atr ir keiner vellig wirt, 
der sd sieb darvmb an eins Herren Hand sielien vnd im in 
S^ben nechlen gebessren. 

14. £in Herre sol oucb enkeineu den andren, der so in 
dem Twing sitzet, mit geistlichen Gerichten lassen bekümüren, 
er sol das recht von im Ineteu vnd oucb tun. 

15. Ein_ Herre sol outh Vier setzen, z wei nidnan in dem 
Dorf vnd zwe^obnan, die^e gebursame «rwelt, vnd sönd die 
des durffcs autz vnd er behalten vnd das «cbwerren ze d^i 
Ueilgen ze tuende, ob sie der Herre nit enbem wil. 

Item die Vier sond.oncb dargan mil eins Herren rät vnd 
willen ob sy mügen vnd snieu der gebursami Höltz geben , 
jecklichem nach siner notdurfl, möchten ly aber des Herren 
nit han, so sullen sy es an in lan, als noldürflig ist, als wen 
es inen von im oder sinem Amptma erloubt wirt, vnd bj d«n 
eid, so sy darvmb geschworen band. Wer aber, dab jeman, 
der Viere Gebott übergienge keineswegs anders denne sy biessen 
fias sy denne daruf satztend, die ^nong sol man dem Herren 

r genot etn nüw Husz buwen, der aol 

kome, «il er es aber susl betsren, der 

ullent ouch keine einig vfsetzen an eins 

ils rät vnd wiissend. 

Man sol ouch aUe einig einem Herren bessren an dicin di« 

veld einig, die vfgesetzt werdet, so Jas veld gebannen wirt, 

d ie veldeinig s önd die Vier mit eins Weibels vnd der gebureami 

wüssend vnd willen vfsetzen , vnd da die einig verscholdt werdet, 

ii 



— 106 ~ 

die sol die Gebursaini so verre mit einem Herren teilen, alt 
sy wellet , dafs sy inen mit siner Hilf werd ingewunnen. 

18. WO ouch jema in dem twing von not wegen sine gütter 
TerköiTen, der sol sy sinnen geteiletten bie ten in dem twing, 
mügen es die, das sol der Here lassen gut sin, mügen sy es 
nit vergelten, das sol aber ein Herre gut lan sin ynd sullend 
aber die geteUet oder die ^nossen einen Herrn sin tagweid 
tun darymb, dafs er in die Vogtye gunni, ynd mügen sy es 
nit vergelten, so sol er sy dem Vogt bieten, wil sy der nit 
köffen, so sol_er sy in die witweity bieten^ vnd wer sy da ge- 
köffet, der sol einem Vogt den dritten pfennig von den güttem 
gen, dafs er im die Vogtye gunne, oder er müge es denne an 
sine gnaden mit mine überkomen. 

19. Item wer die Vogtye het, er sitze vf dem Twing oder 
in, dafe er ir vil oder lützel nüsset oder nutzet, der^^git^eingm 
Herren ein Herbst Hjin vnd ein Vasnacht Hun. 

Wer ouch die Vogtye nit het vnd aber wun vnd weid nutzet 
oder den bach dheinen weg bruchen wfl71Ier^t ein Vasnacht 
Hun. 

Ein Herre sol ouch vmb sin vogtstür alle die pf enden, die 
in dem twing sitzend, wa er es findet, es sige an Holz, an 
feld oder in der wasserschaft, wie er sy findet ia den zilen, 
als vorgeschriben ist. 

20. Es mag ouch jecklicher vrteil sprechen, es sol aber 
niemand keine ziechen , wsudcT denn zwey der genossen volgend 
vnd einer mit im ziechet, vnd so er zweimal für gericht kunt, 
mag es denne nit vsgericht werden, so sol er es für den Herren 
ziechen, ob er inn han mag. 

21. Die gebursami sol ouch einen Hütter vnd einen Förster 
erkiesen, vnd so si inn erwellent, so sol im ein Herre liehen, 
möchtend aber die Dörffer nit mitenander übereinkommen, so sol 
sy Ein Herre mit dem rechten thwingen, einhelleklich ze erwellen. 

22. Wer ouch recht da wil nemmen, ist er ein gast, der 
sol offnen, wes er den, den er beklaget, ansprechen wil^ vnd 
wil er denne recht von im da nemmen, so sol er im es ouch 
tun, will er das nit tun, so sol an rechten dannan gan. 

(Fortsetzung folgt.) 



( 
^ 



— 107 — 

Die Aargauische Raotonsbibliothek. 

Mitgetheih 



▼on 



Vrof. Dr. Heinrich Kurz. 



Die erste Grundlage der Aargauischen Kantansbibliothek 
wurde im J. ISOi durch die Erwerbung der Bibliothek des 
yerslorbeneu Crenerals von Zurlauben gebildet. Die Zurlauben- 
sehe Sammhug selbst war zwar schon von frühem Gliedern der 
Pamilie angelegt worden» allein erst durch den durch seine wissen- 
schaftliche Thätigkeit in der gelehrten Welt bekannten General 
Beat Fidel yon Zuriauben war sie zu der Bedeutung gelangt , 
dasis sie für würdig erachtet werden konnte, zu einer Staats- 
bibliothek erhoben zu werden. Nach seinem Tode war sie Ton 
der heWetiscben Cenlralregierung angekauft worden, und als 
diese sich auflöste, übernahm sie der Kanton Aargau um die 
Summe yon 19,072 L., eine Summe, die immerhin bedeutend 
ist, wenn man bedenkt,^ dass der junge Staat nach allen Be- 
ziehungen hin grosse Ausgaben zu machen hatte, die aber mit 
Rücksicht auf den innem Werth der Sammlung ab sehr gering 
erscheint, da General yon Zurlauben, yon dem wir später eine 
detaülirte Lebensskizze geben werden , den grössten Theil seines 
thätigen Lebens dazu yerwandt und keine Kosten gescheut hatte, 
die ererbte Sammlung zu erweitern. Da er ein Mann yon yiel- 
seitiger Bildung war, so fanden sich in seiner Bibliothek beinsdie 
alle Wissenschaften repräsentirt, jedoch war besonders die Ge- 
schichte, und namentlich die französische und die Schweizer- 
geschichte sdur reich bedacht, weil der Besitzer diesen Zweigen 
yorzüglich seine Studien gewidmet hatte. Wir glauben yer- 
sichern zu dürfen, dass die französische Creschichte sowohl im 
Allgemeinen als die der einzelnen Proyinzen in keiner andern 
Bibliothek der Schweiz so reich begabt ist , als in der unsHgen , 
und, dass wohl auch grössere Bibliotheken Deutschlands sich 
in dieser Rücksicht mit der unsrigen kaum messen können. 
Uebrigens besteht dieser Reichthum nicht gerade in solchen 



-• 108 — 

Werken, welche wegen ihrer hohen Bedeutsamkeit allgemein 
bekannt sind -*- obgleich anch di^e nichi feUen — sondern 
Yornämlich in solchen, welche ausserhalb Frankreich selten an- 
getroffen werden mögen. 

Ein grosser Reichthum der Zurlaubenschen Bibliothek — wenn 
nicht der grösste — besteht in der Manuscriptensammlung , 
welche schon bei Lebzeiten des Generals <lie Aufmerksamkeit 
der Gelehrten in hohem Grade erregt hatte, so dass sie auch 
yielfäUig benutzt wurde. Schweizerische, deutsche und fran- 
zösische Gelehrte, unter welchen wir nur Schöpflin, Zapf> 
L. Meister, Iselin, Gerbert, Neugart, Herrgott, Le Merciw, 
Grandidier nennen, stapden in lebhaftem Briefwechsel mit Zur- 
lauben, der ihnen die mit der grössten Ausdauer und Auf- 
t)pferung gesammelten Schätze bereitwillig zur Benutzung üb^r- 
liess. So besteht der ziemlich dicke Quartband: Monun^iita 
Anecdota ed. Zapf, zum grossen Theil aus Urkunden, die ihm 
Yopi General Zurlauben mitgetheilt worden waren. 

Diese Manuscriptensammlung enthält freilich nur wenige 
Handschriften , die einer frühern Zeit angehören ; wohl keiae 
reicht über das 16. Jahrhundert hmaus; ja bei weitem die 
grösste Zahl derselben st^onmi erst aus dem 18. Jahrhundert. 
Allein wenn die Sammlung dadurch an äu&serm Werth ver- 
lieren mag, so belehrt uns eine genauere Prüfung doch bald, 
dass sie trotzdem von grosser innerer Bedeutsamkeit ist, und 
wir werden nur um so mehr von Bewunderung gegen den 
Gründer derselben erfüllt, wenn wir sehen, dass ein grosser 
Theil von ihm selbst geschrieben worden isA, das Uebrige bei- 
nahe ganz aus Abschriften besteht, die er für sich hatte machen 
lassen. Viele Bände der Sanunlung enthalten freilich nur Au$- 
züge aus gedruckten Werken, Studien des Besitzers u. dgl. Bau 
und erscheinen daher als sehr untergeordnet; bei weitem die 
meisten aber bestehen aus Copien von altern Urkunden-, Chro- 
niken, Urbarien und andern Denkmälern der mannigfaltig3te& 
Art. Und diese Abschriften erhalten nicht bloss dadurch ud- 
bestreitbaren Werth, dass sie mit der grösstiNi Sorgfalt uad 
diplomatischen Genauigkeit geschrieben sind -*- Zurlauben hat 
sie, wo es immer möglich war, stets selbst mit dem Original 
verglichen; viele sind sogar mit gerichtlicher LegaUsatipn ver^ 



— 109 — 

B^ktm -^ sondern ganz TorzägHeb dackircli, Ams wir in ibnett 
eine Sanimlai^ von Urkmiden nnd bisioraeben Quellen aller 
Art besitzen, wie sie in dieser Vollstiindigkeit gewiss nirgend 
annitreffen ist. Denn Znrlanbeti bat alle Archire und Biblio* 
tbeken, öffentlicbe sowobi als ron Privaten, nicbt bloss der 
Schweiz, sondern andi Frankreicbs nnd einiger Gegenden 
Deatsdilands im Yollsten Sinne des Wortes ausgebeutet, so 
dass seine Sammlung auf einmal darbietet, was man in bundert 
mdem Arcbivea und BibKotfaeken mit grosser Mübe und ninr 
But yielen Kosten . zusammensucben müsste. So ist, um nur 
Ein Beispiel anzufäbren , gewiss nirgends ein so grosser Reieb* 
tbum Ton Quellen für die Geschiebte der adelicben Gescblecbtet 
in der Schweiz anzutreffen, als in unserer Zurlaubenscben 
SammloBg; ja man kann behaupten, dass die Geschichte der 
ekizeiBen CresiAlechter selbst in den betreffenden FamiUen» 
ardnren niebt so reich bedacht ist, als hier, weil Zorfauben 
nicht bloss diese Archive selbst ausgebeutet, sondern auch mit 
grosser Soihgfalt alles dahin gehörige aus andern Sammlungen 
sieb zu verschaffen gewusst bat* 

Dazu kommt, dass einzelne Copien den Werth von Or^V 
aalen erbalten haben , weil diese später verloren gegangen sind. 
So findet sich in der Sammlung eine leider nicht vollständige 
Abschrift der französischen Uebersetzung des Theuerdank aua 
dem J. 1528, welche früher in der Bibliothek der Sorbonne in 
Paris war, später aber, als diese mit der Mationalbibliotbek 
vereinigt wurde, trotz aller Bemühungen nickt mehr aufgefunden 
werden konnte *). YieUcicht ist auch der handscbriftlicbe Scbluas 
der Histoire Eccles. et Miht. Civ. el Litt» de la Province d'Al- 
sace üAet m rechnen , dessen Druck durch die damalige fran* 
zösische fiegierung verboten wurde. Wir sind überzeugt, dass 
dne genauere Sichtung und Prüfung der Zurlaubenscbe» Samm- 
bmg noch mehr Wichtiges dieser Art ans LicJit fördern wird. 
Leider isl eine solche noch nicht vorgenommen worden, und 
wird anch wohl in den nächsten Jahren nicht vorgenommen 
werden können , da andere dringliehe Arbeiten die mit der Lei* 



•) Vergl. Theuerdank , heransg. v. Dr. C. Haltaus. Quedlinb. a. 
Leipzig. 1S36. S. S. 62 ff. 



— 110 — 

f 

tung der EaatOQsbiUioÜiek beauftragten Personen noch läogw« 
Zat in vollen Anspracb ndunen werden. Doch ist es unser« 
Absicht, diese Beiträge zu benutzen, um nach und mtcfa wenige 
stens auf die wichtigsten Manuscripte der Sammlung aufmerk- 
sam zu machen. 

Leider ist diese nicht mehr in ihrer ursprünglich«! Voll- 
ständigkeit. Unter der Verwaltung des ersten Bibliothekars, 
des nunmehr yerstorbenen Balthasar Ton Luzem, ist Vieles 
abhanden gekommen, was sich namentlich ans einem hand- 
schriftlichen Katalog der Zurlaubenschen Bibliothek nachweisen 
lässt, welches der Verfasser dieser Zeilen vor einiger Zeit ui^r 
alten Papieren aufgefunden hat. Schon b^ oberfläddicher Ver- 
gleichang desselben mit dem jetzigen Bestand der Bibliothek 
lässt sich entnehmen , dass eine nicht unbedeutende Anzahl yon 
zum Theil werthyoUen Druckwerken verschwunden ist. So un- 
yerzeihKch dies auch ist, so Hesse sich am Ende der Schade 
verschmerzen, weil die verloren gegangenen Bücher wieder an- 
gekauft werden könnten; nicht so verhält es sich aber mit den 
Handschriften. Es finden sich nur zu viele Bände der Manuscrip- 
tensammlung, aus denen kleinere und grössere Stücke heraus- 
gerissen worden sind, was nicht bloss aus der Pagination, son- 
dern meistens auch aus den zurückgebliebenen Papierstreifen zu 
erkennen ist. Da sich in einzelnen Bänden der Zurlaubenschen 
Handschriftensammlung voUständige Rcpertorien finden, die der 
ehemalige Besitzer selbst abgefasst hatte, so kann man aus diesen 
öfters wissen, was abhanden gekommen ist; meistens aber fehlen 
die Register, und so ist es auch nicht einmal möglich, zu erfah- 
ren, was herausgerissen wurde; man kann nur die freilich trau- 
rige Ueberzeugung haben, dass jedenfalls vorzüglich, WerthvoUes 
entwendet worden ist. Es laufen allerlei Gerüchte über diese 
Entwendungen, Gerüchte, welche schon verbreitet gewesen zu 
sein scheinen, als Balthasar noch Bibliothekar war; allein es 
sind eben doch nur unzuverlässige Gerüchte, aus denen sich 
nicht einmal eine Vermuthung ziehen lässt, wohin das Ent- 
wendete gekommen sein mag. Und so ))leibt xms nichts übrig 
als zu beklagen, dass die schöne Sammlung Personen über- 
lassen worden ist, welche ihre Pflichten gegen die ihnen an- 
vertrauten Schätze so tief misskannt haben. 



— 111 ~ 



Wir wmlen, wie schon oben erwähnt, and wie es im Plane 
der i>Briiräge^^ liegt, «päter aof die wichtigsten Handschriften 
aafoierks^in machen , welche in der KanionsbibliothdL aoC- 
bewahrt worden, und zu diesem Zwecke werden wir ausfuhr* 
liehe Verzeichnisse derselben mittheilen, öfters auch einzdna 
Handschriften genauer beschreiben und wo es zweckmässig er* 
scheint, Auszüge aus denselben geben; doch wird es wohl un- 
sem Lesern nicht unangenehm sdn, w^iin wir hier schon in 
Kurzem einige der bedeutendsten Handschriften erwähnen. Wir 
zachnen unter vielen andern zunächst folgende aus : 

1. Acta Helvetica, Ciallica, Germanica, Hispanica, Sabau- 
dica etc. 186 Vol. fol. 

3. Stemmatographia HelyeliaB. 102 VoL fol. 
Diese beiden Collectionen bilden den eigentlichen Kern der 
Zsrlaubenschen Manuscriptensammlung; in ihnen sind diejenigen 
Dokmnente euthadten^ von denen wir obisn ausführlicher ge- 
rochen haben; ausserdem finden sich in denselben einzelne 
seltene Druckschriften , sowohl historischen als literarischen In- 
halts, Flugblätter aller Art und endlich noch eine sehr bedeu- 
tende Anzahl von Autographen, unter welchen umu ausser yielea 
inhaltreichen Briefen der weiter oben genannten Gelehrten auch 
solche Yom General Besenval (zum Theil aus dem Gefängniss 
geschrieben), von Larater, Heidegger und vielen Andern 
findet 

3. Cartie Burgundic», Sabaudic» et Helvetica, ab anno 515 
usque ad annum 1348. 2 Vol. foL 

4. CarUe Helvetica ab in. S»c. VU. usque ad 1555. 3 Vol. fol. 

5. Miscellanea Helvetica histori». 10 Vol. fol. 

6. Schodelars Chronik , 2r Theil. Autographon. Der le Theil 
wird im Archiv der Gemeinde Bremgarten aufbewahrt 

7. Die Fortsetzung der Tschudischen Chronik in einer sehr 
guten Abschrift. 

8. Vetustatis fragmenta. 

Unter diesem Titel besitzt die Bibliothek ein Autographon 
des gross^i Tschudi, welches ausser ^er reichen Sammlung 
von Inschriften auch noch eine (doch nicht von Tschudi ge- 
sdoridbene) Cronica quorundam Basilorum Anti^tum, dann 
Urkunden, Briefe und mamiigfahige Excerpte entluilt 



— 113 — 

9. Zurkaben , U^t. 4e» Sttisses et de l^urs attife. 
.10. — bist des Comnmoderies de Seadorf et de Gtfeiui eft 
Svubse. foL 

11. ZurUubefi, Trada^lioa du XeuerdaidiL accomim^i^e d'db« 
servatioDS sor ce Roman all^gorique ^ lue ä l-acad^mie 
Rojale des loseriplions ^ BdUes Letlres. 

Diese Abhaodiung gehört woU mit zu Zorlaubefis bestea 
tt&d gediegenslen Arbeiteo, die sogar auch dann noch loterease 
und BelehruBg gewährt , weon man sie mit der fleisi^gen Be- 
sffheitung von Haltaus ver^eidit. 

12. Schöne Historie yoa dem grossen keyser karly ynd sinen 
fürslen ynd yon einem ryfssen, der hiefis Morgant, der 
ward durch RuoUande zuo kristenUchem glonben gebracht 
ynd yon dem erbermklichen strytt. So am Rontzefol be- 
schach« 

An dieses reiht sich unmittelbar und yon d^selben Haad 
geschrieben : 

- Hir lacht aa ein schöne hjstoria yon den fier sun des hert20g 
amons yon Oordona yfs Frankrich, das sind Rengnold^ 
aUard, gucbart ynd rythart ynd yonJrem yetter magis, 
ynd yon kejscar karly ynd sinem yelter ruoUanden, ynd 
wie sy. der keysser. karly bekriegt lange zytt. 

Dieses sehr schöne, in höchst gleichmässigen und sehr leser- 
lichen Zügen geschriebene Manuscripl enthält im ersten Xheil 
die Gesdiidite yon Roland und der^ Roncevalschlacht, und im 
zweiten die Geschichte der Haymonskiuder, letztere in einer 
ganz eigenthümlichen Darstellung, welche sowohl yon der im 
Volksbuch dfi yon der in der Heidelberger Handschrift ab- 
weicht, wie schon Heinrich lioffmann bemerkte. Derselbe y^r- 
muthet auch, dass unser Manuseripi eine Uebersetzung was d&B^ 
Italieni^hen sei, was aus den yielen italienischen JVamdn her- 
yorzugehen scheine. Wir werden übrigens in «inem der näch- 
sten Hefte auf diese Handschrift zurückkonunen« 

Die Zurlaubensche Samn^lung bildet jedoch nur den kleineren 
Xheil unserer Bibliothek , wekhe seit ihr^r Griindung yoa dar 
Aargauischf^ Regierung mit grosser Liebe g^flegt wunde. £s 
ward ihr nicht nur eine den Kräften des Staats angemessene jä^ 
liehe Summe zi^ewiesen, es wurden ihr auch yon Zeit zu.Zett 



a€i9^rDri^Mliclie , wm fheM sehr beCrttcbtHche Crdlit« be^. 
wiUigt, wenn sieb günstige Gelegenheiten zu Erwerbungen ^lei ^ 
gmier l»eil«ul«ii(kfift SMnti^ngoti , sei es ißkizehfer beträcbtlicb^n 
WeHm Anrbot«iik Audi die «nil flelr obersten Lekang der An- 
stalt beauftragte Behörde (Bibliotbek-Commission) bat seit der 
Gründung der Bibliothek mit Eifer und Brfcig für die tWedi- 
wä f Mü^ VermebTttng derselbe« geaiimtet; und wenn in diei^ 
Beziehung noch Manches zu wünschen übrig gebtid^en s^m mag, 
so ist dies keineswegs det Behörde zueuscbreiben, sondern rvkH 
Ton Verhältni^to her, die wir theib scboil weiter dbtii beritfift 
haben, theib ailB betondem Rücksichlen nicht naber erörterli 
wollen. 

Da iMe Eoriaiibvtische Samtfilang Vorzugsweise <^e histoM- 
sche war, so musste die Verm^rmig ^ BiUiotbriL ilMA Yor- 
z«H|9w«itse naci dieser Seite hin Statt finden; Doch wurde ni^hu 
weniger als ausachliesslidi rerfiibren; die OibHotbek beskit fM*- 
tfkehr auch In Mdin*n Wissenschaften eine beti^chtlicfce Anzahl 
b^d^ületider^ ja der koslbarsten und seltenMen Wei4e> unter 
wetehM wir nur folgende hefansfadlien : 

1. O^ere clasBiehe ItdiaM. Mütao ISOS^^lSlSw ikOVol, «. 

% Cuvier« bist« radm. des Miramiftresi 7 Yol» ftl. 

3. Pasquitiornm Tömi duo. Bleutberopoli. IftM. i% 

4. Mrimoirei f dattfk k rbiat d«Fi^AHse p. Chrikot. S» Vol. «« 

». Mteoireb rdattfs k llust. de France p. Petilot et Mdnt- 

merqu^. 131 Vol. 8. 
6v CMstitvIioDes Swielatis Jesu e. earükn defclaratiombus 

Rorme 1688. 8« 
An diese sridfesito sidi dam die irefteren Ausgäbte M 
legQiten^ConstitutloBen urt Statutöh, sö dass wir wnö eben m 
f^mMXkdif^ kis skRene Smmntung dei^^lben beeitzen. 
7» A«ta sanmotmn edi BoHkndus eld. Astt. et MndL. 
VollMiiniSg bn; aftf dtti leMeii ülMseM sMtknen in Tongeirkm 
gedr^kten 68n Bd. ; das Exemplar ist tassArat seMh and Wohl 

erhkhen. 
i« Cofledio concUiorutn ed. Mansi. 
L^der ist das {»rachlvolte Ixmplal' auf gi^osaem Papier, 
trehfais ans ^ier Ai^uslhiw^prdbstei PoHIngen io Oberbaj^arn 
ItaMnil, faidU Trtbtiudig; es feUen die 6 letaten Biuwte * welche 

15 



— 114 — 

I 

jedocb bis auf eines ii» ein^n andern Exemplar ergikiEl w<»^ 

den sind. 
9. Muratori , rerum Italicarum scriptores (mit der Forlseizniig 
Ton Tartini) und desselben Aniiquiiales itaUeiB» zmammen 
36 Vol. fol. 
10. Perlz, Monumenta.« 
•11. Bnllarium Magnam Romanum ed. Chenibinus. Luxemk 

1742. 13 Vol. 
12; Encjclopädie von Ersch und Gruber. 
18. Descriplton de TEgypte, ^dit. de Pankoucke* 

14. Zahns Ornamente von Pompeji u. Herculanum. 

15. Boiss^r^e, la cath^drale de Cologne. 

16. Siebolds Nippon u. Fauna Japonica, und noch viele andere 
kostbare oder seltene Werke. 

Unter allen WissenscI^ften ist leider die Philologie (im um-^, 
lusenden Sinne des Worts ) am kärglichsten ausgestattet worden , 
und es scheint, dass es die Aufgabe der Bibliothek- Commission 
Wäre, in den nächsten Jahren diesem Zweige vorzügliche Auf-^ 
merksamkeit zu widmen. Zwar besitzen wir alle griecbbchen 
und lateinischen Klassik^, allein nur wenige in vorzüglichen 
Ausgaben , die meisten lateinischen z. fi. nur in der unzureichen- 
den Pariser Edftiou von Lemaire. Das Beste, was wir in diesem 
Fache haben, stammt aus der Bibliothek des verstorbenen Pro* 
fessors Suter in Bern, welche zum grossen Theil angekauft 
wurde. 

Es braucht wohl kaum benierkt zu werden, dass dk neuen 
Erwerbungen beinahe nur gedruckte Bücher umfassen; doch ist 
die Bibliothek auch mit einigen vrenigen werthvoUen Handschriften 
bereichert worden , z. B. mit einer interessanten Sammlung voft 
Aktenstücken aus ^^m Inquisitonsarchiv zu Barcelona, welche 
wir der Güte des Herrn Heinrich Zschokke verdankend, und einer 
bandschrifUichen Lebensbeschrdbung der Btargaretha Ebner. 

Unsere Bibliothek hat freilich niemals das Glück gdiabt, m 
einem solchen Masse durch Creschenke bereichert zu werden, 
wie es bei andern Schweizerischen Bibliotheken (Zürich, Basel» 
St CraHen etc.) so häufig geschieht; es ist noch nie ein Bei- 
apiel vorgekommen, dass ganze Bibliotheken vermacht oder auch 
Dar grössere Snnmlungeii vergabt worden wären; doch sind 



— 116 — 

der di»6hien w«rUi7olkn Geschenke schon öfters g^;«beniror^ 
den; namentNoh von den Herren Zschokke, Landammann Fr^- 
Heros^ und Chorherr Eberle. 

Einen walem Zuwachs erhielt die BibHotbek durch die Bin- 
Terleibung der Bnchersammlnngen der im Anfang dieses Jahr- 
hunderts aufgehobenen Kapuzinerklöster Rheinfelden and Laufrn- 
bürg, so wie des Benedictinerkloslers Sion. Weilaus die grössle 
Anzahl der aus diesen Klöstern gewonnenen Werke bestand zwar 
aus ascetischen Schriften, welche zum Theil ganz wertUos waren; 
doch fancten sich in denselben auch manche bedeutende Werke, 
welche der KantonsbibUotfaek zur Zierde gereichen. Wir nen- 
nen tinter diesen nur die EdiUo Princeps des Vriteius Pater- 
culusv Bas. Proben. 1520 mit der spätem G>Hation des nachher 
spurlos verschwundenen (einiigen) Manuscripts, ein Wtfk, das 
jchon mit 70 Gulden bezahlt wurde. 

Viel bedeutender war jedoch die Bereicherung unsere Kan- 
tonslHbliotbek durch die Einverl^ung der KlosterbibKolheken 
Muri und Wettingen. Zwar waren dieselben an sich weder an 
Bändezahl noch an Gehalt so bedeutend , als man es nach dem 
Reiclithum und dem langen Bestand der aufgehobenoii Klöster 
InUig^- Weise hätte erwarten sollen , und namentlich war seit 
^ni^ langen Reihe von Jahren wenig oder gar nichts fär die 
BiMiotheken gethan worden ; wenn aber <Be Sammlungen auch 
nur ganz allmäbliefa und ohne grosse Anstrengungen oder Opfer 
vermehrt wurden, so mussten sie im Lauf von Jahrhnnderten 
doch zu einer gewissen Bedeutung gelangen. Dazu komaH, 
das8 allerdings mehrere Aebte sich ihrer Bibliotheken nut un- 
gewöhidichem Eifer annahmen und dass diese von Zeit zu Zeit 
Biit reichen Geschenken begabt wurden. Und so findet sich in 
dar That sehr viel Gutes, dm dadurch noch an Werlh gewinnt» 
weil nicht selten bedeutende Lücken der ursprüngliehen Samm- 
lung ergänzt, einige Fächer bis zu einer gevnssen Vollständige 
keit vermehrt werden ; so z. B. die Numismatik. 

Es hat bis jetzt nur noch ein unbeträchtlicher TheS der 
Klosterbibliotheken nach Aarau gebracht werden können, weil 
es an Raum gebricht; allein man darf sich der sicheren Hoff- 
nung hingeben, dass die Regi^ung des Kantons, welche die 
genügen fiedärfnisse des Volks mit eben so viel Liebe und 



-- 116 — 

£temH Wft&^sA» alft die io«toM#ii, iq d«i^ «äcyk» g wik iiaft 
üjat zw^okmätwige und gmiig^i» Erwtitoraag d«s Ldidk «offw 
wird, so dass man die beiden KlMlerstmoililBeeD m ihrar Ger 
mvuoftkeil^ mü der des KaniOK wit d vcs^^Mgen keaneA. 

Ww woU^f «ödem wir mt übersiebtliehen Oarsiriinng des 
dwclk fiwTefteibaog^ der Btblk>llrt)keQ ¥Ott Muri and Wet^ifMi 
«rluilt^neil 9ii,wa,chse6 «ftergebien» zuniklist von de» H»wl* 
s^iftd« i^iH*Q<^a^ YOü ^»m leid« kein; K^ybdog a«rgelilHkd«i 
w^en kmnte. Uebei^aui^ z^igle sick sehon im M«^fel ^ua 
geoMgf^nden Kataloge»,, wie sel»r £e Bibliodueko» hei den lela^ 
ten Bewohnwi^^ 4er ai^y^hobenen Klöster i« dea HnilevgnHMl 
Jiiiiic^getrete« wäre»* In Muri &nd sitb zw«r eia sehr gol 
f^Sf^brieb^ner und fm Cranzeo zwediiniäasig angelegter alpJMbe» 
t^ber und Realkatalog vor ; aUeia< dieser war ssbgm im JMir 
1744 (von dem äusserst tbätigea P. Leodogwr Biaj^r) Tevfaasi^ 
JHftd ^ wiuren die spätere» Erwerbunfc« entwedrar' g«? aicht 
vdar mii^ böcbst eberfläeUicb, meislens sogar nur mit Bleistift 
^yad^etisageii word^* Z» diesem UebeU^u^ kam noch der 
W^^e^» dü^s seit Abf^^sswig di<^es^ Veiraeiebnissea die ttfaK^iA 
lat QVm andere OrduH^g gebra<^ti w^räem war, dm Biboher 
4ahw andere Dtikettent erhalten batte«» diesem Veraftf^ßrui^ aber 
mt 4^(eKi ]» 4m Katalog (miA Qleistift) rnngetragson. wordmi 
W99» '^ In WeUingen s^^ivt^ der KafaWgr \om JL l'i^äO;, «ad 
^mitfaielt Hur einen X.beU der SamiUitng^, dßnjeMgeii&» der ia dar 
aQgMy^mtoa: neueo Bibliplhf{k avfgef^ettlr wa«. Beraiuler^Ibeä^ 
da« siiob -^ angefähr 9000 biß 6000;Bä»de stavk *-** i« der ahen 
BiUi^tjbek». d.. b. in 4 ^bimpfbn uwi &u6hlen 2immem befasd^ 
wasc oipbt nur mcbt katalogisirt, es was^ai atüßh die Bucbev in 
der unvei^ibliehftaii Uj9<ea^4m)Dg aii%psAaUt , $<^ das» sieb; vbL^ 
leipbt niemals diis. qisa»i i>w igic hö i?e»de» Bände eines und desi^ 
sejJ^e» Werks bei eioai^der befeaden. Aiasser dfissemi Kitatof 
war aoeh der Aß6mg eines- n^«^,. mi^ n«r diai grössere fiihlb^^ 
tbek umfassendim Ve^JimAoi^^s torJbaiGKlept; dofSfAbe war jadoeh 
b^ebsK ui}gepiigmd>. In. w^be^ freiste erabgefasst war, mögen 
Üolgende^fteiapiole jseigen« Mm liet^'wter Andimni wörtlkfa dso^:' 

Peinig Iiom. (bardus]» Textus s^nb^nt^ruta. ßet Bucb^ 
b i n de r newt denselben Lombardus. 

Giuido de moni^ Rittrfaerii, Manij^iis: Citratoffum. Auf der 



— 117 — 

6ieo Seite ist He Jdffsthlv die der Verf»S8ev(!> ge* 
sckriebei» hat, ick «bor kans nUkk lesesf 

Um Handschnftammiikiiigeii shid weder bindereiek , neck 
von gffOMem iooeren Werlb. Es fiaden sich vwar BMcbe sehr 
JRlecfsaMrte «m1 widiüge ManiMeriple, aber im Cianseii doch 
keine eigentlichen Schätze, keine Handschriften', weiche den 
Huhn einer BibKothok begrändeo, «nd sie zwn Zäetpunkte 
pMmkst BeJaen iMchen; mon Handschriften griechischer oder 
römischer Klassiker, altdeutscher Credichte, historischer Werke 
tifu is4 keine Bede. Dieae Armuth bewegt schon den wackeren 
Leodegar Mayer zu bitterer Klage. ^Atqve^, ruft er aus, 
nachdem er in der Vorrede zu seinem Katalog die yorhandenen 
HandsehriAen «ofgeiäfak, >^htto sunt Nannscripta (eheuF quam 
))pauca) qasB ex Majorum nostrorum laboribus nobis super- 
i^sunt, fragmenta potior quam VoUumna; plenNfne non nisi 
^dedmo foinlo^ dechno sexto et dedno sepCima svcuKs exartta. 
^Ex quäras nihihHiiiniiis liqnidius patet, aalecenores nostros, 
»licet aliquot sieculis essent numero pavci, semper inslitmti sui 
»rationem smulatos fuisse, atque ingenuo manam» lahori Site 
))Scribendis libris operam dedisse, quamTis ea duntaxa^ seripse- 
»rint, quffi usu quotidiano operi Dei servircnt. Nam^ (fahrt er 
naiv fort, um die berührte Armuth zu entschuldigen ^ und ohne 
zu bemerken, dass er sich selbst widerspricht, dn er oben ge- 
sagt hat, die vorhandenen Handschriften slanmiten meistens ans 
dem 15., 16. und 17. Jahrhundert) »cimi anoo niUesimo qua- 
» dringentesimo Typographi« ars ortom simstsset, aa^pie ubique 
»fi^e terrarum introducta fnisaet, cessatn« est a discriheiidis 
»libris, et conficiendis Manuscriptis Codieibus (ita qwdem opinor) 
»cum fetiam Monachis ptfsuasum esset, feciUeve negoü^ et pre- 
» tio minore Kibliothecis provideri jam posse. ^ 

Ausser deni aum Thnil prächtigen Mbsalien , ifeevieren u. s. w. 
evwähnnft wir mnler den ans Mwri stammenden Ibadschriften':' 

1. Ischmdi'a Chronik und desselben Vetms HelyetlBi* fteMnean 
üo; sehr sehöne Cefiie in 4 Folio-^Bioden;. 

2. Jacobiitf, de Vongino, Sermonts ^ eine sehr sehöne F^r- 
gametttbaindsdiffift« 

3. Collectur allerlei Zeitungen. 

Dieaee beinahe 1 Schnh dicke Manwcript enthalt eine äusserst 



— 118 — 

merkwiurdige Sammlttiig tod Brideo, meistei^ , AuiograplMa, 
welche in den Jahren 1588 bis 1596 mm grösslen TbeH an ckm 
damaligen Stadtscbreiber Cjsat zu Luzern gerichtet waren , und 
weiche sämmtlich die damaligen politischen Verhältnisge be- 
trafen, besonders aber den Kampf des Katholizismus gegen den 
Protestantismus. 

4. Spee's Trutznachtigall mit den Melodien, in einer Hand^ 
Schrift, die wahrscheinlich aus der Zeit des Verfasset» 
stammt. 

5. Expositio S. Hieronymi in quaiuor E?angelitlas -*- sehr 
schöne Pergamenthandschrift. 

6. Biblia Sacra latina. 

7. Wappen der edlen Herrn , so zu sempach Anno 138€ 
ymkommen. 

8. Chronica Trilhemii. 2 Vol. fol. 

9. BuUingers, Sdiodders, Salats Chrcmiken und viele andre, 
zum Theil wichtige, die Geschichte der Schweiz hetref-* 
fende Handschriften. 

10. Glossa Keronis. 

11. Glosse ex Kerone. 

12. Glossarium ^^Keronis. 

13. Aristoteles Notkeri. ^ 

14. Martianus Capeila Notkeri. 

15. Psalterium Notkeri. 

16. Vocabula ex Tatidno. 

17. Vocabularium in Otfridum. 

18. Animadyersiones in Otfridum. 
19.^ Vocabularium in OUridnm. 

20. Otfrid, Eyangelienharmonie. 5 Vol. 4. 

21. Vocabularium latino-germanicum. 

Alle diese Handschriften (10 -^ 21) stammen von f Higlistalle^ 
her, der sie bei seinem Tode dem Kloster Muri yermächt hatte, 
Ton welchem sie aber, wie wir uns überzeugt haben, keines^ 
wegs mit der gebuhrdnden Pietät berücksichtigt worden waren. 
Wir hoffen, dass einer unsrer yerehrten Mitarbeiter über diese 
schätzbaren Nachlässe des fleissigen Mannes eine aosfäbrliche 
Notiz geben wird. 

Wir yermissen unter den Handsehriften Von Muri zwei , die 



— 119 — 

wohl die wicbügsten und kostbarsten waren, nämKch die Chronik 
des Hermannur Contractus, welcher Codex anerkannt einer der 
ältesten und besten war, und dann noch ein Gebetbuch, welches 
▼on der Königin Agnes stammte. Beide Handschriften sind bei 
der Aufhebung des Klosters verschwunden ; yielleicht haben sie 
ähnliche Wanderungen begonnen, wie einst die St. GalKschen 
Handschriften bei der Säkularisation der Abtei. Möchten die 
imsrigen auch wie jene endlich die Heimat wiederfinden! 

Merkwürdiger Weise ist die Handschriftensammlang des auf- 
gehobenen Klosteirs Wettingen inhtfllreicher als die von Muri; 
sie bietet zwar eben so Wenig eigentliche Schätze dar, als diese, 
es findet sich aber im Verhältniss doch weit mehr Werthvolles, 
insbesondere ist die Sammlung für die Schweizergeschichte 
wichtig. Wir erwähnen: 

1. Salats Chronik. 

2. Eine Chronik des Gotteshauses St. Gallen v. J. 566^1491. 

3. Eine Freiburger Chronik. 

4. Silbereisens (Abts von Wettingen) Helvetische Chronik 
in 3 Bänden, fol. 

5. Desselben Relation vom Türkischen Krieg. 

6. Einen Miscellancodex von der Hand Silbereisens, 
lieber diese interessante Handschrift wird einer unserer ver- 
ehrten Mitarbeiter eine ausfübriiche Notiz mittbeilen. 

7. Eine CoUectio Variorum in 7 Foliobänden von verschie«> 
denen Händen und aus verschiedenen Zeiten , welche zum 
Theil wirkUch Werthvolles enthält. 

8* Tschudi's Chronik in einer guten Copie. 

9. Redings Helvetische Geschichte in 12 Bänden. 
Ausser den Manuscripten sind vorzüglich die Incunabelu zu 
erwähnen, deren die beiden Klosterbibliotheken eine grosse 
Menge besassen, so dass diese mit den schon früher vorhande- 
nen eine Sammlung bilden, wie sie wohl nicht leicht angetroffen 
werden mag. Auch über diese werden wir in den folgenden 
Heften ausführiieher berichten , und uns angelegen sein lassen , 
unsere Leser mit den seltensten Werken dieser Art genauer 
bdLannt zu machen. Für jetzt beschränken wir uns darauf, 
nur einige zu nennen. 

1. Biblia Sacra latina s. 1. e. a. MCCCCLXXIX. 



— lao — 

I 

Diase ist besonders ilesbalb iherkwürd^, weil sie friÜer 
EigenUuim des grossen Reformators ZwingU war, der lie rem 
FrssHis zum Geschenk erbalten hatte, wie 4ie digenhandige Be^ 
fifterkuQg dieses letztem beweist : 
D Huld. ZidngUo Svo Joan, FristMis D» D. M. D* VL 

Zwingii hat ekie grosse Menge Randglossen in dieses Ex^n* 
plar geschrieben, welches sdn Handexemplar gewesen zh sdn 
scheint. Er hatte diese Bibel bei Kappel und sie fid mit virie« 
andern Dingen in die Hände der Katholischen, w^che sie 
li«!.alurscheinlich dem Kloster Mori geschenkt haben. Es ist schon 
von Andern bemerkt worden *) , dass Zwingii im 15. Vers des 
dritten Kapitels der Genesis, welcher lautet: 
y^lp&a Gonteret Caput tuum ^t tu insidiaberis calcaneo ^us »^ 
das a des ipsa ausradiert und dafür ein e hineincorrlgirt hatte* 
Zwar kann man diese Correktur kaum bemerken , so ^orgfäRig 
ist sie ausgeführt, allein es kann schon darum kein Zweifel 
obwalten, dass sie wirklich Torgenommeft wurde, weil in einem 
iweiten Exemplar derselben Ausgabe, das wir ebenfalls he- 
siizen, das AVort wirklich ipsa heisst. 

2. Biblia latiha , s. l e. a. ( dritte Eggesteyner Ausg. ) 
Wir erwähnen diese seltene Ausgabe hier deswegen, weil 
sieh am Einbände derselben yier Pergamentstreifen befanden -— 
wir haben sie abgelöst und besonders aufbewahrt — welche 
Fragmente eines biblischen Dramas aus dem IS. Jahrhundert 
enthalten. Der leider zu früh verstorbene gelehrte Theodor Oehler 
hatte zwei von diesen Fragmenten bei seinem Aufenthalt iil Muri 
zuerst entdeckt und eine Abschrift davon genommen, weMie 
sein Bruder, Herr Kantonsschubralh Oehler in dieis^n Beiträgen 
esnrücken lassen wird. 

3« Ein Missale, im Jahr 1480 zu Basel auf Pergament ge^ 
druckt. 

4., Die editio princeps des Eudides, Venedig 1482^ 

Neben den Incunabeln haben uns die Kiosterbibliotheken 

auch eine Reihe von seltenen Drucken geliefert, aus wel-« 

oben wir nur den Theuerdank von 151^ erwähnen, der für 

die Bibliotbe^ von um so grösserem Werth ist, als wir, Wi« 



'^) Gerbert, Iter dlemannictttn, ed. 2^ 1773. p. 68 sq. 



— Ott — 

• «ohM «rWähat, eine intereMante baadgchriAKdbe AbtuindluDf 
4m G^tturuls ZarlaiÜMa übet dieses Gedicht besitieo. 

ÜBler Tiden andeiti kostbaren Wwken» welche dnrch die 
Einverleibung der KlosterbibUctheken Eigeothnm der Kantons- 
bihliothek geworden sind» nennen wir nur 

1. die Biblia Polygiolta yon Walston; 

2. die Polyglotta Ton Arius Montanas; 

3. die yon den Benediktinern besorgte Aasgabe der Kirchen^ 
Täter; 

4. die Bibliotheca Maxime palrum ed J>e la Bigne. 17 Vol.; 
- 5« dk c(^ectio regia Conciliorum. 37 VoL fol.; 

6. UgoUni, Thesauros antiquitatis Saern; 

7. Harzheim et Schannat, Concilia Germanica. XV VoL foL ; 

8. Gallia Christiana ed. ; 

9. Zedlers UniTersaltexikon mit Suppl. 68 Vol. foL 
Nach dieser übersichtlichen Darstellung , bei welcher freilich 

noch gar Tiel WerlhToUes mit Stillschweigen übergangen wer- 
den mnsste, wird es uns wobl erlaubt sein, die Ueberzeugung 
auszusprechen , dass die Aargauische Kantonsbibliothek — deren 
Bändezahl wohl gegen 60,000 beträgt -r- zu den grössten und 
reichsten in der Schweiz gehören mag, und dass sie in manchen 
Beziehungen Tielleicht mehr bietet, als selbst die Zürcher oder 
Basler, wenn sie auch nach andern Seiten weit hintor diesen 
zurücksteht. Nur ist zu bedauern, dass sie nicht so geordnel 
ist, wie man es erwarten und fordern sollte. Es sind nämlich 
die einzehien Bestandtheile , aus welchen sie nach und nach er^ 
wachsen ist, getrennt geblieben, statt sie zu einem einzigen 
Ganzen zu Tcrschmelzen, so dass wir eigentlich neun Biblio<- 
theken he^en , nämlich die Zurlaubensche Sammlung , die spät« 
angelieferten Nachträge zu derselben, die neuen Erwerbungen, 
die Stttersche Bibliothek , die beiden Kapuzinerbibliotheken Ton 
Rhein^elden und Laufenburg, die des Klosters Sion, und end- 
4ich die Ton Muri und Wettingen. Die getrennte AufsteUung 
dieser Terschiedenen Sammlungen liesse sich am Ende, wenn 
auch nicht rechtfertigen, doch entschuldigen; ganz ttnTerantw<Hri- 
lich ist es aber^ dass sich k^ allgem^er, alle BestandtheSe 
der Bibitothek umfassender Katalog Torfindet, indem aUe ein- 
zdnen Sauunhingen audi speziell katalogasirt sind. Dieser Uebel- 

16 



— 122 — 

stand rührt ursprünglich von dem ersten Bibliatfaekar her» dessen 
Verwaltung überhaupt in keiner Weise Lob verdient ; aber audi 
später ist nicht geschehen, was vor Allem hätte geschehen sollen. 
Die BibSothek-Commission hat übrigens diesen Uebelstand 
erkannt und es sind alle Vorbereitungen getroffen, ihm abzu- 
helfen , ja es ist im Einzelnen schon Manches zur Verbesserung 
gethan worden. Schon sind die kleinern Bestandtheile — die 
Suterische und die Kapuzinerbibliotheken — den neuen Er- 
wrerbungen einyerieibt, und sobald das Lokal der Bibliothek 
erweitert sein wird, soUen die noch getrennten Sammlungen zu 
einem Ganzen yereinigt, und über dieses dann ein General- 
katalog abgefasst werden. Freilich werden noch mehrere Jahre 
vergehen, ehe dies vollendet sein wird; allein jeder Schritt, den 
man in dieser Beziehung thut, wird schon dazu beitragen, die 
Bibliothek nutzbarer zu machen. 



Beilagen. 

Wir lassen hier mnige Briefe aus der Zurlaubenschen Manu- 
scriptensammlung folgen, welche als Belege unserer Behimptung 
dienen mögen, dass der General von Zurlauben seine^ literari- 
schen Schätze mit seltener Freigebigkeit andern Gelehrten mit- 
getheilt hat. Der dritte Brief bezieht sich auf den früheren 
Zustand der Klosterbibliothek in Muri und mag daher um so 
mehr hier einen Platz finden, als derselbe die Bemerkungen 
unterstützt, welche wir über dieselbe machen mussten. Uebri- 
gens ist dieser Brief schon durch seine lebendige, in jeder Hin- 
sicht vortreffliche Darstellung bemerkenswerth. — Gerne hätten 
wir auch einen oder zwei Briefe des Abts Gerbert mitgetheilt, 
allein da auch diese in französischer Sprache geschrieben sind, 
Gerbert dieser Sprache aber keineswegs mächtig war, so glaub- 
ten wir nidit, dieselben mittheilen zu dürfen, so interessant sie 
auch ihrem Inhalte nach sind. Gerbert hatte sidi offenbar bloss 
aus Höflichkeit und Rücksicht gegen den ganz französisch ge- 
bildeten General von Zurlauben der französischen Sprache be- 
dient, und es wäre didier ein unverzeihlicher Mangel an Pietät 



— 1S8 — 

gegen den yortrefflidien Mann , wenn man seine in auMent bar- 
barischem Französisch abgefassten Briefe yeröffenilichen woUte. 



Strasb. le t9 Hart 1767. 
Monsieur et trÄs eher ConfrÄre. 

II fant ^tre anssi bon ami et anssi g^n^renx ami qoe tous 
r^tes pour communiqner ses döcouvertes ei ses recneils de 
beanx Titres avec antant de facilit^ que de promptitude. Tea 
aTois d^jä plosirars, mais les denx tiers me manqnoient ei 
angmenteront le nombre des pi^es interessantes qni entreront 
dans mon Alsatia Diplomatica, on je n'onblierai pas de faire 
eonnottre an public ncion illustre ami, confrdre et bienfaiteur. 
Vqus avez bien trouy^ k glaner apr^ les recherehes des deux 
B^nödictins de S. Blaise que TEmperenr Charles VI aroit en- 
Yoj^ en Suisse pour y ramasser les Titres que Herrgott a 
publi^s. Recey^en mes tr^s humbles remercimens. 

Je crois qu'en ce genre yous ayez si bien fsdt toutes les per- 
quisitions en Suisse, que les recherehes ult^rieures deyiendront 
inutiles. La For^t-Noire m'a foumi. L'öt6 prochain je ferai 
nne exeursion an Lac de Constance, oü je m'^tablirai chez 
le Cardinal de Rodt et de lä je ferai mes Voyages dans les 
Abbayes Voisines oü je crois que Vous n'ay^s pas encore HL 

A la fin d'ayril je farai un tour ä Manheim, pour y pr^ 
sidcr k rouyerture oü k la rentr^e de rAcad^mie^ oü, apr^ 
onDiscours latin, je lirai aussi une Dissertation snr leB fausses 
iu^iations qu'on fait k TEmpereur Robert le Palatin. 

Je yons enoibrasse de tont mon cconr. 

Schoejjflin. 

n. 

Strasbourg 16 14 Mal 1767. 

Monsieur et eher Confrdre. 

Votts recueib sont riches et yotre Arne est g^n^reuse. Vous 
iaitas pmrt de Vos richesses k Vos amis et au puUic. Recey^ 
mes remereiBieBS des Pi^es dont Vous yen^ (te me regakr de 



— 12* — ' • 

Boareaft ponr augmenter mon Code Alsatkpie. Les f&ates qae 
Vaas reler^ dans le P. Herrgott et aotres sonl ybiUes apn^ 
que Vous les av6s d^couverles. Vous dev^s publier vos ob- 
servations g^n^alogiqaes , et yous ne dites plus rien de vos 
g^a^Iogies Hetv^iqaes dont Vous m'av^s parl6 ci-deyant. Je 
riens de retourner de Manheim et de Garlsruh. A I'une et ä 
Tautre Cour j'ai reodu justice k Votre m^rite. Le Marggrave 
Vous enyoie le septiäme Volume de Thistoire de Baden. G'est 
le dernier qui coBtient la Table g^B^rale. Sil y a des Volomes 
pr^^dens qui tobs manqueot, Molter doit Vous les eoTOjer. 
Ay^ la boBtö de Ini 6crire directement ponr que Vous ayte 
Fourrage eomplet. II y a apparence que les scriptores Rerum 
/üsaticarum que je tiens pr^ts subiroat aussi bientdt la presse. 

Dans huit jours je parts pour le lae de Constance. Je 
Q'oublierai point Ratolfzell dont Vous m'ay^ pari^ dans Votre 
pr^cödente. Le Voyage sera de deux mois. Partout j'aurai 
occasfon de parier de Vous et surtout de Votre habilet^ dode 
dans THistcHre Hely^ique. 

J'ai rhoBBeur d'^tre ayec la m^me amiti^ et le m^e z6le 
que Vous connoiss^s depuis longtemps , 

Monsieur ' 

Votre trds bumble et tr^ob^issant seryitenr 



Schoepflin, 



III 



Monsieur le G^n^ral! 



-^ Une de ces exeursions alla k Muri oü je n'avais 

jamais ,^t^. Je yis lä un liyre tr^rare dont Vobs ayi^s fait 
präsent ä la Biblioth^que. Le Prince Abb^ est ass^s gai et 
fort poli, mais je Vous ayoue, mon G^n^ral, qu'il m'a paru 
que TEsprit monacal et hi^rarchique est encore bien enracin^ 
dau$i ce CoQyent^ Oa y respire un certain air despotique qui, 
je crois, n'est pas une des moindres raisons pourquoi on est 
ass^s en arri^re dans ces quartiers en fait de tol^rance, aussi 
biett que dam les Soie»ce& en g^n^raL Au fittpins cela est 
ton jours pr^t k aoeepter el k reeeyoB* des Seryices , mais qoaiirtl 
4 s'tgi4 d'^tre complamni k soa tour, Votre Sorftteur, il n^ 



— ISS — 

a phis personne an togis. — Donner k mai^per est une bonn^ 
tet^y une ^Uquette de couvent qai g^iie qnelqnefois» et qui ne 
peat jamais s'^peler nn seryice quand on est dans le cas de 
pouYoir raanger dans une anberge. Comme la plupart de ces 
Biblioth^qnes ont des Danblettes et qu'elles manquent de fondi 
ponr se procurer les onyrages n^cessaires, je youdrais qne Ton 
se communiquät au moins les Donblettes et autres onyrages qoi 
ne sont pas absolumait n^cessaires k Tinstitut. Alors on pour^ 
rait fadlement faire des Behanges qui conviendroieat r^ipro«- 
qn^nent. Cette fa^on de penser serait sans doute du goüt de 
tous les gens raisonnables , mais ce n'est pas de mdme dans les 
Gouyens. Qu'un liyre leur serve ou nen, qu'il leur soit m^e 
snperflu — nlmporte 1 pouryu qu'il ne soU k personne d'autre -*- 
cela lenr suffit. — C'est Tesprit des mcdns mortes. Je sayois 
tout cela avant qüe d'aller k Mouri — mais j'en eus \k une 
nourdle prenve. Lorsqu'on m'eüt men^ k la BibUotb^que» je 
dis au P^re Bibiioth^caire et au P. L^odegari Sdimied (ud 
jeune Religieux qui me parait avoir une bonne t^te» et qu'on 
en punit ass^s, je crois) que je me ferais un plaisir de ieur 
communiquer une note de mes doublettes ou autres LiYres» 
qui ne me seryent pas essentiellement , qu'ils en auraient sans 
donte aussi et que dans ce cas je leur en c^derais volontiers, 
si je trouvois quelque chose qui püt me servir; — que je m'oc- 
cupois beaucoup de Tbistoire de rimprimerie et que par con- 
s^quent les Impressions du ^V Sidcle mlnt^ressaient sartout; — 
que m^me les livres incomplets poitrrcäent me servir pouruu 
que le commencement et la fin y soient etc. (cela 6tant süf- 
fisant pour prouver Texistence d'une Edition ). — Lä-dessus nou- 
velles protestations et nouyelles r^v^rences — et on me mena 
dans un petit taudis dans un coin s^par^ dans le couvent — oü 
je trouvai parmi le rebut de leur Biblotb^que — p^le m^le k 
la terre, sur les bancs etc. etc. plusieurs yieilles impressions qui, 
quoique pour la plupart fort mal conditionn^es, ayec des feüill^ 
d^chir^es, et yraisemblablement incompl^tes, auraient pu servir 
k mes rechercbes typograpbiques. — Je leur en remis une note, 
et une autre, oü j'avais marqu^ plusieurs ouvrages de m^rite 
qui auraient certainement figure plus utilement dans leur Kblio- 
tb^e. Le Bibäotb^caire me fit de nouvdles protestations et 



— 12« — 

me dit qn'il en parlerait k M. TAbb^, et j'ettendois Ik-dessus 
une r^ponse k Zuric. En attendant, comme il m'ayait paii^ 
d'une Medaille de Bodmer et Breitinger, je la leur eayoyai pour 
le Cabinet *) , qaoique je n'aye pas pu jusqu'ici la remplacer. 
Eniin vint la r^ponse absolument negative — avec des excuses 
ass^s pitoyables. — Le P^re Biblioth^caire , me croyant saas 
doute aussi int^ress^ qu'nn moine, y ajouta quelques petites 
broderies en soye (pour servir de marques dans des livres ) pour 
me d^donunager de la Medaille. — Je lui en t^moignai ma yiye 
reconnaissance et j'eus la maladresse de m'exposer k un autre 
refus, en lui offrant une doublette trds-rare duXV*Si^le pour 
une Edition sans lieu ni date de Gasparini Bergomens. EpistoL 
qui, peut-^tre, m'aurait seryi k quelques ^claircissemens Typo-« 
graphiqucs. Je m'attendais d'autant moins k ce dernier refus 
que ce liyre ne peut leur Mre d'aucune utilit^ quelconque — 
qu'entre leurs mains il ne pourra jamais ätre utile k personne — 
que je ne leur demandais pas une Gräce^ mais seulement d'ayoir 
la complaisance de me c^der cet opuscule de .quelques feuillets 
eontre un Volume qui, selon moi, yalait bien dayantage. 

Zuric le 16 de Janyier 1816. 

J. C. Heidegger j Tribun etc. 



*) Diese Medaille ist jetzt in der Münzsammlung der Kantons- 
bibliothek. 



— tw — 



Regejsten« 



KlosterarchiT za Mari. 



Mit den Regesten des Klosterarcfaiys zu Mari wird die 
SammhiDg begonuen. Im Wesentlichen wird der yon der all- 
gemeinen geschichtsforschenden Geselischaft der Schweiz be- 
schlossene Arbeitsplan befolgt Damach werden chronologisch 
geordnete Verzeichnisse aller in einem Archiye TOrfindUcheo 
bedeatendem Documente, worunter öffentliche und PriTat« 
Urkunden, Stiftung -«, Vergabung -, Verzicht-, Lehen-, Re- 
vers-, Kauf-, Tausch -Briefe, Öffnungen, Twing-, £inkünfte- 
Rödel, Rechtschriften und Rechtsprüche, Verträge, Jahrzeiten, 
blasse und Correspondenzen etc. verstanden werden , und zwar 
bis auf das Jahr 1520 hinab angelegt. Die Zeitangaben sind 
die wörtlichen der Urkunden. Die Auszüge in der Sprache 
der Documente zu geben, wird nur da nöthig, wo die genaue 
Bezeichnung und die Eigenthümlichkeit des Ausdrucks es er- 
fordern. Das Anführen bemerkenswerther Zeugen in den Ur- 
kunden ist zweckmässig. Die Siegler sind da anzuführen, wo 
sie nicht zugleich als Urkunder erscheinen. 



1027. Indict. decima. Unter Kaiser Conrad. 

Wernher , Bischof von Strassburg und Erbauer des Schlosses 
Habsburg, urkundet, dass er das im yäterlichen Erbgut zu 
Muri, im Aargau, in der Grafschaft Rore gelegene Kloster 
Muri gegründet, dass er demselben mit Händen Lanzelins die 
ererbten Güter mit dazu Gehörigem übergeben habe. Er setzt 
dann Vorschriften über die Regel der Mönche, die Abt wähl, die 
Adyokatie , freie Vergabungen und die Rechte des Gesindes fest. 



— tS8 — 

1114. ,4 Non. Blartii. Im 7ten röin. Steneijahr nnd 

im 9ten Jahr Königes Heinrich/ Basel. — Yidimns 

1588. Indict. prima, Pontif. Pauli lY anno quarto^ 

Mensis Blartii, die vicesima prima. Schwitz. 

Kaiser Heinrich verkündet, wie Bischof Werner das Kloster 
Mnri, gelegen in Burgnnd, im Constanzer Bisthum, im Aargau 
und in der Grafschaft Rore> gewidmet, wie dessen Vetter Graf 
Werner Yon Habsburg das imt Erbrecht ihm gehörende Kloster 
mit allem Zugehörenden an 8t Martins -Altar aufgegeben habe, 
wie die Abtwahl , die Vogtei und die Stellung der Dienstleute ge- 
regelt sei , — und bestätigt alles dieses mit kaiserlichem Recht. — 
Zeugen: Bischof Burkhart Monasteriensis, Bischof Rudolf von 
Basel, Bischof Wida von Chur, Herzog Friedrich, Herzog 
Berchtold , Graf Gottfried Pfalzgraf, Graf Arnold von Lenz* 
bürg, Graf Rudolf, dessen Bruder, Graf Adelbert Ton Frobur^, 
Graf Adelbrecht von Habsburg. 



1139. Idib. April. Indict. H. Pontif. Innocent. II 

anno X. Lateran. 

Pabst Innocientius bestätigt dem Kloster Muri im Bisthum 
Constanz, im Aargau alle Besitzungen und Güter, welche es 
gegenwärtig rechtmässig besitze oder noch in Zukunft mit Be- 
willigung des Pabsts, durch die Freigebigkeit der Könige und 
Fürsten, durch Vergabung oder auf andere Weise erwerben 
werde. Er bestätigt ferner alles*, was dem Kloster Toh Bischof 
Werner und Graf Werner von Habsburg und deren Verwand- 
ten gegeben worden, und sichert sowohl das Recht der Wahl 
eines Kastvogts, als eines Abts zu. 



^ t«9 ~ 

4. 

115». YKL AprUis. Indict.YII. Pontif. Adriam IUI , 

Anno quinto. Lateran. 

Pabst Adri«i bestätigt dem Kloster Muri alle Besitnmgieii 
and Güter, welche es schon rechtmässig besitze oder noch (wie 
eben) erhalten werde. Darunter werden ausdrücklich die Kir- 
chen Yon Hermoustwilare , Bonsch, Staunes, Rische, Pobwih>« 
Egenwilare, Rordorf, Vrtechun, Tellewilare, Cohdinchon be^ 
nennt. 

Er bewilligt auch dem Kloster , während einem Interdict bei 
geschlossenen Thüren, stummen Glocken und leiser Stimm« 
Gottesdienst zu halten , und sichert die Abtwahl zu. 



S. 

1166. Ohne Datum. Die Jahrzahl nach Marq. Herrgott. 

Graf Otto yon Habsburg hatte dem yon seinen Vorfahren 
gestifteten Kloster Muri nebst andern Vergabungen auch die 
Kapelle zu Pohwilo, die obere genannt, mit Zehnten und Zu- 
gehörigem übergeben. Bischof H. hatte die Vergabung Con- 
firmirt. Nunmehr bestätigt auf die Bitte des Abts W. und des 
Grafen Adelbert 0. Bischof von Constanz dieselbe wieder. 



6. 

Ebenfalls. 

Durch das Erzbislhum Mainz wird obige Schenkung und 
Bestätigung bekräftigt. (Hieher gehört die Stelle der Acta 
Mur. über die fragliche Vergabung«) 



T 

1178. XY Kai. ApriUs. Indict XH. Pontif. Ale- 

xandri ffl. Anno ejns XX. 

Pdbst Alexander nimmt das Kloster Muri in seinen Schutz , 
<Hribet die St. Bene^ts-Regel» bestäägt dessen gegenwärtigen 

17 



^ ISO — 

und künftigen Besitzungen, namentlich die Kirchen in Boches, 
Stagnes, Rische, Chussenacho, Ageteswilare , Tellewila, Ror- 
dorf, Tershowe, Eginwilare, CozUnchoIn, Vrtechun, StalKn- 
chon, quartam partem decimaram in ecciesia Rordor, quar- 
tarn partero in ecciesia Stallinchon, duodecimam partem deci- 
marum in ecciesia Reinfriswilare, vicesimam partem ilecimamm 
in ecciesia Surse , ferner prsedia in Berkfao'vra , Spreitcmbbach , 
Quochs, Chussenacho, Gangolfswilare , Tereshpac, Walterata 
(mans.), Hulinchon, WicwiJare, Schontiniollum , Gepenowo, 
Chalpac, Wilperc, Cholunbare, Cholanbronwo , Chaitingen, 
Tintinchon, Haclingen, Totinchon, Talheim, Riffers wilare , Rot- 
wilare, Pellinchon, Vrdorf, Srettembbach , Tellewilare, Wip- 
zile, endlich die Pfarrkirche za Mnre mit den drei Kapellen ztt 
Hermontswilare, Bozwillo und Wolon. Auch sichert er die 
freie Wahl des Kastvogts , freies Begräbniss , stillen Gottesdienst 
bei Interdicten , freie Abtwahl zu. Dem päbstlichen Stuhl sei 
jährlich ein aureus zu erlegen. 



8. 

1188. HI Idas Martii. Indict. YII. Pontif. Cle- 
ment. III. anno secundo. 

Pabst Clemens ertheilt die gleichen Gnaden wie oben. An- 
geführt werden die Kirchen: Byoches, Stannes, Gersowo, Riske, 
Chussennacho, Agetiswilare, Tellenwilare, Rordorf, Egen wilare, 
Stalienchon, Gorclinchon, Vrtichon, Zehntquint zu Rordorf 
Zehntquart zu SCäliinchon, Zehntzwölftheil zu Reinfriswile, der 
zwanzigste Zehnttheil zu Sursee; diePr^edien: Gersogo, Spreiten- 
bach, Byoches, Chussennacho, Gangolveswile, Terespach, Waltrat 
(maus.), AUinchon, Wicwile, Conuntvellun , Geppenovo, Chal- 
pach, Wilberc, Cholumbrowo, Cholumbare, Chutlingen, Tin- 
tinchon, Hechilingen, Totinchon, Tallehum, Rainfriswile, Rot- 
wile, Bellenchon, Vdorf, Sprentenbach, Tellinchon, Winchele, 
Echerswile, Botanwile, Holunslraze, Tegeranc, Otwizingen, 
Hagenbvochun , Ratolvespe, Winteswile, Lennes, Renfeirswile, 
Borwile, Rüti, Woloswile, Maswondon, WamrfinchoB, Penws* 



— 131 — 

wile, IpinchoDt Seleabüroii» Teanenwile» SchiBGennacho , Böse- 
berch, Sisiachim; ferner die Pfarrkirche zu Muri mit dett 
dr<^ Kapellen Hermotheswile , Porwilo und Wolon. 



Ohne Zeitangaben. 

Zu den beiden vorgehenden Urkunden und in dieselbe Zeit 
(alle drei unter ^t Anselm von Muri 1178—1210) gehört der 
Erlasfi des Bischofs Herrmann von Constanz, der die Pfarr* 
kirehe zu Muri mit den drei Kapeilen zu Hermetschwil, Boswil 
und Wohlen, welche Pabst Alexander m und Bischof Berthold 
zu des Klosters Unterhalt bestimmt haben , in die Gewalt und 
den JVutzen desselben äbergiebt. 



lO. 

1188. m Kai. Oetobris. GonsUna. 

Der Streit zwischen dem Abten Anselm von Muri und dem 
Priester Tipold um den fünften Theil des Zehntens in der ganzen 
Pfarrei Rordorf wurde zu Constanz unter dem Vorsitze Con* 
rads, Sabinischen Bischofs, Erzbischofs zu Mainz und pabst* 
liehen Legats, und im Beisein Herrmanns, Bischofs von Con-^ 
stanz, Präpositus Udalric und Decans Heinrich dahin entschieden, 
dass dieser Zehntantheil dem Kloster zugesprochen wurde. Nebst 
den Genannten erscheinen als Zeugen: Marchwart Abt von 
Kreuzungen, Heinrich Abt von Rheinau, Burchard Abt der 
Kirche St. Johan, Bertold Abt von Engelberg u. a* m. 



/ 



11. 

1239. 20. Jenner. Zürich. 

Bischof Heinrich von Constanz bestätigt dem Kloster Kappel 
die Güter und Besitzungen zuBeinwibund den Kirchensatz da* 
aaUtfi, wekhe HartnuiMi Miles, geoamit Rieasler, dem Kloster 
geschenkt, ab et ndi Haab und Gut in dasaelbe geiogeo ; betn 



I 



- IM - 

Aufrichten dieses firiefs sei zwar Rilter Hmrtmaiia Kra&kMcs 
Mber nidit zugegtm gewesen, wohl aber sm die Handlung 
durch den Decan zu Samen und Ulrich, Leatpriei^r i^on Rot, 
genugsam berichtet worden. 



19. 

1245. In natali saneti Stephan!. Basel. 

Albert, Graf von Habsburg und Canonicus zu Strassburg 
und Basel, verzichtet nach gewalteter Untersnchung und auf 
den Rath Rechtskundiger auf seine Ansprüche an die Pfarr*^ 
kirche zu Muri. Neben Albert erscheinen noch dessen Mutter* 
Gräfin Heilwig, und dessen Bruder Rudolf, Graf J(m Habs^ 
bürg und Landgraf im Elsass. -*- lieber die Mithandelnden imd 
Zeugen siehe in diesem Heft Habsbg. Urkunden No. 7. 



m. 

1244. JPridi» Kai. Meurcii. IndUA. secunda« Constanz. 

Heinrich, Bischof zu Conslanz, erwähnt, wie das Kloster 
Muri um die Pfarrkirche zu Muri und die obere Capelle zu 
ßoswil Nachstellungen und Neckereien Böswilliger, welche das* 
£elbe zQ Grunde zu richten und zu bekämpfen trachteten^ er^ 
leiden musste, er sichert demselben diese Kirche und CapeUe 
nebst dem Zehnten der zerfallenen Capelle in Wohlen zur Be^ 
nutznng der Brüder unter Vorbehalt einer genügenden Präbende 
fiir den Vicar zu, Er setzt ferner fest, es soll in der Pfarr- 
kirche zu H^metschwil ein Vicar mit gehörige Präbende iseio* 
doch soll der Abi Ton Muri das CoUegium der Nonnen .in 
Temporalien und Spirituellen beherrschen. Endlich trifil er Be- 
stimmungen über den Quartzehnten zu Rordorf und Stallikon. 



/ 



t4. 

1247. VI Kai. Mareii. Indict. V. Pontif. Innocen. IV 

anno quarto. 

Pabst Innoceniivs gewährt dmü KkMior Afairi den SehaU« 
des iieiL Sidils, sekrcibt die beMdifcliinsalie Ordensi«^ y'm 



n 



— 133 — 

and b^tiüft die Beskzsogai. Darunter sind angeükrl: Der 
Ort, wo das Kiöi^r gelegen, die Kirchen zu Mure mit den 
drei Kapellen in Herrootswilerey Boswille und Wolon, eu Gre« 
tiswilare, Tellewila, Gershowo, Eginwilare, Coziincholn und 
Vrlhechun; ferner der fünfte Theil Zehnten von der Kirche 
zu Rordorf, der vierte von der Kirche zu Stallinchon, der 
zwölfte der zu Reinfirswite; Ländereien zu Bochos, Stagnos, 
Riske, Gershowo» Spreitenbach, Gangolfwilare, Tereqiac, Ha- 
linchon, Wicwäare, Schonuntullun , Gepenowe, Chalpac, Wü- 
p^rc, Colnmbarg, Cdambrongo, Chottoigen, Tintuichon,IIac* 
tingen, Totinchon, Talheim, RifiTerswilare, BeUoichon, Vrtorf, 
Prettembacfa, Tellewilare, Winziwiler, Manei in WalteraUi etc; 
Im Weitem trifil der Pabst noch mehrere theils früher bestan- 
dene, theils frische Verordnungen, weiche das innere und äussere 
Klosterleben betreffen. 



IS 

1247. TI Idus Sepfemb. Indict. quinf. Zürich. 

Graf Hugo von Montfort urkundet, das Kloster Kappel habe 
Güter und Besitzungen zu Beinwil, nahe beim Castrum Meigen-« 
berch, die Gebrüder Conrad und Heinrich, dicti de Meister- 
swanch, wollen sich Lehen- und andere Rechte zueignen, so 
viel aber der Urkunder wisse, haben sie kein Warandiam. Die 
Güter seien von dem Edlen lihrich von Scbnabelburg übei^ebem 
worden. 



1248. y Kai. Febmarii. SeUoss Lanfenbtn^. 

Rudolf, Graf von Habsburg, der Aeltere, erklärt » dass 
zwischen ihm und dem Kloster Kappel über Besitzungen und 
andere Sachen in Baar und Beinwil, so wie über die CoUaturen 
jener Kirchen Streitigkeiten gewaltet haben, welche nun daUi 
beigelegt seien, dass er dem Abten Jorand den Hof in Baar 
wad den SMinlen in derselben Pfarrei, die BesHiningen in Bdn- 
wä mit dem PalMnalmriii m der Kirche daselbst auligdre utid- 



— 134 — 

2Wi|ir .auch Namens seiner Fran und sdaer Kinder. Die Zeugen^ 
vörimter sein Sohn Gottfried» siehe oben bei den Habsbg. Ur^- 
kunden No. 8. 

1». 

1249. Kai. Februarii. Pontif. sexto. Lu^dun. 

Auf die Bitte des Grafen Rudolf, des altern , von Habsbnrg 
ertheilt Pabst Innocentius IIII dem Kloster Muri , da das Land 
Rudolfs des jungem, Grafen von Habsburg, Anhängers Kaisers 
Friedrieh, in Interdict gefallen, die Erlaubniss, still und yer;^ 
schlössen Gottesdienst zu halten. 



18. 

» 1254. Kai. Decemb. Bremg^arten. 

Rudolf, Graf von Habsburg, Landgraf im Elsass, urkundet, 
dass Hartmann und dessen Bruder {leinrich, seine Bürger, ge- 
nannt von Mose, ihre Besitzungen zu Rumoltincon, welche sie 
als Erbe Tom Kloster Kappel besessen, diesem aufgegeben und 
dagegen Besitzungen in Beinwü empfangen haben. 



19. 

1257. Kl. Februar. ludictXV. Alexander IIIL Geb. 

N. von Kiburg, Canonicus zu Gonstanz, hat mit Einwilligung 
seines Bruders Hartmann, Grafen von Kyburg des Jüngern, 
eine Pfründe in der Kirche zu Sursee gestiftet. Bischof E. von 
Constanz ertheilt hierauf seine Genehmigung z^r Errichtung 
dieser Pfründe und trift die daherigen Bestimmungen. 



1257. Feria tertia post octavam pentecost. Gonstanz. 

Um das Patronatrecht der Kirche zu Beinwü Skitten sick 
das Kloster Ki^el und Joban yqb Buchs» Ritter. Der Yoat 



— 135 — 

Bischof E. von Constanz delegirte Magister Herrmann , Cano- 
nicus zu Constanz, sprach das Präsentationsrecht dem Kloster 
zu und erlegte der Gegenpartei ewiges Schweigen auf. — Zeu- 
gen : B. Decan , Probst von Amb. , Wal » Probst zu St. Stephan 
zu Const., Rudolf von Hasinwil, Mag. Albert Yon Phien, Can. 
Const., Mag. Cuno offic, Heinr. Ton Wigoltingen und Uln 
von Seburg und andere Ritter. 



1257. Feria tertia post octayam pentecost. Constanz. 
Gleichen Inhaltes. 

1257. Till Idus Junü. Gottlieben. 

E. Bischof von Constanz genehmigt obiges Urtheil des Mag. 
Ilemnann yon Scbaflhausen. 



33. 

1265. Kai. Mai. Indict. Till. Constanz. 

Der Bischof Ton Constanz giebt der Frau Meisterin nnd 
dem Conrent des Klosters Ilermoschswiler Statuten. 



94. 

1266. Kai. Mail. Kappel. 

Heinrich, Decan in Sarnen , und Johannes Ritter yon Buchs, 
Brüder yon mütterlicher Seite, yerzichten nach jener bischöf- 
lichen Entscheidung zu Gunsten Kappeis auf alle Recble an das 
Patronatrecht der Kirche zu Beinwil. — Zeugen sind Prior 
und Mönche des Klosters. Die Siegel sind yon den Aebten 
yon Muri und Wettingen und den Urkundern. 



— 13« — 

Nach der Abschrift einer Urkunde des Bischofs Eberhard 
von Konstanz soll das Kloster Kappel seine Besitzungen zu 
Rorbas mit der Advokatie , den Leuten und dem Patronätrecht, 
welche von der edlen Frau Hun, Gemahlin des Johan yon 
Wetzikon, einst eingebracht, dem Bischof und der Kirche zu* 
Constanz übergeben haben, wogegen diese als Tausch dem 
Kloster Kappel die Kirche zu Beinwil, deren Früchte und Ein- 
IrälLfte zu ihrer Tafel speciell gehörten, zur Tafel des Klosters 
überlassen haben. 



96. 

1270. Im März. ladict. YII. Bei Mure. 

Hmurich von Wangen, Ritter, stiftet auf Besitzungen und 
Berechtigungen zu Schongau, Gundeldingen, Römerswil, Rute, 
Boswil und Lutingen eine Jahrzeit für sich, seine Frau Adel- 
heid und seine Eltern, ferner ans heil. Licht etc. Siegel yon 
R. Bischof von Constanz, H. Abt yon Muri und dem Urkunder. 



1275. YII Idus Febr. Indict. III. Im Kloster Muri. 

Arnold, früher Pleban in Gersau, später Vicepleban in Muri, 
stiftet ebenfalls auf Reben in Bellikon, was Abt Heinrich be- 
urkundet. 

(Fortsetzung folgt.) 



Urkunden 

über 

das Hans Habsbnrg, 

gesammelt 

in den aargauischen Archiven 

und mitgetheilt 



TOB 



PL Weissenbach. 



A. Archiv Alnri. 

(FörtsetzaDg.) 



IS. 

1358. Besitzungen zu Aristau. (Q. lY. B. 5.) 

Wir Rudolf, von Gols gnaden Hcrtzog ze Oesterrieh, 
ze Styr vnd ze Kernden, thun kunt. Vmb die mizzehellung vnd 
stözze, die gewesen sint zwiscbent den erbern geistlichen, vnsem 
getrüwen andechtigen, dem Abte vnd dem Conuente vnd Capitel 
des Gotzhuses ze Mure an einem teile, vnd vnserm getrüwen 
Hartmann von Heidegg an dem andern teile, vmb die eigen- 
Schaft der Hofstatt vnd des grundes ze Aristow, daz wir si 
darvmbe beidenthalb mit ir gutem willen vnd gunst jetwedersit 
mit einander vbereinbracht vnd berichtet haben mit sölicher he- 
scheidenbeit, daz si yns ze beiden teilen vfgeben habent ledik- 
lich dift eigenscbaft der egenannten Hofstatt vnd das Hus darvfle 
al s verr e die ringmnren vnd der invang des graben vmb die 
egenaunTIToTstatt becrriflen hat. Vnd haben wir das lUcs nach 
gntem rate, Mit gimst vnd willen der obgenannten, des Abtes 
vnd des Conuentes le Mure , verlihen vnd liheu mit disem brief 
I. 18 



— 138 — 

dem Torgenannten Hartmann yon Heidegg vnd sinen erben ze 
rechtem Lehen nach Landes vnd Lehensrechte ane alle generde. 
Ouch meinen wir gar ernstlich vnd wollen ouch, daz das vor- 
genannt Gotzhus von Mure an einem teile vnd der vorgenannte 
von Heidegg vnd sin erben an dem andern teile beliben sullen 
bi allen iren rechten, fryheiten vnd guten gewonheiten vnd bi 
allen iren Lüten, gutem, Gerichten, Höltzern, Weldem, als 
sie beidenthalb von aller bar komen sint. Vnd daz si ouch 
einander mit keinen andern Sachen nöten , irren noch trengen 
sullen in keinen weg. Vnd gebieten ouch vestiklich mit disem 
brief allen vnsern gegenwärtigen vnd künftigen Lantvögten vnd 
Reten im ErgeW, daz si jetwedern teil bi sinen rechten halten 
vnd schirmen von vnsern wegen vnd weder teil dem andern 
vberuaren wolte, daz sie des nicht gestatten vnd daz si nach 
jetwedern teiles fürlegung vnd Widerrede erkennen vnd tun, 
waz si bescheidenlich vnd recht dunke ane alle geuerde. Mit 
vrkund ditz briefes , der geben ist ze Paden an fritag vor Pfing- 
sten nach gots gehurt Tusent drühundert vnd fünftzig Jaren, 
vnd darnach in dem achtoden Jare. 

Bemerkung. 

Die Urkunde ist noch nicht abgedruckt worden. Das Siegel hängt 
nicht mehr daran^ 

An diesem Orte ist die im Archiv des Klosters Muri gelegene, 
jetzt nicht mehr vorhandene Urk unde ygm, Jahr 1 351 , St. Benedicts 
Tag im Merzen, zu erwähnen. Darnach hatten Frau Katharina, 
Arnolds des Barrers ehliche Tochter, und deren Ehewirth Lütold 
von Fricke dem Ritter Hartmann von Heidegg um 900 Fl. Gl. ver- 
kauft: dieJSmter, Haus und Hofstatt, gelegen im Dorf zu Aristauf 
ledige und eigen bis auf zwei Schuposen , welche Er^gji^ Klosters 
Muri gewesen; ferner eine Vo gtei zuj Biixhe. eine Vogtei zu Tur- 
rimur und eine Vogtei zu Sltznach ,^gert"en"lährlich neiintHälEeir 
MüTtHoggeiTünd emTfiind und vier Schilling Pfenning, — Lehen 
von der Herrschaft von Oestreich; ferner die Iselmatte , gilt einen 
Mütt Haber, eine Schüssel mit Fischen an der alten .Fastnacht und 
ein Huhn, ebenfalls Lehen von der Herrschaft von Oestreii^h. 

Auf den Verkehr des Klosters Muri in^t denen von Heidegg um 
Besitzungen und Rechtsame zu Aristau und da herum kommen wir 
später zurück. 

Schon früher, 129.5 — 1308, hatten die von Baare, Vorfahren der 
Frau Katharina , welche 1351 an die von Heidegg verkaufte, uin ihre 



— 189 — 



Ansprüche und Hechte zu Aristau hartnäckige KÜuipfe mit dem 
Kloster Muri. Siehe die Regesten. 



16. 

1361. Schutzbrief. (G. UI. G.) 

Wir Rudolff, von gottefs gnaden Hertzog ze Oesterelcfa» ze 
Steyr ynd ze Kernden. Emb: vnsern getwu: lieben Johansen 
von Bütikon oder wer phleger in Ergöw ynd in turgöw ist» 
' vnd . . dem Vogt ze Baden, wer der je zu der zeiten ist, vnser 
gnad ynd alles gut. Wir empfelfaen ew ynd wellen onch gar 
ernstlich, dafs ir die Erbern vnd Geistlichen, den Abt vnd den 
Conuent von Mare schirment, wo sie des bedurflen, vnd in 
sunderlich gewalts vnd vnrechtes vor seit vor Rudolfen vnd Leu- 
polten von Arburch, die seu von eins briefes wegen, der in 
irr gewalt verlegen ist, vmbtreibent, wan wir die egen: Kloster- 
lüt besunderlich darauf in vnsern scherm genommen haben, vnd 
ouch wol erfunden haben, dafs in von der ansprach wegen, so 
die vorgen: von Arburch hintz inhabent, gewalt vnd vnrecht 
beschicht. Geben ze Brugg im Ergöw an Sonntag, so man 
singet quasi modo genili. Anno domini Alillesimo Trecentesimo 
Sexagesimo primo. 

Bemerkung. 

Noch nie abgedruckt. Rudolf ist ein Sohn Herzogs Albert und 
' Enkel Königs Albert. Seine Brüder heissen Friedrich, Albert, Leo- 
pold. — Das Siegel, etwas beschädigt, enthält den Ostreich ischen 
Schild und vier kleine Löwen, yon denen zwei Schildlein mit 
Löwen, einer ein Schildlein mit dem Adler, einer eines mit zwei 
Lothr. Fischen tragen. Dabei Helm mit den Pfauenfedern. 



1364. Spruch über die Ansprachen Rudolfs und 
Lütolds von Aarburg. (Q. lY. A. 20.) 

Ich Diethehn you Plumenberg, des durlüchtigen Fürsten 
Hertzog Rudolfs von Oesterrich, mins gnedigeo Herrn,^ 



— 140 - 

Hoaptman yad Landyogi 26 Schwaben vnd im Elsazz, Vergich 
ynd tun kunt offenlich mit disem briefe Yon der vordrung vnd 
ansprach wegen, so die edeln frien Herren Hr. Rudolf ynd 
Junkherr Lütold yon Arburg gebrüder gehabt hant an den Er- 
wirdigen geistlichen Herren, den Abt und Conuent des Götz- 
huses ze Alure sant BenedicXen Ordens in Cosnetz: Bistum, ymb 
viertzig mark siibers züricher gewichtes, die wilent Abt Her- 
man selig des egenanten Gotzhuses ynd der Conuent daselbs 
yor ynd drizzig Jaren ycrheizzen solten hau Herrn Rudolf 
seligen yon Arburg, wilent der egenanten yon Arburg elichei|| 
yatter, ynd sinen erben yon einer kilchen wegen, die derselb 
yon Arburg selig dem egenanten Gotzhuse erworben hatte an 
den Stul yon Rome nach des Schuldbriefs sag, den si daryber 
hatten. Derselben sache yordruug ynd ansprach, die egenannten 
Herrn Rudolf ynd Junkherr Lütolt yon Arburg für sich ynd 
ir beider erben einhalb, ynd ietztunt diser gegenwärtig Abt 
Heinrich ynd der Conuent des Gotzhuses zu Mure für sich ynd 
ir nachkommen anderhalb mutwilleklich ynd ynbetwungenlich 
yff mich komen sint ynd bedenthalb in min Hend luterlich ge- 
setzt ynd yersprochen hant, stet ze haltende ynd ze voKurende, 
wie ich si yon der yorgenannt schuld vnd yordrung wegen mit 
efaiander berichte ynd si tun heizze. Datz ich da beiderteilen 
fürlegung, widerred, kun tschaft ynd briefe in der sache eigen- 
lich erhert ynd nach guter yorbetrachtung ynd wiser Lüten rat 
^nd sunderlich nach rate miner Herschaft yon Oesterrich 
Reten, die do ze male bi mir waren, erkennet ynd ysge$pro- 
chen han. Erkenne ynd spriche ouch ys mit disem briefe. Wan 
«kr yorgenannte Schuldbrief yor acht ynd drizzig Jaren gegeben 
wart ynd ie sider yerlegen ist ynd alle Schuldner ynd Gisel, 
die an demselben briefe yerschriben stant, abgestorben sint yor 
yil Jaren, ynd wan sich ouch der obgenannte min gnediger 
Herre Hertzog Rudolf yon Oesterrich yormalen mit sinem 
offenn yersigelten briefe erkennet hat, daz der egenante Schuld- 
brief das yorgenante Gotzhus yon Mure fürbazz nicht sol binden, 
darymbe heizze ynd spriche ich ys wizzentlich mit disem briefe, 
daz die yorgenannten Herr Rudolf ynd Junkherr Lütolt yon 
Ari>urg noch ir erben an den yorgenannten Abt Heinrich ynd 
den Conuent yon Mure noch an ir nachkommen vmb die yorge- 



— 141 — 

naonle schuld der viertzig marken noch i^nbkosten oder schaden, 
so darvls gangen were, fiirbazz ewiklicb niemer kein recht vor- 
drang noch ansprach haben noch gewinnen. Vnd daz ouch 
derselb Abt Heinrich vnd der Conaent ze Mure noch ir nach- 
kommen vmb dieselben sache schuld oder vordrang inen hin- 
nanthin niemer nichtz schuldig noch gebunden sin suUent dheins 
weges ane alle generde. Bi diser richtung vnd dem vssprache 
sint gewesen die frommen vesten Herrn Hans Hofmeister von 
Frowenueld, Hans Egb. von Goldenberg« Herr Johans von 
Sebeim vnd Herr Hartman von Heidek, Ritter, Herrmann 
von Blumenberg, Purkart von Rischach, Heini am Stad von 
^chafhusen, Jobans Vingerli vnd Götz me.., Vnderaogt ze Baden 
vnd ander eriber Lüten vil. Vnd darvmb ze ewigem vrkund 
han ich der obgenant Lantvogt min eigen Ingesigel offenlich 
gehenkt an disen brief , der geben ist ze Baden an dem nechst^i 
Samstag vor sant Kathrinen tag. Nach gots gehurt Tusent drü- 
hundert vnd sechzig Jaren md daroach in dem vierd^i Jare. 

Bemerkung. 

Noch nie abgedruckt. Das Siegel fehlt. 

Der oben in No. 16 im Jahr 1361 von Herzog Radolf ausgesprochene 
Schirm und Befehl scheint das Auftreten des Radolf und Lütold von 
Arburg gegen das Kloster nicht gehindert zu hahen. Sie mussten 
sich demselben aber doch kraft dieses Spruches unterziehen, lieber 
diese Streitigkeit und darüber, welche die von Rudolf tor Arburg 
dem Kloster erworbene Kirche gewesen, findet man im Archiv 
keinen weitern Aufschluss. 



18. 

1372- Erbauskauf. (Q. IV. B- |.) 

Allen dien, die disen brief ansehen! oder hörent lesen, künde 
ich Johans Eichiberg, Schukhs ze Bremgarten, vnd v^gich 
offenlich mit disem brief, daz ich an der hocherbomen Fürsten , 
der Herzogen ze Oesterrich, min gnedigen Herren slat, in 
der Stat ze Bremgarten an offner strafs ze Gerichte sazz, da in 
gebannenen Gericht für mich kamen Rudi im Wje von Mure 
mit fürspreehen ze eim teil , Vbrich Buler , Pfister vnd pfrunder 



_ 142 — 

des Klosters ze Mare.'desselben Rudis im Wye stieff alter, ynd 
oach mit Fürsprechen ze dem andern teil, vnd yerjach der 
vorgenannte Rudi im Wye da im gericht , daz er von des Erb- 
teils wegen, so Katfaerin Meggerin selig, sin lipliche Muter, 
hinder ir verlassen hatt, die des vorgenannten Viridis Bnler$ 
eliche wirtin waz, vnd vmb alle ander anspräche vnd stösse, 
si wurden daze mal benennt oder vnbenennt, so derselb Rudi 
im Wye zu demselben Vlrich Buler, sinem Stiefvater, vntz vff 
disen tag, als dieser brief geben ist, ze sprechen hatt, daz er 
vmb denselben Erbteil anspreche vnd stösse mit demselben Vlrich 
Buler gar vnd gentzklich vnd lieplich vnd gütlich bericht were, 
darvmb derselb Rudi im Wye acht pfvnt pfennig gäber Stehler 
von demselben sin Stiefvater ingenommen vnd eiiipfangen faetti 
vnd in sinen guten nutz kommen weren nach siner vergicbt, 
vnd darvmb entzeich sich vnd gab vff mit band vnd mit mvnde 
derselb Rudi im Wye da ze mal in gericht für sich vnd alle sin 
erben an Vlrich Bruchis, Amptmann des Erwirdigen Herren, 
des Abbten vnd des Gotzbus ze3Iure, faant zu desselben Gotz- 
hus vnd des egenannten Vlrich Bulers banden lediklich des vor- 
geschribenen Erbteils vnd aller andern ansprach , so er zu dem^ 
selben Vlrich Buler vntz vff discn hüttigen tag hatt. Alles aU 
gericht vnd vrteil gab so vere, daz vff den eid mit gesamnoten 
vrteil vnd vnfrag erteilt ward , daz dise vorgeschriben sache do 
ze mal vnd hienach krafft vnd hantvesti haben sult. Vnd mir 
dem obgenannten Schulthn erteilt ward, minen brief faarvmb 
ze geben, so han ich ze offenem vrkund diser vorgeschribnen 
Sache von des gerichtes wegen min Ingsigel offenlich gehenkt 
an disen brief, der geben ist an saut Fabians, vnd Sebastians 
Tag , do man zalt von Gottefs gehurt drizehenhundert vnd siben- 
zig Jar darnach in dem andern Jare. Hie ze gegen waren Herr 
Hartman von Heidegg, Ritter, Jvnker Rudolf von Baldwile, 
Wernher Schenk, Vogt ze Maswanden, Vlrich Schi|ltheife von 
Lentzburg, Jofaans Tenwile, Claus Hegglinger, Johans Satler 
vnd ander erber lüt vil. 

Bemerkung. 

Diese bisher ungedruchte Urkunde hält kein Siegel mehr. 
An der Herzoge von Oestreich Statt sass derselbe Schult-* 
heiss Johan Eichiberg an offner Strasse in der Stadt Bremgarten 



— 148 — 

vor 10 Jahren , 1362 Samstag Tor dem hl. Kreuz tag zu Gericht, aht 
Frau Barbara von Seengen, Heinrichs von Seengen Wittwe, ver- 
treten durch ihren Vogt Heinrich von Seengen, ihr Haus und ihre 
Hofstätte zu Bremgarten, an der niedern Brugg gelegen, und von 
einer Seite an Velwers von Sarmenstorf Haus , von drei Seiten an 
die Strasse stossend, ddki' Kloster Muri verkaufte. Diese Urkunde 
lag ebenfalls im Archiv zu Muri, findet sich jetzt nicht mehr^ im 
Original vor. ~ Ferner ist noch einer Urkunde zu geiienken , welche 
der gleiche Hans Eichiberg , Sehnltheiss zu Bremgwten , der an 
ofiner Strasse an der Herzoge von Oestreich Statt zu Gericht ge- 
sessen, im Jahr 1355 an Sankt Thomas Abend ausfertigte. Nach 
derselben setzt Johann von Wile, Edelknecht, aus Freundschaft und 
Liebe , welche er zu Herrn Heinrich von Seengen , lUtter , und auch 
zu dessen Bruder, Pfaff Hansen von Seengen, seiner Schwester 
Sohn, hat, sein Haus und Hofstatt mit Garten, gelegen zu Brem- 
garten in der Stadt, gegen Mörikons Hausstatt, für sechszig Maiie 
lötigen Silbers ein, so dass die von Seengen mit jenem Haus um 
sechszig Mark gewert sein sollen. Zugegen waren Junker Heinrich 
von Rüssegg, Freier und Kirchherr zu Bremgarten, Herr Hart- 
mann von MeMegg, Ritter, Hartmann von Schönenwepd, Edelknecht, 
Hans WeiWif Claus Mörikon, Jenni von MaswandeB, Hans Granf, 
Welti Kim und Wernher Schenk, alle Bürger zu Bremgarten. Ueber 
die Stellung der Schultheissen und der Stadt Bremgarten zur östrei- 
chischen oder habsburgischen Herrschaft siehe die Rechtsurkunden. 



19. 

1376« Yerg^leich- und Pfandbrief um ein Kirehen- 
lelien zu Villmergen. (Q. FV. J« 2.) 

Wir Lüpolt, von gots gnaden Hertzog ze Oesterich, 
ze Steyr, ze Kernden vnd ze Krain, Graf ze Tyrol u. s. f., tun 
kunt, daz vnser getrüwen lieben Hemman, Rudolf vnd Thüring 
von Halwile gebrüder vnd Hans, ir vetter, sölich brief, die 
sie vMi dem hochgebornen fürsten Hertzog Albrechten, 
VDserm li^n Herren vnd vatter, vnd von Hertzog Otten; 
Tnserm lieben Vettern selig, habent, für vns vnd vnser Ret 
brachten, nach den sie die kilchen ze Vilmeringen, do si nechst 
ledig warde, sollen gelihen haben, bieten si dieselben brief ze 
den ziten in ir gewalt gehabt, vran si aber dieselbe bri^ die- 
wile nit inn hatten vnd in darvmbe nit kunt vras, vrard die vor- 



— f44 — 

genannt kilch gelihen Hainriten Hamrich, des Scholtheizzen 
Sun Ton Lentzburg, darvmb ouch die yorgenanten von Halwile 
mit demselben Schultheizzcn in Stözz ynd krieg kamen. Der- 
selben krieg vnd stözz si doch baidentbalben hinder vns ynd 
vnser Ret giengen. Vnd ist erfunilül, seind des egenanten 
Sehultheizzen Sun ze der egenanten Kilchen bestatet ist, so sol 
er daby beliben^ wenn aber He vorgenante kilchc schierist mit 
recht ledig wird ^ es sy von tödes oder anderer Sachen wegen , 
so sullen die yorgenanten yon Halwile oder ir erben, sei zu 
demselben male üben, wem sie wellent in aller wise als die 
egenanten brigf sagent, die si darty^r habent, ynd sol der koch- 
gebom fiirst Hertzog Albrecht, ynser lieber bruder, wir 
ynd ynser erben yon in ledig sin der hundert Mark Silbers, 
die dem Alten yon Halwil solten ymb sinen dienst* gen Paym 
geuallen sin, ynd dafür im ynd sinen erben am lihung yf der 
egenanten Kilchen yerschriben ynd versetzet ist an aller geuerd. 
Mit yrkund ditz briefs. Geben ze Schafhusen a» J^nstag in 
de§ Osterwocfaen. Nach Kristi gehurt drützehenhundert Jar 
darnajch in dem sechs ynd sibentzigsten 3^are. 

Bemerkung. 

Noch angedruckt, ohne Siegel. 

Der Urkunder Leopold fiel bei Sempach. £r nennt den Herzog 
Albrecht seinen Vater, den Herzog Otto seinen Vetter, den Albrecht 
seinen Bruder. Diese Urkunde bezieht sich auf den unter No. 13 
mitgetheilten Schuld - und Pfandbrief gegen Johan von Hallwil yom 
J. 1337. Damals schlugen die Herzoge Albrecht und Otto yon ihrer 
Schuld gegen Johan Tpn Hallwil hundert Mark Silber auf das ein^ 
malige Lehen der Kirche zu Villmergen. Zur Zeit daCrg^enwärtigeu 
Urkunde 1376 war das Pfand noch nicht eingelöst, aus Versehen 
wurde aber das Lehen statt denen von Hallwil dem Heinrich, des 
Schultheissen Sohn von Lenzburg, gegeben. Zur Beilegung der da- 
her entstandenen Stösse wurd^ von Herzog Leopold das bestätigte 
Lehen des Schultheissen Sohn gelassen, das nachstellende ätmn den 
Söhnen des „Alten von Hallwil", Hemmann, Rudolf 4M Thüring^ 
so wie dere» Vetter Hans verschrieben. Die Dienste, um die die 
Herzoge die grosse Summe schuldig geworden, werden hier näher, 
als gegen Baiern geleistet, bezeichnet. 



_ 145 — 

20. 

1376.. Lehenbrief um Haus- und Hofstatt zu Sursee. 

(O. H. E. 1.) 

Wir leupolt, von gots gnaden Herlzog ze Oesterich, 
ze Steyr, ze Kernden vnd ze Krain, Graf ze Tyrol u. s. f., 
tun kunt, daz für vns kam ynser gelrüwer Leutolt, Hansen 
San, von Reytnow vnd bat, daz wir im geruchten ze leihen 
daz grozz Huse in der Statt ze Surse vnd den grozzen Boom- 
garten vor der Stat daselbs vnd ouch ein gütel ze Rotenburg, 
daz man nennet daz Kroihenlen, die von vns ze leben sind 
vnd die in von dem vorgenannten Hansen, sinem vatter, an- 
geuallen waren. Das haben wir getan vnd haben dem vor- 
genanten Leutolten vnd sinen erben die egenannten Lehen ver- 
liben, ynd was darzu gehört, vnd leihen ouch wizzentlich mit 
disem brief, was wir in ze rechte daran leihen sullen vnd mngen; 
Also daz si die von dem hochgeborn fürsten vnserm lieben 
bruder Hertzog Albrechten, vns vnd vnsern erben inne- 
haben ynd niezzen sullen. als Lehens vnd Landesrecht ist, vnd daz 
das obgenannt Haus vnd der Baum gart dem egenannten vnserm 
bruder, vns vnd vnsern erben vnd nachkommen offen sein sullen, 
wenn wir dahin kommen. Mit vrchünd ditz briefs geben ze 
Baden im Ergow an Cinstag nach sant Agnesen tag. Nach 
Kristi geburd drenzechenhundert Jar, darnach in dem sechs 
vnd sibentzigisten Jare. 

Bemerkung. 

Noch ungedruckt. Das gut erhaltene Siegel trägt fünf kleine 
Schilde , von denen zwei das östreichische Wappen , zwei den Adler 
und einer den Löwen umschliessen. — Ueber Berechtigungen der 
^Herzoge von Oestreich zu Sursee und deren Uebergang an das 
Kloster Muri folgen noch mehrere Urkunden. 



1378. Versicherung einer Heimsteuer auf der Burg 
zu Aristau^ auf Vogteien u. s. f. (Q. IV. B. 6.) 

Auen den, die disen brief ansehent oder hörent lesen, kund 
ich Cunrat Tägervelt, Amman der Erwirdigen miner gnädigen 
I. 19 



— !46 — 

Herren, des Abtes ynd des Connentes des Gotzhus von Mure 
Sani Benedicten Ordens, in Constenzer Bistom, daz ich ze 
Mure vor dem Kloster an dem Hof vor Herr Wallhers hus 
von Geltwil offenlieh ze gerichte sas vf den tag als dirr brief 
gäben ist. Do in gebannen gericht für mich kament die erbern 
vnd wolbescheiden Walther von Heidegg mit fürsprechen zeim 
teil, vnd fro elsbett, Hermanns von Landenberg von Griffense 
eliche Tochter, des vorgen. Walther von Heidegg elich wib, 
ouch mit fürsprechen zem andern teil. Do in gericht lies der 
vorg. Walther an recht, sid er in dem sinn vnd mut War, 
daz er der vorg. fro elsbeth, sinem elichen wib, hundert 
sibenzig dry mark Silbers lötiges vnd Zürich geweges gegen ir 
Heimstür, als sizu mir bracht het, widerlegen wolt vf eigen, 
erb vnd leben, als der anlasbrief wol wiset, der darvmb geben 
ist, wie er daz volfür<en solt, daz es nu vnd hienach kraft 
vnd macht hett. Do war rechte vf den eid vmb gefraget, do 
wart erteilt mit gesammeten offnen vrteild, sid Waltfaer von 
Heidegg in dem sine were, daz er der vorg. fro elsbeth ir 
heimstür wider legen wolt als vorgeschriben statt, daz er dez 
wol tun möcht vf sinen gütern, si sjen denne eigen, erb oder 
leben, vnd si vf jecklichs wisti als ein recht war, vnd aber 
si des ersten androst beuogtiti vnd sich vmb dis sach der vogtei 
enzigi vnd vfgab an des ricfaters band, vnd man. der frowen 
einen andern vogt gab, vmb difs sach, wenne daz beschäch 
dafs man aber denne tat waz recht war. Nach der vrteild 
enzech sich der eg. Walther der vogtei sis wibes vmb dis sach 
vnd gab si vf an min band, als gericht vnd vrteild gab, vnd 
batt mich, daz ich die vogteilich vnd empfel Jungherrn Hein- 
rich vo Rüsegg, Fryen. Daz selb tatt öch ich mit band, mit 
mund vnd mit aller gewarsami als gericht vnd vrteild gab. Do 
daz beschäch vnd volfürt war, als ein recht gab, do liels der 
obgen. Wakher von Heidegg aber ein recht, sid er ze Aristow, 
ze Birche, ze Türmelen, dann ze Alznach vnd andri guter do 
hi gelegen häti, die aber Lehen werin von den hoherbornen 
fürsten vnser gnädigen Herschaft von Oesterrich, ob er 
vf daz obgeschriben leben der egn. fro elsbeth versetzen 
möchte oder nit oder wie er si daran versorgen solt, daz es 
kraft hat, do wart rechtes vf den eid vmb gefraget Do wart 



— 147 — 

erteild mit gesamneter einhelliger vrteild, sid Wallher Von Heid*^ 
egg ein Mannlehen hetti als obgeschriben ist, daz Lehen wer 
yon den hochbomen fürsten ynser gnädigen Herschaft, den 
Hertzogen von Oesterrich, daz er do wol mit recht ein 
glimpflichen pfaudschiiling der obgen. sim elichen wib ver- 
setzen möchte darvf, doch also glimpflich, ob Wallher von 
Heidegg von todes wegen abgieng, daz got lang wend, daz die 
obg. ynser Herschaft einen man yf dis Lehen £unde ynd 
inen an der manschaft kein gebresten brächti. Do difs gevellt 
wart als gericht vnd yrteild gab, da gab der yorgen. Walther 
der egen. fro elsbelh frilich, ledklick mit guten rat ynd yor^ 
bedrachlung, gesunden sinne ynd mutes in ir band ynd dos 
obg. Jungherrik Heinrich yon Rüsegg, ir rechten yogtes band 
in pfandeswis yf dem manlehen, daz hie nach geschriben stat, 
daz Lehen ist yon ynser gnädigen Herschaft yon Oesterrich 
yierzig mark silbers lötiges ynd zürich gewäges also mit der 
bescheidenheit , daz die obgen, fröw fro elsbelh daz nach- 
geschriben Lehen messen sol ruweklich ynd in nützlicher ge- 
wer haben an alles widerlösen, es were den, daz der obg. 
Walther absturb yor der obgen. fro elsbeth, wer denn yon 
rechten schulden ynd von recht desselben Wallher erben sol, 
wer der ist, wenne der bringet ynd der obgescfaribnen fro 
elsbelh bezahlt den obgescfaribnen pfandschilling, die yiertzig 
mark silbers, dem sol maus ze lösen gäben an alle widerred, 
ynd sumseli an alle geyerde. War ouch, daz die yorg. fro 
elsbelh yor dem obg. Wallher absturb, so sol der pfandschilling, 
die yierzig mark, dem yorg. Wallher ynd sinen erben ledig 
ynd los sin ynd ymbekümbert beliben. Di» ist das Leben, 
daryf die <Agen. yierzig mark silbers stand ynd Lehe n ist y on 
y nser Herschaft, dgjiJ Berzjogen yon Oesterrich: Die 
Burg ze Aristöw, als der graben ynd der twinggolf begriffen 
bei ; die vogtey ze Birchl, ze Turmelen ynd ze Alznach , die- 
selb yogley järlich giltet acht mült, zwei fierlel roggen, ein 
pfunt yier Schilling gewönlicber zoyinger münlz; eine Malle, 
die man nennet die Iselmalt, giltet järlich ein mült haber ynd 
ein Schüssel mit yischen an der allen yasnach ynd zwei Hüner, 
ynd alles daz da zo gehört ynd dahar gehört hat, es si benent 
oder ynbenennet, funden oder ynfunden. Oech soll man wissen, 



V 



— 148 — 

daz ich der obgen. Wallher von Hetdegg recht wer bin des top- 
geschribnea Lehens für lehen vnser Herschaft, den Hertzo- 
gcn ron Oesterrich, was, wenne, wie dick old in weiten 
gleiten man sie bedarf. Vnd cnlziech mich mit vrkund dis briefs 
aller vordrung vnd aasprach, alles rechten, geisilichs Tod well- 
lidis, aller frjheiten vnd gewooheilen, Lanlrechtes, Slattrechtes, 
finrgrecbtes, Küngen vnd Käserrechtes, vnd der Bäbsten rech- 
tes, vnd sunderlich des rechtes als man sprichct, gemein ver- 
ziehen vervach nät, vnd alles des so mich, min erben, vnd 
nachkommen wider dis vorgescbriebne versatzung geschirmea 
oder gehelfen möcbt, keins wags an alle generd. Och sol man 
wissen , sid dem die obgen. ebbeth das vorg. manlehen in 
P&ndes wis vor gericht ingeantwurt ist, ob daz gericht darvmb 
nit billich obgen. frow einen brief geh, das wart rechtes ge- 
fragel. Derselb brief wart ira mil offnen vrteild ofTenlich eiv 
leild. Vnd harvmb ze einer gezügsame vnd einer warbeit dler 
han ich gebetlen den ohgen. 
h, des vorgeschriehnen golz- 
benk an disen brief, won ich 
Heinrich von goltes genaden 
ergich, daz wir dur ernstlich 
lans min eigen lagsigel offen- 
ze einer warbeit alles des, so 
hie vor geschriben stat an disem brief, wan wir selber da bi 
waren. Ich der vorg. Waltber vergicb Öch alles das, so hie 
vor von mir geschriben slal, vnd des ze vergicht so faenk ich 
min eigen Tngsigel offenlich an disen brief, der geben ist an 
dem näcfaslen fritag nach sant Peters vnd sant Panis tag, der 
zwelf hotten, in dem jar, do man zalt von Gottes geburt drü- 
zebenhnndert sibenizig jar vnd darnach in dem achteden jare. 
Hiebi waren! die es Sachen vnd hörten, die erbren geistlichen 
Herreu H. Walther von Geltwil, Her Hans der Stülinger, Her 
Otto von Sengen, Conuentfaerren des obgen. gotzhns ze Mure, 
Herr VIricb, Techan vnd Lütpriester ze Mure, Her Hans, 
Lüpriesler ze Biintzen, Wernhcr, Schnlnieisler ze Bremgarten, 
und Cunrat Meyer, Jacob Saltzmau, VIrich von Wile, Virich 
Höbekon, Jenni scberer, Bürger ze firemgarten, Jos! von Gelt- 
wil, Herman des Ammans, vnd ander erber LüIcb vil vnd gni^. 



— 149 — 

Bemerkung. 

Diese Urkunde ist noch ungedrnckt, die Schrift ist ziemlich 
verblichen, kaum leserlich, die zwei Sigille befinden sich nicht 
mehri an ihren Stellen. Die hier von Walther von Heidegg seiner 
Gemahlin Elsbeth, vertreten durch Freiherrn Heinrich von Rüsegg, 
als Pfand gegen die Heims teur gegebenen Güter zu Aristau, die 
Yogteien zu Birchi, Türmelen und Alznach, so wie die Iselmatte 
haben wir oben in der bei der Bemerkung zu No. 15 angeführten 
Urkunde vom J. 1351 getroffen, als dieselben von der Erbin derer 
von Barre an die von Heidegg kaufsweise fielen. Dort wurden die 
drei Yogteien und die Iselmatte als Lehen von Oestreich bezeichnet, 
dagegen die Güter, Haus und Hofstatt zu Aristau bis auf 2 Schu- 
posen, welche Erbe von Muri gewesen, als ledig und eigen erklärt. 
Hier in obiger Urkunde von 1378 wird nebst den gleichen Yogteien 
und der Iselmatt auch die Burg zu Aristau , so weit sie der Graben 
und der Twinggolf umfängt, als der Herzoge von Oestreich Mann- 
lehen aufgeführt. Die Burg zu Aristau, die in der Nähe der 
Kapelle gestanden haben soll, fiel von denen vom Aristau an die 
von Heidegg. Dem Walther wurde sie nach der Schlacht bei Sem- 
pach von denen von Zürich und Luzern gebrochen. 

Hier ist noch des im gleichen Jahr und Tag, vor denselben 
Zeugen von Cunrat Tegervelt, Ammann von Abt und Convent zu 
Muri, ausgestellten Yersicherungsbriefes als Seitenstück zu dem oben 
wörtlich mitgetheilten zu erwähnen. Darnach hatte Walther von 
Heidegg seinem ehlichen Weibe Elsbeth , Hermanns von Landenberg 
von Grifensee Tochter, zu einer rechten Morgengab 60 March 
Silber lötiges und Zürcher Gewäges gelobt und wies sie nunmehr 
mit Einwilligung ihres hiefür bestellten Yogts Heinrich von RüTsegg, 
Freien, um jene Morgengabe auf das ihm von den Herzogen von 
Oestreich um die gleiche Summe auf dem Hof zu Büblikon , auf dem 
Hof zu Wile und auf einem Gut zu Oberkulm gegebene Pfand an, 
der Herrschaft von Oestreich jedoch an ihrer Lösung unschädlich. — 
Da mit Ausnahme des Yersicherungsobjects — statt der Heimstener 
die Morgengabe, — und der daherigen Yerballen die beiden Ur- 
kunden beinahe gleich lauten, so mag der wörtliche Abdruck der 
ersten genügen. 

1383. Urtheil um die AUmend, einen Zins und den 
Meinen Zehnten zu Aristau. (6. III. D. 7.) 

Idi Wallher von d^ alten Klingen, ein friger Herr, des 
darlüchicQ hocherbornen Fürsten, mines genädigen Herren 



— 150 — 

Herzog Lupoiden von Oes^errich Lantaogt in siuen Lan- 
den ze Ergöw, ze Turgöw vnd vf dem Schwartzwald, vergich 
ynd tun kund allermäniich mit disem brief, das für mich kamend 
gen Baden yf die bürg der geistlich Herr Abt Chunrat des 
Gotzhus ze Mure Constentzer bistum sant Benedicten ordens, 
ze eim teil, ynd Walther yon Heidegg zu dem andern teil, 
yon der stöfs ynd mifshellung wegen, so si gen einander hattend 
ymb die almeind, die an holtz ynd yeld gemeinlich höret 
zu den gütern des Dorfes ze Arnstow, in dem Kilchspiel ze 
Mure gelegen; ynd ymb den zins sechs yiertel kernen geltes, 
die ze erbzinfs gand ab zwein scbupusen, die etwen hatt der 
Meier, die desselben Walthers yon Heidegg erblehen sind yon 
dem obgen. gothus yon Mure; ynd ymb die kleinen zehenden, 
die järlichs gand ab allen den gütern, so der obgeschr. Wal- 
ther ze Arnstow hett. Der stössen ynd mifshellung der ob- 
geschriben Abt Gfaunr. ze sinen, sines gotzhus ynd nachkummen 
banden, ynd Walther yon Heidegg zu siner ynd siner erben ban- 
den , wilklich ynd ynbetwungenlich yff mich kamend ynd an 
mich satzden, was ich darymb sprach ynd yfs retti, das si das stät 
ynd war nu ynd hienacfa iemer halten ynd haben söltind bi guter 
trüw an all geuärd. Vnd nach red ynd widerred die ich ymb 
difs sach all wol ingenumen han , so sprich ich yfs mit urkund 
ynd oITnung difs briefes. Des ersten sprich ich, das die almeind 
ze Arnsto^y an holtz ynd an yeld yngeteilet beliben soll als es 
yon alter hcrkumßa ist. Efs sol och der obgeschrb. Walther 
yon Heidegg den Zins der obgescfaribnen sechs yiertel kernen, 
die järlichs gand ab den obgen. zwein scbupusen, als des Gotz- 
hus yon Mure rödel wol bewisend, dem selben Gotzhus jär- 
lichs gen ynd berichten, oder wer dann je die scbupusen inne 
hatt. Man sol och wüssen, das derselb Walter dem Gothhus 
ze Mure geben ynd berichten sol järlichs den kleinen zehenden 
yon allen sinen gütern mit allen den rechten ynd gewonheiten 
als es yon alter her kumen ist, ynd wie in ander lüt in dem 
Kilchspel ze Mure je dann richtund ynd gebend. Vnd ze yr- 
kund der warheit aller der ding hcnck ich der obgeschriben 
Lantuogt min eigen Ingesigel an disen brief , der ze Baden ge- 
geben ist, do man yon Götz gehurt zalt drüzehenbundert jar, 



— 151 — 

darnach in dem drig vnd achtzigpsten jar, ze vis gänden höw- 
monat.an zweiger Heiligen Marlrer tag Abdon et Sennes. 

Bemerkung. 

Noch nicht abgedruckt. Das beschädigte Siegel ist das des ur- 
kundenden Landvogts von der alten Klingen mit dem Löwen. 



83. 

1385. Zwei Speicher des Klosters auf dem Kirchen*^ 
baumg^arten zu Brem^arten. (Q. FV. IV. 2.) 

Wir Leupolt, von Gots gnade^ Hertzog ze Oesterrich^ 
ze Slejr, ze Kernden vnd ze Krain, Graf ze Tyrol etc. Embn. 
vnsrm getrewn lieben Henman von Kungstain, Kilchherren, vnd 
Hansen Sund, Lütpriester ze Bremgarten, ynd allen andern , 
die in künftigen ziten daselbs Kilchherren ynd Lütpriester wer- 
dent, vns. gnad vnd alles gut. Als die erbern vnd gaistlichen 
vns lieben andechtigen der Abt vnd der Conuent ze Mure 
zwen Spicher gesetzt habent in den Bongarten, der zu derselben 
kiichen gehört, vnd sy mit weilent Peru von Meriswanden , der 
do daselbs Lütpriester was , rechtiklich vnd redlich vberain kom- 
men, daz sj jeklich dauon geben sullent zwaj viertel kernen. 
Also empfelhen wir ew ernstlich, daz ir sy dabey beleiben lazzet 
md In zu denselben Spichern steg vnd weg geben zu allen 
ziten vnd zu allen iren notdurften, vnd daz ir In für bazz daran 
kain irrung noch beswerung tut in dhainem weg, wan das gen(z- 
lich vns. maynung ist. Geben ze Prukk in Ergow an vnser 
frawn abend in den vasten. Anno CCC L XXXV. 

Bemerkung. 

Bisher angedruckt. Ohne Sigill aber mit dem Handzeichen des 
Herzogs« Damals war die Kirche zu Bremgarten, deren Baumgarten 
mit den zwei [Speichern belastet wurde, noch den Herzogen von 
Oestreich. Erst 35 Jahre später kam sie an die Stadt. 



— 155 — 

1589. Pfand- und Lehenbrief auf den Kirclieiizehntea 

zu Sursee. (E. III. A.* 1.) 

Wir Albrecht, von gotes gnaden Hertzog ze Oester- 
reich, ze Steyr, ze Kernden vnd ze Krain, Graue ze Tyrol 
cet. Beehennen , daz vns vnser getrewer Jörg von Reytnow mit 
seinem offen versigelten brief auf sandt neun Malter korns vnd 
habern gelts Zofinger messes, auf den Zehenden, die zu vnser 
Kyrchen ze Surse gchörent, vnd pat vnü, daz wir die geruchten 
ze leihen vnserm getrewen Hannsen, dem Vrseman von Surse, 
wan er im die verkawfft hiett. Das haben wir getan vnd haben 
demselben Vrseman dieselben newn Malter korns vnd habern 
gelts auf dem egenanten zehenden verliehen vnd leihen auch, 
was wir im darum ze recht verleihen sullen und mügen. Darzu 
haben wir zu ergetzunge im der dienst, die er vns yetzund in 
vnserm krieg wider die Sweytzer getrewleich getan hat, vnd 
auch von besQndern gnaden die gnad getan vnd haben Im auf 
dasselb Lehen, die newn Malter körn vnd haber gült auf den 
egenanten zehenden hundert gülden zo einem phantschilling ge- 
slagen) vnd slahen auch wissentlich, also daz er vnd sin erben 
dasselb gelt daraufs haben sullen vnd die inn haben vnd m'essen 
von vns vnd vnsern erben als sölicher phantschilling Lehens vnd 
Landes Recht ist an allez geuerd mit vrchund des briefs* Geben 
ze Wienn an Mitichen nach sand Philipps vnd sand Jacobs tag 
der heiligen zwelf poten. Nach Krists gepurdt drewzehen- 
hundert, darnach in dem newn vnd achtzigisten Jare. 

Bemerkung. 

Bisher ungedruckt. Das Siegel enthält fünf Ideine Schildchen, 
eines mit dem östr eichischen Wappen, eines mit demselben auf der 
einen Seite, auf der andern drei Löwen, zwei Schilde mit dem Adler, 
eines mit dem Löwen. Drei Jahre nach der Sempacher Schlacht, 
im Jahr des Kampfs bei Näfels, bald nach dem Friedensabschluss 
wird der Dienste dieses Hans, des Ursemanns, von Sursee gegen 
die Schweizer ab Seite des erschöpften Herzoges gedacht. 



— 188 — 

1390. Lehenbrief um den £eyenzehnten za Sursee« 

(E. in. A. 2.) 

Ich Reiuhart voa Wchingen» des darchlüchtigen hochgebor- 
nea forsten Hertzog Albrechtz, Hertzogen ze Oesterich 
cet > mines genedigen Herren » Lantaogt. Tun kont mit dem brief » 
daz für mich kam der bescheiden mathjs von Bütikon ynd batt 
mich Yon im yf zunemen drü malter körn vnd habem gelti 
yff dem Leyenzehenden der kiichen ze Surse« ynd 'die er ze 
köffenn geben hette 'Hansen Yrsymam, Schullheifsen ze Snrse» 
ynd Iten^ siner elichen HnsfrÖwen, yjid in die gerichte ze liben, 
das hab ich getan ynd han dem selben Hansen Vrsjman, Iten, 
siner Husfröwen ynd iren erben» die lehens genois sint, die 
obgen. drü malter habem ynd körn geltz yerlichen ynd lieh inn 
och mit dem brief, was ich inn durch Recht dar an Mben 
sol ynd mag inne ze habenn, ze nutzen ynd ze niessen nach 
Landes und Lehens Recht, den yorgen. minem Herren von 
Oesterich y sinen Vettern ynd erben an iren Rechten , die sj 
da yon haben söUen, ynschedlich. Mit yrkund ditz brieCsy yer- 
sigelt mit mioem anhangendem Insigel. Geben ze Baden an 
synentag in der yasten, so man singt Reminiscere. Do man 
zalt yon Cristus gehurt Drüzehenhyndert iar, darnach in dem 
Nüntzigistem Jare. 

Bemerkung. 

Ungedruckt* Das Siegel des Landvogts ist beschädigt. 04hr 
Leyenzehnten kam später durch Kauf an das Kloster Muri. — Her«^ 
zog Albrecht ist der III. dieses Namens, der einzig noch lebende 
Sohn Albrechts 11 und Bruder des 1365 zu Mailand gestorhenen 
Rudolf, des 1362 zu Wien gestorbenen Friedrich nnd des 1386 bei 
Sempach gefallenen Leopold. 



L 20 



— 154 — 

»6. 

1390. Lehenbrief um die Yog^ei jxl Wint^^swü^ 
Thurn und Fischenz zu Waltenschwil und Maiin- 
lehen zu Affoltern. (E. III. H. 1.) 

Wir Graff Hans von Habspnrg, der Jvng, Bekennen 
vnd tun kvnt offenlich mit .disem brief für vns, vnser erben vnd 
nachkomen, Das ^ir den erbern Hn. Hansen Ton Sengen, dem 
jyngen , ynd Chuntzman von Sengen , sinem Brnder , in rechter 
gemeinschaft wise yerlichen bant ynd libent inn ach mit dem 
brief die nachgeschriben gut., so ir Üben yon yns sint. Des 
ersten die yogty ze Winterswile mit Int ynd gut, Item den 
tnm ynd die yiscbentz ze Walterswile mit iren nutzen ynd zu- 
gebörden. Item die manlebeü ze Affoltem mit allen nutzen, 
rechten ynd zugebörden, als ir yordern die yon ynsem yordern 
ynd yns, ynd öch sie yntzher inne gebebt ynd genossen bant, 
was wir in yon recht daran ze üben babent söllent ynd mögent, 
inne ze babenne, ze nutzen ynd ze niessen nach lebens ynd 
jandes recht, doch yns, ynsern erben ynd nachkommen yn- 
Scbedlieh an ynsern rechten, die wir dayon haben söllent ane 
geuerde. Mit yrkund ditz briefs, yersigelt offenlicb mit ynserm 
anhangendem Insigel, der geben ist ze Veltkilcb an der nech- 
5ten mitwuchen vor sant Lärencyentag, do man zalt yon Cristns 
geburt drnzehenbyndert jar , darnach in dem nnntzigesten jaren. 

Bemerkung. 

Diese Urkunde steht bei M. Herrgott, der die neunte Linie der 
I^rkunde von den Worten ^^ söllent ane generde ^ bis ^^ Insigel der^ 
ausgelassen hat. Das Siegel enthält einen kleinen Schild mit dem 
Habsburger Löwen. Graf Hans der Jung von Habsburg war aus der 
Lau£enburger Linie. Hier treffen wir wieder eine babsburgische 
Vogtei zu Winterswil. Mit dem Thurm und den Fischenzen zu 
Waltenschwil sind da die von Seengen belehnt, später die vonHeid- 
egg, hernach das Kloster Muri. 



— t56 - 

1394. Yersatzbrief auf einem Hans zu Snrsee. 

(E. m. A. 3.) 

Wir Lüpolt, von gots gnaden Hertzog zu Oesterrich, 
zu Stjr, zu Kernden vnd zu Krain, graue zu Tyrol cet 
Tun kunt, daz füir Tns bracht ynser getrüwer Hartman Trul- 
linger, burger zu Surse, wie daz er daz grofz hus in der stat 
ze Surse mit bongarten , hofstat vnd aller zugehörung , daz 
ynser leben wer, kofll bet von Mathis Schulthaizzen daselbs ze 
Surse ymb bundert guldin, alz er yns fürlegt, ynd batt yns, 
wan daz yorgn. buse yast gebrescbaft ynd buuellig wer, daz 
wir im zwaibundert guldin darvf singen , die er ancb mit ainer 
guten kuntscbaft ynd gewissen daran yerbuwen solt, daz haben 
wir yon besnndern gnaden ynd ouch yon sinen getruwen dienst 
ynd bett wegen getan, also daz er ynd sin erben daz in satzes 
wise innhaben ynd niessen sullen, yntz wir daz mit den egen. 
drinhundert guldin erledigen ynd erlösent. Wer aber, daz 
sich wissentlich ynd kuntlich erfunde, daz er minder daran 
yerbuwen hett, da^ sol yns an den yorgen. drinhundert guldin 
abgan. Mit yrkund ditz briefs geben zu Brisach ao Zinstag 
hach.sant Jacobstag nach Christus gehurt drwtzehen hundert 
Jar, darnach in dem yier ynd nwntzigesten Jare. 

Bemerkung. 

Noch angedruckt. Das Siegel enthält drei Schildchen, eines mit 
dem östreichischen Wappen, eines mit dem Adler und eines mit 
dem Löwen. 



98. 
1396. Bestäti^ngsbrief. (G. m. D.) 

Wir Leupolt, yon gots gnaden Hertzog ze Oesterrich, 
ze Stejr, ze Kernden ynd ze Krain, Graue ze Tyrol etc. Ton 
kunt. Als wir yon der Ordnung wegen ynserr Lande, so wir 
ynd ynser lieber bruder Hertzog Wilhalm nachynsers lieben 
berrea ynd yetters Hertzog Albrechts seligen tode über* 



~ IM — 

ainworden sein» all brief» recht, gnad» freihält irnd gat gewon- 
heit der Lande ynsr yerwesung ynd ausrichtung yon newen 
dingen yemewen ynd bestetten, Also haben wir den erbem 
ynd gaistlichen , ynsem lieben andeehtigen , dem Abbt ynd dem 
Connent ze Mar dnrch ir fleizigen bett willen all ir brief» 
recht, gnad, freihait ynd gut gewonheit, die sy yon kaysem, 
iLÜnigen ode? ynsern yordern yntz herbracht habept, yernewet 
ynd bestett, yernewn ynd bestetten auch wissentlich init dem 
brief , was wir in ze recht daran yernewen ynd bestetten suUen 
oder magen , ynd wellen , daz dieselben ir brief bey all^n iren 
punden ynd artikeln yeste ynd $tett beleiben ynd gehalten wer?- 
den in aller der masse als ob sy yon wort ze worte hieinnen 
yerschriben stunden angeuerde. Dauon emphelhen wir ynsem 
lieben gßtrewen allen Lantyogten, yogten ynd andern ynsern 
ynt^rtanen, den diser brief getzaigt wirt, daz sy, die yorgenant 
yon Mur, bpy den obgenant |nad, rechten, freihalten ynd guten 
gewonheiten yesticiich halten yqd schirmen nach ir brief sag 
ynd in dawider kain irrung tun noch gestatten ze tun in dhainer 
weis yngeuerlich. 9(lt yrkund ditz briefs, geben ^e Prugg an 
der Ar im Ergow am zipstag nach Sand Gallen tag, nach kristf 
^eburde drewtzehenhundert jTar ynd darpac|i in dem ^echs Vnd 
newntzigisten Jare. 

Bemerkung. 

Noch angedruckt Das SigiU, wovon die Masse zerfallen' ist, 
trägt drei Schildchen, eines mit dem östreichischen Wappen, eines 
mit| dem Löwen, eines mit dem Adler. 



^^"1- 



99. 

1396. Pfandbestäti^iig. (G. IL O. 1.) 

Wir Leupolt, yoq gotes gnaden Hertzog ze Oesterrieh^ 
ze Steyr , ze Kernden ynd ze Krain , Graf ze Xyrol etc. Tun 
kunt. Alz wir yon der Ordnung we^en ynserr land, so wire 
ynd ynser lieber Bruder Hertzog Wilhelm nach ynsers 
lieben Herren ynd yettern Hertzog Albrechtz seligen tode 
überain worden sein, alle setz ynd phantschaft, der man yns 
|mt ynser yordern briefen oder mit guter kuntschaft redlich 



^ 157 — 

iiewyset, von newen Dingen besteten. Also kern für yns ynser 
getrewer Immer yon Sengen Tnd gab yns ze erkennen ynd 
weiset vns auch mit sinem geswornen aid vnd mit anderr gnter 
kuntschafty daz die nachgeschriben guter sein vnd Annen von 
Dfaswangen, seiner wirtinn, satz ynd phand yon yns weren 
ymb die Snmm, alz die denn auch hernach bencmpt ist ynd 
darüber in ir alt satzbrief ze Bremgarten yngeuarlich yerprun- 
nen wem. Des ersten auf dem Kelnhof ynd auf dem fiötzbei^ 
gemainiich drey mark geltes, stend yiertzig mark silbers, item 
zwantzig stukh gelt in dem aigen auf zinsgütem , stend zway- 
hundert guldin, item drew phunt geltes minder fünf Schilling 
auf Hofstetten ze Bremgarten, item zwen mütt Roggen ab 
gutem ze Bremgarten in der Aw ynd drew malter futer habem 
ze zins yon den Hofstetten ze Muri, Stent zehen mark, item 
ynd yon der Stewr zu Meyenberg achthalb phunt phenning , Stent 
funfzehen mark silbers; ynd hatten, daz wir in die geruchten 
JE0 besteten. Das haben wir getau ynd haben dem egen. Immer 
ynd seiner wirtinn ynd iren erben die egen. Setz bestettet ynd 
bestetten auch wissentlich , was wir in ze recht daran bestetten 
snllen oder Hingen in solicher masse, daz sy die inuhaben» 
messen ynd innemen sullen an abslag der nutz für die yoi^ 
geschriben Sum geltes mit allen rechten ynd in aller masse, 
alz sy die yormaln inngehebt ynd genossen habent, doch yns, 
ynsem brüdern, ynsern yettern ynd erben an der lösung yn- 
schedlich. Mit yrkund ditz briefs, geben ze Ennsisheim an 
mittichen nach Sant Martinstag, nach kristz gehurt drewtzehen 
hundert Jar ynd darnach in dem sechs ynd newntzigbten Jar. 

Bemerkung. 

Siegel wie oben bei No. 28. Noch nie abgedrnkt. 

Herzog Albrecht m, der noch oben bei No. 35 urkundet, starb 
den 29. Angstm. 1395. Ln Jahr darnach trafen dessen Neffen Leopold 
nnd Wilhelm, Söhne des bei Sempach gefallenen Leopold die Ord- 
nungen. Die yon Seengen, die ihren Wohnsitz vorzüglich zu Brem- 
garten angeschlagen, besassen im Freiamt mancherlei Rechtsame, 
von welchen viele an die*Stadt Bremgarten und das Kloster Muri 
übergingen. Siehe darüber die an beiden Orten liegenden Urkunden 
und die Jahrzeitbücher. Wir werden auf dieses Geschlecht zurück- 
kommen. 



~ IM — 



lieber das 

Schachzabelbuch Konrads Ton Ammenhausfen 

und die 

Zofinger Handschrift desselben. 



TOO 



Wilhelm JVackemageh 

(Fortsetzung.) 



Wie viel Theile das Buch und welchen Inhalt jeder Theil 
habe, giebt der Dichter selbst in einer Einleitung an, die zu- 
nächst auf die oben schon mitgetheilte Vorrede folgt; sie ist 
dem Eingange des Jacobus de Cessolis nachgebildet, und wieder- 
holt somit auch dessen Bericht über die eigenlhümliche Ent- 
stehungsart von Jacobus Werke. 

11 a. fVer di$ buoch des erften machte ze latine. 

In dem buoch las ich alfus, 
Das der vorgenante Jacobus, 
Der ein brediere was, 
Von Thefolis, .als ich las, 
Vil dik gebetten wart 
Der bette, die er doch lange fpart 
Vnd ir nit gewerte, 
Des man an in gerte, 
Sin gefellen von dem orden fin 
Vnd anders manig man, die in 
Baten hart fere. 
Das er in die lere 
Machte offenbere, 
Wie vnd wo von were 
Von erfte fchachzabel fpil erdacht, 
Vnd wie es zuo latin würd bracht. 

Do er in lange verfeite das, 
Do batens aber für bas. 
Ze jüngft erhört er ir bett, 
Vnd tet alls ie der guote tet: 



— IS9 -^ 

Wann das ift der gnoten Iit, 
Wes man Ii ei^delichen bitt, 
Des mügen fi yerfagen nicht. 
Bittet man aber einen argen icht, 
So man imer bett an in legt, 
So er ie mer vnd mer. verfegt. ' 
Das tet nicht difer: wan er was goot, 
b. Vnd zeigte Iinen guoten mnot, 
Das er ir bett erhörte 
Vnd in dis fpil enborte. 

Darnach ze einem mal befchach, 
Das man in horte vnd fach 
Offenlihen bredigen Ton difem fpil» 
Vnd hatte vor im liutte vil, 
Edel vnd vnedel, die konden 
Das fpil, vnd nit verftonden 
Dye bediatnng als gar, 
Als |er ins do leite dar. 

Do fi (fin) bedintonge 
Aide vnd ouch |ange 
Gehorten, do geuües in bas 
Denne e, vnd fprachen all, das 
Es gar nütz were, 
Das er nicht verbere, 
Er folte es fiirhringen 
Alten vnd jüngelingen, 
Das fich die gebelTerten dran. 
Alf US vieng er das bnoch an, 
Vnd teütes in virea do : 
Wan wer ein ding zerteilt, alfo 
Mag mans defter bas verftan. 
Alfas hab ouch ich getan 
Nach finer lere, ich tommer gouch: 
Wan ich hans in vieriu ouch 
Geteillet, fo ich befte kan. 

> 

An dem erften teil vindet man, 

Vnder weUem künig es fanden wart, 

Von welhem land ymd welher art 

Der meifter was, der es vant. 

In dem felben teile vint man ze hant 

Dryer bände fa^en, 

12 a. Dar vmb crs wolt sMdien. 



In dem andern teil dar na 
So mag man vinden iefa 
Die gefchöphfde iglicher fteine, 
Vnd was diu gefchöphfde meine, 
Vnd wie ir fitte iiillent fin, 
Des koniges vnd der künegin, 
Die Ritter vnd die alten, 
Was amptes diu roch fönt walten. 
S per drit feit von den vendlin, 
Das es fällend hantwerkliute fin 
Vnd wye iklicher gefchaffen fi, 
Wie das volk ftand dien edlen bi 
Vnd die edlen bi der diet, 
Als ouch mirs das buoch befcheit. 

An dem vierden teil man vint, 
Wa von die fpangen erhaben find 
An dem fchachzabel brett, 
Vnd wie manig veld das bret het^ 
Wie künig vnd künigin, 
Roch, Ritter, alten füUent fein 
!^^eben einander, vnd hinder den.venden ftan^ 
Vnd darnach wie verre gan 
Iklicher mag von finer ftat, 
Dye er zem erft beftellet hatt, 
Vnd wie er darnach aber fol 
Gan. dar na man viudet wol. 
Was ouch das bediutunge hatt» 
So das fchachzabel ftat. 
Als mans .des erften ziehen fol. 
Als manig velt denne ift fteine vpU 
Als manig velt ift ouch lere. 
Ich wolt das dis were ' 
Alles voUeberichtet 
Vnd ze recht gelichtet; 
b. Das ich leider wenig kan. 

Doch fid ich mich des Werkes han 

An genomen, fo wil ich 

Das hefte tuon, das (des) ich mich 

Verfinne, vnd lans denne iden man 

Haben, wa für ers wil han: _ 

Wan ich en mag niut mere. 

Alfus wil ich der lere 

Volgen, die ich vand gefchriben 

Von inen (jenen), die den efel triben^ 



— 161 — 

Äiteh vnd oach traogen. 

Ich wil niuwen cluogen 

Liaten Tagen: wan mir wer leit, 

Ward es gelefea oder gefeit 

Vnclaogen, die verftaenden nicht: 

Wan den genile dis geticht 

Nicht: das weis ich vor {hin #0}. 

Dis lalTen alfo fin. ich Fol 

Mitte (Mine) rede wider an ran, 

Da ich n gehdTen han. 

Ich wene, das fi der erfte teil: 

Cen vach ich an: got gebe mir heil! 

i)er erste Theil (S. 12 6. — 29 6.) handelt, wie eben vor- 
ätigekündigt, von der • Erfindung Ac^ Schachspieles. 

i3 a. Ein künig was^von hoher art, 

Bi des zitten der fand befchach: 

Der hies Enilmoradach 

Vnd was Nabuchodonofors kint, 

ein Wätherich gegen sein «Volk , ein Freyler selbst an dem Leidi-' 
name seines Vaters , den er in dreSiandert Stücke zerschneiden 
und so Ton dreihundert Geiern aufzehren liess, damit derselbe 
nicht wieder ins Leben kehren und ihm die Herrsc]|iaft beniebmeii 
möge. Zwar 

15 a, ir ift Til^ die wenent, daz 
Das fpil würde oach fanden 
Vnd erdacht an den ftanden 
Vor troiye, do diu bef^ffen was. 
Aber der meifter fchribet, das 
Er (Es) wnrde in chaldea erdacht, 
Vni würd dannan in krihen bracht 
Von einem meifter, der bracht es? 
Der hiesf dyomedes» 
Vnd do es gefahen 
Die meifter ze krichen, do iahen 
Si, es were ein chlaog fin, 
Vnd vobtens Taft vnder in. 
Dar nach bi allexanders zitt, 
Des gewaltigen, dö wart es wit 
b. Vnd breit über alles egypten land. 
Dar nach wart es aber erkant, 
Das mans recht aU einen bal 
Gab in der weit über al. 
Alfas ift es oach zno «i»^fcomen. 
I. 31 



— 161 ^ 

Der Erfinder aber war ein chaldäischer Philosoph, Xenes 
oder Philometor genannt. 

15 i. Ich Tand an dem bnoch alfus: 
Es was ein guot Phylofophns, 
Der ein rechter meifter was 
Von natur, alls ich las, 
Von Orient: der hieff icrfes 
In chaldeyfcher zungdn; der vand es. 
Och hat er noch einen nainen 
In kricher zungen, des er fich fchamen 
Nicht dorfft: wann «r was üdierlich 
Im gebere vnd loblich, 
Da von er im wol getzam; 
Phylometor was der felb nam. 
Was nv phylometor fie 
In latine, das fage ich hie: 
£s fpricht amator iuflicie» 
Ich fag iuch von dem namen me, 
Das es in dintfch ift gefeit 
Der maffe oder der gerechtikeit 
Ein rechter m3mnere. 
Der nam was im gebere : 
Wann er wolt fin leben 
Gerne vmb dye gerechtikeit geben, 
b, E er di^ gerechtikeit lielTe varn. 

Es wart nach im meniger muter barn 
Sit genemmet, alls noch dike geficht (gefchicht): 
Wa man einen biderben man ficht, 
Dem boefeu ding vnmere find. 
Nach dem nemmet einer gerner fin kint 
Denne nach einem bcefen wihte, 
Nu merken t an difem gedieh te: 
Er wolte gerner fterben 
Durch gerechtikeit denne erberben 
Mit gelichfenne des kuniges hulde: 
Wan der was in der fohulde, 
Das er alfo griulich was: 
Er hette vil wifer meifter vmbe das 
Verderbet, das fi getorften in 
Geftraffen: Sus griuwlich was fin fin. 
§ Nu erkande man difen meifter wol. 
Das er gerechtikeit was vol, 
Vnd batent in itye liute dO| 
Das er eiw<is «Ifo 



— MS — 

Von naem hei^ztii erdechte, 
Da mit er den künig brachte 
Von vnart vitd ynTiten; 
Des begondens in fere bitten« 

Da ersann er um ihnen zu helfen das Schachspiel; ein Spiel also : 

17 h. Das befchach in der lundikeit: 
Swer durch kurtzwile feit 
Oder tuot m fchimphe eltewas, 
So findet er verre defter bas 
Manigen Tolgere; 

Wirt es ioch dar nach fwere, ' 

Man lidet es doch defter bas. 

Absichtlich jedoch kam er mit dam neuen Spiele nicht gleich 
an den König selbst : er 

19 a. lert es in dem hof ze hant 
Die herre alle über al; 
Der was dar inne ane zai, 
Als in der künig höfen fint. 
Hertzogen, Grefien vnd der kinl, 
Vrijen, Ritter, knechte, 
Vil manig edel geflechte, 
Die lerten das fpil all do, 
Vnd warent der kurtzwile firo: 
Wann fi vertriben manige ftund. 
Es duochte fi ein chluoger fand * 
Vnd gelich einem ftritte^ 
Als da zuo beider fitte 
Zwen künig ftritten vmb (vnd) ir her, 
Vnd ieder man an fine wer 
Sich f teilet, als er wirt gefchart. 
So ie das fpil gef teilet wart, 
Vnd es denne an das rouben kam. 
Das ie einer den (dem) andern nam. 
Als dien, die es kunnent, M'ol ift kunt: 
6. Sus vertribentz menge ftund 
Mit krieglichem fchalle. 
Do nu die herren alle 
Mit dem fpil gingen Tmbe; 
Der (wife vnd ouch der tumbe 
Hatten da von fchimphets vil: 
Nu erfach der künig ouch ^& fpii> 



^ !64 — 

Vnd duochte.in oach ein feltzien fiiii4 

Vnd geuiel im ander felben ftond 

Crar wol, vnd wart des fiindes fro, 

Vnd begerte an dem meifter do, 

Das er onch lerte in das fpil, 

Da mit (m. fi) kurtzbile fo vil 

Hatten mit einander. 

An dem meii^er vander 

Antwürt, das er fus zuo im fprach: 

»Werder künig Enilmerodach, 

ir mngentz ein meifter werden nicht, 

£ vorhin an iuch das befchicht, 

Das ir iuch JalTent das getzemen. 

Das ir wellend an iuch nemen 

£ins jongers naoien. dar naieh mugent ir 

Denne nach 'iuwers hertzen gir 

lliCrnen, was einen künig getzimt. 

Ob iuwer wirdikeit vernimpt 

Mit züchten vnd mit £enftikeit, 

Was man vor iuch guotes feit, 

Das mag iuch wol fromen 

ynd ze allem giioten komen/^ 

Der künig fprach y,äe8 danket mich 
Gefuege vnd harte billic|i: 
Wan ich weis vil wol, daz kein man 
Eunft noch fuog gelernen kan, 
$0 Cf. Er muos ün nach gan fittiklich 

Mit züchten: des verftan ich mich/^ 

Der Meifter antwurt aber do 
Dem künig vnd ^rach ^^ich bin des fro, 
Herr künig ^ dfts ir die witze hant, 
Das ir fuog Tnd Irnfuog Terftant: 
Wan das zimt einen künig woL 
Sid irs begerent von mir, fo fol 
Ich inch leren hart gerne 
Das fpil vnd iuwer bette weren, 
Sit ir nu fo diemuetig went fin 
Ynd werdent hie der junger min: 
Wann mir geuil an iuch nie bas 
Kein ding: wiffent ficher das> 
Sid ir Und ein künig her 
Ynd riebe, went ir dar zuo mer 



k 



— 165 -- 

Lernen foog vnd tagende, 

Das zieret eüwer jagende 

Mer denne aller richtaom. 

Ir hant finn (ün) er vnd oach Raom, 

Wa man in dem lande feit 

lawer tagende Tnd inwer wirdikeit.^ 

Mit folhen Worten Tat vnd fo 
Der meif^er an dem künige do 
Würkte mit befcheidenheit, 
Das er Ton im ftraffe leit 
Vnd Tolgete finer lere. 
Was fol ich hie von mere 
Sagen? der künig gelert das fpil; 
' Da Ton er vnfitten tu 
^ Lieü abe -md finen grimmen mnot. 

In duochte hoflich vnd gaot, 
Do im der meiOler tet er kant, 
i. Was hediutange die fteine hant, 
Vnd wie iglicher fol fin 
GefchafTen, künig vnd königin, 
Roch, Ritter, Alten, vnd da bi 
Was bediutonge an den venden fi. 

Damit hatte Philometor den ersten Zweck seiner Erfindung 
erreicht: der König liess sich von ihm strafen, zuerst beini 
Spiel 9 dann über sein ganzes tmkötiigliches Leben, seine Un- 
sitte, seine Untugend, und der Meister durfte frei bekennen» 
dass eben dieses sein Zweck geweseu« Dann gab er noch ab 
fernere Absichten bei Erfindung des Spieles an, dass es dem 
Müssiggang begegnen und die Begierde der Menschen Neues 
m lernen wohlthuend befriedigen solle. ^ 

29 a. Do nv der meifter für geleit 
Dem künig vnd gar gefeit 
Die drije fachen, als ich feit e, 
Do feit er im aber do me, 
Als ob er von einem andern man 
Redte, vnd fprach ^ein künig fol han 
An im von kindes jagende, 
Das er fich flizfe vf tagende, 
Vnd mide was im übel ftat. 
Er fol haben gaoten Rat 



— 166 ~ 

Vnd dem gerne Volgeo. 
£r fol im nicht erbolgen 
Wefen, ob er im gibt den Rat, 
Des licht ein künig fich nit verltat, 
Das es im mag nütze fin.^^ 
Er feit im onch, wie ein künigin 
So (Sol) leben vnd fliffen tagende fich. 
Da Ton feit er im funderlich 
Von aller leije liuten. 
So die fteine küment (kunnent) bediuten 
Vf dem fchachzabel fpil, 
Als ich hie nach ouch fagen wil, 
So ^ch iemer aller hefte kan. 
Der meifter bracht den künig daran 
Mit hoflicher befcheidenheit. 
Das er vil vntogenden meit 
Vnd was einem künge miffezam» 
Vnd das er tagende an fich nam 
b. Vnd befcheidenliche fitte. 

Das brachte er alles zao da mitte, 
Das er ein gemeine lere tet 
Vf dem fchachzabel brete. 

Nv waren die fteine 
Groff vnd kleine 

Von golde vnd von filber gemacht 
Alle f ament inder acht 
Nach menfchlichen bilden gai\ 
Wie fi gingen her vnd dar, 
Das lert er alles den künig do. 
Er wart der kartzewile fro. 

JNv merkent wol har zuo, wan ich 
Von idem fteine fvnderlich 
Wil fagen wie er gefchaffen fi, 
Vnd was man merken fol da bi ; 
Dis fag ich fo ich bcfte kan. 
An dem künig heb ichs an: 
An dem vacht an der andern (ander) teil 
Des booches. got der geh mir heil! 

Es wird also nicht bloss die Erfindung de« Spieles, sondern 
auch die moralisch -politische Auslegung det einzehien Figuren 



— 167 — 

auf den chaldäischen PhflosopheD zurückgeführt. Letztere nud^ 
bis in das Kleinste hinein verfolgt, bildet den Inhalt des zweiten 
und des dritten Buches; zunächst das zweite (S. 29 b. — 140 a.) 
handelt von den grösseren Steinen, dem König, der Königinn 
und den Officieren. Jeder dieser Unterabtheilungen ist in der 
Handschrift ein Bild der besprochenen Person vorangesetzt, dem 
ganzen zweiten Theile mithin das Bild eines Königs. Ueberall 
auch beginnt die Moral bei der äussern Erscheinung, bei der- 
jenigen Ausrüstung mit Kleid und Schmuck und Geräthe, die 
für jeden Stand bezeichnend ist« 

Von dem Könige spricht Konrad auf S. 30 o, ~ 43 &. : 

30 a. An des küniges hoabte vache ick an. 
Dar vfe fol ein kröne ftan, 
Diu meifterlich gewürket fy 
Von gold. da fol man merken bi, 
Als man abe dem buoche lift: 
Recht als das gold getioret ift 
Für ander gefmide, fos fol ein künig 
Wefen fürnemer vnd frümig 
An allen dingen, der werdekeit 
Sol das volk wefen gemeit. 

Als ich oach an dem buoche vant. 
Er fol han inder rechten haut 
Ein zepter: das ift ein künikliek zwi 
Oder ein ruote, da fol man bi 
Merken, das er zegebieten hat, 
Vnd das man tuot vnd lat 
Durch in; wer des nit tete. 
Das er denne hette 
Gebalt ze ftraffene, die da fint 
Vngehorlam, vnd die man vint ^ 

Alfo, das fi vntzncht begant. 
Die guoten das durch tugende lant: 
So muos den armen (argen) vorcht dar zuo 
Twingen, e das er rechte tuo. -*- 

Der künig fol einen appfel han 
Von golt in finer Unken haut. 
6. Da bi fol uns fiu bekant, 
Als man ab dem buoche lift:« 
Reckt alls der appfel finwel ift, 



J 



Bus fol ein kimg vber fiii li^» 

Er felber Tnd die, die Ton im hant 

Gebalt ze phflegene, imib vam 

Vnd follent fchirmea vnd bewaren 

Alle die in dem riebe fint. 

An difem felben bnoch man Tint: 

Recht als der fmne vmbe gat 

Ynd niemer ftille geftat, 

Sus fol ein künig nit ftille ftan 

Dar vmbe, das ruowe möchte han 

Menglich in finem riebe ^ 

Arm vnd riche geltcbe. ^ 

Uon des küniges gewant wil ich fagenf. 
Der künig der fol ari tragen 
Von pnrpor konicblicb gewant. 
Hie bi fol vns fin bekant: 
Recht alls den künig getziren kan 
Kunichlich gewant, fns fol er han 
Für meniglichen tagende vil; 
Als ich funderlichen wil ' 
Etlich der tagende nemmen. 

Nun die Aufzährang dieser TugeHden* 

30 6. an einem künig fol ror an wefen 
Milter muot vnd erbermekeit. 

34 a. Er fol ze allen zitten tragen 

Warheit vnd f6l die minnen 
Mit hertzen vnd mit finnen, 
Vnd fol fi mit ^^ni munde 
Ertzeigen ze aller ftonde. 

35 6. er fol han da bi 

Die tagende, das w keftige, die 

In wellend vQ^erwifen, wie 

Er freiffam werde vi^ grömbelich« 

37 a. Noch me fol an einem künig wefen , 
als ich han an dem buoch gelefen: 
Das fol wefen gerechtekeit 

Endlich die Tugend der Keuschheit; und diesen Anlass benützt 
der Dichter um zugleich von der gewohnten und gesetzmassigen 
Zahl der Felder und der Figuren zu spreclvKU. 



^ 169 — 

i9 a. Ein kiiiug noch mere iMÜlien fol; 
Pas skret in Tud ftat im wol 
Vnd macht ihn gegen gotte wert* 
Ob er gottes holde geret. 
Als er billiehen fol geren. 
So fol er aller wiben enberen; 
Wan ein knnigin fol er han, ^ 
Als man vff dem fchachzabel ftan 
Die künigin neben dem knnige ficht, 
Vnd anders keine frouwe nicht 
Vf dem gerechten fchachtzabel fpil. 
Eines ich doch fagen wil: 
Ich hab wol ettlich fpil gefehen. 
Dar vf man fah, wers wolte fpefaen, 
Wol fechzehen fteine mere. 
Aber nach difer Iwe, 
So an difem baoch ftat. 
Das fchachzabel nit mere hat 
Denn zwen vnd drülig fteine 
Ze beiden fitten: ich meine 
£in künig vnd 'ein konigin^ 
Zwen ritter, zwen alten; da bi fol fin 
Ein roch an ietwedrem ende, 
Vnd vor ieklichnn ein vende. 
Dis fol wefen ze einer iit. 
Recht als ob es fi ein ftrit, 
6. Vnd anderhalb als vil. 

Das ift das recht fchachzabel fpil. 

Och wil ich zeUen, die ieh lach me, 
Als ich hab gefprochen e, 
Ze itweder litten achte Aeine^ 
Vier groff vnd vier kleine. 
Die grofTen wil ich nemmen: 
So mngent ir fi erkennen« 
Es ift ein trüUe vnd tzwen Currier^) 
Vnd ein ratgeb: das werdent vier? 
Die fvnt zeitweder fiten ftan. 
Der achtend (achten) ieklicher hau 
Sol vor im ein vendelin. 
Die zellend: fo mogent ir fechzehen fin. 



*) Also das s. g< Goürrierspiei : vgl. oben S. 33. TräUe d. i. 
meretrüo: aosser der Königinn noch ein Kebsweib. 

I. 22 



Das wirt ietwediMent achter n&e. 
Die tuont zuo dien, die ich na&d e:' 
So würd ir vf dem bret ze Yil. 
Als ich iuch befcheiden M^il, 
Vnd ich fach an dem baoche ^n, 
Das bret fpl nit me velden han 
Wann vier Tnd fechtzig; vnd wenn e« flat, 
Als mans von erft gefetzet hat^ 
So fol als manges leres wefen. 
Als vol ift ie. das hab ich gelefen. 
Da ichs vand an dem baoch ftan, 
Dar ab ichs genomen han. 
Vnd dar vmb danket mich» 
Dis fi gerechter ficherlich, 
Das da hatt minder fteine: 
Wann es ift ouch gemeine, 
War ich ie kam in kein lant« 
Doch ift mir te guoter malT erkant 
In Fronen tz vnd in frankrich 
Vnd in Giirbalhen. ouch gefach ich 
Nie, das da mer fteine hatt, 
40 a. Wan ze Coftentz in der ftat: 

Da fach ich eins; kein anders nie 
Wann das, war ich reit oder gie. 
Was iemand anders hat gefehen, 
Dem gan ichs wol, wil ers veriehen. 
Ouch wene ich, were fin mere gelin, 
Der meifter, der dif bnechelin 
In latin hat gedieht, 
£r hette das mere als wol bericht 
Als das minder: des wenne ich. 

Sonst aber ist die Aufzählung reich durchflochten mit Bei- 
spielen der einzelnen Tugenden wie der entgegenstehenden 
Laster, Beispielen meist ai» der Geschichte des griechisch- 
römischen Alterthums. Und ebenso in allen folgenden Ab- 
schnitten. Einmal ein Blick in die Gegenwart; 

35 a. Das die rechte warheit 

So tiure ift worden bi difen tagen. 
Da» mnos ich hiut vnd iemer cfalagen, 
Vnd folt es chlagen menglich. 
b. Mit der herren vrloub fo fprich ich, , 

Das der rechten warheit 
Niemant fo wenig treit 



- 171 - 

Als die» die aller meift gvotei htm 

Vnd da bi Hute ynd laad. 

Die fwerent nv har ynd ay dar; 

Nr fride, nr faon. da bi wirt bar 

Der arman fines riodes, 

Hufes Tnd guotes^ des Kindes 

Kind mnoITen da Ton arm wefen. 

Villichte vor dem tode genefen 

Ir etliches niemer mag 

Vor armuot. das ift der feie ein Slag 

Den, die fcholdig find dar an. 

Es folgt die Königinn, S. 43 6. — 62 a. Unmittelbar an 
deren Beschreibung knüpfen sich Worte über den Vorzug des 
Erbreichs Tor dem Wablreiche. 

tö 6« In des küniges throne 

Da fol fi fitzen fchone 

Ze der lenken fitten, ynd yfe han 

Von gold ein Cron. da fol man an 

Merken was tagende *) das golt katt. 

Als yon dem kdnge da vor oueh ftat. 

Si fol ein yehen pfellor an tragen. 

Ich endarff nit, \yas (was das) bediatte, fagen, 

Wann als ich yon dem künig geleit 

Habe: was Crone ynd kkit 
44 a, Bediutet dort, das tnotz onck hie. 

Ny horent, knt ineh fagen, wie 

Vnd was meinnnge dar an lit, 

Das fi fitzet zno der linken fit. 

Da (Das) bedinttet vnd meinet wol, 

Das der künig billich fol 

Sitzen zno der rechten fit: 

Wan fwas an dem könige lit 

Von natnr, das m«os alles fin 

Von gelüke an der ktinigin. 

Wan das mere teil der küngen kint 

Das riebe erbent, wan fi fint 

Vnder dem (den) fttnen zem erft geboren; 

An krieg ynd ane zorn 

Vallet ie das riebe 

An das eltefte ficherlieke. 

Das ift weger ynd nutzer yil, 

Als ich inch befeheiden wil: 



*) Am Rande rotb als Verbesserang fte^iulung«. 



^ 1« — 

Wand wa man die künge wellet, 
Vil dike es fo geuellet, 
Das die, die ein künig wellen fönt, 
Alle niemer über ein kont, 
Vnd das ein mÜThelange wirt, 
Da mit das rieb denne ift veririt, 
Das es von den fohnlden 
Muos groffen fcbaden dolden. 
Das ilt dike vnd offte befchehen; 
Ocb ban wirs nv 2elefte gefebeben (gefeben) 
In diatfcben landen Iicberlicb, 
Da von peyer^ vnd von ofterreipb 
Zwen erwirdigen fiirften wurden erbelt. 
Des, geruocbt ir, wirdi wpl n^e ge^dt, 
Des man wol vrkünd vint 
An den buocben, an den gefcbriben fint . 
Die künge von gottes gebürte ber. 
i. Wer fi alle ze wiffenne ger , 

Der fuocbs, da es gefcbriben fte: 
So vint er wol, das es vil me 
Ynd dike da ber befoben ift| 
leb wil bie an dirre frift 
Der künge nit mere zellen. 
Wan,n man ein bonbt fol wellen, 
Pa förcb^ icb leider, das dik befcbebe^ 
D^s ettlicb weller jnere an feche 
Sin felbers nutz denne gemeinen; 
Pas menglicb möcbte beweinen, 
Pie vnder dem felben boubpt fvn leben. 
Wa aber von erbe ein boubt wirt geben/ 
Vnd wer das nuon ein ierig kint, 
Alle die vnder dem riebe fint, 
Die fürcbtent vnd entfitzent es, 
Vnd muefTent ficb verfeben des, 
Wenn es kome zuo finen tagen, 
Dfts es denne nit welle vertragen, 
Wer vnfridlicb gebefen ift. 
Da von bat man ze aller frift 
Me frides in den rieben, 
Denn man babe ficberlieben 
In den landen, da man wellen mooff 
Ein künig: wan da wirt feiten buos 
Vnfrides vnd krieges, die wil es ftat 
, An künig vnd man nicbt boubtes bat. 






— 1« — 

Wan iederman Iiat kuo Terlicht 
2ao dem, dem das heil befchicht, v 

Das er küng werden fol,^ 
Vnd gedenkt, er yerfuenne Heb wol 
Mit dem, der denne küng wirt. 
Darvmbe manger nit verbirt, 
Er zügke was im werden mag; 
Vnd wer es nit wann ein tag 
45 a. An küng, den (des) felben mag er nit lant . 
Er mnos ronbes Heb began. 
Alfas ift es bar komen. 

Die Eigenschaften und Tugenden , die Ton einer Königinn 
m fordern seien, werden zuerst in kurzer Zusammenstellung 
benannt : 

45 a. -^ ein knnginn 

Sol wif, kiofch vnd züchtig fin, 
Wol geborn Tnd recht ertzogen: 
So ift ein küng Tnbetrogen. 
§ Ein künginn bedarff och wol, 
Das fi ir kint recht, als ti fol, 
HeifTe tagenlichen ziehen; 

dann der Reihe nach jede ausföhriicher besprochen , wiederum 
mit Beibringung historischer und romanhafter Beispiele. Zu- 
letzt, wo Ton der Erziehung königlicher Kinder die Rede isti 
folgendes ; 

61 5» Dis baoch von einem keifer feit, 
Der onch ottanianos was genant; 
Von dem tuot vns dis buoch bekant, 
Das er Hne fiin hies leren 
In der jogent ir fliz keren 
An kunft, vnd hies die an fich nemen, 
Was ze getagelti möchte gezemen 
An aller flachte dingen, 
Swimmen, Springen, Ringen, 
Oder was manlich mochte fin. 
Er hiefC ouch leren die töchterlin, 
Was ein wip fol können: 
Si naten vnd fpvnnen 
Werk, wollen vnd fiden; 
Si getorften nicht vermiden 
Kein wiplich werch durch keine fchame 
Mit der kolikel vnd an der Rame, 



— t7* — 

Viu trüig«^(drig;en) viid mit fpelltn fdmog 

Vud menger leye werk genuog. 
6 Nv wart der felb Octauianus 
62 a. Von den finen gef traffet alfus : 

^^Uerre, was bedürfen iawria kint. 

Das ir des fo flilTig Hnt, 

Das ir £i heilTent leren 

Antwerk, vnd ir mit eren 

Si an das mochtent wol verfechen?^ 
§ Er fprach ^des lant mich iach verteilen^ 

Wie das ich ein herre fi 

Vber alle die weit, doch bin ich fri, 

Das ich wiffe ftund oder tag, 

Das got über mich gebieten mag. 

Was weis ich, wie es denne ergat? 

An geliike es denne ftat. 

Wie edel fi fint oder wie rieh, 

So ift doch das gar vngelich (mügelich), 

Das fi wol mochtent werden arm* 

penne möchtens defterbas geaaren, 

Ob fi kundent würken ioht« 

Och kan in das gefchaden nicht, 

Ob fi es lernoten ia der jagende; 

Es behaltet fi kiofcher tagende. 

Wan junger liaten maeffekeit 

Wirt in an dem alter leit/' 

Die Auslegang des Alten (auf unserem Schachbrett des Läu- 
fers) geht Ton S. 62 b. bis 86 a. Sie beginnt : 

l^ie der alte gefchaffea weCen 
Sol, als ich hab gelefen 
An difem felben baechelin, 
Das fag ich. ir fönt zwen fin: 
Einer fol bi dem küng ftan. 
Der ander fin ftat fol han 
Ander halb bi der künginn; 
Vnd fol (fuln) alfas gefchaffen fm, 
Als komen ün wol zoo iren tagen.. 
Nv horent vnd lapt iach fiirbas fagen: 
Itweder fol ein feffel han. 
Dar vff er fitzet; ein baoch zer tan 
Vor im fol ligen; dar an fte 
Das recht gefchriben. nr horent me : 
Si fon richtern ün gelicJu 



~ 175 — 

Ganz «o zeigt tarn den Aken atieh die beigefagte Malerei^ 
Er yertritt also für die moralische Auslegung den Richterstand } 
S. 64 o« giebt dazu noch eine nähere Bestimmung. 

Eines fol ich vergeffen nicht; 
Dis merken alte vnd ouch die kint . 
Der alten tzwen iint 
Vf dem fchachtzabel fpil. 
Was das hediuten kan, das wil 
Ich Tagen, fo ich hefte kan. 
Wir fon merken dar an, 
Das zweyer leie fache (int, 
Als es dis huoch ynderhint: 
Diu eine ift ron miffetat, 
Das es an den lip gat; 
So ift die ander vmb guot. 
Dis huoch vns die lere tuot: 
* Der vff dem fwartzen velde ftat, 
Der hedinttet den richter, der hat 
Vber miffetat ze richteli gewalt; 
§ Vff dem wiffen yeld der' alt, 

Der hediutet den, der über das guot 
Ze richten hatt. • 

In der weiteren Ausführung jedoch wird auf diesen Unter- 
3chied zwischen criminaler und Civilrechtspflege keine Rück- 
sicht mehr genommen, und nur den Richtern insgesammt 
empfohlen gerecht zu sein» weder durch lieb noch durch leitf 
durch miete ^ durch vorchte noch dur has^ wie der Dichter 
schon auf S. 62 b. es kurz und treffend ausdrückt, Urtheil zu 
sprechen, um Weisheit sich zu bemühn und um gelehrte 
Kenntniss der Gesetze. Mit besonders redseligem Eifer lässt 
sich Konrad über die Habgier der Richter, auch der geist- 
lichen aus, obschon sein Original die letztei^en nicht berühre 
(72 a.)\ doch stehe es, was diess Laster überhaupt betreffe , 
mit den Laien und selbst mit den Frauen ebenso schlimm als 
mit den Geistlichen. 

72 a. % Doch mag ich eines nicht rerlan : 
Sit ich da vor habe gefeit 
Von geiftlicker liute gitikeit, 
Ich muoss von weltlicheB liuten odi fagen, 
Wan ob ich die weite irerdagen, 



— 176 -^ 

Si (So) möchtent die ^eiftliclkea ftraffen mich, 
Wes ich fi zige alfo, das ich 
Von in feite vnd Ton nieman me. 
Als ir wol hant gehöret e, 
Wie ich hah da Tor gefagt, 
Das Jeremias hat gechlagt, 
Das von den ohereo^ vntz ze niderft fi 
Enkeiner geitikeite fri: 
Mit dem wort begriffet er 
Die phfaffen vnd leyen; ger 
6. Nach guote fi das meifte teil; 
Er hette fonderliches heil, 
Wer ane geitikeit werc, 
Vnd wer von ime zemere 
Ze fagenne. der weis aber ich 
Niena keinen Hcherlich, 
Da von ichs nicht fagen kan. 
An dem keifer heb ich an; 
Was künge, hertzoge, grafen fint, 
Frijen, Ritter, vnd ouch die (der) kint. 
Burger, frouwen vnd die man, 
Niemant ich vs gefcheiden kan; 
Bnliute, arm vnd onch rieh. 
Der fnelle an die nafe mich, 
Wer fi ane geitikeit. 
So bin ich f icher, das kein leit 
Mir von fnellen müg befchehen; 
Ich wolte von hertzen gerne fehen 
. Den, der von waren fchulden mich 
Möchte gefnellen« ficherlich. 
Wie vaft er an die nafen min 
Snalte, ich weite doch fin friont f|n 
Dar vmb, das er mir würdi kunt; 
Ich wolt es von ihm fa ze ftond 
Prnefen vnd machen breit, 
Das er wer an geitikeit. 
Den möcht man ze einem wonder zelen. 

Ob nu die fronwen fich geften wellen. 
Das fi fin an gitikeit, 
Wan ich von in nicht han gefeit. 
So fiircht ich das Ii vellent dar an. 
Von in chlagent dike die man, 
73 a. Si bringent fi ze geitikeit. 

Als ich iach fag. mir were %ber leit. 



~ ITT — 

Der es den fri>«weii feite von mir. 
Ich han mer denne zwir 
Gehort chlagen etlich man, 
Das ir fironwen nit verguot went han 
Diu kleider, diu fi dnchtin gennog: 
Si went ouch haben chleinode cluog, 
Schabel, gebende vnd gürtelin, 
Stachen vnd reidin tnechelin, 
Vingerlin vnd edel gefteine, 
Groffe berlin vnd chleine, 
Pater nofter, Sekel, fürfpan. 
Was eine Hebt die ander han, 
Si geftoffet ir wirt niemer abe, 
£ fi femliches oder beffers habe. 
£ denn der wirt ze aller zit 
Habe heimlichen ftrit 
Ze tifch vnd ouch ze bette. 
So lat menger einwete (enwette), 
Wie fin fei har nach geaar, 
Vnd gewinnet es. hat ers nit bar 
Guot, er mnos es nemen an fchaden. 
Da mit wirt menger über laden 
Mit menger bände guot (gülte)^groff. 
Des ift ouch menger worden bloil 
Alles, das im fein Tater lie; 
So er denne dar Ton gegie. 
So mnoft er finen fchaden han. 
Sus ift verdorben manig man, 
Der dar nach denne übel tett, 
Wann er nicht ze brachen hett. 
b, Sns waren die fron wen fchuldig dar an. 
Alfas furcht ich das manig man 
Von fironwen ze geitikeit fi komen. 
Och han wir leider dik vernomen, 
Das manig frouw darch geitikeit 
Uatt getan fei vnd ere leit; 
Das fi nicht hett getan, 
Hiet £i es geitikeit erlan. 

Ich bitte alle die dis lefen, 
Das n des gemant wefen. 
Das iis den fironwen nicht fagen von mir; 
Wan ich fürchte das (das ich) ir 
Halde vmb die red verlöre. 
Doch enrnoch ich hinnan füre,^ 
I. 23 



— 17» — 

Ob die bofen halTent mich: 
Ich weis wol das die gaoten Xich 
Bedenkent, das ich fage ^ar. 
Wellich froaw ift gaot an alle var, 
Die begert von ir wirt nicht me, 
Denne im wol kome Tnd ir wol fte, 
Wann kein ere dar ane lit^ 
Wel frouwe mit gewande fich vber gibt 
Oder mit dekeinem kleinoede, 
Vnd das ir wirt gar földe (fncede) 
Kleider muos an im tragen. 
Von dien gaoten ich nicht fagen: • 
Wann die tettins vngern. 
Ein guot wip gerner wolt enbern, 
Des fi bedörfft ze ir rechter not, 
£ das icmer fchame rot 
Ir [wirt würde von ir fchnllden. 
Mit der frouwen bullden 
74 a. MuolT ich iemer fprechen, das 
Es getzimt gaoten fron wen bas, 
Das fi fich haltent nach ir macht. 
Wel gaot wip dirre red nimt aht. 
Ich weis das fi der rede geftat, 
Die min munt gefprochen hat. 
Dia weite leihe melden fich, 
Die denne dar vmb ftrafte mich, 
Das fi wer nicht gaot; dar an 
Erkande fi ein wifer man, 
Der fi vor hin erkande nicht. 
Ze glicher wife, als oach gefchicht, 
Wa man von übelen wiben feit, 
Das ift enkeiner gaoten lei;t; 
So ein übli gar zornig wirt, 
Kam oder niemer fi ver birt, 
Si maefs es anden mit rede. 
Es ift zit, das ich lende vnd ftede, 
Vnd wider kere, da ich es lie 
Vnd vffer der materie gie. 
Das was da vor ander ftat. 
Da min man gefprochen hat 
Von der richter gitikeit. 
Wan gitikeit nv mengem leit 
Taot, beiden frouwen vnd man. 
Da von ich das ge^orfifen han 



— 179 — 

^ Uar in, das man H fchiiihe- 
DeTtoaTter vnd fliahe, 
Wann fi fchedlick ift 
Menglichen, mengen argen lift 
Leren kan diu geitikeit. 
Ir gewalt ift wit vnd breit: 
b. Ich fiircht leider, das kein Tut ' 
Si inder weit, da (da fi) nit hat, 
Gewalt, vfi* Bürgen vnd in dörffern. 
Kein waefte ift fo verworfen; 
In telren vnd vff den allpen, 
In chloeftern, clofen, allenthalben 
Wene ich nit das iena H 
Kein winkel geittikeite fri, 
Da achte (eht) kein menfch wonung hat. 
Ir worde allenthalben beffer rat, 
Denn da fi an richtern ift: 
Da hillfet weder konft noch lift; 
Si tuont mengen groHen fchaden, 
Des fich niemant kan ent (laden. 
Ein man emphlüche wol vnder ftond 
Sinen vige;iden, das er wurde vnknnt; 
Er befcfairmde ouch wol vor dem tiofel fich 
Mit fegen wol: des danket mich; 
So weder flacht noch fegen kan 
Befchirmen einen armen man, 
Dem ein vnrechter richter wirt, 
An forge; weder kanft witz (noch witz) im birt 
Für den richter keinen rat 

Nachdem aoch den Richtern zoir Pflicht gemacht worden 
die Ratfageben (d. h. die Beisitzer) und die Fürsprechen und 
ebenso die Weibel, die Büttel und die Schreiber "^rohl zu wählen 
and zu beaufsichtigen, schliesst Konrad mit einigen Worten 
über das Gericht, dessen der Mensch in sich und über sich 
selber pflegen solle. 

85 b. Doch ifr rechtes gebanden 
Ein iklich menfch ficherlicb. 
Wel menfch hie berichtet fich 
Selber 9 der enwirdet nicht 
An ener weit bericht. 
An (Als an) fand Panls lere fiat, 
Die er Gorintheos geleret halt. 



§ Wie aber das gerieht fol wefett, 
Das Tag ich, als ichs hab gelefen, 
Vnd ichs ze diutfch bringen Kan« 
Ein menfch folt (fol) mit im felber han 
Ein gerichte: das £i iuch gefeit; 
Natürlich befcheidenhett 
Sol laden die feie far fich zegagen 
An dis geriefte; gedenke fönt clagen, 
Diu gewiffin geziag fol fin; 
86 a. Als ein ifchargie fol fliegen pin 
. Die Torchte ynd toetin die fände. 
Die lere die ich hie künde, 
Die lert fand Angoftinns da 
An finem buoch de penitencia. 
Als ich es da hab gelefen, 
Sus fol ein iklich menfch wefen 
Sin felbers richter funderlich, 
Vnd fol dar nach mit riuwe fich 
Antwürten finem bicfctere. 
Der benimet im fin fwere 
Vnd tuot in finer fanden gar 
Alles ficherlichen bar, 
Die er im mit riuwe far leit. 
Von gerichte vnd richtern hab ich gefeit 
Mere, denne ich an dem fchachbach vant: 
le doch fo hab ich genant 
Die buoch, da es ane ftuond. 
In 'guotter maffe , alls es mir kunt 
Wart von den felben buoehen. 
"Wer es nv welle geruochen 
Ze wiffenne, der fuoch es furbas^ 
An den baochen, ab den ouch ich es las, 
Als ich hab gef prochen e. 
Von dem Alten lag ich nu nicht me. 

Nun S. 86 a — 115 o, der Ritter. Zuerst dessen Aus- 
rüstung, die Feierlichkeit der Bitterwache und des Ritterschlags 
und der Schwertsegen , dessen Gebote leider nur zu viele brechen, 

86 b. Ein ritter fol an tragen 

Ein gantzes harnafch. was dar zuo fol 
Gehöben (Gehoeren), das im getzeme wol. 
Das fag ich, ob irs wellent lofen. 
Halfperg, SchofT, rnd ifnein hofen, 



% 

Bakel, beinberge oder krieling genant i 

Si wilTent wol, das (den) es ift erkant, 

Was nottürftig ift an den bein: 

Nicht anders wan das ielb ich mein; 

GoUer, bekkenhnben, vnd dar zno 

Ein guoten helbm; zwen ifnein hentfchnoch 

Sol er an finen henden han; 

Er fol den fchilt nit hinder in (im) lan; 

Ein fper in finer rechten hant: 

Alfas tet mit das baoch bekant; 

Ze finer linken Htten ein fwert; 

Ein platten mit ketenne. Wer ze wiffenne gert. 

Der wilTe: er fol nicht ane fin 

Der fporen; ein teki gaot ifnin 

Im fin ros Terdeken foL 

Das ros fol fin gelere t wol, 

Das es finen willen tao. 

Hat er ein waffenkleit dar zao, 

Vnd hat da bi eins manues maot, 

So ift er zao einem Ritter gaot« 

Ein iklicher Ritter fol 
Sich bedenken hart wol, 
War vmb im gefegnet fi das fwert. 
Wer der Ritterfchafft gert, 
Der fol all boefe fitte lan 
Vnd ein nvwes leben ane van 
S7 o« Vnd zieren da (das) mit tagende. 
In alter vnd in jagende 
Sol er fich fliffen gaoter fitte, 
Das im die ftete wonen mitte. 
Des fol er bitten fliff ichlich 
Vnfern herren, vnd fol fich 
MiU gebette bereiten dar zao 
Wachende ein nacht, wenne er firao 
Schölte Ritterfchafft empfahen. 
Semlich wachen ich gefehen han 
Ze Manpalier vnd ze paris: 
Si leiten dar an groffen £lis. 
Wie fi mit eren and doch mit andacht 
Vertriben mit froewden die nacht, 
So fi mornem (morn) wolten Ritterf ehalt emphan. 
Es mag in (im) defte^ b.as ergan, 
Was der menfch wil griffen an. 
Es figin fronwen oder man, 



— 1«S — 

Ob er an RuofEet got 

Mitt rechtem andacht ane fpot: 

Des fol mau got getrinwen wol.- 

Ein küng oder ein förft lol 

Sin fwerl dem Ritter vmb rtrikken. 

Dar nach fol er eiTcbrikken , 

Gteiet er ietner arges »cht; 

Wann ab man in geeret ficht 

Fnr ander liut, fus fol onch er 

Leben vnd in Ritterlicher ger 

Mitt allen tagenden Meiden fich. 

Sus hatt dis huoch bewifet mich, 

Dar ab ieh bab gelefen. 

Bubafl wefen 

nd -(fehlt ein Vers) 

;cht, 
UTeUt. 



-äfft, 
äifen 



erluul 
ITt, das gotte dinen fol; 
Zao die alle (dien allen) geboreat wol 
Bulinte, die fiut nottürftig gar; 
Der fol aller nemeu war 
Ein Ritter vnd in fchirm gehen, 
Vnd folte dar vmb fin leben 
Wagen, das er befchirme die 
Alle, die ich han genemet hie. 
Nt ift das leider verliert gar 
Au mengen 1 wers wil uemen war,' 
Der-mags wol praefen vnd ^ehen. 
Mir ift leid, das iclis mniß iehen, 
Das fi aleinc befchirment nicht, 
Me fi ronbentz, das man ficht 
Teglich, die ii foltent fchirmen. 
Ich folte fin gehirmen: 
Wann es ift an mim (An min) fageu km 
Vnd emphindent e> vnder fUud 



Die felbcD wol, die ich namde e, 

Vnd die fi Tolteut fchirme. we 

Den, die es taont! waun es ift wider gotte. 

Die genannten Ritlerpflichten -werden in Lehre und Strare 
und mit zahlreichen Beispielen aosführlich erörtert; der Schlnss 
des Abschnittes spricht zuerst vom Gottesfrieden, dann von der 
Ljcoi^cben Verfassung;, lehrreich genug für die Rechtskande 
nnd für die Geschichte der classischen Studien des Mittelalters 
om hier Tolbtandig milgetheilt zu Trerden. 

109 ä. Dis ift TOn gefchribeii (gerchribenem) recht, 
Das alle die friden folten hau , 
Die man gefchriben vint ftan 
Hie nach, vnd ich li Zeilen wil, 
Vnd furcht doch leider, es helfe nit vil ; 
Dar Tmh wil ichs doch 
Friefter folten fride hao 
Mönch, hrnder, bilgrein 
EonfDnte in frid oncb f 
Vnd bolint, die wil fi t 
Dar Tnd dannan vnder 
Vnd was fiches ift, da 
Vnd das den famen vf 
Treit: was ich hie genc 
Das fol alles in frid ftan. 
Als das recht hat gefetzet 
Nv ift das recht getetzei. 
Das nian fin leider wenig phAegit; 
Das Tnrecht hat fo fere gefiget, 
Das das recht mnos -vnder tigen. 
Eines hab ich noch verfwigen, 
Das mir nicht lieb were. 
Wie gar das recht vnmere 
Menglichen worden ift. 
Doch wiffe menglich, das man Uft, 
Vnd ficht mans an dem Rechtbaoch ftan, 
< Das menglich falte frid han 
b. Von der mitwochen, fo der fnnne nidcr gat, 
Vntz an den mentag, fo man hat 
Fmo den fnnnen aber gefeben. 
Von dem frid mnof ich me Terieben. 
Von dem adnent wis an den achtende lag 
Des obroften tags; noch me ich fage. 



— 184 — 

Von das man leit Allelma 
Bis ze Yfgönder Ofterwochen dama : 
Die tag folt vnfrid Haffen. 
In folte fin Byfchoff ftraffen, 
Wer die tage des frides breche, 
Das er es an im' reche , 
So das er in tete ze banne. 
Das folt erft (er erft) tnon danne, 
So er in driftont gemante. 
Wer lieh danne nicht erkante, 
Das er es bueffen weite , 
Der Byfchofif in denne folte 
Offenlich künden in den ban, 
Vnd folt in menglich für bennig han. 
Den ban folten ander bifchoff hefteten , 
Vnd welle das nit teten, 
Vber die ift gefetzet bäffe vil; 
Des ich gar nicht fagen wil, 
Wann es würde ze lange gar. 
Wers welle wiffen, der erwar 
Es felb, da es gefchriben ftat, 
An dem buoch, das folhen namen hat, 
Das man decretales nemmet. 
Wer das felb buoch erkennet, 
Der merkt das ich die warheit 
An difen dingen han gefeit, 
Das es dar an gefchriben ftat. 
Dis fchachzabel bi^och fin nit enhat: 
Es ft^t awer gefchriben dran 
110 a. Von den Rittern, alls ich gelefen han, 

Das^fi hantwerkliuten fönt fchirm geben, 

Das fi fridlich mngen leben: 

So mngens in firidlicher frift 

Gewürken, das notturftig ift 

Den Rittern vnd gemeinechleicheh 

Den armen vnd den Riehen, 

Das Ii mit enander genefen. 

Die Ritter fon des fliffiger wefen, 

Pas fi befchirmen die armen diet. 

Dis fchzabelbnoch mir das befchied, 

Das Romer hie vor befanden 

Vffer menigen landen 

Vnd befanten (befamneten) Ritter vil, 

Als ich ewch bewifen wil. 



— IM ~ 

Das fi legiones hettin da 
Dur fchirm dem toUü fragt ieman dar na^ 
Was legiones iiiit genant, 
Das fag ich: legio ift eriumt 
Ein fchar mit Ritlern, vnd der %al 
Si fechs tnfent ^ber al 
Secfafhandert fecfatzig vnd fefher m^: 
Diu zal garwe lieÜXet^ als ich e 
Hab gefeit, die Roemer hattent 
Ze fchirme vnd ze ftaten 
Dem Volk ze Rom inder ftat. 
Dis buoch mich des bewifet hat, 
Wenne antwerkliute fchirm mugen hau, 
Das fi fich den magen began 
Vnd ir hantwerk vben da bi 
Vnd was den Rittern noturftig fi 
Ze harnafch vnd ze ge wände: 
Och mueffens vf dem lande 
Beforgen die bolate wert, 
Das beidia ros vnd ir phfert 
b. Vnd fi felber werdent gefpifet. 
Das buoch mich hat gewifet : 
Als ein küng der Ritter ere hat« 
Alfas der Ritter leben ftat 
Vil gar an armen Unten. 
Houwen, grawen vnd Aiuten, 
Vnd was zuo dem bouwe gehören fol, 
Das mag das volk nicht graeWen (genebelt) w6f, 
Die Ritter maeffen in fchirm bern; 
* So mag ein Ritter och nit wern 
Die lengi, das volk mneff im geben 
Gewant vnd fpife, des er fol leben* 

Die llitter fon fchirmen och das recht; 
Das mans nit krümme, vnd es flecht 
Vnd eben lafTen (li^e) beliben. 
Ich wil von einem Ritter fchrib^n^ 
Als mir das bnoch tet bekant; 
Der was lagurias genant. 
Von difem fchribt an difem buoch alfus 
£iner, hies Crogus Pompeius, 
^ Das der fcfhätzde (fazte) .etlich Recht in der ftat, 
Do er fin wonung inne hat. 
Dis buoch namde mir die ftat nicht. 
Wann das ihir diu g^fchrifft vergicht: 
I. 24 



— 186 — 

Diu Recht waren nütz vnd gtt<H; 
Dis buoeh das vm wilfen toot. 

Das erfte Reeht, das er hat 
Gefettet in der felhen ftat, 
Was, das das volk ze dienfte folte ftan 
Den fürften; fo folt das volk <meh han 
Schirm von den herren vnd huote. 
Das niemant das Tolke mnote 
Mit vngerechten fachen, 
Das folten die herren bewachen, 
Vnd von dem fchedlichen Recht taon. 
lii er. Des hette das volk nut2, die herren i*iiom. 

Das ^nder Recht was, als ich han gekfen, 
Das menglich folt gemelTe wefen, 
Vnd niut folt vnfuorig fin, 
Das bidiu (beidiu) fpife vnd win 
Niut würde vppeklic^ vertzeret. 
Wer fich der vnfure weret. 
Der tuot feie vnd libe wol. 
Wenne kelre fint wins vnd korens vol 
Vnd anders geretes, wiffent das, 
Die Ritter mugent defter baff 
Ir arbeit willenklichen 
Erliden ficherlichen. 

Das drite recht, das er do 
Darnach vff fatzte, das was alfo : 
Den felben funt den vant er, 
Das man eines vmb das ander 
Gebe, wes man bednrfl'en folde, 
Und mit filber noch mit golde • 
Gekouüte kein ding niemer. 
Das. folte weren iemer. 

Ob er mere fatzte icht? 
Ja er. er fatzde das man nicht 
Nach golde vnd filber folte trachte^i, 
Vnd man fi beidiu folte achten 
So ringe vnd ouch fo kleine, 
Als ob es weren fteine. 
Die man vindet vff gemeinen wegen; 
Das menglich folte des rechten pflegen. 



— IST -. 

Das fanfte rechte dar na 
Was, das er in re fmUicka 
Zerteilte diu empter iiiiiderlicfa. 
Was ich hie meinne, das fag ich. « 

Künge Tnd Ritter foltent liuten pflegen, 
b. Vnd folten.vrliuges fich verwegen 
Dar vmh, das fi in fchaefltfi fride. 
Von den gebietai (Von dim gebot er) bi der wide, 
Das Borgermeifter foltent wefen 
Gewaltig des gerichtes, als (als ich) gelefen 
Hawe an difem fchachzabel bachelin. 
In fteten mag mang ampt ottth fin, 
Diu doch nuon vber gericht gant, 
Vnd yngelichen namen hant: 
Ein fchnltzeirfe ift in ettlicher ftat, 
Ein ander gegin einen amman hat: 
Die heiffent beide richtere« 
Der name wer onch gebere 
Allen den, die gerichtes walten 
Sollen ynd das behalten t 
Die magen fich des nicht befchamen. 
Si haben menger bände namen, 
Da bi sint ratherren etwa genant: 
Als mir dis bnoch tet behantt 
Ze Rome heiüent etlich Senat, 
Magiftratus; Gapitanei Tnd Poftat 
In mengen fteten fint genant. 
Ir empter fint mir vnbekant, 
Wann ich nie in Lamparten kam: 
Wann als ichs ab difem buoch nam, 
Alfas hab ichs gefchriben hie. 
Von der funffte gefetzte ich dis ane vie» 
Die der vorgenant lignrius tet. 
Da er ane gefetzet het ' 
Vnd dem volk erloubet das, 
Das fi ieglich (,j serglich) funder has 
Enderen ir magiftrat^ 
Vnd nemen ein Poftat, . 
Der inen wehielti elliu ir rocht. 
112 a. Das was die funffte gefetzt: das ift flecht. 

Der .fechften gefetzte ich nit wiL 
Verfwigen; er mueft ietzend vil 
Kunnen, der femelicher wüte, 
Vnd das man fi behielte 



i 



' 



— IM ^ 



Gemeinlicli vnder den 
Nu horent, lant inch bediitl^. 
Was die fechfte gefetzte was. 
Er teilte glich aUes, das 
Xiigendes guot geheifTen kan, 
^ Das glichen teil ieder man 

Hette des ligenden gnots. 
Ligurins was des muptes, 
Als mir dis buoch*h&t Teriehen, 
Das er gern^ hejtte gefechen, 
Das ieman dem andern tet ^ gewähr . 
Sechs gefetzte hab ich nn getzalt. 

Ob der gefetzde icht were me? 
Ja es. ich hab getzellet e 
Sechfe; die fibende an der zal 
Was, das man gemenlidi über al 
Menglich folte effen offenlich, 
Dar Tmbe, das ieman Terfchulte fich, 
Das er ze vil trunke oder effe, 
Wenne der heimliche fefTe. 
Wann das ift ficherlichen war: 
, Solte menglich o&nbar 
Teglich ze tifche fitzen, 
Ettlicher pflege mere witzen 
Bidiu (Beidiu) fpat vnd fruo, 
Denne er an der heimlichi tno. 
Der gefetzte wil ich nu gedagen 
Ynd Ton der achtenden fagen. 

Qv achtende gefetzde was. 
Als ich an difem buche las, 
Vnd mir diu gefchri^ tet bekant, 
h. Das die jungen nit wann ein gewant 
- ^ Solten tragen ein gantzes iar. 
Ich geloub das für war, 
Diu gefetzde befchech vmb das, 
Das fi die kofte defter bas 
Gemeinlich möchtint erliden. 
Ich mag cht nicht vermiden, 
Ich muos eines tuon bekant, 
Das ich nit an dem buoche vant, 
Vnd muos mit vrloub des veriehen: 
Icli wenne, Tnd hetti ligurius gefehen 



Den fitten, der nn leider ift^ 
Er heUe ettlichen Uft 
Er dacht, da mit er kett erwant. 
Das fo menger Hn gewant 
Zerhouwet rnd zer fnidet. 
Ob es got lang lidet 
An etlichem, des wenen ich nicht. 
Jo we der marter, fo man ficht 
Ze difen ziten liden grawes tooch! 
^Ichiiircht das ettlicher verdine den flnoch, 
Der im volge vntz. in fin grab. 
Jo we im, der den^ vriid> 
Vnd den font des erften yant. 
Das er zehowen hies gewant, 
Das man wilent gantzes traog! 
Menglich hatte das for claog, 
So fin gewant ie gentzer was. 
Nv wil ich ftoher wennen das, 
Der tiefel habs verkert, 
Vnd den litten nn gelert. 
Das man das gewant verfnetzet, 
Zerhadret vnd zer fetzet. 
Als einer durch dorn getzogen fi. 
Man fol wiffen och do bi: 
Wer gnot, das in (im) got bcTchert, 
113 a. Anders denn recht vertzert, 
Der Terdinet gottes haH 
Vnd finen zorn: wifTent das. 
Wie folt es got Tarn gelan, 
Ein gewant, das einer folt han, 
Das er zierte fich da mitte, 
Vnd der das denne durch bofe fitle 
Zerhouwet ynd rerbofet 
Vnd wueftenlich ver cefent? 
Das ift fere wider gotte 
Vnd wider aUem finem gebotte. 
Wer in rechter maffe liiere, 
Dliur nach ich vil wol fwuere, 
Das er rechte tette. 
Wer gelefen h«te, 
Das an dem teeret ftat 
Gelchriben, ich wenne, er fin wat 
Defter bas in der maCfe hielte, 
Ob er finnen wilte. — 



^ tM ~ 

V 

b. Da niunde gefetzde, sis ieh ^ 
An difein fchachzabd, was, 
Das man diu kint nit beleiben lieff 
In der ftat: die gefetzde hies 
Diu kint in dem goewe ziehen, 
Durch das fi möehten emphfliehen 
MuelTikeit, fpile Tnd ichimphe, 
Vnd das fi mit gelimphfe 
Lernent in Iren jungen tagen 
Arbeit liden vnd tragen. 
Wann was fitten diu jugende genat (gevat), 
Den ritten das alter knm TerkiL 

Dt zehende gefetzde diu was sdfo. 
Der nu die frouwen nit werent uro: 
Er fazte, das man (i beriete ane guot; 
Vnd wenne des, das were fin muot» 
Vnd meinde in finem finne das,* 
Das fich gefameneten defter bas. 
Diu gerne enandren hetten. 
So fi es durch guot nicht tetten. 

Div einlufte gefetzde diu was der glich, 
Als dis buoch bewifet mich, 
Das die man foltent wellen, 
Weih wil (wib) in möchte geuellen, 
Ane guot, vnd iederman neme, 
Diu im anders recht keme. 

Dv zweifle gefetzte was, als ich las, 
Die fatzte Ligurius, diu was, 
Das niemant fines richtumwes genas (genoz), 
Man bütte eifern armen als groff 
£re als einen riehen. 
114 a. Si muoften fich geliehen, 

Wann fo verre, als das befehach: 
Wenn (Swen) man an dem alter fach 
Für treffen, den eret man furbas 
Denne einen jiingen^ wie rieh er was. 
§ Das recht hatt nu verkeret fich 
In allen fteten, dunket mich: 
Wann fwer nu guott hatt, der ift wert; 
Da von man guot für ere nu gert. 
Das mueffe erbarm dem milten got« 
Das die armen fo gar ein fpot 



— 191 — 

Sint ün dien rtoben wurden« 
Da von ficht man nn morden, 
Stelen, Rouben vnd wuochers pflegen. 
Ich wil dis lallen vnder wegen 
Vnd Tagen, als dis buoch hett. 
Die gefetzde, die Ligurims tet. 
Die haob er des erften an 
Vnd behielt die felber, als ich han 
An difem fchachzabelbiich gefelien, 
Vnd wolt des doch nicht verieken. 
Das ers getan hette: 
Er fprach, das es tette 
Einer, hieff appoUo delphias. 
Mir feit min wan da von alfns. 
Das er hette gewalt vber die ftat, 
Da ligorias gefetxet hat 
Das Recht, als vemoment (ir vemament) c: 
Von im feit dis bnoch nicht me. 
§ Das Volk alles in der ftat 

Dachte ze herte, da (daz) ligarius hat 

Gefetzet, \'nd gar ftrenge, 

Vnd fprachen, fi mochtens die lenge 

Gar behalten niemer. 

Das fi es behilten iemer, 

Des vber kam fi ligurios. 
6. Das fi im lobten dis alfns, 

Bracht er zno mit kündikeit 

Diu gelnbde wart in dar nach vil leit, 

Vnd wolten es geprochien han: 

Do vber kam fi der mfe man 

Mit liften vnd mit wifheit, 

Das fi all fwnren einen eid. 

Das es keiner brech, 

Bis er delphin (Delphiam) befpreehe: 

Wann er wolt es nicht langer fparen, 

Er wolt von der ftat varn, 

Vnd wenne er wicfer kerne, 

Vnd man fin antwürt verneme, 

Das fi denne wielten 

Der wal, das fis behielten, 

Ob fi wolten, oder nicht. 

Nu merkent ktindeklich gefchicht. 

Wie er fi mit liften über want 

Ze behaltenne die gefet7.de, als ich vant 



— tM -- 

An difcm baoch vnd es da las. 
Do das Volk Wand^, das 
Er wolte Ton delphio bringen 
Antwürt, vnd in ringen 
Diu rfccht, diu fi ze fwerö 
Duchten: als dis mere 
Mir feit, er fuor einen andern wek. 
Er was fo frumig vnd fo kek, 
Das er fin heinmuot miden 
Wolt vnd eilend liden 
Dar vmbe, das diu recht beliben 
Stette. als da von ift gefchriben, 
Er fuor in enilant (in ein einlant) : 
Das Avas Greta genant, 
Vnd was ein yfel in dem mer; 
Da (Dar) fuor er ane groffes her, 
Vnd belaib do vntz an Iinen tod. 
Vnd do im nachte des todes not, 
Er befant für fich die finen gar, 
115 a, Vnd muoft in allen (muo^ten alle) loben dar 
Mit iren triuwen vnd eiden, 
Wenne er wer verfcheiden 
Vnd den tod bette erliten, 
Das fi denne nicht vermitten, 
Si würfen fin gebeine 
Groff vnd kleine 
Vil tieff in des meres w4g, 
.Das enkein finer (fin) friunt oder fin mag 
Wider hein brecht fin gebeine. 
Das tet er vmbe das eine. 
Das' fi inder ftat icht brechin 
Diu recht, vnd fprechen, 
Das er wider heim wer komen. 
Als ir da vor hant vemomen. 

Nv pruefent groff frümkeit 
An Ligurius, das er leit 
Durch das recht fo groff eilend. 
Nu hat hie ein ende, 
Was ich voii dem Ritter vant 
An difenr buoch. dar nach zebant 

I 

Dis buoch von dem Roch feit: 
Des bin ich ouch zefagen bereit ^ 
So ich imer befte kan, 
Als ich es och funden han. 



- m i 



I^ol^ titiii das Iloch (ander Thnrnr)/ die letzte Figur dieser 
Reihe, der letzte Abschnitt dieses Theils, S. 115 a — iW at 
Das Bild zeigt wiederum einen Reiter, doch ohne Waffen ottd 
auf einem ruhig schreitenden Pferde > während der Ritlef 
S. 86 a geharnischt und mit eingdegtem Speer auf springen-^ 
dem Rosse sitzt. Zuerst die Beschreibung und Auslegung : er 
bedeute einen Landvogt.^ 

115 6. das felb roch fol fin 

Gefehaffen als dn Ritter wert. 
Der vnder im habe ein ftoltzes phfert 
Oder ein gröü (ros); er fol och an 
Dem libe ein vehe Telen |han 
Oder ein gehütze (gehaeze), aUs demie fi 
Der fitte. er fol ouch han da bi 
Der eintweders, das fi gaot, 
Eine kugel oder einen Iraot, 
Mit vehem fchone gefaetret (geforrieret): 
Einen Ritter das ivd getziert 
Alfas tett mir dis baoch bekant: 
Er fol in finer zefwen hant 
Einen ftab oder einen kloben (kolben) han, 
Da des künges zeichen an 
Si, das mans febe offenlicfa«' 
Als düs buoch bewifet micb^ 
§ Eineft Lantvogt dis Roch betuden fol:^ 
Wann ein küng der miig nicht wol 
Das lant berichtei^ftlleine; 
Nu merkent was ich meine: 
Da von muos er einen han 
Oder zwen lantvögte, an 
Die er fetze (inen gewallt 
Die fo kuene Tnd fo halt 
Sigin, das fi an finer ftat 
Richtint, das er zerichtetllfte hat. 

7 

Wann nu wit ift m'anig künkgrich, ^ 

So hatt dis buoch gewifet mich, 
Das er (der) rochen zwein (zwei) fol Waffen. 
Alfo hab ich an dem buoch gelefen: 

116 a. Ze iet weder hant fol eines ftön. 

Der küng fol forg dar vmb ban. 
Das n gerechtikeit beide pflegen, 
Vnd die nicht laffent vnder wegen. 
I. 25 



/ 



— It» — 

Nan weftere AnsfölinHig dieser Xogt^ der Gerechtigkeit; 
sodann 123 a. fin lantvoßt fol ouch müti hon; 129 a. Laiü^ 
vÖgtßülent demuetig rvefen; 132 6. die lantvögte Jolten Jin 
Sitig vnd foUen gedult pßegen. Zum Schluss wieder ein 
Stück aus dem Leben der antiken Welt in nsdttelalterlicber Auf- 
fassang, eine Darstellung der römischen Triumphe, und daran 
sich knüpfend Betrachtungea über den Hochmuth, welcher des 
angeborenen Stands vergesse. 

138 a. Von dein Roche nit me feit 
Dis buch, eins Tag ich da bi. 
Was da vor getzeüet fi 
Tugende, die ein kün^ fol han, 
Die felbea tagende fti]ienden wol an 
Einem lantvogt ficherlich, 
So verre als idi Terfinne mich: 
Sid er fol fin an finer ftat» 
So zimpt im wol, ob er hat 
Die tugende, die ein küng fol han. 
Er fol ouch vnderwegen nicht lan. 
Was da vor ift gefeit 
Von milti vnd von gereehtikeit 
Von dem Kitter vnd von dem alten; 
Dis fol er gar behidten, 
Wann ein lantvogt ir beider tatt 
Ze vbenne vnd ze richtenne hat. 
Vnd fol erkennen fich felb^ da hi^ 
Das er icht ze hoffertig fej^ 
Vnd fol gedenken wol dar an: 
h. Er mag wol werden ein arm man, 
So er wirt der lantvogtie entwert. 
Ich wenne, der torlichen vert, 
Wer in gewalt nit erkennet fich. 
An einem andern buoch das (da) las ich. 
Da fchribt Tullius der meifter das. 
Das hie vor ze Rom ein gewonheit was, 
Do fi dennoch waren heiden; 
Nv lant mich vch befcheiden 
Die felben gewonheit. 
Wenne ir Conful vf reit 
Mit here, vnd weiten ftritten 
Mit den, die lieh ze den zitten 
Wider Rcemer hatten gefetzet. 
So die denne wurden geletzet 



— M6 — 

Vnd Römer €S<mAil den Ug enrackt^ 
So zogt er wider heim mit macht. 
Wenne denne fin knufft wart romem kant, 
Si hoben fich vff fa ze ftund, 
Vnd zogten im engegen mit herheit, 
Vnd warent ae empfah«nde in bereit 
Mitt lobelichem fchalle. 
Die von Rom alle 
Butten im zacht vnd ere. 
Nu horent, lant iuch mere 
Sagen, fi Ritten gen ime mit fcharn; 
So kam er herlich gevaren 
Vff einem wagen, der koftber was: 
Er mocht nicht fin getziret bas; , ^ 
Dar vff fo fas der Gonful wert« 
Den wagen zagen vier blankia pfert» 
Diu nicht belTer mochten wefen. 
Als ich da vone hab gelefem 
Vnd mir, da ichs las, das budi feit, 
Der Conful muofte och fin bekleit 
Mit einem Rokch, der ir i^ptgot was: 
Das was im ein ere, wiflent das. 
Och giengen ünem wagen da 
Die geuangen allefament na 
Mit gebunden henden gar dim«etiklich. 
Das er nicht vber hübe fich 
Durch hoffart folher ere> 
139 a. So hcerent fdrbas mere, 

Wie fi in des venden (wenden) künden. 
Si falzten zuo den felben ftunden 
Zuo dem Conful vf den wagen 
Einen fncsden buoben, der vngetwagcn 
Vnd bloff aller leiden fchein 
Mit bofen kleideren, vnd barbein 
By im vff dem wagen faff. 
Dis taten Romer vmb das, 
Als mir kunt tet dis mere. 
Das enkeiner fo arm were, 
Er möchte haben zuo verficht, 
Ob in piderbkeit verdruffe nicht, 
Er möcht ouch zefolhen eren komen. 
Als ich es las vnd hab vernomen, 
Der buobe,'der vff dem wagea fas. 
Vor hin des vnder wifet was. 



/ 



— 4»6 — 

Das er dem ConTol dik ynd genuog 

Mit der hant irf den nbkch fluog 

¥n4 fprach zuo ime ^ erkenne dich 

ßelber!^ diu gefchrifft bewifet mich 

Von dem Gonfal noch mere: 

Was im niemant vnmere (ieman nnere) 

Mit Worten wol (wold) erbieten., 

Pes mocht er (ich genieten 

Durch muot willen oder dur vigentfchaft. * 

Wenn er was worden fighafft 

Ynd wider hein kerte, 

Wie TÜ man in vnerte 

Mit Worten^ an dem felben tage, 

Pamach gieng weder räch noch clage: 

Er muoft es leiden vmb das, 

Wann er fo grcBÜQich geeret was,\ 

Pas fin froeude wurden gemÜXheit (gemifchet) 

Vnd fin hochfart erlirch,et (erhifchet). 

Sit die, die beiden waren, ^ 

Solhe tat nit Terbaren, 
Si mifheltin foliphe ere dur das 
Mit rnere, ^as defter bas 
Ir hoptherr lieh erkande, 
So muofte (muefte)' A<^& iemer fchande 
Ein criftan lantvogt han, 
Wer fich nicht wolt des enftan, 
p. Das er wer tcetlich, 

Ynd dar irmb diemutigte fich. 

Das wer ouch. armen luten guot, 
Qb fi hettint foliphen muot, 
Das fi fich lieCfen genuogen. 
Des gnuog were, vnd fich truegen, • 
Als in were gemeffe 
An fpife vnd och an hefte. ' 
Nu Tindet man leider inder zitt 
Mengen, der Heb über git 
Ynd vber fin maffe lebt 
Ynd da ron ze allen zitten ftrebt 
Innoeten vnd in kumber. 
Aber fwenne ein tumber. 
Der niut von geburde tugend hatt 
|*foe|i von adel (Noch adel), kumpt an die ftat| 



^ 197 — 

Dm er iemans gewaltig wirt, 
Sin torheit im denne hoffart brit (birt), 
Das er gewinnet vber muot; 
Das ein edler nicht entnot: 
Wann es ift ein altes wort, 
Das man offte bat gebort: 
jyWa Tnadel gewaltes pbiligty 
Vnarte tu dike dein angefigt.*' 
Ocb fol man wilTen da bi, 
Das oucb nicht vnertiger fi, 
Denn wa ^del entedelt ficb 
Mit Tntögenden : fus las ich , 
Das es Seneca gefcbriben habe: 
Ir fönt niut nennen, das ich (meinen, das ichs) abe 
Difem buoch habe gelefen. 
Der rede fol hie ein ende wefen 
Von den grollen fteinen; 
g Ze hant nn Ton den Kleinen 
Steinen ich hie fagen wil 
Tff dem fchachzabel fpil, 
Was^ die fönt betinten : 
Si gelichent ficb bantwerklinten , 
Als ich zefagenne willen han, 
So ich bel^ mag oder kan. 
Sos ift beriebt der ander teil: 
140 a. Got geh mir zu dem dritten heil. 

Der Franciscaner Bertbold stellt in einer seiner Predigten 
(S. 30 fgg. der Ausg. y. Kling) den neun Chören der Engel 
ebenso viele Stände der Christenheit gegenüber , drei obere 
und sechs untere. Jene sind der Pabst und alle Priester 
(pfciff^en)^ die Klosterleute (geistliche üutejy der Kaiser .und 
die Könige und sonst alle i?f eltlichen Fürsten und Herrn ^ die 
sechs untern Chöre bestehn aus den yerschiedenen Arten der 
Cfewerbsleute : den ersten bilden alle die gervant wirkent, den 
rweiten die mit tsentnen rvdfen ca^beitent^ den dritten die mit 
houf umbe g^nty den yi^rten die dd ezen unde trinken veite 
habenty den fünften die daz ertrtch biwvent, den sechsten 
die mit erzente umbe gAu. Noch ist ganz zu unterst ein 
Chor yon Verstossenen» entsprechend dem Chore der gefallenen 
Engel : daz eint die gumpeUiiUey gtger unde tambürery ende 
ße geheizer^ stn^ alle die guot für A*e nement. Die Aus- 



— 198 — 

legang des Schachzabels lässt die Geistliclmi ganz aus dem 
Spiele, wohl nicht unabsichtlich, und bezieht die grossen Steine 
durchweg nur auf Glieder des weltlichen Herrenstandes; mit 
den kleinen jedoch, den s. g. venden^ dem Gegenstande des 
nun beginnenden dritten Buches (S. 14M) a bis 252^.], betreten 
Jacobus und Eonrad denselben Weg als Berthold mit den untern 
Chören, nur dass sie noch weiter theilen müssen als er, da sie 
eben acht Steine auszulegen haben : der erste (sie machen den 
Anfang rechts dem Könige] bedeutet ihnen den Landmann; 
der zweite den Schmied, den Maurer, den Zimmermann; der 
dritle all die übrigen Handwerker; der vierte den Kaufmann; 
der fünfte den Arzt und den Apotheker; der sechste den Gast- 
wirth ; der siebente die Piener und Beamten der Stadtgemein- 
den; der achte, der zuäusserst auf der Linken steht, die Boten 
und die Spieler. Jeden bildet unsre Handschrift ab, wie das 
Gedicht ihn beschreibt. 

Gehen wir jelzt diesen drillen Theil und dessen acht Unter- 
abtheilungen durch. Zuerst der human S. IM a bis 155 b. 

140 a. An difem erften wil ich an van; 
Der felb fol vor dem röche ftan, 
Das ftat ze Aes künges zefwen hant. 
Als ich an difeln buch vant. 
Dar ab ich es gelefen han, 
Der föl betiuten einen bunian; 
Der fol er glich gebildet fin. 
Sus las ich an difem buechelin: 
Er fol han inder zefwen hant 
Ein hon wen, da mit man das lant 
Buwet, das es fruchtbel* wirt, 
Korn, win vnd ander gerete birt, 
Das menglihem nottorftig ift, 
Vnd vnfer herr ihefus crift 
Vns vs der erden wachfen lat, 
Das linten vnd vihe git Ratt. 

iNder linken hant er haben fol 
Einen gart, der zimt einem bnman wol, 
Da mit er triben fol fin vihe 
Ze arbeiten vnd ze weide, ich gihe, 
h. Das er noch mere haben fol 

Vndcr finer gärtel«, das getzimt im wol, 



I 

Ein kntmeft fneffer, da mit er eben 
^ Betnide die boume vnd oach die reben. 
Ze difen drin dingen gehoeret aller bu, 
Diu ich hab getzellet nu, 
Das RebmelTer , diu houwe vnd och der gart. 
Was ze libes nar ie noturftig wart 
Vnd ignot ift oder iemer wirt 
Linien vnd vibe, die erde es birt 
Mit buliuten fdrfichtikeit, 
Die es buwent. diu gefchrifft Tns feit, 
Das Gaym der erft buman was, 
Als ich es ab dem buche las» 
Vnd. was Adames erfter fuon, 
Als yns kunt diu gefchrifft kan tuon. 
Da ich von im gefchriben las«- 
Ob awer dekeiner vor im was, 
Des envaud ich nindert da: 
Doch feit hyftoria fcolaftica» 
Als ich dar an. habe gelefen, 
Das es vil licht wol mag wefen, 
Das Adam vor im bette .andriu kint , 
Der namen doch verfwigen fint, 
Vnd hebt nit wann an Chajrm an: 
Der was der erfte buman» 
Der der erden buwes nam war. 
Vnd ift das felb naturlich gar, 
Sider wir fint der erden kint, 
Wann alliu menfchen komen fint 
Von Adam, der des erften wart gemacht 
Vs erden, fo fi wir der erden flacht, 
Vnd mueffen och komen wider zu ir 
Ze iungeft: das doch denne wir 
All menfchen von der erden 
Gefuret vnd gefpifet werden. 
Das ift von nature harte billich. 
Von dem buman dis buoch bewifet mich. 
Das er got erkennen fol, 

Den tod nit fiirchtenr, vnd getriuwen (getriuwe) wol 
Sol ein ieglich buman wefen; 
Ich hab an difem buoch gelefen, 
Das ein buman ouch fol arbeiten fich. 
Der ikliches das wil ich 
141 a. Vs richten, fo ich hefte kan. ^ 

Hier wird denn besonders nacbdrücLlidi un^ aasführlich 



/ 



— goö ~ 

getreue Heimzahlung der Kirchenzehntea anempfohlen; unter 
anderm auch mit folgender Legende. 

144 b. Das es den mag wol ergan, 
Die ir zehenden recht gehent 
Vnd da mit an geaerd lehent^ 
Des haben wir ein bifchafft guot 
Von einem Ritter $ der was fo gemaot, 
Wie es joch ime imer ergie (fehlt ein Vers), 
So gab er doch finen zehenden recht; 
Das was ierglich von im Hecht. 
Nv hatt er vnder anderm goote fin 
Einen garten; da woodis im; gaoter win, 
Jerlich \S zehen fonme. 
Ich fags nicht vs einem troome: 
Ich las es ab einem baechelin, 
Doch nicht ab difem. der felb^ win 
Wart für ander win guot. 
Der Ritter was allfo gemaot, 
Das er den zehenden recht geben hiess, 
Vnd des jerlich nicht enlieff, 
Er hies dem phfaffen heim fderen den wm, 
Des der zehende folde fin« 
Nv faeget fich eines Jares das, 
Do man den felben wingarten gelas. 
Das do nit wart alfo vil 
Zehenden alls andriu iar. ich wil, 
Es teti got durch ein wunder. 
Im wart nit b'efunder 
Wann ein foum aleine, 
Da im emals gemeinem 
Worden zehen foum ierlich. 
Nv erfchrak der Ritter vnd fchemte fich, 
• Ob er nicht gebe alfo vil 

Zehende als andriu Jar. ich wil 

luch Tagen wie. er gedachte do 

In finem muote fus vnd fo; 

Ze Jungft do fprach er ,^nu wol! 

Ich enwil niemer noch en fol 

Gotte fin recht nit ab brechen. ^^ 

Zuo finem knecht begonde et fprech^n, 

Der dar hein bracht den win, 

„Der win fol des phfafien fin, 

Als er ift gewefen^ andriu Jar. 

Im gebrift An niemer als vmb ein har, 



— an — 

145 a. Got üiag es ^vol ergetzen mieh/^ 
Do dis befchaehy do fnigte iicli 
Dar nach kartzlich aa einem tage; 
Nv merken t eben, was ich iuch fage: 
Der (Der ritter) hatte, als ich es laTe, 
£inen bruoder, der och ein phÜEiAe was^ . 
Der was nicht fefhafflt bi im da^ , 

Er was gefeffen anderfwa, 
Vnd kam doch vnderwilent dar, 
Das er recht neme war. 
Wie fiu bruoder tette, 
Ob er kein gebreften hette 
Von fiechtag tm £inicm libe. 
Was ich hie nu FchribCt 
Das ftuond nicht an difem boecbelttt. 
Nv wolt er den bruoder fin 
Gefehen nach finer gewonheit. 
Nv füogt es fich, do der ph£ifi' reit 
Für fines bruoder wingarten, 
Er begondg dai> inn warten. 
Ob der lieb bruoder fin 
Noch hett abgelefen den win. 
Vnd do er in den garten fach, 
Von gottes wunder das gefchacb, 
Das die reben alle ftuonden 
So vol, das fii nicht künden 
Von wintruben voller Itan. 
Eff gedankt »wie hatt fo toerlich getaw 
Der vil libe bruoder min ,. 
Das er nit hat gelefen den win 
Ab den Reben, vnd menglich gelefen bat 
Sinen win, vnd das der fine noch ftat?^^ 
Nv gebeit er kume« bis das er kam: , 

Zue dem bruoder. mit ftraffe er in ze henden mn» 
Vnd fprach ^bruoder, was meinftu hie mitte? 
Du haft einen ^vunderlichen fitte. 
Das menglich finen win gelefen hat, 
Vnd der din noch an den reben ftat/^ 

Der Ritter fprach »herre vnd bruoder min. 

Ich hab gekfen allen den win. 

Den ich hatte an minen reben, 

Vnd han in ouch allen ase zchendon geben: 

Wann mir wart nit mer fuf war 
b, lieber al, wann als ich elliu jßv 
I. 26 



_ aoa _ 

Ze zehenden geben han. 

Do gedacht ich wol, das mieh dar an 

Grot nicht verlieren lieüe, 

Ob ich den zehenden hieüe 

Geben als och andria jar.^ 

Der brnoder fpracti j^ift das worden war, 

Das merk ich nu an dirre frift, 

Sit fo vil wines an den reben ift, 

Das ich nie fo vil dar an hab gesehen, 

Das (Da) ift gottes %vander an gefchehen/^ 

Der Ritter erfchrak, vnd wart doch fre, 
Vnd gelonbte käme, das es wer alfo, 
Bis das ers f eiber do befach, 
Das groffe wander, das da gefchach, 
Vnd' markte wol, das es Tnfer herre tet 
Durch fin gaeti, die er het, « 

Das er im dankete der trinwen fin. 
Die er hatte dar an, das er den win 
Vertzehendet recht vnd ander gaot. 
Der Ritter gewan do veftern muot 
Ze allen guotten dingen. 

Zweitens def Jhüt, der murer ^ der zimbermcm S. 155i -T-'160i. 

155 6. Als ich an dem baoche han 

Funden, der ander vende fol ftan 
Vor dem Ritter ze des künges zefwen hant, 
Als mir tet dis bnoch bekant, 
Vnd fol als ein man gebildet wefen, 
Als ich es hie hab gelefen, 
Vnd fol bediuten einen fmid, 
' Da bi fol man VergefTen nicht; 

156 a. Vnd einen murer vnd einen Z3rmmer man 

Der felb vende ouch bediuten kan, 
Als ich es hab gelefen hie. 
Nu horent, lat iuch fagen,'wie 
Der felbe vende fol gefchaffen fin. 
Als mirs befchied dis bnechelin. 
Er fol haben in der rechten hant 
Einen fmid hamer. da bi fol fin erkant 
Sin hantwerk, das er triben fol. 
Da von getzimpt er den ritter wo]. 
Das er dem fi nahe bi, 
Wes im notturfftig fi. 



Das er im aUes das luadie. 

Zu menger bände fache « 

£in Ritter eins Imides bedarff : - 

Swert, mefJ'er, fpieff, die den vindeu fai'f 

Si (Sin), diu fol im machen ein fmid» ^ 

Das er befchirme da mit 

Witiwen vnd weifen 

Vor aller flachte freifeu. 

Als da vor gefchriben ift, 

Da man von dem Ritter lift. 

Ein Ritter bedarff ouch harnefch wol, 
Zorne, fporne, Roffifen; das im alles fol 
Bereijten ein getriawer fmid. 
Wann er den lib vnd finu lid 
An einen fmid muos gentzlich ian, 
Da von ein fmid fol triuwe han 
Zn aller bände fachen. 
£r fol oach niemanne machen 
Dieb ntiffel; das doch dike befchieht. 
Was ze vntriawe beert, das fol er nicht 
Machen noch erdenken in keine wis: 
Ein fmid fol keren finen flis 
An trinwe ze allen dingen: 
So mag im wol gelingen. 
§ Ein goldfmid heifTet ouch ein fmid. 

Der bedarff ouch triuwe, wan er mit 
h. Der liuten gaot muoff vmb gan; 
Da von fol er triuwe . han 
Vnd fi^ och wefen warhafft: 
Das zimt wol finer meifterfchafft. 
Ouch gebeert einem ieklichem fmid zuo, 
Das er getriuwelichen tuo 
An allen dingen, da mit er vmbe gat. 
Eines fmides name begriffen hat 
Alles, das fmide heiffen mag. 
Es würke gieffen oder hamerflag, 
Von gold, filber, kupher oder von blie, 
Zin, meffing, ftahel, ifen, was ertz es fie: 
Dis gebeert alles den fmiden zuo. 
Das er da mit getriulicheu tuo 
Vnd das hefte das er kan. 

Dirre vende betiutet och einen zymmermani 
Das merkt man ander harten wol, 



1 



— 304 ~ 

Die dirre v^ade Itaben £ol 
In der linkken hant: fus feit dis buecheli«. 
Vnder finem gürtel fol ein kelle fin, 
Da mit ein mnrer phüafter leit 
Zwüfchand dien fteinen. dis baoch feit. 
Das dife drij hantwerkman 
Alle fuUent triuwe han : 
Wann im (in) empbfelhent man vnd wip 
Beidu fei vnd ouch lip, ^ 

Als ich iucfa wolbefcheide. 
Man vnd wip beidiu 
Mueffen fich dik an fi lan 
Vir bürgen (brü^gen), da man über gan 
Muoff ze aUen zitten, als man ficht: 
Vnd wer int /die gemachet nickt v 

Mit triuwen, fo möcbtin feie vnd lip 
Verlieren dike man vnd wip. 
Der bürgen (brüggen) ettliche von holtze find» 
Etüch man ouch gemorst vint, 
Etlich von dem beiden. 
Noch mere ich iuch befcheiden 
Von difen hantwerk luten wil. 
i.57 a. Kiele, Galenen, Barken vnd ander fdüffen vil 
Vfi' dem mere vnd vff andern wafferen fint; 
Dar vff lant altiu vnd euch diu kint 
Beidiu lib vnd euch guot: 
Die bedurffcn wol das fi behuot 
Mit der hantwerk liuten triuwen werden. 
Man fich (fiht) ouch offt <uf) der erden 
Von gefteine vnd holtz buwen» 
Vnd muoff man in getruwen. 
Das fi diu fo veft machen, 
Das von kleinen (keinen) fachen 
lemman dar inne miffeluige. 
Triuwe gebeert ze allen dingen, 
Da mitte die felben vmbe gant. 
Sid fich fo gar an fi lant 
Alle die liute, die ie denne lebent^ 
Vnd in dar vmb ir Ion gebent, 
Tuont fi denne vnrecht, das wer ein mort 
Triuwe ift der obrifte hört. 
Den ein hertze ertziugen kan; 
Was mag ein wip oder ein man 
lemer gehaben, das beffer £i? 



Weitere Betrachtangen über die Treae nnd hnlorische Bei- 
spiele derselben. 

Drittens der Vende, der vor dem rechten Alten steht, 
S. 160 b bis 184 a. Hier wie nirgend erweitert Konrad sein 
Original : dieses hatte den dritten Venden nur auf eine kleinere 
Zahl Ton Handwerkarn und auf die Gerichtsschreiber ausgelegt : 
der deutsche Stadtpfarrer zieht noch eine ganze lange Reihe 
städtischer "Gewerbe mehr hinzu, in buntester Häufung, in weit- 
läuftigster Ausführlichkeit, und mit den Schreibern allerdings 
fiur um so schwerer vereinbar: dennoch ist damit mehr ak eine 
Lücke ausgefüllt, die Jaeobus wirkKcfa gelassen, und uns ein 
ebenso anziehendes als lehrreiches Bild von dem Handwerks- 
leben und Treiben des deutschen Mittelalters eröffnet. Von 
Seiten des Sachgehaltes dürfte dieser Abschnitt der wichtigste 
im ganzen Buche sein. 

i60 b. Er fol nach einem man gebildet wefen, 

Das merkent die, die es horent lefen, 

Vnd fol in finer rechten hant 

Ein fcbere haben, dar nach ze hant 

Wil ich fürbas von im vergehen: 

In finer Imken hende fol man fehen 

Ein meffer lang vnd o«€fa breit. 

Dar nach an finem görtel bereit 

So (Sol) fin ein gnotes kalamar, 

Das man einen fchribgetziog für war 

Nemmet, wer es erkennen kan; 

Er fol ein fchrib nerdern (fchribvederen) ftekende han 

Ob finem rechten oren. 

Nicht gelich einem toren 

Sol er fin: wan er hedarfi* witze vil. 

Wer difeu (difem) venden geliehen wil, 

Dem zimet triuwe vnd warheit wol. 

Diu vollenklichen haben fol 
i61 a. Ein igklich hantwerkman, 

Der difen venden bekennen kan. 

Von der igklichem wil ich fagen, 

Vnd wil nicht von in verdagen, 

Als ich es an dem booche vant. 

Ob ich von ettlihem me l>ekant 
Tnou, denne ich ab dem biioch hah gelefen, 
Daz fol nieman fwere wefen: 



Wan iob tuons nit wan ^-^ar g^t. 

Mir vergicht wol de» min moöt. 

Das ich zevil niöht Tagen kan 

Von der trinwe, die folten han 

Die hantwerkliute , die ich hie 

Nemmen wil. nu inerkent, wie 

Ich an dem buoche habe gelefen (gefeheu); 

Das wil ich offenlich verleben. 

* 

Das der vende haben Fol 

Ein fchere, das mag bediuten wol 

Einen igklichen bantwerk man, 

Der tnoch weben, verwen oder fcberen kan, 

Schroten vnd onch machen gewant. 

Er bediutet, als vns tuot bekaut 

Dis buoch, einen hart fcherer: 

Dis meinet alles die fchere , 

Die er bat in finer rechten hant. 

Nint mere tuot dis baoch bekant, 

Das din fchere bediutte ^ 

Dekeiner hantwerkliute : 

Doch mag vil andrer hantwerk welen, 

Der ich hie nit han gelefen, 

Dien doch ift gebere 

ZvLO iv hantwerke diu fchere, 

Die er hat inder rechten hant. 

Darnach ftat ^nach der fchere ze hant 
Gefchriben, das er Tander wan 
In finer linken hende fol han 
Ein meffer lang vnd breit: 
b» Das bediutet, als vns dis baoch feit^ 
Einen metziger 
Vnd einen leder gerwer 
Vnd einen, dei^ beltz machen kan 
Von wilden vnd von zamen* bar an 
Vand ichs gefchriben. wie nu das fi, 
Das ich nicht vant gefchriben da bi 
Von den huoteren. 

Doch beeren t fi wol zno difen meren, 
Wand fi mit breiten meffern fcherent 
Ir huete, des fi nicht enberent. 
Dis alle heiffent lanifices^ 
Als mich dis baoch bewifet des. 
Das fi mit ^vollen vmbe gant, 
Hueten vnd vellen. das nit ftant 



/ 

Die fatteler oadi gefchrilien liie^ 
Das ift nicht gaot; iro merkent, wie: 
Si bruhent tierhar vud poch leder. 
An difem buooh vant ich weder 
Von hnotern noch yon failern gelchriben, 
$ Ob die futer hie beliben 
Vngetzelt, das znrndintz licht. 
Wie mirs dis baoch ouch nicht vergicht. 
Doch möchte man zao difen« zden 
Ein iger (Ein |eger): die es merken wein. 
Die willen , das er .manig tiers hat 
Vnd balg irerkonfet über Int, 
Vnd och etttfwenne heimlich» 
So er geuellet ein tier, des er fich 
Schemt, wann es im verbotten ift 
Von finem herren. mengen lift 
Ir ettlicher erdenken kan, 
Das er tongent müge han 
Beidia fleifch vnd brot, 
Das er tougen irnd nit über lat 
Git kinden vnd finem wip. 
Was ich von iegern fchrib, 

162 a. Das vand ich an dem baoche nicht: 
Doch weis ich wol, das es gefchicht, 
Vnd davon möcht ich nicht gelan, 
Ich feites. die ich hie genemmet han, 
Die r^ten alle trinwen phflegen 
Vnd vntriawe laCTen vnderwegen; 
Des doch leider nicht befehicht 
2^ aller zit. dis baoch vergicht 
Von difen hantwerkliaten nit me. 
Wann alls ich hab gefprochen e, 
Das fi getriawe folten fin 
Vnd warhafft. — , 

162 h. Was ich hie nu mache 

Von difen hantwerklaten me, 

Das vand ich nit, als ich fprach e, 

An difem felben baechelin: 

Doch maofte ich ettewas werften drin 

Von ettlichen landerlich, 

Das man wifiej war an fich 

Ir iklicher verfchaldeA kan. 

An dem weher hebe ich an. 

Der verfchaldet fich an menger fache, 
E er das taoch gemache. 



1 



~ 388 — 

Da mite er deime Tmhe gat. 
Ich meine den, der vntrimwe hat: 
Von dem getriuweu fag ich nicht, 
Wann man an dem nit arges ficht; 
Vnd ichült ich den, £o wolt ich toben. 
Man fol die biderben biltich k>wen, 
Vnd die argen Tchelten; 
£s fol billich engelten 
Ein arger finer mÜXetat. 
Sit vor min mnnd gefprochen hat 
Von den webern, als man hie vint, 
Das tzweijer leije webcr find; 
Das weis der merteil der linten w^:^ 
Von der ietwedren ich fagen fol. 
Als ich weis Tnd habe veraomen. 
Doch mag ich nit wol ze ende komen 
Der valfcheit vnd der mifTelat, 
Die ein vngetriuwer wcber hat, 
Als idi hoere: ich hans nit tu gefehen. 
Eines bort ich die wol iehen^, 
Die mit linwat vmb gant, 
163 a. Das fi fere geklagt hant, 

Das in des erften wit vnd brett 

Wart getzettet oder vmb geleit, 

Vnd das in doch das tnoch wart fmal. 

Wann die weber kumient wol ze tal 

Vnder die ftuel laffen hangen 

Einen groffen ftrangen 

Garnes, das nit zno dem tnoche kont, 

Als fi webent: zuo der felben ftand 

Windent fi den ftrangi»! etwar a»; ' 

Vnd fo einer breitz tnoeh wenet han, 

So ift es (er) betrogen, dis möcht befcbeben 

An wüUem ouch: doch muos ich iehen. 

Das es an linin me befchicht. 

Wer weheren heimlich ift, der ficht, 

Das etlicher ein heiffe fliehten haut (hat) 

Vnder dem garne : da von emphfat 

Das tuoeh ein groffe fwere. 

Als ob von dem garne were 

Nit ein einiger vadem komen. 

Noch han ich von in me vevRomen, 

Das ich ouch hie wil fagen: 

Wann ich hört es uro wen chlagen. 

So fi reidiu tuechlin frumten geweben, 

Nu fönt ir merken dis vil eben, 



/ 



.1 

So fi in gab^n kleines garU, das was 

Wol gedpat'vmbe das, 

Das es würde defter reideri 

So wart in deune leider« 

Das n dachte das garn geflichtet 

Mit heiffer fliehten vad geriehtet^ 

Das es nicht nach irm willen wart. 
I Ouch i£t ettlicher wider ir wtlkn gelpart 

Das wefel, das mans nit gar in tmog. 

In das. warff, vnd ers gar linT^ fkiog 

Ze fame, das er nachfte folt han geflagetty 

Vnd das garn alles in getragen, 

Das das taoch dike worden^ %vere. 
b. Vor einem vngetriuwen wehere 

Kan nieman (nienan fich) gefauetten 'wol. ^ 

Uon dem woll wehere ich ntnt fol 
Verfwigen ouch die ntifFetat, 
Die ir ettlicher hat, 
Als ich es och gehöret han. 
Ich wil inch niuwen wiffen lan 
Von den in fwaben lande: 
Ob ich iene oQch ^rkandl^, 

Die die gaotten tuoch wibkent, ich feite ron in 
Recht als von difen: wan ich bin 
Allen vngetrinwen Unten gran, 
Vnd mane menglich, wa ich kan^ 
Das n huetten* vor in Xioh. 
Ir fönt merken hie, das ich 
Sagen niuwen von den, die wttrkent gra, 
Wiff vnd fwartz nit and^fwa 
Wan hie vmbe den bodenfe; 
Von den fag ich, als (als ich) fprach e^ 
Das die, die felb mcfifter fint 
Vnd tuocfh honffent, das man ettlich vint, 
So er die wallen felfaer flat. 
Das er dar vnder vermifchet halt 
Rinders vnd geÜTen faar. 
Och han ich gebort wol for war, 
Taoch, das von im feibe nit ürinntgebe ift« 
Das fi das zuo der felben frtft. 

So (So fi) es walkent, dar fmirwent gar (fehlt ein Vers), 
Das es kaaff, der es gekoaffet hat: 
Wann das felb taoch zergat 
Vs ein ander, fo maus beginnet tragen. 
I. 27 



/ 



— aio — 

Von den wdbertt (verworn) kah ieh &it f«g^n 
Kontlich: wan ich hans nit gefehen; 
Waiin das ich horte die toocfaer iehen, • 

Das Hs mit varbe dike betriegent, 
Vnd in dar an liegent. 
Das fi in boefe varwe für g«ot gel^ent; 
164 a, Vnd kan iuch nit gefagen eben 
Von der varbe TnlTcheit hie: 
Wan ich hab n feiten ie 
Gefehen Terwen; da Ton ich lan, 
Vnd fage das ich gefehen hau 

Uon den tuochfcherem, vnd was befdiaeh, 
Was ich (Das ichs) horte vnd fach, 
Das man einem gab tooch ; das was ' 
An dem ende getzeichent vmb das, 
Das man drab mochte gef teilen nicht. 
Nu merkent %vanderlich gefchicht. 
Do das tnoch von dem fcherer kan, 
Vnd man es wider heim nam, 
Do was über die maffe 
Das tnoch gekiirtzet. ich lafTc 
Vmb redde, vnd fage was do befchach. 
Sich fdogte» das ich felber fach 
Diu zeichen gantz an den tnoch enden. 
Man wegunde das tuoch wenden 
Hin vnd her, vnd begnnden alle iehen, 
Die es fachen, es wer feiten befchefaen, 
Das kein tuOch in gieng 
Von dem netzenne vnd emphiienge 
Solhe kürtze, als befchach. 
Nu fnogt fich, das einer fach 
Das tnoch gen dem hun^ an, 
Vnd er fach ein kleines netel draii^ 
Das ging durch das tuoch nit enmitten: 
Es was nahent bi einem ende, ab (ob) gefniten - 
Drab icht were, des mochten wir viffen (wiflen) nicht: 
Wir emphunden aber wol der gefchicht, 
Vnd getorftens doch nte geanden: . < 

Wan es was in frömden landen, 
, Das wir in fchaden komen wteren: 
Wan wir mochten nicht htfweren, 
Das drab icht were gefMten; 
Da von wir den fchadmi litten, 
Vnd hatten vnfer gnot gemach, 
Ich vnd dens mit mir befchach. 



— »1 — 

I 
6. Aber eins rtA ich , dye wik kh iehe : 

Swenn einer taoch zefcheren gehe^ 

Ob er enkeinen arkwan babe 

Zuo dem fcherer» das er «it la£Ce abe, 

Swenne ers newne voa dem fcbecar 4aB, 

Er febe es gen dem himel an: 

So mag er defterbas erCpc^fn, 

Ob femlicb fchad im ift befcbeben. 

Von dem (den) tnocbTeberer« ieh nit me kan 

Gefagen: nu gantz (g4u) die fcbroetef an. 
Die nacb dem fcbernde matbent das gewant, 
Die manigar bwüde lifte banU 
Die die vntriawe welleat began, 
Das ii mtigent des tnocbs baa, 
Da mit ir einer denne vmbe bat (gal). 
Ein bc^licbe claogbeit er hat» 
Vnd behaltet dar inne fcbane, das 
Er fcbrot ein goffac in ein vms^ 
Bis im ein ermel wirt dar xoo. 
Es fei fpat oder fruo, 

Si knnnen ficb wol berichten (beribttn mite). 
Aber nu der niuwen litten (niuwe fite) 
Ift dar zvLO TnmaCfen gnot: 
Ir keiner mag fin fo wol bebuot. 
Im werde etzwa wol ein bletzeiia» 
Das er einem an ein kepelin 
Einen ^ipphfel feUet, qder vor an 
An einen ermel; oucb mag er liebte ban* 
Das er einen geren erfetzet mitte 
Einer ander varbe : dss ift nu der fitte, 
Wan nu, fo ein gebor nit anders nßak, 
So fetzet er an einen fak> 
leb mein ein zwilicbs kepelin. 
An dem ende ein rotes zippbdin: 
Da mit ift es alles flecbt; 
Er wenet, er ü der lib#n knecbt» 
Ocb danket Jms liebt die übe« 
Stete (State) machet diebe; 
165 a, Nit mer ich von difem antwerk f^^ - 
Wand man ficht es alle tage« 
Wie iederman f teilet fin gewant. 
Och ift ettlichen wordi^n becbaitt, 
Was im von fcbrceteirn J^ef^bach, 
So er fins gewandea fach 



— tts — 

f 

Einen blets an «iaes andern rok hmm 
ßß wnoft er Hnen (ßn) fchaden hau. 
leb wUT ims nit, was es im leit. 
Wifem man ift genuog gefeit: 
Das ander merket er fdber wol. 

Der barifcherer ifki nit vergeffen A>1, 
Als fi da vor getzellet fiut. 
An der hantwerk man wenig vint 
An\vntria^e, des er müg nutze han. 
LieiT er einem d^n hart halben ftan, ' 
Diu vntriuwe fromt im wenig 'gar. - 
Doch hab ich eins genomen war: 
F^/9gt in einer, ob er fälle lan, 
Magrer von im einen phfening han. 
So ift ettlicher fo gemuot, ^ 
Er fpricht, diu le£ß (Isefft) fei gar guof^ 
So er nicht rechte weiff , wie fi ift. 
Ich wile nu an dirre frift 
Von bartfcherern nit mer fagen; 
{ch wil der aller: nu gedagen, 
Die diu fchere bedinten kän. 

Und wil metzker griffen an. 
Der verfchuldet ettliher fich, 
Als es für ift komeu mich, 
Das er ze ettlicher frift 
Fleifch, das nit gar fchon ift, 
Für gar fehones hin git. 
Ouch hakket in etlicher zitt 
Etlicher in würfte fpat Tnd fruo, 
Das doch von recht nicht hoert dar zuo. 
Och verkoufifet ettliher vnflit 
Für gar Rindrins, das doch mit 
Andrem irnilit Yermifehet ift; 
Das nit ift guot. an dirre frift 
h. Ich alle vntriuwe nit zellen kan, 
Da f i fich verfchnldent an : 
Ich meine die boefen, die biderwen nicht: 
Die biderben man recht werben fich (fLht) 
Vnder allen hantwerkliuten. 

Die ledergerwer mit hiutten 
Och vil menge vntriuwe begant 
Pen dien, die fich an fi lant^ 



— flS — 

Der argen etttihw hat deitjmiot, 
Das er ein bcefe hat für ein guot, 
Dem er fi folt gerwen, wider git. 
Noch an einem dinge lit 
Ein fonderlich vntriawe, 
Diu leider ift hit niuwe, 
Als mich von in ift üir KoaMn, 
Vnd für die warheit han vernomen : 
£ die hat das har welle lan, 
So muelTen fi efchen dar xno han, 
Vnd die felben efchen 
Solten fi wol dar vs wefchen; 
Des niut entnont ir fvmelich: 
Alfus han vernomen ich; 
Si lant die efchen drinne: 
Das tnont fi in dem finne: 
Das leder wirt da von gar hart: 
Wann diu efche ift folher art: 
Pas leder da von gar herte wirt 
Vnd l^onfkone: aber diu efche birt 
GroCTen fchaden vnd nutzes (unnnxes) dar na: 
Wann es fchrindet tefa, 
So es bruchen folte ein man, 
Vnd ift betrogen fere dar an, 
Vnd wennet das din fchnlde des futers fi: 
So ift er doch der fchnlde fri: 
Si ift des, d^ im das leder git. 
An menger fache vntriuwe lit, 
Die ich nit gar genemen kan. 
§ Die onch leder vele (veile) fnident, an 
Den man onch dik vntriuwe yint: 
1.66 a. Ich meine die vngetriuwe fint; 
Si knnen es wol fniden entwerk, 
Vnd niut en miUen dnreh das verch, 
Vnd fchabent den fnit, das er wirt breit, 
Das einer für die warheit 
Wol fwnere^ wenne er ficht den fnit, 
Es fi gar dik: des enift es doch nicht. 
Solich . vntriuwe manigualt 
Si begant, die vngetzalt 
Vom mir iemer muelTent wefen: 
Wann ich hab ir nicht gelefen, 
Vnd wanne (w«ene,) es nieman knnne gar 
Gefchriben: man wirt fin fos wol gewar 
An menger bände fachen. 



•• 



1 



— «44 — 

Die ouch fchiiolie l(«noeii machen, 

Die begant och viitriaweii viL 

So einer zwo foUen lumffen wU, 

Si tragent im ouch guot leder für har, 

Vnd ftoITent im dann anders dar. 

Och- hant fvmlich die gewonheit: 

So er tzwen fchnohe vs bereit, 

Vnd dünne folen dar in hant (hdt) getan, 

Mit hitz er es dar zoo bringen kan. 

Das die f ollen werden t herte gar, 

Vnd wenig wichent her oder dar^ 

So fi ein einualtiger nimpt in die Kant, 

Vnd ift im gar Tmbekant, 

Wa von ii allfo herte find, 

E das ers an dem fliiren emphint: 

Wan n werent gar vnlange finft. 

Maniger fus betr<^ner ift, 

Vnd fürchte, noch werde betn^ne me 

Von difem, von dem ich feit et 

Ich meinen, die Tngetrinwe fint. 

Noch mer man TUtriuwe vint. 

Als ich hoere arm linte clagen: 

,Dis muos ich hie noch fagen. 
fi So ir ettlicher machet Rintfehuo, 

Vmd er fnidet die f ollen dar zuo, 
6. So machet ers ze knrtz zweier finger breit 

Vor an dem fpitze; dar vber er ieit . 

Ein leder, heiffet ein wöllin; 

Da folle die folle vnder fint 

So wer es nntzibere» 

Da mit verforget were 

Ein erber human: 

Die ficht man folhe Xchnehe han. 

Swenne aber die folle nit ift gnno^ kmk, 

So wirt der fehuohen nutz gar kranh, 

Vnd gat im das wafTer drin. 

So fin fuos folt truken fin. 
§ Ouch begant die felben vntriuwe me: 

Ich mein die, von den ich feit e; 

Si verkottffent batzzam: 

Deip fag ich es vnd (fagenis denne) kordawan. 

Batzan ist leder, das gemachet ift 

Vff fchaffes vellen. Ü hant den üft. 

Das fi es machent kordawan gelidu 

Alfus wart bewifet ich. 



.1 

i'l 



— 215 — 



■11 

'I I 



Wan mieh des nicht betragte, 

Das ich dar nach fragte: ,1 

Wan ich wifte oach nicht was batzam was ! 

Noch korduwan. korduwan ift das \\ 

Leder, das gemachet ift i: 

Von ßeiff Teilen, aber der lift, 

Da mitte man machet batzam, |i1 

Das (Dazuo) muolT man heilTes lowe han, , !| 

Da mit man es bringet zuo. jf 

Dar vs machet man htibfdi fchvon, 

Die aber nit nutzber ünt. 

Nach den futem man hie vint 
Von den natem onch gefchriben, 
Von den von mir nicht wirt beliben 
An difem getichte vngefeit 
Iro ettlicher valfcheit, 
Das man fi (fich) ktinne deTier bas 
Dar vor behueten. wiffent das, 
Das menger ze ettlicher zitt 
167 a. Ein alte vehe veder für ein niawe git, 
Als ich die biderben höre Tagen. 
So ein veder wirt vber tragen, 
Vnd die beige dennoch gantz fint, 
Vnder in man manigen vint, 
Der es dar zao bringen kan, 
Als mir feite ein wifer man, 
Recht als ob es ninwe fi. 
Och feit mir der felbe da bi, 
Wie fweiflig ioch die belig fitit, 
Das man waffer vnd feiphen nimt, 
Vnd wefchet den fweis vs fere. 
Dar zuo boret knnft noch mere 
Vnd fmer: das ift mir wardcn kunt. 
Da vor fönt fich hnetten ze aller flunt 
Alle die, die veh«8 tragen 
Vnd es konffen went. ich wil nit (in^h) fagen 
Vnd wil des vergeffen nicht : 
^ § Ettefwenne oach das befchicht. 

Das ein frouw ein kurfennen gekoafet hat, 

Vnd R denn« bei dem natcr lat, 

Das er ir ein howbpt loch mach dran; 

Kt er denne nicht ein biderman, 

Er mag ir ein bcefer ftoffen dar , 

Das fi es nimer wirt gewar. 



t. 



— 216 — 

Da von rat ich, wer witzzig fi, 

Das er felbe belibe da bi, 

Oder ettwen habe, der ims befehe, 

Das im folher wechfel nit befcfaehe. 

Solher wechfel mag oach wolbefchen *) 

An beltzen: das hat man onch gefehen, 

Vnd furcht leider, es befchehe noch vil; 

Da von ich menglich raten wil, 

Wenne einer einen beltz kooffe. 

Das er dar von ich (iht) lonffe, 

E das er werd ■ in das gewant gezogen : 

b. So wirt er dar an nicht betreten, 
Vnd ift im onch fdr argwan gaot. 
Ob ioch der meifter ift fo gemnot, 
Das ers vngerne tete, 
Villich man doch hette 
Argwan, das es wer befchehen. 
Ob er nit hett die warheit gefehen. 

§ Niemant ' gentzlich voUefeit 

Ir ieMiches vngebekeit (ungebaerekeit): 
Da von wü ich es laffen fin. 

Die hnoter iQag man onch har in 
Wol werffen vnd onch zellen: 
Die es nn merken wellen, 
Die wiffen, das er ouch vmbe gal 
Mit wulle. ir ettlicher des nit lat, 
Er Habe geiffen har dar vnder: 
Ob das fol fin ein wunder, 
So ift der wunder vil befchehen« 
Des ich wenne, vnd als ich beere iehen. 

So mag man folher getat 
Ouch fchuldigen einen , der veti hat 
Settel vnd fi onch machen kan. 
Man feit, fi verfchulden fioh dar an; 
So er eim gelobt hat das für war. 
Das er im welle rehin har 
Stoffen in fins f alteis balfter. 
So begat er ein fenUich galfter, 
Djas er rinder vnd geiffen har ftoffet drin. 
Ob nu dis mag ein trngnuft fin. 



^^) Die beiden letzten Verse in der Handschrift umgestdlt. 



— «17 — 

So förcht ich, das der beücfaiehe gar vil. 
I Noch eines ich hie fageu wil, 
Das niawen von den bcefen 
Man ficht teglichen Icefen 
Von tzwein ftigledern phennig tU. 
Ais ich iuch befcheiden wtl, 
Wer vnder in hat vngetriawen maot, 
168 a. Ob der hatt xwei ftigkder gaot, 

Die henkt er veile vs für fin gaden. 
Da er ynne wiirket an dem laden. "^ 
Yil wol mag einer komen dar, 
Der ir bedarff, vnd nimpt ir ^^^r; 
So er £i denne fo gaot erficht, 
So lat er dervone nicht. 
Er konfis: £o fpricht der fatl^ 
,9 Bringest mir den fattel her: 
So wil ichs iäch zivhen drin^: 
So fprichet ener „das fol fin 'S 
Vnd bringet im den fatel dar; 
£ ers denne iemer werde gewar, 
So fuocht (ziuht) er im zwey ringre drin, 
. V|id fint die guoten aber fin, 

Vnd henket fi veile vs aber alls e. 

Was fol ich hie von fagen me? 

Was hantwerk man kan genemen. 

Wer es edif echt (es eht) kan ei^k^hneti, 

Der merket ettwas valfcheit daran, 
f Was ich hie gefchriben ban 

Von hantwerken fider an difer ftat, 

Da dis buoch bcwifet hat. 

Wie dirre vende fol gefchafien wefen, 

Was ir fider hortent lefen 

Von iklichem hantwerk fonderlich, 

Dis habe alles fament ich 

Von minen finnen geworffen drin. 

Ob es fol defter bcefer Hn, 

So mnos ichs alfas bofe han : 

Wan ich habs eht ie getan, 

Vnd mag fin na nit wider komen. 

Als ir da vor hant vernomen 

Von dis venden gefchephde, was er fol han, 

Das ift ein teil gefeite ich lan 

Das ander oach nicht vngefeit. 

b, Ir hortent das er fol bereit 
!• 28 



< 

Einen fchribziug au dem görtel lt«n. 
Dis buoch vns bewifen kan. 
Das es betintit einen fobriber; 
Von. dem na ficb diu mere 
Heben t an difem bnecbelin. 
Vor allen dingen ein fcliriber fol fin 
Getriuwe an allen fachen 
Vnd Tcrfwigen: wan er nmos machen 
Vil dik manig heimlich briefilin; 
Vnd möcht das nicht verfwigen fin, 
So möcht groff fchad da von befchen. 
Von den fchribern. wil ich hie iehen: 
Die wol geratent, die werdent gar gaot; 
Die awer gewinnent valfchen muot, 
Die möchtent och nit bofer wefen: 
Sus hab ich an dem buoch gelefen. 
§ Von difem venden feit dis inere. 
Das er bediatet all fchribere, 
Die vor gerichte fchribent alle fachen. 
Ir hantwerk muefte f wachen, 
Ob fi vnreoht teten 
Vnd nicht die warheit hettin: 
Das fönt fi bediuten (bedenken) fere. 
Nach dis booches lere 
So fontz ir gewiffene behaeten. 
Das f i an nieman wueten 

Vnd anders vareu, den dds recht in fagen (fage). 
Ob aber von keinem kein (kaeme) clage, 
Das er dur minne, dur miete, dar has 
Oder dar vorhte fclirib ettewas 
Anders, denne gerichtet fi, 
Der folte aller felden vri 
Gen gotte vnd gegen der weite fin. 
Sas ftat an difem baechelin. 
Dar zuo fol er abe toon den fchaden 
Dem, den er hat über laden 
169 a. Mit finer gefchrifft valfcheit. 

§ Von den ftatfchribern dis baoeh vns feit, 
So fi lefent die gefetzde von (vor?) der ftat, 
Als fi ir rat gefetzet hat, 
Ob der leinia (keinia) wer wider gotte 
Vnd wider fin (fim) gebotte, 
Si foltent das volk vnd den rat, 
Vnd wer denne gewalt hat, 
Manen, das fi das liefCen abe (fehlt ein Vers) 



— 11» — 

Ze behaltene die gefetsr^e ftete. 

Ob nii die geftzte bette 

Dekein ftüke, das licht vmnüglich 

Were oder vnerlich , 

Oder wider geiftlicher friheit, 

Ab vns die gefetzde feit, 

Die babft Nieolaiu bat getan, 

Der der dritte de» namen was, alls lieb (ich) ban 

An dem deeret gelefen, 

Dem fechften buochen, das folt abe wefe^. 

Wan dar zao bindet enkein eit: 

Als diu felbe gefetzde feit, 

Der eid ift atat dar vmb erdacht, 

Das iemer werde vollebracbt 

Von des eides wegen kein ding, das fi 

Süntlicb, vnmüglicb oder eren fri 

Oder wider geiftlicher friheit, 

Als ich da vor ban gefeit. 

l^ie ich dii niat fanden ban, 
Doch mocbt ich es nint mite (mit^niute) lan, 
leb mweft es drin onch werfen hie. 
Nu merkent, wa Ton vnd me 
Vnd was mich dar zno bat bracht, 
' Das ich hie fin habe gedacht. 
Ich ban gebort vnd gefeben, 
Das gar dikc das ift befcheben, 
Vnd fürchte» das es noch me befchche, 
6. Das man das felb aber feche. 
Das ettlicb Rat in einer ftat 
Etwas vff gefctzet hat. 
Das wider geiftlicher friheit was. 
Die fchriber fullent fi manen, das 
^i folbe gefetzde lalTen abe, 
Als ich da vor gefproehen habe, 
Vnd an difem buche ftat. 
Dar vmb gib ich in den Rat, 
Das fi vil wol bedenken fich, . 
Was fi fetzen, das es möglich. 
Erber vnd nit wider gotte fi, 
Vnd geiftlich recht belibe Iri. 
Das wil ich onch bediuten, wie 
Ich das mein, ich vantz nicht hie 
An difem fchacbzabel buecbeUn. 
Dar an fullent fi geahmt fin, 



Da$ fi nit vallent in den kan, 
Als ich iuch wol gefagen kan 
Ein teil: wan es wer gar ze vil, 
Solt ich es alles Tagen; ich wil 
Das groffe vor an zellen. 
Da vor huete fich, die wellen • 
Die keiner (Dekeiner) flachte gewaltes pflegen; 
Die fönt das laffen vnder wegen, 
Das fi nit irren geiftlich gericht 
Alfo, das fi es verbieten icht 
Dien, die in ir gewalt fint, 
Vmb folhe fachen, die man vint, 
Das fi zuo geiftlichen gericht gehoeren. 
Woltent fi das zer ftoeren 
Vnd in gebieten an weltlich gericht, 
So könde fi gefchirmen nicht, 
Si vielent iefa in den ban, 
Da von fi nieman fol noch kan 
Enbinden noch der von gelan,, 
E das fi wol gebeHet (gebelfert) han 
170 a. Dem, des gerichte gefweret ift, 

Vnd den clegeren, den (demkleger, der) zno der felben fr ift 

Hie mit an koften wart über laden; 

Dem muoff ouch abtuon finen fchaden, 

Swer in des gerichtes geirret hat: 

Von dem banne in e niemant lat, 

per echt wil des rechten pflegen* , 

Eins mag ich nicht lan vnder wegen. 
Das ich och gelefen han, 
Vnd mans ficht an dem buoche ftan, 
Da das vorder ouch an ftat. 
Das Bonifacius gemachet hat, 
Der der achtede des namen was. 
Der fpricht, das dike befchehe das, 
Vnd leider noch nit niuwes fi; 
Man hatz gefehen dike bi 
Alten ziten lange her; 
Es hat ouch gebort vnd gefehen, wer 
Es wolte merken: der markt wol das, 
Das fvmlich leijen fint gehas 
Den phffaffen, vnd wellen des haben ruom, 
Was fi in ze leide mugen tuon. 
Dar an tuont fi fere wider gotte 
ynd wider allem fiiin (fiin) ge^otte, 



•^ 22t — 

Wann er fdber gefprechen hat. 

Als an dem falter gefchriben ftat, 

^Ruerent nicht die kriften, miuiu kint^: 

Da meint er die gewihet fint 

Vnd gefalbet in den namen fin. 

Den Äiegent dike die leyen pin: 

Aber fvmlich fvnder wan, 

Es figin herren oder ftete, die man ficht han 

Gebiete vnd weltlichen gewalt, 

Die ficht man dike alfo bald, 

Wenne fi gewinnent dekeinen has 

Gegen keinem phfaften, das 

Si gebietent den, die vnder in fint, 

£r fi alt oder kint, 

Den (Das den) phfaffen nieman male noch bache, 
b. Oder kein dienft, der ze gemache 

Den phfaffen müge komen, tuon (tuo), 

Es fi fpate oder fruo. 

Das fol man wifTen ficherlich, 

Die alfo verfcholdent fich, 
9 Das fi och vallent in den ban. 

Das ich dis hie gefchriben han, 

Vnd ichs doch an dem buoche nit irant. 

Das tet ich dar vmb, das es erkant 

Den fchribern würde, vnd fi defter bas 

Könden gemanen ir herren, das 

Si folhe gefetzede lieHen abe, 

Als ich da vor gefchriben habe. 

Dis laffen aber alfo fin. 
Ich wil wider an das buechelein 
Griffen, da ichs habe gelan. 
Das was da vor, da man ftan 
Von den ftetfchribern gefchriben ficht, 
Das fi fönt vergefTen nicht, 
So fi der ftete gefetzde lefen, 
Das fi des gemant wefen, 
Vinden fi icht wandelberes da, 
Das fi manen die iefa. 
Die dar über gewalt haben. 
Das fi das heiffent abe fchabeu, 
Vnd ein beffers fchriben dar. 
Hie nach ftat vil, des ich nicht gar 
Mag gefchriben: wan es wurde ze vil. 
Eijties ich doch fagen wil, 



Das vfi der ftat hie naeh ftat, 
Das Sant Aagurtinns gefprohen hat. 

Er fprichet: heimlich gefellfchafft 
In fteten, diu mit ^ides krafit 
Heimlich gefamet wirt, 
Ich weime, diu ^nfriden birt, 
Vnd iueget von der eiden krafft 
Mere vnfritz denne friuntfchafft. 
171 a. Wann fwa die ftete teilent fich, 
Da ift gar vnfridlich. 
Das hoert man von lamparten wol; 
Ja leider , das ichs Tagen fol , 
Man wirt% in Swaben ouch gewar. 
i Ift es von Lamparten komen dar, 
So mueffen die verfluohet wefen, 
Die es har brachten, ich han gelefen 
An difem Schahzabel buechelin, 
Das die fchriber gar fliffig fin 
Ze ratenne fride vnd friuntfchafft. 



V 



Nun von der Freundschaft, mit Bei6[»elen aus Autoren des 
Alterthums und aus Petrus Alfonsi. Sodann 

« 

178 b, Dis buoch feit vns fnrbas 

Ton den felben fchribem das, 
Das fi lullen kiufche vnd erber fin : 
Wan es wandelt dik zuo in 
Frouwen beidiu jung vnd alt. 
Die fachen die fint manigualt, 
Darzuo ir hantwerk notürftig ift: 
Da von fullent fi ze aller frift 
Füren ein erbers reines leben. 

Der Dichter handelt jedoch die Tugend der Keuschheit auch 
in Bezug auf die Frauen ab, und ebenso in Bezug auf diese, 

182 b. das fi fon gar 

Bideii (Beidiu) ftille vnd offenbar 

Triuwen vnd warheit phflegen 

Vnd lüge laifen vnder wegen. • 

(Der Scfaluss folgt im nädifiten HtfilcJ 



— «« ~ 



Bruchstücke 

eines 

altdeutschen Dram a^s , 

TOD 

einigen alten Pcrgamentslreifen des Klosters Muri entnommen 

und initgelheilt 
K* O e h l € r. 



Als mein seliger Bruder Theodor im Jahr 1840 sich zum 
Behufe literarischer Arbeiten einige Zeit im Kloster Muri auf-^ 
hielt, fand er im Einbände eines Exemplars der Biblia Latina» 
Edit. Yulgata Divi Hieron jmi. 2 Voll. fol. 1466 ( vid. Le Long. 
BibL pg. 73.) einige Pergamentstreifen , die seine Aufmerksam- 
keit erregten. An der innern Seite der Deckel waren in jedem 
Bande zwei Pergamentstreifen über die Heftbänder aufgeklebt 
und das Ganze wiederum mit Papier überzogen. Mit Erlaub- 
niss des Bibliothckvorstandes lösete mein Bruder Yorsichtig das 
drübergeklebte Papier von zweien dieser Streifen ab und brachte 
dadurch ein Bruchstück eines deutschen gereimten Drama's zu 
Tage, dessen Wichtigkeit ihm nicht entging, da die Schrift 
unverkennbar aufs Ende des dreizehnten oder Anfang des tier- 
zehnten Jahrhunderts hinwies. Dringendere Arbeiten hinderten 
ihn aber auch die übrigen Seiten blosszulegen und vollständige 
Abschrift zu nehmen. Ich erfülle jetzt, nachdem die Kloster- 
bibliotheken leichter zugänglich geworden sind, den Wunsch 
des zu früh Verstorbenen durch nachfolgende Mittheilung, und 
zwar um so lieber, da auch ich mich überzeugt habe, dass das 
Fragment verdient , vor dem Untergange gerettet zu werden. — 



Die vier Pergamentstreifcn sind mir schon vom Holze ab- 
geiöset übergebep worden. Während die von meinem Biitdar 
und mir enlblössten vier Columnen fast durchgehends, bis auf 
wenige verwischte und verblasste Stellen, leicht zu lesen sind, 
ist hingegen von den vier Rückseiten, die mit weniger Votsfcht 
abgelöset geworden zu sein scheinen, wenig mehr zu gewinnen. 
Ein grosser Theil der Buchstaben ist, vom Pergament abgeri^en, 
mit dein Leime auf dem Holze sitzen geblieben. Aus den theüs auf 
dem Pergamente theils auf dem Holze sichtbaren Resten war in 
mühsamer Mosaikarbeit mittelst Lupe und Spiegel nur Unzusam-- 
menhängendes zu entziffern. Das gewöhnlich zur Auffrischung 
verblasster Schriftzüge in Handschriften angewandte Mittel, Gallus^ 
tinctur, hütete ich mich wohl in Anwendung zu bringen. Der 
Leimüberzug, der auch auf dem Pergamente an vielen Stellen 
haften, geblieben war, würde dadurch gebräunt und das Lese» 
der darunter liegenden Schriftzi^e wohl ganz unmöglich ge- 
macht worden sein. Hingegen leistete mir Schwefelwasserstoff- 
Ammoniak sehr gute Dienste. 

Von den vier Streifen hatten, ehe die Scheere des Buch- 
binders darüber kam , immer zwei ein Blatt gebildet. Die 
Streifen sind jetzt nocK acht bis neun Centimetres breit und 
40 lang. Ursprünglich waren sie länger. An zweien fehltoben, 
an zweien unten ein abgeschnittenes Stück, das als nicht un- 
beträchtlich sich ergibt, wenn man das Ende auf der einen 
Seite mit der Fortsetzung auf der Rückseite zusaibmenhält. 
Merkwürdig ist der Umstand, dass der Schreiber das Blatt 
nicht von der Rechten zur Linken umgeschlagen, sondern von 
unten nach oben umgekehrt hat. Diese Blätter können also 
nicht in ein eingebundenes Buch gehört haben; sie müssen ab 
freie Blätter benutzt worden sein. 

Die Schrift ist nach dem Urtheil meines Bruders vom Ende 
des dreizehnten, Anfang des vierzehnten Jahrhunderts, mit 
welcher Schätzung auch andere Kenner übereinstimmen. Auch 
die Sprache und die Reinheit des Reims deuten auf diese Zeit. 

Die Schrift ist nicht von einer Hand. Es scheinen sich vier 
Handschriften unterscheiden zu lassen. Dieselben weichen zum 
Theil auch in der Rechtschreibung und Beugung von einander 



/ 



/ 



ab/ Die eine z. B. schreibt rdcht^ die andere ruht, die ein^ 
ffgvafent bihalten virrientj die andere gehöret behalten ver-^ 
namen u. s« w. 

lue S^Ariftzöge sind mittelgross, schön» sehr deodicfa und 
leserlich mit wenig Abkürznngen. Die Linien scheinen mit dem 
Chriffel gezogen , Blei oder Farbe ist nirgends zu entdecken. 

Die auf diese Weise uns erhaltenen, leider aber j^t nicht 
überall mehr lesbaren , Bruchstücke scheinen einem der ältesten 
deutsdien Dramen anzugehören. Sein Gegenstand ist die Ver- 
änschaulichung und Verherrlichung der Auferstehung 'Christi. 
GkicheB Inhalt haben mehrere Gedichte diesem Jahrhunderts. 
Z. B.: 
»Das Gedicht von dem Leben und Leiden Jesu Christi und 
von U. L. Frouwen.^^ Aus einer Hdsch. in der Abtd 
St. Mergen im Scfawarzwald, in fol.» Perg., IStes Jhrhdrt. 
circa 36 BR. mit BUdern. S. Oberlini Glossar, p; V. u. 
Hagens u. Büschings Grundriss p. 267 — 70 mit Proben. 
Femer : 
)^Der Kreuziger ^S Gedicht vom Leben und Leiden Christa 
durch Johannes von Frankenstein i. J. 1300. Hdsch. zu 
Pressburg. Gedruckte Stellen in der Altdorf. Kbl. d. seh. 
Wiss. U. 149 — 163. Denis Catel. 11. 387 — 9t. 
Ab^ diese u. a. sind erzählend , nicht dialogisirt. Dialogisirfes 
bietet zwar unsere Literatur schon im Wartborgkrieg» in Frauen- 
lobs Sängerstreit und dem Plattdeutschen Theophilus. Doch 
haben solche dialogisirte Gedichte wenig gemein mit dem eigent- 
lichen Drama. Zur Aufführung bestimmte Dramen kamen in 
Deutschland erst auf, als das Muster der Mysterien aus den 
romanischen Ländern nach Deutschland drang. Solche finden 
sich bei uns schon im zwölften , häufiger im dreizehnten Jahr- 
hundert ; aber sie waren lateinische Sie wmrden von Greistlichen 
in den Kirchen und in der Kirchensprache aufgeführt, der «ich 
mebr oder weniger Deutsch beimengte. 1210 verbot Pabst 
Gregor sie in der Kirch~e aufzuführen, welches Verbot den 
Uebergang derselben ins^ Volksleben und in die Volkssprache 
förderte. 

Das älteste bekannte Passions- und Osterspiel hat Docen 
herausgegeben aus einer Münchner Handschrift des 13ten Jahr- 
I. 29 



— 828 — 

haaderte iü Arethi's Beitrage VII, 4^7 — 508. Es ^ Mdinisch 
mit eingelegte^ deutschen Versen. Audi sonst dnd eiolge Frag« 
mente der Art aus dem 13ten und 14ten Jahrhundert bekannt 
geworden. Häufiger finden sie sich aber erst im 15ten. 

Zu diesen Osterspielen gehört auch unser Fragment als eins 
der ältesten und durch Reichthum innerer Bewegung meifc* 
würdigsten. Denn die aufgefundenen acht Columnen enthalten 
in 44^5 Versen Bruchstücke aus nicht weniger als neun, wenn 
nicht zehn verschiedenen Scenen, worin eine Menge Personen 
in frischer Bewegung und Lebendigkeit auftreten. Das Stück 
war offenbar zur Aufführung bestimmt ; deshalb wohl auch sein^ 
Schrift als fliegendes Blatt und die leider nur zum Theil les- 
baren, die Scenerie betreffenden Randbemerkungen. Ich glaube, 
dW Sprache wie auch die wiederholte Erwähnung von Sdiil- 
Uii^to , Pfennige und Ort weise auf Obersachsen als Vaterland 
unseres Gedichts. 

Ich gebe den Text treu, wie ich ihn mit möglichster Sorg* 
falt habe aus den verwischten und zerschnittenen Streifen ent- 
aiSem können. Die von mir aufgdöseten Abkürzungen sind: 
d' = daz, w* = waz, b" = baz, d' = der, sw* = swer, 
1^'^ = Jesus, i\)'m ^=: Jesum, helat = helant, hat = haut, 
end' = ende u. dgl. Die nachklingenden Laute o nach u, e 
nach u, u nach o u. s. w. sind wegen Mangel eigener Schrift*- 
zeicben hinter den Hauptlaut gesetzt, über dem sie in der 
Handschrift stehen. Was nicht mit Sicherheit gdesen werden 
konnte, ist zwischen Parenthesen gesetzt. Conjecturen gebe 
ich keine, obschon es leicht wäre,\viele der Lücken auszufül- 
len. Ich überlasse dies denen, die mit mehr gelehrter Kenntniss 
der altern Sprache ausgerüstet sind, als ich. 

Die Reihefolge der Scenen, wie ich sie hier geordnet, wird 
durd^ den Zusammenhang der Streifen unterstützt. 



~ «27 — 

Erstes Blatt. Erste Colamne. Das •abgeschnittene Stuck 
fehlt oben. Die oberste Zeile ist durchschnitten, folgen noch 
68 Verse. 

BrsteScene. 

Pilatus t der PaltenerCf die Juden» 

Paltenerc. Swie du mir daz geben wilt, 

Wie (ch)enen daune mih beuilt, 

Daz ih dir gihe mit gewiht 

Goldes, def enüaze üt niht, 
Zwencic marchen fwcre. ^ . 

Pilatus. Yil lieber palteaere, 

Du w(e)r [oder w(a)z] mir ie mit trüwen holt, 

Swe(nne) ih uon dir han daz golt, 

So ha<be) min geleite. 
Falten. Vil w(pl) ih dih bereite, 

Daz rpriche ih uf min träwe. 
Pilat. Ih ▼iLrh(t)e es dih gerüwe, 

Davon fo bete ih gerner phant» 
Palt*. Ih bereite dih ce hant, 

Def bitte ih dih niht forgen. 

Doh fo(l)t du mir borgen; 

Unz ih den chran bewende 

Ender an ein ende, 

(So) bereite ih here dih. 

Def habe du ce phande mih , 

Üb ih dir niht volbringe 

Vil gar din gedinge. 

Snf la mih din nrlop han. 
Pilatus. Palten^ , heiz uf Han 

Dinen chran gereite 

Un habe piot geleite. 

Doh foO)t du niht von hinne chomeu , 

E du min urlop haft genomen. 

Haft du nu vernomen mih? 
Palten. Ja, here, daz tnon ih. 

Sol ab(ir) ih noh hüte leben, 

So wi(l) ih ettefliher geben, 

Daz fi dar nah gerüwet, « 

So fi dar an uernüvvet. 
Pilatus. Ir her(en), wir füllen gan. 

ludaeus. Daz folt du, here, aneuan. 

Pilat. So wil ih ez beginnen. 

J«diiei. So gen wir fantir hinnen. 



— jOf» — 

Zweite Scene. 

Der Institor oder Krämer, Johannes und die Frauen, 

• 

Inftitor. Wanu die chofen wellcnt. 

' Mih wandert, daz fi twellen. 
Die minnere geile 
Die uintent hie ueile 
Bibergeil, alrnne. 
Si mun wol wefen flune, 
Die daz niht went gewinnen, 
Dauon fi vrowen niinnen. — 
Wa fint ir, fhönen vrowen? 
Choment, ih laze üh fhowen 
Chram, den ih üh han braht, 
Dar nah ir lange hant gedaht, 
Verd(cr)griez unde fpat, 
Daz nieman , want ih , Veile hat. 
Vlen(eh)ate unde pülle wiz, 
Par nah waz ie der'vro\ye|i oliz» 
Die fih wollen gefteii 
PS ir varwe gleiten. — 
Wa ift, iohannes cbrube? (fic) 
/ ^r dunchet mih vil tumbe, 

Daz er niht chpfet ettes waz, 
Want in die vrowen minnent baz 
Panne andere genuoge. — 
Oh phliget guotjßr vupge. 
Ruolin ftacin weiz ih wol, 
Pavon er gerne chofen fol 
Von n^ir dien hübfhen vröwelin 
En vil rotes, varwelin. — 
Swer nu wil chofen, der wol har. 
Ih wene wol, er vinde gar 

Hier schliesst die erste Colamne. 

Von der zweiten Colamne stehen je die fünf bis sechs 
ersten Buchstaben von jedem Verse auf dem gleichen Streifen , 
der die erste Colamne enthält, der Rest aaf einem zweiten 
Streifen; zwischen beiden ist ein schmaler ungleicher Streif» 
einen bis drei Buchstaben haltend, herausgeschnitten. Hier- 
durch und durch die tbeilweise Zerstörung der Schriftzäge 
wird die zusammenhängende Herstellung unmöglicb, doch ist 
i}er Sinn zu erkennen. Auch fehlt ein wahrscheinlich nicht 



m^trächüiches Stack, am Blatt oben abgeschnitten, den Schloss 
der Scene des Institor enthaltend und den Anfang der folgenden 

Dritten Seen e. 

Christus Witt in die ünUrwtlt. Jesus ^ Diabolus et ammas, 

wefen 

genefen 

hie ficfaerlihe 

Jefvs. £2 ift (ei)n künc rihe, 

Wol ge(w)€ltic vnd ftarhc, 

Der u . • . (d') erde die verbarhe 
^ Sin g(ot)tbeit mit gezöge 

Unde ft • . . he an . ir (la)ge 
Diabolas. Wer m(a)c noh dirre kune fin? 

Jefus (?). Daz tuo . . ih (ir) (d)ir vil fhiere fhin. 

Ih we . . (e) wol, daz er ift 

Der m(a)gde fun, Jefus chrift. 

Dauon (b)lazent üwer wer, 

Want (ih) cerftöre üh, als en her, 

Mit ge(w)alt üwer tor, 

E ih h(0 lange (8t)«nde vor. 

Ir han(t) mir hie geuangen, 

Des ma . . ih ^ol belangen 
(oder Nu) An lang. . min hant get&t, 

Vil me(n)ge feie, du mir hdt 

Gedie(ne)t ftetechlihe. 

Die ha(n)t ir iemerlihe -^ 

Verde(r)bet ungehiire 

In de (me) helle vüre. 

In fta(r)hen helle wizen, 

Davon (w)il ih mih vlizcn 

Daz ih . . . danne löfe 

Uli ih..e helle töfe, 

So daz i(h) üh da binde, 

Un ih . . n gefinde 

Sam(mir) vnore von dan, - 

Beidü (w)ip vnde man. 

Die m . . da bitent lange 

In fu(K)bein l^eUe twange 

Un oh . . t manicualter luge 

An die . . trüwea (li) beU-üge 

Daz f . . ur chleine fhnlde 

Verli..n Boine teilde 



Nu ha . * . erlöfet fi wm tot, 
Cere . . e von fo ftarcher not, 
Swie (i)h doh nu erftande fi 
Gew . . er got un todes vri. 
Davon (w)il ih niht biten. 
Tuont (a)f die (pQr)ten witen, 
Old i(h) ftoze fi d(a)nider, 
Da% f(i) niemer choment wider. 
Anlinse (dabei (teht: adrenifii d's...)- 

Sift (w)illechome , erwonfter troft. 
Von di(r) fo werden wir erloft 
Here {v)(nk der helle 
Us g(ro)cem ungeuelle. 
Wir (ha)h in iemerliher ehlage 
Din g . . itte lange tage, 
Daz . . . götlih(e) mäht 
Löse (f)ol an dirre naht 
Uns . , . nen riiwere 
üs d . . n ch . . , . re. 
Uns . . . m uiÄ ge(h)anh 
Hat . . gemofet ane wanh ^ 

In (f.. c)hem helle wize 
Mit . . gelihem vlize 
In . . erliher rüwe 
Mit ,. fteter trüwe, 
WÄt .. fuozer here'chrift, 
Der . . ermde vater bift. 
Wir . • n dar tih vil not erlitten , 
^ Da(r) an wir di chome erbitte, 
(oder Nu . .) Au . . uns, here, ez ift an der cit, 
Wa(t) (un)fer troft gar an dir lit. 
Du • . ns niht gefwichen 
La verr . . chen. 

Hier endigt die zweite Colamne. Die dritte Columne 
und die yierte, auf der Kehrseite der ersten und zweiten,, 
fangen mitten in der Seite an. Vielleicht sollte ein Bild in 
den leeren Raum kommen. Die dritte Columne setzt obige 
Scene fort. Es sprechen die animse. 

Der <t3e)iiel turt din güote. 
Hilf uns, fwie fere er wuote. 
La (ans) hie niht beliben me, 
Old wir fin verlorn als e^ 
Nu (hil)f uns, fttozer helanl. 



Jefns. Grifent har an miite hant. 

Ih wil mih erbarmen 
Über üh uil armen, 
ün (wil) üh löfen mit cbraft 
Von d(irre) gefellefhaft 
ün (fta)rcher erebeit, 
Swem ez fi lieben olde leit. 

Unlesbare Randbemerkung. 

Vierte Scene. 

Antonius^ der Institor^ Maria» 

Antonius. Lie(ber) (pa)ltenere, 

Haft . . niht bübffen lere , 
. Dar(i)n fo tuo ans balffama 

ün . . we aromata , 

£in(es) (p)bundes gewiht, 

Vüll(ich)lih im minder niht. 

Daz wellen wir dir gelten wol. 
Inftitor. Die (dne) bühffen, die fint vol, 

Daz (fp)riche ib uf min trüwe, 

Der f elben , felben nüvve. 

Vb üb die chofen wellent, 

So wil ih, daz ir cellent 

Dar (a)mbe mit gedinge 

Mir zwencic fhillinge. 

Dez enlaze ib niht en ort. 
Maria M. . . Wir (we)n niht Telfhen din wort. 

Nim hie die pfenninge gar 

Un gib uns die büblTen bar. 

Wir wellen fiirbaz cheren. 
Inftitor. Vrowe, ib wil üh eren. 

Da(r) wider mac ih nint fin, 

Do ..(rt) ez nie dar umbe min. 
Maria .... O v . . . gat uns forge zuo. 

H . . . . an difem morgen vruo 

Hier endigt der Streifen und fehlt zwischen dem Ende dieser 
luid dem Anfang der nebenstehenden yierten Columne das 
gidche Stück, welches auf der andern Seite des Blattes oben 
fehlte. 

Die vierte Columne muss wie die zweite von zwei Streifen 
xanrnmen entnommen werden, zwischen welchen an schmaler 
Streif ausgefallen ist. 



Fünfte Scene. 

DU Frauen gehen tum Grabe des Herrn, jiniomuSf die Frauen f und^ wie 

es scheint, der Gärtner, 

Aus der sehr -zerstörten Schrift dieser 37 Zeilen lassen sich 
kanm zwei zusammenhangende Worte entnehmen. Wo eine Per- 
son zu sprechen aufhört, ist ein Strich, und wenn ich recht rathe, 
spricht in den ersten sieben Zeilen eine der Frauen. Dann 
gehören sieben Zeilen wahrscheinlich dem Gärtner, der fragt: 

Ir guot wip, 

was suchet ihr also früh in diesem Grabe? 

(Wan üb uö) mir mac gefhihe 
Ir fiill(eD)t haben 

Darauf antwortet 

Antonius. Jefam von (N)araret, 

Den die (io)den viengen 

Un an d(az) (c)hrüce (li]e)ngen. 

Des ift (hü)te der (dritte tac) 

Wat er (d)en tot (e)rflinlte nie 
Den ruo(ch)en Avir .... e hie. 
Als ih (üb) geeell(et han) 

Es antwortet der andere: 

Davon (ih) wol ge . . . n ehan 

Für folgende in Klammer eingeschlossene zwei Verse steht 
eine unleserliche Variante am Rand.- 

( . . . . niht (me) wefen vro 
( Wät d(ci) ift h(üte) erftanden 
Von des todes banden 

mit dem > Beifügen: 

Ir ra(Ue)t rnel(lich)lihe gan u. s. w. 

Diese fünfte Scene, wenn ich sie richtig entziffre^ gehörte 
eigentlich zwischen die VIII und IX. Jedoch lässt der Zu- 
sammenhang der Streifen keine andere Anordnung der Scenen zu. 

Zweites Blatt, oben mit dem Buchstaben b. bezeichnet. 
Fünfte Golumne, von einer andern Hand und mit Abweichung 
in Beugung und Orthographie geschrieben. 



- $8S - 

Sechste Scene. * 

Pilatus^ die Juden t die Grabwächter {custodes), 

Gaftos. So hüten wir, an fvii wir leben, 

Daz wir in wider geben, 

Als wir in vinden rechte. 
Pilatus. Nu fprechent, gvoten chneehte, 

Waz wend ir dar umbe enphan? 
Secundus cuftos. Herre, wir wellen lan 

en ort n(i)ch zwencic marcbe. 
Pilatus. Nu gant vn hvotent ftarche. 

Seht, daz ir nicht flafent. 

Ir fullent fin giwafei^t. 

cherent zvo dem grabe hin, 

Dez han wir ere vn ir giwin. 

hvotent, fo ir mügint baz. 
m. cuftos. Daz tvon wir, herre, wissint daz. 

Pilatus. Nv cherent och, ir herren dar. 

Dar umbe daz ir nement war, 

Wie daz grab bihvotet fi. 

So fint ir von forgen vri. 

Daz rat(e), ich vf die trüwe min. 
Primus Judaeus. Trvwon herre, daz fol fin; 

Du haft vns wol giraten, 

Reht als wir dich baten» 

Och bihaget uns din helfe wol. 

Der rat: ich iemer helfen fol. 

Nu gib uns vrlvop, laz vns farn. 

Got der mvofe üch wol biwarn. 
Pilatus. Gant hin un fchichent daz alfo, 

Daz wir der hvote werden fro. 
Judaei er cuftod. Ir drige fullent ligen hie 

So ligen an der fit un di^ 

So ligen dife dorte, 

Un die an ieme orte. 

Wachent wol un flafent nidht, 

So wird vich, daz vich ift vipfhicht*); 
Wend abir ir nicht bihalten daz '*^), 
So mvoffen wir vich fin gihaz. 
Da von fo hvotent fere. 
Cuftos. Herre vf ünfe ere, 



*) Schlechte Correctur des Schreibfehlers für virfpricht, 
**) Randglosse : fwie ir niht wet. 

I. 30 



— IS« — 

Er ift uns alfo bivoln, 
Daz er uns niemer wirt virftoln. 
Pilatus. Virnent alle min gibot. 

Ich gibüte üch ane fpot^ 
Mannen Tn wiben gar, 
Daz ir irro choment har, 
So daz er nicht min holde 
Virleifent mit fcholde, 
Wand ich wil danne richten 
Un daz vnrecht fliehten. 
Üb mir einen claget icht. 
Swer abir har chomet nicht 
Deme fi min hulde rirfeit, 
Es Iime lieb older leit, 
Un nim ime gvot onde wip 
Un laz ime nicht wan den lip. 
So mvos er iemer mere clagen. 
Nu wil ich yich nit mere lagen. 
Got der geh vich grote nacht. 
Ir follent keren angibracht 
Wider hein nv zeftvnt, 
Vn choment morne wol gifvnt. 

Hier beginnt wieder eine andere Handschrift. 



Siebente Scene. 

Die Wächter am Grabe* 

Am Rande: post tonitru L custos. 

Sah ieman daz ih han gefehen? 
Ift iemane, als mir ift gefhehen? 
GefeUe, der hie bi mir lac, 
Horteft du den tonren flac ? 
Olde bin ih ertöret? 
II2: cuftos. Ih habe oh gehöret 

Einen ftrarchen (£ic) tonren chlahe. 
Wir waz, als er uf minen naht 

Hier ist der Streifen abgeschnitten 

Die nebenstehende sechste Coiumne führt uns in dii^ 



X3d — 



AchteScene. 

Cumpreht^ der Knecht, mit den Wächtern vor Pilatus mid den Juden. 

Filatas. Gampreht, haftu mih yernomen? 

Ga hin vn heiz fi har chomen. 

Lof bal(de}, niht enTuine dih. 
Servus. Lieber here, diaz taon ih. 

Serv. at Caftod. Ir funt c(e) minen heren gan. 



Guftodes. 
Pilatus. 



Servns. 



Pilatus. 



Primus cuftos: 



Pilatus. 



All wol (hin) daz fu getan. 

Sift wi(ll)echonie , cnmpreht, 

Min aller liebefter chneht. 

Sage ane, haftu die ritter braht? 

Here, ab du haft gedaht, 

So choment fi gelihe. 

Hie hu . . r gütelihe 

Sint willechome, ir heren mir. 

Selfii got. nu fagent ir, 

Waz gefhCalies?) ift bü üh gewefen? 

Da fin wir ehume genefen. 

Wir waren vil nah alle tot 

Un fin endrunnen mit not. 

Un wie uns gefhehen ist, 

Daz Tage ih 4ir in chorcer Trift. 

Do wir hinaht lagen, 

Als wir def grabes phlagen 

Mit vil grozen ylize , 

Do Cham en engel wize. 

Der begonde zuo züns gaben, 

Un dno er uns wolte nahen, 

Do chan uor im en tonr shal, 

Davon erfh(e)in da vber al. 

Von dem bliche shoze en vür, 

Davon war, da fo vngehür, 

Daz wir vil chume endrunnen fin. 

Ih fprihches uf die trüwe min ,- 

Daz wir def gelihe iehen. 

Darzyo han wir oh gefehen, ^ 

Daz der engel den ftein 

Von dem grabe ruhte en ein , 

Un Jefus ift erftanden 

Vns vn üh ce fhanden. 

Des mugen wir gelougen niht. 

Daz ift en wunderlih gefhiht. 

Üb ük der (m)an niht hat gelogen ? 



— Me- 
li, cuftps. Wir han niht Tnb en wor (fic) gelogen. 

Def fol min lip fin din pliant. 
Du her (oder heiz) uns marteren ce han, 
üb wir niht war han gefeit/ 

III. cuftos. Here, ef ift en warheit 

Gar ane loTgen. 

IV. cuftos. Ih fah niit minenosen 

-^ Jefum von dem graben vf ftan 

Un vil fhone dannent gan, 
Als im nie befhehe leit. 

V. cnftos: Here, daz fi hant gefeit, 

Daz fah ih niht eine; 

Wir fahen ez gemeine. 

P^Ton fehent ir darzuo. 
Pilatus. W.« nu en weiz ih, waz ih tno. 

Ir heren, ratent, es ift cit, 

Want unfer ere daran lit, 

Un vernement die lüte daz. 

So gelobent fi an Jefum baz 

Danne an alle unfer gotte. 

Davon werden wir ce fpotte 

Unde fwechet vns vir (fic) fere 
Primus Judaeus: Ih rate uf min ere. 

Üb üb geuallet daz 

Olde ir ratent danne baz, 

Daz wir dien gefellen 

Zwencic phunde cellen. 

Hier ist der Streifen abgjßschqittep. Die Rückseite des 
Blattes, Columna VU und YIII, ist leider sehr zerstört und 
lässt nur theilweise den Zusammenhang erkennen. 

Siebente Columne. Andere Handschrift. 



Neunte Scene. 

Drei Frauen und Jesusr 

Maria spricht zum Auferstandenen: 

D . . . ges huote fi , du dih geb^r 
Ane wibes chumber gar, 
Geweren menfhen vnde got, 
In des gewalt vn 'des gebot 
Der himel vn du erde ftat.' 
Swaz vlüget, vlüzet, olde gat. 



— MT — 

Daz Aat vil gar in diner hant, 
Genedechliber helant. 
Din marter tet mir ha(rte we). 
So we wirt mir- niemer me , 
So do ih din ungemah 
Here an deme chrüce fah. 
Dawider bin ih aber vro, 
Sit mir ift gelangen (fo), 
Daz da, fvozer Jefas cbrift, 
Von deme tode errtan(den) bift, 
¥n mir du felde ift befbeben, 
Daz dib, bere, bant gefeben 
Vil felicblibe togen 
Min fündigen ogen. 
Aller fiindere troft 
Hilf mir, daz ib werde erloft 
Von minen fanden manicvalt 
Vn von def tienelf gewalt. 
La mib niht verderben, 
Want fol ib fos verfterben *) , 
So bin ib an der feie tot. 
Hilf mir von der (hel)le not, 
Des bitte ib, fvozer Jefa, dib. 
Vf din genade ergi(h)e ib mi(h), 
(Du here) ftarcber belant •*). 
(D . ein diu) dine fint ercbant 
Often (an den) togen. 
Daz weift da ane logen. 
Gedencbe minen fmercen 

en bercen 

Daz ib dib, bere, minne 
Vo . . . cblibem finne. 
Sib an mib vil amen (fic) 
Vn la dib min erbarmen« 
Min f(ün(]en) fint fo manicvalt , 
Des 

folgen in dieser Golomne noch weitere sechs unleserliche Zeilen. 
Die nebenstehende achte Golumne fährt, wie es scheint, in 
der gleichen Scene fort. Noch spricht Maria : 



•t 



*) verderben. 

^'^) Einige am Rande stehende Worte, wahrscheinlich eine Bemer- 
hang za Händen des Schauspielers wie oben Scene VH, sind 
nicht zu entzififern. 



Unf löf . . Ton d^n tode, 
Von der he(ne) fode 
Din tod . . . anfen lepUc 
ÜBfer . . . ift dir enflac, 
Davon d(a) (h)art den tot erlitten 
.... tor « . BÜit gaot vermitten 
' Want vns din tot hat gegeben 

Ein TÜ .... lilihes leben 
D . . mer . . . an(e) ende. 
Doh du vil behende 
Bift Ton dem tode erflanden. 
Nu löfe mih von fhanden 
Un von d(er) helle gmnde 
Dur tine . . ünh wnnde , 
Die dir die iuden taten. 
Die dih da hant verraten. ^ 
Gip mir dine holde, 
Die ih m(it) rehter fholde , 
Svozer got, verloren han. 
Daz ih de(r lip) ie gewan 
(D)er m . . . . hercen daz geriet 
Baz fih der lip von dir fhiet 
Mit ftar(c)hen fanden manicvalt 
Un in des tievels gewalt 
Mih fere (ha)t gefenehet, 
Vil vart(e) mih daz chrenchet 
Un muoz (ih..h)rü\ven iemer. 
Ih wil . . . eben niemer 
Gbeiner . . . ahte bilde , 
Weder zam noh wilde, 
Swem (ie) ih vrödelofes wip 
Niht me mac fehen dinen lip. 
Def war (mih) an min hende — 
Genade v . . . . wende 
An onft d . . er hant (oder c) getat 
Du an ■. . . . n bilde hat 
Den vü . . rechlihen tot 
Dur tie , . . erliben not 
, Die du an (de)m chrüce litte 

Da wir . . . behalten mitte 
Deiner .... echlihe. 
Des hilf uns treh tin rihe. 
Jefus: Maria lo(3), (wm) ih fage. 

Ih han (gt^öret dine dilage 



— 2S9 — 

Un hau diu gebet Ternomen. 
Ih wil (dir) ce helfe chomen. 
Du gen . . eft diner U'iiwe *) 
Un din ter trüwe. 

Hier geht die letzte ColuDine aus. 



Drei Urkunden 

über 

die Rechte des Freiamts auf dem rechten Reuss- 
ufer 9 der Yogtei Berkon and der Stadt Brem« 

garten im 14. Jahrhundert, 

mit 

Bemerkungen zur Landes- und Rechtsgeschichte 



von 



PL TVeissenbach. 



I. Die Rechtsurkunden. 

(Fortsetzung.) 



Der Stadt Bremgarten Handtyestin. ^)/ ^ 

Vniuersis Christi fidelibus presens scriptum inspecturis. Fri- 
dericoSy Lupoldus et fratres eorum, Duces Austrie et Stirie, 
Landgrauii Alsatie, in perpetuum. Cum ordo ralionis et equi- 
tatis imö totius mundi consuetudo bona ytilis, que pro lege 
habetur, quemlibetsua jura tueri edoceat, nee priuilegio digni- 
tatis abuti» cum hoc cuiusdam ignauie seu negligentie esse 
yideatur. Nos qui non destructores yel transgressores , imo 



•) Wahrscheinlich Schreibfehler für rütve. 



— 240 — 

potiüs conseraatores et pro viräus defensores cupimns, angelo 
magni consiln auxiliante, paternärum traditionum vocari et esse, 
presentibns et fiituH§ quos nosse fuerit opportunum daximus 
notificandum, et ne ex temporis mobilitate sea uetustate oblinione, 
que plerumqne mortalibuid prejadicarä in multis Tidetur» mini- 
strante ad nihilum redigatur per hoc instramentam memorie 
posteronim commiltendum. In nomine domini. 

1. Nullus de hominibus tel ministerialibus Domini in Cioitate 
faabitabit, vel jus ciuile habebit, nisi coittmuni consensy Bar- 
gensium, ne quiä burgensium iHorum testimonio possit offendi, 
nisi predictus dominus Ciuitatis libere eym dimiserit. 

2. Si yero burgenses inter se rixati fuerint, non sunt co- 
gendi ad faciendym questimoniam, nee dominus Ciuitatis yel 
judex mouere debet. Si alter eorum domino yel jydici coih 
questus fuerit, dictus dominus yel jydex ocultas reconciliationes 
(fieri non permiltat) et quod eis conquestum füerit, probare 
poterunt. 

3^ NuUtts extraneus testis erit super burgensem, $ed tan- 
tum burgensis super burgensem. 

4. Omne testimoniym duobus ydoneis testibus est producen^ 
dum et hoc de yisy et audity. 

Si qua di$ceptatio yel questio inter burgenses orta fuerit, 
de consyetudinario et legitimo jure omnium mercatorum et 
maxime Colomensiym terminabitur jydicio. 

5. Burgensi licet yendere vel dare yxore sya uiuenle quid-^ 
quid possidet ; mortua autem yxpre, si filios yel fiUas habet, non 
licet nisi de consensyeorum, ita dico si peryenerunt ad annos 
discretionis. Si yero legitima causa pro eo interpellauerit et 
hoc cum propria manu probayerit, licet ei yendere. -Item si 
contrahit cum alia yxore, postea nullo modo licet. 

6. Si quis aliquem in propria area yi iovaserit, quidquid 
ei maU fecerit, inpunilym erit. 

7. Extraneus cum burgensi duellum non habebit, nisi ad 
yoluntatem burgensis. 

8. Si quis irato animo infra yrbem die aliquem yulnerauerit, 
et si idem (actor) duobus idoneis testibus (de yulneratione) con- 
uictus fuerit (V. Ib. emendabit leso, et omne damnum quod 
causa yulnerationis inciderit, ipsi leso refundet^ insuper domino 



— Mi — 

meo V. ib* cmendabit*). Si verö Totneratus BiM)rieUir, idei» 
malefator decoUabitar« Si atitem nocte coBÜgerit, vel in taberoa 
MM die sioe nocte, daello conyincatnr, ea de causa, qoia taber- 
i^m noeii Msimäamus propter ebrietalem. Si auiem predictomm 
tefitiTm testimomara accusatus non acceptaverit, cum conqoerenie 
yei cum altero tesÜTm duellam ei inire licebit Si homicida 
anffngerit, domos eins fonditns destructnr, et per annum in* 
legram inedifieata manebii; post revolutionem anni berede» eins« 
si volnerint destructam domym reedificabimt, et Ubere fom^ 
debunt ; impensis tarnen Domino prius LX sol : Pr»dictQ9 rerd 
rens, si posiea in vrbe capietur, statate pene snbiacebit. ^ 

9. Si quis eines conciuem sunm in ciuitate depilaverit vel 
perensserit Tel temere ad domum suam accessertt re\ rbican« 
que eym cepedt vel capi fecerit, gratiam domini sui amisil/ 
cetera judida sunt causidici. 

10* Si dao ciues se inyicem depilayerint, qui aactor est, 
si testibus jdoneis conyincitnr, emendabit, alter yero non. 

11. ^i yero burgensis extraneum pm*casserit, yel depila-* 
yerit, LX sol: emendabit. 

12. Si ai^m dao burgenses amici yrbem exigerint et inter 
se inyicem altercati fuerint, auctor pro satisfaetione cansi^co 
tr^ solidos dabit; si yero inimici yrbem exigerint et se inyicem 
dep^merint yel percusserint yel alter alteri ceciderit, si conyiaci 
potest y doneis testibos, eadem pena, ac si iaciukate eoniigissef , 
puniatur. 

13. Si yero dao burgenses amici ciuitatem exigerint et 
inter se akercayerint et sine concordia separati fuerint, si-po- 
stea, aotecpum in ciuitatem reuersi fuerint, alter in alteram 
maügne insidtum fecerit, eadem pena, ac si in cioitate contigerit, 
pnniatar. 

14. Omnis qui y^t ad bunc locym Hbere sedebit, nisi 
faerit seryus alicyins et confessns faerit dominum, dominus 
^utem relmquet eym aat dedooet eum, si yero seruus dominum 
negauerity dominus Septem proximioribus cognatis suis pro- 
bahit,^eym esse seruum snum coram domino et babebit eym. 

15. Orta seditione si quis armatus iUuc forte yenerit, penam 



^) Statt diieser Ergänzung setzt unsere Urkunde : manutruncaÜtur. 
I. 31 



\ 



Qon sul^it» si aaiem domum refi^t» et Anna aportouerit et 
de hoe conuictus fuerit, gratiam domini sni anusit« 

16. Si ciais conciuem suum exlraoeo jydicio proseqaiter, 
ea que amittit apud extraneum jy(Ucein , iste ^ibi reddet et po- 
stea judici syo s^tisfaciet tribus solidis, et si feeerit evm capi, 
graüam dosuni syi amisit. 

17» Si extfaneus ciuem faganerit yel yiilnerauerit, si eiais 
jydici notificaiierit prius, et si postea extraneos in cioitatem 
uenerit^ burgensis, qoidqoid ei mali intulerit» nuUam apad ju* 
dicem penam sustinebi(. 

18. Si bargensis extraneym pro debito ad jadicem traxmt, 
jydex eum sex septimanis seruabit, si debitum non negauerit, 
post quos dies judex creditori debitorem daüs äbi tiibas sotidis 
reddet aceepta competenti cantione, qaod nibil mali ei loferat. 

19. Si quis res alterius in yadio exponat, presente posse»-» 
sore nee contradicente, postea contradicere non poterit. 

20. Nemo rem sibi quoquo modo sublatam yendicare potest, 
nisi juramento probauerit, sibi fnrto yel preda fiiisse ablatam. 

21. Si autem is in cuius potestate inyenitur, dixerit se m 
publico foro pro non fnrato nee predato ab ignoto sibi emisse, 
csius etiam domum ignoret et hoc jyramento confirmauerit 

" nullam penam subibit ; si yero a sibi noto se emisse confessus 
{uerit» XIV diebus ei querere per commitiam nostram licebit, 
quem si non inyen^t et uarandiam habere non poterit, penam 
latrocinii sustinebit. 

22. Qyicynque siue judex siye ciuis alius quempiam sine 
sententia in ciuitate capere presumpserit, nisi aut fyrtum aut 
ialsam monetam apud eum inyenerit, gratiam domini amisit. 

23. Burgensis habens proprium dominum, cuius fatelur esse, 
proprius, eum moritur, yxor eins predicto domino nihii dabit 

24. Si quis (burgensis) gratiam domini amiserit, sex septima- 
nis in corpore et rebus suis infra yillam et extra habebit pacem 
et de rebus suis quidquid • yoluerit disponet, preter. domym, 
quam non licet ei yendere yel obligare, si yeco infra iam dictum 
terminum gratiam domini sui non meruerit, per domum pro« 
priam et per bec tantym , que habet infra ciuitatem eym cogerc 
poterit, si yero dominus yltra montana ierit, ysque ad reditym 
eins pacem habebit. 



— na — 

25v BopgeMift aoa toieirtiir ire evm domfaM) m expedMMe, 
nisi iter uoius düei, ita tarnen qaod luius qvisqae seque&ti nocte 
pottsk ad propria remeare. 

26. Si qais autem aller alteryin in eadem eipeditione qao« 
quo medo leserk, tanqoam in ckiiiate factum (»uiialiff. 

27. Cym vero predicta expeditio communiter precipiiar^ 
qnicnnqne ctmom andierit et non exigerit, nisi iegitknam emisam 
pretenderit, donras das funditus destmctnr. 

28w Qoieanqae burgensis faerit si recedere ycdoerit rarrm 
et corporis usque in mediym Reni et per totnm sye juris sola* 
tibnis ambitym securum debet habere ducalym, ipso domino 
eoncedente. 

29. NoUas domioos per se debet eligere sacerdotem nisi 
qui commani omniym ciyium assensy eleclos faerit, et ipsi pre^ 
sentatus. 

30. Plebanus aotem sacristam babere non debet» nisi de 
commani ciufam yolyntale. 

31. Seyitetym et h'ctorem, quem burgenses annuatim ele- 
' gerint, comes ratym habere debet et confirmare. 

32. Thelonisarius -onmes pontes ad yalhim ciuitatis pertinen- 
tes parare tenetur, et quidquid pecoris in eis amissym fuerit, 
q»s& persolyat. 

^. Hec autem sunt jura theloniarii : de equo IV den., de 
myk> Vm den., de asino XVI den., de boye I den., de cvte 
bouis obulum, de porco obulum, de berna obulam, de Uli 
ouibus den., de totidem capris den., de soyma yini, que hie 
emitur, obulum, de soyma salis obulum de soyma frumenti 
den«, de yno centenere ariyine IV den.; de centenario sej^ 
IV den.; de centenario plumbi puri den., de centenario plvmbi 
non puri obulum. Qyi yendit stagnym de XX solidis dat IV 
den., de pipei« et eymino et thyre et layrds et aUis speciebus 
similiter, de cera simiiiler, de oleo similiter, de yestibus siii^ 
Uter, de pellibus oyium, caprarum et hjrcorum similiter, de 
tole quod addocitur similiter, de calibe similiter, de Rachisen 
sÜDititer; de Scob ferri den., numerus de allec den., pön« 
dus lane den*, de IV jequis extra ciuitätem exeyntäus den., 
de pane qui yeadendus educitur in sportis den., in sa^cis autem 
eductus obulum. Alienus de yase yini quod inducitur, si simul 



M)^rW- ^^^ 



vescUt^ IV den.» «i act Ud>eitiain de Vkftk IV d«ii* , de mcm ge- 
Dere mali eqou» den. , asinus yerd dabit obulmn ; de omai- g^ 
nere legTiuinis et nvcTin Mallar den., equns CTm rapnla den», 
ttÜBUS ohul. ; de plairfttro feni, strafiainis eireorum menioram 
den., plavstrum IV rotanim den., dve rote obolaHi, soyma 
mellis IV den. Melius thelonivm dabit qoilibet alieniis, ^^ a 
burgense rem in cjuitate posilam emerit, mediam tbelonü partem 
dabit, siye vendens et emens alieni sunt, ambo dabunt integmn 
ihüloniym. De (^ntenario cypri IV den. MonachusseT Cierins 
¥el ministeriaiis domini non dabit theloneT|n in faac Ckutate« 

34. Qui seruat publicam libram borgensi gratis concedat, 
si melius Tadivm ponat yidelicet III solidis yalens, qyod si ncr 
gayerit et confictos fuerit testibus , quattidia non satisfecit« nul- 
luni jus in ciuitate habebit. Si autero Actor probare non po*« 
tuerit, ille jvramento se expurget et inlerea qvilibet dddi el 
suscipiet.CTni lihra qua yolymt et nulli satirfaciet Ipse autem 

* illi €ui negayerat, plenarie restituet. Si quod exinde dsmusTiii 
reeepisse se probayerit» si autem concesserit et m^rcedem a 
burgense acceperit, gratiam dcmiini smiisit. 

Extraneus dabit x>bukun de omni centenario. Qiääet bur« 
gensis libram si yult baheat, cym qua conciyibus svis, et non 
extranets, ponderare debet; byrgensis autem, qui mercede» 
Ubre debitam domino abstukrit, gratiam eins amisit. Qyidquid 
emitur ab extraneo yel yenditur extraneo, cym pnbUca Ufan 
debet ponderari. 

35. Omnis maosyra Vini» frumenti et omne pondus ayri e4 
tfrgeuti in potestate con»ilym erit, et postquam eam equauerist, 
yni eorum, cui yisym fuerit, ciuitas committat, et qui minoreni^ 
Tel maiorem habyerit (mensuram), fortym parpetrayit , siyendil 
aut emit per ipsaii^ mensuram. 

36. Omnis burgensis eiusdem conditionis erit eym posses* 
sioiie omni sibi comparanda, nee de bonis suis dalnt iys ad- 
YOcatie. i 

87. Ante festum sancli Martini XIV noetes , et XIV post 
nuUus carnifex boyem aut porcym emere tenetur, nisiquem in 
macello secare yolverki ad yendendvm quod si transgreditar» 
jus dttitatis infregtt * 







98. i)fi ppopm» noa abligatviii Tdeas maremi in cliAate 
faabTerit, borgmisis est. 

3Q. QTicniiqiie (btirgends) carens berede iegitkno moritiir, 
omnia (bona) sva consnles diem et anDnm in sra tendmnt po^ 
testate. Si infra boc ^patinm heredvm syomm aiiqnis eom 
lestimonio venerit, omnia pleniter babebit. Si uuVxis beredym 
snomm yenerit, yna pars pro remedio aoinxe sye, diera domino, 
iertia dabkur ad myBitionem civitatis. 

40. Omnis periums VII ydoneis legitimis tesübos secundui 
qnod jys est, erit contincendvs de perinrio. 

41. Omnis myüer partficabitnr yiro et e conyerso, et yir 
mnlieris erit beres et e conyerso. 

42. Maritas yxore yiuente pro yolyntate sya de possessioae 
sta <Ksponit, si alter eomm moritnr, nisi famis neeessitas eym 
mrgere ceperit, et illam necessitatem jyramento probayerit, da 
Jn^rio et bereditate sya nihil faeere potest. Si aatem ali(l|iiis 
beredym necessaria sibi ministrare yolyerit» non babdi»tt dispo- 
nendi pote^atem. Si yero alter eomm sponsare yolyerit* 
aeyter de proprio et bereditate nibil £Mere potest. Qyotquot 
yxores cpiiiibet burgensis babyerit, liberi cuiaslibet boaa matrii 
possidebanL Si borgensem yel yxorem eins relictis prkis mori 
eoatig^t, postmodnm yno paeromm mortyo alter (in) bere« 
ditate snccedet, nisi prius di?ka fyerint bona» tuac pater aat 
maier bereditatem possidebit 

43. Filius sub patre yel syb matre degens, nibil de rebiu 
syis per lydym yel abquomodo alienarq poterit. Si antem fecerit 
patri reddendym est de jyre siye matri et si qnis mutnum sibi 
dederit, nynqnam sibi de jyre persolyet. 

44. Nallas infra XII annos constitntus testimonimn ferre, 
nee siIm nee alös prodesse poterit yel obesse; nee etiam potest 
infinngere jns civitatis. 

45. Si qds in extremis positus liberos syos alicui coann^ 
smty et ille m^cedis causa malefecerit eis, si testibus convin«^ 
efttar, corpus erit burgensiym, et bona sya domino sunt ad-» 
jrdicaada, et qui posi eym a patre proximus famt> cyram 
babebit eoramd^n pyerorum. Salmannas aatem yique ad XII 
anoos et ampUus donec ipsi aon poposcerint, eofl habd>it 
m cvra. 



^- 



lSoc)< 






— 14t — 

46. 8i qois bargräsis alienitiä vxor^ft conTkos provoea- 
Yerit, decem libris emendabit, si testibiis convmcetar. 

47. Item si aliipiis coram jvdicio testes aUqoos produxerit, 
de qmbns aliquis rel omnes raecti ftierint eedem tempore el 
loco, si copiam habet, loco iiiorum alios poteijt adyocare. 

48. NvOrm convitiTm emendatur, nisi per III solklos (lasi 
de quo dictum est). 

49. NuUvs in lecto egritudiois siee many heredym saorom 
aliciii patest aliquid conferre oisi V solides yel equiyalen^. 

50. Si quis morilur et alter yenit conquerens coram jyd|^ 
»aper heredes pro debilo, quid dieit debere ei, et iUi negant, 
aut ipse actor conyincat eos testibus, aut dimittat eos in paioe, 

51. Qyicunque res alterius interdieit in ciuitMe pro debito, 
probet debitum , et pro illo debito licebit ei ad XIV dies yen« 
dere presentibus duobus yrbanis. 

52. Qvieunque £acit bIü ynym gyette pro deUto , per üiud 
habet indycias debiti ad XIV dies , si actor aütem noa redpere 
yult iilud gyette, del»tym debet ei reddere ante illam noctem. 

53. Debet etiam tarn actori quam reo copia istiys instymentt 
fieri, si syper jure syo in judick) sibi petierit exhiberi. 

(tJt autem hec supra scripta jura firma, rata et illibäta ia 
perpetuum maneant et obswuentur, hanc paginam sigHlis yide^ 
lieet Friderici, Lupoldi et fratrum ipsorum et nostro duximus 
roboranda. Anno domino, miUesinio trecentesimo Villi. In- 



J (actione septima.) 



II. Bemerkungen zur Landesgeschichte. 



Alle drei hier milgetheiiten Rechtsurktinden fallen in den* 
Landesstrich, welcher yon den Höhen des Albis westlich an die 
Ufer der Reuss , yon den Grenzen des Kantons Zug nordwärts, 
gegen die ehmalige Grafschaft Baden sich herunterzieht. 

Gegenwärtig gehört der obere Theil am Albis und an der 
Reuss in den Kanton Zürich und bildet den Bezirk AffoUem. 



.# 



^ 817 — 

Der unt0re Ihdl ab 4er Reuss und vom bUsberg bis an den 
Fuss des Mutschdl^s gdiört in den Kaslon Aargan und i» 
den Bezffk BTemgarten. J^en beslimmten die Erei^^se zur 
refbrnurten, diesen zur katholischen Confession. 

Vor den Zeiten der helyetischen Umwälzung tragen die 
nnter der Landeshoheit Zürich odier unter den betreffenden 
eidg^iössischen Orten stehenden Theile die Namen Zürcfaeri-' 
sches Freiamt oder Knonaneramt, Keller- und Nieder- Amt, 
Stadt Bremgarten. Zur Zeit unserer Urkunden^ ehe Züricli 
und die andern Orte der Eidgenossen steh bei der Eroberung 
des Aargaus auch dieses Gebiets bemächtigten, galt hi^ hab^ 
burgiscfae und habsburgisch- österreichische Herrschaft. 

Vordem unter der alten Mark- und Gaurerfassung, bevor 
noch die erblich gewordenen Landgralschaften sich bildeten^ 
zerbröckelten und yerschoben, bevor das Haus Zäringai seine 
wohlthätige Macht ausübte, walteten Könige, Herzoge, Gau- 
grafen und zwar alamannischen Stammes. Wo die hier in der 
Nähe Termutheten Grenzlinien zwischen Alamannien und Bur- 
gundien -— zuerst Reiche der Eroberer, später Theile unter 
fränkischem Scepter, dann wieder geschieden, endlich deutsches 
Beieh — ferner zwischen Thur- und Aargau sich durchzogen, 
wie sie verändert worden, diese Fragen harren noch ihrer ge- 
nauem Lösung , welche unten einigerinassen versucht werden soll* 

Aus den keltischen und römischen Zeiten kamen keine lebens* 
frischen Gebilde zu uns herüber, was wir finden , sind im Schoos 
d^ Erde verborgene Alterthümer, Gräber, Sagen und wenige 
Erinnerungen in Ortsnamen. 

Eine pragmatische Geschidite dieser Landschaft würde grosses 
Interesse darbieten, hier mögen Andeutungen über die wich-* 
tigern Züge und Eanzelnbeit^n jener Hauptepochen, nämlich 
keltische und römische Zeit, Alamannien und Burgundien, zärin- 
gische Macht, habsburgisch^östreichische Herrschaft, Herrschaft 
Zürichs und der Orte, endlich gemeine Freiheit, genügen. 

Keltische und rümische Zeit. 

In die vorrömische, helvetische oder keltische od«r 
gallische Zeit hinaufreicht geringe Kunde. Doch will man 



1 



auch in dieser Gegend alte Gtiyber gafimdim haben *). Itlehr 
Meldai. Ueberreste aus der Römer zeit. Rönisdke Waffe und 
Caltur hatten sich auch dieses Landesstricltts bemächtigt, bis 
sie unter den wiederholten Völkerstürmen arlagen. An der 
Strasse von der Vindoni&sa der Beuss nach hinauf gegep Zug 
stöast man auf römische J^fiederlassungen« Nainentlich kämm 
in der Nähe von Lnnnem» Otlenbach und Masehwanden be-* 
deutende Ruinen, Mauern und Alterthümer» welche, auf einen 
festen Ort oder eine Stadt schliessen lassen, zu Tage* Die da 
aufgefundenen Ueberbleibsel eines Schweissbades, die goldene 
Hakkette, die Bilder, Sinnbilder und Inschriften der Venus, 
liuna, Ids, Epona und des Osiris, Helm und Waffen, die 
Schüsseln und Scherben mit Lsmbwerk und Figuren, aus weissem 
Thon gebrannte Tauben, Messer, Fingerring, Haften, Münzen^ 
CHasstücke und Aschenkrügo enthüllen Züge des öffentUchen, 
religiösen und häuslichen Lebens in seiner Blüthe und in seinem 
Luxus, welch®» wie bd allen solchen Ausgrabungen, um so 
mächtiger ansprechen, als die zwischen ihnen und der Gegen- 
wart Hegende Kluft einen grossen Thdl des Ganges der Mensch- 
heit in sich schliesst *% Lage, Antiquitäten und die weitgehende 
Voll£Ssage sprechen für eine römische Niederlassung bei Brem- 
gmrten an beiden Ufern der JEteuss, Namentlich auf dem linken, 
auf der obern Ebne. Erhebliches ist jedoch nicht aufgefunden 
ed^ nicht aufbewahrt worden. Man will in den Namen Lun- 
nem und Lunkhofen die Xuna, in denjenigen von Isenberg 
und Islisberg, wo Isistempel gewesen sein sol^, dia Isis, 
in dem Ton Bonstetten die Epona, in dem von Bremgarteo 
eine spätere römische Hauptwache, Primaguardia , in dem 
Wort Aeugst, wo nach der Sage auch eine Stadt gestanden 
haben soll, römische Herkunft erblicken. Attein, obgleich 
rtonsche Nachklänge hin und wieder »ch nicht verkennen 
lassen, so lässt sich in den Benennungen Bremgarten, LuiJl- 
hofen, Islis- und Isenberg, Bonstetten das deutsche Wcoi 



^) S. Mittheilangen der antiqnar. Gesellschaft in Zürich. I. Band, 
Erzähler aas der Bezirk Affoltern 4r Jahrg. 

♦♦) S. Breitingers Nachricht und Untersuchung 1741 und Hallei's 
Htlvetier unter den Römern. 



nkki bestreiten. Die reiche Römerwelt ging in diesen Gegen«» 
den anter solchen Stürmen zu Grunde, dass das neu sieh ge-^ 
italtende Ld>en aus ihr sich nicht fortentwickeln und wedei^ 
Wurzel noch N&me ziehen konnte. Wohl ragten einzelne Ge^ 
bilde noch herüber, aber es waren Ruinen; wohl mochten hin 
«nd wieder die frühem Einwohner ihr Dasein gefristet habf^Ut 
aber sie blieben Unterworfene, mundtodte Unfreie. Die Jahr^ 
hunderte andauernden Kämpfe zwischen den hereinbrechendea 
Völkern und den Heeren der Römer, dann zwischen den Erobern 
Seihst endeten auch hier nur auf dem grossen Grab römischer 
Cultur, unter dem Schutt und der Asche aller Niederlassungen« 
Die Schläge, welche nach und nach auf die mächtige nicht ferne 
gelegene Vindonissa fielen, bis sie endlich zusammenbrach, er- 
drückten auch die geringern Orte oben im Reussthale* Die 
Zerstörung derselben wird den A La mannen tugescbriebeiii 

Alainannen. ^ 

Diese Völkerschaft, vom Norden und Osten Deutschlands 
schon im vierten Jahrhundert gegen den Rhein und die Donau 
Ttmrückend, setzte anfangs des fünften über den Rhein und 
bemächtigte sich des östlichen Helvetiens bis an die Aare» den 
Jura und die Vogesen. Damals war unbestreitbar diese Gegend 
alamannisch. Der Volksstamm der Burgunder, der um iMese 
Zeit im Westen Helvetiens sidi festsetzte, mochte nicht bis da« 
bin vorgedrungen sein. Bei den Alamannen gieng der. Hass 
nidil nur gegen die sich mit abwechselndem, zuletzt sinkendem 
Glück wehrendeü römischen Truppen, sondern gegen deren 
ganzes Leben in einen Vefnichtungskampf über. Sie konntea 
sich mit den Besiegten und deren Sitten nicht verschmelzen. 

Je mehr die Kämpfe sich legten, aber auch währeihd. den-* 
selben schufen die Noth und der Genuss des Lebens neue 'Ord-* 
Bung und neue Cultur. Wie die Eroberer kriegerisch ver-» 
buiiden auftraten und es blieben, so kam ihnen bei der Ruhe 
der Waffen die Sorge für sichern Besitz und Schutz. Die 
Kampfgenossen wurden Landes - und Gau - Genossen« Wir 
kennen, wie sich, das alamannische Leben, Sprache, Sitte, 
Recht und Verfassung entwickelten. 

L 32 



— l50 — 

Wohl alle ursprünglichen Alamannen gehörtet! dein Stande 
der Freien an. Jeder Freie hatte Grundeigenthnm , die Sieger 
hatten sich in den Besitz des Landes getheilt. Unter den Freien 
erhoben sich der Adel, die Grafen, Herzoge und Könige und 
deren Geschlechter ; Ansehen und Stellung schaffen immer Unter- 
ordnungen. Ebenso erklommen die sogenannten Mittelfreien 
eine höhere Stufe als die Cremeinfreien,' ohne dem Adel, den 
ächten Dynastengeschlechtern, gleich zu rücken. Entsprechend 
diesen in der Natur der Verhältnisse gelegenen Unterordnungen 
unter den Freien, gestalteten sich bei den Unfreien, entweder 
römischen Ueberwundcnen und deren Kolonen oder Besiegten 
anderer Stämme, manigfache Zustände. Zwischen den Leib- 
eigenen, den Hörigen, den Halbfreien und Liten bis zu den 
Dienstleuten oder Ministerialen des Adels, welche oft höher im 
Ansehen steigen konnten als gewöhnliche Freie, trifft man tief 
im Leben sich äussernde Unterschiede. — Alle Freien traten 
zur Beilegung Ton Streitigkeiten, Erledigung von Rechts- und 
öffentlichen Geschäften in den Gaudingen oder Gangerichten 
zusammen, wo der Gaugraf als Richter sass, die Freien ur- 
theilten. Der Zehntgraf und die in diesen kleinern' Kreist 
(Zehnten, Huntari) gesessenen Freien hielten ihre Zehntgerichte. 
Alle diese Dinge wurden an Samstagen auf offenen Plätzen, 
Strassen oder unter Bäumen, Eichen, Buchen, Sarbachen etc^ 
abgehalten. So die Grundzüge der alamannischen Zustände *}^ 
Wi^ treffen sie in unserer Gegend. 

Wie anderwärts , so liessen sich die Sieger und deren Nach- 
kommen in unserer Gegend, bald mehr in den Gütern zerstreut» 
bald in ihren Höfen oder Dörfern ^nander näher gerückt, liie-^ 
der, noch urbaren alten Boden benutzend oder neu bauend^ 
die Heerden weidend, ausreutend^ einfriedend und eingartend, 
im Wald dem Gewild , an den Gewässern den Fischen nach- 
gehend. So entstanden die Ortschaften und erhielten ihre Be- 
nennung Ton solcher Lage oder Beschäftigung odar dem Namen 
des Besitzers. So erklären sich auf natürliche Weise die Namen 



) S. vorzüglich Bluntschli Zürch. Staats- u|id Rechtsgeschichtd 
imd dessen Geschichte der Republik Zürich u. a. m. 



— J5t ^ 

eiozdner Höfe» Weiler and Dörfer in den Bezeidumngen Höfen 
(Kon, Kofen), Wil, Heim, Steiten, Ingen, Garten, Dorf, oder 
Lunkhofen, Berkon, Zufikon, Staliikon, Tachelshofen, Uertzikon,^ 
Ringükon, Zwillikon, Oberwil, Rifferschwil, Wettscbwil, Ebert- 
schwil« Herfers'wil, Bonstetten, Mettmensteiten, Hedingen, Brem* 
garten, Birmenstorf, Urdorf; so die Bezeichnung von Gehöften 
in oder am Gehölz in den Namen Afibltern, Buchboltern , £sch, 
Loo, Seilenbären, yon Wohnungen und Land an Weihern» 
Seen, Bächen, Flüssen in den Namen Werd, Biet, Au, 
Schwand, oder Knonau, Masch wanden, Ottenbach, Jonen u. s. f. 
Weit hinauf lässt sich in Urkunden einzelnen Ortschaften nach* 
forschen. So treffen wir zwischen den Jahren 691 und 695 in 
der zwar bestrittenen Charta Wichards und Trudperts, von 
denen der eine die Kirche in Zürich, der andere das Kloster 
in Luzmm gegründet, die Gegend am Albis und zu Lunkhofen. 
Wichard, der das. tugurium in Luzern errichtet, hatte nämlich 
alle seine Besitzungen vom Berg, Albis genannt, von seinem 
Gut Lungunsch oder Lunkunfht und allen umliegenden Orten 
dersdben Stiftung übergeben. Im Jahr 831 wird bei Otten- 
bach, marcha Hotumbacharia, über Besitzungen in den Ort- 
schaften Fahrwangen und Schongau zwischen Gauzbert, Abi 
von St. Crallen, und Adalbert ein Precarium verhandelt. Im 
J» 664 gab Hiltibert dem Kloster St. Gallen , was er im Zürich«» 
gau, am Ort Huson, Hausen, nach Erbrecht besessen. Den 
Töchtern seiner Tochter Liutsinde und Engelsinde und deren 
ehiichen Nachkommen wurden dabei vom Kloster 33 Jucharten 
Jm Turbenthal gegen Zins überlassen. Im J. 876 übergab Adal« 
pernita dem in der Burg Zürich gelegenen Kloster ihr Hofgut 
in Piripoumesdorf, Birmenstorf, mit den Gebäuden und dem 
dazu Gehörigen unter Bedingungen zu Gunsten ihres Gatten 
Thiotsind und der Tochter Engeigard. Eidwart und sein Sohn 
Hiltibold vermachten ihre Besitzungen im Zürichgau, am Ort 
Eidwarteswilare, Ebertschwil, genannt, im J. 885 dem gleichen 
Kloster. Was Ruadker zu Woluoltesaffalterum, Affoltern, geerbt, 
vergabte er 896 ebenfalls St. Gallen. In der Zehntentheilung 
zwischen der Kirche St. Felix und Regula und der Kirche 
St. Peter in Zürich im J. 942 kömmt nebst andern in der Nähe 
gelegenen Besitzungen auch der Zehnten de carte senipratiis 



^ ist — 

in lo€0 Oiist^ , Aetigst , vor *). Nach den Acta fui^aliows 
Moreosis monasterii hatte dieses Kloster um das Jahr 1064, 
da dasselbe unter Graf Wernher von Habsburg als Kastvogt 
und Burkard als Vorsteher durch den Bisehof Rumold gewid* 
met wurde , schon Besitzungen zu Rififerswil , Wettswil , Aeugst , 
Hausen , M aschwandep , Stallikoii. Die Güter zu RifiEerswil und 
Hausen waren unter jenem Burkard zugekauft worden. Die^ 
selben Acta fithren, nachdem sie König Heinrichs Bestätigungs* 
und Schutzbrief vom J. lll^ raitgetheilt und den innem Reich-^ 
thum beschrieben, in dem Verzeichnisse der von der Grl^n 
Ita, Gemahlin Radebots, vergabten Güter auqfa die zu Otten«^ 
bach, Nider-Lunkhofen bis zur Reuss auf. Dann finden sich 
noch als später an das Kloster Mari gekommene Besitzungen 
genannt, zu Hausen ein Tagwerk; zu Oberwil der sechste 
Theil an der Kirche, wie ihn Adelbold von Nui^eim ge-* 
geben; in Liele so viel in Aeckern,^ Wiesen und Wäld^ti, 
als zu einem Pflug gehört, wie es Eberhard und Walther zu«^ 
gebracht, daselbst drei Tagwerke und zwei Zinser; in Berkoa^ 
em und ein halbes Tagwerk, ein Gut haben die Rudolfe, der 
Grafen von Lenzburg ACnistri, entrissen ; in Zufikon ein Tage- 
werk und drei Zinser; zu Bibilos und Bremgarten, was zum 
Eggeiiwiler Hof gehört, welchen Graf Adelbert von Habsburg 
dem Kloster geschenkt; zu Stallikon Zehntantheile und zwei 
Tagwerke; in Bonstetten drei, in Lunnern, Lundinaurum^ vier, 
in Tacheltshofen sieben, in RifiTerswil zwei Tagwerke und ein 
halbes Mannwerk u. s. f.**). Auf die beachtooswerthe Urkunde 
vom J. 1153, die einen publicum mallum nach Bercheim oder 
nach Berkon setzt, die Brüder Lütolf, Rudolf und Gerung ihr 
Gut zu Walaseldon der St. Martinscapelle auf dem Zürcher« 
berg schenken und die Uebergabe dieses Alods auf der Cre^ 
rkhtsstätte von Grafen und Edlen bezeugen lässt , kommen wir 
später zurück. Wo man endlich im 11. und 12. Jahrhundert 
auf Kirchen stössrt, sind schon viel irühere Ansiedlungep voraus« 



'^) S. Trudp. Neugarts codex diplom. und Mar(|. Herrgotts Genealog. 
Habsburg. 

•**) S. Acta fund. Mon. Mur. im Archiv Muri, deren Herausgaben 
Tow J. 1618 und 1750 bei Fr id. Kopps Yindiei« act. Mur. 



inselzflD« So stand die Kirche zu Knonan nach dcta Schatz^ 
brief Königs Heinrich schon 1045 unter dem Kloster Skennines« 
Die Kirche za Stallü^on schreibt 1173 Pabst Calixt dem Kloster 
St. Masien zn, dagegen aber fähren die Bullen des Klosters 
Muri Ton den Jahren 1179 und 1189 den vierten Theil des 
Zehntens als diesem Kloster zustehend auf. Durch die glichen 
päbstlichen Erlasse wird der zwölfte Theil des Zehntens der 
Kirche zu Rifferswil dem Kloster Muri zugesichert. Das Diplom 
König Friedrichs des II. für das Kloster Engelberg Tom Jahr 
1213 kennt Kirchen zu Affoltem und zu Niederwil *). Wir 
wollen späterer Urkunden über Kirchen und Besitzungen dieser 
Gegend nicht gedenken. 

Wir sind an der Hand der angeführten Urkunden ron der 
j2eit, wo die Ortschaften sich gebildet, schon in die herabgerückt^ 
wo dieselben mit Kirchen y ersehen sind; wir sind schon da an-« 
gdangt» wo das Cbristenthum sich vollständig Bahn gebrochen » 
wo die Zustände des Volks als Lehenverfassung sich gestaltet 
habe». Wir müssen daher wieder zurückkehren zu der Zeit d^ 
^cb als Eroberer festsetzenden Alamannen und deren Geschicke. 

Fränkisches Reich. 

Gegen das Ende des 5. Jahrhunderts wurden die Alamannea 
von den Franken und deren König Chlodwig überwunden. Der 
Alamannen König fiel, und der nördliche Theil ihres Reiches 
Winnie mit dem Frankenreich vereinigt Der südliche Theil 
konnte sich durch den Schirm Theodorichs, Königs der Ost- 
gothen, noch halten, bis er im 6. Jahrhundert ebenfalls den 
Franken sich ergeben musste. Die königliche Würde war schon 
frühar verloren, der südliche Theil des Alamannenreichs ver« 
mochte jedoch sein Volksrecht und seine Herzoge beizubehalten. 
Auch über die Burgunder, welche zur Zeit des ersten Siemes 
der Franken über die Alamannen unter ihrem König Gondebald 
das verwüstete Land um Aventicum und an der Aare einge-? 
nommen hatten, errangen die Franken die Oberherrschaft. 



'^) 8. Neugart, Herrgott, Arehir Mm'i. 



— aw — 

Als das KöDtgsgesdblecht der Merowiager gesunken und das 
.der Karolinger seine Macht über das ganze Frankenreich fest^ 
austeilen und zu erweitern begann, erhoben sich die Herzoge 
der Alamannen, unterlagen aber nach wiederholtem Kampfe. 
Da, im 8. Jahrhundert, erlosch auch die herzogliche Würde, 
wie dieselbe in Burgund zu derselben Zeit eingieng. GraCea 
erhielten das Amt und königliche Kammerboten führten die Aut- 
$icht. Im 9. Jahrhundert erlag das grosse Geschlecht der Ka^ 
roUngen, durch Karl den Grossen auf seine Höhe gebracht, 
den! Schicksal, aber mit seinem Falle löste sich das Reich der 
Franken auf. 

Wie unsere Gegend ' zwischen dem Albis und der Reuss 
durch 4ie Alamannen den Rednern entrissen wurde und alaman- 
liiscbes Volksleben sich da entwickelte, so fässt sich ans vor« 
handenen Urkunden nachweisen, dass zur Zeit fränkischei' 
Oberherrschaft dieser Landesstrich zu Alamannien und nicht 
zu Burgund, dass sie zu dem alten alamannischen Thurgau oder 
dem späteru von dem Thurgau abgelösten Züricbgau und weder 
zu dem Aargau , noch zu Burgund gehörte. Der erob^nden 
Alamannen Reich mochte wohl die ganze deutsch redende 
Schweiz, somit auch den Aargau umfasst haben , so dass da 
überall alamanni$cher Stamm zu Grunde liegt« Gondebald, der 
mit seinen Burgundern bis zur Aar.e vorgedrungen, war schwer- 
lich über dieselbe im nördlichen Laufe hinaus und bis an die 
Rcuss vorgerückt. Merkwürdig ist, dass, wenn der Aargau 
während dieser Zdit in Urkunden vorkömmt, dabei nie derselbe 
nach Burgund gesetzt wird, während doch, wo der Thurgaa 
vorkömmt, mitunter auch Alamanniens gedacht wird. Die Gren- 
zen zwischen Alamannien und Burgundien bleiben um so un- 
gewisser, als der fränkischen Herrschaft an der Ausscheidung 
der Völkerstämme wenig, mehr aber an einheitlicher Kraft des 
Reiches gelegen sein musste, als sogar die Herzogswürden ab- 
geschafft und nur Gaugrafen unter königlichen Sendboten be^ 
lassen wurden. Die vorhandenen Urkunden verbreiten daher 
nur Licht über die Gau^rafschaften und über die Grenzen zwi- 
schen dem Thur- und Aargau. Wie Aegid Tschudi (Chronikon 
Seite 151) auch ehrlich gesteht, dass die Grenzen Burgunds je 
und je ungleich gewesen , so vermag auch Johannes Müller das 



— ^b — 

Bäthsel nicht za entwirren. Da jedenfalls unsere Laudesgegend,' 
östlich Ton der Reuss, alamannisch geblieben, so bleibt nur zu 
untersuchen, ob diesdbe zur Grafschaft Thurgau oder Aargaü 
gehört habe. Wilr lassen darüber die Urkunden sprechen. 

So wie andere in den jetzigen Kantonen Bern und Aargau 
gelegene Ortschaften durch mehrere Urkunden in den damaligen 
Aargau gesetzt werden, so finden wir auch die mehr gegen die 
Reuss hin, auf der westlichen Seite des Lindenbergs gelegenen 
Villen Fahrwangen und Schongau, Farnowanch und Scongaya^ 
laut der Urkunde zwischen Abt Gauzpert von St. Gallen und 
Adalbert vom J. 813 und unter dem Kaiser Ludwig, HIodo« 
wicus, in pago Argauginense, im Aargau, gelegen. Die da- 
herige Verhandlung geschah am Ort, genannt marcha Hotum- 
bacharia, der Clericus Otto schrieb das Document, aber kein 
Gaugraf war dabei. Ebenso setzt das Diplom Kaisers Lothar 
vom J. 840 das Kloster Luciaria , Luzern, und die Villa Emau^ 
Emmen, ob dem Flusse Rinsa, Reuss, in den Aregava, Aar- 
gau. — ^ Dagegen finden wir alle östlich von der Limmat und 
dem Zürichsee, dem östlichen Abhänge des Albis, auch die in 
Schwyz und Uri gelegenen Ortschaften im alamannischen Thur- 
gau. So werden in dem Schenkungsbrief Nandhers vom Jahr 
828 an St. Gallen seine Besitzungen, nämlich sein Gut jnit ge- 
schlossenem Hof, Häusern, Gebäulichkeiten, Viehbestand, Grund- 
stücken, Wiesen, Feldern, Wäldern, Weiden, Wegen, Ge- 
wässern und Wasserläufen, Beweglichem und Unbeweglichem, 
Gebautem und Ungebautem zu Wimaningun, WürenUngen, in 
pago Durgawe, Thurgau, und in Waninctale, ins Wehnthal, ge- 
setzt, und' des Kaisers Ludwig und des thurgauischen Grafen 
Gerolds erwähnt. Verhandelt wird in Sleiron, Schlieren, auf 
dem westlichen Limmatufer, in der Nähe unserer Gegend. Im 
Jahr 840 gab Kisa dem Kloster St. Gallen, was sie in Coze- 
sowa oder in Sneisanwang, Schueisingen , besessen; dabei wer- 
den Kaiser Ludwig und der Graf des Thurgaus, Kerold, ge- 
rufen. In dem Schenkungs- und Precariumsbrief Ratperts an 
St. Gallen vom J. 861 werden die Ortschaften Steinimur in der 
Herrschaft Regensperg und Theolyesthoruf, Dielsdorf am Le- 
gernberg, angeführt und liebst König Ludwig der thurgauische 
Gaugraf Kerold genennt. Landeloh vergab 870 dem Kloster 



$t. Gallen deine Basilica in Hoinga^ Höng, seind Erwerbangen 
in TdlinghoYon » Dällikon, und was er über dem Lindimacum, 
Limmat, im Zürichgan habe» mit Ausnahme der Erwerbung in 
WirchiUnozha, Würenlos; dagegen behält er das Gestiftete noch 
während seiner Lebensdauer ; ferner soll ihm als Benefidum das 
Gut in Wurmherresbach , Wurmsbach am Züriehsee, in Burga 
zwei Hüben» in Waganon, Wagen bei Rapperscfawil eine, in 
Enstelingön, Engstringen an der Limmat $ in AiFaltrahn eine 
und in Reganesdorf,' Kegenstorf, ^ine gegeben werden. Ver- 
handelt wird in Höng und zwar unter der Herrschaft Ludwige 
und unter Rudolf, Graf des Zürichgaus. Im Jahr 875 erscheint, 
oh Engilhart detn Kloster Rheinau, was er zu Hierolteswilarei 
Gerolds wil an der Limmat, besessen, gegeben, unter dem Kömg 
Ludwig der thurgauische Graf Adilbert. König Ludwig tind 
der Graf des Zürichgaus, Gerold, herrschen, als Hildipreolil 
im J. 850 an St. Gallen eine Hube in Rimoltes wilare , Reme6- 
schwil in der Pfarrei Rohrdorf, auf dem rechten Reussufer^ über«^ 
Hess. Dieselben sind genennt, als im gleichen Jahr Wolfdhruda 
ihre Besitzungen zu Adaloltiswilare, Adlischwil an der Sihl zwi^ 
sdien der östlichen Albisseite und dem See, vergabte. Im Jahr 
853 übergab König Ludwig dem zu Zürich gelegenen Kloster^ 
wo der St Felix und der Regula Körper ruhen, seinen Hof 
Zürch im Herzogthum Alamannien, im Thurgau, pago Dur-* 
gi^gensi, mit allem Umliegenden und Zugehörenden, näm** 
Uch den Gau Uronia, Uri, ferner seinen Forst mit Namen 
AI bis. Als im J. 854 Waltrat dem Kloster St. Gallen, was er 
in Vagines vilare, Fägschwil, besessen, gab, wurde in Wurms^ 
bach und Fussiachirichun , Fäusiskirch, am mittäglidien Ufer 
des obern Züricbsees, verhandelt. 

Nach diesen Documenten befanden äoh bis ans Ende dar 
fränkischen und karolingischen Herrschaft die Ortschaften auf 
dem rechten See -^ und Limmatufer im alamannischen Thur- oder 
Zürichgau und zwar von Würenlingen, Schneisingen, dem 
Wehnthal und Legerberg nach hinauf bis Höng, Engstringen ^ 
Zürich. Aber auch die am linken See^ und Limmatufer, am 
Albis gelegenen Besitzungen, so wie die am Rohrdorferberg 
auf dem rechten Reussufer , so ^^Schlieren , Adtikon , der 
Forst Albis, Remetschwil gehörten zum gleichen Gau. Die 



— J57 — 

Folgerung» dass unser Landesstrkh, der "vi^esüicfae Albisafcliang 
bis zur Reuss, zu demselben gehört habe, ist um so natür- 
licher, als wir den Aargau nur bis an den Lindenberg rorge- 
fückt in Urkunden getroffen. Allein diese Folgerung wird durch 
nachstebende drei Urkunden zur Gewissheit. Als im J. 864 
nämlich Hihibert seine Besitzung in der Ortschaft Hausen, 
Huson ^ dem Kloster St. Gallen übergab , wurde dieselbe in den 
Zürchgau gesetzt und neben König Ludwig Adalbert, Graf des 
Tfaurgau, als herrschend aufgeführt. Femer als Adalpernita 
876 dem Kloster zu Zürich ihr Gut in Birmenstorf , Piripoumes- 
dorf , überliess, wurden der regierende König Ludwig und Ro» 
dolf, Graf des Zürichgaus, yerurkundet. Ebenso als Eid wart 
und sein Sohn Iltibold im J. 885 ihre Besitzung zu Eidwartes- 
wilare, Ebertschwil, dem gleichen Kloster zustellten, so wurde 
dieser Ort als zum Zürichgau gehörend erklärt und unter Kaiser 
Karl Rudolf, Graf des Zurichgaus , so wie Centurio Zuppo ge- 
kannt *]. 

Diese urkundlichen Nachweisungen , dass die auf der west- 
lichen Albisseite stehenden Orte Hausen, Birmensdorf und Ebcrts- 
Wil, dass ferner der auf dem westlichen Limmatufer befindliche 
Ort Schlieren, dass endlich das auf dem Rohrdorferberg ge- 
legene Remetschwil in den Thurgau und nicht in den Aargau 
gehört haben, geben aber die fernere Gewissheit, dass die von 
Egid Tschudi (Ghronikon S. 14] angeführte Umschreibung der 
Grenzen jes alten Aargaus in spätere Zeiten fallen muss; dass 
ebenfalls die bekannte bei Neugart enthaltene ältere kirchliche 
Begrenzung, die übrigens auch mit Tschudi nicht ganz überein- 
stimmt, für diese Zeiten keinen Massstab giebt. Tschudi giebt 
die Grenze des Aargaus bei unserer Gegend an : » dannet hin 
der Limmagt nach für Baden uff" bis an das Gebirg so richtigs 
vor dem Kloster Wettingen über an die Knke Siten der Lim- 
magt stosset, und dannet denselben Hochinnen nach, so gegen 
der Linken Hand der Rüss sechent stät, uffwerz bis an das 
Ort, da sie an Wald stetter See stossend zwüschend (Jersow 
und Wätgis.^^ Ferner: »und ist difs der rechte alte Begriff 



'*) S. N^ugart und Herrgott. 

I. 33 



— 258 — 

des alten Ergöw^, wird jetz im obern teil umb BürgdorfT Biir- 
genden genant, in disem Ergöw ligt Underwalden, Lucern- 
Gebiet, Emmetal, Baden, Brenigarten, und Bern- Gebiet, was si 
für Münsingen binab an der linken Siten der Aaren habend/^ 
Unter den Höhen yersteht Tschad! die gegenüber Wetti^en 
aufsteigende Heiterbergbr-Höhe ob Bohrdorf, die Haasenberger-^ 
Höhe, welche sich als Mutscheller, 'Islisberg etc. hinauf zwischen 
dem Albis und der Reuss. durch das Knonaueramt gegen die 
Kantone Zug und Luzern neben der Reuss und dem Zuger- 
See zieht. Diese unsere Gegend durchschneidende Höhenmarche 
lag aber zur fränkischen Zeit bis an die Reuss ganz im Thur- 
gau. Jene kirchliche Grenze setzt gar Affoltern, Baar, Birmen- 
storf, Bpnstetten; Cham, Hedingen, Knonau, Lunkhofen etc. 
in das Archidiakonat Aargau und scheint die Sihl ennet dem 
Albis als Grenze anzunehmen, was zu jener Zeit durchaus nicht 
der Fall gewesen sein kann *). — Auf spätere Grenzyerschie- 
bungen kommen wir in der Folge. 

Wie aus den angeführten Urkunden ersichtlich, bildete sich 
erst mit der Mitte des 9. Jahrhunderts ein gesonderter Zürich* 
gau mit eigenen Grafen, während dessen Gebiet früher immer 
als Bestandtheil Yom Thurgau erscheint. Zuerst treten wir ihn 
als eigenen Gau in einer Urkunde vom Jahr 854, dann aber 
fortwährend. Diese Trennung des Thurgaus und die Erhebung 
des Zürichgaus wird mit der königlichen Stiftung der Frau- 
münsterabtei in Zürich in Verbindung gesetzt. Dass unsere 
Gegend nunmehr zum Zürich- und nicht mehr zum Thurgau 
gezählt wurde, braucht nicht mehr gesagt zu werden**). 

Wie übrigens die hier ausgezogenen Urkunden Licht über 
die Zutheilung unserer Gegend gewähren, so sind sie geeignet, 
noch andere interessante Aufschlüsse zu geben. So führen sie 
uns die fränkischen Könige und die unter ihnen stehenden Gau- 
grafen vorüber; bei der zuletzt angeführten Urkunde finden wir 
sqgar einen Centurio, als Beamteten eines engern Kreises, yer» 
muthlich gerade unserer ganzen Gegend^ Es treten uns aus 
ihnen Freie mit ihren schönen wohlklingenden Namen entgegen, 



*> S»Tschudi, Neugart, Segesser iin Geschichtsfreund und vergleiche. 
^'^) S. Neugart, Herrgott und Bluntschli's Rechtsgeschichte. 



* I 



— 259 — 

welche an Kirchen und Klöster vergaben, und dabei mitunter 
sich Präcarien oder Beneficien ausbedingen. Andere Freie er- 
scheinen dabei als Zeugen. In der Regel verfassen Clericer, 
Diaconen, Siibdiaconen die Urkunden und unterschreiben sie* 
Wir treffen unter den Forsten, Hüben, Höfen wohlgeordnete 
Landgüter und Villen. Auch die kirchlichen Zustände waren 
zur Zeit der Trennung des fränkischen Reiches auch in unserer 
Gegend geordnet. Schon zur Römerzeit hatte das Christenthum 
im Thurgau seine Bekenner. Damals wurden, uach der Sage in 
Zürich Felix und Regula enthauptet; an der Stelle, wo sie be- 
graben, wurde späer eine Kapelle gebaut, die zur Pfarrkirche 
und unter den Karolingern zum Chorherrnstift Grossmünster 
sieh erhob. Der Enkel Karls des Grossen, König Ludwig, der 
Deutsche, gründete 853 die mächtige Fraumünsterabtei zu Zürich, 
seine zwei Töchter Hildigard und Bertha waren die ersten Äb- 
tissinnen. Anfangs des 7. Jahrhunderts kachen Columban und 
Gallus als Verbreiter des Christenthums in diesen TJieil Ala- 
manniens, und bald stand, wo Gallus' seine Hütte aufgeschlagen, 
das Kloster St. GaHen. Wie Rupert die Kirche zu Zürich er- 
richtete, Hess Wichard das Kloster zu Luzern erbauen. Alle 
diese Kirchen und Klöster hatten in unscrm Landesstrich be- 
deutende Besitzungen. Damals schon treffen wir in der Nähe 
die Klöster zu OberboUingen und Lützelau. Auch die Basiliea 
in Höng hatte schon ihren langem Bestand, lieber die Kirchen 
in unserer Gegend selbst ßnden sich aus dieser Zeit keine Ur- 
kunden, es lässt sich aber schliessen, dass einige schon gewesen 
und zwar namentlich die, welche im 11. und 12. Jahrhundert 
den Klöstern incorporirt worden, lieber das Ansehen der 
Geistlichen bei den Alamannen giebt das für sie im alamanni- 
schen Gesetz bestimmte Wehrgeld Aufschluss. Für einen er- 
schlagenen Bischof musste so "viel wie für einen Herzogen, für 
einen Pfarrer 600 Schi., somit dreifach so viel als für einen 
MittelAreien ,« für einen Helfer und Mönchen 400 Schi, erlegt 
werden. Dieses Wehrgeld floss dem Bischof zu, in dessen 
Diöcese der Erschlagene gewesen, oder der Kirche, welcher 
er gedient. Unsere Gegend wie das ganze Thurgau gehörte in 
das Bisthum Windisch, später Konstanz. Der urkundenden Cle- 
ricer, Diacqnen und Subdiaconen haben wir schon oben gedacht. 



_ 360 - ' 

So viel über die Znstäiide unter den alamanniseben vaA 
fränkischen Reichen. Wir gelangen nunmehr auf diejenige 
nach der Auflösung des fränkischen Reichs bis auf die Var<- 
einigung Bnrgunds mit dem deutschen Reiche » dann auf die 
Zeiten des Hauses Zähringen bis auf die des Hauses Habslmrg. 

Deutsches Reich bis zum Auslöschen der Zähringer. 

Bei der Auflösung des fränkischen Reichs wurde Alamai3H 
nien ein Bestandtheil des nunmehr fest sich gründenden deut- 
schea Rdchs. Burgund dagegen , vom deutschen Reiche ge- 
trepnt, verschieden in der Folge der Zeit gespalten und be- 
herrscht , kam erst unter Kaiser Heinrich in. 1044 an das Reich* 

Nach den deutschen Königen Arnolf , dem unäcfaten Sprosse 
WS dem erloschenen Geschledite der Karolinger > und seinem 
Sohne Ludwig y wurde 912 Konrad , ein Franke , zum Könige 
gewählt ^ Unter ihm wurde in Alamannien das Herzogthum^ 
zwar nicht als JErbe, sondern als persönliche Würde im Reiche 
wieder hergestellt. Burkart, dessen Vater nebst der Grafschaft 
Rhätien die Grafschaft Thurgau besessen, hiess der erste Her-» 
zog. Wie er gegen Einfälle der Ungarn zu kämpfen hatte» 
Terwickelte er sich mit dem damaUgen Könige der Burgund^, 
Rudolf n. in Streit. Dieser zog über die Reuss und drang 
bis Winterthur, wo er aber im J. 919 vom Alamannenherzog 
zurückgeschlagen wurde. 

Mit dem Frieden im J. 922 gab Burkart dem Könige Rudolf 
die Hand seiner Tochter Bertha, gefeiert in der Sag« des Volks^ 
Der Kampf soll der Herrschaft über den Aargau gegolten haben« 
er endigte «in der Herrschaft des weiblichen Gemüths. 

In Burgund^ wo wir in den Kämpfen um Trennung vom 
fränkischen Scepter, um Bildung neuer Herrschaften und Kro- 
nen, namentlich das Glück 4es sich zuerst aufwerfenden Königs 
Boso und das Entstehen des arelatensischen Reichs erblicken, 
erhob sich später die Macht Rudolfs I.» der das neuere bur- 
(pndische Reich gründete. Als der deutsche König Arnolf das 
erstemal mit den Ajamannen gegen Burgund , wie gegen andere 
aufgeworfene Könige zog» so bot auch König Rudolf Friede 
und Verglich. Als nachher inst J. 894 König Rudolf mit dem 



— 261 — 

König Wide ia ItaHen gemeine Sache gegen den deutschen 
König Amolf machten, wendete sich dieser zunächst gegen 
Borgund» drang bis Genf und ins VVadtland Yor, yermochte 
aber i&k im Gebirg sich haltenden Rudolf nicht zu überwinden» 
wanmf dieser seine Krone beibehidt. Auf ihn folgte in der 
Königswürde Burgunds sein Sohn Rudolf IL, welcher, wie 
oben angefülurt, den Kampf mit Herzog Burkart von Alaman* 
nien führte und mit dem Frieden dessen Tochter Bertha em- 
pfieng. 

Hier ist nun der Ort, über die fernere Grenzfirage einen 
prüfenden Blick zu werf» und auf unsere Gegend zurückzu- 
kommen. Wir haben oben angedeutet, wie unter dem fränki* 
sehen Scepter nicht stpeug an die Grenze zwischen Alamannien 
und Burgund gedacht wurde. 

Bei der allmäligen Zertrümmerung des fränkischen Reichs 
mussten aber, da eine nationale Gestaltung der neuen Reiche 
sich geltend machte, die Grenzen der alten Völkerstämme wie- 
der herrorgefunden werden. Wie anderwärts, so war hier die 
Grenzlinie zwischen Alamannien und Burgund wohl eine ver- 
schobene und daher dem Kampf anheim gefallene. Zur Zeit 
Arnolfe, Königs der Deutschen, so wie seines Sohnes Ludw% 
finden wir sie überall im Aargau, wenigstens im obem Theile 
desselben, handehad und urkundend und als Herrscher an^ 
arkannt, weshalb damals Aargau nicht zum burgundischen Reich 
Rudolfs I. , sondern zum deutschen Reich gehört haben muss. 
Es wird für diese Ansicht auf folgende Urkunden verwiesen: 
Im Jahr 891 giebt König Amolf der Kirche zu Strassburg unter 
Bischof Baldramus eine Hube in der Grafschaft Eburhard^, im 
obem Aargau gelegen, im Ort Bach (bei Thun), das Signum 
und das Regentenjahr Arnolfs werden dabei angegeben. In der 
Urkunde vom J. 893 zu Gunsten der Äbtissin Chunigunda von 
Zürich funcüonirt Hiltibald, König Arnolfs Missus, de camem 
de palatio traitömissus , und es sind die Uebereinkünfte im 
Thargau und im Aargau, mit Ausnahme dessen, was als Pfand 
bestellt in marcha Abincbova (entweder Aeppia gen an der Aare 
bei Bern oder Ebikon bei Luzem ) , und neben dem Jahr der 
Regierung Arnolfs Adalgoz, der Graf des Zürichgaus er« 
wähnt. Im J. 894 bestätigt König Arnolf die von der Matrone 



— 262 — 

Pirin iem Kloster St. Gallen gemacbte Scbenkang an Be- 
^ Sitzungen im obern Aargau , in der Grafschaft Eberhards , in 
den Ortschaften Riete, Vtingun, Pigilaua (Biglen), Lihsacho 
(Leissigen), Albineswilare (Alberwyl), Perchtoltespuron (Büren), 
Eichi, woTon die zu Cornichiringun (Gommerkinder) und Rato- 
lingen (Ratolfingen) wegzunehmen seien. Dabei Signum und 
das Reichs jähr Arnolfs. In all diesen Urkunden wird König 
Rudolfs mit keiner Silbe erwähnt, auch der Aargau nirgends 
als zu Burgund gehörend bezeichnet. « ^ 

Wohl kann die von Job. Müller ausgesprochene Vermutbung, 
dass der Krieg zwischen Herzog Burkart von Alamannien und 
dem König Rudolf II. von Burgund um das Aargau geführt 
worden , zur festern Ansicht werden , wenn man die vom König 
Rudolf I. erfasste und auf den Sohn Rudolf 11. vererbte Rich- 
tung der Zeit, die Völkerschaften auszuscheiden, und die neuen 
JReiche auszudehnen und zu befestigen, erwägt, dann den unter- 
nehmenden, erobernden Sinn Rudolfs II. kennt, und noch ins 
Auge fasst , dass gerade damals beim Beginne des Streits , 
J. 919, im deutschen Reiche der Königswecbsel eintrat und dem 
König Conrad Heinrich der Finkler nachfolgte. Ob beim Frie- 
densabscbluss der Sieger bei Winterthur oder der Vater der 
burgundischen Königsbraut oder die gegen Herzog Burkart 
anrüdcende Macht Köm'gs Heinrich, der von dem alamannischen 
Herzog Anerkennung verlangte, das Schicksal Aargaus ent- 
schieden, ist nicht aufgezeichnet. Ferner, ob die im J. 929 
vom deutschen König Heinrich an Rudolf II. von Burgund be- 
willigte Abtretung eines Thefls des alamannischen. Helyetiens 
eine 'Genehmhaltung der frühern Uebereinkunft zwischen Her- 
zog Burkart und Rudolf oder wirklich eine neue Zugabe an 
den König von Burgund war, wogegen die von diesem ge- 
schenkte gefensterle Lanze, mit der angeblich Jesus Christus 
am Kreuz durchstochen worden, als Pfand gegeben, darüber 
haben wir keine hinlänglichen Nachweisungen. Das Diplom 
^önig Heinrichs vom J. 920, wonach er auf die Bitte der 
Grafen Burkart vom Zürichgau, Eberhard vom Aargau, Con- 
rad vom Linzgau, Heinrich von Hegau und ülo von Erichgau 
dem Bubo, Vasall Burkards, dessen Lehen zu Seckingen als 
eigen gab, beweist zwar gerade für unsere Ansicht, dass jeden- 



— 263 — 

faUs bis zum Frieden zwischen Herzog Burkart und König 
Rudolf im J. 922 Aargau zum deutschen Reiche gehört und 
dessen Graf Eberhard unter dem deutschen Könige^ gestanden, 
kann aber keinen ^ufschluss über die Wirkung 4es Friedens 
gewähren. Immerhin geht aus spätem Urkunden unzweifelhaCt 
hervor y dass das Land zwischen der Reuss'und der Aare dem 
deutschen Reich geblieben ist, dass jene Abtretungen an Bur- 
gund mehr im Westen gesucht werden müssen. 

Mochte unsere Gegend damals zum Aargau oder Zürichgau 
gehört haben, jedenfalls stand sie unter dem deutschen Rdch* 
Wir haben aber auch keine Gründe, dieselbe oder einen TheM 
dayon vom Zürichgau abgetrennt zu denken« Die schon an- 
geführte Urkunde vom J. 896 über die Stiftung Ruadkers an 
St. Gallen nennt den Ort Affoltern und ruft dem König Amotf 
und dem Zürcherischen Grafen Adelgoz. Auch wird wohl der 
Ort Hefolteswilare in der Urkunde vom J, 921 , nach der Amal- 
bert mit St. Gallen einen Tausch abschloss, und in welcher 
König Heinrich und Graf Burkart aufgeführt sind, hieher ge«- 
hören. 

Den Zürichgau finden wir auch in dieser Zeit wieder vom 
Thurgau abgesondert, und die Urkunde vom J. 898, welche 
das nahe Höng mit seiner Taufkirche anführt, setzt Adelgoz, 
Grafen des Zürichgaus, und Adalpert, den Grafen des Thur- 
gaus, neben einander. Auch dep Aargau finden wir in deir 
obern und untern getrennt. 

Wie König Conrad den Burkard mit der Würde eines ala- 
mannischen Herzogs als einem Reichsamt belehnte , so geschah 
dieses auch in der Folge , und wenn auch Rücksichten auf Ver- 
wandtschaften zu Vorgäqgern und auf Macht und Ansehen im 
Lande walteten , so behielten dennoch die Deutschen Könige 
freie Hand und zwar so, dass sie mitunter eigene Familien- 
glieder bedachten. 

Nachdem Herzog Conrad auf seinem Kriegszug nach Italien 
im J. 926 umgekommen, belehnte König Heinrich den fräiiki- 
sehen Grafen Hermann, der mit dem Herzogstitel auch die ver- 
wittwete Herzogin Regulinde erwarb. Seine Zeiten gehören 
zu den ruhigem. Nach seinem Absterben im J. 94-9 vergab 
König Otto, der Grosse, das Herzogthum seinem eigenen Sohne 



Iiaüolf , der die einzige Tochter Hennanas and Re^üHndds zctr 
Ehe nahtn. Als Lnitolf sieh gegen seinen Vater empörte und 
Alamannien entsagen musste, wählte Otta den Sohn Barkards I. 
ab Bnrkard II. im J. 954 zum Herzog. Dieser hatte die schwe- 
ren Kämpfe g^en die Ungarn mitzubestehen. Er war mit seinen 
Alamannen bei der Schlacht auf dem Lechfelde. Auch in Italien 
kämpfte er für seinen zum Kaisar gekrönten König. Otto war 
einigemale in Zürich. 

Es muss hier der Frauen aus dieser Zeit gedacht werden, 
deren Walten in den alamannischen und burgundtschen Gegen- 
den ein gesegnetes war. ReguHnde, die Tochter Eberhards, 
den wir als Graf des Zürichgaus in den Urkunden treffen, wurde 
die Wittwe der zwei ersten alamannischen Herzoge. Nachdem 
tte Äbtissin zu Zürich geworden, begab sie sich auf die Ufenau, 
gründete eine Kirche für die Bewohner beider Seeufer und 
starb auf dieser Ins^l. Ihre und Conrads Tochter Bertha trafen 
wir als Königin von Burgund. Es war dies, wie das Sprich- 
wort gebt, die Zeit, wo Bertha äpann und herumritt. Dieser Siegel 
ist die Königin auf dem Thron , die spinnt. Regulindes und Her- 
manns Tochter Ida trafen wir als Herzogin von Alamannien. 
Ihre Enkelin und Tochter Berthas , die schöne Adelheid, wurde 
in ihrer zweiten Ehe Gemahlin Ottos. Iii Urkunden beruft sich 
der kaiserliche Gemahl auf ihre Fürbitte. Hadwig, Herzogs 
Burkärd H. Gemahlin, lebte ab Wittwe auf ihrem Schlosse 
Hohentwil den Studien der Classiker. Sie galt lange viel im 
Volke und es war der höchste Schwur »beim Leben Hadwigs.^^ 

Wir kehren wieder zu den Männern zurück. Burkard U. 
starb 97S. Ihm folgte Herzog Otto, Sohn Lnitolfs, dem 982 
Conrad III. unter den Königen Otto H. und III. Der im Jahr 
997 zur herzoglichen Würde gelangte Hermann II. strebte auf 
Ottos III. Tod nach der königlichen Würde, musste aber Hein- 
rich n. weichen. Dieser König hielt zu Zürich wiederholt Keichs- 
tage. Auf Hermann III. -folgten Ernst I. und II. Der Letztere 
trachtete beim Auslöschen des von Rudolf I. gegründeten Königs- 
stamms nach der Krone Burgunds und warf sich darum in 
Kampf mit dem deutschen König Conrad II. Ein schweres 
Schicksal traf ihn. Beim Könige gefangen, wies er das An- 
sinnen, seinen Freund Werner, Grafen von Kyburg; zu retr- 



— 265 — 



UAgm^ vott sieb« Das zog ihm die Aekl und biM in einer 
«SoUacbt im Schwarzwald gegen seine Verfolger dei^ Tod 1030 
zu. Beide treuen Freunde kamen mit einander um Alles, um 
Macht und Leben, aber um ihre Tugend nicht Der König 
gab das Herzogthum Hermann , dem willigem Bruder Ernsta. 
Die eigne Mutter Ernsls, Gisela, vermochte nicht ,r bei König 
Heinrieh, ihrem, zweiten Gemahl, den Sohn zu retten. Da fiel 
Burgund an das deutsche Reich. 

L&Burgund haben wir oben den König Rudolf 11. verlassen, 
ab er mit seinem Schwiegervater Burkart I. 922 Frieden scbloss 
und als er nach des Letztem Tod 929 Theile des alamannischen 
Gebiets an Burgund erwarb. Welche und wie weit, lässt aieh 
nicht bestimmen. Seine in Italien errungene Macht konnte er 
nicht behaupten. Rudolf IL starb 937. Seinen noch nicht volK 
jährigen Sohn Conrad, den die Burgunder auf den Thron ge- 
setzt, nahm der deutsche König Otto unter seine Obhut Nodi 
in seiner Jugend schlug Conrad, sonst nicht kriegerisch, die 
Saracenen und Ungarn, welche bis in Bhätien, iim Jura und 
uni den Leman'schen See hausten. Nach Conrads Tod 903 
wählten die Burgunder dessen Sohn als Rudolf III, welcher 
den deutschen König Heinrich II. zu seinem Erben dnset^ 
und später das Land Burgund übergab. Vergebens erhoben 
sich gegen die Willkür die Grossen Burgunds. Bischof Werner 
von Strassbuig mit seinen Brüdern Graf Radebot von Haba^ 
bürg und Lanzelin, später Stifter und Erbauer des Klosters 
Bluri und der Habsburg, drangen bis Genf vor und schlugen 
die Burgunder. Der König liess hierauf Burgund verwalten. 
Als er aber unbeerbt vor Rudolf IIL von Burgund im J. 1024 
starb , entstand der oben erwähnte Kampf/Z wischen dem alamim* 
machen Herzog Ernst U. und dem deutschen Könige um Bur- 
gund. Jener hatte Erbrechte, dieser sprach als Ka&er an« 
Nach dem Untergang Ernsts, als 1032 Rudolf gestorben, liess 
sich Kaiser Conrad von den Burgundern wiederbok cum Könige 
wäUen^ befestigte aber erst seine Herrschaft, als er den stand- 
haft gegen ihn kämpfenden Odo, Graf d^r Champagne 1037 
überwältigt hatte. Ein Jahr darauf Hess der Kaiser sdnen^Mm 
Heinrich zum Könige der Burgunder wählen. Dieser Heinrich, 
später Kaiser, empfieng die Königkronen der l^eutsch^, Bui^ 

I. U 



gBiider and Lombarden. Er hielt sidi tM in AlaiMnniM mf., 
mehraremal treffen wir ihn in Zürich. Das Herzogthom ver^ 
gab er aber erst im J. 1Q45 und zwar an Otto H, dann zwei 
JEfthre nachher an Otto in. Auf Kaiser Heinrich III. folgte 
der noch nnmändige Heinrich IV. Agnes, des Kaisers Wittwd 
imd Vormünderin des jnngen Königs , belehnte den Chrafen 
Rudolf von Rheinfelden mit der Herzogswürde und gab ihm 
ihre Tochter Mechtilde. 1057. 

Nnn treten wir in die Zeiten des grossen anch nnsre Cre- 
gend tief erschütternden Kampfes zwischen dem Kaiser nnd dem 
Pabst. Bekannt sind Gregors VIL Plan und Charakter. Be- 
kannt die wechselnden Geschicke Heinrichs IV. Rudolf rtm 
Rheinfelden, Herzog von Schwaben und Burgund, warf sich 
mit Berchtold yon Zäringen auf die päbstliche Partä und wurde 
Gegenkönig 1077. Vom Kaiser wurde Friedrich von Hohen- 
staufen , vom König Rudolf sein Sohn Berchtold mit dem Her^ 
2ogthum Alamannien belehnt. Da jener mehr in Sdiwaben, 
dieser im Thurgau, Zürichgau, Schwarzwald und Breisgau 
mächtig war, so fiel das Herzogthum in diese Theile auseinander. 
Doch war Rudolf auch in diesen Gegenden nicht ganz und nicht 
immer Meister. Wie St. Gallen, so blieben Zürich, wenigstens 
•ine Zmt lang, und die Grafen von Lenzbnrg dem Kaiser treu. 
Der alte Graf Arnold legte ja die päbstlichen Boten, als sie 
TOm Wahltag des Gegenkönigs Rudolf zurückkehrten, mit dem 
Gefolge von etwa 600 Mönchen auf seiner festen Burg gefangen. 
Er empfieng auch vom Kaiser die Landgrafschaft des Zürich- 
gaus. König Rudolf fiel im Kampf um seine Krone in der 
Schlacht an der Elster 1080. Nachdem Friedrich von Hohen- 
stanfen den Krieg um das Herzogthum Schwaben zuerst mit 
Berchtold yon Rheinfelden, dann mit dessen Erben Berchtold H. 
¥On Zäringen fortgesetzt, söhnte sich letzterer, des Kampfes müde, 
mit deih Kaiser Heinrich aus und übergab seine Ansprüche auf 
das Herzogthum. Dafür befateit er den Titel Herzog, die Macht 
iäM* den Thurgau und Zürichgau und die Reichsvogtet über 
Abtei, Chovherrenstift und Stadt Zürich. So entstand das Ton 
Alamannien gesonderte Herzogthum Zäringen 1097. 

Berchtold II. hatte aber n^st dem noch yon König Rudolf 
die Landgraftehaft in Burgund, als deren Grenzen yon Aar- 



— mn — 

« 

wa^en bis .Thmi , am ösdiohen Ufer der Aare bezeichnet wer«' 
ätn, geerbt Ihm fdgten 1111 Itercbtold III. mid 1130 Conrad 
ab Herzoge. Letzterer yom deutschen Könige Lothar gegen 
Rainald in Kaaapf gebracht und mit der Grafschaft OberburguBd 
bdehnt, gewann den Theil, der in der Schweiz gelegen, so wie 
noch Tfaeile im Elsass und Breisgau. Ab der Hoheiutaafe 
Conrad König wurde, stand Conrad von Zäringen auf der ihm 
feindlichen Partei, wurde vom Sohne Friedrich, der Zürich 
dniiahm und Tiele Bai|fen brach, gezüchtigt; empfieng jedoch 
bei seiner Unterwerfung yom Kaiser auch die bisherige Herr« 
Schaft Dem Herzog Conrad folgte 1153 Berthtokl IV. und 
dem Kaiser Conrad Friedrich der Rothbart. Beide regeilen 
ükve Anspräche auf Burgund durch einen Vertrag, wonach der 
Herzog die Statthalterschaft Burgnnds diesseits des Jura, die 
kaiserliche Regentschaft über Arles und die Vogtei über ^ten, 
Genf und Lausanne erhielt. Ihm folgte Berchtoid V. , der leiste 
des Geschlechts, wißlches 1218 endete. Dieses blühte gerade so 
lio^e, als es der Segen des Landes sein konnte, und erlosch, 
wie die Macht in eine für die aufkeijoienden Freiheiten er-* 
drückende hätte werden kdnnen. Nunmehr fiel die henog-' 
Mehe Gei^t an das Reich zurück. Friedrich H., damals 
Kaiser, vergab dieselbe nicht mehr, sondern behielt tie. 
Friedrich IL hob den Grafen Rudolf yon Habsborg ans der 
Taufe. Wir sind schon bei den Zeilen aiigelangt , wo das Hans 
Habsburg ans Licht der Geschichte tritt, seine Macht in dem 
Gewirr damaliger Zeitverhältnisse gründet, der höchsten Stufen 
dem Königsthrone, entgegen geht. Wir kehren, beyor wir die 
damit yerbundene Umgestaltung zu untersuchen und zu Ott« 
wickdn trachten, zu den speciellen Geschicken unsrer Gegend 
während den skizzirten Zeiträumen zurück. 

Seit 909 oder dem unter König Rudolf staUgtfnndenen Zu* 
wachs von Alamannien an Burgund bis zur Vereinigmig des 
lelclern mit dem deutschen Reich nehmen wir keine 'Veränd&-> 
rang der Grenzen wahr. Wo wir in Urkunden Ortschaften 
herwärts der nördlichen Aare treffen, handelii oder Herrschen 
deutsche Könige und ihre Grafen. So werden bei der Zehnten- 
scheidung zwischen der Peterskirebe und der zu St. Felix und 
Regula yom J. 941 neben andern zürcherischen Ortschaften 



/ 



Wqpdaogen, SchwameBdingeB, Lekobrnh^ AugBii^s, t mmh 
die im BäiuÜiale gelegeneD Ortschaften Bodwila (Boswfl) » Piniuee 
(Bonzen) genannt» und König Otto, d^ alamannische Herzog 
Hennann und der Graf des Zürichgaas» Lnüolf, angeführt 
Sdion früher 931 hatte der alamanniscbe Hca^og Bnrkarl die 
Besitzungen der Abtei, in Zürich zu Boswil und andern Orten 
bestätigt und den König Heinrich und den Grafen liuto dlirt« 
Im J. 952 bestätigt Otto I. auf die Bitte seincnr Gemahlin Adel- 
heid der Fraumünsterabtei in Zürich ihre Redite und Besitzungen 
in mehrem Orten, unter anderm den Hof in Boswil. Im Jahr 
98S stossen im auf ein Predium in Zurzacb, die Urkunde ruft 
d^n König Otto. Im 0iplom Ottos HL zu Crunsten Einsiedeb» 
rerfagt 992 er über Rechte zu Wohlhansen» in der Gra&chaft 
Walthers im Gau WUIisau, einem Theil des ältbm Aargmis. Die 
UiiLunde Bhchof Werners über die Stiftung des Klosters Mmri 
Tom J. 1027 setzt Muri in den Aargau» in die Grafsdiaft Rore» 
anerkenht^aber dabei die Herrschaft des Kaisers Conrad. Hier 
herrschten somit die burgundischen Könige nicht. — Aus un-* 
serer Gegend finden wir in den Urkunden (fieser Zeit Aeugst 
unt^ dem Liuto » Grafen des Zürichgaus. Die Acta fni^ationis 
Miorensis Monast. fähren unter den ersten Be^teungen des 
Klosters auch die zu Maschwanden und Staliikon etc. auf ^ Ob»* 
schon sie sich nicht direkt aussprechen» so ist aus denselben 
^1 entnehmen» dass nicht nur diese Ortschaften» sondern auch 
Muri zum deutschen Reich gehörte» indem die Könige Hein- 
rich und Conrad als Landesherrn erwähnt sind. Während keine 
Spur zu finden ist» dass das rechte Reussufer nidit mehr guil 
zum Zürichgau gehörte» so tritt das Land vom linken R^issafer 
an' bis zur Aare unter dem Namen Grafschaft Rore keryor» 
südwestlich dayon aber haben wir oben 992' die Grafsdiaft 
Willisau getroffen ; beide im Aargau» aber im deutsehen Reich *). 
Dieselben Grenzrerhältnisse blieben auch seit König Conrad 
Alamannien und Burgund seinem Sohne Heinrich» ferner uirter 
Hdnrich III.» so wie als Rudolf von Rbeinfelden- mit beiden 
Landen beldint wurde und sich als Gegenkönig aufwarf. Da 



'^) S. Neugart, Herrgott, Zapf mouumenta anecdota, Archiv und 
Acta von Muri. 



niteriieh Graf Ulrioh T0n Lenzbmg 1096 seme VeiliigHBg zu 
Ganslen des Klosters Beromüiister traf, * pflog er die daberige 
VerhaDdlung auf der öfifentlichea Gerichtsstätte zu Rore and 
«rkuodete mit dem Reichsjahr König Conrads» Keine Proyinz 
ist angegeben. -König Heinrich III. setzt durch seinen Be* 
slätigangsbrief obiger Verordnung Graf Uhichs im , J. 1045 
Beromünster in den Aargau, in die Grafschaft Amolfs und 
yerurkundet zu Solothum, nennt aber keine Provinz. Derselbe 
König führt in seinem Schutzbrief für das Kloster Schännis 
im die Kirche zu Knonau, so die yon JViederwU, Mellingen, 
Reitnau u. s. f. auf, verhandelt in Zürich, fügt aber wed^ 
Gau noch Gra&chafien an. Ebenso vdrd in den Urkunde» 
Königs Heinrich IH. für dasselbe Kloster vom J. 1050 Mel- 
sichouen oder Meltingen im Aargau , in der Grafschaft Arnolds 
Ton Lenzbiurg, erwtiint, ohne dass jedoch ein Herzog oder 
Rector genennt wird. In der Urkunde zwischen Kundelo und 
der Abtei in Zürich wird im Zürichgau nebst den Ortschaften 
Cham und Hottingen auch das in unserer Gegend gelegene Esch 
(Assche) gesetzt und des Vogts Adalrich, des Grafen des Züricb* 
gaus Eberhard und des Kaisers Conrad erwähnt Wir finden daher 
unsre Gegend wieder im Zürichgau und noch bei Alamannien. 
Aus den Zeiten der Kämpfe zwischen Kaiser Heinrich und 
dem Gegenfcönig Rudolf von Rheinielden, wo nicht nuc das 
Reich, sondern auch Alamannien und Burgund zerrissen wacen» 
treffen wir auf keine, die Grenzen bestimmenden Aktensiüolae. 
Sdiwaben war schon* durch den Hohenstaufen, dea Freund des 
Kaisers, von dem obern Xheile Alamanniens abgetrennt. Abw 
auch da, im Thur- und Zürichgau, herrschte Parteiung und 
Befehdung. Die Grafen von Kiburg, Toggenburg und Mont* ' 
fort stritten fär Rudolf, dagegen St. Gallen und die Grafen 
von Lenzburg für den Kaiser Heinrich. Der Graf von Lenz- 
burg wurde auch Landgraf des Züriclq^aus. Die Verwirrung 
nmsste auch nach dem Tode Königs Rudolf durch den voo 
dessen Sohn Berchtold und dann durch Berchtold H. von Zä*^ 
ringen fortgesetzten KaiApf foartdauem. Durch den Frieden 
des Zäringers mit dem Kaiser und dem Hohenstaufen gieng 
ab^ eine ganze Umgestaltung vor sich. Wo früher alamanni- 
sehe und bnrgundische Grenzen geYreaesk , über die Märchen des 



1 



— 870 — 

Sär^gaus, Aargaus, der burgondisdi^ Grafschaft huiiiier, 
rechte die zäringische Maefat Dem Herzoge wurde durch dM 
Frieden Tburgau und Zürichgau überlasseo, durch Erbe ge-» 
hörle ihm die Landschaft Burgund ennet der Aare. Später er-« 
rang diißses Geschlecht noch die Regentschaft über Hocbburgund 
bis an den Jura. Erst jetzt seit d^er Zeit, 1097, dann 1127, 
wird Aargau, sogar der Zürichgau zu Burgtind gezäbk. Johann 
MüH^ spricht, als er der zäringischen Landgrafschaft in Bur«- 
gund Grenzen am östlichen Ufer der Aare Ton Aarwangen bis 
Thun angiebt, mit » vielleicht ^^ die Vermuthung aus, dass auf 
dem Aarufer nur dies burgundisch war, unter den alten Königen, 
bis 929. Dieser Lichtstrahl aus dem Gewirre der Grenzangaben 
ist wohl ein glücklicher, denn wie nachgewiesen, finden wii* 
bis dahin, nämlich über 929 noch hinaus bis zur zäringischen 
Herrschaft, den östlichen Aargau nirgends zu Burgund gehörend, 
oder Yon burgundischen Königen beherrscht. Die spätenrKäm-* 
jfte der Zäringer mit dem zur Krone gelangten Hause ,Hohen^ 
staufen und die Friedensabsehlüsse übten kdnen Einfluss smi 
die Grenzverhältnisse (1145 u. 1152) an der Reuss und Aare aus. 
Wir lassen einige 'Urkunden sprechen. Kaiser Heinrichs 
Schirmbrief für das Kloster Muri vom J. lli^ setzt dieses- 
am östlichen Fusse des Lindenbergs gelegene Kloster in die 
Grafschaft Rore, den Aargau und in die Provinz Burgund; 
unter den Zeugen bemerkt man Bercl^old, Herzog von Zarin-' 
gen und Grafen von Lenzburg und Habsburg. Das Diplom 
Heinrichs Y. für das Kloster Engelberg vom J. 1125-. setzt dieses 
in den Zürichgau und zwar ^eciell in die Grafschaft Zürich, 
aber auch in die Provinz Burgund ; ebenso theill der von Fried*, 
rieh n. 1213 ausgestellte Bestätigungsbrief Engelberg der Pro- 
vinz Burgund zu. Damit steht im Zusammenhang, dass im 
Diplom Königs Conrad für St. Blasien 11% Conrad von Zarin* 
gen Herzog von Burgund genannt wilrd, dass in einer Uriiundte 
vom J. 1187 Berchtold von Zäringen Herzog, Rector touBur* 
gund und. Kastvogt von Zürich faeissL Die unter der festen 
Hand und der klugen, milden und wohlthätigen Herrschaft dea 
Hauses Zäringen sich befindenden Gegenden fielen allmälig unter 
die gemeinsame Bezeichnung Burgund, so wie die Xitel Herzog,. 
Rec(8r und Vogt, obscbon verschiedener Natur, doch unter 



ifm JNamai Horzog von Zärkigen oder Herzog von Burgund 
zosanHuei^efasst worden. Hier mag auch die Vergleichsnrkände, 
die Gr^izstreitigkeUen zwischen Uri und Glarus betreffend , toib 
3. 1196 angeführt werden, welche Otto, Comes PalaUni Bar-* 
gundi« und Advocatus glaronensis besiegelt. Kein Widerspmdi 
lässt sidi etwa aus der Urkunde Conrads HL von 1144 über 
den ^renzstreit zwischen den Schwizern und Einsiedehi sehö- 
j^ien , wenn iUber diese Gebend die jurisdictio Alemannornm ge- 
setzt wird. Denn wie diese Gegend, zum Zürichgau, fräh^ 
Tlnirgtu gehörend, von dem alamannischen Volksstamm besetzt 
wurde, so galt von jeher hier alamannisches Recht, wenn sie 
gleich unter den Zäringern in die Provinz Burgund gerechnet 
wurde. Dass Cirafen von Lenzburg oder deren' Badener Linie 
von den Herzogen mit der Grafschaft und Vogtei zu Zäricfa 
belehnt werden, ergiebt sich aus Urkunden vom J. 1145, 1149, 
1153, 1155 und 1172'). Bei der Aussöhnung Berchtolds H. 
mit KaisCT Heinrich IV. konnten wohl die Leistungen und Opfer 
der kaiserlich gesinnten und mächtigen Grafen von Lenzburg 
nicht übergangen und der Friede und eine feste Stellung ein- 
langende Zäringer zur Berücksichtigung der Grafen verhalten 
werden. Vielleicht mögen die Frieden, welche in der Mitte 
des 12. Jahrhunderts die Herzoge von Zäringen mit den Königen 
abgegangen, Bedingungen für die immer den Hohenstaufen 
getreuen Grafen enthalten haben. Dieses Geschlecht starb vor 
dem Ende des 12. Jahrhunderts aus. Wenn wir sonach die 
Provinz Bnrgundien über den Aargau hinaus sogar in den 
Zöriohgau vorgerückt erblicken, und dadurch Egid Tschudli 
Verwunderung über die Wetlingerurkunde vom J. 1265, wo^ 
n«ch GlattfeldeU ins Burgund gezählt wird , beseitigt wird , so . 
widerspricht es dem Ausspruche der Urkunden, wenn man vor 
der zäringischen Herrschaft die Grenze Burgunds so weit östBcfa 
oder audi nur bis an die Beuss ziehen wollte. Die grosse Ver- 
wirrnng ist dadurch verursacht worden, dass man die Zek«* 
id)scbnitte und deren Ereignisse übersprang und Urkunden vom 
12. und 13. Jahrhundert als Beweise für die frühern Jahrhun- 



*) S. Archiv Mari, Hergott, Neugart, die Grafen von LenaJburg 
im Geschichtsforscher IV. Band. 



— m — 

derCe geltend macheD woUte. Daraus, dass cMe ProYinz B«>- 
gund zur Zäringer Zeit diese Ansdeliniing gewann, moekle ab^ 
noch nicht za folgern sein, dass.auch der Aargau mit ihr sich 
erweiterte und erobernd in den Zürichgau hinübergriff. Nie 
sind nach Osten die Grenzen Aargai» zugleich auch, die Bnr-^ 
gunds gewesen. Als Burgund nur einen Theil des östlichen 
Aarofers in sich schloss, gieng der Aargau bis an die Rmns, 
und als Burgund seinen Namen bis in den Zürichgau hinem- 
trug, so folgte Aargau "^nicht nach, indem ja eben Engelbetg in 
Burgund und zwar im Zürichgau, in der Grafschaft Züridi, und 
nicht im Aargau zu lesen ist. Es ist daher zu zweifeln, ob in 
dieser Zeit, während den Grafen von Lenzburg und dar Graf- 
schaft Rore, der Aargau ans rechte Reussufer hinübergesetzt 
sei und das Amt Knonau umfasst habe*). Wir finden wenig- 
stens in Urkunden keine Spur davon und wir treffen auf keine 
Nachweise, dass Egid Xschudis Grenzbeschreibung und die 
Decanatseintheilung in dieser Zeit ihre Geltung fanden. Uebri- 
gens stand die bis an die Reuss greo^ende Grafschaft Rore 
unter den Grafen von Lenzburg, so wiß die Grrafschaft Zürich 
ennet der Reuss unter denselben stand. Ist darin etwa die Ver- 
wechslung zu finden? Auf eine Veränderung von Grafschafts- 
grenzen unter habsburgisch-östreichischer Herrschaft kommen 
wir allerdings, wenn diese letzte Zeit besprochen wird, und 
die von uns mitgelheilte Recbtung des freien Amts ihre An- 
wendung gewinnt. 

Nachdem wir die ^reignisse des Zeitt^umes Tom Untei^ange 
des fränkischen Reichs an, während dem deutschen Reiche bis 
zum Erlöschen der Zäringer, — Ende des neunten bis Anfang 
. des dreizehnten Jahrhunderts — angedeutet und die aUmäUge 
Lösung der Fragen über Grenz- und GebielSTerhältnisse ver- 
sucht hab^, sind Blicke auf die seitdem vor sidi gegangene 
Entwicklung in unsrer Gegend am Albis und der Reuss, auf 
die Zustände des Volks und des Landes, auf Rechte, Sitlefi, 
Orte, Stiftungen, Geschlechter zu werfen. 



^0 Wie von MüUinen im Geschichtsforscher Bd. IV. annimmt». 

(Fortsetzung folgt.) ' 



Beschreibung 



einer 



Handschrift Christof Silbereisen's, 

Abu TOD Ifetfinffeif, 



von 



A. E. Fröhlich. 



Des Abts von Wettingen , Christof Silbereisen's *) 

Bf iscellanea , 

ein Folioband ManvscHplef 240 Blätter. 

1. Bl. Im Namen der liochloblicben Dreiyahigkeit Amen. 
1569. C. S. (Des Abis, Christof Silbereisen's Handzeichen.) 

Bl. 1. b, Spruch Aniani. 

Gelltt (Geld) kan thim. 

Gelitt kau lafTen. 

Geiltt kan hiafargan. 

So Ariaat nmCs da hinden ftan. 

Bl. 3. a, Vo8 ego mine moneo. foAix tpiicftq dolore 
Alteria« discea pofle earere tno 
£t tacitns pasci fi poHet cottus, liaberet 
Plus dapis, et rixa multo minus« inyidiaeq. 

Der Kapp, der hat soUiche Wyfs. 
Wen Im Gott halt bescheret sin Spyfs. 
Das er felbs nit gefchwygen kan. 
Und heptt fo faft zu gnagken an. 
Das andre thyer zu ym komen. 
Damit fchaifet er Ime keinen fromeu. 
Vil Zanks und nits und wenig fpifs 
Bringt er darvonn mit föUicher wis. 



^) Er war Abt von 156S bis 159.5, und hinterliess in drei Folianten 
seine von unsern Gcschichtschreibern fleissig benützte und von 
Haller in seiner Bibliothek zwar zu kurz beschriebene aber doch 
sehr beachtenswert genannte Sdiweizerchronik. 

I. 35 



V V 



Alfo gats manehein aacb. dem Qott 
£inn frölichs glückh bescheret hatt. 
Das Im das mul nff gadt zu wydt 
Defs über kuinpt er Hafs un nydt 
Das man Inn bringet nmb das Glück 
Durch Lift unn andre böfsen Stück. 

Kurze anzeigung des ver.gaagnen kriegs Uneinigkeit und 
Schlachten der Eidtgeno£fen. Anno (15)31. 

Bl. 2. h. (Hier fängt nun eine Reimchronik des zweiten 
Kappelerkriegs*) an, sie füllt 14 Blätter, bat keinen poetischen 
Werth, zeichnet sich aber durch einen für jene Zeiten an- 
erkennenswerthen milderen Sinn aus, sie ist, wahrscheinlich 
durch Abt Silber eisen's, des Schreibers, eigene Hand — auch 
mit illuminierten Federzeichnungen verziert.) *) 

Diese gereimte Geschichte fängt an: 

Wie wol ich nit kab der Zit zu vil. 
Jedoch Ich kurz erzellen will. 
Zwytracht und wider wertige thadt. 
So fich jetz kurtz verloffen hadt. 
Inn dem ein uud drifigiften Jar. 
Menats Octobris ungefar. 
Zwüfchen der Kidsgnofchaft fün£f Orten. 
Hernach benempten mit Wortten. 
Lucern. üri. Schwytz. thnn Ich kundt. 
Underwalden Zug ann einem Pundt 
Auch Zürich, und Bern, der ander Part. 
Sampt Irem anhang zu differ fart. 

Bl. 14. a. heisst der Schluss: 

AM Ghriften lond unnfs denn Allmächtigen bitten. 
Darmit föllicher Unrath hiefiir werd vermitten. 
Wer das begert zu der frift. 
Spreche Amen inn dem herren Jefu Chrift. 
Suma ann allen fprüchen .5016. 



'*) sie ist in Hallers Bibliothek nicht verzeichnet. 
''*^) Handschrift und Federzeichnung ist die nämliche wie in der 
Schweizerchronik 9 nur sind diese «Zeichnungen, zumal die im 
Nollhard, besser illuminiert, und zwar so, dass man schliessen 
muss, die ziemlich guten Federzeichnungen in der Schweizer- 
chronik seien bemalt von einer spätem Hand, denn si« sind 
ohne Farbensinn mehr angestrichen als illuminiert.. 



— 175 — 

Bl. 14. b. ^hitta Buch das hebet tum. 

ein anfenger*). 

Gott was je und ifs jmer. 

Und fin WeTsen zergoth niimer. 

Aller gewaldt ftot in finer Handt. 

Er hat befchaffen alle ding mit finer Handt. 

Das Gedicht beginnt mit der Erschaffung Adams und dem 
Sündenfall; dann wird Bl. 16, b, die Sage erzählt: wie der 
altersschwache 900 Jahr alte Adam seinen Sohn ins Paradies , 
geschickt, um eine Frucht zu seiner Genesung zu holen. Der 
Engel gab ihm- einen Zweig : der Vater werde von di^em 
Zweige gesund. Der Sohn verstand das nicht. Der Vater starb. 
Der Zweig wurde auf des Vaters Grab gesteckt und wuchs zu ' 
einem »langen und schönen Baum^^ Er wurde bei Salomonis 
Tempelbau auch umgehauen; allein die Bauleute konnten mit 
demselben zu keinem Ende kommen. Endlich wurde aus dem 
Baum ein Steg gemacht. 

Zu Salomons Zeit lebte auch Sibilla, eine Sternseheriu; sie 
war reich und scböQ, hatte aber einen Gänsefuss. Salomon, 
um sie in seinen Spdsesaal zu führen, wollte sie über jenen 
Steg bringen, sie aber, das heilige Holz erkennend, watete 
durch das Wasser, da ward ihr Fuss ein Meoficlieiifusfe. 

Sy fprach ef» folle noch off erden 

Vonn einer Maget gjeboren werden 

Der ann dem Holtz foUe lyden den todt ^ 

Und menfchlichem kinde helfen ufs noth. 

So prophezeit sie weiter, wie es in dem späteren Gedichte 
der Nolbard geschieht, z. B. Bl. 20.: 

Das H fol dir werden bekandt 
Er wird Heinrich genandt. 
Wenn er ift keyfer wordenn. 
So ertödt ynn Prediger Ordenii. 

Bl. 21* b, Sie fprach es kumpt darzn. 

Das gott einen keyfer er wellen foll. 

Denn het er behalten ynn finem gewalt wol. 

Und gitt Im krtfft manigfalten voll. 

'"*) Wahrscheinlich die Bemerkung eines früheren Abschreibers , der 
hier ^^ein anfenger^^ hingeschrieben hat, um in den leer gelas- 
senen Raum später noch die Initiale zu zeichnen. *' 



. «Fl - 

Er wirdt Fridevkh geoandt 

Und wirdt ynn dem Lande erkandt 

Und famlet Volk ann fich vil mer 

Und wird ynn <jiottes ccr. 

Und gewünnen das heilig Grab üb^r ateer. 

Da ftot ein tärrer Baum der ift grofs 

Und fc^le da fton Lanblofs. 

BiTs der kcyfser finen Schutt gekenken kan. 

So wird denn der Baum grünen fchon. 

ü£f der ftett der felbig Plan. 

Darnach koment aber gutte Jar 

Das Tag ich dir fdr war. ^ 

So prophezeit sie weiter, wie der Antichrist komme nnd 
darnach die Welt vergehe. 

Und das wird «Jedermann fehen 
Und werden 15 Zeichen gefchehen 

Dan fo knmpt Chriftus in dlis Thal 
In einer Wolcken, mit krafft manigfalt« 

Hier wird nun kurz Christi Geschichte erzählt und wie jener 
Baum aus dem Paradies, der ein Steg geworden und dann ins 
Wasser gefallen war und dieses heilkräftig gemacht hatte >-*• 
endlich der Kreuzesbaum wurde. ^ * 

Das Gedicht endet Bl. 26. b. : 

Hir hat Sibilla Bach ein '^^ 
Gott der Herr unns fin Segen fend. 

Amen. 

Bl. 27. a u« b. Anfang der Eidnofshaft. Ein Yoraei^niss 
merkwürdiger Jahreszahlen yon 1315 his 1415. 

Bl. -28. fe. Von einem grufamen ungewitter^ Jo Jich inn 
der Grafffchaft Baden auch in dem Zürichbiet erkalten 
und zu tragen hat anno falutis 1568. 

Solche Beschreibungen von Ungewittem JPüllen die folgenden 
Blätter, auf deren 30. Bl. 6. selber die Grösse und Gestalt der 
Hagelkörner abgebildet ist. 

S. 40, Verzeichnung eines fchönen und grofsen Ochfen fo 

< unter Apt Chriftoff denn 9 tag fehriiarii anno domini 1571 

ito Gottshaus Wettingen gemetzg^ ift worden. Vmi ftat 



«^ 877 •- 

geftak uod cooterfac^ur bie genKrft mA vevKieknet 
und Tolgent alHiie difte Rimen todd dem ochfseo« 

Von Bl. 41. an folgen einige Zeitongs -Nachrichten. 

Polen un Mofcowyten krieg. 1580. 

Bl. 42. a. Tripolis in Africa verloren. 1551. 

Bl. 46. b. Künig in Portugal Nyderlag. 1557. 

Bl. 47. Ufs Jappon. 1586. eine Zjtang der Herren Jefoiter. 

Bl. 43 — 45. die Legende von dem Bruder, dem Christuj$ 
erscheint, dieser fragt ihn, was trägst du? der Bruder antwor- 
tet: sieben Säcke, in dem ersten trage ich willige Armut, im 
zweiten ein lauter Gebet mit einem andächtigen Herzen u. s. w. 
Ein ander Mal erscheint ihm Christus in Gestalt eines Feld- 
riechen, der weder Hand noch Fuss hat und den Bruder bittet» 
er möchte ihn mit ins Kloster zur Kirchweih nehmen, Der 
Bruder nimmt den Krankeo auf die Schulter, Die Mönche im 
Kloster sehqn ihn, wie er den Herrn selber tragt und ziehen 
ihm mit Heilthum entgegen; da verschwindet Christus und wäh- 
rend des Gottesdienstes stirbt der Bruder. 

Von dem 50. Blatt bis und mit dem 90. ist von Abt Silber- 
eisens Hand das Gedicht genannt Nolhart *]. S. 50. 6. : 

Difs Buch, dafs man den Nolhart nempt 
Zu troft der Chriftenheyt vollendt 
Darin man findt, gar klarlicb, und fchön 
Wafs groffenn truöbfal werd ennften. 

Nach einer allgemeinen Einleitung über kommendes Unglück 
beginnt der erste Abschnitt mit der Ueberschrift : 

Der Babß (ein Bild) fragt den Bruder (^n Bild). 



*) Gedruckt heisst es: Der Nollhart. Difs find die prophetica 
fancti methodii and NoUhardi, welche von wort «u wprt nach 
inhalt der materi und anzeigong der iiguren find gefpilt worden 
im XV vnd xvij Jor uff des herren faftnaclit Ton ettlichen er- 
(amen vnd gefcliickten Borgeren einer loblichea ftat Bafel. 

Pamphäu$ Gengenbgpfh, 

Gefpilt za Lob dem Römfchen reich 
Eyr Eidgenofchafft deffelben gleich 
Das £y Mt ba(« b#war«n (eidb. 
(HQkfiqhniUt) 



1 



— «8 — 

(Diese Bilder, mit Tinte gezeidinet dann mit Wass^farben 
iliuminiert) sind von einer- ziemlich festen und fertigen Hand 
gezeichnet, nicht ohne Ausdruck und in Betreff der Kleider- 
trachten bemerkenswerth ; die Bilder wiederholen sich, sobald 
eine andere Person zu reden beginnt; so stehen schon auf dem 
52. Blatt b, zwei Bilder bei den Ueberschriften der Bruder 
(Bildj^rfe/if zu dem Bahft (Bild), und dann nach 12 Zeilen 
der Babft (Bild) fragt ß Brigita (Bild). Der Bilder hat es 
67, allemal wenigstens zwei Figuren, aus dem 59. Blatt sind 
zwei Figuren und zwar, wie die Ueberschriften sagen, zweimal 
die des Waldbruders hinaus geschnitten.) 

Bli bA, a. S. Brigida JpHcht zum Bdbji : 

nämlich auf die Frage : wann denn Rom zum vierten Male soll 
zerstört werden ? 

Ich hab dir gefagt gar off^bar 

So mann zeit 1400 Jar 

90 und fechfi fo merk eben. 

So wird fich grofs Jamer und noth erheben. 

Bl. 55. Der heiig Yater wirdt vertryben 

t)ie Pryefterfchaft mag den nit bliben 

All ftäht und ftent (Stände) wird er reforuiieren. 

Bl. 59. 6. beginnt das Gespräch zwischen dem Einsiedler^ 
der Brigitta und dem Kaiser, nachdem es vorher zwischen dem 
Pabst und Einsiedler geführt ward. 

Bl. 62. a. redet offenbar Maximilian als Kaiser. 

Darnach gai* bald in kurzen Ziten 
Ward ich gefangen in Nyderland 
Die mir hannd zugefuget grofse fchand 
Defsglychen der künig ufs frankrych 
Hat allzit auch thunn wyder mich. 

Bl. 63. a. spricht Methodius zum Kaiser u. a. : 

Aller gwalt wird uf erden abgaa ' 

Allein das römisch Rieh wird beftan. 

Bl. 64. Der könig ufs frankrych fragt den Bruder. 
Der Einsiedler antwortet u. a. 

Bl. 66. 6. Darumb der kilchen miifsig gang. 

Und auch dem römifchem Rieb annhanng. 



Thnft da das nit ^v$b Ocherli^h. 
So wird dir genomen frankrych. 

BI. 67. a. Der Bischoff von Mentz fraget den Bruder. 
Auf dessen Prophezeiung von grossem über die Kirche am 
Rhein kommenden Unglück sagt der Bischof 

BI. 68. 6. Ift es nicht ein grofs Zeichen von Grott, 
Das Trier den Rockh Chrifti foUt han. 
Den doch die inutter Maria felber fpan. 
Unn allzyt mit Gott wuchs uff erden 
Der auch nyt getheilt möcht werden. 
Das mir warlich eine Hoffnig git. 
Die kilch am Rin zu keiner Zit 
Mög werden vonn ein anderen trenndt 
Unn auch ynn kein weg gefchendt. 
Germanien fol fich fin auch fröwen 
Wy wol din Buch onns faft thuth tröwen. 

BI. 69. a. Der Pfalzgraff ret zum Bruder ; di«8er sagt u. a. 

BI. 70. : 

Dafs durch der fiirften uneinigkeyt 

Werd ken **) der Türkh bifs ann den Rir 

Zu einer Statt heifst Agripin 

Die yetz yft Gölen genandt 

Dann* foU ein künig uTs Spanierland 

Denn felben Türeken da erlchlagen. 

Nitt mer kan ych dir yetzung fagen. 

BI. 71. Zum Venediger sagt der Bruder ü. a.. 

Alexandrum denn 6 haft durächt 
Darumb du billich wirft verfchmächt 

BI. 76. Nach einem längeren Gespräch sagt S. ^lelhodius 
zum Türken: 

Sobald die gantz Ghriftenheit 
Wirt inn guttem fridenn ftann 
Denn keyfser vor Augen hann 
Unn die kilchenn reformiert 
Der Tempel Götz wyder ziert 
Da folt gut acht daruff han. 
So wirt es ann üch Türken gan. 

BI. 78. Bruder ret mit dem Schwitzer: 

So nim Ton mir hie denn verftandt. 
6 tinng zerftören alle Landt 

*) Wertf gehn? 



' 



Das if hoffait, Ofig^borfiffiikeit. 
Darzu Nidt uiind Liechtfertigkeit. 
VerzwyfEiang u. auch gytli. verftandt 
Zerftören gar tII Lüth u. Landt. 

Bl. 80. litt. D. Drei grössere Figuren^ mit der Ueberschrift: 

Dijse 3 Buren tuont einanderen klajgen 

Was sich noch der närve R^ÜgioH hob zug^ragen. 

Bl. 82. &. Y^tz hannd mir ein Vogtt. Yfs ym grofsen Bracht 
Der unfer Noturfft wenig acht. 

Da heimen möchte ers fich kam def Bettels erweren, 
Duth hie eim Gr äffen fich glych zieren. 

lieber 2 Jar far ych darronn 
Darumb mufs ich min Rechnaug hann. 

(In diesem Abschnitt sind merkwürdige Klagen eines geplag- 
ten Banren, sie deuten auf die Zeiten des Bauernkriegs») Bann 
folgt: 

Bl. 84*. a. Der Latzknecbt fragt de Bruder : 

Bl. 85. b, Bruder gibt dem Lantzka antwurt : 

O f o bift du der Bruder Witt 
Von dem ich gehört han lange Zit 
Der fo vil Witwen Weyfsen macbt 
Der Tüfel hat dich uff Erden bracht 
Kein Land vor dir nit ficher yft 
Ynn allen dennen du gewefen bift 
Darumb red ich onn allen fpott. 
4 Du figeft def EntChrifts vorbott 

Bl. 87. Der Yud (Jude) fraget den Bruder : 

So tu nun ein guotter Wyfsager bift. 
Sag mir wen kvonpt der Ennd Chrift. 
Oder wenn er fotie werden geboren. 
Ich Jialt dich fünft für einen Toren. 
Wan wir fin gewartet hand bishar. 
Yetzmer dan 1.50^ Jar. 
Fierzig acht und ettlich tag. 
Ych flifsig bit das felb mir fag. 

Bl. 90. a. letzte Zeile : 

Enoch u. Elias werden den komen. 
Bl. 90. b. Zwei grössere Bilder mit der Udic»ciirift t 



— SM — 

Enoch 1568. Heüaa. C. S. (hoMt Christoff ^Iberysen.) 

Dieses C. S. ist zugleich ein Beweis, dass Silbereiseb die 
Bilder selbst gezeichnet. 

Bl. 91. eine mit dem vorigen in keinem Zusammenhang 
stehende Notiz, wie 1575, 4. Dec, zu Baden zwei Juden, die 
einem Goldschmied gestohlen, seien enthauptet worden — im 
8. Jahr der Regierung des Abts Christoff Silberysen. 

BL 91. b. prophetia beati Franscisci: Erunt tempora et tem-» 
pus, Ve, ve Te, Alemani» magnse etc. ^ 

Sanetos Victor 
Dam rex Henricns regnabit origine natos. 
Hie rex bis factus tum re quam nomine dietos 
Lilia vir fortis propriis evellet ab hortis — 
Rex cadet et volgns, militia Francia clerus 
Pefte fameq fiti, flamma, ferroq peribnnt. 

Mit Bl. 92. a., noch besonders bezeichnet mit £., beginnt 
ein neuer Theil mit der Ueberscbrift : 

Die Figuren kament von Strasburg gen Zürich^ do man zalt 
von Christi Geburt M und CCCC und XXX Jar vor 
JVienecht. * 

B. 92. b. u. 93. drei Figuren. Sibüla, bei Davids Zeiten, 
ein Weib mit blauem Mantel, weissem Kopfluch, rothem Unter- 
gewand und einem Gänsefuss. Bl. 93. Jesaias und EzechieU 
in der Ueberschrift C. S. A. 1568. 

Bl. 94. S. Johannes sitzend, vor sich sein Evangelium, mit 
den Worten initium evang. S. I. in principio erat verbum 1569» 
Oben ein posaunender Engel, nebenbei: »Das ifl der 4. Hörn* 
blofs in dem 8^ Capitel.^^ Der von einer Prophezeiung nach der 
Apoc. handelnde Text beginnt mit St. Hiltegard, ist aber auf den 
folgenden Blättern , wo bloss die Figuren gemalt sind , nicht 
fortgesetzt ; und zwar steht auf Bl. 96. eine Nonne unter einem 
gothischen Bogen > sie hat in der Rechten die Gesetztafeln, in 
der Linken einen Nagel; um die Figur her sind zu Hänpten 
und Füssen aufgeschlagene Bücher mit den Inschriften: »von 
den götüichcn Worten ^S »das Buch der Propheten ^S »Über 
epistolarum ^^ etc. 

Bl. 98. Bischoff Albrecht und Bruder Ruprecht, über ihnen 
hdbe Sterne; von Albrecht heisst es BL 98. 6«, er habe vor 
L 36 . 



90 Jaliren, — von Bupredit von Provenze »ein br^iger ein 
grofer Prophet^ — er habe vor 80 Jaren prophezeit. 

Nach drei leeren Blättern folgt auf Bl. 102. das Bild des 
schlafenden Pabstes Eugenius, über ihm ein Engel; für i den 
Text, der nicht hingeschrieben wnrde, sind wieder einige Blätter 
leergelassen. 

Bl. 104, Zwei Figuren, Gernnart, ein Mönch in schwarzer 
Tracht überreicht dem Pabst Eugenius ein Bach. 

Bl. 106. Etwa 20 in blühenden Bäumen stehende betende 
Figuren« über ihnen in den Wolken zwischen zwei anbetenden 
Engeln Christus am Kreuz, aus seiner Seite fliesst auf das 
Haupt jedes Betenden ein Blutfaden und bezeichnet die Stirne 
mit einem Kreuz, jenseits ohne weiteren Text nur folgende 
Ueb^schrift : » Das glitte Volk das do bezeichnet iji mit denn 
Bäumen tut mitt dem Gräfe im mit dem, göttlichen Zeychen 
ann iren JUrnen inn dem, buch der trogennheyU dem^ kein 
übel gefchaden mag. ^^ 

Bl. 108. Ein Aufzug, Männer in bunter Tracht, gehamischte 
Ritter, geputzte Frauen, auf ihren hochaufstehenden Feder» 
sträussen und den Barretten der Männer böse Geister, in der 
Luft ein posaunender Engel: y^Das ift der 5 Engel in dem 
9. Capitel der Tugenheyt. Jenseits ohne weiteren Text die 
Ueberschrift : Das iJi das Volk dem der Himel un die gött' 
liehe gnade verjchlojsen iß, un die das Sacramet umvür^ 
denJdich entpfahen un denn das Ertrich undenan entwychen^ 
das ifir natiirlichs leben, Sy»Jint auch ein lurjaeh der be» 
Zeichnung des künftigen Übels, Als vo Inen gewifaget ifi 
vor 200 Jaren. 

Bl. HO. »Cyrillus ein Priefter uff dem berge Carmel.^ — 
Desselben Figur betend am Altar, über ihm ein du3 Gesetzes- 
tafeln haltender Engel ; jenseits ohne weiteren Text die Ueber- 
schrift': Diefe gegenwürdige und künftige u. Jbrgkliche Zit 
wurden geoffenbart von dem, Engel im Himel gejchriben in 
einer Jilbernen Tafflenn einem heiügen Priefter der was Cy^ 
riltus genant. Die WÜe er Meffe Jprojch uff dem. Berge 
Carmeli: Dis ifs bejchehen by 200 Jaren, 

Bl. 112. Vor der Thüre einer Kapelle, an deren Gibel 1669, 
S. Dominicüs und S. Franciscus, im Himmel Christus, in der 



— 288 — 

Rechten drei rothe Nägel, und Maria — unter flmen^Bese Ucl>er- 
schrift : Dife künftige plageru die wolte Gott han gelojjen 
uff Erden komen. 3 faltiglich vor 40 un 200 Jaren. Die 
nntrden vffenthalten durch unfre liebe fron) un S. Dominik 
kus un S, Franciscus unhe ann di Zit dae man Jicht die 
wUnderbarlichen kleider u. Jitten. ^ 

Bl. 115. Einige Männer und ein König, vor diesem ein in 
die Erde gestecktes Schwert, über das Kreuz seines Griffes zwei 
weisse Handschuh'; in der Höhe Gott Vater, in den Händen 
hält er vor sich hin Christum am Kreuz , um ihn das Firmament 
und ein anbetender Engel. Jenseits ohne weiteren Text die 
IJeberschrift : » Hie kumet der Chriftenglaube mit edler ehrU 
Jlenücher Ordnunge wider zu aller voUkummeheyt undjelig^ 
keyt geiflichs u. liplichs guottes* und ua gemeynem Rathte 
der Ff äffen, un der Leigen. So wirt geteylet noch gerech'- 
tigkeit un ruirt gegeben der Stolen und dem Schfverte was 
y etlichem, zugehörig , vonn göttliche ordnunge. un wirt iKe 
hefte Zit die uff Erdrich ie kam. und wäret lange Zit. unn 
doch mit vorchten. von der nochgenden kCinffüger Zit.^ 

Bl. 117. Vor einem Kreuz anbetende Bischöfe und Mönche, 
in der Höhe Maria mit dem Kinde, sie streut einen Goldregen, 
um sie Engel mit Palmen, der eine trägt in der Rechten ein 
Rad, der andre einen Siegelring. Jenseits die Ueberschrift ohne 
weitern Text: 

Hie bringet unfer frowe die Pfaffheit wider mit dem. leben- 
digen Brote, und körnen us den weiden mit de kleinen 
fcharen alls Ein/idel mitt verfcheung alle zitlicher zer- 
genklicher Dinge. Und eb es herzu kopt. fo wirt vü bluots 
vergoffen^ und matyrer gemacht umb Christi glauben 
willen, und werde die klöfter zerftöret. 

Bl. 119. beginnt eine Reise ins heilige Land; voraus geht 
eine Beschreibung des Schiffes, von dieser scheint aber der 
Anfang zu mangeln. 

Bl. 120. heisst es dann : den letzten May nach unsers Herrn 
fronUchnamstag im 86 Jar giengen. wir Bilgerin all in die Bark. 

Die hochgebornen u. s. w. bilgram sind 
t Johannes Hertzog von Baiern. 






— 284 — 

Wfllieliii Chraff zu Werdenberg mit einem knecht. 

f Diebold yan Habspnrg Bitter. 

Ludwig von Rechberg u. s. w. 

Dann folgen Franzosen Min Herr von Schattenbrig 
u. s. w. 

Dann u. a. Jos letter vonn Zug. Jann Friels Doctor. 
Jann Berendreckh von Leyden. 
Zu dieser Reisebeschreibung gehörten landschaftliche Zeich- 
nungen, hier sind aber bloss die Ueberschriften, z. B. die erste 
Bl. 125. ! Das altt Sara (Zara) so femer Modon in Morea , Kan- 
dia, Rodis, Famagufla in Cypem. Rama (1568 wahrscheinlich 
das Jahr, mit welchem Silbereisen in seiner Abschrift so weit 
vorgerückt Bl. 148. b.) 

Bl. 112. den 13 tag Augufti kamen wir zu dem Caftell Emaus 
Vonn JSmaus gen Jerufalem findt 2 tütfch myl wegs. Vormittag 
umb die 9" komen wir zu der heiligen Statt Jerufalem. Am 
gutem Tag denn 14 Augufti vor tag famletent fich die Bilgrin 
ion denn Spithal. Do halt man Mefs. Dornach fuorten uns dns 
Barfttfser Bruder ab dem Mont Sion herufs für den Spithal 
die heiligen ftett zu befchawen. u. s. w. (Es folget nun eine 
umständliche Beschreibung aller heiligen Stellen und bei den 
dnzelnen ist nicht vergessen: »Da yft Aplas^^, und dabei steht 
dann ein rothes Kreuz, (Diese Reisebeschreibung ist Bl. 160. b. 
abgebrochen.) 

Bl. 161. beginnt eine andre ^): »Im Jare nach der gehurt 
unfers lieben Herrq Jefu Chrifti 1486 Jar am 22 Tag Aprilis der 
da ift der 2 tag vor S. Yörgen tag bin ich Cunrat Grünenberg 
Ritter zu Coftentz ufsgeritten nämlich uff einen frjtag mit 3 
Pferdem. ^^ 

Er beginnt mit einem merkwürdigen Verzeichniss aller Reise^ 
bedürfnisse. 



^) Weder diese noch die vorige Reise ins gelobte Land ist abge* 
druckt in Sigmd. Feyrabend Reyfshuch des heil. Landes Frank- 
furt a. M. 1584 (die 2. Aufl. 1609, mit 3 ReiseFeschreibungen 
vermehrt, konnte nicht verglichen werden. In Feyrabends Samm- 
lung von 1.584 ist die 15. Daniel Ecklins von Arow Reyfs ins 
h. Land im Jar 1552.) 



— 886 — 

Am Scfalnsse heisst es BL 178. b.: y^Zu VenecUg waren wfar. 
und wartetend da etüieh wucfaen eh man fnor, an kamen ynn 
9 wuchen ann^ das heilig Land unn ynn 13 wachen faoren wir 
ann S. Othmars tag wideromb genn Venedig. 

Suma defs gewefsen 33 Wachen. Gelobt fige Gott. 

Und BI. 179. Difs Boch ward geendet äff denn 18 tag De- 
cembris ano domini 1568 dnrch Chriftoffel Sylberyfen» Laas deo. 

BI. 179. b. 1585 braiite das Gotzhos Schenis ab. 1585 
24 Jan zog Hanptman Batt Cafpar Bodmer von Baden u. Haiqpl* 
man Fücbfli vonn Bremgarten mit Irem Fendli za künig Hm- 
rieh 3 in Frankreich. 1585 5. Ang. erfchlag der Blitz den Abt 
von Mari Hieronimns Fry in dem Münfter dafelbft ond^ dem 
Cracifix äff dem Ledtmar. Anno 86 den 1 Oct zagend die von 
Zürich amd die yonn Bern gen Genff inn Za(atz mitt Iren 
Fendlinen and was Cafpar Krieg yonn Zürich Hanptman. Aber 
der Krieg wäret nit lang. Sy fanden keine Kappnnen meer. 

BI. 181. Am 17 tag Aprellens defs 1545 Jars finnd fpade* 
renn nnnd Lufts halber oach etwas za fechen ann erfaren Sechs 
GfeUen Nämlich J. Chriftoffel Grebel difser Zyt Schnlthels zu 
Badem , J. Heinrich Grebel , J. Hanns Ulrich Grebel nnnd J. Jörg 
Grebel. fin Brnder Petronias Grebel. ann M. Johannes Fryefo 
nfs Zürich nnnd Baden afsgefaren oder gereifset etüiche St^ 
ItaUe za befechen. Difse nffs kürtzeft nach yerzeichiiete wäg ann 
reyfs. 1568. i 

BI. 182. Zarich Stat 
hatt höche Hüfser annd enng Gafsenn. 

Rapperfchwyl Statt 
— — die Rapperfchwyler Bragg 1680 fchryt lanng vonn Hertzog 
vonn Oefterich im 1358 Jar gebawen. 

BI. 184. a. Char Statt 

Da hier wyr kamend am 19 Aprellens blibend da eines 

tags lang. Frünnlich ann woll empfangen. 

Splügen Dorff 

einn myl angefar defs Rynns arfpranng. Dahin wir kamnt 

am 21 tag Aprellen. ^ 

Cham einn Statt 
dahinn wir am 22 Apprellen kamend, blibed da ftill b'gen ein 



— 286 — 

tag, da fiicben wyr eiflicher Keyfer/ Köüig, Herzzog, Fürften, 
unn glerter Lüten ab connterfeithe anngficht in 3 Selen. 

Mejiandt Statt unn Schlofs 

Maylanndt ift ein faft mechtig grofee Statt nit fanders weerhafft 
aber feft werhafifl vonn AUerley kauffin^fchatz. n. s. w. u. s. w. 

So wird mit wenigen Worten erwälint der Städte Payia 
(Paffy, am Fluss Ticinus, jetzt Padns oder Po genannt I] Cre- 
mona, Mantna, Farär, Bolonienn, Venedig; über diese Stadt 
ist mehr gesagt. Im Arfinal Züghus sehen sie 126 ftückh Buch* 
fen all uff redem, und Rüstung für 25,000 Mann. Die Reise 
geht ferner über Padua, Verona Dietrichs Bernn. »Zu Verona 
finndt man ein woll würdig zu befehen wärkhafil mechtig ge- 
buwenn deüs Dietrichs Yon Bernn Hus als die Tütfchen nennen, 
fünft ift es ein Theatrum CoUifeum, oder Rena (alls ich meyn) 
Yonn yeronefem geheifsen, ift ganz rund hatt im oberften Zyr- 
kel oder Umkreyfs ald Umbgang 530 Schrytt onne Amphiatrum 
das darvon ulsher wärtz 10 fchrytt ift, ift eines hochen Hufses 
hoch.^^ Weiter reisen sie über Trient, Bötzen, Glurnitz, I£s- 
bruckh, Bluditz, Veldkilch, Altstetten, St. GaUen, Rikenbäch, 
Mur, »dahin wir kamend amm 3. Brachmonat des 45 Jahrs, 
batt alfo fleh yerzogenn difs Spacieren bifs uff 7 Wuchen. Denn 
Weg denn wyr ganngen , gfaren unnd gritten finnd ift 170 Tüt- 
fcher myien lang.^^ 

BI. 198 — 203. Ordenlicht u. eigenlicht Befchrybung mit 
was von Gott dem Almechtigen verlihenen grojjen Sig unnd 
wunderbarligem glück etliche dero Chriftenheit hohe Potentaten 
unnd Bundsverwante deCs allgemeinen Erbfeindes Armada er- 
obert unnd uff dem Meer gefchlagen u. s. w. Aus Italienischer 
fprach in unnfer höchteutfche gebracht anno domini 1571. (Es 
ift die Beschreibung der Schlacht yon Lepanto unter Don Juan 
de Austria (»alls difser chriftlichen Armada general Oberfter.^^) 

Bl. 204. »Anno domini 1576 tanta descendit de coelo grando, 
quod fregerit fere omnium tectorum tegulas in Monafterio noflro 
Wettingen, cogebamur enim plus quam quadraginta miliia tcgu- 
larum emere, nullum maltim eft tantse magnitudinse , quanta 
ifti lapides fuere. 

Bl. 204. &., 205., 206. fährt die Wetterchronik fort; 205. a. 



— 287. ~ 

enthält auch Preise der Lebensmittel der Jahre der Thearung 
1586 und 87. Der Wettinger Wjn galt ein Saum Alten 12 Gl. 
der nüw 10 GL 

Bl. 209 und 210. Bemerkungen über die Hülfstruppen, 
welche die Evangelischen 1587 nach Frankreich führten, »den 
künig von Nawarren mit gewaldt zu einem künig in Frankreich 
einzufetzen u. den Hugennotifchen Glauben (wo möglich) zu 
meeren. ^^ 

Bl. 210. b, Bemerkungen über die Glaubensstreitigkeiten 
in Appenzell. »1588 ftund der Hauptfläckhen Appenzell aller- 
dingen wyderumb zum Catholifchen Glauben , Gott f je Lob ge- 
feydt. finer wjrdigen mudter Marie fampt dem gantzen Hirn- 
lifchen Heer.^^ 

Bl. 211. b,y 212. Erzählung von einem Auflauf schweizeri- 
scher Truppen zu Paris. 12. Mai 1588. 

Bl. 212. h, Taufe zweier Juden zu Baden, die vorher dort 
in den grossen Bädern gestohlen hatten. 

Bl. 213.6., 214., 217. Witterungsbeobachtungen, und Zeit- 
begebenheiten u. a. Heinrichs IIL Tod 1. Aug. 1589. Bl. 218. b. 

Bl. 214. 6. Yonn der gwaltigen Armada fo der Künig Phi; 
zu Hifpania wyder die Künigin Ifabel : inn Engeland uff Lifibona. 
Anno 88 den 29 May abgefertiget hatt. wie volgt. Bl. 215. 

Bl. 220 — 244. Dis find die zwen Landtfriden fo fich er- 
luffen in Kriegfsempörung zwüfchent unferen Herren und Oberen; 
Nämlich von den fünff Ordten und Zürich Bern gefchechen 1531. 
Jar. 

Bl. 232. Schlufs des ersten Landtfridens »Geben und be- 
befchloffen uff Sant Katharinen abent 1531.« 

Bl. 236. b. Abfagebrief den die fünff chriflenliche Ordt denen 
von Zürich zugefchickt (Bl. 238) geben uff mitwuchen den 
4 Tag Octobris 1531. ' 

Darauf Bl. 238. Ein EcUct oder Mandat ulsgangen von 
gemeinen Eidtgnoffen Im 29 Jare (Bl. 240) zu Baden im Ergew 
geben uff Sanct Gallen Abent nach ChrifU unfers lieben Herren 
gehurt gezelt. 



Berichtigangett und Bemerkungen. 



i. Iin ersten Hefte (S. 126) hat sich ein Druckfehler einge- 
schlichen, den wir unsere Leser zu berichtigen bitten. Der Brief 
von Heidegger an den General von Zurlauben ist nicht vom 16. Januar 
1S16, sondern vom Jahr 1781 datirt. 

2.' In dem Aufsatze des Herrn EantonsschulrathiOehler über das 
altdeutsche dramatische Fragment sagt derselbe (S. 224): ,^ Während 
„die von meinem Bruder und mir entblössten vier Columnen fast 
^^durchgehends bis auf wenige verwischte und verblasste Stellen 
„leicht zu lesen sind, ist hingegen von den vier Rückseiten , die mit 
„ weniger Vorsicht abgelöst geworden zu sein scheinen , wenig mehr 
yy ZU gewinnen u. s. w.** Die Redaktion kann die Versicherung geben , 
dass die Ablösung der Streifen vom Holzdeckel mit aller nur thun» 
liehen Vorsicht vorgenommen worden, und dass, wenn ein grosser 
Theil der Schrift mehr oder weniger unleserlich geworden ist, dies 
eine nothwendige und unvermeidliche Folge der Ablösung war, da 
das Holz des Deckels nicht gehörig abgehobelt war , es vielmehr viele 
Unebenheiten darbot. Das Papier, welches die Vorderseiten der 
Columnen deckte , konnte leicht erweicht und ohne alle Verwischung 
der Schrift entfernt werden, da man auf dasselbe keine Rücksicht 
zu nehmen hatte und es nach Belieben zerreissen und in einzelnen 
Stücken abnehmen, dabei immer sehen konnte, wie die Sache sich 
gestalte, daher die Möglichkeit gegeben war, die Arbeit mit Sicher- 
heit fortzuführen. Bei der Ablösung der Pergamentstreifen vom 
Holze konnte man keine andre Vorsychtsmassregel ergreifen, als die 
Trennung mit der grösstmöglichsten Behutsamkeit vorzunehmen , 
was auch wirklich geschehen ist. Wenn trotz dem manche Stelle 
verloren gegangen ist, so war dies, wie wir versichern können, in 
keiner Weise zu vermeiden, sondern, wie gesagt, eine nothwendige 
Folge der Ablösung selbst. 

3. Zu S. 234 fügen wir die Bemerkung hinzu, dass die Reise- 
beschreibung des Aarauer Bürgers Ecklin auch in einem besondern 
früheren Drucke erschienen ist, über welchen wir gelegentlich be- 
richten werden, so wie auch über die handschriftliche Reisebeschrei- 
bung des Pfarrers Villiger von Arth, welche die Kantonsbibliothek 
besitzt und die vermuthlich das Autographon ist. 



Urkunden 

über 

das Haus Habsburg, 

ffetammelt 
in den aargauischen Archiven 

und mitgelheilt 



▼on 



PL fVeissenbach. 



A. Archiv Muri. 

(Fortsetsang.) 



SO 

1399. Erwerbung^ des Kirchensatzes und Kirchen- 
lehens zu Yillmergen. (G. II. D. 6.) 

In nomine domini amen. Anno Natinitaüs öjusdem Millesimo 
CCC** nonagesimo nono, Indictione seplima, viccsima secnnda 
die mensis Angusli, hora meridiei yel qaasi, in domo habita- 
cionis Chunradi dicti Zechender, sita in opido Rremgarlcn , Con- 
stanliensis djocesse, in qaadam sluba domas ejusdem, Ponlif. 
summissimi in Christo patris et domini noslri, domini Bonifacii, 
diuina fauente dementia Papse, noni Anno decimo, in mei no- 
larii publici subscripti, testinmque sabscriplorum ad hoc spe- 
cialiter vocatornm prsesentia personaliter constitntns. Vcnera- 
bilis in Christo pater et dominus, dominus Chunrad, diuina 
permissione Abbas Monasterii in Mure, dte dyoc, ordinis Sancti 
Benedicti, habens in suis mantbus literas illustrissimi principis 
et domini domini Leopold, dei gratia ducis Austrie, Stjrie, 
Karnichie, Carniole, Comitis Tyrolensis etc., non vitiatas nee 

37 



_ 290 — 

abolitas nee cancellatas, sed prorsus omoi vitio et suspicione 
carentes, integras ac illesas, ejus vero pendenli eereo roboratas 
vt sane apparuerunt sigillo munitas, prout «st moris, quarum- 
que litterarum tenor est talis: Wir Lüpolt, von gots gnaden 
Herlzog ze Osterrich, zeStyr, ze Kernden vnd ze Krain, 
Graff ze Tyrol etc. tun kunt für vns, vnser Brüder vnd erben, 
daz wir angesechen vnd betrachtet haben die grossen scheden, 
die das erw. gotzhus ze Mure manigualtenklich von vnser wegen 
enphangen hat in den Kriegen wider vnser vngehorsamen , die 
Switzer, vnd sunderlich daz daz selb Qoster von vnsern Vor- 
dren* gestift ist, vnd dero öch vil da begraben sint, da von wir 
dem aller gnaden vnd fürdrung wol schuldig sein. Vnd also sein 
wir durch derselben erkantnifs willen mit dem erbern vnd geist- 
lichen vnsrem lieben andeehtigen Abt Chunraten daselbs ze 
Mure vnd sinem Conuent eines wechseis vberein komen in 
sölichem mafze, daz wir im vnd sinem gotzhus daz kirchen* 
lechen zu Vilmeringen vnd die kirchen daselbs, wenne die am 
nechsten ledig wirdet von dem erbern Heinrichen Ribin von 
Lentzburg, yetzund Kilchher daselbs, ewenklich gegeben vnd 
geaygnet haben, geben vnd aygnen ouch mit chraft dies gegen- 
wertigen briefs, die mit aller ir zugehörung ze nutzen vnd ze 
niefsen an iren tisch vnd ires gotzhus notdurft alz ander ir aignen 
gutem, vnd dieselben kirchen, wenne die zu iren banden ge- 
uellet vnd kunt, mit iren brüdern irs ordens ze verwesen, ze 
besetzen vnd vszerichten, alz sy den andren 'kirchen tund, die 
zu irem gotzhus gehörend, Vnd nach dem wir vnfs selbs nütz 
mit der egenannten kirchen schaffen » so maynen wir als die 
vormalz von vnsren vordren oder von vns yemand verschriben 
wer ze verliehen, daz daz alles tod, kraftlos vnd an allen schaden 
sey gen die egenannte aygenschaft, die wir dem vorgenannten 
abt, dem Conuent vnd dem gotzhus mit der obgenannten kirchen 
getan haben, wan wir dien, den die kirche also verschriben 
were, vnd die vns des bewisend mit iren briefen, in ander weg 
vnd mit ander Lechenschaft ergetzen wellent. Vnd da ergegen, 
so hat der egenannte abt vnd sin Conuent vns zu vnser, vnser 
brüder band vnd erben ledeklich vfgeben vnd in vnser gewalt 
geantwurt Iren hoff ze Bellikon mit allen Iren Rechten, nutzen » 
wirden ^ manschaften vnd gantten zugehoringen , alz der 2U Iren. 



— i9i — 

Imnden komen ist , ynd alz die briciff lautend , die sy vns dar- 
Tinb gebeu babent; vnd sunderlich mit der fryheit der vogtye 
und der dienst, die vff demselben warend vnd die sj von Hansen 
Vlrichen vom Hus von Wyttenhein abgekauft babent, an ge- 
uerde mit vrkund dies brifs. Geben ze fryburg im Brisöw an 
montag nacb Tns^r ff*owentag ze Liechtmesse, nach Cristsgeburt 
drützechenhundert Jar, darnach in dem Nun vnd nfintzigesten 
Jar. — Post quarum quidem litterarum sanam visionem» sigilli 
quoque inspectionem mei notarii publici ac testium subscripto- 
rum, prefatus dominus abbas petiit, sibi per me notarum pu- 
blicum subscriptum ob iongiorem memoriam predictarum nnum 
Tel plura publicum vel publica fieri instrumentum seu instru- 
menta. Acta sunt hec Anno, die, mense, hora, indictione, loco, 
pontifice, quibus supra. Prescntibus honorabilibus discretis do- 
mino Walther de Heidegg, domino Johanni de Hüneberk, ar«* 
migeris, Nicoiao Schätwy, Wulfo rectorc Cleric: et Layc. dioc:, 
testibus ad premissa specialiter vocatis et rogatis. — Et Ego 
Heinricus Burcr de Brugg publicus Imperali auctoritate: notarius 
clericus constant. dyoc. predictarum litterarum ostensioni, sigilli 
yisioni ac earundem lectioni, simil. omnibus et singulis, utpre- 
mittititur una cum prenotatis: testibus, presens interfui, eaque 
sie fieri vidi et audiui. Ideo hoc presens publicum Instrumentum 
manu propria conscriptum exinde confeci, signoque et nomine 
meis solitis et consuetis signaui, ineuidens testimonium premis- 
sorum rogatus et requisilus. 

Bemerkung. 

Wir dieilen dieses im gleichen Jahr vom Notar Heinrich Burer 
von Brugg ausgefertigte, mit dem Notariatszeichen versehene Vidimus 
mit. Das Original ist nicht vorhanden. Weder letzteres noch erster es 
sind bis jetzt abgedruckt worden. 

üeber die Pfarrkirche zu Villmergen können wir aus dem Archiv 
Muri noch folgende Notizen geben : 

Laut dem im ersten Heft als No. 13 der Habsburgischen Urkunden 
des Archivs Muri mitgetheilten Schuld- und Pfandbrief hatten 1337 
Albrecht und Otto, Herzoge von Oestreich, dem Johann von Hall- 
wil fiir die ihnen erwiesenen Dienste nebst andern Pfändern auch 
den Kirchensatz zu Vilmaringen, und zwar ihn einmal zu verleihen, 
und gegen eine Summe von 100 Mark Silber verschrieben. Nach der 
fernerB im zweiten Heft als No. 19* abgedruckten Urkunde war das 



— wm -r? 

Pfand im J. 1376 noch nicht gelöst; indem das Lehen, als es ledig 
geworden, aus Versehen nicht dem Hause Hallwil, sondern dem 
Heinrich» des Schultheissen Sohn von Lenzburg, gegeben worden, 
und daher das Pfand aufs neue den Söhnen Johanns von Hallwil ge- 
sichert werden musste. Nach der oben stehenden Urkunde übergab 
Herzog Leopold 1399 den ganzen Kirchensatz für inuner an den Tisch 
des Klosters Muri und nahm dagegen duixh Tausch den Hof zu Bei- 
likon und die Vogtei daselbst in Besitz. Als Motive für den dem 
Kloster günstigen Tausch werden des Klosters Schaden während den 
Kriegen gegen die Schweizer und des Hauses Habsburg Stiftungen 
und Grabstätten daselbst bezeichnet. Diese Uebergabe und deren 
Kraft scheinen aber für das Kloster zweifelhaft geworden zu sein. 
Dasselbe fand es einmal für noth wendig , im J. 4425 sich eine Ur- 
kunde von König Sigmund ausstellen zu lassen, wonach die Kirche 
und der darin sich befindende Altar als Lehen von König und Reich 
erklärt und dieselben von jenem kraft königlicher Macht dem Kloster 
übergeben ^vurden. Dieses Aktenstück hängt mit den damaligen Er- 
eignissen und der Eroberung des Aargau*s zusammen. Das Kloster, 
das den Tausch mit dem Herzog Leopold seinen Opfern für dieses 
Haus zu verdanken hatte , fand für gut, des Königs Wort fär sich aus- 
zuwirken , um sich gegen die erobernden Schweizer sicher zu stellen. 
Damals aber waren die Pfandrechte des Hauses Hallwil noch nicht 
gehoben, obschon sie in der Tauschurkunde vom J. 1399 nicht er- 
wähnt und vorbehalten sind. Denn im J. 1425, nach dem Akt Königs 
Sigmund und infolge dessen, Urkunden Ritter Rudolf von^ Hallwil, 
Ritter Hans Grün von Grünenberg, die Edelknechte Thüring und 
Walther von Hallwil, für sich und auch im Namen ihrer Brüder 
Conrad und Rudolf von Hallwil , dass sie auf das erste Lehen in Be- 
trachtung des vom Kloster in den vergangenen Kriegen erlittenen 
Schadens Verzicht leisten. Sofort nach diesen Sicherungen beeilte 
sich das Kloster, dieselben durch den Papst Martin V. bestätigen, 
die Incorporation aussprechen und vollziehen zu lassen. Die da- 
herigen Verhandlungen sind in mehrern Urkunden weitläufig nieder- 
gelegt. Im J. 1431 fand die feierliche Besitzergreifung statt. Allein 
alles dieses wurde durch Papst Eugen IV. ein Jahr darauf wieder 
entkräftet und Dr. Heinrich Menger, Gonstanzer Canonicus, in den 
Besitz der Kirche gesetzt. Muri indessen gab sich alle Mühe, seine 
Erwerbungen auch gegen diese Seite hin zu sichern, so wandte sich 
für dasselbe der Stand Zürich an den König Sigmund, damit dieser 
bei seiner Krönungsreise nach Rom daselbst um die Incorporation 
jener Kirche an Muri wirken oder aber, sollte er die Reise nicht 
unternehmen , an den Papst darum und um anderweitige Beförderung 
Mengers schreiben möchte. Bald , 1433 , folgte die Bulle Eugens IV. , 
wodurch er seinerseits die Incorporation aussprach, die noch im 
gleichen Jahre vollzogen wurde.« Auch Menger resignirte. 



— 8W — 

Das Kloster trug noch in der Folge solche ängstliche Sorge für 
diesen Kirchensatz , dass es sich denselben im J. 1431 durch die sechs 
eidgenössischen Orte, im J. 1439 durch König Albrecht und 1442 durch 
König Friedrich nebst allen seinen Rechtsamen und Besitzungen spe- 
ciell und ausdrücklich bestätigen und zusichern Hess. 

Durch den Tausch vom J. 1399 kam die Herrschaft und Vogtei 
Bellikon yom Kloster Muri an die Herzoge von Oestreich. Diesen 
Herrenhof hatte Muri nicht lange vorher, 1370, mit allem dazu Ge- 
hörenden, so auch zwei Fuder Wein zur Vogtsteuer und die Her- 
berge und Mahle etc. um 500 Pfd. Baslerpfenning von Johann Ulrich 
vom Hns von Wittenheim, Ritter, angekauft. 

Wir werden bei der nachfolgenden Urkunde sehen, dass im 
gleichen Jahr 1399 derselbe Hof Bellikon vom Kloster auch an den 
Kirchensatz zu Sursee getauscht wurde. 



31. 

1399. Erwerbung^ des Rirchensatzes , der Altare und 
deren Lehen zu Sursee. (O. I. A. i.) 

Wir Leupolt, von gotes gnaden He rlzog zeOesterreich, 
ze Stejr, ze Kernden vnd ze Krain, Graue ze Tjrol u. s. f., 
Tun knnt für vns, vnser Brüder vnd erben, daz Wir angesehen 
vnd betrachtet haben die groisen scheden , die das erber Gots* 
hus ze Mure maniguolliklich von vnser wegen emphangen hat 
in den kriegen wider vnser vngehorsamen , die S witzer, vnd 
sunderlich daz dasselb kloster von vnscrn vordem gestifl ist 
vnd der auch vil da begraben sind, danon wir dem aller gnaden 
vnd fiirdrung wol schuldig sein, vnd also sein wir durch der- 
selben erkantnusse willen mit dem erbern vnd geistlichen, vn- 
serm lieben andechtigcn Abt Chunraten daselbs ze Mure vnd 
seinem Conuent eines Wechsels jberain komen in solicher mazze, 
daz wir Im vnd seinem Gotshus das kirchenlehen ze Surse vnd 
die kirchen daselbs vnd auch die Altar darinne, die wir sunder- 
lich ze Üben betten, wenn die am nächsten ledig werdent, 
ewikleich gegeben vnd geaignet haben, geben vnd aignen ouch 
mit kraft ditz gegenwurtigen briefs, die mit allen iren zuge- 
hörungen ze nützen vnd ze nielsen an iren tisch vnd an irs 
Ciotshns uotdurft, als ander ir aigne guter. Vnd dieselben Kir- 



— 29* — 

eben ynd Ahar, wenn die za iren handen geualient vnd Löment, 
mit iren brüdern irs ordens ze verlesen , ze besten vnd aus- 
zerichten, als^y den andern kirchen vnd Altaren tund^ die zo 
irem Gotshus gehörent. Vnd, nach dem Wir ynser selbs untz 
" mit der egenannten kirchen ynd den Altaren schaffen , so maynen 
wir, ob die vormals von vnsern vordem oder von vns ymand 
verschriben weren ze verleihen^ daz das alles tod, kraftlos vnd 
an allen schaden sey gen der egenannten ejgenscbaft, die wir 
dem vorgenannten Abbt, dem Conuent vnd dem Gotsha$ mit 
der obgenannten kirchen vnd den Altarn getan haben, wan wir 
die, den die also verschriben weren, vnd die vns des^ beweisent, 
mit iren briefen, in ander weg vnd mit ander lehenschaft er- 
getzen wellen. Vnd da engegen so hat der egenannte Abbt 
vnd sein Conuent vns zu vnser, vnser brüder vnd erben handen 
lediklich vfgeben vnd in vnser gewalt geantwurtct iren Hof ze 
Bellikon mit allen iren rechten, nutzen, wirden, manschaften 
vnd ganzen zugehörungen, als der zu iren handen komen ist, 
vnd als die brief lutend, die sy vns darüber geben habent, vnd 
sunderlich mit der freyheit der vogtey vnd der dienst, die vf 
demselben waren vnd die sy von Hanns Vlreichen vom Hus 
von Wittenheim abgekauft habent an geuerde. Mit yrkund ditz 
briefs. Geben ze Ensisheim an Sand Dyonisientag nach Christs 
geburde Drewtzehen hundert Jar, darnach in dem Newn ynd 
Newntzegisten Jare. 

Bemerkung. 

Diese Urkunde ist in dem vom Kloster im J. 1720 selbst heraus^ 
gegebenen Werke Murus et Antemurale mitgetheilt worden, welche 
Edition nicht buchstäblich getreu ist. Der für die Besitzungen und 
Rechtsame des Klosters sehr besorgte und ängstliche Herausgeber 
lässt, da der Kriege erwähnt wird, die Worte: >, wider vnser vn- 
gehorsamen, die Switzer/* weg. Ferner hat sie M. Herrgott abge- 
druckt, zwar wörtlich richtig, aber nicht buchstäblich, indem dessen 
Abdruck, verglichen mit dem Original des Archivs iind unserer 
Herausgabe, viele sprachliche Abweichungen enthält. — Das Siegel 
führt das östreichische Wappen , den Adler und den Löwen. — Noch 
findet sich als No. O. I. A. 2 ein von Schul theiss und Rath zu Brem- 
gärten am Samstag vor Sanct Martinistag 1399 ausgestelltes Vidimus 
vor, in deren Siegel der Löwe steht. 

Nach dieser mit der obigen unter No. 30 gleicli stilisirten Ur- 



\ 



— 295 — 

kande kommen der Kirchensatz , die Altare und deren Lehen 2u Sur- 
see als Entschädigung und als Tausch au Muri. Im J. 1036 zählt 
Graf Ulrich von Lenzburg in seiner Verordnung für Beromünster 
als. Besitzung dessen, was es zu Sursee habe, das sei die obere Kirdie 
mit einem Hof, auf. Auch der Bestätigungsbrief des Königs Hein* 
rich vom J. 1045 zu Gunsten Münsters führt die Kirche zu Sursee 
mit dem Hofe an. Dagegen nennt der Bestätigungsbrief des Kaisers 
Friedrich vom J. 1173 unter den von Graf Ulrich an Münster ge- 
schenkten Besitzungen nur zwei und ein halber Mansos mit der 
Mühle, nicht mehr die Kirche. Im Archiv zu Muri stösst man durch 
die Bestätigungsbulleu von Papst Alexander UI. im J. 1178 und van 
Papst Clemens lU. im J. 118S auf die Kirche von Sursce. Darin 
wird der zwanzigste Theil der Zehnten der Kirche , als dem Kloster 
Muri gehörend, angeführt. Doch schon in der die Kirchen und Be- 
sitzungen des Klosters Muri angebenden Bulle von Papst Innozenz 11 1 
im J. 1247 erscheint jener Zehntantheil für Muri nicht mehr. Bei der 
Stiftung einer Pfründe in der Kirche zu Sursee vom J. 1257 erblickt 
man diese Kirche im Besitz der Grafen von Kyburg. N. von Kyborg, 
Bruder und Canonicus zu Gonstanz, stiftet nämlich die Präbenda in 
seiner Kirche zu Sursee, und zwar mit Ermächtigung und Einwil- 
ligung Hartmanns, Grafen von Kyburg, des Jüngern, Patrons der 
Kirche. Von Kyburg kam sie an das Haus Habsburg. Wir treffen 
sie in den Schriften von Muri wieder 1397, als Herzog Leopold be- 
willigt, dass der damalige Kirchherr, Graf Berchtold von Kyburg, 
dem Heinrich Burmann, Bürger zu Olteln, den Nutzen der Kirche 
auf einige Zeit versetzen dürfe, doch der Lehenschaft der Herzoge 
von Oestreich unschädlich und mit dem Vorbehalt, dass wenn Graf 
Berchtold mit Tod abgehe , solches dem, welchem die Kirche wieder 
verliehen, ohne Nachtheil sein solle. Letztere im Register des Ar- 
chivs Muri als Q. IV. P. 4. bezeichnete und abgeschriebene Urkunde 
findet sich nicht mehr vor. 

Die auf den mitgetheilten Tausch- und Vergabungstitel hin von 
Muri erworbene Kirche zu Sursee verursachten demselben nicht so 
viel Umstände, als die auf einem ganz gleichen Titel erworbene 
Kirche zu Villmergen. Wohl erliessen , wie die folgenden Urkunden 
zeigen, die Herzoge von Oesreich noch einige Bestätigungen und 
Befehle, allein es bedurfte keines Diploms von Kaiser Sigmund; 
wohl deshalb, weil Luzern jene Titel nicht in Zweifel zog. Ferner 
erlitt die Incorporation keine Cassation und Wiederbestätignng. Wie 
1400, 14. Kai. Novemb , jene Uebergabe bischöflich genehmigt wurde , 
so sprach 1400, den 16. Novemb., Papst Martin die Incorporation 
aus, worauf gleichen Jahres, den 12. Dezember, die bischöfliche 
Vollziehung derselben erfolgte. Die Incorporation wurde 1405 auch 
noch vom Bischof Markwart und 1414 von Bischof Heinrieh von Con- 
stanz bestätigt. (Letztere Urkunde ist im Archiv von Muri nicht 



— 296 — 

z.a finden, aber bei Herrgott zu lesen.) — Im J. 1400 hatte vor dem 
bischöflichen Vicar Barkard Ton Constanz der Graf Berchtold von 
Kyboi^, den wir 1397 als Kirchherr getroffen, seine daherigen Rechte 
' za Gunsten von Mnri aufgegeben. Zeugen waren dabei : Diethelm 
Ton Stoffen, Abt von St. Blasien, Johannes Vassler von Schaffhausen, 
Priester, Rudger Schopff von Memmingen, Berchtold Egg, Hart- 
mann Ton Sulz, der Kirche zu Freiburg Vicepleban, Rudger im 
Thurm, Eberhard S wager von Schaffhausen und Rudolf Turner .von 
Freiburg, Ritter. — Graf Berchtold von Kyburg hatte auch auf den 
Zehnten zu Kalpach, der zu der Kirche zu Sursee gehört, zu Grün- 
sten des Rutschmann von Kipf 194 Gl. geschlagen und gesetzt. Muri 
kam nun mit Rudolf von Kipf, Sohn Ratschmanns, dieses FfEindes 
wegen in Streit, indem es behauptete, dem Grafen Berchtold von 
Kyburg sei keine daherige Befngniss zugestanden. Der Streit luun 
14S4 vor Schultheiss, Rath und einen Theil der Burger von Bern. 
Diese entschieden, Muri habe dem Rudolfen von Kipf für alle An- 
sprache 80 Rh. Gl. zu bezahlen, womit dieser abgefunden sein soU. 
Diese Summe bezahlte auch Muri , worauf ihm im J. 1435 von Rudolf 
von Kipf eine Quittung ausgestellt wurde. (Siehe Archiv O. I. C. 1 u. 2.) 
Hier wieder ein Beweis ^ wie Kirchenzehnten durch profuie Schulden 
beschwert und versetzt wurden, und wie solche Verfügungen, und 
zwar hier nicht etwa des Patronatherm, sondern bloss des belehnten 
Kirchherrn zum Theil rechtlichen Schutz fanden. Theile det Sur- 
seer Zehnten und Gülten davon musste Muri später durch Kauf er- 
werben. So verkaufte 1434 Rudolf von Baldegg, Edelknecht, dem 
Rüdger TrüUerei zu Aarau um 100 Rh. Goldgulden drei Malter beider 
Korn Gelds Zof. Mass, welche er jährlich ab dem grossen Zehnten 
zu Sursee gehabt. Die Trüllerei hinwieder, nämlich Ulrich TrüUerei, 
Bürgermeister, und Hans, sein Bruder zu Schaffhausen, bescheinig- 
ten im J. 1491 dem Kloster Muri, die sechsthalb hundert Rh. Gulden 
für die Gült auf dem Zehnten zu Sursee , bestehend in 8 Malter und 
1 Mütt Vasen , 8 Malter und 1 Mütt Haber und 6 Mütt an Vasmus , 
empfaEingen zu haben. — Ferner veräusserten die Ursemann, Müller, 
Schweygerinnen und Büttler im J. 1425 dem Heinrich von Moos, 
Schultheissen von Luzern, die 9 Malter Korn und Haber Geldes 
Zof. Mass jährlicher Gült auf dem Zehnten zu Sursee und den Pfand- 
schilling, der darauf stehe und 100 GL halte, so wie 3 Malter Korn 
und Haber Geldes jährl. Gült auf dem Laienzehnten zu Sursee und . 
zwar gegen 240 Rh. Goldgulden. ~~ Der Theil des Laienzehntens, 
der ab dem grossen Zehnten zu Sursee gehe, den man den Aebten 
zu Muri aus dem Kasten antworten soll, und der 16 Malter beider 
Guts, 1 Mütt Korn, 1 Mütt Haber, 3 Mütt Gersten, 6 Viertel Bohnen , 
6 Viertel Erbsen Zof. Mass halte, wurde 1441 von Hans Trüllerei, 
dem altern von Aarau, seinem Schwager Alt- Schultheis Ludwig 
Seiler von Luzern um 420 Rh. Goldgulden verkauft. Diese GüH, der 



Laienzelmteii genannt, wekhe rechtes Mannkhen von Lnzern aei^ 
Hos dem grossen Zehnten von Snrse und ans dem Kasten des Abts 
von Muri' gehe, nnd wie oben 16 Malter beiderlei Guts, 1 Mütt Korn, 
1 Mütt Haber , 3 Mütt Gerste, 6 Viertel Bohnen und 6 Viertel Erbsen 
Hof. Mass halte, femer zwei Schaposen zu Haasenhusen, endlich 
3 Malter beider Guts Hof. Mass er^varb sich das Kloster Muri erst 
1564 um 1031 Luz. Gulden von den Haasen von Luzem. — Ferner 
haue 1436 Bischof Friedrich zu Gonstanz ton Hans Eschli, Bürger 
in des Bischofi Schloss Kaiseratuhl, 1000 Rn. Gulden empfangen, da-» 
mit die Quart zu Sursee vom Kloster Muri , dem sie von seinen Vor- 
fahrern versetzt worden , eingelöst und um jene Summe dieselbe dem 
Eschli verkauft. Im J. 1472 ertheilt aber Bbchof Herrmann von Gon- 
stanz dem Kloster Muri die Bewilligung, diesen Quartzehnten um 
1000 Gulden von Eschli wieder an sich 2MI lösen , was dann auch noch 
im Reichen Jahr geichah. 



SS. 

1400. Schatzbrief um den Kirchensatz, die AJtare 
und deren Lehen zu Sursee^ (O. I. U. 7.) 

Wir Leutpolt, Ton gots gnaden Hertzog ze Oester«' 
reich, ze Stejr^ ze Kemden vnd ze Krain, Graf ze Tjrol u. s. f. 
Embieten dem edeln vnserm lieben Oheim Hannsen von Lophen , 
vnserm Landvogt in Ergow, in Tnrgow ynd auf dem Swartz^ 
wald^ od^ wer ye ze den ziten vns Lantvogt daselbs ist, vnser 
gtiad vnd «lies gut Als wir daz erber Gotshaus ze Mure mit 
der Kikhen ze Surse vnd mit den eltem darinne begnade! vnd 
Üe dnrdi mdnung des Crotsdinsts dem ersamen . < dem Abbt 
vnd dem G>nuent an iren tisch gegeben vnd geaignet haben, 
Also empfekben wir dir ernstlich, wenn es ze schulden körne, 
daz dieselb kilehen am nächsten ledig werde « daz du denne den 
egenannten Abbt vnd sein Conuent der vorgenannten kttchen 
auf der Stat an nutz md gewer setzest vnd sy bey d^ vnd aller 
» zugehörung vesticklich haltest vnd schirmest, vnd in daran 
niemand kain inuell oder irrong tun lassest in dhain weis, sun^ 
der in soUcho' mame, daz sy die besetzen vnd aitsetzen vnd 
dlm iren Tud irs gotsbaus frinn damit schaflEen tiach irem willen 
vi^ nacb laut ir brief , die sy darüber von vns habent. Das ist 
Ir 38 



— 298 — 

genlzlich vns maynung. Geben ze Enzisheim an Ztnstag Tor 
Sand Agnesentag. Anno domini millesimo Ouadringentesimo. 

Bemerkung. 
Bisher angedruckt. Das Siegel Leopolds wie oben. 



99. 

1400. Fernerer Schutzbrief um den Kirehensatz, die 
Altare und deren Lehen zu Sursee. (O. I. A. 4.) 

Wir Leupoll, von gols gnaden Hertzog ze Oestcrreicb, 
ze Slejr, ze Kernden vnd ze Krain, Graf ze Tyrol etc. Enbtn, 
vnsern lieben getrewen . . dem Scbultbeissen . . dem Rate . . 
den Bürgern gemeinleicb der Stat ze Surse vnd allen andern, 
die zu derselben kirchen ze Sure gepbarred sind vnd gebörent, 
auf dem Lande vnd anderswo gesessen, ynser gnad ynd alles 
gut. Als Wir vormals mit vnsern briefeti den Erwirdigen vnd 
geistlichen vnsern lieben Andecbtigen . . den Abbt ze Mure, 
sein Conuent vnd Gotsbaus begnadet vnd in dieselben kirchen 
zeiSurse, ynser lehenscbaft mit aller ir zugehörung, nicbts auf* 
genomen, zu iren egenannten Gotsbaus vnd an ains Abts vnd 
des Conuents tisch gegeben vnd geaignet haben. Vnd wan aber 
diesclb kirch ze Surse in des edeln vnsers lieben oheims graf 
Berchtolds von Kyburg banden was im lehens weis von vns , vnd 
dennoeh' nicht was ledig; vnd darüber aber der egenannte vnser 
lieber Andechtiger der Abbt ze Mure mit demselben graf Berch- 
tolden überain kommen ist, daz er im vnd seinem Gotshns ^er 
egenannten kirchen mit aller zugehörung mit gutem willen gegen- 
wurtiklich abgetreten vnd die vns in vnser bände aufgegeben 
hat vnd vns gebetten , die dem egenannten Abbt vnd seinem 
Gotsbaus zu verleihen vnd sich der ze vnderwinden, als wie in 
die vormals verbriefet hietten , wan das sein will vnd bette 
wer. Also haben wir dem egenannten Abbt ze Mure zu sein 
selbs, seines Conuents vnd Gotshanses Händen die egenannten 
kirchen mit aller ir zugehörung vnd mit den Altam darinne 
gelegen, auch mit iren zugehörungen verlihen vnd ingeantwurtt. 



— 299 — 

4 

verleihen yod iuanlwurUen aoch wissenllich , die in aigens wräse 
inne ze haben vnd ze niessen als ander sein vnd seins gotshaus 
aigne guter. Dauon emphelchen Wir ew, den vorgenannlen . . 
dem Shultheissen . . dem Rate . • den Burgern ze Sorse vnd 
allen andern, die zu der egenannten kirchen gepharred sind, 
vnd wellen auch, daz ir den vorgenannten Abbt ze Mure vnd 
all ander künftig Ebbte daselbs ze Mure die obgenannte kirchen 
ze Surse vnd die Altar, darinne gelegen^ mit irs Conuents- 
brüder oder in ander weg, wie in das an pesten kämpt vnd 
füget, hinfür verwesen vnd besingen lasset vnd nicht f[estattet, 
daz in ymand kein irrung ^^rän tu in dhain weis, vnd in auch 
in allen Sachen gehorsam vnd gewertig seit, als ewem rechten 
kikhherren vnd des nicht lasset. Das ist gentzlich vnser mey- 
nung. Geben ze Friburg im Brisgow an Zinstag nach sand 
Gallentag. Nach Christs geburde in dem vierzehen hundertisten 
Jare. 

Bemerkung. 

M. Herrgott hat die Urkunde, aber wieder nicht buchstäblich 
genau nach unserm Original abgedruckt. Auch lässt er die Worte 
y^Wnn das «ein will vnd bette wer" weg. Siegel wie oben. 

Bei dieser Urkunde liegen als O. I. A. 5 u. 6 bezeichnek zwei 
Vidiuius. Das einte ist von Schullheiss und Rath zu Bremgarten am 
Samstag vor Sant Markus Tag 140'4 ausgefertigt und besiegelt mit 
dem Löwen. Das andere ist von Notar Heinrich Burer von Brugg 
am 7. Juli 1404 geschrieben. 



nn 



8% 

;i401; Streit und Spruch um Vogtzins. (Q. IV. N. 3.) 

Allen den, die disen Brief ansechent oder hörent lesen, kund 
ich Pentelli Brunner , Schulths ze Bremgarten, vnd ^ir dieRätl 
daselbs, nämlich hienach yerschriben, Teriechent von der stössen 
vnd zusprächen wegen, so Junkher Walther von Heidegg, 
vnser Bürger, gehebt hatt zu dem Erwürdigen Geistlichen Herren 
Her Cunrattcn, von gotz verbeugt apt ze Mure, als derselb 
Junkher Wallher von Heidegg inn ansprach jarlich vmb sechst- 
halb fiertel Roggen voglzinses vnd vff jeklich (iertel nun pfen- 



nkig, daz .im in yiI jarea nüt bemk noch g«wert wer. Dez dber 
der obgenannte apt nüt wüssend wot nodi daz wosste, alz er 
sprach. Derselben stössen vnd zosprächen si ms ze beiden 
teilen loiteriich gelmwet hanl vnd ernstlichen erbetten, sy dar* 
inne ze verrichten vnd ze yerschlichten. Da ich der obgenannte 
Schnllhs zu dem apt sprach : liebe Herr, da wil ich ydi ynd 
im tag verkünden. Da aber der obgenannte apt spradi, er 
wölt darvmb dweder ze tagen ritten noch gän , wir bettend doch 
sin red wol verhört, vnd batt vns, daz wir also wol tun wöU- 
tend vnd* vnsers bestes tättend. Da band wir onch nach dem 
ßlz für vns körnen ist von beiden teilen vnd nach gdegenhdt der 
saoh vns erkent vnd gesprochen nach der minne vnd sprechend, 
alz hienadi bescheiden ist. Dez ersten sprechen wir, daz der 
obgenannte apt dem obgenannten Jnnkher Walthem von Hekl- 
egg, vnserm Bürger, geben vnd weren sol, zechen müt kernei) 
vnd zwei pfont genger stebecr müntz vff den nechsten sant 
Laurencyen tag künftigen nach dätt dits briefs, vnd sond onch 
also vmb d|e obgenannten zosprüch gentzlich verriebt sin ewenk- 
lich. Ouch sprechen wir, dweder teil disen sprnch nüt hielte 
vnd dar an brüchig wurde, es wer mit wortten oder pnit werchen, 
heimlichen oder offenlichen, derselb brüchig teil ist dem andern 
teH, der nüt gebrochen jbett, genlzlich verfallen siner sach vnd 
ansprach vnd dazu vnser gnädigen Herschaft von Oester^ 
rieh fünftzig guldin, guter vnd gober an Go}d vnd a^ gewicht, 
vnd vnser statt ze Bremgarten ouch fünftzig guldin , guter vnd 
geber an gold vnd an gewicht, ze einem rechten verfalaen vrsatz* 
Dis sint die Ratte Heinrich Hilfiken, Klein Vly von Wile, Rudi 
Stnder, Wember Büljsacjher, Welti von Hedingen , Erpii Me^^ier, 
Rudi Rinderbnrt vnd Rudi Weber. Hervmbze vestem vrt:tiBd 
vnd ze merer Sicherheit dises spnjcbs hand wir die obgenann«^ 
ten, der Schulths vnd die Rätt vnsers Rattes secret Insigei 
offenlicjb gehenkt an disen brieff , der geben ist an Samstag dem 
nechsten vor Jacobi, do man zall von Cpristus gehurt viertzechen- 
hundert Jar^ darnach in dein ersten Jar. 

Bemerkung. 

Noch ungedruckt; das Siegel ist weggeschnitten. Dieses Dociuuent 
reiht sich an die oben bei No. 15 und 22 angeführten Urkunden von 



— •« — 

den Jaliren 1358 und 1383, weldie sich auf Streitigkeit«!! zwischtB 
denen von Heidegg und dem KloUer Muri beziehen« Die Urknnde 
gibt hier nicht an, worab der streitige Yogtzins gefiülen. Eigen- 
thümlich sind die darin eingeflochtenen Anreden. 



1402. I^etztwillige Yergabimg zwischen Ehe^tten. 

(Q. IV. I. 4.) 

Allen den , die disen Brief ansechent oder hörent lesen , kund 
ich Rudy Nesen, Vogt ze Vilmeringen , yergich offmKch mk 
diaem brief, daz ich da aelbs ze Vilmeringen in dem Dorf 
offenlich ze gericht aass ansUU der Hocherbomen dwlächttigeii 
Fürsten» der Hertzogen von Oesterrich» nuner gnädigen 
Herrschafll, Ti^d von sunder heissens vnd empfdchens wegen 
dez fromen , wisen Hansen Schullhn. , Vogt ze Lentzbnrg , mins 
gnadigen Junkhn. Da in offenem ynd gebannenem gericht für 
mich kament Rudi yon Werwil, sässhaft ze Hilfikon, mit für- 
sprechen «a eim teil, ynd Mechtilt Mossheim, sin elicbe fröw, 
mit försprechen an dem ändern teil, vnd gieng derselb Rudi 
Yon Werwil in geridit dar wolbedachtlich, gesunt libs ynd sinne, 
f r jlich , mntwileklich ynd ynbetwungenlich , ynd gab da recht 
ymi redlich d^ obgenannten Mechthilden, siner ehlidien fröwen, 
alles daz gut, Kgendes ynd yarrendes, gends ynd stendes, Pfen- 
ning, pfenningswert ynd wie gut geheissen oder genempt ist, 
4az er nu ze mal hatt oder noch jemer me gewinnet, das er 
nach tod yerlasset ynd zu end siner wil bringet ynd er ersparet, 
daz Bj dez gentzlich ynd lutt^lich recht erb sin sol an men- 
lichs sumnis ynd irrung, ynd sol er aber daz gut messen, yntz 
ze end siner wile yngeuarlich, ynd aber nieman anders geben 
noch yermachen, noch in dheiner weg Mechthilden, siner elichen 
fröwen, empfrömden. Vnd also so yolfürt ouch der obgenannit 
Rudi yon Werwil die obgenannte gab gegen dieselben sin« 
elichen fröwen da in gericht mithand und mit mund ynd mit 
wortten yud mit werchen ynd mit aller gewarsam ynd Sicher- 
heit, so da zu gehört ynd alz ze Vilmeringen in dem twing 
ymb süiich Sachen recht, sitt ynd gewonheit ist, als yer da]? 



I 



— 302 — 

yf den cid einhelleklich erteilt ynd erkent wart, daz die ob^ 
genannte gab ab verr beschechen wer, in gericht nach recht 
mit vrteil ynd mit recht, daz sj billich nu vnd hienach stät be- 
üben kraft vnd hantnesli haben sol eweuklich. Vnd do diss 
also beschach nach recht, do gieng aber derselbe Rudi von 
Werwil dar in gericht vnd entzech sich der vogtje über die 
obgenannte Mechthilden, siner elichen fröwen, diedelb voglje 
ouch in gericht nach recht von im yf genommen wart, ynd mit 
yrteil, ynd yon siner bette empfolchen ist Jennin Gerütter, 
Bürger ze Bremgartten, derselben Mechthilden obgenannter sun, 
nu ynd hienach ewenklich. Vnd do diss alles also beschach, 
do wart ein brief ynd yrkund yon dem gericht ymb diss sach 
ze geben yf den eid erteilt! Herymb ze yestem yrknnt aller 
yorgescbribnen dingen ynd ze einer Zngsami diser sach han ich 
der obgenannte Rudy Nesen ernstliche erbetten den obgenann- 
ten Hansen Schnlthn., Vogt ze Lentzburg, minen gnädigen 
Junkhn., daz er sin eigen Insigel hatt gehenckt an disen brief 
yon dez gerichts wegen, wand ich eignes Insigels nüt han. Daz 
ouch ich der obgenannte Hans Schullhs., Vogt ze Lentzburg, 
yon siner bette wegen ynd dez gerichts wegen getan han , doch 
mir ynd minen erben in allweg ynschedlicb. Daby warcnt in 
gericht die erbern Pentclli Brunuer, Schulths ze Bremgartten , 
Klein Vli yon Wile,. Burger daselbs, Hentzman Scherer, Vlman 
yon Bullikon, Heini Kastler, Rudi an der Matten, der schmit 
yon Vilmeringen, Cuni yon Ifensch, Heini Bämmesli, Welti 
Bömler yon Wolen, Erni Stapffer, Cuntzi Schmit ynd Peter 
Nagel yon Sarmenstorff ynd ander erber Lütten, yil. Geben an 
Donstag nach der alten yasznacht dez Jares, do man zalt yon 
Christus geburt Viertzechenhundert jar, darnach in den an* 
dem jar. 

B e ui e r h u n g. 

Noch ungedrnckt. Das Siegel ist wcggeschnitieu. Der Inhalt 
dieser Urkunde ist mehr für die Privat- Rech tsgeschicfate bemerkens- 
werth, so wie die früher bei No. 21 augefiihrlen Instruinente. Sie 
geben Aufschlüsse über die Rechte der Ehegatten, letztere zwei über 
Versicherung von Morgengabe und Heimsteuer, das hier mitgetheilte 
über letztwillige Vergabung des Vermögens von Seite des Ehemanns 
an seine Frau. ^ 



/■ 



— 303 — 



S6 



1402. Spruch zwischen dem Abt und dem Convent 
zu Muri um den Kirchensatz zu Sursee. (Q. lY. A. 2.) 

Wir graff Hans vonHabspurg, Herre ze Louffemberg,. 
Heiorich Gessler vnd Henman von Rcinach, Ritter, Tun kunt 
mit disem gegeqwurtigen brief. Als vnser gnediger Herre von 
Oesterrich die kilchen ze Surse dem erbern Herrn Cun., Äpt 
des gotzhus ze Mure , vnd dem Conuent vod Herren gemeinlich 
daselbs an ir tisch geben hat, darrmb aber die Herren gemein- 
lich etwz zuspruchen von derselben kilchen ynd der nutzen wegen 
wider iren Herren den Apt hant, derselben zusprnch aber der 
apt ynd si vlT yns früntlichen ynd mit bedachtem mut komen 
sint, mit sölich bescheidenheit ynd rechtem geding, wan wir 
yns erkanden, oder harymb z wüschet sy sprachen, daz si das 
war ynd stät halten ynd haben , daby beliben ynd gen einander 
gar ynd genzlich yoUfürren solten. Ynd nach ir bcid teil für- 
legung, red ynd widerred, so haben wir yns nach gelegenheit 
der sach erkent ynd zwüschent in gesprochen ynd si gen ein- 
ander entscheiden, daz der yorgenannte Apt Cun. dis sumers 
anyacben ynd daz kloster in disen siben jaren nechst nach ein- 
ander künftig yngeuariich, als yerr er kan oder mag, buwen 
soll mit hüsern, stnben ynd andern gemachen, als es yor kriegen 
gewesen ist. Darzu sol er allen priestern ynd dien., so kappen 
antragent, dieselben siben Jar nfs iecklichem jerlichs zu der 
alten pfrund geben zwoy malter korns ynd ein malter habem. 
Vnd sol in daz ietz ze stund anyacben geben ynd dannenhin 
die sechs Jar yfs. Der yorgenannte Apt sol öch disi siben Jar 
by der kilchen ze Surse ynd den nutzen daselbs rüwklich bliEen, 
ynbekümbert yon den Herren, ynd wenn sich die sieben Jar 
nechst nach einander yerlouffend ynd y& sind, dernacA so sei 
ynd mag ietweder teil wider zu sinen rechten griffen ynd langen, 
ynd daz eryolgen, wa inn daz billich oder recht dunkt, won 
wir nu ze mal dis sach nit anders bestelt haut, denn ietwederm 
teil an^ sinem rechten an all weg ynuergiriffen ynd ynsche<ttidi 
angeuerd. Dis spruchs haben wir zwen glich brief geben, iet^ 
^wedenn teil ein, besigelt mit ynser allen anhangenden Insigeln 



md darza erbcftieo deb Edeln, fldnen Lieben öheim Johansert 
von Lnppfen, Landuogt, daz er zu merer Sicherheit ynd züg- 
aam All yorgescliribn sach ynd geding sin eigen Insigel zu den 
Tsaem gehenklt hat. Gleben zu Baden. An Sant Anthonyentag 
nach Christs gehurt yierzechenhundert Jar, darnach in dem an- 
dern Jar. 

Bemerkung. 

Diese Urkunde hat auch M. Herrgott. Alle Sigille fehlen. Sie 
gehört zu den Sorseer Kirchenurkunden, gewährt aber interessante 
Auftchlüsse nher die damaligen Schicksale des Klosters, welches in 
sidien Jahren wieder wie es vor den Kriegen gewesen auijgebaat 
werden ninsste, und über das Klosterleben. — Deii Grafen Hans von 
Habsbarg-Laoffenburg haben wir schon oben bei ^o. 26 getroffen. 



SV. 

1403. Terg^abuBgsbrief um die Kirche yon LunMiofen. 

(I. I. A. 1.) 

Wir Leupolt, you gots gnaden Hertzog ze Oester- 
reich, ze Steyer, ze Kemden vnd ze Krain , Graue ze Tyrol etc. 
Tun knnt für vns, ynser Brüder und erben, daz wir angesehen 
Tnd betracht haben, die groiSsen yerdearblichen sdieden, die die 
«rb^m gaiatlichien ms lieben andecbtigen • « der Abbt • . der 
ConueDt Tnd das Gotdiws ze Blure von unsem yngehorsm . *. 
den Switzem manigueltikllchen emphangen haben , ynd das andi 
diwsiclb Gotshaus ynsrer yordem Stift ist, ynd der yil daselba 
begraben sind, dainir wir in billich idler gnaden und fürderuagen 
pUicfatig sein, ynd also haben wir in durch derselben eriuntnufr 
ynd auch durch vnser S^ail willen die Kirchen Lunkhofen^ 
rttB&t Iiehenschaft, ewüüich gegeben ynd in aigens weis yer« 
•diriben aigen ynd yerschreiben auch wisaentlidh mit craft düc 
briefa in solicher masse, daz sy die mit aller zugriiörung för^ 
basaer inncdiaben, nutzen ynd messen sullen zu irem tisch yad 
le urs gotshaus notdurft als ander ir Kirdien ynd aigen guter 
vnd ^ mit den Brüdern irs ordens ze yerwesen, ze besetien 
ynd aaaiericliten , als si denn ander ir Kvche» tun, die lu irem 
golahanse gehören, an yns, dw yorgenannten ynser brüder ynd 



erben kruiig f nd hind^miisse an geuerde. l^anon enipheUben 
war vm^ lieben getrcuwn, allen yns^m Lantnogied, Hmbllealen, 
Herren j RiUern vnd Knechten, Burggrafen, Plegem, Schalt-' 
beisaen^ Ao4>llealen vnd andern ynsem yndertan, dai dtsep 
brief gelz»^t wfardt, daz si den egenannten Abbt, .sefin Comienl 
ynd sdn goCsbaos bey der vorgenannten Ysser ' gnad ynd Kirchen 
ze Lunkhofeb yestikKch halten ynd schirmen ynd nicht ge- 
statten, daz in yeman kain inuel noch irmng daran tu. Wan 
wir das ernstlich maynen Mit yrkund ditz briefs« Geben le 
Ckretz an vnser Frowen tag ce Lieditmesse. Nach Krists ge- 
bittde yiertzehn hundert Jar, darnach in dem dritten Jare. 

Bemerkung. 

Noch ungedrackt, an einigen Stellen yerblichen« Das beschädigte 
Siegel wie oben bei No. 31 u. 32. Murus et Antemiur. erwähnt dieser 
Urkunde und führt daraus nur die Stelle an, welche die Zueignung 
an des Klosters Tisch und die Befugniss zur Benützung und Besetzung 
dureh Ifoiider ihres Ordens enthält. Als I. 1. A. 2 liegt noch im 
Archiy ein Vidimus des Notars und Glericers Heinr. Burer von 
Bmgg, yom J. 1404, 8. Juli, worin der ont^r No. 28 mitgetheilte Be-^ 
stätigungsbrief Leopolds und obiger Schenkungsbrief um den Kirchen- 
satz Lunkhofen abgeschrieben sind. — Im J. 1406 bestätigte auch 
Herzog Friedrich wie die Kirche zu Sursee, so die zu Lunkhofen 
dem Kloster. Im Jahr 1414 erklärte Papst Johann XXII die Ein- 
verleibung dei' Kirche zu Lunkfao£en mit d^em Kloster und nannte dabei 
n«r den Herzig Friedrich ids Vergaber. — Wie wir bei den Kirchen- 
sätzen zu Sursec , Boiwil , Eggen wil wahrgenommen , ging mit den- 
selben nicht der Zehnten der ganzen Pfarrei zugleich über, sondern 
2ehnttheile mussten später vom Kloster eingelöst und angekauft wer- 
den. Bas Gleiche finden wir bei Lunkhofen , so kam der sogenannte 
€llllUiz<ehnten zu Lunkhofen erst 1.500 yon^ Heinrich Glätli von Brein- 
garCen um 415 Rhein. Gulden kaofsweise an das iüoster. 



^ 1404. Schuldbrief. (Q. IV. No. 4.) 
Ich PeiiiöHy Bfümer, Borger z0 Bremgd^ten, Ich AMbek, 



rfa eüd^ Itöw 9 yeriechend' offnilich liiit diesem, daz wir bede 
VMttdfäldeiilicli^^rBd yne^erben ob wir enweret, die wir y^tenk- 
lidi herzabiod^nt, redhi ynd redlich schuldig siiii ynd galteh 
I. 39 



— 30i6 — 

sönd dem erwirdigen, geistlichen Herren Her Cnnratten von 
gottes yerheugt apt ze Mqre, oder dem, der disen brief von 
sinenwegen inne mit sinem willen, S^chä pfunt genger stebier 
müntz ze Ergöw vmb körn , daz wir darvmb Yon im empiangen 
liand ynd in ynsren gütern nutz komen ist, ze richten vnd ze 
weren yf die nechsten künftig Wiechnachtten nach Dätt di(s 
briefls in ir yollen gewalt ynd gentzlich an allen iren schaden. 
Bescheche aber die werschafil nüt yf daz obgenannte zil ynd in 
der mass, als yorbescheiden ist, so sönd wir die obgenannten 
Schuldner oder ynser erben , ob wir enweret , dem obgenannten 
apt oder dem, so disen brieff inne het, ymb die obgenannte 
schuld gute yarende pfand geben ynd in antwurtten an alles 
yerziechen in iren yollen gewalt ynd an allen iren schaden, die 
sy geziechen ynd getragen mugend , dar an sy wol habend syend 
ymb so yil schuld , ynd die sy ymb so yiel genemmet ynd eins 
drittenteils besser syend. Denselben pfendern sy denne tun 
mugend, alz iren baren pfennigen mit yerköffen, yersetzen, yer- 
gantten, yerpfenden, in ir band ziechen, selb behaben oder wie 
inn daz füglich ist, an ynser ynd ynser erben ynd menlichs yon 
ynser wegen sumist, widerred ynd irrung. Vnd were, daz inne 
an den pfendern ichs ahgienge oder gebraste, waz daz ist, da 
sönd wir die obgenannten Schuldner od^ ynser erben ine alweg 
nachweren ynnzogenlich me pfender, alz dick ynd alz yil yntz, 
daz sy doch der obgenannten schuld ynd dez Schadens, so dar- 
yflf gangen wer, gentzlich bezalt werdet. Alles by dem eid, so 
ich der obgenannte Pentelly Brunner miner gnädiger Herr- 
schaft yon Oesterrich ynd der statt Bremgarten geschworen 
han; ynd ich die obgenannte Adelheit by miner trüw an eides 
statt, so ich och darymb yerheissen ynd gelobt han. Es were 
denne , daz wir es fürer behübent mit ir willen , daz sol yns an 
yhsern eren noch inen an dheiner stuck, so disen brief wiset, 
keinen schaden bringen. Wer ouch, daz der obgenannte apt 
oder der, so disen brief inne het, ymb die obgenannte schuld 
oder ymb den schaden , so daryf gangen wer , dheinist werben 
müstend mit gerichtoder an gericht mit nachiagen, nadiklagen, 
hotten oder brief ze senden, rittend oder günd oder wie sich 
^z gefügte, ynd sy dez in kosten, schaden od^ zerung kämend, 
denselben kosten, schaden ynd die zerung sönd wir die obge- 



— 807 — 

naunleii s^bulduer oder vnser erben ioen genizUch richten vnd 
bemalen , alz daz Höplgui by der obgenannten vnser gelobt. Vnd 
sol och vns die obgenannten Schuldner vnser gut vnser erben 
vnd dero gut vor allem dem, so an disem brief bescheiden ist, 
nüt sdhirmen, helfen noch dekken, kein recht, fryheit nochge- 
wönheit, kein gericht, geistlichs noch weltlichs der Herren, 
der stetten, noch dez landes, kein verbietten, verhefilen, ver* 
pf enden, insatzung, gemecht, acht geleit, noch ban, noch kein 
fund, vfzug, stuck, artikel, noch geuerd, so letzt funden ist 
oder noch iemer funden oder erdacht wirt, denne alleiq es were 
denne, daz wir es mit ir willen fürer bestaltend, alz Vorbe- 
scheiden ist. Hervmb ze vestem vrkund, so ban ich, der ob- 
genannte Pcntelly Brunner, für mich, für Adelheitten, min 
eUchen fröwen, dero gewüsser vogt ich bin, vnd für alle vnser 
erben, die wir yestenklich herzu bindent, min eigen Insigel 
offenlich gehenckt an disen brieff, der geben ist in dem meyen 
dez jarea, do man da zalt von Cristus geburt viertzechenhund^ 
vnd vier Jar. 

Bemerkung. 

Noch ungedruckt; das Siegel ist abgeschnitten. Diese Urkunde 
hat wieder mehr privatrechtlichen Werth. Ihr Styl ist etwas un- 
beholfen. Interessant ist, mit wie viel Worten der Begriff >;Ohne 
Gefährde ^^ umschrieben ist. 



39. 

1405. Yerg^leich um Anspräche auf die Kirche zu 

Sursee. O. I. A. t). 

Allen den, die disen brieff ansehent oder hörent lesen, kund 
ich Albrecht von Honburg, Ritter, vnd wir Rudolf vnd Hein- 
rich von Honburg^ alle dry gebrüder, vnd'uerjechent offenlich 
mit vrkund dis brieff für uns vnd alle vnser Erben vnd nach- 
komen, die wir festenklich harzu vns in dis sach verbinden^ 
mit disem brieff, von der zusprach vnd roisshellung wegen, die 
da sind gesin zwuschen vns zu einem teil vnd den erbren vnd 
geistlichen Herren, H. Chunraden, abbt des gotzhus ze Mure 
vnd sinem Conuent daselbs^ zu dem andren teil, vmb die kilchcii 



— wm — 

se S«rte ybA ^nb alle die füter, in^, ms ymI cchrndea, nüu 
«rfegenomen, die zu derselben kilcben gehörait. Diesdbeo stc^ 
vnd mürtieHung d^ Edd, wol erbern Graff Haii9 von Lupfen, 
Lantvogt yns^ gnedigea Herschafft ¥oa Oesterrieh mit 
beider teil wilfen viid wissen fräntiieh gentEÜc^ yerridit ynd 
varsefalicfat bat. Also ynd ab fer das wir, die obgenanten yon 
Honbprg , den y orgenanten abbt , sin Conaent ynd gotdins ynd 
ir nachkomen gentzlich ledig ynd los sagent nu ynd hie nadi 
ewenklicb für yns, ynser eri>en ynd naebl^omen yrab die ob- 
genanten zusprach ynd mifehellung yon der obgenanten kildien 
ze Stirse wegen ynd ir zngehörung. Fär dies^ea zusprach 
ynd anfsheliung yns der yorgenanten abbt ynd sin Gonuent ge- 
ben ynd weren sond sechzig ynd zwen rinschen guldin an gold 
ynd gut an der giewicbt. Derselben giüdin wir öch gentzlich 
yon inen gewßrt ynd bezalt siiid, d^s wir och yerjechert mit 
.^rkisuid dis brieffs. . Wir die yorgenanten yon Honhurg ^ond 
ödi J^ yorgenanten abbt ynd sinem Conuent hin .y& geben 
ynd in ir gewall antwortten alle die brieff, die wir ymb die 
obgenante kilchen ynd lechen band giefaebt yon ynser gnjsdigen 
Herschafil yon Oesterrieh, yud öch sust alle die rödel, die wir 
öch ipne band gehebt, die zu der obginiantea kilchen ynd ledien- 
schaß ze Surse gehörent. Wer öch, das sich also kein brieff 
hintjßr yns yerieg', der sol tod vnd kraffUos jsin ynd dem yor- 
genantein abbt ynd sinem gotzhus, sinem Conuent ynd nach- 
komen gentzlich an allen schaden. sin nu ynd hie nach ewenk- 
licb. Dis alles ynd jeklichs besunder, so hie yor yon yns den 
yorgenanten yon Honburg allen geschriben statt, haben wir alte 
drig ynd jeklicher in sunder yerheissen ynd gelopt bi guten 
trüwen für yns, ynser kind, ynser erben ymd nachkomen, war 
ynd statt ze haben ynd das ze fol füren ynd dawider nüt ze 
tun, noch Schaffen getan durch yns noch durch ander lüt, ynd 
sol öch yns, ynser erben ynd nachkomen nüt dayor sdiirmen, 
noch dekken, kein fund, sach, artikel, wort noch wer<^, das 
nu funden oder erdacht ist oder hienach funden oder erdacht 
Wirt. Vnd des ze yrkund , yergicht ynd gezügsami aHer dieser 
yorgeschribnen dingen , so han ich der yorgenante Albrecbt ^en 
Honbui^, Ritter, ynd wie die yorgenanten Rudolf ynd Heia-^ 
rieh yon Honburg, alle dryg gebrüder, für yns, ynser ^Mrben 



— 309 — 

vnd nacMioineii vnser ieklieher intoiider sin eigtn Inaigd offes^ 
lieb gebenkt an disen brieff, der gelben isl an dem neehslM 
mondag 'vor vnser fröwen tag ze der Liechtmift. In den Jar, 
clo man zeit tob goUes gebart Toskig fierbandert Jar, damacb 
in dem fünften J«*. 

Bemerkung. 

Noch ttngedrackt. Von den drei Siegeln der von Honbnrg sind 
zwei zerfallen und unkenntlich, aiff dem mittlem stehen die zwei 
Hirschgeweihe, das Wappen Honbnrgs. 

Nach dieser Urkunde stiess das Kloster Muri bei der Erwerbung 
der Kirche von Sursee nicht nur auf NebenansprMche des Berebt^d 
von Kyburg und der Edlen vonKipf , sondern auch auf die der Edlen 
yon Honburg» Diese Letztern werden jedoch nicht näher angegeben. 
Vergleiche die Bemerkung unter No. 31. Den östreichischen Landvogt 
Hans von Lupfen trafen wir schon oben. Herzog Leopold nennt ihn 
seinen Oheim. 

Noch liegen im Archiv jüngere Abschriften — ohne Tidinms -^ 
von zwei im gleiehen Jahr 1405 ausgestellten Urkunden , deren Inhalt 
zu erwähnen ist. Nach denselben , gegeben am nächsten Montag nach 
Allerheiligen Tag und Samstag nach St. Martins Tag, legen Graf 
Hans von Habsburg, Herr zu Lau£fenburg, als der Fürsten der 
Herrschaft von Oestreich Landvogt, ferner Graf Otto von 
Tttierslein ,' Rudolf von Aarburg , Freier, und Hans Schulthess , Vogt 
zu Lenzbnrg, die zwischen dem Kloster Muri und Schnltheiss, Bath 
und Bürgern von Sursee über die Wahl des Leutprtesters, über dessen 
Einkommen, über die Besetzung der drei Pfründen zu Sursee etc. 
ge walteten Stösse und Misshellung bei. 



40. 

1406. Das Lehen eines Altars und Schutz för das 

Kloster. O. I. A. 10. 

Wir Leupolt» von gols gnaden Herlzog zeOesterreicb, 
ze Sleyr, ze Kernden vnd ze Krain, Graf zu Tyrol etc. Tun 
kunt für tus, vnser Brüder vnd erben. Ab vfir vor zeitten mit 
dem erbem geistlichen vnserm lieben Andecbtigen . . ., dem 
Abbte von Mure, eines Wechsels miteinander vberain komen 
sein in solieher maus, daz wir Im die Kirchen zu Sursee nut* 
sampt den vier Altarn, so darinn iigea vnd gestifil sein, die mit 



— 310 — 

der Ldienschaffi von vns rüren, vodb den Hof zu VVeUikoo, 
lab das die brief, die wir darvmb aneinander haben gegeben, 
aigeidcichen weisent, ynd man aber ron solcher gnad vnd brief 
wegen, die denn von ynssern vordem seiiger gedechtnufs oder 
yns darauf sind gegeben, dem egenanten Abbt ynd sinem Gots- 
haus an den Lehenschefilen denselben Altaren ingriff beschehen 
sind vnd vielleicht hiefür beschehen mechten, als yetzund be- 
schehen ist von dem erbern vnserm Andechtigen Rüdigern Speng- 
ler vmb den Altar, so von weilen t Hainreichen Mejr daselbs 
ledig ist worden, darvmb aber sy vnser Ret von vnsers em- 
phelhens wegen in ain bracht haben in solicher mafs, daz der 
egenante Spengler denselben Altar von Im nu emphangen hat. 
Also haben wir demselben Abbt vnd seinem Gotshaus gelobt 
vnd verhayssen wissentlich, daz Im fürbazz solh brief vnd gnad, 
die den yemand von vnseru vordem oder vns darvmb hett an 
der Lehenschafft derselben Altar, fürbafs keinen schaden brin- 
gen sol, sunder ob die yemand von vns oder vnsern vordem 
weren verschriben, sollen wir abtragen, als das auch des egenan- 
ten Abbts brief, so er darvmb von vns hat, aigenlich begreiflet. 
Dauon gebieten wir dir, dem Edlen vnsserm lieben Oheim, 
Graf Hansen von Habsburg, vnserm Lantuogt, oder wer 
yn ze den zeitten vnser Landuogt ist, daz du den egenanten 
Abbt von Mure vnd sein Gotshaus bey der egenanten Kirchen 
vnd auch der LehenschaSt der Altar vestikleichen halttest vnd 
schirmest vnd nicht gestattest, daz Im jemand fürbafs darinn 
greyff , noch dhein Irrang daran tu von vnsern wegen in dfaain 
weis nach der egenanten vnser brief sag, vnd das nicht lasset, 
wan wir das ernstlich mainen. Mit vrkund ditz briefs geben 
ze Baden am zynnstag nach Sand Jobannstag ante portam latinam. 
Nach Christ geburde vierzechenhundert Jar vnd darnach in dem 
Sechsten Jare. 

Bemerkung. 

Bei M. Herrgott wortgetreu, jedof^h mit Abweichungen in der 
Schreibart abgedruckt. Siegel mit dem östre ichischen Wappen, dem 
Adler und dem Löwen. S. bezüglich des Inhalts nachfolgende No. 41. 
Bei den oben angeführten Tauschurkunden um die Kirchen zu Snr- 
see und Villmergen No. 30 und 31 wird Hof Bcllikon , hier Wellikon 
geschrieheu. Solche Verschreibungen trifft man öfter in Urkunden» 



— 311 — 

SQ z. B. scbröibt die Originalurkunde vom Jahr 1168 bezügltcii der 
St. Martinscapelle in Boswil ^^Pohmlo'^ dagegen die darauf fo%ende 
» Pozwilo *'. S. oben Seite 11 u. 12. Auch D. Tschudi und M. Herr- 
gott drucken dieses eben so richtig ab. £in Kritiker wollte uns, 
freilich ohne zu vergleichen, ein Uebersehen vorwerfen. Wo ist 
nun dasselbe ? 



41. 

1406. Das Lehen eines Altars zu Sursee und der 
Kirche zu Bremg^arten. E. III. A. 4^ 

Wir Leupolt, von gots gnaden Hertzog ze Osterrich, 
ze Steyr, ze Kernden vnd ze Krayn, Graf ze Tyrol etc. Bcj- 
chennen für vns, ynser lieben Brüder vnd Erben. Als yetzunt 
der erher geistlich vns lieber andechtig . . ., der Abbt von 
Mure, den Altare, so denn newlich in derLeutkilch ze Sursee 
ist ledig worden, vnd die Lehenschaft desselben Altars wir Im 
mit der Kirchen daselbs ze Sursee vnd andern Altaren daselbs 
mit vnsem briefen verschrieben vnd gegeben haben vmb den 
Hof zu Bellikon, als das die brief, so zu baiderseit darumb 
z wisch envns sind geben, aigenlich weisent, dem erbern vnserm 
andechtigen V Chunraten Brunner von Mure verlihen hat, vnd 
desselben Altars er aber vnsern lieben andechtigen 'Rüdigera 
Spengler von vnser Bete wegen hat abgetreten, Also haben 
wir Im dadurch vnd von sundern gnaden die Gnad getan vnd 
tun auch wissentlich, wenn die Kirchen Bremgarten, die mit 
der Lehenschaft von vns rüret, am nächsten ledig wirdet, daz 
wir denn die dem egenanten Chunraten Brunner vor aller menc-^ 
liehen verleihen vnd In vnserm lieben freunde . . , dem Bischof 
zu Constentz, dartzu antwurtten vnd presentyren willen vn* 
geuerlich. Mit vrkund ditz briefs. Geben zu Baden an Zynstag 
nach dem Suntag Gantate. Nach Kristi geburde Viertzeh^- 
hundert Jar darnach in dem Sechsten Jare. 

Bemerkung. 

Noch nie abgedruckt. Siegel mit dem östreichischen Wappen, 
dem Adler und dem Löwen* 

Diese Urkunde ist mit der vorhergehenden Nummer und den 
andern über die Kirche und Altäre zu Sursee angeführten , dann amh 



\. 



I . 



— SU <- 



Mit äem im Ardhv -W^ttMigeii UegtmAok BrM Leop^ds vom J. 1396 
Mwammett tM luüteii. Nach 4er erdern überliess Conrad Bnuiner 
amen dam Klostar Muri gehdranden Altar in det Kirche zu Siir$ee dem 
Rüdiger Spengler und empföngt dafür das nächste Lehen der Kirche 
&*enigarten. Nach der Letztern hestätigte Leopold schon früher dem 
Rüdiger Spengler Ton Baden die Lehen des Altars zn Sarsee und 
der Lentpriesterei zn Baden. Das in 4em vorhergehenden No. 40 
▼emrknndete Abfinden mit Spengler wird dnrch Letzteres Ter» 
ständlicher. ^ 



49. 

1406« Urkunde über die Kastvogteiverhältnisse« 

G. m. £.1. 

Wir Fridreich, tob goto gnaden Hertzog ze'Oester^ 
reiehy zt ^ejr^ ze Kemden ynd ze Krain, Graf ze Tjt^ etc. 
Ton knnt für die hochgeboren forsten , ynser Ikkten Brüder 
Tod yettern, yns ynd nnser erben. Wan das wirdig Gotshans 
ze Mwe yon yreilent Kaiser Hainrichen dem yierden lobKcher 
gedechtnufs ^wirdiklich gepawen, gestift ynd gewidemt ist, 
ynd auch dieselb Stifitung yon Kaiser Gfaunraten auch löblidier 
gecbschtnulii ist besteClet worden, diesdb Ordnung ynd Stiftung 
yon weilent dem erwirdigen Wernhern^ Bischouen M-Stnrfs^ 
bnrg, dem Graf yon Habspurg, was dargmit, ynd er ^ 
Abtey daselbs mit erbficfaeu Rechten yötlikUch besazz« als das 
die brieff, frejhcoi ynd Stiftpücher, die dasselb Closter ze Mnrö 
bat, aigenllch begreiffent. Vnd sunderKch wan das egenannte 
GoldmQs in solicher maüi gefreyet ist, daz es mit allen seinen 
xugebSrungen, die es dozemal hat ynd noch gewunne^ ynder 
kifoer weldidien Personen gewdt nimmer komttien solt , newr 
alaitt seins Abbts ynd seins Kastuogts yndertdnkeit sott gebor«« 
sittt ion» Ab an<A dan nu mit erbschaft ynd rechter gewak«' 
sam an yns ynd die Herschaft yon Oesterreicb geuaHen ist, dia 
wir des Gotshaus Kastuogt sein ynd seine Leut ynd guter ze 
yersprachen haben , als das denn yon alter her au yns ist kom- 
men. Danach so haben wir dem Gotshaus ze Mure die gnad 
getan wissentlich mit dem brief , daz ain yeglicher Abbt daselbs 
jMich iB Mayen» ze Herbit ynd zu Sani Hylmrientag die drew 



Gericht, die wir mit sanderfaeit ze richteu haben, ainen Richter 
nemen sol vnd mag, wer im dtrzn fügt, der in ynserm namen 
das Gericht besaz vnd verwese nach des Gotshaufs alten gesetz- 
ten, doch yntz an vnser widerruffen. Wir geloben auch, daz 
wir, noch yns nachkommen ynser Kastuogtey desselbel gots- 
haoss nyemant anderm em|^felhen suUen oder wollen, noch die 
yerkümbem oder versetzen an dhain weis. Sunder wir sollen 
ynd wollen das egenannte Gotshaus, darzu all sein Laut vnd 
guter gnadiklich hanthalten » schirmen ynd beschütten, daz sy 
wider alte Rechte ynd Gewonheit ton nyemant höher gedrangt 
wwden. Vnd sollen auch yns von demselben Gotshaus an den 
Rechten, so es von alter einem Kastuogt pflichtig ist gewesen, 
benügen lassen, ynd in in Ir freyheit, Recht oder gewonheit 
nicht greiffen , noch sy hoher drengea, denn als yon afi^ her 
ist kommen ane geoerde« Wi yrkund ditz briefs. Geben ze 
Baden an Sontag nach Saud Micbelstag. Nach Christa gepurde 
in dem yiertzenhondertisleii tud di^n Sedtfften Jare. 

Bemerkung. 

Ueber den Abdruck bei M. Herrgott ist zu bemerken, was bei 
No. 40. Das Siegel enthSIt das östreichische Wappen, den Adler und 
den Löwen. 

Die Schicksale des urkondenden Herzogs Pridrich gegen das Reich 
und die Eidgenossenschaft, $o wie die der Zum Aargau gehörenden 
Gegend yon Muri sind bekannt. Bald rückt die Zeit heran, wo Habs- 
burg oder Oestreich aufhörten , in und über diese Gebiete zu Ur- 
kunden. ^ Bemerkenswerth sind in den angeführten Urkunden die 
kastyogteilichen Bestimmungen (9. unten No. 45), so wie das Gitat 
der ^Stiftpücher^, worunter die Acta fundationis Murensis Monas t, 
zu yerstehen sind, neben den Briefen und Freiheiten. 'Wir treffen 
yon da an dieses Schriftwerk, wele)ies hier yon der Eigenschaft einer 
Chronik und eines Verzeichnisses des gestifteten und erworbenen 
Vermögens und der Besitzungen zu einem Rechtstitel erhoben wird, 
noch in mehrern spHtern Schirmbriefen aufgefShrt. • 






1. 40 



-s Ji4 — 



t, 



Scbacbzabelbucb Ronrads Ton Arnmenbaiisen 

und die 

Zofinger Handschrift dcsselbeD» 



Ton 



Wilhelm TVackernagel 

(Schluis. ) 



VJeriein der Kaufmann, S. 184 a — 20$ b. 

184 a. Drije yenden hab ich berichtet hie; 
Dar nach fol man merken, wie 
Der Tirde lol 'gefchaffen wefen. ^ 
Als ich <mch hie hah gelefen, 
Er fol vor dem künge ftan, 
Vnd fol eins mans gefchefiPte han , . 
Vnd fol in finar rechten hant . 
Ein wage han, als ich es yant 
All difem fchachzabel bnechelin, 
Vnd in der linken hende fin 
Ein ein ftab er haben fol, 
An finem görtel ein fekel vol 
Phenning, da mit er fol wern, 
Wes man von dem kung kan gern, . 
Vnd da von fol e^ billich ftan . 
Vor dem küng^ als ich es han 
An difem bnoch gelefen hie. 
Der felbe vende betintet onch die, 
Die eines künges Schatz emphant, 
Vnd mit dem wechfel vmbe gant: 
Diu wag vns das betiaten kan, 
Wann mit der wag vil dike man 
h. Silber vnd onch gold emphfat, 
Vnd gibt es wider ts. So hat 
Der biatel onch wetintonge wol. 
Das er die betiaten fol, 
Die ze behaltenne gnot emphlSant; 
An dirre triawe fleh die liute lant. 



f t 



I 



~ «IS *- 

Das ein metf das er fol hau, 
Bi dem mag man och 're^ftan, 
Die wüllin vnd die linin tuoch 
Verkoufifent bi der ein. dis buoch 
Vns bewifet, das die all fon hau 
Triawe, viid gitikeit fon lan, 
Diu ein dienft der abgüten ift. 
Wann der gitige ze aller frift 
Den phfennung für einen got hat. 

• 

Also vom Laster der Habgier und d^s (Geizes, bei Männern 
und bei Frauen; dann von der Treue und Wahrhrftigkeit der 
Kaufleute, der Wechsler und solcher, denen zur Bewahrung 
Gut anvertraut wird« 

194 6. Noch eines, das ich nicht eawant (enyant) 

I 

An difem felben baechelin, 
Das muoCl ich onch werfen har in; 
Das in tiutCchen landen befchach. 
Es würde vil lieht vnge^ach 
Dien Swaben, feite ich von ir'trüwe nicht, 
Der man doch na leider wenig ficht. 
^ Ein erber brieflor mir» gefeit hat,! 
Das in fwaben ift ein guot ftat 
Von dem bodem fe Terre nicht; 
Da befchach euch ein gnot gefchicht» 
Als ich indi wol fagen kaa. 
In der felben ftat faffbn tzwen man, 
Die waren gar erber; 
Das ich da mitte bewerre. 
Das fi taten erberklich. 
Der dritte was in wol gelich; 
Das was einer yfwendig der ftat. 
Als mir der brifter gefeit hat, 
Des fol heb nidit vergeffen, 
Die zwene waren gefeffen 
Bi einander, das fi nit wan ein want 
Schied, von mir vngenant 
Sint fi: das ift. ane fache nicht.|j 
Na merkent eine gaote gefchicht« 
Der dritte, der vfrent der ftat was, 
Dem faogte (ich ze einem male, das 
Er in die felben ftat kan, 
ynd vand der sweier einen man.. 



£rberlich fiUett4 VOr finiM't^r; 

Vnd do der fröi9ide giong i9X för» 

Vnd er recht ols eriÄerücb Tais % 

Do gedacht er in iln JMber» d|i$ 

Es behalten. M^ere g^ti 

Was er im gebe 2$e b^htUea dar; 

Als ouch getritüich da gefchacfa. 
195 a. Er gie für in vnd fpi^nch 

^^Genad, über Iwrrel wtni ir 

Ein wenig guotes behalten mir?^^ 
§ Der bürger antwurt vnd fpradi „ei*ber man, 

Id^ tuon dai- befte das ich kan, 

Al^ ob e^ min eigen w0rp/* . ,. 

Nu zöch der erbere 

Man vlTer dem buofen fin 

Zurei guöli ftük ßlberin, 

Vnd bot £i dem burger dar, 

Vnd fpracii ^^ heisre, nu nent des wär^. 

Als ich ein getrnwtfn %uo lueh han.^ 

Sus fchiet von dan der fr ütade man. 
9 Dar nach wol vber drin ^ar, 

Do kam deif &*ömde num fnr war, 

Vnd wolt fin filber wider han. 

Do vant er den andern man 

Sitzen t an der felben ftat, 

Da er fin gbot gegeben hat 

Ze behaltenne dem andern erberman. 

Zno dem fprach er y^das gaot, das ich ban 

Vch empholhen, herre min, 

Das hett ich gerne/* »Was mag das Tin?^* 

Sprach do der burger. 

Das weren zwei ftük, fwere 

Wol vff z w«llfir mark filbers vnd nit vil me , 

Sus fprach der, von dem ich feit e, < 

Der das filber zebehaltenne hat gebeii. 

Wie im befchach, das merkent eben. 

Zuo dem fprach der erber man 

yOb ich vch filber behalten han, 

Des hab ich vergeffen gar.^ 

Nu fprach za im her wider dar 

Der vfman »herre, nut reden i^o! 

Wan fo wurd ich niemer fro, 

Solt ich das filber verloren han t 
6. Wann all min hab lag dar an/' 



Der burger fprach ^nu laut e# alfa i'in. 
Ich wil fragen min wirtin: 
Diu gedenket villiplit )>a8 denue. jch/^ 
Su8 ging (gieng er) %m ir vnd fprach „frowci an mich 
Yordert gupt ein fremder ii^an: , . 
Libiu, gedenkeftu iut d^r. an. 
Das vns femlich gupt ^^pholhen ri?^' 
9 Si fprach ^der gedenkeu Hn ich fri. 
Ob Tns icht empholhen ift» . 
Das weis min fchöpher. au dirre frift 
Kau ich mich des nicht verftan, 
Ob wir iemant icht behalte^ han/^ 
§ Der burger fprach »was rateA aber du, 

Frowe, wie wir har zuo gebarten (gebaren) mi?^ 
§ Si fprach ,,wegfte dunket mich» 

Sit ers yordert alls endlich, 

Das wir im filber gebn, eben 

Als vil als er hat zebehalten geben 

Vns, das er fo werlich gickt, 

Vnd fwechen vnfer ere nicht 

Min liber wirt, das vemime. 

Wan lougenten wir des gutes ime, 

Man wände doch ieAer, er feite war» 

Vnd geloubte vns nieman vmb eiu bar, 

Vnd verluren vnfer ereu vU.* 
§ ,^Du feift wäre, frouwe. icb wil 

Im geben, was er federt an mich/' 

Sus ging er %uo im Tnd fprach »ich 

Habe mich mit miner wirtinne bedacht : 

Die hat mich vff den rechten weg bracht. 

Was fprechent ir das des filber fi? 

Das nement. bin ich denne fri?'' 
9 Er fprach ydas vergelt vch got: 

Wan ich were gar der lute fpot, 
. Het ich fo vil guotz verlorn. 
196 a. Da von laut es an zorn, 

Das ich das min gefordert han. ^' 

Der burger gab dem vfman 

So vil nibers, als er an in gert. 

Alfus wart er de« filbers gewert. 

Dar nach wol vber driu iar« 
Do verdrofT enen für bar, 
Der das filber gehalten hat, 
Vnd fuocht alle merkt tag inder {tat, 



— 818 — 

Ob er indert klmde 

Erfpehen le keitier ftund 

Ben felben, der im das füber hat 

Empholhen. na gieng er dnrcli die ftat 

Eins tags (tages , däi) im das geluk befehueh , 

Das er den felben vsman fach. 

Er fprach zuo ime ^ erber man, 

Wie lang fol ich in wer filber hanp 

Ich wenne, ir fin vergelTen hant, 

Das ir mirs als lang laokt/^ 

9 

Er fprach „herre, vnd hant ir icht 
Mins filbers ? des enweif ich nicht/'' 
9 Do fprach der btoger 
^Dis fint fromde mei^e, 
Ob des hant vergefTen ir» 
Das ir an tzwein ftühen mir ^ 

Emphalhent filbers wol zwelf^fiiark 
Oder in dem dinge, vhd ift ein ftark 
Ding, das ir vergeffen hant, 
Vnd es fo lang bi mir lant/' 

Do difiu rede alfosbefchaeh, 
Der vfman zuo dem barger fprach 
>> Wart iach von mir das filber emphelheA ? 
So maos ich iemer fchame dohn 
An minem hertzen, bis das ich 
Min (Miner) eren wider erkäfTere mich 
Gegen dem, der mir das iilber hat 
6. Gegeben, miner eren ift mat, • 

Ob ich nicht wiffe (büeffe) folhen fwach (fchach). 

Ich wil iemer ftellen dar nach,^ - 

Wie ich müge zao dem komen> 

Von dem ich hab das Iilber genomen : 

Wan der ift ein biderman, 

Vnd hab ich fere miffetan. 

Das befchach doch ynwilXeu mir. 

Vnd bitt iach, lieber herre, das ir 

Inch nicht lafTent betragen, 

Ir hellfent mir faochen vnd fragen , 

Wer der erber man mag fin, 

Der mir gaM das filber min, 

Des ich wände, ane generde. 

Ich hette des iemer befwerde , 

Ob er mir niut wurde erkant/* 



~ 819 — 

Do fprach der burger.ze luint 
yy'Es muos wefen der na^chgefanr . min ; 
Wan anders niag es nieman fin. 
Der ift ein fo getriuw^.man» 
Das ich nicht zwilel dar an, 
Ob ir es irorderten .an in , . 
Das im bald harn in den fin, 
Das ers Tch gab, wie das ers, nicht 
Von vch emphfienge. diu gefchicht 
Möcht harte wol befchen, 
Dar (Das) ir in fiir mich han^ b^fehen. ^ 

Der vfman fprach »im ift alfo, 
Vnd bin des von hertzen fro, 
Das ich hab fanden die warheit. . 
Nu taontz durch iawer beibheidenheit 
Vnd gant mit mir zno im dar» 
Das ich die warheit recht ervar, 
Vnd im wider werde, fin gaot. 
Sit er hat fo getrinwen mnoti 
Des fol er enh^en nicht: 
197 a. Im fol werden gar i>eric^ i 

Sin guot» das ich emphangen han ; 
Dar nach fol ich ze bnCfe iltan: .' 
Wie «r falber erkent ftdii 
Das fi im erionbt Tber -*-^'' ^ 



Mit difer rede giengen fl beidia dan, 
Vnd fondenl den eri^m nuÄ, 
Sitzende an der felben.ftat, 
Da er an in gefordret hatt 
Das filber, Tnd er ims ouch gab dar na. 
Vnd do fi in fanden da, 
Der TÜnan diemnetihlich zno im fprach 
»Lieber herre, mir ift. imgeaiach 
Ein gefchicht ift iuch w€in mir gefchehen. 
Der ich inch mit halden -wil Tcrgehen, 
Vnd wils ouch buefTen, wie ir falber welt.^ 
Er feit im, aUs Tch ift getzelt 
Da Tor, von ane genge. 
Es würd gar zelenge^ . 
Ob ich es aber folte fagen : ' 
Da von wil ich es verdagen, 
Das der rede icht werde ze yil. 
Ders gehört hat, vnd es merken wil. 



Der merk wol «tileB mrlttJ» : 

Der Tfnuiii äem barger gdi» 

Sin ruber wider, iis^ bÜüdi' wms. 

Dis hab ich gefeit VAb dM, 

Das man in tintfeben Unden «mch Tint 

Getriuwe linte, ob ir joc% l«cei fint: 

Mit ir vrloub ich das fpreeben fol. 

Ich bin nit gar ak, vnd gedenk doch w<d, 

Das TÜ me triawe in fwaben tras: 

An mengen dingen fjpürt man 4as, 

Vn^ wanne (weeue), din mengi mir dez giefat. 

Späterbin noch so eine von Hörensagen wieder erzählte 
Gescbicbte. 

200 a. Das vntriuwe iT« £p recht breit, 
Vnd wttbeit vnd triaif« fa fmal , 
Das folten cbigen vber al 
AUe die wife wem. 
Die euch vntriowe Terbeven, 
Dem (Den) möcbt ea defter bos ergan. 
£in gaote bifchafft ich ^es han 
Gehort von einem wtfem nMHi: 
An difem booiih ich ed nieht bau 
Fanden : ich hnrt es den £elbeB i^gett^ 
Da Ton ich (ichs) oacfa nU wil Teidageit. 
Er feit es einem «ufern deüne mir : 
Doch bort ichs. er fprach „ift din gir, 
6. Das dn gerae wfindeli rieh 

Mit koufinanfchafftv So bore Bttcb 

Vnd volge miner lere: 

Es mag dich fromen I« (fin»}.- 

Ob da wik tnben.bon£man£eblifft, 

So bis getriuwe vnd rWarbafiEt» . 

La dich benoegea geinegie gewinne; 

Hab och in diotm finnev ' 

Was dbf befiehebe, 4mi dn des nkb« 

Recheftr gar mit gedsk mtn liebt 

Til dinge» aber winde« 

Denne mit räch« der ßch lat vinde» 

In lidenne mit gedulde» 

Der erwirbet gottes hulde.^ 

Von liden wil ich nk Tagen mr^ 

Warvmb ich dis an ving e? 

Das wil ich fagen lürbas, 

Vnd wil et twm vmb dar, 



Der es welle tnou ff^m«) 

Das er da bi Ittwt: 

So mag im onch gdingtft w«l 

Als einem, von dcfut ich figen Fol, 

Als ich horte enien (enen) wifeü nig;en i 

iNtkik des mag ich nit vei*dageii; 

Der felbe fprach zuo eitti, der bi Mir was, 

Da ich felb ze g»g^ fas. 
§ Ich Tage dir^ vor mengen jareü 

Zwen gnot gefellen waren, 

Einander ^triuwe vnd beimdich ; 

Die wären arm vnd nit rieb , 

Als man noch vil itttingen vint, 

Die arm vnd doch getrfe tt W« Hm. 

Dis zwene fus iA b«oben wis 

feerten dar an iren flis. 

Was (W^ a rieb iwgiiig^ 
201 a. Manig ding fi an viflgeii; 

Si fpilten menger ley fpil. 

Dis mere ich vcb kisrtsen wil. 

Si konden niut an gvtnr, 

Das es in weUe gebtklich gHA^ 

Si gewonnen mit aBer not 

Vil kibne ir «eglkrb brot, 

Das fi niut enftarben . 

Vnd von banger verdürben. 
§ t)i8 tribens, itl» ftls er ftit for WKr» 

Mit einander manig jut, 

Das man fi nafcent vnd bios fkieh. 

Der ^D zno «Lau «adeni %>i<«ch 
. >>GefeIle» dis ift vxnüiue gar. 

Das wir ailfas gelükes bar 

Sin, fwas wir griffen Mi. 

Eines icfh gedacht faWi 9 

Sit gelüke fiobet von vns beÜett ^ 

Das wk VOM em ander, fölkeiieii) 

Vnd verfaoche iedwedre (Hk beü alfo. ^ 

Dis mag ich bürtzen. fi febideti füeb do 

Von ein ander beide, 

Vff einer witer beide» 

Der ein hin, der «ttder ber^ 

Nu geriet der eine zu^ dem tter. 

Ze venedie in die güMeli^t. 
N Was «ä»er der andet getr^ft baf 

I. H 



— 3J8 -^ 

Bis dar, das treib er förlich ondi, 
Ynd was mit fpil ein oeder gomh. 
Als man noch tu mengen Tint, 
Die lao<lrer Tud giudele find; 
Den kam (kan) onch käme wol ergan. 
Na fon wir dife (difen) looffen km 
In bnoben wis , als er tet e c 
Ich wil von im nit Tagen me, 
Bis (Bis ich) von dem och gefage, 
Der gen vinedie kam« wan alle tage, 
b. Für das er gen yenedie geriet, ' 

Do wnochs fin gelük, als mir befehiet 
Der, den ichs horte Tagen. 
Wan das befchach ip drin tagen, 
Do er erft gen venedie kam, 
Ein koofiman in do zuo im nam; 
Vnd diende dem ynlange, 
Vnd gewan (quam?) ze einem ane yai^e. 
Das er ein klein habe gewan. 
Mit der nam er fich do an, 
Vnd treib f eiber konimanichafft , 
Vnd was getriuwe vnd warhafft; ' . _ 

Des in got genieffen lie, 
Das im fin ding gar eben gie, 
Vnd wart richer denne dekeiner da 
'In der ftat zuo venedia. . . 

* 

Darnach fuogte fich fchire, das 
Ener, der e fin gefelle was. 
Das der ouch von gelehicht 
Gen venedie kam; er wijte (wifte) aber nicht. 
Das fin gefelle mit hus da fass,' 
Vnd das er alfo riebe was. . . 
Vnd do er in die ftat kam, 
Vil fchiere er fich do an nam. 
Das er \f£ den platz^ gie : 
Zuo finem (finen) gefetten: ich. meine, die 
Ouch nakent bnoben waren. 
.Die felben nicht verbaren, 
Si gewannen im gar fchiere abe . , 

Mit dem würfel fin habe ; 7 

Der doch hartel (harte) wenig was. 
Vnd do er alfo blaffer (bl6£fer) fass, . ; . 
Siii gefelle der riche von gefchicht 
Crieng für in. der ajrmi^ der erkaode.fini^bt: 



— S43 — 

Aber der rieh erkanäe d«ii «rmen vrol. 
Sit iehs alles Tagen fol , 
Do gieng er mit gefellen d^iii 
202 a. In einem kleide; der knechten fm 

Waren zehen vnd fechfer mere (me). 

Der riche, von dem ich feite, 

Do er finen armen geMlen erfach, 

Zoo einem finem knecht er fprach 

>^Gang hin, vnd la dir wefen gach: 

HeiiTe yns ienen volgen naeh, 

Der alTo blofer fiteet dort/' 

Do er erft gefprach das wort, 

Der knecht do nit treg was: 

£r gieng zuo enem, da er fas 

An der fvnnen, als die baohen taont; 

Gar züchtiUich er fiir in ftnond 

Vnd fprach ^inch embiut der harre min 

Ir follent hivt fin gaft fin 

Ze tifche: das hies er mich iuch fagen.*' 

Der arme fprach y,ze difen tagen 
Bedörf ich folhes fpotes nicht. 
Wie das man mich hie nakent fich , 
Ich bin doch gottes hant getat. 
Wiefchone ewer herre gat 
Bekleit, er wart doch blos gehorn, 
Als ich. dis lalTent ane zom, 
Das ich dis mit inch han geret/' 

Der jonkher antwurt do ze ftet 
Vnd fprach ^ir fönt es taon gar gern : 
Min herre wil fin nicht embem, 
Vnd hat es iuch an allen fpot 
Enboten : als hellff mir gott. *^ 

Do er im fo tiure gefwuor, 
Vnd er die warheit erfaor, 
Von rechtem hertzen er erfchrak , 
Mer denn der im einen flak 
An Iinen bakkeh bette geben : 
Er wand^ das er folte fin leben 
Verlieren : wann er wizte niet , 
Das es im ze guot geriet. 

Der jimkher in ab dem platze nam; 
b. Er vplgte mit vorchten vnd mit fcham, 



/ 



^Vnd w«& ku mif^ villi in mott "" 
£r httte waffer vud farol 
V£f dem l»lat% eer«e geeCTeo, 
Der in lv99tt I^ISim gefeCfen, 
Da er c )i)i den bubfio fas« 
Dp er zuo dem bufe k<im0u was , 
Per hen?^ flrWißl^ gog^a iw gip; 
Gar lipliqben ^r in emphifi. 

Der arme orfcliri^ 4o aber wints, 
Denne er e erfchrdce: gelonbe« mir«. 
Ich erfchrek oueb, der nir ae -vil 
Eren bütte. dis ntetp ich wil 
Kürtzen, wa idi iendert kan. 
Als ich ineh gefeit ban, 
Do der arme bi dei^ Yicbe ^bei», 
Im wart Ton fdbame ^ke beis : 
Wann er künde erdenken nicht, 
Wa$ moehte fdegea dife gefc^iebt: 
Wenn (Wan) der rieh feit im nit der von. 
Do man den tifdi hett vff genon , 
Vnd es im wol et^boten was, 
Der rieh 46Uo dem arme fäs 
Vnd fragt in mere. 
Was mans vnd von wann er were 
Vnd ouch von welbem lande: 
Als er in nit «rkande. 
Dem tet er geliche. 
Nu nam in do der riebe, 
Vnd faort in mit im in die ftat, 
Da er manig hus hatt. 
Von meDger ley^ kcmi^nanfchaU vol. 
Do er dis hett gelehen wpl, 
Er fuorte in wider in das -hu«. 
Da fi e waren gegangen vs. 
Er lieff in da ein gadem feben, 
Dar an er wol macht fp^h^n 
Silbers einen vnfupg. 
203 a. Dar nach fuort er in, da eka kluog 
Kemenate wol (vol) von gold^ was. 
Dar nach zeigt er im, wiffent das, 
Ein kamer von edlen gefteine vpl. 
Do er« alles bat gefehen wol, 
Sin jamer was defter groeffer viL 
Pis mey^ ich nn kurJHten wi}. 



Der rieh zuo dem ^uem Tpraob 
„Ich wei», dir ift vn^mnoh, 
Das ich dir m% daa eiilii§«, 
Warvmji ich bint nn diStm t«fe 
Dir folhe er erboCea habe. 
Ich weis, da bift «efcbroktn dMbe, 
Vnd nimt mich \va«der, dm du m^i 
Nicht erkenneft als ich dich.' . 

Der arme fprach ^lib«r hcrre min. 
Wie möcht das mäglioh gc^in. 
Das ir mich oder ich iueh eritattde? 
Ich bin Ton frömden landen, 
Vnd bin arm; fo £int ir rieh. 
Es were gar TnaM^ich, 
Das ich voll mö«ht irr«feB kant.^^ 
§ Do fprach der rieh €m %e ftand 

)»Na merke ich, du erkenneft »it min, 

Vnd bin doch der gefalle din , 

Der da vnd da bi dir wa«.^ 

Er feit im folhe wartoeiehen, da« 

Ers geloubt, aber k«me doch. 

Der riebe dem arm feite noch 

Mere wo» seihen (wortzeichtn) , das ers do wel 

Geloubte. fi» ovgen wurden vol 

Waffer», vnd erbarmte fich 

Selber, der riebe fprach »gelHih dich 

Wol : ich wil dir guotes geben 

So vil, das da mit eren leben 

Wol macht, vnd dich wol begaft, 

Ob da dekein gelake haft.^^ 

Der arme weinde vom froeden d#, . 
h, Vnd fprach zuo dem Riehen alTo: 
,^Liber herre, fo fagent mir, 
Wa mit habent gewoaien ir 
Soelich gaot in als vnlanger ftund? 
Durch ewer zucht, taont mir das kunl.'' 



Der riche fprach ,>ich wil dir fegen : 
Ich' han da her pi minen tagen , 
Sid als ich mich von dir fichiet, 
Vnd mich got ein wenig gaotz beriet, 
Getriben kou£teanfchafft , 
Vnd was da bi fo warhi^, 



— M6 -^ 

Das ich niemant da mit b^troag 
Vnd oach niemant nicht erloug (enloog), 
Vnd gelopte defter minder, das ich 
Es möcht geleifteii. oach gennogte mich, 
Wie wenig mir wart gewines ie, 
Vnd das es balde von mir gie 
Vnd abe wante fchiere. 
An den (dem) ein ander yiere 
Gewan, das (des) nam ich einen (eins) fdr guot; 
Vnd wüTeft von mir, wer das tuot, 
Da zinhet denne dia oienge hin. 
Das er dar an het gnoten gewin : 
Wann er hat zehen ftant bewant 
£ ener eineft. wem ich erkant 
Wart, der zoch zuo mir ze aller zit 
Vnd fprach ^ich wil zuo dem, der mir gif, 
Das ich fin oach geniffen mag.^ 
Dis hab ich getriben mengen tag, - 
Und tribe es noch, die wile ich lebe, 
Vnd offe (hoffe) oach, das mir gebe 
Gelük, als es mir hat gegeben. 
Na folta merken mich yil eben : 
Dis het alles nit geholffen mich, 
Wer (£n waer) ein ding, des ich bewife dichj 
Das ich den zehenden teil nie geracb, 
Das mir ze leide ie gefchach, 
204 a. Vnd es wol gerodien bette, 
Vnd es noch wol tete. 
So weis ich, er hat frides nicht, 
Wer riebet alles das im gefchicht. 
Dis hab ich dir dar vmb gefeit. 
Da (Das) da ouch phlegeft gedaltikeit, 
Vnd wis getriuw vnd warhafi't. 
Wilta denn triben koafinan fchafft , 
So mag dir gelingen wol. 
Gefager gewinne dich oach benagen fol : 
So bewendeft du des diker vil. 
Fünff hundert ich dir geben wil : 
Mit den macht da dich wol began , 
Ob da folt gelake han, 
Vnd ob da wilt volgen mir 
Der lere, die ich hau gefeit dir/' 

Der arme von iroaden weinde do. 
Der rieh fprach zuo im ^niut tuo alfo: 



— 387 — 

Nim das filber kirn- yon mii:, 
^ Das ich hie wil gehen dir^ 

Vnd verfuch din gelake da mitte, 

Vud nim ouch an dich nuae fitte-, 

Als da haft gehoeret hie, 

Was ich tet vnd wie. 

Ob du denne folt geM^e han , 

So macht du dich wol bogaii. 

SuS gab er im das filber zehant 

Vnd dar zuo gar gapt gewant, 

Vnd fchikte in von im gar erlich* 

Wie eä dar. nach ergie, des daclf ich 

Nit lagen : ich hab di» darvmb gefeit , 

Das trinwe vnd onch warheit 

Die koufliute folten minnen : 

So mochten fi gewinnen 

£re vnd gnot, als der tet, 

Von dem min mont. gefeit het. 
b. Wann das ift gar wanglich (wfieneglich): 

Welch konfman difem 4et gelieh , 

Dem mocht ouch al^ difem befchen. 
S Nu muoff ich eines mit vrlonb iehen : 

Trinwe ift vnder koufUnten tinre gar : 

Des ift ouch menger heiles bar 

Alfo, das man in armen fiht^ 

Vnd hat doch guotes fo wenig nicht, 

£r folte fich wol da mit began. 

Ob er dekein gelük folte han. 

Ich möcht nu difer rede gedagen : 
Wan es kam (kan) nieman v^Ueiagen 
Die vntriawe , die etiüeher kan bega». 
Des mag matn fich viL wol verftait 
An menger leye fachen. . . 
Koofinanfchafft beginnet fwacbtn. 
An konfmanfchaftes triuwe fiekerüeh. 
Ich bin nicht gar alt, vnd gedenk das ich 
Horte von koufliuten tmwe fagen. 
Was man gelobte bi minen jungen tagea, 
£s wer lücel oder vil, 

Bi koufmans trinwe, for war ich fprechen wil, 
Das mans (was) fichrer. denne un ein f^woren eit. 
Was hülf hie von vil gefeit ? 
Si trigent, wa mit fi vmb gftnt* i . . 



u 



'I 



Nieman da vor (von) me frage ^ (f^Mt c^n V^i^s) 
Es n elen, meff oder xal^ 
Wa mit man vmbe gaU vhet al, 
Wer den andern nuig betrigefei, 
£r tnetz. ane liegen 
Vil kam kein kouff mag befchen. 
Eines muoff ich ouch veriehen» 
So einer anders nicht «Ufliag, 
Er licht im einen fachten fak : 
205 a. Was er bi der wag verkouffen M, 
Wenne es denne erfuchtet wdi, 
Es wigt defter vafter nider; 
So es denne erdorret wider ^ 
So wirt es licht ^ als es e wa«. 
Man mag vil wol hraefea das 
An ra£Eran vnd an fpecie, 
Weiher hande es fie; 
Wallen vnd garn man es ^«ch ttio4^ 
Vnd was man wigt. wer valfeheii mnot * 
Hat, der erdenket mengen ItTt. 
Sit der wage hie gedacht ift, 
So mag ich eines nit verdagen. 
Ir hoerent dik sntte frowtn fagett, 
Die nit anders gewinnes haut, 
Wan das fi fpinnentz Ach begttttt i 
Manig rieh frouwe der Vtttrowe pfligt, 
Das fi vil ze vafte wigt> 
Es fi ein vierdang oder ein fhmttt ; 
Vnd folte fi es ze der Cf^en flund 
Verkonffen, fi weg fo vafte nicht. 
Semlich vntriawe odi wol befchit 
Vnder den, die aUb iebent^ 
Das fi die (die») phfi£teren aebtcbsne gebeat » 
Er gibt im fänff virteil, Vnd i^riht da bi^ 
Das es niat wann viria fei. 
Solher vntrawe vil befdrithts 
Doch wiffent, man ^enioHet ir Bits 
Wer im Mber loaea f<^, 
So kan fin ding gcfcbaffen wol 
Der phfifter , ob er wilzig ift. 
Ich mag hie ze dirre frift 
Noch einm nit vergelftfi : 
Sit MOt rtdta vam 4en melfeii, 
So fol menglich haeten lieh 
Vor tzwein melTen (Mürlith. 



b. Dis fönt ir merken vil «ben. 
Er fol in nemen vnd ys geben 
Mit einem melTe nach 4em gebaie, 
Das wir haben von gotte: 
Er fpricfat ,»du folt zwei melT nit han 
In dinem hofe^: das folt alfo verftan, 
Als ich hab gefprochen e : 
Du folt nit emphahen me, 
Denne als vil du wild wider vs geben. 
Menglich folte mit triuwen leben : 
Des feit man vns genuog teglicfa. 
Von difem Tenden fo wil ieh 
Na ze male nit fagen me : 
Mere, denne hie gefofariben fte, 

Hab ich gefeit ein michel teiL % 

Grot geben (gebe) mir zuo dem fönfften venden heil : 
Den wil ich nu ane van, 
Sit ich die vier beriefalet han. 

Fünftens der arzdt und der appot^er S. 205 6 — 219 b. 
Zuerst wieder die Beschreibung dieses Venden. 

206 a» Der fol eines mannes bilde han; 

Vor der küngin fol ein (fin) feffel ftan, 
Dar vff er als ein meifter fol 
Sitzen : das getzimpl im wol. 
Er fol einem artzate-'fin gelicb. 
Als dis bnoch bewifet mich, 
Er fol in finer rechten hant 
Ein baoch han. es tuot vns me bekant : 
In finer linkken fol fin 
Mit lectuarie ein fafidtfeiin; 
An finem gortelin fol er han 
Menger leie ifen, da mit man 
Wunden vnd gefwer erfaren fol 
Vnd onch fniden, als vi! wol 
Den wunden artzetan ift knnt. 
Vns feit dis buoch ze dirre ftund, 
Das er in finer hende fol lian 
Ein buoch : das bediutet, das an 
Einem artzte kunft fol wefen, 
Als ich hab ab dem buoeh gelefen. 
Si folten haben mettj^e vvmunftt (verirnnft), 
Gramatik, loyk, Rethorik die kunft, 
Geometrie» Arifmetik vnd Mufieam, 
Aftronomiam vnd The#logiam; 
I. 42 



/ 



i 



— 330 — 

Die folten im alle fament kaut wefen. 
Als ich na hie hab gelefen 
An difem fehachzabel puechelin, 
Welt er ein volhomen arlzit fin. — 

2(^ a. Ein appotelter haben fol 

Triuwe vnd knnft: das zimt im wol, 

Wan des artzates kuuft tU an im ftat; 

Ob er weder knnft noch witze hat, 

So mag dem artzat milTegan. 

Da von mnolT ein artzat hau 

Ein appoteker, der knnft vnd triuwe -habe. 

Alfo hab ich gelefen abe 

Difem felben fchatzabelbuchelin. 

Diu yfen an dem gürtel fin 
Einen wund artzet bediuten fol. 
Den beiden artzaten getzimt das wol, 
Das fi fliffig fullent wefen 
Zuo ir fiechen: das hab ich hie gelefen. 
Sit der Inten leben ofte an in ftat, 
Weiher denne nicht kauft hat, 
Vnd nimpt fich der artzney. doch an , 
Als ich hie gelefen hau, 

Der heiffet ein luter verderber (litttverderber) b»s 
Denne ein Artzt: wiffent das. 

Als mich dis buch bewifet hat, 
£im artzt das wil w<^ an ftat, 
Das er litiger geberde fi 
Vnd hoffeliche rede; da ift guot bi, 
Das er och habe kinfchkeit. 
Als vns dis bnoch hat gefeit, 
Er fol oach guotes troftes wefen 
Dem flehen, das er müge genefen. 
Den Heben e^ dike gefehen fol, 
6. Vnd diu zeichen erkennen wol 
Der gefnntheit vnd des fichtagen. 
Was fol ich hie von mer fagen? 
Er fol fin fliffig ze aller ftnnd. 
Im fond diu buoch och wefen kunt 
Der meifter, die ich genemet han 
Ein teil da vor, als man ficht ftan, 
Da von dem erften venden ift 
Gefchriben, vnd man von dem bitman lift, 



— Ui — 

Das er buwea fol die re]»ea : 
Da hab ich getzellet eben 
Nach ein ander ir etwe vil ^) ; , 
Da von ich hie verdagen wil, • 

Das diu rede icfat lenge fich. 
Dis buoch hie bewifet mich , 
Wenne das alfo befchehe, 
Das man bi einem liehen fehe 
Me artzalen denne einen (fehlt ein Vers), 
Als dik das befchiht, 
Das man mengen riehen ficht, 
Das er befent alle die er mag ban, 
So fönt fi ir difpitiren lan; 
Das dik durch hoffart befchicht, 
Das nmn vnder in ettlichen ficht, 
Der mit rede wil zeigen fin kunft, ' 
Vnd das man wene, er hab Vernunft (vernuaTt) 
Für die andren alle : 
Mit difpitirens fchalle 
Wil er das zuo bringen, 
Vnd möcht wol in den dingen 
Der fiech verfumet werden da mitte. 
Si fönt laffen foliche fitte, 
Das fi icht krigen durch meifterfchafft, 
Vnd dem fiechen all fin krafft 
Die wile möcht entwichen. 
Wer dar vnder hoffertlichen 
208 a. Sin kunft mit red woU fchouwen lan. 
Das were fere miffetan: 
Waa es ift vnder andern meilller nicht, 
Alfct dtt ^^^ kriegen ficht 



^) 155 a. Yppocras vnd Galienus, 

Auicenna, hall, Raffus^ 
Bafis vnd Awenfear, 
Ich kan ir nit genemen gar: 
Doch wil ich vergeffen nicht 
Diatcoridis an difem gedieht, 
Senon vnd damafcenos, 
Conftantinut Plateariäf, 
Serapion vnd elemtfoe, 
Vnd manig gnot mcifiter me, 
Die artseBie meifter waren, 
Die des nicht verbaren» 
Si haben von wine vil gefeit. 



Vmb guot vnd Bit 'oah 4es meAfclMn kben : 
Wan da kan nuin den bris ^geben 
Vnd zellet es ze einer wilze grolf 
D^m, der kan yerfamen (veriuenen) ilen ftolT 
Vnd die mifhellung brigen (bringen) vber ein, 
Wa dekein rtoff wirt vnder zwein. 
Sus folten pi^ch die artzi|te tuon: 
Des hett der Heb natz , vnd fi fran ; 
Vnd fo der fidie denne wer genelen, 
Weite denne keiner für den andern wefen, 
Der tzeiget (zeige) mit r^sde deim fin kwift: 
Des gewunne er lob vnd gnnft. 

Das difer vende fol vor der köngin ftan, 
^ Das er zno des kunft fol han 

An allen din^n kinfckfceit, 
Das hat dis bnoch vns hie gefeit. 

Nun von der Keuschheit der Aerztc und Anderer; dann von 
der Nothwendigkeit , auch auf das Temperament des Krankeq 
Acht zu haben; weiter Folgendes yon dep Apothekern^ den 
Wundärzten und den Afterärzlen. 



213 If. An difem buochen (bnoche) ftat hie na 
Von den Apotekern me 
gefchriben, wan es ir gedath hat e, 
Das fi getmwe fnllent fin. 
Auch mant fi dis bachelin^ 
Das fi fich wol füllen vmb fehen 
Vnd vil wol ze rechte fpehen, 
Wer von in artzanie neme. 
Das fi dem wol gezeme, 
Alfo das fi nit giftige fy. 
Wolt oucb ein tore witzen fri 
Oder ein argweniger von in han 
Kein ding, da fchade von möchte ergan, 
Den füllen fi es mit mitte (niute) geben : 
Wan verlure da von iman fin leiten, 
Oder befchehe im anders icht, 
So weren fi vnfcholdig nicht; 
Die fchulde were ir fürbas, 
Denne der es kouffte : wiffent das. 
Da von fönt fi behueten fich , 
Als dis buoch bewjfet mich. 



Sl folteiit oaek flis vnd Anrge lum. 
Wie fi maclien fieher fmnder wan 
Vnd milcbeas ze famen ordeidich 
Nach der arual^n geböte , das fi fijeh 
Dar an nit f? men als vmb ein har : 
Wann anders wiiTent das für wfr, 
Was da von fchadeu befchehen mag, 
Der wer ar feie eii^ grofler Slag, 
Vnd verliiren gottcts holde , 
Vnd geh man doch die fchnlde 
214 a. Dem artzaten ynd.inen nicht, 
Als dis bnoch mir hie vergioht. 

Hon dem wundarUate feit dis baoch e; 
Von den feit es na aber me, 
Als man es |iie wol mag lefen. 
£s feit, fi füllen fliffig wefen 
Zuo irn^fiechen, vnd feit denne dar nach, 
Das fi in nicht fönt lan vvefen ze gach, 
Das fi wunden oder gefwer icht fniden; 
Si füllen alles fchniden miden , 
Si mägens denne vber werden nicht; 
Aber war an fi zwiflent icht, 
Da ift es weger vermiten 
Denne vngewerlich gefniten. — 

214 6< Doch muoff ich einen (eines) werfien drin 
Das ift ein alt gefprochen wort, 
Das ich gar dik hau gehört 
Für ein rechte warheit; 
Das man gemeiniklichen feit, 
Das enkeiner hantwerkluten fi fo vil 
Als bofer artzaten, als ich wil 
Befcheiden. wan wa zwen bi einander fint, 
Vnder den tzwein man fchire vint 
Das der eine ein artzt ift: 
Ob dem andern iutz gebrift, 
So ratet er im v£f der ftat 
Dar nach, ab ers ouch gehört hat; 
Vnd da von möchte dik fchad befchen. 
Hat ein altes wib einen meifter gefehen. 
Das er einem fichen eine artznie tet, 
Der alt was, fo denne ein langer het 
Och den felben fichtagen, 
So fpricht fi ze hant ^ich wil vch fagen 



— 834 — 

Von einem guoten meifter; bi dem was ich 
Bi einem fichen: der ynderwifte mich, 
Wie ich den (dem) fichen tele, 
Der onch den Iichtagen heUe'^ 
Vnd wil dem jungen als dem alten tuou, 
Vnd wene^ des haben nutz vnd ruom: 
So ift es widerwertig gar 
215 a. Vnd fchade. fo nement ouch eines war: 
Was artzanie ein meifter git 
Einem fiechem in der winters zit, 
Vnd fo denne der fumer kunt. 
Diu felben artzenie wenig fromt 
Den menfchen, dem es half ze winlerzit e. 
Nu merkent von artzeni^ me. 
Als iuch ift da vor getzalt, 
Der menfch fi jung oder alt. 
So fuogt zuo einem fiechtagen 
£in artznie nicht, als ich fagen 
Wil: an dem ane vange 
Vnd an dem vs gange 
Gebeert dik mifflich artznie dar zuo ; 
Wie man och an dem mittel tno, 
Das fol ein wifer artzet verfechen. 
Ich beer von artznie iehen 
Die meifter, wer welle artznien (arznen) wol, 
Das der wol betrachten fol 
Das zit, das lant, des fichen alter. 
Es wurde me denn ein falter, 
Wer es alles folt fchriben : 
Da von lan ichs beliben. 

S. 216 a ein Zug aus Konrads Leben, eine Erinnerung an 
seinen auch sonst erwäbnlen Aufenthalt zu Montpellier, bekannt- 
lich^ neben Salerno der berühmtesten Hochschule der Arznei- 
wissenschaft. 

Eins ich ouch gelefen han 

Von magiftro Bernhardo, 

Den man nemmet von Gordonio (oder Gordomo). 

Den felben meifter, den fach ich, * 

Vnd generte eines f ichtagen mich, 

Das ich genas harte fchire; 

Das befchach ze Mumpaliere , 

Da ich ze einem male fich was. 

Do halft' mir got vnd er , das ich genas ; 



— 335 — 

Da von ich im fchuldig bin 

Ze bitten gtiotes vber in. 

Doch ift er nu leider tod: 

Gott hellffe ßner Tele ys not: 

Des bitt ich iemer fliffenklich. 

An des getichte da las ich, ' 

Das/cinr artzat zam miften (zem minften) Fol driä ding han; 

Diu ich Tch wil willen lan« 
§ Er föl haben guot yernanfft (Vernunft), 

Alfo das er künne kanft; 

Das ift das erft, als ich hab gelefen. 
§ Dan (Das) ander, er fol fliffig wefen^ 

Das er dem (den) fiechen dike gefehe, 

Vnd finen gebreften ze rechte fpehe. 
§ < Das dritte , das er fol gemochen , 

Das er wurke nach den bnochen 

Der meifter, der vil genemmet fint 
b. Da vor, an den er genaog vint 

Knnft von allen fiechtagen. 

Endlich noch eine Stelle von der Berathung Jüdischer Aerz(e 
und Ton dem Veri^ehr mit Jaden überhaupt. 

217 a. Eins ich oach hie fagen wil, 
Das onch dik dar (das) befchicht, 
Das man Griftan liaten ficht, 
Die ab recht torocht find, 
Der man leider mengen vint, 
So im von fichtagen intz gebrift, ' 

Da denne ein jade oder ein judin ift, 
Die Heb artznie nement an. 
Den gelonbt manig frow vnd man 
Bas denn einem meifter, der Griftan ift, 
Ynd wiffent nit, das man alfo lift 
An dem rechte buoch, das da heilTet teeret. 
Da alfo gefchriben ftet, 
Das man fol merken gar wol, 
Das weder pfaffen noch leye fol 
Der Jaden brot niat effen. 
Och fol man nit vergeffen. 
Das da bi gefchriben ftat, 
Da das felb rechtbaoch geboten hat, 
Das^ kein Griftan mit in fol wonange han 
In irem hafe. die ftete och vint mim flan, 
Das kein Griftnera (Griftner) fiei^h ir rat fol nemen 
Noch ir artznie im lan getzemen. 



3M — 



Noch in einnVk bad mit in baden, 
Noch jaden zno den (der) Cnftanen wirtArhafft iaden, 
Noch kein jude zuo der criftan wiylfcbitft gan^ 
Dis vint man an dem rechtbnocii ^tant 
Wann die jaden hant deft fwecher vtl 
Griftanen gelooben, als ich wil 
Nach des bnoehes lei« fageo. 
Ich mag der biichffe (buo£fe) nit verehren , 
Da man den Toi boeiTeo ittit/ 
Der dis gebot vber tritt. 
Ift es ein phfafife, als das recht feit, 
Den Fol man von der phfafEheit 
Entfetzzen; ob er aber ein Icye ift, 
Als man oach da gefchribea lift, 
b. Den fol man konden in den htm* 
Das ich der jaden hie gedacht hafi , 
I Das faogte nuwent das einig wort, 

Das ir da vor wol hant gehört. 
Das vil jaden wellent artzat wefeii« 

Sechstens der taherrüer oder wirt S. 219 & — 228 6. Dieser 
Vende steht vor dem linken Alten. 



Vnd fol nach einem man gebildet fin; 
220 a. ]ji finer linken hant ein kentelin 

Mit wine vnd brot fol er da bi han. 
Er fol in folher wife fta», 
Als er mit der rechten hesid^ fin 
Welle frömde gefte laden in 
Sin has. als dis baoch vas ifeit, 
An dem gürtel, den er vrob tareit^ 
, Da fon flön^l lumgen an. 
Bi difen drin dingen fol man 
Merken, das er bediatel wol 
Einen tabernier ; da bi er ifol 
Bedaten einen wirt, der geff emphan 
Sol. da bi fol er ouch han 
Sorig vnd getriawe huote 
Vber was man im von giiote 
Emphüt; als vä dike befchieht, 
Das man fr^n4» ge#ten (frömde gefte) ficht 
JNm Wirten emj^^nm ir gaot: 
Das fol mit trinwen li« beimet. 



-/ 



— »7 - 

HVann nu das gar dike befchicht , 
Das man in folhen herbergen ficht 
Zorn vnd krieg vf ftan , 
Da Yon fol der Tende han 
Sin ftat vor dem linken alten : 
Der fol gerichtes walten : 
Wann der alt einen richter bedinten fol, 
Als ein ikKcher merket wol, 
Der da vor von dem (den) alten hat gelefen. 
Das fi richter fullent wefen: 
Wann das gehöret einen richter an , 
Das er fnene, was (fwA) er kan, 
Beidia krieg ynd zorn : 
Wann anders were fin name verlorn. 

Als ich hie gelefen han, 
So gehoert difen wirt an, 
Das er fpife rein vnd guot 
Bereite den, die es hant maot, 
b. Das n mit im effen wellen; 

Er fol in recht (rehter) maff zellen 
Die kofte, die man von im nymptt 
Das wirt im nütze, vnd getzimpt 
Im wol: wan wer des wirt gewavt (gewar), 
Des (Der) ziucht deft gerner zuo im dar; 
Vnd fwo vff der ftraffe ein koafman 
Dem andern T^egegent , der fpricht ,; fag an , 
Bi welhem wirt zarcft (zarteft, zerteft) du? 
Des foltu mich bewifen nu. 
Hat er dir wol oder vbel getan ? 
Das fol du mich wiffen lan '^ : 
I Der ander feit im dann zehant. 
Sns wirt es knnt vber alliu lant, 
Wer da mitte recht oder vnrecht tuot 
Den Unten, vnd wirt gar guot 
Sin lob, der rechte bat getan; 
Des mag er nutz vnd ere han. 
Difem (Difen) wirt bedintet hrot vnd win. 
Das in finer hant fol fin. 

Als ich ouch gcfprochen han, 
Das er in den geberden fol ftan 
Mit der reciMen hant, als ob er 
Winke vnd fprechen welle »^ wol her I 
1. 43 



Hie ift guoter fpife rni wme« g^tmog.*' 
Das bediutet, das er hofflieli vöd klaog 
Mit rede fol gegen den gerten Tm. 

Das och an finem gürtelin 
- Die nuflel hangent, kunt vns das tiiot, 
Das er getriidich behalten M das gnot. 
Das im l'in gefte emphfelhen, 
.Das im 6ms niemant inäg yerfteUen 
Oder entwerren in kein wi£e. 
Einen femlichen wirt ich brife 
Nach difes baches lere. 
Nu horent, lant iuch mere 
Sagen, als dis buoch bewÜet mich, 
221 a. Die felben wirte fon hneten fich 

Vor freHenie (frelTerte) vn4 vor trlmkeBheit. 
Als vns dif buoch feit, 
So ie me lute bi im fi, 
Im fol ie mere kufche wonen bi 
- In f emieichen dingen. 

Nacb weiteren Reden über die Mässigkd Inoeh von getreuem 
und ebrlichem Verhalten der Wirthe. 

Es folgt der siebente Vende, der vor dem Bitter zur Linken 
des Königes steht, S. 228 6 — 238 a. Er bedeutet den tor- 
warten und sonstige amptlhUe einer ^Stadt. 

Einem manne fol gelich 
Sin der felbe vende ; 
In finer rechten hende 
229 a. Sol er gröffe flulfel han, ^ 

In finer linken hende ein elmelT, vnd an 

Sinem gürtel einen fekel, der offen fi. 

Das er die flülTel hat, da bi 

Sol man merken einen torwarten dier ftat; 

Einer iklichen ftete gemeinde de (gemeinde) och hat 

Amptlnte, die des meffes phflegent 

Vnd ouch der , die mit der -wage wcgent : 

Das kan das elmeff bedinten yrö\. 

Der offen fekel bedmten M 
Die, die mit der ftat (ftet guot) vmb^uBÄ, 
Vnd an der gemeinde ^ftat empfamit. 



Was gaotz der ge]nein4e yfre^etik fol > 
Bs fin zinfe oder z.ol, 
Oder was nainen es h^%. 
Vor dem Kitter biUicK ftat, 
Der der (tat phflegen fol : 
Wann es getzünpt dem Kitter wol, 
Das fi haben forg vnd a^ht» 
Wie fi behaeten «ut ir mädit 
Die Teften, die (da) fi innen haat 
Ir wonung, vnd von in werdien gaiAant 
Die haeter der turne vnd ouob d^ tor» 
AlTo das beliben muelTen da vor 
Alle, die den fteUeu mngen fcbade £m i 
Das der dekeiner kome 4^^ ui» 
Das follent die tor warten wol verfeMn. 
V Si fönt ze allen zittcn fp^hen 
Vnd mit fliffe des achte han , 
Ob fi kein ding fehen anders gan , 
Denne der ftat möchte nütze wefen ; 
' Ab ich hie nu habe gelefen. 

Das folten denne i'i vff der ftat 
Künden dem, der gewalt der ftat hat, 
Das er fchire das befehe. 
Das kein vntriuwe da befchehe 
An der ftat oder den, die dar inne fint, 
6. Oder an guot, das man drinne vint, 
Das es belibe alles vor vntruwe fri. 
Aber funderlich wenne vnfrid fi 
Vnd Verlages (urliuge), fo fol mans behüten bas 
Denne ze andern zitten , wiffent das : 
Wan des bedorff man denne vol» 
Nachtes man nieman in laffen fol, 
Als dis buoch hat gefeit, 
Es befchehe denn^ mit folhei* fic^eir^eit, 
Das es gar gewerlich fi. 

Die Hüter der Stadt sollen getreu und wahrhaft und für 
deren Sicherheit in stäter Furcht s^in. 

Ein bifchafft feit vns hie 
Dis buoch. nu horent, wie 
Ich an difem bnoche las, 
230 b. Das keifer fridrich ze efnem male was 
Ze Capne (Gapua) der guöten ftat.' 
Sr fas vff der bmUie, da dur hat 



Das waCTer dar vwAe fm fliu. 

Na lift man an difem buoch alias, 

Das der felbe keifer nit enliefl'. 

Ein fchones thor er buwen hielr 

Von fchonen marmol fteinen. 

Er begonde meinen, 

Das man ein bilde nach im da 

Hielt ergraben, das befchaeh ie fa : 

Es wart fchire da ergraben. 

Neben dem tore ein bilde wart erhaben^). 

Das dem keif er was gelich, 

Als dis buoch bewifet mich, 

Als er felbe (faefTe) in finer mageftat. 

Nebent im nam (man) ergraben hat ' 

Zwen ritter (rihter), ze ietweder hant 

Einen, ab ich gefduriben vant. 

Ob dem Ritter (rihter), der ze der rechten hant fafT, 
Dirre vers gefchriben was : 
Intrent fecuri qui querunt viuere puri **); 
Ze difem tore fon ficherlin (ficherlich) in gan, 
Die ein luter leben wellent han. 

Der ze der linken hande fas, 
Ob des houpt gefchriben was* 
Dirre Yers, der hie nach ftat, 
Des beduügen (bediutunge) dis meinug hat: 
Invidus excludi timeat uel carcere trudi^ 
Als man es in latin lift: 
Wer heffig oder nidig ift, 
Der fol folhe forchte han, 
Vff ftoüen oder in den kerker g^n. 

JDo ftuond gemeinichlich ob dem tor 
Gefchriben über al enbor: 
Ce/aris inperio regm cu/todia fio : 
Nach des keifers geböte fo bin ich 
Des riches huote ficherlich. 



*) in der Handschrift: 

Es wart fchire da ergrahai wart 
Neben dem tore ein bilde erhaben, 

^*) Dieser and die folgenden lateinischen Verse roth geschrieben, 



— Sit ^ 

2U a. Ob des keifers honpt gefdirtben ftuond, 
Als dis baoch mir hie tuet kant^' 
Recht als er wolde 
Sprechen, ab er lalde: 
Quam mi/erosfacio qwon variare J^io: 
Hie (Hei) wy inon ich den fo lett, 
Die ich vind in ynftetikcit. 
fi An difen Worten maii merken fol, 
Das' einem richter getzimet gär wol , 
D^s er mane fpat vnd frao 
Menglichen, das er recht tao. 
Aber wer ftele behueten fol , 
Dem getzimet ftete vorchl wol. 
So fol ein küng ze aller ftand 
Dien droewen, die im werden knnt, ' 
Das n dekeilte yntrinwe begant, 
Das die von im buofe emphant. 
Difer verfen bedintongen dis ift, 
Als man an difem bnche lift. 

Noch mehr von rechter und unrechter Furcht, von der Ge- 
duld, vom Zoll und von der Zollfreiheit der Geistlichen. 

Endlich der achte und letzte Vende , S. 238 a — 252 b. , jn 
welchen die Auslegung zvrei ganz verschiedene Dingte vereinigt, 
das Gevf^erb eines Boten und den Character eines durch Spiel 
und Schlemmerei heruntergekommenen, der nun betteln muss, 
ja raubt und stiehlt. Indessen mochte man solchen Landfabrem 
gelegentlich wohl auch Botendienste übertragen. 

238 a. Sid ich nu die fteine 
Groff ynd kleine 

Vff dem fchachzabel han berichtet 
Vntz an einen vnd getichtet 
Mit Rimen, fo ich hefte künde, 
So wil ich ze dirre ftunde 
Den Jungften an griffen hie, 
Vnd von dem nach künden; wie 
Er gefchaffen falle fin, 
Vnd wie das felbe vendelin 
Spl vor dem linken Roche ftan. 
Als ich ab difem baoch hän 
Genomen vnd hie habe gelefen, 
Der felbe vende fol gefchaffen "^veferi 
Als ein weidenluifftes knepelin; 
Sin har krufe; in der rechte »hende fin 



/ 



/ 



— Ui — 

Sol er ein w«m$ gdtes Ihhi ; 
In der linl^en btede hmder wan 
Drij gerade würffei ; vnd an den giarliA fin 
Sol fangen ein briff büclifelin. 
Da von fei er vor d^ü rodie fum, 
Wann die lantrögte mnelTent difce iMn 
b. Solicb knappen, die in brilr tri^ent. 
Nu boerent, land i«cb loiiias Tagen : 
Oucb fendent ficb (f i) lotieb dik vs d«r f|Kbe , 
Das in ein femlicber befebe. 
Wie es in irem gebiete fte. 
Ir hant da vor wol gebort e. 
Das ein rocb einen lantvogt beduten Coi : 
Da von ftat der vende wol 
Vor dem linken roeb« 
Ob ficb iendert babe (bebe) kein bec&e 
Oder kein krieg, das er da babc fin fpeite» 
Vnd er das wende Tnd yerfebe. 
So er iemer aller pefte kan, 
Das gebeert einen Lantvogt an. 

Sitt ichs alles Tagen Fol, 
So bediuttent die würfel wol . 
Einen y der durch gerndigen inuot' 
Alles das er bat vertnot 
Vnd vertzert mit vnreinem leben. 
Dem folt man durcb recht geben 
Einen phfleger, der ün goume hette> 
Das er nit fin guot vertette: 
Wann es ift ein gemeiner nnts, 
Das menglicb folte haben den trutx, 
Vnd mans im nüt (mit) rechte werfe, 
Das iemant guot vnrecbt zerte. 
Wann es gebeert ein iklicbem beren an. 
Das er vnder im fol ban 
Gerner die, die guot baut, 
Denne die betlende gant. 
Wimii fwer alTus fin guot vertuot, 
Der gewinnet den liebte bofen muot 
Zuo mengen bcsfen dingen, 
Das im möcht miflelingen 
An feie und an dem libe. 
Was ich hie nu fchribe, 
Das ftat nint all^ aikdem bueeheltn« 
Es mugen die nacbgebnren fin 



239 a. Dar vmb vi! wol üae§m : 

Wann fo im nieman wü boopgfiii, 

Vnd er weder phennig hat noch phaBt, 

So gedenket er zuo haut, 

Wie ers gewinne, vil ange;. 

Vber wen 4as denne guige^ 

Des mag niemaat lichfr we^en. 

Als ich hie nn bah gefefen , 
So ift etlicher , f id er erf t hat |;efogeD , 
Vber rechte malTe ze zart «rtzogen, 
Vnd mag da von arbeiteft mciht. 
S Villich man etlichen oueh ficht, 

Der vor adel fchamet fich '^ 

Ze betlende : na merkent mtdb , 
Vnd fout mirs ouch gelonben« 
So lernent fi ftellen viid ronben; 
Enkeinr fich des erwvren kau« 

Deshalb sei es notb wendig, die Kinder in aUer Enlhaltsam- 
keii zu erziehen; auch möge es den Eltern selber schaden, wenn . 
sie bei ihren Lebreften schon die Kinder oder sonstige Erben 
in das ganze Erbgut eintreten lassen. Letzteres wird mit zwei 
Beispielen belegt, einem, das der Dichter aus seinem Originale 
nimmt, einem zweiten, das er aus eigner Erfahrung hinzufügt. 

241 a. An difem fchachzabelbttoch ftat 
Gar ein hoflich gefchicbt. 
Als man hie gefchriben ficht, 
Von einem gar richem mann^ 
Der hies von Canacia • Johan , 
Vnd bette guotes ane zal. 
Sin hus das was vber al 

Alles des , das rat heiffen fal , ^ 

Wol beraten, vnd vol . . 

Von golde, filber vnd getre^fde. 
Nu hatt er zwo megde, 
Die Iin töchtren waren. 
Die konden wol gebaren 
Vnd dar zao menger bände fang; 
Si waren ftoltz vnd kluog 
Mit gefchepüe an ir libe. 
Was ich hie von (von in) fchribe, 






— 344 — 

I>as vaiid ich an difem buefaeltn. 
b, Do mi die zwo töchter fin 
Wnrdent manbere , 
■ Als Tns feit dis inere , 
Si wurden beraten gar erlich 
Zwein edlen mannen, die konden fich 
Gegen dem fweher gar tugentlich 
i Halten: wann er was rieh, 

Vnd halff vnd riet in, als billich was. 
All die^ wile, vnd er tet das, 
Si gingen im vor vnd nach, 
Vnd was in zuo allen ziten gach, 
Wie fi volfuorten den willen fin. 
Als vns feit dis buechelin, ' 

£r gab in fpat vnd fruo, 
Bis er tzelefte kam dar zuo, 
Das er nit guotes hatte me. 
Siner töchtren man, die im e 
Mit dinfte nach gingen , 
Ein gewonheit do gevingen : 
Swa fi in indert fahjen gan , 
Vnd mochten fi einen abeg (äweg) han , 
Den gingens, vnd liffen den fweher varn. 
Vnd do er was worden als arn, 
Das er in nicht mer mocht gegeben, 
Si fahcn in vngern leben, 
Vnd hettent gern geüneket fin rouch. 
Do was <ler fweher kundig ouch , 
Vnd gedacht was er ane ving, 
Da mit er fich beging 
Mit eren vntz an finen tod : 
Wan'fo den man beginnet twingen wz (not), 
So verfuocht er was er kan, 
Sus tet ouch von Canacia Johan. 
Als vns feit dis mere, 
Er gedacht, das (was) im nütz were. 
Als ich inch wil lagen hie^ 
Zuo einem finem nachgeburen er gie, 
242 a. Vnd baf; in das er im liuhe guot, 
Vnd feit im wes er hatte muot ; 
Er wolt ims fchiere wider geben. 
Nu waren fi beide alles ir leben 
Einer andrer (einandren) guote friunde gewefen. 
Als ich es hie hab gelefen, 



— 345 — 

Vnd ich iuch fage an dirre ftuud, 

Er lech im zebentufen phunt. 

- * 

Die phenning truog heiii Johau; 
Vnd do er in fin lins kam, 
Er behilt fi inder kamer fin , 
Vnd front einen wolbeflagen fchrrn 
Mit vier ftarken floffen 
Vnd einen kolben groITen; 
Der was von ftahel gar fwer. 
Nu lofent, wa& vns feit dis (uns dis) mer 
Von im fiirbas kündet. 
Wer echt mir geftündet, , 
So tkg ich fo ich befte kan, 
Als ichs hie gelefen han. 

Nv fönt ir merken wie es ergic. 
Der felb johau er (es) nit enlie : 
Ze einer hochzite groff, 
So ieder man finen genoff 
Vnd fin friunde eret etwa mitte ; 
Das ift noch ein gemeiner fitte, 
Das man, wer es ahten wil, wol ficht, 
Das es bi vnfren zitten befchicht: 
Sus gie der rorgenante man, 
Von Canacia Johan, 

Zuo finen tochtren vnd ir mannen zwein, 
Vnd kam mit bette des vber ein , 
Das fi im gehieffen, 
Das fi mit niut licffen , 
Si embiffent mit im morndes fruo; 
Die tochtren beid, die manne dar zuo, 
Dis muoftens im beftetten, 
Das Hs niat lieffen vnd tatten. 

6. JDo nu mornent die zit kam. 

Das aller meglich (menglich) meffe vernaui, 
Zuo des Vaters hus kamen do 
Mit iren mannen die tochtren zwo, 
Do es wol vff den imbis was. 
Der vater heimlichen fas 
In finer kamer, vnd hatte für fich 
Gefpreitet vff dem efterrich 
Einen tepet. die rede ich kurtzen mak. 
Er fchntte vff den tepet den fak 
I. 44 



— 9U — 

Mit den phennnngen t 
Die tochtren horten ehltngen 
Die phennnnge, vnd hiffen balde itar 
• Mit den mannen, rnd namen war 
Durch die fchmnden» die da wareu 
Durch die want; fin gebaren 
Vnd finen gewerb fachen Ii gar. 
Vff dem tepete har vnd dar 
Treib er die phenning, als er fi xalte» 
Vnd er niawe vnd alte 
Von ein ander wolt fcheiden. 
Dis gevil wol in beiden, 
Den töchtern vnd iren mannen» 
Vnd gingen da mitte dannan» 
Vnd wanden, als dis baoch feit. 
Er het ii in den fchrin geleit. 
Die phenning, als er gliche tet : 
Sinen kolben, den er hett^ 
Den leit er drin ^"^ vnd anders nicht. 
Nu merkent knndekUch gefchicht: 
£in brifelin let er ouch da bi; 
Was an dem briff gefchriben fi. 
Das Tag ich, fo das (des) na wirt »t. 
Der kolbe bi dem brife ligt. 

Ais dis mere mir tuot bekant, 
Die töchlren vnd ir mannen zehant. 
Als fi erft meffe hatten vernomen, 
Sprachen »war ift vnfer vatter komen» 
243 a» Das er vns niat embiffen lat? 

Man hat gar gefangen, vnd ift gar fpat. 
Das man embiffe, dz (des) ift na zit. 
Wir aeffen gerne, der vns git/^ 

Der vatter tet vff die tiir; 
Der kam vnd gie her für 
Vnd grapfte guotliche finia kint 
Vnd fprach ^habent dank das ir kamen fint'; 
Des danket er den mannen fanderlicb; 
yDas ir nicht verfmaehent mich, 
Des maeffent ir genieffen (geniefTen ir) , 
Minia liben kint. nu fallent wir 
Snbiffen , lit es iach danket zit. ^ 
Als mir dis baoch ze vcrftend« git, 
Der vater botz den kii^den wol, 
Als mans billich bieten fol 



— S47 — 



Lieben vnd guoten Bünden. 

Nun horeut, lant lach künden. 

Do aller erft nach dem Imbis wart, 

Die gefte huoben fich vif die vart 

Vnd gingen alle wider hein, 

Die zwen mann mit den töchtern zWein, 

Vnd warent gar fro der gefchicht, 

Das fi hatten gefehen die geficht, 

Ich meine die pheuninge, dar die want. 

Der vater brachte fi ze hant 

£nem hein, der im fi lech, 

Wenn (Wan) er im feiten icht verzech, 

Das er eht iendert möcht getuon. 

Wer gern giliet, der gewinet fin ruom 

Vnd nutz , als ich iuch betcheiden wit .* 

Man borget im wenig oder vil, 

Das in (im) dike nütz wirt*. 

Wer gern (ungerne) giltet, das birt 

Einem ieklichen vngunft. 
b. Wer witze hat oder kein Vernunft, 

Der merkt, was ich hie fage, wol. 

Diler rede ich hie gefwigen fol , 

Wer gerne gelte oder nicht, 

Vnd wil fagen von der gefchicht, 

Dar vmb ich vie dts merlin an. 

Von Canacia Johan, 

Der gieng eins mals zao den töchtem fin ; 

Si fprachen ,;libes vätterlin, 

Vnfern mannen vnd vns beiden 

Solta durch got befcheiden, 

Wie vil möcht der phenning fin, 

Die du leiteft in den f ehr in 

Des tages, do wir embiffen bi dir.' 
I Er fmierete vnd fprach „wa von wiflteit ir 

Was ich in den fchrin leit? 

Sagent an : wer hat iuchs gefeit? '^ 
I yMit diner hulde wir dirs vergehen: 

Wir haben es felber wol gefehen 

Durch ein fchrunden, diu gie dur ^ie wanf 



f . »Sit irs dann gefehen hant, 
So mag ich vor iuch nit verdagen : 
Jch wil iuch in einer he imlichi fagen : 
Ir was funff vnd zweintzik tufent phunt : 
Die wil ich gehalten an die ftund, 



— 348 — 

Das ich miner feie ding fchaffe mitte : 
Dar vmb ich iuch alliu bitte, 
Das ir des wellent gunnen mir/^ 

)^A.ch vaterlin, wir gunnen dir 
Diner feie ding zefchafl'ene fpat vnd fruo. 
Ob du wilt, fo nim mer dar zuo 
Des gnotz, fo dn -vns geben haft» 
Von gottes genaden : wann da laft 
Yns dennoch, des vns benuegen fol. 
Schaff diner feie dinge felber wol , 
> So da iemer aler befte kanft: 
2^^ a. Ob du vns des vbrigen ganft, 

Das fallen wir wol vergut han/^ 
Do fprach von Canacia Johan 
§ ,^Miniu hertzen libiu kint, 

Ich weis wol, das ir erben find 
Alles des ich hinder mir lan. 
Went ir mich in den eren han, ^ 
Als ir mich billich lullen haben? 
Wenne ich denne werde begraben. 
So nemet, was in dem fchrine fi, 
Vnd gedenkent min da bi/* 

Do fi erharten (erhörten) fine ger, 
Si fprachen ^vater, da kum her 
Zuo vns : wir triben dich nit vs* 
Dn macht verkouffen wol din hus 
Oder lihen, wem du wilt. 
Vnd ift, das es dich nit bevilt. 
Wir wellen dirs geben, als wirs haben, 
Vnd wirftu fiech, wir welleü dich lawen, 
So verre fo wir iemer mugen/* 
Den vater fi fus zuo in zugen 
Mit geheiffen manigvalt: 
Si hatten gedinge, das er nit alt 
Iemer bi in würde : 
Wan anders were er ein bürde 
In vff gefin. hettent fi gewiffet das , 
Was in dem fchrin verborgen was ! 

Die töchtren beid vnd ir man 
Namen den vorgenanten Johan 
In ir hus, vnd baten ims wol, 
Als ein kint finem vater billich fol 



— 349 — 

Bieten, aber bie billich es ift, 
So ficht man doch ze menger frift, 
Das alte vetern vnd muetren fint 
Gar vnwert, fwenne diu kint 
Vaft beginnent wachfen ; 
b. Si fehen einen von fachfen 
In ir hus gerner vil, 
Denne vater vnd muoter. ich wil 
Von der materie nu gedagen, 
Vnd dis mere an ein ende Tagen. 

Die red ich kürtzen mag. 

Der felbe Johan was manig tag, 

Bis das ze lefte kam diu frift, 

Diu gegenwertig vns allen ift, 

Das er begonde nahen 

Sinem ende vnd ane vahen 

Siechen, als alte liute tuont. 

Do er des an fich felber verftnond , 

Do bat er fchiere für fich gan 
^ Die töchtre vnd ire zwen man, 

Vnd fprach zuo in »wiffent ir was ich wil;' 

Das tuont. das ift doch nit ze vil: 

le doch wil ich, das es befchehe. 

Die wile ich lebe vnd ich es fehe: 

So weis ich das es befchehen ift* 

Ir fönt hie an dirre frift, 

Die wile ich, als ich e Iprach, leben, 

Den Brediern von ewerm guot geben 

Hundert phunt, den barfnfen als vil. 

Den ougnftiner ouch hundert; ich wil 

Min er liutkilchen geben fünftzig me. 

Vnd fwenne ich tod fi, vnd nit e» 

So fönt ir an der ieklichen vordran 

Einen flüffel, den ich bevolhen ban 

Iklichem orden funderlich 

Vnd dem phaffarrer (pfarrer) einen : wan den hab ich 

Allen empholhen, das fis (fi) nit gebent 

Die niiffel ieman, die wil ich leben, 

Vnd hab an iklich SchlülTelin 

Geheifen fchriben den namen min, 

Das maus erkenne defter bas. 
2/i5 a. Vnd teilent mit libe funder has 

Vnd an alle pine. 

Was ir vindet in dem fchrine. 



/ 



— 350 — 

Den dur die wan (want) falient ir 
Des tags, do ir einbilTent mit inir/^ 

Die töchtrea beid vnd ir man 
Scbaoffent, das bald wart getan ' 
Als, das der vater gebot. 
Im begonde nahen der tod, 
Vnd ftarb in rechtem gelouben do* 
Die töehter waren fins todes £ro, 
Vnd tatten doch dem vngelich : 
Wan £}. gehuoben übel fich, 
Vnd lieffen in doch vil wol varen: 
Wann fi wanden vinden die barn 
In dem fchrine, von den ich feit e. 
Was fol ich hie von Tagen me ? 
Man begruob in erlich , alz im getzam ; 
Vnd do (do der) fibende tag oach für Kam/> 
Do gingentz eines morgens fruo, 
Vnd nameu ir guot friundc dar zuo , 
Vnd vordreten diu vier fliirfelin. 
Da mit entnuffeu fi den fchrin, 
Von dem ouch (iiich) emals gefeit ift. 
Do fundens an der felben frift 
Nicht anders, wann das ouch drinne was. 
Do erfchraken fi fere, wiffent das, 

Do fi da nit funden me 
Wan diu zwei, von den ich feit e, 
Den kolben vnd das brifelin. 
Was dar an müg gefchriben fin? 
Das fag ich fo ich hefte kan, 
Als ich es gelefen han. 

A.n dem briflin alfus ftuond. 
„Ich Johan von Ganacia tuon kunt» 
Das ich ze felgerete hinder mir lan 
ö. Difen kolben, das man da mit fol flan 
Ze tode alle, die tuont fo toerlich. 
Das fi ander Hut füdrent vnd fument fich 
Selber, vnd hine gebent das fi haut, 
Vnd fi danne petlen gant. ^ 
Nicht me ftuond gefchriben dar an. 
Ich wenne, in zoch ein wifer man, 
Das er alfus beforgete fich. 
Dis buechelin bewifet mich, 



— ui — 

Das es gar toerlich fi getan, 

Als ich da vor gefehriben han, 

Wer git von im was er hat. 

Dis bnechclin git folbea rat , 

Als man hie gefehriben vint, 

Das nieman Über hab Tin kint 

Denne Heb felber, vnd er von im gebe 

Sin guot, die ^^ile er dennoch lebe. 

£s ift wseger, fi warten finer bant, 

Als dis buoch tnot mir bckant, 

Denne er warte der kinde hende. 

Er richte fi ins eilende 

Vnd lere fi nach guote werben. 

Ob fi nit wellen verderben, 

So fönt fi fich arbeiten, 

Vnd fönt da mitte beiten 

Bis an ir vaters ende; 

Werde im (in) denne int in die henda. 

Da mit tuon das befbe. 

Die alten fin dar an vefte, 

Das fi ir giot icht von in geben, 

Vnd fi manglen» die wil fi leben; 

Laflen e manglen kint ynd frUnde. 

Eines ich lue künde; 
Das ftnond nit an dem baechelio, 
Vnd muoff es wer£en doch har ia: 
Einen rat, den ein tore tet 
246 «. Einer edlen frouwen, diu wilent het 

Einen herren, die wile in got leben lie. 

Na merken t, lant tach tagen wie. 

Es was ein frouwe here ; 

Dia hat wirdi vnd ere, 

Adels vnd gaotz hat fi genuog, 

Vnd künde dar va^ mengen Inpg; , 

Zuchtenklich fi gegen mengkli^^heift warb. 

Na faogt fich» das ir herxe ftacb 

Vnd iria kind, das fi alein wart» 

Wan das £i hatte von hoher art 

Friond«) die iran kevren horten an. 

Wie ich fi wol gunemen kan^ 

So wil ich ir doch nemmtn nicht; 

Ane fach das nit befchipbt^ 

Ich enweis ob in fi lieb oder leit. 

Ich horte fär ein warheit, 



— 352 — 

Das ich hie wii von in Tagen. 

Dia frowe kam wol zuo irn tagen 

Mit eren, als fi wirdig was. 

Nu fiiogte fich ze lefte das : 

Die nach ir tode erben folte wefen, 

Die begonden an fich lefen 

Das guot, Ynd begerten das fi fich 

Schiede der von willichlich, 

Vnd ins liefle: fi wolten ir volenklich geben 

Alles , des fi folte leben , 

Ze nottorfft vnd ze muot willen; 

Vnd begonden fi dike willen (villen) 

Mit bette, das fi tette das. 

Diu frowe wife dar an was, 

Das fi alfo wifiklich (witzicliche) tel, 

Das fi ir guot felb hett. 

Nv fuogt fich dar na ein f tund , 
Das ir aber wart bette kund 
Vmh die vor gefeiten gefchicht: 
Diu frowe wolt fin aber tuen nicht. 
b. Vnd do es in der niuwe was, 
Do fuogt fich von gefchichte, das 
Ein tore zuo der frouwen kan; 
Den hat man für einen gumpelmän. 
Den f elben toren erkande ich ouch wol , 
Sinen namen ich doch verfwigen fol : 
Nande ich in, war zuo Wer das guot? 
Der frouwen der kaiu in den muot, 
Das fi des nicht betragete: 
In fchimphf fi den toren fragte 
Vnd fprach j,du gib mir dinen rat. 
Als man mich gebeten hat, 
Das ich alles von mir gebe, 
Das ich han, die wile ich nu lebe, 
Es figin Hute oder guot. 
Was dunket dich in dinem muot. 
Was da fi ze tnonde mir?'^ 

Der tore fprach \^ gif t du es hut von dir^ 
So enhaftu fin morgen nicht. 
Ich wü dir fagen ein gefchicht; 
Da foltu gedenken an. 
Mir gelopt ein erber man 



— 353 — 

Einen beltz. die wile er mir nit wart, 
So tet ich zao im menge vart, 
. Vnd ging im zuo allen ziten nach, 
Vnd was mir ze finnem dinfte gach, 
Vnd was er wolle , das tet ich ; 
Do er deä bejt^^es ge werte mich, 
Für das mal kam ich nie zao ime. 
Was ich dir Tage, das vernime: 
AlTo möcht ouch dir befchehen. 
. Ich kan nit dir anders (anders dir) vergehen, 
Wann ob du haft wifen muot, 
Da behabeft dir felber liut vnd guot. 
Bie tombe ich bin, gelonbe mir: 
Die wile du es haft, £i dinen dir; 
Des fi nit en teten, 
247 a. Ob fi das guot haettin. 



a 



E2s ift ein gemein wort, 
Das ich dike han gehört (fehlt ein Vers), 
Das man fpricht ^toren vnd kint 
Die fagent dik die warheit.* 
Sus hat der tor der frowen gefeit 
Die warheit in einem fchimphfe (fehlt ein Vers) 
Vil licht nit bas geraten han, 
Wer es gewefen ein wifer man, 
Vnd hette fich lenge dar vmb bedacht ; 
Vnd was hofOich, das er ze einer bifchafft bracht, 
Das im der beltz geheiffen was, 
Vnd er im nach gieng vmbe das, 
Vnd im ouch dinet alle fart, 
Bis im der felbe beltz wart, 
Vnd für das mal nie zuo im kam. 
Diu frow den rat in nam, 
Vnd tet dar nach gar wiflich. 
Tet ichs gerne, fo wolt ich 
Si elliu fament wol nemen, 
Wan ich fiu wol kan erkennen, 
Von. dem (den) ich fage dis gefchicht » 
Wann das ich des kan willen nicht, 
Ob ich fi nande, war zuo das were 
Niitze. wider an dis mere 
Wil ich griffen, da ich es lie, 
Vnd fagen, ,als ich gefchriben hie 
Vand an dem Schachzabel fouechelin , 
Da ich es las in latin. 
I. 45 



— 36* — 

NuQ vOQ dem Vcrderiien, welclie« d» Spiel, d#6 Würfel- 
spiel nämlich, an Leib und Seele stifte. 

Wer recht tuon wolle, 
Der folt feinlieh fpil flehen 

252 a. Vnd lernen Schatzabel ziehen : 

Da mit vertrib er menge ftund. 
Das er nit Terlore ein halbes phunt, 
Er wolt denne giuden mitte; 
Wolt aber er phflegen guoter fitte, 
Er lerne te mit fchatzabel kluokeit nie 
Denne mit fpil, als ich fpracb e. 

Endlich auch noch Einiges tob den Boten , von deren Pflicht 
eilig und getreu zu sein, und damit der Schluss dieses dritten 
Theiles. 

Der vierte und letzte beginnt mit S. 253 a; er ist, wie 
schon oben bemerkt worden , in unsrer Handschrift nicht mehr 
vollständig. Hier endlich giebt sieh nach all den lehrenden und 
erzählenden Abschweifungen der vorigen Thetle der Autor mit 
dem Schachspiel selber ab und beschreibt die Einrichtung und 
die Gestalt des Spielbrettes und den Gang der einzelnen Figuren : 
aber die moralisierende Nutzanwendung bleibt auch hier nicht 
aus; sie fasst sich nur kürzer und hat, da auch nichts wesent- 
lich neues vorgebracht werden kann , mehr nur den Sinn einer 
Recapitulation des Ganzen. Vor die einzelnen Unterabtheilungen 
sind wieder die dahin gehörenden Bilder eingerückt, vor die 
erste das Bild eines Schachbrettes. 

Es hat also das Schachbrett vier Ecken und 64 Felder, 
nach der zal vnd nach der acht von Babjlon, der Stadt in 
der es erfunden worden: 

253 a. Er fpricbet, das diu ftat fi gta groff, 

Vnd an grofTe nit \il ir genos, 
Vnd das ti eben vierfchrcete fi, 
Vnd feit vus oach mer da bi, 
Das der Tier fitten iekltche habe 
An der lenge, das ir nit gang abe, 
Sechtzehen tufent fchrit ander zal: 
Wer die zellet vber all, 
Der vint fechtzig tufentt vier tui'ent me. — 
b. Nach welheffen (weif eben) milen diu ftat hat 
Vier vnd fechtzig milen, weder miner noch me. 



— »65 — 

Nach eben diesem Vorbilde einen erhöhten Rand, die im 
AUdeutscben sa genannten spangen : 

253 b. Diu hcehi die betiatunge hett, 
Das fi die muren bedaten fal. 
Es ftat einer witen ftat gar wol, 
Ob die muren hoch fint. 
An difeiu buechelin man vint , 
Da hab ich es gekfen alTo : 
Die muren warent drijer mtlen hoch ; 
Der milen ieklich tufent fehrit tet; 
Ein fehrit fünif fchuhe hett, 
Wer es eben zellen will. 
Man vint der ftett nu nit vil 
Difent halb mers in keinem lande; 
Wer mir ein femliche nande, 
Vud möcht ich, die wolt ich befehen. 

Als mir dis buch ze erkennede gtt, 
Babylonie an einer ebene lit; 
Vnd fchinet fi doch einem berge gelich, 
%Vk a. Dar vfi* ein nebel ligt ftetiklich, 
Von der hoehi, fo diu mure hat. 
An einem ort ein turn ftat, 
Driekkot; der ift babel genant; 
Von dem tuot mir dis buoch bekant, 
Das er an der hoehi habe 
Siben tnfent fchritte : da gang nit abe ; 
Das wirt fiben welhifch mile t 
Do mag wenig phiile 
Von gefchütze vfi' das dach komen. 
Ich han an difem buoch vernomen, 
Das menfchlich geficht vmb mitten ta^ 
Der mure nit ze ende gefehen mag 
Von hoßhi vnd von nebel, der drobe fweht. 
Ob yndert nn kein menfche lebt, 
Das mir dis nit geloubet, 
Dem fi von mir erloubet, 
Das er verfuoch die .warheit; 
Vnd hab ich vnwar gefeit, 
So wil ich an (wil ^n) zorn lafCen ich, 
Das er denne ftraffe mich; 
So wil ich doch für bringeik das, 
Das ich es ab dem- buche las, 



Da von den fchaclizabelen gefchriben ftat. 
Ob min mnnt iendert da Vor hat 
Gefeit, das ouch angelouplich ift, 
Aber (Oder) ob man an dem tiofche lift 
Kein vngeloaplich ding fpat oder frao , 
So leg man die latin dar zuo: 
Wa ich denne nit hab gelich gefeit, 
Das ' ift mir ficherliehen leid : 
Wann ich knnde esoiit getinfehen bat. 
Och fol menglich wiffen das : 
Was ich drin geworfifen han, 

Das vand ich och an dem buoche (den bnochen) ftan. 
Diu gereht vnd beweret fint. 
£tlich merli man ouch vint, 
Das ich fus horte fagen, 
b. Des ich nicht mocht verdagen : 

Wann mich duchte, es gehorte dar zuo wol. 
Dis laffen alles f in : ich fol 
Fnrbas fagen, als ich es vant. 

Die Venden sieben dicht vor den grossen Steinen, weil die 
Edelleute der Bauern und der Handwerker nothwendig bedürfen. 
Femer 

Als man ab dem buoche lift, 
255 a. So das fchatzabel des erften geftellet ift, 
Als es an dem ane Tange ftat, 
Das es denne als manig velt hat, 
Das lere ift, als dr Tollen fi. 

Üa fol man eines merken bi: / 

Swer ftete, Bürge oder dorfer buwen wil, 
Der fol laffen da vor fo vil 
Veldes, das man m buwe muge han, 
Da mit fich mugen die began. 
Die in den felben yeftinen fint. — 
An difem felben buoche ftat, 
Wie das fchachzabel bret kan 
Bediuten die ftat, die ich e han 
Genemet, die Babylonie ift genant. 
Ye doch tuot Tns dis bnoch bekant, 
Pas es ein riebe och bednten kan, 
Als man wol mag fchouwen an 
Dem künge, fwenne er des erften ftat 
Vnd die küngio bi im hat, 



— »7 — 

Sine Hittere , Alten vnd die Roch 
Vnd venden. vns feit dis buehelin noch 
Mere, das es bediute alle di weit: 
Wan diu möchte nit ertzugen das gelt, 
Da mit man möchte zwigulten 
Das, die mit hirefe erfulten 
Iklich Telt. als ich iuch bediaten kan, 
6. Man folte vahen an einem an 
Vnd eins hirs körn dar vfif legen ; 
Zuo dem andern velt Iblt man wegen 
Zwei hirs körn, vnd vff das dritte 
Vier körn ; das virde fol man mitte 
Acht hirs körn betzetten; 
Sus fol man an allen ftetten 
Iklich velt zwigulten, 
Bis das^fi gar erfulten 

Vff dem fchachzabel diu vier vnd fecfatzig velt : 
Dis buoch feit, vnd wer noch mer weit, 
Die möchte nicht ertziugen das. 

Im Weitern behandle das Original mit ausführlicher Beschrei- 
bung den Gang jedes einzelnen Steines ; Konrad aber wilF diesen 
Abschnitt un verdeutscht lassen : es sei schwer, dergleichen Dinge 
verständlich (merkeltchen) vorzutragen; wer das Spiel nicht 
könne, lerne es aus der Beschreibung nicht, und der es könne, 
fiir den sei dieselbe überflüssig. Er will nur noch sagen, was 
der Gang jedesmal bedeute ; natürlich wird dieser dabei in Kürze 
wenigstens mit beschrieben. 

An dem künge heb ich an, 

AJs mir das buoch fiir leit, 
Wan ein küng wirdi treit 
Vber alle die in den riebe fint, 
256 6. Si fig^ alt oder kint; 

Vber die alle fol er gewalt han. 

Als man hie ficht gefchriben ftan. 

Da von fol er nit verre varen 

Von finem rieh: er fol bewaren 

Alle die, die er vnder im hett. 

Dis kan vns beduten das brett 

Vnd der kting, der dar vff ftat. 

Wenne (Swenn er) des erften von ftete gat, 

£r fol nit vran fiirbas 

Denne an das dritte veld: wiffent das. 



— 358 — 

Den felben gang hant die fteine 

Alle groffe vnd kleine, 

Wenne fi von erft ab fteter gant, 

Das fi denne das vrloub hant. 

Das iklicher ans dritte veld gat, 

Als er denne finen gank hat., 

Dar nach er fiirbas nit gan fol, 

Denne (zu tilgen) als die es kunnent wiCfent wol. 

Mit Worten es nieman geleren kan: 

Er muoff ein bret ze gegen han : 

Dar vmb wil ichs nit an nemen mich : 

Es wer an mir gar teerlich, 

Ob ich michs wolt nemen an. 
§ Das ouch ich gefprochen han, 

Das \S dem bret die fteine 

Groff vnd kleine 

Des erften an das drite velt mngent gan. 

Da bi mag man wol verftan, 

Wen ein küng mit here von hufe vert, 

Das ims des erften niemant wert : 

Er ift in dem riche wol behuot 

Vnd als fin her. vnd fo er getuot 

Die erften vart vnd vs dem riche fol, 

Dar nach bedarff es huote wol, 

Das er ficherÜchen var, 

Vnd menglich fin felbs neme war : 
257 a. Das bediutet, das er niut fiirbas fol gan 

Wan an das nechfte vclt, das er mag han 

Bloff, vnd im da niut ift fchach. 

Er gat für vnd nach 

Vnd ze allen ziten (fiten) neben fich. 
§ Dias bediutet, als das baooh bewifet mich: 

Die wile er vert in dem ri^^he, 

So vert er ficherliche; ^ 

S wenne er vs dem riche kttnt, 

Er muoff fich hueten y.e aller ftund 

Fürbas denne in dem riche, 

Das er gat (gar) ficherliche 

Sich bedenke , wa er var. 

Er muos och achten > das er bewar, 

Das er zuo finen widerfacheh nit fcon 

Getar , won ans dritte velt der von. 

IVas toug hie von vil gefeit? 
Es wer verlorne «rb«it, 



Seite ich vil an difen geliebt. 
Das doch uieinaiU uütx nicht 
Doch mag ich eines nicht verdagen : 
Ich wil es , wan ichs hie vant , fagen ; 
Das (Was) bediuten kaa das wort. 
Das man dike hat gehört, 
Vnd man es noch mag hören vil, 
Swen man fpilt fchachzabel fpil; 
Wenne der widerfachen dekeiner kunt i'o na, 
Das er mag fprechen ^^fchach da'*, 
Es fi Roch, Ritter, Alte, kunigin, 
Oder ein kleines vendelin. 
Als ich es hie gelefen han, 
Dis felbe Fol man anders nit verftan, 
Denne ob er fprecfce 
Vnd zuo dem küog iehe 
>,La mir recht wider varen/* 
So muoff er finen kÜQg bewarn , 
So das er dannan flibe» 
Oder einen dar für zkche. 
b. Mag er des nit getuon vfi* der ftat. 
So ift im nach dem fcbache matt: 
Das ift als vil, als ein kiing den fig verlivt. 

Darum soll ein König freundlich gegen das Volk sein : harte 
Herren werden von den Ihren in der Nolh verlassen. 

Wie ich eins hie nit gelefen han. 
So gedenk ich hie bi doch dar an , 
Da von ichs ouch hie wil vergehen, 
Das gar dike ift beichehen, 
Vnd mag vil wol befchetk me. — 
258 a. Wer fin volk vber die naffe ftiuret. 
Der felb dar an verlinret. 
Dar an er wesig gewinnet (waenet gewinnen) : 
Wenn (Wan) fwer im mag entriAnet (entrinnen), 
Der fliucht in ein frij ftat. 
Da er vor dem h»>ren fri^ hat. 
Da (Das) hat man gar dike gefehen : 
Ich wedarff da von nit me veriehen : 
Da von wil ich fin hie gedagen: 
Wolt ich da von ich (Uit) mere fagen, 
Das wer verlorn arbeit: 
Wifem mannen ift genuog gefeit. — 



l^ar 4ia kiwgruui ir gaak mag iuw. 
Wer dis fchatzabel fpil wtA kmn. 
Der weis das fi des erften gat 
b. Ab dem velde, da fi ySe ftat. 

An dak dritte veld, ynd nit lörbas ; 
Vnd fol man da bi wiffen das, 
Das £i nit gat ander fwar 
Wann an ein veld, das Li gevar 
Als das, da fi von erft irff ftnond. 
Vns tuot dis bnoch forbas knnt. 
Das fi gat förfieh oder neben Heb 
Ab das roch an (ans) dritte veld. als ich 
An difem felben buocb han gelefen, 
Ir Tart mag ouch gelibe wefen 
^ Des alten Tart der erften ftond ; 
Dar nach, als Tns dis bnocfa taot knnt, 
So mag fi denne nit förbas gan 
Wan ans ander veld, daz fi mag han 
Bios yber die fpitze^ als dien ift knnt. 
Die es fpilent ze aller ftand. 

^iVas das n^ bedinten kan, 
' « Das fi den erften f]M*mig mag han 
Ans dritte veld, Tnd dar nach nicht 
Wan an das ander? als mir vergilbt 
Dis felbe fchachzabel buechelin. 
Das bedutet, das frowen mügen fin 
Da heyme verre bas behnot. 
Dye wile fi fint in irm heymnot, 
So mögen fi defter verrer gaii; 
Aber vfwendig fönt fi nit han 
Die frowen als (alze) frifen mnc^. 
Witfweiffe ift ze niute goot 
Dien frouwen : dis hat man dik gefehen. 
Diu witfweiffig ift, der mag befchehen, 
Als d3mim (DInün) Jacobs tochter befchah, 
Da man fi gan aleine fach 
Diu niugerue fchoawen 
Der Sittimiten (Sichimtten) frouwen. — 
259 b. Diu ir kiofchkeit ^behalten wil, 

Der (Diu) huet fich, das fi nit ze vil 
Den mannen heimlichen fi; 
Vnd wiffen all frowen da hi 
Eins, des ich doch hie nit vant, 
Vnd wil es doch hie tuon bekant: 



V 



— sst — 

Wann ich mag» mit niiita Tertragea (T^rdai^n)^ 

Ich höre die, denes ift kant. Tagen « 
, Das ein rech gar fnelle fi, 

Vnd hat ouch einen litten da bi. 

Das es gerne hoeret louffende hande, 

Vnd das es ze menger ftundie 

Der Unten hinden (banden) nnch gat« 

Vnd das es fi gehoire, rtdle Ttat, 

Bis im die bände gar nahe fi^t ko«, 

Vnd fprtnget denne fnelleklich der von : 

Wann es ift ein tier gar ihel, 

Vnd Terluret vnder wilen doch das vd; 

Das es niut entete^ 

Ob es die witze bette, 

Das es fliihe die bände i 

So möchten tz keiner ftimde 

Die hnnde erlonffen, flnhe es von in: 

Sns hat es alfo tonben Iin, 

Das es der üimme UmEet nach, 

Vnd im dar zno wirdet gneh^ 

Das es der ftrike nit acht batt^ 

Da mit man es d^eb dike Tat. 

Dem felben tiere tnowt fTmlich 

Frowen an menge dingen geltcb , 
260 er. Das fi den mannen nach gant, 

Vnd gerne gewerb -Toii in hant, 

Vnd wellent doch vor in ficber Hnt 

Ich fag in (in) yff die triuwe min. 

Inen mag wol als dem rehe be£cb«i. 

Dis hat man gar dike gefehen, 
. Das es dik befcheben ift: 

Da für halff fi kein lift 

So wol als fliehen Terre hinden (hin) dan^ 

Swer heimliche wü zno dem ünre han, 

Das er im ze nabent gat, 

Villicht er eine hitz emphfat, 

Diu im dar nach gar fcliedlich wirt. 

Vbrigiu heimlkhi birt 

Mnglichi (Mmeliehl): das wirt dik fchin. 

Si mneffen den mannen Irömde fin , 

Ob fi weUent kinf«k beliben. 

Dis ift ein Tf^ig fchriben, 

Das min bant hie gelWbribeto bat, 

Si4 futm dnr mich weder tuet noch latv 
I. 46 



/ 



— 368 — 

An ein bell mnofT ich das lan. 

So merkt man doch wol, das ich han 

Eine gantze warheit 

Hie an menger ftat gefeit. — 

6. Das ich Ton dem Alten wil 
Sagen, des ift doch nit vil, 
Wann von im vil gefeit ift, 
261 er. Da man von den alten lift, 

Da vor. aber wie fin gang fol wefeji. 

Das hab ich aller erft nn gelefen. 

Der alt fol gan, wiffent das, 

An das dritte velt, vnd niut fiirbas, 

Vnd j^as felbe vber die fpitze. 

Das bediatet, das fi witze 

Sont an allen dingen han. 

Als der alt ift getan 

Ander varwe der erften ftand , 

Als dis buoch vns hie toot kunt, 

Alfus fol er beliben. 

Nu horent, lant iuch fchriben. 

Wie ir dis wort fönt verftan, 

Das er fine varbe fol behan ; 

Alfo fönt ir merken das: 

Ob das velt wiff was. 

Da er des erften vffe f tnond , 

Alfas tuot dis buoch vns kunt, 

So kunt er.vff kein fwartzcs nicht; 

Den man onch des erften ficht 

V£f einem fwartzen velde ftan. 

Der fol niut vff ein wiff es gan. 

Hie merket man nit anders an, . 

Wan das ein iklich ricbter fol han 

An allen dingen gereditikeit ; 

Des. da vor ift genui^ gefeit. 

Das er ouch ans dritte veld gat^ 
Das felb hie (die) bediutunge hat, 
Das funderlich an nie (in) fol wefen 
Drin ding , als ich hab gelefen : 
Das eine, das fi fon fchirmen di^ . 
Die rechte fache fuerent;.nu merkent hie 
Die andern fache: als ichs hab gelefen, 
Ir gerichte vnd ir rete fon gerechte wefen» 



1 



— 868 — 

Vud fol in (in g^cke 
Der arm als der riebe ; 
Das dritte, als vns bewifet bat 
Dis buocb, Ynd bie gefcbriben ftat, 
6. Das ift: was in wirt fiirgeleit, 
Das füllen fi mit gei;ecbtikeit 
Vs ricbten gar eigenlicb. 
Wie das bie bewifet micb 
Dis felbe fcbachzabel buecbelin» 
Das in ein recbt (eim ribter) fol fin 
Volkomenbeit menger bände, 
So ift docb allem lande 
Nint nottörftiger denne gerecbtikeit ; 
Ynd dar vmb, wer kröne treit, 
Der fol ze ricbten (ribtern) die nemen, 
Die dem riebe wol getzeme 
Ze rate vnd oucb ze gericbte. 
leb las an difem geticbte, 
Das ein knng nicbt tnon fol ane rat 
Der witzigilten, fo er denne hat, 
Richter vnd oncb ratgeben; 
Den (Der) rat fol er merken eben : ^ 
So mags im defter bas ergan. 
' Von dem alten ich ban 

Gefeit, das ich nn fagen wil; 

Von dem ftuond anders hie nit viL, 

Das ieman nütze were : 

Da von darff ich dis mere 

Von im hie abe brechen 

Vnd von des Ritters gange fprecben. 

262 a. Och folt ich hie fagen etwas. 
Na vinde ich hie nit wan das. 
Das man oncb davor lift. 
Da von dem Ritter gefchriben ift. 
Wann eines mag ich nit verdagen, 
Das vns dis bnoth kan fagen, 
Das man vnderwilent vint 
Ritter, die beweret fint. 
Das £i fint koene vnd frech 
Vnd an allen dingen kech. 
Die doch gebarent gar forchüich , 
So H gegen vigenden weffenent fich; 
So zitrent fi vnd werdent pleich; 
Der gemuette doch herte ift vnd nit weich. 



Etlichem fchiaffet von der nafen da^ hlhtcd, 

Der doch hat manlicheh mnot 

Vnd wirt den Tigenden ein vberlaft: 

Wan im wirt alle vorchtc gaft. ' 

Dis bediutet, al^ m^ gefeit hat 

Dis buoch: wenne der Ritter ftat 

Vff dem velde, '^da er zem erft geftellet wart, 

So ift gar enge noch dem (denn) fin rart: 

Wan er mag nit farhas komen 

Wan an driu Teld, als ich han vernomen, 

Vnd mirs diff buöch gekündet hat. 

Wenne er aber enmitten ftat 

Vff dem bret, fo ift fin gank gar fri: 

So hat er acht velt. hie bi 

3ol man merken r als mans hie lift, 

Die wile er in der knndi ift, 

So fol er demuctig fin ze aller ftund ; 

Wenne er aber zuo den vigenden kant, 

So fol er ze allen ziten (fiten) fieh 

Hueten, vnd gar keehklich 

Gegen den vigenden fich halten : 

Da von mag er walten 

Acht velden , da er vff gat , 

Als mich dis buoch bewtfet hatt. -- 

b, Uon dem Roch dis bsoch hie gefeit hat: 
S wenne das fchachzabel dez erften ftat, 
Als man des erften ziuhen fol ; 
Das merken, die es künent, wo); 
So der kÜRg vnd ander gefteine 
Groff vnd kleine 

Gewalt hant, das li diügent etwar gan, 
Wan das Roch nraos fülle ftan> 
Wis das im gerumet wirt: 
Vntz dar maoff es fin verirt, 
Das es mag gdehaden noch gefrome«. 
So es aber mag an die wite kcMsen, 
Was denne die richte voir im ftat, 
Gewalt es denne dar vber hat,' 
Wie nahe oder wie verre es li. ' 
Vnd fol man merken 4a bis 
Die wile ein imtvögt nit ift komen 
Vs des künges phfi^lentz, vnd aHgenesen 
Sich finer pfitgänft (pAegmilt) nint enhat. 
Als d»s roÄ des erfttü fiat 



Vnd es niedert (ni^ndeH) hin nag; pok, 
263 a. Sus mag der lantvogt oack nit han 
Gewalt vber das im enpfolhen ift. 
An difem buoch man alfo lift: 
Swenne das in einem winkel I^t, 
Zwene wege es denne gat 
Bie iedwedre fpange al dnr das bret, 
Die wile es bloff velt hett ; 
Swenne es aber enmitten ftat, 
Vier ftraffen es denne hat 
Vber der velden breite die rieht , 
Vnd vber enkeinen winkel nicht. 
6 Das es fol die richte gan, 
Das fol die bediatange han, 
Als man an difem buoche Hft: 
Wer einen (eines) künges lantvogt ift, 
Der fol niuwen nach dem rechten varen» 
Vnd fol ftetenklich bewaren 
Beidiu fpat vnd irao, 
Das niemant kein vnrecht tao : 
Wan er ift an eines kanges ftat. 
Dis buoch ouch hie gefeit hat, 
Das zwei roch mü^ent den gewalt han 
Bi der fpange , das f i mügent van 
Den küng vnd im fprechen matt. — 

6. Sid ich. von den groüa» fteinen han 
Gefeit, fo mag ich nit gelan, 
Ich muofr ouch von den kleinen fagen : 
Wan folt ich von dien gedagen, 
So mochten t fprechen alle die, 
Die die venden bedintent hie. 
Das ich 11 verfmechte. 
Ob ich nicht zeliechte brechte, 
War die venden follent gan, 
Vnd was gewaltes fi mügent han. 

Ais mir dis buoch gefeit hat, 
Die venden mngent ab der erften Aat 
Des erften an dma dritte veld wol gan. 
Als ich da vor gefprochen han, 
An, das dritte veld gant alle fteine 
Zem erfte, ane das roch alleine, 
Als ich da vor gefeit habe. 
Dar nach gat diu friheit abe 



^ 3t* — 

Den Tenden , das H nit förbitf 
Getnrrent komen, wan ie an das 
Veld, das aller nechfte Tor im ift. 
Als man an difem baoche lift. 
Als ouch davor , Sus bcdiatet es oach hie » 
264 a. Als ich iuch nu wil künden wie. 
Die wile man haniwerk late vint. 
Das fi in ir heimneie fint, 
So ift ir gank defter veri'er vü. 
Eines ich ouch hie Tagen wil : 
Für das er ts der kontfchafft kunt, 
So ift er ynficher ze aller finnt. 
Da von fol er niut verre gan 
Wan an das ander veld, das er mag blolT ban, 
Vnd fürfich vber die fliehte; 
Ich fag an difem getichte , 
Als ouch hie vor von uiir (ime) ftnont; 
Vnd fwenne er an die fpange kunt 
Sines widerfachen, fo fol denne fin 
Sin gank als ein (einer) küngin, < 
Vnd hat er das mit frümkeit 
Erworben, das diu künginn treit 
Von genaden, als da vor ftat. 
Da es von der künginn gefeit hat. 

So der vende kunt zu der fpange dar, 
Wie denne ie das lefte veld ift var, 
Ab dem mag denne fin fpringen fin 
^An das dritte veld als einer künginn, 
Vnd dar nach nit fürbas 
Wann au das ander, wiffent das, 
Vber die fpitze vnd anders nicht. 
Als dis buoch mir hie vergicht. 

Man fol ouch eines merken me : . 
Als ich habe gefprochen e. 
Das er zem erften fol die richte gan, 
Vindet er ze wederre fiten ftan 

Sinen wider fach (Stns widerfachen) küng , er f prieht im fchach ', 
So muos dem widerfachen werden gach , 
Das er balde das verfehe. 
Das im icht matt dar nach befchehe. ^ 

^ Uindet der vende ouch anders keinen ftein» 
6. Er fi groff oder klein» 



Er Aimpt in vber die fpitze. 
Deti Alten fromt nit fin witze, 
Noch den Ritter fin kuonheit; 
Was von der künginn ift gefeit 
Gutes, dass kan gehellfien nicht: 
Ob yf£ dem fpil das befchicht , 
Das in begegent das vendelin 

Ze den wederm (dewederem) fpitze, fo mag es im 
So gewaltig, das in abe nimpt. 
Der felbe gang im nit getzimpt, 
Wann fo es vber winden fol, 
Der im begegent. das mag man wo! 
6 Merken vnd alfo verftan, 

Das ein iklich hantwerk man mag han 

Vrloub, das er verre (were) fich ' 

Heimlich vnd offenlich, 

Wer gegen im hat folhen muot, 

Das er im wil nemen lib oder guot. 

Alfas dis buoch feit- vns hie : 

Sich felber fchirmen wart verboten nie. 

Wie kleine nu der vende fi, ' 

So il't er doch alfo fri, 
Das er dem küng fpricht fchach vnd matt, 
Vnd folhen gewalt dar zuo hat. 
Das er Roch, Ritter, Alten vnd künginn mag van. 
Hie bi fol man das verftan, 
Das arme liute niemant verfmahen.fol: 
Man bedarff ir ze allen ziten wol. 
Och wiffent, das man gefchriben vint, 
Das mange ze herren worden fint. 
Die doch nicht warmiit von hocher art. 
Wer tugent uebet alle vart, 
Den fol man für edel han. 
Eines vinde ich hie gefchriben ftan, 
Das bebfte vnd künge worden fint 
Etzfwenne armer lute kint. 

Ich vinde an di'fem buoche ftan 

Und hiemit bricht, noch vor dem Ende ,des Gedichtes selbst, 
unsere Handschrift ab. 

Blicken wir jetzt in schneller Kürze noch einmal auf das 
CSauze zurück, um uns ein Urtheil über dessen Werth zu bilden. 



Konrad lebte zu einer Zeit, wo die Knnsl des Dichtens 
wiederum von den Deutschen gewichen, wo die ganze Litterator 
wesentlich prosaisch geworden war, wo in demselben Masse, 
als die Prosa sich der Meisterschaft entgegenbildete, auch die 
Poesie dem Gehalte nach immer prosaischer, nämUch didactischer, 
und in der Form immer mehr yerwahrlost w»rd. Daher nun 
dieses W^^ ^^^ dessen ganze Beschaffenheit. Zwar ist kein 
einzeher Autor jener Tage namentlich zu bezeichnen , dessen 
Beispiel bestimmend auf Konrad eingewirkt hätte; sicherlich 
war auch seine Deutsche Belesenheit sehr geringe sonst würde 
wohl er, der so gern und yiel dtiert, und die Bezüge attf Zeit 
und Heimat liebt, zuweilen auch auf Deutsche Dichter sich be- 
ziehen. Es war nur die allgemeine Richtung, welcher er auch 
folgte, die Begabung Aller, yon welcher er auch seinen Theil 
empfieng ; er athmete eben nur von der geistigen Atmosphäre 
der Zeit. Und so unternahm er es denn, jenes Buch des Jacobus 
de Cessolis, dessen Stoff, dessen Zweck, dessen ort^nale Form 
prosaisch war, gleichwohl in deutsche Verse zu übertragen, und 
yersuchte es gleich Andern und mit den gleichen Mitteln wie 
auch Andre, dem widerstrebenden Inhalt einen Schein yon 
Poesie zu geben. Nicht durch Gewandtheit der Sprache: seine 
Diction ist ungelenk genug, und yeriiert sich, wo es über die 
einfachere Periode hinausgeht, alsbald leicht in anacoluthische 
Verwirrung; auch nicht durch Genauigkeit des Versbaus und 
des Reimes : seine Ver^ schwanken regellos hin und her zwischen 
dem Mass der classischen Zeit und dem Unmass der Zeit des 
Verfalles; im Reim achtet er der Quantitäten wenig, und er-* 
schrickt selbst da nicht yor der Formyerwildefung seiner pro- 
yinciellen Mundart. In Einem Stücke nur, in welchem Satzbau 
und Versbau zusammenwirken, übt er gerne einen Kunstgriff, 
der noch yon den besten Dichtem des yorangegaogenen Jahr- 
hunderts herrührt : ich meine das Abbrechen des Satzes mitten 
in einem Reimpaare, die Spaltung eines Reimpaars hinter sich 
und yor sichjn yerscbiedene Sätze, wie z. B. oben S. 64 fg. 
Was aber ganz eigentlich seiner Zeit selber und deren poetischem 
Lehrstil angehört, wie dieser namentlich im Renner Hugos yon 
Xrimberg sich entwickelt zeigt, ist die Belebung d^ Lehre 
durch eingeschaltete epische Beispiele (btschefte); die Unier^ 



— 369 — 

• . . . ' 

brecbung d6s gei'aden Gangs derselben aucb noch durch andere 
Abschweifungen, besonders von strafendem, satirischem In- 
halte; femer das Wortspiel äymboli^öh erfundener Eigennamen 
(oben S. 51 fg.); endlich, bin und wieder gleichfalls angewendet, 
z. B. oben S. 64 fg. , die registermässige AufzaUung einer langen , 
utiter Einen Hauptgedanken vereinigten Rdbe von Einzelheiten. 
Dergleichen also hat er gemein mit seinen Zeitgenossen. Wie 
weit jedoch steht er in alle dem hinter ihnen zurück! Seine 
Digressionen haben fast immer etwas störendes und erschifinen 
als unnütze Ab- und Umwege: durch steine eigene Schuld^ da 
er nicht müde weisen kann zu sagen : ^Hier schweife ich ab^S 
»Ich weile zu lange, ich mnss wieder einlenken ^S »l)iess fand 
ich in dem Buche nicht ^^ grade wie anderswo das immer und 
immer wiederkehrende »wie ich fand in dem Büchelein^^ ihn 
nicht ermüdet , wohl aber den Leser. Und seme Erzählungen , 
mögen sie auch das Beste öes ganzen We^e» sein, mag er dafür 
auch mehr Talent besessen haben als für das eigentlich und 
rein didactische, lassen sich doch den ähnfichen Einschaltungen 
im Renner bei weitem nicht zur Seite stellen, noch weniger den 
Fabeln und Parabeln eines in Raum und Zeit ihm noch mehr 
benachbarten Dichters, des Uhicfa Bonerius» Predigermönches 
von Bern. Letztere Vergteichdng thet drängt ^ich um so mehr 
auf, als Konrad und Bonerius eine Anzahl von Stoffen der 
didactischen Epik mit einander gemein haben. So erzählt auch 
Bonerius (52) die Geschichte von einem mein und stnem ^we 
und einem esel (ob^n S. 6ft'^69); ein andres Beispiel vom Zu- 
sammentreffen beider möge hier nachgeholt werden , die Parabel 
von zwei CreseDen und einem Bären, b6i Bonerius die 73ste, bei 
Konrad S. 96 6 — 98 a; die gemeinsame Quelle ist Avianus 9. 

Doch ulag ich eins nieht verdagen , 
Das ich von gefeltfchafft ivil fagen, 
Das ich ouch vand in latitt, 
Aber nicht an difem t>ueehelin: 
loh vand (vänt 6s) ail einem abdern ftan. 
Das ich es hi^ gerchri))en han, 
Das iet ich nüwönt vmbe das, 
Das fich menglich defter bas 
97 a. Vmb fehe, wo er vinde, 
Wes er fich vAder winde. 

L - 47 



/' 



— 370 — 

So er wil einen gefeilen nemen, 
Er lalTe im das nicht miffezemen , 
£r merke dife bifchafft hie , die ich 
Wil gehen hare (harte) kürlzenldich. 

Nv merken die es boren wellen. 
Einr wand einen guottn gelTellen 
Han an einem andern, als ich las. 
Nu fuget fich ze einem male, da^ 
Si mit ein andern giengen 
Vber Teld. fi beide viengen 
An vnd retten Ton der krafFt, 
Diu wer an guot (guoter) gefelfchafft. 
9 Der ein fprach ^^das'ift wol fchin 
An mir, lieber gefelle min. 
Ich habe fo groITe triuwe zuo dir, 
Das Fol tu gelonwen mir^ 
Vnd fech ich dich in keiner not, 
Ich gieng für dich in den tod.^ 

Der ander fprach ,^des habe dank/"^ 
Nv wart dar nach yjilank, 
Das ein groffer wilder per 
Gieng vfl: der ftraffe gegen in her, 
Vnd wolte fi beide loufen an. 
Der ein vff einen bovm endrän : 
Der Heb e mit Worten bot 
Für Hnen gefellen in den tod. 
Der wolt im nun fich felb bewaren, 
Vnd lies finen gefellen varen, 
Als- er mocht, dar oder her. 
Do dirre fach , das der her 
In nicht wolt miden, 
Do Yorcht er, das er liden 
Muefftc Ton im groffe vngemach: 
Wan er was im gar zu fwach, 
Das er in einig bef tuende. 
h. Was im nu were ze tuende, 
Des gedacht er gar angftlich. 
Ze Jungeft do bedacht er fich, 
Das er viel vf die erd nider, 
Vnd rurte weder atem noch lider. 
Recht alls er were ze male tod: 
Dar zuo twang in des libes not. 
Den er wonde verloren han. 
Der per bf gnnde vber in ftan ; 



r 



^ 371 — 

£r bot fia ore nache dur 
Vnd loft, ob er -iut wurde gfewar, 
Das er fich iena jruorte : 
Das er in zerfarte, 
Das was naeh wane des bereu fin. 
Do er im har vnd. hin 
Geloft, vnd er ninl wart gewar, 
Das er ficb (Das fich) har oder dar 
Iena ruorti kein fin lid 
Oder fin aten, do gab im frid 
Der ber, vnd gieng von in beidn do. 
Des wnrdent3& beide fro, 
Der vff dem povme vnd der hie lag; 
Si gelebten nie fo lieben tag, 
So das der ber von in gie. 
Einer (Ener) fich ab dem bovm lie; 
Der ftunt och vff, der lag. 
Sines gef eilen flacht im fere wag 
In hertzen, wann er fich für im (in) bot 
Vor hin mit rede in den tod, 
Vnd do der her aller erft kam, 
Das er ze erft die flacht dy (do) nam 
. Von im: wan wer er bi im beliwen, 
Si betten beide wol getriwen 
Den bern vnd vber wunden. 
An den felben ftunden, 

9 Do ener erft ab dem bovm kam, 

Do fprach er ^mich muoff \vander han, 
98 a. Was der per Runete dir. 

Lieber gefelle, das fag mir, 

Do er fich fo nahent zu dir tet.^ 

9 Er fprach »was er mir gerunet hat? 
Des wil ich nicht verfwigen dich. 
Der per hatt geleret mich, 
Das ich mich nicht mere fol lan 
An keinen giefellen, den ich nit han 
Bas verfuhct denne dich. 
Diu lere muos ymmer helfen mich : 
Wann bin ich witzig, es ift mir guot. 
Vnd wilfeft, das der rechte tuot, 
Wer Hch bedenket vor hin wol, 
Der einen gef eilen kiefen fol, 
An den er fich aller dingen wil lan.* 
Dis bifchafft fach ich nicbt ftan 
An difem fchachzabel buchelin : 
Doch muof t ich werfen es bar in , 



— «18 — 

Wann mich dochu ^ 'wi» «s vecht keine 

Ynd hartacao wol geUeme , 

Wann man von geff lllcheffle 

Seit vnd ouch von ir lureffle. 

Sit ichs HU hie gefeit haa, 

So wil ich wider an« Tan, 

Das (DA) ich es da Torllie 

Vnd vflev der materie gie. , 

Viel mehr noch yertiert Konrad , wo «an seine Erzählungen 
gegen Muster der classischen Periode halten kann^ wie z. B. die 
oben mitgetheilte you Johannes von Canacia gegen den Schlegel 
Rüdigers des Hundhofers, Koloczaer Code:^ 157 fgg. *). 

Welchen Werth nun neben so maonigfacbem Unwerthe be- 
hält unser Gedicht? ImoMr noch einen nicht geringen. Einmal 
als ein Zeugniss mehr für den alten Antheil der Schweiz an der 
deutschen Lilteratur; dann aber auch in weiter ausgedehntem 
Bezüge. Für die historiscfie Grammatik kann aaefa aus diesem 
Werke viel gelernt werden; für die allgemeiie Litteratur- 
geschichte ist es vielleicht grade desw^en um so bedeutender, 
weil Konrad sichtlich yon den Dichtern seiner Zeit nur wenig 
oder gar nichts weiss, und doch dem lilterarischen Zeitgeiste 
folgt wie einer; zuletzt aber und hauptsächlich hat es einen hohen 
Werth für die Geschichte der CuUur des MittelalteiB , nicht b)os9 
' indem es das alte Schachspiel , sondern indem es in einer Masse 
von characteristischeu Zügen uns auch sonst noch das tägliche 
Leben und Treiben, die Sitten der Nation und ihrer Stände^ 
die heimlich nährenden und still bewegenden (Sedanken jener 
Tage näher kennen lehrt. Der Diditer stapd durch Beruf und 
Cremüth dem' Volke nah genug, um gerade von solchen Dingen 
unablässig berührt zu werden : obschon er den Geistlichen nicht 
verläugnen kann (oben S. 200. 219), ist dodi audi er ergriffen und 
durchdrungen yon der grossen democralischen lUgung, welche 
damals durch di^ Städte imd die Landgemeinden des oberen 



"*) Der Schlegel bei Rüdiger, der Rolhe bei Konrad ist schwerlicl^ 
mit Jac. Grimm (Haupts Zeitschr. f. Deutsches Alterth. 5, 72) 
auf den heiligen Hummer des Donnergottes , sondern einfach auf 
die Keule auszudeuten, mit welcher man im Meidenthume sich 
der abgelebten und unwütK gewordenen Ekem entledigte : vergl, 
Heinr. Schreiben Taschenfc. f. Geschichte 5, .1196, 



— 9n -^ 

Deutschlands gieng (vergl. S, 194. 222); die Litteratur ist ihm 
fremd» aber nicht das Sprichwort des gemeinen Mannes*); er 
bezeugt mit dem Cento^ welcher den Schluss seines Buches bildet 
(oben S. 48—51), ajaf das schlagendste die eingerissne Auflösung 
der Poesie, zugleich aber durch die Bestand theile, woraus er den- 
^dben zusammeusetit , seine Bekanntschaft mit den Sagen, den 
liiec^ern und den Witzreden des Volkes (vergl. Haupts Zeitschr. 
3, 40). Bei solchem Verhalten wuchs ihm eine Fülle dessen 
zu, was seinem Buche, wenn auch nicht den höheren Reiz der 
Po<ssie verleiht, doch einen mannigfaltigen und an Belehrung 
reichen Sachgehalt sichert. Und auf diesen daraus zu schöpfen- 
den Gewinn ist bei den früheren Auszügen vornehmlich Bedacht 
genommen worden. 



) Ausser den Sprichwörtern, die schon in den früheren Mit- 
theilangen vorkommen, braucht er noch folgende. 57 a: der 
iochter wont gern bi Der muoter fitte ßckerlich. Eines 
hott bewifet mich Ein fpruch der dike ge/prohen wirt. Das 
ein btuomot huo vil dik gebirt Ein flehechtes helhelin. Es 
gelihet ouch dem vater fin Der fun dik, als man ouch hatt 
Gehöret: „dik griff nach grawem flat.^ 108 b: es ifi ein aii 
gsfproehen wort. Das man dik hatt gehört, GewakfchOüe 
gemade hau, 2$2 a; ff^ir haben einen fprueh gar dik ver- 
n9m0nt Das man hart ibenig vint. Die gaot boten oder guot 
broierßnf- Und vidleieht noch obehr, die ich nur über$efcm 
hübe. 



1 



— 37* — 



Bündniss 

^twischen 

Zürich, Bern und Strassbiirg im Jahr 1588. 

Beschreibung desselben 

darch 

Johann FiseharU 

Mi(getheilt 

durch 

Heinrich Kurz, 



Die Missverhältnisse, in welche die Stadt Strassborg in Folge 
ihrer Annahme der Reformation mit dein Bischoff gerathen war , und 
die für die Stadt um desto gefährlicher werden konnten , als Torzogs- 
weise katholische Stände derselben nächste Nachbarn waren, hatten 
den Magistrat bewogen , um die Erneuerung der alten Bünde mit den 
Eidgenössischen Ständen nachzusuchen« Die Unterhandlungen führ- 
ten längere Zeit zu keinem Resultate, bis endlich die Lage Strass«« 
burgs so gefahrvoll wurde, dass der Magistrat gern alle von den 
Schweizern gestellten Bedingungen einging. Als nämlich der Kur- 
fürst, .Erzbischof Gebhard von Köln, der bekanntlich Protestant ge- 
worden war und geheirathet hatte, bei mangelhafter Unterstützung 
Seitens der protestantischen Stände , den vereinigten Anstrengungen 
seiner Feinde hatte weichen müssen und Land und Würde verloren 
hatte, suchte er bei seinen sehr beschränkten Vermögensverhältnissen 
doch wenigstens Etwas zu retten. Da er auch Dekan des Stifts 
Strassburg war, erklärte er, von seinem Rechte auf diese Würde 
und die damit verbundenen Einkünfte nicht abstehen zu wollen. 
Dieser Erklärung schlössen sich noch einige andere Domherren an, 
welche sich in der nämlichen Lage befanden, wie der abgesetzte 
Kurfürst, da sie bei der Wendung der Dinge in Köln ihre dortigen 
Würden ebenfalls verloren hatten. Sie hatten sich gegen den Willen 
des Bischoffs von Strassburg und der katholischen Mehrheit der Dom- 
herren in den Besitz der Einkünfte gesetzt und waren hiebei insgeheim 
und öffentlich von den Behörden der Stadt unterstützt worden , wo- 



— 375 — 

bei dieselbe natürlich mit dem Bischofi' in Konflikt gerathen war. 
Alle Bemühungen des Kaisers und einiger Fürsten des Reichs, die 
Sache zu schlichten, blieben fruchtlos, weil einerseits der Bischoff. 
dem Begehren der protestantischen Domherren nicht nachgeben durfte« 
ohne das ganze Bisthum dem weiteren Eindringen der Reformation 
Preis zu geben und andrerseits der Stadt daran gelegen sein musste» 
die Macht des feindlich gesinnten Bisthums zu brechen. Als im 
J. 1587 ein deutsches Söldnerheer, welches von dem Pfalzgrafen 
Johann Kasimir (damaligem Regenten der Pfalz) unter dem Ober- 
befehl des Barons von Dohna den französischen Reformirteii zu Hülfe 
gezogen war, und auf das man protestantischer Seits (und ^o auch 
in Strassburg) die grössten Hoffnungen gesetzt hatte, nach einigen 
verfehlten Unternehmungen zum Rückzug gezwungen worden war,, 
und die liguistischen Truppen in Elsass eindrangen , das ganze Land 
verwüsteten, und selbst Strassburg bedrohten; da hiedurch der Bi- 
schoff neuen Muth gewann und die Befehle des Kaisers , dessen For- 
derungen nachzugeben, immer ernster wurden : drängten die Strass- 
burger zum Abschluss der Unterhandlungen. Da andrerseits auch die 
protestantischen Städte der Eidgenossenschaft in den Siegen der katho- 
lischen Ligue eine, wenn auch nicht so nahe, doch jedenfalls drohende 
Gefahr erblickten, und es ihnen daran gelegen sein musste, die freund- 
lich gesinnte und durch gleiche Religion und andere Interessen nah 
verbundene Stadt Strassburg vor jedem Unfall zu schützen, so kam 
endlich im Mai 1588 das Bündniss , das wir hier mittheilen , zu Stande, 
obgleich Kaiser Rudolf sowohl Strassburg als die Eidgenössischen 
Städte in besondem eindringlichen Schreiben daTon abgemahnt hatte. 
I Wir enthalten uns , weitere Bemerkungen über das Bündniss vor- 
zulegen, doch können wir nicht umhin, unsere Leser auf die inter- 
essanten Bestimmungen des Vertrags au&ierksam zu machen, durch 
welche die Stellung der nÖthigen Kriegsvölker beinahe ausschliesslich 
den Eidgenössischen Städten zukommt, während Strassburg fast nur 
Geldzahlungen und Zufuhr von Lebensmitteln zu leisten übeirnimmt. 
Eine Stadt, welche ihre Yertheidigung so ganz ihren Bundesgenossen 
überlässt und zur Rettung der Freiheit nichts anderes als Gold zu 
opfern fähig ist, gibt sich dadurch selbst verloren, und so musste sie 
endlich auch dem auf sie lauernden Feinde zur Beute werden. — 

Die Urkunde haben wir aus einer in der Aargauischen Kantons- 
bibliolhek befindlichen Sammlung von Aktenstücken und Urkunden, 
die Schweiz betreffend, entnonunen, und sie mit einer gleichzeitigen 
Abschrift des Originals (oder was uns aus vielen Gründen noch 
wahrscheinlicher dünkt, dem ursprünglichen Entwurf) verglichen, 
welche im Staatsarchiv des Kantons Zürich aufbewahrt wird, und 
deren Mittheilung wir der zuvorkommenden Güte des Herrn Staats- 
archivaps Gerold Meyer von Knoffau verdanken. 



\ 



— Ä76 — 

f 

PuniiaSafmy zwkseh^t dem Stetten Zttridi^ Benü imd 

Strafdmrg^ 

Ab äkere Verein yff Sambglag den 30. Mariij. Anno D« 88. 
tor Reth md Ikirgerü d^r lenge nach terfaört , jst sölliche voit 
den^elbeü einhelligklicfa yS vnd angeuomen worden. Der ewig 
Gott yerlycfae vil glucks, auch würrigen wolstand, frid tnd ruow 
daorzno. Amen. 



hk Aem Namen der HeiKgen Hocligeloplen Tnid TnxerÜMiilieii 
ih^SjBdCfgkeyt, Gotl desratters, dessdbts Tdd Heiiigeii Geistes. 
Atneti. 

Wir Bürgermdster die Rhät vnd der gross Rhat genant die 
zwey bundert ynd die ganze gemeindl der Statt Zürich, Oocb 
wir SciKdtliei& Klda tnd grofr Rbäl geaiw^ die zwey hnndert 
d€fr Statt Bern an cmem^ Vnd wir M^ter md Rfaat Schöffe» 
Tfld Amman der frygen Rychs^ Statt Stfafzhnrg am andern theil. 
fiekennend öffentlich vnd yerkündend hiemitt. Nachdem wir yns 
ZOO ynderschiedUchen malen jn eltlichen Jaftren her luichpürlich 
erjnnart» nitt aHeia gegenwirttiger gefährlicher ynd yon tag zoo 
tag je schwerer forfelhnd^ leüiTen ynd zjtei», Senders ooeh 
yff ettfich^ Yi! Jahr tfe Zoosamen gefaepter gnotter Vertruw- 
lich^r Nachpürscbafit rnd gegen em anderen erzeigter fruntschafit 
jn der tfaat befunden, wie hoch nottt^^ndig tnd nutzBch es jst, 
mitt goottem yertrawen ein anderen zu6 meinen, 

So habend Wir ziio allen tbalen, yff-ymar derwegea znosatfeo 
yetordnetter gesmidten gepflogene tnd rm füirgebracbte^ hand^ 
föög, tns'ehier nachpöriichen tertmwHchen verein vnd ver^ 
standtnulz, mitt ein anderen vergtidhen, jn isässen hernach volgt^ 

Alllz das wir zuo allen theylen ein anderen jn allen nottfällen, 
jeif ynd zno allen zytten getrüwlidi tnd naehpüriich noeinen^ 
AeMen, vnd h«ben tns by ein aftderoi tnd ein jegk^b^ den 
dndertt by vnseren Stätten, Landen, Leüthen vnd terwanfhen, 
io wir jetz hab^n oder jn kanfltigem bekommen möcfatend, Darzno 
das wir vns by vnseren herbrachten fryheitten, Recht vnd ge* 
rechtigkeitten, lyb, haab vnd güettern, schützen, schirmen vnd 
handthaben, ouch jeder theil des anderen eer, nutz vnd frommen 



mek faesimn synem v^mögai fölrderQ^ dessm schaden vod 
Mclitlieil warnra belffda sollend Tnd wöUend, es 4reSe gljcb 
Religions rnd glonbens oder andere weltliche vnd zjUlkhe Sachen 
an^ jit denaa allein jeder theit den andern by synem thuon 
¥nd Wesen ohnangefocbten belyben vnd das handien lassen soll, 
das er geCruwt niii Heil : Biblischer geschrim gegen Gott md 
aller Erbarkeyt zuouerantwortten, 

Begebe sich dann das ein oder der andertheyl von jemandem*; 
so je dissem aachpürlichem pundt vnd verein nit begriffen, 
yorgemelter vrsachen wegen, wider Recht vnd biliicheit ange» 
fochten würde, So-soll es doch dekeinen Krieg mit dem oder 
denselben für sich selbs nit vndernemmen noch anfachen Son- 
dern mouor vnd ee die anderen parthygen diserem nacbpur- 
Bchen Pnndt vnd verstandt jagelybet, gehn Basel oder jn ein 
andere Statt» so je nach gestallsame vnd gelegenheit fürge£a(- 
l&ier Sachen am fuogklichisten vnd glegnbten syn wirt, vff einen 
benenten tag beschryben vnd bernoffen lassen, vff welches ein 
jede Statt jr treffeniiche bottschafflen abferttigen, das anUgen 
bedencken, vnd vff hindersich bringen zum besten berhat«* 
seUag^n, v*d daruff zum fürderUchisten nach erbeischung der 
nottniflt an^re tag mitt vollem gewalt zuoerschy nen ^ vnd he* 
scUusslich zno hawUen nemen solL ^ 

Wo aber die sach dermassen geslalt oder sich zaotn^an weit, 
das sy dehein hindersich bringen erlydaü möcht , alsdann diesel* 
bigen gesandten gewatthaben sich tiach nottarft zuberathschlagen, 
vnd was sich dieselben mitt einander vereinbaren , d^u soll ge- 
i€^ vnd nachkommen werden, 

Wo aber einiger tl^yl weicher der syn möchte söUches niti 
Miete, sondern einen Krieg für sich selbs ohn Rhat vnd b^ 
wilügung des andern theils anfienge, oder tribe. So sollend ihm 
dieselben theyl einige hülff ald rettung zelhuon nitt schuldig 
||y», Doch söUend sy durch jhre S^tt Land ald gebiet nie- 
mandts ^estatnen (souil müglich.) das dem theil so den Krieg 
füert, sebaden oder vbertrang zuogefüegt^ syne vyend ouch nit 
vffsiMlialten, no^eh passuren, darzoo jnen dhein prouianth noch 
andei^ das dem andern schädlich syn möchte, zuogan lassen, 

Vnd ob sich ein schneller jngriff oder vberfall zuotragen 
würde. Also das einichem theil von wegen disses nachpürlichen 
I. 48 



- 378 — 

pundts vnd versiandls, oder daharfitessender sacken Ton jernntz, 
wer der were , einiger schaden , nachtbeil oder gwatt zuogefiieg^. 

So soll die ander parthy, nemlich jeder Iheil jnn, by vnd 
vmb syn gebiet vnd Landlscbaflt vff vnser aller drygen Sietten 
gemeinen costen jeder Statt zum dritten theil yff den nechsten 
der jhm den scbaden yervrsacbet, oder jme defswegen faiUff 
oder fürscbab tbuot, sobald er des durcb den gesdie^geten 
geroabnt, oder sunst gewar wirt, ylentz zuoziechen den schaden 
abwenden vnd eben der gesjlalt handien, vnd ihme mitt söm- 
lichem ernst vnd trüwen angelegen syn lassen, aHs ob es jhmc 
begegnet, vnd syn selbs eigne sach were. 

Da aber solche Sachen zuo einem beharrlichen Krieg, veldi* 
zug oder belegerung gerathen soltend , Das denn jedes theil des 
benöttigten yygends vnd widerwerttige am nechsten, Da sy jedeni 
theil vmb vnnd by syner Landtschafll zuom füeglichsten zno er- 
reichen vnd anzuogiTffen, vmb syn reßer, vff wie hieuor ge- 
meldt gemeinen costen, hindern, schedigen, ein anderen jn dem 
allem trüwem tröstlichen zuosatz vnd bystandt thuon, vnd den 
benöttigten theil müglicbst reiten helffen soll. 

Wo sich aber zuotragen das wir die vorgenanten von Stras- 
burg vberzogen, belegert oder sonsten von vnseren widerwert- 
tigen der massen begwalttiget wurdtnd, das wir jn einer yl oder 
dnrch vorgende berhatschlagung hitff bedörfflen, vnd die von den 
andern beeden Stätten durch vns schriffllich oder müntlich er- 
suocht würden, — So sollend vnd wellend wir die obvermelten 
von Zürich vnd Bern, ohn verzug den gedachten von Strafz- 
burg mitt so starckem gezug oder beer, als je nach gel^enheil 
der Sachen vnd leüff nottürfilig syn , vnd durch vns zuo allen 
theilen angesehen oder berhatschlaget würdt, vff Vnser beeder 
Stätte costen tröstlich zuoziehen. Doch sollen wir von Strafzburg 
vns denselben beeden Stätten, so vns also mitt den jhrigen zuo- 
gezogen sindt, vff jedes thusent knecht, sampt jren haupt vnd 
beuelchslülten die allso zuogeschickt werdend^ alle Monat Füiiff 
thuseot guldin an jrem costen zu stüwr geben vnd bezahlen. 

Wann dan vnser beeder Statt Zürych vnd Bern Kriegsvolck 
zu vns denen von Strafsburg jn vnser refier koinpt, Also das 
sy es füeglich vnd ohne grosse gfahr errycben mögent, vnd 
dann gemelt Kriegsvolck geschätz, es were zuostrytten,^ Statt oder 



— tft — 

SiMö«fler zebreeben ndUnrffiig syn wirl, So soUead wir^dk 
¥on Strafzburg so vehr es yns mugtich mittKruU, lot vnd aa- 
derer zuogehörd, jn yiiserin derer yoq Slrafzburg cosien, de£z- 
glychen ouch mili^ prouiand vnd spyfz, Doch dieselbig spjfz 
Tod prouiaot nit vergebens, sonder Ymb^einzüniichen Ijden- 
iichen pfening zuobezalen jn jr läger. kommen vnd werden lassen, 
wnd^zno wy lerem nit verbmiden syn, vnd wir die bemelte beede 
Statt nät dester minder der Statt Slrafzburg fygend , wa wir die 
am necbsten vnd giegnisten by vns betreffen mögen, anzuo- 
gryffen^ zuo schedigen ynd zuo yerhindern schuldig syn* , 

Da aber wir die von Slrafzburg zuo einer Besatzung jemantz 
bedorffcttd, zuo welcher zyt das were, vnd sy vns die vilgenanten 
beeden Statt darvm ersuochen würden. So sollend wir dieselben 
beeden Statt jnen von Slrafzburg vff jr. begeren, ein anzaU 
däpfferer redlicher Kriegslüth, souil sy deren nach gestalt der 
stehen begeren vnd nottürfllig syn werd^^t. Doch so fehrn vns 
-den beedeu Stätten das müglich vnd sie wegs vnd versicherheit 
balben zuowegen bringen mögen, zuosampt einem redlicb^Q 
kriegserfahrnen, Ihugenlichen haupt, vffs fürderlichist ZUO7 
schicken , Dagegen wir die von Slrafzburg vff jedes fendlin von 
drübundert mannen, Darunder der halb theil Schützen, nämlich 
liinff zdien mitt Musgeten vnd die andern mit gemeinen hacken 
monatlich zwey thusent vnd fünff hundert guldin , zuosampt, krut 
vnd loth, losament, füwr, liechl, Sallz vnd herberg, Darzuo 
l^rouiand vmb ein lydenlicben pfening, wie den Burgeren vnd 
in besatzungen brüchig vnd nitt wytters zuogeben schuldig syn. 

Wa aber wir die offlgemellen beeden Statt Zürich vnd Bern, 
o^r eine derselben, wider recht vnd biüigkeyt mitt gewalt vberr 
zogen, belegeret, oder son$ten von vnseren wJderwwtligen 
begweltiget vnd beschediget wurdind, Das wir jn einer yl oder 
durch vorgende berhatscfalagung von denen von Sti^burg hülff 
bedörfllen, dieweyl dan ein Statt Slrafzburg ettwas abw^eg vnd 
also gelegen , das deCibalb zuon zyitten des Kriegs jr selbs vos 
nötten sich zuobe wahren, So sollend nüt dester minder vff des 
benöttigten. theils ersuochen, dero fygend wie oben erlütteret jst 
wo gemeltle Statt die am nechsten vnd glegenisten beiretten 
mögen, souil muglich angryffen, zuobeschedigen vnd zuouerhin* 
dern» vnd die benöttigten zuo retten vnderstaan, Vnd so lapg 



solche rcMMg^^ron nöttM 9fjnymHr Jtflfap* i^ ▼eaStf ifriwig 

A^ benöltigtea Aeil m<»iatUoli yier dmse^ g«4dm zno WS^mi 
ZOO slfir zkomneB 9ehiAlig, i^ sMiston wjtt^ ul i^Inhi» 

den «y». 

Da fticb id^ ziiolrageR soll, das wir baed& Siätt znckBMdt jade 
d^nreh eio sondera od«r groeinen Tjgeod angrgriffen, üao dmimr 
dn anderen tIT seiMgen Call die R^tang vemdg YmGt alles 
{rmicbiiiiiz nitt Idsteo könaten oder möehtefid , Sond^ jfAß SiiHt 
jiiren selb» eignen Krieg füeren, rad sich iiidcr jkpm rjmi 
wehren müefele, iB sokfaen Fall Vnd ariluger zytt» toll jede der 
l^eden SUiit ron dem hinder jhr liegenden YonAat, des Sl«^ 
bni^seben gdto, Monailick /?ier tlrasend gnldin moncrwendcn 
ttiacht haben. 

Wa »ich ab^ aniotrögo das die ui disser pündlimiz beg^ene, 
jn den dryen Siälteii luo allen tbeilen hieobeo Tsd daoiden jm 
Land (das dooh kämmerfieh Tnd besehweriich zoowegen JuracM 
mag werden) gemeinlich angriffien, beschedigel, bdcriegel, genöl^ 
t^ety ynd also zuo allen theü^ gemeine yehd vnd iyeiidschaA 
fberkemind» so soll jedes fh^l wie ob«i gemeldet sUht^ sokbt 
vyend, znm nechsten es die bedretten ynd ^reichen mag yidb 
syn renier vnd vff gemeinen oosten als oben gdütlmt besoodeoi 
sdbä^en, y^hindem ynd je ein theil sonä jhm jener müg^ 
lieh dapfferlich ynd mitt aN^n tröwen. Das ander retten ynd 
schirmen belffen. 

Begebe sich aber das wir die yon Stra&bnrg jn zyt^ ak mm 
Km> aUen tbeilen, da oben ynd hieunden, mit Krieg^peeclieiltea 
beladen, zoo ynser obligenden notb, die andern beedMi Statt yns 
wä bülff zno kommen erfordern würden, So sollend wir die 
beeden Statt, sonH jemer mnglich mit ilottwendiger hiUI wi# 
starek die nottnrfft das erbensdien, ynd wie sy berhalseUaget 
werden mag, erscheinen, y^d wir die yon Strafdburg denseltoi 
CQOgeschickten Kriegslüthen alle Monat yff jedes thusent sampt 
^en baiipt ynd beueldwlütben fünff dinsent guldin ynd «it wyltar 
iiio geben schuldig syn , ynd diew jl wir die yon Sir iiAutg die 
finff tbnaend gnldin yff tfinsent kneckt gebei^ so sotten w»r deil 
gedaehten hüffgetts der obgemdten vier oder Acht thosend gnlden 
den beeden Slätten zuo geben erfassen syn. 

Nachdem oneh jn cbser pindimis ynd nacbpürlicbett yemif 



MS der'SCflti Strafiihnpg» damit irir ti» s^s hrBraWon m)^n , 
ztlog^Msen, dis wir den beedea SUttlea in KriegsgeMkefiBlett 
dlMin bilff mit löttea z«a sdiieken sebuldig sind» So sottead TBd 
wdleiid wir die von Strafzborg zuouergi jcbmig desselbigen , j« 
d^ beede» offl^enattten Statt ^krjA rnä Bemk jede besonders^ 
jbiieii Tnd de» jhren mo einem vavriiat vnd im) gv^tem , dryfirig 
irasefit gnldin m gelt, ynd dann fünff tbusent fiertel Roggen 
binderlegen, Darzuo die frücbten jn ynser dero Ton Stn^bnfg 
M«len dabin geKllbrt werden , Uodi das die beede Statt jn jrem 
eimten gnnojgsame Scbvitinen oder Cäaten eraemen, jngriien md 
Terg^kmtn, darnebent jede der gedachten Statt von wegen der 
Idttder sidi entpfinignen Snmma geks vnd frücbten yns der Statt 
Strafzbnrg ein scbrifftUcbe bekandtnns, welcher gestdl sj soUidi 
g«M vnd frücbten binder sieb empfingen, ziioftdlen, Abo da 
sieb znotragen word, das landtstbürungen jnrysen, oder Me 
firücblen eoott nit znogebalten werind,, das beede Statt solche 
fembten, doch mit wüssen ynd wiHen der Statt Strasburg aiH 
gr^rffen vnd jhren borgem vnd yndertbanen selfos zaogebrucben» 
Doch vff dbein fürkonff , onch niemandts frömbden vmb ein zim- 
Udi gdt vnd ettwas necher dam z«o derselben tbüren zy tt die 
fceäff «ind, aogescUageo vnd gdben, vnd ^mn vfz dem ortdfii'- 
ten gelt die sonmie der varkonfllm fruchten dmrefa beede oiU 
genannte Statt widerumb erstattet werden. 

Dc£cgljcben onch beede Statt das binder sich empfangene 
gelt ino fridens zjtt zno jbrer nottnrfil zugebracben roadk 
haben söltend. Doch das zno vorstenden Kriegdeöffen die anrnma 
jeder zjtt ergäntst, vnd jn massen bemadi volgt, anznowenden 
jm Torrbat sein, Nämlich wa beede ofilgemdte Statt oder dercs 
mie mät gewalt vnd wider Recht vnd bilBgkejt angefocUen vnd 
bekriegt würde. Also das wir die von Stn^rimrg bilff zetbvon 
evsKiocbt, vnd vermög disser pündlnns zeldsten scbiddig, I>as 
dattn von obgenanntem gelt Monatücb vier oder Acht thoseMl 
gnUte mo voderbaknng daro Kriegsvolck als Ueuor erlültert 
sinht, mög verwendet ynd gdumcht, welcher dbgang hernach^ 
a«ff urbare gnote Rcehnuag von vns der Statt Strafzborg wider 
aoH cffgäntit, vnd also die obbestimpte snomia an je^m ort voU* 
homenMcb erbalten werden. '^ 

Es flüMen d oooh wir die von SlraMuig^ gedachten beeden 



StäUeOt ynd dca^ die sy ja Ihürungen hinab, aüeiti den jiireii 
zao gebrach, ohn einigen fürkoc^, ouch niU denjröfiibden zOo-- 
gefüeren , feucht zekonffen , mitt ^ubwürdigem söhjrn der Obw- 
l^eyt abferUigen würden, zimlichen feilen kouff allwegen vor 
andern gedycn vnd volgen iafzen, Derglychen feiler kouff denen 
von Stra£zburg vnd den jhren ^ff fürlegung genuogsamer scbyn 
von der Oberkeit, von vns den genanten beeden Stätten auch 
widerfahren soll. — 

So man dann. wegen disser nachpürlichen verdn mit jemantz 
2tto kriegen kommen wurdent, soll der Ton aUen theileis^ getrüw- 
lieh ynd dapferlicb beharret, vnd dhein Rechtung oder vertrag 
dann mitt aller theil wüssen vnd willen angenommen werden^ 
vnd das zuouor dem verljstzten vnd beschedigten bekerung vnd 
ersatzung synes Schadens nach biUicher erme£zigung beschäcfae 
vngefahrlich. 

So ouch jemantz wyter jn disse nachpürliche pündtnus vnd 
verein zuokommen begerte, der soll darjn nicht genommen 
werden, dann mit vnser aller dryger Statt bewilligung vnd gehell. 

Wa aber der eine theil disser nachpürlichen pündtnus, fer- 
nere verglychung mitt jemand anderm vffrichten weit, 'das ^oU 
xlemselben hiemit nit abgestrickt, sondern zugelassen syn, doch 
jias söliche sondere pündtnus nitt wider . jemant dieser' verdoi 
geprucht werde. 

Wan sich aber zuotragen vnd begeben wurde, das dmcher 
ibeiL disser nachpürlichen verein oder pündtnus, mitt den andern 
beeden zuglych oder einem derselben zuo jrrung vnd spänen 
(Das Gott lang verhüetten vnd verwenden welle) kämen, Die 
güettlicb vnder vns nit möchten, hingelegt werden. So söHend 
wir vns volgender wyiz des Rechtens gebpuchen, Nemlich4as. 
von jedem: theil zween Eerbar versiendig Mann von den strytigen 
theilen glyche zuosätz jn anzal der personen^ vfz den Regier^*« 
den Bheten. gezogen, vnd dieselben jhrer pfliebt erlassen wer- 
d^r, welche beede theil notturfiUg verhören, vnd anfen^^fch 
vnderstan sy güetlich zuouer tragen, Wa aber die güette nitt 
statt haben will, Alsdann einen. rechtUd^en sprach thuon, vnd 
ob sy sich nit verglychen könntent. Mögend sy einen fromo^a 
woluerstendigen Mann ja vnser der. dryen Stätten , jn wridier 
m wollen zum obmann ziechen vnd eriuesen, wurdend isy isieh 



_ m — 

abef'difi? obmain^ miU mefarer stiihm nitt verglichen, So sollend 
sy das lol^ darumb werffen, vnd was dann also durch die zaosätz 
mit einhelliger oder mehrer stim oder welchem iheil der obman 
zuofelt, «rkendt wurde, soll vollzogen werden, ohn einig Ap- 
pelliren oder yfzziechen. 

Wir die dry Statt habend ouch hiemit angesechen, das 
disere pündtnus vnd verein hinfiir von 2ehen zu zehen jähren 
geschworen vnd ernüwert werden , vnd ob glych wol solchs nitt 
ordenliehen eruolgeie, nüt dester weniger craflt vnd bestandt 
haben vnd vnuerbröchenlich gehalten werden. 

Wir die obgenanten dry Statt Zärich , Bern vnd Strafzburg, 
habend viTs selbs hierinn IcKer vorbehalten, Das wir 'all mit ein 
anderen disere obgeschribne stück alle jn gemein oder eins allein 
mehr besonder wol mögend endern, mindern vnd mehren, nach 
vnser allör notturflft vnd willen, wan wir defz all einhelligklich 
miH ein anderen zuo Rhai werdent, vnd es vns all einhelKgklich 
nützlich vnd füegklich syn bedunckt ohn manniglichs jrrung vnd 
jntrag. 

Vnd nachdem disse pündnus allein zuo vuser aller darjnn 
begriffnen iheil Rettung beschützung vnd beschirmung fürge- 
nommen, So habend vfir die beede Statt Zürych vnd Bern vns 
vfzbedingt vnd vorbehaltenn das Heyl: Rom. Rych als von des 
Rychs wegen, defsglychen die pündtnus ouch ewig vnd erbeini- 
gungen die wir mitt vnseren lieben eydt vnd Pundtsgnossen vnd 
smdern Standen haben, Darzuo den ewigen frieden mitt der 
Cron Franckrych. So dann habend wir die Statt Strafzburg vns 
vorbehalten, dte Rom: Kay: Mt: sampt dem gantzen Heyl: 
Rom : Rych , auch alle andere cinigung vnd verstand so wir zuo 
allen theilen vor dato difz brieffs mitt jemandts gemacht. Doch 
so fern sy disser nachpürlichen pündtnus vnd verein nitt zuo- 
wider. Dann sy jnn dissem fall zuo Tollfüernng vnd erstattung 
aller vnd jeder vorgemelten articul dhein abbrach oder ver- 
hiiiderang thüon. Sondei^s jeder theil dem andern hier jnn vff- 
rechten vnd getrüwlichenn bystandt Rhat vnd bülff wider men- 
niglich znobewysen schuldig vnd pflichtig syn soll. Alles ge- 
trüwlich vnd vngeuorlich , gfährde vnd Arglist hier jnn gentzlich 
vermitten vrtd vfzgeschlossen. Vnd dessen zuo warhafilem vr- 
kundt, habend wir die vorgenanten von Zürieh^ Bern vnd Strafz-: 



barg vns^er drygen SiM grosse Iii»fel an difseii htUff ivtm 
drü glychlutend ylTgeriebt ynd jedem tbeil mer zogesleil wor^ 
den , gehengt. Beschecheo ^nd geben vff drey Zeboiden Tag 
Meyeos» Nach der Gepurtb Christ j, vnsers Lieben Herrn vnd 
Heylandts gezehlt Fünff Zehen hundert» Achtzig viid Adit Jahren* 



Das Bündniss witrde in Strassbarg nicht nur von Staatswegeu 
mit der grössten Pracht gefeiert, sondern es bestrebten sich anch 
iriete vaterländisch gesinnte Bürger ^ ihre Freude über- dasselbe an 
den Tag zu legen« So gab auch ji^ bekannte BncMnidiar Bernhart 
Jobin zur Feier der glücklichen Begebenheit und zur steten Erinne- 
rung an dieselbe, eine Beschreibung der Feierlichkeiten heraus, welche 
in den drei Städten, namentlich aber in Strassburg bei Gelegenheit 
des Bundesschwurs Statt gefunden halten. Wir haben an einem au*^ 
dem Orte ^) dieses Buch genau beschrieben und zugleich nachgewie- 
sen» dass die wichtigsten Abschnitte der Schrift den grossen Jahann 
Fischart zum Ver£isser haben. Wir begnügen nns daher hier, jiul 
das angeführte Programm zu -verweisen, und gehen sogleich zur 
Mittheilung derjenigen Theile des Buchs über, welche unzweifelhaft 
Ton Fischart herrühren, ohne die zwei Gedichte auszuschliessen y 
welche schon in der angeführten Festschtift mitgetheilt wurden , weü 
diese nicht in den Buchhandel gekommen ^ und daher nur in wenigen 
Händen ist. . 

Der Titel der Schrift lautet folgendermassen : 

Ordentliche Beschreibung, || Weicher gestaU die Nach- | barUche 
Bündnufz vnd Verain der dreyen || Löblichen Freien Statt |J 
Zürich, Bern vnd Straikbnrg» dieses gegen || wertigen 1588. 
Jars, im Monat Maio ist er || newert, bestättigt vnd yoUzogen 
worden. || Sampt etlichen Poetischen Glückwünscbungen vnd 
sonsten Nötige f| Erinnerung vnd Vorred, Auch Figuren, 
vnd der gcmelten drey Statt Contralacturen j| (Holzschnitt) \\ 
Getruckt zu Strafzbwg, durch Bernhart Jobin« Anno 
M.D.LXXXVin. 

Hierauf folgt die von Jobin verfasste und unterzeichnete Dedika« 
tion, welcher sich das nachfolgende GedichtvonFischart uiimittel-^ 
bar anschliesst. 



^) Zur Feier der fünfand^wanzigiährigen Lehrerwirksamkeit des 
derzeitigen Rectors der Aargauischen Kantonsschule , Herrn 
Prof. Dr. Rud. Rauchenstein, herausgegeben v. d. Lehrer- 
versammlnng dieser Anstalt. 4. Aaran (1S47) S. 47 ff. 



(I.) 

Kurtze Erklerung vorgesetzter Figuren von der Strafzburgi- 
sehen Bündnüjz ndtt den beyden Stätten Zürich^ vnd Bern. 

^ P') \irK!>^ Lilj, ist an 4ieUiGh bhini 

IMe Toder aUen bat ckn Rhom , 
Daher wird jhr verglicbea auch 
* Nach der voraken we»eiii praucb 
IHe Freiheit, so auch JiebiiQh ist, 
Vod jedcrman eHrisckt Tiid frist. 

Vnd wie die Lüg ist weift vnnd rein 
^ Also soll auch die Freiheit sein, 
Mit Blutvergiessen nicht besudelt. 
Noch mit der ßienstbarkeit yerbadelt. 
Damm siehst an eim Stengel dt 
'* Drei Lilien bei einander nah. 
Welche drei Freie Statt bedeiten 
Zürchi Bern ynd Strafsburg nun znr Zeiten, 
(iiij. a) Die in ein Bündnnfi seind getretten 
^ Ihre alte Freiheit StMXs zufretten. 
Wie dann auch dieser drei Statt schild 
Am Liliengarten semd angbildt. 
Dafz aber ein Zaun gflochten ist 
*® Mit Kornären vnd Reblaub frisch, 
Das weifzt Elsassisch Fruchtbarkeit 
Von Weinwachs vnd sonst Fruchtgetreid. 
^ Wann dann auf beiden selten warten 
^^ Ein Lew, vnd Bär am Lilgengarten , 
Zeigt der Lew Zürch vnd Strafzburg an 
So Lewen bei dem Schild han stahn. 
Der Bär aber das Bern aufzweifzt, 
" , Welchs on difz von dem Bären heifzt. 
Das Schwerd ymbwunden mit Oelzweigen 
Thut Krieg ynd Fridenszeit anzeigen. 
Mach w^her beider glegenheit 
'* Die drei StäU alli^it seind bereit, 
. Im Krieg , yor gewalt sich zubehüten , 
im frieden, fridsam sich zubieten, 
1. 49 



Also dafz anch tei .Krieget zeit 
«• Allzeit regier die Miltigkeit. 
, Die Wasser, so den Cfarten giessen, ' 

äeind die flüfz, so die Statt yhibfliesseii 
Von wefaiher Bändnofz man hie handelt , 
*^ Welche Freiheit nie "W^A ^manMi! 
(iiij. h) Vnnd heissen die ftüfz Aar vnnd Aa 

Die beid der Rhein anffnulunei da« . 

Das Gehirg zdgt den €k>tAhari an 
** Inn dem die flüfz znsammen gah«. 
Anff einem berg die Fanen frei 
Weisen ein vrsprnng aller drei^ 
Vnd dafz sie velt seien gegründi 
*^ Gleich wie ein Berg on schtoh der Wind, 

Die SchriA, so yMbhsr^slehl dlfaie 
Heifzt, FreiheiAhmt ist die ^ctwmt UäA. 
Gott lasse diese werd^ Bfaim 
In Teutschland folnheii ymb ynd vmb^ 
'' So wachfzt dan Frid, Freud , Rhu, rnd Rhom. 

f. Nöha ^lYausdhiff^ von ^üblichen, - 

Auch die folgende Deduktion ist unzweifelhaft von Fischart 
vnd verdient um so mehr ganz mitgetheilt zu werden, als er in ihr 
seine politischen Ansichten und Gesinnungen mit edler Freimüthigkeit 
und in einer seiner besten Wtrke würdigen Sprache dargestellt hat. 

(II.) 

(Bl. 1 a.) Wolmeinende Ennnening^ von Vrsacheny grund vnnd 
zil aller Bü'ndniissen^ vnnd bevorab der Dreyer Euange- 
tischen Statt ^ Zürich ^ Bern, vnd Straf zburg, woher vnd 
wie vor langer zeit solche Statt inn vnablä/slichem Nach^ 
barlichem verstand vnd offterholter Bundseinigiuig gestan* 
den, vnnd daher nit befremdlich ziivernemmen , solche 
Bü'ndnufz mm widerumb ernewert zusehenm 

|Os ist ja freilich tu disaer letzten zeit ei^e gifoase wolthat vn- 

sers HERren Go^es, die er. heutigs tegs dem Lieben Teut- 

schenland zu andern tilfaltigien ii)erfichtttten gahenimd gnaden, 

noch forters vnnd mehr hiikbei Ibttt rnd erweifzly d^a «r in yäen 



lienl wtaeBflea herrticIieiLBolmiea Tttd Ibgneniöa düMih^en» 
ghkiiirol noöh sofidie Ob^rkeken vad Vor^NiQr bin rotKl wito* 
erweckt ynnd gibt, welche nach gelegenhdt jetziger zeiit yqb^ 
Üudft, das jeaig, watt jhaea jhres anbefoIeneQ yand yer trtatea 
Attfils halber < obliege, aufe sondeo' hochbegabtem rerstand Jon 
wafer Goltsfoivht, zeitig vnd tfeidig er wegen. Auch hei hsotig^ 
gewoaUg^eigeiisiimigeti Tiid veidLehrteii vrtheil vad meifMingeny 
Qidit so üast aoff die scbeinliche ai^ebongen vnnd (1 b.), förmaiton 
gen etlicher Wellkluger Politischer Scribenien, so von yU mehr 
Mftiger yod verseUagener, als rediiofaer ynd auffineohter fiegiments^ 
besteüwig, grosses aa£sgeben, nerwnnderend aeben yimd gaAsB^ 
Ab yil mehr jederi^, dafz ca erleochtnog aller finsternofz da» 
g«miits geoffonharles worl Gottes , jbnen lassen vorscheiaen ynd 
hittdkten. 

Vnd wie können aach bei ^heutigem ynauShörlkhem ynge*^ 
wiHer ynd yngestümniii^eit des nnnmals zum hefitigsten errege 
ten nrnnd bewegten W»b disser Welt, so manche hin und wider 
ywstreili& ynnd angefodit^e gemeinden oder Gommunsofaifilean 
dmrob jjre fadEvnuiBiTte Vcursteher tnnd Paüronen : richtiger lbrt*< 
gricii^t ynawi ai^ebraolH werden, dann jwunn man erstgedaeh^ 
ten ewigw^enden Arctischen gestimlen Himmelswagen deii 
i^ittlidieai o£Banhaning, stä^ c^ ynd jm gesidhit yor sich hat, 
vnnd den hoiff der Regierang weiCz darnach zulencken vnd zo^ 
fkditen. 

( Wek^es ist aber nnn eigendich (möehi jemans hiebe! fragen^ 
daaselhig war anffgehend Nortgiestini', odar disser höchst weg^ 
wdsetidiHimmelspfol, der mit seiat vnnergenglichem glantz der 
#arb^ yftd weiizheit, den («ottsförchtigen ynd yersländigen 
Oheriidten, znr ynfehlbaren RichtiguDg hie zum nechsten tnd 
mdbmikfa zu (eä^) mag; dienen ? 

Zwar keinen bessern €ompafz ynnd wegwei- (2 a) sung, sieb 
anfzaUärhand entstandenem wrd^wertigen Gewitter ynd Wetter, 
so ife[!Bolieeien vnnd Begimenten auff mancherlei selten an^ 
iWicB, ai^iuwickehi ynd dorcfazupringen, hanman inn keinen 
Heidniseh künatkbigen hinderbssenen schrifflten nit finden noch 
hdüben : Dann weldien der Werckzeng Gottes S. Padna inli 
aftnei^ Senfbrieff eine», als er yon füdiht für die Obern ban-«- 
^Ut» sehe» Uebeaa £inger limolbeuas weiset, ynd weMw« 



]!ttagffitJ*aUis ^nnd Obera, 60 jbne» Ctefistiieb gdiör ^cb<^, 
w^rdea geweisen ynd aogedeitei haben. 

Als nemliGben, dafz jede Oberkek inn aller verwaStoiig cässes 
jr einigt zil vnnd zweck sollen sein lassen, dahin zotraebtea 
md znarb^di, damit sie sampt«den Vnderihanen, -md die Vo« 
dertbaaen mUt jbnen mögen inn aller Gottseligkeit, Er^ 
barkeit, zucht ynd ernsthafftigkeit,. ein^ gernblicbet, 
stilles, sitsames ynd fridsames leben führen, 

Die yenräfliteste^ ynd yernünfftigstan Hddcm haben ytt ynd 
längs gesttdit ynd disputiert , wafz doch einer ^ttisdtöh So*- 
delet oder geineinschaffi, höchstes ynd furtrefflichst Gnt; oder 
iiunmum bonum. sein möchte, -ynnd scänd gldchwol dnr<^:.err 
fahrnufs ynnd (2. a) Naturleitang also weit kommen^ dafii sie 
die ' glüok^Iigkey t einer Siättlieben beisammen woamig haben 
auff die Wolfart ynd den glücldbaOten sUnd der Bürger geselzl» 
V Wslsm man aber jm nachfragen : ferner gesdiritten, urarimi 
sie dann das wolfärig . wesen einer BnrgerschafiBt bestdin ycr* 
meinen, haben sie es auff folgenden, zwe]^ siacken . eraaaft, 
wann ein Statt an gnt ynd gewik yenrägUjoh, y»d thngend- 
Uches thiins halben anschlich sei. . } 

Wie yil klärer ynd yerstän^cher aber gibt yüs die Heilig 
Sehrüt inn yorangezogenen wenig worten greiffUeheiie adieitung 
ynnd zuuerstebn, nit allein was der zweck, ynnd grund' eioer 
seligen Siaitgemein seie, Nämiicfa\derselbigen Rhn ymid Friden: 
Sfindem auch, wie man densdbigen rhüugen wolsiand erlangeli 
Vfld erhalten könne , abdurcb em Gottseliges ynd Erfaarcs leben. 

JDerwegen man ja billich dises die einige yorleachtimg soU 
aein lassen, darnach die häu^er ynnd yorgesetzten inn dea 
Regimenten inn allen wichtigen Idhaischlägen vnnd fürfaUesden 
geschafften sich haben zurichten, es treffnun gleich an, fierhat- 
^lagung heilsamer Ordnungen ynnd gesatz: wolbesidhlng der 
Aempter jmfihat, Kirchen ynd Schulen : yorkonunung' besorg- 
Sehen mifzyerstands ynder den Bttr-(3a) gern, ildmiwtri^mibg 
der Justicien, yorzug der woiyerdEenten ynd fii^oBunen. strftftH^ 
der laster, yersehnng der Amen, Wittwen ynd wlasen^^ ai^ 
prii^[ung ehrlicher Comm6rcien, -handhdiung burgerüeher n»*- 
rang, Schaffung yorrhats zu klemmen zeiten» ynbesciwerUclie 



gtenrii m i^etoämcmtiäimi üSÜfe aimenioBf; gememes sehafzes, 
foarbeireltaiig bm- IriedUchefl» ^esen xu iK>ttriiigieiKler Kriegs* 
vbaBgv Werbungen dureb Gesaaten , erbaHnng woIiM»^ebraGfateir 
LöMkfanr Frcybeit Ytd Prinilegien, Auffricbtnng New^ oder 
Ernewerang alter Bündnussen , VnderbaltQng nachbarKcben yer- 
aiandb; eiomiKigen wtderstand freffieleni gewalt, b«scUrinang 
der Teriranten, trewe bütfflalstung den Bundsuerwanten, oder was 
es <tergleiebeo RegimentUcb^i sachen mebr beirefiEen mag , so saf 
icb, da werden nacbmals jederzeit GoUsförcbiige, treue Tnd weise 
Obern anh vorgemeHem PanUseben Politiseben Frcecepto ge-* 
nvgsant klare vnd wäre NacbricWgung zuscböpffen biben, wie 
ÜB sieb inn jedem mx\ angeregter stucken baben zua^baiten, 
mmn sie aHein' jederzeit bei Tractferung yon jbrer gemeinen 
SUmHk woMurt, aUes jr rbaten ?nd tbaten daUn abiaelen Tnd rieb* 
ten, dalz man bei einander in dner Commun ein gerbuHc^e« 
stilles kben läbrM m^ge. -Dann kurtzturi», die gemeine Tran^ 
qmttbet, sidterung, rbu vnd frtdeu, dilz ist, Tsnd soHaodi in 
ksait^nun ange* (3&) borten ApostoÜseben befelcbs, biüieh der 
8tXipu$y zweck vnad endziel aller yorstdier der Regimen teil 
mi> jrea baodelungen jederzeit sein ynd .pidben» vnd walz itit* 
gegto'Ztt.Tnricbligem ynstiUen wesenmag^ avlzseblagen md er* 
regt werden^ zurück treiben vnd abbahen. 
. Wandidan z« Fortsetzung ynd ynderbawung eises sdidhen 
sbubigeu vnd iHdUdb gesicberten iebens» auch ymb erbaltung 
oiti^etfditer PoMcei , ynd dem z«r. Gottseligkeit ynd Erbarkeü 
geiietoer Ordnung nit allein erfordert wird> daiz man inii einer 
StattgenolMn yader sich selber der sacben dabin so yil einig isC^ 
aotiebes hergebradit, tnd yon den yorlabren tbeur eramats ynd 
gesebaHbM gut, aneb fcartter eimüüligliQb mit mufsetzung alles 
yermögens auff die Nachkommenden fortzupfiantzeft: Somieni 
die täglkb'obsebwehetfden g^ährKobkriten hwSl yilSaUigeExem- 
pd, wie: ai&ab dafz Natürlich Tttd Götllieb gesalz yns diese finr^ 
sicbtigkdt; weisen ynd khreo, jm fall wir in.dem yon Gott yer* 
Kebeaen *) ifiMfichen stand, wegen bdabrung ynmbiger leut 
anfiüi^nder rbiod^nufe odei^ gewaUsames fiämemmeiis, Vns oit 
yermeinten besonder wol haadzuhaben , dafz wir deCsbalbei) auci 



*) Im Dmtk: tjelihenen* 



ferner im nü Tnserri^ neelnl«« Meoirtsken^ i«iM«r ws ««!<• 
weder aufs' Ci^Mtlieber yorselmng Imi der 9ficlibärseh«lle- ist ^a» 
die seHen gesetzt, od^ rttö sonslen iim der ferre^iNächkir trea-r 
Heb genKinet, 'mögen hälff Yndbeiitaad» halbenr veräaiiNeb 
vergleichen. 

(4 a) Zfiimal vnd iüsondarbeit, wano' solche yergleiehiiag 
tVL keines andern besohwemufz, sond^n wie gedadit, m mehr 
$ielierung fortterer fridüeben gedesutig der yftUen freilieit ist 
angeseken, auch dieselbigen benachbarten, mitt denen wir vns 
in einignng dilasaen, on düz, Nirtion, spräob, rnd Landgdiriii* 
eben nach; sieb mitt vnfs vüer massen Tergteiehen, aneb n 
ybnng der Gottseligkeit, in anordnnng der Policd, i^tod in 
standfaiAen rerbaben , wolbarbracirte Frefibeit zasc^tsen , orit 
▼n& vbereitt* stimmen;^ Vnnd dann beaorab, wann man diend^ 
bige aneb jederzeit läilgst hieuor, <in vnd anssedbalfa BmHU 
gnosebafft bat trew vad atiffic^cbt erfahren ynd gespart: : 
• Atfz bat derwegen, in - betrachtung beides deren biefameii 
angeregte« vrsacfaen, ynd den andern mehr bob^ bewiaglantiien, 
die Löbbebe Frey vnd Reichs tat ( Stpa£rburg, dieses lauffimden 
iSS8.J«PS, jm necbgtbin yeracbienenen l^nat Maio, miU den 
aneb Löblicheu Freyen fnrnemen Statte» d^ fiidgnosdiaSI 
Zürich, ynnd Bern, zu gnter emmütigier yerst«idnii& sH^^naqb** 
haitiob yerbmden, oder yil lAebr, die vor längst der rmt mitt 
beidän fedaobten Stätten gehabte Nacbbairliiäie ¥arein ynd Kind«* 
anifz widemmb erholet, yernenwert *) ynnd be^ttiget Wekhe 
•Qoh atiff dÜB end bin, angedacbten Dreyen vnderediiedblien 
Orten, alleri^ta, (4 1»} innmassen hemaefa .ba^iobtUob iMgen idt; 
ftiitt erbeisebenden gebärüebkeiten vnd soleoniteten, vnd soil^bm 
gUlckUcbem vnd freudigem fiartgang ist ins werck geritdU^ vnd 
volfcraeht worden» -. \ 

Sölieher dreyer bochberömter gewaltiger StÜtzuiidd vnnd 
Kriegszeiten yermögücfte gelegenfaeilen aübi^ viLananaiehett vjiod 
enbesobr eiben , halt ich nun zn mal dises ovts vmätig ^^in, 
demnach es - in der kärtze hie zubegreiffien vnmögiieb , vnd Aek 
iMlbige one dife albereit mennigticb bekant, vnd mit venroiuiersB 
Inn nahen ^n^ ferren landen gerönet wird. 



') Im Druck: venewert. 



AUein^ dhiMüdi b«n einer DofiddkeifettignBg gadadit wOih- 
den r ^^ P^^ ^^ f fflitvedor aiiie yn^iflsenheit tnd yaherieht dur 
saobM, oder auix boikhaüber art dies zn tadein ^ dise Erholang 
liekp.iitai Vemuiifaiig füt etn ymiölige jmw&nmf^ embraSrns 
MBch jrcr etüolle in aberwiUiger tadrisackl «icii denMSsan ¥«fv- 
l^inMli dridgfn, dafz iit anch dafain vnuraniändig schUetsen, 
ah seilen atto JBÜMbuissen eilele Neirenragen ynd ikAdialben 
«lArduiäs mv^rttriiglieb scki« etc. So kan ich nkbl vmbgdia, 
.Ue smfonktai, ehe zur besekrdbnng des .^^ec« gedachter V«r^ 
Mndnofi gesdtfiiien wird^ in der kürtze nun fblgends atizu*- 
i^gen, wie die Statt Straf zburg auch woi Tor drei hundert lai^en 
fiuU einer odtfr der anderen, nM^hr.oder wenigem der nun Hei- 
iNEiiHsiiita oder; Sthw^ tierischen Stätten sei in hülff« (5 a) ikket 
vnd wehrUeber BündtmCe gestanden, vnd seidher selbigen zeit 
.gc^iflegt forter huit nteh dere gel6genheii oflbnals solche NaobK 
barticfae T^rsytednUfi Doitt denselbigen zuerwidem^ Tnd dafz att«i 
ßmk sonderm Göitlicheni sagen (welcher dann bei aufrecbler 
redlidber znaanrneneetziii^ ymb erhaltong flridens vnd fraheit 
itt mem pflegt) diese hienör gelrofene Vereinigungen sie die Statt 
SiknädNurg au aij^ipringang jrer hautiger statlicber vnd ansahen«' 
lieber felegenlMit, hab Tontendig rnd rümlioh beAinden i^ 
erftrea. 

Dann hat dar Hiitorien^ fadet sich^ dafa im Jar Christi 
t861. als in lentsohem Rekh, wegen mangels eines ordenlieh 
anrehUep Keberliehen Oberhaiqhls grosse zerrütungen sich &t* 
aigten T also dafz beinah kein stand tov dem andern gesidiert 
stand» tHich die Statt Stra£iburg yon jhrem Bbchoff^ Herrn 
€(^4|ll^m von Geroltzeck mit geistlichen vnd fleiseUichen Waaf- 
fen, ak Klrcbuerbotten vad Kriegen worden angefoobten, da 
haben die Statt, Stra£eburg, Zürich vnnd Basel sich ab Naeln 
bar vndereinander zu einer Vei^ündnufz genähert, vnd vfiftb 
bescbirmuag jrer Freiheit» doi . damals wegen . thngiBfidhafitor 
Jttanlichkeit vnd Kriegserfarenheit berümten neobstgesessenen 
Herren» Ciraaen Rudolffen von Habspurg, Landgrauen im EV^ 
safa» weicher hernach Römischer Keiler worden^ zu ettiem 
Kriegsobar$teu vmb ein benants Jargek erweblet« 

(5 t) \Velche, gleich wie er es damals trewiich mit jhnen 
gehalten » also haben nacbgebends » als er zu Keyserlicher würde 



Me Bekemm viid andere jbr eu^evst vevoiQgen lie%eselzt >» 
Auch dessen za e^ger ge(fäi£fatiialz,.hriie0 ^SlaitStn^ 
iHirg^ ai^ fionderer anBuitang z» disem frtiheit scUtmenrieo 
Kmor^ Tttder venigen : andern Königm vnd Keisera/ deam 
HÜdnniz rnd Namen sie an das JfüiHilei^, als. m ein hesfnßüg 
Pyramklem von staiu gesetzt, disen Kciaevn J^idolff d> d^a 
Updern. eingäng des Münsters bei dem Franh^ff liooh an den 
iknrn 2u Höh isitzend , out folg^ider ^ sclurift s^B^n lassfo^ 
RVIXOLPHVS GOMES DE HABSPVßGO. HEX ROMAKO. 

J)e£Egleiohen findet sidi ancli, dafz vmb <fatö J^ vnsm £i^ 
töners iaoa. die Statt, 'Strafad^wg, Zmkk^ Bern, Sol^dran^, 
Freiburg vnd Bübel *) mit einaniter .seäid Terbonden gewesen, 
da .sie ^nn ynder anderer gelaisteter gesamptimr büff rmb Bfeni-- 
iMdtung der Strassen, gletdi zu eisgang der Biui^Mife, ins A^^«^ 
gäu wider *^)d^ Freiberrn von Jagspei^, so. den anfgencUen 
I^iffid&iden gq^ocben ^habt» ^eind^ezogm, Yod das StatMn 
Wimnife eingenommen ynd zerstört. Audi folg^nds Amio löSä. 
für die veste Sehwanau am Rein gelegen , vnd >deneii von fie* 
eoUz^sk .gebörig, geruckt, ynd naeh erdbetang dei^elbigen, 
solche verscbleift, aufs yrsacbt» dafz von dem OsterreJclusoheB 
Adel au£{ derseibi- (6 a) gen y4$te edidie Züricfaisriie Barger 
vnd anderer jrer zugeiäanoi, «iff den Strassen worden «ftgriffeA 
yjund feeraubti ynder fürgeweftd^em scbein, weil diese g^adlta 
StäU\d%mals Kelsera Ludwigen d«n vierten, siiCe 4em haufa 
Baiera bärüg, weldien der Papst inn bann bat getitan , anUbefig^fn. 
, Foriter haben auch Strasburg, ynd auff etlicb ynd cb^dsig 
andere Reicbstätt jm Jar 1385. gleicfafols ßinen Bund mit ettidben 
Sid^ossiscben Stätten, Zürich, Bern, Solothorti ynd 2ug ge^ 
b^t. JUso daiz efz hieraufz wol gnug erscheinUch, wie efz nicbt, 
als eütkhe s^k ynerfarenfaeit der Sachen daryon reden « so em 
ynerhörter ynd ynbräuchlicher bandet ist, dafz des R<^hs ge- 
feite- Statt mit freien Fidgnossen sich yeii>inden, eben so wenig, 
alis wann ein andrer Fürstenstand defz Reichs sokheis gegen 
jhnen bat gepflogen, als etliche Osterreiehtscbe Fürsten, B»f 



-r**- 



**) Jetet BM. **) Im Dru^l« : wiger. 



9äk(hiy vnd Cosientiscbe BNdKif , ÜMrtiog Vliieh ym WirltettK 
berg, Herizog Retahart von Lotrisgen, ^ndgraff PfaHqM ym 
HesseB, «tc. vnd andere. 

Ob «och vrol hernaber jebegedacbter Bond der Statt, dotfeb 
cm Teriorene seblaeht im Ebaiz gegen Hertzofen LupoUen tob 
Qstenrich ist ein zeiüang getrennt gewesen, bidien docb dkl 
Stett Strafieborg Tnnd die Sobwettzer jre tMiiberlage Naebbv-^ 
Kebe Correspondei^ vnd vertranlicbe znsamnMnsetzimg in W>er« 
fUUen nie gegen einander nacbgelassen. 

(6 b) Sondern Anno 144)9. zogen die Statt, Stra(zbarg, Bern, 
Basd vnnd Solotbom für die Statt Reinfelden, vnd ab damds 
der Krieg zwiseben Herzog Lupoiden von Ostareieb vad etliobei^ 
lädgnosiscben Orten nocb zum befitigsten wäret, waren geantte 
fikätt in dem anseben vnd vertrawen, daCe sie za Ensifzbeim i» 
(Mbero Ebafz mit ratbnn Marckgraffen RudeUfen von Hocbbergt 
zwiseben beiden streitigen Partbeien einen frid^i mitteltea. 

Vnd als Anno 1455. etlicbe Strafzburgische Borger dnrcb 
^n Hegäniseben Adel auf der Scbweitzer gr«nd vnd bodeii 
beraabt, vnd anff die Scblösser Eglissaw vnd Hoben Kräjea 
ge&ngen gefiibrt worden (in welcbem spil dann Graf Alwiek 
von Snltz, vnd Gntf Hans von Tengen waren) zogen akbaU 
die Eidgnossen auff dieselbige Räuber vber Rbein bej Znrzaok 
ins Hegau, vnnd zerstörten den Räubern, was jbnen moebt 
zugebcMm, Hessen aucb nicbt nacb, bifs sieb die scboMigen Herrn 
msB einen jbnen angesetzten tag zu Recbt gen Sc^afibaussen 
veranialzten , vnd die gefengene Bürger ledig s^afiftea. 

Gteiebsfals als Anno etc. 14T3. etKcbe Scbweitzeriscbe Kauflt- 
leut von Züriefa, Bern, Luzem, Scbweitz vnnd andern Orten, 
so inn einem Sebiff nacb Franckfort inn die Me£z zuiabren vor^ 
babens, vnder foisacb ob Reinauw von Petem von Ha-(Taj 
genbaeb, Burgundiscben Landvogt jm Brisgäo vnd Ehafz, nider- 
gelegt, gefangen, ^er von Bern erscbossen, den vbrigen alte 
jfare baab genommen , vnnd darzu gefänglich gen Sebuttem ge* 
scUaift, vnd vberdife darzu vmb 10000. gülden gescbäüBt wor- 
den, Al^ald solcbes die von Strafzburg vernommen, baben sie 
mit maebtfür Sebuttern geeilt, dasselb emgeaommen, das Stätt-^ 
lafi zerprochen, vnnd die gefangenen mit jbae gen Stntfzbarg 
gefübrt, vnd von daanen ehrlich wider zuhaufz gesebickt. 
L 50 



i 



Wem ist aber vnbekant, weklier massen Anno 1474. ais 
dh der macht des h^rtzogen Carln Ton Bnrgund , den man den 
übermütigen nant, allenlhalb in der Nacbbaurscbafil ein grolk 
enteetzen was , die Statt Strafzburg, mkt Zürich , Bern , vnnd 
lAen andern Eidgnossen , auch Basel, Cojmar, Schietstatt, Timd 
Mümpelgart, defzgleichen Hertzogen Sigmunden von Ogt^tralcii 
¥Bd Hertzogen Reinharten Ton Lotringen, einen bimd gemaeht 
haben. Bei welchem der Strafzburger bestendige hälff, nicht 
allein in dreien, wider ein solchen mächtigen Potentaten herltcb 
erlangten siegen , insonderheit yon Teutschen ynd auizländiseben 
IBstonds denckwürdig erhebt, sondern anch jhnen zu Ynab-! 
sterblichem lob rümlich nachgesagt wird , dafz sie vnd^ andern 
Bofidgenossen Anno 1477. jrc standhafftigkeit redlich auch da- 
mals haben erwiesen (7 6) als man Hertzogen Reinbart hat in. 
Lotringen, daraufz er vom Hertzogen von Burgund gewaltsam- 
lieh entsetzt war, widerumb eingesetzt. . . 

Anno 1529. als die beide Statt Zürich, Tnnd Bern, wegen 
Reformierung der Religion von den fünff Päpstiscfaen Orten mitt 
Krieg angefochten worden, haben die Statt Strasburg, ?nnd 
Costentz, ehe sie beiderseits auff einander feindlich angegriffmi, 
damats diüz fremidlich Nachbarstuck erwiesen , ynd sie für di£z 
y mal gegen einander yerglichen ynd befiridigt. 

Welche gestalt dan Anno 1530. ein Statt Strafzburg mit 
mefargedachteB beiden Stätten Zürich ynd Bern, abermals in. 
Biindnufz sei kommen, besteht wegen ynlänge der zeit, noch in 
tiler gedächnuiz. Gleich wie auch, wafz sonsten seidher für 
Nachbarlicher guter willen ynd freundlichkeit beiderseits ynauff- 
höriich ist yorgangen, menniglich ynyerborgen ist, ynnd d^er 
ynnötig, weitleufGge erholung desselhigen hie yorzunemmen. 

Gleich wol aber, wird alfo aufz nun beschehener kurtzer.er- 
zehlung der yrälten ynd newlichern Bündnussen, genugsam der-^ 
j^gen yerunglimpffer nichtig fürgeben wid^rwiesen, weldie 
die nun dieses Jars zwischen mehrgedachten drey Stätten glüd^«? 
lieh ynnd rümlicb yorgangene Bündliche Verein, für eine 
Newerung anziehen, oder yermeinen, dafz solche (Sa) Bünd- 
nussen yon ynnöten seyen. Als ob es jm Reich Teutsoher Na- 
tion ynnd der Nachbarschafil heut yil besser stünde, dann y<>r. 
yiler langerzeit, da mann difz mittel mehrmals jm Reich hat 



— 8^ — 

rbalsam ynnid gut befunden. Aber sdcbe müssen; was jeftw 
Orator zu den Aehäischen verbundenen freyen Sütlen sagi^ 
endweder nicht wissen, wafz die liebe einer errungenen her^ 
lieben Freiheit thut, oder halten die zeit ymid Leut einmal m% 
das ander. Erwisen sich also in dem einen als leibdgene Knecht, 
vnd in dem andern als ynempfindlicb vnd maltzig, die da nicht 
fälen , wo die fremden Nationen ynd Freiheitlaurer her stechen 
vnnd einbrechen. 

Jedoch, sagen etliche, ist es beweifziich, dafz die Biiad* 
missen vilmals seind ybel au&gescblagen. Vnd da einer zuvor 
wol vnverbunden het mögen inn rhuen sein, hemachmali ver- 
buttden mitt andern hat müssen herhalten etc. 
^ Dtfz lafz ich ja zu, mit manchen Exempel sein zobewmeoi 
Folgt aber darumb nicht, dieweil etliclfe Statt, Fürstenthumb 
vnnd Länder cy^fzfals inn auflrichlhung jhrer Einigungen vilkiebt 
vnfiirsidtig gefahren, vnnd obengesetzten Principalzweck nicht 
allerdings wargenommen noch vor äugen gehabt (NäBnlkhen 
dafz die Vnderthanen mitt Gottseligem gutem gewissen vnd 
rechtmessiger Geniessung {Sb) jrer längst vorerarneter irdheft 
sich, inn eim gemhlichen vnnd stillen leben beisammen mögen 
betragen) vnd jhnen defzhalben,' weil sie- im anschlag naekdem 
ziel geirrt vbel aufzge&cblagen ^ dz darumb aufz etlichen wider- 
wertigen Eüenten, ein genocine Begul sei zusetzen, vnd den- 
jenigen solt preiudiciern oder ein bdfz recht machen, welche 
inn Gottsförchtender fürsichtigkeit jhrer altfordern löblich vb» 
Hehen prauch vor äugen habend, allein dahin sehen, damit 
inn Einigkeit vnnd Friden, Golt vnd der Oberkeit gedienet^ 
vnd vmb besserer volpringung desselbigen, das auff sie ge-r 
bracht edel gut der Freiheit gehandhabt werde. 

So wer auch zu widertreibung dieses einwurfs hie gar leicht , 
vber vorerzehlte woigeglückte Stättverein, noch ein merckltch« 
anzal Exempel aufz Göttlichen vnd Profanschriften beizuprin- 
gen, die kiärKch erweisen wirden, dafz je vnnd alwegen, wo 
mann die nun offterwönte mafz gehalten , die Bündnussen, wann 
sie gegen gleichsgenossen vnnd wenn sie gleich auch ^was fers 
endt sessen getroffen wöirden, haben zu erwünschtem rümüebea 
end gelanget. Aber diser Materi betraöhtung erfordert eine 
wdtleufligere Tractiemng, welche villeicbt küaftigh'ch zu an^ 



i^ar getegentoil möebi yorgeDomflsen werden. Wb isl dea^ 
JMttges patg angedeitet, wefefae die sach in jr selbert, vnd di« 
zeilien gegen einander erwegeo,. aacb vil lieber die benaebbMr* 
legt einig, dani^ treonig sebra. 

(9 a) Somten anlangend^ dafz jbren «tlicbe anfz HdUgec 
Setarifflt edicb wenig Exempel yoh Bündnnssen , so GM, dordi 
aeine Propbeten gestraffi, berfür deben vnnd anChintzen, da 
hoffe icb, ynangeseben wafz solcbe zu frägewadissene ynnd 
vnliesleUe Bondricbter, ynd fiündlicber Lieb Ynd Frenndsefaafflt 
Terdammer socsten biltern oder genaigten yrillens zu einer odor 
der andern Beligion tragen, sie dodi nicbt so Ynversc^nipt, 
noch eigenes geyrissens vnnd Cbristlicber Lieb yergeasen sdn 
wcrdai, offantlicb ynnd rund zusagen, da(z diese ynsere yon 
frommen redlicben defis Reicbs getrewen Altfordero yilg^y^, 
vnnd nnn abermals yon yns yorgenommene Nacbbariiefae Verein, 
soke wie jmerr die sie anziehen, gestaltet y&d geschaffen sein. 

Sdntemal wir ja mit keinen Gananitem, Jd)uiriiern noch 
Amorriieem, noch einigen andern yon Gott yerworffenen ynnd 
yerdampten Abgöttischen Völckern haben Bündnufz eingangen, 
yon welchen doch Crottsyerbott einhält, daüz man mit denselbige» 
soU ]Lem yerpfliditete gemdnschaffl pflegen. 

WöU^ sie yns dann jrer miltigkeit nach etwas ehriichw, 
vnd mit den yom Volck Gottes getrennten Israeliten yergkidia}, 
vnnd sagen, daiz gleich wol die König in Juda yon den Prophe- 
ten gestrafft worden, wann sie mit den abfälligen IsraeKtbcheif 
Königen haben zugebalten: da lassen wir jre miite y^gleiehnng 
{9 b) airf jbrem werd ynnd ynwerd bewenden (demnach nodi 
nit der Sententz gefält, welche heilt denselbigen Zwickdärmigen 
Baalitischen Israeliten am nechsten yerwandt) sagen aber mit 
grund dargegen , dafz gleichwol nit an allen Königen defz Stam- 
tiens Juda, die .machung der Bündnussen mitt ynglenbigen sei 
gestraft worden, sondern allein an denjenigen, so in jren Ver*- 
bindungen ynd Liga auf den fleiscblichen fälschlkhen Arm, ynnd 
nicht in den Herrn jr yerirawen, stärck ynd Sicherheit stellen, 
auch mit solchen Wuterichenisicb yereinbarten, welche sie oflSent- 
Uche feind ynd yerfolger der kundlichefn warheit , ynd des ge* 
botienen Gottesdienstes sein wufzten. Vnnd ymb soldMr Bssh 
nflichtung wHlen , . worden yon den Propbeten gestraft Eäw^ 



— sw — 

Assft vnd Josaphat, inmassen die wort der %inSbmgm soUi 
eigeoüicb mitbringeD. Welches aber an and«ni Crotlsftochtifatt 
Königen nit geiinbiUicbt worden : Gleidi wie auch nit am Köug 
Dauid, dafz er mit Hiram dem Heidnischen König za Tyro^ 
OHl Thoe dem König zn Hefläatha» mk Naba dem Ammoniter 
König «ich bat verbunden« Dergleichen nit an seim Son Sa^» 
lomon, dafz er gleicbsfals mit gedachtem Tjrischen König aeiiM 
Vatters gehabte freundschafit bat continoiert. Zngeschweigett 
der Patriareben Exempel , dafz Abraham mitt den dreien Amor -^ 
rheiscben Fürsten vnd gebrädern » Isaac mit dem Kmig zu Cre^ 
( 10 a) rar^ Jacob mit Edom vnd Laban, Moses ndl etliche» 
Königen, als er durch die Wüsten passiem mnlzt, losua moll 
den Ccabaoniter, bändliche vergleichungen getn^eo vwA g&* 
halten haben. 

Vnnd wie kan auch ein Kind Gottes, so inn der Wek alhie 
vnder yngleiehen L^ten die zeit seiner pilgerschafil mufz; zur 
pringen, anders sich verhalten, dann seine Gtaubetsganossen 
zuforderst allen andern vorzuziehen, vnd nachgehends diejenigen, 
so jm nichts verstraien, für die zuhalten, als die mit jhm sann- 
melten. 

Mag also, auff welchen weg auch inuner diese widersinnige 
fiändnuIcstraSer jhre tadelung binaufz richten, sddie an ao 
biUicher GottgefelUger Sachen nichts hafiten. Sond^ hat solch 
Christlich , Ehriich gemein nützlich werck nur desto mehr seinen 
fortgang, je strenger solche warmkalte Leut, so weder jres 
Vatterlands wolfart vnd freiheit jemals ernstlich bedacht, noch 
die gefehrliche gelegenbeiten beutiger geschwinder läufit recht 
ermessen, vnbefeögter Sachen sich dargegen setzen , oder ea 
durch vbel deiten zuverkleinern vnderstebn. Dann (wie dort 
der Treu Eckart reimt) die spöttische Leichtfertigkeit, iiafltet 
nichts an auffrichtiger standhafiligkeit, die Neidpfeil thun daran 
abglitzscben , als schöfz man an den Gottbartsberg lofz flitschen. 
Derw^[en schbefz ich nochmal, dz es ja ein sondere iH^dAat 
vnd Schickung defz Almechtigen sei, der zuforderst solcher ge<- 
legenheit Nachbarn zusammen in eine nähe hat verschafl , (10 6) 
vnd folgends auch derselbigen gemüter dermassen zusammen 
gerichtet vnd verpflichtet, dafz sie nun mehr dann von drei*** 
hundert J«ren her vnnacUafzlich sondere treuhertzige Nachbai^ 



-- 398 -. 

tiebe mdgUBgen haben zosammeii getragen , vnnd noch beut m 
tag nieht Tnderlasseo, dasselbig glimmend feur des hertzlichen 
Nachbarlichen^ yertrauens durch ofll vorgenommene Bunds- 
ernewemng zuerwecken. 

Darumb billich menniglich, nicht allein die, so jm oBlb^ 
stknptenBund begriflRen, sonder auch alle benachbarten, so dessen 
zu mehrer jrer Sicherheit können gemessen, billich sich frewen, 
ynd vnserm trewen Hinilischen Vatler, dem trewen Wächter für 
sein Volck, als der allein die Statt bewaret, für solche Vätter- 
liehe ftirsorg, hüt Tnnd wacht, mitt innigem anruffen vnd vn- 
argerlichem jbm wolgefelligen wandet sollen danckbar erzeigen, 
vnd ihn als den Gott des fridens, noch fortter demütig bitten, 
dafe er solche glückliche ernewemng vralter Bündnufz wolle 
mit seinem seligen friden, mitt fridsamen Obern, fridfertigen 
Vnderthanen. vnd fridlicher Nachbarschaft, segnen vnd bene- 
deien: den Bundsuerwauten zuerkennen geben, was^ grosses gut 
er jhnen beides an Offenbarung^ seines worts vnd willens, vnnd 
an allberait errungener Löblicher Freiheit hat veriiehen, vnnd 
jhnen zuerhalten vnd handzuhaben vertrauet , auch einen waren 
eiffer (11 a) in jhnen erwecken, alles wafz zu heil defz Vatter- 
lands vnnd des Bunds wolfart gereichen mag, nach jhrem ensser- 
fllen vermögen leibs, guts vnd bluts zufürdem vnd fortzusetzen, 
vnd dann die hertzen beiderseits inn vngefalschter brüderlicher 
Ueb vnnd hertzlicher Vertraulichkeit gegen einander jederzdt 
vnderhalten. 

(ra.) 

Folget nun die vmbständliche Beschreibung^ welcher gestalt 
die Nachbarliche Verbundmifz zwischen den dreien fer- 
herümten Stätten y Zü'nch^ Bern, vnnd Strctfzburg sei aller 
theils difz gegenwertig 88. Jar verricht vnd bestättigt 
worden*. 

Obgleich auch die Beschreibung des Bundesschwurs zweifelsohne 
von Fischart herrührt, und sich in derselben auch manche für Sitten- 
und Zeitgeschichte nicht unwichtige Bemerkungen voründen , halten 
wir doch die vollständige Mittheilung für unstatthaft, weil sie in 
ihrem grössten Theile nach doch von keinem Interesse für uns ist 
und zudem einen beträchtlichen Raum einnehmen würde, da sie 19 
ziealich cnggedruchte Seiten in 4. umfasst. In einer Ausgabe ^od 



Fiscbarts Werken dürfte sie freilich nicht fehlen , da sie in sprach^ 
lieber und stylistischer Hinsicht manches Interessante darbietet/ Hiar 
aber müssen wir uns begnügen, die darin enthaltenen Thatsachen 
kur% anztigeben. 

Nach Beendigung der Unterhandlungen beschickten die Städte 
Zürich und Bern am 11. Mai 1588 ,^ ansehenliche Rhatsbotschafftea 
vnd Gesandten^ mit einem herlichen ansehenlichen Gomitat^ naelk 
Strassburg, „ daselbst zuforderst die Bnnd^eaidigung TorzoiMmBien.^ 
An demselben Tag zog man ihnen Ton Strassburg mit 200 Pferden 
und einem ^^Reuterfanen'^ bis nach Graffenstadt entgegen, wo die 
„Oberherrn der Statt Strafzburg^ sie durch ihren Stadtschreiber, 
Hei^rn PäuTus Hochfelder, bewillkommten nnd dann Tereint nach 
Strassburg zogen ^ Tor dessen Thoren zwei Regimenter Fassvolk in 
Schlachtordnung sie „iBit grossem freudigem schiessen ^^ empfingen; 
während zu gleicher Zeit das Geschütz auf den Wällen sie begrüaste , 
worauf sie ihren feierlichen Einzug hielten. Montags den 13.. Mai 
^hat ein Ersamer Rhat, auch Schößel vnd Amman der Statt Strafz- 
borg die Tergleichene Bündnufz geschworen/^ An den ^ folgenden 
zwei Ti^n wurden (wie auch schon am Sonntag) den Gesandten die 
Merkwürdigkeiten der Siadt gezeigt, wobei es nicht an Festlichkeit«» 
fehlte. Am 16. brachen sie in Begleitung der Strassburgisehen Ge^ 
sandten, welche abgeordnet waren, den Schwur der beiden andern 
Bundesstädte entgegenzunehmen, nach der Schweiz auf; auf dem 
Wege wurden sie überall (in Basel, Rheinfelden, Brugg) mit Ehren- 
bezeugungen angenommen; am 20. Mai hielten sie ihren feierlichen 
EUnzug in Zürich. Unter den zum Empfang aufgestellten Gerüsteten 
war auch ,>Herr Hans Jacob Wick, so bey oben angeregter veret* 
der dreien Statt vor acht vnd fünfftzig Jahren gleichsfals mitt inn 
der rüstung gangen.'^ -. _ ^^Im einreiten hat man befunden, dafz 
diejenige Burger, welche der Strafzburgischen Schiefzfanen von 
Anno etc. 76. gehabt, dieselben zu den fenstern hinauiz gesteckt, 
vnd die Seckel mit den Gaben daran gebunden, zu gedächtnufz der 
Ehren vnd Freundschafft, so jhnen damaln zu Strafzburg wider- 
fahrn.^^ Am 21. Mai wurde der Bundsbrief von Klein und Gross* 
Rath der Stadt Zürich beschworen , worauf den Gesandten zvt Ehren 
verschiedene Feierlichkeiten angestellt wurden , unter denen die 
militärischen Uebungen der Jugend den Gesandten besonders wohl 
gefielen. Am 22. Mai verabschiedeten sich dieselben bei dem Rath, 
worauf ihnen ein grosses Fest auf dem See zu Ehren veranstaltet 
wurde. Am 23. Mai zogen die Gesandtschaften der drei Städte (über 
Lenzburg; Aar au, Aarburg, Langenthai, Burtholff — Burgdorff, 
wo sie überall nnter den herzlichsten Freudenbezeugungen des Volks 
feierlich aufgenommen wurden) nach Bern. Eine Meile von der 
Stadt wurden sie vom Schultheiss voto Wadtweil, der ihnen mit 20 
Pferden entgegengeritten war, empfangen, mit welchem sie anter 



— 4M ** 

aflm l*Vea4ettiftclues$eii ||[ros«er «nf dan Weg «n^g^eMler Maniucluift 
uod dem IHMUier des Gses^itz«^ in die Stadt ^iazogea. Am 27. fand 
der Schwur der Berner unter angemessenen Feierlichkeiten Statt. 
Auch an den folgenden Tagen wurden verschiedene Festlichkeiten 
•agestellt; unter andern wurden am 29. Mai goldene und silherne 
Müna^n« wie auch inStrassburg geschehen, unter' die Abgeordneten 
«ad die Ihrigen vcrtheilt*), worauf die Gesandten Ton Zürteh «nd 
Sjtrai»baKg »kh verabschiedeten und unter angemessenem Geleit ab* 
suigea, die Strassburgischen über ^Solothorn, Baistall, LiechtstaH 
(Liestall) und Basel ^^ wo sie überall als gute Freunde und Nachbarn 
angenommen wurden. 

(19^.) „Es soll hiebei billich auch Tnvermeldt nich pleiben, dafz 
man an beiden Orten (Zürich und Bern), nicht allein bei den Ober- 
keiten, sondern auch dem gemeinen Mann gespürt, da£K sie sich dieses 
Werd(s anm höchsten er&ewet, als die sich irilfaltiger Ehrerbietung 
gegen den Gesandten befliessen, Tnnd welcher je gelegenheit bekom- 
men mögen, derselben, oder auch der Diener einen anzusprechen, 
liolchs keins wegs hat Tnderlassen, vnd für sich selbst auch zu- 
prkleren, wie jhm ein solcher handel ein hertzliche freud sei. Dem- 
aiaeh aber ein alt sprüehwort sagt, dafz difz sei zuhalten ein ge- 
iiBNnnmtzüch bestendig werck, welchs der gemein wmnsch vnd ^segen 
aekrefftigt vnd sterckt, als ist hieuon alles gutes zuhoffen, seiteinmal 
$mi€k der Almechtige, die volfilrung desselbigen gehörter massenhat 
wol geglückt Tud gefiirdert. ^^ 

Hieranf folgen mehrere Gedichte in lateinischer und deutscher 
Sprache ^zm Ehren der Sti^afzburgischen Bündnufz^^ von denen aber 

das hier folgende Ton Fischart ist. 



(IV.) 

(39ce.) Erlustigung ob der Geheimnufz der zusamen einigung 
der Gotthartischen drßyströmigen Art, vnd fhrer drey 
Töchter. Zu Rhümlicher Erhebung der nervlich im Mayen 
bfistettigten Gottgefälligen vnd Trewgeseüigen Naehbow^' 
liehen Verain ^ zwischen den in Hoch Teutschland ansehe 
Uchsten, vnd berhiimtesten drey Policeie/iy Zürich, Bern 
vnd Strafzburg angestelt. 

I^L^b wie der Schöpffer diser Welt 
Sie dminb mit gbirgen bat bestelt, 



^) Diese Münzen sind sämmtlich abgebildet und erklärt in Luc k 
Syüoge nuniismatum elegantiorum. Argentor* 1620. fol. p.'S07fiq.| 



Darmit ein TndarMAeid MttiadM«» 
^ Ziriichen den Völckeni vied d<Bn l^praelMi. 

Welche oa di& einander sohcfwM, 
Dafz sie nk vi\ einaiid<»r Urewen. 
Also hat wider ^ hiogegeii, 
* Der LettjUeügeii Nachbarn wegen» 
A^ Bergen, Felsaen vnd mCk Klüfflw, 
Ja anfz fevcht Döfilen vnd nafe Läfil^« 
Die Sträm ynd Flüfz inn Rinnen geleit, 
'> Vnd jnen jr CanSl bereit 

Darinnen m. durch niaochs Land rinnen;. 
Nicht dnunh diein» das sie nur dienen 
Zar feuchtiguoag vnd frochtbarkdi, 
^* Vnd dalz der Fisch drinn hab sein WeM, 

Sonder, damit hiedarch yorab. 
Der Mensch eki fein anleitnng hab. 
Sein Nachbarn» so an einem Bach, 
'* Ob oder vnden han jr gauMsb, 
Zu besuchen in frenndlichkeit« 
Vnd xobrauehen in freud Tnd leid. 
(39 6) Vnd solchs endweder auff eim Baum, 

** Der anfzgebölt im Wasser scbwam* 
Oder in fol^ng dem geslad» 
Wohin daseelUg lait Tnd lad. 

Di£z ist der fiurneaist Nutz vnd frommen, 
** Der aufs den Flüssen her thut kommen. 
Die FliUz die NachbarschaSt veraiaen, 
Wdche an einem Fl«& anrainen. 

Ein Flttfi macht, d^afz yü ferre {«ander. 
Erkennen in gutem dnander« 
Ein StrcMn ist gleichsam wie ein sürafz, 
Darbei sich bhülfil mancher Landsalz. 
Ja ist wie ein gemeiner Bronnen, 
DarauCfi aU Dchöf^en, die dran wonen. 



tt 



i« 



Köhler, Münzbelustigung, 2. Tbeil, S. 273 ff. u. 3. Th. S. 4i9 f. ; 
Haller, Schweizer. Münzen - und Medaillen -Gabinet 1. Tb. 
S. 31 ff. 

I. 51 



Die Bach die liaben Pagas gnaiAl, 
Da(z man ein Gäuw fiir ein Statt acht. 
Die Ström haD gmacht, dafz man hat, 
^® Anf beid seit angeländt, anftgelad. 
Anfz solchem lenden ynd abladen. 
Entstunden die Statt an den gstaden. 
Seindvalso die Statt gleichsam gflötzt, 
^^ Aoff die stett, da sie jetzt stehn gsetzt. 
Ynd wo vil Flüfz traffen zusamen, 
Daselbst auch bald die Statt aufikamen. 
Daher dann die CröttHch fursehung, 
^' Vmb schafltmg-mehr znsamen nähung 
(40a) Der Leut, so etwa ferr entlegen. 
Hat er geordnet so gejegen. 

Dafz yil Flüfz yon yngleicben enden, 
'' In einen Strom sich müssen lenden. 
Auff dafz jr vil von yngleich Flüssen, 
Hiedurch in kundtschafft kommen müssen. 
Derselbig nun, der difz yorsehen, 
^ Dessen Bbät nieman aufz kan spähen. 
Der dise Welt hat zubereit. 
Dem Menschen zur bekömmlichkeit. 
Der hat gewifziich auch gewolt, 
*^ Dafz mit d^ zeit erwecken soit. 

Der Rhein bald bei seim yrsprung droben. 
Ein Nachbaifschafft, sehr hoch zuloben. 
Zwischen drey Stätten durch drei flüfz, 
*^ Da ein flufz zwen flüfz in sich schliefz. 

Vnd also werd aufz Wassern. drey, 
Ein drittes in gesampter Trew. 

Vnd werde aufz den dreien Stätten, 
*' So ynderschidene flüfz sonst betten. 
Durch anlafz der flüfz eiuigung 
Vnd durch der Bündnufz mittcJung. 
Ein einig yereinigt Gemein, 
" Die freundlich stimme yberein. 
Vndjn einander sich thu schliessen, 
Wie die flüfz in einander fliessen. 



u 



80 



84 



- 4«l - 

Welcb9 smd :alMir di^ielbeii «ffiife. 
Durch deren freundlich Wassergöfz« 
Der Rbehi ein NacbbarschaSIt erwecket. 
Die sich je mehr ynd mehr erstrecket? 
Das sind drob in iem Schweitz^and , 
Die Lindmat vnd die Aar genant* 
Ja die rasch Aar, ynd die siül lind, 
Dieselb Freundtschafilmacherin sind. 
Dises sind die zwo Schwestern trew, 
Welche der Rhein zeicht an sich frey. 
Vnd droben bei Waldshut empfengt^ 
(40 fr) Vnd mit denselben fort sich schwenckt. 

Bifz sie sich thun in das Teutsch Meer, 
" Weil sie vom Teutschen gbirg sind her. 
Woher kompt aber solche Freundschaffl, 
Disen drey Flüssen in der Landtscha^? 
' Daher kompls, weil sie sind geboren, 
'* An einem ort, vor ynzal Jaren. 
, Vom alten Alpvatter dem Gotthart, 
Der noch vom Sündfluiz besteht Nothart. 
Vnd ist daher gantz Eifzgraw worden, 
** Das von im Eiiz triefll an all Orten, 
Der hat sie also angewisen, 
Einander on ablaiz zugrüs&ea. 

Also, dafz ob sie wol von Haufz, 
*^ Ziehen durch ungleich Fort hinauf^. 
Die Limmat durch die hohe Märckt, 
Vnd die Aar durch den Grimmelberck: 
Sie nimmer doch vergeben sollen, 
^** Sich wider zsamen zugesellen^ 
Daher er zu gedächtnufz dessen, 
Nie der verwandschafft zuvergessen. 
Hat zu den vorigen jhrn Namen, 
' *^* Einen geben jnen allsamen. 
Vnd sie sein Arl samptlich gnant. 
Da jeder Buchstab macht bekant. 



^) Der Druck : vom im. 



Eifien der a«Di feüaeliton M¥Ut i 
*** Als A«r^ der Rheni, die liiidKiai iil. . 
Sokben Nmh Arl, ran jrem Akea, 
Hat diä Utot Tochter noch hcMteD. 
Die aii£i dem Grimmelberg^ herrnidt, 
'<* Vod skik iang frie ein Angel mndt 
Vnd YÜ ein weitlem vmhsebwdff rammt. 
Als jre jüngste Sdiwester Lind. 

INe zu dem Bvnder eilt gesdmndt, 
^*^ Ynd dramb vor lieb ein see dnrdtöcfainmm 
Welchs seißd die drey Statt aber nmi^ 
Die durdk der drey Fläfz zsamen ihmi. 
(41a) Aach also kommen in ein IVeimdschafft, 

^^* Gleidi^e die flüfz sind in T^rwantschaft? 
Das ist, Zärich, Strafzbnrg ynd Bem,^ 
Ja, weil idi ^sie benem so gern. 

So nem ich euch die jetzund zwir%, 
*'* Es ist dz B^n, Straizburg ynd Zänch. 

Ja Zürich, Bern ynd Strafzbnrg sind. 
Die Stütt, so Rhein, ynd Aar ynd Xmd. 
Durch Göttlich schidcung zsamen fügen, 
**^ ZvL jvem sonderen genügen« 

Der Rhein ist, der sie thut yereinoi, 
Dafz ein Gerne jn sie jetzund schönen, 
Der Rhein scUeulzt (Ue dreim ein Treu, 
**' Dafz ein Trew Imsten nua all drey. 
Stralzhnrg ts muiz rieh : so schicken, 
Dafz im gedritten dir mu& glücken. 
Welchs ist ein zal der Trcw ynd Eyd, 
**^ Vnd so die gröst gehemumlz dent 
Daher dir auch die alten Namen 
Tribach ynd Triborg etwiann kamen. 
Tribach yon diaen Bachen drey ^ 
Die dich dmrchgcto ^rifach aufz Trev. 
Treuborg yon d^n drey Burgen trawt, 
Daraufz du Slra&burg wardst gebawt 
Vnd daher etwann Trautburg hiest, 
'^' Welchs mit dem Arcfaeutrant eins ist. 



144 



152 



O TraalBneg, in masi lisfcEtJi wn. 
Weil dfch JBfi aiuch v^rtmit to Rhein. 
Vnd dir aäeh Züridi rnd B^m Tertnoil, 
Die bei sdn Schwestero sind gebaut 
Vnd madbt non awls der Nachbar sektft« 
Ein trew Yer8iq[>te Braderachalt. 

Seehlt drumb hat der, so Berg vnd thal« 
*^ Erschttff, ai^ sonder trewer Waal. 
Es also zwischen jnen gfüget , 
Dafz kein wek von der andern lieget . 
Sonder, in eim Breiangel ligen» 
(416) ^^ Dieiik ehn Eck sieh zsamen fugen« 

Vnd hat die Eck obmi ynd ynden, 
Dureh die drej FlüfiE znaamen bundem 
Damit dnnÄ mittel der drey Ström, 
''^ Eine zu steur der andern kam. 
Dieweil es dann der Irefire Crott, 
In dlmn fall so bsteUet hat. 

Wer will hierauf nicht nemmen ab 
'** Dafk es die Natur selber gab« 

Das die drey Statt in £ündnuiz kämen, 
Seit einmal dock von gmelten Strömen. 
Inen werden gleichsam die band, 
*" Zusamen gereicht vnd yerpCend. 
Ja, wer geht ako jrr ab ban. 
Der mchl Ineraniz oraditen kan* 
Wa& die Vorfahren hat beweget, 
''* Das sie ^o offlUnab han gepfleget. 
Zu brauchen die gdegenbeit, 
Die jetzund erst ist angedeit* 
Vnd zuvereinen sich mit disen , 
^'® Die doch werden Taremt von Flüssen 
Darumb jhr drey yil trewe Statt, 
Billieh in die fulzsti^Sen trett 
Ew^rer löblidien Vorfahren, 
^** Die nch einander han erfahren. 
In standhaffläg^ trewli<^keit, 
Vnd trewUeher slandhidftii^eit 



Vod in besdiüziiDg jiser FroUieiiv 
<>• Vnd ixk abwehning fremlMter Nervi^töit 

Notdicli ist 4 cUs jr dem NaohkoiBmet, 
Wasilie Vocältera hat gefronuiKt. 
Löblich ist, das ]hr dem ligt ob, 
'*' Dessen, die Alten hatten lob. 

Lieblich ist, dafz jbr di£z hoch achtes^. 
Was rhümlicbs die Eltern vollbrachten. 
Was achten jhr den Neid und hafz, 
'** Der n|it der weil sich selbst anfirafz. 
(42 a) Es seind gewont die Eydgenossen, 
Zulachen des Neids der Machtlosen, 
Vnd zu demmen dieselbig macht, 
*•<> Die andere neben jhr veracht. 
Mit Hofgespött ynd Ho%eschänd , , 
Ward nie kein Macht noch :Sdilacht getrennt, 
Lafzt die yerlachen, dem man iacht, 
*^^ Lalzt neiden die, so han kein Macht, 
Durch freudige Auffrichtigkeit , 
Wird vil solchs Spolwercks nidergeleit. 
Der Neidwurm wird nie bals getöd, 
'^^ Dann wann man Redlich hindurch geht. 

Wider das Neidwerck, des Hofs Weidwerck, 
Ist die Tugend die best Scheidstärck. 
Die Tugend ist dz recht Scheidwasser, 
'*' So dafz falsch scheidet von eim Hasser. 

Ihr Bundgenossen habt zum mehsten, 
Euch guts ge Wissens zugetrösten. 

In dem, dafz jhr sucht Gottes Ehr, 
'** Damit dieselb gewinn kein kehr 

Durch Heuchelei vnd deuteley. 
Sonder faab seinen fortgang frey. 
Defzgleichen, dafz jhr immerzu, 
"® Trachten, wie man in Frid vnd Rhu 
Bei einander bestendig bleib, 
Vnd kein Fridstörer solch vertreib. 

Vnd dann, dafz grossen f^eifz jhr thut, 
Wie ihr ^ thrar eranietgut 



V 



324 



st« 



240 



Der Freybeit, euch nit lafet enlzocken, 
Wann FcqrbeUIiaarer darnach rucken; 
Derhalben O du berrlieb Züriefa» 
SS8 Welcbs reckt TOm: tbeur vnd Reicb hmi Turicb; 
De&gleicben aucb. du Mächtig Bern, 
Welcbs sich bifz aufz durch «anch böfs Herrn. 
(42 fr) Vnd du Test wolbesteltes Strafzburg, 
*** Der böseu Trotzburg, fromme Trostburg. 
BSIicb habt jhr euch zuerfrewen, 
Da£s jr nun wider difs ernewen, 

Weltbs ofil gewünscht han die Vorfahren, 
Das jhr darinnen solt verharren, 
Vnd in die alte Tugend traben, 
Vnd di^elb stats yor äugen haben. 

Gott geh, dafz diser Bund bleib wirig. 
So lang die Lindmat laufft für Zürich , 
Geh, dafz er allen Neid brech durch, 
Inmasseu 4ier Rhein durch Strafzburch. 
Gott geb, dalz er hab glück imd stem, 
^** So lang die Aar laufft vor bei Bern. 
Als lang die drey Flüfz zsamen fliesen , 
DaJjK die drey stät stäts frids geniesen. 

Vnd gleich wie man schwur die verbündnufz 
^*^ Zur wolbestendigen VerständnuTz 
Zu Stralzburg auff Seruatij\ 
Zu Zürich auff tag Constantij. 
Sie also auch Constant bestand, 
2BS Yiid werd Seruiert mit Mund ynd band. 
Ja Gott erhalt sie mächtiglich. 
Durch seinen Geist einträchtiglich. 
Zuschirmen seines Namens £hr, 
^'* Dafz sein Reich bei vns jmmer war. 
Vnd zuschützen jr Vnderthonen, 
In Frid vüd Freyheit stäts zuwonen. 
Darzu er jnen Rhat ynd stärck 
S60 Verleih, zufürdern dises Werck 

Difz wünscht dem Stralzburg, Zürcb ynd Bern. 
Der, so jm wünscht kein andre Herrn, 



i 



Besser die oih» imh hk die ftrrtf, 
^* Die ferro steUt nach der Freylieit getn. 
Der TDS Gott ninuner lab entb«rü, 
vSonst wir nit mehr Frey Tentsdien wem* 

/. Ifoha Trauschiff^ von Träbuchen. 

Dem ganzen Bädüein sind endlich noch drei Folio -»Blätter r^m 
verschiedener Grösse ^angebunden, von denen jedes ein Lobgedicht 
auf eine der drei vertragsehliessenden Städte enthält und zugleich 
mit einer Abbildung derselben versehen ist. Alle diese drei Gredichte 
sind ebenfalls von Fischart, und gehör eil, wie das eben mitgetheilte, 
zu den besseren poetischen Freductionen desselben. 

(V.) 

(Lobsprueh <mf Z04ch.J 

fwy Zarich vber der Statt Port 
Siod nit vergebens dise Wort 
Von alters in Latin geschrieben, 
^ Vnd bib anff vnser zeit lang blieben, 
Dafz sie sey Nobile Taregum 
Vnd Multarwn cöpia rertan^ 
Das ist, ein AdBch fümem Statt, 
* Die aller sach Tberfinfz hat. 
Dafz sie aber ein yberfluCz 
Hab aller ding, vnd Tberschufz, 
Ist ja gnug abzunemmen nor 
^* Hie aufz der Statt Contrafactnr, 
Wie alles in Statt rnd im land 
So herlich wol bestellet stand 

Mit Fisch tnd SchiflSreich ftässen, Seen, 
'« Mit frachtbarm Talgeländ vnd Hohen, 
Mit saabem Gassen, schönen Fracken, 
Die noch meh die herrSch Gbäw schnmcken. 
Am See sieht man vmbher sfdi strecken 
'• Vil Pfarren, Aempter, Höf vnd Flecken, 



Unterschrift im Druck: /V<Rto. 



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— 409 — 

Welche dem See zinr ffierd sdbön ilieneR 
Wie eim Demant die bsetzt Rabinea, 

(2) Ja dienen zu Nutz vil der Statt, 
Dafz man. da ds wolfeiler bat, 

Also Dafz man^ wol die Statt Zürich 
Vom sehr Volckreichen See hiefz Seerieb, 
Oder von Zier des Reichs biefie Zierrieh, 
Oder von Zieriichkeit die Zierig. 
Ich gscbweig die Lebendige Zi^ 
Die in der Statt gespüret wird. 
Als ist der Wdüz Anschlich Rhat, 
'^ Die starcke Manschafil zu der that. 
Der Wolbestelte Predigstul, 
Die Hochgelehrten in der Schnl, 
Das Reich Gewerb Tnd aller handel 
Mit Frembden, die da han jhrn wandet. 
Vnd die beberrschnng also grofz 
Dalz sie ist Fürstenthnmbs genofz : 

Das beilzt ja wol der ding ein gnügen, 
So yil man zdtlidi hie kan kriegen. 
Wie Adlich aber die Statt sey. 
Das zeugt jhr alte Freybeit frey. 
Welche jnen der Francken König 
BekraffUgten als Wol verdienig. 

(3) Dann weil sie alt Teutsch Freybeit Liebten,. 
Vnd also rechts Edel gmüt übten, 

Bewegten sie die Freyen Francken 
Dafz sie den Adel jnen schimckten, 
Nemlich die Freyheit, so allein 
Ist der recht Adel in gemdn. 
Auch des zu einar LiSerey 
Dafz sie recht weren lieber frey : 
Gaben sie jnm bei das Wapen, 
Ein Lewen mit eim Schwerd jn dapen: 
Damit sie gleichsam anzuweisen 
'* Dafz sie zur Not auch das kalt Eisen 
Sollen durch einen Löwen mut, 
Frauchen zu jrer Freyheit Hui. 
I. 52 



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— 4W — 

Ja die Frejbeit ^ AdUcb iti«At, 
Weil Freyheit isi ein Adlich pradit. 
Nach welcher jed^ biilidi iraehl 
Der Ehr ynd Tugend Namhafil acht: 
Welcher ist Adelichen gsinnet. 
Dem selba der Mut in Freiheit grimef. 
Wer aber iist vnedler art 
Derselb in Sclauitet Terstarrt, 
(5) Gleich wie ein Käfer in dem Mis(, 

^^ Dem Lilienöl ein gifil auch ist, 

Sciaf aber beißt Falsch hindersieh, 
Weil alles gzwuogen fälschlich gscbicht : 
Dann, Adel ist ein ThugendkraiOn: 
^- So thut Freywiliig Thugendhafflt, 

Vnd Freyheit isi ein Edler gwalt 
Da einer thut was jm gefall 

Nach biilichkeit Vnd Recht der AUen, 
'^ Vnd lafzi sich nichts darvon abhalten, 
Sonder schirmt sich darbd nut Rechten , 
Oder, zur Not, mit gegenfechten« 
Solch Edle Fre^eit haben auch 
^® Die Züricher, nach altem brauch 
Jederzeit istattlich handgehabt, 
Vnd drob manch sloltzem abgekappt, 
Welcher sein Adel meynt zuwehren 
Mit ander Leut Freyheit zerstören , 
Defzhalbeu Teutscher Keyser etlich. 
Bei welchen sie stäts hielten redlich. 

Wann die Papst sie in Bann verfluchten, 
Vnd im Reich ^olz Zerrüttung suchten. 
(5) Sie darumb haben yil geehrt, 

Vnd jhnen jhr Freyheit gemehrt: 
Als ynder andern sind gewesen 
Die me vorn Päpsten kondten gnesen, 
Keyser Friderich der ander gnant, 
Vnd Keyser Ludwig aulz Bayerland, 
Dise, Zürdb, han dich geziert, 
Mit Zierden, die dir han g^ürt. 



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— 4tl — 

Dann ^ireil des Tenlschlands Freiheit aehtest. 
Dein Freiheit dardnrch grösser machlest, 
Billich wird dessen Ehr bedacht, 
Der'Gmejrnes Nutzes Ehr belracht. 



— 41S — 

(VI.) 

(Lobspruch caif Bern.) 

(1) plS hat zwar nit gefcUt, O Bern, 

Die Mutmasung deins ersten H^rm. 
Der dich hat auffbaat vnd gefrdet, 
^ Als er hat gldchsam Propheceiet. 
Dafz den Landherren du zu Raach, 
Für jhr an jm begangene schmach. 

Werdst werden noch des Landes Herr» 
' Vnd ddne Macht erstrecken ferr. 
Werdst jnen jren Hochnmt wehren, 
Sie recht den Bären können lehr^i. 

Dann Hertzog Berchtold nam wol war, 
^' Was dein Art ynd des Adels war. 
Das du dein Frejheit wirdest schirmen, 
Vnd der Adel dieselbig stürmen, 
Darbei dann könt kein friden sein, 
^ Bifz daXz eins treib das ander ein. 
Wie man dann solches hat gesehen. 
Gleich auff des Stiffiers todt geschehen , 
Dann als der Adel an dich $etzt, 
^ Dich wie ein Bären gleichsam hetzt. 
Da hast dich wie ein Bär gesetzt, 
Vnd deine Waaffen recht gewetzt. 
Vnd jm gewisen in dem spil, 
'* Dafz man Qedolt nicht reitz zu yil. 
Tonnerbühel ynd Louperschlacht, 
Haben gedemmt kein kleine Macht. 
Von Bürgenstein der herrlich Schmid, 
^^ Schmidet auch dafz jhn nutzet nitt. 

Auch hast das Sprüchwort wol gelegt, 
Wdchs damals man zusagen pflegt, 
(Bistu nicht her, aulz der Statt Bern, 
^' So demütigest du dich gern) 

Ich mejn jhr Herren habts getroffen, 
Da£z jhr den Bäm nit liessen schloffen. 



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4t 



— 418 — 

Die Demat hat each vberstiegen. 

Das der Hochmut mufz ynden liegen. 
Difz Sprächwort hat sich ymbgekehrt, 
Ewer fall bat ein anders glehrt. 

Das man nun saget (Die Statt Bern 

Demütig stoltze Herren gern) 

Nit dafz sie darnach sehr gelüstet, 
Sonder weil jr sie darzu rüstet. 

Nit dalz anfz Raach sie darnach stellet, 

Sonder weil Gott sie darzu wdilet, 
Gott hat bald jemans anffgeworfiSen , 
Der grosse Macht hat nider gworffen. 

Das Demütig ererbt das Land, 
** Der Hochmut laufll daraufz mit schand. 
Die Demut wirckt die rechten wunder. 
Dz dreimal fleicht der stoltz Burgunder. 

Vnd erstickt endlich in dem Mofz, 

Dem vor die Welt nit war gnug grofz. 
Ihr gd>et euch doch sdber schuldig. 
Das man euch billich mach gedultig. 

Weil jr nit habt erkant, als Bern, 

Sidi demütiget also gem. 

Vnd habt sie nit gehalten freundlich. 
Sonder getrungen zu sein Feindlich. 

In des, weil sie demütigt sich, 

Vnd regt kein Krieg yermässenUch. 
Vnd nimmet in der Demut war, 
Wo Hochmut yngestüm herfahr. 

Hat sie den Hochmut nider truckt, 
** Der. gern die Demut het verschluckt. 
(2) Vnd ist dardurch in wenig Jaren, 

(DeCzgleichen man nicht bald erfaren) 

Kommen zu solchem gwalt ynd Rhum, 
^ Dafz man sich mufz, yerwundren drumb, 

Auff die weifz ist Rom mächtig worden, 
Da man jr zusetzt auff alln orten. 

Vnd sie sich muEst herausser bdssen, 
^* Da that sie auch tH an skh reissen. 



SS 



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Zu disem aUeio yrsach gibei^ 
Wann Micbüge nit lau Tnbetrübet. 
Eins aoderu Freyhdt, fug ynd Recht, 
'^ Sonder dasaelb schmecht ynd diudiäckt. 
Dann die Lieb tu der Frejheit itl. 
Dem Menschen so tieff eingenist. 
(Welcher anders ein Mannsheriz hai, 
'* Vnd hat erlahrn, was Frejheft that) 

(3) Dalz er sie wie sein Leben achtet, 
Vnd das Leben oa sie verachtet. 

Vnd wann man darnach greiffea ifaut. 

So gehts jm gleich ans Hertzenblut 
Da stellt er sich so auTzgcJassen, 
Vnd wehrt sich also aii£e der massen. 

Gleich wie ein grimme Bärin thnt, 

J)ie jre Jungen hat in hst. 

VSTann sie sieht vmb die Hüi ein spür. 
Wie ein Jäger daselbst ymbfiibr. 

Da tritt sie brummend hin vnd wider, 
^^ ReiTzt alles, was sie ankommt, nider» 

Zerrt diirch die Horsten eine gassen, 
Vnd sucht den Mann auff allen Strassen. 

Was meynt jr, dalz die Bärin thet, 
^^ Wann, sie den Bärenlaurer bet? 

(4) Der wegen, lafzt es sich nit schertzen. 
Mit Freybeit lauren, es bringt schmertzei. 

Es trifft da, an glimpff, Ehr vnd Leben, 
Welch >tuck all' an d^ Freybeit heben. 

Dann wer sein Frdbeit nit schützt weidheh. 
Der wird bads an jm selbst vnredlicb. 
Vnd Meyneidig an sein V(Hrlabren, 
Die solch gut that jm yorsparen. 
Wer wok aber nicht faulen eher. 
Dann mit ynehren leben mehr? 
Darymb^ R^^chs starckea Bern, 
Kan man dir ja di£i nicht yerkera. 
Dalz dtt mit «nisl hast nachgesetzt, 
Wana buh» dein Freybeit bot yerl^t* 



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— 415 — 

Sonder man het dir meh verkehrt, 
Wann dii dem trutz nit hetot gewehrt. 
(5) Du het$t dein Stiffter selbst fesehändt. 

Der dich dramb bawt hat auff dtfz end. 
Auff dafz du straffst die Wüterich, 
Vnd werst von Bern jhr Dietherich. 

Vnd lehrst sie einen Bären tringen. 

Welcher wol spaat ist anff zubringen. 
Aber wann er einmal ergrimmet. 
So tringt er durch was er Torninmiet. 

Gott stärck dir diseti Bären mut. 

Ja dein sittsamen Ehrenmut. 
Er sej dein starcker Auffenthalt, 
Vnd mehr dir ddn Glück Tnd Gewalt, 

Damit dein Freund sich des erfrewen, 

Vnd deine Meidige drab schewen. 

J. N. Trau. V. Trü\ 

(VU.) 

(Lobspruch auf Strctfshurg») 

(1) Tl^^^ j^i^ig* so bewei^n that. 

Das Strasburg etwann gheissen hat, 
TrauthiHTg vnd solchs sehr fein abnam, 
^ Aufz Arcbentraut, dem alten Nam. 
Der traff es recht, weil alts vnd new. 
Hierin zusi^Eien stimmen frej. 

Seiteinmal sie vor Christi gehurt, 
^ Tribarch vnd Treuborg gnennet wurd. 
Welcbs beides eben so vil laut, 
Als Trautenburg vnd Burgentraut. 
Darnach als die Attmannen kamen, 
^^ Setzten sie» wie jr brauch, zm& Namen. 
Ein S, darauüz dann Strafzburg worden, 
Welchs siebedaucht starcker von worten. 
Dieweä es gleichsam Streitbar wdfzt, 
*^ Dafz man sich wider die Römer sträufzt. 



— 416 — 

Vnd fdr die Traate Freyheit sirat, 

Vnn kein frembds Römisch jotk nicht lepd. 

Welchs auch hernach StrafEburg aUzeil» 
^^ Als der Albnannea dapfferkmt 
Die Römer diser end yertrid>e» 
Also dafz . jneo di(z Land hübe. 

Treulich ynd stattlidi hat erwiesen, 
^* Sich mit den Römern aulzgd)issen. 
Ynd jre Freyheit stäts bdiaupt » 
Dafz sie derselb nie ward beraubt 

Dermassen, dafz auch bald hemoch, 
** Als das Frey Vokk der Francken zocb. 
Vber den Rhein, ynd nicht allein. 
Die Römer dises orts trieb ein. 

Sonder auch der AUmannen Macht, 
'^ Durch Kriges macht vndersich bracht. 
(2) Da es sach, wie düz Trautburg sich. 

Allzeit annam bestendiglich. 

Der Teutschen Freyheit, vnd sich sträufzte 
'* Wann man zu nach derselben raifzte. 
Da haben die König der Francken, 
Ihr für solch Redlichkeit zudancken. 

Die alte Freyheit jr bestettigt, 

Vnd mit mehr Freyheiten begnedigt 
Vn^ jr zum Zaichen des y erlauben. 
Ein weisse Gilg, aufz sonderm trawen. 

Die solt zum Frey gemerck. sie zieren. 

Zum Wapen, das sie sonst thut führen» 
Solchs haben darnach andre König, 
So Keyser worden vber wenig. 

Inen bekräflligt gnediglicb, 
** Vmb jhr grofe Trewe scheinbariich. 
Waher hat aber jnen geben. 
Der Fränckisch König dn Gäg eben? 

Die Argentea Ulia 

Vileicht dem wort nach Argen^naf 
Nain, daher, weil die weilzülg dat. 
Die Freyheit vnd Freimütigkeit. 



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— 417 — 

Haati daitmb anch ^ f faHekeii 
^ Ineu selber zu sondern lierden. 
Die Gilgen, dadorcli zubezeogen, 
D«£e em recbt Freyfranck Volck sie seigen, 
Viid daber bat die Lag den nun, 
*® Daiz sie heiiit dn Königlicb blom. 
Die wei(z Lüg aber, ditfz nans wifc, 
Bedeii ein solcbe Frejbdt gwift. 

Die släts blieb rein tnd ynyersebrel, 
** Die nie kein dienstbariLeii besobwereU 
(3) Vnd ob man sie beschwert sdioil bat. 

Sich widenimb herfür docb tbat. 

Dann wie die weift Gilg stäts ist rcan, 
** Dafs man dr«i sieht der Maoni kein. 
Ist gantz sülzriecbend Tnd anmutig. 
Von glatter gelinde gleichsam gütig. 
Auch ob sie etwann Not schon Mdet, 
'' Dafz nan ani boden sie abschneidet. 
Dannocht der gwalt nichts an jr schafft , 
Sonder aofz jnnerlieber krafit* 
Sieh richtet attff tu, jrer zeit, 
Vnd jr Hanpt wider empor treit: 
Also ist anch die Freyheit gstaltet, 
Da£i sie jr Schöne rein erhaltet, 
Vnd sich tor aUem «Usern büt. 
Was jr yeronreiiit jr rein bliUit, 
Als jr boidseiige Gemainschafft, 
Ir wäre einigkeit ¥tid freuadschalR. 

Ir gleiches Aecht, jhm sicheni schütz, 
Ir trachlttng anff Gemainen Nutz, 
Ir freies reden, freie stimoMn, 
Ir freies stra&n ynd frey rhümen. 

Vnd was sonst BMhr sind Liebiichkeiten 
Welche nachfolgen den Frejbeiten. 
Was YOffhat, soldie schöne stück, 
Ihr zuboniafigen durch schnöd duck. 

Das tbut sie ab gante stinekend meid^ , 
•> Weil Ipiigen kdne KnoUandi feiden, 
h 53 



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ä _ 418 — 



Als sifid frembd brauch , vngleiches Recht 
Wann gmein vertrawen wird geschweeht 
Trennung, vnd schwere steur vnd diensC 
^^ Vnd doch darbei nicht gschützt das minst, 
(i) Stät forcht vnd gfahr, vnd nit sein eigen, 

Eim ob dem Eopff das schwert yil zeigen, 
Vnd aller Tyrannischer Auffsatz, 
^^ Welchs alles ist diser Blum Aufzsatz. 
Dann die Freyheit, die ist gar zart^ 
Befleckt sich bald von fauler art. 

Sie merckt bald was jr ist zuwider, 
*®* Wann man sie trncken will hettiider, 
Defzgleii^en wie die Lilgen sind, 
Süüz am geruch, am greiffen lind. 
Also ist von Natur bequem, 
^®* Die Freiheit, vnd eim jeden gnem. 
DanUi Fireyheit ist ein freies gut, 
Welchs gnoss6n wird mit freiem Mut, 

Erfrewt die Leut , macht gut vertrawen , ^ 
Dafz keins hat ab dem andern grawen. 
Bei Freyheit mufz sich höchmut schämen , 
Bei jr gilt nichts, sich vbernemmen: 

Vnd spürt sich dann erst der frey Mut, 
Wann man der Freyheit greiffi an faut. 
Da lafzt sie mit jr schertzen nicht, 
Eben so wenig als das gsicht. 

Da wagt man die Axt zu dem stil. 
Weil keiner vnfrey leben will. 
Vnd wo sich etwann schon begibet, 
Dafz sie wird etwas auch betrübet. 
Erholt sie sich doch jmmerzu. 
Dann Freyheitwurtzel hat kein rhu, 
Sie sucht vnd grübelt also lang, 
Bifz jhr Stengel wider auffgang.' 

Darzu dann Gott gibt sein gedeien. 
Wann sich demütigen <Me Frey^. 
(&) Vnd eritennens für seine gabai, 

Was sie (üt gnad vor andern haben, 



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— 419 — 

Vnd fahren de&halb nit zu ; gschwind, 
Souder fein sittsam ynd gelind. 
Gleich wie die Glich nit rauch wird drumb 
Wann man schon was verletzt jhr blüm, 
Sonder wächfzt fort vnder den dornen, 
Vnd lafzt dieselben jmmer zörnen, 
Sie weifzt, ein Fewr wird sie bald rechen , 
Vnd ihnen vertreiben das stechen. 
Oarauff wird sie dann blühen bafz, 
14« Yy^j^ Lüium inter spinas: 

Wann dornen schon ein klein zeit grünen, 
Wird doch iiicht suchen ynder jhnen 
Das Salomons Lieb seine Waid, 
Sonder die Lilgenwaid^sie fräut, 
Billich die im Dorngarten waiden, 
Die von LeutseUgkeit sich scheiden. 
Wir aber haben vnser freud. 
In dienstlicher Leutseligkeit. 
Dises ist vnser Liliengarten, 
Des Gemainen Nutzes trewlich warten. 
Wer dessen trewlich wartet auft, 
^'' Der schmückt ein rechtes Gotteshaufz: 
Dann gwüzlich kan man niergends jnnen ; 
Der Kirchen vnd Schuln besser dienen, 
Vnd Arm vnd Reichen thun das jhr« 
^^* Als in einer Regiments gebür. 
In diser übt man recht gehorsam 
Ehrt Gott vnd Oberkeit recht forchtsam. 
Braucht zuerhalten alle müh, 
**^ Göttlich vnd Menschlich Freiheit hie. 
(6) Göttlich, in freiem G wissen Rein, 

Menschlich, üi gniesuog frey des sein, 
Also hiedurch das sein Gott wird, 
*•• Vnd den Obern, was jnen gbürt. 
Derhalben, du traute Statt, 
Die sonderlich Gott hat begnadt. 

Mit Frejheit, vnd vil andern gohen, 
**^ Darumb vor andern bist zuloben. 



<«4 



Erken die GMhat» ät eneigiet. 
Wie dir Gott hat femadit g^neiget. 

Aie König mki lAeia yer zeitM, 
''* IMm sie dir gasten nl fbejiMleii. 
Vod gaben dir delKhidb zu pfand 
Oir Freyfii^tMclieB, weft erkant. 

Sonder erwedLt ancb kent bei tagen 
'l* Trew Nachbarn 9 die hast za dir tragen. 
Vnd sich A d e i a cr GSg ergetzen, 
Vnd deine Freyheil sehr hoch schülzen. 

Vnd drwBBb sieb nähar zn &^ finden, 
^'® Der üben gerach zuempfinden. 

Als die z^i^ Statt sind, Zürch rnn Bern, 
(Der Statt hn Schw^atzcrland ein kern) 

Dann weit sie auch seind Fr^eitgaoase», 

Die Lilg mo jnen gfallen lassen. 
Du bist jnen norerUm, 
So ist dir Zäreh JPlacentiaj 

Vnd die Statt Bern Verona^ 

Die gimnen du^ bessmrs dann Roma. 
Wann nun dein Nachbarn difz erquicket, 
Dz ieim Btoft ist so schön geschHiäeket, 

Wie woUste dann nicht han Tief mehr, 

Sokhar ddner Freyhat ein dir. 
(7) Vnd so oft, als dein 6% plidLst an, 

Dir es lan sot zu hertzen gAn. 

Dafz dn didi vecbt darob ^rewest, 
^^ Vjid Gott des meht dramb dandd)ar seiest 
Ja dise Blum soU Uüben dir 
In deinem Hartzen für vnd für, 

Sie soll nie dürren, semper grünen, 
^^^ Dardivcb dich sempei ziberkünen. 
Dein Sempwfreyheit zueriialten. 
Die dir erameten die Aken, 

Durch Tugend, Wei£dbeit vnd Verstand, 
^^* Vnd durch ein rediVM^i sixeitbair band. 
Lafz dwh tler Boi»en stich nit ^nsen, 
Sie müssen doeh iaa Ofen düiaren». 



i88 



ft 



^ > 



^. *2I — 

Sa & bebakt wol deinen fdalt, 
'*' Alles NeMstid^en lu Mitz. 

So buig als man mebr liebt &n Btam, 
Dann Dornen, so lang bleibt dein Rbmn. 
Wohin, lieb Strafzb«^, sei ein TrantlHirg 
Dan Bürgern , md dein feind ein Stralzbinrg 
Ein Schirm dein Vndertbanen sey 
Vttd deinen Bnndsverwanten trer. 
So wirsta auch all Trew erfrren, 
^'* Von Gott ynd Naebbam in gefaren. 
Dann Trew erwed^t g^i^ntreur, 
Vnd den Froren aehülst gern der frej. 
Dein Frejkek $d dein Lilgenwaid, 
^* Vnd Gott, der sokbes segnet baid. 
Der sej dein einig Trost vnd firend, 
B^ Glück ynd Widerwertigkeit, 
""^ Bifz er inSi anfs der Vnrim lait. 
In Ewig Freybeit, Frid ynd Freud. 

/. N. T. V. T. 



Die 

Alba amicornm 

der Zafinger Bibliothek. 

Mitgetheüfe 

von 

fVühelm KnÖbet. 



Wir besitzen solcher Stammbücher $echs, welche dem 17. 
nnd 18. Jahrb. angehören. Obschon die Männer, ¥on welchen 
sie angdegt worden , nnr für die Gesduchte ihres Vaterstadt- 
chens Bedentang haben : so bieten difm BUitt^r gt^^dwohl zur 
Beurtheilung des Gmlm und dier Bildwff jener Zeit einige 



— 422 — 

nicht uninteressante Beitr^e; namentUcb ist dies der Fall mit 
dem ältesten derselben» ans welchem für diesmal einige Mit- 
theilungen gegeben werden sollen. Der Eigner desselben war 
ein Hans Heinrich Koller (anderwärts Kohler geschrieben), den 
wir von 1623 bis 25 in Lausanne, Genf und Bern, als Studiosus 
humanitatis (Kberahum artium) finden; im Jahre 1627 wird er 
Mitglied des Rathes von Zofingen und stirbt schon 1628. — 
lieber seine Familien yerhältnisse erfahren wir aus andern Quel- 
len, dass der Vater Johann Koller , wahrscheinlich yon Aarburg 
herübergezogen, Rösselwirth (daher das Wappen: ein weisses 
springendes Boss im blauen Felde), dann unter die XI. gewählt, 
1611 als Schultheiss von Zofingeh genannt wird. Seine Vor- 
studien machte Hans Heinrich wahrscheinlich an der Latein- 
schule seiner Vaterstadt; in Genf finden wir ihn sowohl bei 
hochadeligen Mitstudenten,. als auch bei Professoren und ihm 
Gleichstehenden geehrt und geliebt, was uns einigermassen einen 
Massstab geben kann sowohl für das Ansehen, welche^. der Sohn 
eines Zofinger Schultheissen auswärts genoss, als auch für den 
personlichen Werth unsers Hans Heinrich. — Das Titelblatt 
des Albums enthält das bereits erwähnte V^appen Kollers, sammt 
dessen mit lateinischen Initialen geschriebenem Namen. Dann 
folgen der Reihe und dem Range nach, meist mit dazu ge- 
maltem Familien Wappen, die Stammblätter von 

1) Wilh. Reinhardus, Come^ in Hanau et^Rheineck etc. mit 
dem Oenkspruch : 

Kil est mortale quod opto. 

2) Joh. Fridericus a W^olfi^tein, Baro in Superiori Salz- 
burgo , mit dem Denkspruch : 

Neque nimis timide, neque nimis tumide. 

3) Drei Barone von Zerotin (wahrscheinlich Ungarn) und ein 
L. (iber) B. (aro) a Landaw, mit folgenden Denjcsprüchen : 

a) Vivit post funera Virtus ; 

b) Pro Christo et patria decus est profundere .vitam. 

c) Tout vient k point 
Qui peut attendre. 

,d) Tatto col tempo. 

4) Dieterich von HallwjU. 

>>Pietas virtatum fundamentttin.^ 



- 423 — 

hy €cU[iai iiH> Aeseherus , Tignrinus (priestanti ac docto viro 
H. K. henerolentiam meam obsigno) 

9 Jammer und Kummer, 
Frost und Hunger 
Eilend und armuot 
Erfahrt mancher soldat guot/^ 
Ou bien, ou rien. 

Dieser scheint ein älterer Mann, vielleicht ein Freund des 
Schultheissen Koller, gewesen zu sein, der sich zu jener Zeit, 
Yfo Savojen der herrschenden Hungersnoth wegen ebensowohl 
als aus religiöser und politischer Abneigung gegen Genf sperrte, 
vielleicht als Abgesandter Zürichs, um den Vertrag von St. Julien 
wieder zu Ehren zu bringen, in Genf aufhielt. 

6 ) Nicolaus a Diesbach. 

^^Ex arduis perpetramus nomen.^ — 
yJam dudum missa patria oblitusque tuorum, 
Qnos tibi seu sanguis siire paravit amor, 
^ Romam habitas , nee cura domum subit ulla reverti 
Aeternae tantus te capit urbis honos/^ 
y^Si Dieu est avec nous, qni sera-contre nous?^ 

7) Jacobus Asn Bort, s. s. th*. Prof. Lausann®. 

^Conscientiam malam laus amicorum non sanat, nee bonam 
convitium vulnerat/* (Augnstin.) 

8)' Jac. Curittus, 4'. classis moderator. 

9) Alexius, prof. min. convictori ac disdpulo sno percharo etc. 

^Per angusta ad augusta/^ 

10) JacDb: Bälde, Franc: (1624 Genev»). Ob der als Dichter 
bekannte Jesuit? — 

* 

^; Tempora mutantur, sed nos mutamm* in illis.^ 
^A Dieu complaire,' 
t Jamals mal faire, 

A tant servir 
Est mon desir.^ 

Von den übrigen Denksprüchen mögen noch folgende hier 
stehen : 

a) Scilicet ut fulvum spectatur in ignibus aurum, 

Tempore sie duro est inspicienda iides. 

b) Amour vieux, vin vieux, or vieux 
Soht aimi^ eil toüs les lieux. 



*♦ 



i 



— a* ~r 

e) A«|it dich Uein, :— fiirdit Gott «IfeMi, 

Deia Sönd bewein und hall dich rein, 
Bifz niclit zu gmein. 
d) Keio Geld, Kein Schweizer, 

Du erfahr ich wohl. 

Nun mögea noch dni^ cfaarakt«rfetiscte SlaUer der Probe 

w^ea vollslandig da stehen: 

igligimtur 

Ltate colantnr. 

nmpliM! 

rieh Raan inn Geuff 

B ßmder. 

Tims ay voaie aie dwine tons 
er dignement le non de votre 
Sttitmte Paacat. 

rranzösiscben Gesaodtea in 
l^e^Dchte HöfHchkeitI — 



Doctiiunio et prjcitantiscimo etc. exigwnm hoc amoris 
mODDinentiiin in perpetium smi memoriain lobens posni 
Mar CUM Valso Coiumbariu». 
k) La aperanza i: Ü pane delli miseri. 

Jo Nicolo ParavicinO Mcribo al mio charo 
tatäcko H. ChöUro. 
5) Vil Lieber wolt ich in tistel vnd tbornen baden 
w«der Sein mit flacher ZKngea behden. 
tisü vnd thörn stechen Ser 
ober Ülscbe Zni^en noch vil mer- 

Zar Ehren Tnd Laagfrilliger gedechtnns Schreib ich 
HanTz Fellix HirtzeU In Genf mtimem Lieben und gatte» 
Frand H. H. Koler etc. 

E^nen besondern Werth erhall dieses Stammbach dnrcb die 
uAdreicloa nnd meist sehr sauber geni&hlt«i FanulienwappeD 
der Schreib«iden , so vie durch einige andere Mahlereien. Dass 
üe nicht alle von der gleicheo Hand, etwa Kollers seihst, ge- 
mahlt sind, bemerkt man auf den ersten Blick. Weuo man 
also anoehmen darf, das», die mnsten der jungen Herren, bei 



- 4M - 

deren Namen ein Wappen steht, dasselbe intt eigener Hand 
gemacht haben, so ist dieser Umstand fär die Werthung der 
känstlerischen Aosbildong der höhern Stände jener Zeit nicht 
ohne Bedeotnng. Es bleibt zwar in Betreff der Wappen noch 
eine andere Annahme übrig, nämlich dass es in Genf eigene 
Wappenmabler, vielleicht ebenfalls Studenten, gegeben habe, 
welche den des Mableas Unknndigen dergleichen Gefalli^eiten 
oder Dienste . leisteten. At 
Stammbuchfreunde nicht un. 
ebenfalls der Umstand, dasf 
schon mehrere patrizischen { 
Ten beigesetzt hat. Von 
Freunden Kollers begreiA s 
Wappen finden wir noch eil 
TOD geübten Händen geze 

a) eine gefesselte Andromet 
Türlcensabel stürzt sich au 
Seedticfaen; wahrscheinlich 

b] Diäua mit Nymphen im 

rascht; der Zorn der keasdien Göttin hat den Unvorsichtigen 
bereits mit dem bekannten Kopfschmscke vernostalteL JDas 
Blatt neben an, wahrscheinlich des Künstlers Namen etc. ent- 
haltend, ist ausgerissen. Vielleicht hat der Pietismus einer 
spätem Generation gegen den Mahler eines solchen heidnischen 
Bildes oder gegen dessen Familie diirch Vertilgung seines Na- 
mens einen Akt der Pietät auszuüben gemeint. Das Gemälde 
selbst fand jedoch Gnade vor seinen Augen, c) Jnstitia mit 
Schwert uqd Wage in den Händen schreitet mit verbundenen 
Augen neben der Fides, welche eine zerbrochene Sänle auf 
der rechten Schulter und deren Ka^täl imterm linken Arm« 
tragt. Von einem HoOmeister oder Be^er gcmabll. 

d) Ans einer Wolkengruppo ragen vier Hände und reichra 
vier knieenden Personen symboUsche Embleme dar: die erste 
einem Könige im Pnrporgewande Krone und Scepler ; ' die 
iweit« nnem Priester HHt Tatar und Halskrause ein roth- 
gcbnodeneB Bu£h mit Goldschnitt ; die dritte einem Junker fit 
Schwert and die vierte einem Bäuerleio einen Dreschflege}. 
Dushn <ia Sprach aus Gn§onm Nazianienas : 
I. 5* 



— 426 — 

^£Ov firjdidävToq firjdhv layc^u ^ovoq» id est 
Schafft nicht sein Gunst, ist Kunst umbsunst. 
Wider Gottes GiUnst schafft kein Mifz^nst; 

sign: Hercules Tschudij Glareano-Helv: 

e) Ein Duell auf Stoss. Der eine Combattant in roth und 
weiss gestreifter Aermelweste , mit rothen Pluderhosen und 
weissen Strünipfen mit rothen Knieriemen fällt in tiefer Prime 
aus. Der Gegner in schwarz und gelbem Wambse und engen 
weit heraufgehenden gelben Beinkleidern , die am schwarzen 
goldgestreiften Bauchgewapde befestigt sind , parirt mit der lin- 
ken Hand des Ersten Stoss und trifft in Hochterz dessen Brust, 
aus welcher ein Blutstrahl spritzt. Das Blatt mit des Mahlars 
Namen elc. ist ebenfalls ausgerissen. 

Das kulturgeschichtliche Ergebniss, welches aus der Betrach- 
tung des KoUerschen Stammbuchs hervorgeht, mag ohngefäbr 
folgende Hauptpunkte enthalten. Vorerst was den moralischen 
Werth dieser Blätter angeht, so fällt das IJrtheil durchaus zu 
Gunsten der Schreibenden aus. Nirgends eine zweideutige, 
leichtfertige oder gar zotenhafte Aeusserling, wie sie Stamm- 
bücher einer spätem Zeit nur zu häufig bieten; durchweg ein 
gesetzte, ansü^ndiger, männlicher Ton, wie es in dem kalvini- 
stischen Zion und in jener gespannten Zeit von Kalvinisten nicht 
anders* zja erwarten ist. In Beziehung auf formelle Bildung 
finden wir den lateinischen und griechischen Ausdruck überall 
korrekt und dürfen auf bedeutende grammatische Fertigkeit der 
Schreiber schliessen, sowie bei den Theologen auf sorgfältiges 
Studium der h. Schrift und der Kirchenväter. Französich und 
Italienisch scheint den Genfer studiosis gleich bekannt gewesen 
zu sein. Das Deutsche steht neben den fremden Sprachen fiist 
als wildwachsende Pflanze da, mit welcher Jeder ad libitum 
suum handtiert. Bei der Reihenfolge der Blätter fällt es auf, 
wie, dem Geiste jener Zeit gemäss, nicht etwa die Zeit <ler 
Abfassung , sondern der Rang des Schreibenden seinen Platz 
im Stammbuche bestimmt. So hat den Vortritt der Gomesin 
Hanau; dann kommen mehrere ausländische Fr^erren; nach 
diesen helvetische Patrizier und angesehene Geschlechter; ^rst 
zwischen und zum Tbeile nach diesen Gelehrte und Professoren; 



__ 427 — 

< 

hierauf erst Zofinger Namen ; den Schluss machen zwei Pfälzer 
Flüchtlinge. -* lieber Letztere mag eine kurze Bemerkung hier 
nicht am unrechten Orte sein. Der Eine nennt sich Hercules 
de Brier^ Francothalensis ; der andere Joh, Conrad Lcehry 
nuper eedesice Germ. Francothalensis pastor. Dieser widmet 
sein Blatt hospitisuo benefico^ Zophin gas 1627, mit dem 
Spruche: y^ Der Herr wird den Gerechten nicht ewiglich in 
Unrhue Idssen.^^ — Also Flüchtlinge aus der damals von den 
Spaniern bssetzten* Stadt Frankenthal suchten und fanden Auf- 
nahme und Gastfreundschaft bei ihren schweizerischen Glaubens- 
verwandten. Möge man es dem Pfälzer , welcher diese Worte 
schreibt, zu gute halten, wenn er diese Gelegenheit benutzte, 
für sich und sdne längst heimgegangenen Schicksals- und Glau- 
bensgenossen der schweizerischen Hospitalität seinen Dank ab- 
zustatten 1 

Auch bei den Unterschriften und Dedikationen sind die Rang- 
und StandesYerschiedenheiten auffallend berücksichtigt. Die vor- 
nehmen Grafen und Barone setzen ihrem Wappen und Denk- 
spruch einfach ihre Namen bei; die Hall wyl, Reidt (von Ghur), 
Raan, Werdtmüller, Balber, Hab, Berger etc. widmen das Blatt 
y^ihrem lieben Herrn als Bruder ^^; bei den lateinischen Dedika- 
tionen fehlt nie das: dondno; die Theologen nennen ihn: do- 
mim/is Jrater in Chriäto; die Professoren: juvenem optima? 
spei ajc summce e^pectaüonis ^ — bonorum literarum cunan^ 
tissimum etc.; ein Zur Linden von Zofingen allein nennt ihn 
intimum fratrem und du Mauriz Ringier V"^* consobrimun 
carissimum. 

Man sieht aus diesen Notizen, dass die Herren studiosi in 
Genf den Respect vor sich und vor ihrem Freunde nirgends 
auf Seite setzten ; durchweg jedoch herrscht , mit Ausnahme des 
Franzosen Pascal, der treuherzige, gottesfürchtige und ernste 
Ton der Reformationszeit, welcher Vornehme und Geringe, 
Professoren und Studenten als Arbeiter an demselben grosseo 
Werke anerkennt und als solche von vorn herein in ein ge- 
wisses herzliches und zutrauliches Verhältniss bringt. 



^ 428 — 

M i s c e I 1 e II 

aus 

der Aargauischen Kantonsbibliothek, 

lokgetheih 



TOB- 



Heinrich Kurz* 



I. JSin noch ungedmckter Brief Lutherg. 

Spectatce /idei viro, Dno Christophoro Langenmantel Cano^ 
nico, suo Domino in Christo Charissimo. 

Jesus. 

Salatem. Veni salyus et tetus domum, optkneCbristc^rfiore, 
Deo gratia. Officia ¥C!ro iUa inm eximiiB humanitatis et pietatis, 
qam in me indignum tarn effase coUocasti, fecemnt et opinionem 
et nomen tuum ajmd nostros esse gratissinmiii et saaTissimtmi 
odorem. Commendayi enim, sicut dignum est, fidem tnam 
et Dni Doctoris Awer; sed non in hoc clarificatum te Tolo, 
nisi qaod csBteris exemplum tantse fidei commeodari oportet. 
Csteruin Dominus Jesus, qni hoc te cogitare, velle, focere 
dedit, sna in te opera et cognoscet et probabit. Vere rara avis 
est pura fides et sincera amicitia. Scripsit Rydus Dnus Legatus 
Princqii nostro, accusans, quod fraudulenter discesseriDi, in- 
digneque ferens, quod salvo conductu me mnnieritn, et pro- 
testatus fuerim; et omnia, quae feci, damnat. Maxime yero 
quod non revocarim maledicta mea, prseserlim super indulgen- 
tüs, et quod non pepercerim Sanctitati Pap«, diceado eom 
ufattti scripturis. In fine consub't , ut me in uri>em mittat , aat 
extra terras expellat ; ne ponat maculam in gloriam suam pr<^er 
unicum (inquit) fraterculumr Sic enim et Jud^ coram Päi^ 
cum Christo egerunl, volentes sibi credi, antequam accusarent 
nominatis criminibus. Ita et bic clamat : Credat mihi IHustris- 
ßijW Dnao \ra, ego loquor ex certa scientia, non ex opinio- 



nibus. Ego servabo Jesu Christi regulam (quod ego sie in- 
telligo liesi Christi regulam) nihil enim nisi yeritatem lasdere 
quierit. Rosa illa aurea a Papa (nt mmor foit) Priocipi missa, 
nusqaam est, nee Prineeps aliquid de eadem cognovit. Video 
Romanos firmasse propositnm damnandi mei. Ego rorsus fir- 
mayi propositnm non eedendi. Ita exspecto eensnras. Dominus 
erit mihi et consul et adjutor. Quod si me oeciderint, pulicem 
occisum desistent persequi. Respondi autem ad literas Dni Le- 
gati, quarum exemplar ad me dedit Prineeps, Tolens, ut meam 
responsionem suis literis inclusam Legatus yideat. Et jam edun- 
tur aeta mea augustensia, nam Prineeps hucnsquo dissuasit eomm 
editionem. Cietera ex optimo Patre Joanne Frosch recenter 
insignito cognosces. Signa supersunt cognoscenda. Diium Docto- 
rem Awer fidelissimum Patronum in Deo ralero quam maxime 
cupio, et gratus me ei commendo. Salutant te ex animo 
D. Andreas Carolstadius, Nicolaus Amstorfius, Otto Berckmann, 
et omnes noti. Vale et tu in Christo qui te sihi serret in «ter- 
num , sicut apprehendit in tempore. Nobilem yereque Nobilem 
Joannem Scheneck tuo ore saluto. VittenbergeB. Die S. Ca- 
tharinie 1518. 

Frater Martinus LuAer^ 

Augastinianns. 



Vorstehender Brief des grossen Reformators findet sich abschrift- 
lich in dem Codex Probaiionum ad kistor. eptscop. August. (MS. 
Bibl. Nov. 6. fol.) Das Original lag ehedem im Archiv des Klosters 
zu St. Ulrich in Augsburg, wnrde aber später dem Lector der Do- 
minicuierj Pater Amandas , zum Geschenk gegeben. Wo es seitdem 
hingekommen, und ob es überhaupt noch existirt, können wir nicht 
bestimmen. Unsere Kopie ist, wie ans einer Notiz des unbekannten 
Abschreibers hervorgeht, unmittelbar aus dem Original und zwar, 
wie versichert wird, mit der grössten Genauigkeit entnommen. 

Den Empfänger des Briefes, Christoph Langenmantel, 
Welcher bekanntlich Luthern bei seiner heimlichen Abreise von 
Angsburg bchülflich war, nehnt die Ueberschrift des Schreibens 
Canonikus; gewöhnlich heisst er Senator. Wir wissen nicht, 
worauf sich diejenigen stützen, welche ihm diesen letztern Titel 
beilegen : es ist aber wohl anzunehmen, dass Luther genau gewusst 
habe, welchem Stand sein Freund angehört, und welche Würde er 
be^ssen habe. 



— 430 — 

n. Mary du Puis. 

Die aargauische Kantonsbibliothek besitzt einen DradL aus 
dem 15. Jahrhundert, welcher wahrscheinlich zu den grössteu 
. Sdtenheiten gehört; denn obgleich das ganze Büchlein im vorigen 
Jahrhundert seinem ganzen Inhalte nach abgedruckt worden ist, 
so wird es doch von keinem mir bekannten Bibliographen, weder 
Yon Ebert noch yon Brunet erwähnt, und auch die so reich- 
haltige Bibliothöque frani^e yon La Groix du Maine und du 
Yerdier kennt es nicht Selbst den Namen des Verfassers habe 
ich weder in Joch er, noch in der Biographie universelle, noch 
in irgend einem andern ähnlichen Werke aufgefunden. 

Das Buch ist in 4. gedruckt, obgleich jede Lage aus 8 Blät- 
tern besteht Solcher Lagen hat es sechs, die mit den Signa- 
turen a bis y bezeichnet sind, und da alle Lagen vollständig 
sind, enthält es somit 48 Blätter. Alle Seiten sind ganz aus- 
gefüllt, die Zeilenzahl ist aber ungleich; meistens sind deren 
16, einige Seiten haben aber auch 15 oder 17 Zeilen. Die 
Schrift ist die sogenannte runde gothische,- wie sie vorzugs- 
weise in Frankreich gewöhnlich war, wie denn das Büchlein 
auch in diesem Lande und wahrscheinlich in Lyon gedruckt 
worden ist. Dies ist auch die Ansicht Brunets, den ich auf den 
seltenen Druck aufmerksam gemacht habe, der ihm bis dahin 
nie vorgekommen war, und von dem er erst nach längeren 
Nachforschungen ein Exemplar auf der königlichen Bibliothek 
in Paris auffand. Dieses Exemplar, das zweite bis jetzt be- 
kannte, stimmt vollkommen mit dem unsrigcn überein, dessen 
genaue Beschreibung ich dem genannten Gelehrten mitgetheilt 
hatte. 

Aus dem eben Gesagten geht schon hervor, dass in dem 
Werk weder der Name des Druckers, noch der Ort oder die 
Zeit des Druckes angegeben ist; wahrscheinlich ist es im Jahr 
1480 oder doch bald nachher erschienen. Es ist ohne Titel und 
eben so wenig hat es irgend eine Ueberschrift Den Inhalt bildet 
die Geschichte der Vertheidigung von Rhodus im Jahre 1480, und 
zwar mit einer eigenthümlicben Darstellung des Details , so dass 
es das bekannte Werk des Kanzlers Gaoursin oft ergänzt, und 
somit als Quelle für die Geschichte jener heldenmüthigen Ver- 



— 431 — 

tfaeidiguDg angesehen werden kann, weshalb es aach Vertot 
in seiner Histoire des Chevaliers de TOrdre de St. Jean (im 
2. Band der Quartausgabe); wie schon erwähnt, Yollständig 
abdrucken Hess. 

Wir theilen hier den Anfang des Werkchens mit, weil der 
Verfasser Gelegenheit findet, sich zu liennen, und um eine Probe 
seines einfachen, in seiner Naivität höchst anmi\thigen Styles 
zu geben. 

(BL 1 a.) N lan de noftre feigr Ihus crift mille quatre cens 
huitante le grat turc Infidele ennemy de la foy xpiftienne plain dor- 
gueil et denuie et pour cuider deftruire la foy catholiqne et la xpieote : 
et pour soubiuguer les xpiens et conqnefter pais et royaulines feift 
qnatre gi'oHes arinees. Lune defqnelles enaoya contre le roy de 
hongrie la quelle armee p (par) la grace de dien fut du tout deftruicte: 
et tous ks turcs prins mors et occis. La feconde enuoya an royaulme 
de pouUe contre le roy ferrand roy de naples ou Hz firent moult de 
grans maulx (16) et prindrent par force vne cite nommee octrante 
en laquelle Hz fe fortifierent. La tierce enuoya contre le soubdam. 
Et par force vouloit faire vng chafteau en la terre du foubda pour 
aucunement le tenir en foubiection et a moult grant pniffance le 
commenca a faire. Mais quant le foubdam en fut adverti II y en« 
uoya yng capitaine auec son armee. Et par force feift rompre et 
abatre et demolir tout le chaffeau encommence. Et fiit larmee du 
turc rompue et moult grat quatite de turcs occis et prins : et la quarte 
armee enuoya deuant la ville et cite de rodes Icelle cite cuider auoir 
par force (2 a) et la deftruire po' ce que ceft la ville du monde quil 
hait le plus et q U deftruiroit plus voletiers, mais par la grace de 
dieu II en' a efte bie garde et encore fera fe dieu plaift de la quelle 
derniere armee Ceft affavoir de celle qui a efte devat rodes Je mary 
du pms gros et rüde de fes et de entendemet Je yueil parier et de- 
fcripre au plus brief que Je pourray et au plus pres de la verite 
felon que Je peu veoir a lueil Et peu de temps apres ce que le dit 
fiege fuX ofte ou leue et auffi pareillemet en ce que Jen ay ^) ouy 
parier raconter et auffi pareillemet tefmoigner (2 b) a plufieurs 
qui y ont efte prefens et qui ont tout veu tant cheualiers q aultres 
gens de la Tille. Non obftant que en moy na pas fcience ne intelli- 
gence pour comprendre ne defcripre vne si haulte et vne si grat vitoire 
(sie!) que dieu a donne et enuoye aux nobles cheualiers et vaillans gens 
qui eftoient dedans ladicte ville de rodes ladicte annee durant le fiege. 
Mais feulement en gros le deferips felon que Je le peu favoir pour 



*) Im Druck: Je nay. 



— IS» -r 

f n adoertir eeulx le^ fttkulx ep vonldr^nt Maoir 4et umaeU^s et anOTj^ 
les quiealx y prc^ndront plaifir de loir lire. 

Wer der Varfasser deg Büchleins ist, lässt sich ans dem 
eben mitgetheilten allerdings nicht bestimmen, da er uns blos« 
seinen tarnen mittheilt, seine übrigen Lebensverhältnisse aber 
gändich verschweigt. Dascr er ein nicht ungebildeter Mann vratr, 
geht ans dem ganzen Werkchen hervor^ so dass wir die gar 
za bescheidenen Ausdrücke, in denen er von sich Is^Iber ^richt, 
keineswegs wörtlich zu nehmen haben. Uebrigens waren diese 
Formen übertriebener Demuth damals nichts weniger als un- 
gewöhnlich. Mary du Puis war zwar, wie wir aus seinen 
eigenen Worten vernehmen, während der Belagerung nicht 
selbst in Modus, aber er kam bald darauf hin, und hatte alle 
Gelegenheit, sich um die nähwn Umstände der denkwürdigen 
Begebenheit zu erkundigen , was er auch nicht unterliess. Dass 
er auf diese Weise manche Thatsache erfahren haben mag, die 
der hohem Stellung Caoursin's verborgen bleiben mussten, 
ist leicht denkbar, so wie dass er manche andere auch von 
anem andern und vielleicht richtigeren Gesichtspunkte hat auf*- 
fassen können, als jener, der mitten im Gedränge der IhateU'»- 
voHen Tage lebte. 



Regesten. 



KlosterarchiTzu Muri. 

(Fortsetzung.) 



S8. 

1279. Nonis Junii. Indict. TBL. Bremgarten in der 

Kusterei. 

Gertrud, Wittwe Burchards genant von Baris, gewesenen 
Schultheissen zu Bremgarlen, ihr Sohn Jakob, dessen Frau 
Gepa und ihre Knaben haben von den Klöstern Muri und 



_ 4» — 

Hermeischwil eiaig« CKker zu Waltensdiwilv wdche Arnold» 
Ritter von Waltenschwil, gehört, und welche Alfeert, Graf von 
Habsburg, diesen Klöstern geschenkt hatte, auf die Zeit ihres 
Lehens in Besitz, nachher aber sollen dieselben den Klöstern 
zurückfeHen. Alsdann verkaufen sie dem Kloster Muri z#d 
Sehui^posen, ferner die Mühle zu Waltenschwil, welche Erbr 
lehen von Muri; zu letzterm willigt auch des Jakobs ^efrau, 
Tochter des Ritters H. v. Wohlen, der die Mühle ab Leib- 
gedtng zugesichert gewesen, ein. Die Vogtei über die erstem 
drei Güter und die Mühle behält sich <ler Sohn Jakob v. Baris 
vor. ^ Zeugen siehe bei den Habsbg. Urkunden No. it. 



1284. Aa St. Philipps uud St. Jakobs Abend zu 
eingetretteaem Mai. 12te Indict. Zürich. 

Meister Heinrich Manesso und Meister Ulrich Wolfleipsche, 
die Schiedboteo, entschieden den zwischen dem Abt und Con- 
vent von Muri und Chunrad Fink, Bürger von Zürich, walten- 
den Streit über des Vogels Rechtung am Hotz Bannegg bei 
Tbalwil und treffen Bestimmungen über Verkäufe« 



3«. 

1287. Feria sexta post Invocavif. Basel. 

Lmlwig, Graf vor Honberg , urkundel, dass er einPrsdium 
zu WinterswUe in Ergaudia ah Commendator und die Brüder 
des Johanniterbauses zu Honrein für 18 Mark Silber verkauft 
habe. Zeugen: Fratres Nicolaus, Commendator domus, Jo- 
hannis in Basilea, frater Nicolaus, dictus monetarius ejusdem 
doinus^ et frater. Johan de Burgdorf, Heinricus de GreuUungen, 
Rudolfus de Bechberg, ingenui. Mathias de Eptingen mil., 
Wemherus Fuchflin, Conrad Zomangen, cives Basil., Chunradus 
Advocatus de Hohenberc et Amoldus 8cultetus de Liestal. 



1. 55 



1288. Kai. Septembris. Indict Xin. Mure in Eg{pa. 

Ludwig von Liebegg und Cunrad von Heidegg, Ritter, ent- 
scheiden die zwischen dem Kloster Muri und dem Rudolf, Ritter 
Ton nÜBirro, entstandenen Zwiste dahin: Ritter Rudolf soll die 
Zehnten und Primitien dem Kloster zurückerstatten. Das an- 
gesprochene Recht zum Holzschlagen im Schoren und im Eich- 
hötz wird dem Ritter abgesprochen und die Waldung ganz dem 
Kloster zuerkennt. Gerichte und Rann in Aristau werden dem 
Kloster durch Präscription zugehalten. Auf das Gebiet des 
Otto von Aristau soll Rudolf kein Recht haben. Von Ver- 
gütung für Kalk wird das Kloster freigesprochen. Das Haus 
des Barro soll nach seinem Absterben ledig sein. Der Ochs 
zu Aristau soll dem Kloster zurückgegeben und desselbe für 
die umgehauenen Bäume entschädigt werden. Was von der 
Vogtei in Türmelen bisher über ein Mark Silber bezogen, 
soll dem Kloster ersetzt werden. Auch die betreffenden Rea- 
litäten zu denlBüel, in derWildowe, zu Blumen an derReuss, 
welche Rudolf yom Sohn Jakob , gewesenem Schültheiss , her- 
leite, werden ebenfalls dem Kloster zugesprochen. Von den 
Gütern zu Luttingen wird demselben der mittlere Theil gegeben. 
Da Rudolf nicht bewiesen, dass sein Bruder Burchard, ge- 
wesener Schültheiss, die Vogtei über 2 Schuposen zu Aristau 
behalten, so werden dieselben davon frei erklärt Ebenso wird 
der Schweighof in Türmelen von aller Advokatie ledig erkennt. 
Rudolf soll auch das unter dem Namen der Vogtei von des 
Klosters Leuten in Buttwil und Geltwil über 5 Mtak S3ber 
Eingetriebene wieder ersetzen. — Zeugen : Ar. Pleban zu Muri» 
H. Notar von Muri, Hildbold von Heidegg, Ar. von Liebegg, 
Ritter, Berthold von Wile, Bürger zu Bremgarten, Wyh, Vogt 
zu Baden, C. von Wlpisberg, Burkard von Krekingen, genannt 
Vögefi, H. genannt Gebhart von H., filius fabri de viHa e^ 



- 485 ~ 

f 

am 

1295. Dinstag^ yor St. üylariea Messe, in der 

8ten Indict. Zürich. 

Der Rftlfa tou Zürich kän^, dass Herr Lüibold Bmofaimi, 
Ritter tou Züricfa, aaf seioeui Weingarten und seinem CNit zv 
Goldbacb, .welches an H« Rudolfs von Lunkhofen und an das 
Spital -Gut stosse, der Abtei von Zürich 2 Mütt Kernen Zürch. 
M. zu einem ewigen Zins setze, wogegen er 4 March lötUg 
Silber empfangen habe. Der Umtausch des Unterpfandes wird 
vorbehalten. Der Räthe Namen sind: Rudolf der Mülber, 
Rttdeger Manezzo, der junge, Johannes von Glarus, Heinrich 
von Lunkufit, Ritter. Walter von St. Peter, Wernher BiberU, 
Rudolf Phung, Diethelm von Woleshofen , Johannes WoUleiba) 
Wilhebn Marti, Bnrkart Schafeli und Johannes Pilgrin. 



3S. 

1302. In die s. beatae Yirginis Mariae. Ind. X. 

Honrein. 

Hugo von Randegg, Commendator des Johanniterhauses zu 
Honrein, und sein Convent Urkunden, dass sie das ihnen ge^ 
hörende Gut in Wiggwil, welches Jakob Mieser von Muri als 
Erblehen besitze, um 20 Pfund gewöbnl. Münz dem Kloster 
Muri verkaufen. 



«4. 

1303. Samstag nach St. Benedicts Tag. Kappel. 

» 
Alit und Couvent zu Cappel gewähren dem Herrn Hermsam^ 

dem Lentpriester der Abtei in Zürich, und Marchwart, seines 

Bruders Sohn, Freiherm von Reussegg, auf ihre Bitte, um ihre 

Dienste und ihre Treue, dass , wenn deren Lente^ die aaf den 

Beinwiler Schuposen, in des Klosters ^wing wid Bann sitzen, 

und von demselben Erbe haben, eine Bosse verscinilden, die 

von Reussegg auf Anhalten statt dem Kloster selbst diese Busse 



- m - 

von ihren Leuten einziehen hülfen , damit diese desto genier 
rebbt tbnn und des Zwings und Banns Gesetze hdten ; üsUs die 
TonReussegg die Bussen nicht beziehen, so soll das Kloster sie 
ohne Gnad und Zorn nehmen. Zeugen : H. Burchart der Ober- 
bdiaery IL Heinrich von Aremgarten, H. Herrmann d« alte 
von Bonttetten, ein Freier-, nnd andere. 



iS(V5. Sonntage nach St. Benedikts Tag^. Zu Reuss- 

eg^g auf dem Schloss. 

Heinrich, der Leutpriester zu der, Abtei in Zürich, und 
Marchwart, ein Junk^ und Freiherr von Reussegg» Urkunden, 
dass sie. mit dem Abt und der Sammlung zu Cappel einen Stolz 
nnd Krieg um den Twing und Bann auf den Schuposen und 
Gütern, welche sie und ihre Leute von dem Kloster zu Erbe 
haben, gehabt; dass sie nunmehr sich aller Ansprache daran 
entziehen. Zeugen wie oben. 



3«. 

1304. An St. Bonifacius Tag zu eingehendem Brächet. 

Dritte Indiction. 

Rudolf und Arnold, Gebrüder von Barre, verkajofen dem 
Kloster Muri vier Schuposen ledig und eigen mit Holz und 
Weid zu Aristau, um 16% Mark Silber Zürch. W. Dann wird 
noch an Ulrich von Seengen 16 Mk. und dem Rudolf von Barre 
y, Mk. Silber angewiesen, der St. Regula Ordnung erwähnt 
nnd Ziel nnd Tag, auch zum Rückkauf gesetzt. — Zeugen: 
Abt zu Muri, Werner der Keller, Guntram der Custos, B. von 
Scbönenwerd, Arnold von der Fürte, Heinrich von Schönen- 
werd, Conrad von Gellwil, Werner sein Bruder, B. Reigo, 
H. Mangin, Walter Spiller, Peter an dem Kirchbüel, Riehwia 
von Aristau, Trutwin Fuchs, Ul. Spilmann, Ul. Annu von Birri 
und andere. Siegel nur von Rudolf yon Barre. 



^ _ 487 — 

1304. Sonntag vor St. Laurenzen -JUesse. Zofingen 

auf dem Kirchhof. 

An Herrmann von Reusseg^, Ulrich von Reinach undHeiH«- 
rieh den Vogt Ton Baden war der Krieg und die Ansprache, 
welche Rudolf und Arnold, Rudolf des Barrers Söhne, mit dem 
Kloster Muri um das Haus und die Hofstatt zu Aristau gehabt, 
zu minnen gesetzt. Diese schieden so» dass die Ton Barre sich 
BÜer Rechte auf Haus und Hofstatt zu begeben, Abt und* Co»- 
vent dagegen ihnen auf Ueberreichung des Briefes ihrer Schwe- 
ster und <larnach in 14 Nächten 30 Pfd. Pfnng. zu geben ge- 
lobten. Ab Bürgen des Klosters stellten sich Herrmann Ton 
Reussegg, Heinrich von Seingen und Jakob der Ammann Tön 
Muri. Zeugen: Meister Nikiaus von Malters, Komherr zu 
Zofingen, Heinrich von Sliengeh, Jakob der Schreibe yon 
Reussegg, Claus Mällimann von Bremgarten, Burekart und 
Heinrich, Kellner yon Boswil, Conrad und Wemher, Crebr. 
YOn Geltwil, Ulrech Kuntwil, Rudolf der Weibel yon Brem- 
garten und Andere. . 

S8. 
1305. Am vierten Tag vor St. Gregors Tag im 

Märzen. Zürich. 

Walther von Eschibach, Freier, und sein Brüder Mangolt 
verkaufen, durch die Gült, welche sie Johann und Eg^Fechl 
den Salern, Heinrich Schon und Menlin dem Juden und andern 
Bürgern von Zürich schulden und wesshalb ihren Bürgen schon 
in die Giselschaft gemahnt worden, genöthigt, dem Kloster Muri 
die Güter zu Thalwil, Erblehen des Klosters, um 58 Mark 
Silber Zürcb. Gewicht. Da Mangolt noch nicht zu seinen Tagen 
gekommen, so siegelt für ihn sein Vogt Heinrich von Tengen, 
Freier. Zieugen: Mstr. Wolfleibschen, Chorherr, Rudolf BriSudK, 
Helfer zu St. Peter, Nikiaus Mangolt, der Stadtschreiber zu 
Zürich, Uhricb von Schönenwert, Ritter, Rudolf der jüngere 
Släller, Werne Biberii, Johan Pilgerim und d^sen Bruder^ 
Conrad von Tttbilnstdn , Johannes von Sehönenwert » Mstr. Ru- 



— MS — ^ 

dotf der Sehalnieister von ffietseDbofen, Hehwidi . . . iiiig 
Maneaee, Wernher Hektab» Jakob der Aramaon dem Muri wid 
Andere. 



1505. Am vierten Tag nach St. Gregor zu Märzen. 

Zürich. 

Wallber ron Esehibach, Frrier, ood sein Brader Maagoli 
verkaafeo die Yoglei über den Hof za Thalwil und über die 
CKiter , welche in den Hof gehören, als Manniahen mr 13 Murek 
Silber Zärcb. Gew. dem Johan Wolfleibseber und sdnem Sohn 
Johann. Heinridt von Tengen handelt als Vogt Mangoks. Kft 
Verkä«£nr geben zn Bärgen und Giseln Rudolf von Hnnei^erg, 
lürick Yon Schönenwert und Johan Bocklin , Ritter , ^M. Hng 
Manesse und Rudolf von Schönenwert^ Bürger von Zürich. 
Ziagen beinahe wie oben. Siegler die Verkäufer, di&r Vogi 
und die Bärgen. 

40. 

1305. Am vierten Tag vor St. Gregors Tult im 

Märzen. Zürich. 

V^^allher von Eschenbach, Freier, und sein Bruder Mangolt 
verkaufen wieder Güter zu Thalwil , welche Erblehen des Klo^ 
aters Muri waren, demselben und zwar um 98 Maxk Silber 
Soteh. Gew. Maugolt, Vogt wie oben, eben so Bulben, Zeugen 
und Siogler. 

41. 

1305. Am vierten Tag vor St. Gregors Tag im 

Märzen. Zürich. 

Der Kauf zischen denen von Eschenbach und den Wolf- 
leipscfaen um die Vogtei zu Thalwil. Diese Urkunde enthiSt 
noch Bestimmungen über das Vogtcnidien. W^de das Lehm 
ledig, so soH es nach des Abts und Convents M Muri Wilfen 
iferUehen werden. Die Kihtfer soHen bei der Herrschaft wwribeu. 



immii das Lekem. den KäHfoni f^^ügi w»4e. Zeigen wi9 
olMiif iäiegler d^ von Escbenbaefa, der yon Xengen und die 
Wolflmpschen. 

1305. Am achten 9 zehenten und zwölften Tag^ nach 

Mitte März. Zürich- 
Johannes Wolfleibschen und sein Sohn Johannes bekennen» 
dats sie die Vogiei zu Thalwil nur mit Willen und Gnnsl des 
Klosters Mari, dem dieselben Güter eigen seien, Teräussem 
dürfen, dass das Kloster das Zugrecht habe, jedoch nicht dann« 
wenn sie, ohne Leibeserben, das Lehen Jemanden geben woJli4 
ten etc. Sie erklären femer, dass sie über die Banaagg, das 
Gut am AUns und den Seelhof kein Vogtrecht haben, dass dem 
Kloster in dem Hof Twing und Banne nach Hofrecbt zustehen» 
aber im Herbst und Maien sollen sie an des Klosters statt rich^ 
ten. Siegel von den Johan, Ulrich Wolfleipschen, Chorhen*» 
und Abt und Convent. 

1307. Ghrastino beate Agathe Virginia et martiria. 

Frau Meisterin und Convent des Klosters Interlaken gdben 
kund, dass Agnes, Königin Ton Ungarn, zu Gunsten Andreas, 
Königs Tou Ungarn, eine Vigil gestiftet, und dass sie ihre da* 
herige Verpflichtung erfüllen wollen. -- Siegler der Probst Pel^; 
das Siegel aber fehlt. 

44. 

1308. Zwei Tage nach Lieehtmesse auagefertigt. 

Die Gebrüder Rudolf und Arnold von Barre geben alle 
Misshdlungen, Kriege, Feindschaft und Ansprache und Ersatz 
für Arbeit und Schaden, den sie ei:b*tten, gegenüber Abt und 
Conyent yon Muri auf» nachdem ihnen solches von den Schied- 
leuten gerathen und zwanzig Pfd. Plenuimg, Reinleld^ W.,. 
gegeben waren. Jene Scbiedlieute waren von Seite der von. 



— 440 — 

Barre Herr Heifirieh von dem Slttne und WaMMr Pbaold yott 
Seckingen, Yon Seite des Klosters Herr Heinrich ze Loben und 
Her Johans, Vogt ze Krenkingen. Gieichermassen cntziebm 
sich die Herrn von Muri aller Feindschaft, Ansprache, Arbeit 
und Schaden. Diese Schlichtung beschwört Rudolf Ton Barre 
zu St. Gallen am nächsten Tag Tor Liechtmess und zwar im 
Beisein der Schiedleute, femer vor den Herrn Johans ze Loben, 
Cunrat Phasold, Kleweli von Rinuelden, Walther dem Schul- 
meister von Rinuelden, Jakob Ton Seekingen, Töbdli, Hein- 
rieh Helbeling, Wernher des alten Vögten Sohn, Brendeli, Cua«- 
rat Munschi. Fern^ beschwört sie Arnold von Barre '^u Sedun- 
gen Morgens nach Liechtmess und zwar in Gegenwart von Harm 
Heinrich Zielempe, Ulrich und Rudolf yon Wielandingen , dem 
Sdiuldheissen Ton Seckingen , dem Schulmeister von Seckingen , 
Jakob Ton Rinuelden, Walther Phasold, Cunrat Phasold, Erlwin 
Birchidorf, seinem Sohn, Rudolf der Brunner, Cunrat Swenkeler. 
Siegel yon Stoffen, der Bürger von Rinuelden, der Bürger von 
Seckingen. 

1310. An Sant Gleris Tag. Zu Muri. 

Walther Grübler, Bürger zu Bremgarten, empfängt von Abt 
Heinrich von Muri Aecker und Wiesen, gelegen zu Wolen, zu 
Erblehen gegen 6 Zof. oder andere 6 Pfenninge, welche ze 
Bremgßrten genge und gebe sind , jährlichen Zinses an St. Mar- 
tins Dult. Sonst geben die Güter, was Walther Bötli l[)aut, 
5 Vt. Kernen, was Walther ab Dorf baut, 7 Mütt Kernen, ein 
V. Dinkel geht ab dem Acker an Chintzhusen.in Fronhof und an's 
Kloster. Als der Brief gegeben waren zugegen: Von Schönen- 
werde, Probst zu Muri, H. C. der Chrieg, Coster zu Muri, 
Herr Burkart der Herrn Einer des Gotteshauses, Herr Ulrich 
yon Sengen, Scholtheiss zu Bremgarten, H. H. von Sengen, 
der alt Schultheiss, Ruodi yon Ruodstetten, H. Meyer yon 
Wolon, Hartman der Tegdinger, Wallher ab Dorf yon Wolon 
und sin Bruder yon Geltwfle, Johans zum Steine u. a. ro. 



Druck von H. R. Sauerländer in Aaran. 



Urkunden 

über 

das Haus Habsburg, 

gesamnwU 

» 

in den aargauischen Archiven 

und mitgeiheiJt 
PL TVeissenbach. 



A. ArchiT iiluri. 

(Scfaluss.) 



4S* 

1406. Bestätigungpsbrief namentlich um die Kirchen 
Sursee und Lunkhofen. (O» I. A« 11«) 

Wir Friderich, von goU gnaden Hertzog ze Oester- 
reich, ze Steyr, ze Kemden Tnd ze I&ain, Graf 2» Tyrol ete. 
Tun kunt. Als wir von ordenung wegen der Hochgeporen Für- 
sten , Tnsern lieben Prüderi mit Yollem gewalt her in dise Lannd 
kommen vnd geschajden sein. Vnd wan auch wir zu dem wir- 
digen Gotshaus ze Mure, Costentzer Bistumbs, das von Kaysern« 
Küngen ynd ynsern yordem löblicher gedechtnusse gestifilet, 
begnadet vnd gefreyet ist mit sundern gnaden vnd fürderungen, 
sein genaigt von sölichs emssigea gotsdienstes willen, der teg- 
lich daselbs got ze lob vnd vnsrer vordem seien ze trost vnd 
ze Hilf geschieht, des wir auch gen got in künftigen Zeyten 
vnd zu dem ewigen leben maynen ze genyessen, vnd auch vnd> 
jsdiefa Irew Tod guten wiUen, damit sidi der Ed^am vns sun-* 
der getrew And#cfctif Ckunrat, Abbt ae Mnre^ vnd sein CobubdI 
I. 56 



— 442 — 

an YDS haltet ynd Doch hiefiir wol tr^w vnd dienste erxaigea 
sol vnd mag. Vnd haben dadurch dem egenannten Abbt ynd 
seinem Conuent vnd nachkomen alle ir Recht, freyhait, gnad 
ynd gut gewonhidt ynd aMe ir brief ynd Handvest, die sy haben, 
ynd sonderlich die brief, die in ynser lieber prüder, Hertzog 
Lenpolt, ymb die Kyrch Sursee ynd Lunkhofen mit iren zu- 
gehörungen gegeben hat,' mit solichen rechten ynd gnaden, so 
er in daran gewalt, Craft ynd Recht het ze geben, mit allen 
ihren Püncten, Artikeln ynd'Begreiffongen yon fürstKcher macht 
bestett ynd yernewet, bestetten ynd yemewen auch wissentlich 
mit dem brief, was wir in yon Recht daran bestetten suUen 
oder mügen. In solicher mafs, daz sy ynd ir nachkomen ynd 
alle ir Lewt, Gericht, Hewser, ynd Höf, die freyhait ynd gnad 
ynd gut gewonheit nach ir egenannten brief en ynd Handyesten, 
sag gar ynd genzlich haben ynd nyessen, Vnd auch dieselben 
ir Leut, Gericht, Heuser, Höf ynd Güter, wie die gehaissen 
sind, oder wo sy die haben, fürbasser gerüwiclich besitzen ynd 
yubekümbert dabey beleyben ane meneclichs Irrung ynd Hin- 
dernusse yngeuarlich. Vnd wellen auch, daz der egenannte 
Abbt, sein Couent ynd nachkommen yon ynsern Lantyögten ynd 
allen ynsern yndertan yetzt ynd in künftigen zeitten bey solichen 
iren gnaden ynd freyhaiten, nach ir brief sag von vnsers.ge- 
schefts wegen sullen gehalten und geschirmet werden yngeuar- 
lich. Mit yrkund ditz briefs. Geben ze Baden an Mttuchen 
nach Sant Dyonisien tag. Nach Krists gepürd in dem Vyr* 
zehenhundertesten ynd dem Sechsten Jare. — 

Bemerkung. 

Bisher noch ungedruckt. Siegel mit dem östreichischen Wappen, 
Adler und drei Löwen. Siehe die früher mitgetheilten Urkunden 
über die Kirchen zu Sursee und Lunkhofen. 



44. 

1408. Die Yo^ei zu Isenbreehtschwil und der Zelinten 
des Hofs Bibellos bei Bremgarten. (G; IV. S. 1.) 

WirGraff Hans von Habspurg, Herren zeL5ffenberg, 
yeriechend mit' disem brief, alz der feam wife Hudolff Land^ 



MuiDaDii, jetz Scbidtkeis zeAreni^arten, Tuta, sie eliefae >fr6w, 
vnd iro bedur ehlichc kind, so sy ietz by cinaada* gehebt haud 
oder noch gcwunnel , von vns zß maalecbeo gehept band drilbalb 
pfunt geltz jährlicher giiU vf der vogtye ze Isenbrechtschwile, 
ga( ab dez gotzhiises ze Dlare giitlren d^selbs. Oa band f^ir 
djsclb manlecfaeD von demselben BudölSeo LaDdaiuinann für sich« 
fiir sin wib vnd'allc iro elichen kind wider vf genomen rnd 
dz verwechfslet mit im vnd dawider ze manlecben genomen vnd 
enpfangeD den zechenden dez ligenden guts, genant Bybellos 
vnd dez Infang innwendig den Hegen nach by Bremgarlen ge-? 
legen, stost vf die Riils nider vnd vf an die StriUs, die da g«t 
von BremgarteD gen Egenwile. Der zechend eigen gesio ist de2 
gotzhuses ze Mure, demselben golzbufs ouch wir für den ege- 
nannten zechenden geeignet band vnd eignent mit kraft dits 
briefs die obgenannten drithalb pfnnt pfeDoigen järlichen giilt 
ze Isenbrechtscbwile für uns, vnser erben vnd nacbkom^in, also 
daz sy dieselben drithalb pfunt pfcnnigen hinnandhin ewonklich 
wessen sönd vnd mugend alz ander ir eigenscbaft vnd eigne 
gütter an alle geuerd. Harvmb ze vestem vrkund dez, so diser 
bri<;f wiset, so band wir, der obgenannte Graff Hans von Habs» 
purg, vnser eigen Insigel für uns, vnser erben, vnd. oaehkoQien 
»Qbniicb' gehenkt an discn brief , der geben ist. zo nütten m«yea 
dez jares, do man zf^l von Qristus gehurt vierUechaohundeil 
vnd acht jar. 

B e m e r k u 11 K. 

M. Herrgott, der die Urkunde ebenfalls mittbeilt, Schreibt i an- ■ 
^rer Abweichaageo nicht -/jU gedenken, unrichtig fienbrechswyle 
und BenbrechlswyU , statt, wie das Original deutlich enthalt, „Isenr 
biechlschwile ". Letalerer Ort liegt in der Nahe von Muri, während 
kein Ort Benbrechtswyle Reneniil wird. Ebenso sagt Jas Original 
deullich „Büss" und nicht nach Herrgott Rys. — Das Siegel halt den 
Habsburger Löwen. — . 

Die Habsborgep-Laufi'enburger Linie, von tiraf Rudolf senior, 
Obqira Königs Rudolf herstainniend , haben wir schon gclroften 14 
den UrJtunden Ho. 8, 9, 26, 36. Auch sie halten 
Gegenden Rechte und Besii/.ungen. Oben bei No. 2 
die Vogtei y.u WinlerswÜR neben deiu Thurm und 
Waltenschwil und den Lehen 7.u Afl'oltern Mannleh< 
Hahsburg; hier 1408 ist die in der INähe von Wir 
Vogtei iseabrecbtsohwil sein MannlehQn. — 



Der KirchffOtttZr yon Bggeswü unt den dtasn gduitendeA Zdm^ 
ten Matte im zwölftea Jabrhimdert Graf Adelbert von Habsfcurg dem 
Kloster Muri vergabt. Wie der Hof Bibillos selbst bei der gleichen 
Vergabung als zu Eggenwil gehörend inbegriffen war, so ging da- 
durch der Zehnten des^ Hofes Bibellos als Theil des Pfarrzehntens 
an Muri über. Bibellos war und ist nach Eggenwil pfarrig. Durek 
die hier mitgetheilte Urkunde aber wird der ZefantlheiL des Hoies 
un^ des Einfanges ^ inwendig den Hegen nach by Bremgarten ge^ 
legen, stofst vf die Rufs nider vnd vf an die Sträfs, die da gät von 
Bremgarten gen Egenwile^^ vom Ffarrzehnten losgerissen und vom 
Kloster dem Rudolf Landammann, Schulthcissen von Bremgarten, 
gegeben , der dafür sein Mannlehen auf der Vogtei Isenbrechtschwil 
detti Kloster «asweehselt und zwar mit Einwilliguag des LehenfaerrB. 

Der Ort Eggenwil und der Hof Bibellos» so \nt dtr^u Kirdie 
sind sehr alt, siehe darüber die Speciaigeschichte. 



45« 

1408. Pfandbrief um die Vogfteien Muri und Hermet- 

sehwil. (C. III. E. 2.) 

Wir Fridreicb, von gots gnaden H^rtzog ze Oester- 
reicb, ze Sleyr, ze Kernden vnd ze Kr^n, Graf ze Tyrol etc. 
Tun kunt für vns, vnser Brüder vnd erben Vmb die vogtey se 
Mure vnd ze Hermanswjl, die unser rechts «gen sint, vnd aber 
Vor ziten von Tn»ern vordem vmb zwaylrandert Guldin versatzt 
waren, daz wir also dem ersamen, gestlichen vnserm lieben ge* 
trewen andecfatigen Abbt Chunraten ze Mure gegunnt vnd er* 
laubt habe^, dieselben vogteyen an skh vnd sein Gotshus von 
den, den sy yetz stett« ze lösen, ynd sullen er vnd sein nach-* 
komen dieselben Togteyen mit leuten, gutem, eren, nutzen, 
rechten vnd gewonheiten, als sj ander den sy gestanden sint, 
band inngehabt vnd als von Recbt darzu gehört, in pfandsweis 
innhaben, nutzen vnd niessen an abslag der nutzen« Alslang 
vAz wir oder vnser eshen. die von in vmb zwayhundert Guldin 
«riedigen vnd erlösen, die Losung sy vns auch statt tun sulfen, 
wann wir der am sy legen, an widerred vnd geuerd. Wir suHen 
vnd wellen auch den egenannten Abbt vnd sein nachkomen bey 
den vogteyen vnd allen iren rechten, alldieweil die nicht erledigt 
sint, gnediklich banthaltea« schirmen vnd beschütten als von 
recht einem Kastuogt (ksselben seins Gotshauses zugehört, vad 



- 44» - 

sj dabey b^Ieften la^s^n^, itls yoii ikiter her ist komeii äD gmierd. 
Vnd dauon empfelbeo wir msern lieben getrewen, den Leuten: 
gemainlich, Reichen vnd Armen in den egenannten Vogtejen 
gegenwurtigen Tnd künftigen^ daz sy dem egenannten AbbI 
Ghanraten .Tnd * Mitteln Gotshatis^ und: nachkosUiien geh#rsam 
Tnd gewertttng vfid alles das ton, das sj ainen Vogt pflicfat^ 
sint Tnd als Ton alter her ist kommen, doch Tnser Losnng Tüd 
ander Tnser rechten Tnschedlich an geuerd. Wan wir das ernst- 
lich mayneoi Tnd wellen. Mit Trkund ditz briefs Geben ze 
Basdem im Ergow an Sand Sjmons Tod Sand Judastag. Naßb 
Christi gepiMrd in dem Tiertzebenbnndertisten Tod iem achten 

Jare. 

Bemerkung. 

Noch ungedruckt. Das Siegel wie oben bei No. 42 und 43. 

Hier wird die Vogtei Muri und Hermetschwil dem Kloster pfand- 
weise und mit" Vorbehalt der Wiedereinlösung überlassen. Nach der 
oben No. 42 mitgetheilten und ebenfalls von Herzog Friedrich ge- 
gebenen Urlmnde vom J» 1406 wird dem Kloster die Gnade gethan, 
dass ein Abt jährlich im Mai, Herbst und an St. Hilarientag, den 
drei Gerichten , einen Richter nehmen solle , der im Namen des Her- 
zogs das Gericht verwese. Durch die Urkimde vom J. 1408 wird 
diese Gnade aus einem Kechtsgrund erläutert. 



46. 

1413. Öffnung des Amtes Muri. (G. I. B. 1.) 

Bemerknmg. - 

Wie wir oben, No. 14, die Öffnung de$ Kelnhofes von Boswi) 
vom J. 1343 in der chronologischen Reihenfolge anführten , ohne sie 
abzudrucken, so verhält es sich mit dieser Urkunde oder Öffnung 
des Amtes Muri. Wir werden sie später ebenfalls unter den Rechts- 
quellen benutzen und hier bloss auf die Herrschaft von Oestreich 
Bezügliches herausheben. 

Die Urkunde ist ein vom Notar und Cleriker Heinrich Burer von 
Brugg ausgestelltes Vidimus der in dem Maiengeding zu Zweyern 
vor gemeinen Gr«nossen Mitte Mai des Jahres 1413 geöffneten und nach 
artikel^eiser Umfrage von den Genossen angenommenen Ordnung , bei 
welcher als zugegen verurkundet werden Herr Nikiaus, der alt Leut- 
priester zu Cham , Decan der Decanei Bremgarten , Heinrich Burer, 
Notar und Schulmeister zu Bremgarten, ferner Heini Probst von 
Staffeln, Ammann zn Hetmetschwil, Heini Brem des Gottsbauses 



Ammann zu Gangosltschwil, Heini Stnn von .Keotuiattea, Jen^i 
Schwab, Hensler Merz, der Elter, beide von Tersbach, Uli Reig 
von Kraienbühl, Uli Spiller von Aristau, Hensle Ittenthal, Cuni 
Meier vonMnri, Uli Kaufmann , Animaiin zu Muri, der auch darum 
Richter war,' und ander erbarer Leute viele. 

bear Eingang lautet: ,^Alle die Stuck, Artikel amd Gkding, die hie* 
nach : : . . stönt, die sint in den Gedinghöffen,mit.geschl»^ornen Eiden, 
daz si dz Gotzhufs ze Mure also het herbracht von Bestattung vnd 
fryheit vnser Herrschaft von Osterrich vnd daz nieman von 
alters hat anders gedenkt/* Ueber die Rechte und Pflichten der Vog- 
tei oder Kastvogtei geben folgende Stellen Aufschluss : 'Es soll Nie- 
mand um Erb und Eigen, so des Gotteshauses ist, richten, denn. ein 
Kastvogt an dessen statt; wer eigen oder ^b vom KJp^r hat ua4 
hieher zwinghörig ist, der soll in den Gedingen sein 2,u Maien, zu 
Herbst und zu Hilarstag , dieselben Gedinge sollen vorher sieben Tag 
verkündet werden , und wer nicht kömmt, soll das mit drei Schüliog 
bessern, er bringe dann vor, dafs ihn ehehafte Noth gewendet habe; 
die Bufsen, die in den Gedingen gebessert werden sollen, fallen''zu 
zwei Theilen des Klosters Rotten und ein Theil dem Vogt zu, und 
es soll jener die Bufsen eingewinnen; widerstünde ihm aber Jemand, 
so soll ihm der Vogt behülflich sein ; die Urtheile , welche in den 
vier Gedinghöfen stofsen und weiter gezogen werden um Eigen und 
Erb, die soll man in den Hof zu Muri bringen und sie ausrichten 
nach der Mehrern Hand; die Urtheile, welche in den Gedinghöfen 
an den Wochengerichten stofsen um Geldschulden^ die gehen vor 
einen Abbt, aber die Urtheile, welche an den Wuohengerichten zu 
Muri stofsen, die gehen an das Geding zu Muri, und die richtet 
man aus nach der Mehrern Hand ; die Urtheile , die im Geding zu 
Muri stofsen um Eigen und Erb , die werden zu Muri aus einem Ge- 
ding in das andere und von dem andern in das dritte , sofcrA es nöthig 
ist , gezogen ; etc. Des Klosters eignen Mann soll Niemand züchtigen 
o4er strafen als das. Kloster, wolle fiber Jemand demselben wider- 
stehen,, so soll ihm ein Vogt behülflich se^n; des Klosters eigner 
Mann soll nicht Pfand sein für einen Vogt, sondern nur für das 
Kloster; des Klosters Seelhöfe zu Türmelen, im Wey und zu Iten- 
tbal haben durch Recht keinen Vogt, denn es hat der Abbt das Recht 
zu denselben Höfen. — 

Es ist interessant, diese Bestimmungen über die Vogtei mit den 
im Schirmbrief Kaisers Heinrich vom J.lil4, enthaltenen zu ver- 
gleichen. S. No. 2 auf Seite 5. Auch gehören die oben un|er No. 42 
' und 4.5 mitgetheilten Urkunden hieher. Bezüglich der Vogtei Tiir- 
melen etc. enthalten die Urkunden bei der Bemerkung zu No. 15 
Seite 138, und No. 21 Seite 145, etc. (J. 1351 und 1378) abweichende 
Aufschlüsse. Die nähere Erörterung lUfuss der Recbtsgesehichte auf- 
bewahrt bleiben* . » . . 



— 447 — 

1414. Vertrag mit dem resignierenden Rector der Kirche 
zu Lunkl^ofen um ein Leibgeding. (Q. IV. O. 3.) 

In nonoiine domini Amen. Anno nativitatis ejusdem Miile- 
sfmo Quadriegentesitno quarto decimo, Indictione septima, die 
vero terlia mensis Novembris , hora meridici vel quasi , in Mure 
et ibidem in Stuba inferiori domus abbatialis abbatis monasterii 
Murensis, ordinis sancti Benedicti, Constant. dyoc, Pontificatu 
sanciissimi in Christo patrisae domini nostri, domini Johannis, 
digna dei Providentia Pape vicesimi tertii, Anno sui regimints 
quinto. Jn mei notarii publiei subscripti, testiumque sab infra 
^criptorum, ad hec specialiter vocatorüm presentia personaliter 
constitut: Venerabilis reh'giosus in Christo pater et dominus 
Jeorius, diüina permissione abbas prefati monasterii in Mure, 
dicti const. dioc, parte ex ma, ac Johannes de Sure, olim 
rector ecciesie parochialis sancte Marie in Lunkhoffen, parte 
ex altera. Ideal vero venerabiKs Abbas pro se et nomine sui Co- 
nuentus ac süorum successorum et idem Johannem de Sure, 
olim rector ecciesie in Lunkhofen, sanis corporibus, compotes 
mentitim et rationtlm, non seducti nee coacti, nee aliquo malo 
dolo circumyenti, libere, spontanee et ex certa scientia cord. 
me notario publico et testibus subscript. subnotata causa sen 
articulis in simul convenerunt et in ynura convenisse recognouer. 
ut sequitür Yulgariter in hunc modum. Item es ist ze wüssen, 
daz min Herre, der apt von Mure, vnd sin capittel überkomen 
sint mit Hansen von Sure, alz er ime die kilchen Lunkhoffen 
i^geben vnd resigniert bat, dez ersten, daz sy im hinnandhin 
jerlich sin lebtagen in lipdings wise weren sönd gen Bremgarten 
zwüschent sant martistag ynd wienacht yiertzig malter bahren 
ynd yiertzig müüt kernen ynd fünftzig hnnr nach ysrichtung 
ynd abtragen der stuk ynd artikel, so er ime abtragen sol nach 
lut vnd sag dez briefes, so gräf Hans selig von Habs- 
pur g Hans seligen von Sur, sin yatter, ynd Fridrichen von 
Sur, sin Bruder, inne besiglet band, derselb brief ouch hin- 
nandhin alz vntz bar bj sinen kreften beliben ynd bestan sol, 
ynd sol im ouch derselb von Sur hinnanfür genug sin, es were 
deune , daz Rudis Kilcbmatters erben , die die Höptbrief darymb 



— 44« — 

inne band, den obgn. den apt ynd capitel für dishin dez ^fe- 
schriboen b'pdings ützit inne bebubend mit recbte- von des ob- 
genannten Hansen von Sur wegen, wan wz dz were, vil oder 
wenig, dz soHe ihm an dem obgenannten lipding abgan, alz 
dik dz zescbulden käme, vnd wie «y dftr?mb rechtend oder 
tagend ze kosten käment, dz sol oacb dem obgeamnten Haii^ 
sen yoü Sur abgan ynd abgezogen werd^i, alz yor. Es sol 
oucb d^ egenannte Hans von- Sur darzu tun ynd werben mit 
bilf ynd rat des egenannten dez aptes ynd cappitels, dz im die 
rechte H<^^ridf yon dem egenannten Kilchmatten widerkei't 
werdet in sinen kosten , ynd wenne er der^ wider in gewer 
kunt, so sol dise lütrung hin ynd ab sin« vnd sönd beid tml 
beliben by den wisungen desselben Höptbriefes, alz dez ersten 
^gesetzt ynd y erbriefet ist. Were ouch, dz ynser Herrschaft 
yon Oester reich durch ir gewaltsame oüt den obgenannteo 
nutzen ytzit ands yerschuffe durch die egenannten den apt ynd 
4z cappitel, dz sol inen herinne ynngriffenlich sin, dezselben 
glich ob yon ynserm Hearren^ dem Bjscbof yon Costeotz, die 
egenannten nutz yon Hansen yon Sur weg dheinist arestiei^ 
wurdent yngenarlich. Promittentes qs. ambe partes ymo et pro^ 
miserunt firmiter de rato et ^ato perpetuis^ temporibos ^turi» 
pro se acsois sau omnibus, quorom interest «eu n^eres^ po^ 
lerit quomodoübet in futurum, et ut dictam causam eoAseri*- 
berem et desuper unum yel plura publicum seu puUica coi^ 
ficerem iiistramentum yel instrumenta. Acta sunt hee anno, 
indictioiie, 4ie, mense, hora, loco et pontif., qnibos snpra. 
Pres^ntihns honorabäibus yidclicet nohili domiiio Budoifo de 
Arburg seniori, doAiino Johan Hassen^ oftgr. artium Uberaüulii 
Bec non scolarum Berone, Wernherö Sager silbdyacoao de 
Bremgarten, Jeorio Verrenbach de Nünkilch, Const. dioc, 
iestibus ad premiss« speciatiter yocatis et rogatis« 
(]\Iil Notariats «Zeichen und FormeL) 

Bemerkung. 

Noch ungedruckt. 

Das Kloster musste sich darnach mit Johannes yon Sur, dem 
frühern Rector der Kirche Lunkhofen , durch ein Leibgeding abfinden. 
Der in unserer Urkunde angerufene daherige Brief war von dem 
einwilligenden Grafen Hans ron Haksborg, vom der Ltafenlnurger 



— 449 — 

Linie, von dem Vater nnd dem Bmder des Jolian ven S«tr als ein<* 
willigend besiegelt. Wie der Vorbehalt fiir die; Erben des Rudi 
Kilchmatter, so sind die für die Herrschaft von Oestreich, die sich 
doch schon vor 10 Jahren dieses Kirchensatzes begeben hatte, und 
die für den Bischof von Constanz gemachten Vorbehalte bemerkens- 
werth. Jener Vorbehalt für Oestreich , wenn sie mit dem genannten 
^nutzen ihzit anders verschuffe^^ lässt sekUessen, dass ein anderer 
Kechtsgrund dem Uebergang des Eirchensatzes zu Grunde gelegen, 
und die Schenkung. nur die yerurkundete Form gewesen. Wir haben 
dieses schon bei andern Erwerbungen so getroffen. — Im gleichen 
Jahr 141 i, VTUI Kalend. Januar., wurde auf die incorporirte und 
gefreite Pfarrei Burkard von Ltmkhofen als erster und beständiger 
Viear vom Kloster dem bischöflichen Ordinariat präsenturt nnd ven 
diesem eingesetzt, S. Archiv. Q. IV.. O. 1. 



48. 
1415. Schirmbrief des Königs Sigpmund. (C. IIL F. 1«) 

Wir Sigmund, von gotes gnaden Römiscber Küng, zu allen«- 
zilen m^er des Riehs vnd zu Vngarn, Dalmalien, Croatieneic. 
Küng, bekennen vnd tun kunt offenbar mit disein lurieff allen 
den, die in sehen oder hören lesen, daz für vns komen ist des 
ersamen vnd geistlichen Jörg, Abbt des Closters ze Maur im 
Ergöw, vDsers lieben Andecfatigen, erbere botschafil, vnd bat 
yns diemieticHch gebeten, daz wir demselben Abbt, Connent vHd 
Closter zu Manr alle vnd iglicbe ire frifaeit^ recht, gute gewon* 
heit, herkommen, brieffe, Rodel, StiOtbuch, Lüte, gerichte, tvring, 
baot priuilegia vnd Hantaesten, die ire voruam Abbte. vnd 
Connent von ynsem Yorfarn an dem Rieb erworben rnd her- 
bracht haben, zu bestetigen, zu vernewen vnd zu beuestnen gne- 
diciich geruhen. Des haben wir angesehen solche dicmietige 
bete vnd ouch gütlich betrachtet des egenanntcn Abbts vnd 
Conuents ersames leben vnd loblichen gotsdienst, den sj teg-> 
lieben volbringen. Vnd haben dorrmb mit wolbedachtem mute, 
gutem Rate vnd rechter wissen • demselben Abbt, Coaent vnd 
Closter alle vnd iglicbe ire friheite, Rechte, gute gewonheite, 
herkomeo, brieue, Rodel, Stifftbucfa, Lüte, gmchte, wing^ 
han, priuilegia vnd Hantuesten, wie die von worte zu worte 
lutend vnd begriffen sind, die ire yorfarn, Abbt vnd Conuent, 
von vnsern yorjEaren , Rpmischen Keysem vnd Künigcii vnd oueh 
!• 57 



— 45a — 

der Herschafft von Oesterrich erworben ynd redlich her- 
bracht haben, gnediclich bestetigt, vernewet vnd beoestnet, be- 
stetigen, yernewen vnd beuestnen in die oueh von Römischer 
küniglicher machtvolkomenheit in craft difsbrieffs, vnd mejnen, 
«ezen vnd wollen, daz sy fürbassmere daby beliben sollen von 
allermeinclich vngehiudert. Ouch haben wir in erloubet vnd 
gegünnet, erlouben vnd günnen, daz Er vnd sin nacfakomen 
Abbte einen Eastuogt über ir gotshuse vnd über ir lüte vnd 
guter nemen mögen mit vnserm vnd vnser nachkomen willen 
vnd verhenguuis, vnd daz sy denselben Kastuogt jerlich ver- 
keren mögen nach irem willen. Dazu hab wir den vorgenann- 
ten Abbt, Conuent vüd Closter mitsampt iren lüten gutem vnd 
aller andern irer habe von vnsern besunderen gnaden in vnsere 
vnd desRichs schirm vnd geleitt genomen vnd empfangen, nemen 
vnd empfahen sy ouch darin in craft difs brieffs. Vnd gebieten 
darvmb allen vnd iglichen Fürsten, geistlichen vnd welllichen, 
Greuen, Frien, Herren, Rittern, £nechten. Burgern, grauen, 
Vögten, Amptlüten, Landrichtern, Richtern, Bürgerm^stem , 
Beten vnd gemeinden vnd sust allen andern vnsern vnd des 
Richs vndertanen vnd getrüen ernstlich vnd vestidich mit disem 
^ brieff, daz sy die vorgenannte Abbt, Conuent vnd Closter zu 
Maur in den egenannten iren friheiten , Rechten , guten gewon* 
heiten, Herkomen, brieuen, Rodel, Stifftbuch, Lüte, gerichte, 
twing, ban, priuilegium vnd Hantvesten nicht hindern oder irren 
in dheinwise^ sunder sy daby getrülich schützen, schirmen, vnd 
in vnserm vnd des Richs schirm gerülich beliben lassen, alsK^ 
in sy vnser vnd des Richs swar vngnad zu uermiden vnd by 
verKesung zwentzig Mark Lötiges goldes, die ein iglicher, der 
dawider tut, alsoofft das geschieht, zu einer rechten pene ver- 
fallen sin sol, halb in vnss und des Richs Camer vnd das 
ander Halbteil dem vorgenannten Abbt, Conuent vnd Closter 
vnlesshch zu bezden. Mit vrkund di& brieffs, versigelt mit vnssr 
küniglicher Maiestat Insigel. Geben zu Constenz. Nach Cristi 
gehurt vierzehenhundert Jare vnd darnach in dem fünfzehenden 
Järe, des sechsten Mitwochens vor sant Vilitag. Vnssr Riches, 
des vngrischen etc. in dem Nünvndzwentzigisten vnd des Römi- 
schen in dem fünften Jaren. 

(Ad mandatum dm Regis Michel Can. Wratislauien.) 



— 45i — 

Bemerk ^ung. 

Abgedruckt in Marus et Antemurale vom J. 17*20. Das könig-. 
liobe Siegel ist sehr gut erhalten. 

Durch die Eroberung des Aargaus erloschen die hoheitlichen 
Rechte der Herzoge von Oestreich oder vielmehr des Hauses Habs«^ 
bürg. So ging seine Kastvogtei über das Kloster Muri unter. In 
obiger Urkunde gab König Sigmund dem Kloster die Freiheit, einen 
Kastvogt sich zu nehmen und denselben jährlich zu ^^verkeren^^ nach 
ihrem Willen. Bald jedoch musste das Kloster der betreöenden eid«« 
genössischen Orte Schirmgewalt anerkennen und den Schirmbrief 
der 6 Orte im J. 1431 auf Sant Gallustag auswirken. Uri kam erst 
1549 hinzu. Dieser Schirmbrief der Orte erwähnt auch, dass das 
Land, darin das Kloster liege, in ihrer Hand und Gewalt stehe, dass 
es vor Zeiten einer Herrschaft von Oestreich zugehört habe. Wenn 
wir später noch zwei von Königen aus dem Hause Oestreich — näm^ 
Uoh von Albrecht 143.5 und von Friedrich vom J. 1442 — ausgestellte 
Schirmbriefe ti*e£t*en, so waren die im Namen des Reichs und nicht 
mehr vom Hause Oestreich ausgegeben. Bald handeln statt der Land« 
vögte von Oestreich die der Eidgenossen in diesen Gegenden, be- 
siegeln Gerichtsurkunden , ertheilen Mannlehen etc. Ebenso üben 
die Boten der eidgenössischen Orte Namens deiiselben die Hoheits- 
gewalt. Auch einzelne Orte erlassen Schirmbriefe und Verfügungen. 



49. 

1423. Mannlehen auf dem Laienzehnten zu Sursee. 

(E. III. A. S.) 

Ich Heinrich von Mos, Edelknecht, Schultheis der Statt ze 
Luzern. Bekenn vnd tun kund aller mengkiichen mit disem 
brief , das Tff disen büttigen tage , Datum dis briefs für mich 
kament die erbren Heinrich Vrseman, burger ze Lucern, ynd 
Heini Butler Ton Hünenberg ynd offentent, wie Johans Vrseman 
von Surse vnd fröw Ita, sin eliche ewirtin seifge, ' von der 
Herscbaft von Osterrich ze lechen inngehept vnd genossen 
bettent Nun Malter Korn vnd Haber geltz zofinger mefs uf dem 
Zehenden ze Surse vnd den pfandschillin^, so daraf stät, sint 
hundert guldin vnd drü Malter Korn und Haber geltz uf dem 
Leyzehenden ze Surse nuch der alten lehenbriefTen sag, vnd als 
dieselben Johans Vrseman vnd frow Ita, sin wirtin, abgestorben 
sint, so morent sy vnd Margret Seylerin, Anna Cuutzin vnd 
Hensli Vrseman , des egenannten Heinrichs Vrsemans geswister-« 



— 4S3 — 

geie zem halben teil, rnd Erai, Toni, Weki vndJleBsti Müller, 
gebriUere von Walchvile, ynd Kathrin Zerhirten, Annai Kiblin 
vnd Kathrin von Pultlingen^ Geswatestern, ouch ^em halben teil 
der nachgescbribner lechnen von inen ze erbe komen, als sy 
sprachen. Darumbe bättent mich- die vorgenanten Heinrich Vr- 
seman. vnd Heini Butler an ir . selbs vnd der egenannten Per- 
sonen statt, inen dieselben lechen ze veriihen anstatt vnd in 
namen der aUer gnedigosten hocherbornesten dorchlüchtigisten 
Fürsten vnd Herren Herren Sigmunds, von gots gnaden Römi- 
schen Küngs etc., sid min Herren von Luzern vnd ich an ir statt 
ze disen ziten vmb alle lechen, in vnsren gerichten gelegen, so 
diurrürent von der Herschaft ze Oesterrich etc. gewalt haben, 
die üben etc. nach irisung siner künigklichen gnaden , freyheit- 
brief darüber gegeben. Allso mit wüssent vnd rät miner lieben 
Herren der Reten ze Lucern, So han ich obgent. Schultheis 
an statt vnd in namen vnsers aller gnedigosten Herrn des Rö- 
misdien Küngs, dem obgenannten Heinrichen Vrseman zu sin 
selbs vnd zu Margreten iSejlerin, Annen Cuntzis vnd Henslis 
Vrsemans, sin geswistergeten, banden ze' lechen geliehen die 
egenannten nun malter vnd den pfandschiUing daruf, sint hun- 
dert guldin, vnd die drü malter Korn vnd Haber uf dem Ze- 
chenden ze Surse, alles zem halben teil, vnd den andren halb 
teil hab ich ze lechen dem vorgenannten Heinin Butler geh'hen 
zu sin selbs vnd zu Ernis, Jennis, Weltis vnd Henslis Müllers, 
gebrüdern, vnd zu Kathrinen zer Hirtin, Annen Kiblin vnd 
Kathrinen von Pultlingen banden, vnd liehe inen ouch dise 
lechen, was idi inen von vnsers Herren, des Küngs, miner 
Herren von Lucern ynd rechtz vregen daran durch recht lieben 
sol vnd mag. Allso, das die egenannten Personen aiUe söUent 
hienantbin die vorgenannten nun malter vnd die hundert guldin 
pfandschillings vnd die drü malter Kornes vnd babern geltz uff 
dem zechende ze Surse ze lechen haben, nutzen, niessen, be- 
setzen, entsetzen nach lechens vnd landes recht, doch vnsemi 
Herren, dem Küng, vnd iedermans rechten an der manschaft vnd 
lehenschaft unschedüch. Vnd davon hat der egenannte Heinrich 
Vrseman, Burger ze Lucern als ein vortrager des obgenannten 
Lecheiis yberein, mir an statt vnd in namen des obgenannlea 
vnsers Hierren des Küngs zu sinen.vnd des beigen Bömscjben 



— 453 — 

Ridi Händen Hsldang getan, gelobt yndgesworea, von der 
leehen wegen gehorsam ze sinde vnd ze tunde, was ein man 
gtm Lehenbeiren nach altem Harkomen durch recht billieh tun 
sol, an generde. Harüber ze warem vesten vrkande, so han 
ich obgenannter Schnltheis min eigen Ingesigel, mir msched* 
liehen,. offenlich gehenkt an disen brieff, der geben ist an sant 
Lucien tage. In dem jare, do man zait von Gristus gebart 
vierzehnhnndert zwenzig ynd dm Jar. 

Bemerkung. 

Die Urkunde ist noch nirgends abgedruckt. Der urkundende 
Schultheiss und Edelknecht Heinrich von Mos führt im )/V^appcn sei- 
nes Siegels einen Bären und einen Stern. 

Diese Urkunde gewährt auch Anfschlnss , wie die Rechtsame der 
Herrschaft yon Oestreich — hier Mannlehen — auf die eidgenössi* 
sehen Orte — hier Lustern — übergingen und wie man die Stellung 
des Königs Sigmund betrachtete. 

Ueber den Laien'i^ehnten jm Sursee und das Mannlehen auf dem- 
selben siehe oben Urkunde 25 u. 31 , so wie die Bemerkung bei letzterer. 



50. 

1432. Restitutionsbrief fiir Thüring^ von Hallwil. 

(H. I. E. i.) 

Ich Xhüring von HalwU Tun kunt menglichen ynd ßekenn 
offenlich mit disem brief. Als sich vor ettwas Jaren vnd zites 
g^chickt hat. Das die fürnämen, wisen, Die Eidgenossen, Nam* 
lieb die von Zürich, von Luzem, von Switz, von Vnderw^lden 
pb vnd nid, dem Kernwald, von Zug vnd die von Glarus von 
gebottes wegen des aller dorlüchtigesten Hochgcbornesten Für- 
sten vnd Herren, Herren Sigmunds, Römischen KÜQgs, mines 
allergnedigesten Herren gegen den Hochgebornen Fürsten vnd 
Herrea Hertzog Fridrichen von Oesterich, ouch minen 
gnedigen Herren, vnd den sinen ze vyentschaft vnd krieg komen 
sint; ;sich ettlicher siner Stett, Lands vnd Lüten vnderstanden, 
ouch die erobert vnd gewannen band, da bat sich injsolichem 
gemacht, duz die VQrgesdten Eidgenossen von Stetten vnd Len- 
dern die Lüt, so in den Twingen gen BoCswil gehörent, vnd 
die Lut, so in dei^ Twingen Hägglingen gehörent, das. Etörfllj 



— i54 — 

AttgfikoD flul Twing Tnd ndt Baim, ze Bremgarten ynd xe Blei- 
liBgeo kl den steilen, in dmsdben tagen mit üb ynd nnt gut 
erobert, Ynd das ouch dieselben lüt den yorgeseiten Eodgenossoi 
gesworen, gebult vnd gehorsamy getan band, band oocb die- 
sdben eidgenossen sidmalen ettwemanig Jar den stiriLeinen ze 
Bo&wiU ynd etücb ander gült ze Bofswii ze Hagglingen ynd 
^glikon ingenomen. Also bab icb obgenannter Tbüring yon 
Hallwil an die obgeseiten Eidgenossen yon Stetten ynd Len- 
dem geworben ynd bräcbt, das der Starkem, Twing, Bann 
ynd ettlicb galt ze Boswil, der Twing ze Hagglingen ynd 
etwas nutzen dasclbs ynd das Dörflli Anglikon mit Lüt ynd 
mit Gut in den tagen, do das erobert wurde, min gut ynd 
min yetterlicb «rb sige gewesen, icb sje oncb in denselben 
tagen weder Rät nocb diener der Herscbaft yon Oesterricb 
nit gewesen, da icb inen gar wol getruwete, das micb ein 
samlicbcs billig bebelffen solt, bab daruff die yorgeseiten eid- 
genossen, alle ,Stett ynd Lender durcb micb selb, oucb gar uil 
fromer Herren, Ritter ynd Knecbten ynd durcb gar uil erberer 
Stett botteo, sunder durcb die fromen, wisen, min guten fründ 
Scbultbeissen ynd Rät ze Bern ynd die Stett in Ergöw. Ernst- 
lich gebctten, mir daz obgenannte min yetterlicb erb wider ze 
geben ynd das lassen yolgen, das welle icb ynd sj alle ymb so 
willenklicb bescbulden, — also babend die obgeseiten Eidgenos- 
sen sölicb groOs ernstlicb treffenlicb bett, so yon Herren ynd 
Stetten, sunder yon denen yon Bern an sy komen ist, angesehen 
ynd babend ir erbem wisen Bottscbaft yon Stetten ynd Lendeni 
namlicb die yon Zürich Rudolffen Stüssiu, iren Bürgermeister, 
Jpbansen Brunner, die yon Lutzern Vlricben yon Hertenstein, 
iren alt Scbultbeissen, Petem Goldschmid, die yon Schwitz Iteln 
Beding, iren Amman, die yon Vnderwalden ob dem wald Jo- 
bansen Müller, die yon Vnderwalden nid dem wald Merklin 
Zeiger, iren Amman, die yon Zug Rüdin da Hinden ynd die 
yon Glarus lösten Schudin , iren Ammann, yff yetz her gen Baden 
mit yollem gewalt ynd macht ir aller geuertigt ynd inen beuol- 
ben, obgenannten min Zuspruch mit mir ze Erlutporen ynd 
freuntlich ze beschliessen. Darzu ouch sy willig sint gewesen 
ynd sint also über die Sachen gesessen ynd mit mir Thüringen 
yon Hallwil yerkomen. Habent ouch ein freuntlich Richtung 



— 405 — 

zwüschent iren Herren vnd obem, den eidgenossen, vnd mir 
getroffen in solicher masse, als hienach Inter vnd eigeniicb ge- 
schriben stät. Dem ist also, das die obgenannten Bollen von 
Stetten vnd Lendern ^on macht vnd gewalt wegen der inen yon 
iren Herren vnd obern darvmb geben ist, mir, dem obgescbrib- 
nen Thüring yon Hallwil, Ton der Yorgeseiten fromen Herren 
ynd stett Botten bette vnd sunder rmb der yon Bern ir eid- 
genossen willen, den Twing ze Bofswil mit Lüt, mil gut, mit 
dem Stürkemen ynd andern gälten, wie ich daz yormalen, e 
daz yon minen Händen käme, daselbs inngehept ynd genossen 
bab, ouch den Twing ze Hagglingen ynd das Dörfily Anglikon 
mit Lüten ynd mit gat ynd mit allen nntzen, als wir daz onch 
yormalen, e daz es zu der eidgenossen Händen käme, innge- 
hept ynd genossen hab, ganz ledig geseit^ynd widerumb zu 
minen Händen geben in solicher masse , das ich ynd min erben 
dasselb alles fürbafs rnwenklich in aller der masse als min yor- 
dern ynd ich daz yormalen inngehept, genossen band ynd als 
yon alter . herkomen ist, innhaben, nntzen ynd niessen soUent 
ynd mugent , yon den egeseiten iren Herrn ynd obern den eid- 
genossen ynbekümmert. Aber darinn ist gar luter berett, ynd 
bähend . die obgenannten Botten den yorgeseiten Iren Herren 
Stetten ynd Lendern yorbehept, ynd hab ich Thüring yon Hall- 
wil inen ein solicbs yerwilliget für mich, min erben ynd nacb- 
komen, daz dieselben ir Herren, die eidgenossen, by den bochen 
gerichten in den twingen ze Bofswil, ze Hagglingen ynd Ang- 
likon mit iren zugehörden, by allen herlichkeiten, frybeiten, 
diensten ynd Ehaftinen, sy syen yetz erschinen oder werden 
fürbafs erschinen, so denn ein Herrschaft yon Osterrich yor- 
malen ynd yon alter her in denselben twingetf gehept hat, gentz- 
lich ynd yöllenklich beliben sond, yon mir Thüringen yon Hall- 
wil, minen erben ynd menglichen yon minenwegen ynbeküm- 
bert. Desgelieben ich Thüring yon Halwil ynd min erben oueh 
by allen ynsem Hechtungen, frybeiten ynd EhaStinen in den 
egeseiten twingen beliben sullent, als ich daz yormalen ^herbracht 
hab ynd yon alter herkomen ist, alles yngeferlich. Fürer hsd> 
ich Thüring yon Hallwil dife frünllich yerkomnufse ynd rich- 
tung für micb, min yordern ynd min erben yfgenomen ynd 
yerwilliget, was zinsen, yogtkernen, yogtstüren, bussen, fällen. 



— 496 — 

gelassen oder ander nutzen, wie da» komen were', in den ek^ 
genannten Twingen ze Bofswil » Hägglingen vnd Anglikon niic 
iren zugehörden bis vff hüttigen tag genauen oder m der eid* 
genossen banden komen sint, das dasselb alles, wie uil oucb 
daz were, tlen yorgeseiten eidgenossen volgen, beliben ynd za- 
gehören sol. Vnd sol icb Tbüring yon HallwU , nocb ndn erben 
darumb , nocb ymb kein vergangen sacb yon der egeseitai twink 
gen wegen mit iren zugebörden zu den obgescbriben eidgenos^ 
sen, nocb den iren kein recbt, yordrung nocb anspracb ait 
mer baben, nocb gewunnen in debein wise an alle arglist Vnd 
als eMicb erber Lüt in den obgenannten Twingen Bofswil, Hägg^ 
lingen ynd Anglikon mit iren zugebörden, mit wiben oder man«- 
nen yeryngenossamet band^ sidmalen ynd sj zu der eidgenossen 
banden komen sint, oucb als ettlicb in denselben twingen den 
eidgenossen mit worten ynd werken gedienet ynd uiUicbt damit 
meinten, min Huld yerloren baben, ynd min vngunst entlassen, 
ist berum oucb berett^ ynd bab icb Tbüring yon Hallwil deä 
obgenannten, der Eidgenossen Botten, yersproeben, daz ich, 
nocb min erben yorgeseit, nocb kein vergangen sacb mit strafe 
fen, nocb daz gegen den erbern Lüten, mannen ynd frowen, 
so in den obgeseiten twingen ynd bannen sessbaft sint, niemer 
mer geäffern, nocb geanden sol mit worten, w^ken, noch daz 
durcb nieman anders schaffen , nocb yerbengen zu tund beim- 
lieb, nocb offenlicb, denn daz es ein ganz berichte, gescfalichte 
sacb sin, vnd daz ze argem nit me gedacht werden sol, aller 
bösen fänden, argen listen yndgeuerden berum gantz vergessen. 
Ich obgenannter Tbüring von Hallwil, min erben ynd nach«* 
komen sullent oueb die erbern Lüt, so in den obgen^nnt^i 
twingen ze Bofswil, Hägglingen vnd Anglikon mit iren zuge^ 
hörden gesessent sint, fridlicb vnd rüwenklicb lassen beliben 
by iren frjbeiten ynd rechtungen, als sy vnd ir vordem von 
alter herkomen sint, ynd sy fürer nittrengen, als ich mich des 
oucb willenklich begeben bab für mich, min erben vnd oad^ 
komen. Were oucb daz sich fnnde, da& icb, der obgenannte 
Tbüring von Hallwil , iendert eigen Lüt in der obgenannten der 
Eidgenossen gerichten oder gebieten bette, die sy dann in Er- 
gew hand^ dieselben min eigen Lüt sullent mir oucb dienen^ 
stören vad gewectig sin > als daz von alter herkomen ist vnge*- 



— 457 — 

von den egeseiten twing^ wegen ze BosswU » ze HäggÜngep 
ynd Anglil^on mit ir zugehörden für mich vnd min ^en her- 
geben, daz dieselben hüU in den yetzgenten twingen gesessen» 
mit den obgeseiten eidgenossep, so daz ze schulden käme, rei* 
senynd dienen snllent, vnd daz ouch dieselben Lüt in dep voiy 
geseiten twiqgen ze Bofswil, Qäggüngen vnd Anglikon einem 
jeglichen der eidgenossen vogt, den sy je ze yogt setzent, za 
der Eidgenossen Händen sweren sullent, von der Hohen gericht 
wegen gehorsam ze sinne, wenn ander ir nacfagebnren inen 
swerend, so dik daz ze schulden kunt. Ouch das ein yegklich 
fürstaU, in den vorgeseilen twjngen gelegen, jerlich einem der 
eidgenojisen Vogt ein Vafsnacht Run g^en sol an ^dderred. 
Vnd were sach, daz die eidgenossen, so yorbenempt sint, för- 
bafs deheinest yif gemein ir Land in Ergöw ein gemein Schätzung 
leiten, oder daz man dehein bruch viT sy legen wurde, es were 
von ir Lütkilchen, Buws, yon brunnen, von steg oder weg 
wegen, dai: sy darinn ouch gehorsam sin sull^t als ander ir 
nachgeburen, aber an widerred. Die obgescbriben, der eid- 
genossen hotten, - habend ouch herinn mit mir, Thüringen von 
Hallwil, berett vnd verlassen, hab ouch ich mich der begeben, 
daz difs Richtung minem Herrn von Mure, sinem Gotzhus^ 
oueh andern Gotzhüsern , gemeinen genossen in dem twing ze 
Bofswil, dem ampt ze Mure vnd yederman an sinen Rechten, 
so er zo twing^n, Bannen, Lüten oder gütern bette, vnsched- 
lich vnd vnuergriffenlich sin sol. Ich obgenännter Thüring von 
Hallwil hab mich ouch begeben für mich ynd min erben ver- 
sprochen, were, daz ich oder min erben die obgeseiten twing 
ftUe oder h^under mit Lüt oder gut deheinest veritooffBu,* v^-. 
setzen , verfendern wollen , daz wir daz den obgenännten eid- 
genossen von Zürich,. Luzem, Svritz, Vnderwalden, Zug vnd 
Ton Glarus des ersten ze wissen tun^ vnd daz wir vor meng* 
liebem, ob sy vns als uil.darumb geben wolten oder darnff 
Mhen als ander Lüt, ze kouffen oder ze verpfenden geben sut- 
len. Wollten sy es aber denn nit kouffen oder verpfenden, so 
mugent denn ich oder min erben verkouffen oder versetzen 
gegen wen wir wollent, von den egeseiten eidgenosiSen vnbe- 
kümbert, Vnd des- alles ze einer offenn, waren, vesten vrkund 
I. 58 



— 4S8 — 

aller vorgescbribner ding hab ich obgenanCerTItiarii^Woii HaB* 
wil min Insigel für mich vnd min erben an^ diser brfef drj* 
gelich oflfenlich gehenkt. Darzu ze noch merem trkund hab ich 
erbetten den fromen wisen Rudolff Hofmeister» Schultheis ze 
Bern, daz er sin Insigel, im ynd sinen erben an schaden, an 
diser brief drygelich zo minem Insigel offenlich hat gehenkt, 
die geben sint vff frytag nach dem heiligen pfingstag, do man 
zeit von Cristi geburt tusent, vierhundert drissig vnd zwey Jare, 

Bemerkung; 

Noch nie abgedrockt. Beide Siegel, das des urkmikleiiden Thü- 
ring von Haliwil and das des Rudolf Hofmeister, Schultheissoi von 
B^rQ, sind erhalten. 

Bekannt ist, wie Thüring von Haliwil bei der Eroberung des 
Aargaus entschieden mit dem Herzöge Friedrich von Oestreich hielt« ^ 
Wohl alle andern Edeln mochten sich, da sie sahen, wie der Eid- 
genossen Herrschaft durch die That und durch die königlichen Km-^ 
willigungen im Aargau sich feststellte (einige unterwarfen sich währ 
rend Eroberung), eher sich mit den Orten abgefunden haben als 
Thüring von Haliwil. So ünden wir die Gessler , Aarburg , Rüssegg , 
Reinach, Heidegg, Seengen ausgesühnt, sogar Rudolf und Walther 
von Haliwil, Herrn zu Wildegg, hatten schon 1415 sich mit Bern 
und Solothurn verbürgerrechtet. Die Aussöhnung Thürings tritt aber 
erst mit obiger Urkunde 1432 an Tag. Sie muss nach dem Inhalt dieses 
interessanten Aktenstücks schwer gehalten , und es mussten neben den 
aargauischen Städten namentlich Schultheiss und Räthe von Bern, 
die er seine Freunde nennt, für ihn gewirkt haben. Zwar mögen 
die Worte Thürings in der Urkunde ; „ ich syn ouch in denselben 
tagen weder Rät noch Diener der Herrschaft von Oesterich nit ge- 
wesen, da ich inen gar wol getruwete,'^ etwas auffallen, allein sie 
können nur als eine zweideutige- Entschuldigung -betrachtet werden. 
Die frühere feindselige Stellung blickt noch an einigen Stellen der 
Ui'kunde durch. Der Twing zu Boswil mit Leuten und (Jütern und 
mit dem Steuerkernen und andern Gülten, ferner der Twing zu Hägg- 
lingen und das Dörfli Anglikon, väterliches Erbe der Thüring von 
Haliwil, war ihm von den Eidgenossen weggenommen, und seit der 
Eroberung die daher igen Gefälle von ihnen bezogen worden. DieM 
Rechtsame werden nunmehr dem Thürino wieder zurückgegeben,' 
allein die Eidgenossen behalten sich die hohen Gerichte in jenen 
Twingen mit allen Herrlichkeilen, Freiheiten, Diensten und Ehe- 
haften, wie sie vormals die Herrschaft von Oestreich gehabt, vor- 
Thüring leistet auch auf das , was indessen die Eidgenossen aus jenen 



!f willen besogen, Vorztelit. F«nier.\f^ird aUen jenen ehrbaren Lai- 
;le^ atis den genannten Twiug^n, welche den Eidgenossen mit Wor<r 
ten und Werkei\ gedient, Amnestie ertheilt, und von Hallwil erklärt, 
deshalb keine Strafe zu fällen, auch nichts zu.äfern oder zu ahnden. 
Hallwil soll auch die Leute in den Twingen hei ihren herkömmlichen 
Freiheiten und Rechtungen bleiben lassen und sie fürder nicht dran- 
gen. Hallwils eigne Leute, welche in dem nunmehrigen, den Eid- 
gei^ossen zugfekör enden Aargau gesessen, sollen ihm ferner dienen 
und steuern und gewärtig sein, dagegen sollen alle Leute in den 
Twingen Boswil, Hägglingen und Anglikon den Eidgenossen reisen 
und dienen und dem jeweiligen Vogt der Eidgenossen schwören , ihm 
von den hohen Gerichten wegen gehorsam sein, auch soll eine jede 
Feuerstatt ein Fastnachthuhn dem Vogt steuern und bei einer ge- 
meinsamen Schätzung des Landes im Aargau ebenfalls belegt wer- 
jlen.. Nach diesem waren die Leute in den angefiihrteii Twingen 
mehr^ eidgenössisch gesinnt und haben wie anderwärts zu den Eid^ 
genossen gehalten. Daher die Sorgfalt der Letztern ^ dass bei der 
Wiederherstellung der hallwilschen Herrschaftsrechte nicht nur die 
Hoheits* und Vogtei-^ Rechte gesichert blieben, sondern auch die 
Leute nicht ihrer Anhänglichkeit wegen vom Hallwil verfolgt und 
gjedrückt, sondern vielmehr bei ihren Rechtsamen geschützt bleiben, 
lieber die Rechte der von Hallwil im Twing Boswil gibt da# 
Archiv zu Muri noch folgende bemerkenswerthen Aufschlüsse : Nach 
der auf Seite 26 berührten Oifnung des Kelnhofs zu Boswil hatte 
Johann von Hallwil denselben im J. 1343 von Äbtissin und Couvent 
zu Zürich abgekauft. Schon in der Mitte des zehnten Jahrhunderts 
treffen wir den Hof zu Boswil als dem Frauenkloster zi^ Zürich ge<- 
hörend, als nämlich 952 König Otto ,auf die Bitte seiner Gemahlin 
Adelheid jener Abtei ihre Besitzungen bestätigte. Als die Herrschaft 
an das Haus Hallwil fiel, trugen die von Hünenberg die Vogte i 
von den Herzogen von Oestreich zu Lehen; diese gehörte 
somit nicht dem Hause Hallwil. Die St. Martinskapelle, denen von 
Habsburg zugehörend, ging schon im zwölften Jahrhundert an das 
Kloster Muri über. S. No. 11 oben. Die Pfarrkirche veräusserte da*s 
Haus Hallwil, nämlich Walther, Hans, Ritter, und Dietrich, Brüder, 
im Jahr 14S3 mit dem grossen Zehnten, dem halben Immerzehnten 
und dem vierten Theil des Twings und Banns demselben Kloster. 
Wie darnach der vierte Theil des Kelnhofs erst 1483 aus der Hand 
der Hallwile selbst an Muri kam , so erlitten die übrigen Theile des- 
selben, vorher nicht mehr im Besitze jenes Hauses ,^ verschiedene 
Veränderungen. Ein Viertheil überliessen 1426 die von Grünenberg 
dem Hans Merklin , Bürger von Bremgarten , und dieser im gleichen 
Jahre dem Kloster Muri. Bei der Restitution vom J* 1434 hatte sich 
sonach Thüring von Hallwil dieses Quarts schon begeben. Stücke 
und Güter vom Kelnhof hatte Thüring den Eidgenossen verkauft, und 



— rtb — 

diese Terkaoften dieseB Antbeü 1436 dem AxnM nm Steü, 
^mtwann toh NidwaldeB. Soldben Amliieil lObeflisst Borlurd tob 
Lnüshofini Namens der St. KathariBapfrimd in der Unserfiraoen Ka- 
pelle zu Lozem im J. 1463 dem Kloster Muri. Frolier, 1441, hatte 
Rodolf Ton Balde^ der Fran Katliarüia Ton Rohrdorf , Wittwe Con- 
rads am Stad, Bürgers Ton Baden, seine Zinse nnd Güter imTwing 
and Bann in Boswil TerkaofL Im J. 1490 gab Jnnker Hans Ton Seen- 
gen, Bürger zn Bremgärten, dem Kloster Mnri eine Crüit zn-BoswiL 
Noch andere Gmndzinse zu Boswil fielen an das Kloster. So. kant 
es dorch Uebereinkonft vom J. i568 mit Junker Hartmann Ton Hall- 
wil auch in den ganzen Besitz des Schmiedehofe, den Hallwil zum 
Theil angesprochen und wofür er eine Entschädigung erhalten hatte. 
Ein Kauäirief um einen vierten Theil am Kelnhöf soll in der €re- 
meinddade von Boswil sich befinden. Wie die HIBfle des Lnmer- 
sehntens, der Ton Ymmer Tpn Seengen den Namen trug, im J. 14S3 
mit dem grossen Zehnten und Kirchensatz an Muri gelangte, so er- 
kaufte es die andere Hälfte im gleichen Jahr Ton Hans von Seengen. 
Jener erste Antheil hatte Walther von Hallwil von Heinrich Ob- 
sclilager, sässhaft zu Baar, erkauft, der letztere Antheil kam von 
seinen Vorfahren auf Hans von Seengen. Der ganze Immer- oder 
Seenger Zehnten war Mannlehen der Ei^enossen, firüher der von 
Oestreich. — Oestreichische Mannlehen waren die Vogtei 
jnnd der Seenger-Zehnten, aber nicht die Herrschaft über den 
Kelnhof und den grsssen Zehnten und Eirchensatz. Daher auch der 
Erlass der Orte vom J. 1493 , dass der Kelnhof, Kirchensatz zu Bos- 
wil und aUes, was das Kloster von den Herrn von Reussegg, Grtben- 
berg, Baldegg, Heidegg und Hallwil erkauft, nicht von den Land- 
vögten sollen als Lehen empfangen werden, wohl aber andere Be- 
sitzungen. Mehr Klarheit in die Boswiler Verhältnisse zu bringen, 
ist Sache specieller Erörterung. 

An diesem Orte ist zu bemerken , dass wir folgende von M. Herr- 
gott aus dem Archiv Muri mitgetheilten Urkunden hier nicht ab- 
drucken, tiämlich : ~ 
* 

a) 1414. Kai. Novemb. Indict. Ylll., wodurch der Vicar .des Bi-- 
schofs Heinrich von Constanz die Üebergabe der Kirche in 
Sursee durch den Herzog Leopold aus bischöflichem Auftrage 
genehmigt. . 

b) 1425, die Lune ante festum B. Catharine V., wonach die Pfarr- 
kirche zu Villmergen mit dem ü. L. Frauen Altar dem Kloster 
kraft der dem Abbten Albert von Rüti delegirten Authorität 
einverleibt ^ird. 

c) 1435 an St. Hilarientag, worin Rudolf von Kipf den 'Empfang 
der vom Kloster Muri ihm bezüglich des Zehntens zu Kalpach 
schuldigen 80 Gl. bescheinigt. 

Dieser Urkunden, welche speciell über das Haus Habfeburg-Oest* 



-- «61 — 

mch^ keinen A|i£n:liliui8 gewäkrenand dessen aueh nidit erwähnen, 
baben wir. schon bei den Notizen über die Kirchen von Vilhnergei) 
und Sarsee» so weit nöthig» gedacht. 



Brief sammlang der Reformatoren 

aus 

der Stadtbibliothek zu Zofingen. 

Mitgetheilt 
Streuher. 



Dass sich auf der Stadd>ibliothek zu Zofingen eine Brief- 
Sammlung befinde, welche eigenhändige Briefe yerschiedener, 
Torzüglich schweizerischer Reformatoren enthalte, ist eine längst 
bekannte Sache. Es scheint, dass dieselbe schon in frühem 
Jahrhunderten die Aufmerksamkeit der Theologen und Forscher 
auf sich zog, und desshalb hat man sich nicht zu wundern, 
wenn dieselbe durch die Pietät und den.FIeiss eines Simmler 
ganz in jene berähmte Sammlung auf der Bibliothek zu Züridi 
übergegangen ist, und wenn der eifrige Hub er auch für seine 
Sammlung, die gegenwärtig auf der Basler Bibliothek auf- 
bewahrt wird, eine grosse Zahl Abschriften genommen hat. 
Allein auch in Zofingen wusste man di^se Sammlung zu schätzen. 
Dekan Sprünglin schrieb zu dem ersten Bande kurze Summa- 
rien; Job. Müller, Bibliothekar, verfertigte im J. 1766 aus 
den oft sehr unleserliehen Autographis eine genaue und deut- 
liche Abschrift der ganzen Sammlung ; endlich hat der würdige 
Hr. Dekan Frickart ein chronologisches Inhaltsyerzeichniss 
verfertigt, welches die besten Dienste leistet Auch den Ge- 
schichtsforschern entging die Wichtigkeit dieser Dokumente kei- 
neswegs. G. E. Hai 1er in seiner Bibliothek der Schweizer- 
geschichte, B. n, S. 22, No. 59, hatte schon zur Bekannt- 
machung does gedruckten Registers dringend aufgefordert, 



wdchim Würadie ift Baltbasars Hdveüli BdL I S^ 666 fil 

wenigstens für das allerei^e Bedürfniss Genüge geleistet wlirdei 
Die beiden Theologen Wolfgang und Abraham •Muscnfais 
waren es, ans deren Nachlass die erwähnte Briefsammlung ber- 
i^üfart. Desshalb sind auch die meisten Briefe an sie gerichtet. 
Das Geschlecht der Müsslin, ans dem noch unlängst ein be- 
rühmter Theolog ^^vorgegangen ist, war in Bern einheimisch^ 
seitdem Wolfgang Musculus im J. 1549 dahin berufen wurde. 
Ursprünglich aber stammte e» aus Lothringen. Wolfgang 
Musculus ist geboren zu Dieuze im J. 1497*). Sein Vater 
war ein Küfer, that aber das Möglichste, um den Knaben, an 
dem er viele Geistesgaben gewahrte, in gute Schulen zu schicken. 
Durch Singen vor den Häusern verdiente er sich sdnen Unter« 
halt. Hierauf kam er ins Elsass, wo damals die berühmte Schule 
zu Schlettstadt war. In Rappersweyer nahm sieb der dortige 
Herr von Rappoltstein des Knaben an, so dass er sich von^jia 
nach Coltnar und Schlettstadt begeben |£onnte. In den -Sctalen 
4aselbst wurde er vorzüglich im Versemachen und Singende* 
übt. Seine hübsche Stimme verschaffte ihm im 15. Altersjahr 
freiwillige Aufnahme in das Benediktiner -Kloster zu Lixheim, 
in der Herrschaft Iiützelstein. Fünfzehn Jahre brachte er ak 
Organist, Priester und Prediger in diesem Kloster z^. Erst 
hier fing er an, mit der heiligen Schrift näher bekannt zu wer- 
den. Luthers Auftreten und Luthers Schriften wirkten mächtig 
auf Musculus zurück; so dass er nicht nur selbst der evange- 
Uscfaen Lehre völlig ergeben wurde, sondern auch andere Or- 
densbrüder und Ed^lleute für dieselbe zu gewinnen suchte. Dess- 



"*) Zu der fol^nden biographischen Skizze wurden die Briefe der 
Zofinger Sammlung zu Grunde gelegt und ausserdem noch fol- 
gendes Buch zu Rathe gezogen: Svvo^tg Festalium Goncionum. 
Antbore D. Wol%ango Musculo Dusano. Eiusdem vita, obitus, 
erndita earmina. Item clartss. yirorum in ipsius obituui/ epice- 
dia , nunquam ante hac edita. Basile» per Gonradum Waldkirch 
cId la XGV. Der Herausgeber ist Wolfgang Musculus iunior, 
Enkel des altern Wolfgang und Pfarrer zu Höchstetten im Gan- 
ton Bern. Die eigentliche Lebensbeschreibung aber ist von Abra- 
ham Musculus, dem Sohne des von uns geschilderten Wolfgaiig, 
verfosst, und verdient daher vollständigen Glauben« 



hiih «ebhig- er auch die ihm angetragene Priorstirite in deifi 
Klöster aus, veriiess dasselbe 1527, begab sich nach Strassburg 
nnd terheirathete sich, lebte aber in der grössten Dürftigkeit, 
so dass seine Frau Dienstbotenarbeit verrichten musste und er 
selbst daran dachte, ein Handwerk zu lernen und zuletzt sogar 
sich um Arbeit bei dem Schanzenbäu umsah. Als Bntzer diese 
Umstände erfuhr, sorgte er für eine angemessenere Beschäf- 
tigung des Mannes , indem er ihm Predigt und Schule zu Dre* 
Hzheim, einem drei Meilen Ton Strassburg gelegenen Dorfe, 
übertrug. Dieses Amt versah Musculus zwei Jahre ohne Be- 
soldung ; indessen wurde er von Butzer unterstützt, mit dem er 
überhaupt in engem Verkehr trat und dem er bei seinen litte- 
rarischen Arbeiten behülflich war. Im J. 1529 wurde er als 
Helfer eines Predigers nach Strassburg zurückberufen, ver- 
schaffte dem Evangelium den Sieg in demDorf Dehna, studirte 
unter Capito und Butzer eifrig die Theologie und erwarb sieh 
bedeutende Kenntnisse in der hebräischen Sprache. Ein neuer 
Wirkungskreis eröffnete sich ihm, als er zu Anfang des Jahrs 
1531 als Prediger zum heil. Kreuz nach Augsburg berufen 
wurde. Aus dieser Zeit finden sich Briefe von Lucas Edenberg 
aus Wittenberg, Friedrich Mjconius aus Frankfurt und Justiz 
Jonas aus Wittenberg an Musculus, in denen tbeils Privatnach- 
richten , theils Berichte über die Verhandlungen mit dem päpst- 
lichen Legaten, die schmalkaldischen Artikel und das nach Man-^ 
tua ausgeschriebene Coneil enthalten sind. Musculus bewirkte, 
dass im J. 15S7 die katholische Lehre zu Augsburg völlig ab« 
geschafft und dass er an die Predigerstelle in dem Dom zu 
unser 1. Frauen berufen wurde. Ebenso wurde er im J. 1544 
der Reformator von Donauwörth, für dessen Schule er eigens 
einen Catechismus verfasste. Auch an der Vermittlung des Sa- 
kramentsstreites nahm Musculus Theil. Er reiste mit Butzer 
und Capito 1536 nach Eisenach und Wittenberg, um sieh per- 
sönlich mit Luther zu vereinbaren. Am 25. Mai kam daselbst 
eine Concordie zu Stande, die den Frieden wenigstens auf eine 
Zeit sicherte. Justus Menius von Eisenach drückt darüber in 
einem Briefe dem Musculus seine Zufriedenheit aus. Allein 
meht nur zwischen den Lutheranern und ZwingUanem suchte 
man damals die iEäni^^ fa^rznstdtoi, aonda» audi zwtttAen 



dm Pfoteiimteii und der katbalfec&6ii Miittapkinjie. I^ese*fie-^ 

sirebungen gingen vom Kriser aus und wurden unterslMst durch 
den frommen, d^n Protestantismus nicht ungeneigten päpsilichea 
legalen Contarini. Es wurden drei Versammlungen gdiallen^ 
die eine zu Hagepau-« die andere zu Worms, die dritte zu Re- 
gensburg.- Wem'g hätte gefehlt, dass durch gegenseitige Naeh^ 
giebigkeit ein Vergleich zu Stande gekommen wäre; die Theo* 
logen wenigstens waren geneigt, sich über die vier Artikel yon 
ursprünglicher Gerechtigkeit, Erbsünde, Freihdt und Recht-* 
ferUgung zu yerständigen« Wolfgang Musculus wohnte diesen 
Religionsgesprächen bei und wurde vom Kaiser ^sogar zum 
Sdireiber bei denselben ernannt. Das Religionsgespräch zu 
Worms (November 1540 bis Januar iS^l) hat er selbst beschm^ 
ben ; das Manuscript ist auf der Bibliothek zu Bern noch vor- 
handen und führt den Titel: Wormaccnsis conventus acta anno 
i549 congesta per Wolfg. Muscülum, qui fuit in eo conyentu 
notarius. Musculus erhielt, während er in Regensburg "vmr^ 
Briefe yon Job. Brenz, Conr. Zwicki, C. L. F. Peutinger, 
Job. Draconites, Casp. Crudger, Job. Amsterdamus. Der Fürst 
yon Anhalt und der Churfiirst yon Sachsen ersuchtem ihn, waji!*- 
rend der Passionszeit abwechselnd mit andern eyangeUschen 
Theologen zu predigen. Musculus war unter denen, die, mit 
dem Gange der Unterhandlungen nicht zufrieden , nodi yor Be«> 
endigung des Reichstags i^breisten. Doch suchte man ihn wie- 
der zurückzurufen, wie aus folgender Stelle eines Briefes yon 
Job. Praconites erhellt: Scis enim nos, quam pusiUi simus et 
indoctuli. Contra ^üantus in arma insurgas, C^sar etiam noyit, 
qui^oncionem de missa inchoatam per te yellet d)solyi,. nisi 
penitus fallor.^ Tum igitur nobis magnus et amaMlis eris Muscu<- 
Ins, cum te non solum misericordia nostri moyerit, sed etiam 
voluntas C^esaris, ad nos redire quam celerrime (Epist. I. lxxxvi). 
Cranz anders lautet übrigens der Bericht yon Job. Amsterdaoms : 
Demum congratulor felicitati tuae, quod eyohitus sis pericido 
fucatarum conciliationum et insidiarum moderationum. Spero 
autem eandem sortem (quse tecum quoque contigit Brentio, Vito, 
Corvino, Calvino, Christano, Frechto, Diohisio, Landtgräyio) 
Crutzigero et mihi breyi communem fore, abitumemm repep- 
linum, censentientibus nostris msgioribus et dominis, meditAOiur. 



< Ja den fa^ffiden J^bfen^ m^t rtikMa^tM^N^lim .&it, w# 
mcb theib die politiseben VeTbähBisse iipaier mehr kiiegemeb 
ge^Heien, bis es ,m schmalkaldischeii^ Kriege zum Ansbraob 
kam , theils stith Luther aafs h^tigste den SakramentsstreÜ er* 
neüerte, damit, weil es mit ihm zur Gnd>e gdie, sein Zeug« 
Biss gegen die SchwUrmg^ter und Seelfee^ser ft^tst^e, war 
Bfosculns anslser saner praktibu^en Wiricsamkait imt IHtieTari^ 
sehen Arbeiten beschäftigt, nahm aber nichts de^ weniger leb» 
haften Antheil au Allem , was dmnals ytitpn%. Interessant sind 
einige kki&e Briefe von Meianebthon , in denen ^ser Jikssisdt 
geMldele Geist und bd Luther selbst in Verdacht gekammene 
Sfann sdn kummeryoHes Herz dem Musculus aufschlies^. Wi? 
hsi&ea sie hier folgen, ob^eidi sie sich schon- in Bretsehnei**- 
ders corp. refonn. Vol. V. No. 3012, 3045, 3071 abgedruekl 
finden. 

Cfatrissimo viro, eraditione et virtule prsestanti J). EiUychlQ 
Muscido pie et fideliter docenti ETangelium in Ecclesia An- 
gustana, amico suo. i 

S. D. Quo A\e tuam et^islolam acccfi, Jn qua signifieaa, 
senatum yestrum iussisse, ut de ftituro conyentu deliberetis^ 
eo ipso die nostra aula nobis similia mandata dedit. Mii^lii^s 
sum in re tanta tarditatem, etsi magis miror, cur spem osten^ 
dant Carolo Imp. se aliquid mutaturos esse. Et tarnen , si nos 
Tere eongmeremus, hse deliberationes idiquid afferre utfHtatf» 
drbi terrarum possent* Nunc domestica beUa nova ciet noster 
Perides. Tonat adversus eos, qui ^r^lpi üvpßoKwp aiifiatog xcA 
<xifi4xtos , XP'^^^'^ ^^^ loquuntur, quam ipse loqmtnr, ae me 
quoque int^ dum arripit. Itaque.de me quid sit futurum ne^do. 
Fostassis in bac senecta breyi mihi exulandum erit. Ego nee 
refugio «erumnas, sl Sei ovvxaxosta&eiv tw, eiayyeUipy nee 
quidqqam tarnen immpderate faciam. Si mihi erunt scnbenda» 
Magaa'^&vei eonyei^us fuluri, distribuam opus Ha, ut primuai 
pauca dicam de doctruia, quam dieam alibi saepe expositam esse^ 
et non esse mu^ndam. Secundo dicam de usu sacramentorum, 
tertio de politia, Episcoporum inspectione, judiciis ecclesiasticis 
et censura. Sed illud dolendum est, Principes utrinque nihil 
yero studio xal dkixpipwg agere. De D. Doetoris Adelphi filio 
L 59 



^(Mpfii D. Gerfoni. Coflüi^^dde tibi hone ho9|fteni ' Andreofn ^ 
kfirum in Italiam. Vir hom^ et doetus est in uniTersa pbflo« 
»optfia, et attem medicam profilelttr. BeM yalew 

0te Xn Aogosti (15140. 

Phiüppus Mdanthon. 

Ckrissimo yiro , eruditioiie etyiltirte prsBStänti, D^. lästyclMO 
Museolo, pastori ecclesise IM in Qi%e Augasta ViadeüeoTOm, 
amico jiuo carissämo. 

S. D. Meministi rersum Aristophanis de ^s inter se cot* 
Um : xai sdd^og siK^eiq vnb ÖQy^q avtekScxnaer ^dd^w **). Sfe 
eiviles discordise siepe atriqoe parti exieto sunt, quod et metm 
aiitea sepe, et nunc nietoo eyentomm nostris eede^, moto 
rarsus ^oQvßip stsgl delstvov. O rem miseram et omniam la- 
efarymis deplorandam , quod illnd ooiov GVfißoh}v t^q äya^t^rfg 
belli cogitur esse materia seu occasio. Anxie expecto tuas lit^ 
ras teque oro, ut mibi scribas. Tua mod^atione prodentnm ***) 
sermones reprimito. Nunc aQtem et hnnc adolescentem tibi 
eommendo, Jobannem Medsperger Auguslanum, modestnm ei 
facundtini. Indieo eiüs nsui fore ecclesie, si foyebitur; quare 
gis bortator patrono ipsins, amico tuo, ut eum dintius adiuret. 
B^e vale. 

Die 5 Octobris (iSK^ 

Phili^us Melanthon* 

^ Clarfssimo Tiiro, ernditione et yirtute prsBstanti D. EutyiAfio 
MuAcvdo , doeenti evangeliniii pie et fideliter in ecciesia August» 
Vinddieorum , amico suo. 

S. D. Agnosco pietatem tuam, carissime Muscule, qua in- 
rtaurari bdhim sitgl Selstvov xvQva'AOÜ doles. Ac profecto de- 
lendum est, nostra «etate invitari ecciesias, magis ut Homerid 
bdlatores dicuut, vvv S %qx^^^ ^^^ öeZnvov^ 'Iva ^vräyoffiev 
•äpfia-^), quam ut Christus nos iovitat» qui in hoc rittt Yuk 
fcBdus fieri yerse et non fucat» renovationis. Sed mundus im- 
pins poenas dat prophanationum superioris «etatis , quas ut fiüus 
Dei, dominus noster Jesus Christus mitiget ^ oremus. Optarim 

*) Aurifabröm, 
**) Ar ist. Pax 613. 

••*) Jnprudentum coniectura Bretschneideri. 
t) Hom. niad. IT., 381. 



eoDCordb Dobis lOtiMilms opus arit, qui pmritolem 4oc(ri«4i 

aoMure nos baetomis forofessi simus. Nihil iDtemfesliyii^ 0b4, 

foan Biific aceendere domesiica oertaniDa* Ireod iaterpr^U* 

tioa0H9 Ab«Ql¥6re te loalim, ^pMm euiti iii9iilsi8S«B»o $jDopiMniUi 

Coehleo rixari*)^ priesarüm cuk (alis $it ho9ti», at yere iliud 

HoButric^m de eo diei pdssit : xfogxw yäg ßii^ ^v^gbq ävdi^ 

uuhg oiuSamw **). Utiaam lieeret tecon et cimi D* GetyoM 

eottoqi». Sed ilkim forlAssis ia coATealu videbo. Bene yale» 

et de QomeuUi quicquid «idies ä^iO(i$f7i(wv9m6v «ig^ifica. 

PfäHfpus Jlteümthon^ 

Die X NoTembris (1544), quo ante aiioos cantum ad VarAaia tro^ 

cidatus est rex Uladislaus ab exercitu Amuratis. 

ludasaen wurden die Ereigiiiase imoier emsten Während 
Humiim sfanem Amte i^wiaaenbaft idHe uM Yßa deip Baske 
Bu^^hdroclcer Hieronymus Fcobeo eine £inladiiiig erhielt, M^ 
bei der mm zu yeranataltenden lateinwcbeoa Ausgabe des Chrjr 
sostottus bebülflich zu sein ***) , wurde das j^ otestaitfische Hoer 
bei Mühlberg yom Kaiser geschlageu (24. Apr. 1547), die «Fen«- 
geüschen Fürsten gedeiBüthigt , ^e Städte unterworfen und daa 
Ajisehen der kathoUachen Religion wieder hargestellL Wir geben 
ans dieser Zeit einen Brief yoa Calyin an Musculus, der eui 
sdiönes Zeugniss yon Achtung und liebe ist,, die iener grosse 
Mann fiiir diesen begle* 

Eximio Christi domini nostri servo, D. Wol^augo J\Iusctt)o« 
Ai^;ustan« ecoleaaß pastori, fratri et sjausaistfle colendiasiiiia; 

. S. Si argumentum bis literis peüsequi yelim , quäle tempus 
et praesens rerum conditio postulat, fincm nuUum fore yideo. 
Obstant etiam aliae rationes, quominns hanc adeo spinosam syl- 
vam ii^ediar.. Hum; tanen a^escentem, qui se mihi oblule* 



'^) Cochlaens batte gegen den Abschied des Speyerer Reichstags 
von 1544 geschrieben ; Musculus antwortete durch den ^^Anticoch7 
laeus/* Augsp. 1544. 
*•) Hom. niad. XI., 390. 

*•*) Schon dessen Vater, dem berühmten Johann Frohen, hatte er 
als «saer der triefOichsten Carrektaren gute Dienste geleistet 
Vergl. Mich« Maittaire annales typographki Tom. I. p. 2^ 



nA^ BoW prerMsyacmm a me ^Mfttoffe: s<lani lA tibi Mta* 
rer, me in hoc ^datBÜeso ^ce\esm yea^rm stata, öl aBuetCia 
liöstra dignum est, semper esse im meoMMrOD. Eqoidem com 
primi nmiores aUati essent/ tu mihi ittter ]irkttos oecnrrdiMS, 
quomm perienlum me crucwet Ac cum mcBTom impotentia 
Tiganun u^pie me rapdisset, sinml alqiie in Gerfmäm mcUi ^ 
qui dimidia fere bora appnl^at, anteqnam milii obrios fira^^ 
salntflüottis rernmqae omnram obUtos de meo Mnscnio smd^ 
tari indpio. Qaanqnam sie de tna salute me ftdsse scd^tnm 
fy^^eOT^ ut simal vehementelr m^tneron, ne eedesiam desereras 
in tanta necessilate, at fieri seiet rebos deqperatis ac per^ftis: 
¥el potms, tanqnam a grege deseiins, alio te conferres. Difli- 
die enim est, in tam densa caUgine c^mere., quid maxime expe«* 
dmt. Nanc , qnamlibet acris fuerit probatio , Dominnm (amen 
et tibi et celleps spiritu prtidenti® et consSü Ühixisse Testros- 
qoe anünos spmtu fortitadinb sostinnisse, g«ideo, qaoad in 
fdbos non optimis licet. Deo etiam gratias ago, quod rebus 
ntcnnqne mitigatis , aliqnantulnin yobis respirare datum sit : Ao^ 
nee plena tranqnüla serenitas affulgeat. Interim nos experimento 
£scere conrenit, qnod omnibus secolis ositatam fuit, De»m 
BiirdkiUter absqae bumanis pr^sidiis ecclesiam snam serrare* 
Freli igitur bac fidueia per quasT^ diffiimltates peiranipere mla- 
mnr: nee unquam- deficiamus animm etiamsi nosr omnia desti^ 
tomt. Vale feater integerrime et mihi ex animo cbarisshnec 
nna com symmistis tnis, qnos omnes salntabis meo nomine pe- 
ramantes. Dominus Jesus yobis adsit, yos gnbemet soo spiritu, 
yestrisqne sanctis laboribiis benedicat Domni etiam ine plmri- 
inam ex me sahiteotisldices. 

Genevsd 21 Aprilis 4547. 

Joannes Calvinus tiuis. 

Collegse etmm m^i yos omnes reyerenter salutant. Siqnando 
dabitnr opportnnitas , facies me de rebns yestris certiorem. 

Die Folge der Scblacht bei MnUberg war jenes Reichsgeseti, 
das unter' dem Namen des Interim bekannt ist und am 12. März 
1548 zu Augsburg publicirt^ wurde. £s war darin yerordnet, 
wie es in Betreff der Rdigion bis zur Abbaltung des schon so 
lange in Aussicht gestelltai aUf^seinw Concils gehalten werden 
sollte. Der Kaiser glatAte den Protestanten sehr yiel nachzu- 



gebw, wefifi er ihneft lUe PHest^rebe, dieAtodiifcBg ejidffer 
Feiertage^ und die Anslheiinng des AbendmaUs unter beid^rM 
Gestalt gestatte. Allein dies war jenen Qicbt die Haoptsacbe; 
me legten mebr Werüi auf die dogmatischen Bestimmungen, 
die alle mebr zu Gunsten der KatboKken lauteten; namentliib 
selben ibnea das, was über die oberste Biscbofsgewalt, die Sa-^ 
kramei^, ^s Abendmabl, die fleüigoi etc. festgest^ wair, 
dier beil. Scbrift widersprechend, und sie yerwarfen daber ob- 
liedingt dieses Interim. Aucb Musculus geborte zu den Tbao«* 
logen, wdicbe die Annalmie dessdben nidit mit ibrem Gewisse 
▼ereimgen konnten; er entsagte lieber Amt und Stdle, als iam 
«r sieb in diesem Punkt schwach gezagt hatte. Denn der Kai- 
ser Hess es an gewalttbätigen Massregeln lücbt fehlen , um dem 
Vergleich da, wo man ihn nicht gutwillig annalmi, Eingang s^ 
yerschaffisn. Wie es in Augsburg in Betreff dieses Intorim ge- 
halten wurde, ersehen wir aus einem Briefe, den Christophoms 
Montins Mitte Jdi 1648 dem 9!hsculus schreit. »CoodmiatDr 
ad S. Creorgium mihi significavit, senatum a concionatoiäiiiB 
efflagitare, ut modo in bis calamitatibus eivitatem aon desere- 
teaif sed porro in ea permanerent; se eos mature et in tem- 
pöra certiores fisu^uros, modo yiderint superstitionem imminere, 
^asi modo non in media urbe dominetur. Rogayit quoque 
sem^us, ut concionatores popcdo Intmm quam compositissinus 
et coloratissimis yerbis possent, proponerent; quod maior pars 
recttsmrunt dicentes : se hoc scriptum laudare mdla raticme ne-^ 
qae eonstantia posse, quod conmiuni snfliragio damnassent. Duo 
tamen se id facturos receperunt, quod et factum audifi ad 
S. Crucem et Mauritium.^^ Musculus musste die Stadt ver^ 
lassen; er inchtete sich (16. Juli) nach der Schweiz und zwar 
zunächst über Constanz und Zürich nach Basel, wo er in dem 
Hause des wackern Buchdruckers Jobann Herwagen die ireundp- 
liebste Aufnahme fand, den er früher, namenificb bei der Her^ 
ausgäbe des Chrjsostomus (1596), als Correktor unterstützit und 
der erst kürzlich seine Commentare zu dem Evangelium Jo- 
hannis gedruckt hatte. Die ersten Männer der Schweiz, wfe 
Bullinger, Haller, Vadian u. a. nahmen sich seiner an und such- 
ten ihm eine Stelle zu verschaffen. Der folgefide Brief Bullki- 
gers gibt bimiber genügenden AufiM^biuss. 



CbrMimo vko D. Vaoli^fpngo Itttiifiiü^ Di^tmo, Aogml« 
ipK^ndam eecksiiuite, Dune ItesileiB agvnti in 8d<)il>»s D. Her* 
YiKgii, fratri looge oharksimo suo. Basel. 

Chrätus Donunus noster «ternntn te senr^t et cQnsoktttr in 
exiUo, qttod propter eonfessioiiem Hominis eins sancliissimi 8l^^ 
•tiaes, fimter in Christo omninm charisBime et ootoidiMffte« 
Hodie ad yesp^rain yenit a Berna eivia, profectari|$ loUioi ad 
Ihermas Fabtfienses» ac narrat, primmn ilknu tabelKonem Ti-^ 
gmrinum, cni dedefami» literaa ad O. Hallernm» eo ^so puncto 
renisae Beniam, et obtnlisse tuaa «aml et meas D, Hallero« 
^o ^se apnd HaUfrum erat» postnlatnros ad me Ii4era3 ac pro^ 
tmm profeetHras« Festinasse ergo Hallerutn. Ne qwd aoteai 
oeiem te omnium eornm, qni de te ad me dedit, habe iam tii» 
ipsa Hallen yeriMi descripta. f^Musculum, charissimafli meiim 
)i&atreni» eyasisse tarn gaudeo» qoem qood ego eraseipiu Me* 
^iko ülam diügenter commendas« Est enim non taai doctn» 
»ifttm pitts. Arno ühnn ut intiniuin meqm et fortem atUetam 
y>pro gloria Dri, Laborabo pro ipso omnibus modis. Tu moda 
i^yidmsy ne aüqdd addixerit BasiliensibQS, qni certo ipsiim tea- 
»'talmnt. Cayeaat antem sibi* -Scio illam breyi yocaodam iq 
Dorbem nostrm, ntapud me babitet. Gaudeo imprinus de.iuo 
niUa iestimonio amplisskno , quod üli das: inter cetera adiideiia, 
)^ipiam sjneare docturnm de €<Bna, de qoa re syncere teeam sit 
))ioqu]itos. Gandeo etiam eo nomine, quod inteUe^ustis» meimEi 
>yde ipso apud yos testimoomm esse yerum. Breyi ad de serir^ 
f^hma^ quid de ipso sit constitutum. Paucula ad ip^um s^^nb^^ 
^6i abnt Bffiiiieam , mitlas iiluc -cito. Deinde scribe D. D. Coss* 
» Beniam Germanke. Sic enim faciltus impetrabimus omnia../^ 
tUbc Hdleras; Vides mi frater, quid tibi sit sperandouK Oro 
ne ulK bominum operam tuam addicas. Vides inyigilare d<Mni- 
num, qni iubentibus Coss« nostris die abbmc^ tartio fecerim« 
quod Hallarus fieri postulat. Seis enim me Germanice D. Pra^ 
ton scripsisse de tua et omnium exulum cmisa« Providentia 
Dei finnt hiec omnia. Sis ei^o animo tranquiUo et ora Deum^ 
ut ^irigat ^essus tuos. Quoad yi&ero et aiiquid potero, bou 
deero tibi, dilectissime mi Muscule. Sis fidelis oro, et memir 
neris eorum , qu«ß tibi dixi discedenti. Rescribe mox* VaMe 
enim tuas desidero. Eberbardus a Rümlang, qui plurimum apud 



i 



— «1 — 

Bernateg polest, $Cfifftis ad Bie lüem taute Deom.^qai te eri-* 
ptterit Tua diligenter legit: «t omnem saam operam tun poUi*« 
cetnr. Vale »ternnm. Uxor et omnes mei Hberi et tota famiUd 
le salvere jubet. Saims sit yir qtitimns D. Henraghis. 12 JFoIH, 
Anno 1548. HB. 

Mnsealns hatte, als er sich ¥on Augsburg entfinmte, smne 
Frau und neun Kinder dort gelassen, mit der Weisung, dass 
sie ihm des folgenden Tags nach Basel folgen sollten. Als sie 
in Constanz anlangten, begab sich Musculus wieder dahin, uni 
iSe abzuholen. Er verweilte einige Tage daselbst und predigte 
an dem kommenden Sonntage, den 5. August, nach Job. VI, 
M-^60 über den Abfall von Christo. Es war der Tag vor 
dem rohen Überfall von Constanz durch die Spanier, wobei 
120 Bürger der Stadt das Leben verloren *). Musculus fluchtete 
^ch mit Familie nach dem benachbarten Thurgau auf schweize* 
rischen Boden. Drei Tage blieb er ruhig in Bisohoftzell. Da 
bot ihm der gelehrte und menschenfreundliche Vadian eine 2u* 
fticbtsstatte in St. Gallen an. Wir lassen das Schreiben folgen« 

Ornatissimo viro, Domino Vuolfgango Musculo, Christi Do-» 
mini ministro, Domino in primis colendo observandoque. 

S. Ego sane, doctissime vir, tum eximi«e humanitati tute, 
qua me non ita pridem Augustse agentem es prosecutus, tum 
etiam doctrin» et pietati debeo, ut quod faeri me tuis IHeris 
rogasti, summa cura dibgentiaque perficerem. Retuli igitur ad 
senatum rem omnem, teque tuis pinxi coloribus. Qui te cum 
ttxore et liberis adeo benevöle decrevit exdpiendum , ut subir»* 
tos habuerim nonnnllos, quibus visus eram, accuratius rem agerfi, 
quam in re tam «qua et omnium favore digna necesse foerit. 
Nihil igitur iam restat, quam ut ad iter te cum tuis aeckigas, 
et ad hospitium , quod ad Ursam eognominatur , proxime diver-o 
tas: ibi te cum omni ftimitia hospes fovebit, donec privatim ha*- 
bitandi detur oecasio. Quod quidem wiius diei labor, ant bidoi 



"*) Man sehe hierüber: Georg Vögeli, der Con^tanzer Starm int 
Jahre 154S, mit ergäazeaden Zusätzen aus des gleichzeitigen 
Chronisten Christoph Schultheiss spanischem üeberfall der 
Stadt Constanz und urkundlichen Beilagen. Belle Vue bei Con- 
stanz 1S46. 



J 

— «» — 

HModme, factum daUt. Habet coosul nefUsr pnmme orbem €i 

in aedito^ amcenoqiie nfiDnle saam dHitem, i^wm snppeUeeifle 

in^ructam, q^am spbnte se tU». (msqae loeataram eoudbdt, 

donec rebus tcus ex aniini senteatia consnlere qo^tö. Yak igitar 

et yeniy nam et miaistri nostri, optnni^t pientissmi yoi, arailo 

le cum gfflidio expec^ut Vale. SaagaiU. IX. 4i^ AugiselL 

Aimo MDXLVHI. 

Tiuis eoc ammo loaehimiis Vadkums. 

Der Uebeibriuger dieses Briefes w^r der Pfarrer Valentiai» 
F«>rtmiUer. Musculus nabm Me EiidadaDg an und begab mßh 
schon des folgenden Tags niK^h St. Gallen , wo er am 12. zw^ 
mal predigte, bidessen 1^1 seine Frau, durch- die Sirapatzea 
&s^ vielen fieisens ^sdiöpft und durch den ^cbredten, den aar 
die Einnahme von Constanz Tcrursacht» angegriffen, m eine ge* 
fafariiche Krankhieit. Doch erholte sie sich wieder, und nä^ 
Verfluss mehrerer v Wochen ^edeUe Mustern mit dar ganzem 
Familie nach Zürich iäer, am 27. Sept. Hi^ blieb er m bd- 
bes Jahr und erhielt in dieser Zeit yom Erzbisdof Crapuner 
einen Ruf nach England. Er nahm denselben nicht an r > th^b 
wegen seines Alters, theils wegen der schwadien Gesund^ 
sdner Frau und der Jugend seiner Ueinen Kinder, £är wdehe 
£e Reise sehr besckw^ticfa gewesen wäre. Leid^ feUen intov 
essantere fii^e aus dieser Zeit in der Zofingeriscfaen Samm«- 
luBg. Doch nun nahte das Ende der Irrsale f ür unseni Muä»^ 
erius. Es ist schon in dem oben angeführten Briefe Ton Bot- 
M&ger von einer Berufung nach Bern die Bede gewesen, hk 
J^ That erfolgte eine seiche zum Professor der Theologie im 
Ji^aaden Jahre 1549. Musculus nahm den Ruf mit Freudeii 
an; denn es ischiai ihm ehrenvoll^ von dem Hath einer sotten 
Stadt ben]^en zu werden, und dann lebte dort' da thearer 
Freund von ihm. .Johann Haller, der Sohn (zmn Unttir*- 
schied von sdnem gleichnamigen aus dem Thurgan stamme»^ 
den Vater, der mit Zwingli auf dem Schlachtfelde zu Kap- 
pel starb, so genannt), war geboren den 18. Januar 1523, der 
erste Sohn aus einer rechtmässigen Priesterebe im Kanton Bern, 
und Stammvater des noch blühenden Geschlechts der Haller m 
Q^n. In Zürich erzogt, war er eine Zeit lang Prediger in 
Augsburg, 4ann Arc|iidiakon bei Bidlinger, seit iit% eket in 



BMiViN>erlM&VBb«iiiriiiieiHld^lfM^'M^ lüilt^tMS 

«iw fing Masoriwnaoli. Bertis ak, wo er T«m Bntfi^ den Vre« 

a^em trnd PfuAraoron IfihMKg aUfgononnmB iratde Md na 

S6. »da Amt antrat 

Im Attfimg war MüMiikis mil sdoer neotti StcttBüg iMlrt 

ganz zMtieden ; die BesoUmig war 2a gering und ife Pest kekrl^ 

in sein Haas ein. Seine damalige Lage erMbiel» er einem ßretM^b 

kl Zäfic^ in folgendem Brirfe: 

« ^o ae doeto vm> Mw Cterrasio Seiidaalk»». Tigon dvgsnli^ 

frairi in DeminO' ehamsimo. Tigofi« dSv D.. Aecept toAs htm 

torv, fierv^i kk Denrino cbarmime. OapiglMme de aMn rahni 

neiffam. b est nedäei^is. Srinnde innsii mA mamn eadeetil 

patfis , qni qnos diligit, caatigat. Viceaiflto pifaia No^rAndir« A»^ 

dith fiHa «ea peate corrqpta m^ra^t ad Bominmnu Aiwaham 

mrie euri^B deformiter olandicat *}. Stqiendiiim^ qüod. iaAmti 

mptt est neeeasitatibtM domna me«, attpie ideii imgor de nw 

Bfl^tife, ^ abanmere qv« erant* servanda in warn HberofiiaA/ 

Sed sievisoai est nnuaDominOt ^ a^iMMMtoet^nittHlittKira d»A 

Ht Admoiies me^ nt rerom inarum raticwt» iMbeam. Creii) 

mMf si posaemaiiqaid, ciiFMBeai iamofaa^ ntlHiipifosiHeetem^ 

¥erim i« eodeiii kito h»reo. Admodom iiMtea mlror^ qnl 

ict^ qnod 9f . Heinrydins BoH. chamsiaMS ctutopater^ nünl in 

laa caniia dMal, cnm sciam, emn tili T«Ua optittie;. VerMi 

expectanda est To iulaii BMuni; fiiereato a^slra pttiealia^ 

ttt Tides, in qna persiatendm est adfinena ximpL&i donec dki* 

ntes adinti« cantcanns: Donino €Uitie«n mifian» £go dira ex 

aidmo, sic}it Dobibo placel, ito fisi^ St ■ ^ ■s an eioa bened^tnaL 

Bve^^ scripsisti quam YtXm* Debebas afiieare de' ecderiia 

Mirtris Anglist, et Ifemmig. de qabtt aobiäde cartiofa bdieie 

piG^es, faam ego. De Angiia nibil babeal^D» Batling. Iterip^ 

Admt tsanen Cbrist« MonÜHt «x ^m intelk« , reUgiMis eaoa^ 

sann adbnc esse in Angiia ninm* Sä gratia ftesmno« Optee 

tsale, mi Oanwi, com lois oamibas. Satateifr et ege et ni# 

apf^eeanrnr deimii 1»»^ proseitini Annas &6m* 

Bemaß Bfer«t;> ift Dte. im. 

TV. M. T. in Dno. 



*i I II 



*) Er hafte da« Bern gebrochen. Man sehe den nnt^n folgeftdeit 
Bfkf diasfo. Gei^on vtfat AogslMtfg. 
I. 60 



All deiMMieii Qervasias. SfM$aücQB sehrrfhl et mwim i uiii 
8. April 1556: y^ties meaadhoc k eodeniJi«»^ Bfmmsmkeä 
noDDiUl atficütar dhmjm) libercmmi, e: ^Aaa km qmufä» 
aagrotaHty Terun non pericnlose.^. 

Desslialb madite ihm eia^xeicter Pob; nmänos Sodi^ am 
Wiffischau, Aaerbietmigen zur UnterstttflSBiig.. »Quare te yd»- 
m^üer rogo, otere meo officio üben, el: si in^ges i^xagiate 
aut octoginta coronatis. pro*sii$lentaäda fandHa (tantiim eoutt 
prffistare possomiirito med iocommodo) perscribas oro.^" Brief 
vom 19* Aldi 1549. Sein aher Freund, der Arzt Ger jon^&i^dr 
in Angsbörg, üb^rsend^ ihm ebenfiiHs em^SesiAeDk Tan ae^r 
Tfadern und erA^ äuaRalh' in BezieboBg aitf deaUnfidi, der 
sriHen.Sohn/Abrabam beto^Een batte. 

lammensis f&te afaäl, qnando fiüo fiiefaai^ IHeraa.cmn ¥1 
^ris ad te dedi peiferendas. Volnil; enim äle Basik«^ ^et e^oi- 
lern. iUom aoratnm Tel quie^torem Nenbofg^isem , oj^toman 
Tinmi, coniiemre, et cnrare üt illoram op»a et Uürsß'^ei pe-. 
eimia ad.te tnto »triottmitterentnr. Manns eaugnom te npn de-^ 
tenreat, animnm enkn erga te sensi benoTölnm, et titem cpn 
libeci£ns te per occasionem sit-adiätnras: magna enim ifitio» 
beroifs est mwiifieentia, qoi etsi prole nnmcrasa iam sit on^ra- 
tos^ et proonl didno nmineroäas.<)nerandas^, mooificentior. taowB 
est. et firatribns et alüs Crce^is, .qni noUam penftns £inii|Mmi, ne 
j^ires qnidan Tel mtnres afaint: sedexpe^nula est/nt disi^ oe- 
€«R0, de qna Terbo^is^scribere non licet.. - ^ k 

. I^ filio tno Abrafaamo non admodam.gn^ sant»^!» scsi^ 
}As^ 6da enim inTim^tö resardre' potent chiimrgftm velnegK*- 
gentiam yel imperitiam. Solet fere: semp^ exteraK>mi^Tmem<^ 
l»oram . adfi^ns «t pfiecipne fraciraras reparare, qnod mtrit^ 
CadUns .fiet, si tbermartim ben^cio aceessoria ilk bnmidits^» 
qnse ad locnm le^am deflnere con^ieyit, etabsmoator et «i^ 
fractnm roboretnr; qiKomm ntrumcpie ^erm«B Tel piperin» ^nt 
ita loquar /jj^^fl^ßr«; yel ferin« f^^iW&arf^ prsestare;,potetil» 
Interim tarnen cnrandum est, ne Tel indecenti yietn yel nimjia 
balneandi assidmtate adolescens dbi pericalmn asdscat. ^ 

{lin guter Freund yon Masculi]^ war Tbeobald Riger« 
27 Jahre lang Pfarrer beim altern St Peter in Str2»sbm*g. Es 
war dies derselbe, der ihn im J. 1527 in sein Hans anfg^otom^ 



— 475 — 

tateu, und getraut hatte, bei ^mi mck sottie Fnm anOtto^li 
INonstTi^n^ichtiiiig«!: ansitble, >is er- m eme andere Lag« 'kam« 
iDieser alte Freiind erifess im Neyember 1950 Mch'dn^i: Brief 
jOS MiHfeiiltts^ in dem er ibm wnirtändlich anseiffianderset^ 
me es ia Strassbwrg zngdie und 411 i^r^dcbem VerUaCi^ I^tv- 
teatanteii uod KsAoUken zu einander s|Aen. Wir liUiren'dw 
AnSsmg rauch dieses Briefes an, weil er uns ifter dasPrifi^ 
4eben dies Musculus einigen Aufschluss gibt < 

&'et ömne bonum. Häbea tibi gratias mäximas pro oArifi 
immanitatis in adoIese)&ntem iltum I>. D. ccdlatis. Rependam, 
si qtahda tuo nomine atkfds ad me venevit, quod quidem:'ex 
«niiüo desitoro aKqi^m tuorum videre , inprimis yera te et Bfar^ 
garidiam turai. Sed metuo, nec'^etalem meam,4nec ealeBnle«* 
sissima. tempora permissura. Lito^s tuas magno gaudio, eka^m 
rissime Vuolphganger recepi, nön t^Emen me laehrimis et e^r^ 
dis uMsrore legi: eo quodxomraunesxalamilates iustaydamen- 
IIa describis. Ah, mi- duleissimei frater, in qme tempora mia 
positi sunras! Quod seribis, non adeo prLVata tua te damtta, 
ecclesiffi . misefabiltoi statüm affligere, sane tibi credo, et qsaä 
^nonuu hoc non magis deploraret? Ego mallem, per fidem 
Dei, mcido ecdeiiam liberare pos^m, ^nex annorum'66 cum 
infira^ corpore^ uxore et 6 liberi^ meis per omi^m yilam: exu^ 
lare, mea<ycare et omnia experiri^ lustus vero Bens, qur me^ 
rito ppopler.peecata noslra nos punit. 

lUger erzählt hierauf, dass £e Protestanten Strassbm^ nur 
nock ider Kirchen beaassea: St: Th<}m«is, Nicolai, Wühehn in 
der Krattenau, und Aurel. Besoudars schmerzlich für ihn war 
es , 4ass er aus . seiner Kirche zum altern St. Peter ir^räi^ 
wurzle. ' 

• . A festb purificationis beatme genetricis Chrbti virgtnis 
Mali» eieetus smb : successit autem mihi homo imfuus et sine 
Christo Yere Lupus Vulpinus, quem tibi non puto incognüum 
olnn prof^.' 

Einen Bew^s, welches Ansehens sieh Musculus zu j^freusi 
hatte und wie seine Commentare über die beilijifen SchrBlen 
anfgeBommen wurd^, gibt folgender Brief eines aiqfesehenen 
Ungarn. .■-• ^: ., •. , ■ ' , - ' 

Ooetrs» et pietate darisskno ?iro, Domino Wol%aago 



■tf9C«io, mm: Benm lli i uihmim ^ Dnwiati^ 

Mkerioonfoai 61 graHw et paemn .« Deo pttire 'd Dowm 
fttitflM I«a Christi». Magno senqper denderia scm c^piebas« 
ioi idisMPes:» win eaies, d quo «odo Taferes, «^ittiiia, doclnsnna 
al dmditntksiBiie Bobbiiq SDoseiile. Non emm foletafli tiU 
mma neUi^e: itt ^ {»ro Christi Bomuii gkuria, ^m fortiler 
M Script» semper el cowiqaifatts ioiffs«, 4ot 0t iam pate&fe« 
«iei«9 6t faostos liabeaa» Me» emi est m» TerH Dei« ^^ hec 
lovittoa profesMMUQ eias fn hoc sioedkh Seii» eoim 6t raseatil 
«Eemoüi« teaeo, eim aale asBos ^^es aai|niflid«ni ittod Iirt^ornn 
kam i^arolt Imperal^Rii JwidgBfatiir et popolaami siae nmfß» 
pidmai 0BiBH»i nuBTOte ae tristjda ^terad^returv teoiet adl»« 
»oiis pnesentibiis ex Ai^[wtft in kmon msmo ^«oa tutioMm 
6oalaKsis6. Ab eo tempore de te sühh^t faeram solicitaa. &94 
j^uu mip^ ex Tiguro ^tei Itah», nomme Lelios, Irae Mik^ 
Icmbtigam ad nos caosa studiorum adyeussel p^scparens dm^i- 
g&äMw didici« Dei difiatioBe te et vifere et i^^tme etiam vate^ik 
Clavisiis mmt Tdbemenler, et breves has statim'seftiMre eomvi 
ob eam 4|tiitiMD causam» Qt me lai noQ esse ofatitani et amor^oi 
aifa le BMtaai w>U'mmAaatm& ^fsaSima^fm boc sßv^plo dedt^ 
vmtmi Qaai^e f«o|^, iM^DiKtate srnp^offeasos me m>Rlaflyfa«mi 
ImmaniasiiBe Bfuscole; Bosti eaim me q^k»am TÜffi meie-pap* 
tioaem ia vaaitatibas cconatibas aatea tiaasegjase. E90 &oim 
mm^ ti fieptte memirisso petes, Saed)aa«s Regia fenynaadi^ 
Mathias Orhaaiits aomiM. Uagaraa, e<»peie pia^^iieiito» ^ 
tibi piso SBBiaio in te amore apud idleram coadonatorem» mfio 
tum iioepftio proximmay caiqae aeiaea a^de» foraaiUcdiiaA iahr 
atraxeram, coUoqeeodi taatam gratia; at tiua promittebam^ «Mi 
aM vitSB eoaditioaem rdioluram, id qocMl tol aateaanmn faceire 
^toi iw^ mmo is seaeeta, velat ex naofiragio qackdam. me 
aripiaaa, boo coalaria, ut Cbristwi eioaipie ^«trinam Tel ta«p 
dem diseam, sibi Twam et moriar» et in yera piswicptia vHaai 
meam finiraL 

licet teeom semper eoEoqaar , opiiaie et ^ki^tiasöae Moseak^ 
(smm tum aanquMi saiia laadatos in Matttwam H lamneaä tgßm- 
meatarios assidaa mann teram, tarnen te anioe rogo, digomiii 
bfmf» saHem Itoraa ad aaie midere» kibebo^pDa eas amfaa p^- 



Am. PbiL BManehtboBOBf i^ mihi oas reitite^ Cqj^o la» 

dim SaMllittuft Ferd: Regina, vms» 
«tniiosus Vit: nyaiin propria. 

Garn hfls kon ftavissem, forie fortuM TOiiit Dom. Ldimi 
fiaziMs;, eaSm obitef iMBiilH prins ia hkden Ktem, in dofluiai 
«wa«i: ipse eerto profliiMitiCOfiuneBlarioB toos super PmIiomni, 
4pt08 ipse mUii oUm Augusts nondvn» pi^feeios asIeadePM^ 
Ulniaiii vivim et legere aq diaoare eos poram. Chiutos Icwv 
le ndbis et su» eodesio diHtbtme serret jocolmnenu Aneo^ 

Vierfeebi Jahre lang yerwaltele jMnaciiliis nit fiif^ imd £&> 
folg das iiu» zu Bern iib^rtragene Amt« TSx stand im Verbebr 
mit fast atten bedeutenden Männern seiner Zeit in 
OenlBfddmtd, England, Aalien und. Polen. Besondere 
BUttg yerdienen namentlich die Briefe , die von Polen» .¥de momu 
HkNEian Sad%ai Pr^üsmanimiSt Fd. Cruciger* Gregor Panlns« 
Stmuslaus los^iomirsky, Paofam Cihmins, Blartimis Croniti«s^ 
ftteuislani Paolesiss etc« an ihn gerichtet wmrdm, iveil ans ihni^ 
»1^ «rsefaea ist, wie das ETangeliom in jenem Lande sich Bahn 
bnoh. BaNtelbe {^ Yon Itali«» und Bdefen Ton.MäaoeiN», 
JIM Vasgerins, Cölius Secimdus Gurio etc. Viel beschifijgle 
4»ob Mnscuhis auch mit dorn ab Haretikmr bebraditeten berühm^ 
im italieaisclHMi Bieehtagelehrten Matth. tiriboMi, wdchw vor 
vjCalms £i£er sieh von (Senf flüchten musste. 

9Iit welchem Eifer und Fleisse er sich ^er Theologie widr 
mele, das beweisen seine zahlreiehea Schriften, die wir unten 
jmfähKeoL weifden. Als Predigt trat er lu Bern sdten mehr 
nnf » obf^h ihm der Rath audi eine PredigenleUe üherlragnu 
wollte; Es geschah dies tfaeils wegen sanes Alteis, theUs weil 
4amab imXudimdialekt (gepredigt wurde und er sich denselben 
nicht mehr anieignen konnte. Von sonstigen Gesdiafien hielt. er 
nieh fem; ame Voriesnngm aber hielt er so gewissenhaft, dass 
a ohne eureiobende CSrunde «keine .versäumte» So wunde ihm 
Mine Sidlnng m Bern jiach und nach lieb, so wnnig er wk 






lor istt dass* er mehrfadie , wied«rii0lte AiievUitoBgäiir:]^ 
rafungen nach aii»wärts aasseUng. Dreimal «ichte laa» Iba 
ÜBT England zn gewinnen , Torzä^ch nacb dem. Tode; fihitin 
Butzers (1551); auch Aug^mrg, nachdem es si<& seit 1552 wi(^- 
der freies* lew^en konnte, rief den beliebten Mann znrüdt; 
Badi dem Tode Hedios (1552) wollte ihn auch Sl«ä»hiirg ge* 
winnen. Endlich mai^ten ihm die Pftdzgrafen Friedrich H uad 
Otto Heinrich für Hddelberg uiid d^ Landgraf Phi^j^ Tcm 
Jiessen f ür j^mirbnrg ehrenvolle Anerbietungen. Mi]»c«his.S€idilg 
aie alle. ans. Es sifid hierüber nodi «u^e biefe in der Zo^ 
fingeriscfaen Sammlang Torhanden ; sie geboren snt den inle« 
rdssanteren y und deshalb lassen wir sie folgen. Die Mefax^aU 
der Briefe betrifit Gegenstände, welche meht onmittdbar ds» 
Leben d^ Wol%ang Musculus betreffen, sondere -sieh .npelur 
üb^ seine Stadien und Arbdten verbreiten. . Der erste^ di^i»r 
ftnefe ist von dem berühmten Geschichtschreiber Caris .Y« 
SIeidanus. . • 

Prsestanüssimo viro et theologo €umprimi& cdbbri D« Wc^ 
gango Musculo. Bern» ad manus propriis. CHo. 

' S. Ex Britannia quidam nuper yenit, snsana ne^ssitad&ie 
mihi coniunctusy quime rogavit, ut tibi scrtbam, Arehieipäco^ 
pum Cantuariemem , eins insolsB Primatem, et intimum regh 
consiliariam , valde cupere, ut post Feiini mortem eo te coa-* 
fimis et nascenti ecclesi«» tuam op!^am impendas. I^nc ergo 
uactus occasionem, volui tibi paucis hoc jpsum areane etboiia 
fide signiflcare. Tu pro tua prudentia statues. Nundobito, 
quki liberaliter tecum sint acturi. Quid autem tui sit eonsÜM 
et voluntatis, ad me perscribes. Nam paucis airte di<^us ad 
Cantuariensem scripsi, quicquid abs te cognovero, indicatiürum. 
3ed quantum Video, cupit te quam primum ad üer.accingi. Toas^ 
ad me literas huc curabis in «Bdes Doctork Hedionis; ab iUo 
enim recte ad me. . Cum Miagdeburgicis de pace*fru8tra noa 
semel actum est. Obsidentur autem ar^issime, utquid^n illinc 
scriUtur. Filius Henrici Brunsv. factus est coacUutor episc«^ 
Bremensis. Trevirensem et Moguntinum adconcalium proficis<ä» 
iam audieris opinor. Turdcam ckssem aiunt ToHoi^on appuässe^ 



^ pcdrtw; esi int^ Maiiiiffitm ol lite«ite*Iiiputt«: aed vo» isM^ 
meliiis. Vale Vk prsettantisskiie el seaiDabe. 

<Bfft.,XyiIL imiaAÜ 1561. Acgo^C^atü 

loan. Siedanus. 

Dtf Brirf, da- sich wd die Benifiuig Aft(A Stfassbwg- be^ 

liebt, ist folgender: 

f^pämo Tiro; Dno. Cr«ol%aiigo Sbiscolo, Theoki|iie Pro« 

fesseriv maiori^siio observando, ad manus. 

. Sähe phmminii, iiilegerrime« Propter niotMiam et faBSÜia-n 

vitätwi, quam Wonnati» oltm, et poiflea Ratiiqpton^ tecuai 

eDDCffaxi: noa dabitavi iam ad tesorä^re, de re» qiw JBecfaK 

mm nostran Uc et scfaolam codcamit. Niminpsa def iukAo n^ier 

Doctöre Hedione, quam opiis babeamiis Tiro baso et docCo, 

cpii üli^ ftttccedat in eoncionando ad popukim et Ic^ndo Tfaecw 

tojpea in sebola: cogitarnut boni wi qni Us rebus pn^unt de 

tew Sed qunm nonsdatiir certo qann istbic eonditionem babeas« 

et an iUam r^quere Tc^.ant conunode poasis: ^olui bis Uteria 

sidlem prietentare et^ inteUigere animam tu^m et voluntateni. Si 

enim ^ le^time erocalo tibi non esset graie ad nos eoncedere, 

sMatns nosler cnm; Domiiiis Bernensibos actorus esset ea diH-n 

gentia, ntrepidsam non timeamns. Bogoergo, Domine , nt qnam* 

primmn per literas vohmtatem tnam declarare digneris^ quid de«- 

b^amns nabiade^te poIUceri, et cogitare, qaam magnam fmctam 

.törfacere possis in tarn freqnenti eedesia; nam et ita tract^beris» 

«t de stipendio non possis conqneri. Scene vale /vir integerrime« 

Datum Argentin» 4 Dccembris 1552. 

T. deditiss. 

Ulricus Chelius, 

- 'Kaum War seit diesen Unterbandlungen ein Jabr verflossen» 
ais schon meder neue gemlacht wurden, um den Musculus nach 
ilarbwg zu a^en. Es war Job. Pistorius vpn.Nidda, der 
hierüber Folgendes schreibt: 

- Chtriss. et.o'udkione et {»etate viro, D. Wolffgango Mpa- 
ettlo, Theologo, apud ßemiiies Profesaori,. Donuno ac Patri sna 
peq)etuo colendo etc. 

Gratiam et pacem ä Deopatre nöstro per lesum Christum 
m^f^tu sancto. Bedditae mihi sunt uvuo £ere tempore, D. Mi»- 
cide et darissin^ et doctiasime, epistol^e du« abs te perscripU^» 



qöantfiy düva eHqM ptimt acl um tmÜ «x WuMto pCT^ M y w » 
gram nostniiH) et m qm dies ^at adberiptii idrnn OetiAtte^ 
altera eaque po9lerior pur üfanfargiim mM est-aBaia. BMpmt- 
debo igitor quantnm licet: et primum. inteUexi» caodorem aoiim 
toi {daiie eundem esse erga Pistorium Umm et slkmfios^ ifoi* 
erat cum una essenras tarn Wormaliiey tom lUliriHiiilew Qiit 
de re delestaUHor imtai et omnibas piis üie est^ qviscpas aator 
fdit Bletaxicffi Chimaff», per quem nobis nea s<4wi adaiqpte 
est bactenus occasio, per Hteras nratoas cepliMi idleriMs ^fisni- 
Karitatem et amidttoni tu Demitio lirotncH, sed ei Mgpwsio bo* 
nonim ac priorum procurata, eam it^enti Bodesinmm Jaa^iai 
B^t Bimqdam vel obfosc»e iiedwtt enAiaigm^e poant imii itimi 
in 'Gbristo, propter stoitoiii yei^atk ioter nos ^senel e<mli«ct8m : 
faano eotm^ ut ta vere scräis« sile&do retiaent rni et cordali 
titi atqoe amet non fttcati. l^»ero tamea noa on^o ibn 
posthac miitam > qnamdiu per Herragiiiiii atfse ms fiiiniliau 
feet literas per Franoofiirdiaiti transuitere. Cel»r«m qüod ad 
alteram priomfD tMram Hteraram partem attiset^ siäas: me 
prtmam 9ttp6ritite»deatibiis et scAd« Marpurgiaiite^ dei»de eoa** 
sttarits qnoque, ac dem«ai MbstrsBimo Prneipi il<nlro^ tnasi 
profflptam' v^o&tatem tuM^e Mrias > bontstas, frauBSs iiMBs ya 
rationes, oblatia etiam copiis liter»iim toaroBi^ ap^aive, «t 
ipiam^is exoptaaseiit tuum ad nios aon sokim idv^itaiD, sed et 
^omoioratioiiein', tarnen ttits non pesakendis ratirääras 0DnlMti> 
ofiiBes siflHit Bostromai vicem doineniDt, tuam aatem reeiisi^ 
tioaem, ut improbare non potvenMl, ita etiam cdUMdttrant. 
Prffisertim Princ^, qui tni nonquam non meminisse sölet^ cm^ 
qüe vebementer gratia est tui memoria, quam ut constaatem 
cotts^rvet, non est quod dubites. Conmendat autem se ^om- 
lies snas Eeclesias ti»s precibns«. Nos eaki qnkseit Sotbai^ 
miUo flle artife«, sed perpetao ansam, etiam ex sepe, ut dicitar 
Germamco proverbio, arripit, qua reKquias ISceksarum^ si um 
^sipare.potest, tarnen orihrare nitatnr. Venio ad aecaadas tims 
lüeras. — — De tua reeuaatione satia superque icri^ supnr^ 
quare non est ut repetam. JNon est mibi Mbium, cpuA a mtdli« 
$is expetitus> nee sine dvnna pro^Uentia haot«ui8 apad Ber- 
nates süs detentas, iferam qao conaüo inteUignrB no^prioMiB» 
attaiaen adorM« et proaequi ddieMiS; fideoMB cmn lantam 



1 



fo^mojML Iki. Sic et imis, proh dolor, km tamhui istdiigi-« 
miis, qM mobis Donunus dederit m eoniuiictioiie confessioms 
A»gQ8tanffi, et inrione Prolestaa^iim » nt nominabamiir: Temm 
iaxta pro¥erI»am noUs quoque nsa veDk, sero sapmnt Pliry-« 
ges : ^dn diviiuft beneficiis ingrati et imnieiiiores somus. Gratnlor 
tibi» qaod nactus sis conditionem et commodam et satis trau-* 
qo^in. Nam talis Status adhac hodie nostr» Germaiiiffi satis 
soperqae affictse est, ut quotidie prieparari nos et omnes pios 
ad euliimi oporteat 

So weit bandet dieser Brief, der das Datum trägt : Raptim 
ex Francofurdia 21 Martii Anno Domini 1554, und unterzdeb- 
iiet ist: loannes Pistorius Niddanius, von den persönMeben Ver- 
bätnissen des Musculus. Allein weder liebe Erinnerungen aus 
alter Zeit Termocbten diesen nacb Strassburg, nocb ehrenvolle 
Einladungen eines so edeln Fürsten, wie der Landgraf Ton Hes- 
sen war, nach Marburg zu ziehen; Ein gewisses Gefühl der 
Dankbarkeit fesselte Musculus an Bern, weil diese Stadt zuerst 
seinem Exil ein Ende gemacht und ihm eine bleibende freund- 
liche Zufluchtsstätte eröffnet hatte. Es ist daher natürlich , das» 
mich spätere Bemühungen, ihm eine Professur in Heidelberg 
zu übeltragen, keinen Erfolg haben konnten. Der darauf sieh 
beziehende Brief ist dieser. 

D. WoKgango Musculo etc. 

S. D. Proximffi liter» tuse, vir doctisrime idemque mitri 
amicissime, eo £e tandem ad me perlat«e sunt, quando Prin«- 
ceps noster me ex Ratisbona Heidelbergam vocaret, quo cum 
undedma lanuarii yenissem, honorificam, crede mihi, ut abunde 
dignus es, mentionem tui apud Electorem feci. Is etsi dicebat, 
te nonnihil ab ordinatione Ecclesi» ipsius dissentire, tamen Visus 
est^rem in deliberationem accepisse, speroque te habiturum 
Yocationem ad Heidelbergam. Quanquam non tacuerim ea, quie 
de Ltttzelsteinica conditione literse tu» continent. Ecclesia h»c 
imo cum Academia ipsa yidetur mihi adhuc esse rudis et om- 
nino incomposita :* Michael Dillerus, concionator ante tenet ad- 
huc primas, Pbilosöphus maior quam Theologus: deinde loan- 
nes Flinnerus homo nee satis pius nee doctus habetur et eesti- 
matur magni. Hinc iudicium buius Ecctesi« eolligere potes. In 
lurisprudentia D. Balduinus et D. Christophorus Ehern Augu- 
I. 61 



tläiiitö maUott exedlant, iu iit btod ^vfaie milcai^ in eo ge^ 
aelre pFoCessioBis satis faclori skit. in titibtts ftofisque pett- 
äofjbu& MiciHuft *) et cpiidain MagMri tatis commendtti Uc vigeBt: 
Theologi «utem^octi et pii prorsos desidaraiitBr« Vemiii quid 
dicain? PhiUppiis Mebmchton p^ llKriciiiii, Majoreoi, Galhun 
aUfoe allos nesdo qaibiis contnmeliis et cakunnib onetatos Wi* 
teniberga parat abitioiiein, petntqiie looim Tigori» ot O. Bul- 
lingerns mihi scripsit loanäes a Lwiko PofonoB, in patriam 
hoQörifice rerocatas, scribit, se Witemberg» a Pliffippaaliiaqtie. 
dactis humanissime et exceptnm et habilam, tum in eoHationi- 
bni$, quantam reUgknem attmet, ntrimqne optime coosentim 
»effixe demnm frateroe dimissnm esse. Vergeriiis scribit ipeom 
ad patriam salvuin et incolnmem redüsse, atqne islic {nam Do« 
nino facere nsnram^ adeo ut legatus Pontifidns Lipomamis de 
axpeditione eorum, qu» in mandatis faal>et, prorsos desperet» 
sei^ipseritqtte Ro'mam pro venia redeundi donrnm, cum longa 
rdatione» quid in concilio Tridentiuo suaserit et consuhimt: 
videlnr ut dut lo. Fridoricfans elector et LandgraWus in terro-^ 
rem Germanorum una cum aliis decem praecipuis Lutheüanis ca^ 
1^ pleeteredtur« ' Cui sano consilio quia non obtemperatum^ 
sfi> tarn Papam atqne totam Rom. Ecciesiam kidibrio et(K>ni et 
pessum iri. Hallerum , Biaurerom , Funddinum atque alfor bo^ 
nos meo nomine salutabis, mi frater, et precibtts tms pro me 
ImdtifMriafli a hm^toIis propter veritatem mokstato interpetlato 
apud altissinram» 

Heidelberg« XXn Januarii MDLVU. 

Tuus Georgius Laetus a LemnUz^ 
Palatini Electoris consiliarius. 

Per seit dem März 1556 zur Regierung gekommene Pfalz* 
graf Otto Heinrich, hatte schon 154<2 als Pfalzgraf von Neuburg 



**) Ueher diesen Mmiui vergi« dit Monographie Ton Jo. Fr. Haatz 
. Jacobos MicyUus Argentoratensis, philologus et poeta^ Heidei* 
bergse et Rnpertinae universitatis olim decus. Ueid. 1842. Fer- 
ner über die genannten Gelehrten desselben Verfassers: Lycei 
Heidelbergensis origines et progressus Heid. 1846. p. 66 sqq. und 
über den damaligen Zustand der Universität im Allgemeinen : 
V. Seifen Gesdiicht^ der Refortnqition zu Heidefl>erg. Heid. 
i846. S. 66 ff. 



«ad Sdibacfa die BelotmaUon in mne Lande eo^efiibrt md 
1548 sidt durch seinen Rath, Erasmus von VeiMiingeii, seinen 
HoffHredigar Miobflel DiUer, dann durch Andreas Osiand^ von 
Nürnberg und Wolfgang Musculus von Augsburg eine Ki^ohetf- 
ordnung abfassen lassen. Seil dieser Zeit blieb er dem Mv^ 
calus wohl befreundet,, wie denn noch mmge (freUich unbedeu- 
tende) Briefe von ihm an denselblsn in der Zofinger Sammlung 
vorhanden sind. Naehdem er die Regierung d(^ Pfslz als Chur-- 
fürst angetreten , fährte er in Heidelberg eine Reformation nichi 
nur der Kii^be, sondern auch der Unirersität ein. Er beri«f 
daher an dietheologisoheFakuUät Männer, die der evange- 
lischen Ctlaubensrkhtung angehörten. So gewann er d^n aus 
Frankreich vertriebenen Petrus Boquinns; wraiger glucLUcli 
war er mit WoUgang Musculus und Petrus Martyr , vor denen 
ihn Brenz, als vor Mardern und Mäusen, gewarnt hatte ^). Doch 
vermochte diese Warnung des eifrigen liutberaners den Pfalz^ 
grafen gegen die ihm ergebenen Mannen nk^t einzunehmen: 
es waren vielmehr andere Gründe, an denen sein Versuch 
schaterte. 

Im Jahr 1562 begann Musculus zu Iränkeln;' er fühlte , dass 
sein Ende nicht mehr fem sei. In diesem Gefühl schrieb er 
einst mft der ihm von Jugend auf eigenen Gewandtheit folgende 
schöne laldniscbe V^se : 

Nil saperest viu», frigus prseeordia captat: 

Sed to Christe mihi vita pefennis ades. 
Qaid trepidas anüna? Ad sedes abitura qmeti^, 

£n tibi ductor adest angelus ille tuus. 
Linque doyium hanc miseram, nunc in sua fata ruentem, 

Quem tibi fida Dei dextera restituet. 
Peceasti? Scio, sed Christus credentibus in se 

P^ccata expurgat sanguuae cuneta suo. 
Horribtljs mors est? Fateor, sei proxim^ vita est, 

Ad quam te Christi gratia certa vocat. 
Praesto est de Satana, peccato et morte triumphans 

Christus^ ad hunc igitur laeta alacrisque migra. 

Sein Tod, die Folge eines heftigen Fiebers, erfolgte nach 
achttägiger Krankheit am 1. September 1563. Den Freunden 

*) Vergl. Seisen, Geschichte der Reformation zu Heidelberg, S 466. 
und in Beeiehimg auf Obiges S. 24. 



~ 4M — 

•ad der Familie, weiclie das SteiMMlIe fud^tand, «panritot« « 

Worte Abs Trostes. Dem Todlen sditoss d^ Yieljateige FrCTod, 

Johann Haller, die Angen. Auf seinem Grabstem warn die 

Worte m lesen : 

Mnsciihis hie situ« est, doctrüui clarus et iagens: 

Nomen in orbe manet, spiritos astra tenet. 
Obiit in Domino Anno Christi 1563 Cal. Sept. Aetatis sase 66. 

Nadi damaliger Sitte fehlte es nicht an Traaergediditen aof 
den Tod des Hingeschiedenen. Sie sind alle in der erwähnten 
Ldbensbeschreibnng gedruckt; einige, wie diejei^gen yon Bncl. 
Goaltber yon Züridi und Job. Rosset yon Goldberg, finden sidi 
auch handschritUich in der Zofinger Sammlung. Wir ftthren 
der Merkwürdigkeit wegen nur ein franzömches an : 

Vepitaphe de Monsieur Musculus par Simon du Rosier. 

Berne, le monde et le Celeste onorage, 
Pleorant, ioyenx, de Fimmortel hreuuage, 
Icy mes os, mes liores, mon esprit, 
Conseme, honore, alimente- et nonrrit. 

Was den Priyatcharakter deSx Musculus betrifft, so wird er 
als ein durchaus friedfertiger und gutmütbiger geschädert. Mit 
seinen Amtsgenossen, wie mit seiner Familie, war er gefaUig, 
gütig, nachsichtig, gegen die Armen und Vertriebenen freigdiig, 
gegen seine Freunde, deren er in so grosser Zahl besass, lieb- 
reich, so dass er mit Niemanden Streit hatte, ausgenommen 
einmal, wie oben berührt, mit Gochläus. In der Lebensweise 
einfach, genoss er bis auf die letzten Jahre eine sehr gute Ge- 
sundheit. Er hatte sich im Jahr 1527 yerheirathet mit Marga- 
retha Bart yon Breisach, und zeugte mit derselben neun Kinder. 
Sechs Söhne, mit Namen Jonas, Friedrich, Elias, Abraham, 
Darid und Heinrich traten in den geistlichen Stand. Der be- 
rühmteste unter denselben ist Abraham. Dieser studierte 1553 
XU Basel;* 1562 treffen wir ihn wieder daselbst. Der Antistes 
der Basleri^chen Kirche, Simon Sulzer, imdBnllinger sprechen 
in den ehrenyoUsten Aeusserungen yon ihm. Letzterer schreibt 
z. B. einmal an den Vater: Gratulor tibi hunc filium a Deo 
datum. Nihil adulor, nihil ad gratiam dico. Gandide loquor. 
Arbitror imo scio hunc hominem aliquando ecclesi» Dei plnri- 
mum, si yixerit, profuturum. Diese Erwartungen wurden nicht 



— 486 — 

gtttttsdil; demt obf^ofa damris der junge Mann imt der Noch 
2a kämpfen halte, gelangte er doch spät« zn den angesehen- 
alen geiatliehen Aemtem. Er wurde 1560 Pfarrer za Thon, 
1562 Pfarrer zu Zofingen , 1565 Pfarrer za Bern, 1686 Dekan 
and oberster Pfarrer daselbst, and starb 1591. Der zweite Theil 
der Zofingerischen Briefsammlung enthält grösstentheils Briefe, 
die Ton Zdtgenossen an ihn geschrieben wurden. Einige der- 
selben hat der Verfasser dieses Aufsatzes in der Abhandlung 
»neue Beiträge zur Basler Buchdruckergeschidite ^^ (Beiträge zur 
yaterUndischen Geschidite, herausgegd>en Ton der historischen 
Gesellschaft zu Basel, dritter Band, S. 106 — 124) veröffentlicht. 
Sie rühren tou dem berühmten Basler Buchdrucker Oporin her. 
Es folgt nun noch das Verzdchniss der theils seH)St yerfer* 
tigtcn, theils übersetzten Werke des WoUgang Musculus, die 
in den Druck gekommen sind. 

1. Ghrysostomi in Pauli Epistolas Gommentarü Latinitate do- 
nati. Basü. 1536. 

2. Traifölationes ex Groca in Latinam linguam Epistolarum 
BasiUi et Nazianzeni ac aliquot aliorum Patrum; Ethica- 
rum et Asceticorum Basiiii: de yita solitaria, regularum, 
contractionum , et homiliatum aliquot. BasiL 1540. 

3. Translatio scholiorum in Psalterium. 

4. Translationes Athanasü Synopsis Sacrse Scriptur», 140 
quflestionum yeteris et novi Testamenti, libelli de finibus 
Theodori Episcopi Tjri -Synopsis, Eusebü decem librorum 
de rebus ecclesiasticis , eiusdem quinque librorum de yita 
Gonstantini, Socratis Ecclesiastici Historiographi VII libro- 
rum, Sozomeni librorum IX, Theodori lectoris librorum II, 
Eyagrü Monachi librorum VI. Basil. 1540. 

5. Sermones H contra Missam Papisticam. Vitebergae 1541. 

6. Anticochlseus. August Vind. 1544. 

7. Gommentariorum in Eyangelistam Blatthffium III Tom. 
Basih 1544 ond 1557. 

8. Gommentarü in EyangeUum lohannis. BasU. 1545. 

9. Sechs Unt^redungen yon dem zu Trident angestellten 
Goncflio. 

10. Sechs Unterredimgen yon dem A. 1546 entstandenen deut- 
schen Krieg. 



11. Iraishtjones Cyiilli e^tolanui 9» et a^qn»! hoiuiiunim; 
Apdogia ad Xbeodomon interpretan: daclaratioaia 12 
Anatbematisonim ^herioi condK, 3d ^btolaranii sjbd^ 
diAoiD diq[tiiatn0rNt8torii, qv^Q CjriOiis impufnandt. Baaä 
1546- 

12. Dialog! IV Uceatne hooum CiuMtiaiio» EYangeiiciB dodri- 
im gnaro, Paj^ticis superstitiomlHts ac fidsis cidtünis ex.*- 
terna sodetate eonuminicare; sub nomiiie E«t jekii 9fy(Nm 
1549. 

13. Transfaitio kl Naziaozeno ab aliis noo versomiL BaäLlüO. 

14. Von Auffjsaog des Worts Gottes bey dea Cluristai ia ünr- 
gareo, die den Tibeken onterworffen. 1560. 

15. Enam^ones in totmn Psaltmnm DaTidis. II Ton. Banl. 
1551 and 1554. 

16« Tractat wider einen unreinen Catecbismom. A. 1552. 
Diese kleine Scbrift Terschaffte dem Mnsculns noch Unge- 
legenheit. Er hatte sie nämUch yerfasst anf Bitten » gndterziger 
eymigelischer Leute ^^ in Angsbiurg, weil daselbst nach Annahme 
des Interim ein Gatechisrnns in Gebranch kam, der, wie Mns- 
cnlns schreibt, nidits anders war,, ds »ein ynleitimg in das 
eilend verfiirisch Bapstamb^. Der Rath von Aogsborg be- 
schwerte sich desshalb bei demjenigen Berns darüber, und die- 
ser liess sich- Ton Musculus die Sa<^e aus dnander setzai, ohne 
dass, wie es scheint, wdt^e unannehmliehe Folgen für ihn da- 
mk rerbunden gewesen wären. Mehrere Briefe in der Zofinger 
Sammlung geben darüber Aufschluss. 

17. Explanatio DecalogL Basii. 1553. 

18. Commentarii in Genesiu. Basil. 1554 und 1557. 

19. Commentarii in Epistolam ad Romanos. Basil. 1558. 

20. Commentarii in Prophetam Esaiam. Basil. 1557. 

21. Commentarii in Epistolam ad Corinthios. Bas. 1559. 
33. Commentarii in Epistolam ad Galatas. Bas. 1561. 

23. Commentarii in Epistolas ad Ephesios, PfaS^penses, Tbes- 
salonicenses et Timotheum. Basii. 1561 und 1562. 

Vergl. himiber die Briefe Oporins an Abraham Msscuhfö: 
Beiträge zur yaterländischen Geschichte, herausgegeben von der 
bist<Nriscben Geseilschaft zu Basel. Bd. HI S. 115 ff. 

24. Epitome in V libros historiarum PoiybiL . 



fi^: Voo der BkaAmUmg d^ zdien gi^lMieD Ci^olleil. 

M. Wie weit «in Unreeht oder UobSiichkek em GMst «r- 
irtfen müssen 

97. UntoTüd Ton d^n Eyd wider deii Iitlhiim Aet W{ede^- 
täidfer« 
Der bandflekrifilielie Nadilass des Wdfgang Masculns be- 
ümiei sich auf der Biblioihek lu Bern. - DaluB gehören Wor« 
Huicei»ts conyeatns acia^ wie sdion oben erwähnt; ferner Dia- 
rium iüneris ad conyentum Isnacensem 1536; ferner Grramniatica 
Hebraica Geraonice soripla ; endlich vocationes , confessio , car- 
mna, liit^«, woTon das Mehrsto in dem erwähnten Buch ge- 
druckt ist. U^yer alles dieses gibt Auskunft Sinner catalog. 
Ubr. Mss. bibL Bern. Tcm. III p. 319 -* 326; womit zu yer- 
gleiclKB G. Em. von Hallers Bäiliotfaek der Schweizergeschichte 
lom- II No. 1177. 1178. Tom. III No. 386. 



Zur 

Geschichte der Kirchen und Kapellen 



im 



Kanton Aargau. 



Die Pfarrkirchen zu Eg^gienwil und Oösslikon^ 

mit^etheilt 



von 



PL JVeissenbach. 



Wie die Glod^cn der Kirchen und Kapellen von den Bei^n 
kmrab und aus deu Thälern heraus weithin ertöneii und Kunde 
geben, dass Menschen beten und mit ihrem Schöpfer reden, 
so hört man von ihnen aus dem Dunkel der frühem Jahrhun- 
derte in der Regel fast die einzigen Kfänge. Und wenn der 
Fofscher HBvMiselig den Bergrücken und den Flnssthälem nach 



streift imd dorek finstreres Gehäk und unwi^israie Itift des 
spärlichen Höfen und Ortsehafien, den Borgen nnd Elösle» 
und Städten , den Rnmen einar yersnnkenen und dem Anfteimen 
eistet nenen Wdt nachgeht, wird er firendig «berraseht, wenn 
ein helles^ Kirchlein ihm entgegenblinkt, in Urikmiden Auf* 
sddnss üb^ Land nnd Zehnten, Stiftung und Altar, PatrooMt- 
herm und Priestßr, Pfarrei, nnd Leute, iahet die BOiditif^ 
des Landes und der Kirche gewährt und oftmals eine sknuge 
Sage um sich sinden lässt*. 

Die Creschichte meldet, dass mit dem Untergang der römi- 
schen Herrsdiaft und des römischen Lebens im nordöstlidb^a 
Ihdle Helyetiens zu Anfang des 5. JaMiunderts bis zur und 
über die Aare die Alamannen haustai und sidi dann setzt^i. 
Wie nach der Sage schon zur Römerz^ die christliche hdere 
Anhänger und Blärtyrer in unserer Gregend gewonnen hatte, 
so lässt man Anfangs des 6. Jahrhunderts, anno 517, schon die 
Bischöfe von Vindonissa, Genf, Octodurum die KirdienversamoH 
lung zu Epaone besuchen. Cremeiniglich d>er nimmt man an, 
dass die Alamannen erst dann, als sie von den Franken über- 
wunden waren, oder im 6. und 7. Jahrhundert zum Christen- 
thnm sich bekehrt haben; Gallus und Golumban 4raten erst iin 
Anfang des 7. Jahrhunderts in Alamannien und Rhatien auf. 
Bald, noch im Laufe desselben, treffen wir die Klöster St Gal- 
len, Luzern, die Kirche zu Zürich. Um diese Zeit und von 
da an wurden die Taufkirchen und Kapellen allmälig im Lande 
herum aufgebaut, wenn sie auch erst im 9. und 10., 11. und 
12. Jahrhundert urkundlich yerzeichnot werden. Denn wo die 
altern Kirchen in Urkunden erscheinen, da bestehen sie schon, 
haben ihre Herren und Priester und werden yeigabet oder in- 
corporirt, oder deren Uebergabe und Besitz und die schon 
früher bewilligte Einverleibung bestätigt. So steht im Jahr 870 
schon die Basilica in Höng, und lange yor der Zeit Königs 
Conrad, welcher nach Heinrich regierte, hatte der Ort Muri 
und die da wohnenden reichen Freien eine Taufkirche mit dem 
dazu Gehörenden. Doch kommen wir zu den Pfarrkirchen 
j^ggenwil und Gösslikon. 

Unterhalb dem Städtchen Bremgarten , nicht eine Stunde 
dayon entfernt, steht -auf dem rechten UCer der J^VM» die Kirche 



<iiigi ^^ 

m Egf^vakr nmi Ar gegMiiher aitf defn tittken V6e^ die wk 
6osslikoQ. D^ Dorf Eggaiwil liegl in einer JEd^ie m& Fws^ 
dtö Hflseab^rgfs , oid ^ atte kleine KsN^^mii dem besc^ünk*- 
^m^ Friedkofe, den Pfeirgebänden nnd dem Aebgdände rate 
md einem neben dem Jfäklefaach-TobeigdlHldeten ^ofspning, 
^Hwicker sieh geg^ die Renss hinabscenkt; In diese Kirebe snid 
fegefiwär% Bewohner dei" Döcfer £ggenirii nnd Widen, dann 
die i^n da* Habe des Hasenb^i^: bis zum ReiBstbd hmA mi^ 
streoien Höfe Hasenberg, Giren, Ghirinden, Hobenfnrdie, die 
kädm Henaenräteof nnd der bürgerlich nach ft[<enigarten zo- 
gelbeike Hof BibeUos pifarrgenös»g. Aus Mbam Zäüra üsdti 
man zwar nidtt nnbes^ittene ^uren, dass der Pfarrkreis yon 
Eggenwfl bei Bremgai^n über die Renss bis an Krrenberg 
Unanf und an die Grenzen der P&rrei Gösiü^on ssck erstreeb 
bdben soll. — - Die Ortschaft Gösslikön liegt an der Sbkedes 
das Renssibal TOn dem Bünzibal scAeidimden Bergräekens, und 
die Kbrebe steht ebenfolls anf einem Vorspränge, dessien Fnss 
sich gegen das Ufer der. Ren^ binnntorzMit Dahin silid jetit 
die Ortschaften Gdsslikon nnd Fiscfabadr, iso wie Hänser von 
Sßederwil ^arrpfHcbtig. Früher war auch der Sprengel dieser 
Kirche gMsser und erstreckte sieh bis nach Wohlen, weMie 
jetzt bKikeade Gemeinde damals noch ohne ^ene Kirche war. 
Während dienndten Kirchiein Eggenwil und Gösslikön in ihr^ 
besch^denen Haltung vyerblieben , ja ah ihrem Sprengel yer**- 
kümmert wwden, eichen sieh diejenigen vcm Bremgaiten 
und WoUm zu stolzen Tempeln. Aber mit nur um so mehr 
Vorliebe suc^t d^ Forscher jene und deren Geschicke auf. 
ifaaen gebührt historische Vereltfung. 

Halten wir keine tadem urkundlichen Nachweisungen, so 
wiu^e schon die frühere Ausdehnung* dieser Pfsoreien für dite 
hohe Aller und die frühere Bedeutung dieser Kirchen zeugen. 

£ i: i^ e n nr i 1. ' 

' Hier tritt uns über die Entstehung diei^es Kirchleins zu Eggeii- 
wil eine im Volke bis auf den heutigen Tag erhaltene Säge ent- 
gegen,' welche wir mit keinen urtiundlichen Nacbweisiungen zu 
unterstützen rermögeh , welche aber ihrer Natürii<Meil weg^n > 
I, 62 



maAmfed «e^a^La^e 4» Orts enlq^idit, BeadMa^^ «ul Auf* 
mdamug yerdkoL Die ä«g» bntel: 

Einllerr (woUdartferr dar«eg6ii4) fiikr iaciamScUfe 
itte sttfk aiige8<Ain>ikne fiem» fciub. In^ d^ Nahe TOa Eggc»- 
wi stiess äa« Sddl auf einen Fels oder Stern. B^ dieser Le-* 
bensgdaiur gekdite der Herr die EnmAttraoig cwes ffir^eins anf 
ä» naben Höhe. GUicUieh ans den WeUsn gtretlet, Uek er 
sein Wort nnd liess im fiKMntnen Boriie fär ^ HäMe Gottes 
dtt KircUcsn banen* 

AB%ecoelMiet ab sdion^ bestehende Pfarridr^ treOsn wir 
das KiroUein zn Eggeawil zuerst in den bekannten Acta fin- 
dalfonis Bfairensis BMmastern. I^ ^rin entfaalteiKB erste» 
sifihem Naehrioblen, wie m ans mehrem Stdien ziisainnie&- 
eolragen nnd aosxn^en ^rind, gehen daUn: 

Zn Eggenwil gab Graf Addb^t (yon Habsborg) dem £10^0* 
Mmri aUes, was er ^bsdbst, MMer de» Gütern seiner Leib-* 
«genen, entwed^ in diesem Hof oder in andern» das ist fifti- 
los , Bremgarten od^r vo iauier gelegen und in denselbai Hof 
gehörig besam, und z^rar von dem Bett des Fhisses Ins zmr 
Hi^ des Berges^ in Aeckem» Wies^, Wäd«m und fimt- 
brächen,. anch damit die Kirche, wie alles sein £ibe gewesen. 
Baselbst gcliikte dem Kloster anch das Grandstik^ des Imtolfe, 
wacher ins Kloster trat, nnd das Gut der Matrone Ghnnza, 
welche dMn£dls mit ihren drei Töchtern B^kta» Gepa mA Iln 
in dasselbe kehrte ; ^eses Girt, wenn es recht im Gaax^i ge* 
«dessen werde, sei beinahe 5 Mans:, zudem 3 Bfuhlen. Sohim 
dmiak hatte na^ einer femero Stdle der Ada fondationis dKe 
lürche zn Eggenwil gleich der zn Thdhnl Xanfe mid Be>^ 
grähoiss, wie den ZdMiten, mmrote daher schon g^naume Zcst 
bestanden bi^ien* Ebenso ist ansgemiHdt, dass jedenfalls CbEitf 
Adelbert diese Kirche dem Kloster übergeben. Dabei abet ta»«- 
chen , ab noch anszmmtteln , die zwei Fragen auf, wdch^ Graf 
Adelbert hierunter T^standen werden müsse, zu weldier Zeit 
somit jene Uebergabe stattgefunden, und dann, ob diese Ueb^- 
gäbe des Hofes und der Kirche zu Eggenwil nicht urie die ton 
Tbalwil, nur eine Zurückgabe des schon nach der ersten tStif*^ 
tung des Klosters demselben Znbescfaiedenen gewesen sei? 

Es ist nun kein Zweifel <togeg^ anfzuwei^e», d«M der Thal- 



iroii IMsbnrg der gteidbe und z-vrar, wie dk Aeit sa^en, dev 
An^r Graf Octo's gewesen. Nua finde» w zwrst swd Arädi^ 
Aifelbert und Oüo,- welche mit W«9ier SUrne Raddioijs, des 
Stifters von Mtoi, gewesen/ Von diesen drei Söhnen Rftdd>ols 
Hidden die Aeia, wie sie nach des Vaters Ataerben M«rt anter 
sieh thriken, iHer es ihnen eben gefiel ; wie Otto von Brinlkro, dnem 
Ritter, ermordet und in Strassbnrg l»egraben worde, Ür desaett 
Sceele der Bruder, Cfraf Werner, sdn Gut zu Ghubnaeh hie« 
her gab; wie Addbert, ab er zu Ifeunigin stiorb, den dritten 
Theii, den er ^n diesem Ort (Muri) besass, zurtidciiess , wie 
sein Körper hier in der Grult seines Vs^ei^s Radebot im Kloster 
beigesetzt worden und mit demselben der gro^ Leuchter und 
das seidene Palbun, wekhes. an Festtagen über den Mavien^ 
Allur misgebrcatet liegi», hieher kam; wie emilich W^ner, an£ 
den nun das Ganze fiel , hm der Knweäiung der Kirehe ^ zu 
Sfori, dem Atour St. Martin dies, w«r Regiofo^Id, der enle 
VorsfeAer, magekauft oder erworben, mit dem Satz undZefan^ 
ten der frühem Pfai^kirehe zu Muri etc. gab und be^Uigte, 
aber dennoch seinen dritten Thdl zu Muri nicht abgeben wollte, 
wie WcmW später diesen Ort frei liess und «eine Bauern ond 
Diei^r von denen des Klosters aussendete« Unter den von 
Werner überlassenen und Ton seinem Clmoer Eppo Yermdk^ 
neten Aesitsung^ ist Mch Eggerawil benennt uiri beigdüi|[t^ 
es sei sAcb wahr, dtes das Kloster die Zehnten aUer bis W»* 
disso diesseits des Flusses gelegenen Kirchen vorher bezogen 
habe. -^ Hätte imn jener Adelbert, Sohn Raddiots, Hof und 
Kirche Eggenwil dem Kloüer gegeben und Thalwil zurnd^^ 
erstattet, so würde sein^ an der frähem Stdle der Acta nicht 
so kurze Erwähnong gethan und nur bem^kt worden sein, er 
habe , nut d^i Brüdern nach GeMra tbeätoid , den dritten Theä 
an Muri Unterlassen , während Werner und dessen Schritte- m 
ausführiich bebandelt werden. Wird auch Eggenwil unier den 
Besitzungen des Klosters zur Zeit Werneis au%esä)lt, so ^drt 
gerade aus den Ausdrücken der Acta hervor, dass dieseUien 
dannals nichts weniger ale bestimmt ausg^nittdt waren, -mdem 
wiederholt die Klage durchdringt, dass ^Me Giaian von Iiab6<*^ 
biwg umrediiniitoaigei» Weise noch vonenthaHen. Die ferner 



•N 



gekgeoeii KirobeiizdiBlm dem JQoster zugeflossen . sei , lieirebt; 
abgesdieQ. dtfron^ daas sie bdbateade Zw&td esrefenä kmm; 
ebat d^Sär^ dass «u^er Wemer» Nadifolger Adeberl», ^beii fie-- 
scr 2ebitea mchi mehr dem IQostor zagesianden. 

Wena somii ycm d^n erstai Adelbert» Sohn RaddkMs, ab-^ 
feaeben werdeii imiss, so yerfaUt maa wk vm so gimserer Be- 
alimiBtheit auf den zweüefi Addbert, fiikel Radebtits. Biateb- 
dem nimilich Werner 1096 gestorben» folgiB ihm m der Ad^o» 
catie über das: Kloster s^ erster Sohn Otto II , der anf seiner 
Borg Bnottenbein yon Hesso, Eddm von ÜNnberg getödtiet 
iRffde, und auf diesen deäsen Bruder Ad^b^rt 11^ der li44> 
forterben sein soll. IMeser Adelbert 11 enmkle ab blonderer 
B^instiger des Klosteirs im Jabr 1114- zu Basd den Sdiutz-^ 
knef Kaiser Heinricbs fiär das Kloster, Stellte TbalwU mit Dorf 
mid Kirdie denselben zurück und übergab iea Hof und -di^ 
Kirdie zu Eggenwil; so wie seine GemdiUn Judenta zu Ma-^ 
scben VI Mansos Te]^(ad)te. (S. Origo et analogia Com; de 
Habapiffg yon Abt Dominic 11* editio 1702 und Murus et an- 
t^Qurale). Daraus folgt, dassdie Kircbe zu Eggenwil jeden- 
idb Yor 1140 in Besitz des Klosters Mmrt kam. Damk ist aber 
Moht .ausgescblossen, dass Eggenwil — aucb sehne Kirche — 
sur Zeit der ersten Sttfhmg 1027 4em-Kloster scbon zugedeckt 
worden, dass diese Vergabung das gleiche. .S<^chsal wie Yiele^^ 
andere ^dkten habe und endücb mit Thalwil wieder «uriM^ 
g9gehea worden. 

Von der Zeä des Crrafen Adelbert 11 v<m Habsburg UÄweg 
&Klen wir Muri im siebern Besitz der IQrche zuE^gaiwil/ So 
werden in der Bulle des Papstes Adrian .IV yomi Jahr IISO 
dem^ Kloster seine Kirchen, wonmter auch cUe yon Egenwilare, 
in der tou Papst Alexander DI im Jab* 1178 ebeirfails unter 
attdern die in E^wilare, audi dar yön Papst Clemens III im 
Mar 1188 wied^ die von Egenwilare^ mit der von Papst in- 
uocenz IV im Jahr 1247 nochmals die Kircbe zu l^finwüare 
;mgesichert. 

. Im Verlaufe der Zeit begai^fte sich xlaSf Kloster aber not 
dMi blossen Bmtz, mit d»n btossm Patronat- und CMlalmr-^ 
Re^t nicht m^. Im Jabr 132« khgten uämiich Abt ^md 



Cwvent dfM Pi#8t JdMHUi -dem XXIH, wie. m ihrem fitaetor 
die MöDcha-Di9e^[^ gebUiht habe oad hlöhe, und fr<me HtcH 
^pitrikät geübt worden, wckhe wegen den in diesen- Landes^ 
gefenden h^reinbreehenden Kriege» seit yiekn Texfloflsenexi 3At* 
ren, wegen Mangel und Noth natmrlassen, wie das Kloster m 
sehr in s^nen Einkünften geschwächt worden, dass sie die ge- 
wohnte Hospitalität nicht mehr beobachten können ; wessÜb 
sie . latt^n müssen , dass die Pfarrkirche zu Eggenwil , deren 
Nutzen 22 Blark Silber nach der jährlichen Zehntschatznng be- 
trete, und deren Patronatrecbt dem Kloater zustehe, diesem 
incorporirt werden möchte. Auf diese Bitte eingeh^id, gab der 
Pijipst dem Bisehof von Constanz den Auftrag, wenn das Pa* 
Ironatrecht whrklich dem Abte und Convent gdhöre, jene Kirche 
mit aUen Rechten und Zugehörigem dem KlosI» zu mcorpori^ 
reu/ SQ di^ beim Aufgeben odj^ Abtreten des Bectors der 
Kirche, oder wenn diese sonst wie ledig würde, Abt und Gon^ 
rent geatattet sei, den körp^liehen Besitz der Kirche, deren 
Bechle mit Zugehörendem zu ergreifen und in ihrem e^nen 
Nutzen zu behalten, jedoch sei dem beständige hinzusetzenden 
Vipar eine Congrua portio, aus welcher er sieh anständig er^ 
halten, die bischöflichen Rechte lösen und andere obliegende 
Lasten tragen könne, y orbehalten. — D^ Bfoehof Rudolf von 
Con^l^z vollzog, da er fand, dass das Patronatrecbt dem Klo-* 
ster gehöre, noch im glichen Jahns die Ineorporadon, wobei 
jedcüch die Institution des Viciurs und demselben als jähräoheä 
Einkommen 8 March, Herrengült genannt , vorbebedten wurden. 
iMe ßuUen des Papstes Martin V Tom Jahr 1425 und Eugen IV 
¥om Jahr 1432 benennen fem^ noch die Pfarrkvche zu Eggen- 
wil als mit dem Kloster einverleibt. 

So wurde die Kirche oder vielmehr die Pfahrpfründe zd 
Eggenwil von einem selbstständigen Jftectorat unter dem Patto^ 
ipAt des Hauses Habsburg, später des Klosters Muri zu emmn 
di^n letztem unterworfenen .Vicariat und deren ' Einkünfte vonr 
22 Mark Silber als lafelgut des Klostiers erklärt und dem Viear 
nur 8 Marit ai^geworfen. 

Wenn wir, dem lateinischen Ausdruck ecelesia folgedd, das 
Wort Kirche sowohl bei d^ Uebergabe an Mwi ak bei d^ 
^verleibung und Versehmelzung gd>raucht hdlen, so bedarf 






«•8* eber &ttiiteniiig. *Ib täUn üker sokdie V«Amidlmi§m 
astgeferliglaii Urirandeft ■imtidi wffd von «ceimia cwn deoid»; 
em ommku joribiis 6t p^Motüft, Ton den Koküiifton s^ 
condiMt taxationem decimffi annaüim, ferner tob Dos o^ 
lürcheBaatz« oder besser gesagt Pfarrsatz» ferner yon Kirchen^ 
leben nnd ha patrontas, endlich von prebenda ond oongm 
portio gesprochen* Der Begriff ecdeiia nmfasst aAe diesse Be^ 
aeiehnniigen und ist daher nicht im engem S»ne, d. b. i^ 
Lans^ans und Chor anszniegen. Mit dem Wort ecdesia ^#ird 
dem Patronat- oder CoHator -Herrn das Jos patronatns-^ oder 
das Kirchenleben gegeben, femer warden ihm die Dos oder 
DeeoMi Z^nteuridinfte, Kirchen - oder PfiBtrrsate anTertrant^ 
Daraus bat er sieh mit dmi Redor, dem er das Leben gibt, 
abrafinden. Bei incorporirten Kardien wird die ganze Dos oder 
der Pfarrsatz dent Kloster m den Tisch eingebändigt und mit 
dem Säostervermögen eini^rleibt. An die Stete des Bect<Nfs 
IriU der Viearias, entweder nnr als WeltgeistücbOT oder ^anob 
«na df n Brüdern des Ordens za besteilen , ond an die Stelle des 
Itf^ens tritt eine in dw Regel spärliche prebenda oder congraa 
pe^tio, oder wie hier Heirengäk. Dem Patronatherm oder 
dem Kloslertisch ^bleibt im die Pfli<^t znr prebenda, zur Er^ 
haltnng des Geistfichen, so die zur Unt^rfaaltmig und Ban da» 
Pfan^ebänlichkdt. Die für den Ban und Unterhalt der . eigenf- 
lieben Knxbe, Tempel, conenrrierenden Pflichten des Kirchs 
benm oder Klo^^rs und. der Pfarrgenossen sind ip unserer de* 
feiid in der Regel durch eine mehrbundertjäbrige Pl^xis und 
durch obriglmtüebe Sehhissnahmen dahin ausgeschieden worden, 
dass jenem das Chor, diesem das Langhaus mit dem Thurm 
anfällt. Für letztere Last, so wie ßnr Kirdienzierden, Fahr^ 
habe, Beieucfatung u. jb. w. bildeten si<A die sogenannten Kir- 
elMttgüter. Auf diese Weise gestaltete sich nach Sage der 
Admk vmA Uebung diese Verhältnisse, Lehrsätze und Theoden 
mögai anders Imten. Auch finden* -sich mitunter durch Spectal- 
litel zu erUMende Abweichungen. 

Als Dos der Pfarrei Eggenwil wird der Zeiuiten nach der 
jäbrlicbra Sdntzung zu 23 Mark Silber angegeben« Der Zeha*- 
ten ging ab alten im Pfarrbezkk gelegenen Clütarn. Wie aber 
bti andern Piarveien oft der FaU , so löste sich aaeh hier ein 



— M» — 

%häk des ^imians von detn Pfanrsatt ab «od kam in -Arrrai*- 
Winde. Im Jahr 1408 nämMeb übfirfiess Rudolf Landammaum, 
Si^idlbdu za Bremg«r£en, und seine Fra« Tnia dem KloMer 
Dfciri drküidb Pfund Geldes jäbrlicber Gidt aof der Vogtei m 
Iseabrecbteobwil, wdehe ab des Klo^o^ Gätern daseitot gi^en^ 
di^egen übergab das Kloster Muri jenem Landammann den 
Zehnten des liegenden Guts, genasmt Kbdlos, und ,das Eän-* 
fangs den Hecken nach, weleher Zehnten dem Kloster eigeff 
gewesen. Siebe . Habsburg. Urkunden im IV. Heft. Graf Hans 
WEi Habsburg, Herr zu Laufenburg, in^Higte ab MannleboH 
h^rr in diesen Tausch ein und nahm statt jener Galt diesen 
Zehü^antbeil ab Mannleben. Eine fernere ZdintTerinderung 
treSen wir im Jahr 1687. Die Grubmatte, unten am Giren-^ 
w^r j^legen, gab der Pfarrpfrund yon Eggenwil ids Zefa»- 
ten jiMieh 1 Fuder Heu. Hans Glattfdder ab der Giren, 
j^t zu Obert»bdios, Bremgartner Gebiets, kam nun b^ 
d^» Pfarrer daUn öberdn, dass anstatt jenem Zehnten Glatt- 
feMer seine Matte zu Eggenwil, dritthalb Mannwerk stark, 
fiiU%, eb^schätzig mit einem Viertel fiodenzim an das Kloster 
Muri wad zefan^flieh%, d^ Pfarrpfrund eigentfamnlieb äber^ 
Hess; da aber der Ertrag dieser Matte den jen^ Zeh^ens über^ 
sli^ , so wurde dem Glattfelder noch das der Pfarrpfrund 
gehörende HerreamäUli, ungefähr ein Viertheil dnes Mannwerks 
gros» und beschwerdenledfg überlassen. In diesen tausch wil* 
Ugten aucb der Abt von Bluri als Gollator, Jdiob Drexel^ Pfarr- 
verweser, ein. — Wie üeut aUerwärts zwbdien dem Zehntherm 
wA den Zehntpfliehtigen im Laufe der Zeiten Streitigkeiten sidi 
eiiioben, so treffen wir du solche Beispiel auch in der Kireb- 
g«BBd&de %fettwiL NamentUcfa arfaoboa sieh mit den Besatzern 
des ifo£es Hasenberg, den Zimmermann, mehi^MlM Anstände, 
so über Frucbtzehnteu von Aufbrüchen, Kleinzdmten, in den 
Muren 1699, .1701, 1777. Wir übergehen hier die weitläufige» 
ind lückeiibaftott Aelen. 

Ab Vermögen der Kirche und PfuprpfiNmd finden wir nehM 
dMp 2dmten noeh folgende CKttor und GefiiOe: Wie man in 
a4en Kurcbgeineinden auf sogenannte Widme- oder Widum- 
Säl^ stösst^ wekhe den Kirchen gehörten, so war auch tu 
Ggge»wil cKie sokhe Widme. Im Mir 1447 nümiteb verkMften 



1 



AlHiiiPip und Coarenl von KräugsMdieB.deiii Abt und Gonv^nt 
füa Mmi zw«i Büitl Itenen wMl 6 Sehittiig Pfemiif Gdd tob 
onl ab dem GpA za-Egg«iwil, genannr die Widme, welebe Ufi 
Ciwii^^ hallte; ferner 1 Vier^ Kernen und 9 Pfennig 6dd von 
Jonnersgnt, gibt Hensli Knbn, wie das an die gnädige Fran, 
Agnea, Königin ta Ungarn, gd^rnnrnm mn 56 Ckdden and' ^ 
(^ eine^ Gnldens RUn., die Güttenaeien Vogtateaem, nnd die 
Güter, worab sie gehoi, Güter von dem Kloster Mari« -r- Bd 
der Ton Herzog Rudolf, and Herzog Albrecbt, König Rudolfe 
Söhnen, Grafen zu Baden, HabAurg und Lenzbarg aa%ericb- 
teten Rechtang yom Jahr 1299 konnnt die Sldle vor: Zu Göm^ 
ykon liegen . zwei Sehiqiposen , die der Küchen von Eggenwil 
eigen md, die gdlen dnr Herrschaft Vogtredit 1 Mött Roggen. 
Da liegen auch zwei andere Schapposen, fie des Gotteshauses 
?Mi Muri ^gett «nd, d:b g^en auch zu Vogtrecht 1 Mitt Rog- 
gen. Die Herrschaft hat audi da zu richten Dieb und Frevel. ^^ 
Hi^ wie ob«a Voglsteaem auf den Khrcfaengütern. — Gehöhten 
die Letztem auch zur Widme? — Im Jahr 1492 gab der Abt 
¥on Muri als Kirchherr und von der Kirche wegen zu Eggen- 
wil dem Bartli Steiger ein Gütlin das^st, Sant Laurentzen 
Gitfi gennuit» zu einem Erblehen, und zwar um 4 Mütt Ker- 
nen Sns, 'der Kirdie oder dem Vün^ ausziariditen ; wenn 
St^er dieses Gölli rerkaufe, so habe er vom Erlösen den 
lehnten Pfennig der Kirche zu Eggenwil zu geben. Damit üe 
Blirrridrcfae , ihre Pfleger und deren Nachkommen wissen, wie 
das CNMi yeriiehen, so WB'd dasselbe im Jahr 1S95 unt^ den 
Keritzem Matius Wendel, genannt Schnider, und seinem Brtrfer, 
beschdeben; darnach gehört dahin dn Haus, Hofstatt, B«^ 
und Garten und HausmMte, oben im Dorf fiodenmatte, Sehiben^ 
iiri&ttli, Knrziftckar, Hinterboden, Acker im Langenacker, auf 
d«r untern Au, Scbnid^*nfmt , Auf und Nieder, Hinterpreis- 
matt , Kuppelacker , Nnssbaumacker , Werdacker , Tannenmatt , 
Vorhölzlin etc. Der letzte Brief ist yon der Äbtissin von Her- 
metsehwilare G^ichtsherrin geskgek. — Als im Jahr 1588 Ul- 
rich Cusler, Manrer zu Eggenwil, ds^^lbe GütK erkaufte und 
der Pferrkirche- den zehnten Pfennig nicht erlegen konnte, so 
verkaitfte er dem Pfleger Hans Lüti und allen nadifolga^den 
V80gmi dfilAalb SL Guhtoa jährtiehen Zinses; unter den 



— «w — 

LitedaUtdwu itl ims Hans etc. an der Landilffasse ff gen Baden 
a«%^ttfart ^ Der Name Laurentz^igätK kämmt affßobar Yom 
St I^orenz Iier, der m Ejp^enutt ab Kirebenpa^oa gefeieH 
ymi. Dasa Lanrmzengüdi und Widiaehof d^f^Ibe Gut der 
Kirelte hezeiehBea, läsat steh vermotfaen, venigatena lii^ in den 
angefäfarten Urkooden kein Cirnnd gegen diese Annahme, -r« 
In dem Einkommentereeichniss i^^om J^ 1^9 ki^mnen als deli 
Pferrers Gäter yor: eine Matte Ton zwei Bfannweriten , Amm 
mgk StäekWn Reben , die HaMen gleioh an dem Kirehbof ^ daran 
«och B^en, ein Garten beim Hans, gleidifails mk Reben he«- 
pfianat, ein Wäldchen von 4 Jnobarten« -^ 

In der Regel wnnle bei incHorporkten Kiroben, wie gesagt» 
der Corpus des Vicars oder P&rrepa spärUcb ausgeworfen; 
dieses war wirklich bei Eggenwit der Fall ^ wo seihst das «m^ 
badangeoe Verhaltaiss von 8 Marcb gegen SS nieht eiBgebaken 
wwde. Oab^ stöast mm auf wiederbolte Klagen. Im J. I4fi7 
klagte vor den Ratbsfooten d^ Eidgenossen Ton Staiken und 
Ländem Hr, Martin Bösebim , Lentpriester zu Eggenwil , gegen 
den Abt von Muri , dies^ habe ihm die Kirche und Pfkründe 
m Eggenwil geliehen, da er aber daraus seine JVahmng niobt 
gewimien könne, so möge derselbe gütlich dabin gewiesen wer-^* 
den, die Pfründe zu bessern. Der Abt dawider antwortete, er 
habe dem Herrn Martin Röschen die Pfründe der von firem-«- 
garten Ritte wegen getiefaen und ihm erklärt, er gebe ihm wie 
aduaen Yorfabr^i 40 Stück. Die Roten aber spradten: Dnt 
Herr von Muri soll dem IL Martin m den 40 Stücken eine 
Srbeaserang tbun und am jätoli(;h 4 Mütt Kerneh mehr gebmi» 
womit sich dieser begnügen und den Herrn yon Mnri ferner-r 
bin unbd&ümmert lanien si^. Beide haben in des bischöflichen 
Vicars, Herrn Niklans von Gundelfiageo, Hand angelobt, den 
S^pmcb zu halten. -^ In dem Bürgschafisbrief Tom J. 1470 für 
den damsJs anf die P£»Tpfrund gesetzten Johann Murer wird 
dessen Emkommen so beschrieben: Ans dem Kasten 27 Mütt 
K^^men, 10 Mit. Haber, 4 Stück Fasmns und 8 Sanm Wdn:, 
im JViederhard yon dem Zehnten so viel fallt, ^mast^för den 
Wein 3 Mütt Kernen; femer, wenn er zn Eggenwil hausbab»- 
\kk^ 100 Garben Stroh« ^ Im J. 166», unter Vicar ItAt. Jod, 
S«tar, betrug naßh^ den»4)S»en aogeCükrten VerzeifAiiiBs ^ts Blni^- 
I. 63 



komiüeii/ nebsi der Wohniuig ^nd BaurtzMg der ^^on fe- 
nann(en Grundstücke, in 30 Mitt Kernen, entwedar vom Amt^ 
bof des Klosters zu BremgsHrten oder von den Zelmtleulen 2a 
beziehen, femer 10 Mit. H*er, 1 Mütt Erfw, 1 M. BolmeD« 
1 M. Gersten, 1 M. Hirs und 4 Saum Wein; 37 Bürden Stroh 
Ton. den Zebntleuten, halb Joggen, halb Konä; in Sulz^ Yon- 
den Zehntleuten an Stroh 50 Garben zum Pfarriwf zu hrmgea;^ 
den kleinen Zehnten von allein Hanf, Rüben, Nässen, Obst za 
Eggend, Widen und auf ^en Nebenhöfen der Pfarrdi, ai»- 
genommen Hasenberg, Steinmantis-Hüslin und Kbellos; tob 
jeder Haushaltung dn Fastnacfatfauhn ; in den drei Matten, za 
Widen , nicht weit vom Dorf gelegen , Bejersmatten genannt, 
der Heuzehnten, deninan ihm airfistellen, den erzwar sammefo 
lassen , aber deti ihm die* Bauern Ton Widen oder die Besftzer 
der Güter ohne seine Kosten heimfiihren sollen ; yom Jdbrz^- 
bueh das Betreffende und yom : Kirehmeier auf Lieehtmess 
1 Pfd. Wachs der Kirche wegen; a. 1668 hat der Nussz^nten 
80 Vt. ertragen, — das Viertel an 1 Dicken verkauft, lacit 
M GL; aus den Rüben löst er gemetnigiidi 20 61.; a. 1668 
44 Pfd. Risten gemacht, das Pfund per 10 sg., facit 11 GL; 
Obst, wenn's gerathet, gibt gar yiel; äqs den Heuzehnten und 
Matten kann man eine Kuh gar wohl wintern , für das Fast- 
naefathuhn gibt ein Bauer 2 Btz., ein Tauner 5 sg.,^ der zu Hatis 
ist, 4 sg., erträgt ungefähr S% oder 4 GL, sie pflegen es aber 
in dem -Hanf oder Werk abzudienen; item tn dem ersten Jdir 
hat er von dem Opfer gehabt 14 GL; item 1670 hat er aus sei- 
nen Reben Wein gemadit ^% Saum, sonst andre mal mck ß 
und 7 Saum und minder. -^ Wenn in diesem nicht uninter- 
essanten Verzeichniss eben keine kummervolle Miene zu liegen 
seheint, so wurden doch später wiederholt gegründete Beschwer^ 
den laut. In den Jahren 1761 — 63 stritten sich das Kloster 
und der Vicar Weissenbach um den £rdapfelzehnten. Eiu bischöf- 
liches Dedret lautete zu Gunsten des Vicars, ^eser dürfe diesen 
Zehnten behalten , da ihm der kleine Zehnten gehöre und jener 
zu diesem zu zählen sei; auch das gegen ihn erwirkte Straf- 
mandat sei cassirt. Muri zog den Streit von Gonstanz an d^ 
Nuntiatur. Jedoch kam auf den Abgang des jetzigen Vikars 
hin der Vergleich zu Stttide, der Erdbürren- und Erdaq^felzeba- 



— 4«i -- 

ioii in den Bfi^lmi bleibe dem Vicar, der dagegen (üsitt dem 
ISlo^er dem AmtBiaiiite ^ Gebiär bezahlen soll; derselbe 
JSdmften in den Einschlägen :iind Weiden soll alle 3 Jahre ein* 
aial dem Vicar, zwrimal iettk Kloster zukommen; in JVeiibrächen« 
JNeogerüt und offnen Zdgen habe ihn das Kloster zu beziehen» 
fihmn nach ein^n Nach^tz vom J. 1770 wurde die Bestimmung 
arnfgenommen: Dem jeweiligen Vicar sei gestattet, denErdap£eU 
zefanten in den Weiden etc. alle 3-Jahre zweimid, statt einmd 
aanehoMa, Wie im J. 1780 zwischen Pfarrer Haimb und dem 
Kloster wieder Differenzen über den Vergleich von 1763 aol^ 
hauchten, deren fieseitigung nicht in den Acten gefunden wer- 
dep kann, so erhob im J; 1792 Pferrer Mäschli Aeklamatione« 
^öber den Lewatzehaten, und stellte vor, wie die Rüben früher 
^e eiszige Frucht gewesen, die auf dem Felde nach Korn iuid 
•Roggen gepflanzt wurde und einen bedeutenden Xheil des dem 
Pftrrer zuständigen kleiden Zehntens gebildet habe; seit eimgen 
Jahren werden die .Rüben durch andere Gattungen Frcichte, so 
Klee und Lewat beinahe ganz verdrängt, so dass der Zehnten 
jetzt kaum üoch die Hälfte betrage; eine Entschädigung dafür 
sm, um so biibger^ dia die Pflichten nicht erleichtert, sondern 
durch den Anwachs des. Volks erschwert werden etc. Auf den 
fimricht des Amimanns, l^en- wie Lewatzehnten gehöre nicht 
zur Congrua, sondern nur zuni Uebemutzen, bebarrte das Klo- 
Mer auf dem früher mündlich gegebenen Abschlag. Dieser Pfar- 
jrer, eine fierechnuag der Einkünfte aufisteilend, machte auch 
fforzügiicb, wie sein Voi^nger Weissenbach, den. Besehwerde- 
grund geltend, weil das jetzige Einkommen, mit dem Pfarrei* 
nutzen des Klosters verglichen, die dem Vicar vorbebalteiien 
S Mark gegenüber den 22 . Mark nicht erreiche. Er regnete : 
1807 betrage der Bezug des Klosters 1752 fl. ; davon fal* 
kn auf 8 Mark 687 Gl. 37^y,„ auf 22 Mark IIU .36 . 4V„; 
iem Viciff seien aber statt 637 nur 441 . 10 assignirt, somit 
195 . 33 • 7 zu wenig. — Es war nie gut, dass der zehnte TheU 
der Früchte und der zehnte Schweisstropfen des Landmannes 
seoier eigenen Kirche entfremdet, seinem Seelsorger und seiner 
religiösen Erbauung vorenthalten wurden. Durch die Incorpo* 
rationen wurden die JJLlöster die Hechte der kleinen Kirchen 
des Volks. Böse Zeiten und Verluste mochten etwas daran 



oüicIuMigiii, «her ki der Foife der 2dt miM meto. -- te 
IMttiODsdecret de» A^giUiaclMi fihroasen Ratiies ¥0& 1846 kt 
w BerädfiBielitigaDf!^ der weno audi. kleinen, dock liesdiweilidiGtt 
Pfarrei mni der Pffiobt des Klo6ierveniiöf«n das £iiikioaiiMi 
des Pfarrers ittf 1200 Fr. festgeeeUt. wwden. 

So bong das Kloster uiit dem Vicar sich aUaiid, so karg 
«eigte «s sidi bei dem Hhd obliegenden Ran und Unlerbak Toa 
Kirdieoebor a»d PfrosdgebäalicULeiten. Obgleioh das im Kkn 
eter erschienene WeA Moros et antemurale grosses Wes« 
fltocht sowohl yOn dem im J. lS3ä, aadidem diese CSegewl wie- 
der zmr katholisdien Confiession zmrückgekdirt, stattge hak te a 
Banten ron ClMKr und Ahären, als yon den nnier den Aeb(€a 
ilierofeiimüs Troger «nd Placid Zurianben angeordneten Cher* 
und Altar-Baoten, so findet aMn zwar <bs Choir in einem ordesl^ 
lidien aber nidrt etwa awgeseiehneten Zmtand, dagegen dis 
ganee Kircfaengebävde zu klein und dasselbe wie. der sehr b^ 
aehränkte Friedbaf der Ge&far zom Sturz in das fiaclitabd aos^ 
geaetzL Di» Pfarrbaus erfreute sich seit der Staalaadministr»' 
iion einer Imfoemern «nd wohnlichem Einrichtung. In dem 
aobon erwähnten Beeret sind iur Unterhaltung des Chors, to 
P&rtg^ände binlänghche Summen aasgesetzt und 4iztt der 
Püirrei zu Händen ihres Kircfaeafond$ und dem Bau der Kireke 
eine Gabe ron 5000 Fr. iMstimmt« 

Wie schon angedeut^, wendete sich zur ersten R^brniattoe^ 
aeit dieae (Segend der neuen LAte zu, und erst nach der Sohladit 
bei €ap|>el, 1532 , winrde die Kirche zu EggenwM wieder recon^ 
citärt Aber eine andere Umgestaltung« und zwar beögii^der 
Priester, rerdient noch Erwähming. 

Obschon nämlicii dnrch die incorporaäonsverhmdlnng deli 
Kloster das Recht, als Vi«»r eiuen sdner Ord^sbrnder biniMi*- 
setzen, micbt eingerinttnt wurde, und aiKh die darauf verkoai* 
menden iareistlicben wirklich Wehgeisttiche und keine Etfoaü 
waren, sd gdang es doch später dem Kloster, anofa diese Vtaßtt^ 
pfründa ds Regularpfrinde zu behancteln und zu beMobM* 
Dmm im 3. i€S8 würde auf Ansuchen de« Abts vom Biicbrf 
von Constanz die Pfarapfrund Eggenwä wieder in ame Seodsr» 
pfründe umgewandelt, dagegm die Pfarrpfrüi^ öiesatnhefcn 
an eher Regularpfmnde etklart. EMiei winrden bezügliDh £gg^^ 



j 



ytfä d& Bftirtmimigtp wadg^o^asoAen^. beim Todetliill Abb €tori- 
cers soll yom Kloster weder einiges jus spolii pralendirt (wie 
anch der Bi^obof ^ uidil l^ebre), nodi toh denen Vciianen- 
mtäh der mit keiaem Recht zostehende Abzug fenrnnmen wer^ 
den. Dem Klostier bleibe das Patronatrecb xagesiafaert^ wie 
dem Bischof scd&e Recbte. Dem FräbA bleibe die Berecbtigwig 
coobsignandi. Die yom Bischof approbirte Coo^raa soU^dem 
PAtmnr yerahfolgt werden. Dagegen habe dieeer dem Kleister 
4en BauschiUing mit 10 Gl. sn erlegen oder nacbzuweiseB, wie 
er denselben im Pfarrhioi y«rwendet habe o. s. f. — Bemerkens* 
werth sind hier die im J. 1572 vom Kloster «nCgerichteten Ar«*- 
tikel« wie jeder Pfarrer auf des Kkislers Pfiründen, somit «nch 
der zu Eggenwä» m halten sei. Darnach soll der Plnrer d^ 
Sciftmig oaddebeo, auf der Pfründe seUnt wohnen und die oo l t « 
versehe«^ die Wohmmig gut uolerfaalten mit Ausnafame der ehe- 
hafien Banten über 6 <ii , die dem Klosler airffadfen. £r s#& 
das Corpus wie bisher zu. beziehen haben, nwhr £h geben stehe 
an des Klosters GefaHea, er soll die Einkünfte mcht mindem 
lassen und aHMlige Angriffe darauf anaeigen. Werde er krank, 
ao habe er die Pfründe versehen zu lassen oder abzugeben. 
Alle Hinterlassenschaft soll dem Kiosler ab £igen und Eii> an- 
heimfallen, es wäre denn, der Pfsorer kaufe sich ledig; ferner 
soll jeder Gewählte dem Kloster eiben silbemen SBocher und 
jedem der drei Hofdieiier ein Paar Hos^i geben etc. — 

Aus den Akten des Klosters, wie am dem Anmrersarhnai 
und den Schräken z« Eggenwil kann fjiilgeMles, freilich lückeH* 
haftes Verzeichniss der Pfarrer au|gesteilt werifea. 
Henrich Ottenbach war im J. 1379 Vicar umI stdhe dem Klo- 
ster dea Schuldbrief aus, dass er dismsdben iOO Stucke 
verschiedener Früebte schuldig geworden sei und dal*an ili 
den nächsten zehn Jahren je 10 Stücke yon seiner Pia- 
bende zwüokerstatten woUe« 
Siarlin Beaoh voa Breaigarten, Leulpriesder, trat 14fi/7 seines 
£ittkolQMnens wegen gageü das Kloster ^or ^e Rathsfcoten 
der Orte und ^riüelt durch Spruch zu den M Stücken 
eine AufbesseivHig v«n 4 Mütt Kemien. 
Johann Murer wurde Leutpriester im J. 1470 , ihm w«ren Ste^ 
fan Meier, Chorherr zu Emmerrach und Decan zu Brem- 



garten, so ipide Hans Ararifinister, Büi^sr i^en Sinridi, 
Bürgen. . 

Hartmann von Wäe ron Bremgarten, Roctor, and 

Rudolf Koch finden sich im Anniyersarhiin von BremgiHen , im 
Pfarryerzeichniss werden sie yior Bi^ch und Morer ges^t. 

Johann Rupert yon Worms, Sohn des kak^lidien Notars Jo- 
hann Rupert. 

Nikolanis Rosenkranz, welcher in Bibenlos am Tisdbl g^5<kel 
worden «ein soll, weil er an der Kirchweihe dfiem Ta- 
gierenden Spielmann.sein Leierspiel v^bieten wölke. 

Barlholomäns Moccio. 

Hwirich Bacher yon Bremgarten. - ^ 

Ulrich Rhei yon Muri, den man im J. 1582 triit. - 

Jakob Drexel yon Bremgarten, 1637, der zum Abtausch des 
Fuders Heu als Zehnten yon den Grubmatten einmUigte. 

Mathias Honeggt»* yon Bremgarten , der im J. 1650' Pfarrer war. 

Heinrich Kydt yon Schwiz und Bremgarten, gewäUt 1662. 

Job. Jodoc Suter yon Muri, erwählt 1664, yon welchem das 
Einkommenyerzeichniss yom J. 1669 etc. und ein Beriet 
iiber Kirche, Pferrei, Kapelle auf dem Hasenberg und d« 
Kreuzkirchlein yorhanden sind. 

Job. Jodoc Suter, junior, gew. 1672. 

Rochus Wiss zu Bremgarten, gew. 1685. 

Beat Jakob Kaiser yon Zug, gew. 16^. 

Job. Casp. Custer yon Bremgarten, gew. 1693. 

Ant. Wolfgang Brandenherg yon Zug, gew. 1698. 

Ernst Guomann yon Bremgarten, gew. 1708. 

W. Anton Wickart yon Zug, gew. 1718. 

Heinrich Weissenbach yon Bremgarten, gew. 1719. 

Job. Beruh. Andermatt yon Zug, gew. 1722. 

Plaz. Job. Rei yon Muri , gew. 1737. 

J. J. Bas. Weissenbach yon Bremgarten, gew. 1754. iN^er 
führte den oben angeführten Zehntenstreit gegen das Klo- 
ster. Dessen Auskauf bei seiner Wahl giiig dabin, dass er 
zur Auslösung seines Erbes 90 R. Tfalr. , sollte er aber auf 
ein anderes Beneficium des Klosters kommen, b^ 50 M. Gl. 
yerspracb. 



Aat. HaÜB^^ gew. 177», der dbenfaHs AmlÜBde wegen Zeknt- 

gefaUen bfttte, 
Jofa. LeQQz SlischU von Muri, gew. 1780, der sieb um Cresit* 

tuflg und das Schulweseo in Eggenwil ¥€^dient machte und 

seiner Einkünfte wegen Beklamaiionen erhob. 
H. Lz. Haber von Besenbirren, gew. 1827. 
F. Jakob Meier von ViUmei^en, gew. 1828, der dermals noch 

der Pfarrei yorsieht. 



Noch bleibt übrig, zweier FiUalcapellen zu erwähnen, näm- 
lich der anf dem Hasenberg erbaiiten Capelle und des Kreuz- 
karcbleins bei Bremgarten und des daber geführten Rechtsstreites. 

INe CapieUe auf dem Hasenberg wurde im J. 1621 ge-r 
stiftet, und zwar gaben laut dem Libeli der Stiftungen und Ver- 
gabungen Caspar Zimmermann, der Bauer auf dem Hi^n* 
berg, ein Mannwerk Matte, Vorlins Acker, im Rudolfstetter 
Zwing ; derselbe einen Bodenzins von Vs Mütt Kernen ab Haus* 
und Hofstatt. zu RudoUstetten; derselbe ferner 1 Viertel Kernen 
ab 3 Mannwerk Matten im gleichen Zwing; Heinridi Hüser, 
der obere zu Widen, Pfleger der Capelle, V, Mütt Kernen ab 
einer Juchart; Heinrich Hüser, der untere zu Widen, Kirch- 
mei^ zu Eggen wil, 20 M. Gl. ablösigen Hauptguts ab einer 
Juchart; endlich Hdnricb Wynreber zu Künten im J. 1728 
1 Vt. Kernen slb einer Jucbart zu Bellikon« Nach Notizen soll 
vordem da nmr ein kleines Betkirchlein gestanden sein ; die Ca- 
pelle sei yom Hofbesitzer wegen Zeitbedrängnissen und grossem 
Viebveriust gestiftet worden. 

Darüb^ , ob das ennert der Reuss bei Bremgarten gelegene 
Kreuzkirchlein eine Filiale der Pfarrei Eggenwil oder der 
Pfarrei Bremgarten sei und ob dessen Umgebung, die Wäris* 
Bnible. und das Sondersiechenhaus zu jener oder dieser Pfarrei 
gehören, stritten sich yom J. 1674 bis 1740 das Kloster Muri 
und die Stadt Bremgarten. Das Kloster im Einyerständniss mit 
dem Pfarrer yon Eggenwil behauptete,* jenes Territorium en- 
n^t der Reuss gebore deswegen in den Pfarrkreis Eggienwtl, 
weil dessen Pfarrer die daherigen Verrichtungen zu yersebeUv 
had^e, wie idieses bewiesen yorliege; die Grenzen* des Gebiets 



men niofat ^an imd für mh die «kr Pforra; lelJBlere munea abw 
nicht präscribirt werden ; Muri beziehe allen Zehnten bis m die 
Reoss gegen firengarten auf dem linken Htm; Brengarteft 
könne wobl die Adnlinistration , Fandatfon- und ConsiectBliOii 
der Kreuzcapelie haben, abar damit nicht di^ pfarramiliche Juris^ 
dictian und den District. -— Dagegen bracbte d^r Magistrat Yon 
Bremgarten mit dem dortigen Pfarrer an : Sebon 1386 sei aus 
dai Steuern der Bürger von Bremgarten das KteuzkipetileiB 
erbaut worden. Ein Kaplan , der in Bremgarten eine Pfründe 
habe, besorge die Functionen darin und trage seinen Namen 
Ton daher; der Pfarre yen Bremgarten habe stets aaf frag- 
Hellem . Gebiete aUe Pönitentialien , Solemni täten, Mi^imonien, 
Taufra, Begräbnisse ausgeübt und gebalten. ]{d der Reforma«* 
tion sei diese Gapelle ron den Beigem d^B Feuer «berliefert, 
nicht lange bernach aber von Br^sgarten wieder aufgebaut 
worden, ohne dass Muri etwas daran gdeistet habe; im J. 1698 
sei die Capdle durch Incest ^tehrt, das Vergeben sei vor den 
Magistrat gebracht worden; der lehnten bewdse nichts » da 
Pfarrzehnten oft in andere übergegangen seien; Gdiiets* und 
Pfarreimarcben seien grundsätzlich als gleich anzunehmen ;- vor 
Zeiten sei auf diesem Gebiet eine Vorstadt gestanden, welche« in 
die Pfarrei gehört habe etc« Das Kloster legte mehrere Kundscbaf^ 
teu, welche Bremgarten aber als von Anverwandten gewisser Coi^ 
irentualen oder Beneficiaten des Klosters herrührend, ausstdlt», 
vor. — Einige davonbezeugten, gehört zu haben, dass das in Frage 
stehende Territorium zur Pfarrei EggenwU gezäUt worden sei 
Wie Landschreiber B. C. Zurlauben aussagte, dass er, auf det 
Wärismüble wohnend, die pfarrlichen Opfer nach Eggenwü habe 
abgeben müssen, so bezeugt die Witiwe des Landsdireib^rs 
fi. J. Zurlauben, dass bei einer Kindbette, da es zwischen bei:^^ 
den Parteiea Streit abgesetzt , der P£u:rer von E^;«nwii func^ 
tionirt habe. Mathias Uoneggcr, gewesoi^ P&rrer zu]^eiH> 
wii, sagte aus» es sei von Seite Muris auch auf die Bru^^fmiAle 
prätendirt worden, allein man sei aus Mangel an genügeaibii 
Gründen davon abg^angen; bezüglich der Wärismüble k^Mi 
er sich wie seine Vorgänger mit dem Pfarrer V4m Aremgartoi 
irerständigen müäen. H. Kydt, eb^ifalls gewfi6ene^ PfiBorrer zk 
Eggenwil, bezieht ^ich auf die aligemmie Rede, imf den .Vor-- 



a(^ ^r sieb ißifimaii auf <fos Jahrzeitbuch za %genw]^ beruferr; 
KmIrh»^ ÜMegget um ^rwkr^tt' habe, ^es könne j^def 
Mratetfe in 4äs JabiMrekbndi sehrabeh, was er wo(te^.^ Endfie^ 
sebreibi B« J. Swhiubeii an'S^en Sohn naeh Mari, er habe 
surar seine iSdmhtiglcei^n zu Ifrenrgarlen ^elhan, das Opfer 
itker babo er dem Pfarrer zu Eggenwll gegeben, Schriften habe 
W keine gesehen. -^ 0er Streit k^m vor das bischofliche Ge^ 
rieht. *- Als im J. 1763 das Bewetsinlerlocut gefällt und di^ 
Ssptrien m%efardert worden^, ihre Beweise zu produeiren.v 
iroriSen nochmals gfttikhe Vnterhandhingen angebahnt, die end^ 
iidi «M SMe fäbnen. tJntelf den Vtnrmittlem, nämlich IVid. 
SoAni^, Decan za TfBtmch, nni Caspar Keller, Decan des 
Captlefe RegeÄ^^erg^ ttnd Pfiähreir k Rohtrdorf, wurde dife 
|}ebereiiri£mtft gelt^en: Bremgartetl ^11 4ie Administrativ 
tferSaeramente und der übrigen pfairrKchen Foneiionen in dem 
Msher beMersetta (fisp«lil*ten Pfani>eziH£,' herwärts der Stadt 
gegen das Freiamt gelegen, nämlich Krcüzkirchlein , Sonder- 
i^ieehenhftiis^, Wärismüble; Ziegelhüttev gütlich auf immer »per 
p^petunm connn»siotiem sive perpetuo commissario nomine^ 
imn der ■• Pfiirrei Wehten und £ggeiiw9 , » sakis tarnen oceteris 
ntrissque partis jur8)us^^ eednrt und iberlassen sein, atso dass 
ilocdigeda^ F. Gk Mnri keine Aeehte tfxekt an der pfarriicheii 
¥erw^tttng in dieaem Düstrkt brisen wolle. Bezüglich der fois^ 
her gepflogenen AdminnftpalioA qnoad t^mporalia des Kreüz^ 
leirebleins imd des SondeniecheBbaiises lässt da^ Kloster Mari 
die Stadt 'Bremgarten in rahi|fem BesHz ohne einige Aenderung 
4mt EiipmmkaA btlber. So laotel dm von Bremgarten an Muri 
ausgidertlgle u»d von diesem aBgenommene Doppel. Eine Ab^ 
jHbrift «hn ifoa Muri, ausgai^km Doppels läast den Ertäute^ 
rteg»alB von »ako daas^ bis »haben wolle ^ weg. Die liebet- 
■■■kniifll irarde mich biaetMliidi genebmigt. So wurde diese 
lAittgriegeahe^ für sMe Zttkuiifl fest geregelt; aber die altern 
JlusliBde dttveh alte v«riiande«en Akten nicht genüglich enV 



f '^ 



^t Zeü waren Bremgarten, Siadt und Kirche, wie Eggen- 
ndA^ Ort und^iSrcfae, hid>riblirgiaeh. War der aaeh der Acta 
4lmd. M. M, wie fiiMlos nach EggcbwH gehörende Hof z« 
I. 64 



/ 



SremgirteD faier eoMit d^Bemm't Am 4m HäuamimM 9^ 
wisH, dass ^ Kreozktrchlein^ die Wiiiiiiailile, .Siidfirrifch^ii 
lunis und Ziegdhntte, M>'im hmä nmi Hefe wdUv an Berir 
atrfwätts mm G<Aiei der Sudt gdmrlea, wie dieies .ioi bewk^ 
lea SCreil steht in Ffage geeldfe wurde. 

Es ist hier nicht der Oft, 4ie bäfgeriiche «eiohiohle Efn^Btt^ 
wib imd der mit in Kirehq^ gel egewai (kle mid Hife »i 
behandeln. Nor im Vorhdgehen m hemerirt, data Eigeawfl 
in der eheiMBgen Gnrfachaft Baden liegt, oad dasa das-Kloaler 
H^metschwil abtretnngaweise vob Jlna bd d^ TremMHug heir 
d^Kleater die Herrse^t und die sj^ätem antam GOTJdhtenhar 
Eggenwil, Gyren und Hohe^Mrehen , so wie äberhan^ iäer 4am 
Uermelachwiler oder KnMBnHABit erhallen halle. Sowimkn-yoü 
Städten und Länden der Eidgenoasin hn J. 16M bd dar Borw»^ 
gong des Schlossnrbaia der QnbAiA Baden dm Klosttr Hw* 
metschwU zn EggenwU Zwing nnd Bann und nied«» OenGfatia 
hestStigt. Jetzt gehört Eggenwil zom Aarg. Be^rke flkemgarlen. 

Die Kirche zu GösHkon finden wir zuerst im J. IIM^^ ris 
sie nebst den Kirchen von Hermetsehwü« Bnchs, Staus, Riscb» 
Boswil, Eggenwil, Bohrdorf, Urtechon und Thdwi dnach «fie 
Bolle Adrians IV dem KloMer Nori bestätigt wird. Der Name 
^trd » Coheltnchon ^^ gesohrieben. Unter den Kirchen, die Ale- 
xander III im J. 1178 dem Klost^ Morr «ischreibt, fcämnit 
unter den andern wiedar ^ zn ^»CozIittclKdn^ vor. In der 
Bolle Ton Clemens W Tom J. 1188 beisst sieKivrile'Zn »Chi»«- 
clinchön ^^ Diejenige Ton Innocenz IV Tom J. iVO sehreflrt 
wieder Coriinchobi. Neben der oben .bei EggenwM 
übrigens bezweifelten Behanptung, dass der Zehnten aHar 
eben bis .Windisch dieaaeits des flossea vom Kbilar hecogin 
worden, findet sich in der Acta Arndttionis Morenns joHmaatevü 
die Stelle , der Z^nten des Dotfes Wdilen wenb JMhA ge^ 
iheih, ein Tbeil gehöre nach ViHmergen , einer nachWyl (j«iat 
Niedelrwil) und ein Thefl nach ClöuHkon. Aber to'JBaimteB» 
welchen die geheii, wefebe naeh Oäililion gehöd^en, d.^h; dgUm 
f farrpOicIitig sind, beafaha n (Be im Kloster Muri, wogegen 






y 



«od zu FtseU)dcb* w«iMkti. * / 

4cfm Kloster 'Muri amg^ieiit hd^i6iiv ^ weit geben , so- fiiM bmIi 
MM^ dem Inbalte der TaiiiBitdenM Urktto^ mÜit beilrtilw\ 
dSiss das Kloster Muri von den Alpen an bis Winifecb Üinab 
tiefe Kffrcben#ilze, inr^lcbe tb^it Hm biiebett , tfauto tei Laufe 
4tii^ i&elt ' d!ü9 seiner Hand kamen, besaas. Sdt der'lkütoiig dea 
Klost^s 10^7 bis ins 14. Jabrbund^rt^ begegnen oifö mufti papst^ 
M^enVMN^flteben und eignen Acten des Kl^tefs fol^nde 
Kirdien: A^ri, wehebe afl bestrktai, demiodi bfob; ebenso 
Eggen wfl; Herai^^wil, mit w^dtör das dwt%e Frauenkloalepr 
in Veririndung tral$ Bos#ii, die obere KapeU^^ so "^mvoi Wob^ 
fem "die Kapelle; die PfiurtÜrctoi beider Orte taociMn eval spül«» 
auf; Thalwil, welcbe ISi7 noch in einei' %^ für Muri mS^ 
IfUDbirt, a^r sek>n 19fä Tioaa Bfiscbof iw^Gonstanz an das 
iHoater Wetitnge» rertamcbl : "iHrd ; . Bocbft, Slunsr CMnio^i«^ 
Riseb, UrtetelMin, Käanek, StaKkm, R<Arddrf, Qöslikan, 
Irekbe alle später den Kbster^Sbiri ab Haeden kamen. Wie 
das Kloster diese Kirebenrerlor, darüber gewibri die bei 
den IncorporationsyiMdignMHnBgfip ttbnr die Kinriie zu ViümM^aii 
üfi JP. 1425^ von Mangold Menger, Reelar <ter Pfarrkincfae » 
^lA, abgelegte Kundaebrfl^rinigM AuIkUuss. Dertebe beceugl 
ajinili<A, ym bei den Krieg^&n iwb^bra d^i He^nogtn wm €Mel> 
nkAi und den Sdiir«izevn das Ktoatar sehr hart initgaMnuimi 
tfud ibn» ¥#n den auijgaliibrtenJiireben entfremdet und ientribann 
mavdett s^w. die meisten dieser Leben lagen im. Gebiet i.deir 
diamals sie ge ndw a Sdnreiaer. Von daher a^ es kommenv .ibas 
(fe Herzogt ^Ton Oeitraicb i^piler im U. und 15» Jah^ii^dMl 
das Kfester noit amen Kffi^a> se mit V^Htmergc^* Saraee^ 
Lirnkholen bediefaten » mid zwar nioht al», }As3ißs& SehMkimg^ 
aiandern aueh im Tawcb» w^ett VeaaehnUen, ak i^bgenAienal« 
wie^^ UskuwAen seibat sagen. D»>iärcfae zu fiüs«ea<eni^i^ 
m sieb ^ron -den Eraibtrm toiu Benssdfgv die »i Baanti^voii 
dwen iRoti HaihHl mnd im zu Wohkn ymk dehien you &eifen^ 
MT«^ Bei dar spitem £rdw«ng «h» Aargau's waB.Bljaai gÜ^Lw 
\Hktk ds bei danFreikeitafcämpf^A di^ Sdbii»8f&*, indc^ 
eflt ^iieliilm Besitz^ der idawals-ibmifabärifM Km^mf retli^« Und 



frie wir bei den Uabsburgifclieii Urknadten füwhfo, elm^ 
«oii^ver«i SUwk Wie «s mme fi»il«iKi aaf 4Mb>Baui d«r akw 
Idehra Freien des Iimdetf e,w«m« sq b^r^le ifatti 4i0 Nemesis 
das LMa, b^ aUea Kamf^fon um die büf^g^rlidbe «n4 geialisfi 
Freiheit gm bissen. 

.Quid prosit» silaüro na|riai ei mMachns oottedai? nü 4» 
eile r^t^kke Sehmäier 4er A^ an»» eis «ar die llntWfArwtnng 
in WoUen^ and die.ErweriDnng an das JUoeter emUi* 
' So lan(^ die Kardia su Göseitkon wiler d^n JUnsler J^pfi 
alaod , wnrde äe niii< demselben ^«ebt nie eioi^erieibt. Q^mi^ 
jene SteHe dw Aela I^L M.» wonach ier Be^nf des^ jm d^ereeibe» 
gebärenden Xbe^ des Wobler Zdmlens dem KleMer mgßr 
^•dhrtelmi and i» lanscb vm dm.'^Zstelen ' zn Wald nnd fisofar 
"naen erwannft' wnpciif unwi oanin senHesaen» 

Wie tite Pfaidunehe Göaüfcon ans dem Beailie am KfaitaPe 
JMaei'^lsam, bid>en ym urknndüc^n . AnM^ne^ Im J; 198ft M 
^ MwtiDs^.A^ettd urluindeien Abi nnd Confett^on Mm^ 
4am sie dem BUtar Hmnrieb von Gesslsr und dessen Bmdnr 
IJbricb« KireUierzn 2n Engstvingen, das Gut m G(isliiu>n, ge^ 
nnnol beii^ Bfnmien, smmA iea» den, ^ebörenden Kirebe&* 
anlie nm 40 Mark Silber Zärcb. Oewi^ Terinmft Imben. Diese 
fiirebe winnfo somit dem Kloster nicht dnreb den Krieg sidbst 
eirtrisaen» sie lag nicbt im Gebiet der damaligen Eidgenossen» 
ster hnwerinn konnte Geldmenge au dem gewiss unlieben Vm^ 
Jmnf DüiUgaB. Die Geasler blieben ni^ lange im fiesite* Im 
1. 130, SaBMtag vor Mitte März, Teriumften naek 4eo^ vjgn 
Mbann ven Eiobibevg, Sdidlhess rem I ke mg a rte n, ansgesleil^ 
«an Brief RiU4fr Ukidi vnn Gesder mid sein Sobn Ifeiüritib 
dem Gering von Altwis, Vogt dar Köaigni Agnes auf 4emBöls*^ 
beig «Ml im Ei ge n , zu deren tfondan dae Gut anm Brennen 
vmA dam dazu g^äiwaden Kirehensalz anmml di^ Kinohe ^n 
GösUkon um «0 Mask SBber Zönck Gew. Keeb etwas übet 
80 Jabnen gdten sonnt Gut mid KirdKoaaiz mn.iden dritten 
l^eü mebr. BeM« den U firacbmonat d em dboi Jfaibres, «an* 
gable Kenigiü Agnes^ weilend Miimigin . von Iifarn> dan Haf 
nnd Kirdbeneaiz zu Gösikei^ nn «km teil. Odst und. den S|MI 
znBnden, bcs wetehamer dann bis jnsl* unsere Zeit hmak «f&h* 



Mdb, IiWl der inc»!' lah«ul«l, . ÜHM^diMr rom Ci ilii inu , waä 
jMe V^^dmag Im aii8ge»t«Ule» Urknvte rfom J. IWO wiri 
Mft 4mi KmebeimUid ^{m J^^ jÄhriid 30 9fäU Roffea ani4 
«Mßiiöpft. .^ MU der l^titeag 4es Hi^roMiiwrfä»^ m ei 
dwth Kiraf , Tmiselt, Pfaadäbeiteisii^g oder JSthenfcMng, «v« 
wu^Iis ftir dea Palronirtii^ra oidit mnar in BmqM^ «neu CMtt^ 
ücheA ml die Pirindc zu ptäsmtHraiit «otidmi aiach' 0itf Ait^ 
•pn»!^ Mf d«n N«l»sii des> Kamhensi^eji. Diese Rtrtdiiigong 
}iUd0to Am Ci^eiiwerllt fiwr ien eri^fts^Kidprflis, öder für 
^ ««f da» 2bmi g&AU%me Geld, «oder §kr itm AbfOUiföcfate 
4ldet dojfBJpn» WM yerlmr dar Sefaeokeinde yeott^t katte; 
Her Petroeeyierr bi^ sieb «il di» Järd^on», fesetar, Pleban 
oder Leaii^riealttr- tfcnififtden , wm\m, wie dlesetrmdst bttenget 
lMbO»g naeii^ gwg, . oft «ii%elmsert werden-ninale. Die i^ 
üiekeB PatroA^^räaden befai^n mkim ieat Regel besser: ob 
dkjlBeoin^Bk»!. 9lilHilsr gab ei aach de CooSkie imd Kto« 
gen« Wie die Festelärikiiig des C<n!p» Iw den Pfarrberra, se 
wer mil deai Jus pete^oelKs aiMsh die . Lasi . zur UatütelliiB^ 
nwi zum Bw des Qews ued Ast Pfaregebiidieblieilea ^reebowiniu 
Wie bm* das £iriaen«ii& dbs Pftmes gul beslelti isl« so }»> 
fiodel^eh das Pfieoifehiaide ia sehr wdhettebeBi Zuslaadei 

Wir beben aueden «na la G^ote stebendttt Ablen M§mJ^ 
Notizen bervor, ' ' ' ■ 

foi J. 1246^ «nrZeil, danmbiie Kiifcbc mtmMwm stewl; 
ersebetnl der Mi^jister CL« PlebeMsin QmkXUbm, txhrn Profan 
. Ollo TOB BeaeU Probei C. ^ea Eatbaaeb^ JHagislei' uad PlebMl 
€. itt: Coasieaz «ad Magister H., Plshea. in Serolenirtarf, ak 
Riehlw ia deea zwiicsbeQ den Gntfea vmi fiabsboig, aäadMli 
AadelC den Jäs«irti (^Uar König), Albert, Ganonicos iraa 
Basel, wd flartmaaB, B#äd^^ so wieSknired» CaanaMr^ M 
Baeel, beredte, \md der JdMieNa m Siricb imd M. Heiaricb, 
PJebaa ta 6t. Pelar dmelhsl» aaderseHs gefofarten Streit nn 
die Capidfo aii Seblf^en.. Barcb den Cpmcb wurde dieselbe 
«k ¥m^ der St. Petecskrrife irifilirt and das PaüenatrecM 
über «e den Gralm veit Hebabarg za^^iebert. ^ Dte^ swiiebeq 
Avaoil Sdi^f^ara, LealpHealer ra GiisUkoa, ond iicbiikWaa 
nlsd Bmiken der ^dt Ibden i^r ZiasKtieksUmde aad Baid^ostäa 
ge>eAsAe*> Abslatidc mirdto 19^ dabin. ¥ei^fefaen,.dass der 



sMäic^. lrffegeii««wal» 9dK>B oft i^iritobeti 4Nb IMrri^ utd dM 
Vftirrgeflössigen Anitmde iiml Reschwerden vefonwchl hAe. 
Ans diesen ^rioitofi imd zbbi Beleben des CkMIeai^enste «od 
»M Seelenlial bttlen sie mnfitliig jene Herren «od Colkito«> 
ren, sie mil der Pfarrkireke zt Wehten su tefbkidM iHid M 
vereinigen* Dieser Bitte wurde Ton den betreÜNnden Elofller« 
rorstekem, LeolprJeslem nnd CMhttoTMi eveh eatsprodien moä 
die EinverMbiaq; nnler fötgeoden Bedingungen bewi^ftl: 1. Si^ 
len die Pstcone der Kirehen von Niederwä und Gödikon dieee 
nichts des^dweaiger mit allen und jeden Zehnten, gvossen und 
kleinen, Mm. und jeden fixirten J^kimfien, im selbe bislier 
besessen« ebne irgend eine Verriagerang oder BenacMbeihnig 
ans jener Entlassung fortgeniessen , mit Anmabme »duntaxül 
gaBinis oamis primiriibus ^, wdöba jährlich dem Abte ak Reclor 
iduniEielett seien und ihm- gebähten. 2. Uigeaefalet dieser Mn^ 
numksio sollen jene Dorflbewebner und deren NacUtoaMBen 
^»wpfliclrtei blaben, bei R^mmturen und Bauten der PfsMh- 
Idrehen wie andere derselben Unterworfene beiamtragen 
büfrcicbe Hände zu bieten, wie sie es vordem gewöhnt 
B* 2ur EfttschÜigung für die Entlassung soMen diese Bewohner 
nid deren Maehkomaaan de» Leu^Nriestem 2u Kiederwü und 
(GlöaHBon als Retognition airf Mattini jäfai^eh »sex Kbras «o- 
nete usual^^ ofan« alle Widerrede und Widmung seilen, vmä 
lenricher Last sie siiA jedoeb durch Abtr^fung eines Gapilala 
jMn 2d fl. loskaufoi oder sk in einen jährlichen Zins umändern 
düfen. 4. iKeselben seien Tei^ttcbtet , die Efltscbäifignng der 
V^geiBetsten lu Niederwil und. €(ö^Hton wie hkket zu berieh^ 
ligra, so me den übrigen daberigen ObHegenheitett feamer 
nachzukommen. ^ Auf dies hin folgfte das gegenseitige Ün^ 
loben, die formlicbe fintlaasuqa; und Anfeahme. Die Urkunde 
lertigte aus Notar BIfldaus Christen von A»rau, Art Mag. in 
flofingen und Predionns in Bremgarten. Damit war die Pfta^ 
rei Weblen auf den .Ort ansged^nt , CMslikon und Niederwl 
eingegrenzt. — Da laut dem Kauf, resp. 8<i«nkuttgsi]ffkunde 
4erer von Greiffois^ an Muri kein Zweifel dag^en wiAett kumi, 
dass erst 1484. <ks KkMster zum Hesita des damaligen Kirefcefr^ 
eidzes gelangte, so mnss es mrflaUen, dass^f^t Johaiin %3UIR 
in seiner .BestitigungabuUe i^m J. 1410 witer den demf J^teüer 



•^ MI -^ 

Mum tn oifeaer BkHzimg zustokenieii Flirririrdien aadi dm 
St ^tepbanskircbe zu Woklen aafefiUen konnte. Es Ui dies 
ein Beleg, wie man es bei solchen Confirmationen eb^ nieirt 
am genauesten, sondern e)»eB Me Angaben als wahr annabni. 
VfM richtiger lassen MarUn V J425 nnd Eugen IV 1432 bat 
ihreR AnMMiIngett^ die Pfarrkirche zu Wohle» weg. Noeh 
anffaüender ist es, wie das Kloster in Mums et antemurale im 
Widerspruc^h mit seinen eignen Urkunden behaupten konnte, 
die Stiftung d^ Pfarre durch die Edeln von Wohleii sei s^ 
aft, massM di^ctte sehon 1178 dem Kldator einvcfleibt gewes^i. 
Amk die fruiNHrn Rechte der Pfarreien GössUkon uikI Nieder«^ 
wü« so wie die Auscheidung rom J. 1513 verschweigt dieses 
die historische Critik eben nicht aushaltende Werk. 

Wir brechen mit diesen historischen Notizen über GössHkon, 
ab« übergehen die Bildung und Aeufnung desKirefaenguts, ^ 
in fiagster Zek iiber.die Benvlzmig desselben und über Rechte, 
Milhmg, Zahl der Mirchgenossen zu Nlederwit entstandenen, 
kaufAeJhen Streit^keiten, und fügen in burgeriicber Beziehimg 
noch bd, dass, wie Eggenwü, so die Ortschaften Gössläon imd 
Rschbaeii fröl^r ins Krumamt, Grafschaft Baden, gehört, jetet 
im Aargaufsehen Bezirk itremgarlen Kegon. 



i. 65 



»u -^ 



Zürcherisehe Ortsnamen 

in der • • 

jiiilielalterlichen Namenaform* 



' . • 



Ein Beitrai; 

zu der 



ältesten Topog^raphie der Schweiz. 



Von 



Gerold Meyer von Knqnau 

Staatsarchivar. 



Als ich vor einigea Jahren n^ne Topographie des Caaions 
Zürich herausgab« hatte ich mir vorgenoouiien, in jenepn Boehie 
^ftcb die Namensform der Znrchemchen Orte im ADliddler in 
berücksiehügen; allein meine GoIIectaneen waren damals noeh 
nifht wdt genpg vorgerückt. Den Gedanken gab ich jedodi 
nicht auf, und es freute mich sehr, als in FrankAiri \m Oxiv^r 
düng des Vereinen der Deutschen Geschichtsforscher der grosse 
Nutzepi, wekher aus sohlen ZnsamnienstelhwgeB.in gesehickt* 
lieber wie in sprachlicher Hinmhi geschöpft werde, besprochen 
wurde. Die Mühe nicht scheuend , . viele tausend Pergamen zu 
durchlesen, kam ich allmälig zu einem reichen Material^ das 
nun gesid^et in den folgenden Blättern enthalten ist. 

Weoige Namen ausgenommen ist alles Originalurkunden ent- 
hoben, die meistentheils meiner Obhut anvertraut sind. Nun«? 
mehr bin ich im Staode, Mittheilnngen über fast siebentballK 
hundert Ortsnamen zu machen; zwar gibt es deren eine weit 
grössere Zahl im Canton Zürich, allein ifirer viele sind erst seit 
1500 entstanden, mit welchem Zeiträume ich absichtlich sddoss. 
Auch wollte ich Orte, die über das gedachte Jahr Unattfirdehan, 
lieber nicht anführen, wenn mir nicht urkundliche Angaben ni . 
Gebote standen. 

Ungeachtet im Canton Zürich aus der Römerzeit sich manche 
Ucberreste vorgefunden haben > verdient es der 



^ 515 — 

dass voll jeilen sMieotbalbhiiflllfrt Orten bloss i:wei, 'Züricti 
und (Ober-)Winterthur, RömiscbeD Ursprunges sind^ Wte sebr 
der gegenwärtige Canton jedocb scbon in der ersten Hälfte def 
Mittelalters bewobnt war, gebt daraus bervor, dass bereits im 
1}. Jabrbundcrt 35 Orte> instiesöndere aus den Bezirken Pfef- 
fikon , Wintertbur und Hinwetl , in welcben das Kloster St. Gal- 
len begütert war , urkundlicb orsebeinen ; 137 andere Orte im 
9. Jabrbundert, Yorzüglicb aus den Bezirken Züricb, Winter^ 
ibur, AndeIGngen, Hipweil, Uster, Pfeflikon und Bülacb, und 
26 neue im 10. Jabrbundert, bauptaäcMiob aus 4mk Bezirkefi 
Pfeffikcm^ Neiiea und Hkiweil. Je weiter wir hinabsteigen, 
wächst begreiflicher Weise die Zahl' der Orte an. Wir geben 
zu, dass die meisten derselben noch älter sind, als die beige- 
setzten^ den Urkunden enthobenen Jahre; ailiein nur bei wenigen 
OrteQ dürfte es möglich werden , sie urkundliöb früher nach- 
weisen zu können. 

MH Absicht treten wir einsweiten auf eine Erklärung der 
Ortsnamen nicht 6in, sondern theilen bloss mit , wann sie zu- 
erst und wie verschieden geschrieben sie in den Urkunden vorr 
kommen. Unmöglich ist es gar nicht, den Ursprung der mei- 
sten unserer Ortsnamen zu erklären, sei es, d«s man sie von 
Taufcamen, von der Lage, von hervorstechenden Erzeugnissen 
und dergleichen herleite, wttbrend es einzelne gibt, bei wekih^n 
man auf blosse Mulhmassungeh sich zu beschränken hat, wenn 
man sieb nicht in übcrgelehrte oder wohl selbst abgeschmackte 
Auslegungen verlieren will. 

Vielleicht wird man mir entgegnen , bei einzelnen Orten seien 
die Variationen nicht bedeutend genug, und Weglassungen hät- 
ten füglich hie und da eintreten dürfen, worauf ich etwiedere, 
dass gerade diese Unsicherheit in der Schreibweise für Manche 
nicht ohne Interesse sein mnss. 

Nothwendig hat es mir geschienen, bei solchen Orten, die 
im Volksmunde mehr oder weniger von der jetzigen Schreib- 
weise abw(»ehen , die vulgäre Aussprache (mit Deutschen Lettern 
gedruckt) anzuführen, da es eben so merkwürdig sein dürfte» 
dies zu wissen, als wie die Orte im Mittelalter lauteten. 

Zum Schlüsse spreche ich gegen meinen Freund, den Herrn 
Jakob Siegfried, V. D. M., äüs Zärich, dor'um £e Seh wetze- 



~ »I« ~ 

MB warmen Dank für die Hülfe aus, die er bei d^tn Simmelo 
wf die geßilligsle Weise belbäligte. 



Aarüti^ Weiler m Bezirk Bülacli: Anruti, 1286; Anriüi, 14lÜd. 
Aathalmühle, Weiler im Bez. Hin weil: AtaliniUi, 1407; AtalmülifL» 

1488. 
Ad-elsweil, Dorf im Bez. Hin weil: Adaloltisvrilare, 850; Adolts-^ 

wile, la»; Adelswile, lIQfB; «bltfK|l»«(. 
AdletftliaMen, Weiler im Bez. Htiiweü: AdalgfNieshaMn, 8d4^ 

Adla«lnisea, circa 1300; 9fMc»Mc. 
A d 1 i n k o n , Dorf im Bez, Andelfingen : Adilinken , 1255 ; Adilincboii , 

1260; Adelinkon, 1272; Aydelichon , i295 ; Adelicon, 1296; Adlin- 

con, 1321; Atüikon, circa 1350. 
"— DöHthen im Bez. Regensfoerg: Adelinchöven , 1130; Adilincon, 

1230; Adlikon, 1271; Adlinkou, 1298. 
Adlisberg, Hof im Bez. Zw4«b: AdcUficrcli« 11^; Adlitperdi, 

1225; Adelsberg, 1228; Adelsbercb, 1229; Adlosberch, 1229; Ad* 

lisberch, 1234; Adlosperg, s. a. 
Adlisweil, Dorf im Bez. Horgen: Adels wyle, 1045; Adels wilc, 

1173; Adloswile/ 1250; Adoloswile, 1264; Adelos wüe, 1280; Ad« 

lisdiirayn 1380; Adobchweü, 1299; Adüoawile, 1309; AAis^vU, 

1377; AdfefwtU, 1465. 
Aeseb, Dörfeben im Bez. Uster: AsMbe, Jtö37; AtMh, 1430. 

- Dorf im Bez. Zürich: Esche, 1305; Esch ennent dem Albis, 1371. 
Aeugst, Pfarrdorf im Bez. Afioltern: Ousta, circa 900; Oesten, 

1296; Oigsten, s. a. 
Affoltern, Pfarrdorf im Bez. Affoltern: Affoltre apud montem Al- 
bis «ttnn» i3S5. 

— Plarrdori im Bez. Begensbai^gt Afialtrabe^ 870; W«l«olies «ffid- 

terHm»896; Afi'ollra, 1130; Affoltron, circa laOO; Affoltren, 1350;. 
Affolteren, 1375. 

Agasnl, Weiler im Bez. Hin weil: Aghinsulaca, 760; Aginsnlaga, 
774^ AgansaluB, 883; Aginsnl, 1239; Agensale, 1251; Agensül; 
1256; «dlifO. 

AlbisriedcB, Pinrrd^rf im Bez. Imfi^'- Riedtrn, circa ^00; Rie- 
din prope Albis, 1271; Rieden prope montem Albis» ^ß$; Rie- 
den ander Albis, 1347; Rieda, s. a, . 

Allen weil, Weiler im Bez. Pfeffikon: Allevvilare, 1167. 

Alten, Dörfchen im Bez. Andelfingen: Holzheim, 866. 

AI t in kon, Bchloss und Pfirrdorf im Bez. Winterthnr: Alf inkon , 
1277; AltÜko«, 1330; .4]ti^eq. 1456. 



^ »IT — 

AllsttueB, PCMC»iirl im&^^aiiMi': AteMti»,, I8tf^ ^ 

1266; AlmetteB, 1287. 
Aodel fingen, Schloss und Pfarrdorf im Bex. Ajudelfini^ea : AntoU 

vinga, 759; Andolvingen, 1246; Andolviugin , 1252; AndolüiigeB., 

circa iSOO. 
Arn, Dörfchen im Bex. Hntgen: Arne, 1273. 
Aap« 7Avei EÜfe im Bez. ^Iri^: Asp» 1419. 

Attinkon, Weiler imBez. Winterthnr: Attinchon, 1276 ; AUikcMi,1487. 
An, Weiler im Bez. Wintertlinr: Die Ow, 1358. 
Au, in der, Häusergruppe im Bez. Zürich: In der Owe, 1336. 
Attgweil, Weiler im'Bex. Bök^s Oegwil, 1443, 
Aaslikon, Dorf imBez^ Ffeffikon: AasaUkon, 1455; Analtkoii, 1451» 
Bnclienbülach, Dorf imBez.Bulach: Bache^mUaeh, im; Baishea- 

Biükcfa, 1283; BacbenbüUadi, 1354; BnahnbüUacht 1^; Bachin- 

bnllachum, s. a.; Bahchenbulach , s. a. 
BächelsrUti, Waikr im Bez. Hinweü: Ballisrütlet 1358, 
Bank, Weiler im Bez. Winterthor; Benck, 1358. 
r Banninkon, Weiler und Hof im Baz. Bnlachs Benninkon, IMS»| 

Benninchon» 1272; Benny kou, IWl. 
Bäv«ntaweiU Pterderf in Bc%« Hinweü? Berafowiliwe« 744; t^ 

rolfrawilare , 744; Perolfeswilare, 744; Berollhsvviler, 1?59; Be- 

rolUwüe, 1306; Beroltzwile , 1342; BeroUesvilare , &. a.;, Per^ 

harteswilare , s. a.; AMvctfc^W^I* 
Balgrist, Häusergruppe im Bez. Zürich: Bal^rest, 1393; Balgrist, 

1410. : 

Balm, üof, im Bez. Hinweil: Balb, 1273. 

— Döifchen im Bez. Pfefißkoa: Balhe, 1273; Balba, s. a..; Balin». s. a. 
Balt«nfrw«il, Dörfchen im Bez. Bökch: BaldaswUe, circa 1300; 

Baltsperg, Hof im Bez. Bükch: Baldespei^, cir^ 1300; Baldis- 

berg» m3; Biddensperg» 1490. 
Baaseradorf, PfiaiTrdorf und einstige Borg im Bez.. Biiiach« Baz- 

zelstorf« 1155; Bascelatm-f, 1158; BassiWorf, 1243; Bazztlsdorf, 

1252; BaaaiUtorf , iW ; Bnaadstarf , mt ; Baas^ist^f , im ; ?m^ 

seisdorf, circa 1300; Passeistorf, circa 1300; 99}a^l^i#vf. 
Batzenberg, Hof im Bez. Hinweil: Batzenberg» circa 1350« 
Bebinkon* Weiler im Bez. Andelfingen: Babinchote, 1264; Bebichon, 

.1286; Bebickon; 1319; Bebinkon; 1320. 
Beckenhof, Häiisnignippe und einalige Bnrg im Bez» Zürwh: Bag^ 

genhouen, 1291. 
Beerenberg, ehemaliges Chorherr enstift im Be/.. Wint^rthnr: Ber- 

reberch, 1318; Berrenberg, 1399, 
Bendlikon, Dorf im Bez. Borgen : Bendlikon , 1!^ ; Benchlinko« , 

1268 ; BenkeUnkon , 1273 ; ßeaUtn«hon , 1314 ; Bettklinkon , 1342; 

Beneehlinchofen , s. a. ' 



f^hovin, 878; Beichinchoya , 1049; Benchoa, IH^; Benkeo, 1303. 
Berg, ScUoss and Pfariid^rf im Bez; Andelfingen: Bergin, ;i240; 

Berge, 1258; Berg 1358. 
Berlinkon, Weiler im Bez. HinweiU Perolninchova , 744'; BerlÜcod, 

circa 1300; Berlinkon, circa 1300; «Mifl. 
Bern egg, zwei Weiler und einstige Bnr^ im Bez» Hfliweil: Bera- 

•«.im 

Bertscliinkon, Dorf imBez. Himvtrü: Bersinkon, ctrc» 1300 ;■ Bert- 

zigkein, 1493; Be'tfdUc. 
-^ Dörfchen im Bez. Wintertüor: Bersinkdn, 1255 ; Bertschikon ^ 1^8. 
Bettschweil, zwei Dörfcheit im Bez. Hinweil: Peltenwikre , 8i4; 

Bezenthal, Hof im Bez. I^Uaeh : Betzendiil, circa 1300; Betzental, 

circa 1300. 
Bezinkon, Weiler im Bez. Hmweil: Betzinkon, circa 1300. 
B ick weil, Dörfchen im Bez. Affoltem: Bickwil, 1455. 
Bietenholz, Weiler im Bez. Pfeffikbn: Bvettnshok, 1217. 
BiUikon, Weüer im Bez. Pfeffikon: Bifiikon, 1463. 
Binz, Dörfehen im Bez. Uster: Pinizce, 942; Binza, 1212; Bkwtti^^ 

1381. 
Binzinkon, Dorf im Bez. Hinweil: Pinuzziiihoaan, 854; Pinzin- 
. choava, 896; Pinzinchhova , 897; Binfzinkon, circa 1300; Bkizi- 

kon, 1448; Btnrakomin, s. a. 
Birchweili Dorf im Bez« Btilach: Byrchenwilare , 1156; Birdien- 

wü, 1158; Birdiwäer, 12B1; Birchwile, circa 139^; B^htömii^ 

1er, s. a. 
Birmensdorf, Pfurrdorf im Bez. Zürich: Piripoumesdorf, 896; . 

Birbomd&torf, 1140; Birboomistorf, 1173; Birboimidi^f, 1237; 

Birboumisdorf, 1240; Birbomistorf, 1251'; Birmonstorf, 1278; Bir- 

bonmesdorf, 1280; Birboumestorf, 1280; BiH»omsdorf,1284; Bir- 

mestoFff, 1219; Birbomstorf, 1300; Birbonmstorf, 1302^;" Bir- 

menstorf , 1343. 
B i s i k o n , Dorf im Bez. Ffellikon : Paaaitnhoiiun , 842 ; Bisecht , circa 

1300; Bi«ykon, 1463. 
Bläsimülle, Weiler im Bez. Pfefigkon: lyäsismüly, 1467. 
Bliggetschweil, Weiler im Bez. Pfeffikon: Biiggenswil, 1468. 
Blitterschweil, Dörfchen im Bez. Pfeffikon: iMidars\^iI, 1468. 
Böndler, Hansergrappe im Bez. Holten: Böpler, 1446. 
Bol Stern, Weiler im Bez. Winterthnr: Bolsterberg, circa 1300; 

Bidstiran, 1401. 
Bonstetten, Pfarrdorf und einstige Barg im Bez. Arbitern: Bon- 

stetin, circa 900; Bonstetten, 1026; Bounstetin, 1225; Bovnistetin, 

1237; Bonsteten, 1240; Bomsteten, 1260; Bovnstetten, 1297; fßM* 



-" «9 — 

B i^j> p e 1 8 e D , porf imBez, Regenalierg : Bal^pioMite , 1130; Poppen* 

sol, 1219« Popinsol, 1262 i Boppcnsol, 1268; Bopensol, 1273; 

Boppens^, 12B2; Popenstei, 1384; «i^^pHffä. 
Bossin kon, Weiler im Bez. Hin weil : Wosinchova , 902 ; Wuosin- 

.chpäa, 902; Bossinkon, circa 1300; Bossinchon, 1316. 
Brand, Dörfchen im Bez. Uster: In dem Brant, 1345. 
Breite, Dürfeli#n im Bez. Biilach: Breity, 1371; Breyti, 1458. 
Breitenmatt) vier Weiler im Bez. Hinweil: Breitan raatta, t2T3; 

Brietenmatte , 1339; Brietenmatta , 1339. 
ßreitweil, Hof im Bez. Hinweil: Breitwile, 1346. 
— Hof im Bez. Meilen: Breitwil, 1467. 
Brenggan, Hof im Bez. Pfeffikon: PaniMCitaania> 762. 
B r u€ b e g g , zwei Höfe im Bez. P^efftkoA : Bräckegg , - 1358. 
BrÜAggen, Weiler im Bez. Pfefftkon : Brnmiea, 744; Brüllen, 

. 1275;- Brivngun, 1276; Brüngon, circa 1300. 
Brütten, Pfarrdorf im Bez. Winterthnr; Pritta, 876; Bfitta, 979; 

Britton , 1223 ; Brittinova , s. a. ; Brittona , s.- a. 
Brätti^cUen, Dör&hen im Bez. Uster: Breitissdden , 1230; Brat-* 

tesseldon^ 1!^; Britteselde, 1243; Brittiasellin , 1269; Brottissd* 

Ion, 1271; Brnttisellon , ,circa 1.300; ^ ^ 

Brunnen, Hänser gmppe im Bez. Horgen ; Bruonnön, 1274; Brun- 
nen, 1^. 
Bubinkon, Pfarrdorf im Bez. Hin weil: Puapinchova, 810; BnoKikon, 

1215; Bubinchon, 1217; Bubinkon, 1248; Bnobinckon, 1259; Buo- 

bineboven, 1286; Baobincbon, 1312; OtKWIt; 
Buch, Pfarrdorf im Bez. Aodelftngen: Buoch, 882; Buch, 1264. 
Bucbenegg, Dörfeben im Bto. Affoltern: Buochuneka, 1232; Bne- 

•chenegg, 1348. 
Bucbs, Pfiirrd^rf iui Bez. Regen^berg: Bachs, 1219. 
Bühl, Weiler und Hof im Bez. Hinweil: Btil, 1302. 
Bülach, Städtciben im Bez. Bölaeh: Pukcbä, 812; PuiUadia, ^; 

Bülaeb, 125»; Baülach, 1282; Buiach, 1266; Bülach, 1296; Btil- 

lach, 1299; ÖÄWi. 
Büiiberg, zwei Höfe im Bez. Bülach : • Büllaobberg , circa 1300. 
Bünishofen, Weiler im Bez. Meilen: Buinishovin, 1267; Büiiis- 

.honeii, 1384; Bünishofen, 1424. 
Bürg, Weiler im Bez. HinweiLt Bürg» i429. 
Bussenhauseuy Dorf im Bez. Pfefükon : Buscefthnsen , 1266 ;' Btlzen- 

husen, 1335; BcMsenhusers Hof , 1372; Bussenhasen, 1410; 9lil#m>* 

Cappel, Pfarrdorf im Bez. Affoltern: Capeüa, 1185; Cappell, 1358. 
Dachelseri, Döi^fch. im Bez. Affoltern : Tachilsho vih, 1232 ; Tacfaeiss- 

hoffen, 1467; S)a4{lffieil. . 

6 a c h 9 e n , Doi f im Bez . Andel&lgeu : Tachsheim , 872 ; Thassä- 

narra, 897; Tachsen, 1403; Dachshain, s. a.; TtfDhhain, s. a. 



Dadtsleren, ]H#f nn B*z; R^e««berg : 1hi€teie«rott , cim iMh 

Tachsiterrea , 132ft; T«eliftBeren, 1340; Taehsnmi, 138t. 
DMchlischweil, Weifer ttnd H8oscpgnq»pe im Bez.Wefleii: Tech- 

\is\vi\, 1439. 
Dägerlen, Pfarrdorf im Bez. Wi«terthar: Tegerlo, 1405f Tegcr- 

len, 1433. 
D ä 1 li H k o n , Püirrddrf im Be*. Regeosberg : TdlwglMiToii , 870 ; T«l- 

Snobdircn, 1130; TeUmeboii, 118»; TeUincm, 12&S; TeHfaikmi, 

1279; TeUikon, circa 1300. ' 

Dändlikon, Weiler im Bez. Meilen: Tentlinkon , circa 1360. 
Däiiinkon, Dörfchen im Bez. Regensberg : TSninchoTcn, 11301 Te- 

ninchon, 1247; TenikoB, 1280. 
Dättlinkon, Pfiirrdorf im Bez. Wintertfcur : TetintshoTan , cnrcÄ 

940; Teteiinkhoven, 1241; Theüinkoit, 1263; Teüidkeii, 1383; 

Tetilincon, 1308; Teüikon, 1316; Tctlicon, iai6; Taetlicon, 1330; 

Tettelincon, 1330; T^ulikon circa 1350; DätUikrä« mS; Tatli- 

kon, s. a. ' 

Dittnau, Wefler im Bez. Winlerthar; Tetcnowe, 1272; Thete- 

nowe , 1284 ; Tetnoawe , 1284. 
Dättweil, Dörfchen im Bez. Andelfingen: Tetine&vvilare, B58; 

Taenvil, 1281. 
Desibach, Weiler im Bez. Andeliingen: Tesenbach, 1405. 
Dettenried, Dörfchen im Bez. Pfelfikon: Dyettenriet, <^irca 130^. 
Diekbncli) Dörfchen im Bez. Winteithar: Dichibaöch, 1252; Bike- 

buoch, 1263; Diebnoch, 1389) Tidibapd^, 1269; Dikbuöch, 1373. 
Dielsdorf, Pfarrdorf im Bezv Regen)»bei^: Theolvesthonif, 861; 

DidsdDrf 1276 ; Dielsterf, circa 1300; Dielstorf, cit^a 1300; D^is- 

storf , s. a. ; S){eI{#Otf *). 
Dietinkon, Pfarrdorf im Bez. Zürich : Dietinkon , 1 260 ; Dietinchon , 

1267; Diethinchon, 1311. 
Dietltnkon, Pfirrdorf im Bez. Bülach: Ti^tilincfaon, 1172; DieH- 

linkon, 1264; Dietlinkon, 1264; TieUinkon, circa 1300; Dietlin- 

chOn, 1308; Dietlikon* ennent der Glatt, 137L 
Dinglinkon, ein ehemaliges Mannlehen rin Bez. Ande^ngen : Din« 

gilindiOB, 1236. 
Dingstatt, Hof im Bez. Hinweil: Dinestat, 1253; Sci^id' 
Dis Ismo OS, eine ehemalige Scopo^a im Bez. Andelfingen: Disis- 

mos, 12S2; Tisismos, 1282. 
Dorf, Pfsnrdorf im Bez. Andclfingen: Dorf 1238. 
Dorlinkon, Dorf im Bez. Winterthur: Torlinkon, 1256; Todtttehon, 

t28U TarHgkaii, 1489. 



'*)In Regensberg hört man noch Viele, welche Dielstorf bezeich- 
nen wollen, sich kurzweg des Wortes ,^Dorf* bedienen, z. B. 
i*s Dorf ab». 



, f 



Dübelstein, Weiler tttid «iMtigto Bug im Bezi Iteeri ^dlmk^ÜN- 

stein, i:^; Töbelstein, 12n; Tvebdnstein, 12B4; Tuebiliiiteui^ 

1287; Tubelstein, 1289; Tübelnstein, 1314; Tübelsteta« 13AB; Die- 

bolsteiti) 8. «.; Dobelstein, 8. a. 
Dübendorf, Pfarrdorf im Bez. Uster: Taobilindorf, f^irea ieOO; To- 

biindorf, 1130; Thttebibdorf, 1273; Tbobibidorf^ 1273^ Taobeln^ 

dcH^f, 1277; Tuebelndorf^ 1278^ Tübündorff, 1282; Tuebilndorf, 

1282; Tübendorf, 1400; ^iththnf. 
Därnten, Pferrd<Mrf im Bez« Hinweil; Tanriudde, 744; Timriude, 

744; Timriadiin^ 837; Tanriuda, 856; TuBmtbim^ 876; Tnmria- 
> dum« 896; TunretoB, 1254; Tttttrelu, 1260; Daenretboii, 1294; 

Dänrtott, 1294; Tuarthen, 1296; Danrten, 1298; Danrton, 1300; 

Tanerton, circa 1300; Tünrton, circa 1300; TuartiB, 13QI; Dün* 

riton, 1301; Tarnten, 1332; Tümton, 1349; Dömton, circa 13S0s 

ȟttte. 
Dnrrenmo08, zwei Weiler i|n Bez. Horgetas Tanrenmoi^, 1274; 

Türrenmose, 1342. 
Oärstelen, Dorf im Bez. Pfotfkon: DtirMenlen^ 1463. 
Dynhard, P£irrdorf im Bez. Wintertbnrj Tinkart, ldS7; Tenbart, 

1378; Tbinhart, 1397. 
Dytikon, Weiler im Bez. Rtgensberg: Titmkon, circa 1300; Tili- 

fcon, circa 1456. 
EbertsweiU Dorf im Bez. Affoltern: Eidivarteswdsre , 885;-£ber- 

aruwile, 1265; Eberh&rUwile, 1297; £brechttwile, 1327; Ebtr- 

bmrtnioile, s. a.; 4^rtf(^n)9l. i 

Ebmatingen, Dorf im Bez. Uster: Egimuotinga, circa ^00; Egim- 

notinga, 942; Egmantingen, 1371; Bgmattingen, 1496; atühtn^i. 
Edikou, Weiler im Bez. Hinweil: Edikon, 1435. 
Effretikon, Weiler im Bet. Pfeffikon: Erbphratincfaora , 744; £r^ 

pfratincbova, 744; Erpbratincbova, 744; Erfrettingkoi^ s. a.; Er- 

frettinkon, »• ft* 
Egg, Pfarrdorf im Bez. Uster: Egka, 854; Ekka, 858; Ekkitm, 865; 

Eika^ 9024 £gK«t 1248; Kikbenegge, circa 1300; Vnenegge, circa 

1300. : 

-^ an der, Hänsex^ruppe im Bez. Horgen: Vf der £gg> ^352. 
Egge ts weil, Weiler im Bez. Bülacb: Eiganteswilare, 904; £get- 

scbweil, s« a.; £gQgensebw«il, 8. a.; fickenscbweil, 8. a.; Hitt* 

Eglisan., Städlcben und einstige Borg im Bez. BälAcbs Ouwa, 892; 

Efüsou^ 1241; Owe, 12S5f Eg^Usow, 8. a. a 

fibrensberg, ehemaliger Hof im Bez. Pfeißkon: Erispere, 1239; 

Erisberc, 1251. 
JEhri]l£oti, Dörfchen im Bez. Pleißkcmi Heridnin, 853; Erinkon, 

circa 1300. 
Bbrloaen, W0aerimBez.Hinwea3 Erloswile, circa 1300; «Idiffe» 
L 66 



Eiok» Jiof intBiez. Wiiilerllmr« Ejcli, 148^ 

FAi^hoH, Weüer im BeÄ..Usler: Eicholz, 1256; fiilJiholz, 1257; 

Eyckholtron, circa 1300. 
Eidberg, Dörfeben im Bez. Wintertbur: Eipercb, 1264; Eitberg, 
^ . circa 1300; Eydberg, 1358; eiDetd« 

Elgg, Scbloss und P£arrdorf im Bez. Wintertbur: Ailibccauga, 760 
, Aikgboga , 761 ; Äilibccaugia , 761 ; Elicbavia , 787 ; Elibcauia , 788 

Jlüapgavve, 827; EUgauge, 850; Eligare, 876;: Eilickev^'e, 882 
, Eüikovarum, 914; Aügou, 1244^ Aüggowe, 1252) AUiggowe, 1263 

Eilgowe, 1297; EUgöw, 1358; Elköwe, s. a.; Eilgöw, s. a.; El- 

göwe, s. a.; EligoWe, ». ai; Elgovia, ». a.; Elkoyia, s. a.; El- 
, cove, s. a.$ Eliackove, s. a.; Helligovie, s. a.; HeUigaü, 8. a.; 

Heligova, s. a. 
ißllinkon. Dörfeben ini Bez. Andelfingen: EUennincbova, 858; Elem- 

nincbova, 866; Helebencbova , 1049; Ellicbon, 1241. . 
— Pfartdorf imBez.Winteitbur: Eilikeve, 882; Ellinkon, 1256j El- 

linken, 1257; EUinchon, 1262. 
Elsau, Pfarrdorf im Bez. Wintertbur: Elssow, 1358; Elsow, 1396; 

Elsöw, 1426; Aelsow, 1478; Elnsowe, 1478; Selfatt« 
Embracb, Pfarrdorf im Bez. BiUacb: Imbriacum^ 1189; Embria* 

cbum, 1223; Embriacnm, 1223; Emberracb, 1265; Embirracb, 1266; 

Enberacb, 1277$ Emerrach, 1286; Emmeräcb, circa 1300; Emmer- 

racb^ circa 1300; Emeracb, 1313; Emberracbum, s. a^; SltljbtK 
Enge, Gemeinde, im Bez. Zürich: Engy„ 1458; Enngy, 1497. 
Engstringen, zwei Dörfchen im Bez. Zürich: Enstelingon, 870; 
/ Enstringen, 1325; S^ffvioge. 
Erdbrust, HäQsergrnppe im Bez. Zürich: Erprust, 1285; Er^rust, 

1314; Erdprust, 1345, 
Erlenbacb, Pfarrdorf im Bez. Meilen: Erl^ck, 1387; Elibach^ 

1428.; ^mihaO^ 
Escbenberg, Hof im Bez. Wintertbur: Aescbaberk, 1246; Escbo- 

bercb^ 1264; Escbaberc, 1267; Escbaberg, circa 1300. 
lEschenmosen, Dörfchen im Bez. Bülacb: Escbimoa, cirica 1282; 

Sfc^emofa itttb Oefc^emofe. 

Escbinkon, Weiler im Bez. Pfef&kon: AsgininQbo¥a,:774; £^sking- 

biova , 882. 
Escblinkon, Dörfchen im Bez. Wintertbur : Eskinbova, 882; Esscbi- 

lincon, 1230; Eschikon, 1248; Eschichon, 1252; Ascbibtnkpn, 1263; 

Escbelinkon, 1301 ; Escblinkon, 1310; EsfchUkoiivi385;. SefC^We« 
Esslingen, Dörfchen und .Weiler im Bez» Ustei*: Ezcüin^a, 854; 

Ezzelinga, 972; Ezzilingarre, 896; Ezzilingen, 896; Esselingen, 

circa 1300; Ezzelingen, s. a. 
Etfcenbausen, Dorf im Bez. Hinweil: Ettenbusen, circa.lSpO; C^tel^f^ 
Etzberg, Hof im Bez. Wintertbur: Etzisperg, 1285; Ezensperg, 1401. 
Fägsrweil, Dörfchen, und Weilier im Bez. Hmweil: Fakifesiribire^ 



805; VagiiMsvüare, 854; Fagineswüare, ^58; «VagineftWilare, 873; 

Vegeswüe, 1296; Vegswüe , 1468; ffÄgfcftWi^L ' ' ■ 

Fällanden, Pfarrdorf im Bez. UsCer: Fenichlanda , circa 900; Fe^ 

niclanda, circa 900; Fenihlahda , circa 900; Uellanda, 952; Vel^ 

landen, 12^. 
Fallender-Brunnen, Hof im Bez. Zürich t Ze den vallinden Snm^ 

nen, 1256; bi dem Talle{iden Brunnen, 1271. . 

Fehraltorf, Fforrdorf im Bez. Pfefßkon: RUdeges Altmrt, 1341$ 

Rüdgersaltdorff, 1483; Altdorff , 1490. 
Fehrenbach, Dörfchen im Bez. Affoltern: Verenbach, 1347. 
Feldbacb, Weüer im Bez. Meilen: Velebach, 873; Velbach, l%2; 

Weltbach, circa 1300. ' 

Felmis, Dörfchen im Bez. Pfeffikon: Vällmosen, 1471. 
F er räch, Weüer im Bez; Hinweü: Verrieb, 1288; Varrkb, 1244^ 

Fcrich, 1491; fe'<^. 
Feuerthalen, Fftmrdorf im Bez. Anddfingen: Fiirtal, 1436; Fjr- 
. tal, 1485. 

Fil deren, Hof im Bez. Zürich; Ze Vildinun, 1337. 
First, Dörfchen im Bez. Pfefßkon: Hounvirst, 921; Hoinärst« 949; 

Vittt^ Circa 1300/ 
Fi sehen thal, Pfarrdorf im Bez. Hinw^il: Fiskinestal, 878; Vische- 

tal, 1265; Viscbtal, circa 1300; Vischenthäle , 1354. ' ^ > 

Fisibach, Dorf im Bez. Regensberg: Wnsibacb, 1277; Fveiibachs, 

1231; Visbach, circa 1300; Fnsibach, 1306; Füssibach, 1307,* Vüsi- 

bach, 1328; Vidsibach, 1551; Vi»ibäth, 1479. 
Flach, Pfarrdorf im Bez. Andelfingen: Flach, 1298. 
Flüegass, Häusergrnppe im Bez. Zürich: Vlaen, 1259. 
Flnntern, Gemeinde im Bez. Zürich: Flobotisreine , circa 900; 

Flontrein, 1155; Flnntrein, 1158; Vlontrein, 1229; Vlaontrein, 

1253; Flaontrein, 1256; Vhrontrein, 1265; Fluontren,'1289; Plan- 

tem, i363; Flnntren, s. a. ; ^luentttl. > 

Fla Hingen, Dorf im Bez. Andelfingen: Florlingen, 872; Flurlin- 

gin, 876;Fluorlingen, 878. ' ■■ ■ ^ 

Föxen, Hof im Befz. Horgen: Vogehusen, 1261. 
Freienhof, Hof ifli Bez. Biilach: FryenhofE, l430. 
Freien stein, Dorf und einstige Burg im Bez. Bülach: Frien^tain, 

1302; Vrigenstain, 1314; Fryenstein, 1314; Fr igenstain, circa 1350. 
Freudweil, Dörfchen im Bez. Uster: Vredenwile, circa 1300;' 

Froydml, 1475. 
Friedburg, Weiler im Bez. Meilen: Fridbärg, itöt, ^ 

Friesenberg, Weiler und einstige Burg im Bez. Zürich: Friensen- 

berg, 1344. ♦ 

Fromoos, Weiler im Bez. Affoltern: Fromoss, 1452. 
Fürth., Weiler im Bez. WinterAur: Hof im Füllte, cireti 1300. 
6 aml i kon , zwei Weiler m: B«z. Affoltern :, Grainlikon ; ' 1432* ^ 



Gft^ten» W«tler im Bez, Whittrthiir? Hingart^, tmtn 13190. 

Gattikon, Weiler im Bez. Meile»: Gattiiikoii, täSUt.. 

Geerev, Weiler im BeR. Uster: Im G«rii» iWIU 

Q^tvlisherg, Dörfchen imBez. fiülaoha Gerlosperdi, 1813; 9€eW 

p€t^ itttb (BuUpi^. 
Geretflweil» Hctf im Be*. Wiaterthur^ VeroheawiWre, 86^ Cre* 

rentsch weilt 1488. 
Oeroldaweil, Ddarfdiea im Bez. Zürich« Hierolltawilare, 67i&3 Ge* 

roldswil, 1371; 0etetf(^t99L 
Gfenu, Dorf im Bes. Uster: Oben, 864| Geveana, 1230. 
Gibswetl, Weiler im Bet. HiiiweU: Gibswil, 1^7^. 
Glanzenberg, ehemaliges Städtchen im Bez. Zürtdi: Glaosei^rg, 

1261. 
GUttbr«gg, Weiter theils im Bez. Bülaeh, theils im Bez. Aegens^ 

berg: Glatliragge, 1342. 
Glattfelden, Pfarrdorf im Bez. Bülach: Glateaelden, 1130; Glati^ 

uelden, 1241; Glatevelt, 1248; Glattuelden, circa 1300; Glatfdden« 

1392; Glattfeldea, mU 
Gtaekhaiiaen, Weiler im Bez. Uster; Goggenhasen, 1343. 
Gössinkon, Weiler im Bez. Meilen: Goezelinchon, 1242; Gozelinken, 

1114^; GoezUnchon, 1247; Goessiokon, 1287; G^ssiken, 1446. 
Götzen weil, Weiler im Bez* Winterthiir i Gotzenwil, 13SB; Gotzent- 

wiUe, 13W. 
Goldbach,, Birf im Bez. Hinweil j Golpach, 1314, ^ 
-^ Dorf im Bez. MeUen: Gcdtpuch, 1252; GoHbach, 1273} Golpach, 

1295. . 

Goldenberg, Sqhloss im Bez* Andelfii^n; Goldenberg, 1314. 
Goasan, Pfarrdorf im Bez. Hinweil: Cozzinchoua, circa 900; Co^ 

zeaaowa, 921; Go^esowa.« 921; Gozeshowa, 950; Goaoawa, 1296» 

Gossewe, circa 1300; Gossow, 1397* 
Gossweil, Weiler im Bez^ Winterthnr.: Cotinnowilare * 856; Goss- 

weil, 1358. 
Grässlinkon, Dörfchen im Bez. Andel&ngen: Grassilincon^ 1254; 

Grezzelinkon, 1373; Greasalinchon, 1275; C9h:*aeaselinkon^ 1270| 

Gresselincon , 1882; Graesäinkoüi 1310; GretfUeon, 1331; Gress^ 

linkon, 1339; GressUncon« 1339; Gräs^elikon, 1346; GräasUeon, 

1346; Gresselicon, 1349« 
Grafstall, Dorfimße^^Pfefßkim: Gracdtestale^ 979; Grastal, 1262} 

Grawenstal, circa 1300; Grafistal, 1479. 
Greifenberg, Hof and einstige Bm^g im Bez. Himveil : GrisGfenberg, 

1223} Grifenbergv 1286} Grifenb^rg, circa 050; ^tt^ftim^. 
Greifensee, Schloss and Städtchen im Bez. Uster: Grifensci 1343; 

Griffense, 1348; Grifensiew, circa 1350. 
Grüningen^ SchbNss und StMtehen im Bez. ,Hinweih Grünningen« 

1038} Grveningen, Umt Gruomngen, 1243; Gvnnii^eii, m&; 



Gtenhigeii, IMO; QviicHdgen, i26D;^riittiAgcii, Itiaj Qrteig«!!; 
1^2; (BtütnlffL 
€^rtitb, Weüer im Bez. Hrnweät Gerate, 1255. 

— Weüer im Bez. Winterthar : Curia m deuQen^^ f265; CtoiUe, 

circa 1300. 
Grandliof, Dörfohen im Bez. Winterthnr! Grondhof, 1411^ 
Gs chwend^ Weiler im Bez. Horgen: Gesvrend, 146S. 
Gündisau, Dörfchen im Bez. Pfeffikdn: Gkradinesonue, 103&; GüH'-^ 

disow, circa 1350. 
GändlikoB, Weiler im Bez. Witttertbar : Cundilinchofva, 774; Giui^ 

dilinchon, 1158; Gondelinkon^ 1256; Gündlikoa, 1455. 
Gäiiiisberg, Weiler im Bez;Hiti:weil: Gttntorspevg, 1317; CBfltt^fg. " 
Gütikhaasen, Dorf im Bez. AndelfiDgen : Gütigliaseii, 1350; €Hltik- 

liasen, 1401; «IMfttfe. 
Girl denen, Weiler im Bez. Uster^ Giüdinan, 1263. 
Gundetsweil, Dorf im Bez. Wint^thnr: ChanibertefwUare , 774; 

Gfann^rteswikrei, 774; GnndatswiU 1358; Gnndeiitsckwil, 1493. 
Gantalingen, Dorf imBez. Andelfiogen: CSantlMringom, 831; Can-» 

therinnm, 831; (Brntüin^ä. 
Gntensweil« Dorf im Bez. Uster: Chratolarvilare, 1158; Gnotols« 

i¥ile, 1257; Gnotoltzwile, circa 1300; Gruotohzwille, 1340$ Gottes« 

wil, 1472. 
Gyrenbad, Hof im Bez. Wintertbnr: Girenbad, 1358*. 
Gyrfiberg, Scbloss und Weiler im Bez. Andelfingen; Girebergh, 

1262; Girspereb, 1307; Girsperg, circa 1350. 
Gysenbard, Weüer im Bez. Andelfingen: Gisinbard, 831; Gisen- 

bart, 1293. 
Hadlinkon, Dörfcben im Bez. Hinweü: Hadaleibincboira, 775| Bbda- 

linebounn, 858; Hadalintbora, 867; HadlUton, circa 1350. 
Hagenbucb, Dorf im Bez. Wintertbnr: Hi^nbuab, 850; Hagen- 

boch» 1130; Hagenbaocb, 1231; Hagenbticb, 1358. 
Hagenstall, Weüer im Bez. Wintertbnr: Hagenstal, 1358; 
Haggenberg, Hof im Bez. Wintertbnr: Haggenberg, 1467.* 
Hakbab, Weüer im Bez« Bülacb: Habicbekke, 1256; Habecbekke, 

1257; Habkegge, 1271; Habdiegge, 1273; Habdiekke, 1351; Hab- 

cbegg, 1371. 
Hard, Hänsergruppe im Bez. Züricb: Hard, 1271. 
Hasel, Dörfeben im Bez. Pfeffikon: Hasel, 1345. 
Hatimüble, Hof im Bez. Bülacb: Huwen Muly, 1371. 
Hauptinkon, Weüer im Bez. ASbltem: Houbtinkon, 1221; Hoube* 
~ tinebon, 1221; Hoiptincbon, ffSN-y Hoblincbon, 1242; Houptin- 

cboB, 1244; Hoptinkon, 1272; Houptinkon, 1277; Höptiockonen , 

s. a.; S^mptitt 
HftMe«, Pfarrdorf im Bez. Aüslteni: Hoson, SM; Hosen, 12S5 • 

— Weiler im Bez. Andelfingen: Hosen^ circa 1300. 



_ st» ~ 

Hausten, weilte utk Bez. BiQacit: Hosen, circa 1300. 

Hedingen, Pfarrdorf im Bez. Affoltern: Uedingen, 1250; 4^<Mde. 

Hefersweil, Weilei* im Bez. Afftütem: Herfeiwilere, 1185; .Her- 
fers wile, 1269; $€ffctM9C* 

Hegi, Schloss and Dorf im Bez. Winterthnr: Hegi, 1317. 

Hegibach, Häusergruppe im Bez. ' Zürich : Hegibach, 1351. 

Hegnau, Porf und einstige Bnrg im Bez. Uster; Hegenon, 1286; 
Hegnöw, 1436; Hegnow, 1^. 

Heilenbach, Hänsergmppe im Bez. Horgen : Heilenbach , 1387. 

Heiligenb*erg, ehemaliges Ghorherrenstift im Bez. Winterthnr: 
Sanctus. mons, 1264. 

Heisch, Dorf im Bez. A&hern: Hesche, 1232; Hemsche, 1212; 
Heinsce , 1293 ; fieinsche , 1323 ; Hentsdi , 1455« 

Henggard, Pfarrdorf im Bez. Andelfingen: HenchaTt, 1253; Hen- 
kart, 1261; Heinkart, 1267; Henkhart, 1310; Heinkhart, circa 
1350; *«ttftrt 

Hermetsweil, Dinrf im Bez. Pfeffikon: Hermoltzwii, circa 1300. 

H^rminkon, Weiler im Bez. Uster: Heremantinchonun, 858; Her- 
minkon, 1326. 

Herrgass, Häusergmppe'im Bez. Meilen: Hergass, 1467. 

Herrleberg, Pfarrdorf im Bez. Meilen: Hardiberc, 115B; H^rdi- 
berg, 1286. 

Herten, zwei Weiler nnd einstige Bnrg im Bez. Winterüiur: Hert- 
ten, 1358. 

Herzogenmülle, Weiler im Bez. Bülach: Hatzegenmölly, 1455; 
> Hertziganknälly, 1463. 

Heslibach, Häusergruppe im Bez. Meilen: Hesilibach, 1158; Hese- 
libach; 1288; Heslibach, 1267; Heislibach, 1350. 

Hettlingen, Pfarrdmrf und einstige Burg imBez. Winlerthur:.He- 
telinga, 886; Hetimnga, 897; Hetiningun, 911; Haithelinge, 1258; 
HetteHngen, 1260; Hettelingin, 1286; Hetlingen, 1318; Hettlingen, 
circa 1350, 

Hinweil^ Pfarrdorf und einstige Burg im Bez. Hinweil: Huui- 
chin¥vilare, 744; Hiunwilere, 1130; Hnniwikre,- 1230; Huunen- 
wüaer, 1241; Ämwüer, 1260; Hiunewille, 1281; Hänwile, 1309; 
Hinwyl, 1486; $tml «tt<^ i&Äm^L 

Hirs landen, Gemeinde im Bez. Zürich: Hirslanda, circa 900;.Hirs- 
landin, 1229; Hirislanden, 1229. . 

Hirzel, Pfarrdorf im Bez. Horgen: Hirzel, 1333; J|^e(. 

Hirzwangen, Weiler im Bez. Affoltern: Hirzwangen, 1320. 

Hisohweil, Dörfchen im Bez. Hinweil: Huswil, 1305^ Huswill^ 1360. 

Hittnau, Pferrdorf im Bez. I^effikon: HittenoyVa, 906;* Hittnow, 
circa 1350. 

Hoehfelden, Di^rf im Bez. Bülach: Hofelda, 886| Hochireicbn > 
s. a* \ ■■ * 



Hock 1er, Hof im Bez« Eüriclf: Hoff zu sant Oi^iyen zeKiter leui« 

hadb, 1448; Heckler, 1497. 
VLöng^i Pfarrdorf im Bez. Zürich: Hoinga^dTO; Hoenka, 898; Heu- 

cum, 1188; Hoengum, 1230; Höngg, 1329; Hoehgge, 1338^Hongge, 

1347; Hönge, 1350; Hönka, 's, a.; Hönk, s. a. • 
Höri, Gemeinde im Bez. Bülach (siehe auch Nieder- und Oherhöri): 

Herti, 828; Hoeri, circa 1300; Hori, circa 1300*^ 
Hörnen , Weiler im Bez. Pfeffikon: Hürnon, circa 13Q0; Humen, 1358. 
Hof, Weiler im Bez. Uster; Houe, circa 1300. 
Hofstetten, Häusergruppe im Bez. Meilen: Hoffstetten, 1452. 
-—Hof im Bez. Pfelfflkbn: Rrichgaereshovastetin, 774; Hofetetin, 1260; 

Hofsteten, 1305. 
^ Dörfchen im Bez. Regensherg: WoUinareshovastat, 774; Houi- 

stetten, circa 900; Hofstetten-, circa 1300. 
— Dorf imBez. Winterthur: Pipines hovestetin, 914; H(^stetin, 1260. 
Holzhausen, Weiler im Bez. Hinweil: Holtzhnsern, circa 1300. 
Hombrechtikon,'Pfarrdm>f im Bez. Meilen: Humbrechticcm, 896; 

Humhrechtinkon , circa 1300; Humhrechtigkon, 1308; Hunbrech- 

tikon, circa 1350; Humhrechtikon, s. a.; ^un^tHä^titt. 
Horben, Weiler im Bez. Pfeffikon: Horwen, circa 1300. 
Horgen, Pfarrdorf im Bez. Horgen: Horga, 952; Horgen, 1210. 
Hottenthai, Hof im Be^. Uster: Hozendal, 1277. 
Hottingen, Gemeinde und einstige Bur^ im Bez. Zürich: Hot- 
tinga, circa 900; Hottingen, 1149. 
Hub wies, Weiler im Bez. Hinweil: Huobwison, 1217. 
Hübscheren, Hof im Bez. Affoltem: Hübscher Müli, 1310. 
Hüllistein, Hof im Bez. Hinweü: Hülstet , .1217. 
Hünikon, Dorf und einstige Burg im Bez. Winterthiur: Huinkon, 

1243; Hünikon, 1337. 
Hunt Wangen, Dorf im Bez. Bülach: Hüntwangen, 1385. 
Huggenberg^ Dörfohen im Bez. Winterthur: Huggenberg, 1356. 
Hümlinkon, Dorf im Bez. Andelfingen: Humilincon, 1230^ Huome- 

linchon., 1244; Huomelinken, 1251; HfOnbäinchon, 1253; Hum- 

Hckon, 1255; Huinelichon, 1262. . .v . 

Hutzinkon, Dorf im Bez. Winterthur: Huzzinhovan, 873. 
Ibiirg, Dörfchen im Be%. Winterthur: Hiberc, 858; Iberg, circa 
: -1300;.Yburg, 1358; fifpefö. . 

Illingen, Hof im Bez. Bülach: Dlinga, circa 900; Illingen, circa 1300. 
Hin au, Pfarrdorf im Bez. Pfeffikon : lUinavria, 744; lUenavvia, 744; 
. ninowum, 1162; Unuowa, 1189; Ilnouwe, 1230^Ilnovwa, 1273V 

Unowe, circa 1300; lUowa, 1316; SB«tt* 
Irgenhamsen, Dorf im Bez.<Pfe£fi)^n: Irineheshusa, 812; Irgen- 

haussen, 1297; Irgenhusen, 1328; t^j^l^ltf^. 
Xsikon, Dörfehen im Bez. Pfelfikon: Isencrimensw^re, 906; Issi- 

con, 1363. T 



Itschnach, Dörfchen im Bez. Meilen: Ittinsne, eirc» 900; Isdhen», 
1274; Itschena^ 1282; IztdMn«, 1284; ItMdma^ 1302; Ytsi^lmt, 1331; 

Jungholz, Hof im Bez^ HiBweä: loni^Milttf 1433. 

Izinkottr Dörfchen imSez. Hinweil: Izinheinuun^ 837} Ytzjiyfo»^ 

circa 1300; Itzzikon, 1367. 
KUmmleten» Hof im Bei. Pfeffikon: Kemnatton, eirca 1300; Ktm*- 

naten, 1336; Kämnaten, ciyca 1350; Kemnoten, 1459. 
Kämmoo«, Hof im Bez* Hinweil: K«m»o«9, 1467« 
{Läpfnaeh, Dörfchen im Bezi. Hoi^n; Chephena» 1263; Kdpfotcht 

1342; gWpfne. 
Kal])iaaa, Weiler im Bez. Horgen: Kalwifiöw, 1407. 
Kalckegg, Weiler im. Bet. Winterlhor: Kalchegg, 1358. 
Kaltenatein oder Dickenau^ Weiler im Bez. Meilen: Thiahu- 

noana« circa 900; Dicgitavia, 952; Diknowe^ 1272; TignoVwl* 

1273; Tiknovwa, 1286; Kaltenstein, circa 1350. 
Katzenirütihof, Weiler imBez.Begensberge Katzenrüki, circalSOO. 
Katzensee, Weüar im Bez. IVegeusberg: Katzenae, 1467. 
Kempten, Dorf «u»d einstige Borg im Bez* Hinweil: Cavpatiuu« 

.612; (]ampaona, 835; Kenbiton, 4223; Kemirnftüm, 123Q; Ohein»' 

tun, 1232; Kempten» 1233; Kempthon, 1259$ Kemtun, 1260 ( Ghemr 

tun, 1290; Gbemptin, 1294; Kemnaten, 1336; Sl^tetle« 
Kirchberg, Pfarrdorf im Bez. Horgen; KUdiberg» 1278; Chilch^ 

berg, 12^; Chachberch, 1315. 
Kindhmnsen, Dörfchen im Bez« Uftter: Kihtluiien« circa i300. 
Kloten, Pfarrdorf im Biez. Bülach: Ghloton, circa 90Q; Chkrtua. 

1155; Cl<Mon, 1227; Chloten, 1255; Klotvn, 1268; Chlottcn, circa 

1300; Kloton, circa 1300; Kloten, circa 4300. 
Kl US, Häusergirappe ii^ Bez. Zürich ; Klos, 1336; in 4et Glau0# 1412. 
Knonaui Schloss und Pfari'dorf im Bez. Affoltern: Cluion«wa, KMd; 

ClwoAOwuiBf 1240i; Knonow,.1285; KnonanWi s* a, 
Kolbenkftf, Hof im Bez. Zürich: GbotteiKtal, 12ri. 
Kümberg, Hof im B^. Winter thiir:.KainlH^g, 1467. 
Kü88na.th, Plari^dorf im Be;(. Meilen: Chtisaenactoto« 1179; Cfaui^ 

«eimachum, 1188; Kus$enach, 1238; Chaissenachum, 1252; Chös«' 

senah, 1273; Kusenach, 1280; KüsseniM«, 1290; Kna$nach, 1290; 

Chimsenaoh» 1313; Küsnach, 1346; Küssnach, 1379; Kusmacht, 

$. a,; KÄmacht, s. a.; ftölnec^t 
Knaen« Hä^ergruf^e im BeZi. Meilen: Chonfheiu» 1307; Konsiieiß, 

1336; Kuonsen, 1408; Cunshein, 1433; ^efif. 
Kyburg, Schloas und Pfarrdorf im Bez. Pf^ükan» ClMugebarcli, 

1027; Kiburg, 1039; Chrii^g, 1155; Kibnrch, i;»0; Kiborc» 1244; 

Ghdmrg^ 12% Kyboi^, 12^; Kyburch, 1344; Ghuäiurg, «* «^ 

Ghyburg, s. a.; Guiyburg, s. a.; «ttiStffl. 



Lättenmoos» Weiler im Bez. Hinweil: Letteiimo^, 1435. 
Landenberg, drei einstige Bargen in den Bez. Pfeißkon und Winter- 

thur: Landinberch, 12^; Landenberg, circa 1300. 
Landikon, Dörfehen im Bez. Zürich: Lantrikon, 1371. 
Landsacker, Weiler im Bez. Hinweil: Lantzaeher, 1430; Latitz- 

aker, 1448. 
Langenhard, Dörfchen und einstige Burg im Bez. Winterthnr: 

Langenhart, 1358. 
Langenriedt, Häusergruppe im Bez. Meilen: Langenriet, circa 

1300 1 Langeriet, circa 1300. 
Langenmoos, Hof im Bez. Audelfingen: Langenmnse, 125^. 
Langnau, Pfarrdorf im Bez. Horgen: Langno, 1321; Langenowe, 

1345; Langnow, 1375. 
Langwiesen, Dorf im Bez. AndeMngen: Laogewisa, 876; Langen- 

wisa, 878; Langwissen, 1352. 
Laubberg, Weiler im Bez. Pfefßkon: LÖpberg, 1467. 
Laub egg, Hof im Bez. Horgen: Loupegga, 1266; Loibegge, 1339; 

Loubegg, circa. 1350. 
Laufen, Schloss und Pfarrdorf im Bez. Andelfingen: Loifen, 863; 

Loufin, 866; Lonfa, 670; Lanfarro, 872; Louiin, 878; Laufin, 

892; Louffen, 13^; Loyfen, s. a. ; Lofien, s. a. 
Laupen, Dörfchen wud Weiler im Bez. Hinweil: Loupen, circa 

1300; Louppen, 1320; Igftitpe (beinal^e mie ftattie). 
Lautikon, Eüiusergruppe im Bez. Meilen: Lutikon, 1467. 
Leematt, Hof im Bez. Affoltern: Lemat, 1465. 
Leerüti, Weiler im Bez. Hinweil: Lenrütti, 1321. 
LeibenAperg, Weiler im Bez. Winterthnr t Libensperg, 1358; ltü>t' 

Leimbacb, drei Weiler in den Bez. Zürich und Hcnrgen: Leim- 
bach, circa 900; Leinbach, 1314. 

Lendinkon, Weiler im Bez. Pfef&kon: Lentinchova, 871; Lentin- 
chouun, 878. 

St. Leonhard, Häusergruppe im Bez. Zürich: Sanctum Leonardum , 
1272; Saut Lienhart, 1308. 

Lettenbergy Weil^ im Bez. Winterthnr: Leitonberg, 1463. 

Letzi, Hänsergruppe im Bez. Zürich: Letzgraben, 1340. 

Leutenberg, Hof im Bez. Zürich: Luetenherch, 1263. 

Liebenberg» einstige Burg im Bez. Winterthnr: Liefainberc, 1244; 
Liebenberch, 1252. 

Lieburg, Weiler und einstige Burg im Bez. Uster: Liebemberg, 
circa 1300; Lyebemberg, circa 1300; Liebenberg, 1467. 

Limberg, Dörfchen im Bez. Meilen: Limper, circa 1300; Limperg, 

1318; MmiU^ 9Ut atmt%. 

Lindau, Pfarrdorf im Bez. Pfefükon: Lintauuia, 774; Lintowa, 
862; Lindunpuua, 972; Lindnonowia, 972; Lindowe, circa 1300. 
I. 67 



Loch, Hof im Bez. Züxith: Loch, tm, - 
Loo, DärfcheB im Be%. Affoltem: Lo, 1218. 
Luckhans«!!, Weil«r im Bez. Pleffikon: Lngiakusia, 1239^ tmgc^ 

husen, 125t; Luckhcisen, 1447. 
Lttdetsweil, Weiler im Bezr Ffeffikon s LudoUesTVilare, 861; Liu^ 

Hniswiliire,871; LuddlUwil, 1286; Lndolzwik, 1286; i»^^^dl»pl. 
Lndretihkon, Häiisergnit>pe imBez.florgeni LuderadinchoTa, 952; 

Lndritickon, -952; Ludrettinkan , 1316. 
Liizelsee, Weiler im Ekz. Meilen; LuzKihuisea, 826. 
LufiDgen^ Pfarr dorf im .Bez. Biüach : Luiiuiige& , 1 173 ; Loniitgin , 

1173; Lufingen, 1313. 
Lugeten, Weiler im Bez. Pfeffikon : Logottctt, circa i3U0; Lvgalen » 

1308. 
Lonnern, zwei Dörlchen im Bez. Affoltem: Lundnemm^ 1330; 

Luadnerron, 1350. 
Madetsweil, Dorf im Bez. Pfelllkon: Madalolteswilare, 744; Q^ 

dalate8wilare»744; Madeloltesvvüare, 818; ]IIadaloHi$.¥Tiiar«, 853; 

Madoltesvvilare, 911; Madoltzwüe, circa 1300; Jüadoltawile, 1331; 

]Vlad«lii8wil, circa 1350; S)ta^il|(^tf. 
IMiämiedorf, Pfarrdorf im Bez« Meilen: Maiuiidorfvd33; Manidorf, 

972; Manindörff, 972; Maennidorf, 1263; MeMidorf, 1272; Meiie* 

dorf, 1338; Menendorff, 1434; Menidorf, 5. a.; Mäaidovf, s« a.; 

SRtfitttiborf. 
Marchlen, Weiler im Bez. Bülach : Marcbc^tincliova , 774^ March* 

rein, circa 1300; Marchren, 1403; Viattbli* 
Marthalen, Pfarrdorf iin Bez. Andelfingen: Martella, 866; Mar« 

thiUe, 1241; Martelle, circa 1300; Martilk, 1306; Martd, i^( 

Marteln, 1441; SWatt?!/ SDl<ine(A. 
Masch wanden» Pfarrdorf im Bez. Afioltern: Maarvan^m, 1189; 

Masswandon, 1272 f Mas wanden, 1279 ; Maiwtoton , 1337. - 
Matt, zwei Weilei« im Bez. Pfeffikon: In der Matt, 1358, 
Maur, Schloss und Pfarrdorf im Bez. Uster: Mure, circa 9Q0; Miira, 

924;SDMr. 
Medikon, zwei Weiler im. Bez. Hinweil: Medikon, 1431. 
Meilen, Pfarrdorf im Bez. Meilen : Meilana, 947; Megi^annm« 965; 

Meiolaoum, 972; Meilanum, 972; Mediolana, 984; Mediolaniun« 

1188; Meilan, 1259; Meylan, 1340; Meif^n, s. a.; SSeik/ iHta 

. Um mi WtutAfMlitH SRfile auf. 

Mcsinkon, Dörfchen im Bez. Pfeffikon : Maginsinchova , 744 ; Maki- 

ainchova, 744; SDlefftf9tl. 
M e 1 1 1 e n , zwei Weiler im Bez. Hinweil > Mitteiona, 875 1 Mettlen, 1414. 
Mettmenbasle, Dörfchen im Bez. Regensbergs MiUenhasle, 1%99; 

Mettemenhasla. circa 1300; Metmenhasle, 13Q6; 9td)n>e|ftü^It« 
Mettmeostetten, Pfarrdqrf im Bez. Affoltern:, Metmon»tetlen, 

1255; Metmonsteten , 1272; Mettmenstetten , 1433; WtttmiftHtt. 



^ IM ~ 

Mönffhalt&irf, Plarrdorf im Bei. Uster: AlUirfrBaO; Alt«rf »mm^ 
choruni, 872; HaUthorf , 896 ; Althorf, 902; Alidorf, 902; Mönch- 
«Urf, circa 1300; Müchaltorf, circa 1300; Mnnchallorl, cirea 

laoo; mmmutf. 

Mdrsburg, Schloas und Wetkr tin Bez. WinteHkur; Morqverc,. 

1244; IVIoersbercli, 12&2; Mörsparc, 125»; Moerfperk, 1200; Mör- 

sperfT, 1346. 
Moor seh wand, Weiler im Bez. Horgen: Mortwandom, 1262. 
Moos, Weiler im Bez. Hinweüt Möss, 1367. 
— Weiler im Bez. Winlerthnr : Möss, 1356; Mos, 1391. 
Müdspach, Weiler im Bez. Hinweil: Müterspacli, 1417. 
Mälienen, Hävsergruppe im Bez. Horgen: Mnlliaen,* circa 1300. 
MüUifluh, Weiler im Bez. Regensberg: Mulaflii, 1468. 
Mnllibalden, HMnsergrnppe im Bez. Zäricbs Mnlibakkui, 1230; 

MiUihaldun, 1271; Mölihalten, 1305; Mfildialden, 1321. 
Müliistalden, W«der im Bes. HiMrgen: Mülistalden, 1316. 
Mnlchlingen, Weiler im Bez. Wintertfaiir: Molehingen, circa 1300; 

Miilehingen, circa 1800.. 
Näninkon, Dorf im Bez. Uster: Nancinchoaa, 744; Nennihon, 1319; 

Neninfcon^, 1319. 
Naglinhon^ Hänsergroppe im Bez. Meilen: Naglinchouen, 1158; Nag' 

linkon, 1296. 
Nas seil weil, Dörfehen im Bez.. Regensberg: Nessewille, 1274 1 

NÄtoenwiler, circa 1300; Nassenwile, chrca 1300; 9taffcmU. 
Nee räch, Dorf im Bez. Regensberg: Nerrachom, 1169$ Nerracb,» 

circa 1300; Nerach, circa 1350; SIlcH. 
Neftenbaoh, Pfurdorf im Bez. Winterthnr: Nellenbach, 1276. 
Nescbweil, Dorf im Bez. Pfeffikon : Neskinvvilare , 825; Neadivvi- 

Iure, 861; Neskewilm-e, 696; Neswile, circa 1300; Vt^O^h 
Nenbrechen, Hof im Bez. Pfeffikon: Nabrechten, circa 1300^ Nüb- 

rechAen, 1374. 
Ncaenbarg, Weiler im Bez. Winterthort Niwenburg, 1346. 
Neuhans, Hof im Bez. Hinweil: Nüwahnsen, cirta 1300. 
Niederflachs, Weiler un Bez. Bälachi NidroDrlaoh, 1250; Nider^ 

Ukch, 1252; Nidmin- mach, 1255^ NidemflMh, 1299; Niderd-' 

flachs, circa 140O. 
Niederglatt, Doif im Bezirk Regensberg: NidemnglotlAim, 1149 

Nidranglate, 1158; Niderenglatte , 1296; Nidera Glatta, circa 

1300. 
Niederhasle, Pfiirrdorf im Bez. Regensberg: Nidren Hasla, 1328; 

Nidem Hasle, 1328; Ntd^rn Hasele^ 1340; Niderfaa5sle/1484^ 
Niederhausers, Hof im Bez. Hinweil rNidtenfaiuem, 1817. 
Niederhöri, Weiler im Bez. Bälach: .Nidntnhorin, 1158. ' 
Nie der weil, Dörfehen im Bez. Anddfingeii: Niderenwile, 1299; 

Nidernwile , 1299. 



~ MB -- 

ü-i^s^liiBkoD, Där^^ im Bez. Reg^idieeg: NeiMsiiikoa/eivia ÜDO; 

Nösdtinkon, 1337. 
No 8 « i n k o^ , Dörfchen im Bez. Uster : JlossiiicliOYen, ^03 ; CtossuidMB, 

1158; Nös»iii€Oii, 1330; Nossincon, 1330; NoMikim^ 1371. . 
Nürensdorf, Dorf imBe^Bäkeh: Nneristerf , i^OT ; NiUistorf^ 127S; 

Nneliftdorf, 1286; INürenstofff, 1371; lf$ristoi^, 1413; Nöritdorf, 

s. a.; Stäeti#otf. 
Nassbaumen, Wdkr imBez. Biilach: Nuzp^ama» 858; NoxpcNUH^ 

858; Nuzpoomin, 871; Nnduima, 10^; N«al^>aoiiieii, 1162; Nas- 

bouBiin, 1238; Nassebon, 1281. 
— Weiler im Bez. 'HorgeA : Hof ze den NasdMiaeii , 1407. 
Nitssberg, Dörfeben im Bez. WiBtertlmr: Nossberg, 1358;^ Nas- 
berg, 1366. 
Ober glatt, Pl^rrdorf im Bez. Regensberg: Obrui^^ii^am, 1158; 

Obern GliUta, circa 1300. 
Oberbasle, Dorf im Bez. IWgen^>erg: Obembaselen, 1289; (^ren 

Hade; 1299; Obernfaatla, circa 1300. 
Oberhausen, Dörfchen im Bez. Biilach: Olnrehiises^ 1156; Obra- 

bnsen, circa 1^; Oberhufien« 1344. 
Oberböri, Dörfchen im Bez. Bölach: Obrimhoria, 1158. 
Oberhbfen, Dörfchen im Bez. Winterthur: Oberboffcn^ 1358. 
Oberrieden, Pfarrdorf im Bez. Horgen : Obernrieden , 1914. 
Oberri^dt, HäasergrappeimBez.Bälacb: Oberriedin, 12^1; Ober* 

riedt, 1495r Oberriet, 1^. 
Oberstrass, Gemeinde im Bez. Züridi; Oberstrass, 1455« 
Ober weil, Dörfchen im Bez. Bäladi: OberwH, 1371. 
-^ Dörfchen im Bez. Winterthur: Virüare, 911; Obemwüe, 1297; 

Oberwüle, 1356; OberwÜ, 1^4. 
Oberwinterthnr, Pfarrdorf im Bez. Winterthur : Vituditinim , 

Rom. Per.; Wintardarum,850; Wintnrdnra, 865; Venttiira,876; 

Winterdora, 883; Obern Wintertnr, 1217; Oberun Wintertnre , 

1254; Oberwintertnr, 1342; Obrewiatertor , 1346; Oberwinnter- 

thnr, 14B9. 
O b holz , Weder im Bez. Bnkch : Obholtz , 137L 
O e r 1 i n k o n , Dörfidien im Bez. Zürich v Orlinehöya , circa 909 ; Orlin- 

choven, 1158; Orlinchon, 1158; Oerlinkon, 1271; OerMnehon, 

12T7; Örlikon, 1318. 
Oerlmgen, Dorf im Bez. Andeliingen: Orlinkon, circa 1300. 
Oetinkon, Häusergruppe im Bez. Meilen: Oetilmkon, 1267; Oe^in^ 

chon, ,1300; Oettinkon, circa 1300; Oetinkomn, s. a^ . > 

O 6 1 w e i 1 , Pfarrdorf im Bez. Meilen : Otilin vräar e > 854 ; Ultinv vi- 

lare, 972; Oetwil, circa 1300; Öittwil, 1467. 
>o^ zwei Dörfchen im Bez. Zürich: Oetewilare, 1219; Otwile, 1259; 

Ouwiler vor dem Altenberch, 1264. 



— 5« — 



Ofc^riafön, zw<Bi DiwriäiOBam Bez. Wintefürar: Ornngen, cwcft 

1300; Oringen, 1358. 
Opfinkon, Dorf im Bez. B«kM^: Vbiiicilova, 774; dlfinchoven«, 

1158; Offinefcon, 1158; Oi^iBchon, 1259; Opphinkon, 1282; Opfifi- 

kon, 1311; Opfinkon, 131S; Opphikon, s. a. 
Otä, zwei Weiler im Bez. Hinweil: Ahorn, moos, 1279; nf Orn, 

132S;^00ftt. 
Ossingen» Ffarrdorf im Bez. AudeMngen: HaMinchowa, 838;^ Oz- 

zingen, 1230; Ossingen, circa 1300. 
Otel fingen, Pfarrdorf im Bez. Regensberg: Ofolvingin, 1256 ;f Otol- 

vingen ,t 1257 ; Ololfingen, circa 1300. 
Ottenlrach, Pforrdorf im Bez. AfiEökern: Hotombach, 831; Otton- 

bac, 1169; Ottei^Mch, 1234; Hottonbach, 1255; Ottiienba«^, 1268; 

Otenbach» 1284. 
Ottenhausen, Dörfchen im Bez. Pfeffikon : Ötenhasen, (;nrcal300; 

Otte^ihnsen, 1371; Oetigshnsen, 1401. 
Oten^egel, Weiler im Bez. Horgen: Oetensegel, id62; Otintegü, 

1303; Otensegel, 1316.^ 
Ottinkon, zwei Dörfer im Bez. Himveil: Otinchova, 889; Obtin- 

kon, circa 1300; Optinkon, 1379. 
— Dorf im Bez. Pfeffikon: Ouinkon, circa 1300; Otfikon, 1368. 
Pfaffenberg, Hof im Bez. Pfeffikon: PfaH'enberg, 1356. 
Pfeffinkon, Pfarrdorf und einstige Burg im Bez« Pfeffikon :Fi^B- 

chova, 810; Faffincbouun, 862; Pfeffiiü(on, circa 1300*^ Phaffin- 

chouua, s. a.; Phaffinchoua, s. a. 
Pf ungen, Sddoss und Pfarrdorf im Bez. Wintertiiiir; Phmgingen , 

1322; Pfnnginge», 1^5; Pfnngen, 1468. 
K^a^d, zwei Weiler im Bez. Winterthnr: Ratinisliove« , circa 940. 
Rafz, Pfarrdotf im Bez. Bülach: Ra&m, 870; Raffa, 870; Rafe, 

1317; Rafz, 1321; 9ta^^ Alld^ «f^. 
Ramspei^g, Weiler im Bez. Winterthur: WaldiUBunesperc, 850; 

Rammisperage, 852; Ramsperg, 1358. 
Rath, zwei Dörfchen im Bez. Regensberg: Ruode, 1275. 
Rattlisberg, Hof ini Bez. A&iAiemkz Ra^elspercy ^mons, 1255; 

Ralofeberch, 1260; Ratholtepecch, 1260; Ratholsperch, 1260; Ra- 

toltsperch, 1267; Ratoltsperk, 1267; Ratohcsperk, 1267; Ratol- 

folsberg, 1289; Ratoltzberg, 1303. 
Ravenspühl, Weiler im Bez. Pfefflkcm: Rafetspül, 1467. 
Redlink on, Hänsergruppe im Bez. Meilen: Redilinghouua , 984. 
Regensberg, alt und neu, jenes eine eiastige Burg, dieses ein 

Städtchen und Schloss im Bez. Regensberg: Regensberg j 1040; 

Reginsberch, 1130; Reginsberc, 1150; Reg^a^perch, 1187; Rbgins- 

berk , 1219 ; Reginsperc , 1230 ; Reginsperg , 1243 ; * .Reginspergh , 

1253; Regensperg, 1256; Nuw Regensperg, 1320; Nöw Ragen- 

sperg, 1342; »Ägifutrö/ *lu#jer »örg. 



lUgeiitfdorf, P€tyfii<ntf im Bez. Regttubcii^: Htganetdorft 6ld; 

Regenstorf, 1278; 9ttfdi#0rf. 
f^eiii. Hol im Bez. Pfitffikoai Ab Reüy, 1467. 
HellikoB, WeUer im Bez. Usters ReUÜH>n, 14S7,* Riaükon, 1465. 
Renigg, drei Höfe im Bez. Hargen: Rengge, lÜL 
Repi>i«chtJiiii, Weiler im Bez. Zttrieli: Rebirtal, 1173; lt«l(ia 
Relerschen, Dörfchen im Bez. Wiuterthur: Rätteradleii , 1358;: 

Retersohtn, 1388. 
Reatlingen, Dorf im Bez. Winterthur: Bntelingeii, 1256; Rtite- 

UMgen» 1257; RiüMugen, 1359; «iMtoge. 
Rheinan, Kloster and Städtdien im Bez. Aaddlingen: Riaai^ia, 

844; Renangia, 858; Rtnatva, 858; Rinhowa, S62; Rinewa, m%x 

Remwyngii insnla, 876 ; Rbenaagtensis iasola, 876; Rinova, 

898; Angea, 1067; Augia, 1067; Rinowe, 1241; Rinonwe, 1243; 

RiAow, 1280. 
Richtensweil, Pfarrdorf im Bez. Horgen: Richtliawtl, 13Q0; Rielit- 

Ittwa, s. a.$ Richtensiril, s. a.; ftid^fti^Vl* 
Rickenbach, Pfarrdorf im Bez. Winterthnr: RtehMÜbach, eirca 
^00; Rikl^abadi, 1416; Rikenbadi, 1489. 

— Hof im Bez. Affoltern: Richenbach, 1242; Rüceabadi, 1334; Rik- 

cheabaeh, 1337. 

— Hof im Bez. Hinweil: Richenbach, 873; RichkenbM^h, 1395; Rik- 

kenb«^, iai5. 
Ritden, Dorf im Bez. Bälacb : Rieda, 928; Rieden, 1158; Riedern, 

circa 1300. 
-^iiof im Bez. ffinweil? Rieden, 1299| Riet, circa 1900. 
Riedinkon^ Dorf im Bez. Uster: Hreotinchpva, 744; Rentuu^va, 

744; I&eotinchova, 744; Rietindhova, 902; Rietiokon, circa 1390; 

Riettii^um, s. a.. 
Riedmatt, Hof im Bez. Atbltems Rietmat, 1491. 
Riedt« Diarichcn im Bez. Regensberg: Rihote, 828; Rieta, 1140; 

Riet, circa 1300. 
Riedthof, HofimBe£.Biihnik: Hofze Riete, 1267; Hof zeRf et, 1404. 
-- Weifaar im Bez. Winterthnr: Riediof, 1375. 
Riesbalrh, Gemeinde im Bez. Zürich: Riedispaeh, circa 900;> Rie- 

spadi, 1240; Riesbadi, 1246. 
Rif fers weil» Pfeirrdorf im Bez. Affoltem: Reinfirfwilare, il79; 

Ri£fersTvyare, 1179; Riferswilere, 1185; Reinfirswile, 1189; Vtfers^ 

wile, 1249; Rifirswile, 1258; Riferswüe, 1260