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Full text of "Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno vom 29. Juni 1873"

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SITZUNGSBERICHTE 



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DER KAISERLICHEN 



mDIilE MI f ISSIISCHÄFIEI. 



MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CÜSSL 



LXIX. BAND. IV. HEFT. 



Jahrgang 1874. — April. 



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(Mit ö Tafein und U HohschnittenJ P 



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ZWEITE ABTHEILÜira. 



Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mathematik^ Physik, Chemie, 

Mechanik, Meteorologie und Astronomie. 












WIEN. 



AUS DER K. K. HOF- UND STA ATSDBUCKEBEI. 



r: 



IN eOMMISSlOH BEI KARL GEROLDS SOHN, 

BÜCUHXUDLIB I>XB KAISERLICHEN AKADKMIK DER WI6SEM8CHAPT EN. 

1874. 



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du 4. Heftes (April 1674) des 69. Bandet), II. Abib. der Siliungsberiehtt der mithem.- 
utnrw. Class& 



'X. SltiBiig vom IG. Aprill874: Übereicht 493 

V. EtcAerich , Die Geometrie auf den Fläcben constanter nega- 
tiver ErümmuDg. (Mit '2 Holzschnitten.) {Preis: 25 kr. = 
5 Ngr.] 497 

Dvofdic, Über einige ncne Stnnbfigurea. (Hit 9 Holischniuen.) 

(PrciB: 20 kr. = 4 Ngr.] 527 

BiHner, Beitrüge zur Kenntnies des Erdbebens von Belluno 
vom 29. Juni 1873. (Hit 3 Tafeln.) [Preis: 1 fl. 50 !::■. 

= I Thlr.] .'^ 541 

XI. Sltznng vom 23. April 1874: ÜberBJcht 638 

Bericht der zur Begntachtung der Abhandlung des Herrn Hof- 
rathcB G. W e X, Über die WasBetabnahme in den Quellen 
und Strömen eingesetzten Commisaion. [Preis: 15 kr. = 
3 Kgr.] 642 

Sinwnff, Über Temperatur- und Tiefen verhältnisBe des Eönigs- 
seea. [Preis: 25 kr. = 5 Kgr.] 

Frit*ck, Die EiBverbfiltniase der Donan im Lande Österreich 
ob und unter der Enns in den Jahren 1868/9 bis 1872/'3. 

{Hit 2 Tafeln.) [Preis: 75 kr. = 15 Kgr.J 

XII. Sltenng vom 30. April 1874: Übersieht 

Stefan, Versuche über die schuinbare Adhäsion. (Preis: 20 kr. 
= 4 Kgr.] 



Preis des ganzen Heftes: 2 fl. 20 kr. = 1 Thlr. M Ngr. 



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541 



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Beiträge zur Kenntniss des Erdbeträfl^t'.'vpn Bellono vom 

29. Juni 1873. '•'/> . 






Von Alexander Bit tner« 

(Mit 3 Tafeln.) 



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Die vo^iegende Arbeit macht durchaus nicht den Ansprtu;^,* •' 
als etwas Abgeschlossenes gelten zu wollen. Sie bringt nichts 
weiter, als eine Zusammenstellung der Nachrichten, welche aus 
dem alpinen Theile des Schüttergebietes vom 29. Juni 1873 
bekannt geworden sind und einige Beobachtungen, die ich wäh- 
rend eines Aufenthaltes in der Umgebung von Belluno zu sam- 
meln im Stande war. Die Nachrichten sind zum grösseren 
Theile Privatberichten, welche über AuflForderung des Herrn 
Professor Suess von zahlreichen Orten an denselben einge- 
sandt wurden, entnommen. Aus diesem Gesammtmateriale habe 
ich am Schlüsse einige Folgerungen hinsichtlich des Sitzes des 
Erdbebens zu ziehen gesucht. 

Bevor ich jedoch zur Ausführung schreite, halte ich es für 
meine Pflicht, allen jenen Personen, welche mir bei dieser Arbeit 
ihre Unterstützung angedeihen Hessen — insbesondere dem 
hohen Unterrichtsministerium, welches mir die Mittel zur Reise 
nach Belluno bewilligte, meinen besten Dank zu sagen. 

Ich gebe nun zunächst eine Zusammenstellung der Nach- 
richten aus dem weiteren Erschtitterungsgebiete ; sodann folgt 
die Mittheilung des im Zerstörungsgebiete Beobachteten und 
hieran reiht sich eine Aufzählung älterer Erdbeben im Vene- 
tianischen und ein Rückblick auf die Erscheinungen, von wel- 
chen das hier Behandelte begleitet war, 

Sltjsb. d. roathem.-naturw. Ol. LXIX. Bd. 11. Abth. 36 



Beitrage zur Kenntniss des Erdbebens von Bellnno etc. 543 

lieh schwingenden Bewegung in der Richtung SUd-Nord ; anch 
(lie Bewegung des Körpers liess die Richtung der Erdschwan- 
kung in gleicher Weise erkennen; die Dauer wird zu 8— 12 See. 
in zwei Absätzen, oder als länger angegeben. — Herr Gymnasial- 
•director Premon berichtet, dass die Erschütterung eine ziem- 
lich starke war, so dass in einigen Wohnungen die Zimmer- 
glocken zu läuten begannen; die Richtung von SO-^NW. Cilli 
ist der einzige Ort im südlichen Steiermark wo eine Erschütterung 
Terspürt wurde. Schon in Marburg wurde eine solche bestimmt 
nicht mehr wahrgenommen und in gleicher Weise verneinend 
lauten die Zuschriften aus Voitsberg, Frohnleiten, Knittelfeld, 
Kindberg, Leoben, Mttrzzuschlag, Mariazeil, Admont, Rotten- 
mann und Irdning. Erst von Aussee sind wieder Nachrichten 
über eine stattgehabte Erschütterung eingegangen, die manches 
Interessante bieten. Eine sehr ausftihrliche Mittheilung ist Herrn 
Bergrath Pohl zu verdanken, deren wesentlicher Inhalt folgen- 
der ist: Ich lag vollständig erwacht im Bette (1. Stockwerk des 
Salinenamtsgebäudes), als ich an den Fenstern ein Geräusch 
wahrnahm, das einem Tappen an die Gläser derselben ähnelte 
und mir deshalb auffiel, weil das Fenster kaum von jemand er- 
reicht werden kann. Ich stand auf und sah auf die Uhr, die eben 
«inige Minuten über fünf zeigte — und in dem Momente entstand 
scheinbar unterhalb des Fensters ein Geräusch, welches dem 
Umfallen eines mit leeren Möbeln beladenen Wagens glich. 
Oleichzeitig hörte ich im zweiten Stockwerke ein rasches Umher- 
laufen, das mir zu dieser Zeit besonders auffiel. Draussen lag 
dicker Nebel. Ich konnte mir dieses wahrgenommene Geräusch 
um so weniger erklären, als der Eindruck desselben bei dem 
gänzlichenMangel einer sensiblen Schwingung oder eines Stosses 
mich nicht im mindesten auf den Gedanken eines Erdbebens 
gebracht hatte. Ich erfuhr dann auch erst durch die Bewohner 
des 2. Stockwerkes, dass sie durch ein Erdbeben aus dem 
Schlafe geweckt und in Folge der sehr starken Schwingungen in 
Angst versetzt worden seien. Aber anch in diesem Stockwerke 
ist an der Westseite des Hauses nichts bemerkt worden. Dr. 
Kochems, im 2. Stockwerke des Apothekerhauses wohnend, 
vernahm starkes Geräusch ober sich, als wäre am Dachboden 

,. jemand beschäftigt, und gleich darauf aufeinanderfolgende 

36* 



1 



544 Bittner. 

bedeutend fühlbare StOsse mit von 0. naeh W. gehenden Schwin- 
gungen. Auch in Altausee sowie in Obersdorf und Mittern- 
dorf wurden gleiche Wahrnehmungen gemacht; hie und da 
war die Erschütterung so stark, dass die Gläser in den Schrän- 
ken geklirrt haben sollen. Nach Mittheilungen von Leuten, die 
in Geisern und am Hallstättersee wohnen, scheinen in 
jener Gegend die. Stösse und Schwingungen noch stärker 
gewesen zu sein. So weit die Mittheilung des Bergrathes PohL 
Dem Berichte von Dr. med. Pohl (im 2. Stockwerke des Salinen- 
amtsgebäudes wohnhaft) an die Zeitschr. d. österr. Ges. f. 
Meteorologie entnehme ich noch folgendes : „Ich vernahm zuerst 
ein auffallendes Knattern in einem dem Bette gegenüberstehenden 
Kasten und nach kaum 10 Secunden empfand ich ein Hin- und 
Herschaukeln meines Bettes, und zwar von N. nach S., etwa 
4- oder 5mal in rascher Aufeinanderfolge. — Hieimit wären die 
Nachrichten aus Steiermark abgeschlossen, wenn nicht noch 
eine Mittheilung aus einem Orte vorläge, der ganz isolirt in dem 
von der Erschütterung bereits nicht mehr betroffenen Gebiete 
liegt. Aus Kapfenbergan der Mttrz schreibt nämlich Lehrer 
F. Forster: „Am 29. Juni um 2 Uhr 45 Min. M. wurde ein immer 
stärker werdendes Rollen gehört, das von einer Erschütterung 
der Erde begleitet war, so dass die Gläser in dem Kasten 
klirrten und einige durcheinanderfielen. Die Erschütterung nahm 
die Richtung gegen NO. und war ein Rütteln, so heftig, dass auch 
ein Blechdach vom Camin herabgeworfen wurde. Das Rollen und 
Rütteln dauerte ungefähr 10 Secunden.*« — Von einer ErschUt 
terung um 5 Uhr wird nichts erwähnt. 

3. Oberösterreich. 

Hallstatt. Während im Amtshause nichts wahrgenommen 
wurde, versichern glaubwürdige Personen vom Markte Hallstatt, 
von der Ortschaft Lahn, von Ober- und Untersee, sowie vom 
Salzberge, um 5*/^ Uhr M. eine mehrere Secunden lang 
andauernde Erschütterung verspürt zu haben. (K. K. Salinen- 
verwaltung.) 

St. Wolf gang bei Ischl. Mehrfach wahrgenommen; 
im Leuchtthurnie am See schwankte ein grosser, an einem Nagel 



f 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 545 

liängender Scblttssel und einzelne Mörtelstüeke fielen Ton der 
Mauer. (Oberlehrer Nodes.). 

Ischl. Erschtitterung in der Dauer von 10 Secunden, 
•6 sehr wahrnehmbare Stösse. (Abendblatt der Neuen fr. Presse, 
aO. Juni.) 

Ort bei Ginunden. Prof. Lott theilt der Zeitschr. f. 
Meteorologie mit, dass er nach 5 Uhr M. durch Erdstösse aus 
dem Schlafe geweckt worden. Auch zu Gmunden selbst ist die 
Erscheinung beobachtet worden. (Lehrer Herzog in Vöckla- 
bruck.) Dasselbe gilt nach dem eben angeführten Gewährsmanne 
fUr Geisern und Frankenburg. 

Schloss Kammer am Attersee. Um 5 Uhr M. erst 
^ine Vibration und darauf ein Stoss. (Mittheilung an Professor 
•S u e s s.) 

Vöcklabruck. Um 5 Uhr oder einige Minuten darüber 
•ein leichtes Klirren der Futtergläser in einem Vogelkäfig, ebenso 
-ein Klirren schlecht verkitteter Fensterscheiben und von leeren 
Arzneifläschchen auf einem wankenden Tische. Mehrere im 
Bette liegende Personen wollen eine schwankende Bewegung 
in der Richtung von NO — SW. gefühlt haben. Dauer 3—4 See. 
<(Lehrer Herzog.) 

Kremsmünster. Auf der Sternwarte wurden 3 Stösse 
beobachtet. (Deutsche Zeitung, 4. Juli.) 

Ried. Fensterklirren, Smalige wiegende Bewegung, eine 
Thür öflhet sich. (Presse, 2. Juli.) 

Wels. Hier wurde die Erschütterung in zwei deutlichen 
StOssen vom Bezirkshauptmann Fischer wahrgenommen, und 
2 war erfolgte der erste Stoss um 574 Uhr M. und der zweite 
circa 5 See. später. Richtung SW— NO. (Prof. G. A. Koch.) 

Scharten bei Wels. Viel heftiger als zu Wels. Pfarrer 
Einke ward im 2. Stockwerke durch einen heftigen Stoss ge- 
weckt; das an die Kirche angebaute Haus schwankte sehr 
bedeutend, wie es schien NO — SW. oder umgekehrt. Die Dach- 
balken und das ganze Holzwerk krachten, das Petroleum in der 
Lampe schwankte hin und her. Dem zu ebener Erde wohnenden 
Lehrer Fuchsmayer fiel das Schwingen der Bilder und des 
Spiegels auf. (Prof. Koch.) 



546 B i 1 1 n e r. 

Kletzenmarkt (Gemeinde SchOnan). Am Kroissenhofe-- 
von der zu ebener Erde im Bette liegenden Bäuerin und einem 
am Dachboden befindlichen Knechte wahrgenommen. Hin- und 
Herwiegen des Bettes^ Krachen des Gebälks, Erzittern des- 
ganzen Hauses bei drei in kurzen Pausen folgenden Stössen. 
Richtung angeblich SW— NO. (Prof. Koch.) 

SchlossDietach bei Wels (1 Stunde gegen SO.) Frl. 
Herma Gross durch einen sehr kräftigen Stoss aus dem Schlafe^ 
geweckt; die Thür war aufgesprungen; eine Hängelampe 
schwankte heftig, Bilder und Spiegel waren in Bewegung u. s. f. 
(Prof. Koch.) 

Schloss Weidenholz bei Waitzenkirchen. (Prof. 

Koch.) 

Linz. Herr Hauptmann Teisinger theilt mit: In meiner 

im 3. Stockwerke befindlichen Wohnung wurde ich durch eine 

starke rüttelnde Bewegung des Bettes gewekt. Richtung W— O. 

Unter meinen Bekannten will niemand etwas ähnliches bemerkt 

haben. — Auch in dem gegenüber von Linz liegenden Urfahr 

wurde die Erschütterung hie und da wahrgenommen. (Stud. C. 

Vogt.) 

Summerau bei Freystadt. Am 29. Juni um 5 Uhr 

10 Min. M. wurden in einem Zeiträume von circa 10 See. 

5 — 6 kurze schwache horizontale Schwingungen von N. nach S. 

und ohne grossen Intervall eine gleiche Anzahl von W. nach O*. 

verlaufender vom Bahnerhaltungsassistenten Tomaschek 

beobachtet. (Prof. Koch.) 

Aus Mondsee in OberOsterreich ist ziemlich unerwarteter 

Weise ein negativer Bericht eingelaufen. 

4. Salzburg. 

Salzburg. Um 5 Uhr 18 Min. ein Erdbeben in zwei Stös- 
sen, der erstere stärker und an 10 See. dauernd, wellenförmig 
von NW— SO., der zweite 5 See. später in gleicher Richtung. 
(Zeitschr. d. österr. Ges. f. Met.) Eine andere Nachricht ist von 
Seiten des Herrn Bezirkshauptmannes Fischer eingelaufen; 
derselbe schreibt: Um 57^ Uhr wurde ich durch eine Bewegung 
aus dem Schlafe geweckt, welche mir derart schien, als ob mein 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno et. 547 

Bett gehoben und einige Male in schaukelnder Weise geneigt 
würde. Auch ein kleines Tischchen neben dem Bette neigte sich 
in gleicherweise und bewegte sich zitternd, so dass die Leuchter 
und Tassen klirrten. Kurz darauf wiederholte sich die Bewegung 
ein zweites Mal in gleicher Weise. Das Zittern eines Nacht- 
kästchens dauerte noch länger an und wurde wiederholt stärker. 
Die Richtung schien mir — W., ziemlich senkrecht gegen die 
Salzach. Die Dauer war eine bedeutende. — Ein Bericht in der 
Neuen freien Presse vom 1. Juli besagt etwa folgendes: Die Be- 
wegung erfolgte um 5 Uhr 20 Min. und äusserte sich im Hin- 
und Herschwanken von Betten, im Schwingen von Olocken- 
zügen und Lampen; in unheimlichem Krachen der Möbel; 
Thüren und Fenster wurden wie von einem heftigen Windstosse 
gerüttelt. Dabei war der Himmel ganz heiter und die Luft durch- 
aus ruhig. Dauer 30 See, Richtung scheinbar SW — NO. 

In der Salzburger Chronik liest man ddo. 29. Juni : An 
diesem Tage gab es einen ganz anständigen Erdstoss zu Salz- 
barg in den beiden Stadttheilen und in der Umgebung zu Morzg, 
Moos und Reiehenhall, der aber nicht lange andauerte. Er 
machte die Fenster klirren, die Hausglocken schellen und ver- 
rückte Tafeln an den Wänden. Auch zu Mariapfarr ward er um 
%5 Uhr verspürt, ohne jedoch zu schaden. (P. A. Ebner.) 

Abtenau. Bedeutende Erschütterung des Hauses und 
Bettes, verbunden mit seltsamem Geräusch, das ungefähr 
2 — 3 See. andauerte. Die Erschütterung war etwas stärker, als 
eine solche ist, wenn man in einem einstöckigen Hause eine 
Thür sehr heftig zuschlägt. Möbel und andere Gegenstände haben 
sich nicht bewegt. (Lehrer Russegge r.) 

Werfen. Auch hier wurde eine Erschütterung bemerkt. 
(Lehrer Wink 1er in Radstadt.) 

St. Johann. Nicht überall in gleicher Stärke beobachtet. 
Im allgemeinen wurde die Bewegung in hölzernen Häusern (hier 
mit Krachen der Wände verbunden) und in höheren Stockwerken 
stärker verspürt als in gemauerten Häusern und zu ebener Erde. 
Dauer 8-10 See, Richtung NO— SW. Wellenförmig. Einzelne 
Personen wollen an demselben Tage Vormittags einen zweiten 
Stoss beobachtet haben, ebenso am folgenden Tage Morgens^ 



548 B i 1 1 n e r. 

doch «ind diese Angaben nicht ganz verlässlieh. (Lehrer Prenn- 
steinen) 

Tams weg. 3 — 1 schaukelnde Bewegungen vonNOO. nach 
8WW.^ zusammen von etwa 5 See. Dauer, Ein Klirren der 
Kastenbeschläge. (Lehrer »Sc hat tau er.) 

Hofgast ein. Besonders in den oberen Etagen der Häuser 
wahrgenommen; am Chore der Kirche bewegte sich eine Bank 
durch einige 8ec. von 8 — N., in der Orgel knisterte es. (Lehrer 
Winkler.) 

Mi tt er sill. Von hier berichtet Lehrer Stachl wie folgt: 
Um 5 Uhr 1 Min. Morgens erfolgte eine so starke Erschütterung, 
dass das Bett, worin ich lag, stark schaukelte, die Zimmerthüre 
krachte, als ob sie jemand erbrechen wollte, dass die an den- 
selben hängenden Schlüssel herabfielen, ebenso wie eine an der 
Wand befestigte Bildertafel. Alles dies geschah in 1—2 See. 
Zugleich wehte ein sehr starker Wind. Im Hause des Nachbars, 
nur 20 Schritte von der Schule, suchte man das Freie zu er- 
reichen, um das Leben zu sichern, da man einen Einsturz des 
Daches befürchtete, ein solches Getöse entstand. Schon um 
11 Uhr der vorhergehenden Nacht vernahm man eine Erd 
erschtttterung, jedoch schwächer als die am Morgen. 

Zell am See. Um 5 Uhr 5 Min. M. ward eine zweifache 
Erderschtttterung bemerkt, und zwar das erste Mal als wiegende 
Bewegung von 0. nach W., an Fenstern, Tischen, Betten und 
Bildern wahrnehmbar , welche letztere in einzelnen Häusern von 
der Wand fielen ; das zweitemal war es mehr ein Stoss von unten. 
(Lehrer F e 1 s e r.) 

Lofer. Nicht grossartig, aber fühlbar und in allen Häusern 
bemerkt. In der eine halbe Stunde entfernten Kirche St. Martin 
erschreckte das Geklirr der Fenster die Betenden, die Stühle 
bewegten sieh stark, man rief sogar, die Kirche falle zusammen ; 
und das Kreuz am Dache, das, wie der Berichterstatter bemerkt, 
noch von keinem Sturme aus der Richtung gebracht wurde, 
drehte siohbei dieser Erschütterung. (Lehrer Burgschweiger.) 

Von Radstatt und San et Michael liefen negative Be- 
richte ein. 



Beitrage zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 549 

5. Baiern. 

Tegernsee. Getöse während IV, Minuten. Der See zeigte 
eine heftige Bewegung. Richtung der Erschütterung NO — SW. 
Bei Abwinke! am Seeufer bildete sich ein 4 Schuh breiter^ 
mehr als 3 Klafter langer Riss. (Presse vom 3. Juli.) 

München. Es bebten Mauern und stürzten baufällige Öfen 
ein. (Ebenda.) Ein anderer Bericht sagt: Von 5 Uhr M. wurden 
hier zwei Erdstösse in unmittelbarer Aufeinanderfolge wahrge- 
nommen. Namentlich im Mittelpunkte der Stadt, in der Nähe der 
Frauenkirche war die Bewegung eine starke. Als Richtung wird 
bald SW— NO., bald N— S. angegeben. (Augsburger AUg. Ztg.) 

Im ,,Boten für Tirol und Vorarlberg" wird über verticale 
Stösse zu München berichtet. 

Augsburg. Auch hier noch ist die Erschütterung bemerkt 
worden. 

beriech. Gegen 5 Uhr M. weckte eine kleine Bewegung 
der Erde die Schläfer. Unmittelbar darauf rollte es von SW — 0. 
im Inneren der Erde so heftig, dass im Freien stehende, nicht 
befestigte Gegenstände umfielen, die Fenster klirrten, die Haus- 
geräthe wankten. Das Schwanken war namentlich in den oberen 
Stockwerken der Häuser erschreckend. Dauer kaum mehr als 
eine Secunde. Die Erschütterung bewegte keineswegs alle 
Gebäude, indem oft die nächstliegenden neben den betheiligten 
ganz unbehelligt blieben, was namentlich bei den vor dem 
Städtchen Füssen befindlichen zerstreuten Häusern der 
Fall war. Während die zu ebener Erde Wohnenden den ganzen 
Vorfall weniger oder theilweise gar nicht wahrnahmen, schien in 
den höheren Stockwerken alles drunter und drüber zu gehen. 
(Professor G. vom Rath. im Neuen Jahrb. f. Mineralog. 1873, 
pag. 707.) 

6. Vorarlberg. 

Bregenz. Von hier theilt Herr Realschuldirector Puhl 
folgendes mit. Die Erschütterung wurde um 5 Uhr wahrgenommen. 
Stärker scheint sie gewesen zu sein in Bezau, Krum- 
bach, Riefensberg und Springen gegen die bairische 



550 Bittner. 

Grenze za. In den höher gelegenen Ortschaften hat man die 
Bewegung überhaupt starker empfunden als in tiefer liegenden. 
Insbesondere scheint sie in Springen heftig gewesen zu sein, so 
dass Bildertafeln an den Wänden schwankten und herabzufallen 
drohten, in den Sennereien sich die vollen Milchgefässe zum 
Theil entleerten und einzelne Häuser krachten, als wollten sie 
aus den Fugen gehen. 

Feldkirch. Heftige Erschütterung. (Gymnasialdirector 
Elsensohn.) 

D o r n b i r n. Wand- und Standuhren blieben stehen, ange- 
lehnte Zimmerthüren flogen auf. (Dr. Waibl.) — Um 5 Uhr H. 
ziemlich starkes Erdbeben, zuerst als schwächerer, dann als 
stärkerer Stoss. Beim zweiten zitterten die Wände, wankten auf 
Tischen stehende Gegenstände und wurden zu Bette liegende 
Personen nmhergeworfen. Als Richtung wird meist W—O. ange- 
geben. (Dombimer Gemeindeblatt vom 6. Juli.) 

Hohenems und Lustenau. Die Erschütterung eben- 
falls wahrgenommen. (Dr. Waibl.) 

Aus Sehr uns liegt eine negative Nachricht vor. 

T.Tirol. 

In Vils und der ganzen Umgebung erfolgte um genau 
5 Uhr ein von N — S. gehender gewaltiger Erdstoss, so zwar, 
dass die Bettgestelle schaukelten und an der Wand hängende 
Gegenstände herabzufallen drohten ; nach circa 5 Minuten wurde 
ein noch stärkerer Stoss fllhlbar, in Folge dessen die Leute voll 
Schreck auf den Gassen zusammenliefen. Ein Schaden geschah 
nicht. (Lehrer Huter.) 

S e e f e 1 d. Starke Erschütterung, so dass hängende Lampen 
in Schwingung geriethen und sich der Kalkanwurf an Häusern 
stellenweise löste. Dauer etwa 2 See. Ahnlich zu Scharnitz 
und zu Mittewald in Baiem. (Cooperator P. Hechen- 
berger.) 

Kuf stein. Bald nach 5 Uhr erfolgten auf vorausgehendes 
Sausen zwei heftige Stösse, der zweite anhaltender, wie es 
schien, von NO — SW. Fenster klirrten, Möbel wurden stark 
gerüttelt, kleinere Gegenstände umgeworfen. Die Glocken im 



Beitr&ge zurKenntnisB des Erdbebens von Belluno etc. &51 

Kirchthurme geriethen in Schwingung. (Decan Dr. M. Hoer- 
f arter.) 

Kitzbühel. Eine so starke Ersebtitterang schon lange 
nicht dagewesen. Eine Wiege schwang sich plötzlich hin und 
her; ein über eine Wasserflasche gestürztes Glas klang, ein höl- 
zernes Häuschen krachte und ächzte, als wolle es aus den 
Fugen gehen und im oberen Stockwerke war ein Geräusch wahr- 
nehmbar, als ob Möbel stark hin und her gerückt würden. Viele 
wollen eine halbe Stunde früher eine Erschütterung wahrgenom- 
men haben. (Lehrer Bache.) 

Schwaz. Leichte wellenförmige Erschütterung. (Bote ftlr 
Tirol und Vorarlberg, Nr. 150.) 

Münster bei Rattenberg. Sehr deutliches Erdbeben. 
(Bote f. T. u. V. Nr. 147.) 

Achensee. Ahnliche Nachrichten wie rom Tegernsee. 
(Wiener Zeitung vom 3. Juli.) 

Hall. Kurz vor 5 Uhr M. ein sanft wiegendes Erdbeben 
durch mehrere See. (Bote f. T. u. V. Nr. 147.) — In Hall und 
Umgebung circa 5 Min. vor 5 Uhr in kurzer Palise aufeinander 
folgende Erschütterungen, die erste in der Daner von etwa 4 
bis 5, die zweite von 10--15Sec. ; Empfindung eines leichten 
Wiegens oder Schwingens, scheinbar von W — 0., ohne Getöse 
und andere Nebenerscheinungen. Auf dem im N. von Hall ge- 
legenen Salzberge wurde in dem in 4800 W. P. über Meer 
erbauten Amtshause fast genau dasselbe beobachtet, nur schien 
die Luft mit Rücksicht auf die frühe Morgenstunde etwas schwül, 
etwa als ob der Scirocco im Anzüge wäre; es erhielt sich aber 
die schönste Witterung. Eine grosse Pendeluhr an einer S~N. 
streichenden Wand blieb stehen. (Mittheilung der löbl. k. k. 
Salinenverwaltung.) 

Innsbruck. Kurz vor ö Uhr eine Erderschütterung, die 
indess bei weitem nicht so stark war, als die am 7. und 8. Aug. 
1872. Bewegung horizontal, von 80 — NW. Dann dumpfes Rollen. 
(Presse vom 2. Juli.) — Um 5 Uhr, weniger S*/, Min., zuerst ein 
Stoss, der in eine schaukelnde Bewegung, und zwar von 0— W. 
überging; diese Bewegung war ziemlich stark und brachte 
Gläser, Stühle u. s. f. ins Schwanken. Am stärksten scheint sie 
aufgetreten zu sein am Hättingerberge und im sogenannten 



542 Bittner. 



I. Sammlung von Berichten über das Erdbeben. 

1. Niederöstefreich. 

Wien. Der Erdstoss voin.29.-Jani wurde auch hier, freilicli 
nur ausserordentlicfa i^ch^ach, wahrgenommen. In der 
meteorologischen Centrs^ta*fttalt auf der hohen Warte ist 
nämlich zn einer .2^*}j^*«die mit den übrigen Angaben überein- 
stimmt, eine JPendelkihf zum Stillstand gebracht worden. — Herr 
F. Kitzlex (Josefstädterstrasse Nr. 17) theilt folgendes mit: 
Sonnti^'«fllef)i*29. Juni, Früh um circa 5 Uhr hörte ich ein 
ScUitg(^*an meiner Pendeluhr und bemerkte, dass das Gewicht 
. 6.Ar.^tnäl an das Glas anschlug, ohne dass die Uhr stehen 
'* *:^eb*lieben wäre ; eine Erscheinung, die ich mir nicht zu erklären 
wusste ; die Wohnung liegt zu ebener Erde. — Dies ist alles, 
was über eine Erschütterung in Niederösterreich bekannt wurde, 
und es scheint thatsächlich auch nirgends weiter eine solche 
beobachtet worden zu sein; wohl aber ward aus Gloggnitz 
berichtet, dass in der Nacht vom 11. — 12. Juli gegen 2 Uhr ein 
Stoss mit nachfolgendem Rütteln wahrgenommen wurde. Nun 
liegt zwar von dieser Stunde keine Nachricht über einen Erd- 
stoss zu Belluno vor, wie sich indess aus der Zusammenstellung 
der Erschütterungen in der Provinz Bellnno ergibt, war der 
11. Juli einer der durch die zahlreichsten und heftigsten Stösse 
ausgezeichneten Tage, am 12. Juli dagegen fand ein sehr heftiges 
Erdbeben statt in der Umgebung von Born, zu Frosinone, Alatri 
und an anderen Orten Unteritaliens. 

2. Steiermark. 

Cilli. Am 29. Juni um 5 Uhr 10 Min. M. wurde zu Cilli 
und Umgebung ein Erdbeben wahrgenommen, wie es von gleicher 
Intensität und Daner schon seit vielen Jahren nicht eingetreien. 
Der Berichterstatter der Zeitschrift für Meteorologie (Nr. 14) 
theilt mit, dass er aus dem Schlafe geweckt, noch durch 3 bis 
4 See. eine wellenförmige Bewegung und Schaukeln des Bettes 
beobachtete; das Gewicht einer Pendeluhr befand sich noch 
einige Minuten nach dem Ende der Erscheinung in einer merk- 



Beitr&ge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 543 

lieh schwingenden Bewegung in der Richtung Süd-Nord; auch 
die Bewegung des Körpers liess die Richtung der Erdschwan- 
kung in gleicher Weise erkennen; die Dauer wird zu 8— 12 See. 
in zwei Absätzen, oder als länger angegeben. — Herr Oymnasial- 
director Premon berichtet, dass die Erschütterung eine ziem- 
lich starke war, so dass in einigen Wohnungen die Zimmer- 
glocken zu läuten begannen; die Richtung von SO— NW. Cilli 
ist der einzige Ort im südlichen Steiermark wo eine Erschütterung 
Terspürt wurde. Schon in Marburg wurde eine solche bestimmt 
nicht mehr wahrgenommen und in gleicher Weise verneinend 
lauten die Zuschriften aus Voitsberg, Frohnleiten, Enittelfeld, 
Kindberg, Leoben, MUrzzuschlag, Mariazeil, Admont, Rotten- 
mann und Irdning. Erst von Aussee sind wieder Nachrichten 
über eine stattgehabte Erschütterung eingegangen, die manches 
Interessante bieten. Eine sehr ausführliche Mittheilung ist Herrn 
Bergrath Pohl zu verdanken, deren wesentlicher Inhalt folgen- 
der ist: Ich lag vollständig erwacht im Bette (1. Stockwerk des 
Salinenamtsgebäudes), als ich an den Fenstern ein G-eräusch 
wahrnahm, das einem Tappen an die Gläser derselben ähnelte 
und mir deshalb auflfiel, weil das Fenster kaum von jemand er- 
reicht werden kann. Ich stand auf und sah auf die Uhr, die eben 
einige Minuten über fünf zeigte — und in dem Momente entstand 
scheinbar unterhalb des Fensters ein Geräusch, welches dem 
Umfallen eines mit leeren Möbeln beladenen Wagens glich. 
Oleichzeitig hörte ich im zweiten Stockwerke ein rasches Umher- 
laufen, das mir zu dieser Zeit besonders auffiel. Draussen lag 
dicker Nebel. Ich konnte mir dieses wahrgenommene Geräusch 
um so weniger erklären, als der Eindruck desselben bei dem 
gänzlichen Mangel einer sensiblen Schwingung oder eines Stosses 
mich nicht im mindesten auf den Gedanken eines Erdbebens 
gebracht hatte. Ich erfuhr dann auch erst durch die Bewohner 
des 2. Stockwerkes, dass sie durch ein Erdbeben aus dem 
Schlafe geweckt und in Folge der sehr starken Schwingungen in 
Angst versetzt worden seien. Aber anch in diesem Stockwerke 
ist an der Westseite des Hauses nichts bemerkt worden. Dr. 
Kochems, im 2. Stockwerke des Apothekerhauses wohnend, 
vernahm starkes Geräusch ober sich, als wäre am Dachboden 

jemand beschäftigt, und gleich darauf aufeinanderfolgende 

36* 



554 Bittner. 

Dres bei Cles. Es stürzten drei Camine ein. (Bote f. T. 
II. V, Nr. 147.) 

Ter res. Starke Ersehtttterang. (Gazetto di Trento.) 

Denno. Zwei Ht(5sse; der erste von 6—7 See. Dauer, dann 
eine Pause von einer Minute, worauf ein zweiter schwächerer 
Htoss von zwei See. Dauer. (Gaz. d. Trento.) — Hier wurden 
auch noch mehrere der späteren Stösse wahrgenommen, so am 
8. Aug. um 8 Uhr 10 Min. M. ein ziemlich starker Stoss mit 
wellenförmiger Bewegung, die zwei See. andauerte, sodann am 
17. Sept. um 8 Uhr 10 Min. A. zwei leichte Stösse im Intervall 
von einer Min.; der erste bei 6, der zweite etwa 3 See. 
andauernd. Auch an einem der zwischenliegenden Tage scheint 
man eine der Erschütterungen im Gebiet von Belluno mit- 
empfunden zuhaben. (Gaz. di Trento.) Ganz ähnlich wird von 

Storo Über den Stoss vom 17. September 8 Uhr A. 
berichtet. Auch hier waren zwei getrennte Bewegungen unter- 
scheidhar, die zweite stärker. (Gaz. d. Trento.) 

Tione in Judicarien. Starkes Erdbeben. (Bote f. T. u. V. 
Nr. 147.) 

lliva. Um 5 Uhr 2 Min. ziemlich starker Erdstoss mit 
Schwingungen von 0— W, von 20 — 25 See. Dauer und von 
solcher Intensität, dass ein Sttlck Gesims von einem Gebäude 
herabfiel. Um \^6 Uhr soll eine leichte^ höchstens 4 See. anhal- 
tende Erschütterung stattgefunden haben, die jedoch nur von 
sehr wenigen beobachtet worden ist. Es herrschte Windstille. 
(Neue fr, Prosse, 1 . Juli.) 

Rovoredo. Herr Supplent v. Co belli berichtet: Um 
5 Uhr 3 Min. erfolgte ein starker Stoss, darauf kräftige Undu- 
lationen, sodann abermals ein stärkeres Erdbeben und wiederum 
Undulationen, so dass das Haus auf dem Wasser zu schwimmen 
schien. Die ganze Erscheinung war begleitet von einem Getöse, 
wie das eines Windes. Viele auf offener Strasse befindliche 
Personen wollen gar nichts bemerkt haben, andere sagen das 
Oogentheil ans. Ein Entomologe, der zur Zeit am Mte. Zugna 
am linken Ufer des Torrente Lena sich befand, hat nicht das 
mindeste wahrgenommen, ebenso kein Anwohner des linken 
l*fers genannten Baches, während am rechten Ufer die Erschei- 
nung beobachtet worden ist. Von dem Gewölbe einer Kirche 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 555 

fielen eisige Mörtelstttcke. — Zwei Tage darauf um 2 Uhr 
Nachm. ein leichtes Schwanken, von Getöse begleitet. — Auch 
der Stoss vom 8. August wnrde zu Roveredo empfunden, (v. 
Cobelli.) 

T r i e n t. Einige Minuten vor 5 Uhr ein starker Stoss mit 
fernem Donnergetöse, dann durch 30 — 35 See. ziemlich heftige, 
wellenförmige Schwankungen. Zugleich Scirocco. (Presse vom 
2. Juli.) — Der Dom wurde so stark erschüttert, dass die Leute 
ins Freie flttehteten. (Wiener Ztg., 3. Juli.) — Um 4 Uhr 54 Min. 
die erste nach 25 Min. eine zweite schwächere Erschtttterung. 
(Gaz. d. Trento.) Ahnliche Nachrichten sind aus Borge, 
L e V i c und P e r g i n e bekannt geworden. 

Luserna. Um 4 Uhr 40 Min. zuerst leichte undulatorische, 
sodann sussultorische Stösse, Dauer 30 See. (Gaz. d. Trento.) 

Civezzano. Ungewöhnlich starke Erschütterung ; Glocken 
erklangen; ein Haus erhielt starke Sprünge. SO — NW. Dauer 

8 See. (Gaz. d. Trento.) 

Cava lese. Hier sah Prof. G. v. Rath einen Mauerriss, 
den einzigen im ganzen Dorfe jedoch (Neues Jahrb. f. Min. 1873, 
pag. 708.) 

Neumarkt. 4 Uhr 55 Min. vernahm man anfänglich ein 
dumpfes Getöse, sodann eine immer mehr sich steigernde Er- 
schtttterung der Gebäude. Richtung muthmasslich N — S. Dauer 
20 — 24 See. Die Eapuzinerkirche wurde dergestalt erschüttert, 
dass die Anwesenden entsetzt flüchteten. Einzelne zerbrechliche 
Hausgeräthe zerbrachen beim Aneinanderschlagen. Anderer 
Schaden geschah nicht. (Oberlehrer Krabacher.) 

Branzoll. 4 Uhr 58 Min. verspürte man eine ziemlich 
heftige Erderschtttterung in schnell aufeinander folgenden 
Stössen. Bilder und Spiegel bewegten sich, Thüren flogen auf 
und zu, Hunde heulten. Die auf der Etschlände aufgeschichteten 
Baumstämme kamen in Bewegung und rollten ins Wasser 
(Bozener Ztg., 30. Juni.) 

Bozen. Die Bozener Ztg. vom 30. Juni schreibt: Gestern 
um 5 Uhr weniger 7 Min. wurden bei vollkommen heiterem 
Himmel und massigem Winde vier sehr heftige Erdstösse, die 

9 See. dauerten und deren Richtung SO — SW. (?) war, hier und 
in der Umgebung verspürt. Die Heftigkeit war eine derartige, 



556 B i 1 1 n e r. 

das8 in den meisten Häusern die Olocken läuteten, dass hie und 
da Mauerrisse entstanden, dass Möbel sich hin und her bewegten, 
Bilder herabfielen und in einem Hause auch ein Camin eingestürzt 
sein soll. Leute, die sich gerade in der Pfarrkirche befanden, 
behaupten, dass die Bänke und Steinplatten derart gerüttelt 
wurden, dass man sich halten musste, um nicht umzofallen. Wie 
man aus St. Pauls berichtet, waren dort die Erdstösse beson- 
ders stark, so dass das Volk die Kirche verliess und der 
Schrecken, vermehrt durch das unheimliche Rollen unter der 
Erde, ein allgemeiner war. 

Das Erdbeben nahm mehrere Secunden lang an Heftigkeit 
zu und dann Vrieder ^h. Dumpfes Getöse. An den Wänden leh- 
nende Gegenstände fielen um, auch kamen zahlreiche Mauer- 
beschädigungen vor. Seit Menschengedenken das stärkste Erd- 
beben. (B. f. T. u. V. Nr. 147.) 

— In manchen Häusern standen die Uhren still. Richtung 
S— N. Dauer 12 — 15 See. (Neue fr. Presse, 1. Juli). — Endlich 
entnehme ich noch einer Mittheilung des Herrn Gymnas.-Dir. 
Pantke folgendes: Die Erschütterung war sehr stark, wellen- 
förmig, dauerte circa 15 See, trat anfangs schwach auf und 
nahm nach und nach einen stossartigen Charakter an. Sie war 
begleitet von einem donnerähnlichen dumpfen Brausen. Die 
Richtung mag S— N. gewesen sein, da ich in meinem ost westlich 
stehenden Bette hin und her gewälzt wurde, was bei Personen, 
die in einer südnördlichen Richtung zu Bette lagen, nicht der 
Fall war. 

St. Ullrich in Gröden. Ziemlich heftige Erschütterung, 
so dass Wände und Möbel krachten. Richtung scheinbar 
SO-NW. (Bote f. T. u. V. Nr. 147.) 

Um 5 Uhr eine Erschütterung in drei starken Stössen, um 
V,6 Uhr eine zweite, jedoch ganz schwache und kurze. (Ober- 
lehrer Metz.) 

Klausen. Oberlehrer Ried er schreibt: Kurz vor 5 Uhr 
hörte ich ein Rollen, wie wenn unser Packträger seinen Karren 
auf die gepflasterte Strasse schleppte ; darauf gerieth mein Bett 
in ziemlich bedeutende Schwankungen von 0— W. oder umge- 
kehrt. Andere hörten ein Gepolter auf dem Dachboden und hie 
und da, insbesondere am linken Ufer derEisack geriethen Bilder 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 557 

an der Wand in Bewegung and fingen Gläser an zu klirren. 
Dauer etwa eine halbe Minute. 

Brixen. Die Erschütterung ziemlich stark. Freihängende 
Lampen bewegten sich von SO— NW. Vor den stärkeren 
Stössen war ein Rollen bemerkbar. (Lehrer Eugler.) 

MUhlbach. Von hier sandte Lehrer Bienzn er eine sehr 
eingehende Schilderung, wie folgt : Ich lag noch im Bette, als 
ich plötzlich ein sehr starkes Wirbeln an allen Fenstern und 
bald darauf einen so heftigen Stoss wahrnahm, dass ich glaubte, 
das Haus werde einstürzen. Ich glaubte anfänglich, es sei ein 
heftiger Sturmwind, sah jedoch bald, dass sich kein einziges 
Blatt an dem Baume vor dem Fenster bewegte. Die Fenster 
klirrten inzwischen fortwährend und dann kam wieder ein sehr 
heftiger Stoss. Es war ein Getöse, als ob ein Eisenbahnzug an 
dem Hause vorbeieile. Mit einem abermaligen sehr starken 
Stosse beschloss die Erscheinung. Die Dauer muss mindestens 
30 See. betragen haben. In einem Hause wurde eine Thlir auf- 
gesprengt. Ein Bauer ans Vals erzählte, dass die an der Wand 
hängenden Ziegenglocken zu läuten begannen. 

Brunnecken. Ein sehr bedeutendes Erdbeben. Vor dem 
Stosse ein starkes Sausen und Brausen. Schon am Abend vor- 
her gegen 11 Uhr will man eine &schtttterung bemerkt 
haben. (Bote f. T. u. V. Nr. 147.) — Gläser klirrten, Bilder 
schwangen, Glocken schlugen an, Thttren sprangen auf. (Volks- 
Schulleiter Langger.) 

St. Martin in Enneberg. Bedeutende Erschütterung. 
Richtung scheinbar SW— NO. Dauer 20 See. ; dabei ein Getöse, 
wie es einer plötzlichen Bergablagerung eigenthttmlicb ist. 
Hausthiere zeigten eine gewisse Unruhe, Fenster klirrten, 
Glocken schellten, Wände zitterten. In Oberwielenbaeh 
nächst Bnmnecken fielen Kerzen von den Altarleuchtem. (Ober- 
lehrer Adang.) 

Cortina d'Ampezzo. Starke Erschütterung. Auch der 
Stoss vom 27. Juli ward hier wahrgenommen. 

Innichen. Eine Mittbeilnng von Oberlehrer Gotthard 
besagt etwa folgendes : Etwa 8 Min. vor 5 Uhr (Eisenbabnzeit) 
entstand plötzlieh bei hellem Himmel und gänzlicher Wind- 
Htille ein heftiges Sansen und Brausen, einem sehr starken 

Siub. d. matheiii.'q»larw. a. LXIX. Bd. II. Abtl». 37 



558 Bittner. 

Sturmwinde ähnlich, dem nach einigen See. ein sehr starkes 
Zittern und Beben der Erde folgte. Dasselbe war aber nicht 
stossfttrmig, sondern continuirlich, dauerte circa 17^^ Minute, und 
zwar so heftig, dass die Leute aus der Kirche flohen. Die Rich- 
tung schien NO— SW. zu sein. — Auch in Sexten wurde die 
Bewegung wahrgenommen. 

Sillian. Ziemlich starkes Erdbeben — W. Auch in der 
Nacht schon sollen Erschütterungen bemerkt worden sein. (Bote 
f. Tirol u. Vorarlberg Nr. 147.) Zu Mitte wald war nach Aus- 
sage eines Einwohners der Stoss so heftig, dass das Haus einzu- 
stürzen drohte, während in einigen naheliegenden Häusern gar 
nichts bemerkt worden war. 

St. Jacob in Te ff er ecken. Die Erschütterung war 
derart, dass Fenster und Gläser kliiTten und Bilder sich be- 
wegten. N — S. wird als scheinbare Richtung angegeben. Dabei 
schien es, als ob man das Sausen eines Windes in weiter Feme 
vernehme. Fünf Minuten später folgte noch eine Bewegung. 
Dauer 3 — 4 See. Intensität je nach den verschiedenen Beob- 
achtungsorten sehr wechselnd. (Lehrer Schwing shakl.) 

Prägraten. Erschütterung von 10—12 See. Daner, bedeu- 
tender Stärke, gegen NW. gerichtet, von rollendem Gretöse be- 
gleitet, ein schwaches Klirren der Fenster und ein Schwanken 
leicht beweglicher Gegenstände 'hervorrufend. (A. K a r g r u b e r.) 

Windisch-Matrej. Einem von hier datirten Schreiben 
des Herrn Endlicher an Prof. S u e s s entnehme ich folgendes : 
Um 5 Uhr 8 Min. schreckten mich drei, wie ich glaubte, verticale 
Stösse aus dem Schlafe. Später erfuhr ich, dass auch mehrere 
andere Personen das Erdbeben und noch stärker als ich verspürt 
hatten. Sie sahen Gläser wanket, einen schweren Tisch sich 
bewegen und wollen ein der ErderschUtterung vorangehendes 
donnerähnliches Geräusch gehört haben. Die Stösse sollen von 
0. gegen W. verlaufen sein. Auf dem circa 4000 Fuss hohen 
Gugen berge: V/^ Stunde von hier wurde die Erschütterung von 
einzelnen Personen bemerkt, von anderen nicht. — Aehnliches 
bringt eine Mittheilung des Herrn Oberlehrers St all er, aus der 
sich ergibt, dass die Erschütterung nicht so bedeutend war, dass 
sie von allen Leuten beobachtet worden wäre, so zwar, dass 
man z. B. in der Kirche, sodann in Gebäuden aus Holz und zu 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc, 559 

ebener Erde wenig oder nichts wahrnahm, hingegen die Bewe- 
gung in gemauerten Häusern und in höheren Stockwerken 
kräftig genug war, um Ofen wankend zu machen und Wasser- 
krtlge zum Schwanken zu bringen : die Dauer wird mit 30 See, 
die Richtung als NO — SW. angegeben. Etwa eine halbe Stunde 
später wurde ein zweiter, kürzerer und schwächerer Stoss 
bemerkt. 

Lienz. Um 5 Uhr 10 Min. deutliche, aus zwei ziemlich 
starken, durch eine Pause von einer See. getrennten wellen- 
förmigen, von SW — NO. gerichteten Bewegungen bestehende 
Erschütterung, ohne Getöse. (Deutsche Ztg., 6. Juli.) 

— Das Erdbeben verursachte das Gefühl eines in nächster 
Nähe vorbeifahrenden schweren Lastwagens, jedoch ohne Getöse, 
dauerte 40 — 50 See. und war im Anfange und am Ende der 
Dauer ein besonders heftiges Zittern. In höheren Gegenden 
nnd höheren Stockwerken wurde es stärker empfunden als zu 
ebener Erde und im Thale. Hausglocken läuteten, Bilder wurden 
bewegt, Uhrgewichte kamen in Schwingung, viele Personen 
wurden aus dem Schlafe geweckt. Zwei Personen wollen bereits 
um 10 und um 12 Uhr in der Nacht ein leises Zittern der Erde 
wahrgenommen haben. (YolksschuUeiter Titus.) 

8. Kärnten. 

Doli ach. Um 5 Uhr M. sehr starke ErdersehUtterung, die 
in mehreren Stössen und Schwankungen ungefähr drei Minuten 
dauerte. (Lehrer Koban.) 

Goldzeche und Zirmsee. Starkes Erdbeben, eigen- 
thümliches Geräusch des Gletschers, Stücke der Gletscherwand 
fallen ab. (Zeitschr. d. österr. Ges. f. Meteorologie 1873, 
Nr. 14.) 

Obervillach. Erdbeben. (Zeitschrift d. österr. G. f. M., 
Nr. 14.) 

Malt ein. Sehr starkes Erdbeben von NO. (Ebenda.) 

Oberdraubnrg. Bedeutende Erschütterung, so dass hän- 
gende und stehende Gegenstände in Bewegung geriethen; 
mehrere Stusse. (Lehrer D r a g a t i n.) 

K r n a t. Um 5 Uhr 10 Min. 20 See. Erdbeben von W.— 0., 
Geräusch wie von fahrenden Wägen ; Gläser und Kochgeschirre 
stossen klirrend aneinander. (Zeitschr. d. ö. G. f. Met., Nr. 14.) 

37» 



560 B i 1 1 n e r. 

Tröpolach. Um 5 Uhr 20 Min. Erdbeben von S— N.^ 
Dauer 6 See, freihängende Gegenstände wie vom Winde be 
wegty Gebäude zitterten, so dass ängstliche Leute ins Freie 
stürzten. Man hat noch nie ein so starkes Erdbeben verspürt» 
(Ebenda.) 

St. Hermagor. Einem recht eingehenden Berichte de& 
Herrn Lehrers J. Lach ist das Nachstehende entnommen: Um 
57^ Uhr M. erfolgten zwei ziemlich heftige Stösse, und zwar 
getrennt durch einen Zwischenraum von 6 — 10 See. Diese 
Stösse erfolgten nach meinem Dafürhalten in der Sichtung von 
S— N., welchen Umstand ich mir aus folgendem erkläre: Herr 
J. Moro, Postmeister, lag am angegebenen Morgen völlig wach 
im Bette und las in Zimmermannes „Erdball". Kurz vor dem 
ersten Stosse legte er das Buch auf die auf dem Nachtkästchen be- 
findlichen beiden anderen Bände gedachten Werkes. Da erfolgte 
plötzlich der Stoss und der ganze „Erdball** fiel vom Kasten, 
und zwar nach der sildlicheu Richtung. Gleich darauf folgte der 
zweite Stoss. Beide waren so stark, dass der Postmeister be- 
fürchtete, das Haus werde einstürzen. Zwischen beiden Stössen 
schien die ganze Erde zu zittern. Ein anderer Herr wurde in 
seinem Bette wach gerüttelt, welches Bett in der Richtung N — S 
steht; da nun der Betreffende in westöstlicher Richtung gewiegt 
wurde, hielt er dafür, die Stösse seien von O—W. gerichtet 
gewesen. In Rattendorf stand ein Bauer, als der Stoss 
erfolgte, vor seinem Hause ; er bemerkte, dass die Spitze des 
Thurmes schwankte. In Jedersdorf läutete in der Mühle die 
Glocke und inWeissbriach bekam das neugebaute Haus 
des Herrn Soch er erhebliche Risse. 

Greifenberg. Von hier ist ein in ähnlicher Weise aus« 
fuhrlicher Bericht eingetroffen, der vom Lehrer J. Geitschacher 
herrührt und beiläufig das Folgende besagt: Der erste Stoss war 
ziemlich heftig, so dass Gegenstände wie ein apfelförmiges 
Stück Seife und eine Ahle mit walzenförmigem Hefte vom Tische 
gegen Süden hinabrollten. Die gegen W. gekehrten Fenster- 
scheiben klirrten ungemein und die an der nördlichen Zimmer- 
wand hängende Guitarre schlug 6- oder 7mal gegen diese. 
Das durch den ersten Stoss hervorgebrachte Zittern des 
Erdbodens dauerte etwa 10—15 See. Hierauf trat eine 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Bellano etc. 561 

Pause von c. 40 See. ein und der zweite Stoss war nur mehr 
schwach und kurz. Die Stärke ist je nach der verschiedenen 
Unterlage eine sehr veränderliche gewesen. Insbesondere dies- 
seits der DraU; wo sehr häufig die Häuser auf Schutt erbaut 
sind, war die Bewegung eine derartige, dass die Leute voll 
Schrecken aus den Betten sprangen und in Käfigen gehaltene 
Vögel ängstlich flatterten. Jenseits der Drau, d. i. am rechten 
Ufer, wo viele Häuser auf I^ehm- oder Thonboden stehen, wurde 
das Erzittern kaum besonders merklich beobachtet. Die Zahl der 
Stösse wird übrigens verschieden (von 2—5) angegeben. 

Berg bei Greifenburg. Drei Stösse hintereinander, 
Klirren der Fensterscheiben, Federn des Schlagwerkes von 
Uhren schlugen aneinander und an die Wand. (Zeitschr. d. 
-österr. Gesellsch. f. Meteorologie, Nr. 14.) 

Sachsenburg* Um 5 Uhr 15 Min. Erschütterung von 
S — N., Daner 5 See. Leuchter stossen aneinander. In Greifen- 
burg und Spital soll das Schwanken drei Minuten gedauert 
haben. (Ebenda.) 

Mi 11 statt. Geräusch, dem DahinroUen eines Eisenbahn- 
waggons gleich; Bewegung der Möbel. Dauer 15 — 20 See. Zu 
ebener Erde wohnende Personen haben nichts vernommen. Der 
Fischer, welcher zur Zeit am Seeuf er stand, sagt aus, es sei ihm ge- 
wesen, als ober plötzlich betäubt worden wäre und nicht mehr fest 
stehen könne ; der See kam in schwache Bewegung und von 
seinem Grunde stiegen zahlreiche Luftblasen auf. (Oberlehrer 
Unterluppaner.) 

Gmünd. Um 5y, Uhr eine sehr starke Erschütterung in 
der Dauer von 6 — 8 See. (Lehrer Stiegler.) 

Weitensfeld. Um 5 Uhr 18 Min. ein dumpfes, ein paar 
See. andauerndes Bollen, auf das zwei ziemlich heftige Stösse durch 
eine Zwischenzeit von 2 — 3 See. geschieden, folgten, so dass 
die Fensterscheiben klirrten, einige sogar sprangen. Vom Plafond 
bröckelte Mörtel herab und Wasser in Gefässen gerieth ins 
Schwanken. Nach dem zweiten Stösse erhob sich ein Wind, der 
einer auf der Strasse befindlichen Frau den Hut senkrecht in 
die Höhe hob und kaum eine Minute dauerte. (Lehrer Krieb.) 

St. Veit. Starke Erderschütterung. (Lehrer Je seh.) 



562 B i 1 1 n e r. 

Klagenfurt. Um 2 Uhr und 5 Uhr wurden Erdstoß»^ 
wahrgenommen, (Presse vom 1. Juli.) 

Um 5 Uhr ein starker, von W — 0. sich fortpflanzender Erd- 
stoss beobachtet, der an drei See. dauerte und nach einigen von 
dumpfem donnerähnlichem Rollen begleitet war. (Neue freie 
Presse vom 1. Juli.) 

Genau um 5 Uhr 21 Min. blieb die Uhr im Telegraphen- 
amte stehen, deren Pendel — W. schwingt. Oscillirende Bewe- 
gung in zwei Absätzen, Dauer 5 — 10 See. Knarren im Zimmer, 
Klirren von Gläsern, Mörtel fällt ab. (Z. d. öst. G. f. Met. Nr. 14.) 

— Ausser diesen Nachrichten ist auch von Herrn Gymnas.- 
Dir. Gehmann(?) eine detaillirte Mittheilung eingetroffen, deren 
wichtigste Punkte folgende sind: Ich wurde plötzlich aus dem 
Schlafe gerüttelt und vernahm erwachend ein orkanähnlichea 
Brausen durch die Zimmer, in denen alle ThUren und Fenster 
geöflftiet waren, wobei ein unterirdisches donnerartiges Rollen 
noch zu meinen Ohren drang. Ich sprang auf, um die Fenster zu 
schliessen, aber weder diese noch die FlUgelthUren bewegten 
sich, die Luft war äusserst ruhig. Das seltsame Anschlagen des 
Perpendikels an das Glas meiner Pendeluhr fiel mir auf, da» 
Gewicht bewegte sich hin und her und kam fast bis an die 
Seitenfläche des Glases. Die Uhr ist gegen 0. gerichtet. Auch 
Prof. H. Höfer ist durch vielfache Erkundigungen ttber das 
Verhalten der Pendeluhren zur Ueberzeugung gelangt, der Stoss 
sei in SN.- oder NS.-Richtung erfolgt. Zudem hat Prof. Höf er 
die Erfahrung gemacht, dass die Pendeluhren in einzeln stehen- 
den Häusern fast durchwegs, in Häusercomplexen dagegen kaum 
afficirt wurden. Inspector Seeland behauptet im Gegentheil 
zu obigem, der Stoss müsse von — W. gegangen sein. — Ich 
will noch erwähnen, dass der ThUrmer der Stadtpfarrkirche von 
Klagenfurt sehr bestimmt angab, die Richtung des Stosses sei 
W — 0. gewesen und dabei habe die Nordseite des Thurmes am 
stärksten gebebt. 

St. Kanzian. Erdbeben von NO— SW.; Dauer 6 See. 
(Z. d. öst. G. f. Met. Nr. 14.) 

Obir. Erdbeben, Brummen im Berg. (Ebenda.) 

Gottesthal. Erst horizontal, dann ein Stoss vertical. 
(Ebenda.) 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 563 

Rosegg. Um 5 Uhr 8 Min. ein etwa acht See. andauerndes, 
anfänglich in schnelleren, dann in gedehnteren Schwingungen 
von SW — NO. auslaufendes Erdbeben, leichte Oegenstände in 
Oscillation setzend. Schall wurde keiner wahrgenommen. (Lehrer 
Michorl). 

Villach. Stösse von S — N., ziemlich heftig. (Presse vom 
2. Juli.) 

Nach Mittheilung des Gymnasial-Lehrers Lang" durchaus 
nicht bedeutend in dreiStössen. Andere wollen eine heftigere Be- 
wegung empftinden haben. Kleine Gregenstände sollen von Tischen 
herab, ttbereinander gelegte Teller umgefallen sein. Ziemliches 
Schwanken der Betten, Klirren von Gläsern und hangenden 
Schlüsseln. 

Bleyberg. Nach an Ort und Stelle eingezogenen Erkun- 
digungen von bedeutender Stärke. Nach dem Schwanken von 
Wasser in einem Glase die Richtung als SW— NO. bestinmit. 

Bad Villach. Ziemlich kräftiges Schwanken der Betten. 
Die Therme ungestört. 

Arnoldstein. Unbedeutendes Schwanken der Betten, im 
höher liegenden Schlosse stärker. Zwei Stösse. (Lehrer 6 1 a n z e r.) 

Seifnitz. Richtung von NW. (Zeitschr. d. Ost. 6. f. M. 
Nr. 14.) 

Malborget h. Ziemlich heftig. Schaukeln der Betten. Auch 
soll schon vor 12 Uhr und nach 1 Uhr in der Nacht eine Er- 
schütterung stattgefunden haben. (Lehrer Unterkreuter.) 

Raibl. Nach Aussage mehrerer Personen ganz unbedeu- 
tend. Ebenso in Predil. 

Aus Wolfsberg und LavamUnde sind Nachrichten ein- 
gegangen, die jede Erscheinung aufs bestimmteste in Abrede 
stellen. 

9. Krain. 

Weissenf eis. Um 5 Uhr 15 Min. in der Richtung von 
SW — NO. eine drei See. anhaltende Erschütterung, der ein Ge- 
töse vorausging und nachfolgte. (Lehrer Zibert.) 

Krainburg. Um 5 Uhr 6 Min. erfolgten drei wellenftJr- 
förmige Erschütterungen, wie es schien, von S — W. oder NW., 



564 Bittner. 

die letzte so stark; dass Einrichtungsstttcke wankten, Gläser in 
den Kästen zusammenschlugen; sogar umstürzten, Hausthiere, 
besonders Stubenvögel, grosse Unruhe zeigten. (Lehrer Cebin.) 

Hadmannsdorf. Um 5 Uhr M. \ier starke wellenförmige 
Bewegungen Ton W — 0. (?) beobachtet. (Zeitschr. d. Ost. G- f. 
Meteorologie, Nr. 14.) 

Laibach. Um 5 Uhr 7 Min. zwei starke Erdstösse von 
W — 0., mindestens drei See. anhaltend. In vielen Häusern 
läuteten die Glocken, einzelne Dachziegel rollten herab, beson- 
ders am alten Markte, in der Gradischa und anderen Vorstädten; 
in einzelnen Häusern krachte das Gemäuer und es kamen sogar 
Mauerrisse vor. Auch in der Umgebung, namentlich im Walde 
hinter dem Tivoli-Schlosse und in Oberrosenbach, waren beide 
Erdstösse sehr merkbar. (Wiener Abendpost vom. 1. Juli.) 

— Die Schwingungen gingen von — W. und der erste 
Stoss dauerte circa 6Sec. ; ihm folgten nach einem Intervalle von 
8—10 See. zwei weitere, ebenfalls 5 See. dauernde Stösse. 
Gläser und Carafen, ja sogar ein schwerer Glaskrug wurden von 
der Stelle geruckt, während ein auf demselben Tische befind- 
liches hölzernes Schreibzeug auf seinem Platze blieb. (Neue 
freie Presse vom 1. Juli.) 

— In Laibach wurde Abends vorher um 10 Uhr 15 Min. 
ein leichtes Erdbeben und um 2 Uhr in der Nacht ein unter- 
irdisches donnerähnliches Rollen beobachtet. (Deutsche Ztg., 
1. Juli.) 

Adelsberg. Das Erdbeben wurde wahrgenommen, die 
Intensität der Stösse war jedoch gering, Thliren und Fenster 
klirrten, eine Glocke ertönte. Richtung N — S., Dauer 20 See. 
(Mittheil, von Herrn Mally.) — Zeit 5 Uhr 16 Min. (Z. d. ö. G, 
f. M.) 

Gottschee. Drei Stösse, wovon der dritte der stärkste 
(Lehrer Böhm.) 

Landstrass. Um 5 Uhr 10 Min. ziemlich heftiges Erd- 
beben bei unbewölktem Himmel und massig starkem Winde. 
Drei bis vier starke Erschütterungen, von NW— SW. (?) (Lehrer 
Jerom.) 



Beitrage zur Kenutniss des Erdbebens von Belluno etc. 565 

10. Kroatien. 

Krapina-Töplitz. Man schreibt der Neuen fr. Presse 
(Abendbl., I.Juli): In der Nacht vom 28. zum 29. Juni verspürte 
man hier ein Erdbeben. Der erste Stoss fand statt um 11 Uhr 
Nachts, der zweite nach 3 Uhr M. Der letztere war der stärkere. 
Die Möbel schwankten, das Gebälke krachte, die Betten schau- 
kelten. Die Thermen zeigen bisher nicht die geringste Störung. 

— Von der löbl. Badeverwaltung ging folgendes Schreiben 
ein : Die Erschtttterungen waren sehr schwach und wurden nur 
von Wenigen bemerkt. Die erste erfolgte kurz vor Mitternacht, 
dauerte kaum ein paar See. und verursachte nur ein geringes 
Krachen der Möbel; die zweite um «,^3 Uhr M. soll ebenso ge- 
wesen sein, wurde jedoch nur von den Wenigsten als solche 
erkannt; die letzte endlich erfolgte um ^/Jo Uhr M. und war etwas 
stärker als die früheren. Schwacher NO.-Wind, Himmel unbe- 
wölkt. 

Karl Stadt. Um 5 Uhr 26 Min. wurde bei heiterem, wölken* 
losem Himmel ein heftiges Erdbeben verspürt, das minutenlang 
anhielt, so dass die Möbel krachten, die Fenster klirrten und eine 
Lampe so heftig geschüttelt wurde, dass der Cylinder sprang. 
Den stärkeren und längeren Stössen folgten mehrere schwächere 
und kürzere. (Abendbl. d. N. fr. Presse, 1. Juli.) 

— Ein Brief von Herrn Gymnas. -Dir. Bartulic vervoll- 
ständigt diese Nachrichten: Auf die erste heftige Erschütterung 
folgten mehrere minder heftige, sodann wieder eine, die der 
ersten an Intensität vollkommen gleich kam, und darauf noch- 
mals schwächere. Die Gesammtdauer mag ungefähr zwei Min. 
betragen haben. Fenster klirrten, Möbel schwankten, viele Uhren 
blieben stehen, ein mit Läuten beschäftigter Mann lief ins Freie, 
da er glaubte, der Thurm stürze ein. An einigen Orten bekamen 
die Mauern Bisse. 

Fiume. Die Erschütterung soll hier sehr stark gewesen 
seiuj doch ist uns Näheres darüber nicht bekannt geworden. 



566 Bittner. 

11. Küstenland. 

Pola. Um 5 Uhr 6 Min. ziemlich starke Erderscbtttterung 
durch drei See. (Zeitschr. d. ö. G. f. Met., Nr. 14.) 

Tri est. Um 5 Uhr eine heftige, mehrere See. andauernde 
Erschütterung wahrgenommen ; in mehreren Häusern zeigen die 
Mauern Risse. (Abendbl. d. N. fr. Presse, 30. Juni.) 

— Um 5 Uhr wellenförmige Erderschtttterung mit grossem 
Getöse, so dass die Bewohner auf die Gassen flüchteten. Gläser 
klirrten, Bilder fielen zu Boden, mehrere Häuser bekamen Risse. 
(Bote f. Tirol u. Vorarlberg Nr. 149.) 

— Herr Dr. Paugger berichtet der Zeitschr. d. ö. Ges. f. 
Meteorologie (Nr. 14) . Seit kurzem wach im Bette liegend, be- 
merkte ich deutlich die ersten langwelligen Bewegungen, deren 
Dauer etwa 4 See betragen mochte. Nach Verlauf von weiteren 

6 bis 7 See. erfolgte ein stärkerer Stoss, allmälig sich steigernd, 
heftig schüttelnd und sich allmälig wieder verlierend. Die 
Dauer der stärksten Erschütterung, während welcher Thüren, 
Fenster und Möbel ächzten und das ganze Haus stark oscillirte, 
schätze ich auf 4 See. Die Bewegung war deutlich erkennbar 
eine wellenförmige in der Richtung OSO — WNW. Die Erschei- 
nung war von einem unterirdischen Getöse, ähnlich einem sehr 
fernen Donnerkrache, begleitet. Die Luft war ruhig, der Him- 
mel heiter. Es war genau 5 Uhr 5 Min. mittlere Triester Zeit. 
Die an der Zimmerdecke hangende Lampe machte noch nach 

7 Minuten Schwingungen in der obengenannten Richtung. Eine 
nicht ganz fest geschlossene DoppelflügelthUr meiner Wohnung, 
die gegen NW. gekehrt ist, hatte sich ganz geöffnet. Genau eine 
halbe Stunde nach der heftigen Erschütterung beobachtete ich 
nochmals schwache Schwingungen in derselben Richtung. 

Görz. Dauer 15 See, Richtung NW— SO. (Abendbl. d. N. 
fr. Presse, 30. Juni.) 

— Mehrere rasch aufeinander folgende Stösse, die so heftig 
waren, dass sie Zimmergeräthe ins Schwanken brachten, Thüren 
aufsprengten und in den Mauern einiger alter Häuser bedenk- 
liche Risse hervorbrachten. Zu den stärksten Erdbeben gehörend, 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 567 

die seit längerer Zeit hier beobachtet worden sind. (Deatsche 
Ztg., I.Juli.) 

— Besonders an höheren Punkten (Castell und Castagna- 
vizza) stark. (Presse, 2. Juli). 

Um 5 Uhr 5 Min. ziemlich starke ErderschUtterung mit wel- 
lenförmiger Bewegung von NW — SO. in der Dauer von 15 See» 
(Zeitschr. d. ö. Ges. f. Met. Nr. 14.) 

— Endlich entnehme ich einem Schreiben des Herrn 
Gymnas.-Dir. Schaffenhauer noch folgendes: Um 5 Uhr 
5 Min. erfolgten die ersten schwachen Erschütterungen ; bald 
wurden sie stärker und ein mächtiges Gepolter begleitete sie^ 
das sich mit dem Rollen eines gewaltigen hölzernen Karrens auf 
sehr holperigem Wege oder mit dem Getöse eines auf schlechter 
Bahn dahinfahrenden Eisenbahnzuges vergleichen Hess. Das ganze 
Gebäude wankte, das Bett schaukelte wie eine Wiege und 
ringsum knisterte, knarrte und krachte es anhaltend ; etwa 15 See. 
mag die Dauer des Bebens betragen haben. In der Stadt herrschte 
allgemeine Angst, denn eine solche Bewegung hätten die Ge- 
bäude nicht lange mehr aushalten können. Indessen geschah 
ausser einigen unbedeutenden Mauerrissen nichts. In der An- 
gabe der Richtung herrscht vollkommene Uebereinstimmung ; sie 
ist NO — SW. oder umgekehrt. Das Quecksilber eines Barometers 
befand sich anderthalb Stunden später noch in sehr bemerkbarer 
Oscillation. 

12. Italien. 

Ich lasse nun die wenigen Angaben folgen, die mir ttber die 
Verbreitung der Erschütterung gegen Süden bekannt geworden 
sind. So spärlich dieselben auch sind, sie geben doch ein an- 
näherndes Bild von der Ausdehnung nach dieser Richtung, zumal 
kaum anzunehmen ist, dass sich die Stösse noch beträchtlich 
ttber die äussersten der angegebenen Orte fortgepflanzt haben 
werden. Diese am weitesten entlegenen Orte sind Li vorno und 
Genua (Tagespresse vom S.Juli); nächst diesen Mailand, wo 
zwei Stösse wahrgenommen wurden (Wiener Ztg. 3. Juli), 
Urbino und Rimini. (Deutsche Ztg., 1. Juli.) Auch ans 
Bologna wurden zwei Stösse gemeldet (Wiener Ztg., 3. Juli). 



368 B i 1 1 n e r. 

Dasselbe gilt fttr Modena. Zu Man tu a beobachtete man die Be- 
wegung ebenfalls. 

Verona. Um 5 Uhr M. zwei Erderschtitterungen, deren 
zweite sehr heftige 12 See. dauerte. Einige Häuser wurden be- 
schädigt, eine Person verwundet. (Abendbl. d. N. fr. Presse, 
30. Juni.) 

Alle Hausglocken läuteten, zwei Kamine stttrzten ein und 
viele Häuser bekamen Bisse. (Abendbl. d. deutschen Ztg., 3. Juli.) 

P a d u a. Um 4 Uhr 58 Min. ein sehr starkes lang andauerndes 
Erdbeben, wohl an 15 See. oder mehr; im Observatorium blieben 
5 Pendeluhren stehen, und zwar eine solche, die von W— 0., eine 
zweite, die von NNO— SSW., eine dritte, die von OSO— WNW. 
schwingt, während die beiden letzten N — S. schwingen. Die 
Vibriationen waren im Ganzen undulatorisch, zum Theil jedoch 
auch sussultorisch. Richtung von OSO nach WNW. (Gazetta di 
Trento.) 

Battaglia. Um 5 Uhr Mittags ein zwei Minuten anhalten- 
des heftiges Erdbeben, das jedoch keinen Einfiuss auf die 
Thermen übte. Die Stösse waren von donnerähnlichem Getöse 
begleitet. (Abendbl. d. N. fr, Pr., 30. Juni.) 

Venedig. Um 5 Uhr heftige, 30 See. lang anhaltende Er- 
schütterung, und zwar in einer Reihe rasch aufeinanderfolgender 
Stösse, in der Richtung 0— W., am besten vergleichbar den 
Bewegungen im letzten Waggon eines Eisenbahnzuges auf hol- 
perigem Schienenwege. Dumpfes Getöse, Klingen von Haus- 
glocken und Gläsern; Pendeluhren, die gegen 0. oder W. 
gekehrt sind, blieben stehen, gegen S. oder N. gekehrte jedoch 
nicht. (Presse vom 2. Juli.) 

— Einige StUcke des Maueranwurfes der Peterskirche fielen 
herab, was einen panischen Schrecken verursachte. (Abendbl. d. 
deutgeh. Ztg., 3. Juli). 

Treviso. Starkes Erdbeben, wodurch viele Gebäude be- 
schädigt wurden. (Tagespresse, 3. Juli.) 

Starkes Erdbeben, das jedoch keinen Schaden verursachte. 
(Abendbl. d. Deutsch. Ztg., 3. Juli.) 

Agordo. Der Stoss war stark empfunden, jedoch ohne 
zu schaden. (Provincia di Belluno.) Dasselbe gilt fttr Cadore, 
Venas, Perarolo und Longarone. (Ebenda.) 



Beitrüge zar Kenntniss des Erdbebens von Belhino etc. 56^ 

Feltre. Hier sind schon einzelne Beschädigungen, die in 
fast durchaus gänzlich verticalen Mauerrissen bestehen, insbe- 
sondere in jenem Stadttheile, der an der Strasse nach Treviso 
liegt. Doch sind dieselben viel zu unbestimmt, um zu einer 
Bestimmung der Stossrichtang dienen zu können. Dasselbe gilt 
f&r die Beschädigungen, auf welche man in den in der Bichtung^ 
gegen Belluno zu liegenden Ortschaften Formegan, Santa 
Giustina und Sedico stösst. Dass in diesen dem Centrum der 
Erschütterung schon so nahe liegenden Orten dieselbe bereite 
eine äusserst heftige war, braucht wohl kaum hervorgehoben 
zu werden. 



D&s engere Ersclifitterungsgebiet. 

Efl unterlag von allem Anfange an nicht dem mindesten 
Zweifel, wo dieses zu suchen sei. In wie gewaltiger Entfernung 
auch die Stösse, insbesondere der Hanptstoss vom 29. Juni fllhl- 
bar waren , die verheerenden Wirkungen des Erdbebens blieben 
auf einen verhältnissmässig kleinen Raum beschränkt, auf wel- 
chem indessen die Kraft der Zerstörung desto furchtbarer auf- 
trat. Dieses HaupterschlUterungsgebiet lässt sich ziemlich scharf 
abgrenzen. Es liegt am äussersten Rande der Alpen gegen die 
venetianische Ebene, zum grössten Theile noch im Gebirge 
selbst, nur zum geringsten schon im flachen Lande. Es wird, 
bevor ich zur Aufzählung der Beobachtungen übergehe, vielleicht 
hier die passende Stelle sein, eine kurze Schilderung der geo- 
logischen Verhältnisse des betroffenen Gebietes einzuschalten. 
Dasselbe wird zunächst von einer mächtigen Bergkette mitten 
durchschnitten, welche von SW. gegen NO. streicht und ihrer 
Hauptmasse nach aus Rudistenkalk besteht. Die auf der bei- 
gegebenen Karte angedeuteten Berggipfel des Mte. Cesen, Mte. 
Neppe, Col de Moi, Mte. Ardo, Mte. Cor, Mte. Pizzoc und Co! 
Maggior bezeichnen ihre Erstreckung. Ihre Abdachung gegen 
NW. ist eine sehr allmälige, gegen SO. dagegen sttlrzt sie steil 
ab und wird hier zum Theil durch das Thal des Soligo begrenzt, 
jenseits dessen sich noch ein paralleler Zug von Nummuliten- 
kalk erhebt, an den sich gegen S. hin ein plateauförmiges Hügel- 



570 Bittner. 

land von pliocänen Bildungen anschliesst. Den Rand dieses 
Plioeänplateaus deuten die Ortgchaften Geneda, Conegliano, 
€ollalto und Pieve di Soligo an ; fast genau in seiner Mitte liegt 
San Pietro di Feletto. Wir kehren indess zu dem Kalkgebirge 
j^uriick. Dasselbe wird in der Richtung von Serravalle gegen 
Sta. Croce von einem fast 3 Stunden langen, äusserst tiefen, 
beiderseits von steilen Wänden begrenzten spaltenähnlichen 
Querthale durchsetzt, zu dessen beiden Seiten der Ereidezng 
seine bedeutendste Höhe erreicht (Col Vicentin fast 5500'). 
Betritt man dieses Thal von Serravalle aus, so übersieht man 
mit einem Blicke die ganze Längserstreckung desselben. Der 
Thalboden erhebt sich zunächst sehr allmälig gegen Norden. 
Zwei kleine Seen liegen im untersten Theile. Dann folgt eine 
bedeutendere Erhebung, auf welcher der Lago morto liegt. 
Nördlich von diesem steigt das Terrain plötzlich sehr steil an 
und bildet einen schmalen Grat, der das Dorf Fadalto trägt, den 
'Grenzort der Provinzen von Treviso und Belluno. Im Norden 
fallt der Berg von Fadalto eben so plötzlich gegen das weite, 
kesseiförmige Thal von Alpago, dessen südlichster Theil gänz- 
lich von dem See von Santa Croce erfüllt wird. Im Osten der 
Thalspalte von Fadalto erweitert sich der Kreidezug zu einem 
fast quadratischen, nach allen Seiten steil abstürzenden Plateau, 
dessen grösster Theil von dem ausgedehnten Bosco del Can- 
«iglio eingenommen wird. An der Nordostecke dieses Kreide- 
plateaus aber thürmen sich höhere Bergmassen empor, welche 
in einem mächtigen Bogen die Ost- und Nordseite des Alpago- 
^ebietes umsäumen, mit dem Mte. Dolada an die Piave heran- 
treten und , sich am rechten Ufer derselben abermals erhebend, 
von da aus parallel dem Flusse gegen SW. fortsetzen. Dieser 
^anze gewaltige Bergzug, der stellenweise die Höhe von 7000 
erreicht, besteht vom Mte. Cavallo an bis zu den Bergen um 
Feltre und darüber hinaus der Hauptmasse nach aus Jurakalken, 
die ihre Schicbtflächen insgesammt dem Thale zukehren. Bei 
Feltre schieben sich diese Juraberge wieder nach Süden vor 
und kommen auf diese Weise im Mte. Tomatico, Mte. Avien, 
Mte. Gruppa und Col di Fasolfe (der letztere am linken Piave- 
ufer) in die unmittelbare Fortsetzung der Richtung des zu Anfang 
erwähnten Kreidekalkzuges zu liegen. Solchergestalt entsteht 



Beiträge zur Renntniss des Erdbebens von Belluno etc. 571 

eine ringsum von hohen Bergen umschlossene Mulde, deren 
längste Axe etwa 6 Meilen beträgt und sich von Feltre im SW. 
bis zur nordöstlichen Ecke des Gebietes von Alpago erstreckt ; 
die grösste Breite wird etwa 2 Meilen betragen. In dieser Mulde 
liegen ziemlich horizontal Nummulitenkalkschichten, die zum 
Theil von miocaenen Gebilden und Oilnvialschotter bedeckt 
sind. Aus diesem Thale führen nur einige schmale Quer- 
thäler nach aussen. Im Norden tritt die Piave aus einer mäch- 
tigen Querspaltfi zwischen dem Mte. Serva und Mte. Dolada in 
das Gebiet ein, durohfliesst dasselbe fast der gesammten 
Länge nach und wendet sich noch vor Feltre wieder gegen 
SttdeUy um abermals das Gebirge zu durchbrechen und die Ebene 
zu erreichen. Die grosse Quersehlucht des Piave aber, die von 
Cadone bis Ponte nelli Alpi herab das Gebirge durchschneidet, 
setzt in wenig abweichender Richtung nach Süden fort, und diese 
Fortsetzung ist nichts Anderes, als die schon oben erwähnte 
Thalspalte von Fadalto - Serravalle. Prof. G. v. Bath erzählt 
(Neues Jahrb. f. Min. 1873, pag. 706), es existire in der Gegend 
von Belluno eine alte Sage , der zufolge die Piave einst durch 
das Thal von Santa Croce und Fadalto geflossen sei, bis ein 
gewaltiger Bergsturz bei Cima Fadalto die Thalsohle erhöht 
und den Fluss gezwungen habe , seinen Lauf zu ändern. Die 
Möglichkeit eines solchen Ereignisses liegt in der That sehr 
nahe, zum mindesten ist es gewiss sehr wahrscheinlich, dass 
einst der Abfluss der Grewässer des Alpagothales jenen Weg 
verfolgt haben mag, anstatt sich in so eigenthttmlicher Weise, 
wie dies thatsächlich geschieht, nach Norden zu wenden und in 
die Piave zu ergiessen. Die Orte, welche am stärksten betroffen 
wurden, liegen im Thale der Piave und zwar an der Stolle, 
wo der Fluss aus der Gebirgsspalte , die seinen Oberlauf bildet, 
heraustritt, ferner, und zwar hauptsächlich im Gebiete der fttnf 
Gemeinden von Alpago, östlich von Belluno, und endlich in der 
Umgebung von Ceneda im Süden. Es sind folgende : Belluno mit 
seinen «frazioni aggregate*' Visome, Cavessago; Cusighe und 
Nogar^, Sargnan, Campago, Castion, Pedicastello ; Capodiponte 
mit den zugehörigen Polpet, Cadola, Soch6r, Arsi^, Raveane 
und Casan; Pieve d'Alpago mit Torres, Curago, Plois, Villa, 
Quers, Tignes, Gama, Seh iucaz ; Chifes d' Alpago mit Lamosano, 



572 Bittner. 

Montanes und Jrrighe; Tambre mit Valdinogher, Borsoi; 
Farra d'Alpago mit Santa Croce; Pnös mit Condenzan and 
Bastia; Fadalto; Ceneda und die umliegenden Ortschaften 
Capella^ Sarmede, Fregona, Cordignano und San Pietro di 
Feletto. 

Ich werde nun im Folgenden, nach der angeführten Reihen- 
folge vorgehend; die in den von mir besuchten Orten gemachten 
Beobachtungen anftlhren und soweit, dies möglich ist, einige 
Anhaltspunkte für die Bestimmung der StossricBtung, um welche 
es sich wohl hauptsächlich bandelt, zu gewinnen suchen. 



Bellnno und Umgebnng. 

Die Stadt Belluno liegt auf einer aus diluvialem Conglo- 
merat gebildeten schmalen Landzunge, welche in SW. von der 
Piave, im 0. von dem sich hier in erstere ergiessenden Torrente 
Ardo umflossen wird. Ziemlich hoch ttber den breiten sandigen 
Flächen dieser Flussläufe erhebt sich die Stadt, und das sie 
tragende Plateau stürzt fast überall gegen die Flüsse sehr steil 
ab. Nach NW. hin erweitert es sich dagegen zu einer ausgedehn- 
ten Fläche, La Favola genannt, von wo es langsam gegen das 
Gebirge ansteigt. Unmittelbar an den Flussufem selbst, also viel 
tiefer als die Stadt, liegen die sogenannten Sobborghi, und 
zwar am Torrente Ardo etwas unterhalb der Brücke, über welche 
die von NO. kommende Strasse führt, der Borge del Pra oder 
di San Lucano und an der Vereinigungsstelle des Ardo mit der 
Piave der Borge di Piave. Der Schaden, welchen Belluno erlitten 
hat, ist ein sehr beträchtlicher. Zwar ist die Anzahl der sogleich 
zusammengestürzten Häuser nicht bedeutend, aber es findet sich 
auch andererseits kaum ein Gebäude, das nicht wenigstens 
einigermassen gelitten hätte. Risse und Spalten fehlen nirgends , 
abgeworfene Ecken sind eine nicht seltene Erscheinung und 
gestützte Mauern sind so zahlreich, dass die meisten der ohne- 
dies engen Gässchen kaum passirbar waren. Im Innern der 
Häuser sind die Verwüstungen noch bei weitem ärger, als es 
von aussen scheinen möchte, und man wird kaum eines finden, 
dessen Mauern nicht mit schweren Eisenschliessen versehen 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 573 

wären. Das alles gilt besonders für die eigentliche Stadt. 
Von 508 Häusern sind 8 zerstört, 110 derartig beschädigt wor- 
den, dass sie zum Niederreissen bestimmt werden mussten; 
weitere 139 haben starken Schaden erlitten, sind indessen noch 
wieder herzustellen und alle übrigen haben leichtere Beschädi- 
gungen davongetragen. Bei weitem günstiger gestalten sich die 
Verhältnisse in den Unterstädten , von deren 242 Häusern nur 
zwei zum Niederreissen bestimmt wurden , während sich unter 
den übrigen noch 21 stärker beschädigte befinden. Weit ärger 
sind die umliegenden Ortschaften (irazzioni aggregate) mitge- 
nommen worden, \f eiche von 1260 Gebäuden 15 gänzlich zer- 
störte y 66 demNiederreissen verfallene und 243 stark beschädigte 
haben. An Menschenleben sind zu Grunde gegangen in der Stadt 
sechs, in Visome zwei, Sargnan eines und Campago eines. 

Der beigegebene Plan des Centrums der Stadt zeigt die 
bedeutenderen Beschädigungen an den Gebäuden. Beginnen wir 
im Osten, so ist es zunächst das an die Kirche San Stefano an- 
grenzende grosse Gebäude (1 des Planes), welches mehrere hori- 
zontale Risse über den Fenstern , nebstdem aber auch einige 
verticale und unter 45 Grad geneigte nach unten sich der Ost- 
ecke nähernde Risse zeigt. Sehr ähnliche Risse weist das gerade 
gegenüberliegende Haus auf. Diese beiden Gebäude gehören zu 
den wenigen der Stadt, welche andere als schief verlaufende 
Risse aufzuweisen haben. In der Contrada Carrera sind die Beschä- 
digungen zwar allgemein, aber nicht sehr bedeutend, zwei der 
Hänser sind auch gestützt. Am Eckhause dieser Strasse gegen 
die Strada dei Jesuiti zeigt sich ein System von Rissen, wie sie 
als die am meisten verbreiteten und für Belluno geradezu typi- 
schen gelten können. Es sind diess Risse, die in diagonaler 
Richtung zwei aufeinander senkrecht stehende Wände durch- 
setzen und von beiden Seiten gegen die Kante, in welche die 
beiden Wände zusammenstossen, convergiren, zudem aber noch 
in ganz auffälliger Weise in ihrer Bildung von den Fenster- 
öflFnungen beeinflusst werden. Die Gassenfront des Hauses 
Nr. 152(3 des Planes) zeigt unter 45 Grad gegen SW. einfallende 
Sprünge in ziemlich grosser Zahl und genau ebenso das gegen- 
überliegende Haus (4), bei dem jedoch auch auf die erstere 
Richtung rechtwinklig verlaufende sich einstellen. Die gegen 

SItzb. d. mathem.-naturw. Ol. LXIX. Bd. II. Abth. 3^ 



B74 Bitte er. 

dei) Hauptplatz gewendete Seite des Eckhauses ist nicht im 
mindesten beschädigt. Die grosse Kaserne in der Strada dei 
Jesuiti ist an der NW.- und SO.-Ecke ganz ohne Beschädigung 
geblieben, die SW.-Ecke dagegen zeigt die schon erwähnte Art 
von gegen die Kante convergirenden Bissen (Taf. I, Fig. 1). 
Ganz in derselben Weise hat die Erschütterung ihre Sparen 
zurückgelassen an dem einige hundert Schritte im Norden dieser 
Kaserne liegenden Gehöfte La Cerva. Ein thurmartiger Anbau 
liegt an der SW. Ecke dieses Gehöftes und seine beiden an der 
SW.-Kante zusammenstossenden Mauern sind in ähnlicher Weise 
nur bei weitem stärker zerrissen wie die analogen Mauern der 
Kaserne. Die als gestülzt bezeichnete Mauer eines Hauses der 
Jesuitengasse hat sich in äusserst bedrohlicher Weise gegen die 
Gasse ausgebogen und dasselbe ist der Fall bei einer Wand der 
Gontrada Capello (6), die eine Ausbauchung ganz ähnlicher Art 
zeigt. Aber auch die Piazza Vittorio Emanuele gekehrte Seite 
dieses Häusercomplexes hat zahlreiche Risse und Sprünge und 
ist theilweise gestützt. Die Risse dieser Front fallen fast durch- 
wegs gegen SW. ein^ stimmen also mit dem Hause 3 der paral- 
lelen Gasse. Im Hause Alle due torri (Gontrada S. Stefano 7) 
bietet die Hinterwand mehrere starke Spalten, die sich etwa 
unter 45 Grad der SW.-Kante nähern und die zahlreichen Risse 
der Plafonds in der Vorhalle und den Zimmern dieses Hauses 
verlaufen zumeist in der Richtung NW* nach SO. Im Garten 
dieses Hauses sah Professor vom Rath einen interessanten Be- 
weis von der Stärke der Erschütterung (Neues Jahrb. f. Min. 
1873, pag. 709). 

Wenden wir uns von hier der Piazza Campitello zu, so lehrt 
schon der erste Blick , dass die eine gegen N. gewendete Seite 
dieses Platzes kaum eine nennenswerthe Beschädigung erlitt , 
während die gegenüberliegende nach SSW. gerichtete Front sehr 
beträchtlich mitgenommen wurde , insbesondere in ihrer Fort- 
setzung in der Strasse da San Giuseppe. Das an das schon 
erwähnte Eckhaus der Via Carrera anstossende Gebäude (8) 
zeigt durchaus verticale Risse , die von einem Fenster zum 
andern verlaufen. Das gegen 0. gelegene Eck der Kirche San 
Rocco ist mit schweren Stützen versehen, hat aber nur einen 
schwachen Riss oben quer über dieses Eck und einen fast hori- 



Beiträge zur Kenntnioa des Erdbebens von Belluno etc. 57 5 

^outalen ganz unter dem Dache an der gegen W. gelegenen 
Wand , nahe am Eck. Dag vorspringende SW.-Eck des zweit- 
näohstcn Hauses (9) trägt wieder die schon oben mehrfach her- 
vorgehobenen Sprünge, während das ihm gegen W. folgende 
tieferstehende Haus unbeschädigt erscheint. Am nächsten frei- 
stehenden SW.-Eck (10) erscheinen abermals die bezeichnenden 
gegen die Kante conyergirenden Risse und wiederum an dem 
mit 1 1 bezeichneten Hause und nochmals, und zwar äusserst 
regelmässig an dem Eckhause der Conta San Giuseppe mit der 
Oonta Loretto (12 des Planes, Tafel I, Fig. 2). Auch in dem 
Kachbarhause in der Strada Loretto setzen sich diese Sprünge 
in ähnlicher Art fort, nehmen aber hier mehr und mehr eine 
verticale Richtung an. Das gegenüberliegende Eckhaus (13) 
weist nur sehr wenige und ganz schwache Hprünge auf. Weiter 
in der Lorettogasse zeigt sich eine gestützte Mauer (14) und 
damit correspondirend ist auf der anderen Seite der Gasse eine 
Randmauer von einer gewaltigen Spalte durchsetzt, mit der 
^egen abwärts eine schwächere convergirt, über welcher letzteren 
ein beträchtliches Stück des Dachgesimses fehlt. Das massiv 
gebaute Krankenhaus scheint fast gar nicht gelitten zu haben, 
desto mehr aber die gegenüberliegenden Gebäude von Sta Maria 
di Loretto , an welchen sich allenthalben eine weitgehende Ab- 
deckung der Dächer zeigt; von der NO.-Ecke der Kirche ist auch 
ein grosser Theil des Gesimses abgestürzt. Der kleine Thurm 
auf dem Dache dieser Kirche sieht bedenklich aus, über dem 
Fenster der Nordseite zeigen sich Risse, das der Ostseite hat 
den Schlussstein verloren, ander Südseite ist dieser gestützt. 
Unweit dieses Hänsercomplexes, und zwar gegen 0. zu steht ein 
kleines capellenähnliches Gebäude, fast genau nach den Welt- 
gegenden orientirt, welches nur an seiner West- und Ostseite 
je einen, aber starken Riss aufweist (15). Die Richtung dieser 
beiden Sprünge ist auf beiden Seiten i^enau dieselbe und dabei 
eine sehr vereinzelt dastehende , ihrer Rcgelmässigkeit wegen 
aber erwähnenswerth. (Fig. 3 auf Tafel L) 

Die Fortsetzung der Strasse San Giuseppe gegen W., jetzt 
Borgo Garibaldi genannt, gehört zu den am stärksten heimgesuch- 
ten Theilen der Stadt, gerade deshalb aber — wie überall, wo die 
Verheerung eine sehr bedeutende ist — treten hier im Allge- 

38* 



576 Bittner. 

meinen die Wirkungen des Erdbebens weniger klar hervor. Das 
demEckbuuse desContrada Loretto (13) zunächst stehende Haus 
hat wiederum eine freie SW.-Eckeund auch diese zeigt die oft be- 
schriebenen Sprünge in sehr deutlicher Ausprägung. Es folgt nun 
ein anscheinend neues und solid gebautes einstöckiges Haus^ 
das Salzmagazin. Dasselbe hat an der Gassenfront (Sttd) viel 
vom Gesimse und Anwurf verloren, an der Westseite aber 
erscheint nahe dem SW.-Eck und diesem gegen unten genähert 
eine sehr bedeutende Spalte ; die vom Dache bis nahe zur Erde 
herab verläuft. Ein kleines stallähnliches Gebäude nebenan im 
Westen hat äusserst ähnliche Beschädigungen erlitten; ganz 
vorzüglich ist es wiederum die SW.-Kante, an deren gegen 
West sehender Wand ein starker Riss von oben bis herabrei- 
chend zu bemerken ist. Hier schliessen sich nun einige tiefer aus 
der Gassenfront zurücktretende Häuser au , welche eine seltener 
auftretende Art von Beschädigungen zeigen, ein System von 
verticalen und (ganz vorwiegend) horizontalen , durchwegs die 
Fenster verbindenden Sprttngen. 

Die Strassenfront behält von hier an ihr ostwestliehes 
Streichen noch eine Strecke hindurch bei und zeigt hier durch- 
aus keine nenuenswertheren Beschädigungen; da aber, wo sie 
gegen NW. umbiegt, ist eine furchtbare Zerstörung eingetreten« 
denn beide Häuserreihen sind an dieser Stelle in nicht unbe- 
trächtlicher Erstreckung theils sogleich eingestürzt, theils 
mussten sie abgetragen werden. Insbesondere ist der Kuin der 
südlichen Häuserreihen ein gewaltiger. Von diesem zerstörten 
Häusercomplexe gegen den Hauptplatz zurück scheint die Süd- 
front im Ganzen wenig gelitten zu haben, doch sind fast alle 
Häuser mit Schliessen versehen worden .und mehrere schienen 
unbewohnt zu sein. Nur das Haus Nr. 47 zeigt deutlichere Be> 
Schädigungen , und zwar an der Gassenseite (Nord) mehrfache 
verticale und schwach geneigte Risse, ganz nahe aber dem 
NO. Eck eine ganz verticale, die Mauer von oben bis unten 
durchsetzende, sehr starke Spalte, mit der eine zweite ebensolche 
an der Ostwand desselben Eckes corre^ipondirt. 

Am Hauptplatzc der Stadt tritt uns zum ersten Male an dem 
mit 14 bezeichneten Hause eine Beschädigung entgegen , die sich 
in den südlich gelegenen Stadttheilen mehrfach wiederholt. Es 



Beiträge zar Kenntniss den Erdbebens von Belluno etc. 577 

ist nftmlich hier das Eck ganz oben unter dem Dache in geringer 
Ausdehnung abgestürzt. Schon das Eckhans gegen die Piazza 
Castello (15) zeigt ein Fehlen desselben Eckes und zudem 
haben die beiden an der SW.-Kante zusammenstossenden Wände 
dieses Gebäudes, vor allem die stldlichc; ganz furchtbare ver- 
ticale Spalten. Bei 16 fehlt das ganze Dachgesimse ; bei 17 
wieder der oberste Theil des SW.-Eckes und das gegentlber- 
stehende Haus hat die ganze Nord wand verloren. Die gegen 
NO. gekehrte Häuserfront dieses Platzes scheint sehr stark mit- 
genommen worden zu sein, denn sämmtliche Häuser sind mit 
einer Unzahl von Schliessen und Klammern versehen worden. 
Eine gegenüberliegende Gartenmauer (18) hat gerade an der 
gerundeten SW.-Eeke zwei äusserst starke, nach abwärts con- 
vergirende Risse, so dass ein grosses Stück herauszastürzen 
droht. In der Via Ussolo fehlt die W.-Mauer eines Hauses (19) 
gänzlich. Die Via Cirpo hat viele gestützte Häuser. In der Via 
Sippa stürzte der obere Theil eines Hauses zusammen und be- 
grub drei Kinder unter den Trümmern. An den stehen geblie- 
benen Partien bemerkt man überall Risse, die den Plafond von 
den Hauptmauern trennen. Die mit 20 bezeichnete SW.-Ecke am 
Ausgange dieser Gasse ist ebenfalls abgestürzt. Eine ganz aus- 
serordentliche Verheerung aber ist in dem gegenüberliegenden 
alterthümlichen Häusercomplexe , ehemals bischöfliche Residenz, 
eingetreten (21). An der Westseite des Gebäudes, besonders 
gegen das SW.-Eck zu, treten kolossale Spalten auf, die Nord- 
nnd Südseite sind durch zahlreiche schwere Balken gestützt und 
besonders die letztere hat sich in äusserst gefahrdrohender 
Weise nach aussen gebogen. Der Thurm , der die NW. Ecke 
einnimmt, ist von oben herab bis zur Erde von furchtbaren 
Rissen in erstaunlicher Anzahl ganz zerspalten. Im Hofraume ist 
eine SW.-Ecke in ihrer ganzen Höhe herausgebrochen, wobei 
die trennenden Spalten nach abwärts ein wenig convergiren. Das 
gegenüberliegende Haus sieht ebenfalls äusserst baufällig aus 
und ist durch zahlreiche Stützen gesichert; ein kleiner hängen- 
der Anbau desselben im Südwesten (22) droht jeden Augenblick 
herabzufallen. Die kleine Capelle der Madonna delle grazie (23) 
musste sofort abgetragen werden. Zwei freie Südwestecken dieses 
Platzes sind gestützt. Bei 24 und 25 sind die bezeichneten Wände 



o78 Bittner. 

total herausgestürzt. Das Haus an der Sttdfronte des Domplatzes^ 
(26) zeigt mehrere verticale Risse von oben bis herab. Der Cam* 
panile (27) hat wenig gelitten. An seiner Spitze trägt er einen 
geflügelten bronzenen Engel. Derselbe hat, weil gut befestigt , 
»Stand gehalten , die Flügel aber wurden herabgeworfen und statt 
ihrer zeigt der Engel nun die beiden seinen Schultern angehef- 
teten Eisenstäbe, über welche mittelst langer Scheiden die 
Flügel geschoben waren. Die schweren Flügel wurden von den 
etwas nach aufwärts gerichteten Stäben abgeschoben und her- 
untergeschleudert , während sich der Engel gleichzeitig um seine 
verticale Axe gegen Nord, angeblich um etwa 20^ , gedreht hat. 
Der Engel blickte vordem gegen Nordost. (Prof. G. v. Rath U 
c.) Der gegen W. gelegene Theil des Domes ist zusammengestürzt. 
Derselbe war allerdings schon etwas baufällig. Dieser Einsturz 
ist übrigens nicht am 29. Juni , sondern erst genau eine Woche 
später am 6. Juli um 5 Uhr Morgens erfolgt. Die Beschädigung 
ist eine solche y dass der in der stärksten Ausdehnung herabge- 
brochene Theil gerade gegen Südwesten sieht, wie man sich 
leicht von der unteren Brücke (im Borge di Piave) aus über- 
zeugen kann. Die Fig. 4 (Tafel I) gibt ein Bild von der entgegen- 
gesetzten, in geringerer Erstreckung abgebrochenen Seite. Der 
grosse Riss unter dem Fenster setzt bis zum Boden hinab fort. 
Es würde zu weit führen, wollte ich auch die Beschädi- 
gungen in den noch verbleibenden Stadttheilen in ähnlicher 
Weise, wie bisher, aufzuzählen fortfahren. Für die Bestimmung 
der Richtung des Stosses wird das bisher Erwähnte genügen, und 
zudem bieten die noch nicht besprochenen Theile der Stadt des 
Erwähnenswerthen nicht viel, so dass ich mich darauf beschrän- 
ken kann, von diesen das Wichtigste anzuführen. Da ist denn 
zunächst in Vicolo San Bemardo abermals eine sehr stark her- 
ausgebogene SW.-Ecke (28) mit einem furchtbaren Risse in der 
westlichen Mauer, der gegen unten zu stärker wird. In der Con- 
trada San Lucano ist der Oberbau eines Thores gegen die Strasse 
heraus, also nach Südwest, geworfen worden (29 des Planes; 
Taf. I, Fig. V). An der Strasse , die in mehrfachen Windungen 
gegen den Borge di Piave hinabfuhrt, sind an mehreren Theilen 
Theile von Gartenmauern eingestür/.t, und zwar zweimal anstel- 
len, an welchen die Mauer gegen ONO. sieht, einmal an einer 



Beitrage zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 579 

NO. gerichteten vnd ein viertes Mal an einer Stelle, die fast 
genau (mit nur nnmerklicher Abweichung gegen N.) nach 0. ge- 
kehrt ist. Ganz in der Nähe ist auch ein Hauseinsturz zu ver- 
zeichnen , und zwar ist eine Wand ; die gegen ONO. gewendet 
ist und Theile der darauf senkrechten Mauern herausgestttrzt. 
Unweit davon fehlt an einem Hause wiederum das SW.-Eck und 
eben da steht auch das einzelne Haus ; dessen Beschädigungen 
Tafel I; Fig. 6, dargestellt sind. Diese sind nur an der Nord- und 
Ostseite von Bedeutung , an der Südseite sehr schwach , an der 
Westseite fehlen sie ganz. In dem Stadttheile zwischen der Via 
Mezzaterra und dem Steilufer des Torrente Ardo zeigt sich nichts 
von Bedeutung. Erst gegen Norden in der Umgebung der Via 
della Motta wird die Verheerung stellenweise wieder beträchtlicher. 
Besonders ein grosses Gebäude , das sich dicht ttber dem Abhänge 
erhebt , ist sehr stark mitgenommen worden. Nicht nur, dass 
seine Gassenfront nur mit Hilfe zahlreicher Sttttzen aufrecht er- 
halten werden konnte, auch der gegen die NO. Ecke zugekehrte 
Theil desselben ist gänzlich eingestttrzt und die stehen geblie- 
bene Front gegen den Torrente Ardo zeigt ziemlich erhebliche 
Risse von vollständig verticaler Richtung (Taf. I, Fig. VH). 

Wir wenden uns nun den Sobborghi zu. Da zeigt sich dann 
die schon oben hervorgehobene auffallende Erscheinung, dass 
die Beschädigungen hier sehr gering an Zahl und Stärke sind. 
Schon in den wenigen Häusern , die unweit des Ponte nuovo, 
tlber welchen die Strada di Allemagna in die Stadt ftthrt, liegen, 
zeigt sich dieses Verhalten. Dasselbe gilt von den Häusern der 
zum Ponte vecchio und hinttber in die Vorstadt del Pra führenden 
Via Bivizzola. Und ebendiess lässt sich auch vom Borgo di Piave 
behaupten; hier finden sich nur jenseits des Flusses einige auf- 
fallendere Beschädigungen y die jedoch gegen die der Stadt gar 
nicht in Betracht kommen können. Das der Brücke zunächst 
gelegene Haus zeigt an seiner gegen NW. stehenden Front eine 
Anzahl sich ziemlich rechtwinklich kreuzender Sprünge, die sich 
sämmtlich an die Fenster halten (Taf. I, Fig. 8.) Die beiden 
darauf senkrechten Wände sind kaum, die entgegengesetzte 
Wand ist gar nicht beschädigt. 

Betrachtet man nun die grosse Menge von dem ersten 
Anscheine nach ganz wirr durcbeinanderlaufende Beschädigungen 



580 Bittner. 

etwas genauer, so zeigt sich bald, dass diese scheinbare 
Regellosigkeit denn doch nicht gar so weitgehend ist, und man 
nimmt binnen Kurzem wahr, dass Hänser von gleicher Orien- 
tirung in ziemlich übereinstimmender Weise an den analogen 
Wänden und Ecken gelitten haben. In Belluno ist es nun ganz 
besonders eine gewisse Art von Beschädigungen, die sich allent- 
halben in mehr oder minder bedeutender Ausdehnung wieder- 
holt und welche sich als ein eigenthttmliches System von Rissen 
und Spalten an den zahlreichen freien Südwest-, z. Th. auch an 
NO.-Ecken kennzeichnet. Dies gilt insbesondere für die nörd- 
licheren Stadttheile, wo die Kraft des Stosses bei weitem 
schwächer gewirkt hat als in den mehr südlich gelegenen. Hier 
nimmt diese Beschädigung einen etwas anderen Charakter and 
äussert sich in der Weise, dass die Ecken in höchst bedrohlicher 
Weise sich gegen Aussen vorbiegen und deshalb nur durch An- 
wendung von Stützen in ihrer Lage erhalten werden können. 
Fälle solcher Art sind in der Umgebung des Domplatzes nicht 
selten. Endlich ist es in einzelnen Fällen dahin gekommen , dass 
das oberste Eck , entsprechend der angedeuteten Art vom Spal- 
ten, gänzlich abgeworfen worden ist, wovon mehrfache Bei- 
spiele angeführt worden sind ; den höchsten Grad dieser Be- 
schädigung findet man im Hofe des ehemals bischöflichen 
Palastes. (21 des Planes.) Diese Art von Zerstörung entspricht 
aber der von R. Mall et (The NeapolitanEarthqnakeof 1857) als 
„snbabnormal^ bezeichneten Stossrichtung, d. h. einem Stosse, 
der mit beliebigem Emergenzwinkel ein Gebäude in diagonaler 
Richtung trifft. Ein in dieser Richtung wirkender Stoss wird vor 
Allem die Spuren seiner Kraft an dem seinem Ausgangspunkte 
zunächst liegenden und an der entgegengesetzten Ecke des 
Hauses zurücklassen, und zwar werden diese Spuren in auf die 
Stossrichtung senkrechten und zu diesen parallelen Spalten 
bestehen, die bei hinreichender Weite sogar den Absturz der 
betreffenden beiden Ecken zur Folge haben werden. Da also diese 
Beobachtungen mit den Angaben R. Malle t's übereinstimmen, 
zudem auch Fälle von in nordost südwestlicher Richtung herab- 
geschleuderten Objecten sich vorfinden, endlich auch die im 
Momente des Stosses gemachten Wahrnehmungen bezüglich 
seiner Stossrichtung von gleicher Art sind, so wird man in 



Beitrige zur Kenntuiss des Erdbebens von Belluao etc. 581 

diesem Falle wobl kaum einen Fehler begehen , wenn man als 
Stossrichtung NO. nachSW. annimmt. Indess darf nicht ttbersehen 
werden, dass anch andere Richtungen nicht ohne weiters abzuwei- 
sen sind, indem Iheilweise solche wirklich von Beobachtern im Mo- 
mente der Erschütterung wahrgenommen worden zu sein schei- 
nen , andererseits aber auch einzelne Beschädigungen in der 
Stadt durchaus nicht mit einem von NO. wirkenden Stosse in 
Einklang zu bringen sind. Ich erinnere hier nur an die sehr 
regelmässigen Spalten des mit 15 bezeichneten Objectes, die 
wobl am ehesten einem Stosse von Sttd entsprechen wUrden. Ab- 
gesehen davon, dass Brechungen und Ablenkungen der Kraft zu 
den sehr wahrscheinlichen Dingen gehören , ist es ja auch gewiss 
möglich , besonders unter der Voraussetzung , dass der Sitz des 
Erdbebens eine Spalte sei, dass thatsächlich Stosse von ver- 
schiedenen Punkten dieser ausgegangen sein und sich in 
mannigfachen Richtungen durchkreuzt haben mögen. Da es 
möglich ist, ans der Lage der Spalten auch auf den Emergenz- 
winkel zu schliessen, unter welchem die Stossrichtung die Erd- 
oberfläche schneidet, so hätte man in unserem Falle — bei der 
überwiegenden Mehrzahl ziemlich steiler Risse und Spalten — 
diesen Winkel als einen im Allgemeinen nicht bedeutenden an- 
zunehmen, woraus sich bei der Erwägung, dass Belluno dem 
Erdbebencentrum unzweifelhaft sehr nahe liegt, die weitere 
Folgerung ergibt, es müsse dieses Erdbebencentrum in nur ge- 
ringer Tiefe seinen Sitz haben. Genau denselben Schluss zieht 
aber Prof. v. Rath aus der Vergleichung des äusserst eng 
umgrenzten Zerstörungsgebietes mit der ungemein grossen Er- 
schtttterungsfläche dieses Erdbebens. 

Ich gehe nun über zu den in der Umgebung von Belluno 
gelegenen Ortschaften. Von diesen hat Visome, das etwa eine 
Stunde entfernt im SSW. liegt, am meisten gelitten. Leider 
beginnen sich hier Umstände einzustellen, die eine genauere 
Beobachtung, wenigstens eine solche, die zu Schlüssen berech- 
tigen würde, in den meisten Fällen ganz unmöglich machen. 
Da ist vor allem die geringe Ausdehnung der zuweilen nur aus 
wenigen Häusern bestehenden Orte. Dazu kommt, dass diese 
Häuser auf die unregelmässigste Art aneinander geklebt sind 
und nur sehr selten isolirt stehen. Auch trägt die schlechte Bau- 
art ihren wesentlichen Theil dazu bei, die Wirkungen der 



582 B i 1 1 n e r. 

Erscbtttf erung zn verwischen oder doch sehr nndentlich zu machen. 
Die allermeisten Anhaltspunkte bieten hier noch die zumeist 
solider gebauten und vereinzelt stehenden Kirchen. Die Beob- 
achtungen, welche in Visome gemacht wurden, reichen gerade 
ans, um die Nordostrichtung des Stosses auch fttr diesen Ort zu 
conslatiren. Gleich das erste Hans des Dorfes zur linken Hand 
hat sein NW. -Eck verloren. Dasselbe gilt für ein Haus zur 
rechten Seite des Weges. Auch die Spitze des Thurmes ist gegen 
SW. herabgestürzt. Auf dem Wege von Bellunö nach Visome 
steht eine Capelle, deren Thurm sehr regelmässige Beschädi- 
gungen zeigt. Das Fenster an der gegen NOO. gekehrten Mauer 
hat seinen Scblussstein verloren, ebenso das an der entgegen- 
gesetzten Seite , während über den Fenstern der beiden anderen 
Seiten je ein Riss sich zeigt, an der SSO. Seite stärker. 

In Baldeniga (c. zwei Stunden südwestlich von Belluuo) 
ist an einem einzeln stehenden Hause ein Kamin herabgestürzt 
und sind zahlreiche Spalten in den Mauern entstanden. In ahn- 
lieber Weise haben auch die übrigen Ortschaften im Umkreise 
der Stadt gelitten ; so verloren Cusighe, Nogar^ und San Pietro 
in Campo die Spitzen ihrer Glockenthürme, in Pedecastello wurde 
die Kirche stark beschädigt, in Sargnan und Campago fielen 
Menschenleben zum Opfer. 

Gegen Nordosten von Belluno, da wo die Piave eben das 
gewaltige Querthal verlassen und seinen Lauf gegen SW. gelenkt 
hat, liegt knapp am Ufer des hier in einer äusserst steilwan 
digen Schlucht in grosser Tiefe dahinströmenden Flusses der Ort 
Capo di Ponte, auch Ponte nelli Alpi genannt. Wenn man zu der 
Erwartung berechtigt schien, hier eine noch viel grössere Zer- 
störung als in Belluno anzutrefien, da ja der Stoss hier aus gerin- 
gerer Entfernung gewirkt haben musste, so wurde diese Erwar- 
tung nicht erfüllt, indem die Beschädigungen hier durchaus nicht 
zu den besonders erheblichen gehören , zum mindesten nicht in 
Anbetracht der angrenzenden Gebiete, wie denn auch der ganze 
Bezirk keinen einzigen Todten aufzuweisen hat. Da die aus den 
officiellen Erhebungen und Berichten zusammengestellte Tabelle 
der Schäden ein recht gutes Bild der Intensität der Erschüt- 
terung in den einzelnen Bezirken gibt, so möge dieselbe hier 
folgen : 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Bellano etc. 583 



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584 Bittner. 

Capodiponte und das AIpago-ThaL 

Capodiponte besteht fast nur aus einer einzigen Strasse, 
<lie von S. nach N. verläuft. Man sieht hier nur ganz wenige 
Mauerrisse, und diese sind fast ausnahmslos ziemlich vertieal. 
Einige Mauern, die die verschiedensten Richtungen haben, sind 
■gestützt. An einer Stelle ist ein Stttck einer nordstidlich strei- 
chenden Hofmauer herausgestürzt. In einem Hofe zeigt sich eine 
«ehr stark gestutzte SW. Ecke, die an der Westmauer einen sehr 
starken gegen abwärts zu der Kante sich nähernden Spalt trägt. 
An der Kirche, deren eine Breitseite beiläufig gegen NNW. sieht, 
zeigt eben diese Seite mehrere ziemlich starke Risse, die sich 
^egen unten zu der östlichen Seite nähern; die SSO. Seite hat 
nur einen Riss, der nahe der W. Kante liegt und sieh dieser 
gegen unten noch mehr nähert. Das interessanteste Object im 
ganzen Orte ist übrigens ein kleines einzelnstehendes Häuschen, 
schon am linken Ufer der Piave gelegen, ganz nahe der Brücke; 
Die eine ganz genau nach 0. gerichtete Giebelwand desselben 
ist durch zwei furchtbare verticale Spalten, welche die N.- und 
8.- Wand nahe den Ecken und in gleichem Abstände von diesen 
durchsetzen, gänzlich abgetrennt und die beiden Spalten trennen 
auch noch die entsprechende Partie des Daches in gleicherweise 
von dem übrigen ab. Dieser Fall entspricht sehr genau der 
schematischen Zeichnung, welche R. Mall et von den Wirkungen 
des ,, normalen^ Stosses gibt, demzufolge man hier wohl einen 
solchen Stoss in der Richtung von Ost nach West annehmen 
sollte. Doch ist es nicht möglich, bei dem Mangel an ander- 
weitigen entsprechenden Beobachtungen, darüber eine gewisse 
Sicherheit zu erlangen. — Auch in dem unweit von Capodiponte 
gegen NNW. gelegenen Pol p et findet man nur wenige Spuren 
der Erschütterung. An dem Wege, der von Polpet zur Belluneser 
Strasse führt, ist eine aus losen Steinen zusammengefügte Mauer 
von nordöstlichem Streichen an vielen Stellen auf beträchtliche 
Strecken hin gegen SO. in den Weg hereingestürzt. Am Monte 
Serva und dem Berge über Peron müssen mehrfache Felsab- 
rutschnngen geschehen sein. Ein Einwohner von Capodiponte 
erzählte mir zu Perarolo, dass er sich am 29. Juni zur Zeit des 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 585* 

Erdbebens eben auf dem Wege nach Fortogna, einer Fraetion 
von Longarone, befanden habe, als er plötzlich ein ungewöhn- 
liches Geräusch vernahm , von dem er nicht wusste , bb es ans 
der Luft oder ans der Erde komme ; dann erfolgte ein so starke» 
Zittern und Beben des Bodens , dass er glaubte, es sei um ihn* 
geschehen und darauf sah er, wie sich vom Berge San Andrea 
di Polpet und von den Abhängen des Monte di Soccher (Monte 
Dolada) mächtige Felsmassen loslösten , herabrollten und unten 
zerschellten, so dass sich eine Staubwolke erhob. 

Eine Viertelstunde von Capodiponte entfernt, da wo der 
Flnss Bai in die Piave mündet, liegt Gadola,- eine ganz unbe- 
deutende Häusergruppe, die aber eine schöne neugebaute Kirche,, 
die Hauptpfarrkircbe der zur Gemeinde Capodiponte zuständigeit 
Ortschaften, und einen imposanten Campanile besitzt. Der Unter- 
grund ist hier festes Gestein, wohl der eocänen ThalausfüUung^ 
angehörend, der letzte Ausläufer des Nummnlithenkalkrttckens,. 
der von den hohen Kreidebergen des Monte Faverghera und 
Monte Pascolet im Westen des Sees von Santa Croce gegen 
Norden ziehend, sich als trennender Wall zwischen das Gebiet 
von Belluno und das Thal von Alpago legt. Es ist, wenn auch 
nicht unerklärlich, so doch gewiss höchst überraschend, dass die 
sämmtlicheu auf diesem flachen , Col di Pera genannten Bücken 
liegenden Ortschaften, man kann wohl sagen, gar nichts gelitten 
haben. Das gilt für Quantin, Sossai, Boncan, Lastreghe, Cugnan, 
Vieh und auch noch für das an der äussersten Kpitze dieses 
Bttckens gelegene Cadola. Die Bewohner sinfl hier auch ziemlich 
sorglos im Gefllhle ihrer Sicherheit, wie ich mich bei Gelegenheit 
des sehr starken Stosses vom 8. August selbst zu überzeuge» 
Gelegenheit hatte, da ich mich damals gerade in Üadola befand. 
Die Bewohner stürzten zwar, sobald die Bewegung erfolgte, in 
grösster Eile, aber mit lachenden Gesichtern, ins Freie, während- 
im schärfsten Gegensatze hiezu in dem höchstens eine Viertel- 
stunde entfernten halbzerstörten Soccher von neuem eine so» 
furchtbare Bestitrznng platzgegriffen hatte , dass man sich eines* 
höchst unheimlichen Gefühles nicht erwehren konnte. 

Soccher bildet das Anfangsglied einer Beihe aufs schreck- 
lichste verwüsteter Ortschaften, die in dem Alpago -Thale grössten- 
theils an den Abhängen der hohen Bandgebirge, zum geringeren 



586 B i 1 1 n e r. 

Theile am flachen Seeafer liegen. DieB gilt besonders für Arsi^ 
mit Raveane, Pieye d'Alpago mit Torres, Plois nnd Curago, 
PnoSy Codenzan, Borsoi mit Lavina und Farra. Unter diesen 
sind wieder Arsife, Torres, Plois und Curago, ferner Puos und 
Codenzan wirklich nur noch Trümmerhaufen. Dabei zeigt sich 
aber auch oft eine sehr grosse Verschiedenheit in dem Grade 
der Verwüstung in ganz nahe liegenden , ja sogar in verschiede- 
nen Theilen eiues und desselben Dorfes. Gleich in Soccher tritt 
dies auf sehr auffallende Weise hervor. Den gegen die Piave zu 
liegenden Häusern ist nicht viel geschehen und ebenso den an 
der entgegengesetzten Seite am Wege gegen Arsife liegenden. 
Daftir ist aber die Mitte des Dorfes und der Theil gegen Oadola 
zu zum grössten Theile zusammengestürzt und nur wenige Häuser 
daselbst stehen mit furchtbar zerrissenen Mauern aufrecht. Am 
zweiten Hause rechterseits beim Eingange ins Dorf ist die gegen 
!N00. blickende Wand nach dem N.-Eck hin eingebrochen und 
die NNW.-Wand nur durch Anwendung von Stützen vor gleichem 
Schicksale bewahrt worden. An einem nnhen Häusercomplexe 
ist ein Theil der gegen NW. gekehrten Front niedergestürzt, 
das Dach grösstentheils abgedeckt. Im Hofgebäude bei Nr. 19 
fehlt die SSO.-Mauer mitsammt dem ganzen Dache dieser Seite 
(Längsfront). Unweit der Dorfcapelle ist die NO. -Ecke eines 
Hauses mit schweren Stützen versehen. Das sind die wenigen 
deutlicheren Beschädigungen, die in diesem allgemeinen Ruin 
noch hervortraten. Nicht viel ergiebiger waren die Beobach- 
tungen in dem naifegelegenen Arsife. Die gerade gegen SO. 
gerichtete Giebelwand eines grossen Hauses ist gestützt; 
daneben hat ein Gebäude die SO. Ecke verloren, ein drittes 
zeigt eine besonders gegen das 0. Eck zu gestützte Südseite, 
ein viertes hat an der NOO. Seite und zwar nahe dem 0. Eck 
einen mächtigen, fast verticalen Riss; alle übrigen liegen total 
in Trümmern. Es scheinen sich hier also Anhaltspunkte für einen 
Stoss aus SO. zu bieten. Der Weg, der von hier gegen Pieve 
d'Alpago führt, ist von rohen Steinmauern eingefasst, die SWW. 
bis NOO. streichen. Die nördliche derselben ist an vielen Stellen 
gegen den Weg hereingestürzt. 

Ostlich von Arsi^ schneidet das Bett eines Giessbachs , der 
vom Monte Dolada herabkommt, tief in das lockere, zum grossen 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 587 

Theile aus dem Schattkegel des Kalkgebirges gebildete Terrain 
ein nnd jenseits dieses Einschnittes erhebt sich in ziemlich 
bedeutender Höhe dicht am Bergabhange Pieve d'Alpago, 
der Vorort der fünf Gemeinden dieses Thaies, weithin kenntlich 
durch seinen hohen und schlanken Glockenthurm. Unterhalb 
dieser keineswegs grossen Ortschaft breitet sich das tertiäre 
Plateau aus, welches gegen S. and W. ziemlich steil gegen die 
flache Sandebene abbricht, die wiederum ganz allmälig in den 
Sumpf und See von Santa Croce übergeht. Auf jenem Plateau 
nun liegen die zur Gemeinde Pieve gehörenden Orte zerstreut, 
und zwar da, wo dieses mehr flach und eben ist, Sitran, Tignes, 
Villa, Torch, Garna, höher aber und am Fusse des Gebirges 
selbst Pieve, Torres, Plois, Curago ; die Ortschaften der ersteren 
Reihe haben verhältnissmässig sehr wenig, die der letzteren 
ungemein stark gelitten. Ehe man den Ort Pieve selbst betritt, 
Btösst man auf ein recht interessantes Object, eine kleine Capelle, 
von der Taf. I , Fig. 9 eine Skizze gegeben ist. Dieselbe sieht 
fast genau gegen die vier Weltgegenden, der Eingang liegt an 
der ganz unmerkbar gegen 0. verwendeten Südseite, diese sowie 
die 0.- und W.-Seite zeigen die in der Zeichnung ersichtlichen 
Spalten und Risse, die N.-Seite ist unbeschädigt. Man könnte 
nun leicht versucht sein, nach Analogie der SW. -Ecken von 
Belluno auf einen NW.-Stoss in diesem Falle zu schliessen, 
wobei man noch durch die Richtung der Spalten selbst, zum 
mindesten an der 0.- und W.-Mauer, unterstützt würde, die senk- 
recht auf einen von NW. kommenden Stoss stehen ,* berücksichtigt 
man dagegen den auffallenden Umstand , dass die N.-Seite gar 
nicht beschädigt jst und dass allen Voraassetzungen nach die 
grösste Zerstörung immer an der dem Ausgangspunkte des 
Stosses zugekehrten Seite zu finden sein muss, so wird man 
wohl die entgegengesetzte Richtung, also die von SO. als die bei 
weitem wahrscheinlichere anzunehmen haben. DafUr sprechen 
schon die allerdings dürftigen Beobachtungen in Arsi6, und 
dafür sprechen auch alle weiteren, die noch in Pieve gemacht 
wurden. Es ist vielleicht hier der Ort, ausdrücklich zu betonen, 
dass dabei nicht etwa nur eine Auswahl derjenigen Beschädi- 
gungen stattfand, die mir für eine einmal als wahrscheinlich 
sich ergebende Richtung zu sprechen schienen, mit Beiseite- 



588 B i 1 1 n e r. 

lassnng aller übrigen, sondern dass im Gegentheile Zerstömngeu 
jeder Art berttcksichtigt worden sind, zomeist aber solche, welche 
sich an Gebänden von gleicher Orientimng befanden, da es nur 
hier möglich ist, dnrch die Analogie der Beschädigungen za 
einem einigermassen sichern Schlosse zu kommen, während in 
Orten, wo ein jedes Haus eine andere Richtung hat, meistentheils 
gar kein Resultat zu erreichen ist. 

Die Kirche von Pieve ist genau so orientirt, wie die eben 
besprochene kleine Capelle. Sie zeigt (Taf. I, Fig. 10) im W. 
sehr viele schwächere, im 0. bedeutendere Risse, an der Nord- 
seite nur wenige und nur an dem gegen 0. gelegenen Umbaue 
von erheblicherer Art. Wiederum ist die Südseite die am meisten 
beschädigte. Der SO.-Ecke fehlt das Dach und nahe derselben 
zieht ein furchtbarer Riss durch fast */, der Höbe herab (1 des 
Grundrisses), dem sich gegen W. hin ein zweiter, schwächerer 
(2) anschliesst. Ein kleiner gewölbter Anbau (3) ist ganz zusam- 
mengebrochen ; weiter ist die ganze äussere Schicht der Mauer 
herabgefallen (4 und 5) und mehrfache Spalten durchsetzen 
diese noch ausserdem. Auch hier ist es also ganz vorzüglich das 
SO.-Eck, welches gelitten hat, aber auch das SW.-Eck ist nicht 
wenig beschädigt. Dem Hause südwestlich von Campanile fehlt 
ein gegen S. gewendeter Giebel, einem Hofgebäude daneben 
die ganze Sttdmauer. Bei Nr. 63 ist die SO.-Ecke total einge- 
stürzt, an einem benachbarten Wirthschaftsgebäude der Giebel 
der gegen SSO. gekehrten Wand, die ganze SOO.-Ecke und die 
gegenüberliegende ,• also NWW.-Ecke. Unweit davon steht ein 
kleines Häuschen , das nur aus vier Wänden besteht oder viel- 
mehr bestand, denn zwei davon, die gegen NW. und SO. sehen- 
den, sind fast zur Gänze niedergeworfen worden und dabei fehlt 
von der SO.-Wand mehr an der westlichen als an der östlichen 
Seite. An der NO.-Wand zeigen sich abermals einige parallele 
in derselben Richtung, wie an den analogen Wänden der Kirche 
und der Capelle verlaufende Risse. Im Süden des Campanile 
findet man noch das SW. Eck eines Hauses gestützt. Weiter 
bergauf gegen 0. ist die SO.-Ecke eines sehr hübschen in einem 
Garten stehenden Hauses auf die fürchterlichste Art zerrissen, 
so dass das Haus gänzlich unbewohnbar gemacht wurde; die 
S.-Seite ist nur noch durch Stützen in ihrer Lage erhalten worden. 



Beiträge zur Kenntniss- des Erdbebens von Bellano etc. 589 

Torres. Diese zur'ffeitfeinde Pieve gehörende kleine Ort- 
schaft ist, wie schon oben Henit^kX wnrde, zu den anf das aller- 
schrecklichste heimgesuchten PI&tei|*'2ii zählen. Zar Zeit meiner 
Anwesenheit war Torres von den Einwohnern verlassen und nnr 
einige Soldaten beschäftigten sich damU,.'3ie.'noch stehen geblie- 
benen Trümmer vollends niederzureissen. fis'bli^ sonach sehr 
wenig Hateriale flir die Beobachtung. Dem der^KiriJbe^ zunächst 
stehenden Gebäude, das wohl das am gelindesteV.beschädigte 

war, fehlte die SO.-Wand und die N.-Ecke. Ausserdem b(tf nur 

' •• • • 

noch die Kirche Bemerkenswertheres. Ihr Haupteingang* kehrt 
sich gegen W. , mit nur unbedeutender Abweichung gegen N%*; 
sie weicht also in der Orientirnng wenig von der nahegelegenen 
Kirche von Pieve ab. In der That ist auch eine ziemlich weit- 
gehende Analogie in der Art der Beschädigungen durchaus nicht 
zu verkennen. Eine YeTgleichnng der Fig. 1 der Taf. II mit der 
der Kirche von Pieve zeigt dies auf den ersten Blick. An der 
Nordseite fehlt der mittlere Theil des Daches. An einem kleinen 
Anbaue (a) ist die gegen W. gekehrte Wand herausgestutzt und 
die noch stehende N.-Wand zeigt gegen die W.-Seite grosse 
Spalten. Dem wahrhaft unglaublichen Risse der O.-Seite ent- 
spricht an der Südseite gegen dieselbe Ecke ein eben so kolos- 
saler, so dass die ganze SO.-Ecke in bedenkliche Stellung 
gebracht ist. An dem vorspringenden Winkel dieser Südwand 
fehlf die obere Spitze der Ecke. Ein Steinquader, welcher ein 
Kreuz trug und am östlichen Giebel befestigt war, ist in grosse 
Entfernung und zwar genau gegen SO. herabgeschleudert worden. 
Andererseits bemerkt man aber , dass die Trümmer des Daches 
der Südseite, die bis auf das westlichste Stück ganz abgedeckt 
ist, am weitesten in südwestlicher Richtung umhergestreut worden 
sind. Der hölzerne Dachstuhl der westlichen Seite steht noch, 
während die Kuppel über dem Altare im Osten zusammen- 
gebrochen ist. 

Das südwestlich von Pieve liegende Tign es hat äusserst 
wenig gelitten und bietet kaum etwas Bemerkenswerthes. Das- 
selbe gilt auch von dem benachbarten, am äiissersten Rande des 
Tertiärplateaus liegenden Sit ran. Die genau gegen SO. gerich- 
tete Vorderwand der Kirche zeigt einige nichtssagende Sprünge 
über dem Thore. Mehrere Häuserecken sind g'esttttzt, darunter 

Sitxb. d. mathtt]n.-iiaturw. Ol. LXIX. Bd. II. AbUi. 39 



590 Bittner. 

eine nach SO. , aber auch eine nÄch' 1^0. gewendete. Auch in 
Gar na (im SO. von Pieve) ist dte. Erschütterung nur in wenig 
empfindlicher Weise aafgdtrefenV ^obgleich hier allerdings stellen- 
weise eine etwas gröasißi^ Zerstörung platzgegriffen hat, als in 
den obengenanntev.^Of^n. Die genau nach den Weltgegenden 
orientirte Kirche V\^t wieder einige klarer hervortretende Be- 
schädigun^^X (^ig. 1 auf Taf. II). Die Westmauer des im NW. 
stehend.^*:ffaurmes ist ziemlich stark von verticalen Bissen 
durcBs^taSt/ viel weniger die nördliche. Die Westseite zeigt Bisse, 
QifblSnQsondere gegen das SW.-Eck, an der Südseite fehlt der 
oberste Theil des Giebels und gegen die Ostseite finden sich 
schwache Bisse. An der Ostseite zeigen sich wieder Bisse gegen 
das SO. -Eck und an der Nordseite fehlt ein StOck Dach am 
Giebel. Das NW. -Eck zeigt ebenfalls einige Sprünge. Der Platz 
um die Kirche wird von einer mit schweren Steinplatten belegten 
Mauer umfasst; an der dem SO.-Eck der Kirche zunächst 
liegenden Stelle dieser Mauer sind einige dieser Platten gegen 
SSO. hinabgeschleudert worden. Das Haus Nr. 3 in Garna 
hat die gegen das O.-Eck liegende Hälfte seiner SO.-Wand 
verloren. 

Wendet man sich von Garna gegen NO. , so gelangt man 
sehr bald in das tiefeingerissene Bett des Torrente Plois, der 
vom Monte Maggiore herabkonmit. Am linken Ufer desselben 
steigt das Terrain zu gleicher Höhe wieder an und bildet eine 
zweite isolirte plateauartige Fläche, die sich andererseits bis 
zum Torrente Tesa erstreckt und das Gebiet der Gemeinde Chiös 
umfasst. In diesem Theile des Alpago-Thals sind die Zerstörungen 
bei weitem nicht so arg als in Pieve und Torres , aber grösser 
als zu Garna, Sitran und Tignes. Ein gleiches Yerhältniss ergibt 
sich leider auch fUr die Menge an möglichen Beobachtungen, die 
daher wenig zufriedenstellend sind. In Ghi6s selbst tritt wieder 
einmal die Ungleichheit in der Wirkung des Erdbebens recht 
auffallend hervor, indem der nördliche Theil des Dorfes ziemlich 
stark, der südliche fast gar nicht gelitten hat. An einem Hause 
ist das genau gegen SO. gekehrte Eck abgestürzt. An mehreren 
anderen Häusern fehlen die nach 0. sehenden Mauern und an 
wieder andern sind diese sowie auch hie und da die Südmanern 
gestützt. Die Kirche zeigt nur verticale unbedeutende Bisse, 



Beitrage zur KenntDiss des Erdbebens von Belluno etc. 591 

m 

besonders an den Längrsse&en. Ober dem Hauptthore (SO.) 
erseheint eine starke^ ebenfalls *¥e]rtieale Spalte. 

Die Eirehe steht hart am Rantte'eijies sehr steilen Abhanges, 
welcher zu einer flachen Mulde Biil^al^hrt, die sich zwischen 
Chifes und dem ostnord5stlich davon lieg^iäenjrrighe aasbreitet. 
Diese Mulde führt den Namen der „Lawi^An* vop Chifes^. Hier 
hat eine sehr bedeutende Erdabrutschung st^gofunden, ein 
fltossweises Verschieben der Erdmassen, wobei kleÜt^'V^rtiefun- 
gen ausgefüllt und an Stelle von Hügeln tiefe Einscn^W^en 
gesetzt wurden. Diese Erdabrutschung soll gegen den ' f SyJiili 
bereits über 22 Meter zurückgelegt haben. Das ganze to^' 
Terrain ist von zahlreichen , meist parallelen Spalten zerrissen, 
die zumeist ein auf die Bewegungsrichtung senkrechtes, also 
nordöstliches Streichen haben , die Wege sind in einzelne oft 
weit getrennte Stücke auseinander gerückt, die Grenzen der 
Grundstücke gänzlich verschoben worden, kurz die ganze Gegend 
hat ein total verändertes und ganz eigenthUmliches Aussehen 
erhalten. 

Lamosano, nördlich von Chifes gelegen, hat etwa in 
gleichem Grade gelitten , wie der ihm zunächst liegende Theil 
jenes Ortes. Von der Kirche ist ein Theil der sttdlichien Mauer 
und die Spitze des SO.-Ecks eingestürzt, am nebenstehenden 
Hause fehlt die gegen OSO. gekehrte Wand zum Theil und der 
Best derselben zeigt gegen 0. zu einen starken Riss von verti- 
caler Richtung, ein drittes Gebäude am Marktplatze hat eine 
gestützte West-, ein viertes eine gestützte Ostseite. Ferner findet 
man in der gegen W. von dem Platze liegenden Gasse ein Haus 
mit fast gänzlich zusammengebrochener SO.-Seite. Noch ein 
anderes hat die SOO.- und SSW.-Seiten sehr stark gestützt und 
seine NWW.-Mauer ist theilweise eingestürzt. Es wäre wohl zu 
gewagt, aus diesen wenigen mit einander kaum in Einklang zu 
bringenden Beobachtungen eine Stossrichtung ableiten zu wollen. 

Der Weg gegen Tambre fbhrt von hier zunächst abwärts in 
das Thal des Torrente Tesa. Noch ehe man dieses erreicht, 
sieht man zur Rechten unter einem steilen Abhänge die nur ans 
wenigen Häusern bestehende Ortschaft Codenzan, welche zum 
grOssten Theile gänzlich niedergeworfen ist. In dem Winkel, der 
vom Torrente Tesa und dem in ihn hier mündenden T. Boccolara 

39* 



592 Bittner.. 

gebildet wird, liegt die Hänsergruppe PiHaghetto, von deren drei 
Gebäuden das eine die NW.-E(^ .verloren, die SO.- und NW.- 
Mauer gestützt hat. Wendet *ii|iäir sich nun am rechten Ufer des 
Torrente Tesa aufwärts^.'SQ efreicht man binnen Kurzem B o r s o i ^ 
einen ebenfalls haft *iBrifg^nommenen Ort, wo indessen so ener- 
gisch niedergeossenJind wiederaufgebaut wurde, dass es nicht 
mehr mögljjBb wur, zu unterscheiden, wie viel von dem Zerstö- 
rnngswerlp^'äea*' Erschütterung zuzuschreiben sei. 

^Aiibre selbst liegt schon in bedeutender Höhe unfern 
* • •*• 
voiCtl&m letzten Abhänge, der von dem Ereideplateau des Bosco 

'd4^1 Üansiglio sich herabsenkt. Der Untergrund besteht aus dem- 
selben rothen Gesteine, das man unten im Thale, insbesondere 
an der Hauptstrasse in der Nähe des Sees , allenthalben aufge- 
schlossen findet, das hier überall in grossen Platten gebrochen 
wird und wahrscheinlich der Scaglia angehört, welche als> 
schmales Band den Rudistenkalk der höhern Berge umsäumt» 
Kurz vor Tambre steht am Wege ein isolirtes Häuschen , dessen 
NNW. -Wand heransgestürzt ist, doch mehr gegen das nördliche 
Eck zu, indem auch dieses fehlt, während das südliche unbe- 
schädigt geblieben ist. In Tambre ist keine grössere Beschädi- 
gung vorgekommen und es zeigt nur einige gestützte Häuser^ 
speciell an der gegen das Thal zu gewendeten Seite. Da, wo die 
Strasse deii Oii; verlässt, findet man einen Einsturz, und zwar an 
einer Scheuer, deren etwas gegen 0. vorwendete Spitze, und 
zwar mehr gegen das O.-Eck zu, herausgebrochen ist. In dem 
benachbarten Valdinogher ist die SO.-Seite eines Hauses und 
von einem andern die SOO.-Seite (beides Giebelwände) einge- 
stürzt. Der Kirchthurm zeigt in SOO., vorzüglich gegep daa 
•* 

O.-Eck starke Bisse. Es ist also eine gewisse Übereinstimmung 
der Beschädigungen in diesem Theile des Alpago-Thals nicht zu 
verkennen, so wenig zahlreich dieselben auch sein mögen. Man 
könnte daraus auf eine Stossrichtung von etwa NWW. gegen 
SOO. schliessen, wobei es freilich fraglich bleibt, von welcher 
Seite der Stoss gekommen. 

Östlich von Valdinogher bricht das Plateau, auf dem die 
meisten der bisher besprochenen Orte des Alpago-Thals liegen, 
sehr steil gegen die den See von Santa Croce im Norden begren- 
zende sandige Fläche ab und unmittelbar unter diesem Abhänge, 



Beiträge znr Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 593 

nahe am Seeufer, liegt Farra. Sowie man diesen Ort betritt, 
•beÜDdet man sieh wieder in einer Begion der grössten Zerstörung. 
Zahlreiche Häuser sind hier sogleich niedergeworfen worden, 
noch zahlreichere mttssen in Folge der erlittenen Beschädigungen 
•demolirt werden. Die Kirche zeigt an der unmerklich gegen 0. 
Torwendeten Südseite (Hauptthor) den Giebel stark beschädigt 
und vorwiegend gegen das SO.-Eck mehrfache Bisse; ebensolche 
treten an der Westseite gegen das NW.-Eck auf, die Nordseite 
zeigt in der Mitte einen unbedeutenden Biss und an der Ostwand 
bemerkt man nur gegen das NO.-Eck einige sehr schwache 
Sprünge. Im Hofgebäude des Hauses Nr. 76 ist die gegen NW. 
blickende Wand eingestürzt, gleich daneben an einem andern 
Hause die SO. -Wand. Weiter gegen den See fehlt der SOO.- 
Oiebel eines Hauses. Ungemein interessante Beschädigungen 
findet man am Hause Nr. 1. Die beiden schmalen Seiten des- 
iielben sind gegen NW. und SO. gekehrt und fehlen beide voll- 
ständig. Die beiden Längsseiten sind auf eine unglaubliche Art 
von einer Unzahl von Bissen und Spalten durchzogen, die nach 
allen Bichtungen netzartig durch einander verlaufen. An den 
Plafonds erscheinen zahlreiche Bisse, von denen die überwie- 
gende Mehrzahl eine zu den Hauptwänden des Hauses parallele 
Bichtung einhält; eben solche Bisse trennen auch ringsum die 
Plafonds von den Seitenwänden. Die Beschädigungen dieses 
Oebäudes sprechen also so deutlich für einen in der Bichtung 
NW.— SO. oder umgekehrt erfolgten Stoss, dass man kaum an 
der Thatsächlichkeit eines solchen zweifeln kann, zumal die 
übrigen Beobachtungen dieser Bichtung nicht nur nicht wider- 
sprechen, sondern mit derselben sogar sehr gut übereinstimmen. 
Von welcher Seite dieser Stoss indessen ausgegangen sei, das 
bleibt wie in Tambre und Valdinogher zweifelhaft. 

Ganz in der Nähe von Farra, gegen NW., steht ein kleines, 
capellenartiges, sehr niedriges Gebäude, das aus vier sehr starken 
Mauern aufgebaut ist. Seine SW.-Seite zeigt gegen das S.-Eck 
einen furchtbaren verticalen Biss, die SO. -Seite ist unbeschädigt, 
die NO.-Seite hat am O.-Eck eine weitklaffende Spalte, die an 
der Aussenwand kaum sichtbar ist, die NW.-Seite wird endlich 
von einem riesigen, verzweigten, fast verticalen Biss durchsetzt. 
Wenn man das Innere betritt, so bemerkt man, dass an allen vier 



594 B i 1 1 n e r. 

Ecken Sprünge verlaufen und dass der NO.-Seite das Dach fehlt. 
Nördlich von da^ auf der ersten Terrasse des Abhangs ^ der sich 
im Osten erhebt, steht die einsame Kirche von San Vi gl Ho. 
Sie ist an ihrer genau nach NW. sehenden Eingangsseite von 
zahlreichen, ziemlich symmetrisch vertheilten Rissen durchzogen 
(Taf. II, Fig. 3), die SW.-Seite zeigt am W.-Eck einen zwar 
nicht starken , aber von oben his herab ziemlich vertical verlau- 
fenden Riss. Eine grosse Partie des Dachs ist hier herabgestürzt* 
Die oberste Spitze des SO.-Giebels fehlt ebenfalls. Der Thurm 
zeigt an der SW.-Seite unter dem Fenster einen starken Spalt» 
Der niedrige Anbau an der Hinterseite hat an der NO.-Seite 
gegen das NO.-Eck einen bedeutenden Riss, über dem auch ein 
Theil des Daches verloren gegangen ist. Gegen das N.-Eck 
zeigen sich an dieser Seite einige schwache Risse. — Ein 
Berichterstatter der „Provincia di Belluno" erzählt von gross- 
artigen Felsabstürzen an den Abhängen des Monte Palantina 
(im SO. von Farra), sowie an den Abhängen der Berge von Salat 
und Vallette. 

Die fünfte der Gemeinden des Alpago-Thals ist Puos, 
welches am rechten Ufer des Torrente Tesa dicht unter dem 
Abhänge der Tertiärgebilde liegt. Hier ist die Zerstörung riesen- 
gross. Der Campanile ist total zusammengestürzt, die Kirche 
selbst hat die unmerklich gegen W. abweichende S.-Wand nebst 
Theilen der beiden angränzenden Mauern verloren, an den 
stehen gebliebenen Theilen zeigen sich indess fast gar keine 
Spalten. Einem Hause zunächst der Kirche jenseits des Bachs 
fehlt die SO.-Wand. Eines der obersten Häuser des Dorfs, am 
Wege gegen Gama, hat den NW.-, ein diesem gegenüberstehen- 
des den SO.-Giebel verloren. Ungemein weitgehend aber und 
auffällig ist die Abdeckung der Häuser. Schon zu Torres, 
Codenzan und besonders auch zu Farra zeigte sich Ahnliches, 
nirgends aber in einem solchen Grade wie hier, wo fast allent- 
halben das gesammte Balkenwerk der Dächer zusammengestürzt 
ist. Interessante Fälle von drehender Bewegung sah Professor 
V. Rath in Puos. Auch erfuhr derselbe von einem Manne, der 
den Kirchthurm hatte stürzen sehen, dass dieser zuerst gegen 
W. , dann gegen 0. und sodann wieder gegen W. schwingend, 
zusammengebrochen sei. Derselben Quelle entnehme ich ferner, 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 595 

dass die schwere Deckplatte eines Thorpfeilers gegen W., der 
Deckstein eines andern gegen 0. geschlendert worden ist. Ein 
Erdspalt, der bei Puos entstand, sich aber bald vollkommen 
wieder schioss, soll eine ostwestliche Richtung gehabt haben. 
Die Richtnng der Bewegung selbst wird za Puos als 0.~^W. 
oder SO — NW. angegeben. 

Von Puos gegen SW. an der Strasse, die die Hauptverkehrs- 
ader des AlpagO' Gebiets ist and welche bei La Secca in die 
Belluneser Strasse mündet, liegt die unbedeatende Häusergruppe 
Bastia, die sich ganz ähnlich zu Puos verhält, wie etwa Cadola 
zu dem gegenüberliegenden Soccher, d. h. so viel als gar nicht 
gelitten hat. Ausser einer gestützten NO.-Mauer zeigt nur noch 
die kleine Kirche San Salvator einige Beschädigungen. Vom 
Thurme derselben sind einige Trümmer, besonders in SSW.- 
Richtung, umhergestreut worden. Auch die Häusergruppe 
La Secca ist ganz verschont geblieben. Man steht hier wieder 
am Fusse des Bergrückens von Quantin-Cadola, der bei diesem 
Erdbeben in ganz vorzüglicher Weise die Rolle einer „Brücke^ 
gespielt zu haben scheint. Erst gegen den See von Santa 
Croce tritt man wieder in die Region der Zerstörung ein und 
hier ist es zunächst die Mauer, welche die Strasse gegen das 
Ufer abgränzt, die wieder in grösserem Massstabe beschädigt 
worden ist. Dieselbe, ein sehr festes und solid gebautes Mauer- 
werk, ist mit grossen, schweren Steinplatten belegt. Diese 
Platten nun sind an zahlreichen Stellen darch Risse von ihrer 
Unterlage abgetrennt, gelockert, verschoben oder auch gänzlich 
herabgeworfen worden. Eine derartige Beschädigung von grösse- 
rer Ausdehnung erscheint an einer Stelle , an welcher die Mauer 
nordsüdlich streicht, und zwar sind hier die Deckplatten gegen 
0. hinabgeworfen. An einer anderen Stelle bei SSO.-Streichen 
ist eine grosse Anzahl von Platten gegen W. geschleudert worden 
und dasselbe Streichen zieht die Mauer an einer dritten Stelle, 
an der sie auf eine sehr weite Strecke hin ihrer Deckplatten 
beraubt ist. Ebenda haben auch gewaltige Felsabstttrze von den 
Gehängen des Monte Pascolet herab stattgefunden. 

SantaCroce liegt an der SW.-Spitze des Sees. Der untere 
Theil des Ortes besteht nur aus zwei Häuserreihen zu beiden 
Seiten der Strasse, die hier beiläufig die Richtung S.— N. einhält. 



696 B i 1 1 n e r. 

Der Ort hat merkwürdigerweise viel weniger gelitten, als man 
nach seiner Lage erwarten sollte. Es ist nun zwar kein Haus 
da f welches nicht mittelst mächtiger Stützen gesichert worden 
wäre, Einstürze aber sind kanm vorgekommen , sogar Risse nnd 
Spalten findet man nur hie nnd da nnd ein Einwohner versicherte 
mir allen Ernstes, dass es hier gar nicht so gefährlich gewesen 
sei. Einer jeden Beobachtung hinderlich ist anch der Umstand, 
dass die Häuser alle zu einem Complexe vereinigt sind. Nur die 
Kirche macht eine Ausnahme ; auch sie zeigt aber keine Risse 
und ist nur an der gegen W. blickenden Seite gestützt. 

Bei weitem grösser, ja sogar sehr bedeutend, ist die Zer- 
störung dagegen in Fadalto, obwohl dessen Entfernung von 
Santa Croce kaum mehr als eine Viertelstunde beträgt. Trotzdem 
macht die Verwüstung hier durchaus nicht jenen schreklichen 
Eindruck, wie man ihn zu Torres und vor allem zu Puos erhält, 
was wohl hauptsächlich dem Umstände zuzuschreiben ist, dass 
die Häuser von Fadalto sehr zerstreut liegen, während sie in 
den früher genannten Orten dicht zusammengedrängt sind 
und auf dem engen Räume die Zerstörung desto grauenhafter 
erscheint. Gleich das erste Haus von Fadalto, dessen Strassen- 
front gegen W. sieht, ist besonders an der Ostseite, aber anch 
im N. und S. gestützt ; an der Nordseite fehlt auch ein grosser 
Tlieil des Gesimses , besonders gegen das Westeck zu, woselbst 
sich auch verticale Risse einstellen. Diese sind an der W.-Seite 
besonders zahlreich, von der verschiedenartigsten Richtung, aber 
schwach ; die S. -Seite zeigt nur einige ganz sehwache Sprünge 
von horizontalem Verlauf, die beiden äussersten Spitzen der 
Ecken fehlen hier sowie ein Stück des Gesimses von der Mitte. 
Von einem Hause , dessen Strassenfront bei unbedeutender Ab- 
weichung gegen 0. eine nach S. gekehrte ist, stürzte das Dach 
nebst den obersten Partien der Hauptmauern zusammen; die 
trennenden Spalten sind ziemlich horizontal. Einem gegenüber- 
liegenden Hause fehlt die SO.-Wand, einem zweiten die NWW.- 
Ecke und dieses zeigt auch an der S. -Seite zahlreiche verticale 
Risse, insbesondere gegen das O.-Eck. Ein weiteres Haus hat 
die 0.- Wand verloren , noch ein anderes zeigt das Dach einge- 
stürzt und von den Mauern einen grösseren Theil an der Nord- 
seitc. Viele Mauern der verschiedensten Richtungen sind gestützt. 



Beiträge zur Kenntniss des £rdbebens von Belluno etc. 597 

Einem kleinen Häuschen unterhalb der Kirche fehlt die ein wenig 
gegen W. abweichende N.-Wand. Die Kirche selbst, deren 
Hanptthor gegen SW. blickt, zeigt an dieser Seite sehr verschie- 
denartige Bisse und Sprünge, die in ihrer Anordnung einiger- 
massen an die der Kirche von San Vigilio bei Farra erinnern 
(Taf. II, Fig. 4). Bedeutend stärker ist die NO.-Seite beschädigt, 
ein Eck des kleinen Anbaues fehlt und gegen dieses Eck hin 
finden sich sehr bedeutende, fast verticale Bisse. Der gegenüber- 
liegende Thurin (O.-Eck) zeigt starke verticale Spalten in seiner 
ganzen Höhe. In der Nähe dieser Kirche treten wieder ganz 
ähnliche Beschädigungen an der Strassenmauer auf, wie solche 
schon vom See von Santa Groce erwähnt wurden. Das Streichen 
der Mauer ist hier ein nordwestliches und ebenso wie am See 
sind auf lange Strecken hin die schweren gewölbten Deckplatten 
durch horizontale Bisse von ihrer Unterlage abgetrennt und 
entweder nur gelockert und verschoben oder gänzlich herab- 
gestürzt ; etwas weiter bergan wendet sich die Strasse mehr nach 
N. und hier sind die Platten auf eine weite Strecke gegen WSW. 
hinabgeworfen. In Cima Noyc am südlichen Ende des Lago 
morto sind in sehr übereinstimmender Weise die gegen NW. 
gerichteten Mauern einiger einzelnstehender Häuser, insbesondere 
aber deren N.-Ecken gestützt, ein Umstand, der vielleicht eher 
als die einander theiiweise widersprechenden Beobachtungen zu 
Fadalto zu einem Schlüsse berechtigen würde. Von da hinab 
gegen Serravalle verschwindet eine jede Beschädigung gänzlich 
und wir haben es somit abermals mit einer jener merkwürdigen 
Unterbrechungen der Erdbebenwirkungen zu thun, an denen 
dieses Erschütterungsgebiet so reich ist. Zu San Floriane 
bemerkt man kaum hie und da einen ganz unbedeutenden Sprung 
and genau dasselbe gilt für Serravalle, dessen stolze Bauten 
einen angenehmen Contrast bilden zu den Trümmern und Buinen, 
die man lange Zeit vor Augen gehabt. 

Ceneda und seine Umgebung. 

Aber sowie man aus Serravalle heraustretend sich gegen 
Ceneda wendet (beide Orte sind jetzt zur Doppelstadt Vittoria 
vereinigt) , zeigen sich abermals Spuren der zerstörenden Kraft 



598 B i 1 1 n e r. 

des Erdbebens. Das gilt zunächst fttr ein Haus, das in der Mitte 
des Weges zwischen beiden Städten liegt; sein schmaler gegen 
die Strasse gewendeter Vorbau hat an der N.- und S. -Seite 
das Dachgesimse verloren und ausserdem an der S.-Seite einen 
Biss erhalten, der sich gegen abwärts dem SO.-Ecke nähert; 
ein analoger, nur stärkerer Biss zeigt sich an der Südmauer des 
Gebäudes selbst. Das Innere des Gebäudes scheint sehr stark mit- 
genommen worden zu sein. In der Contrada di Scrizzi zu Ceneda 
sind einige Häuser an der N. -Front gestützt und haben den O.- 
undW.-Giebel verloren. In der Hauptstrasse ist vom Gebäude 
der Societär al mutuo soceorso das Dachgesimse der O.-Front 
gänzlich herabgestürzt. Das sind aber auch alle Beschädigungen^ 
die in den östlichen Stadttheilen vorgekommen zu sein scheinen. 
Gegen W. ist die Verheerung hie und da etwas bedeutender, 
so namentlich in der Umgebung der grossen Kirche , an deren 
SO. -Seite sich mitunter sehr starke, fast durchaus vertical ver- 
laufende Spalten einstellen, welche Art von Bissen hier beinahe 
allein zu finden ist. Mehrere Häuser in diesem Stadttheile sind 
gestützt, dem einen fehlt die oberste Spitze des NW.- und SW.- 
Ecks, einem anderen (in der Via di Castello, die von Norden 
her in den Platz mündet) das SO.-Eck. Auch die vereinzelten 
Häuser, die noch weiter im W. und SW. zwischen den labyrin- 
thischen Gartenmauern zerstreut liegen, haben mancherlei 
Beschädigungen aufzuweisen. Eines davon, dessen Front eine 
nordnordwestliche ist, hat beide Ecken der NOO.-Seite verloren, 
doch ist dieses Haus gegen W. angebaut. Ein nicht weit ent- 
ferntes isolirtes Gebäude, dessen westliche Gassenfront nur ganz 
unbedeutend gegen N. abweicht, hat an dieser Front einen 
grossen Theil des Gesimses und der Mauer unter dem Dache, 
und zwar nur gegen das 8W.-Eck hin, eingebüsst; auch hier 
sind die Mauerrisse vertical. 

Im SW. von Ceneda erhebt sich ein niedriges, von zahl- 
reichen fast parallelen Flussläufen durchfurchtes Plateau, an 
dessen östlicher und südöstlicher Seite die Strasse von Ceneda 
über Conegliano nach Treviso dahinläuft, während der westliche 
Band vom Flusse Soligo begränzt wird. Grössere Ort^ichaften 
fehlen diesem von Pliocenablagerungen gebildeten und sehr 
wohlbebauten Hügellande fast gänzlich. In der Mitte desselben, 



Beiträge zur KenDtniB8 des Erdbebens von Belluno etc. 599 

nmgeben von prachtvollen Kastanienwäldern, liegt das äusserst 
nnbedentende Dorf San Pietro di Feletto^ wo das Erdbeben 
die grösste Anzahl an Menschenleben gefordert hat^ indem au» 
den TrOmmern der zusammengestürzten Kirche allein 38 Todte 
hervorgezogen wurden. Die Längsseiten dieser Kirche sehen 
gegen N. und S. Es ist das Dach zusammengebrochen und auch 
die obersten Ränder aller vier Mauern, am meisten an der stLd- 
liehen. Risse fehlen so gut wie ganz. Man hat diesen Einsturz- 
vielleicht nicht ohne Grund der Baufälligkeit dieser Kirche zu- 
geschrieben. Wenn man jedoch bemerkt, dass auch die wenigem 
Häaser, die man auf den vielverschlungenen Wegen der Umge- 
bung noch zu Gesichte bekommt, ebenfalls nicht unerhebliche 
Beschädigungen an sich tragen, so dürfte auch die entgegen- 
gesetzte Vermuthung , die nämlich, dass hier das Erdbeben mit 
noch sehr ursprünglicher Kraft gewüthet habe, nicht so gana^ 
zurückzuweisen sein, insbesondere da dafür auch noch andere,, 
später zn erwähnende Gründe sprechen. Unweit San Pietro steht 
ein einzelnes Haus, dessen SO.-Eck abgeworfen worden ist und 
etwas weiter, an der Strasse gegen Conegliano, eine Kloster- 
kirche (Rna?), an deren gegen NOO. blickender Eingangsseite 
beide Ecken fehlen. Weiter gegen Conegliano hinab verlieren 
sich alle Spuren der Erschütterung und auch in dieser Stadt 
selbst ist ausser einer Beschädigung des Thurmes alles glücklich 
vorübergegangen, wenn auch die Bewegung selbst als eine un- 
gemein heftige übereinstimmend bezeichnet wird. 

Es erübrigt somit nur noch ein geringer Theil des Zerstö- 
rnngsgebietes, das ist das Gebiet der Gemeinden Capella, Sar- 
mede, Cordignano und Fregona im Osten von Vittoria. Hier sind 
noch bedeutende Zerstörungen vorgekommen, sowie auch noch 
eine nicht geringe Anzahl von Menschen (14 nach einer Angabe) 
erschlagen wurden. Wenn man sich zunächst gegen Capella 
wendet^ so stösst man bald auf ein Haus, dessen SWW.-Eck 
herabgestürzt ist, während andere Beschädigungen fehlen» 
Weiter ist von einem fast genau nach den Weltgegenden orien* 
tirten Hanse der obere Theil der südlichen Mauer gefallen. Ad 
den Häusern vor Capella fand sich ein gestütztes NKO.-Eck. 
Einem Hause am Marktplatze dieses Ortes fehlt das Gesimse 
der SW.- und NO.- Seite fast gänzlich. Ein ungemein interessan- 



600 Bittner. 

tes Object ist eine kleine Capelle, die kurz vor Sarmede, da 
"WO der Weg nach Villa di Villa abzweigt^ steht. Sie ist ein sehr 
schönes Gegenstück zu der Capelle oberhalb Pieve d'Älpago 
oder besser, ein Spiegelbild derselben. Ihre Eingangsseite ist 
ganz genau nach W. gewendet und an derselben zeigen sieh 
über der Thür und gegen das SW.-Eck starke yerticale Spalten, 
die Nordseite hat das Dachgesimse verloren und auch das NW.- 
Eek fehlt vollständig, während sich gegen das NO.-Eck zu 
wieder ein Riss einslellt, ebenso wie an der Südseite gegen das 
SO.-Eck; die Ostseite dagegen ist ganz unbeschädigt. Vergleicht 
man diese Beschädigungen mit jenen der Capelle oberhalb 
Pieve, so ist die auffallendste Uebereinstimmung unverkennbar 
und wenn dort eine SO.-Richtung des Stosses angenommen 
werden konnte, so wird in dem zweiten Falle an der Thatsäch- 
lichkeit eines NW.-Stosses kaum zu zweifeln sein. Würde man 
aber fttr Pieve einen SSO.- und dem entsprechend für Sarmede 
einen NNW.-Stoss für wahrscheinlicher halten, so lassen sich 
beide auf denselben Ausgangspunkt zurückführen, wie ein Blick 
auf die Karte lehrt. Dieser Ausgangspunkt wird aber ganz 
gewiss dem Orte Pieve näher liegen als dem Orte Sarmede, was 
ja aus der bedeutenderen Intensität der Zerstörung um Pieve 
unwiderleglich hervorgeht und woflir auch der Verlauf der 
Spalten an den beiden Capellen noch insbesondere spricht; 
mithin ergibt sich ans diesem Vergleiche ein Anhaltspunkt für 
die Annahme, dass der Focus wirklich unweit des Sees von 
Santa Croce zu suchen sei. 

In Sarmede selbst ist übrigens der Schaden durchaus kein 
beträchtlicher. An der ein wenig nach W. vorwendeten Südseite 
der Kirche ist das ganze Dachgesimse herabgefallen. Sarmede 
und Capella liegen am Fusse des Gebirges, Fregona dagegen 
schon in ziemlicher Höhe an dem Abhänge desselben. Die Kirche 
von Fregona ist durch besondere Symmetrie der Risse und 
Spalten, welche sie erhielt, ausgezeichnet. Ihr Hauptthor ist 
nach SO. gekehrt; an dieser Seite bemerkt man nur einige ganz 
schwache Risse. An der entgegengesetzten Seite fehlt die Spitze 
des Giebels; die Längsmauem sind äusserlich ganz unversehrt. 
Im Innern gewahrt man , dass ringsum horizontale Sprünge ver- 
laufen, welche die Wölbung von den Hauptmauern abtrennen 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 601 

und ausserdem zeigen sich rechts und links in ganz merkwür- 
diger Gleicbmässigkeit verticale Risse , die fast bis zum Bodea 
herabreichen. Die Spitze des Thurms ist gegen SO. geschleudert 
ivorden. In dem oberhalb Fregoua liegenden Mezzavilla fehlt 
jede hervorragendere Beschädigung. Auf dem Wege, der von 
Fregona gegen Ceneda führt, stösst man noch auf ein einsam 
gelegenes Häuschen, dessen genau nach N. sehende Wand,, 
insbesondere gegen das NW. -Eck zu, in grosser Ausdehnung 
herausgebrochen ist, während dieses Eck selbst mittelst Stützen 
aufrecht erhalten wurde. 



Übersicht and Sehlassfolgemngen. 

Es ist nicht das erstemal,- dass die Gegend — im weiteren 
Umkreise wenigstens — welcbe am 29. Juni 1873 der Ausgangs- 
punkt der Erschütterung war^ von Erdstössen heimgesucht 
wurde, obwohl sie keineswegs zu den von ähnlichen Ereignissen 
häufiger betroffenen zählt, wenn dies zu schliessen nach den 
dürftigen Nachrichten , die gerade von hier aus früheren Zeiten 
vorliegen, erlaubt ist. Eine Intensität und Dauer, wie das Erd- 
beben vom 29. Juni hat indessen gewiss Iceine der hier in histo- 
rischer Zeit stattgehabten Erschütterungen erreicht, da vom 
Beginne derselben bis zum 13. December nicht weniger als 
96 Stösse gezählt wurden und damit die Erscheinung noch 
keineswegs abgeschlossen ist, wie dies der ungemein heftige 
Erdstoss vom 25. December beweist, der stärkste vielleicht, der 
seit Anfang der ErschUtternngsperiode beobachtet worden ist. 
Es mag hier zunächst eme Übersicht der Erdbeben im Vene- 
tianischen folgen, die grösstentheils den Katalogen von 
A. Perrey, zum Theil auch den Zusammenstellungen von 
Kluge, C. W. C. Fuchs und F. Dieffenbach entnommen 
sind; einzelne Erschütterungen, die in den nächstangrenzenden 
Gebieten stattfanden, sind ebenfalls mitaufgenoromeu worden. 

365. In dieses Jahr fällt (nach Herrn Falb, Sirius 1873, 
Heft XI) das Erdbeben, welches die Bergstürze im 
Fadalto-Thale und die Bildung der Seen veranlasste. 



602 Bittner. 

778. In Italien, zu Treviso und an anderen Orten , eine 
beträehtliehe Erschütterung; Gebäude wurden zerstört 
und 48 Personen erschlagen. 

1120. Ein grosses Erdbeben von langer Dauer im Tridenti- 
nischen. 

1184. Anfang Jänner, zu Verona ein Theil des Amphitheaters 
niedergeworfen. 

1212. Erdbeben zu Venedig. Hänser wurden zerstört. Gehört 
vielleicht zum nächstfolgenden. 

1212, 25. December, ein Erdbeben in Oberitalien, Tirol, Deutsch- 
land. Brescia und vielleicht auch Brixen haben stark 
gelitten. Dauerte bis zum 11. Jänner. 

1348, 25. Jänner. Das grosse Villacher Erdbeben hat auch im 
Venetianischen, besonders in Friaul, auf eine entsetzliche 
Weise gewttthet. In der Historia di Giorgio Piloni findet 
sich darüber folgende Stelle: Im Jahre 1348 am Tage 
des heiligen Paul, entstand um 5 Uhr ein sehr grosses 
Erdbeben, wie nie Jemand eines in diesen Gegenden 
erlebt hatte, welches Kirchen, Thürme und Häuser nieder- 
warf und viele Menschen tödtete. Aber am furchtbarsten 
war die Zerstörung, die es in Friaul anrichtete, denn es 
fiel hier der Palast des Patriarchen von Udine mit vielen 
anderen Gebäuden, es wurde das Castell von San Daniele, 
von Vensone, von Tolniezzo, das Gebiet von Villach und 
ein grosser Theil dessen von Gemona zerstört; inEärnthen 
fanden mehr als 1000 Personen den Tod; zu Venedig 
ward der Canal grande trocken gelegt und viele Paläste 
niedergeworfen. (Chronik des Erdbebens von Guernieri). 
Nach Perrey erstreckte sich dieses Erdbeben über die 
Alpen von Tirol, Kärnthen, Krain, und von Baiern bis 
Rom und NeapeL 

1365, 4. März, zu Venedig, Padua, Treviso und Ferrara starke 
Erdstösse. 

1367, 21, September, ein starker Stoss zu Verona. 

1373 im Jänner zu Vicenza zwei starke Erdbeben. 

1373, 1. März, Erdbeben zu Venedig. Desgleichen am 19. Mai 
und 5. Juni. 

1373 im April Erdbeben in Vicenza. 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 603 

1376, 12. und 19. März, 10. und 11. April, zu Vicenza sehr 
heftige Erdbeben. 

1385, 19. September, starke Erschütterung zu Vicenza. 

1409, im September zu Morano bei Trient ein Erdbeben , das 
eine Überschwemmung zur Folge hatte. 

1487, in Padua sehr starke Erschütterung. 

1503, Erschütterung zu Venedig 

1511, am 26. März, Erdbeben in Venedig, Padua, Treviso, 
Udine u. a. 0. 

1570, 17—30. November, eine Erschütterung in Venedig, die 
ihr Centrum bei Ferrara gehabt zu haben scheint. 

1624, heftiges Erdbeoen zu Argento bei Ferrara, wo 130 Häuser 
zerstört wurden. 21. März. 

1633, zu Mantua ein Stoss. 

1661, 22. April, Erdbeben zu Venedig. 

1670, 17. Juli, um 3 Uhr Abends, ein Erdbeben, das sich von 
Venedig bis Ntlmberg ftlhlbar machte. Es werden genannt 
ausserdem : Regensburg, Augsburg, Donauwörth, Wildun- 
gen, Constanz, Glarus, Innsbruck, Schwatz, Hall. Zu 
Hall stürzten Hänser ein. Die Erschütterungen sollen bis 
in den Jänner des folgenden Jahres sich wiederholt haben. 

1680, 1 — 11. April, Erdstösse zu Venedig. 

1693, 28. April Erdbeben in Venedig, stärker in Mantua, zu- 
gleich in Avignon. 

1695, in der Nacht vom 24—25. Februar, im Territorium von 
Asolano (Asolo?) in der Provinz Treviso nach Sonnen- 
aufgang heftige Stösse , die sich durch mehrere Monate 
wiederholten. 

1697, 2. October, in Venedig drei Stösse. 

1703, am 18. Jänner, ein grosses Erdbeben zu Aquila in den 
Abruzzen, das sich bis Venedig und Trient ausbreitete. 

1711, 10. Mai, Erderschütterung in Venedig. 

1715, 29. Jänner, ein Stoss in Friaul. 

1719, 7. Jänner 4 Uhr Abends, zwei Stösse zu Venedig, Padua, 
Ferrara, Bologna. 

1750, 22. December, ein Stoss zu Neapel, Venedig und Schaff- 
hausen. 

1752, im Jänner zu Frontello bei Mantua ein Stoss. 



> 



I 



604 B i 1 1 n e r. 

1756, Ende Februar und Anfang März in Tirol und Venetien 
mehrere Stösse. Am 13. April zu Venedig zwei SWsse, 
ebenso zu Padua, Verona und Treviso, in welch' letzterer 
Stadt Kamine herabgeworfen und Häuser beschädigt 
wurden. Am 16. April neuerdings Erdstösse mit grossem 
Getöse vorher. In der Nacht vom 18 — 19. April ein Stoss 
von SO.— NW. 

1756, am 17. August, einige Minuten vor 12 Uhr Mittags ver- 
ursachte ein Erdbeben zu Padua grossen Schaden. 

1767, 9. Februar, Erdbeben zu Genua, Nizza und bis Venedig 
in drei starken Stössen, schwächer zu Grasse in Frank- 
reich. Den 7. Februar schon hatte eine Erschütterung 
zu Genua, Turin und in der ganzen Lombardei statt- 
gefunden. 

1771, in der Nacht vom 12 — 13. Jänner, ist im District von 
Belluno der Berg de Piz eingestürzt und ein Theil des- 
selben in die Erde versunken. Zur selben Zeit Erdstösse 
in Livoroo. (Ein Monte Pizzoc liegt an der östlichen Seite 
des Fadaltothals über Cima Nove, ein anderer dieses 
Namens über Santa Giustina am rechten Ufer der Piave; 
ein Monte Piz ist mir nicht bekannt.) 

1771, 13. August, zu Castiglione im Mantuanischen, zu Ferrara, 
Modena u. a. 0. starke Stösse. 

1775, 4. Juli, um 7 Uhr Abends, Erschütterung zu Parma, um 
8 Uhr Abends zu Padua. 

1776, 10. Juli, 5M0' A., fand ein heftiges Erdbeben statt, das zu 
Triest in drei Stössen von W. — 0. , zu Laibacb, Venedig 
und Udine wahrgenommen wurde. In Friaul stürzten viele 
Häuser ein. Hoff datirt dasselbe vom 10. Juni. 

1783, 26. März, Erdbeben in Venedig, Padua, Santa Maura und 
Cephalonia. 

1784, 19. März 4** A., zu Udine ein Stoss. 

1785, 26. Juli, Erschütterung zu Trient und Padua. (Am 23. 
oder 25. Juli, 1^ M. und 6^ M., zu Steieregg, Pulgarn, 
St. Georg u. a. 0. in Oberösterreicb starke Stösse.) 

1785, 22. August, Stösse in einigen Theilen Italiens. (An dem- 
selben Tage in Mähren und Schlesien, nach dem Kataloge 
von Jeitteles am stärksten zu Pless und Soraw.) 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 605 

(1785, 1 — 3. October, zu Rom, Tivoli, Terni, Spoleto etc. 
2—3 heftige Stösse. In der Nacht vom 1—2. October 
in Linz, Gallnenkirchen etc. drei starke Stösse, so dass 
Manern beschädigt wurden.) 
1785, 27. October, Erdbeben in Venedig. 

1788, 20. October, 10^ 30' A., zu Tolmezzo in Friaul sehr starkes 
Erdbeben, so dass 7 Hänser einstürzten. Hoff gibt als 
Datum den 10. October und 40 eingestürzte Häuser an. 

1789, 31. März, Erschütterung in Venedig, Friaul u. a. a. 0. 

1810, 36. December, weitverbreitetes Erdbeben. Zu Genua 
stürzten drei Hänser ein, zn Verona, wo der Stoss von 
N — S. gerichtet war, ein Haus und viele Kamine, zu 
Beggio 17 Kamine. Sonst werden genannt Brixen, Mantua, 
Venedig, Mailand, Livomo. Auch zu Augsburg will man 
in derselben Nacht, während ein niedagewesener Sturm 
wüthete, eine Erschütterung verspürt haben. (Hoff.) 

1811, 29. Juli, 8''26'M. zu Verona leichter Stoss. Desgleichen 
am 18. December, das vierte Erdbeben im Jahre. 

1812, 25. October, 7^55'M., in Baiern ein sehr starker und 
langandauernder Stoss. Zu Trient Bichtung nach S. und 
nach NW. Zu Treviso Dauer 4—5 Secunden mit grosser 
Stärke. An manchen Orten wurden zwei Stösse gefühlt. 
Professor v. Bath erfulir zu Puos, dass an diesem Tage 
zwischen 5 nnd 6^ M. ein sehr heftiger Erdstoss erfolgt 
sei, der Kamine herabwarf und Mauern spaltete. — Von 
andern Orten werden Laibach, Innsbruck und Bohrsdorf 
(wo die Mittagsglocke anschlug) genannt. 

1822, 3. März, 6"" 30' A., ein leichter Stoss zu Bassano. 

1822, 25. und 29. August, Stösse in Venedig. 

1826. (Ein durch besonders zahlreiche Erdbeben in den Alpen 

und Oberitalien ausgezeichnetes Jahr.) 
1826, 23. Juni, 1** 30' A., zu Venedig und 8*» 30' A. zu Innsbruck 

zwei leichte Stösse. 
1826, 25. Juni, starke Stösse in ganz Tirol und Oberitalien. 

Zu Trient N.— S., zu Brixen N. — O., zu Boveredo SO. 

bis NW. Auch zn Mantua und in der Schweiz (4** 15') 

bis Zürich. Um 5**A. ein leichter Stoss (nach Anderen 

am 24. Juni). 

SitBb. d. mÄthem.-BÄturw. Cl. LXIX. Bd. II. Abth. 40 



606 Bittner. 

1826, 27. November, ein fraglicher Stoss zu Trient. 

1827, 1. April, 1** M., io Venedig drei leichte Oscillationen ; 
Abends zwischen 11 — 12*' Stösse in der Schweiz, in Trient, 
Venedig. 

1827, 17. April, leichter Stoss zu Venedig. 

1827, 2. Mai, starker Stoss zn Trient. 

1828, 14. Jänner, 11** 45' A., starker Stoss in Venedig. 

1831, 11. September, 7»»40' A., heftige Stösse zu Venedig, Parma 
und Beggio. Zu Reggio geschab Schaden, zu Parma 
stürzten (nach H o f f) 400 Kamine herab. 

1832, 11—17. März, Stösse zu Verona, Mantua u. s. f. Das 
Gentrum scheint auch diesmal Parma zu sein, wo in 
diesen letzten Jahren ungemein häufige Ersohtttterungen 
vorkamen, während in den Jahren 1833 — 1835 insbeson- 
dere im SO. von Parma gegen Pontremoli und Borgotaro 
Erdbeben stattfanden. 

1833, 4. April, 4»» 15' M. und 1»^ 16' A., Erdbeben in Vicenza. 
1836, 11 — 18. Juni, in der Provinz Treviso sehr starke Erd- 

stösse , der erste um 1 P A. , der zweite und stärkste am 
12. Juni um 3** 35' M., ausserdem noch 16 andere. Der 
Stoss Tom 12. wurde an vielen Orten Oberitaliens wahr- 
genommen. Im Dfstricte von Ascoli (soll doch wohl Asolo 
heissen ! ?) geschah viel Schaden. 

1836, 15. Juli, um 10** A., zu Venedig zwei ßtösse von N— S. 
Zu Parma um 12*" 35' A. schwache StOsse von 0— N. 

1836, 20. Juli, zu Bassano und Umgebung drei sehr heftige 
Stösse. In der Erstreckung des Berges von Borso nach 
Passagno wurden mehrere Häuser zerstört, zu Passagno 
selbst viele beschädigt. Dieser Stoss wurde auch zu 
Brixen wahrgenommen , zugleich mit einem Getöse, das 
dem Umherlaufen in obem Stockwerken glich; zudem 
vernahm man entfernten Donner. Auch zu Innsbruck und 
München ward die Erschütterung bemerkt. 

1836, 26. September, 7^45' A., Erschütterung in Modena, gegen 
8** in Venedig, hier — W. 

1840, 17. Jänner, Erdbeben in Mailand, 6örz und Triest. 

1840, 27. August, Erdstoss in verschiedenen Theilen von Lom- 
barde- Venetien und lUyrien. Um 0^52' A. zu Venedig ein 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Bellano etc. 607 

sehr starker Stoss von S— N. In Steiermark soll zar 
selben Zeit grosser Schaden geschehen sein. 

1841, 15. und 16. October beträchtliche Erderschütterungen 
sehr localer Natur zu Sanguinetto in der Provinz Verona. 
Die erste um 2** 30' M., die folgenden 2»» 40', 2^ 45', 3»» 30 
und die stärkste um 4^. In der Nacht sah man zahlreiche 
Feuermeteore und gegen SW. erschien beständig ein 
heller Schein. Aus dieser Richtung schienen auch die 
Detonationen von denen die Stösse begleitet waren, zu 
kommen. Am 16., um 11** A., erfolgte noch ein schwacher 
Stoss und neue Stösse am 29. d. M. (Am 16. October fand 
auch eine Erschütterung zu Werfen in Salzburg statt.) 

1843, 22. August, 3*' M. und 1^ 15' A., Erschütterung in Venedig. 

1845, 21. December ein Stoss zu Venedig und Triest. Am 
selben Tage um 2" M. und 9** 20' A. ein äusserst heftiges 
Erdbeben zu Laibach ; SW — NO. Zahlreiche Mauerrisse. 
Auch zu Klagenfurt sehr stark ; NW — SO. (Am gleichen 
Tage ein Erdbeben in den Abruzzen, speciell in Chieti.) 

1850, 10. Juli, 3" 19' M., eine Erschütterung sehr starker Art in 
^ üdine, Triest und Görz. Am selben Tage noch, zwei 

j leichte StPsse in 6örz. 

1850, 1. September, zu Detenstein bei Brunnecken ein starker 
Stoss mit Detonation. 

1851, 3. August, gegen l^M., Erschütterung in Mailand, Verona, 
Mantua, Ferrara, Venedig, Roveredo, Tione u. a. a. 0. 

1851, im November und December. In diese Monate fallt das 
sogenannte Schallphänomen von Feltre. Dasselbe machte 
sich in der unmittelbaren Nähe des Monte Tomatico im 
Süden der genannten Stadt geltend und hestand in einem 
von Zeit zu Zeit wiederkehrenden Geräusche, welches 
mit dem eines in ein grosses Wasserbecken fallenden 
Felsens verglichen wurde. Nach jedem Schlage erfolgte 
«in Erzittern des Erdbodens, das eine Oscillation von 
Fenstern hervorbrachte. Zum ersten Male wurde die 
Erscheinung am 4. oder 5. November, zum letzten Male 
am 26. December beobachtet. Andere Angaben lauten 
dahin, dass nur manchmal ein Schwanken des Erdbodens 
bemerkt worden und dass die Detonation überhaupt nur 

40» 



n 



f 



I 



€08 Bittner. 

drei- oder viermal so stark gewesen sei; dass man sie 
auch in Feltre selbst bemerkt habe, obwohl der Ort 
VillagO; wo die Detonationen am stärksten waren , m 
unmittelbarer Nähe liegt. Die Untersachung der Umge- 
bung des genannten Ortes ergab durchaus keine Verän- 
derung der Erdoberfläche. Die Masse des Monte Tomatico 
ist Jurakalk, sein Abfall gegen N. äusserst steil. Es 
wird auf die Ähnlichkeit dieser Erscheinungen mit dem 
bekannten Detonationsphänomen auf der Insel Meleda 
(1822 — 1824) hingewiesen (^Jahrbuch d. geol. R. A. 
1853). 

1855; Anfang December starker Stoss zu Vicenza. 

1856; 24. Mai; ein Stoss zu Plan im Grödner Thal. 

1856; im September ein ziemlich starker Stoss zu Puos (Prof. 
G. V. Kath). 

1856, 15. December, ein Stoss von S— N. in Riva. 

1867; 7. Jänner, 6** M., ein starker Stoss zu Tarvis. (Am 15. Jän- 
ner ein leichter Stoss in Weissbriach.) 

1857, 31. Jänner, 7** 10' A., ein Erdbeben, das zu Parma (OSO. 
nach WNW), Guastalla, Padua, Venedig, aber nicht zu 
Borgotaro, Pontremali, Mailand, Piacenza und Genua 
wahrgenommen worden ist. — Berti (sulli Ultimi tremuoti 
di Venezia 1857) verlegt sein Centrum in die Gegend 
zwischen Parma, Reggio und Casalniaggiore. Nach ihm 
wurde dasselbe zwar in Venedig, Padua, Vicenza, Verona^ 
Treviso, Bassano, Sehio, Brescia, Ferrara und Mailand,, 
dagegen nicht zu Piacenza, Pontremoli, Borgataro und 
Bologna verspürt. Die Angabe Berti's gilt speeiell flir 
den zweiten Stoss , der am 1 . Februar 0*' 1 2' M. erfolgte. 
Im Gegensatze dazu liest man im betrefi^enden Kataloge 
von A. Perrey, dass zu Bologna drei Stösse in der 
Richtung — W. beobachtet worden seien. 

1857, 7. Februar (wahrscheinlicher 7. März), um 3** 20' M., zwei 
Stösse zu Padua (NO— SW.), ein Stoss in Venedig, 
(OSO— WNW.); zuVeglia ein starker Stoss von S— N., 
ebenso zu Triest. In Laibach von 3^ 56'— 4** fünf Stösse, 
der erste so stark, dass Mauern beschädigt wurden. Am 
9. Februar, um 11" 50', neue Stösse in Laibach und Triest. 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 609 

Die Stösse vom 7. Februar wurden nach Berti in fast 
ganz Venetien gefllhlt und ihr Erscbütterungsgebiet 
erstreckte sich von Heran bis Agram. 
1857, 10. März, 4**M., Erdbeben in der Provinz Treviso, vorzttg- 
lich in Valdobbiadeno und Pieve di Soligo, an den letztem 
Orten mit starkem Getöse. Berti bringt diese drei letzt- 
erwähnten Erdbeben in Zusammenhang und weist darauf 
hin, dass eine ihre wahrscheinlichen Gentren verbindende 
Linie parallel zu einer grossen Erhebungsrichtung der 
Alpen laufe. 
1859, 20. Jänner, 8**56'M., Beginn des merkwürdigen und lang, 
andauernden Erdbebens von CoUalto bei Barbisano am 
Soligo. Ausser auf Schloss CoUalto, in dessen unmittel- 
barer Nähe das Centrum gewesen zu sein scheint, ward 
die Bewegung noch sehr stark in Falze , Pieve di Soligo, 
Semaglia, Moriago, Col San Martino, Guja, Combair 
Miane, San Pietro und bis Valdobbiadeno undVidor an 
der Piave wahrgenommen. Ebenso gegen 0. zu Serra- 
valle, Ceneda und Conegliano. Kaum mehr gefühlt wurde 
sie zu Segusino, drei Meilen von Valdobbiadene ; in Udine 
war sie schon sehr schwach, dagegen von noch auffallen- 
der Stärke in Venedig und Triest. In Padua wurden 
Ton 0— W. schwingende Uhren zum Stillstande gebracht. 
Die Grenzen werden bezeichnet durch Auronzo, Trient, 
Verona, das linke Ufer des Po und Triest; aber auch 
noch zu Laibach scheint die Bewegung gefühlt worden 
zu sein, denn es wird eine Erschütterung um 9**25'M. 
•erwähnt. Zu CoUalto waren die meisten Stösse vertical. 
Am 29 — 31. April wieder sehr starke Erschütterungen. 
Öfters erfolgten auch Detonationen ohne Stoss. Es wird 
hervorgehoben, dass die Stösse besonders um 6 oder 7^ 
Ttf., P A., 8—9* A. und 2** M. eingetroffen seien. Am 
.20. Mai, 45 Min. nach 12* Mittags, abermals ein sehr hef- 
tiger Stoss in CoUalto. Der letzte dieser Periode am 
31. Mai. Von da Ruhe bis zum 27. November. (Am 
11. April Beginn eines langandauernden Erdbebens zu 
Siena. Am 24. April, um 8*M., Stösse zu Schwaz, Ratten- 
berg etc.) 



610 Bittner. 

1859, 23. August. An dieem Tage ein Erdstoss in Belbino^ 
Als historisches Curiosnm mag angeführt werden ^ das» 
der Ausbruch eines Vulcanes zwischen Hanale und Faiboa 
(Distr. Agordo) gemeldet wird, eine Nachriebt, die sehr 
bald auf einen Waldbrand, der gleichzeitig auf der 
Höhe eines Berges stattgefunden, zurückgeführt ward. 
Bekanntlich sollte auch bei Beginn des letzten Erdbebena 
in der Nähe des Lago di Santa Croce ein Vulcan ausge> 
brechen sein. 

1860, 16. Juli, 11'' 57' A., Erdbeben in Venedig von O—W. 
(1860, 17. Jul, 2M3', vier starke verticale Stösse in 
Modena.) 

1860, 19. Juli, 4*^37' A., in Venedig zwei Stösse von 0— W. oder 
N— S. In Treviso und insbesondere in Valdobbiadene weit 
heftiger, Richtung — W. Guja hat Schaden gelitten. 
Gegen Pieve di Soligo und Collalto auffallend schwach. 
Gränzen Belluno-Rovigo, Verona-Triest. Es wird hervor- 
gehoben, dass der Stoss 24 Stunden nach einer Sonnen- 
finsterniss stattfand. 

1861, 9. Mai, 3** M., in Padua äusserst heftiger Stoss, dessen 
Centrum weit entfernt bei Cittä della Pieve (im SW. Tom 
Lago Trasimeno) gelegen scheint. 

1861, 19. Mai, Erdbeben in Asolo. Die Stösse erfolgen um 1\ 
3^ 50', 10»* 28' M.; 12»» 16', 8»» 45', 9»» 15' A.; femer am 
20. Mai um P und 3»* 30' M. (?). Alle wurden auch in 
Castelfranco wahrgenommen. Neue Stösse erfolgten in 
der Nacht vom 26. zum 27. Mai. 

1861, 18. December, Erdbeben in Trient. 

1862, 26. Mai, Erdbeben im östlichen Tirol, westlichen Kärnthen 
und den angränzenden Theilen von Salzburg. Am stärk- 
sten scheint es zu Maltein aufgetreten zu sein. 

1866, 2. Mai, Beginn zahlreicher Erschütterungen am Gardasee.. 
Bei Desenzano senkte sich das Ufer. Im November war 
es besonders die Umgebung des Monte Baldo, welche 
von einer Menge von Stössen betroffen wurde. So zählte 
man am 9. December zu Castelleto 35 Stösse. (Nenea 
Jahrb. f. Min. 1867.) Diese Erschütterungen wiederholten 
sich im Jahre 1868. 



1 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Bellano etc. 611 

1867, 7. März, ein Erdbeben von ähnlicher Verbreitang wie das 
vom 26. Mai 1862 (Nenes Jahrbach f. Min. 1868.) 

1867, 29. October, eine Erschtttterang in Tarvia; NW— SO. 
(Ebenda 1868.) 

1868, 22. Mai, Erdbeben in Roveredo nnd Condino. Stark zu 
Trambileno. (Ebenda 1869.) 

(1869, 7. Februar, Erdstösse in Arezzo, Perugia, Ancona etc. 
Nach Perrey am selben Tage ein Stoss in Oberöster- 
reich. Für den 11. findet sich allerdings ein solcher auch 
bei Fnchs im N. J. f. M. 1870 angegeben.) 

1869, 14. Mai, Erschütterung in Brixen and Gröden. 

1869, 25. Juni, gegen 3^ A., zu Vicenza ein starker Stoss von 

NO— SW. Sehr stark auch in Urbino und Bologna. 
1869, 2. October, 7^ A., leichter undnlatorischer Stoss in Udine. 

Auch in Cormons. (Neues Jahrb. 1870.) 
1869, 14. November, S^SO'M., ein ziemlich starker Stoss in 

Genua und Parma und zur selben Zeit zwei Stösse in 

Verona. 

1869, 21. December, 1P40' A., ein starker Stoss zu Görz. Am 
22. , um 4" M., ein zweiter mit sehr lang andauerndem 
Donnergetöse. Am selben Tage in Gmünd, Malta, Dorn- 
bach, Hilpersdorf und Koschach. (Neues Jahrb. f. Min. 
1870.) (Zu Gmünd auch schon am 6. October.) 

1870, 28. Februar, Erdbeben inistrien, Kärnthen und Krain. 
(Am 1. und 6. März in Istrien und Dalmatien.) (D i of- 
fen b ach Plutonismus und Vulcanismus.) Ist offenbar das 
Erdbeben von Klana, welches seine grösste Intensität 
erreichte am 1. März, 10. und 11. Mai. (D. Stur im Jahr- 
buch der k. k. geol. R. A. 1871.) 

1870, 18. März, Erschütterung in Malcesine. (Dieffenbach 
1. c.) 

1870, 26 — 27. Mai, Erschütterungen in Tirol, Istrien undVenetien. 
In Istrien andauernd bis August. (Dieffenbach.) 

(1870, 25. Mai, in Istrien, Lombardei, Toscana, Reggio 
[Dieffenbach].) 

1871, 14. August, Erdstoss in Flitsch von NO— SW. Am selben 
Tage ziemlich starke Erschütterung mit vorangehendem 
dumpfen Brausen in Raibl. (Neues Jahrb. f. Min. 1872.) 



612 Bittner. 

1872, 2. Febmar, ö«/*** A., in Primiero eine leichte Erderschttt- 
terang von S — N. (C. W. C. Fuchs im Jahrbuch der 
k. k. geoL Reiehsanstalt 1873.) 

1872, 7. Mai, Erdstoss in Venedig. (Di effenbaeh.) 

1872, 14. Mai, mehrere ErdstOsse in Udine und Cividale. 
(J. d. g. R. A.) 

(1872, 17. Mai, Erschttttemng in Laibaeh.) 

1872, am 51. Oetober und 1. November, Erdbeben im nord- 
östlichen Italien. Am 1. November, gegen 3*" M., ein drei 
Secnnden anhaltendes unterirdisches Getöse ohne Er- 
schütterung. Um 8^ 10' und gegen Mittag mehrere Stösse. 
(J. d. g. B. A.) 

(1872, 4. November, Erschtttterung in Adelsberg.) 

Alle diese Erschütterungen scheinen sich nicht weit gegen 
Westen fortgepflanzt zu haben; wenigstens erfuhr Prof. 
V. Rat h in Puös, dass daselbst seit vier oder fttnf Jahren 
nicht die geringste Bewegung stattgefunden habe, 
während früher schwache Stösse nicht selten gewesen 
seien. 

(1873, 12. März, Erdbeben in Mittelitalien, speciell in der 
Gegend von Urbino. Zeit 9*" 5'. Zu fast derselben Zeit 
wurde auch zu Grubhof in Salzburg eine mittelstarke 
Erschütterung beobachtet. Grubhof ist ein Landgut s/4 St. 
von Lofer entfernt [Scarpelli].) 



Anschliessend an diese Zusammenstellung älterer Erdbeben 
im Venetianischen lasse ich eine Übersicht der Erdstösse folgen, 
welche vom 29. Juni bis Ende December 1873 in der Provinz 
Belluno und deren Umgebung beobachtet worden sind, bemerke 
jedoch hiezu, dass dieses Verzeichniss durchaus nicht vollständig 
ist, obschon es die bedeutendsten Erschütterungen in sich fassen 
dürfte. 

Anmerkung. Die folgenden Daten sind bis zum 8. August der 
von Herrn A. Guernieri herausgegebenen „Provincia di Belluno^ und 
der Chronik des Erdbebens ; von dem genannten Tage ab zum grössten 
Theile der „Gazetta di Trento*' entnommen. 



Beiträge «nr Kenntntos des Erdbeben« von Belluno etc. 613 



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Beitiige sor Kenntnis des Erdbebens too Bellano etc. 621 

Es nnd id dieser Tabelle mehrere Erdbeben «Dgefllhrt 
worden« welche strenggenonunen nicht hieher gehören. Ihre 
Anfhahme erschien mir aber deshalb von einigem Interesse, 
weil sie zumeist gerade in Zeiten fallen y zn welchen anch bei 
Belhmo die Erdbebenthätigkeit offenbar eine gesteigerte war. 
Das gegentheilige Verhalten findet sich bei dem heftigen Erd- 
stosse, der zn Rottenmann in Obersteiermarfc am 30. October 
beobachtet wnrde, indem dieser in eine Zeit ftlH, in der das 
Gebiet von Bellnno wenn anch nicht vollkommen mhig war, so 
doch gewiss nicht von empfindlicheren Stössen betroffen wurde. 
Die eigenthttmliche Abgrenzung , die das Erdbeben vom 
29. Jnni gegen das Ennsthal fand , lägst anch diesen Fall nicht 
ganz uninteressant erscheinen. 

Wirft man einen Blick auf die rermittelst der Karte zn Ober- 
sehende Verbreitung der Erschtttterung vom 29. Juni 1873, 
soweit sich dieselbe fiber alpines Gebiet erstreckte, so zeigt 
sich vor aDem, dass die Fortpflanzung der St5sse durchaus 
keine nach allen Seiten gleiche war. Insbesondere fehlt aus 
Steiermark eine jede Nachricht mit Ausnahme des südlichsten 
Theiles (Cilli) und der nordwestlichsten Ecke (Aussee). Hin- 
gegen ist durch eine Anzahl negativer Berichte , aus Radstadt, 
St. Michael, Irdning, Rottenmaon, Admont, Knittelfeld, Licoben« 
Frohnleiten, Voitsberg, Wolfsberg, Lavamttnde und Marburg 
die Begrenzung des Schfittergebietes nach dieser Seite genügend 
festgestellt. Hieraus ergibt sich ein gegen Salzburg ziemlich 
spitz einspringender Winkel oder eine EmschnOrung des erschüt- 
terten Theiles der Erdoberfläche, während gegen Norden eine 
abermalige Erweiterung eintritt, da die Bewegung noch im 
grdssten Theile von Oberösterreich, und zwar bis nahe zur 
böhmischen Grenze (Snmmerau bei Freystadt) wahrgenommen 
worden ist. Das dürfte zugleich der nördlichste Punkt auf dieser 
Seite sein, etwa in gleicher Breite gelegen mit Augsburg im 
Westen. Für Baiem mangelt eine schärfere Begrenzuni: und 
konnten nur die aus Zeitungsnachrichten bekannt gewordenen 
Orte eingetragen werdeu. Von Mondsee in Oberösterreich ging 
eine negative Nachricht ein. Ein ähnliches Verhalten wie gegen 
0. scheint sich auch in W. wiederzufinden , eine Verengung des 
Schfittergebietes nämlich, und zwar in gleicher Breite mit der 

<:itzb. d. iDftthetn.-iiatarw. Ol. LXIX. Bd. II. Abth. 41 



<)22 Bittner. 

EinbachtODg ron Obersteiemutrk und Salzburg. Zum mindesten 
wurde eine ErsehOtternng in dem durch wiederholte «ehr loeale 
Erdfltdsse im Jahre 1872 aosgezeichneten Schruns (Vorarlberg) 
nicht beobachtet, was um so auffallender ist, als im Norden 
davon die Bewegung in besonderer Stärke aufgetreten zu sein 
scheint. Da auch aus den angrenzenden Theilen der Schweiz 
durchaus keine Nachrichten ttber eine stattgehabte Erschötterung 
bekannt geworden sind, so wird rielleicht auch auf dieser Seite 
eine Ausbuchtung des erschütterten Gebietes anzunehmen sein, 
während sich im Norden dieser durch die Linie fiadstadt- 
Schruns gegebenen Einschnürung eine abermalige Ausdehnung 
der Bewegung gegen NO. und NNW. , verbunden mit erhöhter 
Intensität, geltend macht. Etwas Ahnliches scheint auch im Süden 
respective SW. , in der Sichtung auf Mailand und Genua stattzu- 
finden , doch sind hier die Nachrichten viel zu ungenügend , um 
ein richtiges Bild geben zu können. 

Im Einklänge mit der eben hervorgehobenen verhältniss* 
massig geringen Verbreitung der Erschütterung gegen Nordost 
steht die Thatsache, dass in der Umgebung von Klagenfurt und 
Villach die Bewegung eine durchaus nicht besonders starke 
gewesen sein kann , wie sich einerseits aus den brieflichen und 
Zeitungsnachrichten, andererseits aus den an Ort und Stelle ein- 
gezogenen Erkundigungen ergibt. Desto merkwürdiger bleibt 
denn der Umstand, dass gerade gegen NO., weit entfernt von 
dem zusammenhängenden Schutt ergebiete, noch an zwei Orten 
(an dem einen allerdings nicht genau zur selben Zeit) eine deut- 
liche Erschütterung constatirt worden ist, und um so interessanter 
wird diese Sache deshalb , weil beide Punkte , Kapfenberg und 
Wien, auf der von Prof. Suess nachgewiesenen, durch eine 
Reihe sehr bestinunter Stosspunkte gebildeten Mttrzlinie, bezie- 
hungsweise deren Fortsetzung, der Thermenspalte von Nieder- 
österreich, liegen. Noch auf eine andere sehr eigentbttmliche 
Wechselbeziehung zwischen zwei als solche anerkannten habi- 
tuellen Stosspunkten machte ebenfalls Prof. Suess (Die Erd- 
beben Niederösterreichs) aufmerksam und die Begrenzung des 
hier besprochenen Schüttergebietes ist ganz geeignet, neues Licht 
auf dcDselben Fall zu werfen. Es bandelt sich um die in schein- 
bar ganz bestimmten Verhältnissen zu einander stehenden Stoss- 



Beiträge zur KenntniBB des Erdbebens von Bellttno etc. 623 

punkte von Rosegg und Admont - Windiscbgarsten. Bei der 
Erschütterung im Jahre 1857 und 1858 wird nämlich ganz au8- 
drtteklich heryorgehoben , dass die Erdstösse vom 24. December 
weder in Leoben (Mttrzlinie) noch in Aussee wahrgenommen 
worden sind. In unserem Falle nun haben wir gerade das Gegen- 
theil zu verzeichnen. Während einerseits Kärnthen , andererseits 
Oberösterreich erschüttert wurde^ bleibt das dazwischen liegende 
obere Ennsthal vollkommen ruhig und die aus Admont, Rotten- 
mann, Irdning, Radstadt eingegangenen Nachrichten stellen 
aufs bestimmteste jede Bewegung in Abrede; es ist nur ein 
Punkt im ganzen Nordwesten von Steiermark , der die Erschüt- 
terung mitmachte, und das ist Aussee, und andererseits konnte 
auch die Mttrzlinie, obwohl schon ausserhalb des Schtittergebiets 
gelegen , nicht ganz ruhig bleiben , indem wenigstens ein Punkt 
von einem starken Stosse betrofifen wurde. In diesem ganzen 
genauer begrenzten Theile der erschütterten Oberfläche macht 
sich zudem eine sehr bestimmte Abhängigkeit von den Fluss- 
laufen geltend und eben jene grosse Einschnürung desselben 
gegen Salzburg entspricht dem Oberlaufe der Enns und der Mur 
vollkommen. Nur Tamsweg macht hier eine unerwartete Aus- 
nahme. Auch weiter gegen Osten tritt diese Abhängigkeit noch 
hervor. Über die Niederung von Elagenfurt hinaus erstreckte 
sich in dieser Richtung die Erschütterung nicht. Jenseits Cilli 
ist es nicht gelungen, eine bestimmte Grenze festzustellen. 
Während die Berichte aus Erapina-Töplitz die Bewegung als 
eine nur mehr ganz unbedeutende erkennen lassen, ist dieselbe 
in Karlstadt merkwürdigerweise ungemein stark und von sehr 
langer Dauer gewesen. Weiter im Osten führt Herr Falb 
(„Provincia di Belluno^) noch Klausenburg in Siebenbürgen an, 
doch ist der Zusammenhang hier wohl etwas problematisch, was 
auch ftir Saybusch bei Biala in Galizien gilt, von wo der „Deutschen 
Zeitung^ am 6. Juli berichtet wurde, dass gleichzeitig mit dem 
Belluneser Erdbeben auch hier in zwei ihrer Lage und Bauart 
einerErschOtternngmehrausgesetztenHäusem ein schiffsähnliches 
Schwanken bemerkt worden sei. Auch über directe Anfrage ist etwas 
Bestimmteres hierüber nicht in Erfahrung zu bringen gewesen. 
Das Erschütterungsgebiet des Erdbebens vom 29. Juni 1873 
erstreckt sich mithin über die ganze Breite der Alpen und reicht 

41* 



624 Bittner. 

weit nach Baiern und Oberösterreich hinein , andererseits aber 
llberschreitet es anch den Äpenin und ist der Stoss noch in 
Genua und Livorno fllhlbar gewesen. Es ist vielfach darauf hin- 
gewiesen worden, dass Erderschtttterungen in ihrem Verlaufe 
zumeist den grösseren Gebirgsketten zu folgen pflegen. Hier ist 
weit eher das Gegentheil der Fall. Aber dieses Erdbeben steht 
darin nicht vereinzelt, und gerade in diesem Theile sind die 
Alpen schon mehrfach in vergangenen Jahrhunderten von quer- 
durchsetzenden Bodenbewegnngen betroffen worden. Allen voran 
steht hier da» furchtbare Erdbeben vom 25. Jänner 1348, welchem 
von Deutschland bis Rom und Neapel sich erstreckte. Von an- 
deren Erschütterungen dieser Art seien erwähnt: das Erdbeben 
vom 25. December 1212; das vom 17. Juli 1670, dessen Centrnm 
wahrscheinlich Hall in Tirol war; das Erdbeben vom 26. Decem- 
ber 1810; jenes vom 25. October 1&12, das dem hier behandelten 
am nächsten zu stehen scheint und vielleicht sogar von demselben 
Funkte ausging; jenes vom 23.(?) und 25. Juni 1826 und endlich 
jenes vom 20. Juli 1836, dessen Centrum unweit des diesmaligen 
Zerstörungsgebietes, bei Borso und Passagno im Districte von 
Asolo liegt. 

Da femer die am Nordrande der Alpen wiederanflebende 
Stärke der Erschütterung einer der auffallenderen Umstände ist, 
so will ich auf einige ähnliche Fälle hinweisen, in welchen 
gleichzeitig Bodenbewegungen am nördlichen Abhänge der Alpen 
und in Oberitalien beobachtet worden sind. Es mag dies Zufall 
sein, verdient jedoch immerhin einige Beachtung. Zwei von 
diesen Fällen scheinen allerdings etwas zweifelhaft ; es sind die 
Erdbeben vom Jahre 1785 und 1869 (17. Februar); zwei andere 
aber, und zwar die Erschütterungen vom 16. October 1841 und 
vom 12. März 1873 werden kaum als unrichtige Angaben 
betrachtet werden können. 

Der Charakter der Erschütterung ist an den ver- 
schiedenen Orten , aus welchen Berichte vorliegen , wollte mau 
alle diese hierin für unbedingt zuverlässig halten, ein* sehr ver> 
schied euer gewesen. Die meisten geben zwei Stösse an, von 
denen bald der erste, bald der zweite als der stärkere bezeichnet 
wird. An einzelnen Orten, aus denen mehrere Beobachtungen 
angeführt werden konnten, widersprechen sich diesC; aus anderen 



) 



BeitrSg^e zur KenntnisB des Erdbebens von Belluno etc. 625 

lauten die Angaben nur ganz unbestimmt. Eine Anzahl von 
Nachrichten charakterisirt die Erschtttterang einfach als 
wellenförmige Bewegung, eine Anzahl spricht von mehreren 
Stössen. Unter allen sind am zahlreichsten jene, welche zwei 
bestimmte Abschnitte in der Bewegung erkennen lassen , mögen 
sie njan von zwei Stössen reden, oder von oscillirender Bewegung 
oder von zwei wellenförmigen Erschütterungen. Wo eine genaue 
Unterscheidung gemacht wird, da findet man meist die zweite 
Bewegung als die stärkere bezeichnet, selten die erstere. Nur 
sehr vereinzelt finden sich Angaben über mehr als zwei Stösse ; 
so werden drei erwähnt von Berg bei Greifen berg, Villach, 
Laibach, Gottschee, St. Ullrich, Kremsmttnster, Kietzenmarkt. 
Mit diesen Angaben stimmen femer die drei wellenförmigen 
Erschütterungen zu Krainburg, Ried, Tamsweg, bezüglich auch 
die Angabe von vier Wellenbewegungen zu Radmannsdorf und 
Landstrass, wie denn überhaupt die Berichte aus Krain und 
Oberösterreich eine gewisse Gleichartigkeit erkennen lassen. 
Das Gleiche gilt auch für Südtirol, wo die Berichte aus Denno, 
Mal^, Riva, Trient und Roveredo gleichlautend einen Stoss mit 
nachfolgendem Schwanken angeben. Sehr vereinzelt mit sechs 
Stössen steht Ischl. Einer rüttelnden Bewegung erwähnt der 
interessante Bericht aus Eapfenberg, ausserdem der von Linz. 
Eine zuerst horizontale, dann von einem verticalen Stosse ge- 
folgte Erschütterung ward beobachtet zu Gottesthal in Kärnthen 
(zwischen Villach and Rosegg gelegen), zu Zell am See und wie 
es scheint, auch in München; ähnlich sind auch die Berichte aus 
Lusema und Padua. Die Mannigfaltigkeit, welche sich in diesem 
Punkte zeigt, ISsst somit gewiss nichts zu wünschen übrig, und 
verbindet man hiemit noch die Art und Weise, in der das Erd- 
beben im Gebiete von Belluno und Alpago auftrat, so wird kaum 
noch etwas fehlen, um die Reihe der möglichen Erschütterungs- 
arten vollständig zu machen. Ich will hier nicht die merkwürdi- 
gen Fälle von rotatorischer Bewegung anführen, welche Prof. 
V. Rath in Puös und Herr Falb in Farra sahen, sondern nur 
eine Schilderung des Erdbebens, wie es zu Puös auftrat und die 
ich den Mittheilungen des Erstgenannten entlehne, folgen lassen : 
Es war am Peter- und Paulstage, um 5 Uhr Morgens, da fing die 
Erde zu beben an, erst einige Secunden wellenförmig, dann auf- 



626 Bittner. 

und niederstossend, fürchterlich ; nnn vermischten sich beide 
Bewegungen and es war, als ob wir umgeschwungen würden. 
Ein furchtbar rollendes Donnern, vermischt mit Detonationen, 
wie von Kanonenschüssen, liess sich zugleich vernehmen. Es 
schien das Donnern sowohl nnter als über uns zu dröhnen. Da 
stürzten die Mauern der Häuser. Eine dichte Staubmasse um- 
hüllte alles und hinderte zu sehen. Man hörte das Stürzen der 
Häuser, das Geschrei der Menschen, theils laut, theils gedämpft 
von solchen, die unter den Trümmern lagen. (Als Richtung wird 
zu Puös 0. nach W. oder SO. nach NW. angegeben.) 

Es wäre überflüssig, wollte ich hier auch noch die Beob- 
achtungen und Schilderungen des Erdbebens zu Belluno hinzu- 
fugen, da diese der voranstehenden ungemein ähnlich, ja mit 
denselben beinahe identisch sind. Nur die Angaben über die 
Richtung weichen ab, indem die Bewegung hier als 0. nacb W. 
oder NO. nach SW. bezeichnet wird. Zu Beginn des Erdbebens 
sollen auch verticale Stösse empfunden worden sein. Eine Ab- 
weichung liegt endlich auch noch darin, dass hervorgehoben 
wird, es sei das Getöse der Erschütterung vorangegangen. Ein 
Schallphänomen wurde auch an zahlreichen ausserhalb des 
Zerstörungsgebietes liegenden Orten wahrgenommen und es 
wird zum Theil als den Stoss begleitend, zum Theil als diesem 
vorausgehend oder ihm nachfolgend geschildert. Nur drei Beob- 
achter (Hall, Linz und Rosseg) betonen ausdrücklich, dass eine 
solche Nebenerscheinung an den betreflFenden Orten nicht beob- 
achtet wurde. Die meisten heben hervor, dass das Getöse der 
Erschütterung voranging, nur zwei, und diese in etwas undeut- 
licher Fassung, sprechen von nachfolgendem Getöse (Oberlech, 
Innsbruck). Der Bericht von Weissenfeis endlich sagt, dass die 
Bewegung vor- und nachher von einem Schallphänomen begleitet 
worden sei. Merkwürdig ist die Beobachtung des Herrn Berg- 
rathesPohl in Aussee, welcher deutlich ein Geräusch wahrnahm, 
ohne den Stoss zu fühlen. Ein anderer Beobachter zu Aussee 
vernahm ein Geräusch, das von oben zu kommen schien und 
Ähnliches sagen die Nachrichten aus Mittersill , Kitzbtihel und 
Pfunds. Während fast in allen dem Centrum näherliegenden 
Orten Südtirols ein Getöse wahrgenommen wurde, erwähnen nur 
die wenigsten der Berichte von Kärnten und Krain eines solchen. 



f 



Beiträge zur KenntniBS des Erdbebens von Bclluno etc. 627 

Des* Schallphänomens im Centrum der Erschtttternog ist schon 
oben gedacht worden und ich fQge hier nur noch hinzn, dass 
daselbst aach zahlreiche Rombi ohne gleichzeitigen Stoss beob- 
achtet worden sind. 

Aach von Luft bewegun gen liegen aus einzelnen Orten 
Nachrichten vor, nnd zwar geben die meisten einen nrplötz- 
lichen Windstoss bei ruhiger Luft und heiterem Himmel an. Es 
sind besonders Mittersill, Salzburg, Weitensfeld, Landstrass und 
Klagenfurt, die solcher Erscheinungen erwähnen. Einige andere 
Berichte lassen dergleichen wenigstens vermnthen. Lichterschei- 
nnngen scheinen nirgends wahrgenommen worden zu sein. 

Über Wasserbewegungen wird vom Tegernsee, vom 
Millstätter See und vom Lago di Santa Croce berichtet. Was den 
letzteren betrifft, so wurde constatirt, dass sich am Morgen des 
29. Juni der Wasserstand desselben um mehr als einen Fuss hob 
und nach wenigen Stunden in sein gewöhnliches Niveau zurück- 
kehrte (Chronik des Erdbebens von A. Guernieri). Es wird 
hinzugefügt, dass dies nichts neues oder ungewöhliches sei, 
indem der See häufig solche Veränderungen des Wasserspiegels 
zeige. Die Nachricht, dass das Wasser des Sees siedend heiss 
gewesen sei, gehört offenbar in das Gebiet der Fabel. 

Störungen von Quellläufen und Bildung neuer 
Quellen sind eine so gewöhnliche Folge heftiger ErderschUt- 
terungen, dass ihr Auftreten auch in unserem Falle ohne weiters 
vorausgesetzt werden konnte. Das Wasser der Brunnen zu 
Belluno floss längere Zeit hindurch intermittirend, stärker und 
schwächer, die Gewässer in Chifesund in den, Lawinen" zwischen 
Chiös und Irrighe verschwanden plötzlich und erschienen 
nach drei Stunden wieder, die Thermen von Veno d'Oro bei 
Belluno zeigten einige Minuten vor dem Stosse blutroth gefärbtes 
Wasser, welche Färbung «sich ganz allmälig wieder verlor; die 
Quellen von Arsi6 und Socch6r blieben unmittelbar nach dem 
Stosse aus und brachen nach 15 Min. mit Schlamm getrttbt wie- 
der hervor, and so liesse sich noch manche ähnliche Erscheinung 
anführen. Auch einige ganz neue Quellen entstanden ; so eine 
in den Sümpfen von La Secca , die zweite am See von Santa 
Croce; beide gaben schwefelwasserstoffhaltiges Wasser. Die 
letztere habe ich besucht ; sie befindet 'sich dicht am Ostnfer des 



628 Bittner. 

Sees im Sttden Yon Farra, nnweit der Localität Poggiate ' and 
quillt oDter einer niedrigen Stützmauer eines Gartens hervor. 
Ihr Wasser ist leicht bläulich gefärbt, einen Geruch oder Ge- 
schmack konnte ich jedoch durchaus nicht wahrnehmen. Am 
Tage vor dem starken Stosse des 27. Juli wurde ein plötzliches 
und höchst auffälliges Anschwellen des Torente Turiga, der am 
Abhänge des Monte Faverghera entspringt und sich bei Visome 
in die Piave ergiesst, bemerkt, und etwas Ahnliches soll auch 
schon vor der Haupterschtttterung beobachtet worden sein. 

Die Intensität derErschtttternng war, wie aus oben Dar- 
gelegtem hervorgeht, in dem verhältnissmässig so kleinen Ge- 
biete von Belluno, Alpago und Ceneda eine äusserst bedeutende 
und kann hier wohl denen der grössten Erdbeben an die Seite 
gestellt werden, über dieses Gebiet hinaus nimmt sie sehr rasch 
ab, jedoch nicht nach allen Seiten gleichmässig, wie sich ja 
schon aus der wenigstens nach einer Seite hin festgestellten 
Grenze des Schlittergebietes entnehmen lässt. Gegen Nordost 
scheint sich die Kraft des Stosses am schnellsten abgeschwächt 
zu haben, obwohl sie stellenweise ans dem südwestlichen 
Kärnten noch als sehr bedeutend angegeben wird. In der Um- 
gebung Villachs war sie es bestimmt nicht mehr, da die Bewe- 
gung hier von Vielen nur äusserst schwach oder nicht empfunden 
wurde, während man an einzelnen Orten (Federaun an der Gail) 
gar nichts davon bemerkt haben wollte. Auch gegen das Isel- 
thal und die Grenzen Salzburgs sowie in der entsprechenden 
Distanz vom Centrum gegen NW. ist eine allmälige gleichmässige 
Abnahme nicht zu verkennen. Desto mehr muss es auffallen, 
wenn die Berichte aus dem westlichen Theile Salzburgs, aus den 
angrenzenden Theilen Tirols und von da an an dessen Nord- 
grenze hin, sowie aus Oberbaiem und Vorarlberg mit einem 
Schlage wieder eine erhöhte Intensität der Erschütterung in 
diesen vom Stosscentmm schon so weit entfernten Gegenden 
nicht nur vermuthen lassen, sondern durch ihre Uebereinstim- 
mung fast zur Gewissheit machen. Vor allem sind die Nach- 
richten aus Zell am See und Mittersill derart, dass man hier 
wohl ein secundäres Erschütterungsgebiet anzunehmen berech- 
tigt ist, und von da aus erstreckt sich eine Zone heftigerer Bewe- 
gung über Kitzbtthel , Kufstein , Tegernsee , Seefeld , Vils gegen 



Beitrüge zur Keuntniaa des Erdbebens von Belluno etc. 629 

den Bodensee, an dessen Ostende die Erschtttterung abermals 
einen besonders heftigen Charakter angenommen hat. In Über- 
einstimmiing mit dieser Zone stärkerer Erschtitterang seheint 
die Verbreitung des erschütterten Gebietes im Norden dieser 
Linie zu stehen. Wenn es Bilder zu gebrauchen erlaubt wäre^ 
so könnte man für diesen Fall die gesammte Alpenkette mit 
einemBalken vergleichen, der, auf Biegung in Ansprach genom- 
men, in der Mitte eine neutrale Zone aufweist, während die an 
der eoncaven und convexen Seite gelegenen Partien am meisten 
der Wirkung der Kraft ausgesetzt sind. 

Ein Umstand, dessen zu erwähnen nicht ganz überflüssig 
sein wird, ist der, dass auch die Intensität eine gewisse Abhän- 
gigkeit von den Thallinien erkennen lässt , indem die Orte , 
welche in Thälern vom südnördlichen Streichen liegen , im All- 
gemeinen stärker erschüttert worden zu sein scheinen als solche 
in von 0— W. verlaufenden Thälern. Dieses Verhältniss tritt am 
deutlichsten hervor, wenn man die Berichte ans den Thälern der 
Etsch, Nons, Eisack und des Isouzo mit denen aus den gleich- 
weit vom Centrum abliegenden Thälern der Rienz, oberen Drau 
und Gail vergleicht. Unter allen in Nord und Nordost gelegenen 
Orten ist es nur Weissbriach, von woher eine Beschädigung an 
Gebäuden gemeldet wird (Stosspunkt am 15. Jänner 1857). Im 
W. dagegen sind Beschädigungen an Gebäuden, wenn auch un- 
erheblicher Art, an zahlreichen Punkten vorgekommen (Kove- 
redo, Trient, Civezzano, Male, Dres, Cavalese, Botzen, Neu- 
markt) und desgleichen werden solche aus Görz, Triest, Laibach 
berichtet und selbst zu Karlstadt war die Erschütterung eine 
ungemein starke. Während sieb demnach die grösste Ausdehnung 
der Erschtttterung gegen Norden — und entsprechend vielleicht 
auch gegen Süden — zieht (abgesehen von dem ganz isolirt lie- 
genden Wien) war die Intensität am bedeutendsten gegen 0. 
und W. oder vielmehr, wie ein Blick auf die Karte lehrt, gegen 
OSO. und WNW. Da nun aber die grösste Kraft senkrecht auf 
die Richtung einer als Ausgangspunkt des Erdbebens angenom- 
menen Spalte wirken muss, so ergibt sich aus Vorstehendem, 
dass die Richtung dieser Spalte in unserem Falle eine nord- 
nordöstliche sein wird, über einen Punkt dieser Spalte herrseht 
bereits kein Zweifel, es ist dies der Focus am See von Santa 



630 B i 1 1 n e r. 

Croce. Legt man aber durch diesen eine Linie in der angegebenen 
Richtung, sq halbirt dieselbe das Alpagothol; berührt fast die am 
stärksten verwüsteten Orte Codenzan, Puds, Farra und Fadalto, 
läuft genau in der Thalspalte Santa Croce-Seravalle, triflfl; in 
ihrer Fortsetzung auf San Pietro di Feletto und noch ein wenig 
weiter gegen SSW. ebenso genau auf das Schloss CoUalto bei 
Barbisano am Soligo, den Centralpunkt zahlreicher Erdstösse im 
Jahre 18B8. Genau dieselbe nordnordöstliche Richtung aber hat 
auch der Oberlauf des Piave von Capodiponte bis über Pieve di 
Cadore hinaus. Es ist kaum eine andere Linie denkbar, die mit 
so vieler Wahrscheinlichkeit als die Axe des Erdbebens vom 
29. Juni 1873 angesehen werden könnte, als die eben angedeu- 
tete. Eine andere Frage ist allerdings die, ob die Erschütterung 
von einem oder von mehreren Punkten dieser Axe aus gewirkt 
habe. Es ist oben \ ersucht worden, durch eine Reihe von Beob- 
achtungen der Risse an beschädigten Gebäuden die Richtung 
der Stösse zu bestimmen, nach dem Grundsatze, dass parallel 
zur Stossrichtung gelegene Mauern senkrecht auf diese Richtung 
stehende Spalten zeigen, während Einstürze in der Regel da zu 
finden sein werden, wo die Lage der Mauern eine die Stossrich- 
tung unter einem rechten Winkel schneidende war. Dass diese 
Beobachtungsweise ihre grossen Übelstände hat, namentlich da, 
wo die Anzahl der zu Gebote stehenden Objecto eine geringe 
und ihre Orientirung eine sehr verschiedene ist, ist ebenfalls 
bereits hervorgehoben worden. Nichtsdestoweniger scheinen mir 
an manchen Orten die Resultate genügend bestimmt zu sein, um 
eine Folgerung auf die Stossrichtung wirklich zuzulassen. Die» 
gilt vor allem für Belluno, Pieve d'Alpago, Torres, Farra, Cima 
Nove, Sarmede und Fregona. Für alle diese Orte kann man im 
Mittel die Stossrichtung NW— SO. resp. umgekehrt annehmen; 
eine Ausnahme macht nur Belluno, wo sowie in Visome die 
Stossrichtung NO — SW. constatirt wurde. Ich kann hier eine 
Bemerkung nicht unterdrücken. Es ist mir nämlich unverständ- 
lich geblieben, inwieferne Herr Falb, der doch (Sirius Bd. VL, 
Heft 11) genau dieselbe Verthcilung der Zerstörungen in 
Beiluno constatirte, wie dies meinerseits geschehen ist, eben 
daraus die Stossrichtung von SO. oder 0. ableiten konnte. — 
Auch die Beobachtungen, die in Belluno zur Zeit der Erdbeben- 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 631 

Rtösse selbst gemacht wurden, stimmen fast alle darin Ubereiu^ 
dass die Bewegung aus NO. gekommen sei, nur wenige Angaben 
linden sich über eine 0. und eine NNW. Richtung , deren Mög- 
lichkeit sowie überhaupt die Möglichkeit verschiedener sich 
durchkreuzender Stösse auch gar nicht in Abrede gestellt 
werden soll. Im Alpagogebiete wurde mir an allen Orten sehr 
übereinstimmend als Ausgangspunkt der Stösse die Gegend am 
See angegeben. In der Chronik des Erdbebens vonA. Guernieri, 
pag. 26, findet man einen Bericht eines anscheinend genauen 
Beobachters, welcher dahin lautet, dass die Stösse von dem 
Berge über Santa Croce ausgehen, sich über das Alpagogebiet 
verbreiten und gegen die Felsen oberhalb Chifes gebrochen 
worden. Ein anderer Bericht in der „Provincia di Belluno" vom 
5. August behauptet mit grosser Bestimmtheit, das Centrum müsse 
etwas südöstlich von Farra unweit des Mte. Palatina liegen 
Das wäre demnach alles ziemlich genau mit der zu Pieve ^ 
Torres, Ferra, Cima, Nove und Sarraede constatirten Stossrich- 
tung zu vereinbaren. So ist denn wohl allerdings als Hauptstoss- 
punkt die Gegend im Osten vom Lago di Santa Croce, im Süd- 
osten von Farra kaum in Zweifel zu ziehen und diesem Focn& 
würden sich auch die im Gebiete von Ceneda gemachten Beob- 
achtungen unterordnen lassen, wenn man nicht vielleicht für 
San Pietro di Feletto die Annahme vorzieht, hier unmittelbar auf 
der Spalte selbst hätte sich die Kraft in selbständiger Weise 
geäusserL Aber es bleibt noch Belluno mit seinem Nordost- 
Stösse, und da erseheint es mir, falls man nicht eine ganz 
sonderbare Brechung der Stossrichtung voraussetzen will, 
wohl am einfachsten, ein zweites Centrum der Erschütterung 
anzunehmen, welches etwa 3a liegen würde, wo die Thalspalte 
des oberen Piave beginnt, also zwischen den Bergen Serva und 
Dolada. Es ist bereits oben bemerkt worden, dass der Oberlauf 
der Piave einer tiefen, steilwandigen, fast schnurgeraden 
Schlucht folgt, welche genau parallel zn der angenommenen 
Erdbebenspalte Collalto-Santa Croce verläuft. Die Auffassung 
derselben als Fortsetzung dieser (in etwas überspringender 
Richtung) scheint mir daher nicht im geringsten gewagt zu sein, 
um so mehr, als ein Umstand von ziemlich grossem Gewichte 
diese Auffassung noch unterstützt. DerErdstoss voml8. December 



632 B i 1 1 n e r. 

einige Minuten vor 8 Uhr M. wurde nämlich in Belluno sehr 
schwach, in Perarolo dagegen in viel bedeutenderer Kraft wahr- 
genommen. Gegen jene Annahme läset sich allerdings besonders 
dieThatsache, dass um den fraglichen Stosspankt die Zerstörung 
keineswegs eine bedeutende war, einwenden ; indessen will dies 
deshalb nicht viel sagen, da von Fällen, wo neben ganz zer- 
störten Ortschaften gänzlich unbeschädigte liegen , je eine gentt- 
gende Menge angeführt wurden und die Vertheilung der Ver- 
heerungen Überhaupt eine so anscheinend regellose und in 
manchen Fällen wirklich kaum zu erklärende ist. Es ist hier 
wohl der Ort, zugleich auf die Beziehungen zwischen Boden- 
beschaffenheit und Wirkung der Erschtltterung hinzuweisen, da 
im Ganzen und Grossen eine Abhängigkeit des Grades der Zer- 
störung von der Unterlage denn doch nicht zu verkennen ist und 
sich in der Art geltend macht, dass die auf der festesten Grund- 
lage erbauten Ortschaften auch im Allgemeinen am wenigsteu 
gelitten haben. Dasselbe Verhällniss ist unter anderm auch bei 
dem grossen Erdbeben von Lit^sabon constatirt worden, indem 
damals die auf Hippuritenkalk erbauten Stadttheile ganz unver- 
sehrt blieben, während-die auf tertiärem Thon und Sand stehen- 
den total zerstört wurden. Ähnliches ist nun auch hier eingetreten. 
San Floriane, Serravalle und die sämmtlichen Ortschaften auf 
dem Bergrücken, der Belluno von dem Alpagothale trennt, sind 
gänzlich unberührt geblieben, die Orte auf dem Tertiärplateau 
des Alpagothales , also Sitrau, Tigres, Villa, Gama, Chiis 
u. s. f. haben verhältnissmässig wenig gelitten, alle Ortschaften 
aber, die entweder an den Schuttmassen der Berggehänge oder 
auf dem flachen sandigen Seeufer sitairt sind, Socch^r, Arsi^, 
Pieve, Plois, Puös, Farra sind grösstentheils oder ganz zerstört 
worden. Der Diluvialschotter, auf dem Belluno steht, ist mög- 
licherweise denn doch nicht fest genug, als dass er einer Beschä- 
digung der Stadt mit Erfolg entgegenzuwirken vermocht hätte. 
Was aber schliesslich die Sobborghi von Belluno und Bastia 
anbelangt, so dürfte ein Grund, warum diese Localitäten gar so 
wenig gelitten haben , wohl schwer anzugeben sein. 

Nach den oben mitget heilten Beobachtungen und den anf 
dieselben basirten Annahmen würde somit als Sitz des Erdbeben« 
vom 29. Juni 1873 eine Spalte zu gelten haben, die von NNO— 



Beitrüge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 633 

SSW. verläaft; oder, utn genauer zu sein, mflsste man zwei Spalten 
annehmen, die einander sehr nahe liegen , parallel sind und von 
denen die eine gewissennassen nur als Fortsetzung der anderen 
zn betrachten wäre. Die Kraft der Erschütterung würde dann an 
dem nördlichen Ende der östlichen und an dem südlichen Ende 
der westlichen gleichzeitig gewirkt haben, das Erdbeben von 
Collalto aber hätte sodann das südliche Ende der ersteren zum- 
Ausgangspuncte , während der am 19. December zu Perarola 
empfundene Stoss auf die nördliche Fortsetzung der letzteren 
hinweisen würde, l^eider ist es nicht möglich, aus den Zusammen- 
stellungen der Erdstösse im Gebiete von Belluno - Alpago- 
— ihrer Unvollständigkeit wegen — sichere Schlüsse zu ziehen, 
sonst würde sich vielleicht herausstellen, dass man einzelne 
Erschütterungen wohl in dem einen , aber nicht in dem anderen 
Gebiete empfunden habe. Für einen Stoss ist dies indessen fest- 
zustellen möglich gewesen, fllr den vom 31. Juli um 5 Uhr 
32 Min. A. nämlich, der zu Belluno nicht wahrgenommen worden 
ist. Auch die Stösse vom Morgen des 1. August, die zu Farra 
und Chi^s als sehr stark angegeben werden, können in Belluna 
nur sehr unbedeutend gewesen sein, da ich trotz meiner 
Anwesenheit daselbst nicht das geringste davon wahrgenommen 
habe. Von Ceneda, das mindestens ebenso weit von Farra entfernt 
ist wie Belluno, werden dieselben Stösse als sehr stark berichtet. 
So vereinzelt auch diese Fälle sind, so sprechen sie doch gewiss 
sehr entschieden ftlr die Annahme getrennter Stosscentra. 

Es lässt sich wohl nicht in Abrede stellen , dass das bisher 
über den Sitz des Erdbebens Vorgebrachte zu einem nicht gerin- 
gen Theile nichts anderes ist , als Annahme und Muthmassung, 
indess darf dabei nicht übersehen werden, dass dieselbe nicht 
einer jeglichen Basis entbehrt , obwohl ich mir andererseits auch 
nicht verhehle , dass sich ebenso für die eine oder die andere 
mit der angenommenen nicht übereinstimmende Richtung der 
Erdbebenspalte gewisse Gründe vorbringen Hessen. Nach Abwä- 
gung aller dafür und dagegen sprechenden Umstände 
verblieb jedoch noch immer ein bedeutendes Uebergewicht zu 
Gunsten der angenommenen Richtung, welches hauptsächlich 
auf die Beobachtung der Stosswirkungen an Gebäuden begrün- 
det ist, so dass, wenn man nicht diesen Beobachtungen einen 



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T^Ä. r>»:Mi4 da zf:ijrt '*i'"h. da»** d^* .'*er'!iai '•'•!* Fa.ial:'> ,rir ai^bs» 
Ar.':^re* :*t, ai.% «iaj» *r*ti>*r;'*e «Tlirri jener B«c:Le TOk ^cvalnzes 
<^»vm/hi;^ht^ö. die dea .•^'iiaryhao^ der Alpen dcnri^rnea and 
VOM I>a;r*> Ka^^ore. La^o lii Lor/tr.«». La^ di r«:>iB>>. La^ 
i\\^jf^ \jä^/9 AldrOj I.a^v> di Oarda and Tom La^> di c^anta 
Cr^i^e uf-jr^ de^'^en »Oali^hen kleinerea Xar-hbam erftüt wo-- 
deflu i.k kanri ^r keinen aoflallenderen Pandlelisnia» geben, ak 
ihn die^i^ir .Seeth^iler darbieten. Aber aa^-h Erdbeben jpehoren 
in dern einen wie in dem anderen zn den dorehaos nicht vn^- 
w^brili^'b^n Kr'^efaeinnngen. leb erinnere hier nor an die sehr be- 
#U^jit^nden ond ülieraa.«« zahlreichen Er^ebOttennigen in den Jah- 
ren lH'>j and lh*'fH am Garda^^ee. an die nonilich vom Lago 
4 Ulro 7M Tione in den Ffinfziger- Jahren mehrfach beobachteten 
Erdbeben and an die %'on Tenlerbliehen WiriLongen begleiteten 
Erdi!t^««e vom Jahre 1^67 am Lago Maggiore. In Beziehong aaf 
den Oardai^ee könnte man die Analogie sogar noch weiter treiben 
ond CaMi^ione, im .Süden davon gelegen «Erdbeben vom 
Vf. Aug. 1771; mit Collalto vergleichen, wenn sich nachweisen 
Wc.nnCf (\smu dan erwähnte Erdbeben wirklieh hier seinen Sitz gehabt 
habe. — Eine andere Erdbebenlinie scheint den äossersten Rand 
der A\]H'.n gegen die venetianische Ebene za begleiten, wenig- 
«tenM sprei'hen daiUr die wiederholten Erdbeben im Districte von 
AnoIo and am l'assano, si>eeiell jenes vom 20. Jnli 1836 in der 
Linie iV^rso-Passagno, femer die Blosse von Valdobbiadene and 
Oaja and endlich die Ersr'hütterang, die man am 20. Jali 1878 
zu Maniago und Cavasso Naovo (Prov. Udine) wahrgenommen 
hat (7Mr selben Zeit wurde übrigens aach ein schwacher Stoss 
in Kelluno verspürt;. Alle die genannten Orte liegen in einer 
geraden Linie genau am Fasse des Gebirges. Wohin sich diese 
Linie fortsetzt; kann mit »Sicherheit nicht behauptet werden; 
ihre nordliMtliche Verlängerang würde sehr genaa aof Tarvis 
(wiederholte ErdstOssc) and Viilach treffen. Es bleibt aber hier 



Beiträge zur Kenntniss des Erdbebens von Belluno etc. 635* 

ein yiel zu grosser Zwischenraum, als dass man auf dieses Zu- 
sammentreffen vorläufig allzuviel Gewicht legen könnte. Aller- 
dings liegt nicht weit ausserhalb dieser Linie auf der fraglichen 
Strecke Tolmezzo mit seinem zerstörenden Erdbeben vom 
20. October 1788. Gegen Südwesten ttber Bassano hinaus 
treten endlich auf dieser Linie die äussersten Ausläufer der 
Vicentinischen Basalte auf. Schon Berti (SuUi Ultimi tremuoti 
di Venezia 1857) machte auf die Möglichkeit der Existenz einer 
ähnlichen Linie aufmerksam und verlängerte dieselbe im Bogen 
parallel zum Hanptstreichen der benachbarten Alpen einerseits 
bis gegen Badmaunsdorf , andererseits bis gegen Parma. Der- 
selbe Autor hebt ferner die eigenthUmliche Ausbreitung der 
Erschütterung vom 31. Jänner 1857 hervor, die ihren Sitz in 
der Nähe von Parma hatte und weit gegen 0. und NO. wahrge- 
nommen, dagegen sehr beschränkt in W. and gar nicht in SW. 
verspürt wurde. Erdbeben von ähnlicher Verbreitung scheinen 
in der That auch früher schon mehrmals vorgekommen zu sein, 
besonders in den Jahren 1831 und 32, während im Gegensatze 
dazu in den nächstfolgenden Jahren zahlreiche Erschütterungen 
auf einer durch dicht gedrängte Stosspunkte ausgezeichneten, 
von Parma gegen SW. verlaufenden Linie sich einstellten. Doch 
gehört dies strenggenommen nicht hieher und ist auch nur des- 
halb berührt worden, weil thatsächlich zu wiederholten Malen 
Erderschütterungen zugleich in Parma und einem Theile des 
venetianischen Gebietes beobachtet worden sind. 

Zum Schlüsse will ich einige Worte über die mögliche 
Ursache dieses Erdbebens hinzuzufügen. Herr Falb hat dasselbe 
seither für seine Theorie der Fluthbewegungen eines feurig- 
flüssigen Erdkerns in Anspruch genommen (Sirius 1873, Heft 11). 
Auch die Einsturzhypothese hat bereits ihren anonymen Vertreter 
gefunden, welcher sogar meint, durch Tiefbohrungen den Sitz 
der Erschütterung ermitteln zu können. Indessen Hessen sich 
wohl mehrere Umstände, theils diesem, theils anderen Erdbeben 
entnommen , anführen , welche theilweise mit der ersteren , theil- 
weise mit der letzteren Erklärungsweise nicht recht zu stimmen 
scheinen. Auf die geringe Tiefe des Herdes, die bei den bis 
jetzt berechneten Erdbeben gefunden worden ist und welche sich 
nach dem Grössenverhältnisse des Zerstörungs- zum Schütter- 



636 B i 1 1 n e r. 

gebiete sowie aus der yorherrschenden RichtangderMaaerspalten 
aüch für unsere Erdbeben annehmen jiesse, soll dabei kein be-. 
sonderes Gewicht gelegt werden. Viel wichtiger scheint mir da« 
plötzliche Wiederaufleben der Kraft an vom Centmm oft "weit 
entfernten Punkten, sowie der umstand , dass an zwei oder meh- 
reren Orten einer Erdbebenspalte znweilen Erschüttemngen anfv 
zutreten pflegen , während die dazwischen liegenden ruhig bleiben 
Sodann wäre hier anzureihen das merkwördige Abhängigkeit« ' 
Verhältnisse in dem einzelne habituelle Stossgebiete zu einande 
stehen. Vor allem wichtig aber seheinen mir endlich jene Fälle z 
sein, in welchen ein offenbares Verschieben oder Wandern un 
dann zuweilen ein plötzliches Zurückspringen des Stosscentrnn? 
von 1783 stattfindet, wie dies bei dem grossen calabrischen Er« 
beben in so ausgezeichneter Weise vorgekommen ist. Diese Un 
stände aber scheinen mir für die erwähnten beiden Hypothese 
in demselben Masse Schwierigkeiten zu bieten , als sie mit eine 
dritten Erklärungs weise in Einklang stehen, welche zudem no«^ 
den grossen Vorzug für sich hat, dass sie bei weitem einfacher / 
und weniger Voraussetzungen machte, denn sie bedarf we^ 
der Annahme eines feurigflttssigen Erdkernes mit Ebbe und Flu_^ 
noch jener ausgedehnter unterirdischer Hohlräume, sond< 
höchstens der von fortdauernden Bewegungen in der festen Ei 
Oberfläche, einer Annahme also, die eigentlich gar keine ist, 
an der Thatsächlichkeit solcher Bewegungen gar nicht im Mi 
(lesten gezweifelt werden kann. Der gewaltige gegenseitii 
Druck und die Spannung der sich verschiebenden Gebirgsmasse 
das Entstehen neuer und die Erweiterung schon bestebendi 
Klüfte und Spalten bilden hinreichende Ursachen , die sowo! 
einzeln als zusammenwirkend die meisten unserer Erdbebc 
zu erzeugen im Stande sein mögen. Auch die Fluthhypothe« 
bedarf ja, wie es scheint, der Spalten. Wenn man aber solch« 
bedarf, um mittelst anderer entlegenerer Kräfte und Masse 
Erdbeben zu erklären, welche Kraft erzeugt dann diese Spalte 
und geht ihre Bildung wirklich so ganz unmerklich vor sich 
Dies wird man gewiss nicht behaupten wollen. Es wäre offen 
bar zu weit gegangen, wollte man ein jedes Erdbeben hieran 
zurückfuhren, aber wenn irgend wo die Verhältnisse, wie sii 
6. Poulett Scrope in so überzeugender Weise als die bedin 



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Beiträge zur Kenntniss dea Erdbebens von Belluno etc. 637 

genden Ursachen der Erdbeben and Vulkanausbrüche schildert, 
thatsächlich zusammengewirkt haben mögen , so ist dies an den 
eoncaven Seiten der grossen mitteleuropäischen Gebirge der 
Alpen y der Karpathen and des Apennin ber Fall gewesen. Die 
weitgehendsten Störungen , die furchtbarsten Erdbeben und die 
gewaltigsten Vulkanausbrüche haben hier in enger Vereinigung 
stattgefunden und finden noch statt und darum erscheint es mir 
denn zum mindesten überflüssig, auf fernerliegende Hypothesen 
zurückzugreifen , um eine einzelne dieser Erscheinungen zu 
erklären , die sich viel besser im Zusammenhange mit anderen 
nicht anzufechtenden Erscheinungen als das begreift, was sie 
wohl ist, als eine in ihrem Auftreten zwar furchtbare, aber doch 
nur secundäre Wirkung untergeordneter Art der gebirgbilden- 
den Kräfte selbst. 



I Sitsb. d. m*ihem.-Diitarw. Ol. LXTX. Bd. IT. Abth. 

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