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Digitized by the Internet Archive 

in 2011 with funding from 

The Field Museum's Africa Council 



http://www.archive.org/details/beitrgezurkulturOOstuh 



Deutsch-Ost- Afrika 

Wissenschaftliche Forschungsresultate über Land und Leute unseres 
ostafrikanischen Schutzgebietes und der angrenzenden Länder. 



Band X 



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Wissenschaftliche Forschungsresultate über Land und Leute unseres ostafrikanischen 

Schutzgebietes und der angrenzenden Länder. 



BAND X 



Beiträge 



zur 



Kulturgeschichte von Ostafrika 

Allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung 
und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere 
mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika 



von 



Dr. Franz Stuhlmann 



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SS 554 



BERLIN 1909 
DIETRICH REIMER (ERNST VOHSEN) 






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Beiträge 



zur 



Kulturgeschichte von Ostafrika 

Allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung 
und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere 
mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch -Ostafrika 



von 



Dr. Franz Stuhlmann 



Kaiserlichem Geheimen Regierungsrat, Direktor des Biologisch-Landwirtschaftlichen Instituts in Amani, 
beurlaubt zur Führung der Geschäfte der Zentralstelle des Hamburgischen Kolonial-Instituts. 



Mit 4 Textabbildungen, 13 Verbreitungskärtchen und 3 graphischen Darstellungen 




BERLIN 1909 
DIETRICH REIMER (ERNST VOHSEN) 



Alle Rechte vorbehalten. 



Druck von J. J. Augustin in Glückstadt 



Seiner Majestät dem Könige von Italien 

Vittorio Emanuele III. 

dem Schöpfer des 
Istituto Internazionale d'Agricoltura 

zu Rom 
ehrfurchtsvoll zugeeignet. 



Vorwort. 



Nach einem zwanzigjährigen, arbeitsfreudigen Aufenthalt in Ostafrika drängte 
es mich, eine Anzahl von Notizen und Beobachtungen zusammenzufassen, die 
im Laufe der Zeit entstanden sind und die ich hier, zusammen mit vielen sehr 
subjektiven Plaudereien über die nationalökonomische Bedeutung einzelner Pro- 
dukte und über die Entwickelung der materiellen Kultur des Landes, in den 
nachfolgenden Zeilen niederlegte. Es ist immer am besten, wenn man selbst 
eingesteht, welche Fehler eine Arbeit hat. Ich mußte mich als völliger Laie 
auf mir ganz fremde Gebiete der Botanik, Geschichte und Linguistik begeben 
und werde dabei sehr viele Entgleisungen begangen haben. Das mir zugäng- 
liche Material war außerordentlich ungleichmäßig, ich mußte die Worte aus den 
Eingeborenen-Sprachen so übernehmen wie ich sie fand, teils mit ganz ver- 
schiedenen Transkriptionen. Und um den Umfang dieser Plaudereien nicht allzu 
groß werden zu lassen — schon weil die Notizen ursprünglich teils zu anderen 
Zwecken gesammelt waren — , habe ich auch fast überall nicht angegeben, 
woher ich diese oder jene Angabe erhalten habe. Es war mir zudem nicht 
möglich, für jedes Produkt eine vollständige Monographie zu erstellen; zu einem 
solchen Zwecke hätte ich mich auf wenige Sachen beschränken müssen, und 
dabei wäre der Absicht dieser Zeilen, die gesamte Entwickelung der Landes- 
kultur zu verfolgen, vereitelt worden. Etwa dreiviertel der nachfolgenden Notizen 
ist in afrikanischer Einsamkeit auf dem Biologisch-Landwirtschaftlichen Institut 
Amani im Jahre 1907 entstanden, wo ich nicht die Hilfsmittel großer Bibliotheken 
und Rücksprachen mit Fachleuten zur Verfügung hatte. 

Durch schwere Erkrankung wurde ich im Januar 1908 gezwungen, von 
Ostafrika einstweilen abzureisen, ich konnte deshalb manche beabsichtigten 
praktischen Notizen, besonders in bezug auf die Narkotica und die Haustiere, 
nicht mehr erhalten. Und auch das zusammenfassende Schlußkapitel mußte ich 
gegen meine ursprüngliche Absicht viel kürzer fassen, als ich es erst wollte. 

So bitte ich, das Nachfolgende nur als eine Sammlung von Notizen und 
Plaudereien aufzufassen, nicht als eine wissenschaftliche Arbeit, zu der mir 



— X — 

Gelegenheit und Vorkenntnisse fehlten. Ich glaube aber, daß mancher, der 
draußen in der Praxis steht, einige ihm wertvolle Notizen darin finden wird, 
und ich würde mich freuen, wenn diese als Anregung dienen würden, über 
manches nachzudenken und auf diese Weise ein besseres vollständigeres Material 
zusammenzubringen, als ich es konnte. Der Praktiker vor allem sollte positive 
Zahlen liefern, welche die meinigen ergänzen oder berichtigen. 

Ich hatte zuerst beabsichtigt, auch die Metalle noch in den Kreis meiner 
Betrachtungen zu ziehen, mußte aber diesen Plan bis auf weiteres fallen lassen, 
da die Resultate eines Fragebogens nicht mehr rechtzeitig in meine Hände ge- 
langten. Vielleicht kann ich später einmal das Versäumte nachholen. Der 
größte Teil des Manuskripts ist im Jahre 1907 gefertigt, das ganze im Juni 1908 
abgeliefert. Während des Druckes konnte ich noch einige Änderungen vor- 
nehmen, die letzten Zusätze und Verbesserungen in der Form eines Nachtrages, 
den ich zu beachten bitte. 

Absichtlich habe ich, nach einer Erfahrung in Ostafrika von zwei Dezennien, 
die Fragen eher pessimistisch als optimistisch hingestellt. Schlagen Unternehmen 
günstiger aus als die Erwartung war, so ist es besser als umgekehrt. Daß ich 
keine Liebe und Hoffnung zum Lande und seinen Kolonisten hätte, wird mir 
deshalb niemand vorwerfen können. 

Allen den Herren, welche mich durch Beiträge von Material und Angaben 
bei dieser Arbeit unterstützt haben, spreche ich hier meinen besten Dank aus. 
Ebenfalls Herrn Konsul a. D. Ernst Vohsen, der in alter Liebenswürdigkeit 
den Verlag dieser Studie übernahm und keine Mühe und Kosten scheute, meine 
Wünsche zu befriedigen. 

Bei der Arbeit bestrebte ich mich vielfach, für die in Frage kommenden 
tropischen Produkte der Größe der Weltproduktion, Angebot und Nachfrage, 
nachzugehen, und fand dabei große Schwierigkeiten, die Unterlagen zu beschaffen. 
Mit der Klärung dieser Fragen in Bezug auf die Landwirtschaft wird sich das 
auf . staatlicher internationaler Basis aufgebaute Istituto Internazionale 
d'Agricoltura in Rom befassen, die weitsichtige, großzügige Schöpfung des 
Königs von Italien, welche im Vorjahre ins Leben trat, während ich bei einem 
Aufenthalt in Italien diese Arbeit abschloß und meine angegriffene Gesundheit 
kräftigte. Mit der Hoffnung, daß dies Institut sich auch der nationalökonomischen 
Statistik tropischer Produkte widmen wird, verbinde ich den ehrfurchtsvollen 
Dank an dessen Begründer, Seine Majestät den König von Italien, 
Vittorio Emanuele III., für die Annahme der Zueignung meiner Arbeit. 

Hamburg, im April 1909 F. Stuhlmann. 

Hamburgisches Kolonial-Institut. 



Inhalts- Verzeichnis. 



Seite 

Vorwort IX 

Verzeichnis der Textabbildungen, Karten u. graphischen Darstellungen XXIII 
Einleitung. Nur durch geschichtliche Betrachtung kann man die Volksseele 
verstehen. Thema der folgenden Betrachtungen über die Geschichte 
der Einführungen von Nutzpflanzen, Haustieren usw. Methode der 

Untersuchung 3 

A. Die Nutzpflanzen 13 

/. Die nützlichen Palmen . 13 

1. Areca Catechu, die Betel-Palme 13 

2. B o rassus flab e l life r , die Deleb- oder Borassus-Palme 14 

3. Calamus sp., Rottang, Stuhlrohr . . . . . . . . 16 

4. Co cos nucifera, die Cocos-Palme 16 

5. Elaeis guine ensis , die Ölpalme 25 

6. Hypliaena coriacca, die Dum-Palme 29 

7. Lodoicaea Sechellarum, die Seyschellennuß, coco de mer 31 

8. Phoenix dacty lifera , die Dattel-Palme ... 32 

9. Phoenix reclinata, die wilde Dattel-Palme . 34 

10. Raphia Mo m buttor um, die Rhaphia- oder Bambu-Palme 34 

11. Verschiedene Palmen usw., Arenga, Ca ryota, Chamae- 
rops, Carludovica 36 

//. Die Bananen 37 

1. Musa paradisiaca , die Eß- und Kochbananen • • ■ 37 

2. Musa textilis, die Manilla-Hanf-Banane ...... 58 

3. Musa Hol stii und verwandte Arten, die afrikanischen 
Faser-Bananen -59 

///. Die Orangen und Citronen . . 63 

1. Die verschiedenen Citrus- Arten, Agrumen . . . . 63 

2. Citrus Aurantium amara, die bittere Orange . . 6j 

3. Citrus Aurantium sinensis , die süße Orange ... 72 

4. Citrus Aurantium sinensis var. decumana , die 
Pampelmuse • 75 



— XII — 

Seite 

5. Citrus Aurantium j aponica, die japanische Zwerg- 
Orange ?6 

6. Citrus Aurantium Suntara , die Suntara- Orange, 
falsche Mandarine jQ 

7. Citrus nobilis, die echte Mandarine yj 

8. Citrus nie die a genuina, die Cedrat-Zitrone . . . . 78 

9. Citrus niedica Limonum, var. vulgaris , die Zitrone 79 

10. Citrus niedica Limonum var. Limetta, die süße 
Limone 81 

11. Citrus histrix aeida, die Limonelle 81 

12. Anhang: Arabisches Manuskript über die Orangen 
Zanzibars 82 

IV. Die übrigen Fruchtbäume 85 

1. Achras Sapota, die Sapotillpflaume, Zapote .... 85 

2. Adansonia digitata, der Affenbrod- oder Baobab- 
Baum 85 

3. Anacardium occidentale , der Kaschu- oder Acajou- 
Baum. Anhang: Seme carp us Anacardium ... 88 

4. Ananas sativus, die Ananas 90 

5. Anona s ene galensis , die afrikanische Creme-Frucht 92 

6. Anona squam osa , Creme-Frucht, Zimtapfel, Sweet-sop . 92 

7. Anona muricata , die Stachel- Anone, Corrosol ... 94 

8. Anona r eticulata , die Netz-Anone, Ochsenherz ... 94 

9. Anona c herimoia , die Cherimoia 95 

10. Artocarpus incisa, der echte Brodfrucht-Baum 95 

11. Artocarpus int e grifolia , der Jackfrucht-Baum, fenessi 96 

12. Carica Papaya, Papay, Melonen-Baum ...... 97 

13. Carica eundinamar censis , die Bergpapay .... 99 

14. Ceratonia siiiqua, der Johannisbrod-Baum .... 100 

15. C 'hry sop hy llum Ca'inito, der Stern-Apfel . . . .101 

16. Cycas cir cinalis (nebst Encep halartos Hilde- 
brandtii) ■ 101 

17. Durio sib ethinus , der Durio oder die Stinkfrucht . . 102 

18. Ficus Carica, die Feige 102 

19. J am bos a ma lac censis , der Malay-Apfel 104 

20. Jambosa dorne stica Rumph. . . - . . . . . .104 

21. Jambosa samarangensis 104 

22. Jambosa vulgaris, der Rosen-Apfel 105 

23. Mangifcra indica, der Mango-Baum. Anhang: Peori, 
Indisch-Gelb 105 

24. Monis alba var. indica, der indische Maulbeer-Baum 110 



— XIII — 

Seite 

25. Nep helium lappaceum, der Rambutan oder falsche 
Litschi 112 

26. Opuntia Ficus indica, die Cactus-Feige. Anhang: 
Cochenille 112 

27. Passiflora edulis, die Grenadilla 114 

28. Passiflora quadr angularis 114 

29. Passiflora sp. . - 114 

30. Persea gratissima, die Avocado-Birne 114 

31. Pkysalis peruviana, die Kap-Stachelbeere .... 115 

32. Psidium Guayava, der Guajaven-Baum, mapera . .116 

33. Psidium Cattleyanum 117 

34. Psidium pumilum . . 117 

35. Punica granatum , der Granatapfel-Baum 117 

36. Sp ondias dulcis, der Cythere-Apfel 119 

37. Spondias lutea, die gelbe Mombin-Pflaume . . . .119 

38. Tamarindus indica, die Tamarinde . . . . . .119 

39. Termin alia Ca tapp a, der indische Mandelbaum . .122 

40. Sy cygium owariense, der mzamberaUrYtexxm . . .122 

41. Vitis vinifera, der Weinstock 123 

42. Zirjyphus Jujuba , der Jujubendorn, Brustbeeren-Baum 124 

43. Verschiedene Fruchtbäume. Doryalis hebecarpa, 
Flacourtia Rani ontc hii , Flacourtia cataphr.acta, 
Flacourtia sapida, Fribotry a japonica, Hovenia 
dulcis, Chry sophyllum Icaco, Prunus Puddum , 
Cyphomandra betacea, Averrhoa B ilimbi , 
Averrhoa C aramb la , Vangueria edulis, Mon- 
ster a de licio sa , Sandoricum indicum, A/nygdalis 
communis , Prunus persica, Prunus arme niaca , 
Prunus cerasus, Birnen, Äpfel, Nüsse, Kastanien . .126 

V. Gurken, Kürbisse und andere Gemüse 129 

1. Allium Cepa, die Zwiebel 129 

2. Allium sativum vulgare, der Knoblauch .... 131 

3. Amar antus spinosus, mchicha 131 

4. Citrullus vulgaris, die Wassermelone . . . . .132 

5. Corchorus olitorius und C. acutangulus , Jute . . 134 

6. Cucumis Meto var. agrestis, die Gurken-Melone . 136 

7. Cucumis metuliferus, die afrikanische Gurke . . . 137 

8. Cucumis sativus, die Gurke 137 

9. Cucurbita moschata, C. maxima, C Pepo, der 
Kürbis . 138 

10. Hibiscus esculentus, Bamia, Okro . 142 

11. Hibiscus Sab da riffa , Rosella 144 



— XIV — 

Seite 

12. Lagenaria vulgaris, der Flaschenkürbis 145 

13. Luffa cy lindrica , die Luffa-Gurke 146 

14. Momordica CJiarantia, der Banyanen-Kürbis . . 148 

15. Moringa oleifera, der Meerrettig-Busch 148 

16. P c die e Ilaria p cntap hy l la 149 

17. Portulacca oleracca, der Portulak 149 

18. Rh'ap hanus sativus, der Rettig 150 

19. Sechiuni edule, die Chayote, Chouchou 151 

20. Solanum esculentiim, die Eierfrucht, Aubergine . 151 

21. Solanum Ly cop ersicum, die Tomate 153 

22. Solanum Boyeri Dun. u. a. Arten 154 

23. Anhang: Kresse, Senf, Kohl, Fenchel 155 

VI. Das Zuckerrohr . .157 

1. Sacc ha rum off i ein a rum . 157 

VII. Getreidegräser und Futtergräser 165 

1. Avena sativa. der Hafer 165 

2. Andropogon Sorg/zum, der Mohrenhirse. Matama, 
Sorghum, Durra 165 

3. Cynodon daetylon. Bermudagras 176 

4. Eleusine coracana, das Eleusine oder Ulesi-Korn . . 177 

5. H ordeum distichon. die Gerste 181 

6. Leptochloea chinensis 182 

7. Le pto cJi lo e a obtusiflora . 182 

8. Oryza sativa, der Reis ... 182 

9. Panicum colonum, der Hirse 193 

10. Panicum Cruz Galli 193 

11. Panicum fr um entace um 193 

12. Panicu m j um ento rum , Guinea-Gras 193 

13. Panicum sanguinale 194 

14. Panicum milia c e um , der Hirse 194 

15. Panicum sp., lugombe 194 

16. Pcnnisetum a m e ri canum , der Negerhirse . . . . 194 

17. Eragrostis abyssinica, der Teff 199 

18. Setaria italica, der Kolbenhirse 199 

19. 7 'ritte um sativum , der Weizen 200 

20. Zea Mays, der Mais ............ 201 

VIII. Die Hülsenfrüchte 211 

1. Cajanus indicus, die Strauchbohne, mbasi . . . .211 

2. Canavalia ensiform e , die Fetisch- oder Schwertbohne 213 

3. Cicer arietinum, die Kichererbse 214 

4. Cyamopsis tetragonoloba 214 

5. D olicho s biflorus, die Pferdebohne, Horse gram . . 214 



— XV — 

Seite 

6. D olichos Lablab, die Helmbohne, fiwi 215 

7. Glycine hispida, die Soya-Bohne 216 

8. Lathyru s sativus, die weiße Platterbse 217 

9. Lens es eulenta, die Linse 217 

10. Mucuna m e l anocarp a . »upupu«- 218 

11. Pachyrhizus bulbusus , die Yambohne 218 

12. Phascoius ac onitifoliu s 218 

13. Phaseolus lunatus , die Lima-Bohne, Duffin-Bohne . 218 

14. Phaseolus Mungo, die Mungbohne, djirokko . .219 

15. Phaseolus vulgaris, die Gartenbohne 221 

16. Pisum sativum , die Gartenerbse 224 

17. Psophocarpus l ongep eduneulatus 225 

18. Trigonella F cnum- gr ae cum , der Bockshorn-Klee 225 

19. Vicia Faba, die Sau- oder Puffbohne 226 

20. Vigna nilotica 226 

21. Vigna sinensis, die Vignabohne, kitndc 226 

22. Voandzeia subterranea, die Erderbse, ndjugu mawe 228 

IX. Die Knollengewächse 231 

1. Alocasia macrorrhiza 231 

2. An c ho man e s difformis nebst Hydrosme . . .231 

3. Coleus sp,, die numbu-KnoWen 231 

4. Coccinia sp 235 

5. Co 1 casi a antiquorum , die Colocasie . . . . . .235 

6. Cyperus esculentus, die Erdmandel 238 

7. Dioscorea sp., die Yams ... 238 

8. Dioscorea (H e Imia) bulbifera, die Luftknollen Yam 245 

9. Ppomoea Batatas, die Batate oder Süßkartoffel, via 31 . 246 

10. Ip m e a t üb er s a 251 

11. Manihot u ti lis sima , der Maniok oder die Kassava, 
mohogo 251 

12. Maranta arundinacea, die Pfeilwurz 263 

13. Nynlp haea stellata, Wasserrose 263 

14. Solanum tuberosum, die Kartoffel 264 

15. Tacca pinnatifida, die afrikanische Arrowroot-Pflanze 264 

X. Die Gewürze , • •/ 267 

1. A m omum- Arten (A. c ardam in um , A. subulatuui, 

A. xanthioide s , Afr am omum meleguctta A. mala) 267 

2. Anethum graveoleus, der Dill 268 

3. C ap sicum Minimum, der spanische Pfeffer .... 269 

4. Carum Carvi, der Kümmel 277 

5. Carum cop ti cum , der Adjowan-Kümmel 277 

6. Caryophyllus aromaticus. die Gewürznelke . . 278 



— XVI — 

Seite 

7. Cinnamomum Cassia und C. zey lanicum, der 
Zimmt, der Zimmthandel des Altertumes 295 

8. C oriandrum sativum, der Koriander 310 

9. Cuminum Cyminum, der römische Kümmel . . . .311 

10. Curcuma longa, die Kurkume 312 

11. Cur cum a Zedoaria, die Zittwerwurzel 315 

12. Eletteria Cardamömum, der Kardamom . . . .315 

13. F oeni culum vulgare, der Fenchel 319 

14. Myristica fragans , die Muskatnuß 319 

15. Nigella satiua, der Schwarzkümmel 323 

16. Pimpine IIa anisum, der Anis 324 

17. Piper Clusii, der Aschanti-Pfeffer 324 

18. Piper sp 325 

19. Piper longum. der lange Pfeffer 325 

20. Piper nigrum, der schwarze Pfeffer 326 

21. V anil l a p lanifoli a , die Vanille. Anhang: V. cucul- 
lata , V. Ros c heri 329 

22. Xylopia Emiuii und verwandte Arten, der Mohren- 
oder Negerpfeffer 334 

23. Zingib e r officinale, der Ingwer 334 

24. Anhang: Zingib e r Zerumbet , H edy chi um spi- 
catum, Alpiuia officinarum 339 

XL Die narkotischen Genußmittel 340 

1. C annabis sativa, der Hanf 340 

2. Catha (C e lastrus) edulis, die Cath-Blätter .... 344 

3. Coffea arabica, der arabische Kaffee 344 

a) Wilder Kaffee in Ostafrika 356 

b) Coffea liberica 358 

c) C off e a arabica v a r. Stu h l m a n u i i, der Bukobä- 
Kaffee - 358 

4. Cola vera, der Kolanuß-Baum 366 

5. 1 1 e x p a r a guarie nsis , Yerba mate 367 

6. N icotian a Tab acum und N. rustica, der Tabak . 367 

7. Piper Betle, der Betel-Pfeffer 374 

8. T he obroma Cacao, der Kakao 377 

9. Thea sinensis , der Thee. Anhang: Theeartige Auf- 
güsse von anderen Pflanzen (Citrus, Angrae cum) . . 378 

XII. Pflanzen, welche Öle und Fette liefern 383 

1. Allenb lackia Stuhlmannii 383 

2. Aleuritis triloba, der Lichtnußbaum 383 

3. Arachis hypogaea, die Erdnuß 383 

4. Guizotia abys sinica , die Nigersaat 393 



XVII — 



5. Hyptis specigera 

6. J atrop ha Curcas, die Purgiernuß 

7. Linum usitatis simum , der Lein 

8. Olea europaea, der Ölbaum 

9. Ricinus communis , der Ricinus-Strauch 

10. Rhus succe danea, vegetabilisches Wachs aus Japan 

11. Sapium sebiferum, der chinesische Talgbaum 

12. Sesam um in die tun, die Sesam-Pflanze 

13. Sterculia sp 

14. Telfairia pedata , die Kwemme-Liane 

15. Ter mina lia Ca tapp a 

XIII. Pflanzen, welche ätherische Öle und Kampfer liefern 

1. Androp ogon- Arten . 

a) A. schoenanthus 

b) A. (Cy mbopogon) Marti?ii, Palmarosa-Öl 

c) A. citratus und A. flexuosus, Lemongras-Öl 

d) A. JVardus, Citronellgras-Öl 

e) A. (Vetiveria) zizanioides , die Vitiverwurzel . 

2. Cananga odorata, die Ylang-ylang oder Cananga-Pflanze 

3. Cinnamomum Camp hör a , der Kampferbaum 

4. Melaleuca l e u cade ndr on var. Cajeputi . 

5. Ocimum B a silicum , die Basilikum-Pflanze . 

6. Ocimum canum, 0. suave 

Anhang: Mentha sp 

7. Pelargonium odoratis simum , P.roseum, P.capi- 
tatum, Pelargonium -Öl 

8. Pogostemum Pachou/i, die Patschuli-Pflanze 

9. Santa/um album, das Sandelholz . 

Anhang: Osyris tenuifolia , afrikanisches Sandelholz 

XIV. Die Medizinal- und Gift-Pflanzen 

1. Acocanthera Schimp eri , das Pfeilgift 

2. Aloe sp., die Aloe 

3. Cassia angustifo lia und verwandte Arten, die Sennes- 
blätter 

4. Cassia fistula . 

5. Cinchona succirubra und verwandte Arten, die China- 
Rinde 

6. Cr o ton Tiglium 

7. Erythrophloeum guine ens e , der moavi-Baum . 

8. Erythroxylon Coca und E. novogranatens e , die 
Coca'in-Pflanze 

9. Euphorbia Candela br um und andere Arten 

Stuhl mann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika; *■>■ 



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— XVIII — 

Seite 

10. Hagenia abyssinica , der Kousso-Baum 447 

11. JatrorrJriza Columbo , die Columbo-Wurzel . . . 448 

12. M ar sdenia C ondurango 448 

13. Mirabilis Jalappa 449 

14. Papaver somniferum , die Mohnpflanze, Opium . . 449 

15. Pilocarpus pinnatifo lins , Jaborandi 452 

16. Piper angu stifo lium , Matico . , 452 

17. Sau ss urea Lappa, costus 453 

18. SmilaxKraussiana, Sarsaparilla 453 

19. StrophanthusKom.be und andere Arten, Strophanthus- 
Samen 456 

20. Tephrosia Vogelii, Fischgift 463 

21. Uragoga Ip e cacuanha, die Brechwurzel 463 

XV. Pflanzen, welche Faserstoffe liefern 465 

1. Agava rigida var. Sisalana, die Sisalhanf-Agave . 465 

2. B oe hmeria nivea, die Ramie 485 

3. Bombax rJiodo gnap halon 486 

4. Ceiba p entandra , der Baumwollbaum, Kapok . . . 487 

5. Cyperus Papyrus, der Papyrus 491 

6. Ficus c hl amy d odora und andere Rindenstoff-Ficus- 
Arten 492 

7. Fourcroya gigantea, die Mauritius-Hanf-Agave . . 497 

8. G os sypium herbaceum und andere Baumwollarten . 500 

9. Hibiscus cannabinus, Madras-Jute 533 

10. Pandanus utilis und andere Schraubenpalmen . . . 534 

11. S ans e vier a sp 534 

12. Stipa tenacis sima , das Haifagras, Esparto .... 538 

13. Anhang: Triumfetta , Sida, Securidaca, Zaca- 
ton (Epicamp.es , Chrysop ogon Gryllus) .... 541 

XVI. Farbstoff -liefernde Pflanzen 544 

1. Bixa or e llana , Orlean 544 

2. Carthamus tinctorius, Saflor ......... 545 

3. Crocus sativus, Safran 546 

4. C e asalpinia Sap pan , das Rotholz, Brasilholz . . . 548 

5. Datura alba, der weiße Stechapfel 549 

6. H aemato xy Ion camp e chianum , der Blauholz-Baum 550 

7. Indigofer a tinctoria, die Indigo-Pflanze. Anhang: 
Ultramarin . 550 

8. Latusonia inermis, die Hennah-Pflanze 555 

9. Morinda citrifolia 55^ 

10. Rocella Montagnei, die Orseille 557 

11. Rubia cordifolia, Krapp 55^ f 



XIX — 



Seite 

XVII. Gerb stoff haltige Pflanzen 560 

1. Acacia Catechu, die Catechu-Akazie 560 

2. Acacia de currens und A. mollis s iina , die Gerber- 
akazien, Wattle 561 

3. C e asalpinia coriaria, Dividivi 565 

4. Eucalyptus occidentalis, der Maletto-Eucalyptus . 566 

5. Pit/ie co lobium dulce 566 

6. R/iizop/iora mucronata und andere Mangroven-Bäume 567 

XVIII. Gummi-liefernde Pflanzen 572 

1. Acacia Verek (A. Senegal) und andere Gummi- 
pflanzen, Gummi arabicum 572 

XIX. Pflanzen, welche Harze liefern 577 

1. Aquilaria Agallocha, Aloe-Holz, Kalambak . . . 577 

2. Boswe llia Carteri und verwandte Weihrauchpflanzen, 
Weihrauch, Gummi Olibanum. Der Weihrauchhandel des 
Altertums nebst Hinweise auf die alte Geschichte von 
Arabien 579 

3. Calop Jiy llum inop hy 11 um , Takamak 597 

4. Canarium Sc/110 einfurthii , mpaffu, Elemi .... 598 

5. Commiphora abyssinica und verwandte Arten, die 
Myrrhe liefern, die ostafrikanischen Commipkora- Arten 599 

6. Commipkora Op balsa m u m , Mekka-Balsam . . . 606 

7. Dorema ammoniacu m , Ammoniak-Harz 607 

8. Ferula Asa-foetida , Asa-foetida-Harz 608 

9. Ferula galb aniflua , Galbanum 610 

10. Ferula Sumbul. Anhang: Ferula communis . 611 

11. Liquidambe r rientalis , Storax-Baum. Das »Al- 
muggim« der Bibel? 611 

12. Styrax Benzoin, Benzoe 612 

13. Tr achy lobium v errueo s u in , der Kopal-Baum . . .613 

XX. Kautschuk-liefernde Pflanzen 625 

a) Allgemeines 625 

b) Kautschuk von den in Ostafrika wildwachsenden Pflanzen 632 

c) Die Pflanzen-Arten des wilden Kautschuks. Landol- 
phia, C ' litandra , Kickxia, Mas carenhasia 
elastica . 637 

d) Auf Pflanzungen gewonnener Kautschuk . . . . . 639 

1. Manihot Glaziovii , der Cearä-Kautschuk .... 640 

2. Andere Manihot- Arten (Yequie usw.) 649 

3. Ficus elastica 650 

4. Cas til loa elastica 651 

5. Kickxia elastica . 651 

II* 



— XX — 

Seite 

6. Lianen-Kultur 652 

7. Hevea brasiliensis 652 

8. M ascare nlia sia elastica 653 

9. Guttapercha -Pflanzen (Landolp hin florida, Pala- 
q u iu m ob lo ngifo liu m , Ta b c r naemontana Do n n e l- 
Smithii, Payena Leerii, F or ste ronia floribunda) 653 

XXI. Verschiedene Nutzbäume, sowie Bambus 654 

1. Ae s c hin 0111 ene e lap lir xy Ion , der Ambatsch . . . 654 

2. Albix zia Lebbek 654 

3. Bambusa vulgaris und andere Bambus-Arten . . .655 

4. Ceasalpinia Bonducella 658 

5. Casuarina e quisitifolia 659 

6. Dahlbergia nie la noxy Ion , das Grenadill-Holz. An- 
hang: Echtes Ebenholz 659 

7. Jnnip e rus pro ce r a , die afrikanische Zeder .... 662 

8. Khaya s ene galensis , das afrikanische Mahagony-Holz 668 

9. Melia Azedarach, »Lilas des Indes« 670 

10. Poinciana regia, Flamboyant 671 

11. Salvadora p er sie a , der Zahnbürsten-Busch .... 671 

12. Sapindus trifoliatus, der Seifennuß-Baum .... 672 

13. Sesbania grandiflora 672 

14. Tectona grandis, der Teak-Baum 672 

Anhang: Afrikanisches Teak : Pter carpus erinace us , 

Chlorophora excelsa (mvule) . . . . . . . . 674 

XXII. Zierpflanzen 676 

1. Canna indica 6y6 

2. Jasminuni Samb ac , J. Afu 6yj 

3. Nerium Oleander . . . 678 

4. Nymphaea ste 11 ata, die blaue Wasserrose, Lotus-Blume 678 

5. Plumie ra alba, Franchipane 679 

6. Rosa gallica var. damas cena 679 

B. Die Haustiere 683 

/. Säugetiere 685 

1. Bos dorne sticus , das Rind 685 

2. Bubalus buffelus dorne sticus , der Büffel .... 708 

3. Camelus d romed arius , das Dromedar 709 

4. Canis familiaris , der Haushund 710 

5. Capra hircus, die Ziege 718 

6. Equus asinus, der Esel 730 

7. Equus caballus , das Pferd 736 

8. Equus tigrinus , das Zebra (Domestizierung von wilden 
Tieren) 739 



— XXI — 

Seite 

g. Felis domestica, die Katze 740 

10. Lepus euniculus , das Kaninchen 745 

11. Ovis aries, das Schaf 746 

12. Sus dorne sticus , das Schwein 754 

//. Hausvögel 760 

1. Anas moscliata , die Moschus- oder türkische Ente. 
Anhang: Die Gans 760 

2. C olunib a livia-do tue stica , die Haustaube . . . . 762 

3. Gallus do nie sticus, das Huhn 762 

4. Struthio molybdop hanes , der Strauß 771 

5 . Verschiedene Vögel : Truthuhn, Pfau, Graupapagei, Reisvogel 772 
C. Verschiedene tierische Produkte 773 

1. Apis nie llifica, die Biene, Honig, Wachs 775 

2. Chelone inibricata, die Karett-Schildkröte, Schildpatt 77g 

3. Cypraea annulus, die Kauri-Schnecke 782 

4. Elephas africanus, der Elefant, Elfenbein .... 789 

5. Fische und Fischprodukte 798 

6. H ippotamus amp hibius , das Flußpferd 800 

7. M e le a grina m argaritife r a, die Perlmuschel, Perlen, 
Perlmutter 801 

8. Verschiedene Conchilien 803 

9. Phy seter macrocepkalus, der Potwal, Spermaceti, 
Ambra 804 

10. Rhino cer os bicornis, das Nashorn 806 

11. Viuerra orientalis und V. nialac censis , Zibeth- 
Katzen, Zibeth. Anhang: Moschus 807 

Zusammenfassung und Schlußbetrachtung 809 

/. Der geographische Ursprung der Kulturelemente . . .811 

//. Ausgangspunkte der Kulturelemente 816 

///. Übersicht über die Geschichte der materiellen Kultur 
von Ostafrika 819 

1. Die vorhistorische Zeit 819 

Ureinwohner, Einwanderung der Leute des westafrikanischen 
Kulturkreises aus Südasien, Bananen ; zweiter Völkerstrom 

aus Westasien, Rind, Schaf, Körnerfrüchte, Hackbau- 
kultur. Hamitische Einwanderungen, Massai, Völker des ab- 
flußlosen Gebietes, Watussi, Galla, Somali, Hirtenstämme. 

2. Verkehrs- und Handelsbeziehungen des Alter- 
tums '. 837 

Agyptisch-phönizische Beziehungen, Weihrauch- und Aro- 
matenhandel, Punt, Ophir, Periplus des Roten Meeres, 
Cosmas Indicopleustes, Griechen und Römer. 



XXII 



3. Die Zeit des Mittelalters 

Die Ausbreitung des Mohammedanismus ist der Anstoß 
zur Siedelung. Einwanderung von Persern und Arabern, 
Gold wird von Sofala erst um 900 erwähnt. 

4. Die Zimbabwe-Kultur, nicht früher als 650 n. Chr. ? 

5. Die Shirazi-Perser-Kultur Ostafrikas . . 

Goldhandel, feste landwirtschaftliche Siedelungen; die 
Grundlage der heutigen mohammedanischen Kultur der 
Küste damals gelegt. Kein Einfluß ins Innere. Der Handel 
mit China (S. 859). 

6. Der Beginn der Neuzeit mit der Kolonisation 

der Portugiesen und Araber 

Einführung der amerikanischen Gewächse. Die Oman- 
Maskat- Araber gewinnen die Oberhand. Nelkenkultur. 

7. Die neue Zeit . 

Kulturen der Oman-Araber. Entwickelung der europäischen 
Handelsbeziehungen seit 1830. Der Karawanenhandel mit 
dem Inneren dehnt sich aus. 

8. Die Jetztzeit 

Der kaiserliche Schutzbrief auf Grund der Verträge des 
Dr. Peters. Die Okkupation des Landes durch die Euro- 
päer. Großer Aufschwung durch Sicherung der Verhält- 
nisse und durch die Erstellung der Ugandabahn. 

9. Bemerkungen über den momentanen Zustand . 
Eingeborenen-Kulturen und Plantagen der Europäer gleich 
wichtig. Bei letzteren muß ein großes deutsches Kapital 
geschützt werden. Arbeiterfrage. Frage der Ansiedelung 
von Europäern. 

Nachträge und Berichtigungen 

Literaturverzeichnis 

Alphabetisches Register der deutschen und lateinischen Namen . 
Alphabetisches Register der gebräuchlichen Swahili -Namen . . . . 



Seite 
846 



849 
854 



86l 



864 



868 



872 



883 
891 

899 
906 



l 



— XXIII 



Verzeichnis der Textabbildungen, Karten 
und Graphischen Darstellungen. 



Seite 

Textabbildungen: 

Ptolomäische Silbermünze von Ptolomaeus X. Soter. 1907 bei 

Daressalam gefunden 843 

Dekorierte Gläser und Perlen. (Aus dem South Africa Museum) . .851 

Arabisches Türschloß aus Holz von Zanzibar 853 

Schirazi-Grab von Tongoni-Tangata 855 

Karten : 

Hauptverbreitung der Bananen-Kultur 43 

Hauptverbreitung der Sorghum-Kultur 175 

Hauptverbreitung der Eleusine-Kultur 178 

Hauptverbreitung der Pennisetum-Kultur 198 

Hauptverbreitung der Mais-Kultur 207 

Hauptverbreitung der Bataten-Kultur 248 

Hauptverbreitung der Maniok-Kultur 254 

Hauptverbreitung der Erdnuß-Kultur 389 

Verbreitung der Fundstellen von Kopal 616 

Hauptverbreitung der Rinderzucht 692 

Hauptverbreitung der Kleinviehzucht 720 

Hauptverbreitung der Eselzucht 733 

Verteilung der Regenzeiten, unter Benützung von Angaben von Dr. 

H. Maurer und Prof. Dr. Uhlig . . . 818 

Graphische Darstellungen : 

Preise der Gewürznelken bei der Einfuhr in Hamburg 287 

Preisbewegungen für Kaffee bei der Einfuhr in Hamburg .... 366 
Durchschnittspreise für gesunde, mittelschwere ostafrikanische Elefanten- 
zähne von 1840 — 1890 795 



Einleitung. 



•>3 



L'amore diqualunque cosa e figlinolo d'essa 
cognisione. L'amore e ta?ito fiiii fervente quanto 
la cognizione e piu certa. 

(Lionardo da Vinci). 

- /',■ r . *&-. 

ZV<? ZzVfe «■/ dier-T&e hter d e r Er k e nntnis.. 

Die Liebe ist um so feuriger, je sicherer die 
Erkenntnis ist. 






Einleitung. 



Wenn ein intelligenter Mensch, der Sinn für die ökonomischen Verhält- 
nisse hat, in ein ihm neues Land kommt und sich dort einige Wochen oder 
Jahre aufhält, so wird er, auch wenn ihm die besten Quellen zur Verfügung 
stehen und wenn er diese mit größtem Fleiß und Sachkenntnis ausnützt, sich 
immer nur ein Bild des betreffenden Landes formen können, das einen sehr be- 
schränkten Zeitabschnitt umfaßt, das gewissermaßen mit einem photographischen 
Momentapparat aufgenommen ist. Er findet einen fertigen Zustand vor und über- 
legt sich vielleicht, wie dieser auf die nationalökonomischen Verhältnisse des be- 
treffenden Landes wirkt, er denkt darüber nach, wie man diese durch Änderung 
der augenblicklichen Zustände vielleicht verbessern kann, indem man neue 
Kultur-Elemente einführt, indem man den vorgefundenen bessere Bedingungen 
für ihre Entwickelung gibt; und wenn er sehr gründlich ist, dann erkundigt er 
sich auch wohl gelegentlich bei Leuten, die lange in der Gegend wohnen, von 
woher dies oder jenes ins Land gebracht wurde. Er wird auf diese Frage aller- 
dings meistens keine oder nur ungenügende Auskünfte über Einführungen aus 
der neuesten Zeit erhalten. 

Für viele Zwecke wird ein solches Augenblicks-Studium auch recht nützlich 
sein, es wird den betreffenden Reisenden in den Stand setzen, sich eine Meinung 
über die derzeitige ökonomische Lage des Landes zu bilden, es wird der Re- 
gierung auch Mittel und Wege an die Hand geben, in fortschrittlicher Weise 
tätig einzugreifen, aber man hüte sich vor der Meinung, daß man durch ein 
solches Studium die Lage eines Landes verstanden hat, dazu gehört die Ein- 
schätzung der ethnischen Fähigkeiten des dort lebenden Volkes, der Entwickelungs- 
möglichkeit der Rasse in geistiger und ökonomischer Beziehung ; und in dieser 
Einsicht sind wir in fremden Ländern noch mehr wie in europäischen immer erst 
kaum im Anfang unseres Wissens. Der Neuankömmling glaubt meist, indem 
er Vergleiche mit anderen Ländern zieht und indem er seine eigenen Vorstellungen 
von der Entwickelung von Ländern einfach auf das neu besuchte überträgt, daß 
er im großen und ganzen es erfaßt habe, daß er das Land kenne, seine Ent- 
wickelungsmöglichkeiten richtig einschätze. Wenn man aber viele Jahre im Lande 



— 4 — 

mit offenen Augen beobachtend gelebt hat, dann kommt man allmählich immer 
mehr zur Erkenntnis, daß man gar nichts weiß, daß alles ganz anders in dem Ge- 
hirn von fremden Völkern sich abspielt, als man es sich in seinem eigenen zu- 
rechtgelegt hat. 

Wenn es in Europa im eigenen Lande schon kaum möglich für die Ange- 
hörigen einer Gesellschaftsklasse ist, eine andere ganz zu verstehen, wieviel mehr 
ist das für uns ausgeschlossen in einem fremden Erdteil, gegenüber einer Menschen- 
rasse, die von der unseren so grundverschieden ist und deren Sprache wir nicht 
einmal bis in alle Feinheiten verfolgen können. Wenn jemand ganz unter den 
fremden Leuten nur mit ihnen lebt, dann kann er vielleicht hoffen, die letzten 
Gedankengänge, die seelischen Zustände einzelner Individuen zu ahnen, wenn 
auch nicht zu verstehen, aber die Seele eines ganzen Volkes wird er nie erfassen 
können. Ein Fremder kann ein Volk immer nur wie durch ein Fernglas be- 
trachten, es ist ihm unmöglich, sein innerstes Wesen zu verstehen. Wenn 
wir schon nicht hoffen können, die Seele eines einzelnen Menschen von einem 
völlig fremden Volke zu verstehen, wie viel weniger können wir die Seele, die 
Fähigkeiten einer ganzen Menschenrasse begreifen, die zwar auch zu den Menschen 
gehört, aber zu einer Gruppe derselben, die in der langen Geschichte der Mensch- 
heit so ganz andere Bahnen als wir gewandert ist, die in ihrer Weise zwar zu 
einer gewissen Vollkommenheit gekommen ist, aber in ihrer Entwickelungsrichtung, 
die von der unseren grundverschieden ist. 

Wir können durch Beobachtung der einzelnen Individuen, ausgerüstet mit 
leidlicher Sprachkenntnis, eine Menge lernen und daraus unsere Schlüsse auf das 
ganze ziehen. Wir können versuchen, den materiellen und geistigen Kulturbesitz 
des Volkes zu sammeln durch die leider immer noch nicht genug gewürdigten 
ethnographischen Studien, und wir können durch Vergleiche mit anderen, ver- 
wandten Völkern sehr viele schöne Schlüsse ziehen und zu einem gewissen Ver- 
ständnis kommen, aber wir müssen uns immer sagen, daß unsere Beurteilung 
der Volksseele von fremden Nationen nur sehr subjektiv sein kann, daß jedes 
neue Faktum unsere ganzen Schlüsse über den Haufen werfen kann. 

Ich will dafür ein Beispiel anführen : Jeder Ost-Afrikaner hatte stets beobachtet, 
wie der Karawanenbetrieb eine große Menge der Arbeitskraft des Volkes bean- 
spruchte und wie er somit die Produktionskraft des Landes schädigte, er nahm 
dabei stets an, daß die Karawanenleute an die Küste aus einem alten, unerklärten 
Wanderdrang kämen, durch den das so sehr ausgebildete Karawanenwesen sich 
herausgebildet hätte. Wir glaubten alle, daß mit dem Augenblick, wo Eisen- 
bahnen den Karawanenverkehr überflüssig machen oder doch wenigstens ent- 
lasten würden, die ungezählten Arbeitskräfte der Träger für die Pflanzungen der 
Europäer sich von selbst zur Verfügung stellen würden; und die Erfahrung hat 
gezeigt, daß gerade das Gegenteil eingetreten ist. Die einstigen Träger der Kara- 
wanen bleiben nun auf ihrer heimatlichen Scholle sitzen, wenigstens in den Ge- 
genden, in welchen sie landwirtschaftliche Produkte erzeugen können, die sie mit 



— 5 — 

Vorteil den Händlern zu verkaufen im Stande sind ; also in einer Zone, die zu 
beiden Seiten des neuen Verkehrsweges die Rentabilitätsgrenze des Transportes 
des betreffenden Produktes bildet, und der Pflanzer und sonstige europäische 
Unternehmer hat das Nachsehen. Und je länger ich in Ostafrika war, desto mehr 
mußte ich einsehen, daß sehr viele Meinungen, die ich mir gebildet hatte und die 
auch andere hatten, total falsch waren. 

Jedermann wird anerkennen, daß man die heutigen Zustände eines Landes 
in Europa nicht allein durch Beobachtung des jetzigen Zustandes beurteilen kann, 
daß sie vielmehr nur verständlich werden, wenn man ihre Entwickelung zu Rate 
zieht, wenn man die wirtschaftliche Geschichte des Landes studiert. Und genau 
dasselbe ist auch bei fremden Völkern der Fall, nur daß uns da die zuverlässigen 
geschichtlichen Quellen meist ganz im Stich lassen, sobald wir in eine etwas 
fernere Zeit zurückgehen. Aber trotzdem müssen wir versuchen, diese Geschichte, 
so weit es uns möglich ist, zu erforschen, denn nur auf diese Weise können wir 
die heutigen Zustände wenigstens ein wenig begreifen. 

Die Volksseele können wir nur aus ihren Kundgebungen erforschen, und 
diese äußern sich nicht nur in der Gegenwart, sondern besonders in ihrem ge- 
schichtlichen Werdegang. Aus den Umständen, wie ein Volk sich entwickelt, 
wie es von außen beeinflußt wurde, welche Kulturelemente es von diesen Beein- 
flussungen annahm und welche, nicht, können wir uns einige Schlüsse erlauben 
auf seine ganzen Neigungen und Fähigkeiten ; nur nach dem Studium des Werde- 
ganges eines Volkes können wir Vermutungen über seine fernere Entwickelungs- 
möglichkeit aufstellen. 

Leider fehlt uns fast alle Möglichkeit, die politische Geschichte der afrika- 
nischen Völker zu verfolgen. Der Ethnograph kann allerdings aus der Vertei- 
lung der Kulturelemente manche Schlüsse auf deren frühere Bewegungen und 
dadurch auf deren Geschichte ziehen ; der Anthropologe kann durch sein Studium 
der momentanen Verteilung der Volkselemente mit einiger Sicherheit deren 
frühere Sitze und ihre Wanderungen konstruieren. Aber nur durch das Studium 
aller Kulturelemente einer Volksgruppe und durch den Vergleich der erhaltenen 
Resultate mit den bei anderen Völkern erzielten kann man zu einem völligen 
Verständnis der Volksseele gelangen, soweit dies uns überhaupt möglich ist. 
Es gehören dazu anthropologische und ethnographische Studien, ebenso wie die 
genaueste Kenntnis der Sprachen und deren Aufbau und Entwickelung, und 
alles zusammen wird uns erst das erstrebenswerte Bild geben. 

Aber von diesem Ideal sind wir noch himmelweit entfernt. Mir selbst fehlen 
auch leider die Kenntnisse und die Zeit, alle Elemente der Negerkultur so zu 
studieren, daß man Schlüsse daraus ziehen kann. Aber ich habe seit zwanzig 
Jahren über manches nachgedacht, habe einige Beobachtungen machen können 
und Notizen gesammelt, so daß ich in nachfolgendem versuchen will, einen kleinen 
Bruchteil der materiellen Kulturelemente der ostafrikanischen Völker zu beleuchten, 
nämlich die Nutzpflanzen, Naturprodukte und Haustiere, und zwar besonders mit 



— 6 — 

Rücksicht auf die Geschichte ihrer Abstammung und ihrer Einführung in Ost- 
Afrika, sowie auf die wirtschaftliche Bedeutung für das Land selbst, und ich will 
daran kurze Bemerkungen über die Bedeutung einzelner dieser Produkte usw. für 
den Bedarf unseres Vaterlandes knüpfen, ohne dabei im entferntesten zu bean- 
spruchen, eine nationalökonomische Geschichte der einzelnen Produkte nieder- 
zulegen, was für jedes ein Spezialstudium erfordern würde. Ich beabsichtige nur 
auf die Wichtigkeit vom Studium des historisch gewordenen für die Kenntnis 
der Gegenwart der ost-afrikanischen Kolonie hinzuweisen, und in zweiter Linie 
auf die wirtschaftliche Bedeutung der Kolonie selbst für das Mutterland. Bei 
dem Studium der Einführung der einzelnen Kulturelemente werden wir uns über- 
legen können, warum dieses eingeführt und angenommen wurde, ein anderes aber 
nicht oder nur in beschränkten Gebieten. Und aus den dadurch erhaltenen Re- 
sultaten können wir höchst wichtige Einblicke in die Volksseele des ostafrika- 
nischen Negers erhalten, seine kulturelle Aufnahmefähigkeit erkennen. Was 
in den Jahrtausenden der Vergangenheit geschah, läßt Vermutungen zu, wessen 
der ostafrikanische Neger überhaupt fähig ist, soweit wir es bisher übersehen 
können. Denn wir müssen uns sagen, daß uns auch bei dieser Methode eine 
Menge Fehler unterlaufen können, daß die Schlüsse, die immer subjektiv 
sein müssen, völlig irrig sein können. Aber das Studium der Geschichte der 
Kulturelemente zeigt uns wenigstens den Weg, auf dem sich unsere Vermutungen 
über die Zukunft des Negers bewegen können, gibt uns manche Winke über 
unser eigenes Vorgehen, wenn wir die wirtschaftlichen Bedingungen der Kolonie 
heben wollen, und es schützt uns vor zu großen Hoffnungen. Durch das Studium 
der geschichtlichen Entwickelung des Kulturbesitzes der ostafrikanischen Völker 
können wir die vielen guten Elemente begreifen, die das Volk hat, aber werden 
zwangsweise auch auf die unendlichen Schwächen hingewiesen, die nicht der 
hiesige Neger an sich hat, wohl aber dessen ganzes Wirtschaftssystem, die Wirt- 
schaftsform, der er angehört, nämlich der Hackbau, wie E. Hahn ihn in so 
ausgezeichneter Weise gekennzeichnet hat. 

Ich kann leider nur von den Völkern in Ost-Afrika reden, und andere nur 
hier und da zum Vergleich heranziehen, denn von anderen Gegenden fehlen mir 
die Kenntnisse. Man darf deshalb die Resultate der nachfolgenden Unter- 
suchungen durchaus nicht auf irgend welche beliebigen, z. B. westafrikanischen 
Völker übertragen, ganz besonders nicht, wenn es sich nicht um reine Neger 
handelt, sondern wenn im fraglichen Gebiet große Kulturbeeinfiussungen statt- 
gefunden haben, die meist von Norden ausgingen. 

Der ostafrikanische Neger ist nun durchaus nicht in seiner heutigen Form 
an seinen jetzigen Wohnsitzen in der Urzeit entstanden und hat sich hier durchaus 
nicht aus sich selbst heraus gebildet, sondern wir werden im Verlauf unserer Be- 
trachtungen sehen, wie fast unaufhörliche und unaufhaltsame Ströme von Kultur- 
elementen auf das Land eingewirkt haben, die seit den ältesten Perioden der 
Menschheit fast immer von Nordosten ins Land kamen. Und mit diesen Kultur- 



elementen werden häufig, wenn auch nicht immer, deren Träger, d. h. Menschen, 
denselben Weg gewandert sein. So ist das Land heute bevölkert von einer 
Rassenmischung, die durch konstante Beeinflussung fremder Elemente auf eine 
autochthone Rasse entstanden ist, durch Kulturströme, die ihren Ursprung un- 
gefähr von denselben Zentren nahmen, aus denen unserer Vorstellung nach auch 
die Kulturbeeinflussungen der Mittelmeerländer und Europas stammten. Aber 
diese beiden Ströme gingen offenbar nicht gleichzeitig und nicht von denselben 
ethnischen Einheiten aus, es sind Ströme, die wohl gleichaltrig und an sich beide 
in ihrer Art hoch entwickelt und vollkommen sein können, die aber diver- 
gent sind. 

Wie leicht verständlich, mangeln uns für Ost-Afrika die geschichtlichen 
Dokumente für das Studium der Kulturentwickelung. Nur hier und .da ist in 
alten Schriftstellern ein kleiner Lichtblick zu finden. Denkbar ist, daß man 
später noch mehr alte Dokumente findet, als heute bekannt. Mir selbst fehlt 
aber die Kenntnis und Gelegenheit, danach zu suchen, ich kann nur das bisher 
bekannte für meine Zwecke ausnützen. Der Per i plus des Roten Meeres, diese 
etwa in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts geschriebene Segelanweisung 
für das Rote Meer und den indischen Ozean, der aus der Ptolemäer Zeit von 
Alexandrien stammt, bildet außer den alten Inschriften aus Ägypten am Tempel 
Dahr-el-Bahr die ältesten Dokumente, die sich speziell auf Ost-Afrika beziehen. 
Dann folgen die von Cosmas Indicopleustes kopierte Inschrift von Adulis 
und eine Anzahl arabischer Schriftsteller, sowie die Berichte der portugiesischen 
Entdeckungsreisenden u. a. m. Es ist klar, daß bei diesem dürftigen Material 
nicht viel über die Kulturgeschichte zu erfahren ist. Wir müssen demnach bei 
unseren Untersuchungen über die Geschichte der Kulturelemente dieselben Wege 
verfolgen, die der Altmeister in derartigen Studien, De Candolle gewiesen hat: 

i. müssen wir die betreffenden Tiere und Pflanzen naturwissenschaftlich 
betrachten und sehen, wo sie im wilden Zustand bisher gefunden sind, und wo 
eventuell ihre nächsten Stammesverwandten zu suchen sind. Daraus können wir 
dann auf ihre Abstammung schließen. 

2. ist zu untersuchen, welche Namen die verschiedenen Völker den Pflanzen 
usw. gegeben haben oder noch geben, um aus den etymologischen Vergleichen 
unsere Resultate zu ziehen. Weil nun, wie oben erwähnt, die Wege der Kultur- 
beeinflussungen für Ost-Afrika uns sehr viel nach Indien, Persien und Arabien 
weisen, müssen wir in unserem Fall die Benennungen der Kulturelemente in 
diesen Ländern zum Vergleich heranziehen und dabei auch die Resultate uns zu 
Nutzen machen, die andere Untersuchungen in diesen Gegenden gezeitigt haben. 

Allerdings ist für mich diese Methode oft recht prekär, denn mir liegt das 
linguistische Gebiet so ganz fern, daß ich darin völliger Laie bin, die Resultate 
kritiklos hinnehmen und fürchten muß, sehr viele Fehler zu machen, die die Fach- 
leute in Entsetzen bringen werden. Ich muß auch bei der Verschiedenheit des 
Materials die W T orte in den verschiedensten Transkriptionen annehmen, so wie 



— 8 — 

ich sie gefunden habe, es anderen überlassend, die Aufgabe besser zu lösen. 
Übrigens ist diese Methode, besonders in Afrika, an sich schon sehr unzuverlässig. 
Lepsius weist in seiner herrlichen Einleitung zur Nubischen Grammatik (S. XIX) 
auf diese Bedenken hin: »Es ist geradezu charakteristisch für die afrikanischen 
Sprachen, daß sich der Wortschatz derselben, und ebenso die grammatischen 
Sprachteile, mit einer außerordentlichen Leichtigkeit lautlich verändern, gänzlich 
umformen und gegen andere vertauschen, sobald die Stämme, die sie sprechen, 
sich gegenseitig äußerlich isolieren oder in veränderte Verhältnisse irgend 
einer Art treten.« Andere Forscher teilen allerdings diese Meinung nicht. Im 
Verlaufe unserer Untersuchungen werden wir sehen, daß bei uns in Ost-Afrika 
aus der verschiedenen Bezeichnung einer Pflanze usw. bei verschiedenen 
Völkern gar nichts zu schließen ist, daß man höchstens aus der Gleichheit 
von Benennungen mit Vorsicht Schlüsse ziehen darf. Ganz neuerdings einge- 
führte Pflanzen erhalten z. B. von den Negern meist ganz verschiedene Namen 
(Mais, Maniok), deren Entstehung in den meisten Fällen ganz unverständlich 
bleiben wird. Die Namen werden offenbar nach irgend welchen Zufälligkeiten 
bei der Einführung, nach dem Manne, der sie brachte, oder dergl. gegeben. 
Und nur bei einigen lassen sich große Gruppen verwandter Benennungen nach- 
weisen. Selten, wie beim Tabak, kommt es vor, daß ein Produkt, das neuerdings 
eingeführt ist, in großen Gebieten, ja fast über die ganze Erde gleich be- 
nannt wird. 

3. würde es recht wichtig sein, genaues Material über die geographische 
Verbreitung der Varietäten der Pflanzen, Tiere usw. zu haben, aus dem man 
die Wanderungen derselben verfolgen kann. Doch sind wir gerade mit dem 
Studium der Varietäten der Kulturelemente noch ganz im Anfang, besonders 
für Afrika liegt noch recht wenig Material vor. In Amani haben wir jetzt mit 
diesen Arbeiten begonnen, die durch die nötigen Kulturversuche sehr viel Zeit 
beanspruchen. Und sie werden unvollkommen bleiben, solange man nicht 
auch die Varietäten aus anderen Ländern berücksichtigen kann, was sehr 
schwer ist. 

4. Endlich müssen wir das historische Material über die verschiedenen Pro- 
dukte zusammentragen. Da ein solches über Ost-Afrika im Besonderen recht 
spärlich ist, wird es notwendig sein, die Forschungen in anderen Ländern zu 
berücksichtigen. Wir müssen uns dabei eng an die Klassiker in dieser Beziehung 
anlehnen, an De Candolle, Victor Hehn, Eduard Hahn, A. Engler, 
Flückiger, George Watt, Yule und Burnell u.a., aus denen ich vielfach 
die folgenden Notizen geschöpft habe. Wir müssen auch die Geschichte der Nach- 
barländer, wie Arabien, betrachten, um unsere zu verstehen. Vor allem aber mußte 
ich die große Vorarbeit vielfach benutzen, die Engler und seine Mitarbeiter in 
der »Pflanzenwelt Ost-Afrikas« geschaffen haben, ebenso die zahllosen Arbeiten 
der Beamten des Biologisch-landwirtschaftlichen Instituts zu Amani, die besonders 
in der Zeitschrift »der Pflanzer« niedergelegt sind. Die Unmöglichkeit der Be- 



— 9 — 

nützung einer großen Bibliothek zwang mich aber dazu, nur das zu berück- 
sichtigen, was mir zugänglich war, und auch dies vielfach nur nach Zitaten. Es 
werden dabei deshalb recht viele Lücken von Fachleuten gefunden werden, die sie 
mir verzeihen müssen in der Berücksichtigung, daß diese Zeilen fast ganz in 
Ost-Afrika entstanden sind. 

Alles zusammenstellend, erhalten wir dann bei der Untersuchung ein Bild 
über die Geschichte der Kulturelemente in der Welt überhaupt, durch die wir 
Schlüsse auf ihre Geschichte in Ost- Afrika speziell ziehen können. Das Resul- 
tat wird dabei oft Gefühlssache sein. 

In betreff der ökonomischen Bedeutung habe ich die amtlichen Statistiken, 
die Wirtschaftskarte von Uhlig, vielerlei briefliche Auskünfte und die eigenen 
Beobachtungen bei einem Aufenthalt im Lande von zwanzig Jahren benutzt. 
In bezug auf die Einfuhr der Produkte in Deutschland habe ich mich meistens 
nur an die Einfuhrstatistiken in Hamburg gehalten. 

Mit Absicht, um diese Notizen nicht zu unhandlich zu machen, habe ich 
fast durchweg die Quellenangaben vermieden. Ich weiß sehr wohl, daß dies ein 
großer Mangel für Jemand ist, der weiter in der Frage arbeiten will. Aber die 
Notizen wurden für meinen persönlichen Gebrauch im Laufe von Jahren gemacht, 
ohne daß ich mir ihre Herkunft genau notierte. Ich bin weit davon entfernt, 
sie als mein Eigentum auszugeben, weil ich nicht die Quellen angebe, und ich 
bitte die vielen Herren, denen ich sie verdanke, mir die Nichtnennung ihres 
Namens zu verzeihen. Diese Blätter sollen auch nur eine Sammlung von No- 
tizen sein, ohne den Anspruch auf eine wissenschaftliche Arbeit zu erheben. 
Ich würde mich aber freuen, wenn sie den Anstoß zu exakten Arbeiten in dieser 
Richtung geben würden, und besonders, wenn sie dazu führen sollten, daß die- 
jenigen Herren, die in Ost-Afrika leben und arbeiten, sich mit den Fragen be- 
fassen und durch die Geschichte der Kulturelemente dazu kommen, das Land 
und seine Leute richtig einzuschätzen, wenn sie durch diese Anregungen ein 
Interesse für das Werden und Gedeihen des Landes erhalten, das sich nur durch 
die geschichtliche Betrachtung vertiefen läßt. 

Wir leben draußen heute noch schneller, egoistischer als in Europa, die 
Personen wechseln dort rasch und ständig, die neu Ankommenden arbeiten viel- 
fach nur kurze Zeit draußen und für ihr eigenes Interesse, ohne nach Rükwärts 
zu schauen. Die Tradition fehlt vielen vollständig, jeder sieht nur Momentbilder, 
die er zu verstehen glaubt, der Zusammenhang mit dem Vorhergehenden wird 
preisgegeben oder nicht anerkannt. Und doch kann man das Land und Volk 
ohne geschichtliche Studien nicht gut verstehen. Vielleicht regen nachfolgende 
Notizen dazu an, sich mit diesen Fragen mehr zu beschäftigen, neue Materialien 
zu sammeln, damit die noch sehr großen Lücken ausgefüllt werden. 

Der Staatssekretär des Reichskolonialamtes, Exe. Dernburg, sagte in einem 
seiner Vorträge: »Ein Land mit Kultur überziehen, heißt auch die Pflanzenwelt 
durch eine neue ersetzen, die Fauna ausrotten und andere Tiere einführen . 



— io — 

Gehen wir also im Nachfolgenden die einzelnen Pflanzen und Tiere nach- 
einander durch, insoweit sie wirtschaftliches oder kulturhistorisches Interesse 
haben, und sehen, wie weit sie aus unserem Lande stammen, ob und woher sie 
eingeführt wurden, sowie von wem und wann. Und versuchen wir endlich, die 
auf diese Weise gewonnenen Resultate zusammen zu stellen, um unsere Schlüsse 
daraus zu ziehen und uns ein Bild zu machen von dem Werdegang der ökono- 
mischen Bedingungen des Landes, von der Wirtschaftsgeschichte seiner Bewohner. 



A. Nutzpflanzen. 



I. Die nützlichen Palmen. 



1. Areca Catechu L. 

Die Areca- oder Betel Palme. Diese schlanke, zierliche Palme ist in ganz 
Süd-Asien angebaut, überall wo die Eingeborenen den Betel kauen. Eine mit 
besonderen Zangen abgeschnittene Scheibe des Nußkernes wird zusammen mit 
einem Blatte des Betelpfeffers {Piper Betle), etwas feinem Kalk und oft ein wenig 
Tabak, Gambir oder Catechu lange Zeit gekaut, was eine anregende Wirkung 
haben soll. Diese höchst unästetHische Sitte, welche den Speichel rot färbt, den 
die Leute dann überall hinspucken, und die die Zähne schwärzt, ist von den Philip- 
pinen, Molucken, Sunda-Inseln und Südchina über ganz Indien bis nach Ost-Afrika 
verbreitet, und in diesem Gebiet wächst auch die Betel Palme. In wildem Zustand 
hat man sie noch nicht sicher gefunden. Da alle 14 Arten dieser Pflanzengattung 
aber im indischen Florenreich, speziell von Malakka bis Neu-Guinea, heimisch 
sind, so wird man nicht fehl gehen, wenn man die Heimat unserer Nutzpflanze 
auch im Indomalayischen Archipel annimmt, der noch heute ihr Hauptzentrum 
ist. Das Vorkommen von vielen Varietäten läßt darauf schließen, daß die Kultur 
eine sehr alte sein muß. 

Die Pflanze heißt auf Sanscrit pugaplialaui. guwaka, auf indisch supari, 
popJial, bei den Tamilen pakumaram, kamiga, poka, in Bengalen gua, auf 
singalesisch puwak, bei den Malayen und auf Java jombi, pinang, kacliu, auf 
arabisch fufal, fulfil, und auf persisch popal. In Ost-Afrika wird sie popoo ge- 
nannt. Es kommt mir sehr wahrscheinlich vor, daß dieser Name etwa folgender- 
maßen abzuleiten ist: pugaphalam (sanscrit), popJial (gudjerati), popal (persisch), 
popoo (swahili). In Assam wird die Palme tambul genannt, was mit der Be- 
zeichnung des Betelpfeffers tambnu übereinstimmt. Die lateinische Benennung 
Areca kommt von dem Telinga-Namen arek, nach Yule u. Burnell aber vom 
Malayalam a&aka. 

Es ist also immerhin wahrscheinlich, daß die Palme nach Ost- Afrika nicht 
von den Malayen oder Javanen, sondern aus Indien und zwar wahrscheinlich 
durch Vermittelung der Perser gebracht wurde. Nach Südchina ist sie unter dem 



— 14 — 

Namen pin-lang im Jahre 1 1 1 v. Chr. gebracht, nach Ost- Afrika wahrscheinlich 
zur Zeit der persischen Kolonisation, also zwischen iooo und 1400. 

Die Betel Palme steht in Zanzibar ziemlich häufig, an der Küste weniger; 
sie will einen reichen, feuchten Boden und große Wärme haben. Bei allen größeren 
Ansiedlungen ist sie zu finden, besonders reichlich am Pangani-Fluß, dorthin 
offenbar durch die arabischen Pflanzungen gebracht, die aus dem Verkauf der 
Nüsse einen mühelosen Gewinn zogen. Es will mir scheinen, als ob unter dem 
Einfluß der Europäer der Gebrauch des Betel etwas abkommt und durch den 
Tabak ersetzt wird. 

2. Borassus flabellifer L. 

Die Deleb- oder Borassus Palme ist über das ganze tropische Afrika, so- 
weit es sich nicht um zu feuchte Urwaldgebiete oder zu trockene Wüstensteppen 
handelt, sowie über Indien bis einschließlich der Sundainseln verbreitet und auch 
wohl in diesem ganzen Gebiet ursprünglich heimisch, das ja floristisch und 
faunistisch eng zusammenhängt.*) Allerdings scheint mir die indische Art doch 
erheblich von unserer ostafrikanischen Form abzuweichen, die ich vom Zambesi 
bis zum Albertsee beobachten konnte, während ich die indische besonders in 
der Provinz Madras in riesigen Mengen sah. Unsere afrikanische hat stets einen 
glatten, hellen und ziemlich dicken Stamm, der kerzengrade in die Höhe strebt, 
während die indische einen viel dünneren Stamm hat, der rauher und fast immer 
dunkelgrau ist, sich auch oft leicht krümmt. Man hat die afrikanische Form 
ja auch als Var. Acthiopum Mart. bezeichnet. 

Eine scheinbar charakteristische Eigenart unserer afrikanischen Borassus ist 
ferner eine Anschwellung des Stammes, die durchweg in seinem oberen Drittel 
oder dicht unterhalb der Krone auftritt. Busse bildet aber Palmen ab, welche 
diese Anschwellung in der unteren Hälfte zeigen. Sie standen in der Steppe 
nicht weit von Mpwapwa. Und ich glaube mich zu erinnern, daß Borassus 
ohne jede Anschwellung am Quaquafluß hinter Quilimane in großen Mengen 
stehen. Busse beobachtete eine solche Anschwellung einmal auch bei einer 
H r y p h a e 7/Ä-Palme, so daß diese Eigenschaft jedenfalls nicht absolut charakteristisch 
für unsere Borassus ist, wenn der Laie in unserem Gebiet sie allerdings immer 
am leichtesten daran erkennen wird. Ich überlasse dem Botaniker, zu unter- 
suchen, ob diese Anschwellung nicht vielleicht damit zusammenhängen kann, daß 
während des Wachstums der Palmen einmal günstigere klimatische Bedingungen 
herrschten, etwa höhere Regenfälle, oder aber ob sie von der Fruktifikationsperiode 
abhängen. Regenreichere Perioden wechseln unzweifelhaft hier mit ärmeren ab, 
und da alle Palmen ja nicht nachträglich in die Dicke wachsen, sondern das 
ganze Wachstum nur am Vegetationspunkt stattfindet, so kann ich mir das Zu- 



*) Nach der Meinung von Sir J. Hooker ist sie in Indien nicht wild, sondern nur 
kultiviert und von Afrika eingeführt. 



— i5 — 

standekommen der Anschwellung auf diese Weise wohl erklären, besonders auch 
die Erscheinung, daß in weiten Distrikten diese Anschwellungen in derselben 
Höhe der Palme zu finden sind, also zur selben Wachstumszeit entstanden sein 
müssen.*) 

Diese Palme ist in Indien bekanntlich eine der wichtigsten Nutzpflanzen, 
so daß ein Tamilen Dichter 80 1 Nutzanwendungen ihrer Teile besingt. Die 
Früchte werden gegessen, die Blätter zu allem möglichen verwandt, der Stamm 
der weiblichen Palme liefert, wie bei Cocos, das äußerst zähe, dunkle sogen. 
»Porcupine Wood« (Stachelschweinholz). Aus dem Saft wird Wein und vor allem 
große Mengen von Zucker gewonnen. Dieser von den Engländern »yaggery« 
genannte Zucker scheint den Indiern früher als der Rohrzucker bekannt gewesen 
zu sein. Er wurde mit dem Sanscritwort sakar bezeichnet, woraus die europäischen 
Worte für Zucker entstanden sind. Der Sanscrit-Name für den Baum ist tala, 
im indischen tar, tal, tari, tada, im Telegu tatta, tati, und im persischen darakhte 
tari, im arabischen der indischen Gebiete tafi oder dorn. 

Im ostafrikanischen Küstengebiete nennt man die Palme überall invnmo, 
in Uganda und Unyoro bctugo, bei den Wanyamwesi, Wasukuma und Wabemba 
muJiama, mssugala, den W r amanyema viako, den Lur tugu, den Madi ittu, 
in der Mosambik-Provinz dikona oder nyangadzi, bei den W r ahiyao milala, bei den 
Makua makunda, in Useguha muranda, bei den Massai uldugoi, in Nubien dcleb, 
bei den Haussa giginya, bei den Kanuri kamelutu und den Fulbe, Fullah 
dagbi, dabbi, in Süd -Togo ago. Andere afrikanische Bezeichnungen sind mir 
einstweilen nicht bekannt geworden. Nach O. F. Cook (Origin and distrib. of 
the Cocoa Palm. U. S. Nat. Herbarium VII) sowie Yule u. Burneil soll egyptisch 
kuhi, griechisch konki, kukas, koix, die B ora ssus -Palme gewesen sein, lateinisch 
coccus. 

In unserem Gebiet, wo der Baum auch nicht in so großen Mengen wie in 
Indien vorkommt, sind seine Nutzanwendungen nicht sehr ausgedehnt. Die Früchte, 
besonders deren gallertiger Kern, werden gegessen, den Palmwein nimmt man 
gerne mit, und verwendet hier und da auch die Blätter, Blattstiele und das Holz. 
Nationalökonomisch kommt sie nicht in Betracht. 

Zu erwähnen ist noch, daß die Palme, die frühere Reisende als Borassus 
aus Ugogo beschrieben haben — auch ich habe diesen Fehler gemacht — , eine 
unverzweigte HypJiaena ist. 

Der sonst für die Borassus-Palme noch gebräuchliche Ausdruck »Palmyra« 
ist entstanden aus dem portugiesischen palmeira (Palmenbaum), das indo- englische 
brab aus dem portugiesischen brava = wild. 



*) Auch in der Küstensteppe des Bondeilandes trifft man Delebpalmen, die normale An- 
schwellung des Stammes zeigen. Darüber aber noch eine gleichmäßig dicke Verlängerung des 
Stamms von etwa gleicher Länge wie das untere Stück. 



— i6 — 
3. Calamus sp. 

Rottang, Stuhlrohr, kommt aus Hinterindien über Bombay zu uns. Hier 
wird es kkenzirani genannt, manchmal auch wie inthirani, nathirani ausgesprochen. 
Woher der Name kommt, weiß ich nicht, wenn er nicht mit der Gudjerat-Be- 
zeichnung natar zusammenhängt. Die Indier nennen die Pflanze sonst beta, vcta, 
die Tamilen parambu, die Perser bed, die Araber dam und die Malayen rotan. 

In Deutsch-Ostafrika gibt es nur an der Grenze der westafrikanischen Wald- 
flora Kletterpalmen, deren botanische Zugehörigkeit aber noch unsicher ist. In 
Uganda und nördlich vom Albert Edward-See sowie im Norden des Tanganika, 
nicht weit von der Station Usumbura, kommen welche vor, wo sie in Urundi 
rugage heißen. Von dort bekamen wir vor kurzem lebende Pflanzen nach Amani, 
die aber sich noch nicht bestimmen lassen. Das nach Deutschland gesandte 
Rohr wurde ungünstig beurteilt, was aber vielleicht an dem ungünstigen Reife- 
zustand gelegen haben mag. In Amani gedeihen gut einige aus Java eingeführte 
Sorten, Calamus a s p e r r i ' m u s , C. ci uu a m o m c u s , C Rottaug, C. tenuis, 
D a c m o r o p s p eriacanthus und D. intermedius. 

Ich glaube aber nicht, daß das Stuhlrohr einmal eine große Wichtigkeit 
für uns bekommen wird, höchstens kann es den Bedarf der von der Kommunal- 
Verwaltung in Kilwa eingerichteten, aber einstweilen fallen gelassenen Flecht- 
schule decken, die ihr Material teuer aus Bombay beziehen mußte. 

4. Cocos nueifera L. 

Die Cocos-Palme. Wenn man heutzutage in den tropischen Gebieten des 
indischen und stillen Ozeans von Palmen im allgemeinen spricht, so meint man 
stets diesen stolzen Baum, der sich an den Küsten der ganzen Tropenzone findet, 
am reichlichsten allerdings wohl am Stillen Ozean, im indischen Archipel und 
am indischen Ozean, weniger an der Westküste Afrikas und in Zentralamerika. 
Man sollte diese Palme deshalb nach ihrer heutigen Verbreitung für tropen- 
kosmopolitisch halten. 

Es wäre an sich zwar möglich, daß eine Pflanzenart ihre Heimat in ver- 
schiedenen Kontinenten hat, aber die Palmen verhalten sich in dieser Beziehung 
sehr lokalisiert. Von allen den zahlreichen Arten der Cocoineae finden sich 
nur eine Cocos und eine Elacis in weiter Verbreitung außerhalb Amerikas, 
und diese beiden sind Kulturpflanzen. Die 30 Arten der Gattung Cocos finden 
sich mit einziger Ausnahme von C. nueifera ausschließlich in dem tropischen 
Amerika. Die Wahrscheinlichkeit ist also sehr groß, daß auch die Cocospalme 
in Amerika ihre Urheimat hat. 

Unzweifelhaft wild ist unser Baum aber wohl noch nicht gefunden. Zwar 
haben die Seefahrer Dampier und Vancouver sie Anfang des 17. Jahrhunderts 
auf den Inseln nahe der Landenge von Panama und auf der 300 Seemeilen vom 
Festland entfernten Cocos-Insel, die alle damals unbewohnt waren, massenhaft 



— 17 — 

gefunden, nicht aber auf der amerikanischen Festlandsküste. Andere aber haben 
sie auch an der Festlandsküste von Mexico und Peru gefunden, desgleichen auf 
dem Isthmus von Panama. 15 15 — 23 wird sie von Oviedo, 1570 — 87 von 
A costa als Cocos oder Indien-Palme, evindo cocoa, cocos, bezeichnet. 1526 wird 
sie dort schon von Hernandez als coyolli (Nutico) genau beschrieben. In 
Brasilien scheint sie jedenfalls nicht ureinheimisch zusein, Nienhoff beschreibt 
sie 1 647 von dort als inajagua cuiba, die Frucht als inajagnacu ; nach Guyana 
wurde sie durch Missionare eingeführt, und auf die Antillen ist sie wahrschein- 
lich erst kurz nach der Entdeckung Amerikas gebracht. 

Überall auf den Südseeinseln ist sie aus der Zeit vor der Entdeckung 
massenhaft vorhanden, man wird in der Annahme nicht fehlgehen, daß die ver- 
schiedenen Stämme der Südseeinsulaner sie auf ihren Wanderungen mitbrachten. 
Im indischen Archipel ist sie jedenfalls sehr lange in Kultur, die Völker des 
insularen Asiens haben eine Menge Varietäten der Palme, nach Rumphius so- 
gar 18 für Java und 39 für die Philippinen, sie kennen die Benützung jedes 
Stückes des Baumes. Jedenfalls ist sie in Indien seit der Zeit der Sanscrit-Sprache 
bekannt, wo sie narikela oder narikera heißt. Aber die Indier haben eine Über- 
lieferung der Einführung von auswärts. Der Khschatria - Fürst V i s w a m i t r a , 
der etwa 400 v. Chr. gelebt haben soll, brachte sie angeblich von Ceylon nach 
Indien, und in Ceylon soll der Fürst Rottah Rajah ihre Kultur ausgebreitet 
haben, dessen Bild in einen Felsen bei Belligam, an der Südküste von Ceylon 
zwischen Point de Galle und Matura in einen Granitblock eingemeißelt ist, aus 
Dank für eine Heilung, die er durch den Genuß von Cocosnüssen erreichte. Die 
älteste Chronik von Ceylon, die Maravansa, nennt die Cocos nicht.*) 

Auffallend ist, daß das klassische Altertum die Cocos nicht gekannt zu 
haben scheint,**) trotzdem die Beziehungen doch recht rege waren, besonders 
nach dem Alexanderzuge. Ceylon, wo heute der Baum so massenhaft vorkommt, 
war schon von Onesiculus, dem macedonischen Admiral, erwähnt. Diodorus 
Siculus, Strabo und auch der unter dem Kaiser Claudius von Arabien 
nach »Taprobane« (Ceylon) verschlagene römische Zollbeamte, der den König 
von Ceylon veranlaßte, eine Gesandtschaft nach Rom zu senden, wissen nichts 
von dieser Hauptnutzpflanze der Insel. Erst Apollo nius von Tyana hat sie 
zu Anfang unserer Zeitrechnung in Hindustan gesehen, Cosmas als arge//, 
argellion beschrieben. 

Das wahrscheinliche ist wohl, daß diese Palme schon seit sehr alter Zeit 



*) Vergl. ferner: F.W. Meyer, über Ursprung, Geschichte und Verbreitung der Cocos- 
palme. Globus Bd. 82. 1902. 
O. Stoll, Entdeckungsgeschichte der Cocospalme. Globus Bd. 82. 1902. 
O. F. Cook, The origin and distribution of the Cocoa Palm. Contrib. 
' U. S. Nat. Herbarium vol. VII N. 2. 
Yule u. Burnell, Hobson-Jobson S. 228. 
**) koi/ki, coccus soll nach Cook bei den Alten die Borassus gewesen sein. 
Stuhl mann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 2 



— i8 — 

in Indien und Indonesien an den Küsten vorkam, aber erst später durch Aus- 
breitung ihrer Kultur eine derartige wirtschaftliche Bedeutung bekam, daß die 
Schriften sich damit befaßten, und als sie dann eminent wichtig geworden war, 
da schrieb man ihre Einführung einem halbmythischen Fürsten zu. 

In den indischen Sprachen heißt die Cocospalme naral, naryal, nalial, narikal, 
mada u. a. m., bei den Tamilen tengai, tennai tennan-maram, bei den Telegu tengai, 
narekadan, auf Canaresisch thcingana, auf Singhalesisch tocmbili, polnawasi. Diese 
grundverschiedenen Namen lassen vielleicht (?) vermuten, daß der Baum in Indien 
schon vor der Einwanderung der sanscrit sprechenden Arier bekannt war. Der 
Sanscrit-Name hat sich dann als nardjil oder nargil auf das Arabische und 
Persische übertragen, und von diesem Wort ist offenbar die Bezeichnung für die 
Wasserpfeife nargileh abgeleitet, weil man, wie noch jetzt vielfach, als Wasser- 
gefäß bei dieser Pfeife eine leere Cocosnuß benützte. 

Ganz andere Namen führt unser Baum in der indomalayischen Welt, z. B. 
bei den Malayen kalapa, klapa oder klopo, bei den Javanen krambil, auf Sumatra 
und den Nicobaren njior, nieör, auf den Philippinen niog, auf Bali niuh, njo, bei 
den Malayen von Singapor mu, nur und den Battak niu. Und dieses malayische 
Wort findet sich in Madagascar als voa-niu oder voa-nio wieder. Unser Lands- 
mann, der Botaniker Hildebrand, hat sich gewiß geirrt, wenn er in seiner Ar- 
beit über das Ambergebirge schreibt, daß dieses Wort einfach »diese Frucht da« 
hieße und zu dieser Erklärung eine lange Geschichte erzählt. Die indo-melane- 
sischen Einwanderer haben den Namen offenbar aus ihrer fernen Heimat nach 
Madagascar mitgebracht. Da diese die indischen bezw. Sanscrit-Worte nicht mit- 
gebracht haben, nimmt man allgemein an, daß sie, die Vazimba, vor der Hindu- 
Einwanderung in Java und Sumatra ihre Heimat, vielleicht Sumatra, verließen. 
Diese Hindu-Einwanderung in Java-Sumatra fand aber etwa im 3. Jahrhundert unserer 
Zeitrechnung und später statt, scheinbar zuerst durch die aus Indien flüchtenden 
Buddhisten. Ich möchte aber glauben, daß die Einwanderer die Palme bei ihrer 
Ankunft in Madagascar schon im Lande vorfanden und den ihnen bekannten 
Baum mit ihrem Heimatsnamen bezeichneten.*) Denn nach Ost- Afrika ist sie 
wahrscheinlich unabhängig von den Malayen und von den persischen und ara- 
bischen Kolonisten gelangt. Ihr Swahili-Name m-nazi weicht von den in Indien 
und dem indischen Archipel gebräuchlichen so sehr ab, daß wir ihn als eine 
selbständige Bildung ansehen müssen. Es sei denn, daß man die Combination 
machen wollte, ihn von dem na?aasi der Singhalesen abzuleiten, was doch recht 
unwahrscheinlich ist. Bei den Kai-Völkern in West-Afrika (?) soll die Nuß Jionm 
heißen, bei den Somali cumbo, den Massai ussu guroo. 

Auf den Inschriften des Tempels Der-el-Bahr in Oberegypten, auf denen 
die Handels-Expeditionen der Königin Hatschepsu in das Land Punt darge- 



*) Die Howas wanderten aus Java erst etwa im 16. Jahrhundert in Madagascar ein und 
fanden schon Araber dort vor. 



— 19 — 

stellt sind, wurde an einer Stelle ein Negerdorf abgebildet, dessen Rundhütten 
auf Pfählen stehen, und dabei einige Palmen, die von einigen als Co cos gedeutet 
werden. Wenn dies wahr ist, so müßte diese Palme ca. 1450 Jahre v. Chr. schon dort 
gewesen sein. Nun aber wurde die Handelsflotte jener Königin ausdrücklich 
ausgesandt, um lebende Weihrauchbäume zu holen. Wo aber diese wachsen, da 
gedeiht die Co cos nicht; auch heute findet sie an der Grenze des Somalilandes 
ihre nördlichste Verbreitung. Unter allen den Produkten, die von jener Expe- 
dition mitgebracht und genau abgebildet wurden, findet sich aber keine Cocos- 
nuß. Ich habe die betreffenden Abbildungen selbst leider nicht sehen können, 
halte aber die Deutung jener Palmen als Co cos für höchst unwahrscheinlich. Es 
werden wohl stylisierte Dattelpalmen gewesen sein, wie offenbar auch die, welche 
auf einem altpersischen Siegelzylinder des Darius I. (ca. 500 v. Chr.) abgebildet 
sind, (vergl. Meyer's kl. Conv. Lex. Tafel über altorientalische Kunst), und die 
man nach den großen Nüssen und den Fiederblättern auch für Cocos halten könnte, 
wenn man nicht bedächte, daß die Cocos am persischen Golf kaum wächst. 

Sehen wir uns in der Literatur über Ost-Afrika um, so finden wir die Cocos- 
palme im »Periplus des Roten Meeres« (ca. 80 n. Chr.) nicht erwähnt, der die 
Handelsprodukte von vielen Punkten Ost -Afrikas in dem ersten Jahrhundert 
unserer Zeitrechnung aufführt. Auch die ganzen mittelalterlichen Geographen 
scheinen sie nicht aus unserem Gebiete zu kennen. Die Portugiesen lernten sie 
zuerst in Ost-Afrika 1498 kennen, sie war damals in West-Afrika nicht vor- 
handen. Wahrscheinlich ist sie jedoch in dem Gebiet von Kismayu bis etwa 
Sofala schon sei sehr langer Zeit verbreitet, ihre Kultur aber ist offenbar in frührer 
Zeit nicht so wichtig gewesen, als daß die Berichterstatter sich mit ihr beschäftigt 
hätten. Ich möchte glauben, daß, wie bei so vielem anderem, erst die persischen 
(und vielleich auch portugiesischen) Kolonisten diese Palme intensiv zu kultivieren 
begannen. 

Man nimmt vielfach an, daß der Name »Cocos«, der Europäer, daher stammt, 
daß ihre ersten europäischen Entdecker, die Portugiesen, die Nuß mit ihren eigen- 
artigen drei, auf der Basis der harten Schale sichtbaren Löchern mit dem Kopfe 
des Schweins- Affen (Macaco rhesus und nemestrinus) des Sunda- Archipels 
verglichen und sie danach macaco, macoco, coqiicira nannten, woraus die übrigen 
europäischen Bezeichnungen entstanden seien. Häufig begegnet man scherzweise 
aus ganzen Cocosnüssen hergestellten Gesichtern von 'solchen Affen, aus dem 
indo-malyischen Gebiet nach Europa importiert. Unwahrscheinlich ist jedenfalls, 
daß sie den allgemeinen Swahili-Ausdruck für Nuß kokwa auf die Cocos an- 
wandten, denn die reife Cocos-Nuß heißt nazi, die unreifen je nach ihrer 
Entwicklung : upunga, kidaka, kitalc, dafu, koroma, nazi, joya. nibata. 

Dagegen ist denkbar, daß man die nach Cook in Alt-Egypten für 
Borassus übliche Bezeichnung kuku (griechisch kouki, lateinisch coecus) auf 
die Cocus- Palme übertrug, oder das altspanische coca = Schale für sie brauchte. 
Vor 1498 wird sie nux indica genannt. 



20 

Man findet unsere Palme jetzt an der ganzen tropischen Küste Ost- Afrikas 
südlich von Kismaju bei jetzigen oder verlassenen Ansiedlungen, überall hat jede 
Palme ihren Eigentümer. Aber nirgends kommt sie dort fort, wo eine Ton- 
schicht stagnierendes Grundwasser bildet, eine Erfahrung, die mancher deutsche 
Pflanzer zu seinem Nachteil immer wieder machen muß. Im Binnenlande geht 
sie am Panganifiuß bis etwa nach Masinde hinauf, im Bondei-Lande bis an die 
Ost-Usambaraberge, außerdem ist sie in Usaramo merkwürdig weit im Innern zu 
finden, eine Erscheinung, auf die ich später noch zurückkommen muß und die 
wohl auf eine alte Besiedelung dieses Landes durch Fremde zurückzuführen ist. 
Sonst ist sie bei den Gouvernements-Stationen, den Missionen und alten Araber- 
niederlassungen mehr als Curiosität angepflanzt, ohne dort eine weitere Verbrei- 
tung und wirtschaftliche Bedeutung zu haben. 

Man kennt nach der Form der Nüsse wenigstens drei Varietäten der ge- 
wöhnlichen Cocos, deren genaue Beschreibung aber noch aussteht, außerdem die 
sogenannte mnazi ya Pcniba, die niedrig bleibt, über der Erde meist keine Ver- 
dickung des Stammes zeigt und eiförmige, orangegelbe Nüsse hat, die nur zu 
Trinkzwecken benützt werden. Dies scheint die in Ceylon unter dem Namen 
tcmbili oder »Königs-Cocos« bekannte Sorte zu sein. Als Seltenheit und mehr 
als Curiosität kommt in Zanzibar noch eine Zwergform vor, mnazi ya kitamli.*) 

Durchweg findet die Palme sich in den Händen von Farbigen, die Pflan- 
zungen der deutschen Gesellschaften bei Tanga haben sich nicht bezahlt und 
werden nur nebenbei weiter betrieben und meist durch Sisal ersetzt. Auf der 
Insel Mafia, wo sehr viele Cocos vorkommen, deren Verbreitung dort durchweg 
den persischen Ansiedlern zu verdanken ist, haben sich neuerdings einige deutsche 
Pflanzer dieser Kultur angenommen, ebenso bei Daressalam. Immerhin ist es ein 
etwas gewagtes Unternehmen, diese Kultur in sehr großem. Stil zu betreiben, 
denn die Palme gibt ohne Pflege und Aufsicht keine guten Erträge, und sehr 
viel Nüsse werden immer gestohlen. Schon die Araber in Zanzibar rechnen, wie 
Lyne schreibt, damit, daß ihnen die Hälfte bis 2 /- 3 der Nüsse gestohlen werden 
und sie pro Baum nur etwa 30 für sich bekommen, so daß sie nur etwa Vi Rup 
netto Erträge pro Baum erhalten, was 20 — 30 Rup pro Hektar ergibt, während 



*) Aus Tahiti sind 6, aus Ceylon 5 Sorten bekannt, auf Comoren 6 Sorten, von Mada- 
gascar 11 Sorten beschrieben. Nach Prudhomme, le cocotier, Paris 1906. 







Coinoro 


Anjouan 


Swahili 


Weiße Nuß 




i'rassz 


murassi 


kitsule 


Sultans-Nuß 




— 


— 


— 


Rote Nuß 




nie u du 


— 


— 


Dunkel-grüne 


Nuß 


in 11 du 


in u du 


m'eussi 


Bronzefarbene 


Nuß 


nwa?iteatsu 


mvuli 


— 


Coco 




mnazi oandrcd 


■x 





Von Madagascar: Die Siam-Nuß, 4 Sorten von Ceylon, die Malediven-Nuß, die Nawassi- 
Nuß, die Taembili-Königsnuß (lange gelbe und kleine gelbe), die .kleine Jaffha-Nuß, die Nuß 
von Noumea, die Seyschellen-Nuß usw., wohl meist neuerdings eingeführte Arten. 



21 

Sisal an 300 Rup netto Ertrag pro Hektar abwerfen kann. Bei sorgsamer Pflege 
und Fernhalten der Diebe wird allerdings der Gewinn sich bedeutend besser 
stellen. 

Der Handel scheint sich recht spät mit dem Hauptprodukt der Cocos, der Copra,*) 
befaßt zu haben. In den älteren afrikanischen Berichten kann ich nichts darüber finden. 
Die Cocos wird zwar von den Portugiesen erwähnt, aber nie als Ausfuhrprodukt. 
Die ersten europäischen Firmen, die sich in Zanzibar niederließen, besonders 
die Franzosen, scheinen neben Cocos auch viel Sesam als Ölfrüchte aufgekauft 
zu haben. Die Einführung der Nelkenkultur im Anfang des 19. Jahrhunderts 
scheint die Palmenkultur stark zurückgedrängt zu haben. Früher preßte man 
mit den primitiven Kamelmühlen das Ol in Zanzibar aus, um es zu verschiffen. 
Etwa vom Jahre 1850 an beginnt von dort meines Wissens der große Copra- 
export, besonders nach Frankreich. Später hat dann einmal eine amerikanische 
Firma (Fräser) versucht, nachdem sich ihre Zuckerfabrik bei Kokotoni nicht 
rentiert hatte, dort mit modernen Maschinen Cocosöl zu pressen und Seife zu 
fabrizieren, aber ebenfalls mit großen Verlusten. Seife kommt eben sehr billig 
von Frankreich und den Seyschellen nach Ost-Afrika. Auch in Nossibe soll eine 
Fabrik sich nicht rentiert haben, während eine kleine Anlage in Tanga gute 
Geschäfte macht. Vielleicht wird es sich in Zukunft bei uns lohnen, Seife aus 
Baumwollöl herzustellen. Allerdings sind in den Tropen alle Maschinenanlagen 
sehr teuer im Betrieb. 

Für Copra kann man auch daran denken, das »desiccated coconut« zu 
produzieren, das zur Herstellung von Macronen usw. benutzt wird, und über die 
ich von Indien aus berichtete. (Tropenpflanzer 1901). 

Heute liegt der Copra-Export außer in Händen von französischen und italieni- 
schen Firmen in erster Linie in denen des Hamburger Hauses Wim. O'Swald & Co. 

Der Export von Copra aus unserer Kolonie hat sich enorm gehoben. Nach- 
dem 1888 nur 280000 kg, 1895 wieder nur 300000 kg ausgeführt wurden, hob 
sich der Export 1897 auf 1060000, sank dann noch einmal etwas. Er gestaltete 
sich folgendermaßen : 



*) Nach Yule und Burneil (S. 253) kommt das Wort copra, coprah durch Ver- 
mittelung der Portugiesen vom Malayälam koppara, Hindustani kliopra vielleicht auch von 
Sanskrit kharpara, Schädel. Das Wort kommt zuerst, 1563 bei Garcia vor. 

Der Ausdruck coir für Cocos- Faser soll vom Tamil kayaru, Malayälam käyar (vom 
Verbum käyäru, — drehen) kommen. Die Araber nannten (seit 1030 Al-Biruni) die Faser 
kanbar, die Portugiesen cairo. 

Der Ausdruck coir erscheint im Englischen im 18. Jahrhundert. 



— 22 







kg 


Wert in Mark 


* 


1889 


280000 






1890 


300000 






1891 


320000 






1892 


490 000 






1893 


700000 






1894 


390000 






1895 


300000 






1896 


560000 






1897 


1 060 000 






1898 


680000 






1899 


480000 






1900 


852703 


189655 




1901 


2 507 437 


557379 




1902 


3 140960 


766400 




1903 


3856632 


804616 




1904 


3489581 


852 409 




1905 


3729006 


916 196 




1906 


3841842 


1086879 




1907 


2 891 028 


1 344581 


An Cocosnüssen wurden 


ausgeführt : 




1891 


87000 kg 


1899 


- kg 


1892 


176000 „ 


1900 


37000 „ 


1893 


178000 ,, 


1901 


18000 „ 


1894 


218000 ,, 


1902 


8000 ,, 


1895 


243000 ,, 


1903 


32000 ,, 


1896 


144000 ,, 


1904 


5 635 „ 


1897 


64000 ,, 


1905 


90346 „ i. 


1898 


40000 ,, 


1906 


21 587 „ „ 



i. Wert v. 4978 Mk. 

,, ,, 808 ,, 



Dabei stehen Tanga und Daressalam an erster Stelle, letzteres aber erst, 
nachdem durch Verwaltungsmaßnahmen die ganze Ernte von Mafia über Dares- 
salam ausgeführt wird. Nächstdem kommt noch Pangani und Bagamoyo in 
Frage. Sehr groß ist der Konsum von Nüssen im Lande, er beträgt schätzungs- 
weise wohl halb so viel wie die Ausfuhrmengen von Copra, eher mehr, während 
die Ausfuhr von ganzen Nüssen gering ist. 



Deutschlands Bedarf an Copra ist ganz bedeutend. Es wurden eingeführt 

1904 485 560 Dz. im Werte von 15 503 810 Mk. 

1905 881647 „ „ „ „ 30221900 „ (43 Mk. pr. Dz.) 

1906 799469 „ „ ,, ,, 29107240 ,, (36 „ „ „ ) 
Davon das meiste von Niederländisch und Britisch Ostindien. 



23 



Aus Deutsch-Ostafrika : 

1904 762 Dz. im Werte von 23800 Mk. 

1905 1468 „ „ „ „ 49490 „ 

1906 5579 „ ,, „ „ 222490 „ 
Die Einfuhren in Hamburg allein an Cocosöl waren : 

1841 — 1850 3964 Dz. jährlich. 

16463 



1851 — 1860 
1861 — 1870 
1871 — 1880 
1881 — 1890 
1891 — 1900 

1901 

1902 

1903 

1904 

1905 

1906 



16234 

19358 
20 120 

27737 
43 134 

70359 
128850 

73 368 
66606 
59294 

Die deklarierten Preise waren : 
1851 — 1855 
1856— 1860 
1861 — 1865 
1866— 1870 
1871 — 1875 
1876— 1880 
1881 — 1885 
1886— 1890 
1891 — 1895 
1896 — 1900 
Ausgeführt wurden von Hamburg : 
an Copra : 



im Werte von 8 1 1 5 640 Mk. = 62,99 Mk. pr. Dz. 



„ 4615650 „ 
,, 4422270 ,. 
„ 3929730 , 

91,42 Mk. pr. Dz. 

87,72 

93,5o 
96,46 

8o,35 
85, l 4 
70,43 
57,29 
57,03 
55,90 



= 62,91 
= 66,39 
= 66,00 



1904 
1905 
an Cocosöl 
1904 
1905 
1906 



266579 Dz. im Werte von 8 572 700 Mk. 
303434 „ „ „ ,, 10 109030 „ 



97673 Dz. im Werte von 6 118 180 Mk. 
125 136 „ „ „ „ 7727050 „ 

"344 ,, „ . 1, „ 7368450 „ 

Deutsch-Ostafrika produziert demnach nur 5 — 10% der Einfuhr von Ham- 
burg an Copra. Der Hauptabnehmer hierfür wie für alle Ölfrüchte wird aber 
Marseille sein. Eine Überproduktion ist demnach bei uns nicht zu befürchten, 
auch wenn unser Export 10 mal größer als jetzt werden sollte. 

Zum Teil ist diese enorme Steigerung der Produktion von Cocos in Ost- 
Afrika der Besteuerung der für die Palmweinbereitung dienenden Palmen zuzu- 



— 24 — 

schreiben, wodurch weniger als früher angezapft werden und damit der Ertrag 
an Nüssen sehr steigt, sowie der Erhebung der Hüttensteuer. Vor allem aber muß 
die Tätigkeit unserer Verwaltungsorgane eingewirkt haben, die seit etwa 1892 
bei jeder Gelegenheit den Eingeborenen das Anpflanzen von Nüssen empfahlen 
und auch massenhaft Pflanznüsse und junge Palmen verteilten. Da die Palme 
nach 7 — 8 Jahren in das tragende Alter kommt, mußte am Ende des vorigen 
Jahrhunderts die Wirkung eintreten. Es sind aber an der Küste noch sehr große 
Areale für die Palme vorhanden, so daß in Zukunft die Kultur sich noch sehr 
vergrößern kann, vorausgesetzt, daß immer ein leichter Druck auf die Einge- 
borenen ausgeübt wird. Ich sollte meinen, daß mindestens 10 mal so viel Palmen, 
wie heute vorhanden, an der Küste Platz hätten. Prof. Vosseier schätzt die 
momentan (1907) in Deutsch-Ost-Afrika vorhandenen Cocospalmen auf 770000, 
rund 1 Million Pflanzen, er nimmt an, daß die Hälfte des Ertrages im Lande 
verbraucht wird und daß der Durchschnittsertrag pro Palme etwa 10 Kilo Kopra 
sei. Nach ganz roher Schätzung aber haben wir Platz für mindestens 6 — 10 
Millionen Palmen. (Pflanzer III S. 713, siehe dort auch die ausführliche Beschrei- 
bung der Feinde der Cocos-Kultur.) 

Da bei sorgsamer Wirtschaft und pfleglicher Bekämpfung ihrer Feinde die 
Cocospalme immer ihre Rente gibt, auch für europäische Kultur, da die Produkte 
im Welthandel gesucht und nur geringen Schwankungen unterworfen sind, so 
kann nicht genug zum ausgedehnten Anbau geraten werden. Millionen lassen 
sich dabei nicht spielend verdienen, wohl aber kann man sich eine gesicherte 
Existenz dadurch schaffen. 

Um noch einmal zusammenzufassen, so glaube ich Folgendes annehmen zu 
können : 

Die Cocos ist an der pazifischen Seite des tropischen Amerika ursprüng- 
lich heimisch. Sie ist vermöge ihres Schwimmgürtels und ihrer Eigenschaft, durch 
Seewasser keinen Schaden zu nehmen, durch die Meeresströmungen von dort in 
einer sehr, sehr alten Zeit, mindestens vor 3000 — 4000 Jahren, nach dem indo- 
malayischen Archipel und später nach Ceylon und Indien transportiert. Sieht 
man eine Karte der Meeresströmungen an, z. B. die in Berghaus' physikalischem 
Atlas, so findet man den Weg, den die Nüsse als Treibgut genommen haben 
müssen, vorgeschrieben. In Süd-Asien hat sie dann ihren Höhepunkt der Kul- 
tur und Ausnützung erhalten durch ein hochbegabtes Kulturvolk. Sie hat aber 
auch dort für den Handel lange Zeit keine sehr große Rolle gespielt, so daß 
die Schriftsteller sich erst spät mit ihr beschäftigen. Ebenfalls durch Meeres- 
strömungen*) ist sie von Süd-Asien nach Madagascar und der Ostküste Afrikas 



*) Daß die von Süd-Asien kommende Meeresströmung vieles herbringt, sahen wir in kurz 
vergangener Zeit. Wenige Jahre vor dem ich 1888 in Zanzibar eintraf, war der Bimstein dort 
ein unbekanntes Mineral. Im Jahre 1884 oder 1885 etwa aber trieben große Mengen davon 
an die Küsten, die unzweifelhaft von dem Ausbruch des Krakatau am 27. Aug. 1883 stammen 
mußten und heute zum Teil wieder durch die Brandung zerrieben sind. Auch die Samen der 



— 25 — 

gelangt, wurde dort den Negern der Urzeit bekannt, die ihr einen besonderen 
Namen gaben, sie aber zunächst wohl kaum kultivierten, da alle Baumkulturen 
den Negern nicht liegen. Erst die fremden Ansiedler, besonders die Perser und 
deren Abkömmlinge und Mischlinge, breiteten die Kultur aus, deren sich schließ- 
lich der Handel und die deutsche Verwaltung annahmen und sie noch mehr 
ausbreiteten. 

5. Elaeis guineensis L. 

Die Öl-Palme ist in Afrika einheimisch und zwar im Gebiet der westafri- 
kanischen Waldflora. Sie findet somit ihre natürliche Grenze nach Osten mit 
dem Tanganika, an dessen Ostufer sie noch vorkommt und im Semlikital bezw. 
den Grasländern westlich vom Albert-See. Auch am Nyassa-See wird sie noch 
gefunden. In einem, wohl versprengten, Exemplare fand Emin sie bei Bukoba. 
Die andere Art der Gattung, E. melanococca Gärt, findet sich in Amerika 
von Costarica bis zum Amazonas sowie in Madeira. Sie soll von der afrika- 
nischen kaum zu unterscheiden sein. Es wird sich wohl um »Verschlagungen« 
handeln, vielleicht durch die vom Benin-Golf nach Amerika gehenden Meeres- 
strömungen. Die Ölpalme ist vor der deutschen Herrschaft im Küstengebiet 
von Ost -Afrika ganz sporadisch kultiviert, so in einem kleinen Hain s.-w. 
von Daressalam, außerdem im Hinterland von Tanga im Kumba-Tal, und im 
englischen Gebiet bei Potwe nördlich von Wanga. In größeren Beständen ist 
sie ferner auf der Insel Pemba zu treffen. Von dort werden ihre Kerne sogar 
nach Zanzibar zum Verkauf gesandt. Neuerdings ist sie dann noch im Süden 
der Kolonie im Lukuledital durch Herrn Körner, und am Rovuma vom Jumben 
Aliossi s.-w. von Nutichera bis zum Jumben Hussein östl. Nchichira in einer 
Luftlinie von ca. 60 km von Freih. von Nordeck zu Raben au gefunden. 
Vielleicht stehen hier teils auch wilde Phönixpalmen, aber sicher auch Elaeis. 
Ebenso steht ein ganzer Wald von Elaeis am Mkomazi etwas unterhalb Mazindi, 
wo sie der Überlieferung nach früher von Arabern angepflanzt sein sollen. 

Überall an der Küste wird die Ölpalme von den Eingeborenen m-cliikicJii 
genannt; für den unteren Congo habe ich noch den Namen maba gefunden, 
für die Fan alen, die Jaunde eilen, für Dualla lende, für die Wapokomo 
am Tana mudsekwa; die Wamanyema am Tanganika sollen ebenfalls das 
Wort mabo gebrauchen, die Wakussu uimba , die Wakondjo im Semliki- 
Tal evetanda. Das Ol heißt in Ujiji mavcssc (i)iavuta.) Die Wanyamwezi nennen 
die bei Mazindi wachsenden Ölpalmen mgai. Eine gute Varietät der Pflanze 



überall an den Küsten wachsenden Casuarinen sind offenbar von Strömungen aus Nord- 
Australien nach Ost- Afrika getrieben. Bei Kilwa fanden sich 1904 noch Massen Bimstein am 
Strande, ebenso 1905 bei Tanga. 

Nach Cook hat F. Leguat, 1690 Schiffbrüchiger in Rodriguez bei Mauritius, dort keine 
Cocospalmen vorgefunden, aber während seines Aufenthaltes auf der Insel warf die See dort 
einige keimende Cocos-Nüsse an den Strand. (!) 



26 



soll in Kamerun lisombe, in Togo klude, agode heißen, während sie allgemein 
bei den Jaunde alcn, ihr Fruchtstand itong, die Frucht shab-itong, der Same 
bang-itong, die Schale ishuk, das Ol mboan heißt. (Busse. Ber. d. pharmaz. 
Ges. 1905). 

Ich nehme einstweilen an, daß der Name mchikichi vom Tanganika stammt 
und daß die Kerne der verstreut in dem Küstengebiet vorkommenden Palmen 
durch Araber von Ujiji am Tanganika mitgebracht wurden, die dort etwa seit 
1825 Handel trieben. (Der erste war Sayf bin Said el Mwameri). Denn 
es ist unwahrscheinlich, daß die bis Ende des 16. Jahrhunderts in Mafia ange- 
siedelten portugiesischen Familien die Palme von West-Afrika eingeführt haben 
oder daß sie durch die Kauri- handelnden Segelschiffe Mitte des 19. Jahrhunderts 
von West-Afrika mit zurückgebracht wurden. Ich finde in Kölle's Polyglotta 
kein an chikichi erinnerndes Wort unter »Palme« und »Palmöl», das auf jene 
Vermutung leiten könnte. 

In Folgendem gebe ich eine Liste von Namen aus Koelle's Polyglotta 
africana, die er unter »Palm-Öl« aufführt. Wie immer bei dieser Sammlung von 
Koelle aus den 40 iger Jahren, lassen sich die Volksstämme schlecht identifi- 
zieren und bei den Namen für die Produkte (oder die Pflanze ?) mögen sich auch 
manche Irrtümer durch Verwechselung mit anderen Ölpflanzen eingeschlichen haben. 









Palm-Ol. 




Senegambien b. 


Bissagos bis Monrovia 


Vai 


turu 


Fulup 




inita 




Soso Solima 


iure gbelo 


Filham 




fits 




Kisekise 


turei 


Bola 




ukara 




Tene 


• sonkui 


Sarar 




ogera 




Gbandi 


ngulo & ngulci 


Pepel 




uivikir 




Landoro 


ngulo & nguo 


Biafada 




dyjia 




Mende 


nguro 


Padsade 




makam 




Kpese 


wuro 


Baga von Kalum 


maro 




Toma 


gula 


Timne 




maro 




Mano 


niro 


Bulom 




nkoai 




Gio 


nyo 


Mampa 




nkoai 




Kru-Küste 




Kisi 




dsoeyan 




Dewoi 


gma 


Südsenegambien 


bis Kap Palmas 




Basa 


kira 


Mandenga 




tulu 




Kra 


gira, dsira 


Kabunga 




Udo 




Grebo 


kira 


Toronka 




tuyn (importiert) 


Gbe 


dsira 


Dsalunka 




tulu Ich 




Dahome Sklavenküste 


Kankanka 




tulu ivule 




Adampe 


ami 


Bambara 




turubile 




Anfue 


ami 


Kono 




tulu 




Hwida 


ami 



27 



Dahome 


ami 


Goali Gugu 


mezeie 


Mahi 


ami 


Puka 


eine 


Ewe 


ami, demi 


Basa 


ntsini 


Togo — Lagos 




Opanda 


cnne 


Aku, Ota 


egbo 


do. Igu 


anue 


Egba 


egbo 


Egbira-Hima 


anue 


Idsesa 


egbo 


Tschad-See 




Yoruba 


egbo 


Bornu: Kanuri 


kaiidage ngurnobe 


Yagba 


egbo 




(importiert) 


Eki 


egbo 


West-Tschad-See 




Dsumu 


egbo 


Pika 


moidamakide (imp.) 


Oworo 


egbo 


0. v. unt. Niger 




Dsebu 


egbo 


Ekamtulufu 


aku 


Ife 


egbo 


Udom 


aku 


Ondo 


egbo 


Mbofon 


aku 


Dsikiri 


egbo 


Eafen 


aku 


Igala 


egbo 


Basa 


musimi 


Nord-Togo 




Kamuku 


maneive 


Dselana 


mbegbam 


Kameruner Hinterland 


Guresa 


gbam (shea-bütter) 


Dsuku 


biu 


Legba 


panum 


Isüwu 


uiula 


Kaure 


penim 


Diwala (=Duala' 


mula 


Kianiba 


nizam 


Orungu 


a/ia/i & aliare 


Koama 


ho (shea-butter) 


Bayon 


ngud 


Kasm 


nure (shea-butter) 


d. Pati 


nguat 


Niger-Mündung 


■ 


Kum 


nguat 


Isoarna 


rn.ina.no 


Bagba 


ngod 


Isiele 


manya 


Balu 


ngoat 


Abadsa 


mane 


Bamom 


nguet 


Aro 


mmano 


N'goala 


efut 


Mbofia 


mman 


Memenya 


ngoad 


Sobo 


ewili 


Papiah 


nguar 


Egbeli 


awuli 


Param 


evut 


Birir 


ewili 


Ngoten 


nwl 


Ihewe 


e?vi 


Melon 


uwl 


Oloma 


ewiri 


N'halemoe 


nwl 


Okuloma 


irn 


Baseke 


muto 


Udso 


pulo 


Kongo — Angola 




Unterer Niger 


(Nupe) 


Kabanda 


manzi 


Nupe 


emi & mindsini 


Mionboma 


mandzui 


Kupo 


emi 


Musentandu 


7igazi 


Esitako 


mitsini 


Mbamba 


male 



,28 



Kanyika 
Ntere 
Mutsaya 
Babuma 
Bumbete 
Kasando 
Nyombe 
Basunde 
Ngola 
Pangela 
Lubalo 
Runda 
Kisama 
S. O. Afrika 
Kiriman 

Marawi 



mas 

man 

viada 

male 

mali 

masi 

mazi 

masi 

mas 

obra & o?aai 

mas 

manyi 

masi montcnde 

makura (d. i. cocus- 

nus oel) 
mafuta (d.h. » Oel « ) 



West-Atlantische Stämme 
Wolof davagter 

Bidsogo,Ankaras nkidi 



Wun 


inkide 


Gadsaga 


tcdumbc 


Banyun 


moruds 


Nalu 


manimban 


Bulanda 


yoge & yore 


Limba 


mayo 


Landoma 


maru 


Hoch-Sudan 




Asante 


eno 


Barba 


g" 


Boko 


gbagwa 


West-Zentral-Sudan 




Tumbuktu 


bnlanga kire 



Hausa, Kano 


mandsa 


Pulo, Timbo 


nebam, bodesan 


Niger-Delta 




Yala 


yano 


Süd -West-Afrika? 


usw. 


Anan 


aran 


Dsarawa 


dsamai 


Koro 


unezane 


Harn 


sidson 


Akurakura 


igen 


Okam 


ana 


Yasgua 


adse 


N'ki 


bakot 


Kambali 


meii 


Alege 


esu 


Penin 


moruk 


Bute 


kunun 


Murundo 


mosoa 


Undaza 


madi 


Ndob 


moivu 


Sumu 


maivu 


N'kele 


moale 


Konguam 


baivat 


Mbarike 


1 gendup 


Tiwi 


nkurem (importiert) 


Boritsu 


bänyi 


Afudu 


emai 


Mfut 


moivo 


Mbe 


murut 


Nso 


mengurs 


Arabisch 




Adirar 


dsaitu 


Beran 


tir 



In Anbetracht ihrer Nützlichkeit hat das Gouvernement seit Anfang der 
90 er Jahre zehntausende von Samen verteilt, aber nur hier und da sind bei 
den Europäeransiedelungen einige Palmen entstanden, nur am Tanganika und im 
Gebiet nördlich davon dehnte die Kultur sich bedeutend aus. Der Grund ist 
vielleicht, daß die Samen sehr lange Zeit zum Keimen gebrauchen, — ■ oft kommen 
sie erst nach vier Jahren heraus, — und daß bei dem häufigen Personalwechsel 
die Kunde von ausgelegten Samen nicht überliefert wurde, diese somit in 
Vergessenheit gerieten, und auch nicht bemerkt wurden, als sie später gleich 



— 29 — 

unscheinbaren Grashalmen über der Erdoberfläche erschienen. Ich kann der 
möglichsten Ausbreitung der überaus nützlichen Palme nicht genug das Wort 
reden, die mühelos Jahrzehnte hindurch das zum Leben so notwendige Fett liefert, 
das bei guten Verbindungen außerdem zusammen mit den Kernen (kichikichi) 
einen wichtigen Ausfuhrartikel liefert, der bekanntlich den Handelsmarkt in West- 
Afrika beherrscht und von dem für 50 Millionen Mark dort jährlich exportiert 
werden. Von Ujiji aus wird das dickflüssige Ol seit langem bis nach Tabora 
gehandelt, wo es fast immer auf dem Markt erhältlich ist. Das gute Gedeihen 
der Palme in Ostusambara bei Derema auf ca. 900 m ist festgestellt, wo sie schon 
Früchte trägt. 

Erwähnenswert ist noch, daß nördlich vom Tanganika im Bezirk Usumbura 
aus dem Öle der dort ngazi genannten Palme von den Eingeborenen Seife her- 
gestellt wird, kifefe genannt, indem das Ol mit Aschensalzen verseift wird. Die 
Seife kommt in fast faustgroßen Kugeln auf den Markt, die stark durch Kohle 
der Aschensalze verunreinigt sind. In Tabora macht man ein ähnliches Produkt, dort 
kifewe genannt, benutzt aber, glaube ich, viel andere Fette dazu, auch Rindertalg. 
Diese Seifenfabrikation , die nach ihrem Namen zu schließen wohl von den 
Negern erfunden wurde • — denn sonst heißt Seife mit europäischem Wort sabuni — • ist 
ethnographisch sehr merkwürdig, denn sonst ist die Seife eine nordeuropäische Erfin- 
dung, die dem klassischen Altertum aus dem Norden zuging. Um so merk- 
würdiger ist die offenbar selbständige Erfindung der Kifefe-Seife bei den Negern, 
die vielleicht aus West-Afrika stammt. 

6. Hyphaena coriacea Gaertn. 

Die Dum-Palme, wie sie gewöhnlich nach dem oberägyptischen Namen 
genannt wird. Man hat eine Menge (ca. 11) Arten dieser Palmengattung unter- 
schieden und bezeichnet die des ostafrikanischen Küstengebietes meistens als 
H. coriacea Gärtn., während z. B. H. tlicbaica Mart. von den Nilfällen bis 
5°3o' nördl. Br. vorkommt, H. vcntricosa Kirk., H. Peter siana Kl. 
und H. crinita Gärtn. in der Gegend Zambezi und bei Mossambik, letztere 
auch in D. O. A. bei Pangani leben soll.*) Die Unterschiede scheinen mir meist 
auf die Gabelung des Stammes und auf das Vorhandensein einer Anschwellung 
am Stamm gegründet zu sein. Nun gibt es aber stellenweis angeschwollene 
Hyphaena-Stämme in D. O. A., wie ich bei Gelegenheit der Borassus erwähnte, 



") Ich notiere noch: Hyphaena durantiaca Damm von Langenburg- am Rikwa-See. 

H. Wetidlandi Damm a. d. Kisaki-Steppe, mkase genannt. 
H. Goet zii D am m zwischen Khutu u. Uhehe östl. Vidunda Berge. 
H. Bussei Damm vom Bubu-Fluß und Ugogo, gedrungen, oft 

schlauchförmig verdickt, oft unterirdisch verzweigt. 
H. pl agio carpa Damm , Salzsteppe b. Igongo, ohne Gabelung. 
H. Petcrsiatia Klotsch im Mukondokwa-Tal. 
H. macro carpa Damm bei Daressalam. 



— 3Q — 

dann kommen zonenweis die charakteristischen vielfach gegabelten Hyphänen 
bei uns vor, — und dies ist die Regel im Küstengebiet ■ — , stellenweis aber un- 
gegabelte, z. B. in der Makatta-Ebene, die ebenso den periodischen Überschwem- 
mungen unterworfen ist wie die mit Hunderttausenden verzweigter Hyphaenen 
bestandene Alluvialebene des unteren Rufiyi. Endlich hat Busse gezeigt, daß 
oft die scheinbar in unverzweigten Stämmen wachsenden Palmen sich ein- oder 
mehrfach unter der Erde verzweigen. Solange nicht durch sehr zeitraubende 
Kulturversuche nachgewiesen ist, daß die Gabelungen nicht Folgen von irgend 
welchen Schädigungen sind, wie Engler dies auch vermutet, — ■ Schädigungen, 
wie sie ja durch Verletzungen des Vegetationpunktes auch als Ausnahmen bei 
Borassus, Cocos, Datteln vorkommen, — ist die Artfrage nicht gelöst. Denk- 
bar ist es, daß ein regionenweis vorkommender Pilz oder ein Bohrinsekt die Palmen 
so verletzt, daß sie die Gabelungen machen. Die Steppenbrände möchte ich nicht 
dafür verantwortlich machen, denn sie herrschen in den Regionen mit ganzen 
und gegabelten Palmenstämmen in gleicher Weise. Der Laie wird die mehrfach 
gegabelte Fächerpalme unserer Steppen stets richtig mit Hyphaena (coriacca) 
bezeichnen, auch wenn die Gabelung nur einfach oder sogar unter der Erde ist, 
und er wird nicht fehl gehen, wenn er als ungegabelte Hyphaena die schlanken 
Fächerpalmen annimmt, die einen dünnen, rauhen und dunkelgrauen Stamm haben 
und deren Blattreste bei jüngeren Exemplaren lange am Stamm hängen bleiben. 
Solche ungeteilte stehen z. B außer in der Makatta-Ebene unter anderem in Ugogo, 
in Ufipa und bei Pangani. Vielfach findet man einen Zwergwuchs der Hyphaena, 
kaum mannshohe Palmen tragen schon Früchte, was viele Reisende dazu führte, 
sie als identisch mit der C kam ac rop s humilis des Mittelmeergebietes zu 
halten. 

Die große, verzweigte Palme wird im Küstengebiet immer ni koche genannt, 
die kleinen Zwergformen niniaa, uinyaa. In der Literatur finde ich für letztere 
Zwergform in Usaramo noch das Wort nyära (Bley), für das Tangaland die von 
Holst angegebenen Varietätnamen m'koma, inkoko, nCanuduna, andererseits höre 
ich aber, daß die Wadigo die großen mkoma, die kleinen mlala nennen, die 
Wasagara die großen mkoho, die kleinen mangwandi, die Wanyamewesi und 
Wasukuma alle mzanza, in Mosambik mgore oder micheon, bei den Wahiyao 
milala, b. d. Wamakuwa makunda, bei den Wasaramo mnyandi, den Waseguha 
mkonka, den Haussa gorruba, den Fullah gclodji, den Massai ol-piro. Niedrige 
Hyp haena-YdXmQn heißen in Madagascar bei Majunga satravibi, die höheren 
satramira. Die H. tkebaica heißt in Abessinien in Tigrinja kombascJi, in Tigre 
arkokebei, ssehhelib, bei den Sabo ängä. 

Die Früchte werden von den Leuten, besonders in Hungerzeiten, gegessen. 
Die faserige Hülle hat den faden, süßlichen Geschmack, wie etwa Johannesbrot 
(C e ratonia siliqua), den so manche afrikanische Waldfrüchte haben. Sehr 
nützlich aber sind die Blätter. Man zerschlitzt sie in etwa 5 — 8 mm breite 
Streifen, die in rohem Zustande oder zu handbreiten (10 — 13 cm) Bändern ge- 



— 3i — 

flochten, welche ihrerseits zu flachen Rollen aufgewickelt werden, in ganz bedeu- 
tenden Mengen nach Zanzibar gebracht werden, soweit man sie nicht bei uns 
selbst gebraucht. Diese ukili, sliupati oder mushupati genannten Bänder (wohl 
aus dem indischen stammend shupati pati) werden in erster Linie von Pangani, 
Saadani und Bagamoyo ausgeführt und meist von Schihiriarabern gehandelt, die 
sie zum Teil auch wohl flechten. Aus ihnen werden vermittels Streifen desselben 
Materials große Matten zusammengenäht, die zum Einhüllen von Ballen und 
Paketen dienen, sie werden yanivi pl. mayamvi genannt. Alsdann werden Matt- 
säcke (makanda) von zweierlei Form hergestellt, größere, zylindrische, die oft 
doppelt sind, zur Versendung von Copra, Nelken, Nelkenstengel, Kautschuk u. a. m. 
Alsdann kleinere, oben etwas spitz zulaufende Säcke, in denen Sesam, Erdnüsse, 
Kaurischnecken, Korn und dergl. versandt wird. Endlich werden aus den Bändern 
— die dann schmäler sind (3 cm) — die kegelstumpfförmigen Körbe (vikapo) 
gemacht, die bei jeder Gelegenheit massenhaft verwandt werden. Auch werden 
mit diesen Bändern die Bettstellen bespannt. Somit bildet diese wild wachsende 
Palme eine wesentliche Einnahmequelle für die Küstenzone. 

In der Ausfuhr-Statistik unserer Kolonie sind »Matten, Waren aus Gras, Bast 
und Cocosfasern« zusammengefaßt. Da aber anderes (z. B. Sanseviera- Stricke) 
nur sehr wenig ausgeführt wird, fällt fast die ganze Masse der Waren auf 
Hyphaena- und Phoenixstreifen und -Bänder. Es sind ausgeführt: 
1903 — 1904 520789 Kilo im Wert von 57327 Mk. 
1904 — 1905 472034 » » » » 60831 » 
1905 — 1906 487196 » » » » 60228 » 

Fast das ganze Quantum geht nach Zanzibar als Verpackungsmaterial, über 
drei Viertel kommt aus Pangani, Saadani und Bagamoyo. 

Wahrscheinlich kann man durch Zerschlitzen der Palmblätter ein Material 
herstellen, wie es als »crin d'Afrique« von C hamac rop s aus Nord -Afrika in 
den Handel kommt. 

7. Lodoicaea Sechellarum Labill. 

Die Seschellennuß, doppelte Cocosnuß, Coco de mer, Maledivennuß, 

und wie man sonst noch diese Abnormität des Pflanzenreichs bezeichnet, war 
früher eine große Rarität und galt als Regal der am indischen Ozean wohnenden 
Fürsten, die sie gelegentlich als Geschenke versandten oder geheimnisvolle Medizinen 
daraus machen ließen. Pigafetta(i522) und Garciad'Orto erwähnten schon diese 
Nuß, von der man viele Wunderdinge fabelte. Wohl veranlaßt durch die sonderbare 
Form hielt man sie z.B. für ein großes Aphrodisiacum. Im Jahre 1 749 fand man auf den 
zu den Seschellen gehörigen Inselchen Praslin, Curieuse und der »runden Insel« die 
einzigen Stellen, wo diese Palme wächst, deren Riesennüsse bisher nur als Treib- 
gut an die Küsten des indischen Ozeans gelangt waren (vergl. auch Yule und 
Burnell S. 229). 

Die getrockneten Nüsse werden oft in Zanzibar in den Indierläden verkauft. 



— 32 — 

Einige frische wurden mir vor Jahren von den Offizieren eines deutschen Kriegs- 
schiffes als Geschenk mitgebracht und gediehen ganz gut, wenn auch sehr lang- 
sam im Park in Daressalam. 

8. Phoenix dactylifera L. 

Über die Geschichte der echten Dattel-Palme ist von berufener Seite schon 
so viel geschrieben, daß ich hier nur einiges der Vollständigkeit wegen mitteilen 
will, zumal diese Palme für unser Gebiet kaum eine Rolle spielt.. In der Jetzt- 
zeit ist sie über die ganzen ziemlich trockenen Gebiete von N.-W. -Indien, die 
Euphrat-Länder, Arabien, Persien, Nord-Afrika bis in den Sudan und bis zu den 
Kanaren in Kultur. Allgemein nehmen die Forscher an, daß sie ihre Urheimat 
im Euphrat- und Tigris-Land, vielleicht auch in Arabien und dem Gebiet um 
den persischen Golf hat. Ihre Stammpflanze scheint, — wenn nicht eine eigene, 
jetzt wild nicht mehr vorhandene Art — , die Phoenix silvestris Indiens 
oder auch vielleicht P/i. re clinata gewesen zu sein. Vor der ersten geschicht- 
lichen Zeit jener Länder ist sie wohl im unteren Euphrat- und Tigris-Land von 
Nabatäern oder Sumern kultiviert, sie war und ist heute noch der eigentliche 
Baum der semitischen Oasen -Völker, ebenso wie diesen das Kamel gehört. Von 
dort ist sie offenbar sehr früh verbreitet, die Ägypter fanden sie auf den während 
der X. und XI. Dynastie unternommenen Handelsreisen im Lande Punt, also in 
den Ländern am südlichen roten Meer oder am Golf von Aden. Die alten 
Ägypter nannten sie bcq (nach Lortet-Rochebrune bener). Der mussekkan- 
Baum der alten assyrischen Monumente soll mit der Dattelpalme identisch sein. 
Nach den sumerischen Inschriften (Hommel) soll in der Urzeit der ugin ge- 
nannte Baum aus Ost-Arabien (dem Lande magcni) nach Babylonien gebracht 
sein. Ziemlich früh gelangte die Dattel-Palme zu den Phöniziern, die sie am 
östlichen Mittelmeer einführten, die Griechen nannten sie nach den Phöniziern 
poinos, woraus das lateinische pkoenix wurde. (Das Wort pahna stammt wahr- 
scheinlich von der am Mittelmeer heimischen CJiamcrops kumilis).*) 

Odysseus findet sie nur auf Delos. Im alten Testament heißt sie tamar, 
also genau wie heute bei den Arabern, und wir werden nicht fehlgehen, wenn 
wir diesen Namen als den der Ursemiten annehmen. Ihre größere Ausbreitung 
verdankt die Dattel-Palme wie so manche andere Gewächsart den Zügen der 
Araber. Im Jahre 756 pflanzte z. B. der Chalif Abdorrhaman sie in Mengen bei 
Cordoba in Spanien an. Die großen Anpflanzungen in Nord-Afrika werden teils 
auf die Araber zurückzuführen sein, wenn gewiß auch die Punier sie schon viel 
kultivierten. Als diese die Canarischen Inseln entdeckten, fanden sie dort Palmen 



*) Bei religiösen Handlungen, dem Einzug von Großen fand sie Verwendung, was heute 
noch in der römischen Kirche üblich ist. Für das Osterfest werden an der Riviera (Bordighera) 
große Mengen Palmwedel verkauft. Jedoch scheint die Benutzung der Palmenzweige dafür 
wohl erst ziemlich spät eingeführt zu sein, früher nahm man vielleicht, wie noch jetzt meistens, 
die Zweige des Ölbaumes, mit denen am Palmsonntag in Italien z. B. alles geschmückt ist. 



~ 33 — 

vor. Manche Botaniker (Seemann) hielten diese für die echten Dattel-Palmen, 
aber jetzt ist man der Meinung, daß es Ph. canaricnsis war und daß der 
aus jener Annahme gezogene Schluß, daß die Dattel ihre Heimat auf den Canaren 
habe, nicht stichhaltig ist. 

Die semitischen Nomadenvölker haben sie, vielleicht auf dem Umwege über 
Persien oder Afganistan, nach N.-W. -Indien gebracht, auch wohl schon in vor- 
historischer Zeit. Die indischen Namen sind teils aus dem Arabischen über- 
nommen, teils wohl solche von Ph. silvestris.*} Bei den Arabern heißt der 
Baum nach/, nachle, die Frucht balah, klmrmayabis, in Tunis nacJda, bei 
den Kabylen tazddit, bei den Persern kkurmae - khuskh oder naclil; die 
trockene Frucht immer tamr. Im Indischen heißt der Baum kkajur, die 
Frucht kJnirma, kukyan. tamara, rajib, nakl usw. Bei den heutigen Ägyp- 
tern die frische Frucht balah, die getrocknete tamr und der Baum nachl. 
Die Somali nennen den Baum temer, die Tigriner und Abessinier temöri, 
die Sako tamer, die Haussa dabino, die Fullah dabbhwdjc, die Tuareg tazzdit, tesda'f. 
Die Cocos- und Dattel-Palme schließen sich so ziemlich aus in bezug auf 
ihre klimatischen Ansprüche. Ost-Afrika ist demnach nicht das richtige Land 
für die Dattel, die ungefähr bei Kismayu ihre südliche Grenze des guten Ge- 
deihens haben wird. Die Einführung des Baumes in Zanzibar ist entschieden 
den Maskat-Arabern zuzuschreiben, der Sultan wollte in den Bäumen ein Stück 
seiner Heimat um sich haben. So stehen eine Anzahl im Sultans-Garten dort; 
einige in Daressalam und ein kleines Wäldchen von ihnen bei dem Dorfe Mboa- 
madji in der Nähe von Daressalam sind auf die Zeiten zurückzuführen, wo Seyid 
Majid in Daressalam seine Residenz errichten wollte und dort Bauten und 
Pflanzungen anlegen ließ. Die Palmen tragen zwar dann und wann Früchte, 
d. h. wenn männliche Bäume zur Befruchtung am Ort sind, aber die Früchte 
sind nicht mit denen der nördlicheren Gebiete zu vergleichen und bilden mehr 
eine Kuriosität. Die Palme wird hier intende genannt, ein Wort, das wohl aus 
dem Maskat-Arabischen stammen wird. 

Im Innern stehen bei den Araber-Ansiedlungen, z. B. Tabora und Kondoa- 
Irangi, einige Dattel-Palmen. Es ist sehr wohl denkbar, daß sie in den trockenen 
Steppenländern des Massai-Gebietes besser gedeihen, besonders wenn man Saat 
von Palmen aus feuchten Gegenden nimmt, wie Herr Prof. Schweinfurth sie uns 
einmal sandte. Wie aber meist bei so langsam wachsenden Bäumen hindert der 
häufige Personalwechsel auf den Stationen sehr die Anzucht, die erst Erfolg 
haben wird, wenn feste Grundbesitzer sich ihrer annehmen oder ein Funktionär 
des Gouvernements sehr lange auf demselben Posten bleibt. Was aus diesen 
Anbau- Versuchen mit jener Saat geworden ist, kann ich nicht sagen. In Dares- 
salam standen im Park vor zwei Jahren noch einige aus jener Saat gezüchtete 
junge Dattelpalmen. 



*\ 



") Ph. silvestris heißt auf Sanscrit khurjura, in Bengalen khujjor u. a. m. 
Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 3 



— 34 — 
9. Phoenix reclinata Jacq. 

Die wilde Dattelpalme ist überall in Ost-Afrika zu finden, wo der Feuch- 
tigkeitsgehalt des Bodens ihr genügt. Sie ist unzweifelhaft eine im tropischen 
Afrika einheimische Pflanze und findet sich nur in wildem Zustande, oft noch 
hoch oben in den Gebirgen. Sie heißt im Küstengebiet nCkindu oder auch 
insala. Letzterer Ausdruck ist von dem arabischen Wort für bitten oder beten 
abgeleitet,*) da aus den Blättern dieser Palme die zur Unterlage beim mohame- 
danischen Gebet benützten länglichen Matten mit abgerundeten Schmalseiten her- 
gestellt werden, ebenso wie die feineren Schlafmatten (mkeka). 

Die Wawemba nennen diese Palme msanda, die Wassukuma kasJiosika, die 
Wahiyao und Makuwa muchindu, die Tigrinja in Abessinien acusaöna, sinaiilakha, 
agssana, ssich, die Tigre arid, rihb, bcllasa. fömmar, die Amhari asanno. Die 
jungen noch nicht entfalteten Blätter werden im Schatten getrocknet, manchmal 
erst auch noch gekocht, in feine Streifen zerschlitzt und mit verschiedenen Pflanzen- 
stoffen gefärbt. Dann flechten die Frauen sie in lange, etwa fingerbreite Streifen, 
ukili genannt, die ihrerseits mit Fasern, meist von Raphia, zusammengeflochten 
werden, so daß die viereckigen mikeka oder die länglichen und abgerundeten 
wsa//a-Matten zustande kommen. Die feinsten und größten der bunten mikeka 
stellt man in Chole auf der Insel Mafia her, die bei weitem besten, sehr 
dünnen, nur in weiß und schwarz gehaltenen bei Mwoa nördlich von Tanga. 
In letztere sind oft mißgestaltete arabische Schriftzüge und stilisierte Tier- und 
Menschenfiguren eingeflochten, was unzweifelhaft auf persische Beziehungen deutet. 
In Uganda, wo besonders schöne Phönixpalmen stehen, werden ihre schlanken 
Stämme beim Bau der großen Häuser verwandt. 

Die rote Farbe der Mattenstreifen wird meist mit fua (Rubia sp.), die gelbe 
mit mmiycmo (Curcuma longa) die schwarze mit den cardolhaltigen Samen- 
schalen von corosho (Anacardium occidcntalc) oder auch mit Datura 
fastuosa (m'nara), hergestellt, während Datura alba zur Herstellung von 
blauer und grüner Färbung benutzt wird.**) 

10. Raphia Mombuttorum Drude. 

Die Raphia- oder Bambu-Palme. Die Pflanzengattung Raphia ist typisch 
afrikanisch und in allen feuchteren Lokalitäten des tropischen Afrikas in mehreren 
Arten verbreitet. Zwei Varietäten der westafrikanischen R. vinifcra treten aller- 
dings, wohl als »Versprengungen«, an der Mündung des Amazonas und an der 
zentralamerikanischen Küste auf, vielleicht durch die Meeresströmungen dorthin 
verschlagen. Die am besten technisch ausgebeutete Art R. Ruffia Mar t. 

*) Vielleicht liegt hier eine Volksetymologie vor, denn msala könnte auch von einem 
Bantuwort sala = Hunger abgeleitet werden, die Früchte werden vielfach in Hungerzeiten 
gegessen. 

**) Burton schreibt, daß die wilde Dattelpalme auch brab genannt wird von dem 
portugiesischen Wort brabo, bravo oder brawa = wild. 



— 35 — 

kommt in Madagascar massenhaft vor. Aus der Epidermis ihrer noch jungen, 
unentfalteten Blätter wird der bekannte weiße Gärtnerbast gewonnen und in sehr 
großen Mengen von dort exportiert. Sie wird auch als R. p e duncu lata P. B. 
bezeichnet. Zu dieser Art scheint auch vielleicht ein Teil der in Deutsch-Ost- 
afrika vorkommenden Raphiapalmen zu gehören. Die von S ch wein für th in 
Mombuttu entdeckte Sorte, die auch am Tanganika, am Albert Edward-See, 
Albert-See, am Kagera-Fluß bei Bukoba und wahrscheinlich in der Provinz Buddu 
(Nordwest-Ufer des Victoria-Sees), sowie in Usambara, Uluguru, bei Livale usw. vor- 
kommt, ist als eigene Art, R. Mombuttorum Drude , davon unterschieden worden. 
Die in unserem Küstengebiet wachsenden Raphiapalmen sind aber lange noch 
nicht genug bekannt, um sie botanisch genau unterbringen zu können.*) Die 
Stammhöhe ist sehr veränderlich und kein Artmerkmal, aber es scheint mir, als 
ob es eine Art mit kleineren, rundlicheren Früchten und kürzerem Fruchtstand 
gäbe, die wohl mehr in der Ebene vorkommt, und eine andere mit auffallend 
länglichen Früchten und riesigem Fruchtstand, die vielleicht mehr im Gebirge 
wächst. Ich sah sie z. B. dicht bei Ambangulu in West-Usambara; diese R. Mom- 
buttorum ist von Prof. Zimmermann auch im Sigi-Tal unterhalb Amani ge- 
funden (Pflanzer 1907). 

Die Palme wird in den Küstengegenden allgemein iniuale (inualc) **) ge- 
nannt. Ob dafür im Innern andere Bezeichnungen vorkommen, habe ich noch 
nicht feststellen können, außer daß die Manyema sie Jamba nennen. Von der 
Kongomündung finde ich den Namen ntombi, bei den Bakwiri titutu. In Brasilien 
wird sie Jupati genannt, welcher Name wohl schwerlich Beziehungen zu der 
hiesigen Bezeichnung shupati, für die aus Palmenblättern geflochtenen Bast- 
streifen hat. 

Der Blätterbast wird jetzt in ziemlichen Mengen bei Bukoba gewonnen und 
auch wohl noch anderswo, um daraus eigenartige Fransenschürzen herzustellen, 
die dort von den Männern getragen werden, während die Frauen ihre Schürzen 
offenbar aus einem anderen viel gröberen Material machen. (Solche Schürzen 



*) Ich notierte: Raphia pedunculata P. B. von Majunga und Nossi Be auf Mada- 
gascar, gibt nach Sadebeck den weißen Raphia-Bast. 
R. Mombuttorum Drude, C.-Afrika, D.-O.-Afrika. 
R. v inifera P.B. (R.taedigera Mart., R. nicaragu e ns i s O erst.), 

West-Afrika. (C.-Amerika). - 
R. longiflora M. £r> Wendl. Insel Corisco. 
R. Hook er i M. &* Wendl., Corisco, Liberia, Kamerun. 
R. W elwitschii M. &° Wendl., Angola — Golungo. 
7?. t ext i eis Wehe 
R. Gärtneri M. &" Wendl. 

R. eximia Damm, von Busse in Gedja (Nguru) D.-O.-A. gesammelt. 
R. tamatavensis Sad., gibt den dunklen Raphia-Bast von Madagascar. 
**) Muali heißt im Arabischen eine Flamme. Ich glaube aber nicht, daß der Name der 
Palme hiermit zusammenhängt. 

3* 



- 36 - 

sollen z. B. Mitte des 19. Jahrhunderts noch bei Mombassa getragen worden sein.) 
Am Victoriasee ließe sich demnach bei sorgfältiger Präparation des Bastes ein 
Export desselben entwickeln. Sonst kommt die Palme bei uns anscheinend nicht 
in den großen Beständen vor, um eine Ausfuhr zu ermöglichen. Überall werden 
die Rippen der enormen Blätter zur Herstellung von Türen, Bänken und anderem 
Hausgerät benützt. 

Der aus der Blattoberhaut von R. Mombuttorum gewonnene Bast ist aber leider 
recht minderwertig, und auch die Piassava dieser Art, d. h. die Gefäßbündel an 
den Blattbasen, aus welchen die bekannten Piassava-Besen gefertigt werden, ist 
wenig wert. 

Aus dem Bast werden im Manyema-Lande, am Tanganika und auch in 
Daressalam sehr feine Matten gefertigt, die den »lamba« von Madagascar ähn- 
lich sind. 

Da der Bast von Madagascar soviel besser als der von Ost-Afrika ist, ver- 
teilte das Gouvernement Anfang 1896 eine große Menge von Samen der Mada- 
gascar Art, doch scheinen sie nicht gediehen zu sein, wenigstens habe ich nichts 
darüber in Erfahrung bringen können. 

Zu erwähnen wäre noch, daß möglicherweise die »avellana indica, nux 
indica oblonga, palma pini« der Alten Raphia - Kerne waren (Warburg, 
Myristicaceae, S. 406). 

11. Anhang. 

Durch die Bestrebungen der früheren Kultur-Abteilung des Gouvernements 
in Daressalam und des Biol. Landw. Instituts in Amani sind eine Menge Nutz- 
und Zierpalmen eingeführt worden. Es seien einige davon hier erwähnt: 

Arcnga saccherifera, die in Daressalam schon Früchte trägt und im 
Sigi-Tal bei Amani gut wächst; es ist die javanische Zuckerpalme. 

Phytelephas macrocarpa, wächst im Sigi-Tal. Aus ihrem Samen wird 
das vegetabilische Elfenbein hergestellt. 

Caryota sobolifcra, wächst in Daressalam; sehr schöne, große Palmen 
dieser Art stehen vor dem Hospital dort. 

Carludovica incisa und C. pumila. Es sind dies zwar keine Palmen 
i. e. S., aber sie haben ganz den Habitus derselben. Aus ihren Blättern werden 
die Panama-Hüte geflochten. Bei Amani wachsen sie recht gut. 

Eine große Menge Sorten von Zierpalmen wurde ebenfalls in Daressalam 
und Amani angezüchtet und von da vielfach verteilt. 

Chamaerops hiimilis, die Zwergpalme des Mittelmeer-Gebietes, gedeiht 
bei Amani recht gut. In ihrem Heimatland, besonders in Algerien, (arabisch 
doum, kabylisch ousser) fertigt man aus den feingespaltenen Blättern das »vege- 
tabilische Roßhaar«, crin d'Afrique, das sich auch wohl aus den Blättern unserer 
Hyphaena wird herstellen lassen. 



II. Bananen. 



/. Musa paradisiaca L. 

(Vergl. Verbreitungskarte). 

Die Banane bildet zusammen mit der Co cos- Palme so eigentlich die 
Charakterpflanze der Tropen. Ihr mächtiger, saftiger, nur aus Blattscheiden ge- 
bildeter »Stamm« trägt die riesigen, breiten und leuchtendgrünen Blätter, deren 
Blattspreiten vielfach vom Winde zerzaust sind; aus der Mitte der Blätter tritt 
an langem Stiel die Fruchttraube "heraus, an deren Ende unter meist violettroten 
Deckblättern die sich nicht zu Früchten entwickelnden Blüten sitzen. Wie kaum 
eine andere Pflanze hat dies fremdartige, fast einer früheren Erdepoche ange- 
hörende, imposante Gewächs überall die Tropen erobert, wo es Millionen von 
Menschen die alltägliche Nahrung sowie Leckerbissen liefert. Kaum eine andere 
Pflanze ist so sehr an den Menschen und sein Geschick gebunden, wie die Banane, 
deren Früchte fast nie Samen zur Vermehrung hervorbringen und die deshalb 
in ihrer Verbreitung ganz auf den Transport der Wurzelschößlinge durch den 
Menschen angewiesen ist. Da es nun nicht sehr wahrscheinlich ist, daß eine 
Pflanze sich an verschiedenen Punkten der Erde in derselben Weise aus ihrer 
wilden Form durch die Zucht des Menschen verändert hat, so ist gerade mit 
Bezug auf die Abstammungsfrage die Banane äußerst interessant. Sie muß von 
einer Region der Erde ihren Ursprung genommen haben, um von da ihre Wande- 
rung anzutreten. Allem Anschein nach haben wir in der Banane eine der aller- 
ältesten Kulturpflanzen vor uns, und wir müssen bei unseren Untersuchungen in 
Rücksicht ziehen, daß sie wahrscheinlich schon in Kultur genommen wurde, als 
die Verteilung von Land und Wasser auf der Erde eine andere als heute war, 
oder wenigstens als die Vegetationsformen der Erde von den heutigen abwichen, 
als wir eine feuchtere und auch wohl kühlere Zeit hatten. 

Die Botaniker lehren uns, daß die Gattung Musa etwa 44 gute Arten hat 
(K. Schumann, Musaceae in Engler 's Pflanzenreich), die sämtlich in der 
östl. Welt, d. h. Afrika, in dem südlichen Asien, auf den Inseln des Stillen 
Meeres und nur drei auch in Queensland und Neucaledonien einheimisch sind. 



- 38 - 

Von der verwandten Gattung Ravenala ist nur" eine ihrer Arten in Amerika heimisch, 
ebenso die ganze Gattung H c liconia , sonst gehören alle Pflanzen, die die Bo- 
taniker zur Familie der Musaceae rechnen, der östlichen Halbkugel unserer 
Erde an. Es ist demnach mit fast völliger Bestimmtheit zu behaupten, daß auch 
die Stammpflanze unserer Kulturbanane in der östlichen Hemisphäre stand. Dort 
gibt es auch Sorten der Kulturbanane mit Samen. 

Man hat vielfach behauptet, daß sie in Amerika in einem ursprünglich 
wilden Zustand oder wenigstens dort vor der Entdeckung durch die Europäer 
in Kultur gewesen sei, und zwar ist kein geringerer als Alexander von Hum- 
boldt dafür eingetreten. 

Wer einmal das Glück hat, in den ganz dichten Urwäldern des oberen 
Kongo-Gebietes umherzustreifen, der wird oft in die Lage kommen, mitten im 
Walde im dichtesten Baumwuchs lang emporgeschossene Bananen zu finden, die 
ohne Pflege fast nie Früchte tragen ; viele Reisende werden diese Pflanzen 
ohne weiteres für wilde erklären, und wenn man die Eingeborenen nach der Her- 
kunft derselben oder nach dem Ursprung ihrer eigenen Bananen fragt, so werden 
sie, wenn sie ehrlich sind, einem sagen »das wissen sie nicht«, vielfach aber 
wollen sie dem Fragesteller einen Gefallen tun und erzählen irgend etwas ; manch- 
mal hat man auch alte Märchen, daß die Pflanzen von da oder da gekommen 
sind, auch daß dieser oder jener Häuptling sie ins Land brachte. Was würde 
ein deutscher Bauer sagen, wenn man ihn nach der Abstammung des Weizens 
fragen würde? ja er würde schwerlich über die Kartoffel viel Auskunft geben 
können. Kurz, auf die Erzählungen der Eingeborenen kann man bei uns nichts 
geben. Ob das bei den Indianern besser ist, kann ich nicht beurteilen, aber ich 
glaube, es wird überall das gleiche sein, wo man keine authentischen Schriftstücke 
hat, oder wo die Sprachforschung nichts Sicheres lehrt. Und auch diese gibt 
uns in Afrika nur selten Winke. Die vielfache Meinung ist aber noch jetzt, daß die 
Banane zwar ihren Ursprung in Süd-Asien hatte, daß sie aber vor der Entdeckung 
Amerikas in diesen Erdteil gelangte und dort in vorkolumbianischer Zeit kulti- 
viert wurde. 

Sehen wir uns nach De Candolle's Zusammenstellung die verschiedenen, 
für und wider diese Annahme vorgebrachten Angaben an : 

Der Peruaner Garcilasso de la Vega, der sich viel mit den Kultur- 
pflanzen beschäftigte, schreibt, daß zur Zeit der Incas in Peru nur Mais, China, 
Kartoffeln und Bananen gebaut worden seien, er unterscheidet die süße domcuico 
von der gewöhnlichen arton genannten Banane. Der Padre Acosta schreibt 1608, 
daß die Musa vor der Ankunft der Spanier angebaut sei. Humboldt selbst 
berichtet »an den Ufern des Orinoco, des Cassiquiari oder des Beni, zwischen 
den Gebirgen von Esmeraldas und den Ufern des Flusses Caroni, inmitten der 
dichtesten Wälder, wo man auf indianische Stämme stößt, die mit den europäischen 
Niederlassungen in keinerlei Beziehungen gestanden haben, findet man Maniok 
und Bananenpflanzungen«. (Also ganz ähnliche Verhältnisse wie im Kongo-Ur- 



— 39 — 

wald bei uns). Der Reisende Caldcleugh hat bei den Puri-Indianern die feste 
Überlieferung gefunden, daß man lange vor der Ankunft der Portugiesen an dem 
Prato eine kleine Bananenart anbaute, und daß man verschiedentlich einheimische 
Namen für die Bananenfrüchte habe, wie perurti im Tamanak, ayrata in Maypure. 

Alle diese Angaben sind nach De Candolle sehr wenig bestimmt. Da- 
gegen sagt Oviedo 1526, daß der Pater Thomas de Berlangas 1516 die 
ersten Bananen von den Canaren nach San Domingo brachte, von wo sie weiter 
verbreitet wären. Die Berichte der ersten Reisenden Columbus, Alonzo 
Negro, Pinzon, Vespucci und Cortez erwähnen die Bananen nicht, eben- 
sowenig Hernandez (165 1), der speziell die Naturprodukte der neuen Welt 
untersuchte. Nach Martius nennen die Tupf die Bananen pacoba, bacoba, was 
aus dem Namen bacove der französischen Kolonisten abstammt. Piso berichtet 
1648 positiv, daß sie nach Brasilien eingeführt sei, Acosta, den Humboldt 
für die amerikanische Spontanität anführt, sagt an einer Stelle der 1 59 1 erschiene- 
nen Übersetzung seines Reisewerkes, die Platomo (Banane) sei in Indien (Amerika) 
sehr häufig, »obgleich die Indier sagen, daß der Baum ursprünglich aus Aethiopien 
stamme«.*) Es gibt noch eine ganze Anzahl von Berichten für und wider, aber 
wenn man das Resultat zieht, so verdienen die das größere Vertrauen, die die 
neuere Einführung der Banane nach Amerika behaupten, und es kann als ziem- 
lich sicher gelten, daß sie bald -nach der Entdeckung, also im 16. Jahrhundert 
in Amerika eingeführt wurde.**) 

Eine ganze Anzahl wilder Bananen, die zur Untergattung Eumasa zusammen 
mit der Kulturform gehören, und die Samen tragen, sind im südlichen Asien 
heimisch, andere der Untergattung Physocaulis gibt es in Afrika und Süd- 
indien. Die der ersten Reihe stehen aber der Kulturbanane sehr viel näher als 
die afrikanischen Arten. Da es auch, wie gesagt, wenig wahrscheinlich ist, daß 
diese ganz auf die Verbreitung des Menschen angewiesene Kulturpflanze, die so 
eigenartig ist, an zwei weit voneinander getrennten Plätzen der Welt von ganz 
verschiedenen Kulturvölkern gezüchtet wurde, und da außerdem in Südasien hier 
und da noch Kulturbananen mit Samen — also primitivere Formen — zur Be- 
obachtung kommen, während man in Afrika anscheinend selten fast mikroskopische 
Spuren von Samen in ihnen findet, so ist es sehr wahrscheinlich, daß die Banane 
nur in Südasien zuerst in Kultur genommen und von dort weiter verbreitet wurde. 
Wo genau das war, kann niemand nachweisen. 

*) Im spanischen Amerika nennt man noch jetzt die Bananen der Form M. S a pi c 11 ti 11 in 
nach Koshny guinco (also von der Guinea-Küste stammend), die ///. paradisia ca. aber platano. 
**) O. F. Cook (Contr. U. S. Nat. Herbar. vol. VII N. 2 1901) dagegen ist der Meinung, 
daß die Banane auf irg'end eine uns unbekannte Weise vor Ankunft der Europäer durch 
Menschen von »der alten Welt« nach Amerika gebracht sei, ebenso wie seiner Ansicht nach 
die Cocos-Palme, Batate, Pachyrhizus , Mucuna, mehrere Dioscorea, Lagenaria 
und Cucurbita durch Menschen aus Amerika nach den polynesischen und malayischen Inseln 
transportiert seien, vordem die Europäer diese Gegenden aufsuchten. Aber nur für die Cocos- 
Palme führt er diese Ansicht näher aus. 



— 4Q — 

Es ist auffallend, daß die alten Ägypter, sowie die Juden die Banane trotz 
einiger Beziehungen zu Vorderindien nicht kannten. Sie haben aber wohl nur 
solche Produkte erhalten, die der Handel brachte oder solche Pflanzen, deren 
Samen sich transportieren ließen, und so rege sind die direkten Beziehungen von 
Ägypten und Syrien -Phönizien zu Vorderindien doch nicht gewesen, daß man 
aus der Unkenntnis der Banane darauf schließen könnte, daß diese zur Zeit jener 
Handelsbeziehungen in Vorderindien nicht vorgekommen wäre. Ebenso wenig 
kann man aus dieser Unkenntnis schließen, daß zur Zeit der alten Ägypter die 
Banane nicht in Afrika gewachsen sei. Nur der Schluß ist wohl erlaubt, daß 
die Ägypter ihre Informationen nicht aus solchen Gebieten erhielten, in denen 
Bananen wuchsen, daß sie also mit anderen Worten nur wenige oder garkeine 
Beziehungen zu den feuchteren tropischen Ländern hatten, oder aber auch, daß 
sie sich für die Banane, die sie nicht in ihre Heimat tansportieren konnten, nicht 
interessierten. Da sie nun aber offenbar auch das Sorghum nicht kannten, das doch 
auch in nördlichen, trockeneren Gegenden seit sehr langer Zeit gewachsen sein 
wird, so ist nur anzunehmen, daß sie nicht oder nur dann und wann in die 
ferneren Länder am oberen Nil kamen, oft aber nur dort hin, woher sie Weih- 
rauch holten, also nach Südarabien und der gegenüberliegenden Küste des Roten 
Meeres, — oder aber daß sie durch die ihnen vom Euphratlande zusammen mit 
ihrer Religion gebrachte Pflugkultur des Weizens u. a. so in Anspruch genommen 
waren, daß sie — eventuell unterstützt durch priesterliches Vorurteil — andere 
Kulturen nicht einführten. Außerdem gedeiht ja die Banane in Ägypten auch 
heute nur mittelmäßig. 

Schon die alten Reisenden erwähnen die Banane aus Westafrika, und die Por- 
tugiesen haben sie dorthin sicher nicht gebracht. Nun ist aber gerade von Westafrika 
aus bis in die Gebiete der großen Seen und bis zum ganzen Zwischenseengebiet 
eine ununterbrochene Zone der intensiven Bananenkultur zu konstatieren, während 
in Ostafrika sie nur an der Küste und in den Gebirgen sowie an einigen feuch- 
teren Stellen gebaut wird. Die Einführung der Banane von Osten oder Norden 
in die heutige Bananenkulturgebiete Afrikas ist zu einer Zeit, in der die Vege- 
tation so wie heute verteilt war, schwer vorstellbar. Bevor ich darauf näher ein- 
gehe, wollen wir erst noch einmal kurz die Bananen in Südasien betrachten. 

Sie sind dort überall in Vorder- und Hinterindien, in Südchina, auf den 
malayischen Inseln und den polynesischen Inseln angebaut. Da man samen- 
bringende Kulturbananen in Hinterindien bezw. auf der Insel Palo Ubi an der 
Küste von Cambodja trifft (durch Findlayson 1826 zuerst beobachtet), so ist 
es möglich, daß die Urheimat in Hinterindien gewesen ist, wo auch heute noch 
die zahlreichsten Varietäten zu sein scheinen. Von dort wird die Pflanze bei 
den prähistorischen Wanderungen der Inselvölker sich über das ganze Archipel- 
gebiet in einer sehr entlegenen Zeit verbreitet haben, und ebenso nach Indien 
lange vor der Ankunft der Sanscrit sprechenden Ariyer. Die hinterindischen 
Namen [chuoi in Annam, tsiu in Südchina, seging der Tagalen) haben mit dem 



— 4i — 

piscuig der Malayen nichts zu tun, und dieser wieder nichts mit allen den indi- 
schen Namen, woraus man vielleicht auf eine sehr frühe Verbreitung schließen 
kann. 

In Indien heißt die Banane im Sanscrit kadali, rambha, mocha, in neueren Hindu- 
sprachen kela, kula, kala, kel, kadäli, palan, pala. bei den Tamilen vazhaipazam, 
valei, vali pallum, wovon sich Anklänge im Singhalesischen mit anavalu, khel- 
khang, wal-kaihil, kehal und in einigen malayischen Dialekten mit vasha, vazha- 
paghan, vellacoi wiederfinden, während das Telegu mit ariü-pandu, ananti, anti- 
chettn, amti-ariti eine andere Gruppe von Benennungen zu sein scheint. 

In Madagascar heißt sie ascondro. 

Die ersten Nachrichten über die Banane scheinen durch den Alexander- 
Zug aus dem Pendjab in die Mittelmeerländer gedrungen zu sein. Manche be- 
ziehen darauf die Aufzeichnung von Plinius darüber, der schreibt: »major alia 
pomo et suavite praecellentior, quo sapientes Indorum vivunt. Fructum e cortice 

mittit admirabilem succi dulcedine nomen palac, pomo arienae«, und 

mit pala, palan, kala usw. bezeichnet man noch heute in einigen Dialekten, be- 
sonders an der Malabarküste, die Banane! Aber Yule und Burneil beziehen 
diese Beschreibung auf die Jack-Frucht (phala, panasa) (S. 440), und sie werden 
darin wohl Recht haben, denn diese wächst ja »aus der Rinde« heraus. 

Jedoch haben die indischen Namen keine sehr weite Verbreitung gefunden, 
es war vielmehr die arabisch-persische Bezeichnung, die ins Abendland drang, 
und da heißt die Banane außer tulh-tulu, talh, was ich nur bei Watt fand und 
was selten zu sein scheint, meistens maoz, mouz. Die Philologen mögen entschei- 
den, ob dies Wort mit dem vasha, vazhai der Malayen und Tamilen zusammen- 
hängen kann, und daß demnach die Araber ihre Kenntnis der Banane ihren alten 
Handelsbeziehungen nach Ceylon und den Sundainseln verdanken, ob es vom 
Sanscrit mocha stammt, oder aber ob es sich um ein altsemitisches Wort handelt. 
Wenn dies der Fall, so wäre man dem Problem der Ausbreitung der Pflanze sehr 
viel näher, denn wenn sie den Semiten in der Urzeit bekannt gewesen und wohl 
in Yemen gebaut worden ist, so kann von hier aus die weitere Verbreitung nach 
Westen stattgefunden haben. Jedenfalls stammt unsere lateinische wissenschaftliche 
Benennung der Banane Musa nicht von der Aufzeichnung des Plinius sondern 
der arabisch-persischen Benennung mauz, moz, maoz. Oder sollte der Name muz 
vielleicht von der großen Handelsstadt Muza in Südarabien, dem heutigen Mokha, 
abstammen? In Syrien war die Banane den Arabern nach Mukaddasi vor den 
Kreuzzügen bekannt. Weil die Kreuzfahrer auf dem Querschnitt der Frucht ein 
Kreuz zu sehen glaubten, nannten sie diese »Paradiesfeige«. Über die nicht auf- 
geklärte Abstammung der Worte banane, plantain, platano vergl. Yule und 
Burneil S. 56. 715. Vielleicht kommen sie von Lateinisch planta »Pflanze, 
Schößling«. 

Trotz ihrer auffallenden Form scheint der Periplus die Banane nicht für 
Ost-Afrika usw. zu erwähnen, er zählt eben nur Handelsprodukte auf. Aber auch die 



— 42 — 

Portugiesen erzählen in ihren ersten Reiseberichten nichts von dieser Frucht, 
die doch beachtenswert genug ist. Es ist dies gewiß merkwürdig; erst bei Bruce 
finde ich 1769, daß die Banane in Abessinen eine neuere Einführung der Portu- 
giesen sei. Die Offiziere des englischen Kriegsschiffes von Admiral Blanke tt 
fanden 1799 in Zanzibar viele Bananen. Ich glaube kaum, daß sie früher hier 
unbekannt war und erst nach der Portugiesenentdeckung eingeführt ist. Solches 
könnte ich nur für die Küstenzone annehmen und das ist unwahrscheinlich. Der 
Hauptgrund, der dagegen spricht ist, daß schon dicht hinter der Küste Völker 
sitzen, deren ganzes ökonomisches Leben zum großen Teil auf die Banane ge- 
gründet ist. In West-Usambara und noch mehr in den Kilimandjaro-Landschaften 
ist die Banane die Grundlage der Ernährung wie in den Ländern des Zwischen- 
seengebietes. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß eine neu eingeführte Pflanze 
das Wirschaftsieben großer Gebiete so umgeändert haben kann, daß sie so rasch 
zur Hauptnahrung wird. Daß die Bananen des Zwischenseengebietes und der 
Kongogebiete bis an die Westküste ebenfalls auf die Einführung in nachportu- 
giesischer Zeit zurückzuführen sind, ist mir doch sehr zweifelhaft, denn eine 
Pflanze, die sich nur durch die Wurzelschößlinge verbreiten läßt, kann nicht so 
leicht wie eine Bohnenart (Phas eolus vulgaris) oder wie die viel leichter zu 
transportierenden Maniok und Bataten verbreitet werden, und diese spielen im 
Wirtschaftsleben nirgends die ausschlaggebende Rolle wie die Banane es z. B. 
im Seengebiet tut. Es kommt dazu, daß die Banane in weiten Ländern die 
Bantunamen toke und kondc, die Bananenpflanze goniba führt. Man kann aller- 
dings, wie die Erfahrung bei anderen Kulturpflanzen lehrt, recht wenig aus den 
Negernamen auf die Kulturgeschichte einer Pflanze schließen, wenigstens nicht 
aus der Verschiedenheit der Benennungen. Wenn diese Namen aber für weite 
Gebiete gleichlautend sind, so liegt der Verdacht nahe, daß die Völker, welche 
diese gleichen Bezeichnungen haben, sie auch aus gleicher Quelle erhalten haben. 
Wo jede schriftlichen Dokumente fehlen, da ist man eben auf Schlüsse aus allen 
möglichen Beobachtungen, und vielfach auch auf ein gewisses ethnographisches 
Gefühl angewiesen, und dieses läßt mich annehmen, daß die Banane eine der 
ältesten Kulturpflanzen der Neger ist. 

Sehen wir uns nun die Verbreitung der Bananenkultur in Afrika an, wobei 
ein Anbau als Kuriosität oder gelegentliche Delikatesse nicht zu berücksichtigen 
ist: Am Mittelmeer wie in Ägypten, Tunis kommt die Banane nicht mehr recht 
weiter, die Temperatur und Feuchtigkeitsverhältnisse sind dort nicht genügend, 
um eine Kultur sicher zu stellen. Auch am ganzen oberen Nil scheint sie nur 
sporadisch zu sein und erst im Mombuttu- und Niam-niam-Lande, sowie in Unyoro 
als Volkskultur aufzutreten. Von West-Afrika fehlen mir genaue Daten, aber ich 
vermute, daß sie auch hier nur im feuchteren Tropengürtel in Mengen vorkommt 
und im trockneren Sudan fehlt. Die Canarischen Inseln und Madeira scheinen ihre 
Nordgrenze zu sein. Südlich geht sie dann hinunter bis etwa Natal im Osten 
und Owambo im Westen. Bei uns speziell ist ihre Verbreitung sehr merkwürdig. 



— 43 



Deutsch-Ostafrika 

1 .12 000 000 

100 200 300 



Kilometer 




II. Hauptverbreitung von Bananenkultur 



Karte der Verbreitung intensiverer Bananenkultur in Ostafrika. 



— 44 — 

In Zanzibar kommt sie an der fruchtbaren Westseite vor, ebenso in Pemba und 
im Mafia im südlichen Teil. An der Küste ist sie auf einen Streifen von etwa 
höchstens 20 Kilometer beschränkt, ist dort massenhaft bei Mohorro, wird dann 
aber in den Gebirgen von Usambara, Pare, am Kilimandjaro und Meru, in Uguru 
und Uluguru ebenso wie in Ukamba und Kikuyu massenhaft gebaut, in Usagara 
ist sie aber eine seltene Erscheinung. Auch ist sie an unserer Südküste, süd- 
lich vom Rufiyi-Fluß, mit Ausnahme kleiner Gebiete um Kilwa, Lindi und Mi- 
kindani selten. Dann finden sich kleine Kulturzentren in Mahenge, Süd-Uhehe, 
bei Tabora, in Ufipa und Ukawende, im Süden des Victoria-Sees besonders im 
Südwesten. Die richtigen Bananenländer sind aber das Konde-Land im Norden 
des Niassa-Sees und das gesamte Zwischenseengebiet, von Ujiji an nordwärts, von 
der Grenze des Zwischenseenplateaus an, also Uha, Urundi, Usuwi und Kimwani 
einschließend. Im Norden reicht dieses allmählich »abflauend« etwa bis Port 
Florence um den See herum, schließt ganz Unyoro und das Nordende des Albert- 
Sees ein, und erstreckt sich von da durch den ganzen Kongo-Urwald des Ituri- 
Aruwimi-Gebiets als Hauptkultur. Das Westufer des Tanganika hat ebenso 
extensive Bananenkultur, die dann westwärts durch das ganze Kongo-Gebiet geht, 
allerdings in dessen Süden mit Mais, Sorghum und Maniok stark gemischt, wäh- 
rend im Norden nur etwas Mais und weiter westlich Maniok gebaut wird. Aus 
dieser Verbreitung geht einerseits die geschlossene Ausdehnung von der West- 
küste bis zum Ostabfall des Zwischenseengebietes hervor und ein nur spora- 
disches Auftreten als Hauptkultur im Osten, andererseits aber die Abhängigkeit 
von feuchten Klimabedingungen. Der Umstand, daß die Banane im Zwischen- 
seengebiet und in dem größten Teil des Kongo-Landes die Kultur ist, um die 
sich das ganze Wirtschaftsleben der Neger dreht, läßt mich annehmen, daß es 
sich nicht um eine Einführung neueren Datums, sondern um einen ganz alten 
Kulturbesitz dieser Leute handelt. Die nur mühsam durch Schößlinge zu ver- 
breitende Banane, die auch eine gewisse Seßhaftigkeit erfordert, kann nicht flie- 
gend eingeführt sein. Ich vermute, daß sie mit den Völkern selbst sich allmählich 
vorgeschoben hat in die Gebiete, die sie jetzt beherrscht. 

Es kommt nun dazu, daß die Banane, wie oben ausgeführt, botanisch sicher 
aus Südasien stammt und dort zuerst kultiviert wurde. Die hiesigen Varietäten, 
wenn sie auch noch nicht genau bearbeitet sind, werden sicher nicht spezifisch 
von den asiatischen verschieden sein, also auch wohl als Varietäten in Asien ent- 
standen sein. Die Kulturform ohne Samen muß offenbar vor sehr, sehr langer 
Zeit entstanden sein, in weit vorgeschichtlicher Zeit. Man mache sich nur ein- 
mal klar, daß die drei- bis viertausend Jahre, die etwa seit der Einwanderung 
der Arier in Indien vergangen sind, nur 99 bis 132 Menschengenerationen zu 
je 30 Jahren bedeuten, und wenn auch in jeder Generation einige Male die Banane 
gezüchtet wurde, so kann man doch kaum annehmen, daß in dieser kurzen Spanne 
Zeit eine so weitgehende Umzüchtung zu der samenlosen Art und die Verbreitung 
über alle Welt der östlichen Halbkugel vor sich gegangen ist, es sei denn, daß 



— 45 — 

man eine sprungweise Entstehung der Varietät annehmen will. Ich glaube, daß 
die Züchtung der Banane in grauester prähistorischer Zeit zu suchen ist, daß 
sie ein Produkt von Menschen ist, von deren Wohnsitzen wir nur vermuten 
können, daß sie irgendwo im Süden von Asien lagen. 

Es ist keine zu kühne Annahme, den größten Teil des Kulturbesitzes der 
Afrikaner aus nordöstlich gelegenen Gegenden abzuleiten. Wir wissen, daß in 
historischer Zeit von dort sogar Völkerströme (Abessinier, Somali) ausgingen, und 
es ist mehr als wahrscheinlich, daß dies auch in der Urzeit der Fall war, mindestens 
aber haben auf diesem Wege Kulturbeeinflussungen stattgefunden. Und ich möchte 
annehmen, daß mit diesen Kulturströmen in prähistorischer Zeit, zusammen mit 
anderem, die Banane nach Afrika gebracht wurde. Wann es war, kann man 
nur ahnen. 

Unter den heutigen Verhältnissen der Klima- und Pflanzenverteilung war 
dies kaum möglich. Es ist schwer vorstellbar, daß die Leute die doch nicht 
lange haltbaren Bananenwurzeln weit über Land durch trockene Steppenländer 
trugen; eine Pflanze, die zu ihrem Gedeihen eben ein feuchtes Klima unbedingt 
nötig hat, kann schwerlich durch die Steppenregionen des östlichen Afrikas ge- 
bracht sein, um dann im Westen zu einer Hauptkultur zu werden. 

Nun wissen wir aus manchen geologischen Beobachtungen, daß ebenso wie 
im Norden der Erde, auch in Afrika vor langer Zeit eine Periode war, in der 
die Niederschläge, wie bei uns in der sogenannten Eiszeit, etwas größer als 
heute waren, die Periode, in der die Gletscher des Kilimandjaro etwa iooo Meter 
tiefer als heute herabreichten, als der Wasserstand der großen Seen viel höher 
als heute war, als die Trockenbäche der Steppenländer noch Wasser führten, wohl 
ein Teil der Sahara bewohnbar war und wo vielleicht das Kongobecken kurz 
vorher ein großer Binnensee war. Zu dieser Zeit wird die Pflanzenwelt Ost- 
afrikas mehr der von dem heutigen Westafrika und der hiesigen Gebirge ge- 
glichen haben, mit einem Worte, die feuchte Waldflora dehnte sich viel mehr 
östlich als heute aus und zog sich erst allmählich mit der Änderung des Klimas 
zurück, so daß zunächst eine Flora entstand, etwa so wie wir das in dem Zwischen- 
seengebiet noch jetzt sehen, wo stellenweis Bruchstücke, Überbleibsel der Wald- 
flora mitten im Grasland an günstigen Stellen zurückgeblieben sind. 

Wahrscheinlich bei solchem Klima und Vegetationszustand, wo im Osten über- 
all noch Stellen mit feuchten W 7 äldern zu finden waren und wo wohl auch die 
Tierwelt der ostafrikanischen Steppen mit ihren vielen Antilopenarten hier noch 
nicht lebte, als auch Arabien noch ein feuchtes Klima hatte, wurde die Banane 
von Südasien eingeführt, und ging dann wahrscheinlich zusammen mit dem 
Siedelungsstrom der Menschen bis nach Westafrika, sie erhielt sich später in den 
für ihre Kultur günstig gelegenen Gebirgen, verschwand aber in den trocken ge- 
wordenen Ebenen des Ostens. Ich möchte demnach die Banane zusammen mit 
der Colocasie für einen Kulturbesitz des Urnegers halten, den er entweder mit 
Kulturströmen oder auf einer großen Völkerverschiebung von Südasien erhielt, 



- 46 - 

wohl als in Südasien noch schwarze Menschen wohnten, die sich von dort als 
Australier nach Osten, als Neger nach Westen schoben. Das wird am Ende 
der Eiszeit gewesen sein. Es mag diese Zeit also mindestens ioooo Jahre zu- 
rückliegen, wahrscheinlich aber viel länger, es handelt sich um die zurückliegende 
jüngste geologische Epoche der Erde. Weiteres darüber habe ich am Schlüsse 
unserer Untersuchungen ausgeführt. 

Für unser Küstenland aber könnte möglicherweise die Banane eine Wieder- 
neueinfuhr sein, wenigstens wenn man aus der allerdings sehr mit Vorsicht zu 
benützende Namengebung einen Schluß ziehen wollte. 

Ich erwähnte oben, daß die Banane im Arabischen maos, mauz, muz, vioz 
heiße. Die Somali sagen nun moz, die Swahili in Patta maso, die Wadigo niazit, 
alles Worte, die sicher direkt aus dem Persischen und Arabischen kommen. An 
unserer Küste wird die Frucht ndizi genannt, und es ist mir nicht ganz unwahr- 
scheinlich, daß auch dies Wort eine Verdrehung des arabischen ist, besonders 
wo stellenweis auch bei uns mazo gesagt wird. Aber eine Neueinführung ist, 
auch wenn man die Wortabstammung annehmen will, recht unwahrscheinlich, 
wo z. B. die Küstenleute auch für das Sorghum, das sicher einer ganz alten 
Kultur angehört, den arabischen Namen mtania gebrauchen. Die Bananen-Pflanze 
heißt an der Küste mgomba, ein echter Bantu-Name, den wir auch vielfach im 
Innern wiederfinden. 

Sonst finden wir in weiter Verbreitung bei den Negern im östlichen Afrika 
Namen, die mit tokc zusammenhängen, für die Frucht. Die Wagueno sagen 
neben nimu auch kitoke, die Wanyoro kitoke, die Waganda kjitoke, toki, die W T a- 
gogo uiatokc, die W T asukuma madoge, die Wayambu kitoke, die Wanyamwezi 
niatoke, in Ujiji tokc, die Waguha niatoke, die Waniassa mtoclii. Eine zweite 
Gruppe von Namen hängt mit ko)ide zusammen: die Wadjagga ikundu, in Taveta 
neben idio auch nginda, in Urungu und Ubemba nrikonde, bei den Wabissa 
ebenso, in Ost-Manyema maondc, die Wakussu likondo, jikondoo, die Babwende 

makonde, die Warua makonde, die Walombo-Manyema moonde, und es ist 

mir wahrscheinlich, daß das Land im Norden des Niassa - Sees auch nach den 
dort als Hauptkultur gebauten Bananen »Kondc<-< heißt, wenn auch andererseits 
behauptet wird »kondi« hieße dort »Ebene«. 

Ich führe nun noch eine Reihe von Namen an, die ganz anderen Stammes 
sind, manchmal kann es sich vielleicht um Bezeichnungen für die Pflanze und 
nicht für die Frucht handeln. Die Watuta -Zulu zinklw, die Wagogo nklwgo, 
die Wahehe ngolio, die Warori ok/io, die Wasagara nhoo, nliovo, die Waluguru 
ngovo, die Wakami inaboko, die Baregga mama, die Kakongo und Kabunda 
ntutu, die M-Fan isuikomc, in Ukanda motaba, in Adumass icomako, die Ukwa- 
Mbongo monbungu, die Kaffern tikoiva, die Yoruba ogcde, die Wakikuyu mariko, 
die Massai marigori, kitauo, ol-guidaiä, il-maisuren, die Kai su, die Fan atorra, 
die Yaunde ochive, die Haussa ayabä, die Lur, Shuli, Madi labalu, die West- 
Manyema ndosso, die Wapare majibu und die Wassegeyu ariw. Daß bei diesen 



— 47 — 

beiden letzten, die doch nahe der Küste wohnen, so ganz abweichende Namen 
gebraucht werden, ist sehr merkwürdig. Für die Wassegedju ist uns aber be- 
kannt, daß sie in ziemlich neuer Zeit aus fernem Nordnordwesten, wohl von den 
Galla gedrängt, zur Küste, erst in die Gegend nördlich von Mombassa, dann nach 
Tanga wanderten. *) 

Die Pflanze heißt vielfach mgomba, so an der Küste, bei den Wassegeyu 
ngenda, bei den Wahiyao mgombo, aber bei den Wadigo koo, (ebenso wie in 
Usagara und Uluguru die Frucht heißt) bei den Wasukuma ituwa, und bei vielen 
Völkern (Unyoro, Uganda, Bukoba, Wanyamwezi) wie die Frucht matoke. Merk- 
würdig ist noch der Gebrauch auf dem inneren Marktverkehr in Unyoro, wo die 
Frucht nicht wie immer bitoke sondern kahenda genannt wird (Em in.) 

, In Usukuma heißt der Bananenstamm ituwa, das Blatt idara, der Bast 
liahi, die Traube idokc, der Schößling nagana, der Wurzelstock isliiki, der schwache 
Bananenwein ?iamba, der starke mbahi (Herrma n n). In Unyoro wird der schwache 
Wein sandi, der starke mwenge und im internen Marktverkehr viakongc genannt. 
In Bukoba heißt der erstere mlamba, in Uganda mbisi, der starke in Bukoba 
marwa, in Uganda mwenge. 

Aus der obigen Zusammenstellung könnte man vielleicht den Schluß ziehen, 
daß die Banane bei den östlichen Bantu itoke, bei denen des östlichen Teiles 
des Kongostaates konde genannt -wurde, wenn das letztere keine Bezeichnung 
für die Pflanze ist. In Westafrika scheint der Name bei der dort herrschenden 
Sprachverwirrung, in die wohl noch niemand ein System brachte, außerordent- 
lich verschieden zu sein. Allein nur daraus auf eine sehr alte Einführung zu 
schließen, wäre ein großer Fehler, wo ganz junge Einführungen ebenso verschie- 
dene Namen führen. 

Die Bearbeitung der Bananen-Varietäten liegt noch ganz im argen, sie läßt 
sich, da es auf den Wuchs der ganzen Pflanze und auf die durch Konservieren 
stark veränderten Früchte ankommt, nur von einem Botaniker in den Tropen 
machen, und dieser müßte sehr viele Gebiete bereisen. Unsere hiesigen Varie- 
täten sind auch noch so gut wie gar nicht erforscht, man müßte zu diesem Zwecke 
in den Bananenländern des Zwischenseengebietes, im Konde-Land, am Kilimand- 
jaro und an der Küste in Zanzibar seine Studien machen. Ich kann mich hier 
nur auf die Wiedergabe von einigen Notizen beschränken. 

Man teilte die Kulturbananen früher ein in Musa sa pi e n tili vi (Banana 
der Engländer) mit rundlichen, kürzeren Früchten, deren Schale leicht vom Fleisch 
losläßt und die zum Rohessen und zur Bereitung von Bananenwein dienen, und 
Musa p aradisiaca (Plantain der Engländer) mit länglichen, kantigen Früchten, 
deren Schale dem Fleisch fester ansitzt, und die fast nur zum Kochen oder zur 



*) Die Wambutti im Kongo -Urwald sagen nach Stanley masaba, die Bakiokwa im 
Waldland ibuki, die Mbarukukaru boga, die Babira bei Kinena ibuku, die Balegga am Albert- 
See setza, die Bawira im Grasland didi, die Wasamburu und Babussesse im Grasland ndei'i, 
die Mombuttu cbbi/^u, die Niamniam bu. 



- 4 8 - 

Mehlbereitung dienen, da sie stark gerbstoff- und stärkemehlhaltig sind, während 
die anderen süßer sind. 

In der neuen Bearbeitung der M u saceen von K. Schumann in Engler's 
Pflanzenreich stellt nun der Autor die meisten angebauten Bananen zu Musa 
paradisiaca L. und unterscheidet davon die Unterarten 

i. no rmalis 0. Ktze., deren männliche Blüten und deren Hochblätter ziem- 
lich lange stehen bleiben, deren samenlose Frucht ca. 30 cm lang und 
wenig süß ist, so daß sie nur gekocht gegessen wird. 

2. sapientium (L.) 0. Ktze., bei der die männlichen Blüten rasch abfallen, 

die Frucht dreieckig - eliptisch und ca. 1 2 cm lang , gelb , samen- 
los und süß ist, so daß man sie auch ungekocht essen kann. Zu dieser 
Unterart rechnet Schumann 11 Varietäten. Zu diesen beiden Unter- 
arten gehören die meisten der in den Tropen gebauten Bananen. Eine 
dritte Unterart ist 

3. seminifera (Loinj Bak., deren kleine, ungenießbaren Früchte Samen 

haben. Fünf Varietäten derselben kommen in Indien vom Staat Behar 
bis nach den Malayischen Inseln und auf Formosa vor als wilde Bananen, 
die wohl der Urform der kultivierten ebenso nahe stehen wie die Unterart 

4. troglodytorum (L.) Bak., deren Blütenstand nicht wie der der 

anderen Bananen hängt sondern aufrecht steht, und deren kleine 
eliptische rötlich-gelbe Früchte in der süßen gelben Pulpa rudimentäre 
Samen haben. Diese in Indien, Ceylon und auf den Malayischen Inseln 
vorkommende Sorte bildet dort die Hauptnahrung der Elefanten. 
Die Art AI. paradisiaca wird von Schumann wie folgt beschrieben: 
Über 2 Meter hohe Pflanzen, Blätter langgestielt, Fruchttraube hängend. 
Mit eßbaren Früchten werden noch folgende als Arten aufgeführt: 
M. Ca u endis hii Lamb. vom südlichen China. 
M. fehi Vieill. von Neucaledonien und Tahiti mit nur gekocht genießbaren 

Früchten. 
M. acu minata Colla. von Java bis Neuguinea, mit kleinen spitzen Früchten. 
M. co rniculata Lour. von Cochinchina und dem Malayischen Archipel mit 
nur wenigen sehr langen Früchten, deren rötliches Fleisch nur gekocht 
genießbar ist. Es ist möglich, daß zu dieser Art die bei uns Mkono 
ya tcmbo genannten Formen gehören, riesige Bananen, die beinahe Unter- 
armlänge erreichen. 
M. basjoo Sieb, et Zucc. vom Liu-kiu-Archipel. 

M. discolor Ho ran. aus Neucaledonien mit kantigen Früchten, deren 

Fleisch rötlich ist. 

Endlich ist noch eine Art der Untergattung Rho doc Jilamy s. M. macu- 

lata Jacq. mit eßbaren Früchten angeführt, sie soll unter dem Namen Figiie 

mignonne in Mauritius und Reunion gebaut werden und hat gelbe, braun-gefleckte 

Früchte. 



— 49 — 

Welche Arten oder Varietäten von den in der Schumann 'sehen Bearbei- 
tung aufgezählten bei uns vorkommen, weiß ich nicht. Das zu erkunden, muß 
einem speziellen Studium vorbehalten bleiben, dessen Resultate aber sehr wichtig 
sein werden, denn aus ihnen wird man Schlüsse ziehen können auf die Geschichte 
der Einführung dieser Pflanze aus Asien nach Afrika, sobald man die asiatischen 
Varietäten mit in die Betrachtung zieht. 

In Amani haben wir jetzt folgende Sorten in Kultur: 
i. Javanische, die teils vom Reg. -Rat Dr. Busse, teils von mir aus Buiten- 
zorg mitgebracht wurden : 
nyonga Bali, hohe Staude mit rotbraunem »Stamm", rötlich schimmernden Blättern 
und großen, glatten, dreikantigen, braunroten Früchten, die gut schmecken. 
Der Teil der Fruchttraube, der die Blüten nicht zur Entwickelung kommen 
läßt, sondern sie abwirft — ich nenne ihn im folgenden »Stiel« - ist 
auffallend lang. 
radja serek, mit dreikantigen Früchten und braunfleckigem niederen Stamm. 
radja Lumul, hohe kräftige Staude mit grünem Stamm. 

ambon No. i, hohe Staude mit grünem, wenig braunfleckigen Stamm, lange, 
grüne, kantige Früchte, der »Stiel« ist kurz, die abortiven, sich nicht 
voll entwickelnden Früchte bleiben lange an ihm sitzen. 
ambon No. 2, die Sorte gleicht, im Habitus der Staude der vorigen, hat aber. 

kantige braunrote Früchte. 
maas No. I, mit gedrungenem, braunfleckigem Stamm, der gelblich-grün ist, 

und anscheinend runden Früchten. Der »Stiel« ist sehr lang. 
maas No. 2, im Habitus der vorigen gleich, aber mit rötlich-grünem Stamm. 
radja No. i, mittelhohe Sorte mit gelblich-grünem Stamm, rundlichen, glatten, 

grünen Früchten und sehr langem »Stiel«. 
radja No. 2, die der vorigen im Habitus gleicht, aber einen rotgrünen Stamm hat. 
2. Sorten von Zanzibar, die wir von Herrn Lyne, dem Direktor des Agri- 
cultural-Departement erhielten. 
mjenga ndogo, von kleinem Wuchs. 
kigurwe. 
mzuzu. 

peka, mit wenig braun-geflecktem Stamm, kantigen Früchten und recht kurzem 
»Stiel«, an dem die nicht zur Entwickelung kommenden Früchte lange 
hängen bleiben. 
kina kusa, mit grünem Stamm. 

mjenga damti, mit grünem, etwas braun-geflecktem Stamm und kantigen Früchten. 

mjenga longo, mit grünem, braun-geflecktem Stamm, runden Früchten und sehr 

langem »Stiel«. 

Ferner eine rotfrüchtige Sorte mit braunrotem Stamm, runden, fast gar nicht 

kantigen Früchten und sehr langem »Stiel«, die Art gleicht sehr der njonga 

Bali aus Java. 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 4 



— 5o — 

Ohne in Ermangelung genauerer Bestimmungen auf die Zugehörigkeit zu 
den verschiedenen Formen einzugehen, gebe ich in Nachfolgendem nur die ver- 
schiedenen Notizen, die ich für Deutsch-Ost-Afrika fand. 

Bezirk Tanga. Die Bananen gedeihen nicht gerade sehr üppig, die Trauben 
sind nicht sehr groß, die Früchte im Vergleich mit Zanzibar und erst recht mit 
Java dürftig. Besser ist es schon am Fuß der Berge bestellt. Das bezieht sich 
auch auf unser ganzes Küstenland, die Banane ist dort Nebensache, und man 
läßt ihr nicht so viel Kultur angedeihen, als zur Erzeugung guter Früchte nötig 
ist, denn ohne sorgfältige Behandlung gibt sie nur schlechte oder garkeine Resultate. 
Es kommen folgende Sorten vor : 

kiume, große kantige Früchte mit 2 — 3 »Händen«*) von je etwa 12 Früchten, 

selten. Eine ganz ähnliche Sorte wird kitambaa genannt. 
mhonge, mit 6 — 7 Händen von je 12 Früchten, Traube bis 10 Kilo, häufig. 
kisukari. 8 — 9 Hände mit 12 — 13 Früchten, kleine runde, gerade, süße; selten 

gebaut. 
malindi, 10 — 11 Hände von je 16 runden, leicht gebogenen Früchten, selten. 
bungala, 7 — 8 Hände ä 11 — 12 Früchte, häufigste Sorte, dicke süße Früchte, 

Traube bis 8 Kilo. 
kisungu, 5 — 6 Hände ä 12 — 13 Fr. Rote Früchte, offenbar eingeführt. 
uiboko, 11 — 12 Hände ä 18 — 19 runden, geraden Fr., häufigste Mehlbanane 
im Gebirge. Gleich oder ähnlich scheint die makojozi genannte zu sein. 
libwi, nicht sehr süß. 
uisusa, große, gefurchte Sorte. 
mjenga, lange, kantige Sorte zum Kochen. 

mJiampa, häufigste Art in Bondei und Ost-Usambara, 8 — 10 Hände ä 12 — 13 Fr. 
kitombo, sehr selten. 

kipenji, ziemlich häufig, 8 — 9 Hände ä 11 — 12 Fr. 
ndizi ya kizungu entspricht der njonga Bali von Java, eine rotfrüchtige dicke 

Eßbanane. 
mkono ya Tanbo, mit sehr großen kantigen Mehlfrüchten, entspricht der Pisaiig 
Tandok der Javanen. 
Die Hauptreifezeit ist von Oktober bis März. 

In Pangani sollen 5 Sorten bekannt sein, in Bagamoyo 8, in Saadani 7. 
Daressalam. An der Küste wird die Banane an ziemlich vielen Stellen 
gebaut, auch noch weit hinein in Usaramo, aber nirgends in Mengen. 

sukari, 8 Hände ä 17 — 20 Fr. Eßbananen, 3 — 4 Meter hohe Pflanze, die 

Früchte roh gegessen, süß und schmackhaft. Eine Traube 7 V2 — 20 Kilo. 

msusu, 6 — 14 Hände ä 10 — 12 Fr., die kantig sind und 15 — 20 cm Länge 

haben. Die Traube wiegt 7 '/ 2 — 25 Kilo; die Früchte werden manchmal 



*) Unter "Hand« versteht man die zusammensitzenden Früchte, die sich aus den unter 
einem Hochblatt sitzenden Blüten entwickelten. 



— 5i — 

reif gegessen, meist aber unreif wie Kartoffeln gekocht, auch zur Mehl- 
bereitung benützt, gehört zur Gruppe paradisiaca. 
kibungala, 4 — 5 Meter hoch, 6 — 8 Hände ä 12 — 14 Fr., die kurz und dick 

sind, geschätzt zur Mehlbereitung. 
bawalleo, 5 — 6 Meter hoch, 20 — 30 Hände ä 10 — 12 Fr., die länglich sind, 

Traube 25 — 30 Kilo, werden meist unreif gekocht. 
kipokussa, 4 — 5 Meter hoch, 8 — 10 Hände ä 12 — 15 Fr., die klein und kurz 
sind und hauptsächlich reif gegessen werden, nur bei Hungersnot nimmt 
man sie unreif ab. Trauben 10 — 30 Kilo. 
kidevoma, 3 — 4 Meter, 8 — 15 Hände ä 8 — 12 Fr., die kurz und dick sind, 

schmackhaft, reif gegessen, Traube 10 — 20 Kilo. 
halahala, selten im Hinterland von Daressalam, angeblich von den Arabern 
neu eingeführt, die Traube bis 2 '/ 4 Meter lang, Früchte 10 — 15 cm lang, 
Traube 50 — 60 Kilo schwer (?). Die Frucht angeblich gut eßbar, die 
Pflanze soll nicht viel Schößlinge machen und selten sein. Ich sah sie nicht. 
mkono ya tcmbo (Elefanten-Fuß), an der Küste selten, mehr in Usaramo und 
auch bei Kilwa, verlangt sehr guten Boden, manchmal 6 — 15 Hände 
ä 10 — 30 (!) Fr., aber meist weniger, jede Frucht 50 — -75 cm lang, gibt 
gutes Mehl, roh nicht zu genießen. 
Die Bananen tragen das ganze Jahr, die Hauptreife ist im Juli bis September, 
die kleineren Sorten haben feiner schmeckende Früchte als die großen. (Nach 
einem Bericht des verstorbenen Gärtners Weise.) 

In Kilwa kennt man 10 Arten, in Mikindani 6. 

Usambara. Die ausführlichsten Notizen sind immer noch die von Holst 
(Warburg, Kulturpflanzen Usambaras, Mitt. a. d. Schutzgebieten 1894). Er 
unterscheidet die als Obst roh gegessenen maboko von den makuti, die zur Mehl- 
bereitung oder — hier seltener — zum Kochen dienen. 
Er gibt folgende Varitäten an: 
mahoye, die gewöhnliche Mehlbanane, Früchte beiderseits stielartig verjüngt, 
kantig, an der Spitze bleibt lange eine trockene Narbe stehen, 28 — 30 
cm lang und 4 — 4V2 cm dick, Schale dick, citronengelb, Fleisch trocken 
und fest, leicht gelblich, in seiner Mitte drei rehbraune Plazenten, in 
denen oft je zwei Reihen verkümmerter Kerne sitzen. Nach Angabe 
des Pastors Langheinrich soll die Art recht empfindlich gegen Kälte 
sein und an den Hängen nur unterhalb 1000 m gedeihen. 
mikono ya tcmbo. mit über einen Fuß langen Mehlbananen. 
shumbalieno, Früchte nur 15 cm lang und 3 — 3V2 cm breit, beiderseits zuge- 
spitzt mit vier Kanten, Schale grünlich-gelb, Fleisch fast ebenso. Die 
Fasern vom Stamme dieser Art werden verwandt. 
similwa, kleine, halbmondförmig gebogene, beiderseits zugespitzte Früchte von 
18 — 20 cm Länge und 3 '/ 2 — 4 cm Dicke, gelbe Schale, festes Fleisch, 
reift im Juli, häufig. 

4* 



— 52 — 

pigiti, mit 4 — 6 kaum hervortretenden Kanten und kaum angedeuteten Spitzen, 
Früchte 20 cm zu 3 '/ 2 cm., Schale grünlich gelb, Fleisch ein Stich ins 
gelbliche, fest, mehlig, an den Plazenten kaum erkenntliche Samenrudimente. 

suhl. Obstbanane, die zwar kantig und unten spitz, oben aber rund ist, Früchte 
20 zu 4 cm, Schale auch reif grasgrün, Fleisch ziemlich fest und weiß, 
in ihm statt der Samenrudimente fünf helle Bläschen. 

shunibazize, (Schwarzblüte) Früchte länglich, ohne Rippen aber mit vier Be- 
grenzungsflächen, Schale gelb, Fleisch gelber als das der anderen Sorten, 
Blüten fast kohlschwarz, 

mniele, eine wurstförmige Obstbanane, ohne Rippen, Basis kurz abgeplattet 
und schwach schief, Spitze rund, 18 — 20 zu 4 cm, Schale dünn, innen 
leicht wellig, goldgelb, Fleisch weiß weich, 35 — 40 Fr. per Traube. 

shilagi oder pigiti ya shilagi, größte und schönste Obstbanane, 20 zu 5 — 5 V2 
cm, rund, Schale gelb, festes Fleisch weiß und saftig. Die Blattrippen 
unterseits wie der Stamm rötlich. 

ndigi, ndigi ya puat, Küstenbanane, kleine, dicke Obstbanane mit sehr kurzer, 
stumpfer Spitze und kurzer Basalverschmälerung, 14 — 15 zu 4V2 — 5 cm, 
Schale in der Mitte gelb, an den Enden grünlich, Samenrudimente er- 
kennbar, Fleisch süß und weich, nur reif gegessen, von der Küste ein- 
geführt. 

kibukulu, kibukusa, kleine, breite Eßbanane, 15 — 16 zu 4 — 4V2 cm, an der 
Spitze ohne Knopf, Schale mit undeutlichen Rippen, auch reif grünlich- 
gelb, das aromatische und feste Fleisch gelblich-weiß, Traube sehr groß, 
kleine Pflanze mit dichtem Blätterschopf, die Blätter dunkelblaugrün, 
hellblau bereift. 
Nach einer Angabe des Pastors Langheinrich noch: 

ndigi libivi, eine weichere Art, die bis 1500 M. Meereshöhe gedeiht, aus der 
Frucht gewinnt man sehr ausgiebig gutes weißes Mehl ; goldgelb, mehlig, 
süß, Stamm fast schwarz. 

mboko, gedeiht bis 1700 M., Stamm dunkelbraun, Blattrippen auf der Unter- 
seite rot angehaucht, die längliche Blütenknospe ist rötlich, die Frucht 
rund, gestreckt, säuerlich. Das Mehl aus den unreifen Früchten hat die 
Farbe von Holzasche, der daraus bereitete Brei ist fast schwarz. Wenn 
man aus dem Mehl unter Beimischung von Weizenmehl Brot backt, sieht 
es wie Roggenbrot aus. 8 Hände ä 12 Früchte, Traube etwa 6 Kilo. 

Jmti, gedeiht bis 1000 — 1200 M. Meereshöhe, hellgelbe, süße Eßbananen mit 
vielen Untervarietäten (ckumbanyelo, msinganzinga u. a.) Das Mehl 
hieraus ist weiß, der Brei hellgrau, das mit Weizen vermischte Brot wie 
Graubrot. Die Pflanze ist empfindlich gegen Kälte, ihr Stamm hellgrün, 
die Blattrippen grün. 
Im »Tropenpflanzer« von 1903 gibt Pastor Langheinrich folgende Ein- 
teilung der Bananen-Sorten in West-Usambara. 



— 53 - 

i . Obstbananen (huti), 1 6 Unter-Sorten : kibukulu, zingazinga, kinakina, sliumba 
nyele, aimihva, Jwlahala, dole, bulo, mlcma, mpigiti, mfuyäc, luwaluwa, 
kitaya nkomba. 

2. Obstbananen (hoye), nur in warmen Tälern. 2 Untersorten Jioye, mkono ya tembo. 

3. Zwischen Obst- und Mehlbananen (ndizi). 3 Untersorten ndizi, ntondwc, libivi. 

4. Mehlbananen (boko) mit 4 Untersorten : boko, kisimkila, mlcma, halahala. 
Huti, chambanyclo, mzinga und maboko kamen in Daressalam 1901 ange- 
pflanzt ganz gut. 

Das Stammark des unteren Teils der Bananenpflanze nennt man in Usam- 
bara kigogo, in Scheiben getrocknet und zerstampft gibt es das kolo genannte 
grobe Mehl. Die trockenen Blattscheiden, die zu Hausdecken benützt werden, 
heißen lamba. 

Sehr viel werden in Usambara die unreifen Bananen geschält, gespalten 
und getrocknet. Daraus wird durch Stampfen ein graues Mehl bereitet, aus dem 
ebenso wie aus Getreide oder Maniokmehl der » Ugali^ genannte Brei hergestellt wird. 
Das Mehl kommt hier in Amani z. B. jeden Sonntag massenhaft auf den Markt. 

In Mahenge kennt man sieben Sorten. 

In Morogoro und Kilossa gibt es drei Hauptarten, kisukari mit kurzen, 
dünnen, süßen Früchten an mittelgroßen Stauden, kidoroma mit kurzen, dicken 
rötlichbraunen Früchten, deren Schale sehr herbe ist, die Stauden sind hoch. 
Die Frucht kann roh gegessen werden, mzuzu, mit langen, dicken, rötlichbraunen 
Früchten an sehr hohen Stauden. Auch hier wird wie an der Küste aus den 
zerquetschten Bananen und Sorghummehl ein steifer Brei gemacht, in Brotleib- 
form in Banenblätter gewickelt und gekocht. Diese sich lange haltenden Brote 
heißen in Kilossa magati, an der Küste mabomunda, in Usambara vinolo. Ich 
habe sie auf der Expedition viel als Abwechselung gegessen. 

In den trockenen Gegenden von UgOgO wird die Banane ebenso wie im 
abflußlosen Gebiet kaum, in Unyamwezi selten gebaut. 

In Uhehe nennt man die großen malumba, die kleinen 1100. 

Am Tanganika in Ujiji gibt es viel Bananen, in Usambiro und Mpororo 
weniger. In Usumbura unterscheidet man 12 Sorten, die zum Kochen dienenden 
kirasi, midiva, nakasovu, mobira, kipaku, niamkuki, die zur Herstellung von 
Bananenwein dienenden kidsidie, kihoni, und die Sorten kikobi, kimanga, molwn- 
goro kcnva, kisamnvi, die wohl zum Rohessen dienen. In Usukuma kennt man 
die Koch- oder Röstbananen mJioiisiva, die Eßbananen sakala und die Wein- 
banane nhuntu. Viele Bananen werden im Bezirk Mwanza nicht gebaut, am 
meisten noch in Usindja, und dann vor allem auf der Insel Ukerewe, die aber 
kulturell zu den Watussi-Wahume-Ländern der westlichen Gebiete zählt. 

Ebenso wie Uganda und Unyoro ist der Bezirk Bukoba das richtige 
Bananenland, diese Pflanze ist dort die eigentliche Nahrungsquelle, nur werden 
große Mengen der Früchte zur Herstellung des dort unvermeidlichen Bananen- 
weines benutzt. Auf dem Markte von Bukoba unterscheidet man: 



— 54 — 

1. gondja, eine dreikantige, längliche Sorte, deren Stamm braune Rinde hat, 

die Früchte ißt man reif. Zu dieser Form gehören die Untervarietäten 
usagara (nshakara), nzanza, nkungwe, nfufura, nseni, nkundi u. a. m. 

2. nyamnyongi, eine rundliche, kurze, dicke Frucht, der Stamm hat violette 

Rinde, die weichen, süßen Früchte werden meist reif gegessen. Von 
dieser unterscheidet man die Untervarietäten ntoivc, ndaraganza, nsonzo 
(nshonzo), nzirabaima, nyöya, kalabi, nyodyazi (njunjuzi) , nzubo, hudza,fembo, 
npuno, ndikura, pimbabarana, ukukwmwa, nkibundja, toabunyondji u. a. m. 
3) bire, kleinere Früchte, die unreif abgeschnitten und mit Feuer oder in 
Gruben künstlich gereift werden, sie dienen nur zur Herstellung des Ba- 
nanenweines. Man kennt die Untervarietäten kira, nsaka, nseni, nfufura. 
Bei Herr mann (die Waziba und ihr Land. Mitt. a. d. Deutschen Schutz- 
gebieten 1 894) finde ich noch ohne nähere Angaben folgende Namen : njuwo, 
mpirwa, ntobc, ndekura, kundekunde, nshanshanbire, nyaveogora, mbihira. 

Die Instandhaltung der Bananenhaine liegt in Bukoba den Männern ob, 
und man muß gesehen haben, wie diese jeden Morgen mit ihrer an langem Stock 
befestigten Haue (mundu) darin umhergehen, sorgfältig jedes trockene Blatt ab- 
schneiden, die abgetragenen Stauden umlegen und auf dem Boden der Pflanzung 
ausbreiten ; man muß die musterhafte Sauberkeit und Ordnung in diesen wohl- 
gepflegten Anlagen beobachtet haben, um zu begreifen, daß man es hier mit 
dem wichtigsten Nahrungserzeuger des Landes zu tun hat, und daß die Banane 
nur für sorgsamste Behandlung ihre vollen Erträge gibt, dann aber auch die 
Mühe reichlich lohnt. Wie viel Ertrag die Pflanzung aber tatsächlich gibt, dar- 
über fehlen mir Zahlen.*) 

In Bukoba gehört No. 1 zur Gruppe der Musa paradisiaca no rmalis , 
während 2 und 3 zur var. sapientium gehören. Weiter nördlich bei Vichumbi, 
im Semliki-Tal, bei den Wawira am Ituri, bei den Bangwema - Wassongora und 
bei den Wald- W T akondjo beobachtete ich, daß man bei weitem häufiger die 
Form p a radisiaca - no r mali s mit grünbräunlichen Stämmen und kantigen 
Früchten baute, während die rundfrüchtigen Formen der sapientium meistens 
violette Stämme hatten. In Mpororo notierte ich an einem Platze, daß alle Ba- 
nanen kleine Früchte und rötliche Blattrippen hatten. 

Im ganzen nördlichen Teil des Zwischenseengebietes bis in die Urwälder 
westlich vom Albert-See ist die Banane der Grundstock der Ernährung, um sie 
dreht sich das ganze Leben der Leute, alles andere ist nur Zuspeise, höchstens 
fängt die Batate an, allmählich eine Rolle zu spielen. Im südlichen Teil dieses 
Gebietes, Karagwe usw. treten die Bananen etwas zurück gegen andere Feldfrüchte. 



*) Pastor Langheinrich zählte auf einem Hektar, von dem nurdie Hälfte wirklich gut stand, 
in Usambara 72 Trauben pro Monat in der besten Jahreszeit (Dezember bis März), und beim 
Trocknen ergaben sie ein Drittel des Rohgewichtes an trockenem Mehl. Wahrscheinlich wird 
der Ertrag in den eigentlichen Bananenländern noch größer sein. Es wäre sehr interressant, 
darüber Zahlen zu erhalten. 



— 55 — 

Über das andere spezifische Bananen-Gebiet, das Kondeland im Norden des 
Niassa-Sees fehlen mir genauere Notizen. Ich habe nur die Namen der Varietäten 
ingego, hege, ingens, ifianbe, kaudjama, imbundja, ifubila, sassara, tuiuira, mboso, 
indifu, indiale erhalten können, von denen die zwei letzteren nicht zu Mehl ver- 
arbeitet werden sollen, also wohl Fruchtbananen sind. 

Auch im Osten des Niassa-Sees, bei den Matengo, scheint die Bananen- 
kultur für die Höhe der Landwirtschaft mit Bewässerung und Anbau von Rinden- 
stoff bäumen maßgebend gewesen zu sein. 

Leider hat Fülleborn in seinem großartig angelegten Werke die Kultur- 
pflanzen nur stiefmütterlich behandelt. Merensky sagt, daß man im Niassa- 
Land 7 Varietäten, Cross deren 20 kenne, und daß es sich meistens um Koch- 
bananen handele, die wie Kartoffeln zubereitet werden. Die Herstellung von 
Bananenwein scheint dort selten zu sein, Fülleborn gibt an, daß er sie selbst 
nie sah. 

Am Kilimandjaro sind die Bananenhaine absolut vorherrschend. Zu ihrer 
Pflege hat man ein kompliziertes Bewässerungssystem eingerichtet. Bei dem zer- 
rissenen Gebiet muß das Wasser meistens kilometerweit an den Hängen entlang- 
geführt werden, ehe es die Pflanzungen erreicht. Ein eigenes Wasserrecht hat 
sich dort herausgebildet. Man kennt die Sorten msJiarc, nanambo, famaia, ilali, 
nuuengele, kumado, mbo, taraza. - Mit den saftigen Bananenstämmen wird viel 
das Vieh gefüttert und getränkt. 

Auch in Usambara findet man noch Wasserleitungen, die aber heutzutage 
meist verfallen sind, offenbar weil keine einheitliche Autorität eingeborener Sultane 
dort mehr vorhanden ist, seitdem die Herrschaft der Wakilindi-Sultane abgeschafft 
wurde. Wenn diese auch vielfach eine große Mißwirtschaft war, so machte sie 
doch eine zusammenfassende Herrschaft über die Eingeborenen durch Eingeborene 
möglich, und nur hierdurch ist die kompliziertere Landwirtschaft mit seßhaftem 
Anbau und Bewässerung gewährleistet. 

An der Küste scheint früher die Banane eine größere Rolle als heute ge- 
spielt zu haben. Ibn Batuta schreibt 1 33 1 , daß man in Mugdischu in Milch 
gekochte unreife Bananen viel gegessen habe und in Mombassa habe man sich 
hauptsächlich von Bananen und Fischen ernährt. 

Überall, wo die Banane die Hauptkultur ist, befindet sich die Bevölkerung 
in einem Zustand der Seßhaftigkeit, der bei der sonstigen halbnomadisierenden 
Hackwirtschaft der Neger unbekannt ist, überall bedingt sie auch ruhige politische 
und geordnete Verhältnisse und ein einheitliches Regiment. Diese Völker leben 
demnach auf einem weit höheren Stand der Staatsorganisation, die vielleicht 
andere früher auch hatten, aber verloren. Diese Seßhaftigkeit bedingt dann 
auch den Anbau von Bäumen, etwas sonst ganz unerhörtes bei Negern ; ich 
meine des Rindenstoff-Ficus, den wir in Uganda, im Zwischenseengebiet am groß- 
artigsten ausgebildet sehen unter einem jahrhundertelangen strengen monarchischen 
Regiment, und den wir in dem Bananenland Mombuttu sowie in Konde wiederfinden. 



- 56 ~ 

Das Zwischenseengebiet ist charakterisiert durch die Herrscherrasse der von 
Norden eingewanderten Watussi-Wahuma. Aber sie haben sicher nicht die 
Bananenkultur ins Land gebracht, sie waren und sind heute noch adelige Hirten, 
die sich nie mit Ackerbau befassen, sie brachten das dortige langhörnige Rind, 
aber keine Ackerbaupflanze mit. Nur die Heloten im Lande, die unterworfenen 
Ureinwohner, treiben Ackerbau, und es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß sie 
die Landwirtschaft auch schon vor Ankunft der nordischen Eroberer sehr intensiv 
betrieben, daß sie besonders die Bananenkultur in einer ähnlichen Höhe wie 
heute besaßen. Wir können also auch weiter uns den Schluß erlauben, daß sie 
auch vor der Ankunft der Eroberer eine geordnete und ruhige Verwaltung und 
Friede im Lande hatten, denn ohne diese kann der Bananenbau sich nicht ent- 
wickeln. Wahrscheinlich haben sogar die Watussi ihre Verwaltungsorganisation 
von den Ureinwohnern ebenso wie deren Sprache übernommen und haben die 
Herrschaft an sich gerissen durch kriegerische Überlegenheit in der Zeit des An- 
sturms, durch den moralischen Einfluß, den sie als Viehbesitzer und deshalb 
nach Negerbegriffen als reiche Leute hatten, sowie nicht zum wenigsten, weil sie 
einer ethnisch höheren Rasse angehörten. Jedenfalls finden wir nur in den 
Bananenländern heute eine ruhige seßhafte Bevölkerung, die ihre Überlieferungen 
hat, und die sich unserer Verwaltung und unseren Ideen leicht anpaßt, fast nur 
hier finden wir heute durch Generationen Sultane, die wirklich einen großen Ein- 
fluß auf weite Gebiete haben,*) und nur durch diese seßhaften Neger-Herrscher 
können wir hoffen, in absehbarer Zeit einen weitgehenden Einfluß auf die Völker 
zu bekommen, durch sie können wir in recht kurzer Zeit Kultur ins Land bringen, 
die Eingeborenen durch eine gerechte Verwaltung schützen und zugleich das 
Land zum Nutzen unseres Vaterlandes entwickeln und kommerziellen Zwecken 
dienstbar machen. Man sehe sich nur einmal an, was in den vergangenen zwei 
Dezennien im Bezirk Bukoba sich alles gebildet hat, wo die Eingeborenen auf 
Befehl der Herrscher große Kaffeepflanzungen zum Verkauf des Produktes an- 
legten und wo die Sultane aus dem Erlös sich schöne Häuser bauten, wo alles 
so ruhig und geregelt vor sich geht, wie in einem europäischen Staatswesen. 
Und das haben wir in letzter Linie dem Umstand zu verdanken, daß die Leute 
durch die Bananenkultur seßhaft sind und kräftige Häuptlinge haben. Darum 
schützt die Bananen und die Sultans- Autorität und haltet darauf, daß die Bananen 
nicht durch andere Kulturen verdrängt werden ! 

Über die allgemeine ökonomische Bedeutung der Banane für das Wirtschafts- 
leben der Leute kann ich mich kurz fassen, besonders weil schon viel im vor- 
hergehenden erwähnt wurde. 

An der Küste handelt es sich um Obst für die Leute und um Herstellung 
von Mehl. Sehr ertragreich sind die Pflanzen hier nicht. Trotzdem wird ein 



*) Die mehr sporadischen Reiche, die durch Krieg und Unterwerfung entstanden, wie 
Uhehe, rechne ich nicht zu diesen seßhaften Reichen. 



— 57 — 

wenig ausgeführt. An »Bananen, frisch und getrocknet und deren 
Mehl« ward von der Küste ausgeführt: 

1903 2748 Kilo im Wert von . 115 Mk. 

1904 2758 „ „ „ ,, . 166 „ 

1905 2912 ,, ,, ,, ,, . 446 „ 

Also sehr wenig. Noch geringer ist die Einfuhr dieser Produkte: 

1903 680 Kilo im Wert von . 37 Mk. 

1904 188 „ „ ,, „ . 14 „ 

1905 134 ,, „ „ ,, . 15 ,, 

Man hat früher, verleitet durch utopistische Vorstellungen daran gedacht, 
aus Ost-Afrika ebenso wie aus anderen tropischen Ländern große Mengen von 
Bananen frisch oder als Konserve auszuführen, Dr. Kärger mußte aber die 
Erfahrung machen, daß die Quantität und Qualität hier dazu nicht ausreicht. Die 
Ausfuhr der frischen Früchte nach Europa ist der langen Reise und der in Ver- 
hältnis zu anderen Produktionsländern teuren Frachtsätze wegen nicht möglich. 
Nach Hamburg sind 1905 z.B. eingeführt: von Madeira 917 Dz. im Werte von 
20810 Mk. und von den Canarischen Inseln 18952 Dz. im Werte von 424180 Mk., 
also zusammen fast für eine halbe Million.*) Wenn die westafrikanischen deut- 
schen Kolonien diesen Gewinn nicht vielleicht mitnehmen können, so müssen 
wir für unser Nationalvermögen darauf verzichten, denn von Ost -Afrika ist ein 
Export ausgeschlossen, trotz allem, was dafür geschrieben ist. Außerdem scheint 
sich die kandierte Banane in Deutschland nicht recht einführen zu wollen. Daß 
das graue Mehl unserer Früchte in der Heimat sehr viel Anklang finden wird, 
glaube ich auch nicht.**) Wird außerdem in Usambara mehr erzeugt, als der 
lokale Bedarf ist, dann wird man auf den Pflanzungen dafür immer Abnehmer 
finden, eventuell in Zanzibar, vorausgesetzt, daß das Mehl so billig ist, daß es 
mit dem Reis usw. konkurrieren kann. 

Die unreife Banane wird an der Küste und in Usambara viel mehr als 
Mehl denn als kartoffelartiges Gemüse konsumiert. In den Uferlandschaften des 
Viktoria-Sees aber fast gar nicht als Mehl, sondern nur als »Kartoffel« oder in 
Gestalt des vielgeliebten Bananenweines; Sorghum und Eleusine, die man dort 
baut, dienen in erster Linie der Bananenweinbereitung. In den Grasländern von 
Karagwe, Mpororo usw. tritt die Banane etwas hinter den Körnerfrüchten zurück, 
im Norden des Niassa aber bildet sie wieder das Hauptsubsistenzmittel der 



*) Nord-Amerika importierte jährlich 1878 für 2,3 Millionen, 1900 für 24,5 Millionen, 
1902 für etwa 30,5 Millonen Mark an Bananen, besonders aus Centralamerika und Westindien 
(Costenoble Tropenpflanzer 1907, S. 293). Von den Canaren gehen monatlich fast 25 Dampfer 
nach England mit Bananen, Havaii exportierte 1904 etwa 1 5 000 Trauben Bananen pro Monat. 
**) Vergl. auch Tropenpflanzer II 1898 S. 231. Eine nach Hamburg gesandte Probe war 
»unverkäuflich«, in Nordamerika wollte eine Firma erst 25000 Pfd. für Reklamezwecke haben, 
ohne diese sei an keine Einführung zu denken. Die graue Farbe des Mehles schreckt alle 
Interessenten ab. 



> 



- 58 - 

Leute, ebenso wie am Kilimandjaro, und im Kongogebiet, vielfach zusammen 
mit Mais. 

Man hört häufig die Ansicht, daß die Bananennahrung die Leute bequem, 
— der leichten Kultur der Pflanze wegen — , und arbeitsunfähig — , des geringen 
Nährstoffgehaltes der Bananen wegen — , mache ; demgegenüber ist aber nicht 
hoch genug einzuschätzen, daß die Eingeborenen durch diese Kultur seßhaft und 
an- eine geregelte Verwaltung gewöhnt werden, und das ist für sie selbst und 
für das Allgemeinwohl von Ost -Afrika nicht hoch genug einzuschätzen, auch 
wenn sie eben ihrer Lebensweise wegen für den Dienst auf weitweg gelegenen 
Pflanzungen usw. ungeeignet sind. 

2. Musa textilis Nee. 

Die Manillahanf-Banane gehört ebenfalls zur Schumann' sehen Unter- 
gattung Ek musa und sieht der Fruchtbanane sehr ähnlich. Sie wird 6 Meter 
hoch, treibt Wurzelschößlinge, die langen Blätter sind unten etwas grau gefärbt 
und hart, die Hüllblätter der Blüten purpurrot oder pflaumenfarben, die etwas 
dreikantige Frucht ist grün, 7 cm lang und 2,2 cm dick, etwas gebogen und 
ungenießbar. Eine Varietät mit schwarzen, kürzeren Früchten wird als var. 
amboinensis Miq. bezeichnet und findet sich auf Amboina, während die 
Pflanze sonst auf den Philippinen-Inseln heimisch ist. Sie wächst dort von den 
niederen Regionen an bis zur Grenze der Pinus insularis. Dort wird sie 
Abaca genannt, auf Mindanao koffo, in Amboina kula abbal, im Malayischen 
Archipel pisang utan. Ihr Produkt ist der bekannte Manilla-Hanf. Die Pflanze 
gann durch Schößlinge oder durch Samen vermehrt werden. Zwei Varietäten 
auf den Philippinen heißen nach U s t e r i tindoc und sabä. Costenoble (Tropen- 
pflanzer 1907 S. 297) gibt 8 Varietäten an namens: 1. Samarong-pati, 2. Sania- 
rong-pula, 3. Samarong-itom, 4. isaroy, 5. quidit, 6. saba, 7. Butuhan, 8. tindoc. 
Davon soll No. I — 3 recht unempfindlich gegen Trockenheit sein. 

Nach Amani haben R. R. Dr. Busse und ich von Java und Bombay einige 
Pflanzen eingeführt,*) die sich jetzt auf einige Hundert vermehrt haben, auch 
sind schon junge Pflanzen und hier gewonnener Samen davon abgegeben. Leider 
ist wie bei allen Bananen die Gewinnung der Faser eine recht mühevolle Hand- 
arbeit. Man behauptet zwar, daß drei geschickte Leute in ihrer Heimat auf den 
Philippinen 12 Kilo pro Tag gewinnen können, aber das werden unsere Neger 
schwerlich fertig bringen. Die für Sisal und andere Agaven so brauchbaren 
Maschinen aber versagen anscheinend für die Banane. In Anbetracht der leichten 
und billigen Kultur der Agaven und der guten Gewinne, die man mit ihnen 
macht, glaube ich kaum, daß die Manilla-Banane hier in absehbarer Zeit eine 
ökonomische Rolle spielen wird, es sei denn, daß der Sisalhanf einmal sehr im 

*) Es scheint sich um zwei verschiedene Varietäten zu handeln, von denen bisher nur 
die erstere blühte und pfefferkorn-große Samen gab. Die zweite von Bombay hat am Stamm 
einen blaugrünen Wachsüberzug. Sie scheint mit Musa Bakeri verwandt zu sein (Z i m merman n). 



— 59 — 

Preise fällt, und man dann dem ein klein wenig wertvolleren Manillahanf sich 
zuwenden wird. Im Ursprungsland wird er in primitiver Weise mit der Hand 
unter Zurhilfnahme einer Holzklemme extrahiert, das kann sich nur als Haus- 
industrie der Eingeborenen hier lohnen, und ob die kleine Maschine von D u c h e m i n 
sehr viel mehr leisten wird, ist fraglich. Die von A. Zimmermann 
damit angestellten Versuche ergaben pro Mann kaum i Pfund Fasern, 
die 20 — 30 Pfennig wert sind, während der Mann fast 50 Pfennig Lohn be- 
kommt, so daß eine Rentabilität für europäische Unternehmer ausgeschlossen 
erscheint. 

Der Markt für Manilla-Hanf hat durch die Unruhen auf den Philippinen 
starke Störungen erlitten, die große Menge geht wohl nach Amerika und England. 
In Hamburg wurden von Manilla eingeführt : 

1904 3052 Dz. im Werte von 161 920 Mk. 

1905 1506 ,, „ ,, „ 98180 ,, 

Der Preis war 1905 41 — 45 £ pr. To. (Hamburger Handelskammerbericht). 
Von den Philippinen sind 1885 — 432000 Ballen, 1895 — 832000 Ballen 
verschifft für rund 28 Millionen Mark. Soviel ich weiß, ging während des ameri- 
kanischen Krieges zeitweilig die Ausfuhr ganz bedeutend herunter. Jetzt soll die 
Produktion nach Einstein jährlich 100 000 Tonnen sein. 

Costenoble (Tropenpflanzer 1907 S. 296) gibt an, daß 

1870 31 426 Tonnen 
1880 50482 
i'890 67864 ,, 
1900 89438 
exportiert sind. Der Wert der Exporte betrug 1903 90 '/ 2 Millionen Mark. 

3. Musa Holstii K. Seh. und verwandte Arten. 

Die wilden afrikanischen Faser -Bananen, deren es eine ganze Anzahl 
verschiedener Arten gibt. Sie gehören ohne Ausnahme zur Untergattung 
Pliy socauli s Bak., die sich durch einen sehr dicken Stamm, durch die fehlenden 
Wurzelschößlinge — die nur bei einigen Sorten selten auftreten — vind durch 
große, unregelmäßig runde, schwarze Samen in den ungenießbaren Früchten er- 
kennen lassen. Es sind außer zwei indischen und einer javanischen folgende 
Arten bisher aus Afrika beschrieben worden: 
Musa ventricosa Melw. aus Angola. 
M. Schweinfurthii K. Schum. u. Warb, von Schweinfurth im Lande 

der Niamniam auf dem Baginse-Gipfel gefunden. 
M. c lephantorum K. Schum. u. Warb, aus Kamerun, Yaunde-Station. 

Am Berg Boukollo im Grasland, dort bequannsoe genannt. 
M. Ensete J. F. Geml, die bekannteste Art, die enset in Abessinien ge- 
nannt wird und dort in dichten Waldungen auf den Bergen wächst. Sie 
ist in Europa im Sommer in Anlagen oft zu sehen. Unter diesem Namen 



— 6o — 

haben die Reisenden die wilden Bananen meist aufgeführt. So außer der oben 
erwähnten Art aus Niam-niam, noch Casati für Mombuttu, Emin für 
Gondokoro, Lori, Lur, Shuli und Madi, Grant für Uganda, wo sie 
massenhaft wächst, Emin für Unyoro, ich für den Ruwenzori, Karagwe 
für das Hochland westlich vom Albert-See und für Mpororo. Wieweit 
es sich hier um die echte Ensctc oder um andere Arten handelt, kann 
nur durch Untersuchung von genügendem Material entschieden werden. 
Die »JSnsete« heißt in Uganda und Unyoro kitembe, bei den Lur tohde, 
den Shuli latemme, den Madi ullo, auf Swahili ist der Name für alle 
wilden Bananen ingomba mwitu, Grant gibt noch den mir unbekannten 
Namen msiguah an. 
M. Buchannii Bak. im Shire-Gebirge bis 600 m Meereshöhe. 
M. proboscidea Oliv, auf Bergen in Ukami. Wahrscheinlich gehört hier- 
her auch die am Kilimandjaro häufig vorkommende wilde Banane. 
M. Li vin stoni an a Kirk. aus dem »tropischen Ost-Afrika zw. 12 und 19° 

s. Br.« 
M. Hostii K. Seil um., die wilde Banane aus Usambara mit sehr dickem 
Stamm und mächtiger Fruchttraube, welche dunkelbraun-violette Deck- 
blätter (Brakteen) der männlichen Blüten hat, die matambul der Einge- 
borenen. 
M. Jilugu r cnsi s Warb, aus den höheren Teilen der Uluguru -Berge z. B. 
auf der früheren Pflanzung »Emin«, die kaum schlanker als die Sorte 
von Usambara ist aber grüne Brakteen hat. Sie wird in Uluguru kodze 
koza, die Frucht koja genannt.*) 
Wilde Bananen werden auch noch in Pare, bei Saadani unter dem Namen 
embiri, aus Unguu als mkoza, Usagara, vom Kungwe-Berg in der Nähe des Wami, 
erwähnt. Es scheint, als ob sie in allen Gebirgen des tropischen Ost- und 
West-Afrikas vorkommen in Arten, die sich sehr ähnlich sind. Die Einsendung 
von Photographien der Pflanze und von Spiritusmaterial der männlichen und 
weiblichen Blüten sowie der Früchte wäre sehr wünschenswert, um über die Ver- 
breitung der verschiedenen Sorten Klarheit zu schaffen. 

Außer daß die harten Samen zum Schmuck der Neger benützt werden, kann 
man die knollig angeschwollene Basis der Stämme bei einigen Sorten essen, bei 
der Gurage-Sorte in Abessinien soll dieses Gericht sogar recht gut sein, auch die 
sonst ungenießbaren Früchte sind bei dieser Art eßbar. 

Die harten Samen scheinen oft Jahrzehnte im Boden zu liegen, denn wenn 
man hier in Ost -Usambara stellenweis alten Urwald schlägt, so erscheinen in 
wenigen Wochen in der neuen Lichtung massenhaft junge Pflanzen der wilden 



*) Die in Amani aus Samen, den Herr Moritz von Uluguru sandte, gezogenen Faser- 
bananen sind im Wuchs von denen aus Usambara kaum verschieden. Auch bleiben an den 
Fruchttrauben die trockenen Hochblätter sitzen, wie R. Schumann das von M. Hohtii ab- 
bildet, und fallen nicht ab, wie Warburg es für M. Ulugurensis zeichnet. 



— 6i — 

Banane — nicht der verwilderten — , die Kerne müssen dort lange geruht haben. 
Die meisten so entstandenen Pflanzen werden nicht groß, denn sie erfordern zum 
Gedeihen viel Feuchtigkeit, wenn sie nicht durch andere Pflanzen bald erstickt 
werden sollen. 

Der Teil der wilden Banane, welcher eine ökonomische Rolle spielt, ist 
ebenso wie bei der Manilla-Banane der sogenannte »Stamm« d. h. das stammähn- 
liche Konvolut von Blattscheiden. Aus diesem wird eine Faser gewonnen, die der 
der Manilla-Banane sehr ähnlich ist und auch fast so hoch bewertet wird. Aber 
bei beiden kann man nur die inneren Teile des Stammes verwenden, und die 
Fasergewinnung ist eine mühsame Handarbeit. Bei unserer Wildbanane kommt 
noch als Hindernis dazu, daß die Pflanze nicht wie die Manilla-Sorte und andere 
Bananen sich durch Wurzelschößlinge vermehrt, sondern jedesmal aus Kernen heran- 
gezogen werden muß, und erst nach etwa drei Jahren ist sie schnittreif, was man 
an der Fruchtbildung sieht. W'enn man ferner bedenkt, daß der Bananen -Hanf 
kaum höhere Preise erzielt als der Sisal-Hanf, daß die Kultur der Sisal sehr 
bequem ist, daß es für die Gewinnung ihrer Faser vorzügliche Maschinen gibt 
und daß große Ländereien dicht an den Bahnen sich für Sisal eignen, während 
die Faserbananen nur auf beschränkten Gebieten, die viel unzugänglicher sind, 
fortkommen, so kann man sich nicht wundern, wenn es mit der Gewinnung der 
Bananenfasern nicht vorwärts geht- und wenn sie in europäischen Unternehmungen 
ohne weiteres der Sisalkultür schwerlich Konkurrenz machen werden. 

Die Bananenfasern bilden aber für die Eingeborenen für alle möglichen Ge- 
legenheiten ein wichtiges Binde- und Flechtmaterial, und wenn sie sich dazu 
bereit finden, ■ — ■ d. h. ihren wirtschaftlichen Nutzen dabei sehen — , die Faser 
als Hausindustrie zu gewinnen, dann wird es sich für europäische Unternehmer 
lohnen, sie aufzukaufen und auszuführen. Dies ist aber wohl kaum eher zu er- 
warten, als bis die Eingeborenen das Land enger besiedelt haben und arbeiten 
müssen, wenn sie leben wollen, und wenn sie mehr Steuern bezahlen müssen 
oder mehr Bedürfnisse befriedigen wollen, als sie heute haben ; oder aber wenn 
wir im Lande einen Stand von selbständigen Kleinbauern haben, die höher als 
unsere meisten Neger stehen, wofern diesen das Arbeiten durch ihre eigenen Sul- 
tane nicht wie bei Bukoba zur Pflicht gemacht wird, oder wenn ein anderes eth- 
nisches Element als Kleinsiedler sich hier etabliert hat, wie es z. B. in manchen 
Kolonien (Reunion, Mauritius) die südindischen Kulis aus Madras sind, von denen 
viele nach Ablauf ihrer Arbeits- Verträge im Lande sich als wertvolle Ackerbürger 
seßhaft machen. 

Im Jahre 1904 wurde etwas Reklame für den Bananenhanf gemacht, der 
mit 550 — 650 Mk. pro Tonne geschätzt wurde, man berechnete, daß der Bananen- 
Hanf in Daressalam auf ca. 25,20 Mk. pro Dz. zu stehen käme und damals in 
Bremen 55 — 65 Mk. kostete, daß der Bananenstamm durchschnittlich 125 — 250 
Gramm Hanf liefere, demnach der Hektar mit 9000 (?) Stämmen 22V2 Zentner 



— 62 — 

Fasern geben würde;*) aber das Unternehmen kam nicht zustande. Wenn man 
jedoch damals nicht die viel bequemere Sisal-Kultur gehabt hätte, so zweifle ich nicht, 
daß die Kultur der Bastbananen ernstlich begonnen wäre, man würde zwar zu- 
erst bei der Entfaserung im Großen schlechte Erfahrung mit der Neger-Hand- 
arbeit gemacht haben, aber sicher hätte die Maschinen-Industrie bald die Ab- 
hilfe geschaffen. Aber das bessere ist des Guten Feind, und solange die Sisal- 
Industrie blüht, wird die Bananen-Kultur wenig Gegenliebe finden. 

Neuerdings hat Krupp A.-G. Grusonwerk nach Angaben des Herrn H. Boeken 
eine neue Maschine zur Aufbereitung der Bananenfasern konstruiert, die 1908 in 
Ost-Afrika praktisch geprüft werden soll. 

Die aus Deutsch-Ost- Afrika ausgeführten Mengen von »Manilla-Hanf«, so 
wird der Bananen-Hanf in unserer Zollstatistik genannt, ist denn auch sehr ge- 
ring gewesen. 

1903 56 Kilo im Werte von 83 Mk. 

1904 279 „ „ „ „ 141 „ 

1905 o ,, ,, ,, „ o ,, 



*) Sisal gibt pro Hektar jährlich etwa 1 Tonne = 20 Zentner Fasern, deren Gewinnung 
aber sehr viel einfacher ist. Obige 9000 Stämme pro Hektar werden auch nie zu erzielen sein. 



III. Die Orangen und Zitronen. 



/. Citrus sp. 

Die Orangen- und Zitronen-Arten, Agrumen, sind botanisch ein recht 
kompliziertes Kapitel, es ist schwer, die zahllosen Kulturarten in ein natürliches 
System zu bringen, besonders, wo man noch nicht ganz einwandfrei die Variations- 
breite der wilden Arten kennt. Während man sich früher an die Einteilungen 
von Brandis, J. D. Hooker und A. de Candolle hielt, haben später die 
Untersuchungen von Bonavia, Oberstabsarzt in der indischen Armee, so viele 
neue Gesichtspunkte gebracht, daß Engler in den »Natürlichen Pflanzenfamilien 
1897 e i ne neue Einteilung aufstellte, von der ich einen Auszug der Besprechung 
der bei uns vorkommenden Arten voraufgehen lasse. Die wichtigsten neueren 
Resultate sind z. B., daß die bisher für konstant angesehenen Merkmale der 
Trennung von Orangen, Zitronen und Pampelmusen es nicht sind, daß die süßen 
Orangen nach der Meinung von Bonavia nicht von den bitteren abstammen 
und daß die Pampelmuse nur eine Varietät der süßen Orangen ist. Die Be- 
obachtungen von Bonavia ergeben eine große Konstanz der aus Samen ge- 
zogenen Rassen, wogegen E n g 1 e r den hybriden Ursprung einzelner Sorten nicht 
für ausgeschlossen hält. Er teilt die bislang bekannten Formen wie folgt ein : 
Sektion I. Pseudaegle Miqu., dahin Citrus trifoliata L. mit dreigeteilten 

Blättern, ein kleiner Strauch aus Japan, der in Süd- und Mittel-Europa 

im Freien gedeiht, bei uns aber nicht vorkommt. 
Sektion II. Eucitrus Engl., mit einfachem, am Blattstiel oft geflügeltem Blatt. 
Citrus australis Planck., aus Queensland, mit 1 cm langen Dornen, sehr 

kurzem, nicht geflügeltem Blattstiel und kugligen Früchten von 3 — 4 cm. 
C. australasica F. v. Müller. In Ost-Australien, ein kahler Strauch mit 

langen dünnen Dornen, der für uns nicht in Betracht kommt. 
C. nobilis Lour. Die Mandarine, Kauchin, Strauch oder kleiner Baum mit 

kurzen, kaum geflügelten Blattstielen und lanzettlichen, schwachgekerbten 

Blättchen, mit in Büscheln stehenden weißen Blüten, nur wenig vereinten 

Staubfäden, etwas niedergedrückten, fast kugeligen, glänzenden, dunkel- 



- 64 - 

orangefarbenen, 9 — 10 fächerigen, süßen Früchten von 5 — 6 cm Durch- 
messer mit roter Pulpa ; aus Cochinchina oder China stammend, auf den 
Sundainseln und in Südeuropa kultiviert, gedeiht er nur in Gegenden, 
die vor Kälte und Wind geschützt sind. 

C. Aurantium L. Baum, seltener Strauch, mit meist hellgrünen Schößlingen, 
weißen, meist zwittrigen Blüten und meist hügligen oder etwas nieder- 
gedrückten, meist orangefarbenen 8 — 12 fächerigen Früchten von sehr 
verschiedener Größe, die mitunter verkehrt eiförmig sind oder einen 
zitzenförmigen Fortsatz haben. 

Subspccics: amara L. (karna im westlichen Vorderindien, naztun im süd- 
lichen Indien, naranj arabisch, arancio oder mclangolo forte italienisch, 
bigaradicr französisch, bitter oder Seville Orange englisch, Pomeranze 
deutsch, (C. Bigaradia Duk.J, mit tief dunkelgrünen, sehr aromatisch 
riechenden Blättern, mit geflügeltem Blattstiel und eiförmigen bis läng- 
lichen, stumpfen oder spitzen Blättchen, mit weißen, stark wohlriechenden 
Blüten, kugeligen FYüchten mit sehr aromatischer bitterer Rinde und 
saurer Pulpa. Wahrscheinlich in Südasien (Cochinchina) heimisch. 

Subsp. B e r ga in i a Wight u. Arn., die Bcrgamottc, mit kleinen, süßlich 
riechenden Blüten, kugeligen oder birnförmigen, glattschaligen, blaß- 
gelben Früchten mit angenehm säuerlicher Pulpa. In Südeuropa und 
Westindien kultiviert; kommt für uns nicht in Betracht. 

Subsp. Khatta Bona via. (k/iatta. kharna in Ostindien), mit blaßgrünen 
Schößlingen mit tief dunkelgrünen, nicht riechenden Blättern, unge- 
flügeltem, nur schmal berandetem Blattstiel, eiförmigen, gesägten Blättchen, 
mit großen außen rötlichen, schwach riechenden Blüten, glätten oder 
warzigen, runden oder eiförmigen, meist am Ende zitzenförmig ausge- 
zogenen dickhalsigen Früchten mit saurer orangefarbener oder blaß gelb- 
orangefarbener Pulpa. Bisweilen kommen auf demselben Baum in der 
trockenen Zeit glatte, in der feuchten runzelige Früchte vor. Hierher 
gehören wahrscheinlich die Var. Gugul Engl, (gulgul, kuthairie, nimboo, 
jack-nimboo, rus-kaukur in Indien) mit eiförmigen, bisweilen 20 zu 30 cm 
messenden, vielfach gefurchten Früchten, die 2 cm dicke Schale haben, 
deren innerer Teil schwammig ist. 

Subsp. sinensis Call, (arancio dolee, portugallo italienisch, oranger fran- 
zösiert, Malta- oder Portugal-orange englisch, Apfelsine deutsch); (Citrus 
Aurantium var. dulce L.J. Baum mit meist blaßgrünen Sprossen, 
schwach aromatischen Blättern mit geflügeltem Blattstiel, mit großen 
weißen Blüten, meist kugeliger, selten eiförmiger oder birnförmiger, 
orangefarbiger selten gelber Frucht mit im reifen Zustand süßer oder 
schwach säuerlicher Pulpa und dichtanliegender Schale. Nach der Meinung 
einiger Autoren von der Pomeranze abstammend, wahrscheinlich aber 
eine selbständige Unterart. 



- 6 5 

Varietas sanguinea Engl., mit blutrot gestreifter oder ganz blutroter 
Pulpa, die Blutorange. 

Var. B an dir (bandir in Tanjore, sweet-lime englisch^ mit gelblich-orange- 
farbener Schale und blaß-orangefarbener, schwach-säuerlicher Pulpa. 

Var. decumänna (L.) Bonavia. (Pompclmocs holländisch, skaddock, pommclo 
englisch, pumli-mas, pumpeli-mas, bambuli-mas , bompari-massa, pampari- 
panasa, amilbed in Ostindien, jambole in Ceylon, Adamsapfel, Pampel- 
muse deutsch) mit zuletzt kahlen oder dauernd weich behaarten Sprossen, 
Blattstiel breit geflügelt, länglich eiförmige, häufig ausgerandete Blättchen, 
mit kugeligen, eiförmigen oder birnförmigen, außen weißen, fleischfarbenen 
oder roten, auch gelben oder rotwangigen kleinen oder großen Früchten, 
mit oft sehr dicker, manchmal auch dünner Schale und herber, saurer 
oder süßer Pulpa. Einzelne Früchte oft 3 Kilo schwer. Die Varietät 
ist wahrscheinlich auf den Malayischen Inseln entstanden. 

Sub sp. j aponica Hook, (kin-kan, kin-kits, kumquot, kumkwat, kin-kü) niederer 
Strauch mit kantigen Zweigen, schmal keilförmigen, geflügelten Blättchen und 
länglich-lanzettlichen, spitzen oder stumpfen, am Rande schwach gekerbten, 
2 V2 — 5 cm langen Blättchen, mit kleinen, einzeln oder büschelweis in den Blatt- 
achsen stehenden Blüten, mit etwa 20 Staubgefäßen, mit oft nur 1 V2 cm 
großen kugeligen oder eiförmigen, 5 — 6-fächrigen Früchten, die mit ihrer 
Rinde roh oder in Zucker eingekocht gegessen werden. Wohl in China 
oder Cochinchina heimisch, in Japan viel kultiviert. Var. globifera 
Engl, mit kugeligen Früchten, Sub var. spinös a mit Dornen, Sub var. 
madurensis ohne Dornen. Sub var. Margarita mit eiförmigen, 
bisweilen taubeneigroßen Früchten. 

Subsp. Suntara Engl, (bigaradier chiuois nach Risso. Suntara Orange 
englisch, sungtara). Kleiner, schwacher Baum mit oft kleinen, stark riechenden 
Blättern, mit schmal geflügeltem keilförmigen Blattstiel und lanzettlichen 
Blättchen, mit kleinen weißen Blüten und flachkugeligen bis birnförmigen, 
bisweilen ganz glatten, bisweilen warzigen, orangegelben bis krebsroten 
Früchten, deren Schale locker aufliegt, und mit schwach-saurer oder süßer 
Pulpa. Erst vor 300 Jahren in Nordwest-Indien bekannt geworden. Von 
den vielen Varietäten sind die sauersten die surkh-niniber, harjara, kum- 
quat, die süßeste die Butwal- Orange. 

Subsp. Keonla Engl, (keonla. falsche Mandarine) mit meist ungeflügeltem 
Blattstiel, länglichen, ausgerandeten und gekerbten Blättchen, mit roten, 
nur in ganz reifem Zustand eßbaren Früchten. Die Var. Na ringln 
reift früher als die anderen, und die Var. Res chmi zeichnet sich durch 
flache, mit vielen Furchen versehene, tomatenähnliche Früchte aus. 

Subsp. Jambiri Engl, (jamir, jambhiri, etc. in Ostindien) mit Blättern wie 
die vorige, mit meist zitzenförmig endenden, glatten oder warzigen, 
zitronengelben bis orangefarbenen, sauren, nie süß werdenden Früchten. 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika. 5 



— 66 — 

Citrus Mcdica L., die Zitrone im weitesten Sinne. Strauch oder kleiner 
Baum mit meist rötlichen Sprossen, kahlen Blättern, mit männlichen und 
zwittrigen, meist rötlichen Blüten, mit kugeligen, eiförmigen oder läng- 
lichen, meist zitzenförmig endenden Früchten. In Nord-Indien einheimisch. 
Subsp. g c n u in a Engl. , die Cedrat- Zitrone, Cedro, Frutta majo in Ostsicilien, mit 
meist ungeflügelten Blattstielen, länglichen gesägten oder gekerbten Blättern, 
länglichen, oft mit Längs- und Querfurchen versehenen oder warzigen, 
gelben, dickschaligen Früchten mit dicker, süßlicher Innenrinde und feh- 
lender oder schwach entwickelter saftarmer Pulpa. Var. Tuning 
B onavia mit saurer Pulpa Var. M ad k liunkur Bonavia mit süß- 
licher Pulpa. Die Var. Chhangura mit am Ende mehr oder weniger 
freien Carpellen und ohne Pulpa, ist eine Monstrosität. 
Subsp. Bajoura Bonavia (Cedro italienisch, Ccdratier französisch) mit 
dünnschaliger Frucht und dickererer, saftreicherer saurer Pulpa, die Blätter 
sind meist am Grunde mehr eiförmig. Hierher auch Var. Riversii 
(Rivers Bijou Lenwn), kahler Strauch mit wenig Dornen, ungeflügelten 
Blattstielen, elliptischen, gesägten Blättern, kugligen, 2V2 — 4 cm dicken 
Früchten, von den Azoren nach England eingeführt. 
Subsp. Li in 011 u in Hook. (Limonc italienisch, Limonier , Citronier fran- 
zösisch , Citronc deutsch) mit berandetem oder schwach geflügeltem 
Blattstiel, mit gelben, sehr dünnschaligen Früchten und sehr saftreicher 
saurer Pulpa. 
Var. Liiuetta Engl, (sherbetea in Ostindien) mit grünen Schößlingen, wei- 
ßen Blüten und süßen Früchten. Bonavia glaubt, daß die süße Li- 
mone (ndimu tainu der Swaheli) direkt ein Abkömmling der süßen Ci- 
trone sei, Engler aber hält sie für eine Kreuzung zwischen C. wie die a 
und C. Aurant i u m . 
Var. vulgaris Risso, (Malta Limonc, korna nimboo in Ostindien), stets 
mit ungeflügeltem Blattstiel, mit kerbig gesägtem oder gekerbtem Blatt- 
spreiten, meist eiförmigen anfangs blaßgelben dann dunkler gelbenen 
Früchten. 
Var. Luiuia Engl, (kalan-kliagd in Ostindien) mit grünen Schößlingen, 

hellroten Blüten und süßen Früchten. 
Var. gigantea Engl, (gulgul in Ostindien) mit 7 — 8 cm dicken, eiförmigen 

Früchten. 
Var. nepalcnse Engl, (nepalu-niinboo in Ostindien) mit mehr oder weniger 

kugligen blaßgelben Früchten mit saurer, meist samenloser Pulpa. 
Var. gungolia Bonavia, mit keilförmigem, geflügeltem Blattstiel, eiför- 
migen oder birnförmigen, hartschaligen, bräunlichgelben Früchten mit 
saurer Pulpa. 
Citrus histrix D. C. mit eiförmigen oder elliptischen oder lanzettlichen 
Blättchen, welche ungefähr so groß, bisweilen größer oder kleiner als 



- 67 - 

der sehr breitgeflügelte Blattstiel, mit kleinen Blüten und kugeligen oder 
eiförmigen Früchten ; auf den Inseln des indischen Archipels und auf 
Timor. 
Subsfi. acida Bona via. (Lima in Ceylon, Urne englisch, lemon-nipis ma- 
layisch), mit geflügelten Blattstielen, welche mehrmals kürzer als das ovale 
Blättchen, in den Blüten oft nur vier Blumenblätter, mit kugligen oder 
eiförmigen Früchten, mit blasser saurer Pulpa. Vier Varietäten in Indien, 
von denen pati-nebu kleine kuglige Früchte, kagugi-nebu, kagliazi-nimbu 
(»Papier-Limonelle«) kleine längliche Früchte mit dünner Schale haben; 
kamarali-ncbu ist eine großfrüchtige Sorte. 
Sehen wir uns nun nach dieser botanischen Orientierung, die in Ost-Afrika 
vorkommenden Sorten und ihre vermutliche Geschichte an : 

2. Citrus Aurantium amara. L. 

Die bittere Orange, Pomeranze. Im Küstenland — z. B. massenhaft im 
Hinterland von Tanga, in Bondei, bei Lewa, in den Usambarabergen — findet man 
Bäume mit bitteren Orangen. Hier bei Amani stehen eine ganze Menge solcher 
Bäume an Plätzen, wo früher einmal eine Niederlassung der Eingeborenen war. 
Sie sind so häufig, daß einige Reisende (z. B. Dr. Bau mann) sie für wild und 
einheimisch hielten. Andererseits, hört man von sorgsamen Beobachtern die Mei- 
nung vertreten, daß es aus Samen süßer Orangen entsprungene Wildlinge seien. 
Es ist dies nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen, und jemandem, der 
an unsere heimischen Obstsorten denkt, liegt der Gedanke nahe, daß aus Kernen 
gezogene Nachkommen von guten Sorten in eine Urform zurückschlagen. Und 
bei der Orange wendet man ja im Mittelmeergebiet auch meist Veredelung an, 
aber besonders aus dem Grunde, weil man Pflanzen von der viel klimahärteren 
bitteren Orange oder der Zitrone als Unterlagen nimmt, die gepfropft auch rascher 
Früchte geben sollen, als wurzelechte Pflanzen. Genaue Beobachter wie Gallesio 
betonen, daß in einigen Orten von Südeuropa alle Orangen ohne Pfropfung aus 
Samen gezogen würden, und das nie aus den Kernen einer süßen Orange eine 
bittere Tochterpflanze und ebenso umgekehrt entstände, daß vielmehr die beiden 
Varietäten ganz getrennt seien. Gallesio hat selbst 60 Jahre lang Versuche 
in dieser Hinsicht immer mit demselben Resultat gemacht. Ebenso gibt Brandis 
in seiner »Forest Flora of N. W. und Central-India« an, daß die süßen Orangen 
der Kassia-Berge, die hauptsächlich den Markt von Calcutta versorgen, alle nur 
aus Samen ohne Pfropfung gezogen seien. Allerdings wird man, wenn eine be- 
stimmte der zahllosen Varietäten der süßen Orangen erhalten werden soll, seine 
Zuflucht zur Pfropfung nehmen müssen. Bei Sämlingen aber scheint immer wieder 
aus den Samen der süßen Orange der Typus der süßen Orangen zu entstehen, 
ebenso der bittere aus den Samen der bitteren Orange. Dagegen werden aller- 
dings aus Guadeloupe und Caracas Angaben gemacht, daß aus den Kernen der 
süßen Sorte Rückschläge zu bitteren entständen. Aber die Versuche von 

5* 



— 68 — 

Gallesio sind durch lange Zeit und von einem sehr gewissenhaften Beobachter 
systematisch gemacht. Bona via spricht genau dieselbe Meinung aus und macht 
noch speziell darauf aufmerksam, daß man über die Angaben aus Süd-Amerika 
nichts genaues wisse, besonders nicht über die Personen, die Versuche anstellten. 
Solange durch exakte Züchtungen nichts anderes bewiesen ist, muß man einst- 
weilen daran festhalten, daß die süße und bittere Orange Unterarten sind, die 
jede für sich ihre Haupteigenschaften durch Kerne auf ihre Nachkommen über- 
tragen, daß man aber zur Erzielung besonderer Varietäten seine Zuflucht ebenso 
zur Pfropfung nehmen muß, als wenn man auf klimahärtere Unterlagen von Bitter- 
orangen oder Zitronen Reiser der süßen Art oder Mandarinen aufpfropft. Wir 
müssen demnach auch annehmen, daß die Bäume von bitteren Orangen, die sich 
hier so massenhaft an alten Kulturstätten finden, aus den Samen von ebensolchen 
entstanden sind. Aus Samen der hiesigen süßen Früchte erhält man eine weniger 
geschmackvolle süße Orangensorte, soweit ich gehört habe.*) 

Es fragt sich nun, zu welcher der eingangs aufgezählten Formen die hiesigen 
bitteren Orangen gehören. Es kann sich da nur um die Var. amara, um 
Var. Khatta oder um eine Varietät von sinensis handeln. 

Unsere bitteren Orangen, von denen u. a. etwa zwanzig hier in Amani in meinem 
Garten als Überrest des alten Negerdorfes Kiyumba stehen, sind schmächtige 
Bäume, die durch mangelnde Pflege seit sehr langer Zeit recht gelitten haben. 
Die Blätter sind dunkelgrün, ohne Stiel II — 12 cm lang, 5V2 — 8V2 cm breit und 
länglich eiförmig, zugespitzt, am Rand leicht gekerbt. Der Blattstiel ist an dem- 
selben Baum teils ganz schmal gerändert (ca. 1 mm jederseits), teils bis 6 mm 
jederseits geflügelt. Die Blätter riechen frisch am Baum kaum merklich, beim 
Reiben aber haben sie einen sehr ausgesprochenen, aromatischen Geruch, der 
bedeutend stärker ist, als der von den Blättern der hier wachsenden, aus Neapel 
importierten, süßen Orangen. In den Blattachsen stehen kleine Dornen.**) Die 
jungen Schößlinge sind ganz hellgrün. Die Blüten sind groß, schneeweiß und 
duften sehr stark. Die Bäume setzen sehr reichlich Früchte an, die rund, etwas 
niedergedrückt, oben und unten leicht eingezogen sind. Ihr Durchmesser be- 
trägt etwa 6 — 7 V 2 cm. Die ziemlich dicke und unterseits filzige Schale ist lange 
grün und nimmt allmählich eine grünorange Farbe an, um endlich am Baume 
intensiv rotorange zu werden. Ihre Oberfläche ist etwas runzelig, dadurch, daß 
die Öldrüsen vertieft liegen. Die Schale ist sehr aromatisch und sehr bitter, die 
Pulpa blaßorange (aber dunkler als die hiesige süße Sorte) und von einem aus- 
geprägt saurem, nur wenig bitterem Geschmack. Es sind in ihr viele Kerne 
enthalten, die auf dem Durchschnitt weiß sind. 

Es scheint aber auch hier mindestens zwei Rassen der bitteren Orange zu 



*) Eingeborene behaupten, »wenn ein guter Mensch Kerne der süßen Orange pflanze, 
so gäbe es Bäume mit süßen Früchten, ein schlechter Mensch mit »schlechter Hand« erziele 
aber bittere Früchte«. (!!) 

**) Eine seltenere Varietät hat viel längere, schlanke Dornen und breiter geflügelte Blätter. 



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geben, wenigstens findet man einige Bäume mit größeren, rauheren Früchten 
mit dicken orangefarbenen Schalen und andere mit kleineren Früchten, deren 
Schale dünner, glatter und gelblicher ist. Vielleicht sind es aber auch nur 
Standortseinflüsse, die hier zu Tage treten. Eingeborene sagten mir, die Bäume 
an feuchterem Standort hätten größere, rauhere Früchte. 

Diese Form hat also etwas mehr aromatische Blätter als die süße Orange. 
Die Var. Kliatta soll ganz geruchlose Blätter haben, auch keine geflügelten 
Blattstiele besitzen. Ich kann demnach unsere bittere Usambara-Orange nur als 
eine Form der C. Aurantiu m auiara ansehen. 

Etwas abweichend von der südeuropäischen »Pomeranze« scheint die unserige 
allerdings zu sein, denn ihre Blätter sind schmäler geflügelt als das für jene in 
Moeller und Thoms' »Realencyclopaedie der Pharmacia« abgebildete, auch 
scheint die Schale noch bitterer als bei der europäischen zu sein. Es ist also 
wohl eine Untervarietät. 

Die bittere Orange ist wild am Fuße des Himalaya, in Kassia, Ghawal, 
Sikkim gefunden. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß ihre botanische 
Heimat Südasien, und wahrscheinlich der Südhang des Himalaya ist. 

Das klassische Altertum kannte weder die bittere noch die süße Orange,*) 
das Land, »wo die Zitronen blühn, im dunkeln Laub die Goldorangen glühn«, 
hat diese jetzt dort ganz charakteristischen Bäume erst im Mittelalter, besonders 
zur Renaissance Zeit erhalten. Die Pomeranze soll erst im Jahre 912 n. Chr. 
nach den Angaben von Massud und Makrisi aus Nordindien durch die Araber 
nach Oman-Maskat gebracht sein. Von dort verbreiteten die Araber sie über 
Basra nach Syrien und Nord-Afrika. Seit 1002 ist sie während der Zeit der 
arabischen Okkupation in Sicilien gebaut. Die Kreuzzüge verbreiteten sie dann 
weiter, 1336 wird sie aus Nizza, 1340 aus Venedig erwähnt. Aber süße Orangen 
waren damals dort noch unbekannt. 

Nun spricht sehr viel dafür, daß, — wenn auch die Stammpflanze in Nord- 
indien wild und heimisch ist — , sie auch weiter östlich, etwa in Südchina, in 
Kultur genommen wurde, oder dahin sehr früh von Indien als Kulturpflanze 
gekommen sein muß. Wir wissen , daß die Araber in Südchina große 
Handelsniederlassungen hatten, daß Kanton damals dem Fremdenverkehr etwa 
seit dem 3. Jahrhundert geöffnet war, daß 758 die vereinigten Araber und Perser 
Kanton angriffen und plünderten, aber es ist nicht wahrscheinlich, daß sie da- 
mals die bitteren Orangen aus China holten und von dort weiter verbreiteten. 
Denn das chinesische Wort für sie ist nicht verbreitet worden, sondern das 
indische. Die Araber werden sie also aus Indien erhalten haben. Diese Sorte 
wird heute in Indien nicht so viel kultiviert wie in Südeuropa, wo man sie zur 



*) Ich höre allerdings, daß auf den antiken Fresken des Hauses des Augustus und der 
Livia in Rom (fuori Prima Porta) Bäume abgebildet sind, die nach dem Laubwerk und den 
gelbroten Früchten allgemein für Orangen gehalten werden müssen. Ob es sich wirklich um 
solche handelt, mögen Fachleute entscheiden. 



\ 



— 70 — 

Veredelung und besonders zur Gewinnung der Pomeranzenschalen und des Neroli- 
Öles gebraucht. Ihr Sanscritname ist wie der der viel später bekannt gewordenen 
süßen Art nägananga, die heutigen Indier haben, wie es scheint, keine besonderen 
Namen für diese dort wenig gebaute Art, wenigstens gibt Watt keine an. 

Die Araber nennen sie naranj, die Perser narang, woraus dann die europäi- 
schen Namen entstanden sind, indem die Italiener naranzi, arangi, auch melangolo, 
(stellenweis auch ccdrangoloj \ das mittelalterliche Latein aranäum, arangium, aurantium 
sagte. Unser Wort Pomeranze ist Poma aurantii. Die verschiedenen Ausdrücke, die 
im Sanscrit sonst noch für die Orange gebraucht werden, sollen sich auf die 
Farbe, den Geruch, die saure Beschaffenheit z. B. (danta catha den Zähnen schäd- 
lich) beziehen, aber nie auf die Süße. Es ist demnach anzunehmen, daß damals 
die süße Orange auch in Indien unbekannt war, daß diese zur Zeit, als die Araber 
die bittre von dort aus verbreiteten, in Indien noch nicht existierte; denn wie 
soll man sich vorstellen, daß man gerade die ungenießbare, damals nur medizi- 
nisch gebrauchte Art in andere Länder überführte, wenn man die süße hätte 
haben können ? 

Bekannt ist nun auch, daß die bittere Orange, vordem sie von den Arabern 
nach Maskat gebracht wurde, schon an der östlichen Küste des persischen Golfes 
und in Persien bekannt war. Andererseits aber weiß man, daß sowohl Leute 
aus Südarabien (v. Muza dem heutigen Mokka) und aus dem persischen Golf (Shiras) 
als Kolonisten nach Ost-Afrika gingen, jedenfalls letztere im 10. Jahrhundert 
Mugdischu und Kilwa gründeten, und daß vorher und nachher fortwährend Kolo- 
nisten aus diesen Ländern hierher kamen und zwar als wirklich dauernd seßhafte 
Ansiedler, nicht nur als Händler wie die Indier. Da ist ziemlich sicher, daß 
diese Leute von den Küstenländern des persischen Golfes die bitteren Orangen 
hier einführten zu einer Zeit, als die Kolonisationsunternehmungen aus diesen 
Ländern hierher sehr rege waren und als es bei ihnen selbst noch keine süßen 
Orangen gab. Wir wissen ferner, daß diese Leute sich viel mit den Negern 
mischten, daß sie auch ins Innere gingen z. B. nach dem bekannten Zimbabye, 
das wahrscheinlich unter ihrer Leitung gebaut wurde. Diese Leute, die die 
bittere Orange auch naranj nannten, werden sie hier eingeführt haben und zwar 
aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert.*) 

Diese bittere Orange heißt nun in dem Tanga-Hinterland mdaransi, mdanzi, 
die Frucht danzi, und ich nehme an, daß dies Wort eine Verdrehung aus naranj 
ist. Anders wird sie hier auch mchungwa nikali (in Usambara mchuzd) oder cJiungtua 
ya kipcmba genannt, woher dies Wort kommt, ist schwerer zu sagen. Chungu 
heißt bitter und es liegt sehr nahe, daß man die Früchte »die bitteren« nannte, 
weil damals ja die süßen Orangen hier noch unbekannt waren. Krapf gibt an, 
daß man auch sagt ckungwa la kinanzi, allerdings für die von Zanzibar nach 

*) Ganz kleine, bittere Orangen beschreibt M o 1 1 e r unter dem Namen mucambä von 
San Thome. Vergl. auch die von Seh wei nfur th in Abessinien gefundenen bitteren 
Orangen. 



— 7i — 

Mombassa eingeführte süße Orange, dies wäre dann eine Zusammenstellung von 
»Bitterfrucht« und des arabisch-persischen Wortes für die Orange. Und später, 
als die süße Orange eingeführt wurde, behielt man für die ja ganz ebenso aus- 
sehenden Früchte und Bäume den Ausdruck der Bitterfrucht bei und nannte die 
wirklich bittere zum Unterschied chungwa nikali d. h. die »scharfe«. Aus einer 
Bemerkung in Krapf's »Dictionary« glaube ich schließen zu können, daß es 
zur Zeit seiner Anwesenheit im Mombassa, also in den 40 er Jahren dort noch 
keine süßen Orangen gab.*) 

Nehmen wir dies alles zusammen, so erklärt sich auch, warum die bittere 
Form weiter im Innern verbreitet ist, und die süße dort und meist an der Küste 
ganz fehlt oder erst neuerdings eingeführt wurde. Wir können ferner auch ziem- 
lich sicher annehmen, daß überall, wo im Inneren diese bittere Orange wächst, 
früher eine Kolonisation der Perser (vielleicht auch der Araber) oder doch intensive 
Beziehung mit ihnen stattfanden. Und weit gingen diese Beeinflussungen hier 
jedenfalls nicht, denn die Pomeranze kommt westlich von Usambara wohl kaum 
mehr vor. Hier ist sie aber meines Wissens recht ausgiebig vertreten, im Hinter- 
land von Daressalam in Usaramo ist sie zwar auch stellenweis, ich kann mich 
aber nicht erinnern, sie so häufig wie in Usambara gesehen zu haben. Wie weit 
sie im Hinterland von Kilwa und Lindi vorkommt, weiß ich nicht. 

Verwandt wird die Frucht- wenig, die Neger essen sie kaum, brauchen 
höchstens den Saft wie Essig oder Zitronensaft. 

Aus den bitteren Orangen kann man, wenn man die Kerne entfernt und 
nur höchstens ein Viertel der feingeschnittenen Schale nimmt, sowie das Fleisch 
mit Zucker auskocht, eine ganz gute Orangen-Marmelade bereiten. 

Diese bittere Orange, oder vielmehr ihre stark saure Pulpa hat eine sehr 
merkwürdige und recht wichtige wirtschaftliche Bedeutung bei uns erlangt. Sie 
wird in riesigen Massen zur Koagulation des Kautschuks von Manihot Glaziovii 
verwandt, indem der Stamm dieses Baumes mit einer halbdurchgeschnittenen 
Bitterorange eingerieben wird, bevor man den Milchsaft darüberfließen läßt. Für 
den Beginn der Kautschuk-Pflanzungen reichte das hier erhältliche Quantum 
Orangen für den Bedarf aus, bald fingen die Plantagen sogar an, sich selbst 
diese Orangen zu bauen, aber lange ging das nicht mehr, als diese Industrie 
sich ausdehnte, mußte man zu anderen Koagulationsmitteln greifen. Aber welche 
Mengen der Bitterorangen im Bondeilande und Umgegend wachsen, kann man 
daraus ermessen, daß einzelne Pflanzungen täglich von den Eingeborenen 50 bis 
75 Kilo davon kauften. Das Mittel ist immerhin noch ziemlich teuer, was aller- 
dings dadurch ausgeglichen wird, daß die Neger recht gerne mit den Orangen 
beim Kautschukzapfen arbeiten und deshalb täglich viel Kautschuk einbringen. 
Um die Kosten der Orangen wenigstens teilweise zu decken, wurde daran ge- 
dacht, die Schalen derselben zu verwerten, aus denen bekanntlich in Südfrank- 



In Dragendorff: "Heilpflanzen« finde ich, daß die Pomeranze in China Ch'ang heißt. 



— 72 — 

reich und Italien das Bigarade-01 mit 2 '/ 3 % des Schalengewichtes gewonnen 
wird. Auch werden die getrockneten Schalen als Pomeranzenschalen verkauft, 
aus den jungen Trieben und den unreifen Früchten wird das Petitgrain-Öl ge- 
wonnen, die Blätter werden als Folia Aurantii verkauft und aus den Blüten wird 
das wertvolle Neroliöl oder Nafaöl gewonnen. 

Hier auf den Pflanzungen als Nebenprodukt die ätherischen Öle durch Aus- 
quetschen auf einem Schwamm herzustellen wird zu kompliziert und kostspielig 
sein, als daß man die süditalienische Konkurrenz aufnehmen könnte, wo davon 
jährlich für etwa io — 15 Millionen Francs (alle Agrumenöle zusammen) ausge- 
führt werden, von denen in Hamburg allein jährlich für i20 000Mk. zur Einfuhr 
kommen. Die Destillation gibt aber ein minderwertiges Produkt. Man wird jedoch 
an die Gewinnung der Pomeranzenschale denken können, die sich ohne Apparate 
und mit wenig Arbeitskräften herstellen läßt, wenn man die Früchte vor dem 
Gebrauch bei der Kautschukbereitung in ganz feinen Spiralstreifen abschält und 
die Schale dann im Schatten trocknet. 

Zwanzig große, orangerote Früchte, dünn in Spiralen geschält, gaben 
830 Gramm frische Schale, sie wogen selbst 6000 Gramm, also die Frucht 
durchschnittlich 300 Gramm, gab 41,5 Gramm Schale. 25 grünschalige, nicht 
ganz reife Früchte wogen 3900 Gramm, die Schalen wogen frisch 478 Gramm, also 
das Stück von 156 Gramm gab 19,6 Gramm frische Schale. Getrocknet gaben 
die 20 ersten 290 Gramm, demnach 14V2 Gramm pro Frucht, die letzteren 
kleineren 25 Stück 130 Gramm, also pro Frucht 5,2 Gramm Schale. 

Der Bedarf zu Hause scheint ziemlich groß zu sein ; an Zitronen- und 
Orangenschalen zusammen wurden nach der Statistik der Hamburger Handels- 
kammer dort allein eingeführt : 

1904 3057 Dz. im Wert von 126250 Mk. 

1905 5863 „ „ ,, „ 264410 „ 

Wieviel davon auf Pomeranzenschale kommt, weiß ich allerdings nicht. 
Getrocknete Pomeranzenblätter (Folia Aurantii Ia.) kosten nach Gehe's 
Katalog pro Kilo 1,00 — 1,40 Mk., getrocknete grüne Orangenschalen pro Kilo 
0,40 — 1,00 Mk., das Pomeranzenöl das Kilo 16 Mk. Die Einkaufspreise werden 
natürlich viel geringer sein und sich sehr nach der Qualität richten. 

3. Citrus Aurantium sinensis Galt. 

Die süße Orange. Als die Portugiesen ihre erste Entdeckungsfahrt nach 
Indien machten, fanden sie an der ost- afrikanischen Küste schon Orangen. Als 
Vasco da Gama's Schiffe in der Gegend der von ihnen »Baixas de San Rafael« 
genannten Untiefen lagen, die ganz nahe bei Tanga oder Tangata gelegen haben 
müssen, und wo sie den nahen Usambara-Bergen den Namen »Serras de San 
Rafael« gaben, da brachten zwei Bote mit Mohammedanern Apfelsinen an Bord, 
die besser als diejenigen in Portugal waren. Und als die Portugiesen auf den 
Inseln des südlichen Asiens ankamen, da schrieb der sie begleitende Florentiner 



/ 



— 73 — 

»sonvi melarancie assai, ma tutti dolci« (es gibt dort viele Orangen, die aber 
sind alle süß). Daraus geht also hervor, daß in Portugal die Orangen zur da- 
maligen Zeit meistens, wenn nicht alle, bitter waren. Aus den Angaben der 
Autoren, die sich mit dieser Frage speziell beschäftigten, ergibt sich jedoch, 
daß süße Orangen schon seit Anfang des 14. Jahrhunderts in Spanien und Portu- 
gal bekannt waren; vom Jahre 1523 und 1525 gibt es dann mehrere Angaben 
über das Vorkommen von süßen Orangen. Es ist anzunehmen, daß diese eben- 
falls durch Vermittelung der Araber nach Syrien, Ägypten und Nord-Afrika ge- 
langt waren. Wir wissen nun, daß der Handel der Araber im Anfang des 14. 
Jahrhunderts in China gerade sehr intensiv war, damals als Marco Polo dort war, 
hatte sich der Araberhandel dort schon ganz fest etabliert. Man brachte Waren 
von China nach den Ländern des persischen Golfes und des Roten Meeres. Nun 
ist es außerdem so gut wie sicher, daß die Heimat der süßen Orange in Süd- 
China ist, die Chinesen betrachten sie als eine bei ihnen einheimische Pflanze, 
und auch im malayischen Archipel behauptet man, daß sie dorthin aus China 
eingeführt sei. Es ist also mehr als wahrscheinlich, daß die süße Orange Ende 
des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts von den arabischen Händlern aus 
China nach dem persischen Golf, dem Roten Meer und bald auch in die Mittel- 
meergebiete gebracht wurde ; wahrscheinlich ist sie damals auch nach Nordindien 
gelangt und etwas später hierher nach Ost-Afrika. Sie wurde hier aber nur 
an den Stellen kultiviert, wo die Araber sich aufhielten, die nicht mehr wie 
die früheren persischen Shirazi-Kolonisten sich hier dauernd niederließen, weil 
diese letzteren eben religiöse Dissidenten waren, die hier eine ganz neue Heimat 
fanden. Die späteren Araber scheinen in erster Linie als Händler und Seefahrer 
hergekommen zu sein, sich auch auf sehr wenige Punkte (Zanzibar, Pemba usw.) 
beschränkt zu haben. Daraus ist es zu erklären, daß die süße Orange hier sich offen- 
bar viel weniger rasch und auch wohl viel weniger ausgedehnt verbreitete als 
vorher die bittere durch die Perser. 

Die Portugiesen brachten später aus dem südlichen China, angeblich zuerst 
1498 oder 1548 durch Juan da Castro, eine bessere, feinere Sorte von 
süßen Orangen in ihre Heimat, und diese Sorte ist es, die sich in der Folge- 
zeit im ganzen Gebiet des Mittelmeeres verbreitete und die wir heute als Apfel- 
sine (Apfel von China) kennen, die aber meistens heute noch die »Portugal- oder 
Malta -Orange« heißt, ja sogar noch heute im Orient nach den Portugiesen 
bortugan (Ägypten, Syrien) burdgan (Tunis), portoglial (Kurden) und portugalli 
(Italien) usw. heißt. 

Es ist nicht wahrscheinlich, daß die Portugiesen die süßen Orangen auch 
nach Ost-Afrika brachten, sie müßten sich dann hier zu einer eigenen Varietät 
verändert haben, denn die hiesige Sorte ist von der des Mittelmeergebietes doch 
recht verschieden. 

Die Frucht unserer Varietät ist rund, an den Polen kaum merklich einge- 
zogen, die Schale recht dünn, bei den feineren Sorten dünner als bei den 



— 74 — 

schlechteren, fast glatt mit nur ganz geringen Vertiefungen durch die Öldrüsen. 
Sie wird meist mit grüner Schale geerntet und gegessen und ist dann schon 
recht süß ; läßt man sie liegen, so wird sie niemals orangerot sondern bleibt 
stets gelb mit einem Stich ins grünliche. Die Schale liegt ihr so fest an, daß 
man sie nur schlecht, wie bei den »Apfelsinen« ablösen kann, sondern sie meist 
mit dem Messer abschneidet. Ihr Durchmesser ist 7 — 7 '/ 2 cm. Die blaßorange, 
sehr süße und saftige Pulpa enthält sehr wenige Kerne. Es ist eine sehr gute 
Sorte. Die Blätter unserer Süß-Orange sind dunkelgrün, meist gedrungener als 
die der bitteren, d. h. breiter und weniger spitz, ohne Stiel 11 — 12 cm lang. 
Der Stiel ist sehr kurz nur 3 A — 1 cm, nicht oder ganz wenig gerandet. In den 
Blattachsen sind kleine Dornen. Die Blätter haben beim Reiben einen aroma- 
tischen Geruch, aber weniger als die der bitteren, in der Durchsicht sieht man 
eine Menge punktförmiger Öldrüsen. Die von Bona via als mussanbi (»Mossam- 
bik«) aus Bombay beschriebene und nach ihm in Poona angebaute, dort auch 
»Zanzibar-Orange« genannte Sorte ist hier nicht bekannt, ich habe sie wenigstens 
nie gesehen ; sie soll fast stets länglich-eiförmig sein, während die hier gebaute 
immer rund ist. Durch diese hellgelbe Farbe unterscheidet sich die hiesige süße 
Orange auch von der orangeroten hiesigen bitteren. 

Die Reifezeit der guten Orangen ist in Zanzibar im April bis Juli. Im Jahre 
1857 schrieb Burton, daß sie erst im Juli reiften und daß erst 1842 eine beson- 
ders gute Varietät aus dem persischen Golf von Bendar Abas eingeführt sei, 
die schon im Mai reife. Es ist mir wahrscheinlich, daß diese bessere Sorte dann 
hauptsächlich kultiviert wurde, so daß die besten Zanzibar-Orangen erst neue 
Einführungen von 1842 sind. Jedenfalls ist die Orange von Ost -Afrika eine 
ganz eigene Varietät, die zum Unterschied von anderen als Var. zanzib ar ensis 
zu bezeichnen ist. 

Von den Arabern sind Orangen bei ihren Handelszentren wie Tabora usw. 
gepflanzt, von den Missionen an vielen Punkten und ebenso auf den Gouvernements- 
stationen. Besonders ausgezeichnet ist darin die Mission Magila in Bondei (Tanga- 
Hinterland). Mehrfach wurden auch Orangenpflanzen von Italien eingeführt, so 
z. B. nach Kwai und nach Amani. Hier wollen diese einstweilen nicht recht 
fortkommen, haben wenigstens noch nicht getragen. Doch haben wir jetzt viele 
Zitronenpflänzchen mit Orangenreisern veredelt, kürzlich auch mit solchen von 
Jaffa, die wir vom dortigen Konsul Herrn Rössler erhielten. 

Daß die süßen Orangen chungiva pl. machungwa, der Baum mchwigiva ge- 
nannt wird, erwähnte ich oben, wo ich auch einige Vermutungen über die Ab- 
stammung des Wortes aussprach. Unsere Javanen hier nennen sie jeru-kaprok, 
die Malayen limao-kaprok. 

Ein emeritierter Missionar Herr Grei n er fabrizierte in Daressalam aus dem 
Safte der süßen Orange und aus dem von Ananas durch Auspressen und 
Sterilisieren einen sehr schmackhaften, ungegorenen Fruchtwein, der ein sehr 
angenehmes und gesundes Getränk, besonders in der heißen Zeit bildet. Nach 



— 75 — 

seinem Tode stellen seine Erben das Getränk weiter her und haben sich dadurch 
um die europäische Bevölkerung von Daressalam sehr verdient gemacht. 

Die süßen Orangen werden in geflochtenen Körben, sogenannten pakadja, 
von Zanzibar aus, wo es die besten gibt, an die Küste und auch viel nach 
Bombay, Aden und Mossambik-Delagoabay verschickt. 

Unsere Zollstatistik wirft leider »Obst und Südfrüchte, frisch und getrocknet" 
zusammen. Davon sind eingeführt: 

1903 102592 Kilo im Wert von 25 112 Mk. 

1904 87464 „ „ ,, „ 27906 „ 

1905 65729 ,, ,, „ „ 24565 ,, 

Wieviel hiervon auf die Orangen fällt,- ist schwer zu sagen, aber da Bananen 
extra aufgeführt werden, mag immerhin ein guter Prozentsatz von diesen Zahlen 
den Orangen zukommen, die das Küstenland und Mafia auch produzieren könnte. 

Die Ausfuhren von denselben Früchten sind bei uns nur gering: 

1903 14574 Kilo im Wert von 1882 Mk. 

1904 7428 ,, „ ,, ,, 1125 ,, 

1905 7742 ,, „ „ „ 696 „ 

1906 2446 ,, ,, ,, ,, 1062 ,, 

Von diesen Mengen wird der größte Teil Proviant für die Dampfer dar- 
stellen. Es sind auch wohl noch 'andere Früchte darunter ausgeführt, denn die 
Zoll-Position heißt »Obst und Südfrüchte«. 

4. Citrus Aurantium sinensis Var. decumana (L.) Bonavia. 

Die Pampelmuse, Adamsapfel. Es ist noch nicht ganz sicher, ob diese 
Sorte mit ihren riesigen Früchten ein Abkömmling von C. histvix oder, — 
was wahrscheinlicher ist — , eine Varietät der Apfelsine ist. Wahrscheinlich 
stammt sie ursprünglich von den Inseln im Osten des indomalayischen Archipels, 
und verbreitete sich früh in Java usw. Nach Calcutta gelangte sie erst spät von 
Batavia aus, wird dort heute noch batur nimbu, batavi genannt. Der Name 
Pampclmus wird von pumpcli-mas u. a. in tamilischen Sprachen, der englische 
Name shaddock von einem Schiffskapitän dieses Namens abgeleitet, der die 
Frucht zuerst nach Westindien brachte. (Vergl. auch Yule und Burnell 
'S. 721. 817). 

Während in Indien sehr viele Sorten angebaut werden, gibt es bei uns 
meines Wissens nur zwei — beide mit recht großen Früchten und mit blaß- 
grünlichgelber dicker Schale. Die eine mit ziemlich faserigem und geschmack- 
losem blaßgelbem Fleisch, die andere etwas besser mit rötlichem Fleisch. Sie 
sind nicht sehr beliebt und auch nicht viel verbreitet. Man bekommt recht selten 
eine Frucht zu sehen. Hier und da ist auf den Missionen ein Baum angepflanzt. 
Ich glaubte früher immer, daß es eine neue Einführung, eventuell von Reunion 
sei, bis ich hörte, daß an der alten Shirasi- (Perser) Niederlassung in Mtangata 
diese Art zusammen mit anderen Citrus-Bäumen stehen soll. Daß es bei der 



- 7 6 — 

Ankunft der Portugiesen 1498 gerade in Mtangata gute süße Orangen gab, er- 
wähnte ich oben. Da nun die Niederlassung bei Mtangata zwar noch eine Zeit- 
lang während der Herrschaft der Portugiesen blühte, denen die Einwohner einige 
Male Kriegshilfe leisteten, später aber zurückging und meist von den aus dem 
ferneren Inneren gekommenen Wassegeyu eingenommen wurde, jedenfalls neuer- 
dings kaum durch Fremde kolonisiert wurde, glaube ich annehmen zu müssen, 
daß die Pampelmusen dort doch schon vor ziemlich langer Zeit eingeführt wurden, 
mindestens von den Portugiesen, die sie von Südindien gebracht haben werden. 
Der Baum heißt hier mbelungi, mbalungi. Es ist möglich, daß dieser Ausdruck 
durch eine Verwechselung mit der Cedrat-Zitrone entstanden ist, die im Bombay- 
Dialekt mahalunga heißen soll, in der dravidischen Malayalam-Sprache heißt die 
Pampelmuse bombeli-marunga, das Wort kann demnach auch daher kommen, 
jedenfalls ist es indisch. Unsere Javanen nennen sie jcru-gulung. 

Es scheint mir, als ob dieser Baum demnach vor oder in der Portugiesen- 
zeit hierher aus Indien eingeführt wurde. 

Bei der hiesigen Varietät ist das Blatt bedeutend größer als bei der süßen 
und bitteren Orange, 18 cm mit Stiel lang, der Stiel ist sehr breit geflügelt, bis 
12 mm jederseits. Die Blätter sind fast geruchlos, in der Durchsicht bemerkt 
man nur sehr wenige Öldrüsen. 

5. Citrus aurantium japonica Hook. 

Von dieser strauchförmigen Sorte ist in der Kolonie meines Wissens erst 
ein einziges Exemplar vorhanden, das etwa 1900 eingeführt wurde und in Mombo 
steht. Es trägt seit einigen Jahren im Januar eine Menge kleine, kirschrote, kugel- 
runde Früchtchen, die sehr viel Gummi ausschwitzen. Die Blätter sind klein. 

Die Früchte sind roh kaum genießbar, geben aber nach Entfernen der 
Kerne, von denen jede Frucht nur einen oder zwei hat, mit viel Zucker einge- 
kocht ein sehr aromatisches Kompott, das z. B. zur Garnierung von Gebäck sich 
recht eignet. Die Früchte haben nur etwa 1 — i 1 / i cm Durchmesser. Es wird 
sich also um die Varietät globifcr a Engl, handeln und zwar eine recht bittere 
Form derselben. 

Die in Zucker eingekochte Konfitüre ist in Europa unter ihrem chinesischen 
Namen kum-quat erhältlich. Vielleicht läßt sich mit der Zeit auch unsere ost- 
afrikanisches Kion-quat in den heimischen Delikatessenläden einführen. 

6. Citrus Aurantium Suntara Engl. 

Eine großfrüchtige Sorte von Orangen-Früchten mit lockerer Schale wird 
hier meist als „Mandarine" bezeichnet. Sie wird von den Leuten in Zanzibar 
und an der Küste dienza genannt. 

Es ist mir sehr wahrscheinlich, daß wir es hier nicht mit der Mandarine 
oder Tangarine, C. nobilis, zu tun haben, die ganz kleine, lanzettförmige und 



— 77 — 

kurzgestielte Blätter hat, sondern mit der Suntara-Orange, der Bigaradier chinois 
von Risso. 

Die Blätter sind mit Stiel nur bis 7 '/ 2 cm lang, gegen die Spitze wenig 
gekerbt. Der etwa 1 cm lange Stiel ist gar nicht oder nur schwach gerandet, 
Dornen sind nicht vorhanden. Die Früchte werden bis 8 cm dick, sind grünlich- 
orangefarben, gegen den Stiel ausgesprochen zitzenförmig verlängert, an der ent- 
gegengesetzten Seite stark eingezogen. Die Schale ist außen stark warzig und 
liegt dem Fleisch nur ganz lose auf, so daß dieses oft in der Frucht schüttelt 
und das ganze schwimmen kann. In der Mitte schließen die Loben nicht zu- 
sammen, lassen einen großen Hohlraum frei, auch hängen die einzelnen Loben 
nur wenig zusammen. Das Fleisch ist orangerot, süß, oft etwas trocken und 
holzig, wenn die Frucht auf trockenem Boden stand. Die Schale duftet stark, 
die Blätter haben etwas Geruch, in der Durchsicht bemerkt man kleine Öldrüsen. 

Nach den Beschreibungen scheint es nur demnach, daß es sich um eine Sun- 
tara-Sorte handelt, die man in Indien meistens mit dem Namen sylhct bezeichnet.*) 

Nach Indien sollen diese Sorten erst vor 300 Jahren bekannt geworden 
sein, in Java scheint es sie schon lange zu geben, denn Rumphius beschreibt 
sie als dort häufig. Unsere hiesige Javane nennt sie jeru-leter. In Indien heißen 
die verschiedenen Sorten derselben suntara, kdn/ala, satkara, sintra ; auf den 
Molukken soll sie usse, aussi, massassu heißen und wird dort als eine chinesische 
Einführung angesehen. 

Denkbar ist, daß das Swahili-Wort chenza aus China verdreht ist. 

Wann diese Sorte eingeführt wurde, ist schwer zu sagen. Ich vermute, 
daß die Araber sie von ihren Handelsniederlassungen aus China (etwa zwischen 
dem 10. und 14. Jahrhundert) mitbrachten, oder aber, daß sie als chinesische 
Orange von den Portugiesen an den Molukken oder von Südchina eingeführt wurde. 

Sie findet sich auf Zanzibar, Pemba und an manchen Küstenplätzen, aber 
etwas seltener als die süße Orange, sie wird anscheinend weniger als diese kulti- 
viert, da sie anspruchsvoll ist und leicht holzig -trockenes Fleisch hat, wenn 
der Standort ungünstig ist. In Bonde'i ist sie stellenweis zu finden. Von den 
Europäern wird sie durchweg als Mandarine bezeichnet, es ist aber offenbar eine 
» falsche Mandarine « . 

7. Citrus nobilis Lour. 

Die Mandarine wächst auf einem kleinen Strauch oder Baum mit lanzett- 
lichen ganz kurz gestielten Blättchen und etwas niedergedrückten, glänzenden, 
dunkelorangefarbenen, süßen, 5—6 cm großen Früchten, deren Pulpa rot ist. Es 
gibt an der Küste und besonders auf Zanzibar eine Sorte kleiner orangenartiger 
Früchte, die man kangaya nennt und die reif eine hochorangerote, wenig durch 
die Öldrüsen runzlige Schale haben, welche ganz lose um das Fleisch sitzt. Die 

*) Auch sungtara, persisch sangtarn, Yule und Burneil meinen — wohl irrtümlich — 
daß diese Art aus Cintra in Portugal stamme. 



l 5' 



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Früchte haben ungefähr 5 — 6 cm Durchmesser und sind an den Polen abgeplattet 
oder sogar etwas eingezogen. Ihr Fruchtfleisch schließt in der Mitte nicht dicht 
zusammen und die einzelnen Loben hängen nur lose miteinander zusammen. 
Die Pulpa ist dunkelorangefarben, nicht so saftig wie bei den Orangen, eher 
etwas fest und trocken aber recht angenehm säuerlich-süß und aromatisch. 

Diese Pflanze halte ich für eine echte Mandarine und zwar für die Var. 
V angassay e , die in Reunion viel gebaut wird. Sie ist bei uns nicht häufig, 
hier in Bonde'i soll sie bei Muheza wachsen. Die Art stammt sicher aus dem 
südlichen Asien, Cochinchina oder Südchina, wo die Chinesen sie kau, die Anna- 
mesen cam-quit nennen. Auf den Sundainseln ist sie seit langem weit verbreitet, 
in Ost-Indien aber eine neue Einführung ; nach Südeuropa ist sie erst Anfang 
des 19. Jahrhunderts gekommen. In Tunis wird sie madalina genannt. 

Genaueres über ihre Einführung weiß ich nicht, möchte aber annehmen, 
daß der Name kangaja eine Verdrehung des creolenfranzösischen Wortes vangassay 
ist (?}, und daß sie mit manchen anderen Fruchtbäumen, — ich erinnere nur an 
die Gewürznelke — , aus Reunion im Anfang des 19. Jahrhunders oder auch 
noch später eingeführt ist. Mit dieser Insel fand etwa bis 1840 ein reger Ver- 
kehr statt von Schiffen, welche Sklaven dorthin brachten ; außerdem wurden nach- 
weislich von Zanzibar etwa im Jahre 1800 einige Leute (Harameli bin Saleh) 
nach Reunion geschickt, um von dort Kulturpflanzen zu holen. Jedenfalls ist 
diese Sorte in den 40 er Jahren zur Zeit von K r a p f hier schon vorhanden 
gewesen. 

Ob die in Zanzibar chenza ya kiadjimi (persische) bezeichneten Mandarinen- 
ähnlichen Früchte hierher oder zur Siuitara zu rechnen sind, kann ich noch nicht 
entscheiden. 

8. Citrus medica genuina Engl. 

Die eigentliche Cedrat-Zitrone ist in Ostafrika meines Wissens nicht vor- 
handen. Wir müssen sie aber trotzdem hier kurz besprechen, weil sie für die 
Geschichte der Citrusfrüchte von großer kulturhistorischer Bedeutung ist. Die 
längliche, oft warzige und sehr dicke Rinde hat eine aromatische und süßliche 
Innenrinde, die Pulpa ist sehr klein und sauer, fehlt manchmal fast ganz. Ge- 
nießbar ist also die Rinde, die kandiert als »Zitronat, Sukkade« in den Handel 
kommt. Die Zitrone ist in den Bergen am Fuß des Himalaya wild von Gharwal 
bis Sikkim, in Chittagong und in Birma. Sie ist entweder dort oder vielleicht 
etwas mehr östlich zuerst in Kultur genommen und jedenfalls in Nordindien seit 
der ältesten Zeit in Kultur, wahrscheinlich viel früher als die anderen Citrus- 
arten. Ihr Sanscrit-Name war vijapura. In den heutigen indischen Sprachen 
heißt sie bijaura, malialunga, viavahmg. Alle diese Ausdrücke haben sich aber 
nicht im Westen verbreitet. In grauer Vorzeit schon ist sie nämlich nach Meso- 
potamien und Medien verbreitet worden. Etrog, ctrogin hieß sie bei den Chal- 
däern, die Juden müssen sie von hier sehr früh erhalten haben. Noch heute 



— 79 — 

pflegen die Juden am Tage des Laubhüttenfestes mit einer Zitrone in der Hand 
in die Synagoge zu gehen,*) und deshalb meint man, daß das Wort hadar des 
alten Testamentes die Zitrone bezeichne. (Aber Rosso macht darauf aufmerk- 
sam, daß dies Wort einfach eine schöne Frucht bedeutet habe.) Es wird sich 
im Altertum auch um die Cedrat-Zitrone gehandelt haben. Boravia schreibt, 
daß sie in Ägypten 3300 v. Chr. bekannt waren. 

Die Perser nennen die Cedrat-Zitrone torong, turanj, die Araber atrog, 
altrung, titraj, utrej, utarinji, die Spanier toronja, in Tunis tronj, also überall 
der altchaldäische Name. 

Während des Alexanderzuges lernten die Griechen diese Frucht in Medien 
und Persien kennen, sie wird von Theophrast ca. 300 v. Chr. richtig be- 
schrieben als Mclca medica, Apfel aus Medien, daraus ist dann die lateinische 
Bezeichnung C. medica entstanden. Man glaubte, daß ihr Duft Krankheiten und 
Ungeziefer vertriebe, was man ebenfalls von der Zeder behauptete, so nannte 
man sie auch nach der Zeder kitrea, kitrion, lateinisch citros, citrus, heute in 
Italien cedro. Das »Citrosholz« des Altertums, aus dem man die wertvollen 
Tische machte, hat nichts mit der Zitrone zu tun, es war das Holz eines zedern- 
artigen Baumes, Callitris quadri val vis aus dem Atlasgebirge in Lybien 
und Numidien. 

In Kultur genommen wurde - die Cedrat-Zitrone im Mittelmeergebiet aber 
erst später, zu Plinius Zeiten zog man sie noch nicht im Freien, sondern nur 
in Galerien, sie ward zuerst in Syrien und Ägypten in der ersten Kaiserzeit ge- 
baut, wanderte allmählich nach Westen, 150 n. Chr. findet man sie bei Neapel 
und auf Sardinien im Freien, aber mehr als Kuriosität, im 3. Jahrhundert war 
sie so veredelt, daß sie als genießbar bezeichnet wird, um 1000 ist sie in Salerno 
massenhaft angebaut. 

Somit ist dies die erste Citrusart, mit welcher das Abendland bekannt wurde. 
Es scheint aber, daß sie sich nach Ostafrika nicht verbreitete. 

9. Citrus medica Limonum Hook. Var. vulgaris Risso. 

ist das, was wir im deutschen Zitrone, im italienischen Limonc, im französischen 
Limonier, Citronicr nennen.**) Diese sauren, länglich-eiförmigen, meist zitzenför- 
mig-verlängerten Früchte mit gelber, etwas rauher Schale und stark saurer Pulpa 
wurden im Abendlande viel später als die vorige Sorte bekannt. Erst die Araber 



*) Die Zitrone galt für fäulnis- und krankheitswidrig. Man legt heute noch in vielen Orten 
den Leichen eine Zitrone (allerdings nicht Cedratzitrone, sondern die saure) in der Hand, 
auch tragen die Leidtragenden bisweilen diese Früchte. 

**) Schweinfurth fand in Abessinien am Berge Fifil in 750 — 1000 m Meereshöhe 
eine wilde Limone, die ganz gleich wie C. Limonum Risso aar. pusilla Risso aussah; 
außerdem auch wilde Pomeranzen in 1600 — 1950 m. Ebenso soll es welche auf Socotra geben. 

Es ist nicht undenkbar, daß es sich bei diesen Pomeranzen um ähnliche Verwilderungen 
aus der Zeit der persisch-arabischen Kolonisation handelt, wie wir sie hier in Ost-Afrika haben. 



— 8o — 

führten auf ihren Eroberungszügen sie überall ein, so nach Syrien, Ägypten, 
Nord-Afrika, Spanien, nach Sicilien wohl etwas später. Die Kreuzzüge trugen 
dann zu ihrer weiteren Verbreitung bei. 1494 wurden sie auf die Azoren ge- 
bracht. Aus dem Sanscritwort nimbuka ist das hindustanische limbu, limii ninbu, 
und das Arabische liniini, leimün*) geworden, das dann in die südeuropäischen 
Sprachen überging. Unsere Javanen nennen die Frucht jcru-purut. 

In Ost-Afrika ist die Zitrone ziemlich selten, nur hier und da findet man 
einen Baum. Ich weiß nur, daß sie an einigen wenigen Punkten der Küste und 
in Zanzibar mehr eine Kuriosität ist. Wo in den Reiseberichten von Zitronen 
oder Limonen die Rede ist, da sind sicher stets die kleinen Limonellen gemeint. 
Die echte Zitrone wird hier limao, der Baum mlimao genannt. Die Frucht ist 
ungefähr so groß wie unsere europäische, eiförmig, oben zitzenartig verlängert, 
die Schale recht rauh und mit kleinen Warzen versehen. Die Sorte scheint hier 
nicht sehr gut zu wachsen, vor allem aber ist die leicht und bequem zu ge- 
winnende Limonelle ihr Feind und hat sie nicht aufkommen lassen. Man scheint 
sich deshalb auch um die Zucht recht wenig gekümmert zu haben, und das was 
man heute findet, macht gegen die schönen und wohlriechenden Zitronen-Limonen 
des Mittelmeergebietes einen etwas kümmerlichen Eindruck. Die Bezeichnung 
limao erinnert so sehr an die portugiesische, daß ich bestimmt annehme, sie ist 
durch die Portugiesen hier eingeführt, also wohl im 16. oder 17. Jahrhundert. 
Eine Varietät ist vielleicht die in Zanzibar » shikhakha« genannte Form, die im 
Aussehen der süßen Limette gleichen soll, also recht rundlich und gelb ist. Ich 
habe sie nicht gesehen und kann demnach sie auch nicht bestimmen. 

Scheinbar gibt es in Zanzibar noch andere mit mlimao bezeichnete Varietäten, 
deren Studium sich lohnen würde. Um sie aber bestimmen zu können, muß 
man mindestens nicht nur die Früchte, sondern auch die Blätter erhalten. 

St. Paul gibt in seinem Swahili-Sprachführer für diese Zitrone das Wort 

furungu an, nennt aber limao die süße Limette. Furungu ist vielleicht aus 

dem persischen Wort für die Cedrat-Zitrone torong abzuleiten (?), es scheint mehr 

bei den Lamu- und Mombassa-Swahili gebräuchlich zu sein. Ich hörte stets das 

mlimao.**} 

Die hochgezüchtete Sorte des Mittelmeergebietes mit ganz kurzem, wenig 
gerandetem Blattstiel und großem, stark duftendem Blatt, mit kräftigen Dornen 
in den Blattachsen ist aus Neapel früher nach Kwai und vor einigen Jahren nach 
Amani gebracht, wo sie gute und reichliche Früchte trägt, die vom Juni an reifen. 
Auch sind hier viele Wildlinge mit ihren Reisern veredelt worden. 



*) Stellenweis wird als arabisch-persischer Name kalinbak aufgeführt, in Tunis heißt sie 
gars, kars. 

**) Furungu heißt sonst noch Kinderspielzeug ( Zuckerbeutel), außerdem werden auch die 



silbernen Fußringe der Frauen so genannt. 



— 81 — 
10. Citrus medica Limonum Var. Limetta Engl. 

Die süße Limone wird auf Zanzibar und an der Küste hier und da ge- 
baut unter dem Namen ndimu tamu. Die Frucht ist viel kleiner als die vorige 
(ca. 6V2 cm) und kugelrund mit ziemlich dünner, fahlgelblicher Schale. Die weiß- 
lich-gelbe Pulpa hat einen faden wässerigen Geschmack, ein wenig süßlich. Die 
Art soll in den Nilgherry-Bergen von Ostindien einheimisch sein. In Indien 
wird sie mitha-nebu, nembu, in Kumaon amrithphal, in Birma thambaya genannt. 
Unsere Javanen sagen jera-ovik. Sie wird wohl durch die persischen oder arabischen 
Kolonisten eingeführt sein. Auf den alten persisch-shirasischen Siedelungsplätzen 
kommt sie vor. 

Dem runden Aussehen nach könnte man sie eher als eine Abart der Limonelle 
als eine solche der Zitrone ansehen. Ihre Blätter sind eiförmig, ca. 11 zu 7 cm, 
und haben einen ganz kurzen und völlig ungefiügelten Stiel. In den Blattachsen 
sitzen kleine Dornen. Die Blätter haben einen sehr intensiven Zitronengeruch, 
in der Durchsicht bemerkt man eine Menge größerer und kleinerer Öldrüsen. 

Möglich ist auch, daß diese Sorte zur Varietät Litiuia gehört; mir fehlt 
das Vergleichsmaterial, um dies zu entscheiden. 

11. Citrus histrix acida Bonavia. 

Die Limonelle ist die saure Gtrussorte, welche hier hauptsächlich kultiviert 
wird. Es ist die wohlbekannte ndimu der Swahili. Ein kleiner Strauch oder 
Baum, der sehr reichlich feinschalige, runde Früchte trägt, von 4 — 6 cm Durch- 
messer. Manchmal sind sie auch länglich. Die fast glatte Schale duftet sehr 
aromatisch und schließt die stark saure, aber nicht im geringsten bittere, viel- 
mehr angenehm aromatische Pulpa ein, die grünlichweiß bis blaßgelblich ist. 

Die Blätter sind mit Stiel 9 — 10 cm lang, der Stiel etwa 1 cm. Sie sind 
schmal, haben fast die Form der Blätter von der »chcnza«, verkehrteiförmig, der 
Rand ist stark gekerbt, der Stiel ist ganz schmal gerändet, kaum geflügelt. Sie 
haben starken Zitronengeruch, auf der Durchsicht sieht man eine Menge Öl- 
drüsen. In den Blattachsen stehen starke Dornen. Die weißen Blüten duften 
sehr stark. 

Meistens werden die Früchte in grünem Zustand benützt, reif sind sie hell- 
gelb. Sie halten sich lange und sind für Limonaden äußerst angenehm. Der 
Baum ist genügsam und gibt fast das ganze Jahr hindurch seine Früchte. 

Durch die kurzen, ungeflügelten Blattstiele weicht unsere Sorte von der 
allgemein beschriebenen ab, es wird sich demnach um eine besondere Varietät 
handeln (var. dimu). 

Diese Art wird von den Engländern unter dem Namen Linie in Zentral- 
Amerika, besonders auf der Insel Monserrat massenhaft kultiviert, ihr Saft in 
enormen Mengen als Lime-juice in den Handel gebracht, da er zur offiziellen 
Schiffsverpflegung dient. Der herrliche, erfrischende, aromatische Geschmack 
des frischen Saftes verliert sich im sterilisierten Zustand aber in kurzer Zeit und 

Stuhl mann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika. 6 



— 82 — 

geht in einen harzigen, manchmal metallischen Geschmack über. Die Art heißt 
in den indischen Sprachen lebu. liuibbu, limun, nimbu, im Persischen limu, 
limuetursh, im Arabischen limun, limue, limu, niniu. Und hieraus ist offenbar 
der Swahili-Ausdruck mdimu gebildet. Zum Unterschied der Limette sagt der 
Swahili zur Limonelle auch dimu-kali. Die Javanen nennen sie jerumipis, die 
Malayen limao-mipis . In Tunis heißt sie bcldi (d. h. wohl »einheimisch«). 

An der ganzen Küste ist der Baum fast bei jeder Ansiedlung vorhanden. 
In Ost-Usambara fehlt er, kommt aber in West-Usambara vielfach vor. Bei allen 
alten arabischen Handelsplätzen, bis hinauf nach Uganda und Karagwe ist er zu 
finden, alle Missionen und Gouvernementsstationen haben diese überaus nützliche 
und angenehme Art mit Erfolg angebaut. Sie vermehrt sich rasch und leicht, 
stellt gar keine Ansprüche an Boden und Pflege, so daß es leicht wäre, große 
Mengen davon zu bauen. Da auch bei uns, besonders auf den Schiffen, eine 
Menge des Saftes schon jetzt konsumiert wird und das ganze Geld dafür ins 
Ausland geht, die Präparation des Saftes aber nicht schwer zu sein scheint, wäre 
es wohl möglich, daß auch bei uns Pflanzungen sich speziell auf die Kultur 
dieser Art mit finanziellem Erfolg legen könnten. Und diese Pflanzungen würden 
nebenbei einen vorzüglichen Honig produzieren können, denn die Bienen gehen 
sehr nach den prächtig duftenden Blüten. Ich nehme an, daß die Pflanze von 
den alten arabischen, vielleicht persischen Siedlern eingeführt wurde. 

12. Anhang. 

Wie die Eingeborenen bei uns die Früchte beschreiben, mag aus folgender 
Übersetzung eines arabischen Manuskripts ersehen werden, das Dr. Neu haus 
in den Mitt. d. orientalischen Seminars zu Berlin (L, 1898) veröffentlichte: 

Dies ist die Beschreibung der Früchte, welche Apfelsinen und 
Mandarinen genannt werden, und Gott weiß es am besten. 

Was die sogenannte Apfelsinenfrucht anbelangt, so wisse, daß sie nicht ge- 
kocht wird; sie pflegt roh gegessen zu werden, aber sie muß reif oder wenigstens 
ausgewachsen sein, und Gott weiß es am besten. Von dem Aussehen der so- 
genannten Apfelsinenfrüchte merke Dir, daß es durchweg von ein und derselben 
Art ist; es gibt keine zweifarbigen Apfelsinen. 

Die Farbe der Apfelsinen im reifen Zustande ist gelb, wenn sie unreif sind 
pflegt ihre Farbe grün zu sein, grün auch, wenn sie ausgewachsen, desgleichen, 
wenn sie noch nicht ausgewachsen sind, und Gott weiß es am besten. 

Ihr Geschmack ist süß, aber zugleich ein wenig sauer. Es gibt auch einige 
sehr süße, die müssen aber dann reif sein, und Gott weiß es am besten. 

Weiter die Frucht, welche ^danzi« in der Einzahl, »madanc?"- in 
der Mehrzahl genannt wird. 
Die ZW-svfrucht pflegt der Volksmund als »saure Apfelsine« zu bezeichnen, 
aber ihr eigentlicher Name ist Dan.':?, und Gott weiß es am besten. Wisse, daß 



- 83 - 

die Danzzfrucht der Apfelsine gleicht; aber nur wenig; die Schale der Apfelsine 
ist glatt und die der Danzzfruchi rauch, dabei etwas hart. Auch ihr Aroma ist 
ein wenig verschieden ; an Geschmack sind sie ferner sehr sauer, man ißt sie 
auch gewöhnlich nicht, sondern bereitet daraus Essig zum Verkaufen. Merke 
Dir, daß man ihren Saft auspreßt und zu Essig einkocht, und Gott weiß es 
am besten. 

Dies ist die Beschreibung der sogenannten C/ien,cafrüchte, eben- 
falls zwei Sorten, und Gott weiß es am besten. 

Die C/uvizafrucht hat nur ein Aussehen ; es gibt keine zwei Formen, ab- 
gesehen von der Kong-c7ja-Ma.nda.rine ; sie hat eine abweichende Form. Was die 
persische Mandarine anbelangt, so sieht sie aus, wie die Apfelsinen, aber ihre 
Oberfläche ist hart und ihre Schale ist dick. Ihr Geschmack ferner ist sehr süß, 
und ihre Farbe ähnlich der der Apfelsinen, und Gott weiß es am besten. 

Was die sogenannten Kongaja- Mandarinen anbelangt, so ist ihre Frucht 
klein und ihre Schale hart. Ihr Geschmack ist süßsauer und ihre Farbe, wenn 
sie noch klein, d. h. unreif ist, grün, wenn sie ausgewachsen, ist sie ebenfalls 
grün. Erst wenn sie reif ist, pflegt sie gelbrot zu werden, und Gott weiß es 
am besten. 

Weiter die Beschreibung • der sogenannten Nd/wufrucht, zwei 
Sorten, eine saure und eine süße, und Gott weiß es am besten. 
Auch die Frucht, welche »süße Limette« genannt wird, ähnelt der Apfel- 
sine. Aber gewöhnlich ist ihre Farbe grün, wenn sie unreif, desgleichen, wenn 
sie ausgewachsen ist. Wenn sie reif ist, pflegt sie sich gelb zu färben, aber 
hellgelb, und Gott weiß es am besten. Ihr Geschmack ist in unreifem Zustande 
bitter, wenn sie ausgewachsen ist, ist sie auch noch bitter, aber bittersüß, ihre 
Schalen sind nämlich bitter. Man muß sie schälen verstehen, aber wer sie nicht 
zu schälen versteht, für den schmeckt sie bitter; ihr Stiel ist nämlich sehr bitter. 
Der Volksmund bezeichnet sie auch als Milzmittel. Man bereitet auch ein Ab- 
führungsmittel daraus, und die Leute pflegen sie zu essen, wenn sie Fieber haben. 
Das merke Dir also, und Gott weiß es am besten. 

Weiter die sogenannte Balungifrucht, merke Dir ihre Farbe und 

ihren Geschmack. 

Das Aussehen der Balungiimcht ist, wie die der süßen Limette; sonder 
Gleichen; aber es ist eine sehr große Frucht; sie erreicht i '/ 2 Pfund, wenn sie 
groß ist. Auch ihre Farbe ist wie die der süßen Limette, aber sie ist größer 
und ihr Geschmack ist derselbe wie der der Limette. Ihr Inneres ist ver- 
schieden von dem der Limette, nämlich zweifach ; bei der einen Sorte ist sie 
rot und bei der andern so, wie das der Limette ; aber die äußere Farbe ist so, 
wie die der Limette. Merke Dir, der Preis der inwendig roten Sorte ist teuer, 
und derjenige der inwendig weißen Sorte, ähnlich der Limette, billig; diese sind 

6* 



- 84 - 

nämlich gewöhnlich bitter und gleichen der süßen Limette, aber es ist eine größere 
Frucht, und Gott weiß es am besten. 

Dies ist die Beschreibung der Früchte sauerer Art, die den Apfel- 
sinen gleichen. 

Es gibt Früchte auf Zanzibar, die man nicht essen kann, es sei denn, sie 
werden als Zutat verwendet. Eine auf Zanzibar gepriesene saure Frucht ist die 
saure Limonelle. Ihr Aussehen gleicht dem der süßen Limette, aber sie ist eine 
kleinere Frucht als die süße Limette. Ihr Aroma ist verschieden von dem der 
süßen Limette. Man ißt sie nicht allein, setzt sie aber der Sauce als Zutat. 
Gewöhnlich gibt man sie auch zum Fisch, und Gott weiß es genau am besten. 

Beschreibung der sogenannten Lzmaofrucht, eine saure Frucht. 

Man ißt auch die Limaofrucht nicht allein, sondern nur als Zutat, wie die 
Limette, und Gott weiß es am besten, nämlich die Frucht ist sauer. Ihr Aus-, 
sehen ist grün, ihre Arten sind zahlreich. Es gibt eine große Frucht, ähnlich 
der süßen Limette, die auch in der Farbe der süßen Limette gleicht. Sie wird 
zwar auch Limone genannt, aber ihr eigentlicher Name ist yscJiikhakha«. Die 
Limaofrucht ist sauer und ihre Schale hart, ähnlich derjenigen der Danzi. Man 
verwendet sie als 2mX.-3X zur Sauce. 



IV. Die übrigen Fruchtbäume. 



1. Achras Sapota L. 

Die Sapotillpflaume, Zapote. Dieser kleine zur Familie der Sapotaceae 

gehörige Baum, der Milchsaft führt, bringt noch nicht apfelgroße, runde, an der 
Spitze schwach genabelte und an der Basis den bleibenden Kelch tragende Früchte 
mit brauner Schale hervor. Innen liegen einige (2 — 6) etwas flachgedrückte Samen- 
kerne. Der Baum ist im nördlichen Teile von Südamerika oder in Zentralamerika 
einheimisch, jetzt aber vielfach in den Tropen gebaut. In Indien wird die Frucht 
zur Täuschung Uneingeweihter als unechte »Mangusteen« auf den Straßen in 
Calcutta verkauft, man nennt sie dort sapota, in Bombay chikale, die Spanier 
sagen nispero. Ich kann den Geschmack nicht so sehr gut finden, er erinnert 
mich immer etwas an die Sorben des Mittelmeergebietes oder an Mispeln. Wenn 
ich nicht irre, hatten die katholischen Missionare die Pflanze schon seit längerer 
Zeit in Bagamoyo angepflanzt. Ich brachte 1900 Samen von Reunion mit, die 
in Daressalam eine ganze Anzahl kräftiger Bäume gaben. Im Juli werfen die 
Bäume dort alle Blätter ab. In der heißen Zeit 1902/03 gaben sie schon die 
ersten Früchte. 

Aus dem Milchsaft des Baumes wird das Kaugummi gewonnen (Chikle), 
das bei den Amerikanern so sehr beliebt ist. 

2. Adansonia digitata L. 

Der Affenbrotbaum oder Baobab ist jedem Ostafrikaner wohlbekannt mit 
seinem riesigen Stamm und den abenteuerlich geformten Ästen, die fast das ganze 
Jahr kahl sind. Und dann treibt der Baum ganz unvermutet Blätter, oft nur an 
einem Aste und zu ganz verschiedenen Jahreszeiten ; bald erscheinen dann die 
herrlichen, großen schneeweißen, porzellanartig durchscheinenden Blüten mit ihrem 
großen Büschel von Staubfäden, die bald braun werden. In Daressalam z. B. 
war die Blütezeit Ende November bis Ende Dezember. Die Stämme sind oft 



— 86 — 

fast ebenso dick wie hoch und erreichen einen enormen Umfang. Wenn man 
sie durchschneidet, so sieht man, daß die ganze Masse aus einem schwammigen, 
weichen Holz besteht, in das der Neger ohne weiteres Holzpflöcke hineintreibt, 
wenn er die in seinen Höhlungen angesiedelten Bienennester ausnehmen will, 
oder wenn er das Wasser zu erlangen wünscht, das sich in dem hohlen Stamm von 
der Regenzeit her erhielt. Denn in manchen Trockengebieten ist dies Wasser 
das einzige, das weit und breit erhältlich ist, allerdings durch Auslaugung des 
Holzes eine braune Brühe bildend und voll von Insektenlarven ; aber was trinkt 
der Mensch nicht alles in den Durstgebieten ? 

Die groteske Form des Baumes, die so einzig in der Pflanzenwelt dasteht 
und die auffälligen Riesenexemplare waren wohl die Gründe, die manche Reisende 
zu der Annahme veranlaßten, es handele sich um Überbleibsel aus der Vorwelt, 
um Zeugen vergangener Jahrtausende, der Baum sei aber jetzt im Aussterben 
begriffen und junge Pflanzen davon seien nicht zu finden. Der aufmerksame Be- 
obachter aber wird in der Nähe der alten Baobabs stets junge Exemplare sehen, 
die allerdings nicht im entferntesten so auffallend sind wie die alten Riesen. 
Neben meinem Hause in Daressalam standen zwei kleine Pflanzen, die ich lange 
beobachtete. Die eine etwa 4 — 5 jährige warf z. B. am 1. August 1901 ihre 
Blätter ab, war 4V2 Meter hoch und hatte 1 Meter über dem Boden 80 cm Um- 
fang, eine andere hatte zur selben Zeit 3 Meter Höhe und 22V2 cm Umfang. 
Die Blätter lösen sich von ihren Stielen, wenn sie abfallen, so daß man am 
Boden beide getrennt findet, und bei jungen Pflanzen sitzen die Äste auf kleinen 
Verdickungen des Stammes. Ich habe auch Adansonien aus Samen gezogen ; 
sie keimen ziemlich schnell und wachsen auch rasch, nach einem halben Jahr 
etwa hatte ich Pflänzchen, die etwa 20 — 25 cm hoch waren; aber wenn man 
diese aus dem Boden ausgrub, bemerkte man, daß die Hauptentwickelung unter- 
halb des Bodens liegt, sie bildeten dort eine riesige Rübe, die 4 — 5 mal umfang- 
reicher als der oberirdische Teil der Pflanze war. So haben schon die Sämlinge 
eine eminente Anpassung an die Trockenheit, ein unterirdisches Wasserreservoir 
gebildet, und der erwachsene Baum mit seinem Elefantenstamm ist ja auch ein 
Typus für die Anpassung an Trockenheit, das schwammige Holz bildet ein Wasser- 
reservoir und die eigenartige Rinde läßt dieses nicht verdunsten. 

Wie alt die großen Exemplare sind, kann allerdings niemand wissen, einige 
berechneten wie Adanson ein Alter von über 5000 Jahren aus Überwallungen 
von Inschriften in ihrer Rinde, aber Warburg zeigt, wie dies zu Trugschlüssen 
führen kann. Das einzig mögliche zur Entscheidung der Frage ist Beobachtung, 
und es wäre deshalb sehr wünschenswert, wenn die beiden Exemplare, eins rechts 
neben, eins links vor dem Hause der früheren Kulturabteilung in Daressalam 
(vom Lande aus gerechnet), viele Jahre weiter beobachtet würden. 

Der Affenbrotbaum ist in Afrika im ganzen Bereich der Steppen- und Sa- 
vannenregion zu finden, von Senegambien bis nach Abessinien, von Angola bis zum 
Zambezi. Er fehlt aber völlig im Zwischenseengebiet und überall im feuchten 



- 8; - 

Urwald, in den ostafrikanischen Gebirgen und auch in den allertrockensten Teilen. 
Bei uns geht er z. B. bis an das Südufer des Victoria-Sees und fehlt in dessen 
Westen völlig, in Uganda dringt er von Osten her aus den Steppengebieten ein 
wenig vor, findet sich dann im Norden erst wieder im Bahr-el-Ghazal, Kordofan 
und Abessinien. Und wo er ist, da kommt er vielfach herdenweis vor, so an 
manchen Punkten der Küste. Man denke an die zahllosen Adansonien auf der 
Insel Mombassa, wo der nach Ost-Afrika reisende Europäer sie immer zuerst zu 
sehen bekommt, an die bei Tanga und Daressalam stehenden vielen Baumriesen. 

Die Frucht unseres Baumes ist eine länglich-eiförmige Kapsel, die unten 
etwas zugespitzt ist und bis 40 cm Länge erreicht, die Schale ist holzig, außen 
sammetartig graugrün, innen sitzen zwischen rötlichen Fasersträngen die von einem 
trockenen, weißen Fruchtmark umhüllten Kerne. Dieses Fruchtmark enthält 
11,76% Weinstein und 1,97% Weinsäure. Die Neger benutzen es zur Berei- 
tung eines kühlenden Getränkes, setzen es auch ihren Fischsaucen zu, die ge- 
pulverten Kerne werden bei Bereitung von Gemüsesaucen verwandt. Für die 
Pflanzungen hat in neuerer Zeit dies Fruchtmark eine Verwendung erlangt, indem 
Aufschwemmungen davon für die Gerinnung des Kautschuksaftes benützt. Ob 
dieselben hierfür wirklich im großen zu gebrauchen sind, ist mir nicht bekannt. Die 
leeren Früchte sind ein großer Anziehungspunkt für die roten Baumwollwanzen 
(Dy sdercus). Sonst werden die Früchte als Schöpfgefäße benützt, man bindet 
sie an einen Strick und läßt sie in den Brunnen hinab, um das Wasser herauf- 
zuholen. 

In Indien ist der Baum angebaut, auf der Halbinsel Gudjerat vielleicht auch 
wild. Man nennt ihn dort goivitz, chcntz, gorakh-chinch, gorak-amli, hathi-katiyan, 
papparappuli, sumpura. Auch in dem feuchten Java wachsen die Adansonien.*) 

Die Swahili kennen den Baum als mbuyu, die Frucht als buyu, und diesen 
Namen überträgt man bisweilen falscherweise für alle Gefäße pflanzlichen Ursprungs, 
die zur Aufnahme von Flüssigkeiten dienen, so nennt man bisweilen auch die 
Lagenaria- Früchte kibuyn. Die Wanyamwezi nennen den Baum mpera 
mupclc, die Wahiyao masiyaalele, die Wagogo mpera, die Wanguru mlamba, 
die Wamakonde nonji, die Massai ali-mesera, ol-messera, die Faser heißt in 
Usambara mkonge mvosa. Die Haussa sagen kiika, die Fulbe böki, in Abessinien 
die Tigrinja dummä, dima, die Tigre hömmer, h'ömret, hämmeret, in Süd-Togo 
adido. 

Aus der Rinde wird eine Faser gewonnen, die zur Herstellung von groben 
Stricken dienen kann, sie wird auch von den Papierfabrikanten zu Hause gesucht, 
um daraus feine Papiersorten herzustellen, aber ich fürchte, daß die Schiffsfracht 
zu teuer wird, um für uns einen rentablen Export dieses voluminösen Artikels 
zu lohnen, der sich in den für billigen Transport erreichbaren Gegenden jeden- 



*) Wahrscheinlich sind die Samen von Afrika aus durch Meeresströmungen verbreitet 
worden. 



— 88 — 

falls auch kaum in derartigen Mengen beschaffen läßt, daß er einen dauernden 
Massenartikel unseres Exportes bilden kann, es sei denn, daß man wie in Indien 
die Bäume anpflanzt. Immerhin sind von Pangani aus verschiedentlich Partien dieses 
Stoffes nach Deutschland gesandt; ob mit finanziellem Erfolg, entzieht sich meiner 
Kenntnis. 

Über den Baum und seine Anatomie hat Dr. Braun ausführlich berichtet 
(Beitr. z. Anatomie der Adansonia digitata. Ing. Diss. Basel 1900). 

Die Rinde wurde zuerst 1848 von Duchassaing als Fiebermittel empfohlen, 
sie war eine Zeit lang als Chininsurrogat unter dem Namen Cortex Cael Cedra 
im Handel, es ist in ihr ein Bitterstoff Adansonin enthalten. Aus den ge- 
trockneten und gepulverten Blättern wird ein lalo genanntes Getränk hergestellt. 

Der Baum selbst ward zuerst 1456 von Lud. cadaMosto bei der Entdeckung 
des Cap verde erwähnt, als Baobab wird er 1592 von Prosper Alpin us aus 
Ägypten beschrieben, der auch feststellte, daß die terra di Lomnos genannte Drogue 
die Pulpa dieses Baumes sei. An portugiesischen Namen gibt Clusius abavo 
und calabaccra (für die Frucht), Werne nennt ihn von Sennar als hommer, 
kongaliss, Vogel von den Kanirie kuka, Ascherson von Chinchoxo an der 
Loango-Küste imbondera, vom Sudan elhonirah (»die Rote«), quanqalis (Frucht) 
(baobab = habb liabb liabb == Korn, Same), Rancon von Senegal gonyc (nach 
Braun). 

3. Anacardium occidentale L. 

Der Kaschu- oder Acajou-Baum gehört zu einer Gattung der Anacardiaceae, 
deren sämtliche Arten in Amerika heimisch sind. Und so stammt auch diese 
Kulturpflanze sicher aus Westindien oder Brasilien. Es ist ein hochwerdender 
Baum mit verkehrt eiförmigen, ganzrandigen, lederartigen Blättern und endstän- 
digen Rispen weißer Blüten. Die Frucht hat einen Stiel, der dick-fleischig an- 
schwillt, sie selbst ist nierenförmig und hängt komma-artig an dem birnenförmigen, 
bräunlich-gelblichen, sehr saftigen Stiel. 

Der Baum, dessen größte Exemplare 8 — 10 Meter hoch sind, ist nicht sehr 
häufig bei uns, in Dares.salam z. B. war er früher unbekannt. Häufig ist er be- 
sonders auf der Insel Mafia, bei Kilwa, Lindi, Mikindani, Kionga, ein sehr 
großer steht auf dem Schulhof in Tanga. Auch auf Zanzibar und Pemba ist 
er verbreitet. Er heißt hier mbibo oder mkanju, seine Frucht korosho. In Mada- 
gascar heißt der Baum mahibiha, in Süd-Togo atschia. 

Ich erwähnte vorhin, daß der Baum aus Amerika stamme, wo er in Bra- 
silien acajn, acajaiba heißen soll, und aus diesem Wort hat der Engländer Cashew- 
nut, der Franzose Acajou gemacht. Jetzt ist die Pflanze in der ganzen Tropen- 
zone verbreitet, und es ist ziemlich sicher anzunehmen, daß die Portugiesen sie 
nach Indien, den Sunda-Inseln und auch nach Ost-Afrika brachten. Noch heute 
lieben sie sie in Mossambik, Kilimane usw. sehr, weil aus den fleischigen Frucht- 
stielen bei ihnen durch Gärung und Destillation ein Liqueur hergestellt wird. 



- 89 - 

Sie ist auch bei uns nur dort gefunden worden, wo die Portugiesen besondere 
Beziehungen hatten, so auf Mafia, wo sie ein kleines, kanonenloses Fort im Nord- 
westen der Insel und Lieferungsverträge mit den Inseln Chole und Juani hatten, 
bei Kilwa, wo sie ihr Fort zwar nur von i 505 — 1 5 1 2 besetzten, aber auch später noch 
viele Beziehungen unterhielten, im Tanga-Bezirk, wo sie nachweislich öfter Ver- 
kehr besonders mit Tangata hatten, bei Mombassa, wo sie von 1592 bis 1729 das 
große Fort besaßen, auf der Insel Pemba, wo nachrichtlich Ende des 16. Jahr- 
hunderts eine ganze Anzahl portugiesischer Kolonisten wohnten, ferner in Kionga, 
wo sie bis 1896 eine Garnison hatten usw. Bei Daressalam habe ich den Baum 
erst 1897 mit Samen aus Mafia gezogen. Wann er durch die Portugiesen 
eingeführt wurde, ist nicht nachzuweisen, es wird zwischen dem Ende des 16. 
und Anfang des 18. Jahrhunderts gewesen sein, wahrscheinlich in der ersten 
Hälfte dieser Zeitperiode. In Goa soll er 1550 noch nicht vorhanden gewesen 
sein, und da dies der Hauptort der Portugiesen im indischen Ozean war, wird 
er an den anderen Plätzen eher später als früher eingeführt sein.*) Loureiro aber 
fand ihn in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts an der Ost-Küste Afrikas vor. 

Der Swahili-Name erinnert bei der ersten Betrachtung gar nicht an den por- 
tugiesischen cajuciro. Nur der hier unbekannte Ausdruck mkanju, der in Mom- 
bassa und Umgegend gebräuchlich, ist direkt ans dem acaju abzuleiten. Aus 
caju, cojn. cos/tu ist vielleicht aber das Wort für die Frucht, coroslio entstanden, 
denn solche Einschiebsel (z. B. danzi, daranzi) kommen in Swahili manchmal vor; 
Vielleicht aber kommt es aus dem Indischen, aus dem sicher das mbibo der 
Swahili abstammt, das bei uns ausschließlich für den Baum gebräuchlich ist. 
Allerdings handelt es sich bei dieser Namengebung um eine Verwechselung mit 
dem ähnlichen indischen Baum Seme carpus , worüber weiter unten die Rede 
sein wird. Man kennt zwei Varietäten vom Kaschu, die mit sehr großem Fleisch- 
stiel v ar. americanum aus Amerika, und die offenbar etwas degenerierte var. 
indicum mit kleinem Fleischstiel aus Indien und Afrika. Nur die letztere kommt 
bei uns vor. 

Der fleischige Fruchtstiel ist sehr saftig aber zugleich herb zusammenziehend, 
er gilt auch bei den Negern als keine große Delikatesse und die Destillation des 
Alkohols daraus kennt man hier nicht. In Mossambik läßt man die Fleischteile 
2 Wochen in etwas Wasser gären und destilliert dann. Die eigentliche Frucht 
aber wird sehr geschätzt. Auch für den Europäer ist sie, wie die Arachis- 
Erdnuß geröstet, ein sehr angenehmes, mandelartiges Konfekt, das ebenso auch 
in Ceylon usw. geschätzt wird. Beim Rösten verschwindet nämlich die teerartige, 
schwarze, ölige Masse, die unter der Schale liegt, und die das giftige und sehr 
ätzende Cardol enthält, und es bleibt das sehr feine Öl der Kerne. Die Schale 
ist für die Negerfrauen ein Cosmeticum, indem frische, runde oder längliche 
Stücke davon in Mustern auf die Wangen geklebt werden, die dort eine Ent- 



f ") A costa beschreibt den Baum jedoch 1578 von Cochin als caiu. 



— 9° " — 

zündung wie spanische Fliegen verursachen, deren Stellen zuerst weißrosa, dann 
nach dem Heilen schwarz werden, so eine »Verzierung« geben, die anderweitig 
nur durch eine schmerzhafte Tätowierung erzeugt werden könnte. Der cardol- 
haltige Saft dient auch als Atzmittel bei Hautkrankheiten und Warzen, ein Ex- 
trakt von ihm in Spiritus soll in Indien mit Erfolg angewandt werden, um die 
bei den Eingeborenen oft auftretenden Risse an den Füßen zu behandeln. Aus 
diesem Cardol wird von den Wäschern eine schwarze Beize zum Zeichnen der 
Wäsche hergestellt. 

Aus Verletzungen des Stammes tritt ein helles, nur halblösliches Gummi 
aus, das oft in Form langer Stalaktiten am Baume hängt. Leider hat es keinen 
großen Handelswert. 

Eine Wäschezeichentinte wird in Indien noch mehr aus dem dort heimischen 
Baum Seme carßus Anacardium L. hergestellt, dessen Früchte einen kleineren, 
aber auch fleischigen Fruchtstiel haben, dessen Kerne ebenso eßbar sind, und 
dessen Blätter dem des Acajou-Baumes sehr ähnlich sehen. Sc m c carp u s heißt nun 
in Nordindien bhilawa, bhalia, bhcla. in Maharatta bibiva, bibu. in Bombay biba, 
bi/ambi, und ich vermute, daß die Indier den Namen biba, bibu, des ihnen be- 
kannten Seme carßus auf den neueingeführten Acaju übertrugen, und daß 
daraus der Swahili-Ausdruck mbibu entstanden ist. Das persisch-turkestanische 
Wort für Seme carßus baladsir, baladur ist wohl aus dem Sanscritwort bhallataka 
entstanden, wo der Baum auch arushkara heißt. Möglich auch, daß dies letztere 
Wort dem Swahili-Namen koroslio für die Frucht des Acajou zugrunde liegt. 
Anscheinend haben hiesige Kolonisten den in Indien heimischen Semecarpus 
hier mit dem Acajou verwechselt. Die Kerne von beiden Arten waren früher 
unter dem gleichen Namen »Elefantenläuse« in den deutschen Apotheken offizinell 
und sollten gegen Geistesschwäche helfen. 

Beim Rösten der Kerne vom Kaschu-Baum muß man vorsichtig sein, weil 
selbst der Dampf des Cardol gefährlich ist. Auch mit der Wäschetinte aus beiden 
Bäumen ist nicht zu spaßen, ihr Verkauf ist deshalb in Berlin polizeilich ver- 
boten. Sie wurde vornehmlich aus Sc uieca rpu s- Früchten gemacht, die ihren 
Namen von Semeion = Merkzeichen (griechisch) bekamen. 

Kleinkolonisten kann die bequeme Herstellung des Alkohols durch Gärung 
und Destillation der Fruchtstiele als Hausindustrie empfohlen werden. 

4. Ananas sativus Schult. 

Die Ananas wird jedermann bekannt sein, es ist ein rosettenartiger Busch 
langer, an den Rändern gedornter Blätter, in dessen Mitte der zapfenförmige 
Blütenstand sitzt. Die Ananas ist nämlich keine einzelne Frucht, sondern ein 
zusammengesetzter Fruchtstand. Um eine Achse stehen die fleischigen Früchte 
und verwachsen bei der Reife mit den fleischig werdenden Deckblättern und der 
ebenfalls fleischig werdenden Achse zu einer Sammelfrucht, durch welche die 
Achse hindurchwächst und als Schopf oben auf der Frucht erscheint. 



— 9i — 

Die Ananas ist wie alle Vertreter der Bromeliaceae , zu denen sie ge- 
hört, von amerikanischem Ursprung, wildwachsend hat man sie in Mexiko, dem 
Orinoco-Tal, in Guiana und in der Provinz Bahia gefunden. 

Alle Schriftsteller, die in den ersten Jahren nach der Entdeckung über die 
Pflanzenwelt Amerikas berichteten, erwähnen die Ananas; man brachte Kaiser 
Karl V. eine Frucht mit, der sich aber nicht getraute, sie zu essen. Der mexikanische 
Name soll matzatli, die von Hispaniola iaiama, boniana, aiagua, der brasilia- 
nische nana gewesen sein, und aus diesem haben die portugiesischen Kolonisten 
das Wort Ananas gebildet. Die Spanier nannten die Frucht aber pinas wegen 
ihrer äußeren Ähnlichkeit mit einem Pinienzapfen. 

Unter dem Namen Ananas ist die Pflanze dann überallhin verbreitet worden, 
und zwar wahrscheinlich durch die Portugiesen. Sie ist jetzt im ganzen Tropen- 
gürtel angebaut, und wird auch in den Gewächshäusern Europas in großen Mengen 
gezüchtet. 

Im Jahre 1599 war sie schon in Westafrika vorhanden, denn damals erhielt 
Clusius Blätter von ihr von der Guinea-Küste ; 1594 soll sie nach den Angaben 
von Royle in Bengalen eingeführt sein, und es ist sehr wahrscheinlich, daß sie 
auch nach Ostafrika durch die Portugiesen Ende des 16. oder Anfang des 17. 
Jahrhunderts gebracht wurde. Jedenfalls fanden die Offiziere des 1799 in Zanzibar 
anwesenden englischen Kriegsschiffes Mengen von diesen Früchten vor. 

Jetzt kann man sie in fast allen Negerdörfern an der Küste finden, im 
Hinterland von Tanga und Daressalam geht sie halb verwildert sogar ein bis 
zwei Tagereisen ins Innere, dort oft in dichtem Busch stehend, in welchem Fall 
die Blätter sehr lang werden, und die Früchte oft nicht zur Ausbildung kommen. 

Die Ananas verlangt große Wärme, bevorzugt einen leichten Boden, ist 
aber für Düngung sehr dankbar. Es ist zwar eine Pflanze der trockenen Regionen, 
die aber bei Vorhandensein von mäßiger Feuchtigkeit bessere Früchte gibt als 
in zu großer Trockenheit. Die Früchte bei uns sind mäßig groß, orangerot bis 
grünlich -orange in Farbe, meist sehr süß und saftig, nur die Rinde ist 
ziemlich dick, weil die Reste der Blüten recht tief im Fleisch sitzen, und 
meist bleibt die Achse etwas holzig. Sie reifen in dem warmen Küsten- 
land am besten , dort meist vom Dezember bis März ; bisweilen findet 
man aber auch einzelne Exemplare in der kühlen Jahreszeit im Juni, die 
dann teuer bezahlt werden. Aber auch in Amani in 900 m Höhe werden sie 
ganz gut. Wir haben hier und besonders in Mombo jetzt auch fremde Sorten, 
besonders die »Victoria«, deren Fleisch, wenn auch nicht sehr saftig, so doch 
besonders süß und aromatisch ist, aber oft kleine Hohlräume aufweist. 

Bisher wurde die Ananas in Ost-Afrika fast nur durch Eingeborene gezüchtet, 
bei Daressalam habe ich zwar etwas im Inneren schon vor mehr als einem 
Dezennium viele Tausend angepflanzt, aber bei Aufsicht durch Europäer scheinen 
die Resultate zu teuer zu werden, um auf dem Markt zu konkurrieren, der die 
Früchte billiger von den Eingeborenen erhält. Bekanntlich sind in Amerika, auf 



— 92 — 

den Canaren und besonders in der Halbinsel Malacca*) sehr große Ananaskul- 
turen. Wo die Dampferverbindungen es erlauben, bringt man die frischen Früchte 
nach Europa, die man in Hamburg oft schon zu Va Mk. pro Stück erhalten 
kann, anderswo werden sie in ihrem eignen Saft eingekocht, der Zollverhältnisse 
wegen meist ganz ohne Zucker und in Fässern versandt, um im deutschen In- 
lande in Blechdosen getan zu werden. Die in Blechdosen ankommenden tut man 
im Freihafen von Hamburg in Fässer, damit sie nur einen Einfuhrzoll von 4 Mk. pro 
Dutzend kosten. Später werden sie im Inland dann wohl wieder in Dosen umgefüllt. 
In enormen Mengen kommen sie so oder auch in Zucker eingekocht aus Zentral- 
Amerika, aus Californien und besonders aus Singapore und Penang nach Europa 
und sind sehr billig. Ich glaube, es wird recht schwer, wenn nicht ausgeschlossen 
sein, daß afrikanische Pflanzer mit diesen Massenprodukten aus Singapore konkur- 
rieren können, zumal man dort zahlreiche, billige und intelligente Arbeitskräfte hat. 

Bernegau macht neuerdings Propaganda für reife Bananen, die in Ana- 
nassaft eingelegt sind. Ich glaube aber, daß auch diese Konserve, — wenigstens 
von Ost-Afrika aus — zu teuer wird. 

Daß in Daressalam aus dem Saft der Ananas nach Mischung mit Orangen- 
saft ein sehr angenehmer, ungegorener Fruchtwein hergestellt wird, erwähnte 
ich bei der Besprechung der Orangen. 

5. Anona senegalensis Pers., 

die afrikanische Cremefrucht. Die Gattung der Anonaceae hat etwa 60 ameri- 
kanische und 2 — 3 afrikanische Arten, von welch letzteren die genannte die ver- 
breitetste ist. Es ist ein kleiner knorriger Baum oder Strauch unserer Steppen 
mit blaugrünem Laub und etwa taubeneigroßen, orangefarbenen Früchten, die 
eine ziegelrote, aromatische Pulpa haben. Die bei den kultivierten Arten vor- 
handenen Schuppen der Fruchtschale sind hier kaum angedeutet. In der Reife 
springen die Früchte oft auf und werden gern von Tier und Mensch gegessen. 
Der Baum ist überall im Steppengebiet des tropischen Afrika bis nach Angola, 
der Äquatorialprovinz und zum Zambezi anzutreffen. Er wird von den Leuten 
an der Küste topetope mioitu, in Usambara und Mombassa mtomoko, in Usegua 
mtomokwe (Sacleux), in Unyamwezi mtokwe genannt. 

Das erstere Wort des hier einheimischen Baumes ist offenbar übertragen 
worden auf die eingeführten Kultursorten, Topc heißt Schlamm, es ist also die 
Schlammfrucht der Swahili. 

6. Anona squamosa L. 

Cremefrucht, Schuppenapfel, Rahmapfel, Zimmtapfel, der custard-apple 
der Engländer, auch sweet-sop, sugar-apple. Ein Strauch mit länglich-lanzettför- 



*) In Singapore sind nach Lippe mehr als 15 Ananasfabriken mit Dampfbetrieb, man 
exportiert von dort jährlich 550000 Kisten Konserven im Werte von ca. 6 Millionen Mark. 



— 93 — 

migen, unterseits graugrünen Blättern, die einen unangenehmen Geruch haben. 
Die Früchte haben etwa die Größe einer Orange und zeigen wie ein Kiefern- 
zapfen eine Anzahl größerer, flacher Erhöhungen, unter deren jeder ein länglicher, 
bräunlicher Kern liegt in einem cremeartigen, weißen Fruchtfleisch, das süß und 
angenehm aromatisch schmeckt. Außen ist die Frucht graugrün mit grauer Be- 
reifung. 

Nachdem man lange über die Herkunft dieser Pflanze gestritten, und viele 
einen indischen oder afrikanischen Ursprung behaupteten, Cunningham sogar 
meinte, die Früchte auf den alten Zeichnungen der Adjunta-Höhlen u. a. m. in Indien 
gefunden zu haben, wogegen Watt bemerkt, daß es sich da sicher um eine andere 
Pflanze handelt,*) sind heute die Botaniker mit De Candolle sämtlich der Mei- 
nung, daß die Heimat der Anone sicher in Westindien ist, von wo aus sie sich 
allerdings sehr rasch nach der Entdeckung Amerikas in fast alle Tropenländer 
verbreitet hat, so daß sie an vielen Stellen sogar verwildert ist. In Ost-Afrika 
ist sie in Zanzibar und an vielen Plätzen der Küste zu treffen, im Innern aber 
wohl nur an den Siedelungen der Araber, wie Tabora usw. und bei den Stationen 
der Europäer. Sie ist auch in portugiesisch Ost-Afrika und in West-Afrika recht 
häufig. Von Senegal wird sie schon unter den alten Einführungen der Portu- 
giesen aus dem 16. — 17. Jahrhundert erwähnt. In Indien und dem ganzen Osten 
ist sie recht häufig, so daß man sie dort früher für einheimisch hielt.**) Sie wird 
in Ost-Indien ata, luna, meba, sharifa, aber meistens sitaphal genannt, bei den Ara- 
bern shurifa, den Persern sharifah, kaju. sitaphal, bei den Singhalesen atta, den 
Tamilen atta-maram, bei den Malayen Dianoa-papoa, buivah-7iona, sri-kaya. Das 
Wort a uon a scheint nach Oviedo in West-Indien einheimisch gewesen zu sein. 
(Mexico ate, ahate, Brasilien araticu). 

An unserer Küste heißt die Frucht meistens topctopc, ebenso wie die hier 
einheimische A. sene galensis , manchmal aber auch staphcli, welcher Name 
aber meistens für die A. muricata gebraucht wird. Manchmal hört man auch 
tomoko oder konokono. W T oher diese beiden, offenbar mehr im Norden gebräuch- 
lichen Worte stammen, weiß ich nicht. 

Diese Art ist viel mehr verbreitet als die beiden anderen kultivierten Anonen, 
ich möchte deshalb vermuten, daß es die zuerst eingeführte ist und daß sie wahr- 
scheinlich durch die Portugiesen hergebracht wurde. Diese aber brachten die 
amerikanischen Namen ata, atoa, atis nicht mit her, die in den Tamil-Sprachen 
und in Ceylon gebräuchlich sind ; in Brasilien sollen die Portugiesen die Frucht 
pinlia nach ihrer Ähnlichkeit mit einem Pinienzapfen nennen. In Ostafrika .war 
eben die wilde Anona mit kleineren, aber doch ähnlichen Früchten unter dem 
Namen topctopc bekannt, und dieser wurde zur Benennung der neuen Ein- 
führung gebraucht. 

*) Vergleiche eine Diskussion über diese Frage auch bei Yule und Burnell S. 284111". 
**) Baber (1530), Garcia del'Orta (1563), Linschoten (1597) und della Valle 
(1624) erwähnen die Frucht nach Yule und Burnell nicht für Indien. 



I 



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Gekühlt und besonders mit etwas Sherry durchgerührt, lieben viele Europäer 
diese Anone sehr, mehr beliebt ist aber die nächste Art. 
In Mombo reift die Frucht im Februar bis März. 

7. Anona muricata L. 

Die Stachel-Anone, corrosol, cachiment der Franzosen, snirsak der Holländer, 
soursop der Engländer, guanabrna der Spanier. Sie hat glatte, fast glänzende 
Blätter und eine 2 — 3 Kilo schwere Frucht, deren grüne Schale mit nach der Spitze 
gerichteten, weichstacheligen Warzen bedeckt ist. Das Fruchtfleisch ist faserig, 
aber sehr saftig, aromatisch und angenehm säuerlich-süß. Man kann es manch- 
mal mit in Fruchtsaft getränkter Baumwolle vergleichen. In ihm liegen eine 
Menge schwarzer Kerne. Es ist roh sehr erfrischend und gibt mit etwas starkem 
Wein durchgerührt einen sehr angenehmen Creme. 

Diese Art ist bei uns viel seltener als die vorige, in Zanzibar zwar häufiger, 
an der Küste aber war sie nur stellenweis anzutreffen, wo nicht die Europäer 
sie eingeführt haben. 

Der hier gebräuchliche Name ist stapheli, auch staphili ya kizunga, d. h. 
europäische Anone, ein Wort, das offenbar aus dem indischen sitaphal ent- 
standen ist. In Indien scheint sie aber viel seltener als die vorige zu 
sein, Watt erwähnt sie nur ganz kurz ohne einheimischen Namen. In Ceylon 
und in den malayischen Inseln wird sie meines Wissens öfter angebaut, in Reunion 
und Mauritius viel. Ursprünglich stammt sie aus Amerika. 

Ich nehme an, daß sie in Ostafrika erst ziemlich spät eingeführt wurde, 
und zwar wahrscheinlich von Reunion aus im Anfang des vorigen Jahrhunderts. 
Ich kann für diese Vermutung allerdings keine Beweise bringen. 

Die Frucht reift in Mombo im Juli bis September und im Februar. 

8. Anona reticulata L. 

Die Netz-Anone, Ochsenherz, sweet-sop oder bullock's heart der Engländer, 
coeur de boeuf der Franzosen. Diese Art hat Blätter wie A. squamosa, aber 
sie sind unterseits stark rauh, die Früchte haben keine Erhöhungen oder Warzen- 
stacheln, sondern sind nur netzartig gefeldert und rötlich bis violett gefärbt. 
Das Fruchtfleisch ist etwas trockener und körniger als bei den anderen Arten 
und von einer recht aufdringlichen Süße ; meist ist die Frucht deshalb bei den 
Europäern nicht sehr beliebt, aber es läßt sich ein Kompott daraus bereiten, 
das besser als die rohe Frucht mundet. 

Diese Art ist selten bei uns gepflanzt ; teils mag das damit zusammen- 
hängen, daß sie nicht so beliebt ist, hauptsächlich aber wohl, daß es eine spätere 
Einführung als A. squamosa ist. 

Die Frucht scheint in Indien recht verbreitet zu sein, sie heißt dort ramplial, 
bei den Tamilen rama-sita-iuaraiu, bei den Singhalesen anona maraui, bei den 
Malayen 7iona, manna. 



— 95 — 

Pha/, das bei den Namen so oft vorkommt, heißt im Hindustani einfach 
»Frucht« {sz.\\Q.r-k/iatta, süß-mitka). Der Name dieser Frucht heißt also »Frucht 
des Rama«, der der A. squamosa, die Frucht von Sita. 

Die Art wird bei uns staplicli ya Adjem genannt, also persische Anone. 
Wenn auch einzelne Botaniker an einen asiatischen Ursprung dieser Art glaubten, 
die in Indien viel verwildert vorkommt, so nimmt man heute doch allgemein die 
Antillen als ihre Heimat an, sie stammt demnach nicht aus Persien, wie ihr 
Swahiliname meint. Aber es ist möglich, daß Leute sie aus dem persischen 
Golf herbrachten, oder daß die Maskataraber sie von der persischen Seite her 
erhielten. Weil sie bei uns nicht häufig ist, möchte ich annehmen, daß es eine 
recht junge Einführung der Araber ist, die sie vielleicht zuerst in Maskat bauten 
und dann hierherbrachten. 

Die in Daressalam von mir gepflanzten Sträucher trugen im Juli und August 
massenhaft Früchte, die aber sehr von Vögeln und Käfern mitgenommen werden, 
so daß man recht aufpassen muß, um eine heile zu erhalten. In Mombo reifen 
sie im Oktober bis November. 

9. Anona cherimoia MM. 

Die in Südamerika so sehr geschätzte Cherimoia oder der Jamaica- Apfel 
ist bei uns noch nicht vorhanden, meistens wird die A. reticulata dem 
Besucher vorgeführt, wenn jemand sich des Besitzes der Cherimoia rühmt. 
In Mombo sind drei Pflanzen, die wir als Cherimoia erhielten, aber da sie noch 
keine Früchte trugen, ist die Bestimmung noch nicht sicher. 

10. Artocarpus incisa L. 

der echte Brotfruchtbaum unterscheidet sich im äußeren recht wesentlich von 
dem A. inte grifolia. Während dieser eine dicht geschlossene Krone hat, 
zeigt jener mehr sperriges Wachstum und die großen, gelappten Blätter stehen 
am Ende der Zweige. Die Frucht ist fast rund, viel kleiner als die Jackfrucht, 
(nur 3 — 5 Pfund) und hat keine stachelige sondern nur gekörnte Oberfläche. 

Die Bäume sind bei uns recht selten, in Zanzibar gibt es einige wenige, 
dann stand, wenn ich nicht irre, einer auf der Mission in Bagamoyo und einer 
im Garten der ostafrikanischen Gesellschaft in Tanga, dort von Herrn Winter 
gepflanzt. In Daressalam habe ich die Anzucht vergeblich versucht, das Exem- 
plar ging trotz aller Pflege zu Grunde. In Amani wachsen sie sehr langsam, 
es scheint hier zu kalt zu sein. 

Der Baum ist sicher auf den Inseln des stillen Ozeans heimisch, wo seine 
Früchte noch heute die Hauptnahrung der Eingeborenen bilden. Hier in Ost- 
Afrika spielt er gar keine Rolle, und die wenigsten Europäer werden diese Frucht 
je hier gesehen haben. Nach der Angabe von Burton ist er von den Seyshellen 
nach Zanzibar gebracht worden, die Missionare werden ihn von Reunion erhalten 
haben, meine Stecklinge stammten aus Zanzibar. 



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Ein eingeborener Name existiert hier nicht, denn die fenessi ya kizungu 
der Leute ist der Durio. 

11. Artocarpus integrifolia Forst. 

Der Jackfrucht-Baum gehört zur Klasse der Moraceae, aus der die Feigen- 
bäume die bekanntesten sind. Es ist ein hoher, reich mit glänzenden, verkehrt- 
eiförmigen Blättern belaubter Baum, an dessen Stamm direkt die riesigen Schein- 
früchte hängen, nicht an Ästen. Die "Frucht« ist nämlich eine Scheinfrucht, 
eigentlich ein ganzer Fruchtstand, und wird an 70 cm lang und 20 cm dick bei 
50 — 60 Pfund Gewicht. Sie ist außen mit ganz kurzen Stacheln wie eine Reibe 
besetzt, grün, innen finden sich radiär angeordnet die 3 — 4 cm langen weißen 
Kerne in den fleischig gewordenen Blütenteilen liegen. Der ganze Inhalt ist 
demnach etwas faserig, gelblich-weiß, und hat einen scharfen Geruch nach Frucht- 
äther. Die in anderen Ländern geschätzten Varietäten ohne Samen habe ich in 
Ost-Afrika nicht gesehen. 

Die etwa 40 Arten der Gattung Artocarpus sind in Ost-Indien, dem in- 
dischen Archipel bis China heimisch. Unsere Pflanze soll in den Randgebirgen 
Ost-Indiens, besonders auf der westlichen Seite, wild gefunden sein. Die Kultur 
derselben scheint sich aber zuerst wohl auf den Süden und Osten von Indien 
beschränkt zu haben, denn es ist auffallend, daß die Perser und Araber diesen 
höchst sonderbaren Baum offenbar nicht gekannt haben. Dagegen haben Yule 
und Burneil (S. 440 ff.) die wohlbegründete Meinung, daß der Baum schon 
den Begleitern Alexanders des Großen als pala bekannt geworden ist, daß Plinius 
diesen Baum und nicht die Banane in der Frucht meinte, »quo sapientiores In- 
dorum vivunt. Fructum cortice mittit admirabilem succi dulcedine ; ut uno qua- 
ternos satiet; arbori nomen palae, pomo arienae«-. 

Nach Osten in den Sunda-Archipel scheint er sehr früh gelangt zu sein. 
Die erste Nachricht über ihn datiert von Hwen T'sang, der ihn ca. 650 als 
pan-wa-so aus Bengalen beschrieb. 

Jetzt ist der Baum wohl überall in den Tropenländern mehr oder weniger 
verbreitet, auch in Amerika, wohin er zuerst 1782 durch den Admiral Rodney 
nach Jamaica gebracht wurde. Da die Art leicht fortkommt und recht an- 
spruchslos ist, hat sie sich in einigen Ländern, wie Mauritius fast naturalisiert. 

In Zanzibar ist der Baum auf den Pflanzungen sehr häufig, an der Küste 
aber nur stellenweis. So findet man ihn z. B. bei Daressalam viel, auch noch 
ein bis zwei Tage landeinwärts, bei Tanga ist er aber nicht sehr häufig. Es 
kommt mir so vor, als ob er sich an den alten Siedelungsplätzen der Shirasi-Perser 
nicht fände, sondern nur an den neueren Niederlassungen der Araber oder Indier, 
soweit man bei den letzteren überhaupt von dauernden Niederlassungen sprechen 
kann, denn sie haben überall nur zu Handelszwecken gesessen und wohl nur in 
den seltensten Fällen als Landbauern gewirkt. 

Der Baum heißt im Sanscrit kantaka, phala, pocusa, panasa, bei den heu- 



— 97 — 

tigen Indiern barral, chakki, panas, fannas, plianas, auf Malayisch tambuL kluvi, 
bei den Sundanesen nangka, den Singhalesen kos, hirali, den Tamilen pila, sakkci, 
in Bengalen kantal usw. Bei den Malayalam heißt er isjakka (chakka), woraus 
portugiesisch jaca, englisch jack entstand. 

Hier in Zanzibar und an der Küste heißt er mfenessi, die Frucht fcnessi. 
Es ist ohne weiteres klar, daß diese Bezeichnung aus dem indischen panasa, 
fannas entstanden ist. 

Es ist dies eine der wenigen Pflanzen, die vielleicht durch Indier bei uns 
eingeführt sind, wahrscheinlicher aber ist, daß Araber, die von Maskat aus Bom- 
bay und Umgegend besuchten, sie mitbrachten. Die Einführung scheint mir 
ziemlich neuen Datums zu sein. Zwar sagen negative Angaben wenig, aber der 
Kapt. Bissei, der 1799 eine Menge von Fruchtbäumen für Zanzibar einzeln 
aufzählt, erwähnt den so sonderbaren und auffallenden Jackfrucht-Baum nicht. 
Und anderswo soll er ja auch erst recht spät eingeführt sein, in West- Afrika 
(Senegal) war er zu Adanson's Zeit noch nicht vorhanden und wird erst 18 16 
unter den Einführungen der »Societe coloniale philantropique de la Senegambie« 
erwähnt. Da er nun außerdem in Ostafrika nicht sehr verbreitet und doch ein schnell- 
wachsender Baum ist, so glaube ich annehmen zu müssen, daß er erst mit der 
Ausdehnung der Seemacht von Oman-Maskat (2. Hälfte des 16. Jahrhunderts), 
wahrscheinlich erst mit den intensiveren Siedelungen der Maskat-Leute auf Zanzi- 
bar usw. eingeführt ist, also erst Ende des 18. oder Anfang des 19. Jahrhunderts, 
jedenfalls aber nicht von Reunion oder Mauritius aus, sondern von Nordwest- 
Indien. 

Die Eingeborenen lieben die Frucht sehr, die Europäer gar nicht. Nicht 
nur das faserige »Fleisch« wird roh gegessen, sondern die Kerne auch geröstet 
genossen. Der Baum wächst recht rasch, die hier in Amani sind nach 4V2 
Jahren (vom Samen an) etwa 4 — 5 Meter hoch, und in Lunguza trägt ein etwa 
1895 gepflanzter schon seit einer Reihe von Jahren Früchte. In vielen Ländern 
werden die Blätter dem Vieh als Futter gegeben, das sie gerne nehmen soll. 

12. Carica Papaya L. 

Die Papaya oder der Melonenbaum ist ein 4 — 6 m hoch werdendes, krautig- 
saftiges Gewächs, das auf der Spitze eine Art Rosette von handförmigen, 7 teiligen 
Blättern trägt, unter denen bei einigen die langgestielten, männlichen Blüten, bei 
anderen Individuen die länglichen, melonenförmigen Früchte dicht aneinander 
sitzen. Die ganze Pflanze enthält Milchsaft, der am reichlichsten in den unreifen 
Früchten sitzt. Die 20 — 40 cm langen Früchte haben unter der dünnen, gelbgrün- 
lichen Haut eine etwa zweifingerdicke Schicht von weichem, orangegelbem, zartem 
Fleisch, das melonenartig schmeckt. Die innere Höhlung ist mit pfefferkorn- 
großen, schwarzen Samen ausgekleidet, die wie Kresse schmecken. Manchmal 
findet man auch an den männlichen Bäumen massenhaft kleinere Früchte an den 
langen Blütenstielen hängen, während die Früchte des weiblichen Baumes immer 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika. n 



- 9 8 — 

fast sitzend sind. Bei der großen Varietät von Zentral- Amerika, die Dr. Preuß 
einführte, sind diese männlichen Früchte sogar von beträchtlicher Größe. 

Nach den Untersuchungen von R. Brown, De Candolle und Graf 
So lms- Laub ach ist die Heimat dieser Pflanze im tropischen Amerika, und 
von da hat sie sich vermöge ihrer mühelosen Kultur sehr schnell über die ganzen 
Tropen verbreitet. Die bei Köhler (Medizinalpflanzen) wiedergegebene Angabe 
von Oostersee, daß die Papaya schon 906 v. Chr. in Indien und Java bekannt 
gewesen sei, beruht wohl auf einem Irrtum. Überall hat sich mit dem Baume 
sein amerikanischer Name ababai, mabai, papaya verbreitet. In Brasilien soll 
man ihn auch noch mamao, mamoero, mamon nennen, was Milchbaum heißen 
soll. Die Indier nennen ihn papaia, pepiya, papai, papia, auch arand-kharbuja, 
die Singhalesen pacpol, die Tamilen pappali-maram, die Malayen papa, bati, die 
Araber und Perser anabahe-hindi, amba-hind. 

Hier in Ostafrika nennt man den Baum mpapaia, mpapayi, die Frucht 
papayi, papaia, die männliche Pflanze anscheinend auch zuweilen mgegessa, in 
Togo aduba, bei den Haussa gonda, den Fulbe dukuye, den Kanuri kabussu. 

Loureiro hat die Pflanze Mitte des 18. Jahrhunderts in Zanzibar gesehen, 
und es ist anzunehmen, daß sie entweder von Indien aus hergebracht ist oder wahr- 
scheinlicher durch die Portugiesen eingeführt wurde, jedenfalls also nicht vor 
dem 16. oder 17. Jahrhundert. Linse hoten erwähnt sie 1598 als aus Spa- 
nisch-Indien via Philippinen und Malakka nach Indien importiert. Hauptsächlich 
scheint man sie Anfang des 17. Jahrhunderts in alle Welt gebracht zu haben, 
wenigstens wird berichtet, daß 1626 Samen von Indien nach Neapel gebracht 
wurden, und daß 165 1 eine Pflanze im Garten des Dr. Schipanus in Neapel 
gestanden habe. Nach Senegambien scheint sie durch die Portugiesen schon 
im 16. Jahrhundert verbracht zu sein. Das wahrscheinlichste ist demnach, daß 
sie auch nach Ostafrika im 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts durch die 
Portugiesen gebracht wurde. 

Die Pflanze ist in Zanzibar und bei den Siedelungen an der Küste viel zu 
finden, im Innern aber meines Wissens nur bei den alten Niederlassungen der 
Araber, sowie bei allen europäischen Stationen und Pflanzungen. Nach Tabora 
sollen die Samen nach Grants Angabe zuerst von Marungu am Südende des 
Tanganika gebracht sein, in die Äquatorial-Provinz führte Em in Pascha sie 
1874 von Uganda aus ein. Sonst ist sie wohl im Innern nur im Hinterland von 
Tanga und in Usaramo hier und da verbreitet, wo, wie ich an anderer Stelle 
ausführte, fremde Einflüsse geherrscht haben müssen. Wenn man bedenkt, wie 
unendlich leicht die Papaya sich vermehrt, wie gut der Same seine Keimkraft 
behält, und mit wie geringer Mühe die Pflanze gedeiht und fast das ganze Jahr 
Früchte trägt, wenn man ferner bedenkt, daß andere amerikanische Kulturpflanzen, 
wie manche Bohnen, Mais, Maniok und Bataten, die doch sicher nicht viel früher 
ins Land gebracht wurden als die Papaya, sich im ganzen Kontinent verbreiteten, 
daß dagegen die so leicht zu bauende Papaya von den Negern gar nicht an- 



— 99 — 

genommen ist, so illustriert dies Beispiel besser als andere die Unfähigkeit der 
Neger, etwas anzunehmen, was nicht in ihren Hackbau paßt, den allein sie 
kultivieren. Es ist dies ein ethnisch sehr wichtiges Problem, der Hackbau ist 
sicher älter als unsere Landwirtschaft und ist von den Negern vorzüglich durch- 
gebildet, aber ohne fremde ethnische Beimischung gehen die Neger auch 
kein Haarbreit von diesem Wirtschaftssystem ab, und ich glaube nicht daran, daß sie 
ohne Beimischung fremder Völkerelemente fähig sind und Neigung haben, sowohl 
Baumkulturen zu treiben als auch besonders eine Pflugwirtschaft mit Düngung 
anzunehmen. Es sei denn, daß man sie dazu zwingt, und dabei kommt nichts 
heraus. Der Neger wird stets bei seiner Hackwirtschaft bleiben, die in ihrer 
halbnomadischen Art den Boden sehr mitnimmt und die den Wald durch fort- 
währenden Wechsel der bebauten Flächen verwüstet.*) 

Nur stellenweise (z. B. Unyamwezi) haben die Neger einige Papaya ange- 
pflanzt. 

Durch Dr. Preuß erhielten wir aus Zentral-Amerika 1900 die Samen einer 
besonders großfrüchtigen und guten Varietät Papaya, die zuerst im Garten in 
Daressalam gezogen und dann viel verbreitet wurde. 

Die Früchte geben in reifem Zustand eine recht angenehme Speise, aus 
den unreifen kann man ein Gemüse, ein dem Apfelbrei ähnliches Kompott und 
ein anderes Kompott herstellen, das wie süßsaure Gurken oder Kürbisse zube- 
reitet wird. Die Blätter werden benützt, um darin Fleisch einzuwickeln, das 
nach kurzer Zeit infolge der Einwirkung des eiweislösenden Papa'ins, weich 
wird. Am besten gelingt dies, wenn man die frischen Blätter mit Wasser 
zerkleinert und das Fleisch auf einige Zeit hineinlegt. Recht wertvoll ist ferner 
der erhärtete Milchsaft aus den unreifen Früchten, der als »Succus papayae 
crudus siccus« von Jamaica oder als »Succus papaya coagulatus siccus« von 
Ceylon aus in den Handel kommt. Der erstere ist gelblich, der letztere 
weißlich. In dem Katalog von Merk in Darmstadt wird das Kilo davon mit 
50 Mk. angegeben, der Engros-Preis wird natürlich geringer sein, aber ich bin 
überzeugt, daß man auch hier, wo die Pflanze sich mühelos als Wegeeinfassung 
in Mengen auf den Pflanzungen ziehen ließe, mit diesem getrockneten Saft ein 
Geschäft machen könnte, wenn man genügende und billige Arbeiter zu seiner 
Gewinnung zur Verfügung hat. Eine Pflanzung hat dies auch getan. Wie sich 
ihre Berechnung dafür stellt, entzieht sich meiner Kenntnis. 

13. Carica candinamarcensis Hook. 

Die Bergpapaya ist der anderen gewöhlichen Art im Äußeren ziemlich 
ähnlich, hat aber kleinere (25 cm) und viel weniger schmackhafte Früchte. 



*) An europäischen Versuchen, die Pflugkultur beim Neger zu verbreiten, hat es nicht 
gefehlt. Angenommen ist sie unter dem Einfluß starker Europäer-Siedelung in Süd-Afrika. 
Nord-Afrika und Abyssinien haben sie seit langem. In Togo — bei ganz anderen ethnischen 
Unterlagen als in Ost-Afrika — scheint ihre Einführung neuerdings Erfolg zu haben. 



7 



* 



— ioo — 

Von einigen werden sie aber geschätzt und behauptet, daß sie das Aroma von 
Pfirsichen hätten. Vielleicht gibt es verschiedene Rassen. Ihr Anbau kann dort 
sehr empfohlen werden, wo wegen zu niederer Temperatur die echte Papaya nicht 
mehr gedeihen will. Die Samen der aus Südamerika (Equador) stammenden 
Pflanze brachte ich 1900 aus Indien mit, die Pflanzen haben in Amani und West- 
usambara reichlich getragen und sind in der Folge auch schon verschiedentlich 
verteilt worden. Sie werden in den Höhen des Zwischenseengebietes, in Uhehe 
etc. ebenso gut wachsen wie im Mittelmeergebiet. 

14. Ceratonia siliqua L. 

Der Johannisbrot-Baum. Ein schöner Baum mit gefiederten Blättern, deren 
Fiederchen groß und lederig sind, trägt die langen, braunen Früchte, die jedes 
Kind als »Johannisbrot« kennt. Sie haben im Innern einer holzigen Hülse ein 
trockenes süßliches Fruchtmuß von einem unangenehmen Geschmack nach Butter- 
säure. Der Baum wird heute im ganzen Mittelmeergebiet gebaut, ist aber ur- 
sprünglich nur im östlichen Teile desselben bis südlich in Yemen heimisch, wo 
Deflers und Schweinfurth wilde Bäume fanden, vielleicht auch noch in der 
Cyrenaika, wo die Früchte den halb sagenhaften Lotophagen als Nahrung ge- 
dient haben mögen,*) wie sie es auch für Johannes in der Wüste und für den 
»verlorenen Sohn« der Bibel waren. Die Griechen nannten den Baum nach der 
Hornform der Früchte kcration, kerataia und verbreiteten ihn nach Italien, wo 
man die Früchte siliqtiae gi'aecae, siliquac syriacac nannte. Die Griechen benützten 
die Samen von diesem und anderer akazienartigen Bäumen als kleinstes Gewicht 
beim Abwägen von Juwelen als »Karat«. Wenn nun auch die Früchte allge- 
mein bekannt, und der Baum auch vielleicht hier und da gebaut wurde, scheint 
seine Kultur erst durch die Araber in Nord-Afrika, Sicilien, Spanien usw. aus- 
gebreitet zu sein, und diese übertrugen mit ihm auch den arabischen Namen 
des Baumes chirnub, cJiarub, ckarrub ins Abendland, und daraus wurde das carruba 
der Italiener, carubicr, carougc der Franzosen, algarrobo der Spanier. 

Die Frucht enthält, besonders in ihren besseren, durch Pfropfung vermehrten 
Sorten viel Zucker (bis 50 %) und ist nicht nur eine menschliche Nahrung, son- 
dern ein äußerst gesuchtes Viehfutter, besonders für Pferde. Die guten Varietäten 
werden als »Johannisbrot« aus den Ländern des Mittelmeeres exportiert. Sie 
müssen gepfropft werden, da Sämlinge minderwertige Früchte liefern. 

In Hamburg allein wurden z. B. eingeführt : 

1903 1963 Dz. im Werte von 46330 Mark (23,60 Mk. per Dz.) 

1904 2190 „ „ „ „ 56870 „ 

1905 2954 „ „ „ „ 65820 „ 

1906 5054 „ „ „ ,, 101050 „ 
und zwar meist von Italien und Griechenland. 



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*) Man sagt allerdings auch, daß die Nahrung der Lotophagen die Früchte des Judas- 
dornes (Zizy phics) waren, vielleicht auf der Insel Djerba. 



— IOI 

Weil nun hier bei uns immer Viehfutter gesucht ist und in Afrika eine 
Menge akazienartiger Bäume vorkommen, glaubte ich, daß wir ihn vielleicht hier 
einführen könnten. In Daressalam wuchsen die Bäumchen erst sehr langsam, 
kamen dann mit der Zeit etwas besser und haben auch nach einigen Jahren im 
Dezember und Januar Früchte getragen, die aber immer von massenhaften Bohr- 
käfern zerstört wurden, auch bildeten sich an den Zweigen Wucherungen wie 
Hexenbesen. In Amani kümmern die jungen Pflanzen sehr und wollen gar nicht 
recht vorwärts kommen. Es scheint also, daß der Baum hier nicht viel Aussicht 
hat. In Indien, den Südstaaten von Nordamerika und am Kap gedeihen die 
Bäume recht gut ; aber es scheint, daß das warme und besonders feuchte Klima 
von Ost-Afrika nicht recht für sie geeignet ist. Immerhin sollte man in den 
trockeneren Gebieten, wie im Massailand und vielleicht auch in trockenen Gegenden 
des Zwischenseengebietes die Versuche wiederholen. W r ie wichtig die Kultur 
für viele Länder ist zeigt, daß man 1902 in Oran, Algier und Constantine 67255 
gepfropfte und 238873 ungepfropfte Bäume hatte. Sie sollen bis 40000 Kilo 
Früchte pro Hektar haben und mindestens 1000 Francs pro Hektar einbringen. 
(Cult. colon. I.) 

15. Chrysophyllum Cainito L. 

Der Sternapfel der Amerikaner, Cäinitciro der Spanier, ist ein aus West- 
Indien stammender Baum mit apfelförmigen Früchten, die auf dem Durchschnitt 
sternförmig angeordnete große Samen haben. Sein Fleisch ist weiß bis purpur. 
Die etwa 4 Jahr alten Bäume in Amani haben noch nicht getragen, ebensowenig 
die von der verwandten Ch. monopyrcnum S/v., die nur einen Kern enthalten 
soll. Nach einigen Autoren soll diese Art identisch sein mit der var.jamai- 
cense der vorigen. Beide Arten sollen in ganz reifem Zustand und wenn man 
sie am Baum reifen läßt, angenehm schmecken. 

16. Cycas circinalis L. 

oder die verwandte C. Thouarsii R. Br. Diese mit den Sagopalmen verwandte 
Cycadee steht an der Küste von Deutschostafrika, aber nicht sehr häufig. Ich 
sah sie in Zanzibar und in Kionga. Massenhaft soll sie auf den Comoreninseln 
und in Madagascar wachsen. Ob sie dort einheimisch oder aus ihrem Haupt- 
verbreitungsgebiet in Südindien eingeführt wurde, ist nicht bekannt. Warburg 
gibt den Namen apapindi nach meinen Sammlungen an, auf den Comoren heißt 
die Pflanze mtapu, und wird auch in Zanzibar so genannt. Ihre Samen werden 
auf den Comoren gegessen und zwar, wie mir erzählt wurde, nachdem man sie 
vorher einer Fermentation in Gruben aussetzt, wodurch sie eine käsige Beschaffen- 
heit annehmen sollen. In Indien werden die getrockneten Samen zerstampft und 
zu Mehl gemahlen, aus dem Stammark soll man ein sagoartiges Stärkemehl aus- 
waschen können. Diese Verwendung ist hier unbekannt, ebenso wie bei der 



102 — 

nahe verwandten Encep h alarto s Hildebrandtii A. Br., der mkarabaka 
der Swahili, die häufig in den trockeneren Buschgegenden wächst, z. B. viel in 
Usegua. 

17. Durio zibethinus L. 

Der Durio oder die Stinkfrucht. An der Küste ist meines Wissens der 
Baum nicht vorhanden, in Zanzibar nicht häufig, ein sehr stattliches Exemplar 
steht in der Versuchspflanzung auf Dunga, etwas östlich von der Stadt Zanzibar. 
Er hat ganzrandige, unterseits silberschuppige Blätter und trägt an den Spitzen 
der Zweige etwas über straußeneigroße Früchte, die denen des Jackfruchtbaumes 
äußerlich etwas ähneln. Von vielen sind deshalb beide verwechselt worden, es 
haben auch beide einen unangenehmen Geruch, die Jackfrucht aber nicht im 
entferntesten so schlimm wie die Durio. Während erstere eine Scheinfrucht ist, 
d. h. ein zusammengesetzter Fruchtstand, ist letzterer eine einfache Frucht mit 
dicker, fast holziger Außenschale, die von dicken, kegelförmigen Stacheln be- 
setzt ist. Im Innern sind fünf Fächer und in jedem zwei Reihen etwa taubenei- 
großer Kerne, die von einem weißen Arillus (Samenmantel) umhüllt sind. Dieser 
Arillus wird gegessen. In der heißen Zeit findet man in den Inderläden in 
Zanzibar eine ganze Menge dieser Früchte liegen, und man braucht nur der 
Nase nachzugehen, um sie zu finden. Sie haben einen abscheulichen, nicht zu 
beschreibenden Geruch an sich. Es werden wohl meistens Fruchtester sein, die 
diesen hervorrufen, den einige mit faulen Zwiebeln, andere mit sonstigen Ab- 
scheulichkeiten vergleichen. Die Frucht soll für den, der den Geruch überwindet, 
recht gut schmecken, ein Gemisch von Fruchtcreme und Käse mit Zwiebel soll 
ähnlich schmecken. In den Ländern, wo der Durio vorkommt, kann man die 
Europäer in zwei Gruppen teilen, eine, die die Durio verabscheut, eine, die sie 
in den Himmel hebt, eine Mittelsorte gibt es nicht. Jedenfalls aber kann diese 
Frucht in einem Haushalte nur unter der Käseglocke serviert werden. Die Ein- 
geborenen glauben, daß sie als Aphrodisiacum wirkt. 

Der Durio hat seinen Namen aus dem Malayischen, duren, er heißt in Siam 
turricn, in Burma dii-yin, auf den Molukken duriyan. In Zanzibar sagen die 
Leute finessi ya kizüngu, also europäische Jackfrucht. Alles ihnen Neue oder 
Besondere nennen sie seit etwa ioo Jahren »europäisch» (kizungu), früher »ara- 
bisch« (kimanga). Zur Zeit von v. d. Decken und Burton, also 1850 — -1860, 
hat es in Zanzibar schon Durio gegeben, und ich nehme an, daß der Baum zu- 
sammen mit anderen tropischen Fruchtbäumen Anfang des 19. Jahrhundert von 
Reunion oder den Seyshellen aus eingeführt wurde. 

In Amani sind einige junge Pflanzen. 

18. Ficus Carica L. 

Die Feige stammt zwar botanisch wahrscheinlich aus Vorderasien, gelangte 
aber schon in junggeologischer Periode in die Länder des Mittelmeeres. Ihre 



— 103 — 

Kultur ist jedenfalls uralt. Da die wilde Feige von Südarabien und Nordabessinien 
in manchen Formen nur durch kleinere Früchte und stets keimfähige Samen von 
der kultivierten abweicht, nimmt Schweinfurth an, daß sie vielleicht zusammen 
mit dem Weihrauchhandel aus diesen Ländern, wo die wilde Form heute beless 
heißt, nach dem alten Ägypten gebracht wurde. Man wird sie unter der XII. Dynastie 
aus dem Lande Punt geholt haben. Nach Lortet hieß sie im alten Ägypten 
neha-nt-bed, die Sykomore nelia. Es scheint, daß ihre verfeinerte Kultur aus 
dem Orient stammt. Das lateinische ficus soll aus dem phönikischen paggim 
(syrisch pagga, arabisch figg, fagg) abstammen. Das griechische sykon wird wohl 
einheimischen Ursprungs sein.*)' (» Sykomore« der wilde Feigenbaum.) 

Im Semitischen heißt der Feigenbaum tin, tinu, die Feige balasu. Das 
erstere Wort findet sich im Hebräischen, Phönikischen, Aramäischen und Arabischen, 
das letztere im Hebräischen, Arabischen und Äthiopischen. Die Kenntnis der 
Kaprifikation scheinen die Juden schon gehabt zu haben, weiter verbreitet ist sie 
wohl später durch die Araber in Nordafrika und Sizilien. In Tunis und Marokko 
heißt die Feige karmuz, bakour, in Algier sollen die Araber den Baum kcrma, 
die Tuareg ciliar, tahart, tabekh sist nennen. Die persische Bezeichnung unjir 
gehört wohl einer getrennten Kulturregion an, ebenso wie die Berberbezeich- 
nungen aus Nordafrika. 

Die Geschichte der Feige ist "ausführlich von Graf Solms-Laubach und 
V. Hehn behandelt worden. 

Der Feigenbaum heißt in Swahili nithii, die Feige tini, hat also den semitisch- 
arabischen Namen. Sie ist in Ostafrika selten, in Zanzibar stehen einige Bäume, 
und hier und da ist sie neuerdings an der Küste eingeführt. So stehen z. B. 
ein paar Pflanzen beim Bahnhof in Niussi. Hier in Amani wachsen sie langsam, 
sehen aber gesund aus. Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß sie in den feuchteren 
Küstenregionen hervorragende Früchte geben werden, und besonders zur Her- 
stellung der getrockneten Feigen gehört ein heißer und trockener Sommer und 
große Lufttrockenheit. 

Getrocknete Feigen dürftiger ' Sorte werden für den Konsum der Araber 
und Indier hier eingeführt, ich vermute, aus Maskat. Die Bäume in Zanzibar 
werden auch daher stammen und vom Sultan von Zanzibar und einigen wohl- 
habenden Arabern dort in Erinnerung an ihre Heimat zusammen mit der Dattel- 
palme eingeführt sein, wahrscheinlich nicht vor Beginn des 19. Jahrhunderts. 

Die wilden Feigenbäume (»Sykomoren«), wohl vielfach F. cap ensis, werden 
von den Swahili und Wagogo mkuyu, von den W T anyamwezi mkuBU, den Wahehe 
musoombe, den Massai ol-nabolli genannt. Die Ficusart mit rauhen Blättern, welche 



*) Die Feige ist in der Odyssee, nicht in der Ilias erwähnt. Neuerdings fand aber 
Dörpfeld verkohlte Feigen in uralten Kuppelgräbern, die wahrscheinlich Alt-Pylos, Nestors 
Stadt angehörten. 

In Babylonien hieß sie gis-ma (Weisbach, Inschriften Nebukadnezars im Wadi 
Brisa. 1906). 



— 104 — 

man wie Sandpapier benutzt, heißt msassa, in Usambara msJiasha (Ficus exas- 
p er ata Vahl) und ebenso nennt man auch das Sandpapier. 

19. Jambosa malaccensis DC. 

der Malay-Apfel oder Kavika hat viel größere Blätter als der Rosenapfel. Auf 
den Inseln des malayischen Archipels und auf Malacca ist die Pflanze wild ge- 
funden, hat sich von hier aus sehr früh verbreitet, so daß sie auf den Südsee- 
Inseln (Tahiti und Sandwich) schon vor der Entdeckung durch Cook vorhanden 
war. Die Indier nennen sie malaka-jamroh die Javanen nati-djambu. So weit 
ich erinnere, ist der auf Zanzibar toffäk, mtomondo genannte Baum dieser, er ist 
dort aber ziemlich selten. Hier in Amani wächst er ausgezeichnet und bildet 
mit seinen großen, hellen und glänzenden Blättern einen Schmuck des Gartens. 
tojfäh ist der arabisch-persische Ausdruck für E. vulgaris, es wird hier aber 
nur E. Malaccensis so genannt. Er ist wohl von den Arabern aus Süd-Indien 
hier hergebracht. Mtomondo ist sonst auch der Name für Barringtonia 
racemosa und für Anthocleista orientalis. 
In Reunion nennt man den Baum Jamalac. 

20. Jamhosa domestica Rumph. 

Unter diesem Namen, der im Kew Index fehlt, bekam das B. L. I. aus 
Java einen Baum, der dem vorigen recht ähnlich ist, aber seine großen Blätter 
sind dunkler und nicht glänzend wie die von J. malaccensis. Da er noch nicht 
blühte, kann ich näheres nicht angeben. Sein javanischer Name soll djambubol sein. 

21. Jambosa samarangensis DC. (J. javanica Lam.) 

hat ziemlich große, helle, glänzende Blätter und trägt an langen Stielen hängende 
Früchte, die eine Sehenswürdigkeit bilden. Sie haben die Form einer kleinen, 
eingekniften Birne und eine Farbe vom tiefsten Rosa bis zu schneeweiß, dabei 
glasig, halbdurchscheinend, so daß sie genau wie aus Wachs oder Seife gemacht 
aussehen. Ein Baum, der voll von diesen Früchten hängt, sieht geputzt wie ein 
Weihnachtsbaum aus, ich kann mich nicht erinnern, je so etwas auffallendes und 
ästhetisches gesehen zu haben, abgesehen von volltragenden Orangenbäumen. 
Keine Abbildung kann den Eindruck dieser Pracht wiedergeben, es gehört ein 
Künstler dazu, das darzustellen, und wenn er die Natur gut nachahmte, würde 
niemand ihm Glauben schenken, der nicht selbst den Baum mit hunderten solcher 
Früchte sah. In Derema steht ein Exemplar, dessen Früchte viel größer sind, 
als die des in Amani befindlichen. Jenes wurde von Herrn von Hörn aus Java 
mitgebracht. 

In Amani besitzen wir außerdem noch Eugenia uniflora L. , in Amerika 
heimisch, den ibißitanga ; in Mombo die Eugenia brasiliensis La in., den 
grumixameira Brasiliens, und Eugenia Micke lii Lam., die »viereckige Kirsche« 
von Zentral-Amerika. 



— 105 — 
22. Jambosa vulgaris DC. (Eugenia Jambos L.) 

Der Rosenapfel gehört in die Familie der Myrtaceae , ein kleiner Baum 
mit schmalen, lanzettförmigen Blättern, der blaßgelbe Früchte hat, die etwa die 
Größe eines kleinen Apfels erreichen. Das ziemlich trockene Fruchtfleisch hat 
einen intensiven Geruch nach Rosenwasser. Manche Europäer haben die Frucht 
ganz gern, mehr wird sie aber bei den Eingeborenen geschätzt. 

Er heißt im Sanscrit jambu, Jamba, in den heutigen indischen Sprachen 
gulab-jaman, golap-jam. jauia. jamb, in Ceylon jambu, im Malayischen djambu, 
im Arabischen toffah. Die Swahili nennen ihn mpera ya kizungu, (d. h. euro- 
päische Guyave), mdarabi, auch mpeva-golabi. Die letzteren beiden Worte sind 
aus dem Indischen entstanden, der erstere der äußeren Ähnlichkeit mit der Guyave 
wegen gebraucht. 

Aus diesen Ausdrücken sollte man meinen, daß der Baum erst seit ziem- 
lich neuem Datum hier eingeführt ist. Aber er ist vielleicht zur Zeit der Anwesen- 
heit von Ibn Batuta 1 33 1 schon hier gewesen. Diese schreibt über Mombassa unter 
anderem: »Die Bäume dieser Inseln sind Bananen-, Limonen- und Zitronenbäume. 
Ihre Einwohner sammeln auch eine Frucht, welche sie djammun (jamün) nennen und 
welche der Olive gleicht. Sie hat einen Kern ähnlich dem der Olive, aber der 
Geschmack dieser Frucht ist von einer großen Süße«. Es ist eigenartig, daß 
er nicht den Rosengeschmack, der gerade bei den Arabern so beliebt ist, hervor- 
hebt, und es ist deshalb sehr wohl möglich, daß es sich nicht um die Rosen- 
äpfel handelte, sondern um die Frucht von Jambosa m ala cccnsis , den die 
Araber heute hier toffah nennen, und der vielleicht eher als der Rosenapfel ein- 
geführt wurde. Aus dem Umstand, daß dieser einen arabischen Namen hat und 
der Rosenapfel nur einen indischen oder als »europäisch« bezeichnet wird, möchte 
ich es für wahrscheinlich halten, daß letzterer erst eine neuere Einführung ist. 

Yule und Burnell nehmen an, daß Ibn Batuta die Früchte von Sy- 
zygium ovariense gemeint hat, den jamun der Indier. 

Er ist in Zanzibar ziemlich häufig zu finden, an der Küste auch hier und 
da bei den alten Siedelungspunkten. In Amani sind einige Pflanzen vorhanden, 
die schon Früchte tragen. 

Der Baum ist wildwachsend in Indien und dem malayischen Archipel ge- 
funden und sehr früh in Indien kultiviert, er spielt in den alten buddhistischen 
Sagen und Inschriften aus 300 v. Chr. schon eine Rolle. Es ist anzunehmen, 
daß wir ihn aus Nordwest -Indien oder den Uferländern des persischen Golfes 
erhielten, denn er hat sich jedenfalls schon früh von seiner Heimat aus ausge- 
breitet. 

23. Mangifera indica L. 

Der Mango -Baum gehört zur Pflanzenfamilie der Anacardiaceae ; in der 
Gattung, zu der er zählt, gibt es nach dem Kew Index 37 Arten, von denen 
2 in Afrika, eine in Mauritius und alle anderen in Ost -Indien und dem indo- 



— io6 — 

malayischen Florengebiet einheimisch sind. Auch unser Fruchtbaum ist in Süd- 
asien heimisch und soll in Ceylon sowie am Himalaya bis 2000 Fuß Meeres- 
höhe wild vorkommen. In ganz Ost-Indien scheint er sich sehr früh als Kul- 
turpflanze verbreitet zu haben, anscheinend aber im Nordwesten ziemlich am 
spätesten, denn die Griechen haben ihn auf dem Alexanderzug dort offenbar 
nicht kennen gelernt. Auf den Sunda - Inseln und in Cochinchina ist er auch 
schon sehr früh verbreitet worden, auf einigen Inseln des asiatischen Archipels 
ist er aber, wie Rumphius erzählt, erst etwa 1700 eingeführt. 

Der Mangobaum heißt im Sanscrit amra, manchmal auch makandamu, chutn 
(der »saftige») maJiapaliala (die »große Frucht«), in den heutigen indischen Sprachen 
am, amb, ambra, anib. anv, amba. ambo. auf Tamil mäpalam, in Ceylon ambo, 
auf Malayisch mava, mampalam, mannet, mangga, auf Javanisch palam, im Ara- 
bischen und Persischen naghyak, maglizag, amba. Aus dem sundanesisch-ma- 
layischen Namen mangga, manga hat man die Benennung der Europäer für diese 
Pflanze gemacht.*) 

An unserer Küste ist er überall unter dem Namen embe für die Frucht, 
mwembe. muembe für den Baum bekannt. Es ist klar, daß dies Wort ohne 
weiteres aus den modernen indischen, oder wahrscheinlicher direkt aus dem per- 
sisch-arabischen amba abgeleitet wurde. 

Der Mangobaum ist ohne Zweifel schon recht zeitig nach Ostafrika gebracht 
worden. Es ist zwar auffallend, daß die Portugiesen ihn nicht besonders er- 
wähnen, es wird immer nur von ^Früchten« im allgemeinen gesprochen. Aber 
daß er damals hier bekannt war, geht deutlich aus der Reisebeschreibung von 
Ibn -Batuta hervor, der 1 33 1 in Mugdischu an der Somaliküste folgendes schrieb 
(gemäß Guill ains französischer Übersetzung) : 

»Sie gießen die geronnene Milch in eine andere Schüssel und legen darauf 
Limonen und in Essig eingemachte Pfefferfrüchte und eine Lake von grünem 
Ingwer und Mangos, welche Äpfeln gleichen, nur, daß sie einen Kern haben. 
Wenn die Mango reif geworden, ist sie sehr süß und ißt sich wie eine Frucht; 
aber vor dem ist sie sauer wie eine Limone und man macht sie in Essig ein.« 

Es unterliegt somit keinem Zweifel, daß es 1 33 1 in Mugdischu frische 
Mangos gegeben hat, und da dieser Ort wohl nicht sehr für ihre Kultur ge- 
eignet ist, wird man sie noch vielmehr in Mombassa, Kilwa und den anderen 
Plätzen angepflanzt haben, die der persischen Kolonisation etwa vom 10. Jahr- 
hundert an ihre Entstehung verdanken. Diese persischen Kolonisten dürften den 
Baum hier eingeführt haben. 

Jetzt bildet er an den Siedelungsplätzen geradezu einen Charakter-Baum 
mit seiner herrlichen Krone und seinem dunklen, immergrünen Laube. Die 
Früchte reifen hier in der heißen Zeit, etwa vom Dezember bis März. 

*) Yule und Burnell nehmen an, das aus dem Tamil-Wort mün-kay, män-gay (d. h. 
(»män-Frucht«) die Portugiesen manga, die Engländer mango bildeten, eine Bezeichnung, die 
zuerst 15 10 von Varthema gebraucht zu sein scheint. 



107 — 

Sehr viele Bäume stehen in Tanga, jedoch nur einige hundert Meter vom 
Ufer entfernt. Weiter im Innern sah ich sie nur in Usaramo, dem Hinterland 
von Daressalam. Da nun der unvermischte Neger keine Bäume kultiviert, so ist anzu- 
nehmen, daß dort, wo Mangos wachsen, eine fremde, ackerbautreibende Be- 
völkerung früher ansässig war. In Usamaro findet man die Mangobäume mehrere 
Tagemärsche weit im Inneren vor, und in demselben Gebiet auch einzelne Cocos- 
palmen, Jackfruchtbäume, Ananas und hier und da etwas Ingwer und Curcuma 
kultiviert, was anderswo im Innern, auch nur in geringer Entfernung von der 
Küste, nicht der Fall ist. Die Wasaramo haben auch die eigenartige Gräber- 
form mit dem viereckigen Grasdach und der aus einem Pfahl oder einem Stein 
gebildeten Grabstele am Kopfende, und diese Stele trägt immer die turbanartige 
Umwickelung mit einem weißen Stück Zeug. Auch geht hier die viereckige 
Hüttenform im Unterschied zur sonst hier gebräuchlichen runden, weit ins Innere, 
ungefähr ebensoweit wie oben erwähnte Kulturpflanzen.*) Ich glaube danach an- 
nehmen zu können, daß in Usaramo die Abkömmlinge der fremden, persischen 
Kolonisten einige Tagemärsche ins Innere hinein sich vorgeschoben haben. 

Auch bei Kilwa scheinen diese Leute ein klein wenig im Inneren noch 
Pflanzungen gehabt zu haben, denn eine Menge Mangos stehen z. B. auf dem 
Singino-Berge. Im Digo-Lande und bei Bwiti im Hinterlande von Tanga wachsen 
ebenfalls welche; v. d. Decken fand sie bei Mesule auf der alten Karawanen- 
straße zum Nyassa, einem jetzt verlassenen Ort. Ob es sonst noch solche Stellen 
gibt, ist mir unbekannt, im allgemeinen ist der Mango nur unmittelbar an der 
Küste, und auch nur bei den heutigen oder verlassenen Siedelungen zu finden. 
Im weiteren Inneren sind die wenigen Mangobäume alle neuen Datums, zuerst 
bei den arabischen Niederlassungen in Tabora, Kilimani-Urambo, am Tanganika, 
in Magu an der Südküste des Victoria-Sees, in Kafuro in Karagwe, in Uganda, 
neuerdings bei allen Missionen und Gouvernementsstationen. 

Sicher kommt der Mangobaum heute von Kismayu bis zur Zambezi-Mündung 
vor, ob noch nördlicher und südlicher ist mir unbekannt, sein Verbreitungsgebiet 
fällt ungefähr mit dem der Cocospalme zusammen. 

Nach Westafrika ist er angeblich durch die Portugiesen eingeführt, 1757 
als Adanson dort tätig war, gab es schon welche. Wann er nach Brasilien ein- 
geführt wurde, ist unbekannt, zuerst scheint er dort 1750 erwähnt zu sein. Nach 
Barbados ist er 1743 gebracht; 1782 kaperte man ein Schiff mit Sklaven, das 
von Reunion nach S. Domingo kam und eine Menge Kulturpflanzen an Bord 
hatte, unter denen auch Mangos waren, die man auf Jamaica pflanzte. Jetzt ist 
der Mango wohl im ganzen warmen Amerika bis nach Californien verbreitet. 

In Indien hat Maries über 500 Sorten von Mangos festgestellt, von denen 
etwa 100 gute sein sollen. Hier bei uns gibt es sehr viel weniger; einige sind 

*) Viereckige Hütten sah ich sonst nur im Ulugurugebirge. Erst im Kongo-Gebiet gibt 
es eine große Zone, wo die Neger ursprüngliche viereckige Hütten bauen, aber aus Holz oder 
Palmrippen, nicht aus Lehmflechtwerk. 



— 108 — 

schlecht und haben den bekannten Terpentingeschmack, andere aber ausge- 
zeichnet. Wenn man sicher gehen will, gute Sorten zur Nachzucht zu erhalten, 
muß man die jungen Pflanzen pfropfen oder anästen. So weit ich weiß, wird 
dies Verfahren aber erst seit einiger Zeit in Indien angewandt, und ich glaube 
nicht, daß die riesigen, sehr alten Bäume in Zanzibar und an der Küste ver- 
edelt wurden. Sehr viele werden überhaupt aus fortgeworfenen Kernen ohne 
Pflege entstanden sein. Und sie haben doch gute Früchte. Wenn aber Busch 
um sie aufwächst, dann tragen sie fast gar keine Früchte, wie man in den ver- 
lassenen Ansiedlungen im Hinterland von Daressalam sehen kann. 
In Zanzibar kennt man unter anderen folgende Sorten : 
kinoo, mit kleinen, gelben, sehr saftigen Früchten. 

mviringo mit runden Früchten, die recht geschätzt sind. Viringo heißt rund 
und nicht wie Holst sagt bunt. Nach seiner Angabe sind die Früchte 
gelb mit grünen Streifen. 
kilemba ya Banyani, d. h. Banyanen-Turban, wegen der roten Farbe. 
amari oder sikio la punda, d. h. Eselsohren, weil die Früchte sehr lang sind. 

Sie sind faserig und nicht sehr geschätzt. 
dodo, auch em.be ya kipemba genannt. Sie ist vielleicht zuerst in Pemba ein- 
geführt, aber dodo heißen sie nicht, wie S teere in seinem Lexikon 
sagt, nach einer Pflanzung in Pemba, dodo ist vielmehr eine auch in 
Indien und den Malayenländern bekannte Sorte, dort dodo/ genannt, 
(var. amboinensis , Sagot et Raoul) wahrscheinlich dieselbe, die 
in Indien auch inaghrabak genannt wird und welche man in Porto Rico 
china nennt. Es ist die größte und beste Sorte (10 zu 5 — 6 cm). 
Die Schale ist grün, das Fleisch hat wenig Fasern und gar keinen Terpen- 
tin-Geschmack, ist auch nicht so süß, sondern angenehm aromatisch mit 
einem Stich ins säuerliche. 
em.be ya kizungu ist fast ebenso groß und fast noch feiner als die vorige, ihr 
Fleisch süßer, gelblich, sehr aromatisch, die Schale gelb mit roter Wange. 
Die Art ist recht selten, bei Daressalam kannte ich nur einen Baum auf 
Kurazini, einen anderen bei Bweni auf halbem Wege nach Bagamoyo, 
viele gibt es in Kilwa. Die Neger nennen alles besondere ya kizungu, 
und ich glaube kaum, daß die Art von den Europäern importiert wurde, 
dazu ist sie zu häufig gerade bei Kilwa, wo doch die Portugiesen nur 
wenige Jahre saßen und später außer durch französische Sklavenschiffe 
wenig Europäerverkehr war. 
borobo ist dagegen sehr wahrscheinlich von Reunion importiert (borobo = 
Bourbon); die Sorte wird nach Pere Saccleux in Reunion »auguste 
de Bourbon« genannt. 

Holst führt aus dem Tanga-Bezirk folgende Sorten auf. 
tango, reift früh, hat Terpentingeschmack und gelbe Schale. Der Name soll 



— 109 — 

nach Ho Ist's Meinung von tango = Zeichen kommen wegen eines Ein- 
schnittes vom Stiel bis zur Fruchtmitte. Ich glaube aber eher von 
tango = Gurke, wegen der Form. 
theuzi, die schwarze, wegen der fast ganz schwarzen, grüngefleckten Farbe der 

Schale. Sie hat starken Terpentingeschmack. 
kiko, goldgelb mit grünen Flecken, süß. 
kitovu mit runzliger, grüngelber Schale und terpentinigem, sehr faserigem Fleisch. 

Frucht stark genabelt wie der Name auch besagt. 
mari, mit grünlich, hellgelber Schale und aromatischem Fleisch. 
dodo und viringo wurden oben bei Zanzibar erwähnt. Außerdem gibt Holst 
noch folgende Namen : skindano, koukiva, ndcmu, nignara, kihinda, uare. 
Der Baum blüht in Tanga im August. 

Hier in Amani kann man leider die Sorten nicht studieren, und es wäre 
eine dankbare Aufgabe für einen an der Küste sitzenden Herrn, alle Sorten ge- 
nau zu beschreiben, wobei auch der Baum, seine Blätter, die Blüte und Reife- 
zeit usw. zu berücksichtigen wäre. 

Außer einem Rüsselkäfer, der die Kerne bisweilen ansticht, und der Raupe 
eines Nachtpfauenauges (Bunarar), die etwas an den Blättern frißt, sowie einer 
Gallmücke, die die Blätter mit Gallen übersät, aber kaum schadet, hat der Mango 
hier keine Feinde. Bemerkenswert -ist noch, daß oft ein Ast des Baumes ganz 
außer der Zeit blüht und dann auch im Juli oder August Früchte bringt. Sonst 
blüht er in Daressalam Ende September und beginnt im November zu reifen. 

Von Zanzibar werden eine ganze Menge Mango-Früchte ausgeführt, beson- 
ders als Schiffsproviant, auch wohl nach Aden, Bombay, Delagoa-Bay. Hier 
und da werden von den Dampfern auch welche von der Küste mitgenommen, 
aber es verkehren bei uns im Vergleich mit Zanzibar zu wenige Schiffe, als daß 
es sich für jemand lohnte, ein eigenes Geschäft für ihre Verproviantierung ein- 
zurichten, wie solche in Zanzibar bestehen, und ohne eine ständige Organisation, 
auf die die Dampfer sich verlassen können, wird mit dem Absatz an diese kein 
sicheres Geschäft zu machen sein. 

Die Früchte werden meist reif gegessen, von den Europäern, wenn das 
Fleisch noch konsistent ist, von den Farbigen am liebsten weich und überreif. 
Ferner kocht man aus den unreifen Früchten ein Kompott, das vom Apfelbrei 
nicht zu unterscheiden ist. Die Herstellung des vorzüglichen Mango -Chutney 
wird bei uns nicht betrieben, man bekommt ihn wohlfeil aus Indien. Es sind 
eingekochte Mangos (manchmal auch Bananen oder Tamarinden) mit Zucker, 
Ingwer, Rosinen und Pfeffer. In Essig eingelegte, ganz junge Früchte sind hier 
nur bei den Farbigen beliebt. 

Die in den Hamburger und Berliner Delikatessenläden erhältlichen reifen 
Mangos kommen wohl von Jamaica oder vielleicht Florida. Von uns aus ist die Reise 
zu weit, um die reifen, bald weich werdenden Früchte ausführen zu können. 
Wohl aber läßt sich bei uns aus ihnen eine Marmelade machen, so wie es in 



— IIO — 

Mossambik unter dem Namen manga-döce hergestellt wird, und dieses würde sich 
vielleicht als Kolonial-Marmelade zu Hause einführen lassen. Die dazu nötigen 
Früchte kann man wenigstens bei uns massenhaft bekommen, wenn der Besitzer 
von Bäumen verhindern kann, daß ihm die Früchte unbemerkt gestohlen werden. 
Auch bei uns hergestellten Chutney wird man sicher in Deutschland verkaufen 
können. Aber zu solchen Produkten sind Kleinkolonisten nötig, die hier leben 
wollen und nicht nur nach raschem Verdienst fortgehen möchten. Solche Klein- 
Kolonisten haben eben die romanischen Nationen massenhaft früher nach Süd- 
amerika gesandt, als solche gehen Italiener und Griechen heute noch in die 
Tropen. Der Deutsche scheint ebenso wie der Engländer und Holländer hierfür 
leider nicht geeignet zu sein. 

Bei der Besprechung des Mango-Baumes muß ich noch einen sehr eigen- 
artigen und interessanten Farbstoff erwähnen, der bei uns als » indisch-gelb«, in 
Indien unter dem Namen peori bekannt ist. Er wird aus dem Urin von Rindern 
hergestellt, die man ausschließlich mit Mango-Blättern und Wasser füttert. Da 
die Rinder dabei recht herunter kommen, muß man ihnen von Zeit zu Zeit auch 
anderes Futter reichen. Die Tiere werden angeblich so dressiert, daß sie ihren 
Urin nur in Gegenwart von Menschen lassen, die ihn auffangen, abkühlen, dann 
erhitzen, wodurch der Farbstoff herausfällt. Auf einem Tuch gesammelt, wird 
er in kleine Kugeln geformt und getrocknet. Man sagt, daß ein Tier täglich 
60 Gramm dieser Farbe liefern könne. Die jährliche Produktion wird auf 5000 
Kilo geschätzt. Ein Seer*) soll 8 Rup. kosten. Die Farbe löst sich in heißem 
Wasser. Wegen des unangenehmen Geruches wird sie selten zum Färben von 
Zeug, dagegen zum Anstreichen von Türpfosten, auch zu Lackfarben verwandt. 
In Europa benützt man sie in der Aquarellmalerei. 

24. Mortis alba var. indica Bureau. 

Der indische Maulbeerbaum ist, wie Warburg angibt, von dem auch 
bei uns kultivierten Mortis alba kaum zu unterscheiden, nur sollen die Blätter 
rauher und länger zugespitzt, die Griffel länger und unten verwachsen, nicht frei 
wie bei M. alba, und die Blütenblätter der weiblichen Blüten umgekehrt ei- 
förmig sein. Die Früchte der indischen Sorte sind klein, walzenförmig und schwarz, 
bei der M. alba aber weiß oder rot. 

Diese indische Sorte ist im nördlichen Indien verbreitet, wächst viel am 
Himalaya und geht bis China und Japan. 

In Ostafrika ist sie in Zanzibar und an der Küste hier und da zu finden, 
auch in Usambara ist sie ziemlich häufig, doch ist sie überall nur als verwildert 
anzusehen, die Samen werden offenbar durch Vögel verbreitet sein. Die Früchte 
sind sehr klein und keine verlockende Speise, Seidenzucht wird hier nicht ge- 



*) Seer ist ein etwas unbestimmtes Gewicht in Indien, meist wohl etwa 1 Kilogramm 
schwer. 



— III - — 

trieben ; ich weiß deshalb eigentlich nicht, weshalb man den Baum aus seiner 
Heimat hierher einführte, es wird doch vielleicht der dürftigen Früchte wegen 
geschehen sein, oder man hat Seidenraupen ziehen wollen. Burton erwähnt 
auch, daß rot- und weißfrüchtige Sorten in Zanzibar und an der Küste unter 
dem indischen Namen //// vorkämen, ich kann mich aber nur erinnern, diese 
indische, schwarzfrüchtige gesehen zu haben. 

Im Altertum kannte man in Europa nur den Monis nigra, mit breiten, 
rauhen Blättern, dessen Heimat im südlichen Transkaukasien, vielleicht auch in 
Persien ist. Er wurde den Griechen von Syrien aus bekannt und sie verglichen 
seine Frucht mit der der Sykomore und auch mit der Brombeere, woraus sie 
den Namen moros machten, der dann nach Italien übertragen wurde, wo man 
aber die Maulbeere — zum Unterschied von der Brombeere — morus cclso, mortis 
gc/so, d. h. die »vom hohen Baume% nannte. Hieraus ist das heutige italienische 
Wort gclso geworden. Die weiße Maulbeere, die in China und dem nördlichen 
Ostindien heimisch ist, ward am Mittelmeer erst viel später bekannt. Als 1 148 
die Seidenindustrie in Sizilien und etwas später nach Toscana eingeführt wurde, 
kannte man dort nur die M. nigra, die viel schlechtere Seide liefern soll. 
M. alba ist frühestens 1340 in Toscana eingeführt, aber diesem neuen Baume 
gab man den Namen des alten, gclso. 

In der ganzen Balkanhalbinsel wird der Maulbeerbaum mit dut, tut, be- 
zeichnet, ebenso arabisch-persisch ////. in Marokko-Tunis ebenso,*) indisch /;//. 
tut/', kimbu, bei den Tamilen kambali, cumblc-pullum, Sanscrit tuta. 

Wenn Burton die Bezeichnung tut auf Zanzibar hörte, so muß dies nur 
bei Indiern oder Arabern der Fall gewesen sein, das Wort ist bei S teere und 
Krapf auch angegeben, ist aber jedenfalls viel weniger gebräuchlich als mfcrsadi, 
mforsadi. Dies Wort muß auch aus dem Arabischen stammen, Krapf über- 
setzt es mit »morus arbor, aliis fructus moru, aliis rubus fructus mori, aliis tinctura 
rubra.« In welchem arabischen oder persischen Dialekt dieser Ausdruck aber 
gebraucht wird, kann ich leider nicht feststellen. D ragen dor ff schreibt firsad 
»aus arabischen Schriftstellern«. 

Die Verbreitung von unserem Baume läßt die Annahme zu, daß er zu- 
sammen mit der bitteren Orange von den persischen Kolonisten hier eingeführt 
wurde, vielleicht haben diese hier auch schon vor Jahrhunderten versucht, die 
Seidenzucht einzuführen. Nach der Bezeichnung zu schließen, ist der Baum jeden- 
falls nicht von Indiern eingeführt worden. 

Viel ökonomischen Nutzen hat der Baum hier nicht, wir haben ihn bei 
Daressalam vor 10 — 15 Jahren einmal in Mengen angepflanzt, um die Seiden- 
zucht einzuführen, diese aber scheint mir für die Neger durchaus ungeeignet. 
Solange wir keine europäischen oder asiatischen Kleinkolonisten haben, deren 
Familienangehörige sich mit der subtilen Anzucht der Raupen abgeben, können 



*) Für Algier finde ich bei Foureau moussa, dort für die Tuareg tassäta. 



112 — 

wir hieran nicht denken. Bessere Sorten der echten Mortis alba haben wir 
in Amani von Italien als Bäume eingeführt, die aber noch recht langsam wachsen, 
ebenso einige gepfropfte M. nigra, die recht kümmerlich gedeihen und abzu- 
sterben scheinen. 

Diese indische Maulbeerpfianze wird viel von der Larve eines Bockkäfers 
heimgesucht, aber die unverwüstliche Lebenskraft derselben läßt sie immer von 
neuem wieder ausschlagen. Sie wächst hier als Strauch, nicht als Baum und 
bildet dichte Hecken, wenn man sie richtig schneidet. 

25. Nephelium lappaceum L. 

Der Rambutan oder falsche Litschi ist ein hoher Baum mit fiedrigen 
Blättern, in deren Blattachsen oder an den Zweigenden die langstieligen Frucht- 
stände mit oft 20 — 30 Früchten sitzen. Diese sind etwa pflaumengroß, rings 
mit langen, biegsamen, borstigen Warzen besetzt und dunkelkarminrot. Im Inneren 
der ledrigen Außenschale liegt ein mandelförmiger, brauner Kern, der von einer 
glasigen, saftigen Samenhülle (Arillus) umgeben ist. Und diese saftige Hülle 
genießt man ; sie enthält sehr aromatisch und leicht säuerlich schmeckenden Saft, 
den man aussaugt. Es ist eine recht angenehm erfrischende Frucht. 

Soviel ich weiß, gibt es den Baum nur in Zanzibar, wo die Europäer ihn 
fälschlich Litschi nennen. Der LitscJii (N. Lichi Cambess.) hat eine Schale, 
die nur von ganz kleinen, kurzen Wärzchen besetzt ist. Dieser kommt hier, mit 
Ausnahme einiger junger Pflanzen in Amani, nicht vor, in den deutschen Deli- 
katessenläden bekommt man seine aus China stammenden Früchte wie Rosinen 
getrocknet und umgeben von der warzigen Schale. Unsere hiesige Pflanze da- 
gegen ist der Rambutan des malayischen Gebietes, wo er auch wohl heimisch ist. 

Ich habe früher in Daressalam vergeblich versucht, diesen Baum anzupflanzen, 
die Samen keimten meist nicht und von Zanzibar importierte junge Pflanzen 
gingen stets nach einiger Zeit zu Grunde. 

Der Rambutan heißt bei den Swahili choko-clwko. Woher dieser Name 
kommt, weiß ich nicht, mit c/ioko, toko den Namen für Phase Ins Mungo 
kann er schwerlich einen Zusammenhang haben. Ebenso wenig hat er etwas mit 
der clwkc-diore-dyckc genannten Urcna lobata zu tun, einem mit Hibiscus 
verwandtem Kraut. Zu Burtons Zeit (1857) g aD es schon welche in Zanzibar, 
in Senegambien sind sie etwa 18 16 eingeführt. Ich vermute, daß sie in Zanzi- 
bar auch Anfang des 19. Jahrhunderts eingeführt wurden, wahrscheinlich von 
Reunion aus. 

26. Opuntia Ficus Indica Miller. 

Die Cactus-Feige ist in Zentral-Amerika, besonders Mexiko heimisch. Die 
von den Swahili mpungati (die »stachelige«) genannte Pflanze ist in Ost-Afrika 
nicht besonders häufig, was recht auffallend ist, da sie von den Spaniern schon 
Anfang des 16. Jahrhunderts nach den Mittelmeerländern gebracht wurde und 



— ii3 — 

beinahe in der ganzen wärmeren Zone verbreitet ist. Es war früher nur eine 
sehr stachelige Art in Zanzibar z. B. auf der »Nazi moya« und als Einzäunungen 
vorhanden, die eben nur zu letzterem Zwecke gebraucht wurde. Erst etwa 1901 
ernieiten wir aus Palermo durch den Botaniker Sprenger die besten stachel- 
losen Sorten. In Daressalam wuchsen sie mächtig und blühten fortwährend, aber 
die Früchte fielen stets vor der Reife ab, in Amani ist es ebenso. In Mombo 
geht es etwas besser, die Früchte reifen wenigstens, wenn sie sich auch mit den 
großen des südlichen Italien (fighi d'india) und Nord -Afrikas (hendi, d. h. die 
indischen) nicht vergleichen lassen. Für die Gewinnung der Früchte kämen nur 
die ganz trockenen Steppengebiete des Massailandes in Frage. Für Südwest- 
afrika wird die Pflanze wahrscheinlich ein Segen sein, wenn es dort zeitweilig 
nicht zu kalt für sie ist. 

Aber die größte Bedeutung -von- dieser Pflanze für uns wird in den üppig 
wuchernden fleischigen Stengelgliedern liegen, die in den Mittelmeerländern und 
in Amerika während der trockenen Zeit des Jahres ein äußerst wichtiges Vieh- 
futter bilden. 

Die von den Stacheln befreiten fleischigen Stengelstücke werden zerhackt 
zusammen mit trockenem Material als Futter verabreicht. Die Kamele fressen 
sie gierig mit allen Stacheln. 

In dürren, steinigen Gebieten -ist die Pflanze außerdem äußerst wichtig, um 
Humus zu bilden und die kahlen Hänge zu bedecken. 

In Ägypten und Syrien nennt man sie suöbair', subbcr, in Algier bei den 
Arabern hinddi, karmouz-nsara, bei den Tuareg trcuiwiicht. 

Der amerikanische Ursprung der Opuntien wird von keinem Botaniker in 
Zweifel gezogen. Ich finde aber eine Notiz (Wiedemann, Sicilien), daß Gre- 
gor ovius darauf aufmerksam macht, im Dome von Girgenti stände ein antiker 
Sarkophag, auf dem die Hippolytus-Phaedra-Sage dargestellt sei und auf dem 
man nach seiner Ansicht auch Opuntien abgebildet fände. Es wäre interessant, 
dies näher zu untersuchen. Selbst konnte ich den Sarkophag nicht ansehen, 
aber die Photographien, die ich mir bei Sommer in Neapel davon verschaffte, 
lassen mich keine Opuntien entdecken, wohl aber etwas, das ich für stylisierte 
Palmen halte. Dasselbe ist von den Mosaiken im Dom von Monreale bei Palermo 
behauptet, wo Adam und Eva Kleider aus Opuntia haben sollen. Yule und 
Burnell bezweifeln dies. 

Auf der Opuntia lebt die Cochenille Schildlaus, und zwar die echte, grana 
vera genannte nur auf der stachellosen Form. In Bengalen'führte man 1799 die 
grana sylvestris genannte wohl weniger gute Form ein und hat auch eine ganze 
Menge Cochenille produziert, die aber geringwertig war, so daß man ihre Zucht 
aufgab. Als man die Insekten dort einführte, waren dort schon große Mengen 
der stacheligen Opuntia Dillenii, der -»prickly pear« der Engländer, vorhanden. 
1835 führte man die Zucht der Cochenille auch in Java ein und exportierte bis 
1844 leidlich gute Cochenille, doch scheint auch dort die Zucht wieder verlassen 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 8 



— ii4 — 

zu sein, die außer in Mexico jetzt wohl nur noch auf den Canaren betrieben 
wird, denn die künstlichen Anilin-Farhen machen ihr eine zu große Konkurrenz. 

27 . Passiflora edulis L. 

Die Grenadilla. Eine schlingende Passionsblume mit dreigeteilten, ge- 
sägten, glänzend grünen Blättern und pflaumengroßen, braunvioletten Früchten, 
in deren harter Schale eine sehr aromatische, saftige, gelbliche Fruchtmasse mit 
vielen kleinen schwarzen Kernen liegt. Man schneidet die Kuppe der Frucht 
ab und löffelt den Inhalt aus, mit ein wenig Zucker oder Wein versetzt schmeckt 
er sehr angenehm und erfrischend. Ich erhielt die Samen etwa 1896 aus Natal. 
Die sehr anspruchslose und auch dekorative Schlingpflanze mit ihrem schönen 
Laub und prächtigen Blüten hat sich hier im Gebirge überall eingeführt, wächst 
auch in der Ebene. Sie verbreitet sich immer mehr. Zuerst wurde sie in Kwai 
kultiviert. Sie reift von Januar bis März. 

28. Passiflora quadr angularis L. 

unterscheidet sich von der vorigen durch geflügelten Stiel und ganze, nicht ge- 
teilte Blätter. Das Blatt ist ungeteilt, hat aber am Stiel Warzenpaare, wohl als 
Reste von Fiedern. Ihre Früchte sind viel größer, bis 30 cm lang, walzenförmig, 
grün mit zweifingerdicker Schale. Um den inneren Hohlraum sitzen die läng- 
lich-kleinen Kerne, je umhüllt von einer durchsichtigen, saftigen Fleischmasse, 
die etwas wie Weinbeeren schmeckt. Die dicke Fruchtschale kann man mit Zucker 
einkochen. Diese Art ist nicht so beliebt wie die vorige, mehr decorativ als 
zum Essen angenehm. Sie wurde zuerst in Amani kultiviert. Die Früchte reifen 
im Juni bis Juli. 

29. Passiflora sp. 

ebenfalls mit ungeteilten Blättern und mit auffallend großem Kelch, hat in Amani 
noch keine Früchte getragen. 

Ohne Zweifel stammen alle diese Passionsblumen aus Amerika. Eine Sorte 
soll bei den Tupf mburu aäa heißen. 

30. Persea gratissima Gaert. 

Die Avocado-Birne. Es ist ein hoher, schön belaubter Baum mit großen 
elliptischen, ledrigen Blättern. Die Frucht hat die Gestalt einer großen grünen 
Birne. Unter einer dünnen , grünen Schale liegt ein dickes, sehr fetthaltiges 
Fruchtfleisch, darin locker ein walnußgroßer Kern, der sehr bald keimt und sich 
deshalb nicht leicht versenden läßt. Das Fleisch, das man nach Entfernen des 
Kernes mit Zucker oder mit Salz und Pfeffer auslöffelt, schmeckt sehr angenehm, 
ist aber nicht ganz leicht verdaulich. Der Baum stammt ursprünglich vom Fest- 
land des tropischen Südamerikas. Oviedo erwähnt ihn schon 1526 in einem 
Bericht an Kaiser Karl V. aus Kolumbien und beschreibt ihn später näher aus 



— ii5 — 

Nicaragua. Sein Azteken -Name- war ahuacaquahuitl, ahuacatl, ahuaca, in Peru 
hieß er petita. Aus den mexikanischen Namen machten dann die Spanier agua- 
cate, avocado, die Engländer verdrehten ihn in aligator pear. 1601 ist der Baum 
in Südspanien eingeführt worden. Im Laufe der Zeit ist er dann in die meisten 
tropischen Länder gebracht, nach Reunion und Mauritius scheinbar ziemlich früh, 
dort hat er sich so acclimatisiert, daß er fast wild ist. Nach Ost-Indien soll ei- 
erst 1860 gebracht sein. Dieser Baum gedeiht auch in etwas kühlerem Klima, 
wenn es nur nicht friert, so ist er in Algier, sogar bei Schutz im Winter in 
Sicilien gebaut worden. Sehr reichlich muß er in Natal wachsen, von wo ich 
im Jahre 1 896 die ersten Samen erhielt ; aber alle Versuche, ihn in dem heißen 
und mit dürftigem Boden ausgestatteten Daressalam zu akklimatisieren, mißlangen. 
In Zanzibar soll es einige Bäume geben, wahrscheinlich ist er von Sir John 
Kirk eingeführt, ich habe aber bei zweijährigem Aufenthalt dort nie Früchte zu 
sehen bekommen. In Amani gedeihen einige Pflanzen nicht schlecht, ebenso wie 
die verwandte P. indica, in Mombo kommen sie recht gut, sind 6 Meter hoch 
und trugen jetzt im April-Mai das erste Mal Früchte (1907). 

In Californien und Florida wird der Baum viel gebaut und die besten Sorten 
davon werden durch Pfropfung vermehrt. 

Zu erwähnen ist hier beiläufig, daß die Persea der Botaniker mit der be- 
rühmten persea der Alten nichts zu tun hat. Dieser, dem Halbgott Perseus ge- 
weihte Baum \ä«r Mimusops Scliimperi. Die alten Ägypter verehrten ihn heilig 
und haben ihn in grauestem Altertum zusammen mit dem Weihrauch und der 
Myrrhe aus dem Lande Punt, dem südwestlichen Arabien, bezogen ; Kränze seiner 
Blätter findet man in Gräbern der XX. — XXVI. Dynastie (1400 — 1200 v. Chr.) als 
Totenbeigaben zusammen mit den Blättern der Nympliaea caerulea Sav. 

31. Physalis peruviana L., 

die „Kap-Stachelbeere", ein kleines zu den Solaneen gehöriges Kraut. Unter 
einer papierartigen, graugrünen Hülle sitzt eine gelbe, bis kirschgroße Beere, die 
säuerlich-süß und sehr aromatisch ist ; am ersten erinnert sie durch ihre vielen 
kleinen Samen an eine Stachelbeere. Etwa 1896 erhielt ich ein kleines Paket 
Samen vom Nyassa-See, wohin die Pflanze von Britisch-Zentral-Afrika eingeführt 
war. Von Kwai aus hat sie sich sehr bald im ganzen Usambara-Gebirge naturali- 
siert und ist ihrer Früchte wegen wohl geschätzt. Hier um Amani verschwindet 
sie letzter Zeit infolge des vielen Unkrautrodens etwas mehr, früher ward sie hier 
korbweise angeboten. 

Das Kraut stammt ursprünglich aus Süd- Amerika und ist jetzt sehr weit 
verbreitet ; auch in Süd-Frankreich pflanzt man sie, und in Paris sollen ihre Früchte 
geschätzt sein. In Peru heißen sie capuli, in Indien tipavi, tekari, mako oder maeao. 

In wenigen Jahren ist diese Pflanze hier so gemein geworden, daß man sie 
für einheimisch halten könnte. Offenbar passieren ihre Samen im geschädigt 
den Darm von Vögeln und anderen Wesen, so daß auf diese Weise die Ausbrei- 



. 



— u6 — 

tung zu erklären ist. Auch auf vielen anderen Stationen in Deutsch-Ost-Afrika 
ist sie nun verbreitet. 

32. Psidium Guayava (L). Raddi. 

Der Guajaven-Baum ist an der Küste, noch mehr in Zanzibar recht häu- 
fig, aber nicht verwildert, sondern nur bei den Siedelungen. Trotzdem die Art 
leicht durch Vögel verbreitet werden kann, ist sie nirgendswo weit von den Siede- 
lungen der Fremden, d. h. der Araber, Shirasi usw., zu finden. Es ist das wieder 
ein Zeichen, wie wenig der Neger Interesse und Befähigung für jede Kultur hat, 
die nicht in seinen Hackbau hineinpaßt. Er ißt die Früchte gern, sie zu bauen 
paßt seinem nomadenhaften Ackerbau nicht. So ist die Guayave auch im Innern 
meines Wissens nur bei den früheren Niederlassungen der Araber, wie Tabora, 
Urambo, Ujiji, Karagwe, Uganda und bei allen Stationen der Europäer zu finden. 

Der Baum wird allgemein mpera, die Frucht pera genannt. Auch in Indien 
sagt man pcyara, peru, perala, aber auch am und amrut. Dies letztere ist das 
arabisch-persische Wort für die Birne. Nach Burton's Angaben soll die Guayave 
in Zanzibar auch zeitun genannt werden. Ich habe das nie gehört, es ist der 
allgemein arabische Ausdruck für den Ölbaum; aber in Ost-Afrika auch für 
Sachen, die aus Süd-China kommen, wo die Araber im 13. — 14. Jahrhundert ihre 
auch von Marco Polo beschriebene Ansiedelung Zeitun bei Amoy hatten, nach 
der die alten Seladon-Teller von ihnen genannt werden, die man vor allem von 
dort in die arabischen Gebiete verhandelte. 

Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Pflanze aus dem tropischen Festland 
von Amerika stammt, etwa von Mexico bis Peru und Columbien, und von dort 
wurde sie nach De C an dolle's Meinung vor der Entdeckungszeit nach Brasilien 
verpflanzt. Es ist im höchsten Grade wahrscheinlich, daß die Portugiesen sie 
verbreiteten und meist nicht unter ihrem amerikanischen Namen guajava, sondern 
einfach als »Birnen« (pera die Birne, pcreira der Birnbaum). Sie werden sie 
auch nach Ost-Afrika gebracht haben, zuerst wohl nach Mombassa, wo sie gerade- 
zu verwildert ist, und nach Zanzibar. Kapt. Bissei erwähnt die Guajave 1799 
für Zanzibar. Loureiro hat sie ca. 1750 in Cochinchina verwildert gefunden, 
sie muß dort also mindestens schon Anfang oder Mitte des 18. Jahrhunderts, wahr- 
scheinlich aber früher eingeführt sein, denn um diese Zeit war die Vorherrschaft 
der Portugiesen lange vorbei. Das wahrscheinliche ist, daß sie sie im 16. oder 
17. Jahrhundert auch nach Ost-Afrika brachten. In Senegambien ist sie erst 1757 
durch Adanson eingeführt.*) 

Man kennt bei uns eine Sorte mit stark rotem Fleisch und eine mit gelb- 
lich-weißem. Die erstere wird in Amerika von den alten Autoren für die ur- 
sprüngliche Form, die weiße für die feinere und kultiviertere gehalten, und auch 

*) In Togo und auf der Goldküste ist sie unter dem amerikanischen Namen »goa« be- 
kannt, sicher von Portugiesen eingeführt. (Dietr. Westermann) Wenn goa nicht von der 
portugiesischen Hauptstadt in Indien abgeleitet ist? 



— ii7 — 

in Indien sagt man, daß die weißen einen weniger herben Beigeschmack haben, 
als die roten. Alle sollen besser schmecken, wenn man sie morgens früh ab- 
pflückt. Die Guayave wird hier meist nur 3 — 5 cm i m Durchmesser groß, erst 
von Amani aus ist eine edlere, (auch gelbe) Form eingeführt, die 5 — 6 cm groß 
wird. Man muß entschieden darauf hinzüchten, die Bäume, welche möglichst 
kernarme Früchte haben, zu vermehren und zwar durch Stecklinge oder Pfropfung. 
Die Frucht hat außer dem Apfelgeschmack immer einen adstringierenden Beige- 
schmack, der sie für manche wenig begehrenswert erscheinen läßt. Sie ist aber 
sehr gesund. Als Kompott eingekocht, nachdem man sie von den Kernen be- 
freite, ist sie recht angenehm, ebenso als Brei. In Amerika wird aus den Früchten 
das »Guava Jelly dargestellt, ein Gelee, das von den Engländern und Ameri- 
kanern hochgeschätzt wird und das einen recht großen Handelsartikel von Zentral- 
Amerika aus bildet. Ich bin überzeugt, daß man dieses auch in Deutschland 
als ein »Kolonial-Kompott« einführen könnte. Zu seiner Herstellung aber wird 
sich der kleine Ansiedler am besten eignen, der seine Obstanlagen übersehen 
kann und der seine Früchte eventuell an eine Fabrik abgeben kann, nachdem 
er sie primitiv eingekocht hat. Ich bin überzeugt, daß damit eine ganze Reihe 
von Ansiedlern eine Menge Geld verdienen könnten, wenn sie das Gelee richtig 
bereiten und klären. 

33. Psidium Cattleyanum Sabine. 

Die Erdbeer-Guajave ist ein kleiner Strauch, dessen Blätter viel kleiner 
als die von P. Guayana sind. Die nicht viel mehr als kirsch- oder olivengroßen 
Früchte, die wie die der Guajaven den vertrockneten Kelch an der Spitze tragen, 
haben eine bräunlichrötliche, etwas rauhe Haut, innen ein rötliches Fleisch, das 
zuerst säuerlich herb ist, vollreif aber einen ausgesprochenen Erdbeergeschmack 
hat. Auch aus ihnen läßt sich ein gutes Kompott herstellen. 

Die Art ist vom B. L. I. eingeführt und verbreitet worden. Sie trägt hier 
reichlich im Januar bis März. 

34. Psidium pumilum Vahl. 

ist ebenfalls durch das B. L. L in Amani und Mombo eingeführt worden. Von 
vielen werden die Früchte dieser Art denen der anderen vorgezogen. 

35. Punica granatum L. 

Der Granatapfelbaum wächst wild vom persischen Kurdistan bis zum nörd- 
lichen Indien, auch auf den griechischen Inseln, und er wird in diesen Gegenden 
seine Heimat haben. Er ist aber schon in prähistorischer Zeit in Kultur ge- 
nommen, so war er im alten Ägypten als tet bekannt, die alten Juden be- 
zeichneten ihn mit den Namen rimmon, und aus diesem altsemitischen Wort ist 
das arabische rimmon, rumman entstanden, nach dem die Portugiesen die Pflanze 
heute noch roma nennen. In Ägypten sagt man rimman, in Marokko rumman. 



— 118 — 

Der Granatbaum gelangte durch die Phönizier nach Carthago und wurde des- 
halb von den Römern malum punicum genannt nach den Puniern, von denen sie 
ihn kennen lernten. (Nach Wittmack in Pompeji abgebildet.) Die Griechen 
pflanzten den Granatapfel in der ältesten Zeit, bei Homer wird er roia, psidai 
(später rimmon) genannt, und der Apfel des Paris wird eine Granate gewesen 
sein, vielleicht auch der der Hesperiden. Auf Griechisch hieß die Frucht rhoa, 
deren Schale sidion, psidia. Der römische Ausdruck mala granata heißt einfach 
Apfel mit vielen Körnern, gerade so wie die Italiener heute mclagrana sagen. 

Auch nach Indien muß der Baum sehr früh gekommen sein. Aus dem 
Sanscritwort darimba ist dort das heutige darini, darininia, dalimba, dadam ge- 
worden, außerdem sagt man noch anar, madalai, u. a. m. 

Die Pflanze kommt in Zanzibar und an der Küste stellenweis vor, aber 
nicht sehr viel, und die Früchte werden nicht gut. Die Araber importieren des- 
halb jedes Jahr nach Zanzibar eine Menge Früchte von Maskat, wo auf dem 
Berge Gebel-el-akhzer nach Burton 's Angabe eine ganz besonders gute Sorte 
wachsen soll. Meistenteils sind hier wie auch in Europa die Granatäpfel und 
ihre Blüten mehr ein Genuß fürs Auge als für die Zunge. 

Der Baum heißt an unserer Küste mkomamanga. Mkoma ist ein Lokal-Name 
für die Dum-Palme (Hyp haena coriace a). Offenbar hat man an die äußere 
Ähnlichkeit der Früchte von der Palme und dem Granatbaum gedacht, als man 
diesen mit dem Namen »mkotiia von Maskat« bezeichnete, denn offenbar kamen, 
wie noch jetzt, in früheren Zeiten die ganzen Früchte von Maskat (manga) nach 
Zanzibar, so daß man diese eher als die Pflanze kennen lernte, die ja allerdings 
himmelweit von einer Palme verschieden aussieht. Bei den Früchten mit ihrer 
rotbraunholzigen Schale kann man allerdings eine gewisse äußere Ähnlichkeit von 
beiden nicht verkennen. Außerdem nennt man die Pflanze noch in Lamu und 
bei den Wapokomo kutkumani, ein Wort, das wahrscheinlich aus der Verdrehung 
des arabischen rumman entstanden ist. In Süd-Togo heißt sie aboda. (Wester- 
mann). 

Bei den alten arabischen Siedlungen in Tabora, Kafuro, Uganda usw. ist 
der Baum zu finden. Sehr üppig wachsend habe ich ihn nirgends gefunden, 
und hier in Amani kümmert er. 

Die Leute essen die Früchte gern, benützen auch die Schale zum Gerben, 
und wenn ich nicht irre, kennen die Araber auch die Eigenschaft des Wurzel- 
rindendecoctes, die Bandwürmer abzutreiben. 

In Senegambien scheint erst Adanson 1757 den Baum eingeführt zu haben, 
aus Zanzibar wird er 181 1 von den Offizieren der englischen Kriegsschiffe »Ternate« 
und »Sylplv erwähnt, »sie seien dort selten und von den Arabern eingeführt ge- 
wesen«. Ich glaube mangels weiterer Angaben annehmen zu müssen, daß der 
Granatbaum erst durch die Maskat-Araber und wahrscheinlich nicht vor dem 
18. Jahrhundert in Zanzibar eingeführt wurde. 

Irgend eine wirtschaftliche Bedeutung kommt ihm nicht zu. 



— ii9 — 

36. Spondias dulcis Forst. 

Der Cythere-Apfel, süße Monbinpflaume. Es ist ein kleiner Baum, der 
auf den Gesellschafts- und Freundschafts-Inseln, sowie auf Fiji heimisch ist. Als 
Cook die Inseln entdeckte, nährten sich die Eingeborenen von diesen Früchten, 
die sie eui oder hevi nannten. Unter diesem Namen war er auch zeitweise in 
Reunion bekannt, doch findet man dort mehr die Bezeichnung »Pomme-Cythere«. 
Im angelsächsischen Nordamerika nennt man die Frucht »spanish plum«, in 
Ost-Indien amara, umira, ebenso wie die nahe verwandte in Indien heimische 
5. mangifcra Willd. 1782 ist der Baum in Jamaica eingeführt und von da 
nach San Domingo gebracht. Nach Ostafrika haben ihn meines Wissens zuerst 
die französischen Missionare (»schwarzen Väter«) von Reunion, von wo aus sie 
nach Bagamoyo und Zanzibar kamen, gebracht. Ich habe schon 1893 die Früchte 
auf der Mission in Morogoro gegessen. Sie waren aber wohl dahin eingemacht 
von Bagamoyo gesandt. Später ist der Baum dann noch nach Daressalam, Mombo 
und Amani gebracht worden. 

Die Samen sollen ziemlich schwer keimen, weshalb man die Pflanze in 
Indien meist durch Propfung auf 6". mangifcra vermehrt. Die eiförmige Frucht 
wird 1 Pfund schwer. Die Rinde hat einen Terpentingeschmack, das Fleisch ist 
recht angenehm säuerlich aromatisch, jedoch wird der Genuß gestört durch die 
vielen starren Fasern, die vom Kern ausgehend das Fleisch durchsetzen. 

37. Spondias lutea L. 

Die gelbe Monbin-Pflaume ist im tropischen Amerika, Java und Westafrika 
angebaut unter dem Namen Jiobo, jocote, Schweinspflaume, muguengc, in Guinea 
als adodomi. Die Frucht ist ähnlich der vorigen, hat aber wenig Fleisch. Sie 
ist wohl von Amerika aus verbreitet worden. Nach S ch wein für th und Em in 
ist der Baum auch in der Äquatorialprovinz vorhanden. In Amani haben wir 
einige Exemplare. 

38. Tamarindus indica L. 

Die Tamarinde, ein hoher Baum mit gefiederten graugrünen Blättern und 
sehr dichter Krone. Die gelblich-rot gezeichneten Schmetterlingsblüten stehen 
in endständigen Trauben. Die Frucht ist eine längliche, nicht aufspringende 
Hülse, die halbmondförmig gekrümmt und durch Anschwellen der Samen etwas 
gegliedert ist. Außen hat sie eine dünne, braune Hülle, unter der noch eine 
dicke holzige Schale liegt. Im Inneren sind die schwarzen rundlichen Kerne, 
von Fasern und einer breiigen Masse umgeben, die süß-säuerlich ist. 

Die Tamarinde ist jetzt durch die Tropen beider Erdhälften verbreitet, aber 
meistens wohl angepflanzt. Man meint im allgemeinen, daß sie ursprünglich nur 
in Afrika heimisch ist, jedenfalls findet sie sich hier heute wild in der ganzen 
Zone der nicht zu trockenen Savannen ; sie fehlt in den Ländern mit feuchtem 
Urwald und in den ganz trockenen Steppengebieten. So kommt sie im Sudan, 



— 120 — 

der Äquatorialprovinz, in Abessinien vor, nicht aber in den feuchten Ländern 
von Mombuttu, Niamniam, in Uganda und meines Wissens auch nicht in dem 
Zwischenseengebiet. Im ganzen Küstenland ist sie häufig, am meisten wohl am 
Fuße der Gebirge. So stehen z. B. bei Mombo sehr schöne Bäume. 

In Nordindien scheint sie nur kultiviert vorzukommen ; aber die uralte Be- 
kanntschaft der Indier mit ihr und das Vorhandensein alter Sanscritnamen in 
Verbindung mit der Tatsache, daß sie hier bei uns recht wenig ausgebeutet wird, 
in Indien aber eine sehr wichtige Nutzpflanze darstellt, und der allgemeine Um- 
stand, daß anscheinend keine oder nur sehr geringe Kulturströme von Afrika 
nach Indien gegangen sind, läßt mich vermuten, daß der Baum auch in Indien 
seine Heimat hat. Es ist kaum anzunehmen, daß in alter Zeit die Indier ihn 
von hier bezogen haben, daß sie auf einen hier wild wachsenden Baum aufmerk- 
sam wurden, den die Neger wenig benützten, den sie jedenfalls niemals kultivieren. 
Watt vermutet, daß die Tamarinde vielleicht auch in Südindien wild sei ; ich möchte 
mich dem anschließen und meinen, daß sie in dem indo-afrikanischen Steppen- 
gebiet heimisch war, so wie etwa Zizyp Jius Jujuba. In Indien hat man dann 
ihren Nutzen erkannt und sie kultiviert ; in Afrika aber wird sie recht wenig be- 
nützt, nie angebaut, und nur im Bereich der Indier und Araber sammelt man 
die Früchte etwas mehr und verkauft sie auch ; sonst werden sie nur hier und 
da von einigen Negern zur Bereitung eines kühlenden Trankes benützt. Man 
sammelt auch wohl ein wenig, wenn man gerade kein Geld hat, in der Hoffnung 
bei einem Indier etwas Barmittel dafür zu erhalten. Anders ist es schon, 
wo wie im Sudan ein arabisches Kulturferment in die Neger kam, dort wird die 
Tamarinde wenigstens von allen etwas arabisch angehauchten Leuten gern benützt. 

Es ist nun sehr auffallend, daß weder die alten Ägypter noch das klassische 
Altertum Kenntnis von diesem Baum hatten.*) Sie haben doch gewiß Nordwest- 
Indien und den Sudan gekannt. Ich kann nur annehmen, daß zu jener Zeit 
eben in Nordwest-Indien die Tamarinde noch nicht bekannt war, sondern nur in 
Süd-Indien, und daß man sie in den reinen Negerländern des Sudan damals nicht 
anzuwenden verstand. 

In Indien wird die Tamarinde genannt auf Sanscrit tindili, tentrami, ambia, 
amlika, in den heutigen indischen Sprachen antli, inibi, teter, tinturi, tintil. chincha, 
im Malayischen puli, balam, auf arabisch tamar-tC l-hindi, liumar, sabara, umbli, 
auf persisch anbahlah, tamv-i-Jiindi, (thamar). 

Die Swahili der ostafrikanischen Küste nennen sie mkwadju, mkiuaju, die 
Wamakonde mkwedu, die Wanyamwezi mshishi, die Wamahua mwepa, die 
Wahiyao mkwczu, die Massai ali-mivasamburogi, ol-massambreci, masiumira, die 
Wagogo musisi, die Wahehe munjari. 



*) Allerdings soll nach Wittmack's Angaben eine Tamarinde auf den Wandgemälden 
in Pompeji erkannt worden sein und nach Brezl soll Theophrast den Baum von der Baharein- 
Insel Tylos im persischen Golf beschrieben haben nach den Schilderungen von Alexander's 
Admiral Androsthenes. (Brezl, Botanische Forschungen des Alexander-Zuges Leipzig 1903.) 



— 121 — 

Die Haussa sagen sainia, die Fulbe djebe, die Madagassen madiro. In 
Abessinien sagen die Tigrinja und Amhari hommar, die Tigre aradeb, käse. 

Die Tamarinde wird schon in der Sanscrit-Literatur als Medizin erwähnt. 
Von Indien haben die Araber und Perser ihre Kenntnis der tamar-liindi, der in- 
dischen Dattel, erhalten und die Araber haben offenbar ihre Wissenschaft davon 
in das Abendland verbreitet. Jedoch scheint man den Baum selbst lange nicht 
gekannt zu haben und nannte das Tamarindenmus, das zu braunen Kuchen ähn- 
lich wie die Datteln zusammengepackt war, eben dieses Aussehens wegen »in- 
dische Datteln«. Erst Ibn Batair wußte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhun- 
derts, daß der Baum in Indien, Bassora, Oman und Yemen wüchse. Die medizi- 
nische Schule in Salerno nannte unsere Früchte »Sauerdatteln«, dactyli acetosi, 
palniae acidae. Erst die Schriftsteller, die über Indien aus eigener Anschauung 
berichten, wie Garcia del' Orto und Acosta, beschreiben den Baum, der sich 
mit der zunehmenden Kenntnis des Orients und der Entdeckung Amerikas sehr 
rasch verbreitete, so daß er schon 1570 in Mexiko, 1648 in Brasilien erwähnt wird. 

Die Ausfuhr der von den Schalen, den Kernen und von einem Teile der 
Faserstränge befreiten Früchte aus Indien ist eine ganz bedeutende, der Bedarf 
von Europa wird meistens von Calcutta aus gedeckt, die Vorräte von Bombay 
sollen großenteils nach dem persischen Golf und nach Arabien gehen. 

Es ist merkwürdig, daß von. Ost-Afrika aus bisher noch nichts von dieser 
Substanz versandt wurde, wo der Baum doch nicht selten ist und viele Früchte 
trägt. Meist mit allen Kernen und viel Schmutz vermengt, kommen zwar kleine 
Mengen hier bei den Indiern auf den Markt, aber nur für den örtlichen Bedarf. 
Es würde der Mühe wert sein, wenn ein deutscher Kaufmann sich der Drogue 
einmal annähme, sie wie in Calcutta zubereiten ließe und an den deutschen Markt 
schickte. In Indien werden die Früchte einfach von den leicht trennbaren Schalen, 
den Kernen und den gröbsten Fasersträngen befreit und zu einer zähen, bräun- 
lichen, fast schwarzen Masse, eventuell mit Hilfe von etwas Seewasser zusammen- 
geknetet und in Ballen oder Säcke verpackt. Es sind die »Tamarindi« oder 
»Fructus (Pulpa) Tamarindorum« des Handels. In England sind mehr die west- 
indischen Sorten beliebt, die hellbrauner, schleimiger und weniger zusammen- 
hängend sind, auch weniger sauer, und denen oft Zucker zugesetzt ist. Sie werden 
von den westindischen Inseln und wahrscheinlich auch von Guayaquil in Fässern 
ausgeführt. 

In Hamburg kostet die Ware von Calcutta 26 — 28 Mark pro 100 Kilo. 
Zum Versuch ließ ich im Oktober 1907 in Mombo 566 Kilo Früchte ernten, 
was 6,30 Rp. kostete, das Enthülsen, bei dem 306 Kilo Pasta (Fleisch u. Kerne) 
und 200 Kilo Schalen gewonnen wurden, kostete 4,90 Rp. (Arbeitslohn 0,35 Rp. 
pro Tag), so daß die 306 Kilo netto mit Bahnfracht nach Tanga (Rp. 3,10), 
Verpacken und alle anderen Unkosten in Tanga 19 Rup = 25,33 Mark kosteten. 
Leider genügte die Qualität den Bedürfnissen des Hamburger Marktes nicht, sie 
war fast unverkäuflich, weil zu viel Kerne usw. darin enthalten (höchstens 10% 



— 122 — 

sind erwünscht) und die Pulpa braun anstatt schwarz war. Auch soll des Wurm- 
fraßes wegen die Verpackung in Fässern besser als in Matten sein. 

39. Terminalia Catappa L. 

Der indische Mandelbaum. Dieser schöne Baum ist an den Küsten von 
Madagascar und den malayischen Inseln heimisch, wird aber überall im Bereich 
des indischen Ozeans kultiviert, stellenweis ist er an den Küsten auch wohl ver- 
wildert, weil seine Samen durch die Meeresströmungen verbreitet sind. Bei uns ist er 
wohl nur angebaut, überall findet man ihn gerne als Alleebaum. Seine quirlig 
in Etagen angeordneten Zweige tragen große, glänzend grüne Blätter, die von 
den Banianen- Indiern als Teller benützt werden. Vor dem Abfallen wird das 
Laub purpurrot. Die etwa walnußgroßen Früchte sind grün, bikonvex und ent- 
halten unter der hartfieischigen Schale einen mandelartigen großen Kern. Die 
Eingeborenen verzehren meistens nur die sehr gerbstoff haltige äußere Schale, 
deren innerer Teil carmoisinrot ist. Für Europäer ist höchstens der Kern ge- 
nießbar, der unter seiner steinharten Schale eine Art von Mandel hat. 

Ich höre, daß der Handel sich für die Kerne als Surogat der Mandeln 
interessiert. Man sollte einmal eine Versuchssendung machen. (Vergl. auch unter 
Ol- und Fettpfianzen). 

Der Baum heißt bei den Malayen katappa, auf Sanscrit ingudi, in Indien 
badami, jangli-badami, bei den Persern badame-hindi. Die Creolen auf Reunion 
nennen ihn badamicr. Alle diese Worte heißen »Mandel«. 

Bei uns an der Küste sagt man nikungu. Ebenso werden in Usambara die 
Kerne der Te Ifairia pedata genannt sowie die B re xia m adagas ca ricnsis 
(mkungu rufu), deren Kerne beide gegessen werden. Wahrscheinlich nannte 
man die eingeführte Terminalia nach der heimischen Te Ifairia , deren Pflanze, 
eine Klettergurke mit Riesenfrucht — , zwar völlig verschieden von der 
Terminalia aussieht, deren Kerne beide aber ölhaltig und wie Mandeln genieß- 
bar sind. Allerdings wird auch Guettardia sp eciosa L. mkungu genannt, es 
ist ebenfalls ein Strandbaum. 

Die Blätter der Terminalia werden in Daressalam von einer Psychiden- 
Raupe angefressen, die aus ihnen runde Stücke herausschneidet, mit denen sie 
ihr Gehäuse baut. 

40. Syzygium owariense Benth. 

Dieser von den Negern an der Küste »mzamberau^ genannte Baum, der 
viel wild bei uns vorkommt, ist zwar für die Europäer kaum unter die Frucht- 
bäume zu rechnen. Die etwas länglichen Früchte gleichen kleinen Zwetschen 
oder großen Oliven und sind dunkel-violett gefärbt. Die Farbe setzt sich durch 
das ganze Fruchtfleisch fort, das den länglichen Kern umgibt, so daß die Neger 
einen Extrakt daraus oft zum Färben benutzen. Die Frucht schmeckt schlehen- 
artig zusammenziehend, und nur die Eingeborenen können in dem fruchtarmen 



— 123 — 

Inneren von Afrika Geschmack daran finden. Vielleicht könnte man einen Alkohol 
daraus destillieren. 

Der Baum mit seiner schönen Krone von länglichen, dunkelgrünen Blättern 
ist im ganzen tropischen Afrika verbreitet. Er heißt an der Küste msamberau, 
mthamberao, in Unyamwezi msafwäh, bei den Kaffern mgamberan. Die Haussa 
nennen ihn assäre, die Fullah dilmarc. 

Ich führe ihn hier auf, weil man manchmal ihn verwechselt mit dem in 
Südasien kultivierten S. jfambolanum, dem jaman i jam, jamun-phalinda der 
Indier, dem jambu, jambula des Sanscrit, dessen Früchte aber den Beschreibungen 
nach auch nicht sehr gut sind (vergl. oben unter J ' a mb o s a vulgaris Seite 105). 

41. Vitis vinifera L. 

Der Weinstock ist wahrscheinlich zuerst in den Ländern von Vorderasien 
südlich vom schwarzen Meer in Kultur genommen worden, war aber wohl in ganz 
Mitteleuropa in junggeologischer und vorhistorischer Zeit wild. Die Kultur breitete 
sich in vorhistorischer Zeit aus, einerseits nach Europa, wo man Reste der Kerne 
aus den Pfahlbauten von Parma und Varese fand. Das ganze Altertum kannte 
den Weinbau als eine uralte Kultur. In die semitischen Länder ist er anderer- 
seits ebenfalls in vorhistorischer Zeit gelangt, im alten Ägypten nannte man die 
Traube elel, er er, das Getränk arp. .Aus den persischen Bezeichnungen stammt das 
illyrische vaina, das armenische voino, das arabisch-äthiopische ivain*) und das 
altgriechische oinos, ebenso wie das lateinische vinum ab. Wahrscheinlich stammt 
auch die Dionysos-Sage aus Vorderasien (Thracien-Phrygien). Die Araber bauten 
in vormohammedanischer Zeit den Wein und kelterten ihn, im Schiras wuchs 
eine berühmte Sorte, jetzt hat das religiöse Gesetz das Keltern verboten, aber 
der Rebstock dalji, aubali. zardscliun, die Traube iuab, hieb und die getrockneten 
Beeren kishmish, zabib, sind noch immer sehr beliebt. Und nach dem arabischen 
Wort zabib für die Rosinen nennt man sie stellenweis heute noch, in Italien 
zibibbo, in Deutschland Zibcben; sonst heißen sie in den romanischen Sprachen 
uva passet. 

Ebenfalls nach Indien kam der Weinstock in vorhistorischer Zeit, die Traube 
heißt im Sanscrit draksJia. Heute noch baut man ihn dort im Norden, berühmt 
sind die Trauben von Kaschmir. 

In Ostafrika wird der W T einstock mzabibu genannt, also mit dem arabischen 
Namen für die Rosinen bezeichnet. Es ist klar, daß die Araber eben die Rosinen 
als Handelsartikel herbrachten, daß diese deshalb hier zuerst bekannt wurden. 
Sie werden in recht ordinären, stengelhaltigen Sorten noch heute vom persischen 
Golf und Maskat, auch von Indien hier eingeführt. 

Später wird man aus den Kernen der Rosinen hier und da auch Pflanzen 

*) Ägypten 'inib, das Getränk nbid, in Marokko die Traube c/iaö, in Algier bei den 
Arabern dalia, bei den Tuareg tara, azerbour, in Abessinien auf Amhari ueine, auf Tigrinja 
ueini, woini. 



— 124 — 

gezogen haben, aber sie gedeihen nicht besonders bei uns. Die ersten hatte 
wohl der Sultan in seinem Garten in Zanzibar, sie geben bei vieler Pflege leid- 
lich genießbare Trauben und zwar weiße und rote ; aber es werden auch jähr- 
lich frische Trauben als Delikatesse für die Araber und Indier von Bombay ein- 
geführt. Die »Weißen Väter« hatten in ihrem Garten in Zanzibar recht gute 
Trauben, deren Samen sie aus Algier bezogen hatten, die Benediktiner ebenso 
auf Kunazini bei Daressalam. 

Später kultivierten wir dann Reben in Kwai, wo die Pflanzen in der kalten 
Zeit die Blätter warfen und so die zu ihrem Gedeihen nötige Ruhe bekommen. 
Es wurden recht geschmackvolle Trauben aus italienischen Reben gewonnen und 
später auch noch eine ganze Anzahl besonders empfohlene amerikanische Reben 
(vom Kolonial- Wirtschaftlichen Komitee gesandt) kultiviert. Aber die Reben litten 
sehr unter der Pcvouospora und waren sehr mühsam zu behandeln. Und da 
es sich um keine rentable Kultur handelte, hat man mit der Zeit sie wieder 
ziemlich aufgegeben. Hier in Amani kommen die Reben recht kümmerlich, ruhen 
zwar auch in der kühlen Zeit, werden aber sehr von Käfern heimgesucht, die 
die Blätter anfressen. 

Vor einer Reihe von Jahren versuchte ein Franzose namens L a n c o n , der 
in Tunis große Weingüter angelegt hatte, auf den Bergen oberhalb von Segoma, 
östlich von Ostusambara, Reben im großen zu ziehen ; er meinte, wenn die wilden 
W'einarten der Gattungen Cissus und Amp c lop sis hier gut wüchsen, müßte 
dies auch mit den europäischen der Fall sein. Aber das Unternehmen schlug 
ganz fehl und wurde verlassen. Der Wein kommt auch in Indien ebenso wie 
die europäischen Obstsorten meines Wissens nur da vor, wo ein ausgesprochener 
Winter herrscht, zum Gedeihen braucht er eben die Saftruhe. Hier und da 
wird man bei uns als Kuriosität, und weil jemand Freude daran hat, mit vieler 
Mühe Wein ziehen können, wie es auch auf den Bergen in Indien, in Timor und 
Luzon geschieht, man wird, wenn er gegen die Pcronosp ora regelmäßig mit 
Bordeauxbrühe bespritzt, auch Trauben erhalten, aber wirtschaftliche Wichtigkeit 
wird die Rebe kaum erlangen, wie sie das in Südafrika hat. 

Nach Saccleux's Angaben sollen die wilden W T einarten folgende Namen haben: 
A in p eloe i s s u s a s ar i/o Ha B a k mzabibu m witu, 
A. Grantii Bak in Usegua mtougotongo, 
A. sp. mwangire. 

42. Zizyphus Jujuba Lam. 

Jujubendorn, Brustbeerenbaum. Ein kleiner Baum oder Strauch mit 
kleinen meist paarweis stehenden und oft hakig gebogenen Stacheln und sehr 
variablen, unterseits hellwollig behaarten Blättern. Die etwa kirschgroßen, gelben, 
runden Früchte sind fleischig-mehlig und haben etwas Apfelgeschmack. In ihnen 
sitzt ein ein- bis zweifächriger, runzliger und etwas spindelförmiger Stein. 

Die Pflanze ist von Süd-China an durch das ganze südliche Asien, Afga- 



— 125 — 

nistan, im wärmeren Australien und im tropischen Afrika verbreitet. Vielfach ist 
sie angebaut in Arabien, Ägypten und den östlichen Inseln des malayischen 
Archipels, vielleicht sogar erst in ziemlich neuer Zeit. Es scheint, daß sie sehr leicht 
verwildert und sich ganz naturalisiert. Es ist deshalb sehr schwer, ihre ursprüng- 
liche Heimat zu ergründen, De Candolle nimmt Süd-Asien für ihren Urwohnsitz 
an, kannte aber damals noch nicht ihre äußerst weite Verbreitung in Afrika, 
wo sie mit allen Zeichen der Spontanität von Senegambien bis Angola, vom 
oberen Nil bis Mossambik sehr häufig ist. Prof. Uhlig sammelte sie mitten im 
Massai-Land. Es ist sehr wahrscheinlich, daß ihre ursprüngliche Verbreitung 
sich im ganzen Bereich der indo-afrikanischen Steppenflora befand und daß sie 
stellenweis domestiziert wurde. Hier bei uns an der Küste habe ich die Pflanze 
immer nur als wild angesehen, auch wenn sie einen fremden Namen hat. Der 
Name mkunazi wurde ihr von den persischen Kolonisten gegeben, die die Art 
von ihrer Heimat aus kannten und die ihnen auffiel, nicht nur, weil die Früchte 
genießbar sind, sondern wohl noch mehr, weil sie bei religiösen Zeremonien der 
Mohammedaner eine Rolle spielt. Die Blätter werden nämlich mit Wasser zu- 
sammen zerquetscht, und mit dieser hier swadri genannten Lösung werden die 
Leichen vor dem Begräbnis gewaschen, ein Gebrauch, den auch Burton erwähnt. 

Es ist sehr gut denkbar, daß die Verbreitung der Pflanze in den Ländern 
mohammedanischen Glaubens diesem Gebrauch zuzuschreiben ist. 

In Indien wird sie ber, bor, im Sanscrit badari, kola, auf Arabisch sidr, 
nabiq, nebk, unnah, auf Persisch kunar genannt, und es ist anzunehmen, daß 
dies persische Wort kunar den Ursprung für das Swahili-Wort kunazi gegeben 
hat, denn wir wissen, daß mit die wichtigste Kolonisation in der alten Zeit vom 
persischen Golf ausging. Die Ankömmlinge werden aber die Pflanze hier schon 
wild vorgefunden haben und durch den Einfluß des Mohammedanismus hat sich 
das fremde Wort gegenüber der sicher vorhanden gewesenen einheimischen Be- 
zeichnung Geltung verschafft. Leider kenne ich sonst, außer dem kclcmbo der 
Wanyamwezi keine Bezeichnung der Binnenländer für diese Pflanze, die nicht 
viel Beachtung von den Reisenden gefunden hat. Die Haussa sagen kura, die 
Kanuri kussülla, bidtabc. Z. Jujuba wird in Abessinien von den Tigrinja 
abbatJiere, geivivartqi, von den Somali dorn, Z. Spina Christi von Tigrinja 
gobba, geivwa, von Tigre gaba, qulqullu, kössili, kussera, von den Sabo kussuri, 
halä, von den Arabern in Algier zegzeg, zefzef, von den Tuareg abaqa genannt. 

Z. vulgaris soll in Algier onnab, Z. liotus dort bei den Arabern seder, 
sedra, bei den Tuareg tazoura, tazzougart, tabaket heißen. 

Dieser Dornstrauch ist so häufig, daß oft Ortschaften nach ihm benannt 
werden, so heißt z. B. die Missionsstation der Benedictiner bei Daressalam Kunazini 
nach der Kunazi-Pflanze. (Nicht Kulasini, wie man viel schreibt). 

Aus dem Judas-Dorn soll die Christus-Krone geflochten sein, seine Früchte 
sollen in der Kyrena'ika und auf der Insel Djerba den »Lotophagen« als Nahrung 
gedient haben. 



I2Ö — 

Anhang. 

Einige ganz neue Einführungen mögen hier nur kurz erwähnt werden. 

Doryalis (Dovyalis) hebecarpa Warb., ein kleiner aus Ceylon 
stammender Fruchtbaum, verwandt mit den südafrikanischen Sorten D. rham- 
noides und D. rotundifolia, den Zuurebesjcs der Capholländer und dem 
D. Caffra, dem dortigen »Kai-appel«. Die obige Art hat in Amani noch keine 
Frucht getragen. 

Flacourtia Ramontchii F Her. Die Madagascar-Pflaume, der Mada- 
gascar- Apfel aus Madagascar und Ost-Indien, batoka- Pflaume von Zambezi hat in 
Amani noch nicht getragen. Ihre Früchte sollen eßbar sein, wenn man sie vor- 
her zwischen den Fingern knetet. Dasselbe ist der Fall mit der 

F laeourtia catap hracta Roxb. (Fl. Jangomas Steud), die in Indien 
talisputri, paiiiala, in Java lovilovi heißt. 

Flacourtia sapida Roxb. ist der boo incli, botuchec, bincha der Indier, 
oogoorassa der Singhalesen, swaadoo-kuntuka des Sanscrit. Die rotschalige Frucht 
soll Pflaumengröße erreichen und im Geschmack an Stachelbeeren erinnern. In 
Amani hat sie noch nicht getragen, ebensowenig die Fl. Ruk am Zoll et Mor 
aus Hinter-Indien. 

JEriobotrya Japonica Linde. Die japanische Mispel oder Loquat, 
von den Franzosen bibasse, von den Engländern Japanplum genannt, wächst bei 
uns an der Küste, hat aber dort noch nie Früchte getragen. In West-Usambara 
dagegen bringt sie auch Früchte, die im Oktober reifen (Garten in Wilhelmsthal). 
Die Exemplare in Amani sind noch nicht tragfähig. Wir erhielten die ersten Samen 
1900 aus Reunion, wo sie massenhaft gebaut wird, aber kleine, unscheinbare Früchte 
trägt. Später bekamen wir auch noch Pflanzen von Neapel, die hoffentlich einer 
besseren Sorte angehören und zum Pfropfen der übrigen benützt werden können. 

Ho venia dulcis Thiimb, der Sika von Indien ist dort, in Nepal, China, 
Japan heimisch. Die in Amani haben noch nicht Früchte getragen. Die kleinen, 
trockenen erbsenartigen Früchte sollen wie bei Anacardium auf einem fleischig 
werdenden Fruchtstiel sitzen, der angenehm schmecken soll. 

Chrysophyllum Icaco L. ein Strauch oder kleiner Baum, der ursprüng- 
lich aus Amerika stammt, die Cacao-Pflaumen von West-Indien. Die einsamigen, 
2—2 V2 cm großen Früchte sind weiß oder rosa, bei einigen Sorten auch schwarz. 
In Daressalam ist sie ca. 1896 eingeführt, ein Exemplar steht dort neben der 
Gärtner-Wohnung. Die Frucht schmeckt sehr dürftig. 

Prunus JPuddum L., die pajjapaddam von Nordwest-Indien soll bittere 
kleine Früchte haben. In Amani haben sie noch nicht getragen. 

Cyphomandra betacea Sondt, eine fast baumartige Solanee, aus Bra- 
silien stammend. Die Samen erhielt ich 1901 in Süd-Indien. Die Pflanze ist 
jetzt auf den Pflanzungen in Usambara ziemlich oft zu finden. Die pflaumen- 
großen, violettroten Früchte schmecken angenehm, sowohl roh als auch beson- 
ders wie Tomaten geröstet. Man nennt sie Baumtomate. 



— 127 — 

Averrhoa Bilimbi L., der Bilimbi ist ein kleiner Baum oder großer 
Strauch, aus dessen Stamm oder Asten unmittelbar die gelblich grünen, etwa 
fingerlangen, gurkenartigen, stark säuerlichen Früchte hängen. Er stammt aus 
Amerika, wie man mit Hooker jetzt annimmt, ist aber jedenfalls sehr früh durch 
die Portugiesen nach Indien gebracht, wo man ihn viel als bilimbi, belambu, 
blimbi, blimbu, anvidla kultiviert. Es wird sogar ein Sanscrit-Name kamranga 
dafür angegeben, möglich aber, daß dieser sich auf eine andere Frucht bezog. 
Die Singhalesen nennen sie bilin, die Malayen blimbing-basi. Ich brachte den 
Samen 1900 aus Reunion. Die Pflanzen gaben im November seit einigen Jahren 
Früchte, die aber eigentlich nur mit Zucker gekocht genießbar sind. Bley er- 
wähnt, daß Sir John Kirk den Baum in Zanzibar einführte, wo die Leute ihn 
mkwadju-ya-kiziaigu, also europäische Tamarinde nennen. 

Averrhoa Carambola L. hat ebenso wie der Bilimbi Fiederblätter, 
entwickelt seine Früchte aber an den Zweigen. Sie sind 8 — 10 cm lang, bern- 
steinartig — gelblich durchscheinend und mit 4 — 5 breiten Längsrippen versehen. 
Auch diese Art stammt aus Süd-Amerika und ist früh durch die Portugiesen nach 
Indien gebracht, wo man sie kamaranga, kamurk, karmal, karanbal, khamrak nennt, 
bei den Tamilen tamartaru, bei den Malayen blimbing-manis . Die Frucht schmeckt, 
wenn ganz reif, auch in rohem Zustand, ist erfrischend und hat einen sehr feinen 
Geruch. Besonders angenehm ist sie zerschnitten mit etwas Zucker eingemacht, 
sie schmeckt dann bald nach Stachelbeeren, bald nach Mohrrüben, je nach dem 
Reifezustand. Wir bekamen die Samen aus Reunion 1900, in Mombo tragen 
die Bäumchen vom Februar bis Mai reichlich Früchte. 

Vangueria edulis Valll, ein hoher, sparriger Strauch mit pflaumen- 
großer Steinfrucht ist wild in Madagascar und dem tropischen Afrika. Die 
Wanyamwezi nennen die Frucht cinampia. In Madagascar heißt er i'oa-vanga, 
in Bombay abü. In Amani hat der Strauch noch nicht getragen. 

Monstern deliciosa Lieb. Diese prachtvolle Kletterpflanze mit den 
enormen, fensterförmig durchbrochenen Blättern wächst in Amani und Mombo 
recht gut und hat in letzterem Orte auch schon während der warmen Jahreszeit 
ihre tannenzapfenförmigen Früchte gereift. Die Pflanze stammt ursprünglich aus 
Zentral-Amerika und Mexico. Wir bekamen sie aus Reunion 1900. 

Sandorieum indieum Cur., der falsche Mangustan, ist in Süd-Indien, 
Hinter-Indien, auf den Molukken und Philippinen zu Hause. Seine orangegroßen 
Früchte sollen ein säuerliches Fleisch. von eigenartigem Geruch haben. In Amani 
hat er noch keine Früchte getragen. 

Verschiedene Versuche sind in Ost-Afrika mit der Anpflanzung von euro- 
päischen Fruchtbäumen gemacht, die ich hier kurz erwähnen möchte. 

Amygdalus communis L. Der Mandclbaum wurde vor fast 10 Jahren 
in Kwai eingeführt und trug dort auch leidlich Früchte, die Bäume hatten aber 
kein freudiges Wachstum. Die in Amani stehenden kümmern, trieben nur kläg- 
lich Blätter und noch nie Blüten. Es mag sein, daß der windige Standort ihnen 



— 128 — 

nicht zusagt, aber viel Aussicht für ihr gedeihliches Fortkommen ist nicht vor- 
handen. Die Mandel will eine kurze aber gründliche Winterruhe, Abwerfen der 
Blätter und Treiben der herrlichen rosa Blüten in den kühlen Frühlingsmonaten 
haben. Nur Gegenden, die kühl genug werden und nicht viel Regen haben, 
kämen für sie in Betracht, vielleicht die höher gelegenen Teile von Uhehe und 
vom Zwischenseengebiet. Auch in Indien kommt dieser Baum nicht sehr gut, 
man bezieht die Früchte aus Persien und Afganistan, wo der Baum heute noch 
wild vorkommt. Die Mittelmeerländer haben die Kultur der Mandel wohl aus 
Vorderasien erhalten. In Ost-Afrika werden sie mit dem arabischen Namen losi 
(Ägypten lauz, Syrien loz) bezeichnet und nicht mit dem indisch-persischen badam. 
Sie kommen hier in den Handel nicht so stark abgeraspelt wie in Europa, sondern 
als dickschalige Früchte und zwar meines Wissens nur süße. 

Prunus p er sica L. Der Pfirsich ist ebenfalls in Kwai vor 10 Jahren 
und vor kurzer Zeit in Amani eingeführt. Er treibt üppig Blätter in Amani, 
hat aber noch keine Früchte angesetzt. In Kwai waren einige nicht sehr schöne 
Früchte. Die Bäume stammten aus Neapel. Wie bei allen europäischen Obst- 
bäumen scheint auch hier eine Winterruhe die Bedingung guten Gedeihens zu 
sein. Der Pfirsich stammt ursprünglich aus China, ist vielleicht aber auch am 
südlichen Himalaya und in Persien wild und wurde früh in die Mittelmeergebiete 
eingeführt, ist er doch auf pompejanischen Wandgemälden zu sehen. In Indien 
und Persien wird die Frucht arü genannt, in Tunis khoukha, chucha. 

Prunus armeniaca L., die Aprikose stammt wahrscheinlich aus Tur- 
kestan, Süd-Manschurei, Mongolei und vom Himalaya und nicht aus Armenien. 
Aus Italien eingeführte Bäume wachsen hier in Amani recht kümmerlich, meines 
Erinnerns hatten sie schon vor 1 5 Jahren in Morogoro auf der katholischen 
Missionsstation ganz kleine, recht geschmacklose Früchte. In Persien werden sie 
viel als misdimisch gezogen, ihre Früchte kommen getrocknet auf den Markt, 
manchmal auch bis Zanzibar. 

Prunus Ccrasus L. Die Sauerkirsche wie P. avium L. } die Süßkirsche 
haben zwar in Kwai einige Früchte getragen, sind aber ebenfalls für hier unge- 
eignet. Wenn wir auch in der Schule lernen, daß Lucullus die Kirsche von 
Kleinasien aus nach Italien gebracht, so haben die Forschungen doch gelehrt, daß die 
Süßkirsche schon in vorhistorischer Zeit in Europa heimisch war. Ebenso wie 
in Indien wird auch im tropischen Afrika kaum ein Platz für sie sein. 

Birnen werden hier noch weniger gedeihen. Äpfel haben wenigstens in 
Kwai und anderen Stellen in West-Usambara einige Früchte angesetzt. Aus 
Indien kommen manchmal einige, nicht sehr gute Äpfel mit den Dampfern von 
Bombay nach Zanzibar. Der europäische Nußbaum führt in Amani nur ein trau- 
riges Dasein, auch die echte Kastanie will nicht recht vorwärts kommen. Alle 
diese Obstbäume vermissen hier die Winterruhe und werden kaum jemals ge- 
deihen, es sei denn in den zeitweise recht kühlen und nicht zu feuchten Hoch- 
ländern. 



V. Gurken, Kürbisse und andere Gemüse. 



1. Allium Cepa L. 

Die Zwiebel wird wie der Knoblauch in Ost-Afrika nicht gebaut, sondern in 
recht bedeutenden Mengen von Indien aus eingeführt. In neuerer Zeit allerdings 
hat man hier und da welche gepflanzt, in Kwai sind sogar die riesigen, so- 
genannten » Teneriffa -Zwiebeln« in vorzüglichster Qualität gezogen, aber man 
scheint die Kultur im großen wieder verlassen zu haben, wohl weil die Trans- 
portverhältnisse aus den Gegenden, wo sie wachsen, mit den indischen Preisen 
nicht konkurrieren können. 

In wildem Zustand ist die Zwiebel nach den Angaben von Engler in 
Beludschistan, Afghanistan, bei Lahore, am Tianshan und (zweifelhaft) in Palästina 
gefunden. Auch sie ist eine der ältesten Kulturpflanzen, die alten Ägypter ge- 
brauchten sie in großen Mengen, die Juden nannten sie bctsalim. bezel, bczalim, 
die Araber heute basal, bcsol. basl. besla, bassul*) Ganz verschieden sind die 
Sanscritworte sukandaka, latarka, pallanda und die heutigen indischen dungari, 
palandu, kanda, sowie die aus dem Persischen stammenden Worte im Indischen 
piyaz, piyaj, piaj, piaz, persisch piyaz, wieder ganz verschieden die griechischen 
und lateinischen, sowie die heutigen europäischen Worte für die Zwiebel. Man 
kann aus dieser sehr verschiedenen Namengebung sicher auf eine uralte Kultur 
schließen, die aber vielleicht doch erst aus nacharischer Zeit stammt, und von 
den Völkern auf ihren Wanderungen nicht mitgebracht, sondern ihnen erst später 
bekannt wurde, oder aber die Völker fanden die Zwiebel wild in einem Gebiet 
vor, das weit größer war als das, in dem wir sie heute wild kennen. 

Hier in Ostafrika nennt man sie kitungüu ; woher dies Wort kommt, ist 
schwer zu sagen. Es handelt sich um ein eingeführtes, allerdings sehr viel be- 
nutztes und allgemein bekanntes Produkt, aber der Name hat mit den indischen, 
arabischen und persischen Benennungen gar keine Verwandtschaft. Die Annahme, 



*) Der Schnittlauch ist arabisch-äg'yptisch kurrät, hebräisch chasir. 
Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 



— 130 — 

daß das kitungüu von dem chinesischen tsung abstammt, und daß die Zwiebel 
demnach durch Vermittelung der arabischen Handelsniederlassungen in China im 
Mittelalter hierher gebracht wurden, und daß demnach damals die dort Handel 
treibenden Araber die Zwiebel mit eigenem Namen selbst nicht gekannt haben, 
ist ebenso unwahrscheinlich, als daß die Chinesen selbst sie hier einführten, denn 
deren direkten Handelsverbindungen mit Ost-Afrika waren doch zu kurze im 14. 
und 15. Jahrhundert. Für wahrscheinlicher halte ich es, daß das Wort kitungüu 
ein Kollektivbegriff für die unterirdischen Pflanzenorgane ist, die auch wir als 
»Zwiebeln« bezeichnen, allerdings wohl nach der Küchenzwiebel. Die Haussa 
sagen alibassa, die Fulbe albatje, die Kanuri lebässar, die Tuareg cfclcli, in Süd- 
Togo : sabala (aus portug. cebolla) (Westermann). 

Die Zwiebel wird bei uns im Norden nur in diskreter W T eise gebraucht, die 
nordischen Nationen schätzen sie nicht sehr, aber schon um das Mittelmeer findet 
ein sehr ausgiebiger Gebrauch derselben sowie anderer A llium- Arten statt, der 
dem Nordländer zuerst sehr unsympathisch ist. Offenbar ist das wärmere Klima 
die Veranlassung dazu. Ich kenne Deutsche, die in den Mittelmeerländern im 
Winter kaum Zwiebeln anrühren, aber in der Sommerhitze verzehren sie mit 
großem Behagen bedeutende Mengen von Salat mit sehr viel rohen Zwiebeln 
und sagen, dies sei oft das einzige, das sie in der größten Hitze essen könnten. 
Hier in Ostafrika wird die Zwiebel schon viel mehr in der Küche verwandt, 
allerdings eine Sorte, die viel milder ist als die bei uns zu Hause, von deren 
Dunst einem die Tränen in die Augen kommen. Unser größter Afrikaner, Major 
von Wißmann, hatte auf Märschen stets ein paar rohe Zwiebeln in der Tasche 
und biß in sie hinein, wenn er müde wurde, wie wir einen Apfel essen, und er 
empfahl jedem seiner Offiziere dies Mittel, um die oft großen hiesigen Strapazen 
zu ertragen, aber nicht jeder konnte sich dazu entschließen. 

Die Zwiebel wird von der ganzen Küstenbevölkerung neben Curry-Gewürz 
fast als einziger Luxusartikel der Küche benützt, auch die Leute aus dem Innern 
wissen sie zu schätzen, aber gebaut wird sie, wie gesagt, nicht, es sei denn, daß 
mal einige Araber im Innern sie anpflanzten, und daß man sie jetzt zum eigenen 
Bedarf auf den Niederlassungen der Europäer anpflanzt. W 7 ie groß die einge- 
führten Mengen sind, geht leider nicht mit Genauigkeit aus der Zollstatistik hervor. 
Sie fungieren unter der Einfuhrposition »verschiedene Knollenfrüchte« (außer 
Maniok, Kartoffeln usw.). Es wurden eingeführt: 

: 9°3 95 3 2 4 Kilo im Werte von 18469 Mk. 

1904 116222 ,, ,, ,, „ 21535 » 

1905 151 662 „ „ „ „ 28236 „ 

Bei weitem der größte Teil hiervon fällt auf Zwiebeln, und man sollte denken, 
daß mehrere Kolonisten davon leben könnten, den Bedarf von rund 25000 Mark 
dieses Produkts zu bauen. Nötig dafür ist allerdings, daß gute Transportwege 
zur Bahn gebaut werden aus den Ländern, in denen, wie in West-Usambara, die 
Zwiebel wächst. Bis jetzt geht diese ganze Summe nach Bombay in indische Hände. 



— 131 — 
2. Allium sativum L. vulgare Doli. 

Der Knoblauch wird meines Wissens bei uns nicht gebaut, sondern nur 
in ziemlichen Quantitäten von Indien und vielleicht auch von den Häfen des 
persischen Golfes und des roten Meeres bezogen. Man findet die kleinen weißen 
Zwiebeln fast in jedem Indierladen, und eigentlich die Indier und Araber be- 
nützen sie allein, die Neger glücklicherweis kaum. Sie heißen hier vitunguu-sunt, 
vltunguu-somu. 

Der Knoblauch ist, wie Engler angibt, wild wachsend sicher nur in der 
Songarei gefunden, wahrscheinlich wird aber in alter Zeit sein Heimatsland viel 
ausgedehnter gewesen sein. Jedenfalls hat er sich schon in vorhistorischer Zeit 
über Ägypten verbreitet. Die Juden nannten ihn shitiu, shumin, und mit diesem alt- 
semitischen Wort hängt das arabische tum, touni, thum, sinn zusammen, auch wohl das 
türkische samsak, das Sanscritwort mahushuda, lasuna, tishada, und die neuindischen 
Worte lasan, lahsan, rasun, shunam, schließlich auch vielleicht das chinesische swan, 
suan. Alle diese Ausdrücke werden von einer zentralasiatischen W T urzel su ab- 
stammen, an die auch das punische soum, das assyrische sumu sich anschließt. 
Und man kann mit Seh wein furth annehmen, daß der Knoblauch vielleicht 
als älteste Kulturpflanze zusammen mit dem Weizen in das Niltal gelangte, wohl 
aus Assyrien. 

Da aber die europäischen Nafhen für diese Pflanze mit diesen oben mit- 
geteilten gar nicht zusammenhängen, wird man entweder eine Ausdehnung der 
Heimat weit nach Westen hin in der Urzeit annehmen müssen, oder aber eine 
vorarische Wanderung der Pflanze nach Westen. Das altgriechische scorodon, 
neugriechische scordon, das lateinische allium, das englische garlic, das aus der 
Bezeichnung der Bewohner von Wales gartlcc entstanden ist, das althochdeutsche 
chlobolouh, aus dem unser Knoblauch wurde, sind alles W T orte, die in keiner Be- 
ziehung mit dem sum der Semiten stehen. 

Hier in Ost-Afrika heißt die Pflanze sinn, denn kitunguu ist der Name für 
Zwiebel. Dies suni hat nichts mit dem Wort su/n, sumnni im Swahili für »Gift« 
zu tun. 

Ein Zeichen, daß sowohl der Knoblauch als auch die Zwiebel hier nicht 
gebaut, sondern nur als fertiges Produkt eingeführt werden, ist der Umstand, 
daß die Worte für beide nicht mit dem für alle Gewächse gebräuchlichem Präfix 
»m« bekannt sind, man sagt nur kitunguu, pl. vitunguu und niemals mtungitu. 

Sehr bedeutend ist die Einfuhr dieser Drogue nicht, ich möchte sagen, 
glücklicherweise. 

3. Amaranthus spinosus L. 

und verwandte Arten der Kräuter, die wie unser Fuchsschwanz aussehen, werden 
vielfach als Gemüse gegessen, indem die Blätter wie Spinat gekocht werden. 
Man bezeichnet sie als mchicha. Die Wurzeln der oben genannten Art machten 
eine Zeit lang viel von sich reden, indem eine Abkochung aus ihnen als Mittel 



9 



— 132 — 

gegen Schwarzwasserfieber empfohlen wurde. Offenbar hat dies Decoct eine 
diuretische Wirkung. 

Ebenfalls zu spinatartigem Gemüse werden Pflanzen der Gattungen Atriplcx 
(ninaini) und Celosia verwandt, sowie Poly gonum sp., die in Usambara nui- 
lungi genannt wird und Rum ex abyssinicus Jacq. eine Sauerampfer -Sorte. 

Fast alle diese Pflanzen werden wild im Busch und auf Unkrauthalden ge- 
sammelt, nur Amaranthus kultiviert man bisweilen wie z. B. in Uganda und 
im Westen des Albert-Sees. 

Den Gemüse-^ mar anthus nennt man an der Küste allgemein mchicha y 
den A. Caudatus in Bagamoyo mkulandi, bei den Bakwiri in Kamerun fallabuc. 

4. Citrullus vulgaris Schrad. 

Die Wassermelone trägt an ihren auf der Erde hinkriechenden Ranke- 
stengeln tief drei- bis fünflappige Blätter, deren Teile wiederum gelappt sind. 
Aus den gelben Blüten entwickelt sich eine große, runde oder elliptische Frucht, 
die nicht aufspringt. Die platten, länglichen, glatten und meist schwarzen Samen 
sind sehr zahlreich. 

Erst die botanische Erforschung von dem Inneren Afrikas hat bewiesen, 
daß die Wassermelone in diesem Erdteil wild wächst, und zwar kommt sie von 
dem äußersten Süd-Afrika (z. B. Hereroland) bis nach Kordofan und dem weißen 
Nil vor, sie fehlt aber in dieser Zone gänzlich in dem Gebiet der westafrikanischen 
Waldflora, wie im eigentlichen Kongo-Urwald und in Mombuttu, ganz scheint 
sie ebenfalls im Zwischenseengebiet zu fehlen. Überall, wo sie vorkommt, hat 
man bittere und süße Früchte nebeneinander, und überall wird sie auch angebaut. 
Nun war die Wassermelone im alten Ägypten als Kulturpflanze bekannt, die 
Juden sehnten sich bei ihrer Wüstenwanderung nach den abbatitchim ge- 
nannten Früchten, die man heute noch in Ägypten und anderen arabischen 
Ländern battich, bartich, belikt, batteke nennt (auf Malayisch bateka), aus dem 
man das französische pastkque machte. Und aus dem abbatitchim übersetzte die 
Septuaginta peßones, denn die Römer nannten diese Frucht und nicht den erst 
später eingeführten Kürbis pepo. 

Uralte, von diesem Wort battich unabhängige Bezeichnungen gibt es auch bei 
den Berbern Nordafrikas tadellat, in Marokko dilla, delläa, in Algier h'adadja, bei den 
Tuareg tiledjest. ebenso das zandria, cindria von Spanien und das sindria von Sardinien, 
das auf alte baskische Namen schließen läßt. Daraus nun, daß die alten Ägypter 
andere Kulturpflanzen des Sudan, wie z. B. Sorghum nicht erhielten, kann man 
vielleicht schließen, daß sie auch die Wassermelone sich nicht aus den Sudan- 
ländern geholt haben, daß sie vielmehr wahrscheinlich in alter Zeit auch in 
Ägypten und Nordafrika einheimisch war und dort in Kultur genommen wurde, 
und daß dann wahrscheinlich mit der Zeit die wilden Wassermelonen dort ver- 
schwanden. 

Das alte Verbreitungsgebiet ging möglicherweise noch weiter, denn in 



— 133 — 

Vorder- und Südasien ist die Wassermelone ebenfalls seit sehr alter Zeit in 
Kultur und unter einer Namengebung, die von den erwähnten semitischen Be- 
zeichnungen ganz unabhängig ist. Sie wird jetzt besonders in Nordindien an- 
gebaut und ist in Pandjab scheinbar wild, jetzt allerdings wahrscheinlich nur 
verwildert. Aber das Sanscrit kennt sie unter dem Namen chajapula, kutitwombi. 
taramhiiya, in den heutigen indischen Sprachen heißt sie tarmuj, turbuz, tarbuz, 
tarmuz — oder auch mit den semitischen Worten sanwka, jamauka, samanka, 
die Perser nennen sie tarbuzah, turbuz, daneben auch dilpasand. kachren, 

Jiinduancli, hindevane (also indische Frucht). Es ist also wahrscheinlich, daß 
außer dem semitischen noch ein anderes Kulturzentrum für sie vorhanden war, 
das die Namen tarbuz usw. anwandte und das unabhängig von dem semitischen 
die Kultur der Wassermelone aufnahm. Ich glaube nicht, daß in den ganz alten 
Zeiten die Indier oder Perser sich von Ostafrika die Wassermelone holten und 
sie unter einem besonderen Namen kultivierten. Hätten sie sie aus Ägypten er- 
halten, so wäre mit ihr wohl auch ihr dortiger Name battich. bctich in das neue 
Land gewandert. Es scheint mir demnach nicht unmöglich, daß ihr Verbreitungs- 
gebiet im wilden Zustand in der Urzeit auch bis zum südlichen Vorderasien 
reichte, etwa von Südafrika durch Yemen nach Persien oder Nordwest-Indien, 
und daß man sie hier unabhängig in Kultur nahm, daß die wilden Pflanzen aber 
in der Folge dort ausstarben, oder .von den verwilderten nicht mehr zu unter- 
scheiden sind. Und diese vorderasiatische Bezeichnung ging über auf das Tar- 
tarische mit charpuz, karpus, das Slavische arbuz. Die Yemenaraber nennen sie 
wieder anders habhab. Vielleicht ist sie aus Indien nach der Mongolei und zu 
den Tartaren gelangt und von diesen durch die Türken nach Konstantinopel, 
nach Persien vielleicht ebenfalls von Indien aus. Wie dem auch sei, jedenfalls 
verbreitete sie sich in vorchristlicher Zeit über Asien und Südeuropa. Nach 
China aber gelangte sie nicht vor dem io. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, 
und die Malayen erhielten sie wahrscheinlich von den Arabern, wie das mandeki, 
pataka, bateka, wie sie sie nennen, vermuten läßt, vielleicht teils auch von Indien, 
denn man nennt sie auf Malayisch auch samangka. 

Um noch einmal zusammenzufassen, so ist es unzweifelhaft, daß die Wasser- 
melone im tropischen Afrika einheimisch ist, wo sie heute noch massenhaft wild 
vorkommt, es ist aber wahrscheinlich, daß in sehr alter Zeit ihr Verbreitungs- 
gebiet sich weit mehr ausdehnte nach Nordafrika und dem südlichen Vorderasien, 
und daß sie in diesen Gegenden unabhängig an mehreren Stellen in Kultur 
genommen wurde, daß es ein semitisches Kulturzentrum für sie gab und ein 
asiatisches, entweder mongolisch-tartarisches oder indisches. 

In Ostafrika an der Küste heißt die Wassermelone mtikiti, mtikitiki. In 
Ungoni bei Songea sowie bei den Wahigao heißt sie makumbira, makumbila, bei 
den Wamakonde makumbiya, den Unyamwezi zukuma, in Uhehe ihikwi, in 
Mkalama-Iranzi ndete, bei Wildhafen manjaiuc, in Ugogo mahigiti. 

Bei uns an der Küste sind die Wassermelonen nicht sehr gut und gar nicht 



— 134 — 

mit denen aus Ägypten oder Südeuropa zu vergleichen. Die Neger essen sie 
deshalb auch meist nur gekocht. Die Sorten mit dem schönen, saftigen rosa 
Fleisch mit ganz feinem Aroma wachsen in Ländern mit trockener Luft und 
großer Hitze. Im Sommer in Südrußland , den Kaukasusländern , in Persien , 
Ägypten, in Süditalien usw. ist sie eine unschätzbare Wohltat für den durstigen 
Menschen. Als Delikatesse werden nach Zanzibar aus Suez, Aden, dem Somali- 
land feine Wassermelonen gebracht. Bei uns an der Küste spielt sie keine sehr 
große Rolle, mehr allerdings in den trockenen Gegenden, wie z. B. in Ugogo, 
und in Südwestafrika lebt oft Mensch und Tier von den Früchten, die dort 
massenhaft wild wachsen, sogar angeblich auch die Raubtiere löschen ihren Durst 
an ihnen. 

5. Corchorus olitorius L. und C. acutangulus Lara. 

Von der Pflanze, welche in Indien die Jute liefert, werden hier in Ost- 
Afrika die Blätter zu einer Gemüsesauce gekocht. Die echte Jutepflanze C. Cap- 
sula r i 's unterscheidet sich von der auch in Indien vorkommenden C. olitorius 
nur dadurch, daß sie runde, die hiesige längliche Fruchtkapseln hat. 

Die Pflanze ist über die ganze östliche Halbkugel verbreitet, bis nach 
Australien, und kommt wohl überall im wärmeren Teil von Afrika vor. Erkenn- 
bar ist dies meldenartige, bis 2 m hoch werdende Kraut daran, daß die untersten 
beiden Sägezähne der gezähnten, eilanzettlichen Blätter in zwei nach hinten ge- 
richtete Schwänze auslaufen. Die Pflanze wächst hier auf alten Feldern, aber 
auch im Busch und in der Savanne, und es dürfte nicht daran zu zweifeln sein, 
daß sie hier ebenso wie in Indien wild vorkommt, während man meines Wissens 
die C. capsularis noch nicht wild gefunden hat. Die Gewinnung der Faser 
aus dieser ist erst seit kaum ioo Jahren bekannt oder doch wenigstens ökono- 
misch ausgebeutet, und es ist nach der Meinung von Watt und anderen nicht 
ausgeschlossen, daß C. capsularis eine in Indien entstandene Züchtung ist. 
Im Jahre 1828 wird zum ersten Mal die Faser als Ausfuhrprodukt aus Indien 
erwähnt. In kurzer Zeit entwickelte sich daraus eine höchst wichtige Industrie, 
und 1850 wurden schon für 8 Millionen Mark, 1883 für fast 80 Millionen Mark, 
1890 für 180 Millionen Mark an Jute-Fasern und -Säcken ausgeführt. 

Früher wurde in Indien, wie auch in Ägypten ebenso wie bei uns, die 
'Pflanze nur als Blattgemüse benützt, und sie muß zu diesem Zweck schon in 
sehr alter Zeit bekannt gewesen sein. Von drei verschiedenen Autoren wird ihr 
Sanscritname verschieden angegeben mit nadika, patta, singgika, die heutigen 
Indier sollen sie pat, bhungi, banpat, banphal, banglia, koshta nennen. Die Wörter 
mit bau bedeuten wahrscheinlich Hanf, koshta wird wohl der Name speziell dieser 
Pflanze sein, das Gemüse soll na Uta heißen. 

In Ägypten scheint C. olitorius etwa seit Beginn unserer Zeitrechnung kulti- 
viert zu sein, das malluach der Juden ist aber vielleicht^ eine eßbare Malve gewesen. 
In Ägypten und Syrien heißt sie mellokych, mclokiah, mclocJüah, in Kreta moucJilia, 



— 135 — 

und auch die Sudanesen der Äquatorialprovinz, mit denen wir zusammenkamen, 
aßen sie gerne unter dem Namen melochieh. Aber ich glaube, daß damit auch 
Malven bezeichnet wurden, aus denen man eine fadenziehende, schleimige Sauce 
herstellen kann. 

Es ist ja denkbar, daß die Pflanze in der Urzeit einmal mit anderen Säme- 
reien als Unkraut hierher verschleppt wurde, wahrscheinlicher ist es mir aber, 
daß sie hier ursprünglich einheimisch ist. Jedenfalls habe ich sie bei uns nicht 
angebaut gesehen, vielleicht daß die Sudanesen sie kultivierten. Sie ist wild 
oder ganz verwildert gesammelt in Abessinien, Sudan, Zanzibar, im Seengebiet, 
am Zambezi, in Guinea, Niger-Benue, Kamerun, Angola und im Kongogebiet. 

Die Swahili nennen alle diese Gemüse -Saucen pombo, die Wanyamwesi 
kombo, auch die von Hibiscus sab dariffa rus u. a. Die C. Olitorius heißt 
anscheinend bei den Wanyamwesi kala, ticgc, ein ähnliches Gewächs nennen sie 
lendi-ya-wima, die Wabondei bamia. Während die C or chorus acutangulus 
La in. von den Wabondei kibando genannt wird. Dieser letzteren fehlen die 
breiten Sporne hinten am Blatt, und die Frucht ist eine längliche Kapsel mit 
Längsrippen. Die Stengel sind stark rötlich gefärbt. 

Hier mögen auch einige Bemerkungen über die nahe verwandte Jute-Pflanze 
aufgeführt werden, die wie oben erwähnt, in Indien eine ganz hervorragende 
ökonomische Rolle spielt. Wir haben auch bei uns in Daressalam, Mohorro, 
Mombo und Amani vor vielen Jahren und neuerdings wieder mit der besten 
Sorten derselben, »ntteriya« , Versuche angestellt, und es wurde auch eine leid- 
liche Faser erzielt, die infolge ungenügender Röstung nur in der Farbe zu wünschen 
ließ. Es wurden mit der aus Mohorro vor etwa 10 Jahren auch Webeversuche 
gemacht, die zur Zufriedenheit ausfielen, aber die ökonomischen Bedingungen 
hier sind offenbar dieser Industrie nicht günstig, die nur Zweck hat, wenn große 
Mengen des Faserstoffes erzielt werden können. Im Ganges-Gebiet wächst die 
Pflanze auf den Überschwemmungsflächen, nachdem das Wasser von da zurück- 
getreten ist, und wird von kleinsten Landleuten angepflanzt, die mit ihren Fa- 
milien die Röstung durchführen und das Produkt später an Aufkäufer absetzen, 
die mit Booten den Ganges befahren. So sind dort die Produktionskosten und 
die Transportauslagen verschwindend klein, es ist eine kleinbäuerliche Kultur, die 
ganz besonders günstige Boden- und Klimaverhältnisse erfordert. Und ich glaube 
kaum, daß zu dieser Kultur unsere Neger Anlage haben. Die Bedingung, daß 
die Stengel möglichst rasch in die Höhe schießen, daß dies nur bei enger Saat, 
sehr fruchtbarem Boden und vielleicht auch mit etwas Beschattung sich erreichen 
läßt, das können wir bei uns wohl erreichen, aber die Neger sind eben bei uns 
mit den arbeitsamen Indiern nicht zu vergleichen, und die Arbeitslöhne sind hier 
zu teuer, als daß sich ein plantagenmäßiger Betrieb lohnen könnte, auch wird 
sich, solange man mit anderen Faserstoffen gute Geschäfte macht, so leicht nicht 
jemand finden, der auf das Ungewisse des Erfolges hin mit der Jutekultur beginnt. 
Ich glaube dieser Kultur bei uns kein sehr günstiges Prognostikon stellen zu können. 



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6. Cucumis Melo L. var. agrestis Naud. 

Die Gurkenmelone ist von der Gurke durch die vollkommen glatte Ober- 
fläche der Früchte zu unterscheiden ; hierher gehört auch die ägyptische 
C. Chate.*) Die Früchte von C. Melo sind eiförmig bis länglich, oft mit 
längslaufenden hellgelben Streifen. Ganz kleinfrüchtige Sorten bilden ein Feld- 
unkraut, das man wild in Abessinien, Nubien, Kordofan, Sennar, Senegambien 
und am Niger-Benue gefunden hat. Bei uns kommt die Art wohl nur kultiviert 
oder verwildert, meist unter dem Namen mungunyia vor, die besseren Früchte 
schmecken gurkenartig, die schlechteren bitter. Auch im tropischen Asien ist 
sie wild gefunden. Es scheint, daß ebenso wie bei der Wassermelone auch hier 
die Kultivierung in Indien und Afrika getrennt vor sich ging. 

Angebaut kommen sie wohl in den meisten Gegenden von Deutsch-Ost- 
Afrika vor, nur darf man dabei nicht unsere Zucker- oder Netzmelonen erwarten, 
sondern gurken- oder kürbisähnliche Gemüse. In Usambara heißen sie nach den 
Aufzeichnungen von Holst makoko (vielleicht Cucurbita r) Er nennt eine Menge 
Varietäten, wobei es aber der Meinung von Warburg zu Folge nicht feststeht, 
ob nicht eine Anzahl derselben zu den Kürbissen zu rechnen sind. Runde oder 
abgeplattete Früchte haben angeblich die Sorten ndimu. ninquo, sengula, madulu, 
nclukanda, mingala, minqua, makungu. elliptische Früchte maduru, neluvumbi, 
birnförmige Früchte masisi, misolo, madolcdolc, tulufinga. Es scheint allerdings, 
daß es sich hier fast nur um Farben- und Wachstumsvarietäten des Kürbis han- 
delt. Bei Amani wird eine walzenförmige grau -grüne Form (30X12 cm) mit 
halben Längsstreifen unter dem Namen Ihncrua gebaut. Manchmal hört man 
auch die Bezeichnung maboga-bebeta. Nach Christen heißen sie in Usambara 
mataua und haben viele Formen, für die er feste Spezialnamen nicht fand. Bei 
den Wassukuma sollen sie mamiungu, in Ugogo majaigerc (Swahili fundo), bei 
den Kai in West -Afrika waru heißen. In Süd -Togo (Ewe) sagt man nach 
West er mann adjamatve. Zu beachten ist, daß die Swahili der Küste die 
jungen, eßbaren Flaschenkürbisse ebenfalls mungunya, mumunye nennen.**) Sie 
selbst unterscheiden nicht genau, und hier wie bei allen verwandten Gewächsen 
ist noch fast alles zu erforschen. 

In Indien ist die Kultur sehr alt, im Sanscrit heißt die Pflanze kJiarivujah, 
heute in Indien kharbuzeh, khavbujah, tarbuj, chibuda, tut?, phunt, gilas, gilasa, 
in Arabien battich-asfar, batikh, in Marokko cl-bettich, in Algier faggoui, afqous 
(also wie die Wassermelone und Gurke). In die Länder des Westens und Nordens ist 
die hochkultivierte süße Form als viclopepo erst unter dem römischen Kaiserreich 
gelangt, wahrscheinlich aus dem Osten, aus Ägypten, wo sie nach Schwein- 



*) Der »Kürbis« aus Luthers Bibelübersetzung ist C. Melo, kischfiim der Juden, Luther's 
Pfeben sind die Wassermelonen, abattictiim der Juden. 

**) Eine Sorte wird bei dem arabischen Schriftsteller Qutsami malunia genannt, welches 
Wort etwas an die Sswahili-Bezeichnung- erinnert. 



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furth's Meinung in Kultur genommen wurde. Vielleicht stammten die besten, 
süßen Varietäten aber auch aus Vorderasien, aus der Tartarei und dem Kaukasus. 

Die guten, süßen Melonen sind hier meines Wissens selten oder nicht ge- 
zogen worden. Jedenfalls sind sie hier nicht vor Ankunft der Europäer gewesen. 

Bei der großen Unkenntnis, die noch über alle die hiesigen gurkenartigen 
Früchte herrscht, ist Einsendung allen Materials sehr erwünscht. Nur durch Kul- 
turversuche kann man entscheiden, welche Sorten hierher, welche zu den Kür- 
bissen gehören. Herr Dr. Braun hat mit diesen Kulturen in Amani begonnen. 

7. Cucumis metuliferus E. Mey. 

Diese afrikanische Gurke ist nach der Darstellung von Warburg in 
Engler's »Pflanzenwelt Ost-Afrika' s« diejenige der 16 in Afrika wildwachsenden 
Cucumis- Arten, die hier als Gurke gegessen wird. Sie unterscheidet sich von 
der echten Gurke durch ihre schwach-warzigen Früchte, sie wird 15 — 20 cm 
lang, bittere und säuerliche Früchte kommen durcheinander vor. Die Pflanze 
wächst in Süd -Afrika, Angola, Mossambik, Niger, Zentral-Afrika, Abessinien, 
Kamerun, Niger-Benue, Natal, in Zanzibar und an unserer Küste, und zwar an- 
scheinend sowohl wild wie angebaut. Bei Tanga, Pangani, Bagamoyo, Tabora 
und in Uhehe sind sie gesammelt.*) Aber es ist von den Reisenden noch viel 
zu wenig auf diese Kulturgewächse geachtet worden, so daß bei dieser Art und 
bei anderen Cucurbitaceen noch sehr viel aufzuklären bleibt. Klarheit wird 
man nur bekommen, wenn man alle erreichbaren Sorten züchtet. Denn es gibt 
außer dieser sicher noch eine ganze Anzahl von Gurken, die wild hier wachsen 
und eßbar sind. 

An unserer Küste heißen die Gurken tango, matango. in Usagara ebenso, 
in Kondoa-Irangi tambu, agogo, chuli, in Ungoni-Songea mahange, bei den Warna- 
konde matetcre, den Wanyamwezi malimbc, den Wahigao in Ugogo matanga, 
in Uhehe iiubcdc, mambede, in Uha matanga, in Ujiji, Uvinza, Utongwa mtaua, 
bei den Somali paar, in Westafrika bei den Kai kivapa. 

Diese wilde, einheimische Gurke läßt sich auch von Europäern sehr gut, 
genau wie die Kultur -Gurke, als Salat essen, sie hat nur etwas reichlich Samen 
und man muß vermeiden, bittere zu erwischen. 

8. Cucumis sativus L. 

Die echte Gurke wird von Europäern vielfach auf den Stationen gebaut 
und gedeiht an einzelnen Punkten sehr gut. An anderen Stellen aber hat sie 
sehr unter dem Stich einer Fliege zu leiden, deren Larve die Frucht nicht zur 



*) L ambrecht beobachtete sie bei den Wassagara, Wakami, Wawidunda, Wamakuwa, 

Wanyamwezi, Wakaguru, Wassangu, Waseguha und Wakamba. 



— i 3 8 — 

Entwicklung kommen läßt, außerdem wird sie nach Voss eler's Beobachtungen 
sehr von einer an den Wurzeln sitzenden wolligen Schildlaus mitgenommen, die 
die Pflanze so schwächt, daß sie zu keiner Fruchtentwickelung kommt. Gegen 
den ersteren Schädling hilft nur das Einhüllen der sich eben bildenden Frucht 
mit einem Säckchen, gegen den letzteren nur ein häufiger Ortswechsel mit der 
Kultur, denn es zeigte sich hier in Amani, daß schon wenn man das zweite 
Mal Gurken an derselben Stelle baut, die Läuse so überhand nehmen, daß sich 
nur noch sehr selten Früchte bilden. 

Die Kultur der echten Gurke begann wahrscheinlich in sehr alter Zeit in 
Indien und zwar im Nordwesten dieses Landes. Wild hat man sie allerdings 
nirgends gefunden, wohl aber am Himalaya die sehr nahe verwandte C. Hard- 
wickii Royle. Die echte Gurke wurde im Sanscrit sukara. auch mutrulla ge- 
nannt, sie heißt in den heutigen indischen Sprachen sasa, khera, kankari, kakni, 
kakri, kira, im persischen khijar, im Arabischen kusaya, kusud, in Ägypten fakos, 
kusa, ckijar, in Algier khiar, in Syrien agur. 

Manche dieser arabischen und indischen Worte hängen vielleicht mit dem 
sukasa des Sanscrit zusammen, ebenso auch das sikuos des Altgriechischen, aus 
dem das sikua der Neugriechen wurde. Jedenfalls ist die Gurke schon in sehr 
alter Zeit aus Indien nach dem Nordwesten gewandert. Im alten Ägypten sind 
mehrere Varietäten auf Opfertafeln abgebildet. Man vermutet, daß sie die 
kishiäm der Juden war, (doch nimmt Witt mack an, daß dies C. Melo- Chate 
gewesen sei) das klassische Griechenland kannte sie jedenfalls, und in Italien 
gab man ihr nach dem Worte cuiucra (bedecktes Gefäß, Truhe) die Be- 
zeichnung cucumcra (Hehn). Viel später trat dann in Konstantinopel ein wohl 
aus dem Osten gekommener Name für die Gurke aggaitrion auf, der wahrschein- 
lich die unreife« bezeichnete, d. h. die Frucht, welche unreif genossen wurde, 
während man die reif zu genießenden Cucurbitaceen pepoui nannte. Auf alle 
Fälle ist das deutsche Wort Gurke aus diesem aggaurion hervorgegangen, ebenso 
wie viele slavische Bezeichnungen (russisch ogurce). Da dies Wort die unreife 
bedeutete, nannte man stellenweis so auch die ebenfalls roh gegessene Wasser- 
melone. 

Auch von den hiesigen Eingeborenen wird C. Sativus gebaut. Busse 
sammelte sie auf dem Rondo-Plateau im Bezirk Lindi. 



9. Cucurbita moschata Duch. 

Die Kürbisse unterscheiden sich von den anderen Cucurbitaceen, indem 
sie gelappte Blätter, ein- bis zweispaltige Ranken und große, gelbe, eingeschlecht- 
liche Blüten haben. Nach Warburg's Angabe soll von den Arten dieser Gattung 
nur die C. maxiiua in Deutsch-Ostafrika gebaut werden, nach dem Kulturver- 
suche in Amani aber handelte es sich stets um C. moschata. Damit aber auch 



— 139 — 

andere, hier noch eventuell vorhandene Arten erkannt werden können, lasse ich 
die kurzen Unterscheidungsmerkmale folgen, wie Watt u. A. sie angeben: 

C. maxima Duck. Die steifen Blätter sind fünfteilig, ihre Loben ge- 
rundet, die Buchten dazwischen eng, der Blattstiel beinahe so lang wie die Blatt- 
spreite, nicht dornig behaart, der Fruchtstiel rund und glatt, nicht gerieft, die 
Zipfel der Blumenkrone auswärts gebogen, die Teile des Kelches linearlanzett- 
lich, an der Spitze nicht verbreitert, die Kelchröhre glockig. 

C. Pepo DC. Die steifen Blätter sind fünfteilig, die Lappen zugespitzt, 
die dazwischen befindlichen Buchten breit, die jungen Blätter sind ausgebuchtet, 
die alten tief gelappt, der Blattstiel so lang als die Blattspreite, die Haare der 
unteren Blattfläche dornig, hart, die Blumenkrone gegen die Basis verengt, ihre 
Zipfel aufrechtstehend, die Kelchzipfel linearlanzettlich, der Kelch glockig, der 
Fruchtstiel holzig, stark gefurcht und mit Längsrippen versehen. 

C. moschata Duck. Die Blätter sind weicher, oft mit weißbereiften 
Flecken, die Loben abgerundet und die Buchten dazwischen schmal, auch die 
alten Blätter sind nicht so gelappt wie bei C. Pep o . der Blattstiel ist haarig, 
aber nicht stechend, der Fruchtstiel winklig gefurcht, an der Ansatzstelle der 
Frucht stark verbreitert, die Kelchzipfel der weiblichen Blüten an der Spitze 
blattartig, die Kelchröhre fast fehlend. Durch die spateiförmig an der Spitze 
verbreiteten Kelchzipfel ist diese Art von den anderen leicht zu unterscheiden. 

Die Früchte der Cucurbita sind groß, kahl und ohne Stacheln, die Samen 
platt, länglich, glatt. 

Über die Herkunft der echten Kürbisse ist sehr viel geschrieben worden. 
Wenn man aber alle Resultate der Untersuchungen von Hehn, De C an d oll e, 
Engler, Sehr ad er, Wittmack, Asa-Gray, Trumbull u. a. zusammen- 
nimmt, so kommt man zu dem ziemlich sicheren Schluß, daß sie amerikanischen 
Ursprungs sind. Sie waren den alten europäischen, ägyptischen, semitischen und 
indischen Kulturvölkern offenbar fremd ; was die Römer als pepo bezeichneten 
und was unter diesem Namen im »Capitulare« von Karl dem Großen er- 
wähnt ist, (das sich auf die Gärten in Nordfrankreich und nicht auf Deutschland 
bezog), war die Wassermelone. Aus diesem pepo wurde im Deutschen später 
pfebe, pfädc gemacht. Ebenso war das karbuz der Türken, cherbuz der Perser, 
aus dem das deutsche W T ort Kürbis entstand, dieselbe Wassermelone und nicht 
der Kürbis unserer heutigen Bezeichnung. Die verwandten wilden Arten der 
Gattung Cucurbita leben in Amerika, und endlich sind von W r i ttmack Samen 
von C maxima und C. moschata in den altperuanischen Gräbern bei Ancon ge- 
funden. Allerdings wird auch behauptet, daß man Kürbisse wild in Nepal am 
Himalaya gefunden habe, und von Wittmack wird angenommen, daß C maxima 
und C moschata sicher in Amerika heimisch seien, dagegen hält er die Heimat 
von C. Pep o noch für unaufgeklärt. Gray und Trumbull halten auch diesen 
für amerikanisch. 

Bis auf weiteres müssen wir also annehmen, daß die Kürbisse vor der 



140 — 

Entdeckung Amerikas in unserer Erdhälfte unbekannt waren, und daß sie 
demnach auch erst in Afrika seit dem 16. Jahrhundert spätestens eingeführt 
wurden.*) 

Jetzt finden sie sich bei sehr vielen Negervölkern kultiviert. Wenn man aber 
die Angaben der Reisenden durchgeht, so hat man immer den Verdacht, daß 
sie die verschiedenen Sorten miteinander verwechselten, besonders die Citritl Ins , 
Cucumis und Lagcnaria. Aber es ist unzweifelhaft, daß echte Kürbisse in 
unserm ganzen Küstengebiet, in Usegua, Usambara, Unyamwezi, Ufiome, Uhehe, 
am Tanganika und Victoria-See, in Uganda, im Zwischenseengebiet usw. ebenso 
angebaut werden, wie in der Äquatorialprovinz und im Kongogebiet. Um aber 
Klarheit in diese noch recht wenig erforschte Frage zu bekommen, müßten Früchte 
und Herbariumexemplare, und wo dies nicht möglich, wenigstens Samen einge- 
sandt werden, und zwar von allen Varietäten mit den einheimischen Namen aller 
erreichbaren Völker. 

Die Leute an der Küste nennen den Kürbis boga, die Pflanze mboga, und 
mit demselben Wort benennt man aber auch alle Gemüsesorten als Sammelnamen, 
d. h. alle Gemüsekräuter und alle grün oder gekocht zu genießenden Sachen mit 
Ausnahme der Wurzeln und des Obstes. Es ist nicht unmöglich, daß man diesen 
allgemeinen »Gemüse -Namen« auf den neueingeführten Kürbis im besonderen 
übertrug. Sonst finde ich noch folgende Bezeichnungen, wobei immer eine Ver- 
wechselung mit den anderen Cucurbitaceen vorkommen kann. In Lamu yungu, 
in Usagara majungu, in Usukuma itanga, in Unyamwezi gengi, in Ugogo igenge, 
mamuzo, in Bukoba myongo, vyoga, in Tabora mgoga, niayova, in Usumbura 
umera, in Ungoni mongc. in Uhehe manjawahe, bei den Wamakonde matingi, 
bei den Wabondei makoko, bei den Wahiyao malaulau, bei den Wasegeju mar enge, 
bei den W T akami masase, den Walombo-Manyema mayuuzi, den Wakusu-Manyema 
amoka, in Uha und Ujiji viyurigu, in Uvinza mungu, in Utongwe mamihemba. 
mantolole, bei den Wakikuyu murenge, den Massai monguäk, ol-pukuri (pl. il-pu- 
kurto) die großen, eni-bukuri (pl. im-bukurto) die kleinen, in Mkalama-Irangi masozaa, 
tumba, im Muesa (Langenburg) mongu, im Kisokiri (Langenburg) mungu, bei den 
Wadoe magogo, bei den Wadigo matango (wie die Gurken), bei den Lur guahta, 
bei den A-Sande bissande, bokko, nbellibo, den Haussa massäki, bei den Kai in 
Westafrika waru, bei den Tigrinern in Abessinien Jiamham, den Saho dubba, den 
Tuareg kobeouaten. takasainie, kabeoua, ziouna. 



*) Vergleiche auch: Wittmack, Die Heimat der Bohnen und Kürbisse. Ber. d. D. bot. 

Gesellsch. VI. 1888. S. 374. 
De Candolle, l'origine geographique des especes eultivees du genre 

Cucurbita. Arch. Sc. phys. naturelles. 1887. 
Wittmack, Unsere gegenwärtige Kenntnis der vorgeschichtlichen 

Samen. 1886. 
Gray und Trumbull, Revue of De Candolle's Origin of eultivated 

Plantes. Americ. Journ. Sc. 1883. 






— 141 — 

Dabei aber können immer Verwechselungen mit anderen Cucurbitaceen vor- 
gekommen sein. 

Aus Indien wird für C. maxima von Watt angegeben supkura, kumra, 
kadu, lal, pttshini, kumbala. das Persische kadu-safed, das Malayische mattanga, 
für C. mos cli ata das indische sitap'hal (wie Anona squamosa), kumra, kaddu, 
kali-dudhi, für C. Pepo das indische kumra, lanka, kemdo, kumara, kadimali, 
kaida, koJiala, petita, sowie das Sanscritwort kurkaru. Woher dieses letztere 
stammen mag und was für eine andere Pflanze es vielleicht bezeichnet, entzieht 
sich meiner Kenntnis. Nach Yule und Burnell hat man aus dem Malayalam- 
Namen kumbalam, kumbalanu die anglo-indische Vulgärbezeichnung conbalingua 
gemacht. 

In Ägypten wird der Kürbis jaktini, in Algier queräa, kabouca, in Marokko 
kera, gera, in Syrien karabei, bei den Portugiesen aböbora, bei den Franzosen 
potrion, courge, bei den Engländern pumpkin, vegetablc marroiv, gourd. bei den 
Italienern Cucurbita genannt. Aus Amerika finde ich den eingeborenen Namen 
jurumu und die anglo-indianischen Namen macock, squalis, casliaw. 

Es läßt sich schwer sagen, wer den Kürbis in Afrika einführte. Bei der 
Verwirrung der Namen gibt es kaum alte Dokumente. Es ist aber wahrschein- 
lich, daß auch diese Frucht von den Portugiesen an die Westküste und an die 
Ostküste gebracht wurde, an erstere früher, und daß sie von da aus ihre Wanderung 
durch den Kontinent antrat, denn sie ist dem Hackbau der Neger sehr passend 
und reift ohne besondere Mühe. Wir können vermuten, daß sie im 16. oder 
17. Jahrhundert hier eingeführt wurde. Die Namen scheinen gar keine Finger- 
zeige für die Geschichte der Einführung zu geben. 

Der reife Kürbis hält sich lange, ist gewissermaßen ein Dauerproviant für 
die Leute, und man kann sehr viel die oft recht großen Früchte auf den Dächern 
der Tembedörfer oder auf den Vorratsböden liegen sehen. Man muß nur nicht 
den feinen Obstkürbis unserer Gärten erwarten, den man wie Kompott einkocht. 
Die gekochten oder gedämpften Scheiben hiesiger Sorten schmecken ganz ähnlich wie 
die der anderen Cucurbitaceen, etwas fade, wenn man nicht Butter und Gewürze daran 
tut, oder sie mit Fleisch zusammen kocht, sind aber auf den Expeditionen eine 
angenehme Abwechselung. Auch die Kerne werden ebenso wie in den Mittel- 
meerländern geröstet, wobei sich oft ein abscheulicher Geruch entwickelt. Die 
Blätter werden wie die vieler anderer Kräuter zu »Spinat« oder Gemüsesaucen 
gekocht. 

Nach den hier in Amani vorhandenen Sammlungsexemplaren von trockenen 
Kürbissen, die birnförmig und grünschwarz, oval oder rund und weißgelb oder 
dünkelgrün mit einer Netzzeichnung sind, und nur 10 — 12 cm Größe haben, 
scheint hier C. m s c liata , und zwar hauptsächlich dieser, vorzukommen, 
denn die Fruchtstiele sind stark gefurcht und haben fünf runderhabene Rippen, 
so daß sie fast fünfkantig sind. Eine grünschwarze Form wird bei den Wabondei 
in der Nähe von Amani mit jeussi (schwarz), eine graugrüne, dunkler genetzte 



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als namnikwa, eine graugelbe, graugrün genetzte als kiyonia bezeichnet. Im all- 
gemeinen werden die hartschaligen Sorten von den Washambaa und Wasegua 
makoko, von den Swahili koko genannt. 

10. Hibiscus esculentus (L.) Mey. 

Die Bamia, Okro, Gombo gehört zur artenreichen Gattung Hibiscus, 
von der etwa ioo Arten in dem tropischen und nördlichen Afrika, auf Mada- 
gascar, den Mascarenen, Comoren und Socotra . einheimisch sind. Die fragliche 
Art bildet eine zweijährige, behaarte Staude mit stumpfen, grob gezähnten, 
3 — 5-lappigen, beiderseits behaarten und rauhen Blättern. Der sich einseitig 
spaltende Kelch ist von einem aus etwa io Blättern bestehenden Hüllkelch um- 
geben. Die großen Blumen sind blaßgelb, an der Basis dunkelkarminrot. Die 
Frucht ist lang pyramidal und mit Längsriefen versehen. Bei der Reife springt 
sie von oben nach unten klappig auf. Im Durchschnitt kann man erkennen, 
daß die Kapsel aus etwa io Längsfächern besteht, die um eine Mittelachse 
gruppiert sind, an der die zahlreichen Samen sitzen. Man ißt die Frucht im 
jungen, unreifen Zustand, solange sie noch zart ist. Sie kann für sich als Ge- 
müse gekocht oder mit Fleisch zusammen als Ragout behandelt werden. Immer 
wird man finden, daß das daraus bereitete Gericht etwas schleimig und geradezu 
fadenziehend ist, was vielen unsympathisch ist ; hat man sich aber daran gewöhnt, 
so bildet sie eine angenehme Abwechselung in der hiesigen Ernährung. In 
Deutschland bekommt man die Früchte als Suppeneinlagen bei den feinsten 
Diners meist unter dem Namen okro. 

In Deutsch-Ost- Afrika wird die Pflanze an der Küste wohl bei jeder größeren 
Ansiedelung gebaut, ebenso wie in Zanzibar unter dem Namen mbaviia, mbamiya, 
auch kommt sie hier und da in Usagara und bei Tabora vor. Dann aber kenne 
ich sie erst wieder im Norden aus Uganda, Unyoro, dem Semliki-Tal, den 
Gegenden westlich vom Albert-See und weiter nördlich bei den A-Sande, in der 
ganzen Äquatorialprovinz. Ferner ist sie im ganzen Sudan bis hinüber nach 
Senegambien, in Ägypten, Algier und an manchen Punkten in West-Afrika an- 
gebaut. Ich habe nie gehört, daß sie wirklich wild hier gefunden sei, hier in 
Ost-Afrika ist sie jedenfalls nur angebaut zu finden und wohl stets im Gefolge 
arabischer Kultur. Ich bin überzeugt, daß sie hier im Osten wenigstens eine 
Einführung der Araber ist, auch nach Uganda, Unyoro und in die Länder west- 
lich vom Albert-See wird sie durch die Sudanesen der früheren ägyptischen 
Äquatorialprovinz gebracht sein. Ihr hiesiger Name bamia zeigt schon eine 
arabische Provenienz an ; soweit ich mich erinnere, wird sie manchmal von den 
Sudanesen auch melochia genannt, ein Name, der an der Guinea-Küste (meluchiah) 
ebenfalls gebraucht wird. Eigentlich ist Corchorus olitorius die melochiah 
der Araber, da aber beide Pflanzen schleimige Saucen geben, werden sie vielleicht 
einmal in der Benennung verwechselt. 

Sonst wird die Pflanze noch genannt bei den A-Sande mbogu, bei den 



— 143 — 

Madi tssili, bei den Dor südlich der Djur am oberen Nil ivegiia, bei den Kai in 
West-Afrika hagalu, den Kaffern njatandu, in Kamerun etatamu, in Süd-Togo 
(Ewe)/f//7, in Malandje kipangula, bei den Wamakonde mbinda, bei den Watussi, 
südlich vom Victoria-See mlenda, bei den Wanyamwezi vinaua.*) 

Die Creolen der französischen westindischen Inseln nennen sie caloulou, die 
von Mauritius calo, die Portugiesen in Brasilien quillobo, ein Name, der nach 
De Candolle aus dem Kongogebiet stammen soll, die Portugiesen quingombo, 
die Franzosen und Engländer sagen gambcau, gon/bo oder okkro, auch hört man 
den Namen Lady-fingers. 

Die Araber und Perser nennen unsere Pflanze bamia, bamiya, und dies 
Wort ist in viele Länder des Orients übergegangen, außer hier nach Ost-Afrika, 
nach Ägypten, der Türkei usw. Der Name giiaiaouia in Algier scheint lokal 
zu sein. 

In Indien gibt es die Sanscritnamen gandhamula, darivka, tindisa, heute 
sagt man in den verschiedenen Sprachen Indiens bhendi, vendi, chendi, katavandai, 
ram-turai, dhenras, bendakai, bcnda, die Singhalesen sagen bandaka, die Malayen 
ventak-kaya. Es sind dort demnach überall die mit bcnda, venda, zusammen- 
hängenden W r orte in Gebrauch. Die indischen Bezeichnungen sind ebensowenig 
wie die des Sanscrit in die arabischen Länder gebracht worden. Somit kann 
man vielleicht vermuten, daß die Kultur der Pflanzen an verschiedenen Stellen 
der Erde begonnen hat. Seh wein furth ist der Meinung, daß sie in Ägypten 
heimisch und dort im Lande selbst in Kultur genommen ist, es ist wohl möglich, 
daß ihr Verbreitungsgebiet von Südindien bis nach Oberägypten, vielleicht sogar 
bis nach Senegambien reichte. Hier bei uns halte ich sie für eine Einführung 
der Perser oder Araber, und keine sehr alte, denn sie hat sich nicht viel ver- 
breitet, beschränkt sich auf die Küste und auf die Niederlassungen der Araber. 
In die Gegend des Victoria-Sees und des Albert-Sees wird sie aus dem Sudan 
gelangt sein. 

In x\gypten wurde sie von Ab ul-Abbas-el- Nabati im Jahre 1216 und 
später von Prosper Alpin us 1592 beschrieben. 

Wenn ich aber alles zusammenfasse, glaube ich, daß sie in Indien heimisch 
und dort kultiviert wurde, daß sie ebenso in Oberägypten wuchs vielleicht auch in 
Arabien, und daß sie von den Arabern bei ihren Eroberungszügen durch den 
Sudan bis nach Senegambien und später nach dem Seengebiet geschafft wurde, 
daß sie nach Ost-Afrika erst spät von den Arabern gebracht wurde, vielleicht 
erst durch die Maskatleute. 

Bei uns kommt von den beiden bekannten Varietäten nur die mit schmalen, 
langen Früchten vor, nicht aber die mit kürzeren, rundlichen. 



*) Auf der Goldküste (Tschi-Sprache) heißt die Pflanze okro ; daher Okro in europäischen 
Sprachen. Die Pflanze wurde von Negersklaven mit nach Amerika genommen und wird heute 
unter dem Namen Okro, Okra dort angebaut, z. B. in Kalifornien. (D. Westermann). 



144 



11. Hibiscus Sabdariffa L. 

Meistens als Rosella bekannt. Ein sparriges, kahles Kraut, das bei uns 
oft i '/o Meter hoch wird. Die unteren Blätter sind ganzrandig, die oberen hand- 
förmig mit spitzen, gezähnten Lappen. Die Blüten stehen einzeln, ganz kurz 
gestielt in den Blattachsen und haben blaßschwefelgelbe Blütenblätter mit dunkel- 
braunem Fleck an der Basis. Der fünfspaltige Kelch ist in seiner unteren Hälfte 
fleischig, er wie auch die Stengel der bei uns vorkommenden Varietät sind car- 
moisinrot. Die Sorte mit grünem Kelch und Stengel, die nur zur Fasergewin- 
nung dient, habe ich hier nie gesehen. 

Die Pflanze ist heute in den gesamten Tropen kultiviert; in Afrika ist sie 
in Kordofan, Sennar, im Bahr-el-Gazal-Gebiet, in Zanzibar, im Seengebiet in 
Uganda und Unyoro, in Unyamwezi, in Usaramo, in den Haussa-Staaten, im 
Niassaland, am Zambezi, in Sierraleone, am Tsadsee, in Kamerun und am oberen 
Kongo beobachtet. Überall ist sie nicht in Mengen, sondern einzeln, am Rand 
der Felder, an den Pfaden, bei den Dörfern etc. gebaut. 

Ich habe nicht gelesen, daß sie irgendwo sicher spontan gefunden sei, bei 
uns hier in Ost -Afrika ist es jedenfalls eine nicht häufig gebaute und eine 
eingeführte Pflanze. Ihre Verbreitung fällt hier ziemlich mit der von H. c s eit- 
le ntus zusammen, und es ist mir immer so vorgekommen, als ob beide derselben 
Quelle entstammten. Dagegen spräche allerdings, daß H. e sculentus einen 
fremden, eingeführten, arabischen Namen hat, H. Sabdariffa aber mit ein- 
heimischen Bezeichnungen benannt wird. Nach den Erfahrungen mit anderen 
Pflanzen beweist dieser Umstand aber hier gar nichts; Batate, Mais u. a. haben 
auch ihre echten Negernamen. 

In Usaramo fand ich die Pflanze unter dem Namen menderende, nakaka, 
pombo, tombo, die Wanyamwezi bezeichneten sie mir als houibo. Grant gibt von 
dort den Namen toeoswas an, die Wamakonde nennen sie mhamata, die Watusi 
im Süden des Victoria-Sees lujenge, in Bagamoyo sagte man auch litepeke, in 
Kilwa likondo. Das Gericht aus diesem und anderen Gemüsekräutern nennt man 
allgemein pombo. Bei Kilwa werden die ölhaltigen Samen auch als ufuta ya 
kibanyani (Sesam der Indier) bezeichnet. 

In Indien geben Watt und Balfour keinen Sanscritnamen an, heute heißt 
die Pflanze dort pahva, mesta, lala-ambadi, lal-ambari, bei den Tamilen pulichay- 
kire, den Telugu yerra-gogu, bei den Malayen polecki. Die französischen Kolo- 
nisten nennen sie oseille, also »Sauerampfer« oder grosseille = Johannisbeere, die 
Engländer rosella oder red-sorel. 

Mir ist keine Angabe darüber aufgestoßen, wo die Pflanze in wildem Zu- 
stand einwandfrei gefunden wurde. Amerika wird als Heimatsland auszuschließen 
sein, da die meisten Arten der Gattung Hibiscus der alten Welt und speziell 
von Afrika, von den Mascarenen, Madagascar und den anderen afrikanischen 
Inseln entstammen. 






— 145 — 

Soweit ich gehört habe, wird unsere Pflanze hier nicht zur Bereitung von 
Fasern, sondern nur als Gemüse verwandt. Man verzehrt die fleischigen Kelch- 
blätter, die säuerlich schmecken, roh, oder man kocht sie in Saucen ein, in Zanzi- 
bar kocht man sie mit Zucker und* bereitet ein Gelee davon. Aber sie ist hier 
nicht häufig, und sehr viele Neger kennen sie überhaupt gar nicht. Ich halte 
sie für eine recht neue Einführung der Araber und glaube beinahe, daß sie aus 
Arabien selbst stammt, wofür mir allerdings alle Beweise fehlen. Möglich auch, 
daß sie in den oberen Nilländern oder in Indien heimisch ist. 

Auch die Samen werden zu Mehl vermählen gegessen, und geröstet dienten 
sie den Sudanesen der Aquatorialprovinz während der Abgeschlossenheit des 
Mahdistenaufstandes unter dem Namen karkadeb als Ersatz für Kaffee. 

12. Lagenaria vulgaris See. 

Der Flaschenkürbis oder die Kalebasse ist von den verwandten Gewächsen 
durch seine großen weißen Blüten zu unterscheiden, seine Blätter sind fast kreis- 
förmig, an der Basis herzförmig oder nierenförmig, gezähnelt, aber selten gelappt. 
Die Frucht hat die verschiedensten Formen, ist jung meistens eßbar, bildet aber 
in der Reife eine holzige Schale, aus der die »Kalebassen« der verschiedensten 
Formen hergestellt werden. Man kann da kleine runde, kleine mit einer Ein- 
schnürung, ganz große Formen und- solche mit langem Halse sehen, die letztere 
Form ist ganz charakteristisch für Uganda und Bukoba, zur Aufnahme des un- 
vermeidlichen Bananenweines dienend. Bei Bukoba wird man niemals einen 
Mann ohne diese geliebte Kürbisflasche sehen, in deren langem Hals die rusekke 
genannte Saugröhre steckt, die unten ein feines Sieb hat, damit nichts von den 
im Bananenwein schwimmenden festen Teilen mit aufgesogen wird. Die ver- 
schiedenen Fruchtformen gehören offenbar verschiedenen, konstanten Varietäten an. 

Das Heimatsgebiet des Flaschenkürbis scheint noch weiter zu reichen als 
das anderer Cucurbitaceen, es erstreckt sich wahrscheinlich von den Molukken 
über Indien nach Afrika. Hier hat man die Pflanze in Abessinien, dem Sudan, 
Südostafrika und im Westen wild gefunden, und überall in Afrika ist sie an- 
gebaut, indem die Calebassen ein wesentlicher Bestandteil vom Hausrat des Negers 
bilden, bis tief hinein in den Kongo-Urwald. 

Es handelt sich jedenfalls um ein in Afrika einheimisches Gewächs, das 
wegen seiner Nützlichkeit als Aufnahmegefäß für alles mögliche hier sowohl als 
auch in Indien und vielleicht auch weiter östlich in Kultur genommen wurde. 

Die kultivierte eßbare Sorte hieß im Sanscrit alabu, die bittere kutu-tumbi, 
tiktaka, titkika, in den heutigen indischen Sprachen heißt die kultivierte kaddu, 
lauki, lau, keshniphal, kodu, die bittere tumri, außerdem finde ich noch keddu, 
kabuli-kaddic, tumbu, balashora, titkalau, shorakai, garadudi; die Malayen sagen 
bella-shora, die Perser kaddu. 

Bei den Semiten scheint die Art erst recht spät bekannt geworden zu sein, 
die Schriftsteller sind sich wenigstens nicht darüber einig, ob die alten Ägypter 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. IO 



— 146 — 

sie benutzt haben. Ebensowenig scheinen die alten Griechen sie gekannt zu 
haben. Zu den Römern aber gelangten die Früchte während der Kaiserzeit, und 
man benannte sie nach corbis (Korb) oder corbita (Lastschiff) mit dem Namen 
Cucurbita, mit welchem Wort in der späten Zeit im Italienischen die ganz fremden 
(amerikanischen) Kürbisse ebenfalls benannt wurden. 

Der Flaschenkürbis, besonders der junge, zum Essen in gekochtem Zustand 
gebrauchte heißt in Ost-Afrika an der Küste mumunye, mungimya, die Wassagara 
nennen ihn manghambi, die Wassukuma die großen kissai'c, die kleinen kirere, 
die Wagogo ntungu, die Wanyamwezi cliuJia. ssuka, die Wangoni mangunbondo, 
die W ah ehe itondwe, fihera, die Waregga, westlich vom Albert-Edward-See ibandi, 
in Angola heißen sie bindet. 

Die Wanyamwezi sagen auch makoko (wie in Usambara), die Wamakonde 
matiti, die Wabondei mabodwc . die Wahiyao mangwmbondo, die W T asegeyu 
mayungu, die Wakussu uiiombo, die Wahombo bisabu. die Wadoe mayungu, 
bei Mkalama-Iranji kindi. in Uha viyungu vitevi, in Kiwinza viyungu, vianteli, 
visewa, die Massai amalla. Es wird sich bei diesen Namen meist um die eß- 
baren, jungen Formen handeln. In Süd-Togo (Ewe) sagt man nach Wester- 
mann tre und go. 

In Usambara heißen sie nach Holst kusu, nach Christen nange, die 
Frucht derselben nange, die kleinen Formen kinangi. Bei den Swahili werden 
die hohlen Früchte meist kibuyu genannt, wie die des Boabab-Baumes, manch- 
mal nennt man sie auch dundu, bei den Wanyamwezi ikkulia, den Wagogo 
kipayo, den Wahehe lupayo, den Massai ingirra. Bei einigen dieser Namen wird 
es sich vielleicht um die Luffa-Gurke handeln. 

Ich kann mir kaum ein Negervolk hier denken, das keine Flaschenkürbisse 
kennt, die zu allen möglichen häuslichen Zwecken benutzt werden und die auf 
Reisen das nötige Wasser aufnehmen. Jeder Träger hat sie an seinem Gürtel 
hängen, sei es auch nur als Schnupftabaksdose. So spielen sie im Leben der 
Leute eine sehr wichtige Rolle, da man Flaschen aus Glas doch nur selten hat 
und Tontöpfe als zu zerbrechlich nicht weit mitgeführt werden. Aber nicht 
nur als Gefäße werden sie benützt, sondern die jungen Früchte werden auch 
wie Kürbisse gegessen ; von einer so viel gebrauchten Frucht gibt es natürlich 
auch eine Menge Varietäten. Holst führt aus Usambara 6 Sorten an: ngele, 
mkomba, mbanga, nange, (mit den Unterarten tungo, sisc, magoya-ya-tuinbiii, 
nelluvumbi), koba, makungulu. Wieweit diese Formen allgemein bekannt sind 
oder nur persönliche Wissenschaft des befragten Eingeborenen bilden, muß spätere 
Untersuchung lehren. Fast reife, flaschenförmige, grüne und harte, ziemlich kleine 
Früchte wurden mir hier in Amani unter dem Namen kibonia gebracht. 

13. Luffa cylindrica Roem. 

(L. aegyptica Mi IL) die Luffa-Gurke. Dieses Rankegewächs hat drei- 
spaltige Ranken, langgestielte, 5 — 7-lappige oder 5- — 7-eckige, am Rande unregel- 



— 147 — 

mäßig gezähnte, beiderseits rauh behaarte Blätter, und 1 5 — -30 cm lange, cylin- 
drische Früchte, die mit 10 nicht erhabenen Längslinien versehen sind und an 
der Spitze mit einem Deckel aufspringen. Die in drei Fächern enthaltenen 
Samen sind von einem feinen Flügelrand umgeben. Die Fruchtschale enthält 
unter der Oberhaut ein lockeres Fasernetz, den bekannten Luffa-Schwamm, den 
man zum Frottieren benützt. 

Die Pflanze scheint ein sehr großes Verbreitungsgebiet zu haben, sie kommt 
wild und angebaut von Tahiti, in Australien, in ganz Südasien und im tropischen 
Afrika vor. In Ägypten ist ihre Kultur noch ziemlich jung, die alten Monu- 
mente kennen sie nicht. 

Man wird nicht fehl gehen, wenn man sie für unser Gebiet als einheimisch 
annimmt.*) Die Früchte werden unter dem Namen dodofo**) gern gegessen, 
hier und da werden die der t/ar. triang ularis fälschlich auch als Bamia be- 
zeichnet, ein Name, der sonst der Hibiscus esculcntus zukommt. 

So wird auch der Name einheimisch sein. Bei den Wamakonde (Bez. Lindi) 
heißen sie mäjelele. Ewe : yakutsa "Luftschwamm«. 

Im Persischen heißt die Pflanze khujar, im Arabischen luff; unter diesem 
Namen lernte man sie in Ägypten kennen, und mit demselben Ausdruck werden 
auch die Fasernetze bezeichnet, die von Ägypten, aber viel mehr von Japan, ein 
bedeutendes Ausfuhrprodukt bilden ." Eigenartiger Weise hat man diese Schwämme 
von Ostafrika anscheinend noch nicht exportiert, obgleich sie bei uns sehr üppig 
wachsen, und wenn die hiesige Sorte nicht den Wünschen in Europa entsprechen 
sollte, so könnte man sie hier leicht aus japanischer Saat anbauen. Es wird 
auf ein feines dichtes Gewebe und weiße Farbe Gewicht gelegt. Wie im Tropen- 
pflanzer 1904 berichtet ist, wurden in Amani gezogene Luffa von 20 — 25 cm 
Länge mit 1.75 Mk. die von 25 — 30 mit 2,25 Mk., von 30 — 35 mit 4 Mk, von 
35 — 40 mit 6 Mk., von 40 — 45 mit 8 Mk. und von 45 — 52 cm mit 10 Mk. pro 
100 Stück einschließlich Verpackung frei Hamburg bewertet. Eine zweite Quali- 
tät wurde mit 60 Mk. pro 100 Kilo bewertet. Die Schwämme werden in Ballen 
von 1200 — 5000 Stück je nach der Größe verpackt und dürfen nicht aufge- 
schnitten werden. 

In Hamburg werden in den letzten Jahren fast nur die kleineren »Loofah« 
gesucht, Sorten von 25 — 30 und von 30 — 35 cm Länge, und für diese werden 
nach den Berichten von L. Riebow 13 — 25 Mark pro 100 bezahlt. Man sollte 
denken, daß sich bei diesen Preisen eine Produktion für den Pflanzer lohnen sollte, 
wenn es ihm gelingt, saubere, weiße Stücke zu liefern, wozu wahrscheinlich ein 
»Rösten« in Wasser nötig sein wird. 

Auf San Thome wird, wie Moller schreibt, die Luffa-Gurke von den Ein- 



*) Wittmack hält die Luffa ofierculata Cogn. für amerikanisch. 
**) In Indien heißt die verwandte L. cchinata Roxb., auf Sanscrit tavaki, devadali, 
heute dadail, deodangi, dcotadi. Es ist nicht ausgeschlossen, daß das Swahili-Wort dodoki 
hieraus verdreht ist. 

10* 



— 148 — 

geborenen mammalongo genannt und nur zum Essen benützt. Er berechnet, daß 
jede Pflanze 4 — 5 Früchte trägt, und daß auf einem Hektar etwa 60000 Früchte 
gezogen werden können. Die Ausfuhr von »Schwämmen« scheint bisher nur 
von Japan aus zu erfolgen, von wo man jährlich 9 Millionen verschickt. 

14. Momordica Charantia L., 

in Zanzibar Banyanen-Kürbis genannt. Die Pflanze hat kletternde Stengel und 
in 5 — 7 schmale, gezähnte Lappen geteilte, im Alter fast kahle Blätter, gelbe 
Blüten und eine spindelförmige, stachelwarzige und ein wenig geschnäbelte, orange- 
gelbe Frucht von 15 — 18 cm Länge. Da sie leicht bitter ist, entzieht man ihr 
diese Eigenschaft durch kochendes Wasser. Sie wird auch in Scheiben geschnitten, 
getrocknet oder zu Currysaucen verwandt. 

Die Art findet sich in den gesamten Tropen der alten Welt, sehr viel in 
Indien, aber auch in China, den Malayischen Inseln und Arabien. In Amerika 
ist sie nur angebaut, oder verwildert vorhanden, in Indien, Arabien und dem 
tropischen Afrika kommt sie aber wild vor. Sie ist an der ganzen W T estküste 
recht häufig, im Osten ist sie in Abessinien, Somaliland, Zanzibar, Mossambik 
und dem Zambezigebiet gefunden. Meistens wird die nicht sonderlich begehrens- 
werte Frucht wohl wild wachsen auf Schutthaufen und wüsten Plätzen. 

In Indien ist sie seit der ältesten Zeit bekannt, sie heißt im Sanscrit kara- 
wula, sushavi, in den heutigen indischen Sprachen karela, karola, karli-kakora, 
auf Arabisch qisaul-barri, auf Persisch simahang, karelah. Die Swahili in Zanzi- 
bar nennen die Pflanze mboga-ya-kibanyani, d. h. Banyanen-Kürbis, nach Sacleux 
auch karela.*) Es scheint ziemlich sicher, daß sie in Ost-Afrika einheimisch ist, 
vielleicht aber haben die Hindu auch noch Samen hergebracht. Irgend eine 
ökonomische Bedeutung hat sie nicht, ebensowenig wie die verwandte M. bal- 
samina L., die von Arabien bis Kordofan vorkommt und von den Arabern 
mokah genannt wird, in Indien ebenso oder karelo-jangro. Sie ist auch in Zanzi- 
bar beobachtet worden. 

Von der M. Charantia wurden die Blätter früher in Europa unter dem 
Namen Folia-Papavel, Papari medizinisch verwandt. 

15. Moringa oleifera Lam. 

(M. pterigosp crma Gaert.) Der Meerrettigbusch ist ein 2—3 Meter 
hoher Busch mit abwechselnd stehenden, 2 — 3-fach gefiederten Blättern und 
Trauben von wohlriechenden, weißen Blüten in den Blattachsen. Die Früchte 
sind bis 30 cm lange, in drei Klappen aufspringende Kapseln, die eine Menge 
von rundlichen, dreiflügligen, ölhaltigen Samen enthalten.**) 



*) Bei den Haussa heißt die Pflanze garachunno (?). 
**) Von M. aptera Gaert tu sind Samen in ägyptischen Gräbern gefunden, es warder 



Myrobalanos des Plinius, der scsser in Ägypten. (Schweinfurth). 



— H9 — 

Der Baum wächst in Zanzibar ziemlich häufig, auch an den meisten Orten 
an der Küste, ist aber im Innern nicht bekannt. Es ist eine Einführung aus 
Indien, wo er im Sanscrit sobliänjana, heute shainah, soandja, sonjo, sainga, 
sohanjana heißt, bei den Singhalesen murunga, murangay, bei den Tamilen 
murungai, bei den Persern sanja. Das Bäumchen wächst am Himalaya wild. 
An unserer Küste wird es mronge genannt, also mit dem Namen der Tamilen 
und Singhalesen. Es ist wahrscheinlich nicht von den Indiern hier eingeführt, 
sondern die Araber lernten es in Süd-Indien kennen und führten es hier ein, 
oder aber es gelangte auf dem Umwege über Reunion hierher, wo man es 
mourong nennt, wohl von den französischen Besitzungen in Pondisherry aus. 
Es kann keine alte Einführung sein. 

Die Früchte werden von den Farbigen gegessen. Die geschabten Wurzeln 
haben genau den Geschmack von Meerrettig und sind ebenso wie dieser zu 
benützen, zum Fisch oder gekochtem Fleisch sind sie ausgezeichnet. Aus den 
Samen wird eins der feinsten Öle, das Ben-Öl gewonnen, die beste Sorte durch 
kalte Pressung. Es ist als Salatöl verwendbar, besonders aber in der Uhrmacher- 
technik als feinstes Schmieröl gesucht. Auch ist es seiner völligen Geruchlosig- 
keit wegen vorzüglich zur Aufnahme von Wohlgerüchen in der Parfümeriefabri- 
kation zu verwenden. So sollte sich der Anbau dieses nützlichen Strauches auf 
den Pflanzungen empfehlen, wo man ihn an den Wegen mühelos pflanzen könnte, 
um eine kleine Nebenrente aus seinem Samen zu erzielen und außerdem immer 
»Meerrettig« zur Hand zu haben. 

16. Pedecellaria (Gynandropsis pentaphylla (L.) Schrank. 

Dies 30 — 50 cm hohe Unkraut findet sich jetzt überall in den wärmeren Ge- 
genden der Welt, ist aber nach Amerika eingeschleppt worden. In Afrika ist es wohl 
überall im Busch und auf Schutthaufen zu finden, vom Mittelmeer an bis zum 
Kapland. An den fünfteiligen Blättern und der Rispe mit weißen Blüten ist es 
unschwer zu erkennen. 

An einigen Stellen westlich vom Albert-See wird das Kraut auch angebaut. 
Man macht aus den Blättern eine Gemüsesauce als Zutat zum Mehlbrei. Die 
schleimige Sauce aus ihr ist bei Arabern, Küstenleuten und Wanyamwezi beliebt. 
An der Küste nennt man die Pflanze mwanga, nach Sacleux auch mkabili- 
shamshe, bei den Wanyamwezi mgagani. 

Ich glaube, daß die Pflanze in Afrika wild ist. 

Sie hieß im Sanscrit surjavarta, arkapushpika: heute in Indien hurhur, 
karaila, väminta, tiläi>ana, mäbli, vcla, taivela, waila. 

17. Portulacca oleracea L. 

Der Portulak ist in allen wärmeren Gegenden der Erde zu finden, wird 
aber wohl nach Amerika eingeführt sein. In den warmen Zonen von Afrika 
kommt er ohne Frage wild vor, man findet ihn in Ost- wie in West-Afrika überall 



— 150 — 

in der Nähe der Küste, und . wahrscheinlich wird er auch im Innern sein. Bei 
Mombo wächst er z. B. recht viel. Man nimmt mit D e Candolle vielfach an, 
daß er vom westlichen Himalaya bis nach Südrußland und Griechenland heimisch 
ist und von dort aus in Europa verbreitet wurde. *) Ich glaube aber, daß sein 
Indigenat sich viel weiter erstreckte, und er in Indien ebenso wie im tropischen 
Afrika wild ist. Es ist aber auch denkbar, daß er als Unkraut mit anderen 
Kulturpflanzen hier eingeschleppt wurde. Angebaut habe ich ihn hier meines 
Wissens nie gesehen, die Leute holen sich im Busch die Blätter, um daraus eine 
Gemüsesauce als Zutat zu ihrem Mehlbrei zu bereiten. Die Europäer machen 
einen angenehmen Salat daraus. 

Die Pflanze heißt im Sanscrit lonica. lunia, im Hindustani churza, kursa, 
lonia, lunuk, im Arabischen tirfir, chirkat. richlat, rigl, kurfa, kara-or, baglatul, 
in Algier rijla, urmiba bei den Arabern, bcndcra kccli, tafrita bei den Tuareg, 
im Persischen khurfah, turuk, cholza, und aus diesen letzteren Namen ist über 
slavische Bezeichnungen wohl das deutsche Kraiscl entstanden. Hier in Ost- 
Afrika sagt man meistens mboga-ya-pjuani d. h. Strandgemüse. Bei den Wanyamwezi 
ulungu, bei Machemba mshahala, in Usegua pikahcza. Der große Portulak heißt bei 
den Wanyamwezi bolondita. den Wasegua daugadauga, bei Machemba kitcndcruala. 

18. Raphanus sativus L. 

Ein Rettich, dessen W r urzeln sehr lang gestreckt sind und hellbraune, fast 
weiße Haut haben, wird in Zanzibar und stellenweis auch an der Küste von 
Arabern und Indiern gezogen. Ich vermute, daß er zu der botanischen Art des 
Rettich gehört, den man schon im alten Ägypten kultivierte, den die Griechen 
rhaphanis oder syrmaic, die Römer radiccs nannten, woraus unser Rettich ge- 
worden ist. Es ist eine uralte Kulturpflanze, deren Stammeltern nach De Can- 
dolle's Meinung dem R. Rap hanistrum L. sehr nahe gestanden haben wird, 
und dessen Kultur wahrscheinlich in Süd-Europa oder West-Asien ihren Anfang 
nahm. Unter den Römern wurde sie auch als »syrische W 7 urzel« bezeichnet. Die 
alten Juden kannten sie als fugla, und die Araber haben heute noch dieselbe 
semitische Bezeichnung fugil, figl, fidjcl. fidgel, fe'ijel (Algier). In Indien muß 
die Kultur auch recht alt sein, im Sanscrit heißt die Pflanze muluka, in Indien 
heute uuda, muH, muro, mala. Auch in China ist der Rettich seit sehr langer 
Zeit kultiviert, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß unsere indisch-chinesische 
Sorte von einer anderen Stammpflanze abstammt, als die europäische. Nähere 
botanische Untersuchungen sind nötig, um festzustellen, ob die in Ost-Afrika 
angebaute Sorte botanisch von der europäischen verschieden ist, oder ob es sich 
nur um Zuchtvarietäten handelt. Sie wird in Zanzibar mfigili genannt, und es 
ist anzunehmen, daß es eine recht neue Einführung der Maskataraber ist. 



*) Gray und Trumbull glauben, daß P, oleracea in Colorado und Missuri heimisch 



und schon vor Kolumbus dort angebaut sei. 



— i5i — 
19. Sechium edule Sw. 

Die Chayote oder Chouchou-Gurke ist ein Rankegewächs mit drei- bis 
fünfspaltigen Ranken, großen, herzförmigen bis fünflappigen Blättern und 
gurkenartigen Früchten, die sich aber dadurch von den Gurken und ähnlichen 
Gewächsen unterscheiden, daß sie nur einen einzigen Samen enthalten, der schon 
anfängt auszukeimen, während die Frucht noch an der Pflanze hängt. So kann 
man aus ihr oft V2 Meter lange Schößlinge hervorkommen sehen. 

Ausführliches über diese Pflanze und ihre Verwendung ist von Zimmer- 
mann im -Pflanzer« Band II angegeben. Sie ist in Mexiko und Zentral-Amerika 
heimisch und gelangte früh nach Brasilien und West-Indien. Etwa 1850 ist sie 
von da durch Brunet nach Reunion gebracht worden. Auch in Algier, Portu- 
gal, Indien und Queensland kultiviert man sie. In London und Paris sollen sie 
oft auf den Markt kommen. 

Aus den Früchten kann man verschiedene Gemüse herstellen, sie auch bei 
Zusatz von Zucker, Zitronensaft und Gewürzen als Kompott bereiten. Farciert 
schmecken sie recht gut. Aus den jungen Sprossen wird ein spinatartiges Ge- 
müse gemacht, die Knollen sind eßbar, und aus dem Bast wird ein feines Flecht- 
material gewonnen, das in Frankreich recht gesucht war und aus dem man in 
Reunion feine Flechtarbeiten herstellt. 

Auf Veranlassung von Herrn- Eugen Wolff erhielt die frühere Kultur- 
abteilung des Gouvernements in Daressalam 1895 drei Kisten mit den Früchten, 
die sehr gut ankamen und in Daressalam, Mohorro, und dann auch in Kwai gut 
gediehen. In Kwai wuchsen sie so reichlich, daß mit den Früchten die Schweine ge- 
füttert wurden. Das Gemüse fand aber nicht viele Liebhaber. Da es ein Ge- 
wächs der subtropischen Gegenden mehr als der Tropen ist, hielten die Kulturen 
sich an der Küste nicht recht, und in Kwai wurden sie später leider vernach- 
läßigt durch einen Stellvertreter des Stationschefs, so daß die Kultur hier ganz 
wieder ausstarb und erst 1906 mit einigen aus Zanzibar erhaltenen Früchten 
durch das B. L. I. in Amani wieder eingeführt werden mußte. Dort gedeihen 
die Früchte massenhaft und werden, wenn anderes Gemüse knapp ist, gerne ge- 
gessen. Es sind auch eine Anzahl Früchte verteilt worden. 

20. Solanum esculentum Dun. 

(S. Melongena L.) Die Eierfrucht wird an der Küste bei uns und an 
manchen Punkten im Innern gebaut, aber nirgends viel. Ihre großen, eiförmigen, 
fast immer violetten Früchte dürften allgemein bekannt sein. Die Pflanze wird 
von den Engländern brinjal, bvinjaul, von den Franzosen aubergine, den Portu- 
giesen bcringela, bringiela, bringel/a, den Spaniern aber engena, bereugena, albe- 
rengena, von den Italienern melansana, mala-hisana, melangola genannt. In 
Deutschland wachsen sie wohl kaum, die man in den Delikatessenhandlungen 
erhält, werden von Frankreich oder Algier eingeführt. 



— 152 — 

Die Pflanze wird an der ganzen Küste hier und da gebaut, ebenso in Zanzi- 
bar, Mossambik, an der Somali-Küste, auch etwas in Usambara. Sonst aber 
findet man sie im Innern nur bei den Siedelungen der Europäer oder an den 
Stellen, wo jetzt oder früher Araber sich niederließen. Sie ist viel weniger als 
die Tomate verbreitet. Alles spricht dafür, daß es sich um eine von den Persern 
oder Arabern eingeführte Pflanze handelt ; auch ihr Name wurde mitgebracht, 
denn bei uns an der Küste heißt sie mberingani, mbilingani ; in Usambara soll 
sie angeblich mgogwe heißen, mit welchem Namen aber in Usagara die Tomate 
bezeichnet wird, sonst meines Wissens auch hiesige wilde Solanum-Arten. Bei 
Daressalam von Wasaramo wird sie auch nyanya genannt, ebenso wie die Tomate. 

Über die Urheimat der Eierfrucht sind die Botaniker sich nicht einig. Nur 
weiß man, daß es eine altweltliche Kulturpflanze ist, denn sie war den Sanscrit 
sprechenden Indiern bekannt, und lange vor der Entdeckung von Amerika war 
sie von den arabischen Schriftstellern beschrieben. Wild hat man die Pflanze 
noch nicht gefunden ; sie soll ausarten in eine stachelige Form mit kleinen 
Früchten. Solanum insanum und S. incanum, die in Indien wild sein sollen, 
werden von den heutigen Botanikern als identisch mit der Kulturpflanze ange- 
sehen und sind wohl verwilderte Exemplare gewesen. Von Dutt, Yule-Burnell 
und Williams werden die Sanscritnamen vartaku, hindira, vangana, bliandaki, var- 
daku, liingoli angegeben, während Sir W. Elliot behauptet, daß es keinen 
Sanscritnamen für die Art gäbe. Die meisten Autoren halten Indien für die 
Heimat der .S. e s cnl entu m . während andere, z. B. Sendtner, sie in Arabien 
vermuten. Man kann jedenfalls als sicher annehmen, daß die Araber bezw. die 
Perser die Pflanze verbreiteten. Ibn-Bathair nennt sie im 13. Jahrhundert und 
erzählt, daß schon Rhazes im 9. Jahrhundert von ihr gesprochen habe. Dem 
klassischen Altertum war sie unbekannt und man lernte sie in Europa kaum 
vor dem Anfang des 17. Jahrhundert kennen. (Z. B. 1616 v. P. della Valle in 
Italien). 

Bei den Arabern ist die Pflanze jedenfalls schon recht lange in Kultur, und 
überall nennen sie sie badangan, badinjan, manchmal anscheinend auch kahkam, 
kahkab, anab, niagd*} ivagd, die Perser sagen badanjdn, badi)ijan, und ganz 
ähnliche Worte sind auch in Syrien, Ägypten usw. in Gebrauch. Der Name 
beringani in Ost- Afrika stammt natürlich auch aus dem Arabischen oder Persischen. 
In Nordindien nennt man sie ähnlich : brinjaL badanjan, baigan, begunbiniguna, 
aber auch vartta, vattlaka, bhanta, vange, bong, hingoli, maJioti, bei den Telegu 
vanga, wang, bei den Tamilen vankaya, loanga, den Singhalesen wambatu, den 
Malayen trong. Man vermutet, daß das Sanscritwort bliandaki und das arabische 
badangan zusammenhängen. Nach allem scheint es mir nicht unwahrscheinlich, 
daß die Kultur im Nordwesten von Indien oder in den benachbarten persischen 



*) So wird auch die zu den Solaneen gehörige Ma?idragora autumnalis Spr. ge- 
nannt. 



— 153 — 

und arabischen Ländern begonnen hat, vielleicht außerdem ebenfalls in Süd-Indien, 
daß aber die Araber und Perser die Pflanze verbreiteten, zuerst anscheinend nach 
Syrien und Ägypten , von wo sie dann über ganz Nord - Afrika und in den 
Sudan wanderte. Wann sie nach Ost-Afrika gelangte, ist schwer zu sagen, sie ist 
zwar wenig hier verbreitet, aber ich möchte doch glauben, daß die persischen 
Ansiedler sie etwa im 10. bis 14. Jahrhundert herbrachten. 

21. Solanum Lycopersicum L. 

Die Tomate wird Jedermann bekannt sein. Hier in Ost-Afrika wird nicht 
die große, hochgezüchte Kulturform mit ihren großen gefalteten Früchten, son- 
dern eine kleine Varietät gebaut, (var . c c rasiformc r) deren Früchte kaum die 
Größe von Mirabellen haben. In der Nähe der Küstenorte und an den Kara- 
vanenwegen, aber auch bei den Niederlassungen der Araber ist sie angebaut und 
vielfach verwildert. 

Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Pflanze aus Amerika, und zwar aus 
Peru, stammt und vor der Entdeckung Amerikas in unserer Erdhälfte unbekannt 
war.*) Wie so viele andere Kulturpflanzen hat sie demnach erst nach Beginn 
des 16. Jahrhunderts ihren Zug in die Welt angetreten, und meistens blieb ihr 
der heimische Name tumatle in den Ländern erhalten, wohin sie gebracht wurde. 
So nennen die Malayen sie tamatia, die Indier timati, tamati, allerdings auch 
bhatlc, belatebengana, vilayti-vengan. Auch in Afrika wird sie stellenweis so ge- 
nannt, so von den Kaffern bei Kilimane tamatimati, und bisweilen auch in Zanzi- 
bar mtamati, aber gewöhnlich sagt man dort und bei uns an der Küste mnyanya, 
an der Küste auch matunguja, d. h. Früchte aus Zanzibar, in Usambara etwas 
verdreht zu matunduja, in Usagara sagt man ngogwe, bei den Wamakonde 
mangindwa, (vielleicht Früchte aus Ugindo), im Südwesten des Victoria-Sees 
vilungwana, d. h. die Früchte des Küstenmannes, bei den Wakami umba. bei 
den Wakusu-Manyema suru. Die Haussa sagen gautä. die Tigriner in Abessinien 
tzebi-abiin, die Ewe in Togo agbitsa. 

Teils hat man also Bezeichnungen, die auf eine fremde Einführung direkt 
hinweisen, sonst aber nahm man offenbar die Namen von einheimischen Sola- 
num -Arten wie nyanya, ngogwe. 



*) W. Dürkop (Beitr. z. Geschichte der Tomate. Naiurwiss. Wochenschrift 1907) glaubt, 
daß die von Galen (200 v.Chr.) genannte lycbfiersicon, lycopersion, lycopcrsiitm eine nicht 
näher bekannte, wohl aus Egypten stammende Frucht sei. Unsere Tomate wird zuerst von 
Luigi Anguillara von Padua 1560, dann 1561 von Gessner als £runum aureum vel amoris 
erwähnt. 1572 beschreibt Melchior Guilandinus sie als Americanorum. tumatle; 
wahrscheinlich ist sie dicht vor 1560 aus Peru und Mexico nach Spanien und Portugal einge- 
führt, und wohl zuerst als Zierpflanze. 1588 war sie nach J. Th. Tabernaemon tanus in 
Deutschland allgemein bekannt, nach England kam sie wahrscheinlich um 1 596. Die / ' a r. 
cerasiforme wird nicht vor 1805 von Krünitz erwähnt, ebenso spät eine Form mit unge- 
teilten Bättern. 



— 154 — 

Die Tomate ist zwar viel weiter bei uns verbreitet als die Eierfrucht und 
die Bamia, aber es ist doch auffallend, wie wenig sich dies leicht zu kultivierende 
Gewächs ausbreitete, das überall auf einem alten Schutthaufen ohne Pflege ge- 
deiht. Allerdings wird die Tomate, wenn man sie ganz vernachlässigt, leicht von 
der üppig aufsprießenden einheimischen Vegetation erstickt. Pflanzen von einer 
in die Augen fallenden Nützlichkeit für das tägliche Leben, die hat der Neger 
im Fluge durch den ganzen Kontinent verbreitet, vorausgesetzt, daß sie in sein 
System des Hackbaues hineinpaßten und daß sie möglichst mühelos bessere Er- 
träge gaben, als die Pflanzen, welche er früher baute. Aber für die Tomate, 
die nicht zum Leben absolut nötig ist, hat er nicht viel Interesse bewiesen; sie 
wird hier und da auch von den Einheimischen in kleinen Mengen bei den Hütten 
gepflanzt, ist aber als nicht absolut zur Ernährung nötig nicht allgemein einge- 
führt. Etwas anderes ist es z. B. mit dem Tabak, der als Reizmittel zur Befriedi- 
gung täglichen Genusses dem Neger begehrenswert war; aber eine Frucht, die 
nur gelegentlich eine Zutat zur Ernährung abgab, die lohnt der Mühe des Negers 
nicht. Es ist das wieder ein Zeichen, daß der Neger für alles, was außer seinem 
Hackbau liegt und was ihm nicht mühelosen Ertrag für seine allergewöhnlichste 
notwendigste Ernährung gibt, gar kein Interesse hat, und ohne Zwang oder ohne 
gänzliche Veränderung seiner Lebensbedingungen sind ihm keine Bedürfnisse der 
ein wenig höheren Lebenshaltung beizubringen. Dazu ist eine ethnische Ver- 
mischung nötig, wie wir sie an der Küste hatten. Die Tomate ist in Afrika nur 
durch die Fremden verbreitet worden, die sie mitbrachten und von deren Wohn- 
sitzen aus sie sich dann ein klein wenig verbreitete, nicht aber ist sie wie Mais, 
Maniok, Batate u. a. durch die Neger von Hand zu Hand im ganzen Kontinent 
ausgebreitet worden. 

Christen fand, daß man in Usambara eine runde, große Art (imvirinye), 
eine nianyc mshumaa und eine makunga genannte kennt, von denen letztere 
wenig beliebt sein soll, da die Leute behaupten, daß sie beim häufigen Genuß 
derselben Hodenschmerzen bekämen. 

22. Solanum Boyeri Dun. 

und andere wilde Arten dieser Gattung. Die Früchte einer ganzen Anzahl wild 

wachsender Solanum- Arten werden von den Negern gegessen. Ich gebe hier 

nur die Namen derselben meist nach Engler' s »Pflanzenwelt Ost-Afrikas«: 

5. Boyeri Dun., in Zanzibar und Usaramo mtanguyu genannt, auch mtula, 

funguyu und in Daressalam msamula. Die Früchte werden bisweilen 

gegessen. 

S. guine ense La in., mnavu an der Zanzibarküste, die Blätter werden als 

Gemüse gekocht. 
5. nigrum L., ist in Abessinien, Sennar, bei Voi in Britisch-Ost-Afrika ge- 
sammelt und wird von den Creolen in Reunion, Madagascar, Comoren 



— 155 — 

als brede täglich gegessen, indem man eine Art Gemüsesuppe daraus 
kocht, die als sehr blutreinigend gilt. 
6". p härm acum Klotsch, mtunguya und mlamu an der Küste; ein Decoct 

daraus wird zu Waschungen bei Hautausschlägen gebraucht. 
.S. tomentellatum Klotzsch. msiliro, msinundi, inserua genannt. 
vS. cd nie Dun., das in Zanzibar und an der Küste vorkommt, wird vielfach 
ebenso wie die Eierfrucht genannt, mberingale, mberingani, berinjala, 
auch mbekundja und mgula. 
Sonst hörte ich noch die Namen kibuntu in Usambara, die inkunga von 
Usambara soll am Victoria-See tongo genannt werden, das ngogivc der Washambaa 
soll bei den Wamakonde nombo -matunga heißen. Um was für Arten es sich 
dabei handelt, ist mir nicht bekannt. Vielfach werden übrigens die Arten sicher 
miteinander verwechselt. 



Anhang. 

Es kann nicht Aufgabe dieser Betrachtungen sein, hier alle Gemüse und 
Suppenkräuter aufzuzählen, welche von Europäern auf ihren Niederlassungen an- 
gebaut werden. Die meisten Gemüse der Eingeborenen werden im Vorher- 
gehenden erwähnt sein. Außerdem machen die Leute Gemüsesaucen aus allen 
möglichen wilden Kräutern, ebenso wie der Europäer sich seinen »Spinat« her- 
stellt aus den Blättern von Maniok, Bataten, Bohnenarten, Colocasien, Amaranthus 
und vielen anderen. So gut wie ganz fehlen den Farbigen die bei uns so 
viel als Gemüse gebauten Cruciferen und Umbelliferen. Von letzteren werden 
einige selten angebaute, meist eingeführte Arten bei den Gewürzen erwähnt 
werden. 

Es ist sehr auffallend, daß von den vielen zu den Cruciferen gehörigen 
Gemüsepflanzen in Ost-Afrika von den Negern fast nichts kultiviert wird, und 
daß auch die Araber, Perser und Indier sie hierher nicht eingeführt haben, wo 
ihnen doch die Kresse, der Senf u. a. wohl bekannt waren. So geht die wahr- 
scheinlich aus Persien stammende Kresse, Lcpidium sativum L, jarjir, half, 
resliat der Araber, haleh, towari, turrah-tizkat der Perser, halini, chausam der 
Indier nur bis Abessinien. Anscheinend wurde die Kresse von den Griechen 
im Altertum (Dioscorides) als cardamon bezeichnet, und so nennt man sie 
heute noch in Griechenland. Es ist dies für die Frage nach der Bekanntschaft 
des Altertums mit dem Gewürze Cardamom wichtig. Ebenso geht der Senf nur bis 
Abessinien als sinafitsh im Amhari, oder adri im Tigrinischen. Es ist der cliardal, sap- 
pandan der arabisch-persischen Schriftsteller, chenaf in Algier, (Brassica nigra 
Koch); der rajika, rai, eta. der Indier ist Brassica juncea Hook. Letztere 



- i 5 6 - 

wächst zwar in Usambara verwildert, doch hörte ich nichts von ihrer Kultur. 
Auch alle Kohl-Arten fehlen vollständig. Und daß sie im Innern wachsen, hat 
jeder Europäer hier erfahren. Nur neuerdings bauen einige Indier und Chinesen 
diese Gemüse für den Bedarf der Europäer an der Küste in Zanzibar. Von 
den Europäern werden sie natürlich alle gepflanzt. 

Fenchel, schamar in Egypten genannt, der fenocchio der Italiener, wächst 
zwar bei uns und gibt gutes Gemüse, ist den Eingeborenen aber als solches un- 
bekannt, ebenso wie fast alle Umbelliferen. 



VI. Das Zuckerrohr. 



Saccharum officinarum L. 

Das Zuckerrohr. Von den 13 Arten der Gattung Saccharum, die im 
Index Kewensis aufgeführt sind, finden sich vier in Amerika, eine .S. sponta- 
ne um L. ist tropenkosmopolitisch, eine ist das kultivierte Zuckerrohr, eine ist 
südafrikanisch, die übrigen 6 gehören Asien an. Aus dieser Verbreitung der 
Arten kann man also nichts schließen über die Urheimat des Zuckerrohrs, denn 
keine der wilden Arten kann als die Stammform desselben angesehen werden, 
die noch unbekannt ist und wohl auch nicht mehr existieren wird. Es ist auch 
möglich, daß unsere Kulturpflanze aus der Kreuzung von mehreren Arten ent- 
standen ist. Die älteren Angaben der Botaniker über das Vorkommen von 
wildem Zuckerrohr haben sich als nicht stichhaltig erwiesen. 

Alle Gründe sprechen dafür, daß die Urheimat der Zuckerrohr-Kultur in 
Süd-Asien, und zwar am wahrscheinlichsten in dem östlichen Teil von Nord- 
Indien, Bengalen oder Assam, gelegen hat. In Bengalen gibt es heute noch 
eine Stelle, die nach dem Rohzucker »guru« genannt wird. 

Nach der großen Monographie von C. Ritter ist über das Zuckerrohr viel 
geschrieben, und alles ist in dem Werke von W. Krüger über das Zuckerrohr 
so ausführlich zusammengestellt, daß ich mich hier nur ganz kurz fassen will, 
dem der sich näher dafür interessiert, das Studium dieses letzteren Werkes über- 
lassend. Außerdem verweise ich auf Yule und Burneil. S. 36, 155, 446, 862. 
Im südlichen Vorderasien wird das Zuckerrohr mit vielen verschiedenen 
Ausdrücken bezeichnet; dies läßt darauf schließen, daß hier seine Heimat ist, 
besonders, wo diese Namen von der im Sanscrit gebräuchlichen unabhängig sind, 
wo es ikshu, russala, pundra, pundcrika, sarkara hieß, aus welch letzterem Wort 
im Prakrit sakkara ward. Im heutigen Indien heißt die Pflanze ukh, gama. rikhu, 
us, sherdi usw. Der Name uk, ikshu blieb nur in Indien heimisch, er ist mit 
den ältesten buddhistischen Mythen verknüpft, eine Fürsten-Familie ikshava-aku, 



- i 5 8 - 

d. h. »derer vom Zuckerrohr«, lebt heute noch in Indien. Das Wort sakkara 
aber bekam weltgeschichtliche Bedeutung. So nennen die Perser den Zucker 
sliakar, shakkar, die Türken sheker, die Araber sukkar, sakar. Hieraus ist dann der 
Name in alle europäischen Sprachen übergegangen. Die Pflanze wird von den 
Arabern khassab-sukkar, d. h. Zuckerrohr oder auch kurz khassab genannt. 

Die Madagassen nennen es fare, fari, den Zucker siramami, d. h. »süßes 
Salz«. 

Bei den Malayen heißt es tubbu, taba. der Zucker gula, also ebenso wie 
der rohe Zucker auf indisch (guru). Dies Wort tubbu findet sich dann auf den 
ganzen Inseln bis Neu-Guinea; tubu auf den Philipinen, tuvo auf Borneo, tewu 
auf Amboina, tao, tau* auf den Tonga-Inseln, too auf den Sandwich-Inseln, to auf 
Tahiti usw. 

Woher dieses Wort kommt, läßt sich nicht beweisen, man kann nur ver- 
muten, daß es aus irgend einer indischen Sprache stammt. Der Zucker wird 
in jenen Gegenden aber durchweg mit gula oder sakar bezeichnet, also mit 
Worten, die sicher aus Indien stammen. 

In Cochinchina heißt das Rohr mia, ein Wort das schwerlich etwas mit 
der Swahili-Bezeichnung muwa pl. miwa zu tun hat. 

Der rohe Zucker heißt auf Indisch wie erwähnt guru, der halbtrockene 
khand, Arabisch kand, woraus das deutsche Kandies geworden ist. 

Wenn nicht das Rohr schon in unkultiviertem Urzustand von den Menschen 
ausgenützt wurde, was durchaus wahrscheinlich, so ist jedenfalls seine Kultur 
sehr alt und reicht in die vorgeschichtliche Zeit. Zuerst wird man es nur zum 
Aussaugen benützt, wie jetzt in Afrika, auch wohl aus dem Saft einfache oder 
gegorene Getränke hergestellt haben. Dann kam man wohl zur Eindickung 
des Saftes durch Kochen. Jedenfalls ist die Herstellung festen Zuckers nicht so 
sehr alt. Die 400—500 v. Chr. entstandenen Gesetzbücher des Manu erwähnen 
außer dem Rohr allerdings schon den gula-TwcV&x. Das aus dem Safte gefertigte Ge- 
tränk roma (-Rhum) wird auch dort erwähnt, ebenso, daß man Zucker und vier andere 
Pflanzensäfte zu einem Getränk zusammenbraute (fünf-[indisch]-/<7//.sr//, daraus unser 
deutsches Punsch). 

Die Herstellung von Guru-Zucker aus dem Safte von Palmen war in Indien 
vielleicht früher bekannt, als die aus Rohr, aber auch diese ist zweifelsohne dort 
erfunden, allerdings nur die von rohem, roten Zucker (guru), von kleinkrystalli- 
nischem, ordinärem und nicht raffiniertem Weißzucker (sarkara) und von solchem 
in großen Krystallen oder zusammenhängenden Stücken (khandd). Krüger 
nimmt an, daß die Darstellung des Zuckers in Indien erst etwa 600 n. Chr. be- 
gann, aber der Periplus des Roten Meeres erwähnt (ca. 79 n. Chr.), daß von 
Barygaza im Golf von Cambay Zucker aus Rohr nach den Häfen des Roten 
Meeres exportiert wurde ; die Herstellung muß demnach schon länger bekannt 
sein als Krüger annimmt. 

In Europa hörte man vom Zuckerrohr erst nach den Alexander-Zügen, etwa 



— 159 — 

300 v. Chr. Weder Phönizier noch Juden noch Ägypter kannten es. Erst spät 
wurden Pflanze und Produkt den Römern bekannt, kam aber in allgemeinen 
Gebrauch erst mit den Kreuzzügen. 

Am Ende des 5. Jahrhunderts kam in Persien eine großartige Zuckerfabri- 
kation auf; in der Ruinenstadt Ahwas in Susiana finden wir noch die bedeutenden 
Reste großer Fabrikanlagen. Wahrscheinlich gelangte das Rohr ursprünglich 
aus Indien über die bedeutende Handelsstadt Siraf (in der Nähe des späteren 
Ormus) nach Persien, wo seine Kultur besonders unter den Abassiden so inten- 
siv betrieben wurde, daß dieses Land als die Heimat des Plantagenbaues und auch 
der Raffinierung des Zuckers anzusehen ist. Etwa 640 eroberten die Araber 
Susiana (Shusistan) und kamen so in den Besitz der Zuckerfabriken, die in Ahwas 
noch bis 869 gediehen, als dieser Ort infolge eines Aufstandes der Bewohner 
zerstört wurde ; die Kultur des Zuckers in Persien dauerte aber noch viel länger. 
Es ist hier nicht der Ort, die Verbreitung unserer Kultur durch die Araber 
auf ihren Eroberungszügen nach Ägypten, — wo wahrscheinlich die vervoll- 
kommneten Methoden der Raffinierung erfunden und von da nach Persien und 
Indien gebracht wurden — , und weiter ins Einzelne zu verfolgen. Die Araber 
brachten es nach Marocco, Spanien und Sicilien (827), wo die Kultur sich bis 
zum 16. Jahrhundert hielt. 1422 erhielten die Portugiesen das Rohr aus Sicilien 
und brachten es nach Madeira, 1472- nach der Guineaküste, Anfang des 16. Jahr- 
hunderts ward es nach Amerika gebracht. 

Die Chinesen lernten das Rohr im 2. Jahrhundert v. Chr., (Zucker slü-mi 
= Steinhonig), die Fabrikation des Zuckers aber erst gegen Ende des 7. Jahr- 
hunderts n. Chr. kennen. 

Daß das Zuckerrohr nicht in Afrika einheimisch ist, kann als sicher ange- 
nommen werden. Wann es hier im Osten aber eingeführt wurde, ist recht schwer auch 
nur annähernd zu fixieren. Wie erwähnt, führt der Periplus Rohrzucker als Aus- 
fuhrprodukt von Barygaza (Baroche) nach dem Roten Meer an, er nennt es auch 
für den Hafenort Opone, das heutige Ras Hafun an der Somaliküste; Edrisi 
fand das Rohr ca. 1140 auf Socotra, (wohin es nach Krüger's Meinung schon 
700 gekommen ist), sowie auf der von ihm Zaledj genannten Insel an der Zanzi- 
barküste. Die Portugiesen fanden das Rohr bei ihrer ersten Entdeckungsreise 
1497 an der Ostküste Afrikas schon vor, wo man damals die Bereitung des 
Zuckers aber nicht kannte; ein Araber Solei man fand es 1506 in Madagascar. 
Wahrscheinlich wird man durch Studium der mittelalterlichen Literatur diese 
Fundangaben, noch viel vervollständigen können. 

Wenn man nun, wie wir später ausführlicher darlegen werden, bedenkt, 
daß der Handelsverkehr und die Siedelung in Ost-Afrika vom persischen Golf 
aus vor 79, wahrscheinlich sogar viel früher, begannen und berücksichtigt, daß 
diese Siedelungen in Ost-Afrika unter den Abassiden (750 — 1258) besonders 
stark waren, daß ca. 908 Mugdischu und Barawa, ca. 975 Kilwa von Leuten aus dem 
persischen Golf besiedelt wurde, die dort schon Südaraber vorfanden, und wenn 



— i6o — 

man ferner bedenkt, daß gerade während der Abassiden-Dynastie in Persien die 
Zuckerrohrkultur sehr blühte, so wird man nicht sehr fehlgehen in der Annahme, 
daß zu dieser Zeit das Zuckerrohr in Ost-Afrika eingeführt wurde, also vielleicht 
um das Jahr 900 — IOOO herum. Mit irgend einer Sicherheit kann man den Zeit- 
punkt aber nicht festsetzen. Nach West- Afrika ist es ziemlich sicher Ende des 
16. Jahrhunderts durch die Portugiesen gebracht, nach Reunion gelangte es von 
Madagascar 1664, nach Mauritius 17 12 und nach Natal erst 1852. 

In ganz Deutsch-Ost-Afrika ist das Zuckerrohr heute verbreitet, so weit 
die Regenmengen und die Bodenfeuchtigkeit genügen, aber überall dient es nur 
zum Rohessen, es wird als Delikatesse von den Eingeborenen ausgekaut. Es 
spielt keine wirtschaftliche Rolle außer am Pangani-Fluß, wo sich regelrechte 
Anpflanzungen von Zuckerrohr und sogar Zucker-Fabriken von Arabern etwa 
20 Kim. landeinwärts erstrecken, bei Daressalam, am Mohorro-Fluß und bei Lindi, 
wo ebenfalls einige Pflanzungen sind. 

Das Zuckerrohr wird an unserer Küste muiva pl. miiva (inua pl. mia) ge- 
nannt. Es scheint mir nicht unmöglich, daß dies Wort mit der Bezeichnung für 
Rohrstengel im allgemeinen zusammenhängt, besonders mit den Sorghum-Stengeln, 
die bua pl. inabua (biava pl. mabiuva) genannt werden. Ich denke mir, daß die 
Leute hier die neu importierte Pflanze mit dem Namen einer ihnen bekannten 
Sache belegten, besonders, wo sie die süßen Stengel des Sorghum sicher damals 
schon schätzten. Der Zucker selbst wird mit dem internationalen Namen sukäri 
bezeichnet, der wohl von Indien, Persien oder Arabien für den Handelszucker 
eingeführt wurde. Der Melassenzucker wird ebenfalls mit dem indisch-arabischen 
Namen sukari-guru, der Kandis als sukari-maive d. h. Steinzucker, der Hutzucker 
als sukari-mnara (Turm-Zucker) und der feine Zucker als sukari-mchanga (Sand- 
Zucker) bezeichnet. 

Die Wadigo nennen das Rohr muiva, die Wamakuwa anduwa, die Wahiyao 
muiva, die W T anyamwezi iguwa, die Wapokoma iiva, die Wasukuma ignJia, die 
Wasagara mgua, alles Worte desselben Stammes und denklich Ausdrücke für 
»Rohr«. Bei den Wanyoro heißt es dagegen bikaidjn, den Waganda kjikadju, 
bei Bukoba mivuscha, bei den Wakussu iue?igee, den Walomba sungu, in Kisua 
(Kongo-Staat?) mionge. Die Massai nennen es ali-kiba, die Lur tiankurrn, die 
Kai bo, die Ewe fofong. 

In Usumbura am Tanganika nennt man es muskati, also Produkt von Mus- 
kat. In Abessinien sagt man schonker, (Amhari), magga (Tigrinja), disa (Agau). 

Es wäre interessant, weitere Bezeichnungen in Afrika festzustellen und deren 
Bedeutung zu erforschen, da man an diesem Beispiel sehen könnte, wie ein neu 
eingeführtes Gewächs benannt wird. 

Die von den Eingeborenen gebauten Varietäten des Zuckerrohrs sind hier 
noch nicht studiert. Man pflanzt solches mit grünem, gelbem, violettem und ge- 
streiftem Stengel. 

Von auswärts eingeführt wurden einige Sorten aus Mauritius-Reunion durch 



— 161 — 

die Pangani-Zucker-Gesellschaft und von dem B. L. -Institut aus Java, ferner Rohr, 
das aus Samen in Java gezüchtet wurde und aus Natal die dort Ubu genannte 
Sorte, die aus Brasilien nach Natal gebracht sein soll und die an den Boden 
besonders anspruchslos sein soll. 

Vielfach wird das Rohr an den Berghängen ohne eine Spur von Bewässe- 
rung gebaut, wo es ganz gut gedeiht. Im Pangani-Tal kranken die alten Araber- 
pflanzungen vielfach an Vernachlässigung durch zu mangelhafte Drainage. Dort 
kommt das Rohr häufig zur Blüte. Ein solches Feld gewährt mit den weißen 
federartigen Blütenständen einen imposanten Anblick. 

Die Fabrikation von Zucker ist hier jedenfalls ganz jungen Datums, sie 
geschieht fast überall durch Neutralisieren, Eindampfen und Auskrystallisieren 
des Saftes, so daß roher, brauner Melassenzucker (siikari-guru) und Syrup (assali) 
gewonnen wird. Nur einige Anlagen haben Dampfkraft. Alle sind in Händen 
von Maskat-Arabern, die ihr Produkt nach Zanzibar, der Somaliküste, Süd-Arabien, 
Maskat und dem persischen Golf ausführen, den Rohzucker in Form von kegel- 
förmigen Broden, die von Matten umnäht sind, den Sirup in Petroleumtins ein- 
gelötet. 

1854 legte der Sultan von Zanzibar in Mohayra auf der Insel Zanzibar eine 
Zuckerfabrik unter Leitung des Franzosen Classun an, denen noch einige andere 
folgten. Ende der 80 er Jahre waren sie noch in Betrieb. In den 70 er Jahren 
erbaute der Engländer Frazer eine modern eingerichtete Fabrik in Kokotoni 
auf Zanzibar, die jedoch bald mit großen finanziellen Verlusten aufgegeben wurde, 
die ganzen Maschinen sind dort heute noch in großen Gebäuden vorhanden, man 
versuchte das Unternehmen zu retten durch Umwandlung in eine Cocospfianzung, 
errichtete auch Maschinen für die Ol- und Seifenfabrikation, aber auch dies war 
ein finanzieller Fehlschlag, und schließlich wurde die nun entstandene Cocospfian- 
zung an den Banyanen Yeram Sudjee verkauft. 

Ein ähnliches Schicksal hatte eine Zuckerfabrik im Pangani-Tal. Eine be- 
sonders auf Veranlassung von Dr. Mein icke gegründete Gesellschaft erbaute 
dort eine große und mit allen modernsten Maschinen ausgestattete Fabrik, deren 
Grundstein feierlich am 27. Januar 1898 gelegt wurde. Der Bau zog sich lange 
hin, das Schiff mit den Maschinen havarierte in der Pangani-Mündung, viele der 
Monteure wurden krank, die Mittel waren unzureichend, kurz, die Gesellschaft 
mußte sich schon 1900 durch Aufnahme großer Anleihen finanziell sanieren. 
Endlich am 14. November 1901 begann man mit dem Betrieb, die erste Cam- 
pagne verarbeitete 66000 Ztr. Rohr, das 2300 Ztr. weißen Zucker und 70000 L. 
Rum ergab. Im Jahre 1902 wurden 140737 Ztr. Rohr verarbeitet und 7892 Ztr. 
weißer Zucker, 3000 tins Sirup, und 40000 L. Rum gewonnen. Der Zucker 
wurde an der Küste und in Zanzibar verkauft, der Rum war so gut wie unver- 
käuflich, denn für Deutschland war die Qualität zu minderwertig und in Ost- 
Afrika ist kein Absatz, denn hier darf an Eingeborene kein Alkohol verkauft 
werden, und für den südafrikanischen Markt sorgen die großen Fabriken am 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. II 



IÖ2 — 

Zambezi und in Natal. Anfang 1903 schon mußte die Gesellschaft in Liquidation 
treten, und die Fabrik ward mit allen kaum benützten Maschinen an eine Ge- 
sellschaft verkauft, die an der Fabrik finanziell interessiert war; alles Geld und 
die großen Hypotheken waren verloren. Jetzt liegen die Maschinen unbenutzt da. 

Die Fabrik war darauf gegründet, weniger eigenes Rohr zu bauen als es 
von den umliegenden Pflanzungen der Araber anzukaufen. Es wurde fast kein 
eigenes Rohr gebaut, nur etwas bei Tarawanda versuchsweise. Das Heranschaffen 
des Rohrs auf dem Panganifluß mit Booten war recht umständlich und teuer, 
man konnte sich nicht immer auf die Lieferungen der Araber verlassen, und die 
Fabrik war an einem für die Transportverhältnisse recht ungünstigen Platz er- 
richtet. Der Hauptgrund für das Mißlingen aber war ein nationalökonomischer. 
Der produzierte Zucker ist zu 101,75 — 131,25 Mk. pro Zentner verkauft worden; 
nach seinem Einstandspreise bei der Fabrik konnte er in Deutsch-Ost- Afrika mit 
einem geringen Nutzen verkauft werden, weil der importierte Zucker (fast 
alles Rübenzucker) einen Einfuhrzoll von 10% zu zahlen hatte. In D.-O.-A. aber 
sind nur an 3 — 400000 Kilo Zucker abzusetzen. Die kleinen ersten Ernten 
konnte man also ungefähr hier an den Mann bringen, mit diesen aber konnte 
eine Fabrik bei allen ihren Generalunkosten nicht bestehen, sie war auf den 
Absatz in Zanzibar angewiesen. Dort aber zahlte der Zucker nur 5 % Ein- 
fuhrzoll, den natürlich auch der Zucker aus der Fabrik bezahlen mußte. Da 
nun der Zucker in Zanzibar des geringen Zolls wegen 5 % billiger als in D.-O.-A. 
ist, so ergab sich bei jedem Verkauf dort ein Verlust, eine Differenz gegen die 
Verkaufspreise in D.-O.-A. um 15 %. Der wenige in D.-O.-A. gebrauchte 
Zucker konnte der Fabrik ihrer allgemeinen Unkosten wegen nicht genügen, 
sie mußte im Großen arbeiten, beim Verkauf in Zanzibar aber mußte sie mit 
Verlust wirtschaften, somit gaben die Aktionäre das Spiel auf, da die zweite 
Möglichkeit, zu einem finanziellen Resultat zu kommen, ebenfalls fehlschlug, 
nämlich die Produktion von Rum. Hätte man ein hochwertiges Produkt erzielt, 
so wäre alles gut gewesen, aber den erzeugten Rum wollte niemand trinken. Ich 
bin überzeugt, daß man -diesen Fehler bei wissenschaftlichen Methoden vermieden 
hätte : sorgfältigste Reinkulturen der Gärungsorganismen und Behandlung durch 
einen gewiegten Gärungstechniker waren nötig, denn durch Einschleichen einer 
falschen Hefe-Rasse oder einer Bacterie kann man wie bei Bier und Wein un- 
genießbare Produkte erzeugen. Außerdem ist langes Lagern des Rums nötig, 
damit das Aroma sich entwickelt und das kostet Fässer und Zinsen. Kurz, die 
finanziellen Mittel waren zu Ende, man wollte nichts mehr riskieren und 
liquidierte. 

Am Zambezi florieren einige Gesellschaften ausgezeichnet und produzieren 
eine Menge Zucker, den sie infolge eigenartiger Zollverhältnisse in Portugal und 
infolge der südafrikanischen Zollunion auch in Süd-Afrika absetzen können, ebenso 
wie ihren Rum. Fuchs (Südbahn S. 163) schreibt, daß von dort 1901 ca. 15 50 
Tons, 1902 ca. 4000 Tons, 1904 ca. 6000 Tons ausgeführt seien. Auch in Natal 



— 163 — 

und Mauritius scheinen die Zuckerpflanzungen nicht schlecht zu stehen, während 
sie in Reunion der schwierigen Arbeiterverhältnisse wegen weniger rentieren. In 
ersteren beiden Ländern hat man aber indische Kulis zur Verfügung. 

Ob man in D.-O.-A. die Zuckerkultur noch ermutigen soll? Ich glaube es 
nicht. Es wären billigere Arbeiterverhältnisse, hohe Einfuhrzölle auf fremden Zucker 
und Anschluß von D.-O.-A. an die südafrikanische Zoll-Union nötig, was alles 
sich nicht machen läßt. 

Die Kultur von Rohrzucker hat eben mit der von Rübenzucker sehr schwer 
zu kämpfen, dessen Herstellung zwar schon 1747 von A. S. Marggraf erfunden, 
aber erst 1801 durch die Schule von Ackard ausgebildet war. Seine Produktion 
wurde durch Napoleon im Interesse der Kolonien künstlich verhindert und dehnte 
sich erst später seit 1840 rapide aus. Seit dieser Zeit ist es mit den großen 
Gewinnen am Kolonial-Rohrzucker immer mehr bergab gegangen, sodaß er nur 
noch da rentiert, wo äußerst günstige Arbeiter- und Produktionsverhältnisse sind, 
wie z. B. in Java, oder wo lokale Absatzverhältnisse oder das Zollsystem des 
betreffenden Landes einen rentablen Verkauf ermöglichen. 

Deutsch-Ost-Afrika führt noch eine ganze Menge von dem auf den Pflan- 
zungen der Araber produzierten Sirup und Rohzucker-Melasse aus, in Zanzibar 
hat man der schwierigen Arbeiterverhältnisse wegen die Produktion meines Wissens 
ganz aufgegeben. Das Produkt von -D.-O.-A. geht nach Zanzibar, der Somali- 
Küste, dem Roten Meer, Süd-Arabien, Maskat, nach dem persichen Golf und 
auch wohl nach Indien. 

Die folgenden Zahlen veranschaulichen die Ausfuhr von Sirup, Melassen- 
Zucker und weißem Zucker zusammen. Da aber letzterer kaum in Betracht kommt 
mit Ausnahme der zwei Jahre, in denen die Pangani-Zucker-Gesellschaft welchen 
ausführte, so geben die Zahlen ein ziemlich richtiges Bild von der Ausfuhr der 
ersten beiden Produkte. 



1889 


340000 


Kilo 


1896 


650000 


Kil 


1890 


? 




1897 


920000 


)) 


1891 


710000 


1 > 


1898 


320000 


,3 


1892 


I 1 1 000 


1 1 


1899 


? 




1893 


1 1 000 


J) 


1900 


920000 


? 1 


1894 


700 000 


)) 


1901 


840000 


M 


1895 


150000 


5 > 


1902 


870000 


n 



Von 1903 an werden die Produkte getrennt aufgeführt: 

Roh-Zucker und Sirup: 
1003 931969 Kilo im Werte von 97720 Mk. 

1904 838981 ,, „ „ „ 100 188 „ 

1905 464775 „ „ „ ,, 70165 „ 

1906 347 565 „ „ ,, „ 50432 „ 

1907 194220 „ ,, ,, „ 37764 „ 



IV 



164 



Reiner Zucker: 

1903 1 10402 Kilo im Werte von 28254 Mk. (also noch Produktion der Fabrik) 

1904 6875 „ „ „ „ 1356 ,, 

1905 2792 „ „ „ „ 826 „ 

1906 5184 „ „ „ „ 1520 „ 

Diese kleinen Mengen werden »Wiederausfuhren« sein. 

Dagegen stellt eine ziemlich große Einfuhrziffer den Bedarf des Landes 
an raffiniertem Zucker dar : 



1900 317926 Kilo im Werte von 172 212 Mark 



1901 


390996 „ „ 


„ 229614 


1902 


362967 „ „ 


„ 109973 „ 


1903 


272565 ,, ,, 


„ 89073 „ 


1904 


491 821 ,, ,, 


», 145981 


1905 


514927 >, I, 


,, 191 726 


1906 


922962 ,, ,, 


,, ,, 281 196 ,, 


1907 


870003 ,, ,, 


» 302772 „ 



alle Zuckerarten 

und Syrup 

raffinierter Zucker 



177 175 Ko. üb. d. Binnengrenze. 
75 963 -, „ „ 

1900 — 1902 ist in diesen Ziffern die Einfuhr von Syrup und Roh-Zucker mit 
einbegriffen, die jedoch gering war, von 1903 ist Zucker allein aufgeführt, zu 
dem z. B. 1903 noch 10 610 Kilo Syrup usw. im Werte von 6497 Mark kam, 
oder etwa 4 % vom Gewicht des importierten Zuckers. 

Der raffinierte Rüben-Zucker kommt fast ganz aus Deutschland, nur wenig 
Rohr-Zucker aus Mauritius. 



VII. Die Getreide-Gräser und Futter-Gräser. 



/. Avena sativa L. 

Der Hafer mag hier nur der Vollständigkeit wegen aufgeführt werden, da 
er in unserm Gebiet bis vor kurzem gar nicht und in Afrika überhaupt recht 
wenig angebaut wird. Dies wahrscheinlich aus Vorder- oder Innerasien stammende, 
vorwiegend im Norden angebaute Korn wächst bekanntlich im Mittelmeergebiete 
vielfach in einer wilden Form. In Abessinien wird es angeblich nicht angebaut, 
aber eingesammelt und zuweilen wie Reis gegessen. Da seine Körner aber dort 
nicht von selbst ausfallen, sondern in Ähren bleiben, so wird man es mit einer 
verwilderten Kulturart zu tun haben. Das Getreide heißt dort auf Amhari 
gherama, auf Tigrinja saa und Körincke hat aus Abessinien vier Varietäten 
davon beschrieben. 

In Deutsch-Ost-Afrika wird Hafer seit Jahren auf der Domäne Kwai als 
Futterpflanze angebaut. 

2. Andropogon Sorghum L. 

(Siehe Verbreitungskarte). 

Die Mohrenhirse, Sorghum oder Durra, wie dies Korn auch bezeichnet 
wird, ist bei weitem die wichtigste Getreide-Art in Ost-Afrika. Sie ist es, die 
in dem größten Teile unseres Gebietes das Wirtschaftsleben heute noch bestimmt 
und in früheren Zeiten, d. h. vor der Einführung von Mais und Maniok noch 
weit mehr bestimmte. Es ist das eigentliche Getreide für das tropische Afrika, 
soweit es nicht im Gebiet der westafrikanischen Waldflora oder in zu großer 
Höhe liegt. 

Seitdem De Candolle sein berühmtes Buch über den Ursprung der Kul- 
turpflanzen schrieb, in dem er die Stammpflanze hierfür noch nicht eruieren 
konnte, ist diese jetzt in der A ndropogon halepensis Brotero (Sibth.) mit 
großer Sicherheit nachgewiesen. Es sind zwischen beiden außer der Nicht-Brüchig- 



— 166 — 

keit der Ähren bei der Kulturform kaum Unterschiede nachzuweisen, es gibt so- 
gar Übergänge zwischen beiden, und Kulturformen aus China wurden geradezu 
als A. halcpensis bestimmt. Die Heimat dieser wilden Form ist aber heute 
nicht festzustellen, denn sie ist in den warmen Ländern sehr verbreitet, von Tirol 
und dem südlichen Frankreich an, in Kaukasien, dem tropischen und südlichen 
Asien, Macronesien, auf den Kapverdischen Inseln, in Australien und Amerika, 
hier vielleicht eingeführt. In Afrika findet sie sich in Abessinien, Zanzibar, 
Mossambik, in dem Seengebiet, Natal, Ober-Guinea, Ober-Niger, Kamerun, Angola, 
Kongo, Karoogebiet (nach Engler's Flora), aber wahrscheinlich wird das Ver- 
breitungsgebiet über ganz Afrika gehen. In Ägypten heißt es geraü (Schwf.) 

E. Hacke 1 (Die kultivierten Sorghum-Formen und ihre Abstammung. Bot. 
Jahrb. VII 1886 S. 115) nimmt ebenfalls an, daß alle Formen des Kultur-Sorg- 
hums von verschiedenen Varietäten des A. halcpensis abstammen, und zwar 
ist dabei var. gc nuinus wahrscheinlich nicht beteiligt, die Sorghum - Sorten 
effusus , virgatus, aethiopicus stammen vielleicht auch von der var. pro- 
pinquus ab, die letzten beiden sollen nur afrikanisch sein. Vielleicht waren 
meistens afrikanische Varietäten von halcpensis beteiligt. Die wilden Formen 
haben gegliederte Spindeln, die in den Internodien zerbrechen, bei den Kultur- 
formen bleibt die Rispe zusammenhängend. Wahrscheinlich ist die Naturaus- 
lese bei der Umformung automatisch vor sich gegangen, ohne viel Absicht des 
Menschen, denn die Exemplare mit unzerbrechlichem Fruchtstand konnten leichter 
geerntet und deshalb öfter fortgepflanzt werden. 

Die geschichtlichen Dokumente sagen uns nicht sehr viel über unsere 
Pflanze ; wenn man sie in alten Monumenten oder Schriften gefunden zu haben 
meinte, ist immer der große Verdacht begründet, daß es sich um andere Hirse- 
Sorten handelte. Jedenfalls scheint sie nicht mit Sicherheit in den alten ägyp- 
tischen Gräbern nachgewiesen zu sein. Die erste sichere Nachricht über sie ver- 
danken wir erst Plinius; nur 10 Jahre, vordem er seine Naturgeschichte schrieb, 
war sie aus Indien nach Italien gelangt,*) also etwa im Jahre 60 n. Ch. In 
Ägypten ist Sorghum jedenfalls nicht vor der römisch-byzantinischen Zeit gebaut 
worden. Es sind aber Körner davon in den Gräbern der ptolomäischen Zeit 
gefunden. Es ist immerhin auffallend, daß bei dem wahrscheinlich afrikanischen 
Ursprung des Sorghum die alten Ägypter dies Korn nicht schon in der Urzeit 
kannten. Schwein furth nimmt an, daß die Besiedelung von Ägypten von 
Arabien d. h. von Südosten aus durch Hirtenvölker geschah, die als Hirten 
kein besonderes Interesse an Ackerpflanzen hatten und deshalb den Sorghum 
nicht kennen lernten, daß die Ägypter dann später ihre Kulturelemente, also 
den Ackerbau mit Weizen und Pflug, sowie die Religion, auf dem Wege über 
die Landenge von Suez aus Babylonien bekamen und daß dann eben diese Pflug- 
kultur bei ihnen ausgebildet wurde und nicht die Hackkultur der Neger, für die 



*) Nach Wittmack (Bot. Jahrb. 1904) ist Sorghum in Pompeji abgebildet. 



— \6y — 

Sorghum das beste Objekt ist. Denkbar aber ist auch, daß zur Zeit der Kul- 
turentlehnung der Ägypter der Sorghum überhaupt noch nicht in Kultur ge- 
nommen war oder wenigstens nicht in einem für Ägypter erreichbaren Lande. 
Jedenfalls ist Sorghum die typische Pflanze für den Hackbau der Neger, der sich 
ja fundamental von aller uns sonst bekannten Landwirtschaft unterscheidet. Wir 
kommen hierauf später noch einmal zurück. 

Dies Nichteinführen des Sorghum nach Ägypten in ältester Zeit gibt viel 
zu denken. Der aus dem oberen Nilgebiet bezw. aus den Galla- und Somali- 
Ländern stammende Esel ist in der ältesten Zeit eines der wichtigsten Haustiere 
der Ägypter gewesen, als das Kamel ihnen noch fremd war. Warum ist mit dem Esel 
nicht auch die Haupt-Kulturfrucht vom oberen Nil eingeführt? Es kann sein, daß der 
in Steppen lebende Esel aus Gegenden kam, in denen kein Ackerbau bekannt 
war und die die Ägypter des Weihrauch-Handels wegen aufsuchten, aber es 
kann auch sein, daß religiöse Vorurteile das Betreiben anderer Kulturen ver- 
boten, da die Einführung von Religion, Weizen und Pflug-Kultur jedenfalls eng 
zusammenhängen. Das Ackerland Ägyptens, also das Überschwemmungsgebiet, 
eignet sich vielleicht auch nicht sehr für Sorghum. 

Hier gibt es noch viele Probleme zu lösen, einstweilen kommt man über 
Vermutungen nicht hinaus, und diese führen zur Annahme, daß in alter Zeit der 
Sorghum in der für die alten Ägypter erreichbaren Zone nicht angebaut wurde, 
die ihr Hauptinteresse auf die Weihrauch liefernden Länder im Süden des Roten 
Meeres richteten. 

Jene erwähnte Angabe von Plinius hat nun lange Zeit dazu geführt, 
Indien für die Urheimat des Sorghum anzusehen. Dort ist seine Kultur ja auch 
offenbar recht alt, mindestens 2000 Jahre, es findet sich auch eine Sanscrit-Be- 
zeichnung dafür, zurna, yavanala, was auf noch viel ältere Kultur schließen läßt. 
Aber der Sorghum spielt in Indien keine so sehr große Rolle wie in Afrika; 
es ist mir nicht bekannt, ob dort auch die zahllosen Kulturvarietäten wie hier 
vorkommen. 

Sehr viel Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß Afrika die Urheimat des 
Sorghum ist oder vielmehr, daß die afrikanischen Völker ihn auf ihrer Wande- 
rung aus ihrer östlichen Heimat mit in ihre jetzigen Sitze brachten. Gegen das 
rein afrikanische Indigenat spricht nämlich, daß bei anderen Kulturpflanzen die 
Wanderung von Ost nach West geschah, während der Sorghum schon vor mehr 
als 2000 Jahren in umgekehrter Richtung gewandert sein müßte. Man kann 
in solchen Dingen natürlich nur vermuten, wo Dokumente und eine Stammpflanze 
mit beschränkter Verbreitung fehlen. Es spricht aber vieles für die Heimat in Süd- 
West-Asien und die Einführung nach Afrika in der Urzeit, zusammen mit den von 
Osten kommenden Völkern oder Kulturströmen. In diesem Ealle wäre der Sorghum 
auch in der alten Stammheimat der Neger die Pflanze des ursprünglichen Hackbaus 
gewesen und dort durch die Ausbreitung der wohl in Mesopotamien erfundenen Pflug- 
kultur verdrängt, so daß sie in Asien nun zu einer Art von Reliktenkultur ge- 



— 168 — 

worden ist. Ob nicht spätere Zeiten in Süd-Arabien bis Baktrien mehr bota- 
nische Spuren vom Sorghum in einem Lande finden werden, von dem aus der 
Hackbau mit seinen Trägern, den Negern, wahrscheinlich ausgegangen ist? 

Auf Arabisch heißt Sorghum durra, d Im rat, was an das Sanscritwort zurna 
erinnert und auch ta'am, was einfach »Essen, Nahrung« bedeutet. In Algier sagt 
man auch dräa, da/7, gafouli bei den Arabern (für eine Varietät mit offener 
Caryopse auch bechna), gafouli auch bei den Tuareg. In den heutigen in- 
dischen Sprachen sagt man juar, joar , jowari, jumri , janu usw. , welche 
Worte vielleicht auf das Sanscrit yävanala zurückzuführen sind. Wahrscheinlicher 
aber sind sie desselben Stammes wie die indische Bezeichnung für Gerste, java, 
jova usw. und ebenso für einige Panicum-Arten. Watt sagt sogar juar hieße 
»ein Zweig der Gerste« ; es ist ja denkbar, daß die Sanscritworte dafür nicht 
Sorghum, sondern eine andere Getreideart bezeichneten, oder wahrscheinlicher, 
daß Gerste in Indien schon gebaut wurde, als man Sorghum kennen lernte und 
daß man den alten Namen für das neue Getreide anwandte. Auch dies spricht 
für eine nicht so sehr alte Einführung nach Indien. Die Perser benutzen den 
indischen Namen und sagen juar-i-Jiindi. in Bokharä sagt man dschimgarä, in 
Japan morokosJä. 

Die Kenntnis unseres Getreides ging im Altertum wohl wieder verloren 
oder es ward nicht kultiviert, denn erst die Araber brachten auf ihren Eroberungs- 
zügen dasselbe wieder in die Mittelmeerländer und kultivierten es dort, und aus 
dieser Einführung datieren die heutigen Kulturen in Italien, wo man sorglw sagt, 
welches Wort von dem Arabischen dhurra stammt (d/i wie ein weiches englisches 
th zu sprechen). Stellenweis wird das Getreide dort auch melica, melega genannt. 
Von Italien ist es etwa im 16. Jahrhundert auch in Süddeutschland eingeführt. 
In Tirol baut man es noch jetzt als Futtermittel^ 

Allen Ost-Afrikanern ist der Sorghum unter dem Namen mtai>ia bekannt, 
und sie werden erstaunt sein zu hören, daß dies gar kein Negerwort ist. Es 
ist arabisch, wo td am soviel wie »Speise, Nahrung« heißt. In der Tat wird dies 
Getreide auch nur in den küstennahen Bezirken so genannt, so bei den Swahili, 
den, W'ahiyao usw., und es ist Usus geworden, es allgemein mit diesem Fremd- 
wort zu benennen, aus dem die Wagiriyama muhama, die Comorenser in Johanna 
mrama-mza, die Wadigo muhama machten. Die Wasagara und Wakami nennen es 
ulicmba, (die Wakami auch umba), die Wangoni mapemba, in Kondoa-Irangi Jiemba. 
in Shirati mahemba. Dies Wort scheint eine der ältesten Bantu-Bezeichnungen für 
Sorghum zu sein, die später auch auf andere Geteide angewandt ist z. B. bei den 
Wassegeju mahemba für den neu erworbenen Mais. Auch in Kilimatinde sagt man 
Aemba.*) Im Konde-Unterland am Nordende des Niassa-Sees sagt man neben ma- 



*) Sollte das m'hemba, m ' pemba (p und h werden stets verwechselt wie r und 1), vielleicht 
zusammenhängen mit »pamba«, einer Bezeichnung der Neger für Reiseproviant? Das Essen 
heißt »chakula«, die auf Reisen im Innern mitgeführte Nahrung aber »ßcwiba«. 



— 169 — 

pcmba noch imbila, bei Wildhafen für die helle Sorte mtcta, die dunkle likombe, 
im Ukinga-Gebirge urnbamba. 

Unter anderen Bantu-Völkern finde ich folgende Namen : Bei den Wanyoro 
mogussa,*) in Bukoba mkussa (rote Sorte), bei den Waganda mues/iba, was wohl 
mit mapcDiba stammeseins ist, in Irangi viryo, in Usukuma russiga, bei den 
Wanyamwezi usiga, bei den Wagogo mhasc (rote Sorte), bei den Wapokomo 
am Tana muvia, in Usumbura am Tanganika mponda, in Ujiji luwele, die rote 
Sorte kongc, in Uvinza niasaka, bei den Wamakuwa mele, den Wakussu asangu, 
den Walombo mabelc, in Angola massambala, in Ruanda issakka (pl. anassaka), 
in Okawanga mabäle, mabere, in Ssessubia makila (Passarge). 

Die Schuli nennen es £"«/£, die Madi <?afrz, die Lattuka ahme, die Massai 
biriri, aluguko, ol-möshea, die Dor südlich der Djur am oberen Nil golaio und 
die dort wohnenden Araber anguoleb, die Amhari madshele, die Tigrinja nies helle, 
miseelah, mashilla (was an einen Namen für Reis in indischen Sprachen erinnert), 
die Saho bei Massawa musccla, illari, aivaro. In Ägypten heißt es esh d. h. 
»Brod« und im Sudan dhurra, in Yemen ta'am. in Algier doukna, kultivierte 
Formen dort dari (mit geschlossener Caryopse), bechna (mit offener Caryopse). 
Die Somali am Djuba sagen moordi, ebenso die dortigen Wagoscha, die Galla 
dort mssinga-bintu, die Somali bei Mugoischu aburao für eine hellrotbraune Sorte, 
die dortigen Araber für dieselbe Sorte taham, die Somali bei Mugdischu für eine 
dunkelrotbraune Sorte mit violetten Spelzen mssiggo, die Wakikuyü mörea, möhea. 
die Haussa dawa, die Fullah gäuri und mbaeri, die Kanuri argum, ngäberi, die 
Kargo oi, die Koldagi oigd, die Nuba windin, die Kulfan wie, in Fessan gafoli. 
in Bagirmi wa, Songharay ssaba, haute, Ewe lu, li, fo, in Turkestan dscliugara. 

Sehr viel schließen kann man aus allen diesen Worten nicht. Höchstens 
daß die Bezeichnung der meisten Bantu in Ost-Afrika mhemba, mpemba ist. Da- 
raus aber zu entnehmen, daß allen diesen Stämmen das Korn von einer Stelle 
aus zugeführt wurde, wäre recht gewagt, denn ebenso könnte man sagen, daß 
diese Völker vor ihrer Trennung das Getreide schon besaßen. 

Mehr wird sich vielleicht in Zukunft einmal aus der geographischen Verbrei- 
tung der Varietäten der Sorghum ergeben, doch sind wir in dieser Beziehung erst 
im Anfang unserer Kenntnisse. 

Viel geschichtliche Dokumente über das Alter der Sorghum-Kultur in Ost- 
Afrika habe ich nicht finden können. Aber wenn die Römer es ca. 60 n. Chr. 
aus Indien erhalten haben, wird es damals sicher auch schon in Ost-Afrika ge- 
wesen sein. Das » Getreide«, welches der Periplus des Roten Meeres, diese be- 
kannte Segelanweisung, die die einen aus dem Jahre 79, die anderen aus dem 
Jahre 210 unserer Zeitrechnung datieren, als Ausfuhrprodukt aus Opone, dem 
heutigen Ras Ffafun, erwähnt, wird ohne Zweifel Sorghum gewesen sein. Ende 
des 9. Jahrhunderts berichtet der Araber Abu-Said-Hassan (nach Körnicke), 
daß im Lande der Zendj (Zanzibar) dorah die Hauptnahrung sei, und die Portu- 



*) Vergleiche die Bezeichnung togussa, tokitssa der Abessinier für Eleusine ! 



— 170 — 

giesen erwähnen ausdrücklich, daß sie hier »Negerhirse« fanden (Strandes). 
Diese Kulturpflanze wird schon in prähistorischer Zeit in Afrika eingeführt sein. 
Schumann hat bei der Bearbeitung der Gräser in den »Nutzpflanzen 
Ost- Afrikas« folgende Formen aus Ost- Afrika aufgeführt. 

A. Unter der Gruppe der Obt ectae ist nur eine Varietät bekannt. Va r. 
callomelaena K. Seh. Die Spelzen schließen die Samen ganz ein und lassen 
nur an der Spitze eine kleine Lücke. Diese Sorte wurde von mir in Mamboya 
gesammelt, südwestlich der Unguu-Berge. 

B. Die Se m i n udae, deren Spelzen kürzer eis die Samen sind, ihnen aber 
dicht anliegen. Unter dieser Gruppe werden unterschieden a. effusae, deren 
Fruchtstände offen, flattrig sind und deren Enden etwas überhängen. Var. 
elegans Kckc. Diese Sorte scheint die in den Küstengegenden meistens kulti- 
vierte zu sein. Sie ist aus Usambara unter dem Namen ngoda, aus Useguha als 
jebelc, auch von Mamboya bekannt. Körnecke's Var. bicolor wird auch 
hierher gehören, ebenso die Var. ussuiensis aus West-Ussui. 

Als zweite Gruppe der Seminudae sind die b. contraetae , mit aufrechten, 
gedrängten Fruchtständen zu erwähnen ; darunter mit sich allmählich verjüngender 
Spindel und schwarzen oder dunkelroten Hüllspelzen die Var. StuJilmanii 
Kck. Sie ist von Mkigwa in Unyamwezi, von Mpwapwa, von Kassesse und aus 
Usambara beobachtet. Diese Art wird vor allem im Innern gebaut. 

Eine nahe verwandte Var. concolor K. ScJi. hat gelbrote Hüllspelzen und 
wurde von mir in Kisokwe und Mpwapwa in Ugogo gefunden. 

Bei einer anderen Gruppe der contraetae bricht die Rispenspindel plötzlich 
ab. Die hierzu gehörigen Formen mit gelben Hüllspelzen werden als Var. 
Schenckii Kckc. bezeichnet und wurden in Usegua, unter dem Namen gobero, 
in Usambara als gobelo, kobero bekannt. Hierzu gehören die in Südafrika bei 
Magalie von Schenck, die von Höhnel am Rudolph-See, und die als kikarata 
von Holst in Usambara gesammelten Exemplare. 

Braune Hüllspelzen in dieser Gruppe hat die Var. B au mann i Kcke., 
die als kihufu aus Nord-Usegua und aus Usambara, und als ndagala aus Usam- 
bara gesammelt ist. 

Es folgt die Gruppe c. compaetae mit dicht gedrängter und hängender 
Rispe; darunter mit schwarzen Spelzen und roten Samen die Var. Ondongae 
Kckc., die zuerst im Ambo-Land in S.-W. -Afrika gesammelt wurde, bei uns aus 
Mzigue in Unyamwezi, aus Mwanza, Karagwe und Tum bekannt geworden ist. 
Bei schwarzen Hüllspelzen hat weiße Samen die Var. Neesii Kckc, die eben- 
falls von Turu gesammelt ist. 

C. Endlich folgt die Gruppe niidae, deren Spelzen zur Reifezeit von den Samen 
ganz abstehen und diese frei lassen, indem sie von den Seiten her eingebogen sind. 
Es ist die Var. Ro xb ur gliii H ack., die bei Mpwapwa, aus Usambara als bodo, 
von Morogoro, von Zanzibar, von den Comoren, eine verwandte als mnshoolianiono 
und mshuaka aus Usambara und als mivari aus Mwanza gesammelt wurden. 



— i7i — 

Die Kenntnis der Varietäten wie ihrer Verbreitung liegt noch sehr im Argen, 
und es wäre wünschenswert, wenn von der ganzen Kolonie alle Sorten mit ihren 
Namen eingesandt würden. Endgiltige Entscheidung kann aber nur durch aus- 
gedehnte Kulturversuche getroffen werden, besonders auch um festzustellen, ob 
die Sorten constant sind oder nur durch verschiedene Existensbedingungen er- 
zeugt wurden z. B. durch verschiedenen Boden. 

Jedenfalls fiel mir auf, daß an der feuchteren Küste die helleren Sorten 
mit offenen Rispen, und im trockeneren Inneren, besonders in Ugogo, die aus- 
gesprochen kompakten und dunkel-rotfrüchtigen Formen vorkommen. Die größten 
und weißesten Samen sah ich im Mukondokwa-Tal hinter Kilossa. 

Ich gebe hier noch eine andere Einteilung und Aufzählung von Sorghum- 
Sorten nach Madinier in Sagot & Raoul, Manuel pratique des cultures 
tropicales, da in ihr eine Menge Sorten-Namen von Zanzibar vorkommen. 

I. Ähren offen mit langen und fallenden Seitenzweigen. 

A. bedeckte Caryopse, längere Schuppen oder ebenso lang wie die 

Caryopse. 

a. obere Seitenzweige der Ähre sehr lang. 
Sorghum shlagoa i> a der Zulu, 

,, aus Hundurus, 

,, e Eng ha. der Zulu. 

b. untere Seitenzweige der Ähren länger. 
Sorghum a balais, 

,, schwarze Imphy der Zulu, 

Zuckersorghum von China. 

B. unbedeckte Caryopse, Schuppen kurz. 

a. gelbe oder marmorierte Schuppen. 
Sorghum Suale von Zanzibar, 

,, Zebere von Zanzibar. 

,, Simba von Zanzibar, 

,, Buju von Zanzibar. 

b. rotbraune oder schwarze Schuppen. 
Zuckersorghum von Kaffraria. 
Sorghum mnuka von Zanzibar, 

,, kigwa von Zanzibar, 

,, kikumvi von Zanzibar, 

,, kukula von Zanzibar, 

,, kukuju von Zanzibar, 

Zuckersorghum in Zanzibar. 

C. Caryopse gänzlich frei bei der Reife, 
Sorghum karachi, weiß, von Zanzibar, 

,, karachi, rot, von Zanzibar, 

,, giuniko von Senegambien. 



— 172 — 

IL gerade, dichte Ähren. 

A. bedekte Caryopse, 
Zuckersorghum von China, 
gelbes Sorghum von Ägypten, 

rotes ,, von Nubien und Ägypten. 

B. halbbedeckte Caryopse. 

a. gelbe oder marmorierte Schuppen, 
Sorghum vom Kap, 

Sorghum tsadu khodenne (tigrina) Abessinien, 
,, cocconcha (amhari) Abessinien, 

,, dillea (amhari) Abessinien, 

,, macam ba i a branca von Angola. 

b. braunrote oder schwarze Schuppen, 
Sorghum, weiß, von Chefü, 

,, sangoka/iaa von Zulu, 

,, niaaana von Zulu, 

,, kitombo von Zanzibar, 

,, schwarz, von Angola, 

,, imphi von Zulu, 

2 Sorten von Zanzibar. 

C. Caryopse ganz freie Ähren, umgebogen, 
White Liberian von N. -Amerika. 

III. Ähren dicht, mit ganz kurzen Ästen. 

A. bedeckte Caryopse, 
Sorghum von Ober-Ägypten, 

,, manjicupone (= S. a Iti s simum). 

B. unbedeckte Caryopse, 

Sorghum a'ine-collo (Tigrinisch) Abessinien. 
Später ist von Busse und Pilger eine neue, ergänzende Zusammenstellung 
von teils neuen Sorghum- Varietäten aus Deutsch-Ost-Afrika gegeben (Bot. 
Jahrb. Bd. 32 1903). 
A. Nudae. 

Var. Roxbu rgii Hack. Kisserawe (Usaramo), Kikundi-kwa Sadi (Uluguru) 

Kondoa (Usagara), Kilossa (Usagara). 
Var. vuli f er a Hack. Sokode (Togo). 
Var. usaramensis B. e. P. Pugu (Usaramo), Kiserawe (Usaramo), Kilossa 

(Usagara). 
Var. amp Jiib lus B. e. P. Sokode (Togo). 
Var. Jiirsutus B. e. P. Meato, Ngungumavar (Massai-Region). 
Var. iueundus B. e. P. Ugogo. Hindi. 
Var. inte rmedius B. e. P. Sokode (Togo). 



— i73 — 

B. Seminiidae . 

Var. e leg ans Kcke. Kilossa, Kwa-Wasiri, (Usagara), Sokode (Togo). 

Var. Ondongae Kcke. Seclia (Usagara). 

Var. B aumanni Kcke. Sedia (Usagara). 

Var. S c hum a nni B. e. P. Kiroka (Uluguru), Sedia (Usagara). 

Var. Ziegleri B. e. P. Meatu, Unungumavar, Hindi (Ugogo) »mabähve«, 

Sedia (Usagara). 
Var. Charisianns B. e. P. Usambara, Mpwapwa, Kilossa. Sokode (Togo). 
Var. Ker stingianus B. e. P. Sokode (Togo). 
Var. densis simus B. e. P. Hindi (Ugogo) » hembahemba«- . Diese Varietät 

soll das ertragreichste Getreide der Welt sein, gegen Trockenheit sehr 

anspruchslos. 
Var. calcareus B. e. P. Hindi (Ugogo) »kzgegu«. 
Var. nitens B. e. P. Isali am Bubu (Ugogo) »ludenge«. 
Ich lasse hier noch einige Eingeborenen-Namen von Varietäten folgen, ohne 
auf ihre systematische Stellung einzugehen: 

Bei Kiswere, Bez. Kilwa, sind folgende Sorten gefunden : 
i. mzimbdji, große Körner, langes, dickes Rohr. 

2. rudeda, beste, weiße Körner, die wenig dem Insektenfraß ausgesetzt sind. 
Die Spelzen (niakopo) sind schwarz. 

3. kifuta mit kleinem, flachem Korn. 

4. kinukira pombe, ein dunkles Korn, »das nur nach Hirsebier (pombe) riecht, 
aber nicht dafür verwandt wird«. 

5. kiranga mit offener, lang hängender Rispe. 

6. kundekunde mit stark verkürzter Mittelachse und doldenförmiger Rispe, 
große, rote Körner. 

Die Wakhwere, Bez. Bagamoyo, nennen den Sorghum allgemein nhemba 
und kennen folgende Sorten : 

1. mdura, weiße bis blaßrote Körner. 

2. sebele, weiße, große Körner. 

3. konko, fahlgrüne bis gelbrote Körner. 

4. kihemba, fahlgrüne Körner mit schwarzen Spelzen. 

5. kobero, große rote Körner. 

In Uhehe kennt man weiße, lugngu und rote npemba Körner. 
Die Wadoe bei Saadani haben : 

1 . rote Sorten kihemba-sungu (horngraurote, große Körner, die nicht glänzen) . 

2. rote Sorten kaache-uhemba (Körner rot-glänzend). 

3. weiße Sorten kitembo (hellhornfarben, schwarzer Spelz, einige rote Körner 
darunter). 

Der Wirtschaftsinspektor Christen stellte 1907 in West-Usambara folgende 
Varietäten-Namen fest : kebere, kehiifu, ndagala (beliebteste Sorte zur Mehlberei- 
tung), kobivero, kihembo, kigiva fmgwa-Zuckerrohr, süße Art). 



— 174 — 

In Usegua heißt der Sorghum allgemein uhemba, man kennt folgende 
Sorten : 

1. ndagala, dunkelrote Körner mit violettem Spelz, die Spindel abgebrochen, 
lose Rispe. Wegen des guten Mehles ist diese Sorte recht beliebt. 

2. kihiifii mit abgebrochener, verkürzter Spindel und loser Rispe, hellbraunrote 
Körner mit violetten Spelzen. 

3. Bebele mit verlängerter Spindel, großen weißen Körnern und violetten Spelzen. 

4. kigiva mit abgebrochener Spindel und loser Rispe, braunrote Körner mit 
violetten Spelzen, zuckerhaltig. 

Die in Amani kultivierten Sorten stimmen mit denen in West-Usambara fast 
überein ; die dortige Sorte kobwcro hat hellbraune Körner und violette Spelzen, kanfu 
hat blaßbraunrötliche Körner und braune Spelzen, beide scheinen zur v a r. ele gans 
zu gehören. Die von Washambaa kanduro, von Küstenleuten kitembo genannte Sorte 
hat eine dichte Rispe, deren Spindel plötzlich abgesetzt ist, die aber nicht über- 
hängt, die Körner sind hell-gelb-rote bis hornfarben, die Spelzen violett. Diese 
Sorte scheint zur Var. B dumanni zu gehören. 

Es wird noch sehr vieler Arbeit, die nur an einem großen Vergleichsmaterial 
und im Verein mit Kulturversuchen gemacht werden kann, bedürfen, bis man 
über alle Varietäten völlig im Klaren ist. Die Sammler sollten nicht nur die 
Körner, sondern auch besonders die reifen Fruchtstände einsenden, da die Kultur 
manchmal nicht gelingt und da man die Sorten oft nur an dem Wuchs der 
Fruchtstände unterscheiden kann. 

Von einer besonderen Sorte, die man früher als Zucker-Sorghum, A. sacha- 
ratus , bezeichnete, ist das Mark des Stengels süß und wird von den Negern gern ge- 
gessen. Die Wanyoro bezeichnen diese Varietät als mdissa, die Schuli als ja?ig, 
die Madi als mbembe, die Lattuka als ahme, die Wasambara als kigna, die 
Haussa takanda, die Fullah lakadji, die Kanuri tschibc, die Tigre sängada. 

In Südeuropa (besonders in der Provinz Venezia) wird der Sorghum weniger 
/Du als Getreide gebaut als vielmehr ihrer Rispen wegen, aus denen die sogenannten 

»Reisbesen« und ordinäre Bürsten gemacht werden, deren bessere Sorten auch 
aus den Wurzeln von And. Gry Uns hergestellt werden. 

Heute erstreckt sich der Anbau dieses so ergiebigen und äußerst bequemen 
Getreides über den ganzen wärmeren Teil der Erde. 

In Ost-Afrika wird Sorghum in der ganzen Küstenregion gebaut, aber merk- 
würdigerweise nur südlich vom Pangani-Fluß, während es nördlich davon eine 
ganz untergeordnete Rolle spielt, in Bondei z. B. kaum vorkommt und durch 
Mais und Maniok fast verdrängt ist. Desto mehr finden wir es in Useguha, 
Ukami, Usaramo und den ganzen Südbezirken, dann in Usagara, Mahenge, Liwale, 
Ugogo, Usango, Uhehe, Ungoni, den Ländern nördlich des Niassa (mit Ausnahme 
vom Konde-Land), Unyamwezi, Usukuma und im ganzen Zwischenseengebiet, dort 
am meisten in Mpororo; kurz es bildet die Hauptnahrung im ganzen Gebiet süd- 
lich des Victoria-Nianza, ist im Zwischenseengebiet stark mit Bananen und anderen 



— i75 — 

Kulturen durchsetzt, findet sich dann wieder westlich vom Tanganika, soweit 
nicht der geschlossene Urwald reicht, in dem es fehlt. 

Wie schon erwähnt, spielt Sorghum in der Wirtschaft des ostafrikanischen 
Negers die erste Rolle und ist nur stellenweis durch Neueinführungen wie Mais 
und Maniok zurückgedrängt. Es bildet in den meisten Teilen unseres Gebietes 
den Grundstoff der Ernährung, hauptsächlich in der Form des polentaartigen 




Hauptverbreitungsgebiete intensiverer Sorghum-Kultur. 



Hirsebreis (ugali), neben dem noch die dünnere Mehlsuppe (udyi) und vor allen 
das Hirsebier (pombe) kommt, von welch' letzterem manche Leute fast ausschließ- 
lich leben. 

Die Produktion ist so groß, daß sogar etwas ausgeführt wird, in erster 
Linie nach Zanzibar, wo wohl viel konsumiert, ein Teil aber auch nach Indien, 
Arabien, Ägypten ausgeführt wird. In auf je IOOOO Kilo abgerundeten Zahlen 
wurden ausgeführt : 



176 



1889 i 77 0000 Kilo. 

1890 3610000 

1891 4520000 

1892 2200000 

1893 4160000 
1884 2 180000 
1895 20000 



1897 



2 100 000 Kilo. 

6280000 „ 

1898 718000 ,, 

1899 2206000 ,, 

1900 4084000 ,, 

1901 978000 ,, 

1902 3 191 000 



Hierbei ist in der Statistik Sorghum, Pennisetum usw. zusammengerechnet, 
da aber das erstere ganz bei weitem überwiegt, geben die Zahlen annähernd 
ein Bild der Ausfuhr von Sorghum. Von 1903 an wird Sorghum-Matama be- 
sonders aufgeführt: 



1 9°3 3 7 1 1 1 96 Kilo im Werte von 2 1 7 1 66 Mk. 

1904 1028254 „ „ „ „ 88338 „ 

1905 266931 ,, ,, ,, ,, 23200 ,, davon 391 Kilo über die Binnengrenze. 

1906 12768 „ „ „ „ 1756 ,, „ o „ „ „ 

1907 231 261 „ „ „ „ 28563 „ „ 7431 „ „ „ 

Über die Binnengrenze kamen nur wenige Kilo zur Ausfuhr. Der große 
Rückgang 1895 ist auf Heuschreckenschaden zurückzuführen, die geringe Aus- 
fuhr 1905/06 vielleicht auf großen eigenen Verbrauch im Lande durch die Bahn- 
bauten. 

3. Cynodon dactylon Pers. 

Das Bermuda-Gras soll hier wenigstens kurz erwähnt werden. Es ist in 
den tropischen und subtropischen Ländern der ganzen Welt wild vorhanden, 
und es ist auch in Deutsch-Ost-Afrika fast überall in so üppiger Entwickelung wild 
zu finden, daß man die winzige europäische Pflanze kaum wieder erkennen 
kann. Dies Gras bildet im Süden von Nord-Amerika die Grundlage der Weide- 
wirtschaft und ist da als »Bermuda-Gras« bekannt. In Indien bezeichnet man 
es meist als Dtib-Gr^s, (Bengalen durba, Deccan liariali, (Sanskrit dürva). Über- 
all, wo man in Indien Rasenflächen anlegt, nimmt man nur diese Grassorte, die 
sich schnell ausbreitet und vermöge ihrer Ausläufer den Boden rasch festigt. 
Es ist wohl das beste Futtergras der Tropen. 

Es ist in Deutsch-Ost-Afrika schon seit langem, z. B. in Daressalam, zur 
Herstellung von Rasen benützt, entwickelte sich aber auf dem dortigen mageren 
Boden nicht so schön, wie in Zanzibar. In größerem Maße ist dies Gras durch 
das Biol. Landw. Institut Amani verbreitet worden "(seit Ende 1903), und jedes 
Jahr werden Hunderte von Säcken mit Wurzeln desselben von hier aus verteilt, 
so daß seine Kultur zu Weidezwecken und zur Anlage von Rasen allmählich 
ganz allgemein wird. 



i77 



4. Eleusine coracana Gärtn. 

(Vergl. Verbreitungskarte). 

Das Eleusine- oder Ulesi-Korn wird den meisten an der Küste von Deutsch- 
Ost-Afrika lebenden Europäern unbekannt sein. Es ist eine kleine angebaute 
Grasart, an deren Halmspitzen eine Rispe von 3 — 8 Spindeln steht, die meist 
etwas nach innen gekrümmt sind und an ihrer Außen- bezw. Unterseite eine 
Menge winziger Ährchen tragen. Die Pflanze wird, wo ich sie gesehen habe, 
30 — 90 cm hoch. Ihr Korn ist klein, rundlich, etwas dreikantig und mit bogig 
aufsteigenden, oft ganz versteckten Kämmen versehen. Körnicke unterscheidet 
4 Varietäten: Eine mit geraden Scheinähren und drei mit nach innen gekrümmten, 
die schwarze, rotbraune und weißgelbe Samen haben. Die von mir in Afrika 
beobachtete Sorte hatte stets etwas gekrümmte Scheinähren und schwarzbraune 
Samen. (In Uhehe soll es zwei Sorten geben). Das aus diesem Korn bereitete 
Mehl ist bitter, läßt sich nicht von den harten und kieseligen Samenschalen 
trennen und bildet deshalb eine für Europäer recht wenig begehrenswerte Nah- 
rung. Auf der Expedition mit Em in Pascha hatten wir aber monatelang kein 
anderes Korn und mußten notgedrungen unsere >Kissra ( daraus herstellen lassen. 
So schlecht aber dieses unter den Zähnen knirschende, bittere Mehl zum Essen 
ist, so gut eignet es sich zur Bierbereitung; die Neger malzen es erst richtig, 
wodurch die Bitterkeit nicht verloren geht. 

Dies Korn findet sich heute in Süd-Asien von Japan über Süd-China, Java, 
Bali, Amboina, Ceylon bis Ost-Indien und Kaschmir angebaut. In Afrika ist 
es in der Cyrenaica und einigen Oasen, besonders viel in Abessinien, im ganzen 
tropischen Afrika, — soweit es sich nicht um die Gebiete der westafrikanischen 
Flora handelt — , bis zur Grenze der südafrikanischen Region in Natal und Trans- 
vaal angebaut. In Süd-Angola ist es z. B. noch vorhanden, wahrscheinlich auch 
im Ovamboland. Durch den ganzen Sudan scheint es verbreitet zu sein. 

Man nimmt jetzt allgemein an, daß unser Korn von der Eleusine in die a L. 
abstammt, die man als Unkraut heutzutage überall in den Tropen, sogar in 
Amerika findet. Diese wilde Form unterscheidet sich von der kultivierten wie 
in manchen ähnlichen Fällen dadurch, daß bei ersterer die Samen bei der Reife 
aus den Ährchen herausfallen, während bei der Kulturform sie darin haften 
bleiben und erst durch Schlagen oder Dreschen herausbefördert werden. Die 
wilde E. indiea findet sich z. B. hier in Amani, und die Leute erzählen, daß 
sie in Zeiten der Hungersnot oder auch wenn sie besonders Appetit darauf haben, 
bei sich zu Hause die wilde Sorte zum Verzehren einsammeln. Es ist ein dünn- 
ähriges Gras. Prof. Uhlig fand eine hier in Herbarium als E. coracana be- 
stimmte Eleusine wild in 2000 m Höhe am N. E. Hang des Meruberges. Sie 
sieht durch ihre dünnen, langen Ähren sehr der E. indiea ähnlich. Vielleicht 
ist sie die wilde Form. Auch im Zwischenseengebiet ist sie gefunden und wird 
wohl sehr weit verbreitet sein. 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 12 



- i 7 8 - 

So weit ich bisher orientiert bin, wird das u/esi-K.om in D.-O.-A. an der 
Küste jetzt wenig oder gar nicht gebaut, die Hauptkulturzone erstreckt sich in 
einer breiten Region vom Norden (Sudan und Abessinien) herunter in allen Ge- 
bieten, die von den sogenannten jüngeren Bantu bewohnt werden, also im ab- 
flußlosen Gebiet zwischen den Pare-Bergen, dem Kilimandjaro, Unguu und Usa- 




Deutsch-Ostafrika 

1 : 12 000 000 

100 200 300 



Verbreitungsgebiete intensiverer Kultur von Eleusine coracana. 



gara einerseits und dem Victoria-See andererseits, außerdem in besonders großer 
Ausdehnung von Lattuka-Unyoro durch Uganda und den ganzen Zwischenseen- 
völkern bis weit nach Süden. Auch westlich vom Albert-See ist unser Korn 
noch viel zu finden. In Ussukuma und Unyamwesi ist es zwar vorhanden, 
spielt aber keine entscheidende Rolle im Haushalt des Menschen, in Uhehe 
scheint es schon mehr gebaut zu werden, und in Ungoni (Bez. Songea) ist es 



— 179 — 

die Hauptkultur.*) Es scheint dann durch die ganzen Gebiete der afrikanischen 
Savannen- und Steppenregion zu gehen bis nach Transvaal und Natal sowie 
nach Süd -Angola, vielleicht bis zum Ovambo-Land. Wie weit es an den 
verschiedenen Orten eine wesentliche Rolle im Haushalt des Negers spielt, ist 
schwer zu beurteilen, überall dient es bei der Bierbereitung, aber in manchen 
Teilen des Sudan, im Zwischenseengebiet und ganz besonders in Abessinien 
bildet es eine wichtige Brotfrucht. In Usambara scheint es jetzt kaum noch an- 
gebaut zu werden, ich konnte 1907 keine Saat mehr auftreiben. Man hat dort die 
Kultur verlassen. 

Die Verbreitung in D.-O.-A. läßt scheinbar vermuten, daß es in breiter 
Front von den nördlichen Gegenden des Sudan und Abessinien nach Süden ge- 
bracht wurde, dem Strome der Völkerbewegung der jüngeren Bantu und der 
Hamiten des Zwischenseengebiets folgend. Aber ich möchte dieses nur für 
einen Scheinschluß halten; das Korn ist so weit auch in anderen Ländern 
von Afrika verbreitet, daß seine Einführung jedenfalls auf sehr alte Zeiten zu- 
rückgeht und nicht nur auf die verhältnismäßig neuen Wanderungen jener Völker. 

Die sechs Arten der Gattung Eleusine sind nach Engler in den Tropen 
der alten Welt zu Hause, die heutige Verbreitung der Stammpflanze unseres Ge- 
treides E. indica aber läßt keine Schlüsse auf die Heimat der Kulturform zu, 
denn sie ist überall als Unkraut, sogar in Amerika und Spanien, zu finden, wir 
können nur vermuten, daß es ursprünglich eine der afrikanisch-indischen Floren- 
region angehörige Art gewesen ist. 

Irgend welche historische Überlieferungen geben uns keinen Fingerzeig. In 
den alten ägyptischen Monumenten findet sich kein Zeichen der Eleusine, den 
Griechen und Römern war sie nicht bekannt. In Indien muß die Kultur aber 
schon recht alt sein, denn im Sanscrit finden sich die Namen rajika, ragi, raga 
dafür, was heute in Südindien als ragi noch erscheint.**) Wahrscheinlich haben 
die arischen Völker sie schon bei ihrer Einwanderung in Indien vorgefunden. 
Körnicke gibt an, daß die Pflanze zuerst im Anfang des 1 5. Jahrhunderts in 
einem chinesischen Werk Kiu-huang-pents'ao erwähnt sei, dann 1563 von Garcia 
del' Orto und 1689 unter dem Namen Coracan aus Ceylon von Knox be- 
schrieben wurde. Aus alle diesem können wir nur schließen, daß sie in Indien 



*) Nach Uhlig's Wirtschaftskarte sind folgende Distrikte mit Eleusine-Kultur angegeben : 
Kilimandjaro, Aruscha, Wassi bei Kondoa-Irangi, Tum und Ikungu, Kilimatinde, Fipa, Ussangu, 
die Gegend zwischen Tanganika- und Niassa-See mit Ausnahme des Konde-Landes, das Hoch- 
land nordöstlich vom Niassa, Ungoni, Uhehe, Süd-Usagara, eine Streke West und Südwest 
von Mpwapwa, Schirati, Usindja, Urundi, Ruanda, Ussuwi, Mpororo, Karagwe und Kisiba. 
Wahrscheinlich werden bei näherer Forschung noch mehr Stellen dazukommen, doch kann 
man stets die vom Massailand herunterkommende Zone, die bis zum Niassa reicht und die 
Zwischenseenzone unterscheiden, während die Küste und das Zentrum (Unyamwesi-Ussukuma) 
diese Kultur kaum haben. 

**) Nach Yule und Burnell von Sanskrit räga »rot«. 

12* 



— 180 — 

seit wahrscheinlich mehr als 2000 Jahren angebaut ist. Körnicke ist nun der 
Meinung, daß das Urheimatland in Afrika zu suchen sei und daß die Bezeich- 
nung murua in Bengalen und murwa im Innern von Afrika auf sehr alte Be- 
ziehungen zwischen diesen beiden Ländern deutet. Dies letztere ist ein Irrtum, 
denn die Bezeichnung murwa in Innerafrika stammt von Grant, dieser aber war 
aus dem Dienst der ostindischen Compagnie 1857 nach Afrika gekommen und 
wandte in diesem und anderen Fällen die ihm geläufigen indischen Namen für 
Kulturpflanzen an. die er hier in dem ihm neuen Lande wieder antraf. 

Die Elcusinc hat ihren botanischen Namen von der Stadt Eleusis erhalten, 
wo die eleusinischen Feste der Göttin des Ackerbaus Demeter gefeiert wurden, 
der Name hat wohl sicher mit der ostafrikanischen Bezeichnung ulesi nichts als 
eine zufällige Ähnlichkeit gemein. 

In Indien heißt dies Getreide niarua, munia, mandua, makra, kodra, nagli, 
nuchani, ragi, bei den Tamilen cora, den Singhalesen cuvacan, ktirakhan, bei den 
Telinga pcdda, gross-sulu, bei den Persern mandiuah. 

In Ost-Afrika konnte ich folgende Namen feststellen : in der Küstenzone 
nennt man es uimbi, uwimbi, im Zentrum von D.-O.-A. ulezi, ulesi (Usagara, 
Usambara, Süd Tanganika), woraus bei den Wassukuma rurcgi, buregi, in Schirati 
uveri, am Niassasee malczi, in Unyamwesi und Uhehe ulegi, ulezi wird. In Usegua 
und Ukhwere uhoni, in Ugogo mhoni. Am Kilimandjaro wird es mpege, mbeye, 
bei Bukoba burro, in Ruanda ivurru, in Uganda bulo, in Uha und Ujiji ivido, in 
Uvinza bulwe, in Unyoro buita, bei den Wahiyao usanyec, den Wamakuwa marubi, 
in Ungoni lipoko und in Süd-Angola luku genannt. Ganz different lauten die 
Bezeichnungen der Nicht-Bantu -Völker : Die Massai sagen dabo., driga oder guruma, 
in Britisch Ostafrika ol-oikembc, ebenso wie die Wahikuyu okcmbc, die Abessinier 
dagussa, tocussa, dagusha, unter welchem Namen das Getreide viel in der Literatur 
bezeichnet wird, die Lattuka avaloliro, die Madi duchui, a-giro, a-giovo, die Lur 
und Schuli kahl, die Mangbattu njctjimbo, die A-Sande monlu und alle Sudanesen 
telebun (bisweilen auch duchn, womit sonst Pennis c tu 111 benannt wird). Die 
Araber im Somaliland sagen dokhn, die Somali in Mugdischu u'cmbe. Merkwür- 
dig ist, daß der Name dagussa sich als ukussi bei Mkalama und Irangi wieder- 
findet. Ob man das marubi der Wamakuwa auf das indische niarua zurückführen 
darf, ist mir höchst zweifelhaft. 

Aus allen diesen vielen afrikanischen Bezeichnungen kann ich einst- 
weilen gar keinen Schluß auf die Heimat dieses Getreides ziehen, die 
Namen werden hoffentlich in Zukunft durch die Sammeltätigkeit der hiesigen 
Europäer noch vermehrt werden, wobei besonders darauf zu achten wäre, ob nicht 
verschiedene Sorten des Getreides unter verschiedenem Namen bekannt sind, wie 
es in Abessinien die schwarze zellimo dagussa, die rotbraune gaijc dagussa und 
die weiße zada dagussa gibt. Erst wenn wir eine ganz vollständige Übersicht 
der Varietäten mit allen ihren Namen bei allen afrikanischen Völkern haben, 
können wir mehr Schlüsse erhoffen. 



— 181 — 

Einstweilen möchte ich aber nicht annehmen, daß dies Getreide nur in Afrika 
seine Urheimat hat und von dort vor mehr denn 2000 Jahren nach Indien und 
wohl viel später bis nach Japan einerseits und in die Cyrenaika und Unter- 
ägypten andererseits gelangte. Der Völker- und Kulturstrom geht von Ost nach 
West, nicht umgekehrt. Die ganz außerordentliche Verbreitung und die variablen 
Namen in Afrika lassen aber auch an sich nicht ohne weiteres den Schluß zu, 
daß die Elens ine aus Asien nach Afrika eingeführt ist. Wenn man aber be- 
denkt, daß ganz gleiche Sprachverwirrungen auch bei nachweislich erst seit kurzem 
eingeführten Kulturpflanzen (Mais, Manihot) vorliegen, so ist es sehr wohl möglich 
und sehr wahrscheinlich, daß eine solche Einführung von Asien aus doch statt- 
gefunden hat, wenn in diesem Falle auch wohl schon in der Urzeit, als die Bantu 
von ihrer Urheimat von Nordost nach Südwest vordrangen. Man müßte die 
Heimat dann in Süd- Arabien oder am persischen Golf suchen. Bei der weiten 
Verbreitung der wilden Elcnsinc indica und in Anbetracht der Tatsache, daß 
Süd-Asien und Ost-Afrika in ihrer Pflanzenwelt sehr viele enge Berührungspunkte 
haben, ist es auch vielleicht denkbar, daß die wilde Grasart, deren Samen man 
noch heute einsammelt, in verschiedenen Gegenden in Kultur genommen ist. Bis 
wir nicht durch die genaue Kenntnis der Varietäten und weitere Sprachforschungen 
genaueres wissen, möchte ich bis auf weiteres auch diese Möglichkeit zulassen 
und mich bei diesem Grase über die Unwahrscheinlichkeit hinwegsetzen, daß 
ganz verschiedene Völker die Kultur einer Pflanze unabhängig voneinander er- 
funden haben. 

Ich habe das Gefühl, daß in früherer Zeit die Eleusine in Ost-Afrika 
mehr verbreitet war als jetzt ■ — an der Küste kennt man sie meist nur vom 
Hörensagen — ■ und daß sie in vielen Gegenden und besonders an der Küste 
schmackhafteren und ergiebigeren Getreidearten (Mais, Sorghum) weichen mußte, 
wie dies auch wahrscheinlich mit der Kolbenhirse und den Jams der Fall war. 

5. Hordeum distichon L. 

Die zweizeilige Gerst2 sowie die nahe verwandten Arten H. tetvastichon 
und H. he xasti chon L., die vier- und sechszeilige Gerste, fehlen in Ost-Afrika 
merkwürdiger W T eise völlig, wenn man von ganz neuer Einführung durch das 
Gouvernement auf der Domäne Kwai usw. absieht. Die Stammform der zwei- 
zeiligen Gerste mit zerbrechlicher Ähre, H. spontane tun , ist wild in Vorderasien 
in den Ländern zwischen dem Kaspischen und dem Roten Meer gefunden. Die 
zweizeilige Gerste wurde bei den Pfahlbauern der Schweiz, die sechszeilige eben- 
dort und in den ägyptischen Monumenten gefunden. In China und Indien ist 
die Kultur jedenfalls uralt. In letzterem Lande wird jetzt fast ausschließlich die 
sechszeilige Sorte gebaut. Die Gerste heißt im Sanscrit yava, yavaka, sitnshuka, 
in Indien java, jaiva, suj, jab, jau. jowa, yurk, soa usw-, in Afganistan nennt 
man sie jao, auf persisch ebenso, auf türkisch arpa und auf arabisch shaair, shair. 
Daraus ist dann das Swahili -Wort shayiri geworden. Die Gerste kommt nämlich 



— 182 — 

dann und wann auf den Markt in Zanzibar, wird aber nicht gebaut, offenbar ist 
sie hier aus Arabien und nicht aus Persien oder Indien bekannt geworden., 

In Abbessinien werden, wie K ö r n i c k e angibt, nicht weniger als acht 
Varietäten der H, distichon gebaut, darunter die in Yemen kultivierte v. de- 
ficiens und die aus Persien und Assyrien bekannte v. s p ontaneum , die wilde 
Urform. Ferner zwei Varietäten der vierzeiligen und fünf Varietäten der sechs- 
zeiligen Sorte. Die Tigrinja nennen sie sögkem, sigani, ssegäm, die Saho adelaii, 
die Amhari gcbs. Auch aus Timbuktu ist die Kultur der Gerste bekannt. Die 
Tuareg in Algier nennen sie timzine. In Südeuropa und der Türkei wird die 
Gerste heutzutage vor allem als wichtigstes Pferdefutter gebaut, in Mitteleuropa 
aber als Bier-Produzent, das sie im Altertum schon war, denn Xenophon erzählt, 
daß die Zehntausend in dem heutigen Armenien Gerstenbier mit Strohhalmen 
tranken, da man so den Mitgenuß der vielen darin schwimmenden Getreidekörner 
vermied, und ebenso wird in Armenien heute noch das dort busa genannte Ge- 
tränk genossen. 

6. Leptochloa chinensis (Roth) Nees, 

ein einjähriges, nachblättriges Gras, das mit der Rleusine coracana eng ver- 
wandt ist. Im Jahre 1896 brachte Gouverneur Dr. von Wißmann aus Usagara 
die Pflanze und deren Samen nach Darressalam mit der Angabe, daß bei der 
damaligen durch Heuschrecken verursachten Hungersnot die Eingeborenen die 
Samen der wilden Pflanze sammeln und zu Brotmehl verarbeiten. Es ist ein 
Gras, das außer im tropischen Afrika auch noch in Asien bis Japan und in Nord- 
australien vorkommt und das vielleicht als Unkrautpflanze hierher aus Asien ein- 
geschleppt ist. 

Es ist dies ein sehr interessanter Fall, wie wilde Gräser als Mehlfrüchte ge- 
sammelt werden, in ähnlicher Weise werden in der Urzeit die heute angebauten 
Getreidearten verwandt und allmählich durch Auslese veredelt und angebaut 
worden sein. 

7. Leptochloa obtusiflora Höchst. 

In der Landschaft Ukhwere bei Bayomoyo werden die winzigen, grau-grünen 
Samen dieser Grasart, die in Abessinien und Ost-Afrika verbreitet ist, von den 
Eingeborenen bei Nahrungsmangel gesammelt und zu Mehl verarbeitet. Die 
Pflanze heißt dort kwekwede. 

8. Oryza sativa L. 

Der Reis ist wahrscheinlich eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. 
Wenigstens wissen wir, daß nach der chinesischen Überlieferung er die vor- 
nehmste unter den fünf Feldfrüchten war, die nach der vom Kaiser Schin-Nung 
im Jahre 2800 v. Chr. festgesetzten Ordnung in feierlicher Handlung jedes Jahr 
ausgesäet werden mußten, und zwar sollte das beim Reis jeweils durch den Kaiser 






— 183 — 

geschehen. Auch in Indien muß die Kultur sehr alt sein, und Watt nimmt an, 
daß sie dort schon in den Zeiten vor der Einwanderung der Arier bekannt war. 
Zur Zeit der Feldzüge Alexanders des Großen wurde außer am Indus noch in 
Babylonien und in Bactriana Reis kultiviert. Seine Truppen fanden z. B. am 
Euphrat Reis, Sesam und Datteln. Während der Ptolomäer-Zeit ging der Reis- 
handel von Indien durch das Rote Meer, der Periplus erwähnt ihn verschiedent- 
lich, aber gebaut wurde er im Mittelmeergebiet nicht. Erst die erobernden Mo- 
hammedaner führen ihn in Ägypten und von da nach Spanien ein, von wo er 
im 15. und 16. Jahrhundert nach Italien und endlich nach Amerika gelangte. 

Reis wird unter dem Sammelnamen vrihi erst in den Atharva-Veda (ca. 
1000 v. Chr.) erwähnt, wahrscheinlich hat das Hirtenvolk der einwandernden 
Ariyer sich in der ersten Zeit nicht dafür interessiert. Vrihi aber ist ebenso 
für andere Feldfrüchte gebraucht, es heißt »Nahrung«, und es werden schon 
früh eine Menge Varietäten als dhanya, vrihi, syali, jwa-sadhana, tanonu, shash- 
tika, mukushthaka erwähnt, die alle in ihren Stämmen »Leben, Existenz, Sub- 
sistenz« bezeichnen sollen. 

Man nimmt nach den Gesetzen der Lautverschiebung an, daß aus vrihi im 
Pushtu ivrijzdh (ivrijah), im alten Araboaramäisch virinzi und im Aramäischen 
von Babylonien arruzza entstanden ist, aus dem die Griechen der Alexander- 
zeit oryza machten. Das arabische- arruz stammt wohl aus derselben Quelle, 
vielleicht auch direkt von dem Tamilen -Wort arisi, und das persische birinj 
(armenisch brinz), iranisch brisi, wird ebenfalls der Sanscritbezeichnung vrihi 
entstammen. (Vergl. auch Yule und Burneil S. 650, 763). 

In den heutigen indischen Sprachen findet man chal, chaval, dhan, usw. 
bei den Tamilen arissi, nellu, shali, im Pendschab shalian, in Peschawar shol, 
in Hazara shali, in Ceylon ha/, uru-wi, in Burma sau, chan, saba, bei den Ma- 
layen paddi, ari, bras usw. 

Im Küstengebiet von Ost-Afrika heißt der unenthülste Reis punga, die 
Pflanze in punga. Es ist nicht unmöglich, daß dies Wort auf die allgemeine 
Swahili-Bezeichnung für Körner punje zurückzuführen ist, jedenfalls finde ich keine 
Anklänge an asiatische Sprachen. Der enthülste Reis wird als mchele bezeich- 
net; es ist wahrscheinlich, daß dies Wort aus den indischen Sprachen (chal, 
shalian, shali, shol, shali) entnommen ist. 

Eine Reissorte namens shali soll von Assam bis zum Pandjab bekannt sein. 
Die indischen Kaufieute werden den enthülsten Handelsreis wohl mit dieser Be- 
zeichnung hier eingeführt haben. Der gekochte Reis heißt an der Küste wall, 
eine Bezeichnung, die vielleicht aus dem indischen chaival abgeleitet werden kann. 
Ich finde noch, daß der Reis bei den Wassagara und Wahiyao mpunga, den 
Waschambüa mhunga, bei Bukoba mukunga, aber bei den Wamakuwa muka. 
bei den Wadigo murungo und auf der Comoren-Insel Johanna mclc genannt wird, 
an welch letzterem Ort man den enthülsten Reis ntchele nennen soll. Man ist 
aber bei solchen Namen nie sicher, ob mit abweichender Bezeichnung nicht be- 



— 184 — 

sondere Varietäten gemeint sind. Die Somali und Galla sollen den Reis baris 
oder sud (?) nennen. 

Die Wakami sagen kinga langolangona, die Haussa sinkafa, die Fulbe 
morori, die Kamuri pirgani, die Wagogo wäge, die Wahehe wähe, die Massai 
il-ägjai (nach Kannenberg's Manuskript), ol-msheli (Br. E. Afrika). 

Ich gebe noch eine lange Liste von Namen für »ungekochten Reis« nach 
Ko eile 's Polyglotta africana, ohne wie bei anderen Pflanzen die Richtigkeit 
und teils auch die Lage der Negersprachen kontrollieren zu können. 



>Rice (uncooked)< 



egambien b. Bissagos bis Monrovia. 


Mende 


rhba (mba yingo, ,, 


Fulup 


emano 




gekocht) 


Filham 


emano (sinan, 


Kpese 


moron (mbai, „ 




gekocht) 


Toma 


mokolu 


Bola 


omanam (pudey, ,, 


Mano 


bu (bugbä, ,, 


Sarar 


omano (pudei, ,, 


Gio 


mili(dsa,gia & igia. 


Pepel 


amano (pure, ,, 




gekocht) 


Kanyop 


umani 


Kru-Küste. 




Biafada 


womano (bebyoho, 


Dewoi 


mo (zie, gekocht) 




gekocht) 


Basa 


mo 


Padsade 


p amano (pode, „ 


Kra 


ko (yiri-ko, ,, 


Baga von Kalum maro (anak, ,, 


Krebo 


gbera u. gbura 


Timne 


pela (anak, ,, 




(yiribara, ,, 


Bülom 


pcle (nde, ,, 


Gbe 


moso (dire, ,, 


Mampa 


pele (dso, ,, 


Sklaven-Küste, 


Togo. 


Kisi 


malon (momo, ,, 


Adampe 


moliku & emoli 


1-Senegambien 


bis Kap Palmas. 


Ewe 


emoli & emoli ku 


Mandenga 


malo (kini, ,, 


Hwida 


malikii 


Kabunga 


malo (kino, ,, 


Dahome 


moliku 


Toronka 


mayo (kinyi, ,, 


Mahi 


maliku 


Dsalunka 


malo (kini, ,, 


Joruba 


mo & sinekafä 


Kankanka 


malo (kini, ,, 


Jagba 


tirifafa & sikafa 


Bambara 


malo (kini, ,, 


Eki 


dsinkapa 


Kono 


köre (korotanaline, 


Oworo 


dsikapa 




gekocht) 


Ife 


sinkafa 


Vei 


koro (don, ,, 


Deekiri 


eres (i. e. Reis) 


Soso Solima 


ma IIa (bände, ,, 


Igala 


odsikapa 


Kisekise 


malei (bandei, ,, 


Sudan — Niger. 




Tene 


donsi 


Mosi 


mui 


Gbandi 


ekole (mbo & mbai, 


Dselana 


muri (muri nyeroh 




gekocht) 




gekocht) 


Landoro 


rhba (ngiwa, ,, 


Guresa 


mue 



- i85 



Gurma 


emuri & sinkafa 


Legba 


gman (esa-gman, 


Kaure 


niaro [gekocht) 


Kiamba 


gmao & gman 


Koama 


mirin 


Bagbalang 


miren 


Kasm 


muiru & mira 


Yola 


mini 


Niger-Mündung. 




Abadsa 


agbulocdsidsi 


Egbele 


ulumi 


Bini 


idsc oibo & ids oibo 


Oloma 


igbafere 


Okuloma 


reis 


Udso 


dsenkafa 



Unter-Niger (Nupe). 

Kupa dsikapa 

Esitako sikafa 

Goali Gugu dseivi 

Puka sekafa 

Basa sinkafa 

Ebe dsckafa 

Opanda sikapa 

do. Igu dsinkapa 

Egbira-Hima edsikapa 

Tsad-See. 

Bornu Kanuri sankapa 

Munio dsingaiva 

N'guru dsingawa 

Kanem pergami 

West-Tsad-See. 

Pika dsinkapa 

Karekare sinkaba 

Bode purganui 

Ngodsin sinkapa 

Doai bolitano 

Ostl. v. unteren Niger. 

Ekamtulufu amorante 

Udom aniöramög 

Mbofon akawanti 

Basa sinkafa 

Kamuku sinkafa 



Kamerun — Hinterland. 

Dsuku sikapa 

Isuwu wonde 

Diwala (Duala) ondi 

Orungu elonda 

Ngoten kon 

Kongo — Angola. 

Kabenda löso (= rüg r) 

Mimboma löso 

Musentandu löso 

Ntere lebulli (lefepio, 

gekocht) 

Kasando loso 

Basunde löso 

Ngola lös 

Pangela oluoso 

Lubalo loso 

Songo masangu 

Kisama loasa 

Süd-Ost-Afrika. 

Muntu mpnnga 

Kiriman nibuga (nyafaka. 

gekocht) 

Marawi mpnnga (tsakudia, 

gekocht) 

Meto niuka (yolia, 

Matatan moka 

West-Atlantische Stämme. 

Wolof malo (Ick, gekocht) 

Bidsogo Ankaras eman (nadene, ,, 

Wun boman (norade, ,, 

Gadsaga maro 

Gura dso 

Banyun manu (bi/liit. 

gekocht) 

Nalu maro (mfef, ,, 

Bulanda malu (gsofn & fofn, 

gekocht) 

Limba P a S a (sisa, ,, 

Landoma malu (anak. ,, 

Hoch-Sudan. 

Asante emo 



186 — 



Barba 


mo (mo-suc. 


Niger-Delta. 








gekocht) 


Yala 


igbedsi 


Boko 


möle 




Süd-West-Afrika ? 


usw. 


West-Zentral-Sudan . 






Dsarawa 


sinkafa 


Kandin 


täfaras 




Koro 


sinkafa 


Tumbuktu 


mo (mo-/ 


äsu, 


Harn 


sikaiva 






gekocht) 


Okam 


isisare (»Gras«) 


Bandara 


sinkaba 




Yasgua 


sinkawa 


Bagirmi 


sinkafa 




Kambali 


iwele & sinkafa 


Hausa Kano 


sinkafa 




Boritsu 


alu 


Katsina 


sinkafa 




Arabisch. 




Pulo Fimbo 


maro (nyeri. 


Wadai 


vis 






gekocht) 


Adirar 


Iura 1 su f/ais. 


Salum 


maro (ny 


iri, 




gekocht) 


Goburu 


marori (ndefandi, 


Beran 


maro & turdsu (lais, 






gekocht) 




gekocht) 


Kano 


i/iarori 









In Ost-Afrika ist der Reis nicht sehr stark verbreitet. In Zanzibar, Pemba 
und an der Küste wird er überall etwas gebaut, an Rufiyi sogar recht reichlich 
und in ausgezeichneter Qualität, so daß indische Feinschmecker ihn dort auf- 
kauften und als Delikatesse nach Bombay sandten. Früher baute man dort mehr 
als heute, die großen Schädigungen der Heuschrecken von 1893 und den fol- 
genden Jahren haben die Leute hier entmutigt. Sehr viel wird der Reis noch 
in der Ulanga-Ebene und neuerdings von Küstenleuten in Ungoni gepflanzt. Mit 
künstlicher Überflutung sah ich ihn in Wanga und Yassin an der deutsch-eng- 
lischen Grenze, wo diese Bewässerungskultur, die dem Neger sonst fremd ist, 
wohl sicher auf alte persische Kolonisten zurückzuführen sein wird. Eine primi- 
tive Bewässerung findet man auch in den Uluguru-Bergen (Tawa) und auch wohl 
in West-Usambara, aber auch hier glaube ich an fremde Einflüsse. In ersterem 
Bergland deuten die viereckigen Hütten auf Küsteneinflüsse hin, in letzterem sind 
die früheren Herrscher, die Wakilindi, die sich zwar selbst aus den Unguu-Bergen 
ableiten, ursprünglich wohl von den Persern beeinflußt worden, oder sie stammen aus 
dem weiten Norden. (Wakilindini bei Guillain (II. 2.) von Mombassa). Sonst 
wird meines Wissens überall bei uns der Reis ohne künstliche Bewässerung ge- 
baut. Man pflanzt ihn von den Saatbeten als kleine Pflänzchen über oder legt 
auch ganze Ähren direkt in den Boden der Überschwemmungsländer, nachdem 
das Wasser abgelaufen ist. In den Uluguru-Bergen baut man auch Bergreis ganz 
ohne besondere Feuchtigkeit. Jedenfalls ist die Kultur überall sehr primitiv und 
gar nicht mit den asiatischen Rieselterrassen zu vergleichen. Es kommt dazu, 
daß in Ost-Afrika mit Ausnahme der Küste der Reis nirgends bei den Einge- 
borenen für den Lebensunterhalt eine wesentliche Rolle spielt. Die seit minde- 



- i8; - 

stens 2000 Jahren von Asien beeinflußte Küste müssen wir außer Betracht lassen, 
dort ist allerdings der Reis die Grundsubstanz der Ernährung geworden, aber 
meist von Indien eingeführter. Im Innern aber bildet er einen Luxus-Artikel, 
oder arabische bezw. indische Siedler bauen ihn für sich oder lassen ihn für ihren 
Bedarf pflanzen.*) Daß überall eine Menge Varietäten vom Reis bekannt sind, 
will meines Erachtens nichts bedeuten, denn bei der Einfuhr der Saat von aus- 
wärts hat man wahrscheinlich auch mehrere Sorten eingeführt. Die Zahl der 
Sorten ist übrigens hier nicht mit denen in anderen Ländern zu vergleichen. 

Die ganzen heutigen Kulturverhältnisse vom Reis in Ost-Afrika lassen den 
ziemlich sicheren Schluß zu, daß es sich um eine verhältnismäßig neue Einfüh- 
rung handelt. 

Hiergegen scheint auf den ersten Blick der Umstand zu sprechen, daß wirk- 
lich wilder Reis in Inner-Afrika wächst. Er ist nach den Funden von Barth, 
Rohlfs und Schwein furth vom oberen Nil bis zum Senegal verbreitet und 
von Kotschy als Oryza punctata**) von Kordofan (Arashkot) (= 0. offizi- 
nalis Wall, 0. I atifo Ha Desv.) beschrieben. Diese Sorte soll sich von 
kultivierten Formen kaum unterscheiden, nur daß bei der Reife die Ähre zer- 
bricht und die Scheinfrüchte abfallen, welche dann vom Wasser abgeschöpft werden 
müssen. Der von Seh wein furth am Bahr el Gazal gefundene aber ist wahr- 
scheinlich nach Eng ler eine Sonder- Art (H e h n S. 503). Ich fand den wilden Reis 
ebenfalls im Wald bei Bugirme-Budjungwa am 12. VII. 1891 an der Grenze des 
Kongostaates und bei Nera (Usukuma) am 29. V. 1892, auch erhielten wir ihn 
von Ujiji "f") und Prof. Zimmermann sammelt ihn auf der Insel Mafia. Immer 
ist er stark begrannt. Aber wahrscheinlich handelt es sich um mehrere Arten. 

Dieser Wildreis wächst oft an Stellen, wo eine einheimische Reiskultur und 
auch die Benützung der wilden Reisfrüchte unbekannt ist, es ist demnach sicher 
anzunehmen, daß es sich um ein echtes wildes Vorkommen handelt und nicht 
um ein Entspringen aus der Kultur. 

Echten wilden Reis gibt es nun auch in Rajputana, Sikkim, Khassia, Ben- 
galen, Pegu, Ceylon, Java, ja sogar in Nord-Australien. Die wilde Sorte wird 
stellenweis für wohlschmeckender als die kultivierte gehalten, sie heißt bei den 
Santal uri, in Oudh pasaribei, den Telinga newaH, nivari, auch im Sanskrit soll 
es den Namen nivara für den wilden Reis geben. Die afrikanische wilde Sorte 
heißt in der Nyfe-Sprache am Niger shinkaffa,^) eine Bezeichnung, die auch die 
Haussa anwenden, und bei den Kanuri f ergänz, pergani. 



*) Nur der Bezirk Mwanza macht neuerdings eine Ausnahme. 
**) Dies ist wohl eine besondere Form mit Punkten auf den Spelzen, vielleicht von 
anderen wilden Reissorten abweichend. Der wilde Reis, der nach Amani von Ujiji aus gesandt 
wurde, hat diese Punkte nicht, wohl aber starke Grannen. Dieselbe Art fand Prof. Zimmer- 
mann auf der Insel Mafia. 

♦K) Nach Dr. Braun hat der wilde Reis vom Mlagarazi (Ujiji) Ähnlichkeit mit var. 
pyr ocarpa. 

*H*) shinkaffa ist dort auch der kultivierte Reis. 



— 188 — 

Aus der unbestreitbaren Tatsache, daß der Reis in Südasien und in Afrika 
wild vorkommt, könnte man also recht gut schließen, daß er in einer der beiden 
oder in beiden Kontinenten zuerst angebaut wurde. Wie schon oben erwähnt, spricht 
die primitive Art der Kultur, seine recht geringe Verbreitung, die Tatsache, daß er in 
Afrika in dem Lebenshaushalt der Völker eine nur recht untergeordnete Rolle 
spielt und daß hier viel weniger Varietäten vorhanden sind als in Asien, dafür, 
daß er nicht in Afrika, sondern in Süd-Asien zuerst in Kultur genommen und 
von dort aus verbreitet wurde. Es wäre auch ein recht vereinzeltes Vorkommen, 
wenn zwei grundverschiedene Völker die Domestizierung einer Kulturpflanze er- 
funden hätten ; das ganze Wirtschaftssystem der Neger, der typische Hackbau, 
spricht an sich nicht dafür, daß ihnen die Kultivierung vom Reis, der wohl die 
höchsten Ansprüche an die Bodenbearbeitung und an Pflege stellt, gelungen 
wäre, eine Kultur, deren Vorhandensein wie in China, Java usw. immer die jahr- 
tausendelange Bebauung derselben Scholle voraussetzt, während der Neger mit 
seiner Hackwirtschft einen ständigen Wechsel in den bebauten Flächen eintreten 
läßt. Der wilde Reis ist also in weiten Bezirken verbreitet, aber wohl nur in Süd- 
Asien in Kultur genommen. Wo dies gewesen sein -mag, ist kaum zu ent- 
scheiden, vieles spricht für die Annahme, daß es in der Urzeit Hinterindien, 
Cochinchina war, wo äußerst günstige Bedingungen für diese Kultur vor- 
handen sind, und daß von hier aus die Kultur sich vor über 3000 v. Chr. 
nach China und wohl nicht viel später nach dem Sundaarchipel und Indien ver- 
breitete. 

Wenn ich nun auch fest annehme, daß der Reis für Ost-Afrika eine ver- 
hältnismäßig späte Einführung ist, so ist es doch recht schwer, zu vermuten, 
von wem und wann die Einführung stattfand. Die ostafrikanischen Worte für 
Reis weisen vielfach auf indischen Ursprung, wenigstens was den als Handels- 
produkt dienenden geschälten Reis (wickele) betrifft, während das Wort nipunga 
für die Pflanze wahrscheinlich hiesigen Ursprungs ist. Ich glaube nicht, daß der 
Reis schon von den aus Nordwest in der Urzeit einwandernden Bantu aus ihrer 
früheren Heimat mitgebracht ist, da wie gesagt, die Reiskultur zu sehr dem 
ganzen System der Negerhackkulturen widerspricht, es ist vielmehr anzunehmen, 
daß er hierher durch die alten Beziehungen eingeführt wurde, die mit Südwest- 
Asien seit sehr langer Zeit bestehen, und da scheint es mir am wahrscheinlichsten, 
daß nicht die nur als Händler hierhergekommenen Indier ihn als Kulturpflanze 
einführten, sondern die Leute aus dem Norden des persischen Golfes. Beweisen 
kann ich aber diese Vermutuug nicht. 

Die verhältnismäßig neue Einführung von Reis in Ost-Afrika ist auch schon 
daraus zu schließen, daß hier viel weniger Varietäten als in anderen Ländern 
vorkommen. Körnicke hat die Unterarten 0. utilissima und 0. glutinosa , 
den Klebreis, beschrieben, von welch letzterem nach Schumann in unserm 
Gebiet keine Sorten vorkommen, ebensowenig von der Gruppe min Uta der 
ersten Unterart. Nach seinen Feststellungen sollen nur von der Gruppe commu- 



— 189 — 

nis vier Varietäten, nach Dr. Braun aber 13 in Ost- Afrika vorhanden sein, 
während Körnicke im ganzen 39 angibt. 

Im Laufe der letzten zwei Jahre hat nun das Biol. Landw. Institut eine sehr 
große Zahl (166) von angebauten Reisproben aus der ganzen Kolonie erhalten, 
die von Dr. K. Braun wissenschaftlich bearbeitet wurden. (Ber. über Land- und 
Forstwirtschaft in D.-O.-A. III, S. 167, 1908.) 

Er hat die bisher in D.-O.-A. gefundenen Reisarten in folgende Bestimmungs- 
tabelle zusammengefaßt unter Zugrundelegung der Aufstellung von Körn icke. 

Utilissima Kcke. Gebräuchlicher Reis, Frucht auf dem Bruch glasig, glänzend. 

I. Communis Kcke. Großer oder gemeiner Reis. Scheinfrüchte und Früchte 
groß, 5 — 7 mm lang. 

A. Unbegrannt. 

a. Frucht weiß. 

a. Klappen von der Länge der Spelzen: 

1 . vär. grandiglumis Doli. Großklappiger Reis. 
ß. Klappen klein. 

Scheinfrucht rahmfarbig (gelbrötlich) : 

2 . var. Italica AI. Italienischer Reis. 
Scheinfrucht scherbenfarbig bis zimtfaubig (rot oder dunkelrot). 

3 . var. javanica Kcke. J a v a - R e i s . 
Scheinfrucht umbrabraun (schwärzlich). 

4. var. Paraguay ensis Kcke. Paraguay-Reis. 

b. Frucht rotbraun. 

Scheinfrucht gelblichweiß bis honigfarbig (gelbrötlich). 

5. var. s und ensis Kcke. Sunda-Reis. 
Scheinfrucht zimtfarbig bis rostfarbig. 

6. var. Baumanni Kcke. Baumanns Reis. 

B. Begrannt. 

a. Frucht weiß. 

Scheinfrucht rahmfarbig bis rostfarbig (gelbrötlich). Grannen rahmfarbig bis 
honigfarbig (gelbrötlich) : 

7 . var. vulgaris Kcke. Gewöhnlicher Reis. 
Scheinfrucht ockergelb bis zimtfarbig (gelbrötlich). Grannen zimtfarbig (schmutzig- 
rot). 

8 . var. erythroceros Kcke. Rotgranniger Reis. 
Scheinfrucht rahmfarbig bis honigfarbig (gelbrötlich). Grannen dunkelviolett. 

9. var. ianthoceros Kcke. Violettgranniger Reis. 
Scheinfrucht honigfarbig bis zimtfarbig (schmutzigbraun). Grannen honigfarbig 

(weißlich). 

10. var. leucoccros Kcke. Weißgranniger Reis. 



190 — 



b. Frucht rotbraun. 

Scheinfrucht rahmfarbig (gelbrötlich). Grannen ebenso. 

11. var. pyrocarpa AI. Rot früchtiger Reis. 
Scheinfrucht rahmfarbig bis rostfarbig (gelbrötlich). Grannen rußbraun (dunkel- 
violettbraun). 

1 2 . var. Desvauxii Kcke. Desvaux's Reis. 
IL Minuta Pres/. Kleiner Reis. 

Scheinfrucht und Frucht klein, letztere 4 mm lang, gelblichweiß bis ockergelb 
(gelbrötlich), unbegrannt. Frucht rundlich, weiß. 

1 3 . var. cyclina AI. Rundkörniger Reis. 

Verbreitungsübersicht der verschiedenen Reisvarietäten 
in Deutsch -Ostafrika (nach Braun). 



Bezirk 









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Wilhelmstal 
Tänga . . . 
Pangani 
Bagamojo . 
Mrogoro 
Daressalam 
Mohoro . . 
Kilwa . . . 
Lindi .... 
Ssongea . . 
Langenburg 
Udjidji . . 
Mpapua . . 
Moschi . . . 
Muansa . . 
Tabora . . 
Iringa . . . 
Mahenge 
Bukoba . . 





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+ 


+ 






+ 









Es würde zu weit führen, hier die 204 verschiedenen Eingeborenen-Namen 
für Reissorten anzugeben, die Dr. Braun sammelte. Darüber ist genaueres in der 
Originalarbeit zu finden. Es stellte sich auch heraus, daß unter einem-Namen 
oft verschiedene botanische Varietäten gemischt waren. 



— iQi — 

Wie schon oben erwähnt, sind in früheren Jahren ziemliche Mengen von 
Reis aus D.-O.-A insbesonders aus dem Rufiyigebiet ausgeführt. Nachfolgend 
ist dies in runden Zahlen dargestellt. 

1889 996768 Kilo 

1890 1428482 » 



1891 


2949723 


» 




1892 


I 420901 


» 




1893 


3386032 


» 




1894 


669597 


» 




1895 


3409 


» 


(Heuschreckenplage !) 


1896 


3727 


» 




1897 


15074 


» 




1898 


985 


» 




1899 


4220 


» 




1900 


20786 


» 


im Werte von 2947 M. 


1901 


38538 


» 


» » » 5432 » 


1902 


21 OOI 


» 


» » » ? » 


1903 


32026 


» 


» » » 4909 » 



1904 über die Küste 

(22442) Kilo im Werte, von (4038) M. 
über die Binnengrenze 

(434215) Kilo im Werte von (65351) » 

zusammen 456657 » » » » 69389 » 

1905 über die Küste 

(9591) Kilo im Werte von (1874) » 
über die Binnengrenze 
(390200) Kilo im Werte von (53652) » 



zusammen 399791 » » » » 55 526 

1906 über die Küste 

(4766) Kilo im Werte von 838 
über die Binnengrenze 
(696477) Kilo im Werte von 1 17699 



zusammen 701243 » » » » 118 537 » 

1907 über die Binnengrenze 767165 Kilo im , Werte von 140695 M. 

Wie wir sehen ist die Ausfuhr über die Küste ganz gering gewesen, aber 
nachdem die Uganda-Bahn die Länder am Victoria-See erschlossen hat, ist eine 
recht beträchtliche Ausfuhr von Muansa aus entstanden, deren Wert am Orte 
70000 — 140000 M. erreichte. 

Die Reisproduktion an der Küste genügt bei weitem nicht dem Bedarf, was 
von dort ausgeführt wird, geht als »Delikatesse« nach Zanzibar. Wir haben dem- 
nach eine ganz bedeutende Reiseinfuhr : 



192 



1891 


193633 


Kilo 










1892 


918457 


» 










i8 9 3 


1 161 385 


» 








. 


1894 


2905 102 


» 










1895 


8 180913 


» 


im 


Werte 


vor 


l 1 13422 1 Rup. (Heuschreckenjahr) 


1896 


4656327 


» 


» 


» 


» 


629158 » 


1897 


2979202 


» 


» 


» 


» 


466331 » 


1898 


4490521 


» 


» 


» 


» 


? » 


1899 


10089209 


» 


» 


» 


» 


1 883819 Mark. 


1902 


4683776 


» 


» 


» 


» 


824731 » 


1903 


2440644 


» 


» 


» 


» 


488000 » 


1904 


3966098 


» 


» 


» 


» 


756928 » 


1905 


6236035 


» 


» 


» 


» 


1255220 » 


1906 


7796499 


» 


» 


» 


» 


1680988 » 


1907 


7949493 


» 


» 


» 


» 


2 042 1 30 » 



Die enorme Steigerung 1905 mag mit den Bahnbauten bei Daressalam und 
der Entwickelung der Pflanzungen zusammenhängen. Der Reisimport steigert sich 
eher, als daß er fällt. Es kommt dies daher, daß der Wohlstand der Bevölke- 
rung an der Küste ganz beträchtlich zunimmt und daß sie sich mehr an den 
Verkehr mit den Städten gewöhnt, dadurch bekommt sie Geschmack an der be- 
quemeren Reisnahrung. Auch werden bei den Pflanzungsunternehmungen und sonst- 
wie sehr viel Leute beschäftigt, die früher Kornfrüchte bauten; auch ist der Wohl- 
stand der Leute so viel besser geworden, daß sie ihre Frauen nicht mehr Getreide 
bauen und durch Stampfen es mühsam enthülsen lassen. An ein »ehernes Lohn- 
gesetz« und an ein »Recht auf Arbeit« hat hier noch kein Neger gedacht. Jeder 
kann Arbeit finden und sich dadurch die ihm wünschenswerten Bedürfnisse 
schaffen, was früher nicht der Fall war. Vor fünfzig Jahren sah Burton die 
Eingeborenen in Tanga noch mit Fellkleidung und bis an die Zähne bewaffnet, 
heute ist alles friedlich, jeder kann sich sauberes Zeug und gegen recht wenig 
Arbeitsleistung Nahrung verschaffen, die ihm keine Arbeit wie den Anbau der 
früher gewohnten Feldfrüchte macht. Die Leute auf den Pflanzungen der Euro- 
päer haben sich z. B. sehr an Reis gewöhnt. Leider geht auf diese Weise fast 
zwei Millionen Mark an Werten nach Indien. Platz wäre bei uns schon genügend, 
um diese durch Reisbau zu verdienen, aber die Menschen sind einerseits zu be- 
quem dazu, andererseits werden sie für die landwirtschaftlichen und sonstigen 
kulturellen Arbeiten gebraucht. Der Reisimport ist aber jetzt ein Prüfstein für 
den Wohlstand des kleinen Mannes und seine Kaufkraft geworden. 

Aus Mwanza wird neuerdings über einen plantagenartigen Anbau von Reis 
bei den Wassukuma berichtet, die Leute haben einen sehr guten Absatzmarkt 
dafür in Uganda und haben andererseits bei sich im Lande nicht so viel Ge- 
legenheit, Geld durch Lohnarbeit zu verdienen, wie an der Küste, sie sind auch 
wohl fleißiger als die Küstenleute. So ist zu hoffen, daß am Victoria-See noch 



— 193 — 

einmal ein größeres Quantum Reis gebaut wird, und daß dies auch den Bedarf 
der Küste decken kann, wenn die Bahnfrachten billig genug sind, damit das 
Produkt von Usukuma mit dem aus Indien konkurrieren kann. Ein richtiges Reis- 
bauer-Land kann aber Usukuma bei der dünnen Bevölkerung, dem Mangel an 
ständigen Flüssen und bei der Unkenntnis der Pflugkultur nicht werden. Man 
muß in Indien, Ceylon und Java die Reiskultur gesehen haben, um zu be- 
greifen, daß darin Jahrtausende von Kultur stecken. 

Eine auffallende Wirtschaftserscheinung ist es, daß an der Küste trotz der 
großen Nachfrage lange nicht genügend Reis angebaut wird, die Absatzmöglich- 
keit ist da, der Anbau bleibt aus — ein Zeichen für die Indolenz der Neger, 
wenn sie sich auf andere Weise ihre geringen Bedürfnisse befriedigen können. 

9. Panicum cotonum L. 

Eine Art von Hirse aus der artenreichen Gattung Panicum, über deren 
Anbau in Ost-Afrika nur Busse berichtet hat. Sie wird am Ruvuma unter dem 
Namen chindumba kultiviert. Ein Exemplar mit kräftiger Rispe von diesem 
Standort findet sich im Herbar von Amani. Die Art ist sonst wildlebend vom 
Mittelmeer, Arabien, den Comoren, Madagascar, Ostindien, Amerika und in 
Afrika aus dem Somali-Land, Nubien und Zanzibar bekannt, aber immer 
nur als Unkraut. In Indien, wo sie sawauk, shama, sania, sawan, saivak heißt, 
wird ihr Korn von armen Leuten als Nahrung eingesammelt und das Gras als 
Viehfutter verwandt. Es wäre sehr interessant, zu wissen, ob diese Art in Ost- 
Afrika als echte Kulturpflanze noch an anderen Stellen sich befindet und ob sie 
dort am Ruvuma ständig gebaut wird. 

10. Panicum Crus Galli L. 

eine andere Art dieser Gattung kommt fast überall in der Welt vor, die Samen 
werden in Indien von Armen gegessen und das Gras zu Futterzwecken benutzt. 
In Ost- Afrika, wo die Pflanze in Abessinien, Zanzibar, Mossambik, Usagara, 
Usambara, auf dem Massaihochland bei Bukoba, am Zambezi, in Natal, Kamerun 
und am oberen Kongo gefunden ist, wird sie meines Wissens nicht verwandt. 

//. Panicum frumentaceum Roxb. 

das in Indien stellenweis unter den Namen sawa, shama, bei Bombay als baivto, 
in Persien als bajri als ein äußerst rasch reifendes Getreide und Nahrung des 
armen Mannes gebaut wird, kommt in Ost-Afrika meines Wissens nicht vor. 

12. Panicum jumentorum Pers. 

(altissimum Jacq.) ist das bekannte Guinea-Gras, das im tropischen Afrika hei- 
misch ist und überall in den Tropen, sogar in Amerika, zu Futterzwecken kulti- 
viert wird. Seit 17 50 ist es z. B. in Indien unter dem Namen gini, geneo (von 
Guinea) angebaut. Wir hatten es auch hier in Amani in größerer Ausdehnung 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 1^ 



— i 9 4 — 

angepflanzt, aber das Vieh wollte es weniger gern nehmen als das weichere 
»Bermuda-Gras«. Die Kultur ist deshalb hier zu Gunsten des letztgenannten 
Futtergrases aufgegeben. 

13. Panicum sanguinale L. 

ist ebenfalls fast cosmopolitisch und wächst wild in Ost-Afrika. In Süd-Amerika 
wird es als Brab-Gras (von portugiesisch brab für wild) zu Futterzwecken gebaut. 
Bei uns wird ihm noch keine Beachtung geschenkt. 

14. Panicum miliaceum L. 

Der Hirse ist eine der wichtigsten und urältesten Getreidearten, die schon 
2800 v. Chr. in China gebaut wurde. Wo die ursprüngliche Heimat ist, weiß 
man nicht, es wird aber Süd- oder Mittelasien sein. In der ältesten Zeit kam 
der Hirse nach Europa, wahrscheinlich über Rußland, in den alten Pfahlbauten 
finden wir Reste davon. Jetzt wird er in China, Japan, Indien, Persien, Mongolei, 
bei den Kirgisen in Rußland, in West- und Südeuropa angebaut. Doch nimmt 
seit dem Mittelalter die Kultur des Hirse ab. In Arabien heißt er duclin oder 
kosjacjb, in Persien arzan. Es ist eigenartig, daß dies Getreide sich trotz der 
vielen Verbindungen von Arabien und Indien sowie Persien in Ost- Afrika gar 
nicht eingeführt hat, ebensowenig wie die andere ganz nahe verwandte, in Indien 
gebaute Art P. miliare Lam. 

In Indien wird der Hirse cJiciina, china, sawa, sama, auf Sanscrit unu, china, 
die kleinere Art P. miliare in Indien kungu, guntli, kutki, mijhri genannt. 

15. Panicum sp. 

Unter dem Namen lugombe wird in der Landschaft Ukhwere bei Baga- 
moyo die Saat einer wild wachsenden, noch nicht näher bestimmten Grasart der 
Gattung Panicum bei Nahrungsmangel gesammelt und zu Mehl verarbeitet. 

16. Pennisetum americanum (L) K. Schum. 

(Siehe Verbreitungskarte.) 
(P. spi catum L. Kcke,, P. typ hoidcum Rieh., Penieilla ria spicata 
Willd). Der Negerhirse. Eine 1 — 3 und mehr Meter hohe Grasart, an deren Spitze 
ein walzenförmiger Kolben, der bis 30 cm lang werden kann, die Körner trägt. Die 
meisten Reisenden, die in unserem Gebiet im Inneren gereist haben, werden dies Korn 
kennen, das an der Küste selten gebaut wird. Die Körner selbst sind klein und 
rauchbraun von Farbe. In Afrika ist dies Korn von Tunis an bis nach Natal und 
dem Ovamboland verbreitet, sonst findet es sich meines Wissens nur noch in Indien 
und Südwest-Arabien, sowie als ein Überbleibsel aus der Araberzeit in Spanien. 
P. Leeke hat neuerdings (1907) nachgewiesen, daß diese Kulturart polyphy- 
letisch ist, daß also mehrere wilde Pennise tum- Arten sie bildeten, und zwar seiner 
Meinung nach: P. Gymnothrix A. Br. (K. Seh.), P. Pcrrottetti (Klotsch, 



— i95 — 

K. Seh.), P. nio l lis simum Hockst., P. violacc u m (Lam.) Rieh, und P. 
versicolor Schrad, alles afrikanische Arten. Es ist demnach recht wahr- 
scheinlich, daß' auch die Kultur dieser Arten in Afrika enstanden ist. Dem 
Altertum war diese Pflanze offenbar unbekannt, wir können höchstens vermuten, 
daß der Prophet Ezechiel sie unter dem Namen doehan als eine der Kulturpflanzen 
Babylons beschrieb, denn bei den Arabern wird sie heute noch fast überall ducJin, 
doku, dogJic, doehan genannt. Da dieser Name heute aber auch auf andere Hirse- 
sorten angewandt wird und allgemein das »rauchgraue Getreide« (duchän — der 
Rauch) bedeutet, so kann man in dieser Deutung nicht ganz sicher gehen. Im 
Sudan und Ägypten wird das Pcnnis ctu in allerdings jetzt immer ducJin genannt, 
ebenso in Abessinien. 

In Indien spielt die Kultur dieses dort bajra, bajera genannten Getreides 
keine ausschlaggebende Rolle, es wird nur in der Präsidentschaft Bombay in 
größerem Maßstab gebaut. Wenn aber Kör nicke angibt, daß dieser Name 
bajra auch in Ost-Afrika gebraucht wird und daraus schließt, daß es von hier 
nach Indien gebracht sein könnte, so liegt dem derselbe Irrtum zu Grunde wie 
bei der Eleu sine, denn die Angabe stammt von dem Reisenden Grant, der 
vor seinem Aufenthalt in Ost-Afrika Offizier der englisch-ostindischen Kompagnie 
war und den ihm von Indien bekannten Namen zur Bezeichnung der in Afrika 
wiedergetroffenen Negerhirse benutzte; in Ost-Afrika ist dieser Name höchstens 
bei den Indiern bekannt. Sonst heißt das Getreide bei uns meist uwele (Usa- 
gara, Usukuma, Mpwapwa, Kilimatinde, Unyamwezi), in Uhehe uvele, bisweilen 
in uwere, buwele oder huwele, uwacre abgeändert. Die Wadigo nennen es maere, 
andere muewe, maewe, die Ujiji und Uha busiäwele, was alles nur dialektische 
Verschiedenheiten sind. Die Wahiyao aber sagen ikutwe, die Wamakuwa noti, 
die Wapokomo mää, die Wakussu usembe, die Leute in Nord-Angola massango, 
in Süd- Angola mannet, in Okawango nach Passarge die Ssessubia mabule, ka- 
fuli, die Ssekuba manunkwa, die Lattuka ummeti, die A - Madi kurdsa, die 
Schuli ra. Die Araber im Somali-Land sagen mssebbi, die Somali in Mugdischu 
mauele ; die Haussa girro, gkro, die Fullah mbaeri, die Kanuri möro, argüm-möro, 
eine Varietät dieses Getreides bei den Haussa mazua, bei den Fullah yediri, bei 
bei den Kanuri matia, bei den Tuareg abora, bei den Massai auanjorre, ol-mwcre, 
in Abessinien bultuq, bultub. Als arabische Bezeichnungen aus Algier werden noch 
angegeben beehna, inelli, dräa, guessob, ksab, in Tunis droh, in Tripolis canassi 
in Fessan gasab. ksob, bilbis, in Wadai qsab, in Baghirmi njo, tschengo, Songharay 
heni, Nord-Tuareg (temahaq) aböra. Es ist nicht unmöglich, daß das indische 
bajera von den Neger-Benennungen /nbaer/, maere. uwaere, uwele abstammt. 

Die bei den ostafrikanischen Bantu sehr gleichmäßige Bezeichnung maivcle 
könnte darauf schließen lassen, daß diese es aus gemeinsamer Quelle bezogen 
oder es schon vor ihrer Zersplitterung in verschiedene Stämme kannten, doch 
sind derartige Schlüsse sehr gewagt, besonders, wo schon bei Wahiyao und 
Wamakuwa, und noch mehr in West-Afrika ganz andere Bezeichnungen üblich sind. 

13* 



196 — 



Ich lasse hier noch eine Reihe von Namen aus Ko eile's Polyglotta afrikana 
folgen. Er schreibt »guinea com, bearing like Maize«, worunter er sicher Penni- 
setum versteht, wie aus einigen Worten, die ich vergleichen konnte, hervorgeht 
(z. B. bei den Haussa). Die Namen der »Stämme« sind schwer zu identifizieren, 
da zur Zeit der Sammlung dieser Worte von Sklaven in Liberia die Wohnorte 
der Völker meist noch unbekannt waren. Vielleicht sind auch bei sehr vielen 
Worten Verwechselungen mit anderen Getreidearten (Sorghum, Mais, Eleusine) 
vorgekommen. 
Senegambien b. Bissagos bis Monrovia 



Filham 

Bola 

Sarar 

Pepel 

Biafada 

Padsade 



futuhon 
bumad 

p um ad 
bomadso 
madya 
mahadye 



Baga(vonKalum) tscbani 
Timne kemank kesor 

Bulom nkan 

Mampa nkan 

Kise soanta wunidon 

Südsenegambien bis Kap Palmas 



Mandenga 


bimbiri 


Kabunga 


madso 


Toronka 


sanyo 


Dsalunka 


sanyo 


Kankanka 


sanyo 


Bambara 


sanyo 


Kono 


scinye 


Vei 


wonye nyoro 


Soso Solima 


tenge 


Kisekise 


tengei 


Gbandi 


kctci 


Landoro 


gbenyo 


Mende 


gbenyo 


Gbese 


din 


Toma 


gbasi 


Mano 


di 


Gio 


din 


Kru-Küste 




Dewoi 


si 


Basa 


gbo 


Kra 


SU 



Krebo 


nyase 


Gbe 


SU 


Sklavenküste 




Adampe 


eli 


Ewe 


cli 


Hwida 


oli 


Dahome 


li 


Mahi 


li & lli 


Aku, Ota 


huase 


Egba 


huase 


Yoruba 


agbado iiuase 


Yagba 


cmcdsi, W. meye & 




emeye 


Eki 


omiye 


Ovvoro 


yase 


Ife 


egcro 


Igala 


oka 


Sudan — Niger 




Mose 


ki 


Dselana 


nore 


Guresa 


sapcala 


Gurma 


idi & idhve 


Eegba 


inesi 


Kaure 


mise 


Kiamba 


meze 


Koama 


mopulan 


Bagbalan 


mompuloman 


Kasm 


mumpona 


Yula 


mompsana 


Niger-Mündung 


Egbele 


kasie 


Unterer Niger 


(Nupe) 


Nupe 


- mayi 


Kupa 


agbaye 



197 



Esitako mayi 

Goali Gugu mawi 

Puka mawi 

Basa anwi 

Ebe asi 

Opanda zuai 

do. Igu anua 

Egbira-Hima anua 
Tschad-See 

Buduma pioit 

Bornu, Kanuri argem & moro 
West-Tschad-See 

Pika argem 

Bode mardo 

Ngodsin mar du 

Doai auni 
O. v. unt. Niger 

Udon nsam 

Mbofon nsam 

Kamuku andata 
Kameruner Hinterland 

Dsuku ayi 

Bayon nsan 

Kum nsan 

Balu nkon 

Bamom nge 

Param esa- Tebare 

Ngoten ngu 
Kongo — Angola 

Musentandu masa moambala 

Kanyika lok 

Ntere sari 

Basunde boangela 

Ngola mbala 

Pangela oJiuwe 

Lubalo masambala 

Runda umbok 

Songo masa mambala 

Kisama masa mambala 
Süd-Ost-Afrika 

Muntu nsundi 



Kiriman 

Marawi 

Meto 

Matatan 

Nyamban 



namuse 

mapila 

mäkele 

mäkele 

finde, pl. mayindc 



West-Atlantische Stämme 

Wolof ' tsnna 

Bidsogo Ankaras nemai & nemadsi 

Wim rhmägi 

Gadsaga gedsaba 

Banyun ditit 

Nalu nkaf 

Bulanda mboro 

Limbu tefia 

Landoma tsebani 
Hoch-Sudan 

Barba gbe 

Boko ese 
West-Zentral-Sudan 

Kaudin geh 

Tumbuktu kaini 

Hausa, Kano geh 

Kadzina geh 

Pulo, Timbo mntiri 

Salum ivntandu 

Goburu 

Kano 
Niger-Delta 

Yala eye 
Süd -West- Afrika? usw. 

Dsarawa mar 

Koro amu 

Harn mial 

Yasgua aze 

Kambali kuosi 

Alege abo 

Mbarike ayep 

Tiwi aniine 

Boritsu egie 
Arabisch 

Beran bisina 



gauri 
mokiiri 



— 198 — 

Bei der großen Verbreitung dieses Getreides in Afrika und der geringen 
Ausbreitung anderwärts könnte der Schluß erlaubt sein, daß der Negerhirse tat- 
sächlich ursprünglich in Afrika zuerst in Kultur genommen wurde und zwar im 
tropischen Gebiet, da er nach Nord-Afrika erst später gekommen zu sein scheint. 
Vielleicht ist es aber auch denkbar, daß die afrikanischen Völker dies Getreide 




Deutsch-Osfafrika 

1 : 12 000 000 

100 WO 3^0 



Hauptverbreitung von Pennisetum. 

Verbreitung mehr oder weniger intensiver Kultur von Kolbenhirse (Pennisetum). 



aus ihrer Urheimat mitbrachten, die doch wohl höchst wahrscheinlich in Süd- 
Arabien oder einem andern Teil in Vorderasien lag. 

In Ost-Afrika wird dies Getreide jetzt an der Küste sehr wenig gebaut, 
man findet es zwar bisweilen in Zanzibar und in den Küstenländern, aber es 
hat dort wenige Bedeutung. Uhlig gibt es auf seiner Wirtschaftskarte für 
Kondoa-Irangi , Issansu, Tum, Iraku, Iyambi, Mpwapwa, Süd-Usagara, Uhehe, 
Ussango, Uhimbo, Itumba, Kiruruma, Unyanyembe, in dem Lande nördlich von 



! 



— 199 — 

Liwale, Shirati, Nord-Usukuma, und Süd-Usindya an, doch wird es sich auch 
wohl sporadisch noch in anderen Gegenden finden. Das Hauptkulturgebiet ist, 
wie ich schon 1892 auf meiner Karte der Kulturpflanzen angab, ein breiter Land- 
strich vom Südost-Ufer des Victoria-Sees nach Südost. Im Zwischenseengebiet 
ist dies Getreide unbekannt. Ich habe den Eindruck, daß die Kultur früher ein- 
mal ausgebreiteter war, aber von der Küste durch andere Kulturgewächse zurück- 
gedrängt wurde, sowie, daß es in unserem Gebiet nicht heimisch war, sondern 
von Norden aus eingeführt ist in eine Zone südlich des Victoria-Sees unter Ver- 
meidung des Zwischenseengebietes. Es ist eine Kulturpflanze für Steppengebiete 
mit ausgesprochener Trockenperiode. 

In Südtogo war es früher weit verbreitet, ist aber jetzt durch Mais ganz verdrängt. 

Die Varietäten des Negerhirse waren von Schumann ausführlich beschrieben 
worden. Leeke unterscheidet jedoch neuerdings 32 verschiedene Formen dieser 
Kulturpflanze, die er nach den fünf Stammpflanzen sowie in sekundäre und tertiäre 
Formen einteilt. Genaueres darüber ist in seiner Originalarbeit S. 52 ff. zu finden. 
Es wäre sehr wichtig, von möglichst vielen Standorten die verschiedenen Sorten 
zu bekommen, um damit zu versuchen, aus deren Verbreitung auf die Wanderung 
der Kulturpflanzen überhaupt schließen zu können, was bei dem geringen Material 
noch nicht möglich ist. 

Wo diese Kornart angebaut ist, wird sie als ein schnell wachsendes (drei 
bis fünf Monate) und nahrhaftes Getreide gerne genommen. Eine ausschlaggebende 
Rolle scheint sie aber nirgends in der Wirtschaft der Eingeborenen zu spielen. 
Kleine Mengen davon werden dann und wann auch nach Zanzibar und Indien 
exportiert, da aber dies Korn in der amtlichen Statistik mit Sorghum zusammen 
aufgeführt wird, kann ich irgend welche Zahlen nicht geben. Die Mengen sind 
meines Wissens auch nur unbedeutend. 

17. Poa Eragrostis abyssinical L. 

Der Teff oder Tief (thaf) von Abessinien, der dort ein sehr wichtiges 
Getreide bildet, ist in Ost-Afrika meines Wissens unbekannt, obgleich seine Stamm- 
form, E. pilosa Beate, überall hier als Unkraut vorkommt. 

Eine der kultivierten sehr nahe verwandte Art soll nach Barth's Berichten 
unter dem Namen djodjo, kreb, kaslia, chenna usw. in den Gegenden des Tsad 
Sees wild wachsen und wie Getreide benützt werden. Aus geröstetem Tefbrod 
wird in Abessinien Bier gebraut, das buza heißt, also ebenso wie das Gersten- 
bier von Ägypten und Armenien. 

18. Setaria (Panicum) italica L. 

Der Kolben-Hirse ist in Ost-Afrika ziemlich selten und wird nur an wenigen 
Stellen gebaut. Man bezeichnet ihn allgemein als mawele mauga, auch einfach 
als kimanga. Es bezeichnet den »aus Arabien gekommenen« Hirse, speziell aus 
Maskat. Ich hörte für die Wahiyao noch das Wort ikutwe, also dasselbe wie 



— 200 — 

für Pennisetum, für die Wamakuwa muhadu, und für die Wanyamwezi huwclc. 
Meines Wissens wird er nur hier und da an der Küste gebaut und ist offenbar 
eine neue Einführung durch die Araber, wohl erst nach der Festsetzung der 
Mascatleute, also nicht viel über hundert Jahre alt. 

Er wird ebenso wie der andere Hirse von den Arabern duchn, von den 
Persern arzun, aber auch gal, genannt. 

Der Kolbenhirse ist eine der ältesten Kulturpflanzen, er war vor Tausenden 
von Jahren in China, Japan und Indien bekannt und gelangte wohl auf dem Wege 
über Rußland nach dem Norden, wo wir die Körner in den schweizer Pfahlbauten 
finden. Die wilde Stammform soll Panicum viride L. sein, eine sehr ver- 
breitete Unkrautpflanze. Wahrscheinlich wird die Urheimat der Kultur in Süd- Asien 
gewesen sein. Außer in China und Japan wird er in Indien, Ceylon, dem Sunda 
Archipel, Vorder-Asien usw. bis nach Amerika gebaut. Die Kultur spielte im 
Altertum in Mittel- und Nord-Europa eine große Rolle, ist jetzt aber meist durch 
andere Getreide verdrängt. 

19. Triticum sativum L. 

Der Weizen spielt in Ost-Afrika eine so geringe Rolle, daß ich ihn nur 
kurz berühren will. Der Swahili-Name ist allgemein ngano, was wohl sicher aus 
dem portugiesischen Wort für Korn grad grano, abzuleiten ist, in Lamu soll man 
angeblich noch den Ausdruck nafaka haben. Auf Arabisch wird der Weizen 
berr, bur, hintar, in Algier giicmah, auf persisch gandurn, im Sanscrit godhuma, 
saman, im indischen gekun, giun, kunak, gain, auf Amhari sindi, sscndie, saüedc, 
auf Trigrinja scnrai, arras, bei den Saho ssira genannt. Die Kultur des Weizens ist 
wohl älter als die ältesten bekannten Sprachfamilien, als die ältesten Monumente, sie 
ist wohl den urältesten Bewohnern des Euphrat- und Tigris-Landes, den Summerern 
zu verdanken. Wilden Weizen (T. spcltum) kennt man durch Kotschy aus dem 
Hermon, er ist neuerdings nach einer Notiz von Seh wein für th in derselben 
Gegend wiedergefunden. Man nimmt an, daß er identisch mit dem kussemeth 
der Bibel ist. Der Weizen und die Pflugkultur sind untrennbar, wohin der Weizen 
kam, gelangte auch der Pflug. Beides wurde der Landwirtschaft der Afrikaner 
nicht beschert, die sich in Bahnen entwickelte, die von denen der Kulturvölker 
diametral verschieden sind. Nur Abessinien und Ägypten sowie Nord-Afrika 
nahmen beides an, wohl durch Einfluß der Semiten, die beides ja auch erfunden 
haben. Aus Abessinien sind von Kör nicke neun verschiedene Weizensorten 
beschrieben, teils mit besonderen Namen. Allein dieser Umstand sollte genügen, 
die fremdländische Kultur von Abessinien zu erweisen, die bekanntlich aus Süd- 
arabien stammt. Eine der Varietäten, (E. arrasscita Hockst.) von Abessinien fand 
Hildebrandt in Ost-Afrika, leider ist mir nicht bekannt wo. Sie wurde als 

Var. Hilde br and tii von Körn icke beschrieben. 

In den arabischen Ansiedlungen in Tabora, Karagwe usw. wird in Ost-Afrika 

als Delikatesse von den Arabern etwas Weizen gebaut, aber nicht als Pflugkultur, 



— 201 — 

sondern ganz im kleinsten Hackbetrieb ; man teilt das Feld in winzige Quadrate, 
die behackt und täglich begossen werden. Leider ist mir nicht bekannt, welche 
Varietät dort gebaut wird, doch ist anzunehmen, daß es eine aus Südarabien 
eingeführte ist. 

Auf unseren Gouvernementsstationen und auf den Missionen wird in ähn- 
licher Weise für den Bedarf der Europäer etwas Weizen gepflanzt. Aber wo 
der Transport nicht zu weit und teuer ist, greift man überall zu dem meist aus 
Ungarn kommenden Mehl. An eine große W r eizenproduktion wie in Indien ist 
beim Mangel der Pflugkultur bei uns auch gar nicht zu denken, es ist auch gar 
nicht wünschenswert, um der heimischen Landwirtschaft keine Konkurrenz zu 
machen. 

Die Ansiedler bauen allerdings für sich und den Bedarf der Nachbarschaft 
etwas mehr Weizen und greifen als Europäer auch zum Pfluge. Besonders ist 
darin die frühere Kulturstation Kwan in West-Usambara vorgegangen, ebenso die 
Trappisten - Mission in Gare dort. Die Ansiedler in Usambara, in Uhehe und 
am Kilimandjaro machen dasselbe, aber über den Bedarf der Nachbarschaft ist 
niemand hinausgekommen, und der heimische Agrarier braucht von hier aus 
keine Konkurrenz zu fürchten. 

20. Zea Mays L. 

(Siehe Verbreiturigskarte.) 

Der Mais ist für unsere Untersuchung äußerst interessant, da er unzweifel- 
haft amerikanischen Ursprungs ist und sicher erst nach der Entdeckung von 
Amerika in die Länder der alten Welt gelangte. Alle Versuche, dem Mais ein 
früheres Dasein in unseren Regionen zuzuschreiben, sind gescheitert. Eine Zeit- 
lang legte man großen Wert in dieser Beziehung auf die »Charta Incisa«, ein 
Dokument, wonach im 13. Jahrhundert ein Säckchen mit Maiskörnern in die Stadt 
Incisa aus Anatolien gebracht sein sollte. Aber dieses Dokument hat sich bei 
genauer Untersuchung als eine Fälschung erwiesen. Kolumbus traf den Mais 
bei seiner Ankunft in Hispaniola vor, der damals überall in Amerika gebaut 
wurde, wo überhaupt man Ackerbau trieb. Später fand man dann auch Mais- 
körner in den alten vorcolumbianischen Gräbern von Ancon in Peru und in 
Arizona. 

Die dem Mais nächst verwandten Pflanzengattungen Euchlaena (»Teosinte«) 
und Trip sanum sind alle in Amerika heimisch, und in Mexico fand man wild- 
wachsend Zca canina Watson, die nur wenig von dem Kulturmais abweicht. 
Wo speziell die Gegend war, in der der Mais zuerst in Amerika in Kultur ge- 
nommen ist, wird sich schwerlich jemals feststellen lassen, vieles spricht für 
Mexiko. Die Varietät tunicata Law. wird der Urform am nächsten stehen, 
bei ihr sind die Körner am Kolben nicht nackt, sondern von Klappen umhüllt. 
Es wäre sehr interessant, wenn bei uns diese Form als Atavismus einmal ge- 
funden würde. 



202 — 

Der Mais mußte gleich den ersten nach Amerika kommenden Europäern 
auffallen, und es heißt, daß schon Kolumbus ihn 1493 mit nach Spanien 
brachte. Im Jahre 1525 soll er in Andalusien und dicht bei Madrid schon ge- 
pflanzt worden sein. 1539 wird er von Hier o nimus Bock als »welsches Korn« 
in weißer, gelber, roter und brauner Varietät beschrieben. Der Name Mahiz 
soll auf den großen Antillen und dem benachbarten Festland von Amerika üblich 
gewesen sein, im Tupf und anderen Sprachen soll er anders heißen. Dodonaeus 
nennt das Getreide 1569 zuerst Mais, und von ihm haben dann alle anderen 
Schriftsteller diesen Namen übernommen. 

Der Mais ist jetzt in der ganzen wärmeren Zone eine wichtige Kulturpflanze 
geworden. Er wird in China und Japan, überall im Indischen Archipel und be- 
sonders auf Timor gebaut, aber nirgends an erster Stelle, und überall ist er eine 
neue Einführung. 

Ohne Zweifel haben Spanier und noch mehr Portugiesen, jenes Kolonial- 
volk per excellence, diese wichtige Kultur verbreitet. Die Portugiesen waren in 
den neu erworbenen Ländern eben nicht nur Eroberer und Händler, sondern 
auch wirkliche Ansiedler, die dort auch fremde Pflanzen anbauten. Sie haben 
wie kein anderes Volk überall ihre Spuren hinterlassen, .auch nachdem sie selbst 
lange aus den betreffenden Gegenden verschwunden waren. Sie kamen 1496 
nach Java, 15 16 nach China, und schon 1578 und 1597 wird der Mais in 
chinesischen Werken erwähnt. 1658 schon war nach Cavazzi (Istoria des- 
crizione dei tre regni : Congo, Matamba e Angola, trad. Alamandi 1687) der 
Mais als massa-mampuntu, d. h. portugiesisches Korn am Kongo allgemein ver- 
breitet und man wußte, daß die Portugiesen ihn aus Amerika eingeführt hatten 
(Co nies, Tabac S. 178). 

In Indien führt der landwirtschaftliche Bericht an den großen Mogul-Kaiser, 
der »Ain-i- Akhbar«, im Jahre 1590 Ananas und aller Wahrscheinlichkeit nach 
auch Mais auf; Linse hoten, der speziell zu wirtschaftlichen Studien Indien 
1583 — 89 bereiste, nennt ihn nicht, ebenso ist er in dem im 17. Jahrhundert ent- 
standenen Thesaurus Zeylanicus von Burman für Ceylon nicht erwähnt. Noch 
Roxburgh beschreibt Mais für Indien nur als Gartenkultur, also Ende des 
18. Jahrhunderts, er wurde wahrscheinlich erst Anfang des 19. Jahrhunderts dort 
intensiver kultiviert. Eingeführt ist er in Indien ziemlich sicher durch die mo- 
hammedanischen Herrscher Indiens von Mekka aus, darauf lassen wenigstens 
seine indischen Namen makai, makJia, schließen. Die Malayen-Javaner nennen 
den Mais djagimg. 

Bei den Arabern heißt der Mais khandaruss, khalavan, surraüil-iuakha, 
hintahe-nmü, durrah-kizan, durrha-sJiami. »Mahkak* ist Mekka, »rumi« = Ost- 
Rom oder Konstantinopel, sliaini = Syrien, in Algier sagen die Araber dora, 
mestoura, die Tuareg tifsi. 

Seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts ist der Mais in den europäischen 
Gärten ; die Venezianer verbreiteten ihn im Orient auf ihren Handelswegen. In 



— 203 — 

der Türkei wurde er kukurz genannt, von da kam er als »türkischer Weizen« 
nach Deutschland. 

Auch der persische Name gakdumc-makhah, khishahe-makki, deutet auf die 
Einführung von Arabien aus. Ganz sicher kann man aber in dieser Hinsicht 
aus dem Namen »Mekka« keinen Schluß ziehen, denn der Mohammedaner glaubt 
für alle möglichen, ihm wichtig oder interessant scheinenden Sachen, daß sie aus 
der heiligen Stadt Mekka gekommen seien, und vielfach mögen dort unter den 
Pilgern auch Produkte oder Saaten ausgetauscht worden sein. Merkwürdiger- 
weise heißt nämlich der Mais in Yemen hindi, also indischer Hirse, so wie man 
in Deutschland vielfach türkischer Weizen , in Egypten dhura-sham (syrischer 
Hirse) sagt. 

Auch im Küstengebiet von Ostafrika nennt man den Mais mhindi, also 
indisches Korn, ebenso bei den Wanyamwezi, die ihn sicher von unserer Küste 
auf ihren Karawanenzügen mitgebracht haben. Die Wapokomo am Tana sagen 
m'bemba, die Wadigo, Wanguru und Wadoe mapemba, die Wasegua uhure-mapemba, 
die Wakami jipemba, die W T adjagga am Kilimandjaro mahemba, in Taveta eben- 
so, die Wassegeju bcniba, die Wapare hemba: alles Worte, die wahrscheinlich 
ursprünglich das Sorghum bezeichneten. Die Wassagara, Wagogo und Wakhwere 
nennen ihn sogar mtama, die Leute von Lamu mtama burru, die Comorensen 
von Johanna mraiiia bunt, (»bur« Am Yemen Arabisch = Weizen). Ganz ab- 
weichende Bezeichnungen finde ich bei folgenden Bantuvölkern : bei den Wama- 
kuwa nakuo, in Bukoba vichole, in Ujiji und Uha visoya, irigore, in Unyoro 
bitjole, in Usumbura und Ruanda vigore, in Uganda kassoli, in Usukuma lipo 
(Plural mapo), von denen vichole bis kassolc jedenfalls eines Stammes sind, dessen 
Ursprung mir unbekannt blieb. Die Wahiyao sagen imanga, also Getreide von 
Maskat. Am Kongo heißt der Mais massa, bei den Bati imbassa, in Angola 
massa, was wahrscheinlich alles Worte sind, die von »Mais« stammen.*) 

In Uvinza und Utongwe sagt man fisaka (Gras), die Zwerge bei Bilippi küu, die 
Momfu kusi, die Wambuba-Wahoka nisstssi, im Konde-Unterland fubifu, ifyelu, 
ifitutu, die Manyema isaka (Gras), die Wabemba makonjcc, die Wakussu ipopo, 
die Wahehe massebere, mazabele, die Walombo kisaa, die Wahehe massebere, 
die Leute bei Wiedhafen marombe, die Wakinga vilombe, die Muese bei Langen- 
burg ifirambo, die Wasokiro dortselbst cfirambi, mangaga, die Leute bei Mkalama- 
Irangi kipukile. 

Sonst finde ich für afrikanische Völker noch folgende Worte für Mais: 
Bei den Fan fooni, den Yaunde efun, den Dualla to, den Massai bayek, lupaiki, 
ile park, ol-baieg, (nach Kannenberg ile-paik, lupaiki), den A-Sande mbaja, den 
A-Madi abundo, den Mangbattu ändo. den Lur ujuahgi, den Schuli anjoggi, 



*) Die regen Beziehungen des Sklavenhandels brachten den Mais offenbar direkt aus 
Amerika dorthin, denn die Portugiesen haben den Ausdruck mais, massa, schwerlich verbreitet ; 
bei ihnen heißt „mais" = mehr, während unser Getreide auf Portugiesisch millio genannt wird, 
also stammeseins mit Hirse ist. 



— 204 — 

(njuahgi, anjoggi und baiegi sind sicher verwandte Worte), den Dor südlich der 
Djur am oberen Nil monjden, den Somali gcle-gelei, ghellei murdi, tereferi, den 
Galla missinga und in Abessinien offan, öffan, elboh, mashele bahari, (also ein 
Getreide, das über See gekommen ist). In Ägypten sagt man diirrlia-sham 
(syrischer Hirse), im Sudan esherif, (wohl richtiger esk-rarif, also Nahrung-Brod) ; 
bei den Haussa mässarä, den Fullah butali, den Kanuri massarami, den Ewe bli. 

Leider sind meine ganzen Sprachsammlungen von der Emin-Pascha-Reise 
verloren worden. Sie wurden dem Lehrer für Swahili am orientalischen Semi- 
nar, Herrn Dr. Büttner, übergeben, und nach dessen baldigem Tode konnten 
sie in seinem Nachlaß nicht aufgefunden werden. So kam ich von der interes- 
santen Westgrenze des Kongo-Staates keine Namen geben und habe auch keine 
Literatur, um diese Lücke zu vervollständigen. 

Ich gebe aber noch eine große Wortsammlung nach den oft erwähnten 
Polyglotta africana von Koelle, die zwar gewiß viele Fehler haben, und deren 
Volksnamen sich vielfach nicht werden identifizieren lassen, die aber doch eine 
Lücke ausfüllen, bis jemand in West- Afrika neue Sammlungen machen oder die 
zerstreute Literatur prüfen kann. 



Senegambien b. Bissagos bis Monrovia 
Sarar pumaidsi mwmbawo 

Pepel Immadsa bumbawa 

Kanyop bwnagi 

Biafada ntubanyo,pl. niantii- 

banyo 
Padsade tubanyo 

Baga von Kalum kenkabe, pl. tscn- 

kabe 
Timne kemank, pl. teniank 

Bulom nkuskus 

Mämpo nkison & nkan 

Kisi suai pl. suan 

Südsenegambien bis Kap Palmas 



Mandenga 


nyo 


Kabunga 


lubanyo 


Toronka 


nyo 


Dsalunka 


nyo 


Kankanka 


nyo 


Bambara 


nyo 


Kono 


nyoe 


Vei 


nyoro 


Soso, Solima 


kabaia 


Kisekise 


kabai 



Tene 


nyo 


Gbandi 


nyoi 


Landoro 


nyo 


Mende 


nyo & nyoi 


Gbese 


gbai 


Toma 


gbasi 


Mano 


gbai 


Gio 


gbai 


Kru-Küste 




Dewoi 


bae 


Base 


niäe 


Kra 


paniburn 


Krebo 


yibo 


Gbe 


bolie 


Sklaven-Küste 




Adampe 


blafo 


Ewe 


gbeli cbilc, bli 


Hwida 


gbadoku 


Dahome 


agbadc 


Mahi 


gbadye 


Aku Ota 


agbado 


Egba 


agbado, oka 


Idsesa 


ag?oado 


Yoruba 


agwado 



— 205 — 



Yagba 


agbado, agbado 


Ebe 


akaraba 


Eki 


gbado 


Opanda 


agwa 


Dsumu 


igbado 


Igu 


agba 


Oworg 


egbadu & egbado 


Egbira Hima 


agwagwa 


Dsebu 


oka 


Tsad-See 




Ife 


egbado 


Buduma 


mahara 


Ondo 


agbado 


Bornu, Kanuri 


masarmi 


Dsekiri 


emiya 


Munio 


masarmi 


Igala 


akagiva 


Nguru 


masarmi 


Sudan — Niger 




Kanem 


mazarmi 


Mose 


kamaua 


West-Tsad-See 




Dselana 


mantsoa 


Pika 


da inasali 


Guresa 


kiumbena 


Karekare 


da masar & ivotei 


Gurma 


gbanta & agbauta 




mado 


Legba 


amelamela 


Bode 


agnmu 


Kaure 


somula & samulan 


Ngodsin 


masarmi 


Kiamba 


woamila 


Doai 


masarbe 


Koama 


kuerime 


Ostlich vom unteren Niger 


Bagbalan 


köre min, pl. kore- 


Ekamtulufu 


egu 




mina 


Udom 


egu pl. agil 


Kasm 


pamcna 


Mbofon 


egu 


Yula 


pamoua 


Eafen 


nkui 


Niger-Mündung 




Basa 


akalaba 


Isoana 


oka 


Kamulu 


limasara, pl. ama- 


Isiele 


akiri-agbo 




sara 


Abadsa 


oka 


Kamerun-Hinterlanc 


( 


Aro 


ukolu 


Dsuku 


sangba 


Mbofia 


cgbagbo 


Isuwu 


mbazi 


Sobo 


oka 


Diwala, Duala 


mbasi 


Egbele 


oka 


Orungu 


asa & asa 


Bini 


oka 


Bayon 


ngbafen 


Ihewe 


oka 


do. Pati 


ngoafut 


Oloma 


ugbado 


Kum 


ngofo 


Okuloma 


mbiagba 


Bagba 


ngbafon 


Udso 


agbado 


Balu 


gbafun 


Unterer Niger 


(Nupe) 


Bamom 


ngbafu 


Nupe 


kawa 


Ngoala 


esan-bafu 


Kupa 


akaba 


Momenyo 


gbafon 


Esitako 


akarawa & karaiva 


Papiah 


gbafu 


Goali Gugu 


wiae 


Param 


ngesan 


Puka 


agbado 


Ngoten 


nguo 


Basa 


kawa 


Melon 


ngu 



2o6 — 



Nhalemoe 

Baseke 
Kongo — Angola 

Kabenda 

Mimboma 

Musentandu 

Mbamba 

Kanyika 

Ntere 

Mulsaya 

Babuma 

Bumbete 

Kasands 

Nyombe 

Basunde 

Ngola 

Pangela 

Lubalo 

Runda 

Songo 

Kisama 
Süd-Ost-Afrika 

Muntu 

Kiriman 

Marawi 

Meto 

Matatun 

Nyamban 



ngoi 
mpodsu 

liana, pl. manya 

manyo 

masa 

hwmu pl. aluomu 

ditau. pl. i na tau 

nkini 

lekini, pl. bakini 

masa 

luomu, pl. aluomu 

maza 

masa 

sangu, pl. masagu 

desa, pl. masa 

epmigu & tvutele 

massa lundele 

kabak 

kindele, pl. mindele 

hungo 

dsimanga 

livilamanka 

dsimanga 

nakuo 

nakuo, pl. anakuo 

pfake, pl. mafake 



West-Atlantische Stämme 



Wolof 

Gadsaga 

Banyun 

Nolu 

Limba 

Landoma 
Hoch-Sudan 

Asante 

Barba 

Boko 
West-Zentral-Sudan 

Kaudin 



baradsin & mbog 

maka 

dibabo & diwawo 

nkafidon 

tcfia 

kebabu, pl. tsebabu 

aburoo 
barenu 
agivado 

abora, masar & da- 
masar 



Tumbuktu 

Mandara 

Bagirmi 

Hausa Kano 

Kadzina 

Pulo Timbo 

Salum 

Goburu 

Kano 
Niger-Delta 

Yala 
Süd-West-Afrika 

Anan 

Dsarawa 
Koro 
Harn 

Akurakura 
Okam 
Yasgua 
Nki 

Kambali 
Alege 
Penin 
Bute 
Murundo 
Undaza 
Ndob 
Tumu 
Nkele 
Konguan 
Mbarike 
Tiwi 
Boritsu 
Afudu 
Mfut 
Mbe 
Nso 
Arabisch 
Wadai 
Adirar 
Beran 



masara liama 
masar 
masa 
masara 
dal masara 
kaba 
masara 
bueri masar 
mazardi, pl. maza- 
[radsi 
igu ibagba 
usw. 

agwagiva & 

agbagba 
guguren 

suscle, pl. azisele 
guhpara 
esut 

guivagba 
uguza, pl. aguza 
manhtron 
karabu 
kolio 
ngafon 
mungon 
ngui 

esangu,pl. masangu 
goami 
goami 

potic, pl. luapotie 
ndsui 
mbegba 
kuleke 
bagba 
agahafi 
ngbafon 
ekui 
bone 

amabat 

maka 

tatkulot & makori 



— 207 — 

Wenn man die Wirtschaftskarte von Uhlig ansieht, so scheint es, als ob 
die Maiskultur in Ost-Afrika ziemlich gleichmäßig im ganzen Gebiet verteilt ist 
mit Ausnahme eines ziemlich breiten Streifens zwischen dem Viktoria See und 
dem Kilimandjaro und herabgehend nach Südsüdwesten. Aber weite Strecken haben 
diese Kultur nur ganz nebenher angenommen, sie spielt dort nur eine sehr neben- 
sächliche Rolle, wie z. B. im ganzen Zentrum des Landes. Gebaut wird Mais 
fast überall, wirklich intensiv aber nur in einigen Küstenbezirken, vor allem im 




Deutsch-Ostafrika 



Verbreitung' mehr oder weniger intensiver Kultur von Mais. 



Tangaland, Usambara, Pare und am Kilimandjaro, wo er andere Kornfrüchte 
so gut wie verdrängt hat. Ferner intensiv in Usegua, Usaramu, Ukami, Uluguru, 
Usagara und im Hinterland von Lindi. Weniger stark scheint mir die Kultur 
in Uhehe, Unyamwezi, Usukuma, zwischen dem Niassa und Tanganika und am 
Ost-Ufer dieses Sees zu Sein, sowie am Ost-Ufer des Viktoria-Sees. In dem 
südlichen Teile des Zwischenseengebietes, besonders in Urundi und am Russissi 
wird dann wieder sehr viel Mais gebaut. Überschreitet man unsere West-Grenze, 
so wird man in den ganzen Ländern westlich der großen Seen eine ganz außer- 



•— 208 — 

ordentlich ausgebreitete Maiskultur seilen, die dort für das heutige Wirtschafts- 
leben der Neger von ausschlaggebender Bedeutung ist. Im ganzen Gebiet des 
Kongo und hinauf bis in die Länder westlich vom Albert-See und in der Semliki- 
Ebene leben die Leute in erster Linie von Mais. Dies fiel uns damals auf der 
Emin Pascha-Expedition sehr auf, als wir das Süd-Ende des Albert-Edward-Sees 
erreicht hatten. Ich habe immer den Eindruck gehabt, als ob es eine östliche, 
von der ostafrikanischen Küste ausstrahlende Mais-Kulturzone und eine westliche 
gäbe, die von der westafrikanischen Küste ununterbrochen bis an die großen 
Seen reicht. Dasselbe werden wir noch ausgeprägter bei dem Maniok sehen. 
Es ist für mich kein Zweifel, daß der Mais von beiden Seiten in den Kontinent 
drang, und zwar von Osten trotz des bedeutenden Karawanenverkehrs viel weniger 
weit als von Westen! Wir wissen ja, daß die Araber mit ihren Karawanen erst 
etwa 1825 den Tanganika erreichten und noch später in den Kongo-Staat drangen, 
portugiesische Halbblut Händler, sogenannte Ambraquisten, aber scheinen seit 
sehr langer Zeit von Angola aus ins Innere gedrungen zu sein. Außerdem ist 
es nicht unwahrscheinlich, daß eine große Völkerbewegung von Südwesten aus 
in das Gebiet des Kongobeckens eindrang, vielleicht vor noch gar nicht so sehr 
langer Zeit. Auch vom Kongowaldland sind Leute bis an die Grenze des Sudan 
gewandert. Die Mangbattu sind z. B. erst recht spät von Süden aus in ihren 
heutigen Wohnsitzen erschienen, und ihrer ganzen Kultur nach gehören sie sicher 
zu den Waldstämmen des Kongogebietes. Der Völkerstrom westlich von den 
großen Seen scheint mir neuerdings vielfach von Südwest nach Nordost gegangen zu 
sein und mit ihm die Einfuhr der Kulturpflanzen, von denen auch die neuen Ein- 
führungen den alten Völkerstraßen später getreu blieben. In West-Afrika ist der 
Mais anscheinend überall ausgiebig kultiviert. 

Über die Varietäten des Mais kann ich wenige Angaben machen. Schumann 
entnahm aus Notizen von Holst, daß die Leute in Usambara zwei Sorten (vuihingo 
und kitoka) unterscheiden, deren Kolben eine behaarte Hülle haben und gemein- 
sam als mavusi-Sorten benannt werden, und bei den mit unbehaarten Hüllen 
eine rotkörnige Sorte (mpemba muhingo), und sechs weißkörnige (kingulu, sise, 
kiosilc, kitocka, sangada und malanda). Hier in der Sammlung von Amani sind 
aus der Nachbarschaft einstweilen fünf Sorten vorhanden, mit roten, rosa, gelben 
und weißen Körnern, sowie eine mit teils weißen teils violettschwarzen Körnern. 
Die Leute aber haben dafür nur Farbennamen, und ich weiß nicht, ob die von 
Holst gegebenen nicht in sie hineingefragt sind. Es fiel uns seinerzeit auf, daß 
im Semliki-Tal und in den Grenzländern des Kongostaates westlich vom Albert- 
See der Melanismus der Körner überwiegte und oft nur schwarze Körner in den 
Maiskolben vorhanden waren. Körnicke unterscheidet 69 verschiedene Varie- 
täten. Welche von diesen in Ost-Afrika vorkommen, muß eine Spezialunter- 
suchung lehren. Jedenfalls scheint der Zuckermais und der Pferdezahnmais hier 
nicht ursprünglich kultiviert zu werden, letztere ist erst von der früheren Kultur- 
Abteilung des Gouvernements eingeführt und in Kwai usw. kultiviert worden. 



— 209 — 

Aus allen diesen noch recht lückenhaften Angaben ist nur zu schließen, daß 
der Mais erst nach 1500 sowohl in West- als auch in Ost-Afrika angebaut sein 
kann. Im Westen haben ihn ziemlich sicher die Portugiesen oder deren Sklaven- 
Schiffe eingeführt, und er ist dann in verhältnismäßig kurzer Zeit durch den 
größten Teil des Kontinents gewandert, ein neues Beispiel dafür, wie rasch der 
Neger die seiner Hackfrucht-Kultur günstigen neuen Kulturpflanzen annimmt. Als 
Seh wein für th Anfang der siebziger Jahre in Mombuttu weilte, war der Mais 
dort erst vor kurzem bekannt geworden, offenbar von Westen her. 

Von Osten aus scheint er ziemlich viel später eingedrungen zu sein, er ist 
noch nicht einmal intensiv verbreitet in dem hiesigen offenen Savannen-Land, was 
trotz der unwegsamen Wälder im Westen durchweg geschah. Die portugiesischen 
Schriftsteller z. B. Barro de Rezende 1635 erwähnen von Zanzibar usw. Reis, 
Negerhirse, Sesam, Cocos, Früchte; Capt. Smee 1811 eine Menge Früchte, 
Zuckerrohr, Kürbis, Bohnen, Bataten und Maniok aber keinen Mais. Bruce 
fand aber 1769 in Abessinien schon viel Mais angebaut. Es ist mir nicht mög- 
lich, die Zeit der Einführung vom Mais in Ost-Afrika genau festzustellen, aber 
ich möchte annehmen, daß es kaum vor der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts 
gewesen ist. Ebensowenig läßt sich erweisen, ob Portugiesen, Araber oder Indier 
ihn zuerst brachten. Trotz des Namens mhindi möchte ich die Indier nicht für 
die Überbringer halten, denn sie kamen nur als Händler und nicht als Kultivateure; 
entweder werden die Portugiesen ihn nach Mombassa oder Mossambik gebracht 
haben oder wahrscheinlich die Maskataraber, die ihn in Indien selbst kennen 
lernten oder ihn in Mekka oder Yemen sahen. 

Jetzt wird an unserer Küste so viel Mais gebaut, daß wir sogar etwas 
exportieren können : 



1889 


70000 


Kilo 


1890 


720000 


» 


1891 


680000 


» 


1892 


320000 


» 


1893 


390000 


Kilo 



1894 


50000 


» 


1895 


5000 


» 


1896 


200000 


» 


1897 


170000 


Kilo. 



Weiterhin konnte ich keine Zahlen erhalten, da in der Statistik alle Getreide- 
arten zusammengeworfen wurden, zum Beispiel : 

1903 1 417 579 Kilo im Werte von 63688 Mark. 

1904 505631 » » » » 24734 » 

1905 227579 » » » » 16039 » 

1906 17 » » » » 6 » 

1907 1942 18 » » » » 30479 » 

Über die Binnengrenze wird bisher noch so gut wie nichts ausgeführt. Die 
Ausfuhrzahlen schwanken sehr, je nach der Ernte, den Heuschreckenplagen (1895) 
und dem eigenen starken Konsum im Lande (1906). 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 14 



— 2IO — 

Deutschland bezieht sehr viel Mais für den Bedarf der Landwirtschaft aus 
dem Auslande. So : 

!9°3 953 2 39 Tons im Werte von 92296000 Mark. 

1904 773488 » » » » 73791000 » 

1905 928 118 » » » » 97989000 » 

1906 1 140083 » » » » 1 12666000 » 

Es wird aber lange dauern, bis wir aus Deutsch Ost-Afrika nur einen nennens- 
werten Teil dieses Bedarfes werden decken können. Besonders kann daran erst 
bei niedrigen Frachten gedacht werden. 



VIII. Die Hülsenfrüchte. 



/. Cajanus indicus Sprengel. 

Die Strauch-Bohne oder Strauch-Erbse wird jedem Ostafrikaner bekannt 
sein. Fast in allen Dörfern sieht man sie an den Feldrändern als i V 2 — 3 m 
hohe Sträucher wachsen, aber nirgends in sehr großen Mengen. Die botanische 
Gattung Cajanus hat nur eine Art und dies ist unsere kultivierte, deren Stamm- 
eltern noch nirgends mit Sicherheit wild gefunden sind. Zwar berichteten hier 
und da Reisende, daß sie wilde Str-äucher beobachteten ; aber die Pflanze ent- 
springt sehr leicht den Kulturen und schießt ohne Sorge des Menschen auf, so 
daß es sich wahrscheinlich immer nur um verwilderte Pflanzen gehandelt hat. 
Es ist deshalb die Entscheidung über die ursprüngliche Heimat dieses Gewächses 
schwer, und die Meinungen schwanken zwischen Süd-Asien und Afrika. Denn 
neuweltlich ist die Pflanze sicher nicht, sie ist in Amerika ein eingeführtes Ge- 
wächs, das dort sogar auf den Antillen Kongo- oder Angola-Bohne nach dem 
Lande ihrer Herkunft genannt wird. 

Irgendwelche historische Überlieferungen über sie sind meines Wissens nicht 
bekannt geworden, wir müssen uns also bei unserer Untersuchung an die Namen 
bei den verschiedenen Völkern und an allgemeine Erwägungen halten. 

Die Pflanze soll im Sanscrit adhaki-tubarika, arhuku heißen, in den modernen 
indischen Sprachen tu war, arhar, tor, dal, iura, tuver, tur, togari, urur, orol usw., 
von denen ein Teil wohl aus dem Sanscrit abgeleitet werden kann. Die Perser 
sollen sie shakull, die Araber kadjan, turigan, shaz nennen, die Kangra dhinga 
kundi, die Tamilen scgapu, purpoo. 

In Egypten soll die Kultur erst im 19. Jahrhundert eingeführt sein, auf die 
Südseeinseln erst Missionare sie gebracht haben. Die alten chinesischen Schrift- 
steller erwähnen sie anscheinend nicht, auf Amboina war sie Ende des 17. Jahr- 
hunderts noch ziemlich selten. 

An unserer Küste heißt die Strauchbohne mbazi, mbalasi, mbarazi, »ibaradi, 
ebenso bei den Wadigo, Wabondei und Wanjika. Die Wassagara nennen sie 
mhange, die Wasukuma rutindcgo, die Wanyamwezi mbalazi, mtendegtva, in Ujiji 

14* 



212 

ntendegtua, in Uvinza katendegwa, was offenbar beides vom selben Stamm kommt, 
die Wapokomo ndoko, die Leute von Kondoa-Irangi loryo (»Erbse«, vielleicht 
wird also auch eine andere Leguminose so genannt), die Wangoni mberemende, 
die Wahiyao ebenso, bei Wildhafen mbange, die Wamakuwa itaa, die Massai 
vielleicht giu, en-jugu, /z/ö//^(? oder j///^i/ö (Kannenberg), wenn diese Namen 
nicht eine andere Hülsenfrucht bezeichnen. Eine Varietät mit schwarzgefleckten 
Samen soll in Usambara nach Holsts Angaben mchongwe heißen. In Ruanda 
sagt man nach Angabe von Kandt merkwürdigerweise nkunde (die Pflanze wird 
dort meist nur in einigen Exemplaren gehalten und hat elfenbeinfarbene, stark 
braun gesprenkelte Samen). In Uhehe mangi eupe (weiße und braun gefleckte 
Sorte), mangi nitu (schwarz gesprenkelte Sorte), nach Kannenberg mbange, 
bei den Wadoe tonga, in Ugogo mkanjc (horngrau mit orange Sprenkeln und 
ebensolche mit schwarzen Flecken, die meist am Nabel sitzen). Aus Marimba in 
Bonde'i hörte ich noch den Namen muhakakonde. Von Kilindini gibt Krapf 
den Namen mrabba an. Die Ewe sagen atiyi d. i. »Baumbohne«. 

Es ist nicht unmöglich, daß der Ausdruck barazi mit dem Sanscritwort 
tnbarika oder mit dem indischen arar zusammenhängt, wenigstens eine Ver- 
drehung davon ist. Guillain (II. 2. S. 315) gibt als Swahili-Namen dafür am- 
berazi an, was sehr an das ambreuade der französischen Kolonien erinnert. Wo- 
her dies letzte Wort stammt, habe ich nicht finden können. 

Leider ist es mir einstweilen nicht gelungen, die Bezeichnung dieser Bohne 
in vielen Negersprachen zu bekommen, es scheint aber, daß die Pflanze sehr 
vielfältig bezeichnet wird. Sie wird im größten Teil des tropischen Afrika, von 
Nubien und Mombuttu, über Unyoro, bis zum Zambezi-Land, auch in Ober- und 
Unter-Guinea gebaut. In unserem Gebiet erinnere ich mich, die Strauchbohne 
nur südlich vom Victoria-See angebaut gesehen zu haben, meines Wissens fehlt 
sie meist im Zwischenseengebiet und ganz im Urwald und scheint erst in Nord- 
Unyoro wieder aufzutreten. Es ist schwer, sich ein Bild von dem Vorkommen 
der Strauchbohne und anderer Arten zu machen, da die Berichte meistens von 
»Bohnen verschiedener Art« sprechen, aber es scheint mir immer, als ob es sich 
um keine so sehr weit verbreitete Pflanze handelt. Sie scheint mir nicht so sehr 
weit von der Küste aus ins Innere vorzudringen, und es wäre sehr interessant, 
darüber genaueres zu erfahren. Im Sudan scheint die Pflanze dann wieder viel- 
fach gebaut zu werden. 

In Indien sah ich die Ca ja n tts -Bohne in großen Feldern in Pflugkultur, 
auch in Java, wo sie gudc heißt. In den französischen Kolonien nennt man 
sie ambrevade. 

Die Tatsachen sind noch recht dürftig, um Schlüsse zu ziehen, die Reisenden 
haben leider auf diese nicht wichtige Kultur wenig geachtet. Aber ich habe 
den Eindruck, als ob für Ostafrika die Kultur keine so sehr alte ist. Wenn man 
bedenkt, daß sie in Indien schon zur Sanscritzeit bekannt war und daß in dieser 
alten Zeit nur wenig Verkehr von Afrika nach Indien stattfand, daß in Egypten 



— 213 — 

die Kultur ganz neu ist, daß sie auch in Ostafrika nicht so sehr ausgebreitet 
ist und anscheinend meist nur bis zum Victoria-See reicht, und daß nebenbei der 
Name barazi vielleicht eine Verdrehung der alten indischen Bezeichnung ist (?), 
so glaube ich, daß viel Wahrscheinlichkeit dafür spricht, daß sie in Südasien 
heimisch war und nach Ostafrika in sehr alter Zeit, wohl durch die Perser (?), ge- 
bracht wurde. In Westafrika scheint sie aber auch recht lange in Kultur zu 
sein, leider fehlen mir alle Details darüber. Es kann aber vielleicht ebensogut 
sein, daß sie aus Afrika nach Indien eingeführt ist, doch scheint mir der afrikanische 
Ursprung der Pflanze einstweilen viel weniger wahrscheinlich als der asiatische. 
Wenn sie schon mit der Einwanderung der Urbantu aus ihrer östlichen Heimat 
nach Afrika eingeführt wäre, so müßte sie hier wohl weiter verbreitet sein. Da 
ihre Kultur aber auch streckenweis wieder aufgegeben sein kann, so muß die 
Frage unentschieden bleiben. 

Ich sah hier von Cajanus nur die Varietät mit rotgestreiften Blüten. In 
unserer Sammlung in Amani haben wir aber sehr viele Farbenvariationen der 
Samen, von hellgraubraun, über verschieden stark orange gesprenkelt, zu braun, 
dunkelbraun und eine zweite Serie von hellgraubraun über schwarz gesprengelt 
bis zu völlig schwarzviolett. Wie weit diese Farbenvarietäten konstant sind und 
die beiden Farbenserien vielleicht zusammenfallen mit der Blütenvarietät mit rein 
gelber und mit rotgestreifter Fahne,, müssen spätere Kulturversuche zeigen. 

Eine große Rolle in der Wirtschaft der Eingeborenen spielt unsere Bohne 
nirgends. Die Europäer essen diese Bohnen gerne ganz unreif gekocht, wo sie 
genau wie unsere Linsen schmecken, nicht wie in der Literatur steht wie Erbsen. 

2. Canavalia ensiformis DC. 

Die Fetisch- oder Schwert-Bohne wird in dem ganzen Tropenbezirk kulti- 
viert, in Afrika: in Ober-Guinea, dem Nilland, Sennar, Abessinien, dem Zambezi- 
Gebiet, Unter-Guinea. In Ostafrika kommt sie wohl überall vor aber nie in 
Mengen, da man sie nicht gerne ißt sondern meist nur zu Opferzwecken für böse 
Geister verwendet. Man nennt sie mpupu, in Ungoni upupe oder tangarn, in 
Usambara magobe-ya-masiinu, shaafa-ya-mazimu (Geisterbohne). 

Man nimmt an, daß sie aus Vorderasien stammt, wo sie wild und kultiviert 
vom Himalaya bis nach Ceylon und Siam vorkommt. In Indien nennt man sie 
makkam-sliim, sein, shciu, gawari usw., was mir keine originelle Namen zu sein 
scheinen, da man mit sein, sJiein verschiedene Bohnen benennt. Im Sanscrit soll 
sie nach Watt auch shimbe heißen, ein Name, der ebenfalls anderen Bohnen zu- 
kommt. Ich habe bei uns immer den Eindruck gehabt, als ob es sich hier um 
eine wilde, nur dann und wann beachtete Pflanze handele. Ob sie nun hier 
oder in Ostasien heimisch ist, kann ich nicht entscheiden, wahrscheinlich in beiden 
Erdteilen. Eine ökonomische Bedeutung hat diese Bohne nicht, deren Hülse 
jedermann durch ihre Größe auffällt, auch die rotbraunen oder weißen Samen 
sind sehr groß. Nur die kleine Varietät molli s Wall, soll in Indien genießbar sein. 



— 214 — 
3. Cicer arietinum L. 

Die Kichererbse ist eine sicher in nördlicheren Gegenden heimische Pflanze, 
die man zwar wild nicht kennt, die aber wahrscheinlich aus den Ländern zwischen 
dem Süden des Kaukasus und Nordpersien stammt. Von da ist sie in grauester 
Vorzeit, wohl mit dem Kulturstrom der Arier, nach Nordwesten gegangen. Den 
Griechen war sie als ercbinthos oder fcrios, den Römern später als cicer ein wichtiges 
Nahrungsmittel. In Ägypten war sie sicher seit Beginn unserer Zeitrechnung, 
wahrscheinlich früher angebaut, die Juden scheinen sie nicht gekannt zu haben. 
Bei den Arabern heißt sie Iiumus, onnnos (ebenso in Marokko), ein wohl neuer 
Name, der auch für andere Hülsenfrüchte (Erbse) gebraucht wird, in Algier sagt 
man auch djelbana. Mit dem arischen Kulturstrom kam sie auch sehr früh nach 
Indien. Im Sanscrit heißt sie chennuka und in den modernen indischen Sprachen 
chenna, ckariä, chola usw., im persischen nukhud, in Abessinien chimbera, bei den 
Tigrinern dort ater-quijeli, den Saho atir. Wie sie in Angola heißt, weiß 
ich nicht. 

In Indien wird sie heute in sehr großem Umfang gebaut, die Engländer 
nennen sie dort gram, was vielleicht von dem portugiesischen Wort für Korn 
(graö) kommen mag. 

Die Anbau versuche in Amani sind fehl geschlagen, entweder ist das Klima 
ungeeignet, oder die betreffenden Wurzelbakterien fehlen oder ein Pilz beziehungs- 
weise die weißen Wurzelläuse traten als Schädlinge auf; die Pflanzen blühten, aber 
setzten keinen Samen an. In Kondoa-Irangi sind die Anbauversuche neuerdings 
von Erfolg gewesen. Die unter dem Namen ndosi in Ungoni (Bezirk Songea) 
gebaute Pflanze ist nicht Cicer, sondern Pisum sativum. Nach Zanzibar und 
unserer Küste werden große Mengen von Kichererbsen, meist in geschältem Zu- 
stand aus Indien unter dem Namen dengu gebracht. Woher diese Bezeichnung 
kommt, weiß ich nicht, vermute, daß sie aus einem indischen Dialekt verdreht 
ist. Es sind kleine, meist blaß gelbrote geschälte und zersplitterte »Linsen«, die 
ein beliebtes Pferdefutter sind, aber auch von den Menschen gekocht gegessen 
werden. 

4. Cyamopsis tetragonoloba Taub. 

Diese in Vorderindien angebaute Hülsenfrucht, deren Hülsen als Gemüse 
gegessen werden, deren Samen arme Leute dort geröstet essen und die sonst 
als Futter dient, ist in Zanzibar beobachtet worden, doch ist ihre Kultur so selten, 
dal] ich mich nicht erinnern kann, sie gesehen zu haben. Einen Namen habe 
ich nicht erfahren können. 

5. Dolichos biflorus L. 

Die Pferdebohne, Horse Gram der Engländer, wird in Ostafrika meines 
Wissens noch nicht gebaut. Sie und die nahe verwandte D. uniflorus Lam. 
kommen aber wild oder verwildert in Afrika vor, in Abessinien, Mossambik, 



— 215 — 

Natal, Bukoba, am Niger-Benue und am Kongo. Die Hülsen und jungen Samen 
werden in Indien gegessen, das Kraut und die Körner als gutes Viehfutter ver- 
wandt. Diese im Sanscrit ebenfalls simbi heißende Art wird heute in Indien 
kultJii, kulti, gahat genannt. Sie scheint überall in den Tropen der alten Welt 
verbreitet zu sein, wahrscheinlich sogar wild. Zur Verwendung als Viehfutter 
wäre sie hier sehr zu empfehlen. 

6. Dolichos Lablab L. 

Die Helmbohne ist dadurch von den anderen hier kultivierten Bohnen aus- 
gezeichnet, daß ihre ziemlich flachen, ovalen Bohnen einen großen, immer weißen 
Nabel haben, der etwa in einem Drittel den Umfang der Bohne wie die Raupe 
eines bayrischen Helmes umgibt. Die Hülse selbst ist ziemlich kurz, 4 — 7 cm 
lang und 2 — 3 cm breit, enthält nur 2 — 6 Samen, und ist an ihrer Spitze in 
einen umgebogenen Ausläufer verlängert. Die Samen sind verschieden gefärbt, 
weiß, rehbraun oder rotbraun, oft auch fast pechschwarz, aber stets mit dem 
großen weißen Nabel. 

Taubert nimmt in Engler und Prantl's 'Pflanzen-Familien« Afrika als 
ihre Heimat, in seiner Bearbeitung der Hülsenfrüchte in der »Pflanzenwelt Ost- 
afrikas« Indien an, und mir scheint, daß letzteres die größere Wahrscheinlichkeit 
für sich hat. Sie soll in Bengalen wirklich wild sein, für Afrika konnte ich 
keine sichere botanische Angabe über wildes Vorkommen finden. Nach einer 
Mitteilung von Dr. Kandt soll die Pflanze in Ruanda nicht angebaut, aber »wild 
oder halbwild« vorkommen, in der Nähe der Hütten oder am Rand von Bananen- 
hainen. Man sät sie dort nicht aus, begünstigt aber ihr Wachstum durch Entfernen 
des Unkrautes. Die Samen sollen rehbraun bis rotbraun mit weißem Nabel sein. 
Es scheint sich demnach um dieselbe Art zu handeln, aber ihr Vorkommen läßt 
vermuten, daß es sich nicht um ein spontanes Vorkommen, sondern um Ver- 
wilderung handelt. In Indien wird sie im großen angebaut und ist seit sehr 
alter Zeit bekannt, denn man hat den Sanscritnamen simbi, shhtibi, dafür, der 
sich noch heute als sim, shim, scmbi findet, neben dem noch val, barbuti u. a. 
gebraucht werden. In alter Zeit ist sie dagegen in China, Westasien und Ägypten 
nicht bekannt gewesen. Heute baut man sie fast im ganzen Tropengebiet. 

In Afrika wird sie in Ober- und Unter-Guinea, Nubien, Abessinien, am 
Zambezi und in Ägypten gebaut, in unserm Gebiet bis zur Westgrenze, aber 
überall nicht sehr viel und immer meines Wissens strichweise. Hier in der Gegend 
von Tanga ist sie scheinbar wenig, in Usambara mehr bekannt. 

Der Küstenname ist fiivi, ebenso in Udoe, in Usagara maß/ei. in Ugogo 
und Uhehe fniivi, in Unyamwezi ifiwi, mkassi, magiika, bei den Djagga am 
Kilimandjaro mpu, in Ugogo die weiße Sorte mfiwi mpu, bei den Wangoni 
gunguta, bei den Wahiyao nguya (vielleicht mit der Bedeutung Frucht aus Unguya, 
d. h. Zanzibar), in Usambara majembo, majouibo, in Unguru ngwarei, bei den 
Massai bombo, ilhvombo, bei den Wamakuwa ipwiri, in Ujiji, Uha vigori, visoya, 



— 2l6 — 

in Karagwe und Unyoro guinguczo oder maharagwe (ob dort nicht so Pli. vul- 
garis bezeichnet wird, bleibt festzustellen). Die Bezeichnung kassori in Bukoba 
ist mir auch nicht ganz sicher. Die Bilin sagen gerenga. 

Ob die von Holst aus Usambara angegebenen vier Farbenvarietäten : kivuli 
für rehbraun, kibcju für kleine rotbraune, ngala für weiße und puiri konstant 
sind, müssen spätere Kulturversuche zeigen. Vielleicht sind das vielfach auch 
nur, wie oft bei Holst , in die Eingeborenen hineingefragte Phantasienamen. Der 
Wirtschaftsinspektor Christen in Wilhelmstal konnte nur den Namen ngwala 
für eine braunsamige Varietät mit kurzer Schote, an der sich Öltropfen bilden, 
feststellen. Sonst kennt man immer braune, weiße und rote Samen durchein- 
ander, die aber sicher konstante Varietäten sind. 

Der mindestens 3000 Jahre alte Anbau in Indien, der vielleicht in die Zeit 
vor der arischen Einwanderung zurückreicht, die dortige sehr verbreitete Kultur 
in Verbindung mit dem wilden Vorkommen in Bengalen, und andererseits die 
nicht sehr ausgiebige Kultur in Ostafrika läßt Indien als wahrscheinliche Heimat 
dieser Bohne erscheinen, die vor langer Zeit, wahrscheinlich durch die persischen 
Kolonisten hier eingeführt wurde. Die Perser haben allerdings ihr Wort für die 
Bohne nicht hierhergebracht, sie nennen sie . lubiah, Inbia, ein Ausdruck der auf 
viele Hülsenfrüchte dort angewendet zu werden scheint und den die persischen 
Eroberer auch in Nordindien für diese und andere Bohnenarten einführten ; be- 
sonders wird Vigna sinensis so genannt. 

Ob die Perser und verwandte Völker dies Wort htbiah von den Griechen 
(lobos), wie De Candolle meint, oder umgekehrt erhielten, ist zweifelhaft. 

(P. S.) Beiläufig möchte ich noch auf das Wort simbi, sini hinweisen, das 
heute noch in den N.W. -Provinzen von Indien für unsere Bohne gebräuchlich 
ist und aus dem Sanscrit stammt. Die Kauri-Muscheln werden nun in Uganda, 
Unyoro, Ruanda,*) Bukoba, meist auch an der Küste simbi genannt, und Dapper 
schreibt schon im Jahr 1670, daß die Portugiesen bei ihren Fahrten in West- 
afrika dort »simbos« genannte kleine Muscheln als Geld vorfanden, die ja sicher 
aus dem indischen Ozean stammten. Daß die Kauri in der Urzeit sehr weit 
gehandelt wurden, wissen wir aus den prähistorischen Funden aus dem Mittel- 
meergebiet und aus dem Norden. Sollte es ein Zufall sein, daß die oft auch 
weißen Bohnen und die weißen Muscheln des indischen Gebiets mit einem Namen 
bezeichnet wurden? Vielleicht interessiert sich jemand für diese Frage, dem die 
Literatur zur Verfügung steht und der auch die verschiedenen Namen für die 
Kauri verfolgen kann. Ich komme darauf noch einmal bei Besprechung der Kauri 
zurück. 

7. Glycine hispida Makm. 

(G. soya L.) Die Soya-Bohne ist wahrscheinlich in Ostasien heimisch und 
dort schon seit undenklichen Zeiten kultiviert, in China wahrscheinlich schon 






*) Der Vulkan Kari-simbi soll vielleicht wegen der weißen Schneehaube nach den simbi- 
Kauri genannt sein? (Kandt.) 



— 217 — 

2800 v. Chr. Von da kam sie offenbar nach dem Sunda-Archipel und nach 
Indien, wo sie jetzt massenhaft gebaut wird und auch oft verwildert. Man nennt 
sie dort bhat, raui, kurtlii. 

In Ostafrika ist sie bisher noch nicht gebaut, die Kulturversuche in Amani 
und an anderen Stellen sind einstweilen mißglückt, obgleich wir die Bete mit japa- 
nischer Erde impften, um die richtigen Wurzelbakterien zu bekommen. Die Er- 
träge waren sehr klein. Die Versuche werden jetzt mit anderer Saat wiederholt. 

Die verwandte Gl. j avanica L. ist in Afrika wild, in Abessinien, Kordo- 
fun, Bahr-el-Gazal, Zanzibar, Usagara, Usambara, Kilimandjaro, Seengebiet, Niassa- 
land, Natal, Kamerun, Gabun, Loango, Angola, Benguela. Sie wird offenbar 
nicht benützt. 

8. Lathyrus sativus L. 

Die weiße Platterbse stammt wahrscheinlich aus Westasien und verbreitete 
sich von da in sehr alter Zeit nach Südeuropa, wo die Griechen sie als latJiyros. 
die Lateiner als cicercula anbauten. Auch nach Indien ward sie gebracht, wo 
sie angebaut und im Norden überall verwildert ist. Sie heißt dort khessari, kessur, 
auf Persisch niasang. In Abessinien wird sie ebenfalls kultiviert unter dem Namen 
sobbeurc, sabare, scppcrc, scbbere, ater-skimbera. Da sie in Angola mit Erfolg 
angebaut wird, ist dies vielleicht auch für uns zu erhoffen, als ein wertvolles 
Viehfutter. 

9. Lens esculenta Mnch. 

Die Linse ist ebenfalls eine nordische Pflanze, die im wilden Zustand nicht 
bekannt ist. Schon in vorhistorischer Zeit wurde sie im Mittelmeergebiet, im 
Orient und sogar in der Schweiz angebaut, wo man ihre Reste in den Pfahl- 
bauten des Bieler Sees fand. Im alten Testament ist sie als adascJiim bekannt 
(Esau's Linsengericht!), und noch heute ist der Name in Ägypten ads. adas, bei 
den Berbern ades. In vorhistorischer Zeit ist sie auch nach dem Süden gekommen. 
Die alten Perser nannten sie mangu, margu, die heutigen Perser mirjuuiak oder 
auch adas. Im Sanscrit hieß sie masura, renuka, mangalaya, und heute in Indien 
musur, motri usw. Von Indien wird ihre geschälte rote Saat nach Zanzibar und 
der Küste importiert. Auch in Ägypten wird sie geschält gegessen, nicht wie 
bei uns. Dasselbe war offenbar im Altertum der Fall, denn Esau's Linsenge- 
richt war »rot«. 

Soweit mir bekannt, wird sie in Afrika nur in Abessinien angebaut als 
birsin, bei'ssem (Tigre), ades. missrr (Amhar), manssir, birssin (Soho). Die Notiz 
in Taubert's Bearbeitung der Hülsenfrüchte Ostafrikas in der »Pflanzenwelt , 
wonach Prof. Volke ns ihm mitgeteilt habe, daß die Linse seit der Jesuitenzeit 
im Nyassa-Land, also bei Langenburg, angebaut wird, muß wohl eine Verwechse- 
lung mit der Erbse sein. Auch habe ich dort nie von einer Jesuitenzeit gehört. 



— 218 — 

10. Mucuna melanocarpa Höchst. 

Eine zu dieser Pflanze gehörige oder ihr nahe verwandte Bohne sammelte 
Busse beim Dorfe Namguru, wo sie kultiviert war. Ich erhielt sie 1907 unter 
dem Namen upupu aus Kilwa. Die kurze, beiderseits zugespitzte Hülse ist etwas 
geschweift, hat zwei Seiten kielartige Flügel und feine Brennhaare. Die Samen 
sind hellgrau mit dickem weißen Nabel. Die Kultur scheint selten zu sein, bis- 
her nur aus dem Süden der Kolonie bekannt. 

Andere Arten dieser Gattung, z. B. M. pruriens sind die gefürchteten 
Brenn-Bohnen, deren Haare ein unerträgliches Jucken verursachen. Eine Art M. 
utilis wird als Viehfutter gebaut, sie soll dem Boden durch Bakterienknollen 
viel Stickstoff zuführen, so in Reunion. Nach Busse's Angabe ward sie in 
Zanzibar bei Dunga unter dem Namen Velvet Bcan als Futter gebaut. 

11. Pachyrrhizus bulbosus Brit. 

(P. angulatus Rick.) Die Yambohne wird jetzt in den Tropen der alten 
und neuen Welt kultiviert, ihre Heimat ist nicht bekannt. Nach Olliver's 
Flora kommt sie in Ober-Guinea, am weißen Nil, in Abessinien und bei den 
Madi vor, er schreibt aber nicht ob wild. Über den Anbau in Ostafrika ist bis- 
lang nichts bekannt. Nicht nur die Bohnen sind genießbar, sondern auch die 
Knollen bilden eine sehr nahrhafte Speise, so daß ihre Einführung recht wünschens- 
wert wäre. Auf den Fiji-Inseln wird sie Yaka, wayaka genannt, in Indien san- 
kalu, in Abessinien kliarvcg (Tigrinja), serero (Tigre). 

12. Phaseolus aconitifolius Jacq. 

Die aconitblättrige Bohne wird anscheinend in Ostafrika noch nicht wie 
in anderen Gegenden Afrikas und in Indien gebaut. Sie kommt in Indien vom 
Himalaya bis Ceylon wild vor und wird hauptsächlich zu Futterzwecken gebaut, 
da man ihre Samen nicht als Nahrung schätzt. Sie heißt auf Sanscrit bassunta, 
vasimta, makashtaka, in den heutigen indischen Sprachen mout, nwtJi. 

13. Phaseolus lunatus L. 

Die Lima-Bohne, Duffin-Bohne oder Mondbohne hat ein stark schlingendes 
Kraut und bis 9 cm lange, 1 V2 — 2 V2 cm breite und stark halbmondförmig gebogene 
Hülsen, die flach, kahl und nur kurz geschnäbelt sind, sie enthalten zwei bis sechs 
platte, ovale bis zu 2 cm große Bohnen, deren Nabel klein und oft eingezogen 
ist. Die Farbe der Samen ist sehr variabel. Hier in der Sammlung von Amani 
haben wir rein weiße, gelbweiße, rein gelbbraune, hellrötlichbraune und braune, 
die dicht schwarzviolet gesprenkelt sind, und schwarze. Dazu kämen die von 
Holst angegeben^: intensiv violett, schwarz und weiß gestreift, rundliche schwarze, 
schwarz und rot gefleckte und endlich schwarz, grau und braun gefleckte. Im 
Semliki-Tal sah ich kirschrote mit weißem Nabel. Wie weit diese Varietäten 
konstant sind, kann nur durch Kulturversuche festgestellt werden. 



— 219 — 

Diese Bohne kommt verschiedentlich in Ostafrika vor, genau kann ich 
aber ihr Verbreitungsgebiet nicht angeben, da in den Berichten zu oft Verwechse- 
lungen mit anderen Bohnen, besonders mit Ph. vulgaris und Vigna sinensis 
vorkommen. Ich glaube aber, daß sie im Zwischenseengebiet recht häufig ist 
und auch von mir in einigen Wakondjo-Dörfern westlich vom Semliki beobachtet 
wurde. Aber auch ich habe offenbar damals oft die Arten verwechselt. Sie kommt 
nach Oliver' s Flora von Afrika auch in Fernando Po, Sierra Leone, Unter- 
Guinea und am Niassa vor. An der Küste hier erinnere ich mich nicht, sie ge- 
sehen zu haben. 

Bei den Wadigo und Wabondei wird sie magobc, bei den Wahiyao mandale, 
bei Kilwa mandare, in Usambara kiguena, in Unyoro unverango, bei Bukoba kassori, 
bei den Kikuyü nsabi genannt. Nach Emin werden sie auf dem Markt in Unyoro 
mit dem abweichenden Namen btume bezeichnet. 

Ich habe noch einige Namen von Phas e olus in der Literatur gefunden, 
weiß aber nicht, ob sie sich auf Ph. lunatus oder Ph. vulgaris beziehen: bei 
den Lur itgori, den Madi ossö, den Waganda binyauyaro, den Massai sigorioi. 

Diese Bohne wird auch in Indien gebaut, ist dort aber unzweifelhaft eine 
neue Einführung, sie hat keinen Sanscrit- Namen, die heutigen Indier nennen sie 
entweder wie die meisten Bohnen lobiya, oder kiirsambulla-pidlic ; bunbur-butti. 

Alle Botaniker sind sich darüber einig, daß diese Bohne amerikanischen 
Ursprungs ist, am Amazonas und in Zentralbrasilien sind wilde Exemplare ge- 
funden, ebenso in den alten Gräbern von Ancona, so daß man mit großer Sicher- 
heit Brasilien als ihre Heimat betrachten kann. Ebenso wahrscheinlich ist, daß 
sie mit den Sklavenschiffen nach Guinea gebracht wurde und von der Westküste 
aus ihre Wanderung durch den Kontinent antrat. Vielleicht haben auch die Portu- 
giesen sie nach Mossambik und Indien gebracht. 

Einige Varietäten dieser Bohne sind giftig. 

14. Phaseollis Mungo L. 

Die Mung-Bohne ist eine indische Pflanze, die für unser Gebiet anscheinend 
eine nicht sehr alte Einführung ist. Sie wird im Küstengebiet und im Innern 
bis zum Viktoria See angebaut, aber ihres Wärmebedürfnisses wegen nicht in 
höheren, kühleren Lagen. Sie kommt auch in Uganda, Unyoro, in der oberen 
Nilregion, sowie im Süden bei Wahiyao und Wamäkuwa vor. 

An der Küste werden diese heutzutage auch viel von Indien eingeführten 
Bohnen djiroko, chiroko, chirokko, chooko genannt, woraus die Wamäkuwa holoko 
machen. Die Wadigo sagen pojo, die Washamba poswe, die Wadoe poso, die 
Wagogo /upossa, mhodso, die Wanyoro ntoyo, ntogo, die Waganda pocha, die Leute 
bei Wiedhafen mbocho, die Wasagara mhoso, mposo, die Wakami sili, die Wahiyao 
mbezu, die Wasukuma ruduru, bei Mkalama-Irangi dum, die Wanyamwezi ndulu, 
kaffuta, soloko, in Ujiji-Uha kafuto, die Walombo fcabaa, die Lur ugohr. 



— 220 — 

Die Araber im Somali - Land digir-akdar, die Somali in Mngdischu sal- 
bucco (dort grauschwarze, graugrüne und horngelbe Bohnen durcheinander). 
Woher das Küstenwort chiroko, cliooko usw. kommt, darüber kann ich nicht einmal 
eine Vermutung aussprechen, die Bezeichnungen pocha, mpozo, pojo usw. hängen 
möglicherweise mit den alten indischen Worten pädia, masJia zusammen, wenn 
auch dies nur eine reine Vermutung ist. Für Zanzibar gibt Burton noch eine 
Bezeichnung toka an, die ich nie hörte. Ob ein Massai-Wort gamuri sich auf 
diese Art bezieht, kann ich nicht sagen, K a n n e n b e r g gibt in einem Manuskript 
für die Massai fiposso an. 

Diese Bohne heißt auf Sanscrit danie-masha, mudga, in den heutigen indischen 
Sprachen mung, mitnj. muga. pcssara, hessaru, in Bengalen Halimung, bei den 
Tamilen ulandu, den Telegu wudahi. pädia pcsala. Die Perser sagen mung, mash, 
die Süd-Araber mungc, monggui. 

Da diese Bohne einen Sanscrit-Namen hat und in Indien seit sehr langer 
Zeit gebaut wird, da sie außerdem in Indien wild gefunden ist, so ist mit Sicher- 
heit Indien als ihre Urheimat anzusehen. 

Wann sie bei uns eingeführt wurde und wer dies zuerst tat, ist kaum zu 
sagen. Weil weder die indischen noch die arabisch-persischen Bezeichnungen 
hier üblich sind, so könnte an eine recht alte Einführung gedacht werden, wenn 
die obige Vermutung, daß manche hiesige Namen mit den altindischen zusammen- 
hängen, richtig sein sollte. Ebensogut aber ist denkbar, daß die Neger hier einen 
ganz neuen Namen machten oder ihn aus irgend einem indischen Lokaldialekt 
nahmen, von den sie zuerst einführenden Leuten. 

Die kleinen graugrünen Bohnen werden gerne gegessen, auch von Europäern, 
man kann eine Erbsensuppe oder Erbsenpuree daraus machen. Ebenso werden sie 
mit Reis zusammen gekocht. Mit enthülstem Sorghum zusammen gekocht heißt 
die Speise in Usagara »mscto«. 

Die I T ar. Radiatus L. mit stärkerer Behaarung und längeren, dunkleren 
Samen kommt hier auch vor, ich weiß aber nicht, ob man sie besonders benennt. 
Im Sanscrit wurde sie hurita, masha genannt, heuts in Indien arud, urid, kalai. 
mash, kalomug, in Persien benu-masli, in Arabien mash. 

Die heute von Indien in Ostafrika eingeführten Hülsenfrüchte sind haupt- 
sächlich Ph. mungo, PIi. radiatus und Cicer arictimtni , neben denen 
andere Sorten nicht in Betracht kommen. Es wurden eingeführt an »Hülsen- 
früchten« : 

1903 74251 Kilo im Werte von 14289 Mark. 

1904 85238 „ „ „ „ 15337 „ 

1905 178464 „ „ „ „ 36709 

Ich will hier auch gleich die Ausfuhrziffern für »Hülsenfrüchte aller Art« 
geben, die höher sind als die der Einfuhr. Es wird sich hier meistens um »Kundi« 
(Vigna sinensis) handeln, neben denen vielleicht noch etwas P/i. mungo und 
andere Bohnen ausgeführt werden. 



22 1 

1903 38994° Kilo im Werte von 32664 Mk. 

1904 404196 „ ,, „ „ 43 301 ,, 

1905 86668 ,, „ „ ,, 11 641 „ 

Daressalam, Kilwa und Mikindani sind hauptsächlich an der Ausfuhr be- 
teiligt. 1905, wo nur wenig Hülsenfrüchte ausgeführt und wohl auch weniger 
als sonst produziert wurden, war die Einfuhr entsprechend größer. 

Zum Schutze der hiesigen Landwirtschaft zahlen Ph. uiungo (cliiroko) bei 
der Ausfuhr einen Zoll von 60 Pesa (90 Heller) für 100 englische Pfund (45 Kilo), 
Sorghum, Mais, andere Bohnen usw. die Hälfte. 

15. Phaseolus vulgaris L. 

Die gemeine Gartenbohne, Schneidebohne, Stangenbohne ist bei uns in 

Europa mit ihren zahllosen Varietäten jetzt die bekannteste Bohne. Über ihre 
Herkunft ist unendlich viel geschrieben. Unterschieden ist sie von den anderen 
hiesigen Bohnenarten durch ihre länglichen, etwas nierenförmigen Samen, die alle 
möglichen Farben haben. Eine lange Zeit glaubte man, daß sie aus Indien 
stammte. Sie ist dort aber eine neue Einführung, und ein alter Name existiert 
für sie dort nicht. Die von Theo phrast mit doliehos, von Dioscorides mit 
fasiolus, von den Römern mit faseolus und phasiolus bezeichnete Bohne gehörte 
sicher einer anderen Art an, wenn auch heute dieser Name sich auf die Garten- 
bohne übertragen hat. Neugriechisch fasoulina, italienisch fagiolo. albanesisch 
fasulc. Nach Wittmack (Die Heimat der Bohnen und Kürbisse. Ber. d. D. bot. 
Gesellschaft. VI. 1888. S. 374) ist fiaol, frizol ein amerikanisch-westindisches Wort, 
aus dem das spanische frijol, das deutsche fisol usw. entstanden ist. Acosta 
nennt zwei Arten amerikanischer Bohnen, frisolcs und paüares. Nach Asa 
Gray und Trumbull fand Kolumbus drei Wochen nach seiner Ankunft auf 
Cuba Felder von »faxones« und Tabas«. Es scheint nur ein Zufall zu sein, 
daß die amerikanische Bezeichnung frizol etwas an das fasiolus. phaseolus der 
klassischen Völker anklingt. In den Ausgrabungen von Troja, in ägyptischen 
Gräbern, in den Pfahlbauten sind keine Bohnen gefunden, wohl aber andere Hülsen- 
früchte. Ebenso waren sie den alten chinesischen Schriftstellern unbekannt. 

Unsere Vorstellungen vom Ursprung dieser Pflanze haben sich ganz geklärt, 
seitdem Wittmack in den altperuanischen Gräbern von Ancon unzweifelhafte 
Samen der Phaseolus vulgaris zusammen mit anderen rein amerikanischen 
Samen nachwies. Ebenso sind sie in den praecolumbiinischen Gräbern von 
Arizona in Nordamerika ausgegraben. Und unzweifelhaft ist es auch, daß erst 
nach 1492 unsere Bohne sicher beschrieben und überall erwähnt ist. Die Botaniker 
sind sich heute völlig darüber einig, daß die Gartenbohne amerikanischer Her- 
kunft ist, wie die Kartoffel, Batate, Maniok, Mais, und daß alle die vielfachen 
Sorten dieser Bohne Amerika zu verdanken sind. 

Heute wird diese Bohne in der ganzen Welt angebaut. In Indien wird sie 
wie alle möglichen anderen Bohnen loba, lobia oder bakla genannt. 



• — ■ 222 — 

In Ostafrika ist sie streckenweis recht intensiv kultiviert und wird meist 
mit dem Namen maharagwe bezeichnet. Daraus machen die Wangoni mahalage, 
die Wanyamwezi bei Ujiji maharage, makaragwe, die Wasagara maJiaragi. 

An sonstigen Namen fand ich noch : bei den Waganda biyanyaro, den 
Wangoni nodto, mseura. marongonde, womit wahrscheinlich Varietäten bezeichnet 
werden, in Bukoba pclcgo, in Usambara makokole, madjagga, am Kilimandjaro 
mamrondo, im Zwischenseengebiet kavirondo, die Walungi bei Bismarkburg kaüri, 
in Ufipa kiranda, die Wadoe kikundc-kwima, makamba (braunrote, ziemlich kurze 
Sorte), die Wahehe dogi-dungu (braunrot), die Wakhwere kiwinzi-kwima (rund, 
weiß; rund, braunrot), kiguru-makambi (in vielen Farben, länglicher), makamba 
(sehr groß, pechschwarz), bei Kilwa tagala (groß, rund, weiß mit braunem Nabel), in 
Ruanda wishimbo (hartes »sh«), dort auch viele Namen von 10 — 12 Farbenvarietäten. 
Die Wakikuyu nennen sie mboso, mbosho. njaJie. die Muesa bei Langenburg 
interna, die Wasokiri dortselbst ndima, in Abessinien sagt man in Tigrinja addgora, 
adogrd, bei den Somali dighir. In Usukuma werden verschiedene Bohnensorten 
mit rushiri, iliarage, ruguku, bei den Massai mit sigoridi, li-kamulc, ol-pomboi be- 
zeichnet, von welchen Namen nur iharagi ohne weiteres als unsere Bohne an- 
genommen werden kann. 

Jedenfalls sind die verschiedenen Namen wieder ein Beispiel dafür, wie auch 
sicher neue Einführungen von den Negern ganz verschiedene Namen erhalten, 
und eine Warnung, aus der Verschiedenheit der Namen Schlüsse 
zu ziehen, höchstens kann man aus der Übereinstimmung von 
Namen etwas schließen. 

Meinen Erfahrungen nach wird Pk. vulgaris in Ostafrika meistens in Ge- 
birgen angebaut, Usambara, Kilimandjaro, Nuguu, Uluguru, Usagara, Ungoni 
und ganz besonders im Zwischenseengebiet, dort von Usindja an bis Ujiji und 
bis Bussoga, Unyoro, in den Ländern westlich von Albert-See und bis weit hin- 
ein in den Urwald. Ich habe das Gefühl, daß sich die Kultur dieser Pflanze 
in den 20 Jahren meiner hiesigen Anwesenheit sehr ausbreitete. Vielfach wurden 
auch von Europäern eingeführte weiße und schwarze Sorten angenommen. 

Es scheint, daß vor allem die klimatischen Ansprüche für diese Verbreitung 
verantwortlich zu machen sind. Taubert nimmt an, daß sie von Abessinien 
aus an den oberen Nil und in das Zwischenseengebiet gelangte. Die Verbreitung 
ist aber in allen Gebirgsgegenden, so daß eine Einführung vom Norden aus nicht 
sehr wahrscheinlich ist; das spätere Studium der Varietäten aus allen Teilen 
Afrikas und eine umfassende Kenntnis der Verbreitung (auch außerhalb Deutsch- 
Ostafrikas) und der dortigen eingeborenen Namen kann uns vielleicht Fingerzeige 
über die Wege der Einfuhr geben. Ich _ glaube einstweilen, daß sie von allen 
Seiten in den Kontinent drang, in das Zwischenseengebiet wohl zusammen mit 
der Batate und dem Mais, also wohl eher von Westen als von Osten her. Sie 
ist ihres großen Ertrages und ihrer Schmackhaftigkeit wegen bei allen Negern 
sehr beliebt, und so wird sie sich wohl allmählich von Hand zu Hand verbreitet 



— 223 — 

haben und in den Gegenden angebaut worden sein, die klimatisch für sie ge- 
eignet sind. Wenn man allerdings ohne Berücksichtigung der historischen und 
vergleichenden Tatsachen nur ihr heutiges Anbaugebiet in Ost -Afrika be- 
trachtet, dann kann man leicht den Eindruck erhalten, es sei eine in den unzu- 
gänglichen Gebirgen übriggebliebene alte Reliktenkultur aus früherer Zeit. Wir 
müssen uns aber mit dem Gedanken vertraut machen, daß eine ganze Anzahl 
von Kulturpflanzen lange vor Eintreffen der Europäer und ohne Karawanenver- 
kehr von Arabern usw. sich unter den Negern in verhältnismäßig kurzer Zeit 
weit ins Innere des Kontinents verbreitete. Trotz der scheinbaren Abgeschieden- 
heit der Stämme fand seit langem ein reger Verkehr von Hand zu Hand statt, 
ohne daß Völkerwanderungen immer mitgespielt zu haben brauchen. Ich nehme 
an, daß die Portugiesen und der Sklavenhandel die Bohne seit Anfang des 16. 
Jahrhunderts an die westafrikanische Küste brachten ; die Portugiesen werden sie 
auch nach Abessinien gebracht haben, als Mitte des 16. bis Mitte des 17. Jahr- 
hunderts dort die Jesuiten-Missionare aus Portugal waren. Woher der Name 
maJiaragi usw. kommt, ist mir ganz unklar. 

Die hochwindende Stangenbohne ist meiner Erfahrung nach bei uns viel 
seltener gebaut als die niedrig bleibende Buschbohne. Es gibt viele noch recht 
wenig studierte Farbenvarietäten. Eine zebragefleckte wird in Usambara nach 
Holst mhombo genannt, sie kommt- auch am Kilimandjaro und in Tabora vor. 
Aus Usambara sind noch die Sorten mataita und madjagga mit weißen Samen, 
makunguru, gulu mit schwarzen Samen sowie makope und madahida erwähnt, 
doch sind das wohl, wie vielfach bei Holst, aus den Negern herausgefragte 
Phantasienamen . 

Auch hier wäre die Einsendung aller erreichbaren, von den Negern gebauten 
Sorten mit ihren Eingeborenenbezeichnungen sehr erwünscht. 

In den Gebirgsgegenden ist der Anbau der PJi. vulgaris oft so ausge- 
dehnt, daß sie einen ganz wesentlichen Teil der Ernährung und der Wirtschaft 
der Leute bildet. 

Eine schwarze Varietät wurde hier in Ost-Usambara von der Pflanzung Bulwa 
unter dem Namen »Lima-Bohne« eingeführt, um zwischen dem Kaffee als Nah- 
rungsmittel für die Eingeborenen gepflanzt zu werden. Bei der teuer bezahlten 
Arbeit aber lohnt sich nach unserer Erfahrung hier in Amani der Anbau nicht 
recht, man kann für das ausgegebene Geld fast ebensogut Nahrung kaufen. Bei 
billigen Arbeitskräften oder wenn man die Bohnen für billiges Geld von den 
Eingeborenen kaufen kann, wird sich in der Nähe der Verkehrswege (Eisenbahn, 
Victoria-See) ein Export der Bohnen nach Europa oder Südafrika lohnen, die 
große Mengen davon aufnehmen können. In der Tat hat vor einiger Zeit eine 
deutsche Firma in der Nähe von Nairobi große Mengen aufgekauft und ausge- 
führt, sie gab den Eingeborenen Saat und Geldvorschuß ; aber man hat aus mir 
unbekannten Gründen das Geschäft aufgegeben. 



— 224 

16. Pisum sativum L. 

Die Gartenerbse, deren wilde Form man nicht kennt, wird wahrscheinlich 
ebenso wie Linse und Kichererbse ihre Heimat in Vorderasien haben und mit den 
Ariern oder vor ihnen ihren Einzug in Südeuropa gehalten haben: Griechisch pisos, 
pison, albanesisch pezelle, arabisch in Ägypten b'azella, in Syrien bisilla, lateinisch 
pisum, portugiesisch ervilha. In den Pfahlbauten der Bronzezeit ist sie gefunden. 
Den alten Ägytern und Juden scheint sie unbekannt gewesen zu sein. In Indien 
muß die Kultur ebenfalls schon sehr alt sein, ihr Sanscritname soll harenso sein. 
Im heutigen Indien wird sie als matter, kuda, kalon, vatana, patana gebaut. Von 
Südasien aus ist sie offenbar nach Abessinien gebracht, wohl von Südarabien 
aus, wo sie hummus heißt wie die Kichererbse. In Marokko sagt man djilbäna. 
in Algier djeljelana, hommuz. In der Amhari-Sprache Abessiniens wird sie wie 
Cicer shimbera oder meistens ater, aini-atcr, genannt. Leider ist mir der Galla- 
Name, in deren Gebiet sie auch wohl vorkommt, unbekannt, denn durch Ver- 
mittlung der Galla ist vielleicht ihr merkwürdiges- isoliertes Vorkommen in Zentral- 
afrika zu erklären, ich meine im Zwischenseengebiet. Sie wird dort in Nkole, 
Toru, Karagwe, Ost-Mpororo, Ussuwi, Ruanda, Urundi bis hinunter nach Usumbura 
gebaut. Im Norden nennt man sie njegere, in Ruanda njegele. meist mashO-za, 
in Usumbura uhezeze, bei den Wakikuyu scgcrc, in Uha malio gania, bei Bismarck- 
burg mtumpe. Dann ist sie isoliert in Ukinga und Matengo des Bezirks Langenburg 
gebaut, wo man sie sadawe, saiuaiua, viporo nennt, in Uhehe vivolo, im Ukingage- 
birge bei Bulongwa maboro (Goetze), bei Bismarckburg mtumpe und endlich an- 
scheinend noch in Ungoni (Bezirk Songea) unter dem Namen ndozi. In Westafrika 
wird sie in Angola gebaut. Wie diese isolierten Vorkommen zu erklären sind, ist sehr 
schwer zu sagen. Man könnte meinen, daß sie mit der Wanderung der Watussi-Wa- 
huraa von den Galla -Ländern aus in das Zwischenseengebiet gelangt ist, aber dies 
waren reine Hirtenvölker, die wohl schwerlich Saaten mitbrachten. Jedoch selbst, 
wenn man dies annimmt, wie soll man ihr Vorkommen im Norden und Osten 
des Niassa an zwei ganz isolierten Stellen sowie am Tanganika und unter ganz 
verschiedenem Namen erklären , während das Zwischenland sie anscheinend 
nicht hat? Das einzig denkbare ist, eine alte Berührung dieser Lokalitäten mit 
fernen Gegenden anzunehmen, etwa durch portugiesische Händler (von Zambezi 
oder aus Angola?), die an den Niassa und Tanganika kamen, oder daran, daß 
die Sulu-Stämme der Wangoni die Erbse mit bei ihrem Vordringen aus dem Süden 
brachten. Aber von wo? Kurz, hier ist noch ein Rätsel zu lösen. Unzweifel- 
haft handelt es sich nach dem in Amani befindlichen Material im Zwischenseengebiet, 
in Songea, Uhehe usw. um die Gartenerbse, und aus den Beschreibungen ist an- 
zunehmen, daß dies auch in Kikuyu und Langenburg der Fall ist, ebenso wie 
in Abessinien und Angola. 

Sicher ist auch, daß es sich im Zwischenseengebiet nicht um eine Neuein- 
führung durch die Araber handelt, sondern um eine alte Kultur. Nach Uhehe, 



— 225 

wo sie in den Landschaften Mzungwe, Kaiinga, Ujenga, Uhafiya, Njallameo und 
Fuagi gebaut ist, wurde sie nach den Erkundigungen des Hauptmanns Frh. von 
Wangenheim aus Ukinga durch den Sultan Kaiinga auf einem Kriegszug 
eingeführt. 

Das Rätsel kann vielleicht gelöst werden, wenn man weiß, wie weit und 
wo die Erbse im portugiesischen Mossambik und im Schiri-Hochland vorkommt. 
Einstweilen nehme ich an, daß sie von Süden aus durch Portugiesen verbreitet 
wurde und dann in den Streifen von Hochländern längs der großen Seen nach 
Norden wanderte, und daß sie in Abessinien von den Jesuiten eingeführt wurde. 

Erbsen werden sonst neuerdings für die Bedürfnisse der Europäer bei den 
Stationen und zu Futterzwecken in Kwai gebaut. 

17. Psophophocarpus longepedunculatus Hask. 

wird ebenfalls in den Tropen überall gebaut, ihre unbekannte Heimat ist wahr- 
scheinlich die alte Welt. In Afrika ist sie am Senegal, Calabar, Nupe, Congo, 
beim Orte Mbwiga (7 24/ s. Br.) gefunden, bei uns wird sie stellenweis gebaut. 
Man ißt die jungen Schoten als Gemüse und auch die Knollen. Busse fand sie 
1903 bei Nandpala, in den Vorbergen von Ost-Usambara kennen die Swahili sie 
als mtcda, die Wanyamwezi nennen sie tangazya, bei den Malayen heißt sie 
angeblich ketjipir, den Indiern charßatti, chandarec. Die Engländer nennen die 
Pflanze wiriged pect, goa-beans, die Franzosen pois carre, cheveaux de frise. Die 
indischen Namen beziehen sich wohl auf P. tet ragono lob us DC. (?). 

Es scheint, daß in Ostafrika die Pflanze in der Nähe des Wassers in einer 
Art von Halbkultur ist, jedenfalls wird sie nicht häufig gebaut und ist vielleicht 
wild. Nach Balfour soll sie in Mauritius einheimisch, nach Baker's Flora of 
Mauritius dort subspontan sein. 

Es ist eine Dolichus-artige, rankende Bohne, deren etwa einen halben Finger 
lange Hülsen häutig braun und breit vierflügelig sind. 

Es scheint, daß die Art in Afrika, vielleicht auch auf den Maskarenen und 
in Indien heimisch ist, denn die fünf Arten der Gattung finden sich nach Engler 
und Prantl in Asien und Afrika. 

18. Trigonella Foenum-graecum L. 

Der Bockshornklee wird selten einmal unter dem Namen natu, iiivatu in 
Zanzibar angebaut, kommt dort auch von Indien aus auf den Markt. Wohl in 
Westasien heimisch ward diese Pflanze im Altertum in Südeuropa viel gebaut, 
besonders in Griechenland. Die Kultur ist in Europa aber so gut wie aufgegeben, 
dagegen wird sie im Orient heute noch betrieben. In Indien heißt sie metki, 
mathi, in Persien sliemlit, sJian-balid, auf arabisch helbeh, hidbali, in Marokko 
helba, in Algier bei den Arabern bersimc, haska, kefis, nefel, Jieidba, dort bei den 
Tuareg tikfist, in Abessinien auf Amhari abiod, auf Tigrinja abage, abaklic. 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. ic 



— 226 — 

In Ostafrika ist eine seltene Einführung, wahrscheinlich der modernen Indier, 
der Name natu ist wohl eine Verdrehung aus mathi. 

19. Vicia Faba L. 

Die Saubohne oder Puffbohne ist eine der ältesten Kulturpflanzen, die 
man in wildem Zustand bisher nicht fand, die aber möglicherweise wie ver- 
schiedene andere Pflanzen auch aus Vorderasien stammte. Die Griechen kannten 
sie als kuamos, die Römer als faba. im alten Testament wird pol erwähnt, was 
ziemlich sicher diese Bohne war, die heute bei den Arabern noch ful heißt. Im 
südlichen Europa war die Pferdebohne jedenfalls prähistorisch, nach China ge- 
langte sie erst ca. im Jahre ioo v. Chr., nach Japan noch später und ebenfalls 
spät nach Indien, wo sie jetzt als bakla gebaut wird, also unter demselben Namen 
wie Ph. vulgaris. In Ägypten ist sie jetzt die Hauptnahrung für das Volk 
und spielt auch in Abessinien eine wichtige Rolle. In Ägypten heißt sie ful. 
in Yemen gille, in Abessinien auf Amhari bakcla. auf Tigrinja atcr-baliri. ater- 
baliari. bacdongua. Atcr ist in Abessinien und 'Südarabien der Name für Erbse, 
bahari wird vielleicht andeuten, daß diese Sorte vom Meere aus ins Land kam, 
also eine fremde Einführung war. Allerdings soll als bächer bei den Fellachen 
im Fayum und Nildelta die der Saubohne ziemlich nahe verwandte Vicia nar- 
bonensis bezeichnet werden, und deshalb wird von einigen Botanikern ange- 
nommen, das bähar (Amhari bakcla r) vielleicht eine altsemitische Bezeichnung 
für Vicia Faba sei und demnach mit dem Worte bachr, bahari für Meer nichts 
zu tun habe. 

In Ostafrika wird diese in Ägypten, Südarabien, Indien und Abessinien viel 
gebaute Pflanze nicht kultiviert. Die hier in Amani gemachten Versuche ergaben 
stets ein vorzügliches Wachstum derselben, sie setzten aber später nie Samen 
an, was ja auch in Amerika stellenweis beobachtet wurde. Wahrscheinlich fehlt 
das zum Befruchten der Blüte nötige Insekt hier. In Deutschland soll man durch 
Ausbrechen der Spitze manchmal die fehlende Samenbildung erzwingen können. 

20. Vigna nilotica Hook. 

soll in Abessinien und im oberen Nilgebiet als Hülsenfrucht gebaut werden, bei 
uns aber meines Wissens nicht. Schwein für th führt die Art in seiner Liste 
abessinischer Pflanzennamen nicht auf. 

21. Vigna sinensis Endl. (Vigna Catjang). 

Die Vigna-Bohne, die Kunde unserer Neger, ist wohl die hier am meisten 
kultivierte Bohnen-Art. Sie wird jetzt in der ganzen Tropenzone gebaut, das 
Altertum hat sie wohl nicht gekannt, aus dem alten Ägypten scheint sie 
wenigstens nicht erwähnt zu sein, während man sie dort heute anbaut. 

Es ist noch nicht absolut sicher gestellt, wo die Urheimat dieser Bohne war. 
S ch wein für th hält sie für einheimisch in Abessinien und neigt dazu, ihre 



227 

Kultur für ursprünglich afrikanisch zu halten, wenn er auch zugibt, daß ihre Ab- 
leitung aus indischen Stammarten größere Wahrscheinlichkeit hat. Die meisten 
Botaniker nehmen aber jetzt eine indische Heimat an, De Candolle hält die 
afrikanische für wahrscheinlicher. Watt u. a. geben Sanscritnamen raya-masha, 
nisJipava, lasundra und halten den indischen Ursprung für unzweifelhaft, ebenso 
Taubert. Auch ich glaube, daß sie südwestasiatischen Ursprungs ist. 

In den heutigen indischen Sprachen wird die dort sehr viel gebaute Bohne 
mit folgenden Worten bezeichnet : ckora, chowli, barbuti, rawan, raongi, chaunro, 
bullar. ghangra, rawas u. a. m., die Tamilen sollen sie karamani, die Malayen 
alasendi nennen, In Ägypten soll sie ollaeah heißen, in Abessinien auf Tigrinja 
adügguari. adägora-quol/a. Die Perser nennen sie wie fast alle Bohnen lobiya. 

In Ostafrika ist diese Art im ganzen Gebiet mit Ausnahme der Berg- 
Ländereien verbreitet und wird sehr viel angebaut. Ebenso pflanzt man sie in 
Abessinien, am oberen Nil, in Ägypten und in Westafrika, bis hinunter nach 
Südangola und dem Ovambo-Land. Im Osten wird sie wohl bis nach Natal 
verbreitet sein. 

Der Name dieser Bohne an der Küste hier ist künde, ein Name der sich 
merkwürdigerweise als makundi im Hinterland von Mossammedes und in nörd- 
licheren Teilen von Angola wiederfindet. Die Wasagara nennen sie nhunde, die 
Wahiyao und Wadigo künde, in Bukoba anscheinend nkole. In Unyamwezi und 
in Utonga bei Ujiji heißt sie kapala, kapalla, in Uhehe und Ugogo mandala, 
in Ugogo auch mhunde, bei den Wamakuwa namara. bei den Wapare poja. (also 
derselbe Name wie für Ph. mungo bei anderen Stämmen!), in Usumbura vikore, 
in Ruanda nkole, ebenso in Ujiji und Uvinza, die Washambä miju, die Wadjagga 
sokko, die Wassegedju 7idorok, (also ein ganz hamitisches Wort). Bei den A-Sande 
heißt sie abagba, bei den Schuli lapäna, bei den Madi opässo, in Ober-Guinea 
jo und angeblich bei den Massai giu, (auch sokörio). Es ist wohl kaum anzu- 
nehmen, daß diese letzteren Worte von dem portugiesischen Wort feijaö für 
»Bohne« herzuleiten ist? Die Manyema sagen luswaswa (hellbraun mit schwarzen 
Flecken), kunde-kongari (dunkelrauchbraun), die Waschamba nach Christen 
kunde-ya-ushcrc (daraus pombo, hombo, pule, mseto gekocht), in Ukhwere mcsa- 
yamyam (in 1 1 Farben), in Usegua tambara (2 Farben). Die Somali bei Mug- 
dischu dir, die Araber dort digir-adkav für eine Sorte mit fahlhorngelben, hell- 
braunen oder hellgesprenkelten Samen, für dieselben die Somali dir-afcul, die Araber 
dir-abied dort für eine Sorte mit pechschwarzen, rotbraun-hellgefleckten, braun- 
gelben-schwarz-violett-gefleckten Samen. Die Muesa bei Langenburg sagen nan- 
tara, die Wasokiri dortselbst saforo, die W T akikuyu bei Nairobi ndoroko. 

Woher das Wort künde*) kommt, ist mir nicht klar, besonders wo es sich 
in Südwestafrika wiederfindet. Hier bei uns wird der Baum Parkiä filicoidea 

*) kukunda heißt in vielen Bantusprachen -lieben«; kunzi «Liebling« heißt z. B. die 
Haustaube in Ruanda (Kandt). Ob das Wort künde hiermit zusammenhängt, wäre zu unter- 
suchen. 

15* 



— 228 — 

Welw. künde genannt, dessen Samen gegessen werden. Denkbar ist, daß man 
die aus Indien eingeführten Vigua- Bohnen nach den seit alters benützten 
Parkia- Samen künde nannte. Heißt aber auch die Parkia oder eine andere 
einheimische Pflanze mit eßbaren Samen in Angola künde, so daß man auch 
dort diese Namenübertragung machte, oder brachte man die Bohne von Ost- 
nach Westafrika? 

Ganz unsicher ist natürlich auch, wer diese Bohnen hierher gebracht hat. 
Die Portugiesen fanden bei ihrer Ankunft nach Strandes Angabe »Bohnen« 
als Landesprodukt vor ; leider sagt er nicht welcher Art, aber ich möchte ver- 
muten, daß es Vigna sinensis war. Möglich ist, daß die persischen Kolonisten 
etwa um 900 n. Chr. herum die Bohne hier vom persischen Golf aus einführten 
oder wahrscheinlicher, daß sie noch viel eher hierher kam, aber weder die 
Geschichte noch die Etymologie der hiesigen Pflanzennamen geben irgend welche 
Handhaben, die dieser Vermutung einen Rückhalt geben. Die von Süd -West- 
Asien nach Afrika gehenden Völker- und Kulturströme werden sie wohl mitge- 
bracht haben. 

Diese Bohne hat 8 — 10 cm lange und '/ 2 — 1 cm breite Hülsen, in denen 
zehn bis zwanzig längliche Samen mit schmalem, ziemlich langem Nabel sitzen, 
die meistens erbsengelb sind, oft aber auch grau, braun, rot oder schwarz. Holst 
erwähnt aus Usambara eine Sorte mit graubraunen gebogenen Samen (miju), eine 
mit sehr hellen, gelblichen gebogenen Samen (mtambala) und eine mit geraden 
schwarzen oder schwarzpunktierten Samen (nchongwe) . 

Hier in der Sammlung von Amani sind eine ganze Anzahl von Farben- 
varietäten vorhanden, deren Studium Dr. Braun begonnen hat. Nach den ersten 
Versuchen scheint es, als ob die Farbenvarietäten konstant d. h. auf die Nach- 
kommenschaft übertragbar seien. 

Kunde werden massenhaft gebaut, genau die Verbreitung anzugeben, bin 
ich einstweilen außer stände, aber ich habe den Eindruck, als wenn sie in den 
Küstengegenden und bis zum Viktoria-See häufig seien, im Zwischenseengebiet 
aber weniger gebaut würden und vermischt mit P/i. vulgaris, so z. B. in 
Ruanda. 

Die Ausfuhrziffern sind mit den anderen Bohnen zusammengeworfen. Bei 
der Besprechung der Mungo-Bohne habe ich sie gegeben. 

Diese Bohnen kommen massenhaft auf den Markt und werden sogar aus- 
geführt. Die durch Stampfen im Holzmörser von den Schalen befreiten und 
gekochten Bohnen werden, wie Lambrecht beschreibt, mit etwas Salz unter 
dem Namen kihem.be (kiswahili) kihage (kisagara) gegessen, mit Sorghum oder 
Mais zusammengekocht heißt das Gericht kande. 

22. Voandzeia subterranea Thou. 

Die Erderbse wurde zuerst von du Petit-Thouars aus Madagaskar be- 
schrieben, die Franzosen nannten sie offenbar nach der dortigen Eingeborenen- 



— 229 — 

bezeichnung voandzoü. Da Voa in Madagaskar immer »Pflanze«, »Baum« heißt, 
muß der reine Name dort ndzeia oder wohl besser ndzou, ndzu gewesen sein. An 
unserer Küste heißt diese merkwürdige Pflanze bei den Negern nfndjugu; es ist 
klar, daß dies derselbe Wortstamm wie ndzu ist. Somit ist anzunehmen, daß 
entweder das Küstenwort aus Madagaskar stammt oder wahrscheinlicher, daß die 
Madagassen die Pflanze von der ostafrikanischen Küste erhielten. 

Diese Bohne wird im ganzen tropischen Afrika angebaut, wenn auch nicht 
in sehr großem Umfang. Sie findet sich vom Tschad-See und Niger durch 
Guinea bis zum Ovambo-Land, vom oberen Nil bis nach Südostafrika. Sie 
heißt an unserer Küste wie erwähnt ndjugu, oder ndjugu-mawe (d. h. Steinnuß), 
in Usagara mheko, in Usukuma mhande, in Unyamwezi pande, in Uhehe mande, 
nsugu, in Unyoro-Uha mpandc, mpandi. am Kilimandjaro puo, am Zambezi und 
Shiri litlo, in Bukoba ishoro, nsoro, in Usumbura bududu, in Ungoni (Bez. Songea) 
und bei den Wahiyao ndjama, bei den Wadigo nderemuka. Bei Mkalama- 
Iranji sagt man zugo, bei Wildhafen mandondo, bei den Wasokiri in der Gegend 
von Langenburg ndjugu, bei den Wakikuyu in der Nähe von Nairobi mbumbu, 
in Südangola vielo, jingubu de Cambanibc, bei den A-Sande aboudu, bei den 
Schuli kalli, den Madi ssongo, den Lattuka ollog, in Ober -Guinea aquing, 
jubbejubbe, in Bornu ugauga/a, bei den Fan nbfau, den Bayon biyan, den Pati 
mbeya. Die Sudan-Araber nennen sie fid-Fcrtit, also »Bohnen aus Dar-Fertit.« 
Die Haussa quarruru, die Kanuri ganga/a, die Fullah galledyi (Passarge), am 
Kongo nimü, bei den Waregga westlich vom Albert-See. (nach Last) mabungu, 
in Ugogo nsugu (horngelb und ebenso mit braunen Flecken), bei den Walombo 
njumu, bei den Wakussu ckenibe. In Ruanda sind sie nach Kandt unbekannt. 

Die Pflanze kriecht etwas an der Erde hin und hat dreiteilige Blätter. 
Ihre Blüten sitzen auf langen Stielen , die mit steifen nach rückwärts ge- 
richteten Haaren bedeckt sind und am Ende eine Anschwellung haben. Nach 
der Befruchtung senkt sich der Blütenstiel mit den Blüten in den Boden und 
die Früchte reifen in dem Boden unter der Erde, ebenso wie bei der Erdnuß 
(Arachis). Die kleine Hülse enthält in der Regel nur einen, selten zwei Samen. 
Diese sind rund oder ein wenig oval, meist einfarbig, schwarz oder rotbraun 
seltener weiß. Em in sah bei den Bari auch gefleckte, die ich auch aus Ugogo 
erhielt. Immer haben sie einen runden weißen Nabel, der bei den hellen Sorten 
schwarz gerandet ist. Die Samen, die etwas größer als eine Erbse sind, werden 
gekocht gerne gegessen, die roten und schwarzen sollen weicher und besser als 
die weißen und gefleckten sein. Es ist eine mehlige, etwas fetthaltige Frucht, 
die wie andere Bohnen genossen wird. 

Man muß diese Steinnuß oder Erderbse von der Erdnuß (Arachis) unter- 
scheiden, deren Samen ebenso unterirdisch reifen, in deren Hülsen aber stets 
zwei, und sehr ölhaltige, Samen sitzen. 

Schweinfurth hat die Voa ndzeia an den Nilufern von Chartum bis 
Gondokoro wild gefunden. Man nimmt allgemein an, daß das tropische Afrika 



230 — 

ihre Heimat ist, vielleicht am oberen Nil. Möglicherweise war sie aber im wilden 
Zustand weit auf dem Kontinent verbreitet und wurde an verschiedenen Stellen 
domestiziert. 

Über die Verbreitung der Varietäten scheint man noch sehr wenig zu wissen, 
nur von Emin finde ich die Notiz, daß es in Unyoro nur die einfarbigen, 
schwarzen oder roten, bei den Bari aber nur die gefleckten gäbe. Bei uns er- 
innere ich mich, meist einfarbige ziemlich helle Sorten gesehen zu haben. Möglicher- 
weise gehören die gefleckten und die einfarbigen verschiedenen Entwickelungs- 
zonen an. 

In Brasilien nennt man diese Bohne mandubi cT Angola, sie ist offenbar mit 
dem Sklavenhandel von Angola nach Brasilien gekommen. In Amerika scheint 
sie sonst nicht häufig zu sein. 

In Südasien ist sie sicher nicht heimisch, Watt führt sie in seinem Dic- 
tionary überhaupt gar nicht auf, und Hook er schreibt in seiner Flora von 
Indien, daß sie sich ganz selten einmal kultiviert findet. 



IX. Die Knollen-Gewächse. 



/. Alocasia macrorrhiza Schott, 

wird angepflanzt, aber wohl mehr als Ziergewächs. Ihr Stamm, der den eßbaren Teil 
bildet, ist großenteils oberirdisch und wird mächtig groß. Die Blätter sind größer 
als bei C olocasia und derber, hellgrün. Ich sah sie meist nur in Kübeln als 
Zierpflanze. Auf Ceylon, wo sie wild sein soll, heißt sie häbara, auf den 
Freundschaftsinseln kappe, auf Tahiti ape } haape, iniiota, in Neu-Caledonien pera. 
Auch A. odora C. Koch und A. indica Schott kommen wahrscheinlich vor, 
aber alle diese Formen sind hier bislang noch nicht näher untersucht worden. 
Ökonomisch wichtig ist jedenfalls nur die Colocasia antiguorum. 

2. Anchomanes dijformis (Engl.). 

Ein Knollengewächs mit nur einem großen dreiteiligen Blatt und stachligem 
Stiel. Die Teile des Blattes sind wiederum dreifach, zweifach, und diese Teile 
nochmals unregelmäßig geteilt. Die endständigen Blattsegmente endigen mit 
2 — 3 großen Zähnen. Die sehr große Knolle wird unter dem Namen tentela in 
Unyamwesi gekocht gegessen. 

Auch die Knollen der Hydrosme werden gegessen. Die Pflanzen sind 
der vorigen ähnlich, es fehlen aber die Stacheln an Stielen und Blattenden. Im 
Hinterland von Mossambik soll die Art H. in o s sa mbicc n sis (Schott.) palaimboa 
heißen. Beide Gattungen gehören zu den Arons-Stäben, von denen sicher noch 
manche der Knollen wegen benützt werden. 

3. Coleus sp. 

Die Numhu-Knollen der Eingeborenen finde ich in allen den Arbeiten, 
welche die ostafrikanischen Nutzpflanzen behandeln, übersehen, nur andeutungs- 
weise ist in den großen Werken, wie Engler und Prantl, sowie Oliver er- 
wähnt, daß einige Arten Coleus eßbare Knollen geben. Und doch sind diese 
ganz außerordentlich interessant, weil es außer Yams und Colocasien wohl die 



— 232 — 

einzigen Knollenfrüchte der Neger waren, bevor sie aus Amerika Bataten und 
Maniok erhielten, und weil sie dementsprechend die Neueinführungen vielfach nach 
diesen altbekannten Pflanzen benannt haben. 

Die Gattungen Coleus und die ganz nahe verwandte Ple ctranthus haben 
in Afrika und Südasien über 180 Arten zusammen, außerdem noch- mehrere in 
Madagascar und auf den Mascarenen ; einige mit genießbaren Knollen werden 
außer in Afrika in Amboina, Java, Ceylon und an der Coromandelküste angebaut. 
Da nun über die bei uns kultivierten Arten noch nichts von Fachleuten 
veröffentlicht ist, halte ich mich im folgenden an die Monographie von Cheva 
lier und Perrot (les vegeteaux utiles de l'afrique tropicale francaise I, I.Paris 
1905) sowie an die Aufzählung in Kew Bulletin von 1894 und muß es den Fach- 
leuten überlassen, wie weit botanisch die bei uns wachsenden Arten unterzu- 
bringen sind. In meinem Reisebericht über die Emin-Pascha-Expedition habe 
ich übrigens 1894 aus Ostafrika diese Knollen vielfach erwähnt, und wir haben 
sie damals oft gegessen. 

Beide Gattungen gehören zur Familie der Lippenblütler, zu denen ja unser 
Rosmarin, Salbei und die hier als rihani bekannten cim um- Arten gehören; 
ein Art, Stachys affinis, ist unter dem Namen crosne aus Japan in Europa 
als Wurzelgemüse eingeführt. 

Die erste Coleus mit eßbaren Knollen wurde schon 1658 von Flacourt 
aus Madagascar bekannt. 

Nachfolgend sind nach den Angaben der oben erwähnten Werke die Arten 
dieser beiden Gattungen, die Knollen haben sollen, kurz aufgezählt: 

PL tcrnatus Sims, aus Madagascar, Comoren, Mauritius, in ersterem Land 

als voa-mitsa, houmine, ominc bekannt. 
PI. rotundifolius Poir. von Mauritius, Coromandelküste. 
PL m adagas cariensis Benth. von Madagascar, Mauritius, Natal, Yemen. 
PL misc r abilis Briq. vom Kongogebiet, Lunda und Mukenge. 
PL es eulentus Brown, von Natal, dort umbondive oder Is^affern-Kartoffeln 

genannt. 
PL floribundus Brown, von Natal, Niassa, Angola. 

PL floribundus var. longipcs Brown, von Angola am Cunene, Deutsch- 
Ostafrika auf dem Plateau im Norden des Niassa-Sees, englisch Niassa- 
land, Matabeleland, nach Engler auch noch am unteren Kongo. 
C. tuberös us Benth. In Java, Ceylon, Amboina und anderen Inseln des 
Malayischen Archipels kultiviert. Die portugiesischen Colonisten nannten 
diese Pflanze gotte keligani, gotte kelim.*) H o o k e r vereinigt diese Art mit : 
C. p arviflorus Benth. von Ostindien. 
C. Boy er i Benth. von Madagascar. 
C. scutellarioides Benth. von Amboina und Mauritius. 



*) C. tuberös us R. heißt in Abessinien dennitsch auf Tigrinja, dinisch bei den Saho. 



• — 233 — 

C. salagcnsis Gurke. Togo bei Bismarckburg, »Salaga-Kartoffeln«. 
C. dysentericus Baker, vom Yoruba-Land bei Lagos als krodyu bekannt. 
C. Coppini He ekel, aus dem französischen Sudan. 

C. barbatus Benth. von Ostindien, Himalaya, Arabien, Abessinien, Nubien, 
Uganda. Diese und die verwandte C. spicatus wird in Abessinien 
andeffdeff genannt. 
C. edulis Vatke. unter dem Namen dawieh in Abessinien bei Kueita gebaut 

(s. die Anmerkung zu C. tub erosus). 
C. r otundifo lius Cev. et Per rot (Poir). 

var. j avanicaminum Chev. in Java gebaut. 

var. nigra Chev. viel im französischen Sudan gebaut und von da verteilt. 

var. rubra Chev. in Madagascar, Natal, (von den Ma.gwa.mba. wata/uba/a 

genannt), französisch Sudan. 
var. alba Chev. gebaut am Ubangi, oberen Shari, am Nigerbogen. 
Von den Bambara ussu-ni-ge genannt. 
C b ra z za v i 1 1 e n sis Chev. von französisch Kongo. 
C. Dazo Chev. von Brazzaville am französischen Kongo, Bateke, Ober-Ubandi, 

oberen Shari, scheinbar nicht nördlich von 9 nord. 
C. langous siensis Chev. vom Ober-Ubangi. 

Im speziellen soll C. rotundifolius sehr weit in der Kultur verbreitet 
sein, in Afrika im Westen, Zentrum und Natal. In Westafrika kommt die Pflanze 
nicht in den Küstenländereien vor, außer in Lagos. Im Innern von französisch 
Kongo, am Ubangi, am Shari, bis zu den Nduka ist sie überall nur angebaut. 
Der Name wechselt von einem Stamm zum anderen, im französischen Sudan 
ussu-ni-fiug, ussu-ni-ge, am mittleren Niger fa-biraiua. bei den Banda gurundu. 
bei einigen Ngao ndugui, bei anderen dazo-rabi (d. h. mohammedanischer dazo). 
bei den Mandjia kuikiri. manguli, bei den Leuten der Nduka-Gruppe niete le. 
inatele. In Madagascar »Madag. Kartoffel«. 

Colcus Dazo ist im nördlichen Kongobecken, in den Ländern zwischen 
dem 4. und 8.° n. Br. kultiviert; am unteren Kongo heißt die Pflanze bigonde, 
am Shari und oberen Ubangi dazo, dozo, dayu, udazo, dazu : 

Co Zeus l an gouas siensis wird von den Languassi am Ubangi und Kuango 
gebaut in recht beschränkter Ausdehnung. 
Hierzu finde ich noch : 
C. Pcnzigii Dam., die in Eritrea kultiviert wird. 
C.igniarius Sehw. y kultiviert in Eritrea und Abessinien. 
C. chrysioideus Buk., kultiviert am Nyassa und Tanganika. 
C. I anguino s us Höchst., Abessinien. 
C. densus N. E. Brown, vom Nyassa-Land.*) 

*) Siehe außerdem: Tuberous Labiate in Rew. Bull. 1894. 

Wittmack, Eine neue Pflanze mit eßbaren Knollen, Coleus 
Coppini Hckl. Gartenflora 1902. 



— 234 — 

In unserem Gebiet heißen die Knollen nyumbo im Livingstone-Gebirge, 
mimbu bei Bukoba und in den Gegenden westlich davon, ebenso in Usukuma. 
Ich notierte das Vorkommen in Nord-Unyamwezi, Uhehe, Usindya und Uganda 
als nyumbu, in Karagwe, West-Unyoro, bei den Lendü, den Wawira und den 
Walegga S.-W. vom Albert-See als numbu, im Kondeland bei Langenburg nyovera. 
Das Vorkommen muß, wenigstens in früheren Zeiten, sehr viel ausgebreiteter ge- 
wesen sein, denn die Batate wird von vielen Völkern mit einem Namen bezeichnet, 
der mit dem für Colcus fast identisch ist, wie wir an anderer Stelle sehen werden. 
Ich nenne dahingehend Ugogo, Usukuma, Nyambo, Ujiji, Uguha, Ubemba, Ubissa, 
die Wakussa, dieWadjagga, Usumbura. Dort muß nach der Namengebung für die 
Batate zu urteilen die Cole u s -Wurzel wenigstens bekannt gewesen sein. 

Ich vermute, daß die Co/eus-'Pfi.a.nze, welche die numbu-K.no\le liefert, in dem 
Küstengebiet fehlt, aber von West-Ugogo an bis zum Bezirk Iringa und Songea, bis 
zum Niassa, Tanganika und Viktoria-See, im Zwischenseengebiet und nordwest- 
lich bis weit hinein zum Kongostaat gebaut wird, anscheinend lieber in offenen 
Ländern als im Urwald. Um welche Art es sich aber handelt, kann ich nicht 
sagen, vielleicht um verschiedene. Die im Bezirk Langenburg und Songea ge- 
bauten werden vielleicht die PI. floribundus var. longipe s oder C. chry- 
sioidcus oder C. de usus sein, die vom Niassa-Land gesammelt wurden (wahr- 
scheinlich die erstere Art, die unter dem Namen nyovera von Goetze im Kondeland 
gesammelt ist) ; die an der Urwaldgrenze westlich von Albert-See vielleicht die 
C. dazo? Aber meines Wissens haben die hiesigen ^numbu« alle kleine Knollen. 

Hoffentlich setzt uns bald Material in den Stand, die Pflanzen zu bestimmen. 
Die Form aus Uhehe, und eine, die Dr. Busse von Java mitbrachte, werden 
jetzt in Amani kultiviert, so daß sich wohl bald die Pflanzen bestimmen lassen. 
So weit ich es in Erinnerung habe, ist der Geschmack der Knollen recht angenehm, 
etwa wie Teltower Rübchen. Sie werden von den Negern stellenweis, aber an- 
scheinend nie in großen Mengen, gebaut. Es sind niedere einjährige sparrige 
Kräuter, die scheinbar keine große Trockenheit vertragen und nicht übermäßig 
ergiebig zu sein scheinen. Ihr Anbau ist unzweifelhaft von den Bataten zurück- 
gedrängt und diese, nicht der Maniok hat von den Eingeborenen den Namen 
der Coleus erhalten in den Ländern, wo man Colcus baute. 

Nach den Anbau versuchen von Chevalier sind die Erträge ganz gut, 
16000 Pflanzen per Hektar ergaben 24 Tonnen Knollen, bei anderen Versuchen 
10 und 40 Tonnen per Hektar, so daß ihr Anbau doch nicht zu verachten ist. 

Ethnographisch ist diese Pflanze sehr interessant, weil sie zeigt, wie durch 
eine Neueinführung eine Pflanze verdrängt wird und die neue den Namen der 
alten erhielt. Jedenfalls scheint es eine altheimische Pflanze zu sein. 

Hier in Amani wurde die von Dr. Busse unter dem Namen C. tuberosus 
aus Java hergebrachte Pflanze kultiviert, brachte aber nur etwa haselnußgroße 
Knollen. Unsere Javanen, die sie kontang nennen, behaupten, die Erträge würden 
bei Anzucht aus Stecklingen bessere. 



— 235 — 
4. Coccinia sp. 

Im Gebiet des Ituri-Urwaldes lebten wir auf der Expedition mit Emin Pascha 
eine Zeit lang von den großen, lappigen Knollen einer stacheligen Wald-Liane, 
die wahrscheinlich zu dieser Gattung der Cucurbitaceen gehörte. Das rötliche, 
sehr faserige und stark bittere Fleisch der Knollen mußte unter Wasserwechsel 
sehr lange gekocht werden und gab selbst dann noch ein gräuliches Essen, das 
man nur bei der damaligen Hungerszeit zu sich nahm, wo wir täglich Leute an 
Hunger verloren. Bei Bukoba kamen 1891 lappige, fingerförmige, bittere Knollen 
unter dem Namen kongo auf den Markt, die wahrscheinlich zur selben Gattung 
gehören. 

5. Colocasia antiquorum Schott. 

Die Colocasie oder der Taro; jenes zu den Arum-Gewächsen gehörige 
Kraut wird bei uns vor allem in den feuchteren Teilen der Gebirge angepflanzt, 
in der Ebene nur an geschützten und sehr feuchten Plätzen. Besonders ist es 
der knollige Grundstock, der gegessen wird und zwanzig Prozent Stärke enthält, 
aber auch aus Blättern und deren Stielen kann ein gutes Gemüse hergestellt 
werden. Jedem Reisenden, welcher in den Gebirgen Ostafrikas sich aufhielt, 
werden die saftig grünen, großen und pfeilförmigen Blätter dieser Pflanze auf- 
gefallen sein. Die Blüten bekommt man nur sehr selten zu Gesicht. 

Die Knollen aller dieser Aroideen enthalten frisch einen scharfen oder giftigen 
Saft. Man kocht sie deshalb ziemlich lange, gießt das Wasser meistens einmal 
fort. Sie bilden dann ein ganz gut schmeckendes Gericht. Ich ließ mir oft die 
bisweilen 4 — 6 Pfund schweren Wurzeln nach dem Kochen in Scheiben schneiden 
und diese in Butter oder Fett backen, das gibt ein zwar etwas unansehnliches, 
weil graues und faseriges Gericht, das aber wohlschmeckend ist. Die Blätter 
der jungen C olocasien aber geben den feinsten Spinat, den ich kenne, der 
unseren europäischen übertrifft. Die alten Blätter sind aber nicht gut. 

Dies Gewächs wird jetzt überall in den Tropen angebaut, in Afrika nach 
Oliver in Ober-Guinea, Kap Verde, Sierra Leone, Kamerun, Eritraea, Abessinien, 
Sennar, Uganda, Unyoro, Niassa, Shire, Mombassa, Angola, Oliver fügt hinzu 
»in shady woods«, sagt aber nicht ob wild oder angeflanzt. Nach meinen Beob- 
achtungen ist es immer angebaut oder höchstens verwildert, kommt bei uns in Zanzi- 
bar, da und dort an der Küste, in Usambara, Uluguru, Unguu, Usagara, am Kili- 
mandjaro, am Tanganika, und vor allem im ganzen Zwischenseengebiet bis weit 
hinein in die Urwaldgebiete des Kongostaates vor. Im Süden im Bezirke Langen- 
burg und Songea. Es scheint mir so, als ob die Verbreitungszone der Colocasie 
mit der von der Banane zusammenfällt, ganz besonders in den spezifischen Bananen- 
ländern werden die Colocasien massenhaft angebaut. In den Uluguru-Bergen sah 
ich ganze Berghänge damit bewachsen. Es kann diese Erscheinung natürlich 
ihren Grund darin finden, daß beide Pflanzen sehr ähnliche Ansprüche an das 



— 236 — 

Klima haben, aber es ist auch recht gut denkbar, daß beide gemeinsamen Ur- 
sprungs sind. Diese letztere Vermutung hat recht viel Wahrscheinlichkeit für sich. 

Die Botaniker nehmen im Allgemeinen an, daß die Urheimat unserer Pflanze 
in Indien und auf den Inseln des malayischen Archipels sei. Dort und auf Ceylon 
sind wilde Exemplare gefunden. Nun hat aber vor einiger Zeit Seh wei n für th 
in Yemen ebenfalls unzweifelhaft wilde Colocasien entdeckt ! So ist es wahr- 
scheinlich, daß sie an mehreren Stellen heimisch ist, Südasien, im Archipel und 
Südarabien, möglicherweise auch noch in Abessinien, in welchen Gebieten doch 
recht ähnliche Floren sind. Offenbar vom Archipel oder Indien aus ist die Pflanze 
anfangs unserer Zeitrechnung nach China gebracht, wo sie zuerst im Jahre ioo 
n. Chr. erwähnt wird. Und von Arabien aus wird sie wohl nach Ägypten ver- 
pflanzt sein. Plinius beschreibt sie von da als Anaii Aegyptium, Aetius als 
manzizanion , Simeon Seti als matitanion. Sie wird wohl in griechisch- 
römischer Zeit nach dem Nilland gelangt sein. 

Die von den Griechen colocasia benannte Pflanze war aber nicht diese, 
sondern Ne lumbium, man hatte diese beiden, die ja entfernt ähnliche Blätter 
haben, wohl verwechselt, denn der Name stammt offenbar von der arabischen 
Bezeichnung für die richtige Colocasie nämlich culcas. 

Mit diesem Worte wird unsere Pflanze in Arabien und in Ägypten be- 
zeichnet (culcäs, qulkäs, kulkäs, auch adsan elfil), von hier gelangte der Name 
als alcolcas nach Portugal, während die Italiener sie, — die auch dort gedeiht — , 
aro di Egitto nennen. 

Im Sanscrit heißt die Colocasie kutschu, in den heutigen indischen Sprachen 
kacJiu, g/iiiyo, arvi, alu, in Ceylon die angebaute kandalla, die wilde gahalla, 
die malayischen Namen sind tallus, tallas. tales, kladi, kelady; von den ersteren 
Worten stammt offenbar das tallo, tarro von Otahaiti und Neuseeland ab, und 
das da/o der Fiji-Inseln. Unter dem Namen taro ist unsere Pflanze dann in 
der ganzen Südsee bekannt und eins der wichtigsten Kulturgewächse. Offen- 
bar ist sie dort mit den Wanderungen der Südseeinsulaner verbreitet worden, 
und auch hier gehen scheinbar Banane und Colocasie nebeneinander! Die Ja- 
paner sagen iino, die Chinesen yu-fu. Vulgärnamen aus verschiedenen Gegenden 
sind noch tales, songes, Kardibcn-KoJil, tayes, tayoves, tayobas, mangaretas meist 
wohl amerikanische Benennungen. In Tahiti kennt man 18 Sorten mit verschiedenen 
Namen, in Caledonien 21. 

An der ostafrikanischen Küste wird die Colocasie mlungiui, mayugwa, mayugivi 
oder jimbi, in Usambara malombo, ma'ese, am Kilimandjaro und bei den Wapare ma- 
duma, malombo, maluma, mlindi, in Usagara mhimbi, in Uganda und Unyoro 
djuni (in Unyoro nur im Süden des Landes vorhanden), in Bukoba bisivara, li- 
ivota, in Usumbura und Ujiji matekc, in Lattuka adovona, bei den Kai in W'est- 
afrika bolang. nono und in anderer Gegend von Westafrika dinde genannt Die 
Haussa sagen goasä, die Fullah tandodje, die Ewe in Süd-Togo sowie die Be- 
wohner der Goldküste mankani. Die Blätter heißen in Usambara mdithe. 



— 237 — 

In Madagascar nennt man Aroideen mit eßbaren Knollen säonjo. horirika. 
Wahrscheinlich sind es auch Colocasien. 

In keinem dieser Worte ist etwas von den indischen oder arabischen Aus- 
drücken zu finden. Nun kann man ja allerdings aus der Namengebung in Afrika 
herzlich wenig auf die Abstammung einer Pflanze schließen, wenigstens nicht 
aus Verschiedenheiten ; aber es will mir doch scheinen, als ob die Colocasie bei 
uns in sehr alter Kultur sei. Ich kann dafür keine Beweise erbringen, aber 
es macht mir den Eindruck, als ob sie mit der Bananenkultur stammeseins sei, 
und daß ebenso wie bei der Banane wir uns über die Herkunft die Köpfe zer- 
brechen können. Am wahrscheinlichsten kommt es mir noch vor, daß beide mit 
der Einwanderung der Bantu oder anderer Neger aus deren östlicher Urheimat ge- 
bracht sei, oder aber, daß sie vielleicht auch hier in Afrika heimisch ist. Schein- 
bar wild findet man sie ja bisweilen, und es ist recht schwer zu sagen, ob es 
sich um eine Verwilderung oder um ein spontanes Vorkommen handelt. Wenn 
sie in Yemen wild ist, warum sollte sie nicht auch, wenigstens früher, in Abessinien 
und den Gallaländern sowie in den Gebirgen Afrikas wild gewesen und dann an 
verschiedenen Stellen in Nutzung genommen sein ? Große Züchtungen wie beim 
Getreide sind doch jedenfalls mit diesem Gewächs nicht vorgenommen, das man 
zwar anpflanzt und vermehrt, das aber immer noch einen halbwilden Eindruck 
macht. Und es werden doch in vielen Ländern der Tropen die Knollen der 
nachweislich wilden Aroideen gegessen ! 

Die Colocasia macht zwar Blüten und ihre roten Früchte, wenn man die 
Knollen vor dem Auspflanzen erst ruhen läßt, aber das kommt hier bei den Ein- 
geborenen doch wohl selten vor. Im allgemeinen werden diese Pflanzen auf die 
Vermehrung und also auch auf die Verbreitung durch den Menschen angewiesen 
sein, denn außer daß Vögel einmal die recht seltenen Beeren aufnehmen könnten, 
kann doch nur der Mensch die Knollen forttragen. Ähnlich ist es mit der 
Banane, die nur auf diese Verbreitung angewiesen ist. Man kann die Wurzel- 
knollen beider zwar weit versenden — wir bekamen z. B. junge Bananen in einem 
Blechgefäß aus Indien — , aber für die Neger wird es doch recht umständlich 
gewesen sein, sie von einem Land, wo sie gedeihen, zum anderen zu schaffen. 
Ich glaube demnach den Gedanken nicht ganz von der Hand weisen zu sollen, 
daß die Völker sie auf ihrem gewiß ganz allmählich vorgegangenen Vorschieben 
von Osten her mitführten, und dies hat wohl zu einer sehr entlegenen Zeit statt- 
gefunden, wo die klimatischen Bedingungen von den heutigen verschieden waren, 
wo die Wälder sich infolge viel größerer Niederschläge viel mehr ausdehnten, 
wo die Gletscher der großen afrikanischen Gebirge noch weiter als heute herab- 
reichten und wo die großen Trockenrisse der Steppen noch Wasser führten. 

Es kommt mir demnach so vor, als ob Colocasie und Banane sehr alte 
Einführungen seien. Vielleicht kann uns in Zukunft das Studium der hiesigen 
und indischen Varietäten der Pflanze eine Lösung der Frage geben. 

Holst beobachtete in Usambara 4 Varietäten, malombo mit grünen Blatt- 



— 2 3 8 — 

stielen und grünen Rippen, dann solche mit bläulichen Stielen und ebensolchen 
Rippen, mulungwe, die klein und rötlich waren, und bombwc, die eine große grün- 
liche Staude bildeten. Christen konnte besondere Namen für die Varietät 
mit rötlich- violett -grünen Blättern in Usambara 1907 nicht feststellen. Seiner 
Ansicht nach variiert die Knolle nach Größe und Form je nach dem Boden. 

Am Kilimandjaro sind folgende beschrieben : msaru, die hellgrüne Stiele 
und untere Auswüchse an den Rippen haben. (Sie gehören nach E n gl er's Ver- 
mutung vielleicht zu der Art X aut ho s 111 a nigrescens var. appendicula- 
tttui Engl:'') Ferner ms he le mit dunkelroten Stengeln und grünen, sehr großen 
Blättern, msaanga, kleinere mit nur am Grunde rot gestreiftem Stiel, msale, die 
sehr groß und ganz grün sind, und endlich isinjasa eine große Sorte mit ganz 
hellgrünem Stiel, deren Knolle schlecht sein soll. 

Die Sorte mit Anhängen an den Blattrippen habe ich im Urwaldgebiet westlich 
vom Albert-See viel gesehen. Wieweit die beschriebenen Sorten wirkliche stän- 
dige Varietäten oder nur durch verschiedene Lebensbedingungen hervorgebrachte 
Abweichungen sind, kann nur durch Kulturversuche entschieden werden. Nicht 
ausgeschlossen ist es auch, daß es hier mehrere Arten gibt. Die Xanthosomen 
sollen alle in Amerika heimisch sein, wären also, wenn die Neger sie wirklich 
kultivieren, späte Einführungen. 

6. Cyperus esculentus L. 

Die sogenannte Erdmandel. Die Wurzelknollen verschiedener Riedgräser 
werden benützt teils zu medikamentösen Zwecken, teils zum Essen. Wieweit 
das in Ostafrika geschieht, weiß ich nicht. Die des C. esculentus werden in 
vielen Gegenden gegessen und sollen ganz gut schmecken. Er kommt in Süd- 
europa, Amerika, Ägypten und fast überall in Afrika vor und bildet stellenweis 
ein lästiges Unkraut. Vielfach aber wird er angepflanzt. Die Wurzelknollen sind 
in Togo z. B. ein beliebter Leckerbissen, sie sollen mandelartig schmecken. Bei 
den Herero sind sie ein wichtiges Nahrungsmittel. In Zanzibar, am Kilimandjaro, 
am Tanganika, im Niassaland sind sie gesammelt. Die Engländer nennen sie 
chefa, cliufa, Eartli Almond, Tiger Nut, Rush Nut. In Indien gehen unter den 
Namen kaseru, dila. Die Pflanze hat ein sehr großes ethnographisches Interesse, 
weil die Knollen im alten Ägypten viel gegessen wurden. In den altägyptischen 
Gräbern findet man sie auch als Beigaben der Toten. Die arabisch-persischen 
Schriftsteller nennen sie hab-el-zelm kab-el-aziz, zalam. In Ewe heißt sie fie. 

Ich selbst habe die Knolle hier noch nicht in Gebrauch gefunden. Am 
Fuß der Usambara-Berge wächst eine Juneacee, die von der C. esculentus tosel 
verschieden ist, unter dem Namen dago, deren Knollen angeblich als Medizin bei 
Verdauungsbeschwerden benützt werden. 



*) Xanth. violaceum heißt nach Busse in Togo coco. 



— 239 — 

Cypcrus bulbosus Vahl soll nach Trimen's Angabe in Ceylon unter 
dem Namen silandi-arisi viel gegessen werden. Nach Schwei n fu rth's Liste 
heißt sie in Abessinien auf Tigrinja qaän, ko'enti, guaudi, in Tigre qdin. 

7. Dioscorea sp. 

Die Yams -Wurzeln sind schon für den Fachmann ein schwieriges Kapitel, 
da die Unterscheidung der Arten noch nicht ganz geklärt ist und man oft bei 
den kultivierten kein zur wissenschaftlichen Bestimmung ausreichendes Material 
in die Hände der Fachleute lieferte, für mich aber kann es sich hier nur darum 
handeln, nach den vorhandenen Veröffentlichungen von Warburg, Dammer 
und Sadebeck eine Zusammenstellung zu machen, an die ich mich im nach- 
folgenden halten muß. 

Es handelt sich um ein- oder mehrjährige, kletternde oder windende Kräuter, 
die aus oft sehr großen, oft kahlen, oft schuppig beblätterten Knollen heraus- 
wachsen. Ihre bald Wechsel- bald gegenständigen Blätter sind herzpfeilförmig, 
drei bis sieben nervig, oder auch handförmig gelappt. Die Blütenstände sind 
traubig, die Früchte eine dreikantige, geflügelte Kapsel. 

Die Gattung Dioscorea umfaßt etwa 200 Arten und Varietäten, die in 
den Tropen der alten und neuen Welt leben. In Ostafrika gibt es elf Arten. Die 
in den verschiedenen Ländern kultivierten oder ihrer Knollen wegen ausgenützten 
Yams gehören ganz verschiedenen, in den betreffenden Ländern entweder ein- 
heimischen Arten oder weitverbreiteten an. 

So wird z. B. D. Batatas Desne. in China und Japan im Großen gebaut, 
wo die Kultur uralt ist, D. alata L. auf den Südseeinseln und in Ostindien, 
D. sativa L. von Indien bis Nord-Australien, D. villosa L. und/?, triloba Läm. 
in Amerika usw. Vielfach sind die in Kultur genommenen Arten dann auch 
ausgetauscht. Für Ostafrika kommen außer der besonders ihrer oberirdischen 
Knollen wegen zu behandelnden D. (H elmia) bulbifera L. folgende Arten 
in Betracht : 

D. abyssinica Höchst., die in Abessinien, Usagara, Usambara und am Kili- 
mandjaro gebaut wird, auf Kischamba vigonjo genannt und dort offenbar die meist 
kultivierte Art, von den Wadjagga am Kilimandjaro rikua genannt. Die Stengel 
sind etwas stachelig, die Blätter ungeteilt und gegenständig. 

D. odo rati s sim a Pax. vom Niassa-Land, Ober-Guinea, Kamerun, Kongo 
und Angola, mit einfachen, gegenständigen Blättern. 

D. alata L. vielleicht von Indien eingeführt, wird in Usambara unter dem 
Namen kilungu mazi gebaut; mit geflügeltem Stengel. Sie hat kleine Luft- 
knollen in den Blattachsen. Sie wird auch bei den Wadigo, in Zanzibar usw. 
gebaut. 

D. dumentorum Pax. vom Seengebiet, Niassaland, Niger-Benue, Kamerun, 
Unterem Kongo (auch im Malayischen Archipel?). Die Art hat gefingerte Blätter 
und stark stachelige Stengel. 



— 240 — 

Uline (bot. Jahrb. 25, 1898) schreibt, daß Afrika 20 gute Arten von 
Dioscorea habe, besonders mit gegenständigen, dreizähligen Blättern, und daß 
D. sativa L. (=H. bulbifera Kth.) wahrscheinlich in Afrika einheimisch sei. 

Die Arten sollen sich in folgende Gruppen teilen lassen : 

I. Blätter einfach. 

1. Blätter abwechselnd gestellt, D. bulbifera , D. Buchannii, D. hylo- 
phila. 

2. Blätter gegenständig, D. aby ssinica , D. odöratissima, D. zanzi- 
batensis, D. Sc Jiimp eriana , Var. vestita. 

II. Blätter gefingert. D. Quartiniana , D. Stu li Imannii ', D.Holstii, 
D. dumeritorum. 

Welche Arten nun in den verschiedenen Gegenden von Ostafrika unter den 
Namen der Eingeborenen verstanden sind, weiß ich nicht. Es scheint, daß die 
erste Art (D. aby ssinica) nur in den Gebirgen gedeiht, die anderen auch in 
der Ebene. An der Küste werden die Yams immer viazi viknu genannt, welcher 
Ausdruck nicht etwa von kuu-kubiua (groß) herkommt, sondern von kuu, kukuu = alt. 
Viazi heißen heute allgemein die Bataten, die aber bekanntlich neue amerikanische 
Einführungen sind. Viazi ist offenbar der ursprüngliche Name der Yams, die 
man später nach Einführung der Bataten die viazi vikuu, d. h. die altertümlichen 
Knollen, nannte, und das Wort viazi bedeutet offenbar auch Wurzelknollen im 
allgemeinen. Noch heute wird jede Wurzelknolle, die nicht zwiebelartig ist, kiazi 
pl. viazi genannt. 

Die Yams, ohne auf die Zugehörigkeit zu bestimmten botanischen Arten 
einzugehen, werden von den verschiedenen Völkern genannt: von den Washambaa 
in Usambara vigongo, makolo, vilongo-mazi, von den Wadigo vigogwc, viazi- 
vikuu, viazi ya shambalani, in Ukhwere kinana (rund), in Usagara kigonzo, in 
Usukuma itugu, in Unyamwezi matugu, in Unyoro birai, in Uganda ballugu, in 
Usumbura sibiri, in Bukoba mbira, bei den Wakussu mandiku, von den Massai 
gere, li-murnngwii, von den Lur alahm, den A-Sande vibarra, den Kai gbana, 
kise, kwaso, von den Djagga vikua, von den Wamakuwa wahrscheinlich ekarraka 
(Kartoffeln), im Bezirk Langenburg indale (rot), maboko (bräunlich, groß, flach), 
fitugu (groß, rund), am Kilimandjaroy/;;//?/^, furi, am Kongo quinquoa que kongo (?), 
bei den Walombo-Manyema vihama. bei den Haussa doya, den Fulbe bugumdje, 
bei den Muesa (Langenburg) vihugu, den Wasokiri dortselbst ngerengere. 

Unzweifelhaft handelt es sich meist um hier einheimische Arten, selten um 
von ferne her eingeführte Kulturpflanzen, wahrscheinlich sind viele dieser Arten 
hier noch mehr oder weniger wild vorhanden. Es ist anzunehmen, daß es wohl 
ziemlich die ältesten hier in Pflege des Menschen genommenen Pflanzen sind, 
die in der Urzeit von dem nur die wilden Früchte des Waldes sammelnden Neger 
ausgebeutet wurden, und die er erst später anpflanzte, als er seßhaft wurde. 

Mit Ausnahme der D. alata, die sonst auf den Südseeinseln und in Ost- 
indien wächst, die wohl von Indien einführt wurde, sowie der noch zu be- 



— 241 — 

sprechenden D. bulbifera, die von Australien bis Ostindien verbreitet ist, sind 
es wohl alles hiesige einheimische Arten. 

Die in anderen Ländern der heißen Zone gebauten, »Yams« genannten Knollen 
haben demnach meist nichts anderes mit den hiesigen zu tun, besonders nicht die 
amerikanischen ihhame, cara, als daß es an verschiedenen Gegenden kultivierte Pflan- 
zen derselben Gattung sind. Es erübrigt sich demnach, näher auf die Eingeborenen- 
Namen dieser Sorten näher einzugehen. D. alata wird auf den Südseeinseln 
ubi, rubi genannt und dies Wort findet sich von den Philippinen bis Madagascar 
(Tonga ufi, Tahiti cid, Madagascar vwi). In Neukaledonien sind nicht weniger 
als 45 Varietäten dieser Art mit verschiedenen Namen bekannt. In Indien heißt 
sie kam-alu, kon, dand-alu. 

Das Wort Yaui soll nach einigen aus den westafrikanischen Dialekten stammen 
und dort so viel wie » Essen« bedeuten,*) die meisten Autoren aber sagen, daß 
es aus Amerika stammen soll, wo schon V espucci es 1497 an der Küste von 
Paria (?), Cabral 1500 in Brasilien gehört haben soll. Die Portugiesen nannten 
die Wurzel inhdme, die Franzosen igname, in Brasilien sagt man caras, in Fran- 
zösisch-Indien cambarcs, in Cuba ajcs (?). Aus Britisch-Indien wird sie 1583, 
aus Guinea (Purchas Pilgrimage) 1625 erwähnt. Aus Ostafrika sind mir keine 
alten Erwähnungen zu Gesicht gekommen. 

Nach den Angaben von Holst soll es in Usambara folgende Sorten geben : 
kigwa, mit goldgelber Knolle, sinkwagano, mit weißer, mehliger Knolle, vigonjo, 
mit gelblicher, faseriger Knolle, angiua, luzi ya vigonyo, moya ya ngombe. 

Ferner unter den Kollektivnamen makolo und viliaigo mazi folgende zehn 
Formen : moyo ya ngombe, mit großer, feinschaliger senkrecht im Boden stehen- 
der Knolle, deren jüngere Teile schmackhaft sind, ii'etesa, mit wagerecht im 
Boden liegender armdicker Knolle, an der die kleinen genießbaren Tochterknollen 
sitzen, ubikahehi mit unregelmäßigen, flachen schleimigen Knollen, kila ya mamba, 
mit länglicher Knolle, die eine blättrige Schale hat. Dies sind alles Sorten mit 
weißem Knollenfleisch. Kunguni, mit mehreren Knollen, die Auswüchse zeigen 
und schuppig sind, pome ya kwicho, mit senkrecht im Boden stehenden, arm- 
starken Knollen, die Auswüchse haben und glattschalig sind, luzi, mit langen, 
horizontal liegenden Knollen, die dünn und glattschalig sind und angwa, mit 
langen gewundenen Knollen, die Auswüchse tragen und schuppige Haut haben. 
Diese Sorten sollen rötlich angelaufenes Fleisch haben. Endlich noch die finger- 
förmige shemanderu und die kriechende tona. 

Jetzt (1907) ließen sich in West-Usambaru durch Wirtschaftsinspektor Christen 
nur noch folgende Sorten feststellen : luzi, mit stachligem Stengel, ganzrandigen 
Blättern und Knollen, welche horizontal liegen aber nach unten handförmige 
Fortsätze aussenden ; kigogno. die nicht verzweigte Knollen und auch dornige 
Stengel haben, und pome ya kwicho, mit dünnem, geflügeltem, stachellosem Stengel, 



*) In Fullah heißt nach Wester mann nyam »essen«. 

Stuhl mann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. Io 



— 242 — 

ganzrandigen Blättern und außer den Erdknollen noch kleinen Luftknollen, die 
man zur Vermehrung benützt. Ob die anderen Formen ausgestorben sind oder 
ob Holst dort teils Phantasienamen bekam, kann ich nicht entscheiden. 

Bei der Kultur zeigte sich bis zu meiner Abreise aus Amani (Januar 1908) daß: 
sugu herzförmige, abwechselnd gestellte Blätter und glatte Stengel hatte, sie 

gehörte also zur Gruppe bulbifera; 
Inzi hatte gegenständige, ungtteilte Blätter, der Stengel war geflügelt, sie ge- 
hörte also zur Gruppe aby s sinica; 
kigogno hatte geteilte, abwechselnd stehende Blätter und einen sehr stachligen 

Stengel, gehörte also der Gruppe du m cntorum an; 
Sorte von Tanga hatte herzförmige, rotgeaderte, gegenständige Blätter und 
geflügelten Stengel, Gruppe abyssinica. 
Die Namen werden offenbar von verschiedenen Leuten stets miteinander 
verwechselt. Eine Klärung in der Frage können nur die von Prof. Zimmer- 
mann unternommenen, ausgedehnten Kulturversuche bringen. 

Nach Warburg gehören die vigonjo und singua kano genannten Sorten 
zu D. abyssinica, die kilungu viazi und viazi ya sJiambahmi zu D. alata 
und die nwyo ya ngonibe, ueteza, ubikahci, kila ya mamba, luzi, angiua, pomc ya 
ktuicho, kunguni, shemandcvo und tona vielleicht zu D. sativa. 

In Kilossa kennt man die kigonzo kizcru mit weißem Fleisch und breiten 
Blättern, die kizongo kidunghu oder mnuka mit roten Knollen und schmalen Blättern. 
In Songea kennt man kiyaoyao und liaotuli, bei Kilwa eine vinhamiwa genannte 
Sorte mit eiförmigen Knollen von der Größe unserer Kartoffel. 

In Zanzibar waren auf der landwirtschaftlichen Ausstellung welche unter dem 
Namen pome ya kwichu Yams, die ca. '/ 2 Zentner wogen und fast fußdick bei 3 — 4 
Fuß lang waren, dann wieder andere, die mächtige vielfach gelappte Knollen 
hatten. Sie werden in Amani kultiviert und gehören auch zu D. alata. 

Irgend wie genau botanisch bekannt sind aber alle diese Sorten nicht, es 
wäre in hohem Grade wünschenswert, wenn alle in den verschiedenen Bezirken 
aufzufindenden Arten dem B. L. -Institut mit den Eingeborenen-Namen sowie mit 
Herbarium-Material gesandt würden, wobei zu beachten ist, daß die an verschiedenen 
Pflanzen wachsenden männlichen und weiblichen Blüten mitgesandt werden. Aber 
auch, wenn die Herbarexemplare fehlen, kann hier in Amani durch Kultivierung 
die Art festgestellt werden. 

In den Gebirgen, wie z. B. am Kilimandjaro und in West-Usambara spielt 
die Yamsknolle eine ziemlich bedeutende Rolle im Haushalt der Neger, allerdings 
bei uns nicht im entferntesten so wie in Westafrika z. B. Togo. Ich höre, daß 
dort gebackene Yams auch bei den Europäern die Stelle des Brotes vertreten 
und recht beliebt sind. In Angola dagegen sind Yams sowie Colocasien so gut 
wie unbekannt: 

Auf St. Thome kommen nach Moller 4 Arten vor: 
Dioscorca sativa L., von den Negern otöni, von den Kolonisten inliamc genannt. 



— 243 — 

D. trip hy IIa L., von den Negern quinin, unquinin, von den Kolonisten inhame 

bravo genannt. 
D. prehcnsilis Benth., der offö der Neger, inhame branco der Kolonisten. 
D. alata L., der gudü der Neger, der inhame gudu der Kolonisten. 

Zum Schluß gebe ich eine Serie von Neger-Namen für Yams nach Ko eile's 
Polyglotta africana, meistens von westafrikanischen Stämmen. 



Yam. 



Senegambien b. E 


tissagos bis Monrovia 


Basa 


si 




Filham 


ekama 


Kra 


si 




Bola 


katok, pl. itoh 


Grebo 


ki 




Sarar 


katok, pl. itok 


Gbe 


knie & 


dogbe 


Pepel 


kitok, pl. itok 


Dahome, Sklaven 


-Küste 




Biafada 


wuladso, pl. 


Adampe 


ete 






maladso 


Ewe 


ete 




Padsade 


maradso 


Hwida 


tewi 




Baga (v. Kalum) akui, pl. ekui 


Dahome 


teivi & 


te 


Timne 


anai, pl. manai 


Mahi 


tewi 




Bulom 


auei, pl. nianei 


Aku Ota 


idsu 




Mampo 


koe 


Egba 


idsu, udsu 


Kisi 


tomboi 


Idsesa 


esu 




Süd-Senegambien 


bis Kap Palmas 


Yoruba 


idsu 




Madenga 


ku 


Yagba 


isu, usu 




Kabunga 


nyanibo 


Eki 


idsu 




Toronka 


ku 


Dsumu 


isu & isu 


Dsalunka 


ku 


Oworo 


idsu 




Kankanka 


ku 


Dsebu 


usu 




Bambara 


ku 


Ife 


isu 




Kono 


ku 


Ondo 


isu 




Vei 


sinabeli fdya/ubi, 


Dsekiri 


orusu 




Soso Solima 


ku wild) 


Igala 


odsu 




Kisekise 


habi 


Sudan — Niger. 






Tene 


urebili 


Mose 


nyuri 




Gbandi 


mbulei 


Dselana 


nuna 




Landoro 


nibble & niboe 


Guresa 


nyir, pl 


nyue 


Mende 


nibble 


Gurma 


nufa & 


anura 


Kpese 


bele 


Legba 


hire & 


he 


Toma 


böe 


Kaure 


kabana, 


pl. ka banst 


Mano 


ye 


Kiamba 


fudu, pl.fidin 


Gio 


blc 


Koama 


pia 




Kru-Küste 




Bagbalani 


pina 




Dewoi 


si 


Kasm 


pia 





16* 



— 244 



Niger-Mündung 




Isuwu 


inbä 


Isoarna 


idsi & dsi 


Divvala, Dualla 


niba 


Isiele 


idsi 


Orungu 


mongo 


Abadsa 


dsi & ghi 


Bayon 


ko 


Aro 


idsi 


do. Pati 


iyok 


Mbofia 


gi 


Kum 


ko, pl. nko 


Sobo 


one 


Bagba 


akuo 


Egbele 


evii 


Balu 


yu 


Bini 


inya 


Bamom 


yo, ayo 


Ihewe 


edsa, eya & ema 


Ngoala 


azo 


Oloma 


amila 


Momenya 


kuo 


Okuloma 


buru 


Papiah 


ayoli 


Udso 


bulu 


Param 


udzo 


Unterer Niger (Nupe) 


Ngoten 


kuad 


Nupe 


cdsi 


Melon 


kotok 


Kupa 


itsi 


Nhalemoe 


koto 


Esitako 


idsi 


Baseke 


yoma, pl. bioma 


Goali Gugu 


siama 


Kongo — Angola 




Puka 


dsiama 


Kabenda 


mbala, pl. mbala z 


Busa 


itsi 


Mimboma 


mbala, pl. zimbala 


Ebe 


edsi 


Musentandu 


mbala 


Opanda 


enu 


Mbamba 


kekua, pl. ekua 


Igu 


enu 


Kunyika 


dsi kam, pl. biham 


Egbira-Hima 


enu 


Ntere 


kekoa, pl. bekoa 


Tsad-See 




Mutsaya 


mbala 


Bornu Kanuri 


berma 


Babuma 


kekoa, pl. bekoa 


Munio 


doya 


Bumbete 


rekua, pl. bekua 


Nguru 


doya 


Kasande 


kelicngo.pl. clieiigo 


Kanem 


doya 


Nyombe 


mbala, pl. tsimbala 


West-Tsad-See 




Basunde 


mbala, pl. zimbala 


Pika 


ntsumo & rizümo 


Ngola 


idenko, pl. sitata 


Karekare 


doya, daya 


Pangela 


odsirengo 


Ngodsin 


danya 


Lubalo 


kelicngo pl. eliengo 


Ost-Unt. -Niger 




Runda 


dsuron, pl. iron 


Ekamtulufu 


ein 


Pongo 


kclinko. pl. belinko 


Udom 


elu, pl. bclu 


Kisama 


kasarala 


Mbofon 


enu pl. benu 


S.- Afrika 




Eafen 


edsu, pl. ad su 


Muntu 


mapeta [mitsama 


Basa 


igenc 


Kiriman 


mutsam a, pl. 


Kamuku 


igana, pl. uwgana 


Marawi 


kilas, pl. tselas 


Kamerun-Hinterland 


(Bantu ?) 


Meto 


mapeta 


Dsukn 


sui 


Nyamban 


kilongu, pl. . zilongu 



245 — 



West-Atlantische Stämme 






Dsarawa 


ntiri, pl. antiri 


Wolof 


nyambi 






Koro 


dsit 


Bidsogo Ankaras 


ireis 






Harn 


edog 


Wun 


uresa 






Akurakura 


iboiu 


Gadsaga 


ku 






Okam 


okotegwe. adsid 


Banyun 


bakamako 




Yasgua 


bcro 


Nalu 


nkiep 






Nki 


muro 


Bulanda 


gnbos. 


fgnb 


OS 


Kambali 


berui 


Limba 


nc. pl. 


neni 




Alege 


poniara. poniaga 


Lamdoma 


detsak, 


Pl-) 


etsak 


Penin 


ngor 


Asante 


odic 






Bute 


eo. pl. beo 


Hoch-Sudan 








Murundo 


akua. pl. bekua 


Barba 


las// 






Undaza 


dsian, pl. bedsian 


West-Zentral-Sudan 








Ndob 


dzan, pl. yetsan 


Tumbuktu 


labdundu 




Tumu 


dyonia. pl. bionia 


Bagirmi 


doya 






Nkele 


enyara.pl. nienyara 


Hausa Kano 


doya 






Konguan 


ikir 


Kadzina 


doaya. 


doya 


,pl- 


Mbarike 


iyoro. pl. iyo/uo 








doyaoi 


Siwi 


isitn 


Pulo 


hapere 


<pl. 


kappe 


Boritsu 


kadsio 


Timbo 


Kapo/, pl. k 


•appe 


Afudu 


kedien, pl. bedien 


Kano 


isi 






Mfut 


asog 


Niger-Delta 








Mbe 


kenkuro, pl. enkuro 


Yala 


edia 






Arabisch 




Süd-West-Afrika 








Adirar 


bagalun, pl. borol. 


Anan 


beag 








bugndu 



8. Dioscorea (Helmia) bulbifera L. 

Die Luftknollen-Yam nimmt eine gesonderte Stellung dadurch ein, daß sie 
an den Ranken oberirdische Knollen bildet. Diese Art wird auch gebaut und 
kommt von Australien bis Afrika vor, wohl im ganzen Tropengürtel, sie ist in 
in Abessinien, Deutsch-Ostafrika und Westafrika zu finden und zwar an Wald- 
oder dichten Buschrändern an nicht zu trockenen Stellen. (Auch D. dumento- 
rum macht kleine Luftknollen.) Ich habe immer den Eindruck gehabt, daß 
D. bulbifera bei uns wild ist aber auch kultiviert wird. Auch in Indien soll 
sie nach Watt's Angabe wild sein. Dieser auffallenden Art haben die Neger 
denn auch besondere Namen gegeben. In Usambara nennt man sie tubu*) in Usa- 
gara kitugwi. in Ukhwere vitubwi, am Kilimandjaro mainaia. (die Erdknollen ngu), 
auch kibere, in Uganda makobbe, in Unyoro makingo, bei den A-Sande münua. 
Diese Art macht auch Erdknollen, die jedoch ungenießbar sein sollen. Ich fand 

*) Wirtschaftsinspektor Christen von Wilhelmsthal schreibt, daß tugu der Name einer 
wilden, ungenießbaren Art sei. 



— 246 — 

sie selten im Steppenland, ich kann mich sogar sicher nur erinnern, sie in allen 
Gebirgen und massenhaft im Zwischenseengebiet (Bukoba) und im Kongo-Urwald 
gefunden zu haben. Ich habe die Helmia viel häufiger zu Gesicht bekommen, 
als die anderen Yams, deren Kultur meistens durch Maniok und Bataten mehr 
und mehr verdrängt zu werden scheint. 

Diese Luftknollen — 60 — 70 an einer Pflanze — haben meistens die Größe 
eines Hühnereies, selten bis Faustgröße und sind schwach dreikantig. Sie werden 
mit der Schale gekocht uud schmecken wie eine filzige Kartoffel, die Frost be- 
kommen hatte. 

9. Ipomoea Batatas Lam. 

(Siehe Verbreitungskarte). 
Die Batate oder Süßkartoffel gehört zu der Familie der Winden. Es ist 
ein Kraut mit windendem oder rankendem Stiel und abwechselnd stehenden 
Blättern, die von recht verschiedener Gestalt sein können. Bald sind sie herz- 
förmig, bald wie die Blätter der Platane geformt, bald mit fünf, tief einge- 
schnittenen handförmigen Lappen. Zwischen diesen Formen finden sich alle 
Übergänge, aber man findet dieselbe Form meist auf einem Beet, manchmal so- 
gar in einem Lande konstant. Es erfordert noch lange Studien, die von Dr. Braun 
begonnen sind, um festzustellen, ob diese Blattformen erblich sind oder ob es 
sich, wie vielfach die Neger behaupten, um Variationen handelt, die durch ver- 
schiedenen Boden hervorgerufen sind.*) Die großen, blaßpurpurroten Trichter- 
blumen sitzen zu 3 — 4 gemeinsam am Ende eines langen Stieles. 

Wenn auch früher vielfach angenommen wurde, daß ihre Heimat die alte 
Welt sei, wie z. B. der Prodromus von De Candolle noch Indien als Heimat 
nennt, so sind sich heute doch wohl alle Botaniker darüber einig, daß diese 
Pflanze aus Amerika stammt. 15 14**) soll sie in Darien und Honduras wild von 
P. Martyr beobachtet worden sein, aber das wahrscheinliche ist, daß ihre wilde 
Form wie bei so manchen Kulturpflanzen ausgestorben ist. Pigafetta fand sie 
15 19 bei den Indianern, Oviedo 1525 in Hispaniola (batatas, ajcs, ciauar, hetich 
[Tupi]) als Nahrungsmittel. Clusius schreibt 1576 und 1601, daß er sie in 
Spanien gegessen habe, wo man sie unter den Namen Batatas, Camotes, Amotes y 
Cumar, Ajes, HeticJi (Tupf), Yete (Guarani) von Amerika eingeführt habe.f) Die 



*) Dies letztere ist recht unwahrscheinlich, denn hier in Amani auf demselben Boden 
kultivierte Sorten behalten ihre Blattform ebenso wie die Neigung einiger Sorten violette Blatt- 
stiele und Rippen zu bilden. 

**) Gray und Trumbull in Americ. Journ. of Sc. 1883. 
■f) O. F. Cook (Contr. U. S. Nat. Herbarium 1901) ist der Meinung, daß die Cocos-Palme, 
Jam-Bohne (Pachyrhizits), Lagenaria, Cucurbita, Mucuna, mehrere Dioscorea-Arten sowie 
Bataten, welch letztere sicher amerikanischen Ursprungs sind, schon in vorhistorischer Zeit, also vor 
Ankunft der Europäer, von Amerika nach den polynesischen und malayischen Inseln gebracht 
wurden und zwar durch Menschen ; daß ebenso die Banane in vorhistorischer Zeit durch 
Menschen nach Amerika transportiert worden ist. 






— 247 — 

Spanier brachten sie aus Amerika nach den Philippinen und den Molukken, von 
wo die Portugiesen sie im indischen Archipel verbreiteten. Den Griechen, Römern 
und Arabern war die Pflanze unbekannt, die in Ägypten Ende des r 8. Jahr- 
hunderts noch nicht eingeführt war. Nach dem im 1 6. Jahrhundert erschienenen 
Buche Min-shu soll sie in China zwischen 1573 und 1620 eingeführt sein. 1698 
kam sie in die Provinz Satzuma in Japan. Wenn hier und da ein Indigenat in 
der alten Welt behauptet wurde, so hat wohl eine Verwechselung mit anderen 
Ipomoea- Arten vorgelegen, z. B. mit /. tuBcrosa L., I. mammosa Choisy. 
oder anderen. 

Nach Afrika scheint die Batate ziemlich sicher durch die Portugiesen ein- 
geführt zu sein, stellenweis nennt man sie sogar batatas (so in Unyoro und am 
Rovuma). 

Benützt werden die knollenförmig verdickten Seitenwurzeln, die Stärke und 
etwas Zucker enthalten. Es sind spindelförmige Gebilde von 1 — 3 Pfund Ge- 
wicht mit hellbrauner oder rötlicher Rinde. Außerdem werden die Blätter wie 
Spinat gegessen. 

Die Batate ist heute in der ganzen warmen Zone, stellenweis in sehr be- 
deutenden Mengen angebaut. In Amerika pflanzt man sie sogar noch in New- 
york, und auch in Südeuropa ist sie bekannt. Für Afrika führt Hallier sie 
auf: für Ägypten, Nubien, die Oase. Tripoli, Algier, Canaren, Madeira, Zanzibar, 
Mossambik, Usaramo, Uluguru, Usambara, Tanganika, Natal, Kap, Comoren, 
Madagascar, Mauritius, Kamerun, Kongo-Gebiet, Angola. 

Sie ist bei uns nach meiner Erfahrung als Nebenprodukt fast im ganzen 
Gebiet mit Ausnahme der trockenen Länder des Massailandes, Ugogo u. a. ver- 
breitet. Man baut sie immer gern in der Nähe des Wassers, wo in der Regen- 
zeit das Land überschwemmt war, und zwar stets auf hohen Beeten. Die Ver- 
mehrung geschieht nie durch die Knollen, sondern immer durch Stecklinge. 

Die Hauptverbreitungsgebiete sind das ganze Küstenland, Usambara, Pare, 
Kilimandjaro, Usegua, Usagara, Ukami, Unyamwezi, Süd-Victoria-See, Tanganika- 
See, etwas in Uhehe, Liwale, Mahenge, ziemlich viel in Songea und sehr viel im 
Norden des Niassa-Sees, sowie besonders viel im Zwischenseengebiet, wo sie mit 
der Banane die Hauptnahrung bilden. Bis weit hinein in die Urwälder westlich 
vom Albert-See konnten wir Bataten erhalten. Im Sudan scheinen sie zu fehlen ; 
Süd-Unyoro, Mombuttu und das Niamniam-Gebiet scheinen ihre Nordgrenze dort 
zu sein. 

Anscheinend sind auch sie wie der Maniok, die Phase plus vulgaris 
und andere von Osten und Westen aus in den Kontinent eingedrungen und auch 
sie offenbar von Westen aus weiter als von Osten. Die Batate ist von Westen 
sogar weiter als der Maniok vorgedrungen, der in dem Zwischenseengebiet und 
Ituri-Wald fehlt oder selten ist. 

Für die Batate werden als Sanscrit-Namen mitgeteilt : shakar-kanada, kaht- 
alu, rukt-alu, aber ich vermute, daß dies eine Neubildung oder eine Verwechselung 



— 248 — 

ist. Heute heißt sie in Indien natr-aln, pcnd-alu, mita-alu, rat-alu, sakar-kenda, 
shakar-kandu usw., in Persien zardak-la Lahori (also aus Lahore eingeführt), auf 
Telugu ghcnasa, auf Tamil valli kalangu, auf Malayisch katela, kastila (was doch 
sicher von Kastilien abzuleiten ist). 

Jedenfalls ist sie in Indien eine recht späte Einführung. 

Die Bataten werden von unserer Küstenbevölkerung kiazi, pl. viazi genannt, 
was offenbar von der aus altersher bekannten Yamspflanze übernommen wurde 



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Deutsch-Ostafrika 

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Verbreitung intensiver Kultur der Batate. 



und überhaupt allgemein für Wurzelknollen gebraucht wird. Eine ganze Anzahl 
von Völkerschaften benennt die Batate mit Worten, die entschieden auf die Be- 
zeichnung für die Co leus- Knollen zurückzuführen sind, z. B. die Wadjagga 
ngumba (auch kiasanda), in Taveta ngumba, in Usukuma mmibn (die Blätter 
werden dort irandu genannt), in Bukoba viyumba (auch mfuma, nduvd), in Usum- 
bura vijumba, bei den Wakussu üunga, in Kisuba bei Shirati mmngu. Aus der 
weiter unten aufgeführten Namenliste nach Stanleys Werk sind noch eine ganze 
Reihe hierher gehöriger Worte zu entnehmen. An die Bezeichnung der Küsten- 



— 249 — 

leute erinnert bei den Wassegeju rast, bei den Wadigo viyazi. An anderen Worten 
nenne ich : Uganda rumonde, Usagara vindoro, Ugogo mandore, Kikuyu ngwashe, 
Massai murungo, il-murunguni, li-gisoya, ol-kisoyan, ol-mondoloe, ngwasku, auf dem 
Markte in Unyoro nur für den internen Marktverkehr wird das Wort rumörmoro 
gebraucht, Unyamwezi ikafu, kafu, kandole, Uluguru chimmoga, Usambara und 
Pare kiogtve, Manywema isenga, in Karema am Tanganika fwambo, Ubemba 
vichumbi, Uhehe ngamba, kingamba, Songea (Wangoni) kimunguru, die Wagogo 
m/ioka, die Walungu bei Bismarckburg visella, Wahaia bei Shirati maboni, die 
Wahehe fingamba; endlich einige Worte, die an die europäische Bezeichnung 
erinnern : Unyoro biata, ajata, Lur biahta, Madi kajata, Comoro-Inseln batata, 
W T ahiyao mbatata. Die Lattuka sagen navat, die Kai in Westafrika gitebu, die 
Leute in Süd-Angola cara, die Wakami vibokwa, die W'alomba-Manyema kijumbu- 
senga, die Wabemba vzckumbu, die Bakwiri in Kamerun ndoko, die Yaunde 
ebendort mbudu, die Haussa dankäli, die Fulbe ndeku, die Sesubia im Oka- 
vanga- Sumpf sumbukuma (Passarge Z. f. Ethn. 1905), die Ewe anagote (d. i. 
»Jams aus Yoruba«). 

Ich lasse hier folgen die Namen der »Kartoffel« (potatoe) nach Stanley 
(Durch den dunklen Weltteil), wobei es ungewiß ist, ob in manchen Fällen nicht 
Bataten, Manjok und Yams verwechselt wurden. Meistens scheinen es Worte 
für die Batate zu sein : Suaheli viazi, Usagara mkoka, Ugogo niumba, Usukuma 
numbu, Unyambu vidjumbu. Uganda rumonde, Unyamwezi kafu, Ujiji virumbo, 
Uguha virumbo, West-Manyema kasenga, Marungu, Ubemba, Ufipa itiumbu, Wabissa 
ifiumbu, Unyoro vitdkuli, Ost-Manyema büiama, W'ahiyao batata, Waniassa batata, 
Watuta chimungunve, Warori madulc, Wakussu kilunga, Wabwende chikiva, Ka- 
kongo, Kabinda mbala, Warua kuluugu, M-Fan amona, Ukanda am Ogowef ago/a, 
Adumas am Ogowe fancti, Ukoa oder M-Bongo am Ogowe ilcilo, Kaffern in Süd- 
afrika amazcmbanc , Sechuana makliuilc, Yoruba kukunduku. Die Wambutti-Zwerge 
im Waldland mburcbbo, die Balegga lali, die Bawira im Grasland kiatta (Batate!), 
die Wasamburu und Babuesse im Grasland kafatta, die Mombuttu nauianziugi, 
die Niamniam abaugwe. 

Der Vergleich ergibt, daß die Namen meistens mit den oben gegebenen 
meiner Sammlung übereinstimmen. Watuta ist ein anderer Name für die Wangoni. 
Lehrreich ist die ganz verschiedene Benennung dieses doch erst seit kurzer Zeit 
eingeführten Gewächses. Woher die Leute ihre Namen ableiten, ist meist nicht 
nachweisbar, oft wohl aus irgendwelchen Zufälligkeiten. 

Die Frage der Varietäten ist noch nicht so studiert, daß wir genau über 
die Variationsbreite der Batate und die Gruppierung der Sorten Bescheid wissen. 
Man unterscheidet die mit weißen W'urzeln (Var. leucorhiza) und die mit rot- 
schaligen Wurzeln ( Va r. crythrorJiiza), außerdem mindestens fünf Blattformen 
von herzförmig-ganzrandig, über etwas gezipfelten, mehr gezipfelten, platanenartig 
gelappten, bis zu tief handförmig eingeschnittenen Blättern. Bei vielen beobachtet 
man eine violette Färbung des Stengels und der Blattnerven. Endlich hat Hall i er 



— ■ 250 — 

noch eine besondere Var. cannabinus (Hallier) aufgestellt, mit fünf lappigen 
Blättern, die in Zanzibar viazi kibangi heißt. 

Ich gebe in Nachfolgendem eine einfache Aufzählung der Eingeborenen- 
Namen der Varietäten usw. in verschiedenen Bezirken, ohne dabei zu behaupten, 
daß die verschiedenen oder gleichen Namen nun auch verschiedene oder gleiche 
Varietäten darstellen, im Gegenteil, diese Namen sind offenbar sehr wechselnd, 
sogar mal oft von Ort zu Ort und auch mit der Zeit oder je nach der Phantasie 
des Gefragten, so daß ihnen viel Wert nicht zuzusprechen ist.*) 

Zanzibar, viazi kibangi, viazi kirihani, kondoro. 

Küstenland bei Tanga, viazi sena (weiß), viazi kindoro (rot). 

Usambara, nach Holst, kindolo, vindolo (weiß, Blätter handförmig), kitaita, 
vimkella, kamkella, pome ya kivicho, viogwe (Knollen rotschalig, Blatt ganzrandig, 
lappig), skumbalieno, mankntu, kitetta (Knolle weißschalig, Blatt ganzrandig). 
kindolo, lugole (Knollen weißschalig, Blätter platanenförmig). 

In unserer Sammlung Amani sind aus der hiesigen Umgegend kondoro, 
mkivata, mcupc, haliinüaaa, mkwata, mekimdo. 

Kilimandjaro, vüerri (rot), vizovia (weiß) in Moshi und Arusha werden sie 
nur sehr wenig gebaut. 

Pangani. Allgemein bei den Wasegua manumbi genannt, vier Sorten malu- 
galuga (rot), makandolo (weiß), mazereka (runde Knollen), mangovole (großblättrige). 

Die Wasegua und Wabondei bauen nur sehr wenige Bataten. 

Saadani, kindoro (weiß), krato (rot). 

Bagamoyo, vier Sorten, zantoro, zuata, mbnda, miscrera. 

Daressalam, sieben Sorten, kandoro, mccva, bungala, kitumbo unga, kivata, 
bunga, sena. 

Mohoro, weiße und rote. 

Kilwa, mingamba, inyao. 

Lindi, vier Sorten, werden viel als Nebenprodukt gebaut. 

Songea, weiß und rot. Mahenge ebenso. 

Morogoro, drei Sorten, bange, viboga, kandoro, die ersten beiden rot, die 
letzte weiß. 

Kondoa-Irangi, kindolo (weiß), kirihani (rot). 

Kilimandjaro, vier Sorten, ngäJio, djimbia, mafurc, cliisere. 

Langenburg (in Kinyakiusu) , ntolobeka, mwakiussa, njetile, lubessi (vier weiße), 
mufufu, kassangani (zwei rote). 

Iringa, viel gebaut unter dem Namen ngamba. 

Kilimatinde und Bismarckburg, weiße und rote. 

Mkalama, ilumba (rot, großblättrig), kandoro (fingerblättrig), mwesigumu 
(Blätter herzförmig). 






*) D. M. Nesbil (Farmer's Bull. No. 129, 1901) zählt für Amerika achtzig Sorten auf, 
Price empfiehlt die Einteilung nach den Blattformen in drei Hauptgruppen (ganzrandige, ge- 
schulterte und gespaltene Blätter). 



— 251 — 

Tabora, viel gebaut, kandoro, kimivana-mwana u. a. m. Mwanza, numbit 
(weiß), niiungu (rot), in Usindja solche mit geschlitzten und ganzen Blättern. Am 
Südwest-Ufer des Emin-Pascha-Golfs scheinbar nur schlitzblättrige. 

Bukoba. Rote Sorten : kandoro, kagoro, gurabigega, rahakatali. Weiße 
Sorten: msyungu, kachari, kibanga, mgandaira. 

Shirati, bei den Wagaia maboni, bei den Wasuba miungu genannt. 

In Mpororo beobachtete ich ganzrandige und geschlitzte Blätter, bei den 
Wawira nur rote pfeilblättrige, bei den Lur weiße und rote, bei Kavali nur rote, 
ebenso bei den Warrassura in West-Unyoro (Mboga), bei den Waholi (Wakondjo 
im Walde am Semliki) ganzrandige, pfeilförmige und geschlitzte Blätter, in Vichumbi 
am Südwestende des Albert-Edward See s nur schlitzblättrige. 

Hoffentlich ermöglichen die von Dr. Braun begonnenen eingehenden Studien 
bald, diese Formen und Namen zu gruppieren. 

Die Bataten spielen in der Wirtschaft vieler Stämme eine sehr bedeutende 
Rolle, die Wanyamwesi bauen viele und führen die Kultur überall da ein, wohin 
sie als Arbeiter kommen. Im Zwischenseengebiet bilden die Bataten einen sehr 
wesentlichen Teil der Nahrung. Sie sind beliebt, und wenn reicher feuchter 
Boden verfügbar ist, sind sie leicht zu kultivieren. Nach drei bis vier Monaten 
können die Leute schon die Frucht ihrer Arbeit haben. So ist es verständlich, 
daß diese Kultur die frühere der Yams. und der Coleus immer mehr verdrängt, 
und es ist zu erwarten, daß diese letztere bald recht seltene Erscheinungen werden. 

Irgend welche Notizen, wann die Batate zuerst in Ostafrika aufgetreten ist, 
habe ich nicht finden können, möchte aber annehmen, daß dies recht spät der 
Fall war, vielleicht nicht vor Anfang des achtzehnten Jahrhunderts. Von West- 
afrika aus hat sie ihre Wanderung aber wohl sicher schon früher angetreten, ein- 
geführt als Proviant der rückkehrenden Sklavenschiffe. Die ziemlich kurze Über- 
fahrt von Brasilien nach der Westküste Afrikas wird die Batate leicht ausgehalten 
haben, während sie bei ihrer Neigung zum raschen Verderben die lange Reise 
bis zur Ostküste schwerlich oft überdauert haben. Da sie in China aber Anfang 
des siebzehnten Jahrhunderts eingeführt wurde, ist auch in Ostafrika eine frühere 
Einführung, als oben angenommen, nicht ausgeschlossen. 

10. Ipomaea tuberosa (L.). 

Eine sehr reich gelb blühende Winde mit handförmig gespaltenen dunkel- 
grünen Blättern wurde von Regierungsrat Dr. Busse unter diesem Namen nach 
Amani gebracht. Die Pflanzen entwickeln sich hier sehr üppig, blühen herrlich, 
aber Knollen an den Wurzeln haben sie auch in einigen Jahren nicht gebildet. 
Vielleicht handelt es sich nicht um die richtige Art. 

//. Manihot utilissima Pohl. 

(Siehe Verbreitungskarte). 
Der Maniok oder die Kassave dürfte jedermann hier bekannt sein, und 
zwar nicht nur die walzig runden Wurzeln, sondern auch die Pflanze. Es sind 



— 252 — 

holzige Kräuter und Sträucher, die i — 3 Meter hoch werden, mit langgestielten, 
großen, handförmig gelappten oder geteilten Blättern. Die Stengel und Zweige 
sind etwa finger- bis daumendick und bedeckt von den Narben der abgefallenen 
Blätter. Wie alle Wolfsmilchgewächse, zu denen die Pflanze gehört, enthält sie 
in allen ihren Teilen einen Milchsaft, der giftig ist. In der Erde gehen vom 
Grunde des Stammes mehrere dicke knollige Wurzeln aus, die meistens zylindrisch 
und nach der Spitze zu spindelförmig verjüngt sind. Diese enthalten außer einer 
Fasermasse sehr viel Stärke und bilden ein äußerst wichtiges Nahrungsmittel 
der Eingeborenen. Auch die Wurzeln enthalten Milchsaft, der bei einigen 
Varietäten der Pflanze heftig giftig sein soll, das darin aufgelöste Manihotoxin 
bildet bei der Einwirkung von Wasser die furchtbar giftige Blausäure, aber beim 
Kochen oder durch Gärung verschwindet das Gift. Man unterschied bisher 
nach der mehr oder weniger giftigen Eigenschaft der Wurzeln die giftige 
M. utilissima Pohl und die fast ungiftige AI. p ahn ata var. Aipi Pohl. 
Wie weiter unten auszuführen, ist aber die Einteilung in Arten oder Varietäten 
noch sehr wenig gelöst und jedenfalls nicht allein auf diese Eigenschaft zu 
gründen. 

Die weite Verbreitung der Pflanze und ihre ausgedehnte Kultur sollten ver- 
muten lassen, daß sie hier einheimisch ist. Sie ist jedoch wie alle etwa achtzig 
Arten dieser Gattung unzweifelhaft im tropischen Amerika zu Hause und war 
vor Entdeckung dieses Weltteils in der alten Welt unbekannt. Wild hat man 
sie noch nicht mit Sicherheit gefunden. Humboldt und Bon plant fanden 
zwar am Ufer des Magdalenenstromes eine fast spontane Maniokpflanze, Pohl 
hält die M. pusilla aus der Provinz Goyas in Brasilien für die Stammpflanze 
unserer kultivierten, Piso behauptet, 1658 wilde »Mandioka« an der Küste nörd- 
lich von Rio gefunden zu haben, deren Wurzeln gegessen wurden, aber neuer- 
dings sind diese Funde nicht sicher bestätigt. 

Das wahrscheinliche ist, daß die wilde Stammpflanze des Maniok ausge- 
storben ist. Jedenfalls fanden die ersten europäischen Besucher Brasiliens nicht 
nur den Gebrauch der Wurzel sondern auch die Herstellung der Stärke und des 
Tapioka daraus vor. In seinen Mitteilungen über die Fahrten des Colon be- 
schreibt schon Petrus Martyr 1494 die giftigen »Yucca-Wurzeln«, die zur 
Brodbereitung dienten, Jean de Lery sah 1555 dort die beiden Sorten aypi 
und maniot, und 1574 wird von Fernandez und Monardes die Cassawe- 
Stärke beschrieben. Sir Walter Raleigh fand sie in Guiana und Piso er- 
wähnt 1684 die Tapioca. Das Wort Maniok soll corrumpiert aus »Yucca« sein, 
das für die Pflanze 1500 in Hayti gebräuchlich war, das daraus gemachte Brod 
hieß dort nach Oviedo cazzabi. cacavi, (woraus man Cassave corrumpiert), bei 
den Tupe-Indianern hieß die Pflanze ayipi. (Gray & Trumbull, in Americ. 
Journ. of Sc. 1883). 

In Indien kann die Kultur des Maniok nicht alt sein, Linshoten erwähnt 
sie 1598 noch nicht, 1794 und 1840 kam sie von Südamerika nach Calcutta und 



— 253 — 

Serampur, erst 1786 führ der Gouverneur v. d. Graaf die Pflanze von Mauritius 
in Ceylon ein, (Agricul. Ledger N. 10 1904), und Strandes schreibt, daß die 
Portugiesen sie nachweislich erst 1750 nach Mossambik brachten. Im Jahre 1799 
war wohl das erste englische Kriegsschiff unter Admiral Blankett in Zanzibar. 
Cpt. Bissei, der diese Reise beschrieb* erwähnt aus Zanzibar die Batate als 
etwas ihm bekanntes, dann aber als eine Kuriosität »die Wurzel einer Pflanze, 
»Mohogo« genannt, »Farzna da pas«- der Portugiesen, die von den Negern viel 
gegessen würden«'. Damals muß die Pflanze in Indien, woher das Schiff kam, 
eine große Seltenheit gewesen, in Zanzibar aber schon eine Zeit lang bekannt 
gewesen sein, da sie viel gegessen wurde. Wir werden nicht fehl gehen, wenn 
wir annehmen, daß sie nach Westafrika durch den Verkehr der Sklavenschiffe 
im 16. oder 17. Jahrhundert gebracht wurde, nach der Ostküste aber später, ent- 
weder mit den von Reunion und Mauritius massenhaft an unsere Küste kommenden 
Sklavenschiffen oder durch die Portugiesen, jedenfalls kaum vor der ersten Hälfte 
des 18. Jahrhunderts. 

Auch bei dieser Kulturpflanze aus Amerika hat die frühere Einführung von 
der Westküste aus bewirkt, daß sie von Westen aus viel weiter in den Kontinent 
eingedrungen ist als von Osten. 

Sehen wir uns zuerst ihre heutige Verbreitung in Ostafrika an. An der 
Küste wird sie überall gebaut aber meist nicht viel mehr als 100 Kilometer im 
Innern als wichtige Kultur. Im Hinterland von Tanga spielt sie eine große Rolle, 
ebenso in Useguha und Unguu, in Usaramo und im Hinterland von Lindi und 
Mikindani. Dann folgt eine Zone, wo sie nur vereinzelt gebaut wird, so Usagara, 
Mahenge, Livale, Usambara. Etwas ist der Maniok in Süd-Unyamwezi, Itumba, 
Uusure, sehr viel aber in Ungoni (Bez. Songea) und Wied-Hafen, in ganz Nord- 
Unyamwezi, dem Bezirk Shirati und im Zwischenseengebiet vorhanden, in letzterem 
besonders in den südlichen Landschaften und bis herunter nach Ukawende. So 
gut wie ganz zu fehlen scheint diese Kultur in Ufipa, im Bezirk nordwestlich vom 
Niassa-See und in Uhehe. Ebenso fehlt sie in den abflußlosen Gebieten des 
Massailandes, sowie in der alten Äquatorialprovinz, nur im äußersten Süden des 
Lur-Landes und in Süd-Unyoro wird dort etwas Maniok gebaut. Vom Tanganika 
an aber scheint diese Kultur durch den ganzen Kongo-Staat bis an die West- 
küste ohne Unterbrechung die wichtigste Nahrungsquelle zu sein, sie geht den 
Aruwimi-Fluß aufwärts bis oberhalb von Kilonga-Longa's-Ort (1892), und nur 
im Ouellgebiet des Ituri war wieder eine Zone, wo sie' nicht gebaut wurde. Auch 
in Mporöro, Nord-Ruanda, am Albert-See, im Semliki-Tal und auf dem Plateau 
westlich des Albert Edward war zur Zeit, als wir 1892 dort reisten, der Manjok 
unbekannt. Es scheint als ob er sich von Osten aus in nordwestlicher Richtung 
bis in den Südwesten des Victoria-Sees vorgeschoben hätte, von Westen aus bis 
zum Norden des Tanganika und nach Urundi-Ruanda. Jedenfalls ist nach meinen 
Informationen die Kultur von Westen aus viel geschlossener und weiter in den 
Kontinent verbreitet, und das kann seinen Grund nicht nur in etwa günstigeren 



— 254 



Bedingungen für den Anbau finden, denn auch bei uns wächst Manjok ohne 
irgend welche Mühe fast überall, und seine Kultur ist so leicht und für den 
Hackbau der Neger so ausgezeichnet geeignet, daß eben die spätere Einführung 
von Osten aus für die geringere Verbreitung hier verantwortlich zu machen ist. 
Es ist wiederum sehr eigenartig, wie gerade hier in Ostafrika die Kultur des 
Manjok andere Kulturen verdrängte, wie sie in bestimmten Bezirken so Gebrauch 
wurde, daß sie jetzt das Hauptnahrungsmittel liefert, so z. B. an der Küste, in 




Deutsch-Ostafrika 

1 : 12 000 000 

100 200 300 



Hauptverbreitungsgebiete intensiver Maniok-Kultur. 



Tanga-Hinterland und in Usaramo, wo sie dann meist mit der Maiskultur ver- 
gesellschaftet ist. Dasselbe finden wir wieder im Norden des Tanganika und im 
Kongostaat. Man kann sich da der Überzeugung nicht verschließen, daß nicht 
nur beide Pflanzen ähnliche Bedingungen nötig haben, sondern vielmehr, daß beide 
ungefähr miteinander eingeführt wurden. In allen solchen Verbreitungen der Kultur- 
pflanzen kann man eigentlich nur Augenblicksbilder liefern, denn die Verhält- 
nisse ändern sich, besonders jetzt, wo die eifrig Landwirtschaft treibenden Wa- 
nyamwezi Bataten, Maniok und Mais überall einführen, und wo seit kaum einem 



— 255 



Jahrzehnt in einigen Gegenden gewisse Kulturen verschwinden und durch andere 
bequemere und ertragreichere ersetzt wurden, wenn sie nur in das System des 
Hackbaus der Neger hineinpassen, so z. B. das Verschwinden der Eleu sine , 
des Pcnnis ctum und der Yams von Usambara. 

An unserer Küste wird der Maniok allgemein mhogo, muhogo genannt. 
Ich kann mir nur denken, daß dieser Name auf irgend eine Weise durch Ver- 
drehung von mandioka, manjoka zustande gekommen ist. Ebenso bezeichnen 
ihn auch die Wanyamwezi, die ihn von der Küste bekamen, die VVahehe, Wa- 
gogo und die Leute der Comoren-Insel Johanna. In dieselbe Gruppe der Namen 
gehört auch das mahanga-hazo von Madagascar. In Usambara, bei den Wadigo 
und den Wapokomo am Tana wird er nianga genannt, also »Arabisches«, womit 
die Leute vielfach alle fremden Einführungen benennen, in Kikuyu nmonga. In 
Usukuma sagt man iluwa, maliiva, in Shirati malibwa, in Bukoba viliva, viriva 
und auch vigando, in Ujiji mundeba. In Uganda luniange usmtih, in Unyoro 
lumongc mkallu (nur in Süd-Unyoro und Muenge), in Usagara mgaia, in Usum- 
bura und bei den Wawemba niumbati, bei den Wahiyao manangiva, in Songea 
bei den Wangoni mayao, (also aus Uyao Gekommenes, dort vom Süden Einge- 
führtes), bei den Wasokiri (Langenburg) majawu, bei den Wagogo angalia, bei 
den Waregga westlich vom Albert-Edward-See kasiye, bei den Manyema lungumba, 
bei den Wakussu russie, rusiyi, bei den Wagiriyama in Lamu mgasidju (d. h. aus 
Groß-Comoro-Angasidja Eingeführtes), bei den Bakwiri in Kamerun chachim, bei 
den Niam-niam (A-Sande) abangbal, bawra, bei den Maküa der trockene Maniok 
makaka, bei den Walombo - Manyema muyanya-rungumba, bei den Massai il- 
mungaira, 'mwanga, ol-marungu, bei den Haussa rogo, bei den Fulbe mbai, den 
Somali in Banadir uled. 

Ich lasse eine lange Liste von Bezeichnungen für »Cassada« nachKoelle's 
Polyglotta africana folgen : 



Senegambien von Bissagos bis Monrovia 



Fulup 

Filham 

Bola 

Sarar 

Pepel 

Biafada 

Padsade 



esana, pl. sisana 
csana 

kalofo, pl. ilofo 
*putok, pl. muntok 
*kemandiok, pl. 

imandiok 
*budioka, pl. man- 
dioka 
bantanyambi 
Baga von Kalum *ayoka, pl. cyoka 
Timne *ayoka, pl. eyoka 

Bulon *yoka 

Mampa *yeke 

Kisi yambalen 



Süd-Senegambien bis Kap Palmas 



Mandenga 


banalen, bananku 


Kabunga 


banta-nyambo 


Toronka 


bayangit 


Dsalunka 


banlära 


Kankanka 


banangu 


Bambara 


bananengu 


Köno 


tänga 


Vei 


gbasa 


Soso Solima 


kondarabina 


Kisekise 


*yokai, dsokai 


Tene 


*yoka 


Gbandi 


ndsurui 


Landoro 


batanga 


Mende 


tango 



256 



Kpese 


manan 


Unterer Niger (Nu 


pe) 


Soma 


*manaku 


Nupe 


cdsi-koya, dsi-koya 


Mano 


boi 


Kupa 


itsi-koya 


Gio 


be 


Esitako 


idsi-dagwa, idsi- 


Kru-Küste 







koya 


Dewoi 


luoio 


Puka 


logo 


Basa 


boe 


Basa 


agugwam 


Kra 


sogulo 


Ebe 


edsi-koya 


Krebo 


solo 


Opanda 


cgbodsi 


Gbe 


boki 


Igu 


enapa 


Sklaven-Küste 




Egbira-Hima 


odsoka 


Adampe 


agbcdc, agberi 


Tsad-See 




Ewe 


agbcli 


Munio 


karasa 


Hwida 


okute 


Nguru 


kosaro 


Dahome 


felic 


Östl. vom unteren 


Niger 


Mahi 


faria 


Udom 


du akarara 


Egba 


ogege 


Mbofon 


aroganti 


Idsesa 


gbaguda 


Basa 


igbingbi 


Yoruba 


°S e S e ' gbaguda 


Kamuku 


iganaumoso 


Yagbo 


dercfe (wild?) 


Kamerun-Hinterland 


Eki 


agu-gvayo. ogomu 


Isuwu 


miwondo 


Dsumu 


agii-goyo (wild?) 


Diwala, Duala 


mondo, pl. miondo 


Oworo 


ogege 


Orungu 


aloti, alot 


Dsebu 


gbaguda 


Bagba 


akubar 


Ife 


gbagudu 


Balu 


yupit 


Dsekiri 


midaka 


Bamom 


yopit 


Igala 


abasa 


Param 


uuuo 


Sudan-Niger 




Ngoten 


nkan-mel 


Guresa 


nyutisa, nyu-gunso 


Baseke 


wuondo ,p l. miwondo 


Kiamba 


bonfe 


Kongo — Angola 




Niger-Mündung 




Kabenda 


*yaka, pl. mayaka 


Isoarna 


idsi-oku 


Mimboma 


*iyaka, pl. mayaka 


Isiele 


aribu 


Musentandu 


*dioko, pl. mdaioko 


Abadsa 


gibo 


Mbamba 


kekuo, pl. ckuo 


Aro 


*idsi-aku 


Kanyika 


dsimcn. pl. bimen 


Mbofia 


*gi-aku 


Ntare 


lesus, pl. ndsuas 


Sobo 


*madaka 


Mutsaya 


*leyaka, pl. mayaka 


Egbele 


kitcgbia 


Babuma 


modsuane, pl. 


Bini 


*madaka 




medsuane 


Ihewe 


ebibodsi 


Bumbete 


rckuo, pl. bekuo 


Olöma 


eteteya 


Kasands 


mukamba, pl. mi- 


Okuloma 


dseagp 




kamba 



257 



Nyombe 


*diyaka, pl. mayaka 


Hoch-Sudan 




Basunde 


*dioko, pl. madioko 


Asänte 


koturiuuanke 


Ngola 


ntovibo, fadinya 


Boko 


gbe-a 


Pangela 


otombo, ohuarira 


West-Zentral-Sudan 




Lubalo 


mutombo 


Kandin 


kalasa 


Runda 


kandiu 


Hausa Kano 


logo 


Songo 


kelinko, pl. bclinko 


Kadzina 


logo, pl. logogi 


Kisamo 


ntombo, pl. mitombo 


Pulo Timbo 


bantaraival, pl. 


Süd-Ost-Afrika 






bantaradje 


Muntu 


dsinangoa 


Karo 


rogohi, pl. rogodje 


Kiriman 


falinya,pl. refalinya 


Niger-Delta 




Marawi 


hinan gua, pl. 


Yala 


isi abäse 




tsenangna 


Anan 


okumudog 


Meto 


manangua 


Süd -West- Afrika 




Matatan 


*mandioka 


Dsarawa 


beag-ngun 


Nyamban 


mfada, pl. mefada 


Koro 


kodsirogo, pl. 


Westatlantische 


Stämme 




agirogo 


Wolof 


buloh 


Harn 


dsumpara 


BidsogoAnkaras *mondeoko 


Okam 


tsirona 


Wim 


*mandeogo 


Yasgua 


odsira gbare (wild) 


Gadsaga 


bantara 


Bute 


kiikum 


Gura 


gbara 


Undaza 


moawando, pl. 


Banyun 


dsonko 




matuando 


Nalu 


*mandiog 


Tumu 


tsanive 


Bulanda 


kila 


Nkele 


tvondo, pl. mondo 


Limba 


batanka 


Tewi 


vambeyo 


Landoma 


*tandioro, pl. man- 
dioro 


Mfut 


kedien kiwi 



Von diesen Ausdrücken kann man zwei Gruppen herausscheiden. 

i . Solche Worte, die offenbar aus farinka, = Mehl entstanden sind, wie 
faria, feile, falinga. 

2. Solche, die aus dem Worte mandioca gebildet wurden, und die ich in 
der Liste mit * bezeichnete wie : imandiok, numtok, putok, budioka, ayoka, yoka, 
yeke, yokai, manaku, qiaku, idsi-aku, madaka, yaka, iyaka, dioka, leyaka, diyaka, 
diofca, mandioka, mandiogo, mondeoko, mandiog, tandioro; ob auch mondo, wondo 
hierzu zu rechnen sind, ist unsicher. 

In der Literatur und in Notizen finde ich bisher folgendes über hiesige 
Varietäten des Maniok. 

Zanzibar. kindoro, mit grünem Stamm und grauer Wurzel, bald mit süßer, 
bald mit bitterer Wurzel. 

bungcla, mit dreilappigen Blättern und weißer, süßer Wurzel. 

nangiva mit weißen bitteren Wurzeln. 



Stuhl mann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 



17 



— 258 — 

Im Tanga-Hinterland nach Prof. Zimmermann: i. ya Bukini, ya uleya 
mpezazi mit zickzackartig geknicktem Stengel, das Blatt ist jung rot, alt grün, 
der Blattstiel rot, die Wurzelrinde weiß. Diese Sorte wurde etwa im Jahre 1900 
von Herrn Veith aus Madagascar hier eingeführt und hat sich sehr rasch bis 
weit ins Innere verbreitet wegen der verhältnismäßigen Immunität gegen die 
Kräuselkrankheit und wegen der großen Erträge. 2. Mkaudoro, mlunguya (?), mit 
in der Jugend grünen Blättern, graugrünem, nicht zickzackartig gebogenem Stengel 
und weißer Wurzelrinde. 3. Mkanderinya, mit roter Stengel- und Wurzelrinde, 
hellgrüner Farbe des jungen Stengels, 4. Mwamfuli, deren junge Stengel rötlich, 
und junge Blätter bläulich sind. Ferner werden noch die Namen rangiua, 
mkwangwara, tembo, givangivalc und bondei genannt. 

In Pangani unterscheidet man bei den Wanyamwezi, die dort fast allein 
Maniok bauen, 5 Sorten. 

Aus dem Usambara-Bezirk führte Holst folgende auf: kzvamkivarra, mit 
roter Wurzelrinde, blaßgrünem Laub, rötlich angelaufenen Blattstielen; eine Sorte, 
die zumeist zum Trocknen verwandt wird. Kidigo mit roter W T urzelrinde, quirl- 
förmig sich verzweigenden Trieben, roten Blattstielen und dunkelgrünem Laub, 
die Knollen sollen sehr süß sein und werden deshalb meist roh gegessen, aber 
auch zur Herstellung eines guten Mehles verwandt. Der Kräuselkrankheit ist 
diese Sorte nicht so stark wie die vorige unterworfen. Mtopctopc, mit roter 
Wurzelrinde, einem dichten buschartigem Wachstum und knallroten Blattstielen. 
Kindoro, mit weißer Wurzelrinde, die sonst im Wuchs der kwauikwara gleicht. 
Später ist dann noch die Madagascar-Sorte überall eingeführt. 

Aus Bagamoyo werden 3 Sorten erwähnt, aus Saadani 2, aus Daressa- 
lam 7, aus Mohorro 6, aus Kilwa 2, ebensoviel aus Lindi und Mikindani, aus 
Morogoro und Kilossa kandoro mit weißer Wurzelrinde und dünnem Stengel, 
und iiigaia-ekundu mit roter Wurzelrinde und dickem Stengel. 

Langenburg, ntcka (dunkle Wurzel), utiinda (hellere), uiajalm (helle), ruyofu 
(Blätter wie C annabi s\ am Kilimandjaro wird nur wenig gebaut. 

Kondoa-Irangi und Bismarckburg je 2 Sorten, aus Uhehe rote und weiße 
(mukogo, dungu und eupe), aus Bukoba die Sorten kachari und kaitukairai. Von 
den anderen Bezirken habe ich bisher keine Angaben erhalten können. 

Die größten Knollen sah ich bei Kadjuma und am Südwest-Ufer des Victoria- 
Sees, wo sie 10 cm dick und 50 cm lang waren, doch auch in Amani haben 
wir Riesen- Wurzeln gebaut. 

Um nun über die noch sehr verworrene Varietäten-Frage Klarheit zu schaffen, 
ließ Herr Prof. Zimmermann von vielen Stellen sich Stecklinge und Samen 
des Maniok schicken, auch von außerhalb Deutsch-Ostafrikas, und studierte dieses 
Material ausführlich. Alle bisher von ihm untersuchten Formen muß er zu Manihot 
iitilis sima Pohl rechnen, zu welcher solche mit bitteren und süßen Knollen 
gehören. 



— 259 — 

Ich lasse einen fast wörtlichen Auszug aus Zimmermanns Mitteilung (Pflan- 
zer III 1907, S. 258 ff.) folgen: 

„Bestimmungstabelle. 

1. Alte Stengel (nach der Korkbildung!) silbergrau oder schwach gelblich. 

a) Stengel zickzackartig geknickt. Junge Blätter purpurviolett. Knollen unter 
der Korkschicht meist purpurfarbig, süß . . . . 1) Mpesasi. 

b) Stengel gerade. Junge Blätter grün. Knollen unter der teils grauen, teils 
purpurfarbigen Korkschicht rein weiß. 

I) Stengel in ca. 1 m Höhe oder niedriger verzweigt. 

A) Knollen bitter 2) Mkandorro 

B) Knollen meist süß 3) Mkitibaunga (?*) 

II) Stengel meist bis 3 oder 4 m Höhe unverzweigt. Knollen sehr bitter 
und giftig 4) Mlunguya 

2. Stengel nach der Korkbildung gelbbraun oder kastanienbraun. 

A) Pflanzen nur ca. I m. hoch 5) Mkitembo 

B) Pflanzen höher, meist 2 — 3 m hoch. 

I) Junge Blätter hellgrün oder schwach violett. Alte Stengel gelbbraun. 

a) Junger Stengel hellgrün, selten etwas purpurfleckig 6) Mkanderinya 

b) Junge Stengel violett-purpur-gestreift, Korkbildung sehr spät eintretend, 
Stengel lange grün bleibend 7) Mbondei (?)*) 

II) Junge Blätter violett, alte Stengel kastanienbraun. 

a) Junge Stengel grün, Blattstiele hellgrün, nur an den besonders dem 
Lichte ausgesetzten Teilen rötlich .... 8) Mganguala 

b) Junge Stengel meist dunkel violett, Blattstiele ebenso. 

aa) Breiteste Stelle der Blattzipfel oberhalb der Mitte derselben. 

Knollen bitter 9) Mwamfuli 

bb) Blattzipfel in der Mitte eingeschnürt oder wenigstens dort auf 

eine längere Strecke fast gleich breit bleibend. Knollen süß, 

10) Mdigo. 



•■&' 



1. Mpesazi (Madagaskar-Maniok, „mhogo wa Bükini"). 

Diese aus Madagaskar stammende Varietät, die jetzt in den Küstenbezirken 
von ganz Deutsch-Ostafrika mit gewisser Vorliebe kultiviert wird, gilt als früh 
und reichlich tragend. Die Knollen sind, soweit bisher konstatiert werden konnte, 
stets süß. An einem aus dem Bezirk Bagamoyo eingesandten Knollensystem, 
das insgesammt 12 kg wog, befand sich eine Knolle von 92 cm Länge und bis 
zu 14 cm Durchmesser. 13 in Amani gezüchtete sehr stark kräuselkranke Pflanzen 



*) Von den durch (?) gekennzeichneten Varietäten ist bisher eine scharfe Abgrenzung' 
gegen die davorstehende Varietät noch nicht gelungen. Vielleicht werden dieselben später zu 
streichen sein. 



17* 



— 2ÖO — 

gaben dagegen in einem Alter von 8 Monaten nur eine Ernte von durchschnitt- 
lich 0.41 kg. 

2. Mkandorro (mkindorro). 

Diese Varietät wird in unserer Kolonie häufig angebaut. Sie besitzt aber 
bittere Knollen, die infolgedessen in erster Linie zur Mehlbereitung benutzt 
werden. Sie leidet sehr unter der Kräuselkrankheit. Bei den ersten Kultur- 
versuchen ist es sogar überhaupt nicht gelungen, eine völlig gesunde Pflanze zu 
erhalten. Da diese Pflanzen außerdem in erster Linie zu Pfropfungsversuchen 
u. dergl. dienen sollten und mit Rücksicht darauf sehr eng gepflanzt waren, haben 
sie verhältnismäßig geringe Ernten geliefert. So wurden z. B. von 15 1 2 '/ 2 Monate 
alten Pflanzen nur 17.55, also pro Pflanze 1.17 kg Knollen geerntet. Verschiedene 
von den neuerdings in Amani gezüchteten Pflanzen sind aber bisher von der 
Kräuselkrankheit völlig frei geblieben. 

3. Mkitibaunga (?). 

Unter der obigen Bezeichnung erhielt Zimmermann aus dem Bondeiland eine 
Varietät, die sich von der Mkandorro-Varietät dadurch unterscheiden soll, daß sie 
süße Knollen besitzt. Bei den in Amani aus diesen Stecklingen gezüchteten Pflanzen 
war es nun nicht möglich, irgend ein unterscheidendes morphologisches Merk- 
mal zwischen den beiden genannten Varietäten aufzufinden. Die Mkitibaunga- 
Stecklinge waren auch ziemlich stark durch die Kräuselkrankheit angetastet; die 
Knollen derselben waren aber in der Tat größtenteils süß. Die bisher erhaltenen 
Erträge waren aus den gleichen Gründen wie bei der Mkandorro-Varietät sehr 
gering, nämlich nur 0.60 kg pro Pflanze. Die Kulturversuche mit dieser Varietät 
sollen fortgesetzt werden. 

4. Mlunguya (?). 

Unter dieser Bezeichnung wird im Bondeilande eine Varietät gezüchtet, die 
dadurch ausgezeichnet ist, daß die Stengel sich erst sehr spät, z. B. in einer Höhe 
von 4 m verzweigen und daß die Knollen ganz besonders giftig sind. Durch 
andere Merkmale vermag ich diese Varietät nicht von der Mkandorro-Varietät zu 
unterscheiden. Die Kultur wird fortgesetzt. 

5. Mkitembo. 
Stecklinge von dieser Varietät stammten aus dem Bondeilande. Die aus 
diesen gezüchteten Pflanzen erreichten, obwohl sie nicht besonders stark durch 
die Kräuselkrankheit angetastet waren, eine nur sehr geringe Höhe und lieferten 
auch nur sehr geringe Erträge: zwei 1 1 V2 Monate alte Pflanzen nur 0.23 und 
0.4 kg. Ich halte es übrigens für sehr wahrscheinlich, daß unter der gleichen 
Bezeichnung auch andere Varietäten kultiviert werden. 



2ÖI 

6. Mkanderinya. 

Diese Varietät ist in unserer Kolonie sehr verbreitet. Sie leidet aber meist 
stark unter der Kräuselkrankheit. Gesunde Pflanzen liefern reiche Erträge von 
süßen Knollen. So gaben z. B. in Amani 9 ca. 1 Jahr alte Pflanzen im Durch- 
schnitt 6.24 kg Knollen, eine 15 Monate alte 7.5 kg. 

7. Mbondei (?). 

Stecklinge, die er unter dieser Bezeichnung aus dem Bondeilande erhielt, 
zeigten in ihrer Entwicklung mit denen der Mkanderinya -Varietät eine sehr weit- 
gehende Übereinstimmung. Vielleicht handelt es sich aber doch um eine von 
dieser abzutrennenden Varietät. Als einzige Unterscheidungsmerkmale vermochte 
er zur Zeit anzugeben, daß der Stengel bei der Mbondei-Varietät in seinen ganz 
jungen Teilen mehr purpurrot gefärbt ist und später viel länger hellgrau erscheint 
als bei der Mkanderinya -Varietät und daß die Samen mehr gelbgrau gefärbt sind 
und bedeutend kleinere Flecken tragen. Die Knollen sind süß. 

8. Mganguala. 

Diese Varietät scheint in Deutsch-Ostafrika ziemlich verbreitet zu sein. Sie 
liefert auch gute Erträge. So wurden in Amani von einer 1 1 1 /% Monate alten 
Pflanze 12 kg Knollen geerntet. Dieselben sind bitter. 

9. Mwamfuli. 

Die Mwamfuli -Varietät ist anscheinend in unserer Kolonie ziemlich verbreitet. 
Sie besitzt im allgemeinen bittere Knollen und liefert gute Erträge. In Amani 
wurden von einjährigen Pflanzen bis zu 6 kg Knollen geerntet. 

10. Mdigo. 

Diese Varietät ist mit der vorstehenden anscheinend sehr nahe verwandt. 
Sie unterscheidet sich von derselben aber dadurch, daß die nicht randständigen 
Blattzipfel in der Mitte fast immer etwas eingeschnürt sind oder mindestens auf 
eine längere Strecke fast gleich breit bleiben ; außerdem sind die Zipfel auch 
erheblich schmäler als bei der Mwamfuli -Varietät. Ferner sind die Knollen süß. 
Von einer 16 Monate alten Pflanze wurden in Amani 4.9 kg Knollen geerntet. 
Ob in den Blüten und Früchten zwischen beiden Varietäten noch Unterschiede 
vorhanden sind, war nicht mit Bestimmtheit anzugeben«. 

Leider ist nichts über die geographische Verbreitung dieser Sorten fest- 
gestellt worden, so daß die Untersuchung einstweilen nur botanisch, nicht aber 
kulturgeschichtlich zu verwerten ist. 

Die Sorte mpesaziist, wie erwähnt, von Herrn Veith vor etwa 10 Jahren aus 
Madagascar nach Ostafrika eingeführt worden und hat sich durch ihre guten Eigen- 
schaften sehr rasch bei den Negern eingebürgert, da sie in den Hackbau paßte und 



2Ö2 — 

müheloser bessere Resultate als die anderen Sorten gab. Der Name mpesazi 
soll aus dem Neger-Spitznamen eines Herrn entstanden sein, der sich um die 
Verbreitung der Sorte sehr bemühte und Material an Stecklingen verteilte (Herr 
Passarge). Man sieht daraus, auf welche Weise Namen für Kulturpflanzen bei 
den Negern entstehen können. 

Der Maniok bildet in vielen Gegenden unserer Kolonie, die oben erwähnt 
sind, eins der wichtigsten Nahrungsmittel der Bevölkerung. Man ißt ihn, da ja 
die bitteren, giftigen Sorten selten sind und ihre Kultur wohl immer mehr auf- 
gegeben wird, sehr viel nach Entfernung der Schale in rohem Zustand. Dann 
wird er auch geschält wie unsere Kartoffeln gekocht, oder aber man schneidet 
die geschälten Wurzeln durch Längsschnitte in etwa vier Stücke, die an der 
Sonne gedörrt werden und so einen lange haltbaren Dauerproviant geben, der 
immer etwas grünschimmelig aussieht. Vor dem Genuß wird dieser Dörrmaniok 
im Holzmörser (kino) gestampft, um daraus ein graues Mehl zu gewinnen, das 
in großen Mengen auf den Markt kommt. Aufheben tut man es in diesem Zu- 
stand aber nicht gern lange, es wird nur für den jeweiligen Bedarf von viel- 
leicht einer Woche bereitet. Nur die getrockneten Stücke werden lange auf- 
bewahrt. Das Mehl wird unter Umrühren in kochendes Wasser geschüttet, bis 
ein steifer Brei wie Polenta entsteht, der eine grünlichgraue Farbe hat. Er wird 
ebenso wie ähnlicher aus Sorghum und anderen Mehlsorten »ugalz« genannt; es 
ist eine beliebte und den Magen auf lange Zeit sättigende Nahrung, was bei 
dem Neger das wichtigste ist. 

Aus den Blättern kochen die Leute, oft zusammen mit anderen Zutaten, 
eine Gemüse-Tunke (mcliusi), die Europäer bereiten aus ihnen ebenso wie aus 
den Blättern von Bataten, Vigna sinensis u. a. einen ganz leidlichen Spinat. 

Dann und wann stellt man aus den Wurzeln auch Stärke her, bevorzugt 
aber die aus Tacca. In vielen Ländern, besonders in Südamerika, wird aus der 
geschlemmten Stärke durch Erhitzen und dadurch bewirkte teilweise Verkleisterung 
die Tapioka bereitet. Es ist schon verschiedentlich versucht, diese Industrie 
hier einzuführen, die z. B. in Singapore eine ganze Anzahl von Unternehmungen 
beschäftigt, und wofür auch in Reunion mehrere Fabriken sind. Als Anregung 
ließ das B. L. I. eine einfachste Reibetrommel, wie sie in Reunion für die Be- 
reitung des Hausbedarfs an Tapioka dient, von dort kommen. W T ir stellten auch 
recht gut geratene Tapioka der verschiedenen Sorten her und brachten sie zur 
Anregung auf die Landwirtschaftliche Ausstellung nach Zanzibar. Aber es hat 
noch niemand gewagt, diese Industrie hier in größerem Maße zu betreiben. Ich 
sollte glauben, daß wir sehr leicht den Bedarf Deutschlands an Tapioka decken 
könnten — denn Maniok ist in riesigen Mengen zu schaffen und auch billig — . 
Wenn die hiesige Industrie einen Schutz durch Zollbestimmungen in der Heimat 
bekäme, müßte das Unternehmen gedeihen. Einstweilen aber denkt jedermann 
hier nur an Sisal und Kautschuk und scheut sich vor den Aufwendungen, die 
eine Fabrikanlage erfordert. Sollte jemand Neigung haben, diese Industrie hier 



— 263 — 

zu beginnen, so kann ich nur raten, daß er seine Vorstudien in Singapore und 
Reunion macht. 

Das Küstenland produziert soviel Maniok, daß eine ganze Menge davon 
ausgeführt wird, wohl fast alles zum Konsum in Zanzibar. Die Statistik lehrt 
uns folgendes: Manjok und dessen Mehl: Ausfuhr: 

1903 608124 Kilo im Werte von 49235 Mk. 

1904 396477 », » >• »» 3 l6 %7 >, 

1905 46923 », 1, ., ,. 3 733 i, 

1906 5991 1 ,, ,, „ ,, 6035 „ 

Der Rückgang des Exports für 1905 ist wohl auf großen eigenen Bedarf 
zurückzuführen, nicht auf eine Mißernte. Manjok ist vom Ausbleiben der Regen 
und Heuschrecken nicht in dem Grade abhängig wie andere Feldfrüchte. 

Eingeführt wurden nur sehr geringe Mengen: 

1903 2675 Kilo im Werte von 87 Mk. 

1904 2239 ,, „ „ ,, 207 ,, 

1905 343 „ ., „ „ 2 3 1, 

Der große Unterschied in der Bewertung liegt offenbar daran, daß das 

Verhältnis vom rohen Manjok zum Manjokmehl ein verschiedenes war. 

12. Maranta arundinacea (L.). 

Die echte Pfeilwurz aus Westindien, die in Westafrika ziemlich viel gebaut 
wird, ist in Ostafrika noch recht selten. In Zanzibar findet man sie hier und 
da, vielleicht auch die nahe verwandte M. indica (Tussac) aus Ostindien. Die 
Indier machen Stärke für feine Bäckereien daraus. Da man hier aber die fast 
gleichwertige Taccastärke billig bekommt, so baut man die fremde kaum. Die 
hier in Amani stehenden Pflanzen wachsen der Kälte wegen nur kümmerlich. 

Die Maranta wurde angeblich zuerst »Pfeilwurz« genannt, weil die Indianer 
sie als Gegenmittel gegen Wunden von Giftpfeilen benützten. Herr West er- 
mann machte mich jedoch darauf aufmerksam, daß diese Annahme wahrschein- 
lich nicht stimmt. Die Indianer nannten seiner Ansicht nach die Pflanze araruta, 
daraus machten die Engländer arvow-root, das wurde ins Deutsche als »Pfeilwurz« 
übersetzt. So entstand der Name. Als Gegenmittel gegen Pfeilgift ist es nicht 
verwendet worden. Die indische Sorte dürfte nur eine Abart der zentralamerika- 
nischen sein und nach Indien als Kulturpflanze erst 1840 eingeführt sein. 

Das aus den Maranten hergestellte feine Stärkemehl ist unter dem Namen 
Arrow-Root allgemein bekannt. 

13. Nymphea stellata (L.) 

Die stärkehaltigen Rhizome der schön blau-blühenden Wasserrose werden 
hier und da gegessen. Em in erzählte mir, daß die giftige Substanz darin, 






— 264 — 

wenn sie durch Auswaschen nicht entfernt würde, Impotenz erzeugte. Die Leute 
am oberen Nil mischten deshalb für die, welchen sie einen Schabernak antun 
wollten, von dem nicht ausgewaschenen Mehl der Nahrung bei. 

14. Solanum tuberosum L. 

Die Kartoffel, bekanntlich ein amerikanisches Gewächs, das in Chile spontan 
ist und zuerst 1580 — 1585 von den Spaniern und später von den Engländern 
nach Europa eingeführt ist, gedeiht hier nur in den Gebirgen in höheren Lagen 
gut. Überall bei den Missionen und Stationen sind kleine Kartoffelanpfianzungen 
für den Hausbedarf der Europäer eutstanden, und in einigen Gegenden haben 
auch die Neger diese Kultur angenommen, um die Kartoffeln an die Europäer 
zu verkaufen, wie z. B. in West-Usambara, am Kilimandjaro, bei Songea, Bukoba 
usw. In Kwai wurden etwa 450 Zentner vom Hektar gewonnen. Der Neger 
nennt sie viazi ya kizungu, »europäische Wurzel'. In Abessinien kultiviert man 
zwei Sorten Kartoffeln unter dem Namen dimeich. 

Früher wurden alle Kartoffeln, die in Ostafrika gebraucht wurden, von 
Bombay und Malta, bisweilen auch von Marseille eingeführt. Jetzt wird ein Teil 
des Bedarfs wenigstens im Lande produziert, hier und in Britisch-Ostafrika, welch 
letzteres durch seine Bahn im Vorteil ist, denn ein Transport von 6 Stunden auf 
Negerköpfen zur Bahn bei uns verteuert das Produkt zu sehr im Vergleich mit 
Br.-O.-A., wo die Bahn in das Land hineingeht, in dem man Kartoffeln pflanzen 
kann. 

Es wurden immerhin bei uns noch folgende Mengen eingeführt: 
T 9°3 79 852 Kilo im Werte von 18469 Mk. 

1904 1 16222 „ „ ' „ „ 21 535 „ 

1905 151 662 „ „ „ ,, 28136 „ 

1906 232088 ,, „ „ „ 38 114 „ 

Mehrere Kolonisten würden schon vom Verkauf dieser Mengen leben können, 
vielen würde die Kartoffel allerdings wohl kaum genügend Verdienst lassen. Die 
Preise sind allerdings im Verhältnis zu Europa recht hoch. Die Last von 30 Kilo 
kann man an Ort und Stelle wohl mit 2 — 2V2 Rup. kaufen, in einiger Entfer- 
nung vom Produktionsort aber wird man 6 Rup. (8 Mk.) und noch mehr geben 
müssen. 

Die Ausfuhren von Kartoffeln waren in den letzten Jahren ganz gering. 
r 9°3 37*4 Kilo im Werte von 1107 Mk. 

1904 4139 „ ,, „ „ 838 ,, 

1905 4752 „ ,, ,, ,, 1092 „ 

1906 4707 ,, „ „ „ 1123 „ 

15. Tacca pinnatifida Forst. 

Die afrikanische Arrowroot-Pflanze hat im Boden eine 30—500 Gramm 
schwere rundliche Knolle, aus der ein oder selten mehrere ca. 3 / 4 Meter lange, viel- 



— 265 — 

fach doppelt zerschlitzte Blätter mit langem Stiel herauskommen und ebenfalls der 
ca. ein Meter lange Blütenstiel, an dessen Spitze der Blütenstand sitzt, woran 
später die Beeren sich bilden. 

Die Heimat dieser Pflanze ist das tropische Indien, Birma, die malayische 
Halbinsel, Ceylon, Nordaustralien, die Inseln des stillen Ozeans, besonders die 
Gesellschaftsinseln, endlich im ganzen tropischen Afrika, in Abessinien, dem Bahr- 
el-Gazal-Gebiet, Zanzibar, Mossambik, im ganzen Küstenland, in Ober-Guinea, 
Gabun, Angola, am unteren Kongo usw. Hier in der Nähe von Amani steht 
sie z. B. sehr viel an der Usambara-Bahn entlang in offenem Gras-Buschland. 
Es is kein Zweifel, daß diese Pflanze in Afrika ebenso heimisch ist, wie in Süd- 
Asien. Ich habe nicht gehört, daß die Eingeborenen sie hier in Kultur nehmen. 
Sie wächst überall in den unteren Regionen so häufig, daß sie auch ohne Kultur 
recht viel benützt wird. 

Der Name im Küstenlande ist nnuanga, malanga, ulanga, mulanga, mwu- 
ranga, ebenso bei den Wasegeju, Washambaa, Wadigo, Wabondei, Wasaramo, 
Watussi ; die Wakami sagen kunzugulu, die Wanyamwezi nyanza, die Wasukuma 
ngongo, die Wangoni tembe, die Wahiyao utondiva ngoli, die Wamakonde initngu- 
rmve, in Langenburg amasimbi. 

In Indien heißt die Pflanze dhai, diva, kanda. 

In Zeiten der Hungersnot wird die Wurzelknolle in Mengen gesammelt und 
nach mehrfachem Abkochen gegessen. Meistens aber werden die Knollen ver- 
wandt, um daraus eine sehr feine Stärke herzustellen, die man sowohl zu tech- 
nischen Zwecken wie gewöhnlicher Stärke verwendet, (wie z. B. zum Wäsche- 
stärken), als auch zu Genußzwecken, wobei sie dem Arrowroot nicht nachstehen 
soll. Wir haben die Pflanze hier kultiviert. Nach mehr als einem Jahr hatten 
wir 500 Gramm schwere Knollen. 

Nach Herrn Chemiker Lommel's Bestimmungen im hiesigen Institut ent- 
hielten Knollen von hier und von Bagamoyo aber nur 9 — 18% Stärke, die aus 
anderen Gegenden müssen, aus W T o hl tm an n's Untersuchungen zu schließen, be- 
deutend reicher sein; möglich, daß unsere nicht im günstigsten Reifezustand 
untersucht wurden. Das Stärkemehl wird auf dem Markte verkauft und auch 
ausgeführt. Leider geben die Ausfuhrtabellen es nicht getrennt von anderen 
Sachen an. Es sind in der Statistik »andere Knollen, (d. h. außer Maniok 
und Kartoffeln) und deren Mehl, insbesondere von Pfeilwurz« zusammen- 
gezogen. Die Zahlen werden sich demnach wohl meist auf Bataten, die man ihrer 
geringen Haltbarkeit wegen weit weniger als Maniok ausführt, und außerdem auf 
die Tacca-Stärke beziehen. 

Es wurden ausgeführt : 

1903 15 167 Kilo im Werte von 1797 Mk. 

1904 9903 „ „ „ ,, 1270 „ 

1905 17307 „ „ „ „ 5753 „ 

1906 2274 ,, „ „ „ 379 „ 



— 266 — 

Unter derselben Bezeichnung fungiert aber auch ein ziemlich großer Posten 
in der Einfuhr. 

1903 94324 Kilo im Werte von 18469 Mk. 

1904 116222 „ „ „ „ 21535 „ 

1905 151 662 „ ,, „ „ 28136 ,, 

Da wie ich höre, unter dieser Rubrik der Statistik auch Zwiebeln gerechnet 
werden, werden sich obige Zahlen fast nur auf diese beziehen, die von Bombay 
kommen. Man kann schon an der Bewertung sehen, daß es sich um verschiedene Pro- 
dukte bei der Einfuhr oder bei der Ausfuhr handeln muß. Die Zwiebeln sollten 
besser gesondert in der Statistik aufgeführt werden. 

Notiz. Die Knollen und Stärkemehl liefernden Canna indica und Cur- 
cuuia longa werden, erstere unter den Zierpflanzen, letztere unter den Gewürz- 
pflanzen besprochen. 



X. Die Gewürze. 



/. Amomum- Arten. 

Dem Kardamom*) verwandte Gewürze kommen von folgenden Pflanzen: 

Amomum cardamomum L.. in Siam und Java wild und kultiviert. Die 
Früchte kommen nicht nur einzeln, sondern auch zu ganzen Fruchständen ver- 
eint traubenförmig in den Handel, in Java sollen sie kapol, kapul, bei den 
Malayen kapa-laga heißen. Besonders beliebt scheinen sie in China zu sein, 
wo man sie p eh- tau- kau, tung-po-tau, to-kuli nennt und wo unter der Sung-Dynastie 
(5. Jahrhundert, oder 10. — 12. Jahrhundert ? 2te Sung-Dynastie?) der Dichter Sei- 
tun g-po sich nach dem Kardamom benannt haben soll. 

A. su bulatum Roxb. Die Früchte werden als »große oder Nepal-Kar- 
damom« bezeichnet. Die Pflanze wächst wild in Bengalen und Nepal, scheint 
für den Welthandel nicht viel in Betracht zu kommen, aber in Indien und anderen 
östlichen Ländern viel konsumiert zu werden. Im Sanscrit soll sie außer da 
noch brihal-upakun-chika heißen, in Indien bari-ilacJü, elcho, moto-ilachi (moto auch 
bei den alten Klassikern für eine Varietät von Zimmt, das Wort moto, motu kommt 
auch noch sonst bei indischen Produkten vor), morung-clachi (nach den Morioig- 
Bergen), bei den Tamilen periya-yelak-kay, kattu-yelak-kay, bei den Telegu pcdda- 
yela-kayalu, adaviyela-kaya, auf Arabisch qakilahe-kibar, hel-zakar, auf Persisch 
quakilhaJie-Jialan, qaqalaJie-zakar. 

A. xanthioides Wall., aus Hinterindien und Siam, soll in Singapore und 
China als Medizin gebraucht werden, auch auf den indischen Bazaren zu haben 
sein. Man nennt die Früchte auch Bastard-Kardamom. Nach China sollen jähr- 
lich 400000 Kilo importiert werden. 

Wahrscheinlich werden noch die Früchte von einer ganzen Reihe von Arten 
verwandt. Die afrikanischen Arten sind von Schumann zu einer Gattung 
Afr amomum zusammengezogen, deren dicht am Boden sitzende Früchte große 
spitz ausgezogene Gebilde sind, die reif und frisch meistens rote Farbe haben. 



*) Das Kardamom des Handels wird unter E Ictteria behandelt. 



— 268 — 

In ihnen liegen in einem säuerlich-aromatischen Mark viele kleine Samen von 
scharfem Geschmack eingebettet. Jedermann, der in den Bergwaldgebieten von 
Ostafrika gereist ist, wird diese Früchte gesehen haben, die von den Ein- 
geborenen auch bisweilen als Erfrischungsmittel verkauft werden. In Uganda 
sind sie z. B. stets massenhaft unter dem Namen matitnguru auf dem Markt, 
welchen Namen sie auch anderwärts führen. Soweit mir bekannt, kennt man 
die botanische Art dieser Aframomum von Uganda und Bukoba noch nicht.*) 
Die Früchte von A. angustifolium (Sonn.) K. Seh. von Zanzibar und Mada- 
gascar (dort longazi genannt) sehen sehr ähnlich aus, auch sind die Uganda- 
Früchte kaum zu unterscheiden von denen der hier in Usambara vorkommenden 
A. Mala K. S diu in., aus deren Kernen Dr. Schellmann ein ätherisches Öl 
destilliert hat. Von einer ganz verwandten Sorte kommen jedenfalls die als 
koraima der Galla aus Massaua ausgeführten Früchte, keil der Araber (also wie 
die echten Kardamomen hei genannt), die nach Arabien und Indien gebracht 
werden. In Abessinien heißt die Pflanze auf Amhari karoröma. kororima. Be- 
sonders diese Kardamomen sollen die Araber dem Kaffee zusetzen. Wieder 
andere Kerne kommen von Aframomum Mclcguetta (Rose.) K. ScJiuni. 
aus Westafrika, Sierra Leone bis Angola, sie liefern den Melegeta-Pfeffer oder 
die Paradieskörner des Handels, (Ewe atoku), die in der Liqueurfabrikation noch Ver- 
wendung finden. Für die sehr ähnlichen Körner von A. mala und andern ostafrika- 
nischen Arten aus dem Niassaland, vom Victoriasee usw., hatten die Kaufleute nicht 
viel Interesse. Erwähnenswert ist die von Schumann erwähnte Tatsache, daß 
bei ganz nahe verwandten Arten der Gattung Afra monium die Körner, welche 
kantig und netzig skulpturiert sind, scharf und gewürzig sind, die Arten mit 
glatten elipsoiden und zusammengedrückten Samen aber keine scharfen Bestand- 
teile haben. 

Aus Langenburg stammende Samen von Afram o in u in hatten 2 % ätherisches 
Öl, das für Parfümeriezwecke verwendbar ist; von Segoma stammende Samen 
hatten geringe Mengen eines Öles von vorzüglichem milden Aroma; von Bukoba 
stammende Samen hatten 8 % Gerbstoff, Harz und Farbstoff und 3 % ätherisches 
Öl, das im Handel befindliche Produkt hat aber 5 °/o Öl ; die Bukoba-Saat dürfte 
1,10 Mk. pro Kilo Wert haben. (Kol. wirt. Komitee.) 

2. Anethum graveolens L. 

Der Dill ist nach Drude-Engler (Nat. Pflanzen-Familien) in Indien und 
Persien, vielleicht auch in Ägypten wild, und durch die Kultur schon sehr früh 
verbreitet. Die indische A. Soiva Roxb., die uns hier interessiert, wird von 
vielen Botanikern für dieselbe Art gehalten, doch sind die ätherischen Öle beider 



*) Vielleicht handelt es sich um A. san guineum K. Schum. (Engler's Pflanzen- 
welt. C. S. 149). 



— 269 — 

nach den Beobachtungen von Gildemeister und Hoffmann ziemlich ver- 
schieden, so daß es sich mindestens um Klimavarietäten handelt. Man behauptet, 
daß der Dill das anurcst der ägyptischen Papyri gewesen sei, er war das anethon 
der Griechen, das anethum der Römer, doch sollen nach Dragendorff diese 
Worte auch für Carum Ridolfia angewandt sein. Die Araber nennen die 
Pflanze shabit, shibit, diebett, liaza; kerafes (wilde Sorte in Algier), im Sanscrit soll sie 
sita-siva, misset eya, satapushpi, shaleya heißen, heute in Indien sowa, sulp ha 
soya, sutopslia, surwa, unsere hiesigen Banyanen aus Gudjerat sagen suwadana. 

Die Samen sind in den meisten hiesigen Indierläden erhältlich, aber nicht 
als biaari, bizari-nini, wie Ho Ist-Warburg angeben, sondern unter den indischen 
Namen suwa, suwadana. Die Leute brauchen sie zum Speisewürzen, auch wohl 
zur Curry-Bereitung. 

Hier und da findet man auch die Pflanze hier in Kultur, so sind Exemplare 
von Pangani und vom Obstabfall des Walegga-Plateaus zum Albert-Sees von mir 
gesammelt. Aber ebenso wie beim Koriander, werden diese von den Sudanesen 
der früheren Äquatorialprovinz dort hingebracht sein, und nicht von den Watussi- 
Wahuma. Jedenfalls ist die Kultur dieser Pflanze hier recht selten, und was an 
Samen gebraucht wird, kommt von Bombay. In Abessinien und den Haussa- 
staaten soll dagegen der Dill angebaut werden. (Warburg.) In Abessinien 
heißt er auf Tigrinja schilaü, silan, si/an-bcita, sadan-schoa. • 

3. Capsicum minimum Roxb. 

und verwandte Arten sind die Solaneen, welche den spanischen Pfeffer, Paprika 
oder die Chillics liefern. Wenn auch diese Pflanzen in allen wärmeren Gegenden 
fast wild zu sein scheinen, so ist doch wohl nicht daran zu zweifeln, daß sie 
ursprünglich aus Amerika eingeführt sind. Von der Gattung Capsicum sollen 
etwa dreißig Arten in Amerika und eine in Japan heimisch sein. Aber die 
Kulturformen gehen so ineinander über und schlagen bei Vernachlässigung auf 
das C. minimum zurück, daß es eben meistens Zuchtformen sein werden, die 
vielleicht nur eine oder sehr wenige Arten als Stammformen haben. 

Nach den Angaben von Flückiger läßt sich der spanische Pfeffer weder 
in den alten klassischen Literaturen, noch bei den älteren Arabern, noch im 
Mittelalter nachweisen, wohl aber taucht sofort nach der Entdeckung Amerikas 
die Runde von ihm auf. Dr. C h a n k a , der als Schiffsarzt C o 1 u m b u s auf seiner 
zweiten Fahrt begleitete, berichtet, Anfang 1494, daß auf der Insel Hispaniola 
agi als Gewürz diente. Fernandez beschrieb 15 14 die hohlen, roten Schoten, 
die er axi, ajcs nennt aus Honduras, auch Cortes kennt agics aus Mexiko. 
1542 muß das Gewächs schon weit verbreitet gewesen sein, man kannte es in 
Deutschland (Fuchs »calecutischer Pfeffer«; Gessner nennt ihn ebenso aber 
auch »brasilianischen«). Clusius erfuhr, daß es aus Pernambuco gekommen 
sein sollte. Fernandez nennt Ende des sechzehnten Jahrhunderts auch noch 



— 270 — 

den amerikanischen Namen chilli.*) Die Heimat des Gewächses oder seine ur- 
sprüngliche Kulturstätte hat wohl in Zentralamerika, Westindien, Guiana und 
Brasilien gelegen. Man kann annehmen, daß Portugiesen und Spanier die Pflanze 
sehr rasch über die damals bekannte Welt verbreiteten. 

So wird sie auch zu früher Zeit nach der Ankunft der Portugiesen in Ost- 
afrika eingeführt sein, wo sie z. B. auf der Insel Zanzibar in den felsigen, östlichen 
Teil, wo der Korallenkalk aus dem Boden hervorsteht, in großen Mengen in einem 
scheinbar wilden Zustand vorkommt. Man sammelt hier die Früchte, wo sonst 
nur noch ein wenig Maniok wächst, viel und verkauft sie an Indier, die sie wieder 
an die europäischen Firmen übermitteln zur Ausfuhr nach Nordamerika, England 
und viel auch nach Indien unter dem Handelsnamen chillies, also mit einer 
altamerikanischen Bezeichnung. Es sind besonders die Wahadimu, die sich in 
Zanzibar mit dem Pfefferhandel beschäftigen, jene Leute, deren Sultan, Muniemkuu, 
sich von den Shirazi- Persern ableitete. Auch an der Küste wird überall das 
CapsiciDii gefunden, wenn auch nicht in so dichten Beständen wie im Osten 
der Insel Zanzibar. Vielfach ist die Pflanze auch ins Innere vorgedrungen, in 
Usambara, bei Kilossa, in Usaramo und an vielen Punkten findet man sie, meist 
auf Schutt oder als Ruderalpflanze. Bei den alten Ansiedelungen der Araber 
ist sie stets zu finden. Sehr eigenartig aber ist das Vorkommen in Uganda, be- 
sonders im östlichen Teil dieses Landes, in sehr bedeutenden Mengen, so daß 
man vor einigen Jahren begann, die Schoten von da auszuführen, nachdem die 
Fertigstellung der Ugandabahn die billige Verfrachtung der Ware zur Küste er- 
möglicht hatte. Der Ausfuhrhafen dort ist Jingo am Ausfluß des Sommerset- 
Nils aus dem See, von wo bald so enorme Mengen der dort in den Bananen- 
hainen halb- oder ganz wild wachsenden Drogue ausgeführt wurden, daß die 
Preise auch in Zanzibar beträchtlich sanken. Es ist immer die winzig kleine 
Schotensorte, die an der Pflanze aufrecht steht, nicht hängt. Schon früher hatten 
Reisende ihr Vorkommen in Uganda und Unyoro gemeldet, wo sie damals wohl 
kaum benützt wurde. Es ist nicht anzunehmen, daß sie erst durch die Araber, 
also etwa seit 1840 dort eingeführt ist, sie muß sich schon sehr viel früher dort 
verbreitet und ein außerordentliches günstiges Wachstum gefunden haben. Ich 
habe 1891 auch im nordwestlichen Unyoro, und besonders im Semliki-Tal die 
Pflanze gefunden und damals angenommen, daß sie dort heimisch sei, so häufig 
kam sie dort überall in den Bananenhainen und im Busch vor. Ob sie auch in 
den Zwergengebieten westlich des Albertsees gefunden wurde, kann ich mich 
nicht mehr erinnern. 

In Westafrika scheint sie heute sehr weit verbreitet zu sein, ich glaube an 
der ganzen Küste und weit ins Innere hinein, ferner auch im Sudan und jeden- 
falls überall, wohin arabische Händler kamen. 



*) Y u 1 e und B u r n e 1 1 sind der Meinung, daß das Wort chillies vom Lande Chili kommt, 
wie schon Jac. Bontius 1631 meinte, jedoch gibt nach denselben Autoren Acosta als 
mexikanischen Namen chili, als solchen von Cusco vchu an. 



— 271 — 

Ich möchte annehmen, daß die Pflanze nach der Westküste durch die Portu- 
giesen bei den Sklaventransporten etwa im sechzehnten oder siebzehnten Jahr- 
hundert gelangte, daß sie dann zusammen mit Maniok und Mais sehr schnell 
ihre Wanderung antrat, wohl unterstützt durch Vögel, und daß sie von Westen 
aus bis zum Semliki-Tal, ja vielleicht bis Uganda und Unyoro gelangte, daß sie 
aber in unseren küstennahen Gebieten, in Unyamwezi usw., von unserer Küste 
aus verbreitet wurde. Denkbar aber ist auch, daß sie in recht alter Zeit durch 
Handelsbeziehungen, die wir nicht mehr nachweisen können, ebenso wie etwa 
die Kaurischnecken, von Osten aus nach Uganda kam und dort eben einen be- 
sonders günstigen Boden zur Entwickelung fand. Aus der Namengebung der 
Pflanze wird sich kaum etwas über ihren Verbreitungsweg nachweisen lassen, weil 
hier wie in vielen anderen Fällen, die Neger dem sicher neu eingeführten Produkt 
ganz beliebige Namen gaben, deren Ursprung wir nicht einmal raten können. 

Stellen wir zunächst fest, daß die Araber die Pflanze wie den schwarzen 
Pfeffer filfil nennen, in Abessinien und bei den Afer sagt man berberi, barberi*), 
bei letzteren auch bisbcs (vergl. Muskatmacis and Fenchel), die Galla sagen mitmitta, 
guratscha und barberi. Dies berberi deutet vielleicht darauf hin, daß das Produkt 
von der Berberküste aus nach Abessinien usw. eingeführt wurde (?). Bei unseren 
Eingeborenen heißt die Pflanze vipilepile, die Drogue pilepile-Jioho bei den kleinen 
Sorten, pilepile-kibauyaui bei den längeren größeren Sorten. 

Die Haussa sagen (nach Passarge) borkono, die Madagassen sakay, die 
Madi kisscta, die Wasagara kinjanga, die Waschambara kingivabe, in Ujiji katole- 
walanda, die Wanyoro, W T aganda und A-Lur kamrali, die Schuli kamrala. Woher 
dies Wort stammt, ist mir unerklärlich, Kamrasi hieß ein früherer Herrscher von 
Unyoro, der Vater von Kabrega, doch ist das ein ganz anderes W r ort und hat mit 
dem für Pfeffer nichts zu tun. In Indien heißt das Gewürz lal-miri, gacJi-miri, mir eh, 
mir-singa, milagay, also wie schwarzer Pfeffer, in Turkestan kalamphur, in China 
ta-hu-tsiau, lah-tsiau, in Ägypten scJäteta, bei den Tuareg chitta, in Uhehe kisam- 
basamba, bei den Wakussu tukumbi, bei den Wakikuyu kanogo, bei den Massai 
ossongonoi (?), bei den Wasokiri (Langenburg) inpilipi. 

In nachfolgender Liste gebe ich noch eine Menge Negernamen für » Pfeffer « 
nach Kölle's »Polyglotta africana«. Ich weiß aber nicht, ob es sich hier in 
allen Fällen um Cap sie um handelt, vielleicht auch um Xy lopia , um Maleguetta- 
Pfeffer, um Aschanti-Pfeffer usw. Es kommt mir aber so vor, als ob das taki 
der Dahome -Völker auf den amerikanischen Namen agi, axi, aki zurückzuführen 
sei.-f*) Vielleicht beschäftigt sich ein Herr, der die westafrikanischen Sprachen kennt, 
mit dieser Frage. Wie ich schon früher angab, kann man auch die Stammesnamen 
von K ö 1 1 e vielfach nicht identifizieren ; er schrieb sie in den vierziger Jahren 
auf, als die meisten Völker noch unbekannt waren. 



*) Nach Seh wein für ths Liste berberi, bels, schirba (Tigrinja), sirra, fründsch (Amhari). 
-f*) taki (Dahome) ist nach Westermann aber der Maleguetta-Pfeffer. 



272 



Senegambien b. Bissagos bis Monrovia 



Fulup 

Filham 

Bola 

Sarar 

Pepel 

Biafada 

Padsade 



bebaiva 

keiou bakani 

idohe 

kadoi pl. idoi 

idsoyo 

ntegwe, pl. 

mantegwe 
tubagani 



Baga(von Kalum) magbcngbe 
Timne kegbcngbe 

Bulom ugbengbe 

Mampa nkeje 

Kise kisan 

Südsenegambien bis Kap Palmas 



Mandenga 


furoto 


Kabunga 


kano 


Toronka 


foyoto 


Dsalunka 


furoto 


Kankanka 


furoto 


Bambara 


furoto 


Kono 


putu 


Vei 


kerefe 


Soso Solima 


surontonna 


Kisekise 


gbengbei 


Tene 


künde 


Gbandi 


kisengi 


Landoro 


hoige 


Mende 


pudse 


Kpese 


kian 


Toma 


kise 


Mano 


sua & sua 


Gio 


kie 


Kru-Küste 




Dewoi 


kire 


Basa 


be 


Kra 


ba 


Krebo 


peya 


Gbe 


be 


Dahome — Sklavenküste 


Adampe 


able 


Ewe 


ekukuli, atadi 



Hwida 
Dahome 
Mahi 

Aku, Ota 
Egba 
Idsesa 
Yoruba 
Yagba 
Eki 

Dsumu 
Oworo 
Dsebu 
Ife 

Ondo 
Dsekiri 
Igala 
Sudan — Niger 
Mose 
Dselana 
Guresa 

Gurma 
Legba 
Kaure 
Kiamba 
Koama 
Bagbalan 
Kasm 
Yola 
Niger- Mündung 
Isoama 
Isiele 
Abadsa 
Aro 

Mbofia . 
Sobo 
Egbele 
Bini 
Ihewe 
Oloma 
Okuloma 
Udso 



taki 

taki 

taki 

eta 

igoro 

ata 

ata [I. ata 

agere, W. ata, 

ata 

agbogbo & ata 

ata 

igoro 

ata 

ata 

ogulo 

agboko 

kambi 
nyakos 
mawesuna & 

marjvasum 
kami 
kambura 
gbansuru 
dsanai 
nandsua 
nandsua 
nemilidsua 
namlcdsua 

osa 
ose 
ose 

OSO 

azu 

sibo 

tsoka 

ehi-e 

elii-e 

gesia 

sani 

egina 



273 



Unterer Niger (Nupe) 

Nupe yaka 

Kupa agbo 

Esitako yaka 

Goali Gugu siagba 

Puka nyagba 

Basa aiko 

Ebe tako 

Opanda agbogbo 

do. Igu aigbo 

Egbira-Hima akoko 
Tsad-See 

Bornu, Kanuri ndsita 

Munio barguno 

Nguru barguno 

Kanem dsita 
West-Tsad-See 

Pika dsita & sita 

Karekare dsita 

Bode sigba 

Ngodsin sita 

Doai barkano & dsita 
Ostlich vom unteren Niger 

Ekamtulufu aburagbura 

Udom abulogbala 

Mbofon averagbana 

Eafen nsisu 

Basa agbagba 

Kamuku odsita 
Kamerun-Hinterland (Bantu ?) 

Dsuku sita 

Isuwu ndongo 

Diwala, Duala ndongo 

Orungu ntogolu & tohulo 

Bayon Uta 

do. Pati tita 

Kum tseta 

Bagba asoa 

Balu yuwoa 

Bamom yoiuua 

Ngoala mine 

Momenyo kekie 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 



Papiah 


cso 


Param 


uibeyct 


Ngoten 


ndon 


Melon 


ndon 


Nhalemoe 


ndon 


Baseke 


ntangane 


Kongo — Angola 




Kabenda 


ndungua 


Mimboma 


ndungua 


Musentandu 


ndnngu 


Mbamba 


ndongu & ando 


Kanyika 


sintson 


Ntere 


ndu, pl. band u 


Mutsaya 


ndu, pl. bandu 


Babuma 


ntuo 


Bumbete 


lenduo, pl. anduo 


Kasando 


ntongn, pl. sintongu 


Nyombe 


ndongu 


Basunde 


nungu 


Ngola 


ndonko 


Pangela 


olondongu 


Lubalo 


jwiterongu 


Runda 


ndsun 


Songo 


ndongu, pl. 




zindongu 


Kisama 


sintongo 


Süd-Ost-Afrika 




Muntu 


sobora 


Kiriman 




(Kilimane ?) piripiri 


Marawi 


sabora 


Meto 


piripiri 


Matatun 


piripiri 


Nyamban 




(Inhambane ?) longuc 


West- Atlantische 


Stämme 


Wolof 


kani 


Bidsogo Ankaras erantot 


Wim 


ctoiua 


Gadsaga 


tiwawohana 


Gura 


kuwia 



Banyun 



bagil 



18 



274 



Nalu 


inalket 


Okam 


ladiivi 




Bulanda 


bscnde 


Yasgua 


oyaya 




Limba 


magbende 


Nki 


nkarc 




Landoma 


simmi 


Kambali 


madsita 




Hoch-Sudan 




Alege 


ogega 




Asante 


makuo 


Penin 


toro 




Barba 


nyeku 


Bute 


ndo 




Boko 


nieku 


Murundo 


mokalc 




West-Zentral-Sudan 




Undaza 


lendongu 




Kaudin 


misinkimba 


Ndob 


ndon 




Tumbuktu 


dando 


Tumu 


ndon 




Bagirmi 


borkono 


Nkele 


mctangalc 




Hausa Kano 


borkono 


Konguan 


baya 




Kadzina 


toanka & tonka 


Mbarike 


isapon 




Pulo Timbo 


pordo 


Tiwi 


mukcm & 


nkcm 


Salum 


nyamaku & kani 


Boritsu 


bakcra 




Kano 


borkono 


Afudu 


nscse 




Niger-Delta 




Mfut 


dsop 




Yala 


ata 


Mbe 


eritc 




Anan 


ntuen 


Nso 


dsisor 




Süd-West-Afrika usw. 


Arabisch 






Koro 


nwa 


Wadai 


seta 




Harn 


saipara 


Adirar 


fulfuli 


• 


Arakura 


oda 


Beran 


Jiarir 





Die hiesigen Eingeborenen trocknen das sehr scharfe Gewürz und bewahren 
es zu gelegentlichem Gebrauch auf, genießen es auch frisch zu ihren Saucen, die 
sie oft recht scharfmachen. An der Küste wird mit der furchtbar scharfen Frucht 
auch krimineller Mißbrauch getrieben, man träufelte Leuten zur Strafe und um 
Geständnisse zu erzwingen den Saft in die Augen ; ein scheußlicher Mißbrauch 
ist auch, daß die Früchte Frauen, die vorher gebunden werden, als Racheakt in 
die Vagina gesteckt werden, wodurch natürlich die furchtbarsten Schwellungen 
entstehen. 

In Uganda und Unyoro aß man den Pfeffer nicht gern, weil er Unfrucht- 
barkeit erzeugen sollte. 

Wie erwähnt, werden »Chillies« in Mengen seit langer Zeit von Zanzibar 
exportiert. Seit einigen Jahren hat auch eine Pflanzung im Tangahinterland sich 
mit dieser Kultur befaßt, die kleine Art fand sich dort wild, die Arbeiter aber 
beschäftigen sich der scharfen Eigenschaft wegen nicht sehr gerne mit der Frucht, 
auch fielen die Preise. Man hat dann aber auch größere rote und gelbe Sorten 
gebaut, ich glaube auch mit finanziellem Erfolg, nur kann man sie nur dann 
ausbeuten, wenn reichlich Arbeiter vorhanden sind, was nicht immer der Fall. 






— 275 — 

Der Export von Uganda (Jingo) aus ist seit einigen Jahren sehr groß. Zu- 
erst verdiente eine europäische Firma, die die Sache aufnahm, gut damit, dann 
aber befaßten sich so viele, besonders auch indische Firmen mit diesem Artikel, 
daß die Einkaufspreise stiegen, durch zu großes Angebot auf dem Markte die 
Verkaufspreise fielen, so daß das Geschäft nicht mehr so gut ist. Immerhin 
werden noch bedeutende Quantitäten davon verschifft ; sie haben die Preise der 
Zanzibarware sehr geworfen. Für Europäer rentiert sich anscheinend deshalb 
besser der Anbau der längeren Schoten, die der ungarischen Paprika mehr ähneln. 
Wenn in Zanzibar in einem Hause Chillies verwogen oder verpackt, wenn in 
den Dampfern auf dem Viktoriasee diese verladen werden, so muß die ganze 
Umgebung lange Zeit hinterher noch niesen. Ich sammelte seiner Zeit im Semliki- 
tal eine Menge Pfeffer und ließ ihn trocknen und stoßen, um meine naturwissen- 
schaftlichen Sammlungen damit gegen Mottenfraß zu schützen. Die Herren, die 
nachher in Berlin die Vogelbälge bearbeiteten, wissen ein Lied von den Wirkungen 
zu singen. 

Sehr viel von den Chillies geht nach Bombay, wo die Leute ja viel scharfes 
Gewürz lieben, das meiste aber anscheinend nach Amerika, wo doch ursprünglich 
das Land war, »wo der Pfeffer wächst« (d. h. Cayenne). Es müssen in den Ver- 
einigten Staaten enorme Mengen dieses so furchtbar scharfen Gewürzes konsumiert 
werden, ich vermute zu Saucen, Pickeis usw. Auch bei uns gibt es Leute, die zer- 
kleinerte Pfefferschoten zum Reis essen können ; mit den unreifen, grünen ist das 
noch denkbar, aber anstatt der roten kleinen Sorte kann man sich ebensogut 
auch Feuer in den Mund stecken. Auch werden, besonders von Arabern, Indiern 
und Negern Pfefferschoten in Essig eingelegt und als Speisenwürze genossen. 

Sehr wichtig wäre es, zu erfahren, welche Pfeffersorte 1330 Ibn-Ba- 
t u t a in Mugdischu zu essen bekam , Guillain schreibt in seiner Über- 
setzung nach Defremery und Sanguinetti » grappes de poivre confits 
dans le vinaigre«. Danach hat es den Anschein, als wenn es sich da- 
mals um dieselbe Mischung gehandelt hätte, die die Leute noch heute mit den 
Capsicum- Schoten herstellen; aber es ist höchst unwahrscheinlich, daß man 
damals in der »alten« Welt überhaupt die Cap sie um- Pflanze hatte. Eine Er- 
klärung wird höchstens das Studium des Urtextes geben, und vielleicht auch 
dieses nicht, da die Araber wohl für beides filfil sagen werden, wenn es sich 
nicht um ganz andere Früchte, wie etwa um Koraima-Kardamom, Sorten von 
langem Pfeffer etc. handelte. Das wahrscheinlichste ist, daß Ibn -Batuta Pfeffer- 
körner von Piper nigrum in Essig als Zutat zum Essen erhielt. Nach einer 
brieflichen Mitteilung von Herrn Geheimrat Prof. Dr. A. S ach au ist die Stelle 
in Band II S. 185 der Ausgabe von Defremery-Sanguinetti, Paris 1877, 
richtig mit »grappes de poivre« übersetzt; fulful ist das gewöhnliche arabische 
Wort für Pfeffer im Allgemeinen. 

Die mit Pfeffer und Essig eingemachten Pickels werden an unserer Küste 
atschari, achari genannt, ein Name, der auch im Persischen und Malayischen 



— 276 — 

bekannt ist. Yule und Burneil lassen die Frage offen, ob dieser Ausdruck 
nicht vom Lateinischen acetaria abstammt. Er findet sich schon 1563 bei Gärcia 
del' Ort o. 

An »Pfeffer aller Art« wurden aus Deutsch-Ostafrika ausgeführt: 

1903 25650 Kilo im Werte von 11 556 Rp. 

1904 27867 „ „ ,, ,, 11 930 „ 

1905 23869 „ „ „ ,, 15577 „ 

(davon 640 Kilo über die Binnengrenze) 

1906 13 759 Kilo im Werte von 5063 Rp. 

(davon 2703 Kilo über die Binnengrenze). 
Sofern es sich nicht um etwas Wiederausfuhr von schwarzem Pfeffer handelt 
und um ein wenig »langen Pfeffer« von Bagamoyo, von wo aber 1906 nichts 
kam, handelt es sich um C ap si cu m- Pfeffer, und zwar für die Küstenbezirke 
fast nur aus dem Hinterland von Tanga, wo eine Pflanzung (Segoma) ihn anbaut, 
um deren Produktion es sich in erster Linie handeln wird. 
Zanzibar führte an rotem Pfeffer aus : 

1901 181 786 lbs. im Werte von 192 710 Rp. 

1904 124579 lbs. 

1905 135 216 lbs., das Frasilah nur zu 4 — 5 Rup, da durch 
die enorme Ausfuhr dieses Produkts aus Uganda der Preis sehr gesunken ist. 
Die Ware geht nach den Vereinigten Staaten, England und Indien. Die Ernte- 
zeit ist im Juni und Juli. 

Die Pflanzung Segoma führte nach dem Jahresberichte der Gesellschaft 1902 
den ersten Pfeffer aus und zwar 588 Zentner, der Zentner war zu 32 ] / 3 Mk. ver- 
kauft, und man berichtete, daß die Pflanze dort soviel wächst, daß bei genügen- 
den Arbeitern 3000 Zentner geliefert werden könnten. 

1903 wurden 516 Ztr., 1904 — -5 18 Ztr. ausgeführt, 

1905 485 Ztr. Chillies ä 317.5 Mk. pro Ztr. 

.29 ,, gelben Pfeffer ä 55 ,, ,, 

9 ,, roten Pfeffer ä 53 „ ,, 

1906 1720 Kilo Chillies ä 0,70 Mk. 
3740 ,, gelben Pfeffer ä 0,67 ,, 
1980 ,, roten Pfeffer ä 0,94 ,, 

Man sieht aus diesen Zahlen, daß der Export aus unserer Kolonie sich 
nicht mit dem von Zanzibar messen kann. 

Die Ausfuhrzahlen aus Uganda sind mir nicht gegenwärtig, doch glaube 
ich mich zu erinnern, daß 1905 in einigen Monaten 300 Tons ausgeführt wurden. 
Lewis & P e a t in London notieren für Zanzibar Chillies : 

März 1907 18 — 30 sh pro Ztr. 
Juni 1907 12 — 20 sh ,, ,, 
Okt. 1907 12 — 20 sh ,, 
Okt. 1908 25 — 30 sh ,, ,, 



— 277 — 

für solche von Nyassaland Oktober 1907 25 — 50 sh pro Ztr., 
für Capsicum von Ostindien Oktober 1907 15 — 35 sh 
,, ,, ,, Natal ,, ,, 50 — 68 sh 

,, ,, Nyassaland „ ,, 25—50 sh. 

Wahrscheinlich spielt Aufbereitung und Aussehen eine große Rolle bei 
der Preisbildung. 

4. Camm Carvi L. 

Unser gewöhnlicher Kümmel ist von Europa bis zum Himalaya und durch 
Sibirien und Tibet verbreitet; er wurde in sehr alter Zeit in Südeuropa angebaut. 
Es is der karos der Griechen, carum der Lateiner. Ob dieser Name, wiePlinius 
meint, nach der Landschaft Carien gebildet ist, scheint zum mindestens unsicher 
zu sein. Die Araber sagen karoya, karawya. karaouia (Algier), karanbad, karanfan, 
kamün-armeni, die Perser karoya. Ob nun diese Worte aus den europäischen, 
klassischen Sprachen ins Arabische oder umgekehrt übergegangen sind, weiß ich 
nicht, vermute aber, daß erstere.*) Das deutsche Kümmel ist eine Umbildung aus dem 
atminuni für den römischen Kümmel, der mittelhochdeutsche Ausdruck war karbe, 
karve, englisch caraway, die alle eben wie das Arabische al-karavia wahrschein- 
lich wohl aus dem griechisch-römischen stammen wird. 

Nach Warburg-Engler soll der echte Kümmel an unserer Küste bisweilen 
unter dem Namen jamda, zamda in den Läden vorkommen, sicher aus Indien 
, eingeführt, wo er in der kühlen Jahreszeit in den nördlichen Ebenen angebaut 
wird, in der warmen Zeit in Kaschmir usw. In Indien nennt man ihn zira, jira, 
siyah-jira, guniyun, iimblnt usw., also wie den Cuminum-Kümmel jira, ein Wort, 
das nach Watt vielleicht ein allgemeiner Ausdruck für Gewürz im Sanscrit war. 
In Turkestan soll man koriba, koraa sagen. 

Nach Deutschland werden sehr bedeutende Mengen Kümmelsaat eingeführt, 
das meiste von Holland aus, im Ganzen nach Hamburg allein 13 — 14000 Dz. 
im Werte von 6 — 700000 Mark. 

5. Carum copticum Benth. 

(Ptychotis Adjowan DC.) wird viel in Indien, Afghanistan, Persien und Ägypten 
kultiviert. Die Früchte sehen denen der Petersilie ähnlich, haben aber einen inten- 
siven Geruch nach Thymol, das aus ihnen hergestellt wird. Zu diesem Zweck 
werden sie aus Bombay ausgeführt. Sie sollen meist in Marwar in der Rajputana 
gezogen werden. In ihnen ist 3V2 — 4V2 % Ajowan-oel, welches 45 — 50 % Thymol 



*) Yule und Burneil glauben, daß das Arabische karaviya eine Corruption von latei- 
nisch careum, griechisch karos sei, daß aber das englische caraway durch spanisch alcaravea 
aus dem Arabischen stammen. 



— 278 — 

enthält. Daraus gewonnenes Thymol ist in indischen Bazaren unter dem Namen 
ajwan-kaphul erhältlich (d.h. »Ajowan-Kampfer«, nicht wie Gi Idemeister und 
Hoffmann schreiben, »Blüte des Ajowan»). Die Pflanze scheint in Ostindien 
heimisch zu sein. Dort heißt sie ajowan, ajwani, jowan, ajamo, juivani, oiva. 
bei den Tamilen aman. oman. ama. den Telegu omami, omaimi. im Sanscrit an- 
geblich yamani, ajmodum, bei den Persern ziman, naukhwah, naukhah, in Turke- 
stan dschiwar-i-Kaschgar, in Abessinien asmutli (Tigrinja). Wahrscheinlich ist es 
der ammi actJiiopikon des Dioscorides.*) 

1549 wurde die Saat zuerst von Ägypten aus nach Europa gebracht, später 
dann wieder vernachlässigt und neuerdings ist sie zur Herstellung des Thymols 
recht gesucht als Fructus Ajowan. 

Die Indier gebrauchen die Samen als Medizin, wohl seltener als Gewürz. 
Sie sind deshalb vielfach in den Läden in Ostafrika erhältlich. 

Ihr Anbau ist zu empfehlen, da der Bedarf offenbar zu steigen scheint, ob 
die Kultur sich aber rentiert, kann ich nicht sagen. 

6. Caryophyllus aromaticus L. 

Der Gewürznelkenbaum ist auf ganz beschränktem Gebiet ursprünglich 
heimisch, nämlich auf den kleinen Inselchen, welche das östliche Gestade von 
Halmahera (Djilolo) der Molukken umrahmen, also besonders auf Ternate und 
Tidore (vielleicht noch auf den Philippinen). Da der Baum von den dortigen 
Eingeborenen ursprünglich nicht viel kultiviert und auch nicht verbreitet wurde, 
ist es verständlich, daß man erst ziemlich spät dies Gewürz überhaupt und seine 
Herkunft im besonderen kennen lernte. 

Der kleine Baum hat glänzende Blätter, an den Zweigenden bilden sich 
Rispen von kleinen, purpurroten Blüten, die verkümmerte Blütenblätter und gelbe 
Staubfäden tragen. Nach der Reife entsteht eine etwa hagebuttengroße dunkel- 
purpurrote, längliche Frucht. Die Gewürznelken des Handels sind die noch 
nicht aufgeblühten Blütenknospen in getrocknetem Zustand, ihre Stiele gehen als 
Nelkenstengel in den Handel, die Früchte (Mutternelken) werden selten verkauft. 

Die Nelke ist zuerst bei Plinius erwähnt unter dem Namen garyophyllon. 
Wahrscheinlich hat Plinius seine Kenntnis darüber aus einem Buch von Juba, 
dem gelehrten König von Numidien, geschöpft, das dieser für Cajus, den 
Stiefsohn von Augustus geschrieben hat, und welches Arabien behandelte. 
Man hat vielfach gezweifelt, ob er tatsächlich unsere Gewürznelke gemeint hat, 
aber Schumann, der eine ausgezeichnete Arbeit (»Beiträge zur Kenntnis und 
Etymologie der Gewürznelke«, Jahrb. d. Bot. Gartens III) geschrieben hat, an die 
ich mich im folgenden halte, nimmt an, daß Plinius nichts anderes vorge- 
schwebt hat als unser Gewürz, wenn es auch damals noch sehr selten gewesen 



*) Sollte das Griechische ammi von dem Tamilen -Wort ama kommen? 



2 



279 — 

sein muß. In der Zolltafel, welche zwischen 176 und 180 n. Chr. unter Mark 
Aurel und Com modus von einem Marcianus aufgestellt wurde, und welche 
in Justinian's Pandekten überging, kommt neben indischen Waren ebenfalls 
gariofilum vor. Die Angabe, daß nach dem »Liber pontificalis« der Kaiser 
Constantin an Papst Silvester (314 — 335) 1 50 Pfund Nelken geschenkt habe, 
hält Schumann für apokryph. Dagegen erwähnt der Arrianer Philostorgios 
die karyopliyllon aus Indien, läßt sie allerdings am Hyphasis wachsen. 547 hat 
dann Cosmas Indicopleustes in seiner Topographia christiana die Nelken 
von Ceylon (Taprobane oder Sielediba; dvipa, diba heißt im Sanscrit »Insel«) 
erwähnt. Sie soll dorthin von weiter gelegenen Gegenden kommen. Damals 
muß das Gewürz schon in Europa gut bekannt gewesen sein, denn bei Colmar 
wurden einige Nelken in einer goldenen Büchse gefunden, die in einem aus dem 
6. Jahrhundert stammenden Steinsarg lag.*) In der Karolingerzeit waren sie all- 
gemeines Küchengewürz der Wohlhabenden (Heyd II S. 594). 

Die älteste Nachricht in arabischen Schriftstellern soll sich in der Muallaka 
des Amro'l- Kais finden. Ibn-Hordadbah, im 9. Jahrhundert, läßt die Nelke 
auf Java wachsen. Alle älteren arabischen Schriftsteller haben aber offenbar nur 
das Gewürz und nicht die Bäume gesehen. 

Die Verbindung der Araber mit den Molukken muß aber schon recht 
intensiv gewesen sein, denn 1322 hatten nach Angabe von Crawford Araber 
und Javanen Ternate besucht und sich dort angesiedelt, 1465 wird der König 
Mar hu m von Ternate zum Mohammedanismus bekehrt und im 1 5. Jahrhundert 
sollen nach den 1609 von Argensola niedergelegten Angaben (nach War- 
burg) von den 5 Mollukken schon 6000 Bahar, also etwa 1 '/ 2 Millionen Kilo 
Gewürznelken ausgeführt sein, und zwar durch Schiffe, die von Java, Malakka 
und Indien kamen. Offenbar hat die Produktion dort mit der Zeit sehr abge- 
nommen. 

Der erste, welcher die Molukken als Heimat der Nelke angibt, ist Nicola 
Conti; die Beschreibung der Bäume nach eigener Beobachtung gibt erst 1504 
Ludovico Barthema, dessen Reisebeschreibung aber teils für gefälscht ge- 
halten wird, dann am 8. November 1521 Pigafetta, der Begleiter von Magellan. 

Die Portugiesen beschäftigten sich, seit ihrer Ankunft auf diesen Inseln unter 
Antonio de Brito 1522, unter reichem Gewinn mit der Ausbeute der Nelken 
und scheinen die Kultur auch nach Amboina und anderen Inseln verpflanzt zu 
haben, wenn das nicht erst von den Holländern geschah, die unter Steven 
v. d. Hagen 1605 die Molukken den Portugiesen fortnahmen, und dort eine 
Zeitlang stark in Konkurrenz mit den Spaniern waren. Von da an wurde ein 
seit 162 1 durchgeführtes sehr strenges Monopol für die Gewürze eingerichtet. 



*) Ich finde bei Köhler (Medizinalpflanzen) die Angabe, daß man ein Halsband aus 
Nelken in ägyptischem Grabe gefunden hat, kann aber sonst nirgends die Bestätigung dieser 
Nachricht sehen; Schweinfurth erwähnt in seinen Arbeiten nichts davon. Wohl spricht 
er von einem Halsband aus gekeimten Gerstenkörnern bei ägyptischen Mumien. 



— 280 — 

Um dies überwachen zu können, und um nicht mehr zu erzeugen, als der Handel 
gebrauchte, ohne den Preis zu drücken, wurden von 1633 an sämtliche Nelken- 
bäume außer auf Amboina ausgerottet. Im Jahre 1626 z. B. zerstörte man auf 
den Inseln Loho und Cambello 16000 Nelkenbäume. Aber trotz der eifer- 
süchtigen Wachsamkeit der Holländer gelang es am 24. Juni 1770 und dann 1772 der 
Initiative des französischen früheren Reisenden und späteren Gouverneurs von 
Mauritius und Reunion, Po i vre, Nelkenbäume sowie Muskat, Zimmt, Pfeffer, Tee, 
Bergreis, Brotfrucht etc. dorthin einzuführen, wobei die Naturforscher Commerson 
und Sonnerat mitwirkten. 1793 kamen Nelkenbäume nach Cayenne, 1780 
nach den Seychellen und bald darauf nach Zanzibar. 1776 hatten die Bäume 
auf Reunion die ersten Früchte, die aber an Qualität denen der Molukken nach- 
standen. Es scheint, daß etwa von 1770 an das Monopol auf den Molukken 
oft durchbrochen wurde, jedoch dauerte es — abgesehen von der englischen 
Okkupation — noch bis 1864 offiziell fort, wo man es nicht aus freihändlerischen 
Gedanken, sondern wegen der finanziellen Mißerfolge aufhob. 

Um 1 800 hat angeblich ein Araber namens Harameli-bin-Saleh (nahe 
Lyne Saleh bin Haremil) einen französischen Offizier von Zanzibar nach 
Reunion oder Mauritius begleitet und soll auf der Rückkehr Samen und Pflanzen 
des Nelkenbaumes mitgebracht haben, die er bei Mtoni auf dem Wege nach 
Chweni auspflanzte. Es war dies zu einer Zeit, wo recht viel Verkehr zwischen 
Zanzibar und den Mascarenen war, wohl hauptsächlich des Sklavenhandels wegen, 
dann aber während der Napoleon-Zeit auch wegen der englisch-französischen 
Rivalität. Zuerst müssen aber nur wenige Pflanzen vorhanden gewesen sein, denn 
Kapt. Sraee, der 1 8 1 1 Zanzibar besuchte und sehr ausführlich über dessen Pro- 
dukte berichtete, erwähnt die Nelke nicht. Die ersten regulären Pflanzungen hat 
man bei Kizimbani (nach der Angabe von Burton 18 18) angelegt, einem Land- 
sitz von Seyyid Said, dem das Verdienst zukommt, die Kultur im Großen ein- 
geführt zu haben. (Er besuchte Zanzibar zuerst 1829). Ende der dreißiger Jahre 
(1839) scheint man die ersten größeren Mengen des Produkts ausgeführt zu 
haben, aber der Preis wurde durch große Mengen von den Molukken und Reunion 
kommender Nelken gedrückt, so daß man zeitweise (Burton) sogar für die Ab- 
schaffung dieser Kultur plädierte. In der ersten Zeit sandte Seyyid Said die 
Zanzibar-Nelken mit eigenen Schiffen nach Singapore zum Verkauf, wo damals 
der Markt für diese Ware war. 

Die Zerstörung der Bäume auf Reunion in den vierziger Jahren durch einen 
Orkan und die billige Sklavenarbeit in Zanzibar und Pemba hat dann hier die 
Kultur sich so ausbreiten lassen, daß diese beiden Inseln seit langer Zeit über 
sieben Achtel des Weltbedarfs produzieren. Am 15. April 1872 wurden durch 
einen furchtbaren Orkan, den einzigen, der die Ostküste Afrikas nach den ge- 
schichtlichen Überlieferungen erreichte, fast die ganzen Nelkenpflanzungen auf 
Zanzibar (nicht auf Pemba) verwüstet, so daß die heute auf Zanzibar stehenden 
Plantagen nicht älter als 35 Jahre sein können. 



— 28 1 — 

Die größere Menge Nelken kommt von der Insel Pemba, aber sie sind 
etwas weniger gut als die von Zanzibar und werden durchweg mit 0,06 — 0,25 Dollar 
p. Frsl. geringer als jene bezahlt. Die Amboina-Nelken stehen höher im Preise, sind 
größer und mehr als Tafelgewürz verwendbar, während die von Zanzibar meist zur 
Ölherstellung gebraucht werden. Sehr feine sollen auch die von St. Marie, einer 
kleinen Insel im Nordosten von Madagascar, sein, deren Produktion aber meines 
Wissens in den letzten Jahren stark heruntergegangen ist. 

Das alte griechische Wort karyophyllon klingt auf den ersten Anschein echt 
griechisch ; aber es ist trotzdem höchst wahrscheinlich, daß es ein gräzisiertes 
Fremdwort war, aus dem später das caryopJiylli der Lateiner, das girofle der 
Franzosen, das garofano der Italiener geworden ist, mit »Kern-Nuß« und »Blatt« 
hat es jedenfalls nichts zu tun, ebensowenig mit der erst viel später in Mode 
gekommenen und wohl nach dem Gewürz benannten Nelkenblume. Es stammt 
wahrscheinlich aus dem arabischen karanful. Lassen meint, daß das arabische 
W'ort aus Sanscrit karaka-phalla = »Blüte des Granatapfelbaumes"*) gebildet 
ist, indem man den Namen einer bekannten Pflanze auf dies von einem den 
Indiern unbekannten Baum stammende Gewürz anwandte. Diese Erklärung ist 
aber wenig wahrscheinlich. 

Das arabische Wort wird dialektisch auch kalafur, karafful, in spanischen, 
lateinischen und holländischen Texten- auch karonfal, karumpfel geschrieben. Es 
ist klar, daß ihm die semitische Konsonantenverbindung k-r-n-f-l zugrunde liegt, 
ja man findet sogar Meinungen, daß das arabische n auch ein i sein könnte, 
daß die Wurzel also k-r-i-f-l sei. Das ß, ful ist wohl sicher aus filfil = arabisch 
Pfeffer entstanden, indem aus dem indischen pippali, weil die Araber kein p kennen, 
filfil. fulful gemacht wurde. Das kri, cri aber ist eine Sanscritbezeichnung für 
für Gewürze, sie wird für Nelken und für Zimmt angewandt, (kikra für Cinna- 
in 0111 um Tamala, kri, cri für Nelken). Es ist demnach, nach der Meinung 
von Schumann, sehr gut möglich, daß in dem karanful eine arabische Über- 
setzung von » Nelkenpfeffer « vorliegt. Auch soll nach Rumphius in Bugula- 
wan bei den Amboinesen die Nelke kiri heißen. Lassen übersetzt karipippali 
mit »Elefantenpfeffer«, und es wird behauptet, daß in dem ziemlich neuen 
indischen Arzeneibuch von Susrutas damit Pothos officinalis Roxb. ge- 
meint sei. — Denkbar aber ist noch, daß das arabische Wort aus den Bezeich- 
nungen der Tamilen und Telegu für den Nelkenpfeffer kiranibu, kiramber, crambu 
entstanden ist, wenn diese das Wort nicht umgekehrt aus dem arabischen um- 
gebildet haben. Unzweifelhaft ist, daß die Inclier andere Worte für die Gewürz- 
Nelke haben, daß das arabische Wort auch nicht von einer Sprache der Mol- 
lukken entlehnt ist, daß aber die Araber auf ihren Handelsfahrten von dem 
Osten das Gewürz brachten und mit ihrem Namen karanful weiter vertrieben. 

Das Wort clavus, clavellina, portugiesisch cvavo, gravos, stammt ebenso 



*) Ich finde für Punica granatnm nur das Sanscrit-Wort darimba. 



— 282 — 

wie das englische clove und das deutsche negelkin, neilikin (mittelhochdeutsch) 
und unser heutiges Gewürznägelchen von »Nagel« ab wegen der Form der Dro- 
gue, die sich ja mit der eines Nagels vergleichen läßt. Auch im japanischen 
sagt man tsclwo-ko, tschoo-si, was nach Schumann mit »Nagelfrucht« übersetzt 
werden kann. Die Chinesen sagen in Kanton ting-hiang, was wörtlich übersetzt 
»Nagelaroma« heißen soll (nach Balfour auch tkeng-hia); in der Zeit vor dem 
5. oder 6. Jahrhundert soll man dagegen in China ki-schc-hian, »Vogelzungenaroma«, 
gesagt haben. Rumphius gibt noch das Wort thenghio an, woraus die Ma- 
layen und Holländer tsjanckc. tscugkc, bwiga-chanka gemacht haben, die Portu- 
giesen im Osten chanka, chanque. 

Die Eingeborenen auf Ternate sollen (nach Gar cia d eil' Orto und Rum- 
phius) das Produkt gonwde nennen, die Malayen sagen bunga-lavang, die Am- 
boinesen bugulawan, bua-lawan, auf Saparua pcraiuanno, auf Kela biialaivauc . 
auf Asilulu pakulavanc (buaJi »die Frucht«, paku »der Nagel«). Das lavanga 
ist wohl aus dem Osten in das Indische übergegangen. Schumann gibt nach 
Prof. Hildebrand folgende Bezeichnungen im Sanscrit an: lavanga, ßxna-puspa, 
mädana, devakusuma, divyagandlia, i'ahpuspa, p-t, p-isafiyna, supuspa. bhringära, 
vag'a, Qringara, candakapuspa etc. Nach Watt und Balfour sagt man im 
heutigen Indischen long, lavang, laung, bunga-lavang, langa, in Kashmir lanng. 
bei den Tamilen und Telegu lavangam, kirambcr, kirambu, crainbu, bei den Singha- 
lesen krabu-gaha, warrala, bei den Burmesen la-nyenpwen, bei den Persern 
mykek, mckhak. Die Neugriechen sagen noch heute kurpkullon.*) 

In Zanzibar ist ebenfalls der arabische Name im allgemeinen Gebrauch, man 
nennt den Baum mkarafiin. das Produkt karafüu, karanfüu. Das Gewürz ist hier 
in Ostafrika eben durch die Araber lange vor den Pflanzen bekannt gewesen, 
bei der Ankunft der Portugiesen kannte man es schon. Als Vasco da Gama 
am 2. März 1498 in Mosambik ankam, sah er dort in den Händen der Araber 
Nelken, Zimmt, Pfeffer und andere indische Gewürze in Mengen. Deren Kenntnis 
und Gebrauch wird mit den arabisch-persischen Kolonisten etwa vom zehnten 
Jahrhundert an nach Ostafrika gekommen sein. 

Es wird behauptet, daß die wild auf den Molukken oder vielleicht auch 
auf den Philippinen wachsenden Nelken fast ohne Aroma sein sollen, dessen vor- 
wiegender Bestandteil, das Nelkenöl, hauptsächlich Eugenol enthält, das zu 1 5 bis 
18% in den Zanzibarnelken vorhanden ist. Zur Zeit der Ernte riecht die ganze 
Luft in Zanzibar nach den trocknenden Nelken, die Gegenden der Stadt, wo sie 
gelagert oder verpackt werden, ganz betäubend. Aus alten Segelschiffszeiten 
wird glaubwürdig erzählt, daß beim Fehlen genauer astronomischer Beobachtungen 
der Nelkenduft zur besseren Bestimmung des Schiffsorts selbst dann geholfen 
hat, wenn die Insel Zanzibar noch nicht gesichtet war. 



*) Vergl. Schumann Beitr. z. Kenntnis der Etymologie und Geschichte der Gewürz- 
nelke. Jahrb. Berlin III 1884. 



— 283 — 

Von den Bäumen werden außerdem noch die Nelkenstiele gehandelt, welche 
von den Swahili auf Zanzibar vikonye, von den Arabern asakif genannt werden, 
5 — 6% Eugenol enthaltend. Die Mutternelken, antlwpJiylH, werden von Zanzibar 
nur unregelmäßig in kleinen Mengen ausgeführt. . Sie werden in der Medizin 
und dazu in Rußland als Amulette verwendet. Die früher offizinellen abgeworfenen 
Blütenblätter, cappelletti, werden gar nicht ausgeführt. 

In Zanzibar wird die Gewürznelke nach dem Gewicht vom »Frasilah« ge- 
handelt, das sind 35 lbs oder 15,867 Kilo. Die dortige Regierung nimmt einen 
starken Ausfuhrzoll, richtiger Produktionsabgabe auf die Nelken, die nur 1872—76 des 
Windschadens wegen nachgelassen wurde; danach nahm man bis 1886 1 — 2V2 Dollar 
pro Frasilah, darauf 30% und seit 1 887 25 %. Dieses Zolles wegen müssen alle Nelken 
nach Zanzibar in das Zollhaus gebracht werden, wo die Abgabe meist in Natura 
erhoben wird. Dieser Umstand bringt es mit sich, daß wir eine recht gute Statistik 
über dieses Produkt haben. Das Erntejahr beginnt durchweg am 1. August, selten 
kommt schon im Juli etwas in die Stadt. Die aus den Abgaben stammenden 
Nelken werden etwa alle vierzehn Tage im Zollhaus versteigert, nur im vorigen 
Jahr (1906) versuchte die Verwaltung, die ganze Steuer-Menge einer englischen Firma 
zu festem Preise zu verkaufen, ein Verfahren, das man sehr bald auf Vorstellungen 
der Kaufmannschaft nicht fortsetzte. Die Preise werden dort wie bei allen Waren 
in Dollar und dessen Bruchteilen festgesetzt, einer gar nicht mehr vorhandenen 
Münze, die ursprünglich aus dem Maria -Theresien-Taler, später amerikanischen 
Golddollar bestand, die jetzt aber nur noch als Buchungsmünze der Kaufleute 
existiert und zu 2 Rupie 8,17 Pesa (47 Dollar gleich 100 Rup.) gerechnet wird. 

Die nachfolgenden Statistiken gehen gemäß der Erntezeit vom 1. August 
bis 31. Juli.*) 

1) Ältere unsichere Zahlen : 1839 — 40 erntete man 9000 Frsl., 1843 — 44 ~ 
30000 Frsl, 1846 — 47 = 97000 Frsl., 1847 — 4& == 35 — 40000 Frsl. (nach 
Guillain), 1849 — I2 ° — 150000 Frsl., 1856 = 157000 Frsl., 1857 nur senr 
wenig wegen großer Trockenheit, 1857 — 5^ über 200000 Frsl. (nach Burton), 
1889 — 90 hatte den damals größten Ertrag mit etwa 500000 Frsl., 1890 — 91 
ergab 378000 Frasilah. 

2) Ich gebe in Folgendem die mir bekannt gewordene neuere, genaue Sta- 
tistik, die ich der Freundlichkeit des Herrn R. Helm in Zanzibar verdanke; der 
Einfachheit wegen sind bei der Preisangabe nicht Dollar, sondern Rupien, Annas 
(Vi 6 Rup.) und Pice ('/12 Anna) angenommen. 



*) Besser und natürlicher so und nicht wie in alten Konsulatsberichten vom September 
bis August. Daraus erklärt sich auch wohl die Differenz gegen die Zahlen der früheren Kon- 
sulatsstatistik z. B. im «Notizblatt des Bot. Gartens in Berlin« 1897, S. 275. 



284 — 



Erntejahr: Insel Zanzibar: Insel Pemba: Insgesamt: Jahresdurchschnitts-Preis: 

(Pemba.) 



1893/94 


197710 


frl. 


402621 frl. 


600331 frl. Rs. unbekannt 


1894/95 


102208 


) 1 


307860 „ 


410068 ,, , 


, 5- 2.- 


1895/96 


165901 


> * 


413 124 „ 


579025 „ 


, 4-— 


— 


1896/97 


84592 


j 1 


224362 ,, 


308954 „ 


, 3- 9 


— 


1897/98 


44941 


>i 


150703 „ 


195644 „ 


. 6. 3 


— 


1898/99 


149417 


1 j 


481565 „ 


630982 ,, , 


, 6. 8 


9 


1899/ 1900 


59741 


> > 


206640 „ 


266381 ,, 


, 6. 1 


— 


1 900/0 1 


37567 


1 1 


201 192 ,, 


238759 „ 


. 7- 


— 


1901/02 


43626 


V 


321599 „ 


365225 „ 


, 6. 6 


6 


1902/03 


175420 


> ) 


251780 „ 


427200 „ 


, 6. 8 


6 


1903/04 


28369 


1 1 


96792 „ 


125161 ,, 


, 13- 4 


— 


1904/05 


79860 


1 > 


675683 „ 


755 543 „ 


■ 9- 5 


6 


1905/06 


181536 


5 1 


109931 „ 


• 291467 „ 


, 11. 14 


3 


1 906/07 


56833 


;, 


202633 ,, 


259466 „ 


. 13 — 


— 


1907/08 








766600 ,, 







Die Durchschnittsgröße der Ernten in den 14 Jahren 1893/94 — 1906/07 be- 
trug demnach 389585 frasilah. 

Der Durchschnittspreis der letzten 14 Ernten war Rs. 7.1. — (7 Rup. 1 Anna). 

Dieser Preis gilt nur für die Pemba-Nelken, Zanzibar-Frucht ist etwas höher. 
Der Kurs der Rupie schwankte sehr, so daß ich weiter unten, um ein Bild der 
Preisbewegung zu geben, die hamburger Deklarationen annehme. 

Wie bei allen Kulturen wechseln reiche Ertragsjahre bei günstigem Wetter 
mit schlechten Jahren ab. Nach dem Ausfall der Ernten und den in London 
lagernden — oft sehr großen — sichtbaren Vorräten richtet sich der sehr schwankende 
Marktpreis, der teils aber auch wohl durch Spekulationen beeinflußt wird. Während 
früher die Preise in London und teils auch in Hamburg gebildet wurden, geschieht 
dies neuerdings — anscheinend zum teil durch die Termingeschäfte — in Rotterdam 

Man sieht aus Obigem, daß die Jahre 1893/94, 1895/96, 1898/99, 1904/05, 
1907/08 mit besonders reichlichen Ernten gesegnet waren ; auffällig ist, daß trotz 
der großen Ernte 1904/05 die Preise nur wenig gefallen sind, die sehr geringen 
Ernten der beiden folgenden Jahre haben sie sogar noch hinauf gebracht; bei 
der winzigen Ernte 1903/04 war der Preis so hoch wie lange zuvor nicht. Aus 
alten Zeiten wird von Zanzibar von einem Preise von 5 — 6 $ erzählt. In den 
Tagen vor dem Orkan 1872 stand der Preis in Zanzibar auf $ 1 .62 '/ 2 bis $ 1.75. 
Er stieg innerhalb drei Tagen auf $ 7. — , um in den nächsten Jahren sogar auf 
$ 12. — — den höchstbekannten Zanzibar-Preis ■ — zu steigen. 

Stellt man nicht die Ernten von August bis Juli, sondern die Ausfuhren 
der Kalenderjahre zusammen, so ergibt sich folgendes Bild: 



— 285 



Jahresernten. 



Kalenderjahr: 


Insel Zanzibar: 


Insel Pemt 


a : Insgesamt 




1897 


90676 


frl. 


240954 frl. 331630 frasilah 


1898 


60363 


1 1 


308485 , 


368848 


1 1 


1899 


139320 


* 1 


344764 , 


, 484084 


1 1 


1900 


49 180 


M 


248935 , 


, 298215 


1 ) 


1901 


49977 


1 y 


294709 , 


344686 


"1 1 


1902 


58438 


5 1 


235 106 , 


293 544 


1 ) 


1903 


146308 


1 > 


172811 , 


3I9II9 


1 J 


1904 


36 549 


1 } 


387846 , 


424395 


1 1 


1905 


91448 


1 > 


374893 , 


466341 


1 1 


1906 


189 198 


1 > 


20921 1 , 


398409 


1 1 



zusammen 3729 171 frasilah. 
Der Kalenderjahresdurchschnitt für die 10 Jahre 1897— 1906 war demnach 
372917 Frasilah. Ein Frasilah gleich 35 lbs. 

Aus alten Jahren liegen Berichte vor, nach welchen die Vorräte in London 
oft sehr groß gewesen sind. So sollen dort 1896 80000 Ballen von je 4 Frsl. oder 
mehr als drei Viertel einer mittleren Jahresernte gelagert haben. Diese Ver- 
hältnisse haben sich geändert, seitdem dieser Platz nicht mehr allein führend im 
Nelkenhandel ist. Über die Preise und- sichtbaren Vorräte in London im laufenden 
Jahrzehnt, aufgestellt auf den 31. Juli jeden Jahres, gibt die folgende Zusammen- 
stellung Aufklärung, die ich Herrn J. Strandes verdanke: 

22170 Ballen je 4 Frsl. 3V* Pence pro 1 Ib. 

1 1 1 > 11 4 )) 11 11 

A 3 / 

1511 11 //4 11 11 11 

C 3 / 

I111 11 J/4: 11 11 11 

1111 11 //2 11 11 11 

„ „ ,, 6 

)! )) 11 4 ' s )) >) " 

Man nimmt roh an , daß jetzt Europa und Amerika zusammen für 
eine Menge von 200000 Frsl. und Indien für 200000 Frsl. aufnahmefähig sind. 
Die Aufnahmefähigkeit Indiens hängt sehr von den dortigen Ernteverhältnissen 
und der dadurch geregelten Kaufkraft des Landes ab. 

Eine Ausfuhr von mehr als 200000 Frsl. nach Europa wird wohl Käufer 
finden, aber am Schluß des Jahres wird das sichtbare Lager in Europa um soviel 
höher sein und auf den Markt drücken. Das sichtbare Lager in Europa und 
Amerika beträgt jetzt schon seit längerer Zeit nur etwa 28000 Ballen, also 
112 000 Frsl. (nach Helm, Gehe & Co. gibt andere Zahlen). 

Es wird also roh angenommen, daß von der ganzen Zanzibar -Ernte die 
Hälfte nach Europa und Amerika geht und die andere Hälfte nach Indien. 



1900 


22 170 Bai 


1901 


18220 


1902 


17450 


1903 


18250 


1904 


22 220 


1905 


25650 


1906 


25960 


1907 


16620 


1908 


37000 



— 286 



In den Jahren 1892 — 96 wurden aber z. B. im Durchschnitt 54,6% direkt 
nach Europa, 43,1-% nach Indien, 10,7% nach Amerika und 0,3 % nach Afrika 
(Ägypten) von Zanzibar aus verschifft. Beim weiteren Vertrieb mag sich für den 
Konsumenten dann dies Verhältnis ändern. 

In Europa verteilte sich die Ernte wie folgt auf die verschiedenen Plätze : 





London H 


amburg 


Marseille 






in 


Frasilah : 






1894 


171 676 


37668 


33828 




1895 


150924 


53752 


48512 




1896 


54204 


46976 


34024 




in en 


glischen Pfunden: 


Rotterdam 


1899 


844480 


2430000 


? 


5 241 600 lbs. 


1900 


1 792 280 


3780000 


? 


3376240 „ 


1901 


1 841 493 


125 720 (?) 


133000 


2330764 „ 


1902 


1 295910 


425015 (?) 


- 188475 


2210420 ,, 


1903 


2014289 


465 995 (?) 


2 5 1 664 


677618 „ 


1904 


4 779 340 


444 995 (?) 


251 669 


1096860 ,, 



Die letzteren Zahlen sind teils aus den Handelsberichten von Gehe & Co. 
entnommen. Die Vergleichung mit den nachfolgenden Zahlen der amtlichen 
Hamburger Statistik legt die Vermutung nahe, daß ein großer Teil der nach 
Rotterdamm gegangenen Nelken in Hamburg zur Umschiffung gekommen ist. 
Nach den Hamburger Einfuhrlisten wurden dort eingeführt : 
1841 — 1850 1424 Dz. durchschnittlich 
2589 »» 



1851 — 1860 
1861 — 1870 
1871— 1880 
1881— 1890 
1891 — 1900 

1900 

1901 

1902 

1903 

1904 

1905 

1906 

1907 



1736 
1905 

3 183 
14 198 
18065 
1 1 120 

13 247 
11 727 

21371 

21 121 

31 59i 
47 295 



im Werte von 2824130 Mk. 
„ 2044980 ,, 
•1 39323IO „ 
,, 5222490 ,, 

1905 sind die Nelken von Zanzibar mit 96 Mark, die von Niederländisch- 
Ostindien mit 143 Mark bei der Einfuhr deklariert. 

Andererseits gelangten von Hamburg wieder sehr bedeutende Mengen see- 
wärts zur Ausfuhr, die andeuten, daß Hamburg für diesen Platz mehr Umschlags- 
hafen als Handelsplatz ist. Diese Ausfuhr betrug : 



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— 288 — 



1904 


J 3 733 Dz- 


im Werte von 


1 845 800 Mk. 


1905 


21358 „ 


1 } ti 11 


2042040 „ 


1906 




) j jl 11 


2779890 ,, 


1907 


35 348 „ 


11 15 11 


4500630 „ 



Allein Dreiviertel hiervon gingen nach Groß-Britannien und sehr viel nach den 
Niederlanden. 

Dazu kommen landwärts ausgehend : 

1906 2997 Dz. im Werte von 374620 Mk. 

1907 4809 ,, „ „ ,, 528990 „ 

Bei der Einfuhr in Hamburg wurden folgende Durchschnittspreise deklariert, 
die ein recht gutes Bild der Preisbewegung geben und die ich auf umstehender 
Tabelle graphisch darstellte, zusammen mit den Ernte-Ergebnissen in Zanzibar 
und Pemba. 

Der große Hochgang des Preises von 1873 — 74 an ist die Folge von der 
Zerstörung der Bäume von Zanzibar durch- den Orkan von 1872, so daß man 
nur auf Pemba-Ware angewiesen war. Die Hebung der Preise seit 1896 und 
zugleich auch die Verminderung der Vorräte in London ist vielleicht dem Umstände 
zuzuschreiben, daß im Sept. 1895 G. Turn aus Graz ein Patent (D.-R.-P. 92466 
vom 12. 9. 95) darauf nahm, aus Nelkenöl durch Oxydation mit Quecksilberoxyd 
Vanillin herzustellen. Später hat man mit anderen Verfahren (Oxydation mit 
Ozon, Oxydation von Isoeugenol mit Superoxyden) diese Herstellung wohl noch 
mehr ausgebildet. Werden aber die Nelken zu teuer für das Verfahren, so wird 
man wohl wie früher das Vanillin nur aus Tannenholz usw. herstellen, oder man wird 
das Nelkenöl aus Zimmtblättern gewinnen, deren Ol 70 — 90 % Eugenol enthält. 

In Kreisen der Kaufleute in Zanzibar meint man allerdings, daß der oben 
erwähnte Verkauf der Steuernelken an eine Firma (1906), wodurch die Menge 
der »freien« Nelken sehr gering wurden, die Erhöhung der Preise bedingt hat. Da 
viele Händler vorweg auf Spekulation beträchtliche Mengen von Nelken verkauft 
hatten, ohne sie zu besitzen, so hatte die künstlich erzeugte Ebbe der freien 
Nelken eine Art von Panik hervorgerufen, die sich aber wieder legte, als die Re- 
gierung nach Vorstellung der Kaufmannschaft die früheren regelmäßigen Auktionen 
wieder einrichtete. Die Preise sind dann auch nicht abnorm in die Höhe gegangen. 
Sie waren im September 1907 10 Vi Rup. und in London wurde für September- 
Abladung 5V2 d bezahlt, während man im Frühjahr 1907 noch Preise von 8 d 
erlebte. Im Laufe des Jahres 1907 aber sanken die Preise stark durch das große 
Angebot der Jahresernte. Mitte des Jahres 1908 zeigte sich zufolge ungünstiger 
Schätzungen der etwa zu erwartenden Ernte für 1 908/09 ein neuer Aufschwung, 
der sich aber nach wenigen Wochen wieder verflüchtigte. Nelken sind eben für 
die Indier in Zanzibar und europäische Spekulanten ein beliebter Spielartikel ge- 
worden. Käufe und Verkäufe auf Lieferung für jeden Monat des folgenden 
Jahres im voraus sind an der Tagesordnung. Nicht nur die unsicheren Schätzungen 



— 289 — 

und Behauptungen über die bevorstehende oder im Gang befindliche Ernte, 
sondern mehr noch der Stand der beiderseitigen Verpflichtungen und dazu oft 
Machenschaften bestimmen den jeweiligen Preis. 

Ein bedeutender Artikel sind auch die Nelkenstengel, die in Zanzibar durch- 
schnittlich 21% des Nelkenquantums ausmachen. 
Es wurde gewonnen : 

Erntejahr: Zanzibar und Pemba : Prozentsatz im Vergleich zur 

Nelken-Ernte desselben Jahres : 



I 899/1900 


72459 frl 


1 900/0 1 


41 531 ., 


1901/02 


71 122 „ 


1902/03 


73 252 „ 


1903/04 


26917 ,, 


1904/05 


I3436I f , 


1905/06 


67 033 ». 



gefähr 


27 % 


jj 


18 % 


j 1 


19 % 


1 > 


17 % 


j 1 


22 % 


n 


18 °/o 


1 1 


27 % 



Ungleich Nelken, worin London und Rotterdam herrschen, ist für Nelken- 
stiele Hamburg der bedeutendste Weltmarkt. Der Grund ist, daß die deutschen 
Fabriken (Hamburg, Leipzig und Holzminden) bei der Öldestillation aus Nelken - 
stielen vorteilhafter auskommen als aus Nelken. Die Einfuhr in Hamburg betrug : 

1904 3 795 Dz. im Werte von 148.610 Mk. (Ernte 1903/04 ca. 4300 Dz.) 

1905 16400 ,, ,, ,, ,, 515 610 ,, (Ernte 1904/05 ca. 21400 Dz.) 

1906 9072 ,, 330 570 n 

1907 8916 „ „ „ „ 336150 „ 

1905 ein Durchschnittswert von 31 Mk. für den Dz. 

1907 „ „ „ 38 „ „ „ „ 

Die Stiele haben demnach in Hamburg etwa ein Drittel des Wertes von 
den Nelken, was dadurch bedingt ist, daß sie nur 5 — 6% Öl enthalten. In 
Zanzibar sind sie der hohen Fracht wegen im Verhältnis noch weniger wert. 

Nach der Londoner Preisliste sind die Nelken von Penang am teuersten, es 
folgen die der Benkulen (Sumatra), Amboina, Zanzibar und Pemba. Zum Beispiel 
kosteten nach Warburg in London im Mai 1892: 

Zanzibar-Nelken .... 2 5 /s' — ■ 2 3 /i Pence pro 1 lb 

Amboina- ,, 3 3 /&— 3 V2 „ ., I ,., 

Penang- „ 12 -I2 3 A ,, ,, I „ 

Lewis & Peat in London notierten: 

im Oktober 1907 im Oktober 1908 

für Penang (dull to fine bright 

bold) 14 — 16 Pence pro 1 lb. 10 — 12 Pence pro 1 lb 

für Amboina (dull to fine) . 8 — 8'/ 2 ,, ,, 1 ,, 7V2 — 8 „ I „ 

für Ceylon (dull to fine) . . . 7V2 — 9V2 ,, ,, I „ 7 — 8 ,, ,, 1 ,. 
für Zanzibar (fair and fine bright) 6 1 / 4 — ■ 7 ,, 1 ,, 5V2 ,i »1 l - 

für Sterns (Nelkenstengel [fair]) 2V2 ,, ,, I ,, 2 „ ,, I „ 

Stuhl mann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 19 



— 290 — 

Ganz sichere Angaben, wie hoch in Zanzibar und Pemba die Erträge der 
Nelkenbäume sind, kann man schwer erhalten, da die Farbigen, in deren Händen 
die meisten Pflanzungen sind, kaum genaue Angaben zu machen imstande sind. 
Die Bäume beginnen in Zanzibar im 7. — 8. Jahr zu tragen, haben aber erst im 
10. Jahr ihren vollen Ertrag. 

Burton schreibt, daß die Nelken in Zanzibar im Maximum 3 Kilo geben, 
im Durchschnitt aber ergäben 30 Bäume selten mehr als 16 Kilo, die Bäume 
also je ca. '/ 2 Kilo. Sir Gerald Portal, der frühere englische Generalkonsul 
in Zanzibar, berichtete einmal, daß 4000 Bäume nur 50 Frsl. = 800 Kilo gaben, 
der einzelne Baum demnach nur l / 5 Kilo. Einzelne Bäume sollen nach dem 
Bericht eines amerikanischen Konsuls in Zanzibar 7V2 — 10 Kilo, ein zwanzig- 
jähriger einmal 50 Kilo ergeben haben; vor dem Orkan sollen nach Portal 
einige Bäume sogar je 80 Kilo getragen haben. Von anderer Stelle wird be- 
hauptet, der Durchschnittsertrag sei 2 '/ 2 — 4 Kilo pro Baum, in guten Jahren 
4V2 Kilo. Mr. R. N. Lyne, der Direktor der Agrikultur- Abteilung der Zanzibar- 
Regierung, der wohl der kompetenteste Beurteiler ist, schreibt, daß bei der Be- 
wirtschaftung durch Araber der Baum 2 — 3 lbs. Nelken bringt, daß man aber 
durch sorgsame Bodenbestellung, Düngung, Pflege der Bäume und gute Prä- 
paration der Nelken einen Ertrag von 5 lbs. erzielen könne.*) In Pemba sollen 
allerdings Bäume in sehr reichen Jahren über vier Frasilah, einer sogar 6 Fra- 
silah (210 lbs.) ergeben haben, doch sind das sicher Ausnahmen. Lyne nimmt 
an, daß beim Preise von 7 Rup. pro Frasilah der Baum einen Bruttoertrag von 
5 Anna ( 5 /i6 Rup.), einen Nettoertrag von 4 Anna ('/ 4 Rup.) bringt, in Pemba 
aber 6 Annas ( 6 /io Rup.). Hiervon muß dort noch die Steuer von 25 % in Ab- 
zug gebracht werden. 

Die Bäume werden in 18 — 30 Fuß Entfernung gepflanzt. Bei gutem Boden 
9 m, bei schlechtem 5 '/ 2 — 7 m. Bei 20 Fuß {= etwa 6 m) würden demnach 278 
Bäume pro Hektar geben, und diese würden nach Lyne einen Ertrag von 
ca. 70 Rup. Netto pro Hektar bringen, was aber selten vorkommen dürfte, da 
man meist weiter als 6 m pflanzt und demnach weniger Bäume pro Hektar 
haben wird.**) 

Watt gibt an, daß der Baum (wohl in Indien) 6 — 7 lbs. pro Jahr vom 
6. Jahr an bringen soll. Für Zanzibar aber wird man im großen ganzen wohl 
auf kaum mehr als 3 lbs. (= 1,361 Kilo) pro Baum bei Eingeborenen-Bewirt- 
schaftung rechnen können. Das macht bei der sehr engen Pflanzweise von 6 m 
für 278 Bäume 874 lbs. oder etwa 25 Frasilah, die bei 7 Rup. einen Wert von 



*) Ein auf den Blättern schmarotzender Pilz (Buss cell a Cary op hy 11 i P. Hen.) scheint 
keinen Schaden zu machen. 

**) Bei 5V2 m Abstand erhält man 331 Pflanzen im Quadrat (382 im Verband) pro Hektar, 
„ 6 „ „ „ „ 278 



— 291 — 

175 Rup. als Bruttoertrag des Hektars darstellen würden, bei dem hohen Preis 
des letzten Jahres von 13 Rup. aber 325 Rup. Auf mehr Bruttoertrag nach 
6 — 8 Jahren wird man also kaum rechnen können. Davon gehen ab die Ver- 
zinsung und Amortisation der Anlagekosten der Pflanzung während 6 — 7 Jahren, 
das jährlich zweimalige Reinigen mit 50 — 60 Rup. pro Hektar und die Pflück- 
kosten, für die in Zanzibar 3 — 4 Pesa für jedes Pischi, das 4 — 5 Pfund grüner 
Nelken enthält, gezahlt werden. 40 — 100 Pfund soll ein guter Mann täglich 
pflücken können, im Durchschnitt aber 35 lbs., was 17V2 lbs. trockener Nelken 
pro Arbeitstag oder etwa 2 Heller Lohn pro Pfund entspricht. 

Es sind obige Zahlen durch Berechnung des einfachen Verkaufswertes der 
Nelken in Zanzibar, ohne Berücksichtigung der Abgabe von 25 % erhalten, 
Lyne nimmt ohne diese Abgabe nur einen Netto-Ertrag in Zanzibar von 70 Rup, 
in Pemba von 104 Rup pro Hektar von 278 Bäumen an, im allgemeinen aber 
wird man viel weniger Bäume auf dem Hektar haben, da wohl 24 Fuß die durch- 
schnittliche Entfernung der Bäume sein wird. 

Man kann daraus entnehmen, daß die Nelkenkultur bei den schwankenden 
Ernten und den variablen Preisen eine viel geringere Einnahme pro Hektar er- 
bringt, als Sisal oder Kautschuk, und daß durch eben diese Schwankungen die 
Einnahmen sehr unsicher sind. Wie schwankend und unberechenbar aber die 
Ernten sind, kann man sehen, wenn man das gegenseitige Verhältnis der Ergeb- 
nisse von Zanzibar und Pemba vergleicht, das so sehr verschieden ist. Manch- 
mal produziert Pemba 8 mal so viel als Zanzibar, manchmal nur 4 mal und 1902/3 
nur etwa 1 '/ 2 mal so viel. 

Eine genaue Übersicht über die Leistung des einzelnen Baumes im großen 
Durchschnitt würde man erhalten, wenn die Anzahl der in Zanzibar und Pemba 
befindlichen Nelkenbäume bekannt wären. Das ist aber leider nicht der Fall. 

Der Wert der Nelkenernte in Zanzibar war demnach früher (1891 — 96) 
L7 — 3,9 Millionen Rup, 1901/02 war sie 2,4 Millionen, 1904/05 aber 6 Millionen 
und 1906/07 etwa 3,4 Millionen Rupies. Da die Regierung hiervon ein Viertel 
erhält, und diese Abgabe einen wesentlichen Teil in den Einnahmen des Zanzibar- 
Budgets ausmacht, ist es klar, daß diese Regierungs-Einnahmen sehr schwankend 
sind (0,42 — 1,5 Millionen Rupies). Die dortige Regierung hat demnach das aller- 
größte Interesse daran, der Nelkenkultur ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. 

Die arabischen Besitzer der Nelkenpflanzungen bearbeiteten dieselben sehr 
billig mit dem einmal vorhandenen Sklavenmaterial, dessen Unterhalt sie wenig 
kostete, da die Leute an ihren zwei freien Tagen der Woche ihre Nahrung selbst 
bauen mußten. 

Es war klar, daß die am 3. April 1897 proklamierte gesetzliche Aufhebung der 
Sklaverei in Zanzibar einen Wandel schaffen mußte ; unter dem Einfluß dieser Maß- 
regel und wegen der geringen Ernte von 1 897/98 stieg auch der Nelken-Preis bedeu- 
tend. Und trotzdem die Sklaverei-Abschaffung sehr milde gehandhabt wurde, stellte 
sich Arbeiternot ein, die Besitzer der Pflanzungen hatten keine Barmittel, um 

19* 



— 292 • — 

bezahlte Tagelöhner anzustellen, und manchmal hat man aus Leute- und Geld- 
mangel nicht einmal die ganze vorhandene Ernte der Pflanzungen einbringen 
können. 

Die Regierung hilft jedoch, wo immer sie kann, durch Einfuhr von Saison- 
arbeitern aus Britisch-Ostafrika, sie beabsichtigt ein großes Wegenetz zur billigeren 
Abfuhr der Ernte zu bauen, und man spricht sogar von der Beschaffung einiger 
Lastautomobile zur Produktenbeförderung. So sind die Pflanzungsbesitzer heute 
in bedeutend günstigerer Lage als vor einigen Jahren. Viel Schaden soll den 
Pflanzungen aber durch die ungeübten Saisonarbeiter infolge des Abreißens der 
Triebe zugefügt sein, wodurch die nächste Ernte geschädigt wird. Gelingt es 
den Besitzern, wieder einen Stamm geschulter Arbeiter zu erhalten, und kommen 
die vielen angelegten Neupflanzungen erst zur Tragreife, so ist eine größere 
Durchschnittsernte zu erwarten, die einen Preisrückgang zur Folge haben muß, 
wenn nicht die chemische Technik mehr wie bisher das Nelkenöl-Eugenol zur 
Herstellung von Präparaten verwendet und dadurch einen größeren Weltkonsum 
als bisher bedingt. 

In Zanzibar gedeiht der Nelkenbaum nur in dem westlichen und nordwest- 
lichen Teil der Insel, und auch dort nicht am sandigen Strande sondern nur auf einem 
Boden, der aus sandigem Lehm und zwar meist Rotlehm, besteht. Es sind 
leichte Terrainwellen und Höhenzüge, die etwa 100 Meter Meereshöhe erreichen 
und die nach den Feststellungen von Bornhardt fast durchweg den »Mikindani- 
Schichten« angehören, die Altquartär oder junges Tertiär sind, unter denen, z. B. 
zwischen Walleso und Dunga bei Koani noch Tertiär ansteht. Die anderen Teile 
der Insel bestehen aus jungen Deckschichten und Küstenbildungen, zum Teil 
aus gehobenen Korallenriffen, auf denen keine Nelken angebaut sind. Die Regen- 
fälle verteilen sich auf zwei Hauptzeiten, (April — Mai, November — Dezember), 
es fehlen aber auch in anderen Monaten die Niederschläge nicht ganz, die jähr- 
lich im Durchschnitt in Zanzibar etwa 1500 — 2000 mm betragen. Der Boden 
ist etwas bündig, so daß er ein wenig das Wasser hält, aber nirgends darf er 
stagnierende Nässe haben. Der dortige hügelige rote und rotgraue Boden wird 
allein für die Nelkenkultur geeignet gehalten. Ganz ähnliche Verhältnisse scheinen 
auf Pemba vorzuliegen, doch kenne ich die dortigen Nelkenpflanzungen nicht aus 
eigener Anschauung. 

Man hat nun schon früher verschiedentlich versucht, auch an anderen Punkten 
die Nelke zu bauen. In Mossambik hat 1847 der Gouverneur Abrea de Lima 
sich große Mühe ohne Erfolg gegeben, auf der Insel St. Marie bei Madagascar 
und auf Reunion, sowie auf Groß-Comoro (Mroni nach C. W. Schmidt) wachsen 
die Bäume auf meist vulkanischem Boden bei guten Regenfällen ausgezeichnet, 
sind dort aber bisweilen den Cyclonen ausgesetzt. 

In früheren Zeiten in Bondei und Handei gepflanzte Bäume sollen ein sehr 
schlechtes Produkt ergeben haben. Auf Mafia, im Süden der Insel, hat man früher 
bei Dundani, Chemchem und Furuni eine ganze Zahl von Nelkenbäumen ge- 



j 



— 293 — 

habt, die recht gut gediehen sein sollen, aber nun alle verschwunden sind ; der 
letzte den Prof. Zimmermann im Mai 1907 bei Dundani sah, soll bald darauf 
absichtlich von den Leuten umgeschlagen sein. Bei Bagamoyo (Kaole), bei Kilwa, 
bei Pangani sind in alten Zeiten von den Arabern mit geringem oder keinem Erfolg 
die Nelken angebaut worden, jedenfalls ist davon schon lange nichts mehr übrig. 
Am Ende der 90er Jahre ist vom Gouvernement eine Menge Saat verteilt worden, 
und an vielen Punkten hatten Araber diese ausgelegt ; es ist aber nicht das ge- 
ringste dabei herausgekommen. Möglich, daß Fehler gemacht sind, daß die 
Leute die Behandlung von Saat und Pflanzen nicht verstanden, wahrscheinlich 
aber ist auch, daß Boden und Klima nicht günstig waren. Die in Amani ge- 
machten Versuche zeigten, daß selbst in dem gut gelegenen Sigital, wo reicher 
Boden und große Niederschläge vorhanden, die jungen Nelkenbäume gegen 
Trockenheit sehr empfindlich sind, und daß man wahrscheinlich den Fehler 
machte, nicht wie die Araber in Zanzibar die jungen Pflanzen erst lange Zeit in 
den Saatbeeten sich kräftigen zu lassen, bevor man sie an ihren endgiltigen 
Standort auspflanzte, was in Zanzibar meist erst nach zwei Jahren geschieht. 
Die wenigen im Sigital von den Kulturen des B. L. I. übrig gebliebenen Bäume 
stehen recht gut. Was für ein Produkt sie geben und wieviel, kann man erst 
sehen, wenn sie 7 — 8 Jahre alt sind. 

Bei den heutigen Verhältnissen, Wo man Pflanzungen nicht mehr mit billigen 
Sklaven anlegen kann, sondern bezahlte Arbeiter benützen muß, fällt dies lange 
Warten auf den Erstlingsertrag sehr störend ins Gewicht, denn auch in Mafia, 
wo es von altersher noch Sklaven gibt, würden bei der Neuanlage von Nelken- 
pflanzungen diese den Kokoskulturen entzogen, für die sie auch nötig sind, und 
außerdem können sie durch Arbeitnehmen bei europäischen Pflanzern, die auch 
in Mafia sind, ihren Herren wahrscheinlich einen besseren Verdienst bringen, als 
wenn sie Neuanlagen von Nelken herstellen. Aber schon jetzt herrscht auf Mafia 
nach Prof. Zimmermanns Bericht vom Mai 1907 Arbeitermangel, und die 
europäischen Pflanzer in Mtuma'ine mußten schon Arbeiter von der Küste im- 
portieren. 

Wir haben zwar im Süden der Kolonie bei Lindi und Mikindani große 
Strecken, die geologisch mit den »Mikindani-Schichten« von Zanzibar identisch 
sind, auch die Puguberge, die Matumbiberge etc. bestehen aus genau denselben 
geologischen Schichten, aber das Klima dort ist von dem Zanzibars sehr ver- 
schieden und mit seiner zeitweisen starken Trockenheit der Nelkenkultur sicher 
nicht zusagend. 

Das nächstliegende ist natürlich, Nelken in Mafia zu bauen, wo auch nach- 
weislich einige Bäume ganz leidlich gediehen sind. Die Bodenbeschaffenheit dort 
aber ist nach der geologischen Karte von Bornhardt nur an ganz kleinen 
Punkten im Norden so wie die der Nelkengegenden in Zanzibar. Der Regen- 
fall in Zanzibar und Pemba war nach Lyne wie folgt: 



294 — 



Zanzibar, Stadt 1 578 mm 

Dunga 2642 ,, 

Banani auf Pemba . . . 2092 ,, 
Alles im Durchschnitt von 4 Jahren (1899, 1901 — 03). 
Dabei kamen dort nur im Juni bis August Monate unter 25 mm Regenfall 
vor. Vor allem aber ist bemerkenswert, daß beide Inseln zwei Regenzeiten 
haben, eine um den November, eine um den April herum. 

Nach den mir seitens der Meteorologischen Hauptstation zur Verfügung ge- 
stellten Zahlen ist die Regenverteilung in Mafia eine ganz andere. Man hat 
nämlich nur eine Regenzeit von Dezember bis Mai, während Juni bis November 
trocken sind. Die Durchschnittszahlen sind folgende von Chole, einem Inselchen 
im Süden von Mafia, von wo allein Beobachtungen vorliegen : 



mm 

Januar l 79-0 

Februar .... 183.8 

März 205.6 

April 321.0 

Mai 189.9 



Juni 
Juli 



327 
347 









mm 


August . 




10. 1 


September 






8-3 


Oktober . 






34-8 


November 






67.0 


Dezember 






1337 




Jahi 


• 1400.6 



Man sieht daraus, daß die Insel Mafia meteorologisch schon zum Süden der 
Kolonie gehört, wo südlich von Rufiyi die Regenzeiten ebenso wie im Innern 
westlich von Kilossa und Aruscha in einer Periode zusammengezogen sind (siehe 
Karte der Regenverbreitung). Bei dieser prinzipiellen Verschiedenheit der Regen - 
Verteilung zwischen Zanzibar-Pemba einerseits und Mafia andererseits ist es durch- 
aus unsicher, ob in Mafia die Wetterverhältnisse der Nelkenkultur ebenso günstig 
sind wie in ersteren Inseln. Sehr beachtlich zu diesen Fragen ist auch die Tatsache, 
daß die Araber auf Mafia keine große Nelkenkultur geschaffen haben, wozu die 
leichtere Sklavenversorgung, verglichen mit Zanzibar und Pemba, hätte reizen 
sollen. Möglicherweise liegt aber diesem Umstände ein Verbot des Anpflanzens 
durch einen Zanzibar -Sultan zugrunde, von dem ich gerüchtweise gehört habe 
und das verständlich wäre, weil die Zanzibar-Finanzen früher wie heute von dem 
Nelkenausfuhrzoll abhängen, dessen Überwachung für Mafia schwierig gewesen 
wäre oder jedenfalls einen kostspieligen Verzollungsapparat erfordert hätte. 

Es scheint mir alles zusammen genommen recht fraglich, ob es sich emp- 
fiehlt, zur Kultur des Nelkenbaumes in Mafia anzuregen. Es könnte sich nur 
um Kulturen durch arabische Pflanzer handeln, die noch etwas an billiger Sklaven- 
arbeit zur Verfügung haben, die sie, wie oben erwähnt, aber vielleicht besser und 
vorteilhafter anders ausnützen, als daß sie sieben Jahre auf den Ertrag der Nelken- 
bäume warten. Ohne Import von Arbeitern wird es dort wohl kaum gehen, da sie 






— 295 — 

schon jetzt nicht ausreichen. Man weiß außerdem über den Nelken-Ertrag auf Mafia 
noch nichts, während man das Ergebnis der Kokospalmen, die ja allerdings auch 
sieben Jahre zur Entwickelung brauchen, sicher kennt. Auch ist es unzweifelhaft, 
daß für Kopra immer genügend Absatz sein wird; ob das für Nelken der Fall 
ist, ist zweifelhaft. Wie ich oben zeigte, scheint der Nelkenbaum auch auf Zanzibar 
pro Hektar keine sehr große Rente zu bringen, jedenfalls weniger als Sisal und 
Kautschuk, und sein Ertrag ist so sehr großen Schwankungen unterworfen. Dazu 
kommt, daß Zanzibar und Pemba nachweislich den Weltbedarf von ca. 400000 Frsl. 
jährlich gut decken. Wird demnach noch mehr erzeugt, so wird der Preis der 
Nelken wahrscheinlich recht zurückgehen, wenn nicht die Industrie das Nelkenöl 
in größeren Mengen nötig hat. Ist dies aber der Fall, so können wir dies Ol wahr- 
scheinlich ebensogut aus den Zimmtblättern herstellen, die in Usambara gut ge- 
deihen. Einen Erfolg von einer Konkurrenz mit Zanzibar und Pemba im Nelken- 
bau verspreche ich mir nur, wenn die Arbeiterverhältnisse in Zanzibar mit der 
Zeit durch die jetzt erfolgende gänzliche Ablösung der Sklaverei so schlecht 
werden, daß eine rentable Nelkenkultur daselbst ausgeschlossen wird, und wenn 
dadurch das dortige Quantum der Nelkenproduktion so herabsinkt, daß es den 
Weltbedarf nicht mehr decken kann. Dazu ist aber einstweilen die Aussicht nicht 
vorhanden, auch ist man in solchem Falle nie sicher, ob nicht andere Gegenden 
die Nelkenkultur aufnehmen, die sehr-günstige Bodenverhältnisse dafür aufweisen. 
Meines Dafürhaltens hat es deshalb keinen Zweck auf diese Wahrscheinlichkeiten 
hin in Mafia zur Nelkenkultur anzuregen und einen Konkurrenzkampf zu einzugehen, 
dessen Ausgang auf schwachen Füßen steht, selbst wenn wir bei uns mit eventuell 
günstigeren Arbeiterverhältnissen und ohne die Zanzibar Steuer- Abgabe von 25% 
ihn aufnehmen. Die Hauptsache wird bleiben, daß es in Mafia voraussichtlich 
sicherer und rentabler sein wird, Kokospalmen oder anderes zu pflanzen. 



7. Cinnamomum Cassia Blume und C. zeylanicum Breyne. 

Der Zimmt spielt zwar in Ostafrika im Handel und Pflanzungen eine nur 
sehr untergeordnete Rolle, aber er ist für die Gesamtgeschichte der Handelsbe- 
ziehungen des Orients von so großer Wichtigkeit, daß ich ihn hier kurz erwähnen 
muß. Über seine Geschichte besteht eine ganze Literatur, über die man sich in 
den Fachwerken (Flückiger, Köhler u. a.) orientieren kann, besonders zu 
erwähnen ist aber die ausgezeichnete Arbeit von Schumann (Kritische Unter- 
suchungen über die Zimmtländer, Perthes, Geograph. Mitt. Erg. Heft, 1883), an 
deren Resultate ich mich in Folgendem hauptsächlich halte. 

Die älteste Erwähnung vom Zimmt findet sich um das Ende des dritten 
Jahrtausend v. Chr. in ägyptischen Monumenten, wo die Produkte beschrieben 
wurden, die man aus dem Lande Punt bezog. Unter dem Pharao Sanchkara 



— 296 — 

der XL Dynastie wurde ein gewisser Hannu ausgesandt, um von Punt den Weih- 
rauch zu holen in lebenden Bäumen (Felseninschrift b. Hamammat nach Lepsius). 
Während der XII. Dynastie unter Pharao Usurtasen III. wird die glückliche 
Rückkehr eines Beamten aus diesem Lande geschildert. Aber die wichtigste 
Quelle für das Land Punt und seine Produkte ist die Inschrift im Tempel Der-el- 
bahr, welche die Expedition der Königin Makara (Hatsops, Hatschepsu) 
dorthin darstellt. Die Herrschaft des Sanchkara wird etwa um 2250, die der 
Hatsops um die erste Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts v. Chr. zu setzen 
sein. Diese Punt -Fahrten dauerten bis zum Ende der XX. Dynastie (ca. 1050 
v. Chr.). Es ist unwahrscheinlich, daß die erwähnten Handelsbeziehungen plötz- 
lich entstanden, etwa durch die Initiative irgend eines unternehmenden Herrschers 
oder Kaufmanns, vielmehr werden die uns überlieferten Expeditionen nur der 
Ausdruck dauernder Handelsbeziehungen gewesen sein, die seit langen Perioden 
bestanden und die sich allmählich angebahnt hatten. Der Hauptzweck dieser 
Handelsverbindungen war die Herbeischaffung von W T eihrauch und Myrrhen ge- 
wesen, alle anderen Produkte wurden nur nebenbei mitgebracht. Jene Räucher- 
mittel waren aber ein für alle uns bekannten orientalischen Religionen unentbehr- 
liches Kultusmittel. Indem ich mir für eine andere Gelegenheit in diesen Notizen 
ein näheres Eingehen hierauf vorbehalte, möchte ich hier nur darauf aufmerksam 
machen, daß diese Weihrauchexpeditionen wahrscheinlich so alt wie jene Religionen 
sein werden und daß sie in jene Länder zurückgingen, aus denen wohl ursprüng- 
lich diese Religionen einmal sich verbreitet haben werden. Zimmt wird anscheinend 
nur sehr selten unter den von Punt, Pun, Chont-hun-nufer mitgebrachten Produkten 
erwähnt, kommt aber später auch in den Inschriften zu Edfu über die in dem 
dortigen Tempellaboratorium zur Herstellung der Kyphir-Rezepte gebrauchten 
Droguen vor. Dort wird auch kaina-uia genannt, das aber nach Schu m a n n 
kaini des Landes uteri, d. h. »Rohr aus der Oase« heißen soll und deshalb viel- 
leicht nicht Zimmt war. Dagegen soll bei den Kyphir-Rezepten auch kauen vor- 
kommen, das ein bisweilen mit sebit-notem verwechseltes Holzgewächs sein soll. 
Seht ist koptisch Calamus, Aruudo, Juncus, und sebit-notem daher »süßes Rohr«. 
Es ist demnach sehr wohl möglich, daß kauen den Zimmt bedeuten soll, be- 
sonders wo in der Bibel mit »süßem Rohr«, kaneJi-besem, der Zimmt gemeint ist. 
Auch ein Stoff, der kann (kanenu) genannt wird, soll durch die Ägypter von 
den Herusha aus dem Süden eingeführt sein. Allerdings hat man, so viel ich 
sehe, in den alten Gräbern nie Proben von Zimmt gefunden, die Namen würden 
deshalb etwas in der Luft schweben, wenn man nicht verwandte Ausdrücke aus 
der Bibel kennen würde. Während aus den Keilschriften, sowie aus den Hinter- 
lassenschaften der südarabischen Sabäer und Himijaren keine Zeugnisse über den 
Zimmt bekannt sind, nennt ihn die Bibel verschiedentlich als hochgeschätztes 
Salb- und Räuchermittel, und zwar meist unter dem Namen kinnenwn, daneben er- 
scheint auch kaue/i. kiddah, kerdah (letzterer Name nur Psalm 45, V. 9 und als 
Name einer der Töchter des Hiob in Hiob 42, V. 14). Bei der Bereitung des Salböls 



— 297 — 

werden gebraucht kinnemon-besem, kanch-boscm und kiddah. Das hauch ist ein 
rein semitisches Wort für Rohr, das uns als kanna*) aus dem arabischen (?) be- 
kannt ist und als cannella, cannelle nach Europa wanderte, während es im Lateini- 
schen und Griechischen fehlt, und kinnemomon entsprang vielleicht aus derselben 
Wurzel, es ist nach Lassen wahrscheinlich phönizischen Ursprungs. Herodot 
schreibt, daß aus Nordost - Afrika »die Späne kommen, welche wir von den 
Phöniziern kinnamomon zu nennen gelernt haben.« Keziah und kiddah sind nach- 
weisbar identisch, denn in der chaldäischen Bibelübersetzung steht an Stelle des 
kiddah das keziah. Schumann meint, das keziah das ursprüngliche Wort sei 
und daß es derselben Quelle wie das ägyptische khisit entstammt. 

Wir wissen nun, daß die Ägypter den Stoff aus dem Lande Punt, Pun, 
Chont-hun-nufer erhielten, daß ferner die Griechen und wahrscheinlich die Hebräer 
ihn von den Phöniziern bekamen, daß kinnemon ein ursprünglich phönizisches 
Wort ist, daß ferner die Phönizier in uralter Zeit, vordem sie an der syrischen 
Küste erschienen, aus der Gegend des persischen Golfes einwanderten, daß die 
Phönizier, die Punier der Römer und die Kolonisten des Landes Pun, Punt mit 
größter Wahrscheinlichkeit stammeseins waren. Es ist somit anzunehmen, daß alle 
jenen alten Völker den Zimmt durch Vermittlung der »Phönizier« erhielten, und 
zwar der syrischen wie auch derjenigen am persischen Golf sowie der in Süd- 
arabien und an der heutigen Somali-Küste, jener alten semitischen oder hamito- 
semitischen Küstenhandelsvölker, deren Urzentrum wohl das Ufer des persischen 
Golfes war. Bis in spätere Zeit hinein aber verstanden es diese schlauen Händler, 
ihre Kunden über die Herkunft des Produkts so im Unklaren zu lassen, daß man 
meinte, der Zimmt wüchse in Südarabien oder an der heutigen Somali - Küste, 
eine Meinung, die trotz Schumann's zwingenden Beweisgründen auch noch nach 
seiner Schrift wieder auftaucht. (Grimm, Pharaonen in Ostafrika 1887). 

Also : das hauch, kinnamon ist ein altsemitisch-phönizisches Wort für Rohr, 
Zimmt und bezeichnete höchstwahrscheinlich die rohrförmig zusammengerollten 
Sorten der Ware. Das khisit aber stammt, wie Schumann nachwies, aus dem 
Chinesischen ! ! 

Unter dem Namen kuci findet sich der Zimmt nämlich nach Bretsc hn eider 
schon in dem Kräuterbuch der Kaisers Schen-nung aus dem Jahre 2700 v. 
Chr., ferner in dem Kräuterbuch Rh-ya aus 1200 v. Chr., und heute noch heißt 
er in China kuci, meist sagt man kuci-shi, kuei-gi für Zimmt-Rinde, Cassia-Rinde, 
in Japan ist kci-schi Zimmtzweig, kei-schin (»Zimmt -Herz«), die Rinde älterer 
Bäume. Und diese Worte sollen fast wie »kesz« ausgesprochen werden. Schu- 
mann hält es für sehr wahrscheinlich und so sicher, wie man überhaupt solche 
Ableitungen machen kann, daß die khisit der Ägypter, (denn »/« ist Feminin- 
Endung der hamitischen Sprachen), und das keziah, kiddah der Juden aus dem 



*) ka-ni-e = Schilfrohr, aus der Inschrift Nebukadnezars in Wadi Brisa nach Weisbach 
(Deutsche Orient. Gesellsch. 1906). Das Schilfrohr heißt in Ägypten aber kasab. 



— 298 — 

Chinesischen stammt, und daß das Produkt durch die »Phönizier« in den Handel 
gebracht ward. Bevor wir nun weiter untersuchen, wie die Phönizier zu dem 
Zimmt kamen, müssen wir erst noch feststellen, daß beide Ausdrücke, kinnemon 
wie kcziah sich bis in die Neuzeit erhalten haben, das kinnemon ist ohne weiteres 
identisch mit dem kinnamomon der Griechen, dem cinnamomum der Römer, dem 
cinnamom der Engländer, dem Zimmet, Zimmt der Deutschen usw., und aus dem 
keziaJi ist kasia der Griechen, cassia der Lateiner geworden. 

Erstere (cinnamomom) war die flache Rindensorte, letztere (cassia) die gerollten 
Röhren. Herodot, Aristoteles, Theophr'ast, Agatharchides, Strabo 
u. a. erwähnen beide Droguenarten als aus Arabien stammend, und zwar aus der 
Gegend von Saba, (Yemen), Adramyta, (Hadramaut), Kitibaena, Cottabani, (Halb- 
insel Arabiens an der Straße von Ormuz), Mamale, (Lohayya nördlich von Ho- 
deida), Capo Musendon (Straße von Ormuz), Omana (Oman), Maketa (südlich von 
den Baharein-Inseln an der arabischen Seite des persischen Golfes), Gerrha (großer 
Handelsort an der arabischen Küste bei den Baharein-Inseln). Die Küstenorte 
Arabiens und der Nordseite der Somalihalbinsel bis Guardafui wurden noch in 
späterer Zeit als die Punkte angegeben, von denen Zimmt und Cassia kam. Den 
wirklichen Ursprung der Droguen geheimhaltend, umgab man ihre Gewinnung 
mit den abenteuerlichsten Geschichten. Nur Strabo, der die Erzählungen 
des Admirals Alexander des Großen, Onesikritos, wiedergibt, sagt : 
»Zimmt, Narde (N ard os tacliy s) und die übrigen wohlriechenden Stoffe 
habe das südliche Indien wie Arabien und Äthiopien^*) Fast überall bis spät 
in unsere Zeitrechnung hinein wird diese Gegend als das Herkunftsland von 
Zimmt und Cassia angegeben. Plinius kannte von cinnamomum eine helle, 
eine dunkle Sorte und das xylocinnamum, von der Cassia die Handelssorten lada,**) 
balsamodcs, daphnoides-isocinnamon, und eine dunkle Art. Das auch von Plinius 
erwähnte serichatum ist vielleicht nach der Meinung von Schumann das ara- 
bische saliha, sclccJiatun für Cassia, sein gabalium vielleicht das arabische gabali. 
gabalinjun, der Bergzimmt, den Avicennia erwähnt (gebel = arabisch Berg). Die 
Heimat von Zimmt und Cassia soll nach Plinius das Land der Gebaniter (ein 
Teil von Yemen) und Okelis (Ort an der arabischen Seite der Straße Bab-el- 
mandeb) sein. Dioscorides kennt von der Cassia die Sorten zigir, die dick 
und schwarz sein soll, adiy-dapiinitis, blastos-mosyletis, (Zweig von Mosylon), die 
schwarze aphysemon, kitto und dakar, sowie noch eine pseudocassia. Die Orte 
Daphnos (etwa Bender Meraya an der Nord-Somali-Küste) und Mosylon (Bender 
Gazem nach Cooley und Schuman, Karam oder Chor Schoreh am Ras 
Chamsir nach Glaser, die Bucht zwischen Saluine und Mais nach Grimm), 



*) Die Indier hatten, wie wir weiter unten sehen werden, vom ersten Jahrhundert an 
Verbindungen mit dem Osten, insbesondere mit Java, werden demnach den Zimmt auch auf 
dem Seewege direkt bezogen haben. Aber anscheinend war diese Seeverbindung eine sehr 
minimale. 

**) lada ist heute der malayische Name für Pfeffer. 



— 299 — 

nach denen obige Sorten benannt sind, liegen an der Somali-Küste. Kitto wird das 
hebräische kiddah sein, dakar ist vielleicht gleich dem duaka des Periplus, das 
jedoch Glaser für eine Weihrauchsorte hält. (F. M. Hunter kennt die Sorten 
duaka (pulverförmig) und amshot von »Miti- Weihrauch«), Schumann aber ver- 
mutet, daß es von dem Sanscrit-Wort tvak für »Rinde« stammt, die Ayurvedas 
des Susrutas nennen den Zimmt tvacha (vergl. auch über Weihrauch : duka = 
pulverförmig). Vom Cinnamomon beschreibt Dioscorides die Sorten mosylon, 
den Bergzimmt oreinon, drei fernere Arten und das xylo cinnamomon. Galen 
kennt von der Cassia noch die Sorten gizi, arebo und daplinitis. Der Periplus, 
der nach der Ansicht von K. Müller zwischen 80 und 89 n. Chr., nach Glaser 
zwischen 56 und 71 entstand, nennt Malao, (Berbera oder Zeila), Mundu, Mosyllon, 
Tabae (bei Gered Hafun) und Opone (Ras Hafun, ein Name, der auch an eine 
Niederlassung der Puni- Völker erinnert) als Häfen für Zimmt. Der Periplus kennt 
nicht den Cinnamomon sondern nur Cassia in folgenden Handelmarken : kasia, 
sklerotera, duaka, gisir, asyphe, aroma (arebo?) magla, (magma?) moto.*) Von 
Indien, wo der Verfasser des Periplus sicher selbst bis zu dem von ihm Nelcynda 
genannten Ort an der Westküste von Vorderindien gekommen ist (etwa bei 
Calicut), erwähnt er den Zimmt nicht, auch nicht von Taprobane (Ceylon). Wahr- 
scheinlich sich immer an Ptolomaeus' Autorität anlehnend, kannten auch die 
alten christlichen Schriftsteller den Zimmt und die Cassia nicht von Indien und 
Ceylon (Lanka indisch, Sielediba bei Kosmas Indikopleustes, Sihala-duipa 
— Insel der Löwentöter), ja bis in die Neuzeit blieb das Somali-Land die Regio 
cinnamomifera, obgleich dort sicher niemals Zimmt oder Cassia gewachsen ist. 
Wir wissen demnach nun, daß kinnamom und kJiisit-kassia im Somaliland 
und Südarabien gehandelt wurde, daß das Wort kinnamom aus dem Phönizischen 
stammt und daß Juden und Griechen ihn von den Phöniziern erhielten, daß 
kasia — cassia auf einem Umwege aus dem Chinesischen stammte. Nun aber ist 
es auch unzweifelhaft, daß der Zimmt im Altertum nicht aus Indien kam, es 
ist sogar sehr unwahrscheinlich, daß er in Ceylon und Indien gehandelt wurde 
(mit Ausnahme von Zimmtblättern, dem malbathron der Alten, das Theophrast 
schon kannte und das 176 in Alexandrien verzollt wurde). Es waren sehr teure 
Produkte, das Kilo Zimmt kostete noch im römischen Altertum 3000 — 3500 Mk. 
Der damals bekannte Zimmt stammte nur aus China. Nun berichten aber die 
alten chinesischen Quellen gar nichts über einen Seeverkehr mit den westlichen 
Ländern. Das erste derartige Ereignis ist nach Hirth aus dem Jahre 166 n. Chr. re- 
gistriert, wo syrische Kaufleute, unter dem Vorgeben, sie seien eine Gesandschaft des 
Königs An-tun von Ta-tsin (Antonius), in Südchina oder vielmehr in dessen Grenzlän- 
dern, etwa in Annam (Jih-nan), mit Elfenbein, Rhinozeroshorn und Schildpatt an- 
kamen. Erst seit dieser Zeit hat nach den chinesischen Quellen eine direkte Verbin- 



*) Die eingeklammeten Worte sind die von K. Mülle r vermuteten Korrekturen zu dem 



Wortlaut des Periplus. Vergl. auch Mac. Crinale, S. 20 ff. 



— 3QO — 

düng mit den Ländern des Westens angefangen/") Wohl aber wissen wir, daß die 
Chinesen über Land nach Parthien gingen und daß sie auf diesem Wege eine 
nicht geringe Kenntnis von den Handelsverhältnissen von Syrien und Ost-Rom 
hatten (Hirth). Es hat den Anschein, daß sie nach der Gegend von Baktrien 
oder des Kaspi-Sees kamen, daß sie Seide brachten und Glas, Weihrauch, 
Styrax etc. mit zurücknahmen. Und da ist es mir höchst wahrscheinlich, daß 
in alter Zeit auch der Zimmt auf diesem Landkarawanenweg nach dem Westen 
kam, und zwar vielleicht durch Vermittelung einer Zwischenstation in dem Parther- 
Land, von wo aus die im hohen Altertum am persischen Golf und in Süd- 
mesopotamien sitzenden kuschitischen Punier den ferneren Handel monopolisierten. 
Eine direkte Reise der Chinesen nach Parthien (Pan-tou) und Syrien (Ta-tsin) 
ist uns in chinesischen Annalen allerdings erst aus dem Jahre 98 n. Chr. be- 
richtet (Hirth). Solche Handelsverbindungen entstehen aber nicht plötzlich, es 
werden da uralte Handelswege gewesen sein, auf denen die Waren von Hand 
zu Hand befördert wurden.**) Aus diesem Landtransport erklärt sich der hohe 
Preis der Ware, der chinesische Name der Drogue im hohen Altertum, und aus 
der Mittlerschaft der Punier die Geheimhaltung der Ursprungsquellen des Pro- 
duktes. Nun aber hatten die Phönizier, wie wir nach griechischen Überlieferungen 
annehmen können, in der ältesten Zeit, vor ihrer Einwanderung nach dem heutigen 



*) Für die römische Kaiserzeit war China das Land der »Serer«, der Seidenfabrikanten, 
ein Name, der vielleicht früher ein Gebiet mehr im Innern oder Norden bezeichnet haben 
mag, aus dem man Felle und Eisen bezog. Der Periplus und Ptolomaeus erwähnen Thin, 
Thinai, Sinai, wahrscheinlich nach Hörensagen aus dritter Hand durch indische oder arabische 
Kaufleute, die in Ceylon oder im Malayischen Archipel waren, denn die Bezeichnung Sin 
China für das Reich der Mitte stammt aus malayischen Sprachen, die damit Jih-nan meinten. 
Über andere Conjekturen dazu vergleiche Yule und Burneil S. 196. 

**) In Samarkand, dem alten Marakanda, der Hauptstadt von Sogdiana, das von Alex- 
ander dem Großen 328 v. Chr. erobert sein soll, hatten Leute aus Südarabien intensive Be- 
ziehungen. Dort sind nach Balfour's Cyclopaedia sogar himjaritische Inschriften gefunden, 
wonach Shammir Yirash ein Gebäude der Gottheit der Sonne weiht. Dieser Shammir 
kam in einem Kriege gegen die Tibetaner um, gegen welche sein Nachfolger Tobba-ul- 
Akram einen Rachezug vollführte und Samarkand neu erbaute. Er regierte in Yemen 90 bis 
140 n. Chr. und errichtete in China eine Stadt, die von Thaalebi »El-Beit« genannt wurde, 
und in der er 30000 Südaraber ließ, die dort noch 553 eine geschlossene Kolonie bildeten. 
Dies Vorkommnis bezeugt, welche intensiven Beziehungen von den Einwohnern von Südarabien 
mit dem heutigen Turkestan und China unterhalten wurden. 

Die ältesten Pali-Inschriften, so die von Kapurdigiri sind im sogenannten baktrischen 
Pali von rechts nach links geschrieben. Man nimmt an, daß diese Schrift aus dem »phönizischen« 
Alphabet abgeleitet sein soll, ein neuer Beweis für die engen Beziehungen der alten Puni mit 
Innerasien, speziell Baktrien. Und wieder etwas weiter östlich, bei Kaschgar, an den Nord 
hängen des westlichen Kuenluengebirges, vermutet man die Ursitze der chinesischen Rasse, ehe 
sie 2200 v. Chr. die besseren Gegenden am Wei-ho aufsuchte. Hier muß einst eine dichte Be- 
siedelung und enge Verbindung von chinesischen, semito-kuschitischen und arischen Völkern 
bestanden haben, bis die fortschreitende Versandung das Land verödete und die Bewohner zum 
Fortziehen zwang. 



— 3oi 

Syrien, wie oben erwähnt, am persischen Golf ihre Sitze, und sie scheinen sich 
nicht nur nach Norden, sondern auch nach dem Südwesten ausgebreitet zu haben. 
Gerrha, die Südküste von Arabien und fast sicher auch die Nordküste des 
heutigen Somalilandes war von ihren Händlern besetzt, ja vielleicht haben sie 
dort auch größere Handelskolonien angelegt. Wiederum aber sind die orientalischen 
Religionen aus den Gegenden von Südmesopotamien, dem Schauplatz der Sint- 
flut, gekommen. Und so erklärt es sich, daß die Wanderwege dieser Völker 
rückwärts noch Jahrtausende als Handelswege benützt wurden, auf denen man 
besonders auch die bei der Ausübung der orientalischen Religionen notwendigen 
Requisiten, Weihrauch, Myrrhe und auch den Zimmt bezog. Um diese Artikel 
dreht sich die ganze alte Handelsgeschichte dieser Gegend, die kushitischen 
Völker der unteren Euphrat- und Tigris-Ebene sind ihre Träger gewesen. Diese 
aber werden mit den östlichen Hinterländern Handelsbeziehungen gehabt haben, 
die in die fernste Geschichte der Menschheit zurückgehen, zunächst mit den 
Gegenden, aus denen die arischen Völker auswanderten, aus dem Oxus- und 
Jaxartes-Gebiet. Und es ist wahrscheinlich, daß auch ein großer Teil der Kultur- 
elemente von China aus diesen Gegenden Innerasiens stammte. So erklären sich 
diese alten Handelsbeziehungen verhältnismäßig klar, auch wenn die geschicht- 
lichen Überlieferungen fehlen und wir vielfach auf Vermutungen und Schlüsse 
angewiesen sind. 

Bereits Schumann wies mit Rücksicht auf die Handelswege des Zimmtes 
auf das Zinn oder vielmehr die Bronze hin. Vielleicht kam auch die Kenntnis der 
Bronze, die ja ein Gemisch aus etwa neun Teilen Kupfer und ein Teil Zinn ist, 
aus dem Osten nach Europa; nach v. Richthofen blühte die Bronzeindustrie in 
China schon 1800 — 1500 und 1 100 — 900 v. Chr. und Zinnerz (Cassiterit) wird so- 
wohl am Kaukasus als auch in China (bei den Topas und Smaragd-Minen von Adon- 
tsche-lon) gefunden, wenn auch wohl - - besonders in späterer Zeit - - die Chinesen 
ihr Zinn aus Hinterindien und von der Insel Banka bezogen. Es ist deshalb 
durchaus nicht unmöglich, daß schon in ältester Zeit auch Zinn und Bronze auf 
diesem Überlandwege nach dem Westen gelangten. Allerdings haben die semi- 
tischen Kulturländer ja sicher auch mit Indien in allerältester Zeit Verbindungen 
gehabt. Aus Gräbern der XVIII. Dynastie in Ägypten hat man z. B. Früchte 
von Sapindus emarginata J^a/i/ gefunden, die nur aus Indien gekommen 
sein können, aber es ist auffällig, daß der Zimmt nie als aus Indien stammend 
erwähnt ist. 

Ich nehme deshalb einstweilen an, daß der Zimmt nicht auf dem Seewege, 
sondern über Land durch Asien nach den Gegenden um den persischen Golf, 
die Erythraeische See der Alten, kam, und daß er von hier nach den Handels- 
plätzen der mit den Phöniziern verwandten alten Handelsleute kam, von wo die 
Ägypter und andere ihn holten. 

Die Alten be nützten also nur das, was wir heute den chinesi- 
schen Zimmt, kassia lignea, kassia vera nennen, und dieser wurde 



— 3Q2 — 

in den allerältesten Perioden nur als Räuchermittel gebraucht, später auch als 
Medikament, als Ingredienz für Salböle und in der Römerzeit zur Herstellung 
von Würzweinen. Sein Gebrauch zum Würzen von Speisen kommt erst im neunten 
Jahrhundert auf. 

Wir sahen oben, daß die südchinesischen Häfen, und zwar zuerst in Annam, 
im zweiten Jahrhundert (i 66) n. Chr. den Fremden bekannt und zugänglich wurden. 
Während der früheren Han-Dynastie (206. v. Chr. bis 264 n. Chr.) scheint das 
Land den fremden Händlern offen gewesen zu sein, in der Wei-Dynastie (368 
bis 550 n. Chr.) waren einzelne Häfen den Fremden eröffnet; wahrscheinlich haben 
die Leute des Westens demnach erst Ende des dritten oder Anfang des vierten Jahr- 
hunderts den Zimmt in seiner Heimat kennen gelernt. Von 600 — 900 verkehrten 
dort viele malabarische Schiffe, 758 wurde Kanton von den Persern und Arabern 
geplündert, 999 waren in Hang-chow die Araber exterritorial. Während der 
großen Blüte Chinas unter der Tang-Dynastie (618 — 967) dehnte sich der Handel 
mit den Arabern und Persern dort aus, er. war sehr bedeutend vom elften bis 
vierzehnten Jahrhundert. Der Handel scheint demnach von West nach Ost ge- 
gangen zu sein, nicht umgekehrt wie Schumann meint. Die Chinesen hatten 
zwar nach den Annalen der Sui-Dynastie (589 — 619 n. Chr.) in Ceylon Waren- 
lager, sogar 56 n. Chr. sollen indische Schiffe schon nach Kanton gekommen sein.*) 
Im vierten Jahrh. n. Chr. gelangten nach der Reisebeschreibung des buddhistischen 
Priesters Fa-hsien dagegen chinesische Schiffe nach Bengalen und Ceylon, in 
der ersten Hälfte des fünften Jahrhunderts lagen indische und chinesische Schifte 
in Hira, südöstlich von Babylon (Rieh thofen , Warburg). Sehr rege scheint 
aber der Verkehr von China aus nach dem W T esten nicht gewesen zu sein, er 
wurde von 700 an durch arabische und persische Händler ganz zurückgedrängt, 
und erst wieder Anfang des dreizehnten Jahrhunderts scheinen die Chinesen selbst 
mit ihren ungefügen Schiffen einen größeren Überseehandel, zuerst hauptsächlich 
nach dem Sunda-Archipel, betrieben zu haben, 1408 eroberten sie unter dem 
Admiral Cheng-ho mit sechzig Dj unken Ceylon und fuhren 1430 nach Djed- 
dah, dem Hafenort von Mekkah. Jedoch scheinen später diese Fahrten der 
Chinesen nach dem Westen wieder aufgegeben zu sein, und der Handel der 
Fremden in China wird bei dem Fremdenverbot 1523 aufgehört haben. 

Wir können demnach annehmen, daß die Araber erst frühestens im vierten 
Jahrhundert den Zimmt in China kennen lernten und ihn zu Schiff zu etwas 
billigeren Preisen nach dem Westen brachten, als es früher auf dem Landwege 
geschah. Aber im dreizehnten Jahrhundert war er immer noch ein kostbarer 
Stoff", der als Fürstengeschenk diente. So bot 1283 AI Hadj abu Othman, 
der Gesandte Ceylons, dem Sultan von Ägypten Zimmtrinde an. 



*) Die Ausdehnung des indischen Handelsverkehrs mit dem Osten, zuerst mit Java, hängt 
wohl mit der im ersten oder zweiten Jahrhundert n. Chr. erfolgten Auswanderung der indischen 
Buddhisten nach Java zusammen. 



— 303 — 

Bei den Arabern, z. B. um 1200 bei Ibn Batair, finden wir den Zimmt 
mit den Namen dar-sine d. h. »Holz von China«, und saliha, manchmal auch 
kirfah (»Rinde«). Der erste Araber, der den chinesischen Ursprung der Drogue 
nennt, scheint Moses von Kyrene im fünften Jahrhundert gewesen zu sein, 
er sagt : darzenic, darsine kommt aus China. Und unter dem Namen darchini, dal- 
chini ist auch in Indien heute der Zimmt zumeist bekannt, ein Zeichen, daß er dort 
durch die Araber von China aus eingeführt wurde, und daß man den dort selbst 
wachsenden Zimmtbaum erst in späterer Zeit benutzen lernte mit Ausnahme der 
früh gebrauchten Malabathron-Blätter. Und auch der Name Ciiina, Tschina stammt 
ja nicht von den Chinesen selbst, sondern von der malayischen Bezeichnung für 
den Süden des Landes, die dann auf das ganze Reich der Mitte übertragen wurde. 

Der chinesische Zimmt kommt von C in na m m um Cassia Bl., einem 
Baum, der in der Provinz Kwangsi in Südchina aus Samen gezogen wird. Seine 
recht dicke Rinde wird heute noch in sehr großen Mengen von Kanton als kassia 
lignca, kassia v'era der Holländer*) gehandelt. Von dieser selben Pflanze führt 
man auch in großen Mengen die getrockneten, unreifen Früchte unter dem Namen 
Kassia florcs nach Hamburg aus. 

Erst Kazwini (f 1283) und Ibn Batuta (um 1340) erwähnen einen Zimmt- 
baum als wildwachsend von Ceylon. (Vergl. auch Heyd II S. 661). Man beutete 
dort die zufällig von den Flüssen herabgeschwemmten Bäume aus. Johannes 
von Severac bespricht den Zimmt von Ma'abar oder Coromandel, und erst 
Nicolo de Conti findet etwa 1440 auf Ceylon (seinem Zeilam), den guten Zimmt 
in großer Menge wachsen. Es ist unzweifelhaft, daß die C. Zey lanicu m Brcyn. 
dort stets wild vorkam, man wird im Lande selbst das Gewürz auch wohl schon früher 
verwertet haben, aber in irgendwie nennenswerter Menge wurde er von dort nicht 
vor der Mitte des 14. Jahrhunderts gehandelt. 1 5 84 berichtete Philippo Sassetti 
in seinen Briefen an Francesco I. von Medici, daß man auf Ceylon die 
wilden Bäume regelmäßig schälte, 1656 bemächtigten sich die Holländer eines 
Teiles der Insel, aber erst auf Veranlassung des Gouverneurs J. W. Falk begann 
man 1785 damit, diese Bäume plantagenmäßig anzubauen. Die holländisch-ost- 
indische Kompagnie hatte dort das Monopol für dies Gewürz, wie es ebenso 
nach der 1796 angetretenen englischen Verwaltung die englische Gesellschaft 
weiter behielt. 1833 ward das Monopol aufgehoben, aber ein hoher Ausfuhrzoll 
erhoben, der ebenso wie alle anderen Beschränkungen seit 1858 fortfiel. Der 
Zimmt wird in Ceylon auf dem niederen, sandigen Küstenstreifen im Südwesten 
der Insel noch heute massenhaft gebaut, die Bäume behandelt man ungefähr wie 
bei uns die Weiden, damit sie viele junge Triebe machen, aber die Kultur soll 
sich nicht mehr gut lohnen, oder anderes lohnt sich wohl besser, so daß fast 



*) Er wurde wohl zum Unterschied gegen die später Cassia genannte Leguminosen-Gattung 
als Cassia vera bezeichnet. Früchte von Cassia fis tu la werden von den Holländern aus Java 
viel in den Handel gebracht, sie werden in Deutschland bisweilen Manna genannt. 



— 304 — 

alle Pflanzungen sich in Händen von wohlhabenden Singhalesen oder Mischlingen 
befinden, die auf denselben Ländern auch Cocospalmen bauen. Man nimmt an, 
daß jetzt etwa 35000 Acres mit Zimmtbäumen bestanden sind und daß der Acre 
50 — 60 Kilo jährlich bringen kann. Die Singhalesen nennen den Baum kurundu, 
kakaynnama (wohl von Portugiesen eingeführter Name?), die Indier taj, dalchini, 
tikki, die Tamilen karruwa, lawunga, die Telegu lavanga, sanalinga, auf San- 
scrit soll er gudatvak. darasita (?) heißen, die Malayen sagen kidit-manis. kaina- 
manis, (griechisch?), die Araber darsini (China-Holz), kirfah-sailaniyah (Ceylon- 
Rinde), die Perser talikhahe-sailaniya, dalchini (chinesisches PIolz). 

Eine andere Art C. Tamala Necs. wächst im Himalaya, Bengalen, den 
Khassia-Bergen und Birma. Sie gibt zusammen mit den Rinden von C. obtusi- 
foliuni Necs., C. p auciflorum Nees u. a. den Zimmt, der im inneren Ver- 
kehr von Indien teilweise den chinesischen Zimmt ersetzt und der auch von Cal- 
cutta ausgeführt wird. Wahrscheinlich stammten von diesen Arten auch die 
früher viel in den Handel kommenden Folia ijidica. Folia malabathri. auch manch- 
mal nur Folia genannt. Das Wort malabathrum soll von tamol-patkri, tamalu- 
patra. tali-putra kommen.*) 

Diese Blätter waren als malabathron schon Theophrast um 300 v. Chr. 
bekannt und werden 176 n. Chr. in der »alexandrinischen Zollordnung« erwähnt. 
Schon Tab ar n aem 011 1 anus wies im 16. Jahrhundert die Abstammung des 
malabathron aus dem Indischen nach. 

Horaz sagte: »Coronatur nitentes Malabathro Syrio capillos«, der Periplus 
nennt die Drogue von Bakave (Westküste von Vorder-Indien). Dioscorides 
meinte, es sei ein auf dem W T asser schwimmendes Blatt. (Vergl. auch Hart wich 
in Bull. v. h. Kol.-Mus.-Haarlem N. 32. 1905). 

Die C. Tamala heißt in Indien dalcliini, kirkiria. tali-putra. silkanti. tcj- 
pati. tamala, taj. tamal-patra. silkanti. auf Sanscrit tamal. tcs-patra. bei den Ta 
milen talisrapattiri, in Assam dopatti. bei den Arabern zarab. Das Wort patra 
heißt »Blatt«, tamala ist die Benennung des Baumes z. B. im Bezirk Bombay. 
Meistens scheint man auch heute noch in Indien, wie schon der Name dalcJäni 
zeigt, die Rinde aus Südchina zu benutzen, und wahrscheinlich gebrauchte man 
von der heimischen Art C. Tamala in früherer Zeit nur die Blätter. Die Rinde 
von C. ine r s Rein w' aus Ost-Bengalen, Südindien und Birma wird meist medi- 
zinisch, bisweilen auch zu Curries benützt. 

In den Indier-Läden von Ostafrika ist überall der chinesische Zimmt in 
ziemlich groben, dicken Rinden erhältlich, vielleicht dann und wann auch der 
von C. Tamala. Die allgemeine Bezeichnung hier ist dalasini, für den Baum 
mdalasini, also das arabische Wort, und es ist anzunehmen, daß die Araber die 
Kenntnis des Gewürzes hier einführten, wohl zur Zeit ihrer allgemeinen Handels- 



*) Vergl. auch Yule und Burnell S. 543. Zeitweise wurden die Zimmtblätter mit Betel- 
blättern verwechselt, vielleicht benannte man auch ein gewürztes Ol mit inatabathron. 



305 

ausbreitung nach dem Osten und Süden, also etwa zwischen dem 9. und 14. Jahr- 
hundert. Als die Portugiesen nach Ostafrika kamen, fanden sie (März 1498 in 
Mossambik) jedenfalls den Zimmt als Handelsartikel vor. 

Einzelne Bäume sind in Zanzibar und wohl auch auf Pemba und bei Pan- 
gani von den Arabern auf ihren Pflanzungen gezogen, angeblich sollen die ersten 
von Seyyd Said eingeführt sein, wohl zusammen mit den Nelkenbäumen von 
Reunion gebracht. Später hat dann etwa 1893 die Deutsch-Ostafrikanische Ge- 
sellschaft in Derema, einer Kaffeepflanzung in Ost-Usambara, eine Anzahl Bäume 
von Ceylon-Zimmt gepflanzt, die prächtig gedeihen, aber nicht zur Bereitung der 
Rinde ausgenützt werden, weil die Arbeit hier zu teuer wird und der Preis der 
Rinde zu niedrig ist. Ol aus den Blättern Lind der Rinde dieser Pflanzen hat 
Dr. Schellmann in Amani hergestellt. Jetzt werden die Zimmtbäume, die rasch 
eine dichte Krone bilden, sehr gerne als Windbrecher auf den Kaffeepflanzungen 
in Usambara benützt. Früher hatten auch die katholischen Missionare in Baga- 
moyo und in Morogoro einige wenige Zimmtpflanzen in ihren Gärten. Es waren, 
soweit ich mich erinnere, immer die Ceylon-Arten mit deutlich fünfnervigen 
Blättern, während die chinesische Art schmälere Blätter haben soll, an denen nur 
drei Längsnerven deutlich sind. Auf einer Pflanzung in Ost-Usambara wird offen- 
bar die letztere Art gebaut. 

Wieviel Zimmt als Handelsware* hier eingefürt wird, läßt sich nicht fest- 
stellen, da die Statistik ihn nicht besonders nachweist. Es sind, wie erwähnt, 
recht grobe Sorten, den feinen Ceylon-Zimmt mit seinen langen, dünnen Rinden- 
röhren sieht man bei den Farbigen nicht. Der andere aber war schon 1 890 so- 
gar weit im Innern zu haben, so in Tabora, Ujiji usw., dorthin von arabischen 
Karawanen gebracht, allerdings wohl fast ausschließlich zum eigenen Gebrauch, 
denn dieser ist bei den Arabern nicht gering. Sehr viel wird er für Saucen, 
besonders aber bei dem Pillaf (Reis mit zerlassener Butter, Rosinen, Mandeln, 
Zimmt und einem Huhn gekocht), gebraucht, dann macht man ein beliebtes Ge- 
tränk, indem Zuckerwasser mit Zimmt gekocht und gekühlt wird, das in der Tat 
ganz erfrischend wirkt. Auch fügen manche Araber dem Kaffee außer Safran 
auch Zimmt hinzu, was nach unserm Geschmack eine Barbarei ist. Da von den 
Eingeborenen an die Qualität keine großen Anforderungen gestellt werden, sollte 
ich meinen, daß man die hier in Usambara wachsenden Bäume recht gut für 
diesen Lokalbedarf der Farbigen an Zimmtrinde ausnützen könnte. 

Für den europäischen Handel kommen nur folgende Sorten in Betracht : 
I. Kassia lignea oder K. vera (von C. Cassia) aus Kanton und in ge- 
ringen Mengen und in nicht sehr gesuchten Qualitäten von den Sunda-Inseln 
(letztere vielleicht von C. Burmanni />/.). Hamburg und London sind die Haupt- 
märkte dafür. Seit 1893 klagt man über eine sehr starke Verschlechterung der 
Kanton-Sorten, was wohl auf große Überschwemmungen und Frost in Südchina 
1892 und eine Zerstörung von vielen Bänmen zurückzuführen ist, so daß man 
zu junge und noch unreife Bäume ausbeutet. Bisweilen kommen unter diesen 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 20 



306 — 

Handelsnamen auch wohl die Rinden anderer Cinnamomum-Arten in den Handel. 
Die Abfälle werden als »chips« verkauft. 

2. Kassia flores, wie erwähnt die unreifen Früchte der C. Cassia. Sie 
kommen fast ausschließlich in Hamburg auf den Markt in Kisten (ä 2 Pikul von 
je 60,479 Kilo). Von China und Malabar sollen sie auch nach Bombay gebracht 
und von den Arabern sehr gern als Gewürz gebraucht werden [kala nagkesar in 
Indien, yuch-kwei-tsz in China, eine Verfälschung in Turkestan uarmusk genannt). 

3. Ceylonzimmt von den kultivierten Pflanzen, der in London und Hamburg 
seinen Hauptmarkt hat. Einiges wird auch aus Java exportiert, das meiste aber 
aus Ceylon , dessen Qualität unerreicht ist. Die Cortcx malabathri und Folia 
malabathri von C. Tamala dienen wohl nur dem Lokalkonsum in Indien usw. 
(tajpat. tamalapatra, tauschet, pattri in Indien, sadash der Araber, kwei-yoJi der 
Chinesen.) Etwa 300000 lbs. Zimmt aus Cochinchina, der wahrscheinlich von 
C. Lour eirii Nes. stammt, geht meistens nach China für den Eigenbedarf der 
Chinesen, die diese Sorte sehr schätzen sollen. Man behauptet, daß von dieser 
Sorte auch Cassia Flores stammen sollen. (?) 

Von Ceylon wurden 1738 schon 600000 Pfund exportiert, jetzt etwa 600000 
bis 900000 Kilo Röhren und 100 000 bis 250000 Kilo Abfälle (chips), die Rohren 
in zylindrischen Ballen zu 92 V2 lbs. (ca. 45 Kilo). Auch ein wenig von wilden 
Bäumen gesammelte Ware wird ausgeführt (»Jungle«). 

Es kamen in London zur Auktion : 

1898 8572 Ballen 

1899 6532 

1900 5310 ,, und 5905 Kolli Jungleware. 

1901 5809 ,, (Gesamt-Import 7776 Ballen) 

1902 — .- ,, ,, — .— 

1903 4202 „ ,, 7094 ,, 

1904 2294 ,, „ 4706 

1905 2071 „ ,, 2875 

1906 2686 ,, ,, 3044 

Von Ceylon wurde insgesamt verschifft : 

1820 — 1830 320000 lbs. 1897 26745 Fardehle 

1853 956280 „ 1898 25340 

1869 2818326 ,, 1899 25150 

1890 2346000 ,, 1900 26731 ,, 

1896 3032000 ,, 1901 27562 

1902 2555313 lbs. 

1903 3 043 7H ,, 

1904 2871 556 ,, 

Während der Import von London immer abnahm, steigerte sich der von 
Hamburg bedeutend. 



307 



Es wurde nach Hamburg eingeführt an »Kaneek 
1841 — 1850 190 dz. 



1851- 


-1860 


355 


1861- 


-1870 


594 


1871- 


-1880 


1429 


1881- 


-1890 


2303 


1891- 


-1900 


4689 




1901 


7023 




1902 


6376 




1903 


7980 




1904 


7 540 




1905 


8549 




1906 


9031 




1907 


10567 



(7400 Ballen 
(7200 
im Werte von 801450 Mk. (5600 ,, ) nach Gehe. 
,, 820200 „ (7700 
,, 979280 „ (6800 
„1 219290 „ 

Aus dem Umstand, daß ein kleines Quantum davon auch von China und 
Japan kam, ist zu schließen, daß man auch dort die dünnen Ceylon -Röhren 
herstellt, oder daß diese kleinen Mengen (ca. 300 Dz.) ursprünglich aus Ceylon 
stammten. Die Hamburger P^infuhr-Statistik ergibt andere Zahlen als Gehe's 
Marktberichte, wenn man annimmt, daß ein Ballen 45 Kilo enthält. 

Die Preise bei der Einfuhr-Deklaration in Hamburg schwankten sehr. 1850 
notierte man durchschnittlich 465,27 Mk. 

1856 279,77 Mk. pro Dz. 

1865 350,84 

1868 447,52 

1876 336,52 

1880 172,80 

1890 H5,55 

1895 108,25 

1900 124,28 

1904 106,29 

1905 95,94 

1906 108,44 

1907 H5,39 
1906 notierte man in Hamburg für 

für chips 19V2 — 23 Pf. 

Aus Niederländisch-Indien kamen : 

1887 12580 Dz. 

1890 7600 ,, 

1895 9960 „ 

zur Ausfuhr, deren Qualität nicht so gut wie die von Ceylon sein soll. 

Cochinchina exportiert nach China ca. 300000 Pfund einer besonders von 

den Chinesen geschätzten Sorte (von C. LoureiriiT). 



>loco Ware« j6 — 83 Pf. pro L /a Kilo, 



3 o8 



Kassier lignea wurden aus den chinesischen Vertragshäfen nach Semler 
1880 38784 Pikul ä 60,479 Kilo 
1895 136943 „ „ 



1896 



184: 



ausgeführt ; 



1900 
1901 
1902 



59051 Kisten 

34853 ,. * 
56200 

Es wurden nach Gehe & Co. zugeführt: 

In Hamburg : 
22 500 Kisten 
23900 
22800 
25 900 

14 330 

21 050 

9000 



1903 38406 Kisten 
also ca. 47 000 Kisten oder 
ca. 94000 Pikul pro anno. 



1897 
1898 
1899 
1900 
1901 
1902 
1903 



In London : 
5617 Kisten 

9594 
3667 
5922 
1256 
4955 



1904 20890 

1905 22000 

1906 13500 

Nach der amtlichen Einfuhrstatistik gingen nach Hamburg : 

1904 12906 Dz. im Werte von 1 126 480 Mk. 

1905 10776 „ 957800 ,, 

1906 9560 ,, ,, ,, ,, 780990 ,, 

1907 10978 ,, ,, ,, ,, 921700 „ 

Die Durchschnittseinfuhren in Hamburg waren : 

1841 — 1850 3 327 Dz. 
185 1 — 1860 6034 ,, 
1871 — 1880 11 450 ,, 
1891 — 1900 14 193 ,, 

Die Deklarationspreise bei der Einfuhr in Hamburg waren : 



1851 — 1855 


210,85 Mk. 1896 — 1900 


73,04 Mk. 


1856— 1860 


186,10 , 


, 1901 


80,35 „ 


1 861—1865 


170,91 , 


1902 


85,39 ,, 


1866— 1870 


232,42 , 


1903 


72,92 „ 


1871— 1875 


163,31 , 


, 1904 


87,28 „ 


1876— 1880 


85,68 , 


1905 


88,86 „ 


1881— 1885 


70,26 , 


, 1906 


81,69 ,, 


1886— 1890 


40,80 , 


1907 


83,96 „ 


1891 — 1895 


42,24 , 







Ende der 70er Jahre ist der Preis sehr zurückgegangen. 



309 



1906 notierte man in Hamburg 44 V2 — 46 Pf. pro '/ 2 Kilo für »loco selected 
Ware«, für »selected Bruch« 32V2 — 33 Pf- 

1905 wurden in Hamburg bei der Einfuhr deklariert: für China -Ware 91 Mk., 
für Niederländisch-Ostindien 66 Mk., für Japan 72 Mk. ; 1904 für Britisch-Ost- 
indische Ware 84 Mk. pro Doppelzentner. 
Cassia flovcs : 



in London : 
700 Kisten 
450 



Zufuhr nach 


Gehe 


& Co.: 

in Hamburg 




1896 


1625 Kisten 




1897 


1045 




1899 


1840 




1900 


1850 „ 




1901 


1010 




1902 


1510 




1903 


1050 




1904 


85 5 „ 




1905 


i57o 




1906 


1500 



198 — 220 Mk. pro Dz. 



Anders nach der Hamburger Zoll-Statistik : 

1904 697 Dz. im'Werte von 67320 Mk. 

1905 679 99 110 ,, 

1906 353 53730 ,, 

1907 507 , 9996o ,, 

■ Davon kamen 1905 57 Dz. von Britisch-Indien. 

Durchschnittswert 1905 146 Mk., 1906 152 Mk., 1907 197 Mk. pro Dz. 
Zu Beginn 1906 notierte man in Hamburg 87 — 88 Pf. pro '/ 2 Kilo, Ende 
des Jahres sogar 1,50 Mk. 

Lewis & Peats in London notierten für Cassia flores unsrtd., fair selected: 
März 1907 56 sh — d pro Ztr. 

Juni 1907 52 sh 6 d ,, 

Oktober 1907 50 sh — d ,, 
Diese leicht zu sammelnden Cassza-Früchte, die nur sorgsam und schimmel- 
frei getrocknet zu werden brauchen, sollten wir auch liefern können, denn es 
sind nur die Einsammei-, Trocknungs- und Verpackungskosten zu zahlen, nicht 
aber das mühsame Präparieren der Rinde, für welches die Arbeit bei uns zu 
teuer ist. Wenn wir im Hafen Tanga das Kilo zu 1 Rup. verpackt liefern könnten, 
sollte sich der Export noch lohnen, vorausgesetzt, daß die Qualität genügt. 
Diese muß allerdings recht verschieden sein, denn bei der Einfuhr in Hamburg 
deklarierte man 1905 : 1907 

für China -Ware 154 Mk. pro Dz. 198 Mk. 

,, solche aus Niederlande . . . 181 ,, (wohl von Java 311 ,, 
,, ,, von Britisch-Ostindien 51 ,, stammend) 



310 — 

Jedoch sollte sich der Versuch lohnen für unsere Pflanzer, die daraus viel- 
leicht einen immer mitzunehmenden Verdienst erzielen könnten. 

In ganz rohen Zahlen können wir, abgesehen vom Lokalkonsum der Tropen- 
länder, die Weltproduktion von Zimmt pp. schätzen auf etwa: 

Cassia lignea . . . 5 — 5,4 Millionen Kilo, 

Ceylon-Zimmt ... 1 '/ 2 Millionen Kilo, 

Java-Zimmt .... 900000 Kilo, 

Cochinchina-Zimmt 150000 ,, (von C. Lourciriir) 
Cassia florcs . . . 90000 

8. Coriandrum sativum L. 

Der Koriander ist im mediterran-orientalischem Florengebiet, wahrscheinlich 
in Nordafrika, Vorderasien, vielleicht auch bis Indien einheimisch gewesen, aber 
schon sehr früh kultiviert und verbreitet worden. Außer in vielen Ländern Euro- 
pas wird die Pflanze jetzt in Indien überall, in Nordafrika bis in die Sahara hin- 
ein und in Abessinien kultiviert. Ich fand sie seiner Zeit auch am Abfall des 
Walegga-Plateaus nach dem Albert-Nianza zu, doch möchte ich nicht mit War- 
burg annehmen, daß sie dahin durch die Watussi-Wahuma gebracht wurde, denn 
in jenen Gegenden westlich des Albert-Sees gibt es nur sehr wenige Leute dieses 
Stammes, und in den eigentlichen Watussi-Ländern ist sie meines Wissens noch 
nicht nachgewiesen. Ich glaube vielmehr, daß die sudanesischen Soldaten der 
früheren Äquatorialprovinz sie dorthin brachten, wenn auch vielleicht nur durch 
indirekte Vermittelung, und daß die dortigen Pflanzen demnach ursprünglich aus 
dem Sudan bezw. aus Ägypten stammten. 

In Indien wird die Kultur auch schon aus sehr alter Zeit stammen. Der 
Same heißt auf Sanscrit dhanyaka, in Indien heute dhanya, dhana, die Pflanze 
dort kothamira ; die Tamilen sagen kotamalli, die Telegu kotimiri, danyalu, die 
Singhalesen kotambaru, die Araber kusbarah, kurbuzaf, kezirah, gouzbir, keuzber, 
in Turkestan tuchm-i-kashnis. die Perser kushniz, kitnuz. Im Hebräischen soll 
man gad sagen, also ein Wort, wie es ähnlich für den Schwarzkümmel im La- 
teinischen gebraucht wurde. In Ägypten sagt man kusbara, in Algier kesbour. 

In Ostafrika, wo die Samen in vielen Indierläden erhältlich sind, nennt man 
sie nach der Angabe von Guillain viongo-ya-mtcllc (?), von Krapf kusubarra, 
kurubassa, also mit arabischem Namen, nach War bürg dJiania, dhana mit dem 
indischen Namen oder nach Holst gigilani, was im arabischen etwa »Mischung« 
heißen muß (Krapf gibt als Übersetzung an »misctät*). Groß ist der Gebrauch 
nicht und wohl auf die Asiaten beschränkt, welche die Samen zu Curries und 
Gebacken benützen. 

Von Indien aus wird auch etwas Koriander nach Hamburg exportiert, 1905 
z. B. 340 Dz. im Werte von 9030 Mark. 



— 3" — 

9. Cuminum Cyminum L. 
Römischer, Mutter-, Pfeffer-, ägyptischer, Kreuz-, Wanzen - Kümmel 

und wie diese Pflanze sonst noch genannt wird. Die borstigen, auf jeder Hälfte 
mit neun Rippen besetzte Frucht hat einen eigenartigen Geruch nach Wanzen, 
der durch das Cuminal enthaltende ätherische Ol des Samens bedingt wird. Die 
Pflanze ist wild nur von Turkestan, von den Ufern des Kisilkum gesammelt, ist 
aber vielleicht auch im östlichen Mediterrangebiet heimisch. Es ist ein einjähri- 
ges unbehaartes Kraut mit dreiteiligen, fast fadenförmigen Blättern. 

Heute sind Syrien, Marocco, Malta und Ostindien die Hauptexportländer. 
Nach Schwein furths Meinung ist die Pflanze von Syrien aus nach Ägypten ein- 
geführt. Watt meint, daß sie nach Indien, wo man sie jetzt anbaut, von Ägypten 
oder Persien aus eingeführt sei ; hier und da soll sie in Indien verwildert sein. 

Es scheint eine Pflanze zu sein, die schon in sehr alter Zeit im Orient an- 
gebaut war, die hebräische Benennung kammon ist in das Griechische überge- 
gangen als kuminon, ins Lateinische als cuminum, ins Portugiesische als cuminhos. 
Bei den Arabern heißt dieser Kümmel kamun, kemun, kemmün, in Algier kämoiuie, 
kemmoun, kcrouia. Es scheint hier eine alte semitische Bezeichnung vorzuliegen, und 
die Art scheint ihre Wanderung von einem Heimatland angetreten zu haben, wo sie 
die Semiten unter diesem, der Arier unter Bezeichnungen kannten, die mit zira 
verwandt sind, also möglicherweise in den Gegenden südlich vom Kaspi-See, oder 
von Armenien aus. In Persien sagt man zira, ira-safed, im Sanscrit jiraka, jira, 
jiru, in Indien zira, jira, bei den Tamilen siragum, den Te\egu jilakarra, den Bur- 
mesen ace-ya, dze-ya, den Canaresen jiraga. Unsere hiesigen Banyanen aus 
Gudjerat nennen ihn njira. Für die Singhalesen finde ich die ganz abweichende 
Benennung duru, der Name der Malayen jintan ist dagegen vielleicht auch auf 
das arische Wort zurükzuführen, ebenso das von Turkestan scJiirin-safed, zira. 

Dies Gewürz wird in recht beträchtlichen Mengen von Bombay aus nach 
Ostafrika gebracht, wie auch Watt erwähnt. Man findet es in den kleinsten 
Indierläden. Die Leute reiben die Saat zusammen mit kurkuma und anderen 
Gewürzen zur Herstellung des Currypulvers*). Hier wird sie allgemein bizari ge- 
nannt (und nicht der Dill, wie Warburg in Engler's Pflanzenwelt schreibt). 
Dies Wort läßt sich aus keinen der Benennungen für unsere Pflanze ableiten; 
in Krapf's Dictionary of the Swahili Language fand ich aber, daß bizar im 
Arabischen allgemein für »Gewürz« gebraucht wird, er schreibt »condimentum 
ollae, aromata«, offenbar nach dem von ihm benützten Lexicon arabico-latinum 
von Frey tag. Aus dem großen Werke von W att habe ich den Eindruck, daß 
dieser Kümmel gar nicht so sehr viel in Indien verwandt und auch nicht seit sehr 
alter Zeit dort kultiviert wird, ich nehme deshalb an, daß er durch Perser in 



*) Curry, jene bekannte Gewürzsauce zum Reis, stammt nach Yule und Burneil 
(S. 281) aus der Tamil-Sprache, Äari-Sauce vom Verbum kari »to eat by biting«. Die Canaresen- 
Form karil ist von den Portugiesen verbreitet worden und wird noch in Goa gebraucht. Reis 
mit Curry wird angeblich schon durch Athenaeus nach Megasthenes aus Indien zitiert. 



— 312 — 

Indien eingeführt wurde, daß die Araber ihn seit langem als bevorzugtes Haupt- 
gewürz kannten und daß beide ihn hier in Ostafrika einführten. Die Indier 
nahmen sich dann des Handels mit ihm an. Wie alle Umbelliferen wird er hier 
aber kaum gebaut, diese Pflanzenfamilie ist überhaupt sehr spärlich in Ostafrika 
vertreten, aber Versuche haben gezeigt, daß die Art ganz gut in Amani wächst, 
und es ist anzunehmen, daß sie auch in den Hochebenen des Zwischenseenge- 
bietes usw. gedeiht. Ob die Kultur sich aber rentieren wird, weiß ich nicht, 
denn viel Wert wird diese Drogue nicht haben. 

Es ist offenbar das in der Hamburger Einfuhrstatistik als » Spießkümmel « auf- 
geführte Gewürz, und von dem dort eingeführt sind: 

1903 5185 Dz. im Werte von 213700 Mk. per Dz. 41,22 Mk. 

1904 4646 ,, ,, „ ,, 185 170 ,, ,, ,, 39,86 ,, 

1905 5318 , 238340 ,, ,, ,, 44,82 ,, 

1906 3495 ■ ,, 249240 ,, 

1907 4379 ,, ,, ,, ,, 320620 ,, 

Wenn sich bei diesen Preisen der Anbau lohnt, dann können Kleinkolonisten 
immerhin ihn in Ost-Afrika kultivieren. 

Die Früchte des am Himalaya und in Persien wachsenden Carum nigrum 
Royle sollen denen unseres Kümmels sehr ähnlich sehen aber denselben Wanzen- 
Geschmack wie die von Cuminum haben (Flu ckig er). Vielleicht kommen sie 
gelegentlich auch einmal nach Ostafrika. 

10. Curcuma longa L. 

Eine dem Ingwer verwandte Pflanze, die auch äußerlich diesem ähnelt, gibt in 
ihrer Wurzel die als Kurkume bekannte Drogue, Rhizoma curat mac der Droguisten. 
Das was man als »lange und runde" Kurkume bezeichnet, kommt von denselben 
Rhizomen, je nachdem man die Anhängeknollen oder das Stammrhizom nimmt. 
Die Engländer nennen die Drogue turmcric. ein Wort, das durch eine Verdrehung 
von terra merita, terra marita entstanden sein soll. Die Pflanze wird in Südasien 
heimisch sein, doch ist die genaue Heimat schwer festzustellen, da man sie kaum 
je wirklich wild gefunden hat. Zwar will Clarke sie in Behar bei Parasnath 
wild aufgesammelt haben, Lauterbach und Hollrung haben sie in Deutsch 
Neu-Guinea, Volkens auf den Karolinen in einem anscheinend spontanen Zu- 
stand gefunden. Das wahrscheinliche ist, daß die Heimat etwa von Hinterindien 
bis zum malayischen und papuanischen Archipel war, genau läßt sich das aber 
nicht nachweisen. Die Kultur derselben ist aber wohl in den beiden indischen 
Halbinseln entstanden, von wo noch jetzt die größten Mengen der Drogue kommen, 
sonst noch aus Südchina, wenngleich die Pflanze fast überall in den Tropen in 
Kultur sein wird. 

Die gelben Rhizome werden abgebrüht oder lange gekocht, dann auf Matten 
getrocknet. Massenweis wird der Artikel von Bombay und Madras, auch Calcutta 
ausgeführt, etwas noch von Hankow, Formosa und anderen chinesischen Häfen. 



— 3i3 

Die Wurzel enthält 5 — 5,5% eines ätherischen Öles, das ihr den eigenartigen 
Geruch verleiht, und etwa 1/3% eines prachtvollen gelben Farbstoffs, Curcumin, 
der auch in geringer Menge in den Wurzeln anderer Zingiberaceen vor- 
kommt. In Europa wird die Drogue zum Färben und als chemisches Reagens 
benützt, in Indien und seinen Nachbarländern als Gewürz, indem es den Haupt- 
bestandteil des Curry-Pulvers bildet, diesem seine gelbe Farbe gebend. 

Wahrscheinlich hat Dioscorides diese Wurzel, die er mit Ingwer vergleicht, 
schon unter dem Namen kyperos indicos gekannt (Fl ü cki ger), ebenso Plinius 
als cypira. Und als ciperus indicus wird sie noch überall in den mitteralterlichen 
Droguenverzeichnissen geführt. Daneben aber kommt auch die Bezeichnung kur- 
kuina auf, die, wie wir bei der Besprechung von Safran sahen, als Ausdruck für 
»Gelb- in altsemitischen Sprachen, aber nicht im arabischen, vorkommt und auch 
noch für andere Pflanzen (Cr cos) gebraucht wurde. Das arabische Wort für 
gelb ist safran, safr und auch dies finden wir in den arabischen Benennungen 
für Kurkume.*) Garcia dell'Horto nennt sie crocus indicus. 

Die Pflanze (oder das Produkt) heißt auf Sanscrit haridrapeesa, heute in 
Bengalen haldi, ha lud, in Pandjab haldar, halja. in Gudjerat haradul, bei den 
Kanaresen arsina, bei den Malealal manjella-hua, den Tamilen munjal, inanjal. 
den Telegu pasupu, pampi, den Malayen kochnet, kuneer, mannal, marinala, den 
Sundanesen kunit, den Chinesen kiang-hoang (r), in Tnrkestan sap-tschuba, auf 
arabisch hurd, zirsud, uruk-us-safr, kurkun, zarsad, uruk-cs-siibr, auf persisch zard- 
chobah, karkum, dar-zard, zard } in Madagascar gingisy. 

In Ostafrika wird unsere Pflanze manyano (dialektisch mandand) genannt, 
ein Wort, das wohl aus südindischen Sprachen (Tamil manj'at) entnommen ist. 
Es ist wahrscheinlich, daß die Kolonisten, welche die Pflanze und die Drogue 
bei uns zuerst einführten, sie in Südwestindien kennen lernten ; es werden An- 
wohner des persischen Golfes oder Südarabiens gewesen sein. Daß sie nicht die 
arabischen Namen hier einführten, ist nicht sehr verwunderlich, da scheinbar in 
alter Zeit das Gewürz bei den Arabern nicht sehr eingeführt war; die alten 
arabischen Schriftsteller sollen es nur selten erwähnen (Flu cki ger). So werden 
die alten Händler es zusammen mit den Curry-Saucen zum Reis in Südindien 
aufgenommen haben, ohne es vorher gekannt zu haben. Die Indier selbst werden 
es kaum hier eingeführt haben, sie hätten sonst ihren Namen haldi mitgebracht, 
und Tamilen haben hier schwerlich früher Handelsverkehr gehabt, wohl aber 
waren Araber und Perser in sehr früher Zeit in Südwestindien und brachten die 
dortigen Produkte nach Südarabien, besonders nach Aden und den Somalihäfen. 
Ibn Bat uta spricht 1330 in Mugdischu von »grünem Ingwer , el-zendebil-erahdar, 
als Zutat zum Reis, der möglicherweise Kurkume gewesen sein kann (?). Kurz, ich 
möchte annehmen, daß die Kenntnis der Kurkume mit den Reis-Saucen durch die 



) Die Hamburger Einfuhrstatistik schreibt Kurkume, die Droguisten Rhizoma curcumae 
gländer allg( 



die Engländer allgemein Turmerii 



— 3i4 — 

Kolonisten aus dem persischen Golf zwischen dem zehnten und vierzehnten Jahr- 
hundert hier eingeführt wurde. Jetzt ist sie so bekannt, daß die Neger alle gelbe 
Farben rangi-ya-manyano nennen. Zusammen mit Pfeffer und bizari (Cuminum- 
Kümmel) wird unter Zutat von dem fetthaltigen Saft, den man aus zerriebenen reifen 
Kokosnüssen auspreßt (tui-la-nazi) und Fleisch oder Fisch die Sauce mcJiuzi (dialek- 
tisch mtuzi) daraus hergestellt, die an der Küste alle wohlhabenderen Leute als 
Zutat zum Reis oder Mehlbrei gebrauchen, während die Armeren Gemüsesaucen 
nehmen, denn trocken ißt der Neger seine Speisen nur sehr ungern. Die Zuspeise 
zum Reis oder Mehlbrei im Allgemeinen wird kitoivco. kitolco genannt. 

In den Dörfern in der Küstennähe wird auch die Pflanze angebaut, ebenso 
findet man sie bei den früheren arabischen Niederlassungen im Innern und an 
Orten, wo offenbar in alter Zeit einmal eine Siedelung Fremder war, so z. B. in 
Usaramo und Usambara. Viel verbreitet aber ist sie hier nicht, und die Produktion 
genügt bei weitem dem Bedarf nicht. Es werden demnach ziemliche Mengen 
der Wurzel von Bombay aus hier eingeführt, die von Arabern, Indiern usw. zu- 
sammen mit den anderen Curry-Ingredienzen auf Steinen gemahlen werden in 
der Mischung, die den Leuten gerade am meisten behagt, während der Europäer — 
und oft auch der Indier — das in Flaschen aus Indien fertig kommende » Curry - 
Powder« benützt, das ja auch in Deutschland in den Delikateßläden erhältlich 
ist. Wieviel allerdings von der Wurzel hier eingeführt wird, kann ich mangels 
einer Statistik nicht sagen, da viele Gewürze zusammengezogen werden, unter 
diesen aber ist Kurkume- und Cummum-Kümmel jedenfalls die Hauptmasse. Ob 
bei der ziemlichen Billigkeit der Wurzel der Anbau sich hier lohnen wird, weiß 
ich nicht; im Innern, wo hohe Transportkosten zu decken sind, wohl sicher, 
wenn genügend Absatz dadurch geschaffen wird, daß die Eingeborenen die 
Wurzel mehr als bisher als Gewürz benützen. 

Im Handel spielt der Stoff immerhin eine Rolle, der Hauptmarkt scheint 
London zu sein, aber auch in Hamburg wurden eingeführt : 

1903 6881 Dz. im Wert von 144 100 Mk. pro Dz. 20,94 Mk. 

53340 „ „ ,, 17,44 „ 

„ „ „ 78350 24,77 - 

„ „ „ 97 570 »'. » .» 30,00 „ 

„ 256550 „ „ ,, 38,00 ,, 

In London notierten Lewis & Peat im Oktober 1907: 
für Turmerik bengal 20 sh pro ctw. 
,, ,, Madras 19 — 20 sh pro ctw. 

cochin 19 sh pro ctw. 
(Die »fingers« 3 — 4 sh höher als die »bulbs«.) 

Da von dem Importpreis in Hamburg noch Fracht, Verpackung usw. ab- 
geht, möchte ich bezweifeln, ob sich der Anbau für den Export lohnt, wenn 
der Doppelzentner in Ostafrika höchstens 10 — 14 Mk. Wert ist. 



1904 


3058 


1905 


3163 


1906 


3223 


1907 


6790 



— 3i5 — 
11. Curcuma Zedoaria Roscoe. 

Eine der Kurkumc nahe verwandte Zingibcraccc liefert in ihren Rhizomen 
die Zittwerwurzel, die als Gewürz und Medikament • — in Europa jetzt nur zu 
letzterem Zweck — dient. Sie wird jetzt meist in Ceylon von Farbigen kultiviert 
und kommt über Bombay in den Handel. Wild ist die Pflanze im östlichen 
Himalaya, in Ceylon und Hinterindien gefunden. In Europa ist die Wurzel seit 
dem 6. Jahrhundert (Aetius) bekannt. 

Das europäische Wort zittwcr, zitbar, zerumbet kommt aus dem persischen 
zarambad, das zedoaria aus dem arabischen jtidwar, zadwar, djeduar, dscJiadiuar. 
und es ist anzunehmen, dal] die Kunde der Drogue durch Araber oder Perser 
nach Europa kam. 

Im Sanscrit sagte man sati, karchura, im heutigen Indien sliuti, banhaldi, 
karcJiur-omu, sati. kathura, kachura*) bei den Tamilen kapur-kichili, kasturi-maujal, 
den Telegu kichli-gadda, kusthitri-pasupu, den Singhalesen wal-kaha, den Malayen 
tomon, in Burma tha-nu-wen, in China thien-chuh-kan-kiang, auf Arabisch zeram- 
bad, zadwar, mahfirfeen, dschadwar, zarwar, zadawßr, thwarah, in Turkestan 
zamabad, in Persien jadivara-khatai, auf der Halbinsel Malakka tamu-lawas. In 
Indien wird die Knolle mit dem Holz von Ceasalpinia Sappan zusammen zer- 
rieben als ab/n; phag und in Gestalt von rotem Pulver bei Festlichkeiten verstreut. 

12. Elettaria Cardamomum White et Maton 

ist die Stammpflanze des meisten im Handel befindlichen Kardamoms, des so- 
genannten runden oder kleinen Kardamoms. Es ist eine in Südwest-Indien, an 
der Malabarküste, in Travancore wildwachsende und in Halbkultur befindliche 
Zingibcraccc, die man in Ceylon, W T estindien und sonst in den Tropen auch 
kultiviert. Nach Schumann ist davon der lange Kardamom als E. major 
Smith, spezifisch verschieden (»Zingiberaceae < in Engler's Pflanzenreich IV. 
46. 1904), die in Ceylon wild wächst und ein weniger geschätztes Handelsprodukt 
gibt. Aus einem knolligen Rhizom kommen die bis 3 m langen Blätter und die 
Blüten und Früchte tragenden etwa spannenlangen Stengel heraus, an denen 
die kleinen, dreikantigen, ledrigen Kapseln reifen, die kleine Samen enthalten. 
Die Kapseln sind die Kardamomen des Handels. 

In Indien wurden diese Früchte vermutlich in recht früher Zeit benützt, sie 
finden sich in Susruta als cla genannt. Da aber das Alter der indischen medi- 
zinischen Literatur nicht sehr groß ist, kann man genaueres über die Zeit des 
Gebrauchs in Indien nicht angeben. Vielfach meint man, daß die von Theo- 
phrast und Dioscorides erwähnten kardamomou und amomon dies Gewürz 
ist, doch ist das, wie Flückiger sagt, ebensowenig festzustellen, wie die Be- 



*) Als kachitr werden auch noch die Knollen von Hedychium spicatitm und 
Zingiber scrumbet bezeichnet. 



— 3i6 — 

deutung von Plinius' amomis, amomum. cardamomum sowie ebenso benannten 
Droguen ans der »alexandrinischen« Zolltafel usw. 

Es ist zunächst sehr auffallend, daß die Namen für diese Drogue und ver- 
wandte Arten bei den indischen und semitischen Völkern, von denen die Griechen 
und Römer sie doch bezogen haben mußten, auch nicht die leisesten Anklänge 
an die klassischen Namen haben, die demnach irgend wie Neubildungen sein 
müßten. A-momos könnte ^gegen Unreinheit* d.h. >Gegengift bedeuten; daß 
es mit momos Schande etwas zu tun hat, ist unwahrscheinlich. Dioscorides 
(erstes Jahrhundert) sagt, daß man die Kardamomen aussuchen müsse, welche 
voll und zähe beim Zerbrechen seien, daß sie scharf und bitter beim Geschmack 
seien und daß ihr Geruch Schwere im Kopfe verursache. Nach ihm sollen sie 
aus Armenien und vom Bosporus, aber auch aus Arabien und Indien kommen, 
Galen (zweites Jahrhundert) bemerkt, daß die Kardamomen weniger scharf aber 
angenehmer als Nasturtium und von ein wenig bitterem Geruch seien. Nach 
einem griechischen Lexikon wird to-kardamon mit einer Art »Kresse« übersetzt, 
die austrocknende Wirkung habe, weshalb die Perser sie gerne gebrauchten. Nach 
den Angaben von Watt gibt ein Muhammed Hussain an, daß der griechische 
Name des richtigen Kardamom katidaus sei (vielleicht arabisch kati-djaus, djaus 
gleich Nuß), und der syrische Name sharfiyun, shusma. 

Ich glaube, wir kommen auf eine Vermutung, wenn wir die Namen von 
anderen indischen Gewürzen, die durch Vermittlung der Araber im Altertum 
in das Mittelmeergebiet gelangten, in Betracht ziehen. 

Schumann macht darauf aufmerksam, daß das Suffix mom bei solchen 
Droguen recht häufig vorkäme. Aus asyphe wird asyphemon, aus casia cassa- 
mou. aus kaneh kinucmon. kinnamomon. So bleibt, wenn wir kardamomon ana- 
lysieren, die Zusammensetzung kard-amomon, von amomon bleibt eventuell amo~ 
uioji. Nun finde ich außerdem in Glasers botanischem Wörterbuch, daß man 
mit amomum auch den Ingwer bezeichnete, und daß das Wort vielleicht mit dem 
arabischen liamama zusammenhinge. Dies soll aber nach Gar cia de 11' horto 
eine Art Sphangnum sein (Watt); nach D ragen dor ff aber die Primulacee 
Diony sia diap ensiaefolia Boiss. aus Persien, die amomum oder liamama 
genannt würde. Es wird eine ganz interessante Aufgabe für den Sprachforscher 
sein, dem nachzuforschen; mir fehlen Kenntnisse und Literatur dazu, aber ich 
habe das Gefühl, daß die Alten mit den Worten amomum. amomon. kardamomon. 
alle möglichen Spezereien bezeichnet haben können, dal] speziell amomon eine 
Bezeichnung für Spezereien, besonders Räuchermittel überhaupt war. Es ist sehr 
gut möglich, daß man irgend welche Samen von Zingiberaceen damit meinte*), 
vielleicht aber auch ganz was anderes. Bei dieser Gelegenheit könnte der Linguist 
auch untersuchen, ob das Wort amomon in irgend einer Beziehung zum Dienst 



*) Im sechzehnten Jahrhundert bezeichnete Valerius Cordus den Amomum virum 

als identisch mit den A'o/vcw/ra-Kardamomon von Abessinien (Annotationen zum Dioscorides. 1 . 



— 3i7 — 

des Gottes Amon, Ammon stand (vielleicht Räuchermittel?), und ob auch die Be- 
zeichnung für die Ammoniak-Harze aus Ferula und anderen Umbelliferen Arten 
damit zusammenhängen. 

Die Malabar-Cardomomen wurden im Sanscrit nach W a 1 1 cla. upa-kunchika, 
prithweka, chundruvala, nislikosli. balioola genannt, der Ausdruck cla scheint der 
übliche gewesen zu sein. Die heutigen Indier sagen chotti-ilachi (kleiner Cardamom), 
elaich, ilagachi, barra-ilachi, shoskmir (vergl. das syrische skusma), die Tamilen 
elettari, cla-chcddi, clla-kay. vittula, ela-ka, die Telegu elaki-chettu, yela-kulu, sanna- 
elaki, ela-kaya } die Singhalesen rata-ensal, die Malayen capulaga, puwar, die 
Perser kakclali-scghar. kakilahe-khurd, die Araber kakula, ebil, qaqilah, kh-air- 
baiva, hei, hel-bawa, chirbawa, shoskmir, kal, in Turkestan chel, bei den Bur- 
mesen pa-lah, ba-la. 

Vom sechsten Jahrhundert an mindestens hat man aber unser Kardamom 
und verwandte Gewürze gekannt, denn Alexander Trallianus beschrieb den 
enthülsten und den Trauben-Kardamom (amomom botrus), welch letzterer nichts 
anderes sein kann als die Früchte von Amomum card amomum, des Siam 
Cardamoms, die oft in den ganzen Fruchtständen, also in Traubenform, in den 
Handel kommen. Ist also meine obige Ansicht richtig, daß die Namen der 
Alten amomom und kardamomom verschiedene Gewürze bedeuteten, so hat man 
etwa seit dem sechsten Jahrhundert die Früchte von unsern Zingiberaceen damit 
speziell bezeichnet. Auch Massudi hat im neunten Jahrhundert aus Hinterindien 
wahrscheinlich den Trauben-Kardamom gekannt, E d r i s i im zwölften Jahrhundert 
aber wahrscheinlich die aus Ceylon kommenden Früchte von E. major. Mit 
dem Ausdruck cardamomum-majus wurden aber bisweilen die großen Früchte 
von Af ra in o in it in- Arten, besonders von der koraima aus Abessinien oder der 
A. Maleguetta von Westafrika, deren von der Hülle befreite Samen als "Paradies- 
körner« galten. Barboza sah 15 14 den Cardamom von Malebar in seinem 
Heimatland. 

In Ostafrika sind die Früchte von Cardamom unter dem Namen eliki be- 
kannt, Araber und Indier benützen sie gerne als Gewürz. Wann sie hier zuerst 
eingeführt sind, läßt sich nicht feststellen. Sie werden von jetzt Bombay ein- 
gebracht. 

Diese Art ist in kleinem Maße in Nderema, Ost-Usambara und auf einigen 
anderen Plantagen gepflanzt worden, wo sie ganz gut wächst, aber sie scheint 
sich nicht genügend zu rentieren, um eine Ausdehnung der Anlagen zu veran- 
lassen. Zur Erzeugung eines guten Produkts wird man die Pflanze ebenso wie 
in ihrer Heimat in Waldlichtungen anbauen müssen. Auch macht die Präparation 
der Droge einige Schwierigkeit, denn der Handel will nun einmal eine ganz 
besonders weiße Sorte haben, die in Indien durch Bleichen mit Schwefel und 
Färben mit Stärke erzielt zu werden scheint. Vor einiger Zeit aber soll man in 
Ceylon eingesehen haben, daß der einfach in der Sonne anstatt wie sonst im 
Ofen getrocknete Cardamom viel gehaltvoller sein soll, als der weiße und für 



3 i8 



diesen »grünen« Kardamom soll in Ceylon gute Nachfrage und gute Preise ge- 
wesen sein. 

Anscheinend gebraucht man das Gewürz in der Liqueurfabrikation und be- 
sonders bei der Würzung von Würsten. 

In Hamburg wurden eingeführt nach der Einfuhrstatistik: 

1903 1287 Dz. im Wert von 416900 Mk., pro Dz. 323,93 Mk. 

1904 1320 ,, ,, ,, ,, 443 200 ,, „ ,, 335,7 6 >, 

1905 1 179 „ „ ,, „ 303310 „ ,, „ 257,26 ,, 

1906 912 ,, ,, ,, ,, 286680 ,, ,, ,, 311,00 „ 

1907 909 ,, ,, ,, ,, 329100 „ „ „ 360,00 „ 

Der Export von Ceylon betrug von »Fructus cardamomi« *) : 

1895 374635 Ibs. 1900 537455 Ibs. 

1896 452 595 >. 1901 559 704 „ 

1897 532830 ,, 1902 615922 ,, 

1898 531573 ,, 1903 909418 ,, 

1899 499959 ,, 1904 995680 ,,- 

Von 1905 an sollen die Preise in die Höhe gegangen sein, da die Pflanzungen 
in Ceylon durch große Trockenheit vielen Schaden gelitten hatten. 
Ende 1906 notierte man in Hamburg pro '/ 2 Kilo: 

,,Kurant Ceylon und Malabar ungebleicht" 1,70 — i,8oMk. 

„Mittel bis fein gebleicht Ceylon" 1,70 — 2,80 ,, 

„Ausgehülster Kardamom" 2,70 — 2,80 „ 

Die Zufuhr von echter Malabar-Ware soll fast ganz gefehlt haben, die Ceylon- 
Pflanzungen schränkten ihren Anbau ein, wodurch die Preissteigerung kam. 
In London notierten Lewis & Peat im Oktober 1907: 

für Malabar Kardamoms 1 sh 5 d bis 2 sh — d pro Ibs. 
Fellicherry „ 1 „ 6 ,, „ 2 „ 6 „ „ 

Mangalore „ 1 „ 8 ,, „ 2 ,, 6 „ „ 

Ceylon Mysore „ I „ 3 „ „ 3 „ 3 „ „ 

Malabar „ 1 „ 5 ,, „ 1 „ 6 ,, „ 

„ „long wild" „ — „ 6 „ ,, 2 „ — „ „ 

Man sollte meinen, daß bei dem Preise von 2,50 — 5,60 Mk. pro Kilo die 
Produktion sich auch hier lohnen sollte, wenn die Pflanze gut wächst und ein 
vollwertiges Produkt liefert. Auch könnte man den Bedarf von Zanzibar durch 
unsere Pflanzungen decken. Viel hat man sich hier aber noch nicht mit dieser 
Kultur abgegeben, und ich glaube nicht, daß im ganzen mehr als 3 Hektar mit 
Kardamom bestellt sind. 



*) Zu bemerken ist noch, daß Semen amomi des Handels nicht von diesen Pflanzen, 
sondern von P im eilt a abstammt und aus Amerika kommt. 



— 3i9 — 
13. Foeniculum vulgare MM. 

Die Samen des Fenchel kommen in den hiesigen Läden der Indier zum 
Verkauf. Die Pflanze ist von den Azoren bis Kurdistan und Persien, von Nord- 
arfrika bis Ungarn verbreitet. Die in Indien gezogene Sorte, die viele als eigene 
Art F. Panmorium D. C. bezeichnen, ist wohl nur eine Varietät, ebenso wie 
die europäische süße Sorte F. dulce Mill. nur eine Kulturform darstellt, deren 
Früchte als »Fructus Foeniculi romani « bei uns bekannt sind. 

Der Fenchel ist im Mittelmeergebiet seit der Urzeit angebaut, wird im 
Papyros Ebers genannt, er hieß bei den Griechen marathron, marathon. welchen 
Namen er in Griechenland heute noch führt. Die Lateiner nannten ihn fenicu- 
lum, woraus die meisten jetzigen europäischen Namen geworden sind. 

In Indien soll der Fenchel überall kultiviert, manchmal auch wild gefunden 
werden, der Same der dortigen Varietät ist hellgelb und schmäler als der in Europa. 
Sein Name im Sanscrit ist moodorika, madhurika, in Bengalen sagt man moorcc, 
muri, goowa, mauri, muhori, im Hindustani sonf, mayuri, sfrombu, sopu, somp 
panmuohri, in Gudjerat wareali, variyali. wariari (so nennen unsere Banyanen 
in Ostafrika die Samen), die Tamilen sagen paitn-siragam, die Perser badian/') 
die Araber razinuj. razijauag, barhalia, bisbas, shamar, (so in Ägypten), in 
Algier besbes, die Tuareg semsous, in Turkestan arba-badian; Brugsh vermutet 
nach einer Notiz bei Dragendorff, daß besbes der ägyptischen Papyri der 
Fenchel gewesen sei (ganz ähnlich — b/sbes, besbas - ist heute die arabische 
Benennung für die Muscat-Macis). 

In vielen Indier-Läden ist der Same unter dem Namen wariari in Ostafrika 
zu haben, offenbar als Küchengewürz. Eine große Rolle spielt er anscheinend nicht. 

Aus Britisch-Ostindien wurde 1905 nach Hamburg eingeführt: 
891 Dz. Fenchel im Werte von 23860 Mark. 

Der wie Bleichsellerie gezogene Fenchel (finocchio der Italiener), dessen an- 
geschwollene Blattstielbasen man als Gemüse ißt, wächst hier in Amani 
recht gut. 

14. Myristica fragrans Hout. (1774). 

Der Muskatnuß-Baum ist ein prächtiges Gewächs, das bis 20 Meter hoch 
wird und eine dichte Krone von 5 — 15 cm langen, 3 — 7 cm breiten Blättern 
und unscheinbare Blüten trägt, von denen die männlichen und weiblichen auf 
verschiedenen Bäumen stehen (zweihäusig). Die Heimat der echten Muskatnuß 
ist sicher auf den Molukken und zwar speziell nur auf den Banda-Inseln gewesen, 
d. h. auf dem Bogen vulkanischer Inseln, die nördlich mit Ceram beginnend, die 
Banda-Inseln an der Nord-, Ost- und Südseite umgibt und in der Nähe von Ti- 



'*) Als badian wird sonst im Handel die Frucht vom Sternanis (II 1 i ci u in anisatitm) 
bezeichnet, ein Name der nach Hirth aus dem Chinesischen stammt, die 8 Kerne davon 
heißen ßa-yon (kantonesisch jmt-yan), die Frucht selbst ßa-kio (kantonesisch ßat-kok = » Achthom«J. 



— 3 2 ° — 

raor endet (Warburg). Durch die Holländer ist der Baum dort bis auf die 
Banda-Inseln ausgerottet worden, später wurde er aber nach Java, Sumatra (Ben- 
kulen, Padang, Lampong, Deli usw.), Minahassa auf Celebes, Penang, Singapore, 
Westindien (Grenada, Trinidad, Jamaica usw.), Ceylon, Mauritius, Reunion, Zanzi- 
bar, Südindien (Goa, Tinnevelly, Courtallam usw.) verpflanzt, meist Anfang des 
19. Jahrhunderts. Der Baum wächst in den Wäldern niedriggelegener Gebiete 
und liebt Schatten und Feuchtigkeit. 

Warburg hat in einer großen Monographie (Die Muskatnuß, Lpz. 1897) 
und in seiner -Monographie der Myristicaceae« (Halle 1897) die Geschichte und 
Botanik der Pflanze in ausführlichster Weise behandelt, dann ebenfalls Janse (de 
Nootmuskaat-Cultuur in de Minahassan en op de Banda Eilanden, Batavia 1898). 
so daß ich hier der Vollständigkeit wegen nur in kurzen Notizen die Resultate 
von War bürg gebe. Wer sich für die Geschichte dieses Gewürzes und beson- 
ders für die Kulturgeschichte der Gewürze überhaupt interessiert, der lese die 
prächtigen Schilderungen in dem erstgenannten Werk nach, in dem auch die 
ganze Geschichte der Entdeckung der Gewürzinseln und des holländischen Ge- 
würzmonopols in extenso behandelt sind. 

Die klassischen Völker haben die Muskatnuß nicht gekannt. Denn das 
komakon des Theo ph rast kann jede andere wohlriechende Frucht Indiens, 
vielleicht die Cubebe gewesen sein; das von Plautus gebrauchte ///aas ist ein 
Phantasiename; Plinius' caryopon ist das flüssige Ol einer syrischen Frucht; 
die viel vom 1. Jahrhundert n. Chr. an erwähnte Drogue macer stammte von 
Ailanthus malabarica D. C, die hiermit oft als identisch erklärte arabische 
Drogue tJialisafar wahrscheinlich größtenteils von Holarrhena antidy sente- 
rica Wall. Die von Dioscorides erwähnte indische aromatische Fruchtrinde 
iiarcaphtuu/ war jedenfalls nicht unsere ///acis : die von Celsus und Dioscori- 
des genannte balanus myrepsike war wahrscheinlich Moringa oleifera. Der 
Periplus erwähnt weder Nelken noch Muskat, und ebensowenig die >alexandri- 
nische« Zolltafel um 176 — 180. n. Chr. 

Die ersten Beziehungen von Vorderindien mit Java scheinen von der Zeit 
an zu datieren, als von Indien Buddhisten nach Java im 1. oder 2. Jahrhundert 
auswanderten, erst von dieser Zeit an beginnt die dortige Handelsgeschichte, und 
auf etwas weiter ausgedehnten Fahrten werden die Leute auch die Muskatnuß 
gefunden haben, für welche die ursprünglichen Einwohner der Banda-Inseln offen- 
bar keinen Gebrauch hatten. Dadurch ist es erklärlich, daß im ganzen Sunda- 
Archipel und in den Molukken die Frucht mit einem sicher aus Indien stam- 
menden Namen bezeichnet wird. Das/«/« kommt unzweifelhaft von dem indischen 
phala Frucht ; die Indier nennen heute die Muskatnuß jae-phaL jati-phala. Wo- 
her das jac, jaye, jaji, jati, zati usw. kommt, ist nicht zu ermitteln, vielleicht ist 
es eine Benennung der Insel Java, oder aber es könnte mit dem arabischen 
djausz (Nuß) zusammenhängen. Die medizinischen Bücher der Indier sind nicht 
sehr alt, so daß man authentisches über die Zeit, wo die Nuß dort bekannt 



— 32i — 

wurde, nicht weiß; aber man kann annehmen, daß sie in den ersten christlichen 
Jahrhunderten bei ihnen gebräuchlich war. Sehr schwer ist zu sagen, wann die 
Araber sie kennen lernten, die doch seit recht früher Zeit in Indien und auch 
wohl noch weiter östlich Handel trieben. In ihrer Literatur ist sie zuerst im 
7. Jahrhundert von Ahroun (Aron) genannt, dessen syrisches Kompendium bei 
Serapi o zitiert ist; ferner von Isaak ibn Am ran, der zwischen 903 und 906 
in Kaiman hingerichtet wurde. Ich sollte meinen, daß bei den sehr ausgedehnten 
Handelsverbindungen der kushitischen Anwohner des persischen Golfes es gar 
nicht unmöglich ist, daß diese Leute sogar noch vor den Indiern oder ebenso 
früh das Gewürz kennen lernten. Die Expansion der Araber mit der Verbrei- 
tung des Mohammedanismus aber wird erst die Kunde der Muskatnuß in weite 
Länder gebracht haben, und damit auch zum Mittelmeer. Denkbar aber un- 
sicher ist es, daß der im 6. Jahrhundert in Alexandien lebende, christliche Arzt 
A e t i ü s das Gewürz als nux indica und Ingredienz seines suffumigium moscha- 
tuiu kannte. Der erste, der es 1078 sicher als karyon aromaticon nennt, ist 
Simeon Sethi, und in der Folge findet sich die nux myristica oder nux 1110- 
schata immer häufiger erwähnt. So ist es wahrscheinlich, daß die Muskatnuß 
spätestens Ende des 9. Jahrhunderts durch Vermittelung der Araber am Mittel- 
meer bekannt geworden ist, allerdings nicht mit ihrem arabischen Namen. Die 
älteren arabischen Autoren gaben Indien als ihr Heimatland an, jedoch der 
zwischen 916 und 920 in Indien reisende Masudi weiß, daß sie von »weiter öst- 
lich« kam. Erst Niccolo Conti , der 1419 — 1444 in Indien und auch auf Java 
war, schreibt, daß die Muskatnuß von Osten, von der Insel Sandai, käme, ein 
Name, der wohl aus dem arabischen sandji, dem > äußersten Platz der Welt« 
gemacht ist*). 

Die Chinesen erwähnen die Frucht erst im 12. oder zu Beginn des ^.Jahr- 
hunderts. 

Der Verkehr der Araber mit Banda und den anderen Inseln, auf denen die 
Muskatnüsse wuchsen, scheint aber viel geringer als mit den eigentlichen Molukken 
gewesen zu sein, wo 1322 schon Araber sich in Ternate angesiedelt und 1465 
der König Marhum zum Mohammedanismus übertrat. Aber auch in Banda 
hatte man schon vor Ankunft der Portugiesen den Glauben Mohammeds ange- 
nommen, und seit 1465, wahrscheinlich aber früher, fuhren die wohl dem ma- 
layischen Stamme angehörenden Bandanesen nach Ternate , um dort Nelken 
zu holen. 

Malakka, ferner Ormus und Calicut, scheinen bei der Ankunft der Portugiesen 
die Emporien für den Gewürzhandel gewesen zu sein. Von Malakka aus fuhren 



*) Ich halte mich an War bürg' s ausführliche Darstellung. NachYule und Burneil 
(S. 529) wird macis erst sicher bei Edrisi 11 50 erwähnt als Produkt des Inselkönigreichs Sanf 
oder Champa des Königs Mihräj. Die Autoren geben zu bedenken, ob das Wort macis nicht 
vom arabischen basbäsa abzuleiten ist, vielleicht in Verwechselung mit dem antiken macer, macir. 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 21 



— 322 

auch die Portugiesen, geführt von Nakhoda (Kapitän) Ismael, sicher einem 
Mohammedaner, im Dezember 151 1 unter Antonio d'Abreo nach Banda. 

Zuerst in Konkurrenz mit den Spaniern, dann seit 1529 allein, und oft im 
Kampfe mit den Eingeborenen, waren die Portugiesen die Besitzer der Gewürz- 
inseln und damit auch des Monopols mit den Gewürzen. Gegen Ende des 16. 
Jahrhunderts aber verloren sie ihre Macht über Banda ganz, und asiatische Händler 
ließen sich dort wieder nieder, um in Malakka die Gewürze an Portugiesen zu 
verkaufen, bis 1602 die Holländer den ersten Monopolvertrag in Banda ab- 
schlössen, nach dem sie zuerst 1599 Banda besucht hatten. 

Von 1621 — 1796 hatten dann die Holländer das absolute Gewürzmonopol auf 
den Molukken. Sie rotteten eine große Menge der Muskatnußbäume aus, die sie 
nicht kontrollieren konnten, vernichteten auch riesige Mengen der schon geernteten 
Nüsse im Osten und in Holland, um die Preise zu halten. Und nach der kurzen 
englischen Okkupation von Niederländisch-Indien wurde das Monopol noch weiter 
geführt, so daß es de facto erst 1873 ganz erloschen ist. 

Im Jahre 1754 erhielt der frühere Missionar, später »Ministre de France« 
und dann noch später Gouverneur von Mauritius und Reunion, Po i vre, einige 
Muskatpflanzen, aber erst 1770 gelang es ihm, sie in Mauritius und Reunion 
einzuführen, ebenso glückte in der Folge die Zucht auf den Seyshellen und 
in Cayenne. 1864 wurden von Reunion 2500 Kilo Nüsse und 450 Kilo Macis 
ausgeführt, später aber ging die Kultur dort sehr zurück. 

Anfang des 19. Jahrhunderts brachten Araber von Mauritius oder Reunion 
einige Pflanzen nach Zanzibar (wahrscheinlich zusammen mit den Nelkenbäumen). 
Man kultivierte sie dort in den Gärten der Araber. Es gibt noch heute einige 
sehr große und gute Bäume davon, z. B. ein Prachtexemplar neben dem großen 
Hause in Dunga; aber irgend eine Bedeutung haben sie nie gehabt. Möglich 
auch, daß einmal Pflanzen nach der Küste (Pangani) gebracht sind, ich habe aber 
davon nichts gehört. In Daressalam und bei Amani wollten sie noch nicht ge- 
deihen. 

So weit mir bekannt, sind in Deutsch-Ostafrika keine Muskatbäume vor- 
handen, und ich kann ihre Kultur auch nicht empfehlen, denn es wird nur sehr 
wenige Stellen geben, wo Klima und Boden für sie geeignet sind; dann muß 
man wenigstens neun bis elf Jahre auf einen Ertrag warten, um endlich jährlich 
etwa drei bis vier Pfund Nüsse und ein Pfund Macis pro Baum (in guten Jahren) 
zu erzielen. Für Europäer ist die Kultur jedenfalls nicht mehr rentabel. 

Die Gesamtproduktion der Erde wird nach W arburg 1,6 Millionen Kilo 
Nüsse und 0,93 Millionen Kilo Macis betragen, von etwa 1050000 Bäumen. 

Die Nüsse werden meistens gekalkt in den Handel gebracht ; man tut das, 
um schädliche Insekten von dem Zerstören der Ware abzuhalten. 

In Ostafrika sind die Nüsse als kungu-manga bekannt, also als »Nüsse von 
Maskat«. Kiingu ist, wie wir sehen, in einigen Dialekten die Bezeichnung für 
Telfairia (auch für die Kerne von Bau Zinna reticulata DC)\ man nannte 



;23 



demnach die neueingeführten Kerne nach den bereits bekannten, aber die 
Bezeichnung manga deutet darauf hin, daß die Araber sie einführten. Mit dem 
richtig arabischen Namen ist aber die macis bekannt, dieser im frischen Zustand 
schön rosenrote Arillus der Nuß, der basbasi genannt wird, im arabischen besbcse, 
bisbese, befbase*) (die richtige Schreibweise ist bisbasa). Dagegen nennen die 
Araber die Nuß dschaus-buwa, gauz-bauwa auch gauz-ut-tib (üb = Wohlgeruch), 
persisch jouz-boya, afghanisch jouza-bia. Ganz, dscliaiis ist Nuß, bu oder bui ist 
im persischen Wohlgeruch, man sagt also in allen diesen Sprachen »wohl- 
riechende Nuß«. 

Wann die Muskatnuß in Ostafrika bekannt wurde, habe ich nicht feststellen 
können, Strandes erwähnt sie nicht unter den Gewürzen, die den Portugiesen 
bei ihrer Ankunft gezeigt wurden. Und aus dem Worte kungu-manga ist zu 
schließen, daß sie erst zur Hauptzeit der Maskataraber eingeführt wurde, denkbar 
aber auch früher. Sie ist bei Arabern und Indiern recht beliebt und gilt besonders 
als Aphrodisiacum. Wieviel hier eingeführt wird, läßt sich bei der Zusammen- 
fassung der verschiedenen Gewürze in der Zollstatistik nicht ermitteln. Der Import 
wird durch Indier vermittelt, wohl durchweg über Bombay. Hamburg führt jährlich 
je für 2 — 300000 Mk. Muskatnüsse und Muskatblüte (Macis) ein, neuerdings (1906) 
den DZ. zu 206 beziehungsweise 277 Mark. 

Lewis & Peat in London notierten Okt. 1907 für Muskatnüsse 5 '/ 2 d bis 
1 sh 6 d pro Ib., je nach Herkunft und Größe, für Macis 1 sh 3 d bis 2 sh 
pro Ib., für solche aus Karrachee aber nur 3 — 3 3 /<t d. Die letztere stammt sicher 
von einer anderen Pflanze. 

Im Innern von Afrika, im Waldgebiet, wächst ein wilder Muskatnußbaum 
(Py cnanthus Schw einfurthii Warb.), so bei Bukoba und am Tanganika, 
deren Kerne im frischen Zustand aromatisch sind und im Innern bisweilen als 
Gewürz verwandt werden. Getrocknet verlieren sie das Aroma bald und sind 
demnach nicht exportfähig. Sie enthalten aber 72% gutes Fett. 

In Usambara wächst eine andere Myristicacee, C ep halosp haera (Brocho- 
neuraj us amba r cnsis Warb., bei Bulwa mzingamadile, meist aber mtambala 
genannt, deren Früchte, welche nur einen kleinen Arillus haben, nicht aromatisch 
sind, aber ebenfalls Fett enthalten. 

15. Nigella sativa L. 

Der Schwarzkümmel hat mit unserm Kümmel keine botanische Verwandt- 
schaft, es ist vielmehr eine Ranunculacee, und die schwarzen, scharfkantigen 
Samen lassen sich von denen des Kümmel leicht unterscheiden. Die Pflanze ist 



*) Der Fenchel, Foenicülum vulgare , wird von arabisch-persischen Autoren nach 
D ragen clor ff bisbds genannt und soll in alt-ägyptischen Papyri vielleicht auch bisbis heißen. 
Liegt hier vielleicht ein allgemein alter Ausdruck für Gewürze vor? Warburg konnte die Ab- 
stammung des Wortes bisbasa für die Macis nicht erklären. 

21* 



— 324 — 

in Südeuropa und vielleicht im Orient heimisch, aber offenbar schon sehr früh 
nach Indien eingeführt. Nach einigen Botanikern ist aber die indische uns hier 
interessierende Sorte eine besondere Art, A r . indica Roxb. ■ 

Die Kultur scheint sich von Nordafrika verbreitet zu haben, wenigstens ist 
es möglich, daß die Römer ihren Namen git. gith dafür von den Puniern er- 
hielten. Die Griechen nannten ihn melanthion, melathion. Die Araber nennen 
die Saat kamum-aswad (schwarzer Kümmel), habla-tusunda (schwarze Saat), shouniz, 
liab-cl-suda. in Marokko sanous, habbe-t-hellaua, in Algier chit (.'). sanoudj. habbet-es- 
souda, hebbet-el-baraka, kemmoune-el-akkal, in Turkestan gjauz-dona, siya-biranj , 
in Persien sigah-danah. Der (wohl späte) Sanscritname war stishave, krishna- 
jiraka, im heutigen Indien sagt man kalonji, mugrcla. kalenjira, kal-zira. In 
Abessinien heißt er bei den Tigrinja aivosscda. awosseta. 

Wenn die Saat einmal in den hiesigen Indierläden verkauft wird, so ge- 
schieht dies unter dem arabischen Namen habazonda (= habla-tusunda) oder dem 
indischen kalondji. Sehr großer Bedarf für dies Gewürz ist aber nicht, es wird 
anscheinend nur von Arabern und Indiern konsumiert. In Kultur ist die Pflanze 
bei uns meines Wissens noch nicht. 



16. Pimpinella Anisum L. 

Der Anis hat seine Heimat in Ägypten, Kreta, Cypern, den griechischen 
Inseln und Kleinasien, er wird seit undenklichen Zeiten vom Mittelmeergebiet 
über Persien bis Nordindien angebaut, teils als Gewürz, teils zur Gewinnung des 
Anisöles. Er hieß im Sanscrit scta-pushpa, heute in Indien saurif. sonf, echra, 
anesum u. a. m., bei den Arabern razaneh, razi, raziyanej, s ha mar. in Persien 
razaneh-rumi, razani. badiyan, in Marokko näfe. 

Gebaut wird die Pflanze in Ostafrika meines Wissens nicht, doch kommen 
die Samen in den indischen Läden als Gewürz bisweilen zum Verkauf. 

17. Piper Clusii C. DC. 

Eine dem Ashanti- oder Guinea-Pfeffer sehr nahe verwandte Art, die 
vielfach nur als eine Varietät von P. guineense Schum. et Thonn. angesehen 
wird, kommt außer in Fernando Po, Kamerun, Togo und im Niamniam-Gebiet 
auch in Uganda und bei Bukoba vor. Wahrscheinlich wird diese Art auch noch 
in den Waldländern am Tanganika und im westlichen Teil des Zwischenseen- 
gebiets gefunden werden. Es ist ein mit Hilfe der an den Stengelknoten sitzen- 
den Wurzeln kletternder, lianenartiger Strauch mit abwechselnd stehenden, fieder- 
nervigen und an der Basis herzförmigen Blättern. Die Blütenstände sind den 
Blättern gegenüberstehende, kurze, getrenntgeschlechtliche Ähren, an denen die 
etwa pfefferkorngroßen, runden mit einer kleinen Spitze endigenden und im 
frischen Zustande roten Früchte auf kleinen Stielen sitzen, die ein wenig länger 



— 325 — 

als sie selbst sind. Die hiesige Art läßt sich offenbar genau so wie der Guinea- 
Pfeffer benützen, die Pflanze steht zwar dem Cubcben-Pfcffcr botanisch sehr nahe, 
enthält aber kein Cubebin. Wo im Mittelalter der schwarze Pfeffer noch recht 
teuer war, benützte man alle Surrogate; schon 1364 wurde der Guinea-Pfeffer von 
Kaufleuten aus Rouen und Dieppe von der Körner- oder Pfefferküste Westafrikas, 
dem heutigen Liberia, geholt, die Portugiesen brachten ihn 1485 als pimienta do 
rabo von Benin (Flückiger). Aus dem europäischen Handel ist dies Produkt 
fast verschwunden, seitdem man billig den schwarzen Pfeffer erhält. 

18. Piper sp. 

Auf den Markt in Bagamoyo kommen seit langer Zeit bisweilen Frucht- 
stände einer Piper- Art, die ungefähr denen des P. longum insofern gleichen, 
als die Früchte in den Fruchtstand eingesenkt sind, der oft 20 cm Länge er- 
reicht bei nur 3 — 4 mm Dicke. Schon 1891 wurden diese Fruchtstände aus 
den Nguru-Bergen von Vogler und Frere Oscar eingesandt (Warburg in 
Engler's Pflanzenwelt Ostafrikas), und vor einigen Jahren kamen solche zur Be- 
gutachtung vom Zollamt in Bagamoyo an das B. L. I., jedoch war es bislang 
nicht möglich, die botanische Art festzustellen. Eine kommerzielle Bedeutung hat 
dieser Pfeffer noch nicht erlangt. 

19. Piper longum L. 

(Chavica Roxburghii Miq.) Der lange Pfeffer kommt für den Handel 
kaum noch in Frage, er ist bei uns in Ostafrika noch nicht kultiviert, aber ich 
muß ihn hier wegen seiner Bedeutung für die Handelsgeschichte erwähnen. Es 
ist ein kleiner Baum oder Strauch, der in Ost-Nepal, Assam, Khassia, Bengalen, 
westlich bis Bombay, südllich bis Travancore, wild oder kultiviert vorkommt, 
Trimen erwähnt ihn für Ceylon nur kultiviert. Ostlich soll er durch den Sunda- 
Archipel bis zu den Philippinen wachsen. Die nahe verwandte Art P. offici- 
narum DC. ist aus dem Sunda-Archipel von Celebes bis Sumatra bekannt. 
Von dieser Art haben wir auch in Amani ein Bäumchen, das zwar blühte aber 
noch keine Früchte gab. Die Früchte dieser Arten sind in die Ahrenspindel 
eingesenkt und mit den schildförmigen Deckblättern verwachsen, so daß die 
ganzen, langen Fruchtstände auf den Markt kommen, die der Sorte den Namen 
»langer Pfeffer gaben und die, — wie beim schwarzen Pfeffer erwähnt, — schon 
im Altertum bekannt waren. Heute sind sie vom europäischen Markt wohl ganz 
verschwunden, bei den Orientalen aber ihrer großen Schärfe wegen immer noch 
sehr beliebt. Es war der piper longum, pcpcri niakron der Alten. Ich habe bei 
Watt und Balfour folgende Sanscrit-Bezeichnungen. dafür gefunden: pippaht. 
krishna, kana, upukalya, videhi, magudki, ckupula, kuna, usluma. kola. shoündi. 
Die heutigen Indier sollen sagen : pipal, pipula, gaz-pipah ßipli, pipulmul, pipul. 



— 326 — 

popaL die Tamilen pipili, tippili, pippalu, pippali, die Perser pipal, pilpil, maghaz- 
pipal, filfil-daraz, filfil-dray , die Araber dar-filfil (»Pfefferholz«), in Turkestan 
dar'6-filfil, die Malayen chabay-jawa, die Chinesen pih-poh-muh. Für P. off 7 ci- 
liar um die Malayen lada-pandjang. 

Von den Indiern wird der Stamm und die Wurzel dieses P. loiiguni in 
kleinen Stücken als Medizin (pippula-moola, in Turkestan filfil-iuujah r) sehr ge- 
schätzt. 

Aus dem Umstand, daß nur die aus pippali abgeleiteten Worte verbreitet 
wurden, und daß in Indien nur diese Art mit diesem Namen bezeichnet wird, 
kann man vermuten, daß die Alten, besonders die Perser, zuerst nur diesen langen 
Pfeffer kennen lernten, und daß wahrscheinlich diese Art auch in Indien die zu- 
erst benutzte und in weiteren Distrikten einheimische war. 

Von Singapore und Penang sollen jährlich noch etwa ÖOOOOO Pfund des 
langen Pfeffers verschifft werden, das meiste wohl für östliche Häfen, und viel 
wird offenbar im Lande selbst konsumiert. • 

Nach dem Periplus wurde pepeli von Barugaza (langer Pfeffer), von Mouzi- 
ris und Nelkunda (Kotonarike-Pfeffer) ausgeführt, (cf. Mac Crindle S. 28). Pli- 
nius, Dioscorides kennen ihn. Heyd (II S. 640) meint, daß langer Pfeffer von 
P. off in i 11 a r 11 11/ käme. Nicola Conti erwähnt ihn von Sumatra, Garcia 
del'Orto u. a. von Bengalen. 

20. Piper nigrum L. 

Der schwarze und weiße Pfeffer wächst an kletternden Lianen mit 
ledrigen, breiteiförmigen Blättern, die 5 — 7 Nerven haben. Die spindelförmigen 
Blütenstände gehen von den Knoten der oberen Triebe aus und sitzen immer 
einem Blatt gegenüber. An ihnen entstehen bis 30 erst grüne, dann rote Samen. 
Unreif abgepflückt und getrocknet geben sie den schwarzen Pfeffer, ausgereift 
und durch Reiben von den äußeren Fruchthüllen befreit, den weißen Pfeffer des 
Handels. 

Es ist sehr schwer, die ursprüngliche Heimat dieser jetzt in vielen feuchten 
Gebieten der Tropen kultivierten Pflanze festzustellen. Gewöhnlich liest man in den 
Handbüchern, daß Südindien, besonders die Malabarküste, ihre Heimat gewesen sei. 
Hooker schreibt in seiner »Flora of British India«, daß die Pflanze in den Circars, 
also im Gebiet des Kistna, Godavery und Gondikama, heimisch sei, möglicherweise 
auch noch in Assam und Malabar. Als wilde Form der Pfeffers beschrieb man 
unter dem Telegu - Namen mirial -tiga aus den Circar - Bergen P. trioeciim 
Roxb., die aber nicht spezifisch von P. nigrum abweichen soll. Dieser wilde 
Pfeffer soll von Madras exportiert werden. Thwaites in seiner »Flora of Cey- 
lon« schreibt, daß die Art in Ceylon überall angebaut sei, »but very doubtful 
native«. C. de C and olle im »Prodromus« gibt als Heimat an: West-Borneo 
(an cult.r), Luzon, Sumatra, Java, Singapore, Penang, Nepal, Malabar; Sadebek 



— 327 — 

meint, daß die Art im wirklich wilden Zustand heute nicht mehr zu finden sei. 
Wenn ich nun die weiter unten ausgeführte Tatsache mit in Betracht ziehe, daß den 
alten Kulturvölkern zuerst nur der indische Name des langen Pfeffers (P. long um) 
und nicht der von P. nigrum übermittelt wurde, und daß später offenbar beide 
Sorten mit dem indischen Namen für P. longum bezeichnet wurden, so ist es 
wahrscheinlich, daß in ältester Zeit von den Arabern und Persern, die wohl zu- 
erst den Pfeffer verbreiteten, die Gegenden besucht wurden, in denen man den 
langen Pfeffer fand, daß der P. nigrum demnach vielleicht etwas weiter von 
von dem Sitz dieser Völker entfernt wuchs, ( — wenn nicht im Altertum die 
lange, scharfe Art beliebter und deshalb verbreiteter war, - — ). Es ist deshalb 
in Anbetracht der Angaben der Botaniker und des Umstandes, daß P. nigrum 
nur in sehr feuchten Gegenden gedeiht, wohl sehr wahrscheinlich, daß seine Hei- 
mat in einem Gebiet lag, das von der Coromandelküste, (Kistna und Godavery), 
sich nach Hinterindien und vielleicht auch nach Java und Sumatra zog. Wäre 
der Pfeffer im Sunda-Archipel nicht heimisch, sondern von den Indiern aus Vorder- 
indien dorthin gebracht, so würde man ihn bei den Malayen, Sundanesen etc. 
wahrscheinlich mit einem Namen bezeichnen, der aus indischen Sprachen abge- 
leitet ist, während er im Archipel aber offenbar autochthone Benennungen hat. 

Jedenfalls ist dies Gewürz in sehr früher, prähistorischer Zeit weit im Osten 
verbreitet worden, unsere ältesten Nachrichten darüber lassen eine sehr alte Kultur 
der Pflanze an der Malabar-Küste vermuten. 

Theophrast unterscheidet im vierten Jahrhundert v. Chr., allerdings unklar, 
rundlichen und länglichen peperi, deren Kenntnis vielleicht durch den Alexander- 
zug nach den Mittelmeerländern gekommen war. Nun ist, wie wir sahen, pippali 
die Sanscrit-Bezeichnung für Piper longum . nicht für Piper nigrum. R und 
/ werden bekanntlich in vielen Sprachen stets miteinander vertauscht, hier in 
Ostafrika sind wir daran ganz gewöhnt; speziell soll das alte Persisch kein 1 ge- 
kannt und dasselbe bei Übernahme von W T orten aus anderen Sprachen stets 
in r verwandelt haben. Es ist demnach sehr wahrscheinlich, daß zuerst die 
Kenntnis des langen Pfeffers nach Nordwesten gewandert ist und zwar vermutlich 
durch erste Vermittlung der Perser, die ja schon mindestens im sechsten vor- 
christlichen Jahrhundert, wahrscheinlich aber früher, ausgedehnte Beziehungen 
mit Indien hatten. Und später wird man den ähnlich schmeckenden schwarzen 
Pfeffer mit demselben Wort bezeichnet haben, obgleich er in runden Körnern, der 
lange aber in den ganzen länglichen Fruchtständen in den Handel gekommen 
sein wird. Im ersten Jahrhundert n. Chr. werden deutlich der lange, schwarze 
und weiße Pfeffer unterschieden, Dioscorides, Plinius und der Periplus des 
Roten Meeres nennen diese. Der in der ersten Hälfte des i. Jahrhunderts lebende 
A. C. Celsus schreibt >piper utrumque, sed magis rotundum«. Die Drogue 
muß damals schon allgemein in Gebrauch gewesen sein, denn Plinius gibt 
einen Marktwert dafür an, das Pfund (328 gr) schwarzen Pfeffer kostete 4, das 
von weißem 7 und das von langem 1 5 Denare. Periplus nennt als Ausfuhr- 



— 328 — 

platze die vorderindische Westküste zwischen dem heutigen Mangalore und Cochin, 
besonders sein Nelcynda. Ob nun der schwarze Pfeffer hier auch gebaut wurde 
oder wie andere Produkte nur Handelsartikel war, weiß ich nicht. Etwas später 
werden Pfeffer und andere Gewürze unter den an den Grenzen des römischen 
Reiches zollpflichtigen Artikeln erwähnt (sogenannte alexandrinische Zolltafel 
von 176). 

Am Ende des ersten Jahrhunderts mußten in Rom Pfeffer usw. in den 
Horrea piperataria hinter der Basilica des Constantin lagern. 

Um die Mitte des 6. Jahrhunderts beschrieb Kosmas Indicopleustes 
die Pfefferliane aus Taprobane (Ceylon), er nannte im Pfefferlande, Male, fünf 
Häfen (Heyd II S. 635). 

Wo wir nun wissen, daß schon vor der Zeit des Periplus das von ihm 
Rhapta genannte Land in Ostafrika »nach altem Herkommen« den Südarabern 
in Mokka Untertan war, und daß zu dieser Zeit Pfeffer in den Plätzen am Roten 
Meer gehandelt wurde, daß damals auch ein recht reger Verkehr die ostafrikanische 
Küste entlang bestand, ist es nicht unwahrscheinlich, daß schon zu so alter Zeit 
dies Gewürz auch nach Ostafrika kam; erwähnt wird es allerdings nicht ausdrücklich. 
Allgemeiner in Gebrauch wird er in Ostafrika durch die Araber oder persischen 
Kolonisten gekommen sein. Ich vermute durch letztere, denn in Ostafrika heißt 
der Pfeffer pilepile, die Perser kennen das p. die Araber nicht, sondern haben 
aus dem ursprünglich für P. longum gebrauchten Sanscritwort pippaü ihr filfil 
gemacht. Die Swahili-Benennung läßt also wohl auf persische oder indische 
Einführung schließen, ich glaube, auf erstere, denn die Indier hätten wohl kaum 
ihren Ausdruck für P. longum, sondern den für P. ni.grum, mirch, miri. hier 
eingeführt. Jedenfalls war Pfeffer bei Ankunft der Portugiesen am 2. März 1498 
in Mosambik ein seit langem bekannter Gegenstand. 

Der schwarze Pfeffer heißt im Sanscrit maricha. usliana, hapusJia, in Indien 
heute kalä-mirch, gul-mirch, choka-mirch, habush, muricha, morich, miri (Bombay), 
in Kashmir martz, bei den Kanaresen menasu, den Tamilen molago-valli. milagu. 
den Singhalesen gam-miris-wil, gam-miris, kalu-miris, den Telegu mirialu, moluint- 
kodi, miriyalu. Die Afghanen sagen daru-garu. die Perser pilpil, auch filfil-gird. 
filfil-i-siali. die Araber filfil-asivad (auch salsanuneli. fulful, kulam, kabar, babari 
bei Ib n-el-Batu t a), die Sundanesen bcdas. pcdas, die Malayen lada, kuru- 
mulaka, während die Javanen den indischen Ausdruck mcrictjc haben. In Tur- 
kestan sagt man baarank. in China Jut-tsiau. 

Es scheint somit, daß sprachlich mindestens ein Zentrum für den schwarzen 
Pfeffer in Südindien vorhanden war (miri. mirich) und eins bei den Malayen 
(lada). 

Wie groß annähernd der Konsum von schwarzem Pfeffer hier in Ostafrika 
ist, kann nicht festgestellt werden, da die Statistik alle Gewürze zusammenmengt. 
Er wird nur von den Küstenleuten, besonders aber von Arabern und Indiern 
benützt, auch in ihren Niederlassungen im Innern, da die ärmere Neger-Bevölkerung, 



— 329 — 

die sehr bedürfnislos ist, an dem überall wachsenden C ap sicum genug hat, 
um ihren Gaumen zu kitzeln. 

Die Gesamtweltproduktion ist nach Semler etwa 35 Millionen Kilo, das 
wichtigste Produktionsland ist Sumatra, der Hauptmarktplatz Singapore, von wo 
auch 3 — 4 Millionen Kilo nach China gehen. Hamburg importiert jetzt etwa 
50 — 70000 Dz., 1840 — 1850 nur 7000 Dz. Der Doppelzentner kostete bei der 
Einfuhr in Hamburg früher 50 — 70 Mk., ist aber in den letzten Jahren auf 
100 — 119 Mk. gestiegen. Weißer Pfeffer ist immer 30 — 40 Mk. teurer. 

In Amani haben wir eine ganze Menge von Pfefferlianen; oben in den 
Bergen gedeihen sie der Kälte wegen schlecht, aber im Sigital kommen sie 
ganz gut fort, haben aber noch nicht fruktifiziert. Auch einige Privatpflanzungen 
in der Ebene haben sich mit dieser Kultur beschäftigt. Segoma hatte z. B. 5000 
Pflanzen im Jahre 1907, die aber noch nicht trugen. Sehr große Flächen werden 
wir nicht haben, die für diese Pflanze geeignet sind, welche sehr viel Feuchtig- 
keit, Wärme und besonders Windschutz nötig hat. Da die Preise des Produkts 
aber hoch, so ist es sehr gut möglich, daß in geschützten Tälern oder in Wald- 
lichtungen, sofern sie die natürlichen Bedingungen für diese Pflanzen bieten, 
einige kleinere Unternehmungen Geld mit dieser Kultur verdienen können. Für 
eine Massenproduktion kommt aber unser Gebiet kaum in Frage, während Kamerun 
offenbar die besten Aussichten dafür bietet. 



21. Vanilla planifolia Andr. 

Die Vanille ist eine Orchidee, welche mit Hilfe von Luftwurzeln an Stütz- 
bäumen in die Höhe kriechen kann, ihre Nahrung aber ausschließlich aus dem 
Boden bezieht. An jeder leichten Knickung des »gegliederten« Stengels sitzen 
flache, längliche, dickledrige Blätter. Aus den Winkeln kleiner grüner Deckblätter 
kommen Trauben von gelblichgrünen, großen Blüten heraus, aus denen die bis 
23 cm lang werdenden Früchte (Kapseln) entstehen, die zuerst grün und geruch- 
los sind und erst durch Abtöten in heißem Wasser, Fermentieren und Trocknen 
ihre dunkelbraune Farbe und ihren schönen Vanille-Geruch erhalten. Die Hei- 
mat der Pflanze ist das tropische Amerika, besonders die feuchten Urwälder der 
Küstenregion von Zentralamerika, und stellenweis südwärts bis Brasilien. 

Im alten Mexiko wurde die Vanille schon von den Azteken unter dem 
Namen tlilxocJiitl als Zusatz zum Kakao verwandt, welchen Gebrauch die Spanier 
also vorfanden. Der gebräuchliche Name }^anillc stammt von Ximenez, der 
das bisher benützte siliqua (Hornfrucht wie das »Johannisbrot«) mit vainilla 
übersetzte. 

Die Pflanze wurde 18 19 nach Reunion durch Per rötet von Cayenne aus 
eingeführt, die Kultur dort aber erst ausgebreitet, nachdem Morren 1837 die 
künstliche Befruchtung der Blüten in Lüttich gefunden hatte. Die Entdeckung 
derselben durch den Negersklaven Edmond Albius, die auch ich erwähnte 



— 33Q — 

(Tropenpflanzer 1901), ist eine Sage. (Busse, Studien über die Vanille, Arb. 
a. d. Reichs-Ges.-Amt 1898, an welche Darstellung ich mich halte). Zur selben 
Zeit ward die Kultur in Mauritius und ca. 1860 auf den Seyshellen eingeführt. 

Die ersten Pflanzen nach Ostafrika brachte wahrscheinlich Sir John Kirk 
von Ceylon aus, dann aber schon sehr früh die »Schwarzen Väter«, Congregation 
du St. Esprit et du sacre coeur, nach Bagamoyo (seit 1862 dort) von Reunion aus, 
von wo diese weichen mußten, weil die freien Arbeiter sich dort den wirtschaftlichen 
Unternehmungen dieser Missionsgesellschaft aus Furcht vor Konkurrenz wieder- 
setzten. 1888 sah ich in Bagamoyo schon eine Menge Pflanzen. In der Folge hat 
die Mrima Land- und Plantagen-Gesellschaft (L. u. O. Hansing) in Kitopeni bei 
Bagamoyo 1892 und zur selben Zeit Baron v. S a i n t- Pau 1-1 llaire bei Tanga 
größere Pflanzungen angelegt, und auch die der Missionare wurden vergrößert, 
sowie an einigen anderen Stellen kleine Kulturen angelegt. 

Leider haben sich die großen Hoffnungen, die man auf dies Produkt setzte, 
trotz aller aufgewandter Mühen nicht verwirklicht, die Anlagen sind vielleicht 
nicht an den günstigsten Orten gemacht, man mußte für Schatten und auch mit 
Kosten für künstliche Bewässerung sorgen, und endlich kam Preissturz des Pro- 
duktes dazu, um alle unsere Vanillekulturen so gut wie zu Grunde zu richten. 
Die Pflanzung Kitopeni ist 1906 an einen Indier verkauft, der dort wohl haupt- 
sächlich Kokospalmen bauen will. 1894 hatte sie Erstlingsernte mit 6 Kilo, im 
Laufe der Zeit aber gab sie ihren Besitzern ganz beträchtliche Verluste. Ich 
höre, daß auch die Missionare sich nur noch sehr wenig mit Vanille beschäftigen. 

Über die früheren Ausfuhrzahlen aus Deutsch-Ostafrika kann ich keine Zahlen 
geben, da die Statistik sie erst von 1903 an getrennt bringt. 

Es gelangten zur Ausfuhr: 

T 9 3 39 2 Kilo im Werte von 8859 Mk. 

1904 390 10233 „ 

1905 3i „ > 5io ,, 

190,6 196 ,, ,, ,, ,, 4510 ,, 

Der Welt-Markt wird seit einiger Zeit von der Produktion von Reunion 
und der Nachbarländer (Comoren, Madagaskar) bestimmt. Dort wurde 
1869 — 1870 ca. 15000 Kilo produziert 



1895 


, 95 000 


1898 — 1899 , 


, 108540 


1899 — 1900 , 


, 126000 


1900 — 1901 , 


, 1 04 000 


1901 — 1902 , 


> 153 923 


1903— 1904 , 


, 2 1 7 000 


1904 — 1905 , 


, 197 100 


1905 — 1906 , 


, 254000 



, ,, (davon Madagaskar u. Comoren 145000) 

1906 — 1907 geschätzt auf 187000 Kilo (nach Gehe & Co.) 



33i 



Rechnet man nun, daß Guadeloupe vielleicht 5 — 8000 Kilo, Java, Indien, 
Ostafrika 1000 Kilo, Mexiko 50 — 90000 Kilo auf den Markt bringen, so kommt 
mindestens eine Weltproduktion von ca. 250 — 300000 Kilo heraus, abgesehen von 
der Tahiti-Vanille (ca. 130000 Kilo) und der »Vanillon's», die leider ihres Ge- 
haltes an Piperonal wegen (Heliotrop-Geruch) nur zur Parfümerie Verwendung 
finden können. 

Nach Maurice Simon, Paris (Tropenpflanzer 1907), waren die Gesamt- 
ernten an Vanille folgende, wobei die ganz kleinen Produktionsgebiete außer Be- 
tracht blieben : 

1901/02 1902/03 1903/04 1904/05 1905/06 1906/07 1907/08 

















Schätzung 


Boubon 


1 1 000 


1 00 000 


90000 


55 000 


50000 


30000 


50000 


Seyshellen 


72000 


52000 


65 000 


50000 


45000 


20000 


50000 


Komoren | 
Mayotte f 


40000 


70000 


5 5 000 


95000 


1 2 5 000 


105 000 


8 5 OOO 


Madagascar I 
Nossibe 


— 


— 


— 


20000 


30000 


40000 


60000 


Mauritius 


2 500 


2000 


2000 


2000 


2000 


3000 


2000 


Antillen 


5 000 


10 000 


6000 


3 000 


2000 


5 000 


10 OOO 


Ceylon, Java 


1 500 


4000 


3000 


3 000 


2000 


3000 


4000 


Fiji, Kongo 


2000 


1 500 


2000 


1300 


1 000 


1 000 


3000 


Mexiko 


30000 


38000 


35000 


130000 


75 000 


1 20 000 


200000 



263000 277500 258000 359300 332000 327000 464000 

Vom Jahre 1904/05 an ist demnach die Gesamtproduktion ganz erheblich 
gestiegen. 

In Hamburg wurde eingeführt : 

I 9°3 37 974 Kilo im Werte von 327810 Mk. 

1904 80500 ,, ,, ,, ,, 582980 ,, 

1905 70343 ». „ „ „ 309610 ,, 

1906 103553 , 560600 ,, 

Die Preise für Vanille sind lange ziemlich konstant geblieben. 
Bei der Einfuhr in Hamburg wurden bezahlt: 

1887 32,00 Mk. pro Kilo 

1888 21,60 

1889 38,70 

1890 34,40 

1891 24,80 

1892 23,70 

1893 30,50 

Also 5 Mk. war 1906 der Durchschnittspreis aller Vanille-Sorten bei der 
Einfuhr in Hamburg. Im speziellen aber 1905 : 



1894 


24,05 


Mk. pro Kilo 


1895' 


28.30 


,, 


1896 


34,oo 


11 J J . 5 *> 


1903 


8,63 


.• , 


1904 


6,09 


S j 11 11 


1905 


5,25 


,, 


1906 


5,oo 


,, ,, ji 



33: 



Von den Vereinigten Staaten 

am Atl. Meer 42 470 Kilo im Wert y. 173 610 Mk. 4 Mk. Durchschn. 

Madagascar 5625 ,, 59240 ,, 11 



Gesellschafts-Inseln . . 2 960 

Seyshellen 370 

Ostafrika 68 

Mexiko am Atl. Meer 70 



1 1 580 

7600 

820 

720 



4 
21 

36 
10 



8 — 16.6 pro lbs 
7.6 — 1 1.0 

7.3— 8.0 



Die großen amerikanischen Provenienzen drücken also auf den Gesamt- 
durchschnittspreis in Hamburg, ostafrikanische sind immer noch mit 11 — 36 Mk. 
deklariert. Möglich, daß der billige Gesamtdurchschnitt durch Import von viel 
Tahiti -Vanille (Vanillons) verursacht wurde. 
In London notierten Lewis & Peat: 
März 1907 für -Mauritius, Madagascar und Seyshellen« I 

II 
III 

Juni 1907 I 10.6 — 19.O 

II IO. O — 14. 1 
III 10.0 — 10.3 

Oktober 1907 I 11.6 — 19.0 

II 11.0 — 14.0 
III 9.6—10.6 

Also immerhin noch 21 — 41 Mk. pro Kilo. Es geht daraus hervor, daß 
die Preise für gute Sorten leidlich konstant geblieben. 

Eine etwas bessere Geschäftslage scheint auch dadurch einzutreten, daß seit 
1906 das amerikanische Gesetz für alle Genußzwecke die Vanille vorschreibt 
und künstliches Vanillin nicht mehr erlaubt. 

Die Pflanzer haben aber den Mut verloren, noch weiter diese recht mühsame 
und vielen Zufälligkeiten ausgesetzte Kultur zu betreiben. Nicht leicht ist es 
aber, zu sagen, welche Einflüsse hierbei gewirkt haben. Der Kaufmann sagt: 
»Vanille will sich schon seit Jahren nicht wieder erholen.« 

Das erste ist natürlich, daß man der Erfindung des künstlichen Vanillins 
die Schuld zuschiebt. 1874 gelang es Tiemann und Haarmann aus dem 
Glucosid des Coniferenholzes durch Oxydation das Vanillin herzustellen und nach- 
zuweisen, daß es Monomethyläther des Protocatechu-Aldehyds ist. In der Folge 
wurde das Verfahren vielfach verbessert, und seit 1896 stellt man das Vanillin — 
außer aus Tannenholz usw. - - auch noch aus Eugenol (Nelkenöl) her, nachdem 
schon vor langem Jo rissen und Hairs nachgewiesen hatten, daß es auch frei 
in der Gewürznelke vorkommt. 

Aber es stellte sich in der Praxis heraus, daß in der Vanille-Frucht doch 
noch allerhand andere ungreifbare aromatische Stoffe sind, so daß man für alle 
feinen Schokoladen-Fabrikate usw. durch den künstlichen Stoff das Aroma der 
Vanille nicht ersetzen konnte, deren Preis demnach trotz des chemischen Kunst- 



— 333 

Vanillins leidlich konstant blieb, während der Preis des Vanillins sogar fiel. Denk- 
bar ist, daß die neue Darstellung von Vanillin aus Nelkenöl ein so billiges und 
massenweises Kunstprodukt liefert, daß der Preis der Drogue durch die Massen- 
produktion der Chemikalie fällt, doch muß das amerikanische neue Gesetz diese 
Einflüsse wieder ausgleichen. 

Wahrscheinlicher ist mir aber, daß die Überproduktion der natürlichen 
Vanille abschreckend wirkte. Man hat die Anpflanzungen in Reunion beibehalten, 
vielleicht sogar vergrößert, auf den Comoren (besonders Johanna-Anjuani) und 
auf Madagascar aber sehr bedeutende neue Kulturen angelegt, so daß die Ernte 
von diesen Provenienzen, die 1896 kaum 5000 Kilo betrug, heute 130000 bis 
150000 Kilo bringt. 

Elückiger schätzte 1891 den Gesamtverbrauch an Vanille nur auf 
100 000 Kilo; wenn nun heute mehr als das Drei- bis Vierfache auf den Markt 
gelangt, so ist es klar, daß Mutlosigkeit eintreten mußte. 

Etwas könnten die Produzenten wohl vor einem Rückschlag durch Über- 
produktion gewarnt werden, wenn international möglichst genaue Statistiken auch 
über die Anbauflächen und Erträge von vielen tropischen Produkten geführt 
werden. Senden alle Kolonien ihr Material an eine Zentralstelle ein, so kann 
man wenigstens einigermaßen sich über die zu erwartenden Ernten orientieren. 
Am besten würde dies Material wohl an dem Istituto internazionale d'agricoltura 
in Rom gesammelt und verarbeitet. Immerhin aber wird bei dem Mißtrauen 
und der Lässigkeit der meisten Pflanzer, die sich meist nicht einmal für das 
interessieren, was in ihrer nächsten Nähe vorgeht, und auch fürchten, Geschäfts- 
geheimnisse zu verraten, ein leidlich zuverlässiges Material nur sehr schwer zu 
haben sein. 



Anhang. 

In Ostafrika wachsen zwei Arten wilder Vanille, die hier kurz des Ver- 
gleiches wegen erwähnt werden mögen. 

1. F. cuculata Kränzt ., die der Kulturart recht ähnlich sieht. Sie hat 
etwas kleinere Blätter und wenn ich nicht irre gelbliche, etwas kleinere Blüten. 
Die Art kommt bei Daressalam im »Sachsenwald«, im Sigi-Tal bei Amani, am 
Pangani-Fluß und an vielen anderen Stellen im dichteren Steppenwald vor. Sie 
ist zuerst in Kamerun gefunden und soll auch in Britisch-Ostafrika sein. Sie hat 
etwas über fingerlange, bleistiftdicke und in weiten Windungen gedrehte Früchte, 
die präpariert nicht nach Vanillin sondern nur nach Heliotrop duften. 

2. V. Roscheri Reichend,, die gar keine Blätter sondern nur Hochblatt- 
schuppen am dicken grünen Stengel hat; ihre Blüten bilden große weiße Trauben 
und die Früchte sind etwas gedrungener als die der echten Vanille, haben aber 
getrocknet nur einen Geruch nach Skatol, der auch beim Präparieren der echten 
Vanille zuerst auftritt. Sie kommt in trockeneren Gebieten vor, bei Daressalam 



— 334 — 

z. B. auf den gehobenen Korallenfelsen, bei Mombo im Steppenwald. Die grau- 
grünen Stengel werden bis kleinfingerdick. In Usegua soll diese Art nach Sac- 
leux zokazoka genannt werden. 

22. Xylopia Eminii Engl. 

und verwandte Arten z. B. X. pirifolia Engl, stehen dem als Mohren- oder 
Negerpfeffer bekannten X. actJu opica A. Reich sehr nahe, den sie in unserem 
Gebiet zu vertreten scheinen, X. Eminii ist von mir auf den Sesse-Inseln in 
Uganda, X. pirifolia in Bataibo am Duki-Bach westlich vom Albert -See ge- 
funden. 

Es sind hohe, reich belaubte Bäume mit länglichen, schotenförmigen Früchten. 
Als Surrogat für den echten Pfeffer kamen früher die Früchte von X. aethiopica 
und wahrscheinlich auch X. niamniamcnsis in den Handel, und zwar anscheinend 
mit Karawanen durch die Sahara in die Häfen des Mittelmeeres. Sie lassen 
sich unter dem Namen habb-ezza laut , habb-selim bis ins 1 1 . Jahrhundert verfolgen, 
waren aber gewiß schon früher bekannt. Bis zum 17. Jahrhundert wurden sie 
auch in den europäischen Apotheken geführt als piper acthiopiim oder habb-selim. 
In den Tsadsee - Gebieten gelten die Früchte heute noch viel und wurden zu 
Barth's Zeit in Wadai unter dem Namen kimba oder kumba wie Geld benützt. 

In Usaramo soll nach Bley eine Art dieses Baumes mit roten Früchten 
ein Lieblingsgewürz der Eingeborenen geben. Mir ist davon nichts bekannt 
geworden. 

Zusammen mit den Samen von Aframomum mele gueta K. Schum. 
werden die Samen von Xylopia aethiopica als Meleguetta-Pfeffer gehandelt. 

23. Zingiber officinalis Roscoe. 

Der Ingwer ist in Südasien überall nur in kultiviertem Zustand bekannt, 
vielleicht ist er im Bismarckarchipel wild. Das bekannte Gewürz ist das Rhizom 
(Grundachse) der Pflanze, welches geschält als weißer, mit der Haut als schwarzer 
Ingwer in den Handel kommt. Außer von Südasien wird eine Menge aus 
Sierra Leone und Westindien verschifft. 

Ursprünglich wohl sicher in Südasien heimisch, muß er schon sehr zeitig 
nach Amerika ausgeführt sein, denn schon 1547 wurden von Jamaica 22000 ctw. 
nach Spanien versandt, von St. Domingo ein Quantum 1585, von Barbados 1654. 

Dioscorides und Plinius sind die ersten, welche das Produkt erwähnen, 
Dioscorides kannte es sogar schon in den irdenen Töpfen mit Zucker ein 
gemacht, und ersterer meinte, daß der Ingwer wie andere Gewürze in Südarabien- 
wachsen, offenbar, weil er dort eingekauft wurde und über das Roten Meer zu 
den alten Kulturvölkern kam. Merkwürdig ist, daß er vom Verfasser des Periplus, 
der doch Vorderindien selbst besuchte,, nicht genannt wird. Dann fungiert er 



— 335 — 

aber zwischen anderen Gewürzen in der »alexandrinischen Zollordnung«, die etwa 
176 erschien. Im Mittelalter war es ein bekanntes Gewürz, das von Indien kam 
(Heyd II. S. 600). Die Alten nannten ihn ziggeberi, zingiber, zinziber, zimpiberi, 
ein Wort, über dessen Entstehung man sich viel gestritten hat. Manche meinen, 
daß es durch Vermittelung des Arabischen oder Persischen aus dem Sanscrit 
stamme, wo es allerdings erst im neunten Jahrhundert n. Chr. nachweisbar, eine 
Benennung sringavcra, die »hornförmig«, »geweihartig« übersetzt wird, für ihn 
gab : "' : ). Daß dieser spät im Sanscrit auftauchende Name die Grundlage unseres 
Wortes sein soll, ist um so unwahrscheinlicher, als im Sancrit auch dasselbe Wort 
für die Pflanze vorkommt, das heute noch in Indien gangbar ist, nämlich ardraka, 
ebensowie für die getrocknete Wurzel der Ausdruck sunti. Sehr viel wahrscheinlicher 
ist, daß das offenbar altarabische oder persische Wort aus der indischen Be- 
zeichnung für die getrocknete Ingwerwurzel sunti, sonti irgendwie abgeleitet werden 
kann, wo doch die semitischen Völker die Vokale oft durcheinander gebrauchen ; 
dieses wird bisweilen auch sonth geschrieben, offenbar mit dem englischen th, so 
daß daraus schon ganz gut santh, sandsch entstehen konnte, allerdings mit scharfem 
j. Ich weiß nicht, ob vielleicht sprachlich das scharfe s im Anfang in ein z ver- 
wandelt wurde. Yule undBurnell (S. 374) meinen, daß die arabische Benennung 
aus dem Malayalam für grünen Ingwer, inchi, inchi-ver (von inchi Wurzel) stammt. 

In Burma sagt man ferner ginsi-kkiav, khyeng-dsein. Auch diese ginsi und 
dsein klingen an zingiber an. Aber es ist auch denkbar, daß alle diese Ver- 
mutungen irrig sind. Warum soll das zingiber, arabisch-persisch zanjabil nicht 
dieselbe Entstehung haben wie die Bezeichnung für unsere schöne Nachbar- 
insel Zanzibar? 

Nach Burton, einem sehr kompetenten Kenner der arabischen und per- 
sischen Sprache, ist zang, (korrumpiert zinj.) Plural znnuj, sicher das persische 
zang, zangi »ein Schwarzer«, so verändert durch die Araber, die den arisch-per- 
sischen Buchstaben saf nicht kennen. Im modernen Persisch . heißt zangi noch 
heute ein Neger und alle Schwarzen, Dunklen, daher zanghi die Zigeuner, das- 
selbe wie zingari. Herr Geheimrat Professor Dr. S ach au teilt mir dagegen mit, 
daß zeng, zenj nicht aus dem Persischen stamme, sondern ein altarabisches Nomen 
proprium für die dunkelfarbigen Bewohner Afrikas sei. Was die Nachsilbe »<£///« 
»ber« heißt, ist mir nicht möglich nachzuweisen, vielleicht ist es eine Verdrehung 
aus fil (arabisch filfil= »Pfeffer«) vielleicht aber kann es auch Gewürz, Wurzel 
oder etwas ähnliches sein, es würde demnach das arabische zandjabil, zangabil 
soviel wie »Gewürz der Schwarzen« heißen. Nun haben die Araber und Perser 
den Ingwer sicher in Südindien kennen gelernt, wo die Tamilen und verwandte 
Völker im Gegensatz zu den Nordindiern und den Arabern schwarz genannt 
und von ihnen mit Negern verwechselt werden konnten. Die Araber selbst brachten 



*) Singara, von Sanskrit sringattaka, sringa, (Hörn) ist in Indien die Wassernuß, l'rafia 
bispinosa Roxb (nach Yule und Burneil). 



— 336 — 

allerdings nach Yul e und B u r n e 1 1 den Namen für das Gewürz zanjalnl, zinjabil 
mit der Küste von Zinj. Zanzibar, in Verbindung, ja sie nannten es sogar »die 
Pflanze von Zinj«, shajr-al-zänij . Es wird wohl eine altarabische Volksetymologie 
vorgelegen haben, indem der Name ursprünglich aus südindischen Worten stammte, 
man ihn aber im Volke mit dem geläufigeren Namen für die afrikanische Küste 
irrtümlich zusammen brachte. 

Sei nun die Entstehung des Namens wie sie wolle, die europäischen Be- 
zeichnungen sind jedenfalls aus den persisch-arabischen abgeleitet. 

Nachstehend gebe ich die Benennungen für die Pflanze, die getrocknete und 
die frische Wurzel in den verschiedenen Sprachen, meist nach Watt: 








getrocknete Wurzel 


frische Wurzel 


Pflanze 


Arabisch 


zanjabil, zangebil 


zanjabile-ratab 


— 




zanjabil-yabis, 


— 


— 


Persisch 


zengebil 
zanjabile-kushk 


zanjabile-tar 


— 


Sanscrit 


i riskna-bkiskagam 


ardrakam 


drdraka 




riägara 


— 


sringavera 




sunti 


— 


— 




mahaushadha 


— 


— 


Hindustan 


sonth, sindhi, shukku 


adrak. adhruka 


adrak 


Bengalen 


sont 


adrok. add 


ddd 


Assam 


— 


— 


ädä 


Nepal 


sonth 


— 


— 


N.-W. -Provinzen 


adrak 


sonth 


ada 


Pendjab 


zang zabil, sonth 


zun jbel, adrak 


ada, adrak 


Deccan 


sout 


adrak, adhruka 


— 


Guzerat 


sunt 


adu, ad hu 


— 


Tamil 


shukku 


inji 


— 


Telegu 


sonti, sonth/. allam 


allam 


allam 


Kanarese 


vana-sunthi 


hast sunthi 


— 


Malayalam 


— 


inchi, inchi-ver 


— 


Malay 


cliukka 


inchi 


— 


Burma 


ginsi-khiav 


gin-sin 


khycn-seing 




khyeng-dsein 


khyeng-khynk 


— ■ 


Singhalesen 


velicha-nguru 


amu-nguru 


— 




inguru 


— 


— 



Außerdem sagt man in China kang-kiang. peh-kiang, in Bali jahetub, algo. in 
Java jasia-king. jait. djahc. bei den Malayen in Singapore sapadas, bei den Türken 
Zenjefil, in Turkestan garim-dorö, in Madagascar saka-inaläo. 

Die indischen Namen sunth für die Wurzel, adrak, ada für die Pflanze, sind 
nicht in andere Sprachen übergegangen. Einen von Köhler erwähnten in- 
dischen Namen zindschi konnte ich sonst nirgend finden, wahrscheinlich ist es eine 



— 337 

der sehr vielen durch die Mohammedaner in Nordindien eingedrungenen arabisch- 
persischen Bezeichnungen. 

Nach Ostafrika muß die Kenntnis des Ingwers, ■ — und die Pflanze selbst — , recht 
früh gelangt sein. Mitte des I3ten Jahrhunderts erwähnten Ibn-Sayd, Abulfeda, 
daß in der Stadt Melinde der »arbre de zinj« wachsen solle, wie Guillain in 
seiner Übersetzung schreibt; leider kann ich nicht kontrollieren, wie das Wort 
im Urtext heißt. Um 1330 hat Ibn Batuta in Mugdischu »grünen Ingwer'' 
(el-zengebil-eV ahdar) gegessen. Nun ist es ja allerdings denkbar, daß es sich 

v 

hier um Kurkuma gehandelt hat, der zu einer Curry-Sauce getan war, aber 
ebenso wahrscheinlich ist es auch, daß es wirklich Ingwer war, d. h. frischer, 
nicht getrockneter. Auffallend ist, daß man etwa zur selben Zeit, 1380, in 
Brügge einen in Zucker eingemachten »grünen' Ingwer (grone Gingeber) kannte, 
während sonst als grüner Ingwer der einfach getrocknete, nicht kandierte gilt. 
Jetzt heißt unsere Drogue in Zanzibar und an der Küste überall tangawizi, die 
Pflanze mtangawizi. Die geschälten und getrockneten Wurzeln sind in jedem In- 
dierladen zu haben, eine hellgraugelbe und recht kleine Sorte, die lange nicht 
so groß ist, wie der in Zucker eingemachte Ingwer, welchen wir aus China er- 
halten. Aber er ist recht scharf. Die Leute nehmen ihn sehr gerne zum Würzen 
der Saucen und Speisen, auch als Medizin, z. B. zerrieben als Hautreizmittel 
bei Kopfschmerz etc. Auch der kandierte Ingwer in Töpfen kommt nach Zan- 
zibar und ist dort in vielen Indierläden recht billig erhältlich. Die Pflanze wird 
bei uns seit langem von Farbigen kultiviert, in Zanzibar recht häufig, ebenso an 
vielen Küstenorten, im Innern kenne ich sie nur von Usambara und aus Usaramo, 
wo die Eingeborenen sie noch ziemlich weit im Innern haben, immer unter dem- 
selben Namen, ein Zeichen dafür, daß hier einmal eine fremde Kolonisation 
stattfand, denn in denselben Gegenden finden wir auch die Pommeranze und 
andere fremde Pflanzen. Eine ausgedehnte Kultur des Ingwers, wie in Westafrika, 
findet hier aber nicht statt. Barbosa erwähnt seine Kultur aus Madagascar, 
Varthema von den Comoro-Inseln. Ich notierte noch, daß bei den Somali 
der Ingwer zindschibil, bei den Abessiniern ischendschibel, in Madagascar saka- 
maläo und bei den Kai in Westafrika ndsamang heißen soll. In P2we heißt er 
nkrawusa. 

Ob eine rentable Kultur von Ingwer hier möglich ist, kann man ohne Ver- 
suche, bei denen man Kosten und Ergebnisse genau berechnet, nicht feststellen. 
Es wird aber immer eine Kleinkultur sein müssen, da die Aufbereitung einer 
guten Ware (Schälen und Trocknen) viel Handarbeit und Sorgfalt verlangt. Auf 
recht fruchtbarem gedüngtem Boden wird man pro Hektar auf 1000 — 1700 Kilo 
trockene Ware rechnen können, also 600 — 1000 Mark Brutto pro Hektar. Über 
die Kultur etc. der Pflanze hat Zimmermann in der Umsambara Post vom 
2. Juli 1904 ausführliche Notizen gegeben. 

Kleinere Ansiedler werden sich durch diese Kultur gewiß eine gute Neben- 
einnahme schaffen, sie werden auch den hiesigen Markt versorgen können, der 

S t u h 1 m a n n , Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. 



333 



immer noch ziemlich große Mengen getrockneten Ingwers von Bombay bezieht. Wie 
groß diese sind, läßt sich Mangels einer Statistik leider nicht feststellen. 
In Hamburg wurde an »rohen Ingwer« eingeführt: 

m Durchschnitt 



1841 — I 


850 


1835 


Dz. 


pro Jahr i 


1851—1 


860 


1805 


,, 


11 j j 


1861— I 


870 


2477 


1 1 


> 1 11 


1871— I 


880 


2681 


1 1 


11 11 


1881— I 


890 


2197 


1 1 


ii ) j 


1891 — I 


900 


4317 


,, 


1 1 11 


1900 




2881 





^ 1 • j 


1901 




2047 


1 ■ 


S' 11 


1902 




4562 


1 j 


11 


1903 




9619 


,, 


11 11 


1904 




12327 


Dz. 


im Werte 


1905 




7481 


)j 


11 11 


1906 




2803 


,, 


11 11 


1907 




3260 


1 1 


11 11 



343 "o ,, 
169990 ,, 
216970 ,, 

Davon kommt fast die Hälfte aus Britisch-Ostindien, am Rest sind West- 
afrika, Japan und Großbritannien etwa gleich beteiligt. 

1903 — 1905 wurden von obigen Mengen 5000 — 7000 Dz. aus Hamburg aus- 
geführt. 

An kandiertem Ingwer kam nach Hamburg : 

1904 1827 Dz. im Werte von 1 10 150 Mk. 

1905 1650 ,, ,, ,, „ 106999 », 

meist von China, und 400 — 1400 Dz. wurden 1903 — 1905 jährlich wieder aus- 
geführt. 

Die Preise bei der Einfuhrdeklaration in Hamburg waren ; 

1850 — 1855 41,84 Mk. im Durchschnitt pro 100 kg. 



1850 — 1860 


44,28 


1861 — 1865 


102,14 , 


1866—1870 


72,16 


1871— 1875 


105,04 , 


1876— 1880 


78,90 , 


1881— 1885 


81,21 


1886— 1890 


56,58 , 


1891 — 1895 


88,50 


1896 — 1900 


56,97 


1900 — 1905 


64,31 


1906 


60,65 


1907 


60,56 . 



London wird der Hauptmarkt für Ingwer sein und mindestens 5 — 6 mal 
mehr wie Hamburg importieren. Die Sorten von Cochin scheinen am besten zu 



— 339 

sein, die von Bengalen, Japan und Westafrika zu folgen. Die afrikanischen Pro- 
venienzen und besonders auch alle schwarzen, nicht geschälten Sorten werden 
zur Destillation von Ingweröl verwandt, von dem 2 — 3% darin enthalten sind. 
In London notierten Lewis & Peat im Oktober 

1907 für Bengal Ingwer 27 sh pro ctw. 

,, Calicut ,, 68—85 >, 
,, Coohin ,, 30 — 41 ,, 

,, Japan ,, 28 '/ 2 ,, 

Man sieht daraus, wie stark die Unterschiede in den Qualitäten sind. 
Wie groß die Gesamtproduktion an Ingwer ist, läßt sich schwer sagen : 
Ich finde : 

Export von Britisch Ostindien ca. 10 Millionen Pfund 

Jamaica ,, 1—1,9 

,, ,, „ Sierra Leone ,, 1 — 1,8 

n ,, n China ,, I ,, ,, 

(an kandiertem Ingwer). 
Es werden demnach, wenn man die hier nicht aufgeführten Produktions- 
länder (Japan, Inseln von Westindien usw.) mitrechnet, wohl sicher 17 Millionen 
Pfund Ingwer gehandelt, der Import von England soll 1880 etwa 4,9, 1897 IO 
Millionen Pfund gewesen sein. Sehr große Mengen dieser Wurzel werden aber 
in Indien usw. konsumiert, die nicht zur Ausfuhr gelangen. 

24. Anhang. 

Als Gewürze kommen verschiedentlich in den ostafrikanischen Indierläden vor: 
Zingiber Zerumbet Jloscoe, maha, back oder kackur der Indier, in Ceylon 
walingum, bei den Malayen lampujan, lampu-jang, lampu-pait genannt. Die Pflanze 
stammt aus Indien, wird aber nur noch kultiviert angetroffen. 

Hedychium spicatum Harn, kaßur-kackri, siruti, sheduri, kackurzder In- 
dier, aus dem Subtropischem Himalaya, auch kleiner Galgant genannt. Die 
kleinen weißen Scheiben dienen aber mehr als Parfüm, und sind in den Läden 
als katschele erhältlich. Alpinhi officimarum Hance wächst wild an der 
Südküste der Insel Hainan. Die Wurzeln sind seit dem frühen Mittelalter in 
Europa als Galgant. Galanwurzel, Galban bekannt, wohin sie wohl durch Ver- 
mittelung der Araber kamen. Ibn Chordadbah nannte schon richtig als Her- 
kunftsort Sela, also China. Die Drogue heißt im alten Chinesisch kiang-liang, 
daraus machten die Araber cholandschan, kullendjan, chalindschan, die Indier ko- 
landjan, kulijan, kalenga. Sie heißt in Indien aber auch rattai, bei den Malayen 
languas, länkwas. Dies wird aber wohl der Name für Alpini a Galanga (L.) 
Swartz sein, die von den Mollukken bis Vorderindien wächst und den »großen 
Galgant« liefert, der aber nur selten nach Europa in den Handel kommt. 



XI. Die narkotischen Genußmittel. 



/. Cannabis sativa L. 

Der Hanf dient in Ostafrika weder zur Gewinnung von Fasern noch seiner 
Samen wegen, sondern nur als Narcoticum. Ich führe ihn deshalb hier unter 
den Genußmitteln auf. Er ist nach der Ansicht der Botaniker in Zentralasien, 
etwa südlich vom Kaspischen Meer bis Sibirien einheimisch und ist vielleicht 
zuerst in Bactrien und Sogdiana angebaut worden. Nach Europa ist er wohl 
durch die Wanderungen der Scythen nach Rußland auch nach Gallien gekommen, 
den klassischen Völkern blieb seine Kultur lange Zeit noch fremd. 

In vielen seinen Benennungen findet sich der Stamm an. kau wieder. So 
das cannabis. lianaf. häncp. häuf, kannab der Araber,*) kauas der Kelten usw. 
Eine zweite Gruppe von Bezeichnungen ist das russische penka, das persische 
und afghanische beng, bang, altsanscrit-vedisch blianga. zendisch banha. sanscrit 
banget, blianga. gangika. gunjika. von denen letzteres wohl mit dem persischen 
ginnab. dem arabischen kannab zusammenhängt. Viele leiten das bhang von 
sanscrit blianga, brechend, ab, Burton aber ebenso wie das arabische banj vom 
altkoptischen nibanj, das eine Präparation aus Hanf bezeichnete und wohl mit 
dem homerischen nepenthes stammeseins war (Yule und Burneil S. 59). 

Schon in sehr alter Zeit muß der Hanf von seinem Heimatland aus ver- 
breitet worden sein, in der ältesten indischen Literatur, in der Vedas, wird er 
vor 3000 Jahren erwähnt, die Chinesen hatten ihn mindestens seit dem 6. vor- 
christlichen Jahrhundert. Herodot erwähnt ihn von den Scythen im 5- Jahr- 
hundert v. Chr., und noch jetzt wird er nirgends in so ausgedehnter Weise wie 
in Rußland südlich von Moskau gebaut. 



*) Im Assyrisch-Babylonischen hieß die Pflanze y«;////w (Behrens, Leipziger semitische 
Studien. II. 1906), also auch dasselbe Wort. Es wäre zu untersuchen, ob dies mit der Wort- 
wurzel Ich, qu und demselben Stamm wie cemtia usw. = Rohr zusammenhängt. Dann würde 
in altsemitischen Sprachen Hanf und Rohr dieselbe Sprachwurzel haben, was darauf hindeuten 
könnte, daß der Hanf aus Rohren geraucht wurde (vergl. auch Comes, le Tabac S. 1). 



34i 

Während die Pflanze ursprünglich vielleicht nur Faserlieferant war, und 
man wohl auch ihre medizinischen Eigenschaften zu schätzen wußte, ist sie später 
in allen südlichen Ländern zu einem Genuß- und Betäubungsmittel nach Art von 
Opium, Coca usw. geworden.''') In den warmen Gegenden haben nämlich die 
Spitzen der weiblichen Exemplare stark narkotische Eigenschaften, sie schwitzen 
sogar in einigen Gegenden ein sehr giftiges Harz aus. Aus diesem Grunde hat 
man die Pflanzen aus dem Süden zu einer besonderen Art, C. indica, stellen 
wollen, eine Ansicht, die sich aber botanisch nicht halten läßt. Ob dieser 
Gebrauch des Hanfes nun in Persien oder Indien entstanden ist, läßt sich wohl 
schwer feststellen, verbreitet scheint er zuerst durch die Perser und Araber zu 
sein. Ich möchte annehmen, daß er von diesen auch nach Indien kam, wenig- 
stens zu Genußzwecken, während die Arier die Pflanze als Faserstofflieferanten 
wohl auf ihrer Wanderung aus Zentralasien mitbrachten.**) 

In Ostindien fertigt man verschiedene Präparate zu narkotischen Zwecken, 
wobei zu bemerken ist, daß nur die Triebspitzen und jungen Blätter der weib- 
lichen, nicht der männlichen Pflanzen zu verwenden sind. 

i. ganja, die weiblichen Ähren, Vorblätter und Deckblätter, die man nach 
dem Abstreifen der Blätter sammelt. Es dient mit Tabak gemischt zum Rauchen, 
drei bis vier Pfeifen von je vier Gramm sollen volle Wirkung hervorbringen 
(Flückiger). Dasselbe Präparat heißt in Marokko kif und wird in kleinen 
mctui. krab genannten Ledertaschen dort aufbewahrt (Oueden feldt). Die 
winzigen, dazu dienenden Tonpfeifen heißen in Marokko es-ssibssi. 

2. bhang, subza. sidhi, sukho, savia, je nachdem man die großen Blätter 
und Stengel, oder die kleinen Blätter nimmt, die zerkleinert und mit etwas 
Pfeffer, Zucker oder Gewürz versetzt, in Wasser oder Milch getrunken werden, 
welcher Trank berauscht und als Aphrodisiacum gilt. In Marokko, Syrien, 
Ägypten heißt dieser Trank Haschisch. 

3. charras ist eine harzige Ausschwitzung der weiblichen, nicht befruchteten 
Triebe, die in Nepal, Yarkand, Herat, Kashgar und am Himalaya gewonnen 
wird. In Indien wird dies Harz verschiedenen Latwergen zugesetzt, es wjrd in 
besonderen Läden — wie auch alle Hanf- und Opium -Präparate — verkauft, die 
Monopol sind oder unter Kontrolle der Regierung stehen. An eine Person 
dürfen nur bestimmte Mengen mit einem Mal verkauft werden. Ich hörte aber, 



*) So betäubten nach Herodot die Scythen sich, indem sie Hanfkörner auf glühende 
Steine warfen, Strabo erzählt, daß die Scythen aus Holz- oder Tonpfeifen rauchten, nach 
Plutarch spielte vielleicht der Hanf auch bei der Betäubung- der Pythia eine Rolle; in 
Mossul soll ein assyrischer Tonzylinder gefunden sein, auf dem ein die Pfeife rauchender König" 
abgebildet ist, wobei es sich natürlich nicht um Tabak, sondern höchstens um Hanf oder 
Aromata handeln kann (Com es S. 3 1 . Auch die Druiden und Gallier werden sich vor ihren 
Opfern mit Hanf betäubt haben. 

**) Creighton glaubt, daß yagar im Hohenlied der Hanf war und als Aphrodisiacum 
diente, daß auch Simson ein Hanfesser war." 



— 342 — 

daß man dies Gebot stets zu umgehen weiß, indem dieselbe Person gleich 
wiederkehrt, um eine neue Maximaldosis zu erstehen. 

4. majun, eine Latwerge aus bhang, ganja, ckarras, Opium, mastix, datura, 
Gewürzen mit Milch, Butter, Zucker. In Marokko setzt man dem auch dort 
madjun genannten Präparat Canthariden-Pulver zu und benützt es als Aphrodisia- 
cum; in der Türkei auch Moschus, Datteln, Feigen, Mandeln, Alkanna usw. 
In Ägypten und der Türkei wird mit Gummi und Zucker aus dem Krautpulver 
eine feste Masse gemacht, in Algier kocht man es mit Honig und setzt Ge- 
würze etc. zu, tut es auch in Backwerk oder Süßigkeiten. Eine andere Latwerge 
aus bhang und Mohnsaat heißt in Indien tadhal. Der Name madjun. niajum. 
majnni scheint durch den ganzen Orient zu gehen,*) schon Garcia dell'Orto 
erwähnt ihn im 16. Jahrhundert als majit, und die Latwerge majuni**) mit Opium, 
Zucker und Eiern ist auch in Zanzibar und stellenweis an der Küste bei Arabern 
und arabisierten Swahili bekannt, sie gilt für sehr berauschend und als Aphro- 
disiacum. Majununi ist auch ein aus dem ' Arabischen stammender Ausdruck" 
für geistesabwesend, verrückt, und da dieser Stamm überall für dies Präparat 
gebräuchlich ist, nehme ich an, daß auch die Sitte seiner Anwendung durch die 
Araber, wenn auch nicht erfunden, so doch verbreitet wurde. 

Der Gebrauch des Hanfes kann sogar zu einem Kultus werden. Bekannt 
ist die Ismaeliden-Sekte der Hashashin oder Mulahida, die um 1090 von Hassan 
ben Sab ah in Alamut und Kaswin südlich vom Kaspi-See gegründet wurde. 
Die Kreuzfahrer, die im Libanon mit diesen Leuten zu tun hatten, machten 
danach das Wort Assassin für Mörder allgemein. Und eine zweite Kultusgenossen- 
schaft, die auf den Hanfgenuß begründet war, wird uns von den Baluba im 
südlichen Kongobecken in Zentralafrika durch Wißmann, Wolff bekannt, wo 
der Häuptling Kalamba-Mukenge den dort Riamba genannten Kultus etwa 1870 
zwangsweise einführte und wo alle nicht daran teilnehmenden Leute tshipolumba 
genannt wurden. Man rauchte den Hanf dort aus Kalebassen. Da Wel witsch 
früher das Wort riamba von Angola kennt, ist es wahrscheinlich, daß das Hanf- 
rauchen bei den Baluba von der Westküste aus eingeführt wurde. Doch scheint 
es schon sehr lange in Afrika bekannt zu sein, denn 1652 war es als daciia. 
dag/ia bei den Hottentotten allgemein verbreitet. Nach Mac Iver hat man in 
Rhodesia bei den alten Ruinen viele Pfeifen aus Seifenstein gefunden, die offen- 
bar zum Hanfrauchen dienten. 

In Afrika ist der Hanf als Genuß- und Betäubungsmittel weit verbreitet, 
bei den Batoko am oberen Zambezi heißt er muto kwanc, bei den Makololo 
malo kuane, in Angola riamba. liambo, diamba, bei den Mukenge-Baluba riamba. 
tsaniba. riamsa, am Kongo maconia. in Unyamwezi und Usukuma nyemu oder 
bhangi. bei den Massai zumoti. den Wamwera mwemba, den Wahiyao chamba, 



\ 



* Nach Yule und Burneil heißt majun, wörtlich »geknetet-. 
**) Sacleux gibt auch noch ein ähnliches Präparat als pari/ an. 



— 343 — 

den Okawango daclia. in Quilimane ssunima, so angeblich auch am Kilimandjaro, 
in Ugoni (Songea) makenjo, in Usumbura kimogc. bei Bukoba njai, bei den Watussi 
im Südwesten vom Victoria-Nianza kimogc, bei den Ssessubia im Okawango- 
Sumpf dachet (Passarge, Z. f. Ethnol. 1905). In Madagascar nannte man ihn 
nach Dapper ahets-mangha, ahets-bule, nach Sibree die Hanfsaat rongona. Die 
Araber in Algier sagen tekrouri, kernet, hachicha. Grant gibt für Ostafrika 
den Namen dumo an ; am bekanntesten aber ist der Name bhang, bangi. Bang, 
bandsch ist außerdem die persische Bezeichnung für Hyoscyamus niger, das 
wohl ähnlichen narkotischen Zwecken dient. 

An der ostafrikanischen Küste ist die Pflanze zwar überall bekannt, hier 
und da gibt es auch Hanfraucher, und wie erwähnt, ist der Gebrauch des majuni 
bei Arabern und Swahili eingeführt, sehr viele Banyanen-Indier rauchen auch 
den Hanf, aber allgemein ist diese Unsitte hier nicht und wird im ganzen ver- 
abscheut. Jedoch viele aus dem Innern gekommene Sklaven und Träger, 
ganz besonders die Wanyamwezi und Wasukuma, ebenso wie die Stämme süd- 
lich von Tanganika rauchen sehr viel Hanf, und überall, wo Wanyamwezi sich 
ansiedeln, bauen sie ihren Hanf. Ganz außerordentlich ist der Gebrauch auch 
bei den Zulu -Völkern verbreitet. Schon Warburg in Engler's Nutzpflanzen 
Ostafrikas machte darauf aufmerksam, daß vielleicht das Hanfrauchen vom Süden 
her eingeführt sei, und ich glaube mich seiner Vermutung anschließen zu können. 
Es scheint, als ob der Hanf auf demselben Wege wie die Erdnuß vorgerückt 
sei, und daß die zuluartigen Völker das Hanfrauchen vom Zambezi durch die 
Niassa-Länder nach Unyamwezi, Usukuma und dem Victoria-See brachten, und 
daß er auch in den Kongostaat durch von Süden aus gekommene Völker ein- 
gedrungen ist. Aber außerdem hat an der Küste auch ein direkter Import statt- 
gefunden, wahrscheinlich durch die Perser oder Indier. Und diese werden in alten 
Zeiten die Hanfpflanze vielleicht auch in Südostafrika eingeführt haben, vielleicht 
von Sofala und dem Mashona-Land aus, wo arabisch-persische Leute bei den 
jetzigen Ruinen von Zimbabye sicher etwa vom n. bis 15. Jahrhundert gesessen 
haben, wie aus den Porzellan- und Glasfunden dort hervorgeht. 

Eine ethnographisch sehr interessante Frage ist, ob das Hanfrauchen älter 
als das Tabakrauchen ist. Vom Opiumrauchen weiß man bestimmt, daß es erst 
durch den Gebrauch des Tabakrauchens bei den Chinesen aufkam, und da wäre 
es immerhin möglich, daß dasselbe der Fall mit dem Hanf ist, wenigstens seine 
allgemeine Verbreitung. Die hier meist für Hanf gebräuchliche Wasserpfeife 
gleicht außerdem zu sehr dem »Nargileh«, als daß sie eine besondere Erfindung 
hiesiger Neger sein könnte. Es wäre demnach denkbar, daß das Hanfrauchen all- 
gemein erst im 16. oder 17. Jahrhundert verbreitet wurde, viel wahrscheinlicher ist 
aber, daß die Wasserpfeife vielleicht ursprünglich nur für das Hanfrauchen benutzt 
wurde und mit diesem schon recht früh nach Ostafrika gelangte. 

Ich halte es für ziemlich sicher, daß von Asien aus der Gebrauch des Hanfes 
als Rauch- und Genußmittel sich schon vor der Ankunft der Portugiesen und vor 



— 344 — 

Bekanntwerden des Tabaks in Ost- und besonders in Südostafrika verbreitete. 
Und die Portugiesen haben möglicherweise den ihnen in Indien oder in Mosambik 
als bhang bekannt gewordenen Rauchhanf auch nach Brasilien gebracht, wo er 
nach Burton noch jetzt als bange bekannt ist, vielleicht aber waren die Über- 
mittler auch aus Afrika dorthin gebrachte Sklaven. 

Der Hanf gedeiht hier in Ostafrika in der Ebene und im Gebirge überall 
und ohne Mühe. Man könnte recht leicht die jungen Triebe für den Export 
sammeln. Vielleicht lohnt sich das im kleinen; in den Katalogen von Gehe 
ist das Kilo immerhin mit 9V2 Mk. notiert, allerdings im Detailverkauf, und ein 
großer Absatz davon wird wohl kaum zu erwarten sein. Das harzige Cannabinum 
ist pro Dekagramm mit 3 3 /<i Mk. notiert. Der Engrospreis ist natürlich viel 
niedriger. Aber für »Herba cannabis indicac ist er seit etwa 1900 enorm in 
die Höhe gegangen, angeblich infolge hoher Ausfuhrzölle aus Indien. Einige 
hundert Doppelzentner zum Preise von 500 Mk. werden jetzt in Deutschland ein- 
geführt, während man früher den Doppelzentner für 100 Mk. kaufte. Das Inter- 
esse des Handels am Artikel ist infolge dieses abnorm hohen Preises sehr er- 
lahmt; aber vielleicht könnten wir von der hohen Preislage Nutzen ziehen. 1901 
bezahlte man 1 sh 6 d für das englische Pfund, 1902 2 sh 3 d, 1903 2 sh 6 d; 
und dafür sollten wir das Produkt gut liefern können, das wie Unkraut wächst. 

2. Catha (Celastrus) edulis. 

Die Cath -Blätter werden in Südarabien (Yemen) mit großer Sorgfalt und 
in Mengen gebaut. Es ist eine wohl wie der Kaffee aus Abessinien eingeführte 
Pflanze, deren junge Schösse in frischem Zustand gekaut werden und anregende 
Eigenschaften besitzen sollen. Dies Stimulans ist nicht zu verwechseln mit dem 
tat, katu, der gerbsäurehaltigen Substanz, die aus dem Holz von Albizzia 
catechu, und der ähnlichen, die aus Uncaria Gambit gewonnen wird. Die 
Catha edulis kommt auch in Ostafrika vor, z. B. bei Nairobi, doch wird sie 
hier nirgends benützt. Ihr Gebrauch scheint auf Yemen und vielleicht auf Abessinien 
beschränkt zu sein. (Vergl. auch Co nies Histoire du Tabac, S. 232.) Die 
Blätter sollen eine stimulierende Eigenschaft haben und darin dem Tee über- 
legen sein. 

3. Coffea arabica L. 

Der Kaffeebaum gehört einer Gattung der Rubiaceen an, deren Arten zum 
bei weitem größten Teil auf dem afrikanischen Kontinent heimisch sind. Es 
werden jetzt über 20 gut beschriebene Arten von Coffea bekannt sein, aber 
noch jedes Jahr findet man neue. Wenn nun auch die fast ausschließlich kulti- 
vierte Art C. arabica jetzt in der ganzen warmen Zone verbreitet ist und eine 
enorme wirtschaftliche Bedeutung erlangt hat, so ist ihr natürliches Verbreitungs- 
gebiet doch ganz beschränkt und zwar nicht, wie der Name irrtümlich vermuten 



— 345 — 

läßt, in Arabien, sondern in den südlichen Bergdistrikten von Abessinien, speziell 
in der Provinz Kaffa zu suchen. Hier soll der Baum in fruchtbaren Wäldern 
noch viel wild gefunden werden; vor einiger Zeit hat man, wie F. Rosen be- 
richtet (Gesandtschaftsreise nach Abessinien), dort allen wild wachsenden Kaffee 
für Staatseigentum erklärt, dessen Ausbeutung als Lehn vergeben wird. Die ein- 
geborenen Galla, eine von Landwirtschaft und Viehzucht lebende fleißige Be- 
völkerung, die im Gegensatz zu den Abessiniern dem Boden eine Menge Produkte 
abgewinnt, geht jetzt mehr und mehr dazu über, in ihrem Lande den Kaffeebaum 
in Kleinkultur künstlich anzupflanzen. Das in Abessinien gewonnene Produkt geht 
zum größten Teil über Harrar nach Djibuti. Auf Amhari heißt der Baum in 
Abessinien nach Rosen bun, nach Yule und Burnell in Schoa ebenso. Nach 
H e u g 1 i n und S c h w e i n f u r t h ( Abessinische Pflanzennamen) soll die Pflanze 
auf Amharisch buna heißen. Offenbar ist hiervon die allgemeine arabische 
Bezeichnung der Kaffebohne, bun, abgeleitet — von welchem Wort vielleicht 
unser Ausdruck 'Bohne' stammt — , während man das Getränk kahwe, kachwe, 
im Swahili kahäwa, kahaua nennt*). Der europäische Name »Kaffee stammt 
demnach von dem arabischen für das Getränk ab, nicht von dem für die 
Pflanze oder Frucht. Der Gebrauch der Kaffeebohnen scheint in Abessinien sehr 
alt zu sein. Von Abessinien aus ist der Baum nach Südwestarabien verpflanzt 
worden, beide Länder hatten, wie wir bei der Betrachtung des Weihrauchhandels 
sehen, stets rege Beziehungen miteinander, ja die herrschende Rasse der Abessi- 
nier, die Gheez -Völker, sind nachweislich etwa im 3. oder 2. Jahrhundert v. Chr. 
aus der Gegend des heutigen Hadhramaut in Südarabien in ihre jetzigen Wohnsitze 
eingewandert. Aber es scheint, als wenn die Kenntnis und Kultur unserer Nutzpflanze 
erst recht spät nach Yemen gelangte, denn vor dem Beginn des 15. Jahrhunderts ist 
von dem Kaffee, der doch heute im Leben der Araber eine große Rolle spielt, 
weder in arabischen noch in europäischen Schriften irgend etwas erwähnt. An- 
geblich soll ein Muphti der Suffi, Scheich Shihabuddin Dhabhani den 
Gebrauch der Kaffeebohne und des daraus bereiteten Getränkes etwa 1470 (ge- 
nauer 875 d. Hedjra) in Aden eingeführt haben; auch soll man die Pflanze schon 
im 1 5. Jahrhundert in Persien kultiviert haben, wo nach einer Notiz bei Comes 
(Histoire du Tabac) jener Muphti sie 1420 kennen gelernt haben soll.**) Gegen 



*) Nach Yule und Burnell (S. 232) bedeutet kahwa im Arabischen ursprünglich »Wein« 
(nach Burton von akhd: Ekel, Abneigung gegen Essen erzeugend). Auch im Lateinischen soll 
Ducange ein Wort cahua für schwachen weißen Wein aufführen. Früher haben arabische 
Puristen den Kaffee kihiuah zum Unterschied von kahiuah, Wein, genannt. Man wird das neu 
eingeführte Getränk demnach wie den lange bekannten Wein genannt haben, oder aber das 
Volk brachte den Namen des Landes Kaffa, von wo das Getränk gekommen war, mit dem 
für den Wein zusammen. 

**) Nach einem Zitat bei Ue C an dol le (Ursprung der Kulturpflanzen) aus J. Ellis' (An 
historical aecount of coffee 1774) soll Shebabeddin Ben, Verfasser einer arabischen Hand- 
schrift aus dem 15. Jahrhundert (Nr. 944 der Pariser Bibliothek) berichten, daß man den Kaffee 
seit undenklichen Zeiten in Abessinien gebrauchte; ein mit dem Autor fast gleichzeitig leben- 



— 346 — 

Ende des 1 5. Jahrhunderts scheint der Gebrauch des Kaffees von Yemen nach 
Mekka gelangt zu sein, wo man im Jahre 151 1 ein strenges Verbot gegen dies 
Reizmittel erließ, dessen Gebrauch der Prophet, weil es zu dessen Lebzeiten noch 
unbekannt, zwar nicht besonders untersagt hatte, das aber von den Puritanern als 
ebenso religionswidrig betrachtet wurde wie der Alkohol. 

Aus diesen Notizen, die ich in der Literatur finden konnte, geht jedenfalls 
hervor, daß erst mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts der Kaffee allgemein be- 
kannt wurde. Es scheint mir allerdings recht gut möglich zu sein, daß der Baum, 
vielleicht zuerst nur als Medikament, schon früher in Yemen angebaut wurde 
und nicht zuerst in Persien, daß aber die Bewohner der Küste des persischen 
Golfes, diese Haupthändler langer Zeiten, die Drogue bei ihren Fahrten im Süden 
des Roten Meeres bereits im Beginn des 15. Jahrhunderts kennen lernten und nach 
Persien brachten. Von Mekka scheint der Gebrauch des Kaffees bald nach Kairo 
und I 5 54 nach Konstantinopel gelangt zu sein, r 573 lernte Rauwolff das Getränk in 
Aleppo als chaube, die Frucht als bunru kennen, 1 596 sandte B e 11 us Samen davon an 
Clusius, zur selben Zeit ( 1 591 ) beschrieb Prosper Alpinus den Strauch von 
Ägypten als >arbor bon con fructu suo buiia-, seine Abbildung davon ging 
in viele Werke über, 161 5 kam der Kaffee nach Venedig, 1652 nach London, 1675 nach 
Paris. Nachdem der Holländer v. d. Broeckihnzuerst 1616 inMokka gesehen hatte, ließ 
auf Veranlassung von N i k o 1 a s W i t s e n , des Direktors der holländischen Handels- 
kompagnie in Amsterdam, der Gouverneur van Hoorn die Saat 1690 von Arabien 
nach Batavia bringen, wo man mit der systematischen Kultur begann, die dann 
Ende des 17. Jahrhunderts auch in vielen tropischen Ländern (Surinam 17 18, 
Reunion 1718, Martinique 1720, Guadeloupe 1730, Ceylon, Java, Jamaica, Bra- 
silien usw.) aufgenommen wurde*). 1 7 1 3 beschrieb A. de Jussieu die Pflanze 
nach einem lebenden Exemplar. 

Da nun seit sehr langer Zeit ein recht intensiver Verkehr zwischen Süd- 
arabien und Ostafrika war, so ist es sehr wohl möglich, daß die Drogue auch 
schon im 17. Jahrhundert nach Ostafrika gebracht wurde. Weil jedoch die Haupt- 
kolonisatoren Ostafrikas, die Anwohner des persischen Golfes, zu jener Zeit dort 
durch den Einfluß der Portugiesen — vielleicht auch durch das Aufhören des 
Goldhandels mit Sofala — zurückgedrängt waren und demnach damals nicht mehr viele 
Kulturpflanzen werden eingeführt haben, so möchte ich annehmen, daß man den 
Baum in jener Zeit dort noch nicht anbaute. Geschehen ist dies vielmehr wohl 
kaum vor der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, als die Maskataraber viele 



der Muphti von Aden, Gemaleddin, habe, nachdem er den Kaffee in Persien habe trinken 
sehen, diese Sitte nach Aden eingeführt. Play fair sagt in seiner Geschichte von Yemen, daß 
Jamaluddin ibn Abdallah, Kadi von Aden, den Kaffee von Abessinien eingeführt habe. 
*) In Ceylon pflanzten die Holländer 1690 die ersten Bäume, eine ausgedehnte Kultur 
begann aber erst 1825, im Jahre 1869 ward dort die He/7u/cya-~E.rkYa.nkung gefunden, und aus 
Furcht vor dieser verließ man fast völlig die Kaffeekultur. Vielleicht aber haben schon vor der 
portugiesischen Invasion Araber den Baum nach Ceylon eingeführt. 



- 347 — 

neue Pflanzungen errichteten. Aber nach allen Nachrichten hatte man wenig 
Glück damit; Burton berichtet, daß die Bäume fast sämtlich an Verletzungen 
durch einen Bohrkäfer zu Grunde gingen, der wohl identisch oder nahe ver- 
wandt gewesen sein wird mit dem H 'e r p e top h y g a s fasciatus , der auch 
noch heute die Kaffeekultur bei uns so sehr schädigt, wenn er sie nicht über- 
haupt bald ganz vernichten wird. Aber aus jener Zeit werden auf den arabischen 
Pflanzungen in Zanzibar und Pemba noch einige Bäumchen arabischen Kaffees ein 
kümmerliches Dasein fristen. 

Burton berichtet auch, daß in den 40er Jahren von der Küste gegen- 
über Zanzibar etwas Kaffee gekommen und ausgeführt sei. Es wird dieser aber 
sicher von wild wachsenden Coffea-Arten gewonnen worden sein, so wie er 
noch heute von C. Ibo bei den Querimba-Inseln, besonders bei Ibo im nörd- 
lichen Teil der portugiesischen Provinz Mossambik, gesammelt wird. Auf diese 
wilden Coffe «-Arten Ostafrikas kommen wir unten zurück. 

Für die Kultur des arabischen Kaffeebaumes ist das unmittelbare Küsten- 
land von Ostafrika jedenfalls durchaus ungeeignet. Er will ein kühleres, feuchtes 
Bergklima haben. 

Im Jahre 1876 haben die Engländer die Kultur des arabischen Kaffees im 
Shire-Hochland, südlich des Niassa-Sees, erst im kleinen, Ende der 80er Jahre 
im größeren begonnen. Man hat in .der Folge dort bedeutende Anlagen ge- 
macht, viel Kapital investiert, aber es scheint die Kultur neuerdings sehr nach- 
gelassen zu haben. 

Ba4d nachdem ruhige Zustände durch das Vorgehen des Majors v. Wi ßma n n 
in Deutsch-Ostafrika geschaffen waren, begann man sich bei uns mit sehr großem 
Eifer und enormen Geldopfern der Kaffee-Kultur zuzuwenden, Prof. Dr. H. 
Meyer und Dr. Baumann hatten auf das waldreiche, küstennahe Ost-Usambara 
Gebirge hingewiesen, 1 890 ward Dr. H i n d o r f seitens der Deutsch-Ostafrikanischen 
Gesellschaft dorthin gesandt und hielt nach seinen früheren Erfahrungen in Sud- 
asien dies von mächtigem Walde bestandene und triefend feuchte Gebirge für 
jene Kultur geeignet. Die D. O. A. G. begann 1891 dort zuerst in Nderema, 
dann bald in Ngwelo, mit großen Mitteln und unter der Leitung von alten 
Pflanzern aus Ceylon und Mexiko mit der Anlage einer großen Kaffeepflanzung. 
Sehr bald folgten andere Pflanzungsgesellschaften, die alle mit großen Mitteln ar- 
beiten konnten. Man führte auch chinesische und javanische Arbeiter ein, von 
denen man sich mehr Leistungen versprach als von den Negern, deren Arbeiten 
man damals noch nicht so kannte und die vor allen den fremden Pflanzungs- 
leitern unbekannt waren. Die Saat kam durchweg aus Java; soweit mir bekannt 
ist, hat nur eine Pflanzung solche aus Südarabien in kleinem Maße verwandt. 

Sehr bald begann man auch mit großen Anlagen in West-Usambara, überall 
wurden riesige Ländereien belegt oder gekauft, große Strecken abgeholzt, und 
die jungen Kaffeepflanzen gediehen auf das beste. Aber nach einiger Zeit 
merkte man, daß große Fehler gemacht waren. Vielleicht weil man die Er- 



— 348 — 

fahrungen anderer Länder einfach hierher übertrug, vielleicht weil man die hiesigen 
Böden falsch beurteilte, vielleicht aber noch mehr infolge des stillen Wunsches 
der heimischen Auftraggeber, möglichst rasch mit so wenig Mitteln wie man 
konnte recht viele Pflanzen pro Jahr in den Boden zu bringen, bepflanzte man 
ungeeignetes Terrain, machte die Pflanzlöcher oft sehr klein und setzte die 
Pflanzen stellenweise viel zu dicht. Die fremden Arbeiter waren recht teuer, die 
Gehälter der europäischen Angestellten sehr hoch, die Usambara-Bahn war noch 
nicht weit gediehen, so daß alle Transporte mit Menschenkraft sehr teuer kamen, 
kurz, die Ausgaben waren sehr hohe. Und nach einigen Jahren zeigte es sich, daß 
man falsch gepflanzte Teile der Anlage ganz aufgeben mußte. Am Ende des vorigen 
Jahrhunderts mögen etwa rund 6'/ 2 Millionen Kaffeebäume in Usambara und 
sonst in D. 0. A. ausgepflanzt worden sein.*) Denn man hatte auch begonnen, im 
niedrigen Gebiet die in Westafrika heimische C. liberica zu bauen, in erster 
Linie auf Pflanzungen, auf denen die früheren Anlagen mit Tabak mißglückt 
waren, dann aber auch auf Neuland. 

Die herrlichen, schweren Waldungen von Usambara machten den Pionieren 
den Eindruck sehr großer Fruchtbarkeit ; man hatte daher gerechnet, daß die 
dort gepflanzten Bäume mindestens soviel Kaffee liefern würden wie im Durch- 
schnitt in Brasilien und anderen Ländern oder doch mindestens ein Pfund pro 
Jahr. (F. Rosen gibt an, daß man in Harrar sogar 2V2 Kilo pro Baum und 
Jahr rechnet.) Aber die Erfahrungen lehrten leider, daß die Resultate weit 
hinter den Erwartungen zurückblieben : der Boden in Usambara ist ohne Zweifel 
lange nicht so fruchtbar, wie es den Anschein hat; wie wir es unten sehen 
werden, kann man im großen Durchschnitt kaum auf ein Viertel Pfund jähr- 
lichen Ertrag pro Baum rechnen. Dazu kam, daß durch die enorme Produktion 
der Welt an Kaffee, besonders in Brasilien, die Preise des Produkts im Welt- 
markt sehr fielen. Der in Ostafrika erzielte Kaffee war, — und ist noch, — 
zwar erster Qualität und erzielte stets sehr gute Preise im Vergleich mit anderen 
Provenienzen, aber die ganze Marktlage drückte die Preise doch sehr herab. Bei 
der Anlage unserer Pflanzungen war nach den Hamburger Einfuhrdeklarationen 
1891 der Preis von Kaffee im großen Durchschnitt 119,07 Mk. pro Dz., der von 
Brasilien 162,50 Mk., von Domingo 153,06, von Java 189,40, von Portoriko 
190,78 usw. In den Jahren 1901 — -1905 waren die Preise auf 78,80 Mk. im 
Durchschnitt gefallen, Brasilien auf 72,12, Domingo auf 75,80, Java auf 94,17, Por- 
toriko auf 122,57 usw., also teils fast auf die Hälfte von früher. Es ist klar, 
daß dieser Rückgang der Preise einen sehr großen Einfluß auf die Rentabilität 
unserer Pflanzungen ausüben mußte, zusammen mit dem zwar qualitativ be- 
friedigendem aber quantitativ ungenügendem Resultat. Endlich kam hinzu, daß 



*) Ende 1900 etwa Bezirk Tanga noch 3900000 
„ Wilhelmsthal 1 200000 
„ Uluguru 150000 

ferner an Liberia- Kaffee 100 000 in Panga und 300000 in Pangani. 



— 349 — 

die Anlagen von Liberia-Kaffee in der Ebene sich nicht bewährten, einerseits 
gediehen die Bäume bei den sehr wechselnden und nicht genügenden Regen- 
verhältnissen nicht gut, andererseits war aber der Erlös gerade für diese Sorte 
noch ungünstiger. So verließ man zum großen Teil diese Anlagen von Liberia- 
Kaffee. Zu allem kam noch hinzu, daß ein Bockkäfer, H erp etophy gas fas- 
ciatus, den ich Mitte der 90er Jahre zuerst in den Kaffeebäumen der Mission 
in Morogoro gefunden hatte, — der aber nicht mit der Kaffeekultur erst ein- 
geschleppt ist, sondern wie Exemplare, die Herr von Bennigsen sehr viel früher 
gesammelt hatte, bewiesen, bei uns heimisch war, — sich ganz besonders die 
Stämme der Kaffeebäume zu seinem Aufenthalt wählte. Die Larven desselben 
bohren im Stamm des Baumes, besonders von oben nach unten, und machen 
hier und da auch horizontale Gänge, die immer mit Holzmehl fest verstopft sind. 
Wenn die Larven endlich an der Wurzel angelangt sind, so stirbt der Baum ab. 
Man hat alles mögliche versucht, die so befallenen Bäume zu retten ; ein Ein- 
gießen von Schwefelkohlenstoff oder Ahnlichem in die Bohrlöcher, — auch wenn 
man diese rechtzeitig findet, — nützt gar nichts, da die Chemikalien wegen der 
dichten Verstopfung der Gänge mit Holzmehl nicht bis zu den Larven gelangen; 
ein Herausziehen der Larven mit Drähten gelingt nur sehr selten, ebenso wie 
das Herausschneiden der verletzten Stellen mit den Larven. Das einzige Mittel 
scheint die genaueste Untersuchung aller Bäume zu sein, damit man jeden davon 
infizierten unter der Stelle, die die Larven erreicht haben, abkappen kann, 
worauf bald ein gesunder Trieb des Baumes wieder aus dem Stumpf auswächst. 
Aber der Kampf gegen diesen Eeind ist recht kostspielig, das Abschneiden gibt 
einen Verlust der Ernte auf 2 — 3 Jahre, und endlich traten auf einigen Pflanzungen 
die Larven in so großen Mengen auf, daß ein Kampf nicht mehr möglich war. 
So hat z. B. eine Pflanzung den Kaffeebau total verlassen müssen, nachdem in 
kurzer Zeit 500000 Bäume durch den Käfer vernichtet waren, eine andere 
Pflanzung verlor in 2 Jahren 300000 Bäume usw. Es hat sich bisher gezeigt, 
daß der Käfer anscheinend in den der Küste näheren Pflanzungen der Vorberge 
schlimmer auftritt. Aber auch in Ost-Usambara macht er sich bedenklich be- 
merkbar. So waren von unseren, für Düngungsversuche in Amani bestimmten 
Kaffeebäumen, die etwa vier Jahre alt waren, Ende 1907 eine große Menge be- 
fallen; durch Ausschneiden versuchten wir so viel wie möglich dagegen zu 
kämpfen, aber es muß sich noch zeigen, ob mit Erfolg. Ausgesprochene Wald- 
gebiete scheinen für das Auftreten der Bohrkäfer günstigere Bedingungen als 
offenere Länder zu bieten. 

Durch Verlassen einzelner ganzer Pflanzungen und Übergang zu anderen 
Kulturen, durch Aufgabe schlechter Teile von Unternehmungen, und durch das Ab- 
sterben hat sich die Zahl der in beiden Usambara-Gebirgen vorhandenen Bäume 
bis Ende 1907 auf rund 4,7 Millionen verringert. 

Man versuchte nun, die verhältnismäßig geringen Erträge durch Düngung 
aufzubessern, denn es ist nach den Bodenuntersuchungen anzunehmen, daß in 



— 35° — 

den roten Erden von Usambara meist zu wenig Stickstoff und Phosphorsäure 
enthalten sind. Es wurden Superphosphat, Chilisalpeter, Ammoniumnitrat, Chlor- 
kalium, Ammoniumsulfat u. a. gegeben, daneben aber besonders kompostierte 
Kaffeeschalen und Stalldünger. Da aber nun in den Wäldern von Usambara, wo 
man die meisten Pflanzungen angelegt hatte, das Halten von größeren Mengen 
Vieh nicht möglich ist, so können nur wenige Pflanzungen sich den Luxus von 
Stalldünger leisten, besonders nur die, welche Weideland zur Verfügung haben, 
wie es oft in Westusambara der Fall ist. 

Nach allen Erfahrungen zeigte es sich, daß für Usambara der Betrieb von 
großen, ausgedehnten Kaffeepflanzungen nicht rentabel ist, kleine Unternehmer 
sind bedeutend besser daran, die die Pflanzen mehr individuell pflegen, sie düngen 
und beobachten können. Eine große Pflanzung ist z. B. dazu übergegangen, alle 
weniger günstigen Teile ihrer Anlagen aufzugeben und in Weideland zu ver- 
wandeln, dabei nur soviel Kaffeebäume behaltend, wie sie mit dem selbst ge- 
wonnenen Stallmist gut versorgen kann. Große Kaffeepflanzungen in Usambara 
sind bisher keine gute Kapitalanlagen gewesen, sie konnten sogar meistens die 
jährlichen Betriebskosten nicht decken, nur dann und wann hatten sie kleine 
Überschüsse über diese aufzuweisen. An eine Verzinsung und Amortisation des 
in sie hineingesteckten Kapitals ist leider nicht zu denken. Dagegen scheinen 
kleine Kaffeegärten, die besonders von kleineren Kolonisten neben anderen Kul- 
turen nebenbei betrieben werden, dem Besitzer eine leidliche Rente abzuwerfen. 

Leider fehlen ganz sichere Statistiken der Pflanzungen. Ich habe versucht, 
mir durch Rundfragen bei allen Anlagen ein Bild von der Anzahl der vorhandenen 
Bäume und von deren Jahreserträgen zu machen, aber das Resultat ist nicht ab- 
solut zuverlässig. Eine große Anzahl der Anfragen sind mir nie beantwortet 
worden, und zwar leider besonders nicht von Westusambara, wo vielfach die 
Pflanzer mit höheren Erträgen als im Osten zu rechnen scheinen. Eine bescheidene 
Ergänzung gibt eine vom wirtschaftlichen Verband für die Nordbezirke auf- 
gestellte Statistik, die Sr. Exellenz dem Herrn Staatssekretär am 2. Oktober 
1907 überreicht wurde und die in der »Usambara Post« vom 12. Oktober ab- 
gedruckt ist. Ich habe mir das fehlende aus dieser Statistik zu interpolieren ver- 
sucht, wenn sie auch nicht vollkommen ist und ganz sicher manche nicht zu- 
treffende Angaben hat, da nicht daraus hervorgeht, ob die angegebenen Flächen 
alle dicht mit Kaffee bebaut sind oder ob auch andere Kulturen oder Brachen 
darin enthalten sind. Endlich aber ist es offenbar auch für die Pflanzungsleiter 
schwer, sich selbst ein ganz scharfes Bild über ihre eigenen Pflanzungen zu machen, 
besonders wohl bei den fortwährenden Verlusten durch Bohrkäfer, denn bei ver- 
schiedenen Gelegenheiten erhielt ich ganz abweichende Zahlen von derselben 
Pflanzung. Die folgende Zusammenstellung gibt das Bild wieder, das ich mit 
den Angaben der Pflanzer, mit Interpolationen und der Statistik der »Usambara- 
Post« mir habe machen können. Und ich hoffe, daß es wenigstens ungefähr zu- 
treffend ist. Wohl ist es möglich, daß einzelne Pflanzungen durch günstige Lage 



1 141 


319 


2 597 ° ° 


71 000 


1416 Dz. 


? 


0,051 Kilo 


? 


132,9 Kilo 


? 


2273 


222 3 



— 351 

und durch besonderes Geschick ihres Leiters bessere Resultate erhalten, als hier 
angegeben, mich interessierte aber nationalökonomisch immer nur der große 
Durchschnitt. Da ich aus begreiflichen Gründen die Namen der Pflanzungen 
nicht aufführe, gebe ich erst einmal die Gesamtzahlen für die drei Bezirke im 
Jahre 1906/07, in denen im Norden der Kolonie Kaffee gebaut wird: 

Ost-Usambara West-Usambara Kilimandjaro 
Anzahl der bepfl. Hektar 1370 

Anzahl der stehenden Kaffeebäume 2105 000 
Ernte 2680 Dz. 

Ernte pro Baum 0,079 Kilo 

Ernte pro Hektar T 95,6 Kilo 

Anzahl der Pflanzen pro Hektar 1533 

Dies gäbe demnach für Ost- und West-Usambara zusammen 25 11 Hektar 
mit 4702000 Kaffeebäumen, die 1906 eine Ernte von 4096 Dz. oder pro Baum 
65 Gramm Hornschalenkaffee, oder pro Hektar 164,3 Kilo Hornschalenkaffee 
lieferten. 

Nach der in der »Usambara-Post« veröffentlichten Statistik der Pflanzer sind 
in beiden Usambara-Gebirgen 2580 Hektar mit Kaffee bestanden, von denen im Jahre 

1906 2680 Dz. Hornschalenkaffee oder pro Hektar 104 Kilo kamen, 

1907 2975 ,, ,, *„ „ „ in », 

1908 2775 ,, ,, ,, ,, ,, 107 ,, erwartet wurden. 
Die Statistik des wirtschaftlichen Verbandes gibt also ein noch viel un- 
günstigeres Resultat als meine obige Zusammenstellung. 

Nach der Zollausfuhrstatistik wurden 1906 aus dem Küstenland ausgeführt 
von Tanga 4974 Doppelzentner Kaffee. Nun kann man annehmen , daß die 
kleine Ernte vom Kilimandjaro teils über die Binnengrenze via Uganda-Bahn zur Aus- 
fuhr gelangt. Die obige Menge würde demnach das Produkt von den beiden Usambara- 
gebirgen darstellen, demnach also pro Baum rund 105 Gramm oder pro Hektar (beim 
Durchschnitt beider obigen Statistiken von 2545 Hektar) 195 Kilo. Der Unter- 
schied zwischen den Berechnungen kann einmal darauf beruhen, daß doch auch 
vom Kilimandjaro Kaffee via Tanga verschifft wurde, besonders aber darauf 
daß die Erntemengen auf den Pflanzungen und die Verschiffungen derselben 
in einem Kalenderjahr nicht immer ganz zu harmonieren brauchen, denn die 
Resultate der Jahre sind verschieden, und das Ergebnis eines Kalenderjahres 
kommt oft wegen der Trägerverhältnisse oder der heimischen Marktlage erst im 
nächsten Jahre zur Verschiffung. 

Wie bei allen landwirtschaftlichen Unternehmungen sind auch beim Kaffee 
die Resultate der verschiedenen Jahre sehr voneinander abweichend, sei es, daß 
die Klimaverhältnisse mitspielen, sei es, daß nach einer größeren Ernte die ge- 
schwächten Bäume im folgenden Jahre nur eine kleinere produzieren können. Wir 
wollen deshalb die folgenden Zahlen betrachten, welche die auf einigen Pflanzungen 
in verschiedenen Jahren tatsächlich erzielten Resultate zeigen. 



/ 



— 352 — 

A. Ost-Usa mbara. 
Pflanzung I von 300 Hektar, der Hektar durchschnittlich mit 161 7 Bäumen 
bestanden, brachte pro Baum in Kilo : 

Kirschenkaffee Hornschalenkaffee Regenfall mm 

pro Jahr 

1903 0,215 0,043 T 86i 

1904 1,229 0-245 251 1 

1905 0,639 0,128 2154 

1906 1,006 0,201 2616 

also im Durchschnitt 0,156 Kilo pro Baum oder 252 Kilo pro Hektar in vier 
Jahren an Hornschalenkaffee. 

Pflanzung II von 320 Hektar mit durchschnittlich 1594 Bäumen pro 
Hektar ergab : 

Kirschenkaffee Hornschalenkaffee Regenfall mm 

pro Jahr 

1904 1,000 0,200 1559 

1905 0,680 0,136 1767 

1906 0,600 0,120 1984 
(geschätzt!) 1907 (1,406) (0,280) ? 

also im Durchschnitt von drei Jahren pro Baum 0,152 Kilo oder pro Hektar 
242 Kilo Hornschalenkaffee. 

Pflanzung III von 180 Hektar, der Hektar mit durchschnittlich 2350 bis 
2830 Bäumen bestanden, ergab: 

Kirschenkaffee Hornschalenkaffee Regenfall mm 

pro Jahr 

1903 0,500 0,094 1320 

1904 0,915 0,183 2060 

1905 0,591 0,117 2018 

1906 0,521 0,105 2206 
(geschätzt!) 1907 1,65 0,329 ? 

(425 000 Bäume) 

also im Durchschnitt von 4 Jahren, 1903 — 06, pro Baum 0,165 Kilo, pro Hektar 
357 Kilo. 

Pflanzung IV mit 143 Hektar und ca. 1678 Bäumen pro Hektar brachte 
pro Baum : 

Kirschenkaffee Hornschalenkaffee 

1903 0,115 Kilo 0,023 Kilo 

1904 i,550 „ 0,282 „ 

1905 0,891 ,, 0,189 ,, 

1906 0,750 „ 0,162 ,, 
(geschätzt!) 1907 (1,666) „ (0,333) „ 

also im vierjährigen Durchschnitt pro Baum 0,197 Kilo, pro Hektar 350 Kilo 






— 353 — 

Der Durchschnitt obiger vier Pflanzungen ist demnach 157 Gramm Hornschalen- 
kaffee oder etwa 1 1 5 Gramm reinen geschälten Kaffee pro Baum gewesen zwischen 
1903 und 1906, die Schätzungen und Resultate des sehr günstigen Jahres 1907 habe 
ich nicht berücksichtigt. 

B. West-Usambara. 
Pflanzung I von 60 tragenden Hektar, die durchschnittlich je 2500 Bäume 
hatten, ergab an Hornschalenkaffee pro Baum: 

1904 0,050 Kilo 

1905 0,183 ,, 

1906 0,250 ,, 

(1907 0,200 ,, geschätzt) 

also im Durchschnitt 1904 — 06 pr oBaurif 0,161 Kilo oder pro Hektar 402 Kilo. 

Pflanzung II von 250 Hektar, mit ca. 2000 Bäumen pro Hektar, hatte 
1906 0,256 Kilo Kirschenkaffee oder 0,050 Kilo Hornschalenkaffee pro Baum, 
also 100 Kilo pro Hektar. 

Pflanzung III von 6 Hektar mit durchschnittlich 1830 Bäumen pro Hektar 
ergab an Hornschalenkaffee : 1903 0,136 Kilo 

1904 0,272 

1905 0,486 ,, 

1906 . 0,259 ,, 

also im Durchschnitt 0,313 Kilo Hornschalenkaffee pro Baum oder 572 Kilo pro 
Hektar. Dies Resultat kann durch besonders gute Lage erzielt sein, wahrschein- 
lich aber durch sorgfältige, individuelle Behandlung der Bäume und reichliche 
Düngung derselben. 

Von den anderen der im ganzen etwa 23 Kaffeepflanzungen habe ich keine 
Zahlen erlangen können. 

Man rechnet im allgemeinen, daß auf 100 Kilo gepflückten frischen Kirschen- 
kaffee — d. h. den frischen, roten Früchten man 20 Kilo Hornschalenkaffee 
erhält, in welcher Form der meiste bei uns ausgeführt wird. Bei der Aufbe- 
reitung in Hamburg, d. h. bei dem Entfernen der Hörn- und Silberhaut und dem 
Polieren verliert er noch 20 — 25% seines Gewichtes. 

Wir sahen aus obiger Zusammenstellung, daß in Ost-Usambara auf jenen 
vier Pflanzungen die Bäume in vierjährigem Durchschnitt je 157 Gramm Horn- 
schalenkaffee brachten. Wenn man aber, wie in der ersten Zusammenstellung, 
alle überhaupt vorhandenen Bäume rechnet, so gaben sie 1906 durchschnittlich 
sogar nur je 65 Gramm. 

Die Ergebnisse pro Hektar schwanken nach den verschiedenen Angaben 
zwischen 104 — 111 Kilo (Wirtschaftlicher Verband in der <>Usambara-Post«): 
164 Kilo (Erste Statistik). 
195 Kilo (Zollstatistik). 

100 — 572 Kilo (Verschiedene einzelne Pflanzungen im Durchschnitt 
mehrerer Jahre). 

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. ~j 



- 354 — 

Ein genaues Bild kann man sich demnach hieraus nicht machen, ich glaube 
aber, daß die Angaben des wirtschaftlichen Verbandes zu ungünstig sind. Ich 
möchte annehmen, daß im großen Durchschnitt der Ertrag pro Hektar zwischen 
1 50 und 200 Kilo liegen wird, daß aber die älteren Pflanzungen, welche die 
schlechten Stellen ausgemerzt haben, auf 250 — 360 Kilo Hornschalenkaffee rechnen 
können. Alle diese Zahlen vermindern sich nun noch um 20 — 25 % Schalenverlust, 
wenn man den marktwertigen Kaffee ersehen will, der vielleicht 0,80 — 0,90 Mk. 
pro Kilo in Hamburg bringen wird. 

Der wirtschaftliche Verband gibt selbst in seiner Denkschrift, wie gesagt, 
ein sehr ungünstiges Resultat, die von ihm angenommenen 104 — 111 Kilo Horn- 
schalenkaffee würden 74 — 89 Kilo marktfertigen Kaffee ergeben, der in Hamburg 
etwa den Wert von 59 — 71 Mk. haben würde. Jene Statistik gibt zugleich an, 
daß für die Bewirtschaftung von 5 Hektar Kaffeelandes vier Arbeiter nötig wären. 
Der Mann kostet nun aber monatlich 14 Rup., also 128 Rup. im Jahr, demnach 
die Arbeitskraft für einen Hektar Kaffeelandes 102 Rup. oder 136 Mk., während 
der Hektar nur 59 — 7 1 Mk. brutto einbringen würde!! So miserabel steht die 
Kaffeekultur nun doch nicht bei uns! Der Arbeiterbedarf pro Hektar ist mit einer 
halben bis zweidrittel Arbeitskraft wohl gedeckt und der Ertrag von alten, ge- 
pflegten Pflanzungen ist wohl dreimal so groß, im Durchschnitt aber mindestens 
das doppelte der Pflanzerstatistik. So wird man wahrscheinlich 160 — 350 Kilo 
Kaffee (= 120 — 280 Kilo Marktware) im Wert von 96 — 224 Mk. mit einer Aus- 
gabe an Arbeitslohn von 85 — 113 Mk. erzielen können, vielleicht auch noch mehr. 
Aber wenn man bedenkt, daß davon noch die Ausgaben für Leitung, Aufsicht, 
Werkzeug, Abnützung der Trockenanlage, Verpackungsmaterial, Träger zur Bahn, 
Bahnfracht und Schiftsfracht und endlich Maklergebühren zu bezahlen sind, so 
kann man sich vorstellen, daß die Kaffeekultur in Ostafrika kein glänzendes Ge- 
schäft ist, daß sie nur selten einen Überschuß über die jährlichen Betriebskosten 
bringt und daß eine Verzinsung und Amortisierung der meist recht großen An- 
lagekapitalien ausgeschlossen ist. In einem Lande, wo der Kaffeebaum im Durch- 
schnitt höchstens ein drittel oder meist nur ein viertel Pfund Hornschalenkaffee 
bringt, und bei den gegenwärtigen niederen Kaffeepreisen, die gar keine Aussicht 
auf Besserung haben, da scheint der Betrieb von Kaffeepflanzungen im Großen ein 
Unternehmen zu sein, auf das sich nur sehr reiche Leute einlassen können, die 
auf keine Verzinsung rechnen und denen eine Unterbilanz auch nichts schadet. 
Oder es können nur große Gesellschaften sich darauf einlassen, die durch die 
Gewinne bei anderweitigen Unternehmungen die Verluste ihrer Kaffeekulturen er- 
tragen können und die nicht gerne das Odium auf sich nehmen wollen, eine ein- 
mal begonnene Sache aufzugeben. Die ursprünglich allein auf die Kaffeepflanzungen 
angelegten Unternehmungen haben dann auch in der letzten Zeit begonnen, ein- 
mal sich eine Nebeneinnahme durch die Tätigkeit eines Sägewerkes zu schaffen ; 
dann aber haben fast alle neben ihren Kaffeegärten noch fernere Kulturen 
in Sisal- oder Manihot-Kautschukbäumen begonnen, um durch diese die Ausfälle 



— 355 ■ " 

auf den Kaffeepflanzungen einzubringen. Sie scheinen die alten Kaffeepflanzungen 
durchzuhalten, und durch Einschränkungen in den Ausgaben, rationellere Bewirt- 
schaftungen usw. kommen sie dann wohl dazu, daß im großen Durchschnitt die 
Einnahmen und Ausgaben sich ungefähr decken. Und sie hoffen, daß einmal 
ein großes Unternehmen die riesigen Waldbestände der Gesellschaften kaufen oder 
ausbeuten wird, oder aber sie rechnen damit, daß man eine Kultur findet, die 
sich lohnt, an Stelle der Kaffeebäume auf die großen einmal gerodeten Flächen 
gesetzt zu werden. Leider hat man diese Zukunftskultur immer noch nicht kennen 
gelernt. Im Hochlande wird der Chinarindenbaum, vielleicht auch die Gerber- 
akazie in Frage kommen, wohl auch Kassiarinde und Kickxia. 

In Amani sind in drei verschiedenen Serien Düngungsversuche mit Kaffee- 
bäumen angesetzt, von jedem Baum wurde vorher das Nationale aufgenommen 
und die Ernte wird jährlich von jedem Baum getrennt genommen. Aber die 
Versuche leiden sehr unter den Angriffen der Pflanzen durch den Bohrkäfer*). Von 
Bodenanalysen verspreche ich mir sehr wenig praktische Resultate, die Böden sind 
in einem nicht jahrhundertelang bearbeitetem Lande so ungleichmäßig, daß man 
nur sehr unvollkommen Durchschnittsproben nehmen kann, außerdem kennt man 
die Bedürfnisse der tropischen Pflanzen noch zu wenig, um aus dem Fehlen 
irgend welcher Bodenbestandteile sichere Schlüsse ziehen zu können auf die Boden- 
behandlung. Das beste ist immer, .man macht die ganz systematischen Düngungs- 
versuche und sieht sich ihre Resultate an ; aber solche Versuche kosten sehr viel 
Mühe und Zeit. Die Bodenbearbeitung, besonders die Herstellung großer Pflanz- 
löcher spielt ferner eine sehr große Rolle für die Resultate; man kann oft sehen, 
daß die alten Kaffeebäume mit ihren Wurzeln gar nicht aus dem Pflanzloch heraus- 
gehen und nicht in den gewachsenen Boden dringen. Sehr abhängig sind die 
Jahreserträge auch von dem Regen, weniger von der absoluten Menge als von 
dem Zufall, daß nach reichlichem Niederschlag die Blüten etwa im Dezember 
herauskommen, und daß dann während der Blüte es nicht regnet. Wie auch in 
vielen anderen Gegenden, z. B. Harrar, reifen auch bei uns die Beeren sehr un- 
gleichmäßig, weshalb die Ernte sich lange hinzieht, was für ihre Behandlung un- 
bequem ist. 

An anderen Schädlingen spielt besonders die Kaffeewanze eine große 
Rolle, deren Stich die Bohnen nicht zur Entwicklung 'kommen läßt; gegen sie 
hilft nur ein Absammeln der Tiere. Ferner macht eine oft in enormen Mengen 
auftretende Heuschrecke (Zonocerus elegans) großen Schaden. Man kann nicht 
anders gegen sie vorgehen als ihre jungen Exemplare zu sammeln. Der Blatt- 
pilz ( H emiley a vastatrix) ist nicht im entferntesten so gefährlich, wie man 
früher meinte ; Pflege der Bäume kräftigt sie so, daß sie den Blattverlust leicht 
ettragen. Übrigens ist dieser Pilz sicher so alt wie der Kaffeebaum selbst. Ich 
fand ihn 1891 im Westen des Victoria-Sees an den dort seit Urzeit in Halbkultur 



*) Der erste Bericht darüber ist von V. Lommel im »Pflanzer« Jahrgang 1908 gegeben. 



— 356 

befindlichen Bäumen, vordem dort eine Kaffeesaat aus anderen Ländern importiert 
war, und Rosen berichtet über ihn auch aus Harrar. Die Furcht vor seiner 
Einschleppung ist demnach unbegründet. Seinetwegen, der 1869 zuerst be- 
obachtet wurde, verließen die Engländer bekanntlich Hals über Kopf die ganze 
Kaffeekultur in Ceylon. 

Stellenweise tut ein Wurzelpilz, der auch anderen Bäumen schadet, in 
Usambara den Kaffeepflanzen Abbruch, ebenso eine weiße Wollaus, die an den 
Wurzeln lebt. Aber der schlimmste Feind der Kaffeekultur in Usambara ist der 
ungenügende Ertrag. Boden- und Klimaverhältnisse sind offenbar nicht so, daß 
die Pflanze ihr Optimum der Entwickelung findet. 

Bedeutend günstiger für den Kaffeebau scheinen die Verhältnisse am Kili- 
mandjaro zu liegen, wo man nicht den aus der Verwitterung von Gneiß ent- 
standenen roten Boden hat, sondern ein Verwitterungsprodukt vulkanischer 
Materialien, die überall sehr nährstoffreich zu sein pflegen. Dort kann man auch 
reichliche Mengen von Stalldünger erhalten, denn die eingeborenen Wadjagga 
halten während eines großen Teil des Jahres ihr Vieh im Stall bei Fütterung 
meist mit Bananenblättern. Aber der verfügbare Boden ist in diesem dicht be- 
siedelten Lande beschränkt; so kommt es, daß die Pflanzungen dort nur klein 
sind. Und gerade dieser Umstand ist, wie ich oben erwähnte, vielleicht von be- 
sonderem Vorteil für den Kaffeebau. (Bei Harrar sollen die Kaffeegärten der 
Eingeborenen meist nur 100 — 200 Bäume haben). Leider ist es mir nicht ge- 
lungen, trotz mehrfacher Anfragen, genaue Angaben über den Ertrag der Kaffee- 
bäume am Kilimandjaro zu erhalten. Man erzählte davon, daß der Baum im 
vierten Jahr durchschnittlich 4 Pfund ergäbe. Von einem Pflanzer Usambaras, der 
sich kurz am Kilimandjaro aufhielt, wurde mir aber erzählt, daß man doch nur auf 
2 V2 Pfund rechnen könnte. Anfang 1907 war mir vom Kilimandjaro nur das 
Vorhandensein von 5 Pflanzungen mit zusammen 71000 Bäumen bekannt. 

Ich hörte, daß auch bei Nairobi in Britisch-Ostafrika die Kaffeebäume eine 
sehr viel größere Ernte als in Usambara geben sollen. Man sprach von 3 
Pfund bei vierjährigen Bäumen. Soweit ich weiß, sind auch in jenen Gegenden 
vulkanische Deckschichten vorhanden. Aber die Kleinheit der Pflanzungen scheint 
auch bei Nairobi auf die Erträge günstig einzuwirken. 

a. Wilder Kaffee in Ostafrika. 

Ich erwähnte, daß Coffea arabica sich in den Wäldern von Südabessinien 
wild vorfindet. Dieselben scheinen dort härtere, dickere Blätter als die Kultur- 
Varietäten zu haben. Nach Fischer (Mehr Licht im dunklen Weltteil S. 19) 
wächst Kaffee auch am Naivasha See wild, im Berliner Herbarium sollen Exem- 
plare von Ligajo sein, die der Kulturart sehr nahe stehen. Camer 011 fand 
Coffea westlich von Nyangwe im Kongogebiet. Bei den Waregga westlich 
vom Albert Edward See soll der Kaffee nach Last kabumba genannt werden, 
ich vermute, daß es sich in beiden letzteren Fällen nicht um C. arabica sondern 



— 357 — 

um C. stenophylla oder eine verwandte Art handelt. In Usegua soll nach der 
Angabe von Sacleux der Kaffee mlavilavi genannt werden und zwar eine dort 
wachsende wilde Art. Ich vermute, daß es sich um Coffea zanzibariae 
Lour. handelt, der vor langer Zeit in Mosambik von Loureiro gefunden ist 
(»in silvis orae zanzibarae Africa, in hortis culta prope Mozambicum, Amajona«), 
und den ich dann Mitte der 90er Jahre wild in den Usaramo-Bergen hinter Dares- 
salam wieder fand. Wahrscheinlich wurde dieselbe Art auch von O'Neill in 
Eradi und Muaja, 3 — 4 Tage von der Mosambik-Küste, gesammelt. Eine andere 
wilde oder in Halbkultur befindliche Kaffeeart ist C. Ibo Fr'öhn. die bei der 
Insel Ibo im Nordteil der Kolonie Mosambik ausgebeutet wird. Diese Art unter- 
scheidet sich von den übrigen Coffea- Arten dadurch, daß sie ihre Blätter abwirft. 

Eine andere Art, C Schumanniana Busse, fand Busse am Mbangala- 
Fluß in der Ruvuma-Gegend im Süden von Deutsch-Ostafrika. Die in Amani 
kultivierten Exemplare davon zeigen auffallend kleine Blätter. Ob diese Art eine 
rentable Kultur zuläßt, ist noch unbekannt. 

In Amani kultivieren wir ferner eine am Pangani-Fluß bei der Friedrich-Hoff- 
man-Pflanzung von Herrn Scholz gefundene Coffea- Art mit kleinen harten 
Blättern und winzigen Früchten, die als neue Art unter dem Namen C. mi- 
crantha Krause beschrieben wird. Sie hat nur botanisches Interesse. 

Fitzgerald berichtet, daß bei den Wapokomo am Tana der Kaffee wild 
wächst, und daß die Bajoni dort bei Faza die Kaffeebohnen kauen. Nach einer 
amtlichen Information, die mir durch das deutsche Vizekonsulat in Mombassa 
gütigst übermittelt wurde, soll der Kaffee am Tana-Fluß nicht wild wachsen, 
aber man sagt, daß er in dem Rendile-Wald vorkäme. Der Kaffee bei den 
Wagalla soll buni heißen. Ebenso kauen meiner Information nach die Somali 
den Kaffee, den sie manchmal erst mit etwas Butter rösten und in einer Muschel- 
schale heiß verzehren sollen. Welcher Art dieser Kaffee angehört, ist unbekannt. 
Die Sitte des Kauens der Bohnen aber ist sehr interessant, denn sie findet sich 
in ausgedehnter Weise am Victoria-See wieder. Es ist gar nicht unmöglich, daß 
das Kauen der Bohnen das primitivere Verfahren war, und das das Bereiten des 
Getränkes erst viel später erfunden wurde. 

In Amani haben wir eine große Zahl von Coffea Arten in Kultur, sowohl 
Kulturformen von C. arabica aus den verschiedensten Gegenden, als auch die 
westafrikanischen Sorten, C canephora u. a. Jch gehe auf diese nicht näher 
ein, da einmal die botanische Bestimmung der von Händlern bezogenen Pflanzen 
und Samen oft sehr unzuverlässig ist und erst an blühenden Exemplaren 
revidiert werden muß, dann aber auch, weil wir irgendwie positive Resultate mit 
unseren jungen Pflanzen noch nicht erzielt haben. Ebenso besitzen wir Hybriden 
zwischen C arabica und C liberica, sowie Pfropfungen dieser beiden Arten 
aufeinander. 

Am Kilimandjaro ist eine kaffeeartige Pflanze gefunden, die aber Galiniera 
coffeoides Del. ist und nicht zu Coffea gehört (Volke ns). 



358 — 

b. Coffea liberica 

ist eine aus dem feuchten Küstenland von Westafrika stammende Art mit sehr 
großen, dicken Blättern und Früchten, die etwa doppelt so groß sind wie die der 
arabischen Art. Es wurden auf diese Art des Tieflandes große Hoffnungen ge- 
setzt, in vielen Ländern baute man sie an, erfand sogar besonders abgeänderte 
Methoden für die Aufbereitung der Bohnen. Auch bei uns hat man früher sie 
ziemlich viel kultiviert, wie ich oben erwähnte, besonders als Ersatz der auf- 
gegebenen Tabakskultur. Aber sie gedieh nicht sehr gut, das Klima unserer 
Niederungen hat zu wenig und besonders zu ungleichmäßige Regen, als daß ein 
Baum des feuchten westafrikanischen Tieflandwaldes bei uns seine besten Be- 
dingungen finden könnte. Außerdem wurden die daraus gewonnenen Kaffee- 
sorten auf dem Weltmarkt noch schlechter bezahlt als die anderen. So hat man 
diese Pflanzungen fast alle verlassen. Meines Wissens wird nur eine von etwa 
20 Hektar mit einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 25 Doppelzentnern 
(nach der Statistik des wirtschaftlichen Verbandes) weiter bewirtschaftet. Sie 
wird die geringen Unterhaltungskosten wohl aufbringen. Im übrigen spielt der 
Liberia-Kaffee bei uns wirtschaftlich keine Rolle mehr. 

c. Coffea arabica var. Stuhlmanni Warb. 

Der Bukoba- oder Uganda-Kaffee. Die ersten europäischen Reisenden, 
welche die Länder nordwestlich des Victoria-Sees erforschten - - so Gran t 1862 
in Witschiu, Camer on in Karagwe, Stanley Anfang der 70er Jahre in Uganda 
u. a. m. — , berichteten, daß dort der Kaffeebaum vorkomme. Meistens wurde 
behauptet, daß er wild sei, genauere Beobachter aber beschreiben ihn als in 
einzelnen Exemplaren in den Bananenhainen angepflanzt. In den Baziba-Sultanaten v 
z. B. bei Bukoba, heißt er mwaiü. muani, ebenso in Uganda, in Unyoro muarri, 
dort im inneren Marktverkehr nach E m i n auch udiva. Die Bohnen werden nie 
zur Herstellung eines Getränkes durch Abkochung benutzt, sondern man pflückt 
sie fast völlig reif ab, brüht sie mit heißem Wasser und läßt sie im Schatten 
trocknen. In kleinen zierlichst geflochtenen Körbchen oder Säckchen wird der 
Kaffee bei jeder Gelegenheit in diesem Zustand angeboten, man kaut die mit 
der Kirschenschale getrockneten Bohnen, nachdem man sie aus der Schale gelöst, 
wodurch Speichelabsonderung und wohl auch ein leichter narkotischer Effekt er- 
zielt wird. 

Das Wort für »Geschenk« soll gleichlautend mit der Bezeichnung für die 
Kaffeebohne sein, beim Schließen der Blutsbrüderschaft werden von den beiden 
Kontrahenten je eine der beiden in einer Kirsche enthaltenen Kaffeebohnen, mit 
dem betreffenden Blut bestrichen, verzehrt. Wie mir Herr H. Rehse, der sich 
lange bei Bukoba aufhielt und dort die Sitten der Leute genau studierte, schreibt, 
darf nur ein vollerwachsener Mann einen Kaffeebaum pflanzen und zwar nur 
einen während seines ganzen Lebens, da man glaubt, daß der, welcher ihn 
pflanzte, mit dem Absterben des Baumes auch stirbt. Bevor die Leute Kaffee- 



— 359 

bohnen kauen, sollen sie nach demselben Beobachter zwei Bohnen dem Geiste 
Mugasha opfern und sich die Hände mit einem wohlriechenden Blatte abreiben, 
das die Frau des Hauses zusammen mit den Bohnen überreicht. Die Geliebte 
bringt ihrem Auserwählten in sauber gearbeitetem Behälter einige Kaffeebohnen usw. 
Herr Rehse meint aus den vielen Zeremonien, die mit dem Gebrauch der Kaffee- 
bohnen verbunden sind, schließen zu sollen, daß der Baum nicht im Lande 
einheimisch sei, sondern mühsam von ferne her importiert wäre. Denn nur un- 
gewöhnliche Sachen, die mit Mühe gewonnen wurden, könnten mit soviel Ver- 
ehrung betrachtet und behandelt werden. Es ist diese Annahme zwar meines 
Erachtens nicht ganz von der Hand zu weisen, aber nicht zwingend. Eine Über- 
lieferung über die Einführung des Kaffeebaumes hat Herr Rehse trotz aller 
Mühe nicht feststellen können. Ausschlaggebend für die Lösung dieser Frage 
kann deshalb nur die Erkundung der geographischen Verbreitung des wild- 
wachsenden Baumes sein, und darin sind wir noch von einer Vollständigkeit weit 
entfernt. Wir wissen, daß der Kaffeebaum in Uganda, Südunyoro, und in den 
Baziba-Ländern westlich vom See bisher nur in kultiviertem Zustand gefunden 
ist, und zwar in einer eigenen Varietät der C. arabica, die Warburg nach 
den von mir 1890 bei Bukoba gesammelten Materialien als Var. Stuhlmanni 
beschrieben hat. Diese Varietät unterscheidet sich von der gewöhnlichen Kultur- 
sorte durch sehr viel größere Blätter, die zwischen zwei Seitenadern sehr stark 
gewellte Blattspreiten haben, während die Blätter der Kulturart fast glatt sind. 
Die Drüsen in den Winkeln der Blattnebenadern sind fast nicht zu sehen, während 
sie bei den meisten andern Coffca- Arten mehr oder weniger stark ausgebildet 
sind. Die Blätter des Bukoba-Kaffees, den wir in Amani haben, sind etwa 
38 : 10V2 cm, bei Java-Kaffee 12V2 : 5 cm groß. Die Blüten unseres Bukoba- 
Kaffees in Amani zeigen, wie mir Herr Regierungsrat Busse schreibt, nur sehr 
kleine Abweichungen in den Filamenten, verglichen mit Originalmaterial von 
C. arabica von Harrar, das Robecch i-Bricchetti dort sammelte, und mein 
1890 in Bukoba gesammeltes Material zeigt wiederum kleine Abweichungen 
von den vorigen beiden. Das alte Material aus Bukoba hat außerdem weichere, 
dünnere Blätter, sowohl als das aus Amani wie als das aus Harrar, bei dem 
auch die Drüsen kaum auffindbar sind. Nach dem, was man bisher feststellen 
kann, handelt es sich also um eine Lokalvarietät mit größeren, welligen 
und dickeren Blättern, mit winzigen oder fast fehlenden Drüsen, und diese Eigen- 
schaften scheinen je nach Standort ein wenig zu variieren. Das auffallendste 
Merkmal ist die winzig kleine Frucht bei dem Bukoba-Kaffee, die als reife Kirsche 
in Amani nur 10: 11 mm groß wird gegen 15 : 18 mm bei Java-Kaffee -— . 

Demzufolge ist auch die Bohne nur sehr klein, und oft findet man durch Ver- 
kümmerung einer Bohne die andere zur Perlbohne ausgebildet. Es ist diese 
Kleinheit der Bohnen auch eine Eigenschaft des echten Mokka-Kaffees von 
Abessinien und Arabien, und man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, 



— 360 — 

daß die beträchtlichere Größe der gangbaren Kaffeebohnen durch Auswahl bei 
der Kultur erzielt sind. 

Nach allem kann man also annehmen, daß der Kaffeebaum vom Nord- 
westen des Victoria-Sees eine Lokalvarietät des arabischen Kaffees ist, die der 
aus Abessinien am nächsten zu stehen scheint. Sehr viel spricht dafür, daß sie 
vom Nordosten aus eingeführt ist. Jedenfalls wurde sie in ihr jetziges Gebiet nicht 
durch die Araber von der Ostküste aus gebracht, denn der Überlieferung nach 
fanden die ersten derselben, besonders ein gewisser Muza mzuri, sie dort bei 
ihrer Ankunft schon vor; wäre sie von ihnen gebracht, so hätten sie auch den 
Gebrauch des Kaffeetrinkens dort eingeführt und nicht das Kauen der Bohnen, 
das die ursprünglichste Anwendung der Drogue in den Gegenden südlich von 
Abessinien gewesen zu sein scheint, so wie die Somali und die Leute am Tana 
sie heute noch üben. Nicht sehr wahrscheinlich ist es mir, daß die Watussü 
Wahuma- Völker die Saat von ihrer nördlichen Heimat mitbrachten, denn diese 
waren wahrscheinlich reine Hirtenvölker, die keinen Ackerbau trieben. Und in 
den typischen Watussi-Ländern im Westen des Sees scheint die Kultur des 
Kaffees unbekannt zu sein. Sie beschränkt sich vielmehr auf die Gegenden in 
ziemlicher Nähe des Sees, im Nordwesten desselben. Ist aber der Baum dorthin 
eingeführt, so müssen dort alte, uns noch unbekannte Handelsbeziehungen vom 
Nordosten aus geherrscht haben, oder noch wahrscheinlicher, diese dort jetzt 
sitzenden Völker waren in der Vorzeit selbst aus nordöstlichen Gegenden ein- 
gewandert, in denen der Kaffee wuchs. 

Höchst eigenartig ist die Kultur des Kaffeebaums am Victoria-See, auch sie 
deutet auf eine unabhängige Entstehung der dortigen Kultur dieses Gewächses. 
Ich erwähnte, daß die Bäume in ziemlich vereinzelten Exemplaren in den großen 
Bananenhainen und in der Nähe der Hütten gezogen werden, und daß ein Mann 
in seinem Leben nur einen Kaffeebaum pflanzen darf. Diesem Aberglauben ist 
es offenbar zuzuschreiben, daß man sich bemüht, die Bäume so umfangreich wie 
möglich zu ziehen, um einen größtmöglichen Ertrag zu erhalten. Die folgenden 
genaueren Notizen darüber verdanke ich ebenfalls Herrn H. Rehse. 

Die Vermehrung des Kaffees geschieht in den Baziba-Ländern nicht wie 
sonst überall durch Samen, sondern auffallenderweise durch Stecklinge. Man 
schneidet einen kräftigen, vorjährigen Zweig aus einem älteren Baum, entfernt 
alle Nebenzweige und stößt beide Enden dieses Reises in dem Bananenhain in 
die Erde, so daß die Mitte des Zweiges bogenförmig über dem Boden steht. 
Bald beginnt der Steckling zu treiben. Sobald sich größere Triebe zeigen, durch- 
schneidet man den Bogen an der höchsten Stelle und erhält nun zwei angewachsene 
Stecklinge, die man beide am Platze ihres Entstehens wachsen läßt. Nach zwei 
Jahren knickt man den jungen Baum um und befestigt seine obere Hälfte, — 
eventuell mittels Stricken, — am Boden, so daß er horizontal liegt und dadurch 
veranlaßt wird, immer neue Triebe nach oben zu bilden, die ihrerseits später 
wiederum geknickt werden. Durch diese Behandlung erreichen dort die Kaffee- 



— 3<5i — 

bäume eine sehr große Breite, Exemplare von 6 Meter Höhe und 32 Meter Um- 
fang sollen keine Seltenheit sein. Die Bäume erreichen dort offenbar ein Alter 
von IOO Jahren und mehr, denn sehr alte Leute zeigten Herrn Rehse große 
Bäume, die in ihrer Jugend schon alte Bäume gewesen seien. Der Kaffeebaum 
heißt in Kiziba rn.um.Mani (mumtvani), die Bohne emmuani (emmwani). Der 
Durchschnittsbaum soll in Kiziba tragen: 

im vierten Jahr '/ 2 Pfund, 

im fünften Jahr 3 /+ Pfund 

im sechsten Jahr 1 Pfund 

im siebenten Jahr 2 — 4 Pfund 
und erzielt bei großem Alter mit entsprechender Ausdehnung 30 — 40 Pfund Er- 
trag. Die Bohnen junger Bäume sollen nach der Beobachtung des Herrn Rehse 
etwa doppelt so groß sein wie die der alten. 

Genauere statistische Zahlen über die Anzahl der dortigen Bäume sind bis- 
her nicht zu erhalten gewesen. Man ist demnach auf Schätzungen angewiesen. 
Herr Rehse nimmt auf jede Hütte durchschnittlich zwei Bäume an, außerdem 
noch einige junge Pflanzen. In neuster Zeit sind ferner in der Landschaft Kiziba 
auf Veranlassung des Sultans 85000 Bäume gepflanzt worden (1903). Abgesehen 
von diesen letzteren dürften im Bezirk Bukoba etwa 100000 Bäume vorhanden 
sein. Die Ausfuhr von Kaffee bewegte sich zwischen 2 — 500000 Pfund. Nimmt 
man nun an, daß dasselbe Quantum im Lande selbst verbraucht wird, so erhält 
man das Resultat, daß der einzelne Baum jährlich eine Ernte von 4 — 10 Pfund 
Kaffee in der Schale bringt. Es ist das ein sehr schönes Resultat, aber man 
muß bedenken, daß die Bäume absichtlich zu Riesenexemplaren gezogen werden 
und daß sie einzeln bei den Hütten stehen, demnach auch wohl individuell ge- 
pflegt werden, und vor Wind geschützt sind. Man wird demnach nicht erwarten 
dürfen, daß auf einer europäischen Pflanzung in großen Beständen man auch nur 
annähernd diese Ernten erhalten wird. 

Die Ausfuhr von Kaffee ist in den letzten Zeiten von Bukoba aus stets ge- 
stiegen, die Entwickelung des Verkehrs durch die Uganda-Bahn ermöglichte eine 
rentable Ausfuhr von dort, und von der Zeit Emin Paschas an haben alle 
deutschen Verwaltungsbeamten die Sultane überredet, möglichst viel Bäume an- 
zupflanzen. Nur in einem Lande, in dem kraftvoll Sultane herrschen und ihre 
Leute in guter Zucht haben, in dem Ruhe und dadurch Seßhaftigkeit herrscht, 
ist eine Kultur von Bäumen überhaupt möglich. Und die finanziellen Resultate, 
die man jetzt hat, werden die Leute veranlassen, allmählich von ihrem Vorurteil 
abzugehen, das jedem Manne nur das Pflanzen von einem einzigen Kaffeebaum 
gestattet; die Kultur des Kaffees und dadurch der Wohlstand wird sich bald be- 
deutend ausbreiten unter der Voraussetzung, daß man wie bisher die Autorität 
der Sultane stützt, von denen einige sich im besten Sinne Kulturbedürfnisse an- 
eignen, sich hübsche Häuser bauen und binnen Kurzem auch Abnehmer für alle 
möglichen Artikel der deutschen Industrie werden. Allerdings muß man darauf 



— 362 — 

achten, daß die Sultane ihre Untertanen nicht zu sehr knechten. Zu hoffen ist 
auch, daß es gelingt, die Leute vor der Ausbeutung durch indische Kaufleute 
zu schützen, sie sind selbst im Gegensatz zu anderen Negern intelligent genug, 
daß unter ihnen selbst kleine Händler auftreten können, welche dort die gewissen- 
losen indischen Händler entbehrlich machen, und hoffentlich werden europäische 
Kaufleute sich dort die größeren Zwischenhandelsgeschäfte nicht von den Indiern 
aus der Hand nehmen lassen. 

Die Produktion des einzelnen Mannes an Kaffee ist allerdings verschwindend 
klein. Der Bezirk Bukoba hat ca. 332 OOO Einwohner und exportierte 1906 
214552 Kilo, 1907 182 371 Kilo Kaffee, das Kilo im Werte von etwa 54 Pfennigen 
in Deutschland!! 

Der Bukoba-Kaffee ist schlecht, was wohl durch die miserable Behandlung 
der Eingeborenen zu erklären ist, die viele Früchte unreif abpflücken. Er hat 
eine sehr kleine Bohne, die oft durch Verkümmerung einer Bohne in der 
Kirsche die »Perlform« annimmt. So kommt es, daß die Ware äußerlich 
dem Mokka-Kaffee recht ähnlich sieht, und sie wurde angeblich auch bis vor 
kurzem massenhaft zur Versetzung des Mokka-Kaffees nach Aden via Mombassa 
ausgeführt. Doch soll neuerdings dies nicht mehr geschehen. Wie bei allen 
mir bekannten, halbwilden afrikanischen Kaffeearten hat das aus dem Bukoba- 
Kaffee bereitete Getränk einen etwas säuerlich bitteren Beigeschmack, der mir per- 
sönlich nicht unangenehm ist. Ich habe seinerzeit auf der Emin-Expedition 
mehr als ein Jahr diese Sorte mit Genuß getrunken. 

Neuerdings beginnt man auch von Seiten deutscher Unternehmer im Bukoba- 
Bezirk Kaffee zu bauen, zusammen mit Viehzucht und Sisalkultur, damit man 
nicht alles auf eine Karte setzt. Erfahrungen über das Resultat liegen noch nicht 
vor. So weit ich hörte, wird beabsichtigt, u. a. die eingeborene harte C. arabica 
var. Stuhlmauiii zu kultivieren, und es wäre der Mühe wert, mit dieser auch 
in anderen Gebieten Versuche anzustellen, denn es ist sehr wohl möglich, daß 
gerade sie sich besonders gut für unser Land eignet. Und wenn man auch nicht 
dieselben guten Qualitäten wie bei anderen Kulturarten erhält, so kann man hoffen, 
das finanzielle Resultat durch größere Mengen aufzubessern. Allerdings wird man 
auch hier nicht Riesenpflanzungen anlegen, sondern nur so viel Bäume bauen 
dürfen, als man individuell behandeln, düngen und besonders vor Wind schützen 
kann! Die Gegenden, in denen der Bukoba-Kaffee jetzt wächst, liegen 1200 bis 
1400 Meter über dem Meere und haben etwa 1750 mm jährlichen Regenfall, der 
von Mitte September bis Ende Mai fällt, während die übrigen Monate nur je 
40 — 70 mm haben! Der Boden ist dort recht armer Rotlehm, der aus der Ver- 
witterung von Ouarziten und Tonschiefern entstanden ist. Reichliche Viehhaltung 
wird dort die Düngung ermöglichen ! Ein europäischer Unternehmer aber wird bei 
Bukoba nicht wie die Eingeborenen die Riesenbäume ziehen, deren Schnitt und Ab- 
erntung unbequem ist, sondern er wird Bäume von normaler Größe sich schaffen. 
Ob er sie aus Samen oder besser aus Stecklingen wie die Eingeborenen zieht, 



— 3^3 

wird nur die Erfahrung lehren können, wahrscheinlich wird man die Varietät 
besser mit der Vermehrung durch Stecklinge erhalten können. Jedenfalls wird 
er rationeller als die Eingeborenen wirtschaften und größere Werte als sie erzeugen. 

Die Mengen von Kaffee, die aus Bokuba ausgeführt sind, ersieht man aus 
der weiter unten nachfolgenden Statistik, indem die Ausfuhr über die Binnen- 
grenze fast ganz auf Rechnung von Bukoba kommt, nur wenig vom Kilimandjaro. 

Der Vollständigkeit halber will ich noch erwähnen, daß man in Südarabien 
und in den Vorländern von Abessinien ein Getränk aus den Schalen der Kaffee- 
bohnen bereitet und daß auch diese Coffein enthalten sollen. Vor einigen 
Jahren wurde eine Abkochung von 30 Gramm Kaffeeschalen in 400 Gramm 
Wasser in kleinen Tassen 6 mal pro Tag als Mittel gegen die Malaria empfohlen. 
(Dr. L. Restrepo von Medellin in Columbia nach der »Central Africa Times' 
vom 27. Juni 1903.) Auch die Holländer auf den indischen Inseln empfehlen zu 
diesem Zweck ungeröstete Kaffeeschalen. Der Gebrauch von Tee aus Kaffee- 
blättern, den v. Bibra (Die narkotischen Genußmittel u. d. Mensch. Nürnberg 
1855. S. 36) anführt, ist offenbar nie verbreitet worden. Sie enthielten 1,15 bis 
1,25 % Coffein. 



Die folgenden Zahlen geben die Ausfuhr an Kaffee aus Deutsch-Ostafrika. 
Da die ersten Pflanzungen 1891 gegründet wurden, erscheint erst im Jahre 1895 
eine nennenswerte Ausfuhr von Kaffee. 



1892 


850 


Kilo 








1893 


160 


1 1 








1894 


730 


1 1 








1895 


35000 


j 1 








1896 


25 000 


1 1 








1897 


73000 


1 1 








1898 


60000 


n 








1899 


50000 


1 1 








1900 


148785 


i * 


im Wert von 274757 


Mk. 




1901 


186207 


1 1 


, 257130 


„ 




1902 


353424 


ii 


483 295 


> * 




1903 


337 344 


Ü 1 


„ „ „ 525848 


1 * 




1904 


401935 


1 1 


„ „ „ 523618 


'1 1 




1905 J 


401 181 
240 178 


1 1 


„ 407 153 
- ■„ 56933 


1 1 


von der Küste 

,, Binnengrenze 










(davon 234 740 Ko. v. Bukoba) 


1 906 


500994 


i 1 


n 423 333 


>< 


von der Küste 


1 


242 290 


>) 


„ IO8257 


1 1 


,, Binnengrenze 


1907 . 


402 902 
179024 


1 1 


,, 44I 26l 
98832 


- 


,, Küste 

,, Binnengrenze 



Der Bezirk Bukoba allein führte nach U. v. Katte (Tropenpflanzer 1908, 
S. 515) aus: 



— 3Ö4 



1906 2 14 5 5 2 Kilo 

1907 182 371 ,, für 64713 Mk. 

Der kleine Bezirk Bukoba mit seinen nur in den Händen von Eingeborenen 
befindlichen Kulturen lieferte also fast halb soviel Ausfuhr an Kaffee wie die ganzen 
Usambara-Pflanzungen zusammen, obgleich eine große Menge der Kaffeeproduktion 
von Bukoba im Lande selbst verbraucht wird. 

Der Preisrückgang des Kaffees von Deutsch-Ostafrika liegt nicht an einer 
Verschlechterung der Qualität, sondern an dem allgemeinen Preisrückgang der 
Ware, vielleicht aber auch daran, daß man nicht mehr Phantasiepreise dafür in 
Deutschland bezahlt. 

Es würde die Aufgabe einer ganz speziellen nationalökonomischen Studie 
sein, die Handelsgeschichte des Kaffees zu verfolgen. Für unsere Betrachtungen 
genügt es, darauf hinzuweisen, daß Deutschland einen recht großen und immer 
steigenden Konsum von dieser Drogue hatte, und daß fast der ganze Bedarf 
über Hamburg eingeführt wird, wo einer der größten Märkte dafür auf dem 
Kontinent ist. Nach der Hamburger Einfuhrstatistik wurden dort über See 
importiert : 

290651 Dz. jährlich im Durchschnitt 
290471 ,, 



1841 — 1850 
1 8 5 1 — 1860 
1861 — 1870 
1 871 — 1880 
1881 — 1890 
1891 — 1900 

1901 

1902 

1903 

1904 

1905 

1906 

1907 



313758 
649250 

930774 
1496054 
1995750 
2 171 978 
2 121 974 

1 807 205 
1930663 
2422367 

2 640 o 1 6 



im Wert von 154033 910 Mk. 
,, 166 551 240 „ 
,, 201 560070 „ 
,, 204944840 „ 

Von diesen wurden in den letzten Jahren etwa 8 — 900000 Dz. wieder see- 
wärts ausgeführt. 

Nach dem »Statistischen Jahrbuch« wurden im deutschen Zollgebiet eingeführt: 

1903 181 998 Tons im Wert von 145168000 Mk. 

1904 180093 ,, ,, ,, ,, 162930000 ,, 

1905 180 166 ,, ,, ,, ,, 170308000 ,, 

1906 186529 ,, ,, ,, ,, 170067000 ,, 

demnach weniger als in Hamburg, von dessen Einfuhr ein Teil gleich wieder 
ausgeführt wurde. 

Der Gesamtverbrauch in Deutschland stieg in 1836/40 von 26600 Tons 
auf 1906 185334 Tons oder von 1,01 Kilo auf 3,02 Kilo pro Kopf der Be- 
völkerung. 

Über zwei Drittel der Einfuhrmengen kommen aus Brasilien, das mit seiner 



- 365 — 

enormen Produktion den ganzen Kaffeemarkt beherrscht und die Preise diktiert.*) 
Mit Mengen von 15 — 200000 Dz. kommen ferner noch Guatemala, San Salvador, 
Venezuela, Haiti, Nikaragua, Mexiko, Niederl. Indien, Kostarika und Kolumbien 
in Betracht. 

Uns interessiert speziell, daß in Hamburg eingeführt wurde 
aus Deutsch-Ostafrika : Durchschnittswert 

1904 3518 Dz. im Wert von 314770 Mk. 89 Mk. pro Dz. 

1905 4635 ,, ,, ,, ,, 408520 ,, 88 , 

1906 5661 ,, ,, ,, ,, 494890 ,, 87 ,, 

1907 4146 ,, ,, ,, ,, 389740 „ 94 

aus dem übrigen Ostafrika : 

1904 4469 Dz. im Wert von 364160 Mk. 81 Mk. pro Dz. 

, „ ,, „ 237250 „ 99 

, ,, ,, ,, 183240 ,, 85 , 

98900 ,, 90 

, ,, ,, ,, 1 124220 ,, 142 ,, „ ,, 

922170 ,, 137 

831 220 ,, 127 

, ,, ,, v . 665490 ,, 128 

Fast die ganze Produktion der Usambara-Pflanzungen wird über Hamburg 
in Deutschland eingeführt, während die Erzeugnisse von Bukoba meines Wissens 
früher nach Aden, jetzt meistens nach Marseille gehen. 

Wie schon früher erwähnt, spielen die Durchschnittspreise des Kaffees zu- 
sammen mit dem Ertrag des Einzelbaumes und den Produktionskosten die Haupt- 
rolle für die Rentabilität der Pflanzungen. Und diese Preise werden seit langer 
Zeit von dem Hauptproduktionsland Brasilien diktiert, wo jetzt etwa 8 Millionen 
Sack jährlich erzeugt werden. Etwa drei Viertel der Gesamtproduktion der 
Welt. Die große Überproduktion dort hat die Preise sehr gedrückt, so daß die 
Rentabilität der Kultur auch dort in Frage gestellt ist. Soweit ich gehört habe, 

9 

arbeitet man in Brasilien vielfach mit italienischen Landleuten, die am Ertrage 
der Pflanzungen finanziell interessiert sind, indem man ihnen Teile derselben in 
Unternehmung gibt, ein System, das sich vielleicht auch für uns empfehlen würde, 
da auf diese Weise eine individuellere Behandlung der Pflanzen gesichert ist. 
Man müßte aber dies System genau in Brasilien studieren, um beurteilen zu 
können, inwiefern es sich für uns anwenden läßt. 

Um die Preise zu regulieren, hat der Staat Saö Paulo sich entschlossen, 
eine großartige Finanzoperation zu unternehmen, indem er seit 1905 mit Hülfe 
einer bedeutenden Anleihe riesige Mengen von Kaffee aufkaufte und in den 
großen Kaffeemärkten Europas und Amerikas deponierte. Im Jahre 1907 soll 



1905 


2399 


1906 


2163 


1907 


1103 


aus Arabien : 




1904 


7902 


1905 


6751 


1906 


6544 


1907 


5194 



*) 1906 kamen von Brasilien 10 — 10V2 Millionen Sack. 



3 66 



im Jahre 



<5 

<5i 



3 



der Stock auf fast acht Millionen Sack Kaffee gebracht sein, und die Regierung 
glaubte, dadurch die nötigen Mengen von Ware aus dem Verkehr gezogen zu 
haben, um die Preise zu sanieren. Diese sollen erst 
dann verkauft werden, wenn die erhöhte Nachfrage 
es verlangt und wenn Preise erzielt werden, welche 
den Interessen der brasilianischen Pflanzer dienen. 
Glückt der Plan, so wird mit dieser Staatshilfe den 
Pflanzern ein großer Dienst erwiesen, schlägt er aber 
fehl, indem die Regierung nicht die nötigen Mittel 
bekommt, und indem sie dann enorme Mengen 
Kaffee verschleudern muß, so werden die Kaffee- 
preise stark fallen und nicht nur die brasilianischen 
Pflanzer, sondern auch die aller Länder werden 
unabsehbare Nachteile haben ( >National-Zeitung'<, /30 
1907). Man sieht deshalb dieser Valorisation des 
Kaffees« in Brasilien mit Spannung entgegen. Durch 
eine neue Anleihe ist einstweilen die Valorisation 
gesichert, aber die großen toten Vorräte schweben 
wie ein Schreckgespenst über dem Kaffeemarkte. 
Über die Preisbewegungen des Kaffees gibt 
folgende, aus den Angaben in »Hamburgs Handel 
und Schiffahrt" zusammen