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Full text of "Beiträge zur Kunde der indogermanischen Sprachen"

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MAY  7      '     1,1 


©arbarti  ötollcsc  ILtörarg 

JOHN    AMORY    LOWELL, 

Thl»  Tund  li  1 30,ü00,  and  of  ita  ipcome  thr«  quartana 

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Beiträge 


zur  künde  der 


idogermanisehen  sprachen 


herauBgegeben 


▼OB 


Dr.  Ad.  Beraenberger  und  Dr.  W.  Prellwitz. 


Sechsnndzwanzigster  band. 


Göttingen 
Vandenhoeok  und  Ruprecht 

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1.    Die  erbreiterang  der  Menis. 

An  die  erste  bearbeitung,  die  „erweiterung^'  der  Urmenis, 
deren  umfang  oben  24,  1 — 93  bestimmt  wurde,  schloss  sieb 
später  eine  zweite,  die  in  vf.  Ilias  schon  als  solche  erkannt  und 
als  „erbreiterung'^  bezeichnet  wurde,  ohne  dass  es  dort  geglückt 
wäre,  diese  arbeit  der  dritten  band  in  feste  grenzen  einzu- 
schliessen.  Zwar  erkennt  man  leicht,  dass  diese  zudichtung, 
also  die  dritte  schiebt  der  Ilias,  ihren  hauptsitz  in  den  büchem 
N  bis  P  hat,  von  denen  iV  S  und  P,  einige  ganz  junge  Zusätze 
abgerechnet,  ausschliesslich  vom  „erbreiterer^^  herrühren,  auch 
lässt  sich  dessen  arbeit  mit  leichter  mühe  von  der  einlage  des 
Oitos  in  B  bis  Q  und  ^  77  absondern,  doch  wird  sie  immer 
etwas  verschwommene  umrisse  behalten,  wenn  nicht  ein  neues 
mittel  zur  herstellung  einer  festeren  umgränzung  aufgefunden 
wird.  Dieses  neue  mittel  glaube  ich  in  dem  principe  der  vers- 
abzäblung  nachweisen  zu  können. 

Oben  24,  1 — 93  wurde  gezeigt,  dass  die  „erweiterung"  der 
Menis  auf  einer  Verdoppelung  der  verszahlen  der  Urmenis  und 
ihrer  hauptglieder  beruht.  Die  Urmenis  bestand,  wie  oben 
21^  1 — 81  nachgewiesen,  aus  vier  hauptstücken  zu  517.  451. 
451.  517  versen,  alles  beruhend  auf  den  grundzahleu  11  und 
11  mal  11.  Der  erweiterer  gestaltete  seine  bearbeitung  in  der 
weise,  dass  er  mit  festhaltung  der  vierzahl  vier  grössere  ab- 
schnitte schuf,  die  wir  „bücher^*  nennen  wollen,  denen  er  den 
doppelten  umfang  der  vier  hauptabschnitte  der  Menis  gab,  also 
vier  „bücher''  von  1034.  902.  902  und  1034  versen.  Mit  fest- 
haltung der  verszahlen  in  den  vier  hauptstücken  der  Urmenis 
zerfällte  er  jedes  seiner  vier  bücher  in  zwei  gleiche  hälften 
„gesänge'S  die  nacheinander  517  517,  451  451,  451  451,  517 
517  stark  waren,  so  dass  die*  erweiterte  Menis  jetzt  2  x 
1936,  das  doppelte  der  verszahl  der  Urmenis  enthielt,  wie  das 
alles  oben  a.  a.  o.  dargethan  ist 

Boitrtc»  a.  kund«  d.  iadg,  spnehMi.    XXVI.  1 


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2  A.  Fick 

Es  fragt  sich  nun,  ob  nicht  etwa  der  „erbreiterer^*  in  der 
gleichen  weise  den  umfang  seiner  bearbeitung  regelrecht  ge- 
mehrt-habe,  um  so  mehr,  als  die  Verdopplung  der  verszahl 
auch  sonst  bei  Jüngern  bearbeitem  älterer  epischer  texte  eine 
rolle  spielt. 

Wenn  der  „erbreiterer"  seine  nächste  vorläge,  die  „erwei- 
terung"  für  den  zahlenaufbau  seiner  arbeit  ebenso  zu  gründe 
gelegt  hat,  wie  sein  Vorgänger  die  Urmenis,  so  müsste  sein  werk 
mit  festhaltung  der  vierzahl  der  theile  in  vier  grössere  ab- 
schnitte zu  2068  1804  1804  2068,  mit  festhaltung  der  acht- 
zahl  der  gesänge  der  vorläge  in  acht  „bücher''  von  1034  1034, 
902  902,  902  902,  1034  1034,  endlich  mit  festhaltung  der  vers- 
zahl  in  den  acht  gesängen  der  erweiterung  in  sechszehn  „ge- 
sänge" zu  517  517,  517  517;  451  451,  451  451;  451  451; 
451  451;  517  517;  517  517  zerfällt  oder  doch  zerfällbar  ge- 
wesen sein;  die  „erbreiterung"  im  ganzen  muss  das  doppelte 
des  umfangs  der  „erweiterung"  2  x  3872  =»  7744  verse  be- 
tragen haben. 

Bei  dem  anfänglich  sehr  zaghaft  unternommenen  versuche, 
eine  so  kühne  vermuthung  an  dem  thatsächlich  gegebenen, 
dem  umfange  der  dem  „erbreiterer"  einigermassen  sicher  zuzu- 
weisenden partien  zu  prüfen,  ergab  sich  eine  so  grosse,  im 
fortgange  der  arbeit  immer  wachsende  leichtigkeit,  das  über- 
lieferte in  den  soeben  beschriebenen  rahmen  einzuspannen,  dass 
ich  die  hypothese  als  erwiesen  ansehen  muss.  In  fällen  dieser 
art  fällt  das  mögliche  mit  dem  wii'klichen  zusammen:  ist  es 
möglich  — ->  und  das  wird  die  folgende  darlegung  zeigen  —  die 
ganze  masse  der  „erbreiterung"  d.  h.  alles  dessen,  was  sich 
aus  äusseren  und  inneren  gründen  als  werk  einer  dritten  band 
ergiebt,  in  ein  so  ausgebildetes  und  nach  analogie  vermuthetes 
rahmenwerk  einzuschliessen,  so  muss  dieser  stoff  auch  in  dieses 
ursprünglich  eingeschlossen  gewesen  sein,  und  es  ist  damit  die 
feste  abgrenzung  des  bestandes  der  zweiten  bearbeitung,  der 
„erbreiterung"  der  Menis  endgültig  gefunden.  Ich  habe  daher 
im  nachstehenden  die  umständliche  hypothetische  form  des 
ausdrucks  als  überflüssig  aufgegeben  und  behandle  die  sich  als 
möglich  erweisende  einrahmung  des  in  betracht  kommenden 
Stoffes  in  acht  „bücher"  und  sechszehn  „gesänge"  von  dem  an- 
g^ebenen  umfange  als  etwas  einst  wirklich  gewesenes. 


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Die  erbreiteruDg  der  MeniB. 


Erstes  buch  ■>  1034  v. 


Der  erste  gesang  der  erbreiterten  Menis  reicht  bis  zum 
Schlüsse  von  A  der  jetzigen  Ilias.  Der  geforderte  umfang  von 
517  versen  ergiebt  sich,  wenn  man  von  den  611  versen  in  A 
94  streicht:  zwei  grössere  partien,  die  ganz  offenbar  einer 
jüngsten  bearbeitung  angehören  und  einige  wenigstens  durchaus 
entbehrliche  tereinzelte  terse.  Dass  die  müssige  Wiederholung 
366—392,  die  durch  t.  365  geradezu  verboten  war,  ein  ganz 
später  einschub  ist,  bedarf  keines  beweises;  ebenso  ist  die  ganze 
Cbryseisepisode  430—487  durchaus  müssig  und  sprachlich  ein 
cento,  meist  aus  versen  der  Telemachie  zusammengeflickt. 
Weiterhin  ist  v.  63  schon  von  Zenodot  ausgemerzt,  da  von 
officiellen  traumdeutem  in  der  Ilias  sonst  keine  rede  ist;  v.  177 
stammt  aus  £  890,  bei  277—9  mit  dem  Sprachfehler  nrjleidtj 
^iJi  (für  td^BÜ)  schwebte  die  Thersitesscene,  insbesondere  B 
247  vor,  höchst  unpassend,  da  Achill  doch  könig  wie  Aga- 
memnon war.  V.  297  ist  häufiger  standvers,  v.  489  mit  dem 
unepischen  Hrjlios  {viog)  oder  (IlrjXfpg)  vog  ist  durch  den  vor- 
beigehenden einschub  der  Cbryseisepisode  veranlasst,  552  stammt 
aus  J  25,  endlich  in  567  befremdet  u.  a.  das  persönliche  object 
bei  x/fiaiaiiüvj  das  sonst  nur  mit  oXa&gop  verbunden  ist. 

Von  den  517  versen,  die  nach  abzug  der  bezeichneten  94 
verse  für  den  ersten  gesang  der  erbreiterten  Menis  übrig  bleiben, 
gehören  473  -•  43  x  11  der  alten  Menis  an,  nur  44  sind 
demnach  vom  erbreiterer  zugesetzt,  und  zwar  entfallen  davon 
22  auf  den  ersten  abschnitt  „wie  die  könige  sich  schalten'^  und 
ebensoviele  auf  den  zweiten  „von  Thetis  bitte/^ 

Betrachten  wir  zunächst  die  22  ersten  verse.  140 — 147 
lassen  sich  sehr  wohl  vom  erbreiterer  zugesetzt  denken.  Sie 
sind  ja  an  sich  eigentlich  überflüssig,  doch  wird  ihr  zweck 
deutlich,  wenn  man  die  erwähnung  des  Idomeneus  beachtet 
Dieser  liebling  des  erbreiterers,  den  die  alte  Menis  und  die 
erweiterung  nicht  kennen,  musste  schon  vor  N,  wo  er  glänzend 
eingeführt  wird,  irgendwo,  am  besten  gleich  im  anfange,  unter 
den  fürsten  und  haupthelden  der  Achäer  genannt  werden.  Für 
den  erbreiterer  spricht  auch  die  bezeichnung  Apolls  als  ^Em^og^ 

1* 


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4  A.  Fick 

die  den  älteren  partien  fremd,  zuerst  bei  ihm,  in  der  Agenor- 
epißode  0  und  X,  vorkommt.  178  verräth  sich  die  jüngere 
band  durch  die  form  xagteQog,  während  in  Menis  und  erbrei- 
terung  nur  HQoreQOs  üblich  ist.  195—6  vorweggenommen  aus 
208 — 9  sind  eben  eine  „erbreiterung**,  sie  dienen  nur  dazu,  die 
ersten  11  verse  voll  zu  machen. 

In  262 — 272  ist  eine  volle  elfzeilige  Strophe  zugesetzt.  Die 
verse  erwähnen  Nestors  theilnahme  an  dem  kämpfe  der  Ken- 
tauren und  Lapithen:  in  der  erbreiterung  der  Teichomachie  in 
M  wehren  die  beiden  Lapithen  Polypoites  und  Leonteus  den 
ansturm  auf  die  mauer  ab.  Der  dichter  hat  übrigens  aus  der- 
selben quelle  wie  der  Verfasser  der  Aspis  geschöpft;  in  265  hat 
Theseus  einen  anderen  namen  verdrängt:  vielleicht  stand  hier, 
wie  im  Schild  des  Heraklos  181  Motpov  %*  ^ AixTtv^idrjy  Tnagi]' 
aiov  ol^ov  *'Aqv]og,  Für  den  erbreiterer  als  vf.  von  262  —272 
spricht  auch,  bei  sonstiger  Sprachreinheit  ^dqftLOTOLy  '/jagrlavoia  . 
Vielleicht  liegt  wie  bei  der  Aspis  die  Eentauromachie  des  Mele- 
sandros  von  Eolophon  zum  gründe.  Da  Kolophon  von  Pylos 
aus  gegründet  ist,  so  würde  sich  in  der  dichtung  eines  Kolo- 
phoniers  die  betheiligung  des  Pyliers  Nestor  am  Kentauren- 
kampfe sehr  wohl  erklären. 

Auch  in  Thetis  bitte  lassen  sich  22  verse  dem  erbreiterer 
zuweisen. 

Nach  400  waren  es  Hera,  Poseidon  und  Athena,  (nach 
Zenodot  Apollon)  die  den  Zeus  binden  wollten:  die  ersten  beiden 
als  Zeus  gegner  zu  nennen,  lag  dem  dichter  von  N  und  S 
jedenfalls  sehr  nahe.  404  soll  den  Aigaion  mit  den  hundert- 
händern  Hesiods  in  Verbindung  setzen:  kannte  der  dichter 
schon  die  hesiodische  Theogonie? 

Die  form  Bqiaq&av  macht  freilich  Schwierigkeit:  sie  scheint 
milesisch  für  Bqiaqevg,  wie  milesisch  UQBVjg,  NeiU'fog  für  xe- 
gevQy  NtjXsvg.  Vielleicht  ist  hier  Zenodots  lesung  zu  berück- 
sichtigen. —  421 — 7  und  488 — 496,  letztere  mit  ausscheidung 
von  489  s.  o.,  setzen  einen  I2tägigen  Zwischenraum  zwischen 
den  hader  und  Thetis  bitte.  Als  Verzeichnung  diente  hierbei 
V  206  und  ß  30  —  ^  493.  Die  längere  Zwischenzeit  wird 
auch  sonst  in  der  erbreiterung  vorausgesetzt,  so  durch  TJfiaTt 
Tuk  O  76  und  in  der  rede  Achills  an  seine  Myrmidonen  JT  200  f. 
insbesondre  207.  —  Die  verse  525—7  stimmen  in  ihrem  inhalte 
sehr  wohl  zu  der  verliebe  unseres  dichtere  für  leeren  pomp  und 


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Die  erbreiterung  der  Menis.  5 

prunk;  der  gebrauch  des  yerbs  TeXevräio  ^  das  ältere  epos 
kennt  nur  TeXevjri  —  wie  das  substantivische  ifiiv  weisen  auf 
jüngere  abfassung.  —  534 — 5  sind  blosse  zur  füUung  dienende 
erbreiterung  von  533  d'eoi  (f  Sfia  rcdvTig  äviatav. 

Der  schöne  pyramidale  aufbau  des  ersten  abschnitts  „des 
beiden  hader''  ist  durch  die  einlagen  des  erbreiteres  etwas  ge- 
stört, die  haderscene  enthält  jetzt  27  x  11 ,  Thetis  bitte  20 
X  11,  der  ganze  gesang  47  x  11  —  517  verse. 


Der  zweite  gesang  der  erbreiterung  nimmt  den  räum  von 
B  1  bis  ^  595  ein.  Der  bestand  der  „erweiterung'*  beträgt 
hier  39  X  11  =  429,  dieser  ist  von  der  dritten  band  um  88 
verse  vermehrt.  Der  ältere  vers  B  446  +  478  &vvov  -^ivov' 
T€g,  fisrä  Ö€  TLQeiatv  ^ Aya^iiiviav  ist  gespalten,  um  hinter  fiB%ä 
de  31  neue  verse  aufzunehmen,  die  dann  mit  HQeiiav  liyafiifi- 
vüty  478  auf  den  punkt,  von  dem  die  einlage  ausgewichen  war, 
zurückfallen.  Die  Schilderung  von  Athenes  Aegis  mit  ihren 
hundert  quasten,  deren  jeder  hundert  rinder  werth,  stimmt  ganz 
zu  der  lust  des  erbreiterers  an  pomp  und  prunk,  zu  beachten 
ist  auch  der  gebrauch  von  dx^Ävajog  447  für  leblose  dinge.  — 
453 — 4  würden  dem  erbreiterer  abzusprechen  sein,  wenn  sie 
sich  nothwendig  auf  die  Volksversammlung  des  Oitos  in  B  be- 
zögen, aber  dem  dichter  konnte  3  64,  dichtung  der  dritten 
band  vorschweben,  die  den  Verfasser  des  Oitos  wohl  erst  auf 
die  kühne  idee  der  Tteiga  Agamemnons  in  B  gefuhrt  hat.  — 
Die  schwane  auf  der  asischen  wiese  am  Kaystros  weisen  auf 
die  heimath  des  dichtere  hin,  die  uns  später  beschäftigen  wird. 
—  Das  bukolische  gleichnis  von  den  fliegenschwärmen  im  kuh- 
Stadel  469  f.,  findet  sich  ganz  ähnlich  wieder  11 641  f.  in  einem 
einschub,  der  ganz  sicher  vom  erbreiterer  herrührt. 

Die  verse  478 — 9,  die  sich  unmittelbar  an  die  oben  be- 
sprochene einlage  anschliessen  und  mit  dieser  33  verse  aus- 
machen, deuten  auf  eine  etwas  sonderbare  göttermischung,  in 
dem  Agamemnon  zugleich  mit  Zeus,  Poseidon  und  Ares  ver- 
gUchen  wird.^  Wenn  der  dichter  aus  der  alten  Asia  stammte, 
so  können  ihm  karische  kulte  vorgeschwebt  haben,  die  den  Zeus 
als  Osogos,  griechisch  Zenoposeidon  und  als  Zeus  Arcios  ver- 
ehrten. 


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6  A.  Fick 

Der  zweite  zusatz  des  erbreiterers  A  92 — 149  ist  in  den 
yers  der  alten  Menis  ngcStog  oqovtf  \  Sfia  d*  alloi  eihivfjfiideg 
^A%aioL  92/146  künstlich  eingeschaltet.  Er  besteht  aus  55 
Versen,  wenn  man  mit  Apollonios  den  häufigen  vers  98  streicht 
und  97  iyyiiq>alovd€  liest:  „ort  ^ATtoXlciiviog  Ttoiei  iyKig>al6vde, 
Tuxl  top  €^g  d^erel"  Aristonicus  bei  Laroche.  Auch  v.  133, 
der  aus  Z  48  eingedrungen  sein  mag,  aber  auch  ^  324  und 
g)  10  vorkommt,  wird  man  als  ganz  überflüssig  gerne  missen. 
Die  einlage  schildert  die  thaten  Agamemnons:  zuerst  erlegt  er 
den  Bianor  und  Oileus,  der  in  seinem  namen  an  das  nidiov 
Filrjiov  in  der  Agenorepisode  unseres  dichters  erinnert.  Dann 
kommen  Isos  und  Antiochos,  zwei  söhne  Priamos,  der  eine 
vdd'og,  der  andere  yvijaiog,  an  die  reihe.  Der  name  Isos  für 
den  vod'og  erklärt  sich  durch  hinblick  auf  |  203  in  der  Tisis, 
wo  Odysseus  als  angeblicher  vo&og  des  Kreters  Kastor  sagt: 
dXld  fis  lifov  l&aiyeveeaaiv  hi^a  KaarwQ  xrA,  vgl.  auch  £  71 
loa  q>lXoiai  r&^BOOi  —  h;qeq>B  Theano  den  v6dx>g  ihres  gatten. 
v.  122  f.  erlegt  Agamemnon  den  Peisandros  und  Hippolochos, 
zwei  söhne  des  Antimachos,  der  von  Paris  bestochen  die  Troer 
zu  bestimmen  versucht  hatte,  Menelaos  und  Odysseus,  da  sie 
als  gesandte  in  Troja  waren,  zu  tödten.  In  M  188 — ^9,  arbeit 
des  erbreiterers,  wird  ein  söhn  des  Antimachos  namens  Hippo- 
machos  getödtet.  Die  namen  Hippomachos  zu  Antimachos 
und  Hippolochos  zu  Hippomachos  hat  offenbar  derselbe  mann 
gedichtet;  nur  die  figur  des  Antimachos  mag  einer  älteren 
quelle  entnommen  sein:  auf  die  gesandtschaft  des  Menelaos 
und  Odysseus  nimmt  auch  die  mauerschau  des  Oitos  in  F 
bezug. 


Zweites  buch    1034  v. 

3. 

Der  dritte  gesang  und  damit  das  zweite  buch  der  erbrei- 
terung  beginnt  mit  dem  das  erste  buch  und  den  zweiten  gesang 
abschliessenden  verse  A  596  &g  ot  ^ev  fidQvavto  xrl,  und 
reicht  bis  M  264.  Der  erste  abschnitt  von  A  596  bis  848, 
zu  dem  Schlüsse  von  A  enthält  23  x  11  =  253  verse,  wenn 
man  nach  660  den  vers  hinzufügt,  der  827  auf  den  gleichen 


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Die  erbreitening  der  Menis.  7 

vers  folgt.  Vom  erbreiterer  rühren  zunächst  die  beiden  vers- 
paare  636 — 7  und  653 — 4  her,  die  freilich  nicht  zur  Verschö- 
nerung des  alten  textes  dienen,  beide  enthalten  Übertreibungen, 
wie  sie  unser  dichter  liebt,  653  auch  ein  sprachlich  bedenklich 
ixelvog  statt  des  epischen  nelvog.  Eine  grössere  einlage  der 
dritten  band  bildet  die  erzählung  Nestors  von  den  kriegen  seiner 
Jugend  664 — 761,  eingeschaltet  in  den  älteren  vers  664/761,  so 
dass  kein  wort  der  vorläge  verändert  wurde.  Die  etwas  breite 
erzählung  passt  zu  der  späteren  auffassung  von  Nestor  als  der 
„guten  alten  chronik'S  anch  in  ^  262  f.  prunkt  der  alte  mit 
seinen  kämpfen  von  anno  dazumal.  Die  Epeier,  mit  denen 
Nestor  gefochten,  sind  vom  erbreiterer  in  N  und  O  vor  Troja 
eingeführt,  Herakles,  der  nach  690  die  Pylier  schwer  geschä- 
digt, kommt  auch  sonst,  in  3  250  f.  O  640,  in  der  erbreitening 
vor,  in  der  älteren  Ilias  wird  er  nicht  genannt.  Nach  750 
werden  die  epeischen  '^xtoQicDve  MoXiova  von  Poseidon  vor 
Nestor  gerettet:  offenbar  ist  der  gott  als  ihr  vater  gedacht, 
was  in  N  185  f.  ganz  deutlich  ausgesprochen  ist:  dort  erlegt 
Hektor  den  Amphimachos,  einen  söhn  des  Aktorionen  Kteatos 
und  Poseidon  grollt  207  vitiivoio  rceaovtog.  So  ergeben  sich 
auch  in  dieser  einlage  bezüge  zu  der  sonstigen  arbeit  der  er- 
breiternden  band. 

Nicht  80  deutlich  verräth  sich  die  gleiche  band  in  769 — 
785,  wo  das  Mevohiog  —  irthelle  der  vorläge  nicht  ohne 
anmut  weiter  ausgeführt  wird.  In  785  fallt  der  einleger  mit 
ifeheXls  Mevokiog  auf  den  ausgangspunkt  zurück. 

Weist  man  nun  dem  erbreiterer  noch  v.  .791  oder  793  zu, 
so  rühren  in  dem  ersten  abschnitte  des  dritten  gesanges  11x11 
«  121  verse  von  ihm  her,  die  mit  den  12  x  11  =  132  versen 
der  Yorlage  den  ganzen  abschnitt  auf  23  x  11  —  253  verse 
bringen. 

Der  zweite  abschnitt  des  dritten  gesangs  reicht  von  dem 
ersten  verse  in  M'/^i2g  6  fiev  h  nXiaiT^iat  xvX.  bis  M  264  und 
enthält,  ohne  dass  ein  vers  der  Überlieferung  zu  streichen  wäre 
264  ^  24  X  11  verse;  davon  gehören  121  =  11  x  11  dem 
älteren  bestände  an,  es  sind  also  von  dem  erbreiterer  13  x  11 
=   143  verse  hinzugefügt. 

Die  grösste  einlage  umfasst  86 — 198.  Der  inhalt  dieses 
Stückes  stimmt  sehr  wohl  mit  anderen  partien,  die  auf  den- 
selben Verfasser  weisen.    Die  anordnung  der  Troer  in  5  häufen 


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8  A.  Fick 

mit  nennung  Her  (uhrer  kehrt  in  der  erbreiterung  von  11  beim 
ausrücken  der  Myrmidonen  wieder,  und  die  neu  eingeführten 
befehlshaber  der  fünf  troischen  sturmkolonnen  in  M  kommen 
alle  auch  sonst  beim  erbreiterer  vor:  Alkathoos  in  S,  Agenor 
und  Asteropaios  in  den  ihnen  gewidmeten  episoden  in  (P,  He* 
lenos  in  den  kämpfen  von  N,  Asios,  der  wagen  und  pferde  in 
M  nicht  aufgeben  will,  wird  in  JV  von  Idomeneus  vor  seinem 
gespann  erschlagen;  ebenso  spielt  Aineias  auch  in  N,  S  und  P 
eine  rolle,  Akamas  kämpft  in  S,  wird  in  11  von  Meriones,  Ar- 
chelocbos  wird  S  464  von  Aias  erschlagen.  Die  Lapithen,  deren 
fürsten  Leonteus  und  Polypoites  M  127  f.  die  thore  der  mauer 
vertheidigen,  nannte  unser  dichter  schon  in  der  einlage  ^  262  f.; 
Leonteus  erschlägt  188  den  Hippomachos,  einen  söhn  des  Troers 
Antimachos;  zwei  andere  söhne  desselben  mannes  lernten  wir 
schon  u4  122  f.  kennen. 

Wenig  geglückt  sind  die  verse  211—215,  wodurch  Poly- 
damas  einer  empfindlichkeit  ausdruck  giebt,  für  die  man  keinen 
vorgängigen  grund  sieht;  dem  erbreiterer  schwebte  wohl  ^249  f. 
vor,  indem  er  nicht  bedachte,  dass  diese  scene  sich  erst  später 
abgespielt  hat.  Auch  die  grobe  erwiderung  Hektors  232—5 
erklärt  sich  nur  als  reminiszenz  von  S  284  f. ,  endlich  die  den 
gesang  abschliessenden  256  -264  sollen  wohl  nur  die  verszahl 
47  X  11   =  517  vollmachen. 


Der  vierte  gesang  reicht  von  M  265  bis  N  360.  Er  zer- 
fällt in  drei  grössere  abschnitte:  in  M  265  bis  N  7  wird  in 
15  X  11  Versen  die  erstürmung  der  mauer  geschildert.  Der 
schluss  dieser  partie  und  der  anfang  der  nächsten  fällt  im 
wesentlichen  mit  dem  ende  von  M  und  dem  anfange  von  iV 
der  jetzigen  eintheilung  zusammen.  Der  zweite  abschnitt  >,wie 
Poseidon  den  Achäern  zu  hilfe  kam"  enthält  18  x  11  —  198 
verse;  er  beginnt  mit  A^  11  ovd  dkaog  axonirjv  elxe  TCQsian^ 
^voaixd'ofv  und  schliesst  mit  dem  tode  von  Poseidons  enkel 
Amphimachos,  der  den  zorn  des  gottes  noch  heftiger  entflammt 
N  207.  Das  letzte  stück,  14  x  11  =  154  verse  stark,  N 
208—360  lässt  sich  „Poseidon  und  die  Kreter"  betiteln:  der 
dichter  versucht  hier  die  unbezwingliche  mannhaftigkeit  seiner 
lieblingshelden  Idomeneua    und  Meriones  sich  aussprechen  zu 


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Die  erbreiterung  der  Menis.  9 

lassen,  dabei  kommt  freilieh  auch  die  kretische  neigung  zur 
Prahlerei  —  ob  vom  dichter  beabsichtigt?  —  zum  Vorschein. 

In  dem  ersten  abschnitte  M  265  —  N  7  ist  nur  eine 
grössere  partie  auszuscheiden:  die  44  verse  331—374,  worin 
Aias  und  Teukros  dem  Athener  Menestheus  auf  sein  ersuchen 
zum  beistände  herbeieilen.  Das  stück  rührt  von  der  jüngsten, 
attischen  redaktion  der  Ilias  her  und  zeigt  dementsprechend 
schwere  Verstösse  gegen  die  altepische  spräche:  333  emt^'  Xdoivo^ 
337  ß(6aav%i^  339  %Qvq>aXH(Sv,  340  xat  TtvliwVy  341  nsiQWVxo 
(347  ^axqtieig't)  Auch  367  otQvvetcov  lq>i  wird  man  bei  dieser 
Sachlage  nicht  ändern  wollen.  Übrigens  ist  auch  die  Vor- 
stellung von  der  vertheilung  der  „thürme**  jtvqyot  der  mauer 
an  einzelne  führer  nur  dieser  stelle  eigen. 

Die  überflüssigen  verse  283 — 4  werden  durch  die  Sprach- 
fehler ha%evv%a  und  dxtaig  als  jüngster  zusatz  erwiesen,  288 
ist  ganz  leer,  nicht  minder  438  und  450. 

Von  den  165  versen,  die  nach  dieser  Säuberung  für  den 
ersten  abschnitt  des  vierten  gesangs  der  erbreiterten  Menis 
übrig  bleiben,  stammen  nur  88  verse  von  der  band  des  erwei- 
terers her,  so  dass  also  77  vom  erbreiterer  zugesetzt  sind. 
Diese  neuen  Zusätze  hängen  sehr  wohl  unter  sich  und  mit  an- 
deren stücken  der  erbreiterung  zusammen:  sie  dienen  der  Ver- 
herrlichung der  beiden  Aias  und  des  Teukros,  den  unser  dichter 
erst  eingeführt  hat;  auf  Glaukos  Verwundung  durch  Teukros 
pfeilschuss  wird  in  11  rücksicht  genommen  und  die  letzten 
verse  N  1 — 7  dienen  der  Überleitung  zum  eingreifen  Poseidons, 
also  der  einführung  eines  motivs,  das  ganz  und  gar  eigenthum 
des  erbreitemden  dichters  ist. 

In  oder  vielmehr  vor  der  zweiten  partie  dieses  gesangs 
sind  nur  die  beiden  überflüssig  motivirenden  verse  N  8  und 
9  auszuscheiden,  dann  besteht  der  überlieferte  umfang  genau 
aus  18  X  11  —  198  versen,  die  sämmtlich  von  unserem 
dichter  herrühren. 

Im  letzten,  dritten  abschnitt  ist  bloss  hinter  274  die  an- 
rede 249  zu  wiederholen,  dann  erhält  man  die  zahl  von  14  x 
11  —  1.54  versen,  die  erfördert  wird,  um  den  umfang  des 
vierten  gesangs  auf  517  und  damit  deq  des  zweiten  buchs  auf 
1034  verse  zu  bringen. 


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10  A.  Fick 


Drittes  buch  902  v. 


Der  fünfte  gesang  und  damit  das  dritte  buch  beginnt  mit 
^r361  "Ev^a  (xBoairtoliog  Tteg  iiov  urL,  wodurch  die  Aristeia  des 
Idomeneus  eingeleitet  wird.  Ganz  ähnlich  und  vermuthlich 
nach  diesem  vorbilde  fängt  der  fünfte  gesang  in  der  durch  die 
einlegung  des  Oitos  vermehrten  fassung  und  damit  die  //lOfn^- 
dovg  agiarela  El  an:  "Ev9^*  av  nöeidrjL  JiOfÄijdei  xtI.  Der 
gesang  reicht  bis  N  834,  fällt  also  mit  dem  Schlüsse  von  N 
zusammen,  der  jetzt  mit  unwesentlicher  abweichung  drei  verse 
später  (838)  gelegt  ist,  die  eben  so  gut  den  anfang  von  3  bilden 
könnten. 

Der  erste  abschnitt  des  dreigliedrigen  gesangs,  Idomeneus 
vorkampf  enthaltend,  schliesst  mit  525,  besteht  also  aus  15  x 
11  =  165  versen.  Die  hier  auftretenden  beiden  kommen  zum 
grossen  theil  auch  sonst  beim  erweiterer  vor:  Asios,  Hyrtakos 
söhn,  der  384  von  Idomeneus  erlegt  wird,  fuhrt  beim  stürme 
auf  die  mauer  einen  der  fünf  gewalthaufen  der  Troer,  er  fallt 
385  vor  seinem  gespann,  das  er  in  M  nicht  aufgeben  wollte. 
Deiphobos,  der  402  f.  den  Asios  zu  rächen  unternimmt,  theilt 
in  M  mit  ihm  und  Helenes  den  befehl  über  die  dritte  stürm- 
kolonne.  Ebenso  sind  die  Troer  Alkathoos,  Aineias,  Agenor 
und  Oinomaos  schon  in  M  eingeführt.  Der  N  422  genannte 
Mekisteus  wird  O  339  erschlagen ,  Deipyros  der  N  478  vor- 
kommt, erscheint  schon  N  92,  und  über  den  tod  des  Ares- 
sohnes Askalaphos,  mit  dem  die  Aristie  der  Kreter  abschliesst, 
erhebt  sich  0  110  f.  ein  stürm  im  Olymp. 

Der  zweite  abschnitt  N  526 — 693  enthält  allerlei  kampf- 
scenen,  bei  denen  besonders  Meriones,  ein  liebling  des  erbrei- 
terers  betheiligt  ist.  Die  Wiederkehr  der  gleichen  namen  be- 
weist die  abfassung  durch  denselben  dichter:  die  Troer  Thoon, 
Adamas  der  Asiade,  Oinomaos,  Helenes  und  Agenor  werden 
auch  beim  stürm  auf  die  mauer  in  M  genannt,  der  Priamide 
Polites  kommt  auch  in  0  vor.  Ebenso  kennen  wir  den  Mene- 
stheus  schon  aus  N  195  und  begegnen  ihm  wieder  in  O,  wie 
auch  dem  Stichios,  Meges  und  Medon.  An  umfang  ist  diese 
partie  genau  der  ersten  gleich:  sie  enthält  wie  diese  15  x  11 


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Die  erbreitemmg  der  Menis.  It 

=  165  verse,  sobald  man  einige  wenige  jedenfalls  überflüssige 
Zeilen  als  einschiebsei  ausmerzt.  Zunächst  die  übelberüchtigten 
658—9,  wo  Pylaimenes  trauernd  der  leiche  seines  sohnes  folgt, 
während  doch  in  E  sein  tod  von  Menelaos  band  berichtet  wird. 
Daraus  folgt  doch  fast  mit  gewissheit,  dass  der  einleger  des 
Oitos  die  fraglichen  verse  nicht  gelesen  hat,  und  somit  brauchen 
wir  sie  auch  nicht  zu  lesen,  umsomehr  als  nichts  an  ihnen  ver- 
loren ist  und  TcoivT^  659  in  einem  etwas  absonderlichen  sinne 
gebraucht  wird  vgl.  Hentze-Ameis  zu  d.  St.  —  Der  ab- 
schliessende Standvers  log  o*l  fih  ^aqvotvto  xzX.  ist  673  wenig 
passend,  weil  hier  ein  grösserer  einschnitt  nicht  vorliegt:  es  soll 
überflüssiger  weise  dadurch  markirt  werden,  dass  Hektor,  von 
dem  in  den  vorhergehenden  kämpfen  nicht  die  rede  war,  in 
der  nächsten  schlachtscene  wieder  thätig  eingreift.  —  Endlich 
sind  noch  7  verse  am  Schlüsse  des  ganzen  abschnitts  zu  streichen 
693 — 760,  weil  sie  absolut  nichts  neues  bieten.  694 — 7  sind 
aus  O  333—6  einfach  wiederholt,  auch  auf  die  personalien  des 
Podarkes  in  698  —  B  705  (schiffskatalog)  wird  man  gern  ver- 
zichten, weil  dieser  mann  ausserdem  in  der  Uias  gar  nicht 
vorkommt,  endlich  699 — 700  wiederholen  den  sinn  von  693. 

Das  letzte  drittel  des  fünften  gesangs  schildert  die  erneue- 
rung  des  kampfes  durch  Aias  und  Hektor.  Hier  gilt  es  nur 
den  allgemein  verurtheilten  v.  731  und  den  ebenso  unpassen- 
den, aus  M  81  hierher  gerathenen  749  —  vgl.  Hentze  zu  d.  st.  — 
zu  tilgen ;  nach  ausscheidung  dieser  beiden  eindringlinge  enthält 
der  abschnitt  12  x  11  »  132  verse.  Der  Zusammenhang  mit 
der  sonstigen  arbeit  des  erbreiterers  erhellt  besonders  770  f., 
wo  auf  Rektors  frage  von  Paris  über  den  verbleib  der  von 
unserem  dichter  eingeführten,  in  den  vorigen  kämpfen  verwun- 
deten und  gefallenen  beiden  Deiphobos,  Helenes,  Adamas,  Asios 
und  Othryoneus  auskunft  ertheilt  wird.  Von  dem  neuen  nach- 
schub  troischer  mannen  und  bundesgenossen  werden  zwei  in  3 
umgebracht:  Phalkes  wird  ^513  von  Antilochos,  Morys  3  514 
von  Meriones  erlegt. 

Die  gesammtzahl  der  verse  des  fünften  buches  beträgt 
42  X  11  —  462  verse;  die  starre  regel,  die  wir  oben  als  mass- 
gebend voraussetzten,  würde  41x11=451  verlangen:  ein 
Widerspruch  zwischen  theorie  und  pr$xis,  der  hier  vorläufig  als 
solcher  anerkannt  werden  muss, 


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12  A.  Fick 

6. 

Die  nächstfolgende  partie  N  835  bis  S  439  lässt  sich  ohne 
alle  nnihe  zu  einem  sechsten  gesange  zusammenschliessen ,  der 
dann  in  drei  deutlich  gesonderte  theile  zerfallt. 

N  835  bis  S  152  hält  Nestor  rath  mit  den  verwundeten 
fürsten:  der  dichter  versucht  hier  in  einer  art  seelengemälde 
die  verschiedene  Stimmung  der  beiden  zu  schildern.  Agaroem- 
nons  schuld bewusste  Verzagtheit  wird  vom  staatsklugen  Odysseus 
gestraft  und  tritt  in  scharfen  gegensatz  zu  Diomedes  freudigem 
kampfesmuth;  auf  sein  anrathen  begeben  sich  die  fürsten  in  die 
Schlacht,  und  so  sehen  wir  sie  denn  380  die  Schlacht  ordnen 
und  Nestor  0  370  vater  Zeus  um  rettung  anflehen.  Der  ab- 
schnitt enthält  14  x  11  =>  154  verse,  sobald  man  nur  einen 
vers  tilgt,  sei  es  v.  70,  oder  vielleicht  noch  besser  65  =  P  173, 
der  schon  von  den  alten  beanstandet  ist. 

S  153  bis  351  wird  vom  erbreiterer  das  zweite  haupt- 
motiv  seiner  zudichtung,  Zeus  bethörung  durch  Hera,  eingeführt. 
Der  abschnitt  enthält  18x11  =  198  verse,  man  braucht  nur 
269  zu  streichen,  der  in  den  besten  handschriften  fehlt  und  un- 
passender weise  aus  276  wiederholt  ist. 

Auf  die  künde  von  Zeus  bethörung  erhält  Poseidon  freie 
band,  oflFen  für  die  Achäer  einzutreten:  die  Troer  werden  zu- 
rückgedrängt und,  worauf  alles  ankommt,  Hektor  ausser  kämpf 
gesetzt.  Die  8  X  11  =  88  verse  dieses  inhalts,  352  bis  439 
sind  von  jeder  interpolation  frei. 

Die  440  verse  des  sechsten  buches  ergeben  mit  den  462 
des  fünften,  wofür  nach  dem  obigen  Schema  451  und  451  zu 
erwarten  waren,  für  das  dritte  buch  die  erforderte  summe  von 
902  versen. 

Viertes  buch  902  v. 

7. 
Die  verse  von  E  440  bis  0  404  lassen  sich  leicht  zu  einem 
siebenten  gesange  der  erbreiterten  Menis  gestalten.  Von  der 
ganzen  masse  gehören  nur  0  390 — 404  der  erweiterung  an, 
alles  andere,  wohl  in  sich  und  mit  dem  vorhergehenden  und 
nachfolgenden  zusammenhängend,  rührt  von  unserem  nach- 
dichter hen 


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Die  erbreiterung  der  Menis.  13 

Das  ganze  zerfällt  in  drei  abschnitte:  den  angelpunkt  des 
ersten,  der  von  S  440  bis  O  77  reicht,  bildet  Zeus  erwachen 
O  4  in  dem  kritischen  momente,  den  die  vorhergehenden  verse 
schildern.  Der  umfang  des  Stückes  beträgt  13  X  H  ^  143 
verse,  sobald  man  einige  verdächtige  verse  streicht:  O  11  wird 
uns  Hektor  blut  speiend  alfi  ifiiuiv  (j^efiectßl)  vorgeführt,  aber  nach 
3  437  7^laiv€q>ig  alfi  ißifAaaae  (so  ist  statt  alfi  dni/deaae  zu 
lesen)  war  das  mit  einem  male  abgemacht,  im  übrigen  war  er 
bloss  ohnmächtig.  —  Die  „bestraf ung  Heras"  O  18—32  ist  schon 
von  Zenodot  mit  richtigem  takte  gestrichen:  Zrjvod&cog  ovöi 
SXußg  vrjv  %6laaiv  trjg  '*Hqag  y((d(pu  Schol.  A ,  sie  ist  auch  mit 
mehreren  sprachlichen  Verstössen  belastet.  Jedenfalls  genügt 
die  drohung  mit  schlagen  in  v.  17. 

In  O  78  bis  217  wird  gezeigt,  wie  Zeus,  um  den  kämpf 
nach  seinem  willen  wieder  herzustellen,  Poseidon  nöthigt,  die 
Schlacht  zu  verlassen.  Der  abschnitt  enthält  12  X  11  =  132 
verse;  zu  streichen  sind  nur  166—7  ,,dx^evovvtaL  asterisci, 
oQi^wg  182 — 3"  Laroche  und  die  schlussverse  212 — 7  mit  ihrer 
lahmen  drohung,  der  erwähnung  von  Hermes  und  Hephaistos 
unter  den  feinden  der  Troer,  offenbar  mit  rücksicht  auf  die 
ganz  junge  einlage  des  götterkampfes  in  Y,  und  mit  dem 
Sprachfehler  ^Egf^etuß  für  ^Eq^idaQ. 

In  dem  letzten  drittel  des  gesangs,  O  218 — 404  wird  Hektor 
von  ApoUon  geheilt  und  stellt  mit  des  gottes  hülfe,  beides  auf 
Zeus  geheiss,  die  schlacht  wieder  zu  gunsten  der  Troer  her. 
Es  braucht  in  diesem  abschnitte  kein  einziger  vers  gestrichen 
zu  werden:  die  187  =  17  x  11  überlieferten  verse  ergeben 
mit  den  13  +  12  x  11  —  25  X  11  versen  der  beiden  ersten 
abschnitte  42  x  11  »  462  verse,  also  genau  den  gleichen 
umfang  des  fünften  buchs,  wodurch  die  abnormität  dieser  zahl 
schon  zu  schwinden  beginnt;  später  wird  sich  die  ab  weichung 
noch  mehr  als  beabsichtigt  herausstellen. 

8. 
O  599  bezeichnet  Zeus  den  brand  eines  der  achäischen 
schiffe  als  das  nächste  ziel  der  von  ihm  geleiteten  schlacht,  der 
dann  zugleich  zum  Wendepunkt  des  ganzen  kampfes  der  beiden 
Völker  werden  solle.  Sonach  dürfen  wir  den  schiffsbrand  in 
77  123  als  endpunkt  des  nächsten,  achten  gesangs  der  erbrei- 
terung  ansehen. 


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14  A.  Fick 

Der  80  gewonnene  umfeuüig  desselben  O  405  bis  il  123 
enthält  aus  der  Urmenis  und  der  ersten,  erweiternden  bear- 
beitung  nur  die  verse  0  40d  bis  418,  592 — 5  und  die  ganze 
partie  17  1  bis  123.  Alles  übrige  stammt  von  der  dritten  band, 
unserem  erbreiterer:  er  ist  es  also,  den  die  xenie  unserer  Dios- 
kuren  rufen  lässt  »^ich,  ich  sang  den  kämpf  bei  den  schiffen'S 
denn  dieser  bildet  den  inhalt  des  ganzen  gesangs  ausser  Pa- 
troklos  bitte  in  iL  Der  umfang  beträgt  440  verse,  wobei  nur 
weniges  auszuscheiden  ist  614  ist  Athene  unpassend  als  subject 
von  inakQvva  613  eingeschoben:  gemeint  ist  ursprünglich  Zeus, 
wie  in  610 — 613,  die  zu  tilgen  kein  grund  ist;  ferner  streiche 
man  11  21  die  überflüssige  anrede  (IlrjXiog  vii)  und  v.  60—79, 
die  schon  in  vf.  Ilias  hingerichtet  sind. ""Die  sich  so  ergebenden 
40  X  11  =  440  verse,  die  gleiche  zahl  wie  im  sechsten  ge- 
sang,  sind  bei  HO  (O  514)  154  (O  558)  187  (O  591)  253 
(0  658)  297  (0  702)  341  (0  746  ende  von  O)  385  (H  45), 
418  (JI  100)  und  429  (H  111),  also  nach  10,  14,  17,  23,  27, 
31,  35,  38  und  39  X  11  stärker  eingeschnitten:  die  elf  zahl 
tritt  also  noch  deutlich  als  Strophen  bildend  hervor. 

Die  440  des  achten  gesangs  geben  mit  den  462  des  sie- 
benten zusammen  für  das  vierte  buch  der  erbreiterten  Monis 
den  geforderten  umfang  von  902  versen.  Ebenso  setzte  sich, 
wie  wir  oben  sahen,  für  das  dritte  buch  die  zahl  902  aus  den- 
selben verszahlen  des  fünften  und  sechsten  gesangs,  nämlich 
462  und  440  zusammen. 


Fünftes  buch  902  v. 

9. 
Mit  dem  ersten  gesange  des  fünften  buches,  also  dem 
neunten  bei  Zählung  der  gesänge,  beginnt  die  zweite  hälfte  des 
ganzen  in  der  fassung  des  erbreiterers ,  wenn  dieser  wirklich 
den  umfang  der  ersten  bearbeitung,  der  erweiterung,  verdoppelt 
hat.  Nicht  ungeschickt  ist  der  schiffsbrand  genau  in  die  mitte 
der  ganzen  dichtung  gestellt,  wird  doch  auch  sonst  auf  ihn  als 
den  Wendepunkt  des  kampfes  hingewiesen.  Bei  der  bedeutung, 
die  Zeus  der  hingäbe  seines  sohnes  Sarpedon  beilegt,  kann  es 
nicht  befremden,  wenn  die  einleitung  zu  dem  kämpfe  um  den 
leichnam  des  beiden  als  endpunkt  eines  gesangs,   des  neunten 


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Die  erbreiteruD^  der  Menis.  15 

der  erbreiterang  benutzt  wird,  der  demnach  mit  JT  568  ab- 
schliessen  würde.  In  dem  räume  17  124  bis  568  rühren  von 
der  dritten  band  234  verse  her,  die  meistens  kennzeichen  dieses 
Ursprungs  zeigen.  168 — 211  werden  uns  die  Myrmidonen  vor- 
geführt, getheilt  in  fünf  heerhaufen,  deren  führer  genannt 
werden,  genau  wie  unser  dichter  in  M  fünf  sturmkolonnen  der 
Troer  gegen  die  mauer  der  Achäer  anrücken  lässt.  Einen  der 
80  eingeführten  häuptlinge  der  Myrmidonen,  den  alten  Phönix, 
verwendet  derselbe  noch  weiter  P  555.  Die  anspräche  Achills 
an  seine  mannen  nimmt  deutlich  bezug  auf  den  vom  erbreiterer 
eingeführten  mehrtägigen  Zeitraum  zwischen  dem  hader  der 
beiden  und  Thetis  bitte,  und  der  rede  Achills  entspricht  die 
des  Patroklos  268  f. ,  das  vorhergehende  gleichnis  von  den 
wespen  ist  jedenfalls  im  geschmacke  unseres  dichters. 

An  den  „  mordgeschichten '*  297 — 376  sind  meistens  die 
beiden  betheiligt,  die  erst  von  der  dritten  band  eingeführt  sind : 
Meges,  der  Nestoride  Thrasymedes  (auch  P  705)  der  Böoter 
Peneleos  (auch  in  Ny  S  und  P)  Idomeneus  und  Meriones.  Die 
beiden  gleichnisse,  womit  die  mordscenen  eingeleitet  werden  und 
abschliessen,  sind  wenig  glücklich  gewählt,  verrathen  aber  jeden- 
falls den  gleichen  geschmack.  Noch  weniger  geglückt  ist  die 
vergleichung  der  wiehernd  rennenden  pferde  der  Troer  mit  den 
zur  herbstzeit  rauschend  fliessenden  strömen  384 — 393. 

In  dem  einschub  399 — 418  werden  einige  von  Patroklos 
getödtete  Lykier  namhaft  gemacht  in  ausfuhrung  der  worte 
wg  Id'  dfUTQOxit^iovag  haiQovg  %tX.  in  der  älteren  fassung. 

Die  verse  431— -457  sind  ganz  im  geschmacke  des  erbrei- 
terers,  der  es  auch  sonst  liebt,  die  nächstfolgenden  Vorgänge 
umständlich  vorher  zu  verkündigen,  ohne  zu  bemerken,  wie 
sehr  er  dadurch  das  interesse  an  seiner  erzählung  beeinträch- 
tigt In  dem  hinweis  der  Hera  auf  die  söhne  anderer  götter 
in  beiden  beeren  liegt  auch  wohl  eine  hindeutung  auf  den  söhn 
des  Ares,  Askalaphos,  von  dem  in  S  und  0  die  rede  war.  Die 
einlage  ist  ganz  geschickt  in  den  vers  der  älteren  fassung:  %dv 
de  idcüv  iliijae  \  natijQ  dvdQÜv  te  &bwv  ts  430/57  eingeklemmt. 
In  V.  509—530  heilt  Apollon  die  wunde  des  Glaukos,  die  ihm 
der  dichter  beim  mauerkampfe  durch  Teukros  beibringen  Hess: 
also  deutlicher  bezug  auf  eine  frühere  partie  der  erbreiterung. 

In  V.  536—7  hat  unser  poet  zwei  seiner  leute,  den  Agenor 
und  Aineias  in  den  alten  vers  535/36  novXvddfiarv  mt  Ilav- 


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16  A.  Fick 

d'dtdriv  I  %B  Y.al  *jBxropa[^rov  eingeschwärzt ;  endlich  in  555 — 568 
fordert  Patroklos  zum  kämpfe  um  Sarpedous  leicbe  auf,  mit 
dessen  einleitung  der  gesang  schliesst. 

Der  gesang  enthält  440  verse,  also  ebenso  viele,  wie  der 
sechste  und  achte,  wenn  man  wenige  unnütze  verse  streicht: 
248,  wo  Achill  offenbar  zu  viel  verlangt,  261 — 2,  deren  erster 
schon  von  den  alten  athetirt  ist :  dd'eteitai,  i^&iTei  nat  l^giaTo- 
qxivrig  Didymus  bei  Laroche;  den  zweiten  wird  man  gern  mit 
dran  geben.  381  =  866  fehlt  in  den  meisten  und  besten  hs.» 
V.  531  ist  ein  überflüssiger  zusatz. 

Die  innere  gliederung  des  gesangs,  ist,  wenn  man  das 
flickwerk  bedenkt,  durchsichtig  genug:  Patroklos  entsendung 
wird  in  12  x  11,  der  erste  angriff  in  9  x  11,  die  niederlage 
der  Troer  in  9  x  11,  endlich  Sarpedons  tod  in  10  X  11 
versen  berichtet. 

10. 

Der  zehnte  gesang  der  erbreiterten  Menis  beginnt  il  569 
mit  dem  kämpfe  um  Sarpedons  leiche  und  schliesst  P  182  mit 
der  einleitung  des  kampfes  um  den  todten  Patroklos,  wie  der 
neunte  gesang  mit  der  Vorbereitung  zu  dem  kämpfe  um  Sar- 
pedon  schloss. 

Von  der  band  des  erbreiterers  rühren  im  ganzen  286  verse 
her,  die  zumeist  ihren  Ursprung  nicht  verleugnen.  In  der 
partie  569 — 632  fallen  zwei  Myrmidonen,  der  söhn  eines  Aga- 
klees  und  ein  Bathyklees :  die  beiden  namen  stimmen  im  schluds- 
theil  zu  dem  des  Echeklees  im  Myrmidonen  Verzeichnis  II  189. 
Weiterhin  kämpfen  Meriones  und  Aineias  mit  einander,  Me- 
riones  auch  hier  der  kretische  prahlhans  wie  in  N.  Das  buko- 
lische gleichnis  il  641  f.  von  den  sumsenden  fliegen  im  hirten- 
Stadel  hat  unser  poet  ganz  ähnlich  £469  f.  verwendet;  die  drei 
verse  sind   in   den   älteren  641/644  eingeschaltet,   Stichwort  ist 

692 — 7  erschlägt  Patroklos  neun  namhaft  gemachte  Troer: 
das  stimmt  zu  783 — 6  wo  ihn  der  dichter  bei  seinen  letzten 
drei  ausfällen  drei  mal  neun  namenlose  Troer  erlegen  lässt. 

In  der  alten  Menis  betäubt  ApoUon  den  Patroklos  durch 
einen  unsichtbar  geführten  schlag,  etwa  wie  die  Alben  im  deutr 
sehen  götterglauben :  unser  nachdichter  hat  den  Vorgang  in  der 
einlage  792  bis  803   sehr   vergröbert   dargestellt     Ein  grund, 


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Die  erbreiteroog  der  Menis.  17 

ihm  die  allerdings  wenig  schön  gedachten  verse  abzusprechen, 
ist  nicht  abzusehen,  auch  beziehen  sich  799,  800  auf  Hektors 
anlegung  von  Patroklos  waffen  in  P,  die  gewiss  vom  erbreiterer 
herrührt. 

V.  806 — 816  handeln  von  der  beiheiligung  des  Euphorbos 
an  Hektors  erlegung,  einer  figur,  die  der  bearbeiier  geschaffen 
hat,  um  Menelaos  vorkampf  in  P  daran  zu  knüpfen.  Ver- 
schönert  ist  freilich   die    alte  dichtung  durch  diese  neuemng 


Menelaos  vorkampf  in  P  1 — 182  rührt  ganz  vom  erbreiterer 
her.  Menelaos  wird  hier  mit  einer  gewissen  Zärtlichkeit  be* 
handelt,  der  dichter  zeichnet  ihn  679  sogar  durch  die  trau* 
liehe  anrede  aus,  die  mit  viel  triftigerem  gründe  die  alte  Menis 
dem  Patroklos  gewährt  hat  In  v.  24  bezieht  sich  Menelaos 
auf  seine  erlegung  des  Hypsenor  in  S  516  >),  der  wie  aus  34  f. 
erhellt,  als  dritter  Panthoide  und  bruder  des  Euphorbos  zu 
denken  ist. 

Von  JT  569  bis  P  182  sind  in  der  jetzigen  fassung  481  verse. 
Um  die  verszahl  der  gesänge  5  und  7,  nämlich  462  zu  gewinnen 
bedarf  es  nur  einer  grösseren  ausscheidung:  die  verse  /7  698 
—711  enthalten  eine  sehr  grobe  Übertreibung,  die  selbst  unserem 
poeten  nicht  zuzutrauen  ist;  darnach  hätte  Patroklos  kurz  vor 
seinem  ende  so  ganz  bei  wegelang  Troja  erstürmt,  wenn  ApoUon 
ihm  persönlich  entgegentretend  ihn  nicht  von  der  mauer  zu- 
rückgestossen  hätte.  Sprachlich  ist  die  stelle  fast  nur  ein 
blosser  Gento  s.  Hentzes  nachweis  im  anhang. 

V.  614 — ^5  nach  613  unmöglich,  fehlen  in  den  besten  hs., 
ebenso  689 — 90,  die  aus  P  177 — 8  eingedrungen  sind.  Endlich 
streichen  wir  noch  865,  der  jedenfalls  ganz  müssig  ist,  da  uns 
Automedon  als  knappe  Achills  hinlänglich  bekannt  ist. 

Die  gliederung  des  so  gewonnenen  gesangs  von  42  x  11 
-  462  versen  ist  recht  durchsichtig:  il  569—692  —  11  x  11 
verse,  drehen  sich  um  Sarpedons  leiche^  die  14  x  11  ss  154 
verse  17  694—861  handeln  von  Patroklos  tod,  auf  il  862  bis 
P 105  geht  im  engeren  sinne  der  titel  von  P:  Meyeldov  aQiatuay 
endlich  in  den  7  x  11  =  77  v.  P  106—182  wird  der  grosse 
l^ampf  um  Patroklos  leichnam  vorbereitet,  der  den  inhalt  des 
nächsten,  elften  gesanges  bildet 


')  Lies  Uav^oov  vUv  statt  noifiiva  XatSv^ 

^«tttlgt  s.  Imd»  d.  iBdg.  ipIMlMI.    IXVl. 


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18  A.  Fick 


Sechstes  buch  902  verse. 

11. 

Der  haupteinschnitt  in  dem  verlaufe  des  kampfes  um  Pa- 
troklos  leiche  liegt  P  625,  wo  Idomeneus  die  Schlacht  verlässt, 
Antilochos  zu  Achill  entsendet  wird,  und  der  rückzug  der 
Achäer  mit  der  geretteten  leiche  des  helden  beginnt  Setzen 
wir  hierhin  das  ende  des  elften  gesangs  der  erbreiterten  Menis, 
so  erhalten  wir  von  P  183  bis  625  für  diesen  443,  die  sich  leicht 
auf  440,  die  verszahl  des  6,  8  und  9  gesangs  bringen  lassen, 
wenn  wir  die  drei  v.  216—8,  deren  namen  zum  theil  aus  dem 
Troerkatalog  entnommen  scheinen,  nach  anderer  Yorgang  be- 
seitigen d.  h.  einer  noch  jüngeren  als  der  dritten  hand  zuweisen. 

Die  so  gewonnenen  440  =  40  x  11  verse  gliedern  sich 
in  zwei  hauptstücke:  mit  P  394  ist  nach  198  =  18  x  11 
versen  der  höhepunkt  des  kampfes  erreicht,  der  sich  von  da 
ab  bis  zum  Schlüsse  des  gesangs  in  22  x  11  «  242  versen 
allmälig  mehr  und  mehr  in  einzelkämpfe  auflöst. 

Das  erste  hauptstück  zerfällt  wieder  in  zwei  ungleiche 
hälften,  indem  v.  183  bis  273,  also  8  x  11  —  88  verse  die 
Vorbereitung  zu  dem  gesammtkampfe,  der  mit  äaav  di  uQoteQoi 
TQüßeg  Utk.  274  beginnt,  erst  zum  abschlusse  bringen. 

Ueber  den  dichterischen  werth  der  in  diesem  gesange  ver- 
wendeten motive  zu  urtheilen  ist  hier  nicht  der  ort,  jedenfalls 
hängen  alle  theile  sehr  wohl  zusammen,  insbesondere  passt 
Rektors  anlegung  der  waffen  Achills,  die  so  vielfach  beanstandet 
ist,  recht  gut  in  den  ersten  abschnitt  der  88  x  11  verse,  die 
sich  darnach  auch  „Sammlung  und  rüstung  zum  kämpfe"  be- 
titeln Hessen. 

12. 
Als  zwölfter  gesang  der  erbreiterten  Menis  lassen  sich  die 
verse  von  P  626  bis  2  369  zusammenfassen,  welche  die  ereig- 
nisse  von  der  rettung  der  leiche  Patroklos  bis  zur  aukunft  der 
Thetis  beim  Hephaistos  behandeln.  Am  Schlüsse  dieses  so  um- 
schriebenen abschnitts  sind  zunächst  S  354 — 368  zu  streichen 
„über  deren  unhaltbarkeit  kaum  ein  zweifei  besteht^'  Hentze 
im  anhang  s.  118.  Noch  gewisser  ist  die  ganz  späte  einschie- 
bung  des  Nereidenverzeichnisses  S  39 — 49.    Ferner  sind  P  658 


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Die  erbreiterung  der  Menis.  19 

—665  auszuscheiden,  die  mit  geringen  änderungen  aus  A  548 
—555  herfibergenommen  sind.  2  219 — 221  verrathen  sich  als 
einlage  jüngster  band  durch  die  erwähnung  der  trompete,  sprach- 
lich durch  den  ionischen  genetiv  9vfiO(iaioTe<Sv.  2  2ö9 — ^260 
beziehen  sich  auf  die  einlegung  des  Oitos,  welcEia  der  erbreiterer 
nicht  kennt  Streichen  wir  nun  noch  die  drei  verse  S  300 — 
302,  worin  sich  sonderbare  kommunistische  gelüste  aussprechen, 
und  2  1,  wodurch  der  neue  gesangsanÜEing  markirt  wird,  so  er- 
halten wir  für  unseren  zwölften  gesang  462  »  42  x  11,  also  die* 
selbe  zahl,  wie  für  den  siebenten,  neunten  und  zehnten  gesang. 
Von  diesen  gehören  dem  erbreiterer  P  626 — 761,  wie  P  über- 
haupt, femer  2  105 — 6  und  117—125  mit  der  erwähnung  des 
Herakles,  den  erst  die  dritte  band  in  die  Ilias  eingeführt  hat. 
Der  Inhalt  ist  durchsichtig  angeordnet:  P  626—754  wird 
Antilochos  entsendung  und  der  rückzug  det  Achäer  mit  Pa-- 
troklos  leiche  in  121  »  11  x  11  versen  berichtet,  P  755  bis 
2  147  handeln  143  —  13  X  11  verse  von  Antilochos  botschaft 
und  Thetis  Zuspruch,  die  glückliche  ankunfk  der  leiche  melden 
2  148  bis  239  88  r=  8  x  11  verse,  endlich  enthalten  sechs 
Strophen  =  66  verse  Hektors  schlimmen  rath  2  239 — ^296,  und 
44  :=  4  X  11  verse  2  297 — 353  die  klage  um  Patroklos. 


Siebentes  buch   1034  verse. 

13. 
Zunächst  hat  der  erbreiterer  die  ihm  vorliegende  üassung 
der  erweiterten  Monis  einfach  herübergenommen:  in  den  396 
=  36  X  11  versen,  die  wir  o.  24  s.  53  f.  in  2  369  bis  0  135 
der  erweiterung  zuwiesen,  findet  sich  nichts,  was  vernünftiger 
weise  der  dritten  band  zuzuschreiben  wäre.  Dagegen  hat  der 
erbreiterer  die  Asteropaiosepisode  <P  136 — 226  zugesetzt:  Aste- 
ropaios  wird  von  ihm  M  102  neben  den  Lykiem  Sarpedon  und 
Glaukos  als  einer  der  fuhrer  der  troischen  bundesgenossen  ge- 
nannt, in  P  351  f.  als  fürst  der  Päoner  bezeichnet,  offenbar  in 
Vorbereitung  zu  der  grösseren  rolle,  die  ihm  vom  dichter  zuge- 
dacht war.  Die  dem  Päonerhelden  gewidmete  episode  in  <P 
umfasst  88  —  8  X  11  verse,  sobald  man  wenige  kleine  ein- 
schiebsei beseitigt:  136 — 7  beziehen  sich  deutlich  auf  den  kämpf 

2* 

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20  A.  Fick 

des  fiussgottes  mit  Achill,  müssen  also  nothweiidig  fallen,  158 
:=  B  849  fehlt  in  den  besten  hs.  und  ist  offenbar  aus  dem 
Troerkatalog  eingedrungen. 

Auf  V.  <P  227,  der  aufs  schönste  zum  vorhergehenden  passt, 
sobald  man  den  kämpf  mit  dem  flussgotte  ausscheidet,  der  ganz 
gewiss  nicht  unserem  dichter  zur  last  fällt,  folgte  bei  diesem 
unmittelbar  515  und  somit  eine  parthie,  welche  die  Agenor- 
episode  einleiten  soll.  Sie  besteht  aus  22  versen,  wenn  man 
die  acht  515—525  ausscheidet,  die  sich  auf  den  götterkampf 
beziehen,  an  dem  unser  erbreiterer  unschuldig  ist  Die  110  = 
10  X  11  von  der  dritten  band  zugesetzten  verse  ergeben  mit 
den  396  der  erweiterung  für  den  dreizehnten  gesang  einen 
umfang  von  506  versen,  während  nach  unserer  obigen  Voraus- 
setzung 517  herauskommen  müssten:  ein  geringer  Widerspruch 
g^en  die  theorie,  der  sich  sogleich  noch  mehr  verringern  wird. 

14. 

Das  ende  des  vierzehnten  gesangs  der  erbreiterung  fällt 
mit  dem  Schlüsse  von  X  zusammen.  Von  unserem  dichter 
rühren  zwei  grössere  einlagen  her.  Zunächst  die  Agenorepisode, 
die  von  <P  544  bis  X  20  reicht  und,  ohne  alle  einschiebsei 
überliefert,  88  d.  i.  8  X  11  verse  enthält.  Der  held  der  epi- 
sode,  in  der  ein  „retardierendes  moment*'  nicht  ohne  geschick 
behandelt  wird,  der  Antenoride  Agenor  wird  auch  an  anderen 
stellen  der  erbreiterung  mit  auszeichnung  genannt:  M  93  fuhrt 
er  mit  Paris  und  Alkathoos  den  zweiten  Sturmhaufen  der  Troer, 
auch  in  NEOII  ist  von  ihm  die  rede. 

Mit  der  klage  um  Hektor  X  405  bis  515  schliesst  der 
dichter  seine  bearbeitung  mit  dem  versuche  eines  seelengemäldea 
ab,  das  ihm  freilich  nicht  voll  gelungen  ist,  doch  steht  es  trotz 
einiger  fehlgriffe  höher  als  der  versuch  in  S  die  Stimmung  der 
Achäerfursten  darzustellen.  Die  einlage  enthält  genau  110  » 
10  X  11  verse,  so  dass  die  Agenorepisode  hinzugerechnet  vom 
erbreiterer  198  —  18x11  verse  herrühren.  Diese  zu  den 
330  "»  30  X  11  zugerechnet,  erhält  man  für  den  14  gesang 
528  verse.  Auch  hier  hätte  man  517  erwartet,  doch  ist  der 
umfang  des  siebenten  buchs  jedenfalls  gerettet,  denn  die  50(> 
verse  des  dreizehnten  zu  den  528  des  vierzehnten  gesanges  geben 
für  das  siebente  buch  die  durch  unsere  Voraussetzung  geforderte 
verszahl,  nämlich  1034. 


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Die  erbreitening  der  Menis.  21 


Achtes  buch  1034  verse. 

15. 

Der  fünfzehnte  gesang  der  erbreiterten  Menis  fällt  mit  dem 
siebenten  der  erweiterung  zusammen.  Nur  die  ersten  worte 
von  V  1  '*iig  o2  fiiv  at^yäxovto  xonra  Tczohv  rühren  vom  er- 
breiterer her,  der  den  vers,  womit  sein  Vorgänger  den  siebenten 
gesang  seiner  arbeit  einleitete  ^^iig  tov  fiiv  xeKonto  xa^  oTtav^ 
{avvaQ  ^^xaim  X  405)  V  1  spaltete,  lun  die  110  verse  seiner 
klage  einzufügen. 

Ausserdem  ist  in  V^  113  und  124  Meriones,  ein  liebling 
des  erbreiterers^  der  in  der  erweiterung  nicht  vorkommt,  für 
einen  anderen  namen  eingeschwärzt.  0.  24,  s.  3  wurde  ver- 
muthet,  dass  hier  ursprünglich  Automedon  genannt  war,  jeden- 
falls war  dieser,  als  Achills  knappe  und  Patroklos  freund  „der 
nächste  dazu." 

16. 

Endlich  der  sechzehnte  gesang  der  erbreitening  fällt  mit  dem 
achten  des  erweiterers,  in  dem  o.  24,  s.  78  f.  ihm  zugewiesenen 
umfang  vollständig  zusammen;  es  ist  wenigstens  irgend  welche 
spur  der  dritten  band  hier  nicht  nachzuweisen. 

Wie  oben  24,  s.  62  £  gezeigt  wurde,  enthalten  der  7  und 
8  gesang  der  erweiterung  je  517  verse,  genügen  also  dem  für 
das  achte  buch  und  den  15.  und  16.  gesang  der  erbreiterten 
Menis  geforderten  umfange. 

Sehen  wir  zum  Schlüsse  nach,  wie  weit  sich  unsere  Voraus- 
setzung bewährt  hat.  Wir  verlangten,  dass  die  erbreitening  in 
genauer  Verdoppelung  der  verszahlen  der  erweiterten  Menis  sich 
in  acht  „bficher"  zu  1034,  1034;  902,  902;  902,  902;  1034, 
1034  müsse  einrahmen  lassen,  und  dass  jedes  dieser  bücher 
wieder  in  zwei  gleiche  hälften  oder  „gesänge''  zu  zerlegen  seien, 
so  dass  sich  also  16  gesänge  bilden  liessen,  die  der  reihe  nach 
517  517,  517  517;  451  451;  451  451;  451  451;  451451;  517 
517;  517  517  verse  enthielten. 

Die  erste  der  beiden  forderungen  ist  genau  und  unbedingt 
erfüllt,  wie  unsere  vorstehende  gliederung  der  gesammten  zweiten 
Bearbeitung  nach  den  acht  büchem  von  dem  geforderten  um- 
fange vor  die  äugen  fuhrt.    Dagegen  finden  sich  in  der  abzäh- 


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22  A.  Fick 

lung  der  sechszehn  gesänge  eine  abweichung  von  dem  voraasge- 
setzten  schema.  Die  acht  inneren  gesänge,  also  5 — 12,  zeigen  statt 
achtmaliger  Wiederholung  der  verszahl  451,  als  der  gleichen  hal- 
birung  der  buchverszahl  902,  yielmehr,  wie  oben  gezeigt,  die  Zahlen- 
reihe 462  440,  462  440;  440  462,  440  462.  Diese  anordnung 
entspricht  allerdings  nicht  ganz  der  streng  durchgeführten  Ver- 
doppelung der  inneren  vier  gesänge  der  erweiterung,  sie  zeigt 
aber  in  sich  so  viel  regelmässigkeit,  dass  wir  hier  wohl  plan 
und  absieht  des  erbreiterers  erkennen  dürfen,  der  mit  bewusst- 
sein  das  schema  41xll  +  41x  H  zuerst  zweimal  durch  42 
X  11  und  40  X  11,  und  darauf  zweimal  durch  die  umkehrung 
40  X  11  und  42  X  11  ersetzte.  Leichte  abweichungen  von 
der  starren  regel  finden  sich  auch  sonst  im  zahlenaufbau  der 
epen  angewandt 

Ein  zweiter  Widerspruch  gegen  das  vorausberechnete  schema 
findet  sich  in  den  verszahlen  des  13  und  14  gesangs.  Statt 
der  zerfällung  der  buchverszahl  1034  in  die  gleichen  hälften 
517  und  517,  finden  wir  hier  für  den  dreizehnten  gesang  506, 
für  den  vierzehnten  528  verse,  also  die  regelwidrige  Versetzung 
einer  einzigen  Strophe,  eine  minimale  abweichung,  die  sich  wohl 
wie  in  5  bis  12  aus  dem  bestreben  erklärt  gerade  Strophen- 
zahlen,  42  und  40,  48  und  46  an  die  stelle  der  ungeraden  41 
und  47  zu  setzen,  wenn  auch  die  genaue  halbirung  des  buch- 
umfangs  darüber  verloren  ging. 


2.   Die  einlegung  des  „Oitoa"'  in  die  Menis. 

Dass  in  B  bis  ^  77  der  Ilias  eine  dichtung  eingelegt  ist, 
die  ursprünglich  mit  der  Menis  gar  nichts  zu  thun  hatte,  scheint 
mir  keines  beweises  zu  bedürfen,  vgl.  vf.  Ilias  s.  236  f.  Ebenso 
sicher  ist,  dass  in  dem  angegebenen  räume  die  einlage  selbst,  der 
„Olrog  7^'ot;"  von  der  einlegenden  band  durchaus  zu  unter- 
scheiden ist:  die  reihe  glänzender  scenen  von  „Agamemnon» 
Versuchung"  an  bis  zum  Zweikampfe  Hektors  und  Aias  hebt 
sich  scharf  ab  von  dem  poetisch  ziemlich  werthlosen  kitt,  der 
diese  scenen  mit  einander  und  der  erbreiterten  Menis  verbindet^ 


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Die  einlegung  des  „Oitos^^  in  die  Menis.  23 

80  dass  man  oft  unwillkürlich  an  das  bild  vom  ochsen  und 
Pegasos  in  einem  joche  erinnert  wird.  In  yf.  Ilias  wurde  der 
yersuch  gemacht,  die  alte  herrliche  dichtung  von  „Ilios  ge* 
schick*'  aus  dem  minderwertigen  füllwerk  des  einlegers  heraus- 
zuarbeiten: hier  beschäftigt  uns  eine  andere  aufgäbe. 

0.  24,  s.  3  wurde  die  vermuthung  ausgesprochen,  dass  der 
einleger  des  Oitos  den  umfang  seiner  yorUge,  d.  h.  der  erbrei- 
terten  Menis  um  die  hälfte  yermehrt,  also  dem  bestände  der 
erbreiteruog  yon  7744  yersen  3872  yerse  zugesetzt  habe.  Diese 
art  der  yermehrung  ist  yon  yomherein  als  möglich  zuzugeben, 
weil  die  erbreiterte  Menis  nach  unserer  obigen  darstellung  deut- 
lich in  zwei  gleiche  hälften  zerfiel:  4  bücher  oder  8  gesänge 
yor  und  ebenso  yiel  nach  dem  schiSsbrande,  jede  dieser  hälften 
enthielt  demnach  3872  yerse.  Falls  die  yermehrung  um  diese 
zahl  yon  dem  einleger  in  derselben  weise  yorgenommen  ist,  wie 
sie  yon  der  zweiten  und  dritten  band  ausgeführt  wurde,  so 
müsste  nach  der  einlegung  des  Oitos  das  so  yerstärkte  gedieht 
auch  in  der  zahl  der  bücher  und  gesänge  gegen  die  erbreite- 
rung  um  die  hälfte  gewachsen  sein,  also  statt  aus  8  büchem 
und  16  gesängen  jetzt  aus  12  büchem  und  24  gesängen  be- 
standen haben,  oder  doch  in  diese  anordnung  sich  einrahmen 
lassen,  und  zwar  müssten  den  neu  hinzutretenden  büchern  und 
gesängen  die  gleichen  yerszablen  wie  in  der  erbreiterung,  näm- 
lich 902  bis  1034  für  das  buch  und  440  bis  517  für  den  ge- 
sang  ungezwungen  zugewiesen  werden  können.  Sehen  wir  nun, 
wie  weit  sich  diese  yoraussetzung  bewähren  lässt. 


Erstes  buch  1034  y. 

1. 
Der   erste   gesang   ist   unyerändert   aus   der    erbreiterung 
herübergenommen ;  wie  oben  nachgewiesen,  li^t  er  ganz  in  A 
und  enthält  517  yerse. 

2. 
Der   zweite   gesang  in   der  durch  die  einlegung  des  Oitos 
yermehrten  form   der  dichtung  ist  aus  jB  herzustellen,  sobald 
man  den  scbiSskatalog  484—779  und  das  Troeryerzeiohnis  816 


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24  A.  Fick 

bis  877  abzieht  Diese  358  ab  von  den  877  in  B  bleiben  519 
yerse;  streicht  man  noch  weiter  die  beiden  sprachlich  unmög- 
lichen JB  206  (tnx  aq>taL  ßaaikeirii  NB.)  und  224  (avTOQ  6 
(iiax^ä  ßofSv)  so  gewinnt  man  als  yerszahl  517,  und  damit  för 
das  erste  buch  1034. 

Die  einwirkung  einer  jüngeren  band  zeigen  B  360—8  und 
803—6,  die  ganz  so  aussehen»  als  sollten  sie  die  Boeotie  und 
den  Troerkatalog  Yorbereiten,  aber  die  zahl  der  yerse  ist  richtig, 
es  hat  also  bloss  eine  Umgestaltung  einer  gleichen  zahl  von 
yersen  stattgefunden. 


Zweites  buch  968  y. 

3. 

Der  dritte  gesang  wird  durch  F  gebildet.  Von  dem  gegen- 
wärtigen bestände  der  461  verse  sind  nur  wenige  auszuscheiden. 
Zunächst  das  gleichnis  10—14,  das  schon  durch  die  sprach- 
lichen Verstösse  evr  OQeog  oder  ^Ür'  oQsog  10  und  äfielvta  11 
als  jüngstes  einschiebsei  erwiesen  wird.  144  „a^arfilircrt  Ari- 
stonicus^'  ist  eine  attische  fälschung,  um  die  Aithra,  die  mutter 
des  Theseus  anzubringen.  224  ist  nicht  nur  müssig,  sondern 
auch  mit  zwei  fehlem  in  äyaaaäfi€&^  ädog  Idorveg  (fBidog 
fiöovteg)  behaftet.  Der  überflüssige  v.  263  ist  schon  durch 
Sxaiwv  für  Sxauxiov  genügend  gerichtet  453 — 4  enthalten  das 
übel  gebildete  hcev&avov^  da  die  verba  auf  -arw  sich  durchweg 
an  den  zweiten  aorist  anschliessen,  und  den  Verstoss  gegen  das 
vau  in  eY  Tig  Xdoiro;  dazu  sind  die  beiden  verse  nicht  bloss 
müssig  sondern  auch  dem  inhalte  nach  bedenklich,  da  Paris  ja 
durch  seinen  reichthum  in  Troja  grossen  anhang  hatte. 

Nach  abzug  dieser  10  verse  gewinnen  wir  für  den  dritten 
gesang  des  einlegers  den  auch  sonst  so  beliebten  umfang  von 
451  d.  i.  41  X  11  versen. 

4. 

Der  vierte  gesang  der  durch  den  Oitos  vermehrten  fassung 
fallt  nach  vornähme  einer  kleinen  Säuberung  mit  J  der  jetzigen 
Uias  zusammen. 

Von  J  55 — 6  heisst  es  bei  Aristonikos  ^^dd-erouvtai**  sie 
sind  in  der  that  unhaltbar.    117  an  sich  nicht  übel  enthält  den 


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Die  einlegung  des  ,yOito8'*  in  die  Menis.  25 

fehler  fi$lcuvA9p  für  -raorr  und  wftr  schon  den  alten  verdächtig: 
y^a&nehai  Anstonicns.'*  Dasselbe  bezeugt  derselbe  von  140 
und  149,  die  neben  dem  das  gleiche  besagenden  gleichnisse 
141—147  unnöthig  sind.  196—7  sind  aus  206—7,  wie  die 
alten  richtig  bemerkten,  bloss  wiederholt,  endlich  die  19  verse 
232 — ^250  bilden  einen  sehr  unschönen  einschub  in  den  vers 
232 — 51  der  vorläge,  der  das  Interesse  an  der  folgenden  im- 
ndlrjüig  sehr  beeinträchtigt,  wenn  nicht  gar  geradezu  aufhebt 
Dazu  kommen  sprachliche  fehler  s.  v£  Uias. 

Hiemach  bleiben  von  den  544  versen  in  J  fiir  den  vierten 
gesang  der  neuen  fassung  517  verse  wie  in  1  und  2,  und  diese 
zu  den  451  versen  des  3.  gesangs  ergeben  für  das  zweite  buch 
968,  d.  h.  genau  ein  viertel  des  nach  unserer  annähme  durch 
die  einlegung  geschehenen  Zuwachses. 


Das  dritte  buch  902  v. 

der  vierten  fassung  fällt  mit  E  der  Ilias,  Diomedes  vorkampf, 
durchaus  zusammen:  man  braucht  nur  von  den  909  versen  in 
E  die  hierunter  bezeichneten  auch  sonst  verdächtigen  oder  un- 
möglichen  verse  zu  streichen« 

Der  erste  gesang  von  buch  III,  also  gesang 

5 
unserer  redaction  reicht  von  E  1  bis  453,  wo  Ares  in  die 
Schlacht  eingreift,  und  damit  ein  neuer  göttorkampf  eingeleitet 
wird.  Um  die  reine  halbierung  der  buchverszahl  902  und 
damit  den  so  beliebten  umfang  von  451  versen  zu  gewinnen 
braucht  man  nur  42  und  57  zu  streichen,  zwei  hier  ganz  über 
flüssige  Standverse,  die  überdies  in  guten  handschriften  fehlen. 
In  256  mit  den  unepischen  contractionen  tq^iv  und  Sa  ist, 
nebenbei  bemerkt,  das  überflüssige  avrw  einfach  zu  streichen, 
dann  gewinnt  man  den  untadeligen  vers:  ävtlog  elfir  tQerjv  fi 
ovx  rjcte  JlaiXag  Idd'ava, 

6. 
In  E  464  bis  909,  dem  schluss  von  £,  gilt  es  nur  fünf 
verse  zu  beseitigen,  um  auch  hier  die  verszahl  451  herzustellen. 
734 — 6  sind  aus  6  385 — 7  wiederholt,  jedenfalls  genügt  ihr 


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26  A.  Fick 

einmaliges  Torkommen  vollauf;  Zenodot  hat  sie  mit  richtigem 
tacte  in  E  athetirt,  dagegen  in  O  stehen  lassen  s.  Laroche 
zu  d.  st.  Von  808,  mit  genügendem  gründe  auch  von  Hentze 
athetirt,  heisst  es  bei  Didymus:  tovtov  %6v  a%i%ov  ovx  «5^- 
a&at  na&olav  (paaiv  h  Toig  l^iaraQXOv;  endlich  887  ist  schon 
aus  sprachlichen  gründen  zu  beseitigen:  ^tog  für  Ctodg  und  lir, 
wenn  aus  tja  ionisirt,  sind  nicht  episch. 

E  706  ist  statt  Tfijxov  x  alxfifjr^v  Aixwhov  Oivofiaop  rs 
zu  lesen  Tqixova  %  und  Ahtoiij»  FoivofiaSv  t«:  Tqixtav  ist 
der  eponym  des  ätolischen  ortes  Tqixoviov  ew.  Tqixoveigy 
häufig  in  den  delphischen  inschriften,  und  die  jüngere  form 
Ahiiliov  ist  nur  aus  Unkenntnis  des  vau  in  Foivopiaov  einge* 
setzt.  —  813  i9t  der  ausgang  datq>QOvog  Oivsidao  nach  J  370 
datq>Qovog  inftoda^oio  zu  berichtigen,  endlich  872  lese  man 
statt  vefieai^ofjL  oqimv  yielmehr  oqfjv  vgl.  B  296  vefieal^ofiai  — 
äaxctldav. 


Das  vierte  buch  990  v. 

umfasst  Z  und  H  der  Ilias.  Die  verszahl  990,  mitten  inne 
zwischen  968  und  1034,  steht  von  beiden  um  zwei  elfzeilige 
Strophen  ab. 

7. 

Der  siebente  gesang  reicht  von  Z  1  bis  502,  wo  der  schluss 
von  Hektors  verkehr  mit  Andromache,  der  die  Überschrift  von 
Z  bildet,  einen  hauptabschnitt  in  der  erzählung  bezeichnet. 
Man  erhält  die  genaue  halbirung  der  990  verse  des  vierten 
buchs,  nämlich  495,  wenn  man  433 — 9  streicht,  die  schon  von 
den  alten  athetirt  sind  —  ,^a&etovv%ai  axixoi  erctd  Didymus" 
LR.  —  und  auch  von  den  neueren  durchweg  verworfen  werden. 

Sprachlich  mag  hier  noch  bemerkt  werden,  dass  in  386  und 
388  TtvQyov  und  reixog^  die  in  der  älteren  spräche  wesentlich 
gleichbedeutend  sind,  ihren  platz  zu  wechseln  haben.  Liest 
man  386  all'  ini  zalxog  eßa  fiiya  FiUw  und  388  a  fiiv  d^ 
Ttgog  nvqyov  STtecyofieva  aTtindwaif  so  schwindet  der  Verstoss 
gegen  das  vau  in  der  jetzigen  lesung  386  Ttvqyov  eßrj  fAeyav 
'Iliov^  der  selbstverständlich  in  der  einlage  nicht  zu  dulden  ist. 
Die  übrigen  Sprachfehler  in  der  jetzigen  Überlieferung  dieses 
Abschnitts  sind  ßchon  in  v£  Ilias  berichtigt. 


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Die  einleguDg  des  y^Oitos'^  in  die  Menis.  27 

8. 

Die  zweite  hallte  des  vierten  buchs  und  damit  der  achte 
gesang  des  ganzen  in  der  neuen  fassung  setzt  Z  503  ein,  wo 
die  ungleichen  brüder  sich  in  den  kämpf  begeben  und  umfasst 
den  rest  von  Z  sowie  den  ganzen  bestand  von  H.  Um  hier 
denselben  umfang  wie  für  7  zu  gewinnen,  bedarf  es  nur  der 
ausscheidung  weniger  werthloser  und  verdächtiger  verse.  H  47 
enthält  eine  überflüssige  anrede,  52—3  sind  inhaltlich  störend, 
ja  eigentlich  unmöglich :  die  athetese  der  alten  von  53  ist  auch 
auf  52  auszudehnen.  Die  öde  prahlerei  des  Aias'  in  197—9 
muss  jedenfalls  gestrichen  werden ;  die  alten  gingen  noch  weiter: 
„or/^ot  ftivTB  (195—9)  a9etovvTai  Aristonicus/'  H  334—5 
und  353  wurden  nach  demselben  ebenfalls  athetirt.  359-«-60 
scheinen  aus  M  233 — 4  eingedrungen  zu  sein,  endlich  sind 
368 — 9  und  380  überflüssige  standverse,  die  in  der  besten  hs. 
fehlen.  Zieht  man  diese  14  verse  von  den  27  in  Z  503—29 
and  den  482  in  ä  ab,  so  erhalt  man  für  den  achten  gesang 
die  gleiche  verszahl  wie  für  den  siebenten,  nämlich  495,  die 
hälfte  von  990. 

Die  festen  ionismen  in  dieser  partie  sind  meist  schon  in 
vf.  Ilias  eliminirt,  hier  nur  noch  einige  sprachliche  bemerkungen : 

Die  verse  H  132 — 3  mit  der  unerträglichen  form  r^ßmii 
sind  zu  gestalten  nach  A  670 — 1  und  darnach  zu  schreiben: 
aiL^*  wg  i^ßaoifiiy  ßia  de  iaol  efiTtaSog  «tiy,  dg  oV  ijc  wiiVQOiOir 
[rtOTCifim]  KeXtidarfi  ^a%oy%o  xrA.  Man  nahm  anstoss  an  der 
Wiederholung  von  132  in  157,  die  aber  gerade  m.  e.  recht 
hübsch  ist.  —  H  207  liest  man  jetzt:  oAxoq  inu  öfj  nawa 
n€Qi  TUfidl  ^ccawo  tavxtj.  Die  ionische  form  t«^  beseitigt 
man,  wenn  man  n.  XQ*  J^i^ioato  %aX%6v  ließt;  nach  M463 — 4, 
wo  es  von  Hektor  heisst  XdfiTeß  de  xahtCkf  CfieQÖaXifai,  %ov 
eeaxo  fteqt  XQO^*  —  ^^^  clas  höchst  bedenkliche  ^t  fteQ  av 
avrog  —  av  ist  der  einlage  fremd  —  H  286  Hesse  sich  ai  xe 
neQ  ovtog  einsetzen  vgl.  387  ai  x<  neq  iSfifii  {cplXov  nai  ^dv  yi^ 
voTto)  AI  der  vorläge  ist  vielleicht  irrthümlicher  weise  in  tji 
ionisirt.  —  H  453  lies  noKiaoafiev  äQ&iiijaarge  statt  a&ktpavte 
„nach  abgeschlossenem  vertrage''  nach  H  ^2  ev  ipiloTrjTt^ 
öuTfidyey  OQ^fujaoPje, 


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28  A.  Fick 


Buch  V. 


Die  verszahl  1012  bleibt  hinter  1034,  dem  umfange  so 
vieler  bücher,  ebenso  weit,  nämlich  um  2  Strophen  =  22  v. 
zurück,  wie  das  vierte  buch  mit  seinen  990  versen  die  mittel- 
zahl 968  des  zweiten  buches  übertrifft. 

9. 

Der  erste  gesang  des  fünften  buches,  der  neunte  der  vierten 
fassung,  umfasst  Q  der  Ilias  und  enthält  517  verse,  also  ebenso 
viele  wie  gesang  2.  4,  und  1.  3.  4  der  erbreiterten  und  7.  8 
der  erweiterten  Monis. 

Wir  gewinnen  diese  zahl  durch  die  vornähme  einer  etwas 
umfänglicheren  athetese,  in  dem  der  bestand  von  G  565  verse, 
also  48  über  die  von  uns  angenommene  zahl  aufweist.  Doch 
kann  ich  mich  hier  erfreulicher  weise  durchaus  der  verstandigen 
kritik  meines  freundes  Hentze  anschliessen,  indem  ich  alle  die 
stellen,  die  in  seiner  Homerausgabe  eingeklammert  und  in 
seinem  anhange  zur  Ilias  mit  genügenden  gründen  verurtheilt 
sind,  ebenfalls  verwerfe,  mit  alleiniger  ausnähme  von  185  und 
189,  die  meines  erachtens  mit  unrecht  beanstandet  werden. 
In  185  glaubt  man  die  namen  von  vier  pferden  zu  lesen  und 
nimmt  darnach  mit  recht  an  einem  im  epos  unerhörten  Vierge- 
spanne anstoss:  in  Wahrheit  werden  aber  nur  drei  pferde  ge- 
nannt, es  ist  nämlich  statt  Saifd'e  te  aal  av  nodanys  xat  Av%^(a9 
Aa^ftB  ta  die  in  der  zweiten  vershälfte  zu  lesen  xat  ai^ta/p 
AdfATtete  Sie  „und  du  schweissfuchs,  braver  Lampetos^M  das 
dritte  pferd  geht  auf  der  wildbahn,  iv  naQtjoQltjiaiPy  wie  vor 
dem  wagen  Nestors  &  81  und  Patroklos  in  iT.  Auch  189  läset 
sich  sehr  wohl  halten:  ermüdete  pferde  durch  wein  zu  er- 
frischen ist  im  Süden  keineswegs  unerhört:  schon  in  Südtirol 
habe  ich  den  brauch  bei  mancher  sch?derigen  bergfahrt  be- 
obachten können. 

Dagegen  verwerfe  ich  mit  Hentze  v.  6.  28—40.  73—4.  183. 
224r-6.  235.  277.  420—4.  466—8.  475—6.  524—9.  538—41. 
548.  550 — 2.  557 — 8,  das  sind  zusammen  48  verse,  und  diese 
von  den  565  des  buches  Q  abgezogen,  ergiebt  sich  für  unseren 
neunten  gesang   die   zahl   517.     Für   die    begründung   dieser 


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Die  einlegung  des  „Oitos^*  in  die  Menis.  29 

atbetesen  sei  noch  einmal  auf  Hentzes  anhang  zur  Ilias  ver- 
wiesen. 

Zur  spräche  dieses  abschnitts  bemerke  ich  noch,  dass  487 
für  L^x^'iol^  selbstverständlich  der  accusativ,  also  l^x^^^Sy  bei 
äolischer  fassung  ^Axaioigy  zu  lesen  ist;  der  aoc.  ist  abhängig 
von  irirqlv^e  vgl.  Ebeling  lex.  Hom.  s.  v.  Vielleicht  ist  ^^x^*^^ 
der  altäolischen  vorläge  einfach  missverstanden. 

10. 

Vom  einleger  rühren  in  diesem,  dem  zehnten  gesange,  ^ 
1—77,  also  nur  7x11  verse  her.  ^  78—83  sind  zu  streichen 
und  schon  von  den  alten  verurtheilt:  „av^eroviTai  Afistonicus. 
fovtavg  xai  ^AffiaxiHpoanfig  i]9i%u^  noQa  öi  Ztjvodotfoi  oväi 
fyodg^vfo  Didymus*'  LR.  Nach  unserer  obigen  darstellung  s. 
beträgt  der  umfang  der  erbreiterung,  als  der  nächsten  vorläge, 
in  ^  85—595  38  x  11  «^  418  verse,  diese  ergeben  zu  den  7 
Strophen  des  einlegers  ^  1 — 77  hinzugezählt  als  verszahl  des 
10.  gesanges  495,  dieselbe  zahl  wie  in  7  und  8  unserer  fas- 
sung. — 

Mit  ui  596  beginnt,  ohne  weitere  Interpolation  von  selten 
des  einlogers,  die  erbreiterte  Menis  und  zwar  deren  zweites 
buch  und  dritter  gesang.  Rechnet  man  zu  den  übrigen  7 
büchem  und  14  gesängen  der  erbreiterung  die  soeben  abge- 
zählten 5  bücher  und  10  gesänge  hinzu,  so  erhält  man  für  die 
durch  die  einlegung  des  Oitos  vefknehrte  dichtung  12  bücher 
zu  je  902 — 1034  und  24  gesänge  zu  je  451 — 517  versen,  und 
als  gesammtzahl  der  verse  11616.  Vergleicht  man  diesen  neuen 
bestand  mit  dem  der  erbreiterung,  so  ergiebt  sich  ein  durchge- 
führter Zuwachs  um  die  hälfte  des  frühern  umfangs:  aus  8 
büchem  sind  12,  aus  16  gesängen  sind  24,  aus  7744  versen 
sind  deren  11616  geworden;  es  hat  sich  demnach  unsere  oben 
ausgesprochene  vermuthung  auf  das  glänzendste  durch  die  probe 
bewährt 

Meran,  Juli  1898. 

A  Fick, 


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30  0.  Hoflfmann 


Zur  bildung  des  sigmatischeii  aoristes. 

1. 

In  den  Göttingischen  gelehrten  anzeigen  1889  no  22  s.  880 
wurde  von  mir  für  die  bildung  des  sigmatischen  aoristes  der 
vokalischen  stamme  folgendes  gesetz  aufgestellt: 

„Alle  vokalischen  stamme  nehmen  im  aoriste  aa  an.  Ist 
der  diesem  aa  vorangehende  vokal  lang,  so  wird  nach  gemein- 
griechischem lautgesetze  die  gemination  aufgehoben:  hlfiäaa 
aus  ^hifiäaaa.  Ist  der  dem  aa  vorhergehende  vokal  dagegen 
kurz,  so  bleibt  aa  erhalten  und  wird  erst  in  den  einzelnen 
dialekten  im  laufe  der  zeit  vereinfacht:  Homer  und  die  Äoler 
sagen  noch  äfioaaa^  die  Attiker  dagegen  wftoaa.^ 

Dieses  gesetz,  in  meinen  griechischen  dialekten  I  207 
II  469  fif.  III  568  ff.  von  mir  wieder  aufgenommen,  hat 
W.  Schulze  in  KZ.  XXXIII  126 ff.,  wie  er  selbst  versichert, 
„endgiiltig  gerichtet'^  Meines  wissens  hat  es  nun  bis  jetzt  nie- 
mand unternommen,  das  gesetz  gegen  einen  solch  harten  Staats- 
anwalt zu  verteidigen.  Wenn  ich  diesen  versuch  wage,  so  will 
ich  damit  keineswegs  den  „vätem'^  des  gesetzes,  nämlich 
Bezzenberger  BB.  lU  159  i)  und  Fick  GOA.  1881,  s.  1429, 
vorgreifen,  sondern  es  nur  zu  verhindern  suchen,  dass  W. 
Schulze  deshalb  eine  anzahl  von  gläubigen  findet,  weil  die 
Unzulänglichkeit  seiner  von  ihm  selbst  als  zwingend  angesehenen 
beweisfuhrung  von  niemandem  ans  tageslicht  gezogen  wird. 

2. 
Schulze' ns  argumentation  ist  kurz  folgende.  Aoriste  wie 
Ofio^aaaiy  TuxJLi-aaai  von  stammen,  die  auf  einen  kurzen  vokal 
endigen,  finden  wir  nur  im  Homer  und  bei  den  asiatischen 
Äolern.  In  allen  übrigen  dialekten  treten  diese  aoriste  stets 
mit  einfachem  sigma  auf  und  zwar,  was  ausschla^ebend  ist, 

*)  DasB  Bezzenberger's  aasfuhrangen  den  meisten  derjenigen, 
die  sich  mit  ihnen  beschäftigt  haben,  lediglich  aus  der  unvollstän- 
digen Wiedergabe  durch  Brugmann  MU.  III  83  bekannt  sind,  geht 
daraus  hervor,  dass  sich  Brugmann' s*  druckfehler  „BB.  IV  159'^  u.  a. 
bei  Froehde  BB.  IX  117.  W.  Schulze  KZ.  XXIX  266.  Verfasser 
Dial.  I  265.    G.  Meyer  Griech.  gramm. '  611  wiederfindet 


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Zur  bildimg  des  sigmatischen  aoristes.  31 

in  derselben  qaelle  zusammen  mit  solchen  werten,  in  denen  ein 
ans  a  +  üjt  +  a^r+i  entstandenes  -aC"  nicht  verein- 
ÜEUsht  ist: 

Phalanna- Thessalien  O/Äoccnftsg  neben  iaaofiivcty  S6DL 
no.  1332i6*  89* 

Herakleia  ifAooijtvtBg  taf.  I  118  neben  icatjtai  (fünfmal), 
iaaovrat  (dreimal),  idacüdfuS^a  (zehnmal,  ans  *  i^dctt-caftt^ä) 
und  dem  dativ  plur.  auf  -aaai  (aus  ^-or-a^  z.  b.  vnaQ%6vtaaaiv. 

Argolis  nctrofidaai  neben  iaaafiirovg  (aus  *  kd-aa^iiivavg) 
SGDI.  no.  3380i6. 7. 

Dreros-Kreta:  Mus.  Ital.  III 657  ff.  wfioaav  Aio>  äfioaa  Bt» 
neben  daaaacx^taaav  Cs»  D7. 

Gortyn-Kreta:  im  stadtrecht  ofioaai  II  37,  dafiacaito  II  11, 
Xayaaai  1  5.  24  (Tgl.  kayaacai'  Aipüvai)  neben  arto-dattaS'd'ai 
IV  29,  doertwxai  V  34  (aus  daaa-  <  ♦dcr-a-),  d/rorroi 
OTtorrm  IV  40.  42  (aus  onoaaoi  <  ^67civioi\  iattai  VIII  47 
(att  otMTjj,  aus  ioa0a  <  *iOTfa).  Femer  im  Mus.  Ital.  III  692 
(ifioaay  n  neben  lAQxad^t  i«  (aus  ^Aqwaüi  <  *li^ddai),  in 
den  Monum.  ant.  I  47  ff.  ftoQsxaXiaap  Gis  neben  Ttofrla^^ay 
Bi9  (aus  fto(ftHaaaav  <  *iari(Oty),  /ite99i  Bis  (aus /erca-ai). 

Ealymna  dvrtofidactp  neben  dixaaam  SGDI.  no.  3591  a«.?. 

Epicbarm  anwkaaa  71s  (Ahrens),  naliaai  19i,  ^'A^ae 
20  65  neben  imi  125  130  151,  iaaekai  98t,  6aaa  96s,  roa- 
aavtai  82^  u.  a.  m.    Allerdings  auch  wXeaaa  148. 

Da  also  in  diesen  quellen  ein  ursprüngliches  oder  durch 
assimilation  entstandenes  aa  nicht  vereinfacht  ist,  so  können  — 
folgert  W.  Schulze  —  die  in  ihnen  überlieferten  formen 
ofidacuy  xaliaai  u.  s.  w.  nicht  aus  ofioaacuj  xaliaacu  hervor- 
gegangen sein. 

Nach  seiner  ansieht  ist  o^oaaai.  jünger  als  dfwacci  und  erst 
aus  dieser  form  weitergebildet.  Er  vertritt  hinsichtlich  der 
bildung  des  sigmatischen  aoristes  die  herrschende  ansieht,  dass 
sowohl  an  die  konsonantischen  als  an  die  vokaUschen  stamme 
einfaches  sigma  trat:  £-J«tx-<r-a,  *l-At;-a-a,  ^üpu^a-'a.  Die 
letzteren  beiden  formen  wurden  schon  in  urgriechischer  zeit  zu 
*llra,  ^wiioa^  da  einfaches  sigma  zwischen  vokalen  gemein- 
griechisch in  h  überging  und  dann  ausfiel.  Der  einfluss  der 
von  konsonantischen  stammen  gebildeten  aoriste,  in  denen  a 
hinter  konsonanz  sich  erhielt,  setzte  es  dann  durch,  dass  das 
ausgefallene  -a-  auf  dem  wege  der  formenausgleichung  wieder 


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32  0.  Hoffmann 

in  die  aoriste  yokaliacher  stamme  eingefügt  wurde:  so  entstanden 
die  neubildungen  e^Xv-a^a  ui-fio-a-a.  Doch  für  die  aoriste 
des  typus  ä^oaoy  ixaleaa  war  damit  die  entwicklung  noch  nicht 
abgeschlossen.  Sie  wurden  vom  äolisch-homerischen  dialekte 
in  nähere  beziehung  gesetzt  zu  aoristen  wie  hilea-^aay  er^ec-aat 
deren  verbalstamm  auf  -a-  endigt,  und  von  diesen  aoristen  mit 
lautgesetzlich  berechtigtem  -aa-  wurde  doppelsigma  auf  dem 
wege  der  formenausgleichung  auch  auf  die  aoriste  ä^oaa,  ha^ 
leaa  übertragen:  so  schuf  die  zum  zweiten  male  wirksame 
macht  der  analogie  die  jüngsten  äolisch-homerischen  formen 
a^oaacL^  huilaaaa. 

Ich  werde  auf  diese  erklärung  der  sigmatischen  aoriste  am 
Schlüsse  mit  ein  paar  werten  zurückkommen.  Vor  der  band 
will  ich  versuchen,  die  angeblichen  argumente  für  den  satz 
Schulze' ns,  dass  dor.-thess.  ofioaai  nicht  aus  dfioaaai  ent- 
standen sein  könne,  als  hinfällig  zu  erweisen  und  damit  der 
Bez zen berger -Fick'schen  erklärung  des  sigmatischen  aoristes 
das  feld  frei  zu  halten.    Ich  hoffe  zu  zeigen,  dass 

1.  eine  lautgesetzliche  ableitungvon  thess.-dor.  oftdaai  aus 
ofAoaaai  durch  die  von  W.  Schulze  gegen  dieselbe  angeführten 
gleichaltrigen  werte  mit  erhaltenem  -aa-  nicht  widerlegt  wird, 
und  dass 

2.  thess.-dor.  ofidaai,  wenn  darin  wirklich  ein  lautgesetz- 
licher Übergang  von  -aa-  in  -ir-  nicht  stattgefunden  haben 
sollte,  auf  dem  wege  der  formenausgleichung  sein  einfaches 
sigma  für  das  ursprüngliche  doppelsigma  bezogen  haben  kann. 


Wenn  jemand  die  behauptung  aufstellt,  dass  in  einem  be- 
stimmten dialekte  oder  in  einer  quelle  desselben  ein  -ir-  zwischen 
vokalen  nicht  aus  ursprünglichem  -ss-  hervorgegangen  sein 
könne,  weil  dieser  doppellaut  unverändert  geblieben  sei,  so 
darf  er  den  beweis  nur  auf  die  belege  für  ein  wirklich  unver- 
ändert gebliebenes  ursprüngliches  -«$-  gründen.  W.  Schulze 
denkt  darüber  freilich  anders.  Gegen  die  ableitung  von  ofiocw 
aus  ofAOüoai  führt  er  aoriste  wie  Saaaäaä'ai  ins  feld,  in  denen 
-aa-  aus  -tu-  entstand,  und  sogar  ein  onoaaog  mit  seinem  aus 
-vi-  hervorgegangen  -air-.  Mir  ist  keine  tatsache  bekannt,  die 
uns  zu  dem  Schlüsse  berechtigte,  dass  jedes  griechische  aa 
ganz  gleich  ob  es  aus  ki  xi,  aus  vi  ^,  aus  t/,  aus  a/,  aus 


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Zur  bildung  des  sigmatuchen  aoristes.  33 

a  +  o,  aus  ra  ^a  da  entstanden  war,  von  anfang  an  völlig 
gleich  ausgesprochen  wurde.  Im  gegenteil,  wir  wissen  z.  b., 
dass  ein  aus  -rj-  entstandenes  -(F(F-  von  einem  -0a-  aus  -kj^ 
verschieden  war.  Da  nun,  wenn  kret-arg.-the8S.  ofioaac  lautge- 
setzlich  aus  o^oaaai  hervorging,  diese  Vereinfachung  jedenfalls 
älter  ist  als  die  ältesten  inschriftlichen  quellen,  so  hindert  uns 
nichts  an  der  annähme,  dass  zur  zeit,  als  sie  stattfand,  das  ur- 
sprüngliche -aa-  eine  von  dem  aus  -xi-  und  -ra-  gebildeten 
-aa-  verschiedene  ausspräche  besass.  Es  lassen  sich  also  falle 
wie  daaada&ai,  ortoaaog  gegen  die  ableitung  von  ofiocaai  aus 
ofAÖaai  nicht  ins  feld  führen. 

W.  Schulze  versucht  diese  sperre  durch  einen  Seitenweg 
zu  umgehen.  Vor  einigen  jähren  zwar,  so  versichert  er,  habe 
er  sich  noch  ausser  stände  gefühlt,  den  einwurf ,  dass  ein  ur- 
griechisches -üü'  anders  als  ein  aus  r  +  ^  entstandenes  -aa^ 
ausgesprochen  sein  könne,  zu  widerlegen:  ,,Wenn  nämlich 
jemand  behauptet  hätte,  dass  äacaacd-ai  für  ofioaai  nichts  be* 
weise,  weil  das  lautprodukt  aus  dental  +  a  in  der  kretischen 
mundart  verschieden  gewesen  sein  könne  von  dem  durch  ein* 
fache  zusammenrückung  entstandenen  doppelsigma,  so  hätte  ich 
mich  wohl  darauf  berufen  dürfen,  dass  nach  den  sonstigen 
thatsachen  der  griechischen  Sprachgeschichte  eine  solche  an- 
schauung  sehr  wenig  innere  Wahrscheinlichkeit  besitze,  für  eine 
vollkommene  Widerlegung  hätte  ich  das  aber  unmöglich  aus- 
geben dürfen  (s.  128)/^  Gewiss  nicht!  W.  Schulze  hat  gut 
daran  gethan,  auf  ein  solches  „berufen'*  zu  verzichten:  denn 
über  eine  argumentation  mit  „innerer  Wahrscheinlichkeit'^  und 
„sonstigen  tatsachen  der  griechischen  Sprachgeschichte*'  würde 
man  W.  Schulze'ns  eigne  werte  gesetzt  haben,  dass  „tat- 
sachen durch  ein  allgemeines  raisonnement  und  zuvorsichtliche 
behauptungen  weder  ersetzt  noch  beseitigt  werden  (s.  126)." 
Aber,  me  gesagt,  Schulze  glaubt  heute  mit  mehr  ab  allge- 
meinen erwägungen  den  beweis  dafür  erbringen  zu  können,  dass 
wenigstens  im  kretischen  dialekte  das  aa  in  einem  von  mir 
vorausgesetzten  ursprünglichen  ^oiio-aoai  nicht  verschieden  ge- 
sprochen sein  könne  von  dem  -0a-  in  dixdaaav  und  deshalb 
^eich  diesem  hätte  erhalten  werden  müssen:  „Heute  wissen 
wir,  dass  für  die  Sonderstellung  des  kretischen  dialektes  (wenig- 
stens deerjenigen  von  Gortyn)  nicht  eine  feinere  Scheidung  der 
Zischlaute,  sondern  umgekehrt  ein  weitergehender  zusammenfall 

BttUrtge  I.  kMKle  d.  iiulg.  tpiMlMii.  XIVI.  3 

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34  0.  Hofimanii 

charakteristisch  ist.  Diese  mundart  hält  nämlich  .  .  .  nicht 
etwa  das  aus  dental  +  a  hervorgegangene  und  das  durch  zu- 
sammenrückung  entstandene  aa  aus  einander,  sondern  lässt 
beide  vielmehr  mit  dem  eigentümlichen  Zischlaute,  der  aus  den 
konsonantischen  jod-verbindungen  entwickelt  ist  (meist  aa,  att. 
boeot.  tt)  in  einen  laut  (^  >  rr  >  9&)  zusammenfallen/' 
Richtig !  In  kret.  fheS'd'c,  l^fxad'd'iy  Tto^-Lad'd'a  ist  das  pro- 
dukt  aus  a  +  <^»  aus  t  +  o  und  aus  %  +  i  gleich  behandelt 
Aber  aus  dieser  tatsache  vermag  ich  nur  den  einen  schluss  zu 
ziehen,  dass  etwa  im  IV.  jahrh.  im  Kretischen  das  -aa-  in 
/hsaaiy  ^^Qxdaaif  Xaaaa  gleich  gesprochen  wurde.  Wenn  da- 
mals ein  wfioaaa  noch  vorhanden  gewesen  wäre,  würde  es 
wahrscheinlich  auch  zu  äfio&d'a  geworden  sein.  Aber  woher 
wissen  wir  denn,  dass  nicht  oifioaaa  bereits  zu  Sf^oaa  geworden 
war,  als  fheaai  noch  gesprochen  wurde?  Ist  es  denn  er- 
wiesen, dass  das  „durch  zusammenrückung  entstandene*^  -aa^ 
in  ßheaat.  (ssk.  vacatsu)^  dem  ich  auch  gleich  iaaofiai  an- 
schliessen  will,  völlig  gleicher  art  und  ebenso  ursprünglich  war 
wie  das  -aa-  in  aifio-aaa  (vgl.  ssk.  d-pa-sis-am)?  W.  Schulze 
setzt  das  stillschweigend  voraus:  aber  das  schweigen  ist  hier 
am  unrechten  platze,  denn  diese  Voraussetzung  gehört  nicht  zu 
denen,  die  keines  beweises  bedürfen. 

In  laaofiai  und  pheoct  hat  hinter  dem  aa  wahrscheinlich 
oder,  um  meine  persönliche  auffassung  zurücktreten  zu  lassen, 
möglicherweise  noch  ein  spirant  gestanden.  Es  liegt,  wie  das 
auch  Brugmann  GR.  11  1092  betont,  kein  zwingender  grund 
vor,  das  griechische  futurum  auf  -ato  von  dem  indischen  auf 
'^ämi  und  dem  litauischen  auf  -siu  zu  trennen:  6d^  aus 
^d^U-afia  =  ssk.  dSkSyämi.  In  ^ea-ajofiac  aber  konnte  durch 
den  ursprünglich  folgenden  Spiranten  das  aa  so  verstärkt  werden, 
dass  es  das  -^a-  in  wfioaaa  überdauerte.  Das  gleiche  gilt  von 
fireaai.  Die  lokative  der  vokalischen  stamme  (^nnoiavy  ve- 
/u^at,  noXiaiy  ovcfia-ai)  sprechen  dafür,  dass  die  lokativendung 
-at  aus  -aai.  hervorgegangen  ist.  Zwar  pflegt  man  für  die 
endung  gewöhnlich  nur  ein  -s-  anzunehmen,  das  hinter  den 
vokalischen  stammen  zunächst  ausfiel  {XftTtoü,  Tif^ai)  und  ihnen 
erst  nachher  von  den  konsonantischen  stammen  durch  formen- 
ausgleichung  zurückerstattet  wurde.  Ich  besitze  für  diese  er- 
klärung  kein  Verständnis.  Fänden  sich  noch  in  irgend  einer 
anderen  spräche  ausser  dem  Griechischen  sichere  spuren  einer 


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Zur  bildung  des  sigmatiBchen  aoristes.  35 

ploralischen  lokativendang  -ai,  so  hätte  der  ansatz  eines  grie- 
chischen -Ci  eine  berechtigung.  Aber  die  übrigen  sprachen 
weisen  auf  eine  indogermanische  endung  -iu  hin,  Tgl.  ssk.  aprff- 
iu,  grfvOrsu,  altbalg.  roM^ü  genonM.  Wir  sind  also  anf  das 
Oriechische  selbst  angewiesen;  und  wenn  wir  da  mit  der  an- 
nähme einer  ursprünglichen  endung  -aoi  gleichzeitig  die  formen 
der  konsonantischen  und  der  yokalischen  stamme  lautgesetdich 
zu  erklären  imstande  sind,  wenn  femer  in  homer.  yhv^ai 
ftltv-aai  vexv^aai  ein  ^aai  hinter  kurzem  vokale  direkt  über- 
liefert ist,  so  fühle  ich  für  meine  person  kein  bedürfnis  dazu, 
einem  -aaif  mag  dieses  nun  aus  -<r/i  oder  einem  anderen  laut- 
komplexe  entstanden  sein,  die  existenzberechtigung  ohne  irgend 
einen  ersichtlichen  grund  abzusprechen  und  dafür  einem  sonst 
unbekannten  -oi  zu  liebe  die  falle  der  analogiewirkung  um 
zwei  nummem  zu  bereichem:  denn  natürlich  muss  ja  dann 
auch  homer.  nlvv-aai  analogiebildung  nach  ma<rt  sein,  wenn 
wir  nicht  gleich  den  radikaleren  weg  einschlagen  und  das  un- 
bequeme  -v-üai  mit  Brugmann  GG.  '  237  W.  Schulze 
Quaest  Hom.  48  einfach  in  -v-ai  ändern!  Das  eine  steht 
jedenfalls  fest :  wer  in  f-hwai  Ton  dem  zusammentreffen 
zweier  einfachen  ir-laute  redet,  behauptet  etwas,  was  er 
nicht  beweisen  kann.  Dar  ansatz  eines  ursprünglichen  ^ßdrsa-^ 
0CV  (oder  einer  gmndform,  in  der  die  Vorstufe  des  -aai  noch 
erhalten  war,  also  etwa  eines  ^/ivea-^üßc)  ist  auf  gmnd  des 
griechischen  materiales  zum  mindesten  ebenso  berechtigt. 
Und  damit  wird  ßhecai  als  parallele  für  ein  oftoaaac  hinfiillig. 
Doch  ich  komme  Schulze  noch  weiter  entgegen,  ich  will 
einmal  gegen  meine  bessere  Überzeugung  annehmen,  dass  es 
sich  sowohl  bei  Saaofiai  als  bei  ßetsaai  um  zwei  einfache  und 
echte  S-laute  handele:  auch  dann  lassen  sich  beide  formen  mit 
der  aUeitung  eines  wfioaa  aus  äfiocca  in  einklang  bringen. 
Wurde  -s-«-  hinter  kurzm  vokalen  im  Kretischen,  Argivisdien 
u.  8.  w.  vereinfacht,  so  musste  allerdings  ein  ursprüngliches 
/esea-^i  lautgesetzlich  zu  fhsai  und  ia-ao^un  zu  Soofiai 
werden.  In  diese  formen  konnte  aber  nachträglich  das  sigma 
des  Stammes  aus  denjenigen  formen  wieder  eindringen,  in  denmi 
es  erhalten  blieb:  von  ^crxog,  amM-ipi^  accKeag>6Qog  u.  s.  w. 
konnte  die  neubildung  aansa-ai,  von  ea-n,  ea-Tta  u«  s.  w.  die 
neubildung  ea^aofiai  ausgehen,  maoi  und  eaaofuu  verhalten 
sich    dann     zu    ofioiiaL   genau    umgdcehrt    so,     wie    es    sich 

8* 

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36  0.  Hoffmann 

W.  Schulze  denkt:  6fi6aat  (aus  ofwaaai)  ist  dann  in  jenen 
kretischen,  thessalischen  u.  a.  inschriften  die  lautgesetzlich 
richtige  form,  während  fiveoai  und  eaaofiav  ihr  doppeltes  -Ra- 
statt des  zu  erwartenden  einfachen  -cf-  auf  dem  wege  der 
formenausgleichung  bezogen  haben. 

Besser  als  euaofiai  und  ßheaai  zeugt  iaai  für  ursprüng- 
liches -«£-•  Diese  form  ist  von  dem  verdachte  frei,  dass  ihr 
-a-cF-  anders  als  durch  zusammenrückung  zweier  einfachen  s- 
laute  entstanden  sei  (stamm  ia-,  endung  -ai),  und  zugleich  hat 
die  annähme,  ihr  doppelsigma  sei  in  der  griechischen 
Sprachentwicklung  durch  formenausgleichung  an  die  stelle  eines 
aus  ursprünglichem  -88-  vereinfachten  -«-  getreten,  wenig  für 
sich:  denn  solche  nichtthematischen  zweiten  personen  sing.,  in 
denen  die  endung  -si  hinter  verschlusslauten  und  liquiden  stand 
(z,  b.  ein  */«x-ort  „du  willst"  =  ssL  väk-äi)  und  die  zur  Um- 
bildung eines  lautgesetzlichen  ^lai  in  ea-ai  hätten  führen 
können,  sind  im  Griechischen  nicht  mehr  nachzuweisen.  Trotz- 
dem ist  der  gegensatz  zwischen  iaai  und  einem  aus  d!fioaaa 
entstandenen  ufioaa  nicht  unüberbrückbar. 

Neben  iaai  liegt  im  Griechischen  die  form  et,  die  dem  in- 
dischen dsi,  aw.  ahi  entspricht  und  auf  ein  idg.  dai  „du  bist^' 
zurückweist.  Den  glücklichsten  versuch,  dieses  est  neben  essi 
zu  erklären,  hat  Osthoff  perfekt  18  gemacht:  er  nimmt  an, 
dass  issi  die  betonte  und  est  die  unbetonte  enklitische  form 
gewesen  sei,  dass  sich  also  -88-  nach  haupttonigem  vokal  er- 
hielt, nach  unbetonter  silbe  vereinfacht  wurde.  Was  diese  er- 
klärung  empfiehlt,  ist  die  aus  dem  Griechischen  nachweisbare 
tatsache,  dass  ein  verdoppelter  konsonant  sich  hinter  einem 
betonten  kurzen  vokale  länger  hielt  als  hinter  einem  unbetonten 
kurzen  vokale.  Mit  eaai  auf  einer  stufe  stehen,  wenn  wir 
die  erklärung  von  Osthoff  billigen,  formen  wie  ofioaaaiy  ofwa- 
aag  u.  a.,  in  denen  der  accent  dem  aa  unmittelbar  vorherging, 
und  dem  el  aus  idg.  Ssi  sind  ti^oaa^  äfwaey  ä^wacw^  ofioamta 
zu  vergleichen,  in  denen  das  o  tonlos  war.  Freilich  müssen 
wir  die  entwicklung  von  äfioaae  zu  wfioaa  in  eine  jüngere  zeit 
verlegen  als  die  entwicklung  von  e89i  zu  e8i  >  d.  Die  enkliti- 
sche form  esi  mit  einfachem  8  war  bereits  indogermanisch,  da 
dieses  ns-  im  Griechischen  zwischen  vokalen  ausgefallen  ist, 
während  die  vereinfiu^hung  des  -ss-  in  äfAoaaa  erst  der  grie- 
chischen Sprachentwicklung  angehören  kann.     Diese  annähme 


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Zur  bilduDg  des  sigmatisohen  aoristes.  37 

ist  aber  auch  durchaus  unbedenklich»  da  wir  weder  über  die 
zeit  noch  über  die  genaueren  bedingungen,  unter  denen  -u-a-  in 
ofioaam  zusammengerückt  ist,  sicheres  wissen;  das  indische 
a'p&-8Üam,  dessen  -sUam  Yon  Bezzenberger  dem  griechischen 
-aaa  gleichgesetzt  ist,  giebt  uns  wohl  den  Schlüssel  zu  dem 
morphologischen,  aber  nicht  unmittelbar  zu  dem  lautlichen  Ver- 
ständnis des  griechiBchen  Icloppelsigma's. 

Wenn  Ton  den  ursprünglich  durch  den  verschiedenen  accent 
bedingten  doppelformen  wiioaa  :  ofioaaai  diese  im  homerisch- 
äolischen,  jene  im  thessalisch-herakleotisch-kretischen  dialekte 
die  alleinherrschaft  an  sich  riss,  so  widersprechen  das  stamm- 
betonte aaai  und  der  auf  dem  zweiten  vokale  unbetonte  stamm 
ofioca^  einander  nicht 

Wie  in  ÜF-at  darf  ursprüngliches  -«8-  angenommen  werden 
in  Sa-aai  „bist  bekleidet''  (o  250,  fa-ao  r  bl  n  199 ,  ea-eav 
„waren*'  Älkaios  91,  ia-ao  „sei''  a  302  y  200  Sappho  ls$ 
(wenn  dieses  ein  alter  injunktiv  auf  ^ao  ist).  Alle  formen 
tragen  den  akzent  unmittelbar  vor  dem  -a0-  und  stehen  also 
auf  einer  stufe  mit  Saai. 


Damit  bin  ich  mit  der  prüfung  der  von  W.  Schulze 
gegen  die  lautgesetzliche  herleitung  des  ofibaai  aus  oiaoo- 
am  vorgebrachten  formen  zu  ende;  sein  Vorwurf,  „i<^h  hätte 
nicht  das  bedürfnis  gefühlt,  die  tatsachen  zu  verhören",  lastet 
nicht  mehr  auf  mir.  Freilich  wird  das  resultat  dieses  Ver- 
höres schwerlich  Schulz e'ns  erwartungen  befriedigen.  Seine 
und  meine  begriffe  von  „tatsache"  und  „beweis"  gehen  weit 
aus  einander.  Er  nimmt  dinge  als  sicher  und  erwiesen  an,  die 
niemand  erwiesen  hat  und  vielleicht  je  erweisen  kann.  Er 
„fühlt  kein  bedürfnis"  dazu,  bei  formen  wie  IWo/uat,  Jrhmct 
die  frage  aufzuwerfen,  ob  jeder  zweifei  daran  ausgeschlossen 
ist,  dass  ihr  -<ra-  wirklich  ursprünglich  und  durch  zusammen- 
rückung zweier  einfachen  9-laute  entstanden  war;  er  betrachtet 
das  als  „tatsache",  was  nur  eine  unbevriesene  annähme  der  land- 
läufigen grammatischen  darstellung  ist,  und  gründet  auf  solche 
„tatsachen'^ Schlüsse, denen  er  unbedingte  beweiskraft  zuschreibt. 

Mit  dem  von  mir  geführten  nachweise,  dass  keine  einzige 
der  mit  -aa-  überlieferten  formen  ein  einwandsfreier  zeuge 
gegen  die   lautgesetzlicbe  zurückfuhrung  von   öfiooai.  auf 


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38  0.  Hoffroann 

ofioacai  ist,  habe  ich  selbstverständlich  weder  Schalze'ns  er- 
klärung  des  sigmatischen  aoristes  widerlegt  noch  Bezzen- 
berger's  deutung  um  einen  schritt  gefördert.  Ich  habe  nur 
gezeigt,  dass  unsere  erkenntnis  die  grenze  der  möglichkeiten 
auch  heute  noch  nicht  zu  überschreiten  imstande  ist,  trotz  des 
zuversichtlichen  ,,endgiltigen"  urteils,  das  Schulze  fallt  Das 
ist  vor  mir  schon  von  Bartholomae  Studien  I  67  ausge- 
sprochen: die  dürftigkeit  des  materiales  lässt  sichere  Schlüsse 
auf  die  Schicksale  eines  indogermanischen  -88-  im  Griechischen 
nicht  zu. 

Die  wenigen  formen,  für  die  wir  ein  ursprüngliches  -ss- 
hinter  kurzem  vokale  im  Griechischen  annehmen  dürfen, 
sind  die  schon  erwähnten  verba  iaaly  ^oaai^  Uaao^  kaaav,  iaao. 
Die  aoriste  T^a-aae,  Telea-aair  sind  deshalb  weniger  zuverlässige 
gewährsmänner,  weil  ihr  -aa-  nicht  ursprünglich  zu  sein  braucht, 
sondern  (wenn  aus  ursprünglichem  -acF-  lautgesetzlich  -a-  geworden 
war)  auf  dem  wege  der  formenausgleichung  wiederhergestellt 
sein  kann  (vgl.  teTslea-fiai  :  edsm-aa).  Das  gleiche  gilt  von 
den  oben  besprochenen  formen  eaaoftai  uud  e^eaai.  Damit 
ist  unser  material  erschöpft. 

Noch  dürftiger  steht  es  mit  den  belegen  für  ursprüng- 
liches -a(F-  hinter  langem  vokale.  Die  einzige  mir  be- 
kannte form,  in  der  wir  im  Griechischen  ein  idg.  -aa-  ziemlich 
sicher  voraussetzen  dürfen,  ist  ^aai  «  ssk.  ds-se.  Sie  spricht 
also  für  die  Vereinfachung  des  ursprünglichen  -aa-^  in  -(f-  hinter 
langen  vokalen.  Dass  sie  allerdings  für  diesen  ^lautwandel 
ebenso  wenig  ein  ganz  einwandsfreier  zeuge  ist,  wie  maai, 
TQeaaat  u.  s.  w.  für  die  erhaltung  des  -aa-  hinter  kurzem 
vokale,  hat  bereits  Bartholomae  a.  a.  o.  betont. 

Ich  wiederhole  es:  der  für  die  Bezzenberger-Fick'sche 
erklärung  des  sigmatischen  aoristes  vokalischer  stamme  not- 
wendigen Voraussetzung,  dass  ursprüngliches  -««-  auf  laut- 
mechanischem  wege  hinter  langen  vokalen  bereits  urgrie- 
chisch (oder  jedenfalls  in  vorhistorischer  zeit)  zu  einfachem  -er- 
wurde,  während  es  sich  hinter  kurzen  vokalen  (besonders,  wenn 
der  accent  unmittelbar  vorherging)  erhielt  und  —  soweit  es 
nicht  hinter  tonlosem  vokale  allgemein  vereinfacht  wurde  — 
erst  im  sonderleben  der  einzelnen  dialekte  in  einfaches  -s-  über- 
ging, —  dieser  Voraussetzung  widerspricht  keine  einzige  unbe- 
dingt beweiskräftige  tatsache  des  Griechischen« 


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Zur  bilduDg  des  sigmatischen  aoristes.  39 


Doch  nehmen  wir  einmal  den  unwahrscheinlichen  £a11  an, 
es  würde  in  künftigen  tagen  durch  eindeutige  tatsachen  der 
strenge  beweis  dafür  erbracht,  dass  die  aoriste  Sfiöaai^  daftdacuj 
oleaai  u.  s.  w.  in  denjenigen  dialekten,  die  daneben  daaaaa^aiy 
Saata^aiy  /hsaai,  laai  n.  s.  w.  besitzen,  nicht  lautgesetzlich 
aus  ofioaaai^  dafidaaaij  dliaaai  entstanden  sein  können,  — 
setzen  wir  also  das  als  wirklich  bewiesen  an,  was  W.  Schulze'ns 
ai^mente  nicht  zu  erweisen  vermögen:  auch  dann  ist  die  von 
mir  aufgenommene  Bezzenberger-Fick'sche  Erklärung  des 
sigmatischen  aoristes  nicht  „endgiltig  gerichtetes  auch  dann 
kann  ofioaaai  älter  und  ursprünglicher  als  öfioaai  sein.  Denn 
—  und  damit  komme  ich  zu  dem  zweiten  meiner  sätze  — 
ofAoaai  braucht  gar  nicht  lautgesetzlich  aus  ofioaaai. 
herrorgegangen  zu  sein,  es  kann  aus  den  aoristen  htngvokaliger 
verbalstämme  wie  Iv^ai  tififj^aai^  in  denen  das  einCache  a 
hinter  langem  Tokale  lautgesetzlich  aus  aa  entstanden  war» 
auf  dem  wege  der  formenausgleiohung  einfaches  a 
statt  des  ursprünglichen  aa  bezogen  haben.  Diese  möglichkeit 
habe  ich  in  meiner  formulierung  des  „gesetzes**  keineswegs  aus- 
geschlossen: ich  habe  lediglich  behauptet,  dass  das  ursprüng- 
liche aa  „erst  in  den  einzelnen  dialekten  im  laufe  der  zeit  ver- 
einfacht'' sei  —  ob  auf  lautgesetzlichem  wege  oder  durch 
formenassociation,  wird  die  Untersuchung  in  jedem  speeialfalle 
festzustellen  haben.  Es  ist  durchaus  nicht  gesagt,  dass  in  allen 
dialekten,  die  opioaai  aufweisen,  das  einfache  a  sich  auf  eine 
und  dieselbe  weise  entwickelte. 

Die  erklärung  des  ofioatn  aus  einer  formalen  anlehnung  an 
Xvaai  beruht  auf  der  Voraussetzung,  dass  ursprüngliches  -da- 
hinter langen  vokalen  (also  in  ^kv-aaai)  lautgesetzlich  zu  -0- 
geworden  ist  Dass  keine  tatsache  des  GriechiBohen  dieser  an- 
nähme widerspricht,  dass  vielmehr  ifiai  »  ssk.  dsse  ihr  günstig 
ist,  habe  ich  bereits  oben  auseinandergesetzt. 

Auch  sind  die  bedingungen,  unter  denen  im  allgemeinen 
eine  formenausgleichung  stattzufinden  pflegt,  in  diesem  falle 
vollkommen  erfüllt:  die  angeglichene  form  (dfid-aai)  ist  ihrer 
vorläge  (Xvhicu)  in  bedeutung  und  bildung  eng  verwandt  und 
steht  hinter  ilur  an  häufigkeit  des  Vorkommens  erheblich  zu- 
rück: gegenüber  der  unendlich  grossen  zahl  der  aoriste  von 


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40  0.  Hoffmann 

Stämmen  auf  lange  vokale  bilden  die  aoriste  des  typus  ofio-aaij 
oU-aai  nur  ein  kleines  häuflein. 

Freilich  fuhrt  W.  Schulze  zwei  gründe  gegen  die  annähme 
einer  solchen  formenausgleichung  ins  feld. 

In  KZ.  XXIX  268  hält  er  sie  deshalb  für  unwahrscheinlich, 
weil  o^o-aai  für  drei  von  einander  unabhängige  dialekte  be- 
zeugt sei.  Ein  wunderliches  argumenti  Als  ob  eine  associations- 
bildung,  die  auf  der  inneren  engen  Zusammengehörigkeit  zweier 
formen  beruht,  nur  in  einem  einzigen  dialekte  oder  nur  in 
nachbardialekten,  die  im  leihverkehr  mit  einander  stehen,  zu 
erwarten  wäre!  Es  kann  doch  Schul ze'n  unmöglich  unbekannt 
sein,  dass  mehr  als  eine  associationsbildung  an  den  verschie- 
densten punkten  des  griechischen  Sprachgebietes  zu  verschie- 
denen Zeiten  auftaucht,  ohne  dass  auch  nur  im  entferntesten 
an  eine  entlehnung  oder  „wellenförmige^^  Verbreitung  zu  denken 
ist.  Soll  ich  dafür  noch  beispiele  geben?  Die  stamme  auf 
-€(T-,  nom.  sg.  -17^  bilden  nach  analogie  der  vokalischen  stamme 
den  akkusativ  sg.  auf  -tj-v  (statt  auf  -eä  oder  -rj):  akkusative 
dieser  art  sind  belegt  aus  dem  Alt- Attischen  (Meisterhans* 
105  107),  dem  Lesbischen  (Verf.  GD.  II  548),  dem  Kypri- 
schen  und  Arkadischen  (Verf.  6D.  I  251),  dem  Böotischen 
(hier  auf  -eiv  endigend,  Meister  GD.  I  268).  Man  nimmt  all- 
gemein wohl  mit  recht  an,  dass  in  eluoai  gegenüber  dem  /fit- 
xart  /UccTL  der  dorischen  dialekte  das  -0-  statt  -a-  aus  den 
zehnem  auf  -ycowa  herübergenommen  sei:  die  form  evxoai  ist 
für  das  Ionisch-Attische,  fürs  Äolische  (Verf.  GD.  II  590)  und 
fürs  Arkadische  (Verf.  GD.  1288)  bezeugt.  Die  urgriechische 
participialform  *Saaa  „die  seiende"  =  ssk.  satt,  im  Messeni- 
schen Argivischen  Kretischen  zu  eaaaa  erweitert,  wurde  von  den 
lesbischen  Äolem  (Verf.  Dial.  II  472)  und  Argivem  in  Epi- 
dauros  (SGDI.  33408)  und  Trozan  (SGDI.  3364b8i)  nach  dem 
männlichen  stamme  evr-  »  ssk.  sant-^  in  eaaa  umgewandelt. 
Solche  belege  liessen  sich  zu  dutzenden  anfuhren.  Das  auf- 
treten derselben  formenausgleichung  in  verschiedenen  von  ein- 
ander unabhängigen  dialekten  ist  ja  doch  ebensowenig  wunder- 
bar, als  wenn  mehrere  dialekte  unabhängig  von  einander  den 
gleichen  lautwandel  (z.  b.  von  c  vor  vokalen  in  i)  vollziehen. 
Ob  die  annähme  einer  associationsbildung  wahrscheinlich  oder 
unwahrscheinlich  ist,  hängt  davon  am  allerwenigsten  ab,  ob 
diejenige  form,  deren  lautgestalt  man  auf  einen  formalen  aus- 


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Zur  bildung  des  sigraatischen  aoristes.  41 

gleich  zurückfuhrt,  in  einer  Btadt  oder  in  zehn  städten  spora- 
disch auftritt.  Die  intimität  der  beziehungen  zwischen  den 
beiden  formen,  deren  eine  auf  die  andere  gewirkt  haben  soll, 
ist  das  erste  oriterium  für  die  beurteilung  der  grösseren  oder 
geringeren  Wahrscheinlichkeit  einer  formenausgleichung. 

Noch  überraschender  wirkt  Schulze'ns  zweiter  einwand 
KZ.  XXXIII  131 :  gegen  eine  analogische  Umbildung  von  dfioa^ 
aai  in  ofioaai  unter  dem  einflusse  von  Xwcu  soll  „das  zeugnis 
der  inschriften  von  Gortyn  laute  einspräche**  erheben. 
„Granz  ähnlich**  führt  Schulze  aus  „wie  im  sigmatischen 
aoriste  liegen  nämlich  die  Verhältnisse  im  dat  plur.  dritter 
deklination,  dessen  suffixales  a  lautgesetzlich  nur  nach  konso* 
nanten  erhalten  bleiben  konnte,  aber  durch  die  macht  der 
analogie  auch  in  allen  anderen  formen  vor  der  Vernichtung,  zu 
der  es  durch  seine  freie  Stellung  zwischen  vokalen  eigentlich 
verurteilt  war,  bewahrt  worden  ist.  Hier  hat  sich  nun  der 
einfluss  der  weitaus  überwiegenden  formen  mit  einfstchem  a  als 
nicht  kräftig  genug  erwiesen,  die  pluraldative  auf  -uai  (ursprüg- 
lich dent.  -^  a^  a  -^  a)  in  formen  mit  einfachem  Zischlaute 
umzuwandeln:  kret.  *^Qxd^&i  und  ßhe&9i  sind  oben  belegt 
worden.  Ebensowenig  hätte  meines  erachtens  auch  die  analogie 
von  anho€u  Xvüai  und  genossen  ausgereicht,  die  postulirten 
formen  o^oaaai  xakiaaai  in  die  lautgestalt  der  thatsächlich 
belegten  of^oaai  xakiaai  überzuführen'S 

Also  —  weil  aa  im  dative  fheaui  trotz  X/tTtoi-ai,  TtoU-ai 
u.  a.  nicht  per  analogiam  vereinfacht  ist,  soll  auch  ein  Sfioaoai 
nicht  durch  den  einfluss  von  Xv-aai  in  o^oaai  haben  umge- 
wandelt werden  können.  Da  fragt  man  doch  staunend:  wirkt 
denn  die  macht  der  analogie  ebenso  ausnahmslos  wie  ein  laut- 
gesetz,  ist  die  spräche  dazu  verpflichtet,  eine  bestimmte  formen- 
ausgleichung,  die  sie  in  der  konjugation  eintreten  läset,  unter 
ähnlichen  bedingungen  auch  in  der  deklination  durchzuführen? 
Ich  glaube,  dass  kein  einziger  Sprachforscher  ausser  W.  Schulze 
diese  frage  bejahen  wird.  Es  wird  niemand  für  die  in  ver* 
schiedenen  griechischen  dialekten  aus  alter  zeit  belegten  akkusa* 
tive  sg.  der  konsonantischen  stamme  auf  -ä-v  statt  auf  -a  » 
-71  (z.  b.  kypr.  ävdQidvra-v,  ijar^Qa-v  verf.  GD.  I  no.  140 1 
134«  135 3),  die  man  allgemein-  und  gewiss  mit  recht  als  ana- 
logiebildungen  nach  den  akkusativen  vokalischer  stamme  wie 
XoyO'V,  Ttoli-v  u.  s.  w.  aufgefasst  hat,  diese  art  der  entstehung 


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I 

J 


42  0.  Hoffmann 

deshalb  bestreiten,  weil  die  erste  person  sg.  des  sigmatischen 
aoristes  auf  -«  —  -7»  (z.  b.  kypr.  efeg^  verf.  GD.  I  no.  146 1) 
nicht  durch  die  gleiche  form  der  vokalischen  stamme  auf  -v 
z.  b.  eXiTto-Vj  ürto^Vf  egw-v  in  saTrjaa^v  umgewandelt  sei. 

Wer  sich  aber  einmal  das  recht  herausnimmt,  von  der 
spräche  zu  verlangen,  dass  sie  unter  ähnlichen  Verhältnissen 
stets  die  gleiche  formenassociation  vollziehe,  der  muss  wenigstens 
diese  f orderung  nur  dann  stellen,  wenn  wirklich  ähnliche  Ver- 
hältnisse obwalten.  Bei  den  dativen  ßereaai  l^Qitdaai  liegen 
jedoch  die  Verhältnisse  nicht  „ganz  ähnlich*'  wie  bei  ofioaacu^ 
sondern  gerade  umgekehrt.  Wenn  dfio^aat  auf  dem  wege 
der  formenausgleichung  aus  o/no-aoai  hervorgegangen  ist,  so 
haben  die  aoriste  des  typus  Xv-aav  (d.  h.  aoriste  von  stammen 
auf  lange  vokale)  die  vorläge  gebildet:  die  basis,  auf  der  sich 
ein  einfluss  von  Iv-aai  auf  die  spärlichere  klasse  ofio-aaai  ent- 
wickeln konnte,  bestand  also  in  der  tatsache,  dass  beides  aoriste 
vokalisch  auslautender  stamme  waren.  „Oanz  ähnlich** 
würden  also  im  dativ  plur.  die  Verhältnisse  liegen,  wenn  ein 
*7t6h^aai  durch  den  einfluss  von  Xrcnoi-ai  rtiirj-üi  in  noXi-ai 
umgewandelt  wäre.  Aber  bei  ßhsaav  ^u^Qxdaai  handelt  es  sich 
ja  um  konsonantische  stamme!  Wäre  in  diesen  formen 
das  -aa-  per  analogiam  durch  -a-  ersetzt,  so  müssten  wir  darin 
einen  einfluss  der  vokal ischen  stamme  (tftTtoiai^  tifi^ai 
u.  s.  w.)  sehen:  dass  aber  ungleichartige  stamme  einander 
ebenso  leicht  beeinflussen,  wie  gleichartige,  wird  sich  schwer- 
lich behaupten  lassen,  und  schon  dieses  argument  würde  voll- 
auf genügen,  um  ein  ßevsaai  neben  o^öaai  zu  rechtfertigen. 
Es  kommt  aber  noch  dazu,  dass  die  übrigen  dative  der  kon- 
sonantischen Stämme  sich  einer  Vereinfachung  des  -aO" 
direkt  widersetzt  haben  würden.  In  fizsa-ai^  ^uiguda-oi 
kam  in  der  doppelkonsonanz  der  auslaut  des  Stammes  und  der 
anlaut  der  endung  genau  so  zum  ausdruck  wie  in  ywacx-aiy 
KmloTt-ai.  Es  würde  deshalb  sogar  nicht  wunder  nehmen, 
wenn  ein  lautgesetzlich  entstandenes  /heaiy  ^udQxdai  nachträg- 
lich nach  den  Vorbildern  ywatx-cr/,  KvxXort-ai  wieder  in  /erea-aif 
^AQxdd-ai  >  'AgTida-ai  zurückverwandelt  wäre.  Jedenfalls  war 
aber  das  -aa-  in  /hsa-ai  liQ^da-ai  durch  die  übrigen  konso- 
nantischen Stämme  gerade  geschützt,  während  es  in  dem 
seltenen  ö^O'Oaai  gegenüber  dem  -<r-  des  eng  verwandten  häu- 
figen aoristtypus  lu-aai  auf  einem  isolierten  posten  stand. 


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Zur  bildung  des  sigmatischen  aoristes.  43 

Damit  sind  Schul ze'ns  einmnde  erledigt 

6. 

Bezzenberger's  und  Fick's  erklärung  der  sigmatiscben 
aoriste  Xv-aai^  ojiO'aaai:  ofiö-aai  ist  also  noch  beute  ebenso 
gut  möglich  *),  wie  die  von  W.  Schulze  verfochtene.  Welche 
TOD  beiden  ist  die  wahrscheinlichere? 

Setzen  wir  mit  Bezzenberger  und  Fick  das  -oü^  und 
-a-  im  aoriste  der  vokalisch  auslautenden  stamme  dem  indischen 
-auf-  morphologisch  gleich  und  betrachten  wir  ^Iv-^aai 
o^O'Oaat  als  die  ursprünglichen  formen,  so  lassen  sich,  wie  ich 
ausgeführt  habe,  alle  drei  historischen  formen  Iv-aai  ifio-aacti 
and  ojLio-aai  ohne  Verletzung  eines  sicher  erwiesenen  laut- 
gesetzes  auf  rein  lautmechanischem  wege  aus  jenen  grundformen 
ableiten,  oder  es  ist,  wenn  wirklich  kret.  thess.  herakl.  ofio^ai 
maU-aai  sich  einer  lautgesetzlichen  ableitung  aus  o^oaaai  xa- 
Xiaaai  widersetzen  sollten  (was  weder  W.  Schulze  noch  ein 
anderer  bis  jetzt  bewiesen  hat),  nur  für  diese  formen  die  nahe 
liegende  annähme  einer  analogiebildung  nach  dem  häufigen 
typus  Xv-aai  erforderlich. 

W.  Schulze  muss  zwei  auf  einander  folgende  akte  der 
formenausgleichung  annehmen:  zuerst  Xv-aai  d^(ha-ai  (statt 
*liai  *6fi6ai)  nach  deiTL-a-ai,  und  zweitens  homer.-aeol.  ofiO' 
oaai  (für  o^ihoai)  nach  teXia-aat  aTtaa-aaa^at  u.  ähnl.    Dabei 

*)  Ich  meine  natürlich  in  erster  linie  die  ansetzung  eines  Ursprung- 
hohen  -aaa-  in  den  griechischen  aoristen  der  vokalischen  stamme: 
denn  Schulze  stellt  sich  lediglich  auf  den  boden  der  griechischen  gram- 
matik.  Das  lautliche  Verhältnis  dieses  -tfff«-  zu  ssk.  -m-  will  ich  hier 
nicht  erörtern,  zumal  da  wohl  keine  hoffnung  vorhanden  ist,  dass  etwas 
sicheres  sich  je  wird  ermitteln  lassen.  Die  einwände  Brugmann's  MU. 
III  83  ff.  gegen  Bezzenberger's  gieichnng  ~aaa  =  ssk.  •siiam  sind  recht 
unglnckliob,  weil  ein  jeder  derselben  wieder  auf  einer  unbewiesenen  und 
onbeweisbaren  Voraussetzung  beruht.  Meines  erachtens  besteht  der  eigent- 
lich nur  von  Fick  klar  hervorgehobene  wert  der  deutung  Bezzen- 
berger's darin,  dass  sie  die  griechischen  und  indischen  aoriste  auf  das 
gleiche  bildnngsprincip  (eine  Verdoppelung  des  aoristischen  -«-)  zurück- 
fuhrt. Das  indische  t  zwischen  den  beiden  «-lauten,  in  dem  Brugmann 
den  haupt-anstoss  erblickt,  spielt  gar  keine  rolle,  da  es  speciell  indisch 
sein  kann  und  einen  idg.  laut  nicht  darzustellen  braucht.  Aus  der  glei- 
chung  Jiff«  <  ♦^-^«Äf-«aa  =  ssk.  ä-ved^iiam  den  lautwert  des  %  be- 
stimmen SU  wollen,  scheint  mir  recht  bedenklich. 


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44     0.  Hoffmann    Zur  hilduDg  des  siginatischen  aoristes. 

läset  er  die  älteste  belegte  form  des   Griechischen,  nämlich 
o^oaaai,  erst  aus  dem  später  belegten  o^oaai  hervorgehen. 

Ich  für  meine  person  ziehe,  wenn  ich  die  wähl  zwischen 
zwei  möglichkeiten  habe,  die  einfachere  lösung  der  komplicier- 
teren  vor.  Doch  ist  der  geschmack  in  solchen  dingen  ja  ver- 
schieden. Hoffentlich  haben  meine  ausfiihrungen  den  einen  er- 
folg, dass  solche  urteile,  wie  sie  Brugmann  (MU.  III  83  „es 
kann...  kaum  ein  zweifei  darüber  bestehen,  dass  diese 
formen  —  die  aoriste  und  futura  des  typus  oka-^a-  :  oX«-<r-, 
ofio-aa-  :  dfxo-a-  —  nach  der  analogie  von  verbalstämmen  auf 
a  oder  auf  dentale  explosivlaute  . . .  gebildet  sind"),  W.  Schulze 
und  G.  Meyer  GG.  «  611  mit  den  der  Bezzenberger'schen  an- 
sieht beigelegten  prädikaten  (,,endgUltig  gerichtet^^  und 
„unrichtig")  gefällt  haben,  künftighin  bei  vorurteilsfreien 
lesem  nur  den  eindruck  unbewiesener  behauptungen  hervor- 
rufen. 

Breslau  im  märz  1899.  0.  Hoffmann. 


Gr.  eop'j;  und  hom,  eo^Tjpo, 

Gr.  evQvg  wird  allgemein  aus  *«-/ßt;-  mit  prothetischem 
£-  erklärt  und  soll  sich  zu  ai.  urü-  aus  *ufr'ü  «  ai.  d-grip-  : 
gurü-  verhalten.  (Vgl.  Brg.  Gr.  gr.  >  s.  31.)  Wenngleich  jAw. 
vcurur  und  ai.  var-  nur  auf  *?ir^-  zurückgeführt  werden  können, 
ist  für  ai.  «rti-  (vgl.  Wackernagel  Ai.  gr.  s.  24  u.  42)  und 
im  zusammenhange  damit  auch  für  gr.  evQvq  eine  andere  er- 
klärung  notwendig. 

Der  vergleich  mit  den  ablautverhältnissen  von  ai.  gurü, 
-grur  neben  gar-  ist  hinfällig,  da  der  lautbestand  von  ai.  ur-ü 
infolge  des  anlautenden  if  von  var-  anderer  herkunft  ist.  Wie 
die  wurzeln  idg.  "^dieu-  (ai.  dgau-,  gr.  uev-)  und  *deiu  (lit. 
dev')  zwei  verschiedene  schwundstufenformen  idg.  *d/ti-  und 
^diu'  entwickeln  mussten,  stehen  neben  gr.  evQ-  aus  idg.  *ei#r- 
und  der  für  das  Ar.  vorauszusetzenden  grundform  *var  aus 
idg.  *uer'  (uor-)  die  schwundstufenform  idg.  *wr-  und  ur&J^f 


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Hans  Reichelt    Gr.  evQvg  und  hom.  ^IrjQa.  46 

entsprechend  ai.  «r-  and  var-,  jAw.  vour-.    [ai.  ur-  :  gr.  £t^- 
—  *rftjf :  *deiu;  ai.  var-,  jAw.  t?(wr-  :  ♦jfer-  =s  *flf|M-  :  *dieM-.] 

Gr.  "Pßia,  ion.  *P«iij  aus  * J^a-sß-ia  (Pott  Et.  f.  *  178, 
Brg.  a.  o.).  Hier  liegt  die  mit  ai.  ur-vt  übereinstimmende  form 
des  fem«  vor,  deren  ursprünglichkeit  dem  spätem  BVQÜa  g^en- 
über  mir  durch  die  betonung  verbürgt  zu  sein  scheint.  Neben 
dem  masc.  idg.  *e^'r''US  (aus  ursprachlichem  *eur'i^u8  war  in 
der  composition  -eür-us  geworden,  yerf.  o.  2ö,  238  ff.)  hat 
sich  infolge  der  suf&xbetonung  des  fem.  idg.  *ur-uij  ai.  urvi, 
gr.  ^a  aus  *)f^*(£)/^  mit  schwundstufiger  Stammsilbe  ge- 
bildet Im  Ai.  wirkte  das  fem.  auf  das  masc.  zurück,  im  Gr. 
das  masc.  auf  das  fem. 

Hom.  ^IrjQa;  avXfjQOfP,  äßkrjQov  (Hes.)  neben  lat  lörum 
wird  gewöhnlich  aus  *e'/X'f]QO^  mit  prothetischem  &-  erklärt 
und  zur  wurzel  /eX-  gestellt  Erscheint  schon  diese  ableitung 
der  mangelhaften  ausdeutung  wegen  (äreb  tav  rtsQuleiad-ai 
jovg  ifuxptag  x^Q^^  '^^^  r^viixüiv  Schol.;  Curt  et  ^  568;  Fick 
W.  '  II  236  oder  jtaQa  jov  uXaiv  tovg  inrtovg  Doederl.  Gl.  470) 
gekünstelt,  so  weist  noch  die  grundbedeutung  von  lat  lörum 
„riemen'*  (als  gürtel,  peitsche  oder  zügel  verwendet)  darauf  hin, 
dass  die  gr.  vorsilbe  «v-,  av-  die  bedeutung  des  wertes  derart 
zu  specificiren  imstande  gewesen  sein  muss,  dass  evkijQa  auf  die 
alleinige  bedeutung  „zügel'^  beschränkt  wurde.  Ich  glaube  dies 
auch  etymologisch  rechtfertigen  zu  können.  Mir  scheint  hom. 
Ttaqriiov^  fcageud  aus  *  n:aQ»rj/'iov,  *  Ttaq^^-iav  in  seiner  Stamm- 
silbe dasselbe  dement  zu  enthalten,  wie  £i>,  av.  na^^iov  be- 
deutet „wangCy  backe'S  bes.  von  thieren  und  U.  A,  142  y,backen- 
stück  am  pferdezaum^S  evkriga  ist  demnach  der  über  die 
backen  des  pferdes  gehende  riemen,  also  nur  der  „zügel^*.  Die 
Stammabstufung  dieses  elementes  ist  eine  dreifache.  *e^  (^ra- 
Qijiov)  :  *eu  (rtofeialy  evXrjQa)  :  *9U  (avXfjQOP^  KßXrfQov). 

Anmerkung.  Ob  Ttag^iov  zu  der  sippe  ous-^  au«- 
,mund  etc.'  zu  stellen  ist,  vrie  J.  Schmidt  schon  angedeutet 
hat,  scheint  mir  sehr  zweifelhaft;  auch  sind  die  lautverhältnisse 
dieser  sippe  noch  zu  wenig  aufgeklärt,  um  sie  mit  erfolg  heran- 
ziehen zu  können. 

Baden  bei  Wien.  Hans  Reichelt, 


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46  W.  Prellwitz 


Lat.  prfmöres. 

In  seiner  habilitationsschrift  „die  comparationssuffixe  im 
Lateinischen"  (IF.  XI,  1  ff.)  bespricht  herr  Ferdinand 
Sommer  unter  den  komparativen  auch  lat.  pritnörSs  (s.  64  ff.). 
Er  sieht  darin,  einem  gedanken  Pott's  folgend  mit  Osthoff 
(IF.  YIII,  52)  eine  analogiebildung  und  zwar  glaubt  er  den 
weg  aufdecken  zu  können  auf  dem  „diese  komparativische  er- 
Weiterung  des  Superlativstammes  primo^  unter  dem  einfluss  von 
priin'^'  zu  stände  gekommen  sein  soll.  Er  sagt:  „Es  konnte 
nämlich«  denke  ich,  leicht  geschehen,  dass  bei  den  begrifflich 
nahe  verwandten  wörtem  priores  und  primi  die  genetive  prio- 
rum  und  primorum  auch  formell  als  gleichartig  empfunden 
wurden  und  die  folge  davon  war,  dass  zu  primonun  nach  dem 
Verhältnis  priorutn  zu  priores  ein  nom.  primores,  dat.  primo- 
ribus  usw.  geschaffen  wurde''. 

Mir  scheint  es  fabelhaft,  den  Römern,  deren  sinn  für  geaetz 
und  norm  ja  bekannt  ist,  eine  so  geringe  fertigkeit  im  dedi- 
nieren  zuzutrauen.  Ich  habe  diese  deutung  hier  nur  als  kenn- 
zeichen  für  eine  ganze  gattung  hingesetzt  Betr^  der  bedeu- 
tung  behauptet  Sommer,  dass  sie  eigentlich  rein  lokal,  nämlich 
„vorderer''  gewesen  sei.  Als  beleg  führt  er  Plaut.  Trin.  4  2.  65, 
Bacch.  4.  4  24,  Poen.  3.  1.  63  an.  Local  war  die  bedeutung 
allerdings,  der  gebrauch  aber  eigentümlicher  weise  zunächst  auf 
körperteile  beschränkt  und  gar  nicht  komparativisch,  sondern 
durchaus  superlativisch  gleich  primus. 

Mich  hat  die  erstgenannte  stelle  des  Piautas  vor  jähren 
bereits  auf  einen  ganz  anderen  ein  fall  gebracht,  der  sich  mir 
auch  jetzt  noch  zu  bewähren  scheint.  Betrachten  wir  sie  ein 
wenig  genauer.  Ein  sykophant  ist  von  Gallicles  gedungen,  um 
einen  brief  von  dem  fem  geglaubten  Gharmides  an  seinen  ver- 
schwenderischen söhn  zu  übergeben.  Gharmides  ist  aber  bereits 
heimgekehrt  und  trifft  den  betrüger,  der  ihn  gar  nicht  kennt, 
vor  seinem  hause.  Der  geschwätzige  sykophant  erzählt  ihm, 
was  ihn  herführe,  kann  aber  dem  höchst  erstaunten  alten  nicht 
einmal  den  namen  seines  auftraggebers,  mit  dem  er  so  eng  be- 
freundet sein  will,  nennen.  Devorävi  nomen  imprudens  modo. 
Etwas   beleidigt   erwidert  Gharmides:   Non  placet,   qui  amicos 


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Lat  primöres.  47 

intra  dentis  condusos  habet,  worauf  der  sykophant:  Atqui  etiam 
modo  voreabatur  mihi  in  labrie  primoribus  „und  doch  schwebt 
er  mir  eben  noch  auf  der  zunge'S  in  dem  er  offenbar  eine 
sprichwörtliche  redensart  braucht  ,,Er  war  mir  ganz  vom  auf 
den  lippen^'  steht  im  gegensatz  zu  intra  dentes  und  zu  devo- 
ravi,  ist  also  nicht  im  mindesten  komparativ.  Labrie  primoribus 
(Utingere  braucht  Cicero  (de  orat.  1.  19.  87),  um  eine  ganz 
oberflächliche  beschäftigung  zu  bezeichnen,  in  demselben  sinne 
aber  heisst  es  bei  ihm  de  natura  deorum  1.  20:  primis,  ut  dici^ 
tur,  labris  gustasse  physiologiam,  wie  ja  überhaupt  für  primores 
in  jeder  anwendang  primi  gesagt  werden  kann. 

Wie  den  lippen  wird  unser  wort  in  der  alten  spräche  auch 
gern  der  nase  als  attribut  beigegeben.  Vgl.  Lucil.  frgm.  427.  27 
Eduxique  animam  in  primoribus  narUms,  Afran.  fi^m.  in  nari- 
bus  primoribus  vix  perferre.  Lucr.  6.  1191  nasi  primoris  acu- 
men  ienue  »»die  äusserste  nasenspitze  war  dünn'<  (bei  der  be- 
Schreibung  der  pest  in  Athen).  Die  fingerspitzen  sind  oft  digiti 
primäres.  Digüis  daobus  primoribus  sumere  heisst  ein  wenig 
mit  zwei  fingerspitzen  nehmen  (Plaut.  Bacch.  IV.  4.  675),  vgl. 
Cato  de  re  r.  21.  2  u.  s.  Doch  unterscheidet  Cicero  (Cael.  28) 
primoribus  labris  gtistasse  hoc  geftus  vitae  et  extremis, 
ut  dicüur,  digitis  attigisse.  Die  spitze  der  zehen  heisst  summi 
digüij  Turpilius  aber  sagt  auch  (frg.  31)  sandalio  innixa  digi- 
tulis  primoribus.  Primores  dient  also  besonders  zur  bezeich- 
nung  des  lippenrandes  und  der  nasenspitze,  der  teile  des  ge- 
siebtes, dann  auch,  mit  naheliegender  erweiterung  des  gebrauchs, 
der  digiti. 

Danach  erklärt  sich  mir  unser  wort  als  compositum  aus 
primus  und  os  wie  primaevus  (CatuU)  aus  primus  und  aetmm. 

In  der  declination  stimmte  labra  primora^  nasi  primoris, 
u.  8.  w.  ganz  mit  den  komparativen  überein  (vgl.  inopum), 
konnte  daher  leicht  zu  ihnen  gerechnet  werden.  Dann  musste 
sich  aber  die  bedeutung  des  zweiten  bestandteils,  der  jetzt  bloss 
Suffix  zu  sein  schien,  verlieren  und  das  wort  die  allgemeine 
bedeutung  „der  erste,  vorderste"  erhalten.  Wegen  dieser  ver- 
quickung mit  den  comparativen  hat  man  offenbar  auch  die 
bildung  des  nominativ  singularis  vermieden.  Denn  *primös 
oder  ^primoris  (vgl.  muUinominis)  wiche  von  den  comparativen 
ab,  und  die  notwendigkeit  *  primor  zu  bilden,  das  wieder  von  ös 
abstünde,  lag  nicht  vor,  da  man  ja  primus  brauchen  konnte. 


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48  W.  Prellwitz    Lat  primöres. 

Sehr  nahe  wird  nun  uns  durch  die  angeführten  belege  die 
Vermutung  gelegt,  dass  pritnöres,  zunächst  immer  nur  zu  teilen 
des  gesiebtes  hinzugefügt,  sieb  erst  allmählich  einen  weiteren 
anwendungskreis  erobert  hat.  Notwendig  ist  diese  annähme 
aber  keineswegs.  Denn  ös  heisst  ja  nicht  bloss  „mund,  gesicht'S 
sondern  schon  in  alter  zeit  „vordere  seite,  rand*',  wie  öra  und 
das  identische  a!a  (s.  Bezzenberger  o.  VI  236),  ags.  ör,  öra 
(Kluge  PBr.  B.  Vffl  522),  worin  Joh.  Schmidt  (Pluralbil- 
dung der  idg.  neutr.  117)  nur  eine  alte  nebenfonn  des  neu- 
tralen ÖS  erkannt  hat.  Prtmo  öre  könnte  danach  „ganz  vom, 
an  der  Vorderseite'^  übersetzt  werden  und  daraus  dann  das 
spätere  primöres  entstanden  sein,  ohne  dass  die  beziehung  auf 
das  angesicht  jene  rolle  gespielt  hätte,  die  anzunehmen  die 
älteren  belege  so  sehr  nahe  legen. 

Dass  hier  hypostase  eines  ablativs  (oder  vielmehr  eines 
instrumentals  der  erstreckung)  pritnö  öre  vorläge,  schien  mir 
früher  sicher.  So  ist  z.  b.  aus  muUis  modis  das  öfter  bei  Te- 
renz  und  einmal  bei  Nepos  Themist.  10.  4  vorkommende  mul- 
timodis,  aus  miris  modis  ebenso  mirimodis  (Plaut  Trin.  931  s. 
Brix  zu  der  stelle)  entstanden  und  aus  muüimodis  weiter  das 
späte  adjectiv  muUimodus  (Amm.  Augustin).  Über  andere  fälle, 
wo  nomina  aus  casus  entstanden  sind,  s.  o.  XXIV  94 ff.  Be- 
sonders deutlich  ist  JuoiO'cqqiov  aus  Jii  aan^Qiy  worüber  Fick 
0.  XXII,  236.  Jedoch,  es  kann  auch  sehr  wohl  primäres  sofort 
als  compositum  in's  leben  getreten  sein  wie  z.  b.  primaevus, 
muUigeneris,  magnanimus. 

Tilsit.  W,  Prellwitz. 


Die  etruskischen  familiennamen  auf  -^  ?/. 

Neben  den  etruskischen  familiennamen  auf  -^ra,  -^uri, 
■^uru,  '^urnüy  die  ich  in  meinem  vorigen  artikel  (o.  XXV, 
194  ff.)  besprochen  habe  und  die  allesamt,  wie  sich  gezeigt  hat, 
auf  einen  vomamen  als  basis  zurückgehen,  dessen  erster  teil 
ein  gottesname  ist,  während  der  zweite  das  wort  -^r  „-yovog, 
-gena^^  enthält,  giebt  es  nun  noch  eine  weitere  gruppe  von 
familiennamen,  die  auf  4ru  endigen. 


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Carl  Pauli    Die  etruskiichen  &miliennaiQen  auf  -tru,     49 

Da  Yon  vorn  herein^  lautlich  sowohl  wie  im  bau  der  formen» 
eine  gewisse  ähnlichkeit  dieser  namen  auf  4ru  mit  den  obigen 
auf  '&ura  u.  s.  w.  besteht,  so  erhebt  sich  sofort  die  frage,  ob 
nicht  diese  formen  auf  4ru  auch  Yon  ähnlichem  Ursprung  seien, 
wie  jene,  d.  h.  ob  nicht  auch  sie  als  basis  einen  vornamen  ent- 
hielten, dessen  erster  teil  ein  gottesname  sei,  mit  dem  dann 
das  4ru  des  zweiten  teiles  zusammengesetzt  seL 

Auch  hier  wird  zunächst  eine  Zusammenstellung  des 
materials  in  derselben  weise,  wie  bei  den  inschriften  mit  -^r-, 
zu  geben  sein.    Die  einschlägigen  formen  sind  die  folgenden. 

acnatru. 

1)  pulenoB '  vel^r  •  larisal  acnatruaic  •  avüs  *  LXXV  — • 
Tarquinii  —  Ga,  no.  800. 

„Yelthur  Pulenas,  des  Laris  und  der  Acnatrui  (söhn), 
atmorum  LXXV. 

2)  ptdencu  -  vü  x  larisal  LXXV  acnatruaic  '  ^nxväua  — 
Tarquinü  —  Ga.  no,  801. 

„Vel  Pulenas,  des  Laris  und  der  Thanchvil  Acnatrui  (söhn), 
annorum  LXXV. 

apatru. 

3)  ram&a  z  apah^i  :  lar^l  :  sex  '  Ic^r^alc  •  äle&nal  — 
Tarqmnü  —  Fa.  no.  2335  c. 

„Ramtha  Apatrui,  des  Larth  tochter  und  der  Larthia 
Alethnei''. 

4)  lar9'  *  am&al  *  plecua  :  clan  :  ram&[a]sc  :  apatrwü : 
Tarquinü  —  Fa.  no.  2335  a. 

„Larth,   des  Arnth  Plecu  söhn  und  der  Ramtha  Apatrui^^ 
Grabschriften  Yon  mutter  und  söhn. 

apaiatru, 

5  a)  ram^a  huzcnai  dui  :  aii  :  nacnva  ;  lar&ial  |  apaia- 
trus Tarquinü  —  Fa.  suppl.  I,  no.  436  a. 

b)  ram^a  :  huzcnai  :  »ui  :  cem  :  afi  :  nacna  :  lar9idl  : 
apiairus Tarquinü  —  Fa.  suppl.  I,  no.  436  b. 

„Ramtha  Huzcnai  li^  hier  in  diesem  grabe  des  Larth 
Ap(a)iatru*^ 

Beitrtg«  z.  knd»  d.  ia^.  ipiBolieu.    XXVI.  4 


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50  Carl  Pauli 

verairu. 

6)  vi  '  veratru  |  wpalia§  —  Clusium  —  Fa.  suppl.  I,  no. 
251  bis  i  -  CIE.  no.  1566. 

„Vel  Veratru,  der  Uphalia  (söhn)**.    . 

7)  f*  '  vefrjatru  \  utpaliasi  —  Clusium  —  Fa.  suppl.  I, 
no.  251  bis  k  «  CIK  no.  1567. 

„Larth  Veratru,  der  üphalia  (söhn)". 
Grabschriften  zweier  brüder. 

8)  la  vera\tf^  \  freias  —  Clusium  —  Fa.  suppl.  I,  no.  251 
bis  1  =  CIE.  no.  1569. 

„Laris  Veratru,  der  Freia  (söhn)". 

9)  Aule  '  Veratrg  \  Atdes  —  Clusium  —  Fa.  suppl.  I, 
no.  251  ter  aa  =  CIE.  no.  1571. 

„Aule  Veratro,  des  Aule  (söhn)". 
Die  inschrift  ist  in  lateinischer  schrifb. 

10)  q>fla  :  veratrsa  \  lavtnita  :  pumal  —  Clusium  —  Fa- 
suppl.  I,  no.  251  bis  h  »-  CIE.  no.  1570. 

„Phila,  des  Veratru  (gattin),  die  freigelassene  der  Pumei". 

Ohne  zweifei  eine  griechin. 

IIa)  ha  •  veratrunia  \  vdu  —  Clusium  —  Fa.  suppl.  I, 
no.  222  bis  a  -  CIE.  no.  2162. 

b)  ha  '  verairunia  —  Clusium  —  Ga.  no.  343  =  CIE. 
no.  2163. 

„Hastia  Veratrunia,  des  Vel  oder  der  Velui  (tochter)". 

a.  Grabziegel,  b.  011a,  beide  auf  dieselbe  person  sich  be- 
ziehend. 

12)  Hagtia  •  Veratronia  —  Clusium  —  Fa.  suppL  I,  no. 
251  ter  z  =  CIE.  no.  1572.  Gleichfalls  in  lateinischer  schrift 
geschrieben. 

lemnitru. 

13)  petnis  :  vel^r  :  lemnitru  —  Surrina  —  Ga.  no.  74S. 
„Velthur  Petrus  Lemnitru". 

faUru, 

14)  a  faUru  titis  dunum  dede  —  Tuder  —  Fa.  no.  85. 
„Aulus  FaÜronius  Titio  donum  dediV, 

Die  inschrift  ist  umbrisch,  aber  mit  etruskischen  dementen. 
Ein    solches   ist   auch   der  name  faUru.    Dass  wahrscheinlich 


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Die  etruskischen  familienDamen  auf  -dru.  51 

das  N  hier  nach  den  wert  f  (nicht  h)  habe,  davon  habe  ich 
Altit.  forsch.  III,  123  gehandelt  Die  frühere  leeung  und  deu- 
tung  ahal  trutitia  „Ahala  TruttidiuB^'  ist  zu  rerwerfen. 

15)  hairunia  :  l :  vipiä  \  murituua  —  Clusium  —  Fa.  suppl. 
I,  no.  251  bis  o. 

„Ha(l)trunia,  die  lautni&a  des  Vipi,  des  Murina  (gattin)''. 

Die  form  hatrunia  steht  in  Clusium  lautgesetzlich  für 
fdUrunia.  Auch  über  diesen  namen  habe  ich  Altit  forsch.  III, 
123  gesprochen. 

faslntru, 

16)  vd  •  fastntru  '  a&  —  Clusium  —  Fa.  no.  562  ter  g  =s 
CIE.  no.  941. 

,,Vel  Fastntru,  des  Amth  (söhn)''. 

17)  a^  *  famtru  *  aimmias  —  Clusium  —  Fa.  spL  III, 
no.  212  »  6a.  no.  179  ^  CIE.  no.  3038. 

,,Arnth  Fasntru,  der  Sinunia  (sohn)'^ 

18)  9a  :  cupdnei  :  faatntrusa  —  Clusium  —  Fa.  no.  494 
bis  c  =  CIE.  no.  1326. 

„Thana  Gupslnei,  des  Fastntru  (gattin)*'. 

20)  ...  .  fastntru  :  marenal  —  Clusium  —  Fa.  no.  562 
ter  f  —  CIE.  no.  946. 

,,....  Fastntru,  der  Marcnei  (söhn)'*. 

21)  «I  :  hasintru  :  marcnal  —  Clusium  —  Fa.  no.  562 
ter  e  =»  CIE.  no.  945. 

„Val  Hastntru,  der  Marcnei  (söhn)". 

22)  a&  *  tutna  *  hastntru  *  sutnal  —  Clusium  —  Fa.  no. 
562  ter  b  -  CIE.  no.  942. 

„Amth  Tutna  Hastntru,  der  Sutnei  (söhn)'*. 

23)  9ana  •  tutn  fu  •  faUuäla  •  mqrenäa  —  Penisia  —  Fa. 
no.  1818. 

„Thana  Tutnei  Fastntrui,  des  Maroni  Paltusa  (gattin)". 
tuin  fu  ist  abkürzung  für  tutnei  *  fastntrui. 
Neben  diesen  formen  auf  -tru  steht  nun  noch  ein  weiterer 
name,  der  seiner  ganzen  erscheinung  nach  mit  ihnen  verwandt 
sein  kann  und  dessen  belege  iqh  daher  gleichfalls  hier  anfüge. 
Es  ist  dies  der  name 

4* 


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52  Carl  Pauli 

»ac(u)i(u}ra. 

24)  lar»  :  »acu^ra  ^  Clußium  —  CIE,  no.  2318. 
,,Larih  Tbacutura''. 

lar»  •  »acprq  • Clusium  —  CIL.  no.  2319. 

,,Larth  Thactra''. 

25  a)  t^  :  9actara  :  19  :  aülias  :  )  —  Clusiam  —  Fa.  no. 
b)  vi :  »actara  :  /*  :  aulia§      12558  ter— CIE.no.  2320, 
„Yel  Thactara,  des  Larth  (und)  der  Aulia  (söhn)*'. 
Doppelinschrift  auf  den  beiden  seiten  eines  grabziegels. 

25)  hasUa  :  dauitrei  :  qulia^  :  d  -  —  Clusium  —  Fa. 
no.  48  -  CIE.  no.  2321. 

„Hastia  Thactrei,  der  Aulia  (und)  des  Vel  (tochter)^'. 

Die  erste  frage,  die  sich  hier  erhebt,  ist  die  nach  dem  Ver- 
hältnis dieser  formen  zu  denen  auf  --Sura  u.  s.  w.  Unter  diesen 
letzteren  gab  es  auch  solche  auf  —  9uru  (diese  zeitschr.  25,  203), 
die  sich  in  -Sru  zusammenziehen,  und  da  es  feststeht  (cf.  Deecke 
in  Müller  Etr.  II  ^  413  sqq.),  dass  im  Etruskischen  nicht  selten  i 
und  d-  mit  einander  wechseln,  so  könnten  die  namen  auf  -im  mit 
denen  auf  -^rti  identisch  sein.  Aber  andererseits  ist  auch  die 
möglichkeit  nicht  ausgeschlossen,  dass  zwei  verschiedene  bil- 
düngen  vorliegen.  Es  muss  versucht  werden,  festzustellen, 
welche  dieser  beiden  möglichkeiten  thatsächlich  vorliege.  Die 
familiennamen  auf  -^ura  u.  s.  w.  waren  abgeleitet  von  Vor- 
namen auf  -^r,  und  so  wird  sich  die  Untersuchung  zuerst 
darauf  richten  müssen,  ob  sich  neben  den  formen  auf  -9ur  bei 
denselben  vomamen  auch  die  Schreibung  mit  4¥r  finde.  Das 
ist  nun  in  der  that  der  fall.  Es  waren  der  unmittelbar  beleg- 
baren vomamen  auf  -^h«r  vier,  nämlich  am&ur,  lar&ur,  vd9ur 
und  ündMr.  Von  diesen  haben  lar&ur  und  vd&ur  nun  wirk- 
lich formen  neben  sich,  die  mit  i  geschrieben  sind.  Die  belege 
sind  die  folgenden: 

veUur  —  Bologna  —  Fabr.  suppL  11,  no.  1. 

vdtur  •  lard'  —  Viterbo  —  Deecke  in  dieser  zeitschr. 
I,  108.  no.  XVn. 

laturus  ipianus  apan  in  —  „des  La(r)tur  Ipiana  geschenk 
(ist)  dies"  —  San  Zeno  bei  Bozen  —  Fabr.  no.  23. 

Über  Worttrennung  und  deutung  dieser  inschrift  habe  ich 
Altit.  forsch.  I,  101  gehandelt  Damach  steht  die  form  laturuM 
für  larturus,  genetiv  von  lartur. 

Es  liegt  nahe,  anzunehmen,  dass  diese  beiden  namen  veUur 


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Die  etrnskischeti  fatniliennamen  auf  -4$^.  53 

und  lariur  nur  laufliehe  nebenformen  von  pd9ur  und  lar9ur 
seien,  and  Deecke  (Etr.  forsch.  III,  124)  sieht  die  saohe  in  der 
that  80  an,  idlein  notwendig  ist  diese  annähme  keinesw^,  es 
li^^  vielmehr  grände  vor,  die  gegen  sie  sprechen. 

Zunächst  ist  es  ja  zwar  richtig,  dass  im  Etmskischen 
Tenues  und  Aspiraten  mit  einander  im  Wechsel  sich  finden, 
allein,  abgesehen  von  fremdwörtern,  ist  dieser  Wechsel  im  ganzen 
doch  nicht  sehr  häufig  und  im  allgemeinen  hält  das  Etniskische 
beide  laute  reinlich  aus  einander.  Zwar  sagt  Deecke  (in  K.  0* 
Müllers  Etr.  11  *,  412):  „Die  aspiration  ursprünglicher  tenues, 
bei  fremdwörtern  auch  hin  und  wieder  einer  media,  ist  eine  in 
der  etmskischen  spräche  weit  verbreitete  erscheinung^S  und  er 
fugt  dann  eine  lange  liste  bei,  in  der  dieser  lantwandel  statt- 
finden soll;  allein  von  dieser  liste  wird,  bei  kritischer  Unter- 
suchung, wohl  die  reichliche  hälfte  der  gegebenen  beispiele  zu 
streichen  sein.  Deecke  selbst  hat  das  gefühlt  und  fugt  vor- 
sichtig hinzu:  „Ebenso  ist  es  nicht  selten  zweifelhaft,  ob  zwei 
lautlich  nur  durch  aspiration  unterschiedene  stamme  auch  wirk- 
lich identisch  oder  von  vorne  herein  aus  verschiedener  würze 
oder  bildung  entsprossen  sind^. 

Weiter  sollte  man  glauben,  dass,  wenn  wirklich  zwischen 
unseren  formen  auf  4ru  und  denen  auf  ^(u)ru  Zusammenhang 
vorhanden  wäre,  doch  bei  irgend  einem  der  belegten  gentil- 
namen  ii^nd  einmal  die  beiden  suffixformen  -tru  und  -dru  mit 
einander  wechselten.  Aber  das  ist  nicht  der  fall,  es  giebt  dafür 
auch  nicht  ein  einziges  beispiel.  Auch  das  spricht  dafür,  dass 
beide  bildungen  von  hause  aus  unverwandt  sind. 

Dazu  kommt  endlich  noch  der  umstand^  dass  sich  in  den 
obigen  beiden  vomamen  die  doppelformen  vd&ur,  lar&ur  und 
vdHir^  lartur  ohne  gleichsetzung  mit  einander  völlig  genügend 
erklären  lassen.  So  wie  wir  nämlich  im  GMechischen  z.  b.  ein 
'ArcolXoyhrjq  und  ^AftolXodüHiog  neben  einander  haben,  so  kann 
auch  im  Etmskischen  eine  bildung  auf  -^ur  „-T^mjg^^  eine  solche 
auf  -dur  „-dtoQO^*  neben  sich  haben  und  letztere  zu  dem  vor- 
bum  turce  „deiü^  gehören.  Das  ist  um  so  wahrscheinlicher, 
als  wir  in  dem  götternamen  fnuafU(u)mB  (ct.  die  belege  so- 
gleich) eine  bildung  besitzen,  die  in  ihrem  zweiten  teil  die 
Wurzel  tur  „geben**  sicher  enthält. 

Damit  würde  dann  zuglei<di  bereits  die  bedeutung  dieses 
'tur,  wie  es  veltur  und  lartur  bieten,  gefunden  sein.    Und  da- 


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54  Carl  Pauli 

mit  würde  uns  dann  wahrscheinlich  auch  weiter  die  bildung 
unserer  namen  auf  -tru  erschlossen  sein,  dieses  freilich  nur 
unter  der  Voraussetzung,  dass  dies  4ru  für  -turu  stände.  Das 
lässt  sich  allerdings  nicht  unmittelbar  beweisen,  denn  bei  den 
oben  belegten  namen  findet  sich  immer  nur  der  ausgang  in 
-'tru,  kein  beispiel  einer  form  -turu.  Dennoch  aber  ist  es  wahr- 
scheinlich, dass  dies  -tru  für  •4uru  stehe.  Dafür  haben  wir 
zunächst  die  analogie  der  formen  auf  -^h«rtt  und  -^ru.  Wenn 
dort  letztere  form  aus  ersterer  hervorgegangen  ist,  so  ist  der 
gleiche  Vorgang  auch  für  -fru  wenigstens  nicht  unwahrschein- 
lich. Dafür  haben  wir  weiter  den  soeben  schon  erwähnten 
gottesnamen  fnu€mt(u)m8j  der  ganz  sicher  und  ohne  jeden 
zweifei  in  seinem  zweiten  teile  die  wurzel  hir  „geben*^  enthält. 
Dieser  aber  ist  auf  dem  spiegel  von  Tuder  (Bull.  1886,  232) 
fßfujqnturns,  dagegen  auf  der  Statuette  von  Cortona  (Fabr.  no« 
1055  bis  =s  GIE.  no.  447)  muantmä  geschrieben.  Und  dafür 
haben  wir  endlich  den  oben  unter  no.  24  sqq.  belegten  familien- 
namen  d'a€(u}'t{u)ra.  Das  Verhältnis  der  hier  sich  zeigenden 
bildung  auf  -iura  zu  -^u  ist  natürlich  kein  anderes,  als  das, 
welches  oben  in  -&ura  zu  '^(ujru  vorlag,  d.  h.  -a  und  -«  sind 
die  gentilsuffixe  und  die  basis  endigt  auf  -tur.  Hierbei  darf 
ich  freilich  ein  bedenken  und  eine  möglichkeit  nicht  ver« 
schweigen,  die  der  form  Ventura  ihre  beweiskraft  nehmen 
würde,  die  nämlich,  dass  das  u  in  -iura  nur  svarabhaktischer 
natur  wäre  und  sein  dasein  dem  vorhergehenden  u  verdankte. 
Die  zahl  solcher  svarabhaktischen  laute  ist  im  Etruskischen 
recht  bedeutend  (cf.  Deecke  in  Müllers  Etruskern  II ',  353  sqq.), 
und  gemeiniglich  nimmt  dort  ein  solcher  die  klangfarbe  des 
vorhergehenden  vokals  an.  Diese  möglichkeit  werden  wir  aller- 
dings offen  halten  müssen  und  werden  zugeben  müssen,  dass 
das  'tru  auch  für  -taru,  -teru  oder  allenfalls  auch  4iru  stehen 
könnte,  aber  andererseits  ist  auch  das  möglich,  dass  nicht  das 
zweite,  sondern  das  erste  u  svarabhaktischer  natur  sei,  denn 
auch  diese  erscheinung  findet  sich  nicht  selten,  und  dann  ist 
das  u  von  4ura  echt  und  auch  4ru  mit  warscheinlichkeit  als 
für  -tum  stehend  anzusehen.  Welche  dieser  beiden  möglich- 
keiten  vorliege,  lässt  sich  im  augenblick  nicht  entscheiden,  aber 
mir  seheint,  die  grössere  Wahrscheinlichkeit  sei  für  ^uru.  Bis 
zum  nachweise,  dass  es  anders  sei,  nehme  ich  also  an,  wenn 
auch  nur  bedingt,  dass  das  4ru  für  -turu  stehe,  di^ss  dies  -^urfi 


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Die  etruskischen  faiuilien Damen  auf  -tru.  55 

als  basis  auf  Vornamen  mit  ^iur,  wie  veUur,  lartur,  zurückgehe, 
und  dasB  dies  -tur  zu  hirce  ^dedW  gebäre,  so  daas  also  die 
bildungen  auf  '4ur  den  griechischen  auf  -dwQog  (oder  -dovog) 
entsprechen  würden.  Und  unter  dieser  Voraussetzung  ist  als- 
dann auch  das  nebeneinander  der  formen  auf  '&ur  und  -tur 
TÖlHg  klar,  denn,  wie  im  Griechischen  z.  b.  OsAyorog  und  QMowog 
neben  einander  bestehen,  so  im  Etruskisohen  vel^ur  und  vdtur. 

Und  wie  nun  im  Griechischen  beide  bildungen,  die  auf 
-ycfvog  und  die  auf  -dorog,  vielfach  theophorer  natur  sind,  wie 
ein  grosser  teil  der  etruskischen  bildungen  auf  -^Nr  mit  Sicher- 
heit, andere  wenigstens  möglicherweise  als  gleichfalls  theophor 
sich  herausstellten,  so  liegt  es  nahe,  dasselbe  auch  für  die 
namen  auf  4ur  zu  vermuten ,  und  in  der  that  haben  wir  ja 
in  vdiur  und  Uartur  bereits  solche  theophore  namen  auf  4ur 
vor  uns  (cf.  oben  pag.  52),  sofern  sie  mit  Sicherheit  „a  Jano 
daius^  und  „a  Mofie  daius^  bedeuten. 

Von  dieser  grundlage  aus  werden  nun  die  einzelnen  gentil- 
namen  auf  -iru  zu  untersuchen  sein,  ob  und  welche  götter- 
namen  in  ihrem  ersten  teile  enthalten  seien. 

Bevor  ich  aber  in  diese  Untersuchung  eintrete,  ist  noch 
ein  einwand  zu  erledigen,  der  möglicherweise  gegen  meine  an- 
nähme, 'tru  stehe  für  '4uru  und  gehöre  zu  tur  „geben'S  von 
vom  herein  erhoben  werden  könnta  Man  könnte  die  bildungen 
quinquätruSy  sexätrus,  triätruSj  septimOirua,  decimätrus  (Festus 
254  Mü.)  vergleichen,  die  bei  Tusculanem  und  Faliskem  für  den 
so  und  so  vielten  tag  nach  den  Iden  in  gebrauch  waren  und  für 
bestimmte  feste,  die  alsdann  gefeiert  wurden.  K.  0.  Müller  (Etr. 
II  *,  48  not  29  a)  und  andere  halten  diese  bildungen  für  etrus- 
Usch.  Unter  dieser  Voraussetzung  könnte  man  dies  suffix  4ru, 
welches  ja  ein  sicherer  n-stamm  ist,  mit  dem  -^ru  in  apatrUf 
veratru  identifizieren  und  in  diesem  ein  blosses  ableitungssufüx 
sehen  wollen.  Aber  diese  annähme  lässt  sich  leicht  wider- 
legen. Die  drei  formen  triätrus,  septimairuSj  decimatrus  zer- 
legen sich  nur  in  tri-^UruSy  septim-oirus,  deeim^rus,  und  auch 
für  quinqu-atrus  und  sex-öims  ist  eben  diese  Zerlegung  wahr- 
scheinlicher ^).  Dadurch  wird  die  identifizierung  mit  unseren 
Personennamen  unmöglich,  denn  l$mn%tru  und  ^acutura  ent- 
halten am  ende  des  ersten  teiles  gar  kein  a.  Beide  bildungen 
haben   also  mit  einander  nichts  zu  thnn. 

>)  S.  o.  28,  68  n.    Pr. 

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56  CSarl  Pauli 

Nunmehr  kann  ich  mich  dem  nachweise  der  in  unseren 
namen  auf  4ru  enthaltenen  göttemamen  zuwenden.  Ausser 
den  in  den  oben  schon  genannten  vdtur  und  lartur  steckenden 
göttem  v$(%)lan  „Janus^^  und  la(u)ran  ,,Mars^^  wären  also  die 
götter  oder  göttinnen  acna^  apa  und  apaia,  vera  oder  veran 
(beides  ist  möglich),   lemni,  falan  und  faOan  nachzuweisen. 

Von  diesen  ist  der  falan,  auf  den  fäUru  zurückgeht,  dessen 
basis  *fal^r  lautet  (cf.  diese  zeitschr.  25,  219),  ohne  weiteres 
klar;  so  wie  fala&res  auf  ^fdb^ihir  „a  Cado  genüus^  zurückging 
(cf.  1.  c),  so  faitru  auf  *fähstur  „a  Cado  datus".  In  faatntru 
ist  der  erste  teil,  das  fastn-  ohne  zweifei  desselben  Stammes, 
wie  der  vomame  fasti  (perusinisch),  hastia  (clusinisch),  dessen 
grundform  somit  fastia  lautet  Das  hat  auch  Deecke  (Etr. 
forsch,  ni,  364)  bereits  gesehen,  nur  irrt  er,  wenn  er  fadniru 
direkt  von  fastia  ableiten  will,  da  in  Wirklichkeit  beide  formen 
nur  seitenverwandt  sind.  Als  grundform  des  gottesnamens 
fcisttv-  ergiebt  sich  yielmehr  *f(i(u)8tan,  gebildet  mit  demselben 
Suffix  -an^  das  wir  soeben  in  *  falan  hatten  und  mit  dem  auch 
eine  ganze  reihe  anderer  göttemamen,  wie  turan,  laran,  &esan, 
mean,  alpan,  veilan,  aran  u.  s.  w.,  gebildet  ist  Da  in  der 
flexion  dieser  namen  das  a  des  Suffixes  schwindet,  wie  ich  be- 
reits anderweit  (cf.  £tud.  ded.  ä  G.  Leemanns  228  u.  diese  zeit- 
schr.) nachgewiesen  habe,  so  ist  auch  hier  das  fastn-  in  der 
Zusammensetzung  die  völlig  normale  form  für  ^fastan.  Dass 
dies  fastan  für  faustan  stehe,  habe  ich  soeben  schon  angedeutet 
Die  vokale  au  und  ä  wechseln  im  Etruskischen  sehr  häufig:  so 
haben  wir  neben  einander  raufe  (z.  b.  Fa.  no.  1307  »  CIE. 
no.  3556)  und  rafe  (z.  b.  Fa.  no.  1309  -  CIE.  no.  3558), 
satUurine  (z.  b.  Fa.  no.  1751  bis  —  CIE.  no.  4443)  und  8ah4re 
(z.  b.  Fa.  no.  702  -  CIE.  no.  2736),  lautni  (z.  b.  Fa.  no.  596 
—  CIE.  no.  2196)  und  latni  (z.  b.  Fa.  no.  1218  ==  CIE.  no. 
4028),  laucane  (z.  b.  Fa.  no.  646  —  CIE.  no.  2374)  und  lacane 
(z.  b.  Fa.  no.  1623  —  CIE.  no.  3353)  u.  s.  w.  (cf.  Deecke  in 
Müllers  Etr.  II  *,  370  sqq.).  Der  gleiche  Übergang  ist  für  fasti 
und  *fa8tan  freilich  nicht  direkt  nachweisbar,  denn  das  genti- 
licium  [fjaustinefij,  welches  Gamurrini  in  seiner  no.  181  liest, 
beruht  auf  falscher  lesung  (cf.  CIE.  no.  1973);  allein  aus  den 
lateinischen  namen  Fauattis  und  Fausta,  auch  Fauriia  (z.  b. 
Gruter  1138  no.  6  als  cognomen,  wie  es  schdnt,  und  unmittel* 


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Die  etruskischen  fAmiliennamen  auf  -tru,  57 

bar  gleich  dem  etr.  fadia,  folgt  dies  au  auch  für  das  Etnuh 
lösche. 

So  weit  die  form!  Was  nun  die  Persönlichkeit  dieses 
fa(8)ian  anlangt,  so  liegt  es  nahe,  zunächst  an  den  Faustulns, 
den  gemahl  der  Acca  La(u)rmtia,  asu  denken,  die  ja  selber 
auch  einen  etruskischen  namen  trägt,  sofern  das  lat  La(u)- 
reHÜa  gleich  dem  etr.  Iarn9ia  ist,  auch  hier  mit  dem  gleichen 
Wechsel  des  au  und  ^l.  Das  sufifix  in  Famtulus  ist  ja  freilich 
ein  anderes,  als  in  fasUzn,  und  keine  von  beiden  kann  ans  dem 
anderen  hervorgehen,  allein  wechsebde  suf&xe  bei  ein  und  dem- 
selben gottesnamen  finden  wir  auch  sonst  So  haben  wir  z.  b. 
neben  einander  lat  Juno,  etr.  uni  (—  Junta)  ^  so  im  Etruski- 
schen selber  neben  einander  vAjUjaM  und  vd%anuj  alpan  und 
alpnu,  zipna  und  zipanu.  Es  könnte  also  an  und  für  sich 
auch  etr.  *fastan  und  lat.  Fa^tUdm  derselbe  gott  sein,  denn 
dass  in  dem  angeblichen  hirtenpaar  Faustulus  und  Acca  Lor- 
reniia  der  letzte  niederschlag  eines  götterpaares  stecke,  wird 
wohl  niemand  bestreiten.  Da  es  ein  hirtenpaar  geworden  ist, 
so  würden  es  ursprünglich  ohne  zweifei  hirtengottheiten  ge- 
wesen sein,  die  hier  vorliegen.  Aber  trotzdem  somit  möglich 
wäre,  dass  etr.  ^faskm  und  lat  Faushdus  ein  und  derselbe 
gott  sei,  so  wird  dennoch  nur  entferntere  Verwandtschaft  vor- 
liegen. Denn  es  ist  ein  anderer  lateinischer  gott  vorhandmi, 
der  nähere  ansprüche  auf  den  ^fastan  erhebt  Dies  ist  der 
Faunus.  Ein  hirtengott  auch  er,  aber  in  dieser  form  mit 
^fasian  unmittelbar  identisch.  Es  giebt  einen  etruskischen 
Vornamen  turan,  dessen  regelrechter  genetiv  turna  belegt  ist 
durch  tue  :  eenaU  :  tums  —  Volsinii  vet  —  Ga.  no.  582. 
„Tite  Ecnate,  des  Turan  (söhn)'';  dies  turan  aber  ist  der  name 
Turnus  des  Vergil.  Gegen  die  gleichung  aber  tau(8t)nus  : 
*fa(u)stan  as  Tumm  :  turan  ist  nichts  einzuwenden.  Dass 
in  dieser  lautlage  das  $t  im  Lateinischen  ausfallen  musste,  ist 
selbstverständlich,  während  im  Etruskischen,  das  ja  gegen  kon- 
sonantengruppen  weniger  empfindlich  ist,  das  st  von  fastniru 
sich  zu  erhiüten  vermochte.  Auch  vor  l  ist  das  st  unseres 
namenstammes  geschwunden  in  dem  lateinischen  gentilnamen 
FeUus,  älter  Födius,  den  Mommsen  (röm.  forsch.  I,  115)  mit 
redit  auf  Faudüius  zurückgeführt  hat  Dies  aber  ist  die  regel- 
mässige ableitung  von  Faustulns,  wie  famüia  von  famulus, 
Sicilia  von  Siculus,  Hastäius  von  Hostulus,  dem  deminutiv  zu 


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58  Carl  Pauli 

Hostus,  CaecUius  von  Caeculus  u«  s,  w.  Damit  ist  also  der  in 
fastntru  zu  gründe  liegende  gott  endgültig  als  der  Faunus 
nachgewiesen,  und  es  heisst  somit  der  dem  fastntru  als  basis 
zu  gründe  liegende  vomame  ^faslviur  „a  Fauno  datus^. 

Der  name  einer  göttin  liegt  vor  in  aenatru.  Zwar  würde 
die  endung  -a  in  acna-  an  sich  nicht  weiblich  zu  sein  brauchen, 
denn  es  giebt  im  Etniskischen  eine  ungemein  grosse  zahl  männ- 
licher formen  auf  -a;  allein  der  name  der  göttin  ist  direkt 
nachweisbar. 

Es  giebt  eine  göttin  aucena,  die  auf  einer  pränestinischen 
cista  erscheint  Mit  diesem  aucena  ist  das  acna-  unmittelbar 
identisch.  Über  den  Wechsel  des  au  und  a  ist  soeben  ge- 
sprochen worden,  der  ausfall  des  inneren  e  aber  ist  so  gewöhn- 
lich, dass  es  dafür  keiner  belege  bedarf.  Deecke  (in  Müllers 
Etr.  II  >,  334)  handelt  von  dieser  synkope  und  giebt  88  bei- 
spiele  des  ausfalles  allein  vor  folgendem  n.  Zu  ihrer  sachlichen 
deutung  verhilft  uns  die  Hesychiusglosse  avmjlcog'  &a$  vno 
TvQqtrjvwv.  Mommsen  (unt.  dial.  349)  und  andere  nach  ihm 
haben  das  zwar  in  aiariXtaq  ändern  wollen,  aber,  wie  ich  glaube, 
zu  unrecht  Die  glosse  steht  an  ihrer  richtigen  stelle  unter 
avx-  und  ist  somit  ganz  unverdächtig.  Der  Wechsel  der  suffixe 
hindert  nach  dem,  was  ich  soeben  unter  *fastan  bemerkt  habe, 
die  identität  keineswegs.  Mit  der  deutung  als  f,  Aurora*^  stimmt 
auch  die  darstellung  aufs  beste.  Die  Aucena  fahrt  in  voller 
bekleidung  auf  einem  wagen  daher.  Ihr  vorauf  geht  ein  knabe, 
sicher  der  morgenstem.  Unter  den  drei  pferden  ihres  wagens 
sind  zwei  schlangen,  seitlich  von  jenen  ein  löwe  sichtbar.  Das 
ist  das  getier  der  nacht,  welches  vor  dem  herankommenden 
morgenrot  entweicht.  Das  gegenstück  der  Aucena  auf  der  an- 
deren Seite  des  deckeis  ist  die  Veitus. 

Damit  ist  das  acnatru  allseitig  erklärt,  und  es  bedeutet 
der  als  basis  ihm  zu  gründe  liegende  vomame  *  a(u)c(e)natur 
somit:  „ab  Aurora  datus^. 

Ein  gottesname  lässt  sich  auch  für  apairu  nachweisen. 
Bezüglich  dieses  namens  habe  ich  früher  (Etr.  fo.  u.  stu.  III,  60) 
angenommen,  dass  apatru  für  aupatru  stehe  und  zu  lat  OpUer 
gehöre,  somit  in  aurpatr-u  sich  zerlege.  Das  ist  lautlich  und 
begrifflich  auch  jetzt  noch  völlig  untadelig,  denn  so  gut  von 
Opüer  im  Lateinischen  die  gentilnamen  Opüreius,  OpUranius 
herkommen,  so  kann  etr.  aupatru  davon   herkommen,  ja  es 


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Die  etruskischen  familiennamen  auf  -tru.  Ö9 

würde  nach  den  gleichungen  etr.  pumpu,  lat.  Pompanius;  etr. 
päru,  lat.  Petranim;  etr.  veratru,  lat  Veratranius  mit  lat 
Opitroniua  unmittelbar  identisch  sein.  Und  auch  Tonseiten  der 
bedeatnng  wfirde  nichts  auszusetzen  sein,  denn  au^patr^  würde 
^^Ev7$m(OQ^^  bedeuten.  Aber  dennoch  halte  ich  selber  jetzt 
diese  deutnng  nicht  mehr  für  richtig.  Die  analogie  der  übrigen 
formen  auf  -im,  so  wie  die  form  apaicUru,  von  der  sogleich, 
machen  es  mir  jetzt  geratener  ^  auch  in  apatru  einen  gottes« 
namen  zu  suchen.  Und  in  der  that  lässt  sich  ein  gott  apa 
ohne  weiteres  nachweisen.  Es  ist  nämlich  sehr  einleuchtend, 
dass  mit  dem  apa  in  apatru  die  weiteren  formen  apasi  (Fa. 
no.  2057,  aus  Surrina),  sndetruskischer  genetiv  von  apa,  und 
apasianamr  (Qa.  no.  794  aus  Tarquinü)  zusammengehören. 
Die  erstere  form  erscheint  in  einer  aufzählung  der  ämter  des 
Terstorbenen,  und  es  ist  sehr  möglich,  dass  in  dem  teile,  der 
die  form  apasi  enthält,  eines  priesteramtes  erwähnung  ge«- 
schieht  und  dass  apasi  „des  (gottes)  apa*'  bedeutet  Entspre- 
chende  genetiyische  göttemamen  in  priestertiteln  finden  sich  in 
lateinischen  inschriften  zahlreich,  z.  b.  paniifex  Vestae,  flamen 
Mortis,  ponUfex  Vdcani,  saeerdas  SOvani  u.  s.  w.  (Wilmanns, 
Exempla  index).  Das  apastanasar  befindet  sich  in  der  Tamba 
df^li  Äuffuri,  und  zwar  neben  der  person  eines  der  „auguri  o 
sacerdoH^  zur  rechten  der  gemalten  thür  auf  der  frontwand. 
Es  ist  mir  kaum  zweifelhaft,  dass  auch  die  Ton  links  nach 
rechts  verlaufende  inschrifb  neben  dem  priester  zur  linken  als 
tanasar  zu  lesen  sei,  wie  in  der  that  auch  die  Notizie  degli 
Scavi  (1878,  130)  tanasa(r)  lesen.  Daraus  folgt  doch  wohl, 
dass  apastanasar  zwei  worte  enthält,  nämlich  apas  tanasar,  und 
dass  diese  als  „priester  des  apa^^  zu  übersetzen  sind.  Auch  in 
reg.  14  der  Placentiner  bronze  begegnet  ein  abgekürztes  ap, 
in  dem  freilich  Deecke  keinen  göttemamen,  sondern,  mit  dem 
e  der  folgenden  zeile  zusammen,  „eine  hinweisung  auf  den 
nahen  westpunkt'*  sehen  wollte.  Mir  ist  ein  abgekürzter  götter- 
name  wahrscheinlicher,  dann  aber  natürlich  nicht  aplu,  sondern 
apa.  Aber  auch  ohne  dies  unsichere  ap  dürfte  die  existenz 
eines  gottes  apa  genügend  nachgewiesen  sein ;  das  weitere  über 
sein  wesen  und  seine  bedeutung  verschiebe  ich  für  eine  andere 
Untersuchung. 

Zur  Seite  des  apa  scheint   eine  weibliche   gottheit   apaia 
oder  apia  gestanden  zu  haben,  wie  sie  aus  den  formen  apaiatru 


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60  Carl  Pauli 

und  apiairu  (oben  no.  5)  sich  ergiebi.  Ein  weiterer  direkter 
nachweis  derselben  scheint  sich  indes,  soweit  ich  sehe,  nicht  zu 
finden. 

Auch  der  in  verairu  steckende  göttername  ist  nachweisbar. 
Zwar  einen  namen  veran  (masc.)  oder  vera  (fem.),  was  an  sich 
beides  möglich  wäre,  vermögen  wir  nicht  nachzuweisen,  aber 
wohl  eine  andere  bildung  von  dem  gleichen  stamme.  Des 
Faunus  gattin  wird  Verüia  genannt 

Da  wir  nun  in  den  namen  vela&ri  und  aneidara  den 
Janus,  in  dem  namen  vendia9ura  seine  gattin  gefunden 
haben  (cf.  diese  Zeitschrift  25,  220),  und  da  wir  femer  oben  fest- 
gestellt haben,  dass  der  in  fastntru  steckende  gott  ^fasian  der 
römische  Faunus  ist,  so  ist  es  von  vom  herein  nicht  unwahr- 
scheinlich, dass  uns  auch  seine  gattin  begegnen  würde.  Und 
sie  eben  finde  ich  nun  in  der  in  veratru  enthaltenen  vera.  Die 
form  Verüia  ist  eine  koseform,  denn  das  -ilia  sind  deminutiv- 
suffixe,  das  Vera  ist  die  dazu  gehörige  kurzform  ohne  diese 
Suffixe.  Dass  koseformen  mit  einfachen  kurzformen  in  der 
namengebung  abwechseln,  lässt  sich  sowohl  bei  Etruskem,  wie 
Römern  auch  sonst  nachweisen.  So  haben  wir  z.  b.  etr.  cupdna 
(Fa.  no.  638  =  GIE.  no.  20Ö0;  Fa.  no.  638  bis  «  GEB.  no. 
2054)  mit  kosesuffix  l  neben  cupena  (Fa.  no.  538  s  GIE.  no. 
1442;  Fa.  no.  638  ter  b  —  GIE.  no.  2052)  ohne  dasselbe,  beide 
formen  aus  derselben  familiengruft ;  so  lautet  der  Familienname 
etr.  venzüe  (Fa.  no.  793  ^  GIE.  no.  1437)  in  lat-etr.  form 
Vensius  (ebendort);  so  heisst  ein  und  derselbe  mann  in  lateini- 
schen inschriften  bald  Proculue,  bald  Procue  (CIL.  IV,  no.  1016 
und  1081;  cf.  das.  index).  Bei  dieser  Sachlage  hat  es  nicht 
das  geringste  bedenken,  anzunehmen,  dass  die  göttin  Verüia 
auch  Vera  habe  genannt  werden  können.  Ob  auch  das  Veris 
fructua  in  der  achten  region  des  Martianus  CapeUa  (cf.  Deecke 
Etr.  fo.  IV,  18),  falls  die  lesung  richtig  ist,  etwa  auf  unsere 
göttin  bezug  habe,  muss  dahin  gestellt  bleiben,  da,  soweit  ich 
sehe,  sachliche  anhalte  fehlen.  Damit  dürfte  die  göttin  vera 
für  den  familiennamen  vercUru  genügend  nachgewiesen  sein. 

In  lemnitru  würde  ein  göttername  *lemni  zu  suchen  sein. 
Ein  solcher  name  kann  im  Etruskischen  sowohl  männlich  (-»  — 
-16  =  ius),  wie  weiblich  (-t  —  -ta)  sein,  es  könnte  somit  ein 
Lemnius  oder  Letnnia  darin  stecken.  Nun  ist  Lemniue  ein 
beiname  des  Hephäsius,  Lemnia  ein  solcher  der  PaUae  (cf. 


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Die  etraskisehen  familiennameD  anf  -dru.  61 

Rofioher,  Lex.  d.  mytb.  11,  1987/88),  nnd  da  beide  gottheiten, 
ersterer  als  se^ans,  letztere  als  menrva,  aach  in  Etrurien  ver* 
drt  worden,  und  da  femer  die  gleiche  bezeichnang  aii^alia 
für  LemnoB  und  fiir  Elba  gilt  und  damit  gewisse  beziebangen 
g^eben  scheinen,  so  könnte  das  ^lemni  wohl  der  „Lemnier^^ 
SephaettiM  oder  die  „Lemnierin''  Minerva  sein.  Für  möglich 
halte  ich  das.  Allein  es  giebt  noch  eine  andere  mi^lichkeit, 
die  mir  persönlich  wahrscheinlicher  dankt  Die  form  lemni 
kann  im  Etmskischen  für  lemuni  stehen,  eine  lauterscheinung, 
so  gemein,  dass  es  besonderer  belege  dafür  nicht  bedarf.  Nun 
haben  wir  die  römische  Tribos  Lemonia,  von  der  Paul.  Diac.  115. 
Mü.  berichtet:  „Lemonia  iribus  a  pago  Lemanio  appellata  est, 
qui  est  a  parta  Capena  via  Latina.^  Der  pagus  Lemanius 
wird  eine  wenigstens  zum  teil  etruskische  bevölkerung  gehabt 
haben  —  die  parta  Capena,  Tusculum  nnd  Praeneste  beweisen 
es  —,  und  so  wird  auch  sein  name  etruskisch  sein.  Das  findet 
einen  halt  an  den  Lemures,  die  offenbar  etruskisch  sind.  Der 
kult  an  den  Lemuria  hat  ganz  etruskischen  charakter,  und 
der  name  ist,  wie  Wissowa  (in  Roschers  Lex.  d.  mythol.  II, 
1938)  mit  recht  sagt,  etymologisch  völlig  dunkel,  denn  die 
herleitong  Ton  Bemuria  ist  ja  natürlich  unfug.  Ich  glaube 
also,  man  wird  nicht  fehlgehen,  wenn  man  die  Lemures  ab 
etruskischer  herkunft  ansieht,  neben  ihnen  noch  einen  gott 
Lemanius  ■■  etr.  *lem(u)ni  annimmt  und  diesen  in  *lemnitur 
findet»  so  dass  es  bedeutet  „a  Lemania  daim". 

Der  letzte  noch  übrige  iamilienname  ist  i^acutura^  In  ihm 
würde  also  ein  gottesname  *^ae(u)  stecken  müssen,  falls  auch 
er  eine  theophore  bildung  ist  Auch  dieser  gottesname  ist, 
wenn  auch  auf  einem  kleinen  umwege,  sicher  nachweisbar. 
Schon  oben  (pag.  56)  haben  wir  gesehen,  dass  im  Etrus- 
kischen die  laute  au  und  ä  vielfach  wechseln.  So  kann  also 
auch  in  unserem  namen  das  ^ac-  für  ^ue-  stehen.  Dies  vor- 
ausgesetzt^ ergiebt  sich  die  fragliche  gottheit  sofort.  Der  vater 
des  Turnus  heisst  bei  Vergil  (z.  b.  Aen.  X,  616)  Daunus.  Wie 
nun  Turnus  auf  etr.  turan  (cf.  oben  pag.  57),  wie  Fau(stjnus 
auf  etr.  *fa(u)stan  (cf.  oben  pag.  57)  ging,  so  geht  Dau(c)' 
nus  auf  etr.  ^^(u)eany  und  dieser  *^aucan  ist  der  in  d-acu-- 
iura  steckende  gott.  Es  ergiebt  sich  also  jetzt,  dass  von  den 
oben  erörterten  beiden  möglichkeiten  eines  svarabhaktischen 
tt  in  ^aciUura  die  zweite  die  thatsächlich  vorliegende  ist  und 


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62     Carl  Pauli    Die  etruskischen  familiennamen  aaf  4ru. 

dass  somit  ^aeStura  fiir  ^aetura  steht  Die  analogie  von  vd- 
dwr  für  vtib(^rj  Toa  lar9ur  für  larQ^^ur  u.  s.  w.,  über  die  ich 
diese  zeitsohr.  gehandelt  habe,  zeigt  uns,  dass  auoh  *&aciur, 
die  basis  von  ducturay  für  *^a(%>c^tir  steht  und  somit  j,a 
Dtmno  datus^  bedeutet. 

Es  hat  sich  somit  ergeben,  dass,  wie  in  den  namen,  die 

mit  -^ur  gebildet  sind,   so  auch  in  denen  mit  4ur  mit  mehr 

^  oder  minderer  Wahrscheinlichkeit  im  ersten  teile  göttemamen 

enthalten  sind  und  dass  wir  somit  in  diesen  zwei  gruppen  von 

namen  solche  von  theophorer  natur  vor  uns  haben. 

Aber  mit  diesem  ergebnis  ist  die  Untersuchung  noch  nicht 
abgeschlossen,  es  schliessen  sich  vielmehr  noch  einige  weitere 
fragen  daran  an.  Wir  beobachten  erstens,  dass  es  neben  vd- 
dtir  die  vomamen  vel  und  vdia,  neben  tindvr  den  gentilnamen 
tin,  neben  arn9ur  die  vomamen  amd'  und  arn9ia,  neben  lar- 
&ur  die  vomamen  lar^  und  lar&ia  u.  s.  w.  giebt,  ebenso,  dass 
neben  fastntru  der  vomame  fastia,  (ebenso  neben  &anxvä  auch 
x^ania  und  d^ana)  stehen,  und  es  wird  zu  untersuchen  sein, 
welches  das  Verhältnis  dieser  kürzeren  namensformen  zu  den 
längeren  mit  -^r  und  -tur  zusammengesetzten  sei.  Aber 
zweitens  erheischen  auch  die  göttemamen  selbst  noch  eine 
weitere  Untersuchung.  In  der  besprechung  der  namensbil- 
dungen  auf  -d^ur  und  -tur  habe  ich  mich  damit  begnügt,  die 
gottheiten,  deren  namen  in  dem  ersten  teile  jener  formen  ent- 
halten waren,  nur  überhaupt  nachzuweisen,  bin  aber  auf  die 
gottheiten  selbst  nicht  näher  eingegangen.  Allein  es  knüpfen 
sich  an  diese  gottheiten  eine  reihe  weiterer  fragen  teils  ge- 
schichtlicher, teils  sprachlicher  art  an,  die  von  grosser  Wichtig- 
keit sind,  und  so  wird  denn  in  einem  besonderen  artikel  auch 
auf  diese  dinge  eingegangen  werden  müssen. 

Drittens  aber  steht  noch  eine  weitere  frage  mit  unseren 
namen  in  Zusammenhang.  Gestützt  auf  die  tbatsache,  dass  der 
ctruskische  name  der  stadt  Volaterrae  mit  dem  familiennamen 
vela&ri  gleichlautend  ist,  wird  man  zu  untersuchen  haben,  wie 
das  Verhältnis  etruskischer  städte-  und  familiennamen  zu  ein- 
ander überhaupt  sei.  Auch  diese  frage  ist  von  nicht  unerheb- 
licher geschichtlicher  Wichtigkeit. 

Auf  die  erörterung  dieser  drei  fragen  werden  sich  dem- 


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Elia  Lattes    Bemerkungen  zu  etruskischen  inschriften.    63 

nach  drei  weitere  abechnitte  meiner  Untersuchung  zu  richten 
haben. 

Lugano.  Carl  Pauli, 


Bemerkungen  zn  etmskisohen  Inichriften. 

Zu  der  abhandlung  von  C.  Pauli  o.  XXV»  194—227  er- 
kube  ioh  mir  ein  paar  thatsäohliche  berichtigungen  mitzuteilen. 

199,  23.  24  »inedc:  beide  inschriften  sind  schon  von 
Pellegrini  in  Not.  de  Scavi  1898.  312  nr.  41.  42  gedruckt, 
von  Nogara  im  Annuario  della  R.  Acoad.  Scientifico-Letteraria 
di  Milano  1898 — 99.  137  =  6.  41  des  ausz.  nach  autopsie  re*- 
vidirt  und  von  mir  das.  verbessert  worden;  nur  dass  sowohl 
Pellegrini  als  Nogara  in  nr.  23  amda  statt  amda\l  und  24 
haglia  statt  ßania  sahen. 

201,  52:  die  lesung  vezOmei  ist  durch  GIE.  1624  v(e)Z'' 
6(maJ  bestätigt  (St  it.  di  fil.  dass.  Y  268) ;  Gamurrini  schrieb 
pevzd.kii  nieder,  Pauli  schlug  pe  v^drnq  vor,  ich  j^  v(e)z^ 
e(ma).kii;  vgl.  Not  d.  Sc.  1880.  44ö  u.  504  tab.  15  ni  larüa 
larekenas  ki,  F.  356  i .  l(are)  .  alini  .  v(eluä)  .  capi.ci  (anders 
Pauli  CIE.  129  durch  emendation  und  identificierung  mit 
F.  169),  F.  2301  ei  vesana  matuesi,  Rendic.  Ist.  Lomb.  1900; 
357  %.  mU  nü  Bii  tii  neben  mi  ni  Bi  ti. 

204,  63:  in  den  angeführten  Not  de  Sc.  1894.  51  steht 
die  inschrift  nicht,  die,  so  viel  ich  weiss,  überhaupt  unedirt  ist; 
die  das.  52  veröffentlichte,  welche  ich  auch  aus  mittheilungen 
von  Milani  und  Nogara  kenne,  obwohl  ganz  verschieden  (mi  : 
capra  :  calisnaä  :  lardal  \  äepuä  :  amßaliüa  cursniaix)^  hängt 
augenseheinlich  mit  derjenigen,  die  also  zuerst  hier  an's  licht 
tritt,  zusammen,  da  wir  in  dieser  äepuslq,  in  jener  äepud  treffen; 
in  einer  anderen,  die  ich  nur  aus  einer  indirekten  nachricht 
von  Nogara  kenne,  scheint  eurfsjnialisa  äepu  ....  zu  stehn.  Das 
denkmid,  das  mit  dieser  geziert  ist,  ebenso  wie  jenes,  wo  man  die 
mit  mi  capra  beginnende  liest,  sind  in  der  privatsammlung  des 
herm  Giulio  Terrosi,  in  Florenz,  wie  ich  soeben  erfahre,  aufbe- 
wahrt, welche  leider  im  September  und  october  der  zwei  letzten 
jähre  geschlossen  war.    Was  muSurinal  betrifii,  in  dem  schönen 


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64  Elia  Lattes 

abklatsche  von  Nogara,  las  ich  ganz  klar  und  sicher  nicht 
-durinal,  sondern  -Ourtnal  (möglicherweise  für  -dufinal);  da- 
gegen futi-  ist  ganz  unsicher  und  könnte  wohl  auch  etwa  nu- 
sein>  wie  mir  Nogara  mündlich  bemerkt 

206,  73:  ich  ergänze  [alujmnaeuras,  weil  in  derselben 
inschrift  z.  5  alumnad€j  z.  7  alumnad  stehn,  vgl.  6. 802.  4  cexa- 
sie.'dur,  das.  7  desnei:durs,  Mummienb.  U  10.  13  IV  9  raxO. 
iura  und  IV  13.  IX  6  raxO.tur,  VI  15  raxJure  mit  F.  M 
veUur  und  6.  574  velturus  für  den  von  Pauli  207  behandelten 
vddur;  ausserdem  vgl  evitiuras  der  Magliano-inschrifk,  mit 
CIE.  1546  UurkfeJ  für  1552  turke  und  das  gewöhnliche  iurce, 
und  mit  F.  '  371  partiunua  für  367  fz.  partunus.  Wir  kennen 
also  schon  vier  etruskische  Wörter,  die  keine  personennamen 
sind  und  doch  auf  -dura  -iura  4ur(a)4ure  endigen  (vgl.  Saggi 
e  Appunti  220  fg.),  und  zu  diesen  würde  sich  gut  [alujmna' 
duras  reihen;  dagegen  das  224  vorgeschlagene  [veUuJmnaduras 
ist  ganz  unwahrscheinlich ,  weil  die  inschrift  ausser  den  zwei 
ersten  zeilen,  die  die  weitschweifige  zwöl^liedrige  nomendatur 
des  verstorbenen  enthalten,  keinen  einzigen  personennamen  in 
den  sieben  übrigen  zeigt.  Vgl.  noch  maristura  prumnetura 
purtisura. 

207,  2  »ined.«  steht  schon  in  Not  d.  Scavi  1887.  346. 

208,  3:  das  Vorhandensein  von  amßur  braucht  man  nicht 
indirekt  aus  amdrttda  zu  folgern;   es  ist  direkt  bezeugt  von 

Bull,   inst   1884.    184,    wo    Heibig    ar..6ur   ca..ar 

oHnate  niederschrieb,  und  Pauli  CIE«  3698  amßia .  eai .  am- 
Bai  .  sentinates  herstellte,  anstatt  einfieich  arlnjßur  ca[i  Jar- 
[nßal.sjetinate  (St  itaL  di  filoL  class.  VII  498)  zu  ergänzen. 

208,  4:  die  lesung  ist  nach  autopsie  von  Undset  bei 
Bugge  Beitr.  1 196  im  einklang  mit  v.  Duhn  Bull.  Inst  1878. 
50  in  (Murii.fia  verbessert  worden;  demgemase  muas  n^n  die 
bekannte  partikel  na  (vgl.  CIE.  1516  mi  na  Uurhfe],  304  me 
na  me  ca  na  mit  F.  2581  ca. na  tnatu  und  sowohl  mit  G.  366 
me  nu  iuf^  als  mit  Not  de  Sc.  1887.  494  tab.  16.  5  a  nace 
me  um,  F.  2596  mit  Ck)r88. 1  719  na  tqp  tece  u.  anderes  mehr) 
von  dem  personennamen  acrii  ausscheiden,  das  übrigens  zu  dem 
damit  verglichenen  acri  besser  passt  als  das  angebliche  acriina. 

216:  nicht  allein  die  drei  hier,  als  die  einzig  vorhandenen, 
angeführten  beispiele  bezeugen  den  jedenfalls  seltenen  gebrauch 
des  Vornamens  in  genitiv  als  mutternamen,  der  also  heutzutage 


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Bemerkungen  zu  etrnskischen  inschriften.  65 

nicht  mehr  als  »etwas  unerhörtes  in  den  etruslüschen  inschriftenc 
erscheint  Da  nämlich  jetzt  auch  Pauli  in  danas  und  Oanasa 
wirkliche  muttemamen  anerkennt,  und  da  ausserdem  wir,  vier- 
tens, eine  lat  etr.  CIE.  2882  Titia  Thannae  f.  kennen  (vgl. 
Pauli  Etr.  st  II  27),  so  kann  man  vermuthen,  dass,  f&nftens, 
anch  er  jetzt  GIE.  2Ö5  la(re)  evenU  da(na4)  als  solcher  art 
halte,  und  nicht  mehr  6a.  in  ca(e4)  oder  ca(upnal)  emendieren 
würde,  wie  er  früher  noch  im  texte  that,  eben  weil  jene  art 
»sehr  selten  istc.  Ähnlicher  weise,  sechstens,  CIE.  462  dana : 
tänei :  fa  :  preMesa,  wo  nach  Pauli  >num  fa.  recte  leotum 
Sit  v&lde  potest  dubitari«  und  >si  recta  est  lectio,  non  licet 
interpretari  fasUaS,  cum  matris  praenomen  adiciatnr  nunquamc, 
nnd  ebenso,  siebentens,  CIE.  977  l(ar)d  .  eoe .  epU  \  kasUsa^  wo 
haOim  sehr  wohl  einerseits  zu  fa(8Uaä)  andrerseits  zu  danasa 
passt,  desto  mehr  da  wir,  achtens,  aus  CIE.  918  8ure  husUe  hasUs 
kennen,  für  den  die  für  764  ramSa  .hastü  von  Deecke  vorge* 
schlagene  erklärung,  dass  hastü  familienname  m.  und  lat. 
Hostius  entspräche,  sinnlos  wäre.  Und  so  weiter  bis  vielleicht 
schon  jetzt  zu  der  von  den  Etruskem  beliebten  zwölfzahl; 
übrigens  wie  wäre  es  anders  zu  erwarten,  da,  wie  Pauli  selbst 
zu  der  aedrciäAnsehnh  bemerkt,  in  solchem  falle  »hominem  in- 
ferioris  conditionis  spurium  fuisse  et  eam  ob  rem  pro  patris 
matris  praenomine  uti  fädle  intellegitur«  ?  Unter  so  viele 
tansenden  von  grabschriften  können  wohl  ein  oder  auch  zwei 
dutzend  zu  solchen  »homines«  gehören. 

221:  der  Zusammenhang  zwischen  mucmtmäl  und  mean, 
eben  durch  vergleich  mit  muvalxls  und  mealxls,  ist  schon  von 
mir  Saggi  e  App.  221  nachgewiesen  worden. 

222:  nicht  nur  auf  dw  Placentiner  bronzeleber  cd  alp  ce, 
sondern  auch  ganz  ähnlicherweise  6.  804.  5  cvl  ee;  und  da  hier 
fna  fne  folgen  (vgl.  F.  2335  ture  fne  Hdvas,  F.  1016  taf.  38 
(uar  fnu)  und  ee,  um  von  anderen  stellen  zu  schweigen,  klar 
nnd  allein  auch  auf  einem  vulcentischen  cylix  F.  2198  und  auf 
einer  amphore  aus  Caere  F.  2410  zu  lesen  ist,  so  halte  ich  ce 
auch  auf  der  leber  für  vollständig:  der  rost  wird  wohl  keine 
Schrift  sondwn  etwas  anderes  weggefressen  haben;  vgL  übrigens 
aach  Not  d.  Sc.  1895.  335  ceä. 

Mailand.  Mia  LaUes. 


B«ttilfB  X.  kwMto  d.  indg.  a^nfllMB.    XXVI. 


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66  J.  Endzelin 


ürspnmg  und  gebraach  des  lettischen  debitivB. 

Für  den  ausdruck  der  notwendigkeit  besitzt  das  Lettische 
besondere  Terbalformen,  die  Ton  Hesseiberg  in  seiner  y^letti- 
sehen  Sprachlehre^'  den  namen  eines  „debitivus"  erhalten  haben, 
Yon  Bielenstein  aber  mitunter  ganz  unpassend  als  passiva 
bezeichnet  werden.  Die  formen  werden  gebildet  aus  dem  prae- 
ßx  ja-  (nach  Bielenstein,  Lett.  spr.  §  466,  dial.  auch  jär) 
und  der  betreffenden  yerbalform,  die  dabei,  mit  der  einzigen 
ausnähme  von  man  jhJMü  „ich  muss  sein'',  in  der  gestalt  der 
HL  p.  praes.  erscheint,  während  das  logische  subject  stets  im 
datiy,  das  object  dag^en  meist,  namentlich  in  der  jetzigen 
Schriftsprache,  im  nominativ,  seltener  im  accusativ  steht:  man 
ßtSd  saüsa  malze  oder  auch  fnan  jhed  aaüsu  malzt  „ich  muss 
trockenes  brot  essen"  ^).  Da  wir  in  den  verwandten  sprachen 
nichts  entsprechendes  kennen,  und  der  jetzt  so  gebräuchliche 
debitiv  im  lettischen  Volkslied,  das  meist  eines  recht  alten  Ur- 
sprunges sein  muss,  sich  nur  ziemlich  selten  findet,  so  drängt 
sich  von  vorneherein  die  Vermutung  auf,  dass  der  debitiv  eine 
speciell  lettische,  verhältnissmässig  späte  neubildung  ist.  Um 
den  gebrauch  desselben  recht  zu  verstehen,  muss  man  erst  über 
die  form  sich  aufklärung  verschaffen;  es  hat  aber  meines 
Wissens  bisher  niemand,  ausser  Bielenstein  (Lett  spr.  §§456 
und  457),  auch  nur  den  versuch  gemacht,  eine  erklärung  über 
die  entstehung  des  debitivs  zu  geben.  Es  wird  dienlich  sein, 
zuerst  über  die  form,  in  der  das  verbum  erscheint,  ins  klare 
zu  kommen.  £s  liegt  auf  der  band,  —  und  soviel  hat  auch 
Bielenstein  erkannt,  —  dass  die  form  nicht  von  anfang  an 
mit  der  HL  p.  praes.  identisch  gewesen  ist  Denn  wäre  -&{  in 
jhSd  wirklich  von  jeher  die  HL  p.  praes.,  so  würde  erstens  die 
construction  man  jäed  malze  resp.  malzi  hinsichtlich  ihrer  be- 
deutung  kaum  erklärlich  sein;  zweitens  müsste  man  dann  ein 
praeteritum  man  *jäede  für  wirkliches  man  bija  jä6d,  ein  fu- 
turum man  *jäSdi8  für  wirkliches  fnan  bü8  jäid,  einen  conditio- 

^)  Es  kann  auch  noch  die  copula  ir  „ist^^  hinzutreten:  man  ir  jä^d 
malze  resp.  matzi;  in  den  meisten  fallen  aber  fehlt  dieselbe.  Ist  das 
verbum  mit  einer  praeposition  zusammengesetzt,  so  tritt  ja-  vor  die 
praeposition,  z.  b.  iev  ja  ahet  „du  musst  hingehen". 


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Ursprung  und  gebrauch  des  lettischen  debitiys.  67 

nalis  man  ^jä&du  für  wirkliches  man  buiu  jhid  erwarten;  end- 
lich wäre  dann  die  abweichende  form  man  jäbüt  ganz  unbe- 
greiffich,  wo  das  Terbum  in  der  gestalt  des  infinitiTS  erscheint, 
denn  alle  abweichungen  von  einer  norm  beruhen,  wenn  sie  nicht 
reste  einer  ursprünglicheren  bildungsweise  sind,  entweder  auf 
lautgesetzen,  oder  sie  verdanken  ihren  Ursprung  falscher  ana- 
logiebildung  oder  auch  dem  einfluss  einer  fremden  spräche. 
Oass  zur  erklärung  von  jhbüt  einer  der  drei  letzteren  fiUle  in 
betracht  käme,  das  ist  weder  nachweisbar,  noch  auch  über- 
haupt wahrscheinlich;  es  bliebe  demnach  nur  die  möglichkeit, 
dass  jMU  der  rest  einer  ursprünglicheren  bildungsweise  ist,  die 
von  der  jetzigen  mit  ihrer  IIL  p.  praes.  verdrängt  worden  sein 
1DU88.  Jetzt  freilich  glaubt  das  Sprachgefühl,  dass  der  debitiv 
mit  hilfe  der  UI.  p.  praes.  gebildet  wird,  und  daher  findet  man 
jetzt,  wohl  mehr  in  büchem,  als  im  volksmunde,  neben  man 
joMi  auch  die  Verbindung  man  jäir  in  derselben  bedeutung 
gebraucht.  Etwas  ähnliches  findet  man  hei  der  bildung  des 
debitivischen  relativs,  des  modus  der  oratio  obliqua:  nach  dem 
verhältniss  des  relativs  viiiä  idüt  „edere  didtur'^  zu  dem  indi- 
cativ  viAi  Sd  „edit^  hat  man  nämlich  zu  dem  indicativ  viAam 
(tV)  jäid  „edendum  ei  est*',  neben  der  älteren  form  viAam  eaät 
jiid  „edendum  ei  esse  dicitur'S  auch  einen  relativ  wiam  jäMU 
oder  gar  die  pleonastische  Verbindung  vii/iam  esät  jätdät  mit 
derselben  bedeutung  gebildet;  analog  gebildete  nebenformen 
weisen  auch  die  übrigen  tempora  des  relativischen  debitivs  auf 
(so  z.  b.  im  futurum:  viAam  büiiU  jäSdüt  neben  viAam  hüÜU 
jäM).  Es  fragt  sich  nun,  welche  form  denn  eigentlich  von  der 
UL  p.  praes.  verdrängt  worden  ist?  Bielenstein  (Lett  spr. 
§  459)  hält  die  zur  bildung  des  debitivs  angewandten  verbal- 
formen für  „pure  praesensstämme,  hinter  denen  ein  personal* 
sufGz  nie  geschwunden^'  sei  Aber  ganz  abgesehen  davon,  dass 
die  abstraction  „purer  praesens-stämme*^  sehr  aufEallend  wäre, 
machen  sich  gegen  die  annähme  derselben  auch  alle  die  gründe 
geltend,  die  oben  gegen  die  III.  p.  praes«  angeführt  sind.  Denn 
was  Bielenstein  zur  erklärung  der  beiden  seiner  annähme 
widersprechenden  formen  ßbut  und  jäSi  „man  muss  gehen'' 
vorbringt  (es  sei  das  -t  derselben  weder  mit  dem  sufiQx  des  in- 
flnitivs,  noch  mit  der  endung  der  III.  p.  praes.  identisch,  son- 
dern „vielmehr  identisch  mit  dem  charakter  der  classe  Y,  der 
hier  zur  hilfe  herbeigezogen  sei,  um  der  vocalisch  auslautenden 


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68  J.  Endzelin 

Yorbalwurzel  einen  festeren  halt  zu  geben^M),  ist  ebenso  will- 
kürlich wie  hinfällig.  Ich  meinerseits  nun  bin  fest  überzeugt, 
dass  'bat  in  jäitU  wirklich  der  infinitiv  ist,  und  dass  bei  der 
bildung  des  debitivs  ursprünglich  die  verbalform  immer  der  in- 
finitiv war.  Bei  dieser  annähme  lässt  sich  nun  auch  die  con- 
struction  des  debitivs  leicht  erklären.  Es  dient  nämlich,  wie 
im  Litauischen  und  Slavischen  (beispiele  findet  man  bei  Del- 
brück, Yergl.  Syntax  II 461),  so  auch  im  Lettischen  der  blosse 
infinitiv  mit  dem  agens  im  dativ  zum  ausdruck  sowohl  der 
möglichkeit,  als  auch  der  Willenserklärung  und  notwendigkeit: 
saiÜW  siUa  sädUes,  mämifA'  jaüka  parunät  BV  323Ö  i)  „die 
sonne  ist  warm,  (man  kann)  sich  (an  ihr)  wärmen;  das  mütter- 
eben  ist  anmutig,  sich  zu  unterhalten  (==  in  der  Unterhaltung)'^; 
lat  stävijja  virsunUe  ptUninem  uzmeatea  BV  276Ö,  2  „es  möge 
der  wipfel  stehen  bleiben  für  die  vögel,  sich  darauf  zu  setzen"; 
kümas  laüza  zagarvAus  pädei  ptrii  kurinät  BV  1268,  1  „die 
taufzeugen  brachen  reisig,  dem  tauf kind  die  badstube  zu  heizen" ; 
deim  savu  kumdiAu  räzu  därzu  nüecit  BV  3523  „ich  gab  (der 
Schwester)  mein  rösslein,  den  rosengarten  abzueggen";  Uutigam 
man  dzHnit  BV  83  „lustig  muss  ich  leben";  pe  stegsnlia  tev 
guUt  BV  1243  „bei  der  schwelle  sollst  du  schlafen";  iaih  por 
dam  vecam  büt  BV  3250  „der  soll  selbst  als  alt  gelten";  hi, 
mämii/ia,  man  dartt?  BV  87c  „was  soll  ich,  o  mütterchen, 
thun?"  iüden  bfja  tev  gtdet  cüUcu  midjsenl  BV  1580  „heute 
solltest  du  im  lager  der  schweine  liegen";  paaU  bija  barm)H 
BV  4167  „man  konnte  (oder:  sollte)  eine  waise  erkennen"; 
mtiihs  büs  devu  bUes  un  mtlet  „wir  sollen  gott  fürchten  und 
lieben";  tev  nebüs  zagt  „du  sollst  nicht  stehlen";  man  ir  rah- 
sUt  (Biel.  Lett.  spr.  II  210)  „ich  habe  zu  schreiben".  Aus 
einem  solchen  gebrauch  des  Infinitivs  muss  sich  der  debitiv 
entwickelt  haben,  und  so  findet  man  auch  im  Volkslied  zu- 
weilen neben  dem  infinitiv  in  Varianten  auch  schon  den  debitiv 
in  derselben  bedeutung:  ptiinMem  jäuzmetas  BV  2765,  2  a  neben 
uzmestes;  devu  savu  kumeliiiu,  rüzu  därzu  jäech  BV  3523,  9 
neben  nüecet;  lustigami  jädzivu  BV  83,  1  neben  dzMU;  Süden 
bija  tev  jägul  BV  1580,  3  neben  gulet.  Aus  den  angeführten 
beispielen  sieht  man  aber  auch,  dass  nicht  das  praefix  jä^  dem 

*)  Mit  BV  bezeichne  ich  die  von  Baron  und  Wissendorff  unter 
dem  namen  Latwfu  dainaa  herausgegebene  Sammlung  der  lettisohen 
Volkslieder. 


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Ursprung  und  gebrauch  des  lettischen  debitivs.  69 

debitiT  den  ausdruck  der  notwendigkeit  verleiht,  sondern  die- 
selbe schon  in  der  yerbindnng  des  blossen  infinitiTS  mit  dem 
dativ  des  agens  enthalten  ist;  das  praefix  ja  ist  somit  nichts 
ursprünglich  wesentliches  bei  der  bildung  des  debitivs  (neben 
tarn  jäbut  älteres  tarn  bütf),  sondern  kann  nur  eine  verstärkende 
bedeutung  haben.  Was  ist  nun  dieses  ja-?  Aus  dem  Letti- 
schen wird  dasselbe  wohl  kaum  sich  erklären  lassen;  am  nächsten 
li^  es,  an  die  sicherlich  aus  dem  Deutschen  entlehnte  be- 
jahungspärtikel  ja  ,ja''  zu  denken,  doch  stimmt  ihr  jetziger 
gebrauch  wenig  zu  dem  debitivischen  ja»,  Wohl  aber  dient  im 
Mittelhochdeutschen  die  partikel /^  (oder  Ja),  unmittelbar  vor 
dem  verbum  stehend,  zur  bekräftigung  einer  behauptung;  ich 
fahre  aus  W.  Müller' s  mittelhochdeutschem  Wörterbuch  einige 
beispiele  an:  ,J&  h&n  ich  angeste  vil^';  ,J&  waere  des  ze  vi?'; 
,j&  l&ze  ich  dich  vil  gerne  leben*';  „j&  muoz  ich  trAren  iemer 
m^'.  Dass  man  diesen  gebrauch  der  partikel  auch  in  den 
Ostseeprovinzen  gekannt  hat,  lehrt  uns  z.  b.  folgender  vers 
(4661)  aus  der  livländischen  reimchronik:  ,Jö  sehe  ich  rischer 
beide  vil'' ;  nur  dass  hier  jö  für  j&  erscheint  Ich  glaube  da- 
her, dass  die  Letten  von  ihren  deutschen  herren  die  partikel 
ja  mit  der  erwähnten  gebrauchsweise  entlehnt  haben,  und  dass 
dann  im  laufe  der  zeit  ja,  ähnlich  der  negation  ne  (z.  b.  n^- 
6M),  mit  der  verbalform  durch  den  accent  sich  zu  ^inem  wort 
vereinigt  hat  (jäbut).  Anfangs  wird  man  wohl,  wie  im  Deut- 
schen, die  partikel  verschiedenen  verbalformen  vorgesetzt  haben, 
bis  man  endlich  den  gebrauch  derselben  auf  den  imperativischen 
(debitivischen)  infinitiv  eingeschränkt  hat  (imperativische  aus- 
drücke nehmen  bekanntlich  mit  besonderer  verliebe  verschiedene 
affirmative  partikeln  an).  Femer  wird  man  anfangs  die  par- 
tikel nur  in  positiven  sätzen  gebraucht  haben  (tev  jäbüt,  aber: 
tev  nebüt,  oder:  tev  nav  büt);  die  jetzt  gebräuchlichen  formen 
des  negativen  ausdrucks  (praes.  nav  jäbüt,  fut.  nebÜ9  jäbät, 
praet  nebija  jäbüt,  cond.  nebütu  jäbüt)  konnten  erst  dann  ent- 
stehen, als  die  partikel  ja  mit  der  verbalform  schon  ein  un- 
trennbares wort  bildete,  und  man  die  ursprüngliche  bedeutung 
der  Partikel  schon  vergessen  hatte.  Für  ja-  erscheint  dialek- 
tisch, und  zwar  meines  Wissens  in  Fehteln  (Mag.  d.  leti-liter. 
ges.  XVn  1,  103)  und  in  Ohselshof  unter  Linden  (Livland), 
auch  ju-;  nach  mündlicher  mitteilung  eines  meiner  landsleute 
and,  wie  es  scheint,  auch  nach  Mag.  XVII,  1,  103  ff.  ist  das  u 


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70  J.  Endzelin 

in  diesem  ju  kurz;  BV  3523,  9e  (in  einem  vom  philologen 
KauÜD  aufgezeichneten  liede)  aber  lesen  mr  jiUch,  also  doch 
wohl  auch  mit  langem  u,  wenn  anders  kein  versehen  vorliegt 
Dieses  /ä-  stammt  doch  wohl  aus  derselben  quelle  wie  ja-  und 
ist  also  wohl  die  lettische  wiedergäbe  des  mhd.  jö^  das  wir  in 
dem  citat  aus  der  livländischen  reimchronik  sahen,  wie  denn 
deutsches  o  in  lehnwörtem  lettisch  durch  a  oder  durch  u 
wiedergegeben  wird  (Biel.  Lett.  spr.  I  470).  Es  fragt  sich  nun, 
auf  welche  weise  der  infinitiv  bei  der  bildung  des  debitivs  durch 
die  lU.  p.  praes.  verdrängt  worden  ist.  Den  anlass  dazu  müssen 
die  verba  der  themavocallosen  conjugation  gegeben  haben,  bei 
welchen  die  III.  p.  praes.  mit  dem  infinitiv  formell  zusammenfiel 
(z.  b.  et  und  früher  *^i)*  War  die  partikel  ja  mit  dem  infinitiv  fest 
zu  einem  untrennbaren  ganzen  verschmolzen,  so  konnte  auch  der 
ursprüngliche  sinn  der  Zusammensetzung  leicht  in  Vergessenheit 
geraten,  und  in  dem  Sprachgefühl  konnte  die  jetzt  herrschende 
Vorstellung  auftauchen,  es  werde  durch  die  partikel  ja-,  und  nicht 
durch  die  verbalform  selbst  das  sollen  oder  müssen  bezeichnet 
Hatte  man  aber  erst  diese  Vorstellung  sich  gebildet,  so  lag  es 
oft  näher,  in  debitiven  wie  jtM  -St  nicht  für  den  infinitiv,  son- 
dern für  die  III.  p.  praes.  zu  halten.  Wie  schon  oben  gesagt 
ist,  kann  das  logische  object  beim  debitiv  im  nominativ  stehen 
und  auf  diese  weise  das  grammatische  subject  im  satze  werden ; 
da  nun  das  praedicat  meist  ein  verbum  finitum  ist,  das  in  der 
person  sich  nach  dem  subject  richtet,  so  konnte  man  geneigt 
sein,  in  Sätzen  wie  man  saüsa  malze  *jdM  (lit.  M  berechtigt 
uns,  diese  form  auch  für  das  Lettische  als  die  ursprüngliche 
UL  p.  praes.  anzusetzen)  das  -M  von  *ßast,  um  eine  gewisse 
congruenz  zwischen  dem  grammatischen  subject  und  praedicat 
herzustellen,  für  die  III.  p.  praes.  anzusehen.  Hatte  man  sich 
aber  diese  anschauung  angeeignet,  so  konnte,  als  die  jetzt  ge- 
bräuchliche neubildung  ed  neben  der  alten  IQ.  p.  praes.  *Sst 
aufkam ,  für  das  missverstandene  *ߣ8t  auch  das  jetzige  jäed 
eintreten;  das  -Sd  von  jäSd  konnte  aber  (neben  dem  infinitiv 
ed)  dann  auch  formell  nur  noch  als  die  UI.  p.  praes.  ange- 
sehen werden.  Jetzt  besitzt  das  Lettische  nur  noch  spärliche 
reste  der  themavocallosen  conjugation  (cf.  Biel.  Lett.  spr.  §§ 
407,  409,  414,  417,  418),  aber  früher  war  ohne  zweifei  auch 
im  Lettischen  diese  conjugation  stärker  vertreten,  und  zu  ihr 
gehörten  auch  wohl  einige  viel  gebrauchte  verba  (et,  dtU,  ist 


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Ursprung  und  gebrauch  des  lettischen  debitivs.  71 

u.  a.).  So  konnte  es  geschehen,  dass  nach  dem  Vorbild  der 
yerba  der  themavocallosen  conjugation  auch  in  der  themavoca- 
lischen  conjugation  (wo  von  jeher  der  infinitiv  eine  andere  ge- 
stalt  hatte,  als  die  m.  p.  praes.)  die  III.  p.  praes.  für  den  in- 
finitiv in  den  debitiv  eingeführt  wurde  (z.  b.  "^jänest  zu  jänes). 
Dass  in  jäbüt  der  infinitiv  sich  noch  erhalten  hat,  erklärt  sich 
dadurch,  dass  die  zu  but  gehörige  m.  p.  praes.  ir  von  einer 
ganz  andern  wurzel  abgeleitet  ist,  und  die  änderung  von  jäbM 
mjäir  (diese  form  hört  man  jetzt  auch,  wie  oben  gesagt  ist, 
gelegentlich  im  munde  grammatisch  geschulter  Letten)  allzu 
gewaltsam  war,  um  durchgeführt  zu  werden.  Auf  diese  weise 
denke  ich  mir  den  lettischen  debitiv  entstanden,  und  ich  glaube 
nicht  allzukühne  hypothesen  vorgetragen  zu  haben.  Jetzt  lässt 
es  sich  verstehen,  weshalb  man  im  praet  z.  b.  bija  jäed  (und 
nicht  *jäSde)y  im  fut,  bu3  jäed  (nicht  ^jäSdis)  sagt;  ebenso 
lässt  sich  jetzt  die  construction  beim  debitiv  begreifen.  Wenn 
Delbrück  (Vergl.  Synt.  II  441)  den  gebrauch  des  lituslavi* 
sehen  infinitivs  auf  -ti  aus  einem  ursprünglich  dativischen  sinne 
ableitet,  so  kann  ich  ihm  darin  in  bezug  auf  das  Lettische  nur 
beistimmen,  und  auch  formell  wäre  es  meiner  ansieht  nach 
nicht  unmi^^lich,  in  diesem  infinitiv  einen  alten  dativ  zu  sehen. 
Und  so  finden  wir  im  lettischen  Volkslied  zuweilen  für  den  in- 
finitiv (den  dativ  eines  alten  nomen  actionis)  auch  den  dativ 
des  jetzt  gebräuchlichen  nomen  actionis  auf  •äana,  z.  b.  ddäu 
soüu  kumeliiiu  ruiu  därza  ectSan'  ^)  BV  3523,  6  neben  ruzu 
därzu  nuecet  ibidem.  Bei  diesem  dativischen  infinitiv  konnte 
beim  praedicativen  gebrauch  desselben  von  jeher  (vgl.  Del- 
brück, Vergl.  synt.  II  461  ff.)  das  von  der  verbalhandlung 
betroffene  substantivum  im  nominativ  stehen;  eine  unmittelbare 
fortsetzung  dieses  gebrauches  ist  der  nominativ  des  objects  beim 

*)  Nach  der  far  die  metrik  der  lettischen  voUuUeder  geltenden 
re^el,  dass  die  leiste  silbe  eines  jeden  troohäischen  dimeters  kurz  sein 
nmss,  haben  wir  nach  eeiaan'  nicht  die  jetzt  gebräuchliche,  aas  der  pro- 
nominalen flexion  (z.  b.  ia\^  labaV)  herübergenommene  endnng  -ot,  sondern 
die  alte  endung  -t  für  *a%  zu  erganzen,  die  sich  im  Altlettischen  des 
Hancelins,  Adolphi,  der  Volkslieder  (z.  b.  BV  1832,  2;  1758;  4009;  4138) 
and  dial.  (cf.  Bezzenberger,  Sprache  d.  preuss.  Letten  121)  nnd  in 
adverbiellen  Wendungen,  besonders  nach  praepositionen  (z.  b.  palahifiMy 
HdTmaUf  pa  reifzi^  pa  &$i;  kti  tUrSt  u.  a.),  auch  im  jetzigen  Leti  sich 
findet. 


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72  J.  Endzelin 

debitiv.  Der  nominativ  beim  debitiv  ist  so  gebräuchlich,  dass 
zuweilen  auch  das  object  eines  im  infinitiv  oder  supinum 
stehenden  transitiven  verbum,  welches  seinerseits  von  einem 
debitiv  abhängig  ist,  vom  debitiv  attrahiert  im  nominativ  er- 
scheint (vgl.  Mfihlenbach,  Austrums  1895,  32),  z.  b.  man 
jäet  teteris  äaüt  „ich  muss  gehen,  ein  birkhuhn  zu  schiessen". 
Im  Zusammenhang  damit  steht  es,  dass  dialektisch  auch  das 
object  eines  von  vajaga  y,oportet'^  abhängigen  infiniüvs  im  no- 
minativ erscheint,  z.  b.  (nach  Bezzenberger,  Spr.  d.  preuss. 
Lett  131,  anm.  3)  zvys  vajadzes  mazgät  „man  vrird  das  pferd 
waschen  müssen".  Wie  aber  das  object  des  infinitivs  auch  im 
accusativ  stehen  konnte  {ku,  mämina,  man  daritt),  so  erscheint 
zuweilen  auch  beim  debitiv  das  object  im  accusativ  (räiu  därzu 
jäecÜ);  wenn  das  object  ein  pronomen  personale  ist,  so  dürfte 
der  accusativ  die  regel  sein,  z.  b.  man  tevi  jämäca  „ich  muss 
dich  lehren"  {tu  jämdca  scheint  unmöglich  zu  sein).  Nach 
einer  negation  ist  vielleicht  auch  der  genitiv  des  objects  beim 
debitiv  möglich;  sichere  beispiele  habe  ich  im  augenblick  nicht 
Zuweilen  hat  man  einen  doppelten  dativ  beim  debitiv,  den  dativ 
des  subjects  und  den  dativ  des  indirecten  objects,  wobei  miss- 
verständnisse  durch  den  Zusammenhang  in  der  regel  beseitigt 
werden,  z.  b.  man  jämaksä  ildam  parädi  (möglich  ist  auch  die 
Wortfolge:  man  ztdam  p.  j.)  „ich  muss  dem  Juden  schulden 
zahlen'*.  Auch  das  prädicatsnomen  steht  beim  debitiv  im  dativ, 
z.  b.  lustigami  (man)  jädziint  BV  83,  1  „lustig  muss  (ich) 
leben".  —  £s  muss  noch  etwas  über  den  gebrauch  des  debitivs 
gesagt  werden.  Wie  schon  oben  erwähnt  ist,  wird  durch  den 
infinitivus  cum  dativo  einerseits  das  bezeichnet,  was  geschehen 
kann,  andererseits  dasjenige,  was  geschehen  soll  oder  muss; 
beide  bedeutungen  haben  sich  im  debitiv  erhalten,  wenn  auch 
nicht  in  gleichem  maasse.  Die  möglichkeit  kann  heutzutage 
durch  den  debitiv  nur  noch  dialektisch  bezeichnet  werden.  Nach 
Mag.  d.  lett.-liter.  ges.  XYII  1,  103  erscheint  in  Fehteln  der 
debitiv  in  dieser  bedeutung  stets  mit  dem  praefix  ju-,  z.  b.  man 
nav  jued  „ich  habe  nichts  zu  essen**;  upes  lld  kumelini,  nav 
tdUu  jupagan'  „auf  der  bachwiese  sind  die  rösslein ,  nirgends 
können  die  jungen  kühe  geweidet  werden";  während  die  not- 
wendigkeit  daselbst  mit  dem  praefix  ja-  (oder  auch:  jä-?)  aus- 
gedrückt werde.  Doch  lässt  sich  dieser  unterschied  der  bedeu- 
tung von  ;V  und  ja-  sonst  nicht  constatieren:  einerseits  soll 


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Ursprung  und  gebrauch  des  lettischen  debitivs.  73 

nach  einer  mündlichen  mitteilung  in  Ohselshof  unter  Linden 
(in  der  nächsten  nachbarschaft  von  Fehteln)  das  praefix  ;»- 
auch  die  notwendigkeit  bezeichnen  (z.  b.  man  na/o  juSd  „ich 
brauche  nicht  zu  essen*^);  andererseits  kann  auch  der  debitiv 
mit  ja-  die  möglichkeit  ausdrücken,  so  z.  b.  lai  stäv^a  viraunlte 
pwtniiXem  jäuzfnetas  BV  2765,  2  a  (in  einem  lied  aus  Alt-Pebalg); 
devu  savu  kumeliAu  ruzu  därzu  jäeci  BV  3523,  9  (aus  Peters- 
Kapelle,  Märzen,  Zirsten  u.  a.).  In  früheren  zeiten  muss  dieser 
gebrauch  des  debitivs  mehr  verbreitet  gewesen  sein;  so  kann 
nach  L.  Behrsin  (Austrums  XV  338)  man  jäed  bei  Fürecker, 
der  sein  Lettisch  in  Kurland  erlernt  haben  muss,  noch  die  be- 
deutung  haben  „ich  habe  (etwas)  zu(m)  essen''.  Heutzutage 
kann  dieses  in  der  Schriftsprache  nur  lauten:  man  ir  hi  est; 
es  wird  die  alte  infinitivconstruction  beibehalten  und  vor  den 
infinitiv  meist  eine  relative  form  (pronomen  oder  adverbium) 
als  ergänzung  zu  demselben  eingeschoben,  so  noch  z.  b.  la% 
paVek  galUtnlte,  kur  putnam  uzmestes  BV  2765  neben  ptUninem 
uzmestes;  devu  savu  kumelinu,  kuecH  rüzu  dhrzu  BV  3523,  5  g 
neben  räzu  därzu  nüecet.  In  der  Schriftsprache  ist  eben  der 
debitiv  nur  noch  ein  modus  necessitatis  (der  begriff  der  Passi- 
vität, den  Bielenstein  ihm  zuschreibt,  ist  dem  debitiv  ganz 
fremd:  das  object  kann  auch  im  accusativ  stehen).  Und  zwar 
bezeichnet  der  debitiv  die  unbedingte  (die  objective)  notwendig- 
keit (wenigstens  in  der  auffassung  des  redenden),  die  wenigstens 
für  den  augenblick  nicht  abgeändert  werden  kann  (z.  b.  tev 
jädzer  tSja  bez  cukura  „du  musst  thee  ohne  zucker  trinken*', 
weil  im  augenblick  kein  zucker  da  ist);  während  vajaga  cum 
infinitivo  etwas,  insofern  es  erspriesslich  ist,  als  notwendig  be- 
zeichnet (die  subjective  notwendigkeit;  z.  b.  tev  vajaga  teju  bez 
cukura  dzert  „du  musst  thee  ohne  zucker  trinken",  weil  zucker 
dir  schädlich  wäre).  Da  aber  die  auffassung  des  redenden  ver- 
schieden sein  kann,  so  wird  auch  zuweilen  der  debitiv  für  va- 
jaga gesetzt,  und  auch  das  umgekehrte  dürfte  (wohl  nur  selten) 
eintreten.  Hat  das  verbum  ein  object  bei  sich,  so  kann  für  den 
debitiv  auch  das  part.  praes.  pass.  (als  ein  part.  necessitatis, 
das  aber  weniger  stark,  als  der  debitiv,  die  notwendigkeit  be- 
tont, und  mehr  im  Volkslied,  als  im  alltäglichen  gebrauch 
sich  findet;  vgl.  auch  Bielenstein,  Lett.  spr.  H  189  ff.) 
eintreten,  z.  b.  tä  zemlte  man  minama,  tos  müziAis  dztvüjamis 
BV  113,  2  „dies^  boden  muss  ich  treten,  dieses  leben  muss 


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74  Brunnhofer 

(ich)  leben'',  neben  tä  zemUe  man  jämiti,  tcis  müzinä  jädzivi 
BV  113. 

J.  Endzdin. 


Iranische  namen, 

1.  Karmpaluk,  der  skythlsohe  name  der  Maeotls. 

Ttetzes  in  seinen  Ghiliades  (ed.  Kiessling  VIII,  gesch.  222, 
▼.  773,  pag.  312)  berichtet: 

Toiq  STtv&aiQ  atvtj  nagfiTtalovii  ^   Xifivrj  xl^oiv  g>€Q€i. 

Td  KaQ^TtaXovx  6*  klXrjvia&iv  noXig   ixO-vwv  Xayu. 

To  KaQfi  yoLQ  Ttokig  ouvd^mwg^  t6  de  TtaXovx  Ix^^'^^i 

Kai  zaxa  ty  arjfxalvovaiy  to  TUXQfÄTtaXovXf  Maiuhig. 

Diese  etymologie  ist  in  gerade  umgekehrter  Wortfolge  wahr, 
nämlich  so,  dass  Kagfx-naXovyL  zu  übersetzen  ist  ixS-vutv  Ttchgy 
nicht  Ttokig  tx^onf.  Das  xagfi  ist  nichts  anderes  als  der  gen. 
plur.  karanm  von  zendisch  kara^  m.,  Fisch,  und  Tiakom  ist  die 
Weiterbildung  eines  nomens  "^palu  mit  dem  suffix  ka,  das  viel- 
leicht in  Tcalovn  diminutivische,  hypokoristische  kraft  hat.  Das 
*paiu  aber  ist  natürlich  —  Tcohg  und  gehört  zum  zendischen 
pauru  =  Ttolv,  skt  puru.  Bezzenberger  fragt  in  Ficks  Vgl. 
wb.  d.  indogerm.  spr.  ^,  p.  252  wegen  des  altpersischen  gen. 
plur.  paruvnäm  an,  ob  man  eine  altpersische  starke  form  pdru 
8  got.  ßu  ansetzen  dürfe?  Das  skythische  (d.  h.  hier:  zend- 
iranische)  nalom  verlangt  sogar  diese  form.  Ueber  naqa 
vgl.  noch  mein  „Vom  Ural  bis  zur  Gangd.",  pag.  49. 


2.  Der  bosporanisehe  könlg  Satyros  and  sein  sehn  Metrodorus. 

Der  name  des  königs  der  Sinter  bei  Polyaen  (ed.  Woelfflin, 
c.  55,  pag.  328 — 329)  und  der  seines  sohnes  sind  iranisch.  Der 
name  Sdzvgog  ist  nichts  anderes  als  graecisirtes  *8hatyri  = 
kappadokischem  *§avdvQL  im  monatsnamen  ^a&Qi  und  dieser 
entspricht  dem  namen  des  kriegsgottes  Khshathra  vairya,  S. 
La  gar  de,  Ges.  abbb.  pag.  260;  262.    Der  name  MfjTf6diO(fog 


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Iranische  namen.  75 

ist  als  MttQoiwQog  zu  fassen  und  dieser  entspricht,  als  graeci- 
sirung,  dem  bekannten  pontischen  fürstennamen  Mühraddta. 

8.  KappadoUen. 

Lagard e,  Ges.  abhh.  pag.  257  hält  den  keilinschriftlichen 
namen  Katpatuka  für  syrisch.  Dem  widerspricht  aber  Polybius 
(ed.  Didot^  Paris  1839),  fragmenta  historica  et  geograph.  10. 
Haxi  de  To  ovoiia  (KaftnadoTuctg)  IltQOixov,  Wir  werden  also 
eine  etymologie  aus  dem  Zend  yersuchen  müssen.  Nun  heisst 
es  Yon  Thogarma,  dem  lande  Armenien  und  Kappadokien,  im 
Propheten  Ezechiel  27,  14:  „Die  von  Thogarma  haben  dir 
pferd  und  wagen  und  maulesel  auf  deine  markte  gebracht'^ 
Und  ebenso  heisst  es  von  Paphlagonien,  das  mit  Kappadokien 
nach  Strabo  stammverwandt  war  und  mit  diesem  letztern  lande 
politisch  immer  zusammengehörte,  in  der  Dias  II,  851,  es  sei 
das  Stammland  der  maulthiere: 

naq>lay6vo}p  .  .  .  Sd-ev  fifiioviov  yivog  dygovegawr. 

Im  hinblick  auf  diesen  weitverbreiteten  ruf  Kappadokiens, 
das  land  der  maulthierzucht  zu  sein,  erkenne  ich  in  kcUpa, 
TuxTtTta  das  zend  wort  kathwa,  das  maulthier  (s.  Justi,  Zend- 
wörterb.  pag.  77).  In  tuka  erblicke  ich  die  sanskritwurzel 
*tuk,  enthalten  in  vedisch  tue,  f.,  kinder,  nachkommenschaft, 
*ttika  ist  das  ungunirte  skr.  tokd,  n.,  nachkommenschaft,  kinder. 
Kappadokien  bedeutet  demnach  „land  und  leute  der  maulthier- 
zucht". 

4«    Kaphthor. 

Der  biblische  name  von  Kappadokien,  nhne?  Kaphthar, 
bei  den  Septuaginta  Kaq>9'0Qietfiy  raq>&OQi€iUy  Xaq>9'0Quifi  ist 
nichts  als  eine  semitisirung  des  iranischen  Haftdrang,  im  sinne 
von  Norden,  also  das  Haptditifiga  des  Avesta,  die  Saptd 
Bishayah  des  Yeda,  das  sternbild  des  grossen  hären,  das  als 
der  heerführer  des  nördlichen  stemenheeres  galt. 

5.    Pomazathres,  der  mörder  des  Krassus. 

In  der  Schlacht  von  Karrhae  (Plutarch  im  leben  des 
CrassoSy  cap.  31)  tödtete  den  Grassus  ein  Parther,  namens 
Pomaxathres  {tov  de  K^aaov  ovo^a  nofia^d&Qtjg  JldQ&og 
anhL%Bws¥),    Der  name  ist  iranisch  und  entspräche  zendischem 


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76  Brunnhofer 

*upafnakhshathra  „dör  höchste  fürst".  Demnach  wäre  wohl 
der  könig  der  Parther  selbst  es  gewesen,  der  den  Grassus  ge- 
tödtet  hätte.  Dies  würde  auch  zu  dem  berichte  des  Plutarch 
stimmen,  der  erzählt,  nach  einigen  hätte  ein  anderer  den  Grassus 
umgebracht  und  Pomaxathres  nur  dem  leichname  den  köpf  und 
die  rechte  band  abgehauen.  Der  abfall  des  anfangsvocals  eines 
namens  ist  in  den  iranischen  sprachen  etwas  ganz  gewöhnlicheSi 
insbesondere  bei  namen,  die  mit  a  und  upa  anfangen.  S. 
Lagarde,  Armen,  stud.,  pag.  124,  no.  1788. 

H.  Brunnhofer. 


Emendationen  zum  Sigveda. 

Trotz  der  wunderbaren  reinheit,  in  welcher  der  Rigvedatext 
Jahrhunderte,  zum  theil  Jahrtausende  lang  auf  mündlichem  wege 
fortgepflanzt  worden  ist,  haben  sich  in  die  Saiphitä  dennoch 
eine  anzahl  augenscheinlicher  wortverderbnisse  eingeschlichen, 
die  zum  grössten  theil,  wie  dies  schon  Roth  nachgewiesen  hat, 
auf  gehörfehler  zurückzuführen  sind,  mehrfach  aber  ihren  grund 
auch  darin  haben,  dass  die  spätere  zeit  der  vedischen  periode, 
also  die  schriftgelehrten  der  Brähmana-  und  Sütraliteratur,  die 
alten,  aus  der  iranischen  zeit  stammenden  Wörter  nicht  mehr 
verstanden  und  ins  Sanskrit  umzudeuten  versucht  hat.  Durch 
Weber-Försters  und  meine  Entdeckung  des  Ungeheuern 
alters  des  Rigveda  (s.  Sitzungsberichte  der  Berliner  ak.  vom 
21.  juU  1898,  pag.  9—10;  vgl.  ebendas.  Weber  14,  Juni  1900; 
ferner  Brunnhofer  Verhandl.  d.  Berliner  anthropol.  ges.  13.  mai 
1899:  Herkunft  der  Sanskrit-Arier  aus  Armenien  und  Medien 
pag.  478—484;  20.  januar  1900:  Das  alter  des  Rigveda  nach 
massgabe  der  AQvinau-hymnen  pag.  80 — 86),  ist  nunmehr  meine 
schon  1884  ausgesprochene  ansieht  (s.  Ueber  den  ursitz  der 
Indogermanen),  dass  die  kaspischen  länder  der  Stammsitz  der 
Sanskrit- Arier  gewesen  sein  müssen,  durch  historisch-astronomi- 
sche berechnung  zur  thatsache  geworden.  Hatten  aber  die 
Sanskrit -Arier  Jahrtausende  lang  in  Armenien  und  Medien 
mit  den   Zend-Iraniern   und    Ario- Hellenen  nach   barlich  zu- 


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Emendationen  zum  Rigveda.  77 

sammengewohnt,  hatten  zend- iranische  stamme  durch  kriege- 
rische bundesgenossenschaft  oder  Unterwerfung  sich  den  ein- 
tritt in  die  brahmanische  opfer-  und  staatsgenossenschafb  ge- 
bahnt, so  konnte  es  nicht  fehlen,  dass  ihre  Stammesdialekte 
vielfach  auf  das  von  ihnen  erlernte  Sanskrit  einwirken  mussten. 
Ich  habe  solche  rein  iranische  Wörter  im  Rigveda  schon  1889 
im  ersten  bände  meiner  „Urgeschichte  der  Arier^'  aufgezeigt, 
ich  habe  dann  zu  anfang  dieses  Jahres  (1899)  in  meinen  „Homeri- 
schen räthseln"  an  dem  adjektiv  ari^Myas  den  nachweis  geffihrt, 
dass  sogar  noch  altarmenische  Sprachelemente  im  Rigveda  vor- 
liegen, insofern  ari-dhdyas  nur  „dreimelkig'^  bedeuten  könne, 
ari  also  das  altarmenische  eriy  drei,  sein  müsse,  das  sich  zu 
der  bedeutung  sehr,  die  man  ari  im  Sanskrit  giebt,  völlig  ana- 
log dem  Übergang  des  lateinischen  tres  in  französisches  tris, 
entwickelt  hat 

In  den  folgenden  textverbesserungen  bin  ich  auf  diesem 
wege  weiter  gegangen  und  denke  manche,  in  der  bisherigen 
erklänmg  des  Rigveda  wirkende  tradition  für  immer  kri- 
tisch aufgelöst  zu  haben.  Andere  werden  mir  auf  diesem  wege 
nachfolgen,  wobei  dann  der  fall  eintreten  wird,  „dass  man  sich, 
wie  Weber  (Sitzgsber.  d.  Bl  ak.  vom  22.  juli  1891,  pag.  45) 
gesagt  hat,  „billig  wundem  muss, .  dass  nicht  mehr  derart 
bereits  ans  licht  gezogen  worden  ist^'. 

Rig.  I,  53,  5. 

8ai(i  devjfä'  prdmatyd  vträgushmayd 
göagrayd^gvävatyä  rabhemahi  || 

Ludwig  übersetzt:  „Die  göttin  Pramati,  die  die  stärke  der 
beiden,  die  durch  rinder  vorzüglich,  reich  an  rossen,  die  mögen 
wir  in  unsere  gewalt  bekommen.*'  Die  Grassmann'sche  Über- 
setzung ist  zu  frei,  um  hier  berücksichtigt  werden  zu  können. 

Was  nun  „die  vorsieht,  (denn  das  heisst  doch  prdmati) 
die  die  starke  der  beiden'^  betrifft,  so  erinnert  das  drastisch 
an  FalstaffB  ^discretion  ia  the  best  pari  of  valour.^  Ich  fürchte 
nur,  mit  dieser  „varaickif^f  die  „des  muthes  bessre  hälft^^  sein 
soll,  hätten  die  Sanskrit-Arier  weder  kühe,  noch  rosse  er- 
beutet» noch  Indien  erobert  Ihr  wagemuth  stützte  sich  aber, 
wie  wir  aus  dem  schlachtlied  Rigv.  VI,  75  wissen,  bekanntlich 
nicht  auf  die  vorsieht,  sondern  auf  die  kraft  ihrer  bogensehne ; 


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78  Bninnhofer 

dhdnvand  gä  dhdnvanäjhn  jayema  u.  s.  w.  Hätten  sie  sich 
auf  die  „göttliche  vorsieht''  verlassen,  so  hätte  sich  an  ihnen 
Hamlets  wort  erprobt:  „So  macht  bedenken  aus  uns  allen  feige.'' 
Allein  die  Sanskrit-Arier  waren  beiden,  getrieben  vom  manyü, 
dem  Urbild  der  homerischen  iifjvigj  dem  furor  teutonicus.  Athar- 
vaveda  IV,  32,  1  heisst  es:  sähyäma  däsam  äryam  tvayd 
(Manyu).  „Mit  dir,  o  heiliger  zom,  wollen  wir  den  barbaren 
und  den  Arier  überwältigen".  Ich  glaube  desshalb,  dass  die 
stelle  der  Verbesserung  bedarf  und  schlage  vor,  mit  einer 
leichten  änderung  zu  lesen: 

sam  devya  prSlmatya  f>ir(i(u§hmayä. 

Der  Padapätha  müsste  also  lesen:  prd  amdiyä  und  die 
stelle  übersetzt  sich  nun  so: 

„Möchten  wir  göttlichen  machtglanz,  heldenstarken,  der 
uns  vor  allem  kühe,  sowie  auch  rosse  verschafiEt,  gewinnen". 

Die  göttliche  amtUi  ist  die  unwiderstehliche  wucht,  mit 
der  Savitar  und  Mitra-Varuna  ihre  strahlen,  die  Maruts  ihre 
blitze  aussenden.  Vgl.  Grassmann  im  vedaglossar  unter  dem 
wort 

Rigv.  I,  116,  24. 
dd^a  rd'tfir  d^ivena  ndva  dyü'n 
dvanaddham  (nathitdm  apisv  änidh  \ 
viprutani  rebhdm  uddni  prdvriktam 
ün  ninyathuh  sötnam  iva  sruvina   || 
„Den  zehn  nachte  durch  sein  missgeschick,  neun  tage  ge- 
fesselten,  den   ins   wasser   gestossenen,    den    zerschmetterten 
Sänger,  den  auseinandergerissenen,   in  die  wogende  flut  ver- 
senkten, habt  ihr  (AQvinä)  herausgelootst  wie  den  Soma  mit 
dem  löflfel". 

Das  partic.  praet.  vipnda  würde  „den  zerflossenen"  be* 
zeichnen.  Da  dies  aber  offenbar  hier  nicht  gemeint  ist  und 
nicht  gemeint  sein  kann,  wie  gnafhüd  beweist,  so  hat  Ludwig 
daraus  ganz  einfach  den  eigennamen  des  unglücklichen  sängers 
gemacht,  als  ob  damit  die  frage  nach  der  bedeutung  von 
vipruta  gelöst  wäre.  Grassmann  willkürlich:  „Umspült  vom 
meer". 

Nach  massgabe  von  I,  117,  4  muss  aber  viruta  gelesen 
werden : 


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Emendationen  zum  Rigyeda.  79 

äfvatp  nd  gülhäm  Ägvinä  durivair 
rühim  narä  vrishofiä  rebhdm  apsü 
sdifi  tdrß  rini'tho  viprutaifi  ddnsoNiir 
nd  värp.  jü'ryanti  pürvyä'  krUä'ni  \\ 
„Yfie  ein  von  übelthätem  verstecktes  pferd,  o  Agvinau,  habt 
ihr  den  seher»  den  sänger,   ihr  helden,  ihr  stiere,  den  in  den 
geimssem,  ihn,  den  auseinandergerissenen,  habt  ihr  durch  eure 
wunderthaten  wieder  zusammengefügt.    Nicht  altem  euch  die 
heldenthaten  früherer  zeiten*'. 

Zusammenfügen  (acM^-ri)  kann  man  nur  etwas  auseinander- 
gerissenes (vi-nUa)^  nicht  etwas  zerflossenes  (H-prutä),  Da 
beide  obige  stellen  inhaltlich  sich  auf  dieselbe  wunderthat  der 
beiden  A$vinau  beziehen,  so  kann  demnach  auch  oben  Rigv. 
I,  116,  24  nur  viruta  gelesen  werden« 

Fernere  bestätigung  dieser  correctur  bieten  folgende  stellen: 
Rigv.  IX,  112,  1:  rtUdm  bhishdg  —  ichati  „zerbrochenes  sucht 
der  arzt''.  Rigv.  X,  39,  3:  yuvä'm  id  dhur  bhiahdjä  ruidsya 
dt  „auch  des  verrenkten  heiler  nennt  man  euch''  (Ludwig). 
Das  vi-Tiäa  entspräche  einem  lat.  di-rutus,  a,  um, 

Rigv.  II,  7,  1. 

grishthani  ydvishfka  Bhdrata 
Ägne  dyumdntam  d  bhara  \ 
vd80  puruapfOiani  rayim  \\ 

Ludwig  übersetzt:  „0  Agni  der  Bharata,  jugendlichster, 
bring  trefflichsten,  glanzvollen,  vielbegehrten  reichthum,  guter^'. 

Hier  wird  und  muss  grishfham  auf  rayim  bezogen  werden. 
Allein  dies  ist  dennoch  die  frage.  Wir  haben  es  hier  nämlich 
mit  einer  conventionellen  anrufiingsformel  zu  thun,  mit  der  im 
Rigveda  der  feuergott  so  oft  angeredet  wird;  Qreshtha  yavishfha, 
einer  formel,  deren  etymologischer  inhalt  schon  dem  vedischen 
sprachbewusstsein  der  indischen  urzeit  verloren  gegangen 
war,  da  der  Superlativ  ^eshtha  =  zend.  graisUi,  stets  auf  das 
verbale  ^  bezogen  und  mit  herrlichst,  best  u.  s.  w.  übersetzt 
wird.  Aber  das  höchste  lob,  mit  dem  Agni  gefeiert  wird, 
ist,  dass  er,  der  sich  ewig  gleich  bleibt,  eben  desshalb  bald  als 
der  uralte  bald  ak  der  ewig  junge  gepriesen  wird.  Er  ist 
djara,  unaltemd  Rig.  I,  144,  4;  VI,  4,  3;  X,  88,  3;  X,  156,  4 
a.  8.  w.     Er   ist  der  jugendlichste ,  ydvühtha   Rigv.  II,  7,  1; 


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80  Brunnhofer 

V,  26,  7;  VI,  5,  1;  VIU,  91,  20;  X,  1,  7  u.  b.  w.  Aber  er 
wird  Rigv.  YIII  11,  10  sowohl  der  alte,  als  d^r  junge  genannt 
(sandte  ca  hötä  ndvyagca  satsi).  Den  Schlüssel  zur  etymologie 
des  grishtha  bietet  Rigy.  I,  161,  1: 

kirn  u  grishihah  Hin  ydvidifho  na  ajagan. 

Ludwig  übersetzt  diese  frage  der  Ribhu  so:  ,,Warum  ist 
der  vorzüglichste,  warum  der  jugendlichste  zu  uns  gekommen  ?^' 

Im  commentar  zu  dieser  stelle  (s.  Rigvedawerk,  bd.  V, 
pag.  509)  bemerkt  er  aber  ganz  richtig:  „Da  grishfhah  und 
nicht  jyeskthah  gesagt  ist,  so  ist  kein  gegensatz  zu  ydnishthah 
ausgedrückt,  sondern  beides  als  vorzug  gemeint.  Der  dichter 
hat  vielleicht  gridift^ah  als  gegengewicht  zu  ytwishtha  gewählt". 
In  letzterm  falle  würde  ydvishfhah  einen  leisen  tadel  enthalten, 
Agni  würde  als  grünschnabel  hingestellt,  woran  bei  der  erha- 
benen heiligkeit  des  gottes  gar  nicht  zu  denken  ist.  Sondern 
grishtha  muss,  wie  Ludwig  richtig  empfand,  den  gegensatz  zu 
yäviskßa  ausdrücken,  d.  h.,  grishfhah  bedeutet  ursprünglich 
„der  älteste'S  in  demselben  sinne  wie  die  Marutas  ßigv.  V,  60,  5 
gefeiert  werden  als  brüder,  die  „ohne  ältesten,  ohne  jüngsten'^ 
sind  {djyeshthä'so  dkanishä^äsa  eU).  Und  so,  als  gott,  der  zu- 
gleich „der  älteste  und  der  jüngste"  gast  ist  {grishthani  ydrish- 
tham  dtühim)  gilt  er  dem  dichter  Praska^va  Känva  Rig.  I,  44,  4. 

Wenn  somit  grhhthdk  „der  älteste"  ist,  so  entsteht  die 
frage:  von  welcher  etymologischen  grundlage  aus?  Das  Sanskrit 
kann  nicht  die  quelle  sein.  Vom  Zendverb  zareshy  altem 
(Partie,  praes.  zareshiyant,  alternd)  konnte  aber  das  partic. 
perf.  pass.  zareshta,  „gealtert''  gebildet  werden  oder  von  der 
einfachen  wurzel  zar  =  skt.  j'ar  (jzi,  altem)  der  Superlativ 
^zarista  (vgl.  auch  armen,  ger,  greis,  Lagarde,  Arm.  stud. 
pag.  70,  no.  1046),  der  dann  vom  sanskritischen  Sprachgefühl 
auf  grt  bezogen  werden  musste. 

Verhält  sich  dies  aber  so,  dann  muss  an  unserer  stelle 
Rigv.  n,  7,  1  der  acc.  gresheham  geändert  werden  in  den  voc. 
greshfha,  der  dann  zu  yamshtha  stimmt.  Die  stelle  übersetzt 
sich  dann  so:  „0  ältester,  o  jüngster  Bharata"! 

H.  Brunnhofer. 

(Fortsetzung  folgt.) 


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Inhalt. 

den» 

1.  Die  erbreiterung  der  Menis.    Von  A.  Fick 1 

2.  Die  einlegung  des  „Oitos**  in  die  Menis.  Von  A.  Fick  ...  22 
Zur  bildung  de«  sigmatischen  aoriste«.  Von  O.  Hvffmann  ...  30 
Gr,  evgi's  und  faom.  ivlrjQa.    Von  Hans  Sichelt    .......  44 

Lat.  pritnöres.    Von   W.  Preüwitz .  46 

Die  etruskiflchen  familiennamen  auf  '4ru,    Von  Carl  Pauli    ...  48 

Bemerkungen  zu  etruskischen  in'schriften.    Von  Elia  Lottes       .    .  63 

Ursprung  und  gebrauch  des  leiti schon  debitivs.    Von  J.  Endzelin  .  66 

Iranische  namen.    Von  H.  JBrunnhofer . 74 

Emendationen  zum  Rigveda.     Von  H.  JBrunnhofer 76 


Alle  für  die  redaction  dieser  Zeitschrift  bestimmten  Sendungen  wolle 
man  richten  an  Professor  Dr.  Adalhert  Bezzenberger^  Kihiigaberg  u  Pr., 
SUindamm.  WalUir,  Nr,  1  u.  2^  oder  an  Gymnasial- Oberlehrer  Dr.  WaÜher 
Prsllwiiz,  Tilsit^  am  Anger  Kr.  26  b. 


Um  die  Aiiscbaflfung  der  älteren  Jahi'gäiige  dieser  Zeitschrift 
zu  erleichtem,  haben  wir  den  Preis 

der  ersten  21  Bände 

von  210  Mark  aaf  134  Mark  ermasHl^« 

Kleinere  Ergänzungen  (nicht  einzelne  Bände)  nach  Überein- 
kommen ebenfalls  zu  ermässigtem  Preise. 

Vandenhoeok  &  Bnpreoht 


AMpefreben  im  Anjjust  19^).    Vandenhoeck  &  Ruprecht,   Göttingen,  Theatentnaw  18. 
Prei«<  10  M:irk  fiir  den  Rand  von  4  Heften. 


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B  e  i  t  F  ä  g  e 


zur  künde  der 


indogBFmanisehen  spFaehen 


htrftu*g<tg<»Wn 


von 


I>r  A<L  Bezzenberger  nuä  Di    W,  Prellwlt3L 


Zweite  Iiofi 


Göningeo 
VftfiileiitiQcek  and  Rupracbi 

1901. 


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Inhalt. 

S0fto 

Emendationen  zum  Rigvede.  (Fortsetzung.)    Von  M,  Brunnhofer    .  81 

Worterklärung  zum  Rigveda.     Von  H.  Brunnhofer 101 

Einige  griechische  namen.    Von  A,  Fick 110 

Beiträge  zur  lateinischen  grammatik.    Von  O.  Hoffmann  .     ...  129 

Nachwort  zu  den  emendationen  zum  Rigveda.    Von  H.  Brunnhofer  145 

Böo tische  eigennamen.     Von  F.  Bechtel     ...,.,....  147 

Got.  hairauy  konjunktiv  von  indogerm.  b?iero(u).    Von  A,  Bezzen-. 

berger .    •     .    .  152 

Le  prime  parole  della  grande  epigrafo  campano-etrusca.    Von  JSlia 

Lottes 154 

Anzeige:  Über  die  spräche  der  altslovenischen  Savvina  Etiiga.    Von 

W.  N.  Stsehepkin 161 

Etymologien.     Von  A.  Bezzenherger 166 

Nachtrag.     Von  H.  Brunnhofer .168 


Alle  für  die  redaction  dieser  Zeitschrift  bestimmten  Sendungen  wolle 
man  richten  an  Professor  Dr.  Adalbert  Bezzetiberger^  Königsberg  %.  iV., ; 
SUindamm.  Walistr,  Nr.  1  u.  2^  oder  an  Gymuasial-Oberlehrer  Dr.  WaUher 
Prellwiiz,  Tilsit,  am  Anger  Nr.  26  b, 


Um  die  AnscbaflFung  der  älteren  Jahrgänge  dieser  Zeitschrift 
zu  erleichtern,  haben  ^svc  den  Preis 

der  ersten  21  Bände 

von  210  Mark  auf  134  Mark  ermässigt. 

Kleinere  Ergänzungen  (nicht  einzelne  Bände)  nach  Uberein* 
kommen  ebenfalls  zu  emiässigtem  Preise. 

Vandenhoeck  &  Buprecht     ' 


Atw^egeben  im  Februar  1901.    Vandenhoeck  k  Ruprecht,   Göttingon,  Theaterstnuse  13. 
Preis  10  Mark  für  den  Band  Ton  4  Heften. 


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EmendationeB  ssum  Rigveda.  81 

Emendationen  soin  Bigveda. 

(FortsetEanf^.) 

RigY,  n,  31,  3. 
dnu  nü  Hhäty  avrikölhhir  ü^tibht 
rdtham  mahi  aandye  vö^jasdtaye  || . 

Ladwig  übersetzt:  ,, begleite  uns  mit  feindlosen  hülfe- 
leistuDgen  unaem  wagen  zu  grossem  gewinne,  zu  kraftgewinne*^ 

Grassmann:  „Er  gebt  zur  band  mit  bülfereicher  förderung 
Nun  unserm  wagen,  zu  erlangen  grossen  preis''. 

y^Feindlose  bülfeleistungen^'  sind  eine  contradictio  in  ad- 
jecto,  also  etwas  total  unmögliches,  in  keiner  spracbe  wird  je- 
mals 80  etwas  dagewesen  sein,  daber  denn  Grassmann  das 
oprikd  mit  ricbtigem  takte  als  bülfreicb  übersetzt  bat.  Es 
ist  jedocb  immer  wieder  daran  zu  erinnern,  dass  Ludwig,  da 
er  sich  mit  recht  zunächst  an  den»  wenigstens  scheinbaren, 
Wortlaut  des  textes  anscbloss,  traditionsgemäss  nicht  anders 
übersetzen  konnte,  als  „mit  feindlosen  bülfeleistungen'S  denn 
die  tradition  behandelt  das  wort  aiürikd  durchgebends  als 
a+vrikä  „wolflos''.  Dass  avfikd  an  manchen  stellen  diese  be- 
deutung  hat,  ist  nicht  im  geringsten  zu  bezweifeln.  Z.  b. 
Rigv.  \'I,  4,  8: 

nü'  no  Agne  aiofikibhih  svasti 

vishi  rdydh  pathibhih  pdrahy  dnhah  | 

Ludwig:  , jetzt  also,  o  Agni,  auf  feindlosen  pfaden  des 
reichthums  besuche  zum  heile  uns,  rette  [uns]  aus  bedrängniss*'. 
Reichthum  ist  im  Rigveda  soviel  als  grosser  viehbesitz  und 
für  diesen  viehstand  „wolfssicbem''  weidegang  zu  erflehen  ist 
etwas  dem  hirten  ganz  angemessenes.  Hier  ist  avrikd  ganz 
unzweifelhaft  ein  compositum  von  vrikd  mit  der  negationspar- 
tikel  a.  Dagegen  möchte  ich  für  avrikd  als  attribut  solcher 
Wörter  wie  ifti  hülfe,  ftdld^i  freund,  sakhyä  freundschaft,  päyü 
hüter,  hirt,  vdruiha  schütz  u.  s.  w.  an  eine  andere  etyroo- 
logie  denken.  Oder  vielmehr,  ich  erblicke  in  avrikd^  wenn  es 
attribut  jener  begrifie  ist,  ein  zwar  mit  avrikd  „wolfsfrei*'  gleich- 
klingendes, aber  etymologisch  gänzlich  verschiedenes  wort  Und 
zwar  möchte  ich  schreiben  ävfikd  und  dieses  ableiten  von  d-vri, 
iiir  welches  verbum  ißrassmann  die  bedeutung  ansetzt:  „umgeben 
mit,  reichlich  versehen  mit",  was  vortrefflich  zu  uti,  sdkhyd 
u.  s.  w.   passt      In   dem    von   demselben  verbum   abgeleiteten 

Baltxie»  s.  knad«  d.  ini«.  tpraek^i.    XXVI.  6 


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82  Brunnhofer 

adjektiy  ävarana  haben  wir  ein  synonymum,  für  das  das  Peters- 
burger wörterb.  bd.  I,  pag.  707  die  bedeutungen  kennt:  „be- 
deckend, verhüllendes  als  subst.  neutr.  „das  verdecken,  ver- 
hüllen etc.  Jües  was  zum  schütze  dient,  schild.  Wir  dürfen 
also  für  *  ävrikd  die  bedeutung  aufstellen :  „schützend^  schutz- 
reich, huldvoll". 

Vielleicht  gehört  hierher  auch  das  Zendwort  avare,  schütz 
(Justi  Zendwb.  pag.  34),  das  man  zwar  für  eine  nebenfonn  von 
zendischem  amanhe  =  Dat.  sing,  dvctse  des  veda  ausgiebt,  das 
ich  aber  lieber  für  zwar  volksetymologisch  auf  wurzel  av 
„schützen"  bezogen  halte,  etymologisch  jedoch  als  *ävare  = 
skt  ^ävar,  ävri  auffassen  möchte.  Von  diesem  im  Sanskrit 
nicht  nachweisbaren  verbalnomen  *&var,  ävri  wäre  dann  das 
adjektiv  dorika  durch  das  suffix  ka  abgeleitet  wie  eri-kd,  ro. 
geschoss,  von  W«  sri  hineilen,  gush-ka  trocken,  von  W.  ^ush 
trocknen,  dörren  u.  a.  m. 

6. 
Rigv.  IV,  33,  7: 
Dvada^  dyü'n  ydd  dgohyasya 
ätithyi  rdnann  Bibhdvdh  saedntah  | 
sukshiträkrinvann  dnayania  sindhün 
dhanvS^tishAann  öshadhtr  nimndtn  ä'pah  |{. 
Ich  übersetze: 

„Als  zwölf  tage  die  ^bhu  sich  der  gastfreundschaft  des 
Agohya  erfreuten,  in  tiefem  schlafe  ruhend,  da  schufen  sie 
dann  herrliche  gefilde,  führten  sie  die  flüsse  wieder  heraus, 
breiteten  pflanzen  über  die  wüsten,  in  die  niederungen  die  wasser'^ 
Wie  längst  erkannt,  ist  hier  die  rede  von  dem  todesschlafe 
der  ^bhu,  der  Schöpfer  der  Jahreszeiten.  Während  der  zwölften 
schläft  das  jähr  im  hause  der  wintersonne,  die  in  den  nebeln 
verborgen  ist  Aber  sowie  die  zwölften  vorbei  sind,  treten  die 
Jahreszeitenkünstler  ihren  nindlauf  um  die  erde  wieder  an,  das 
jähr  beginnt  von  neuem,  die  im  eis  erstarrten  flüsse  thauen  auf 
und  in  den  thälem  grünt  es  und  blüht  es  wieder.  Ganz  das- 
selbe besagt  Rigv.  I,  161,  11: 

udvdtsv  aemd  akrinotanä  trinam 
nivdtsv  apdh  evapasyäyd  narah  \ 
dgohyctsya  ydd  dsastand  griM 
tdd  adyidam  Bibhavo  nä'nu  gachatha  | 


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EmendatioDen  zum  Rigreda.  83 

Ich  fibersetze: 

„Auf  den  höhen  habt  ihr  ihm  (dem  sterblichen  ?)  gras  ge- 
schaffen, in  den  tiefen  wasser  durch  eure  kunstfertigkeit,  o 
männer.  Dass  ihr  in  tiefem  schlafe  ruhtet  im  hause  des  Ago- 
hja,  das,  o  ^bhu,  wiederholt  ihr  heute  nicht''. 

Hier  und  in  der  vorhergehenden  stelle  dreht  sich  Alles 
um  die  frage:  wer  und  was  ist  der  angebliche  Agohya?  Die 
tradition  und  die  Sanskritphilol(^e  tibersetzen  ee,  wie  dies  bei 
der  lesart  igohya  überhaupt  nicht  anders  möglich  ist,  mit: 
;,der  unyerhüllbare,  der  nicht  zu  yerbergende''.  Das  ist  nun 
freilich  das  haare  gegentheil  dessen,  was  in  der  natur  der  dinge 
liegt  Das  adjectiv  dgohya  ist  ein  attribut  des  Savitar,  des 
Sonnengottes,  und  zwar  des  lebenweckenden,  fruchtbarkeit 
schaffenden  Sonnengottes  der  gemässigten  zone,  nicht  des 
Sonnengottes  Indiens,  wo  die  flüsse  im  winter  nicht  gefrieren, 
sondern  des  hochlandes  KabuUstans  oder  Kaschmirs,  wenn  nicht 
Irans.  Man  schläft  aber  nicht  bei  leuchtendem  sonnenglanz, 
was  doch  bei  der  lesart  igohya  „nicht  verhüUbar'^,  vorausge- 
setzt werden  musste,  sondern  in  der  abwesenheit  des  tageslidits, 
im  dunkel  der  nacht,  wo  die  sonne  sich  im  gegentheil  yerhiUlt 
hat  (vgl.  Rigv.  I,  117,  5:  sushupv^nsarn  nd  Mpiter  upouthe 
9uryafß  .  .  .  tdnMsi  kahiydfUam)  und  selber  tief  eingeschlafen 
ist.  Das  erfordert  aber  nicht  einen  dgohya,  sondern  im  gegen- 
theil einen  ä^gohya,  einen  „tief  sich  verhüllenden^^  Damit  sind 
wir  bei  dem  punkte  angelangt,  wo  die  vedische  mythologie  ihre 
aufklärung  erhält  aus  der  homerischen.  Der  dgohya  ist  näm- 
lich der  *'i2yvyog^  der  könig  des  landes  'Siyvyiaf  wo  die  nymphe 
Kahnpdt^  „die  sich  verhüllende''  d.  i.,  die  finstemiss  des  nordi- 
schen winters,  wohnt.  Ogygia  ist  die  personification  der  Winter- 
sonnenwende, als  welche  sie  Hahn  schon  in  seinen  mythologi- 
schen parallelen  pag.  186  erkannt  hat,  während  die  insel  Aiaia 
die  Sommersonnenwende  ist.  Vgl  auch  noch  Hahns  sagwissen- 
schaftl.  Studien  pag.  410.  Ausführlicheres  darüber  in  meinem 
Homerwerke. 

7. 

Rig.  V,  43,  13. 

Ädharnasir  brihdddivo  rdräno 
tfigvebhir  gantv  ömabhir  huvdndh  \ 


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84  BruBiihofer 

gnd'  vdsäna  öshadhir  dtnridhrcts 
tridhatu^ngo  vri$habh6  vayodhä'h  y 
Ludwig  übersetzt:   „Her  komme  der  sehr  verständige,  der 
hohe  am  himmel,  schenkend,   gerufen  mit  all  seinen  freunden, 
der  mit  den  Gn&s  wohnt  in  den  pflanzen,  nicht  schädigend, 
mit  dreifachem  home  er,  der  lebenskraft  schaffende  stier'. 

Sehr  frei,  mit  unberechtigter  bedeutungsumwandlung  von 
brihäddiva  und  dmridkra  tibersetzt  Grassmann  r 
„Der  hochbetagte,  starke  Spender  komme, 
Gerufen  her  mit  sämmtlichen  genossen, 
Umschaart  von  weibem,  von  gewachsen,  rastlos. 
Der  kraftverleihiide  stier  mit  dreien  hörnern**. 
Was  mich  in  dieser  Strophe  beschäftigt,  das  ist  Päda  3: 
gna'  vdsana  öshadhtr.  Es  ist  unmöglich  gnä  zu  übersetzen 
„mit  den  Gnäs'S  d.  h.  mit  den  göttlichen  frauen"  und  der 
accusativ  plur.  öshadhtr  ist  kein  locativ  öshadhtshu.  Zunächst 
also  ist  der  participialsatz  vösäna  öshadhür  „die  pflanzen 
schmückend,  kleidend"  klar,  vgl.  Rig.  IV,  18,  5:  dikam  vdsdna 
(Indra),  sein  gewand  anlegend,  so  auch  VI,  29,  3  und  X,  123,  7. 
Was  ist  aber  gnd^  ?  Es  kann  nicht  etwa  apposition  zu  öshadhtr 
sein,  denn  niemals  heissen  die  pflanzen  gna,  aber  ebensowenig 
kann  es  von  Brihaspati,  dem  in  Strophe  12  angerufenen  und, 
wie  der  anklang  brihdddivo  in  str.  13  schliessen  lässt,  auch  in 
str.  13  herbeigewünschten  gotte  heissen,  er  kleide  die  göttlichen 
frauen  an.  Aber  was  ist  denn  nun  gnä'?  Ich  glaube,  es  hat 
mit  den  göttlichen  frauen  gar  nichts  zu  schaffen.  Sie  mögen 
durch  einen  ungeschickten  redaktor  aus  reminiscenz  an  str.  6, 
wo  der  dichter  die  mahitn  Ardtnatim  .  .  .  Gnä'm  devim  „die 
grosse  Arraaiti,  die  göttliche  Gnä"  anruft,  in  die  Strophe  13 
gerathen  sein.  Da  an  dieser  stelle  ohnediess  metri. causa  ge- 
lesen werden  müsste:  gnad'  vdsdna,  was  sich  aber  aus  obigem 
gründe  verbietet,  so  lese  ich,  um  die  erforderliche  silbe  zu  er- 
halten: agnä'  vdsäna,  im  sinne  von  agnaü  „im  feuer''.  Agni 
ist  das  im  Rigveda  so  oft  besungene  lebensfeuer  der  pflanzen- 
weit. So  heisst  es  I,  98,  2:  Agnih  .  .  .  vi^d  öshadhtr  d' 
vivega  „Agni  ist  in  alle  pflanzen  eingegangen".  Die  stelle 
agnd'  vdsäna  öshadhtr  bedeutet  also:  „im  feuer  die  pflanzen 
kleidend",  sei  nun  der  betreffende  gott  Brihaspati  oder,  wie 
Grassmann  vermuthet,  der  gestaltenbildner  Tvashtar. 


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Einendation  anim  Rigyeda.  85 


8. 

Rigv.  VI,  75,  1. 

Jtmä'tasyeva  bhavcUi  prdtikam 
ydd  varmf  ydtti  mmidäm  updsthe  \ 

Ludwig  übersetzt  traditionsgemäss:  M^io  der  donnerwolke 
antlitz  ist  es,  wenn  der  gepanzerte  wandelt  im  scboos  der 
schlachten'^ 

Das  wort  ßmüia  f,gewitterwolke'\  das  sich  nur  auf  die 
Yorliegende  stelle  oder  vielmehr  auf  die  uralte  missdeutung 
dieser  stelle  stützt,  ist  eine  homunculusezistenz.  Deeshalb  denn 
auch  die  verzweifelte  etjmologie  üjjvaladatta's  in  den  U^Adi- 
sütras  III,  91  (ed.  Aufrecht  pag.  83) :  ßvanatfi  jalam  mi^rayaU 
srävayaiUi  „sie  harnt  (resp.  läset  fliessen)  belebendes  wasser*'. 
Ursprünglich,  d.h.  etymologisch  ist  das  wort^ii^a  nichts 
anderes  als  *jyd''fnüta,  wo  jyd  nach  analogie  des  vedisohen 
instrumentals  tUi'  für  ütyä',  zusammengezogen  ist  in  ß,  ßmüta 
bedeutet  also :  „von  der  bogensehne  abgeschnellt*',  miUa  kommt 
von  der  dem  lateinischen  tnavire  entsprechenden  sanskritwurzel 
mtü,  bewegen,  schieben^  es  ist  das  part.  praet.  miUa,  z.  b.  in 
käma-müta  „von  liebe  getrieben'*  Bigv.  V,  10,  10,  11;  nicht 
„von  liebe  verwirrt**  wie  Weber  übersetzt  in  den  sitzungsber. 
d.  Berl.  ak.  1895,  pag.  13  (was  vielmehr  käma^müdha  erfor- 
dern würde).  Wir  gewinnen  auf  diese  weise  ein  bild,  das  viel 
prägnanter  ist  und  drastischer  wirkt  als  der  vergleich  mit  der 
gewitterwolke.  Die  stelle  lautet  nun :  „Es  ist  das  bild  eines  von 
der  bogensehne  abgeschnellten"  (pfeiles),  wenn  der  panzerheld 
sich  in  den  schoos  des  schkchtgetümmels  stürzt**.  Das  gleichniss 
passt  auch  zu  dem  ganzen,  vornehmlich  die  kraft  der  bogensehne 
verherrlichenden  inhalt  des  schlachtliedes.  Der  hymnus  ist  ein 
lobgesang  auf  den  skythischen  bogen,  wie  ihn  die  alten  Inder 
noch  zu  Alexanders  des  grossen  Zeiten  führten  und  wie  ihn 
noch  Arrian  in  seinen  Indischen  nachrichten,  kap.  17  be- 
schreibt: „Das  fussvolk  hat  einen  bogen,  der  ebenso  hoch  ist, 
als  der,  welcher  den  bogen  trägt.  Diesen  stellen  sie  am  boden 
auf,  stemmen  sich  mit  dem  linken  iuss  dawider  und  spannen 
ihn  so,  indem  sie  die  sehne  erst  rückwärts  ziehen.    Ihrem  pfeile 


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86  Brannhof  er 

fehlt  nämlich  wenig  zu  drei  eilen  und  nichts  vermag  dem  von 
einem  indischen  schützen  abgedrückten  pfeile  zu  widerstehen, 
weder  ein  schild,  noch  ein  panzer,  noch  eine  andere  noch  so 
starke  schutzwafiEe'^  Desshalb  denn  auch  das  gleichniss  Rigv. 
III,  53,  24  (nach  Ludwig):  „0  Indra,  diese  Bharata  denken 
nicht  an  nähe  und  nicht  an  ferne;  sie  treiben  das  ross  wie 
einen  nie  versagenden  helfer;  ah  hätte  es  der  bogenaehne  kraß 
(jy&'väjam)f  fuhren  sie  es  in  den  wettkampf  *. 

Wie  nun  aber  das  adjektiv  ßmüta  zu  der  substantivbedeu- 
tung  y,gewitterwolke*^  gekommen  sein  mag?  Ich  glaube,  es 
giebt  dafür  keine  andere  erklärung  als  folgende.  Gewisse 
stellen  des  Qatapatha-Brfthmana  verrathen,  wie  schon  Spiegel 
erkannt  hat  (Eranische  alterthumskde.,  bd.  I,  pag.  458),  irani- 
schen einfluss,  d.  h.  das  Qatapatha-Br&hmana,  so  gut  als  schon 
der  Rigveda,  stammt  zum  theil  von  brahmanisirten,  von  hause 
aus  iranische  dialekte  sprechenden,  das  Sanskrit  mit  iranischem 
Sprachgefühl  handhabenden  verÜBtssern.  Von  solchen  brahmani- 
sirten  iranischen  vedainterpreten  mochte  das  wort  jtmüta  auf- 
gefasst  worden  sein  als  eine  Zusammensetzung  von  zendischem 
zim  (Justi,  Zendwörterb.  pag.  125)  =  zima  («-  skt.  hima)  der 
winter,  und  dem  sanskritischen  üdha  „hergeführt'*  partic. 
praet.  von  w.  vah,  fuhren,  tragen,  also  „vom  winter  herbei- 
geführt", was  dann  auf  die  gewitterwolke  bezogen  wurde. 

Ueber  prdttka  „bild*'  ist  noch  zu  vergleichen  die  reiche 
auseinandersetzung  von  Arnold  Hirzel,  gleichnisse  und  metaphern 
im  Rigveda,  pag.  42—43. 

9. 

Rigv.  Vn,  55,  2—4. 

Yäd  arjuna  Sdrameya 
datdh  piga^ga  yäehase 
tt'va  bhrdjanta  rishfäya 
üpa  srdkveshu  bdpsato 
ni  shü  svapa  ||  2  || 
stenAri  rdya  Sdrameya 
tdskarant  vd  punahsara  \ 
Btotft'n  Indrasya  rdyasi 
kirn  asmd'n  duchundyase 
ni  Aü  wapa  \\  3  {} 


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Einendationen  zum  Rigveda.  87 

^(hß  siUcard§ya  dardrihi 

tdva  dardartu  9Ükardh  \ 

dotri'n  Tndra$ya  rdyasi 

Mm  asmöln  duehundyaM 

ni  skfi  mnpa  ||  4  ||. 
Grassmann  übersetzt  diesen  beschwörnngsspruch,  den  nach 
seiner,   ich  glaube ,   richtigen  ansieht  ein  verstorbener  an  die 
beiden  hunde  des  todtenrichters  Yama  richtet,  ganz  hfibsch  so: 
„Wenn  weisser  S&rameya  du, 
Wenn  brauner  du  die  zahne  fletschst, 
Dann  leuchten  sie  den  Schwertern  gleich 
In  dem  gebiss  des  schnappenden.  —  0  schlaf  in  ruh! 
0  Sftrameya,  bell  den  dieb, 
Den  räubw  an,  o  lauf  zurück! 
Was  bellst  du  Indras  sänger  an? 
Warum  willst  du  uns  böses  thun?  —  0  schlaf  in  ruh! 
Den  wilden  eher  packe  an. 
Der  eher  stürze  sich  auf  dich ! 
Was  bellst  du  Indras  sanger  an? 
Warum  willst  du  uns  böses  thun?  —  0  schlaf  in  ruh!'^ 

Merkwürdig  ist,  dass  weder  Ludwig,  noch  Grassmann  in 
sirophe  3  keinen  anstoss  an  sükara  genommen  haben.  Was 
M  hier  das  Schwein,  das  doch  in  der  vedischen  so  gut  wie  in 
dsr  spätem  brahmanischen  mythologie  gar  keine  rolle  spielt? 
Ind  was  soll  gar  das  schwein  im  yorhof  der  Unsterblichkeit? 
iber  es  handelt  sich  hier  nicht  um  ein  schweiui  sondern  um 
ckn  Soma  handelt  es  sich,  um  den  fukrd,  der  in  der  Svara- 
haktiform  ^gukara,  nach  analogie  yon  Indara  (Bigr.  11,  11 ,  1 ; 
«;  IV,  17,  1;  VI,  20,  11;  12)  und  MUhara  für  Mithra  (Mi- 
ioQag,  vater  des  Diophantus,  eines  truppenführers  des  Mithri- 
dtes,  Memnon  frg.  87)  vom  ersten  aufzeichner  des  textes  miss- 
vrständlich  als  aükarä  gehört  wurde.  Durchgehends  heisst  im 
F|gyeda  der  Soma  ^krd  „der  leuchtend  helle''.  Der  Soma, 
aio  der  (ukrd,  yerleiht  nach  yedischem  glauben  dem  sänger 
ttsterblichkeit,  ganz  wie  auf  iranischem  boden  im  Ayesta  der 
Homa  seinen  yerehrem  die  beste  der  weiten,  nämlich  den 
Immel,  sichert  Der  sänger  Indra's,  yon  diesem  glauben  durch- 
dangen,  redet  den  höUenhund  Yamä's  an:  „Ja  komm  mir  nur, 
bctie,  du  wirst  schon  sehen,   wie  es  dir  ergeht!''    Denn  der 


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88  Brunn  hofer 

Sänger  Indra's  weiss,  dass  Soma»  d.  h.  der  mond,  ein  gewaltiger 
kämpfer  ist,  dessen  furchtbare  wa£kn  seinen  Verehrer  vor  jedem 
feinde  schützen.  Soma  heisst  ja  tigma^inga  „mit  scharfen 
hörnern  versehenes  seine  waffen  sind  spitzig  {tigmdni  dgudhä). 
Der  imperativ  dardrihi  ateht  im  sinne  eines  conditionalsitzes. 
lieber  Soma  als  kri^er  s,  Hillebrand,  Vedische  mytboogie, 
bd.  I,  pag*  336--346. 

10, 
ftigT.  VII,  69,  6. 
NdrA  gaurSva  vidyütam  trishänd' 
Asmdkam  adyd  savanöpa  ydtam. 
Ludwig  übersetzt  diese   an  die  A^vinau  gerichtete  anrde 
wörtlich   also:    „Ihr  beiden,   wie   wilde   rinder  dürstend    nsh 
blitz,  kommt  heute  zu  unserm  trankopfer'S    Ludwig  vertheidgt 
seine  Übersetzung,  die  dem  vorhandenen  Wortlaut  folgt,  mit  du 
Worten:  „Diese  stelle  hat  viel  kopfzerbrechens  verursacht;   Mr 
sehen   aber   nicht   ein    wie   hier   der   blitz   anders   verstandn 
werden  kann,  denn  als  Vorgänger  des  regens,  und  warum  nah 
dem  gesetze  der  poesie  hier  nicht  das  praecedens  für  das  co.- 
sequens  soll  stehen  können.     Wer  kann  ernsthaft  glauben,  das 
hier  unter  vidyut  der  Wasserspiegel  (nach  Grassmann)  soll  ve- 
standen  sein?     Man  könnte  dabei   an   das  opferfeuer  denke, 
das  ebenso  wie  blitz  den  regen,  die  darbringung  erwarten  lässt. 
Das  ist  ein  gewagter  versuch,   um  mit  dem  vidyutam  fertig  a 
werden,   denn  vidyut  bedeutet    blitz    und  nur  blitz   und    das 
stiere  nach  blitz  dürsten,  geht  schon  über  das  bohnenlied.    De 
von  Ludwig  auch  hier  wieder  mit  unrecht  abgekanzelte  Grast 
mann  hat  das  richtige  erkannt  oder  vielmehr  geahnt.     Den 
nirgends  giebt  er  für  seine  Übersetzung  einen  grund  an: 
„Wie  büffel  lechzend  nach  dem  Wasserspiegel, 
0  männer  kommt  zu  unsern  tränken  heute*'. 
Statt   vidyutam    muss   gelesen    werden   *vaidhyudan  vu 
zendischen  vaidhi,  armenisch  get,  fluss,    Wadi  und  udan,  ^ 
Wasser. 

Dieselbe  Verwechselung  kommt  schon  Rigv.  I,  39,  9  vor: 
äsämibhir  Maruta  ä  na  ütibhir 
gdnia  vrishthri  nd  vidyütah  \ 
Ludwig:  „Mit  euern  vollkommenen  hülfeleistungen  komit 


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Emendation  zum  Rigreda.  89 

zu  uns,  o  Marut,  wie  blitz  und  regen^S  Es  müsste  wörtlich 
heissen  „wie  blitz  auf  regen**  und  so  übersetzt  auch  Grassmann. 
Der  regen  folgt  nun  aber  umgekehrt  auf  den  blitz.  Es  ist 
desshalb  hier  zu  schreiben:  vaidhf/udah,  wo  udäh  der  plur.  von 
ud,  f.,  wasser.     Die  stelle  wird  dann  lauten: 

,,Mit  ganzen  hülfen  kommt,  o  Ifarut,  zu  uns  her, 

Wie  wildbachfluth  dem  regen  folgt^*. 

11. 
Rigv.  VII,  83,  2: 
ydträ  ndrah  samäyante 
krüddhvajo  ydsminn  djA' 
bhävati  kirii  cand  priydm  | 
ydträ  bhdyante  bküvand  svardfigas 
tdtrd  na  Indrävarunä'dhi  vocatam  | 
Ludwig  übersetzt:  „Wo  die  helden  um  eine  fahne  geschaart 
zusammengehen,  in  der  Schlacht,   wo  es  nichts  liebes  giebt,  wo 
die  das  licht  schauenden    wesen  fürchten,   dort   spracht   ihr, 
Indra  und  Varu^a,  über  uns  euern  schütz  aus'^  . 

Die  Übersetzung  ist  vollkommen  traditionsgemäss,  aber  es 
ist  merkwürdig,  -dass  der  sinn  derselben  noch  niemandem  kopf- 
schütteln erregt  hat.     Was  sind  denn  .das  für  ndrah,  avöoeg, 
„beiden*',  für  die   es  in  der  schlacht  „nichts  liebes**  giebt;   in 
der  Schlacht,  wo  die  das  licht  schauenden  wesen  „sich  fürchten**, 
obachon  Indra  und  Varuna  ihren  schütz  über  sie  ausgesprochen 
haben?    Können   denn   beiden  zugleich  memmen  sein?    Grass* 
mann  hatte  mit  seinem  feinen  poetischen  takt  offenbar  ein  ge- 
fühl   dafür,   dass   hier  etwas   gesagt   ist,    was   sich    mit    dem 
heldenthum  schlechterdings  nicht-  verträgt    Dieses  richtige  ge- 
fühl  verleitete  ihn  aber,   den  klaren  wortsinn  des  traditionellen 
textes  unberechtigterwei9e  folgender massen  zu  variiren : 
„Wo  banner  tragend  männer  sieb  entgegengehn 
Im  kämpf,  wo  alles  liebe  auf  dem.  spiele  steht, 
Wo  alles  bebt  vor  dem,  der  sonnengleich  erscheint, 
Da  sprechet  muth  uns  zu,  o  Indra-Varuria**. 
Grassmann  fasst  hier  avardrigas  als  ablat.  sg.  und  bezieht 
es  auf  Indra   (so  im    Wörterbuch),   ohne   zu    bedenken,    dass 
Indra- Varuna  ja  gerade  im    gegentheil   von   den   wesen    um 
schütz  angerufen  werdep. . 


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90  Brunn  hofer 

Nun  ist  66  mir  zwar  schon  lange  aufgefallen,  dass  ein  im 
Rigveda  öfters  ausgesprochener  wünsch  ist»  unversehrten  leibes 
(arishta)  aus  dem  kämpfe  hervorzugehen.  Ich  gestehe,  dass 
mich  hier  ein  mthsel  anstarrt  loh  kann  mir  diesen  wünsch 
um  so  weniger  erklären,  als  er  gleich  in  der  ersten  Strophe 
des  berühmten  schlachÜiedes  Rigv.  VI,  75  ausgedrückt  wird: 
dnamddhayä  tdnvd  jaya  tvöm  „mit  unverwundetem  leibe  siege 
du!**  Gab  es  in  der  geschichte  der  menschheit  eine  periode, 
die  den  heroismus,  die  ethische  fähigkeit,  für  die  erreichung 
eines  idealen  zieles  leib  und  leben  einzusetzen,  noch  nicht 
kannte?  Ragt  diese  periode  der  vorgeschichtlichen  menschheit 
vielleicht  noch  in  den  Rigveda  hinein,  dessen  A^vinau-hymnen, 
die  doch  noch  nicht  einmal  die  ältesten  sind,  in  das  jähr  6000, 
wenn  nicht  ins  zwölfte  bis  vierzehnte  Jahrtausend  vor  Chr. 
zurfickschliessen  lassen?  S.  Weber -Förster's  und  meine 
berecbnung  in  den  o.  pag.  76  citirten  abhandlungen.  Diese  frage 
scheint  mir  in  bezug  auf  die  Sanskrit- Arier  des  vierten  bis  sechsten 
Jahrtausends  vor  Christus  um  so  berechtigter  zu  sein,  als  bekannt- 
lich im  Rigveda  auch  von  der  jagd  auf  grosse  raubthiere,  von 
denen  doch  Iran  und  das  Pandschab  wimmelten,  noch  nicht  die 
rede  ist.  Der  löwe  wird  im  Rigveda  nur  gefangen,  niemals  aber  mit 
wurf-  oder  stoss-  oder  hiebwaffen  erlegt.  Uud  so  die  andern 
Würger,  denen  man  mit  fanggruben  oder  fangnetzen  beizu- 
kommen suchte.  Ich  wundere  mich,  dass  Zimmer  in  seinem 
Altindischen  leben,  s.  243 — 245,  wo  er  die  jagd  behandelt,  dem 
psychologischen  räthsel  dieser  erscheinung  nicht  näher  getreten 
ist.  Doch  Zimmer  wollte  ja  freilich  nur  das  leben  und  nicht 
die  Psychologie  des  Veda  darstellen. 

Wie  so  ganz  anders  stehen  die  dinge  im  indischen  epos! 
Der  heroismus  des  Mah&bhärata  ist  von  einer  grandiosität, 
die  derjenigen  der  skandinavischen  recken  oder  deijenigen  der 
beiden  des  Nibelungenliedes  in  nichts  nachgiebt  Vielleicht  ist 
der  heroismus  überhaupt  erst  eine  der  grossen  culturerrungen- 
schaften  der  an  der  schwelle  der  geschichte  angelangten 
menschheit.  Und  so  finden  wir  denn  schon  im  letzten  buch 
des  Rigveda  (X,  154,  3)  folgende  stelle: 

yi  yudhyante  pradhäneshu 
.^'räso  yi  tanütyöjah  | 
„die   in   den  schlachten  kämpfen,   die  beiden,    die  preisgeben 
ihren  leib*'.    In  diese  spätere  zeit  gehört  wohl  auch  der  aus- 


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Emendationen  zum  Rigreda.  91 

druck  rana,  m.  n.,  ,,die  lust'*  d.  h.  die  kriegslust,  der  kämpf, 
die  Schlacht,  ganz  ine  im  Homer  x^9t^V  laicht  Dur^  wie  xafffia^ 
die  freude  im  allgemeinen ,  sondern  vorzugsweise  die  Streitlust, 
den  kämpf  bedeutet  Und  wenn  dem  Herakles  und  lolaos  im 
Hesiod  (also  doch  auch  schon  in  der  nachhomerischen  zeit) 
schhichtgetiimmel  ftoXv  q>llt9Qa  ^oinig  ist  oder  wenn  es  im 
fragm.  GGXXni  (s.  Hirzel,  gleichnisse  und  metaphem  im  Rig- 
veda  pag.  87)  heisst:  Alcaudag^  Ttolifup  x^xogrjdtitg  ^vts  Saizi, 
80  ist  das  die  reine  Unschuld  gegenüber  der  todesverachtung, 
dem  Sterbensenthusiasmus  und  dem  heldentrotz,  die  im  Mah&* 
bh&rata  besungen  werden.  Duryodhana  bekümmert  sich  um  die 
ihn  rings  umschwirrenden  pfeile  so  wenig  wie  ein  elephant  um 
regentropfen.  KarQa  sagt  zu  seinem  vater,  dem  Sonnengott 
Sürya,  der  ihn  auffordert,  sein  leben  nicht  so  gleichgültig  aufis 
spiel  zu  setzen:  „Mir  ziemt  ruhmvoller  tod,  nicht  ruhmloses 
leben,  nach  rühm  strebe  ich  selbst  um  den  preis  des  lebens, 
denn  rühm  ist  Unsterblichkeit'^  Duryodhana  endet  mit  den 
Worten:  „Mit  gerechtigkeit  habe  ich  das  reich  bis  an  das  ferne 
meer  hin  beherrscht  und  in  ehrlichem  kämpfe  die  feinde  be- 
standen. Jetzt  finde  ich  den  schönsten  tod,  indem  ich  meinen 
gefallenen  freunden  nachfolge  in  das  paradies  der  beiden:  wer 
ist  glückseliger  als  ich?*^  Wunden  und  tod  in  der  Schlacht 
öffnen  die  thore  des  himmels,  dagegen  schliesst  furcht  und 
flacht  den  himmel  zu.  Der  tod  im  kämpfe  ist  der  weg  zu 
Indra.  Apsarasen  heben  die  mit  wunden  auf  der  brüst  ge- 
fiillenen  beiden  «uf  ihre  wagen  und  fuhren  sie  unter  pauken- 
schall dem  himmel  zu.  S.  über  den  heroismus  im  Mah&bh&rata 
das  reiche  Stellenmaterial  bei  Adolf  Holtzmann,  Zur  geschichte 
und  kritik  des  Mah4bb&rata  (Kiel,  1892),  pag.  40,  47—49,  50, 
72,  90.  Ueber  den  heroismus  der  Deutschen,  Skandinavier  und 
Kelten  s.  Holtzmann  (vater),  Deutsche  Mytbol.,  pag.  197 — 200. 
Die  Schilderung  der  todesverachtenden  kampflust,  wie  sie  das 
indische  epos  seinen  beiden  nachrühmt,  wird  übrigens  historisch 
bestätigt  durch  das  zeugniss  des  Ammianus  Marcellinus,  der 
von  den  Parthem,  diesen  letzten  trägem  vedischer  traditionen 
am  ursitz  der  vedischen  Sanskrit -Arier,  folgendes  berichtet 
(Lib.  XXITT,  6,  44  ed.  Gardthausen,  t.  U,  pag.  329):  feri  sunt 
UUc  habüaiares  (die  Parther  um  Gharax,  Apamea,  Artacana, 
Hecatompylos)  pagarum  amnium  atque  pugnaces  eosgue  ita 
ceriamina  jywjmt  ä  beUa,  ut  judicetur  inter  qUob  hominis  beaius, 


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92  Brunnhofer 

qui  in  proelio  profudirü  amtnam;  excedentes  mim  e  titä  for- 
tuiia  conviciis  inaectantur  et  degeuMrea  et  ignavas.  In  ein  voll- 
ständiges System  gebracht  ersoheint  der  heroismus  des  indischen 
alterthums  in  der  Kitipraka$ik4  (ed.  Gust.  Oppert  in  seinem 
buch  On  the  Weapons,  Army  Organisation,  and  Folitical  Maxims 
of  the  Ancient  Hindus,  Madras,  1880)  (loka  244—263,  pag. 
125—129. 

Wiewohl  es  nun  in  hohem  grade  gewagt  ist,  aus  lebens- 
anschaunngen  des  Mahäbh^rata  Schlüsse  zu  ziehen  auf  den 
Rigveda»  der  um  mindestens  ein  Jahrtausend  vor  dem  epos 
liegt,  so  erscheint  -es  mir  doch  unmöglich,  dass  ein  schlacht- 
lied  sich  in  ausdrücken  der  feigheit  bewege.  Ich  möchte  dess- 
halb  die  stelle  cani  priydtn  lesen  can&'prigam,  d.  i.  cand 
dpriyam  ^^ichts  unliebes^'  d.  h.  „liebes,  freudiges^S  und  für 
bhdyante  schreiben  bhdyanti,  sodass  also  der  betreffende  Päda  3 
nun  bedeutet:  „(wo)  die  sonnengleichen  (nämlich  die  ndrcJ^ 
die  beiden  von  Päda  1)  die  wesen  in  furcht  versetzen".  Die 
srf;rophe  lautet  nun  in  der  Übersetzung: 

,,Wo  die  beiden  um  eine  fahne  geschaart  zusammengehen, 
in  der  schlacht  wo  es  eine  lust  ist,  wo  die  sonnengleichen 
(beiden)  die  wesen  in  furcht  versetzen«  dort  spracht  ihr,  Indra 
und  Varuna,  über  unsr  euern  schütz  aus'^ 

Eine  ähnliche  verkehrung  des  textes  in  sein  gegentbeil  hat 
eine  brahmaniscbe  memme  in  Rigv.  I,  100,  17  am  namen  eines 
schlachtrosses  vorgenommen ,  wo  schon  Ludwig  ,  (Rigvedawerk 
bd.  V,  29)  fragt,  ob  nicht  Abhayamdnah  geschrieben  werden 
müsse  für  Bhayamdnah, 

12. 
Rigv.  Vm,  17. 
4   no  gantßrii  rig&dasd 
.  imdra  etömam  purubhujd  \ 
kritdqi  nah  9U§riyo  nard 
imd'  ddtafn  abhiahfaye  || 
Ludwig:  „Kommt  zu  uns,  vertilger  der  vertilger,  zu  diesem 
Stoma,  ibr  reich  an  genuss,  macht  uns  hochherrlich^  o  helden, 
gebt  uns  das  irdische  (imd',  neutr.  plur.)  zur  erhaltung'^ 

Unter  den  nicht  gerade  wenigen  Wörtern,  welche  die  vedar 
Philologie  noch  unter  dem  einflusse  der  brahmanischra  etymo- 


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EmeDdatiofien  zun«  Rigveda.  93 

logie  misddeuteC;  ist  rifädaa  keryorniiheben.  Es  i^ird  als  com^ 
poaitain  yoq  rij^a  +  adaa  „die  Zerstörer  rerzebrencH'  {adae  von 
W.  ad,  essen,  versehlingen)  erklärt  Daher  denn  Ludwigs 
„vertier  der  vertilger^S  was  ganz  an  Hegels  definition  des 
rechts  als  der  „negation  der  negation"  erinnert  Ludwig  findet 
es  (bd.  III,  pag.  S4l  seines  Rigvedawerks)  „merkwürdiges  dass 
»ibesonders  die  Marut,  dann  aber  aneh  Mitra,  Varupt,  Aryaman, 
die  Aditya,  die  Asvinau»  Agni,  Soma,  Vi^ve  Dev&h  öfters  rigMas 
heissen''.  Schon  der  umstand,  dass  gerade  die  götter  des 
geistes,  die  Aditya  „femdev^rzehrer^^  hassen  sollen,  mnse  stutzig 
machen.  Es  ist  denn  auch  einleuchtend,  dass  die  traditionelle 
ableitung  des  wortes  nicht  die  richtige  sein  kann.  Wir  müssen 
vielmehr  trennen  ri  +  g&das  und  ri  als  abgekürzt  aus  ari 
au£fas8en,  nach  analogie  so  mancher  andern  Wörter»  insbeson'- 
dere  im  Iranischen,  die  ihr  anfangs-a  eingebüsst  haben.  8.  mein 
Iran  und  Turan  pag.  68.  lieber  die  wurzel  gad,  schmücken 
s.  Roth  zu  YAskas  Nirukti  paig.  83.  Das  adjektiv  rigädas  -* 
*arigädas  bedeutet  also  „sehr  schmückend'',  dann  „sehr  pran- 
gend, sehr  sich  auszeichnend,  sehr  herrlich,  sehr  siegreich'' 
u.  8.  w.  Diese  bedeutung  wird  an  obiger  stelle  besonders  unter- 
stützt durch  die  bitte  an  die  Afvlnau:  kritäfi%  naft  8uer{yo 
„macht  uns  schön  glänzend^',  was  direkt  eine  ausführung  des 
verbalgehalts  von  ri^ädM  ist. 

Dass  rigädas  smne  anfangssilbe  a  eingebüsst  hat,  geht 
übrigens  metri  causa  hervor  aus  Rig»  VI,  öl,  4:  rieä!dasah 
satpattnr  ädabdkdn,  wo  gelesen  werden  muss:  arigü'dasa^k 
sätpaünr  ddabdhäny  (ich  flehe  an)  „die  hochherrliofaen,  die 
wahrhaften  herren,  die  unbethörten'S 

13. 
Rigv.  IX,  10,  8. 
.  nd'bbä  nä'bhminä  &' dade 
edkshug  eit  ^Oirye  sdcä  | 
Hier  ziehe  ich  die  äberset^nng  Hardy's,  Vediscb-brabma* 
Bische  Periode,  pag.  31  jeder  andern  vor:   „An  den  nabel  (der 
göttery^  heisst  es  von  Soma,   „bindet   er  unsem  nabel,   auch 
(unser)  äuge  (bringt  er,  d^  h,  nach  dem  tode  vgl.  Rigv.  X,  16,  3 
„Zur  sonne  geh  das  äuge")   zusammen  mit  der  sonne.    Somit 
ist  der  Ursprung  des  menschengesohlechts  in  der  sonne'^    In- 
dem ich  diese  stelle  nabhä  nd'Miim  nd  &'  dade  mit  dem  namen 


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94  Brannhofer 

des  N^bhanSdM^  zuBaminenhalte,  gelange  ich  zu  folgendem 
ergebniss.  Nabhanedishpui  lasst  sich  bekanntlich  nicht  trennen 
Yon  der  Zendform  des  namens,  nämlich  Nabanazdiaki,  folglich 
muss  beiden  eine  urform  zu  gründe  liegen.  Ich  erblicke  die- 
selbe in  ^nabh€hnaM'i8h^a  y,den  nabel  nähendst^'.  Daraus 
konnte  sich  nach  der  analogie  des  imperativs  daddhi  >,gieh'S 
im  Zend  d(»zdi,  im  Veda  dehi,  die  Zendform  NabanazdisUi,  im 
Veda  Nä'hhanidhishfha  entwickeln.  Dass  das  wort  schon  sehr 
alt  sein  muss,  ergiebt  sich  auch  aus  der  analogie  von  zendischem 
Mazda  gegenäber  vedischem  tnedha.  Wenn  aber  dem  werte 
die  Wurzel  nadky  nahen  (ygL  i^oi)  —  nah  (vgl.  yi^e-Ai  „einen 
Scheiterhaufen  schichten,  d.  h.  binden^'  Gurtius,  örundzz.  d. 
griech.  etym.  \  pag.  295)  zu  gründe  liegt,  so  scheint  es  mir 
nunmehr  wahrscheinlich,  dass  an  obiger  stelle  Bigv.  IX,  10,  8 
nicht  zu  schreiben  ist  nd  ä  dade,  sondern  dass  sie  ursprüng- 
lich gelautet  haben  muss:  ^nahddadhe  -*  nahdm  dadhe,  wie 
es  in  der  Brfthmanasprache  lauten  würde.  Ob  dieses  hypothe- 
tische *nahddadhe  „er  näheU**  schon  sanskritisch  ist  oder  viel- 
mehr noch  der  indogermanischen  sprachperiode  angehöre,  das 
zu  entscheiden  überlasse  ich  der  Sprachvergleichung. 

Nä'bhanedishtha  hat  eine  namensverwandtin  in  der  geburts- 
göttin  Siniväli,  die  ich  ableiten  möchte  aus  w.  9t  nähen,  binden 
und  *nivaii  =  *näbhila,  also  wiederum  „die  den  nabel 
nähende<^  Sinlvftli  ist  übrigens  mondgöttin  und  zwar  crescens. 
Ich  möchte  desshalb  daran  erinnern,  dass  Stn  der  mondgott 
der  Sabier  von  Harr&n  war  (s.  Chwolson,  Die  Sabier,  bd.  H, 
pag.  158  und  808—809)  und  dass  in  der  wüste  Sin  der  berg  Sinai 
einen  mondtempel  hatte.    Doch  darüber  bei  anderer  gelegenheit 

14. 
Rigv.  X,  40,  1. 
In  diesem  hymnus  an  die  A^vinau,  der  den  erklärern  noch 
viel  zu  schaffen  machen  wird,  will  ich  vorläufig  nur  eine  stelle 
(Strophe  1)  als  der  Verbesserung  bedürftig  hervorheben: 
Bdthaifi  yd'ntam  küha  kö  ha  vdni  nard 
prdti  dyumdntar(i  suvüd'ya  bhüahati  | 
prdtaryd'vänani  vibhvhm  vigi-vige 
vdstor-vastor  vdhamdnain  dhiyd'  gdmi  || 
„Euem  wagen,  den  wohin?  gehenden,  wer,  o  beiden,  rüstet 
ihn  euch,  den  glanzvollen,   auf  dass  seine  fahrt  zum  heile  ge- 


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Emendationen  zum  Rigyeda.  95 

reiche,  den  frähaufbrechendeny  weit  herum  wirkenden,  von 
stamm  zu  stamm,  von  haus  zu  haus  &hrenden,  mit  dem  ge- 
danken  zum  sagen  ?'^ 

Hier  gebietet  das  vigi-vife  „von  stamm  zu  stamm"  das 
nachfolgende  västor-postor,  das  bedeuten  würde:  „von  morgen- 
röthe  zu  morgenröthe'^  zu  corrigieren  in  vä^äor-väsior  ,„von 
wohnstätte  zu  wohnstätte''.  Ich  glaube,  es  liegt  in  diesem 
wiederhergestellten  västor-västar  ein  beabsichtigtes  Wortspiel 
Yor  mit  dem  västor-^vaäwr  der  Strophe  3. 

Die  emendation  vä'8iar^ä8f4>r  erhalt  übrigens  ihre  bestäti- 
gang  durch  Rigv.  I,  123^  4,  wo  es  von  der  morgenröthe  heisst 
grihdm^riham  ahand'  ydiy  dehä  „haus  für  haus  besucht  die 
morg6nröthe'^ 

15. 
Rigv.  X,  61,  16. 
In  dem  langen,  räthselvollen  hymnus  auf  die  Vi{ve  Devä 
lautet  Strophe  16 : 

aifdm  8M6  r&'jä  vandi  vedhä 
cupäg  va  vipras  tarati  äväsetuh 
sd  kahMvantam  re/€ty<U  so  Ägnim 
nemimi  nd  cakrdm  drvato  raghudrü  | 
.  Ludwig  übersetzt :  „Hier  der  gepriesene  könig  [Soma]  ward 
als  ordnender  priester  [zugleich]  verehrt,   der  Sänger   kommt 
über  die  wasser,  selber  die  brücke;  er  hat  den  Kakshivän,  er 
hat  Agni  in  bewegung  gesetzt,  wie  des  rosses  schnelllaufend 
rad  den  radkranz". 

Deutlicher  Grassmann:  „Dieser  gepriesene  huldvolle  könig 
[Soma,  nach  S&yana]  wird  gerühmt;  der  weise  setzt  über  die 
wasser,  seine  eigenen  brücken  habend;  er  setzte  den  Kakshlvat 
in  bewegung  und  er  den  Agni,  wie  den  radkranz,  wie  das 
schnell  laufende  vom  renner  gezogene  rad'^ 

Worauf  hier  alles  ankommt,  das  ist  die  bedeutung  von 
kaishivai.  Mit  dem  dichter  dieses  namens  hat  das  wort  hier 
nichts  zu  tiiun,  es  ist  appellativ,  doch  ist  ein  „gurtenbegabter*^ 
Agni  sinnlos.  Ganz  anders  stellt  sich  die  sache,  wenn  wir  das 
h  streichen  und  lesen  (dcshivantam  „achsenbegabt",  „an  der 
achse  laufend^.  Adalbert  Kuhn  hat  für  den  am  rad  berum- 
sausenden  Ixion  die  an  das  lat.  cms,  die  achse,   anlehnende 


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96  Brunnhofer 

form  akshivän  „der  achsenträger,  der  radträger''  als  etymolo- 
gische grundlage  aDgesetzt  (herabkunft  des  feuers  ^,  pag.  69). 
Diese  von  Kuhn  erschlossene  form  liegt  an  unserer  vedastelle 
thatsächlich  yor.  Ebendort  hat  Kuhn  das  in  rasendem  Um- 
schwung rollende  feuerrad  des  Ixion  einen  niederschlag  der 
Vorstellung  eines  sonnenrades  genannt.  Ich  glaube,  an  unserer 
stelle  ist  wirklich  von  einem  durch  könig  Soma  „durch  um- 
drehen einer  achse  in  der  nahe  des  Wagenrades''  erzeugten  feuer 
(Kuhn  pag.  44)  und  zwar  im  sinne  eines  über  allerlei  gewässer 
setzenden  Johannisfeuerrades  die  rede,  eines  rades,  dessen 
rollendem  übersetzen  über  bäche  und  teiche  ein  Somazechgelage 
folgte,  analog  der  von  Jacob  Grimm  beschriebenen  feierlichkeit 
der  loslassung  des  symbolischen  sonnenfeuerrades  am  Johannis- 
abend  zu  Konz  an  der  Mosel,  wo  ebenfalls  eine  weinzecherei 
den  abschluss  bildete.    S.  Kuhn  pag.  44  und  95. 

16. 
Rigv.  X,  68,  1. 

Udaprüto  nd  täyo  rdkshamdnä 

vävadalo  abhriyaepeva  ghöshäh  | 

giribhrajo  nörmdyo  tnddanto 

Brihaspdiim  abhy  ärkd'  anävan  || 
Ludwig   übersetzt:    „Wie  im   wasser   schwimmende  TÖgel, 
wenn  wache  haltend,  wie  der  lautdonnernden  wasserwolke  tönen, 
wie  bergdurchbrechende  ströme  frohlockend. haben  unsere  lieder 
Brihaspati  zugetönt''. 

Ludwig  nimmt  also  keinen  anstand,  die  lesart  rdkshamänd 
für  ursprünglich  zu  halten.  Es  liegt  jedoch  auf  der  band,  dass 
für  die  participialattribute  vä'vadaiah  und  mddantah  ein  syno- 
nymes attribut  auch  für  den  ersten  P&da  gefordert  wird,  ein 
beiwort,  das  nicht  die  träge  ruhe  zum  inhalt  haben  kann. 
Schon  Grassmann  hatte  im  Wörterbuch  zum  Rigveda  unter  rd- 
kshamänd bemerkt,  die  lesart  sei  vielleicht  verderbt  und  hatte 
dafür  fragend  ydkshamdnd  empfohlen.  Allein,  wiewohl  diese 
correctur  ohne  zweifei  ein  besseres  synonym  für  väi>adata^  und 
fnddantalf,  vorstellen  würde,  da  die  wurzel  yaksh^  obwohl  keines- 
wegs ganz  klar,  rasche  bewegung  nach  einem  ziele  hin  be- 
zeichnet, so  liegt  sie  doch  wieder  zuweit  von  dem  überlieferten 
Wortlaut  ab.     Wie   dies  bei  Grassmann    mehrfach   vorkommt, 


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Emendationen  zam  Bigyeda.  97 

hat  ihn  bei  der  übersetzang  der  richtige  poeÜBche  takt  geleitet 
und   ihn   die  atrophe  folgendermassen   sinngemäBs    übersetzen 


„Wie  vf^el,  die  im  wasser  plätschernd  kreischen, 
Wenn  sie  sich  bergen,  wie  gewitterwolken 
Wie  wogen,  die  durch  felsen  tobend  brechen, 
So  schallen  dem  Brihaspati  gesänge^'. 

Wie  gesagt,  Orassmann  hat  hier  unbewusst  das  richtige 
getroffen,  indem  er  die  vögel  „kreischen'*  lässt,  während  er 
freilich  an  rdkshamdnd  festzuhalten  scheint,  wenn  er  sie  „sich 
bergen'*  lässt.  Vielleicht  gelangen  wir  durch  Rigv*  IV,  45,  4 
auf  die  fahrte  nach  der  dem  unmöglichen  rdkshamdna  yoraus- 
gegangenen  ursprünglichen  lesart    Es  heisst  da: 

hansä'ao  yi  vdm  mädhumanio  oaHdho 
hiranyaparnd  ühüva  usharbudhah  \ 
udapriUo  mandino  mandinisprigo 
mddhvo  nd  mdkshah  sdvandni  gachathd^  \\ 

Ich  möchte  mich  auf  die  räthselhaften  ausdrucke  asHdhah, 
mandinisprigah,  ühuvah^  hier  nicht  näher  einlassen  und  vers  4 
halte  ich  ohnediess  für  verderbt.  Die  attribute  aber  zu  den  han- 
ad' sah,  den  gänsen,  sind  ähnlich  wie  die  yon  Bigv.  X,  68,  1 
zu  den  vdydh,  den  vögeln,  also  zunächst  udaprütah,  dann 
mandindh,  das  an  mddantdh  erinnert,  wie  das  vd'vadaiah  an 
ühuoah  anklingt,  das  offenbar  nichts,  wie  Ludwig  will,  mit 
Wurzel  vahf  ziehen,  zu  thun  hat,  sondern  ein  onomatopoetischer 
ausdruck  ist  wie  das  deutsche  uhu.  Das  üküvdh  usharbudhah 
fasse  ich  als  „mit  geschrei  die  morgenröthe  weckend'^  Welcher 
art  dies  geschrei  ist,  darüber  belehrt  uns  die  stelle  Rigv.  II,  39,  3. 
Der  betreffende  hymnus  ist  allerdings  einer  der  jüngsten  des 
ganzen  Rigveda,  die  ewig  wiederkehrenden  iva  gemahnen  völlig 
an  den  ebenfalls  späten  glossatoren-cento  Rigv.  X,  106.  Die 
bilder  von  II,  39,  3  sind  aber  natürlicherweise  indisch,  dürfen 
also  für  X,  68,  1  herbeigezogen  werden.  Es  heisst  da  in 
n,  39,  3: 

cakraväkha  prati  vdäor  usrd 
arvd^fica  ydtarri  rathyhva  cakrd  | 

Ludwig:  „Wie  die  zwei  Gakraväka  (männchen  und  Weib- 
chen) beim  tagesgrauen,  ihr  rothen  (A(vinä),  kommt  heran  wie 

IMtiif*  s.  kudt  a.  iadg.  ■pffMhaii.    XXYl.  7 


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98  Brannhofer 

Wagenräder!''  Das  mrä  ermnert  an  hiranifaparnd  und  das 
eakrä  am  ende  des  Terses  wiederholt  onomatopoetisch  das  auch 
im  namen  der  gänseart  Cakray&ka  angedeutete  geschrei  kra, 
Ära.  Es  ist  die  von  der  indischen  kunstpoeaie  yerherrlichte 
gänseart  anas  casarca»  von  welcher  die  indischen  dichter  fabeln, 
das  männeben  s^  des  nachts  vom  weibchen  getrennt,  in  der 
morgendämmerung  aber  liessen  ne  ihr,  gleichsam  die  morgen- 
röthe  weckendes,  freudengeschrei  erschallen.  Also  diese  cakra- 
v&ka  sind  unter  den  vdyah  von  Rigv.  X,  68,  1  verstanden, 
deren  geschrei  kra  kra  uns  nunmehr  berechtigt,  die  falsche 
lesart  rdkshctm&nä  zu  verbessern  in  die  richtige  krdkshamänä, 
„kreischendes  von  der  im  Rigveda  noch  zweimal  wieder- 
kehrenden Wurzel  kraksk,  laut  aufkreischen,  z.  b.  Rigv.  VIII, 
65,  11: 

dnu  tvd  BödatA  ubhi 
krdkshamdnam  akripeläm  \ 
rndra  ydd  dasjfuhd'bhavak  \\ 

„Dir  seufzten  beide  weiten  nach, 

Dem  schreienden,  als,  Indra,  du 

Zum  tödter  der  dämonen  wardst''.    (Grassm.) 
Ausser  dieser  stelle  begegnet  die   wurzel  kraksh  noch  in 
dem   compositum  vanakrakshd   „im  walde  kreischend",  Rigv. 
IX,  108,  7: 

d'  Botd  pari  shiücata 

a^va^ji  nd  stömam  aptürani  rajastüram  \ 

vanakrakshdm  udaprütam  | 
„Presset  ihn,  giesset  ihn,  den  vde  ein  ross  gleichsam  wasser 
ersiegend^a  (?),   raumdurcheilenden  stoma,  den  im  walde  auf- 
kreischenden,  im  wasser  plätschernden". 

Ludwig  möchte  hier,  an  stelle  von  stöma^  loblied,  setzen: 
söma,  und  es  unterliegt  keinem  zweifei,  dass  auf  Soma  ange- 
spielt wird,  aber  eben  nur  angespielt ,  wie  im  Rigveda  bei 
Wortspielen,  wie  dem  vorliegenden,  so  oft;  ich  glaube  desshalb, 
dass  in  stötna  nur  ein  beabsichtigter  anklang  an  söma  er- 
blickt werden  darf,  wobei  denn  die  ausdrücke  vancJerak- 
shdm  uddpnUam  ihrerseits  wieder  an  die  cakraväkagänse  er- 
innern. 


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EmendatioDeD  mm  ftigveda.  99 


18. 
Bigv.  X,  72,  8;  9. 
askiaü  puirä'w  A'diUr 
yi  jätd'»  iawri»  pdti  \ 
devä'n  üpa  praft  9apidbhfk 
pdrd  Mdrtdndäm  diyai  ||  8  || 
sapiäbhik  puirair  Äditir 
üpa  prdü  püroydfß  yugdm  \ 
frajd'yai  mriiydte  UhU 
pinar  Mdrtdnddm  d'bharat  ||  9  |{ 

Ohne  diese  beiden  atrophen  zu  Übersetzen,  mache  ich  aaf- 
merksam  auf  die  merkwürdigen  ttbereinstimmangspunkte,  die 
zwischen  diesem  yedahymnns  und  der  Glyliaginningsaga  der 
edda  vorliegen.  Auf  dieselben  näher  einzugehen,  würde  sich 
reichlich  lohnen,  ich  begnüge  mich  hier,  der  ranmerspamiss 
wegen,  auf  dies  räthsel  hingedeutet  zu  haben.  Ich  gebe  aus 
der  Gylfaginning  nur,  was  sich  mit  MArt&^da  berührt 

„Die  Hei  warf  Odin  hinab  nach  Niflheim  und  gab  ihr 
gewalt  über  die  neunte  weit,  dass  sie  denen  Wohnungen  an- 
wiese, die  -zu  ihr  gesendet  würden,  solchen  nämlich,  die  vor 
alter  oder  an  krankheiten  starben.  Sie  hat  da  eine  grosse 
wohnstätte;  das  gehege  umher  ist  ausserordentlich  hoch  und 
mit  mächtigen  gittern  verwahrt". 

Der  Hei,  die  von  Odin  in  das  reich  des  dunkeis  hinabge- 
worfen wird,  damit  sie  da  in  ihrer  hohle  die  todten  aufnehme, 
entspricht  in  unserm  vedahymnus,  der  zwar  spat  verfasst  ist, 
aber  uraltes  kosmogonisches  traditionsmaterial  verwerthet,  der 
räthselhafte  Mdrtdn^,  den  man,  ich  weiss  nicht  worauf  ge- 
stützt, mit  „söhn  des  eies",  d.  h.  vogel/  wiedergiebt.  Allein 
das  wort  würde  höchstens  übersetzt  werden  können  mit  „söhn 
des  eies  eines  sterblichen*',  was  ein&ch  abgeschmackt  wäre.  Hier 
liegt  ein  falsch  gehörtes  wort  vor.  Ich  schreibe  Mdrtdntra 
„herr  der  todtenhöhle"  (mrüa-antra)".  Sofort  begreift  sich 
nun  die  bemerkung,  Aditi  habe  den  Märtfti^da  (d.  i.  den 
*M8rtäntra)  zum  herm  des  todes  gemacht  (tnräydve  .  .  . 
ä'bharaU). 


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100  Brunnhofer. 

19. 
ßigv.  X,  89,  13. 
dnv  dha  md'sd  dnv  id  vdn&ni 
änv  öshadhir  dnu  pdrvaUUak  | 
dnv  l'ndrarß  rödwA  vdvagäne 
änv  äfo  ajihata  j&'yamänam  \\ 

Ludwig  übersetzt:  „Die  moDde,  die  bäume,  die  kräuter,  die 
berge,  die  lauten  beiden  weithälften,  die  wasser  kamen  [giengen] 
Indra  nach,  als  er  geboren  ward'S 

In  dieser  dunkeln  Strophe  des  dunkeln  hymnus  des  Renn 
Vai^Y&mitra,  in  dem  ich  schon  in  meinem  Iran  und  Turan 
auf  iranische  demente  aufmerksam  gemacht  habe,  kann  in 
Päda  1  das  wort  tnd'sä,  monde,  unmöglich  richtig  sein.  Un- 
möglich können  die  monde  dem  Indra  liebend  nacheilen,  es 
giebt  nur  einen  mond,  aber  mdaa  bedeutet  nur  mond  oder 
monat.  Hier  muss  also  entweder  ein  textfehler  vorliegen  oder 
tnä8d  muss  iranisch  erklärt  werden.  Ich  hatte  für  dha  mä'sä 
zuerst  schreiben  wollen  ähanä'sä  „die  schwellenden,  üppigen 
somastengel",  aber  das  nachfolgende  iahadhih  scheint  es  zu  ver- 
bieten, d.  h.  überflüssig  zu  machen.  Und  so  möchte  ich  mich 
denn  entschliessen,  mäsä  zu  erklären  als  den  plural  des  Zend- 
adjektivs  mctöha  (Justi  Zendwb.  pag.  230)  „eilend,  kommend'*, 
es  liesse  sich  sogar  an  Zend  fn<Mhya,  der  mensch,  denken.  Ich 
möchte  also  die  Strophe  so  übersetzen: 

„Eilends  giengen  dem  Indra,  als  er  geboren  ward,  nach 
die  bäume,  die  kräuter,  die  wolkenberge,  liebend  {v&vag&ni)  die 
beiden  Rodasi  (die  beiden  gemahlinnen  des  Rudra  und  des 
VaruQa),  die  (himmlischen)  wasser". 

Für  dha  mä'sä  liesse  sich  auch  an  ahanasah,  die  morgen- 
röthen  (s.  Rigv.  I,  123,  4),  denken. 

Oder  darf  man  statt  ajihata  vermuthen:  *ajihaB(a)ta  „sie 
lächelten  ihn  hold  an*',  aor.  ätm.  von  W.  hos?  Und  dhä,  die 
tage,  mä'sd,  die  monde? 

20, 
Rigv.  X,  105,  7. 
vdjrarß  ydg  cakri  mhdn&ya  ddsyave 
hirimagö  Mrimdn  \ 
dnUahanur  ddbhutam  nd  rdjah  |;  7  || 


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Emendationen  zotn  Rigveda.  101 

„Ludwig  fibersetzt:  (Bildete)  „den  donnerkeil ,  der  dem 
schnell  getöteten  Dasyu  einzeln  zerschnitt  die  därme,  des  un- 
gebrochenen kiefer  wie  der  wunderbare  raum'^ 

Ludwig  bezieht  das  perfekt  tatäkslM  der  vorbergehenden 
Strophe  6  nocb  auf  vdjram  zu  anfang  der  strophe  7,  ich  glaube, 
mit  unrecht.  Ich  erblicke  in  hirimofd  Mrimän  ein  beabsich- 
tigtes Wortspiel,  schreibe  drugahanur  iiir  dnUakanur  und 
rakshäh  für  rdfoh.    Ich  übersetze  die  Strophe  so: 

„Er  (Indra),  der  den  donnerkeil  schuf  zur  erfolgreichen 
tötung  des  dämons  (den  donnerkeil)  der  da  die  gedärme- 
zerreissend  ist,  der  goldene,  der  Aru^atöter,  der  da  erschlägt 
das  furchtbare  riesengeschlecht".  Das  gerundiv  suhdnäya 
ddsyave  entspricht  durchaus  dem  häufigeren  vritrdlya  hdntave 
Rigy.  ni,  37,  5;  Vm,  12,  22,  oder  dem  rakshdse  hdfUavä^u 
V,  2,  10.  In  hirimafö  erblicke  ich  kein  adverb  auf  f(i8,  son- 
dern ein  compositum,  worin  ich  hir(  mit  Ludwig  zu  dem  lat. 
häi,  gedärme,  mofa,  zerreissend,  zermalmend,  zum  lat  mace- 
rare  halte.  Der  dämonentödter  Indra  kann  nicht  selbst  druia- 
hanu  „unzerbrochene  kinnbacken  habend**  sein,  denn  er  selbst 
zerschlägt  ja  den  kinnbacken  dem  gewitterdämon  Vritra, 
aber  Aruga-kan  ist  er,  „tödter  des  oder  der  Arufa",  mag  nun 
Arufa  sein  was  es  will,  ich  denke,  es  ist  ein  mit  dd^yu  syno- 
nymes wort.  Femer  ist  rdjah  sinnlos,  es  kann  nichts  anderes 
als  falsch  gehörtes  rakshds  sein,  wozu  ddbhuta  „übernatürlich, 
übermenschlich**  sehr  gut  passt.  Der  accusativ  ddbhutam  nd 
rakshdh  ist  noch  abhängig  von  der  verbalkraft  der  wurzel  han 
in  *drufahanuk 

Berlin,  Oktober  1899.  Brunnhofer» 


Worterklänmgen  zum  Big^veda. 

1.    vip(M,  hagel. 

Rigv.  I,  80,  12. 
nd  vipasd  nd  tanyatd' 
l'ndroflfß  Vrürö  vi  bibhayat  \ 
abhy  inarß  vdjra  dyasdh 
»ahdsrabhrishflr  dyata  || 


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102  Bninnhofer 

Ludwig  fibersetzt:  ,,Niolit  daroh  lied,  und  nicdit  durch 
donner  hat  Vritra  den  Indra  in  furcht  gesetzt,  auf  ihn  drang 
ein  der  eherne  keil  mit  tausend  schneiden,  preisend  seine 
Selbstherrschaft''. 

Orassmann  sieht  ein,  dass  v^pM  unmöglich  „lied"  bedeuten 
könne,  mindestens  nicht  in  dieser  Zusammenstellung  mit  donner 
und  flbersetst  so: 

„Durch  raschheit  nicht,  durch  donner  nicht 
Erschreckt  den  Indra  Vritra  je^^  u.  s.  w. 
Was  vipas  ist,  scheint   mir  durch  folgende  parallelstelle 
zttr  obigen  strophe  beweisbar.    Es  ist  Rigv.  I,  32,  13: 
nStsmai  vidyün  nd  ianyaiüh  sishedka 
nä  yd'm  miham  akirad  dhrädünirß  ca  \ 
TndroQ  ca  ydd  yuyudhä'te  Ä'hig  ca 
utdl'parVbkyo  maghdvd  vi  jigye  \ 
Ludwig:    „Nicht  hat  ihm  der  blitz,  nicht  der  donner  ge- 
holfen, noch  die  hagelnde  wölke,  die  er  ausgebreitet;  als  Indra 
und  der  draohe  kämpften,  da  hat  auch  für  die  Zukunft  Mag- 
havan  gewonnen"« 

Das  lied  besingt  den  sieg  des  mit  der  frühlingssonne  den 
Winterdrachen  bekämpfenden  Indra.     Vgl.  Goethe's  Faust: 
„Vom  eise  befreit  sind  ström  und  bäche 
Durch  des  frühlings  milden,  belebenden  blick. 
Im  tbale  grünet  hoffnungsglück. 
D«r  alte  winter  in  seiner  schwäche 
Zog  sich  in  rauhe  berge  zurück. 
Von  dorther  sendet  er  fliehend  nur 
Ohnmächtige  schauer  körnigen  eises 
In  streifen  über  die  grünende  flur. 
Aber  die  sonne  duldet  kein  weisses". 
Nicht  vipas  und  nicht  donner  hat  dem  winterdrachen  ge- 
holfen, heisst  es  I,  ^,  12.    Nicht  blitz,  nicht  donner,  noch  die 
hagelnde  wölke  I,  32,  13.    Da  pun  vafra,  wofür  auch   vifra 
Yorkommt,  im  Avesta  „schnee"   bedeutet  und  diese  bedeutung 
(s.  Hom,  Neupers.  etym.  pag.  47,  no.  202)   durch  das  neupers. 
berf,  pehlewi  vafr,  kurdisch  vafr,  befir,  bafer,  berf,   a%han. 
väf?ra,  Schneeflocke,   plur.  schnee,   behitschisch  barp  bestätigt 
wird,  so  kann  nach  massgabe  dieser  faktoren  tipas  wohl  kaum 
etwas  anderes  bezeichnen  als:  hagel. 


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Worterklärungen  zum  Rigreda.  103 

Die  griechische  mjthologie  hat  den  hagel  ab  drachen- 
zahne  aufgefasst,  über  deren  streitbare  brat  die  lonnengötter 
Kadmos  und  Jason  (Yiyasvan?)  mit  leichtigkeit  herr  werden. 
S.  Hahn,  SagwissenschaftL  Stadien  pag.  189,  anm.  18. 


2.    jdtü'bharman,  donnerkeilträger. 
Rigv.  I,  103,  3. 

sd  jätubharmä  araddidkdna  öja^ 
püro  vibhinddnn  acarad  vi  dä'^  \ 
vidvd'n  vqjrin  dästfate  heUm  a9ya 
äryokqi  sdho  vardJtayä  dyumndm  Indra  || 
Ladwig  übersetzt:  „Mit  des  j4ta  last  seiner  stärke  tränend 
wanderte  er  dahin  sprengend  die  bargen  der  Dfts4s,  kandig,  o 
keilbewehrter,  wirf  den  pfeil  auf  den  Dasyn,  mehre  der  Arya 
herriiche  Übergewalt,  o  Indra*'. 

Grassmaan  umschreibt  das  von  Ladwig  unübersetzbar  ge- 
fundene jäUUbharmä  mit  „gebomer  kämpfer^S  leitet  also  jtüu  ab 
von  W.  Jan,  zeugen  und  einer  W.  bhar,  bhfi,  kämpfen,  die  aber 
nur  aus  dem  slayischen  bor6hs9^  kämpfen,  erschlossen  werden 
kann.  Was  letztere  wurzel  betri£Ft,  so  könnte  man  sie  in  Bha^ 
rata,  das  etwa  dam  rassischen  horiz  kämpfer,  krieger,  ent- 
spräche, finden,  wozu  dann  die  „allesüberwind^dde  göttin  Bh&- 
rati<<  {devi'  Bh^raÜ  viff0(aiirtii^  Rt.  II,  3,  8)  stimmen  würde, 
wogegMi  freilich  Gustav  Oppert,  On  fhe  original  InhabiianU 
of  Bharatofxtrska  or  India  (Leipz.,  1893)  die  Bharata  für  die 
Barrhai  des  Ptolemaeus  and  diese  für  die  Bhdrs,  Mars,  Hhdra, 
Mahdrs,  Mhairs  or  JU&rs,  ja  y,to  a  certain  extent*'  für  die 
Barbara  or  Varvara,  d.  b.  für  ,Jbarbarianif*  erklärt  (pag.  38). 
Ob  bharman  von  der  W.  bhar  kämpfen,  abgeleitet  werden 
soll,  die  im  Veda  als  verbum  finitam  nicht  nachweisbar  ist, 
sondern  nur  noch  im  yorindisohen  namen  der  Bharata,  der 
„kämpfer''  überliefert  ist,  ist  eine  frage,  dorm  entscheidung 
von  der  bedeutnng  von  jätu  abhängt  Ich  halte  jdtu  für  ein 
zoadwort,  abzuleiten  von  Vf.  jam,  schlagen,  entsprechend  dem 
zendwort  jaühwan,  „schlagend",  janthtoa,  tödtend.  Der  jätu 
ist  der  vajray  der  donnerkeil  und  jatü' bharman  ist  ein  syno- 
nymum  von  vqfrabhfit,  vajra/vdh,  „den  donnerkeil  (in  der  band) 
tragend'%  vdjräbdkUf  vdpraha$ta,  vdjradakehnta.     Die  anmittel* 


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104  Bninnhofer 

bare  erklärung  dieser  Wörter  bietet  Rigv.  II,  16,  2:   häsU  voj- 
ram  bkarati. 

Der  jäfubharman   „der   donnerkeilträger"    bat    übrigens 
einen  doppelgäuger  in  vridiaprabharman  Rigv.  V,  32,  4: 
fydm  cid  eshdiri  svadhdyä  mddantam 
mihö  ndpäiaifi  suvridharii  tamogä'm  \ 
vrtahaprahharmA  Dänavdsya  bhä'mam 
vdjrena  vajH'  n{  jaghäna  ^üshnam 

Ludwig  übersetzt: 

„ihn,  der  an  der  göttlichen  speise  dieser  [lebenden]  sich 
berauschte,  der  wölke  kind,  den  stark  wachsenden,  im  dunkel 
befindlichen  [vielmehr:  wandelnden],  hat,  der  den  stierkräftigen 
schleudert  [vielmehr:  in  der  band  trägt]  des  Dänava  zomfeuer, 
mit  dem  keile  der  keilbewehrte,  niedergeschlagen,  den  Qushna''. 

Also  der  vrühaprabharman  ist  „der  den  stierkräftigen 
schleudert  [oder  vielmehr:  in  der  hand  trägt].  Er  ist  der 
vajrin  „der  donnerkeilträger''  wie  schon  oben  Rigv.  I,  103,  3. 
Grassmann  freilich  macht  aus  ihm  einen  „dem  der  kräftige 
[Soma]  vorgesetzt  ist'S 

Ein  anderes  j<}^ii  begegnet  Rigv.  X,  27,  11,  wo  es  Grass- 
mann mit  ,  jemals,  überhaupt'%  als  accus,  eines  neutralen  subst. 
von  W.  Jan,  zeugen,  erklärt  Die  jatä  anakdia  duhita  ist 
dort  einfach  die  „von  gehurt'^  (instrumental)  blinde. 

Oh  jdtusthira,  den  Ludwig  als  eigennamen  auflfasst,  der 
aber  nur  beiname  des  Indra  sein  kann,  in  Rigv.  II,  13,  11  den 
„von  gehurt  kräftigen '^  oder  .,den  donnerkeilkräftigen''  be- 
zeichnet, kann  kaum  entschieden  werden,  das  nachfolgende 
sdhasviU  lässt   eher  auf  „den  donnerkeilkräftigen"  schliessen. 

3.    vasarha   =s  altpers.  vazraka,  gross. 

Rigv.  I,  122,  3: 
mamdUu  naih  Pdrijwä  vasarhd' 
mamdttu   Vä'to  apd'm  vrishanvän  \ 
Ludwig:    „Es  erfreue  uns  Parijman,  der  den  frühling  zu- 
rücklässt  (bringt),  es  erfreue  uns  Väta,  der  stierkräftige  (regner) 
der  wasser". 
Grassmann : 
„Erfreun  soll  uns  der  stürm,  der  früh  den  feind  schlägt, 
Grfreun  der  wind,  der  regen  uns  herbeifuhrt''. 


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Worterklärungen  zum  Rigveda.  105 

EDtgegen  diesen  beiden  etymologien  von  vaaarhA',  die  beide 
das  wort  als  compositum  fassen,  und  entgegen  der  von  mir  in 
meiuem  „Iran  und  Turan'*  (1889)  pag.  29  aufgestellten  ablei- 
tuDg  des  Wortes,  wonach  es  den  „frühlingspender'*  (h&  es  zend- 
form  der  Sanskritwurzel  9ä  a  san)  bedeuten  soll,  möchte  ich 
jetzt  in  dem  wort  gar  kein  compositum  sehen,  sondern  darin 
das  altpersische  wort  *i>azarka  =  vazraka  der  keilinschriften 
erblicken,  das  „gross,  stark*^  bedeutet.  Ich  erinnere  dabei  an 
den  altpersischen  personennamen  Tcrrv-o^a^xi/g  —  ^tanu-^az- 
raka  „leibesstark'*  bei  Ktesias  (s.  Keiper,  Die  Perser  des 
Aeschylus  pag.  107).  Keiper  interpretirt  diesen  namen  noch 
näher  als  „an  leib,  körper  stark,  mächtig'^  Das  |  repräsen- 
tirt,  wie  bekanntlich  in  so  vielen  andern  föllen,  das  aa  oder  sh. 

Dass  in  dem  hymnns  des  Kakshivat  Dairghatamasa  sprach- 
elemente  vorhanden  sind,  die  dem  Iranischen  angehören  und 
sich  schlechterdings  nicht  aus  dem  Sanskrit  verstehen  lasseo, 
das  beweisen  die  Wörter  der  Strophe  4:  prd  mäidrä  rdspi- 
näsyäyöh,  worin  ich  (Iran  und  Turan^'  pag.  28)  anklang,  aller- 
dings nur  gehöranklang  an  das  pehlewiwort  raspina  „herbst'* 
gefunden  hatte,  während  ich  die  stelle  selbst  iu  prdmdtarav 
a^nasya  yatAnah  „die  beiden  gebieter  des  rossegefilds '  aufge- 
löst hatte.  Obwohl  ich  die  Schwierigkeit  dieser  erklärung 
gegenwärtig  stärker  empfinde,  als  vor  zehn  jähren,  wiisste  ich 
doch  noch  keine  ansprechendere  zu  geben. 

Zu  dem  an  jener  stelle  gesagten  füge  ich  gegenwärtig 
hinzu,  dass  dem  femininum  (väana  (dem  infinitivischen  dativ 
^etanä'yai  „zur  hellwerdung^',  Ludwig)  ganz  merkwürdig  das 
russische  neutrum  gvetdnie  „hellwerdung,  anbruch  des  tages'' 
entspricht. 

4.    sina,  waffe,  donnerkeil. 

Rigv.  II,  30,  2: 
yd  Vrürä'ya  simtm  ätrabharishyat 
Ludwig:    „Der  auf  den  Vritra  da  die  wa£fe  schleudern 
wollte". 

Grassmann:  „Wer  dort  das  gut  dem  Vritra  rauben 
wollte". 

Woher  anders  als  auf  seine  etymologie  von  wurzel  sd,  san 
„erlangen"  gestützt,   Grassmann  dem   Substantiv  sina  die  be*- 


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106  firunnhofer 

deutuDg  „habe,  gut^^  zuertheilt,  weiss  ich  nicht  und  was  sollte 
denn  übrigens  das  dem  Vritra  geraubte  gut  sein?  Ich  glaube, 
Ludwigs  Übersetzung  ist  annehmbarer,  wiewohl  auch  für 
Grassmanns  Übersetzung  der  W.  bhar  mit  „rauben'^  (ygL  russ. 
braih  wegnehmen)  sich  die  beweisstelle  Rigy.  X,  46,  16  anführen 
liesse,  wo  bharati  selbst  nach  Ludwigs  commentar  (Eügveda- 
werk,  bd.  IV,  pag.  410)  die  bedeutung  „raubt,  hinwegnimmt^' 
hat 

Da  sich  in  diesem  hymnus  unverkennbare  iranische  wort- 
und  lautelem^te  vorfinden,  so  wird  es  gestattet  sein,  auch  in 
sina  dn  solches  zu  erblicken.  Schon  Bradke  hatte  in  seiner 
abhandlung  über  Oyaus^Asura  (1885)  pag.  96—97  erkannt: 
fydvaroB  (in  Vrikad^oaras  str.  4)  sieht  wie  eine  erauische  form 
s=  dhvaras  aus  . . .  Vrikadvaras  könnte  also  die  halbsanskriti- 
sirte  form  eines  eranischen  eigennamens  Vehrkadvaranh  sein*'. 
Ich  fuge  dem  hinzu,  dass  die  in  str.  8  erwähnten  „teufelsver- 
ehrer'S  die  Qat^dikä,  deren  könig  Vrikadvaras  ist,  ( VrOcadvaraso 
Äsurasya  tH'rdn  str.  4),  und  die  der  dichter  Gritsamada  und 
gott  Indra  auf  den  tod  bekämpfen  {Vniro  homti  vrishabhdm 
QdHdikändm)  sich  passend  erklären  aus  zendischem  za^da, 
hezenmeister,  zauberer  (Justi  Zendwb.  pag.  121;  Spiegel, 
Avesta-Gommentar  bd.  I,  pag.  405). 

Auf  grundlage  dieser  zwei  iranischen  Wörter  erlaube  ich 
mir,  das  subst.  sina,  das  nach  dem  zusunmenhang  nur  ss 
vajra,  donnerkeil,  sein  kann,  zu  erklären  aus  armenischen  zind^ 
bewaffioen  (Lagarde,  Armenische  stud.,  pag.  54,  no.  783),  es 
bedeutet  also  „waffe'\ 

5.    riku  pttddm,  sandvrüste. 

Rigv.  IV,  5,  12. 
gühd'dhvanah  paramdrii  ydn  no  asya 
riku  paddifi  tid  nidänd  aganma  || 
Ludwig:  „Zu  einem  entfernten  orte  sind  wir  ohne  tadel  zu 
erfahren  [bereits]  gekommen^\ 

Grassmann :  „Zum  letzten  ziel  des  weges  sind  wir  heimlich 
gekommen  wie  zu  leerem  ort,  verhöhnet  (?). 

Das  wort  rSku  [paddm]  wird  von  der  tradition  als  rikta, 
leer,  erklärt,  von  W.  ric^  räumen.  Das  wäre  zunächst  de9ertumf 
wüste, 


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Worterkläningen  sufn  Rigyeda.  107 

Darf  man  das  wort  r^cu  zasammenstellen  mit  dem  Ba- 
lutschi-wort  rik,  r^,  sand,  sandige  stelle,  sandhfigel,  wobu 
Geiger,  Etymologie  des  Balatschi,  pag.  143,  no.  37  noch  neu- 
persisch  rSk,  kurdisch  r^,  rih,  a^han.  rig  stellt?  S.  auch 
Hörn,  Etymol.  des  Neupers.  pag«  142,  no.  642. 

Sollte  im  P&da  3,  entsprechend  dem  riku  paddm  des  P&da 
4,  Tielldcht  gelesen  werden  dürfen :  giihdni  dhdnpa^  parcmdni 
yän  no  asya?  „in  das  versteck  der  wüste,  deren  höchstes  terrain 
uns  gehört^^  ?  Der  gen.  sing,  käme  von  dhdmts,  wie  tanvds  von 
tanu'j  und  dhdnus  hätte,  wie  das  synonyme  dhdnpanf  auch  die 
bedeutung  von  „wüste''.  Die  gukä  dkdnvait  wäre  dann  der 
tautologtsche  ausdruck  für  riku  paddm.  Wenn  riku  nach 
massgabe  des  Balutschiwortes  rik  den  „sandhügel''  bezeichnet, 
80  würde  dann  paramdm  vollkommen  dazu  stimmen. 

Die  aweite  stelle,  wo  riku  paddm  vorkommt,  ist  X,  108,  7 : 
aydm  nidhih  Sarame  ddrümdhno 
gibhir  ägvebhir  vdsubhir  nyrishfak  \ 
rdktkanti  iäm  Pandyo  yi  sugopd' 
riku  paddm  diakam  ä'  jagantha  | 

Ludwig:  „Steinernen  boden  hat  diese  Vorratskammer,  voll- 
gestopft mit  rindern,  mit  rossen,  und  mit  guten  dingen;  die 
behüten  die  Pa^i,  die  guten  Wächter;  zu  einem  weit  entfernten 
orte  bist  du  umsonst  gekommen*^ 

Uebereinstimmend  Grassmann,  nur  dass  dieser  riku  paddm 
mit  „leer  ist  der  ort'^  wiedergiebt  und  ddribudhnah  „auf  fels- 
grund  ruht  der  schätz  hier*'. 

Hier  möchte  ich  in  bezug  auf  die  bedeutung  „sandwüste, 
sandhügel'^  ^aufmerksam  machen  auf  das  attribut  ddribudhna^ 
das  ojBTenbar  zu  riku  vorzüglich  passt. 

6.    fi^d,  erbse. 

Rigv.  X,  33,  3. 

musho  nd  gignä'  vy  bdanti  mddhyah 

stUd'rarii  te  gatakrato  \ 

Die  vielumstrittene   stelle,    worin  die  gignd  im   sinne   von 

phallus   bald   diese,   bald  jene   rolle   spielen,   erhält   vielleicht 

ihren  ganz  einfachen  und  ansprechenden  sinn,    wenn    wir  die 

geographische  proveoienz  dieses  faymnus  ins  äuge  fassen  und 

in  fi^  ein  iraniselies  wort,  wenigstens  an  dieser  stdie,  er- 


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108  Brunnhofer 

kenneD.  Dass  der  hymnus  auf  das  hoohland  von  Iran  gehört, 
beweisen  wohl  die  Pdr^avak,  die  Perser,  in  str.  2  und  beweisen 
die  mädhyah,  die  panzer,  als  die  „niedischen^\  die  Nöldeke 
und  Weber  in  ihnen  erkannt  haben.  S.  Weber,  Magavyakti 
Nachtrag  p.  812.  Vielleicht  finden  sich  in  dem  hymnus  und  im 
namen  des  dichters  Kavasha  Ailüsha  noch  andere  anhaltspunkte, 
die  zu  der  annähme  des  iranischen  Ursprungs  des  hymnus  berech- 
tigen. Halten  wir  diesen  fest,  so  dürfen  wir  gtQnd  an  dieser 
stelle  vielleicht  erklären  als  sanskritisirten  reflexe  eines  arme- 
nischen sisem,  gen.  siseran,  erbse,  welches  Lagarde,  Arme- 
nische Studien  pag.  136,  no.  1996  mit  dem  lat  dcer  identi- 
ficirt  Oder  hängt  ^^d  in  der  bedeutung  „erbse**  iigendwie 
zusammen  mit  dem  persischen  kkhnak,  oQoßogy  syrisch  kurnn^ 
OQoßog  (s.  Lagarde,  G^es.  abhh.  pag.  59,  no.  149)?  Ich  kenne 
aber  allerdings  kein  persisches  wort,  dessen  anlautendes  k  einem 
sanskritischen  p  entspräche.  Ist  diese  etymologie  angängig, 
dann  übersetzt  sich  die  stelle  so: 

„Wie  die  mause  erbsen  zerfressen,  so  mich,  den  lobsänger, 
o  hundertkräftiger,  die  sorgen".  Zu  den  ^ifnd,  die  die  mause 
fressen,  vgl.  Horaz,  Satiren,  buch  II,  6,  116 — 117  in  der  fabel 
von  der  stadtmaus  und  der  landmaus:    Die  landmaus  erklärt: 

me  Silva  cavusque 
Tutus  ah  insidiis  tenai  solabitur  ervo. 

Es  ist  darnach  zu  berichtigen,  was  ich  1889  in  meinem 
„Iran  und  Turan",  pag.  46  über  die  stelle  geschrieben  habe. 

7.    akrd  =  lat  acer,  ahom. 

Rigv,  X,  77,  2. 
divds  putrasa  ää  nd  yetira 
Ädityasas  te  akrd  nd  vdvridhuh  || 
Luflwig:    „Des  himmels  söhne  haben  sich  angestrengt  wie 
hirsche,  wie  säulen  wuchsen  die  Aditya  in  die  höhe". 

Grassmann:  „Die  söhne  des  himmels  gingen  wie  hirsche 
gereiht,  sie,  die  Aditya,  wuchsen  wie  heeresbanner  empor". 

Weder  „säulen"  noch  „heeresbanner"  wachsen,  was  bei 
dem  realismus,  durch  den  sich  die  poetischen  bilder  des  Rigv. 

1)  Oder  Tgrl.  lit.  nikmtnä  feines,  zur  Verfertigung  von  riemenseug 
gegerbtes  leder?    Damit  vergleicht  gr.  ^tacxapa  Fiok  ^  I,  434.    Pr. 


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Worterklärungen  zum  Rigveda.  109 

auszeichnen,  die  unzulässigkeit  der  beiden  äbersetzungsversuche 
bedingt  Ich  erblicke  in  akrd  an  dieser  stelle  das  lat  cu^r, 
ahom,  einen  bäum,  der  bekanntlich  zum  riesen  hei-anwachsen 
kann.  Vgl.  über  ihn  aus  antiken  quellen  Hehn,  Kulturpfl.  ^, 
pag.  491;  240.  Für  das  bild  des  wachsthums  bietet  sich 
Rigv.  VIU,  13,  17: 

rndraifi  kshoni'r  avardhayan  vayä'iva. 
Ludwig:    „(Den)  Indra  hat  die  menschheit  gross  werden 
lassen  wie  bau^läste'^ 
Grassmann: 

(Gunst  suchend  Hessen  wachsen  ihn 
Die  priester  durch  der  opfer  streu), 
Den  Indra  der  gewässer  flut 
Wie  zweige  ihn. 
Beide  Übersetzungen  sind  unmöglich,  die  kshani's  sind  die 
suta'sa  indavah  des  Pllda  1  der  vorhergehenden  Strophe,  näm- 
lich „die  gepressten  tropfen'*  des  Soma.    Diese  sind  es,  die  den 
Indra   wachsen   liessen,   wie  das   astwerk  und  gezweige  einen 
bäum. 

Die  Übersetzung  „säule**  sucht  mit  material  aus  dem  Rig- 
veda  und  Homer  nicht  ohne  geschick,  aber  erfolglos  zu  retten 
Arnold  Hirzel,  Gleichnisse  und  mataphern  im  Rigveda  (Lpz., 
1890),  pag.  105. 

Ich  übersetze  also:  „Die  Aditya  wuchsen  wie  Ahorne  empor<^ 

8.    rakshds,  riese. 

Die  im  yeda  und  epos  vielberufenen  ungeheuer,  die  roh- 
shds,  n.  {rdkshctsa,  m.,  ist  episch),  haben  ihren  namen  zweifellos 
von  Wurzel  2  rakah  „beschädigen'S  zend.  rakhg  und  rash^  be- 
schädigen. Vielleicht  kehrt  das  wort  auf  europäischem  boden 
wieder  im  albanesischen  rekes,  m.,  riese.  S.  Meyer,  JBtymol. 
wb.  d.  albanes.  spr.,  pag.  363. 

Berlin.  Brunnhofer. 


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110  A.  Fick 


L  Einige  {priechiBche  namen. 

Die  inschriften  auf  alikoriüthischem  thongeräth,  deren  ent- 
zifferung  von  Blase  Sammlg.  3119—3156  so  sehr  gefordert  ist, 
enthalten  viel  interessantes   für  die  griechische  namengebung. 
Es  mögen  hier  einige  bemerkungen  in  diesem  sinne  folgen. 
3119  d.  ^Ef»et(og)  ist  natürlich  Ev^erog,  mit  ß  far  v,  was  ja 
auch   sonst  vorkommt.    Der  name   ist  alt  und  gut,   ein 
Evd'eviünf  Kvda&tjvauvg   wird  von  Demosthenes  1356  er- 
wähnt und  eine  koseform  Qha»  wird   uns  noch   später 
beschäftigen. 

3119  h.  51   ?o „Da  ein  fuchs  unter  einer  tanne  voi^^ 

stellt  ist,  so  vermuthet  Röhl  geistreich  Vo(^m$)  —  didu- 
frtjS  Heeych'^  Vielleicht  nicht  weniger  geittreioh  wäre 
9o(Xavfig)  nach  Timokreon  von  Rhodos  ovk  iydß  fidva 
noloviflg^  ivTi  %al  aUai  aXtarrmi^g;  nwiewohl  Bölil  auch  an 
96(fai  denkt  (auf  dem  verlorenen  theile  der  tanne,  nach 
der  äsopischen  fabel)*'  Blass. 
3130  F$Kaßa  beweist  fär  digamma  im  anlaut  Somit  stellt 
sich  der  name,  den  ich  früher  wie  tlfiafiog  und  Ila^^ 
für  „troisch^*  hielt,  su  der  anlantgruppe  Feiw  in  ^«xa- 
f^ijda  u.  a.  /€xa-  gehört  wie  fenaxa-  zu  fwm^  J^huai; 
fMKaßolog  und  f9Maj^e(fyog  ist  der  mit  und  naoh  dem 
willen  trifft  und  wirkt. 
3133.  In  Jidal/tav  ist  wohl  kein  mit  reduplication  gebildeter 
name  zu  erkennen,  und  die  Verbindung  von  Jid-  mit  an 
teitr  „fröhlich"  GP  *  98  entfernt  sich  zu  sehr  vom  gri^ 
chischen  sprachboden.  Vielmehr  ist  Jid-  mit  Seod-, 
6ot;d-  in  Bovö-i^Ttnog  von  d-eodo-  ^  d^soitno^  in  parallele 
zu  stellen.  Eine  Jidonj  fuhrt  PB.  an,  Ji-q>chnjg  und 
Ji-^piLog  haben  ebenfalls  Jl-  für  Jio-  nach  dem  altj^n 
dativ  Jt.  Also  wäre  Jid-^iifiov  ein  mann,  „dem  das  leben 
von  ZeuB  gegeben  ist"  vgl.  Evaiaap  :  ^iW  GP.  *  60. 
3143.  Mit  2q>6QTog9  wenn  so  zu  lesen,  kann  man  atpi^fsa*  %a 
ag>oifa  divdqa  und  aq>OQ^äv'  Xifii»  Hesych  vergleichen. 
Auch  in  den  hier  überlieferten  namen  lässt  sich  das  rei- 
zende spiel  des  wechseis  von  voll-  und  kosenamen  beobachten. 
So  liegt  neben 


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1.  Einige  grieohische  namen.  111 

noiAfläidag  3124  :  ^oidag  3147. 

3140  (Amphiareos  auszug)  Ahlnrta  :  3130  (Hektors  auszug) 

Ahtk  (zu  ahoQ  „schrecklich'*  wie  auch  udlralag). 
3151  wird  ein  pferd   O^frig  genannt.    Der  volhiame  dazu  ist 
OeQd-nxog,  so  hiess  der  renner  des  königs  Hieron  von  Sy- 
rakus  nach  Find.  Ol.  I  18. 
„Gekappte^'  kosenamen  bieten  3126  und  3127,   beide  mit  der 
darstellung  einer  eberjagd.    Neben  üolvdwijog  steht  3126 
ein  Ilolvdagf  und  zum  IIoXvqKxg  dieser  vase  giebt  die  an- 
dere 3127  den  voUnamen  IloXvfpaiiog  her. 
Hier  sind  zusammengehörig  zu  denkende  paare  mit  dem- 
selben namen  in  der  voll-  und  koseform  ausgestattet    Ein  ähn- 
liches beispiel  bietet  die  Uias  in  den  namen  der  beiden  Pria- 
mossöhne  itdvrupoitog  und  ^Avfupog.      ii  250  nennt   Priamos 
unter  den  ihm  verbliebenen  söhnen  einen  l4vi:iq>wog\  ein  Pria- 
mide  *'Av%^pog  tödtet  J  489  einen  gefährten  des  Odysseus  und 
wird  selbst  A  101 — 109    von   Agamemnon   erlegt.     Auch    in 
historischer  zeit  vertheilt  man  so  voll-  und  kosenamen  i^uf  ein 
brüderpaar  wie  bei  ^iTCTtotqfjfpg  und  ^Inniag;  ein  erlauchtes  bei- 
spiel  im    Deutschen    sind    die    brüder   Karlmann    und   Karl. 
Übrigens  geht   der  name  'Avtltpovog  wie  *Av%iifdviig  auf  die 
bhitracbe  ipifpog  optl  tf&vov.     Der  name  Jatg>ovog  auf  korin- 
thischer vase  3130  ist  an  sich  unbedenklich,  doch  ist  er  viel- 
leicht, wie  Blass  bemerkt,  für  Jabfoßog  verschrieben, 

J  395  ist  Aitofpovog  der  vater  des  Kadmeers  nohnfov- 
Tfjg^  dem  namen  nach  „der  leibhafte  iD6rog'\  dieser  persönlich 
gedacht,  wie  Hesiod  in  der  Theogonie  228, 

^Yafävag  7«  06yavg  tM  Maxag  %  ^uirdnoTttetaiag  t€ 
die  06^01  unter  den  kindem  der  Eris  aufzählt  (3135  deutet 
Blass  Hva/Aijva  auf '/crfiifyce;  könnte  nicht  ^Yofiiva  gemeint  sein? 
vgl.  ^A^q>i%qE%a  3119?)  Übrigens  sind  die  namen  Avt6<pong 
und  noXvq> 6 vtfjg  ganz  offenbar  nach  AvtoXvxog  und  uivKo- 
q>6y%fig  gedichtet  — 

Man  könnte  versucht  sein  auch  die  namen  der  eng  ver- 
bundenen gottheiten  Ai^aia  und  Jofiia  mit  hinblick  auf 
'udi^iäfifjLog*  'EQfi^g  Hesych  aus  einer  wurzel  herzuleiten.  Setzt 
man  für  av^cu  in  Av^Uh^og  den  gewöhnlichen  aorist  ccv^am^ 
so  gewinnt  man  ein  gottesbeiwort  oaS^oLda^og^  und  aus  diesem 
würde  durch  kärzung  vom   und   hinten  Av^aia  und  Jofiia 


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112  A.  Fick 

hervorgehen.  Doch  mag  JapLla,  lakon.  Japioia  auch  wie  Jvjfiti 
koseform  zu  JafjtdztjQ  sein. 

Dagegen  sind  die  namen  der  drei  attischen  thauschwestern 
Aglauros,  Pandrosos  und  Herse  aus  einer  blossen  beschreibung 
des  thaufalls  ^QOfj  hervorgegangen.  Man  braucht  nur  die 
namen,  ganz  unpersönlich  gedacht,  in  dieser  folge  zu  lesen,  so 
bedeutet:  dyJLavQog  TtdvÖQoaog  fgotjy  der  form  nach  ein  drei- 
gehobenes verslein  oder  der  schluss  eines  hexameters,  nichts 
anderes,  als :  „die  bei  heiterer  luft  —  aylaog  —  avga  —  alles 
beträufelnde,  —  ndvdQoaog  —  bethauung  —  ?i^ij".  Wie  wenig 
man  hier  ursprünglich  auf  die  Schaffung  wirklicher  d.  h.  mit 
dem  scheine  der  möglichkeit  ausgestatteter  namen  ausging, 
zeigt  die  beibehaltung  der  endung  -og  in  ^u^yhxvQog  und  IIop^ 
dQoaog^  die  doch  einem  richtigen  frauennamen  gar  nicht  zu- 
kommt Wenn  nun  eine  ^^ylavgog  auch  als  mutter  der  drei, 
darnach  'Aylavgldeg  genannten  angegeben  wird,  so  ist  auch 
das  peinlich  richtig,  denn  thaufall  tritt  bekanntlich  nur  bei 
heiterer  luft  ein. 

„Dass  Inachos  und  Ino  zusammengehören,  ergiebt  sich  aus 
der  Hesychglosse:  'Ivdxsia'  koQTTi  udevxox^iag  h  KQrjTrji^  arto 
^Ivdxov^'  vf.  o.  22,  s.  62,  wo  auch  ^IvwTtog  fluss  auf  Delos 
dazu  gestellt  wurde.  Ursprung  und  bedeutung  dieser  namen 
lässt  sich  durch  einige  Hesychglossen  aufhellen.    Wir  lesen  da: 

ivdaar  naraxicu.  xataTcldaai.  xaraßaleiv. 

Ivdaato'  %atsxBW,  ixdd-oQsv  (purgierte) 

Iräa^ar  eKmevovad'ai.  %at  TtQotead-ai. 

ivfj^elaa'  Tta&agd'siaa.  xevfa&eiaa, 

Ivti^Bvog'  i^eXwv^  hmevovpLBVog^  %ov%  %o%i  Tt(((üi^evog 
dq>^  ov  xai  vTtegivog  (bei  Hippokrates)  Uysvai  und 

ivwvTai'  l^iSaiv  (?) 

Das  wort  gilt  für  ionisch,  aber  Ivdaat.  und  ivdoa%o  be- 
weisen für  sein  vorkommen  auch  ausserhalb  der  las. 

Vergleicht  man  ivdaaro  mit  idwdaavo^  ivfj&eiaa  mit  dv- 
vri&elaaj  so  kann  man  kaum  zweifeln,  dass  hier  wie  in  dvvafiai 
die  Verallgemeinerung  eines  alten  präsens  auf  -yä,  -vä  vorliegt 
So  führt  uns  das  aktiv  ivdaai  auf  ein  altes  pr&sens  hä-fic  : 
Yvä-fisvy  und  dieses  deckt  sich  mit  dem  ved.  iänä'4i  üfuU  zu 
iS-^  dessen  bedeutung  „in  rasche  bewegung  setzen,  werfen, 
(waffen)  schleudern,  wirbeb  machen,  entsenden;  intrs.  eilen" 
mit  der  glossierung  von  Iva^  ^,xataßal8ivy  TtqoUa^ai^^  u.  s.  w. 


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1.  Einige  griecliische  natnen.  lld 

sehr  wohl  stimmt.    Wie  sich  hieraus  die  bedeutung  ,,au8leeren 
d.  i.  purgieren"  entwickelt,  zeigen  die  glossen. 

Hiernach  lässt  sich  der  alte  flussname  '*Ivaxog  genügend 
deuten,  -xog  steht  nach  altbeliebter  kürzung  für  -xofog,  -joig 
„aufschüttung,  schutt"  u.  s.  w.  ähnlich  wie  in  n6Xv-ßog,  ßorj- 
^ÖQy  xelfjioQQog,  Jodv-aaog  für  ßovg^  --dvßog^  -Qo/og,  -aaoßog, 
und  wird  der  bei  starkem  gefölle  jedenfalls  viel  Schotter  und 
schlämm  absetzende  bach  sehr  passend  als  tovv  %(na%iiay 
oder  xaraßdXktay  benannt,  x^^ff  erkenne  ich  jetzt  auch  in 
IUT(fccxog,  namen  einer  felsparthie  bei  Chaironeia,  vgl.  nhgfjiai 
nffoxffTiqiai  im  hom.  hymn.  Apoll.  383,  also  eine  steinschüttung, 
eine  yermuhrung,  wie  man  in  Tirol  sagt.  Xovg  erscheint  auch 
in  Mfxa-xoiov  kastell  Böotiens,  dagegen  gilt  der  name  des 
kyprischen  flusses  SacQoeiog  oder  ShQoxog  für  semitisch.  Mit 
der  Verwendung  von  Ua-  in  der  Zusammensetzung  vei^leiche 
man  die  von  dapiva-  in  Jaftva-f^ieyivg^  Jafjtv-ayoQagy  JafiV' 
innog,  nokv-dafiva  und  mit  der  koseform  '/nJ  den  sagennamen 

Das  so  erschlossene  verb  tvrjfii^  iväfiev  ist  vielleicht  auch 
in  der  von  mir  o.  25  s.  227  f.  behandelten  amorgischen  In- 
schrift zu  erkennen.  Hier  glaubte  ich  das  hinter  ovßcmHv 
überlieferte  evivafisv  in  ivixafiev  &=  i^ixa/Asv  ändern  zu  müssen; 
liest  man  h-ivaftsv  als  imperfekt  von  üvfjfii  mit  ^-,  so  würde 
ein  ivsßdXJLofiev  vgl  Ivaaai'  xctraßolelv,  yuxzaxiai  wohl  passen; 
doch  kennen  wir  den  gebrauch  des  verbs  nicht  aus  lebendigen 
beispielen  sondern  nur  aus  den  nicht  allzuklaren  glossemen  bei 
Hesych.  Wie  steht  es  mit  iareTQ  Thera  4790  d?  Die  basis 
von  iva-,  äol.  iwa-  aus  Ihva-  ist  Iha-  in  IcUvw^  Idofiaij  la-fSg 
d.  i.  ifia-^gy  sskr.  iH-  in  üi-td^  üi-rd,  wie  dafia'-  die  basis  von 
dafiya-  ist. 

Die  zweite  von  mir  a.  a.  o.  behandelte  inschrift  von  Amor* 
gos  wird  wohl  besser  gelesen:  ^'Efacig'  fjie  &i^v€  ^Enaiieivwfp 
d.  i.  (Ich  bin)  Erasis,  mich  —  Epameinon,  mag  man  das  verb 
auflassen,  wie  man  will.  Der  name  ^Egaaig  ist  jetzt  auch  sonst 
belegt:  Smlg.  3933  Rhodos  heisst  es  ^EQdtfov  'EQdaiog  Ke- 
dgedtag;  auf  Thera  findet  sich  der  name  CGI.  3  n.  335. 


Mtiige  s.  kvnd«  d.  Indg.  ft]»nelien.  XXVI.  8 

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114  A.  Fick 


2.   aog>6gf  enlaaoq)og, 

Prellwitz  hat  im  etymologischen  Wörterbuch  s.  294f.  die 
erklärung  von  aoipog  wiedergegeben,  die  Osthoff  (Paul  u.  Braune's 
beitrage  XIII,  423)  geliefert  hat.  Er  hat  sie  dann  aber  mit 
recht  aufgegeben  und  o.  XXÜ,  s.  86  versucht,  die  alte  Zu- 
sammenstellung von  aoq>6g  mit  aaq^  zu  rechtfertigen.  Auf 
einen  andern  weg  der  erklärung  aber  weist  die  Zusammen- 
setzung Iniaaoifog ,  die  im  testament  der  Epikteta  z.  199  f. 
mehremale  als  titel  eines  beamten,  8g  tig  dvasl  tag  dvaiag  vor- 
kommt. Hierzu  bemerkt  Blass  in  seiner  bearbeitung  der  in- 
schriften  von  Thera  Sammlung  4706:  jyimoöoq>og  nur  hier  vgl. 
für  die  bildung  imaxoTtog,  eq)Ofog;  der  zweite  theil  muss  den 
verbalstamm,  von  dem  auch  ao^g  kommt,  enthalten".  Dieser 
verbalstamm  wird  nach  inix((07tog  :  tf^ftB-^  ifOQog  :  tpi^  — 
doch  nur  a8q>€  —  oder  vielmehr  nach  i7cl-aaoq>og  ursprünglich 
aaeq>e-  gelautet  haben.  Nun  ist  zwar  ein  stamm  acqo«-  nicht 
nachzuweisen,  aber  der  anlaut  a  (aa)  kann  im  Griechischen 
aus  einem  anderen  volleren  hervorgegangen  sein  und  noch  mit 
diesem  abwechseln.  In  einigen  fallen  liegt  so  neben  a  ein  an- 
lautendes tfß.    Zum  beispiel  in 

aäydag'  sldog  piVQOv  ^  ipaydag  Hesych,  auch  tpaydav;  die 
salbe,  von  den  komikern  erwähnt,  kam  aus  Aogypten ;  auch 
das  wort?  Es  liesse  sich  deuten  als  tpayda  verwendet  vgl. 
tpaatav  und  tpcmttJQ  :  xpijxtQa  bei  Hesych  von  tp^w, 
tptixfo, 
aaiatog'  iXaia  ^laoTtJ  Hesych  vgl.  xpaiatov  Aristoph.  Plut. 
138,  wozu  die  erklärung  bei  Hesych  \paia%a  :  ahpiTa 
ilaiü)i  dedevfxiva^  beides  zu  tpaiatog  zerrieben  wie  ipaiofia 
und  tfßoifia  zu  tpalaaad'ai^  xffaLead'tu  und  dies  zu  xfnjv  d.  i. 

aa^Qog  gut  attisch,  auch  bei  Pindar  und  Herodot:  neben  tpa- 
d'aQO'  aid'kaata,  oa^qa^  ^9^^  da&ey^,  xpadv^a  und  xpi- 
d'sa-  %p(0f4ia;  tpa^äXlßiv'  xvri^eiv  Hesych  und  weiter  noch 
die  glossen  tpw^iov  rb  vTtoxatia  tov  äfrov  und  tpci^ia 
(aus  Pherekrates)  rä  %ov  aqzov  dnod'QotvüpLa^a,  Zu  gründe 
liegt  eine  Weiterbildung  von  \fnjv  (i/nj-*€-)  t//a*€-,  rjßia&B, 
Neben  tpddvg  liegt  xpadv-  in  xjßadv^og,  xpvj-d'U)  zu  tpfj-v 
tpaiü)  wie  xvtj'dta  zu  %v^v  xvalu). 


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2.   a<Hp6g,  ininfawfK.^.  115 

aalayal*  TOQaaosiy  aaXa§a&'  xcrroxilvam,  Kivilaaij  aalax^iy 
auad'h  und  tpahiaaMi  bei  Aristoph.  Lys.  84,  und  so  auch 
aakog,  aaXevop  zu  tpdlkto?  vgl.  ^alig  —  xai  %a%Aa  nUnjaig 
Hesych. 

aalvyd'  ^  owBXfig  yuvtjOfg,  wozu  schon  W.  Schmidt  y/aXig  ver- 
gleicht und  oalvyijv'  %ijp  ywofihrjy  xLvfjOiv  ix  %fig  xora- 
qfOffSg  taS  dvgdnTOv  cSkw  nalüad'ai  qKxai  und  tpaXvywv 
€VTOi  tfHilvyag  zag  leyofiivag  tlwxdg  (motten,  Schmetter- 
linge) afAUvov  xai  tovg  da&ereig  onir^Qog  Hesych,  von 
ihrer  zuckenden,  vibrirenden  bewegung. 

2aft<pii  neben  VaTtgxoy  wie  die  dichterin  sich  selbst  nannte, 
Vaqxop  Kyrene  sammig.  4833,  Vfa'^^i^,  Vatpidai  attischer 
demos;  dazu  auch  Vunpig. 

adqiv^  Odyiov  eldogj  ofioiop  ifßdQioi  (lies  tpafi?)  vgl.  ifßdQig' 
tldog  vBwg^  TQiJJnavg  von  y^cdifw.  Ist  aaiif(a  urspriinglich 
identisch  mit  ymiifü}? 

aavxQog^  aavKQonoieg  s=  tlKtVKQogj  tpoevKLQdnada  bei  Anti-^ 
machos. 

aaxvov  dad-evig,  %av¥W  „zerrieben,  zerreiblich"  zu  rpantdr* 
rijp  ^uj/Kt^v  piSCflVy  tffOKTiJQ  :  '^rpi%Qa  zu  ^i/xoi  :  iptjixio. 

(filipa*  aiunia'  KQ^vagüeejch  zu  '^iq^ag,  doch  ist  das  ai  be- 
fremdlich, etwa  sekundäre  dehnung  des  nominativ  ae^)? 

aiXXil^ea^ai'  tlßsXXi^aad'aL  Hesych  von  tpelXog  stammelnd. 

aiäyoveg  kinnbacken  wohl  sicher  zu  t^/a>,  xjnaai^  xpitjvai, 
tpi^oai'  tfßwfilaai.    Parallel  gebildet  ist  d'tayöveg. 

aivdg  abfallende  frucht,  offenbar  =  tpivdg  und  dies  von 
fp&ipdg  nicht  zu  trennen,  ebensowenig  wie  alvofiaif  \pivo- 
fiai  und  (pd^ivmy  vgl.  ipiaig'  aitüiXeia  Hesych  =  q>d^ioig, 

aitTa  hirtenruf  bei  Theokrit  wird  auch  als  y^irga  ange- 
geben. 

aiTTag'  oqvig  noiög'  evioi  de  %w  tfjmcmov  Xiyovaiv  Hesych 
vgl.  aiTtani^^  oiTTaxog  a  tpuTcmi^f  t/^iTf^oxo^  Papagei. 
(Wohl  fremdwort). 

a Ol d'fjg  tffi^Qog'  dXaC(jSv'  didßoXog  und  tpoi^g  et'  aXaCdy 
{*^%%ixoi'  XdXog'  a%m(ivXag). 

om%ü}  bei  Herodot  in  xata^atixia  zerreiben  aus  xpujxu}  zu  V^^ 

Anderes  ist  unsicher  wie  z.  b.  oi%og  zu  %fnaai  vgl.  tpittia' 

8* 


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116  A.  t^ick 

An  diese  reihe  achliesst  sich  ao^pogy  eftiaaoqfog  an,  wenn 
man  es  als  abgelautet  aus  dem  verb  xffiqxü  betrachtet.  Die  be- 
tonung  von  aog>6g  ist  regelrecht,  wie  in  %0fi6g  schneidend  neben 
tofjiog  schnitt.  Das  yerb  ipiqxo  ist  als  solches  nur  bei  Hesych 
überliefert:  xljiq>ßv'  didoixevj  hTQinUj  Ivrcei^  q>^v%iCßL.  Die 
bedeutung  „bedenken,  sich  kümmern"  tritt  deutlicher  heryor  in 
der  ableitung  d^eq^g'  dqfQovtiavov.  2o(poiüi^g  OaiÖQcu  und 
dxjß^wv  äfislfSv  bei  Hesych,  sowie  in  .^sraxpifpuv  fÄSTa- 
fiMleia^av  und  fieraxpigHo^  fietaßovXtvofiM.  Darnach  wäre  der 
i7iiaaog>og  ein  im^ekrfsiqg  von  opfern,  jedenfalls  passend  be- 
nannt. 

*A\fji(fnjg  heisst  ein  Athener  guter  zeit,  ein  anderer  ^AxpB- 
q>iiav.  Der  name  gehört  zu  den  gewagten,  pikanten,  die  wie 
KdXXcuaxQOg  auf  der  grenzscheide  zwischen  lob  und  tadel 
stehen.  Sorglos  sein  kann  schaden  bringen,  aber  wer  als 
Ov%a)iiyü»y  Hans  Ohnsorge  durchs  leben  geht,  ist  mit  innerer 
gemüthsruhe  gesegnet,  die  allen  schaden  reichlich  aufwiegt 

aog>6g  ist  bekanntlich  dem  epos  ganz  fremd,  aog>ia  kommt 
nur  einmal  O  412  vor  in  der  arbeit  des  erbreiterers,  der  weit 
umhergeworfen,  auch  sonst  allerlei  dialektisches  in  seinen  Wort- 
schatz aufgenommen  hat.  Jedenfalls  stammt  das  wort  auch 
aus  einer  mundart,  vielleicht  aus  dem  Attisch-Ionischen.  Uebri- 
gens  lässt  sich  auch  nicht  behaupten,  dass  aaoq>6g  aus  tpo<f6g 
entstanden  sei,  es  kann  in  xljiqxo  und  aaoq>6g  eine  verschie- 
dene behandlung  des  uns  noch  unbekannten  ursprünglichen, 
vorgriechischen  anlauts  vorliegen,  wie  in  d-alvw:  neqmiv, 
atillw  :  OTCokagy  atfjQi^ofiai  :  oxrjQiTttü}  u.  a.  Hierüber  wird 
erst  eine  eingehende  Untersuchung  der  griechischen  anlaute  a 
und  tfj  licht  verschaffen  können. 


3.   Zur  thessalischen  mundart 

Bei  Kupritzi  2  stunden  von  Sophades,  dem  alten  Kierion 
ist  eine  bronze  aufgefunden,  deren  schrift  in  den  MDA.  21, 
s.  248  veröffentlicht  und  von  R.  Meister  in  den  berichten  der 
K.  Sachs,  ges.  d.  w.  1896  s.  252  f.  einer  eingehenden  bespre- 
chung  unterzogen  worden  ist  Mit  recht  bemerkt  derselbe,  dass 
sie  „an  die  spitze  aller  thessalischen  inschriften  zu  stellen"  sei. 
Der  schrift  nach  stammt  sie  noch  aus  dem  5.  jahrh.  v.  Chr., 


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3.    Zur  thessalischen  mundart.  117 

die  e-  und  o-laute  sind  nicht  geschieden,  der  hauch  wird  be- 
zeichnet, und  das  digamma  hat  die  auch  sonst  in  Thessalien 
übliche  form  des  E  ohne  mittelstrich.  Sie  lautet,  in  cursi?- 
Schrift  wiedergegeben: 

eahvXoQeovTog  g>iXovL%ohvioa 
^svovwi,  BÖoxav  aoraiQOi  toix 
OQivd-ioi  xavTOi  nai  yeveixaif 
oixiaTaiaxai  xQ^f^^<^^^  aavlia 
5  vüctteXeiay  xev/Qyercn^e 
Ttoieaav  %9if%ayccM»  atay 
laiaitia  tavtaTtaqßatvoiXO 
vtayov  TOT  eTteatoKOvrae 
l^avayuaievta  xQvoiOKaiTa 
10  aqyvQia  xMßehpai,oanoX 

ofieya  eaoae  (in  klein,  schrift)  oqBa%aoq>£q&fiQax 

Die  inschrift  ist  bis  auf  die  letzten  buohstaben  tadellos  er- 
halten und,  von  dem  fehlen  aller  interpunktion  abgesehn,  gut 
geschriebeUi  nur  z.  5  steht,  veranlasst  durch  die  ähnlichkeit 
von  E  (digamma)  und  E  evfQyerce¥  statt  ev/e^yerav. 

Wir  lernen  viel  für  den  älteren  thessalischen  dialekt  aus 
diesen  wenigen  zeilen.  Die  meisten  punkte  hat  Meister  schon 
a.  a.  o.  hervorgehoben. 

Z.  1  hvXoQiovtog  beweist,  dass  die  alte  gemeingriechische 
flexion  der  verba  auf  eto  auch  bei  den  Thessalem  ursprünglich 
brauchlich  war  und  erst  später  allnuUilig  durch  die  jut- weise 
verdrängt  ist;  bisher  war  nur  dteveXei  bekannt,  priLsens,  wie 
Prellwitz  dial.  thess.  s.  5  richtig  gesehen  hat,  aus  dii  —  did 
und  raXei  »-  teXin.  Hiemach  behandelten  die  altem  Thessaler 
diese  verba  ganz  wie  Homer:  bo  blieb  offen,  es  wurde  contra- 
hiert,  und  die  ^i- weise  drang  ein  wie  im  homer.  q>OQriiievai, 
Auch  die  äolische  weise  in  Ttodijoi  ddirnjei  ist  jetzt  bei  den 
Thessalem  zu  belegen:  in  der  inschrift  von  Lmsa  im  Bull. 
Gorr.  Hell.  13,  378  von  Fougeres  herausgegeben,  geben  die 
Larissäer  einem  manne  xmovMlow^i,  h  A{ciqUfa)  das  bürger- 
recht,  wozu  Hoff  mann  Dial.  2  n.  17  richtig  bemerkt:  ^^Mtvomei- 
ovw&i  ist  8=  Tunoixijom^\  Ob  das  ov  =  o»  aus  dem  nominativ 
nach  der  jetzt  so  beliebten  erklämngsweise  „verschlepptes  oder 
ob  dem  Steinmetzen  die  zweifellos  damals  schon  herrschende 
vulgärform  ii(noi.novvit^  in  den  sinn  gekommen,  ist  hier  ja  gleich- 


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118  A.  Fick 

gültig,  xifi^aaiv  z.  4  ist  das  erste  beispiel  der  alten  kurzem 
dativform  der  consonantischen  stamme,  vorher  kannten  wir  nur 
thessalisch  -booi.  Also  anch  ursprüngUch  -at  und  -eaai  neben 
einander  wie  bei  Homer.  Fast  noch  wichtiger  ist  das  ange- 
hängte V  vor  vocal  in  %qii]piaaiv  aavXiav,  Früher  galt  das 
fehlen  des  v  iq>ekK.  als  eine  hauptdifferenz  zwischen  den  Äolem 
nnd  der  spräche  des  epos.  Äusserst  interessant  ist  i^^onnsnuairpf ! 
Die  vollere  form  i^  neben  ig  Belq>aiü}  z.  10  stimmt  zu  der 
regel,  die  Blas s  auch  für  i^  und  «x-  aufgestellt  hat;  der  mangel 
des  nasals  findet  sich  auch  in  dvomaiov  „Zuchthaus,  arbeitshaus'* 
„von  Suidas  aus  Isaios  angeführt,  wo  jetzt  avapunov  herge- 
stellt (!)  ist'^  Passow  u.  d.  w.,  doch  wird  es  auch  durch  den 
namen  des  attischen  demos  'Avomcua  verbürgt.  Endlich  wird 
durch  dy  wohl  als  dd  zu  denken,  wie  im  Boot,  und  Lakonischen 
eine  besonderheit  in  der  ausspräche  des  ^  bezeichnet  wie  im 
Aeolischen  durch  ad.  Zu  ifteatoKovta  mit  seiner  einbusse  der 
reduplication  genügt  es  auf  Meister  zu  verweisen. 

Die  ersten  beiden  Zeilen  sind  sachlich  sehr  schwierig.  Der 
gebrauch  von  ig  =  i^  vor  der  amtsbezeichnung  ist  befremdlich 
—  sollte  ^g  „es  war"  zu  lesen  sein?  Und  wer  sind  die  aus- 
steller  der  Urkunde?  Wie  es  scheint,  die  Qsvwyioiy  aber  schwer- 
lich wird  man  eine  grössere  gemeinde  dieses  namens  in  Thes- 
salien auffinden.  Ausserdem  steht  dann  hvlogy  der  homerische 
genetiv,  hier  zuerst  in  lebendiger  spräche  erscheinend,  ohne 
nähere  bestimmung  da:  der  Hylore  kann  doch  nicht  bloss  als 
söhn  des  Philonikos  bezeichnet  sein.  Auch  der  Anklang  von 
hviog  d^etwioi  an  viog  d-erog  hilft  nicht  weiter,  denn  die  hviog 
d'erwviai  als  einen  magistrat  zur  vornähme  von  adoptionen  zu 
nehmen  wäre  doch  gar  zu  abenteuerlich. 

Vielleicht  hing  unsere  platte  mit  einer  grösseren  reihe  Ur- 
kunden zusammen,  deren  erste  die  ausstellende  bürgerschaft 
nannte,  deren  name  dann  in  den  folgenden  als  selbstverständlich 
weggelassen  wurde?  Da  die  Urkunde  vollständig  zu  sein  scheint 
darf  man  in  den  ersten  buchstaben  sg  schwerlich  die  Kiegi-eg 
suchen?  —  Was  ist  hviog  Genovioi?  Ich  sehe  in  dem  zweiten 
werte  den  thessalischen  genetiv  auf  -ot  und  betone  demnach 
Getcjvioi.  Zwar  lautet  der  genetiv  daneben,  me  auch  sonst  in 
der  Thessaliotis  auf  w  in  OilovUw,  BehpaLw,  aber  es  giebt 
auch  sonst  spuren,  dass  beide  formen  neben  einander  gebraucht 
wurden.    So  liest  man  in  einer  Inschrift,  die  „vermuthlicb  dem 


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3.   Zur  thesealischen  niundart.  119 

alten  Gyrton  zuzuweisen'^  ist,  sammig.  1328  neben  KaXkinTtai 
Bavfiowuoi  in  der  nächsten  zeile  OiXayQov  Memnaioi,  wozu 
ich  Yor  15  jähren  bemerkte  ^y^iXotynov  ist  schwerlich  aus  <Di- 
Xayifii  verschrieben,  sondern  die  genetive  auf  ta  lagen  wohl  ur- 
sprünglich neben  denen  auf  o^,  wie  bei  Homer  ov  neben  o^o^*'. 
Ein  zweites  beispiel  f&hrt  Prellwitz  s.  37  aus  Phalanna 
Sammig.  1329  II  a  15  an  in  Bi^vhxog  Jkfivlav,  wo  ich  beide 
namen  getrennt  und  Sifwkov  als  dati?  gefasst  hatte,  aber  da  die 
Damen  dieser  Inschrift  durchweg  den  yatemamen  neben  sich 
haben,  sehe  ich  jetzt  mit  Prellwitz  in  SifivXav  den  genetiy 
and  stimme  aus  demselben  gründe  Hoffmann  bei,  wenn  er 
Gr.  dial.  2,  s.  13—14  auch  Tf]liq>av  in  Ta^oika  TqUqxn)  der- 
selben Inschrift  als  genetiv  fasst 

Ein  weiteres  beispiel  hätten  wir  in  unserer  Urkunde:  <Diio- 
vliua  hvlog  Stipwyioi  würde  demnach  heissen:  Ph.  des  sohnes 
?on  Theton"  ganz  nach  homerischer  weise  wie  in  Kaftartpkpg 
viog^  JSfjlritioi  vZi,  IIoidpTunf  vlov.  Alterthümlich  und  ganz 
homerisch  wäre  dann  auch  die  ableitung  mit  -iog,  wofür  in 
Thessalien  sonst  -eiog  üblich  geworden,  also  hvXog  Sevan^loi  wie 
Takafiwviov  vi6v.  Bhuty  wäre  richtiger  kurzname  zu  Ev-^etog 
altkorinthisch,  sammig.  3119  a.  ^E/^evog  geschrieben,  (Ev&B" 
ü(av  Kvda^rp^aisvg  Demosth.  1350)  6P  >  s.  145.  Sonach  möchte 
ich  die  datierung  der  inschrifb  lesen:  hvXtoQiorrog  OiXovixw 
9etümoi  Sdünuxp  nämlich  die  aussteller  der  dieser  vorhergehen- 
den und  angehefteten  Urkunden. 

Der  annähme  einer  mischung  von  w  und  oi  ist  auch  die 
läge  von  Kierion  nicht  ungünstig:  zwar  noch  zur  Thessaliotis 
gehörig,  wo  Cd  allein  herrscht,  grenzt  es  doch  an  die  Hestiaiotis, 
insbesondere  an  Matropolis,  wo  man  mit  oi  bildete,  wenigstens 
nach  ^lovTog  navoavialoi  MarQOTtoXita  sammig.  361  B  zu 
urtheilen.  Auch  später  zeigt  Eierion  in  seiner  spräche  spuren 
fremder  einwirkung.  Eine  jüngere  inschrift  von  Kierion  publi- 
dert  von  Fougeres  im  Bull.  C.  H.  13,  400  f.  —  Hoffmann 
no.  63,  weist  dative  auf  oi  und  ai  auf:  Mäagnoi  Aewucv  ils^- 
nhnwi  Povfioloij  MdaQUOc  ratov  IlfnikXioi  u.  a.  Ohne  zweifei 
ist  hier  nordgriechischer  einfluss  von  Epeiros  und  Aetolien  her 
zu  erkennen,  wo  bekanntlich  die  locative  auf  oi  und  m  die 
alten  dative  auf  oii  und  de  fast  verdrängt  hatten.  Sogar  der 
name  der  Stadt  hat  sich  geändert:  der  zuverlässige  Fougeres 
liest  1/  Kiaii{ioi)y  während  die  münzen  nur  Kiefiauav  zeigen. 


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120  A.  Fick 

Mionnet  III  281.  Die  inschrift  stammt  aus  der  zeit  des  nach 
der  Schlacht  bei  Kynoskephalai  errichteten  jüngeren  Thessaler- 
bondes.  Darauf  weist  die  datiernng  der  Urkunde:  (2rQa%ay)ip^ 
Tog  tovv  Hevd-alovv  nuaadvd(ifov) ,  wodurch  Prellwitz  er- 
gänzung  von  sammig.  361  ne(t^aXovv)  statt  des  früher  ge- 
lesenen Jlsßaayiovtaow)  als  richtig  erwiesen  ist. 

In  ^O^atao  0eQeKf€n(ila))  am  Schlüsse  der  Urkunde  ist 
das  erste  beispiel  des  alten  volleren  ausgangs  des  genetivs  der 
männlichen  a-stämme  als  thessalisch  überliefert,  wiederum  ganz 
homerisch,  wo  a  40  ^Ogiarao,  also  derselbe  name  im  genetiv 
vorkommt  Diese  alte  und  jetzt  auch  als  altthessalisch  erwie- 
sene form  ist  auch  in  der  alten,  von  Kirchhoff  Hermes  XX 
155 — 157  behandelten  grabschrift  einzusetzen,  die  auch  sonst 
sehr  unglücklich  auf  den  stein  gekommen  ist.  Hier  ist  statt 
nvq{q)iada  hdg  ovx  xtX,  offenbar  ursprünglich  IIvQQiadao,  hbg 
beabsichtigt  gewesen  und  der  zweite  vers  durch  einfügung  eines 
zwecklos  übertreibenden  TtoXlov  und  augmentierung  von  &dv£ 
ganz  verdorben.  Der  Verfasser  der  ganz  hübschen  verse  hat 
geschrieben  und  so  müssen  wir  sie  lesen: 

MväfA    i^i  HvQQiadaOy   hdg   ovn  tj^tiaraTO  <f^vytpfj 
älX  avd'S  Ttig  yäg  rägf  ägiatevanf  &dve. 

Ähnlich  ist  die  inschrift  eines  grabsteins  von  Arkesine  auf 
Amorgos,  sei  es  durch  den  Steinmetzen  oder  durch  eine  unge- 
schickte mittelperson  gröblich  entstellt  Die  sehr  alte  inschrift 
lautet: 

ÖTiftaivsTriaBftifjiv  |  rjfiazriaXaf^ipayoQ  \  eu 

Sobald  man  hier  die  beiden  Wörter  eif^t  und  fiv^^a  um- 
stellt, ihnen  also  dieselbe  Stellung  giebt,  die  sie  in  ftva/i  ifii 
der  Pyrrhiadasinschrift  einnehmen,  entsteht  der  tadellose  und 
zweifellos  vom  Verfasser  beabsichtigte  trimeter: 

Jrjiiaivhfjg  iivrjfi  eifit  ri^g  AaptxpayoQBia 
nur  mit  der  freiheit,  den  altioniscben  diphthong  Bia  dem  me- 
trum  zu  lieb  in  zwei  silben  aufzulösen.  Man  hüte^sich  hierin 
eine  alterthümlichkeit  zu  wittern :  die  Nikandreinschrift  beweist, 
dass  die  ionische  Vertretung  des  urgriechischen  äo  schon  diph- 
thong war,  als  sie  noch  170  lautete.  E.  Hoff  mann  meint 
freilich  zu  191,  in  'Exen^onldeto  <piJiog  vog  (Amorgos)  sei  &o 
synizese  von  eco  wie  in  -d'^ohf  aus  ^edSv.  Vielmehr  umgekehrt: 
wo  -eco,  -€(tfy  in  ionischen  Genetiven  zweisilbig  misst,  ist  diese 


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3.    Zur  thesBalischen  mundart  121 

messuDg  streng  genommen  wider  den  dialekt,  und  nur  durch 
den  yerszwang  entschuldigt 

Durch  blosse  Umstellung  eines  wertes  werden  auch  die 
verse  der  grabschrift  tou  Erythrai  E.  Hoffin.  n.  61  geheilt 
Wie  U.  Röhl  sah,  ist  das  wort  fiijtfiit  aus  dem  ersten  verse 
zu  entfernen  und  in  dem  zweiten  hinter  Wcn^axQltij  einzusetzen; 
80  entsteht  das  metrisch  richtige  bruchstttck  eines  distichons 
—  wu— uw—  tode  o^fi   inid'rpM  dttifovtv 

Ob  auch  OapvongiTTj  zu  schreiben  wäre?  Das  namenwort 
0avo-  in  Erythrai  beliebt  {Oavotifios  B echte  1  U.  206)  wird 
in  0arp6d-€fiig  immer  w  geschrieben  vgl.  Hffm.  Dial.  2,  582. 

Zuweilen  scheint  die  fassung  von  versen  auf  den  steinen 
die  metrische  lesung  geradezu  absichtlich  erschweren  zu  wollen. 
So  war  der  vers  E.  Hoffm.  268. 

Jioyhfjg  dvi&ii}%€v  Alaxii^ovhvvg  K^pakrjog 
für  die  lesung  bequemer  geschrieben : 

Jioyhfig  dpi&tjx  ^^iaxvkkov  hvvg  K$q)akfjog 
"vHog  und  'vXog  können  unbedenklich  ab  gleichwerthige  kose- 
formen  mit  einander  wechseln. 

Ebenso  liest  sich  die  inschrift  E.  Hffm.  39 

^Imiaiifvg  fi  avi&tjxw  KakXwvog  vtvsq'  (pL)^  ^^ AnolXov 
wenn  man  schreibt 

^loTiaevg  fi  ari'^xa  Kdltayog  vrf^Q'  q>ll*  ''An, 
freilich   kann  man  sich  für  ^lariaieig  auf  die  messung  B  537 
noXvaraqjvlov  ^  latlaiav  berufen,    doch   sprach   man  zu  der 
zeit  der  abfassung,  um  200  v.  Chr.  sicherlich  ^latiaevg. 

Endlich  stört  in  E.  Hffm.  91  die  volle  form  yvtawoiaiv  ganz 
zwecklos  den  vers,  der  vielmehr  yvcmoig  verlangt: 
^EQOtjigf  yvanöig  näai  XiTtovaa  no^ov. 

In  fallen  dieser  art  ist  man  ebenso  berechtigt  den  stein 
wie  den  codex  zu  corrigieren,  hier  wie  dort  ist  das  alte  und 
ächte  wiederherzustellen.  Anders  freilich,  wo  die  eigennamen 
sich  gegen  den  verszwang  sträuben  oder  offenbare  Unfähigkeit 
auf  dem  steine  stammelt.  — 

Der  Überschrift  zu  lieb  möge  eine  bemerkung  zu  thessali- 
8chen  namen  den  schluss  dieser  Thessalica  bilden.  0.  Hoffm. 
'  8.  474  sagt :  „In  einigen  thessalischen  kurznamen  ist  a  regel- 
recht verdoppelt  worden".  Es  folgen  diese  namen:  Mväaaag 
aus  Kierion,    die   übrigen   fünf  ^Ayaaoag   ^Aoaag  ^A^aiaaag 


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122  A,  Fick 

Nmaaaag  und  Ileiaaag,  sämmtlich  aus  Pharsalos.  Ich  glaube, 
dass  hier  nicht  die  in  kosenamen  allerdings  übliche  und  be- 
rechtigte Verdoppelung  vorliegt.  Diese  wäre  hinter  langen  vo- 
calen  und  diphthongen  in  Mvdaaag  NiKcäacag  ^^fisiaaag  be- 
fremdlich, auch  kämen  wir  damit  auf  lauter  namen,  wie 
Mräaag  u.  s.  w.,  die  sonst  kaum  zu  belegen  sind.  Vielmehr 
ist  'Oaag  hier  die  bis  jetzt  auf  Pharsalos  und  Kierion  be- 
schränkte Umgestaltung  der  ganz  gewönlichen  namen  auf  -atag, 
worin  ai  in  -aj  und  weiter  in  -aa  sich  verwandelt  hat,  wie 
äolisch  xqvaaog  aus  tdvajog^  %gvoiog.  Für  diese  erklärung 
spricht  der  umstand,  dass  in  Pharsalos  und  Kierion  die  sonst 
doch  so  beliebten  namen  auf  -aittg  gar  nicht  neben  denen  auf 
"Caag  vorkommen;  die  einzige  ausnähme  macht  Sovalag  in  col.  4 
der  grossen  inschrift  von  Pharsalos  n.  326  unter  den  letzten 
ohne  vatemamen  aufgeführten,  vielleicht  gewesenen  sklaven: 
2<ooiag  ist  bekanntlich  ein  häufiger  sklavenname.  Dagegen 
finden  wir  in  Larissa  1321  das  patronym  ^^yuaiatog  und  unter 
den  Krannoniem  des  Verzeichnisses  in  345  zweimal  den  namen 
^vaiag.  Femer  erklärt  sich  bei  unserer  annähme,  dass  in 
Pharsalos  das  a  der  kosenamen  vor  o  und  to  (ov)  nicht  ver- 
doppelt wird.  Wir  lesen  in  n.  326:  Avaog  2,9.  ^'Omaog  3,i.  — 
^^Qxiaovp  4,25.  ' Aaovvaiog  2 y  u.  AvaovvBiog  2^2.  Mvaaov- 
vBiog  3,48 — 50.    Ilavaovv  1,36.  3,44  und  XQsiaow  3,4i. 

Ein  weiterer  beweis  für  unsere  annähme  liegt  in  dem  namen 
*u4fi€iaaag.  Dieser  gehört  offenbar  zu  ä^eitpaa^ai^  in  namen 
bis  jetzt  nur  in  ^^pieitpiag  ohne  erhaltenen  voUnamen  belegt; 
von  demselben  verb  ist  der  ebenfalls  für  Pharsalos  326,  3,  5 
bezeugte  name  ^uifioißag  abgeleitet  Nun  würde  ein  ^AfiBitpag 
nach  eygaipe  345,8,  ovyQaxfjsiv  345, 21,  oy^qd^pamag  345,44  zu 
urtheilen  sein  \p  im  Thessalischen  bewahrt  haben,  aber  aus 
^AfABi\piagy  -ipjag^  -ipaag  d.  i.  -naoag  konnte,  ja  müsse  viel- 
leicht -aaag  werden. 

Sonach  setze  ich  *^yaaaag,  '^Apiuaaagy  ^Aaaag^  Mvaaaag, 
Nixaaaagy  Ileiaaag  der  reihe  nach  den  wohlbezeugten  und 
meistens  häufigen  namen  ^u4yaaiagj  ^Afiuipiag,  'u4aiag  (ion. 
^Aairjg)  Mvaolagy  Nixaalag,  Ilsialag  gleich,  woraus  ich  sie 
durch  akzentänderung  entstehen  lasse.  Wahrscheinlich  ist  der 
ton  zurückgezogen :  in  --aiäg  würde  sich  das  1.  behauptet  haben, 
das  nur  bei  vorhergehendem  ton  sich  in  j  verwandelt.  So  fände 
sich  denn  auch  bei  den  Thessalern  eine  spur  von  jener  baryto« 


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4.    OtWiog  köuig  von  Kyme.  123 

nierang,   die  von  den  Aeolern  Kleinasiens  jedenfalls  schon  im 
4.  Jahrhundert  so  consequent  durchgeführt  worden  ist 


4.    Odatiag  könig  von  Kyme. 

In  den  auszügen  aus  den  historien  des  Nikolaos  von  Da- 
maskos  (Müller  frg.  hist.  Graec.  III)  findet  sich  ein  bericht 
über  die  gründung  von  Phokaia,  der  mir  nicht  nach  gebühr 
beachtet  zu  sein  scheint.  Es  heisst  dort  a.  a.  o.  p.  387 
DO.  53: 

*'0%i.  ^lioveg  h  tm  /tQÖg  ^  OQXOpt&^iOvg  TtolifjKoi^  xorad^- 
fiovreg  aitüv  %ag  xwfAog^  yvwaixag  alxfiaJianovg  TtoXlag  r^yit- 
yarto,  xtnanaiJLcoisvorfBg  de  avtäg,  näidag  i^eyivvfiaav.  ^Yna^ 
T^ag^iarjg  de  xüv  vo&wv  veoTrjrog  ovn  oJiiyfjg^  deiaaweg  ol 
ynjaioi  ix  t^  X^^S  avtovg  i^aviazrjaar,  Ol  de  elg  QoQindr 
T^g  ^Amxi}g  änoxioQfjaavteg  ^  ^yepiovag  av%&¥  ngooTficafievoi^ 
ofiov  voig^'lwaiv  i^iTtlevaav,  Svyr^iacty  de  avtoig  rroXloi  He- 
Xoftavnqaior  ax6if%eg  di  nghg  tvk^'Eqpuai  taig  vavai  xal  %iva 
Tfjatda  xatalaßdfievoi  ovx  exag  t^g  ^neiqovj  noXkäv  cAtoig 
ßoifßäg^av  irtiomov,  ävtelxav  HQOwovrreg^  xot  eni  %iva  X6q>w 
%ijg  i^TteiQOv  neqaaa^xeg^  %d  [de]  iie%a§)  ndv  xaiyyJyac  dietfOovvTO. 
EuiytaS^a  %HxodofAelv  xwXvovrog  ccvtovg  Memfew  t^g  Kvfitjg 
zvQOPvov^  ^og  tote  twv  tavtiji  x^^i^^  ixffdtUy  Ovatlag  adel- 
^w^  avtov  q>i1J,a!¥  xal  imyafiiav  avvtid'etai  ftgög  aitovg  inl 
ttSi  ixeivov  JuxtaUkJcUf  xai  avtölg  x^Q^^  dovvai  avtd(fxf].  Ol 
de  (ifioloyr^onf  ixeivoig  te  xal  tw  ÜCv/uaeW  oaovg  idipavto 
{ettrjydyovto)  xai  ine§i}Ji&av  irtl  tw  Mhvtjv,  Taxv  de  xai 
tov  dijfiov  TtQogd'efiivütv  avtm  vixijaag  fiäxfji  naQadldwoi  tölg 
Kvfiaioig  tov  ddehpov^  ol  de  ex  x^^9<>S  ßahivteg  avtov  xate- 
levcavy  xal  tov  Ovatiav  eatijaavto  ßaailia.  ^O  de  ev^itog 
tag  ftQog  Hkaxaiag  avv^xag  i^^iov  efinedovv,  Sg  vneQ  t^g 
huiviov  ilev&eQiag  awi&evto'  ol  de  irteia^aav  xal  t^g  yijg 
edoaav. 

Der  text  scheint,  von  einigen  Unebenheiten  abgesehn,  die 
dem  epitomator  zur  last  fallen  mögen,  auf  den  ersten  blick 
formell  ganz  verständlich,  späterhin  v^erden  sich  freilich  allerlei 
sachliche  bedenken  ergeben. 

Der  ganze  bericht  ist  von  der  Vorstellung  beherrscht,  dass 


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124  A.  Fick 

die  besiedlung  loniens  durch  einen  einzigen  heereszug  bewirkt 
sei.  In  Wahrheit  waren  es  einzelne  schwärme,  die  sieh  im  laufe 
von  Jahrhunderten  dort  festsetzten.  Die  ionischen  zuzüge  aus 
Attika  waren  die  letzten,  sie  trafen  dort  auf  ältere  Siedlungen 
anderer  stämmme,  mit  denen  sie  im  laufe  der  zeit  verschmolzen. 
So  auch  in  Phokaia.  Hier  siedelten,  wie  in  Teos  (Paus.  3,  6,  3) 
Minyer  aus  Erchomenos,  später  gesellten  sich  zu  ihnen  lonier 
aus  Attika,  die  sie,  wenigstens  im  anfang,  zu  bürgern  geringeren 
rechts  herabdrückten ,  bis  die  gesammte  bevölkerung  als  glied 
dem  ionischen  bunde  beitritt 

Wie  musste  die  sage,  die  nur  einen  gründungszug  aner- 
kennt, diese  Verhältnisse  ausdrücken?  Nach  ihr  zogen  Minyer 
und  lonier  zusammen  aus,  aber  die  Minyer  als  unebenbürtig, 
vo&oi^  als  bürger  geringeren  rangs.  Dieser  zustand  musste  er- 
klärt werden,  und  da  ergab  sich  ein  krieg  und  in  folge  davon 
verkebsung  und  unehelicher  nachwuchs  ganz  von  selbst,  wie- 
wohl von  einem  kriege  zwischen  loniern  und  Erchomenos  sonst 
nichts  bekannt,  me  er  denn  auch  nur  ad  hoc  ersonnen  ist. 
Mit  den  kriegführenden  loniem  können  nur  die  Athener  ge- 
meint sein,  die  mit  Stammesnamen  ^Idoveg  hiessen.  Mit  den 
^läovBQ  €Xx€xi'^(ov€Q  2V  685  sind  die  Athener  gemeint:  Xiyei.  Tovg 
^A&rp^iovg  sagt  der  scholiast  D,  und  Selon  nennt  (Aristot. 
noXiT.  A&Tjv.  V,  2  Blass)  Attika  TtQeaßvtdrriv  —  yaiav  ^laovlag. 
So  sagt  denn  Herodot  I,  143  ganz  mit  recht,  dass  die  Athener 
sich  erst  später  des  loniernamens  geschämt  hätten,  der  ihnen 
also  von  haus  aus  doch  zukam,  wie  er  denn  an  eben  der  stelle 
kurz  vorher  Athen  eine  Stadt  der  lonier  genannt  hat. 

Uebrigens  sind  die  namen  ^Idatv  und  ^Iwv  nicht  schlechthin 
identisch:  ^Idtay  mit  dem  attischen  reinen  a  ist  der  vollname, 
^'Iwv  und  ^lag  daraus  gekürzt;  aus  ionischem  ^[ijatv  konnte  nur 
ionisch  7£a;y,  7c(7v,  aus  *Id(üv  nur  attisch  ^I6v  werden,  wie  aus 
Tlaidüßv  attisch  Tlai&v  in  Ilaiavia  und  die  kurzform  Tlaitav  in 
üaiovldai  erwuchs. 

Minyer  von  Erchomenes  waren  es  also,  die  lange  vor  der 
Zuwanderung  attischer  laonen  Phokaia  gegründet  haben.  Hier- 
für spricht  auch  der  name  des  orts.  Die  alten  dachten  dabei 
freilich  an  die  Phoker,  was  um  so  verzeihlicher  ist,  da  ja 
Phokis  an  das  gebiet  von  Erchomenos  gränzt,  aber  aus  0(0- 
Tievg  bildet  man  nicht  Otanaia.  Steht  einmal  die  herkunft  der 
iUtesten  Phokäer  aus  Erchomenos  fest,   so  liegt  eine  andere 


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4.    Ovarlag  kÖnig  von  Kyme.  136 

ableitang  weit  näher,  die  den  namen  mit  einer  örtliohkeit  im 
gebiete  der  mntterstadt  in  Verbindung  bringt.  Der  Kephissos, 
der  die  mauern  von  Erehomenos  bespült,  verschwindet  den  Ko- 
paissee  durchfliessend  ,,iD  der  bedeutendsten  der  Katabothren, 
die  sein  wasser  der  tief  eingeschnittenen  bucht  von  Phokai 
(jetzt  bucht  von  Skroponeri)  zuführt'*.  „Im  alterthume  (Ptol. 
III,  15,  9)  scheint  hier  ein  ort  Phokai  gestanden  zu  haben'^ 
Bursian  I  196.  Vor  der  bucht  liegt  eine  insel,  jetzt  Oatzu 
genannt,  worin  trotz  Bnrsians  zweifei  I  214  die  insel  zu  er- 
kennen ist,  die  PUnius  H.  IV.  12,  30,  62  Phocasia  nennt.  Oto- 
xaaia  ist  vom  locativ  Odxäai  zu  0(Sxai  gebildet,  wie  Qrjuäala 
die  insel  „bei  Thera'*  von  9tJQaai  :  QiJQa, 

Erehomenos  war  vor  alters  ein  mitglied  des  bundes  der 
sieben  Seestädte,  muss  also  trotz  seiner  binnenländischen  läge 
mit  seinem  gebiete  irgendwo  das  meer  berührt  haben.  Da  liegt 
kein  punkt  günstiger  zum  inlvBtov  als  die  tiefe  geschützte 
bucht  von  Phokai,  und  was  war  natürlicher,  als  dass  auswan- 
dernde Erchomenier  den  neu  gewonnenen  seeplatz  nach  dem 
bafenorte  der  heimath  benannten,  um  so  mehr  als  er  dem  alten 
auch  ähnlich  war:  auch  hier  eine  tiefe  bucht  mit  vorliegenden 
inseln,  Box^etW  vtjaoL  nennt  sie  Kiepert  Atlas  von  Hellas 
bhitt  IX. 

Wenden  wir  uns  jetzt  dem  wanderzuge  der  attischen  laonen 
zu!  Dass  dieser  von  Thorikos,  einem  hafenorte  im  Südosten 
von  Attika  ausging,  wie  der  bericht  meldet,  ist  so  natürlich, 
dass  die  angäbe  durchaus  nicht  zu  bezweifeln  ist.  Dagegen  er- 
giebt  eine  genauere  prüfung  der  betreffenden  stellen  deutliche 
spuren,  dass  der  lonierzug  ursprünglich  nicht  auf  Phokaia  zu 
gerichtet  gewesen.  Es  heisst,  die  lonier  hätten  auf  den  Her- 
mes, das  kann  doch  nur  heissen,  auf  dessen  mündung  zu  ge- 
halten, und  dort  zuerst  ein  inselchen,  dann  auch  einen  auf  dem 
feetlande  gegenüberliegenden  hügel  besetzt.  Nun  ergiesst  sich 
ein  nördlicher  nebenarm  des  Bennos  nahe  bei  dem  hohen  hügel 
von  Leukai  und  gegenüber  liegen  die  Myrmekes  genannten 
inseln.  Diese  hätten  die  auswanderer  zuerst  besetzt  und  wären 
von  da  auf  den  hügel  von  Leukai  hinübergegangen.  Als  sie 
diesen  durch  molobauten  mit  der  insel,  zur  gewinnung  eines 
geschlossenen  hafens,  verbinden  wollten,  wurden  sie  von  Mennos, 
dem  tyrannen  von  Kyme  gehindert  und  genöthigt  sich  an  dessen 
bruder  und  nebenbuhler   Uatias  anzuschliessen:    diese   ganze 


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126  A.  Fick 

darBtellimg  stimmt  vortrefflich  mit  den  topogr^hischen  Ver- 
hältnissen an  dem  nördlichen  mündungsarme  des  Hermos. 

Es  fragt  sich,  wen  wir  unter  den  feindlichen  brüdern  Ua- 
tias  und  Mennes  zu  verstehen  haben.  Oiaviag  ist  deutlicbst 
ein  Spitzname;  er  bedeutet  „gross-  oder  langohr^',  und  ist  ge- 
bildet wie  z.  b.  wfiias'  6  fieyalovg  wfAOvg  Sx^n^f  6  eugvorefpog 
Hesych.  Nur  dialektisch  verschieden  ist  *Si/cniiig,  so  heisst  ein 
Satyr  von  seinen  thierisch  zugespitzten  obren  auf  einer  vase, 
die  den  tanz  von  Satyrn  und  Mänaden  darstellt  Kirch  hoff 
Alph.  111. 

Mhvrjq  ist  ebenso  deutlich  ein  kosename  mit  verdoppeltem 
consonanten  zu  einem  voUnamen  auf  Msy«-  oder  -ui^jg.  Es 
gilt  also  den  versuch,  hier  den  Spitznamen,  dort  die  koseform 
durch  den  wirklichen  und  den  vollnamen  zu  ersetzen. 

Bei  Heraclides  Pont  TtßQi  7$oJu%buSv  heisst  es  Müller  frg. 
bist  gr.  I  p.  216  unter  Kvfiaianf  3:  *EQfAodUfi¥  de  ywahta  tov 
Ofvywv   ßaoiUwg  Mlda  q>aoi  ndJjLei  öiafpiqBiv^  aXka  xai  ao- 

und  bei  Pollax  IX,  83:  UTß  Oeidiov  ftgunog  SKotpe  vofitafiOy 
ßi%e  JfjfiodUf]  (sie!)  ^  Kv^Lula  awomiqaaaa  MLdai  %&i  (P^t^i* 
nalg  f  ^v  ^Aya^fivovog  Kv(xaiia¥  ßaailiwg. 

Dieser  könig  Midas  ist  eine  historische  gestalt:  er  weihte 
nach  Herodot  1 14  seinen  thron  nach  Delphi  und  ist  dies  weih- 
geschenk  y,da8  erste  sichere  datum  für  den  beherrschenden  ein- 
flasSy  den  das  orakel  über  die  griechische  weit  hinaus  gewinnt^^ 
£•  Meyer  6dA.  11  279.  Wenn  ein  zweifei  bestehen  konnte, 
ob  Pheidon  von  Argos  —  etwa  TOO  bis  670  v.  Chr.  —  oder 
Demodike  von  Kyme,  zuerst  münzen  geprägt,  so  ergiebt  sich 
für  könig  Midas  als  gemahl  der  Demodike  etwa  die  gleiche 
r^erungszeit,  also  die  erste  hälfte  des  siebenten  Jahrhunderts; 
noch  näher  lässt  sich  die  zeit  seines  todes  bestimmen,  da  er 
nach  Strabo  I  3,  21  sich  selbst  den  tod  gab,  um  den  unter- 
gang  seines  reiches  durch  den  ansturm  der  Kimmerier  nicht 
zu  überleben;  der  erste  einbrach  der  Kimmerier  erfolgte  aber 
erst  etwa  675—670  v.  Chr. 

Die  sage  von  den  langen  obren  des  urkönigs  Midas»  die 
er  wohl  seiner  berührang  mit  den  Satyrn  und  Silenen  verdankt 

—  oben  lernten  wir  *Si/awifjg  als  namen  eines  Satyrs  kennen 

—  ist  jedenfalls  alt,  von  seinen  eselsohren  wusste  sdion  Aristo- 
phanes  Plutos  287    Midag  (4iv  olv,  ijv  cJt'  opov  Hßr/ie.    Da 


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4.    Ovcntag  könig  von  Kyme.  127 

nun  die  sage  vom  urahn  mit  leicbtigkeit,  wenn  auch  zunächst 
nur  auf  dem  wege  des  witzes  und  Spitznamens,  auf  den  gleich- 
namigen Jüngern  Phrygerkönig  übertragen  werden  konnte ,  so 
dürfen  wir  mit  Sicherheit  in  unserem  griechenfreundlichen  könig 
Langohr  —  Ovavtag  —  von  Kyme»  den  Phrygerkönig  Midas, 
den  gemahl  der  königin  Hermo-  oder  Demodike  von  Kyme  er- 
kennen, der  in  unserem  berichte  könig  von  Kyme  heisst  und 
sich  auch  wohl  in  Wirklichkeit  nicht  mit  der  rolle  des  Prinz- 
gemahls begnügt  haben  wird. 

Wenn  der  böse  könig  Mennos  in  der  sage  zum  bruder  des 
guten  königs  Langohr  gestempelt  wird,  so  geschieht  das  nur  im 
interesse  der  dramatischen  darstellung,  welche  gegeusätze  gern 
als  feindliche  brüder  auftreten  lässt  In  Wahrheit  ist  Mennos 
fwrtieter  einee  anderen  volks,  und  da  er  «oier  GrieGhe  noch 
Phryger  sein  kann,  so  muss  er  Lyder  oder  in  der  spräche  des 
epoB  Mäoner  gewesen  sein»  denn  diese  waren  eSi  die  am  nächsten 
die  griechischen  ansiedlungen  in  jener  gegend  bedrängten.  Da 
nun  Mipinjg  die  richtige  koseform  zu  einem  namen  auf  -fienjg 
ist,  so  düifen  wir  in  ihm  den  Talai^ihnfjg  erkennen,  von  dem 
in  dem  Troerkatalog  B  864 — 5  die  rede  ist: 

Mfjioaiv  av  Miad'Xfjg  %€  lud  Zivtidpog  ^yrjaacxhjv^ 

vU  TaXaifjiivaogf  w  rvyait]  tixe  XifiVfj. 

Der  name  TaXaifiivfjg  ist  selbstverständlich  rein  griechisch, 
gebildet  wie  ^Al&aifihnjg^  vielleicht  Übersetzung  eines  lydischen 
namens.  Auch  die  namen  der  söhne  sind  griechisch:  SUa&Xijg 
wird  soviel  als  Maa^Xrig  sein  (vgl«  fiiaia^  ^  /uoavo|  Hesych) 
und  gehört  zu  den  namen,  welche  den  mann  nach  seiner  klei- 
dung  —  fidahjg  Avöiov  xalov  ^ifyov  Alkaios  —  bezeichnen, 
und  ^Avtupog  ist  gekürzt  aus  ^Artlq^ovog^  und  deutet  auf  die 
barbarische  sitte  der  blutrache,  ifwog  avtl  gxivav.  — 

Versuchen  wir  nun  die  thatsaohen  wieder  herzustellen,  auf 
deren  bearbeitung  unser  bericht  beruht.  Da  ergiebt  sich  etwa 
nachstehende  darstellung:  In  alter  zeit,  vielleicht  in  näherer 
oder  weiterer  folge  des  einbruchs  der  Böoter  in  das  reich  der 
Minyer  und  Kadmeier  siedelten  sich  seefahrende  Minyer  von 
Erchomenos  im  gebiete  von  Kyme  an  und  nannten  den  ort 
Phokoia  nach  Phokai,  dem  hafenplatze  der  mutterstadt  Viel 
später,  jedenfalls  nicht  lange  vor  700»  setzten  sich  laonen  von 
Thorikos  in  Attika  aus  an  dem  nördlichen  mündungsarme  des 
Bennos   fest,   besetzten   zuerst  eine   der   inselchen  Myrmekes, 


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12d  A.  Fick 

gingen  dann  auf  den  hohen  hfigel,  auf  dem  später  Leukai  lag, 
über,  wurden  aber  in  ihrem  vorhaben  hügel  und  insel  durch 
einen  dämm  zu  verbinden,  durch  die  Mäoner  (Lyder)  unter 
könig  Mennes-Talaimenes  gehindert.  Darauf  verbündeten  sie 
sich  mit  könig  Midas-Uatias  von  Phrygien  und  seinem  anhange 
in  Kyme,  besiegten  mit  ihm  die  Lyder,  verhalfen  ihm  zur  herr- 
Schaft  in  Kyme  und  erhielten  zum  dank  die  alte  Minyerkolonie 
Phokaia  ausgeliefert  Sie  eroberten  die  Stadt  und  drückten  die 
alten  bewohner  zu  bürgern  geringeren  rechts  herab,  was  die 
sage  durch  die  abstammung  von  kebsweibem  aus  Erchomenos 
motiviert,  die  sie  an  die  spitze  des  berichtes  stellt. 

Mit  dieser  darstellung  stimmt  es  sehr  wohl,  dass  nach 
Paus.  7,  3,  10  die  Phokäer  erst  dann  in  den  ionischen  bund 
aufgenommen  wurden,  als  sie  sich  aus  Erythrai  und  Teos  Ko- 
driden  geholt  hatten  Ed.  Meyer  (jdA.  II  166.  Ionisch  war 
Phokaia  eben  erst  nach  700.  Als  die  Phokäer  Lampsakos 
gründeten  (653  v.  Chr.)  gab  es,  wie  Charon  von  Lampsakos 
(frg.  6  Müller)  berichtet,  schon  Kodriden  in  Phokaia,  d.  h. 
Phokaia  war  schon  dem  ionischen  bunde  beigetreten;  der  bei- 
tritt muss  also  zwischen  700  und  653  erfolgt  sein>  vielleicht 
veranlasst  durch  die  schrecken  des  einbruchs  der  kimmerischen 
horden. 

Als  quelle  des  Nikolaos  könnte  man  die  xTiaig  'latPiag  des 
Ion  von  Ghios  annehmen,  und  dafür  selbst  den  ionischen  gene- 
tiv  Mhvew  anfuhren.  Doch  kann  dieser  auch  einem  jüngeren 
epischen  gedichte  entnommen  sein,  wie  denn  der  name  Ovaviag 
vom  epischen  orar-a,  nicht  vom  ionischen  ina  abgeleitet  ist. 
Auch  sind  die  angaben,  die  Pausanias  im  anfange  des  7.  buchs 
dem  Ion  entnimmt,  von  Ghios,  der  Vaterstadt  des  dichters,  ab- 
gesehen, viel  oberflächUcher  und  zeigen  nichts  von  der  breiten 
anläge  und  dem  poetisch  wirksamen  gehalte  unseres  fragments. 
Es  ist  ein  wirkliches  sagengeschichtliches  epos,  das  hier  im 
auszuge  vorliegt,  und  so  darf  man  hier  vielleicht  einen  direkten 
oder  indirekten  auszug  aus  der  Phokais  des  Phokäers  Thesto- 
rides vermuthen.  Leider  ist  über  den  inhalt  dieses  gedichts 
nichts  überliefert,  aber  schon  der  name  lässt  vermuthen,  dass 
darin  von  Phokaia  und  den  Phokaern  die  rede  war,  wie  in  der 
Ai&ionlgy  ^AT&ig,  Jcnfatg,  GeaTtQünigf  Brjßatg  von  den  im  titel 
genannten  Völkern  und  Städten;  auch  die  n^forjlg  des  Ghoirilos 
hiess  so  von  den  Persem,   wie  der   zweite   titel  des  gedichts 


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4.     Ovatiag  könig  von  Kyme.  129 

„irä  IlßQa^Tcd'*  beweist  (Kinkel  frg.  ep.  p.  266).  Dazu  kommt 
noch,  dass  die  Phokais  in  Phokaia  von  dem  Phokäer  Theeto- 
rides  verfasst  ist,  wenigstens  ist  kein  grund  abzusehen,  warum 
man  die  autorscbaft  des  Phokäers  Thestorides  bezweifeln  sollte» 
mag  nun  Thestorides  sein  eigentlicher  oder  der  name  seines 
(prieBterlichen)  geschlechts  sein,  wie  der  seher  Kalohas  bei 
Homer  QearoQiifig  heisst.  Die  sage,  dass  Homer  der  eigent- 
liche Verfasser  und  von  Thestorides  bestohlen  sei  (Vita  Hom.  10) 
wurde  ersonnen,  als  man  den  gesammten  epischen  vorrath  in 
den  bänden  der  rhapsoden  auf  den  namen  Homer  übertrug. 


Nachträglich  bemerke  ich,  dass  auf  die  herrschaft  der 
Phryger  in  Kyme  auch  der  name  des  Ascanius  portus,  nach 
Plinius  in  der  südlichen  Aiolis,  deutet,  wenn  Kiepert  blatt  IX 
ihn  richtig  westlich  von  Kyme  angesetzt  hat 

Heidelberg  im  mai  1900.  A.  Fick. 


Beiträge  zur  lateiniBchen  grammatik. 

I. 
-gh-  im  Inlaute  zwischen  vokalen. 

Nach  der  landesüblichen  anschauung  ging  idg.  §h  gh  be- 
reits im  Uritalischen  in  die  tonlose  spirans  h  über:  dieses  h 
soll  vom  Lateinischen  im  inlaute  zwischen  vokalen  unverändert 
erhalten  sein.  So  lehren  u.  a.  Stolz  HGL.  I  261  291,  LG.  *  72. 
Lindsay  298.  Brugmann  6R.  I  *  551.  Sie  stützen  sich 
dabei  im  ganzen  auf  drei  oder  vier  etymologieen,  deren  beweis- 
Joraft  nicht  bestritten  werden  kann: 

v^ho  :  iixog  „wagen^^  :  ssk.  vdhaii  „fährt"  :  got.  ga-toigan 
„bewegen'S  ags.  w'egan  „bewegen,  tragen,  bringen^S  altn.  vag-fiy 
ahd.  toag-^M  „wagen"  :  zd.  vazaüi  „fährt"  :  lit.  vezü  „fahre"  : 
altbulg.  vezq.    Stamm  idg.  ve§h-. 

mihi,  umbr.  mehe  :  ssk.  mähgatn.    Stamm  idg.  megh-. 

Iten,  mnis  (zum  kurzen  ^  vgl.  Bechtel  NGGW«  1899, 
8.  185  £P.)  aus  ^sfiihen-  :  ssk.  pl^n  plihdn  „milz"  :  onMpy 
OTtXdxycc  :  altbulg.  dezena.    Stamm  idg.  8fl9§h'. 

BMÜig»  z.  kando  d.  iud«.  spflusbaii.    XXVI.  9 

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130  0.  HoffmaBn 

träho  ,,ziehe'',  dessen  h  wohl  sicher  aus  gh  entstand, 
wenn  auch  die  unmittelbare  gleichsetzung  mit  got.  Pragjan 
„laufen''  oder  mit  altn.  draga  „ziehen'',  ssk.  dhrdjati  „zieht" 
nicht  statthaft  und  die  mit  altbulg.  trezati  „zerreissen"  zweifel- 
haft ist. 

Diesen  einfachen  worten  dürfen  wir  wohl  einige  kompo- 
sita  hinzufügen,  in  denen  h  aus  gh  zwar  ursprünglich  den 
an  laut  des  zweiten  gliedes  bildete,  die  aber  schwerlich  als 
Zusammensetzungen  empfunden  wurden,  da  die  simplicia  nicht 
mehr  in  gebrauch  waren.    Dahin  rechne  ich: 

pre-hendo,  schon  bei  Plautus  gelegentlich  zu  prendo 
kontrahiert:  vgl.  xa^d-avci)  „ich  fasse,  umfasse",  stamm  x^d- 
aus  *gh9nd-,  der  schwachen  form  zu  ^ghend-.  Ohne  nasal  er- 
scheint der  stamm  als  ^ghed^  in  germ.  getan  „ergreifen,  er- 
fassen'S  got.  bi-güan  „erlangen",  ags.  bi-güan,  alts.  bi-getan 
„er&ssen". 

cö-hors,  co-hartis  zu  hortus :  x^og  „das  gehege",  stamm 
*§her-  „fassen,  einfriedigen",  davon  ^ghar-ti-  =?  latein.  ^Iior-ti- 
„die  einfriedigung,  das  zusammenschaaren". 

ni'htl,  alt  nthü. 

blmuB  „zweijährig"  aus  "^bt-himus,  eigentlich  „zwei 
winter  alt".  Vgl.  ssk.  hiind-s  „frost,  schnee",  himä  „winter"  : 
zd.  zima-  m.  „winter'*,  aus  idg.  *§htmO',  *§hiina-. 

Alle  übrigen  worte,  in  denen  man  ein  -ä-  aus  -gh-  zwischen 
vokalen  hat  finden  wollen,  müssen  bei  seite  bleiben.  Überein- 
stimmend treten  Brugmann  GR.  I  *  672  und  Stolz  LG.  '  75 
für  die  ableitung  von  mäior  aus  ^magiös  )  *fnai^s  ein,  und 
Brugmann  a.  a.o.  lässt  für  äio  mit  rücksicht  auf  ad-agium, 
pröd'igium  eine  grundform  *ägio  als  möglich  gelten.  Konse- 
quenterweise dürfen  wir  dann  auch  meio  auf  *meigio  (ofuxiof 
:  ags.  migan  :  ssk.  m^hati  „harnt")  zurückfuhren,  zumal  da 
ein  lautlicher  Übergang  von  *meiho  in  mBiOf  den  Lindsay 
LL.  466.  Stolz  HG.  122.  Brugmann  GR.  I  «  679  an- 
nehmen, unerwiesen  und  unwahrscheinlich  ist:  denn  eine  „so- 
genannte ersatzdehnung"  (Stolz  a.  a.  o.)  fand  in  einem  ur- 
sprünglichen *meiho  nicht  das  geringste  feld  für  ihre  thätig- 
keit.  Für  incohare,  das  nach  Bugge  ASt.  34.  Bersu 
Gutt.  188  zu  osk.  kahad  „capiat*^  gehören  soll,  hat  Thurn- 
eysen  KZ.  XXVIII  156  eine  ganz  andere  ableitung  vorge- 
schlagen.    Endlich  können  komposita  wie  prae-hibeo,  prö^ 


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Beiträge  zur  lateinischen  grammatik.  131 

hibeo,  nimo  aus   "^n^h^mo   unter   dem   einflnsse   von  habeo^ 
hämo  stehen. 

Den  belegen  für  -A-  aus  -gh-  steht  eine  ansehnliche  zahl 
Yon  werten,  in  denen  -^-  der  lateinische  Vertreter  eines  ur- 
sprünglichen -gh'  ist,  gegenüber.  An  wiederholten  hinweisen 
auf  dieselben  hat  es  nicht  gefehlt  (vgl.  zuletzt  noch  Planta 
OU.  1441  ff.).  Wenn  sie  trotzdem  in  unseren  grammatiken  mit 
stillschweigen  übergangen  werden,  so  erklärt  sich  dies  wohl  nur 
daraus,  dass  man  bisher  nicht  versucht  hat,  sie  nach  bestimmten  ' 

gemeinsamen   eigenschaften,    durch  die  sie  sich  von  veho,  mihi 
u.  8.  w.  unterscheiden,  zu  gruppieren. 

In  v^o,  mthi,  Ken,  träho  etc.  geht  dem  -h-  aus  -gh-  ein 
kurzer  vokal  vorher;  hinter  einem  langen  vokale  ist  idg. 
-gh'  nie  durch  -h-,  sondern  regelmässig  durch  -g*  ver- 
treten.   Das  beweisen: 

fligo  „schlage''  aus  *bUighuö  :  got.  Uiggwa,  ahd.  Utu- 
um  „schlage'*  aus  urgerm.  *Wt?fj*ö'  :  idg.  ^bhUghyfi'  (Lett- 
ner KZ.  XI  200.  J.  Schmidt  Vok.  I  108);  vgl.  über  gemein- 
germ.  -^je.  aus  idg.  -^Aff-c-  Zupitza  Gutturale  98  ff.  In  got. 
blaggWf  ahd.  Uou  ,,schlug'*  übertritt  in  die  e-reihe,  wie  in  hid- 
ja  :  bad  zu  Trei&w.  Lautgesetzlich  hätte  aus  *bUigh'^ö  im 
Lateinischen  *ftivo  werden  müssen:  der  verlust  des  ^  stammt 
aus  /Im,  flictum,  wie  ja  auch  das  ältere  ffvo  durch  das  aus 
ftxi,  fidum  abgeleitete  jüngere  flgo  (stamm  *dheigh^)  ersetzt 
ist,  vgl.  Bersu  Gutt.  154. 

8ügo  „sauge''  :  altn.  8uga,  ahd.  ags.  sügan  :  ir.  sügim 
„sauge",  stamm  ^mgh-.  Man  pflegt  lat  9ügo  mit  ags.  sücan 
„saugen*'  zu  verbinden  und  aus  diesem  sücan  einen  stamm  idg. 
sog^  „saugen*'  (neben  idg.  sügh-  =  germ.  süg-)  zu  erschliessen. 
Doch  ist  die  trennung  des  einzeldialektischen  süc-  von  dem  ge- 
meingermanischen aüg-  hart  und  durchaus  nicht  notwendig. 
Denn  ags.  »e^eran  kann  auf  ^süg-ndn  zurückgehen  (Streitberg 
UG.  §  127).  Die  ablautstufen  praet.  8iak  sucan,  part.  socen 
and  das  seltene  nomen  soce  „saugen"  (mit  einfachem  k) 
vriderstreben  dieser  deutung  nicht:  sie  beweisen  nur,  dass  die 
schon  im  ürgermanischen  aus  ^süg^dn  über  *8ükkan  entstandene 
form  »ükan  nicht  mehr  als  nasalpräsens  empfunden  wurde, 
sondern  sich  dem  ablautenden  präsenstypus  lükan,  süpany  sü- 
gan  u.  s.  w.  anschloss  und  mit  den  zu  dieser  ablautsreihe  ge- 
hörenden Stämmen  muk-  sük-  ausgestattet  wurde. 

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132  0.  Hotfmanü 

ve-stigium  „fussspur'^  :  ssk.  sügh-^  stigh-no-H  „geht  los, 
schreitet  vor'^  :  OTelxo)  :  ir.  tiagaim  ,, gehe'S  %m4iagam  9,am- 
bulamus'*  :  lett  staigdt  „gehen"',  stiga  „pfad''  :  altbulg.  Hig- 
nq-'H  „erreichen,  nach  etwas  hin  gelangen''  :  got.  slaiga,  ahd. 
steig  „steig,  pfad"  u.  s-  w.  Pott  EF.  I  i  198  I  «  721.  Cur- 
tius  GE.  «  195.  Breal-Bailly  EL.  434.  Stolz  HG.  396. 
Kluge  DE.  0  377.  Nied ermann  IF.  X  254.  Das  t?e-  ist 
verschieden^  aber  noch  nicht  sicher  erklärt  worden.  Etwa  die 
„weg-stapfe?" 

trag  um  „Schleppnetz''  Serv.  Dan.  zu  Verg.  Georg.  I  142, 
nach  dem  gleichbedeutenden  trägtda  mit  ä  anzusetzen,  eines 
Stammes  mit  iräho  (s.  oben),  also  ^tragh-  :  *trägh'. 

vägor,  vägitus  „klägliches  geschrei  (bes.  vom  kinde)'\ 
vagere  :  i^x>?,  dor.  fdxa  (ark.  /Sxoqj  kor.  fäxvg)  „geschrei, 
lärm",  idxio  aus  *fi'fax(o  „wehklagen,  schreien  (vom  kinde, 
vom  verwundeten)",  iaxrj  u.  a.  m.  Vgl.  Fick  VW.  I  *  542, 
Prellwitz  GK  116.    Vaniöek  LE.  «  259  u.  a. 

rüga  „runzel",  ar^rügia  xmAcor-rügus  „stoUen  im 
bergwerk"  PI.  33,  4  (21),  70:  o-qvx^  „das  graben",  Tot^-co^og, 
o-qvaoia  aus  *d^i!%-i(w:  Curtius  GE.  *  349.  Vaniöek  LE.  * 
242.  Fick  VW.  I  *  526.  Prellwitz  GE.  230.  Allerdings 
könnten  arrugia,  corrugus  als  keltische  werte  aufgefasst  werden. 

lix,  Isg-is  „gesetz"  :  altn.  Ipg,  ags.  lagu  „gesetz"  zu 
legh^  „liegen"  Lettner  KZ.  VII  167,  angenommen  von  Cur- 
tius GE.  ft  364.  Vanicek  LE.  «  248.  Fick  VW.  I  *  539. 
Bechtel  Hauptprobleme  173.  Streitberg  IF.  IH  325  u.  a. 
Da  wir  durch  feihüss  feihüis  Gipp.  Abell.  31.  45  wissen,  dass 
die  Osker  auch  hinter  langen  vokalen  -h-  aus  -gh-  sprachen, 
80  würden  osk.  lig(U[üs]  ligatüis  Gipp.  Abell.  10  6  7  s=  lat. 
Ügati  ISgcUis,  osk.  ligud  ligia  tab.  Baut  19  24  25  s  lat.  ISge, 
ISgibus  die  ableitung  von  lat.  ISg-  aus  ^ügh-  verbieten,  wenn 
osk.  lig-  und  latein.  l^-  urverwandt  und  aus  einem  gemein- 
itaUschen  werte  unabhängig  von  einander  entsprungen  wären. 
Dies  anzunehmen  sind  wir  aber  nicht  gezwungen.  Die  worte 
l^'  und  legöius  können  aus  der  lateinischen  rechts-  und  amts- 
spraohe  von  den  Oskern  entlehnt  sein,  deren  dialekt  mit  man- 
chen lehnworten  aus  dem  Lateinischen  durchsetzt  war. 

pagus  „gau",  pagina  „Watt  papier",  com-pages 
„fuge,  zusammenfügung"  :  ahd.  f'ägen  „passend  verbinden", 
ags.  fSgan  (aus  *fdgian)  „fügen,  verbinden",  ge-fege  „gefuge", 


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Beiträge  zur  lateinischen  grammatik.  133 

mbd.  vüge  „fuge'S  stamm  *pägh'.  In  dem  griechischen  Ttrjy^ 
„zusammenfügen"  in  /rijy-w-jta,  nrff-fAa  ,,ge{iige'S  Ttayiog  u.  s.  w. 
scheint  -y  für  lautgesetzliches  -%  aus  dem  korrekten  ^fiy-  „aus- 
einanderbrechen" in  ^ijy-vv'^i,  ^lY'fia^  ^yö^i  ^«yi?  u.  s.  w. 
herübergenommen  zu  sein.  Das  umgekehrte  in  dixofiai  für 
altes  deMfiai  nach  ^oi. 

'ä-go,  '%'go  als  bildungssuffix  von  verbalabstrakten  wie 
itnä^o,  orf-go  u.  a.  (Stolz  H6L.  527)  lässt  sich  mit  den  nord- 
und  westgermanischen  besonders  von  schwachen  verben  gebil- 
deten verbalabstrakten  auf  -unga  aus  *'Un^ha-  verbinden,  wie 
ahd.  lad^unga  zu  ladön,  warn-unga  zu  warnö^,  deren  -j^-  man 
ohne  genügenden  grund  auf  idg.  -&-  zurückzufuhren  pflogt 
(Bragmann  GR.  II  253,  Wilmanns  DG.  11  >  369 ff.)- 

In  mehreren  fallen  lässt  es  sich  nicht  entscheiden,  ob  •^- 
einem  ursprünglichen  »g-  oder  -^h-  entspricht:  die  betreffenden 
Worte  sind  nämlich  ausserhalb  des  Lateinischen  nur  in  den 
slavisch-baltischen  sprachen,  in  denen  die  aspiratae  lautgesetz- 
lich in  mediae  übergegangen  sind,  zu  belegen.  Vgl.  lat.  f%go 
„stechen,  anstecken"  :  lit  dig-ia  „sticht"  (stamm  *dheigh'  oder 
^dheig-);  lat.  vägina  „scheide"  :  lit  wöe-iu  „etwas  hohles 
über  etwas  decken,  überstülpen"  Fick  VW.  IV  ^  261  (stamm 
"^vsgh-  oder  *f^-);  lat.  flägitium  „schände,  Unehre"  :  lit 
Udgas  „kraftlos,  schwach,  elend"  Prell witz  BB.  XXV  280 ff. 
(Stamm  ^bhlägh-  ^mlägh-  oder  *bhläg'  *fnlag;  für  -^A-  spricht 
ßkr/x-^S  „schwach",  wenn  dieses  mit  Prellwitz  dazuzustellen 
ist    Anders  über  flägitium  Usener  Rh.  mus.  LVI  5  ff.). 

Ein  beleg  für  -A-  aus  -^h-  hinter  langem  vokale  ist  mir 
nicht  bekannt  mSio  lässt  sich,  wie  schon  oben  bemerkt 
wurde,  auf  eine  grundform  ^meigiö  zurückführen.  Dass  praeda 
aus  ^prai'hedä  entstanden  sei,  ist  eine  der  vielen  lehren,  die 
sich  unbewiesen  und  ungeprüft  von  buch  zu  buch  fortpflanzen: 
die  berufung  auf  pr^4iendo  schadet  dieser  ableitung  nur.  Als 
vorläuferin  der  klassischen  form  praeda  ist  lediglich  praida  in 
praidad  CIL.  I  63  64  -  XIV  2577  2578  zu  belegen,  wenn  diese 
inschrift  ein  wirklich  echtes  altertümliches  gewand  trägt.  Dieses 
praida  kann  unter  der  Voraussetzung,  dass  es  ein  kompositum 
mit  praü  :  prae-  ist,  im  zweiten  gliede  den  stamm  dö-  :  dä- 
„geben"  oder  besser  dhB-  :  dhä-  „setzen,  legen"  enthalten:  ich 
verweise  auf  lit.  pre^i  „die  zugäbe,  draufgabe",  ssk.  pra-dM- 


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134  0.  Hoffmann 

nam  „kampfespreis'S  dhd-nam  ,, kämpf espreis,  beute'S  a&la 
TtQO-Tid-evai  u.  a.  m.  Formell  stände  prai-dä-  als  stamm  den 
indischen  Zusammensetzungen  mit  -dAe-  (schwache  stufe  zu  dhor-) 
gleich,  z.  b.  ni-dhi-  „das  hinstellen,  auftragen;  der  schätz,  hört" 
(neben  ni^hä-  „fanggam,  schlinge'^)  u.  a.  m. 

Die  zweite  klasse  der  belege  für  -g--  aus  -^A-  besteht 
aus  solchen  werten,  in  denen  dem  ursprünglichen  -gh-  ein 
kurzer  vokal  vorhergeht.  Im  gegensatz  zur  vorigen  klasse  ist 
ihre  etymologische  deutung  mehrfach  unsicher,  da  ihr  Stamm- 
vokal in  den  aus  den  anderen  sprachen  zum  vergleiche  heran- 
gezogenen Stämmen  nicht  immer  seinen  gewöhnlichen  Vertreter 
findet.  Ich  stelle  zwei  werte  voran,  in  denen  auch  Brugmann 
Ber.  d.  sächs.  gesellsch.  d.  wiss.  1895,  s.  36  das  g  als  lautge- 
setzlichen Vertreter  eines  ursprünglichen  -^h-  anerkennt: 

figüra  „gestalt,  figur'\  stamm  *dhigh':  dass  -g-  aus  fingo 
figtdus  figlinas,  in  denen  -gh-  hinter  n  und  vor  l  regelrecht  zu 
-g-  geworden  war,  auf  figüra  per  analogiam  übertragen  wurde, 
ist  möglich,    aber  nicht  zu  beweisen. 

lUgürio  „lecke"  zu  IsixfOy  ssk.  leh-tni,  got.  bi-laigon  „be- 
lecken" u.  s.  w.:  von  der  annähme,  das  -g-  stamme  aus  lingo, 
gilt  das  eben  zu  figüra  bemerkte. 

Nach  Brugmann  soll  urital.  h  aus  idg.  §h  im  Latdni- 
schen  vor  u,  vor  ur  ul  aus  idg.  r  l  und  vor  f*  zu  einer  zeit 
noch  Spirans  gewesen  sein,  als  es  vor  den  übrigen  vokalen 
schon  zum  hauchlaute  geworden  war.  Jene  Spirans  wurde  dann 
im  anlaute  „durch  Verlegung  der  spirantischen  artikulation  in 
die  lippengegend"  zu  bilabialem  f-  (so  in  fundo,  ftdvos  neben 
helvos,  furca)y  während  sie  im  inlaute  vor  u  in  -9-  überging 
(so  in  figüra,  ligürio).  Diese  theorie  besitzt  weder  innere 
Wahrscheinlichkeit  noch  festen  halt  an  sprachlichen  tatsachen. 
Dass  die  spirans  h  sich  vor  halbvokalischem  ^  länger  be- 
haupten konnte  als  vor  reinen  vokalen,  begreift  sich  leicht: 
weshalb  aber  von  den  vokalen  gerade  u  die  spirantische  aus- 
spräche eines  vorhergehenden  k  länger  geschützt  haben  soll 
als  die  übrigen,  dafür  wird  sich  schwerlich  ein  tiiftiger  grund 
anführen  lassen.  Und  wenn  Brugmann  diese  behauptung, 
was  den  aulaut  betrifft,  mit  fud-  „giessen"'  (x^w  :  got.  giulan) 
begründet,  das  seiner  ansieht  nach  nur  aus  chtid-,  nicht  aus 
htui'  hervorgegangen  sein  kann,   so   ist  dagegen  zu  bemerken, 


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Beiträge  zur  lateinischen  grammatik.  135 

dass  diesem  einzigen  stamme,  in  dem  f-  vor  einem  urspüng- 
lichen  ii  die  stelle  des  A-  vertritt,  mehrere  worte  gegenüber 
stehen,  die  ein  f-  unter  gleichen  bedingungen  auch  vor  ur- 
sprünglichem e  und  0  aufweisen.  Ich  nenne  nur:  ftl^  feUis 
„galle'S  tolog  xoXiq  „galle",  alts.  ahd.  gaüaf  altbulg.  zlüM 
„galle**;  fovea  „grübe"  aus  ^ghe^eia,  %hia  Nikander,  xurj 
Homer  „höhle''  aus  ^xeAa;  forus  „gang,  schifisgang,  sitz- 
reihe'S  XOQog  „reihe,  reigen'S  lit.  zäras  „reihe,  Ordnung,  art  des 
gehens''.  Um  seiner  regel  das  leben  zu  retten,  übergeht  Brug- 
mann  (auch  im  grundriss  I  '  552)  diese  worte  mit  still- 
schweigen: nach  meinem  urteil  kann  ihre  etymologische  deu- 
tung  denselben  grad  von  Wahrscheinlichkeit  beanspruchen  wie 
die  Zusammenstellung  von  fundo  mit  giutan,  gegen  die  sich 
z.  b.  Osthoff  MU.  IV  99  ff.  ausspricht  So  bleibt  also  von 
Brngmann's  lehre  nur  der  eine  satz  als  wahrscheinlich  richtig 
übrig,  dass  sich  f-,  wenn  es  einem  ursprünglichen  gh-  ent- 
spricht, nur  aus  der  spirans  ch-  und  nicht  aus  dem  hauchlaute 
A-  entwickelt  haben  kann.  Es  fehlen  aber  genügende  beweise 
dafür,  dass  ch-  gerade  vor  u  länger  als  vor  den  übrigen  vokalen 
als  Spirans  gesprochen  wurde. 

In  figüra  und  ligürio  wird  deshalb  g  ^  gh  hinter  kurzem 
vokale  nicht  aus  seiner  Stellung  vor  u,  sondern  auf  die  gleiche 
weise,  wie  in  den  übrigen  werten,  in  denen  ihm  andere  vokale 
folgen,  zu  erklären  sein: 

n^g-ötium:  dem  ersten  glied  entspricht  genau  ved.  na-hi 
„nicht"  «  lit.  ni^i  „nicht"  (Brugmann  GR.  II  1116.  Stolz 
H6L.  261)  und  der  bildung  nach  auch  ov-x^l  ^on  nee  aus  ne- 
que  ganz  zu  trennen.  Wahrscheinlich  ist  n^  ötiutn  als  satz- 
kompositum  entstanden  (vgl.  neg  otium  est  mit  haud  diium  est 
bei  Terenz). 

neg-äre  ist  ein  flektiertes  n^-  aus  *nlf-^hi  (vgl.  neg^ium) 
„nicht";  zu  vergleichen  sind  ahd.  bi-j'ehan  „bekennen",  nhd. 
jfbejahen  verneinen",  griech.  aid^o)  von  al. 

Itgö  „hacke"  :  Xa%aivio  „grabe  um,  hacke"  :  ir.  laige  (aus 
»tojrtö)  „der  spaten".  Vanicek  LE.  «  248.  Bersu  Qutt.  189. 
Fick  VW.  II  *  238. 

^g-€re,  ^g-Snus,  ^g-es-tas,  ^g-es-tösus,  ind-ig-us, 
ind^tg-ire  :  axrjvia  „mangel,  armut"  Aeschyl.  Agamn.  402  Ki., 
axfjv  Theokr.  XVI  33,  XTsav-i^xW  niyrjQj  ^jXV^^'  nevol  TtxurxoL 
Hesych,  ijxavai*   ntwxjsvw  Suidas.     Diese  Zusammenstellung  ist 


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136  0.  Hoffmann 

alt,  vgl.  Pott  ER  I  1  200.  Curtius  GE.  »  191.  Vaniöek 
GLE.  21.  Prellwitz  GE.  42.  Leo  Meyer  VG.  I  «  912. 
Ist  äxijv  bei  Theokrit  wirklich  aus  d^x^jv  kontrahiert,  wofiir  man 
Hesych's  dsjfiveg-  Ttivtjteg  anführen  kann,  und  von  Valke- 
naer  richtig  als  „nichtbesitzend''  erklärt,  so  wird  in  dieser 
Umbildung  des  ursprünglichen  axtjy  eine  volksetymologische 
Spielerei  zu  suchen  sein.  Ob  i^xn^  bei  Hesych  den  vollen  stamm 
Sgh'  enthält  oder  als  dorische  form  aus  aex-  kontrahiert  ist, 
muss  dahin  gestellt  bleiben.  Jedenfalls  steckt  der  starke  vokal 
in  rix-dv'ü)  und  xteav-ijxqgy  dessen^^-stamm  in  eg-es-tas  vdeder- 
kehrt. 

rigäre  „bewässern'S  riguus  :  got.  rig-^iy  altn.  reg-n,  ahd. 
reg-an  „regen"  Pott  EF.  I  i  257.  Schade  AH.  «  706.  Bersu 
Gutt  189.  Kluge  DE.  «  313.  Wahrscheinlich  ist  "^regh-  eine 
Sandhi-form  zu  ^mregh-  in  ßq^<a  „benetzen"  :  lett  mergot 
„sanft  regnen",  merga  „sanfter  regen". 

rig^re,  rigescere,  rigor-  „in  die  höhe  ragen,  empor- 
starren, steif  sein,  Starrheit,  Steifheit"  :  mhd.  r'Sgen,  ragen 
„ragen,  starren,  hervorragen",  rag-  „steif,  starr"  :  a-ffita  eigentl. 
„hervorragen  über  jemanden",  OL-ifjup^  „hervorragend"  :  lit.  rdgas 
=  altbulg.  rogü  „hörn"  Fick  VW.  I  *  527.  Prellwitz 
GE.  34. 

ligäre  „anbinden,  verbinden,  umgeben"  (baUeus  loricam 
ligat)  :  Xux^^v  „flechte  an  bäumen  und  auf  der  haut,  moos  auf 
steinen"  (eig.  „das  anhaftende,  das  umgebende").  Vielleicht 
gehört  auch  ahd.  slingan  „winden,  flechten"  dazu,  mit  übertritt 
in  die  e-reihe. 

Ist  in  diesen  fällen  -^^  wirklich  auch  hinter  kurzem  vokale 
aus  -gh-  entstanden  —  was  für  einige  der  stamme  als  wahr- 
scheinlich gelten  darf  — ,  so  erhebt  sich  die  frage,  worin  der 
unterschied  zwischen  v^^  mihi  etc.  einerseits  und  n^are  etc. 
andrerseits  besteht.  Ich  möchte  sie  wenigstens  mit  einer  Ver- 
mutung beantworten: 

Während  in  viho,  mihi,  trdho,  lien,  cöhars,  nihüf  *bihimus  der 
accentdem-A-  unmittelbar  vorhergeht,  folgt  er  in  histo- 
rischer zeit  nach  dem  dreisilbengesetz  dem  -g-  in  ftgura, 
Ugurio,  n^otium^  nägäre,  ligonem,  ^ere,  ^s'nus,  rtgdre,  rigs're, 
rigorem,  Pfgdre,  oder  liegt,  wie  bei  ind-tg-us,  auf  dem  zweit- 
vorhergehenden vokale.  *«^Aö,  *Z/Aö  „hacke",  *riho,  *r{heo, 
*Uho  „binde"  können  leicht  durch  den  einfiuss  der  weit  häufiger 


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Beiträge  zur  lateinischen  granimatik.  137 

vorkommenden  stammesfornien  negd-,  ligon-,  rigor  u.  s.  w.  ihr 
-A-  zu  gunsten  des  -9-  aufgegeben  haben.  Umgekehrt  kann 
*cog6rtetn  dem  nominaiive  cihors  gefolgt  sein.  So  bleibt  als 
wirkliche  ausnähme  nur  pre-Mndo  übrig,  das  in  historischer 
zeit  nie  den  accent  auf  dem  pre-  getragen  hat.  Wurde  dieses 
Yerbum  etwa  doch  noch  als  komposituro  empfunden?  ^). 

IL 
ludo,  ludoB  :  loidos. 

Für  das  gewöhnliche  lüdos  ,,spiel*^  gebrauchen  einige  in- 
schriften  die  seltene  form  loidos  loedos.  Drei  von  ihnen, 
die  der  fundstätte,  dem  alter  und  dem  inhalte  nach  eng  zu- 
sammengehören, setzt  man  ans  ende  des  II.  jahrh.  v.  Chr.:  CIL. 
I  565  566  -  X  3776  3779  mit  loidos,  CIL.  I  567  -  X  3778 
mit  loedos.  Erst  aus  augusteischer  zeit,  aus  den  letzten  jähren 
des  I.  jahrh.  v.  Chr.,  stammen  die  Fasti  Esquilini  (CIL.  I  1, 
ed.  alt.  p.  210  211)  mit  loid,  Cereriy  loi(di)  und  unmittelbar 
darunter  loed(i)j  und  die  Fasti  Caeretani  (CIL  I  1,  ed.  alt 
p.  212  213)  mit  neunmaligem  loedi.  Diesen  inschriften  schliesst 
sich  Cicero  de  leg.  II  9,  22  mit  loedis  (überl.  loedis  mit  u  über 
oe  im  Leid.  B,  liAdis  im  Leid.  A)  an. 

Eines  steht  fest:  zu  der  zeit,  aus  der  alle  diese  denkmäler 
stammen,  war  der  lautliche  Übergang  eines  ursprünglichen  oi 
in  U  im  Lateinischen  bereits  vollzogen.  In  jenen  drei  inschriften, 
die  das  älteste  zeugnis  für  loidos  enthalten,  steht  neben  coira- 
verant,  loidos  (565),  coiravere ,  loid.  (566),  coeravere,  loedos 
(567)  der  akknsativ  murum.  Nun  wissen  wir  nicht  nur  aus 
den  inschriften,  sondern  auch  ans  der  litteratur,  dass  moiros 
die  altlateinische  form  für  mürns  war,  und  die  etymologie  des 
Wortes  schliesst  sich  als  dritter  zeuge  hierfür  an  (vgl.  moetiia, 
potn^rtum  „maueranger'').  Daraus  also,  dass  mürus  mit  ü  auf- 
tritt, folgt  notwendig,  dass  der  lautliche  Übergang  von  oi  in  ß 
bereits  abgeschlossen  war  und  dass  coiraverunt  (pälign.  coisa- 
tens)  lediglich  mit  archaischer  Orthographie  für  das  gesprochene 
cäraverunt  geschrieben  sein  kann.  Gewiss  liegt  nun  die  Ver- 
mutung nahe,   dass  auch  in  loidos  :  loedos  von  der  kuratorial- 

1)  Soeben  kommt  Birt's  neues  buch  über  den  Hiat  bei  Plautus 
in  meine  bände.  Es  schliesst  sich  mit  der  lehre  vom  Übergang  des  -gh" 
in  die  Spirans  -h-  der  vulgaransicht  an,  ohne  dass  neues  beweismateria) 
beigebracht  wird.    (Correktumote.) 


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138  0.  Hoffmaun 

Orthographie  des  IL  und  I.  jahrh.  v.  Chr.  die  ursprüngliche 
form  des  Wortes,  das  zu  dieser  zeit  bereits  als  lüdos  gesprochen 
wurde,  festgehalten  worden  ist.  Und  daran  knüpft  sich  dann 
ganz  natürlich  der  weitere  schluss,  dass  auch  lüdo  „ich  spiele" 
aus  *loidö  hervorging.  Gegen  diese,  soviel  ich  sehe,  allgemein 
vertretene  auffassung  von  lüdos  und  lüdo  erheben  zwei  tatsachen 
der  Stammbildung  und  lautgeschichte  einspruch: 

1.  Ein  präsens  *loido  mit  der  ablautsstufe  des  perfekts 
ist  nach  den  für  die  bildung  des  präsensstammes  geltenden 
regeln  nicht  zu  rechtfertigen:  wir  erwarten  *leido  oder  *tido 
dafür.  Überliefert  ist  *loido  nicht,  sondern  nur  lüdo:  ja,  die 
form  lüdufit  neben  coiravit  CIL.  I  1166  ist  älter  als  alle  in- 
schriftlichen belege  für  loidos. 

2.  Der  ursprüngliche  anlaut  loi-  war  im  Lateinischen 
bereits  in  li-  übergegangen,  ehe  der  wandel  von  oi  über  oe  in 
ü  begann  (vgl.  Hirt  Arkiv  f.  Nord.  Fil.  XH  83): 

liquit  :  HXoitvs  :  got.  laihv  (zu  Ißinoß  :  got.  leikvan  : 
retiquus  u.  s.  w.,  ablaut  leiq-  :  Zoij-  :  ßj-). 

Über  „frei'S  inschriftlich  letber  CIL.  1 192  (ältester  beleg), 
leiberarei  CIL.  I  199  (117  v.  Chr.),  leiberei,  leibereis,  leiberorum 
CIL.  I  200  (111  V.  Chr.):  altlat.  loebertatem^  loebesum  »  libe- 
rorum  bei  Festus. 

Itbare  „spenden^'  :  Xoißatai*  OTievdet,  ö-vei  Hesych,  de«- 
nominativum  zu  loißä  „spende,  trankopfer''  (die  ei-stufe  in 
leißw).    Gleichen  Stammes  ist: 

libum  „opferkuchen"  aus  *loibofn. 

l%ra  „furche,  ackerbeet'S  de-lirus  :  ahd.  wagan-leisa 
„wagen-spur",  mhd.  leise  „spur"  :  altbulg.  Uchü  „ackerbeet*^ 
aus  *loisä,  *loisO'  (stamm  *lei8-  :  *loiS').  Das  altlat.  l9ra  bei 
Pompon.  Iö8  Ribb.  Non.  17,  32  stellt  die  mittelstufe  zwischen 
loer-  und  för-  dar. 

ob'liquus  „schräg,  schief",  linquier  „schiefgehen"  (ablaut 
*loiq'-  :  *%-). 

litnus  „Schlamm,  der  sich  unten  im  wasser  absetzt,  unrat"  : 
ags.  Idm,  ahd.  leimo  „lehm^'  aus  *loimo8  Kluge  DE^  242. 

Von  lüdus  abgesehen  ist  kein  einziger  beleg  für  lat. 
lü'  aus  idg.  loi'  vorhanden.  Warum  Stolz  LG.*  36  die  der 
bedeutung  wie  der  form  nach  tadellose  Zusammenstellung  von 
lägeo  mit  Ifvyaleo^  „traurig,  jammervoll",  Ivy-Qog  aufgiebt 
und   dafür   das   abliegende   Xoiyog  „verderben,   tod"  :  lit  ligä 


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Beiträge  zur  lateinischen  graminatik.  139 

„krankheit*^  zum  vergleiche  heranzieht ,  ist  mir  unverständlich. 
Ebenso  wandelt  er  auf  Seitenwegen,  wenn  er  mit  Bechtel 
Zitterl.  22  lüridus  ^«blassgelb,  fahl''  mit  dem  nur  von  Hesych 
überlieferten  i^iQoc'  6  iox^os  xai  (oxQog  .  .  rj  %dv  fiinQOv  XayuSv 
und  mit  leiQiov  ,,lilie"  verbindet.  Die  bedeutung  ^^blass"  hat 
sich  bei  leiQog^  wie  Prellwitz  G£.  178  mit  recht  annimmt» 
erst  aus  dem  ursprünglichen  „dünn»  schlank,  schmächtige^  ent- 
wickelt, vgl.  lit.  leilcu  „dünn,  schlank'^  Mit  Froehde  KZ. 
XXII  250ff.,  dem  sich  u.  a.  Vanicek  LE.*  92  Prellwitz 
GE.  360  angeschlossen  haben,  stelle  ich  lüridua  zu  x^'^^'H^t 
xlo-egog  (aus  *x^of'eQ6g)  „blassgrün,  fahl'' :  über  lat.  ^  aus  U- 
*-  idg.  ^U-  s.  unten  s.  140.  Endlich  versteht  es  sich  von 
selbst,  dass  glü-ten  „leim",  wenn  es  mit  yloi^g^  lett.  güwe 
„schleim",  altb.  gU-nü  „schleim'^  u.  s.  w.  von  einem  stamme 
glei- :  gloi'  iglu  abgeleitet  sein  sollte  (Persson  Wurzelerw.  130 
fubrt  es  mit  lit.  gliaü-mas,  lett.  glu-ms  „schleimig"  auf  gleu-  : 
glu-  zurück),  nichts  gegen  einen  Übergang  von  oi  in  i  hinter 
anlautendem  Z-  beweist.  Denn  dieses  kann  als  „helles" 
oder  palatales  l  gesprochen  sein,  das  einen  wandel  von  oi  über 
ei  in  t  begünstigte,  während  ein  „dunkles"  oder  volares  l  hinter 
g  sich  mit  ai  gut  vertrug. 

Ein  loidos  liesse  sich  also  nur  so  rechtfertigen,  dass  wir 
es  mit  Saussure  Mem.  d.  S.  L.  VI  75  Windisch  BS6W. 
PhiL-hist.  XXXVIII  245  auf  ♦rfotrfo-s  =  altn.  teitr  „fröhlich, 
munter''  zurückführten  und  den  ersaiz  des  d  durch  l  in  eine 
zeit  verlegten,  als  der  lautwandel  von  M-  zu  Ü-  bereits  abge- 
schlossen war.  Ehe  wir  aber  nicht  wissen,  ob  und  unter  wel- 
chen bedingungen  ein  ursprüngliches  d  im  Lateinischen  in  l 
hat  übergehen  können  (Gonway  IF.  II  157  ff.  Stolz  HO.  234 ff. 
L6. '  70  Brugmann  GR.  I'  533  ff.  und  die  hier  angeführte 
litteratur),  ist  es  bedenklich,  die  zahl  der  beispiele  durch  ein 
höchst  unsicheres  stück  zu  bereichern.  Ausserdem  würde  ein 
*  doido  als  Vorstufe  von  *lüdo  dieselbe  Unregelmässigkeit  in  der 
Stammbildung  zeigen  wie  ^loido. 

So  werden  wir  denn  zu  der  Vermutung  gedrängt,  dass  loi- 
dos  gar  nicht  die  lautliche  Vorstufe  von  lüdus  bildet,  dass  es 
überhaupt  der  lebendigen  spräche  nie  und  nirgends  angehörte, 
sondern  lediglich  als  missgeburt  der  Orthographie  ins  leben 
trat,  indem  ai  für  ein  ursprüngliches  oder  aus  eu  ou  hervorge- 
gangenes ü  geschrieben  ist.    Ein  solcher  missgriff  konnte  leicht 


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140  0.  Hoffmann 

geschehen  zu  einer  zeit,  die  den  alten  diphthongen  oi  nicht 
mehr  als  gesprochenen  laut,  sondern  nur  noch  als  orthogra- 
phische antiquität  in  coirare,  oinos  (gesprochen  curare,  ünos) 
kannte,  und  er  erklärt  sich  aus  der  absieht,  das  sprachliche 
gewand  eines  aktenstückes  oder  gesetzes  so  altertümlich  wie 
möglich  zu  färben.  Die  frage,  weshalb  dann  in  jenen  drei  in- 
schrifben  nicht  auch  moirum  geschrieben  und  so  eine  wirklich 
echte  archaische  form'  wiederhergestellt  ist,  findet  damit  ihre 
beantwortung,  dass  die  formel  loidos  fecerunt  neben  der  formel 
(mumm,  portas,  turreis  etc.)  faciundum  coiraverunt  steht  und 
dass  ludos  am  ehesten  gerade  durch  ein  benachbartes  coirare, 
dessen  oi  ausserordentlich  zähe  bis  in  spätere  zeit  in  der  schrift 
festgehalten  wurde ,  orthographisch  beeinflusst  werden  konnte. 
Überhaupt  war  lüdo8  „spieP*  ein  in  gesetzen  und  Urkunden 
nicht  seltenes  wort  und  konnte  deshalb  eher  mit  altertümelnder 
Orthographie  loüios  geschrieben  werden  als  müros. 

Durch  beseitigung  des  pseudo-archaischen  loidos  ist  nun 
auch  der  weg  zu  einer  befriedigenden  etymologischen  deutung 
von  lado  und  lüdos  geebnet.  Wie  clau-d-o  zum  stamme  hUbi^ 
(lat.  cläV'is  :  dor.  xAä-fe),  cü-d-o  aus  ^ceu-d-o  zum  stamme 
key,*  (altbulg.  kovq  kujq  „schlage,  schmiede'',  lit  kduju  „schlage» 
schmiede",  ahd.  houioan),  fü-d-i  aus  *feu-^4  oder  *  fou-d-i 
zum  stamme  gheu-  „giessen"  (xio)  aus  *xef-(a,  got.  jfitt-^-a») 
gehört,  so  kann  der  stamm  lü-d-  (aus  Uud-  in  lüdö,  aus  loud^ 
in  ludos)  mit  -d-  aus  einer  wurzel  Heu-  erweitert  sein.  Dieses 
leu'  „scherzen,  spielen"  aus  *hleu-  a=  idg.  ^ghleu-  ist  in  gr. 
X^vij  „scherz,  spott",  ags.  glSo,  gliowes  „scherz,  spass",  lit, 
glaU'd^as  „kurzweil"  enthalten.  Mit  dieser  etymologie  steigt 
die  zahl  derjenigen  fälle,  in  denen  idg.  ghr-  ghU  im  Lateinischen 
durch  hr-  hU  hindurch  zu  r-  /-  geworden  sind.  Einen  solchen 
lautwandel  erkennen  freilich  unsere  grammatischen  handbücher 
nicht  an;  sie  lehren  ohne  ausnähme,  dass  idg.  ghr-  ghl-  im 
Lateinischen  durch  gr-  gl-  vertreten  seien.  Die  zum  grössten 
teile  schon  von  Froehde  KZ.  XXII  250  ff.  gesammelten  acht- 
baren zeugen  für  den  Übergang  von  ghr"  gkl-  in  r-  l-  werden 
von  Lindsay  298  §  33.  Brugmann  GR.  I  «  574  §  635. 
Stolz  LG.  >  73  mit  stillschweigen  übergangen;  in  der  HGL.  292 
nennt  Stolz  zwar  den  aufsatz  von  Froehde,  führt  aber  kein 
einziges  der  worte  an,  sondern  begnügt  sich  damit,  ausdrück- 
lich hervorzuheben,   „dass  die  annähme  der   eben  erwähnten 


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fieiträge  zur  lateinischen  grammatik.  141 

lantverbindung  {ffhl-  ghr-  für   historisches   /-  r-)  keinerlei   be- 
rechtigung  hat*'.    Um  ein  unparteiisches  urteil  zu  ermöglichen, 
stelle  ich  die  worte,    in   denen    man  gr-  gl-  aus  ghr-  ghU  ab- 
leitet, den  bellen  für  r-  U  aus  ghr-  ghU  gegenüber. 
gr-  gl'  aus  ghr-  ghl-i 

gradier  :  ssk.  grdhyaii  „schreitet  rasch  auf  etwas  los"  : 
altbulg.  gr^i(f  „ich  komme",  mit  anlautendem  gh-  anzusetzen 
wegen  des  gotischen  grids  „schritt". 

gl  ab  er  „glatt,  kahl"  (stamm  ^ghladh-):  altbulg.  gladükü 
„glatt"  :  lit.  glodüs  „glatt  anliegend  (vom  haar)"  :  ahd.  glat 
„glänzend,  glatt".  Möglich  ist  freilich  auch  die  yerbindung 
mit  ylagwQog  in  der  bedeutung  „glatt,  poliert"  (Prellwitz 
GE.  61). 

grando  „hagel"  :  altbulg.  gradü  „hagel"  :  auf  idg.  gh- 
weist  ved.  hrädüni  „hagelwetter".  Doch  kann  dieses,  das  zu 
hrddate  „lärmt,  tönt"  gehört,  Ton  grando  ganz  getrennt  werden. 

Nur  für  das  erste  dieser  drei  worte  steht  der  anlaut  gh- 
so  sicher,  wie  ihn  die  etymologische  deutung  überhaupt  zu  er- 
weisen vermag.  Wenn  man  schon  bei  den  zwei  übrigen  werten 
zweifeln  kann ,  ob  der  ursprüngliche  anlaut  gh-  oder  g-  war, 
so  ist  vollends  alles  übrige,  was  man  für  gr-  gl-  aus  ghr-  ghU 
angeführt  hat,  ein  höchst  unsicheres  material.  grätus  und 
gräiia  pflegt  man  jetzt  nicht  mehr  mit  xaQiq^  xaiQU)  :  lat 
hor-tor  :  osk.-umbr.  her-  „wünschen"  :  ahd.  ger-ön  „begehren"  : 
ssk.  häryami  „begehre"  zusammenzustellen,  wie  das  noch  Leo 
Meyer  VGGL.  I  «  363  Vaniöek  LE.  »  93  Wharton  EL. 
42  45  thun,  sondern  vielmehr  mit  ssk.  gr-nd-ti  „preisen,  ehren", 
gur-iäa  „angenehm,  willkommen"  =  lat.  grätus,  gürti-s  „das 
preisen,  das  loblied"  —  lat.  gratia  :  lit.  g\r-ti  „rühmen",  gir- 
tas  „gepriesen«  (Fick  GGA.  1881,  1425  fif.  VW.  I  *  402 
Brugmann  GR.  I  *  474  Stolz  LG.  *  61).  grämen  „gras, 
kraut,  pflanze"  braucht  nicht  zu  got  alts.  ahd.  gras  „gras, 
kraut",  mhd.  gruose  ,junger  trieb"  zu  gehören,  sondern  kann 
mit  Persson  Wurzelerw.  123  fif.  Stolz  HGL.  I  158  mit  ger- 
men  „schössling,  Stengel",  germinare  „hervorspriessen",  alts. 
krüd  „kraut"  oder  auch  mit  ygaa-zig  „grünfutter"  verbunden 
werden.  Zwischen  grundio  „grunze"  und  engl,  grünt  „grunze" 
schiebt  sich  ^^o)  aus  ^yQvdia),  altn.  krytja  „grunzen".  Für 
gläcies,  ^emm,  glärea,  gllscere  lassen  sich  bedeutungsverwandte, 
wurzeln  mit  g-  und  gh-  nachweisen. 


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142  0.  Hoffmann 

r-  i-  aus  ghr-  ghl-  : 

rüo  aus  ♦Ar«io  „stürzen,  niederfallen"  neben  in-grUo,  con- 
grüo  (mit  lautgesetzlichem  -^-  aus  -gh-  hinter  -n-)  :  lit  griü- 
wie  griu'ti  „zusammen  fallen,  in  trümmer  fallen^^  :  iv^xQ^^ 
„hineinschlagen"  :  ssk.  hru-  „beugen,  stürzen,  beschädigen". 
Für  eine  trennung  von  -gruo  und  ruo  ist  zuletzt  noch  wieder 
Solmsen  LL.  128  132  eingetreten,  ohne  mich  zu  überzeugen. 
Mit  der  Vermutung,  dass  in  rüo  zwei  ursprünglich  verschiedene 
verba  zusammengefallen  seien,  eines  mit  der  grundbedeutung 
„graben"  (altbulg.  ryjq),  das  andere  mit  der  bedeutung  „reisse, 
rafife"  (ssk.  rävati  „zerschlägt",  altbulg.  rüvetü  „evellit"),  ist 
die  wichtigste  bedeutung  von  rüo,  die  sich  genau  in  -^mo 
wiederfindet,  nämlich  „stürzen,  fallen",  nicht  ausreichend  er- 
klärt. 

rävus  „grau"  :  altn.  grär,  ags.  gräg,  ahd.  gräo,  gräwe 
„grau"  aus  urgerm.  *gre^wO'.  Genau  in  gleicher  weise  ent- 
spricht ein  lateinisches  -äv-  einem  west-  und  nordgermanischen 
-aw-  (aus  -^W")  in  gnävus  „tätig,  rührig",  i-gnävus :  altn.  kndr 
„tüchtig,  kräftig"  (stamm  *knawO')y  flavus  „blond,  gelb"  : 
altn.  bldr  „blau",  ags.  bldw,  ahd.  bMo  (Kluge  DE.  •  47).  Ob 
hier  verschiedene  ablautsstufen  vorliegen  —  da  lat.  -av-  aus 
'öv-  entstanden  sein  kann,  läge  es  am  nächsten,  an  6  :  ö  zu 
denken  —  oder  ob  durch  -u-  in  einer  der  beiden  sprachen  der 
vorhergehende  vokal  umgelautet  ist,  mag  vorläufig  dahin  ge- 
stellt bleiben. 

rüdus  „zerbröckeltes  gestein,  schutt"  :  altn.  griöt  „gestein", 
alts.  griot,  ags.  griot,  ahd.  grioz  „sand,  kies"  :  lit  grüd-au 
„ich  zerstampfte",  grüdas  „körn",  vgl.  Fick  VW.  I  *  418. 
stamm  ghreud-, 

lendes  „laus-ei,  nisse"  :  lit.  gllnda  „laus-ei,  nisse",  stamm 
ghlend-  :  ghhnd.    Dieser   beleg   ist  ganz    besonders   schlagend. 

lüridus  „blassgelb,  fahl"  :  x^QOQ,  X^osgog  aus  *x>to/- 
SQog  „blassgrün,  fahl",  stamm  ghlo^-  :  ghlöu-,  vgl.  oben  s.  139. 

Dazu  endlich  lüd-o,  lüdus. 

Man  wird  zugeben  müssen,  dass  diese  belege  für  r-  {-;  was 
die  Sicherheit  der  etymologischen  deutung  betrifft,  hinter  den 
Worten  mit  gr-  gl-  nicht  zurückstehen.  Ausser  der  etymologie 
aber  haben  wir  nichts,  was  zur  entscheidung  der  frage  bei- 
tragen könnte:  aus  den  Schicksalen  des  inlautenden  -gh-  vor 


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Beiträge  zur  lateinischen  grammatik.  143 

r  und  l  lassen  sich  keine  Schlüsse  für  den  anlaui  ziehen.  Den 
grund  für  die  doppelte  behandlung  des  anlautenden  ghr-  ghl- 
vermag  ich  vorläufig  nicht  sicher  anzugeben:  eine  Vermutung, 
die  ich  schon  länger  hege,  gedenke  ich  demnächst  in  anderem 
zusammenhange  vorzutragen. 

m. 

Inquam. 

Durch  die  zahlreichen  deutungsversuche,  die  lat.  inquam 
erfahren  hat,  ist  bis  jetzt  leider  nur  gezeigt  worden,  wie  schwer 
es  hält  diesem  verbum  beizukommen.  Zu  den  Verfechtern  der 
von  Pott  £F.  n  86  180  (1833)  aufgestellten  gleichung  inquam 
a-  ssL  Ichyä-mi  „scheine,  sage  an''  gehören  noch  Fick  VW. 
I  *  32  Prellwitz  GE.  283  Vanicek  EWLSp.  «  64.  Be- 
liebter  ist  es  augenblicklich,  mit  Pott  KZ«  XXVI  209  und 
Stolz  Verbalflexion  I  20  als  grundform  ^in-Bquam  anzusetzen 
und  diese  mit  in-seque  —  ewsns,  in-sequis  u.  s«  w.  zu  verbin- 
den: ob  inquam  dabei  als  „konjunktiv"  (Stolz  L6.  ^  185  Pott 
a.  a.0.  Lindsay  LL.  524)  oder  als  „injunktiv"  (grundform 
*en'8qä'tn  nach  Brugmann  GR  II  956,  vgl.  I  *  766)  aufge- 
fasst  wird,  macht  für  die  lautgestalt  des  wertes  nichts  aus. 
Wenn  Lindsay  LL.  546  inquam  auf  ^ind-vequam  zurückfuhrt, 
wenn  W harten  EL.  48  ein  *inquo  ,,ich  sage''  in  dem  kom- 
positum  co-inquo  „ich  beschneide"  sucht,  wenn  endlich  Sütterlin 
IF.  IV  101  inquit  mit  elfte  verbindet  (stamm  eiq-,  eineq-; 
inquü  :  UTteiv  —  linquit  :  leineiv)  und  dieses  von  ssk.  dvöcai, 
ßinog  u.  s.  w.  ganz  trennt,  so  sind  das  alles  doutungen,  deren 
kühnheit  sich  nur  aus  der  Schwierigkeit  der  aufgäbe  begreifen 
lässt  Ich  will  im  folgenden  nicht  den  verzweifelten  versuch 
machen,  den  bisher  aufgestellten  grundformen  für  inquam  eine 
neue  hinzufügen;  ich  stecke  mir  nur  das  nähere  ziel,  die  latei- 
nischen formen  inquam,  inquis,  inquit  im  Griechischen  nachzu- 
weisen. 

Wie  an  inquam,  sind  an  l/u/rö^,  ion.  efinrig  „doch,  den- 
noch'' bisher  alle  etymologischen  deutungsversuche  gescheitert: 
man  hat  den  verbalstamm  nä-,  das  nomen  Ttag  herangezogen 
(Brugmann  GG.  *  548),  aber  damit  weder  die  bedeutung 
noch  die  verschiedenen  formen  der  partikel  zu  erklären  ver- 
mocht.   Es  sind  das  im  wesentlichen  drei. 


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144  0.  Hoffmann 

efiftäy  ist  die  von  Pindar  gebrauchte  dorische  form: 
Pyth.  V  56  Nem.  VI  4  XI  44  X  82  (au  der  letzteren  steUe 
ist  die  länge  des  ä  metrisch  gesichert). 

sfATtäg  steht  bei  Pindar  Pyth.  IV  86  237  (die  zweite 
stelle  verbürgt  die  länge  des  ä)  und  wird  von  den  tragikern 
und  Theokrit  als  dorische  partikel  gebraucht.  Diesem  dor. 
cfAftäg  entspricht  das  ionisch-homerische  e^nijq.  Vielleicht 
hat  es  noch  eine  dritte  form  mit  kurzem  ä  gegeben.  Bei 
Kallinos  fragm.  lie  ist  l/u/rag  in  dem  verse  dlX  6  fiev  ovx 
Sf^nag  di^fUDi  q>iXog  ovdi  Ttod'uvog  überliefert.  Alle  heraus- 
geber  haben  mit  vollem  recht  ein  dorisches  efinäg  bei  einem 
ionischen  elegiker  für  unerhört  erklärt  und  das  homerische 
efiTttjg  dafür  eingesetzt.  Doch  fallt  es  schwer  die  frage  zu  be- 
antworten, wie  diese  einzige  dorische  form  in  den  text  des 
dichters  hineingekommen  ist.  Und  da  wir  bei  Pindar  und  in 
der  tragödie  e/^Ttä  finden,  so  wird  die  Vermutung,  dass  es  neben 
e^näg :  t^mjg  ein  M^näg  gegeben  habe,  nicht  ganz  abzuweisen 
sein. 

eftnä  ist  die  dritte  der  formen:  Pindar  Nem.  IV  36  (ä 
gesichert),  Sophokles  Aias  563  im  Trimeter  und  bei  jüngeren 
dichtem. 

Mit  ef*7täg^  sfiTtrjg^  das  häufig  mit  dkXd  und  de  verbunden 
auftritt,  wird  im  allgemeinen  ein  gegensatz,  eine  einschränkung 
zu  einer  vorhergehenden  tatsache  oder  behauptung  eingeführt: 
die  Übersetzung  „doch,  dennoch,  trotzdem**  wird  in  den  meisten 
fällen  dem  sinne  gerecht.  Eine  feste  Stellung  hat  die  partikel 
nicht:  wir  finden  sie  im  anfange  des  satzes,  an  zweiter  oder 
dritter  stelle  (hinter  dXla,  dHa  nai  etc.)  und  mitten  im  satze. 
dieser  gebrauch,  die  lautgestalt  und  die  verschiedenen  formen 
der  partikel  sind  erklärt,  wenn  wir  in  ihr  ein  flektiertes  verbum 
sehen  und  die  Trias  efinäv,  SfiTtäg  (efi7täg)y  e^nä  den  drei 
lateinischen  formen  inquam,  inquis,  inquit  gleichsetzen. 

Dass  lat.  inquam  aus  *inquäfn  dem  Mfinäv  lautlich  ge- 
nau entspricht,  bedarf  des  beweises  nicht. 

Den  stamm  inqut-  fasste  bereits  Bopp  VG.  I  ^  214 
richtig  als  „Schwächung''  von  inqua-.  Genauer  gesagt:  «nul- 
lst aus  inquä-y  dem  schwachen  stamme  zu  inquä-,  hervorge- 
gangen, indem  sich  nachtoniges  ^(  in  I  umwandelte.  Die  formen 
inqui-8  inqut-t  inqui-mus  inqm-tis  verhalten  sich  also  zum 
stamme  inqua-   genau   so    wie  si-^sfi-s  si-stt-t  si-sU-mm  st-sü-tis 


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fielträge  zur  lateinischen  grammatik.  l4o 

zum  stamme  gi-stä^  =  t^avä-.  Fraglich  bleibt  nur  das  eine, 
ob  die  schwachen  stamme  d-stä-  inquä-  nur  in  den  Ursprung- 
liehen  pluralformen  *9i8tä'fnu8  *sistä'ti8  *inqiiä'mus  ^inquä-tia 
lautgesetzlich  in  giM-  inquu  übergingen  und  schon  mit  diesem  aus 
-o-  entstandenen  4-  den  singular  eroberten,  indem  sie  hier  die 
alten  formen  ^sista-a  *8iBtä't  ^inquä-a  '^inquä-4  yerdrilngten, 
oder  ob  sie  zunächst  in  ihrer  ursprünglichen  lautgestalt  in 
den  Singular  drangen  (*8istärS  *inquii'8  u.  s.  w.  für  *8istä'8 
*inqua-8)  und  sich  dann  auch  in  diesen  singularformen  lautge- 
setzlich in  '''»'«^  *inqiä'  umwandelten.  Unmöglich  ist  das 
letztere  nicht;  die  Untersuchungen  über  die  Schicksale  des  nach- 
tonigen ä  in  lateinischen  endsilben  sind  noch  nicht  abge- 
schlossen. Von  efiftäg:  ion.  l/u^i]^  unterscheidet  sich  •njtfis 
dadurch,  dass  es,  genau  so  wie  siM-a  reddi^a  u.  s.  w.,  den  ur- 
sprünglich nur  im  plural  auftretenden  schwachen  stamm  in  den 
Singular  eingeführt  hat.  Der  gleichen  erscheinung  begegnen 
wir  in  dem  dorischen  efireä  &■  inqutt  und  in  dem  ef^näs  des 
Kallinos  (—  inquta),  wenn  dieses  richtig  überliefert  ist.  Ver- 
gleichen lassen  sich  einerseits  ovtä  und  dntjvQa  —  "^dn^-p^^ 
andererseits  dö-g  d'i-g  S-g. 

Aus  der  ursprünglichen  bedeutung  der  griechischen  Par- 
tikel „sag'  ich,  sagst  du,  sagt  er^'  erklärt  sich  leicht  ihr  ge- 
brauch in  historischer  zeit:  die  alte  stehende  formel  dXX  £/u- 
^ag^  dkl*  sfAfCfjg  („aber,  sagst  du*')  erinnert  unwillkürlich  noch 
an  das  lateinische  ot  —  inquia,  das  einen  einwurf  einleitet 
(z.  b.  liukrez  I  897  „at  aaepe  in  magnia  ß  motUibus,  inquia^ 
ut  aUia^  u.  s.  w.,  I  803  ,/U  manifeata  palam  rea  indieat,  in- 
guia,  in  aurasf% 

Breslau.  0.  Hoffmann, 


Nachwort  sn  den  emendationen  zum  Rig^reda. 

(Oben  8.  76  u.  90.) 

Prof.  Weber  erklärt  sich  in  einer  freundlichen  korrespon- 
denzkarte  aus  Friedrichsroda  Yom  23.  sept  in  hinsieht  auf  die 
provenienz  und  das  alter  der  ältesten  theile  des  Rigyeda  nicht 
mit  mir  einverstanden.  Seine  berechnung  in  bezug  auf  die 
A^yinau,    die   als   das  gestim   der   zwillinge   am   morgen    vor 

Bcttttg»  s.  ItnAe  d-  tedg.  iiiiMiwii.    XXYI.  10 


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146  firunnhofer 

Sonnenaufgang  am  himmel  gestanden  hätten,  gründe  sich  auf 
die  hypothese,  dass  dieser  Zwillingscharakter  der  Afvlnau  in 
indogermanischer  zeit  existirt  habe,  vorausgesetzt  noch 
dazu,  dass  die  Afvinau  mit  den  Dioskuren  identisch  gewesen 
seien.  Die  von  ihm  und  Förster  gemachte  berechnung  beziehe 
sich  nicht  auf  den  Rigveda. 

Indessen  gilt  hier  folgendes.  In  meinem  vertrag  über  „das 
alter  des  Rigveda  nach  massgabe  der  AQvinau-hymnen''  (s.  oben 
pag.  76)  habe  ich  aus  den  bestimmten  angaben  des  Eratosthenes 
und  Hyginus  nachgewiesen,  dass  die  Griechen  noch  in  den 
spätesten  Zeiten  ein  klares  wissen  davon  hatten,  dass  die  Jioa- 
TLov^i  das  gestim  der  zvrillinge  {didvfxoi^  gemini)  seien.  Den- 
selben beweis,  dass  die  Agvinau  das  gestim  der  Zwillinge  (yamau, 
yamalau)  seien,  habe  ich  aus  der  astrologie  des  Balabhadra,  vor 
allem  aber,  was  das  entscheidende,  aus  dem  Rigveda  selbst 
erbracht,  wo  in  hymnus  III,  39,  3  ganz  unwidersprechlich  die 
Afvinau  vom  commentator  SAyana  als  die  Zwillinge  erklärt 
werden.  In  demselben  vortrage  hatte  ich  dann  femer  die 
mythologische  Identität  der  k^insLii -JioaxovQoi  aus  einer 
ganzen  reihe  von  parallelsagen  und  übereinstimmenden  sym- 
bolischen funktionen  beider  halbgöttergestalten  zur  gevrissbeit 
erhoben. 

Wenn  also  die  AQvinau  noch  im  Rigveda  als  zwillingsge- 
gestirn,  das  in  der  morgendämmorung  vor  aufgang  der  sonne 
am  himmel  stand,  poetisch  verherrlicht  wurden  und  zwar  aus 
der  spontanen  begeisterung  heraus,  die  der  anblick  des  morgen- 
himmels  hervorrief,  so  hat  die  berechnung  Försters,  dass  diese 
constellation  nur  unter  dem  40 — 42°  nördlicher  breite  und 
zwar  etwa  6000  vor  Chr.  möglich  gewesen  sei,  auch  noch  für 
die  ältesten  theile  des  Rigveda  kraft.  Bei  der  annähme  von 
Webers  hypothese,  die  constellation,  die  Förster  auf  das  früh- 
lingsaequinox  bezieht,  beziehe  sich  vielmehr  auf  das  winter- 
solstitium,  würde  dann  zweifellos,  wie  Weber  es  für  die  indo- 
germanische zeit  berechnet  y  das  alter  der  ältesten  Rigreda- 
hymnen  in  eine  zeit  von  12000  bis  14000  vor  Chr.  hinauf- 
reichen. 

Uebrigens  führt  mein  schon  1889  in  meinem  „Iran  und 
Turan'*  historisch-geographisch  geleisteter  nachweis,  dass  der 
HiraQyagarbhahymnus  (Rigv.  X,  121)  nur  in  Armenien  habe 
gedichtet  worden  sein  können,   insofern    nur  vom  Sabelan  aus 


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Kachwort  zu  den  emenctatioiien  znm  Rigveda.         147 

der  dichter  zugleich  den  Ras&strom  (den  Araxes)  und  das  meer 
(9amudrä),  nämlich  das  Kaspische,  habe  erblicken  können,  zu 
demselben  resultat.  Denn  die  geographische  proTcnienz  eines 
hymnus  bildet  begreiflicherweise  zugleich  den  massstab  für 
dessen  relatives  alter.  Wenn  also,  wie  ich  (s.  oben  pag.  76) 
gezeigt  habe,  das  zugthier  der  Agvinau,  der  eselhengst  (rdMbha), 
als  iranisches  zugthier,  einerseits  über  Indien,  ako  über  den 
35sten  grad  nördl.  br.  hinausweist,  andrerseits  die  thiergeo- 
graphische  breite  des  Yorkommens  des  esels  im  alterthum  nicht 
über  den  42^  nördl.  breite  hinausreicht,  so  ist  damit  wieder 
die  relative  breite  gegeben,  innerhalb  deren  die  ältesten  A$vi- 
nauhymnen  hatten  gedichtet  worden  sein  können. 

Zu  demselben  resultat  fuhrt  F.  K.  Ginzels  abhandlung 
,,Ueber  einen  versuch,  das  alter  der  vedischen 
Schriften  aus  historischen  Sonnenfinsternissen  zu 
bestimmen''  (Sitzungsberichte  der  kgl.  böhm.  ges.  d.  wissen- 
8ch.,  mathero.-naturwissenschaftl.  classe,  Prag  1894).  Giuzel 
berechnet  nach  angaben  Ludwigs  das  alter  der  Svarbhänu* 
finstemis  (Rigv.  V,  40,  5)  auf  den  5.  okt  1977  v.  Chr.,  dies 
aber  ausdrücklich  unter  der  ihm  von  Ludwig  gemachten  an- 
gäbe, dass  sämmtliche,  im  Rigveda  erwähnten  Sonnenfinster- 
nisse, ausschliesslich  einem  streifen  zwischen  den  Meridianen 
70r-76^  östl.  länge  und  29—34*  nördl.  br.  angehören.  Dar- 
nach hat  Ginzel  die  Svarbhftnufinstemis  auf  das  bogensegment 
Bombay-Madras  lokalisirt.  Nun  hält  Ludwig  (s.  Ginzel  pag.  8) 
die  Syarbh&nufinstemis  für  „die  jüngste  des  Rigreda^',  an- 
drerseits hatten  die  Arier  um  2000  vor  Chr.  kaum  erst  das 
Pendschab  betreten ,  geschweige  dass  sie  schon  Südindien 
erobert  gehabt  hättisn.  Weist  aber  die  Svarbh&nu-sonnenfinster- 
niss  über  Indien  hinaus  nach  dem  nordwesten,  so  gelangt  man 
an  der  band  der  fortgeführten  bogenlinie  Madras-Bombay  direkt 
nach  Südkaspien  und  zu  einer  periode  von  mindestens  3000 
vor  Chr. 

Berlin.  Brunnhofer. 


Böotische  dgennaiiien. 

Keine  griechische  landschaft  hat  bisher  dem  namenwörter- 
buche  eine   solche  fülle  interessanten  materials  zugeführt  wie 

IG* 


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148  t.  Öechtei 

Böotien.  Prachtstücke  wie  Quofiovog^  BiOTtnaOTog^  Kkavain- 
Ttoq  leben  im  herzen  aller  kundigen.  Die  folgenden  bemer- 
kungen  sollen  darauf  hinweisen,  dass  die  erde  noch  immer 
freigiebig  ist. 

1.     T6V(^aaiyiv8ig, 

In  der  Revue  des  Studes  greques  1899.  53  ff.  hat  Theodore 
Reinach  zwei  tanagräische  inschriften  veröffentlicht,  die  in  enger 
beziehung  zu  einander  stehn.  Der  tempel  der  Damater  und 
der  Kora  soll  in  das  innre  der  Stadt  verlegt  werden.  Die  erste 
Urkunde  bewahrt  die  namen  der  tanagräischen  damen  auf,  die 
sich  verpflichten  für  die  kosten  aufzukommen,  die  aus  der 
tempelverlegung  erwachsen.  Die  zweite,  die  rückseite  des 
gleichen  Steines  füllende,  verzeichnet  die  namen  der  schönen, 
die  g^rderobegegenstände  in  den  tempel  gestiftet  haben.  Da 
nur  wenige  persönlichkeiten  beiden  listen  gemeinsam  sind, 
lernen  wir  aus  ihnen  die  namen  einer  nicht  unbeträchtlichen 
zahl  von  Tanagräerinnen  und  ihrer  väter  kennen,  die  in  den 
letzten  Jahrzehnten  des  3.  Jahrhunderts  gelebt  haben. 

Unter  den  subscribentinnen  wird  eine  ^Ertlxctgig  Tav^iaat^ 
yi[viog]  (z.  73)  aufgeführt  Der  name  ihres  vaters  erweckt 
unser  interesse.  Der  herausgeber  nennt  ihn  »bizarre  et  inconnus 
und  hält  für  möglich  ihn  mit  dem  wortstamme  in  Zusammen- 
hang zu  bringen,  von  dem  Teifir/g  {noza^og  &t)ß(Sv  Hes.)  und 
Tsvfir]aa6g  ausgehn.  Gegen  diese  vermuthung  spricht^  dass  die 
böotische  gestalt  des  wortstammes  Tevfio-  aller  Wahrscheinlich- 
keit nach  nsvfiO'  lauten  würde ;  denn  dass  der  name  Tev^tjaoog 
in  engster  Verbindung  mit  dem  namen  der  phthiotischen  Stadt 
stehe ,  deren  bewohner  IIsvfidTioi  ^)  heissen  (Fick  zu  Coli, 
no.  3806  nachtr.),  scheint  mir  nicht  zu  bezweifeln.  Die  com- 
bination  von  Tm)fiaai'  mit  Tsv^tjaaog  unterliegt  aber  noch  zwei 
weiteren  bedenken.  Eine  inschrifb,  die  dftohyyizraadTi  bietet, 
würde  den  in  Tev^itjoadg  durch  aa  bezeichneten  laut  nicht  mit 
a  wiedergeben.  Und  wenn  Tevfiaai-  auf  den  Tevfitjaaog  zu 
beziehen  ist,  wie  kommt  i  in  die  compositionsfage?    Ich  setze 

1)  DaBB  die  Uivfiatui^  Phthioteo  sind,  hat  Köhler  Ztschr.  f.  nnmism. 
12.  110  ff.  gezeigt.  Bei  Brugmann  Orieob.  gramm.  "116  werden  sie  zu 
den  Böotern  gerechnet,  trotz  dem  hinweise  Heads  (Bist.  nam.  256), 
Dittenbergers  (IGS  1  no.  3287),  W.  Schnlzes  (GGA  1897.  910)  auf  Köhlers 
abhandlang. 


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Böotiscbe  eigennamen.  149 

Reinacbfl  nioht  annehmbarem  Torsohlage  einen  andren  entgegen : 
icb  sehe  in  Tsviiaai'  den  aoriststamm  von  fetfidoftai.  Dies 
verbum  ist  bisher  nur  aus  der  Thebais  des  Antimachos  bekannt 
gewesen,  und  zwar  hat  sich  Antimachos  seiner  bedient,  um  den 
namen  TevfiTiaadg  etymologisch  zu  deuten  i).  Wackernagel,  der, 
wie  ich  selbst,  von  der  Zusammengehörigkeit  des  T9Vfidof*ai 
mit  avest.  hfaoman"  (werk)  überzeugt  ist,  hat  vor  jähren  aus 
dem  erscheinen  des  t  bei  dem  ionischen  dichter  gefolgert,  dass 
dieser  das  verbum  von  den  Böotern  habe  (KZ.  28.  121).  Wir 
lernen  aus  dem  erscheinen  des  elementes  v«t;/uaai-  in  einem 
tanagräischen  namen,  dass  die  Böoter  das  wort  tev^taaiim 
wirklich  besessen  haben.  Wackemagels  schluss  gewinnt  also 
an  Sicherheit.  Der  bedeutung  nach  kommt  dem  so  verstandnen 
TsvtJLCLatyhug  der  6P  >  85  aus  Attika  nachgewiesne  name 
^Ef^iyiyrjS  so  nahe  wie  möglich. 

Aus  der  reihe  der  übrigen  neuen  namen,  die  durch  die 
beiden  documente  ans  licht  gekommen  sind,  seien  nur  zwei  er- 
wähnt,  um  deren  Verständnis  der  herausgeber  umsonst  bemüht 
gewesen  ist  BifAtav^  jetzt  auch  aus  Akraiphia  bekannt  ge- 
worden (BGH  23.  194  no.  le,  200  no.  8t),  kann  aus  eepiiaw 
verkürzt  s^  wie  ^Aati  auf  dem  tanagräischen  grabsteine  I6S  1 
no.  618  aus  'Aawnw  (Fick  GGA  1883.  121).  Und  Tifiivag 
(Bs7.  ss)  zeigt  die  gleiche  bildungsweise  wie  udlaxlvag,  [J](0' 
Qivag  in  Tanagra  selbst  (I6S  1  no.  585  Illt,  no.  Ö37ai4), 
Ilov^ivctg  in  Ghaironeia  (IGS  1  no.  3313«),  Ilsialvag  auf  Thera 
(IGI  3  no.  797),  naidivag  in  Pharsalos  (Goll.  no.  326  UIso.  si). 


2.    MwXiavjog, 

Eine  anzahl  neuer  conscriptionslisten  aus  Akraiphia,  alle 
jünger  als  die  mitte  des  3.  Jahrhunderts,  hat  Perdrizet  BGH 
23.  193  ff.  veröffentlicht.  Wir  lernen  durch  sie  etwa  zwanzig 
namen  kennen,  die  sich  grösstentheils  an  schon  belegte  an- 
schliessen  lassen,  theilweise  aber  doch  auch  sprachgut  enthalten, 
das   im  namenbuche   bisher  noch  nicht  vertreten  gewesen  ist. 

1)  Steph.  Byz.  T%vfiinoa6^,  o^g  BotvnUts  ....  JirXij^i}  <f*  ovtiik,  tk 

ofh^tx«  ol  K^oriSfts,  Sg  [n]  fjiiya  n&cnv  dvdtfau, 
aVTQov  M  *üxffVfi&  tivfjirifato  -  -. 


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150  F.  Bechtel 

Zu  der  letzten  klasse  gehört  der  in  der  Überschrift  ausgehobne, 
den  ich  der  zweiten  liste  (z.  25)  entnehme.  Der  herausgeber 
hat  sich  bemüht  ihn  zu  erklären,  hat  sich  aber  den  weg  zur 
richtigen  interpretation  durch  die  betonung  MtoXlovtog  ver- 
sperrt. Die  inschriften  gehören  einer  periode  an,  in  der  die 
Böoter  V  in  bestimmter  läge  mit  lov  bezeichnen;  so  bietet  die 
zweite,  die  uns  hier  beschäftigt,  z.  b.  ^iova[wv]og.  Sobald 
man  dem  tov  in  MQAIOYTOI  den  gleichen  werth  zuspricht,  wird 
der  name  durchsichtig:  man  erkennt  dann  in  ihm  das  als 
nomen  proprium  verwendete  participium  auf  toq  des  fast  ver- 
schollnen  verbs  fiwluo^  dessen  bedeutung  aus  der  Hesychischen 
glosse  fifSlvg'  6  dfna^g.  Soqxmlrjg  di  0aid(far  fufiwlvafiivtj' 
ftoQeifiivri  hervorgeht.  Mfohowog  gehört  also  in  die  reihe  der 
einstämmigen  Spitznamen,  deren  zahl  durch  die  neuen  con- 
scriptionslisten  auch  sonst  Zuwachs  erhält:  sicher  in  'O^oA- 
X$i(g)  1)  no.  2 16  (der  söhn  heisst  FovQig)  und  in  Koaxovlog 
no.  7 17  (Perdrizet  bemerkt  gut:  c'est  un  sobriquet  pris  da 
langage  de  la  corroyerie),  vielleicht  in  SMttpiag  no.  5i8  (einer 
der  ein  axaq>iov  trägt?)  und  in  TAPiOYI  no.  5t7  (lOY  auch 
hinter  labialis  für  t;?). 

Schliesslich  noch  zwei  namen,  durch  die  dem  namenbuche 
die  demente  ^AxgaiquO'  und  eyxog  zugeführt  werden:  ^AuLqtf- 
q>illai  (no.  lia)  und  ^yx-OQf^^^S  (no.  äi»,  no.  8t).  Wie  ntoh- 
tllii  Verkürzung  zu  rtrwiddwfog^  ÜTwioxleigf  IlTiowTifAog  ist, 
so  weist  ^  AifLQifiq>lXku  auf  voUnamen  zurück,  die  auf  dem  gliede 
^u4xQrj<piO-  aufgebaut  waren.  Ein  vater,  der  seinen  söhn  z.  b. 
^A%Qr}q>to%hiig  nannte,  sprach  in  der  benennung  den  wünsch 
aus,  der  söhn  möge  seiner  Vaterstadt  zum  rühme  gereichen, 
oder  der  ^AnoXXfov  ^Ax^q^iog  (ihn  bezeugt  Steph.  Byz.  unter 
^A%QaUpia)  möge  ihm  rühm  verleihen.  Der  sinn  von  ^EyxoQfiag 
ist  ohne  weiteres  klar;  wem  der  Homer  lieber  ist  als  der  Wille- 
halm, dem  fällt  vielleicht  über  ihm  der  vers  ein  Sog  di  %i  ii 
avdqa  eXäiv  %al  ig  OQfi'^v  Syxsog  el&eiv. 


1)  Vgl.  Strattis  bei  Athenaios  p.  621  f: 

^wUx*  ovS^v,  näaa  Brißaiav  noXtg, 
ov6iv  not    ilji    fl  TtQwta  fikv  r^  at^nlav 
onndinflav,  lus  k4yova\  dvofAdCttB- 
TOV  dXtxTQvova  J*  oQtdXtj^ov  -  *« 


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Böotiscbe  eigennamen.  151 

3.   /addaiog. 

Der  selben  zeit,  wie  die  conscriptionslisteD  von  Akraiphia, 
gehört  eine  von  Ciollin  BGH  21.  553  ff.  herausgegebne  Urkunde 
von  Thespiai  an,  über  die  kürzlich  Meister  gehandelt  hat 
(Leipziger  sitzungsber.  1899.  141  ff.).  Zu  den  bereicherungen, 
die  sie  für  grammatik  ^)  und  Wörterbuch  abwirft,  gehört  der 
name  ßadciaioQ.  Ich  glaube  ihn  etwas  anders  analysieren  zu 
müssen  als  Meister.  Nach  Meister  ist  er  ein  kurzname,  der 
auf  zo  /adog  oder  ßad-  zurückgeht  und  sich  der  bildung  nach 
mit  »kurznamen  von  der  art  Tifujaiog^  ^EQfiijaiog,  Jdaiog^ 
2uHriag€  vergleichen  lässt,  »die  von  vollnamen  wie  Tifitjoldrjfiog^ 
'Ef§ifj0iapa§f  J(oai&€og^  SwainQotrjg  abgeleitet  sind,  nach  deren 
analogie  auch  ein  vollnamen  wie  z.  b.  *ßad(oald'eog  gebildet 
werden  konntet.  Aber  derartige  vollnamen  sind  bisher  nirgends 
zu  tage  gekommen;  es  wird  sich  also  empfehlen  nach  einer 
erklärung  zu  suchen,  die  ohne  sie  fertig  wird.  Das  lexikon 
des  Hesych  gibt  sie  an  die  band.  Hier  begegnen  wir  den 
glossen  adovaiov  agearop,  aifig^yop  und  ädownaadfAevoi' 
dulofisvoif  6fioXoyovfievoi.  An  die  zweite  hat  Kumanudis  (Eq>. 
aQ%.  1884.  134)  bei  der  Veröffentlichung  einer  attischen  inschrift 
aus  dem  ende  des  4.  Jahrhunderts  erinnert,  die  man  jetzt 
CIA  4  suppl.  2  no.  252«  findet  Z.  13  ff.  dieses  denkmals 
heisst  es:  «[IJKTi  di  a\yrov  nai  * ^'9]\rpfct'ioy  -nual  qwl^g  tmlI 
dij[fiö\v  x[a]l  (pQatQ[iag  elvai  \  a]vvwi  adovaiaaaod'ai,  ^g  Sv 
ß[o]vXf]%a[i].  An  der  authenticität  von  ddovaid^ofKUy  damit 
auch  von  adovaiog^  kann  also  kein  zweifei  walten.  Attisches 
adovatog  —  so  ist  doch  wohl  zu  schreiben  —  verhält  sich  zu 
ßadorf'  wie  ysQOvaiog  zu  yiQcv%-^  exovoiog  zu  /sxoW-,  i^el- 
ovaiog  zu  i^ilort^^  wie  ind.  sdhaniya-  (siegreich)  zu  sdhanU. 
In  dem  namen  faddaiog  erkenne  ich  das  böotiscbe,  als  nomen 
proprium  verwendete  äquivalent  des  attischen  adovatog.  Diese 
auffassung  wird  nach  keiner  seite  der  rechtfertigung  bedürfen. 

1)  Für  die  formeDlehre  föllt  das  perf ectum .  <f «caacü^CMrc  ab  (z.  2 
ati.  du^ei^Xv^e],  aaf  das  man  nach  der  prasensform  dnuX^iiomiq  (I6S  1 
no.  1748  a,  1749  t)  Refasst  sein  mnsste.  Nnn  ist  wol  Dittenbergers  er- 
gänzung  äniiX[nXv'\^ioin^  aaf  dem  thespisohen  steine  IGS  1  no.  1766  t 
nicht  mehr  zu  halten;  vielleicht  haben  in  der  lacke,  die  Lollings  ab- 
•chrift  hinter  AHEIA  angibt,  zeichen  gestanden,  die  der  Steinmetz  aus 
versehen  eingegraben  hatte  and  wieder  ausgemeisselt  hat. 


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152  A.  Bezzenberger 

Niemand  bezweifelt  heute,  dass  die  asBibilation  des  %  durch 
coDSonantisch  gewordnes  i  eine  gemeingriechische  erscheinung 
ist,  dass  also  das  %  von  TtewayuxTioc  erklärt  werden  mass, 
nicht  das  a  von  /adwaiog.  Und  was  die  function  des  adjectivs 
ßadwaiog  als  eigenname  anlangt,  so  kann  daran  erinnert  werden, 
dass  auch  das  adjectiTum  i^eXovaiog  an  die  gruppe  der  mit 
*E^eXo-  beginnenden  namen  angeschlossen  und  schon  im  5.  Jahr- 
hundert in  Attika  als  eigenname  verwendet  worden  ist. 

Die  hier  gegebnen  ausfiihrungen  waren  niedergeschrieben, 
als  mir  aus  andrem  anlasse  die  Inschrift  CIA  4  suppl.  1  fasa  2 
no.  53  a  wieder  unter  die  äugen  kam.  Gleich  in  der  dritten 
zeile  heisst  es:  AJ0210\2  b^itcb'  l^aai  to  hiSQOv  %o  Koöqo 
Tuxt  TO  NeXiog  yuxi  tig  BaaiXeg  ....  Da  treffen  wir  also  unsren 
freund  in  Athen. 

Halle  (Saale),  20.  juni  1900.  F.  Bechid. 


Got.  bairau,  konjunktiv  von  indogerm.  hMro(u). 

Auslautende '  gestossen  betonte  langdiphthonge  der  grund- 
sprache  haben  ihren  zweiten  bestandteil  entweder  in  einigen 
sprachen  aufgegeben  und  in  andern  teils  überhaupt,  teils 
nebenbei  bewahrt,  oder  allgemein  verloren.  Eine  ändernng 
der  betonungsart  der  betr.  endsilbe  ¥ärd  durch  sein  schwinden 
nicht  herbeigeführt.  Beispiele:  ved.  a^tdu,  asfa,  got.  ahtau, 
gr.  oKto)^  lat.  octö  u.  s.  w.;  ved.  deväu,  devä,  an.  tvau,  gr. 
d-ew,  lat.  ambö,  lit.  balt^judu,  asl.  raba;  gr.  7t6lfji(?)^  got 
balga  (anstai  ä  ansiSi  oder  —  anstsj-i?),  ved.  agnä,  lit.  szali; 
ved.  sdkka,  gr.  ^ijrai.  Vgl.  J.  Schmidt  KZ.  XXVII  377,  Hirt 
Akzent  s.  117  f.,  Wackernagel  Altind.  gramm.  s.  106 ff. 

Hiernach  ist  es  zulässig,  die  in  avest  pere(ä,  gr.  ixto,  lat 
legOj  lit.  tce&ü,  got  baira  u.  s.  w.  enthaltene  gestossene  endung 
ö  auf  ou  zurückzuführen  i) ,  und  da  allein  hierdurch  die  ein- 
fachste aller  bisherigen  erklärungen  von  got.  bairau  *)  haltbar 

1)  Hirt  Indog.  forschungcn  I  228  möchte  sie  als  dt  anseteen. 

2)  „bairau  genau  gleich  griech.  conj.  (piQtt^^  Eögel  Zeitschrift  f. 
d.  gymnasial wesen  XKXIY  406,  vgl.  Wiedemann  lit  prat«ritum 
s.  160  anm. 


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Goi  bairau,  konjunktiv  von  indogerm.  bhfro(u).        153 

wird,  da  sogar  bairau  ohne  die  berleitimg  von  baira  aus  bkmröu 
überhaupt  nicht  befriedigend  zu  erklären  ist,  so  zweifle  ich 
nicht»  dass  dieselbe  das  richtige  trifft  —  Dass  im  Gotischen 
das  indikatiyische  ^s^u  als  a,  das  konjunktivische  dagegen  als 
-a«  erscheint,  ist  möglicherweise  eine  folge  der  indogermani- 
schen Satzbetonung  (vgl.  z.  h.  tii  ivä  yami  RV.  I  24,  11,  yÜ 
tvä  yami  RV.  X  47,  8),  denn  die  lautliche  behandlung  eines 
bherou  und  eines  bhirou  vollzog  sich  unter  verschiedenen  be- 
dingungen. 

In  den  meisten  bisherigen  behandlnngen  von  bairau  ist 
dieses  mit  berjau,  bairadau,  bairandau,  bairaidau,  bairaizau, 
bairaindau  zusammengefasst,  und  eine  einheitliche  erklärung 
aller  dieser  formen  versucht  Jellinek  und  Hirt  halten  eine 
solche  sogar  für  „offenbar"  erforderlich  (Hirt  a.  a.  o.  VI  59). 
Ich  kann  mich  hierdurch  indessen  nicht  abhalten  lassen,  bairau 
und  b^au  von  den  übrigen  eben  erwähnten  formen  zu  trennen 
und  in  dem  au  von  bhyau  (und  auch  von  viljaü)  mit  Kögel 
a.  a.  o.  einen  eindringling  aus  bairau  ^  in  -dau,  -ndaiu  dagegen 
mit  Westphal  Philos.-histor.  grammatik  s.  175  ff.  (vgl.  z.  b. 
Mahlow  Lange  vocale  s.  107,  Thurneysen  KZ.  XXVII  175) 
mediale  endungen  zu  sehen,  die  als  solche  den  sanskritischen 
aktivendungen  -tu,  -ntu  ebenso  gegenüberstehen,  wie  die 
medialen  endungen  -iai,  -niai  den  aktivischen  -ti,  -nti,  -zau 
endlich  halte  ich  ftir  eine  durch  -dau,  -ndau  veranlasste  Um- 
formung von*-2ru  =  skr.  -«ra. 

Die  nebeneinanderstellung  von  bherou  (skr.  bhara-mi)  — 
skr.  hharö^vah  (—  got.  bairas  BB.  V  319)  —  skr.  bharo^mah 
lasst  u  als  die  eigentliche  flexionsendung  von  bherou  erscheinen, 
und  es  ist  verführerisch,  dieselbe  endung  in  lit  $akaü,  sukaü 
(d.  i.  sakärUj  suka^)  anzunehmen.  Allein  dem  widerraten 
preuss.  po^nna  „ich  bekenne'S  laipinna  „ich  befahl*^ ,  deren 
-a  kaum  anders,  denn  als  -d  =  -ärä  •-  -d-d  zu  erklären 
ist,  und  die  dadurch  für  die  annähme  eintreten,  dass  sakaü, 
8ukaü  (und  ebenso  sakyczau,  siikczaü)  die  litauische  endung 
der  L  sing,  praes.  -u  —  'ö(u)  enthalten  (vgl.  Wiedemann 
a.  a.  0.  s.  161,  171)  i). 

Die  einzigen  formen,  in   denen  ausserdem  diese  flexions- 

1}  Anch  die  erkläraog  von  sakai^  aukai  aus  iaka-^i^  iukä'\'i  (i  en- 
dung der  IL  Bing,  praes.)  halte  ich  für  richtig.  Dass  aber  dies  -i  das 
von  Mi  sei  (Brngjnann  Grundriss  II,  2,  s.  1844),  glaabe  ein  anderer. 


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154  Elia  Lattes. 

endung  (u)  vermutet  werden  könnte,  sind  skr.  dadaü,  paprau 
u.  8.  w.  Aber  auch  hier  kann  ich  sie  nicht  anerkennen.  Es 
ist  zwar  denkbar,  dass  im  Altindischen  der  Singular  perf.  akt 
von  z«  b.  prä  ehemals  gelautet  hat:  I.  papräuy  "^paprd^  U.  pa* 
prdthäj  III.  paprd,  dass  in  folge  der  Verwendung  von  paprä 
ab  I.  und  III.  person  auch  papräu  als  III.  person  gebraucht 
wurde,  und  dass  die  verba  auf  a  ursprünglich  also  nur  in  der 
L  person  sing.  akt.  den  ausgang  au  hatten.  Da  aber  wahr- 
scheinlich das  lateinische  v-perfekt  und  das  suffix  des  particip 
perf.  akt.  (skr.  väms  u.  s.  w.)  das  u  von  dadaü,  paprau  u.  s.  w. 
enthalten,  so  wird  in  diesem  ein  stammbildendes  dement  zu 
vermuten  sein  (Fick  Gott  gel.  anzeigen  1883  s.  594,  vgl. 
Benfey  Kurze  sanskritgram.  s.  146,  anm.  2),  denn  dass  (wie 
Colli  tz  Amer.  Journal  of  philology  IX  47  anm.  anzunehmen 
scheint)  so  bedeutende  formengruppen  durch  ein  personal- 
sufBx  beeinflusst  oder  gar  hervorgerufen  seien,  würde  mir  selbst 
dann  wonig  glaubhaft  erscheinen,  wenn  dies  suffix  eine  grössere 
rolle  gespielt  hätte,  als  die  vermutliche  personalendung  u. 

A.  Bezzenberger. 


Le  prime  parole  della  g^rande  epigrafe  campano-etrusca. 

1.  Della  grande  iscrizione  etrusca  trovata  a  S.  Maria  di 
Gapua  (Bücheier  Rh.  mus.  55.  1 — 8,  cf.  Lattes  Rendic.  Ist. 
Lomb.  1900.  340—371  e  541— 562)  manca  il  principio;  e  di 
quella  della  61  linee,  interamente  o  parzialmente  superstiti, 
che  per  noi  e  la  prima,  si  legge  ancora  soltanto 

luvacü  .  fuxu 
dopodiche  svanirono  »sei  lettere«,  la  prima  delle  quali  »fu 
forse  a«.  Ora  in  luvaeä  possiamo  con  sicurezza  separare  come 
parola  intera  vacü,  perche  abbiamo,  fra  due  interpunzioni, 
1.  4.  5.  6.  12  V€KÜ  appunto,  3  suvcunl,  6—7  niianevacilUdam, 
12  erivacü,  14  üacuvacü,  oltre  forse  46  vac[Ü]  capoverso. 
Puö  poi  esso  vacil  confrontarsi  con  akil  o  a^ü,  acrü  (nome 
proprio  di  persona),  avü  o  aivü  ('anno',  la  seconda  forma  non 
ben  sicura),  arü  ('Atlante'),  cafatü  (n.  pr.  di  pers.,  ricusato  dal 
Pauli  Altit  Stud.  III  41-43),  datixvü  (lat.  etr.  'Tanaquil'), 
eil,  petrnil  (n.  pr.  di  pers.,  Pauli  come  sopra),  puü,  rü  (*anuo\ 


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Le  prime  parole  della  graude  epigrafe  campano-etrusca.     155 

Pauli  *eta'),  ruvfil  (n.  pr.  di  pers.,  Pauli  emenda  rupfiffsj)  midä 
(ora  anche  ClE.  3306),  taril-a,  tinsanl  (deita),  tüü  (n.  pr.  di 
pers.  ricusato  dal  Pauli),  usü  ('Sole').  Inoltre  sta  vacil  a  vael, 
che  ocoorre  18—19  Tolte  nella  M(ummia),  come  F.  2101  e 
F.  *  117  svalce  avil  a  F.  2273  mxdee  aü,  come  nella  nueva 
isciizione  E(tru8oo)  (Xampana)  1.  22  u$iU  a  M.  VII  13  udi  (cf. 
M.  V  21  udane-c),  come  Not  d.  Sc.  1889.  337  eeSilans  a 
s'eBlans  (^Vulcano'),  e  forse  come  akä  o  acü  a  EC.  59  e  M. 
V  18  aelxa  (cf.  M.  VIII  16.  X  9  adxn)  :  puö  pertanto  vaeU 
non  difFerire  da  vad,  se  non  sotto  il  rispetto  foneiico  o  grafico ; 
e  conferma  di  tale  conghiettura  forse  offre  il  üatto  che  £C.  6 — 7 
a  niivacilleßam  precede  vaeü  .  aav  .  ene»  .  Unamulirizäepicaa, 
donde  forse  risulta  aversi  Unam  (cf.  tdi  con  EC.  30  tUulepa  e 
26  acar.Upa,  23  aeiitd  con  10  ßiip  14  üi,  44  rü  ecc.  secondo 
Rendic.  cit.  357  8g.)  fra  due  vacüj  analogamente  a  M.  VIII 
16 — 17  vad  etnam  e  XI  4  vad  hexz  etnam,  se  Unam  sta  a 
etnam  come  pitrunia  üruta  a  petrunial  e  dru. 

2.  Pertanto,  sebbene  i  testi  con  vad  non  sembrino  pre- 
sentare  finora  spiocata  e  sicura  somiglianza  con  quelli  della 
iscrizione  capuana  in  cui  occorre  vacü,  puö  tornare  non  inutile 
al  futuro  interprete  di  questa  che  qui  si  riassumano  le  oeser- 
yazioni  di  fatto  cui  i  primi  danno  luogo.  Vale  a  dire  primie- 
ramente,  quanto  alla  connessione  di  vad  con  dnam,  pare  essa 
dimoetrata,  oltreche  dalle  due  frasi  riferite  (§  1),  si  dall'  essere 
appunto  vad  e  etnam  le  due  Toci  piü  frequenti  della  Mummia, 
dOTC  dnam  s'incontra  40  volte,  si  dal  mancare  tanto  etnam, 
quanto  vad,  nelle  colonne  IV  e  IX,  laddore  vad  s'incontra  6 
volte  nella  colonna  VII,  nella  quäle  etnam  si  presenta  16  Tolte; 
inoltre  tanto  vad,  quanto  etnam  paiono  connessi  con  vinwn, 
giacche  leggiamo  dall'  un  canto  M.  XI  2  vqcl  vinum  e  4  hetum 
vinum  Sil  vady  e  d'altro  canto  troviaroo  dnam  e  vinum  associati 
del  pari  oolle  voci  aima,  actio  ame  e  heiz  o  he%8  6;  abbiamo 
doe:  M.  XI  12.  14  e  XII  1—2.  9  etnam  aisna  -  VI  13 
etnam  eisna,  IX  ^^  1  aisna  hinOu  vinum,  IV  22  eiena  pevax 
vinum;  M.  VU  14  acü  ame  etnam^  VIII  5—6  muta-x  husina 
vinum  paiveism  acilS  ame,  8 — 3  vinum  afciljs  ame  mula  hursi 
(cf.  VIII  3  müla  hursi  purudn  vad);  M.  XI  4  vad  he%z  dnam, 
IV  9.  IX  6—7  he%se  vinum  r=  IV  14  hm,sd  vinm.  lo  so- 
spetto  del  resto  pur  sempre  (cf.  Saggi  e  Appunti  42.  67.  71. 
141,  Ultima  colonna  della  M.  6.  3«  17)  che  etnam  designi  un 


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156  Elia  Lattes 

sacro  liquido  simile  al  vinum;  che  aima  significhi  all'  in  circa 
'sacravit',  acil  ante  s  acüd  ame  circa  4n  -ili  ama',  hexz  = 
hexsd  circa  ^faecavit'  e  he(c)tum  (cf.  hectam  con  aiaiun  per 
^uixTaitoy)  circa  *faecatuin';  e  che  fnula  hu(r)8ina  equivalga  a 
mula  hursi  (cf.  lardia  larßi,  titia  tiia  tüi,  tinia  tina  ecc).  — 
In  secoDdo  luogo,  sembra  esservi  speciale  relazione  fra  wid  e 
ara,  giacche  vediamo  M.  III  16— -17  e  VII  17  p<id  ara,  VII  21. 
VIII  10.  X  4  vad  ar,  sieche  sapplisoo  6.  802.  3  vacßj  arS; 
cf.  altresi  F.  2240  (tav.  41)  usi  are  con  M.  VUI  9  md  usi.  — 
Terzo,  abbiamo  M.  V  16 — 17  vad  seguito  da  citz,  19  citz  vad, 
VII  2.  3.  5  etnam  dz  vad  (cf.  XI  4  vad  he%z  etnam).  — 
Quarto,  pare  vctd  essere  connesso  con  äcanin  ad  avere  richiesta 
la  societä  di  vocaboli  in  -in;  troviamo  infatti  M.  III  lö  vad 
an  seanin  =  16  in  scanin . . .  ,^z  (forse  [he^fz,  cf.  sup. 
vad  hexz,  he%sS  e  penezs  nel  cippo  di  Perugia  A  16)  vad, 
X  11—12  vad  s'canin,  V  16  vad  ßesnin,  X  y  2  vad  cesarin. 
lo  conghietturo  pur  sempre  che  -tfi;  diverse  da  in  =  ein  s 
Hm  =r  ei  particola  congiuntiva,  possa  tenersi  per  una  prepo- 
sizione  suffissa  e  posposta  e  che  äcanin  possa  per  ayyentara 
significare  all'  incirca  'in  scamno'  (cf.  Saggi  e  App.  19  no.  30, 
45.  116  ecc,  Rendic.  Ist.  Lomb.  1894.  638  sg.  p.  es.  favin  4n 
fovea'  =  favUi  come  auOüi  'in  sepulcro',  ecc).  Sospetto  pero 
che  spetti  altrove  M.  VII  16  Oezin  fler  vad,  per  confronto  con 
III  15  6ezi  vad,  con  Oezine  tre  volte  e  ßezince  pur  tre  volte. 
—  Quinto,  incontriamo  vad  M.  III  15  seguito  e  VII  2.  3.  5 
preceduto  da  ceia,  ch'e  forse  feminile  di  ce  (cf.  Larice  Larv- 
eeia,  Jfrceia,  Hu8tileia\  nome  di  deita  nel  templum  di  Piaoenza 
e  in  G.  804.  5:  in  tal  caso  bene  andrebbe  vad  preceduto  o 
seguito  da  ceia,  con  £ü.  6—7  vacil  leßam,  perche  anche  leOam 
e  noto  e  certo  nome  di  deita;  inoltre  bene  andrebbe  con  M. 
Vni  9  v€^l  i48i,  se  tcsi  va  con  usil  e  sta  a  questo  come  EG.  23 
ri .  tur .  zaes .  xa^  a  22  rilJur  .  zaee .  x<^0'  Sarebbe  mai  quindi 
vacü  e  sarebbe  vad  nome  di  deita  al  pari  de'  loro  socii  leBam, 
usi  e  probabilmente  ceia?  A  favore  sta  anche  la  ricordata 
congruenza  di  vad  ara  con  uei  are  (Deecke  emendava  ar[c]e); 
e  sta  eziandio  la  circostanza  che   in  G.  802.  3  a  vacß]  arß 

precede i  cexa  a  ..   e   segne    c . . . .  elisva  :  ora   cexa, 

come  dimostrai,  spero,  nei  Saggi  e  App.  95  sq.  (cf.  Rendic.  cit 
1900.  550)  fu  nome  di  deita,  e  *,.eli8va  riesce  analoge  ad 
eOaus'va  nota  dea  e  a  stlasva,  anch'  esse  verisimilmente  nome 


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Le  prime  parole  della  grande  epigrafe  campano-etrusca.     157 

di  deita.  Prova  piena  di  siffatta  condizione  s'avrebbe  anzi  per 
v€iel,  86  col  Breal  Mem.  de  la  soc.  de  ling.  IX  35  invece  di 
F.  2484  lasa  vecu  si  leggesse  vecl  e  questo  si  pareggiasse  con 
vad;  ma  ne  tale  pareggiamento  per  ora  paö  ammettersi,  come 
da  nessuno  si  ammette  quelle  di  cUn  con  dan,  sebbene  il  ge- 
nitivo  di  questo  suonö  dens',  ne  quella  lezione  pu5  acoettarsi, 
81  perche  il  finale  4  si  vede  ben  chiaro  (Gorssen  I  246  ta?.  7), 
81  perche  lasa  vecu  riceve  conferma  da  Not  d.  Sc.  1886.  360 
lasa  vecuvia,  da  CIE.  1499  sg.  vecui  e  da  etr.  lat.  Begoe  Ve- 
ffoia.  Piuttosto  un  ulteriore  argomento  per  la  divinita  di  vad 
vacil  Tiene  forse  offerto  da  F.  2033  bis  fa  5  (cf.  F.  ^  p.  110 
confennato  per  autopsia  dal  Deecke  ap.  Krall  5C'  s.  t.)  vacl . 
larO  :  m  ri;  abbiamo  in  Catti  EC.  3  8uvacä  .  sipir .  s'u,  ossia 
t?aeä  fra  m  e  s'i  (cf.  1.  8  piraa  e  pires,  11  pire,  18  /in),  come 
ivi  davanti  $i  8U  e  si,  e  abbiamo  nella  M.  V  10.  14  eher  e'i-c 
seU'C  (forse  'dei  Seiaque  Sivaque,  cf.  EC.  11  isum  a  zudevai 
a  pire  forse  'deorum  et  Zuslevae  et  Pirae'),  e  M.  II  12.  V  8. 
Xn  2  aiserae'  sem  —  V.  20  eiserae'  s'eus'  (forse  'Deae  [et] 
SivaeO. 

3.  Connesso  con  tn/d  apparisce  vadinam,  noto  solo  da  tre 
luoghi  della  Mummia:  VI  10  fra  due  Sezerij  al  primo  dei 
quali  seguono  le  parole  laivisca  lustres'  fler;  VIII  1  fra  esviia 
e  esvitij  ossia  preceduto  da  eevita  (cf.  emA-s,  cinque  volte  nella 
formola  xie'  esm-c  fasei,  con  laiUnita  o  lautniOa  feminile  di 
laiutni)y  congiunto  mediante  la  particola  ^  al  nome  di  deita 
cuU'cva^  e  parimeute  seguito  depo  epeiri  etnam  e  depo  la  par- 
ticola ic  (cf.  i%  ine  ininc)  da  esvüi  enas  ;  XII  9  preceduto 
dalla  dfra  per  *cinque'  (|||||),  che  VII  12  precede  ugualmente 
all'  analoge  ^npnqrß,  al  quäle  segue  ivi  e  XI  14  ßeean,  nome 
della  dea  Aurora,  al  modo  che  a  vadinam  segne  fi?  ctds'cva. 
Cosi  pure  M.  y  B  all'  analoge  caUUnam  precede  il  numerale 
du,  preceduto  da  putnam,  che  il  confronto  con  pute  (nove  volte) 
puls  (M.  XII  4  e  G.  799.  6)  mostra  essere  diverse  (cf.  i  genti- 
lizii  ecnatna  venatnal  ecc.  con  ecnat  venate  ecc.);  a  putnam 
precedono  poi  le  parole  neri  canva  carsi,  di  cui  per  lo  meno 
le  prime  due  sono  verisimilmente  nomi  di  deita  (Saggi  e  App. 
HO  8g.  e  cf.  lat.  Nerio).  Cosi  ancora  l'analogo  suntnam  sta 
M.  XI  13  fra  tuxla-e  eßri  e  ce%a,  dove  questo,  come  gia  si 
awertiy  e  nome  di  deita  e  tu(n)x(u)la'C  probabilmente  e  parola 
numerale  (cf.  eufyjßulem  ßun  du).  —  Avendosi  M.  VIII  16—17 


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158  Elia  Lattes 

f>ad  etnam,  conghietturo  il  Deecke  ap.  Krall  s.  y.  che  4nam 
in  vacUnam  e  calatnam  si  potesse  ricondurre  a  etnam;  tale 
spiegazione  proposi  anch'  io  Saggi  e  App.  136  sg.,  e  1a  rin- 
saldai  osservando,  fra  Tattro,  che  come  davanti  a  vncünam  e 
enteum  sta  la  cifra  per  'cinque',  cosi  abbiamo  M.  VII  5  la 
cifra  QD,  ossia  O  —  1000,  in  fine  di  una  linea  dove  occorre 
etnam,  linea  preceduta  da  tre  altre,  nelle  quali  pure  si  legge  etnam; 
e  furono  forse  piu  di  tre,  giacchg  ad  esse  precede  una  di  cui 
quasi  nulla  piu  si  legge,  mentre  poi  mancano  prima  chi  se 
quante  altre.  Appresso  per6  venne  alla  luce  l'epigrafe  etms- 
cheggiante  (Hermes,  31.  467)  di  Novilara,  dove  1.  8 — 9  incon- 
trasi  kalatnenia,  affine,  come  sembra,  di  calatnam. 

4.  Ritomiamo  ora  alle  prime  parole  della  grande  iscrizione 
campano-etrusca.  Separate  vacü,  resta  davanti  ad  esso  lu  che, 
segnende  a  lacuna,  potrebb'  essere  il  residuo  della  parola  pre- 
cedente,  quäle  alu  calu  vdcialu  (cf.  velcialual  e  trepcduat)  malu 
(cf.  Novilara  1.  6  6alü)^  aeüu  crapilu,  atdu  apulu  fulu,  aplu 
s'uplu,  auslu  (cf.  trazlu-sf).  Ma  puö  lu  tenersi  anche  per  pa- 
rola intera :  abbiamo  infatti  EG.  13  priceltUuU,  8.  28  pricipen, 
22  tule,  8.  18  tuleiluc  e  19  üuc  (cf.  8.  18  ilucu,  14  ilueuvacil, 
21  üucuper,  28  miüucve  29  ilucui)^  14  tuleaq>e8f  19  tuleleßam; 
donde  risulta  essere  price  e  tule  voci  compiute,  e  pero  tale 
potersi  reputare  anche  lu  (cf.  30  . . .  asei .  /ti . . . .).  6iä  del 
resto  un  siffatto  vocabolo  era  occorso  negli  epitaffii  GIE.  2418 
Bona  :  lu  :  anei  :  sepusa,  dove  secondo  il  Pauli  »Zu  nomen 
gentile  abbreviatum  est«,  e  3104  lar(H  ^  \  tÜi  :  lu;  per  contro, 
quanto  a  GIG.  4258  . . .  j  Jti  cni.la.,  che  il  Pauli  eraenda 
lu.cqi.la.  »ita  ut  lineae  quae  in  principio  cernuntur  fortuitae 
sint«,  perche  lo  riferisce  alla  madre  di  4259  Lartia  .  Caia . 
Ijuci  .f,  osservo  che  il  prenome  lu(ci)  abbreviato  non  s'incontrö 
mai  finora,  e  ben  di  rado  pur  l'intero  lud;  sieche  forse  m^lio 
si  leggera  lucni^  quäle  sta,  per  confronto  con  F.  >  32  «=  F.  » 
313  lucini,  e  si  prescinderä  dall'  immaginata  relazione  coli' 
epitafBo  latino  di  Gaia»  tanto  meno  probabile  se  alla  lacuna 
iniziale  si  supplisca  p.  es.  con  [0]q(na)  e  si  ravvisi  Tavanzo 
di  un  a  nelle  linee  che  si  suppongono  fortuite.  —  Abbiamo 
poi  GIE.  *3244  lu  :  venOace,  uno  »titulorum  spuriorum«  che 
»ex  eadem  fabrica  Glusina  originem  ducere  et  simiUtudine 
quadam  inter  se  vocabulorum,  ut  ita  dicam,  ficticiorum  et  litte- 
rarum  ductu  probatur«  (Pauli):  me  ne  tutti  falsi  roi   paiono 


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Le  prime  parole  della  grande  epigrafe  campano-etrusca.     159 

quei  titoli,  ne  totto  parmi  falso  ne'  titoli  falsi  (cf.  Studi  ital. 
di  filol.  clafis.  VII  489 — 492);  e  torna  in  ogni  caso  notevole  che 

anche  *3243  :  le  :  sa  |  xma  (Pauli  sa  . . .. xnia ),  coUa  prima 

a  capoYolta,  come  la  seconda  di  *3242  iatifa  e  come  quella 
di  F.  2481  frumaße,  ooncorda  con  EC.  2  9a%nel . .,  se  leggasi 
Mfne  l[e];  il  quäle  le  poi,  che  ritorna  *3290  le :  teti :  lania  : 
tinei,  occorre  in  EG.  5.  6.  19  rizüe,  secondo  risulta  da  19 
risnmaHy  b  picaa  ,ri  .sav  3  rüeOatn,  21  rieleBam  e  19  rtzüe- 
ziziriin;  arroge  forse  mani  le  in  *3262  manüe  .tiniani.eme 
di  oontro  a  lari  U  in  Mns.  ital.  di  ant.  class.  I  363  mimvlu' 
larile  züitnlax  (cf.  mi,  mulu,  lari,  mla%  e  EC.  5.  6.  19.  21  zi 
con  19  zi-z  e  18  lue).  Va  eziandio  forse  con  lu,  e  ne  diffe- 
risce  solo  graficamente,  luu  della  lamina  di  Campiglia,  Not  d. 
Sc.  1895.  339,  1.  8—9  ßapifUa.ie'.eeusn  .inpa.eapicun.i  \ 
bm.Bapieun .ee$\zerie',  se  non  si.tratti  di  üuu;  e  si  scam- 
biera  föne  Ince  a  suo  tempo  con  lu  1a  Yoce  InSti  di  M.  VI 
14 — 15  fikro/e  tine'in  e'arve  luBti,  dove  twe'in  lußti  richiama 
CIE.  371  Uns'  lut,  che  perö  inclino  a  credere  diverso  e  da 
hMi  e  Ask  lu,  e  mando  piuttosto  con  F.  2095  Bulutfr  (ossia 
Bu  luter)  e  con  GIE.  3879  lutni  (cf.  CIL.  XI  2045  Ludniae). 
Bens!  Boggerisce  forse  lu&ti  l'integrazione  lußfti]  nelP  epigrafe, 

Not  d.    8c.    1887.   438, aließi  :  frad  tezis  :  lud,.,  (cf. 

Bngge  Etr.  u.  Arm.  92  sg.)  scritta  intemo  al  foro  di  nna  lam- 
pada  aretina;  del  resto  luBti  e  luB.,.  potranno  anche  man- 
darsi  co  i  dae  lursd  del  piombo  di  Magliano. 

5.  Rimane  e'uxu . . .  o  ewjii^ . . .;  dove  anzitutto  non  ri- 
pugna  alP  etrusco  suxu  come  vocabolo  coropleto,  foggiato  al 
modo  di  zu^u  uxu  au%u  axu,  zvjku  lixu  eerixu;  cf.  altresl  hucu 
apucu-s,  eaeu,  cecu  lecu  precu,  vdicu  Oanicu  muOiku-e',  carcu 
freu  vescu  (cf.  Üsct)  eencu.  Torna  perb  piü  probabile,  dato 
lo  Stile  della  nostra  epigrafe,  si  debba  s'uxu . .  o  e'uxua  scom- 
porre  in  e'u  e  x^.  Invero  anzitutto  e'u  fra  due  interpunzioni 
8'ha  alla  1.  3  preceduto  da  eu  vacü  s'i  pir,  dove  incontriamo 
on  altro  9U,  yeridmilmente  non  diverso,  salvoche  sotto  il  ri- 
spetto  graficoy  dallo  e'u  testi  detto,  perche  del  pari  allato  a  e't 
(cf.  18  e'in  come  nella  Mummia)  troyiamo  si  in  1.  11  eiricimu 
(cf.  3.  2  ri  con  32  ri^z,  il  numerale  ci  e  F.  2269  Ati  =  F.  i  72 
inu  confermato  da  F.  >  43  mo;  inoltre  abbiamo  ].  4  ie'  e  61 
is,  oltreche  -ae'  -ie'  allato  ad  -a5  -m  (1.  5  lunae',  19.  21  prie', 
5.  6  picae,  16  tudiuras  =17  [najciurae,   19  lis).    Forse  poi 


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160    £lia  Lattes    Le  prime  parole  della  grande  epigrafe  etc. 

s'u  e  SU  non  differirono«  salvoche  riguardo  alla  grafia,  da  zu 
che  incontrasi  1.  27  ziicexinilaiei  (cf.  9.  11.  23  zu-s,  cexa  cexe 
e  forse  50—51  [cJexi-Sj  24  laief) :  iD&tti  gia  ricordammo  (cf. 
§  4)  analogamente  si  si  zi;  cosi  pure  1.  35  2^  e  22.  28  sal, 
come  M.  X  20.  21  zal  e  VII  7.  XII  11  sal;  cosi  ancora  ac- 
canto  a  W  -o«  e  -ia  As  teste  veduti,  1.  19  zi-z  e  32  zi-z; 
cosi  del  resto  gia  in  altre  note  epigrafi  etrusche  p.  es.  s'uei 
zuci,  s'ulus  zulus',  dis'u  (Novilara  tisu)  ßizu,  sane  zanes'  s'arve 
zarvfi,  salvi  zalvi,  sece  zec,  seri  zeri,  atdes  aules  aulez,  tes  des 
tez,  cainis'  cainiz,  casnis'  casniz,  cealxus  cealxus  cealxuz  (tutti 
tre  nelle  Mammia),  veW  vds  vdz,  carssri  heezri,  hsmsince  de- 
zince  (eDtrambi  nella  Mummia),  eapsnas  capsna  capzna,  pus'na 
puizna,  felsnal  feizncU.  D'altronde  appunto  neu'  alfabeto 
etrusco  del  vaso  nolano  F.  2767  in  luogo  dell'  elemento  s', 
vedesi  ripetuto  l'elemento  z^  come  in  luogo  del  qp  s'  ha  il  r  in 
apparenza  e  in  realta  il  f  latino  (cf.  p.  es.  CIE.  2421  nasBatnei 
velzncd  apparenti  per  mandatnei  fdznal,  F.  2168  vulunice  appa- 
rente  per  fuluniee  con  f  latino  invece  del  normale  f  etrusco), 
e  come  nelP  altro  alfabeto  campano-etrusco  F.  2766  in  luogo 
dell'  elemento  k  vedesi  ripetuto  l'elemento  c. 

Quanto  poi  a  j^..  o  x*^**-;  1a  1*  52  %ei.e0.)m:  oi  mostra 
%u  vocabolo  perfetto,  quäle  apparisce  altresi  da  1.  8  jmper  e  10 
%uscuv  per  confronto  con  21  üucuper,  19  üuc.uper,  8.  18  ilueu, 
Not.  d.  Sc.  1887.  17  peras  da  solo  au  vaso  di  Nola,  7  sul. 
scuvunemar,  M.  VUI  11.  X  ^^  6  Bull.  Inst  1882.  244  uns,  M. 
X  3  marem.  Incontriamo  poi  1.  18  x^.s^x^^  ^  25  %ad.ce: 
Iq-TM^f  <love  xues  (cf.  24 — 25.  30  zae.s  con  22.  23  zaes)  e 
XuO  ben  si  possono  stimare  rispettivamente  il  genitivo  e  il  lo- 
cativo  singolare  di  xu  per  confronto  da  una  parte  con  1.  8 
pires  e  3  pir^  21  tules-atu  (cf.  2  ai,  35  aie,  20  aius,  12  aium 
incerto)  e  9.  10—11  M,  d'altra  parte  con  F.  1  419—420 
s'udiß  —  F.  2335  suditi  4n  sepulcro'  locativo  di  suOi;  cf. 
altresi  M.  VHI  8  zineti  ratnueß  e  VI  5  hatiupeOi  laeti  con 
VI  3.  X  6  Kampes,  XI  ^^  5  hamtpes,  X  6  laes,  come  £C.  28 
tideti  e  21  tules  teste  allegato.  Come  poi  xue8  x^f  ^^^  ^- 
23.  25.  30  zaes  (0  zae.s)  x^f  27  tae.s  ^ad,  56—57  esares  xaO 
(scritto  esare  v  s  al  modo  che  zae.e  e  tae.s),  Infine  fra'  rari 
esempli  di  %-  per  c-  iniziale  avendosi  x^^^^^  V^^  ^^  Quari%$3 
(cf.  xarM2{(i«'),  gioverä  per  x*^  ricordare  CIE.  446  M.  X  4  (in- 
certo) XII  12  cfi-5;  probabilmente  nome  di  deita,  forse  attestato 


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W.  Stschepkin    Anzeige.  161 

anche  dal  nome  del  dio  retioo-latino  Cualanus  (Due  iscr.  prerom. 
63.  77,  Rendic.  Ist  Lomb.  1900.  367). 

Milano.  Elia  LaUen. 


W.    N.    Stschepkin.      Über    die    spräche    der    altslovenischen 
Savvina  Kniga. 

Im  letzten  hefte  des  archivs  für  elaviaohe  philologie,  bd. 
XXII.  247 — 255,  erschien  eine  anzeige  meines  buches  über  die 
spräche  der  altslovenischen  Bawina  Kniga.  Diese  anzeige,  die 
von  einem  jüngeren  österreichischen  Slavisten,  Herrn  V.  Vondräk 
stammt,  giebt  zu  einigen  recht  ernsten  einwendungen  anläse.  In 
ihr  überwiegt  das  polemische  dement  dermassen,  dass  der  Verfasser 
einer  sachlichen  besprechung  der  von  mir  erörterten  fragen  wo 
möglich  ganz  aus  dem  wege  geht.  Er  scheint  es  meistentheils 
nicht  angezeigt  zu  finden,  seine  höchst  allgemein  gehaltenen  rügen 
mit  beispielen  zu  bekräftigen. 

So  fertigt  z.  b.  Vondiak  die  einleitung  meines  buches,  welche 
die  hauptresultate  meiner  arbeit  zusammenfasst,  mit  folgendem 
echt  lakonischen  satze  ab:  „In  derselben  ist  vieles,  was  besser 
ungedruckt  bliebe"  (s.  249).  Ein  Schlussresultat  meiner  beob- 
achtungen,  die  behauptung,  der  schreiber  der  Savvina  Kniga 
habe  seiner  mundart  überall  recht  entschlossenen  ausdruck  ge- 
geben, sucht  Vondrak  mit  ein  paar  billigen  witzen  zu  beantworten. 
Inzwischen  stützt  sich  meine  erwähnte  behauptung  auf  recht  viele 
specielle  gründe,  die  im  buche  selbst  bei  der  Untersuchung  der 
lautbezeichnung  schritt  für  schritt  dargelegt  werden  und  von  einer 
anzeige,  die  in  einer  ernsteren  wissenschaftlichen  schrift  erscheint, 
nicht  schlechtweg  todtgesch wiegen  werden  sollten. 

8.  247  behauptet  Vondrak  wörtlich  folgendes:  „Nebstbei 
macht  vieles,  was  uns  da  geboten  wird,  auf  uns  den  eindruck, 
als  ob  der  reelle  boden  der  thatsachen  verlassen  und  man  lieber 
mit  einer  art  imaginärer  grossen  auf  dem  gebiete  der  Sprach- 
wissenschaft arbeiten  würde,  ja  es  hört  diese  Wissenschaft  bet- 
nahe auf,  eine  Sprachwissenschaft  zu  sein,  sie  grenzt  schon  hart 
an  eine  art  uns  vollständig  unverständliche  metaphysik''.  Von- 
drak unterlässt  es  auch  hiei  an  beispielen  zu  erläutern,  worin 
diese  metaphysik  eigentlich  besteht.  Sonst  hätte  ein  unbefan- 
gener leser  gleich  erkannt,  dass  es  sich  nur  um  solche  fragen 
der  lautphysiologie  und  lautlehre  handelt,  welche  in  Deutschland, 
auf  dem  gebiete  der  indogermanischen  Sprachwissenschaft,  nament- 
lich seit  ihrer  zweiten  aufblüte,  unumwunden  gepflogen  und  er- 
örtert werden.  Die  Slavistik  hat  noch  leider  nicht  überall  das 
glück  gehabt,   in    den   kreis  dieser  sprachwissenschaftlichen  eut- 

Btttriftt  t.  knad«  d.  üul«.  tpiaslMa.   XXVI.  \\ 


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162  W.  N.  Stschepkin 

Wickelung  gezogen  su  sein,  und  darin  liegt  vielleicht  der  haupt- 
grund  jener  wiederholten  klagen  Vondraks  über  die  Unklarheit 
meiner  erörterungen. 

Die  Verständlichkeit  einer  schrift  hängt  jedenfalls  ebensoviel 
vom  schreibenden  wie  vom  lesenden  ab.  Fast  könnte  es  nämlich 
scheinen,  der  recensent  habe  das  buch  nur  flüchtig  durchblättert, 
oder  er  beherrsche  die  russische  spräche  nur  dürftig.  In  der 
vorrede,  ganz  vorne,  (s.  XII)  sage  ich  z.  b.  ausdrücklich,  dass 
ich  mich  mit  i autgesetzlichen  fragen  befasse  und  vor  allem  das 
Schicksal  der  sla vischen  halbvocale  untersuche.  Und  dennoch 
wundert  sich  Vondrak  zweimal  (s.  248  u.  249)  nicht  auch  an- 
deres in  meinem  buche  zu  finden,  namentlich  keine  analyse  des 
Wortschatzes  oder  der  slavischen  redaktion  der  Übersetzung  des 
evangeliums.  S.  250  ergeht  sich  Vondrak  in  pathetischen  rodens- 
arten,  um  am  ende  zu  erklären,  dass  ich  mich  vor  dem  zuge- 
ständnias  des  höheren  alters  der  Glagolica  vor  der  Cyrillica  — 
scheue.  In  der  vorrede  meines  buches  (s.  II),  deute  ich  an,  dass 
ich  die  hohe  Wahrscheinlichkeit  dieser  hypothese  S^fafik^s  in 
vollem  masse  anerkenne  und  nur  die  Verwahrung  mache,  dass 
ich  die  Wahrscheinlichkeit  eines  directen  glagolititchen  Originals 
der  cyrillischen  Savvina  Kniga  methodologisch  nicht  als  eine 
neue  stütze  jener  hypothese  betrachten  kann.  Die  vielen  und 
verschiedenen  beweise  für  das  glagolitische  original  des  denkmals 
scheint  Vondrak  auch  übersehen  zu  haben,  denn  er  redet  nur 
von  einem  (s.  251),  der  ihm  missföllt,  und  fordert  andere,  die  er 
in  meinem  buche  hätte  finden  können.  Nicht  besser  steht  es, 
wenn  Vondrak  behauptet  (e.  252),  ich  wäre  nicht  näher  auf  die 
bedingungen  eingegangen,  unter  welchen  die  vocalisation  der 
altslovenischen  halbvocale  stattfindet.  Ich  hätte  nur  darüber  die 
Worte  fallen  lassen,  die  bedingungen  seien  dieselben,  wie  im 
Russischen.  Diese  worte  stehen  wirklich  auf  s.  107  meines 
buches.  Doch  es  folgt  weiter  (s.  169 — 186)  ein  grösseres  kapitel, 
wo  ich  diese  äusserung  berichtige  und  die  bedingungen  der  voca- 
lisation in  den  einzelnen  slavischen  sprachen  eingebend  betrachte. 
Etwas  ganz  ähnliches  wiederholt  sich,  wenn  Vondrak  auf  die 
formen  der  parücipia  ein>  laßw,  emane  kctßcrgtg  (für  gewöhn- 
liches altslovenisches  kmi,,  HMtime)  zu  reden  kommt.  Er  verwirft 
die  möglichkeit,  dass  e-  dieser  formen  sei  lautgesetzlich  aus  jb- 
entstanden,  denn  er  glaubt  annehmen  zu  müssen,  jedes  jb  (besser 
wäre  es,  von  ältestem  j|Y-  und  i-  auszugehen)  im  anfange  des  wertes 
wäre  bereits  „in  den  allerersten  anfangen  des  Slavischen''  zu  f 
geworden.  Vondrak  theilt  uns  mit,  em,)  eM-biue  beruhe  auf  ana- 
logie  von  Seiten  solcher  composita  wie  evi-emi,  vbs-eM-bine.  Diese 
möglichkeit  wird  auch  in  meinem  buche  erwähnt  (s.  305).  Dabei 
übersieht  aber  Vondrak  gänzlich,  was  ich  in  den  berichtigungen 
(s.  306)  für  den  vorzug  der  rein  lautgesetzlichen  erklärung  von 
em»  anführe.  Die  slavischen  sprachen  scheinen  nämlioh  darauf 
zu  weisen,  dass  im  anfange  des  wertes  nicht  jedes  jh  (» j|t-  u.  t)  ge- 


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Anzeige.  183 

nieinslavisch  zu  %  wurde.  Es  müssen  eben  schon  in  der  sla vischen  Ur- 
sprache zweierlei  halbvocale  unterschieden  werden:  geschwächte 
vor  Silben  mit  volllautenden  vocalen  und  stärkeren  halbvocalen, 
stärkere  —  vor  silben  mit  geschwächten  halb  vocalen.  In  der 
einzelentwickelung  der  slavischen  sprachen  unterlagen  die  ge- 
schwächten halbvocale  meietentheils  dem  Schwunde,  die  stärkeren 
—  der  vocalisation,  d.  i.  einer  dehnung  bis  zum  kurzen  voUlaut- 
vocal  mit  änderung  der  unbestimmten,  durch  reduction  hervorge- 
rufenen qualität,  in  eine  bestimmte.  Nur  gemeinslavisches  jtr- 
mit  geschwächtem  h  scheint  zu  t  geworden  zu  sein,  jit-  mit  stär- 
kerem h  ging  wohl  unverändert  in  die  einzelnen  sprachen  über, 
um  im  Serbokroatischen  und  theilweise  im  Slovenischen  zu  ja-, 
in  den  übrigen  slavischen  sprachen  zu  je-  zu  werden. 

öfters  wirft  mir  Vondrak  vor,  ich  hätte  nicht  den  muth 
gehabt  eine  bestimmte  meinung  zu  wählen.  Ich  habe  allerdings 
viele  fragen  angeregt  ohne  mir  einzubilden,  vor  ihrer  endgültigen 
lösung  zu  stehen.  Vondrak  scheint  es  aber  nicht  zu  ahnen,  dass 
die  all  wissen  heit  bei  einem  forscher  nichts  gutes  zu  bedeuten  hat. 
Der  geist  der  Unfehlbarkeit  weht  uns  auch  aus  allem  entgegen, 
was  Vondrak  neues  oder  festgestelltes  vorzutragen  glaubt. 

Die  Probleme  vom  Ursprung  des  slavischen  schriftthums  und 
von  der  heimath  des  Altslovenischen  stehen  für  alle  slavisten 
als  wichtige  kulturfragen  da.  Aber  ohne  die  waffe  der  neueren 
vergleichenden  Sprachwissenschaft  geht  ein  theil  der  slavisten  wie 
echte  antiquarienliebhaber  zur  lösung  dieser  fragen.  Tiefsinnige 
paläographische  und  lexicalische  erwägungen  dienen  nach  wie  vor 
als  hauptmittel  fttr  die  starren  geister.  Und  es  wird  mit  längst 
verbrauchten  Zauberformeln  ewig  neu  ein  unaufhörliches  ödtes 
spiel  getrieben.  Ein  beispiel,  das  ich  der  anzeige  Vondraks  ent- 
nehme, möge  genügen. 

8.  249  belehrt  uns  Vondrak  über  den  localursprung  der 
Sawina  Eniga:.  sie  soll  irgendwo  in  der  nähe  der  slovakisch- 
nissischen  Sprachgrenze  entstanden  sein,   einst  habe  der  gelehrte 

geradezu  ans  russische   gebiet  gedacht Wir  erinnern  uns 

wirklich  Vondraks  launenhafter  gedankenäusserung  über  den  Ur- 
sprung der  Savvina  Kniga  und  der  Suprasler  handschrift,  der 
beiden  grösseren  cyrillischen  denkmäler  des  Altslovenischen  aus 
dem  XL  Jahrhundert.  Wir  waren  jedoch  auf  die  neuerliche  auf- 
erstehung  solcher  meinungen  nicht  gefasst.  Denn  für  einen 
Philologen,  der  in  die  beechaffenheit  der  altrussischen  redaction 
des  Altslovenischen  festen  einblick  gewonnen  hat,  bleibt  die 
russische  herkunft  der  beiden  letzterwähnten  handschriften  des 
reinen  Altslovenisch  einfach  ausgeschlossen.  Vondrak  eehört 
aber  augenscheinlich  zu  einer  art  slavisten,  die  für  die  feineren 
lautlichen  eigenscbaften  der  mundarten,  wie  sie  aus  den  ältesten 
quellen  des  Slavischen  zu  uns  reden,  keinen  sinn  hat.  Todt 
schmnen  ihn  diese  alten  pergamente  anzustarren.  Für  ihn  ist 
auch  daher  die  geographische  fixirung  eines  denkmals  sehr  leicht; 

11* 


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164  W.  N.  Stschepkin 

sie  wird  einfach  nach  vereinzelten,  zufälligen  und  meist  willkür- 
lich erklärten  merkmalen  yorgenommen.  So  auch  in  unserem 
falle.  Denn  es  glaubt  Vondrak,  es  könnte  der  ausdruck  bi>  nKsoeAA 
eis  ftavdoxBiov  Luc.  X  84  —  statt  bt,  roCTiHHi^  der  anderen 
denkmäler  —  für  die  Savvina  Kniga  die  nähe  des  slovakischen 
oder  kleinrussischen  gebietes  verrathen!  (s.  249).  Wer  so  was 
behauptet,  der  operirt  —  und  zwar  im  besten  falle  —  mit  argu- 
mentis  a  silentio.  Denn,  gesetzt  das  wort  rocoo^a  »herberge«  findet 
sich  in  den  jetzigen  südslavischen  sprachen  garnicht  wieder;  ist 
das  ein  logischer  grund  anzunehmen,  das  wort  wäre  auch  nicht 
altsloTenisch ?  Ist  damit  wirklich  bewiesen,  die  altslovenische 
mundart  der  brüder  CyTillus  und  Methodius,  oder  eine  der  vielen 
mundarten  späterer  abschreiber  aus  den  Jahrhunderten  IX — XI 
hätten  das  wort  nie  gekannt?  Hat  nicht  schon  Drinoff  darauf 
aufmerksam  gemacht,  wie  vermeintliche  Paunonismen  oder  Mora- 
vismen  sich  zuweilen  in  den  lebenden  mundarten  des  Bulgari- 
schen wiederfinden?  Geben  wir  jedoch  zu,  das  wort  n>cnoAA  sei 
zweifelsohne  ausschliesslich  westslavisch  (den  dialectischen  an- 
strich des  Kleinrussischen  mitgerechnet) ;  darf  deswegen  ein  ernster 
forscher  sich  aus  den  vielen  möglichkeiten  nur  die  eine  heraus 
nehmen,  dass  ein  altslovenisches  denkmal,  welches  das  wort 
rocno^a  enthält,  selbst  an  der  westslavischen  Sprachgrenze  ent- 
standen ist?  Und  wie  wäre  noch  diese  unklare  Vorstellung  zu 
verstehen?  Meint  Vondrak,  dass  der  Schreiber  der  Savvina 
Kniga  ein  Westslave  war?  Dies  ist  ebensowenig  möglich,  wie, 
dass  er  ein  Russe  war.  Oder  glaubt  er,  der  Schreiber  redete  eine 
altslovenische  mundart  Nordungarns,  die  noch  im  XI.  Jahrhundert 
ihr  dasein  fristete?  In  diesem  falle  dürften  wir  verlangen,  dass 
der  dialect  der  Savvina  Kniga  auch  in  seinem  lautsystem  wenig- 
stens etwas  historische  Verwandschaft  mit  dem  Westslavischen 
aufwiese,  wie  es  bei  den  glagolitischen  Kijewer  blättern  der  fall 
ist^  deren  echt  altslovenische  mundart  das  organische  merkmal 
tj,  k't  «-  c,  dj  —  z,  stj,  sU  —  öd  aufweist  *).  Davon  ist  aber 
in  der  mundart  der  Savvina  Kniga  keine  spur.  Denn  wenn  sich 
Vondrak  noch  auf  die  paar  mal  vorkommende  endung  3.  sing, 
plur.  praes.  -Tb  statt  .n»  zu  stützen  glaubt,  so  beweist  diese  en- 
dung —  man  deute  sie,  wie  man  will  —  herzlich  wenig;  sie  ist 
ja  auch  aus  dem  Zographos-evangelium  bekannt,  ganz  zu  schweigen 
von  den  Novgoroder  blättern  und  von  dem  Ostromir,  wo  man 
sie  freilich  —  und   zwar  unbeholfen    genug  —  als  lauter  Rus- 


1)  Im  archiv  für  slavisehe  philologie  bd.  XX.  1—18  u.  bd.  XXII. 
39»45,  kehrt  sich  Jagic  mit  aller  möglichen  energie  gegen  diese  ansieht 
MikIoaich*8  und  Fortunators,  die  auch  ich  für  die  allein  mögliche  halte. 
Japic  hält  die  phonetik  der  Eijewer  blätter  für  eine  künstliche  oonta- 
mination  von  Altslovenisch  und  Mährisch.  Der  streit  um  die  Kijewer 
blätter  spitzt  sich  so  einer  methodologischen  principienfrage  zu.  An 
einem  anderen  orte  hoffe  ich  darzulegen,  wie  Jagic's  beweisgrunde  theils 
auf  dialektischen  Irrwegen  beruhen,  theils  gegen  ihn  reden.  — 


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Anzeige.  165 

sismen  wegdisputiren  möchte.  Einzelne  splitter  eines  nordalt- 
slovenischen  grenzdialectes  konnten  übrigens  sehr  wohl  durch  die 
slavische  Völkerwanderung  des  V — VII.  Jahrhunderts  nach  dem 
Süden  verschlagen  werden,  in  eine  beliebige  landschaft  Bulgariens 
oder  Macedoniens.  Was  sollte  in  diesem  falle  einem  philologen 
bei  der  geographischen  fixirung  einer  solchen  mundart  ihr  dialec- 
tischer  wertschätz  helfen?  Endlich  konnte  das  wort  rocnoA«!  wie 
andere  mehr,  während  der  pannonischen  periode  der  slavischen 
liturgie  auf  dem  wege  des  schriftthums  der  altslo venischen  litte- 
ratursprache  einverleibt  worden  sein.  Von  den  vielen  ist  sich 
Vondrak  nur  des  einen  weges  bewusst  und  zwar  nicht  des 
besten. 

Die  wissenschaftliche  wie  die  litterarische  richtuug  Vondrak^s 
zwingt  michy  bevor  ich  schliesse,  noch  zu  einer  an  kurzer  selbst- 
anzeige zu  greifen.     Mein  buch  hat  eine  einheitliche  wissenschaft- 
liche aufgäbe,  welche  Vondrak  gänzlich  verschweigt:  an  der  band 
einer  sprachquelle,    welche    mit    grösserer    klarheit    eine    lebende 
altslovenische  mundart  des  XI.  Jahrhunderts  zum  ausdruck  bringt, 
unternahm    ich    einen    historischen    vergleich    des   altslovenischen 
mit    den    heutigen    mundarten  des  Bulgarischen,    um   auf  grund 
der  gewonnenen  thatsachen  den  Verwandschaftsgrad  beider  sprachen 
festzusetzen.     Der  besagte   vergleich    hat  mich  zum  Schlüsse  ge- 
führt, dass  jene  complicirten   und  langsamen  processe,   in  denen 
die  lautliche   Veränderung   der   halbvocale  %  und  ^  bestand,    im 
Altslovenischen    wie    im  Bulgarischen   —  so    weit   der   vergleich 
reicht  —  durchaus  identisch  waren:    beide  sprachen  kannten  die 
vocalharmonie,   (d.  i.  den  Übergang  von  ^  zu  h  vor  weichen  und 
von  ft  zu  %  vor  harten  silben  mit  volllautendem  vocal  oder  stär- 
kerem   halbvocal),    beide    weisen   die    rundung   des   h    nach    den 
lauten  i,  i,  6,  M,  id  auf,    wodurch  h  in   dieser   läge    allmählich 
in    vielen    dialecten  zu  ^  wurde;    beide    sprachen    erlitten    einen 
frühzeitigen    Schwund    der   geschwächten   halbvocale   in  gewissen 
consonantengruppen ;    beide   entwickelten    dialectische    Übergänge 
der    stärkeren    halbvocale:    des  ^  zu  o,   des  h  zu  e.      In    beiden 
sprachen  wurden  die  resultate  aller  dieser  lautveränderungen  auf 
dem  wege  der  analogie  theils  vermannigf altigt,  theils  ausgeglichen 
und  zwar  auf  nämliche  weise   in    den    nämlichen   grammatischen 
kategorien.     Die   aus    der   ganzen    entwickelung   der   halbvocale 
resultirende  dialectische  gliederung  beider  sprachen  war  durchaus 
dieselbe.     Es  zerfielen  nämlich  beide  in  drei  hauptdialecte,  deren 
erster  gar  keine  vocalisirung  der   halbvocale  kannte,  der  zweite 
beide  halbvocale  vocalisirte:   ^  zn  o,  h  zu  e,  der  dritte  %  behielt 
(d.  h.  die  qualität  des  lautes,   denn  quantitativ  wurde  der  halb- 
vocal auch  hier  zum  kurzen  volUautvocal)   und   nur  h  zu  e  ver- 
änderte.    Der  erste  dialect,    noch  erhalten    in    den  vorlagen  des 
Zographos-evangelium's  und  des  Ostromirs,  dann  in  der  Savvina 
Kniga  und  in  einem  theile  der  Suprasler  handschrift,  verschwand 
früh,  indem   er   wahrscheinlich  in   den  beiden  andern  unterging; 


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166  A.  Bezzenberger 

der  zweite  lebt  noch  im  Macedonisch-bulgarischen,  der  dritte  im 
ORtbuIgariächen  fort.  Nach  dem  inhalte  der  besprochenen  laut- 
lichen processe  zu  schliessen,  musste  ihre  entfaltung  gewiss  einige 
Jahrhunderte  in  anspruch  nehmen.  Während  dieser  Zeitspanne 
besassen  also  Altslo venisch  und  Bulgarisch  ein  einheitliches  terri- 
torium  und  wir  können  nicht  umhin  sie  als  dialecte  einer 
einheitlichen  spräche  zu  betrachten.  Das  liturgische  Altslovenisoh 
des  IX.  Jahrhunderts  —  soweit  es  aus  quellen  des  XI.  erschlossen 
werden  kann,  —  weist  in  seinen  wesentlichen,  spraohgesohicht- 
liehen  lautmerkmalen  die  meisten  verwandtschaftszüge  mit  jenen 
südostmacedoni sehen  mundarten  auf,  deren  eine,  die  von  Suche, 
von  Oblak  (Macedonische  Studien,  Wien  1896)  beschrieben  wurde. 
Es  ist  kaum  zu  bezweifeln,  dass  die  mundart  der  slavenapostel 
in  den  bereich  dieses  südostmacedönischen  dialectes  fiel.  Ob  der 
letzte  zur  zeit  der  entstehung  des  slavischen  schriftthums  weiter 
nach  Westen  und  bis  nach  Thessalonich  reichte,  oder  ob  er  den 
beiden  brüdern  aus  anderen  Ursachen  gelaufig  war,  bleibt  vor- 
läufig dahingestellt,  ist  auch  von  keinem  belang.  So  weit  mit 
der  geographischen  fizirung  des  Altslo venisohen.  Wer  heute  ein 
mehr  anstrebt,  und  zwar  nicht  an  der  band  der  dialectischen 
lautgeschichte ,  läuft  gefahr,  die  pfade  der  Wissenschaft  zu  ver- 
lassen und  in  der  luft  zn  schweben. 


Timonino;  den    ^^^4^'  1900. 
2.  juli 


W.  Stschepkin. 


Etymologien. 

1.  In  der  erkläruug  von  got.  aurahi  „grab,  grabstätte''  ist 
man  bisher  über  J.  Grimm  Kl.  Schriften  II  243  nicht  hinaua- 
gekoromen,  dessen  gleichstellung  von  aurahi  und  urc^us  in- 
dessen keinen  beifall  gefunden  hat.  Sollte  aurahi  nicht  ver- 
wandt sein  mit  lat.  Oreus?  Wegen  der  Überlieferung  und  der 
älteren  erklärungen  dieses  namens  s.  Prelle r -Jordan  Rom. 
mythologie  II  62  f. 

2.  Wie  lett.  lidf,  nordlit.  lyg  ,,bis''  zu  lit.  l^us  „gleich,  eben'' 
verhält  sich  begrifflich  lit.  ik\,  Ik  „bis"  (ikiköl,  iköl  „bis  dann", 
iksziöl  „bisher",  iktdl  „bis  dahin",  ikmetis,  ikmetingas  „zeitlich", 
„doczesny")  zu  lat.  aequus,  skr.  ika  „einer".  Den  bedeutungen 
dieser  wörter  ordnet  sich  auch  der  gebrauch  des  lettischen  und 
preussiscbeu  verallgemeinernden  präfixes  ik  unter  (Idtt.  Ucdinas 


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Etymologien.  1B7 

„täglich",  ikkairs  „ein  jeder*^  iktdns  dass.  [lit.  ikw'^nas  bei 
Miezinis  vermutlich  hieraus  entlehnt],  pr.  ikai,  ickai  „wann, 
ob''),  und  ich  trage  daher  kein  bedenken,  halt,  ila,  ik  mit  aequm, 
Ika  etymologisch  zu  verbinden.  Vgl.  Bielenstein  IiOtt. 
spräche  II  104  und  wegen  des  von  ihm  berücksichtigten  lit. 
jikus,  iku8  Brückner  Lituslav.  Studien  I  87. 

Andere  verwandte  von  lat.  aequus  sind  möglicherweise  lit. 
aiksztus  (aus  aiq9S'fu-s)  „eben,  weit,  geräumig**,  aikszte  „ebene 
flache,  horizont**  (bei  Bretken  „hof",  „dimstis^*),  vgl.  lat.  aequor. 
Ich  halte  es  indessen  für  nicht  unmöglich,  dass  diese  Wörter 
mit  dhzkus  (fszkus)  „deutlich**  zusammenhängen.  Vgl.  lit. 
laükas  :  gr.  Xsvaow, 

3.  Griechisch  diaivw  „ich  benetze*'  (bildung  wie  fiiaivw^ 
Wurzel  mevch)  gehört  zu  dem  gleichbedeutenden  d«tai,  womit  man 
längst  ahd.  zawa  „tinctura**,  zatcjan  „tingere"  verbunden  hat. 

4.  Lit  dinuftis  „hof,  gut'*  und  „hofraum  au  den  gebäuden" 
(so  in  der  Bretkenschen  bibelübersetzung  II  Mos.  27.  9).  fem., 
aus  dam-sfo^  „haus-stelle"  vgl.  gr.  ödfi-oQ  u.  s.  w.  „des  hauses 
waltend"  (J.  Schmidt  Neutra  s.  221  f.)  und  an.  riau-st  „8chi£P- 
schuppen**  u.  s.  w.  (ebenda  s.  346).  Der  übertritt*  von  d^fn-sto- 
in  die  t-deklination  bedarf  in  hin  blick  auf  die  litauischen  com- 
positionsregeln  kaum  einer  erläuterung.  Über  lit  tiamal,  woraus 
J.  Schmidt  eine  schwache  form  von  do/aog  folgern  will,  s.  HB. 
XXI  303  anm. 

5.  gr.  qfiaQog,  qaegog  „leuchtend,  glänzend,  hell",  dann 
„fett,  strotzend",  <piagvvei'  hxfinqvvu  (Hesych)  aus  *q)ioaQd-gj 
vgl.  g>ai(o)6g  „dämmerig**,  lett  gdütchs  „hell,  klar,  leuchtend". 
Man  brachte  den  ablaut  ai  i  i;  das  g>  ist  aus  g>aia'  über- 
nommen. 

6.  Ags.  beorcian  „bellen",  engl,  bark,  an.  berkja  „bellen, 
poltern,  toben"  :  zem.  burgeii  „unfreundlich  sein,  brummen, 
zanken**,  burgkms  „brummbart**,  lett  bdrgs  „streng,  hart,  un- 
freundlich, unbarmherzig**.    Anders  Zupitza  Gutturale  s.  160. 

Als  Wurzel  vermute  ich  bhereg,  wozu  auch  an.  braka  „pras- 
sein,  krachen**,  ahd.  prciht  „lärm**  gehören  können. 

7.  Wörter  wie  nhd.  schenken,  bescheren,  besehiedeti,  ags. 
bryttian  mit  ihren  ganz  klaren  bedeutungsentwicklungen  geben  das 
recht,  lit.  UnUi  „gewähren**  (laima  lemö  saulüzös  denät§  Schleicher 
Lesebuch  s.  8)  „bestimmen**,  lett  nü-lemt  „bestimmen,  verfügen, 
urteilen,  prüfen"   zu   asl.  lomüi  „brechen",   apr.  limtwei  dass., 


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168  Brunnhofer    Nachtrag. 

lett.  iknt  ,, zusammenbrechen",  gr.  vtolefiig  „unablässig"  zu 
stellen,  und  da  hierdurch  Ihnti,  nü-lemt  den  ihnen  bisher  feh- 
lenden anschluss  in  dem  lituslavischen  sprachenkreis  gewinnen, 
lamiti  u.  s.  w.  aber  ein  litauisches  etymon  erhalten,  und  end- 
lich Wörter  wie  limti  und  limtwei  ohne  zwingende  noth  nicht 
von  einander  gerissen  werden  dürfen,  so  empfiehlt  sich  diese 
Zusammenstellung  in  jeder  hinsieht.  Die  ursprüngliche  bedeu- 
tung  von  limti  mag  „(einem  ein  stück  brot)  brechen'^  gewesen 
sein.  Die  besondere  beziehung  des  wertes  zu  Gott  und  dem 
Schicksal  kann  durch  den  anklang  an  Idima  veranlasst  sein, 
braucht  aber  keinesfalls  ursprünglich  in  ihm  gelegen  zu  haben. 
Vgl.  den  gebrauch  von  lit.  WcH,  lett.  likt  :  tatai  Diewo  likta 
Br.  P.  97,  Ponas  Diewas  likens  ira  das.  130. 

Dasselbe  begriffliche  Verhältnis  wie  Umti  und  limtwei  zeigen 
skr.  bhdjati  „austeilen"  und  bhandkii  „brechen",  und  ich  sehe 
keinen  triftigen  grund,  dasselbe  hier  anders  zu  beurteilen  als 
dort. 

8.  Asl.  ob-redi  „invenire,  acquirere",  su-resii  „obviam  fieri" 
(präs.  -r^fq),  russ.  obresti  (präs.  ohriiü)  „finden,  erwerben,  an- 
eignen, erlangen"  :  su-rhli  (prät.  süriczau)  „erwischen,  ab- 
fassen" (Lit.  forschungen  s.  163). 

9.  Griech.  oiZvg  „weh,  Jammer,  Unglück"  aus  o*i*d;r-g,  6-/«d;iJ-g 
scheint  im  ablaut  zu  lett.  waiddt  „wehklagen,  klagen,  jammern", 
waidi  „wehklage,  Jammer,  not"  zu  stehen  und  hiermit  zu 
lett.  trai  „wehe,  ach",  got.  rai,  ahd.  as.  we,  lat.  V€ie  zu  gehören. 

A,  Bezzenberger. 


Nachtrag. 

Bezüglich  kämamüta  (oben  pag.  Sl))  macht  Weber  bemerk- 
lich, dass  er  in  Kuhns  Ztschr.,  bd.  VI  (1857)  pag.  318  eine 
w.  mi7,  flechten,  nachgewiesen  habe,  aus  welcher  müta  im  sinne 
des  skt.  mugdha  (w.  muh),  verwirrt,  herrühre. 

Berlin.  Brunnhofer. 


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^•01  Vandenhoflck  A  Ruprecht 


Sammlung 
der  grieehisehen  Dialekt- Inschriften. 

i  VI  h 

U.  CuUkU  liMM  i.  UmhUl. 

L  Band,      4    fffffr)     1S8Ä-^4.     U  J^ 

KT,  8  ..Ä  m  4      ü,  Ik-ft;  v'i  fcK-iiuecJmfUti  —     '*    'mi*,   Achfcni 

ijZH  »111.    2*//.Üii4     3.-a  Heft:  li*lplit«dL  .>) 


'*f,    Kli*nw»l.    HfkvtM* 


l\fH  U        ff.      I'F 


ll"'.l  ;    i;tj.Ml- 


lU-  S&QCl»  2  Hallte.  —  tV»  Hi?ltj  Ukouiaii,  Tftnmt,  llumkiaii,  Mc*ti«Qi>u, 
4  iM  SO  ^     2.  ilcfl     lhei%  und  Mdr«.     '^  JK  ^0  4) 

r?.  Band.  —  iLllefi:  Wortfrjumtcr  «tim  I,  Bmde,  b  Jt  2,  Ihtl.  1.  Ai 
Üiiiiiaiig:  Wortrt^iarrr  znm  L  Ht^ft  tie«  IL  Baiitlr*.    !l  .^  60  /; 

{1}m»  Utgitter  tmü  (?»rj*«Mt  Tl.  Bhu'^-  •  *    -r  f^rnck  ) 

Die  grieehisehen  Dialekte 

diirgMtellt  von 

Otto  Hofihiaiin, 

1.  Band:  Der  sfld-acbätsche   Dklekt,     1S9L      H  Mark. 

2.  Band^   Wer  nonl-aeliMsche  »lalekt,    lHi*8.    U  Mark. 

3*  BaüJ;   Her  loni«ichi*   Diaffkt.      yuellon    und    LauÜilirf*. 

Die  efriechisehen  Dialekte 


Richard  Meister- 
Auf  CruiMÜ^ii-p  ih^-i  Wrrke^;    >Üe  Gme^iie  ImguU'^  iHnIecti»  ed,  Alireufl* 

tKiu    beurbtiitBt. 

1,  l*«i.;  Asiatisch'aoiisch,  Böotisch,  Thtssalisoh,    0  Mk. 

2.  M.:  Eleiscb,  Arkadisch.  Kyprisch*    Vi*rztiLliubs©  zorn  Lu,  2*  Bande. 

_  7  Mk. 

Blass,  Fr..  Grammatik  des  tieutestamantltclien  Griachisch.   21 '^  Bog. 
IK96.    Slk.  0,40;  gt*li.  Äfk   iUO. 

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j. 


TtrUg  von  V*ndenho«h  A  Kuprcd>t   in  Göttinnen. 
Vorläufige  Ankflndigung. 

Passow 
Wörterbuch  der  griechischen  Sprache 

völlig    neu    bearbf^^  f '-t 

VOD 

lOilbeltn  Crönert, 

lii  Lieferungen .     Preis  euva  80  cÄ 

^eit  IftUgeTi  Jabrzehuteu  mangelt  ««  au  tinem  gricchiiiihcii  lIT^Vrter«^ 
Uoche,   ilfis   die  FortuebnUe  der  Neuzeit  Jiuf  dein  Gi biete  der  SprAchwiisi^n- 

«ebiift  wieiiei^iihe»  diL*  Mftsee  der  inzwiacbf'ci  üufgfffiit] denen  Sprnebdeukmiler 
berückmchtigte  und  die  scb^Jö  früber  bekannte  Litteralur  auf  linrnd  der  hcnte 
vorbegetidea»  ßortTfaltig  beailicHeten  neuen  Ausgaben  Ijenutzte*  ITm  die  mit 
jinlem  Jmbre  fühlbarer  werdende  Lik-ke  wenigetena  in  den  einem  H  und ba che 
gcfteckteii  Grtmsen  ant^ulilleiif  b&t  Herr  Dr*  W  Crrmert  auf  unseren  WtnmeH 
oti  unternominen^  Hn  neues  giiecbiauhe»  Wörterbueh  berunnctsgebeci.  Aüfi 
pr«ktiHeben  Gründe«  iitt  im  Ei« verstand nis  mh  Herrn  F  C>  W*  Vogel  in  LeipÄig, 
diu  Wörterburh  von  Tiissow  al«  Örnndiftge  gewübit  worden,  obwobl  von  dem 
Alten  Bestutide  nur  wenig  wird  beibebalten  werden  können» 

TroU  der  unnberpebbftren  ifeitge  der  Verbeaserimgen  and  Erweiterungeo 
holTfifi  wir,  eB  dnreb  VervoÜkommiiun^  der  Driickeinneiitttng'  zu  erreiehitf^  da? 
neae  Wörterbniüi  in  ^  starken  Lexikofiokt^vkind  en  erHcbeinen  ku  lausen. 
IH*^  sebun  bcgu nnen<?  Bcs&rbeitnng  wird  in  etwa  4  Jahren  zu  Ende  gehen, 
Friibjttbr  11K>5  kann  vorBUfisiehtüeb  die  l  Lieferung:  örsebeinen.  l»er  Brucic 
wird  gf^ifen  Ji  Jahr«  lu  Anspruch  nehmen,  der  rreis  etwa  80  »^  betrsgefj* 

Dji  acjcbeu  vou  Atben  *u^  ein  verwandtes  Ußtrernebmeu  angekündigt  wird, 
iiebien  es  una  von  Wichtigkeit,  ichon  Jeist  diese  Mitteilung  xu  rnaehen,  fline 
clwaa  elogehendere  Darlegung  der  Art  und  GrundsätiB  uöicre»  Wörterhacb^st 
\Tird  allen  Interessenten  nuf  Veridngen  gern  jfugeanndt 

Sueben  tind  crachienen : 

Der  Delphische  Dialekt  ^*»™  ^'-  ^-jj^"?/ 1^^  ,„  ^j^. 

Diese  Sehrift  ist  die  er&te  erceböpfeude  Monagrrapbie  über  den  de!pbi«ebwi 
Dtalskt  unier  ¥erwertuug  allen  neuen  Materials. 

(Grammatik  des  Kiuyamriesi.  t^.ä^t^'^J^X 

:k:i,  *?jieciell  <Wt5  Dialektö  y*m  üiiyanyfajbe,  nebst  eim-oi  Wort- 

,     ichms    kiny*tintit!si-fioutseli    und    tit/ijtscb-kio^'amüeßi. 

^  Div  ('•  Veltön^  Lehrer  <ie&  8u:iheli  am  Seiniiiai-  h  oricntuL 

L->j^r:ifthen  in  Berlin,  Gob.  Mk.  10,50, 

TMp    Sflirpn   df^r  rtPllPSis    v^»  Lic*  Hennunii  «atikol,  Prof. 


gtt.  :^K.  y  j^u,  g^ti  AiK.  ii.ü^> 


Dicj^^ 


Beiträge 


zur  künde  der 


idogermanisehen  sprachen 


beTäüffr^f^tieil 


Dr.  AdL  Bewenberger  md  I>r.  W.  Prellwlte. 


uuuing:€o 
Vamlenhoeck  und  Baprocht 


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Eilig  Beila{j6  von  Cirl  Wifttcr's  Ufiiv.-Buclihand(üng  in  Hdtdtlbtrg. 


) 

Inhalt 

Seite 

Das  litauische  futurum.    Von  A.  Bezzenberger   . 169 

Zu  den  altgriechischen  Ortsnamen.    Von  Itohert  Thomaa   ....  183 

Etymologien.    Von  A.  Bezzenberger  .............  187 

Zur  geschichte  der  lateinischen  vocalsynkope.   Von  Giusippe  Ciardi' 

Dupri 188 

Or.  mtqoi  und  nQo, ,  Voii  Hana  ReicheU 223 

Die  etymologie  von  Poplicola.    Von  A^^  Zimmermann 228 

Zum  namen  des  zeigfingers  in  den  indogermanischen  sprachen.    Von 

Max  Niedermann 231 

Or.  diaato  aus  ^eaistkid.    Von  W.  Prellwitz 232 


Alle  für  die  redaction  dieser  Zeitschrift  bestimmten  Sendungen  wolle 
man  richten  an  Professor  Dr.  Adalbert  Bezzenberger^  Kifnigeberg  u  Pr^ 
Steindamm.  WalUtr.  Nr,  1 «.  2,  oder  an  Gymnasial-Oberlehrer  Dr.  WMier 
Prellwitz,  Königsberg  i,  Pr.,  Mittelhufen  Luiaendllee  9, 


Um  die  Anschaffung  der  älteren  Jahrgänge  dieser  Zeitschrift 
zu  erleichteni,  haben  wir  den  Preis 

der  ersten  21  Bände 

Yon  210  Mark  auf  134  Mark  ermässigt. 

Kleinere  Ergänzungen  (nicht  einzelne  Bände)  nach  Überein- 
kommen ebenfalls  zu  ermässigtem  Preise. 

Vandenhoeck  &  Bupreoht 


Aasgegeben  im  Juli  1901.      Vandenlioeck  b  Ruprecht,  Götüngen,  TheatonteMM  IB. 
Preis  10  Mark  für  den  Band  ron  4  Höften. 


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A.  Bezzenberger    Das  litauische  futumiu.  169 


Dm  litanische  faturam. 

Mit  ausnähme  von  Ascoli  ^)  sehen  alle,  die  sich  in  neuerer 
zeit  über  das  dorische  futurum  geäussert  haben,  in  diesem 
etwas  von  den  Griechen  gemachtes,  oder  doch  eine  bildung, 
die  erst  unter  ihnen  „futurum"  geworden  sei ').  Ascoli  da- 
gegen hält  -aw  und  -criai  für  eine  doublette  und  lässt  ihre 
Verschiedenheit  durch  verschiedene  betonung  bedingt  sein. 

Auch  mir  erscheint  das  dorische  futurum  als  eine  alte 
bildung,  aber  nicht  etwa,  weil  sjo-  aus  aejo-  entstanden  sein 
kann,  sondern  weil  mir  genau  dieselbe  bildung  in  dem  gewöhn- 
lichen futurum  der  litauischen  Schriftsprache  vorzuliegen  scheint 

Wegen  der  formation  und  der  heutigen  flezion  dieses 
tempus  verweise  ich  auf  die  grammatiken.  Dass  beides  alt  ist, 
ergibt  sich  aus  der  Übereinstimmung,  die  der  hauptsache  nach 
Litauisch  und  Lettisch  in  dieser  hinsieht  z^gen,  und  aus  den 
älteren  litauischen  sprachquellen.  Hoswid,  die  Forma  chrikstima 
und  Szyrwid  bieten  übereinstimmend  ausschliesslich  die  heute 
regehnässigen  finiten  futurformen.  Als  belege  führe  ich  an  1)  aus 
dem  katechismus  von  1547  (Lit.  lett.  drucke  I):  I  sing,  daaiu 
14i8;  n  Hing,  prieleisi  löso,  ßinasy  19s,  rassy  194;  I  plur. 
karaliausim  328ti  busitn  328»;  U.  plur.  nepapeiksit,  padariaäy 
btmt,  turesii,  paßffSjft,  prisiartysjft  4^0  ff. ;  lU*  sing.  plur.  bus 
13i89  14i7,  atmes  55i  negaus  ö«,  nares  6*8,  2)  aus  der  Forma 
chrikstima:  I.  plur.  buHm  42*8;  II.  plur.  itnaU,  raasite  35«, 
turerite  38«,  daritite  38i6,  i8;  UL  sing.  plur.  bus  3öi,  428,  ras 
3994,  436,  apturea  42tb,  9<»us  43t,  negeUms  43?,  padoes  438, 
3)  aus  den  Punktay  sakimu:  I.  sing.  biUnesiu  8s8,  iszüausisiu 
9i;  II.  sing,  bmi  16i8,  Söso;  I.  plur.  darisime  60io,  priäsime 
13485»  mustisime  1349«,  regierime  138i8,  1448o;  II.  plur.  i«- 
wisUe  6i4,  imsite,  raaite  15498;  III.  sing.  plur.  bua  I619,  1549, 
alays,  atims  3Ö8,  atskirs  38i9,  mdegins  38909  regier  4394. 

Abgesehen  von  einer  unwesentlichen  differenz  in  der 
III.  person  stimmen  mit  diesen  formen  bekanntlich  genau  über- 

1)  Sprachwissenschaftliohe  briefe  b.  65  f. 

2)  Bechtel  Gott,  nachriohten  1888  8.  402 ff.,  Brugmann  Grandriss 
n,  2,  8.  1101 ,  JohaDSSOD  De  derivatis  verbis  contract.  8.  209,  Mahlow 
K.  Zs.  XXVI  686,  G.  Meyer  Griecb.  gram.  *  s.  618,  Solmsen  K.  Zs. 
XXXIT  547. 

Bflttrtc«  s.  IokUm  d.  üi8g.  fpnoteB.    XXVL  12 


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170  A.  Bezzenberger 

ein  die  präsensformen  der  meisten  litauischen  verba,  deren  in- 
finitivstamm auf  e  ausgeht  und  deren  präsens,  um  mit  Schleicher 
zu  reden,  „mittels  j  gebildet  ist''  —  und  zwar  nur  diese;  also 
z.  b.  myKti,  L  sing.  präs.  myliu,  I.  plur.  präs.  mylime.  Auch 
diese  Übereinstimmung  zeigen  bereits  die  ältesten  litauischen 
texte.  So  der  katechismus  von  1547:  L  sing,  iikiu  Hit,  12s, 
7  9  9,  11 ;  II.  sing,  gali  619,  nary  IÖ89;  L  plur.  apturim  24i0, 
tikim  24»,  32i,  is,  is  (auch  in  dem  neu  gefundenen  Moswidschen 
text);  II.  plur.  turü  Ö91,  7i,  regü  öts;  III.  sing.  plur.  nar 
5i,  87f.,  tur  5t,  10}  tik  13ts,  86  =  tijk  13?,  miß  IGigf.,  negal 
5(9  •-  negcd  7$  (daneben  stawi,  stawij  IÖ9«).  Ebenso  die 
Forma  chrikstima:  I.  sing,  tikiu  Söss,  376,8,  noru  (ungenau 
geschrieben)  37 10;  II.  sing,  tiki  36s9,  ss,  37 n,  nwri  379;  I.  plur. 
turim  339,  36fi,  3799,  40i ,  girditn  33i8,  349,  negalim  369t; 
IL  plur.  turüe  3497,  neturit  38i7,  94,  4O91;  III*  sing.  plur.  hir 
339,16,  36i9,  387,  3998,  negal  43 1,  reg  43i9  (daneben  netiki 
43t).  Vgl.  unten  s.  177  anm.  1.  —  Da  die  zu  dieser  gruppe 
gehörigen  verba  auf  -w-eti  (z.  b.  aw'Sti,  staw'Äi)  in  der  I.  sing, 
präs.  auf  -triu  endigen,  wie  aunü,  stöwiu,  dagegen  verba,  die 
im  infinitiv  auf  -au-ti  ausgehen  und  deren  präsens  gleichfalls 
mit  j  gebildet  ist,  in  derselben  form  die  endung  -auju  haben, 
wie  keliäuti  :  kdiduju  *)  (aber  I.  sing,  prät  kdiawaü) ,  so  ist 
hieraus  geschlossen,  dass  in  z.  b.  awiü  und  keliduju  verschie- 
dene bildungen  vorliegen,  dass  dort  ursprünglich  ein  hiatus 
bestand,  und  dass  z.  b.  amü  ehemals  atotju,  oder  vielmehr  — 
worauf  das  nichtpräsentische  e  hinweist  —  aweju  (avdjo)  ge- 
lautet habe  (J.  Schmidt  K.  Zs.  XXI  285 f.;  Gott.  gel.  anzeigen 
1879  s.  919  anm.;  Wiedemann  Handbuch  der  lit.  spräche  s.  31). 

Diese  aufstellung  hat  zwar  nicht  allgemeine  anei-kennung 
gefunden,  ist  aber  nur  von  einem  ihrer  gegner,  von  Brugmann, 
in  einer  weise  behandelt,  die  eine  präcise  erwiderung  zulässt  *). 

Nach  Brugmann  Grundriss  II,  2  s.  1063  ff.  gehören  lit. 
verba  wie  awiü  :  aweti  zu  einer  classe  von  verben,  „bei  denen 
dem  -ib-  [des  präsens]  ein  -e-  zur  seite  steht":  dies  "io-  „stehe 

1)  In  präteritis  wie  griöwiau  ist  das  nach  w  siehende  i  bekanntlich 
etwas  ganz  anderes  als  das  t  von  awiü  (dort  tat«  s  eu).  —  Beiläafig  be- 
merke ich,  dass  in  fallen  wie  griduti  :  griöwiau  das  iau  der  wnnelsilbe 
für  iäu  steht  (dagegen  gduii  :  gdtoo), 

2)  Vgl.  Johansson  a.  a.  o.  s.  191 ,  Streitberg  PBB.  XIY  225,  ür- 
germ.  grammatik  s.  802,  Bemeoker  Indogerman.  forschnngen  YIII  197. 


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Das  litauifiche  futarum.  171 

im  Baltiflch-SlaTischen  regelmässig  im  ablaut  mit  -f**^  Dem  tr 
TOD  awiü  u.  8.  w.  misst  er  keine  bedeutang  bei:  „Für  altere 
zweisilbigkeit  der  suf&cform  -io-  sind  aviu  sraviü  . . . .  n.  dgl. 
darum  nicht  beweisend,  weil  sie  durch  die  personen  mit  stamm 
cuhi-,  srathi-  veranlasst  sein  können**  (s«  1081). 

Da  lit  kraijaa,  naüjas  b  skr.  hravya,  ndvya  sind,  so  hatte, 
wenn  Brugmann  im  recht  wäre,  an  stelle  von  amü  früher 
*aujü  stehen  müssen.  Hiervon  liegt  aber  awiü  zwar  nicht  nach 
der  zahl  der  laute,  wohl  aber  nach  der  ausspräche  so  weit  ab, 
dass  Brugmanns  Vermutung  über  die  entstehung  von  amk  sehr 
ungkubhaft  ist  und  nur  dann  als  maassgebender  einwand  be- 
trachtet werden  könnte,  wenn  er  nachweisen  würde,  dass  eine 
flexion  *aujü — auA,  äwite  dem  litauischen  obre  jemals  anstössig 
gewesen  wäre.  Dies  ist  aber  so  wenig  zuzugeben,  dass  diese 
vermutang  für  mich  aus  der  behandlung  von  atciü  u.  s.  w.  ganz 
ausscheidet,  obgleich  ich,  wie  sich  weiterhin  zeigen  wird,  für 
äwime  selbst  eine  Stammübertragung  annehme '). 

Noch  grösseres  gewicht  als  hierauf  lege  ich  aber  auf  an- 
deres. Streitberg  PBB.  XIV  226  meint  in  bezug  auf  die  frag- 
lichen verba  allerdings:  „den  infinitivstamm  auf  e,  den  das 
Baltisch-Slavische  besitzt,  können  wir  bei  seite  lassen,  da  es 
sich  nur  um  die  präsensflexion  handelt*'.  Unzweifelhaft  darf 
man  die  sache  aber  auch  anders  ansehen  (vgl.  Bartholomae 
Studien  z.  indogerm.  Sprachgeschichte  II  150),  und  Streitberg 
wird  weder  leugnen,  dass  man  grundsätzlich  immer  versuchen 
muss,  die  verschiedenen  stamme  eines  verbs  zu  vereinigen,  noch 
dass  in  der  regel  ein  nicht-präsentischer  stamm  auf  B  einen 
präsens-stamm  auf  -e-  oder  -eje-  zur  seite  hat.  Da  -«-  in  un- 
serem falle  nicht  in  betracht  kommt,  und  die  annähme  eines 
Überganges  von  -eje-  in  -i^-  unbedenklich  erscheint,  so  könnte 
man  es  freilich  unter  systematischem  gesichtspunkt  für  nicht 
viel  mehr  als  einen  streit  um  des  kaisers  hart  halten,  ob  atoiü 
—  awiü  auf  are;>-  —  ai«-  oder  auf  avie-  —  av^  beruht 
Allein  die   annähme  einer  verbalklasse  der  letzteren  art  steht 

1)  Beilaafig  sei  bemerkt,  dass  praseDtische  plaralformen  mit  t  vor 
den  personalendangen  im  Preassischen  and  Lettisohen  stark  gewuchert 
haben  (pr.  pogaunimai,  Mrdimüd  :  dinkauim€d\  lett  /tmm,  rtdfxm  : 
ITältm),  im  Litauischen  dagegen  aus  berechtigten  stellen  verdrangt 
sind  {gäwMm;  k&naiü,  kmUH  —  Miesünn),  und  dass,  soweit  sie  sich 
ausgebreitet  haben,  dies  nur  in  der  bescheidensten  weise  geschehen  ist. 

12* 


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172  A.  Bezzenberger 

auf  thönernen  fassen.  Manches,  was  Brngmann  für  sie  geltend 
macht,  begründet  sie  nicht;  so  ahd.  dolSm  (Grundriss  U,  2, 
8.  1064),  das  nicht  zu  lit.  tyMi  (präs.  tyliu)  gehören,  sondern 
seinem  stamme  nach  mit  griech.  vaXai-  (Fick  Gott.  gel.  an- 
zeigen 1883  8.  587)  identisch  sein  wird  (vgl.  ahd.  stomSn  i 
lat.  constemaH  ^)  J.  Schmidt  Festgruss  an  Roth  s.  18ö).  In 
anderen  fällen  erscheint  in  der  tat  neben  präsentischem  io  (Jo) 
nicht -präsentisches  i,  z.  b.  fiaivw^  e-ftcnnp^^  ^aftavrjfioi.  Da 
aber,  wie  Bruguiann  nicht  unerwähnt  gelassen  hat,  neben  fiaivuB 
lit.  menü  (inf.  min'äi)  und  neben  fi^iionnejiiat  fiifirpfa  steht,  so 
lässt  sich  in  diesen  fällen  ebenso  wenig  ein  unmittelbarer  Zu- 
sammenhang zwischen  präsens-  und  nichtpräsensstamm  be- 
haupten, wie  z.  b.  bei  ßlanita  —  ißhxßrjv^  ßlaßijaoftai.  Ein 
solcher  Zusammenhang  liegt  aber  —  und  dies  ist  für  mich  aus- 
schlaggebend —  bei  awiü,  äwime,  aw'äi  oder  girdzü,  gifdime, 
girdeti  klar  am  tage;  eine  form  bedingt  die  andere:  ständen 
amü,  girdzü  nicht  neben  ato'etij  gird&i,  hätten  diese  nicht  jene 
zur  Seite,  so  kämen  äunme,  gifdime  und  awiü  nicht  vor.  Folg- 
lich steckt  in  awiü  —  aweti  eine  konjugation,  in  welcher  das 
präsens  unbedingt  einen  nichtpräsens-stamm  auf  e  erfordert, 
und  als  solche  kennen  wir  mit  Sicherheit  ausschliesslich  die  von 
z.  b.  q>ik€w,  —  Übrigens  gehört,  wie  schon  erwähnt  wurde,  trotz 
kent&i  zu  kenczü  keficzam  (vgl.  Schleicher  Gram.  s.  245),  zu 
reikUi  reÜcia  {regkiatnuy  reykia  Punktay  sakimu  14s i,  ISöi?). 
Warum  sieht  Brugmann  nicht  hierin,  sondern  in  atpiü,  äwime 
—  awiti  die  Vertretung  von  ftaivoftav  ifidvtiv? 

Endlich  fehlt  vollends  der  nachweis  einer  indogermanischen 
konjugations-klasse  mit  io(joJ  :  »  im  präsens-  und  e  im  nicht- 
präsens-stamm. Brugmann  vermutet  sie  bloss  (Grundriss  H,  2, 
s.  1057,  1063  f.)  und  stützt  diese  Vermutung  lediglich  auf  das 
zeugniss  unserer  litauischen  verba  und  der  ihnen  entsprechenden 
altslavischen  wie  smrbzdq  :  smrbdüi  —  smrhdSii  (lit.  smirdzu  z 
smlrdime  —  amird&i).  Andere  werden  dagegen  meinen,  dass 
die  Vereinzelung  dieser  konjugationsweise  sehr  vernehmlich  für 
ihre  unursprünglichkeit  zeuge.  —  Der  unterschied  zwischen 
aslav.  sfnrbdi-  und  lit.  smirdir  scheint  mir  für  die  beurteilung 

1)  Qkr.jänati  fähre  ich  niobt  aaf  ^ffi-n«^'  (vgl.  Hirt  Ablaut  s.  98), 
sondern  jani-na-ti  (zen9nai4i)  zurück ,  indem  ich  (wie  in  vielen  anderen 
fallen)  nicht  in-  sondern  snffigplerang  von  nä(i)  annehme.  —  Ebenso  scheint 
Brugmann  a.  a.  o.  s.  973  jänaü  aafzafassen. 


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Das  litauische  futurum.  173 

des  letzteren  bedeutungslos  zu  sein  (vgl.  Wiedemann  Lit.  prä** 
teritum  8.  168).  Mit  lat  capis  —  attdis  hängt  er  sicher  nicht 
zusammen  (vgl.  vielmehr  die  litauischen  präsentia  auf  -ju  und  -yju). 
Die  zurückfährung  von  amü  auf  *avejö  (genauer:  avijö)  ist 
also  durch  Brugmann  nicht  erschüttert.  Da|(egen  ist  sie  (was  Brug- 
mann  nicht  zu  bestreiten  scheint)  lautlich  zulässig  ^),  gibt  zugleich 
die  einzig  denkbare  lautliche  erklärung  von  atptü,  dSwiü,  gratoiü, 
slöunu,  ist  femer  aus  systematischen  gründen  geboten  und  be- 
deutet endlich  insofern  einen  erheblichen  vorteil  für  die  litaui- 
sche grammatik,  als  sie  ihr  eine  grosse,  alte  verbalklasse  (griech. 
qpiiUcci,  (pilijaw  u.  s.  w.)  fast  unberührt  erhält,  die  ihr  sonst 
fehlen  würde.  Brugmann  lässt  dieselbe,  ohne  dass  ich  das 
warum  einsehen  könnte,  durch  die  verba  auf  -an-  infin.  -f/ti  *) 
▼erdrängt  sein  und  sieht  allein  in  wejü  (infin.  tvyU)  ein  präsens 
auf  -ejö,  indem  er  es  in  ^-^io  zerlegt  (Grundriss  II,  2,  s.  1142  ff.). 
Wäre  dies  richtig,  so  würde  es  die  herleitung  von  atoiü  u.  s.  w. 
aus  avijö  u.  s.  w.  doch  nicht  widerlegen,  weil  die  behand- 
lung  einer  zweisilbigen  form  nicht  den  maasstab  für  die  beur- 
teilung  einer  dreisilbigen  abgeben  kann  >).  Aber  der  etymologische 
Zusammenhang,  in  dem  wejü  steht  (vgl.  Leskien  Ablaut  der 
Wurzelsilben  s.  288  und  ausserdem  skr.  vdyati  :  vavau,  uta, 
gr.  696vf]f    urkelt.  vedd   Stokes    Urkelt.   Sprachschatz   s.  269, 

1)  Obgleich  die  beionang  der  singnlarformen  awiü,  girdzä,  atri, 
^rdl  ihr  nicht  entspricht  Da  nämlich  1)  z.  b.  die  II.  plnr.  präs.  dwiU, 
gif  diu  wegen  der  geschleiften  betonung  der  Wurzelsilbe  nicht  auf  *  ave- 
jiU^  *girdejite  beruhen  können  (BB   XXI  295)  und  also  beweisen,  dass 

z.  b.  *a»€ß  betont  war  wie  ai.  paiägtä  und  2)  in  inünitiven  wie  mf$ti 
(reflex.  werH^f'S)  aus  *vtr$Uje  (vgl.  ai.  if^y^  tiiUye^  $Udye)  keine  Ver- 
schiebung des  hochtons  auf  die  gestossene  endsilbe  stattgefunden  hat 
(vgL  II.  sing.  präs.  wwrÜ)^  weil  solche  formen  früher  dreisilbig  waren 
{^9erai^e),  so  sind  far  z.  b.  *a/o4jd^  *gird4fö  nicht  atüiü^  girdku^  sondern 
*dtüiu,  *girdsni  zu  erwarten.  Da  aber  in  der  I.  und  II.  sing,  litauischer 
zweisilbiger  pr&sensstämme  mit  geschleifter  (toereta')  oder  neutraler 
{wka-)  betonung  der  hochton  sonst  immer  auf  der  endung  ruht,  so  lag 
die  Verwandlung  von  *dwiu  in  amä  so  nahe,  dass  die  betonung  dieser 
form  ihrer  herleitung  aus  *aoijd  nicht  ernstlich  widerspricht. 

2)  Dieselben  scheinen  mir  durch  J.  Schmidt  Festgruss  an  Roth 
8.  184  im  wesentlichen  erledigt  zu  sein. 

3)  Dass  in  aheft^  ähejo$  (skr.  uhhdya)  das  e  erhalten  ist,  wird  durch 
die  analogie  von  dwsj\,  ireß  bewirkt  sein,  deren  •  durch  dwejos,  trSjos 
gebalten  wurde  {dwej\  ireß  [skr.  dvagä,  tragd]  wären  sonst  zu  dufi,  trt 
geworden). 


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174  A.  Bezzenberger 

lit.  äusti  u.  8.  w.),  erweist  Brugmanns  erklämng  dieser  form 
als  irrig. 

Besteht  nun  aber  die  erklärung  von  awiü  durch  avfjö  zu 
recht,  so  ist,  wenn  nicht  ein  zufall  angenommen  werden  soll, 
die  flexion  des  futurutns  aweaiu  ganz  ebenso  zu  erklaren,  wie 
die  mit  ihr  übereinstimmende  von  atciü,  so  entspricht  das  nor- 
male litauische  futurum  dem  futurum  doricum,  so  ist  (aw^)8iu 
die  genaue  litauische  wiedergäbe  von  (ixrtgaii')aiw. 

Wenn  J.  Schmidt  Pluralbildungen  s.  424  ff.  diese  Schlüsse 
nicht  gezogen  hat,  so  kommt  das  wohl  nur  daher,  dass  er  in 
nordlitauischen  formen  wie  süksiam  die  einzig  echten  litauischen 
futurformen  sieht.  Diese  sind  aber  gleich  den  lettischen  auf 
'Säm,  "Sam  (Lett.  dialektstudien  s.  164)  und  den  nordUtauischen 
auf  -sam  (z.  b.  iäksam  BB.  VIII  106  f.)  von  derselben  herkunft 
wie  die  formen  auf  -sim  (vgl.  Eurschat  Gram.  §  1165).  Den 
schlagenden  beweis  hierfür  bietet  Dowkonts  zemaitische  gram- 
matik,  indem  sie  an  stelle  aller  verbalen  endungen  -im,  -ü 
die  endungen  -em,  -et  vorschreibt;  also:  tnüem  „amamus'S 
müet;  müiesem,  müieset;  müiekem,  müieket  (ebenso  milenuMs 
part.  präs.  pas.);  buiumem,  butumet  ^)  (Prasmij;  s.  97  ff.).  Da 
femer  der  zuweilen  vorkommende  optativische  gebrauch  des 
litauischen  futurums  ebensowenig  die  optativform  desselben  be- 
weist, wie  dieselbe  anwendung  des  griechischen  futurums  dies 
zu  einem  optativ  macht,  so  fehlt  jeder  äussere  anlass ,  formen 
wie  dü'sim  mit  J.  Schmidt  für  optat  aor.  zu  erklären  (aus 
*dü8lm,  vgl.  skr.  dis^mähi).  Allein  auch  sonst  ist  diese  er- 
klärung zu  beanstanden.  Ich  will  nicht  gegen  sie  einwenden, 
dass  das  nebeneinander  von  -sim  und  -dm  im  Lettischen  (Lett. 
dialektstudien  s.  164)  jenem  einen  ausgeprägten  indikativ- 
Charakter  gibt,  denn  hier  könnte  der  schein  trügen.  Aber  ich 
muss  gegen  sie  geltend  machen,  dass  sie  der  Wahrscheinlichkeit 
gar  zu  wenig  rechnung  trägt,   insofern  der  sigmatische  aorist 

1)  Hierneben  bietet  Dowkont  als  I.  dual,  busutu,  btitumiau,  was  für 
6tMUitra,  hulumünoa  steht  and  zum  überfluss  beweist,  dass  miiie$em^ 
hutumem  für  müiesiamf  btdumiam  eiDgetreten  sind.  Auch  das  Nord* 
litauische  hat  im  optativ  die  endungen  -mem^  "tnst  («(t)temem,  tl(t)tutMi 
und  demgemäss  IL  dual.  a(i)ium0t&  >==  -tum^tau  bei  Dowkont).  —  Rag- 
niter  formen  wie  htUum^m,  btitumet  (Schleicher  Leseb.  s.  214,  280,  238; 
Mumet  Mitteil,  der  lit.  litter.  gesellschaft  I  66)  sind  aus  der  II.  sing, 
auf  -Utmei  {fvMtunm  Schleicher  Leseb.  e.  236)  gefolgert. 


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Das  litauische  futurum.  175 

bis  auf  einen  kümmerlichen  rest  (die  Dowkontschen  formen  auf 
'Sai  Geitler  Lit  stud.  s.  60,  preuss.  boüsai)  in  den  baltischen 
sprachen  sonst  verschwunden  ist,  dieser  rest  aber  auch  aus 
dem  Optativ  stammt  und  anders,  als  d'ä'sime,  gebildet  ist.  Wie 
könnte  es  da  wahrscheinlich  sein,  dass  ein  zweiter  optatiy  des 
»-aorists  in  demselben  Sprachgebiet  zu  einem  lebendigen  tempus 
.  hätte  werden  können.  Endlich  habe  ich  mit  Brugmann  a.  a.  o. 
8.  1101  anm.  einzuwenden,  dass  „idg.  -^  im  Lit  lang  geblieben 
wäre*'  ^).  Wollte  man  sich  dem  gegenüber  auf  die  optativ- 
endungen  -bime,  -biie  berufen,  welche  J.  Schmidt  K.  Zs.  XXIV 
305  für  optativformen  von  hUi  „fuif'  erklärt  (ohne  sich  indessen 
über  die  entstehung  ihres  i  deutlich  auszusprechen),  so  würde 
man  hiermit  nichts  erreichen,  denn  eine  lautliche  Verkürzung 
von  F  kann  auch  hier  nicht  stattgefunden  haben'),  und  die 
richtigkeit  dieser  erklärung  ist  nichts  weniger  als  ausgemacht. 
J.  Schmidt  hat  sich  zu  ihr  durch  den  gegensatz  säktum4>e% 
(IL  sing.)  —  sühium-iittte  etc.  bestimmen  lassen;  aber  jn  den 
ältesten  litauischen  texten  fehlt  derselbe  (dotumbi,  saugatumbij 
laikitutnbi  Z.  geschichte  d.  lit.  spräche  s.  213,  schw^umbi 
Lit.  lett  drucke  I  lOts,  btUumbi  das.  17u,  negautumbi  das.  3488» 
neapUgtumbi  das.  36$,  tccUgitumbim,  giertutnbim  das.  13i7,  bu- 
tumbim  das.  19*81  ischmaitumbym,  tikietumbim  das.  208,»,  gin- 
tumbim,  giwentumbimj  tarnauiumbim,  nesektutnbim  das.  2388  ff., 
pHeffnUuntbi  f  gedoiumbii  Celichowski  M.  Mosswida  Waitkuna 
przeklad  litewski  u.  s.  w.,  Poznan  1897  >),  pcbwisdetuinbi,  apdowano- 

1)  Das  Yon  Dowkont  mit  Vorliebe  gebratichte  saffix,  von  dem 
Geitler  Lit.  Studien  s.  75  spricht,  enthält  nicht  langes  i,  sondern  einen 
auf  r  beruhenden  laut.  Es  ist  also  als  -stn«  anzasetzen.  Vgl.  Beiträge 
z.  geschichte  der  lit.  spräche  s.  109  anm.,  Gott  gel.  anz.  1885  s.  911 
anm.  nnd  busena,  eiuna  in  Mieäinis'  Wörterbuch. 

2)  Das  t  von  bü  beurteile  ich  wie  Wiedemann  Ldt.  Präteritum  s.  141, 
obgleich  ich  an  der  kürze  des  inneren  i  von  biÜ  nicht  zweifle  (P.  F.  Ruhig 
Anfangsgründe  der  lit  grammatik  s.  78  und  Phil.  Ruhig  Betrachtung 
der  lit.  spräche  s.  62  schreiben  bitti).  Die  kürze  wird  aus  bü  in  hiii  einge- 
drungen sein.  Vielleicht  ist  büi  überhaupt  jünger  als  M,  und  dies  steht 
für  hU9  (III.  sg.  med.).  —  Das  bei  Dowkont  für  biü  vorkommende  6»  (dijwas 
iino  kijno  jautej,  bi  m^no  werszej  Dajnes  s.  166)  legt  es  nahe,  auch  6tM» 
lett  bä  auf  bi  :  bü  ,,8ein"  zu  beziehen.  Aber  ich  glaube  doch,  dass  mit 
Brückner  Lituslav.  Studien  I  72  in  biU,  bü  das  poln.  byU  zu  sehen  ist 

8)  In  der  II.  plur.  opt  folgt  Moswid  im  katechismus  der  flexion 
der  präsens-stamme  auf-w- :  üehmakiumbety  atmitUumbet  Lit«  lett  drucke 


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176  A.  Bezzenberger 

tumbi,  pastiprintumbi  Lit.  lett«  drucke  II  35ss,  ts,  apsamgotundfi^ 
palaHeituinbi  das.  37  ss,  gafUuttUnm  das.  33«,  turetumbim  34«, 
sbiszüumbim  das.  41  it),  und  -6et  kann  daher  nicht  als  ein  sicherer 
fuhrer  gelten,  sondern  eine  der  zahlreichen  neubildungen  des 
lit.  Optativs  sein  ^).  Sind  überhaupt  in  diesen  endungen  selb- 
ständige verbalformen  zu  erkennen?  Die  alten  lettischen  formen 
sarrgahf'Ubam  >),  sarrgahtubaht  (Bielenstein  Lett.  spräche  11  160), . 
verglichen  mit  Ididiba  (ebenda  s.  372;  vgl  lit.  kaczeängi  Z.  ge- 
schichte  d.  lit.  spräche  s.  267)  weisen  auf  einen  anderen  weg. 
Ich  halte  also  lit.  sfiksime,  süksite  für  echte  futurformen 
und  süksiam  u.  s.  w.  für  nebenformen  derselben  (über  ihr  Ver- 
hältnis s.  w.  u.).  Aber  ich  gehe  noch  weiter,  indem  ich  auch  formen 
wie  dü'sme  an  das  gewöhnliche  futurum  anschliesse  (vgl.  Schleicher 
Gram.  s.  227,  Bechtel  Lit.  lett  drucke  III  s.  LXXXVU, 
Wiedemann  Handbuch  s.  120).  J.  Schmidt  a.  a.  o.  wendet 
hiergegen  ein:  „So  wenig  wie  gedimes  sein  i  verliert,  konnte 
dü'sime  zu  dü'sme  werden''.  Die  möglichkeit  dieses  Verlustes 
ist  indessen  nicht  nur  nicht  zu  bestreiten  (vgl.  die  Imperativ- 
formen mokikfes,  walgikt  u.  s.  w.  Z.  geschichte  d.  lit.  spräche 
8.  221),  sondern  ist  in  formen  wie  g'edimes  höchst  wahrschein- 
lich vorgekommen.  Wie  Schleicher  bemerkt  hat  (Gram.  s.  246) 
sind  „gerade  in  dieser  classe  [g'Sdiüs,  atviü  u.  s.  w.]  die  alten 
formen  auf  -mi  sehr  häufig''.  Er  schliesst  hieraus,  dass  die 
betr.  verba  „stammverba'^  sein.  Da  sie  dies  aber,  wie  J.  Schmidt 
selbst  zuerst  erkannt  hat  (K.  Zs.  XXI  285),   nicht  sind,    musa 

I  18ao9  preimiumbet  ISs,,  müetumheiese  16 ,.  Ebenso  überhaupt  im  plural 
imperat  {imküt  4i«,  aiküt  35i,  priUükiet  S&,,  tarikiem  21  n  u.  s.  w.,  hukem^ 
dukem,  garhinkem,  perw^raket  in  dem  von  Gelichowski  veröflfentlichten 
text)  —  nicht  aber  im  futuram  und  in  den  prasentien  wie  girdaü  (vgl.  oben 
8.  169  f.,  unten  s.  181  anm.  1).  Die  Forma  chrikst  anterscheidet  sich  hier- 
von indem  sie  auch  in  der  II.  plnr.  opt.  -t-  zeigt:  pr%B%miumbiUt  apdttmo» 
tumhiU  S4^,  neetedüumbüe ,  toadüumlnt,  westumhä  40^,,^  (dageg^en: 
klaunkmne  SS»,  nUUkmnoMi  84»,  37 m«  ^U«  paklauMem  40,,  d'&kem^  gat'-' 
hinkem^  laupsinkem,  dskawokmn  4S^ff,,  Uüket  SS^^^  40, o,  nedrauakst  SB^^^ 
40]],  praseMkst,  Mehkokät,  turukenket  So«,  bäckst  86i,  bukst^pildik^  42u,  m). 

1)  -t  als  endnng  des  II.  sing.  opt.  zeigen  auch  die  heatigen  formen 
«tfuttumt  (Karschat  Gram.  §  1168),  mtf'(»)<t#mt,  reßex,  bij&'tumyM  (Prokols). 

2)  Die  „Disposition'  bietet  eeUtsbem,  eeUubet  a.  s.  w.  (Königsberger 
Studien  I  198).  —  Es  ist  wohl  nicht  von  bedeutung,  aber  immerhin  zu  be- 
merken, dass  lett.  6t^At#  nicht  nur  I.  sing.  fut.  ist,  sondern  auch  die 
lautliche  yerlretung  von  lit.  bueu ,  büczau  (I.  opt.)  sein  kann. 


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Das  litauische  futaram.  177 

z.  b.  siöwmi  aus  der  flexion  von  Mwiu  erwaohsen  sein,  und 
ich  weiss  nicht,  wie  dies  andere  hätte  geschehen  können,  als 
dass  siiwime,  stöwite  u.  s.  w.  zu  *9t6ufme,  ^MwU  wurden  und 
dadurch  das  präsens  von  stawÄi  in  die  mi-konjugation  über« 
fahrten.  —  Allein  bei  der  beurteilung  des  Terhältnisses  von 
dü'sme  zu  d^Lsime  kann  die  lautlehre  ganz  ans  dem  spiel  bleiben, 
da  dü'sme  eine  aus  dem  gewöhnlichen  futurum  erwachsene 
neubildung  sein  kann,  und  zwar  eine  neubildnng  auf  grund 
der  ni.  du' 8.    Ich  verzeichne  einige  analoge  falle. 

1)  eüu  u.  8.  w.:  eü  BB.  IX  334. 

2)  iviskite  u.  s.  w.,  gebildet  aus  veZ'd(fyki  u.  s.  w.  Prusik 
K.  Zs.  XXXm  157  f. 

3)  zinMU  aus  HnÜü  (J.  Schmidt  bei  Wiedemann  Hand- 
buch 8.  112);  ebenso  n^sztuwa  (Kurschat  Gram.  §  1158),  gaUS^ 
tutca  (Mitteil.  d.  lit.  litter.  gesellschaft  I  84)  aus  nhjgtü,  gdUtü. 

4)  zinöiuwiau  (Kurschat  Gram.  §  1159;  der  ausspräche 
nach  -h^io^äu)  für  kindtumiau  (oben  s.  174  anm.  1;  vgl.  Ükiau 
Karschat  a.  a.  o.,  bukiau  Prasm^  s.  60)  im  anschluss  an  isifnatü 
(für  zifMuW'iau), 

Zweifelhaft  ist  folgender  fall.  Szyrvnd  bietet  in  den  Punk-» 
tay  sakimu  als  endung  der  L  plur.  optat  4utne  (darifume, 
iureiume,  eytume  gc^etwne,  buiume,  med.  iynkiumes,  toadintumen 
LLD.  IV  8i,  32i9,  33fl,  64«,  144ii)  neben  4mnüe  (nicht  -turnet 
Schleicher  Gram.  s.  229)  in  der  11.  plur.  (tiktetutnite,  kttdetu- 
mite,  eyiumite,  iMgtufnüe  ebenda  21s,  328s,  14797),  4umei  in 
der  II.  sing,  {butumey  ebenda  738i,  ieytumey  986)  und  -tu  in  der 
IIL  (gatfletu,  gaktUj  butu  ebenda  9t8,  13«,  34ao).  -turne  kann  von 
letzterem  {-tu)  aus  gebildet,  kann  aber  auch  durch  die  aus- 
stossung  von  -mi-  vor  -me-  (Z.  geschichte  der  lit  spräche  s.  91) 
aus  "tumime  entstanden  sein. 

Die  möglichkeit  des  hervorgebens  von  dü'sme,  dü'swa  aus 
d&'s  und  der  futurcharakter  dieser  formen  ist  daher  nicht  zu 
bestreiten  —  es  sei  denn,  dass  man  dü's  selbst  dem  futurum 
abspenstig  machen  will.  Dies  liegt  nahe,  denn  es  ist  zweifellos 
sehr  merkwürdig,  dass  selbst  die  mundarten,  welche  ein 
türij  gtili  (III.  präs.)  erhalten  haben,  ein  düsi  (III.  fut.)  an 
sich  nicht  kennen  i).      Da  aber  die   III.  fut.  im   medium   auf 

1)  So  die  mandart  Ssyrwids.  Unter  verweisong  anf  bus,  atay9  o.  s.  w. 
oben  s,  169  hebe  ich  ans  den  Punktay  saldiDu  hervor:  I.  plor.  prfts.  r«- 
$ime  11,,  31„,  144,,  turitne  29,1,  148m,  U^;  H*  plor.  ihwüe  ISßi^ff., 


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178  A.  Bezzenberger 

'Si-s  1)  endigt,  so  ergiebt  sich  hieraus,  dass  düs  früher  düai  gelautet 
bat  ^)  und  nicht  eine  injunktivform  des  sigmatischen  aorists  ist. 
J.  Schmidt  hat  die  eben  erledigten  formen  nicht  in's  feld 
geführt,  macht  dafür  aber  geltend,  dass  „die  formen  auf  -sime 
und  sme  nicht  durchweg  verschiedenen  dialekten  angehören", 
und  dass  in  einer  erzählung  aus  Kakschen  formen  auf  "Site  und 
'Sftf  durcheinander  gebraucht  sind,  „sonst  aber  in  ihr  kein  ein- 
ziges unbetontes  i  unterdrückt  ist'^  Da  aber  z.  b.  Infinitive 
auf  4'S,  4%  und  4  (so  z.  b.  in  Gk>dlewa  und  im  Ragniter  dialekt), 
oder  die  III.  optat.  bMü  und  hM  (z.  b.  im  Bagniter  dialekt, 
vgl.  die  Jurkschatschen  märchen)  mundartlich  neben  einander 
vorkommen,  da  Schleichers  gewährsmann  Kumutat  büium^  pa-- 
rddytai  und  fveüctumei  gebraucht  hat  (Lesebuch  s.  194,  238),  so 
vriderspricht  das  unmittelbare  nebeneinander  von  d&'rime  und 
dü'sme  meiner  erklärung  von  dü'gme  nicht,  und  ebenso  wenig 
tut  dies  die  andere  eben  angeführte  beobachtung  J.  Schmidts. 
Ein  von  Jurkschat  aufgezeichnetes  märchen  aus  Galbrasten 
(Mitteil.  d.  lit  litter.  gesellschaft  I  83)  zeigt  die  längeren  und 
kürzeren  futurformen  auch  neben  einander  (bandyawa^  Upsiwa 
u.  s.  w.)  und  bietet  ausserdem  die  starke  Verkürzung  MnlUelk 
(von  trlnkteliti,  sonst  trlnktereti).  Endlich  begegnet  für  k&ines, 
das  J.  Schmidt  aus  dem  erwähnten  Kakscher  märchen  anfahrt, 
sonst  oft  genug  Mn^  (ebenso  dyumas  für  dywinas,  doch  ist 
letzteres  jünger),  und  das  wort  für  „teufel"  scheint  Kumutat 
nur  in  der  synkopierten  form  wünits  gebraucht  zu  haben. 

Bedite  186^;  part.  präs.  pas.  reginuu  lÖ^,  neregimos  16»;  Ili.  Bing.  plar. 
pras.  ftiri  9«,  28,,  26,,,  müi  14„,  pnguU  142,,  17,i,  tüi  8814,  9^^^  ^^ 
48m,  30t  fegisi  114»)  regin  .  .  .  regia  79,,  galt  24,,,  138,,  (daneben  gtd 
116,,  negal  16„  16,,,  worin  aber  das  weiche  l  zu  beachten  ist). 

1)  de$ü  Panktay  sakimu  81,,  kiehis  das.  9,,  papikiinsis  das.  18„, 
rupinais  das.  26,. 

2)  Man  berücksichtige  hierbei  ausser  tur,  gal  u.  s.  w.  und  regime 
regt'S  s.  177  f.  anm.  z.  b.  die  behandlang  der  präsentischen  endung  4i  und 
der  imperativendunj;  -ki.  Ich  grebe  hierfür  folgende  belege  1)  aas  der 
spräche  Moswids:  doeti  Lit.  lett.  drucke  I  13, »  eeii  das.,  10,,,  11,,  IS,«, 
pradeetgee  das.  9»  —  doet  das.  13,,  e$l  das.  ISi,;  ^ki  das.  12i,,  iureki, 
negimki  u.  s.  w.  das.  10,, ff.  —  ateik  des.  12,,,  dok  das.  28,,,  stoeykinki 
ir  gelbeky  suesimilk  arU  tnuseu  toieschpatie,  eussimüki  im  Geliohowskischen 
text,  2)  aus  den  Punktay  sakimu:  duaeÜ  25,,,  28„,  iadtioeti  16»)  ^^ 
21,41  26,,,  deatie  11,,  16,,  —  ataduoet  16»«  ntuideet  17«,  134„,  prinegt 
14„,  ütegi  aiu  (aber  aikUa,  trokezta  16^1  megeia  14»)* 


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Das  litauische  futurum.  179 

Dfirfen  hiernach  d&'sitn,  dü'Hatn  und  dUsme  als  echte 
futorformen  und  sprösslinge  eines  und  desselben  Stammes 
(dö80jth)  gelten,  so  ist  es  nichts  weniger  als  wahrscheinlich, 
dass  zwischen  ostlit.  büriua  (—  nordlit.  büaoB  —  büsiqs  Univer- 
sitae  linguarum  Lituaniae  s.  30)  und  schriftl.  büsfS  ein  wesent- 
licher unterschied  bestehe,  dass  jenes  «^wirkliches  part  fut/S 
dieses  aber  „part.  des  aoriststammes  büs-**  sei  (J.  Schmidt  a.  a.  o. 
8. 426).  bus^  scheint  mir  vielmehr  für  busiqs  zu  stehen  ^)  und 
mit  büsius  identisch  zu  sein.  Die  lautliche  rechtfertigung  dieser 
ansieht  geben  z.  b.  die  von  Moswid  (der  durchaus  nicht  „nieder- 
litauisch"'  geschrieben  hat)  gebrauchten  formen  Heideneziaa 
Lit.  lett.  drucke  I  63,  kUidenczius  das.  2öi»,  gieidenczius  das. 
22i,  2799,  gieidenczias  das.  24si,  gieidenUi  das.  26ii,  aUeid&m, 
gieidem  das.  236,  «,  kientenezius  das.  28 1?»  mddenczius  das. 
3I»i,  verglichen  mit  ateysts  in  dem  Celichowskischen  text  (vgl. 
aimenii  Forma  chrikstima  35 1« f.),  die  zugleich  paiauezemp 
mddzem  Lit.  lett  drucke  II  34s,  se,  37 ti,  wefezqs  (J.  Schmidt 
K.  Zs.  XXVI  332)  u.  s.  w.  als  neubildungen  erscheinen  lassen. 

busius  ist  der  nom.  sg.  masc  fut  act.  Szyrwids  (Lit.  lett 
drucke  IV  35  le,  Dictionarium  unter  przyfify);  von  gleicher  art 
und  zugleich  die  einzigen  partic.  fut -formen,  die  ich  ausser 
btmus  in  den  Szyrwid'schen  texten  gefunden  habe,  sind  der 
nom.  pl.  busiu  und  der  acc.  sing,  numirsiunti  Lit.  lett.  drucke 
IV  107 10»  5I98.  Hält  man  neben  diese  formen  Szyrwids  flexion 
des  finiten  futurums  (oben  s.  169)  und  die  äemaitischen  partic. 
fut  busini,  businti,  busenti  (Prasm^  s.  62),  so  liegt  der  verdacht 
nahe,  dass  sie  nach  dem  vorbild  von  z.  b.  szauk%uneio,gieydziun6iu 
Lit.  lett.  drucke  IV  33i8,  6O18  (III.  präs.  azaükia,  geldzia)  neu 
gebildet  seien,  und  dieser  verdacht  scheint  durch  turiunti  das.  42ie 
bestätigt  zu  werden.  Allein  diese  form  ist  zu  verwerfen,  denn 
Szyrwid  braucht,  soweit  ich  sehe,  sonst  niemals  -mn^  statt 
des  participialen  Stammausganges  -int-,  und  seine  spräche  zeigt 

1)  Hiergnf  weist  auch  das  particip  fat  pas.  Nach  Schleicher  Gram. 
B.  98  und  Mielcke  ADfaDgsgründe  (1800)  s.  96  endigt  es  aaf  -stma-«,  da- 
gegen nach  Rnhig  Anfangsgründe  (1747)  s.  77  Aui-sema-s,  nnd  eben  diesen 
ansgang  bieten  die  ältesten  mir  bekannten  belege  dieser  form  (Beiträge 
z.  geschichte  der  lit.  spräche  s.  227).  Er  setzt  gleich  lett.  -seham  (Bielen- 
stein  Lett.  spr.  II  190  anm.)  den  futnrstamm  auf  -sia-  voraus,  und  es 
scheint,  dass  -sema-s  fast  erst  vor  unseren  äugen  unter  dem  eiufluss 
von  -sme  an  'aima-s  geworden  sei. 


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18()  A.  Bezzenberger 

nie  ia  für  den  stammoharakter  i  finiter  verbalformen.  loh  gebe 
hierfür  unter  hinweis  auf  oben  s.  169  (futurum),  s.  177  (4umüe) 
und  8.  177  anm.  folgende  bel^e  (wenn  nicht  anderes  angegeben 
ist,  aus  den  Punktay  sakimu):  iuris  7690,  l^Ssi  (ebenso  Die- 
tionarium  unter  bez  6iild  und  bezprzifgänny)^  turinSiu  77 15, 
turintiemus  14öt7,  turinöios  68t6,  toiaaregis  8ts,  regin6io  13Ö4, 
wisagalis  9n,  738o,  pergalin6iam  78i6,  wisagälin6iami  153i8, 
norini  148,  1428f;  sutraukikime  152  n,  duokUe,  berkUe,  barsti- 
kiie  1409,  imkite  146s8-  —  Diese  formen  ergeben  aber  nicht 
nur  die  dialektwidrigkeit  des  angeführten  turiunti,  sondern 
zeigen  zugleich  die  unzulässigkeit  der  zurückführung  von  busius 
auf  busint'  und  beweisen  überhaupt,  dass  busius  seinem  stamme 
nach  eine  ursprüngliche  bildung  ist. 

Hatte  ich  nun  recht,  süksime  und  sidcsiam  zusammenzu- 
fassen und  beide  formen  auf  einen  futurstamm  suksejo-  zurück- 
zuführen, so  muss  —  da  btisius  von  busiam,  süksiam  nicht  ge- 
trennt werden  kann  —  auch  busius  auf  einem  futurstamm  auf 
'Sejo-  beruhen,  und  zwar  unmittelbar,  ohne  umwege.  Dies  wäre 
aber  unmöglich,  wenn  Wiedemann  (Handbuch  s.  31,  123)  darin 
vollkommen  recht  hätte,  dass  aus  eje,  ejo  in  nicht  wurzelhafter 
silbe  im  Litauischen  i  geworden  sei.  Ich  erkenne  dies  teilweise 
an,  weil  die  meines  erachtens  einzig  richtige  beurteilung  der 
verba  srawiü  :  srau^i  hierzu  nötigt,  aber  ich  muss  andrerseits 
aus  bfisius  die  unvermeidliche  konsequenz  ziehen,  und  kann 
daher  nur  annehmen,  dass  in  der  angegebenen  Stellung  eje  zu  t, 
eja  dagegen  zu  ia  wurde.  Das  einzige,  was  sich  in  sachlicher 
beziehung  hiergegen  einwenden  lässt,  sind  die  formen  sräwime, 
gediitie  u.  s.  w.  (I.  plur.  präs.).  Sie  erledigen  sich  aber  durch 
die  annähme,  dass  in  der  präsens«  und  futur-flexion  von  z.  b. 
sraweti  ausgleichungen  stattgefunden  haben  (sräwime  für 
sräiviame  u.  s.  w.),  und  diese  annähme  wird  nicht  nur  durch 
busius  an  die  band  gegeben,  sondern  auch  durch  die  doppel- 
heiten  mylim  —  myliam,  sitksim  —  süksiam,  die  zweifellos 
gefalliger  aussehen,  wenn  man  sie  in  einem  abgeschlossenen 
paradigma,  als  wenn  man  die  einen,  oder  die  anderen  dieser 
formen  durch  äussere  einmischung  entstanden  sein  lässt.  Ich 
nehme  also  an,  dass  früher  flektiert  wurde: 

srawiü  (aus  srawejö)  sratvesiu  (aus  srawösejö) 

srawl  (aus  sraweje)  srau>&i  (aus  srawösqe) 

sräwia  (aus  sraweja)  srawisia  (aus  si*awö8eja) 


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Das  litauische  futurum.  181 

srämame  (aus  srawejaniö)    srawibiame  (aus  srawösejamö) 

^srätoUe  (aus  srawejetö)         srawiSriU  (aus  srawös6jetö). 

Dieser  flexion  entsprechen  büsius,  attyses  YoUkommen ;  es 
widersprechen  ihr  aber  die  ihnen  zur  seite  stehenden  partic. 
präs.  auf  -ini-  wie  türp  ^),  die  also  notwendigerweise  neubil- 
düngen  sein  müssen.  Die  erklärung  dieses  gegensatzes  wird  in 
der  grösseren  Seltenheit  des  partic.  futuri  zu  finden  sein,  von 
der  man  sich  durch  meine  anfährungen  aus  den  Moswidschen 
texten  und  den  Punktay  sakimu  bereits  überzeugt  haben  wird. 

Man  wird  niemanden  widerlegen  können,  der  türini-  für 
eine  lediglich  durch  türite^  turl  veranlasste  Umbildung  von 
iuriatU'  hält;  scheinen  doch  auch  türime,  iüri  ledighch  durch 
diese  an  ihre  stelle  gebracht  zu  sein.  Aber,  wie  ich  glaube, 
ist  bei  iürint  noch  etwas  anderes  in  betracht  zu  ziehen,  und 
dies  ist  indirekt  auch  für  die  entstehung  von  türime,  tüH  be- 
deutungsvoll gewesen,  denn  es  ist  nicht  wohl  zu  verstehen,  dass 
türüej  türita,  turl  ohne  äussere  Unterstützung  ein  übergewicht  über 
türiame,  ^türia,  türiatU-  gewonnen  haben  sollten.  Ich  meine  die 
ursprüngliche  stammabstufende  deklination  der  -n/-stämme.  In 
hinblick  auf  sie  ist  anzunehmen,  dass  in  der  flexion  des  parti- 
cips  z.  b.  der  präsentia  turiü,  penü  ehemals  die  stamme  turianU 
und  turi(i)fU',  penant-  und  peninU  neben  einander  vorkamen. 
penint^  wurde  aufgegeben,  da  es  von  der  sonstigen  präsensflexion 
von  peniCi  zu  sehr  abstach,  turint-  dagegen  fand  an  turi,  türiU 
und  türita  einen  halt  und  hob  zugleich  ihre  Stellung.  Das 
ergebniss  dieser  Verbindung  hat  sich  oben  bereits  gezeigt;  in 
einem  teile  des  litauischen  Sprachgebietes  wurden  türiame,  tu- 
riatoa,  türia,  türiarU-  durch  türime  u.  s.  w.  ersetzt,  während 
sie  in  dem  anderen  —  unterstützt  durch  die  Zweideutigkeit  von 
turiü,  vgl.  ariü :  äriame  —  türite,  türita,  türinU  sich  annäherten  •). 

1)  Moswid  braucht  roerkwürdig^erweise  tikimesMm$  Lit.  lett  drucke 
I  26(4,  tikenUmntM  (neben  HkimM)  in  dem  CelichowskiBchen  Tedeam,  sonit 
in  den  betr.  fallen  nnr  ^int-  :  ntiturinte  Lit  lett.  dmoke  I  16ia,  turinHm9 
das.  274,  UtrineztM  das.  64,  iurinoziuB  das.  26^1  gaiUntims  das.  SOx,, 
itawinezUu  das.  25  3«,  »ortnostM  Tedenm  (yorwort).  Die  forma  chrikstima 
bietet:  tihkißzuiu  85 m>  Hkmezmwii  So»,  vissagaliniighi  86at,  ^oisBogaUni' 
ioya  874,  40,9,  vÜMogaliiis  S7i„  41„  naritU  86,5,  89,4. 

2)  Vgl.  Mahlows  erkl&mng  von  hidjan  —  hidan  u.  s.  w.  (Lange 
▼ocale  8.  48  f.).  —  Ein  ähnlicher  aasgleich  hat  möglicherweise  im  pr&sens 
von  aslav.  ehotHi  xl  s.  w.  stattgefunden.    Vgl.  lit.  kenmü  :  kentiti. 


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Id2  A.  Bezzenberger 

Ebenso  wie  türfs  verhält  es  sich  anscheinend  um  Dowkonts 
bfisis,  businti  (oben  s.  179).  Allein  ich  glaube,  dass  diese 
formen  erst  aus  bus^,  busenti  (beruhend  auf  büsiqs,  büsiantt) 
entstanden  sind,  denn  Dowkont  bietet  auch  das  seiner  flexion 
des  finiten  futurums  entsprechende  busenti  und  schreibt  müis, 
girdint  (gerund.)  im  gegensatz  zu  anderen  zemaitischen  texten 
(vgl.  z.  b.  begtd^nt,  beregiqnt  Palangos  Juze  s.  10,  11,  13) 
und  teilweise  gegen  seinen  eignen  sonstigen  Sprachgebrauch 
(vgl.  güintys  —  törentys,  gölentes,  nelOörenti  Bud%  prat. 
s.  2,  3,  8).  Dass  in  zemaitischen  endsilben  nicht  selten  i 
für  e  (^)  steht,  habe  ich  BB.  X  312  f.  nachgewiesen.  —  Ich 
stelle  also  Dowkonts  (bu-Jais  gleich  Szyrwids  (bu-Jsius  und  dem 
preuss.-litauischen  (bu-)8^,  dessen  oblique  casus  (jbÜ8enczovL.8.w.) 
ihr  e  aus  dem  nominativ  bezogen  haben.  Wenn  ich  daher  bu- 
sint  für  die  entstehung  von  büsitnej  bÜB(i)  keine  bedeutung  bei- 
messe ^)y  SO  ziehe  ich  darum  doch  nichts  von  dem  zurück,  was 
ich  oben  über  tiMr\s  gesagt  habe,  sondern  nehme  vielmehr  an, 
dass  die  flexion  von  turesiu  durch  die  von  turiü  beeinflnsst  ist. 

Um  nun  die  ergebnisse  der  vorstehenden  Untersuchung  zu- 
sammen zu  fassen,  so  hoffe  ich  in  ihr  gezeigt  zu  haben: 

dass  litauische  futurformen  wie  dü'siam,  dü'simej  dü'sme 
nicht  wesentlich  verschieden,  sondern  aus  einem  und  demselben 
stamm  erwachsen  sind; 

dass  dieser  stamm  dem  des  dorischen  futurums  entspricht; 

das  das  stammbildende  dement  des  litauischen  futurums 
in  der  flexion  desselben  ehemals  teils  sia,  teils  si  lautete; 

dass  sich  durch  konsequente  durchführung  von  9ia  das 
nordlitauische  und  zemaitische,  dagegen  von  si  das  süd-  und 
ostlitauische  finite  futurum  ergab; 

dass  sia  sich  im  partic.  fut.  allgemein  erhalten  hat 

Was  schliesslich  das  verhältniss  des  litauischen  und  dori- 
schen futurums  zum  skr.  futurum  auf  -«ya-  betrifft,  so  sieht 
Ascoli  a.  a.  o.  in  den  futuren  auf  «90-  und  sjo-  lediglich  ver- 
schiedene accenttypen.  Er  berührt  sich  hierin  mit  Fick,  der 
xQiww   und   das  futurum  xQiviw  ursprünglich    nur   durch  den 

1)  Dass  Yon  hMant-  eine  schwache  Stammform  im  LitaDischen  nicht 
sicher  nachsnweisen  ist,  ist  vielleicht  in  verhindnng  damit  su  bringen, 
dass  das  altind.  part.  fat.  aot  den  starken  stamm  bevorzugt.  —  An- 
scheinend echtes  -sM-  liegt  vor  in  ostlett.  hytuit^  müont  (gerand.)  Kos- 
sowski  Qramatyka  s   18,  22. 


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Das  litauische  futurum.  183 

aooent  verschieden  sein  lässst  (Gott  gel.  anz.  1881  s.  1438). 
Aber  diese  berührung  ist  nur  ganz  äusserlich,  denn  während 
Fick  xqIwü}  auf  yLQivyw  und  xqiviio  auf  xi^vijw  zurückfuhrt, 
lässt  Ascoli  'Sejo  aus  -sjö  durch  die  entwicklung  eines  dünnen 
vokales  entstanden  sein.  Ich  bedaure,  ihm  hierin  nicht  folgen 
zu  können,  sondern  erkläre  das  verhältniss  von  'Sejo»  und  ^sjo- 
in  der  oben  angegebenen  weise  Ficks,  ohne  indessen  seiner 
aufifassung  von  XQiwio  und  %Qivi(o  zuzustimmen. 

Die  vorstehende  abhandlnng  ist  am  7.  Oktober  v.  j.  behufs  ihrer 
Teröffentlichnng  herm  Dr.  Prellwitz  übergeben.  Weit  spater  erhielt  ich 
durch  die  gute  Meillets  einen  aufsatz  desselben,  der  im  november  v.  j. 
gedruckt  ist  und  sich  mit  ihr  eng  berührt  (Memoires  de  la  societe  de 
liuguistiqne  XI  297  ff.),   aber  ohne  einfluss  auf  sie  geblieben  ist. 

A.  Bezzenherger, 

Zu  den  altg^riechischen  ortonamen. 

Zu  einer  gesamtdarstellung  der  altgriechischen  Ortsnamen 
hat  A.  Fick  eine  grundlage  geschafifen  durch  seine  in  dieser 
Zeitschrift  veröffentlichten  aufsätze:  Bd.  21,  237—286.  Bd.  22, 
1—76  und  222—238.  Bd.  23,  1—41  und  189—244.  Bd.  25, 
109 — 127.    Zu  diesen  im  folgenden  einige  bemerkungen. 

j^E^Lrofiog  X6q>ög  bei  Gela:  exvofwg  übermässige^  21,256. 
Das  wäre  eine  sonderbare  benennung  für  eine  so  unbedeutende 
höhe.  Wir  werden  hier  keine  Zusammensetzung  von  ix  und 
vofiog  haben,  sondern  ein  von  enrifiea'd'ai  gebildetes  adjektiv, 
wie  vTsovofiog  von  vrtwifiaox^ai  stammt.  Jenes  verbum  aber 
zeigt  Soph.  Äi.  369  ovk  aipOQifOv  htvsfial  noda;  die  bd.  „hin- 
aussetzen'^  und  Hestych.  und  Suid.  haben  die  glosse  hL^epifirj' 
TOI'  i§^X&€v^  i^xtai.  Der  begriff  des  verteilens  ist  in  den  der 
bewegung  übergegangen,  wie  bei  vwfiaw,  das  erst  distribuere, 
dann  versare  bedeutet.  Somit  dürfte  Envofiog  {l6g>og)  als 
„vorsprung"'  zu  erklären  sein. 

y^Ox^  höchste  kuppe  von  Süd-Euböa  als  ^halt'  des  landes" 
21,  260.  Auch  das  wäre  eine  recht  auffallende  bezeichnung. 
Nur  als  Vermutung  wage  ich  zu  äussern,  dass  der  name  von 
einem  oxij  herkommt,  das  gleichbedeutend  mit  i^ox^  ist  Für 
exeiv  =s  i^i%uv  „hervorstehen"'  kann  ich  keinen  beleg  anführen, 
doch  sind  rückwirkungen  von  compositis  auf  das  simples  nicht 
ausgeschlossen. 

JIdvofffAog  (seil,  hfiijv)  wird  22,  7  und  23,  225  erklärt 


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184  Robert  Thomas 

als  ^yhafen,  der  bei  allen  winden  das  auslaufen  gestattetes    Dazu 

22,  2:  f90g/4og  die  rhede,  als  'auslauf,  ort  der  oQfnj^^  Fick 
sucht  also  eine  Verbindung  zwischen  oqidog  und  OQfi^  herzu- 
stellen, während  sonst  die  Wörter  mit  gutem  gründe  ausein- 
andergehalten werden  (vgl.  Prellwitz);  denn  die  beiden  be- 
gri£EiB  sind  im  Griechischen  scharf  geschieden«  OQfiog  ist  der 
ruhepunkt  des  schiffes  und  steht  nur  zu  der  vorhergehenden 
fahrt,  nicht  zu  der  nachfolgenden  in  beziehung  (ygL  auch 
OQfiiüp^  bq^iCfa).  ig/^rj,  oQfiäw  dagegen  sind  ebenso  ausgeprägte 
begri£fe  der  bewegung.  Ich  kann  mir  nicht  denken,  dass 
sich  diese  Scheidung  erst  nachträglich  herausgebildet  hat.  Sg/Äog 
„ankerplatz'e  ist  dasselbe  wort  wie  OQfiog  „schnür,  kette'*  (von 
tUgai);  man  band  die  schiffe  am  strande  an  (IL  1,  435  rqv  d* 
eig  0Q^O¥  fCffodgeaaav  sQSTfiöig,  ix  i*  evvag  i'ßaXav,  xarä  de 
Ttf^ftvijai  edrjaav).  Also  ist  ndvogfiog  Xifijjv  (Od.  13,  195)  ein 
hafen,  der  ganz  ankerplatz  ist,  der  überall  das  anlegen  ge- 
stattet, also  ein  guter,  tiefer  hafen. 

y^MvgfiTixeg  hiessen  klippen  und  Sandbänke;  .  .  .  der 
Vergleichspunkt  liegt  wohl  in  den  starken  einschnitten'*  22,  40 
(dazu  MvQfiri%ia¥  23,  212).  Ich  möchte  das  tert.  comp,  in  dem 
wimmelnden  durcheinander  hervorragender  felszacken  sehen. 
Interessant  ist,  dass  auch  das  italienische  formica  in  der  schiffer- 
sprache  die  (blinde)  klippe  bezeichnet  (vgl.  formicare  wimmeln, 
formicolaio  gewimmel). 

^f&dXafiai  j.    Kalamata   in    Messenien:    ^otkifiri   zelle^' 

23,  28.  Kalamata  steht  nicht  an  stelle  des  alten  Thalamai; 
übrigens  gab  es  auch  im  alten  Elis  einen  ort  dieses  namens. 
d'aXafiTj  ist  nicht  „zelle*',  sondern  „loch,  höhlung'*,  auch  wohl 
„Winkel,  Schlucht"  (Polyb.  IV  75  von  dem  ort  in  Elis:  eig  t6 
Xü)qIov,  o  naXovai  Galdfiagj  diä  to  tiJv  ve  xwqov  %tjv  nigi^ 
ctvToS  arevrjv  üvai  auu  övaifißolov  %6  %e  x^^iov  ärtQoyfidtevTov 
%ai  dvoftQoaodov).  Nach  PoUux  2,  75  hiessen  die  nasenlöcher 
^•aldfiai,  dttXaiifi  ist  eine  doublette  zu  d'dhxfiog  wie  nuxldf^f] 
zu  nalafiog.  d'dXafiog  aber  ist  gleichen  Stammes  mit  &6log^ 
d'oJiaaaa  und  german.  dal  (nhd.  thal);  s.  Prellwitz  und  Fick 
22,  11.  Der  gemeinsame  begriff  ist  „Vertiefung".  So  konnte 
man  d-dka/^og  für  den  untersten  schiffisraum  gebrauchen  (Athen. 
II  37  D)  und  die  dort  rudernden  ^aldfiioi,  &aXafutai  nennen. 
Wenn  y^dlafjuag  in  die  bed.  „wohnung"  übergeht,  so  haben  wir 
darin   ein    interessantes  sprachliches   Zeugnis  für  höhlen*  und 


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Zu  den  altgriechiscben  Ortsnamen.  185 

grabenwoluumgen  der  uneit    Ich  ho£b  der  saohe  bei  anderer 
gelegenheit  weiter  nachzagehen. 

^yAvtai  in  Thessalien  am  Tempepass,  'lösephttz'*'  23,  190 
Genauer  f^einkehr^'  (vgl.  xovaAvAi). 

^.Kofiftaaiov  ort  in  Arkadien,  2u  KOfina^  prahle?'* 
23,  214  Vielleicht  ist  eher  an  die  gmndbedentung  Ton  xo^ 
nat/uf  zu  denken,  die  sich  aus  wifiTvog  sss  strepitus  (z.  b.  U. 
11,  417  %6finog  6d6r§wf)  und  äftihni9fjift6£,ia  (Anth.  PaL  VI  54 
lifog  dfesMfiftaaa  %o^  9,zerknallte")  erschliessea  lässt.  War 
ein  wasserüftll  in  der  niUie  des  ortes? 

EvQvakog  —  Evfjvtjljoq  (namen  des  Yon  Dionysios  ge- 
bauten kastells  bei  Syrakus,  unweit  des  heutigen  ortes  BelTe* 
dere)  betrachtet  Fick  als  Weiterbildung  von  wqvq  mit  dem  ad-» 
jektiyischen  ausgang  -cäog,  -ijAog.  Gewöhnlich  nimmt  man  Zu- 
sammensetzung mit  fjXo^  (aloq)  nagel  an.  In  diesem  &U  wäre 
EvQ,  wohl  „nagelkopf^  Free  man  (Gesch.  Siciliens,  dtsche. 
ausg.  V.  Lupus  1 534)  übersetzt  ,3]^eitnagel*'  und  fügt  bei:  „der 
schmale  rücken  ist  der  stift  des  nageis,  Belvedere  sein  köpf  \ 
Das  ist  veritehrt,  schon  deswegen,  weil  dergleichen  metaphem 
nicht  gepresst  werden  dürfen.  Die  ableitung  Ton  evQvq  mit 
"okoQ  passt  nidit  zu  der  örtlichkeit,  die  eher  schmal  als  breit 
zu  nennen  ist  — 

„Die  landschaft  Biopto l  in  Aetolien  wird  wohl  nicht  von 
*altären',  sondern  von  'stufen'  des  gebirges  den  namen  haben, 
indem  ßtafwq  in  der  alten  spräche  soviel  als  ßa&fAog  ist^ 
22,  239.  Vielleicht  erklärt  dieser  gebrauch  auch  den  namen 
Inbomon,  den  ein  teil  des  ölbergs  in  einem  altchristlichen 
Itinerarium  fuhrt  (vgl  Itinera  Hierosolymitana  ed.  P.  Geyer 
Vindob.  1899,  S.  Silviae  peregrinatio,  p.  83:  subitur  cum  ymnis 
in  Inbomon,  id  est  in  eo  loco,  de  quo  ascendit  Dominus  in 
caelis  u.  ö.). 

Bei  ^OXvfiftia  (23,  206)  kann  an  den  „Olymp  im  idealen 
sinne  als  den  Wohnsitz  aller  götter  der  oberweit*'  jedenfalls 
nicht  gedacht  werden,  da  noch  bei  Homer  ^'OXvfinog  immer  der 
berg,  nicht  der  Yon  dieser  anschauung  losgelöste  „götter- 
himmel"  ist. 

In  einer  gesamtdarstellung  der  altgriech.  Ortsnamen  müssten 
auch  die  mittel'-  und  neugriechischen  Ortsnamen,  soweit  sie 
nicht  slavischen  oder  romanischen  Ursprungs  sind,  berücksich- 
tignng  finden.    Denn  manche  von  ihnen  weisen  auf  das  altertum 

B«IMgft  s.  kud«  d.  ladf.  i»nek«i.    XX?I.  13 


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186     Robert  Thomas    Zu  den  altgrieohischen  ortsnamefi. 

zurück  und  sind  uns  in  der  alten  litteratur  nur  zufällig  nicht 
erhalten;  so  der  name  der  festung  von  Nauplia,  Palamidi, 
▼on  dem  Gurtius  (Peloponnesos  II  390)  schreibt:  „Merkwürdig 
ist  der  klassische  name  der  festung,  den  die  fränkischen  er- 
oberer  als  bergnamen  vorgefunden  haben.  Er  ist  auch  gewiss 
nicht  im  früheren  mittelalter  ersonnen  worden,  sondern  durch 
mündliche  Überlieferung  erhalten  aus  einer  zeit,  da  auf  der 
höhe  ein  heiligtum  des  Palamedes  stand;  darnach  hiess  der 
berg  Palamedion,  wie  das  Menelaion  bei  Sparta  vom  grabtempel 
des  Menelaos'S  (Im  allgemeinen  s.  Gurtius,  PeL  189).  Und 
wenn  das  an  stelle  eines  Apollotempels  auf  der  passhöhe 
zwischen  Athen  und  Eleusis  erbaute  kloster  Daphni  heisst,  so 
geht  der  name  doch  wohl  auf  den  lorbeerreichtum  des  ehema- 
ligen heiligtums,  also  ins  altertnm  zurück. 

Andere  neugriech.  Ortsnamen  sind  wenigstens  als  parallelen 
interessant,  wie  Astros  (städtchen  am  Golf  von  Nauplia)  zu 
"'^atQOv  (23,  31),  Aariifiw  (23,  213)  —  vielleicht  geht  übri- 
gens auch  dieser  name  ins  altertum  zurück,  vgl.  Lolling  in 
Bäflekers  Griechenland  >  s.  272  ~,  Myli  bei  Argos  zu  Mvlai 
(23,  30),  Vath^  auf  Ithaka  zu  Bd^og  (23,  20),  Itea,  der 
heutige  haienplatz  für  Delphi,  zu  Eitia  (23,  23)  u.  s.  w. 

Dass  das  fortleben  der  aus  dem  altertum  bekannten  Orts- 
namen zu  berücksichtigen  wäre,  ist  an  sich  klar. 

Einigemal  führt  Fick  auch  parallelen  aus  dem  Deutschen 
an.  Ich  erwähne  zum  schluss  noch  einige  von  den  vielen,  die 
sich  namhaft  machen  Hessen.  Zu  Ortsnamen  wie  uüyuQog^ 
Jqvs,  KvTtoQUJaog  (23,  23)  wäre  zu  vergleichen  Birnbaum 
(in  Posen),  Pyrbaum  (in  der  Oberpfalz)  u.  a.,  zu  der  be- 
zeichnung  vieler  passe  Jlvlai  (21,  283)  die  in  den  Alpen  so 
oft  wiederkehrenden  Thörlen,  das  Eiserne  Thor,  vielleicht 
auch  die  Tauern;  zu  Tlijhoy  oqoq  (21,  245)  der  Tegel  berg 
bei  Füssen  (tegel  =s  lehm),  zu  ui^vog  (23,  29)  Kaltem  bei 
Bozen;  Kwog  x&paXai  (21,  268)  ist  unser  Hundshaupten 
(dorf  in  der  sog.  Fränkischen  Schweiz),  ^InnoiUq^akog  (23,  224) 
Ro8shaupten(so  heissen  zwei  dörferjm  bayrischen  Schwaben); 
uievwinetQa  (23,  34)  Weissenfeis,  Lichtenfels.  Wie  ein 
berg  in  Argolis  KqBomaXov  oder  Kqüov  hiess  (21,  269)  so 
giebt  es  eine  Fleischbank  auch  im  Wilden  Kaiser  bei  Kuf- 
stein. 

Augsburg.  Robert  Thomas. 


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A.  Bezzenberger    EtymologieD.  .  187 

Etjrmologieiu 

1.  Durch  den  auüsatz  Lid6n'8  „Ein  baltisch-slaviscbes  an- 
lautgesetz'*  (Göteborgs  högskolas  ärsskrift  1899  ^  lY)  ist  sehr 
wahrscheinlich  gemacht,  dass  anlautendes  vi  im  Litauischen 
und  Lettischen  zu  l  geworden  ist.  Man  darf  also  vermuten, 
dass  lit  Uüfna  (läime  Kurschat,  laima  Schleicher)  ,, glück, 
glücksgöttin'*,  lett  laime  „glück,  Schicksal''  anlautendes  v 
verloren  haben.  Als  (tf)laima^  {v)laiinS  erinnern  aber  diese 
Wörter  nach  form  und  bedeutung  lebhaft  an  osk.  tHÜaemom 
(tauticam)  „das  (ö£fentliche)  beste''  und  an  das  valaimas  puldum 
(puklu)  der  Vibiainschrift,  das  zwar  nicht  ganz  klar  ist,  aber 
zweifellos  einen  mythologischen  gehalt  hat,  der  dem  begriff 
des  Schicksals  nahe  steht.  Darf  man  diesen  ausdruck  statt 
als  „beste  der  kinder^)'al8  „der  Besten  kinder"  deuten  >),  so 
träte  er  der  lettischen  lames-mäte  g^enüber  und  böte  ein 
analogon  zu  den  „gottes  söhnen",  „gottes  töchtem",  „sonnen- 
töchtem"  der  baltischen  mythologie. 

valaimo-,  dessen  a  für  indogerm.  9  stehen  kann,  ist  von 
Bugge  und  anderen  mit  lat  valere,  von  Ebel  K.  Zs.  VI  421 
mit  got.  vaüa,  ahd.  wela,  wola  verbunden  >).  Trifft  letzteres  — 
wie  ich  glaube  —  das  richtige,  so  wären  vcUaimo-  und  {if)laima 
verwandt  mit  lit.  ipelSs  „die  geisterhaften  gestalten  der  ver- 
storbenen", lett  weli  „die  geister  der  verstorbenen"  („die 
holden'^  [vgl.  lit  u>&ifti  „wünschen,  gönnen",  lett  wiUt  „gönnen, 
erlauben,  wünschen"],  „die  Manen"),  sowie  mit  lit  wHinas 
(wünias),  lett.  wdns  „teufel",  das  nicht  anderes  ist,  als  ein  zu 
*u>$U  gebildetes  maskulinum  (vgl.  afUinas,  äunnas,  isqsinaa  u.  s.  w. 
BB.  XXI  296  anm.  2).  Der  lettische  Sprachgebrauch  lässt  die 
Zusammengehörigkeit  von  tcdns  und  weü  noch  deutlich  er- 
kennen (Ulmann  Lett  Wörterbuch). 

2.  Lett  baurüt  „brüllen  der  ochsen,  namentlich  wenn  es 
mit  erdauf werfen  verbunden  ist",  if-baurtU  zinus  „vom  ochsen 
gesagt,  der  brüllend  erde  aufwirft",  baurät  „mit  bunden  jagen", 

1)  Bücheier  Oskische  bleit^fel  s.  16  (puJdo-  »  nkr. puträ  „söhn"?) 
Ganz  anders  Bngge  Altitalische  Stadien  s.  8  ff. 

2)  In  seile  4  kann  valaimas  puklum  gleich  dem  folgenden  tUa$  von 
legmei  abhängig  sein. 

8)  Das  von  ihm  voransgesetste  *valai  wird  in  lit.  valai  (Lit  for- 
schnngen  s.  194)  schwerlich  zn  erkennen  sein. 

18* 


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188  A.  Bezzenberger    Etymologieo. 

lit  ue-si-buryti  „sich  ereifern,  erzämen,  zornig  sein**  und  asl. 
burja  stürm  =;  russ.  durja,  poln.  burza  (woher  lit  bürys 
»,regen8chauer**),  russ.  burüm  „brandung,  jähriger  stier'',  buryga 
„ausgefahmes  loch  auf  der  Strasse",  bürnj/j  „stürmisch**,  wr. 
buriö  ^yzerstören,  umstürzen**,  poln.  burzy6  „ungestüm  erregen,- 
beunruhigen**  beruhen  auf  einer  wurzel  beur^  :  bUr-  ,,toben*'y 
die  mit  k  erweitert  erscheint  in:  russ.  bürkatb  „werfen, 
knurren**,  poln.  burknqö  „ausschelten,  murmeln**,  burczeS 
„kollern,  rollen,  knurren,  schwirren**  und  lit.  burksznöja  (kriusza 
\  ]4ng%)  „es  prasselt  (der  hagel  an's  fenster)**,  burhUnii  (für 
*burkninti?  aus  dem  Polnischen  entlehnt?)  „unter  dem  hart 
undeutlich  murmeln**. 

Hierzu  gehört  wohl  auch  lett  buru  burdtn  „über  hals  und 
köpf*,  während  lit.  bütHs  „grosse  menge,  grosser  häufe,  herde, 
schaar**,  lett.  büra  „menge**  eher  auf  skr.  bkuri  „viel**,  avest. 
Iniiri  „fülle**  zu  beziehen  sein  werden.  —  Ausserhalb  der  litu- 
slavischen  sprachen  ist  dies  6«ttr-  :  bur-  nicht  sicher  nachzu- 
weisen; am  ehesten  kommen  dafür  gr.  gyvQfo  und  skr.  bhurdU 
(Prellwitz  Etym.  Wörterbuch  s.  350)  in  betracht  Auch  die 
Verwandtschaft  von  lat.  furo,  füria  scheint  mir  erwogen  werden 
zu  dürfen  (vgl  Froehde  BB.  XXI  326). 

Begrifflich  und  auch  lautlich  berührt  sich  mit  lett.  bcLurSiij 
if-baurdU  eng  lit  maurüti  „wühlen**,  iaz-mauriti  „auswühlen, 
ausscharren**.  Ich  halte  dies  aber  für  zufillig  und  beziehe 
maurM  auf  an.  fnaurr,  ags.  myra,  krimgot  miera,  ndd.  mire 
„ameise**,  indem  ich  in  mauröti  eine  ableitung  der  wurzel 
dieser  Wörter  und  also  nicht  ein  von  ihnen  ausgegangenes 
denominativ  sehe.  Ein  solches  ist  dagegen  norweg.  maura 
„fleissig  arbeiten,  wimmeln,  herumkriechen,  jucken,  stechen'*. 

Ä.  Bezzenberger, 


Zur  geschichte  der  lateiniBohen  voealsynkope. 

§  1.  Zusammenfassende  darstellungen  der  synkopeerschei- 
nungen  im  Lateinischen  sind  bei  Brugmann  Grundr.  I  >  215  ff, 
Stolz  Hist  gramm.  I  201  ff.,  Lindsay  Lat.  lang.  170 ff.  zu 
finden.  Solmsen  in  seinen  Stud.  z.  lat.  lautgesch.  und  S kutsch 
Forsch,  z.  lat.  gramm.  u.  metrik  I  haben  vereinzelte  falle  einer 


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Giuseppe  Ciardi-DuprS    Zur  geschichte  u   s.  w.        189 

D&heren  pröfung  unterworfen.  Neuerdings  hat  Sommer  in 
seiner  lehrreichen  abhandlung  über  *die  komparationssuffixe  im 
Lateinischen'  (IF.  XI  1 — 98)  manche  die  synkope  betreffende 
frage  erörtert.  Leider  ist  eine  abschliessende  behandlung  dieses 
gegenständes,  wenn  auch  die  synkope  in  den  italischen  sprachen 
gleichwie  in  allen,  deren  akzent  einen  yorwiegend  exspiratorischen 
Charakter  hat,  den  wichtigsten  lautvorgängen  angehört,  noch 
nicht  gelungen.  Um  zur  ausfullung  dieser  Ittcke  in  der  latei- 
nischen lautlehre  einigermassen  beizutragen,  beabsichtige  ich 
das  betreffende  material  so  vollständig  als  möglich  zu  sammeln 
und  noch  einmal  zu  sichten,  um  die  gesetze  der  erscheinungen, 
woYon  die  rede  ist,  ins  rechte  licht  zu  stellen. 

Nur  kurze  unbetonte  vocale  werden  ausgestossen.  Eine 
hochtonige  silbe  kann  ihres  vocals  nur  dann  verlustig  gehen, 
wenn  sie  einen  zweiten  Sonorlaut  enthält,  der  beim  ausfokllen 
desselben  den  wortaccent  bekommt  und  zugleich  sonantisch 
wird.  Dabei  handelt  es  sich  nicht  um  eigentliche  synkope, 
sondern  um  samprasära^a ,  wie  es  nach  indischer  weise  heisst 
Als  beispiel  sei  tesiis  'zeuge'  angeführt,  das,  nach  Skutsch  o. 
XXm  100—104,  auf  *te(r)sH8,  *tr9ti8,  ^tristis  {*tri8t08)  zu- 
rückgeht: zwischen  *tristi8  und  ^tristis  ist  also  eine  mittelstufe 
*trri8ti8  vorauszusetzen.  —  Naturlange  vocale  entgehen  regel- 
mässig der  syukopirung.  Was  die  sogenannten  'positionslaogen' 
betrifft,  so  hängt  ihr  ans&U  von  speciellen  bedingungen  ab: 
z.  b.  nach  ^,  oder  zwischen  n,  m,  und  nd,  st  findet  die  syn- 
kope statt  (attdiö  aus  *ä}iizdiö,  vindo  aus  ^vinomdö,  sEsqui- 
aus  *simi8gue-j  u.  dgl.),  unterbleibt  dagegen  nach  liquida  {fere- 
frum,  praeferietdum  d.  h.  ^praeferielom,  u.  dgl.).  —  Im  allge- 
meinen spielt  die  natur  der  umgebenden  konsonanten  beim 
ausstossen  eines  vocals  die  erste  rolle:  dafür  sollen  die  nach- 
stehenden Untersuchungen  den  beweis  erbringen.  Hie  und  da 
wirken  andere  faktoren  mit,  z.  b.  die  qualität  des  zu  synkopie- 
renden vocals,  die  quantität  der  vorausgehenden  silbe  *),  die 
Silbenanzahl  des  wertes  und  das  redetempo.  Femer  hat  man 
mit  zeitlichen  und  örtlichen  Verschiedenheiten  zu  rechnen. 
Z.  b.  geht  die  synkope  eines  nach  liquida  bezw.  nasalis  stehen- 
den vocals  in  die  zeit  der  älteren  lateinischen,  wahrscheinlich 

1)  Dast  in  gewissen  fällen  auch  die  qnantiUt  der  folgenden  tilbe(n) 
mitgewirkt  habe,  glaube  ich  nicht  behaupten  za  können.    Vgl.  nnten  §  8. 


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190  Giuseppe  Ciardi-Dupre. 

ttritaliscben,  betonung  hinauf,  wie  surculas  (*8Üroeolo8)^  ünde- 
dm  (aus  *o{nomdecem  od.  ^oinozdecem)^  anculua  (aus  *dtnbi' 
colos)  usw.  lehren:  dagegen  fällt  die  synkope  von  ifr  (aprtcus  : 
aperiö,  suprSmus  :  superus  usw.)  in  die  zeit  der  neuen  beto- 
nung, da  nachtoniges  ^  Yor  r  nicht  ausgestossen  wird  (vgl. 
Uterus,  procerSs,  c&eriy  äUer^  aUerum,  superus  u.  dgl.).  Unter 
den  lateinischen  mundarten  zeichnete  sich,  wie  es  scheint,  die 
Yon  Praeneste  durch  die  neigung  zur  synkope  aus  ^).  Im  echi- 
römischen  Latein,  worauf  unsere  Untersuchung  beschränkt  ist, 
sind  dialektische  eigentümlichkeiten  in  bezug  auf  die  synkope 
kaum  zu  konstatieren.  —  Endlich  hat  man  die  Stellung  der 
silbe,  der  der  synkopierte  vocal  angehört,  im  worte  zu  beachten, 
denn  andere  gesetze  gelten  für  auslautende  als  für  inlautende 
Silben.  Demgemäss  theile  ich  das  material  meiner  forschungen 
ein. 

L    Die  synkope  in  mittelsilben. 

§  2.  Die  synkope  tritt  regelmässig  in  folgenden  fallen  ein: 
(1)  nach  liquida;  (2)  nach  nasalis;  (3)  nach  liquida  (bezw. 
nasalis)  +  consonant;  (4)  nach  dem  halbvocale  u;  (5)  nach 
consonant  +  s  oder  s  +  consonant 

Für  die  synkope  nach  liquida  kommen  folgende  beispiele 
in  betracht: 

[A]  nach  l: 

cidfdtua  aus  ^ddoUtos,  part.  praet  zu  adoleö,  wie  abolitus 
zu  aboleö.  Die  ^b-verba  bilden  das  part.  praet  durch  an- 
fiigung  eines  -t-  an  die  wurzel,  das  wahrscheinlich  mit  dem 
Suffixe  des  präsens  verwandt  ist,  und  die  Schwundstufe  desselben 
vertritt:  z.  b.  ai.  corita-  zu  coräyaii  *er  stiehlt';  bodhüa-  zu 
bodhdyati  ^er  erweckt,  mahnt';  ai.  vartüd-,  got.  fra-u^ardiß-s 
zu  ai.  vartäyaH  'er  setzt  in  drehende  bewegung',  got  fra- 
wardjan  Werderben,  entstellen';  ai.  vasüd-^  got.  wasi-ß-s  'be- 
kleidet' zu  ai.  väsdyati  'er  bekleidet',  got.  ga-wasjan  'sich  klei- 
den'; lat.  monüus  zu  tnoneö.  —  Mit  adultus  etymologisch  ver- 
wandt ist  das  adjektiv  altus,  das  keine  synkope  aufweist,  denn 
es  ist  mit  dem  particip  cdtus  (zu  alö^  wie  <ictus  zu  cyö)  iden- 

1)  Freilich  lästt  sich  das  nicht  aasmaohen,  soweit  man  mit  bloss 
graphischer  nichtschreibung  von  vocalen  za  thun  hat.  YgL  StolpHist 
gramm.  I  20  u.  207. 


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Zur  geschiebte  der  lateiniBchen  vocalsynkope.  191 

tisch,  dessen  nebenform  alüus  eise  analogische  neubildung  nach 
monUm,  genitus  u.  dgL  ist 

aUer  aus  *aliiero8,  es  verhält  sich  zu  *€Uio8  wie  lat.  dexUr 
("-  *  deJcn-iero-a)  zu  gr.  de^ioq  'rechts'. 

fidca  statt  fulica  ^blässhuhn'  ist  nach  Skutsch  I  113  in 
einem  verse  des  Furius  Antias  bei  Gellius  18.  11.  4  zu  lesen. 

haUwo  'grosse  zehe'  (Löwe  prodr.  273)  nach  Schmidt 
Pluralbild.  183  aus  *hälo»dojik-$  oder  *hdli'(hiX>8.  Der  erste 
theil  dieses  compositums  ist  mit  asl.  goUim  'gross\  pol.  O'gH 
'der  allgemeine',  der  zweite  mit  an.  td,  ahd.  ziha  ^zehe'  (vgl. 
Kluge  Et  wb.  d.  d.  spr.  *  433)  zu  vergleichen. 

pöpidnus  pöpulneoa  aus  ^papoUnos  *pöpcline(i)o$  :  pöpulm 
'pappel'.  Vgl.  fagintM  :  fägns,  gr.  aw^ivog,  kavQivogf  g>^ivog. 
Nach  pöpdnus  {-neus)  ist  fictdnus  (-neus),  statt  des  zu  erwar- 
tenden *ficinos  (*'fieios)^  gebildet 

alna  aus  '^öl(ijnä  *ölena  »•  gr.  wlirrj  'ellenbogen'.  Dass 
die  laute  l,  n  in  ulna  erst  secuodär  zusammengekommen  sind, 
ergiebt  sich  aus  dem  unterbleiben  der  assimilation,  die  bei  ur- 
sprachlichem  In  regelmässig  eintritt:  vgl.  coUis  aus  *colnis  (lit 
kdlnas  'berg'),  oUus  aus  *olno8  (asl.  lanij  ce.  loni  4m  vorigen 
jähre'  aus  *olni).  Daher  ist  die  von  Meringer  Sitzber.  d. 
Wien.  akad.  GXXV  2,  42  (früher  auch  von  Brugmann  Morph, 
unt  2,  173,  jetzt  nicht  mehr,  vgl.  I  «  368  u.  424)  verfochtene 
annähme,  ulna  enthalte  die  Schwundstufe  -it-  wie  gr.  wlldv 
Ti^v  Tov  ßfoilavog  yiafirti^v  Hes.  (aus  ♦cäivo-v)  und  ai.  äni-f 
'zapfen  der  wagenachse'  (aus  *arni-8  —  idg.  *ölni'8),  abzu- 
lehnen. 

volnu8  vulnus:  gr.  diHiOeg'  aqnpisg  tj  ^äop  Sfioiov  fiekiaaij 
(Hes.),  ags.  cuelan  'sterben',  ahd.  quelan  'heftige  schmerzen 
haben'  quola  'faeklemmung,  marter',  airl.  at'ba<ll  'er  stirbt',  lit 
giUi  'stechen'  (von  der  biene)  gdanla  'stachel'  gdä  'schmerz', 
asl.  zcUh  'leid,  schmerz'.  Die  erhaltung  der  gruppe  In  weist, 
wie  bei  ulna,  auf  die  existenz  eines  ursprünglichen  lautes  zwi- 
schen l  und  n  hin.  Es  ist  daher  eine  basis  "^volenos-  "^vdenoa- 
anzusetzen:  vgl.  facinus  und  gr.  vifisvog  ^). 

1)  Nach  L.  Meyer  KZ.  XXIII  68  und  G.  Meyer  Gr.  gr.  *  137 
toll  tmlnus  mit  gr.  ovXfi  ^narbe,  zageheilte  wunde',  ai.  vrana»8  vrana^m 
'wunde,  schaden'  wü^^tma-m  ^durohbohrung'  verwandt  tein,  und  auf  eine 
WS.  *sffoyi-  (Schwundstufe:  ffjrt-  as  lat.  voln-,  gr.  /-oly-)  surüokgehen.  Nach 
Hoff  mann  o.  XYIII  292,  der  diese  ansieht  gutheisst,  sei  die   erhal- 


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199  Giuseppe  Giardi-Dupre 

caldus  soldua  valde  werden  unten  beeprooben. 

Die  Synkope  nach  l  fand  auch  in  griechischen  lehnwörtern 
statt:  Pollüces  (Plaut  Bacch.  894;  Poloces  CIL.  I  55  add.  s.  554; 
Polauces  Epfa.  Ep.  I  18;  dass.  Pollux  durch  volksetymologische 
Umbildung)  aus  *  P6l(u)deucg8 ,  gr.  noXvdevKf)g;  baln^m  (da- 
neben balineum)  aus  ^balaneom  ßaXaveiov  nebst  seinen  ablei* 
tungen  balneolum  balneäria  balnearius  (balinearium  CIL.  1 1166) 
balneätar  (balineator  Plaut.  Rud.  527  hs.)  u.  s.  w. 

Hier  seien  noch  einige  Wörter  erwähnt,  die  man  als  belege 
für  die  synkope  nach  l  citirt,  jedoch  mit  unrecht,  mdnes  er* 
achtens.  —  Osthoff  in  seiner  abhandlung  über  "dunkles  und 
helles  /  im  Lateinischen"  {Trans,  of  the  Ämer.  Phild.  Assoe, 
XXIV  [1893]  8.  50—65)  hat  das  gesetz  formulirt,  dass  e  vor 
l  +  consonant  (die  gruppen  U,  H  ausgeschlossen)  zu  o  wird, 
und  daraus  den  schluss  gezogen,  U,  Iv  seien  in  ceüis,  meltom 
(=5  'meliorem'  P.  ex  F.  122  ed.  Müller),  hdvos  erst  secundär, 
durch  Synkope  aus  ^celetis  (vgl.  yiveaig)^  "^mdetom  (rgl.  kXerogf 
axBl€t6g)y  *hde^os  (zu  *hel^08,  as.  gelo  gelwes,  ags  geolo,  lit 
zelvas  'grünlich'  wie  ion.  Tisveog,  kypr.  xevev/dr  zu  att.  xevog^ 
ion.  yL€Lv6g)  entstanden.  Diese  auffassung  ist  ganz  unrichtig. 
cdtis  ist  kaum  ein  altererbtes  wort:  es  kommt  erst  in  der  Vul- 
gata  vor,  und  ist  wahrscheinlich  ein  (keltisches?)  lehnwort 
(Skutsch  o.  XXII  126 f.)  ^).  Was  meUom  betrifft,  ist  seine 
existenz  selbst  zu  bezweifeln:  in  der  that  wurde  das  wort  mdtatn 
in  der  neuesten  von  l'hewrewk  de  Ponor  besorgten  aus- 
gäbe des  Festus  durch  die  lesart  meliosem  ersetzt  Die  her- 
leitung von  helvos  aus  *hd,e^os  ist  zwar  richtig,  der  Übergang 
aber  von  *hele^'  zu  helvo-  vollzog  sich  nicht  4urch  synkope, 
sondern  durch  reducierung  des  diphthongs  zu  monophthong, 
vgl,  denuö  aus  *d4  no^ö,  induö  hus  "^  indo^ö,  vidtM  9ms  *^idof^ 

tuDg  des  In  der  Bonantischen  natnr  des  /  zuznsohreibin,  wie  in  gr.  nü" 
vafitn,  nUvov*  ipa*6v.  Kvnqwi  Hes.  (vgL  60A.  1889  8.B97f.)«  Abgesehen 
davon,  dass  es  keinen  gmnd  gibt,  die  Bragmann'sohe  erkläning  des  -Iv- 
(I  ^  359)  abzuweisen ,  ist  die  zasammenstellong  des  ai.  vrantt-  mit  lat 
vointu  nnmöf:lich  geworden,  seitdem  Rozwadowski  Qnaest.  gramm. 
eto.  ser.  alt.  s.  8  nachgewiesen  hat,  dass  nrana-  ein  idg.  r  enthält  (vgl. 
poln.  rana  'vulnus  [ictnsf,  serb.  räna^  bulg.  slov.  rina^  poiab.  rnno,  ce. 
rSfta). 

1)  Vgl.  Terhandliuigen  der  Berlin,  gesellschaft  i  anÜuropologie  1894 
■>  861  ff.    B. 


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Zur  geschichte  der  lateinischeB  vocalsynkope.  193 

u.  dgL  Auf  äner  linie  mit  hdvas  steht  ervam  aus  ^erofiam 
*erogiHnn  (gr.  iifißivßog  o^oßag  'kichererbse').  —  Endlich  lasst 
Kretschmer  Einleit  i.  d.  gesch.  d.  griech.  spr.  164  tnalva 
aus  *mal(a)yM  ^inalagaä  (gr.  fialdxfj  'malwe')  herkommeDy  aber 
mit  unrecht,  denn  -oj-  vertritt  in  tnalva,  wie  in  palma  (gr. 
naXifitj^  airl.  Idm,  ahd. /bJma  *hand')  ein  idg.  langes/  (Brug- 
mann  I  s  479). 

[B]  nach  r: 

corgö  ('apud  antiquos  pro  adverbio  quod  est  profecto  po- 
nebatur'  Fest.  37)  *mit  der  richtung,  mit  recht,  fürwahr,  wahr- 
lich'. Es  handelt  sich  um  eine  erstarrte  casusform  mit  vorge- 
setzter Präposition  (vgl  gr.  ^nrodcJy,  vniQf^oQOP^  lat  Üieö  aus 
^inslocö,  denuö  aus  *(Un(wö,  profecto  aus  *pröfaetö,  lit  atgäl 
^zurück,  rückwärts'  zu  gäUu  *ende',  isztes  ^fürwahr'  zu  tesä 
^Wahrheit'  u.  s.  w.),  d.  h.  ein  *(r($m  regöj  woraus  zunächst 
*corr(e)gö  oder  *corr(i)gö.  —  Andere  derartige  bildungen  sind 
ergo  erga.  Ersteres  kommt  aus  *iregö  oder  *irogö  (vgl  toga  : 
tegö,  proeui  :  precor,  abl.  pondö  :  pendö  u.  s.  w.)  *aus  der 
richtung  SB  aus  dem  recht,  aus  dem  gründe:  daher,  desshalb, 
folglich,  also'  her  (Vanicek  Gr.  lat.  et.  wb.  778),  das  zweite 
aus  *i  rega  oder  ^^  roga  'aus  der  richtung  her,  in  der  rich- 
tung auf,  gegen  hin,  gegenüber'  (ebd.).  Die  ursprünglich  lokale 
bedeutung  lässt  sich  in  dieser  plautinischen  stelle  erkennen 
(Truc.  405):  tonstricem  Suram  |  novistin  nostram  quae  erga 
aedem  sese  habet? 

fermS  aus  *fer(i)inS,  Superlativ  zu  fers  (Lindsay  561, 
Stolz  206,  und  neuerdings  Sommer  IF.  XI  210,  der  Ver- 
wandtschaft mit  firmus  annimmt,  aber  nicht  denselben  stamm 
in  beiden  bildungen;  dagegen  Breal  Journal  des  Savants  1898 
8.  33  hält,  gewiss  mit  unrecht,  fermB  für  eine  doublette  von 
firme). 

fordue  kann  nicht  von  der  wurzel  bher-  'tragen'  getrennt 
werden  ^).    Ob   es  die   Zusammensetzung   des  nominalstammes 

1)  Niedermann  IF.  X  227  hält  fardue  für  identisch  mit  ai.  gar- 
hhadhd"  Meibesfraeht  gebend,  schwängernd'  (sa  gärbha-^  Meibesfruoht',  gr. 
ßifiiffog  ^fnicht  im  mntterleib',  «sl.  XrK^  ^füllen')  nnd  setzt  einen  stamm 
*g^orbh4hdh6-8  an,  woraus  *i(orb(iJdo9  *^orhdoa  *uordo»,  endlich  durch 
voUuetymologische  aolehnang  vi/errs  (vgl.  farmieay  nach  N.  ans  *ffor- 
miea  ^  ai.  vahn^ka-s  ^ameisenhanfe')  ^fardoe.  Eine  solche  etymologie 
kann  ich  nicht  ab  richtig  betrachten,  denn  ioh  glavbe  nicht,  die  aaf- 


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194  Giuseppe  Ciardi-Dupre 

*bhoro-  oder  ^bhorOr  (gr.  tfoqa)  mit  einem  -<2Ao-  bzw.  -(fo- 
yertrete, wie  Skutsch  1^46  anoimmt,  oder  eine  ableitang  von 
*foreö  (gr.  g>OQeü}),  wie  tarridus  von  torreö  sei,  lasse  ich  dahin 
gestellt  sein. 

hömos  aus  *höiörino8.  Zu  gründe  liegt  die  als  adverbium 
erstarrte  instrumentalform  *hö  iörö  'heuer'  (ahd.  hiuru  aus 
hiu  järu)  :  av.  yärd^  got.  jer,  aisl.  rfr,  ahd.  jar  *jahr'  *). 

hortor  aus  *horitor  (3.  sg.  horiMur  bei  Diomedes  OLE. 
I  382.  23).    Frequentativ  zu  *  hortor  (horitur  3.  sg.  ebd.). 

lardutn  neben  dem  seltner  belegten  laridum  (vgl.  Georges 
Lex.  d.  lat  wf.  s.  v.),  aus  *laridom  :  gr.  läglvog  'fett',  dessen 
Wurzel  fal-  in  klru.  öe.  loj  'speck'  wiederkommt.  —  Fälschlich 
setzt  W harten  Academy  681  eine  basis  ^däsidom  an,  und 
vergleicht  diese  mit  gr.  drjfiog  'fett'  aus  *daa/46g^). 

morbm  aus  ^moro-dho-s  :  ai.  mära-  'tötend,  verderbend' 
mara-s  'tod,  pestilenz',  lit.  märas  'tod,  pest'  (Solmsen  KZ. 
XXXIV  31). 

portö  aus  "^poritö  :  *poreö  (—  idg.  *porij[ö  'ich  bringe 
hinüber,  schaffe  herbei',  ai.  pärdyati  'er  geleitet  hindurch',  got. 
farjan  'fahren,  schiffen')  wie  monitö  zu  moneö.  Man  hat  es  mit 
der  Wurzel  per-  'durchdringen,  hinübergehen'  zu  thun,  die  in 
den  indogermanischen  sprachen  öfters  belegt  ist:  ai.  piparti  'er 
setzt  hinüber,  führt  hinaus'  pärä-  'hinüberfahrend',  gr.  nBifw 
'durchdringe,  durchbohre'  noqog  'durchgang,  Übergang,  weg' 
Ttegdoi  'dringe  durch'  rteQä  'weiter*  Ttigav  'jenseits',  lat  peritus 
'er&hren',  got.  faran  'wundem,  ziehen',  aisl.  fara  'sich  be- 
wegen', ags.  faran  'sich  fortbewegen',  got.  fairra,  aisl.  fjarre, 
ags.  feor  'fern,  weg',  asl.  perq  'ich  durchmesse  einen  räum, 
fahre'. 

fastang  von  fordui  ('bos  forda  qnod  fert  in  ventre'  Yarro  LL.  6.  15) 
sei  dem  volke  geläufig,  ebensowenig  diejenige  ron  fonniea,  die  bei  Ser- 
vias ad  Aen.  4.  402  angefahrt  wird:  'sane  formiea  diota  ab  eo  qaod 
ore  micas  ferat'. 

1)  Ob  gr.  A^g  'jähr'  S^ä  ^Jahreszeit,  zeit'  hierher  gehört,  wie 
6.  Meyer  Gr.  gr.  "  §  214  und  Prellwitz  Et.  wb.  d.  gr.  spr.  370, 
nach  Pott  and  Gartius,  annehmen,  oder  za  ai.  v^o-« 'Wochentag'  zu 
stellen  ist,  lässt  sich  mit  Sicherheit  nicht  entscheiden. 

2)  Nach  einer  besseren  etymologie  ist  ^rifi6s  (arspr.  'brennbarer 
stofT)  auf  *Sa^fA6g  zaräckzufElhren  und  mit  <fff/«i  'brenne'  (aas  *&«^im) 
Otitis,  Saog  'fackeP  ai.  dun&ti  'brennt,  qa&lt'  zu  vergleichen. 


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Zar  geschichte  der  lateinischen  vocalsynkope.  195 

purgö  wohl  aus  pürigö,  vgl.  elärigö.  Die  lesart  pürigö  ist 
bei  Varro  r.  r.  2.  4.  14  in  zwei  hss.  bezeugt.  Bei  Plantus: 
expürigö  (Capt  616,  Mil.  497  u.  517),  perpürigö  (Mil.  774). 

*8ordu8  (wozu  Bordidus  wie  fiaccidus  zu  flaecus,  squälidus 
zu  it^tto/ti«,  vIt'idM«  zu  vivus  u.  8.  w.)  aus  ^äorthdluhs  (oder 
^soro-do-s?)  :  ru.  «or»  'schmutz,  dünger'  (Pokrowskij  KZ. 
XXXV  232f.;  anders  Niedermann  IF.  X  230,  der  an  der 
alten  etjmologie  [got.  swarts  'schwarz']  festhält). 

surculus  ('summ  dicebant  ex  quo  per  deminutionem  fit 
surculus*.  P.  ex  F.  423)  aus  ^suroqda-s:  deminutiv  zu  stirus 
'pfähl'  ^). 

virtüs  aus  ^'^iro-tüt-  zu  *^irO'  wie  servüüs  zu  servo-s. 

Hierher  auch  die  nominalstämme  car-n-  und  far-  (^bhar-s-). 
Die  ursprachlicbe  abstufung  der  en^  und  ««-stamme  ist  dadurch 
gestört,  dass  bald  die  eine,  bald  die  andere  stufe  sich  auf  kosten 
der  übrigen  verallgemeinert  hat,  und  die  entstehung  von  ver- 
schiedenen Paradigmen  verursacht.  Z.  b.  in  homö  hominis 
(=  *hoin^n^  od.  *hainSn^),  ordö  ordinis  (=  *ordenfy  od. 
^ordonSa)^  genus  generia  (=  *genä8&)y  tempus  iempcris  (= 
^tempos^)  hat  die  ^  ev.  die  ^stufe  den  vortheil  über  die 
übrigen  gehabt.  Dagegen  in  edö  edöniSj  Uro  iirönis,  honor 
(honös)  honoris  (as  *honöses)  wurde  die  dehnstufe  verallge- 
meinert. Von  vornherein  gibt  es  kein  hindemiss,  die  stamme 
car-fi-  und  ^far-s-  aus  der  Verbreitung  der  nullstufe  zu  er- 
klären, aber  die  thatsache,  dass  sonst  die  Verallgemeinerung 
dieser  stufe  im  Lat  ein  unbekannter  Vorgang  ist,  legt  die  an- 
nähme nahe,  dass  das  zusammenfallen  der  enn  (bezw.  es-)  mit 
der  «-  (bezw.  »-)stufe  von  der  Synkope  verursacht  wurde.  Ob 
farina  (zunächst  aus  *farrina  ^farsina)  auf  ^hhar-s-lnä  (asl. 
hraäbno  aus  ursl.  *borshno)  oder  auf  *bhar'(e)S'inä  (got.  bari- 
zeins  'gersten')  zurückgeht,  lässt  sich  nicht  ausmachen. 

Aus  den  composita  von  rapid,  die  gewöhnlich  keine  Syn- 
kope aufweisen  (arripiö  corripiö  dXripiö  usw.,  wahrscheinlich 
nach  der  analogie  zwischen  arripiö  :  arrepius  und  accipiö  : 
aceeptus,  confieiö :  confectus)^  kommen  hier  in  betracht:  surpere 
(die  belege  bei   Georges  Lat.  wf.  s.  v.;   dazu   surpuit  Martial 

1)  Die  kürze  des  u  hat  Stowasser  Comm.  Wölfflin.  25 ff.  nach- 
gewiesen. «ürtM  verhalt  sich  sa  ai.  tvdru-ß  'opferpfosten*  wie  gr.  vnvo^ 
Qz  ai.  tmöfna-B  'schlaf,  träum',  lat  somnm. 


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196  Giuseppe  Ciardi-Dupre 

12.  29.  10  u.  12);  Srpe  (in  Plaut.  St  716  statt  des  überlieferten 
eripe  von  Skutsch  I  36  anm.  wiederhergestellt).  Von  einem 
adjektiy  *ii8ü'r('a)p0'  (wobei  ^rapo-i  rapid  wie  *capo-  [pccupö, 
nüncupo]  :  capto)  ist  üsürpö  hergekommen. 

Die  composita  von  regö  haben  theils  die  synkopierte,  theils 
die  unsjnkopierte  form:  pergö  pargö  surgö,  aber  anrigö  carrigö 
dhrigö  erigö  porrigö  surrigö.  Es  ist  bemerkenswert,  dass  letz- 
tere nur  transitive  bedeutung  haben,  erstere  überhaupt  die 
intransitivische  >).  Das  erklärt  sich  meines  erachtens  dadurch, 
dass  der  Zusammenhang  zwischen  regö  und  seinen  composita, 
dessen  bewusstsein  die  erhaltung  ev.  Wiederherstellung  des  vo- 
cals  in  erigö  porrigö  usw.  zuzuschreiben  ist,  bei  intransitivischem 
sinne  minder  durchsichtig  geworden  war. 

Die  Synkope  nach  liquida  ist  auch  in  den  oskisch-umbri- 
schen  dialekten  bezeugt:  vgl.  culchna  (auf  einem  campanischen 
thongefässe)  aus  gr.  xvUxvti  (woher  auch  lat.  culigna  entlehnt 
ist)  'kleiner  kelch',  und  die  umbr.  imperative  kartu  'distri- 
buito'  kumaUu  comdiu  'commolito'  veltu  'deligito  vel  sim.' 
ehudtu  'edicito,  iubeto*  holtu  *?'  amboUu  **ambulito'  [zu  ambu- 
lätö  wie  lavitö  zu  lavätö]  arpeUu  'adpellito'.  Prinzipiell  steht 
also  nichts  im  wege  anzunehmen,  dass  die  anfange  der  Synkope 
nach  liquida  auf  die  italische  urzeit  zurückgehen.  Was  die  ein- 
zelnen besprochenen  beispiele  anlangt,  kann  man  freilich  daraus 
keine  sichere  folgerung  ziehen,  denn  das  gesetz,  wonach  ein 
vocal  nach  liquida  ausgestossen  wurde,  galt  auch  noch  im 
sonderleben  des  Lateins  und  wirkte  in  verschiedenen  Zeiten. 
Z.  b.  ist  die  synkope  in  olfaciö  (ss  *olefdciö)  jünger  als  die 
lateinische  akzentverschiebung:  dass  sie  unter  der  älteren  be- 
tonung  nicht  stattfinden  konnte,  darauf  weist  der  umstand  hin, 
dass  eine  solche  Zusammensetzung  in  jener  periode  noch  nicht 
zu  fester  worteinheit  verwachsen  war,  wie  aus  der  nichtschwä- 
chung  des  ä  (vgl.  conficiö  aus  *  cönfaciö  u.  dgl.)  erhellt  Gleich- 
wie in  olfaciö  ist  die  synkope  in  calfaciö  (s.  die  beispiele  bei 
De  ecke  Facere  und  fieri  s.  47)  neben  caUfaciö,  und  arfaciö 
(Cato  r.  r.  69.  1  und  157.  12)  zu  beurtheilen. 

In  einer  reihe  Wörter  ist  die  vocalausstossung  jünger  als 
der  rhotacismus: 

1)  S.  bei  Georges  Lat.  Wf.  8.  v.  die  belege  för  porgö  »  pcrrigö. 
Seltener  kommt  nurgö  in  der  bedeutung  von  mirrtge  (z.  b.  Plant  Epid. 
vcbluasvers;  hmbot  $urgiU  tAque  ^xtoliiU)  vor. 


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Zur  gescbichte  der  lateinischen  vocalsynkope.  197 

ardus  (LuciL  27,  40  ed.  M.,  CIL.  I  577»,",  femer,  nach 
Skutsch  I  43,  Plaut.  Aulul.  27,  Pers.  266)  neben  äridus  aus 
^asidaa  :  äreö  'bin  dürr'  asaus  ara  (altl.  äsa)  'Scheiterhaufen, 
altar'  (eigentl.  'brandstätte') ,  to.  (uify  marr.  awm  u.  aso,  ai. 
d$a-s  'asche,  staub'  (Osthoff  PBB.  XIII  396)  lit.  aiaüs  (:  08- 
-  lit.  aitrüs  :  lat.  ««r.    Prell witz  o.  XXI  71flf.). 

iurgö  iurgium  aus  ^io^s-agö,  -io^m.  Es  ist  ein  composituni 
aas  der  wz.  ag-  (vgl.  den  aufsatz  L.  Meyer's  o.  VI  130 — 137). 
Die  unsjnkopierte  form  obiurigandum  in  Plaut  Merc.  118  (vgl. 
Ritschi  opusc.  philol.  II  426  £). 

örtms  aus  *örinoB  ««  ^örinos  oder  ^ösenos  :  gr.  [ax<^]W^ 
•weisspappel'  (Fick  Vgl.  wb.  I  *  373  und  o.  XVI  171,  Prell- 
witz Et.  wb.  d.  gr.  spr.  42  und  o.  XXIV  106,  Johansson 
IF.  U  52),  air.  humnius,  nkym.  (mnen  'esche'  (Brugmann 
I  '  772),  lit.  ^'ritf  asL  ja»em  jasenb  'esche'  (Solmsen  KZ. 
XXXIV  32  anm.,  Pedersen  IF.  V  44f.,  Brugmann  a.  a.  o.). 

vema  ans  *v€rina  —  *^e8inä  'der  im  haus  geborene 
Sklave'  :  ai.  ikbati  'er  verweilt,  wohnt',  got.  wisan,  ahd.  tvuan 
'bleiben,  verweilen,  sein'  ^). 

Ob  veUmus  aus  ^^iterinos  (zu  väus,  gr.  Stog  'jähr',  ai. 
vatoä'S  'Jüngling'  usw.)  herkommt,  oder  nach  alUmus,  paiernus 
u.  dgl.  gebildet  ist,  bleibt  unsicher. 

Endlich  ist  die  synkope  in  caldus,  scldua,  vaHie  später  ein- 
getreten als  in  hdUux  PMüx,  wie  das  unterbleiben  der  assimi- 
lation  von  Id  za  U  uns  lehrt. 

§  3.  Einige  forscher  nehmen  an,  die  synkope  nach  liquida 
sei  nicht  ohne  mitwirkung  anderer  &ktoren  eingetreten,  und 
die  unsynkopierten  formen  calidus,  gdidus,  spirüus  usw.  seien 
ebenso  lautgesetzlich  wie  ealdus,  vald^y  hömu9,  sutyö  usw.  ent- 
standen, unter  anderen  bedingungen  als  diejenigen,  die  die  syn- 
kope verursachten.    Zwei  theorien  wurden  vorgeschlagen. 

Von  Planta  I  214  hat  im  Umbrischen  einem  auffallenden 
gegensatz   zwischen   dem  imperativ  auf  -etöd  (-Uöd)  und  dem 

1)  Conway  Vemer's  law  in  Italy  5  and  Walter  Bhotaeism  in 
the  oid  italiftn  langnages  14  setcen  einen  stamm  *i7Mnd  an,  denn  de 
nehmen  einen  lantwandel  von  sn  za  m  an,  was  auch  Deeoke  Falisker 
188  {Faiemu9  ans  *Fäluno8y  etuvema  aas  *edv€9na)  sagiebt,  m.  e.  nn- 
richtig.  Ohne  rareicfaende  gründe  trennt  Fröhde  BB.  XVI  212  vema 
von  der  ws.  fMt-  'wohnen'  and  vergleicht  es  mit  lit.  w^pat  'leibeigner* 
io«r^tfi€  'leibeigenschaft'. 


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Id8  Giuseppe  Ciardi-Dupre 

particip  auf  -eto-  (-ito-)  bemerkt:  das  ^  (I),  das  im  imperativ 
(mit  ausnähme  der  n-stämme)  regelmässig  synkopiert  wird,  ist 
im  particip  durchaus  erhalten,  z.  b.  impt  aüu  =  *agetöd, 
deku  =  *deiketöd,  dirstu  =  *didetöd,  aber  particip  muieto  — 
*fntigetom,  maletu  =  *maletomj  o&eto  =  *ap8etä.  Daraus 
glaubt  er  die  folgerung  ziehen  zu  können,  der  unterschied 
hänge  von  der  natur  der  endung  ab:  "Im  imperativ  stand  das 
^  zwischen  dem  hauptton  und  der  gewichtigen  endung  -töd 
'tüdy  während  im  part.  sicher  im  nom.  sg.  masc.  auf  -ta  aus 
'tos  (tagez,  *8eg€z,  *malez  etc.),  vielleicht  auch  vor  anderen 
leichten  endungen  wie  z.  b.  --otn  die  synkope  unterblieb  und  e 
von  hier  aus  dann  auch  in  die  übrigen  casus  eingeführt  werden 
konnte,  so  nom.  pl.  tas&Ur  abL  pl.  vuf&ss  prosesUir  (für  den 
abl.  sg.  fehlen  beispiele)".  Danach  *)  scheint  von  Planta  die 
vermuthung  möglich,  dass  lateinische  doubletten  wie  calidus 
cdldus  aus  einem  urlateinischen  paradigma  nom.  sg.  *calidos 
acc.  *  calidom  gen.  cald^  abl.  caldö  (adv.  calds)  usw.  zu  erklären 
seien.  Stolz  203  (und  IF.  IV  233  fif.)  und  Sommer  IF. 
XI  4£f.  haben  sich  dieser  theorie  angeschlossen;  Sommer  aber 
nimmt  an  "dass  synkopierung  eines  zur  zeit  der  uritalischen 
an£angsbetonung  auf  die  akzentuierte  silbe  folgenden  kurzen 
vocales  hauptsächlich  dann  erfolgen  konnte,  wenn  dahinter  noch 
mehr  als  eine  more  stand;  es  wäre  dann  ganz  gleich,  ob  das 
quantitätsthema  des  betrefiPenden  wertes  j^lu.,  Akj^jkj  oder 
Asj^Kj  usw.  gewesen  war".  Ein  hübsches  beispiel  dieses  ge- 
setzes  sei  das  pron.  alter  =  ^dU-t^ro-s  gegenüber  dem  adv. 
iti4ir.  —  Andrerseits  glauben  Osthoff  Arch.  f.  lat  lex.  IV 
464 f.  und  Skutsch  I  46 ff.,  das  Sprechtempo  habe  bei  der 
synkope  eine  rolle  gespielt:  ärdus  sei  'eine  schnellsprechform', 
äridtis  'eine  form  der  geringeren  geschwindigkeit',  was  man  mit 
anderen  werten  eine  allegro-  bezw.  lentoform  nennen  kann. 
—  Ich  weise  beide  hypothesen  zurück,  indem  der  einfluss  der 
analogie  bei  den  unsynkopierten  formen  mir  unverleugbar  er- 

1)  Di«se  hypothese  einer  n&faeren  prafung  unterwerfen  kann  ich 
angenblioklicb  nicht  Beiläufig  sei  darauf  hingewiesen,  dass  maletu,  das 
von  Planta  durch  *moläum'  wiedergiebt  nnd  dem  impt.  kufnaUu  eotnoUu 
entgegenstellt,  von  Gonway  Italic  dialects  681  fQr  einen  imperativ  (za 
-moftci  wie  lat.  fertiHö  ea  ferväö)  gehalten  wird.  Vielleicht  ist  es  nicht 
anmöglich,  dass  andere  imperative  anf  -eto  -etu  an  i-stanune  ansn- 
reihen  sind. 


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Zur  geschichte  der  lateinischen  vocalsynkope.  199 

scheint.  In  der  Üiat  gehören  alle  Wörter,  bei  denen  die  ^n- 
kope  unterbleibt f  bestimmten  kategorien  an,  wobei  die  Wörter, 
die  der  Synkope  unfähig  waren,  die  übrigen  davon  zurückhalten 
konnten,  d.  h.  [1]  nomina  auf  «ico-  :  aliea,  fulica,  pärieus, 
viUcus  u.  dgl.;  [2]  participia  auf  -t-to-  :  abolüua,  merüua; 
[3]  nomina  auf  -tu-  :  aliiuB  'nährung',  ankäüus,  spfritus;  [4] 
nomina  agentis  auf  -tor^ :  holitor;  [5]  abstrakta  auf  -tat :  amä- 
Titas,  Caritas,  crüdäiiäs  usw.  ^);  [6]  adverba  auf  4us  :  caditus, 
gentüüits,  octditus;  [7]  adverbia  auf  4er  :  alüer,  celerüer,  da- 
riter  usw.;  [8]  verba  frequentativa:  quaeritöj  valüöj  vclitö;  [9] 
zusammengesetzte  verba  aus  legö  (eoUigö,  dUigö  usw.),  ligö 
{alügö,  eoUigö  usw.),  linö  (illinö,  relinö),  rapid  (arripiö,  eorripiö 
osw.),  regö  (arrigö,  dirigö  usw.)  etc.  Umgekehrt  waren  die  Wörter, 
wo  die  Synkope  eintrat,  isoliert  und  daher  analogischen  ein- 
flüssen  unausgesetzt.  Bei  hcdUtx  hamus  ornus  vema  gab  es 
keinen  anhält  zur  bewahrung  des  vokales;  bei  volnus  war  das 
einzige  fcunnus  unfähig  eine  Wirkung  auszuüben.  Entscheidend 
scheinen  mir  hartar,  partö,  fordus.  Warum  quaeritö,  volitö  aber 
hartor,  partö?  Durch  das  verhaltniss  quaeritö  :  quaerö,  volitö  : 
vdö,  wurde  der  charakter  eines  frequentativum  für  quaeritö 
und  volüö  bestätigt,  und  die  endung  -itö  (vgl.  habitö  :  habeö, 
vamUö  :  namö  u.  dgl.)  als  dessen  kennzeichen  empfunden.  Da- 
gegen, bei  mangel  an  einem  ^poreö,  *horior  (letzteres  gerieth 
früh  ausser  gebrauch),  wurden  hartor,  partö  nicht  mehr  als 
frequentativa  angesehen.  Ebensowenig  konnte,  da  ein  *fareö 
(a.  gr.  (poQiaf)  oder  *forus  (:  gr.  q>OQd)  nicht  vorhanden  war, 
*farida8  in  candidus  :  candeö  candar,  mücidus  :  mücus,  tnor- 
bidus  :  morbus  u.  dgl.  einen  schütz  vor  der  Synkope  finden. 

Dass  die  erhaltung  des  vokales  analogischen  einflüssen  zu- 
zuschreiben ist,  dafür  spricht  auch  der  umstand,  dass,  wenn 
synkopierte  und  nichtsynkopierte  formen  nebeneinander  stehen, 
letztere  überhaupt  der  hochsprache,  erstere  der  Umgangs-  bezw. 
der  Volkssprache  angehören  *).  Eine  bekannte  stelle  Quintilians 
(inst  orat  1,  6,  19)  ist  darüber  lehrreich:  ''Sed  Augustus 
quoque  in  epistolis  ad   C.  Caesarem  scriptis  emendat,   quod  is 

1)  Wie  könnte  man  in  quaeritö  qua&ritäre,  volitö  volitäre,  sowie  in 
den  abstrakta  aaf  'täs  (gen.  -tstss  usw.),  die  erhaltong  des  r  durch  die 
Planta-Stols-Sommer'sche  theorie  erklären? 

2)  Skatsch  I  46  ff.  hat  diesen  umstand  anerkannt:  er  findet  aber 
darin  eine  stütce  f&r  seine  lehre  des  Sprachtempos,  m.  e.  nnriehtig. 


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äÖO  Giuseppe  Giardi-Dupre 

calidum  dioere  quam  caldum  malit,  non  quia  id  non  sit  latinabi, 
sed  quia  odiosum  sit  et,  ut  ipse  Graeco  verbo  significavit,  ne- 
QleQyop^\  Daraus  ergibt  sich,  dass  calidua  statt  caldus  zur 
zeit  des  Augustus  als  ein  veraltetes  im  umgang  zu  yermeidendes 
wort  angesehen  wurde.  Unter  den  von  der  App.  Pr.  GLK. 
IV  198  verpönten  Wertformen  findet  man  calda  und  virdia.  Die 
romanischen  sprachen  weisen  auf  synkopierte  lateinische  gnind- 
formen  hin:  z.  b.  ermu  (it.  ermo,  sp.  yermo,  mm.  ermu)^  virde 
(iL  sp.  rum.  verde,  fr.  vert),  caldu  (it  sp.  caldo,  fr.  ckaud, 
rum.  cdld),  eoldu  (it.  sMo,  fr.  stmd,  sp.  s9$eldo)  usw.  i).  Fand 
die  erhaltung  des  vokals  in  alUer,  dürü&'j  äridue,  calidus  u.  dgl. 
durch  anlehnung  an  gewisse  wortkategorien  statt,  ist  es  selbstr 
verständlich,  dass  sie  von  der  grammatischen  gelehrsamkeit 
der  sprechenden  abhing,  und  daher  vorzugsweise  in  der  spräche 
der  gebildeten  kreise  zu  erwarten  ist. 

§  4.  Als  beispiele  der  synkope  nach  nasalis  sind  folgende 
Wörter  anzuführen: 

jünctis   aus    ^joinicos :    m.   ir.    aain,    gen.   atne    (stamm 

mantö  (^mantare  saepe  mauere'  P.  ex  F.  119)  aus  *fnanito 
zu  maneö  wie  tnanitö  zu  moneö.  Mit  mantö  ist  ommentans  (Liv. 
Andren,  bei  Fest  218),  Mantuma  (zu  *mantor  wie  Plausumius 
zu  plausor)  zu  erwähnen. 

nüneupö  aus  *nom(hcapö.  Der  erste  theil  weist  den  ersatz 
eines  n-  durch  einen  o-stamm  auf,  was  in  Zusammensetzungen  kein 
seltner  Vorgang  ist:  vgl.  Aomici(ia  ans  ^hdnuhcaidä,  sanguUsüga 
(zu  eangtuen-,  denn  sanguh  ist  eine  nenbildung),  al^o-ßaqn^g^ 
axfiO'OsToy  usw.  (Brugmann  11  26). 

panceps  (SXxog  xnjvavg  iTritQoxrjXlov  Gloss.  Philox.  141.  48) 
aus  *pan<hcaih8  :  panus  *diiise'  (P.  ex  F.  276). 

prandium  aus  ^präm-edioin  (Hirt  Idg.  ablaut  83). 

princepe  aus  ^primo-cap-s, 

säibra  aus  *8^ini4ibra  über  *siUibra.  Infolge  derakzent- 
Verschiebung  fand  die  Vereinfachung  des  U  statt:  vgl.  mamilta 
(zu  tnamma)  aus  *mammtlla. 

essqui-,  sestetiius  aus  *8emisque-f  *semütertios. 

sineiptU.  Es  wird  nach  der  gewöhnlichen  annähme,  die 
auf  die   alten    grammatiker  zurückgeht  (vgl.  Diomedes  GLK. 

l)Me7er-Lübke  Gramm,  d.  roman.  sprachen  I  261  (vgl.  anoh  54). 

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Zur  geschichte  der  lateinischen  vocalsynkope.  201 

1 436,  Velins  Longus  VIT  7),  als  ^simi-caput  aufgefasst.  Neuer- 
dings aber  hat  Wackernagel  (bei  Niedermann  £  nnd  I 
im  Lateinischen  31)  eine  Tcrschiedene  erklärung  vorgeschlagen, 
denn  er  nimmt  an,  sincipui  sei  aus  * si^ino-eapia  entstanden. 
In  lautlicher  rücksicht  sind  beide  erklärungen  zulässig  ^)f  was 
die  bedentung  betrifft,  ist  die  Wackemagersche  wahrschein- 
licher. 

Hnea  aus  "^timica  :  ai.  timi^  'fisch,  ranbfisch'.  Dieses 
wort  kommt  zuerst  als  eigenname  bei  Cicero  Brut  172  und 
Quintilianus  1.  5.  12  vor,  dann  als  fischname  bei  Auson.  Mo- 
seila 125.  In  letzterer  bedeutung  lebt's  im  Bomanischen  fort: 
ital.  sard.  iinca  prov.  tenca. 

aUus  (niUlua)  aus  *oxno*l(h8. 

ündecim  aus  ^ü'nomdecem  bezw.  *ü'nazdecem  *)• 

vendö  aus  *venamdö,  woneben  venum  dö  (dare)  eine  neu- 
bildung  ist. 

vindemia  aus  ^fftno^emia. 

Hierher  gehören  auch  die  deminutiva  auf  -ellus,  -^Uus, 
•dlus,  "öilua  z.  b.  g&mdlus  aus  *g€men(o)los,  femeUa  aus  */^- 
mm(o)lä,  eatäla  aus  *catSn(o)la,  lupUlus  aus  *lupfn(ojlo8, 
suUlus  aus  *8u§n(o)loSj  vülum  aus  *vln(o)lom,  persöUa  aus 
*per9on(o)lä,  caröUa  aus  *corän(o)lä. 

Sehr  unsicher  sind  folgende  beispiele: 

anqufrö  aus  ^dnc^quaisö  nach  Lindsay  578,  aber  aus 
*ämbküquai8ö  nach  Stolz  390.  Beide  annahmen  sind  mög- 
lich. —  Wahrscheinlicher  ist  die  herleitung  von  anhmna  aus 
^dna-tem-na  (anders  freilich  Stolz  308).  Ganz  fraglich  ist  die 
bildung  von  ante^arii  v.  Planta  I  475  setzt  ein  ^ana-teäärT 
voraus,  dag^en  Brugmann  I  *  861  *anti'testäri;  Lindsay 
578  hält  beide  annahmen  für  möglich. 

cante  statt  canüe  kommt  in  einem  bruchstücke  des  Carmen 
Saliare  vor,  doch  bleibt  es  unsicher  ob  man  mit  einer  synko- 

1)  Der  laatliche  gegen  die  ableitnng  aas  *tami^aput  von  W.  er- 
hobene einwand,  dass  der  Übergang  von  'ene-  su  -ine-  den  lateinischen 
lantgesetzen  wiedersprioht,  ist  nioht  Qberzengend,  denn  der  wandel  von 
•öfie-  sn  -üne-  {nuneupo)  liefert  tn  -fne-  «>  -Sfie-  eine  gute  parallele. 

2)  Von  einer  grandform  * oj^forn-dekifi  aaszugehen,  wie  Bartho- 
lomae  Grd.  d.  iran.  phil.  I  1.  112,  hat  man  keinen  grand,  denn  der 
stamm  *oj^  'ein'  (av.  aüoth  ap.  aivo-  '^in'  gr.  olog  kypr.  olsog  'allein') 
scheint  im  Lat.  yölli|f  antergangen  sa  sein. 

Btlttlf«  s.  Imiid«  d.  iadff.  ipiMkMi.  XXVI.  14 


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202  Giuseppe  Ciardi-Dupre 

pierten  form  zu  thun  bat,  denn  ea  kann  ein  überbleihsel  der 
athematischen  flexion  sein  i).  JedenfallSf  hat  das  gewöhnliche 
canüe  durch  systemzwang  das  i  bewahrt^ev.  .wieder  hergestellt. 

tnanceps  (gen.  mancupis  usw.)  fAancupö,  mancupium  aus 
^manu-cajh.  Neben  manu-  (lat  mant^,  umbr.  mänuve  %  manu') 
existierte  der  stamm  man'  (umbr.  manf  'manüs'  (acc),  aisl.  mund 
'band',  ags.  mund,  ahd.  munt  'schütz,  band'),  und  von  vorn- 
herein steht  nichts  im  wege  anzunehmen,  manöeps  u.  s.  m.  B&egi 
aus  dem  letzteren  gebildet  Die  umfärbung  aber  dee  wime^- 
haften  a  zu  ti  setzt  den  einüuss  eines  tf-vocals  {u,  o,  au}  in  der 
vorausgehenden  silbe  voraus  (Parodi,  St  itol.  di  filal.  class. 
I  411  f.).  In  mantdum  (aus  ^-terg-^Ao-m)  mantätum  (woraus 
mantile  und,  nach  monfle,  fnaniüe)  fnanciolus  (maficioU»'  tenellis 
Laev.  bei  Gellius  19.  7)  mcdlutium  mansuSius,  wo  jenes  krite- 
rium  unterbleibt,  kann  man  sowohl  *manu^  als  *inan'  ansetzen. 

Es  ist  bemerkenswerth,  dass  die  synkope  nach  nasalis  nicht 
nur  in  offener  silbe,  wie  nach  liquidä  eintritt,  sondern  auch  vor 
gewissen  kousonantengriippen,  namentlich  vor  fid  und  H  {zd?), 
vgl.  vendö  aus  ^venomdö,  undecim  aus  *unoindeeem  (od. 
*ü'nozdecem?)^  sSsqui-  aus  ^stmisque,  898terHu8  aus  * stmist^tios. 
Daraus  folgt  die  möglichkeit  das  plautinische  fnifff$fium  für 
ministerium  durch  regelmässige  synköpe  zu  erklären:  daiin  wäre 
minister  ministerium  von  magister  magisterium  gestützt. 

Umgekehrt  ist  das  gebiet  dieser  art  synkope  dadurch  be- 
schränkt, dass  sie  dann  unterbleibt,  wenn  eine  zweite  nasalis 
nach  dem  vocale  liegt.  —  Dass  der  vokal  in  n-^iH  erhalten 
bleibt,  ist  keinem  zweifei  unterworfen  *).  Für  •  m — it  liefern 
fSmina  (eigl  'die  gesogene'  :  feläre,  gr.  di^aaro  *er  sog*,  Ofjh] 
'mutterbrust'  usw.);  flemim  (zu  norw.  bkema  'hautbläschen', 
dial.  schw.  bläna   aus    wz.  bhU-  'schwellen'   {Persson  Stud.  z. 

1)  Die  lesart  eonU  wird  die  richtige  sein?  Man  hat  auch  mit  der 
möglichkeit  einer  falschen  Überlieferang  su  rechnen ,  wenn  es  sich  nm 
das  Carmen  Saliare  handelt. 

2)  FfeiKch  versacht  Wharton  Class.  Rev.  VI  11  f.  fMrmm  aas  *jiä»- 
mi  *nönCtJmä  henaleiten,  erdenkt  aber  nicht  (ebd.  268  f.)  an  eine  kot- 
gesetzliche  entwicklang  von  *nänmS  aas  *9iöntma,  sondern  nimmt  an, 
grSma  'sarveyor's  pole'  and  forma  'oatline'  haben  den  trieb  geg^>en, 
aas  *ndnima  ein  zweisilbiges  wort  za  machen,  unrichtig  ist  die  von 
Lindsay  271  vorgeschlagene  herleitang  von  earmenffermen  aas  ^eamfi}- 
fiMfi,  *gen($}men. 


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Zur  geschichte  der  lateinischen  yoealsynkope.         203 

lehre  y.  d.  wnrzelerw.  n.  wurzelvar.  173],  nicht  zu  gr.  ^^- 
juoyf/);  geminm;  ründnö;  coniäminö;  eöminus;  etninus,  und  die 
endnng  -mini  der  2a  plur.  pA88.  den  beweis.  Die  ausnahmen 
sind  nur  sdieinbar,  denn  alumnm  (eigentl.  part.  pass.  zu  alö, 
also  'genährt)  erzogen'X  columna  (-«  'celsa'  eigenü.  'die  erhabene' 
:  eoüisy  ex-cdlö,  gr.  inohav6g  'hügel'y  got  kaüus  'fels',  ais.  hfxUr 
*hügel,  abbang',  lit.  kfäms  'erhebung,  berg'  MUi  'heben'),  pi-- 
lumnoe  ('pilis  armati"  *)  Fest.  244),  Veriütnnus  Vortumnus  *der 
gott  alles  wandeis  und  wechseis'  (zu  irnio)^  und  die  etymolo- 
gisch unsicheren  atrunma  (zn  gr.  mmog  'Bchmerzlicl^  tramg'? 
Fiahd«  tt.  Yn  325)  y  autumnm  (zu  ais,  auär  'reichthum', 
Schrader  Sprachw.  u.  urg.  >  440  [?]),  Picumnus  PUumnus 
'brüderliche,  ehegötter  des  alten  Born',  VUumnus  'ein  gott,  der 
den  kindem  das  leben  spendet'  Volumtius  Vdumnß  'gottheiten, 
denea  man  die  neugeborne  ^npfahl'y  ceUumnia  (ans  *  calü-mn-j^ 
zu  cahi  'ausfluchte  suchen'  —  acümen^  volümen  :  acuö,  volvö) 
enthalten  die  schwache  stufe  -mno-  des  suffizes  "fneno-  (ygL 
Brugniann  11  155).  Die  nebenform  domnus  zu  dominus  ist 
wahrscheinlich  eine  in  appellatiyischen  anwendungen  entstan- 
dene abhürzung^  wie  ital.  aar  =  8ignor(e),  sora  ss  signora  >). 

§  5.  Ein  zwischen  liquida  bezw.  nasalis  und  yocal  liegen- 
der consonant  legt  der  Synkope  kein  hinderniss  in  den  weg, 
wie  es  aus  folgenden  beispielen  erhellt: 

[A]  l  +  consonant: 

ffilmm  aus  *fulg(ujmen  *fidg^umen  :  ftdffeö  wie  doeumm" 
(tum)^  ans  ^doc^men{tom)  zu  doceö. 

mtUctua  aus  *molgäo8  (?).  Die  Unsicherheit  hängt  dayon 
ab,  ob  das  C;  dessen  erhaltnng  den  beweis  für  das  frühere 
yorbandensein  eines  yocals  zwischen  demselben  und  dem  t 
liefern  soll  (denn  ursprüngliches  4kt'  wäre  uritalisch  zu  -U- 
geworden  ygL  uUus :  idciscor;  fvUus  :  fulciö;  muUa,  o.  moUam 
'multam'  u.  motar  'multae'  :  muhare),  nicht  andrerseits  nach 
analogie  yon  muh:^  (oder  zur  Scheidung  yon  mtdius  'yiel'? 
Brugraann  I  *  668)  wieder  hergestellt  sein  könnte. 

1)  Hier  hat  das  snffix  'tnCcJfUh  die  bedentang  4nit  etwas  versehen, 
ausgestattet',  so  wie  -io-  in  atir?<u#,  efintiüa,  otfUT^fi^,  eortMÜus  u.  dgL 

2)  Der  yocativ  domne!  kann  als  eine  ^allegroform'  angesehen  wer- 
den, da  es  um  ein  inteijektionsahnliches  wort  handelt,  oder,  nach 
Sommer's  ansdruck  (IF.  XI  5)  'molto-allegro-form'. 


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204  Giuseppe  Ciardi-Dupre 

[B]  r  +  coDSonant: 

forceps  ('forcipes  dictae  sant  qaod  forma  capiant»  id  est 
ferventia'  P.  ex  F.  65)  aus  *form(h€ap'8. 

forctus  ('forctum  pro  bono  dicebant'  P.  ex  F.  73)  aus  •/or- 
güö8  pari.  prät.  zu  einem  *forgeö  ^hhorgSiö  (ai.  harhdyati 
'kräftigt,  stärkt').  Die  synkope  wird  durch  das  c  bestätigt, 
denn  urspr.  -rkt-  wäre  zu  -r^-  geworden  vgl.  fortis  o.  fortis 
'fortius,  potius'  aus  ^Uifgh-tö-s  (—  ai.  brähä-). 

Marpar  'söhn  des  Marcus'  (CIL.  I  1076  u.  yiell.  IV  1906) 
aus  Marcipor  ^). 

omö  aus  ordinö,  das  nach  ordö  ordin-  rückgebildet 
wurde. 

qtiemua  aus  *querc(i)na8  :  quercus  wie  fäginua  :  fägus 
u.  dgl.  —  Anders,  und  m.  e.  unrichtig  wird  quernus  von 
Stokes  o.  XI  71  und  von  Meyer (-Lübke)  KZ.  XXVIIl  171 
erklärt  Dieser  leitet  es  aus  *que8inos^)  her,  jener  aus  "^qerno- 
(air.  crann  *baumstamm'). 

io8tu8  aus  ^torsUoSj  part.  prät.  zu  torreö  =  *tors^iö  (aL 
tar^äyati  'er  lässt  dürsten',  ahd.  derriu  'ich  mache  trocken, 
dörre'),  vgl.  monüua  :  moneö,  ai.  carita-  :  cordyati  u.  dgl. 

[C]  n  +  consonant: 

cunctor  aus  *concUor.  Es  ist  ein  denominativ  aus  *fcon' 
qüO'  (ai.  gankUa-  'besorgt,  ängstlich  vor'). 

cünctua  aus  *coenquüo8.  Es  ist  ein,  wie  penitus,  in  adjek- 
tivischer funktion  gebrauchtes  adverbium  zu  ^co-efi-jMO-^  das 
eine  bildung  wie  longinquos  propinquoa  aufweist  (Brugmann 
Totalität  20  £f.). 

deinceps  vielleicht  aus  *  deinde-cap-s, 

quindecim  aus  *  quinque-decem,  quingentt  (arch.  quincentum 
Fest  338)  aus  *  quinquecenti ,  quincttis  aus  *quinqudo8  (zu 
Quinhis  wie  ai.  paflcatha-,  air.  cöiced  zu  gr.  nifimoq)  »). 

1)  Entstand  Mareu$  selbst  vielleicht  aus  *  Martieoit 

2)  Wäre  diese  erklärang  richtig,  würde  quemu$  auf  derselben 
linie  mit  orniM,  loema  stehen. 

8)  Absichtlich  habe  ich  nicht,  in  dieser  reihe  impedire  imp^rSre 
angefahrt,  denn  ich  glaube  nicht,  sie  seien  synkopierte  formen  ans  mdu- 
perSre  indupedirey  wie  einige  forscher  annehmen,  sondern  halte  letstere 
ffir  poetische,  der  lebenden  spräche  fremde  bildungeo,  wie  auch  Sc  halse 
Qaaest.  ep.  15  anm.  meint. 


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Zur  geschichte  der  lateinischen  vocalsynkope.  205 

[0]  m  +  consonant: 

Hierher  gehören  alle  mit  der  präposition  *atnbhi  (ai.  abhi, 
av.  (jtßwi,  ap.  abitf,  gr.  ä^g>i9  as.  ahd.  unM)  gebildeten  Wörter: 
anc€iesm  ('ancaesa  dicta  sant  ab  antiquis  vasa  quae  nunc  cae- 
lata  appellamus,  quod  circumcaedendo  talia  fiunt'  P.  ex  F.  15) 
aus  *  dmbhi-kaid^tihs ;  ancentus  (CIL.  X  4975,  wo  Momuisen 
bemerkt,  dieses  wort  sei  bei  Ammianus  Marcellinus  in  folgenden 
stellen  statt  des  überlieferten  'accentus'  wieder  herzustellen: 
'dato  aeneatorum  accentu  soUenniter  signo  ad  pugnaodnm' 
[16,  22,  36],  'aeneatorum  accentu  signo  dato  ad  progrediendum' 
[24,  4,  22]);  anceps;  ancäia  ('quod  ea  arma  ab  utraque  parte 

incisa'    Varro   1.  1.  7,  43);   ancuUts  (—  ai.  dfiqdTtokog); 

amfäriam  ('pro  ambftbus  partibus'  tiloss.  Epin.  11  35);  am' 
fradus  amfradärius  amfragösus;  atnflexus;  amplector  u.  ver- 
wandte; ampendices  ('dicebantur  ab  antiquis  quod  circumpen- 
derent'  P.  ex  F.  16,  3);  ampsanctus  ('loci  ampsancti,  id  est  ab 
omni  parte  sancti'  Serr.  ad  Aen.  7,  565);  anquirö  ('/  s.  oben); 
amseges  ('arosegetes  dicuntur  quorum  ager  yiam  tangit'  P.  ex 
F.  16);  amsedeö  ('amsedentes  circumsedentes'  Placid.  p.  8  D), 
amtermini  ('qui  circa  terminos  provinciae  manent'  P.  ex  F.  13). 

Dass  der  beispiele  dieser  art  synkope,  in  vergleichung  mit 
denen  der  synkope  nach  einfacher  liquida  bezw.  nasalis,  sehr 
wenige  sind,  ist  keine  befremdende  thatsache,  denn,  durch  zu- 
sammenstoss  des  dem  yocal  vorhergehenden  konsonanten  mit 
dem  darauf  folgenden  wird  ersterer  überhaupt  verändert  oder 
ausgestossen,  so  dass  der  wurzelhafte  theil  des  wertes  und  dessen 
Verwandtschaft  mit  anderen  wörtem  unverständlich  werden. 
So  z.  b.  würden  aus  farcimm^  sarcina,  algidus,  algificus,  *f ar- 
men (zu  farc%ö\  *sarna  (zu  8arciö\  *aldu8  *dlficu8  (zu  algeö) 
entstehen,  wenn  der  vokal  nicht  erhalten  oder  wieder  herge- 
stellt würde. 

§  6.    Synkope  nach  y,  weisen  folgende  werter  auf: 

aububulcus  ('pastor  ovium'  Löwe  prodr.  348)  aus  *a)ft-  oder 
*ai»o-  :  idg.  *ag!^,  lat.  avilla  ägnuSj  gr.  dfivog  'lamm'. 

auca  auceps  aucupium;  augur  augurium;  auspex  auapicium 
aus  '^a^i'hl  u.  s.  w.  Als  erstes  glied  der  Zusammensetzung 
kommt  der  stamm  *ajAi-  'vogeP  (lat.  avis,  arm.  hav,  gr.  ä-etog) 
vor.   • 

audio  ans  *ä^izdiö  :  gr.  aiaOdvo^ai  'nehme  wahr'.  Dar- 
aus ergiebt   sich,  dass  die  synkope  nach  ^  älter  ist  als  der 


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2()6  Giuseppe  Ciardi-Dupr^ 

schwand  des  z  yor  d,  dem  ein  ^atndio  wäre  nicht  zu  audio 
geworden. 

atUumö,  ein  denominativ  von  *autumO'  *a/i^itumO':  :  oua 
(=  ♦oAoi).    Lindsay  180  u.  235.    Wharton  Et.  lat  s,  y. 

cautus  (-to-)  catUus  (-tu-)  cautor  cauHö  aus  ^co/i^ü-  (cavitutn 
CIL  I  200  «.  ^  cavitionem  P.  ex  F.  43):  caveö.  Vgl.  mon«i« 
(-^0-  u.  -tu-)  monitar  monüiö  :  monee^. 

daudö  aus  *clä^idö  :  er25t^,  gr.  xAi^S^  xA^/g  'schüsser. 

faudus  aus  ^fd^estos  :  jfiif?or.    Vgl.  honestus  :  honor. 

iüglans  nicht  aus  ^jo^-glana  sondern  aus  *j^e8'glan8 
'*joy!(z)glan8.  Als  erstes  glied  ist  ein  gen.  sg.  anzusetzen 
(Von  Planta  IF.  anz.  X  58). 

dpiler  ('opiter  est,  cuius  pater  avo  vivo  mortuus  est'  P.  ex 
F.  230)  aus  *&y!(o)^pater  eigentl.  *der  den  grossvater  als  yater 
hat'.    Das  t  für  au  ist  eine  Yulgärlateinische  eigenthümlichkeit. 

pauctia  aus  *pauico8;  pauper  aus  *pd^paro8  (vgl.  opi- 
parus). 

raucus  aus  *ra^ico8  :  ravis  ^heiserkeit'. 

Die  adjektiva  *audo8  (gen.  sg.  audl  von  S kutsch  I  44  in 
Plaut  Bacch.  276  wieder  hergestellt,  audeö  audäx,  dagegen  ge- 
wöhnlich avidu^^)\  crüdus  aus  * cre^iodo-s  *)  zu  (ruor,  gt.  x^ag 
•fleisch',  ai.  krania  'rohes  fleisch');  nüdus  aus  *nouodq8  *nog!Hh 
do^8  (zu  ai.  nagnd-,  got.  naqaps^  lit.  nügak,  asl.  nacp»  'nackt'); 
üdu8  (neben  ilvidu8)  aus  ^Q^dos  *ilg^(h8  (zu  aisl.  vgkua 
'feuchtigkeit,  nässe'?).  In  avidus  gravidus  pavidu8  üvuiu8  ist 
der  Yocal  nach  der  analogie  von  lepidus  rapidus  u.  dgl,  wohl 
erhalten  ev.  wiederhergestellt 

Eigennamen  [1]  auf  -ilo-^  -ilio-  :  Aulu8^  Aulim  (neben 
Aviliu8  CIL.  I  85  «  XIV  3069,  Avilia  IX  5699),  Cauliu8 
neben  Cavüiu8  CiL  X  1292),  CtöKws  (CIL.  XII  1185,  Cloulios 
I  381,  I  1297  =  IX  4463,  XIV  2820,  neben  auüius  QU^iua 
=  *Qomliu8),  Jülu8Jüliu8  [neben  Juilius  in^cbr.  in  Ann.  inst 
arch.  1880, s.  240,  aus  *  Jotnlius),  * Potdios  (gen.  sg.  Pauli  CIL. 
I  1556,  II  401,  4970,   neben  Puüiafsaoia]  Fest.  330);   [21  auf 

1)  Bartholomae  o.  XVII  120  erkennt  in  auda  keine  synkope 
an,  sondern  die  Schwundstufe  einer  bisyllEbischen  wnrzel  anfidh-  {äMov 
oMus  :  audeo  ==  d^  :  av^cfyoi).  Diese  annähme  Boheitert  daran,  dass 
orspr.  *audh-  zn  *auh'  geworden  wäre  (trotz  Geci's  aasfahrungen  in 
Rendic.  Aecad.  Lincei  V,  4  (1895)  ss.  618—686,  Tgl.  besonders  s.  620). 

2)  Anders  jetzt  Hirt  Idg.  ablaut  103  [Gorrectomote]. 


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Zur  geschichte  der  lateinischen  vocalsynkope.  207 

-ddo-,  -idiO'  :  Audius  (neben  AvidiuSj  Ätddianus  etc.)»  Caudku 
(wohl  aas  ^Cavidio»)^  Claudius  (aus  *Clav%dio8  :  Clavius  — 
Aüidius  :  Avius);  [3]  auf  -iekh  :  Aucius  (neben  Avidus);  [4] 
auf  -isiio'  :  ülustius  Noriim  (?  über  das  o  vgl.  unten)  Bustius 
(aus  *Nevi8tios  :  *Ne\ii8tos  ^)  u.  s»  w.  •>-  Lepidius  :  Lepidus 
u.  dgl.). 

Den  Wörtern,  die  ein  ojf  (a>  urspr.  oj^  oder  e^^)  enthielten, 
ist  eine  besondere  betrachtung  zu  widmen.  Davon  weisen  einige 
r^elmässig  die  synkope  auf: 

brütna  aus  ^bre^mä.  Diese  grundform  behauptet  neuer- 
dings Sommer  IF.  XI  210  gegen  Osthoff  Morph,  unt  V.  91 
und  Fiqk  Et  wb^  11  *  179  die  *breAuma  ansetzen. 

curia  aus  ^eö-yariß  2u  ^^tro^s^  (lat.  vfVj  ai.  pird^,  air» 
fer,  got  i€air,  lit.  vynas  'mann').  Die  abweichende  von  Stolz 
253  f.  verfochtene  ansieht»  wonach  carta  (d.  h.  "^quoj^ä)  mit 
Qmrft^  auf  eine  wurzel*9e{iB-  zurückzuführen  wäre,  gilt  mir 
als  unwahrscheinlich  ').  Überdies  kann  ich  mich  nicht  ent- 
scheiden, eilria  von  vo.  eohueriu  (Von  Planta  I  279,  über  die 
bedeutung  des  k  vgl.  IF.  anz.  X  57  anm.). 

obtürö  aus  *obta^^ö,  eine  bildung  wie  moderö  u.  dgl. 
.     prOdens  prüdmiia   aus    *pr6^^id'.     Rückbildungen    sind 
providiö  Providentia. 

rüB  aus  ♦r«j^«-  :  av.  ravtvnh. 

rürsutn  (rürsus)^  sursum  aus  *ri-^or80',  ^sS-^arso-. 

Salus,  mit  salvus  zweifellos  verwandt,  aber  in  bezug  auf 
die  bildung  nicht  genügend  erklärt.  Es  sei  mir  hierüber  folgende 
vermuthung  erlaubt.  Dass  ein  stamm  '^sale^a'  dem  adjektiv 
sdlfms  zu  gründe  liegt,  ergibt  sich  daraus ,  dass  ein  urspr.  ly^ 
zu  U  geworden  wäre  {y^.  pallor  paUidus  :  lit. pahas  'grünlich'; 
poüen  aus  ^polysn  :  pulvis  aus  *pole'^es•-  u.  dgl.).    Von  ^sale^o- 

1)  PaujLi  Altit.  stnd.  U  140 f.  macht  darauf  aufmerksam,  daas  in 
mancher  idg.  spräche  eigennamen  aus  superlativstämmen  gebildet  wer- 
den: vgl.  di.  Jj^effha-i  Nediffsa-s  Vasiffha-ß  ^aöittha-s  ^restha-Sj  gr. 
'*AQitn9g  KaXkiotos  K^ttnog  Müytinog  nUZarog,  lat.  Fogtumius, 

2)  Dazu 'bemerkt  y.  Planta  IF.  anz.  X  57:  '^Mit  einer  solchen  wz.- 
eiym.  ist  für  die  sachliche  Zusammengehörigkeit,  die  doch  den  ausgangs- 
pimkt  bildete,  nichts  gewonnen.  Gehören  die  beiden  Wörter  wirklich 
etymologisch  zusammen,  so  kommt  man,  da  curia  wohl  =s  *c6fnrta  ist, 
für  Quitiies  auf  *  Cof^rtU»  mit  vortonigem  u  wie  in  eUiaca  usw. ,  vgl. 
fwaer  itaL  qußUo  aus  eoaeius  u.  dgl.". 


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208  Giuseppe  Ciardi-Dupre 

wurde  das  abstraktum  *sale^^iU'  *8alou(o)tilU^  eigentl.  'Voll- 
ständigkeit, unverletztheit',  und  daraus  durch  synkope  *8alatfU', 
und  schliesslich  durch  haplologie  salot"  i). 

In  einer  zweiten  reihe  von  Wörtern  erscheint  neben  der 
Synkope  die  reducierung  des  a^i  bezw.  o^e  zu  ö: 

nündinum  {noundinom  CIL.  I  196  *'),  aus  ^na^endino- 
(ai.  dina-m,  lit.  d^ä  'tag^  :  nondinum. 

^nounos  (acc.  pl.  f.  nountis  CIL.  X  2381),  aus  ^noueno-si 
nöfitis  nönaginta  nongenti, 

üpäiö  (Vei^.  ecl.  10,  19  hss.  M.  u.  R.,  Apuleius  passim)  : 
öpiliö  (von  Servius  a.  a.  Vergil's  o.  und  von  Gaper  GLK. 
Vn  112  in  a.  V.'s  o.  gelesen).  Über  die  etymologie  und  die 
bildung  des  wertes  gehen  die  ansichten  weit  auseinander.  Es 
handelt  sich  um  ein  compositum,  dessen  erster  theil  sich  mit 
dem  stamme  *o^i'  (lat.  ovis,  gr.  oig  usw.)  deckt  Der  zweite 
theil  ist  nach  der  gewöhnlichen  annähme  ein  von  der  wz.  q^- 
'hüten'  (gr.  ai-ndXog  'ziegenhirt'  ßovxökog  *rinderhirt')  abge- 
leiteter stamm  >).  Dagegen  setzt  Geci  Rendic.  Accad.  Lincei 
V,  4  (1895)  s.  530 f.  zwei  parallele  stamme  an:  *o^i'qffol<hs 
(wz.  qifel')  und  ♦  Ofti-pHiq  (mit  ai.  pdld-s  ^hüter,  hirt',  aja-päld-s 
afd'pald'S  gO'pnld^  verwandt).  Aus  dem  letzten  soll  das  plau- 
tinische  öpüiö  und  die  italischen  eigennamen  osk«  lTpü(ieis) 
•Opilii'  Upils  'Opilius'  peh  Obelies  'Opilius'  Obd  *Opil-' »)  her- 
kommen. 

Drittens  weisen  folgende  nur  die  reducierung  zu  ö  statt 
der  synkope  auf: 

contiö  aus  *c6itenHö,  Rückbildungen  sind  conventiö,  con- 
venu. 

fötus  aus  ^fo^üo-s  :  foveö  —  monüua  :  moneö.  Gleicher- 
weise fötus  (gen.  -tüs)  fötor  fömentum  föctdum  aus  ^fo^itu-s 
*fo\kitör-  usw.  (Zur  etymologie  s.  o.  XXI,  163).  Wie  fötüs  usw. 
zu  foveö  verhalten  sich  mötus  tnötus  (gen.  -tüs)  mötor  mömen- 
tum  (aus  "^mo^üo-s  usw.)  zu  inoveö,  und  vötüs  zu  vaveö  (wz. 
•j*«gttA-  :  u.  vufetes  vufru).  —  Dagegen  setzen  löttts  lötör  löHö 

1)  [Vielmehr  steckt  ai.  üU-»  im  zweiten  teil.    Pr.] 

2)  Das  p  «■  idg.  q^  weist  auf  dialektischen  ursprang  von  üpüU 
(vgl.  ^tM,  hoB), 

3)  Diesen  eigennamen,  nebst  lat.  Opilius,  halte  ich  vielmehr  für 
eine  ableitang  von  Ope. 


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Zur  geschichte  der  lateinischen  Tooakynkope.  209 

hmentum  einen  stamm  mit  langvocalischem  diphthong  Toraus: 
*^-  (vgl.  gr.  nXuno^  zu  "^ftlw/w).    Ebenso  iotus  tomentum. 

Nöla  (osk.  Nuvlanüs  'Nolani')  aus  *Nauela. 

omen  (altl.  osmen)  aus  *i^i9men  :  gr.  otofiai  (•»  ^6/ioiofiat). 

Borna  aus  *8ro\^ma.  Vgl.  Geci  Arch.  Glott.  Ital.  s. 
p.  VI  19. 

Unsicher  ist  die  von  Geci  ebd.  vorgeschlagene  herleitung 
Yon  rörärii  (Non.  Marc.  Ö32  ed.  M.,  P.  ex  F.  359)  aus  *ra^ 
eMhrioi  (gr.  igevräw,  igtvya,  aisl.  raun).  Derselbe  aber  erkennt 
die  möglichkeit  an,  rörärii  auf  eine  wz.  *rOff-  (gr.  iQwij 
'rasche  bewegung'  (^ioftai  'ich  bewege  mich',  ags.  riwanf  aisL 
röa  'rudern')  zurückzuführen  >). 

Als  regelmässige  entwicklung  ist  im  allgemeinen  die 
Synkope  anzusehen:  die  abweichende  behandlung  wird  analogi- 
schen einflüssen  oder  speciellen  lautgesetzen  zuzurechnen  sein. 
Das  o  für  ü  (•>-  0)f)  beruht  auf  analogischer  anlehnung  in 
fotus  fötor  usw.  (nach  fövefi)^  mottis  motor  usw.  (nach  mifveo), 
votus  Votum  (nach  fdveo),  nonus  nonaginta  (nach  nSvem)^  und 
wahrscheinlich  in  nontiäre  (nach  notüia)^  opilio  (nach  övis)^ 
omen  osmen  (nach  ös),  cöntio  ist  vielleicht  folgenderweise  zu 
erklären:  die  ünsynkopierte  form  *e6f^ntio  wäre  bis  zur  zeit 
erhalten  geblieben,  wo  die  assimilation  des  nachtonigen  vokals 
an  den  hochtonigen  stattfand,  dann  wurde  *c6f^Uö  zu  *cö^ 
ontiö  und  schhesslich,  mit  lautgesetzlichem  Schwunde  das  if 
zwischen  gleichen  vokalen,  *  coontio  cöntio.  Bei  Nöla,  Noetius, 
Borna  spielten  wahrscheinlich  dialektische  eigenthümlichkeiten 
eine  rolle. 

§  7.    Synkope  nach  consonant  +  s: 

dexUr  dextimue  aus  *d4jc8iter0'8  *  difceitymo-s  :  gr.  de^iög, 
ai.  dak^ind^  ddk^ina-,  av.  daiina-  *dexter',  lit.  deszine  'rechte 
band',   asl.  deebm  'dexter'.    Dass  ein  vocal  vor  dem  t  wegge- 

1)  Unrichtig  ist  die  von  Kahn  KZ.  III  898 ff.  herrührende  an- 
nähme, wonach  gloria  auf  *  Ide^-ei-ia  (vgl.  ai.  fraooiyd'tn  *rahin,  ruhmeB- 
that')  zarücksuföhren  sei.  Unlängst  hat  Stolz  IF.  X  70 ff.  diese  ety- 
mologie  einer  scharfsinnigen  kritik  anterworfen,  and  die  zasamroen- 
stellang  jenes  wortes  mit  glarit  ^f/iv&oXoyos^  (GGIL.  II  84,  16),  unter  vor- 
aassetzang  einer  abstafang  d  :  a  wie  in  rädere  :  rädere  ^  wahrscheinlich 
gemacht.  —  Unentschieden  bleibt  ob  ötium  ans  *oiietio-m  entstanden 
sei,  oder  ein  valgärlateinisches  ö  für  au  enthalte  und  mit  auiumnue 
aisL  amOr  *reiohtam'  zu  vereinigen  seL 


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210  Giuseppe  Ciardi-Dupre 

fallen  ist,  ergibt  sich  aus  der  erhaltung  des  Xj  denn  urspr.  "Test- 
i^äre  zu  -^f^gawordeü:  vgl.  z.  b;  8$stiu8  atts  ^aextiosy  iUnsiris 
ans' ^itlöücäris  ^).     *'  ' 

mixius  aus-  *fnixito9  :  ai.  mek^ayaH  *ev  mengt  init^. 
•  "  \pö»t^  auS'*)w^Ä»mo  :  Bii'k^iti-s,  SL^f.  »iti-ä  'ufohrmng,  siede- 
lung'i  gr.  9criaig  'ansied^ung^  as.  jr€^(,  ahd.  aedal  '«itz^  Wohn- 
sitz' usw.  (wz.  hfei'  nach  Brugmann  I  '  790).    BegeliHässig 
'isi'diEkS' partiöip  JMi^^iM;  dagegen  ist  die  gewöhnlichere  neben- 
vtorin  p06i^  wohl  eind   rückbildung  aus  poMfi  Baefa  d«m.«?er- 
iiädtniss^  penüms  :  genuf,  habitüB  :  habiff^  oder  naah  der  analere 
des  Simplex  sUus.  *  .       . .  «  ,      i 

|>rae^o  viell^cht  aus  "^prai^ksitod^ 
sümo  aus  *sup9'emo  (vgl.  suMneö  aus  Paup9*temefi).    Das 
archuisehe  {)rät.  aurSmit  (i^/ ex  F.  425)  ;i$t  lautgesetsUch  aus 
^  ^99ip9^fkü  ^sutfsß^'mit  eulstanden.*     surempsU  ^hä^  iat  nach 
'det 'ftna;k>gier 'diBr  sigmatischen;  abristQ  umgestaltet,  ebense  wie 
•coni^  (statt  *'ö9mii  -^us   ^oö-Srnt),  dempäi  (statt .  ^'^ddftni   aus 
*<f^iifl).   'Endlich  "vi^urden  nach  campst  eompiua :  co$iUi,  dempaf 
demptua-f  dstnö   die  «olassischen   formen   jrdmj^m  aumptue-^^go-^ 
-bildet«'  •'    '■'•'••  ;  ■•  "'  '  • 

*  Mit  ^^eser  ersch^inung  in  zutomnienhang  steht  "wohl  die 
spätlateitiiscbe  synköipe  nach  ^^  bei  supcfrlHtivst&mmen:  pientiim- 
(qL.in4462)  pieniimo  (VI  13432,  19877)  rfi<fci>m<>  (VI  13714) 
feticima  (ebd:y  dultisfho  (IX  6210)  koHmäe  (EE.  V!If  266). 
Darübfer  Vgl.  Soitamefr  IF.  XI  256f. 

.  pie  Synkope  eines '  l^ürzen  yocals  nach  '«  -f  cbnsonant  ist 
nur  in  hospes  (aus ' * höstipotis),  sospes  (nach  Prellwitz  aus 
^sistipotis  "^s^istipotia  :  ai.  avaati-^  'Wohlsein,  glück')  sicher  be- 
legt. Unsicher  ist  die  hefleitung  W)n  aeatumt>  aus  *äpid(i)' 
iUmö  (Barthöloma^e  XI  91;  vgk  Brugmann  IF;  1 171  und 
C  e  ti  Rendic.  Accad.  Lincei  V  4  ( 1 89ö)  s.  636). 
'  -  *■  §  8;  'Die  präp'ösitiotten  *a/x>  (ftJ.  rfpa,  av.  apa,  gt.  «iro, 
got,  af,  ahd.  aba)  *opi  (zu  ai.  dpi,  gr.  iTti)  *x-upo  (ai.  üpa, 
^ytupäl  grivTcp,  got  uf)' werden  in  zusammengesetzten  nomina 

N    .  ul)  In^dite«.  ist  du  x:  wafaradbeifilicb  in   aMohlosB  ßjk  <«sr..ortiio- 
frflphitoh  erhtilUn. 

'  2)  BeVaht  ^ie  vereinfadiang  der  gpmppe  -4:^  auf  der  lange  der 
•vt)rh«rgiBhöüdeo  8ilbe?'  ■ 


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Zur  geschichte  der. la^inischen  vocalsynkope.       ,  2\t 

und  yerba  zu  oft,  ob}),  8uh:  z.  b.  abdieo  bms  * dp(o)'dicq(ji^, 
asper  WB  *äß(Q)*8phrr0'9  (—  ai.  ajpa«^Aiirar  V^gstossend' 
Oathoff  IF.  VI  14£),  officium  aus  *6p(ij'facioin,  obttneo  äas 
*6p(i)'i^n(!(i)o,  suffräfftutn  aus  *  xüp(o)'fräffiom  usw.  Die  media 
statt  der  ursprünglichiBD.  tenuis  ist  vor  tÖpend^  anlaufendem 
compositionsglied  entstanden,  und  von  solchen 'fallelti  aus  in  der 
Orthographie  verallgemeinert  *).  '  ViMleicht  geüört  auch  dplirnUs 
hierher,  denn  man  kann  es  auf  eine  grundfortn  * öp(i}t'^ffio-8 
zuräckfiihren,  eine  bÜdung  der^elbäii  tot  wiä  Tt^utQog  *verdere\ 
Äi.  prdtärd'fn  'weiter,  kftnftig''  ±\i  JV^-v^f*,  lat.  eederus  tn  tx 
usWl  •).  •  .    ^     •  '.•  .  w  ' 

Hierher  gehört  proptervuH  (von  jproierw^  Wohl  zu  trerinen) 
i\x^  ^ prip(€)t€^'S  :  gr.  rtQOTferijg  (vgl.  F^föhde  o.  XVÜBlB). 
,  In  allen  besprochenen,  wörtertl  baf^delt.  es  .'sich /um  jLie 
.  Bjnhope.  eines  i^ach  toi^loser  Ubialis  stehenden  vocals.  "13a- 
jegep  2^eigen  lepidus  rapi^dus  sa^iäfti  tepidus  treptdus  die  'f>e- 
wahrung  desselben  in  derselben  Stellung.  Der  gegensatz  efklart 
sich  daraus  am  besten,  dass  man  es  im  ersten  falle  mit  vieriBilbigen, 
im.  zweiten  mit  dreisilbigen  wöi't^^i'ü  zu  thün  hat.  Wir  'werden 
also  <)as  gesetz  formulieren:  Nach  tonloser  labialis  (oder 'nach 
tonlosem  verschlusslaute  itn  atlgemeiten  ?)  tritt  dfe  Irj^kope  in 
drittletzter  silbe  ein.  Ist  da$  gesetz' richtig  formuliert,  kann 
man    die    von    ^f'ay   Classl   Rev.    XI  93   und   Prell  Witz'  o. 

1)  Im  lat.  A  scheint  mit  *opi  eitf  *oW  (eq  tiL  Mi  'auf,  zQ*  [von 
abTü  'zu  beiden  Seiten,' uiä'^  vAg.^igdfhC  zu  trennen]/  MmU  icM)»eo- 
ttunmengfelailen.   *    '  .    ..  l    •  <\.  *,       '  tj 

*  ^  Hitf  «nd  da.  kouml«.  auch v  die  tfsn^  <y  iror  v  4^.  iiiaifi  (^fuit. 
P«b.  jHi«  iük  CQcL'vet.)  ppjf^e^aiuin  (Qsr.  Heaat,  990  im^coii.'BeiDbinas). 
S)  .^Is  ,eine  neabilduQg  naal^  legttumuß  fimtumus  ist  opüuma  (CIL. 
I  1016  — !  VI  195|?)  aDzusebeD.  .        ^  '  '    ' 

.  4)  Brugmann  I^  216,  Stolz  99  u/a.  i^ehmen  synltbi^e  des  Ve- 
ddplicatioübVooals  atf  in  nUuli  \\it  *rHf0}Ud$,  i'tpp^ik'hnB'^rS^äJpuii, 
reisei^'ixM  *^4--€fe)e%d/t,  rtpp«^  wU' ^.ti*p(fi.)p§i%  tt.  üg]..  Dieser'; an- 
taahitfe  ftänn  i<ali'  nicht  'bcistimmeb,  ni'  rüQknobtlniif  pM^  (wacipa  J»icht 
*praUuU  ans  * pr&-t[9}tut%f)  propuli  (waram  Dicht  *proppulif)  n.  dgl. 
Vielmebr  sind  formen  wie  rtUuli  r&ppuli  u.  dgl.  durch  haplologie  aus 
*r0pp^ipitk  *r&Uetuh  zu  erklären.  Der  doppelte'  könsoMÄnt  idt  durch 
assimilatioD  des  au3lauienden  ä  der  präposition  {red-m  ridambatd  re- 
dau9pico  redhiheö  redipiscor  redhostio  redamtruö  redigo  redim^  rBäirUigrö 
rediUar  redamö  reduteero  redindütus  tedt'ntenw  ^edopitö  redop^io)  ah' den 
anlautenden  konsonant  des  verbums  entstanden. 


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212  Giuseppe  Ciardi-Dupre ' 

XXII  62  anm.  vorgeschlagene  erkläruDg  von  väricus  aus  *W- 
p{a)trico8  (vgl.  ai.  vi-mäiar-)  billigen  (anders  Brugmann  I  *  99, 
II  180). 

§  9.  In  propter,  aus  "^propUifr,  ist  der  vocalverlust,  wie 
Sommer  IF.  XI  5  annimmt,  wohl  dem  häufigen  gebrauche 
dieser  partikel  in  proklitischer  Stellung  zuzuschreiben,  wie  bei 
iuxta  aus  *itigi8ta  (in  gegensatz  zu  magüier). 

Im  Vulgärlatein  scheint  die  synkope  zwischen  dentalen  in 
vorletzter  silbe  stattgefunden  zu  haben:  adgret(t)u8  egrätus  aus 
*'gred(ißos  (zu  -gressus  «=  ^-gred-Uhs  wie  elieitus  zu  adUetu8\ 
mattus  aus  *mad(i)tos  (zu  madidus  wie  8tulti48  zu  stolidus,  oder 
wie  lit.  Mrtas  *fett\  le.  ti4nrt8  zu  asl.  tvr^d^) »).  Der  Volks- 
sprache gehört  ebenso  frigdo-  (für  frigide-) :  'frigida  non  frigda' 
App.  Pr.  GLK.  IV  198,  fridam  CIL.  IV  1291,  frigdar  (beispiele 
bei  Georges  Lat.  wf.  s.  v.)  infrigdo  Fragm.  Bern.  GLK.  IV  34, 
frigdaria  Lucil.  8,  12  ed.  M.  Auf  *frigdo-  geht  auch  ital. 
freddo  zurück.  ' 

§  10.  Ein  kurzer  nachtoniger  vor  r  stehender  vocal 
(namentlich  ^,  denn  urspr.  ä  und  ^  werden  in  dieser  stellang 
zu  e,  und  ö,  U  bleiben  unverändert,  vgl.  leporis  arbaris  fulguris) 
wird  nach  folgenden  gesetzen  behandelt:  I.  In  dreisilbigen 
Wörtern  wird  ä,  wenn  kein  st  bezw.  sp  vorhergeht,  beibehalten: 
proceres;  uterus;  alter  alterum;  eitert;  inferus,  superus;  lacer 
lacerum;  interim;  iterum;  impero,  auperö  u.  dgl.  Dagegen 
scheint  der  vocal  in  tUer  utrum,  citra  citrö,  contra,  infrä  (aber 
altl.  infera  nach  Prise.  2,  30,  3;  infera  CIL.  I  1166),  suprä 
(dafür  supera  nach  Prise,  a.  a.  o.  in  Gic.  [ex  Arato]  nat.  deor. 
2,  42,  106  [bss.  supra],  und  CIL.  I  1011),  ultra  uUrö  ausge- 
fallen zu  sein.  Vielleicht  handelt  es  sich  um  bildungen  mit 
der  schwachen  form  4ro-  des  Suffixes:  vgl.  lit.  katräs  'welcher' 
(zu  ai.  katards,  gr.  Tcoregog  'wer  von  beiden'),  aL  dtra  ^hier, 
dort,  da'  tdtra  *dort,  dorthin'  ydtra  *wo,  wohin',  got  hidre 
'hierher'  jain^ö   'dorther'   hwaprö   *woher'   usw.      Was    citra 

1)  Unriclitig  wird  futtiUs  von  Stolz  614  a.  a.  mit  egrM(t)iu  auf 
eine  linie  gestellt  und  von  einer  basis  *fud(%)to-  hergeleitet.  Es  ist 
vielmehr  als  *füUl%8  (vgl  narrö  »  ^^närö)  aufzufassen,  d.  h.  als  eine 
bildung  aus  der  wz.  ^§h9^-  (gr.  //oi  usw.)  'giessen',  wie  fertiiü  aus  hher-. 
—  In  eette^  aus  *eediU^,  ist  die  synkope,  wie  Sommer  a.a.  o,  annimmt, 
ein  effekt  des  spreohtempos. 


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Zur  geschichte  der  lateinischen  vocfllsynkope.         213 

infrä  nnd  andere  Partikeln  betrifit,  die  als  präpositionen  ge- 
braucht zu  werden  vermögen,  könnte  die  synkope  bei  prokliti- 
scher  Stellung  eingetreten  sein.  —  II.  Nach  st  bezw.  sp  wird 
^  ausgestossen:  magüter  minister  (gen.  -tri)\  räpittrum  'eine 
art  rtibe'  (aus  ''^ räpiS'Uro-m)\  *ßia8ter  (gen.  -tri)  und  die 
übrigen  bildungen  auf  -aster  (vgl.  Sommer  IF.  XI  31  ff.); 
campester,  ^Nemesier  (aus  Netnestrinus  'haingott'  Amob.  4,  7 
zu  erschliessen),  paluster  u.  dgl.  (vgl.  OQ^ateQog  'bergig ,  auf 
beiden  lebend',  ayQotsQOQ  'auf  dem  felde  lebend'  usw.);  bime- 
Stria  (mit  Übergang  in  die  i-flexion),  menstruus  (zu  ^menstrih 
wie  annuus  zu  annus) ;  sinister  sinistrum  (daneben,  nach  dextera, 
sinistera  Plaut.  Merc.  880,  Ter.  Eun.  835);  noster  nostrum, 
vester  vestrum;  extra  (altl.  eztröd  CIL.  I  196;  daneben  extera 
nach  Prise.  2,  30,  3).  Diesem  gesetze  scheinen  folgende  bei- 
spiele  zu  widersprechen:  asper  asperum  (daneben  €Lspr%s  Verg. 
Aen.  2,  379,  asprös  Stat.  Tbeb.  1,  622  u.  a.  vgl.  Neue  Latein, 
form,  n  *  15),  dezter  dexterum  (daneben  freilich  auch  dextr-, 
vgl.  Neue  II  *  8 — 15),  exterus,  posterus^  prosperus,  vesperus 
vespera.  Im  allgemeinen  sind  diese  ausnahmen  aus  der  analogie 
des  typus  aUerum,  laeerum  zu  erklären,  jedoch  können  in  ein- 
zelnen fällen  besondere  gründe  mitgewirkt  haben,  ^prosprus 
wäre  schwer  auszusprechen  gewesen,  externa  und  posterus 
nicht  nur  nach  superus  infems,  sondern  auch  nach  exterior, 
posterior,  dexter-  aus  *  di1cs(i)teros  ist  vielleicht  lautgesetzlich, 
da  die  gruppe  -xtr-  erst  secundär  entstand  >).  Bei  vesperus 
vespera  kann  theils  die  analogie  von  vesper  vesperis  (wo  ^  eine 
stütze  in  verber,  -eris,  tüber,  -eris,  agger,  -eris  u.  dgl.  fand), 
theils  die  anlehnung  an  gr.  SaneQog  eaniQa  eingewirkt  haben. 
—  III.  In  der  vorletzten  silbe  der  viersilbigen  wörter  scheint 
e  vor  r  synkopiert  zu  sein,  wenn  die  drittletzte  einen  der  Syn- 
kope unfähigen  vocal  enthält:  porcMra  aus  *pör€Stera  *mutter- 
schwein',  fabatrum  'kern  der  bohne'  aus  *fdbätero-m,  acc.  pl. 
ungulätros  ('ungues  magnos  atque  asperos  Cato  appellavit'  P.  ex 
F.  379),  ßiatrum  (CIL.  VIII  2848).  Vgl.  Sommer  IF.  XI  16 
u.  33.  In  mcUertera  unterblieb  die  synkope  um  die  gruppe 
-rtr-  zu  vermeiden. 

1)  Die  hiafigkeit  -der  synkopierten  form  d§xtr'  erklirt  sich  daraiu, 
dMs  die  neigang  sn  dieser  tri  synkope  bis  sur  spätesten  seit  blieb; 
vgl.  itaL  deiirOf  oipro,  v—pro  in  gegensats  zu  lae^ro. 


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214  '  Griuseppe  CiarcH-Düpri 

'I  lt.  Ip  nueleus  aüi  ^nwUlB^qs »)  (nuatdeu^  PlMt:  Capt. 
655;  Curb.  55) '  habei  Wir  das'  ^nzJge  elaasiscfee  beispiet  der 
syiikope  vor  r in  nachtoniger*  silbe.  Bei  ^äeduit$  neheiä  scvk^ulmmy 
pöclum  neh&ii  pöcidü)n  ü/dgl.  handelt  es  sieh  nicht  nin  die 
syiikope,  , sondern'  ist  iduin  die  regelmässige'  endntig,  wofür 
-c^&tm  nach  dW  '^balögie  dar  demihutira^  mt-qi-iJ^' {vgl.  tt. 
strtihitä  ^diraem,-H6um')'Bpafer  eingetreten  ist *)^  In  eirdöB 
(Ädfe.  tr/lÖO  ed.  R;  Verg^!  Öeorg.' 3, '  166),  »eben  genröhnlitshem 
di'ciäus  ÄÜ8  ^cireo-id-s,  'isi  vielleicht  die  ^Synkope  dei«  variier- 
gebendeh  gnippe  /;  -f  c^nsoüailt  zaztcsch^^ibeni .  Sonst  findet 
sie  nichff  irot  i  stätt,^  vielmehr  entwickelt  sich  ein  vo'kal  ^wfsehen 
cörisonänt  tind/Z;  z.  b'.  ftibflis  aus  ^fisblis  (livitäK  -ähh^^  mit 
secünds^rem  Übergang  zur 'f-d^äitiätion),  singulus  Bu^^09md(98^ 
angvlv^  "BiViÄ  *  aiidös/i^  ^fisHaxxsw:     In  Vcncfon^  wä 

WÄhri5cheihlich\*die'^ Viersilbigkeit   die-urtÄchö^dei?  synkope,'  8q 
wie  ih^  2^^*^«w  des  tinterbMben»idw  dÄä^^ 

DW  gfeÄigte  gilt  nut'-^!lr  die dassiaöhe  sprteche;  'In  der 
späteren  bezv^;  vulgären 'fepraishe  tritt  die  synköpe  vor  i  regel- 
mäs^g'  ein:  zyh.'aitiäd  *(App.  Pr;^  6LK.  IV  199,  i)  ung/lm 
(197,  ^2yäfiiclus  (m,2iybadm(i9li2^)ba^'{^v^^ 
199,  14)  capiclim  (fö8;  34)  faelä  (19»-' i&y  iiiglm  (197,  22} 
iwendvls  (fÖ7,  29)  fnasOuB  (197,  20)  ödfus  (198,  18)  oWbto 
(198;  11)  nepticta  (199;  iy  spedntn  (197,  20)  «^afch^m  (198,  2«> 
tarn  (19&i  2ä)  tribla{l^,  9)  ^li$s  (—  ffe^us  197,  20)  vet^ 
näclüs  X^9T\' 21)  tJ/«»^  (-  tüiäus  197,-21)  cHw#ii*^  (CIL.  XJ 
33bä)  jFVoctoeÄ  ^V  115T).  '  Die  TOtoÄhisöheii  B^rÄchen  beatü- 
tigdir'emeii  solche^  iütatbestand :  z.  b.  ital.  seochia  (9\k\g.'lB,t, 
8ibla%'  i\ä\: 'parecchio,  fr.  paneä/  sp/  pak^ja^  ^pthr.  par^  i»#. 
(vglät.  puHdb") ,  itäli  trebbiä-  tf^i^bia^e,  sp.  trilta-  tHUarj-  afr. 
tfibier,'pg.  irühä^t^  (▼glät  tribl^i^  tribWi}^  itaJ,  vecchto, 
{r:  vhit,  pfov.  w^tt,  sp.  m>/ö;  pg.  ««*A^  (vglÄt.  t^e^b)-)  U«w.  ^  • 
'  §  12;  *  Eine  ^'rkühg-  des'akzerits  erflicheiat'in  der  synko^ 
{(irung  Von  äiptetäfn  aspt4dd  äspiititdö  im  gegensät^  2ü  asper 
asperum}  it  äpH'öm  AprUis'^jgeg^nhher'npefi^  in  '  podrtdie 
poitritnui:  i  pösterilie ;'  in  supremue-i  ii$fperi$3;  in  extfAneus  «ar- 

1)  Es  ist  ein  deminutiv  za  nux  'nnas*. 
.,..3)   D^  im^plassiscliei^  asfiitalter   V9r8p]bwandeiie    formanter^chied 
Evipchea  beiden  wqrtk^tegorien  wi^rd  von  Fläu^usr  nooh  beibehalten,  denn 
er  wendet  -eokh  statt  -dlo-  nur.  .am. ende  eines  halbverses  'metri^ causa' 
an,  wie  z.  b.  in  Capt.  440:  periclam  vitae  meae  tao  stat  pericolöl 


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Zur  geschichte  der  lateinischen  vocalsynkope.  2l5 

irimue  ^aMiMtem .:  $sftfiru$;  in  aUHn9e(^  }  ^Ufi^  altemm;  in 
[pßterj  pnUr^Hs  dji.'n^t  der  patera'<;^jpa/era  ^).  Wjr  l^önnen 
dimacb  Aii&ehmen ,  daps  Tortoniges  f  vo.r  r^  nach  4^r  jik^ßnt- 
Terschiebni^  sjmk^ieri  wurde».  Das  unterbleiben,  dßf  8|yQk()|p,f^ 
bei  imperätor  operGsua  veteränus  usw.  ist  gleicht,  zu  erklären:, 
vgl.  inqperö,  opera  operor^  veteris  (gen.)  «),  Pe|*9elbe  voirgang 
erscheint  in  disciplina   (zu  discipulua),  cö^lata  (Lucr.  6,  1086). 

Freilich  ist  bei  der  synkope  vor  l  schwer  zu  sagen  wo  die 
Wirkung  der  vortonigkeit  aufhört  und  diejenige  dör  Volkssprache, 
die  sowohl '  in  Tor-  als  in  nachtoniger  Stellung  zur  vokalaus- 
stossung  hinneigte,  anfängt.  Das  idt  ^  b.  der  fall  miüeaÜMö 
(Plin.  n.  h.  16,  94)  cafj^xsttr  (Vitf.)  zu  catidus ;  epedmor  ^CIL. 
X  684)  zu  speculfn-,  quägUUor  (CIL.'  XIV  25)  'zö  coägulö  uiw. 

II.    Die  synkope.  in  endsilben.  '  ' 

§  J[3.  :  Die  synkope  in  endsilben  wird  von  eigenartigen 
gesetzen  geregelt,  mit  deren  erforschung  wir  uns  zu  b^häf- 
tigeB  haben.  Die  vertheilung.  des  Stoffes  geschieht  am  besten 
nach  der  qualität  dßs  syn)copirten  vol^Js. 

ä  bleibt  ausser  betracht,  da  es  in  ursprunglich  äuslaiitien- 
den  Silben  nicht  vorkam.  Das  historisch  in  nominal-  und  ver- 
balendungjen  erscheinende  ä  (z.  b.  acc.  sg.  rosäfnf  3.  sg.'impf. 
amül^f  präs.  s'ubj.  legaf)  ist'  aus  älterem  ä  dilröh'secund&rb 
abkürzung  entstanden!  ^  '      '   '  -       '^'''' 

Ebenso,  von  f  kann  man  absehen,  denn  2"  (=^  ^  ä)  bleibt' 
vor  complicirtem  consonanten  unverändert  {z.  h\  auspe^t,  inef^^ 
seges  ^  ^segets,  ui  s.  w.),  und  fallt  vor  einfachem ^cöhsonantto 
mit  t  zusammen  (z.b.  geü.  sg;  getieris  aus  *  genest»,  'S.'sg.  präs.' 
legü  SLixs  *ieget  usw.).  Geht  quättuör  s,vS  *qüetriSte8  (ü.'  datti^ 
ras,  gf.  dor.  jhofes  nsw.)  zurück,  so  li^  es  nahe/  die  synkope 
des  ^  anzunehmen,  denn  der  Übergang  des  '^  zu  t  ist  -Vielleicht 
als  jünge^  zu  betrachten:  doch  kann  quaiiuor  die  form  des 
neutrum*  '^gffet^ori  (ai.  ccUvdri,  ags.  fioweirj  Tüylcetiirl,  Tgl. 
Schmidt  Pluralbild.  ;91f,,*.227j  vertreten.  *  Sonst  ist  das  /  iii 
Schlusssilben  eine  kürzung  aus  älterem  ei  nom.  sg.  pater  fraier, 
VL  ^gl.rS.  sg.  präs.  in^.  spUndet,  suIq,  am^^  fnt  leget  u,  s.  w. 

Vt..<<i        <,    4     ... *— , ■ .."  ;»         p      ■      .   I 1 n ,■;■    -r.' ■    ■■ -^ —: 

1)  €tt)  dMgrieehiseh«  Ititknmovt  euprmtmu  («wra^Mrao^  MiB.*p^pfa> 
re$Mi8  (wie  fnmUua  miB  ^^niemk^,  unter  der  alteren  betonong)  «oder  aoe 
*eupCa}rS$9$ts  (wie  pottrldie  a.  dgl.)  entatanden  «ei)  bleibt  jmenjtoQhieden. 

2)  Ynlglat.  veiramu  bei  Schuchardt  Vokal,  d.  Vnlgirlat.  II  424  f. 


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21 6  Giuseppe  Ciardi-Dupre. 

§  14.  Hingegen  ist  die  behandlang  eines  i  eingehender  za 
untersuchen.  Die  in  betracht  zu  ziehenden  Schlusssilben  sind: 
-ris,  "lia,  Ms,  -dia,  -pis,  -bis.  Was  -ris  und  4is  anlangt,  scheint 
mir  angebracht  zu  sein,  sie  mit  -ras,  -los  zu  betrachten,  da 
dieselben  gesetze  beiderseits  gelten.  Also  wenden  wir  uns  zu- 
nächst zu  'tis  und  -dis. 

Die  absorbtion  des  t  und  die  darauf  folgende  reduction 
von  48  zu  -a  geschieht  bei  ^is  in  folgenden  fällen: 

[A]  nach  langem  vocal: 

CÖ8  aus  *  cötia  *)  :  cätus,  ai.  (i-fäti  'er  wetzt,  schärft'  (p.  p. 
gUd'),  gr.  Koiyog  ^k^el,  spitzer  zapfen'. 

dös  aus  *dötis  :  dönumj  dare,  ai.  dddäti  'er  gibt,  schenkt' 
dänd-m  'das  geben,  schenken',  gr.  dldwfii  'gebe'  dtoQov  'ge- 
schenk',  lit.  dü'ti  'geben',  asl.  dati  dass.,  darh  'gäbe'. 

glus  aus  ^glütis  :  gliUen,  gr.  yXoiog  ^klebrige  feuchtigkeit'. 

Its,  altl.  sVis  suis,  aus  *stlUis  :  ahd.  strU  'streit',  as.  strid 
'eifer' «). 

quies  aus  *quietis,  av.  ääti-  'freude',  gthav.  äyeiti-byö  'den 
frohen',  altpers.  Hyatirs  'heimath'.  Das  compositum  requies  ist 
in  die  «-flexion  übergangen. 

Hierher  gehören  die  adjektiva  cuiäs  (quoias)  nosträs  vesträs 
inferfiäs  supernäs  infumäs  sumtnäs  primäs,  sowie  die  volks- 
namen  auf  -äs  z.  b.  Antias,  Anxuras,  Ardeäs  usw. ').  Im  Alt- 
lateinischen behielten  derartige  Wörter  noch  die  endung  -äiis 
bei:  quoiätis  infumätis  Sarsinätis  kommen  bei  Plautus  vor; 
cuiatis  bei  Accius;  Ardeätis  Arpinätis  bei  Gato;  nosträtis  bei 
Gassius  Emina.  Die  grammatiker  und  lexicographen  schreiben 
der  alten  spmche  die  formen  penätis  (Priscianus,  Festus), 
vesträtis  (Priscianus)  zu.  Wie  Ardeäs,  Arpinäs  u.  dgl.  ist 
auch  SamWis  (SamnUis  Gato  orat.  64  fr.  3)  zu  beurtheilen. 

1)  In  späten  schriftatellern  (Venant.  Fortan.  2,  9,  9;  Camiodoms 
▼ariar.  6,  1;  Isidoros  16,  8,  6)  kommt  die  form  cdtia  vor:  sie  aber  steht 
mit  der  ursprflnglichen  in  keinem  Zusammenhang,  sondern  ist  eine  neu- 
bildnng  nach  dem  typas  turrU^  elaasü  eto. 

2)  Über  die  behandlung  des  anlautenden  9ti»  im  Germanischen 
Tgl.  eine  bemerkang  Uhlenbeok's  in  PBB.  XX  828  f.  Eine  andere 
besiehiing  zn  ahd.  stttt  a.  yerw.  sacht  Klage  Et.  wb.  d.  d.  spr.  *  384. 

3)  Vgl.  das  Terzeichniss  derartiger  bildungen  das  sich  beiCorssen 
Aussprache  usw.  '  11  598  befindet. 


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Zur  geschichte  der  lateiniscliei)  vocalsynkope.         217 

[B]  nach  unbttontem  kurzem  vocal: 
campos  impos  aus  *compoti8  "^impoUs. 
hospea  sospes  aoB  *h68(ti}po^  *868(ti)potis  ^). 
intercu8  aas  ^inter cutis. 

Dagegen  unterbleibt  die  synkope  nach  betontem  kurzem 
Yocal:  cüHs  nätis  rätis  sätis  (ady.)  ffUia  *).  pSHs  hat  keine  be- 
weiskraft,  denn  die  adjektiva  zeigen  gewöhnlich  die  endung  -is 
im  nom.  sg.  —  Damit  ist  die  behandlung  zu  vergleichen»  welcher 
ein  auslautender  Tocal  in  manchem  germanischen  dialekte  unter» 
liegt:  er  bleibt,  wenn  die  Torausgehende  silbe  einen  kurzen 
baupttonigen  Tocal  enthält,  dagegen  fällt  aus»  wenn  jene  silbe 
einen  kurzen  nachtonigen  vocal  aufweist:  z.  b.  ahd.  tMri  meri 
ags.  tnere  ^meer',  ahd.  ehumi  ags.  eyme  ^ankunft',  ahd.  udni 
^freund'y  fridu  'fried',  aber  ahd.  Liobwin  Friduwin  (ans  ^i4nniz\ 
Siegfrid  (aus  ^frißuz).    Vgl  Brugmann  I  •  252,  327,  983. 

[C]  nach  liquida  bezw.  nasalis: 

ara  aus  "^arüs  :  ai.  rti-^  'art,  weise',  vgl  riü-^  'Ordnung, 
reger.    Hierher  auch  die  composita  inera,  sollers. 

cokors  aus  *cohortis,  einer  Zusammensetzung  mit  hotius 
als  zweitem  glied.  Der  Übergang  von  der  o-  zur  f-flexion  ist 
in  solchen  fällen  ein  geläufiger  Vorgang:  vgl.  indenmis  zu 
damnum,  bimembria  zu  membrutn,  exsontnis  zu  sotnnus  u.  s.  w. 

fors  aus  "^fortia,  "^bhfiis  :  ai.  bhrti-^  'tragen,  pflege,  unter- 
halt'y  airl.  brüh  'tragen',  got  gchbaürfs,  ahd.  gi-burt  'gehurt'. 

gma  aus  "^gsrUis,  wz.  §efh  vgl.  ai.  jänaS'  'geschlecht*,  arm. 
ein  'gehurt',  gr.  yepog  'geschlecht',  lat  gi^gn-ö  mUiö  genus, 
airl.  gein  'geburf ,  got  kuni  'geschlecht'  u.  s.  w. 

mens  aus  mentia  (das  bei  Ennius  sat.  38  u.  39  ed.  M.  vor- 
kommt) :  ai.  matl'^  mdti-^  'gedanke,  meinung,  einsieht',  got. 
gamunds,  ahd.  gimunt  'andenken',  lit.  atmint\8,  asl.  pam^h. 
Hier  sind  auch  die  composita  amens,  dsmens  ')  anzuführen. 

1)  Nach  der  analogrie  von  comh  n.  dgl.  wurden  ^hospot  *909po9  sa 
Aoipu  sa9p0M  amgestaltet. 

2)  Ist  die  oft  vorgetragene  erklärnng  von  no»  'naohtt'  aas  gen.  sg. 
*noeU9  (besw.  *nM^oä)  richtig,  so  ist  anzunehmen,  ein  positionslanger 
vocal  vertrage  sich  in  diesem  besng  wie  ein  naturlanger,  und  demnach 
nom.  oM«  als  eine  rückbüdnng  sn  betrachten. 

8)  Auch   eti$Mn$,  v§h&mensf    Osthoff  Aroh.  f.  lat.  lex.  IV  468 
will  diese  ans  *Ü0inMnQ»  *^$§hemeno9  (ai.  ^rayamSnoi  vahamäna»)  her- 
leiten: die  Synkope  aber  des  Z  in  -vtMnoB  findet  sich  durch  kein  sicheres 
Bcitilg»  I.  kund«  d.  iAdg.  tpndM».    XXVI.  15 


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218  öiuaeppe  Ciardi-Dupre 

mors  aus  ''^mortis  :  ai.  mfti^  'tod',  lit  mirtia,  asL  su- 
mrhh  ds. 

pars  aus  ''^partis,  in  ablaut  mit  portiö.  Hierher  auch 
€xper8>  y 

sars  {sortis  Plaut  Gas.  680)  y  aus  *$arctis  ^srgtirs  :  ai. 
9rfH9-  'Schöpfung,  wesen,  natur'  (vgl.  Osthoff  o.  XVn  158 £)? 
Mit  sors  sind  die  composita  consors  exsars  zu  citiren. 

Hierher  wohl  die  volksnamen:  Laurens  {Laurentis  Eon. 
ann.  15  ed.  M.),  Tämrs  (Tiburiis  Gato  orig.  2  fr.  61),  Veiens 
(aus  *VsienHs). 

Ob  ingens  und  Isns  einen  {-stamm  enthalten,  bleibt  un- 
sicher. Lindsay  274  fuhrt  ingsns  auf  eine  basis  ingenti-  d.  h. 
*^eft-^  ^unknow,  uncouth'  zurück.  Aus  derselben  wurzel 
^0it-  ^kennen'  wird  ingsns  von  Danielsson  Altit  stud.  IV 
149  f.  erklärt;  doch  setzt  er  einen  consonantischen  stamm  *tft- 
gen-t'  voraus.  Endlich  stellt  Fay  Class.  Rev.  XI  12  f.  ingens 
mit  ai.  mahänt-  'gross,  wichtig'  (und  mit  loc.  pL  aghdsu  RV. 
10,  85^  13)  zusammen,  und  erklärt  es  aus  *^h'intr.  —  Für 
lenti'  scheinen  nom.  sg.  lentis  (Prise.  7,  64)  und  acc.  leniim 
(Gato  r.  r.  35,  Golum.  2,  10,  15),  abl.  Unti  (Titinius  com.  fr. 
163  ed.  Bibbeck)  zu  sprechen. 

beispiel  geatuizt,  vielmehr  sprechen  daminuB  getninui  iermimu  dagegen. 
W.  Schulze  KZ.  XXVUI  270  anm.  führt  vhemetu  auf  ^vikM-ment- 
(vgl.  ai.  ayu^mant-  'der  ein  langes  leben  hat'  zn  ayuf-  4eben')  znrück, 
doch  scheitert  eine  solche  erklämng  wohl  daran,  dass  sie  auf  der  unbe- 
wiesenen, flofi^r  unwahnoheinlichen  theorie,  t  sei  im  Lateinischen  vor 
tonenden  verschlnsslauten  (namentlich  5,  <Q  und  nasalen  ohne  ersatz- 
dehnung  ausgefallen,  wenn  es  einem  nachtonigen  vocal  folgte,  begründet 
ist.  Nach  einer  dritten  auffassung  wäre  die  nebenform  temens^  die  für 
manche  stelle  bezeugt  wird  (vgl.  Lachmann  Gomm.  in  Lucr.  s.  182  t.), 
als  die  ursprüngliche  anzusehen:  v9menB  d.  h.  *V€menti8  sei  eine  bildnng 
derselben  art  wie  OA-samM  ve-eorB  usw.  und  bedeute  eigentlich  'sinnlos' 
dann  'rasend,  heftig';  die  form  vehemens  sei  durch  Volksetymologie  ent- 
standen. Dagegen  sucht  Nieder  mann  IF.  X2&5f.  nachzuweisen,  dass 
vemsfUf  als  die  'allegroform'  zu  vehwnens  (s  *9«A#m«fio«)  anfgefasst,  die 
quelle  der  lateinischen  bildungen  mit  anlautendem  vS-  ist  (oioors,  oisi- 
fitM,  V€grandi$,  iapaUidu$f  vJ$eu»  'wählerisch,  heikel,  keinen  rechten 
appetit  zeigend'  aber  nicht  i^eii«  'fressend,  zehrend'  das  als  eine  retro- 
grade bildung  von  vesear  d.  h.  *v9^e8ear  erklärt  wird).  Meines  eraohtens 
ist  die  frage  über  die  etymologie  von  nekemen»  noch  eine  offene.  — 
Was  ei9m$ns  anbetrifft,  kann  man  eine  gmndform  *  dÜ-mmU-s  anaetsen, 
aus  der  wz.  ^UO-  (dazu  Schwundstufe  *l/^  in  d.  holdf). 


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Zur  geschichte  der  lateinisohen  vocalsynkope.         219 

Über  f<m8,  pana,  mom  s.  unten. 

Eine  ausnähme  zu  [A]  liegt  in  mi^,  rato,  vUia  vor  ^\  die 
ottch  der  analogie  des  typus  ims^  dUis,  rätii  u.  dgL  umgebildet 
sind.  Was  mUü  anlangt »  ist  die  Umgestaltung  am  leichtesten 
erklärlich,  da  im  Lateinischen  die  pariayUabische  declination 
bei  den  adjektiven  die  geläufige  ist  *;.  Bei  rstis  und  pUis  yer- 
mag  ich  nicht  zu  sagen,  was  fiir  ein  besonderer  gnind  den 
anstoss  dazu  gegeben  hat  Dasselbe  gilt  für  die  ausnahmen  zu 
[C]:  sefnenüs,  9entis. 

Um  die  behandlung  Yon  -dis  zu  erforschen  haben  wir  ein 
dürftiges  material  zur  yerfiigung.  Man  kann  jedoch  annehmen, 
dieselben  gesetze,  welche  wir  für  »^m  ermittelt  haben,  seien  auf 
diesem  gebiete  gültig.  In  der  that,  stellen  sich  fidis,  pSdia^ 
ruiis,  südis,  trüdia  zu  ciMs,  nätia  u.  dgl.  zur  seite,  und  dem- 
entsprechend zeigen  canears  (neben  concordis  CaedL  com.  fr. 
109  ed.  R.),  diBcara  (diacardis  Pompon.  com.  fr.  165  ed.  R.), 
exears,  misericars,  aöcarSf  vScors  die  Synkope  nach  liquida»  wie 
ars,  pars  u.  dgl.  auf  *). 

Die  Synkope  bei  -pis  und  -bis  scheint  regelmässig  zu  sein: 
carba  (Fragm.  Bob.  GLK.  V.  561)  neben  dem  gewöhnlichen 
corbia;  apa  Opa  inopa  neben  dem  seltneren  Opia  (P.  ex  F.  211, 
Hygin.  fab.  139,  Fulgent.  myth.  1,  2);  acoba  (Prise.  7.  40)  neben 
scobia;  acroba  (Prise.  7.  40,  Fr.  Bob.  GLK.  V.  561,  Colum. 
passim)  neben  acrobia;  orba  (nur  bei  späten  Schriftstellern: 
Yen.  Fort.  9.  3. 14,  Vita  S.  Mart.  4.  583)  neben  gewöhnlichem 
arbia. 

Die  mit  cctpU-  zusammengesetzten  ancapay  bieepa,  praaeapa 
hatten  eine  ältere  form  ^-eapia  (vgl.  procapia  'progenies  qnae 


1)  AbrichtUcb  oitire  ich  nicht  den  angeblichen  nom.  Bg.  ftUü 
^wassergeschirr'.  Ein  solcher  nominativ  ist  anbelegt,  der  aoc.  fiUim 
(Yarro  1.  L  6,  25,  119)  ist  ein  &nai  Xfy6furw, 

2)  Die  adjektintche  fanktion  war  Tielleioht  die  nrtache  wamm  bei 
noiträM  v€&trm$  Arpinmi  a.  dgl.  die  endong  -<m  länger  als  bei  ifö«,  iu  qbw. 
am  leben  erhalten  wurde.  Bei  Arpinäs  und  die  übrigen  yölkemamen 
kann  die  thattache  dasu  beigetragen  haben,  daas  sie  am  gewöhnlichBten 
im  plaral  gebraucht  worden. 

3)  Das8  alle  oomposita  ans  -ecrd-  in  die  »-flezion  bei  der  zusammen- 
Setzung  übertreten  seien,  ist  yon  yomherein  wahrscheinlich.  Vgl.  fttnö- 
mmis  *cui  geminum  est  nomen'  (P.  ex.  F.  26.  86)  tognäminis  (Plaut.) 
mMfüTu  (PUn. ;  dagegen  muUtfaru9  Ovid.,  hifora  Vitmv.)  iMquipedi» 
(Hart.  Galg.  de  arb.  promif.  8.  1). 

15* 


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220  Giuseppe  Giardi-Dupre 

ab  uno  capite  procedit'  P.  ex  F.  281.  22),  woraus  zunächst 
*'Cipi8  (vgl.  ancipes  Plaut  Rud.  1158,  praeeipes  ib.  671,  mit 
-es  yielleicht  in  anlehnung  an  superstes,  atdisUs  u.  dgl.).  Die 
classische  endung  -^eps  wurde  wahrscheinlich  durch  die  com- 
posita  mit  cap-  (aueeps,  princep$  u.  dgl.)  beeinflusst  —  Meiner 
ansieht  nach  sind  trabs,  urbs  wurzelnomina  auf  b,  denn  die 
nebenformen  trabis,  urbis  kommen  nur  in  späten  texten  veiv 
einzelt  vor,  und  daher  können  als  rückbildungen  betrachtet 
werden.  Ähnlicherweise  sind  die  isolirten  nominatiTformen  nabs 
(liv.  Andron.  bei  Serv.  zu  Aen.  10.  636)  und  serps  (Ven.  Fort 
8.  6.  195)  analogisch  gebildet,  denn  die  synkope  der  endungen 
'bss,  'pen8  ist  keineswegs  anzunehmen. 

§  15.  Synkope  des  o.  Zunächst  wollen  wir  die  silben 
-ros,  'los  berücksichtigen.  Wenn  ein  consonant  diesen  endungen 
vorausgeht,  schwindet  das  o  und  wird  das  r  bezw.  Z  zu  r  bezw. 
/.  Als  beispiele  hierfür  seien  erwähnt:  ager  aus  ^agerft)  ^agr» 
*a§ro8  (ai.  dfra-s  *trift,  flur',  gr.  ayqog  *feld',  got  akrs  •flur, 
acker'),  inAer  (mit  Übergang  in  die  t-flexion)  aus  *if?iÄÄr<fo  (ai. 
abhrd^m,  av.  awra-  ^ wölke',  gr.  oiq>fi6g  'schäum'),  macer  aus 
^maeros  (gr,  fiOKQog  'lange'),  integer  aus  *entagro8  (zu  tangö). 
Dabei  handelt  es  sich  nicht  um  eigentliche  synkope,  sondern 
haben  wir  mit  dem  sogenannten  samprasära^a  der  indischen 
grammatik  zu  thun,  das  sowohl  in  schluss-  wie  in  mittelsilben 
(vgl.  agdlus  aus  *agerlo8  *agrolo8,  mätertera  aus  ^mätroUra, 
sacerdöe  aus  ^sdcrodöts)  erscheint  Dagegen  tritt  die  synkope 
nach  kurzem  vocal  ein:  z.  b.  gener  (aus  *genero8)f  socer  (aus 
*8ocero8  ^syskuros,  gr.  suvQogy  ai.  gvd^ra'^s,  lit  szeszuras 
'Schwiegervater'),  puer  (aus  *pouero8)\  asper  miser  prosper 
pauper  tener  saiur;  alle  ^o-stämme;  famul  (aus  *famdos, 
nicht  aus  *  famlos).  Als  rückbildungen  sind  inferus  supems 
exierus  posterus  properus  prosperus  camurus  aemult4s  famulus 
pendulMs  lumtdus  usw.  anzunehmen.  Sommer  47  f.  hat  die 
meinung  ausgesprochen,  die  synkope  sei  in  zweisilbigen  wörtem 
lautgescftzlich  unterblieben ,  und  beruft  sich  auf  den  gegensatz 
fürus  :  semifer  (mit  kurzer  offner  paenultima)  (vgl.  cutis  :  wi- 
tercus).  Ist  diese  meinung  richtig,  sö/müssten  vir  (aus  *viro8) 
und  far  (aus  *bharo8)  analogische  rückbildungen  sein:  für  vir 
denkt  Sommer  an  den  von  triumvir,  decemvir  einerseits,  und 
von  den  auf  -r  auslautenden  verwandtschaftswörtem  wie  gener 
socer   levir  pater,   namentlich    von   uxor,   ausgeübten   einfluss 


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Zur  geschieh te  der  lateinischen  Yocalsynkope.         221 

{far  citirt  er  nicht).  —  Nach  langer  pänultima  erscheint  die 
Synkope  weder  in  zwei-  noch  in  mehrsilbigen  Wörtern  (z.  b. 
clärus  amärus  virus  sevirus  dlrus  mörus  pürus  nUUürus)^  und 
es  hindert  nichts  anzunehmen,  dieser  thatbestand  sei  der  laut- 
gesetzliche. 

Da  -i*i-;  'lu  in  bezug  auf  das  samprasfira^a  mit  -ro-,  -Uh 
hand  in  band  geht  (vgl.  hibemus  aus  "^hibrinos,  facultas  aus 
*faditä8  u.  s.  w.),  so  ist  von  Yomherein  wahrscheinlich,  -lis, 
•ris  seien  ebenso  der  synkope  unterworfen,  aber  in  der  tfaat 
kann  man  dafür  kaum  ein  paar  beispiele  anfuhren,  denn,  in- 
folge des  häufigen  Übertretens  der  ro-,  */o-stämme  zur  i-flexion, 
bleibt  es  in  einzelnen  fallen  unsicher,  ob  es  sich  um  einen  -ro, 
'lo-  oder  um  einen  -ri',  -U-stamm  handelt  Wahrscheinlich 
waren  dMl  (neben  debäis)^  pugü  vigil  echte  Jt-stämme. 

Die  endung  4o8  scheint  in  derselben  weise  wie  -tis  behan- 
delt zu  werden. 

Nach  Brugmann  Ber.  d.  k.  sächs.  ges.  d.  wiss.  1893 
s.  144  anm.  geht  fons  auf  den  im  gottesnamen  FatUus  erhal- 
tenen stamm  ^dhan-to-s  zurück,  worauf  wohl  die  o-stufe  der 
Wurzel  hinweisen  soll.  Die  wurzel  sei  dhefy-  ^fliessen\  vgl.  ai. 
dhdnati  'flieset,  rinnt'  (so  auch  Bugge  Gurt.  st.  IV  343  f., 
BB.  XIV  78,  Fick  I  *  74  u.  463,  Persson  St  145;  nach 
Von  Planta  I  453  sind  vielleicht  hierher  auch  die  flussnamen 
Don,  Donau  zu  ziehen  ^).  Der  Übergang  zur  consonantischen 
(bezw.  i-declination)  sollte  im  nom.  sg.  *fani(o)8  und  gen.  pl. 
*fantum  geschehen.  —  Gleicherweise  geht  man  auf  *mon-tO'$ 
zurück,  WZ.  men-  'hervortreten,  sich  erheben'  (vgl.  S-mineö  im- 

1)  Über  die  eiymologie  dieses  wertes  gehen  die  ansicbten  weit 
ftoseinander.  Maarenbrecher  N.  jshrb.  f.  pbilol.  GXLV  199  stellt  fona 
za  fen&stra  und  fahrt  beide  aaf  ws.  dhen'  ^öffnen'  zarück  (s.  Brngmann 
n  1483).  Nach  Breal  MSL.  VI  116  f.  heisst  fons  'endroit  oq  Teaa  heurte, 
OQ  eile  jaillit'  and  geht  auf  die  wohl  bekannte  ws.  fik^n-  *sohlagen,  ver* 
letzen'  zurück  (der  bedeatung  wegen,  sei  auf  gr.  n^Y1^  'oe  qni  perce  le 
8ol  a  la  fa^on  d*iin  pien  qu'on  fiohe'  hingewiesen).  Johansson  Beitr.  z. 
gr.  sprachk.  116  verbindet  /cms  mit  gr.  ip^aq  (gen.  *^^jr9ro()  und 
liest  den  stamm  ^font-  aas  ^fount-  herleiten:  das  r  sei  im  nom.  sg, 
*pur'  aas  ^fröu-t'  daroh  dlBsimilation  verschwanden.  Endlich  sei  die 
ziemlieh  verbreitete  ansieht  erwähnt,  wonach  foni-  einem  *§h^ont-  (wz. 
^^^  'giessen',  gr.  /^a»)  entsprechen  soll  (einen  stamm  *gheif'0'fU-  anzn- 
setzen,  hindern  die  romanischen  sprachen,  die  ein  2^  erheischen,  w&h« 
rend  aas  */eifafU'  nur  */o[ff](mt^  *fötU-^  entstehen  konnte). 


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222  Giuseppe  Ciardi-Dupre 

mineö  pramineö,  wozu,  nach  G.  Meyer  Et  wb.  d.  alb.  spr.  255, 
alb.  mcye  'spitze,  gipfeP  :  8.  auch  Persson  KZ.  XXXIII  292  f.). 
—  Gewöhnlich  wird  pons  mit  ai.  paih-  'pfad,  weg*,  asL  pqh 
*weg'  zusammengestellt,  wobei  unentschieden  bleibt,  ob  es  ein 
consonantischer  oder  ein  i-stamm  ist  ^).  Ich  vergleiche  viel- 
mehr  pons  mit  gr.  Ttowog  'meer'  nicht  nur  in  rücksicht  auf 
die  Wurzel  sondern  auch  auf  die  flexion  >).  —  Nach  dem  ge- 
sagten können  fraudulens  (Plaut.)  cpulms  (Sali,  ApuL)  videns 
(Horat.)  die  lautgesetzliche  entwickelung  von  '^4ml(o)8  vertreten, 
und  daher  fraudulentus  u.  dgl.  rückbildungen  nach  den  casus 
obliqui  sein. 

Für  die  Synkope  nach  liquida  gibt  es  ein  beispiel:  puls 
aus  *poUa8  (gr.  nSXvos  'brei'). 

Die  belege  für  die  synkope  nach  langem  vocal  sind:  dam- 
näs  aanOs,  inquiSs  irrequiSs  mafiauSs.  Dagegen  sind  inquistus 
u.  8.  w,  und  die  participia  auf  -ätus,  -^us,  -Uu^  u.  s.  w.  als 
analogische  rückbildung  zu  betrachten. 

Was  die  endung  -cos  betrifft,  kann  ich  mich  darauf  be- 
schränken, auf  Sommer  49  zu  verweisen,  der  sich  folgender- 
weise ausspricht:  ^'Freilich  finden  sich  berührungen  zwischen 
k-  und  Ä;o-stämmen  auch  in  anderen  idg.  sprachen  [Brugmann 
2,  239,  384  f.];  die  grosse  ausdehnung  jedoch,  die  der  Übergang 
in  die  konsonantische  flexion  speziell  im  Lateinischen  genommen 
hat,  so  namentlich  bei  den  adjektiven  auf  -Ix  =  -icos,  -äx  s= 
"Oeos  [vgl.  das  Keltische],  legt  die  vermuthung  nahe,  dass  der 
deklinationswandel  durch  lautliche  Vorgänge  unterstützt  wurde, 
so,  indem  der  n.  sg.  mask.  auf  -äcas  usw.  lautgesetzlich  zu  -ax 
wurde". 

§  16.  Synkope  des  ü.  Das  einzige  beispiel  soll  cadAs 
sein,  das  nach  Solmsen  EZ.  XXXIV  35 f.  auf  * caiviU-bhu-s 
(zu  ai.  JUvala-  'ausschliesslich,  einzig*,  also  ^allein  lebend')  zu- 
rückgeht.   Der  annähme  dieser  synkope  widerspricht  die  durch 

1)  Im  Ai.  wechseln  in  der  flexion  von  path*  die  consonantisohen 
and  die  t^formen  ab :  Instr.  Bg.  paihs  dat.  sg.  paihe  loc.  sg.  patki  gen. 
k>c.  da.  palho$  acc.  pl.  paihas  gen.  pl.  patkämy  dagegen  instr.-dat.-abl.  da. 
pathMyam  instr.  pl.  pathMis  dat.*abl.  pl.  ptUhMyoB  loc.  pl.  patUu 
Die  übrigen  casns  folgen  einem  n-stamme. 

'  2)  Worzelverwandt  sind  alle  antereinander.  Für  die  bedeatangs- 
entwicklang  vgl.  mit  p(m9 :  n6rT0f  das  verhaltniss  av.  p9r9kh  'brücke'  : 
ags.  fardj  ahd.  vurt  fort'. 


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Zur  gescbichte  der  lateiniacheD  vocalsynkope.         223 

kanen  analogischeD  einäiiBS  zu  erklärende  erhaltiing  des  41  in 
der  dativ-ablativendnng  -ims.  Ich  nehme  vielmehr  an,  die  flezion 
von  cadebs  sei  nur  in  den  casus  obliqui  lautgesetzlich.  Aus 
gen.  sg.  ^cafiibyfis  dat.  ^caffib\fi  usw.  konnte  nur  cadibis, 
cadibi  (ygl  ditbius  aus  *duiihi^^^;  amobö  amabam  aus  "^amä^ 
Ut^'ö,  *afnabk^''äm)  entstehen.  Zu  eaelibia,  eaelibi  wurde  ein 
nom.  caelebs  gestellt,  nach  dem  Verhältnisse  primeepe :  prmeipü, 
urbs  :  urbi8  usw.  Vgl.  auch  Prellwitz  o.  XXII,  114,  nach  dem 
überhaupt  nicht  von  -^bhü  auszugehen  ist,  sondern  von  bhi 
^scheinen'. 

Florenz.  Oiuseppe  dardi-Dupri. 


Gr.  7i€iQw  und  nQo. 

Die  idg.  wurzel  "^per,  *par,  zu  der  gr.  ttm^  aus  ^/rsf-joi 
gehört,  drückt  die  Vollendung  einer  nach  vorwärts  gerichteten 
bewegung,  bezw.  eines  nach  einem  bestimmten  ziele  hin  ge- 
richteten bestrebois  aus.  Aus  dieser  grundbedeutung  erklärt 
sich  die  grosse  menge  stammverwandter  Wörter:  I.  Die  wörter, 
denen  die  bedeutung  'durchdringen,  an  das  ziel  oder  ende  ge- 
langen'  zugrundeliegt  Gr.  Tteiffw^  TteQafo  'dringt  durch',  noifog 
'weg'  (noQeviOy  7toqitia\  ifi-nofgog  'reisender',  ai.  päram  'ende, 
grenze',  parah  'das  jenseitige  ufer',  pruMah  'rand,  säum',  gr. 
ftiqa  'das  jenseitige  land',  ^«^f;  ds.,  näqaQ  'ziel,  ende', 
TtsQcUpta  'vollende',  nenopfj  'spitze,  nadel',  ftUQa  'schärfe',  ai. 
patvan-  'abschnitt',  gr.  jtqifjLvov  'Strunk',  TtQVfirSg  'der  äusserste', 
Tt^fiVT)  '8chi£Gshinterteil',  diafifreQig  'durch  und  durch',  dia- 
TtQvOLOv  'durchhin'.  {-nBqeg  in  SiafiTtßQig  ist  das  neutrum  des 
selben  Stammes,  der  in  d'7se(i)Qia'iog  'unendlich'  vorliegt;  dazu 
Sia-TTifvaunf^  dessen  nuva-  die  schwundstufenform  zu  -^«^^ 
ist.  (Prellwitz  Et.  wb.  261  stellt  nQifivw,  nfv^pog  zu  an. 
frakkr  u.  s.  w.,  idg.  "^preg,  Spreng  'stark  sein' ;  das  geht  wegen 
fcvfiiXTog  nicht  an,  siehe  unten),  got.  faran  'fiahren',  fSra  'seite, 
gegend'  u.  s.  w.,  ahd.  vurt,  aisl.  fi^Sr  'bucht',  lat.  porius 
'faafen',  porta  *zugang',  porto  'führe,  kelt.  'ritum  'vadum',  russ. 
porofm,  ahd.  farm  'fähre',  aw.  por^tu-  'brücke'.  IL  Die  wörter, 
denen  die  bedeutung  'hinüberfuhren,   verkaufen,  handeln'  zu* 


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224  Hans  Reichelt 

gnmde  liegt:  gr.  TtBQOfay  TtiifPtjfUy  niTtQoaxw  'Terkaufe'  ftS^nnn 
'verkäufliche  dirne',  ai.  tnfO-priydh  'beschäftigen'  vyä-parah  'ge- 
schäft',  ptm-  aus  "^pam"  'handeln',  lit  pelnas  'verdienst',  pdmyti 
'verdienen',  perkü  'kaufe',  prihis  'preis',  lat  pretium  'preis', 
(Prellwitz  o.  23.251  f.),  inter-prea ms  *^pret8  'Zwischenhändler', 
air.  renim  'verkaufe'.  IIL  Die  Wörter,  denen  die  bedeutung  'er- 
fahren, versuchen'  zugrunde  liegt:  nelQa  'versuch',  ^«e^octf, 
TteiQo^  'versuche',  aL  ni-ptsnah  'gewandt,  erfahren',  lat.  ex- 
perior  'versuche',  re-perior  'finde',  perUus  'erfahren',  periculum 
'versuch',  lit.  pratdü  'verstehe',  prötas  'verstand'. 

Alle  diese  werter  gehen  also  auf  einen  gemeinsamen  idg. 
stamm  *p^,  por  zurück,  der  in  den  verschiedenen  abstufungs- 
formen  als  *p«r,  '^por^  ♦pr,  *p^,  *pör  C^prS,  *prö)  erscheint. 
Ich  gebe  zu,  dass  sich  gegen  manches  der  angeführten  Wörter 
wegen  seiner  Zugehörigkeit  einspräche  erheben  liesse,  doch  hoffe 
ich  mich  durch  die  folgenden  ausfiihrungen  rechtfertigen  zu 
können.  Die  reihe  der  aus  der  wurzel  *per  zu  erklärenden  Wörter 
ist  noch  nicht  erschöpft.  Es  steht  mit  ihr  zweifellos  noch  eine 
anzahl  adverbialer,  bezw.  praepositionaler  formen  in  engstem 
zusammenhange.  Der  reine  stamm  liegt  in  *per  (lat.  per^ 
umbr.  per-,  lit.  per,  got.  fair")  vor.  Auf  diesen  stamm  müssen 
einzelne  zu  adverbien  erstarrte  kasusformen  zurfickgefuhrt 
werden,  die  zusammen  die  dedination  eines  einsilbigen  neutrums 
ausmachen  [vgl  ^df^,  *dö  'haus' :  ^detn-^  'baue'].  Die  grund- 
bedeutung  ist  etwa:  "strecke  (der  durch  das  ziel  abgegrenzte 
weg),  ziel,  Zeitraum,  Zeitpunkt,  ende".    Es  mag  diese  ansieht  ^) 

1)  üebrigens  steht  diese  ansieht  nicht  vereinzelt  da:  idj(.  *ama 
(ai.  ätUi  'gegenüber',  gr.  dvrC  'gegenüber',  lat.  ante  *vor',  got.  and  'gegen', 
(it.  aSU  *auf )  wird  wie  gr.  avra  'gegenüber'  (ttvrtiv)  als  kasas  eines  mit 
ai.  dnta^  'nähe,  ende',  got.  andeü  'ende'  und  lat.  ante$  'reihen'  xu- 
sammenhängenden  Stammes  aafgefasst.  *anii  ist  regelmässiger  locativ, 
ttvra,  avtffv  regelmässiger  instrumental  ^an^,  *antim  [vgl.  Verf.  fiB. 
25,  28S]  zu  einem  stamm  *afit-.  Idg.  *^-m  Hram^  (ai.  tirik,  aw.  torö) 
ist  genitiv  eines  Stammes  *<ar-  (zu  ai.  *<f-  'bohren',  gr.  xii^  a.  s.  w.), 
dessen  ursprüglicher  nominativ  *tir  nur  in  osk.  U§r[fim],  tenim  'land, 
gebiet',  air.  tir  aas  *t&r-i  'gebiet'  vorzuliegen  scheint.  Der  bedeutung 
wegen  vgl.  die  sippe  ^p&r-  :  gr.  niQas  *ziel,  ende'  —  ri^/ia  'ziel,  ende'; 
ai.  parvan  'abschnitt'  —  osk.  terüm  'stück  landes';  ai.  pärdm  'ende, 
grenze',  pSrah  'jenseitiges  ufer'  —  ai.  ttram  'nfer,  rand' ;  mtQm  :  nfQ-  : 
noQog  »  reiQw  :  rig-  :  ai.  Uräljt.  lat.  trans  ist  zu  terra  aus  ^t&r-ea  zu 
stellen;  vgl.  ai.  Kro^  aus  *lfff9  :  xoQa'ti  ss  träne  aus  ^trfe-  :  ters^i^ 


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Gr.  Ttuqta  und  tt^.  22Ö 

befremdend  sein»  allein  die  Tei^^leichung  mit  den  dedinations- 
yerhältnissen  der  einsilbigen  neutra,  wie  sie  Meringer  S.  Wien. 
AW.  12Ö,  2  untersucht  bat,  unterstützt  dieselbe  wesentlich. 
Zu  dem  yerbum  *d^nö  'baue'  gehört  das  neutrum  ^d&my  ''^do; 
zu  *perö  ist  allerdings  kein  '*pör(*p9rj  oder  *pö(^pe)  zu 
finden,  doch  beweisen  mir  formen  wie  ain  (Ur[fnaU  ^admodum 
leniuB  neben  gr.  nfpi-^r/p  'jährlich'  einerseits  und  gr.  na-ytav 
'hart',  n&Ki  'zu'  neben  rt^fotiy  aw.  paüi  neben  ai.  prdti,  hom. 
Ttvfunog  'der  äusserste'  neben  nQvfivog  andrerseits,  dass  es  einen 
ursprünglichen  nom.  ^pSr  thatsächlioh  gegeben  hat  und  dass 
zu  einem  nom.  ^por  die  nebenform  *po  noch  vorhanden  ist. 
6r.  nti^tav  ist  nach  Prellwitz  a.  o.  269  zu  vn^og  'stark' 
zu  stellen :  ''starr  nach  der  alten  mode,  YgL  o^yQnioyiav^\ 
Diese  erklärung  scheint  mir  gerade  so  gekünstelt,  wie  die  aus 
Ttvyw.  ftiaywf  ist  in  nw^tav  zu  trennen;  ^ytav  gehört  zu  gr. 
yiwgj  lat  gma  'kinn'  und  rroi-  zu  ^«^,  nno^,  mAytav  ist  also 
das,  was  vor  oder  an  dem  kinn  ist,  der  'hart'.  Vgl.  q>Xoy6g 
Ttur/iov  'der  hart,  rand  der  flamme'  Aisch.  Ag.  291.  Zu  gr. 
TToVi,  aw.  paüi  und  Ttvfiotog  vgl.  die  ablautverhältnisse  von 
idg.  *§röu  ^handmühle'.  Meringer  a.  o.  lit  gir-na  :  ai.  brö  «a 
§r  :  §ro.  In  idg.  zeit  standen  bereits  die  nom.  *§röu  und  *§rö 
nebeneinander;  der  gemeinsame  genitiv  war  *§rf^u^a8  (*^^- 
nuf^).  Als  aber  der  nom.  durch  das  -n-  des  obliquen  kasus 
erweitert  wurde,  entstanden  neben  nom.  *^r^  formen  wie 
cymr.  brewan,  got  qaimus  aus  *§re^i^(m'f  *§^rnyr}  neben  nom. 
§rö  formen  wie  lit.  glrna^  ahd.  quim  aus  *^-,  *^em  mit 
Verlust  des  stammhaften  -«-.  Gr.  Tto-vi  i  ma-^iov  —  tto^-o^  : 
*7t(OQ'.  Hom.  TtvfiaTog  aus  ftofiatog  ist  nicht  mit  osk.  posmom 
zusammenzustellen.  Osk.  posmom  ist  wohl  wie  pustm(a8)  aus 
post-mom  entstanden.  Planta  2,  207,  Fr.  Sommer  IF.  11,209. 
^nofictfog  aus  ^Ttofi^-^og  ist  direct  mit  Ttfifav-ov,  ftfVfiV'Og  zu 
verbinden^  ftfhfiotog  :  Ttta^oy  »  Tt^^iivov  :  ftfuj'trjv.  Ferner 
ist  das  bestreben  des  nominativs  sich  zu  vergrössem  und  das 
Vorhandensein  des  aus  den  obliquen  kasus  stammenden  -n  ein 
beachtenswerter  anhaltspunkt  Neben  nom.  *dömj  dö  'haus' 
steht  gr.  dofiog^  ahd.  zimbar  aus  *dem'r(h  und  dcJjua,  öiiaag 
mit  a  aus  9;  vgl.  gr.  niga  'jenseitige  land',  ai.  pärdm  'ende', 
hom.  TcelQOQ  'ende'  und  gr.  niqag  'ziel'  (Ttegaivw),  TteQovtj 
'spitze',  lit.  pelnas  u.  s.  w.  Neben  nom.  *ö8  'mund'  steht  lit. 
ü'a-^u  'flussmündung',  preuss   aust-in  'mund';  vgl.  lit.  pröt-as 


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226  Hans  Reichett 

'verstand',  lat.  inter^pre(t)^8  'Zwischenhändler'  u.  s.  w.  Neben 
nom.  *dör  (*döru)  *holz'  steht  an.  troff,  ahd,  mhd.  troc  aus 
vorgenn.  *druk6-  [Kluge  Wb.  *  382];  vgl.  lit.  prikis  'preis' 
(perkü  'kaufe').  Neben  dem  idg.  nom.  •ar,  Ssr  'blut'  steht  ai. 
^r?/  ^rI-  S^'  ^Q^y-ogy  Ttgay-fna  'that',  Ttgä^ig  'geschäft'  aus 
*1^S^-'  Neben  nom.  *dötn  'haus'  steht  aw.  nmäna-,  d^mana^ 
aus  ^dman-  [Meringer  a.  o.];  vgl.  lat  prönus  'vorwärts  ge- 
neigt'. Lindsay  Lat.  gr.  371.  Lat.  prönus  kann  aber  auch 
aus  *praven-08  entstanden  sein,  wie  ncmis  aus  *  noven-os,  vgl.  ai. 
pravandh  'abhang'.  Dafür  spricht  dor.  nQäv7jgs,uB  ^nga-fcnh-ifg 
—  *Pr'i^^)'  [oder  aus  ^pfn*?].  Weitere  parallelen  werden 
später  zur  spräche  kommen. 

Idg.  *per  (lat.  per,  lit.  per,  got.  fair-)  ist  der  reine  stamm, 
wie  er  in  *per'ö  vorliegt.  Die  bedeutung  ist  entsprechend 
'durch';  daneben  mit  der  bedeutung  'durchaus,  ganz,  sehr'  gr. 
fteQ,  lat  per-  (magnus),  lit.  per-  (saldüs),  air.  er-  (chosmil). 
Ich  sehe  keine  notwendigkeit  gr.  mq  aus  Tte^i  zu  erklären, 
wie  es  häufig  geschieht  Sowohl  gr.  Ttig  wie  alle  andern  ange- 
führten formen  sind  suffixlose  locative,  wie  gr.  ev-dov  aus  ^-dom 
'drinnen,  im  hause',  o-vokalismus  zeigt  wahrscheinlich  lat  por-; 
doch  ist  mit  Lindsay  a.  o.  678  die  möglichkeit  zuzugeben, 
dass  in  lat  por-  eine  idg.  nebenform  pf,  wie  etwa  in  got  faur, 
vorliege.  Dazu  osk.  per-t  'trans',  vgl.  pamphyl.  negT-iStoKs; 
got  fairra  aus  ^fair-na  'fem'  und  fairneis  'alt';  ai.  par-ui 
'im  vorigen  jähre',  gr.  negvoi,  an.  {  fiorä,  air.  onn-urü. 

Idg.  *pro  'vor,  hervor'  (ai.  pra-,  lat.  pro,  gr.  TtQO^  air.  ro-, 
got.  fra-,  lit.  prct-,  asl.  pro),  *prö  (lat  pro,  lit  pro,  asl.  pro). 
*pro  kann  keine  kasusform  unseres  neutrum's  sein.  Man  könnte 
vermuthen,  dass  es  entweder  eine  aus  der  komposition  losge- 
rissene form  ist,  die  in  dem  -o  den  kompositionsvocal  erhalten 
hat,  wie  gr.  vöqO"  (neben  awÖQog,  ved.  anudrdh)  zu  vötog,  oder 
ein  [in  der  komposition  reducirter]  nom.  *prö,  der  durch  Um- 
stellung aus  *pör  oder  durch  eindringen  des  r  aus  den  ob- 
liquen kasus  aus  *pö  entstanden  ist.  Letztere  annähme  wird 
wahrscheinlich,  wenn  man  zu  gr.  TtQOji  —  kret  noqri^  lat  pcrt- 
in  portendo  aus  part-tendo  oder  zu  aeol.  ftgig  aus  ^ftqev-g^ 
lett  pret,  preti(m)  —  pamphyl.  7r«^-[€dwx€  vergleicht  Die 
beste  erklärung  dürfte  aber  die  sein,  dass  *^r9  eine  kasusform 
eines  aus  ^per-*,  pr-  gebildeten  o-stammes  ist  [vgl.  gr.  ftgo" 
TtoQoi'^evj  osk.  perum,  ai.  pdrmä].    Dafür  spricht  vor  allem 


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Gr.  tzbIuu}  und  nqo.  227 

die  komparatiyische  bedentung  Wor'  und  ai.  pardh  'der  andere', 
welches  wort  in  seiner  bildungsart  an  lat.  ali-us  erinnert.  An 
den  locatiy  *a2$  mit  der  bedeutung  'dort'  ist  das  o-suffix  ange- 
treten: ^^*alÜ08,  der  dort  (nicht  hier)  befindliche,  der  andere". 
Fr.  Sommer  IF.  11.  3.  Ebenso  ist  an  den  locativ  *per  das 
o-suffix  getreten:  ^per-os  'der  durch,  vom  (also  nicht  da)  be- 
findliche, der  andere'.  Ich  sehe  in  *prS  den  instrumental  zu 
*per'0-^  der  in  der  komposition  aus  *perö  reducirt  worden  ist. 
Ebenso,  wie  ai.  parah  'der  andere,  der  fremde,  der  feind'  und 
zugleich  'der  vorzüglichste,  beste'  bedeuten  kann,  begegnen  sich 
in  *prS  die  gegensätze  für'  und  'gegen'  (TtQÖti  u.  s.  w.).  Diese 
eigentümliche  erscheinung  erklärt  sich  daraus,  dass  die  kom- 
parativische bedeutung  durch  ein  vorhergegangenes  urteil  be- 
dingt ist,  in  dem  gegebenen  falles  die  Sympathie  des  urteilenden 
zum  ausdruck  kommt  Dazu:  ai.  prdti,  gr.  TtQori  u.  s.  w., 
asi.  proti;  ai.  prdtara-f  gr.  nQdtsQog  (doppelbildungen  wie  lat 
superior,  dexterior  vgl.  Fr.  Sommer  a.  o.  97);  gr.  fCQÖ^og^ 
Ttqofxog  'der  vordere',  TtQv-tang  (kret  fgQÖ'javig)  'fürst',  got 
fruma,  fram-,  lit  plrmas  'der  erste',  umbr.  promom;  ai.  prä- 
ihamäh  'der  erste' ;  umbr.  per-ne  'vom' ;  ai.  prä-tär  'früh',  osk. 
pruter  (pruter  pan  ^pr%ti8quam')\  ai.  prök  'bevor,  vor',  prad 
'östlich'  (i-stamm;  Bartholomae  IF.  4,  121  ffi).  Neben  idg. 
^Icer,  *&)r  'hora,  haupt'  steht  gr.  MQvg,  x^v-,  aw.  srvä;  vgl, 
ai.  pü'rvdh  'der  vorderste'  (ap.  paruviyatah  'von  früher  her'), 
asl.  prbvyj.  Zu  gr.  rtgtSt  'früh'  aus  tzqwJ^-i  {jtQwta^  7tQmog\ 
lett  prä''jam  'hervor',  ahd.  fruo,  frö  aus  *(pröu)  pro  vgl.  idg. 
*döru  'holz',  §önu  'knie'  und  gr.  ytavia  aus  *y(oyj^-ia.  Dazu 
Tt^&vog  'der  erste,  vorderste'  (dor.  /r^orog)  aus  */rjfti/-OTog, 
*|)n*-^-^o«/  nQiirjv  'vordem'  (dor.  ftQoy)  aus  ^TtQfaJ^-av^  ^pfVi-V^- 
Neben  idg.  ger-  'körn'  steht  got  kaumy  asl.  zrhno,  lat  gränum 
aus  *§fn-\  vgl.  lat.  pran-dium  'frühstück'  aus  *pfn~. 

In  ai.  ptirdk  'vom,  vor',  aw.  parö  'früher',  gr.  rtagog 
'früher,  vor*  liegt  der  genitiv  ^prr-ös  vor.  Syntactisch  ist  er 
als  partitiver  genitiv  aufzufassen,  wie  die  homerischen  localen 
und  temporalen  genitive. 

Ai.  pare  'darauf,  fernerhin',  gr.  Ttagai-  (in  TtaQatßairjg), 
lat  prae  'vor,  bei',  osk.  prae,  umbr.  pre,  got.  faura,  ahd.  fora 
(Collitz  BB.  17,  17),  lit  pre  aus  idg.  *prr'ai,  "^pr-ai  dativ. 
Eine  syntactische  erklärung  vermag  ich  nicht  zu  geben.  Dazu 
Ut  pri9z  (i-9tamro  wiQ  ai.  präk,  pra6)  und  presz-ais  (nach 


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228  Hans  Reichelt    Or.  tzbIqw  und  ftQO. 

Delbrück    vgl.   synt  589  I.  PL),   lat  prae-ter   'vorbei   an^ 
ausser',  umbr.  pre-tra  'priores'. 

Ai.  pdram  *nach',  pdra  'weiterhin',  parä  'fort,  hin'  gr.  rtaga 
'neben,  bei',  mQä  'ultra',  lat.  perem-  in  perendie  'übermorgen' 
aus  idg.  *prf'W'}  *per'7it.  Vgl.  Hirt  Akz.  226,  Verf.  BB. 
25,  232. 

Ai.  pari  'um',  aw.  pairi  'um',  gr.  Ttegi  'um'  aus  idg.  *per4 
loc;  daneben  die  suffixlose  form  *per,  s.  oben.  Dazu  gr.  nioi-^ 
'ringsum'  (i;-stamm),  TtegiaaSg  aus  ^jtSQi-tiog  'überzählig'. 
Vielleicht  gehört  auch  idg.  *pri  (lat.  pri,  päl.  pri,  lit  pri,  asl. 
pri,  got.  fri,  hieher;  es  könnte  ebenso  gut  ein  loc.  sein,  wie 
*p(f)rai  ein  dativ.  Es  ist  aber  auch  möglich,  dass  es  einen 
nom.  *pör-$  oder  ♦jw-i  gegeben  hat.  Vgl.  Jqla  %a  nom.  pl. 
'dickicht'  zu  '^doru  'holz'  (Meringer  a.  a.  o.).  Dazu  gr.  Ttf^l-v 
'früher',  lat.  prior  'der  frühere'  aus  *pri-io8'  (pal.  pri-trom)y 
prlS'  aus  priris'  (pri-ios-)  in  pris-cus  'alt',  prü4inu8  'ehemalig' 
(Fr.  Sommer  a.  a.  o.)  prifnus  'der  erste'  aus  ^pri-is-mus u.s.w. 
Nach  den  obigen  ausführungen  rekonstruire  ich  die  ur- 
sprüngliche flexion  folgendermassen : 
Nom.  (*pör),  *pSr;  *pö. 

Es  lässt  sich  schwer  entscheiden,  ob  der  ursprüng- 
liche nominativ  nur  o-vocalismus  gehabt  hat.    Doch 
halte  ich  den  ansatz  eines  nom.  *pBr  vom  stamme 
*per  für  durchaus  berechtigt. 
Gen.  *prr-08 

Dat.  *pfr-ai,  ^pr-ai,  ^per-ai 
Instr.  ^ppr-em,  *pr^-n^f  ^per-em,  *per'ip, 
Loc.  *per,  ^per-i,  *pr^  (*psr?). 

Baden  bei  Wien,  26.  Sept.  1900.  Hans  Reiehdt. 


Die  etymologie  von  Poplicola. 

Skutsch  fasst  in  Fleckeisens  jahrb.  suppl.  XXVH  p.  101  f. 
Poplicola  als  entstanden  aus  poplicula,  dem  deminutiv  von  pö- 
pulus  „pappel".     Ich  sehe   davon  ab,    dass   bei  pöpidus  als 

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A.  Zimmermann    Die  etymologie  von  Poplicola.        229 

nebenform  pöplus  (anders  ist  es  mit  poptdus)  bis  jetzt  nicht 
nachgewiesen  ist,  dass  auch  die  ableitungen,  so  z.  b.  pöjndetum, 
pöpuleus,  päpulifer  —  poplifer  würde  eine  schöne  parallele  zu 
poplictUa  ergeben  —  die  form  ohne  u  nicht  bieten;  ich  sehe 
davon  ab,  dass  wir  poplieola  erst  in  folge  von  analogie  aus 
poplicula  hervorgehen  lassen  müssen:  aber,  wogegen  sich  mein 
Sprachgefühl  bei  dieser  etymologie  sträubt,  das  ist  die  annähme 
der  deminutivendung  „cula^.  Mochte  in  poptdus  ursprünglich  eine 
deminutivform  schon  enthalten  sein  oder  nicht,  dem  volke  musste 
das  wort  seiner  form  nach  nur  als  ein  deminutivum  erscheinen. 
Dann  aber  konnte  als  die  Steigerungsform  des  deminutivs  nur 
9ellus(a)^  an  den  stamm  herantreten.  Vgl.  pöpulus,  popeOm  — 
auch  in  diesem  wort  ist  „idus^^  nicht  deminutivendung  —  ocu- 
lus  oceUus,  tabula  tabdla,  areula  areeUa  etc.  Vgl.  femer  dazu 
noch  Diomedes  Gr.  L  I  326  f.  Priscian  (Hertz  102,  20  f.)  lässt 
sich  über  den  gebrauch  des  diminutivsuffixes  y,culus(ay^  folgen- 
dermassen  aus:  „a  primae  vero  vel  secundae  declinationis 
nominibus  null  um  invenitur  diminutivum  in  has  desinens 
formas''  und  wenn  nun  auch  nach  Stolz  H.  gr.  II  p.  577  diese 
regel  durch  einige  wenige  ausnahmen  durchbrochen  wird,  so 
findet  sich  unter  diesen  ausnahmen  doch  keine,  die  auf  ein 
wort  mit  der  endung  ülus(a)  zurückgeht.  Denn  oUa,  wozu  sich 
Th.  Prise.  4.  1.  die  form  oUicula  findet,  konnte,  wenn  wirklich 
es  aus  einem  deminutiv,  welcher  endung  auch  immer,  entstanden 
ist,  in  dieser  form  unmöglich  mehr  als  solches  gefasst  werden. 
Wenn  ßovxoXos'^)  einen  ochsenhirten  bezeichnete,  dann  konnte 
doch  wohl  poplicola  einen  völkerhirten  bezeichnen.  Poplicola 
als  eigeuname  war  dann  ebenso  möglich,  wie  die  bei  Bechtel- 
Fick  p.  83  und  236  citierten  ^a-ßdrag,  noi^-avöqoqy  Tloif^- 
avioq.    Die  form  poplicola  schliesst  sich  der  bildung  nach  genau 

1)  Die  dem  gr.  'Xolog  genau  entaprechende  form  —  eolut  haben 
wir  noch  im  völkemamen  Asquieoiua  ^  vgl.  G.I.L.  I  p.  664  elog.  XXV 
T9X  AB^ueieolu9,  das  ?  wohl  bei  Aequieohts  in  anlehnang  an  ausdrüoke 
wie  Aequieoletu^  AequieuHar  hervorgerufen  —  und  in  „vui^o/tM".  Vgl. 
c.  gl.  n  207,  58  „viaeuhu  6df3v  iTUfiiXffTfis^^,  Aequieoku  :  Poplieola  a 
pedi$oquus  :  huoquß  (Apuleius).  Beide  eigennamen  sind  nicht  bloss  in 
ihren  vollformen,  sondern  auch  in  der  kurzform  uns  überliefert.  A&qui' 
eohu  :  ABquua  s  Popheola  :  PopUwy  G.I.L.  I  116b  AoquieoluM  bedeutete 
urspr.  den  einen  gleichen  räum  beackernden,  der  name  war  also  wohl 
bei  der  anfteilung  der  ländereien  aufgekommen.  AquieuluB  (Pfahlbaner?) 
Verg.  Aen.  IX  684. 


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^30        A.  Zininiermann    t)ie  elymologie  von  t^oplicola. 

an  agricola;  hat  dieser  urspr.  den  den  aoker  umwandelnden 
bezeichnet,  so  jener  den  sein  yolk  umwandelnden,  schützenden; 
ist  doch  Agricola  auch  ein  häufiges  cognomen  im  Latein  ge- 
wesen. Die  bedeutung  ,,yolksfreund''  hat  das  wort  erst  viel 
später  bekommen,  als  das  verbum  colere  seine  bedeutung  nach 
dieser  seite  hin  erweitert  hatte. 

Nun  soll  nach  Marx  Studia  Luciliana  p.  74  der  beiname 
der  Mucii  Scaevola  nichts  anderes  sein  als  das  deminutiv  von 
seaeva  im  sinne  des  moetinum  subrectumque  Signum ,  des 
Wappens  der  Mucii,  und  dem  entsprechend  möchte  S kutsch 
die  pappel  als  das  insigne  der  g.  Valeria  ansehen  und  den 
beinamen  ebenfalls  von  dem  wappen  herleiten.  Aber  das  alles 
ist  doch  sehr  unwahrscheinlich.  Wie  viel  leute  des  namens 
Link  bezw.  Linke  laufen  im  deutschen  reiche  herum,  deren 
Urahnen  doch  offenbar  ihren  namen  daher  erhalten  haben,  weil 
sie,  wie  man  hier  in  Schlesien  sagt,  linkser  waren!  Männer 
des  namens  Snäiog  finden  wir  bei  Pape  angeführt,  und  Scaevus 
Memor  war  ein  tragischer  dichter  zur  zeit  des  Domitian.  Es 
ist  doch  viel  wahrscheinlicher,  dass  Scaevola  deminutiv  des 
häufigen  c.  Seaeva  ist  als  des  appellativums  seaeva  in  einer 
ganz  entlegenen  bedeutung.  —  Vgl.  Sulla  neben  Sura,  — 
Seaeva  aber  ist  neben  Seaevus  als  name  ebenso  entstanden  wie 
Alba  neben  Albus,  Casca  neben  Cascus,  In  erster  liiiie  kommen 
doch  bei  der  cognominalen  benennung  körperliche  eigen- 
tümlichkeiten  in  betracht,  und  zum  ausdruck  derselben  waren 
nicht  bloss  adjektiva  recht  geeignet  —  vgl.  z.  b.  Sempronius 
Longus  —  sondern  auch  substantiva  mit  adjektiven  im  ablativus 
qualitatis.  Derjenige,  der  später  Seaeva  bezw.  deminutivisch 
Scaevola  hiess,  war  ursprünglich  der  homo  ^)  seaeva  (manu), 
der  Alba  oder  Casca  hiess,  der  homo  alba,  casca  (comä)  — 
cascus  wie  cänus  hier  gleich  grau  — .  Ich  erinnere  hier  zum 
vergleiche  nur  an  den  Wettiner  Friedrich  mit  der  gebissenen 
wange,  an  die  „Grosskopf,  Breitkopf,  Linke*'  u.  s,  w.  Nun  be- 
schränkte sich  das  c.  Scaevola  ja  gar  nicht  auf  die  Mudi.  Ein 
P.  Septimius  Scaevola  findet  sich  z.  b.  in  den  Verrinen  I  13. 
38  u.  s.  w.  Ebenso  gab  es  nach  ausweis  der  fasti  coss.  neben 
den  Yalerii  auch  Gellii  Poplicolae,  einen  M.  Antonius  Publicola 

■  :m 

1)  Wie  loBve  spater  allein  die  linke  band  bedeutete,  80  wohl  auch 
icaeva;  wir  sagen  doch  aaoh  „c^i'e  links^^. 


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Max  NiedennanB   Zum  namen  des  zeigfingers  u.  s.  w.    2äl 

finden  wir  C.  I.  L.  VIII  15929 ,  einen  Vipstanus  Poplicola 
XIV  2795,  bezw.  VI  2002  u.  8639. 

Somit  kann  ich  die  von  mir  BB.  23.  86  gegebene  und  in 
der  hauptsache  mit  der  alten  übereinstimmende  etymologie  des 
namens  Poplicola  für  falsch  noch  nicht  ansehen. 

Breslau.  Äug.  Zimfnermann. 


Zum  namen  des  zeigfingers  in  den  indogermanischen 

sprachen. 

Albrecht  Weber  im  festgruss  an  Rudolf  v.  Roth  (Stuttgart 
1893)  8.  136  macht  auf  eine  stelle  im  (^atapatha-Brfthmana 
(XII  2,  4,  5)  aufmerksam  y  wo  es  von  den  fünf  fingern  heisst: 
>Dies  ist  der  kürzeste,  dies  ist  der  grössere,  dies  ist  der  grösste, 
dies  ist  der  welcher  am  meisten  speise  verzehrt,  dies  ist  der 
breiteste.  Er  hält  damit  zusammen  den  bekannten  deutschen 
kindervers:  >Das  ist  der  daumen,  der  schüttelt  die  pflaumen, 
der  liest  sie  auf,  der  trägt  sie  heim,  und  das  kleine  fingerchen 
hier  frisst  sie  ganz  allein«  (cf.  Simrock,  Deutsches  kinderbuch  < 
[1857]  8.  6  no.  27).  In  einer  Variante  dieses  sprüchelchens 
(Simrock  a.  a.  o.  no.  28)  ist  es  der  zeigfinger,  der  die  pflaumen 
isst.  Beide,  zeigfinger  und  kleiner  finger  werden  mehrfach  im 
vedischen  opferritual  beim  essen  erwähnt.  »Offenbar,  sagt 
Web^,  wurden  beide  finger  beim  herausholen  der  speisen  aus 
der  Schüssel  und  beim  auskratzen  der  schüssel  nach  vollendetem 
mahle  speziell  verwendet«.  Eine  bestätigung  dieser  ansieht 
soweit  sie  den  zeigfinger  betrifft,  liefert  uns,  was  Weber  unbe- 
achtet oder  wenigstens  unerwähnt  gelassen  hat,  der  name,  den 
dieser  finger  im  Griechischen,  im  Litauischen  und  im  Bretoni- 
schen und  Eymrischen  führt  Griechisch  heisst  der  zeigfinger 
JUxavoSf  was  klärlieh  zu  keixo)  ^ich  lecke'  gehört.  Im  Litaui- 
schen haben  wir  smUius  (Eurschat)  oder  smüinis  piSrsztas  (cf. 
mittheilungen  der    litauischen   literar.   gesellschaft   I   391)   zu 

1)  Dass  im  altertam  allgemein  —  nicht  bloss  von  den  Yaleriem  — 
poplicola  als  derjenige  anfgefasst  wurde,  der  popalam  colit,  dafür  bieten 
uns  die  not.  Tironianae  und  das  o.  gl.  einen  beweis.  Denn  c.  gl.  II 
269,  35  heisst  es  „Ji^/ioxi^Ji};  puhUeoW^  und  in  den  not  Tiron.  folgen  in 
der  mbrik  „de  agricaltnra",  die  mit  oolit  beginnt,  aoeola,  publieola, 
agtr  etc.    Vgl.  hierüber  Heraens  in  Wölfflins  Arch.  XII  p.  29. 


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232  W.  Prellwitz    Gr.  aiaaw  aus  ^samk^ö. 

»maüüs  ^naschhaft',  nach  Mielcke  auch  lizius,  was  dem  griech. 
hxctyog  entspricht  i).  Die  Bretonen  benennen  den  zeigfinger 
als  biz  iod  d.  i.  »breifinger«:  (iod  »-  bouillie,  mets  compose  de 
lait  et  de  farine  cuits  «nsemble  et  qui  est  la  principale  nour- 
rectare  des  paysans  bas-bretons  [Le  Gonidec])  und  entsprechend 
heisst  er  in  Wales  bys  yr  utvd  {uwd  =  hasty-pudding,  bargoo, 
pape,  porridge).  Schliesslich  sei  noch  erwähnt,  dass  in  dem 
kinderliedchen  no.  30  bei  Simrock  der  dem  daumen  nächste 
finger  leckfeng  d.  i.  leckfinger  genannt  wird  und  dass  sich 
dafür  in  der  Altmark  die  bezeichnung  pöttchenlickr  >töpf- 
chenlecker«  finden  soll  (cf.  Pott,  Zeitschrift  für  Völkerpsycho- 
logie und  Sprachwissenschaft  XII  163). 

La  Chaux-de-Fonds,  19.  october  1900.     Max  Niedermann, 


Gr.  ätaaio  aus  *sa£sfkiö. 

^Aiaaui  kann,  da  ihm  bei  Homer  das  digamma  fehlt,  nicht 
zu  -^vig  gestellt  werden;  auch  das  lange  t  von  alinq  bliebe  so 
unerklärt.  Fröhde's  ansatz  (o.  XX,  204^  von  aisikio^  das  er 
zu  ai.  t^ate,  e^a-  stellt,  hat  das  bedenklicne,  dass  die  bildung 
des  ganzen  wertes  dabei  unverständlich  bleibt. 

Dagegen  wird  diese  vollkommen  klar,  wenn  wir  *8aisikiö 
als  intensivum  von  -^aeiko,  ^k  betrachten,  nach  dem  typus  von 
ai.  dedipyate  von  dip,  dedWyate  von  dw,  wie  ihn  G.  Burchardi 
o.  XIX,  169  fiF.  197  festgestellt  hat  Als  wurzel  betrachte  ich 
somit  8ik,  Seiko,  sik  in  i  xo»,  dor.  elxoi,  ^W,  7tQoiaao(iaij  TSQoi^. 
Für  diese  wurzel,  deren  sprösslinge  in  den  idg.  sprachen  ich 
im  Gr.  et.  wb.  unter  fyuo  aufiTiihre,  habe  ich  als  grundbedeu- 
tung  „hinreichen,  wonach  die  band  ausstrecken'^  angesetzt, 
saisik^  diaaw  heisst  intransitiv  losfahren  nach  einem  ziele  zu, 
transitiv  aus  der  band  schleudern,  schwingen,  auch  steht  Soph. 
Ai.  40  x^Q<^  ^  object  zu  ^^ev.  Es  zeigt  sich  also  wirklich  als 
intensivum  grade  zu  jener  *bedeutung. 

Die  laute  fügen  sich  dieser  ableitung  ebenso  gut  wie  die 
Wortbildung  und  die  bedeutung.  Zunächst  wurden  beide  a  zum 
hauch,  in  aVioato  aber  schwand  zuerst  der  anlautende  hauch 
infolge  von  dissimilation  und  dann  der  im  innern.  Vgl.  avog 
SS  lit.  saüsaa. 

Tilsit.  TT.  P^eüwüz. 

1)  Eine  nachbildang  nach  gr.  hx«tv6g  dürfte  digiiu$  gmtaior  bei 
HieronymuB  in  Jesai.  11,  40,  12  sein. 

1)  In  der  Memeler  gegend  habe  ich  bU^dlail^  („sohoBsellecker") 
flir  Zeigefinger  gehört.    Ne.  fuhrt  auch  9maüu$  für  Zeigefinger  an.    Pr. 


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L  Band, 

n.   HtTf  ; 

^• 

Ar^ 

rwä^'xi  Vandenhoeck  &  Ruprecht  iu 

Sammlung 
der  griechischen  Dialekt- Inschriften 

IL  VMiU  umi  l\  Heehtel. 

'.'  .^  fiO  4     2.  Heft:  Äalituh,  diO  Oediehte 

4  *^  &(i  ^) 
IL  Band.    (6  ttelU.i    1885-98^    BÖ  *^ 

(l.  Heft;    Epi/oh>ch,  AkÄrimnifirb«  A^t   '  '     '  '     Lo- 

m.  Band.  1.  H&m».    (5  HcftM    lBg8-9e+    ?!  .^ 

Fbleiu«  tt.  d.  köriath,  Colonien.  2  .£    B    Hi  2  ^M  40  ^    4.  Heft; 

Alptia,    Fbolagandrr^««   Airnpbe,  AMt>paliiiji,    ieiots,   ^19^'rof,   Knido«,   Kiivinu^ 
%m.     n  JL  4Ö  ^      Ö.  H^fr-   1^1--*^-      ^  -äf  na  A\  ^ 

UL  Band»  z  HäJfte. 
4  ^  4i»  tj     2,  Heft.  Tlinra  yiiil  Melö».    2  <^  80  4) 

IV.  Band.  —  (l.Heft:  WortreijiMnr  zum  L  Kiinde^.  5  »ü    2.  Üöf! 

tbciluug:   Wcirtregtster  »um  L  Heft  des  IL  Üttfiden.     2  »C  60  ^t 

(Pas  Eegiiter  euTn  ((ftnz^n  IL  Bande  iit  im  Druck.) 


BljiidrtH. "  7  .#  m>  4) 
(L  Heft;  Lakonion,  Tarenti  Hernkleia,  Moteemto. 


K  Bitmi: 
3,  Bahil: 


Die  grieehisehen  Dialekte 

Otto  Hofimaim, 

•.  0.  FruhMuf  an  ilot  ÜBiranlUt  Biwba. 

Der  sad-acbSiische  Dittlelct.    1891.      8  Mttrk, 
Der  nord-acliüisclu>  Dialekt.    IBdS.    14  Mnrk. 


DiM'   (nvNrlic   Dialekt,      t^uellen    uuil    Lautlulire. 

1898.     16  Mark. 


Die  grieehisehen  Dialekte 

von 

Richard  Meister, 

ttf  GruiHllagi?  des  Werkes:   »De  Graecae  lingyae  dialectis  ed.  Abreu8# 
neu    benrlitMtet, 

1.  Bd.:  Afiitiioh-aoiiich,  Böotiseh^  Thessaliseb.    ^  Mk. 

2.  Bd.;  EIctSCh»  Arkadisch,  Kyprisoil,   Verzeichnisse  zum  L  u,  2.  Bande. 

Blass,  Fr..  Grammatik  ^^%  nautestamentlichen  GrieohiMk  21  ^t  Bog. 

\msS.    Mk,  [l40;  ^d>.  j\fk,  n,4ü. 

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-iÄ5 ij 


Teriag  von  Vandcnbc^cch  ä  Kupredit  in  Göttingen. 


vüu  Dr.  i\  Volti^n,    L^hivr  ihs  Huitlieli  am  Seoiinar  filr  ' 
Spriichuii  zu  BiTÜn.  Geh.  5  Mk»,  gi?Ii*  Jtk*  u^iöO* 

Clmiiunatik  des  Kiuvamücsi,  ^^r  ■'iprac'ie  'i.        . 

Afrik*u  i^jreciell  di?^  Dialekts  von  Ufiyanji^nibeT  uelmt  einem   ' 
verzeirhnis    kinyiimfiegi-deiitscli    und    tleiitsch-kin  V; ' 
Von  Dr-  (•.  Velteü,   Li.^hn^r  des  Suahf?li  am  Scminiti*  i 
Spmohpii  in  BeviuL  Geb,  Mk.  1u*üU, 

Der  DelpMsehe  Dialekt  ""  ^"  •'•iSS??/ JCik.  ♦«►  pü 

Üieee  Sübntl  i»t  tlie  «ir«te  erBclirjpfende  y  pliie  über  Ü6ii  delpbitcbfrj 

Dkkikt  unter  Verwertiiug  allen  ueueo 


Vorläufige  AnkGndigung. 

passow^ 
OTörtcrbud)  der  gnecbiscbcit  Sprache 

%'5irrg    oeu    bearbeitet 

VOTJ 

<ailb<lm  Cronert. 

In  Liefemngeü*     Preis  elwa  80  oÄ 

ö,,ji.  iiidgi-a  JfthrjcebntcB  mangelt  e»  no  tmem   g  riech  lieben  W 
buche,   da»   di«  Fortecbritte  der  Keujeeit  ftuf  dem  Gebiete  der  Spracli' 
M-f'  'e,    diu  MitBso   der  ituwieoheu   aufgefujideneii  Si  - 

hr?  ind  die  strbün  früher  b«?l«aürite  Littenitur  auf  i' 

vorli(jgeTidt*ii*  sorjffültig  bearbeitctea  n&nen  Äuitg^abeu  beiiutsste.  lim  ^ 
jüdem  Jabre  ITihlbarer  werdende  Lücke  wenigsteiti  in  deu  ein«^  Hiitid  i 
gwteekten  Oreiixen  »uwtufiinen,  bat  Herr  Dr.  W.  Crüuert  auf  tuiaertö  ^'^ 
ett    untv  «,    ein    neut^a   griecblacsbes    üVörtarbuwb    berau 

pntktis'  itden  ist^  im  Eitiveratäodois  tnit  Ib^mi  F.  0.  W.  \ 

da«  Wiirtiirbucb  von  Paaaöw  ain  Grundlage  !iiu,  ubwobl  v^iu  «ivi  > 

ititea  B^tftatidf  nur  wenig  wird  btjibebaitvtj  ri, 

Trotz  der  uiiübt^reit*b baren  Menge  der  Verb e»i<»niu{^eii  tiiid  Er\ 
bofiea  wir,  e»  duTöb  Vcrvullkummümiif  der  Drai^keinricbtmjg  tu  on 
ueue  Worttirbtiob  iti  ^  st a  rk  e  n  L b x i k üti o kin v  b an d  g u  fmcbinüL 
Di«    Hcbou    '  -   wird   iu    etwa    1   Jabren   zu    EuJu 

Frühjahr  vh   die  L  Liefemug  LTBcbeitieii,     I'er 

vs^rd  v%!L?^'ti  ^  Jaiire  iu  Aiii»priicli  nebmen,  der  Pt^iti  etwa  80  «^  btjtntgva« 

iJjä  ttoebi^ii  von  Ätbtiii  aua  tm  vcu-wandten  Uiii^ruebmeu  aiigckiliidi^L  wir  iL 
icblett  ea  ulul  van  Wiobtitckeit,  «cbi^n  jetzt  diene  Mitleduug  tu  lumube^t).  £tn - 
e^.  '  Ke  tiiideriM  WörterliBeb»^.: 


Dia^^ 


Beiträge 


zur  künde  der 


indogermanisehen  spFaehen 


hemuigi^beii 


Dr.  A(L  BenoDberger  und  Dr  W,  Prellwlti. 


Sechsiuid2waii35iggler  band* 
Viertes  lieft 


Göttingeo 

Vaodcnhoeck   utid  BuprechC 

1 W2. 


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^S 


lehalt. 

Did  griocbitüliön  verband nameit  (titlinik«it    Von  A.  Fiek 

Die  lÄteimioh©  V.  dekliimtioii.    Von  ß,  Meiehei' 

2m  den  iaaebriften  van  Magnesia  ain  Mamndroa.     Von   A,  Fick    . 

Zn  HO.  26   der  intchriiteti   voo  Magacaia  a.  M.     Vou    TF.  Pr^UwiU 

Die  erite  peraoti  im  Lykiiclien,     Von  -4.  T^ 

Dh  l^immmhen  parfecU  rettuli  reppiüi-     Von  F.  St^k 

Bio  etymologie  von  vis  {m  ttoh).     Von  s4.  Zimmermann 

EtytoologiBL'lic  forschuagen.     Von   IT,  Pt^lhaiU      ...  * 

Asklcptoff  und  di«  heilachlange.    Voa  d^  Fiok 

Lat.  wtfiirö,     Von   W.  Frelktnit      .,*......' 

J.  VaUori,  Der  delphische  tüalect.  afureÄeiirt  von    ff^.   Preilv^  , 
Regkter.    Von  W.  Pr^dimi^ 


388 

276 
291 

2m 

806 
dl8 

ssa 

S23 


AlJe  inr  die  redaBtion  dieser  Eeitschrift  beBtimmten  ae&dünfeo  wolle 
mAD  Ticliten  an  Profeaior  Dr»  ^IcfafdöH  i?«Mffn5«Fytr,  ^dn^«6«r;^  i  iV., 
S^iMföffiw  WmllHr.  Nr,  I  u.  2,  oder  an  Gj  mnasiElOborlelirer  Dr.  IF«ÖA#r 
FrtUwiU,  Kömtjsberg  L  Fr..  MitUlhufen  LuüemtUM  9, 


Um  die  Arißcbaffung  der  alteren  Jahrgänge  dieser  ZmtBchrift 
zu  erleicbteni,  haben  wir  den  Preis 

dar  ersten  21  Bände 

von  210  Mark  aaf  134  Mark  ermäi^ilgtt 

Kleinera  Erglniungen  (iiitiit  emsselEe  Bände)  nach  Übereio* 
kommen  ebeiüfllls  zu  ermäsgigtem  Fr&m. 

Tandenlicieok  &  Bupreobt 


1*1^  lö  Mark  fftr  A»u  6«atf  t««  «  HttfUit, 


i^^ 


Diq= 


A.  Fick    Die  griechischeti  verbandDamen  (ethnika).     233 


Die  griechischen  verbandnamen  (ethnika). 

Die  nachstehende  skizze  ist  zu  dem  zwecke  entworfen,  an- 
schaulich zu  machen,  dass  auch  die  verbandnamen  (ethnika) 
der  Griechen,  zunächst  die  namen  der  Stammes-,  Staats-  und 
stadtgenoBsen ,  nach  denselben  grundsätzen  wie  die  übrigen 
eigennamen  gebildet  sind,  also  in  dasselbe  grosse  System  einge- 
gUedert  werden  können  und  müssen. 

YoUnamen  auf  -afovsg. 

Sehr  alt  und  verbreitet  ist  die  benennung  griechischer 
stamme  als  -ä/oveg.  Die  bedeutung  dieses  den  schlusstheil 
bildenden  alten  wortes  äfwv  ergiebt  sich  aus  der  vergleichung 
mit  ätrag  (aßitag)  „freund,  geliebter"  äita  bei  Alkaioe;  nach 
Theokrit  Idyll  12,  14  o  Gaaaaldg  eiTtoi  c^ttjv  nannten  die 
Thessaler  so  den  geliebten;  in  iv-tjtjg  scheint  sich  Sog  mit  sskr. 
dvas  9,gunst'^  zu  decken;  das  verb  lebt  im  lat.  aveo  und  sskr. 
dvat  md  gern  haben,  sich  gütlich  thun,  fordern  u.  s.  w. 

-cuFtavy  das  für  sich  allein  nur  in  dem  namen  der  *'AovBg^ 
alter  bewohner  Böotiens  erscheint,  ist  gebildet  wie  aqrffiov^ 
vijfporag'  vr,g)ovTeg  Hesych.;  xorij^oi^eg  zu  xat-rjgnjg  wie  -ctfwv 
zu  hnn]g.  Am  Schlüsse  von  compositen  findet  sich  -d/ün^  ver- 
einzelt auch  im  nomen:  so  in  öiöv^i-aan^^  ort-düpv;  ionisch 
attisch  OQyiiov  würde  dorisch  OQydwv  lauten,  wie  'Alnfiiwv  : 
^AX%iidwv  !^Ax/uay,  ionisch  Maxeonf  :  Maxdtav;  ionisch  ^iwv 
wozu  ^etariT/j  (sicl)  bei  Archilochos,  lautet  dorisch  §wdp  aus 
fywdwv ;  auch  att  artariwr  ist  hierherzuziehen :  dncniunfog  aus 
anomjayog.  Dorisch  xoivdv  geht  auf  xotvdfov  zurück,  aber 
xoivoh-vog  ist  von  noivw"  in  iu)iv(6^aa&ai  gebildet.  Will  man 
diesen  ausgang  -awv  als  „suffix"'  benennen,  so  mag  man  es 
thun;  auch  hier  ist  wie  so  oft  z.  b.  im  deutschen  -thum  und 
-lieh,  ein  altes  ursprünglich  vollbegriffliches  schlusswort  zur 
blossen  ableitungsform  herabgesunken. 

Die  mit  -aoiy,  dorisch  -dv  zusammengesetzten  stammnamen 
herrschen  im  N.  und  NW.  des  griechischen  landes  vor,  sind 
dagegen  im  0.  und  S.  nur  vereinzelt  erhalten. 

Am  Hämos  wohnten,  um  im  hohen  norden  zu  beginnen, 
die  Iriy^iayes,  ein  Päonerstamm,  aber  griechisch  benannt.    Sie 

Mtrtf«  s.  kudA  d.  iadff.  ipiMkM.   XXVI.  16 


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i 


234  A.  Fick 

hiessen  nach  Steph.  auch  'Ay^lai^  llygatoi  %et^avXXdßwgy 
"Ay^oi  und  lAyQieigy  aal  to  xrijTixcV  ^Ayqiyuav;  der  natne  ist 
also  ganz  wie  ein  griechischer  vollname  gekürzt:  i^yQiag  wie 
noTSidag  :  Tloxudawv^  l^yQoiog  wie  EqiAolog  :  "^EQ^diov,  ^AyQieig 
wie  uilvuig  :  Aividv. 

An  der  grenze  lUyriens  finden  wir  die  ^EyxeXaveg,  die  mit 
verkürztem  namen  auch  'Eyxsleig  wie  ^Ayqulg  und  AlviBvg^ 
und  ^yxiXBioi  hiessen.  Die  Schreibung  ^Eyysläveg  beruht  wohl 
auf  der  makedonischen  ausspräche  des  namens  vgl.  Strabo  326 
eyiOL  de  xat  avfATcaaav  t^v  /ue^^t  KoQuvQag  Mctaedovlcnf  nqoaa- 
yoQ€vovaiVy  ahioXoyovvreg  c^a,  SzixaixovQai  xal  öiaXe%%iai 
aal  xhziivdi,  wxi  alXocg  roiovxoig  xqdvrai  rca^TrXrjaiwg,  Ob 
der  name  griechisch  oder  bloss  gräcisiert  ist,  ob  die  leute  ur- 
griechischer oder  illyrischer  herkunft  waren,  ist  ungewiss,  die 
sage  setzt  sie  mit  Kadmos,  dem  eponymen  der  Kadmeier  in 
Verbindung. 

In  Epeiros  sassen  die  ^AqutS^eg.  ^Aqutawv  ist  von  o^xto^ 
bär  gebildet  wie  Avyulaiv  von  Ivxog  wolf.  Im  Deutschen  liegt 
ähnlich  Bern-win  (Förstemann  I  237)  neben  Wolfwin  (Fö.  I  1357). 
Man  könnte  sich  auch  an  die  ^AQxddeg  neben  den  Avxaovldai 
erinnert  fühlen. 

Ebenfalls  in  Epeiros  hausten  die  ^AtivrSveg  (Azivrari 
Smlg.  1336).  Der  name  gehört  zu  %iv%6v'  kq>&6y  Hesych;  w 
steht  dialektisch  für  y^,  z  erklärt  sich  durch  die  aspirierte 
ausspräche  des  v^  also  Tcvrog  aus  uvh&og^  wie  kretisch  vvctwog 
aus  dyhavcg^  und  ist  so  Tcvtog  mit  Tiv&og  „kochend  heiss^' 
identisch.  Ursprünglich  war  ^Aziyvaveg  gewiss  ein  Spitzname: 
er  bezeichnete  die  leute  als  „rohiieischesser'S  wie  Thukyd. 
3,  94,  4  von  den  Eurytanen  Aetoliens  berichtet:  (ofioipdyoi 
Biaivy  (ig  Uyovzat.  Den  Griechen  war  der  genuss  rohen  fleisches 
ein  barbarischer  greul,  Schinken  und  rauchfleisch  war  ihnen 
nicht  geläufig. 

Der  name  eines  dritten  epeirotischen  Stammes  Talaiaweg 
{TaXaidv  Smlg.  1349,  TaXaiSveg  1349,  10)  enthält  vorn  xaAai-, 
wie  in  Talai-fiivrig  und  zalai-q>f(ay  vgl.  jaXa-Ttaigiog  und  takaai- 
ipqwv;  ihrem  namen  nach  hatten  die  leute  ihre  lust  am  tragen 
und  wagen. 

Am  oberlaufe  des  Acheloos  (Inachos)  waren  die  ^A&a- 
fiSa^sg  zu  hause,  deren  name  an  ^afiieg^  ^a^vog^  ^afiivog 
''A&i^O'Vov  anklingt;  sie  sassen  wohl  im  „tann**.    Ohne  zweifei 


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Die  griechischen  verbandiiamen  (ethnika).  235 

ist  ^AS-a^ag  vrog^  der  sagenkönig  der  Minyer,  eponym  der 
Athamanen,  wie  Jv^ag  der  Jv^äveg,  oder  wie  Tevd'Qag  zu 
Tsvd'Qccpia  steht.  Eine  weitere  kürzung  von  ''Ad'diJLag  liegt  in 
Jafififjg  :  Tofif^^w  ^vyatQa  nannte  Kallimachos  ^  wohl  nach 
Anakreons  Vorgänge,  die  Stadt  Teos^  als  deren  gründer  Atha- 
mas  galt,  wie  denn  Anakreon  seine  Vaterstadt  ^A^a^arfida 
genannt  hat.  Die  Verdoppelung  des  ju  ist  in  korznainen  regel- 
recht, f^  für  ^  erklärt  sich  aus  der  aspirierung  des  ^,  wie  sie 
in  Mhei^iag  und  sonst  auch  in  der  schrift  ausgedrückt  wird. 
Ebenso  erklärt  sich  fiwXdg  Anakreon  88  für  f^ox^6g  aus 
fihaxlog;  ^Aug  bei  Herodas  3,  ÖO  wohl  aus  Hipponax,  sonst 
Qaxigy  steht  für  Qhaxig^  Aumqaog  Bechtel  Ion.  inschr.  19,  67 
für  Aiaxghaogy  raQpjXia  ionisch  neben  d^anyfjlia  0.  Hoffm.  3, 
s.  602  entstand  aus  ^QhyijXia. 

Von  N.  nach  S.  haben  sich  die  AiviAvag  vorgeschoben:  der 
schiflGskatalog  nennt  sie  neben  den  Perrhäbern,  in  geschicht- 
licher zeit  wohnten  sie  am  oberen  Spercheios  als  nachbarn  der 
Malier.  Nach  Stephanos  Jiiyoyvai  nai  Alviatg^  ihr  land  heisst 
Aivia  und  Aivig^  xai  Alviog  noxaixbg  av%rjg.  Vielleicht  sind 
sie  von  diesem  flusse  benannt,  oder  nach  dem  lande  Aivia^ 
wie  die  Ooitiarsg  von  0oi%ia.  Die  Vorsteher  des  Stammes 
hiessen  Alviofxaif  wie  die  der  Dorier  am  Parnass  Jw(^Q%ai. 

Da  die  Dorier  erweislich  aus  dem  norden  vorgedrungen 
sindi  dürfen  hier  die  Jv/naveg  eingereiht  werden;  der  eponym 
heisst  bei  Apd.  2,  8,  3,  5  Jv^ag,  wie  wir  oben  ^A9d^ag  als 
eponym  der  Athamanen  fanden.  Jvfiag  kommt  als  heroen- 
name  auch  bei  Homer  vor.  Darf  man  Jvfioc»  =s  Jvfiawv  zu 
di-dvfAdioy  stellen?  oder  mit  diesem  zu  dofiog?  Dann  wären 
die  Dymanen  die  „hausleute"'  im  gegensatze  zu  den  ^YUeig  den 
„kriegsleuten*'  vgl.  ftQ-vUeg  und  preuss.  iditU  „kämpfen''. 

Den  Westen  von  Mittelhellas  nahmen  die  ^AxoQväveg  ein. 
Zur  deutung  des  namens  verhelfen  die  Hesychglossen  naQvrj' 
^fiia  und  avtOTuxQvog-  avroOjfiiog.  Die  ^Anaifyaveg  erfreuten 
sich  hiemach  der  straf-  oder  leidlosigkeit ;  ähnlichen  sinnes 
sind  die  städtenamen  l^-aivri  und  Ayc^lq>ioVy  zweifellos  zu 
ctKQaigfvi^g  „unversehrtes  in  Akamanien  selbst  *Alv^£ia  zu  alv^a' 
alvTtov  Hesych  (Ivyja  zu  XvyQog  levyaleog).  Zu  naQVTi,  avTo- 
TMxqvog  gehört  zweifellos  der  beiname  Apollons  Kagveiog^  als 
gott  des  strafenden  Verderbens.  Weiterhin  ist  desselben  Stammes 
KiJQ^  dorisch  Kdif.     Die  Keren  sind  ursprünglich  Strafgeister, 

16* 


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236  A.  Pick 

wie  Rohde  Psyche  I,  10  und  a.  a.  o.  schön  nachweist  In  He- 
siods  Theogonie  heisst  es  von  der  nacht  217  %al  Kfjgag  eyai- 
veno  vrjleoftoivag.  Dazu  stimmt  sehr  schön  lit.  kora  strafe, 
weniger  slav.  Jcara  „rixa''.  Vor  Akamanien  lag  eine  insel 
KaQvog;  hängt  ihr  name  mit  dem  der  Akamanen  zusammen? 

In  Akamanien  wohnten  die  0oiTiäyeg  (0oiTiayog  Smlg. 
1380  a)  dazu  Ooitiai-  TtoXiq  ^AiuxQvaviag^  leyerai  xat  0oixior 
Kai  t6  i&vixdv  0oiTievg  aal  0oiTioi,  (og  ^EXXdviinog  ev  volg 
TQwixoig  Steph.  Auch  hier  wird  Ton  dem  ethnikon  auf  -aw 
auszugehen  sein,  wenn  der  name  mit  gmvog^  (poitito  umher- 
schweifen zusammenhängt;  davon  kann  der  ort  nicht  wohl  un- 
vermittelt genannt  sein,  wohl  aber  von  q>oiTiaoveg  leuten,  die 
ihre  freude  am  umherschweifen  haben.  Mit  0oL%iog^  0oi%uvg  : 
0oiTiav  vergleiche  u^iviog  Alvisvg  :  Alviay, 

Im  innem  Aetoliens  wohnten  die  EvQvrSvsg  nach  Thuk. 
3,  94  ayvwaTOTOToi  ylwaoav  xal  wfioqxiyoi.  In  heroischer  zeit 
spielten  sie  eine  rolle:  ihr  eponjm  ist  Eurytos,  der  grosse 
schätz  und  herr  von  Oichalia.  ^i^vrog  geht  gewiss  auf  ivqvta 
und  so  auf  die  Spannung  des  bogens;  nach  Thuk.  a.  a.  o.  waren 
die  Aetoler  seiner  zeit  sämmtlich  %piXoi  leicht  bewaffnet. 

Im  westlichen  Lokris  gehören  hierher  die  MvavBg^  falls 
Paus.  6,  19,  4  die  Myanen,  welche  waffen  als  siegesbeute  nach 
Olympia  gestiftet  hatten,  in  den  Mvoveig  erkennt,  die  Thukyd. 
3,  101  in  Lokris  nahe  der  phokischen  grenze  ansetzt.  Steph. 
sagt  unter  Mvovia  —  ol  noJihai  Mvoveg  und  nennt  die  Stadt 
weiterhin  Mvwv  —  oi  noXnctL  Mvoveg,  wo  cod.  A  die  richtige 
form  Mviüveg  bietet.  Mviov  zu  Mvdv  (=  Mvottf»)  wie  "/oiy  zu 
Yay  —  '/croiv.  Am  weitesten  nach  osten  sind  die  ^Idwsg  vor- 
gedrungen, die  vielleicht  aufs  engste  mit  den  ^'Aoveg,  alten  be- 
wohnern  Böotiens,  zusammenhängen,  so  dass  7aaii^  der  voUname, 
"Aiov  daraus  gekürzt  wäre,  wie  bei  uns  During  „Thüringer'^  aus 
Hermun-dure  gekürzt  ist  und  diesen  alten  voUnamen  späterhin 
geradezu  vertritt  Hierfür  lässt  sich  die  länge  des  ä  \n*'A.ow^ 
im  gebrauche  der  dichter  anfuhren,  die  sich  aus  der  dehnung 
des  vocalanlauts  des  zweiten  compositionsgliedes  erklären  würde. 

Der  name  der  'Idoveg^  der  berühmteste  dieser  gruppe,  ist 
vollkommen  deutlich.  Die  formen  anlangend  bemerkt  Stephanos 
richtig:  'ld(ov  xai  7ijW  (altionisch)  —  hi  di  vov  *ldwp  ^Idv  (do- 
risch), kurznamen  sind  '7cciy  'lag  ^IccKog.  Mit  dem  voUnamen 
hiessen   die    Attiker  ^Idoveg,   für   die   von    Attika  ausgehenden 

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Die  griechischen  verbandnamen  (ethnika).  237 

kolonisten  wurde  die  kürzung  ^'iwv  üblich,  die  später  auch  für 
die  Athener  galt,  so  lange  sie  sich  nicht  des  namens  schämten. 
Das  erste  glied  Y-  gehört  zu  Uoiaui  lalvto  ec^g  aus  w-.  Die 
volle  bedeutung  ,,heilfreund,  heilesfroh*^  liegt  noch  in  Uav-ianogj 
von  dem  es  Schol.  Ar.  Plut.  701  heisst  „mot  de  ftQoati&iaaiv 
^lopioTiov  TLoi  l^ls^OQa*^  nämlich  zu  'laato  und  TlavanBia  und 
sonstigen  heildämonen.  'Iiayides  oder  ^lioviadeg  hiessen  heil- 
kräftige quellnymphen  in  £lis  Paus.  6,  22,  7,  auch  der  fluss 
"liov  in  Thessalien  wird  von  seiner  heilkraft  also  heissen.  "/oiyi 
der  eponym  der  *'l(avBg  ^laopsg^  ist  söhn  des  heilgottes  ApoUon 
ii/iog,  der  als  solcher  wohl  selbst  ^Idfop  hiess,  wie  der  heilgott 
verkleinert  als  *Iaylaxog  erscheint  Der  gottes-,  beiden-  und 
Stammesname  war  ursprünglich  ein  und  derselbe,  me  ja  auch 
ApoUon  von  Athenern  und  loniem  als  ftavQWiog  verehrt  wurde. 
—  Ähnlich  tragen  die  Sachsen  den  verkürzten  namen  ihres 
kriegsgottes  Sahs-nöt,  des  schwertgenossen. 

Im  Peloponnes  finden  vnr  den  ausgang  -acoy  nur  in  stamm- 
namen  Arkadiens.  Hier  leiten  sich  alle  Arkader  von  Lykaoniden 
ab,  die  als  söhne  eines  völkervaters  Lykaon  gedacht  und  benannt 
sind.  Ursprünglich  fiel  auch  hier,  wie  bei  den  laonen,  gottes-, 
helden-  und  stammesname  zusammen:  Zeus  ^vxaiog  hieas  mit 
voUnamen  ^vKd(ay,  wie  der  heros  und  sein  volk.  Der  volle 
ausgang  hat  sich  hier  unter  dem  schütze  des  mythos  erhalten. 

Ebenfalls  auf  -aanf  ging  ursprünglich  der  name  der  ^A^veg 
aus,  die  den  NW.  Arkadiens,  die  Azania,  bewohnten.  Ob  der 
attische  demos  Azenia  hiermit  zusammenhängt?  Vielleicht  ist 
eine  alte,  nicht  contrahierte  kurzform  ^A^  =s  att.  ^^ijV  an- 
zunehmen, wie  eine  solche  wohl  in  Keq)alXdv  =  attisch-ionisch 
K&paiXijv  vorliegt  Im  hom.  hymnos  auf  den  Delischen  Apoll 
209  ist  das  überlieferte  \i^ßrrida  xovq^v  (Koronis)  ganz  un- 
nöthig  in  ^AK/on^ida  verändert:  ^'A^ag  g/'Ä3i,cnf%og  steht  zu  L^ov 
wie  ^Ad'dptag  zu  *A9a^dv^  Jvfiag  zu  Jvf^dv.  ^A^evg  hiess  nach 
Paus.  9,  37  ein  Minyerfurst  zu  Erchomenos,  der  name  verhält 
sich  zu  !/^^aaiy  wie  ÜOQd'Bvg  zu  IloQ^dtav.  Koronis  heisst  sonst 
tochter  des  Phlegyas,  des  eponymen  eines  zweigs  der  Minyer; 
derselbe  wird  als  *'A^ag,  vater  der  Koronis,  und  als  Minyer- 
könig  'A^svg  benannt,  weil  a^a  und  g>Xiy€iVf  g>leyv^g  sinn- 
verwandt sind.  — 

Wie   in  den   stammnamen  ist  der  ausgang  -crcciy  in   den 


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238  A.  Pick 

helden  und  götternamen  stark  vertreten,  während  es  in  histo- 
rischen menschennamen  kaum  vorkommt 

Es  sei  hier  nur  an  die  heroischen  namen  bei  Homer  l^fAv- 
d-autv  l^Ttiaauiv  l^geratov  l^Xx^onav  ^Ixstatoy  Avmiunß  Majaunf 
und  an  die  götternamen  ^Egfudtoy  Jloaaiddwv  Ilaiawv  erinnert 

Stammnamen  auf  -o/rcg,  -(Ofcegy  -tortoi 

Wie  Ed.  Meyer  Oesch.  d.  alt  2,  44  hervorhebt,  tritt  eine 
anzahl  meist  nordgriechischer  stamme  durch  die  gleiche  namen- 
endung  -ott,  -m,  wtc-  in  eine  nähere  Verbindung. 

In  Makedonien  finden  wir  die  ^Aigofceg^  auf  die  auch  der 
makedonische  königsname  lÜQonog  weist:  ^AiqonBg'  e^og 
Tgoi^riva  Kcnoixovv  xal  iv  MaxeSoviai  yivog  vv  xal  OQPea 
Viva  Hesych.  Nach  Aristot  H.  A.  6,  1,3  sind  die  vögel  des 
namens  die  bienenwölfe,  die  sonst  jisQOTteg  heissen.  Vgl.  aegid^g' 
fiiXiaaai  Hesych?  Nördlich  von  Edessa  sassen  die  ^'AX^iorteg^ 
vermutlich  nach  ak^a  hain  benannt,  also  „hainleute^^ 

Aus  Obermakedonien,  der  landschaft  Deuriopos  drangen 
die  JtoQioTteg  {Jovq-y  JevgioTceg)  vor,  für  die  beim  weiteren 
vorrücken  der  kurzname  JwQielg  üblich  wurde.  Das  land  der 
Dorier  heisst  Jwqigy  ihre  Vorsteher  am  Pamass  JiOQidgx^^!.,  ihr 
eponym  JcjQog.  Jiagvo  —  ist  wohl  die  vollste  form  zu  dgio  — 
wald,  so  dass  die  Doriopen  als  „waldleute''  benannt  wären. 
Makedonisch  dagvllog  eiche  steht  im  richtigen  ablaut  zu  diaqv 
=  ai.  däru.  Der  jedenfalls  poetische  name  für  den  eher  do%i- 
dwgog  lässt  sich  als  dvcxi-ömgo-g  „den  spiess  bestehend*'  dvaxdy 
t6  öoqv  deuten.  Der  makedonische  flussname  Exddtaqog  könnte 
als  fexi'dwQog  „vehens  arbores**  verstanden  werden. 

Der  name  der  Jgvoneg  verhält  sich  vielleicht  zu  dem  der 
Jugiofteg,  wie  die  Gauta  Schwedens  zu  dem  Gut-thiuda  der 
Goten.  Doch  ist  auch  hier  ein  gleichlautender  vogelname  zu 
beachten :  mit  dgvotfß  schliesst  Aristophanes  vögel  305  die  reihen 
der  18,  zu  je  6  auf  den  vers  vertheilten  vogelnamen  303—5, 
wozu  die  Hesychglosse  gehört:  ögvoip^  ogveöv  vv  di<upigov  vat 
dgvoKoldntov. 

Im  Pindos  sassen  die  Jokoneg;  man  vergleiche  die  Hesych- 
glossen  doXona'  iMiTdayuonov j  fidargoTCOv  und  doXoTtevei'  he- 
dgevßi;  fj  dohanig  Oivifag  wgrj  heisst  Deianeira  bei  Soph. 
Trach.  1050.     Vielleicht  soll  der  name  dem  wild  auflauernde 


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Die  griechischen  verbandnamen  (etbnika).  239 

fallensteller  bezeichnen,  doch  gedieh  auch  das  klephtenhand- 
werk  in  diesen  bergen  zu  allen  zeiten.  Als  ausgang  erscheint 
iolog  im  namen  der  ^A^fpUdolov  Triphyliens. 

Die  **Elko7tBg  wohnten  um  Dodona,  das  selbst  ^EiXomia 
und  "Ella  hiess ,  kurzname  der  ^'ElJioTteg  ist  ''EXlot  schon  bei 
Homer  iT  234  aiiq>i  JE2EAA01  d.  i.  diAtpi  di  a  ^'EXloi, 
woraus  durch  falsche  worttrennung  die  Sdlloi.  geworden  sind. 
In  weiterer  ausdehnnng  wurde  ^llot,  noch  mehr  ''EUffveg  zum 
allgemeinen  griechischen  volksnamen;  ^EXXoi'  ^'Ekltp^eg  ol  iv 
Jiodtivfji  aal  oi  iegäig  Hesych,  wo  man  wohl  lesen  muss:  ^'Ellf]- 
P€g  %al  ol  iv  Jwdwprji  legeig;  ^ElXdg  ist  von  'EXXog  abgeleitet. 
Die  etappen  für  die  ausbreitung  des  namens  sind  noch  zu  er- 
kennen: ^EXldg  um  Pharsalos, 'KiUi^eg  die  mannen  Achills,  die 
Achäer  von  Phthia  im  schiffiskatalog,  die  landschaft  Hellopia  auf 
Euböa,  und  im  hymnos  auf  den  Pythischen  ApoUon  ^EXXdg 
Mittelgriechenland  im  gegensatze  zum  Peloponnesos. 

elloxl)  ,,fisch"  hat  mit  den  Hellopem  nichts  zu  thun:  der 
fisch  ist  ev-loifj  „in  schuppen"  vgl.  elXoTtag  Ix^g  „beschuppte 
fische"  Hesiod  Schild  212,  von  Xort-  —  iU/r/$,  lomg  „schuppe". 
Die  ''EXXofteg  heissen  wohl  von  ihrem  wohnsitz  in  dem  ^kog^ 
der  reichen  niederung  um  Dodona,  von  der  es  in  Hesiods  Eöen 
heisst  eatt.  %ig  ^EXlonitj  rtolvki^iog  tfif  ivleif^tov, 

MiqoTteg  sollen  die  alten  bewohner  von  Kos  geheissen  haben. 
Der  name  lässt  sich,  wenn  griechisch,  verschieden  deuten :  ptioorp 
braucht  gar  nicht  componiert  zu  sein :  es  kann  wie  atigotfß  zu 
da%qdn%Wf  so  zu  fidgipai^  ßQcitfßai  d.  i.  pt^tpai.  gehören,  dann 
wären  die  alten  Eoer  rauher  juagTczieg  gewesen,  wie  die  Slvtieg 
von  Lemnos.  Aber  (liQOxj)  hiess  auch,  wie  das  sich  darauf  rei- 
mende di^xlt  der  bienenwolf.  Endlich  giebt  es  noch  ein  homeri- 
sches beiwort  der  menschen  —  jieQOTtwv  dvd-^fKov.  Dies 
stammt  nicht  von  lAi^ag  und  o;r-stimme,  so  dass  es  die  „artiku- 
liert redenden"  menschen  bezeichnete,  vielmehr  gehört  es  zu 
^e^-  in  lAi^fAtjQa  fieQfitjQi^w,  fjtiQ-ifiva  „gedenken",  wie  avd-^nog 
nach  Bezzenberger  zu  fiiv&fiQa^  fia&'eiv  vgl.  cech.  mudrak  ein 
verständiger. 

OlviOTteg  hiess  eine  Phyle  in  Kyzikos;  der  name  ist  deut- 
lich. 

Ob  heroennamen  wie  KhtQotpy  Moxpon-^  IliXotp  auf  alte 
Stämme  gl.  n.  schliessen  lassen,  bleibe  dahingestellt:  neXortSyrrjaog 
für  JUXonog  vijoog  heisst   „insel   des  Pelops;  sicher  ist  die 


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240  A.  Fick 

bildung  auf  -o/r  acht  und  altgriechisch;  al^tp^  f^^yotp,  J^7po^, 
fi^lotpy  XoQOtlf.  Dieser  ausgang  gehört  meist  zu  o/r  sehen, 
bezeichnet  aber  auch  allgemein  die  richtung  wohin,  die  be- 
ziehung  auf  etwas,  ist  also  für  die  Sprachempfindung  frühe  zum 
blossen  „suffix'^  geworden. 

Auf  -wTtog  finden  wir  in  Epeiros  KaquanoL  Smlg.  1339  » 
KaQwnoi  1350  und  KaoatanoL  zu  Kaoacirtfj'  ftohg  h  Molo- 
Tir/at  Steph.  und  daneben  KaaciOTcrj.  Diese  namen  gehen  wohl 
ursprünglich  auf  örtlichkeiten,  sicher  gilt  dies  von  KoiharcoL 
in  Epeiros  Smlg.  1354.  KoiXwnog  heisst  „hohl  anzusehen'' 
oder  „mit  hohlen  Öffnungen^'  orri^  Öffnung,  und  ist  Eurip.  Iph. 
Taur.  263  als  adjectiv  zu  belegen.  Aber  nicht  die  KoiXantot 
sind  „hohl'S  sondern  ihr  land,  ursprünglich  müsste  demnach 
das  ethnikon  auf  -Ttiog  ausgehen  wie  EvQfjinuog  in  Epeiros 
Smlg.  1339  und  ^ßgütmog;  der  gegensatz  von  evgwTtog  ist 
a%BV(07i6gy  ein  ^QQwnog  ist  auch  für  Epeiros  bezeugt. 

Vereinzelte  ausgänge. 

Der  ausgang  -aifo  in  ^Ax-atFoL  findet  sich  ebenfalls  in 
dem  nomen  dfjv-aiog  lange  lebend  E  407,  also  in  dem  sinne 
von  ai^tlnf.  Aber  die  eigentliche  bedeutung  von  aifo-  ist  „gang, 
bewegung''.  Diese  liegt  in  aYj^olog  „beweglich'*  deutlich  vor; 
mit  xoQvd-aioXog  ist  moqvd'-au^  gleich werthig,  äixtj  ist  dem- 
nach aiUf)  zu  schreiben  und  äiaaw^  attisch  aiaaw  als  ai/ixj(a 
zu  denken,  gebildet  von  alix^  wie  tpovviaaia  von  q>oivi^. 

Zu  ^Axai^fog  verhält  sich  ^fokogy  der  eponym  der  ^lo^ 
kelgy  wie  der  windbeherrscher  Aiolog  der  Odyssee  zu  dem 
Sternen-  und  windgotte  ItiaTQ^iog  (besser  l^a^g-^uog?)  der 
Theogonie.  Schwierig  ist  die  deutung  des  anlauts:  sind  die 
Idx^aiJ'oi  soviel  als  fiax-aifoi  „schlachtgänger",  etwa  wie  lit 
kar^eivj^s  „krieger*',  wörtlich  „krieggänger"?  Aber  eine  Verkür- 
zung von  f^ax-^  zu  ax*  ^^^  nicht  nachzuweisen,  ebenso  wenig 
die  von  SyX'Og  zu  ax-,  wodurch  wir  „speerschwinger"  gewinnen 
würden,  auch  ein  früher  gewagter  Sprung  über  die  grenze  zu 
den  germanischen  Ingaevonen  sei  hiermit  förmlich  und  feierlich 
zurückgenommen.  Vielleicht  gab  es  ein  altes  adverb  axi-j  oxe- 
neben  ayxt^  «Vz«-  „nahe"?  Dann  wären  die  ^Ax-oti^J^ol  als 
„draufgänger"  ayx^'f^oXoi^  ayxi'pLoxoi  benannt  und  auch  für 
^Axi.-XXsvgj  l^X^'^^S  licsse  sich  dann  eine  deutung  finden. 
Eine  spur  von  diesem  axi-  ist  vielleicht  in  aoaov  ^^näher"  zu 


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Die  griechiscbeD  yerbandnamen  (ethnika).  241 

erkennen,  wenn  dies  ans  dxijoyy  ctxjw  entstanden  ist;  aus 
^7XJ^^  müsste  äolisch  alaaov  geworden  sein,  wovon  wenigstens 
nichts  verlautet. 

Kiirai^oi  Smlg.  1354.  1355  (ebenda  auch  Kihu»og)  bei 
Steph.  „Kdlaid'or  eihog  GBaftQtoTixdv  n^joaex^g  viji,  GertaUai 
'Piavog  (T.  XiyorraL  nai  Kekai&Big^*^  (wie  Kwaid-eig^  nsoaid-slg^ 
eponym  niQcu&og).  Vermuthlich  Kelcu-ai^og  „schwarzbraun'' 
wie  die  ^Id'iorteg,  "I(akoiy  0oivixeg  nach  der  färbe;  Homer 
nennt  sie  ^d'ixsg  vgl.  &Qaix€g^  TiptitlMg  OoivvMg. 

Den  gleichen  ausgang  zeigt  Kvvcud-a  in  Arkadien,  ein- 
wohner  Kwaid'eig  wie  Kelatd'Big.  .jdi&ri  heisst  ein  pferd 
Agamemnons  ¥^295  „die  braune^*  wie  aid-wv.  Hängt  xw-  mit 
xvcn^dog  zusammen?  Kw-aid-og  ist  alter  mannsname,  Kiv-ai&a 
heisst  eine  ziege  Theokrit  Id.  5,  102;  xvy-  zu  xiv-  (x/ty),  wie 
Twöagidai  zu  lakonisch  Tivöagiöai?    Lit  szvinas  heisst  „blei". 

JleQaid'eig  im  gebiete  der  Mainalier  Paus.  8,  27.  36  schliessen 
sich  im  namen  an  die  Kelat&eig  und  Kwcu^üg;  der  eponym 
heisst  Paus.  8,  3,  4  JliQai&og  vgl.  Kihxidi>g.  Die  Zusammen- 
setzung mit  neq  »»  nBqi  ist  klar,  weniger  klar,  ob  die  benen- 
nnng  ursprünglich  auf  den  ort  oder  die  bewohner  geht. 

KaUl-nLOivoL  hiess  nach  Kiepert  Atlas  v.  Hellas  VH  ein 
stamm  nördlich  von  Epeiros.  Der  name  klingt  griechisch 
„schönes  gemeinwesen  bildend*',  ist  aber  vielleicht  bloss  gräcisiert. 

IdqyoXag  (oTgccTog)  im  Rhesos  41  ist  wohl  neubildung, 
vielleicht  nach  ^AfffoXig  seit  Herodot,  aber  woher  dies?  Die 
Römer  bildeten  von  Messana:  Mesalla. 

TQiTtoXiaaor  e&vog  SeoTtoomKOVy  ovg  Ttai  TQifcolioaiovg 
xaXel  ^Piavbg  h  %m  nePveMiid€Kdv(ai  Steph.  (TQino)llaioi  Smlg. 
1360,6  vgl.  Ttoliaaavxog  und  fvokiaaovo/nog  bei  Aeschylos.  iTo- 
Xiaa<h  fand  sich  ursprünglich  wohl  nicht  im  ausgang,  also  sind 
die  TgiTtoXiOGot^  -aioi  etwa  als  fQinoXiaoopofiOi  zu  denken? 

MoXoaaog  ist  verständlich,  wenn  man  fnoko-  mit  juailog 
CAQifog)  gleichsetzt,  acog  ist  dasselbe  me  in  Jogv-aoog,  Aao- 
aaog  neben  dogvaaoog^  laoaaoog^  die  kriegerischen  Molosser 
wären  dann  sehr  passend  benannt. 

Die  namen  Tgifvloi  und  nd^qwloi  sind  deutlich. 

Zusammengesetzt  mit  crjuqpi,  h^  Tcaga^  vitaL 
In  den  stamnmamen,  die  vom  a^q>i  enthalten,  ist  das  ver- 


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242  A.  Fick 

hältnis  der  beiden  theile  nicht  immer  klar;  so  in  ^AiAfpi-dokoi 
in  Triphylien  vgl.  JoX-omg^  ^ ApLfpi'Xoxoi  in  Akamanien,  be- 
wohner  von  Argos  Amphilochikon  vgl.  "^Ynat-loxioi  in  Epeiros. 
Die  'AiLiq)i'iiTvoveg  hiessen  später  als  neQiXTioveg,  diifpiTieQniTiovei; 
Kallinos  1,  2  *Ajnq>i'XTioveg  y,um wohner'' ;  xtvov-  gehört  wohl  zu 
^dg  „die  von  rings  her  vereinigten''.  Dagegen  sind  die  nach- 
stehenden mit  |y,  Ttagd  und  vTtal  zusammengesetzten  stamm- 
namen  aus  einer  adverbialen  Verbindung  dieser  praepositionen 
mit  einem  davon  abhängigen  lokalkasus  hervorgegangen. 

'^Eyx^g  pl.  ^'E)nii(njT€g  soll  nach  Bekker  Anecdd.  Ghoiro- 
boskos  die  ^EveoxQrp^eg  genannt  haben:  aus  l>  KQiJTtii  konnte 
sehr  wohl  ''Eyx^g  entstehen,  wie  epöixogy  ircoQOVQog  aus  h 
dUfjiy  l7t  agovgai.  Aus  Ttag*  ahx  entstand  IlaQaXoi  (Attika), 
aus  der  Verbindung  von  naQd  mit  einem  lokativ  auf  i  adjec- 
tivische  stammnamen  auf  log,  denen  die  gaunamen  auf  ta  (yi^) 
zur  Seite  stehen.  So  Tlaqavaioi  in  Epeiros  am  fiusse  Avag  — 
^Awog^  naqaxriq>ioioVy  JIoQanofafjiioi ,  JIoQaaüiTtiOL;  JlaQa" 
nvTtoQiaaiOL  und  nagdgeioi. 

Mit  dem  epischen  vnai  für  v/ro  ist  der  name  der  'Y/vai- 
X6%ioi  in  Epeiros  zusammengesetzt,  vgl.  ^Afi<piloxoi^> 

Ethnika  nach  den  iandschaften  geordnet. 
Makedonien. 

Maxsdtiv  ist  gebildet  wie  MvQptidiav  und  ^A.nidwv  :  ^Am- 
doveg  und  ^Antdav^Bg  hiessen  die  Peloponnesier,  ^Arcidoveg  di 
xai  ol  ^Agxdöeg  Steph.  unter  'Anla.  Mit  ^oanedvog  „hoch" 
fällt  das  adjectiv  Maxedvdg  „makedonisch"  zusammen.  Zieht 
man  auch  das  allerdings  spät  bezeugte  firjuadavog  heran,  so  er- 
hält man  die  abstufung  jnäxeöavog  :  Maxedwv  :  fjiaxedyog  —  Ma- 
xedvog.  Die  Makedonen  hiessen  so  als  „hochländer",  der  alte  name 
des  landes  war  Maniva  zu  /r€^t-jui/x€irog,  also  fidxevog  :  Märcha. 

Eigenthümlich  ist  die  bildung  der  ethnika  auf  -aza  in 
JidatM  zu  Jiov  in  Pierien,  ^EoQdiaTai  zu  *Eogdoi,  Kv^fjo%ai 
zu  KvQQog^  Avyx^ofai  zu  Avyxog  (auch  KvQqiatav  und  Av- 
yniavai  ist  überliefert)  und  ^Oqiatai^  dies  wohl  von  oqog  „berg", 
also  als  *OQia-a%di  zu  denken.  Der  makedonische  mannsname 
nevxeoTag  geht  auf  ixe-Ttevxrjg  oder  ein  ethnikon. 

Steph.  bemerkt  unter  'Eoqdalot :  die  ^Eogdol  htXi^&fjaav  xai 
*EoqdiaTai  dng  %ov  eoqdifyi^   dg  Avdog  AvdLfyn   {Avdiincu)^ 


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Die  griechischen  verbandnamen  (Ethnika).  243 

richtiger  jedoch  sagt  er  unter  Jlov  :  Ilavaaylag  di  Juiatag 
q>rjar  Mcmaddvwv  yaq  6  TVTtoq^  ^ÖQiatai  ^vyxtjataL  Übrigens 
wird  uns  derselbe  typus  in  Epeiros  und  Thessalien  begegnen. 
Zur  deutung  hat  man  sich  an  den  ausgang  -ta  in  olx^-f  ijg, 
g}vli-Tag,  Tayed-rag  zu  halten^  -ata  ist  dieselbe  bildung  aber 
von  a-  s=  ia^  „sein",  vgl.  fjivrj'a%i,g  neben  fifj-tig.  Strabo  330 
fr.  20  heisst  es  vom  flusse  Erigon:  in  TQixloQoty  ^itav  di 
^Ooeofdiv  xai  t^g  Ilelayoviag.  Hier  kann  ^Oqwtw  nicht 
richtig  sein;  am  oberen  Erigon  neben  den  Pelagonen  wohnten 
die  Doriopen  und  so  mag  der  durchsichtige  name  der  TqiyfXaqoL 
an  die  alte  dreitheilung  der  Dorier-Doriopen  erinnern,  deren 
name,  wie  der  der  Almopen  schon  oben  besprochen  wurde. 

Epeiros. 

Unter  den  epeirotischen  stammen  nennt  Steph.  Xaovia 
nach  Proxenos  aufzählung  die  ^^fivfioveg.  Mit  recht  bemerkt 
dazu  Meineke:  „lidem  esse  videntur  qui  supra  ^'^fjitfivor  i'dyog 
^H^eiQiotixöv,  ^Fiavhg  ....  leyerai  xai^^fivfivaiog  xai  ^uifivfi- 
vaia.  Dazu  ^^fivjdvofv  gen.  pl.  Smlg.  1346.  Ursprünglich  hiess 
es  ^^iiv^ovBg  gen.  pl.  '^fivfjivwv  stammabstufend,  wie  in  Mo- 
ncöciv  :  Maxedvog  aus  MaxBÖywv. 

Ebenso  scheinen  die  Xäoveg  und  Xavvot  :  eih^og  QEanqia- 
%tx6v  zusammenzugehören  als  Xdj^oveg  gen.  pl.  Xawwy.  Übri- 
gens wird  das  „klaffen^'  wohl  nicht  auf  die  leute,  sondern  auf 
das  land  gehen,  vgl.  Xdov  berg  in  Argolis  und  Xda  alte  Stadt 
in  Elis  (kluft). 

Den  ausgang  -oveg  zeigen  auch  die  sonst  unbekannten 
MagSöveg  :  ^HnsiQioTixdv  ed-vog.  EvnoXtg  noXeai  :  „xai  Xao- 
pfov  xai  üaiovwv  mal  MotQÖovwv^^. 

Die  BvXUovag  mit  der  Stadt  BvXhg  gehören  wohl  schon 
nach  Illyrien;  oder  ist  makedonisch  ß  Tvlx  (p  eingetreten? 
Q^Xkog  heisst  ein  gebirg  in  Thessalien,  0vXUg  eine  landschaft 
am  Pangaion. 

Die  inschriften  von  Dodona  geben  einige  stammnamen  in 
eigenthümlich  gekürzter  form  wieder. 

So  lesen  wir  Smlg.  1334  den  genetiv  "OjugMxAog,  ebd.  1347 
den  plural  ^'OiJiq)aXBg,  Die  leute  sind  offenbar  dieselben ,  die 
Rhianos  hf  xBvdqxwi  GeaaaXmcjv  nach  Steph.  unter  Tlaoavaloi^ 
^O^tpaXifiag  genannt  hat.  Ihren  Wohnsitz  nennt  Steph.  *0/iig>d' 
Ixov  —  IWt  xat  Q^%ciXi€tg.    Die  namen,  die  Rhianos  in  seinen 


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244  A.  Fick 

GeaaaliiMi  nennt,  werden  desshalb  oft  nach  Thessalien  versetzt, 
auch  schwankten  die  grenzen  beider  landschaften.  —  Die  ent- 
Wicklung  Ton  ^  0inq)alirj€g  zu  ^'OfxqmlB^  kann  nur  durch  ver- 
änderten akzent,  indem  der  nebenton  auf  der  ersten  silbe 
mächtig  wurde,  vor  sich  gegangen  sein. 

IleiaXog  lautet  der  genetiv  eines  ethnikons  Smlg.  1352  mit 
et  für  i  in  jüngerer  Schreibung,  üelakog  ist  aus  IluaXijog  oder 
"Xiog  gekürzt  wie  ^'OpufaXog  aus  ^O/ntpaki^og  s.  o. ,  das  erhellt 
aus  Ilidlaia,  noXig  &€aaakixi^  vno  %d  KeQxirioy  OQog^  %o 
e^vKov  ütaXsvg  Steph.  maXiog^  vielleicht  ursprünglich  ein 
nordgriechisches  wort,  heisst  ¥rie  Ttiwv  „fett". 

Strabo  nennt  IlaQWQaioi  als  epeirotischen  stamm.  Smlg. 
1355  lautet  der  name  (nd)Q(aQogf  im  genitiv  üaQWQov  1350; 
beide  namenformen  beruhen  auf  JlaQioQeiog  und  dies  auf  Ttag^ 
0Q€i  „am  berge". 

Der  Stammesname  Xigaögog  smlg.  1352  geht  auf  einen 
Ortsnamen,  der  sich  nach  x^Q^S  ^^S  „gemülm"  und  xa^d^a 
„giessbach"  nur  als  Xegadga  denken  lässt.  Auch  hier  hat  das 
ethnikon  eine  starke  Verkürzung  erlitten:  Xiqadqog  aus  X^qa- 
dqaiog  wie  üdQfOQog  aus  naQtüQaiog  (oder  doch  IlaQÜguog). 

So  erklärt  sich  auch  der  sonderbare  stammname  ^OvoTttQ- 
vag.  „Eselfersen'^  oder  „Eselschinken"  werden  die  leute  schwer- 
lich genannt  sein,  aber  gegen  einen  Ortsnamen  ^Ovovnigva 
wäre  nichts  einzuwenden:  *'Ovov  yvd-d'og  hiess  die  halbinsel 
westUch  von  Kap  Malea,  und  niqvrj'  mot  iie^d  vov  %  ÜTiQVfj 
(Hesych.)  ein  vorgebirg  von  Aigina.  Also  wohl  ^OvoTtegvog  aus 
'OvoTtegvaiog  wie  ndqmqog  aus  IlaQiOQaiog,  Xigaögog  aus  Xe- 
gadgaiog. 

Die  Tdkageg  sind  irgend  wie  von  '^aXagog  flechtkorb  be- 
nannt, vielleicht  nach  ihrer  milchwirthschaft  von  käsekörben 
Od.  9,  247.  Takagla  hiess  eine  fvohg  SvQcmovauav  BeoTtofi- 
nog  hf  OtXiftTiixwv  pl  Steph.  Tdlageg  verhält  sich  zu  Tahzqia^ 
wie  nisQeg  zu  Ilugia  s.  u. 

Proxenos  nennt  Steph.  Xaovla  unter  den  epeirotischen 
stammen  die  Kaoaiorcoi^  zweifellos  die  bewohner  von  Kaaawfttj  * 
noXig  h  MoXoxtoig  —  tö  edrixov  Kaaofßmaiog  aal  Kaaad- 
Ttiog.  —  ^HQOÖufiog  de  Kaaoianovg  avxovg  (pjaiv  „IW$  xaxcSs" 
meint  Stephanos.  Vielmehr  haben  wir  hier  die  echt  epichorische 
namenkürzung,  wie  in  JldQWQog :  nccQWQdiog  zu  erkennen.  Der  ort 
heisst  bei  Strabo  324  Kaoaionri  y gl.  KaQuamog  neben  iCa^/ro^  8.U. 


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Die  griechischen  verbandnamen  (ethnika).  245 

Das  ethnikon  KoiXumol  wurde  schon  oben  auf  einen  Orts- 
namen zurückgeführt,  wie  Kaaatanol  auf  KaooiaTvaiog  von 
KaaatoTtrj  zurückgeht. 

Für  KoQKüTtov  Smlg.  1339  liest  man  Ka^nov  1350,  was 
an  ^Ayifiioi^' Ayf^oi  zu  ^Ayqlai  ^AyqtowBq  und  Kaaawntj  neben 
KaaaiOTtfj  erinnert.  Die  Kägeg^  die  Rhianos  h  t^i  ^  (Qeaaa- 
XiTuSy)  erwähnt  ,f€7tTa  de  JfovevTivoiy  araQ  dvonaidena  Kä(fag 
Steph.  unter  JtayefTivog^  tragen  vielleicht  einen  aus  Kotn^iandg 
gekürzten  namen.   Ka^uimog  kann  aus  Kaajwrtög  entstanden  sein. 

Wie  überall  in  Griechenland  ist  die  ableitung  vom  lokativ 
auf  i  auch  in  Epeiros  zur  bildung  der  ethnika  sehr  beliebt. 
EvQwniog  Smlg.  1S39  geht  auf  einen  ort  Evifamog  zurück  Tgl. 
Stephanos  unter  Ev^nog*  —  %ö  k^inöv  EviffSrtiog  cJg  ^üodth- 
Ttiog,  Auch  in  Epeiros  soll  es  einen  ort  Oropos  gegeben  haben : 
xai  nififCTTj  iv  Geofegüniai  sagt  Steph.  bei  aufzählung  der 
Städte  dieses  namens. 

Die  XifKülioL  smlg.  1347  scheinen  eine  kalte  gegend  be- 
wohnt zu  haben,  wenn  der  name  mit  x^^^~  ^^  dva-%i^og^ 
xLlietXov  zusammenhängt.  XupLiqiov  heisst  ein  vorgebirg  und 
hafen  in  Thesprotien  Thukyd.  1,  30.  46  und  Dodona  trägt 
n  234  das  beiwort  dvaxeifieQog,  Xifiwliot  geht  auf  Xi^iaXog 
wie  Ai%iihoiy  -lUa  auf  u^itwlSg,  und  wie  ofiOQTtoJiog  von  afiaQ- 
Tely^  AlvwXog  von  atreZv,  so  ist  Xifiwlog  von  %i^Biv  -«  %bi- 
fielp  frieren  abgeleitet;  möglicherweise  würde  Xifiiolioi  besser 
mit  ei  geschrieben. 

Die  ^Yftat'loxioi  wurden  schon  oben  erwähnt  und  mit  den 
Afig>lXoxoi  in  Akarnanien  verglichen;  sehr  merkwürdig  ist  hier 
die  erhaltung  des  altepischen  vrral  neben  vrtd. 

In  TgiTtohaoot  neben  TgiftoUaioi  ist  ato-  zu  ajo,  aao 
gewandelt  wie  in  Kaaawntj  aus  Kaa(a)i6ft7i ;  bei  Aeschylos 
schreibt  man  nohaaovxog^  noXiacovo^og  wohl  besser  mit  ein- 
fachem a. 

IlaQWQdiogf  verkürzt  zu  IldQfOQog  s.  o.  beruht  auf  rtoQot- 
Qea  SS  TtoQWQeia^  wenn  man  nicht  ein  übergreifen  des  aus- 
gangs -mo^  annehmen  will. 

Unter  ^Afivfjivoi'  e9vog  ^Hnuqutiixov  bemerkt  Stephanos : 
Xeyetai  xal  AfAVfivaiog  xai  ^ApLvpLvaLa.  Dies  ethnikon  erklärt 
sich,  wenn  wir  ^Af4Vfiv6g,  wie  oben  geschehen,  nach  analogie 
Maiuddh  :  Max^dvog  als  ursprüngliches  adjectiv  zu  ^Ajavitianf 
auffassen.     Dann  ist  ^Afiv^yä  (sc.  yäla)  das  land  der  '^/uv- 


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246  A.  Pick 

(jiOVB^y  und  hieryon  regelrecht  das  ethnikon  litfivfivaiog  abge^ 
leitet^  wie  ^EXiaiog  yon  ^Elia  und  Tv^q>aiog  von  TvfAqnj. 

Zu  Kolnaiog  smig.  1350  —  jedenfalls  mittelbar  von  x6>l- 
Ttog  —  und  Toqvdaiov  1339  fehlen  die  Ortsnamen;  einen  ort 
ToQinnr]  in  Thesprotien  erwähnt  Plutarch  Anton.  62.  Nach  einem 
manne  sind  die  reroäloi  benannt  e&vog  Mohntaiag^  dno 
Feyoov  a^ovtog  cnrucjv  'Piavog  kv  xsidqfswi  Geaaahxwv  Steph. 
Inschriftlich  erscheint  der  name  mit  v  :  Fewalov  smlg.  1367, 
wie  umgekehrt  Joeaatog  neben  Strabos  Jviarai. 

Geradezu  einen  mannsnamen  tragen  die  'A^ivtar  e^og 
GeaTtQaniTLOv  ^yfiivog  nvuovxeg  'u4fivvtai^^  (wohl  aus  Rhianos) 
xal  ^  AQvaxoziXrjg  ev  fiji  %wv  ^HrceiQiaidjv  Tcohreiai  Steph.  Vom 
könige  Amyntas  benannt?  wie  könig  Philippos  die  Kreniten 
0iXi7tnovg  (ivoinaaev? 

Die  ethnika  auf  -ivog  gehen  auf  den  ausgang  -<o  zurück, 
mag  damit  der  Ortsname  schliessen,  wie  in  Abovciov  :  ^«ov- 
Tivog^  oder  eine  kürzere  form  des  ethnikons  auf  -co  dabei  über- 
sprungen sein,  ¥de  in  Ta^ag  (ToQavtiog)  Taifcnfrlvog,  In 
Epeiros  ist  -ivog  vertreten  durch  ^^yvQivoi'  e&vog  ^Hfteidfü- 
Ttxov  Steph.  zu  difyvQiov  silberbergwerk,  ^Agyvgia  ort  im  kappa- 
dokischen  Pontos,  l/ä^YVQia  in  der  Troas. 

JanfSTzlvor  e^og  MoXooüixov^  "^Piavog  6'  @€aaa3Uiiwv 
„avTOQ  Jwyenfivoi  Irf*  oxqrjQoi  KeQoiveg^^  nai  h  rtji  ^  „e/rra 
öi  JtavefTivoi^  dtaq  dvoxaid&ia  KaQeg*\  Der  Ortsname,  der  zu 
gründe  liegt  (J(av€T%i.ov? )  wohl  zu  dova^  „röhr".  Woher  hat 
Passow  unter  dova^  „dorisch  dcSi^al,  ionisch  doira^?^^  Boisacq 
weiss  nichts  von  dorischem  duh^a^,  sonst  könnte  man  lettisch 
dohne^  d.  i.  dune  „schilf,  binsen^*  dafür  geltend  machen,  dcvdx- 
vag  als  beiname  ApoUons  geht  auf  iova^  n^hr,  pfeil^S 

KeaxqivoL  hiessen  die  bewohner  von  KeaxQiay  das  gebiet 
KeoTQivrj  bei  Thukyd.,  in  Thesprotien,  doch  vgl.  Hesych  Ke- 
axQiviKol  ßoeg*  oi  ev  Xaovlai-  fj  yaq  Xaovia  Ttqoxeqov  Keaxqivt} 

7rQ0aflY0Q8V€T0  (?). 

Für  OftXaivog  Ethnikon  Smlg.  1359.  1362  ist  vielleicht 
^Onlalvog  zu  lesen  und  von  einer  örtlichkeit  abzuleiten,  die 
etwa  „hufplatz"  bedeutete,  von  onh^  huf,  wie  oTtUa  bei  Hesych; 
^'OnXaivog  „Waffen  belobt"  wäre  doch  ein  allzu  pomphafter 
name. 

Im  ausgange  von  Kegälveg  mag  -Tv  aus  -ivog  verkürzt  sein, 
wie  in  vcfiin  neben  iaf^/nji, 

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Die  griechischen  verbandnamen  (ethnika).  247 

Eigenthümllch  ist  die  Verwendung  von  -irdg  für  -tag  in 
epeirotischen  stammnamen.  Strabos  Jviaxai  326  sind  wohl 
zweifellos  dieselben  leute,  die  inschriftlich  Joeaatol  heissen: 
Joiaaxoq  Smlg.  1350,  4,  mit  o  neben  v,  wie  umgekehrt  in- 
schriftlich reyvaioi  neben  Fwottioi  beim  Stephanos.  Dieselbe 
endung  in  ^Yyxeatov  Smlg.  1349,  wir  dürfen  demnach  -aro^ 
als  Vertreter  des  makedonischen  -axag  ansehen,  ebenso  -%6q 
für  -Tag  in  Kla&iatos  Smlg.  1339,  "0Qiav(6s)  1366,  wohl  zu 
Horreum  Liv.  45,  26,  vgl.  ^Oqiov  tonog  KQ^rrjg  Steph.  iDoi- 
yatog    Smlg.    1351     zu    einem   Ortsnamen    Ooiva  vgl.    tpoivog 

„braun";   Kagfca  .  .  .  1367  und %ov  1346   sind  vielleicht 

zu  KaQTCtTov  zu  verbinden. 

Hierher  gehört  vor  allem  der  volksname  BsoTtfunog,  ge- 
bildet vne  *^nod(av6g  und  Boiwtog,  Vielleicht  war  der  aus- 
gang  "Tag  in  Epeiros  ganz  durch  zog  verdrängt,  denn  die 
^ AiiftQaiuüixaiy  l^TteiQwtai  und  ^Apivvxai  wollen  nicht  viel  be- 
deuten: Amprakia  war  eine  kolonie  von  Korinth,  ein  gemein- 
wesen  der  Epeiroten  gab  es  erst  in  hellenistischer  zeit,  und  die 
^Afxvvrai.  tragen  einen  makedonischen  königsnamen.  Das  eth- 
nikon  ^Ortovog  Smlg.  1349  erinnert  in  seinem  ausgange  an 
^Ertovia'  ftohg,  ^  vvy  'AjdßQoxiay  ^  ftQOteQOv  IlaQaXia  xai  o\ 
oinLovvfBg  Steph,;  ^Onovog  wird  für  ^Onoviog  stehen. 

Die  Ji^fXQOi  wohnten  im  norden  nahe  der  illyrischen 
grenze,  daher  ist  der  name  wohl  nicht  griechisch  —  vgl.  illy- 
risch JaaooQTitav  JaoaaQoi  —  man  könnte  sonst  an  difyLO&av 
^uiQTja  denken. 

Die  ^A^afiWBg  ^AtivxavBg  ^Eyyekaveg  Takaiaifeg  und 
^'Elloneg  wurden  schon  oben  angeführt.  Die  grosse  fülle  von 
Stammnamen  erklärt  sich  aus  den  politischen  zuständen  des 
landesy  das  ganz  in  der  alten  gauverfassung  stecken  blieb  und 
sich  nicht  zur  bildung  der  hellenischen  polis  erhoben  hat.  Für 
die  griechische  Volkskunde  sind  die  eben  betrachteten  namen 
darum  wichtig,  weil  sie  mit  voller  Sicherheit  den  acht-  und 
altgriechischen  Charakter  der  bewohner  von  Epeiros  darthun, 
der  nicht  weiter  angezweifelt  werden  sollte.  Erst  nachdem 
Aemilius  Paulus  das  kernvolk  der  Molosser  nach  dem  siege  von 
Pydna  in  die  Sklaverei  verkauft  hatte,  drangen  die  Illyrier  in 
das  entvölkerte  land  vor  und  Epeiros  wurde  „zweisprachig^^, 
wie  es  Strabo  kennt. 


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248  A.  Fick 


Westhellas. 


Ob  die  Taphier  und  Teleboer,  um  mit  den  westinseln  zu 
beginnen,  griechischen  Stammes  waren,  fragt  sich  hier  nicht, 
die  namen  sind  jedenfalls  griechisch.  Die  Tdg>ioi  heissen  so 
als  bewohner  der  insel  Tdtpog,  und  diese  ist  als  „grabinseP' 
Taq>0'Vf}Oog  benannt  und  nach  ihr  und  ihren  bewohnern  die 
umliegenden  inseln  y^aoi  Tatpiai. 

Der  name  der  TriUßoai  ist  durchsichtig,  aus  v^Im  und 
ßoi^  zusammengesetzt,  aber  die  deutung  ist  nicht  ganz  sicher: 
weithinruf  er?  oder  weithingerufene?  als  %ijkh(Xrj%OL  iTtiwnjfoi? 
ßoTj  bedeutet  schon  im  homerischen  ßoiiv  dyad'dg  den  Schlacht- 
ruf und  die  Schlacht,  heroischer  Vertreter  der  Trjleßdai  ist 
vielleicht  Tri)A^a%og. 

KBq>a}Xiv  ist,  wie  das  doppel-it  zeigt,  kurzname;  der  voU- 
name  ist  nicht  wohl  anzugeben,  wenn  auch  deutliches  x&paiaj 
zu  gründe  liegt,  wie  denn  als  eponym  Kitpalog  genannt  wird, 
der  auch  dem  attischen  demos  Ketpalij  zu  seinem  namen  yer- 
helfen  haben  soll.  Der  Ortsname  Keq>aloidiov  jetzt  Gefalu,  auf 
Sizilien  geht  auf  xefpaX'Otdrjg  „dickkopf  *  wie  xvhoidiaia  auf 
Kvloidag;  auch  K&pakopfjoog  name  einer  insel  vor  der  Krim 
ist  zu  beachten. 

Kephallenia  bildete  eine  tetrapolis,  sie  war  unter  die  vier 
Städte  Same,  Pronnoi,  Krane  und  Pale  getheilt  ügtivvoi  ist 
eigentlich  gekürztes  ethnikon,  die  Stadt  hiess  mit  vollem  namen 
TlQtivaaag  Strabo  455.  Statt  der  Pronnoi  nennt  Liv.  38,  28 
neben  den  Granu,  Palenses  und  Samaei  die  Nesiotae,  offenbar 
auf  grund  einer  anderen  kürzung  von  IlQwaaog,  wie  die  '£xa- 
to-njaioi  sich  selbst  NaaidSzat  nannten.  Die  namenrmhe  ist 
demnach:  ÜQWvaoog  (ÜQwyaaioi)  und  hieraus  vom  ersten  theil 
IlQwvtfOi,  vom  zweiten  Naaiwrai. 

Sagenberühmt  und  nur  der  sage  bekannt  sind  die  Kureten 
von  Pleuren.  Der  name  ist  kein  ethnikon  yon  haus  aus:  xov- 
Qffj%eg  ^A%atwv  heisst  bei  Homer  die  junge  mannschaft,  die  da- 
neben auch  xovQOi  ^AxaiGhf  genannt  wird.  Auch  bei  den  Kureten 
Pleurons  findet  sich  die  doppelbezeichnung :  Kovqiov  hiess  berg 
und  bürg  über  der  Kuretenstadt  Pleuren  und  Stephanos  be- 
richtet unter  KovQ^g  „xat  KovQ&!g  naqoy^yov  xcd  KovQuog 
wxi  KovQei&^.  In  den  folgenden  werten  „xae  KovQiaaa  ^Xv^ 
xdfg^^   ist   für  KovQiaaa  zweifellos    KovQfjaaa  zu  schreiben  ge- 


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Die  griechischen  verbandnamen  (ethnika).  249 

bildet  TOB  Kav^y  -Tog  wie  Kg^aoa  von  Kfi^g^  Mayvtjoaa  von 
Mayvfjg. 

Die  ethnika  ^AxoQväyeg^  OoitSveg  und  l4fig>lkoxoi  sind 
schon  oben  zur  spräche  gekommen. 

Der  Aetolemame  ist  schon  bei  Stephanos  richtig  gedeutet. 
Da  heisst  es  unter  u4hü>Xtig'  „Smi  xai  ahtaXog  htld'etov  noQa 
^fia  to  ciTeiv^*;  also  aitfal6g  zu  ahelv  ahTjao}  wie  afuxQtwXog 
zu  aiiaqzüv  a^aq%ri'ato.  Klingt  dieser  sinn  von  Aifiolog  noch 
Od.  14,  329  durch?  Jedenfalls  ist  der  dort  genannte  Al%ial6g 
dnjQ  ein  „heischender^^  ein  bettler. 

Die  einbrechenden  Nordgriechen  sind  auch  sonst  als  bettler 
und  landstreicher  benannt  Qeaaalogj  einheimisch  ündixlog^ 
stimmt  wesentlich  zum  ahd.  bitil,  pitil  zu  got.  bidjan  „bitten'*, 
der  bettelmann  der  Odyssee  Iros  hiess  «mit  eigentlichem  namen 
l^raiogy  in  ihm  werden  die  von  Arne  in  Thessalien  einfallenden 
Böoter,  die  lifräioi  Bouatoi^  verhöhnt,  und  der  dorische  He- 
raklide,  der  Korinth  eroberte,  heisst  in  der  sage  iMi^g  „der 
landstreicher".  So  sind  Ahtokog  und  IU%d'ak6g  ursprünglich 
schimpf-  und  Spottname  gewesen,  die  von  den  siegem  nachmals 
als  ehrennamen  adoptiert  wurden;  ein  trefifendes  beispiel  bietet 
die  gesohichte  des  Geusenamens. 

Stämme  in  der  später  dem  Aetolerbunde  angeschlossenen 
AixioUa  iTcUtTjTog  waren  die  ^Otpiovifg  Thukyd.  3,  9,  4,  die 
Strabo  451  mit  kürzerem  namen  ^Otpiüg  nennt,  von  oq>i>g 
schlänge,  aber  in  welchem  sinne?  „Schlangenverehrer?"  oder 
anwohner  eines  baches  ^'Oq>ig  (so  hiess  der  bach  von  Mantineia) 
oder  ^Oipiiar? 

Bwfioi^  ldq)oi  AlnaUag,  oi  xatoiKOvrreg  Bwfiirjg'  Govkv- 
didfjg  %QiTrit  c.  96  ^^Bw^vfjg  xai  Kaklitjg^^y  alX^  Saviv  dno  tov 
B(6fiiogy  (ig  and  tov  Xqaiog  Xrjauvg*^  Steph*  Unter  den 
Bwfioi  sind  wohl  eher  „stufen",  vgl.  ßa&fiog,  als  „altäre"  zu 
verstehen.  Bto^irjg  geht  wohl  auf  Btifuov,  gebiet  der  Bia^oi^ 
wie  KaXXiijg  auf  KoÄXiov.  Diese  von  Thukydides  neben  den 
Biafii^g  genannten  KaXh^g  sind  die  bewohner  von  Kdlhovy 
dem  gebiete  des  orts,  der  mit  vollnamen  Kalllmohg  heisst.  So 
sind  die  KalkUig  dieselben,  die  in  den  delphischen  inschriften 
als  KakhnoXltai  bezeichnet  werden. 

In  ^Anodunoi  findet  sich  derselbe  ausgang  vor  wie  in 
BaaTtaanoL  und  BoutnoL  Zu  gründe  liegt  wohl  OTtovg  g, 
anodog  „fusslos  d.  i.  unwegsam". 

BttUilg«  I.  kuMto  d.  iwig.  «KMhMi.    XXVI.  17 


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250  A.  Fick 

Ähnlich  heissen  die  IdfteQowol  so,  weil  sie  in  ,,undardi- 
dringlicher"  landschaft  wohnen;  die  eigentliche  bedeutung  von 
dniQovToq  ist  ,,nicht  durchzukommen"  (neQaivto).  neoarria 
Ttokig  AlfiaUag  Steph.  ist,  allerdings  ohne  rücksicht  auf  den 
sinn,  ans  'ATteQCcrfia  gekürzt  Die  ^^ygäioiy  in  unwegsamen, 
noch  jetzt  mit  dichten  Waldungen  bedecktem  bex^lande  sesshaft 
(Bursian  Gr.  g.  1,  140)  sind  von  ilyga  jagd  als  ^jagdleate, 
Weidmänner^'  benannt,  wie  Apollon  dyQoiog^  Artemis  ay^aia. 
Das  a^jectiv  erfordert  auch  hier,  wie  immer  in  adjectivischen 
ethnicis  ursprünglich  den  zusatz  avÖQeg. 

Dem  sinne  nach  stimmt,  was  aus  Aetolien  in  der  Hesych- 
glosse  liyQ€fiweg  berichtet  wird:  dnjQaraly  fto((9f]ViKoL  Bona- 
toi  —  nuxi  toftog  hf  Ai%wXLai,y  zunächst  doch  bezeichnung  der 
bewohner  dieses  ortes. 

Der  name  der  AohqoI  ist  dunkel,  die  Hesychglosse  Iskqoi' 
c^oi  T(^  ilag>sliav  (lUQatüfv?)  giebt  keine  aufhellung.  Dag^en 
erklärt  sich  der  bergname  ''Oloxuog  bei  Pydna  sehr  wohl  aus 
o-  „mW  und  im  zweiten  gliede  zu  -ilox^-^  abgeläutetem  Aex^g 
„mit  geweihzacken  versehen";  ähnlich  heisst  eine  klippenpartie 
am  brocken  ,,die  hirschhörner^^ 

Die  westlichen  Lokrer  nannten  sich  selbst  Feandfioi^  wie 
sie  auch  den  abendstem  in  ihrem  Siegel  fahrten,  bekannter 
sind  sie  unter  dem  Spitznamen  der  'O^oXm. 

Dieser  sollte,  von  ofyiv  abgeleitet,  die  leute  als  „stinker" 
bezeichnen,  welcher  gestank  dann  verschiedentlich  hergeleitet 
wurde.  Sprachlich  ist  nichts  einzuwenden:  oZöltjg  wäre  von 
0^(0  gebildet,  wie  fiaiyo'lrjg^  fjuayd-Xtig^  ohpö-Xfjgy  orvmd-Xfjgf 
q>aiv6'Xrjg  von  fuxlvofjiaiy  filayWy  ofügpcv,  onvUa  ffaino.  Doch 
stimmt  mit  dieser  ehrenrührigen  deutung  nicht  Skymnos  316 — 7, 
wo  es  von  den  epizephyrischen  Lokrem  heisst: 

AqIv  d*  anoiiioi  %wv  ^OnowtUaif  AoriQWVf  eifioi  di  jio^ 
xQüiv  q>aai  %wv  iv  'O^oXaig.  oCßi  sollen  nach  Suidas  die 
feile  twv  ovayfiov  geheissen  haben,  vgl.  lit  Ma  haut 

Thessalien. 
Der  Thessalemame  lautet  im  eigenen  lande  üetdixXdg,  in 
Böotien  0€TaX6g,  0maXdg  Smlg.  906.  708,  attisch  SstwaXdg; 
das  stammverb  ist  d'iaaeadixi,  q>ea%6g  in  Bi6q>Bo%og  Böoter 
Smlg.  488,  wozu  tto^o^;  ihm  entspricht  germ.  hidjan  und  zend. 
jaidhyümi  „ich  bitte".    Hiernach   ist  die  deutung  des  namens 


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Die  griechischen  verbandnamen  (ethnika).  251 

nicht  zn  verfehlen:  0e%&al6g  ist  wesentlich  gleich  mit  an. 
bidhily  ahd.  pitil,  mhd.  bitel,  nhd.  bittel,  hier  und  da  noch  für 
den  freiwerber  gebräuchlich.  Die  erklärung  des  namens  ist 
unter  Aitwhig  gegeben. 

AHiiweg  heissen  die  Thessaler  zuerst  bei  Pindar.  Der 
namenausgang  oSfifov,  doch  wohl  ,,kundig''  wie  atfiova  Sijfrjg 
Homer,  war  besonders  in  Thessalien  in  ^ AviqaiiJuaPj  ^Irtnal^w/w 
üblich,  und  so  bezeichnet  Alfiovtg  yielleicht  die  Thessaler  als 
leute,  bei  denen  die  -a^funi^-namen  gebräuchlich,  wie  man  bei 
uns  von  den  Brnnonen,  Ottonen,  Weifen  spricht.  Doch  könnte 
AliAtav  auch  speziell  kiirzung  von  'lTt7t<Ufiwv  sein. 

Der  kern  des  landes  hiess  ^A^yog  TlelaayixoVf  d.  h.  wenn 
Sfyog  oben  richtig  als  „mark"  gedeutet  ist,  die  pelasgische 
d.  h.  den  Pelasgem  abgenommene  mark,  wie  es  bei  uns  eine 
windische,  d.  h.  wider  die  Wenden  errichtete  mark  gab. 

Diese  mittellandschaft  umlagern  im  norden  die  IleQfatßoly 
Ils^aißoij  vielleicht  zu  /re^/cr-,  Tra^-grenze  „die  an  der  grenze 
weidenden'^  ReQ-ifa  ßoi  zu  /Qoißdg  got.  vraiqs  krumm,  „sehr 
verdrehte  leute'^  wird  man  schwerlich  annehmbar  finden. 

^'ifalov'  OQog  JlsQQaißlag*  ol  ohtowreg^'ItoloiEßBjch.  Dar- 
nach lasen  einige  B  749  Ti3i  d'  Sq*  ^iwXoi  inov%o  statt  %m 
d*  ^Eri^veg  t  Dazu  iwlaif'  fiilay  Hesych,  eigentlich  „rost- 
ÜEurben^^  zu  log,  fiog  „rost";  man  könnte  sehr  wohl  lesen:  %ok 
ii  Flfoloi  iftovfo.  Die  leute  waren  wohl  weniger  braun,  als 
ihr  land,  x6  ^Italov  Hqog.  Nahe  an  sie  grenzten  die  KaXaid-eig  : 
^^inegy  die  ganz  ähnlich  nach  der  braunen  färbe  benannt 
sind. 

Nachbaren  oder  ein  stamm  der  Perrhaeber  waren  die 
^Ifigdeg  S&vog  TtQoaexig  Toig  IlBQqaißoig^  ^Enunaiog  EvQWfVfji' 
nolneovaiv  ^Ifig>isg,  IIsQQaißot^  vgl.  ifitpag'  ^§ttg.  Bevtaloi 
und  ifAt/ßiog'  Iloaeidwp  S  ^vyiog  Hesych. 

Dem  n.  oder  nw.  Thessaliens  gehören  wohl  auch  die  '£^- 
viotai  an  S^vog  QeaaaXlag  änb  ^E9viü%ov  xiSv  Neonrokifiov 
Ttttidtav  iyog  (lig  ^Puxvbg  d'  xat  s.  Der  eponym  lässt  vermuthen, 
dass  der  stamm  ursprünglich  nach  Epeiros  gehörte,  dort  fanden 
wir  den  „makedonischen  typus^^  auf  -(nag  in  Jviatav  neben 
JvwQvog.  Dieser  findet  sich  auch  in  den  namen  der  unter- 
worfenen Urbevölkerung  Thessaliens  IleyiaTai  und  Mwiotaiy 
die  sicher  von  den  siegem  herrühren.  Prellwitz  denkt  bei 
IhvioToi  an  lat.  penes,  aber  man  kommt  mit  Ttivofiai  aus  — 

17» 


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252  A.  Fick 

Ygl.  nhnjg  arm  —  wie  für  Meviatai  mit  /uiycti,  vgl,  die  fipola 
auf  Kreta.  Sonst  hiessen  die  QeaaaXoixivai  neldtcu  und 
nQOonalatcu  „zugewandte  leute".  Die  endung  -voq  für  -Ta$ 
findet  sieb  vor  im  ethnikon  von  Gomphoi  an  der  grenze  Ton 
Epeiros  und  von  dort  her  eingedrungen;  die  münzen  der  Stadt 
haben  neben  rofiq>iia¥  die  aufschrift  rofjLq>L%ovv.  Dies  ist  nicht 
aus  roii(pL%aovv  kontrahiert,  sondern  geht  auf  das  ethnikon 
ro/ng^iTog.  Die  ethnika  auf  -ro^  sind  bei  den  nordgriechen 
beliebt:  'Ofeatog  Maked.  »  'Oqiatag  Arcb.  Ztg.  38,  159 
(nach  PB.  auch  Avywfiofog  Lyncestus  bei  Vitruv)  „am  häufigsten 
in  Epeiros  —  Joeaatog  Klad-unög  ^OQcazdg  ^Yyx^^og  CkU" 
vavog  lehren  uns  die  dodonäischen  inschriften  kennen^^  Vf.  zu 
smlg.  334. 

Die  thessalischen  Tetraden  sind  gleichförmig  benannt,  die 
einwohner  auf  -(orag,  die  landschaften  auf  -dStig  :  ^Etmaiukigy 
IlelaayuSTig,  Qeaaahwvig  d.  i.  nerd-ahiuTtg  und  O&mzig.  In 
der  Hestiaiotis  wohnten  die  Hestiäer  d.  i.  F^OTialot^  die  nach 
der  botIol  oder  der  göttin  d.  n.  benannt  sind,  in  der  Od'ifatig 
die  OSioiy  die  vom  lande  0d-ia  den  namen  führen:  von  0&ia 
ist  Od-idrag  «  ionisch  09ii^rig  von  0dioi  fbd-uitrjg  09i6kig 
gebildet 

Schliessen  wir  unseren  rundgang  mit  den  Magneten.  Die 
ableitung  des  namens  aus  Mcmeddy  :  Mcacsdvog  :  Maydv-ijg  ist 
schon  oben  gegeben,  es  sei  hier  nur  noch  bemerkt,  dass  die 
ursprüngliche  betonung  Mayvi/g  Mayv^reg  aufgegeben  wurde, 
durch  den  einfluss  der  Magneten  Eleinasiens,  die  als  Aeoler 
den  akzent  zurückzogen. 

Das  bindeglied  zwischen  Makedonen  und  Magneten  bilden 
die  nUgegy  die  bewohner  der  landschaft  TliBqia  zwischen  Olymp 
und  meer.  Der  landesname  ist  deutlich :  TtUiqa  ist  das  feminin 
zu  Ttiiov  und  Ilugia  entspricht  zufallig  dem  sskr.  plvart  „die 
fette*^  Aus  JIieQia  ist  der  volksname  IlieQeg  durch  kürzung 
hervorgegangen,  wie  wir  solche  in  den  epeirotischen  stamm- 
namen  so  häufig  fanden,  vgl.  z.  b.  TdXoQeg  neben  TalaQia. 
Jedenfalls  sind  die  nUqeg  ursprünglich  nicht  als  „die  fetten'*, 
sondern  als  bewohner  eines  fetten  landes  gedacht. 

In  sagenhafte  vorzeit  versetzen  uns  die  namen  der  Minyer, 
Phlegyer  und  Lapithen.  Man  beachte,  dass  die  drei  verwandten 
Stämme  gleichmässig  mit  schliessendem  ä  benannt  und  Miviai 
und  0Xeyvat  sprachlich   noch  näher  durch  den  gemeinsamen 

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Die  griechischen  verbandnamen  (ethoika).  253 

ausgaDg  ihrer  namen  auf  -vä  verknüpft  sind.  Eine  deutung 
der  namen  nnterlässt  man  besser,  da  sie  zu  wenig  handhaben 
bieten,  jedenfalls  sind  in  Minyem  und  Phlegyem  nicht  die  alt- 
indischen  menschheitsväter  llanu  und  Bhrgu  zu  suchen. 

Ganz  mythisch  sind  die  Myrmidonen,  das  Yolk  Achills. 
Die  alten  sahen  in  ihnen  ^^ameisen^S  was  im  hinblick  auf  fivQ- 
fior  fivfffifixag  Hesych  und  thiemamen  wie  tsp&iftjdfJv  wald- 
biene,  te^tjötAw  holzwurm,  x^kUkaif  schwalbe  sprachlich  wohl 
möglich  wäre.  Vielleicht  erinnert  man  besser  an  fivQfiog'  g>6ßog 
zu  fiOfffiOi'  (foßoi  Kepoi^  iiOQ^ivia^  fioffid  und  fiOfißgw  d.  i. 
fio-f^iQtu  und  fii^fieQog,  und  bildungen  wie  tTjuadaweg  ^  fielij- 
dovegj  lat.  formidines.  Achill  ist  als  söhn  der  Thetis,  in  der 
Maass  die  Demeter  ^eafio-^hig  erkannt  hat,  eine  chthonische, 
aller  heiterkeit  haare  gestalt,  ein  fürst  der  schrecken. 

Osthellas. 

Oben  wurde  der  name  der  Stadt  Phokaia  von  der  bucht 
Phokai  am  ausflusse  der  katabothren  des  Kephissos  abgeleitet, 
es  steht  nichts  im  wege  ebenso  mit  dem  namen  der  Phoker 
Qktnuiig  zu  verfahren;  sprachlich  ist  es  jedenfalls  ganz  unan- 
stössig»  0(aMvg  als  bewohner  von  ÜhSxcu  zu  deuten,  wie  12a- 
tQevgj  BBCrtiilgy  üotnevg  regelrechte  ethnika  zu  Ilav^aiy 
Sianiaiy  üotviai  sind. 

Auch  die  sage  deutet  hierauf:  in  den  nachtragen  zu  He- 
siods  Theogonie  heisst  es  1004,  Aiakos  habe  mit  der  Nereide 
Psamathe  den  Phokes  erzeugt,  den  ahnherm  der  Phoker.  Ebenso 
Pindar  Nem.  5,  13.  Dieser  setzt  den  Aiakos  zwar  schon  nach 
Aigina,  doch  gehört  der  vater  des  Peleus  zweifellos  ursprüng- 
lich nach  Phthia  in  den  süden  Thessaliens.  Damach  hätten 
sich  „Aiakiden'^  d.  h.  Süd-thessaler  an  dem  sandigen  strande 
der  bucht  von  Phokai  festgesetzt,  dort  den  namen  Ouniaig  an- 
genommen,, und  wären  unter  diesem  in  das  Kephissosthal  und 
an  den  |PamaS8  vorgedrungen.  Hierfür  lässt  sich  auch  der 
name  einer  alten  Phokerstadt  Navßoleig  gelten  machen,  die 
Paus.  9,  33.  39  erwähnt  und  nach  der  ein  Phokerfurst  Iphitos 
B  518  Navßolldfjg  benannt  ist  Sehr  wohl  stimmt  dazu  auch 
der  dialekt  von  Phokis,  der  kaum  noch  spuren  der  alten  Aeolis 
zeigte  die  nur  in  Delphi  noch  stärker  hervortreten.  Jedenfalls 
war  die  Wanderung  über  die  meerengen  zwischen  Phthia,  Eu- 
boia  und  Osthellas  bequemer,  als  durch  den  leicht  zu  sperren- 


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254  -A.  Fick 

den  engpass  der  Thermopylen.  So  siedelten  sich  Hestiäer  in 
Histiaia  auf  Euboia  an,  ebenda  finden  wir  eine  landschaft 
Hellopia,  die  von  den  Hellopern  um  Dodona  Siedler  und  namen 
empfing,  und  auf  diesem  wege  ging  auch  der  name  Hellas  nach 
dem  östlichen  Mittelgriechenland  über. 

Die  Abanten,  einwohner  von  Abai  im  tbale  des  Assos,  eines 
nebenflusses  des  Eephissos,  hätten  sich  nach  den  angaben  der 
alten  von  den  Amanten  in  Epeiros  abgezweigt,  vielleicht  sind 
sie  über  Euböa  gekommen,  jedenfalls  ist  ^'^ßag  g.  vtog  von 
^'Aßai  abgeleitet,  wie  ^'Yag  von  ^Ya^  0lByv  opteg  von  OXsyva^ 
^A^mXag  und  'uiglaßag  von ''^/uvx^i  und  ^Agiüßti. 

Mit  den  Hyanten  um  Hyampolis,  den  nachbarn  der  Aban- 
ten, gleichen  Stammes  war  nach  ausweis  der  namen,  die  west- 
lokrische  gemeinde,  die  Thukyd.  3,  101  *^Yaiot  nennt  Ihre 
nwfiti  hiess  JToAt^,  worin  wir  ein  gegenstück  zu  ^Ydfi-fvolig 
erkennen  dürfen;  ursprünglich  hiessen  beide  gaue  ^Ya  und  die 
mittelpunkte  derselben  *'Ya  nohg^  oder  schlechtweg  RoXig. 

Auf  die  ältere  bevölkerung  von  Phokis  weist  der  name  der 
AloXideigy  deren  Stadt  nach  Xalxidelg  :  Xalxig  ursprünglich 
Aiokig  geheissen  haben  muss;  ebendahin  die  äolische  neben- 
form  Bahpol  von  JehpoL  neben  den  sonstigen  spuren  der  Aiolis 
in  der  mundart  von  Delphi. 

Im  dialekt  der  Böoter,  dessen  quellen  jetzt  so  reichlich 
fliessen,  unterscheidet  man  deutlich  zwei  verschiedene  bestand- 
theile,  altachäisch- äolische  und  westgriechische,  also  eine 
mischung  der  beiden  alten  haupttypen,  die  von  den  Qriechen 
selbst  richtig  erkannt  und  als  äolisch  und  dorisch  bezeichnet 
sind,  vgl.  0.  Hoffinann  de  mixtis  Graecae  linguae  dialectis. 

Diese  mischung  erklärt  sich  aus  der  geschichte  der  bevöl- 
kerung des  landes:  die  sagenberühmten  Staaten  der  Minyer, 
Phlegyer  und  Eadmeier  wurden  von  einbrechenden  Westgriechen, 
den  Böotem,  überrannt,  und  so  entstand  das  mischvolk  der 
AloXslg  BoKOToi  d.  i.  der  Aioleig  ycai  BoiunoL;  aus  dem 
missverständnis  dieses  namens  entsprang  der  irrthum,  als  seien 
die  Böoter  die  echten  und  echtesten  Aeoler. 

Der  name  der  IlQOvdaTaiy  nach  Stephanos  e&vog  Bouaviag 
und  mit  dem  citate  y^BouartSv  öi  rcvag  rö  Ttalai  lUfovoaTai 
xaliovrai^^  belegt,  hat  keinen  realen  inhalt:  Ttqovdaxai  heisst 
„vorbewohner"  zu  vdaaaad'ac,  vaiuv  wie  fiava-vdartjg  und  der 
Karer  Ndotijg  im  Troerkatalog.    Ebenso  leer  ist  der  name  der 


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Die  griechischen  verbandnamen  (ethnika).  265 

"EKVTiveg  oder  ^EyxTtjveQf  er  „bedeutet  wohl  nur  ansässige''  Bur- 
sian  8.  302  zu  iyKTtja&aif  ^yxnjais;  die  form  ohne  nasal  er- 
innert an  böot  ertTtaaig. 

Die  ^^oveg^  deren'  name  am  ^Ai»iov  ftediov  bei  Theben 
haftete,  bezeichnen  vielleicht  den  weg,  den  die  ^laorag  bei  ihrer 
Wanderung  nach  Attika  genommen  haben. 

TififilKsg  werden  von  Lykophron  und  Menelaos  in  seiner 
Thebais  nach  Steph.  ak  urbewohner  Böotiens  genannt.  Der 
name  ist  gebildet  wie  u^ldTKeg  Oolvlxag  und  geht  vielleicbt  wie 
diese  auf  die  färbe,  doch  ist  ein  reflex  von  altir.  Umd  dunkel- 
heit,  ags.  fimm  dunkel,  s.  tdmas  dunkelheit  im  Griechischen 
nicht  nachzuweisen. 

Deutlich  weist  auf  vorgriechische  bevölkerung  Böotiens  der 
name  TlBKayünf  g.  IleXdyoyTog.  Einen  IlelayovTa  zeugt  nach 
ApoUod.  3,  12,  6  der  flussgott  Asopos  und  Kadmos  folgt  der 
stadtgründenden  kuh  nach  Theben  awrvxw  h  toig  ßorno- 
Uoig  ÜBkdyovTog.  Der  volksname  üelayw  g.  nslaydvog  passt 
nur  im  nom.  und  voc.  in  den  hexameter,  dichter  gaben  ihm 
daher  die  flexion  mit  r,  die  übrigens  nur  bei  der  betonung 
IlsXayiav  möglich  war,  wie  auch  homerisches  SaQTvriierrog  neben 
SoQTtrjdovog  auf  barytoniertes  Sa^T^rfdunf  zurückgeht  nach  der 
feinen  bemerkung  bei  Hesych  unter  Sagrti^doyvog  :  ecti  di 
Ahhxrj  dfto  ev&elag  trjg  SaQrtijdiov.  Im  kämpf  am  flusse,  0 
der  Ilias,  werden  ebenüsdls  unter  dem  verszwange  zu  IleXaywv 
die  obliquen  casus  ütiXeyova  0  159,  Ilijleyovog  0  141  gebildet, 
wie  man  bei  dichtem  auch  MoKijdovlri  findet. 

Die  Pelagonen,  deren  eponym  Pelagon  ist,  heissen  sonst, 
wo  sie  in  Griechenland  als  urbewohner  erscheinen,  neXaayoi^ 
die  also  einst,  wie  in  Attika,  auch  in  Böotien  sassen,  wie  denn 
die  Thraker  in  Phokis  um  Daulis  und  als  SQaiTudai  in  Delphi 
wohlbezeugt  sind. 

Der  name  der  Kadmeier  ist  ganz  durchsichtig:  nadfiog 
verhält  sich  zu  Kwadfi^pogy  wie  Tniafiog  zu  iKjdaaaa&aiy  xaxcnr- 
fiivog  und  wie  xoafiog  zu  KBO-avö^a^  dorisch  neben  Kaaadvdqa, 
Alle  drei  wortformen  sind  auch  sonst  zur  namengebung  ver- 
wendet in  &)%aöiiog  Kaofivlog  Eviwafiog  Kdof^vTtftog  6P.  *. 
^OTtXodfiia  hiess  eine  phyle  in  Mantineia,  Hera  ^Orcloapiia  im 
Peloponnes:  jenes  aus  ^  07thyii(p)dpiiaj  dieses  aus  ^07tlo%(o)af4ia 
zusammengezogen.  Als  nomen  ist  xddfiog  erhalten  in  der  He- 
sychglosse:  xadfiog'  döfVf  i^fog,  aarcLg.    Kq^v^g^  d.  L  waffen* 


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256  A.  Fick 

schmuck.  Der  xaSfiog  Sußalog  ist  der  heerbann  von  Theben, 
Kadfieioc  die  dazu  gehörigen  mannen,  die  Kadfieia  der  waffen- 
platz  von  Theben.  Als  burggeist  der  Eadmeia  ist  Eadmos 
schlänge  oder  schlangenfässig,  als  gründer  und  könig  ist  er  der 
xoafionoXig,  wie  die  Lokrer,  der  wofiosy  wie  die  Kreter  ihr0 
bürgermeister  nannten,  der  yLoa^rftioq  hx&v  des  epos.  Aus  dem 
genetiv  von  Kadfisioi  geht  Kaöfieiwv  g.  Kadf^siwvog  hervor,  wie 
^A%Q€twv  „Atreide"  aus  dem  genetiv  von  'Ar^ioi.  —  Die  her- 
leitung des  namens  KäSf^og  aus  dem  semitischen  kedem  „morgen- 
länder*^  kann  nur  noch  als  curiosum  erwähnt  werden.  Man 
stelle  sich  doch  einmal  vor,  wie  sich  der  fremdling  bei  den 
leuten  als  „kedem'^  einführte.  Die  Fdoloi  sind  die  bewohner 
der  landschaft  /l^Ia,  des  landstrichs  um  Oropos,  als  attischer 
demos  später  F^g  genannt.  Bei  Stephanos  heisst  Fi^la'  6 
ftoUttig  F^iogy  eine  rtokig  ^EqftQiag^  weil  Oropos  eine  Zeitlang 
nach  411  im  besitz  der  Eretrier  war.  Eponym  der  Fgäioi  ist 
Fgäg,  den  Strabo  582  als  eroberer  von  Lc^bos  nennt.  Die 
Stadt  Graia  im  schifiiskatalog  ist  sicher  Oropos,  wenn  auch 
einige,  offenbar  des  namenklangs  wegen  darin  Tava-yqa  sehen 
wollten.  Die  FqqixoI  sind  zweifellos  ursprünglich  die  bewohner 
der  Oropia,  die  Thukyd.  2,  23,  2  negainij  nennt,  wofür  wohl 
zweifellos  richtig  jetzt  FQaixvj  gelesen  wird.  Die  Fffahteg  waren 
nach  Stephanos  AioXBlg  oi  to  ndgioy  olnovrrag;  Fgäl^^  ge- 
bildet wie  &Qäi^j  verhält  sich  zu  Fgainog,  wie  Ühp^^  dreifuss 
zu  mensa  Delphica,  Jelfpix^  Tuane^Oy  oder  wie  Aiontu^'  xviU$ 
(Hesych.)  zu  Alomixfj  (xv^),  offenbar,  wie  die  benennung  nach 
Aiakos,  dem  Schutzheiligen  von  Aigina,  zeigt,  ein  erzeugnis 
äginetischen  kunstfleisses.  Mit  diesen  FQoUHg  von  Parion  haben 
die  T'^aZx«^-  —  noLQOt  *u4Xxfiäpi  al  twv  ^Ellijviav  firjT4((€g  xat 
TtoQa  JSog>oxl€i  h  Tloiixiaiv  Steph.  nichts  zu  thun.  Das  wort 
stammt  aus  Alkmans  bearbeitung  der  Odyssee:  er  nannte  so 
die  heroinen  der  Nekyia,  von  denen  es  X  22b  heisst:  al  öi 
yvfpalKsg  i]lv9^ov;  diese  nannte  Alkman  mit  hinblick  auf  y^dicu 
und  reimend  auf  ywcuxeg  als  „altfrauen'^  ygähcsg. 

Wie  die  Fgaloiy  Fqaixoi  als  Graji  Graeci  in  Rom  zu  der 
ehre  kamen,  das  gesammtvolk  der  Hellenen  zu  bezeichnen,  ist 
nicht  klar;  vielleicht  bildeten  die  Fgaiot^  Fgamol  den  haupt- 
bestand der  ältesten  bevölkerung  von  Eyme  in  Kampanien:  die 
Graia  ist  von  Chalkis  nur  durch  den  engen  sund  des  Euripos 
getrennt.    In  den  hesiodischen  katalogen  fr.  19  ist  Graikos  als 


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Die  griechischen  yerbandDainen  (ethnika).  257 

söhn  des  volksvaters  Denkalion  schon  ak  Vertreter  des  gesammt- 
Yolks  zu  verstehen.  Zur  betonung  bemerkt  Stephanos:  vb  de 
rgahiog  vo  xvqiov  ßoQvvevaiy  vb  ovv  i^ixbv  o^vverai  vgl. 
TevxQoi'  o^onog  ol  Toweg,  aTtb  Tsintfav  tov  Snux^ca^dqov  xoj 
^läaiag  vvfiqnjg  Steph. 

Dass  die  Böoter  spätere  eindringlinge  in  die  nach  ihnen 
benannte  landschaft  sind,  berichtet  die  Überlieferung;  dass  sie 
den  stammen  des  nord Westens  angehören,  zeigt  ihre  mundart, 
die  von  äolischer  beimischung  abgesehen,  im  lautstande  den 
typus  des  nordwestens,  der  „nördlichen  Doris^*,  wie  man  sie 
nennt,  aufweist.  Dazu  kommt  ihr  name:  Boiundg  ist  gebildet 
wie  ^uinodunog^  QeartQwrog  und  enthält  den  ausgang  -rog,  der 
im  norden  und  nordwesten  -tag  vertritt,  oder  damit  wechselt 
s.  o.  Vielleicht  lässt  sich  aus  dem  namen  auch  der  weg  er- 
mitteln, den  die  einwanderer  genommen:  0.  Hoffinann  erinnert 
an  Boiov  in  der  Doris  und  das  Bdiov  OQog  an  der  grenze  von 
Epeiros  und  der  Orestis.  Bequemer  war  freilich  der  Zugang 
von  Thessalien  über  Euboia  her,  und  man  könnte  sich  sehr 
wohl  vorstellen,  dass  ein  epeirotischer  stamm,  immerhin  vom 
Boiongebirge,  in  Thessalien  eingedrungen,  und  von  da  durch 
die  Thesproter  verdrängt  über  Euboia  nach  Böotien  eingewan- 
dert sei.  Die  herkunft  zunächst  aus  Thessalien  wird  durch  den 
beinamen  lägvoioi  und  die  ansiedlung  thessalischer  namen  wie 
^^1^,  KoQioveux^  KovQcihog  bewiesen.  Ging  der  weg  über 
Euboia?  ^Oq>ihta  hiess  nach  Lykophron  ein  berg  auf  Euboia, 
^CkpeX%ag  nach  Plutarch  Kimon  1  der  könig,  der  die  Böoter  aus 
Thessalien  nach  Böotien  führte.  Die  Verbindung  zwischen 
Thessalien,  Euboia,  Osthellas  ist  auch  sonst  vielfach  zu  belegen. 
Zu  dem  oben  bemerkten  kann  man  noch  die  Überlieferung  der 
Gephyräer  in  Attika  stellen,  die  aus  Eretria  in  Euboia  ins 
Asoposthal  und  von  da  nach  Athen  eingewandert  sein  wollten. 
Ihr  dienst  der  Demeter  ^Axala  weist  nach  Achaja  im  Süden 
Thessaliens,  wo  die  Demeter  in  Pyrasos  hochverehrt  wurde. 
Auch  in  Thessalien  gab  es  eine  Stadt  Eretria  „IWi  nai  Qsaaa- 
Uag^*-  sagt  Stephanos,  ein  XaX'Müdoviov  ogog  nennt  Ap.  Rh. 
1,  50  neben  Pherai,  Chalkodons  söhn  Xalxwdovtidörjg  heisst 
im  Schiffskatalog  der  fährer  der  Abanten  von  Euboia.  Der 
name  dieses  Chalkodontiaden  *Eleq>ijvwQ  geht  übrigens  wohl 
nicht  auf  die  alten,  biederen  Abanten,  sondern  die  „alle  weit 
betrügenden*'  (ila<paiQUi  betrüge)  chalkidischen  kaufleute. 


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258  A.  Fick 

Durchsichtig  sind  die  böot.  ethnika,  ^tjßayweig  im  Aso- 
posthale  und  ^Iftrcotai  am  Helikon.  Koljoiq^^  hiess  nach 
Hesych  ein  OQoq  BouxJtlag^  nach  Stephanos  hätten  die  ItävTi- 
xovivleig^  vermutlich  als  bewohner  dieses  beides,  Koloig>^vy€g 
geheissen.  Der  sinn  dieses  namens  erhellt  aus  Hesychs  Kokoi- 
ipqv^*  TavayQoiog  dXsKxqviiv^  zusammengesetzt  aus  moXoiog 
zank,  streit  und  (pqv^y  wozu  q>QvyiXog  kleiner  YOgel.  Die  kampf- 
hähne  von  Tanagra  waren  berühmt.  Als  ethnikon  ist  Eokoi" 
g>Qvy6g  jedenfalls  ursprünglich  Spitzname. 

Aus  Euboia  gilt  es  noch  einen  hübschen  kurznamen  zu 
verzeichnen:  Steph.  Maxeig,  ^  Evßoia'  oi  olnovvreg  Ma- 
xQwveg^  nicht  wie  MctKQUvg  von  Mmt^y  sondern  einem  vor- 
schwebenden: Maxifo-vijaog  entnommen.  Die  einwohner  von 
MmQa  hiessen  nach  Stephanos  vom  vollnamen  ManQa  v^aog : 
MaKQOVfjaUai. 

Attika. 

Ein  verbandname  für  die  gesammtbevölkerung  von  Attika 
ist  vor  der  einwanderung  des  'Idovag — ^'l(ayeg  nicht  nachzu» 
weisen.  Nach  der  Staatsgründung  durch  Theseus  wurde  der 
loniemame  durch  ^A&rpfoioL  verdrängt,  ursprünglich  adjectiv, 
daher  die  Athener  zu  allen  Zeiten  als  avÖQeg  ^A^rpKuoi  ange- 
redet wurden.  Sehr  hübsch  ist  die  kürzung  des  feminins 
♦  A&fivaug  zu  ^Ax&lg^  wobei  ^A&-7}vai  als  zweistämmiger  voU- 
name  behandelt  ist  Vom  namen  des  landes  sind  gebildet:  von 
^Axvij  ^Axtaiog  als  eponym  belegt  und  ^ArrtuSg  für  '^xrtxo^ 
vgl.  Fqaixog^  XaXxidixSg  u.  a.  Kgavad  7t6Xig  und  K^cn^ad  hiess 
Stadt  und  land  yydid  ro  leTtTayacay  elvai**.  ApoUodor  nennt  als 
tochter  des  eponymen  KQaraog  KQOvdi]  und  KQwalxfirj,  Die 
deutung  des  letzten  namens  als  Zusammensetzung  von  xQoyav 
und  ätxf^ti  „mit  einer  lanze  von  kornellenholz*^  giebt  keinen 
passenden  sinn,  auch  kann  der  name  unmöglich  von  denen  der 
Schwester  Kranae  und  des  vaters  Eranaos  getrennt  werden. 
KQavaixfiTj  ist  vielmehr  als  Kgaraal^xf^ri  zu  verstehen  und  zur 
vergleichung  HQttrcnjfcedog  im  hymnos  auf  den  Delischen  Apoll 
472  heranzuziehen,  wo  Delos  sagt  yfXQavcnjrtBÖag  slfii**;  xQOPca^^ 
ist  hier  ionisch  für  ugavaai-y  wie  ionisch  ^AX&tifihnjg  für  ^AXd'ai.- 
fiivTig,  Im  ausgang  -xf^ti  ist  eine  verkürzte  form  zu  xaiia-i  zu 
erkennen,  x^avaai'^fir]  heisst  also  soviel  wie  n^aijftedog  „fels« 


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Die  griechischen  verbandnamen  (ethnika).  259 

gründig"  und  ist  voUname  zu  KQavia^  woraus  dann  das  eth- 
Dikon  KjQamoq  und  der  eponym  des  namens  hervorgehen. 

Die  herkunft  der  ethnika  auf  -aaiog,  ^i^aiog  aus  den  loka- 
tiven  auf  -aai,  -tjai  ist  bei  einigen  attischen  demotennamen 
besonders  deutlich,  weil  hier  die  betr.  ethnika  und  topika  neben 
einander  liegen. 

So  'ijaiog  neben  -tjai  in: 
0  üevrelijaiog  Xi&og  =  6  üevTslilai  JU&og  von  Ileyveltj. 
^Exalijaiav  fest  des  Zeus  ^EnaXeiog  :  ^Enalijat  zu  Hekale. 
Oltnjaiog  6  ^Eq^ijg  :  0Xv^ai  „zu  Phlye",  und  daneben  (PAwr- 

aiog :  0lva&sv. 

-aaiog  neben  -aat  in: 
QQiaaiog  zu  S^iäai  :  Ogia 

IlreJieäaiog  zu  IlreXiaGL  :  ÜTeUa  und  Ovldaiog  (warum  ö?) 
zu  Ovkijat  :  OvX^. 

Wie  ist  ^^vcifyvQdaiog  zu  ^^vayvQovg^  Oleiaaiog  zu  (DA^tot;^ 
zu  beurtheilen  ?  Für  (t>A«iaatog  ist  sicherlich  von  0XBt4x  aus- 
zugehen, weil  sonst  -vt  erhalten  sein  würde;  aber  attiych  Tu- 
x^gdaiog  geht  auf  Taid-f^g  avtog^  den  älteren  namen  des  ortes. 

Das  demotikon  SvTtsvaiwy  zu  SvTtmj  ist  deutlich  aus  dem 
gen.  pl.  Evnezttiojiy  entstanden  als  elg  twv  SvTtevaitaVf  ver- 
selbständigt mit  akzentveränderung  wie  in  ^AQ^B^tanav :  6  /u^v 
0  xwv  ^AQtsfiiaitav  von  ^Aqxaiiiaia  Artemisfest. 

Peloponnesos. 

Im  Peloponnes  sind  die  ethnika  meist  von  landschaft-  und 
Städtenamen  abgeleitet,  und  zwar  gewöhnlich  von  lokativen  auf 
4,  wie  ^A(ffiiQi^  uiccMdaifiovioi  von  ^'Agysi,  Aaxedaifiovi; 
^Hleiog  von  ^HXsL-y  FdXei  neben  Fall;  Ilvhoi  von  Ilvh  =a 
IlvXoiy  wie  in  Tcav-dti^l;  von  Meaadva  :  Meoaaviot;  in  '^x^- 
^«ioe,  KwovQioi  stehen  die  landschaftsnamen  auf  -£ta,  -/a  jeden- 
falls parallel,  beide  beruhen  auf  adjectiven. 

Nach  der  Verzeichnung  Kad^eiog  :  KaöptBifav  ist  ^Agysiiav 
aus  dem  gen.  pl.  von  ^Aqyaiog  gebildet,  vermutlich  aus  dich- 
tem stammt  die  Hesychglosse  ^A^elwvag  tovg  ^A^elovg; 
richtig  bemerkt  Stephanos  unter  ^'AQyogi  xal  ^A^yalcüveg  Xiyov- 
%ai  wg  Kadjiieitoveg. 

Ein  yersuch  zur  bildung  eines  voUnamens  liegt  in  ^Af^yo- 
hxg  vor   bei  Steph.  aus   Aristophanes  "Hfioacv  und  Euripides 


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260  A.  Fick 

JUeia^svei  belegt  Dazu  ^AqyoXig  und  ^^Qyadsg'  (eldog  fpwov 
aal)  '^oyelai  ywaixeg  Hesych. 

Originell  ist  die  kürzusg  Aaxiav  für  Aan^dai^onog^  auch 
dem  gebrauche  nach  eine  ächte  koseform  dem  vornehm  offi- 
ziellen uicmadaifiiviog  gegenüber. 

Zu  ^EUxf]  bemerkt  Stephanos:  6  noUxtjg  ^Eltxdviog  drtb 
Tov  xTiatov  ^Elinwvog,  richtiger  von  ^EXiTniv  =  ^EUxij^  weil 
elintov  „weidicht^'  sinngleich  mit  dem  kollektiv  gedachten  kUxij 
„weide''  ist.  Ebenso  heisst  es  Steph.:  ^AX^Aog*  TtoUg  Boianlag. 
—  to  i^txov  —  ^Alfiwviog.  Zu  Nvfiqxig'  nolig  ^AffdadUig 
(Paus.  8,  34,  6)  war  das  ethnikon  Nvfupiaiog  xal  Nvijupaala 
nrffr\  Steph.  Vielleicht  ist  a  hier  schlechte  wiedergäbe  eines 
£  und  dies  dialectisch  für  d,  wie  in  SeyeoTa^ti,  Auch  ^^^xa- 
alötjg  liesse  sich  so  erklären. 

Vom  alten  lokativ  auf  -9;t;,  sv  (vgl.  s.  agnau  zu  agm) 
stammen  die  ethnika  auf  svg  wie  'AlytaXsvg^  MeyoQ&jg.  Von 
den  Ortsnamen  auf  -«m  bildet  man  den  bürgernamen  auf  -evg 
nicht  auf  -eievg,  wie  Mctprivevg' zu  Mawivsia.  Daher  ist  auch 
'Odvooeig  in  Spanien  nicht  als  plural  vom  heroennamen  'Odva- 
aevg  aufzufassen,  wie  o.  23,  s.  244  geschehen;  sondern  die 
^Odvaaelg  sind  die  bewohner  der  Stadt  ^Odvaaeia:  yuxl  h  r^i 
^IßtjQiai  Ttövaaeia  noXtg  deUwrai  Strabo  149,  nach  157  ober- 
halb Abdera  im  berglande  der  Turdetaner  gelegen.  Da  nun 
die  bürger  für  die  Stadt  genannt  werden  können,  heisst  es  bei 
Steph.  ganz  richtig:  ^Odvoaeig  nolig  ^IßijQlag.  Aber  wenn  es 
weiter  heisst  ägaevixwg-  xai  t6  l&vi%ov  o^oioPy  wg  ^AtaqvAg 
{yLoi  JiTtaißig)  scheint  der  sing.  *Odvaaevg  gemeint  zu  sein: 
'Odvaaevg  als  Ortsname  wie  Msvikaog  SoQTttjSdv  Tala/Ativ  u.  a. 
s.  oben  23,  242.  Für  das  sinnlose  aQoevixwg  ist  evixaig  „im 
Singular'^  zu  schreiben.  Also:  ^Odvaosig'  noXig  ^IßfjQiag'  (xot 
^Odvaaevg)  evL^wg*  nuxl  v6  kdvmov  ofioiovy  wg  *A%a^8vg  wie 
auch  die  Stadt  hiess.  Die  bürgernamen  auf  -vag  sind  beson- 
ders von  Städtenamen  auf  -a  sehr  beliebt  wie  in  ntaa-Toi, 
Tsysä-vai,  KaQva^av  u.  a.  Snaftianjg  ist  nicht  von  Sftaqta 
sondern  von  SnotQtia  abgeleitet,  was  für  die  herleitung  von 
dem  pflanzennamen  artägtog  „spart"  spricht:  aftagxid  wäre  ein 
„Spartfeld''  vgl  TtQaoia,  Das  jedenfalls  nur  poetische  ^Agyeito- 
Tfjg  ^AqyutJtig  ist  regelrecht  von  ^Aqyelog  gebildet  wie  O^id- 
jrjg  O&ickig  von  0&iog. 


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Die  griechischen  Terbandnamen  (ethnika).  261 

Schon  dem  epos  sind  die  stammnamen  '^^efdeg,  Javaolj 
^Enuoi  und  Kavyuov^g  bekannt. 

*AQxd6eg  wurde  von  den  Alten  auf  aQXTog  „bär*^  oder 
vielmehr  „bärin*^  bezogen  und  durch  die  Kallistosage  erläutert: 
^AQwg  sollte  der  sehn  der  bärin  von  Zeus  sein.  Die  deutung 
der  Arkader  als  baren  findet  heute  noch  bei&ll,  doch  stehen 
ihr  schwere  bedenken  entgegen:  die  einbusse  des  %  in  oQxvog 
ist  sonst  unerhört  (angebliches  ÜQuog  bar  und  ctQullog  bären- 
junges sollen  wohl  nur  die  ableitung  von  ^Aq%ag  stützen)  und 
-o^y  Hxdeg  von  thiemamen  bezeichnet  nur  weibliche  thiere,  wie 
alydSeg  dfivdÖBg  jtaXauidBg  u.  a.,  und  so  kämen  wir  nur  auf 
bärinnen,  nicht  auf  hären. 

Sonst  werden  die  nomina  masc.  auf  -ad,  -ad«^  nur  von 
adverbien  auf  -ad«  und  -adrpf  gebildet,  wie  qnjyag  von  qwyade 
„zur  flucht'S  loyadsg  zu  XoyddriVy  pnyadeg  zu  fuydöfp^  =  /ui^- 
dtp^  filyda.  So  kämen  wir  auf  eine  basis  dqKadBj  die  wir  aus 
dem  Griechischen  selbst  erklären  können,  ohne  zu  lat.  arca 
und  arx  unsere  Zuflucht  zu  nehmen.  Von  e^ßog  ist  alqißada' 
aig  eqaßog  (Hesych.)  gebildet,  d  im  anlaut  ist  ausdruck  der 
vocalverschärfung  unter  dem  ictus:  die  glosse  stammt  aus  dem 
epos,  das  nicht  die  folge  von  vier  kürzen  duldet.  Wie  iqißadB 
von  egeßogy  konnte  man  ä((KadB  von  OQuog  ^^abwehr^*,  bilden 
(bei  Alkaios:  aQxog  loxvqw  ßikaog  und  basis  zu  a^x^aaat);  von 
a^Kads  aber  ist  ^AfKadsg  richtig  abgeleitet  wie  qm^ddag  von 
qivyads;  avSQsg  ^Aq^iddag  wären  demnach  die  „zur  abwehr'^ 
verbundenen  mannen. 

Die  'Erteioi  sind  bei  Homer  die  herren  von  Elis.  Mög- 
licherweiBe  sind  sie  als  „draufgänger''  von  iniivai  benannt, 
entsprechend  unserer  oben  versuchten  deutung  von  ^AxaioL 

Javaol  heissen  bei  Homer  die  Argeier  und  wie  ^AQyeioi 
weiterhin  alle  Griechen  (Achäer).  Vielleicht  hängt  der  name 
mit  ddrog  ,fddvag'  f^egldag  Kaqva%ioi*^  (Hesych.)  zusammen  und 
bezeichnete  ursprünglich  bloss  die  geomoren,  die  erbgesessnen 
bauem  von  Argos.    Dazu  würde  wohl  passen,  dass  ihr  eponym 

^A(ffog  awÖQov  iöv  Jayaog  rtolrjosv  ¥yvdQav  Hesiod  frg.  97. 
Vielleicht  ist  übrigens  auch  hier  vom  landesnamen  auszugehen 
wie  bei  Kranaa  =  Attika.  Kann  es  für  zuüedl  gelten,  dass  die 
beiden  gegengestade,  die  '^xro,  Attika,  und  Argolis  und  ihre 
bewohner  reimweis  benannt  sind:  KQovad  :  Jarad^  Kqaraoi' 
Javaoi  ? 


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262  A.  Fick 

^ATtidayfj^  soll  nach  jüngeren  dichtern  uralter  name  der 
Arkader  und  Argiver  gewesen  sein :  ^Aqnideg  'AnUiavrfiq  Ap. 
Rh.  4,  263,  nach  Rhianos  bei  Stephanos  war  es  Phoroneus'  söhn 
Apis,  hq  Q  ^ Aitirj»  iq>dvi^B  xoi  dveqaq  ^ATtiöartjag,  Nach  Steph. 
hiessen  Argiver  und  Arkader  auch  ^AfttSiveg^  was  an  f^rpieda- 
vog  :  Mcnudviv  erinnert.  Homer's  äftlij  yata  zieht  Rhianos 
fälschlich  hierher;  'ATtia  ßovvig  wird  von  Aeschylos  SuppL  117. 
127  Argos  genannt.  Apidanos  hiess  ein  fluss  Thessaliens,  soUte 
die  benennung  ^Artidar^eg  bloss  die  herkunft  der  Peloponnesier 
aus  Thessalien  bezeichnen?  oder  hängt  der  name  der  Javaol 
mit  ^Afti'öavrJBg  zusammen?  Schwerlich,  da  dieser  erst  spät 
bezeugt  ist 

Ob  die  Eaukonen  der  Odyssee  Griechen  oder  barbaren 
waren?  Jedenüalls  sind  sie  ganz  von  den  Kaukonen  zu  trennen, 
die  in  K  429  Y  329  als  bundesgenossen  der  Troer  genannt 
werden,  nach  den  alten  bald  für  ein  e&vog  naq>Xayapiag  ^ 
Sxv&lagj  nach  andern  für  Eaunier(I)  gehalten.  Der  name  er- 
innert an  die  vogelnamen  xctvxaliag  und  TtcnnUalog  bei  He- 
sych,  lit.  kaükaU  ein  vogel  am  Ha£P  und  kaülc4i  schreien.  Vgl. 
stammnameu  wie  ^AiQOtp  Mi^otf)  Jftioiff  KoXoiq>Qvyeg  0leyvag, 

Ausserhalb  des  mutterlandes. 

Die  einwohner  der  ^Ewndvijaoi  nannten  sich  selbst  offiziell 
Naatikai  Smlg.  304  A  40 ;  dieselbe  Vertretung  fanden  wir  oben 
für  die  bürger  von  ÜQoipaaog  =  JZ^ob^ot  auf  Kephallenia,  die 
bei  Livius  Nesiotae  heissen. 

Sehr  hübsch  ist  die  kürzung  des  ethnikons  Mvrilfiväiogy 
von  der  Stephanos  unter  Mvrilijvf]  berichtet  Nach  Hekataios, 
heisst  es  dort,  ist  die  Stadt  benannt  inö  MwiXijvtig  v^g  Md- 
naQog  (des  Schutzheiligen  von  Lesbos)  tj  üiXoTtog  dvyav(f6g.  ot 
de  Sri  MwiXfjg  rjv  6  ohuarqg.  oi  Si  aTtb  Mvttwog  %ov  Itocei^ 
dmog  lud  MvtiXfjv^jg'  S&sy  Mvrwvida  xaXei  t^v  Aeaßov  KaXki" 
fioxog  h  Twi.  TeTd(it(ot,  Ilaq^iviog  öi  MvTta^iSag  vag  Asaßi- 
xdg  qnjai,  UyovtaL  de  Mtnaveg  xai  Mwwvaioi  xai  MvTihj' 
vaiou  Die  namen  der  angeblichen  gründer  Mwlltig  und  Mt;- 
Tioy  sind  selbstverständlich  von  denen  der  stadt  und  der  bürger 
hergenommen.  Mvrilrig  ist  gekappter  (zweistämmiger)  kurz- 
name  von  Mvtilfj^aiog  und  Mvtotveg  hiessen  die  Mwi-hji^aloi 
wie   Adxwveg  die  Aonu-dai/Aoyioi.     Ob  der    name   der   stadt 


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Die  griechischen  TerbandBamen  (ethnika).  263 

zweistämmig  ist?  fivrig  „das  innere  der  sepia'^  vielleicht  diese 
selbst  und  Irp^ög  trog,  behälter??  Jedenfalk  ist  der  stadtname 
als  zweistämmiger  gedacht,  als  man  die  kurznamen  Mvtlhjg 
und  MvT(ay  aus  dem  bürgemamen  bildete,  wie  ^Atd^lg  auf  der 
Zerlegung  von  ^A9ijvctt  in  A9'  und  rjivai  beruht  Mvtia^  als 
gründemame  schliesst  sich  der  schier  zahllosen  reihe  der  riQioag 
%%ia%aL  an/  die  das  etbnikon  der  gründung  als  namen  tragen, 
deren  man  einige  GP.  *  s.  363  verzeichnet  findet.  Sohn  Posei- 
dons heisst  Myton  als  gründer  einer  Seestadt.  Das  etbnikon 
Mitfav  wird  auch  als  männername  verwendet  s.  6P.  *  337. 

Usener  sieht  göttemamen  s.  327  in  Mvsfov  das  lat  m&to 
„penis''  und  den  phallischen  gott  Mütünus.  „Was  ist  davon 
auf  griechischem  boden  geblieben?  Nur  auf  Lesbos  erzählte 
man  von  einem  söhn  des  Poseidon  Mitiov^  nach  dem  die 
hanptstadt  Mytilene  und  die  insel  selbst  Mvtunflg  benannt  war^'. 
Also  der  müto  wurde  söhn  Poseidons  und  gründer  und  bürger 
(s.  o.)  von  Mytilene.  Mehr  kann  man  billiger  weise  von  einem 
Ttoa^füv  nicht  verlangen!  Übrigens  ist  die  gleichung  müto: 
MvTior  auch  sprachlich  unmöglich,  da  ü  in  müto,  wie  mhd. 
meidem  ^hengsf'  und  zend.  maßthman  „Vereinigung,  begattung** 
zeigt,  aus  oi  entstanden  ist. 

Die  urbewohner  von  Rhodos  nannte  man  ^'lyvtireg  und 
rvijxeg  nach  Stephanos:  Tj^wg'  a&vog  oUijaav  ttpf  ^P6dap.  ev^sv 
xal  Xyvrftag  oi  i&ayepeig'  keyetai  yoQ  xot  fieva  tov  i  ^lyn/wsg 
vgl  ^'lyvriwsg  ol  xai  x^Q^  ^^  ^  Uyorgai  (ig  €i(ffi%ai  h  r^  y. 
Dazu  ^^tyvifreg  attice  scribi  dicit  Apollon.  de  pron.  p.  330*^  Mei- 
neke.  ^/  ist  Fi,  in  ßiv  fldiog  aus  svi  vgl.  s.  md;  das  digamma 
ist  in  Rhodos  früh  verschollen  und  durch  den  hauch  ersetzt 
Über  die  nationalität  sagt  der  name  nichts  aus,  ipnjg  ist  eben 
->  i&aysn^gf  von  interesse  ist  nur  die  kürzung  von  %yvi^  zu 
rnjg. 

Fremde  ethnika. 

Die  namen  fremder  Völker  wurden,  wie  alle  fremdnamen, 
von  den  Griechen  sehr  frei  bebandelt  und  volksetymologisch 
umgewandelt  So  wurden  aus  den  Pärsa  lU^aat  mit  anklang  an 
ninOTjg^  JleQüevg^  ninaai ;  TceQaifttolig  ßaalkeiog  OTforog  heisst 
das  Perserheer  Aeschylos  Perser  65 ;  aus  den  Eillaku  machte  man 
Kihiug  nach  GQoixeg  rgalueg  und  unter  den  kaukasischen 
Stämmen  entdeckte  man  sogar  ^A%aiolj  *Hvio%ot  und   Twöa* 


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264  A.  Fick 

fiöcu.  Assur  gab,  als  ^uioavqiog  in  ^Aa-  und  -^avQW^  zerlegt, 
den  volksnamen  der  Svqoi  her,  und  aus  der  benennung  der 
Kappadoken  Aevsto-ovQOi  zog  man  den  namen  Sv(f€Oif  wie  He- 
rodot  1,  72  sagt  oi  di  KanTtaööxai  in  EiXrpiav  2vqioi  ovo- 
IJiäC,ov%ai.\  doch  werden  die  namen  2iQ0i  und  Sii^iot  von  an- 
deren anders  gedeutet. 

Die  Lykier  der  Troas,  die  nur  der  erste  theil  der  Dias 
kennt,  sind  die  Mannen  des  Lykaon,  dessen  söhn  Pandaros  sie 
führt,  also  Amioi  für  Aviuxoviotj  und  so  nannte  Poseidippos 
nach  Steph.  unter  ZiUia  die  Lykier  der  Troas  geradezu  Ly- 
kaoniden.  Auch  die  Lykier  Lykiens,  die  sich  selbst  bekanntlidi 
Tramele  TeQfiilai  nannten,  sind  wohl  als  eine  abzweigung  der 
Avxadpioi  benannt,  die  nach  Stephanos  unter  Avxaovia  auch 
AvKaoveg  und  Avuuäyeg  hiessen,  also  scheinbar  einen  acht  grie- 
chischen Stammesnamen  trugen ;  doch  wird  hier  wohl  nach  £a- 
%a6vioi  zu  schliessen  die  Umformung  eines  einheimischen  namens 
vorliegen. 

Häufig  werden  auch  fremde,  und  zwar  insbesondere  wilde 
und  fabelhafte  Völker  mit  ganz  griechischen  namen  ausgestattet 
und  zwar  nach  ihrem  aussehen  die  Al&loTreg  die  „braunge- 
sichter^S  nicht  neger !  mit  anschluss  an  al&o^  und  die  griechi- 
schen ethnika  JoloTteg  jQvorteg  JtoQloftag  *'Ellofteg. 

Stephanos  MaiiQax€q>aloi  n^og  zöig  KoXxoig^  mit  dem 
citat  (aus  Hekataios?)  ,,oi  yag  ^HfiUvveg  yuxi  MctxQOxiqHxXoi  xcd 
Ilvyfjiaioi*^  sind  nicht  verschieden  von  den  MAxQtareg^  oi  vv^ 
Sawoi^  die  ebenda,  an  der  grenze  von  Kolchis  oberhalb  Trape- 
zent  zu  hause  waren.  MdxQwv  ist  richtige  koseform  zu  Ma- 
iiQ(hiiig>alog.  Die  Kwo%iq>aXot  Herodots  4,  191  sind  wohl  die- 
selben, die  Aelian  KwofJCQOüwrtoi  nennt.  Die  'HfiUweg  „halb- 
hunde''  nach  tifjti&iünf  yivog  ardfiSv  sahen  wohl  ähnlich  aus. 

ApoUod.  2,  1,  4  heisst  es  vom  Aigyptos:  rfy¥  MeXaf47t6dofr 
XiiQav  a<p  eavTOv  tiyofiaaev  AiyvTtTOv.  Ob  die  Aegypter  von 
den  Griechen  nach  ihren  „schwarzen  füssen*'  benannt  sind, 
oder  weil  sie  auf  schwarzem  erdboden  nidop  wohnten? 

Auf  Ttovg  gehen  auch  die  namen  ^Artifcodsg  und  *Qxi- 
Tcodeg,  sowie  die  fabelhaften  SxiaTtoöeg^  ^qovdtinodag  und 
Q^BUJfftodeg  auf  der  insel  OeXXd, 

Nach  ihrer  tracht  sind  die  MsXdyxXaivai  benannt,  nach 
ihrer  nahrung  die  ^IftrtTifioi/yoi  und  mit  dem  ausgang  -qxiyoi 
die  ^AyqtO'y  ^AxQido^y  ^Avdqo^^  'Av&fWTcO'f  rXoKTO^^  *EXeg>ctv%0'y 


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Die  griechiflclien  Terbandnamen  (ethnika).  365 

'ijtTKh^  'ix^vo'y  K(f€iO'^  Aiato-y  Mtkinh^  Mwa^j  Maaxo-f 
^Oipio-y  ndfi'y  Ilolv-f  ^Pi^y  SitO'f  2ft$Qfict%0'  und  Saeffio-^ 
'YXa-y  0&HQO'y  X€hav<Hp6e/Oi. 

Ursprünglich  ist  hier  Svdfes  beigefugt  gewesen,  den  reigen 
eröffnen  Homers  avögeg  ^wTogxiyoii  ßahnrppayoi  avÖQeg  heissen 
die  Arkader  schon  bei  Alkaios,  dv^f  aitaqwtyos  ist  bei  Homer 
allgemeine  bezeichnung  der  menschen,  aus  dem  adjectiv  /Aoxto- 
^yog  N  6  ist  Hesiod.  frg.  189  schon  der  Yolksname  nUncro- 
tpayoi  geworden. 

Von  der  wohnung  sind  benannt  die  ^Ißl-^ixoi  „Alpenbe- 
wohner'' Strabos,  wozu  man  den  ^l{e)ßUaify  Ligurer,  söhn 
Poseidons  Apolld.  2,  5,  10  stellen  mag,  jedenfalls  Vertreter  der 
von  Herakles  d.  i.  den  Griechen  bezwungenen  urbewohner 
Liguriens. 

Die  MocavPH}ixoi  hieesen  so  TOn  ihren  holzthürmen,  ge- 
kürzt auch  M6aavP0i  und  Möaawig  vgl.  Heejch  fiocoweg* 
inal^€ig'  ftviffoi.  xai  (Moaavpeg)  i^og  Snvd'iMOP. 

SdX^vMi  war  eine  alte  benennung  der  barbaren,  vermut- 
lich von  ihren  stein  Wohnungen? 

Späte  kürzungen  ursprünglich  zweiwortiger  namen: 
^Xsvd-iQa  Kihxia  —  oi  olxtjfOifeg  ^EXw&eifOKllixeg,  vvy  öi 
EXev&eqtcai  Steph.  und  uiißvsg  ol  vofiadeg  „schweifende  Libyer*' 
heissen  bei  Appian  No^adigy  woraus  die  Römer  Numiche  ge- 
macht haben. 

Die  Phönizier  sind  von  den  Griechen  zweifellos  als  avdqag 
ifoivixeg  „rothbraune  leute''  bezeichnet,  woraus  der  eigenname 
0oivnug  hervorging,  der  sich  gut  an  .yißi&TKag  Tififilxeg  an- 
schliesst.  Lat  Poenus  beruht  auf  der  kürzeren  form  g>oiv6g, 
ianpoivog^  0oivodäfiag  als  vater  der  Segeste  ist  der  „Punier- 
bezwinger". 

Heidelberg  31.  januar  1901. 

A.  Fick. 


B«tMc»  X.  kmid«  d.  iBdg.  tpndMB.   XXVI.  18 

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266  Hans  Reichett 


Die  lateüuBche  V.  deklinatioxu 

Die  frage  nach  der  herkunft  der  lateinischen  V.  deklina- 
tion  ist  noch  immer  nicht  gelöst.  Man  hat  in  der  mehrzahl 
der  hierhergehörenden  substantiva  sogenannte  i^^-stämme  zu  er- 
kennen geglaubt  y  obwol  die  thatsache,  dass  diese  wörter  im 
nominativ  sing,  ein  eud-s  angenommen  haben  und  vielfach 
nebenformen  auf  -iis  aufweisen, .  zu  berechtigtem  zweifei  anlass 
gibt  Lindsay  Lat.  gr.  394  spricht  die  vermuthung  aus, 
dass  der  ^-vokal  des  Lateinischen  und  der  baltisch-slavischen 
sprachen  eine  modifikation  aus  ursprünglichem  a  unter  dem 
einfluss  des  vorausgehenden  y-lautes  sein  könnte,  bemerkt  aber 
am  Schlüsse  seiner  ausführungen  Über  die  i^- stamme:  Nach 
alledem  wird  der  urq)rung  der  lateinischen  V.  deklination  etwa 
der  gewesen  sein:  zu  den  sy-stämmen  res  und  spes  und  dem 
^tt^stamm  dies  gesellten  sich  verbale  ^-stamme  wie  sardes  (vgl. 
sarde-facio,  sardS-bam)  von  sordes,  facies  (vgl.  faei&iam)  von 
facio,  species  (vgl.  speciB-bam)  von  sjükHo.  Die  beiden  letzten 
gaben  den  anlass,  dass  falsche  formen  von  andern  Verbal- 
substantiven wie  rcUne-  statt  rabia,  progeniB-  statt  progeniä-j 
permitü-,  statt  permüia,  iUüviS-  statt  ülüfnä^  und  mit  der  zeit 
auch  andere  substantiva,  z.  b.  segnüis-  statt  segnüiä^,  vas^üie- 
statt  vastüiä"  u.  s.  w.,  in  die  Schriftsprache  eingang  fanden". 

Der  grund,  dass  man  in  der  hauptsache  zu  keinem  befrie- 
digenden resultat  gelangt  ist,  liegt  in  der  falschen  beurtheilung 
der  -f'e-stämme.  Ich  glaube  BB.  25,  234  ff.  nachgewiesen  zu 
haben,  dass  die  is-stämme  ursprünglich  mit  den  /-stammen 
identisch  waren  und  durch  analogiebildungen ,  die  insbesondere 
von  der  lö-stammclasse  ausgingen,  eine  scheinbar  selbstständige 
femininalclasse  ei^aben.  Daraus  erklärt  sich  im  Lateinischen 
einerseits  das  häufige  schwanken  zwischen  der  IIL  und  V.  dek- 
lination, andrerseits  die  auffallende  erscheinung  der  nebenformen 
mit  -iß'.  Ausserdem  ist  noch  die  j^/ib  klasse  der  verba  in  be- 
tracht  zu  ziehen,  da  ein  grosser  teil  der  hierher  gehörigen 
substantiva  zu  ihr  in  beziehung  steht. 


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Die  lateinische  V.  deklination.  267 


I.   Die  stammblldniig. 

Der  V.  lateinischen  deklination  gehören  sowohl  wnrzel- 
stämme  als  auch  abgeleitete  stamme  an,  die  sämmtlich  mit 
einer  einzigen  ausnähme  auf  einen  ji-diphthong  auslauten. 

a)  Die  wMmMlMMe. 

Die  dekUnationsverhältnisse  der  wurzelstamme  mit  sonan- 
äschern  auslaut  (auf  ji,  ^,  r,  l,  m,  n)  sind  ursprünglich  fast 
dieselben,  wie  die  der  abgeleiteten  stamme  mit  gleichem  aus- 
laut. Der  wesentlichste  unterschied  liegt  in  dem  gebrauche  des 
nominativ  -«  bei  den  wurzelstämmen  auf  %  (vgl.  ai.  roh  neben 
sdkha)  und  in  den  akzentverhältnissen. 

r98  'gut'  aus  idg.  *r^(i)'B,  ai.  rdh,  wie  ai.  pdnthah^  aw. 
pantd,  gr.  a^ai^g,  lat  verrSs.  Neben  ai.  räh  steht  brhäd-rih, 
wie  aw.  hü^  neben  ai.  svcnlhih,  aw.  b^rdzai-dü  (zu  "^dhai- 
'einsieht')  und  gr.  öeaTtoTijg  neben  ai.  ddmpcUih  vgl.  lit.  ri-j-u 
'schichte  auf.  ai.  räh  hat  die  dehnstufe  in  allen  kasus  beibe- 
halten (räjf-  vor  vokalen,  rä-  vor  konsonanten),  während  aw. 
raff'  und  lat  r98  noch  in  einigen  kasus  die  tiefstufe  zeigen: 
aw.  raya  I.  S.  aus  *r9i^  (Bartholomae  Grd.  d.  iran.  Phil. 
§  193)  neben  ai.  räyä,  rayqm  G.  P.  ans  *rei'öm  neben  ai. 
rOyämj  lat  r^  A.  S.,  dessen  -em  wie  bei  den  meisten  i-stämmen 
aus  der  konsonantischen  deklination  herübergenommen  ist^  statt 
*ri'm;  ri  Ab.  S.  ist  wahrscheinlich  ein  alter  lokativ  *rS(i). 
rem  und  rS  liessen  sich  aber  auch  aus  ri-^  (vgl.  ai.  sürä- 
dhyäm,  gr.  g>iQovaav  Verf.  BB.  25,  235)  und  rx-^  (vgl  aw.  raya, 
ai.  sakhya)  erklären,  wenn  es  sicher  ist^  dass  lat.  ji  bei  voraus- 
gehendem konsonanten  ausgefallen  ist,  wie  für  heri  aus  idg. 
*§hi€S'  angenommen  wird,  vgl.  Lindsay  Lat  gr.  203. 

spl^s  „hoffiiung''  aus  idg.  *9phS(iJ'S  :  vgl.  ai.  aphäyati, 
8plü4a',  lit  spifu,  asl.  speyf.  Ob  in  ai.  sphi-rd-,  idg.  *i  oder 
*9  vorli^,  lässt  sich  ebensowenig  entscheiden,  wie  bed  lat.  j^ro- 
spe-rüs,  da  im  lat  in  unbetonter  offener  silbe  sowol  a  (aus 
idg.  *a)  wie  i  zu  e  werden  konnten,  vgl.  cinis,  ciner-is  neben 
gr.  xoFi^,  ncfyia.  Allerdings  gewinnt  die  annähme,  dass  altes  i 
YorUege,  an  Wahrscheinlichkeit,  wenn  man  gr.  aqnj^kos  (Fick 
6GA.  1894,  247)  und  i'q>&i-fiog  heranzieht  Dann  hätten  wir 
als  ablautsstufen  idg.  ^sphei-  :  9phl-,  aphi-;   eventuell  *$ph9-  : 

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268  Hans  Reichelt 

*8ph9.    Die  normalstufe  ^sphei-  liegt  in  «pd'-i  G.  S.  vor.    Von 
sp^  A.  S.,  spS  Ab.  S.  gilt  daaselbe  wie  von  r^,  re, 

di98  ,,himmely  tag*^  aus  idg.  *die(u)-8,  gr.  Ziqg^  der  ein- 
zige ^-stamm  der  V.  declination;  daneben  idg.  dj^Sj  ai.  dyöuh, 
gr.  Zxvq^  an.  tyr  vielleicht  in  nü-diüs-Urtins,  Die  tiefstufe 
♦dtjf  liegt  in  di-^l  G.  S.  aus  ^diy.'ei(?)  (ai.  divdh,  gr.  Jiog) 
und  {ilt-d^  aus  di^srVli  (ai.  div-am,  gr.  ^/t-a),  die  normalstofe 
*^i<^-  iß  «Aw-fÄ  G.  S.  aus  *rfiej^-a»  und  Jav-em  A.  S.  aus  <2j|>jf-9i 
(vgl.  ai.  krdt-vah,  gr.  /owog  aus  ^yovf-og  und  gr.  ^dßo^  aus 
*^de/-o$X  sowie  in  der  komposition  vor:  jü-glans  ^Jiog  ßaXaw^ 
und  Ju'(p)piier  aus  *<Ij|(0U-. 


b)  Die 

fides  ^vertrauen'  aus  idg.  *bheidhs(i)'8,  gr.  rtu9ip  aus 
idg.  bheidhöi.  Daneben  gr.  Tteiaig^  nstal^inQtnog,  tat  flklp-us 
(in  mediusfidius)  und  fidi-lis.  Vgl.  got.  bidj-au,  gr.  iTti&tj'V, 
^fti&ej^  in  hom.  Ttid^aw^  inldTjaa.  Wie  verhält  sich  lat. /^i^^ 
gr.  Tteid^fft  zu  gr.  rteiaig  und  in  welchem  Verhältnis  steht  der 
nominalstamm  zu  dem  verbalstamm? 

Erstere  frage  glaube  ich  bereits  in  meiner  arbeit  über  die 
abgeleiteten  |-  und  t^- stamme  (BB.  25,  s.  23SS.)  gelöst  zu 
haben,  wo  ich  die  reduktion  des  ursprünglich  dehnstufigen 
nominativs  gewissen  akzentverhältnissen  in  der  komposition  zu- 
schrieb. Die  i-stämme  hatten  dehnstufigen  nom.  mit  suffiix- 
betonung.  Daher  erscheint  die  Wurzelsilbe  allgemein  in  der 
tiefstufe.  Trat  nun  ein  jf-stamm  als  letztes  glied  in  die  kom- 
position, so  musste  durch  den  eintritt  der  enklise  die  endsilbe 
am  meisten  reduzirt  werden.  Es  entstanden  also  nom.  mit  der 
reduktionsstufe  -t,  -f-s,  die  dann  auch  auf  das  simples  über- 
tragen wurden.  Das  Italische,  Keltische  und  Germanische 
haben  durch  die  ihnen  eigentümliche  Verstärkung  des  exspira- 
torischen  akzents  nom.  mit  der  Schwundstufe  entwickelt.  Der 
historische  Vorgang  lässt  sich  am  besten  an  dem  idg.  i-stamm 
*patei^  *herr'  zeigen.  Nom.  idg.  *patSx,  ^pote,  gr.  (dea^)n6tiig  : 
ai.  ddmpatih,  lit  vhzpaüs  —  ai.  pdtih,  gr.  ftoaig^  lat  potts  : 
lat.  impos  (* j>o^);  got.  brüßfaßs  [lit.  vesepats-päts].  Im  Oskisch- 
Umbrischen  ist  das  -i-  der  endung  durchweg  sjnkopirt  Im 
Germanischen  finden  wir  neben  den  schwundstufigen  nom.  noch 
alte  nom.  auf  ^-iz,  run.  hlewagastiE,  BiA.gS8tr  neben  lat  hostis^ 
asl.  gosth  :  got.  gaste;  air.  fäith  aus  *ff^i-  stellt  sich  zu  lat 


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Die  iHteinische  V.  dcJclination.  269 

väiis,  wie  aisl  gesir  zu  lat  koetia.  So  erklärt  sich  gr.  Tteiais 
neben  nu&(^  als  ein  aoB  der  komposition  loßgeriasener  nom., 
wofür  auch  die  wurzelbetonung  spricht.  Hirt  Idg.  aka.  s.  216 
erklärt  die  akzentverbältnisse  der  i-stämme  durch  die  annähme 
eines  idg.  akzentwecbsels.  „Da  in  den  meisten  kasus  die  en- 
dungen  betont  waren,  so  überwiegt  naturgemäss  in  den  einzel- 
spraohen  die  endbetonung.  Wahrscheinlich  lag  noch  im  Idg. 
im  nom.  akk.  instr.  sg.  und  akk.  plur.,  beim  fem.  auch  im  nom. 
plur.  der  ton  auf  der  Wurzelsilbe''.  Die  annähme  eines  idg. 
akzentwecbsels  lässt  sich  allerdings  rechtfertigen,  aber  nicht  im 
sinne  Hirts.  Die  Wurzelsilbe  der  i-stämme  ist  der  rogel  nach 
anbetont  (tiefstufig),  da  der  ton  auf  dem  suffiz  oder  der  kasus- 
endung  lag,  und  zwar  im  nom.  akk.  lok.  sg.  nom.  (akL)  plur. 
auf  dem  suffix,  in  den  andern  kasus  auf  der  endungssilbe.  Dass 
sich  trotzdem  vielfach  wurzelbetonung  findet,  erklärt  sich  aus 
dem  einfluss  der  komposita,  wie  schon  Wheeler  'Der  griech« 
nominalakzent'  s.  34  für  das  Griechische  erwiesen  hat  aTto- 
uais  ==»  ai.  dpacitih.    Ttüaig  aus  j.7tuaig  neben  fiu9(f. 

Dass  zwischen  der  nominalen  i-stammclasse  und  den  k/jk>- 
verben  gewisse  beziehungen  bestanden  haben,  ist  selbstverständ- 
lich. Hirt  Idg.  akzent  s.  191  bemerkt  sehr  richtig:  „Verbum 
und  substantivum  hängen  derart  in  ihrer  ganzen  bildungsweise 
zusammen,  dass  man  nur  gut  thut,  die  parallelen  zu  ziehen". 

Trotz  der  ausfuhrungen  Streitbergs  PBrE  14,  224 ff. 
und  Hirts  a.a.O.  s.  193 ff.  sind  die  Verhältnisse  bei  den  ie/^o- 
verben  durchaus  nicht  so  komplizirt,  wie  jetzt  allgemein  ange- 
nommen wird.  Barth olomae  'Studien  z.  idg.  Sprachgeschichte' 
hat  durch  den  ansatz  der  ablautsstufen  ii-^  i-  und  i-  die  er- 
klärung  wesentlich  vereinfacht 

Nach  Hirt,  der  in  der  hauptsache  Streitberg  folgt,  sind 
mindestens  folgende  klassen  zu  unterscheiden. 

L  i  ist  nicht  praesenssuffix  sondern  gehört  zum  stamm. 

II.  i  ist  praesenssuffix  und  erscheint  daher  nicht  in  den 
andern  Stammformen.  Diese  klasse  hat  nach  Brugmann  Grd. 
2,  1059  zwei  abteilungen,  je  nachdem  a)  die  Wurzelsilbe  den 
wortton  hatte  und  vollstufig  war,  oder  b)  in  der  Wurzelsilbe 
Schwundstufe  herrschte,  und  der  ton  auf  dem  suffix  lag,  analog 
den  o-verben. 

m.  -ib  im  praesens  steht  neben  einem  zweiten  stamm  auf 
-€  (oder  -a)  aus  *-a|  (oder  -•öt). 


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270  Hans  Reiohelt 

Diese  einteflong  lässt  sich  nicht  aufrecht  erhalten  (abge- 
sehen von  der  I.  klasse).  Dagegen  spricht  nicht  nur  der  Zu- 
sammenhang mit  der  nominalen  i-stammklasse,  sondern  auch 
der  umstand)  dass  dasselbe  idg.  verbum  in  den  einzelsprachen 
verschiedenen  bildungen  folgt,  was  infolgedessen  auf  einen  ge- 
meinsamen Ursprung  schliessen  lässt.  Zum  beweis  dessen  fahre 
ich  folgende  beispiele  an: 

lit.  szlove  'ehre',  gr.  Kleiui  ^verkünderin'  statt  *KUfo  aus 
^nfXef^oi"  (vgl.  üeidtif  Atjtat)  :  gr.  xletai  'mache  berühmt' 
aus  *xJie/'i^,  lat.  düeo  'höre'  aus  ^dev^-ö.  Dazu  lit  szlövi-nu 
'preise*,    idg.  ^Jäo^i)-,  ^Jd&^ö(i)'  :  *£fcjf«i-  :  "^Täe^i-, 

lit.  srove  Strömung'  :  lit  aravi^ü,  sravij-au  'fliessen',  gr. 
i^itj-y  'floss',  idg.  *9raue(i)',  *Sf'^S(i)'  :  ♦«roj^»-. 

lit  ffülis  'lager' :  lit  guli-ü  'l^e  mich',  gr.  ßaUna,  eßlfi-%0 
'werfe',  aw.  ni-yraire  'sie  werden  geworfen'  Bthl.  Grd.  d. 
iran.  phil.  s.  79. 

gr.  x^^S  'gunst'  :  gr.  x^^V^i  h^'^  'freue  mich',  aL  hary^ 
ämi  'begehre'. 

lat  famBs  'hunger'  :  gr.  x<^i^<^  aus  *xa/a-w,  exavfj-v 
'gähne'. 

got.  grips  'der  schritt'  :  lat.  gradi-or  'schreite'. 

gr.  ^rjvig  'groll',  ^avla  'raserei'  :  gr.  /Aaivofiai^  ifiavt)-^ 
'rase'. 

gr.  fivda  'erinnerung'  aus  *^y«i-a,  an.  inun(rj,  mon(r) 
'sinn,  unterschied'  :  ai.  män-tfi  'glaube,  gr.  ^B-^v^-piai  'erinnere 
mich',  lat.  re-niini-^cor  'erinnere  mich',  got.  tnunan  'meine', 
lit  menii,  min&i  und  menü,  tniniaü  'gedenke',  asl.  nthniti 
'meine',  air.  dthmoiniur  'puto'. 

lat  series  'reihe',  gr.  asiQa  'seil',  aeQiQ'  ^ßoatijg  'Hesych'  : 
gr.  €iQio  aus  *a€Q%r<o  'knüpfe'. 

lat  facies  'erscheinung'  fax,  faces  (Paul.  Fest!  s.  87j 
'fackel' :  gr.  7taiq>aaaw  aus  ^-^cnci-cci  'schimmere'.  Dazu  fiMce- 
ius  'glänzend'  ^). 

lat.  fides  'vertrauen',  gr.  Ilei&u}  'Überredung'  neben  TtBiaiq : 
got.  bidj-a  'bitte',  gr.  ini^rj-v.  Dazu  lat  fidi-us  'wahrhaftig' 
und  fide-Us  'treu'. 

lit  skyle  'loch',  gr.  axalig  'hacke'  :  lit  sküi-ü  (schlage 
feuer  an)  spalte  mich',  skdiü  'spalte',  gr.  axdllto  aus  axalj^no 

1)  Dazu  lit  zväke  4icht',  worauf  mich  Prellwitz  freundlighst  auf- 
merksun  maoht 


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Die  lateinische  V.  deklination.  271 

'scharre'.  Dazu  lo*.  (ncaAi}-y«Sg,  otAh-og  'krumm',  idg.  ^skdi-, 
*8i^'  :  skKlJHr  ^  gr.  ondllm^  lit  skiliü,  skdim :  gr.  mtaltj-pog^ 
lit  skjfle  (mit  secundärer  dehnung  nach  WiedemauD  Lit.  gr. 
8.  20). 

gr.  Uia  'erscheinung'  aus  ^Uh^-^,  ai.  vidyä  'wissen'  :  ai. 
vidpäü  'er  wird  bemerkt\  lat  vidiö  'sehe',  got  uriian  'beob- 
achte', lit  pfhvydkuy  pa-^düSH  'beneide',  asl.  mUlq^  vidHi 
'sehe'. 

lat  acieB  'schärfe',  an.  egg,  eggiar  'schneide',  ahd.  $kka, 
mhd.  edce  :  an.  eggia  'anreizen'. 

lat  species  'erscheinung',  gr.  aiumui  'warte'  :  ai.  paigaH 
'spähe',  gr.  moniw  'spähe',  lat  speeio  'sehe  nach  etwas',  ahd. 
sp^än  'spähe'.    Dazu  lat  9peeie4as,  uuspiei-'Um. 

Brugmann  und  Hirt  haben  das  -a-  der  verbalen  A- 
Stämme  mit  dem  ä  der  femininen  o-stämme  identifizirt  Vgl. 
H.  M.  Chadwick  IF.  11,  169:  „With  regard  to  the  origin  of 
theee  stems  the  Suggestion  of  Brugmann  (Or.  2,  §  487)  and 
Hirt  (Idg.  akz.  §  197)  claims  attention.  Aocording  to  them  the 
ä  of  these  stems  is  identical  with  the  -^l*  of  feminine  substan- 
tives.  We  have  already  mentioned  that  the  connection  between 
verbal  and  nominal  o-stems  is  of  great  antiquitj,  and  there  are 
two  further  points  in  support  of  the  theory.  (1)  The  oldest 
Stratum  of  feminine  d-stems  consists  largely  of  verbal  abstracts 
(cf.  Hirt  akz.  §  197,  271).  (2)  These  stems  likewise  show  as 
a  rule  either  reduced  or  a*vocalism  in  the  root-syllable  and  are 
accented  on  the  stem-final". 

Ich  identifizire  aus  denselben  gründen  das  e(i)  der  ver- 
balen jH^tämme  mit  dem  der  nominalen  i-stämme.  Es  steht 
hier  wie  dort  ei-  mit  ei-,  »-  und  i-  im  ablaut  lat  fides  ver- 
hält sich  gr.  imdij-Vf  wie  lat  fidi-w  zu  got  Indj-a,  Wie  in 
lat  fidH  G.  Sg.  aus  *fidei'X  (vgl.  gr.  ^n^i^oi^g),  liegt  in  hom. 
ni&ijawy  iftl&tjaa  zu  ^ni&et'ta  der  eigentliche  stamm  idg. 
*Mt^<l-  vor.  Die  von  Streitberg  Urgerm.  gr.  s.  300  so  ge- 
nannten starren  ii^/io-bildungen,  zu  denen  got  bid-ja  gehört, 
sind  nichts  weiter  als  durch  den  themavocal  erweiterte  «x- 
stämme,  die  infolge  der  betonung  des  themavocals  sowol  stamm- 
Silbe  als  ableitungssuffix  reduzirt  haben.  Ob  lat  fidi-bam  mit 
lit  vid^avau  und  asl.  md^-<uih%  gleichgebildet  ist,  oder  wie 
legänm  der  analogie  der  IL  konjugation  gefolgt  ist,  ist  zweifel- 
haft   Es  liesse  sich  zwar  gr.  nd^w  und  kTti^-v  heranziehen; 


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272  Hans  Reichelt 

dann  könnte  man  annehmen,  dase  die  verba  der  III.  koiguga- 
tion  in  der  imperfektbildung  stammen  gefolgt  sind,  in  denen, 
wie  bei  fidOf  das  -^-  ursprünglich  war. 

lit.  ssHove  verhält  sich  zu  lat  clueö  aus  ^de^^ö,  wie  gr. 
xXhvos  aus  ^nXsft-vog  zu  xJU/oi  aus  *idi/%Ho.  In  lat.  dueö, 
sowie  in  allen  hierhergehörigen  verben  der  II.  konjugation  ist 
die  dehnstufe  des  sufiSxes  durchgeführt  (vgl.  ai  rdi,  räydft  u.  s.  w.), 
während  im  lit.  und  asl.  das  praesens  die  tiefstufen  i  und  i  auf- 
weist Asl.  uedq,  vidiäi^  lit  -vydiu,  -v^i  neben  lat  videö, 
vides.  Doch  ist  das  nebeneinander  von  formen  wie  lat  jacio 
und  jaceo,  pavio  und  paveo  beachtenswert. 

Neben  den  starren  ii^/fb-bildungen  verzeichnet  Streitberg 
a.  a.  0.  noch  abgestufte  ie,  ib*bildungen.  ''Wie  beim  nomen 
im  Litauischen  käis  neben  k&ias  steht,  so  erscheint  auch  beim 
verbum  neben  der  voUstufenform  des  suf&xes  die  Schwundstufe. 
Und  zwar  kann  diese  doppelte  gestalt  habw:  1)  Einsilbiges 
-jK/i<>-  wird  in  unbetonter  Stellung  zu  kurzem  u  —  2)  Neben 
dem  einsilbigen  jk/jo  findet  sich  unter  den  von  Sievers  PBrB. 
5,  129  ff.  festgestellten  bedingungen  zweisilbiges  -jK/ib-.  In  der 
Schwundstufe  muss  alsdann  die  länge ,  d.  h.  1^  auftreten.  Wie 
das  Germanische  und  —  nach  E.  Berneker  und  P.  Giles  — 
das  Lateinische  darthun,  erscheint  die  zweisilbige  vollstufe  und 
damit  die  langvokalische  Schwundstufe  regelrecht  nach  langer 
Wurzelsilbe.    So  erklärt  sich  die  lateinische  doppelheit: 

capto  fareio 

capis  fard^ 

capü  farcit 

capimus      faremus 

capitis        fareUis 

capmnt  farciunt. 
Streitberg's  ansatz  der  vollstufe  mit  le/ib  und  die  heran- 
Ziehung  von  lit.  k&ia  neben  küias  ist  hinfällig.  Wie  sidi  bei 
den  nominalen  /-stammen  -€ti-  (-Ojh)  als  vollstufe  ergeben  hat, 
ist  auch  hier  -^-  und  nicht  -ie-  als  vollstufe  anzusetzen.  Ich 
verweise  auf  Bartholomae's  21.  bis  25.  klasse  im  grd.  d. 
iran.  phiL  1,  §  142—146.  Obwol  Bartholomae  den  Zu- 
sammenhang dieser  klassen  betont  hat,  kann  ich  ihm  in  den 
details  nicht  folgen. 

j Aw.  ni-yraire  'sie  werden  geworfen'  (gr.  Sfilt/tOj  lit  gulüi) 
21.  klasse  und  ap.  agarbayah,  ai.  grbhäjfäii  (vgl  lat  *viä^) 


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Die  Iftteinische  V.  deklination.  273 

23.  klasse  enthalten  die  dehnstofe  des  Suffixes  idg.  *^'.  Die 
23.  klasse  ist  durch  den  themavokal  erweitert  Vgl  lat  plebes 
und  plebeius. 

jAw.  niihidöU  'du  setztest  dich'  26.  klasse  und  jAw.  ff^u- 
rvaya  'ergreife',  ai.  gtbMyanias  'die  ergreifenden'  24.  klasse 
enthalten  die  rollstufe  idg.  *ei.  Die  24.  khisse  ist  durch  den 
themavocal  erweitert  i).    Vgl.  ai.  adki  und  gr.  oatiov. 

jAw.  vyä^mmüä  'er  sagte  sich  los',  ai.  äbratM  (Galand 
KZ.  32,  302)  22.  klasse  enthält  die  tiefstnfe  -1-.  Hierher  ist 
lat.  capto,  capis  und  fareio,  fareu,  ahd.  Mffu  hims  und  got 
sökja,  sökeis  zu  stellen;  ebenso  lit  MHu,  sedi  zu  ied^  und 
asl  äSidif,  sedüi  zu  sedeti,  desgleichen  formen  wie  aL  sväpimi 
neben  asl.  s^pljq,  lat.  petUus  neben  gr.  imtf-v  (Bthl.  a.  a.  o.). 

Bevor  ich  zum  eigentlichen  thema  zurückkehre,  möchte  ich 
noch  die  schlussfolgerung  aus  meinen  ausführungen  über  die 
i«/jK>  verba  ziehen.  Die  ie/io  rerba  bildeten  ursprünglich 
eine  gemeinsame  stammklasse  mit  dem  suffix  -o-  (^i 
und  t,  i),  die  mit  der  nominalen  «ji-stammclasse  in  be- 
ziehung  stand.  Aksentverh&ltnisse  und  die  erweiterung  durch 
den  themavokal  haben  schon  in  ursprachlicher  zeit  die  einheit- 
lichkeit  gestört.  Ich  behalte  mir  eine  nähere  begründung  für 
eine  die  ie/io  verba  behandelnde  arbeit  vor. 

plebes  'masse'  aus  idg.  *püdhei^  plebes  wird  wegen  gr.  nli^' 
x^oQj  nsQL-nXfj&Ti^  allgemein  als  ein  M-stamm  behandelt.  Ich 
sehe  in  plähi(%)s  und  gr.  nXrj9'tg  dieselben  ableitungen  aus  dem 
erweiterten  stamm  ^pledh-,  wie  in  ai.  pur*t,  gr.  nol-ig  und 
ai.  pur-uh,  gr.  TtoX-vg  aus  dem  unerweiterten  stamme  ^pd-,  ph 
Ausserdem  spricht  für  die  annähme  eines  i*  Stammes  noch 
jiebH'US  und  die  nebenformen  des  nom.  pIMns  und  plebs. 
fames  'hunger'  (gr.  xcreVaii  l%Anfi'V  'gähne';  wie  oben)  schwankt 
zwischen  III.  und  V.  deklination.  Ursprünglich  folgte  fames 
der  V.  dekUnation.  Vgl.  Prise.  6,  11,  ö9  s.  704.  "Fames, 
famei  dicebant  voteres,  unde  adhuc  fame  producitur  in  abla- 
tivo."  lat.  facies  'erscheinung',  acies  'schärfe'  spectes  'er- 
scheinung'  series  'reibe'  sind  bereits  zur  spräche  gekommen. 
Alle  Wörter  der  V.  deklination,   die  im  nom.  sg.  auf  ^ies  aus- 

1)  Nach  Bartholomae  ist  die  24.  klasse  aos  der  23.  hervorge* 
gaogen,  indem  das  suffixale  ä  im  anschloss  an  die  formen  der  kausativa 
und  denominativa  durch  a  ersetst  wurde. 


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274  Hans  Reichelt 

gehen  und  wirkliche  i-stilmme  sind,  lauteten  ursprünglich  (wie 
fides,  plSbes,  fames  u.  s.  w.)  auf  -es  aus.  Das  t-  der  endung 
stammt  aus  den  obliquen  kasus  ^). 

pro-genies  'geschlecht';  got.  kuni,  hunjis  'geschlecht',  gr. 
yivva  aus  *y&^i^  'geschlecht'  •)  :  gr.  yelvofiai  aus  ^y^pj^-oficu 
'werde  geboren',  ai.  jäy-e  'werde  geboren'.  Dazu  si.  fdnih 
'frau',  got.  qens  'weih';  gr.  yvij-aiog  'echt',  lat.  g^i-m  'schutz- 
geist'.  per-nicies  'verderben';  got  nöm,  nawis  'der  todte'  . 
ai.  niU'yati,  jtw.  naayeiti  'er  geht  zu  grund'.  Dazu  lat.  inter- 
necies  (OIoss.  phil,  Isid.  or.  5.  26)  inter-neeiüm  (Not  Tir. 
p.  123). 

Alle  übrigen  wörter  schwanken  zwischen  der  I.  (rf!s-)  und 
V.  deklination  (vgl.  Lindsay,  Lat  gr.  s.  397 f.  und  Neue 
'formenlehre'  I  >,  s.  370  ff.).  Sie  sind  ursprüngliche  iä-stämme. 
Die  formen  mit  -ie-  sind  falsche  analogiebildungen,  durch 
wörteri  in  denen  das  i  der  obliquen  kasus  in  die  ganze  dekli- 
nation eingedrungen  war,  wie  festes  u.  s.  w.,  veranlasst. 

II.    Die  kasiisbflduiig. 
ft)  Siigiilar. 

Nom.  Es  stehen  ursprünglich  nom.  auf  -es,  -is  und  2 
nebeneinander,  plibes,  plebis  (plebs).  Das  suffix  -%,  nur  noch 
in  Weiterbildungen  vorhanden  (dätrp-x,  genetri-x,  jünl-x,  regl-nä) 
ist  durch  die  gewöhnlichere  endung  -t«  verdrängt  worden.  So 
erklärt  sich,  gerade  wie  im  Oermanischen ,  der  übertritt  der 
lat.  adjektiva  auf  -tis  in  die  f-declination  durch  den  einfluss  der 
femininbildung  *).  lat  svavis  'süss'  aus  *8vädvi8  ^svadvl,  got 
9a/^fl>/|b-8tamm)  neben  ai.  svädtih,  avädvi,  gr.  ^ivsy  ^deia. 

lat  gräffis  'schwer'  aus  *  gravis,  *  gravi  (idg.  *y«'»nfi-), 
neben  ai.  gurüh,  gurvf,  gr.  ßagvg,  ßageia  u.  s.  w.  In  lat  grü- 
mu8  'erdhaufen'  scheint  noch  der  alte  stamm  *grU'  aus  idg.  *gvrU' 
bewahrt  zu  sein;  ich  teile  *grü-humus,  vgl.  bimus  'zweijährig' 
aus  *bi'himu8  Hoffmann  BB.  26,  130. 

1)  Vgl.  QDien  unter  kasaobitdung.  2)  Vielleicht  ist  gr.  yive«  wob 
*ytv€t~a  entstanden,  und  nicht  aus  *y€V€aia  oder  *yiviaü  (lat.  generSre). 

3)  Vgl.  im  Litauischen  den  übertritt  der  adjektiva  auf  -im  in  die 
Ife/lfo- deklination  :  lit.  hfigvas  {hngvus)  deicht'  neben  gr.  ilaxvi  u.  s.  w. 
nach  lengvif  tevas  aus  ^tencM  *dünn'  neben  ai.  ton#  u.  s.  w.  und  viel- 
leicht  erdvae  'loeker';  wegen  seines  auffallenden  d^  vgl.  Wiedomann 
Lit  gr.  8.  34,  35. 


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Die  lateiDische  V.  deklination.  275 

Desgleichen  levis,  brevis,  tenuis  and  mMia. 

In  Wörtern  wie  fae-ies,  spec-ies  ist  das  i  teils  durch  den 
einfluss  des  obliquen  kasus,  wie  akk.  und  instrum.  sing,  und 
der  verba  fac-iö^  spte-iö,  teils  nach  der  flezion  von  dies  durch 
die  ganze  deklination  beibehalten  worden,  facies  nom.  statt 
*faces  nach  faci^  akk.  und  facti  instrum.,  wie  faciebam  statt 
*facäHim  nach  fadö;  vgl.  gr.  q>i(>ovaa  (ursprünglich  ^ipefovri), 
das  durch  den  akk.  tpiQovüw  aus  *fps^vtiqi  in  die  -lä-dekU- 
nation  gedrangt  wurde. 

Gen.  Als  die  ältesten  formen  des  gen.  müssen  die  auf 
'ies  ^)  angesehen  werden ;  vgl.  lit.  icles,  kdrvis.  Der  ursprüng- 
liche gen.-ausgang  der  i-stämme  war  idg.  *-j(-o«,  ^-i-es  (neben 
*^eis,  *(ns).  Zur  Charakteristik  des  femininums  wurde  dieser 
ausgang  in  den  meisten  einzelsprachen  bald  durch  den  der  fo- 
Stämme  ^-iäs  ersetzt,  der  im  Lat  und  Lit  durch  den  einfluss 
des  nom.  in  -i^  überging,  lat  facies  neben  materiäs.  Zu 
dieser  zeit  mag  der  formenaustausch  zwischen  den  lat.  /-  und 
iVl-stamroklasse  rege  geworden  sein. 

Die  bildung  des  gen.  -iei  ist  nach  dem  muster  des  gen. 
der  jV^stämme  auf  *iäf  erfolgt  Die  gen.  auf  -i  -f  und  -e-  i, 
facti  und  fidäi  enthalten  die  voll-,  bezw.  nullstufe  des  ableitungs- 
suffixes  —  e(i)'  und  -i-. 

Dat  Nach  Lindsay  a.  a.  o.  s.  442  standen  in  idg.  zeit 
wahrscheinlich  die  doppelformen  -et  und  -e  nebeneinander. 
Dann  sind  fide^  fatne  alte  lokative,  vgl.  lit.  zolej-fh,  szirde. 
Vielleicht  war  fidii  eine  echte  dativform  *fidi'ai,  gleichwie 
fidei  aus  *fidei'ai?  vgl.  ai.  sdkhye^  ävayi.  Die  Verhältnisse  sind 
hier  sehr  verwickelt,  da  sich  gen.  und  dat.  ausgeglichen  haben. 

Akk.  Die  ursprüngliche  form  des  akk.  scheinen  mir  die 
Wörter  bewahrt  zu  haben,  die  im  nom.  auf  *as  ausgehen:  z.  b. 
faciänt  aus  ^fa^ci-rp,^  vgl.  ai.  surä-dhyäm,  gr.  tpi^ovoav.  Alle 
übrigen  Wörter  der  V.  deklination  haben  die  endung  der  kon- 
sonantischen Stämme  -em  aus  *'iii  angenommen  (s.  oben). 

Abi.  Die  formen  auf  *e  können  entweder  alte  lokative 
auf  -e  aus  -ei  oder  instrumentale  auf  -e  aus  -em  sein ;  in  ihnen 
ablative  auf  -id  zu  sehen,   ist   gewagt,   da  diese   sehr  späte 

1)  Nene  lat  formenlehre  *  8.  374 f.  fahrt  auch  geniüve  aaf  -e«  an, 
z.  b.  ßdia.  Obwol  siofa  dieser  gen.  aosgang  bei  den  i-Btammen  sonst 
nirgends  findet,  möchte  ich  ihn  doch  ans  idg.  *<{-0s  erklären  (vgl.  tre^ 
ans  *^0|-m).    Dann  läge  hier  die  älteste  form  des  gen.  vor. 


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276  A.  Fick 

neubildungen  sein  mässten.  Ich  sehe  in  den  formen  auf  -is, 
wie  feunS,  apecis  alte  instrumentale  (vgl.  ai.  säkh-^a,  aisl.  brude 
u.  s.  w.)  und  in  den  formen  auf  -i^  wie  fide,  rt  alte  lokative 
(ygL  ai.  agnd,  lit  9zalh), 

b)  Pfund. 

Nom.  fidis  ist  dieselbe  bildung  wie  tris.faciea  bat  unter 
dem  einfluss  von  dies  das  t  aus  dem  sing,  herübergenommen. 

Akk.    Der  akk.  enthält  die  endung  des  nom. 

Der  gen.  und  dat  ist  nach  dem  muster  der  ic^,  bezw. 
ä-stämme  gebildet. 

Baden  bei  Wien,  am  7.  Mai  1901. 

Hans  SeichsU. 


Zu  den  inschriften  yon  Xagnesia  am  Haiandros. 

Die  inschriften  von  Magnesia  a.  M.  (IMM.)  haben  von 
Otto  Kern  Berlin  1900  eine  durchweg  mustergültige  bearbeitung 
erfahren.  Möge  es  mir  gestattet  sein,  einige  partieen  der  treff- 
lichen arbeit  mit  wenigen  bemerkungen  zu  begleiten. 

Der  erste  abschnitt  handelt  von  der  entdeckung  der  in- 
schriften, der  zweite  s.  V — XXVI  bringt  die  Zeugnisse  der 
Schriftsteller  und  die  aussermagnesischen  inschriften.  „Er- 
schwert wurde  die  Sammlung  der  Schriftstellerzeugnisse'*  be- 
merkt der  vf.  s.  IV  „dadurch,  dass  die  Überlieferung  nicht 
immer  klar  zwischen  Magnesia  a.  M.,  am  Sipjlos,  in  Thessalien 
unterscheidet'S  es  ist  gewiss  zu  billigen  „dass  in  zweifelsfallen 
hier  eher  zu  viel  als  zu  wenig  aufgenommen  worden  ist''. 

In  einem  falle  glaube  ich  den  zweifei  des  vf.  beseitigen  zu 
können,  nämlich  in  betreff  des  hübschen,  Peisandros  von  Rhodos 
zugeschriebenen  epigramms,  das  der  vf.  s.  VIII  unter  n.  XXII 
(bei  Bergk  PLG.  II  *  24)  anführt: 

xal  %wl  ^tj&afyogy  xai  d^effdnovti  Baßijg, 
GsaaaXos  Ix  K^fjttjg  Mdyvrig  yivog^  uit^ovog  riog, 
ciiXfiTo  d^  iv  7S(iOfidxoi.gf  6§vv  a^fj  awaywv^ 


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Zu  den  inschriften  von  Magnesia  a.  M.  277 

Wie  Bergk  a.  a.  o.  meint  „Thessalns  fuit  equus,  Creticns 
canis,  Hippaemon  Magnesias^S  Dann  hätte  sich  der  dichter 
sehr  ungeschickt  ausgedrückt:  eher  würde  man  in  gleicher 
reihenfolge  wie  in  1  und  2  Beaaalog  auf  den  Hippaimon,  hc 
Kg^tr^g  auf  das  pferd  und  Mayrqq  auf  den  hund  beziehen, 
^fiwoq  v\6g  fiele  dann,  freilich  höchst  unpassend,  dem  knappen 
zu.  Wirklich  scheinen  die  werte  so  bei  PoUux  VI,  45  ver- 
standen zu  sein,  wenn  es  dort  heisst  y^ovöi  firjv  ovdi  6  Mdytrig 
%vwv  xb  ^iTtTtaipLoyog  XTfjfia  S  ^^^anyog,  dvww^og  xtX. 

In  Wahrheit  gehen  die  werte  des  zweiten  hexameters,  was 
übrigens  auch  Bergk  a.  a.  o.  weiterhin  als  möglich  zugibt, 
sämmtlich  auf  Hippaimon,  einen  ritter  aus  Magnesia  am  Mai- 
andros. 

Diese  Stadt  galt  für  eine  MayiniT^av  dnoixla  xwv  h  Get- 
%aU(f  xal  K(pitw¥  Strabo  636  und  zwar  war  dies  die  meinung 
der  Magneten  selbst,  wie  in  IMM.  17,  der  in  Magnesia  um 
200  V.  Chr.  abgefassten  gründuugsgeschichte  der  stadt  berichtet 
wird.  Hiemach  waren  thessalische  Magneten  nach  Kreta  aus- 
gewandert, hatten  dort  eine  stadt  zwischen  Gortyn  und  Phai- 
stos  und  erst  von  da  aus  Magnesia  am  Maiandros  gegründet. 

Auf  eben  diese  Vorgeschichte  der  Magneten  am  Maiandros 
deutet  das  epigramm,  wenn  Hippaimon  dort  heisst: 

QMüokibg  h,  KfiJTrig  Mdyvrjg  yivog 
d.  i.  seiner  herkunfl;  nach  aus  Thessalien  über  Kreta  her  stam- 
mender Magnete,  wobei  die  werte  allerdings  gewissermassen 
nach  rückwärts  zu  lesen  sind.  Wie  hier  ein  Magnete  Thessaler 
heisst,  so  nannte  der  Koer  Philetas  die  Koerinnen  Thessalie- 
rinnen:  BBaaalar  ai  Kwai  nagä  0iXrfcaL  Hesych:  Kos  und 
umliegende  inseln  beherrschten  nach  II.  B  678  f.  Pheidippos 
und  Antiphos  BBoaaXov  vle  diu. 

Einen  weiteren  beweis,  dass  Hippaimon  wirklich  Magnete 
von  Maiandros  war,  liegt  in  dem,  was  Ailian  V.  H.  XIV,  46 
(bei  Kern  s.  X  n.  XXXE)  von  der  kampfweise  dieser  Magneten 
berichtet:  Ol  Maidvdnt^  naqoinLOvrttg  Mdyrqzeg  ^Eg>$aloig 
nolmovrr^g  hiaatog  xwv  iTtTtiwv  ^ysy  avxm  avaxgaxioixtjp 
^^OT^y  Kfira  %al  mortiaxi^v  oluhrjv.  Beim  angriff  warfen 
sich,  wie  weiter  erzählt  wird,  zuerst  die  hunde  auf  den  feind, 
.dann  schössen  die  knechte,  und  nun  erst  brachen  die  reiter 
gegen  die  erschütterten  reihen  vor.  Jetzt  wird  uns  das  ganze 
epigramm  klar :  es  ist  die  grabschrift  auf  einen  ritter  aus  Mag- 


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278  A.  Fick 

nesia  a.  M.,  der  mit  knecht  und  pferd  und  hiind  im  kämpfe 
gefallen  und  in  deren  mitte  begraben  war.  Auf  dem  grabmale 
war  er  selbst,  sein  pferd,  sein  hund  und  sein  knecht  abgebildet, 
und  die  inschrifb  nennt  alle  mit  namen,  die  sämmtlich  auf  alte 
gute  zeit  deuten:  er  selbst  heisst  ^iTtTtaifitov  u^Sfiopog^  so  dass 
söhn  und  vater,  voll  und  gekürzt,  einen  der  altthessalischen 
namen  auf  äiftwv  „kundig''  tragen,  die  für  Thessalien  so  be- 
zeichnend waren,  dass  man  die  Thessaler  selbst  uüftovsg  und 
Thessalien  uiifiopia  nannte.  Auf  den  alten  pferdenamen  J7o- 
öoiffog  reimt  sich  der  name  des  hundes  ^ij^oQyog  „Tückebold'S 
und  Baßfjgy  häufiger  Baßvg^  ist  ein  bekannter  sklavenname, 
wahrscheinlich  ursprünglich  phrygischer  herkunfi.  Mit  Baßa 
beginnt  die  phrygische  inschrift  auf  dem  Midasgrabe.  Dass  ein 
Rhodier  Peisandros  die  inschrift  verfasst,  braucht  gar  nicht  be- 
zweifelt zu  werden.  Vielleicht  war  Magnesia  einst  mit  den 
Rhodiem  im  kämpfe  gegen  Ephesos  verbündet,  und  fiel  Hippai- 
mon  als  ihr  bundesgenoss  in  der  viel  umstrittenen  Rhodischen 
Peraia.  Auch  lässt  sich  die  inschrift  sehr  wohl  in  den  Rhodi- 
schen dialekt  umsetzen:  Man  braucht  nur  ^y  in  ^g  zu  verwan- 
deln. Die  zusammenziehung  von  eo  zu  i;  in  aftj  ist  nicht 
dialektwidrig. 

yyDie  Stadt  Magnesia'^  deren  Inschriften  von  Kern  ge- 
sammelt sind  „ist  im  j.  400/399  gegründet  worden"  IMM.  XXIX. 
Aber  ausser  der  kurzen  n.  1,  die  Kern  der  schrift  nach  noch 
ins  4.  oder  in  den  anfang  des  3.  Jahrhunderts  setzt,  sind  alle 
jünger  als  300  v.  Chr.  Darnach  lässt  sich  ermessen,  dass  die 
in  Magnesia  selbst  in  der  heimischen  spräche  abgefassten 
nummern  nur  wenige  spuren  des  ionischen  dialekts  enthalten 
werden,  denn  dieser  war  schon  beim  beginne  der  diadochenzeit 
fast  völlig  erloschen.  Nur  in  einzelnen  erstarrten  formein  der 
kanzleisprache,  titeln  und  namen  hat  sich  Ionisches  erhalten. 
So  in  n.  1 — 10,  den  der  schrift  nach  ältesten  nummern  die 
dem  alten  kalender  angehörigen  ausdrücke:  n.  1  -fifjviijgf  n.  2 
öixofitjpiv]if  n.  6  devvi^i  vovfiip^itjg  neben  Ttqo^^viavj  ft^edQicn^f 
noUzuaVj  dtdletay  —  und  die  monatsnamen  "^Ayvfjuir  n.  1 
neben  l/iyvuiv  100.  111.  Xovfvjidv  n.  4  neben  KovQeanf  15. 
110.  113,  nakUiüiv  n.  2  neben  ilaUeiuy  110. 

Dem  ^  kataster  gehören  an  in  n.  8  %^g  y^g  ^fid^fS  (i; 
Xßiag)  und  %fji  dyifoiiurji  neben  TQianorza^  tqiaxoaimv. 


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Zu  den  insotiriften  von  Magnesia  a.  M.  279 

Vereinzelt  ist  der  ionismus  in  Manedw  iS  Aiyiiaw^  gen. 
Ton  ^lyal  (oder  vielleicht  besser  uAysäv  gen.  von  Aiywiy 
vgl.  Steph.  Byz.  unter  Alyai  :  xo  i9vi%6v  and  fiiv  diavUiaßov 
AlyaioSf  o/ro  de  tgiavllaßov  wqvjtcu  xai  ovTtag  AiyBdtrjq^ 
wozu  Meinecke  bemerkt  „Itaque  in  superioribus  Stephanus 
etiam  formam  AXy^ija^  vel  Aiye(i)ai  commemoraverat'^)  Aus 
der  kanzleisprache  stammt  in  n.  2  azeXeitpf  ionisch  für  ctt^- 
leicnf  neben  Tt^BÖgion^  z.  18/19.  In  n.  98,  anordnung  des  festes 
für  Zeus  Sosipolis  aus  dem  2.  jht  v.  Chr.,  hat  sich  in  einem 
amtstitel  der  sog.  milesische  genetiv  auf  eo)  erhalten;  tov  ie(fi(a 
xai  Tfjg  legeiag  lesen  wir  dort  dreimal.  Aehnlich  wird  der  ge- 
netiv irtTtdfx^io  des  amtstitels  tfendfxrjg  ,,wie  Mordtmanns  Zu- 
sammenstellung Mittheil.  X  202  zeigt,  auch  in  der  römischen 
zeit  noch  fortgesetzt"  Bechtel  I.  I.  zu  n.  100. 

Der  „milesische  genetiv"  ist  auch  anzuerkennen  in  der 
Hesychglosse  inniw  dvaßdtovy  iTcißdtov^  wo  M.  Schmidt  un- 
richtig \n7tiw(c;)  ergänzt,  ie^cd  ist  ursprünglich  richtiger  ge- 
netiv zu  Ufifqq  ^  \6Qevg\  erst  als  <«^'$  untergegangen,  bildete 
man  zu  Uiiiia  den  nominativ  i«^co$. 

In  98  z.  31  ist  auch  als  rest  der  sakralsprache  das  alte 
wort  aTjTffog  „Ziegenbock"  erhalten,  das  als  altionisch  be- 
zeichnet wird  (s.  Kern  a.  d.  st.). 

Nur  in  wenigen  personennamen  haben  sich  ionische  laute 
erhalten.  So  in  dem  (ächten?)  Dareiosbrief  115  Jaqüog  6 
^Ytndaftaw;  ein  Magnet  0i^r(OQ  erscheint  n.  90,  l^Xe^^rwQ 
öfter  neben  ^Avrdrfog  31  u.  32;  endlich  in  einer  grabschrift, 
wie  es  scheint,  aus  dem  ersten  jht.  v.  Chr.  ein  verirrtes  rj  in 
^Hyrjaayoqv]. 

In  Ortsnamen,  insbesondere  den  flumamen  der  magnesischen 
gemarkung,  hafteten  ionische  reste  mit  grosser  Zähigkeit,  und 
haben  sich  solche  bis  in  die  römische  zeit  behauptet.  In  113, 
unter  kaiser  Claudius  abgefasst,  wird  z.  23  eine  Tuofiij  Kadvifj 
in  der  nähe  von  Magnesia  genannt  und  in  n.  116  aus  der 
Hadrianischen  zeit  begegnen  die  flumamen  der  feldmark  von 
Magnesia,  immer  im  genitiv:  lAdgvrjg;  rQvXlirig  Kvßiadirig 
Aeovrifjg'  Hetfisyrog  ebenda  z.  37.  47.  63  ist  aus  IlevQiijviog 
und  dieses  aus  Ilegfijayrog  genitiv  zu  ner^i^etg  „felsig"  ent- 
standen, in  acht  ionischer  weise  wie  ri%ii\v%a  (oder  schon 
r^iJkfyga'^  xvficna  bei  Archilochos,  telhjvt    trtea  bei  Tyrtaios. 


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280  A.  Pick 

Auch   der  florname  OvQtav  116   ist  wohl  auf  ioDisches  ovfog 
„grenze"  zu  beziehen. 

Die  lange  erhaltung  der  alten  dialektischen  lautform  in 
diesen  flumamen  erklärt  sich  nur  daraus,  dass  sie  aus  dem 
alten  kataster,  der  gleich  nach  der  grändung  der  stadt  aufge- 
stellt sein  wird,  immer  unverändert  heriibergenommen  sind. 


Die  nummern  16 — 84  beziehen  sich  auf  das  fest  der  Leuko- 
phryena,  Sie  zerfallen  in  zwei  klassen:  es  sind  entweder  i,die 
Urkunden,  auf  die  sich  die  magnesischen  gesandten  bei  den 
zum  feste  eingeladenen  fremden  königen  und  Staaten  berufen, 
oder  es  sind  die  briefe  und  psephismen  dieser"  Kern  s.  13. 
Die  letzteren  sind  meist  im  dialekt  geschrieben  und  damit  auch 
von  sprachlichem  interesse,  wenn  sie  gleich  aus  einer  zeit 
stammen  —  um  200  v.  Chr.  —  wo  der  Untergang  der  mund- 
arten  schon  besi^elt  war  und  sie  nur  noch  ein  schein-  und 
schattenleben  führten. 

Wir  beschiünken  uns  hier  auf  die  im  thessalischen,  lesbi- 
schen und  arkadischen  dialekte  abgefassten  Urkunden. 

N.  26,  das  psephisma  einer  thessalischen  Stadt,  ist  leider 
sehr  zerstört,  doch  lässt  sich  auch  ausser  Kerns  ergänzungen 
vielleicht  noch  einiges  erkennen.  Z.  2  aiet^a  o  lies  hpa^piorju 
iy  a\y]c{ffa  vgl  Sammlung  (Larissa)  345,  4  iif/aipiaTu  %&  no^ 

Z.  18  ata  • .  Xtd^ivcttf  eia^et a..o 

„Für  drei  buchstaben  üTdßaif^^  (vielmehr  vier  nach  atdllop 
z.  27)  „ist  kein  räum  vorhanden*'  Kern.  Vielleicht  h  na]a%a^ 
[da]  h9tvw^  zu  naardg  „verhalle".  Für  sia^ew  ist  wohl 
iaa^av'  d.  i.  Saa&€t(a)  ^  hcdwa  zu  lesen,  mit  ihessalischem 
iaa-  ^  hc'j  zu  iKTi^iwu  „ausstellen!  aufstellen,  damit  es  ge- 
sehen werde,  zur  schau  stellen  z.  b.  pofun^*  Passow.  Es  ist 
hier  die  rede  von  den  mitgebrachten  aktenstücken  der  gesandten, 
den  ysyfafifieva  in  z.  17,  die  der  allgemeinen  kenntnisnahme 
zugänglich  gemacht  werden  sollen. 

Dag^en  geht  z.  28  auf  die  aufstellung  des  besdilusses  der 
Stadt 

tpag>ia]/ia  aviaavtag  eaüofiov  Tta^a  .... 

Zu  saaafiov  fragt  Kern  ^Jg  2dfiOP?^^  aber  das  müsste 
thessaUsch  iv  JSdfiov  heissen.    Vielmehr  ist  eaaaiwv  zusammen- 


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Zu  den  inschriften  von  Magnesia  a.  M.  281 

gesetzt  aus  thesealischem  iaü-  •«•  ^-  ond  fri^/uo,  gebildet  wie 
im-  und  nifi^aTifiog,  a»,  Aqi'^  »j-^fiog^  mit  iüa-  ••  ix-  in  dem 
rinne  von  SK^irjlog;  hatifiaiteiT  kommt  Soph.  Elektra  1191  vor: 
no^er  tovt*  i^BafjfifiHig  xcmdv. 

Z.  24  ovg  x'  imtniavai  6  d&iiog. 

Verständlicher  wäre  der  conjnnkti?  iftiatdetaij  zu  inlota'- 
taiy  wie  alx«  —  mg  —  f^E  ivwaEtai  oonj.  zu  iR^arat  in  der 
alten  thessalischen  inschriit  'JSgp.  a^.  IV  p.  223. 

Der  dialekt  scheint  gewahrt  zu  sein:  nach  oyYQ^tfßiP  z.  29 
und  &eavfOig  22,  ^tovfog  äl,  ^sov^odmtoy  SO,  oSg  29  darf  man 
omlavfia  z.  29  ergänzen  (Kern:  drdXtafia). 

tig  für  x^  z.  30  (relativ  I)  wird  wohl  dem  magnesischen 
abschreiber  zur  last  fallen,  auch  hat  vermuthlich  derselbe  z.  18 
9Sa^9t  der  vorläge  in  elü^w  verwandelt,  weil  er  iaa  <—  fe- 
nicht  verstand,  und  dafür  elg  vermuthete. 

In  n.  52,  dem  dekret  einer  lesbischen  Stadt  „ist  der  dialekt 
von  dem  magnesischen  sdireiber  fast  durchweg  entstellt"  be- 
merkt Kern.  Doch  gibt  uns  dies  nicht  das  recht  zu  dialekt- 
widrigeü  ergänzungen.  So  ergänzt  K.  z.  5  d/ridam[ay  h  äi, 
wahrend  die  jüngere  lesbische  Aeolis  doch  nur  d  als  relativ 
verwendet. 

Z.  6  ififpai4^oia[i}ji[Ti  yvdweg:  warum  nicht  oltti? 

Ebd.  iavtoig  [vov  &€6v.  Besser  9in;%oia[i  top  ^sdr,  wie 
Kehl  richtig  z.  20  yeyifafi(U9o[iü€  ergänzt;  z.  34  dagegen  indy- 
y9Xlipt9aai[v  |y,  statt  -Teaai  [ep. 

Auch  z.  8  stand  auf  der  vorläge  a9ßofiivoio{i)  nicht  aeßo- 
fUpoig  *'A((%BpiiP\  der  dativ  pl.  hat  sonst  immer  die  äolisohe  volle 
endung  auf  -cre:  z.  1  h  Jehpoufi^  32  ^Mti^eat,  40  Totg  ftQ^a- 
ßivtmai. 

Z.  11  fiUlt  der  greuUge  fehler  etpagfiafievoi  bvxi  jedenfalls 
dem  magneten  zur  last;  vielleicht  hatte  er  eben  —  nach  Kern 
hat  derselbe  mann  n.  16~-84  geschrieben  —  n.  41,  16  auf  dem 
dekret  von  Sikyon  aftoSedeffiivoi  ivti  eingemeisselt;  der  Les- 
bier hat  selbstverständlich  busi  geschrieben. 

Z.  17  steht  auf  dem  steine  avyfBvija,  offenbar  für  das  acht 
äolische  avyyemjv^  wie  schon  Kern  verbessert;  der  Schreiber 
dachte  an  üv/y€P4a  vgl.  avyytpiag  38,  20. 

Z.  28  taig  tb  &vüittg;  die  vorläge  hatte  selbstverständlich 
t€ug  TB  '9vaiaig  vgl.  die  akkusative  23  voig  ^BOig^  38  d^Btonoig  dvo. 

IMM^  1.  kud«  d.  lUg.  ■ynelMB.  XXVI.  19 


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282  A.  Fick 

Z.  30  didtoad'ac  (statt  diäoad-ai)  kann  richtig  sein,  wenn 
man  äoliscb  didiov  (aus  didot/v  oder  didünjv)  vergleicht 

Z.  36  ircayyskXwat  oi  ^etogoi;  w  Tm  wi  nach  jüngerer 
aussprachQ  ist  kein  fehler  vgl.  36  iv  vofKa  neben  40  ta  &^ 
rofifoif  dagegen  steht  z.  38  im  gen.  roi  OgipeKoi  tot  verkehrt  für  w. 
z.  36  TtoQa  MayvtjfSiüv  ist  zu  berichtigen  nach  z.  32  Ttnq  Maymj^ 
%fav^  vgl.  28  naq  avswv;  ist  auch  z.  16  fta^xaleioiai  für  ftoQOK^ 
zu  lesen? 

Möglicher  weise  hat  der  lesbische  Verfasser  auch  z.  13 
9MX9Qiay^  37  xmozwnflvi  und  21  ayy  (statt  oJi^),  vielleicht  selbst 
z.  14  fioiaixoy  statt  fwvaixov  geschrieben. 

Dagegen  ist  in  anodidov%Bg  15  für  orTrt;-,  fierextp^  17  für 
/r«d-y  dsxeo&ac  für  d«x^,  %a&a7t€Qy  eq>€ini0Vj  xa^ütj  statt  xov- 
TOTteQ^  BTCiOTioVy  xoTfjXTj  die  bildungssprache  schon  in  den 
äolischen  text  eingedrungen  gewesen. 

Bei  dem  versuche,  die  lesbische  vorläge  wiederherzustellen, 
ist  dem  texte  nothwendig  die  jüngere  aolische  akzentuierung  zu 
geben.  Wie  Alkaios  und  Sappho  betonten,  wissen  wir  nicht,  wohl 
aber,  dass  die  Lesbier  vom  4.  jht  ab  den  akzent  mit  den  be- 
kannten ausnahmen  durchweg  zurückgezogen  haben.  Mit  [  ] 
sind  die  ergänzungen  der  lücken,  mit  (  )  falsch  ausgelassenes, 
mit  (  )  falsche  Zusätze,  mit  grossen  buchstaben  der  ersatz  für 
falsche  laute  des  abschreibers  bezeichnet.  Auch  aus  dieser 
möglichst  gereinigten  form  des  aktenstücks  ist,  wie  eine  ver- 
gleichung  mit  Hoffmanns  Gr.  dialekten  II  ergibt,  neues  für  den 
lesbischen  dialekt  nicht  zu  entnehmen,  doch  ist  es  mundartlich 
so  gut  oder  übel  abge&sst,  wie  man  für  die  zeit  seiner  ent- 
stehung  —  um  200  v.  Ch.  —  nur  erwarten  kann. 

In  den  ersten  fünf  zeilen  erkennt  man  nur:  1.  *'Eypw  6 
dSfiog  —  2.  €7ti&9va  —  3.  o  Ma[yvi]T[(üv  —  4.  (on ....  Jio9v- 
cio\$  JSJv  —  5.  TcT  *Ay \ti^^ia^oi\  a7tidüi(K\av  h  %m  eftifa 

vi^oia[i\  o[Tti  yvon^eg]  XQV^^  iavTOta[i  tov  &iov 

tov  hf  Jihpoiai  Xdiov  xat  afiBLvo[y  Sfifte- 

vai  aۧofiivoia(i)*'u^QtBfiiv  AevwHpQvdvc^v 

xal  vofjuüaavraaoi  tav  ve  Ttdhv  xai  %ct»  x[^ 
10    ^oy  iQov  xai  aavhov  sfifisvai  i%f)aq>iopi&foi 

elSi  awzeleiriv  xa  d{ffiuyi%idi  tag  noXiog 

mtiüv  ^AQxifAidi  AsuiUHpqvdva  dia  fthte  i- 

titav  dvalav  xot  ftavayvQiy  xal  huxEQicof  xa[i 

äyufva  axaq>wL%av  laoftv&wv  fioraitiov  wxl 
15    yvßVi;Kov  xal  iftrtixoVf  dinaUxv  aTtodidoweg 


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Zu  den  inschrifteil  von  Magnesia  a.  M.  283 

XOQiy  rä  eveQyhidi^  xai  naif(a)naXeloiai  %bv  da- 
fiov  q>iXav  eovra  wu  avyyivfiN  fievixrp^  tav 
^vaiar  xai  vag  namyvqtog  xat  x&w  hLs%E^ 
Qiixv] , '  dulix^rjoav  de  xai  oi  nqiaßevtat  cato- 

20    ^otfl^ccis  völg  h  tm  ^ag>iafia%i  ye^fafnitivf^un 
vag  [q>i]loviiiiiag  ovöev  iXXsinoweg'  orswg^Qv 
6  da]fiog  (paivrjvai  ifi  nawi  xaiQon  vav  ve  7tQ\og 
vö]ig  d-ioig  Bvaißuav  m§unf  xai  vav  n^g  M[a 
ylyfjvag  avyyhfuar  xai  q>iUav  dunriii^{\ia¥^ 

25     d\y\a\&a  vvxa*  didox^ai  vm  dd^iwi  iftaivB- 
a]ai  [/i]^  Mayrnfvag  ini  vä  €va^ß\€iai  vä  ngog 
v6  ^€^^  xai  ini  vai  eivoUu  väi  Ttfbg  vav  n6h\v 
dixea^ai  di  tvoq  wiviov  vaig  vs  9vala{i)g  xai 
vov  aytava  uronv&^ov^  efifievai,  di  xai  vav  tto- 

30     Xiv  xai  vav  %iii(av  Xifov  xai  cavXov^  xada- 
fV€Q  Mdyvrjvag  a^toiai,  diöwadai  di  xai 
voig  iftayyeXlowsaai  &€ti(fOiai  Ttag  Mayv[i^ 
vurv  £ig  ve  haQ%av  xai  etfiaviov  x[ai]  ^evia 
oa]aa  xai  voig  va  Tlvd-ia  inayy9Xk6v\v]Baai,  [h 

36    v]6fiia  yiyoaftvaif  xai  irtei  xa  xa^f/xi/  6  ay(o[v 
K]ai  ifcayyeXkoMJi  ol  ^itoQOi  oi  ;vä^o)  Mtxyvtj" 
v](aVf  xEqovovijvw  6  däfiog  vä  iArlwo[g\  v& 
'0]gfp€ia){i)  va  oxvonuxidaxava  &mqoig  d[vo  i^ 
a]7tdwwp  vSiv  noUvaVy  iofi^ai  de  xai  o<)[t 

40     ov]  voig  TtQeaßevvcuai  vä  iv  voiitoi  diaxo[ava'^    K. 

Das  psephiama  yon  Megalopolia  n.  38  ist  von  dem  magne- 
sischen  abschreiber  fast  noch  übler  als  das  lesbische  zuge- 
richtet, doch  gestattet  die  länge  desselben  vielfach  die  fehler 
nach  den  das  richtige  enthaltenden  stellen  zu  verbessern. 

Die  genetive  TIv&ayoQSil  z.  3  neben  Ilv&ayoq^I  4  und 
^AqxeoiXOY  54  zeigen  deutlich,  dass  hier  überall  der  arkadische 
genetäv  auf  -ov  gestanden,  den  der  abschreiber  nicht  verstand. 
Die  genetive  auf  coi:  viat  Jiowaiwv  ^afiftetwi  fallen  ebenfalls 
dem  Magneten  zur  last,  vermuthlich  veranlasst  durch  nv^a- 
yoQon^  das  er  wohl  für  arkadisch  hielt. 

Z.  6  ifiev  zunächst  für  eliaevy  dagegen  18.  21.  37  eivai; 
die  vorläge  hatte  zweifellos  das  richtige  rjvatf  z.  6  schwebte 
dem  abschreiber  ai^iev  in  der  gleichen  Verbindung  n.  16,  7  vor; 
aus  ijvcti  machte  er  elvai. 

19* 


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284  A.  Fick 

Z.  12  iv  TOi$  Blkcn^ag  und  20  tovg  avyyereag  sind  za  be- 
richtigen nach  q>iJiog  20.  21  anQOfpaaanog  21,  rog  —  ßagrifie- 
vog  22,  avTog  25,  r^eoxoaiog,  rog  28,  ro$  oj^cnya^  38,  49,  toa- 
VW  Tog  aHog  49. 

Z.  48  ty  roig  vofiog  kann  tv  roig  voiioig  oder  tvTog  yo/io$ 
gelesen  werden. 

Z.  14  «xex^i^icrv  44^  ivcx^x^i^v:  2.  33.  39  heisst  es  <x«xi/- 

Z.  20  ist  avyav^sip  f&r  avmn;|«v  eingetreten,  vgl  21  eve^e 
tru»  (für  «ve^fivijyae?). 

Z.  21  ^^0$  TTcryirag,  24  nqog  afAfn^  dagegen  2ö  richtig 
Ttog  ovrog^  26  noaede^onfto,  49  ^og  TOg  aliloff. 

Z.  24  afifie  „uns'S  richtig  22  rog  mai  afii  eoQTjfiepog^  vgl.  19 
afAereQai.  Der  abschreiber  ist  auch  z.  12  in  voi$  für  tog  auf 
lesbische  formen  gerathen. 

Z.  46  rat  ^ro^i  aber  10.  18  richtig  fvoh, 

Z.  47  ßwlevaavtai  ist  wohl  verschrieben  für  -atawait  für 
didovai  56  stand  in  der  vorläge  didovet  oder  didoat  vgl.  34 
ffoievoi^  37  a^iooi. 

Das  relativ  6'g  kommt  nur  in  den  adverbien  xa^  9,  di<$ 
29,  xa^cog  37  vor,  sonst  fungiert;  wie  in  den  übrigen  arkadi- 
schen inschriften,  nur  6  als  relativ:  16  {ot/tafpa)  tw  r»%^6t,  24 
Tov  exoiev  entsveiotv  28  da^eixog^  tog  eKOfuaep,  34  aywva^  tov 
ftoievai  40  ta  yeyoafifisva  rjv.  EQemach  darf  man  vermuthen, 
dass  auch  z.  4  in  der  vorläge  iv  rot,  statt  iv  oi  gestanden  habe. 

Z.  43  &Btoqiavi  schreibe  d'saQiav  nach  ^eaQiai  44. 

Die  versehen  des  abschreibers  10  aQfio^oPtoig  toig  für  -twg, 
ebd.  iv  toig  iffa<piafiati  für  roi,  11  iviq>a¥iCo¥  f.  tvBqfotviJCjOv^  13 
na^omaUvtiogj  wg  f.  -^on^,  oig,  23  x^^^f'i»  '•  xqoiviav^  Biovt%g  für 
«XoiTCtfy  (25  cmxxa  scheint  blosser  Schreibfehler  fiir  ctpuca)  sind 
schon  von  Kern  berichtigt 

Bei  möglichst  wohlwollender  Voraussetzung  würde  das 
aktenstück,  wie  es  aus  der  band  des  Megalopoliten  hervorging, 
etwa  nachstehende  gestalt  gehabt  haben: 

IlQeaßavtav  xai  &aa[Q(av  7t]c^Q]aY€yo[vct(a9]  ff[afa  toi  da§iOi 

tdifi  Mayvrftiov  tw  ini  Maiävd^I  {_0ilieiK[w  tä  JTt»9o- 

yoQ^dY,  Kiviovog  tcS(i)  Jiopval(a(i)^  Aafinhia^i)  rc3  [/Tv- 

qqY  %al  änodovtu^  td  %pdq>iafjLa^  Iv  (r)oZ  xiir<x^[c^i<rro 
5    i  xifriaixdg  6  yayovaig  vrtd  toi  'AitoU^avi  toi  Ip  J4l{g>olg]j 


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Zu  den  inschrifteD  ron  Magnesia  a.  M.  286 

AwiMH^qwpm  nuti  tonß  n6JUP  xai  roy  Xioffop  leaap  nuai 
aavXw  pofii^i(y)  xal  Ttegl  ttüp  loinfwr  nwfaUf)  iun- 
l9%9iaai  Ttad'ä  ijxw  xag  htolitg  noQa  tat  idlcu  n6^ 

10    Xi  [x]ai  äf^o^dvtQg  toig  Iv  ToKg)  tfHtq>iaßiawi  yy^afi- 
liihoig,  ivEq>ayti^ov  de  yuxi  tav  säg  &€ag  inufavuav 
xai  TOP  ytyimiSactP  tvro  tolg  rtfoyivoig  W  t6(i)g  ^EXka- 
wag  evxßriinlap  %al  nafftnuithtfaNy  wg  moSix^" 
%tti  &  n&kig  tar  ftccwayv^iv  xai  tctif  hi9%HQia»  xai  %w  ayw- 

15    va  atifparl%av  iaonv&i[o]v  t6v  %b  ^oi;[aix]oy  xai  yvfAVi- 
xav  xai  inniMVj  tov  t$9ei  toi  '^fwi/mdi  tat  ^mmoffpjval 
6  däfiog  twfi  Maynjvonf^  xai  titp  nohv  xai  top  xwqop 
avtäv  itQOP  xai  äevXov  ^Hvai^  tal  ii  ftdXi  tat  ifierifai 
nä%^6v  iatiiy)  fidXiara  luv  tag  täv  d-aav  t$§iag  aw[ä\ih 

30    |«(i)y,  inuta  di  xai  td(v)g  üvyywiag  xai  ipikog  ovtweQ^ 
ywijp  iv  to  dftQoq>aalatog  ^ipsa&ai  ^Hvai  g>lXog  ft{Q)dg 
nfoptag  zog  xai  ißii  ia^rjfjiivog^  tw  Si  Maymftanf  tw 
and  MaidvdQOt  ix  nalai&p  fiiv  xqovwN  ixovtüN  wv6wg 
n^Q\dg  ifiiy  avfiq>apig  de  ^onjaavtiap  täv  exotev  ixti* 

25    V€iap  xai  cSqwiv,  ävl'xa  naqtyhONto  nog  avtog  nqwßei- 
avteg  Ilgfl^svog  ^Ayig  *Aqiat07ta^iav'  edvSiog  t9  yäq  ftoa^ 
di^arzo  ol  Mayrr/teg  xai  idwxav  Iv  tov  teix^Cficv  tag 
ftiXiog  daQBixdg  tQUixoclog,  tag  hit{fAia9(v)  *Ayafirja^ 
twQf  dio  &  ftoXig  /nifivafiiva  tag  te  avyyevelag  xai 

30    ^iXlag  xai  ftavttav  t(Sv  yeyavAttov  evyvtafid' 

vtiv  vnb  tat  7t6X$  tal  MayvrjtaiP  aftadi%nai  ta^g] 
9voiag  tag  ^Aftsßiidog  tag  AevxMpQvrpf&g  xai  tav  hu- 
X^iQ^op  xai  tdg  aywag  at9<pavitag  iaonv9-iog  tdv  te 
fiovoixop  xai  yvfivixov  xai  tn7tix6v^  tdv  TtoUvai  oi  Ma- 

36    yppftig  dixalav  anoöMvtag  x^Q^^  ^^^  wegyitidi  xai 
xa&ctyefiOPi  tSg  ftiXiogy  xai  täv  ndXiv  xai  täv  x^d^^ 
^Hvai  avtfiSv  isgav,  xa&uig  6  d-wg  ^XQV^K^)}  ^^^  ä^ioai 
oi  nagayuyovitug  ftQaaßevtai  xai  d-auägol'  toig  ^B^QOig 
toig  iftayyiXXooi  täv  9vaiap  xai  ixexriQiav  tag  ^Aqti- 

40    fudog  tag  ^tvxoq>Qvriväg  d6tto  S99v6Xag  6  tafilag 

aviAtpOQOig  ivii^iovl  xai  tä 

iv  toig  v]6fw[ig  yeyQa']f4/Äiva  ijv  SlSoa&aiy  tä  Xaa  yga- 
^dtto  Iv  t^av  d'eui^lav^  iv  ii  to  Xombv  tl  del  dldoa^t> 
taivi  tal  ^Mo^iai  lvla[t]iov  ^IvaxixHgov, 

46    Oi  vofioyQOfoi^  ol  iv  tal  ini  ^vxiv[uf]  heiai  y^aiffav^ 


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284  A.  Fick 

Z.  12  iv  TOi$  ElXarag  und  20  tovg  avyyeveag  sind  zu  be- 
richtigen nach  q>ilog  20.  21  aftQog>aaiaTog  21,  tog  —  aoQrjfu- 
vog  22,  onrtog  25,  T^eaxoaeog,  tog  28,  to$  aytavctg  38,  49,  toot- 
yt;y  Yog  aillog  49. 

Z.  48  ty  TOig  vofiog  kann  ti^  roig  vofioig  oder  tvTO^  yo/io$ 
gelesen  werden. 

Z.  14  <xex«ificrv  44,  ii^<x6x«i^i' :  2.  33.  39  heisst  es  eKe/n- 

QiOV, 

Z.  20  ist  avyav^BiP  f&r  ai;yai;|«v  eingetreten,  YgL  21  tve^e 
tr/v  (fiir  «vtf^/en^oe?). 

Z.  21  ^^og  TTcryirag,  24  fCQog  afAfiii  dagegen  2ö  richtig 
Ttog  ovrog^  26  noa^de^ayvo,  49  ^og  TOg  aJULo^. 

Z.  24  afifie  „uns^S  richtig  22  tog  mai  afis  sagrifiepog^  vgl.  19 
afieva(fai.  Der  abschreiber  ist  auch  z.  12  in  toig  für  vog  auf 
lesbische  formen  gerathen. 

Z.  46  rat  ^ro^t  aber  10.  18  richtig  fvoJU, 

Z.  47  ßiolevaavtai  ist  wohl  verschrieben  für  -ainyrai,  fär 
didovoi  56  stand  in  der  vorläge  dUhvei  oder  dedoai  vgl.  34 
7toi9vai^  37  a^ioai. 

Das  relativ  j»^  kommt  nur  in  den  adverbien  xa^  9,  di<$ 
29,  xa^ü)^  37  vor,  sonst  fungiert,  wie  in  den  übrigen  arkadi- 
schen inschriften,  nur  6  als  relativ:  16  (aywra)  tofif  v(«^«t,  24 
tav  exoi&f  exxspetav  28  daQSixog,  tog  9K0fiia$tf,  34  aywfa^  %ov 
fcoievai  40  to  yeyi^fAixBim  ijv.  EQemach  darf  man  vermuthen, 
dass  auch  z.  4  in  der  vorläge  iv  roe,  statt  ir  oi  gestanden  habe. 

Z.  43  S'Bioqiavi  schreibe  d-sagiav  nach  ^wxQiai  44. 

Die  versehen  des  abschreibers  10  aQfio^oproig  toig  für  -Ttog, 
ebd.  IV  zoig  tfßaipiafictti  für  roe,  11  iviq>a¥iCo¥  f.  iv«paviii09^  13 
nuqcniuKivtiogj  wg  f.  -^oiy,  tog^  23  x^i'ci'^  f.  xqofvojVy  Biovtug  für 
exovTfop  (25  crMTxa  scheint  blosser  Schreibfehler  für  oi^ixa)  sind 
schon  von  Kern  berichtigt 

Bei  möglichst  wohlwollender  Voraussetzung  würde  das 
aktenstück,  wie  es  aus  der  band  des  Megalopoliten  hervorging, 
etwa  nachstehende  gestalt  gehabt  haben: 

HqMßwtav  xai  d-ealgw  ff]c^Q]ay€y€[vii^(a9]  ff[afa  toi  da^oi 

TwiA  Mayvrixwv  rcSv  ird  Maiavd^I  \_0ikiax[w  sä  JTu«fo- 

YOqAYj  K6vfavog  Tc5<i>  Jtopvalw(i)^  AafiTthta^i)  tc3  [/Tv- 

QaY  xal  drtodovtu^  td  ^fmtpia^a^  Iv  (7)0!  i/i0t€Mi)([^^^o 
5    i  XQ^o^og  6  yeyovwg  VTto  rot  '^n:6kXwvi  tot  Iv  JMHg>oig]^ 


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Zu  den  inschriften  Ton  Magnesia  a.  M.  286 

uievKtHpfwpfov  tutl  top  rt6JU9  xoi  vop  XiaQa»  iafov  xtfi 
oovilay  voiiilCfioUjf)  mal  ftiQi  tuhf  koinüv  niofaUy)  iw- 
lexd'iaai  na^d  ijxw  tag  IvtoXag  noQa  tat  idim  no^ 

10    Xi  [%]ai  &qiA0%6v%Qg  voig  h  tOi(g)  tpaq>i0ßiawi  ytyifafi' 
ßiit^oig,  ivEq>dvii^ov  de  xai  tar  rag  &€ag  inupavHa» 
xal  %ay  y^ywäoa»  brto  toig  ftQoyivoig  Iv  t^^)$  ^ JBiUflr- 
pag  evxQVjiniay  %oil  ntifoiuiliptwN,  wg  aftodixn" 
Tat  a  n6Xtg  %av  na»dyvqiv  •mu  w  huxHfUtp  nai  %or  dyü- 

15    vet  ati^Kinfltay  laoffvd't[o]v  tSv  ra  fiov[a$x]bp  nai  yvfin' 
%bv  utai  Xnnintjovj  tov  ti&ü  tai  '^ftifudi  vdi  Ammwpiprjval 
6  däfiog  twfA  Mayr^vtap^  nal  tw  noXiv  kuu  tw  xwQtnf 
adtäv  itgav  nal  aavkov  ^Htai^  %oCl  ii  ndXi  %ai  ifneriotu 
ndtffiöv  iaTi(y)  fAuXiata  fiiv  tag  top  &aav  tifutg  ftwlalv- 

aO    Sa(jL)p,  ineita  di  nai  t6(v)g  evyyayiag  nal  tpllog  dvttveQ' 
yat^  \v  f ö  änfog>aalctog  ^haa^ai  ^Hvai  g>lJiog  n(Q)6g 
ftdptag  tog  nai  afii  iofrjfiipog,  täv  di  Maymftwp  tioy 
dfto  MaidriffOi  h,  naXai&v  fdv  XQOvwN  ix^vtQN  wv6wg 
^Q\og  ctfiiy  avfig>€nfig  de  Ttoitjadvtaap  tdv  bxoi9¥  ixti* 

26    map  xal  cinaaiv^  opfna  naqayipONto  nog  avtog  TtQaaßair 
ovtag  ngd^evog  ^Ayiq  ^AQiatondfAWf*  edvowg  ta  ydq  noa^ 
difygifto  oi  Mdypf/tag  imi  iötanuxv  Ip  tip  taix^^f^CP  tag 
TtiXiog  öaQeixSg  tquoLoalag^  tog  hi(ffna»(v)  ^Ayafiria^ 
ttoQy  dio  &  ffoXtg  fiafivafiipa  tag  ta  avyyapelag  lutl 

30    ^liag  xal  ftaptw»  twp  yayavAttop  avyp^fji^ 

ptjp  vfto  tat  n6Xi  tat  Mayptjtw^  ditodi%atai  ta^g'] 
9vaiag  tag  'Afta^idog  tag  A€v%(HpQVYpßag  xal  tdv  eiU' 
XnQiop  Ttal  tdg  dyujpag  atafpapitag  laonv&log  tdv  te 
fiovüiMP  xoi  yvfivmop  xeri  InmndPy  tdv  TtoUvai  oi  Md~ 

35    yw/tsg  dinalav  dnoöMvtag  x<'^9^^  ^^^  aiagyitidi  nal 
%a&ayapi6vi  tag  ftdliog,  nal  tdv  ndhv  nal  tdv  x^Q^^ 
^Hvai  avtiSv  ia^v^  nad'wg  6  S'aog  Mx(t^^^(y\  ^<^l  d^ioai 
oi  nagayayovStsg  ftQaaßavtal  nal  d'a^Qol'  tolg  ^a^QOig 
toig  iftayyiXXoai.  tdv  9vaUtv  nal  kMxqqiap  tag  l/^ti- 

4Ö    fiidog  tag  Aavnofpqvrp^ag  d6tw  S&avdXag  6  tafniag 

aviMpOQOig  Ivid^tiov]  nm  td 

Iv  toig  v]6fAo[ig  yayQa']fifihfa  Ijv  Slöoad'aiy  td  iaa  yqa- 
tlßdtia  Iv  t^av  d-aAqiaVy  Iv  da  td  loircop  tl  dal  dldoa^t^ 
taipl  tai  ^aa^iai  tpia[t]iop  ^IvanaxJ^QOPy 

45    oi  vofioyQOfoi  oi  Iv  tai  inl  Avniv[(a]  haiai  yfdifmv" 


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A.  Fick 

r&g  imdei^avtafv  ral  7t6Kß)if  wg  ol  noXitai  ßtolmi- 
üQvzai  negl  toivi'  %a^adys(av  da  ol  vofioyQaq>oi 
iv  To<t)g  vdfiog  aal  %avrv{v)  %a[v  i]iisxHQiay^  xai  tog 
ayiSvag  Toavv(v)  yQcnpdvronf  Ttög  rog  aHog 
50    av^gxxvitag,  wg  ov^q>avBg  yivrfta\i  t]dlg  Mdyvtj- 
(Jty,  Svt  ä  Ttohg  vag  re  täv  d'ew  Svalag  awm§€i 
xal  tä  vno  toig  avyyeviai  xal  ipikoig  %ai  [ev]voiOig 
a^itofiiva  VTtaxotm'  d'BOfodoTtog  Kuxreatd&rj 
NixijQCttog  ^AQxeaHu4Y'  id6&rj  %oig  d'eafoig  ifti 
55     %av  xoLväv  latiav  tag  noXtog  düoai  oig  xai  %al 
d'edi  Saov  xal  avtoi  didoNai  xat  ^evta  toig  d^safHug 
td  in  t&fif  v6puav  av&afUQav. 

In  dieser  allerdings  nach  möglichkeit  gereinigten  ge- 
stalt,  enthält  das  stück  nur  wenige  Verstösse  gegen  den 
dialekt.  Für  oTtv  durchweg  a/ro  4.  23.  35,  dix^a^ai  14.  31 
und  -tat  für  -irot  in  dnodixetai  31,  dftodix'7'ai  14,  ßfolsv- 
awvtai  46,  yivt^tai  50.  Bedenklich  ist  das  9  in  topyvv  48, 
toavvy  49  (der  Schreiber  dachte  wohl  an  vSv)  neben  taivl 
44,  toiyi  47. 

Der  dialekt  ist  in  unserer  inschrift  besser  gewahrt,  als  die 
späte  abfassungszeit  eigentlich  erwarten  Uesse. 

^BäQog  aus  &säßoQogy  wie  arkad.  ^EqpLavog  aus  ^Eq^Mpovog 
liefert  die  bestätigung  von  Gaagldag  Megalopolit  Hoffm.  n.  17, 2. 4 
Gut  und  alt  ist  das  regimen  von  vno  und  TtOQd  mit  dem  loc- 
dativ;  von  iv  mit  acc.,  von  dftd  mit  dem  dativ:  dfto  Maidv^ 
ÖQOi  z.  23,  entsprechend  den  arkad.  inschriften  bei  Ho£fm. 
ctfii  22  „uns''  ist  Ho£Fm.  1,  258  einzufügen.  Hübsche  belege 
zu  der  jUi-weise  der  verba  auf  -ew  bieten  naQOKalitftfav  13  und 
TtoUvoi  34;  yeyovwaav  12  ist  nach  yeyovwg  gebildet,  iaafrjiaiyog 
22  ist  mir  nicht  klar,  schwerlich  von  aiQi(o  abzulöten.  Be- 
sonders interessant  ist  die  behandlung  des  innem  -va-.  Neben 
Ttdvai  8,  Tcoiivoi  lesen  wir  dtalex&iaai.  9,  vofiiCßOi  8,  inay- 
yekXoat  39,  d^ioai  37;  darnach  ist  für  dtdovat  56  entweder 
didovai  oder  öiädaL  zu  schreiben. 

Es  ist  wohl  nicht  zu  bezweifeln,  dass  in  der  periode  des 
absterbenden  dialekts,  der  unsere  inschrift  angehört,  das  innere 
-va-  der  analogie  des  schliessenden  -y$  gefolgt  ist  Wie  aus 
tovgy  tavg  zunächst  toag,  taag^  dann  tog,  tag  wurde,  so  aus 
-crycTi,  -evoi,  -ovat  :  -aaai,  -scüi  (in  diaXsiiS'iaai)  -oaüi  und 
endlich  -aai,  -eai-,  -oai.    Die  gleiche  entwicklung  fand  in  Argos 

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Zu  den  inschriften  von  Magnesia  a.  M.  287 

statt:  in  der  mit  der  unseren  gleichzeitigen  inscbrift  von  Argos 
n.  40  lesen  wir  z.  18  eTtayyiXlovai  und  in  der  nächsten  zeile 
19  ijtayyiXloaaij  wozu  Kern  richtig  bemerkt:  „der  nasal  ist 
hier  assimiliert^^ 


Der  ertrag  der  IMM.  an  griechischen  personennamen  sei 
hier  in  aller  kürze  zusammengeCasst.  Zunächst  für  die  voll- 
namen. 

^Aylawilrig  Itbaker  36,  die  ältere  form  zu  ^AylaniXfjg  Megara 
GP.  »  42. 

Zu  dem  genetiy  ^HQOJtv&ov  M.  105  4.  •  bildet  Kern  den  nomi- 
nativ  * Hqo7tvd'iig\  OP.  *  245  werden  Jfjfio-^  ^Hq^'»  Mtp^Qo- 
ni^og  aufgeführt 

SvwTvxijg  Tlv&ayoQOv  Magnete  302,   zu  dem  bisher  allein  be- 
legten weiblichen  n.  Swtvxri  OP.  '  257. 
Neue  Tollnamen  sind: 

Zu  -o^og  :  /fiovva-adxog  jiafinwvog  M.  88,  62,  anderer  Wi^a- 
^aySiiov  79  9  zu  GP.  *  101,  Zua-aiixoq  Knosier  3.  jh.  67  9 
GP,  «  133. 
Zu  'ßiogi 

nv»6'ßioq  M.  26  GP. «  245. 

^ HXo'XQorriQ  M.  3.  jh.  67.  Nach  Kern  verschrieben  für  ^Hlio- 
ytfatfjg;  so  hiess  nach  PB.  „ein  präfect  des  fiscus  in  Rom 
bei  Zosimus  5,  35.  45".  Vielleicht  ist  doch  'fClo-  anzuer- 
kennen, wie  ^l  Sonne  neben  ^Xiog:  den  vater  Epicharms, 
der  sonst  ^HXiod-dXrjg  heisst,  nennt  Heraclid.  Lembus  frg. 
bist.  gr.  III,  170.  8  'HXo'»äXi]g.  GP.  «  136  ist  nachzu- 
tragen :  'HXionXijg,  könig  von  Baktrien,  söhn  des  Eukratides 
2  jh. 

Nvfig>6'Xoxog  l4(fvefiidwQov  M.  275  zu  GP.  *  225. 

TaoTto-fiivfjg  Taaxofiivov  M.  sieger  im  Pankration,  CIA.  11 
2,  967,  56  2.  jh.  ist  der  voUname  zu 

Tdamog  h  noXifjLiai  Lakone  Smlg.  4437,  ^^vrifiaxov  Tdaxav  im 
Amyklaion  ebd.  4515  (4.  jh.?)  nach  Meister  zu  der  stelle 
auch  in  Kreta:  Taaitog  Jqivtavog. 
Der  name  Taamo-^ivfig  ist  hybrid:   Tasco-   ist  keltisches 

namenwort  vgl.  GP.  ^  LXXVIII  gall.  Tasco-vanus,  brii  Tascio- 

vanus :  Tascius,  Tascillus  Tascifrca  und  Moritasgus  (?)     Wohl 

durch  galatische  söldner  nach  Griechenland  gekommen. 


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288  A.  Fick 

Vater  und  sobn  fähren  voUnamen,  in  denm  ein  element 
das  gleiche  ist: 

!/tva§ijvwQ  ^Aya^iKfdtovg  M.  129. 
'j^Qi^OTOfiaxog  ^Aqtatoyikiog  M.  XIV  n.  XIX. 
JrjftayoQag  JrjfjioxäQidog  M.  münze  XXII. 
ee6g>iXog  Beodotov  M.  208i. 
NvMLiög  Niuanxov  Qonnos  33 1. 
SoHJ^nX^  Jundiog  Magnete  und  sonst 
^hftftog  SfifowinTtov  M.  Sif. 

Voll-  und  kosename  vertheilen  sich  auf  vater  und  sehn: 
SwStaQog  Jwqw)  Magnet  2%. 

^Iriftaiimap  uH^ovog  Mayyrjg  epigramm  des  Peisandros  s.  o. 
MavdQtjg  MavdQolvtov  IX  u.  XVI. 

Bemerkenswerthe  kosenamen  sind: 
"u^XUag  Magnete  321  zu  -aXlog  OP.  >  54.    Mit  TlBqiaXXog  vgl. 

Tcsqt  närgiav  eptpLevai.  aXXtov  A  287. 
N^aig  g.  Nijaiog  Parier  50 s.a.    Zu  Nfi^onXrjg  GP.  «  216. 
Nvaiog  Magnet  122  f.  zu  NvaavÖQog?  oder  kürzung  von  Juh 

vvaiog? 
Tcfinf lag  Magnete  94  lo»  T.  ist  koseform  zu  Evröviog  nach  PB. 

„vater  und  die  söhne  (EvtSpioi)  Anth.  app.  356*^      Vgl. 

t>6vviog  zu  TuaUfovog  GP.  *  281. 
XeQovg  Medidpiog  Akamane  31«  zu  XiQai',  gebildet  wie"/^- 

Ttvg  u.  a.  GP.  «  26. 
XvXiag  323  bleibt  dunkel  „der  name  ist  neu'*  K.    Vgl.  äxvXog 

„saftreich'^ 
XaQftoowog  M.  283  i  ist  an  die  gruppe  Xa^fio-  GP.  *  290  an- 

zuschliessen  als  ^^angelehnter  name'S 

Kalender-  oder  geburtstagsnamen  fähren: 
Nwfiutv  in  ^^QiGTayoQag  NsvfAiovog  Magnete  101  öfter,  gekürzt 

aus  NavfiijvLog,  maskulin  zu  Niovfiij  Tanagräerin  GP.  >  296. 
TQitiag  in  Kailiava^  Tgifiov  auf  magnesischer  münze  XXIII; 

zu  TQhog  TQitiog  Tglf^XXog  GP.  «  296. 

Göttemamen   werden   in  älterer ,   frommer  zeit  nicht  für 
menschen  gebraucht  s.  GP.  *  304  f. 

'EQfialag  heisst  allerdings  ein  Magnete,  Zeitgenosse  des  Mithri- 
dates  bei  Plntarch,  Kern  IMM.  XVI,  aber  der  gott  hiese 
damals  'Egfi^g. 

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Zu  den  iDschriften  von  Magnesia  a  M.  2S9 

Unter  Alexander  Seterus  gab  es  einen  y^^or«^  ^Sffs^  to  ß. 

auf  Magn.  münze  XXV,  einen  arzt  M.  ^if.  ^Efgi^g  nennt 

IMM.   119 19.     ^EgfiBiag   kann   urspränglich    koseform  zu 

MffAO^yiyfig  ^*  ^«  ^O  gewesen  sein. 
Ilotvij  276,  wenn  —  JTo^i^'  straf-  und  plagegeist»  jedenfalls 

höehst  singulärer  name. 

An   beroennamen   für  menscben   terwendet  sind  neu  und 
6P.  >  307  f.  naobsutragen : 
Sovag  in  Odo^epog  GotSavtog  M.  352  1.  jb.  v.  Cbr.  kann  nur 

auf  den  ätolischen  beros  S6ag  geben,  nacb  dem  aucb  sonst 

in   Aetolien   und   lasos    männer  beissen;    aber    die  form 

Sovag  (aus  Oofag)  ist  neu,  und,  wie  es  scbdnt,  äolisoben 

Ursprungs. 
Kipj^evg  auf  magnes.  münzen  IMM.  XXIII,  und  tftf^i;^  g.  04- 

^ijrog  Magnete   18.  19.  61    sollen  wobl  an  den  Ursprung 

Yon  Magnesia  als  noXi^  AioUg  erinnern:  die  beroen  Kre- 

tbeus  und  Pberes  sind  söbne  des  Aeolos. 
Kficnog  MoqI^ov  Magnete  107  u.    Nacb  dem  Molionen,  bruder 

des  Eurytos. 
^vKOfiTj&Kig  beissen  IMM.  nicbt   weniger  als   zebn   Magneten, 

wobl  naob  dem  könige  der  Doloper  auf  Skyros. 
IlQwteallag  in  'u^ftefiidwQog  IlQWTealla  Magnete  11  s;  der  beld 

war  in  Pyrasos   zu   bause,   grenznacbbar    der    Magneten 

Tbessaliens. 
IMM.  5is  erscbeint  ein  '^^iXaog  Ai^ftov  Mcnedtiv.     Vater 

und  sobn  fuhren  die  namen  makedonischer  könige,  u^o- 

Ttog  ist  soviel  als  ^Ai^^nog^  wie  der  name  sonst  lautet. 

In  den  6P.  '  wäre  hinter  den  namen  aus  der  beroenwelt 
8.  314  ein  abschnitt  einzufügen: 

Namengebung  nacb  historischen  personen  i.  b.  ^Aaxvayrig 
yQafiifAaTiyLog  Westermann  Vitae  p.  363,  Idxaiixivrig  Delpher, 
Jaqüog^  Kgolaog,  Va^ifiijuxog  u.  a.  Besonders  die  namen  der 
makedonischen  könige  und  der  diadochen:  ^^/dvvtag,  TleQÖUxag, 
OiXiftfgogf  besonders  'uiXi^avdqog;  unser  ^.4(ftihxog  AXqotcov 
reiht  sich  hieran.  Unter  den  diadochen:  ^AviiTtonQog^  JtifjLtj- 
tQiog,  IlTolefiaiog  u.  s.  w.  Aebnlich  wuchern  bei  uns  die 
preussischen  königsnamen  Friedrich  und  Wilhelm. 

JjU  den  für  menscbeq^i  verwendeten  tbiernamen  6P.  *314f.: 
r^awr  auf  magnesisoben  mumie»  ^XX;  wenn  so  und  nicbt 


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290  A.  Fiele 

Tglafop  oder  Tuavnf  zu  lesen  ist,  vgl.  Fiftaunf'  vg'  l^iaTo- 

q>onn]g  de  ovofia  ÖQOfjiiwq  PSPixtpcovog  iv  X)XvpL7ti([  arädiov 

Hesych. 
^AnoX}j6diaQog  KoQvwnog  Magnete,  auch  in  Ephesos  6P.  *  315, 

vgl.  iMn^iartiÖBg'  nwvwfteg  Hesych. 
AvKivogAvxov  in  Same  auf  Kephallenia  3.  jh.  35 1.    6P.  *  319 

zwischen  Kogcauvog  und  Iloq^ivog  einzufügen. 
Hix&lwv  auf  magn.  münze  XXIII,  wohl  wie  nl9ia»  und  üitdwif 

zu  m^rpiog  äffe,  GP.  «  321. 
SkvXUwv  auf  magnes.  münze  XXIII.     Zu  axvkXoy  ttj»  xvva 

liyvaiv  Hesych  vgl.  axvla^,  gebildet  vom  thiernamen  wie 

^AuLQidUav  u.  8.  w.  aufgezählt  6P.  >  319. 

GP.  •  324  ZM^'Avd-QWTCogy  ^Av^QWTOjXog: 
^Ai^&Qomlaxogy  Prytane  in  Korkyra  44%. 

Zu  GP.  *  330  benennung  nach  leuchtenden  körpern: 
QHiaq>OQog  NixavOQog  Magnete    110b,   zu    qxoagfOifog   (daTijg) 

morgenstern. 

Ein  flussname  als  menschenname  —  zu  GP.  *  347: 
Allyvrttogl^va^'fyHHfog  Magnet  15  a«.    Weitere  belege  des  namen 

giebt  Kern  zu  d.  st 
GP.  *  360  kann  man  zu  den  berufs-  und  standesnamen  nach- 
tragen 
0ifi^T(OQ  Magnet  90 1. 

Ursprüngliche  Spitznamen  sind  sicherlich 
BoTTaXivog  64   diminutiv   zu   ßonvctkog  Weichling,   oder   noch 

schlimmeres,  und 
SivdQwv  Magnet  14«  =  aivÖQfav  benennung  der  dovloi  htSovloi^ 

in  Kreta  {aiV'd-Qog  »  aiv-a-^g  zu  aivofAai), 
n.  308   heisst   es:   1)  aogog  l/iftolXiavidog   xijg  Miwion^og   t^g 

naXovfiivfjg  ^Hdfjag  (d.  i.  ^deiag).    Man  sieht  hier,  wie  der 

später   übliche    name  ^Hdeia   aus   einem    beinamen   entr 

Sprüngen  ist 
88,  c  siegt  an  dem  feste  der  ^Pw/aaia  zu  Magnesia  iv  twi  dymi 

TQaywduSv 

TIoXe/daTog  JiodiOQOv  ^Eq)iaiog 
dgaiiictti  KXvraifAijatQa. 

Darnach  scheint  die  Schreibung  des  namens  mit  juf  auf 
späterer  umdeutung  und  entstellung  zu  beruhen.  Der  name 
tritt  dann  in  enge  Verbindung  mit  Mrlanog  Priamide  bei  Homer, 
Hya-  und  IIoXvfiijavwQ.    ^  YTtßQ^iijatQa   heisst  die   tochter   des 

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Zu  den  inschriften  von  Magnesia  a.  M.  291 

Erysichtbon  bei  Nikander,  sonst  MijavQa  genannt;  auch  die 
Danaiden  d.  n.  werden  nun  wohl  besser  Hypermestra  und 
Mestra  zu  schreiben  sein. 

In  einem  anbange  über  Apameia  am  Seleias  weist  Eduard 
Schwartz  nach,  dass  Mearpn]  ,,die  hellenisierte  form  dee  ein- 
heimischen MaiiAn  oder  M^n''  ist  nach  Nöldeke  „ein  kleiner 
Staat  in  der  gegend  von  Baira  am  unteren  Tigris,  der  hauptort 
war  Snaaivov  x^^^i  ^^^^  ^<>hl  schlechtweg  . .  .  Xaga^  ge- 
nannt Also  ist  der  anklang  an  fiiof}  ein  trug  und  darnach 
das  0.  22  s.  228  bemerkte  zu  berichtigen. 

Walsrode  bei  Hannover  im  Juni  1901. 

Ä.  Fick. 


Zu  no.  26  der  inBchriften  von  Magnesia  am  Haiandros. 

In  dem  bruchstück  des  beschlusses  einer  unbekannten  thes- 
salischen  Stadt,  dessen  Verstümmelung  w^en  der  mundartlichen 
abfassung  so  bedauerlich  ist,  findet  sich,  bisher  unerkannt,  eine 
Thessalien  allein  eigenthümliche  wortform. 

Z.  25  heisst  es: 

ovxy^  fioyov  not  tar  Sfioyheiav  \  [yuxi  q^Xlop]  fia  (d.  i. 
alXa)  wxi  xÄr  tav  olotv  uiNFP^AN 

Kern's  angäbe  zufolge  ist  der  undeutliche  buchstabe  nicht 
-^  gewesen,  kann  aber  als  a  gelesen  werden.  Trotzdem  schreibt 
Kern  avyQo^tffyv^  was  aber  hier  nicht  in  den  sinn  passt  und 
weiter  unten  z.  29  richtig  thessalisch  ovyQaif^iv]  heisst.  Zwei- 
fellos hat  in  der  vorläge  ANrPESIN  d.  i.  avyqeaiv  gestanden, 
das  thessalische  wort  für  äiQeaiv,  nQoaiQeaiv  (freundliche  ge- 
sinnung)  auf  inschriften  in  andern  mundarten,  me  z.  b.  der 
arkadischen  o.  s.  285  z.  25.  Man  denke  an  TtQoar/Q^ai.  an 
der  sinnverwandten  stelle  S6DI  361  Bis  \lnai;pAaS'ai]  Aloma 
h%S  TtQoavyo^ai  %äv  ||  l^at .]  .  .  .  und  an  ig>apyQev^eiv  der 
grossen  inschrift  von  Larisa  345  z.  41,  das  gleich  ig>aiQovp- 
%ai  ist. 

Also  wird  man  auch  am  schluss  wohl  fiir  Kerns  ergänzung 
aigc'^  vielmehr  avyge&fj  einzusetzen  haben. 

Königsberg  i.  Pr   Mittelhufen.  W.  PreUwüz. 


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292  Alf  Torp 


Die  ente  person  im  Lykischen. 

Schon  SaveUberg  (II  61)  hat  hinter  ^mt  ^m%$,  akk.  sing, 
und  plur.,  das  pron.  poss.  der  L  person  yermutet.  Daes  diese 
yeriDataiig,  die  auch  Im  her  t  (Mem.  VIII 453)  billigt,  das  rieh* 
tige  trifft,  ist  sehr  wahrscheinlich.  Das  wort  findet  sich  T.  L. 
106  (Lim.).  Die  inschrift  fängt  so  an:  „In  diesem  grabe  ruht 
(oder  „soll  ruhen'')  Sbikaza,  mitglied  der  Mindi  des  Pdd$ni  (?)'S 
und  der  schluss  derselben  lautet: 

3urUa  :  seflnaha  :  epfUe  :  ladq  :  ^i  :  setideimis  :  ^is  : 

se  tnelebi :  ae  tideimi: 

„den  verbundenen  (?)  mitgliedern  (sei  das  hineinlegen  erlaubt?) 

nach  meiner  frau  und  meinen  kindem'^ 

Dass  ladq  ^mi  und  tideimis  ^is  mit  dem  sonstigen  lad^ 
ehbi  und  tideimis  ehbis  parallel  gehen  muss,  liegt  auf  der  band. 
Wenn  also  ^i  nicht  mit  tUn  gleichbedeutend  ist,  was  wir  nicht 
annehmen  können,  so  bleibt  nichts  übrig  als  darin  das  posses- 
siTum  der  1,  person  zu  sehen.  Ein  derartiges  überspringen 
von  der  3.  zur  I.  person  ist  in  den  griechischen  inschriflen 
Lykiens  etwas  ganz  gewöhnliches,  z.  b.  CIG  4215:  Safifiiag 
wnwMvaaw  %6  (mj^Miop  iavr^  xai  \  ywaitd  ccvvov  ^v^iqau 
Navijidog  nuxi  %6ig  Texroig  \  if  töig  hc  %üv%wf  hroßiivoig  hcyS- 

voig  fiov  TUii  [ywaixi]  %ov  vicv  piov .     4228:  ac^rsa- 

Tuvaaw  toSto  to  fAvtj^üov  *Enaya\9'og  K^fotvif^ov  im/w^  xai 
ywaml  nai  thcvoig  ycal  \  'folg  a|  ovrcSy  thofoig  yB^f)a{o)fiivoig' 
fiffispi  I  di  iSiatfo    iv-^atpai  ^   d^üvai  tig  vovro   to  fAnjfnBiop^ 

iwvog  I  iav  ^ij  w^og  iyw  iftit(fi\pm .    4230:  fH  iüvn 

]  xinre<nceua[a]«[i']  %b  /uy[ij]^«7oy  lowg  x[«r]i  %oig 

%ai pLOv .     4232:  uivq,  Sviipapog  \  ^Eq* 

[doXincv  \  %av€€X€vaa9v   xod  ini\yQatff6V'    fietä  |  to  ivtwff^vB  | 

ifii  «ig  ti/r  [o]ato&ij%riv .    4299:  v6  fiv[i^fiei]oy  wnW'- 

Ktvaaato  ]&gvxo[g]  | —   ka[v]tip  xuri   yvHuiu  la]iTcl[jü] 

Bv7€XQi[f  x]al  thivoig  avtw  \K\ai  olg  w  \  [a]wg  wtf  imj[g]i^ 
tffw  u.  8.  w. 

Indem  ich  an  den  betreffenden  stellen  einen  solchen  Über- 
gang annahm,  habe  ich  in  den  verbalformen  auf  -^  (-gq) 
(prfinavaxq,  agq,  piyaxq,  ax9)  ein  prät.  1.  sing,  vermutet  (siehe 
meine  Lyk.  beitr.  II  9  ff.,  IV  28  Christiania  Videnskabeselskabs 


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Die  erste  penon  im  Lykischen.  298 

Skrifter.  1898).  Dieee  formen  sind  freilich  als  solche  noch 
nicht  festgestellt,  andererseits  ist  aber  auch  die  Unrichtigkeit 
dieser  annähme  nicht  erwiesen.  Vielleicht  kann  ich  im  folgern- 
den etwas  zur  stütze  derselben  beibringen. 

Ich  will  im  folgenden  den  nachweis  versuchen  ^  dass  auch 
in  einigen  anderen  inschriften  die  rede  Yon  der  dritten  in  die 
erste  person  übergeht..  Ist  das  richtig,  so  wird  unsere  kennt- 
niss  des  Lykischen  eine  erweiterung  erfahren.  Wir  werden 
dann  im  stände  sein  sowohl  das  pronomen  der  ersten  person 
wie  die  entsprechende  form  des  yerbums  su  belegen. 

Die  betreflfenden  inschriften  sind  T.  L.  128  und  135  (beide 
aus  limyra). 
T.L.  128:  1.  [eJbeUe  :  [krusttejh  :  aramziya  :  meyad^  :  krtutti : 

trbb^etneh  :  tideri  :  przzidi  :  a%qti :  esbehi  : 
2.  . .  f I üa  :  ifbazi :  amusiyani  :  ieli  :  se 

ßjqda :  tiupe  :  hrppüadi  :  tike  :  meiie  :  nalau  :  ii()e  : 

ara  . . 
,,Dies  Heroonf?)  des  Kru8tti(?)  machte  Krustti,  Trbbgni- 

mis  söhn ". 

ti  in  der  zweiten  zeile  ist  wahrscheinlich  das  relatiyum, 
vielleicht  ist  [seJH  zu  ergänzen.  Was  zwischen  ti  und  iiAazi 
stand,  zu  erschliessen  ist  leider  unmöglich;  wahrscheinlich  ent- 
hielt die  lücke  eine  nähere  bestimmung  des  wertes  isbazi  „grab- 
raum'^  Das  relative  ti  weist  auf  isbazi:  „und  der  grabraum, 
welcher ".  tdi  bezieht  sich  auf  isbazi.  Das  wort  be- 
deutet entweder  „hier**  oder,  wenn  Bugge  recht  darin  hat  te 
mit  füe  gleichzustellen,  „drinnen".  Mit  siyani  teli  vgl.  d^i 
siy^ni.  sriyani  teli  se  [l]qda  *)  wie  58 :  siy^i  teli  se  lada  „ruht 
(oder  „soll  ruhen")  hier  (drinnen?)  und  die  frau".  Es  bleibt 
amu.  Was  bedeutet  dies  wort?  Es  ist  darin  entweder  eine 
an  das  Subjekt  des  verbs  siyani  gefügte  bestimmung,  oder  dieses 
Subjekt  selbst  zu  sehen.  Enthält  das  wort  eine  bestimmung, 
80  könnte  natürlich  an  verschiedenes  gedacht  werden,  z.  b. 
„allein'S  „tot"  u.  s.  w.  Allein  amu  wird  kaum  so  aufgefasst 
werden  können.  Das  verb  siyani  muss  ein  Subjekt  haben,  mit 
dem  das  folgende  „und  die  frau"  verbunden  wird.  Sonst  wird 
in  ähnlichen  Wendungen  entweder  der  name  des  graberbauers 

1)  So  liest  K Blink a,  evideüt  richtig.  Ich  hatte  Mher  »4ddo  ge* 
leeen  (IV  5»). 


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294  Alf  Torp 

wiederholt»  z.  b.  T.  L.  101  meMepUqti  zahqmq  se  ladq,  102 
m^  iltepiiqii  gxxutrazi  se  ladu  ehbi,  90  [fnenJefUepitifii  hrifnimq 
sey  ^  luaqtrahü,  91  [mme  fitepüqtij  xlppasi  se  ladu  ehbi,  93 
[meji  fi[tepji[tqt]i  upazi  se  ladu  ehbi,  b1  mei  iitepUqti  idq 
fnaxzss<t  se  ladq,  145  mei  fitepitqti  Uq  se  lad[q],  149  me  ige  ne 
hrppiiqU  Hke  iyamaraye  übe  ladi  ehbi,  —  oder  es  tritt  statt 
dessen  ein  demonstratives  pronomen  ein :  111  [se^UepiJtqii 
ebefine  ebei,  131  mene  fUqpüqti  eb^n^  se  ladq  ehbi,  84  mete 
fUat4fH  eb^n^  hqtq  se  ladq,  134  me^ne(?)  tUetpi^i,  112  me  ne 
fUepitqti,  88  m«  ne  fdepüc^i  fUipa  tezi  se  ladq  ehbi,  94  me  ne 
iUepitqti  hrzzi  prfinati  se  ladq  ehbi,  11  me  iye  ni  hrppitqtu 
tihe  mm^  ladq^  49  me  iye  nepe  matt  tike,  150  se  iye  ne 
hrppüqti  tike  kbi  hrpp  iye  mei  tqti.  Wenn,  wie  ich  annehme, 
die  lücke  zwischen  [sejti  and  . . ,  Ha  eine  bestimmung  zu  idMzi 
enthielt,  kann  das  Subjekt  nicht  dort  gestanden  haben;  die 
lücke  kann  überhaupt  das  Subjekt  nicht  enthalten  haben;  denn 
dass  dieses  durch  isbazi  und  noch  ein  (auf  -üa  endigendes) 
wort  von  dem  dazu  gehörigen  amu  getrennt  sein  sollte,  ist  ohne 
beispiel  und  ganz  unwahrscheinlich.  Auch  wäre  . .  ti  vor  dem- 
selben ganz  unverständlich.  Es  findet  sich  also  zum  verbum 
siyani  kein  anderes  Subjekt;  folglich  muss  amu  selbst  dieses 
Subjekt  und  kann  keine  an  das  subjekt  gefügte  bestimmung 
sein.  Das  stimmt  auch  genau  zu  58.  Wie  dort  in  dem  satze 
Aelimi  siyani  teli  se  lada  das  vor  siyani  stehende  sbelimi  und 
das  nacbgefügte  se  lada  „und  die  frau"  die  Subjekte  bilden,  so 
in  dem  satze  amu  siyani  teli  se  lada  das  vorgestellte  amu  uivl 
das  nachgestellte  se  lada.  Das  subjekt  amu  wäre  entweder  ein 
Substantiv  oder  ein  pronomen.  Ein  Substantiv  passt  aber  hier 
nicht;  ein  solches  müsste  wohl  einen  titel  angeben;  in  diesem 
falle  wäre  es  aber  natürlich  nach  dem  namen  krustti  angebracht 
und  könnte  nicht  diesen  namen  aufnehmen  oder  denselben  ver- 
treten, amu  müsste  also  jedenfalls  ein  pronomen  sein.  Dass 
wir  nun  hier  ein  sonst  nicht  vorkommendes  demonstratives 
pronomen  vor  uns  haben  sollten,  dass  also  an  die  stelle  des 
gewöhnlichen  ebe  hier  ein  anderes,  amu,  getreten  sein  sollte, 
ist  sehr  unwahrscheinlich.  Dann  bleibt  aber  wohl  kaum  ein 
anderer  ausweg  übrig  als  in  amu  das  pronomen  der  1.  person 
zu  sehen.  Wir  gewännen  somit  ein  lykisches  amu  „ich^^  Diese 
form  liegt  nun  von  ^mi  „mein''  nicht  allzu  weit  ab;  vielleicht 
steht  gar  amu  hier  für  *^mu,  so  wie  diese  inschrift  auch  siyani 


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I 
Die  erste  penon  im  Lykischen.  296 

für  9iy^  hat.  Auch  die  verwandtsohaft  der  form  mit  griech. 
ifii  wäre  augenfällig.  Das  Lykische  hätte  also  bei  diesem  pro- 
nomen  den  stamm  der  casus  obl.  auch  für  den  nominativ  an- 
gewendet, vgl.  altir.  ffie  „ich". 

Ich  glaube  gezeigt  zu  haben,  dass  die  annähme,  amu  be- 
deute „ich'',  viel  Wahrscheinlichkeit  besitzt,  dass  sogar  der 
ganze  Zusammenhang  in  dieser  inschrift  diese  bedeutung  beinahe 
fordert  Wenn  sich  aber  für  diese  annähme  nicht  noch  weitere 
stutzen  finden  Hessen,  wäre  sie  dennoch  nur  als  eine  ziemlich 
unsichere  zu  betrachten.  Solche  stützen  glaube  ich  aber  bei- 
bringen zu  können. 

Neben  der  vollen  form  amu  wäre  eine  kürzere  pro-  und 
enklitische  mu  wohl  denkbar.  Diese  form  finde  ich  Stele  Xanth. 
Nord.  z.  4:  meüfnje  mu  a%agn,  axagq  ist  eine  verbalform  von 
derselben  art  wie  agq  T.  L.  149  (=  oxf )»  nach  meiner  Ver- 
mutung 1.  pers.  prät  Vor  dieser  1.  pers.  prät.  steht  also  mu 
„ich'«.    T.  L.  40  (Xanth.)  hat: 

eravazijfa :  eb€[iy] 

a :  me  prünawx%q 

.  u  .  tiAoAt  :  .  üi  :  ah 

qmadi  :  arfinadi 

Hier  ist  uhahi  ein  wort  fiir  sich,  vgl.  43:  triyairbbahi  : 
pfinutahi :  uhcAi.  Zwischen  prfinavax(f,  nach  meiner  Vermutung 
1.  pers.  prät.  („ich  baute''),  und  ühahi  steht  -u,  ebenfalls  ein 
wort  für  sich  (in  der  kleinen  lücke  zwischen  u  und  uhahi  hat 
wohl  kein  buchstabe,  sondern  die  interpunktion  (:)  gestanden). 
Nach  dem  obigen  mu  a%agn  wird  wohl  die  ergänzung  [m]u 
sehr  nahe  liegen.  Auch  T.  L.  149  (Rhod.)  z.  13  eb^  me  piya%q 
m ....  I  mupmme  mi/hte  (Beitr.  II  13)  wäre  demnach  wohl 
piyaxq  mlu .  . .]  zu  ergänzen. 

Eine  weitere  stütze  meiner  annähme  finde  ich  in  unserer 
inschrift  seiht  Die  inschrift  endigt  so:  tiuve  hrppüadi  :  tike  : 
meUe  nalau  tike  ara  . .  Hier  bildet  tiuve  hrppitadi  tike  den 
Vordersatz,  der  nachsatz  fängt  mit  meite  an.  Der  Vordersatz 
bedeutet  etwa:  „wer  (ti)  etwa  (uve,  Beitr.  HI  29)  jemanden 
(tike)  hinzulegt"  (hrppitadi).  Nach  sonstiger  analogie  müsste 
der  nachsatz  bestimroungen  darüber  enthalten,  wie  der  hinzu- 
legende zu  bestrafen  sei.  Dass  dies  hier  nicht  der  fall  ist, 
zeigt  das  hier  auch  im  nachsatz  auftretende  tike,  das  sich  in 


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296  Alf  Torp 

keinem  andei^n  nachsatz  findet  und  unmöglich  mit  irgend  einem 
strafansatze  zusammenzubringen  ist. 

Dieser  nachsatz  ist  also  nicht  nach  dem  gewöhnlichen 
muster  gebildet.  Einen  Strafansatz  enthält  er  nicht,  auch  keine 
yerwünschung;  denn  das  letzte  wort  des  satzes  ara  . .  verbietet 
diese  annähme,  ara . .  ist,  wie  die  inschrift  135  zeigt,  in 
arafvqj  zu  ergänzen,  das  gewiss  von  aravaziya  nicht  wesent- 
lich yerschieden  ist.  Diese  inschriften  haben  vieles  gemein. 
Beide  sind  von  einem  söhne  Trbb§nimis  gesetzt,  beide  haben 
tideri  =  tideimi,  in  beiden  ist  das  grab  aramziifa  genannt, 
für  aravaziya  haben  beide  weiter  unten  aratq.  araftqj  zeigt, 
dass  in  dem  satze  meite  u.  s.  w.  etwas  gesagt  wird,  das  sich 
auf  das  betreffende  grab  bezieht;  also  ist  auch  eine  Verwün- 
schung ausgeschlossen.  Das  verbum  des  satzes  muss  nalau  sein. 
Wenn  dies  eine  form  der  3.  pers.  seih  sollte,  dann  könnte  diese 
nur  der  imperativ  sein.  Die  3.  imper.  endigt  aber  nicht  auf 
-u,  sondern  auf  -tu  oder  -du  (mit  der  einzigen  ausnähme  esu 
MüTio^  das  auf  irgend  eine  weise  aus  ^etttu  entstanden  sein  muss). 
Auch  müsste,  wenn  nalau  imperativ  wäre,  der  satz  einen  verbot 
enthalten;  denn  in  diesem  falle  wäre  ja  tike  Jemand'  als  das 
Subjekt  zu  nehmen;  beim  imperativ  wird  aber  immer  die  nega- 
tion  m,  nicht  ne  oder  na  gebraucht  Ist  nalau  somit  kein 
imper.  3.  pers.,  so  ist  das  darin  steckende  verb  nicht  alahati, 
ims  übrigens  auch  formell  kaum  möglich  wäre.  Wenn  nalau 
somit  keine  form  der  3.  pers.  sein  kann,  so  kann  es  nichts 
anderes  sein  als  die  1.  pers.  präs.  Ich  teile  in  na  lau  ab  und 
sehe  in  lau  die  der  3.  präs.  lati  entsprechende  1.  pers.  Für 
dieses  verbum  habe  ich  früher  (Beitr.  I  32,  III  12  £)  die  be- 
deutung  „will"  angenommen.  Jetzt  möchte  ich  Bugge  bei- 
stimmen, welcher  es  mit  „admittif'  übersetzt  na  ist  aus  ne 
durch  assimilation  an  das  folgende  lau  entstanden,  vgl.  9a  ladt 
T.  L.  27  OB  ge  ladt.  Der  nacl^tz  wäre  also  etwa:  ^fio  lasse 
ich  niemanden  zu  ins  grab'^  Freilich  schliesst  sich  dieser 
nachsatz  sehr  schlecht  an  den  Vordersatz  an«  Eine  Verbindung 
wie  diese:  „wer  etwa  jemanden  hinzulegt,  so  lasse  ich  nie- 
manden zu  ins  grab",  ist  zwar  eine  grobe  anakoluthie  zu 
nennen,  aber  dass  sie  eine  ganz  unmögliche  oder  undenkbare 
sei,  lässt  sich  keineswegs  behaupten.  EinerseitB  scheint  es 
kaum  möglich  unsere  stelle  anders  aufzufassen,  andererseits 


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Die  erste  pereon  im  Lykischen.  297 

wird,  wie  ich  glanbe,  die  richtigkeit  meiner  erklärung  aacfa 
durch  T.  L.  135  gestützt 

Diese  inschrift  wird  von  Kaiinka  folgendermaassen  trans- 
scribiert: 

1.  a[b.fln,J  a[raw]az[ijä  m]e  [pr]anaw[at]S .  [ujwaia 

triiinimeh  tideri  sebäa  ehetime[h] 

2.  tpderij  ...<?...  f'Ae  .. .  mS  me  ije  .  .a.  [rju  iice  arawä 

$e  ne  tueti  tubeUi  trmmiflij 

3.  ......  /r  ......  7  mifU  . .  a 

Mit  der  durch  diese  transscripiion  angedeuteten  auffiissung 
bin  ich  in  vielen  punkten  nicht  einverstanden.  Zuerst  scheint 
es  unmöglich  —  u  tike  aravq  von  —  u  tike  arafvq]  in  der 
eben  behandelten  so  eng  verwandten  inschrift  T.  L.  128  zu 
trennen.  Das  thut  aber  offenbar  Kaiinka»  indem  er  128  das  u 
als  falsch  auffasst;  er  giebt  nämlich  die  stelle  so  wieder:  mei 
te  na[l]a  {u)  tike  a[r]a  . .  Wenn  aber  beide  inschriften  das- 
selbe 'U  tike  arawf  haben,  dann  ist  es  doch  wahrscheinlich, 
dass  auch  das  dem  -u  unmittelbar  voraufgehende  in  den  beiden 
inschriften  dasselbe  ist.  Vor  dem  -fi  scheint  T.  L.  135  ein  a 
möglich,  vor  diesem  fehlt  ein  buchstabe,  der  l  gewesen  sein 
könnte,  vor  diesem  fehlenden  buchstaben  steht  a,  also:  afljau. 
Vor  diesem  w&re  also  ein  n  erforderlich;  der,  wie  es  scheint» 
sehr  undeutliche  rest  des  buchstaben  deutet  zwar  nicht  auf  n, 
aber  der  buchstabe  muss  doch  ein  n,  wenn-  auch  ein  miss- 
ratenes  gewesen  sein.  Das  dem  vermuteten  [njafljqu  un- 
mittelbar voraufgehende  war  meines  erachtens  nicht  ye  sondern 
$e;  wenn  zwischen  se  und  [n]a[l]qu  ein  buchstabe  gestanden 
hat,  kann  dieser  i  gewesen  sein:  sei.  Zu  meiee  vgl.  29  z.  6, 
wo  zwar  Kaiinka  auch  meiye  liest,  wo  aber  das  «,  jedenfalls  in 
der  gegebenen  kopie,  ganz  deutlich  ist. 

Auch  den  an&ng  der  inschrift  hat  meines  erachtens  Ka- 
iinka falsch  aufgefasst.  Er  nimmt  an,  dass  zwei  personen  das- 
selbe grab  gebaut  hätten,  -uvata  Trbb^nimis  söhn  und  Eb^la 
EhetQmis  söhn.  Das  ist  aber  nicht  wahrscheinlich.  Sonst 
finden  wir  kein  beispiel  dafür,  dass  verschiedene  personen  ein 
gemeinsames  grab  gebaut  haben,  wenn  diese  personen  nicht 
mann  und  frau  (wofür  viele  beispiele),  oder  vater  und  söhn 
sind  wie  6:  A^n^  fUatq  fnene  prfinavqt^  puUnyda  muUiyeseh 
86  dapara  pulenydah  —  — .  hrppi  lada  epUehi  $e  tideime 
„diese  grabkammer  bauten  Pulenida  MuUiyesis   söhn  und  Da- 

Bttitrig»  s.  kui4«  d.  indg.  ipnehen.    XXVI.  20 


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298  Alf  Torp 

para  Pulenidas  söhn  fiir  ihre  frauen  und  kiIIder'^  T.  L.  48 
(Xanth.)  und  78  (Tyssa),  wo  mehrere  personen  als  suhjekte 
auftreten,  ist  nicht  vom  errichten  sondern  vom  sichaneignen 
des  grabes  die  rede  (siehe  darüber  Beitr.  IV  10  ff.)-  ^^^^  ^i® 
namen  wären  auffällig.  Da  kein  lykisches  wort  mit  b  anfangt, 
ist  nicht  ae  i^/a  abzuteilen,  seb^  wäre  jedenfalls,  wie  auch 
Ealinka  meint,  in  8'd>^la  zu  zerlegen;  hier  würden  wir  jedoch 
se  oder  aey  eb^  erwarten;  denn  das  e  in  se  wird  sonst  nicht 
vor  namen  elidiert.  Ein  name,  der  mit  ehe  „dieser'.'  anfangt, 
ist  auch  wenig  glaublich.  Ich  glaube  also  nicht  daran ,  dass 
z.  1  zwei  personen  genannt  seien,  welche  ein  gemeinsames  grab 
erbaut  hätten.  Dann  hat  natürlich  z.  2  nicht  mit  tfideri]  an- 
gefangen. In  dieser  zeile  könnte  k  ..ihe  den  gedanken  auf  lAi 
,ein  fremder*  hinfuhren;  es  könnte  hier  vielleicht  ein  verbot 
gegen  das  beisetzen  eines  fremden  ausgedrückt  sein.  Das  geht 
aber  nicht:  weder  Jdri  noch  kbiyehi  lassen  sich  aus  dem 
k,.ihe  herausbringen.  Dagegen  ist  wohl  die  richtigkeit  folgen- 
der ergänzungen  schwerlich  anfechtbar.  Die  buchstabenfolge 
t...i..k..%he...m^^)  deckt  sich,  wenn  wir  von  dem  ersten 
werte  absehen,  völlig  mit  derjenigen  in  T.  L.  59  z.  2 — 3: 
[mtiyjadi  :  tike  :  tihe  \  2umm[^J.  Also  ist,  wenn  auch  in  135 
der  rest  des  buchstaben,  der  vor  dem  ersten  t  stand,  eher  auf 
r  als  auf  d  hinweist,  doch  so  zu  ergänzen:  t ,  [a]di[HJkfetJihe 
[zurnjm^.  Das  erste  wort  ist  dann  wohl  t[ij  „welcher'^  In 
diesem  falle  ist  [H]ke  wohl  nicht  das  Subjekt,  sondern  ist  mit 
[zurn]m^  zu  verbinden:  „irgend  welchen  schaden''  (Beitr.  I  24). 
Das  nach  [s^tmjm^  stehende  mei  gehört  diesem  satze  an,  vgl. 
adi  mey-^  tike  yfükf  tisfike  T.  L.  89  und  90,  wo  die  Wortstellung 
eine  andere  ist;  dieser  satz  ist  nämlich  ein  bedingender  (vgl. 
Pedersen  KZ.  37  205);  an  unserer  stelle  liegt  ein  relativer 
vor.  Denselben  platz  wie  hier  hat  mei  in  dem  relativen  satz 
T.  L.  80:  tiyenede  xM'^ti  tike  mei. 

Also  t[i  ajdi  [ti]k[e  tjihe  [eurnjm^  mei  „wer  irgend  wel- 
chen schaden  an  irgend  welchen  (toten)  hier  thut".  Ober  tihe 
siehe  Beitr.  in  26.  Der  folgende  satz  ae  [n]a[ljqu  tike  arav(f 
y,und  ich  lasse  niemanden  zu  ins  grab",  kann  natürlich  nicht 

1)  Wie  s.  1  zeigt,  können  awischen  t  and  t  höebstens  8,  nicht  4, 
zwiiohen  t  und  h  nur  2,  ewischen  k  und  ihe  nur  2,  swisohen  «  and  m  8 
buchstaben  gestanden  haben. 


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I)ie  erste  pOTSon  im  LykiBchen.  2d9 

mit  dem  vorhergehenden  verbanden  sein.  Wo  ist  also  der 
demonstrative  satz?  Dieser  kann  nur  in  den  werten  seb^ 
dtet^me  gesucht  werden.  Hier  muss  ich  vorläufig  sab^a  auf- 
geben; dass  das  wort  mit  ehe  „dieser**  zusammenhängt,  ist 
offenbar;  was  ist  aber  -la?  Das  hat  kaum  etwas  mit  kxH  zu 
thun.  Eher  ist  an  Zusammenhang  mit  d^eli  zu  denken.  Das 
eigentlich  bedeutungsvolle  wort  ist  aber  meines  erachtens  «ft«- 
t^me.  Ich  halte  dies  wort  für  im  wesentlichen  identisch  mit 
hU^i  „schuldig'*  (T.  L.  65,  91,  149).  Das  verhältniss  zwischen 
ehetpne  und  htt^i  ist  wohl  so  aufzufassen,  dass  in  htt^mi  die 
beiden  ersten  vokale  —  wohl  wegen  endebetonung  des  wertes 
—  unterdrückt  sind.  Ich  halte  htt^mi  für  ein  aus  ehä^e  durch 
ein  suf&x  i  abgeleitetes  wort,  e&e^me  zeigt  eine  nicht  geringe 
ähnlichkeit  mit  ahata,  ahatcAi,  ehetehi  (siehe  Beitr.  IV  26  f.). 
Vielleicht  war  die  eigentliche  bedeutung  des  wertes  „dem  aha- 
iaht  verfallen,  dem  a.  gegenüber  schuldig**,  eb^,  das  ich,  wie 
gesagt,  der  form  nach  nicht  zu  deuten  vermag,  bezeichnet  viel- 
leicht diejenigen,  denen  gegenüber  der  frevelnde  ehet^me  ist, 
etwa  „den  hiesigen**,  vgl.  149:  htt^mi  qnabah^  „schuldig  den 
Rhodiopoliten(?)**  (Beitr.  II  4).  Dass  eft^  ehei^e  der  demon- 
strative satz,  und  dass  ehet^me  =  kU^i  ist,  mag  auch  darin 
eine  stütze  finden,  dass  in  der  inschrift  T.  L.  91  auf  einen 
mit  dem  relativen  satze  135  fast  gleichlautenden  Vordersatz: 
adi  tike  ühe  zufmjtn^,  ein  nachsatz  folgt,  der  hU^  enthält: 
meveiy  esu  hU^i. 

Ich  übersetze  also  die  inschrift  T.  L.  135  so:  „dieses  He- 
roon(?)  baute  .uvataTrbb§nimissohn;  und  den  hiesigen  (?)  (ist) 
schuldig  (derjenige),  welcher  irgend  welchen  schaden  an  irgend 
welchen  (der  toten)  verübt;  und  ich  lasse  niemanden  zu  ins 
grab;  und  er  (näml.  der  trotzdem  jemand  begrabende)  soll 
zahlen,  was  die  lykische  Satzung  (s.  beitr.  IV  10)  ist ". 

In  der  inschrift  T.  L.  128  haben  wir  also  in  dem  einen 
Satze  das  pron.  amu,  in  dem  anderen  die  verbalform  (na)tau 
gefunden.  Es  ist  nicht  möglich  lau  für  eine  form  der  3.  pers. 
zu  halten;  sie  muss  also  die  der  1.  pers.  sein.  Dann  erhebt 
sich  aber  die  Vermutung  beinahe  zur  gewissheit,  dass  amuj  für 
welches  die  Verbindung,  in  der  das  wort  steht,  auf  die  bedeu- 
tung ,4ch**  hinweist,  auch  wirklich  diese  bedentung  hat.  amu 
und  lau  stützen  sich  gegenseitig. 

Ist  aber  lau  wirkdich  die  form  der  1.  pers.  präs.,   so  ist 

20* 


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300  Alf  Torp     Die  erste  person  im  Lykischen. 

hierin  für  den  indogermanischen  Charakter  des  Lykischen  ein 
weiteres  zeugniss  gewonnen.  Denn  eine  präsensflexion :  1.  pers. 
sing,  lau  (aus  *laö\  3.  siDg.  latt,  3.  plur.  *l<fti,  3.  sing,  imper. 
*laiu,  infin.  *lqne  müsste  doch  wohl  als  indogermanisch  ange- 
sprochen werden  können. 

siy^ni  zeigt  keine  personalflexion :  es  heisst  amu  siyani  wie 
^^imi  aiy^nü  Das  deutet  natürlich  darauf,  dass  siy^i  kein 
yerb.  finit.  ist.  Wir  müssen  in  siy^ni  entweder  einen  infiniü? 
(in  einem  anderen  kasus  als  die  inf.  auf  -ne,  -na?),  etwa:  „(ist) 
zu  ruhen'S  oder  ein  particip  sehen. 

Christiania,  juni  1901.  Alf  Torp, 


Die  lateiniBchen  perfecta  rettolT  reppolr. 

Die  von  Gorssen  herrührende  erklärung  der  lateinischen 
perfektforraen  repperl  rettuli  u.  s,  w.  aus  *rip(e)peri  rit(e)tuU, 
welche  meines  wissens  die  allseitige  anerkennung  der  gramma- 
tiker  und  Sprachforscher  gefunden  hat,  ist  von  Giardi-Dupre 
bd.  26,  211  ^  dieser  Zeitschrift  bestritten  worden,  indem  er  sich 
folgendermassen  äussert  „Dieser  ansieht  kann  ich  nicht  bei- 
stimmen, in  rücksicht  auf  protuli  (warum  nicht  *proUidi  aus 
'^pr(ht[e]ttüf?)  propuli  (warum  nicht  *proppuli?}  u.  dgl.  Viel- 
mehr sind  formen  wie  reiiuli  reppuli  u.  dgl.  durch  haplologie 
aus  *reppepuli  *rettetidi  zu  erklären.  Der  doppelte  konsonant 
ist  durch  assimilation  des  auslautenden  d  der  präposition  (red- 
in redambulo .  .  .  .)  an  den  anlautenden  konsonant[en]  des  ver- 
bums entstanden".  Wenn  nun  auch  die  möglichkeit  der  ent- 
stehung  unserer  formen  auf  dem  angedeuteten  wego  durch 
haplologie  oder  Silbenschichtung  gewiss  nicht  geläugnet  werden 
soll,  ist  andererseits  die  frage  nicht  zu  umgehen,  ob  wir  zur 
ansetzung  der  grundformen  *red4etuli  "^red^pepuli  überhaupt 
berechtigt  sind.  Und  diese  frage,  glaube  ich,  muss  in  vernei- 
nendem sinne  beantwortet  werden.  Eine  durchmusterung  der 
zahlreichen  komposita  mit  red-  und  re-  zeigt  uns  die  Verwen- 
dung der  ersteren  form,  abgesehen  von  den  Zusammensetzungen 
mit  vokalisch  anlautendem  grundworte  ^),  wie  redambulo  redeö 

1)  Natürlich  brauchen  wir  hier  spätlateinische  bildangen,  wie  rM- 
dünSiio,  rßaßdificc,  reexinäniö  u.  a.  nicht  zu  berücksichtigen. 


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F.  Stolz  301 

u  B.  w.,  mit  zweifelloser  Sicherheit  und  ohne  irgendwelches 
schwanken  nur  in  den  formen  des  Zeitwortes  reddö  reddere, 
die  in  red-dö  red-dere  zu  zerlegen  sind,  femer  beispielsweise 
red'dimus  red^Uis  (aus  ^red-damus  ^red-dcUis)^  eine  ansieht, 
die  mir  gegenüber  einer  anderen  noch  in  meiner  laut-  und 
formenlehre  *  161  hervorgehobenen  möglichkeit  insbesondere 
wegen  des  altlateinischen  futurums  reddibö  aus  ^red-dabö  (die 
belege  bei  Wagener-Neue  III  '  329  f.,  vgl.  auch  Brugmann 
Gmndriss  II  906)  den  vorzug  zu  verdienen  scheint  Neben 
dem  eben  erwähnten  reddö  sind  nur  noch  formen  von  redücö 
wiederholt  handschriftlich  mit  -^d-  bezeugt,  z.  b.  reddueere 
reddue  und  andere  von  Wagener-Neue  II  '  923  f.  aufgeführte. 
Dass  auch  die  alte  grammatik,  abgesehen  von  den  perfekt- 
formen,  die  den  ausgangspunkt  dieser  auseinandersetzung  bilden, 
nur  in  compositis  mit  re-,  deren  grundwort  mit  d-  anlautete, 
die  gemination  des  anlautenden  konsonanten  kannte,  ersieht 
man  aus  der  von  Wagener-Neue  a.  a.  o.  angeführten  stelle  des 
grammatikers  Longus,  der  die  Schreibung  reddueere  als  falsch 
erklärt  Die  wenigen  sonstigen  belege,  darunter  insbesondere 
die  Schreibung  relligiö  (Kühner  Lat  gramm.  I  629)  sind  alle 
mehr  oder  weniger  zweifelhaft  und  können  daher  nicht  ins 
gewicht  fallen.  Wäre  aber  wirklich  red^  auch  in  der  Zusammen- 
setzung mit  konsonantisch  anlautenden  wörtem  durchaus  ver- 
wendet worden,  so  hätte  sich  das  auslautende  d  von  red-  jeden- 
falls folgenden  anlautenden  bcfglpet  assimilieren  müssen, 
und  man  müsste  daher  (gewiss  nicht  ungewöhnlicher  als  afferö 
differö  efferö)  erwarten,  formen  anzutreflFen  wie  *rMeUi8  *rec' 
einö  *refferö  *reggerö  *reüegö  *repparö  ^reesecrö  *retterö. 
Aber  von  solchen  Schreibungen  weiss  unsere  Überlieferung  nichts. 
Immerhin  liesse  sich  vielleicht  hiefür  folgende  erklärung  ver- 
suchen. Die  durch  assimilation  entstandene  doppelkonsonanz 
hat  sich  nur  unter  dem  schütze  des  hochtons  gehalten  {riddö 
riddinue  ridducem  Plaut  Gapt.  623  nach  einer  konjektur 
Schneiders),  während  sie  bei  vorrückung  des  tones  zur  ein- 
fachen erleichtert  wurde,  daher  reducö  u.  s.  w.  ^).  Diesem 
erklärungsversuch  könnte  zu  willkommener  stütze  dienen  das 
eben  erwähnte  Verhältnis  von  red€(co  zu  riddö  und  die  that- 

1)  Vgl.  bist,  gramm.  1,  225  und  laut-  und  formenlehre  '  55.    Ein 
neiier  beleg  ist  Maetitus  zu  tnaecw  (Otto  Nene  Jahrb.,  sappl.  24,  802). 


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302  F.  Stolz 

Bache,  dass  weitaus  die  grössere  mehrzaU  der  Zusammen- 
setzungen mit  re-  der  oben  angeführten  bedingung  entsprechend 
nach  dem  dreisilbengesetz  den  hochton  auf  der  dem  re-  folgen- 
den Silbe  trägt  Sodann  müssten  nach  diesen,  wie  gesagt,  weit 
zahlreicheren  fällen  mit  der  durch  die  yerschiebong  des  hoch- 
tones  bedingten  und  gerechtfertigten  einfachen  konsonanz  auch 
sämmtliche  übrige  umgestaltet  worden  sein.  Gegen  den  eben 
Torgeschlagenen  erklärungsversuch  lässt  sich  aber  gewiss  mit 
fug  und  recht  einwenden,  dass  dann  doch  auch  bei  Zusammen- 
setzungen mit  anderen  präpositionen,  die  genau  denselben  Sach- 
verhalt aufweisen,  auch  dieselbe  erscheinung  der  erleichterung 
einer  doppelkonsonanz  sich  finden  müsste,  also  z.  b.  ^oHfigö 
*camGiö  für  attingö  cammütö.  Da  dies  nicht  der  fall  ist,  scheint 
es  mir  auch  geboten,  von  dem  oben  mitgeiheilten  erklärungs- 
versuch Umgang  zu  nehmen  und  bei  der  alten  anschanung  zu 
verbleiben,  dass  in  unseren  Zusammensetzungen  die  form  re-, 
nicht  red-  vorliege.  Freilich  vermag  ich  nicht  zu  sagen,  warum 
gerade  nur  reddö  von  konsonantisch  anlautenden  Wörtern  der 
form  red-,  wenn  ich  bildlicher  weise  so  sagen  darf,  den  vorzug 
gegeben  hat,  aber  lieber  will  ich  diese  Singularität  in  kauf 
nehmen,  ohne  sie  erklären  zu  können,  als  die  unbegründete 
annähme  machen,  es  sei  auch  in  allen  übrigen  fällen  vor  kon- 
sonantischem anlaut  des  grundwortes  die  präfixform  red-  ver- 
wendet worden.  Und  wir  haben  ja  dasselbe  re-  in  reirö  und 
*rec(h,  das  bekanntlich  in  reciprocua  vorliegt  ^),  sowie  in  den 
umbrischen  formen  revestu  restatu  restef  resfo.  Sind  die 
eben  vorgebrachten  ausfuhrungen  richtig,  dann  ist  aber  auch 
sicher  den  von  Giardi-Dupri  angesetzten  grundformen  *red- 
iehdJ  ^redrfepull  der  grund  entzogen,  und  nur  *r^€tul%  *r«- 
p^pull  sind  berechtigt  Natürlich  können  die  formen  rettuU 
repperi  daraus  nur  durch  den  Schwund  des  vokals  der  redup- 
likationssilbe  entstanden  sein,  den  ja  auch  Giardi-Dupr6  in  dritt- 
letzter Silbe  nach  tonlosen  verschlusslauten  zuzugeben  nicht  ab- 
geneigt zu  sein  scheint*),    und   die  alte  Gorssensche  ansieht 

1)  CorsseD  Erit  nachtr.  186  f.  nnä  Bragmann  Rhein,  mus.  48,  402  f. 
Vgl.  auch  hist.  gramm.  1,  429  und  Lindsay  Lat.  Langu.  691. 

2)  Vgl.  das  s.  211  formulirie  „geseiz** :  „Nach  tonloser  labialis  (oder 
nach  ionlosem  verschlusslaaie  im  allgemeinen?)  tritt  die  synkope  in  dritt- 
letzter Silbe  ein".  Dazn  dürfte  die  fossnote  4)  gehören,  für  die  im  te^^te 
keine  zahl  ausgesetzt  ist. 


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Die  lateinischen  perfekta  rettulil  reppull.  903 

bleibt  somit  aufrecht  Die  richtigkeit  dieser  ansieht  wird  aber 
auch  noch  dadurch  bestätigt,  dass  neben  den  regehnassigen 
Schreibweisen  recidere,  reperire  sich  auch  reccidere  reppertre 
finden.  Sie  stammen  natürlich  aus  dem  perfectum,  wo  die 
doppelkonsonanz  -ce-  -pp-  auf  lautgesetzlichem  wege  zustande 
gekommen  war.  Und  es  ist  also  natürlich  nicht  ein  spiel  des 
Zufalls,  dass  gerade  nur  von  diesen  zwei  Tcrben  ^)  sich  neben- 
formen  mit  doppelkonsonanz  finden,  nicht  aber  von  einem  an- 
deren. Damit  scheint  auch  von  dieser  seite  durchaus  glaub- 
haft, dass  wir  in  re-ctdd  re-periö  das  ursprüngliche  zu  sehen 
haben,  wie  in  re-cinö  re-citö  re-coquö  re-parö  re^edö  re-päö 
re^putö  u.  s.  w. 

Nachdem  durch  die  vorstehenden  ausfuhrungen  den  von 
Ciardi-Dupr6  au^estellten  gmndformen  thatsächlich  der  boden 
entzogen  ist,  müssen  wir  auch  noch  des  einwurfs  gedenken, 
warum  nicht  auch  *proHulX  *proppüll  gebildet  worden  seien. 
Diese  beiden  formen  sind  theoretisch  natürlich  gerade  so 
berechtigt,  wie  reUull  reppuü;  wenn  sie  nicht  überliefert  sind, 
so  wird  der  grund  wol  darin  liegen,  dass  o  von  pro-  in  diesen 
formen  lang  war.  Hinter  dem  langen  vokal  von  prOtulf  pro- 
pUli  *)  war  doppelkonsonanz  vollständig  überflüssig,  da  die  silbe 
ja  als  solche  lang  war,  und  brauchte  daher  auch  in  der  schrift 
nicht  ausgedrückt  zu  werden.  Man  darf  damit  wol  auch  den 
bekannten  fall  vergleichen,  dass  nach  langen  vokalen  und  diph- 
thongen  die  doppelkonsonanz  -es-  vereinfacht  worden  ist, 
worüber  es  genügt  auf  bist,  gramm.  1,  311,  laut-  und  formen- 
lehre  >  77  f.,  Lindsay  Lat.  langu.  110  ff.  zu  verweisen. 

1)  Dass  nicht  auch  ^reppeUd^  *r€Uundd  nach  r^ppuk  rgtiudi  ge- 
Bprochon  and  geschrieben  wurde,  wird  kaum  mehr  als  sufall  sein.  Oder 
sollte  der  umstand,  dass  wir  es  in  diesen  beiden  Allen  mit  einer  schweren 
mittelsilbe  zu  thun  haben,  der  einfuhrung  der  doppelkonsonans  hinder- 
lich gewesen  sein? 

2)  Wenn  auch  bei  Luoretius  4,  194  (198  Bemays)  und  6,  1027 
(1025  Bemays)  in  dem  versschluss  'provehat  atque  propellat'  prdpilüi 
gemessen  ist,  so  wird  dadurch  doch  nicht  die  richtigkeit  der  im  texte 
gemachten  ansatze  prötuk  und  pröpuU  irgendwie  in  sweifel  gesogen. 

[Anders  über  recedö  asw.  Osthoff  Parerga  42  f.,  der  aber  reppuk 
reUuk  gar  nicht  erwfthnt    C.-n.] 

Innabruck.  F.  Stolz. 


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304     A.  Zimmermann    Die  etymologie  Yon  vis  (zu  vdo). 


Die  etymologie  yon  vis  {m  volo). 

Die  älteste  form  haben  wir  in  dem  vois  der  Duenos- 
inechrift;  denn  sowohl  Thurneysen  K.Z.  XV  h.  2  s.  204  wie 
L.  y.  Schroeder  Jahreshefte  des  östr.  arch.  inst.  III  1  üb^- 
setzen  da  vais  mit  „du  willst*^  Stolz  H.  gr.  I  p.  142  erklärt 
dem  entsprechend  veis  —  cf..  Plaut  Pseud.  47  —  bezw.  vis  als 
die  in  tonlosigkeit  entstandene  form  z.  b.  in  formen  wie  st  Vis, 
qut  vis.  Da  vois  dem  nach  der  analogie  Ton  fers  geforderten 
voU  ziemlich  nahe  kommt,  so  handelt  es  sich  für  uns  nur 
darum,  den  Übergang  von  l  zu  i  fiirs  Italische  bezw.  Lateini- 
sche auch  sonst  nachzuweisen.  Nun  habe  ich  diesen  wandel 
von  l  zu  i  nachgewiesen  im  Rh.  m.  55  p.  486  f.  und  56  p.  320. 
Dabei  fiel  freilich  die  hauptmasse  der  beispiele  auf  die  Verbin- 
dung „konsonant  +  1  +  vokal^'  z.  b.  Ciassicius  CLL.  III  9809 
neben  Ciassicius  CLL.  14851 ;  aber  auch  die  Verbindung  „vokal 
+  l  +  konsonanf'  ist  hiefur  nicht  ohne  beispiele.  Schon 
von  Planta  II  p,  556  n.  296  giebt  umbr.  Voisiener  mit  lat 
Vohieni  und  umbr.  Vds.  mit  lat.  Volsii  wieder.  Es  braucht 
dieser  Übergang  nicht  auf  etruskischem  einfluss  zu  beruhen ;  denn 
neben  einem  Glusiner  A,  Voesius  CLL.  XI  2505  finden  wir  einen 
Praenestiner  Cn.  Voesius  CIL.  XIV,  3014  und  in  Umbrien  gab  es 
nach  Gonway  The  Italic  Dialects  ind.  III  s.  v.  eine  g.  Voesi- 
dena.  Im  CLL.  XV  3162,  also  auf  einer  römischen  inschrift, 
begegnen  wir  dem  namen  Saisa,  während  bei  Buch eler  carm. 
epigr.  n.  318  die  entsprechung  Salsa  sich  findet.  Ja  selbst  für 
Nuroidien  lässt  sich  dieser  Übergang  belegen;  denn  CLL. 
Vm  1249  steht  BalsiUec  Imüeonis  f.,  aber  VIU  5057  Numida 
BaisiUecis  f.  Diesen  beispielen  des  Übergangs  von  2  zu  i  in  der 
Verbindung  „vokal  -f-  ^  -f  ^"  schliesst  sich  passend  vols  vois 
an.  Dem  einwand,  warum  denn  nicht  auch  voU  und  voUis  zu 
voit  und  voitis  geworden  ist,  begegne  ich  damit,  dass  mir  noch 
kein  fall  des  Übergangs  von  /  zu  f  vor  t  aufgestossen  ist,  wäh- 
rend ich  abgesehen  von  obigen  beispielen  von  l  vor  s  noch 
hier  erwähnen  kann  soivit  für  solvit  Eph.  Ep.  VIII  3  p.  588, 
duic  für  dulc(i)  CLL.  VI  21435,  Eipinicus  CLL.  XII  5695(6) 
für  'ElTtiviyLog,  Paipennius  CLL.  VIII  9218  neben  Palpenia 
CLL.  vm  16514. 

Breslau,  A.  Zimmermann, 


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W.  Prellwitz    Etjmologisclie  forschungen  305 


Etymologische  fonchungen. 

I.    Or.  fidoTig,  fidatiSj  fida^lfj.,  lit.  mäst^gAtit 
fnöstagütu 

0.  XXIV,  106  habe  ich  auf  die  äbereinstimmttDg  von 
fiaoTlyow  und  lit.  mhstSg^  Aufmerksam  gemacht,  ohne  die 
etymologie  aufzuklären.  Seitdem  habe  ich  bei  Heydekrug  selbst 
kq  mdstagüji?  „was  fuchtelst  du  (mit  der  peitsche)  unnütz 
hemm?''  gehört  und  glaube  auch  den  inneren  Zusammenhang 
dieser  auffallenden  ähnlichkeit  aufdecken  zu  können. 

MaatiYow  (Herod.,  att.)  ist  wie  der  homerische  aorist 
fidari^ep  von  fidati^^  ftaatlyog  „ge»8el''  abgeleitet.  Neben 
diesem  den  concreten  gegenständ  bezeichnenden  wort^)  findet 
sich  in  mehr  abstracter  bedeutung  bei  Homer  fidattg  und  hie- 
▼on  kommt  das  verb  fiatnlo}^  das  medial  II.  XX,  171  vom 
löwen  gebraucht  wird:  ovgf,  de  ftXavQag  tb  xal  Xaxia  dfiffKniq- 
(o&ev  iiaatlnai,  Mdarig  ist  also  eigentlich  nomen  actionis  auf 
-sig  von  -^ftaC'  der  wir  als  bedeutung  „mit  der  peitsche,  den 
armen  ausholen,  herumfuchteln''  zuschreiben  dürfen. 

Es  läge  nahe,  auch  fiia&Xfi  und  lAda^hjgy  die  Hesych  be- 
zeugt, dazu  zu  stellen.  Indessen  die  bedeutung  di^/ua,  luxi  vfro- 
ifjfia  qfoivvaövv  %ai  fjvla,  dig>S'iQa  passt  nicht  und  ausserdem 
ist  das  homerische  lfi6a9Xf]  zu  berücksichtigen.  Die  annähme, 
jenes  jüngere  wort  sei  aus  diesem  älteren  durch  lautliche  Ver- 
kürzung entstanden  (Curtius  Grdz.^  394),  werden  wir  heute 
nicht  mehr  billigen,  aber  zweifellos  konnte  im  sprachbewusst- 
sein  sophocleischer  zeit  tfida&Xtjf  eine  ableitung  von  IfidaatOf 
ifidg,  mit  ^dtnig,  fidari^y  fiaatiydto  zu  einer  gruppe  zusammen- 

1)  Von  Diomedes  heisst  es  11.  XXIII,  600  bei  den  kampfspielen : 
fiuOTi'  aikv  fknwi  xarnfio^ov  im  peitschen  weit  aasholend  (eigl.  von  der 
Schalter  hernieder,  mit  dem  ganzen  arm),  dagegen  510  xXTvi  <f'  «qu 
fiaariya  norl  ^vyov.  Auch  an  der  andern  stelle,  die  /adarig  bietet,  Od. 
XY,  182,  wo  es  von  Telemach  heisst:  ^  xal  tnnouv  fiaariv  ßdU  ist 
nicht  die  geissei,  sondern  ein  schlag  mit  ihr  gemeint. 

Wie  ist  fia<nt{  daraas  entstanden  ?  Es  läge  nahe,  es  für  eine  za- 
sammensetzang  mit  <ntCn  za  halten,  fiacfn-arry  oder  fittif-arry^  ergäbe 
fiaerty;  vgl.  lat.  insügo.  Doch  wegen  der  litaaisehen  formen  empfiehlt 
sich  hier  zarSckhaltnng.  Man  könnte  allerdings  das  9  von  m^si^A^' 
dem  diphthong  von  ai.  t^'aU  „ist  scharf,  schärft"  gleichsetzen, 


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306  W.  Prellwitz 

treten  und  nach  dem  vorbild  dieser  kürzeren  formen  sein  an- 
lautendes i  aufgeben.  So  erklärt  sich  auch,  dass  in  jdäa&lfjy 
fiaa9Xf]g  offenbar  mehr  der  stoff  betont  wird,  während  bei 
fidati^,  fiaaTiU)  u.  s.  w.,  die  Lob  eck  (Pathol.  el.  I,  76)  ebenfalls 
aus  ^ifidoTi^  erklären  wollte,  offenbar  die  bewegung  das  wesent- 
liche der  bedeutung  ist.  Ihr  wurzelverbum  haben  wir  in  fiaio- 
fiai  zu  erkennen. 

II.   Gr.  lAaiofiaiy  fdijlt],  slav.  mach-,  lit  mozöti. 

Sehr  gut  macht  Gurtius  ^  312  auf  IL  V  748  (-  VIII  392) 
aufmerksam:  ^'HQfj  de  piaaviyi  &o<ag  inepiaUr  oV  trenovg  ^) 
und  leitet  wie  G.  Meyer  Stud.  V,  111  ßdctig  von  fialofioi 
ab,  das  vielleicht  für  ^fioaiofiai  stehe.  Dies  wird  durch  das 
fiitnr  ndaaofiai  und  den  aorist  ifiaaadfitjv  bestätigt  Gebraucht 
wird  fiaiofioi  sonst  z.  b.  vom  tasten  mit  ausgestreckten  bänden. 
So  heisst  es  Od.  IX,  441  von  Polyphem  Ttovraty  oltav  ine- 
fialevo  vmxa  446  %6v  (sc.  %Qi,dv)  intfiaaodiAWoq  7tQoaiq>f]^  von 
Eurykleia,  die  beim  waschen  ihres  herm  narbe  fühlt:  yvß  ^' 
inifiaaaafievri  (Od.  XIX,  468).  Unser  „antasten**  ist  gemeint, 
wenn  Agamemnon  schwört,  seine  band  nie  nach  Briseis  ausge- 
streckt zu  haben:  dkl^  i'fisv  aTfQotifiaatog  hi  tXiaijjOiv  ifi^- 
aiv  (II.  XIX,  163),  dagegen  imfiaavog  bezeichnet  den  bettler 
(Od.  XX,  377)  entweder  als  einen,  an  dem  sich  jeder  vergreifen 
darf  oder  als  abgegriffen,  schmutzig,  schmierig.  Auch  in  a/iqot- 
fidaaa&€  v^dnel^ag  anoyyoig  (Od.  XX.  152)  ist  jener  die  -^mas 
verdeutlichende  gestus  *)  deutlich. 

Zu  ihr  stelle  ich  jetzt  auch  in^Xrj  „die  sonde'S  Es  durfte 
aus  *fidalä  „Werkzeug  zum  tasten^'  entstanden  sein,  wenn  es 
nicht  die  unten  zu  besprechende  kürzere  wurzelform  enthält 

Das  Slavische  scheint  eine  langvocalische  form  unserer 
Wurzel  in  mahaii,  mahnqti  „schwingen'*,  mcMii  se  ruere,  poln. 
machad,  wach  streich,  russ.  machtdi  zu  bieten  (s.  Mi  kl  o  sich 
Vgl.  wb.  d.  slav.  spr.  180),  das  Litauische  ausser  in  möstagüti 
auch  in  mostereti  (Mezinis  141)  und  mozM  (Kurschat)  „womit 
hin  und  her  fechten,  wedeln,  schwenken''  >).    Ob  z  in  asl.  ma- 

1)  Vgl.  auch  II.  XVII  iSO  /ucK<rr^«  d-o^  intfiaUto  9^(vw, 

2)  Vgl.  die  einleitung  zu  meinem  etymol.  wb.  d.  gr.  spr.  8.  X. 

3)  Versohieden  davon  ist  lit.  mosM  „beschmieren**  (Geitler),  apmo- 
Mi  betünchen,  die  Brückner  (s.  110)  mit  recht  für  entlehnt  halt.  Aller« 


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Etyinologisohe  forschungen.  307 

zati  yysohmieren"  moilo  »,öl,  salbe»  butter'S  auf  ad  zoriidigehe, 
wie  in  lit.  mozM,  wenn  dies  echt  ist»  kann  ich  nicht  aus- 
machen. Spuren  Yon  sl.  z  für  sd,  zd  bespricht  Miklosich  Vgl. 
gram.  I  *  271;  Ygl  Pedersen  IF.  V,  36.  Immerhin  mag  hier 
slavolettisch  ^fnazd-  Torliegen. 

Doch  wäre  es  vorschnell,  der  gewöhnlichen  annähme,  dass 
slav.  ch  (h)  aus  a  entstanden  sei,  folgend  aus  russ.  maehaU  ein 
slav.  mOS'  zu  erschliessen.  Über  das  slavische  eh  für  idg.  s 
hat  nämlich  H.  Pedersen  IF.  Y  33  ff.  mit  dem  ergebnis  ge- 
handelt, dass  8  nur  inlautend  nach  I,  i,  4,  u,  r,  k,  q  zu  ursla?«  ch 
geworden  ist,  das  durch  die  erste  palatalisierung  zu  ^,  die 
zweite  zu  a  wurde.  Die  oben  genannten  verba  können  danach 
also  doch  nicht  als  beweis  für  idg.  inaa  angesprochen  werden, 
▼ielmehr  muss  ch  bereits  in  dieser  form  innerhalb  des  Slavi- 
sehen  als  ¥rurzelerweiterung  an  mä  (s.  u.)  angetreten  sein,  oder 
mit  anderen  Worten :  nach  dem  Verhältnis  von  asl.  duchaii  neben 
dunqii  von  asL  uamichati  a^  zu  amijati  a^  ist  zu  manqH  „in- 
nuere^',  majati  „vibrare'*  auch  machal^  gebildet  worden. 

in.   6r.  fiaioidai,  fiaariJQy  fAaaTQOTtög,  fiavkig, 
lat.  mälua,  lit.  tnäataa,  tnäainti. 

Eher  scheint  maa-  vorzuliegen  in  lit.  mäatM  „eile'S  d.  h.  der 
ausgestreckte  arm  ^)  und  in  lett.  maata,  fSr  das  Ulmann  die 
bedeutung  ,,e.  fischzug;  die  mast  bei  der  treibjagd,  klapper- 
jagd*'  angiebt;  Nesselmann  hat  aus  Prökuls  *)  auch  lit.  maataa 
„fischzug'^  Dies  passt  zu  der  bedeutung  „suchen,  streben  nach 
etwas 'S   die  inifuzlofiai   bei    Homer    auch   hat  und    Hes.  in 

dings  darf  man  nicht  mit  ihm  beide  formen  aaf  wr.  mäza6,  chmäzad 
(woher  maupa  „schmatzfink^S  vgl.  inifutatog)  snrüokfahren ;  das  i  der 
zweiten  erklärt  sich  aus  einer  dem  asl.  m«fo  „salbe'*  entsprechenden 
dialeotform,  die  anch  „färbe"  bedeuten  mnss,  wie  asl.  nuuR  salbe  und 
färbe  bedeutet;  hieraus  ist  bekanntlich  lit  moitUj  moit^,  md$tyti  ent- 
lehnt. 

1)  Auch  lat.  malus  aus  ^matdos  =  nhd.  nuut  (eigl.  ausgereckter 
arm  ?)  mag  hier  seine  wurzel  finden. 

2)  Das  homerische  dfUffifiaaaif^M  rQani(as  ifn6yyots  legt  die  Ver- 
mutung nahe,  das  auch  lit  fMUffMi  „abwaschen"  (nicht  „baden'«)  lett. 
nu^fgd^  ds.,  poln.  maxgac  „besudeln"  hierher  gehört.  Jedenfalls  ist  das 
auch  neben  der  alten  Zusammenstellung  mit  ai.  mt^jjati  taucht  unter, 
lat.  fMrgo  (Fick  «  I,  109,  J.  Schmidt  Neutra  167  f.  n.)  zu  beachten. 


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308  W.  Prellwitz 

fidaaar  ^rp^aai  bezeugt.  *)  Griech,  fiaartJQ,  fdaaTQ6g  sacher, 
el.  fiatngaai  (ß.  o.  XVII,  169),  fiaatQiar  al  tw  a^orrwv 
6v&waLy  fiaoTever  ^rirei,  Iqsvv^^  tprjlag}^,  imCijTei  zeigen  sie 
ebenfalls.  Auch  ^laaiQortog'  dvaTQonog,  ftavovgyogy  ärtat&oy. 
6  tag  ywouxag  rj  avögag  ftQoanaldiv  xai  fiOtvXl^wv,  tj  fCQOctyfo^ 
yog  (Hes.)  gehört  hierher.  Es  ist  ein  kompositum  mit  -ott- 
,,atige''  im  zweiten  teil  (o.  XXII,  97  n.  1 12),  wie  die  stelle  des 
Aristophanes  (Wölk.  967)  avrdg  eccvrov  nQoayiayevtav  Toig  og^- 
&akfioig  verstehen  lehrt  •).  Auch  fiavUCcj,  das  Hesych  zur  er- 
klärung  von  fiaOTQOTvog  braucht  und  ^avXlg  dürfte  sich  als 
fia(a)'vJiid'  erklären.  Das  suffix  ist  dasselbe  vertraulich  demi- 
nuierende  wie  in  fiargvlti^  woher  fuxTQvleioVf  das  Hesych  aus 
Menander  anfuhrt  mit  der  erklärung  TÖfrog  vaiv  noqv9v6wfav^ 
Tovriati  fvOQveiop,  OTtov  oi  /naaTQOfvoif  rjroi  fiovliaTal  dUv^- 
ßov.  Auch  diese  bedeutungsnüance  findet  sich  im  Litauischen: 
jnasinti  heisst  „locken,  begehrlich  machen '^  So  Eurschat 
II  244;  Nesselmann  kennt  sumaisinti  „vexieren,  zum  best^i 
haben". 

IV.  Gr.  ^axQvlrij  fiazfjQ,  fiaTevw,  /uorricu,  fiaqrj^  fiidXtjy 
fiaaxdXri;  lat.  manus,  lit  matyti,  lett.  mdtit,  ksl.  motriti. 

Hier  in  pia%ijvXrj  finden  wir  eine  ableitung  von  ^latrg^ 
iniaxonog^  eTtiCrjrwVj  egewriTTg  (Hes.)  '),  das  auf  die  kürzere 
wurzelform  fia-  zurückgeht,  wie  auch  fiar^aar  piaotevaaiy 
tffdjoaij  ^azei'  ö^rel  (aeol.  i§  higw  d*  hegov  fidTrjg  Theoer. 
29,  15).  Marsvto  kommt  schon  II.  XIV,  110  vor:  iyyvg  av^Q 
—  ov  dfj&a  fdorevoofisv.  Die  bedeutung  „tasten"  liegt  wohl 
dem  lett.  matü  „fühlen,  empfinden,  merken  zu  gründe",  während 
lit.  matyti  „sehen",  ksl.  motriti  „spectare"  eigl.  „mit  den  äugen 
suchen"  bedeutet  haben  wird.  Vgl.  dazu  auch  fidrctp'  ^  Xvy^. 
hioi  de  ^oTcmog  tj  fiataxov  (Hes.).  Wir  haben  hier  also  eine 
Wurzel  fia-  belegt,  der  wir  nach  dem  bisher  gesagten  die  be- 
deutungen  „die  bände  wonach  ausstrecken,  mit  den  armen  aus- 
holen, schlagen,  streichen,  tasten,  suchen"  beilegen  müssen. 
Sollten  auf  sie  nicht  auch  lat.  ma-nus,  gr.  fid-Qt]  *hand',  zu- 

1)  Vgl.  0.  Hoff  mann  Dial.  IL  240.  S.  260  wird  fftlsohlich  y^ptfr. 
darin  geraoht. 

2)  fiaftr^otpos  r«  uvra  (Hob.)  ist  mir  unklar. 

3)  Woher  fiorriQfvHV'  ficun^vuv,  (n^iiv. 


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Etymologische  forschungen.  309 

rückgeben?  Die  band  kann  die  „ausholende,  winkende*^  oder 
„tastende''  ebensogut  sein  wie  die  „schlagende"  (^ivoQj  ygl. 
auch  Bezzenberger  Urkelt  Sprachschatz  141)  oder  die 
„klatschende"'  nalafifj  (nXijaoaia)  lat  palma,  ahd.  folma  u.  s.  w.» 
womit  wieder  nhd.  fühlen  wurzelhaft  verwandt  ist.  EvfiaQijg 
„leicht,  bequem"  vergleicht  sich  ganz  dem  air.  9olam  „schnell, 
bereit",  cymr.  hylaw  „expeditus,  facilis"  (Stokes  Urkelt  spr. 
240,  urkelt.  *8U'platno8). 

Auch  das  unerklärte  ^dlti  „die  achsel"  in  der  wendung  vTto 
f^dlfjg  doqv^  iupidiWf  tyxuQidiov  fpiq€iv  kann  sehr  wohl  hier- 
her gezogen  werden,  selbst  das  gleichbedeutende  fiaoxalfj  mag 
dazu  gehören.  Es  bezeichnet  ja  die  achselhöhle,  die  stelle,  wo 
der  leib  an  der  achsel  sich  „gabelt".  AkK>  zu  axallg  „gabel" 
yskha  spalten  (s.  0xd^)  gehört  wohl  der  zweite  teiL  Ma- 
axakrj  ist  gegensatz  zu  axilog  (s.  d.  im  etymol.  wb.  d.  gr.  spr.) 
das  von  yskelo  in  lett.  schkelt  „spalten"  kommt,  und  auch  mit 
ahd.  scuUra,  nhd.  schuüer  (s.  J.  Schneid t  Kritik  der  sonanten- 
theorie  40)  verwandt  ist.  Cymr.  gafl  m.  „feminum  pars  inte- 
rior"  gehört  so  zu  ahd.  gabala^  nhd.  gabel.  S.  Stokes  a.  a.  o.  lOö. 
Ma-axttXri  also  entspricht  in  der  bedeutung  „achselhöhle"  ge- 
Wissermassen  jenem  cymr. 


V.  Gr.  iAua9aty  fidSkog,  fiwkvgj  fAetafitipiogj  inavtri^ 
fiwvtog,  fiazfjy  fiazaiog^  juaracu,  avtöfiatogt  lit  möti, 
monai,  lett.  mänis,  mänit,  tnäfcha,  mdditls,  slav.  maniti, 
zamafiy  germ.  md;  vltiA..  mühen ^  müde f  ir.  mon,  in-madae, 

madae. 

Diese  wurzel  ma  ist  mit  langen  vocal  im  Lituslavischen 
vielfieush  belegbar.  Lit.  möju,  möti  heisst  „winken,  zuwinken, 
zunicken,  durch  winken  etwas  zu  verstehen  geben  sowohl  mit 
den  äugen  als  mit  der  band"  moj6ti,  pamöti  auch  „mit  dem 
schwänz  wedeln"  (vgl.  o.  fuxauerai),  cUmöju  durch  winken  oder 
kop&chütteln  verneinen,  mit  dem  stock  ausholen"  (vgl.  ^ßdi^ 
im/icu€a»ai  Od.  XIII,  429,  XII,  172),  msimöju  „hole  aus",  und 
aus  dem  artikel  ma  „winken"  bei  Miklosich  Vgl.  wb.  d.  slav. 
spr.  s.  179  führe  ich  wegen  der  reichen  bedeutungsentwicke- 
lung  folgende  Wörter  an :  asl.  manqti,  majati,  pomavaH  „winken", 
namanq  se  jemu  edo^ev  aitfp;  nsl.  majati  „schütteln",  bulgar. 
maja  ae  „zaudern,  staunen",  c.  manauti,  mavati  „schwingen", 
klr.  majaty  „bewegen",  mane  ia  komu  po  Sdoä  „es  kommt  je- 


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3lO  W.  Prellwitss 

mand  etwas  in  den  sinn^S  russ.  majaü  „bewegen,  schwächen^S 
majaia,  majeta  „schwere  arbeit'^  Zu  diesem  letzten  wort  tritt 
ahd.  muom,  mhd.  müeien,  nhd.  sieh  mühen,  die  mühe,  müde^  wie 
fiwXog  „kampF  fiwlvg  „von  anstrengnng  ermattet".  Die  vocale 
jener  drei  sprachzweige  sind  sämtlich  doppeldeutig  als  idg.  ä 
oder  ö,  doch  germ.  mcjan  ist  schon  längst  mit  fiiSJiog  an- 
strengnng, mühe  verglichen,  wozu  kret  dpftifioler  «  a/u^t/ioH 
Xelv  (ges.  Y.  Gortyn  z.  b.  I.  1),  aus  Hesychius  fttal^m^iw 
fioxrjoerai,  niii^v9rjaevaL  gehört^). 

Aber  auch  fiäadvii  (ßtifieSa'  t^rjfoviAev,  fißoo'  tiqruj  (mxoi' 
^ffrely  Tcxya^erat)  „streben^S  eigl.  „sich  lebhaft  bewegen,  mühen'^ 
kann  im  vocal  ganz  gleich  lit  möti  gesetzt  werden,  zeigt  also 
die  Wurzel  zu  ^wXog  „kämpf'  in  einer  bedeutung,  die  wir  oben 
bei  fialofMai  und  seinen  ableitungen  kennen  gelernt  haben. 
Dieselbe  aber  erscheint  im  Slavolettischen  noch  mehrfach  in 
bedeutungen,  die  wir  o.  schon  im  Griechischen  beobachtet  haben, 
und  auch  hier  von  der'grundbedeutung  y,(mit  den  armen  oder 
bänden)  uraherfechten"  ableiten.  Lett.  mdnie  „der  gaukler^S 
lit  mönai  Zauberei,  lett.  mam  „gaukelbilder,  trugbilder^S  mänigs 
„betrügerisch^',  mänü  und  mänä  verblenden,  täuschen,  be- 
trügen'' gelten  Brückner  (s.  109)  für  entlehnt  aus  dem 
Slavischen  (vgl.  asl.  maniti  „täuschen,  trügen 'S  klr.  mana, 
obman,  omana  „trug",  pomanyty  „verlocken",  pryma'A  „Ver- 
lockung", wr.  ma'A  „betrüger")  während  Fick  und  Miklo- 
sich  (Vgl.  wb.  s.  109)  Urverwandtschaft  annehmen.  Dies  thut 
auch  Bezzenberger,  der  im  altkeltischen  Sprachschatz  (Fick 
^  II,  217)  in  man  „tücke",  lat  mantietdare  vergleicht  und 
weiter  Zugehörigkeit  von  L  mentirl  behauptet  Dem  widerspricht 
aber  lett  m&fchs  „gaukler",  mdfchi  „gauJcelbilder,  phantadeen" 
mdfehMe  „gaukelei  treiben,  faxen  machen",  mädiÜs  ds.,  das 
gewöhnlich  „sich  zubereiten,  unternehmen"  hosst  und  das 
reflexiv  von  tnädit  „mit  der  band  winken,  herbeischaffen,  zu- 
rechtlegen*' ist  Diese  reihe  zeigt,  dass  mäfche  auf  *mädia8 
zurückgeht  und  dies  beweist,  dass  das  n  in  mänis^  für  *manio8, 
nicht  zur  wurzel,   sondern  zum  suffix  gehört  *).     Lett  mäni, 

1)  Auoh  fui'XOfittif  fit^'X^^ 

2)  Ai.  mSyd  „konstgriff,  wanderkraft,  list,  trug,  täuschang,  graa- 
kelei"  (auch  penonifioiii  und  so  im  „Schleier  der  Maja"  gebraucht), 
bisher  zu  fdfios  gestellt,  könnte  die  brücke  su  dieser  gmppe  aeigen: 
ma-ft  :  ml.     In  ftUfiog  mag   ausserdem  reduplioation  vorliegen  wie  in 


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Etymologische  forschnngen.  311 

liL  mönai  (plnr.)  ist  also  von  den  phantastischen,  beschwörenden 
bewegangen  des  zauberen  zu  Terstehen  und  so  kann  asl.  tna- 
niU  ,,winken'*  anch  zur  bedeutung  „täuschen,  trügen*'  ge- 
kommen sein  ^).  Doch  ist  noch  ein  anderer  wog  denkbar.  Es 
konnte  nämlich  auch  auf  dem  urwort  Ton  nsl.  zaman,  uman 
„vergebliches  kr.  mani  zaman  ds.,  c.  mani,  mani  „zufallig'*  be- 
ruhen, wie  lat.  frustrarl  auf  frustra.  Merkwürdigerweise  hat 
meines  wissens  bisher  niemand  jene  wörter  mit  gr.  fAstafuiviog 
„vergeblich,  ohne  erfolg*',  fioirii/*  oXiyiaqia^  fitopidg'  fiMaiog^ 
dxQeiog  (Hes.)  veiglichen,  obwohl  die  Übereinstimmung  voll- 
ständig ist.    Auch  diese  gruppe  gehört  zu  unsrer  yma,  mö. 

Die  bedeutnngsentwickelung  ist  dieselbe  bei  den  gleichfalls 
verwandten  iidtmoq^  f^OTi;y,  ^ori;,  fiaväw^  funlri  und  lässt  sich 
bei  diesen  Wörtern  noch  wohl  verdeutlichen.  Marato  bedeutet 
II.  XVI,  473  f.  „thue  einen  fehlbieb^'  anaaadfiepog  vopvfpug 
aoQ  na%iog  ftaqd  fitjQOv  dt§ag  äftixotpe  naQftjOffW  avf  ifionjaw. 
IL  V,  233  wird  es  von  rossen  gesagt,  die  in  der  Schlacht  aus 
furcht  etwa  um  sich  schlagen:  fi^  Tci  fiiv  diiaopve  /icttijaeroy 
ovif  id-ilfjff&r  ix^e^^^y  noXifioio,  überhaupt  bezeichnet  es  mit 
der  negation  ein  zum  ziel  führendes,  schnelles  handeln,  so  dass 
man  es  allein  etwa  mit  „säumen"  übersetzen  kann  (vgl.  o.  s.  309 
bulg.  maja  se  „zaudern,  staunen").  Die  Vorstellung  der  zweck- 
oder  erfolglosen  bewegung,  die  dem  gr.  ftavdfo  wie  dem  lit. 
mä9tS6ff&ti  eigen  ist  und  die  im  Slavischen  z.  b.  in  klr.  navmany 
„anfs  geratewol"  hervortritt,  zeigt  sich  recht  deutlich  in  dem 
nachhomerischen  adverb  li&tri».  Im  Prometheus  des  Aeschylos 
fragt  Kratos  den  weichherzigen  Hephaestos  %l  fAÜÜMig  xai 
ifunoi%%iCßi  fuhtjp;  und  mahnt  ihn  dann  %ä  fiijdiy  uMp^lovwa 
fifj  novu  fiavt/y.  Ich  halte  es  der  form  nach  für  einen  instru- 
mentalis  entsprechend  dem  preuss.  auf  -an,  lit  q  ebenso  wie 
mfi^  („eben")  zu  ox^i}  „die  zeit  der  kraft".  Durch  anhängung 
von  -og  (s.  o.  24,  105  f.)  entstand  daraus  ä%firpf6g  (Od.  23.  291). 

Das  Substantiv,  wovon  jenes  fiartjy  stammt,  findet  sich 
mehrmals  bei  den  tragikem  und  meist  im  plural.  M^  dDi  eup* 
Sfioiwg  mal  Ttargog  %ov  aov  fidtag  entgegnet  Klytaemnestra 
(Choeph.  911)  dem  empörten  söhn,  dieser  aber  erwidert  firj 
^UyxB  TOP  ffovovvT  90(0  xa&rjfiivti^   hält  also  die  fiovcu  („ver- 

mL  numM  „täaseheiii  anlooken**,  Seoh.  omam  blendwerk  a.  a.  bei  Mi- 
klorich  YgL  wb.  182. 

1)  Gehört  aach  das  zauberkraat  fitSlv  hierher? 


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312  W.  Prellwitz 

fehlangen^')  gewissermassen  für  verknüpft  mit  dem  nov^iv.  In 
den  suppl.  783  (Eirohhoflf)  bezeichnet  es  ,,das  hin-  und  her- 
rennen der  verfoIger*^  Die  einzahl  findet  sich  coUectiv  ge- 
braucht bei  Soph.  fi^m.  730  (Nauck)  ovti  %oi  (nhQov  fidtag, 
Matam  ist  gebildet  wie  die  lateinischen  frequentativa  und  in- 
tensiva  z.  b.  citare,  dictare.  Im  Griechischen  sind  sie  nicht  zu 
einer  festen  kategorie  ausgebildet,  um  so  deutlicher  aber  sehen 
wir  hier  ihre  entstehung.  Mattj  ist  ein  abstractum  auf  -M 
nach  art  der  o.  25  s.  281  besprochenen  ableitungen  von  nomi- 
nibus  und  verbis,  die  an  sich  ja  schon  eine  Wiederholung  oder 
eine  eigenschafb  als  folge  einer  handlung  bezeichnen  wie  lit 
sukatä  y,drehkrankheit''.  Vgl.  J.  Schmidt  Neutra  27.  Manj 
entspricht  also  gewissermassen  dem  russ.  majata  ,,  schwere 
arbeit'S  von  majaü  ,,bewegen,  schwächen^'  und  muss  zunächst 
eine  zwecklose  anstrengung,  dann  ein  unruhiges,  erfolgloses, 
schädliches  ver&hren  bezeichnet  haben.  Mdrcuog  geht  darauf 
zurück  wie  dtxaioq  auf  d/xj;,  anovdalog  auf  artovd^  (s.  vf. 
Jahresbericht  über  die  fortschritte  der  classischen  altertums- 
wissenschaft  bd.  GVI,  1900  s.  72),  und  es  scheint  schon  eine 
sehr  alte  bildung  zu  sein,  da  es  sich  auch  im  Keltischen  findet 
Wenigstens  erschliesst  S tokos  s.  206  ein  urkelt  maiaios  ,, ver- 
geblich'^ aus  ir.  in-madae  „sine  causa ^S  tnadae  ,,vergeblich'S 
madaeh  (gl.  cassa),  madaigim  „frustror'^  Das  a  dieser  wörter 
kann  auch  auf  keinen  nasal  zurückgehen  und  widerlegt  so 
die  von  mir  im  etymol.  Wörterbuch  angenommene  herleitung 
von  lAotaiog^  fjuivfjv  aus  ymen,  die  ja  auch  in  der  bedeutung 
nicht  recht  passt.  Jene  substantiva  auf  -tä,  die  den  verben 
auf  'iaio  zu  gründe  liegen,  sind  eigl.  feminine  abstracta  von 
participien  auf  46$  und  so  gehört  zu  fiäta  ein  masoulinum  *f<a- 
Tog,  erhalten  in  adtofiarog.  Dies  bedeutet  eigl.  „von  selbst  be- 
wegt" (z.  b.  von  drei  fussen  des  Hephaest)  „aus  eignem  antrieb", 
später  „willenlos,  zwecklos,  zufällig",  to  ai%6^a%ov  ist  das,  wo 
tiefere  einsieht  oder  fürsorge,  Selbstbestimmung  als  folge  be- 
wussten  deukens  fehlt;  vgl.  z.  b.  Arist.  Phys.  2,  6  und  Plato 
Prot  323  c. 

Wir  haben  mo-  und  mö-  als  einfachste  formen  der  wurzel 
kennen  gelernt  Wie  weit  fufiadg  u.  s.  w.  zur  ersteren,  wie 
weit  zu  fiifiova  gehört  (s.  W.  Schulze  Qu.  ep.  366  u.  nach- 
trag),  wird  selbst  bei  genauerer  Untersuchung  kaum  festzustellen 
sein,     fiaifidw  gehört   natürlich   hierher.     Hier  zeigt  sich  ein 


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Etymologische  forschungen.  313 

langer  vocal  (fiaifirjaa,  fia$fi(i(oai  u.  ä.),  den  wir  uns  als  ä 
oder  i  vorstellen  dürfen.  Früher  dachte  ich,  wie  Schulze  a.  a.  o. 
an  mä,  vielleicht  ist  aber  auch  mS  möglich,  denn  in  /defiaota 
(pvhx  (Roehl  393)  wie  im  Homerischen  ^ef^adreg  kann  metrische 
dehnung  vorliegen.  Auch  an  ^fiefiaa/oveg  ist  vielleicht  zu 
denken.  Liegt  mS  ,,hin  und  her  bewegen''  in  lett.  mSle  „zunge, 
Zünglein  der  wage,  klöppel  der  glocke,  dorn  in  der  schnalle" 
vor?  Ist  -^mS  y^inneTUch.  erregt  sein*^  in  fAaLvofAai  im  gründe 
damit  identisch?  Über  dieses  vgL  J.  Schmidt  E.Z.  37,  45. 
Königsberg  i.  Pr.    Mittelhufen. 

W.  PteUwitz. 


AsklepioB  und  die  heilBchlange. 

Im  ältesten  glauben  der  Griechen  spielte  die  schlänge,  der 
drache,  eine  grosse  und  vielfältige  rolle.  Besonders  befremdlich 
scheint  es  auf  den  ersten  blick,  wenn  man  diesem  naturgemäss 
gefürchteten  und  verabscheuten  wesen  die  kraft  krankheit  zu 
heilen,  ja  sogar  todte  zum  leben  zu  erwecken  zuschrieb.  In 
solcher  rolle  erscheint  die  schlänge  in  dem  merkwürdigen  be- 
richte bei  ApoUodor  3,  .3,  1—2,  den  ich  hierhersetze,  weil  er 
mir  werth  scheint  bis  ins  einzelne  hinein  betrachtet  und  ge- 
deutet zu  werden.  Es  heisst  dort:  FhwMg  (ein  söhn  des 
Minos)  eti  pijrtiOQ  vTta^wVy  (ivlav  dmxiov  elg  fUXixog  ttld'ov 
Tteadfv  cifti&cnfev.  agxxvovg  de  ovrog  av%ov  Mivwg  noXli^v 
^tr^aiy  7toioviiS¥og  rtegi  T^g  evQijaetog  k/uaytsvero.  KovQrjreg 
Si  el/cov  avTWi  vQixQ^f^cttov  h  Toig  dyilaig  ex^iv  ßovv^  %6v 
di  Tijv  TctvTfjg  d'iav  aqtata  eixäaai  dvyrj&ivta  xat  ^ßSufra  %bv 
näida  dnoddaetv,  avyyJitjdiwwv  de  %(üv  (navTeanf  IloXvtdog  6 
Koi^avov  trjv  %ii6av  vijg  ßoog  eXTtaaa  ßdtov  koqtkoi  xai  ^rjvaiv 
tov  Ttaida  dvayiuxa&sig  did  Ttvog  fiavreiag  avevge.  leyovrog  de 
Mlvofog  OTi  Sei  nai  ^dip%a  dnohxßüv  avxovy  amBKkeia&rj  avv 
iwi  yenQwi.  h  afÄrjxaviai  de  jtoXXtji  %vy%aviav  elöe  dqdxowa 
hii  %ov  vexQOif  iovra-  vovrov  ßaXwv  Xid-wi  artexteive,  öüaag 
§iri  X  av  ctvibg  TeXevri]  arji,,  ei  ti  ro  anSfia  Ttad^oi.  efxerai,  de 
^egog  dfdxonf,  wxl  &eaaäfieyog  vea^ov  %6v  nQwroy  anetatv^  Aza 
vrr(Hnf4q>ei  Ttoav  KOfii^ojy^   Tiai  tcaSirpf  iniTi&tjaiP  htl  nS»  %c 

Btitiig«  f.  knte  4.  indf .  fpitaku.   XXVI.  21 


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314  k.  Fitk 

rot  heifov  <mjua*  htivB9'sl9¥jq  ü  «r^  n6t^  w€€Vf]y  ^^eetadpiwog 
di  n^lvtSag  wxl  dtxvptmms  v^y  «rvci^  ^retty  yrfa0«i«)ocQ>y  Tm. 
voS  nmK9fv  etifimTi  aviv^fjaw,   inokotßw  de  Mivwg  %iv  yniSa 

Die  in  siob  wohl  «bgeethloflsene  Erzählung  etammt  ¥er- 
mutUJch  M8  iMHem  tnantkohen  gedichte  und  legt  wiedenmi 
sse^qpms  ab  für  die  hohe  begabung  der  Griechen  eur  noveUe, 
oder  der  episofaea  erBahlung»  IHe  küree  des  aoBzug«  Ifast 
einigies  dunkel  utad  der  aufhellung  bedürftig  erscheinen. 

So  ist  nicht  verständlich,  was  die  werte  fÄvlctv  dicixtum  be- 
deuten: das  kind  starb  „auf  der  jagd  nach  einer  fliege''?  Alles 
wird  klar,  wenn  man  zu  fiviav  ein  ausgelassenes  x^^^^^  ^^' 
gänzt.  Die  xa^x^  fiv7a  war  ein  kinderspiel,  das  bei  Pollux  9,  123 
beschrieben  wird:  xaivlai  tcü  6q>d'alfjL(a  fteQia(ply^woQ  hog 
naidog^  6  fiiv  7t€QiaTQ4g>eTai  xtjQvnwv  ^^x^Xxtjv  fjiviav  ^tjodatü^*^ 
Ol  di  a7toxQiPOfi€Pei   ^^^ifdaets,  niX  ^  lif^i^^  (die   längen 

^|---i^| ^1—  passen  trefflich   zu  dem  kindersingsang ,   den 

man  su  hören  glaubt)*  tneuveiH  ßvßUvo^  avwov  mmovaiv^   Mwg 

Bi  Hft  dies  ganz  dasselbe  spiele  das  in  Italien  mosca  cieca 
,,blinde  ffiege^*  faeisst  und  von  SaWatore  Farina  in  der  iiov^le 
Mio  figtio  B'innaoKyra  s.  42  f.  so  anmuthig  geschild^  wird.  In 
Deutsohland  heisst  es,  jedem  deutschen  kinde  bekannt  „blinde 
kuh'^^  Man  beachte  die  reihe  pivla  x^^^y  mosca  cieca, 
blinde  kfthl 

fivoKv  dtduxwif  unserer  erzähluiig  bedeutet  also  „beim 
UJttdekuhspiel''. 

Auch  die  Worte  mg  jk^Amto^  fci-Sw  nmwv  an;e9ti¥W  lassen 
sich  an8<(haulioher  machen.  Die  kiuder  spielteu  auf  dem  hofe, 
dabei  fiel  der  Meine  Glaukes  dutch  eine  kellerlnke  in  ein  fass 
mit  heilig,  ohne  dass  «s  eins  der  kiader  in  der  aufregung  des 
spiele  bemerkte.  Wir  fenüseen  hier  an  eins  der  mannsheben 
fimer  denken,  in  derea  inUt  c!as  kind  spurios  verschwinden 
konnie.  Die  absonderliche  todeeart  wird  ursprünglich  anders 
gedadift  «ein:  das  lallen  in  den  honig  mass  eich  hnt  das  fiieiUf* 
x^mw^  did  todtenspende  bestehen,  lihnlioh  wie  die  Iwmd 
ififfei  ig  fA'  «rrvrw  Smlg.  1654  auf  die  honiggemiechte  milch- 
8|^ttda>  die  ftMttgmu  f^kloaLvog  E«r.  Or.  115. 

Die  Kurelmi  äi%  woissaggende  weeeik  gehören  zar  kretisohen 
stafiage,  auch  dur  gefeierte  scher  Polj^os  war  vieUeidit  in 


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AsklepioB  und  die  heUschlange.  315 

einer  älterea  Cueung  Kreier,  wenigeteas  ist  der  name  eeiMi 
Taters  Koiranos  altkretisch:  «o  faeiset  Uiae  17,  611.  614  der  ans 
Lyfctoe  auf  Kreta  stammende  wagenlenker  des  Ifteriooes.  Po- 
lyidos  ist  bemfiMiame  für  einen  aeher,  der  ah  eolelier  an  keinen 
ort  gebunden  ist,  Hokvftdfoq  ist  „der  nelmesende^S  mid  er«- 
innert  an  den  ,,doolor  AUwisBend^  des  dentsoben  numkena; 
MS  fi4f^  (vgl.  altatt.  Üvoi  ^die  sengen'O  ^^^  regafareoht 
äolisck  'J-iSiog,  dorisck  -fidog;  Sophokles  kat  £rg.  357  m.  36B 
Holvldag  gemesaen.  Homer  kamt  einen  asher  Hohitiog  iL 
13,  663: 

A^fiJMM^  IMoiMfldov  fuofwiog  eidg  ^  Koflif9o9t  4itUa  pmim$\ 
darauf  hin  ist  Find.  Ol.  13,  105  der  Km^apUag  d.  L  Polfidoa 
Korinthier;  dem  widerspricht  nieht,  wenn  ak  heiaath  des  sehers 
bei  Apottod.  a.  a.  o.  Argos  genannt  wird,  das  im  nlten  spraek- 
gebrnnch  Eorinth  mit  be£s8ste.  Fans.  1,  34,  5  und  Diod.  Sir. 
4,  68  wird  PolTidos  an  den  grossen  aeber  Melampos  nnd  die 
IMampodiden  angesckloseen.  Jeden£ills  konnte  anstatt  Polyidoa 
irgend  ein  anderer  Seher  genannt  werden. 

Ebenso  ist  es  mit  Gkukos,  Ifinos  söhn.  Er  ist  bkas  das 
object  für  die  beriditete  wnnderwirknng.  Der  name  ist  fe- 
wäUt  im  hinbliek  auf  den  Meerglaakos,  den  naSitog  lU^xim^ 
von  Anihedon ,  der  dnrek  den  genuss  einer  miei^ßtog  Mm  nacb 
Aeschylos  im  Glaukos  Pontios  frg.  27.  28  immer  neu  beieU;, 
wie  01a.ukos,  Minos  söhn,  dnrch  das  scklangenkravt  wieder 
Idbendig  wiid. 

Die  aasprecbeade  sage  ist  Ton  SopbnUiw  drsmsrtsifst 
weiden.  Der  titel  des  Stückes  ..Mipt^tg^  »igt«  daas  die  be- 
rafiing  der  seber,  von  ApoUod.  nnr  dunek  die  «eris  ov/xA^- 
9in:nom  de  mir  pavw9fav  angedeutet,  grösseren  umfang  annabm^ 
wie  denn  der  name  eines  der  fremden  seber,  WaptsroQ^  «ines 
Sohnes  des  Teiresias  (Nauok  ficg.  tif^g.  3£0)  aberieefisrt  sst: 
|ov^o$  Qktfuvbq  TuQ%9iov  nmß'  SmpoKlijg  Mdvmaiv. 

Femer  hat  Sophokles  die  farbenwechadnde  brombeere 
{ßiv^)  diroh  die  frucht  das  maulbeerbamns,  der  ^vm^iof^ 
ersetnt,  der,  wie  die  Terse  frg.  362  bmckken,  zuerst  wnias 
blibt,  dann  rotbe  beeren  trügt,  die  bei  dar  rciüs  eebwean 
werden. 

Amok  Eurifsdes  bat  den  sloff  in  einer  tragödie  ^elyidoa 
oderflkiikos''bduindflU.  In  den  «ensen  des  frg.  637  bedohtet 
Polyidos,    wie  der  lag  dss  meeradlers  ran  der  see  her  anli 

21* 


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316  A.  Fiok 

land  ihn  äberzeugt  habe,  dass  die  leiche  des  Glaukos  auf  dem 
lande,  nicht  im  meere  zu  suchen  sei. 

Aelian  tadelt  N.A.  5,  2  Euripides,  dass  er  den  Polyidos 
habe  eine  eule  sehen  lassen  und  daraus  geschlossen,  dass  er 
die  leiche  des  Glaukos  finden  werde;  es  gebe  nämlich  in  Kreta 
gar  keine  eulen.  Hieraus  geht  hervor,  dass  Hyginus  136  den 
zug  in  seinem  berichte,  dass  Polyidus  —  vidit  noctuam  super 
cellam  yinariam  sedentem  atque  apes  fugantem,  was  ihn  zur 
entdeckung  der  leiche  in  dem  fasse  mit  honig  gefuhrt,  dem 
drama  des  Euripides  entnommen  hat  Ueberhaupt  haben  beide 
Tragiker  den  Hygini^s  beeinflusst.  Aus  Sophokles  nahm  er  den 
maulbeerbaum  „vitulum  —  arbori  moro  similem  esse'S 

Ob  auch  die  sonstigen  abweichungen  in  Hygins  berichte 
aus  der  tragödie  stammen,  ist  ungewiss.  Bei  Hygin  spielt  das 
kind  ball  —  pila  ludit  — ,  wird  Apollon,  nicht  die  Kureten  be- 
fragt, das  monstrum  des  bunten  kalbes  ist  noch  viel  grosse: 
es  wechselt  ter  in  die  colorem  —  per  quaternas'  faoras;  der 
seher  wird  mit  dem  toten  in  dem  grabmal  eingeschlossen 
und  ihm  ein  schwort  mitgegeben,  mit  dem  er  dann  die  schlänge 
tödtet,  statt  wie  bei  Apollodor  Xi&wi  ßaXaiv,  Nach  belebung 
des  knaben  hören  vorübergehende  beider  rufen,  und  melden 
das  Minos,  der  nun  das  grab  öffnet,  den  söhn  lebend  empfangt 
und  den  seher  mit  reichen  geschenken  entlasst 

Die  griechische  erzählung  von  der  heilschlange  hat  eingang 
in  das  deutsche  Volksmärchen  gefunden.  Anfang  und  ende  des 
Grimmschen  märchens  von  den  drei  schlangenblättem  n.  16 
lauten  allerdings  abweichend,  aber  das  mittelstück  ist  geradezu 
aus  Hygin  entnommen,  wenn  auch  mit  mancher  feinen  aus- 
malung.  Ein  junger  kriegsheld,  heisst  es  bei  Grimm,  freite  eine 
Prinzessin,  obgleich  diese  von  ihm  das  gelübde  verlangt,  sich 
nach  ihrem  tode  mit  ihr  lebendig  begraben  zu  lassen.  Sie 
stirbt,  und  nun  tritt  die  entlehnung  aus  Hygin  deutlich  her- 
vor. Ich  setze  die  partie  hierher,  da  sie  zugleich  ein  hübsches 
beispiel  von  selbständiger  bearbeitung  eines  entlehnten  sagen- 
Stoffes  bildet.  „Als  —  die  prinzessin  —  jodi  war,  da  erinnerte 
sich  der  junge  könig,  was  er  hatte  versprechen  müssen,  und 
es  grauste  ihm  davor,  sich  lebendig  in  das  grab  zu  legen,  aber 
es  war  kein  ausweg:  der  könig  hatte  alle  thore  mit  wachen 
besetzen  lassen,  und  es  war  nicht  möglich  dem  Schicksal  zu 
entgehen.    Als  der  tag  kam,  wo  die  leiche  in  das  königliche 


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ÄBklepios  und  die  beilschlange.  317 

gewölbe  beigesetzt  wurde,  da  ward  er  mit  hinabgeführt,  und 
dann  das  thor  Terriegelt  und  verschlossen. 

Neben  dem  sarg  stand  ein  tisch,  darauf  vier  lichter ,  yier 
leibe  brot  und  vier  flaschen  wein.  Sobald  dieser  vorrath  zu 
ende  ging,  musste  er  yerschmachten.  Nun  sass  er  da  voll 
schmerz  und  trauer,  ass  jeden  tag  nur  ein  bisslein  brot,  trank 
nur  einen  schluck  wein  und  sah  doch,  wie  der  tod  immer  näher 
rückte.  Indem  er  so  vor  sich  hinstarrte,  sah  er  aus  der  ecke 
des  gewölbes  eine  schlänge  hervorkriechen,  die  sich  der  Idche 
näherte.  Und  weil  er  dachte,  sie  käme,  um  daran  zu  nagen, 
zog  er  sein  schwort  und  sprach  „so  lange  ich  lebe,  sollst  du 
sie  nicht  anrühren^^  und  hieb  sie  in  drei  stQcke.  Ueber  ein 
weilchen  kroch  eine  zweite  schlänge  aus  der  ecke  hervor,  als 
sie  aber  die  andere  todt  und  zerstückt  liegen  sah,  ging  sie  zu- 
rück, kam  bald  wieder  und  hatte  drei  grüne  blätter  im  munde. 
Dann  nahm  sie  die  drei  stücke  von  der  schlänge,  legte  sie,  wie 
sie  zusammengehörten,  und  that  auf  jede  wunde  eins  von  den 
blättern.  Alsbald  fugte  sich  das  getrennte  aneinander,  die 
Schlange  regte  sich  und  ward  wieder  lebendig,  und  beide  eilten 
mit  einander  fort.  Die  blätter  blieben  auf  der  erde  liegen,  und 
dem  unglücklichen,  der  alles  mit  angesehen  hatte,  kam  es  in 
die  gedanken,  ob  nicht  die  wunderbare  kraft  der  blätter,  welche 
die  Schlange  wieder  lebendig  gemacht  hatte,  auch  einem  men- 
schen helfen  könnte.  Er  hob  also  die  blätter  auf,  und  legte 
eins  davon  auf  den  mund  der  todten,  die  beiden  andern  auf 
ihre  äugen.  Und  kaum  war  es  geschehen,  so  bewegte  sich  das 
blut  in  den  adem,  stieg  in  das  bleiche  angesicht  und  röthete 
es  wieder.  Da  zog  sie  athem,  schlug  die  äugen  auf  und  sprach 
„ach  gott,  wo  bin  ich?"  „Du  bist  bei  mir,  liebe  firau'',  ant- 
wortete er,  und  erzählte  ihr,  wie  alles  gekommen  war,  und  er 
sie  wieder  ins  leben  erweckt  hatte.  Dann  reichte  er  ihr  etwas 
wein  und  brot,  und  als  sie  wieder  zu  kräften  gekommen  war, 
erhob  sie  sich  und  sie  gingen  zu  der  thfire,  und  klopften  und 
riefen  so  laut,  dass  die  wachen  es  hörten  und  dem  könige 
meldeten.  Der  könig  kam  selbst  herab  und  öffiiete  die  thüre, 
da  fand  er  beide  frisch  und  gesund,  und  freute  sich  mit  ihnen, 
dass  nun  alle  noth  überstanden  war'^ 

In  Wahrheit  freilich  war  die  noth,  wie  der  fortgang  des 
märchens  zeigt,  noch  nicht  vorbei.  „Es  war  mit  der  frau  eine 
Veränderung  vorgegangen"  heisst  es  weiter,  sie   wurde  ihrem 


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318  A.  Fick 

lebensrettar  untreu  und  stellte  ibm  nach  dem  leben,  das  ihm 
nur  die  drei  schlangenblatter  wiedergaben.  Hier  kommt  die 
in  aller  naturreligion  tief  wurzelnde  vorsteUung  zum  ausdruck, 
dass  die  einmal  den  unheimlichen  todesmächten  rerfallene  seele 
sum  lebenfeindlichen  gespenste  wird,  das  sdbet  die  nächsten 
angehörigen  mit  nnbefl  bedroht  — 

Den  glauben  an  die  heilkraft  der  schlänge  finden  wir  auch 
in  der  bekannten  erzählung  toh  der  ehernen  schlänge,  deren 
anblick  den  biss  der  feurigen  schlangen  heilte,  also  eine  art 
g^genschlange,  g^gengift  4.  Mose  21,  69.  Der  dienst  erhielt 
sich  bis  zum  konige  Hiskia,  dieser  ,,zer8ties8  die  eherne  schlänge, 
die  Mose  gemacht  hatte,  denn  bis  zu  der  zeit  hatten  ihr  die 
kinder  Israeb  geräuchert,  und  man  hiess  sie  Nehuflhan'' 
2.  Könige  18,  4  i> 

In  Qriechenland  ist  die  rerehrung  der  heilkundigen  schlänge 
eng  mit  dem  kult  des  heilgottes  Asklepios  verbunden.  ,,Da8 
gewöhnliche  symbol  des  Asklepios  war  die  schlänge''  P(reller) 
Rob(ert)  s.  625  f.  In  seinen  heiligthümem  wurden  schlangen 
nnterhaltett.  In  der  burlesken  darstellung  einer  inkubation  im 
Asklepieion  Aristoph.  Plutos  649  f.  zischt  Karion,  um  sich  eines 
topfes  mit  brei  zu  bemächtigen  (ig  ftagelag  w  ofptg\  die 
schlangen  müssen  also  dort  frei  umhergelaufen  sein.  Dasselbe 
ergibt  sich  auch  aus  Flut  782,  wo  auf  den  pfiff  des  gottes 
zwei  grosse  schlangen  aus  dem  tempel  henrorschiessen,  dem 
blinden  Plutos  unter  die  aufgelegte  binde  kriechen,  ihm  die 
angen  belecken  und  diese  dadurch  heilen.  Hier  dienen  die 
schlangen  geradezu  als  heilgehülfen.  In  n.  114  der  heilungs- 
gesohichten  ?on  Epidauroe  Smlg.  3389  heisst  es:  Miq  dantvlar 
ii9tj  hnb  og>iog.  Auch  wird  die  tempelschlange  beim  opfer 
mit  bedacht,  wie  in  Kos,  s.  Herondas  4,  90 

ig  te  tfjp  tfdylijp 
tÖP  ftilavov  ¥if&€g  tov  dfdxoptog  4ti/^fi(og. 

Ja  der  gott  selbst  erscheint  als  schlänge  in  der  stiftungs- 
legende  des  Asklepieion  von  Sikyon:  g>aai  de  (ol  Sikihopioi) 
OipiCiP  i^  ^'EftidavQOv  ito/tia&^vai  vöp  d^aop  inl  ^evyovg  ^/iuS'^ 

1)  Dazu  bemerkt  auf  meine  anfrage,  hülfbereit  wie  immer,  mein 
freund  Ferd.  Justi,  „dass  hebr.  nä^ui  von  n^oi  „ zischeln*'  (von 
schlangen)  ,,schlange"  bedeniet,  dass  aber  nifxustän  2.  könige  18,  4  von 
aramäisch  ns^ui  „ers,  kupfer^*  oder  näher  von  hebr.  «M/iiiir  „ers,  knpfer'* 
abgeleitet  wird. 


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Asklepios  und  die  heilschlange.  919 

ya»y  i^6%ovi$  ^inmafiivoy  Paus.  2,  10,  8.  Hier  habeB  wir 
den  beweis  ib  bänden,  dass  nreprUngliob  die  seblange,  ale  In- 
haberin wunderbarer  beilkraft  gedacht,  selber  das  göttlich  ver- 
ehrte wesen,  die  heilgottheit  war.  Nieht  jede  sobhmgenart 
genoes  solche  Verehrung,  selbstverständlich  keine  giftige,  es 
waren,  wie  wir  aus  Arist.  Plut  690  ersehen,  die  ntifefm  HfHg, 
von  denen  es  bei  Hesych  heissts  ü^a^  ali^  fi^ymlag  nrcr^sidß 
exovToty  toStg  de  fjxiata  ddnvei  äy^Qoinovg.  Bei  Harpokration 
beisst  es  p.  147,  4  nofeUu  H^ig  (^/uos^iMjg  inif  KTtjai" 
gifSygog).  naqüm  cvofiä^wwal  ViVig  o^p$iQ  na^  ti  nofuitg 
^i^wg  Hjieiv^  cig  nai  Kfmlvog  h  7)?o^Wiiii  vx^mifirnlv^. 
Demosth.  de  cor.  360  schildert  den  Aeschines,  wie  «r  bei  der 
Sabaaiosfeier  tobt  „tov$  oq>eig  toi^  nmftlag  ^Ußum**. 

In  Lakonien  vnirde  Athene  unter  dem  beinamen  Pareia 
verehrt:  r^v  ii  in  ^A^jfMtdlag  hi^iv  Ix  ^6f9rjg  i^^vp^g 
iürtpiev  inUXtfliv  JIctQ^lag  äfaXfia  h  vnaiS^HH  Paus.  3,  20^  8. 
Athene  ist  auch  sonst  eng  mit  sohlangendienst  verbunden,  be- 
kannt ist  ja  die  heilige  sehlange,  die  ^Inovfig  Sfpig  in  ihrem 
tempel  auf  der  bürg,  nach  der  Sophokles  sie  d^myLccvkog  nannte. 
So  biess  sie  denn  bei  Sparta  selbst  näf$$0,  wie  sie  In  der  M e- 
garis  h  lä^vSg  Al^vimg  naXovfiiwwi  (niofrMeii  Paus.  1,  5,  8 
aV&vu$  „tauchervogel,  mergus^'  genannt  und  oflbnbar  auch  als 
solcher  gedacht  wurde. 

Minos  Beugte  kinder  ht  IJa^tig  vvfAq>ijg  Apollod.  3,  1,  96; 
als  Ttageia  ist  auch  die  Echidna  Heslods  lu  denken,  wenn  es 
Theog.  *298  von  ihr  beisst 

^fiiav  <f  0ivje  fgiXfOdov  Sfiy  — 

So  ist  denn  auch  die  schlänge,  deren  ftoa  dem  Minoskinde 
Glaukos  das  leben  wiedergibt,  zweifellos  als  ftoQBlag  itpig  au 
denken. 

Dass  Asklepios  wirklich  ursprttnglich  die  göttlich  verehrte 
Pareiasschlange  war,  wird  noch  weiter  durch  die  etyraologie 
seines  namens  erwiesen.  Verfehlt  ist  die  Verbindung  mit  lat. 
»ealpo  (I),  einzig  richtig  die  Zusammenstellung  mit  aytaXand^ei, 
^fißezai  und  fmaXffd^eiv'  ^fißioicLg  ßadl^eiv,  beides  bei  He- 
sych. Mit  der  erstem  form  anaXan^^aiv  stimmt  die  thessa- 
lische  namensform  ^^anaXamdg  in  ^AefutXnmddov^og  Phalanna 
Smlg.  13808,  wozu  ^AaxotXSg  Hermion  8398  b  ti  eine  koseform 
ist,  vgl.  ^AayiXag  xai  'AauXrinag  ol  'AauXriTta  Mitth.  10.  13  n.  1, 


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320  A.  Fick 

l^axläft'  verhält  sich  zu  axalan:^  wie  Thgrjxs  zii  %aQaaam^ 
Taqaxq'  Zu  OTfLaXft-^tßiv  stellt  sich  die  form  ^Aa%aXni6q^  die 
PRob.  s.  522,  3  aus  Kreta  belegt.  In  AlaxalAniog^  wenn  eine 
solche  griechische  namensform  dem  lat.  Aesculapius  zu  gründe 
liegt,  ist  wohl  eine  intensivbildung  mit  ai.-  wie  in  nai-qwaaw 
dai^däUUo  u.  a.  zu  erkennen,  al  statt  al-  stimmt  in  der  ein- 
busse  der  aspiration  mit  iftearanovra  der  alten  thessalischen 
Hyloreninschrift  s.  o.  26,  118. 

Auch  der  name  des  Asklepiaden  IIodalaiQiog  erklärt  sich 
völlig,  wenn  man  eine  beschreibung  der  heiligen  heilschlange 
darin  sieht  Die  Zerlegung  in  noda  „den  fuss'^  und  XaiQiog 
(vgl.  lit  leüas  schmal,  dünn),  und  demnach  die  deutung:  top 
noda  XsIqiop  e^u^v  ist  gar  nicht  zu  verfehlen  und  zu  umgehen. 
Nun  wäre  allerdings  „schmalfuss'^  für  einen  beiden,  als  welcher 
Podaleirios  im  epos  erscheint,  ein  wenig  passender  name,  desto 
mehr  für  eine  schlänge,  oder  schlangenfässiges  wesen.  Die 
namen  Asklepios  und  Podaleirios  bezeichnen  ursprünglich  nicht 
verschiedene  wesen,  sondern  malen  nur  dieselbe  heilschlange  in 
verschiedener  aktion:  als  uicuXfjrcidg  bew^  sie  sich  in  Win- 
dungen daher,  anaXftd^ei*  ^^fußioöäg  ßadi^ev^  axaXana^*  ^fi^ 
ßeraiy  als  IlodaXuqiog  steht  sie  aufgerichtet  da  auf  spitzzu- 
laufendem fusse.  Man  vei^leiche  dazu  die  darstellung  der 
Asklepiosschlange  in  der  kunst:  ,,sie  wurde  gewöhnlich  aufge- 
wickelt ruhend,  oder  mit  emporgerichtetem  oberleibe  wandelnd 
abgebildet''  PRob.  s.  525. 

Dieser  Schilderung  reiht  sich  Kogtoplg  an,  später  als'  mutter 
des  Asklepios  gedacht,  ursprünglich  wohl  nur  die  weibliche 
heilschlange,  die  wir  oben  als  ^Adtp^S  noQsla  und  vvfjigni 
IlaQala  und  Minos  weib  kennen  lernten.  Mit  der  krähe  xo- 
gtivf]  hat  Eoronis  wohl  nichts  zu  schaffen:  sie  ist  die  sich 
ringelnde,  zusammengewickelte  schlänge,  noQiovideg  heissen  die 
gebogenen  schiffe  bei  Homer,  xoQciv^  alles  was  sich  krümmt. 
Ursprünglich  gehören  lAaxXriTciog  iqdi  KoQWplg  auch  metrisch 
zusammen,  wie  üoöaXelQiog  rjdi  Maxatov. 

Der  letzte  name  ist  nicht  direkt  zu  fiaxi]  zu  stellen,  son- 
dern zu  fi^og  (xoxotT,  voaov).  XeiQOfiaxai  hiess  die  hand- 
werkerpartei  in  Milet,  nicht  weü  sie  mit  der  band  kämpften, 
sondern  wirkten:  fiijxog  iji^ov^  und  fiaxeod-ai  sind  von  der- 
selben Sippe,  zu  lAijxoLQ  gehört  (naxciiQcc;  an  die  grundbedeutung 


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Asklepios  und  die  heilschlange.  321 

„vermögen"  schliesst  sich  „gegeninrken,  wehren*'  an,  ofiotxog 
ist  soviel  wie  dfirixavog. 

Ist  Asklepios  ursprünglich  schlänge,  so  erklärt  sich  auch 
das  opfer  des  hahns,  das  ihm  dargebracht  wurde:  der  hahn, 
erst  um  500  v.  Chr.  in  Griechenland  eingeführt,  ist  späterer 
ersatz  für  einen  vogel  überhaupt  (umgekehrt  hiess  ij  o^tg 
später  die  henne),  ein  vogel  ist  aber  für  die  schlänge  ein  schwer 
zu  erlangender  und  desto  willkommnerer  leckerbissen.  In  Thel- 
pusa  —  Paus.  8,  25,  11  —  ist  aus  der  turteltaube  tfvyiov,  der 
alten  nahrung  TQoqn]  der  Asklepiosschlange  TQvywv  die  amme, 
^  VQiHpog  des  Asklepioskindes  geworden. 

Versuchen  wir  nun  dem  gedankengange  nachzuspüren,  der 
zur  Verehrung  der  schlänge  iJs  eines  heildämons  führte.  Zwar 
ist  die  Vorstellung  von  Schlangenklugheit  uralt  und  nicht  bloss 
bei  den  Indogermanen  nachzuweisen,  heisst  es  doch  1.  Mose  3,  1: 
„Und  die  schlänge  war  listiger  denn  alle  thiere  auf  dem  felde, 
die  gott  der  herr  gemacht  hatte'S  und  selbst  die  heilschlange 
ist  auch  sonst  verehrt  worden,  aber  der  weg,  auf  dem  die 
griechen  zu  ihrem  Asklepios  gelangten,  hat  doch  besondere 
Stadien  durchlaufen.  Ausgang  ist  hier  die  künde  der  kräuter, 
die  man  der  schlänge  zuschrieb.  Wenn  sie  durch  gras  und 
kraut  sich  daherschlängelt,  hat  sie  zu  solchen  Studien  die  beste 
gelegenheit,  und  wenn  der  bergdrache  Uias  22,  93  f.  grässlich 
blickend  voll  wuth  um  sein  loch  sich  ringelnd  den  menschen  er- 
wartet, dann  hat  er  „böse  kräuter  gegessen*',  ßeßQwnwg  xcmc 
gnigficata  liegt  er  da.  Aber  die  schlänge  kennt  auch  ein  an- 
deres kraut»  das  ihr  die  kraft  ^bt,  ihr  leben  zu  verjüngen, 
wenn  sie  die  alte  haut  abwirft  und  damit  das  alter  abschüttelt. 
yiJQag  „das  alter"  hiess  geradezu  die  abgestreifte  schlangenhaut 
und  To  y^Qag  hidvvai  —  Aristoph.  frieden  336  —  sich  ver- 
jüngen. Dies  zauberkraut,  diese  n6a  aeit^wogy  galt  es  der  in- 
haberin,  der  schlänge,  abzugewinnen.  Willig  gab  sie  es  nicht 
her,  der  drache  ist  ja  durchweg  und  nicht  bloss  dem  Griechen 
—  man  denke  nur  an  den  nordischen  Fafhir  —  der  neidische 
Schatzhüter,  es  galt  also  die  schlänge  freundlich  zu  stimmen. 
Nicht  jede  schien  zu  diesem  versuche  geeignet,  der  giftigen 
traute  man  nur  böses  zu  —  so  wählte  man  die  pareiasschlange, 
die  ^xiora  daxvei  dv^qiortovq.  Auch  gaben  die  grossen  backen 
ihrem  gesiebte  ein  etwas  menschlicheres,  freundlicheres  aussehen. 
So  nahm  man   denn  die  pareias  in  pflege  und  hut,  gab  ihr 


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322  A.  Fick 

quartier  and  gute  nahrung.  Aber  auch  so  gab  sie  ihre  geheim- 
nisse  nicht  jedem  preis,  nur  ihrem  pfleger,  dem  priester»  liess 
sie  solche  in  der  geheimnisvollen  Offenbarung  des  traumes  zu- 
kommen: das  ist  der  Ursprung  der  inkubation,  der  sich  zwar 
der  patient  selbst  unterzog,  aber  doch  nur  auf  Weisung  des 
prieeters  und  im  tempelbezirke. 

Im  weiteren  fortschreiten  des  religiösen  denkens  genügte 
die  Vorstellung  einer  ursachlos  der  schlänge  einwohnenden 
kenntnis  nicht  mehr :  sie  musste  diese  selbst  von  einem  höheren 
wesen  erhalten  haben.  So  trennte  man  den  gott  von  seinem 
fetisch,  den  Übergang  bildete  vielleicht  die  Vorstellung  von  einem 
Schlangenkönige,  wie  die  inder  einen  solchen  kennen ,  bei  den 
deutschen  ist's  eine  Schlangenkönigin.  Wenn  Asklepios  die 
Schlange  speisend  und  tränkend  dargestellt  wird,  so  ist  er  es 
jetzt,  der  das  lebenskraut,  den  lebenstrank  der  früheren  inha- 
berin  mitzutheilen  die  macht  hat.  In  solcher  macht  heisst  er 
als  der  kraftspender  die  kraft  selber  —  ^laxvs  —  der  später 
zu  seinem  vater  erhoben  und  noch  später  als  solcher  durch 
ApoUon  verdrängt  wurde. 

An  den  lebenstrank  knüpft  sich  die  kur  durch  tränke,  wie 
an  die  noa  die  kräuterkur.  Später  wurde  auch  die  luftkur 
herangezogen,  und  so  hiess  Asklepios  dyXaöfvrig  und  alykatjg. 
Das  sind  natürlich  jüngere  namen,  die  erst  entstehen  konnten, 
als  sich  zunehmende  ärztliche  einsieht  bei  den  Asklepiaden 
entwickelte. 

Die  heimath  des  Asklepiosdienstes  war  Trikka  am  Lethaios 
„^y*  w  6  l^axkTjTViog  Xiyerai* yevvrjd^vaL^^  Strabo  647.  Dort 
in  seiner  ursprünglichen  gestalt  als  Schlangendämon  gehört  er 
zu  den  lokalen  höhlengeistern,  über  welche  Rohde's  Psyche  so 
viel  licht  verbreitet  hat.  Schon  als  schlänge  gehört  er  in  die 
unterweit,  daher  heisst  es,  Zeus  habe  ihn  mit  dem  blitz  er- 
schlagen mit  der  neuen  motivierung,  weil  er  gegen  die  weltord- 
nung  todte  erweckt  habe.  ApoUon  verlässt  in  folge  davon  den 
Olymp,  d.  h.  er  geht  als  Ischys  in  die  unterweit.  Von  Trikka 
aus  hat  sich  der  Asklepiosdienst  über  ganz  Griechenland  ver- 
breitet, und  auf  dieser  Wanderung  die  spuren  des  alten  höhlen- 
kults  fast  völlig  abgestreift.  Asklepios  vnirde  der  göttliche 
patron  der  heilkunst. 

Vom  epos  wurde  Asklepios  und  sein  geschleoht  heroisiert 
und  vermenschlicht:   Podaleirios  und  Machaon  sind  als  söhne 


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AsklepioB  und  die  heilschlange.  323 

des  untadligen  antesror  Ilion  als  ante  thätig,  ron  ihrer 
dämoniBchen  natur  keine  spur.  Überhaupt  konnte  das  epoe 
die  alten  höhlengötter  als  solche  nicht  brauchen,  es  hat  feie 
durchweg  in  beiden  der  vorzeit  umgewandelt:  so  wurde  der 
Zeus  Trophonios  von  Lebadeia  zum  tiefbaumeister,  die  Dios- 
kuren  von  Sparta,  die  Molionen  von  Elis,  Amphiaraos  von  Oro- 
pos  waren  ursprünglich  an  ort  und  stelle  hochTerehrte  dämonen, 
im  epos  sind  sie  blosse  heroen,  auch  Odysseus  gehört  hierher 
als  inhaber  eines  Orakels  in  Aetolien  nach  Aristoteles  frg.  bist. 
Oraec.  II  147.  131. 

Walsrode  im  october  1901.  A.  Fick. 


Lat.  umbra. 


Lat  plüma,  lit.  plünksna,  ^^feder^S  la.t.  umbra,  lit   unkma 
,,schatten^* ;  ksL  tUro  „tagesanbruch^S  goi  ahtvö,  lit.  ükaa. 

J.  Schmidt  Kritik  der  sonantentheorie  s.  107  giebt  die 
schöne  vergleichung  und  erklärung:  „Lat.  pluma  aus  ^pluxma 
oder  plunxma  :  lit.  plünksna  feder  vielleicht  aus  *plunksna 
(vgl.  vandens  aus  vadens,  got.  vatins)  zu  abd.  fliogan'^.  Ich 
nehme  das  thatsächliche  hiervon  durchaus  aui  und  sehe 
^plunksmna  als  grundform  von  pluma  und  plünksna  an. 

Diese  etymologie  führt  auf  eine  neue  erklärung  von  lat. 
umbra,  an  dem  man  sich  so  oft  vergeblich  versucht  hat  Von 
den  beiden  erklärungen  Bezzenberger's  (o.  I,  342  zu  ai. 
ancßiäs  »»blind'S  o.  V,  1Ü4  zu  ovoq  y,iiA  traum^')  ^)  nehme  ich 
soviel  an,  dass  ich  br  auch  aus  er  entstehen  lasse.  Bedenken 
wir  noch,  dass  neben  r-  sehr  oft  n-suffixe  liegen  (s.  J.  Schmidt 
Neutra  172  ff.  Johansson  Beitr.  z.  gr.  sprachk.  Iff.,  o. 
XVin  1  ff.  •)),  wird  die  vergleichung  von  umbra  mit  lit.  unksna 
„schatten''  tadellos  erscheinen.    Auch  hier  gehört  der  guttural 

1)  Stell  H.  Gr.  I.  2.  S26  vermischt  beide:  y^umbra  aas  amra 
ai.  amdh4-*%  woför  er  allein  verantwortlich  bleibt. 

2)  8.  84  dieses  aufsatzes  wird  fiezzenberger's  vergleichung  mit 
OVOQ  modifioiert  angenommen.    Aber  gegensatz  zu  or-a^  ist  Ijn-a^. 


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324  W.  Prellwitz    Lat  umbra. 

zur  Wurzel.  Denn  als  solche  ist  für  das  litauische  wort  bereits 
die  von  ükstos  „es  wird  trüb  wetter^*  erkannt  ^),  das  weiter  zu 
got.  ühtvö  „morgendämmerung"  gehört.  Die  bisherigen  Zu- 
sammenstellungen Ton  ühtvo  mit  anksti  „frühes  ai.  akiä,  lat. 
nox,  vi^  u.  s.  w.  (s.  J.  Schmidt  Neutra  212 ff.,  kritik  der  so- 
nantentheorie  153)  lehne  ich  alle  eben  des  lit.  aücsla  wegen  ab. 
Auch  dass  got.  ühtvo  einen  nasal  Terloren  habe,  lässt  sich  nicht 
mehr  mit  Sicherheit  behaupten.  —  Zwar  Szyrwids  unksna  könnte 
für  ^anksna  stehen,  wie  Nesselmann  richtig  bemerkt,  aber  ükda, 
apstüksta  „der  himmel  bezieht  sich  mit  wolken^S  ükas  „dunst, 
nebel,  trübe  wolken^S  iikana  trübes  wetter,  üzüksmis  „vor  wetter 
geschützter  ort**  zeigen,  dass  der  wurzel  ü  zukommt  Und 
Mezinis,  der  anksti  mit  a  schreibt,  hat  s.  262  neben  uismS 
und  pauksmis  auch  paunkmüy  wenn  er  auch  das  einfache 
unksna  nicht  kennt.  Also  hat  unhma  altes,  echtes  u.  Auch 
ksl.  utro  „tagesanbruch**  dürfte  hierhergehören;  denn  es  kann 
für  *üktro  stehen  und  gleich  got.  ühtvö  eigl  „dämmerung** 
bedeutet  haben.  Schon  Berneker  IF.  X,  156  erklärt  es  für 
nötig,  dies  wort  und  seine  verwandten  (Miklosich  Vgl.  wb.  373) 
von  ^log  zu  trennen,  und  hier  zeigt  sich  uns  der  richtige  weg 
der  erklärung.  Brugmanns  Zusammenstellung  mit  ß$,  u 
'schon'  (Grdr.  2.  186)  erschien  auch  Berneker  nur  als  not- 
behelf. 

Mit  unksna  das  gleichbedeutende  lat.  umbra  vergleichen 
heisst  also  für  dieses  *unxra  als  grundform  ansetzen.  Aus 
dieser  müsste  *unsra,  *unßra,  *unfra,  utnbra  geworden  sein. 
Über  sr  zu  fr-,  -br-  s.  Fröhde  o.  XVI,  207. 

Ich  sehe  nichts,  was  dieser  erklärung  entgegenstünde. 
Dass  die  wurzel  ük^  unk  sonst  im  Lateinischen  gar  nicht  be- 
legt ist,  darf  nicht  dagegen  geltend  gemacht  werden,  da  umbra 
in  jedem  falle  isoliert  dasteht.  Umbria  das  „schattenland'S 
ähnlich  benannt  wie  das  Ühtland  in  der  Schweiz  oder  wie 
Austria,  hat  seinen  namen  offenbar  von  den  südlicheren  La* 
tinern  erhalten. 

1)  Berneker  Die  preass.  spr.  s.  280;  er  schreibt  fälschlich  ikkiia 
und  behält  die  vergleichung  mit  anksÜ  bei.  Eine  Vereinigung  mit  ikku, 
aquüus^  anksti  wäre  aber  höchstens  möglich,  wenn  man  neben  ük  ein 
9uk-  ak  :  Uk  annehmen  will,  wofür  sonst  kein  anhält  besteht.  Denn 
avxr^X^'  %fog  vno  Tuq{q)fiviSv  bei  Hesyohius  kann  daför  nicht  gelten. 

Königsberg  i.  Pr.  Mittelhufen.  W.  PreUtcüz. 


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W.  Prellwitz    Anzeige.  325 


J.  Yalaori.     Der   delphische   dialect      Göttingen    Vandenhoeck 
und  Ruprecht   1901.     83  8.     8"".     2.60  M. 

Nachdem  J.  Baunack's  ausgäbe  der  delphischen  inschriften 
in  der  Sammlung  der  griechischen  dialect-inschriften  fertig  gestellt 
war,  lag  es  nahe,  den  delphischen  dialect  einer  zusammenhängen- 
den darstellung  zu  unterziehen. 

Die  vorliegende  arbeit  will  ein  bild  der  lautentwickelung  und 
der  flezionsgeechichte  entwerfen.  Sie  giebt  geordnet  in  der  üb- 
lichen weise  eine  Übersicht  über  das  materiad,  die  dem  kenner 
ähnlicher  arbeiten  wohl  nützlich  sein  kann.  Im  übrigen  muss  darauf 
aufinerksam  gemacht  werden,  dass  V.  ganz  nach  der  Schablone 
arbeitet»  und  dass  seine  infolge  allzugrosser  kürze  oft  undeutlichen 
behauptungen  nicht  wortlich  zu  nehmen  sind.  Das  zeigt  gleich 
der  erste  satz:  1.  ,^a  entspricht  einem  attischen  fi^'.  Nichts  kann 
unrichtiger  sein,  und  der  vf.  meint  das  auch  gar  nicht»  will  viel- 
mehr nur  sagen,  dass  im  delph.  dialect  bisweilen  da  a  erscheint, 
wo  im  Attischen  e  steht.  Einen  lautlichen  Übergang  von  a  zu 
e  nimmt  er  wohl  selbst  in  keinem  der  fälle  an.  So  verträgt  sich 
mit  dieser  ersten  behauptung  auch  die  scheinbar  widersprechende 
zweite:  „a  entspricht  einem  att  o''.  In  diesem  stil  wird  die 
ganze  lautlehre  abgethan.  Ich  habe  in  dem  Jahresbericht  über 
die  griechische  dialectforschung  (Bursian's  jahresber.  bd.  106. 
S.  99)  eine  andere  nicht  so  äusserlich  schablonenmässige  behand- 
lung  vorgeschlagen  und  erlaube  mir  den  herm  vf .  darauf  hinzu- 
weisen. Es  ist  durchaus  nötig,  dass  zunächst  in  den  fachschriften 
die  fortschritte  der  Sprachwissenschaft  wirklich  durchdringen.  Ist 
es  denn  nicht  gradezu  traurig,  wenn  ein  schüler  Job.  Schmidt's 
in  einer  diesem  meister  gewidmeten  sprachwissenschaftlichen  arbeit 
über  ^AftiXkunf  zu  IdnoXhaif  unter  dem  Vordersätze  „£  entspricht 
einem  att.  o^'  handelt»  obwohl  er  nachher  selbst  erklärt,  „das  o 
gegenüber  dem  e  ist  unursprüDglich'M  Soll  man  sich  dann  noch 
darüber  wundem,  wenn  die  nichtfachleute  über  jene  äusserliche 
beurteilung  nicht  hinauskommen?  So  verteidigt  im  Bull,  de  corr. 
heU.  XXIV,  1900.  241  J.  Demargne  kret  ßUtwi  (—  ßi6%(fi) 
mit  dem  hinweis  auf  ^uiniXhav  :  ^SkTtdUxar  und  ein  deutscher 
Philologe  von  unzweifelhaften  Verdiensten  wie  Hiller  von  Gärt- 
ringen druckt  so  etwas  nach  (Hermes  1901.  Bd.  36.  S.  453)1 
Offenbar  befriedigt  es  ihn  nicht»  aber  die  Sprachwissenschaft  hat 
dafür  zu  sorgen,  dass  solche  ganz  oberflächlichen  vergleichungen 
überhaupt  verschwinden. 

Wenn  man  nichts  besseres  beizubringen  wüsste,  bliebe  die 
neue  kretische  form  völlig  unklar,  ja  man  müsste  sie  für  einen 
Schreibfehler  halten.  Eine  lautliche  parallele  dafür  könnte  man 
höchstens  in  thess.  du  •-  öia  oder  amorg.  Jtevvaui  finden,  die 
aber   an   sich   auch    unklar   sind,   also   nichts    erklären   können. 


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326  W.  Prollwite 

Vgl.  O.  Hoffmann  Die  griech.  dialekte  m,  256.  Dagegen  die 
wortbildungslehre  wirft  ein  helles  licht  auf  unser  kret  ßierog. 
Indem  ich  auf  meine  auseinanderseicung  o.  25.  281  f.  wweise, 
führe  ich  hier  nur  olxitrjg  neben  dfjfji6%rjq^  epidaurisoh  ^^Cioiog 
und  ^u^^oaiog  an.  So  stehen  ßierog  und  ßioxog  als  ableitungen 
neben  den  Stammformen  ßio-^  ßU-  ^).  Vgl.  auch  leyofMiif  JiiyeTS. 
Doch  kehren  wir  wieder  zur  behaodlung  des  ddiphiKshen 
dialeoto  durch  Valaori,  speciell  seintt:  ausananderaetcung  über 
^^TteXlwv  lATtoXkütv  zurück.  Er  fährt  als  beleg  dar  enterea 
form  nur  den  monatsnamen  '^fteXiMog  an,  den  er  in  der  her- 
gebrachten weise  von  ^^TteXlwv  ableitet  Aber  gerade  die  dd- 
phische  Labyadeninachiift  sollte  uns  jetzt  riditiger  orteifan  lehren. 
So  gut  wie  die  «brc^JUrla,  opfertierspenden  sur  itüiXu,  der  Ver- 
sammlung der  phratrie,  kann  auch  der  mooat  nmck  diesen  in  ihm 
abg^ialtenen  ^^Ttilkai.  b^iannt  sein.  Dann  erklärt  sich  aiidi  die 
Wortbildung,  die  bei  ableitung  von  'jiftüiAav  unTerstandfich  ist^ 
und  es  passt  sehr  gut  dazu,  dass  der  ^^dneUmog  der  erste  sMnat 
der  ersten  ^ifirp^og  ist.  Batmaok  setzt  dies  in  der  aiimerkiuig 
zur  Labyadeninscluift  alles  auseinander,  ja  nur  «ines  haares  breite 
ll^lt  ihm  bis  zur  richtigen  erkenatnis,  wenn  er  sagt:  ,,Das  haupt- 
fest  waren  die  ^^ftellaiz  es  hat  eben  davon  seinen  namen,  dass 
im  monat  ^uäiteklaiog  die  verschiedenen  fJumtrieen  gleidbxeitig 
ditelXag  abhielten*'.  afCBkloi^Biv  ist  nicht  bloss,  wie  B.  sagt,  aus 
den  grammatikern  bekannt,  sondern  vor  allem  aus  der  ^//i^a  des 
Lycurg  (Plut  c.  6),  jedenfalls  vor  dem  verdacht,  von  ^.AwäiXmf 
heTBukemmen,  sicher.  Überhaupt,  wo  wird  jemals  ein  fest  nach 
dem  monat  imd  nicht  viel  mehr  umgekehrt  der  monat  nach  fleinem 
hanptfest  benannt?  Hierfür  bietet  der  anfang  des  vierten  teils 
der  Labyadeninschrift  den  besten  beleg :  legehnässige  festachmause 
sollen  sein  ^^niiXai  xal  BovKavia^  Bi^Sse,  JmgdmpAoiaj  Hot- 
vganta x«rt  ^aq>^[a  x]ttt  Beo^ena  .  . .  .  »m  Gk^^anlci« 

1)  Vorausgesetst  wird  dabei,  dass  die  kret.  intchrtft  ah  ein  eiaiger- 
massen  suverlässiges  zengnis  der  mundart  gelten  kann.  Hiller  v.  G. 
nimmt  ihr  diese  eigenschaft  zwar,  indem  er  aicv  xata  ifitifioa[v\vttiß  ak 
zeichen  von  „unconseqaentem  dorismas*'  aaffasst.  Er  scheint  das  wert 
n&mlich  von  (^^i/uf?,  dor.  tpafia  abzaleiten,  während  es  doch  ohne  zweifei 
»  iipifiaavva  —  hom.  iiffiftitffuinj  (von  triui,  V^tf«l)  ist.  Bemerkeaswert 
ist  die  bebandlang  der  zusammenstosseaaen  vocale,  for  die  man  «lisiaa 
des  ff  von  xatd  erwartet.  Sie  erinnert  an  neugr.^a  ^x'^ssS-ä  ij^m  (Thnmb 
Nengr.  volksspr.  §  10). 

Die  ganze  inschrift  lautet  (nach  Hiller  von  Grärtringen) : 
[TXfUiiov  Jio] 

[v]v[d]os  r^^«*] 

ävxop, 

JSoH,  KwtaQtoaup&t  KvHbh^  gyno»  ayaJLfia 

T/juoim  fOToaev  0ap  xaTa(prifiiMr[v}vaPf 

avixa  ol  xara  ri;xm  dii[ipQ]ttd€s,  el  xcv  Iv  ladlm 

[ix  ;|f]ailcm»i;  piirm  ordi  xal  [iv  ^v^tm. 

ZiP&€fl9t   0 


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Anzeige.  327 

und  dieeen  festen  entaprechen  skdMr  die  delphischen  atonatsnemen 
BovxaTiog,  ^HQaioQy  Jaida<pcQiog,  Ilou^xiog^  Sso^Ptog  und 
'fijpcbcAno^  und  der  ätolische  AatpQiixioq  1902  i,  der  phokische 
jiatpQi;og  1728»,  1877  s*  Also  wird  auch  der  ^^ftillkaioq  nach 
den  ^AftiUjH  benannt  sein,  ebenso  der  '^7tB)Jkaiw¥  in  IWios 
(Kewton  Ans.  imcriptions  of  the  Brit  Mus.  nr.  377,  15)  i).  Das 
neue  buch  über  den  delphischen  dialect  beehrt  uns  hierüber 
nicht,  die  ^ ArciXXai  findet  man  darin  übeihaupt  nicht,  die 
aneXkaia  oder  aniXkaia  ninr  als  „spenden"  s.  79  unter  den  ganz 
dürftigtti  lezicalisobea  notizen  s.  79  erwähnt.  Allerdings  haben 
die  Delfrfiier  selbst  in  spaterer  zeit  den  ^ AitikiMog  fiijp  auf 
ihxen  gott  bezogen,  wie  der  nur  einmal  vorkommende  fn^y  \An6k- 
havog  (laSl)  zu  lehren  scheint.  (8.  Bischoff  Ldp.  stud.  VII,  363). 
Auch  in  XdXeiov  finden  wir  einen  ^An:eXldios  (1927»)  und 
eiaen  fiijv  ^jdm>khm/og  (2300  s).  Hier  fehlt  es  an  sicherer  er- 
kennlnis,  noch  mehr  im  folgenden  punkte. 

Was  f»r  ein  fest  waren  die  üoivgomia?  Nun,  da  der 
II&i9^7Hog  in  den  december/januar  fallt,  feierte  man  offenbar  die 
T^e^vai  j^ipte^vaL  in  ihm,  die  „zukehrung*'  der  sonne.  Aber 
wenn  das  richtig,  was  mag  wohl  der  ^ Evivo7tm.€Q67tiog  der 
andern  Jahreshälfte  sein,  der  in  den  april/mai  fallt?  Ich  vermag 
das  ratsel  nidit  zu  losen,  glaube  aber  auch  nichts  dass  Usener 
(Qotternamen  s.  79)  es  gelöst  hat  >).  D^  herr  vf.  aber  leugnet 
diesen  monat  überhaupt,  indem  er  Johannes  Schmidt 's  (KZ. 
XXXIII,  394)  Vermutung  folgt,  der  aus  y^f^og  Mvg  IZoiTQO- 
Ttiov*'  „delphisch  Mvg  innerhalb"  entnahm.  Aber  wie  d^ikt  V. 
sich  ^^ivdvg  mit  dem  dativ  noi%qoniiaC'\  wie  er  selbst  s.  25 
citirt?  Dass  ein  lehrbuch  über  den  delphischen  dialect  diesen  monat 
ohae  jedes  weitere  wort  der  aufklarung  aus  der  weit  schafft,  ist 
denn  doch  erstaunlidi. 

Das  umfangreiche  material  ist  eben  gar  nicht  ausgenutzt 
Auch  die  sprachwissenschaftliche  litteratur  wird  zwar  öfters  citirt^ 
aber  es  fehlt  dem  vf.  nicht  nur  an  eignem  urteil,  sondern  auch 
an  beherrschung  der  deutschen   spräche.      Besonders  da ,   wo  er 

1)  Aach  Idn^llä^  uiniXliig^  ^AniXUxoi  a.  ä.  wird  man  nan  eher  auf 
den  yinüXaiog  beziehen  mikiBen,  was  schon  Bechtel-Fick  Gr.  Personen- 
namen B.  64  als  möglich  erklären.  Die  belege  für  das  e  von  IdndXwfif 
schwingen  also  sehr  zusammen. 

2)  Usener  stellt  *JEv^vs  »  t^v^og.  Eher  ist  cfvycu,  fv^vatg'  nimi*- 
dvaiQ  (Hes.)  oder  Sva-  in  dem  ersten  teil  za  saohen  wie  vielleicht  auch 
in  dvotQog'  vnh  Max^dovwv  urjv  (Hes.).  Dann  müsste  man  eine  ver- 
Schiebung  des  monats  von  der  Sommersonnenwende  annehmen.  Oder 
sollten  ^EifSv0non^nm  die  wendang  der  sonne  znr  vollen  sommerkraft 
feiern?  Dann  wäre  an  nt^iSvaai'  mqiSvvttaai  (Hes.)  y^deva^  du  „stark 
sein"  in  Svpofiai  (Fick  Vgl.  wb.  ^  I  457)  and  zwar  an  ein  warzelneatrum 
<fva-  zn  denken. 

Jedenfalls  hat  der  noiT(^7nos  6  deuzeQos  in  nro.  2090  (der  zeit 
nach  identisch  mit  2176),  2161,  der  ebenso  wie  der  noiTQoniog  6  n^a- 
to£  in  der  ersten  Jahreshälfte  und  wohl  nur  im  Schaltjahr  vorkommt, 
mit  dem  ^EnfSvOnontqoniog  nichts  zu  thun. 


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328  W.  Prellwitz    Anzeige. 

eigene  ansichten  darzulegen  versucht,  macht  sieh  dieser  doppelte 
mangel  peinlich  fühlbar. 

Seine  darlegung  über  elgijva  elgdva,  die  gut  die  hälfte  einer 
Seite  einnimmt,  schliesst  mit  der  denkwürdigen  erklärung,  dass 
(nach  Kretschmerl)  hier  ein  Wechsel  von  ä  mit  €  vorliege,  aber 
jedenfalls  das  rj  noch  nicht  klar  sei.  Danach  hat  er  die  vorher 
citierten  bemühungen  der  andern  gelehrten,  das,  wie  er  selbst  lehrt, 
jüngere  ä  zu  erklären  (denn  rj  ist  neben  ^^VQa^  aY^rpca^  att.  ä^mj 
natürlich),  offenbar  gar  nicht  verstanden.     8.  s.  9. 

Dass  strittige  punkte,  auffallende  erscheinungen  wie  tj  neben 
€1  aus  ersatzdehnung  ^)  klar  hervorgehoben,  die  verschiedenen 
Zeiten  angehörigen  quellen  auseinander  gehalten  werden,  ist  da- 
nach nicht  zu  erwarten,  öfters  finden  sich  ganz  verschieden  zu 
beurteilende  dinge  nebeneinander  oder  nicht  zur  sache  gehöriges 
herbeigezogen.  Dass  dies  urteil  z.  t.  noch  nicht  scharf  genug  ist^ 
wird  folgendes  lehren.  S.  39.  §  28  absatz  4,  der  über  „yX  für 
xl"  (richtiger  wäre  ^  zu  yX)  handelt,  heisst  es:  „Statt  iy  Aa- 
ßvadäy  will  Baunack  (Verbess.  u.  nachtr.  zu  den  delph.  inschr. 
p.  957)  fy  uio9Q(jSv".  Zur  sache  gehört  das  ja  zwar  gar  nicht» 
immerhin  aber  staunen  wir  über  dUe  kühnheit  solchen  woUens, 
sehen  nach  und  finden:  Baunack  verbessert  nachträglich  einen 
druckfehler  seiner  eigenen  anmerkung,  wo  der  setzer  statt  des 
unbekannteren  koppa  ein  phei  angebracht  hat,  V.  aber  fasst  dies 
als  änderung  im  text  des  Steines  auf. 

Die  3.  sg.  impf,  von  elfÄi  heisst  in  den  tempelrechnungen 
aus  der  zeit  Alexanders  (nro.  2502  Bss)  echt  dorisch  ^g,  in 
einer  freilassungsurkunde  viel  späterer  zeit  (182  v.  Chr.  nro.  2061 4) 
kommt  ^v  vor.  Dies  ist  natürlich  aus  der  Umgangssprache  ein- 
gedrungen, y.  aber  erklärt  jenes  altdorische  ^g  s.  41  §  29  als 
ergebnis  einer  assimilation  eines  auslautendem  v  an  anlautendes 
a.  Und  doch  folgt  auf  ^g  an  jener  stelle  eine  pause  und  dann 
vocalischer  anlaut:  ^Etv^civdagl 

Man  sieht,  die  bahn  für  eine  wissenschaftliche  behandlung 
des  delphischen  dialectes  ist  noch  frei.  Eine  sehr  dankenswerte 
Zusammenstellung  des  materials  bietet  jetzt  Dr.  Carl  Wendel 
in  seinem  „Wortregister  zu  den  inschriften  von  Delphi'' 
in  der  Sammlung  der  griechischen  dialect-inschriften  bd.  IV.  IL  2, 
worauf  ausdrücUich  aufmerksam  zu  machen  ich  nicht  unterlassen 
wül. 

1)  S.  15,  ^00^  (vgl.  8.  76)  wird  hier  ganz  übergangen. 

Königsberg  i.  Pr.  Mittelhufen. 

W.  IVeUwitz. 


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Register. 


329 


Register. 

I.  Sachregister. 


Ablaut:  sparen  alten  declinations- 
abknts  in  den  g riech,  stamm- 
namen  243.  Ursprüngliche  ab- 
stnfonff  der  n- stamme  im  Lat. 
195;  der  participia  auf  -ni  181, 
der  partioipia  auf  'fnefw  (lat. 
mino)  zu  mno  202  ff.,  lat.  -iero- 
zxL  'tro-  212  f. 

Accent:  eine  spur  des  idg.  sats-a. 
153;  betontes  idg.  esn  (2.  sg.  zu 
Mint)  wechselt  mit  enklitischem 
Mt  86.  a.-wecbsel  zwischen  einem 
oxytonirten  ethnioon  und  dem 
gleichlautenden  indiyidualnamen 
257;  zur  betonung  der  lit.  verba 
auf  -  ttf  178  n.  Wirkung  des  a. 
bei  der  lat.  vocalsynkope  204 f. 

Com  Position:  kürzungdes  zweiten 
gliedes  von  Zusammensetzungen 
113.  Vgl.  eigennamen  u.  stamm- 
bildung. 

Gonju^ation:  Bildung  der  inten- 
siva  im  Orieeh.  und  Sanskrit 
282.  Die  endunff  der  1.  sg.  prs. 
ö  aus  öu  entstanden  153;  diegot. 
endungen  auf  -au,  -dau,  ndau  : 
skr.  tu,  niu  »■  tot,  tUai  :  ti,  tdi 
158,  die  lit.  endung  -du  153| 
skr.  dadaA  u.  ä.  154.  —  Das 
dorische  futurum  gleich  dem 
litauischen  169ff.  (anders  noch 
s.  84).  Das  lit.  futurum  in  den 
dialecten  174,  formen  ohne  t  177; 
die  lit.  conj.  klasse  der  verba 
auf  -M«,  eÜ  ist  gleich  der  g  r.  von 
iftliw,  ipdfiam  172 ff.,  der  lit. 
Optativ  in  den  dialecten  174  n.,  in 
alten  texten  175,  sein  Ursprung 
176.  Bildung  des  sigmatischen 
aorists,  bes.  der  aoriste  auf  -(taa 
soff.,  die  conj.  der  verba  con- 
tracta  imThess.  zunächst  gleich 
der  gemeingriechischen,  dann  all- 
mählich in  die  fct-conj.  überge- 
führt 117.  —  Das  i  im  imperf. 
der  lat.  3.  com.  271.  —  Lit. 
neubildungen  auf  grund  einzelner 


conjugationsformen  177.  —  Der 
lett.  debitiv  eigl.  ein  infinitiv  68, 
der  infolge  des  zusammen^llens 
mit  der  8.  pers.  sg.  ind.  bei  den 
thematischen  verben  durch  diese 
verdrängt  wurde  70. 

Consonanten:  behandlung  zweier 
aufeinanderfolgenden,ursprünglich 
mit  9'  anlautenden  Silben  im 
G riech.  282.  —  Aspirata  för 
tenuis  neben  v  in  griech.  dia- 
lecten 284,  tenuis  m  aspirata  in 
der  nähe  von  fi,  ^*  285;  ver- 
schiedener Ursprung  von  aa  und 
dem  entsprechend  verschiedene 
behandlung  28 f.,  bes.  im  Kre- 
tischen 34.  Thessal.  aa  far 
<rt  vor  vocal  122;  thess.  <f  far  C 
118,  V  i(piXxu<rTM6v  im  Alt- 
thessal.  118.  Aul.  a  neben  an- 
lautendem ^f  114.  —  Lat  anl. 
/*  aus  anl.  gh  184 ff.,  I-  aus  hl- 
139 f.  142,  ffr,  gl  aus  idg.  gkr, 
ghl  141 ;  idg.  gh  wird  inlautend 
nach  kurzem  betontem  vocal  zu 
h  129  ff.  nach  langem  vocal  und 
unbetontem  kurzen  zu  g  131  ff.; 
idg.  Ikt  zu  lat.  U  208,  lat.  let 
durch  Synkope  entstanden  208; 
lat.  hi  zu  tf  207,  -«r-  zu  -hr-  824. 

Declination:  zur  decl.  einsilbiger 
Wurzelneutra  im  Idg.  225 ff.  — 
Instr.  sg.  der  ä-stämme  auf  -3it  311. 
Dat.  plur.  der  3.  decl.  im  Griech. 
35,  altthessal.  <r»  neben  jfln- 
gerem  -€(r<rt  118;  gen.  auf  -c»  von 
nominativen  auf  f^g  im  Milesi- 
schen  278.  —  Ursprung  der  lat. 
5.  d.  266,  Verwandtschaft  zwischen 
ie  und  t-stämmen,  Vermischung 
mit  tS- Stämmen  266  ff.  casosbil- 
dung  der  5.  decl.  274  ff.  —  Ver- 
wandlung der  feminina  auf  -f  in 
solche  auf  -is,  wodurch  im  Lat. 
und  Germ,  übergan^f  der  a^jec- 
tiva  auf  -im  in  die  t-decl.  veran- 
lasst wird  274  f. 


1I«HtIs«  I.  kniA«  a.  1n<lg.  timelMO.     XXYU. 


22 


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330 


Register. 


Dialecte.  Zam  lesbiscben  d. 
281  ff.,  zum  arkadischen  283ff. 
zum  thessalischen  280f.;  zar 
Stellung  des  boeotischen  d. 
257;  yerbindunff  von  Thessalien, 
Enboea  und  Osthellas  257.  Reste 
ionischen  d.  in  den  inschriften 
von  Magnesia  a.  M.,  besonders 
in  den  ausdrücken  des  katasters 
278  f.  Geschichtlicher  hinterffrund 
der  grundungssage  von  Pholcaea 
123  ff.  —  Yergleich  des  Alt- 
slovenisohen  mit  den  heutigen 
bulgarischen  mundarten  165. 
Die  mundart  der'  slavenapostel 
sfidostmacedonisch  166. 

Eigennamen:  Über  iranische 
e.  74,  neue  griechische  e.  auf 
den  inschriften  von  Magnesia  a.  M. 
287,  vater  und  söhn  führen  voll- 
namen,  in  denen  ein  dement 
gleich  ist  288,  namengebung  nach 
göttem  288,  beroen  289,  histori- 
schen personen  289,  nach  tieren 
289  f.  —  Über  einige  griech.  e. 
120  ff.  Kosenamen  neben  voll- 
namen  111,  234,  249,  gekappte 
kosenamen  111,  113,  262,  ein- 
stämmige 149.  288.  Spitznamen 
von  personen  290,  Spottnamen  der 
Nordgriechen  249.  Ethnica  ge- 
bildet wie  Personennamen  233  ff., 
kürzung  zweistammiger  völker- 
namen  124.  244.  258.  260.  262.  — 
Zu  den  griechischen  Ortsnamen 
183  ff. 

Ethnica:  s.  eigennamen. 

Etrusker:  eigennamen  der  E.  auf 
'tru  und  tur  *=»  gr.  -dtogos  48  ff., 
bes.  55.  —  Etr.  Wechsel  von 
au  und  a  56,  von  tenues  und 
aspiratae  53.  Svarabhaktivocale 
54.  Bemerkungen  zu  den  e.  in- 
schriften 63  ff. ;  zu  den  ersten 
werten  der  grossen  campano-e. 
inschrift  154  ff. 

Homer:  An  das  ursprüngliche  ge- 
dieht vom  zom  des  Achill  schloss 
sich  zunächst  eine  erweiterung, 
dann  eine  erbreiternng  1.  Die 
versabzählung  ein  mittel  zur  fest- 
Stellung  des  urspr.  umfangs  dieser 
teile  2  ff. 

Inschriften:  bemerkungen  und 
ergänzungen  zu  den  inschriften 
aus  Magnesia  a.  M.  im  thessal. 
lesb.  und  arkadischen  dialekt 
280ff.,  291,  zu  den  altkorinthi- 


schen 110 f.,  zu  den  i.  von 
Amorgos  118,  zu  thessali- 
schen 116  ff.,  zu  metrischen 
griech.  i.,  deren  verse  entstellt 
sind  120  f.    Eine  kretische  i.  826. 

Lehnwörter:  griechische  1.  im 
Lateinischen  und  Oskischen  196, 
polnische  im  Litauischen  175  n., 
lettische  im  Litauischen  167. 

Lykisch:  Wahrscheinlichkeit  indo- 
germanischer herkunft  des  L. 
299  f.  Endung  der  1.  pers.  sg. 
auf  'U  296  f.,  das  pron.  pers.  der 
1.  pers.  omu  und  mu  294  ff. 
Präsensflexion  800. 

Monatsnamen:  die  griech.  m.  von 
von  festen  hergeleitet  825  ff. 

Mythologie:  Asklepios  eigl.  eine 
heilschlange  819  ff.;  über  die  heil- 
kraft  der  schlangen  313 ff.;  heimat 
des  Asklepiosdienstes  322  f. 

Ortsnamen  s.  eigennamen. 

Präfixe:  vor  consonantischem  an- 
laut  l  a  t.  r«-,  nicht  red-  800  ff.  Die 
Verdoppelung  des  folgenden  con- 
sonanten  folge  von  syncope  des 
reduplicationsvocals  300  ff.  (anders 
211   n.  4). 

Rigveda:  alter  und  heimat  des  R. 
145  ff.,  iranische  spuren  im  R. 
s.  76  ff.,  bes.  80.  100.  103.  R. 
I,  53  s.  77  f.;  I,  80,  12  s.  10!  f.; 
I,  103,  8,  s.  103;  116,  24  s.  78 f.; 
117,  4  s.  79;  122,  3  s.  104;  n, 
7,  1  s.  79;  30,  2  s.  106;  31,  3 
s.  81;  IV,  5,  12  s.  106;  33,  7  s. 
81  ff.;  V,  43.  13  s.  83  f.;  VI,  75,  1 
s.  85;  VII,  83,  2  s.  89  ff.;  VIII,  17 
s.  92 f.;  IX,  10,  8  s.  93;  X,  83,  3 
s.  107  ff.,  40,  1  s.  94,  61,  16,  s. 
95  f.,  61,  16  s.  95  f.,  68,  1  s.  96f., 
72,  8,  9  s.  99,  77,  2  s.  108  f.,  89, 
18  s.  100,  105,  7  s.  100  f. 

Stamm  bildung:  wurzelstämme  auf 
ei,  eu  267  f.,  abgeleitete  nominale 
Stämme  auf  ei,  i  (io)  268,  verbale 
269 ff.;  nomina  auf  «,  9t,  i  neben 
verbis  auf  ejfo  270;  das  -ä  und  -i 
der  Verbalstämme  identisch  mit 
dem  -ä  und  -9  der  femininen  sub- 
stantiva  271 ;  lo  und  i  nach  langer 
Wurzelsilbe  neben  io  und  ^  nach 
kurzer  Wurzelsilbe  bei  den  to- 
verben  im  Germanischen  und 
Lateinischen  (vollstufe  des 
Suffixes  ist,  ei,  ei)  272  f.  Übergang 
von  o-  in  »-stamme  in  der  oompo- 
sition  im  Lateinischen  217. 


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Register. 


331 


Suffixe :  Idg.  r-  and  n-saffixe  neben- 
einander 828,  grriech.  -w  288,  -<faiy 
242,  -<rra  242;  etnica  anf  -xog  im 
Nordgriech.  252.  257,  ckw,  -omo^ 
neben  -o>y,  •  ovog  255;  nominative  anf 
'Wf  aas  dem  sen.  plar.  entstanden 
256.  259,  auf  'äaxog^  -fj<nog  aus 
dem  loc.  plur.  anf  -Äfft,  fiai  259, 
auf  -«o(  aus  dem  loo.  auf  -i  259, 
auf  'ds,  ddog  aus  ad?erbien  auf 
-<K<fc,  ffffijt^  261  auf  -cvc  Ton  loc. 
auf  171/ ,  eu  260.  Von  Ortsnamen 
anf  -CMC  wird  das  ethnioon  nicht 
weiter  auf  -€«€i;f,  sondern  nur 
anf  ivi  gebildet  260,  s.  -i/ifog,  lat. 
miM,  tdnus  bei  stoffadjecti?en  191, 
lat.  sU  216,  2mm  neben  i^n^tft  222, 
-«2^,  sMm,  0^,  d0cM  201;  lit 
maeculina  auf  \na$  neben  fem. 
auf  '€  187. 

Synkope:  s.  vocale. 

Syntax:  zur  s.  des  infinitivs  und 
debitivs  im  Lettischen  66.  71  f. 

Vocale:  Behandlung  auslautender, 
gestossen  betonter  langdiphthonge 


im  Idg.  152 ;  Wechsel  von  0  und  « in 
der  Wortbildung  826;  von  o  und 
V  in  epirotiscben  namen  246 f.; 
lat.  anl.  loi-  wurde  zu  /«,  bevor 
der  wandel  von  ot  zu  oa,  1«  be- 
ffann  188.  —  Vocalsyncope  im 
Lateinischen  186  ff.,  im  Oskischen 
und  Umbrischen  196,  einfluss  des 
folgenden  vocals  ist  dabei  nicht 
nachzuweisen  196;  die  erhaltung 
des  vocals  erklärt  aus  den  Wir- 
kungen der  analogie  in  wori- 
gruppen  199.  205.  209.  Die  syn- 
oope  unterbleibt  zwischen  m'n 
und  fi-m  202  f.  —  Zweierlei  halb- 
vocale  in  der  slavischen  Ursprache: 
geschwächte  vor  silben  mit  voU- 
lautendem  vocal  oder  stärkerem 
halbvocal,  stärkere  vor  silben  mit 
geschwächten  halbvocalen  168. 
Wortbildung:  ursprl.  selbstän- 
dige Wörter  als  suffixe:  ^a^pw 
288  ff.  286,  -on,  -wi,  -wio  288  ff. 
w.  durch  hypostase  in  lat  pn- 
m«r$9  46  ff. 


Sanskrit. 
akU^  824 
akrd  108 
ägohya  88 
dnla  224  n. 
dnH  224  n. 
aridhmy<u  77 
änoi  238 
aorkd  81 
iffiati  112 
Uta  178 
üU  288 
M  208  n. 
ika  166  f. 
ksmmn^ta  168 
kfüi  210 
jätubharman  108 
fimuta  85  f. 
tarfdjfoH  204 
iiräs  224  n. 
dhrajaU  130 
fiahi  185 
nipuifa  224 
mbhanedkifiha  94 
paSieatha  204 
pat^  224 


II.  Wortregister. 

para  227  f. 
param  228 
pdri  228 
panU  226 
pars  227 
pdrena  226 
parvan  224  n. 
para  228 
pM  208 
purä»  227 
parva  227 
pro-  226 
prathama  227 
j9ravaiki  226 
prätdr  227 
pr5nto  228 
p/Oan  129 
barhäyaÜ  204 
5A4;a<t  168 
bhanäkti  168 
5Atir<lfe'  188 
5Aö'rt  188 
mäyä  810  n. 
mekfayoH  210 
rai^ifo  109 
r^o^'  142 
rif  267 


rtflSiia«  98 
r/ib»  106  f. 
vdyaii  178 
oavotf  178 
vaaarhd  104 
v9r<M  194  n. 
v^ai  101  f. 
vy«jiira  224 
ffraaa  191  n. 
foiiMa  204 
fifnd  107 
^sf  ^  80 
«^a  105 
»varu  195  n. 
«vmI  268 
Am  142 

Iranisch.   fAvestisch 

unbezeicnnet.) 
kathwa  75 
Kannadoxta  Ib 
bibl.  KapkÜMr  75 
Aora  74 

pers.  kUhnak  108 
jaidhydimi  250 
ap.  Tavvo^d^xfis  105 
^oro  224  n. 


22* 


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832 


r. 


denana  226 

nigraire  270 

mnäna  226 

ap.  paruviyatah  227 

paro  227 

JIo/na^4^(frig  75 

p§r«tu  222  D.  228 

fttitri  188 

opers.  berf  102 

maühman  268 

ap.  oasroAa  104 

va>Va  101 

t7i/V*a  101 

np.  rÄ  107 

bosporan.  Zarvqog  74 

«Aö^*  216 

ap.  «Atyöh*  216 

«ibyaoma  149 

Skythisch. 
KaQfATtaXovx  74 

Armenisch. 
zinel  106 

Griechisch. 

::^^a;  254 
aßlfiqofp  (Hes.)  45 
thess.  ayy^aiv  291 
jiyXavQÖg  112 
^i/^fo»  250 
;</e</4oy£(  (Hes.)  250 
:<^y^Mcycc  u.  ä.  288  f. 
maked.  jiiqomg  a.  ä.  288 
cccyfvcff  (Hes.)  186 
"Aiäv^g  287 
epidaur.  jiUato^t  Idti- 

atog  826 
"A&afiäv€g  284 
At^ixig  241 
At&ion€g  264 
cjixii  282.  240 
Affioveg  251 
AtfiwCa  278 
AhUtvit  a.  ä.  285 
^/oJlMreif  254 
aroZof  240 
uXnoXog  208 
maked.  At^nog  289 
aia&avo/iMi  205 
ion.  Atax^aog  285 
aArcroi  282.  240 
c^ac  288 
wlfrftiitoff  249 
^xaDvarec  235 
«jf/w^y  811 
dxfifjvog  811 
*AxQaüpiov  285 


Ifjrrflcroc  258 

l^liTTi;;  249 

JdfJlJUa;  288 

maked.  uHfitmeg  288 

oAi/C«  (Hes.)  285 

:<Ai;C£Mr  285 

thess.  uifjieüraag  122 

jifjivuvot  248.  245 

"AfAvfiovsg  243 

*4fMpunv<yvBg  n.  a.  242 

Ifyoyv^a(rM>c  259 

itfyajrar«  118 

dvttxaiov  118 

ttvd-Qmnog  289 

««ra  224  n. 

ihr/  224  n. 

!:^oye;  288.  286.  255 

tnaxiwß  288 

boeot.  a9r£a^€(/)oiTc; 

151  n. 
dor.  cJ^rcUixCc^v  826 
delph.  Unaitu  826 
delph.  :^;reJlAaro;  826  f. 
ten.  :^;rclAaMry  827 
^AniXltttP  826 
uinegayroi  250 
dniQ€iöu>g  228 
dntivqa  145 
!^7r/a  262 
UniSopfitg  262 
^AniSoveg  262 
^AnoSiowot  249 
anqoxtuaarog  806 
'AQydiig  260 
*u^^öla;  259 
^A^olCg  260 
^A^og  UiXaayucov  251 
'A^ddtg  284.  261 
"AQxaa^rig  260 
dQxiaaai  261 
*AQXTävtg  284 
'^^«»o;  249 
«^17;  267 
'u^ff/yij  285 

thess.  ^AaxaXaniog  819 
hermion.  *AaxaXäg  809 
kret.  *AaxaXni6g  820 
*AaxXäg  819 
"AaxXfinäg  819 
'u^<rxli77rio;  319  f. 
acrcroy  240 
daxi^viqog  288 
*u^T^^ff  258.  268 
*AtiVTdv€g  284 
*^TTMro;  258 
at/Jli7^oy  45 
Ai^aCa  111 
ovo;  282 


ce^oxa^yof  (Hes.)  285 
avrofcaroc  812 
'AxM^og  240 
a;^f^/ff  197 
ffjlf^v  185 
«j^ip'/a  185 
oV«^f  (Hes.)  116 
dyjfHpimf  (Hes.)  116 
"A^fiifng  116 
*A\ffi<püinf  116 
i9aJUa>  270 
BcA<y)o/  254 
kret.  /fi^OM  825 
ßXrixQog  188 
ßofi&6g  118 
BoMvro^  257 
delph.  BotnMXTfa  827 
ßovx6Xog  206 

/ie<;r«  i36 

B^MK^WV   4 

Beo^o/  185 

yiivofuu  274 

ycyc«  274  n. 

/lEycttiOi  u.  ä.  246 

yjla^i;^;  141 

Ti^a^^  256 

y^ixc(  256 

ripatȣc  256 

Tj^uro/  256 

yQuOttg  141 

Ti^o»  256 

Tj^craii'  289  f. 

y^i^cu  141 

delph.  Aifdufpo^tog  827 

fra>af  167 

^ff/u^a  111 

lak.  /^a/4o/a  112 

Aavaoi  261 

«Toyiiff  (Hes.)  261 

maked.  ^aQvXXog  238 

dixofitti  188 

<r^JLU^c;  191 

deanoTTig  267  f. 

iTci;«  167 

^ixouai  188 

<fi}^of  194  u.  D. 

<fMK/yai  167 

iuifineQig  228 

duinQvatav  228 

AMaarai  242 

AuiatßWf  110 

aeol.  dawa^i  282 

boeot.ff  «c(r(r<£l^£««€  1 51n. 

Ao€a<n6g  246.  247 

AoXomg  288 

(foiio(  225 

AöQvaaog  113 

AQvo7i€g  288 


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Register. 


383 


Jvicrat  246.  247 
zfvfjiävtg  286 
jiwvetrTvoi  246 
^togts  u.  ä.  288 
*EyyeXaveg  284 
"^en^  242 
"^yjxTi^ytff  266 
'^/cli^ycc  n.  ä.  234 
iyj^Qovm  142 
"E&viinai  261 
€l  86 

dor.  cfxM  282 
"EstvoiAog  188 
jElc^^cuff  267 
'EXXrpftg  Q.  a.  289 
'SJUo;r£c  u.  a.  289 
iJUoi//  289 
ifiTtä  144 
Hftnäv  144 
;^;r£;,  ;/U7ra((?}  144 
I/U7ri7f  142 
HvSov  226 
delph.  ^  Evdvanotfgonu)^ 

827 
Irij^C  238 

thesB.  HavaxddäfiP  116 
"EoQ^iinai  242 
*Em&oi  261 
intfjiaaiog  806 
ther .  Jn  iaaoifof  1 1 4. 1 1 6 
boeot.  innaa&s  256 
i^ßiv&og  193 
;^vya  209 
^^17  112 

thess.  %afi«iAtnf  281 
#(rir/  86 
Evxttdfiog  266 
eüili^oo  44.  45 
JSt;^valo(  186 
evpi;;  44 
EvQvrävts  286 
EvQWtuig  246 
^j^^ffoi^;  288 
boeot.  i^aifcuffiof  161  f. 
^exa/9a  110 
^/<fio;  263 
4»A»  282 

delpb.  */f^aio;  827 
delpb.  *iEr(^A<»o;  827 
n;faya>  136 
nxn  132 

^/^c(  (Hes.)  136 
BdXafsai  184 
delpb.  Sio^iviog  827 
8cir;r^airoc  247 
eeirffaXd;  249  f. 
&tay6v€c  116 
Oto^^oc  260 


Govttrrog  289 
GQuiatog  269 
/a/^a>  118 
7oxoV  286 
"laviaMos  287 
iaojiAttt  118 
7aov€;  286 
/«ooc  113 
7a;  124.  286 
layii  182 
'law  124 
IfT/a  271 
ion.  tiQiwg  279 
fjra>  232 
'Ifitpüg  251 
r^i/w;  261 
r/iiii;M>(  261 

ivaaai  o.  a.  (Hes.)  112 
"Ivayos  112  f. 
7rw  112 
I<p&ifiog  267 
r»ioy  (Hob.)  261 
"/(tfloy  251 
7a>y  124.  286  f. 
KaSfiiloi  266 
ÜTacT/^oc  (Hes.)  256 
xdSuog  265  f. 
JTaile««;  n.  ft.  249 
XaXvtffio  88 
Ktt^iiog  286 
Jllaeri}  (Hes.)  286 
JTa^o;  286 
Ka^i)9m6g  246 
Kaa/itvXog  266 
xdaaaadtii  266 
Kaairtmoi  244 
xtxttS fi^vog  266 
XiXai&oi  a.  ä.  241 
ion.  «cyco;  192 
kypr.  x€Vivs6v  192 
att.  jrcv<$(  192 
Xtattv^Qu  266 
A^s^aJUoy  248 
K€ipaXo(duiv  248 
Xijff  286  f. 
A^am;  268 
Xi</o>  270 
»;ii7^  206 
Aitt/ratfcifcrr^  290 
Koamnoi  240.  246 
KoXoi(pQvS  258 
dor.  xoivav  238 
xoivuvog  238 
KofATidatov  186 
xo^v&ali^  240 
ÜCo^tt»'^  320 
xoafAog  256  f 
Abt;^(  248 


Abi/efoy  248 
Kqayalx(in  268 
xTBUPiix^  (Hes.)  186 
A^i;^^(rra»  242 
^ccjrckw  260.  262 
lä^iyo;  194 
aetol.  uiaipQiaiog  827 
phok.  uidmfftog  827 
A^/^Miy  189 
A£i^(  189 
l€»;^i}y  186 
A^t^al^o;  188 
Aij^oyd;  231 
Aoxqoi  250 
uii^irfirrai  242 
Jlvye<>^  138 
^i;«aotfy  234.  287 
Avxivog  290 
^i^M>»  264 
uivra/  186 
3f«>^;  262 
jiAaiouai  806  ff.  810 

/uaila;^  l^^ 
MaxiSw  242.  248 
Mttxidvog  242.  248.  262 
3fax/ra  242 
3foire^  268 
3fdjr^a»r€;  268.  264 
lAaXri  309 
Moyrtf'cvff  260 
/uff^  308 
(jLa0^Xri(g)  806 
/«atfril  805  a.  n. 
fAtt<ntg  806  a.  n. 
(Aacxiui  806  f. 
el.  lAUCxqdiu  a.  ft.  808 
fAaffTQon6g  808 
fAu^Qog  808 
(laaxdXn  809 
fAttttttog  312 
/ioTivv  (Hes.)  808 
(im am  311 
(laiaxog  (Hes.)  808 
/^or^rv  808 
/iarij(y)  311  f. 
/uari}^  308 
fioTQvXri  808 
Maxaw  820  f. 
/^a^i;  310  n. 
fiaxofAai  310  n. 
fAtfiatag  312  f. 
Mtvitnai  251 
M^wi^ff  126  f. 
MiQoneg  239 
Mearttuf  291 
fAixafAtaviog  309 
furavaarrig  254 
Mndxoiov  118 


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334 


Register. 


fUTaifßiipn  (Hes)  116 
f^T/nos  310  n. 
thess.  Mvaattag  121  f. 
lJLVo(tt  252 
fioxXof  236 
Mvaves  2S6 
Mvov€g  236 
MvQfzipcig  184 
MvQfAtS6v€g  258 
/ii/(»/uo^  (Hes.)  258 
MvTiXipni  262  f. 
Mmilng  262 
Jlfi^ory  262 
boeot.  MtoXiovTos  149 
fcoSJlo;  310 
f«0;ii;  311  n. 
^(ufjlv;  810 
/4<w«^  (Hes.)  811 
lAovtos  (Hes.)  811 
NvuffMüiog  260 
JVvaiOff  268 
yftiilcf«^;  168 
dor.  iwav  283 
ion.  ^W€wv(fi  288 
Svntrauüv  259 
WvaatZg  260 
oCff»  (Hes.)  250 
DCoAo«  250 
o^ovij  178 
oi^v;  168 
otofiai  209 
Olvmmg  289 
oftti  206 
''Oilox^C  250 
mvfinia  185 
lO^waicf  248  f. 
'Ovons^og  244 
'OnXoSfiüi  255 
'OnXoOfiia  255 
'O^/tfrof  242 
o^/}o;  198 
d^v;|rij  182 
Ovor/off  126.  128 
oi;!^  191  n. 
Oi;^aiy  280 
ovxi  135 
l9yÄTa(f)  257 
^Oipulg  249 
*0^iovfis  249 
"O/i;  188 
att.  nautvla  124 
att.  IIcuovISm  124 
naupdaam  270 
naldufi  198 
Uavdqoaog  112 
üavoQfiog  188  f. 
7ra^  228 
na^ißdriig  227 


77iyee/a  819  f. 
naQifag  819 
naQiqiov  45 
nagoi&iv  226 
;ra^f  224  n.  227 
/TiK^Ai^iOff  242.  244.  245 
Tia;  143 

mtaXog  (gen.  s.)  244 
7r€i^  224 
n£^  228 
irfft^^  228.  225 
7r€/^  228.  224  n. 
TretcTK  268  f. 
/TsAa^ftiy  255 
miarai  252 
üiviOTM  251 
ITiVTeXiiau>g  259 
7r£^  226 
7r/^  228.  225 
negaipm  228 
ITiQavria  250 
71/^;  224  D.  225 
TiiQdTri  228 
TTc^'o)  228  f. 
7r€(»/  226.  228 
TT^e«;  228 
7i€Qiaa6g  228 
n^e«^  228.  225 
mg(Q)aißo(  251 
/r^e^a»  268 

pamphyl.  niqridtmt  226 
TT^^i/at  226 
tbess.    ITer^aXog   u.    a. 

249  f. 
mr^axog  118 
ion.  HcTQ^evrog  279 
nevfiaTioi  148 
nt^yvvfjLt  138 
/TijicT^dva  255 
77^e^f  252 
nlXvafuti  192  n. 
kypr.7ravoy(H68.)  192  n. 
Tungdaxta  224 
Jlit^üüv  290 
no9aXilQiog  820 
delph.  IIouQoniog  827 
HoXvßog  118 
TTo^yij  224 
Trd^o;  223 
kret.  TTo^/  226 

TTOTi  225 
TtQayog  226 
nqdfiog  227 
Tr^öni;  226 
dor.  nqäxog  227 
nqifAVov  223 
aeol.  TT^f  226 
nqfTj^rv  225 


nr^/y  228 
TT^'  228.  226 
?r^/|  282 
TiQoCaaofAtu  232 
TiQOfAog  227 
llQnvdöTai  254 
üqoan^Xdjai  252 
kret.  ngoTttpig  227 
TtQOTiQog  227 
;r^'r»  225.  226 
TiQvXieg  285 
n^vfAVog  228.  225 
nQVTovtg  227 
TT^wiTir  227 
TT^  227 
n^waaog  248 
n^mog  227 
nvuatog  228.  225 
nw/wß  225 
^i(  285 
'ftiit  45 
ion.  *Ä/i?  45 
awyiag  114 
(ret^^  114 
aad^  114 
aa/jpa»  115 
aaunog  114 
(TaAo^Cfr  115 
acdalcK«  115 
(railof  115 
(faXvya  115 
Sanifto  115 
(r«^»y  115 
aavxQog  115 
aagjvjg  114 
aa^rov  (Hes.)  115 
(Tfi^a  (Hes.)  115 
aeXX^&r^ai  116 
sriä^^e;  116 
(Ttvac  115 
atvofAfu  116 
(rrro(  115 
ff/ir«  115 
aerraxog  u.  ä.  115 
axaXanäCn  (Hes.)  819 
oxttXffVog  271 
axaJl/if  270 
axaLloi  270 
(TxaAniKCEfy  (Hes.)  819 
(Tjr^jloc  808 
ffjrdjlioc  271 
2:!Ki;JU^ikw  290 
aot^g  115 
(ro9)d(  114.  116 
^:nriyorMxri}C  260 
(TnXayxra  129 
(T/rA^  129 
oriQotff  239 


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Sv^ioi  364 
Zv^»268 
atp^gra  (Hes.)  110 
a<pfil6g  267 
aipoqiTMf  (Hes.)  110 
Ikf6^os  HO 
(Tj^cO/f  809 

TalaWvis  234 
7aAo^(  244 
TafAfifig  285 
7ayay^  256 
ion.  ra^^JUa  285 
Taaxofiivns  287 
Taffjrof  287 
7a^o»  248 
TVi^^^iTM)^  259 
rc^  224  n. 
TifA/jiTxig  255 
r/^/ua  224  n. 
TiVfidofitu  149 
boeot.  7>t/^4r«//i'eKl48 
rmov  (Hes.)  284 
7^&wiog  288 
7(^JUv^»  248 
TQtnoXtaaoi  245 
7(^i;>^  821 
^YafinoUg  254 
•YUf tf  285 
^Tva^oj^iot  242.  245 
iftuoq  167 
4^taTa£  252 
9^/yitf  115 
4>»Mkfri}(  252 
9>ia^;  167 
ifM^g  167 
<;^jUMxirM>(  259 
4HHxUtvig  286 
ipQvyiiog  258 
4>t;JUcirM>c  259 
9)v^  188 
4>CEMrer(  258 
X»(im  270 
Xixorcc  248 
Xavvoi  248 
X^ifAOQ^og  118 
mil.  yn^fiaxai  820 
XiqaiQog  244 
Xi^iwiUof  245 
jt^vii  140 
;riUie6ff  189 
ifwyiap  114 
V^^AJUir  114 
Vw^ae«  114 
V«^<a  114 
tffad-v^  114 
V«^^  115 
VwEMrra  114 


Register. 

V^iorr^e  (Hes.)  114.  115 

tffaXacaii  115 

tffaXig  (Hes.)  115 

V'M^  n.  ä.  115 

yntgtc  115 

iJE»in/x0o;  115 

V'cUoff  115 

tffifpag  115 

V'^e««  (Hes.)  116 

V^  114 

^m  114.  115 

tffifvai  115 

V/irit;  115 

yflvofuu  115 

V^Atk  115 

V^/rrce  115 

tf/iTjaxog  u.  ä.  115 

ipnrta  (Hes.)  115 

V«^(  115 

ifw&ut  114 

\fm^(<yv  114 

V'ai^^  115 

!a/t!/to  88 
^IVyvyog  88 
cS^ff  194  n. 
£qog  194  n. 

Lateinisch. 
a6  211 

valg.  adgretfijM  212 
aiitf^^  190 
AequieohiB  229  n. 
Metfor  167 
a«(^tM  166 
aerumna  203 
Aescuiäpius  320 
Mf^mo  210 
^nti«  205 
äü>  180 

afiS^  198.  200 
o/tu«  227 
ofttfr  191.  198 
alUi$  190 
olummM  203 
amfäriam  205 
afyi;ff0XtM  205 
amfraetu$  205 
ai7^«iM{«e<«  205 
ampl&etar  205 
ampsanetuB  205 
afiuedeo  205 
am$eg0»  205 
aneaeiui  205 
afio#fiifM  205 
oficMS  205.  219 
anema  205 
aneuiu9  190.  205 


335 


on^tro  201.  205 
an^  224  d. 
an^amfki  201 
an^trmmt  205 
ofi^M  224  n. 
anUtiäf%  201 
d|>r^  190 
o^iit/iM  824  n. 
ära  197 
arduB  197  f. 
STM)   197 
arßeio  196 
ärt<lMS  197  f. 
arrügia  182 
ors  217 
asp^  211 
auMnUeui  205 
atfca  205 
aucßp»  205 
.^tfctiM  207 
otfiso  206  Q.  n. 
otiic  f »  aüuft^  206 
audio  189.  205 
Audius  207 
oti^r  205 
^ti/iM  206 
autpex  205 
auftfmo  206 
oti^tfmmM  208.  209 
aveo  233 
aoiffa  205 
balneum  192 
5?miM  130 
hrüma  207 
cmMs  222  f. 
ealdua  200 
eolAuno  196 
eaUdus  200 
ealtf  miiüi  208 
cofoi  208 
eanU  201 
CaudiuB  207 
Coti/ttM  206 
ea«^  206 
eav«ma  197  n. 
eeUü  192 
60^  212  n. 
eicf  108 
cmM  267 
Claudius  207 
cAitMio  206 
C^tiM  207 
elim&M  217  f.  n. 
Cloeüus  206 
C/fitZttM  206 
CKtfA'tM  206 
Clu9Hu9  207 
<;oAors  130.  217 


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336 


Register. 


caing[uo  143 
arch.  cotraveruni  187 
eoktmna  203 
campäff  es  132 
Concor»  219 
coaUo  208 
eorb»  219 
eor^o  198 
eorrügtis  182 
cö«  216 
eriklii«  206 
cundor  204 
CMnc^tf«  204 
eüria  207 
Daunu»  61 
<i66t7  221 
deincep»  204 
<i0?»rtM  138 
<i0ntio  192 
dexter  191.  209 
dexHmus  209 
<lf0«  268 
cIofimtM  203 
dös  216 
eginus  186 
«^^6  185 
egetias  135  f. 
egrettus  212 
0r^0  193 
«r^o  193 
0fToin  193 
experior  224 
dc^u«  211 
/ocittf«  270 
/acw»  270.  278 
Falemu»  197  n. 
/am^  270.  278 
far  220 
/artita  195 
Faunua  57 
Fae»(tf/tM  57 
FatM^iM  56  f. 
fauttus  206 
/müia  202 
jMMtra  221  n. 
/«»rm?  198 
ßdi»  268.  270 
/•yo  181.  183 
ßgüra  134 
./^tM  198 
fivo  181 
ßägüium  183 
^vii«  142 
flimina  202 
^0  181 
/ofw  221  n. 
JV>fi<e»  221 
forc9p9  204 


/OTÜ^tM  204 

/or<ifM  198  f. 
formtca  193  n. 
fort  217 
/or^M  204 
/oru«  185 
Fd(9ßiu8  57 
/o^tM  208  f. 
fovea  135 
/tfA;a  191 
/iilrnm  203 
fündo  134  f. 
/mtui  188 
furo  188 
/t«^7M  212  n. 
gen$  217 
germen  141 
germinäre  141 
^to5er  141 
^^rt«  209  D. 
^förui  209  D. 
^/»«  216 
gliUen  139 
gnävw  142 
gradior  141 
6^a«cf  256 
(?r<|;V  256 
gramen  141 
grando  141 
^ö^ta  141 
greOue  141 
^raüi«  274 
grundio  141 
-^Ttfo  142 
grümus  274 
Ao/Ztio;  191 
Aa/vo«  192 
Aert  267 
Aortbr  194 
AörntM  194 
A<>rtor  194.  199 
hoepee  210 
Amt^m  217 
t/tco  198 
incohare  130 
tmJS^rtM  185 
indupedtre  204  n. 
induperSre  204  n. 
tn^«fM  218 
•n^uam  148 
inUmedes  2'14t 
interpre»  224.  226 
jüglane  206.  268 
Juüiue  206 
7«/ttM  206 
jüneue  200 
iTiifio  57 
ywr^ö  197 


jurgium  197 
jti«ta  212 
lardum  194 
Ztfmofita  61 
XemuTMi  61 
^MMiM  142 
len»  218 
alü.  j«ra  138 
lex  182 
^ar«  138 
/ft5«r  a.  ä.  138 
Ubum  138 
lien  129 
/^«r«  136 
A^o  135 
Itaürio  184 
fcft(2titer  138 
Itra  188 
/i«  216 

altl.  loehertaUm  138 
altl.  /oefteMm  188 
arch.  loidoe  187.  140 
förum  45 
löiue  208  f. 
^c{o  188 
lüdue  187.  140 
%do  188 
lürtdu»  138.  142 
mäü>r  130 
mallumum  202 
rndto  807  n. 
mah>a  198 
maneep«  202 
mancifpnim  202 
mancupo  202 
numcta^f  202 
maneiteku  202 
man^o  200 
mati&2«  202 
manUUum  202 
mantelum  202 
mantieuläre  310 
manfö2«  202 
Manhtrna  200 
mofiiM  808 
Ifor^^tM  204  n. 
Marpor  204 
fiui^tti«  212 
mediusßdiue  268 
m9to  180 
fy^ftoffi  192 
m6fi«  217 
m«nför7  810 
mihi  129 
mt#<«rttfm  202 
mup^ti«  210 
altl.  moiros  137 
mofw  221  f. 


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Register. 


337 


tnorbus  194 
mors  218 
mUua  206  f. 
mtdcare  208 
mulcius  203 
muka  203 
möto  268 
narro  212  n. 
negäre  185 
negdUum  135 
fit%t7  ISO 
i^dto  209 
nönUSre  209 
fiönti«  208  f. 
.Yo«^iM  207 

lUMIfMM  208 

nox  824;  adv.  217  n. 
nt«6«  220 
nöndinum  208 
nüdiü9Urtiu8  268 
fiiklfM  206 
iMiitftfpo  200 
o&  211 

objurigandutn  197 
obkquu9  188 
o6ft«rö  207 
ojQfSenim  211 
o^octo  196 
ofiMti  209 
ofiMn«iito»tf  200 
opüio  208  f. 
Opt^MM  208 
^d»r  206 
Opüer  58 
op«  219 
i^mus  211 
ar5«  219 
OretK  166 
omo  204 
omtM  197 
alat.  09men  209 
ö^m  209  n. 
pägina  182 
jid^  182 
päma  198 
paneepi  200 
/lofiti«  200 
jior«  218 
paucua  206 
pauper  206 
j^<r  224 
perendie  228 
ji^^o  196 
peneulum  224 
|»0rt<fM  224 
pemiei$s  274 
spätl.  pierUismo  210 
pUumnoe  203 


l»M?«  273 
/»föma  828 
PoUäees  u.  ft.  192 
j>öno  210 
pofw  222 
PopUeola  228  ff. 
pöpti^MM  191 
jiöptilfui«  191 
por^o  196 
l»or^a  228 
jiorto  194.  199.  283 
portu9  228 
jiotfti^tM  210 
poBtua  210 
Potfft  206 
pro«  227 
praeda  133 
praesto  210 
pratUr  228 
altl.  oraidad  133 
/»ranatum  200 
prehendo  180.  137 
pre^nfffi  224 
j»rf  228 
primäre»  46  ff. 
prtmuB  228 
prtneeps  200 
l^rtor  228 
prueua  228 
j>r7«(tntc«  228 
pro  226 
procapü  219  f. 
profecto  193 
progentes  274 
prSnus  226 
propUr  212 
propt0rvu»  211 
pro9V0ru$  267 
prMOtffi«  207 
ptimV  221 
i\«ai0  206 
puryo  195 
quaglätor  215 
jtf^m««  204 
jftfte«  216 
quineiua  204 
quindeeim  204 
j^tn^tffi^t  204 
Qutrffö«  207  n. 
(^mfiM  204 
roiMMM  206 
rot^M  142 
rBCcidere  808 
reeiproeus  802 
rsperio  224 
repperire  802 
ri«  267 
r0^o  802 


ri^ir«  136 
ri^rr«  186 
naescere  186 
rt^uM  186 
i2öma  209 
röram  209 
nk^M  142 
ri^a  132 
r«o  142 
rürmm  207 
rör«tM  207 
rti«  207 
iZtit^W  207 
«oAm  207  f. 
Seawola  280 
«eo5«  219 
«cro5«  219 
««^5ra  200.  202 
»erp»  220 
tM^t-  200 
9e9tertiuM  200.  202 
««j:<w«  210  n. 
sineiput  200  f. 
nn^tMti«  214 
»ordiduB  195 
«or«  218 
«o<p««  210.  217 
tpis  267 
iu5  211 
migo  181 
•iimo  210 
Bupremu»  190 
nirctito  190.  195 
nir0mp«fi^  210 
alat.  turhnit  210 
nir^o  196 
turpere  195 
•wrtM  195 
terra  224  n. 
«0«<w  189 
Unea  201 
iöm&fUum  208 
to«^iM  204 
«ö^tt«  208 
<ra5«  220 
trägum  182 
^roAo  180 
<ran«  224  n. 
triäiru9  a.  ä.  55 
Turnus  57 
tM^tt«  206 
üUus  201 
ti/fki  191 
um5ra  323 
Umhrta  824 
ündeetm  190.  201  f. 
üpt7»o  208 
tfr6«  220 


BaiMf«  a.  kiuide  d.  iiulff.  «piMhen.    XXVI. 


28 


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338 


Register. 


iUürpo  196 

vae  168 

l&m  198 

vS^na  188 

madach  u.  ä.  812 

vSaor  182 
veketMna  217  f.  n. 

ÜMMiM  812 
mon  810 

V0ho  129 

remm  224 

vindo  189.  201  f. 

«<r  224  n. 

VeriKa  60 

tiama  197  n.  n. 

Albanesisch. 

vß$ear  218  n. 

mqf€  222 
reib««  109 

oiteiw  218  n. 

V09iigium  132 

Slavisoh. 

9^221 
mndemia  201 

(Kircbenslavisoh  unbe- 

zeichnet) 

mr  220 

wr.  hwrie  188 

otrtöf  195 

burja  188 

vitrieuB  212 

ross.  bürka^  188 

volmi«  191  u.  n. 

^ofiNfi«  191 

t»0«tM  208  f. 

yMenü  197 

kara  286 

Oskisoh. 

JfeAfi  188 

eulehna  196 

rass.  lo;  194 

%a^if  182 

«om«^'  168 

^tkl  182 

rass.  majata  812 

moUam  208 

mi|;a^'  809 

liart  226 

mahaÜu.  ä.  806  f. 

posmom  225 

momfifo'  811  n. 

pru<«r  227 

klr.  mana  810 

<0rtSm  224  n. 

c.  mani,  mani  811 

UpilCUit)  208 

managt  809 

oaMMnom  187 

man^  810 

ffUMfe  807 

Umbrisch. 

moJtite'  ie  807 

amhoUu  196 

mosapa  807  n. 

man/' 202 

p.  masgai  307  n. 

motar  203 

ma<rÄ»  808 

;»«nw  227 

obri$U  168 

j9re  227 

poln.  o;V»  191 

preira  228 

pra  226 

profnom  227 

russ.  poramU  228 

r«.  802 

rana  192  n. 

m</0<««  208 

rtio«<;  142 

wi/ni  208 

ruia  142 

Italienisch. 

rase,  «ortf  195 

9or  208 

9üri$U  168 

«ora  208 

^«Sa<»  180 

forikfö  212 

Keltisch   (Altirisoh 

utro  824 

unbeEeichnet). 

Sollr  191 

airmaU  225 

mir.  aoin  200 

Preussisch. 

«tönt?/  191 

autiin  225 

bret  hü  iod  232 

t'Aat  167 

eM0dJ  204 

Unäwei  167  f. 

oymr.  ffo/f  809 

t«/tW  285 

huinmu»  197 


Litauisch. 
a&0;1  178 
aikmBU  167 
OtiXMSflM   167 
<SMsibM  167 
äkliu  824  n. 
ofiAw^)  824  n.  n. 
atgäl  198 
6&  175  n. 
5«fo'  175  a.  n. 
bhUdiaOU  282 
M^M  188 
zem.  hurg^Bus  167 
zem.  hurgHi  167 
burkUtUi  188 
bwrkmmAja  188 
6Srytf  188 
ift^  138 
<itWw  167 
<lt0«>i  178 
^4lri  191 
^ima  225 
^rii  141 
fflaudaa  140 
giiaümas  189 
^/imia  142 
^rfSft  142 
^rtidfM  142 
grüdttu  142 
^^  270 
t»,  Ik  166 
iftmalM  166 
«M^ttt  167 
%nß»  198 
ibora  236 
läima  168.  187 
2^(t  167  f. 
maMfi^'  807 
ma«<l^t  805 
musto«  807 
ffM^'808 
maur^  188 
moEgdti  807  n. 
mofu»  809 
mtffto^'806 
motterHi  806 
mo<<i«  807  n. 
m^ti  809 
iiMMMJ^'  806  u.  n. 
namäi  167 
jiomhAmim  824 
pekuu  224  f. 
per  224.  226 
perkä  224.  226 
/»töfi^MMi  828 
prantü  224 
|9r^3fcM  224.  226 


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Register. 


339 


/»r?  227 
prte  227 
pri  228 
pro  226 
prSiM  224  f. 
r#;i»  267 
»kiKä  270 
«^yff  270 
MiotZ^  282  Q.  n 
•fiaiitM  281 
tpifu  267 
«urr#ei  168 
MtXmfiik  106 
ulavH  270.  272 
fyl»t  172 
tvirias  212 
iOwfia  824 
iifa»394 
icAwto  824 
twnburyti  188 
tmifeMia  828 
^Um  197 
4'«fa«  226 
9oiai  187  n. 
MfÄ  173 
vflM  187 
wiKfuu  187 
w^gas  197  n. 
wergind  197  n. 
«hOmi  188 
Mt7M  192 
XvdA^  270 

Lettisch. 
ft<^y«  167 
hauHU  187  f. 
Mra  188 
fttinf  hirdm  188 
gdiaehB  167 
ylufiM  189 
OmÜHmm  166 
äUa^TM  166 
ikwhu  166 
MmMm^  187 
/I4/'166 
Hmt  168 
m^/^  810 
ifUfni»  810 
mäiUi  810 
m4/Wb  310 
nurga  136 
m«r^<$<  136 
«id^Mfi^  167  f. 
l»r«<  226 
prikjom  227 
tMw  168 
immM  168 
tfTotdt  168 


iMli  187 

mtMii202 

Gotisch. 

mjfra  188 
9üean  131 

ondeia  224  n. 

mtrahi  166 

Englisch. 

6ii^ati  152 
&^dafi  130 

6arA;  167 

Altsächsisch. 

6^m260 

gslo  192 

ikrUd  141 

falrra  226 

/oran  223 

Niederdeutsch. 

fimr  226 

leekf^g  232 

fyura  227 

Ära  228 

Althochdeutsch. 

/ri  228 

Idao  142 

^M  141 

ft^tftM»  181 

ffrÄi»  181 
krimgot.  niMra  188 

M>ii  131 

tUrriu  204 

näuB  274 

<ioi^  172 

^oirmM  225 

ßUgan  823 

BwarU  195 

/ojffia  198 

i^o^Vm  180 

Amomi  132 

tfAto5  824 

fiirt  222  n.  223 

vm  168 

giai  141 

votis  187 

ffr2o  142 
iUtin«  194 

Altnordisch. 

praki  167 

hlär  142 

oiM&m  191 

6raAa  167 

»Kngan  136 

<lriMra  130 
grik  142 
Jbiar  142 

<<ri«  216 

t9^  168 

kry^ia  141 

zawa  167 

fiUNirr  188 

zowfan  167 

natM^  167 

s5^  191 

raun  209 

sMn&ar  225 

««ja  131 
iä  191 

Mittelhochdeutsch 

Mr  139 

6t^/251 

^0^  226 

gruose  241 

v^kua  206 

m«t({«m  268 

Schwedisch. 

Neuhochdeutsch. 

dial.  Mlfia  202 

jaM809 

ma$t  307  n. 

Norwegisch. 

mühm  810 

62<«ma  202 

mil<2a  810 

auOr  203.  209 

«cAtf/^  809 

motfra  188 

dial.  pätUAenKekr  282 

Angelsächsisch. 

Etruskisch. 

he&reian  167 

aenatru  49 

etcvi^  191 

attfia  156 

fAfon  132 

a|iata<rtf  49.  58 

oäo  140 

apan  59 

;r4:  142 
Tagu  182 

opoini  49.  58 

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340  Register. 

avxfiltiK  (Hes.)  58.  824     hi  168  VolaUrrae  62 

aueena  58  muant(u}rn8  53  f. 

etnam  155  f.  priee  168  Lykisch. 

fah&res  56  ttcie  158  amv  293.  299 

faltru  50.  56  turan  57  ^t  292.  294 

fastfdru  61  torc«  58.  55  mei  298 

S^aeiäura  52.  54.  61  tcm  57  mti  295 

clus.  hairunia  51  ooct?  154  f.  nalau  296.  299 

^<t«r  52  f.  vacUnam  157  Wy^i  293.  800 

laturuB  52  ««l^ur  52  f. 

Imnnitru  50.  60  f.  veratru  50.  59  f. 


Druck  der  Univ.-Bacbdruokerei  von  E.  A.  Huth  in  Göttingen. 

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vorlag  von  Vaiidenhoeck  &  Ruprecht   in  Golunt^iiv 

Soeben  «ind  orsicBit'iior] : 

PraMscIiB  Ailcitin  m  ErlunioBi  iler  ScW  iler  Sonlieli 

Mm  lh\  {j,  Veiten,  L^^hrfr  cles  Sutiheli  am  tSominiu-  im  onent 
Sprachtm  m  Berlin.  Güh.  6  ML,  ^ub.  Mk.  bjäß, 

trammatüi  des  kmyam.i.-si,  t'^^^^^Jl'Z. 

Afrika,  spücidl  des  Dialekts  vdd  UnyanyeniJM],  iioliSt  miBm  Wort- 
TL^rmchnis  k!nytttnöt*fii-tk*ul«!icili  und  d(*uts<Vh*'kinyftniftitjsL 
Vua  Dr.  !■.  YeUeiit  lAhrer  ck«  Sufiheli  nm  Seminar  C  orieiitaL 
Sprachen  in  Berlin.  Geb.  Älk.  10^. 


Vorläufige  An k Q nd Igu n g. 

passow* 
^örterbud)  der  grkcbischeti  Sprache 

vdlUg    oeu    beiirbeitet 

von 

milhtlitt  Crönert. 

Jji  LiefeningeDp     Frei»  bIwü  8Ü  c^ 

S^ti  laugen  JahriEobutea  rnftogc^lt  ea  au  cmam  irriechiachcn  Wo r tor- 
buche, da*  die  Forltchritte  der  Neoieit  auf  dem  Gebiete  drr  Sprmch Winsen- 
•cttmft  wiedergäbe,  die  M^sse  der  in^wiachen  atifgefuTid^jten  Sprai^btiGTikoiäler 
berücksiebt  Igte  und  die  schon  früher  bt^kannte  Litteratur  auf  Grund  der  heiitf^ 
vorliegenden,  »orgfaltig  bearbeitetem  neuen  Änsgab^an  jienutzte.  Um  die  mit 
|fd€rm  Jahre  fühlbarer  werdende  I.üeke  weniggtetta  la  den  einen)  Hand  buche 
gesteckten  Grenzen  »afziifnllen,  hat  Herr  Dr*  W.  Crönert  auf  imsert^n  Wunsoh 
«§  nnteroommen^  ein  neiiea  griechiichea  Wörterbuch  heraaB^iigisben.  Aui 
praktischen  Gründen  ist,  im  EinventÄntinia  mit  Herrn  F,  C.  W,  Vogel  in  Ltiipzigt 
dt»  Wörterbuch  von  Pasäow  als  Gnindlage  gewählt  worden,  obwohl  von  dem 
alten  ße^tande  nur  wenig  wird  beibebaUen  werden  können* 

Troti  der  nnüberaeh baren  Menge  der  Verhtfsiefniigeu  und  Erweiterungen 
hofTen  wir,  es  durch  Vervollkomninnng  der  Druekeinnehtung  £ti  erreicbeik,  daa 
nme  Wdrierbtic^h  iit  3»tarkenLexikonoktiivbandeQ  «racbeiueu  jeu  lasieu^ 
Die  HC  hon  begonnen«  ßeurbeitong  wird  in  etwj*  i  Jahren  zu  End^  gehen* 
Frühjahr  1905  kann  vomuüichthoh  die  L  Lieferang  erscheinen*  Der  Druck 
wird  gegen  3  Jahre  in  Antpruch  nehmemt  der  Preis  etwa  80  *41  betragen- 

Di  soeben  von  Athen  atts  ein  verwandtest  Uoternehmon  angekündigt  wird, 
schien  ©»  utm  von  Wiahtigkeit,  »ohon  jeUt  die«e  MiUeilung  z\i  ni»oben.  Eine 
«ftww  eingehendere  Darlegung  der  Art  und  QrtindBät^  liiwere«  Wörterbnoh«« 
wird  allen  Interesaenten  auf  Verlingen  gern  tugeiftndt 


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Verlag  nm  Vandenhoeck  &  Rupr^eM  m  i  ik 

®tt^  alte  IHcJ  oom  ^öruc  3l(^ill3, 

aus  bei  3Has  au5Stf(^t^^te^  unb  inclrifdj  übetfc^t 
^tit  in  i'riti»ätil»  fart  3  ^i 


Sammlung 
der  grieehisehen  Dialekt-Insehriften, 

Her  ausgegeben  von 

Hp  Collitz  und  F.  BachteL 

1.  Band.      4  Hefte)     18ea--84.     14  ^M 

iL  Ht-ft:  OHfehrHPh-kypnBch,  2  .4i  50  A  2-  Hell:  Äolitok  4ie  Gedicht« 
a^-r  Balhilla.   1\  ^     2.^      S.Heft:    Böotisch.    6  JK     4.  HeÄ:  Klewch. 

Arkadisch,   Pajj  ,  4  JK  50  ^) 

IL  Baod.     {^  U^tttJ.)     1885-98,     30  Jl 

(L  Hctft:  Epimtiäcb,  ^karnftniicb,  Aetoliecb,  Aejimnieiiii,  Phtijujuacn,  Lo- 
kriftoh,  Pbokißcli.  3  ^41  60  ^  2.  Heft :  Orakoliiwchrifteu  amb  Dodriua,  At^btla 
tmd  «einen  Uolotiien.    2*^-60^     3.-6.  Heft;  Ddphiscb.    23  JK  SO  (Jj 

III.  Band,   1,  Hglfte.     (5  Hefte.)    1S88-99.    21  ,M 

{L  IMU  Megariseh,  2  ^  40  cj  2,  Hefti  Korinthos^  KJeoxitti,  Sikv^n, 
Pbleiua  u,  d.  korinth.  Cokmi^o.  2  .^  3,  Heft:  Argivisüh.  2  ^-^  40  ^  4.  lieft- 
Aifpim,  Pholegandros,  Anaphe,  Astyp»!»!«*  TeloM,  Nisyroü-  Enidoe,  Kalvfnual 
Kos.    i\  ^4  4\}  ^     6,  Heft:  Hhodoa.    7  JK  W>  ^) 

m*  Band,  Z  «älffe  —    L  Heft:  Lakonien,  T«rei)t,  Herakleift,  Heftseniea« 

4  «£  40  4,     2.  Ht^ft;  Tliera  unti  Melo«.    2  ,^  bO^ 

IV,  Band,  —  LHel\:  Wortregister  mm  f,  Bande,  ö  *^  2.  Htft;  Wort- 
register Äuru  IL  Umde  S>  *^  20  ^    (1.  Abt.  2  ,JK  tjO  ^J,    2.  Abt  6  ,^  60^) 

Die  grieehisehen  Dialekte 

(isr^'utlclll  von 

Otto  Hofflnann» 

L  Band:  Der  «ttd-aehll sehe  Bialokt.  1891.  8  Mark. 
2.  Band:  I>er  nord-achüiscbe  Dialekt.  1803.  14  Mark. 
8.  Band:  Der  toniüche  Dialekt,     (Quellen  und  Latitlt 

t«^     Ib  :Ja,k, 


Oly. 


Beiträge 


zur  kunde  der 


indogermanisehen  sprachen 


herauBgegebeu 


Dr.  AcL  Bezzenberger  und  Dr.  W.  PrellwitL 


Siebenundzwanzigster  band. 


Göttingen 
Vandenhoeck  und  Ruprecht 
1902. 

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Inhalt. 

Seite 
De  vocalibus   prodoctis  Latinas  voces  terroinantibus.    Von   Georg 

Wedding 1 

Beiträge  zur  Geschichte   der   indogermanischen   konjugation.    Von 

Hans  üeicheU 63 

Der   imperativische   infinitiv   in  den  homerischen  gedickten.    Von 

C.  ffentze 106 

Anzeige.    Von  -4.  Bezzenberger      .     .    ^ 137 

Lat.  prömulgäre.    Von  Qiuseppe  Ciardi-Dupr4        185 

Suom  cuique.    Von  Giuseppe  Ciardi-Dupri .  187 

Lettische  etymologien.    Von  J,  JEndzelin 188 

Qriech.  y^lXoe.    Yon  F.  Bechtel      .     , 191 

Zu  den  altgriechischen  Ortsnamen.    Von   W.  Prellwitz    .  -.     .    .     .  192 


Alle  für  die  redaction  dieser  Zeitschrift  bestimmten  Sendungen  wolle 
man  richten  an  Professor  Dr.  Adaibert  Bezzenberger^  Königsberg  i.  IV., 
Steindamm.  WaHstr.  Nr*lu.2t  oder  an  Gymnasial-Oberlehrer  Dr.  WaUher 
Freüwitz,  Königsberg  i.  JPr.,  Mittelhufen  LuisenaUee  9, 


Un]i  die  Anschaffung  der  älteren  Jahrgänge  dieser  Zeitschritt 
zu  erleichtern,  haben  wir  den  Preis 

der  ersten  25  Bände 

von  250  Mark  auf  170  Mark  ermässigt. 

Kleinere  Ergänzungen  (nicht  einzelne  Bände)  nach  Überein- 
kommen ebenfalls  zu  ermässigtem  Preise. 

Vandenhoeck  &  Ruprecht 


Gull,  Schulze:  Quaestiones  epieae. 

Prof.  in  Berlin.  VIII,  576  S.     gr.  8.    Preis  12  Mk. 

Verlag  von  C.  Bertelsmann  in  Gütersloh. 


Aasgegoben  im  Aug.  1902.      Vandenhoeck- &  Ruprecht,  Götüugen,  Theatantnase  13. 
Preis  10  Mark  für  den  Band  von  4  Höften. 


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De  vocalibas  produotto  LatinM  voces  terminantibnt. 

L 
Fofmae  Ib  a  ]Mrediieteai  ezaimteB. 

1.  NaminaHvus  et  voe^xUfms  ag.  primae  deelinatUmis. 

Qaia  in  Unguis  Indogermanicis  nominatiTum  singularis 
primae,  qnae  appellator,  declinationis  exiisse  constat  in  a  litte- 
ram  productam»  quam  seryaverunt  iniegram  Sanfioritica  et 
Graeca:  dpa,  %iiaa^  fädle  suspiceris  in  Latina  quoque  lingua 
eam  esse  longam.  Nihilo  setius  non  est  dubium,  quin  Plauti 
aetate  baec  syllaba  iam  fuerit  correpta.  Haud  raro  enim  apud 
hnnc  poetam  eis  deprebenditur  lods,  qui  nuUo  modo  admit- 
tunt  prodttctam,  yelut  ultima  thesis  iambici  senarii  et  trochaici 
septenarii.  Ut  unum  afiferam  exemplum  et  alterum  ^): 
Gas.  114:  Ex  sterculino  efifösse,  tüa  illaec  präedä  sit? 
Gapt.  488:   Pergo  ad  41io8,  vSnio  ad  iUos,  defnde   ad  ilios: 

ünä  res, 
quorum  exemplorum  numerus  faoile  potest  augeri  *).  Sed  bis 
locis  repugnant  plus  quam  viginti,  quos  usque  ad  id  tempus 
adbibent  viri  docti  planum  ut  iaciant  ipsa  Plauti  aetate  nomi- 
nativum  sg.  primae  declinationis  desiisse  in  a  litteram  produo- 
tam;  pauci  contra  banc  sententiam  dizerunt  argumentationem 
accurate  non  facientes*),  ut  qui  loci  a  longam  oonfirmare  ri- 
dentur,  eos  denuo  necesse  sit  congerere  et  considerare.  Atque 
primum  quidem  disseram  de  eis,  qui  exstant  in  diverbiis,  quod 

1)  Plsutus  adhibetar  ex  reoensione  Leonis. 

2)  Yide:   Epid.  296.  574.    Merc.  857.    Mil.  267.  972.    Pers.  160. 
615  sl.  .  . 

3)  Inprimis  B.  Mneller,  de  Plsnti  Epidioo,  pag.  41  sqq.  et  C.  F.  W. 
Mueller,  plautinisohe  proiodie  pag.  1  sqq. 

BdtKi««  t.  tnA»  d.  iadg.  ipnHih«B.    XXVn.  1 


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2  Georgius  Wedding 

nomen  eas  comoediae  partes  significare  volo,  quae  non  mutatis 
modis  pronuntjabantur  ^). 

In  senariis  iambicis: 
Asin.  762:  Ne  epistulä  quidem  Ulla  sft  in  aedibus. 
Bacch.  255:  Volcänns,  Söl,  Lunft,  Dies,  dei  qu&ttuor. 
Baccb.  584:  Quae  te  mala  crux  ^tat,  qui  ad  istunc  modum. 
Bacoh.  893:  Minerva,  Lätonä*),  Spes,  Opis,  Virtüs,  Venns. 
Gist  555:  Vt  res  gestä  sit.  ||  Vtinam  audire  nön  queas. 
eist.  606:  Nata,  inquam,  meo  ero  est  filiä.  {|  Gerte  modo. 
Gore.  461:  Sequimini.  ||  Leno,  c4ye  in  te  sft  morä  mihi. 
Epid.  498:  Potuit:  plus  iäm  sum  liberä  quinquennium. 
Merc.  26:  Ineptiä  stnltitiaque  6deo  et  temeritas. 
Poen.  85:  Altera  quinquennis,  altera  quadrimula. 
Poen.  1052:  Haec  mihi  hospit41is  t^sserä  cum  ill6  fait. 

lam  Tideamus,  num  bis  undecim  versibus  vis  tribuenda  sit 
et  anctoritas. 

Luce,  ut  aiunt,  est  clarius  tribus  versibus,  si  ea  ratione 
leguntur  qua  supra,  metrica  inesse  raenda.  Guilelmo  Meyer 
enim  acutam  debemus  observationem ,  quam  dipodiarum  legem 
appellare  consuevimus.  Guius  legis  verba  sunt  haec*):  er  [der 
Ordner  der  altlateinisohen  iamben  und  trochaeen]  liess  die  2. 
Senkung  der  iambischen  und  die  1.  Senkung  der  trochaeischen 
dipodie  mit  der  folgenden  hebung  nur  reine,  nicht  unreine  Ver- 
bindung eingehen,  d.  h.  er  liess  die  2.  hebuog  der  iambischen 
und  die  2.  hebung  der  trochaeischen  dipodie  nur  iambischen, 

nicht  spondeischen  oder  anapaestischen  wortschluss  bilden 

durch  dieses  alüateinische  dipodiengesetz  erklärt  sich,  warum 
im  2.  und  4.  fusse  des  senars,  im  2.,  (4)  und  6.  fusse  dee  iam- 
bischen septenars  und  octonars  und  im  Übergang  des  3.  zum  4, 

1)  Venus,  in  quibuB  a  nominativi  ag.  primae  deolinationis  prodaota 
est,  contalerunt:  CJorssen,  über  ausspräche,  vocalismos  and  betonang 
der  lateinischen  spräche  II  499  sqq.,  Bücheier- Windekilde ,  gnmdriss 
der  lat.  declination  pag.  21,  Neue,  lat.  formenlehre  I  4,  Stadehnann, 
de  qnantiiate  vocaliam  Latinas  voces  terminantium  pag.  7  sqq. 

2)  Latonam  ponit  Stadelmann  1.  c.  pag.  15  in  nnmero  Graeooram 
nominam  proprioram,  qaod  nemini  cum  persaasnmm  esse  confido. 

3)  Wilhelm  Meyer,  über  die  beobaohtang  des  wortaccentes  in  der 
altlateinischen  poesie,  abh.  d.  L  kl.  d.  k.  bayr.  ak.  d.  wiss.  XVII,  I.  abt, 
pag.  48. 


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t)e  vocalibus  productis  Latinas  vooes  tenDinantibus.        3 

und  des  5.  zum  6*  fnste  *)  des  trocbaeiachdn  septanars  der  regel 
nach  nur  iambisohe,  nicht  spondeieche  oder  anapaestische  be- 
tonte wortBohlüBse  stehen. 

Ab  bac  lege  cum  abhorreat  v.  Gist  5&ö: 

Vt  res  gSstft  sit  .  Vtinam  audfre  nön  queas, 
Guieti  sequemur  partes,  qui  tamquam  praesentiens  et  divinans 
transposuit  voces  res  et  gesta: 

Ut  g^sta  res  sit  ||  Vtinam  audire  nön  queas. 
Cum  altera  lege  metrica  pugnat  v.  Cure.  461 : 

Sequlmini.  ||  L6no,  c4ve  in  te  sit  mörä  mihi. 
Nam  A.  Luchs,  qui  de  paenultimo  iambid  senarii  pede  instituit 
quaestionem  *),  huius  pedis  thesin  sjllaba  brevi  effici  non  posse 
ostendit  msi  bis  oondidonibus : 

1.  „si  vocabulum  non  minus  quattuor  syllabarum  finem  Ter* 
sus  occupat  velut  Amph.  24: 

Verum  prof6cto  hoc  p^tere  mi  pr^cärio  *). 

2.  yysi  vocabulum  creticum  vel  paeonem  quartum  aequans 
versus  finem  efficit^)  velut  Asin.  803: 

Tum  si  Coronas,  s^rta,  ungu6ntä  iüsserit. 

3.  „si  thesis  pedis  antepaenultimi  duabus  brevibus  syllabis 
ita  efficitur,  ut  verbum  paeonem  quartum  efficiens  verbo 
iamfaico  excipiatury  —  |  ^i^Ajju  |  u^  |{ ; 

4«  yfUt  vooabulo  in  syllabam  brevem  desinenti  sucoedant  pri- 
mum  anapaesticum  verbum,  deinde  verbum  iambicum,  i» 

5.    „contra  si  ita  sunt  vocabula  syllabaeque  distributa,  ut 

deinceps  sese  ezcipiant  pyrrhichius  (vel  syllaba  producta), 

iambus,  iambus  —  «^  (vel  ^)  {  u^  |  wo.  || ,  non  admiserunt 

poetae  iambum**  *)• 

His  legibus  cum  repugnet  finis  versus  Cure.  461 :   .  .  .  . 

9U  mord  mihi^  i.  e.  ju  j  wo.  |  u^  ||,  alio  modo  necesse  est  di- 

metiri:  sU  m&ra  mihi  (es  ^l|^>  j  u^),  atque,  ne  versui  insit  alte- 

mm  mendum  metricum,  post  verbum  cave  probare  hiatum ') : 

1)  ExoeptoB  est  primuB  pes  irochaici  tepienarii. 

2)  In  Gnilelmi  Studemund  studüs,  I,    1  sqq.  —   ef.  Meyer,  1.  c. 
pftg.  89  sq. 

8)  In  loomn  exemploram,  qoae  Lnohs  affert  ex  Phaedro,  substitoi 
PlmutiBa«  4)  Lnohs,  1.  o.  pftg.  6.  5)  1.  o.  pag.  18. 

6)  1.  c.  pag.  14.  7)  quem  recepit  Leo. 

l* 


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4  Georgias  Wedding 

Seqafmini.  ||  Leno,  cäve  |  in  te  sit  mora  mihi, 
qui  hiatus,  quamqaam  Don  est  legitimus,  in  tot  invenitnr  ver- 
sibns,  ut  in  eo  agnoscendo  nihil  sit  difificnltatis  et  ofiEensionis  ^). 

Versus  Bacch.  255  autem: 

Volcänus,  S61,  LunS,  Dies,  dei  quättuor 
Claudicat  deficiente  caesura  semiquinaria  neque  semiseptenaria 
recte  e£fecta.  Quare  omnes  fere  fabularum  Plauti  editotes 
Guieto  suasore  nomina  propria  Solis  et  LufMe  transposuenmt, 
id  qnod  Gorssen,  ut  servet  a  litteraoi  productam,  refutare  studet 
his  verbis  *):  „Es  ist  der  sache  nach  natürlicher,  dass  erst  Sol, 
dann  Luna  genannt  wird'^  Ego  quidem  eins  partes  non  se- 
cutus  sim:  contra  verisimilius  mihi  est  in  hac  enarratione  oon- 
iungi  Solem  et  Diem  quam  inter  hos  interponi  Lunam;  qoam- 
quam  omsino  non  postulandum  est,  ut  in  eins  generis  enarra- 
tionibus  poetae  ratione  disponant  nomina  et  ipsi  usque  quaque 
secum  consentiant  *).  Neque  tamen  nego  usu  receptum  esse 
ordinem,  quem  inscriptiones  quoque  testantur,  ut  primo  loco  no- 
minetur  Sol,  secundo  Luna,  sed  haeo  ipsa  res  nescio  quem 
librarium  videtur  commorisse,  ut  nomina  Solis  et  Lunae  trans- 
poneret 

Porro  versum  Bacch.  584: 
Quae  te  mala  cnix  ägitat,  qui  ad  istünc  modum 
hac  ratione  non  praebent  Codices  BGD,  sed  codicum  ab  Italis 
correctorum  scripturae;  atque  cum  BGD  pro  relattvo  quae  ha- 
beant  formam  qui,  satis  apparet  illam  formam  quae  Italorum 
esse  coniectoram  scilicet  improbabilem.  Relinquam  in  medio, 
quem  ad  modum  emendandus  sit  hie  versus  *):  id  unum  constat 
dimetiendum  esse:  .  ,  .  .  te  mala  crux. 

Deinde   fides  deroganda  est  versui  26  prologi  Mercatoris: 

Ineptia  stultitiaque  &deo  et  temeritas. 

Nam  in  Mus.  Rhen.  XXVI  vol.  pag.  437  recte  exposuit  Dziatzko 

haue  prologi  partem  non  esse  Plauti,  sed  mali  poetae  infacetam 

enarrationem,  qui,  ut  iam  R.  Mueller  et  G.  F.  W.  Mueller  per- 

1)  Fortaste  inuuponendiun  est: 

Seqnimini.  |  Leno,  cive  Bit  in  te  mont  mihi. 

2)  1.  c.  II  451. 

8)  Merc.  6  sol  ponitor  ante  lunmm^  sed  v.  4  nox  ante  dmn. 
4)  Seyffert  proponit:   qai<d  est?  qa4e)  te  mihi  erax  ,  . .  •;  Leo: 
(die)  qaft^  te  mala  oruz. 


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De  vocalibus  produotis  Latinas  voces  terminantibus.        5 

spezeront  ^),  coDtra  sermonem  lAtinum  v.  28  et  30  poBuit 
coninnctionem  et  sine  dabio  ob  eam  causam,  ne  nominativom 
8g.  primae  declinationis  terminaret  in  a  litteram  productam. 
Persuasitne  sibi  iste  malus  poeta  a  litteram  in  ineptia,  quod 
duae  sequuntur  consonae,  produci  vi  positionis?  Si  minus, 
agnoscenda  est  Ritschelii  ooniectura 

in^ptia  4tque  stiiltitia  &deo  et  temeritas, 
cum  vix  crediderim  tam  malum  poetam  forma  illa  rarissima 
(vel  ezemplis  non  confirmanda)  inepUes,  ut  suadet  Lachmann, 
usum  esse. 

Versui  Asin.  762  autem   non  inest  auctoritas,   quia  cum 
hiatu  eum  legere  licitum  est    Vulgo  eum  dimetiuntor  editores: 

Ne  epistulä  quidem  Ulla  sit  in  aedibus; 
cum  hiatu  '): 

Ne  epistulä  quidem  |  ülIajBit  in  a6dibns. 
Nam   quamquam   controversia,    utrum    hiatus  in    semiquinaria 
iambici  sonarii  legitimus  sit  necne,  diiudicata  videtur  non  eum 
esse  legitimum*),   tamen   permulti  exstant  versus,   in  quibus 
idem  invenitur  hiatus  velut: 

Amph.  143:  Ego  häs  habebo  |  üsque  in  p^taso  pinnulas. 
Amph.  976:  Nunc  tu  divine  |  hüc  fac  Ädsis  Sösia. 
Most  549:  Dixi  hercle  vero  |  ömnia.  ||  Ei  miserö  mihi. 
Quod  pertinet  ad  versum  Bacch.  893: 

Minerva,  L&tonft,  Spes,  Opis,  Virtds,  Venus, 
non  abest  suspicio  eum  non  recte  esse  traditum  *),  cum,  quid 
hoc  loco  sibi  velit  Latona,  nemo  fiftcile  dieat     Sed  faciamus 
codicum  lectionem  esse  veram,  ^o  quidem  hanc  anteposuerim 
dimetiendi  rationem: 

Minerva,  Lätöna,  Spes,  Opis,  Virtus,  Venus  b), 
etsi  haud  ignoro  Plautum  raro  et  certis  condidonibus  thesin 
solutam  eo  modo  effecisse,  ut  syllaba  eam  interrumpat  finalis  ^); 

1)  R.  Mneller,  1.  o.  pag.  51 ;  G.  F.  Mneller,  1.  c.  pag.  8. 

2)  quem  oommendat  Leo.      3)  Gf.  Klotz,  altroem.  metrik,  pag.  IGSsqq. 
4)  Adnotat  Leo:  Lnna  BergkiuB  op.  1.  86;  neo  transponendo  {Spe$, 

LaUma  GmetoB)  Laionae  nomen  probabilius  fit  nee  ri  Minervae  qnadri- 
syllabmn  facias. 

6)  Antepaenaltima  in  Latona  breviatar  ex  lege  iamboriim  correp- 
tionis.  Gf.  Skatsoh,  VollmöUen  jahresber.  for  rom.  philoL  I  88  sq.: 
„eine  lambiBche  nlbenfolge,  die  den  ton  auf  der  kürse  trägt  oder  der 
die  tontragende  BÜbe  unmittelbar  folgt,  wird  pyrrbiohisch", 

6)  GL  Klotz,  l  c.  pag.  907. 


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6  Oeorgius  Wedding 

neque  tarnen  dubito,  quin  Plautus  in  nominibos  propriis,  qnae 
bunc  ezplent  yersom,  illam  lioentiam  sibi  adsamere  potuerit, 
praesertim  cum  omnes  fere  poetae  in  nominibus  proprüs  alii 
aliam  non  repudiaverint  licentiam  ^). 

Qui  factum  sit,  ut  in  versn  Gist  606  syllaba,  de  qua  quae- 
rimus,  videatur  esse  producta,  non  diffidle  est  exponere: 

Nata,  inquam,  meo  ero  est  filia.  ||  Gerte  modo. 
Gonstat  enim  inter  metricos  Plautum  ante  mutatam  personam 
admittere  hiatum;  et  hunc  ubi  scaenici  admittunt  poetae,  ibi 
syllabam  ancipitem  non  alienam  esse,  quis  est,  qui  nesciat? 
Legitimus  est  in  diaeresi  iambici  septenarii  et  octonarii  hiatus  *), 
legitimus  eodem  loco  syllaba  anceps  *).  Neque  desunt  ezempla, 
quae  in  eadem  sede,  in  qua  syllaba  ultima  est  nominis  filia, 
ante  mutatam  personam  confirmant  inveniri  hiatum,  velut: 

Gurc  41 :  Oblöquere.  ||  ]^fat  m&xume.  ||  Eti&m  taces?  «). 

Merc.  490:  Tänti  qnänti  poscit,  vin  tanti  illam  emi?  {|  Auc- 

tärium  ^). 

Poen.  191:  Aphrodisia  hödie  sunt  ||  Sciö.  i{  Oculos  volo  % 
Gedo,  inquies,  versus,  qui  eodem  loco,  quo  superiores  hia- 
tum, syllabam  praebent  ancipitem,  i.  e.  breyem :  vide  sis  Leonem 
ad  Amphitruonis  versum  719,  qui  tamen  etiam  versus  afifert,  in 
quibus  ante  personam  mutatam  est  syllaba  finalis  dubiae  natu- 
rae  7),  et  nonnullos,  qui  hoc  loco  non  praebent  mutatam  per- 
sonam. His  omissis  ezemplis  quippe  incertis  sunt  octo,  de  qui- 
bus dubitare  non  licet: 

Amph.  719:   Verum  non  est  puero  gr&vida.  ||  Quid  igitiir?  || 

Ins4nia. 

1)  Haie  loco  simillimi  sant  versuB  Gist.  512  tqq.  619: 

Enim  vero  ita  me  lüppiter 
Itaqae  me  Inno  itaque  lanas  (sie  Ambrosianiu !)  ita  —  quid  dicam  nSscio. 
Estne  Baceh.  898  Laiona  a  librario  porita  pro  ,IanxiB*  vel  ,Iana'? 

2)  Velut:  Amph.  190.  208.  260  etc. 

3)  Yelat:  Amph.  196.  215  ete.        4)  Vel. :  maxamS'.  |  Etiam  taces? 

5)  Cam  troohaioom  septenariom  interpretentur  metrici  esse  iambi- 
eom  senariom  oretioo  antecedente: 

quarta  arsis  iambici  senarii  respondot  sextae  trochaioi  septenarii. 

6)  Vel.:  8ci9'.  ||  Occüos  volo. 

7)  Velni  infinitivi  praes.  aot.  in  -re,  qaorom  •  finalis  ntram  pro« 
duota  Bit  an  brevis  apnd  Plautom,  denuo  osteadi  oportet. 


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De  vocalibus  productie  Latinas  voces  terminantibus.        7 

Asin.  828:  Age  decamb&mns  ais,  patlSr.  |  Vt  iiisseris  ^). 
Epid.  485 :  Reor  et  peccÄtum  UrgitlSr.  ||  Immo  haec  east. 
Merc.  901:   Die  igitiir,   abi  illa  ^st?  |  In  nöstris  aMib&s.  {| 

Aedis  probas. 
Pers.  482:   Quid  agis?  H  Credo.  |  Vnde  agis  te,   Dördal«?  || 

Gredö  tibi «). 
PoeD.  722:  Quid  8i  dnimuB  esse  nön  sintt?  1  Esto  üt  sinit 
Rad.  975:  M&re  quidem  commune  certost  ömnibtis.  H  Adsentio. 
Trin.  1185:    Mfseria  (üna)  uni   quidem  höminist  4dfattm.  || 

Immo  hole  parumst  *)• 
An  ex  bis  colliges  yersibus  syllabam  finalem  datiyi*ablativi 
plur.  -Ims  (aedibüs^  amnibos)  olim  in  lingua  Latina  fuisse  pro- 
ductam?  an,  quia  legimus  Dordaü,  olim  Tocativam  sg.  seo.  ded. 
missum  esse  tibi  persuadebis  in  e  longam?  At  neque  syllaba 
finalis  'bu8  neque  e  vocaiivi  uUo  tempore  fuit  producta,  id 
quod,  cum  respondeant  formae :  Scr.  mOJtr-bhyas  :  GalL  fAowge-ßo  : 
Lat  fHaifi4ms  et  equ^  :  IWnrc,  linguae  no6  docent  cognatae. 
Maxime;  sed  qua  de  causa  syllabam  sine  ulla  dubitatione  bre- 
vem eo  loco  longam  servatam  esse  arbitrabimur,  a  quo  syllaba 
anceps  non  est  aliena? 

Restati  ut  verba  faciam  de  tribus  versibus  Epid.  498.  Poen. 
85.  1052,  in  quibus  tria  vocabula  vel  tres  formae,   quae  aurea 
Latinitatis  aetate  sunt  dactylica,  creticae  videntur  esse: 
Potuft:  plus  iäm  sum  liberä  quinqu6nnium. 
Altera  quinquennis,  altera  quadrfmula. 
Haec  mihi  hospit&lis  tesserfi  cum  illö  fuit 

Facile  superat  difficultatem  Leo,  qui  Plautum  dactylicis  pro 
creticis  usum  esse  formis  identidem  contendit  ^).  Neque  quis- 
quam  n^abit  nonnullis  locis  vel  diverbiorum  dactylicas  traditas 
esse  formaSy  ubi  creticas  metrorum  postuIat  ratio  velut: 

Gapt.  11:  Neg&t  berde  ille  |  ültimtüs.  accedito. 

Cure.  438:  Quia  nddinsqnärtus  venimtito  in  C&riam. 

Men.  327:  Proin  tu  ne  quo  äbeas  löngitüs  ab  &edibus. 

Men.  5ü6:  Sanum  est,  adulescens,  sinciptit,  intellego. 

1)  Weise  tribait  hone  venimi  »Iteri  fabnlae  recenrioni. 

2)  Hiatas  inter  er§do  et  utuUl 

8)  adfatbn :  syllaba  brevis  et  hiatas. 

4)  Velut  ad  Men,  762:  ßüa  oreticos  at  alia  daotylica  in  hao  prae« 
lertim  fabnla. 


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8  Georgias  Wedding 

Men.  921 :  PötiöniB  &liqaid  prius  quam  perciptt  ins&nia  i). 

Merc.  920:  Omnibus  hie  lüdifie&tur  mk  modfs.  Ego  stüHior. 
Neque  tarnen  mihi  quisquam  probabit  Plautnm  ipsum  ut 
in  bis  versibus  ita  in  aliis  dactylicas  posuisse  formas  pro  cre- 
ticis.  Quaenam  causa  fiiit,  qua  hoc  ut  faceret,  commoveretur? 
An  nostris  temporibus  philologi  hos  versus  facile  supplere  pos- 
sunt,  Plautus  ipse  non  potuit?  Immo  corrupti  sunt  versus, 
neque  explicare  difficile  est,  qui  factum  sit,  ut  vocabnla  dacty- 
lica  eaque  praedpue  in  tertio  et  quarto  pede  iambici  senarii  et 
in  quinto  et  sexto  trochaici  septenarii  reperiantur.  Dipodiarum 
enim  lex  facit,  ut,  si  prima  syllaba  solutae  quartae  arseos  iam- 
bici senarii  vel  sextae  trochaici  septenarii  est  syllaba  finalis, 
quae  antecedit  theseos  syllaba,  eam  brevem  esse  oporteat,  h.  e. 
tertia  arsis  iambici  senarii  vel  quinta  trochaici  septenarii  saepe 
una  cum  sequente  thesi  et  prima  syllaba  solutae  arseos  (quar* 

8.  Td  5.      4.  ▼•!  e. 

tae  vel  sextae)  efficit  dactylum  (o.  o  ^[J\)  *).  Atque  si  quovis 
modo  vocabulum,  quod  alteram  solutae  arseos  ef&ciebat  sylla- 
bam,  deletur  corruptela,  dactylica  forma  creticae  vice  videtur 
fungi.  Emendandi  sunt  igitur  versus  Capt.  11.  Cure.  438. 
Men.  327.  506.  921.  Merc.  920,  emendandi  Epid.  498.  Poen. 
8ö.  1052,  in  quibus  syllaba  Plauti  aetate  sine  dubio  correpta 
longa  videtur  esse,  cum  vix  serio  ea  re  nitare,  quod  ter  corrup- 
tela insinuavit  eos  in  versus,  qui  nominativum  sg.  primae  de- 
clinationis  continent,  singuUs  antem  locis  formae:  uUimus,  veni- 
mus,  langitts,  sinciput,  percipüj  amnibus  creticae  videntur  esse  *). 
Quamquam,  ut  supra  dixi,  in  bis  omnibus  versibus  emenda- 
tiones  proferre  non  difficile  est  verisimiles  aut  probabiles  *), 
tamen  eas,  quae  nsque  ad  id  temporis  sunt  prolatae,  valde 
dnbito  accipere  ^). 

1)  Skutsoh,  Wölfß.  archiv  XII,  212  oontendit  in  hoo  versa  formam 
pereipä  senravisse  nltimam  produotam;  warn  reote? 

2)  Vel  raro:  ^yj  u  ^tf[J\.     Of.  pag.  28. 

8)  Hanc  argumentationem,  at  ita  dioam,  praeiadioiam  esse  non  me 
effugit  Sed  acooratias  non  prius  iudioare  possamos  qaam  de  dactylicis 
apud  Plautum  formis  neoessaria  institnta  est  quaestio. 

4)  Epid.  498  transponit  Fleckeisen  ^iftft^wMifiiififi  et  9mm  lAerOj 
Poen.  1052  Mneller :  i&9tera  et  emm  üh  fuü,  —  Poen.  86  proponit  Klots 
(pag.  276):  Altera  qoinqttennis,  altera  <6rat)  qnadrimala. 

5)  Gf.  Vahlen,  Hermes  XVn  806  sqq. 


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De  vocalibus  produetis  Latinas  voces  terminantibas.        9 

Qnoniam  illis  undecim  versibus  iambids  senariis  aitctori- 
tatem  non  ioesse  satis  demonstraTisse  mihi  videor,  oonvertite 
nandam  animos  ad  trochaicos  septenarios,  ex  quibos  adbiben- 
tiir  yeraos  tres: 

Gas.  814 :  Di  hercle  m^  cupiünt  seryatum.   lam  öboloft  Casma 

prooul. 

Cure.  602:  P4ter  istüm  >)  mens  gestit&vit.  ||  At  me&  maiertera. 

Pen.  516:  Quae  istaeo  Fortuna  lucrificast?  ||  Istas  qaa6  no- 

rdnt  roga. 
Ex  quibtts  minimi  pretii  est  versus  Fers.  516,  cum  inter  se 
discrepent  Ambrosianus  et  Palatini.  Hi  enim  versum  prae* 
bent,  ut  supra  eum  attuli,  longe  aliter  autem  Ambrosianus: 
LVCRIFERAESTFORTVNA,  qua  in  lectione  nihil  est  offen- 
sionis.    Iure  igitur  legemus  hunc  yersum: 

Qn&e  istaec  lücrifera  est  Fortuna.  |  Istas  quae  norünt  roga  *) 
cum  hiatu  legitime  in  diaeresi  et  ante  personam  mutatam  *). 

Versus  Cure.  602  traditusne  sit  recte,  et  Leo  dubitat  et 
C.  F.  W.  Mueller.  Atque  Leo,  quia  corruptelam  opinatur  esse 
ante  personam  mutatam,  in  editione  scribit: 

Pater  istum  mens  gestitavit  *  1  At  mea  matertera 
in  adnotatione  adidens :  fort,  geüüamt  {Mm).  Contra  C.  F.  W. 
Mueller  coniunctionem  at  corruptam  esse  suspicans  dicit  1.  c. 
pag.  9 :  ich  für  meine  person  glaube  nicht,  dass  man  in  irgend 
dner  spräche  so  disputieren  wird:  „den  ring  hat  mdn  vater 
getragen''.  „„Aber  meine  tante'**'.  Atque  hoc  quidem  assen- 
tier Muellero  corruptelam  non  esse  in  eis  verbis,  quae  facit 
Planesium,  sed  in  eis,  quae  Curculio.  Responsum  autem,  quod 
reddit  paradtus,  Mueller  neque  perspexit  neque,  quae  coniunc- 
tioni  at  inest  vis  adversativa,  tanti  fedt,  quanti  est  fadenda. 
Atque,  nisi  omnia  me  fallunt,  vera  huius  versus  interpretatio 
est  haec:  „mdn  vater  hat  den  ring  getragen''.  „„Aber  meine 
tante  hat  doch  — "",  i.  e.  mediam  Curculionis  orationem  Pla- 
nedum  interrumpit  verbis^):  mater  ei  utendum  dedercU,  Quae 
cum  ita  dnt,  non  alia  coniocerim  opus  esse  mutatione  nid  post 
coniunctionem  at  addere  particulam  enim  ^)  vel  pol,  quas  non 
raro  coniunctionis  at  augere  vim  satis  notum  est: 

P&ter  istüm  mens  gestitavit  ||  At  (enim)  mea  matertera  — . 

1)  soll,  atmhim,  2)  Ambrosiani  leotionem  recepit  Leo. 

3)  Cf.  psg.  18.  4)  Similiter  res  se  habet  Merc.  431. 

6)  De  hac  particula  vide  Brix  ad  Trin.  706. 


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10  Georgius  Wedding 

Qui  in  V.  Gas.  814  nominativuin  sg.  primae  declinationis 
exire  contendunt  in  a  productam: 

Di  hercle  me  oupiünt  serv&tum.  lam  oboliut  Caainft  procul, 
ementiuntur;  nam  neque  in  Ambrosiano  neque  in  Palatinis 
traditus  est  nominativus  Casina  sed  potius  GasiniAs.  Quae  lectio 
sine  dubio  est  prava  neque,  ut  confirmetur,  proferri  potest, 
quod  y.  809  ridicule  dicit  Pardalisca: 

Lübet  Ghalinum  quid  agat  scire,  növom   nuptüm  cum  novo 

marito. 
Nostro  loco  enim  (v.  814)  nemo  loquitur  nisi  Lysidamus, 
qui  primam  huius  versus  dicit  partem,  aut  Olympio  vilicus, 
quorum  uterque  ignorat  Gasinam  esse  revera  Casinum  i).  Fieri 
ergo  non  potest,  ut  formam  dmnus  probemus,  sed  emendatio 
incerta  est  et  ambigua*). 

Quoniam  quattuordecim  iUi  versus,  quos,  ut  a  litteram 
nominativi  sg.  primae  declinationis  productam  esse  confirment, 
ex  diverbiis  afferunt  viri  doctissimi,  sine  dubio  sunt  reiciendi, 
eo  magis  diffidemus  eis,  qui  adhibentur  ex  canticis,  atque  om- 
nino  valde  miror,  quod  talibus  locis  iterum  iterumque  nimiam 
vim  et  auctoritatem  tribuerunt  viri  dooti  tribuuntque,  quamquam 
neminem  effugit,  quam  dubia  canticorum  sit  ratio  metrorum. 
Sunt  autem  hi  novem  versus,  qui  afferuntur: 

Aulul.  136:  Da  mi^  öptuma  föminft,  manüm  *). 

Baccb.  1128:  Pol  hödie  altera  iam  bis  detonsa  oertost  ^). 

Gas.  655:  Dicäm.    Tua  ancillS,  quam  tuö  vilicö  vis^). 

Gas.  696:  Quid  üxor  meä?  Non  adift  atque  ad^mit  ^). 

Gas.  743 :  Genä  modo  si  sit  cöcta  ^). 

Men.  762:  Quidnam  h6c  sit  negöti,  quod  filiä  sic^). 

Pseud.  1278a:  Id  fuit  naeniä  lüdo  7). 

Trin.  251:  Nöx  datur:  dücitur  f&miliä  t6ta«). 

Truc.  459:  Lucri  causa  av&ra  probrum  sum  exsecüta  *). 

1)  Pardaliscae  aut  Chalini  ipsius   verba  non  sunt,   quia  hae  per- 
^     8onae  non  prodeant  ante  v.  816. 

2)  CoHna  proeul  non  legi  potest,  ne  Cäätnü  tribrachyn  effieiens 
ictom  habeat  in  paenoltima. 

8)  Dimeter  iambious  acat  — femina  est  vocativus,  sed  non  detri- 
mento  erit  de  hoc  versa  iam  hie  verba  facere. 

4)  Tetrameter  bacohiaoas  acatalectas.  5)  Paroemiacns. 

6)  Dimeter  bacohiaens  cum  Reisiano  (va.u»^). 

7)  Trimeter  oretions  catalectioos.  8)  Tetrameter  oretions  catal 

9)  Tetrameter  baccb.  acat, 


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De  vocalibus  prodactis  Laiinae  voces  terminantibus.      11 

Quia  versam  AulttL  135  dimetri  seqnuntur  iambid^): 
Vbi  ea  est?    Quis  e&et  nam  öpiuma? 
II  Tu.  I  Tüne  ais?  |  Si  negas,  negö. 
II  Decet  te  ^quidem  v6ra  pröloqni; 
Nam  optüma  null4  potest  eligf, 
facile  adducti  sunt  viri  docti,  at,   etsi  numeri  sunt  deformes, 
versum  135  quoqne  dimetrum  crederent  esse  iambicum  *).    Sed 
com  paulo  post  nova  hoias  cantici  pars  a  creticis  incipiat  ver- 
sibtts: 

V.  142:  D&  mihi  |  operam  amabo.  |  Toast,   ütere  atqoe  imperä 

si  quid  vis. 
II  Id  qood  in  rem  tuam  öptumum  esse  ärbitror,  ted  id  mönitum 

advento  *), 
mihi  dobiom  non  videtur  esse,  quin  prior  quoque  pars  (v.  135 
— 141)  cretico  a  versu  ceperit  initium: 

Da  mihi  |  optuma  f^mina  manum  ^), 
i.  e.  dimeter  creticus  cum  clausula  .uuu^*),  quo  versu  iden* 
tidem  usus  est  Plautus  velut: 

Most.  339:  Ecquis  hie  est?  ||  Adest  ||  Eü,  Philolaches. 
Inter  dimetrum  autem  creticum  et  clausolam  ^^^u.  syllabam 
admitti   ancipitem    nollo    intellegitor    n^otio    et    coniirmatur 
V.  Bacch.  1112: 

At  mihi  Ghrysalüs  öptomos  homo. 
Secondo  loco  detrahendos  est  y.  Bacch.  1128,  qui,  ut  supra 
dixi,  Tulgo  legitur,  tamqoam  si  bacchiacos  sit  tetrameter  acata- 
lectus.    Sed  qoid  nos  impedit»  qoominos  seqoamor  Leonem,  qui 
soadet: 

Pol  hödie  alt[e]ra  *)  iam  bis  detonsa  certost 

i.  e.  bacchiacos  dimeter   acat  cum   Reiziano,   qui   versus  fre- 
qoenter  occurrit  apud  Plautum: 

Gas.  649.  650:  Malüm  pessumümque  hie  modo  intus  äpud  nos. 
Gas.  658:  Virö  quae  suo  interminetur:  vitam. 


1)  Goets-Sohoell  in  hac  cantioi  parte  omittant  ictas. 

2)  Inprimis  G.  F.  W.  Maeller  et  Leo. 

8)  Sunt  oretioi  tetrametri  com  clantula:  ^u^^u^u. 

4)  Post  mihi  est  hiatas  (non  legitimus)  at  in  v.  142. 

5)  De  olansola  —  uuu^  of.  Leo,  die  plant,  cantioa,  pag.  11.  12. 

6)  aUra  :  0ft»r«  »  d§xtra  :  dBxUra, 


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12  Georgius  Wedding 

Gas.  662:  Insectatur  ömnis  domi  per  aedis  ^). 

Similiter  res  se  habet  in  versu  Gas.  696.  Atque  opinatur  Leo 
hunc  quoque  versum  ut  Bacch.  1128  esse  bacchiacum  dimetrum 
acatalecturo   cum  Reiziano  eum   legi  iubens  hance  in  modum: 

Qaid  üxor  m^ä  nön  adiit  &tque  ademit, 
vel  mm  per  synizesin: 

Quid  üxor  mea  non  adiit  4tque  ademit, 
quae  yera  Leonis  videtur  esse  sententia.  Sed  metrici  nos  do- 
cent  bis  condicionibus  eo  loco,  quo  est  pronomen  mea,  pyrrhi- 
cbium  *)  non  admitti,  et  Skutscb  synizesin  ostendit  verbornm 
velut  mea,  mea^,  iäo  aliorum  eiusdem  generis  apud  Plautam 
esse  reiciendam  >).  Quae  cum  ita  sint,  Leonis  lectio  versus 
Gas.  696  probari  nequit;  neque  tarnen  coniecturas  necesse  est 
versui  inferre  aut  transponere  voces,  sed  aliam  proposuerim 
dimetiendi  rationem: 

Quid  üxor  meä  non  ädiit  &tque  ademit^ 
i.  e.  dimeter  bacch.  catal.  dochmio  non  dissimilis  *),  quem  clau- 
sula sequitur  iambica  (dimeter  iamb.  catal).  Liter  utrumque 
Colon  autem,  ut  frequenter,  syllaba  est  anceps.  Neque  omittam 
nonnullos  afferre  locos,  in  quibus  Plautus  eadem  ratione  dime- 
trum bacch.  catal.  cum  clausula  coniunxit  iambica^): 

Men.  972  in  systemate  bacchiaco: 
Recordetur  id,  qui  nlhili  sunt,  quid  eis  preti  % 
et  similiter  Amph.  638: 

Parümper  dat&st,  dum  virf  mei  mihi  potestas  videndi  fuit, 
i.  e.  dimeter  bacch.  acat   +    dimeter  iambicus  catal.   + 
dimeter  bacch.  catalecticus  ^). 

Etiam  versus  Gas.  655  neque  vim  habet  neque  aucto- 
ritatem.  Ad  versum  654  enim  adnotat  Leo:  ,,dicam  (AP)  (id  est 
in    fine    versus) secundum    P  dic&m,    tua    ancflla 

1)  Cf.  Leo  ad  Gm.  649.  660 

2)  Cf.  Klotz,  1.  c.  pag.  848:  die  zweisilbige  Senkung  [wird  in 
baochien]  nie  durch  wortschluss  von  der  folgenden  hebnng  abgetrennt, 
sondern  durch  bindung  mit  der  folgenden  hebung  in  einem  werte  mög- 
lichst schwach  und  unselbststandig  erhalten. 

8)  Satnra  Viadrina,  pag.  122  sqq. 

4)  Cf  Leo,  die  plaut.  cant ,  pag.  15.        5)  Cf .  Leo,  1.  c.  pag.  16.  16. 

6)  Parn  momenti  est,  quod  in  hoc  versa  dimetram  bacch.  catal. 
sequitur  dimeter  iamb.  acatalectus. 

7)  Versus  Bacch.  1128  quoque  (cf.  pag.  11)  eodem  modo  legi  potest 
ao  Cas.  696:  Pol  hodie  altera     iam  bis  detonsa  certost. 


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De  vocalibas  productis  Latinas  TOees  terniinatibos.        13 

quam  tuo  vilicö  yis^)";  et  Goetz-Schoell  varbum  dieam  sine 
adnotatione  tribuunt  yersui  6ö4.  Adhaeret  igitnr  in  Ambro- 
siano  dieam  versni  604*),  in  PalatiniB  aatem,  si  Leonis  recte 
perspezi  adnotationem,  m  initio  positum  est  venös  655.  Atque 
quis  est,  qui  dubitet,  quin  cum  Ambrosiano  verbum  dieam 
tribuendum  sit  versui  6ö4  (id  quod  fadont  Leo,  Goetz-SchoeU)? 
Quo  fity  at  uterqae  versus  (654.  655)  sit  sine  offensione: 
654:  Possum  soire  ^o  Istuc  ex  te  quid  negötist?  |  Dfcam. 

Tua  Änoillä,  qu4m  tu  tuö  vilico  vis 

Dare  üzorem,  ea  intus  — . 
V.  654  igitur  est   bacchiacus  trimeter  acat.  cum   Reiziano*), 
V.  655  baccbiacus  tetrameter  acat 

Eiusdem  generis  versus  est  Truc.  459: 

Lucrf  causa  av&rft  probrum  sum  ezsecuta, 
qui  versus  ab  omnibus  fere  certissimum  habetur  docomentum 
etiam  aetate  Plauti  syllabaip,  de  qua  didmus,  fuisse  longam, 
qnia  eo  loco,  quo  adiectivi  awira  est  syllaba  ultima,  in  tetra- 
metro  bacch.  acat.  usqne  quaque  habeat  Plautus  productam. 
Sed  recte  Klotz  exposuisse  mihi  videtur  rem  aliter  se  habere. 
Cuins  viri  doctissimi  deUberatio  est  haec  *):  ^^Oberall,  wo  auch 
sonst  selbetständig  verwandte  metrische  xüla  zu  einem  grösseren 
/iir^oy  zusammentreten,  ist  hiatus  (und  syllaba  ancqw)  in 
der  diese  glieder  markierenden  hauptcaesur  zulässig.  Wo  aber 
durch  die  caesur  auch  nur  ein  unselbstständiges,  hyperkatalek- 
tisches  glied  entsteht,  ist  diese  asynartetische  behandlung  aus- 
geschlossenes Affemntur  exempla  hiatum  et  syllabam  andpitem 
admitti  in  diaereu  septenariorum  et  octonariorum,  et  iambi- 
corum  et  anapaesticorum ,  et  in  diaeresi  cretioorum  tetram^ 
trorum.  Et  pergit  Klotz,  pag.  181:  ,,Nach  denselben  grund- 
sätzen  wird  sich  in  den  bacchischen  tetrametem  der  hiat 
(und  syllaba  anceps)  in  der  hauptcaesur  nach  dem  zweiten 
fusse  halten  lassen,  wenn  man  auch  dagegen,  vgl.  Müller,  plaut. 
pros.  619  fg.,  bedenken  erhoben  hat  Denn  er  wird  durch  die 
analogie  der  trochaeischen  hauptcaesur  der  trochaeischen  sep- 
tenare  und  octonare  genau  so  gerechtfertigt,   wie  der  hiat  in 

l)  — £.uu-£.u-.o-£ — o-£ —  ,  ut  videtur,   oolon  u— u—u —  et  di- 
meter  bacoh.  acat  2)  OL  apograph.  Ambroi.,  ed.  Stademand. 

3)  Idem  venua  Gas.  669: 

Qoid  örgo?  I  Ah  —  M  Quid  äst?  R  Inter^mere  ait  velle  vitam. 

4)  altröm.  metrik,  pag.  180. 


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14  G^orgins  Wedding 

der  hauptcaeBur  der  iambischen  langzeilen'S  Neque  defioiant 
exempla  hanc  rem  confirmantia,  ex  quibus  tria  adbibere  satis 
erit  omissis  nonnullis  aliis  quippe  corruptis  aut  incertis: 

Trac.  463:  Yosmet  iam  videtls,  ut  oroata  inoedo^). 

Men.  968:  Vt  abseilte  erö  rem  |  eri  diligenter  *). 

Rad.  194:  Tum  |  b6c  mi  indecöre,  |  infqae,  inmodeste'X 
Vt  igitar  in  bis  versibus  et  hiatus  (legitimus)  admissos  est 
et  syllaba  anceps,  ita  Truc.  4ö9  avara  desinere  potest  in  a 
brevem^  atque  supervacaneae  sunt  in  versibus  Truc.  463.  Men. 
968.  Rud.  194  coniecturae  Muelleri,  Ritscbelii,  Vssingii,  inu- 
tilis  Truc.  459  Seyfferti  avare  ^). 
V.  Trin.  251: 

Nox  datur:  düoitur  fämiliä  tota 
Yulgo  habetur  pro  cretioo  tetr.  catal.    Quod  rati  Brix-Niemeyer 
in  quarta  quoque  Trinummi  editione  narrant  ut  in  hoc  versu 
ita  aliis  lods  Plauti,  Ennii,  inscriptionum  ex  satumüs  compo- 
sitarum  a  litteram  nominativi  sg.  primae  declinationis  productam 
esse.    Sed  huius  versus  fides  infirmatur,  quod  paulo  ante  repe- 
ritur  alter,  qui  eodem  loco,  quo  in  v.  251  ultima  est  syllaba 
in  famäia,  syllabam  habet  sine  uUa  dubitatione  brevem: 
248.  249:  Nön  satis  id  est  mali»  ni  Ämplilto  etiam  s). 
Sunt  enim  utriusque  versus  (248.  249  et  251)  numeri: 

248.   249:  jLsJkjsj^sj^  -£.uui£ruxr 
251:    .A.s^ 1.«^ itfKJKjyj.l.'U' 

Qoae  cum  ita  sint,  quisnam  a  finalem  contendere  audebit  in 
famäia  hie  esse  productam?  Sed  deliberatio  omnis  est  baec, 
quomodo  horum  versuum  interpretemur  numeros.  Neminem 
effttgit  priorem  partem  creticum  esse  dimetrum  acat.,  quem 
sequitur  clausula  _uu_u.    Atque  nisi  omnia  me  fallunt«  baec 

1)  Maeller  rapplet:  videtis  (me). 

2)  (tarn)  rmn  recepenmt  Bitachl,  Vssing. 
8)  Fleckeisen  transponit:  indeeore  mi, 

4)  Qui  in  bacchiaci  tetr.  diaered  admitti  syllabam  ancipitem  non 
credit,  ei  suadeo,  ut  hos  versus  intellegat  esse  dimetros  bacchiaoos  acat. 
cum  clausola  Beisiana: 

Trac.  468:  Yosmet  iam  videtls,  üt  ömata  inoedo. 
Men.  968:  Vt  ibsente  ero  rem  |  Sri  diligenter. 
Rud.  194:  Tum  |  hoc  mi  indeeore,  |  Tnique,  inmod^te. 
Inter  dimetros  et  olauralam  admittitur  syllaba  anceps. 

5)  Leo  hoc  quoque  loeo  evitat  difficultatem  an^Uui  eese  creticum 
contendens. 


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De  vocalibus  productis  Latinas  voceB  terminatibos.        15 

clausttla  adonio  simillima  (vel  adonius  ipse?)  eadem  est,   quae 
praeter  alios  locos  invenitur  Rad.  668: 

(Seimus:  tanto)  in  motu  nunc  sumus  ämbae, 
cuius  clausulae  prima  arsis  soluta  est  in  v.  Trin.  251,  altera  in 
V.  248.  249. 

Paulo  loDgius  mihi  repetendnm  est  in  v.  Men.  762.  Goetz- 
Schoell  et  in  hoc  et  in  eis  tribus,  qui  sequuntur,  versibus 
omisemnt  ictus,  quod  numeri  sint  incerti.  Leo  autem  illum 
versum  nos  dimetiri  iubet  bunce  in  modum: 

Quidnam  höc  sit  n^oti,  quod  filiä  sie  ^), 
in  editione  dicens  fabulamm  Plauti  ter  repetitnm  esse  u^^ 
crjL.  o^  Kj^M.  (i.  e.  bacchiacus  dim.  acat.  cum  Reiziano)  cnm 
clausula  v.^.v^-£.-.  yel  Reiziana.    Sed  necesse  videtur  accurate 
hos  yersus  afferre: 

Quidnam  hoc  sit  negöti,  quod  ffliä  sie 
Repente  expetit  me,  ut  kA  sese  irem. 
Nee,  quid  id  sit,  mihi  oertiüs  facft,  quid 
Velit,  quid  me  accersat*). 
Antecedunt  bacchiaci   tetrametri ') ;  a  v.  764«  alterum  incipit 
systema  bacchiacum,  cuius  in  fine  est  iambicas  dim.  cat.: 

774:  Id  est  quod  süspic&bar. 
Quod  ad  Leonis  versus  inde  a  762  ad  764  dimetiendi  pertinet 
rationem,  non  eam  laudaverim,  cum  pronomen  guid,  quod  ille 
tribuit  versui  763»,  in  codicibus  adhaereat  v.  764.  Atque  etsi 
hanc  rem  per  se  non  magni  esse  momenti  haud  ignoro,  nostro 
loco  duae  obstare  mihi  yidontur  causae:  primum  quidem  huius 
cantici  cola  in  codicibus  usque  quaque  perbene  seiuncta  sunt, 
deinde  manuscriptorum  lecüone  servata  nulla  versus  763«  et 
764  dimetiendi  est  difficultas: 

763a:  Nee  quid  id  sit,  mihi  certiüs  facit 

764:  Quid  velit,  quid  me  accersat 

763a  est  dimeter  bacchiacus  cum  clausula  (iambica)  u— u.  ^), 
quae  non  raro  cum  versibus  bacchiacis  coniuncta  est»  velut: 

1)  Cf^  pag.  7,  adnot  4). 

2)  Yel:  YfiUt,  quid  me  accersat  (claasula  Reiziana). 

3)  Excepto  versu  760,  in  quo  corniptela  etiam  nameros  turbavisse 
videtur.  4)  Cf.  Leo,  die  plaut.  cant.,  pag.  22. 


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16  Georgias  Wedding 

Poen.  252.  253:  Quiesco.  |  Eigo  amö  te.    Sed  hoc  nanc  reep6nde 
Mihi:  sunt  hic  omnia. 
Rad.  205:  Ita  hlc  sola  sölis'locis  compotita  sum. 
Men.  764  autem   est  bacchiacus  dim.   acat;  quamqaam  mihi 
verisimile  est  eam  l^endam  esse: 

Qaid  velit,  quid  me(d)  accersat, 
h.  e.  iambicas  dim.  catal.,  qui  ut 

Id  est,  quod  süspic&bar 
alterum  systema  bacchiacum  (inde  a  y.  764»  ad  v.  773),  clau- 
dit  primum.    Sed  numeri  versuum  762  et  763  nobis  nomina- 
tivurn  ßia  interpretantibas  esse  dactylom  sunt  hi: 

762: C...UJL..  »jLwu  ^ 

763:  Kju — Kj^ —  sjjL — t.^ 
veli): 
vel  «): 

Atque  versum  763  sine  dubio  proximum  est  l^ere: 
Repente  expetit  me,  ut  4d  sese  irem, 
i.  e.  bacchiacus  dim.  acat.  cum  clausula  Reiziana.  Verum, 
quod  ßia  sie  _j.uv^  in  v.  762  vix  colon  illud  est  iambicum 
u— u_,  de  quo  supra  verba  feci,  sed  potius  anapaestica  videtur 
esse  clausula.  Eins  generis  autem  clausulas  Plautum  recepisse 
et  praecipue  bacchiacis  coniunxisse  cum  versibus  nemo  infitias 
ire  potest.    Exempli  gratia  conferas: 

Gist.  8:  Pol  isto  quidem  nos  pretiö  facile  est  firequentare '), 
i.  e.  dimeter  bacch.  acat.  cum  paroemiaco.    Iure  igitur  versum 
762  interpretari   mihi   videor   esse  bacchiacum  dim.  acat  cum 
clausula  anapaestica  (monometro  anap.),  quam  clausulam,  com 
simillimi  sint  numeri: 

762:  quod  filia  sie: t.uu^ 

763:  ut  ad  s6se  irem:  «^u.e 

etiam  in  v.  763  deprehendi  crediderim. 

Versum  Pseud.  1278&,  quia  antecedunt  cretici,  ante  id 
temporis  dimetiebantur  viri  docti,  perinde  ac  si  sit  creticus 
trimeter  catal.: 

1)  m  }id  setSj  ^yjj^  per  legem  iamboram  oorreptionis. 

2)  ut  coniungi  potest  cam  prima  hnias  versus  parte:  repinU  ex- 
p0tU  me  ut  , ,  ,\  inter  primum  oolon  et  olausulam  est  syllaba  anceps. 

8)  Non  nego  claasalam  uu^«^o^,  ut  videtur,  in  hoo  nno  verso 
762a  (et  763?)  inyeuiri.  Sed  non  est  dubinm,  qoin  tempus  posterum 
scientiam  nostram  auoturum  sit  clausnlaram. 


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De  Yocalibus  producUs  Latinas  yoces  terminantibus.       17 

Id  fuit  na^niä  ludo^ 
Sed  praeterqoam  quod  eiuB  generis  versus  apad  Plautum  non 
occnnit,  altera  hunc  versum  dimetiendi  ezstat  ratio: 

Id  fiiit  naenlä  ludo, 
i.  e.  clausula  auapaestica  (paroemiacus);  eadem,   quae  in  fine 
versttum  creticorum  invenitur  Rud.  216  a: 

Me  n6nc  miseram  ässe  ita  uti  sup. 
lam  unus  superest  versus  Gas.  743  isque  dubiae  naturae; 
quiy  ut  supra  dixi,  vulgo  legitur: 

Cena  modo  si  sit  cocta^ 
i.  e.  paroemiacus.    Atque  hoc  ut  accipiamus,  8uadei*e  videtur 
versus,  qui  antecedit,  idem  paroemiacus: 

Quid  nunc?  quam  möx  recreas  me; 
dissuadetur,  quod  in  Ambrosiano  versus  743  non  eodem  or- 
dine  sub  v.  742  scriptus  est^),  id  quod  ea  de  causa  factum 
videtur  esse,  quo  faoiUus  alium  versum  atque  antecedentem 
esse  appareat  Neque  quidquam  impedit,  quominus  —  ut  iam 
Leo  quamquam  dubitans  suspioatur  —  eum  interpretemur  esse 
iambicum  dimetrum  cataL  cenä  tnödo  si  sti  cöda,  praesertim 
cum  paulp  ante  alter  reperiatur  dimeter  iambicus  (acat): 
V.  732:  Mane.  ||  Quid  est?  Quis  hie  est  homö?  % 
Demonstrasse  mihi  videor  illorum  trium  et  viginti  versuum 
Plautinorum,  in  quibus  nominativus  sg.  primae  declinationis 
cadere  videtur  in  a  productam,  partim  admittere  syllabam  an- 
cipitem,  partim  esse  corruptos,  partim  in  metrorum  ratione 
dubiae  naturae,  ut  omnibus  vis  deroganda  sit  atque  auctoritas. 
Longe  inoertiores  autem,  quam  de  quibus  supra  verba  feci 
versibus,  sunt  ei,  qui  adhibentur  ex  poetis  et  inscriptionibus ') 
eittsdem  fere,  qua  fuit  Plautus,  aetatis«  Quae  exempla  ad  unum 
omnia  reiecit  Stadelmann  ^)  solum  omittens  versum  Naevii,  quem 
iambicum  senarium  esse  contendit  Corssen  Aussprache  II  450: 
Atque  prius  p&riet  locusta  Lucäm  bovem. 

1)  Tide  apograph.  Ambros.,  ed.  Studemnnd,  et  Leo,  Die  plaut. 
Cant.  pag.  48. 

2)  Sic  Goets-Sohoell.  Nescio  qua  de  causa  Leo  in  editione  noiet 
troohaeos. 

8)  Ex  Scipionum  afferuntur  elogiis :  forma  (£.  Schneider,  Exempla, 
88  ß,  3),  famä  (Schneider  90,  8),  vüä  (Schneider  91,  4) ,  quae  formae, 
oQin  UBque  ad  id  temporis  saturniorum  ratio  metrorum  non  sit  per- 
specta,  nihil  valent.  4)  L.  c.  pag.  7.  8. 

\  %.  kuai»  d.  indff.  ■pnehm.    XXVU.  2 


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18  Georgius  Wedding 

Sed  primum  pognat  in  hoc  versa  nomen  locusta  cum  dipodianim 
lege  <),  quia  paenultima  producta  efficit  thesin  quartam  iambici 
senarii;  deinde  Varro,  qui  profert  illa  verba,  tantum  dicit: 
Apud  Naevium :  Atque  prius  pariet  locusta  Lucam  bovem.  Luca 
bo8  dephas.  Quae  res  cum  ita  se  habeat,  eodem  iure  atque  ex 
fabula  quadam  Naevil  iudicabimus  potius  iUa  verba  sumpta 
esse  ex  Bello  Poenico,  id  quod  suspicantur  Ottfr.  Mueller  et 
Luc.  Mueller  verba  a  Varrone  allata  duobus  tribuentee  versibus 
saturniis  *).  Negari  igitur  non  potest  aetate  Plaut!  syllabam, 
de  qua  quaesivimus,  fuisse  correptam,  quae  correptio  sine  ulia 
dubitatione  permultis  annis  ante  facta  est,  ut  neque  inscrip- 
tiones  neque  aevi  vetustioris  poetae  hanc  syllabam  servaverint 
productam. 

De  vocativo  sg.  primae  declinationis  pauds  possam  absol- 
vera  Apud  Plautum  neque  exemplis  ostendere  possumus  hunc 
casum  exire  in  syllabam  brevem  neque  in  productam,  cum, 
quibus  locis  occurrit,  in  eis  admittatur  syllaba  anceps  ').  Nam 
etiam  in  v.  Gurc  192*),  qui  vulgo  legitur: 

EbriolS  persölla,  nügae?  |  Tan  meam  \ euerem  vituperas? 
non  vis  est  et  auctoritas,  quia  dimetiri  licet: 

Ebriolä  persölla,  nügae?  |  Tun  meam ^). 

Sed  exempla  aetate  Plauti  vocativum  desiisse  in  a  brevem  po*- 

multa  ex  Ennio,  aequali  fere  Plauti,  petere  possumus: 

Ann.  30  (L.  M.):  Eurydica  prognatä,  pater  quam  noster  amavit 

34:  Postilla,  germanä  soror,  errare  videbar. 

38:  His  verbis:  o  gnatä,  tibi  sunt  ante  ferendae, 
aliis  locis.  Utrum  autein  vocativus  in  a  brevem  terminans 
(velut  ßiä)  olim  propria  fuerit  *)  forma  an  ortus  sit  ex  nomina- 
tivo  *filiä,  diiudicare  non  possumus ,  quod  in  lingua  Latina  ex 
utraque  forma  eam,  quae  cadit  in  a  litteram  correptam,  eva- 
dere  oportebat. 

1)  Cf.  pag.  2.  2)  L.  MoeUer,  Bell.  Poen.  Y.  74.  75: 

atque  prios  pariet  locuata 
Lucam  bovem. 
Baehrens,  Frg.  poet.  Rom.  p.  9: 

atqu6  priüs  pariet  |  bov^  locüsta  Läoam. 
8)  ulmürtbä  (Fers.  279 :   neeoio,  inquam ,  ulmitribä  tu)  est  atirps  in 
a  masculini  geueris. 

4)  De  versu  AuluL  135  of.  pag.  11.  5)  Sic  Leo. 

6)  Cf.  askr.  nom.  ambä  (mater),  voc.  amba. 


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De  vocalibus  prodaotis  Latinas  Toces  termtnantibas.       19 


2.    Nominatitus  et  vaeativßis  natninum  propriorutn  Oraecorum 
in  -cg  et  -»?ff*). 

a.  Nominativus. 

Quaestio,  quam  Stadelmann  1.  c.  pag.  18  de  bis  instituit 
nominibus,  parum  est  felis,  quod  simul  de  nominatiyo  verba 
fecit  et  Tocativo;  quo  factum  est,  ut  omnia  misouerit  et  turba- 
yerit,  planum  fecerit  nibil. 

Quod  ad  nominativi  pertinet  syllabam  ultimam,  qua  ait 
natura,  non  facile  est  decemere,  cum  saepismme  nomina  repe- 
riantnr  aut  in  exitu  Tersus  aut  ante  vocalem,  ut  propter  eli- 
sionem  natura  syllabae  finalis  perspici  non  possit 

Apparet  tarnen  Plautum  bis  nominibus  propriis  usum  esse 
littera  finali  a  deiecta.  Versus  Plautini  autem,  quorum  ratio 
babenda  est,  sunt  tres: 

Amph.  438:  Qufs  ego  siirn  saltem,  si  non  sum  SosiS?  te  int6rrogo. 
439:  Ybi  ego  Sosift  nolim  esse,  tu  esto  s&ne  Sösia. 
1024:  Sösia.  |  Ita,  sum  Sösiä,  nisi  m£  esse  oblitum  existimas  *). 

Qttibus  ex  versibus  nihil  valet  Amph.  438,  quia  pro  te 
licitum  est  scribere  ted^): 

Qufs  ego  sum  saltem,  si  non  sum  Soslä?  te(d)  interrogo^). 
In  versu  1024  autem  dimetiri  possumus: 

Sösia.  I  Ita,  sum  Sösiä,  nIsi  me  esse  oblitum  existimas, 
quam  dimetiendi  rationem  ut  accipiamus,  suadetur,  ne  ultima 
ante  diaeresin  thesis  duabus  efficiatur  syllabis  ^). 

Sed  si  spectamus  versum  439,  nominativus  Sosia  longa  vi- 
detur  terminari  sjUaba.  Gui  rei,  nisi  omnia  me  fallunt,  haec 
repognat  deliberatio:  nomina  velut  Soria  {S(jjaiag\  paeta  (ftoirj" 
Tijg),  nauta  {vaitrjg;)  ex  lingua  Graeca  in  Latinam  translata  in 
hac  declinantur  secundum  primam,  quam  dicimus,  declinationem; 

1)  a  litteram  nominativi  sg.  Graeeornm  nominum  propriornm  fe- 
minini  generis  velut  Seapha^  Myrrina,  JPkUum^na  etc.  docnit  Stadelmann 
1.  c.  pag.  15  sq.  nsque  quaque  apud  Plantnm  et  Terentinm  eoe  locos 
tenere,  ex  qnibas  de  qaantitate  nihil  conclndi  pouit. 

2)  Stadelmann  affert  praeter  hoe  verrae  Amph.  888: 

Nam  qaom  de  illo  subditivo  Sötia  mirümet  nimis  (!) 
8)  Maeller,  Naohtr.  pag.  2. 

4)  Leo  hoo  qaoqoe  loco  Sosia  creticnm  eme  contendit. 

5)  Cf.  Klotz,  I.  c.  pag.  146.    Skntach,  Sat.  Yiadr.  pag.  141. 

2* 


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20  GeorgiuB  Wedding 

unde  efficitur,  ut  nominativos  SoHüj  poeta,  nauta  respondere 
necesse  sit  nominativo  primae  dedinationiB  Latinae,  cuins  ulti- 
mam  etiam  in  nominibus  feminini  generis  apud  Plautum  brevem 
esse  supra  demonstravimus  ^) :  ergo  fieri  non  potuit,  ut  nomina- 
tivns  Sasia  mitteretur  a  Plauto  in  syllabam  prodnctam.  Quae 
sententia  duabus  adiuvatur  causis:  primum  Amph.  439  unus 
est  versas  *),  in  quo  nominativus  nominis  Oraeci  in  -ag  longa 
terminator  syllaba,  deinde  non  difißcile  est  transponendo  huic 
looo  mederi: 

Vbi  ego  nölim  Söeia  esse,  tu  esto  s&ne  Sdsia'), 
id  quod  eo  magis  commendatar,  qoia  nominativus  Soria  cre- 
berrime  deprehenditur  ante  vocalem  ^).  Huc  accedit,  quod  apud 
Terentium  Ulis  dnobns  locis,  in  quibus  nominativus  nominnm 
eiusdem  generis  ac  Soria  non  ante  vocalem  aut  in  exitu  versus 
aut  in  diaeresi  iambici  septenarii  vel  octonarii  reperitur,  duae 
eum  sequuntur  syllabae  (breves): 

Eun.  707:  Die  dum  hoc  rursum,  Ch&ereä  tüäm  v6stem  dStraxft 

tibi? 
Phorm.  484:  Phaedri&  tibi  ädest.  |  Vbinam?  ||  Eccum   ab  sda 

pala^stra  exft  foras, 
quae  res,  nisi  fallor,  nos  dimetiri  iubet:   Cha6reA  tüam;  Phae- 

drii  tibi  adSst. 

b.   Vocativus. 

Optima  Latinitatis  aetate  poetas  hunc  casum  duplici  eiFe- 
cisse  modo:  et  in  -ä  et  in  -ä  nemo  ignorat: 
Ovid.  Met.  V.  242:  Te  tamen,  o  parvae  rector,  Polydectä,  Se- 

riphi. 
Horat  sat.  IL  3,  187:  Ne  quis  humasse  velit  Aiacem«  Atridft, 

vetas  cur? 

1)  Getemm  nomina  mueulini  generis  secandam  primtm  deolina* 
tionem  velat  agrieoläf  $eribä^  iegin$pä  in  lingaa  Latina  nanquam  oaaom 
rectam  mintae  videntar  in  a  prodootam. 

2)  Inoertns  est  vertos  Ennii  Ann.  19  (L.  M.): 

Dootn'  parens  Anohistt,  Yenos  quem  polchra  dearnin, 
qnem  venam  soribit  Yahlen: 

Doetoaque  Anofaisä,  Venu'  quem  puloherrima  dinm. 
8)  Mneller  pag.  9;  Kaohtr.  pag.  2. 

4)  Nominativus  Sosia  apud  Plautum  ondevioiea  ocoomt,  sed  sep^ 
ties  in  fine  versoa:  Amph.  148.  838.  898.  400.  408.  956.  1002;  nories 
ante  vocalem:  Amph.:  887.  894.  411.  427.  698.  609.  615.  918.  619. 


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De  vocalibus  productis  Latinas  voces  terminantibus.      21 

oontra  per  a  prodactam: 

Hör.  carm.  U.  4,  2:  Xanthiä  Phoceu.    Prius  insolentem. 
Verg.  Aen.  X.  229:  vigilasne,  deum  gens, 

AeneS?  Vigila  et  velis  inmitte  rudentis. 
Quid  veri  est  similius  quam  Plautum  qnoque  et  Terentium 
et  seryavisse  a  litteram  prodactam,  at  est  apiid  Graecoe,  et 
secundum  Romanos  usos  esse  a  brevi,  quae  duplex  consuetvdo, 
cum  forma  Graeca  et  Latina  essent  simillimae,  facile  potuit 
86  insinuare?  Atque  forte  aooidit,  ut  apud  Plautum  uno  loco 
perspici  poesit,  qua  quantitate  sit  syllaba  finalis  vocativi: 
Asin.  740:  Leönidft,  curre,  öbsecrö,  patrem  hdc  or&to  ut  veniat, 
i.  6.  secundum  Graecos  ^);  eadem  ratione  Terentius  Heaut.  406: 

Salve,  inime  mi.  |  0  mi  Cliniä,  salve.  ||  Vt  vales? 
Verum  sive  brevis  sive  producta  a  littera  esse  potest: 
Andr.   301:   Quid   ais,   B;frrifl?    däturne  illa  P4mphilo  bödie 

nüptum?  I  Sic  est. 
Eun.  öö8:   Gha^rel,   quid   est  qu6d  sie  gestis?   quid  sibi  hie 

vestitus  quaerit?  *) 
Phorm.  154:  Phaedriä,  patrem  ut  ^xtimescam,  nbi  veniat  in 

mentem  eins  adventi!  ') 

3.    NaminoHvuS'accusaHpus  plurolis  neutrius  generis. 

Nominativum-accusativum  plur.  neutr.  gen.  olim  desiisse  in 
a  litteram  productam  non  solum  docent  linguae  cognatae  velut 
Ved.  yugd,  Got.  ßika,  sed  in  lingua  Latina  ipsa  numeralia  in 
^ginta^  quae  nominativos-aoousativos  plur.  neutr.  gen.  esse  satis 
coDstat»  semper  a  litteram  servaverunt  productam,  cum,  ante- 
quam  eomm  a  correpta  est,  obriguerint.  Hanc  autem  oocrep- 
tionem  iam  aetate  Plauti  factam  esse  eo  ipso  apparet,  quod 
saepe  a  nominativi-acc.  plur.  neutr.  gen.  invenitur  in  ultima 
thesi  iambici  senarii  et  trochaici  septenarii  velut: 
Most  49:  Tu  förtun4tus,  ego  miser,  patiündä  sunt 
Most  417:  Profecto  ut  liqueant  6mnia  et  tranquillä  sint 

1)  Non  iure  igiiur  transponit  Maeller,  1.  o.  pag.  9:  otirre,  dhseerö, 
Ledmd»  .  .  . 

2)  AnteposQerim :    Ckairßa,  qtOd  ssi  qu6d  He ,   ne  theiin  so- 

lotam  interrumpat  syllaba  finalis  [Chadreäf  qM  \  Ut  quöd.  ....). 

8)  Praepono:  Pha^driä,  pUtrmn  ut  MimUeam ,  of .  adnot.  2), 


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22  Georgius  Wedding 

Trin.  861:  Quam  magis  specto,  minus  placet  mi  haec  homi- 
nis f&cies:  mirä  sunt, 
niultis  aliis  locis.  Ut  autem  a  viris  doctis  versus  allati  sunt, 
in  quibus  a  littera  nominativi  sing,  primae  declinationis  pro- 
ducta sit,  ita  opinantur  esse  versus,  qui  a  productam  nomina- 
tivi-aco;  plur.  nentr.  gen.  confirment  ^).  Atque  vulgo  ex  Plauti 
fabulis  haec  promuntur  exempla ') : 
ex  diverbiis: 

a.  ex  iambicis  senariis: 

Pseud.  563:  Me  idclrco  haec  t&nta  facinorft  promittere. 

b.  ex  trochaicis  septenariis: 

Asin.  199:  G^terS  quae  völumus  üti  Oradca  mercamür  fide. 
Men.  900:   Quae   me  cläm   ratüs  sum  fäcere,  ea  6mnia  fecit 

palam. 
Mil.  1314:    Quid  vis?  ||  Quin  tu  iübes  ecförri  ömnift  quae  isti 

dedi? 
Mil.  1338:  J^xite  4tque  ecferte  huc  intus  ömniä  quae  isti  dedi. 
Mil.  1408:  Obsecro  hercle  te,  ut  meä  verba  aüdi&s  prius  qn&m 

secat 
Rud.  1086 :  tx  crepiindiä.  H  Quid,  si  ea  sunt  aürei.  H  Quid  istüc 

tua?  ») 
Quibus   Septem   versibus   fidem    esse  derogandam  censeo. 
Versum  Mil.  1408  enim  dimetiri  licitum  est  cum  hiata  legitime 
in  diaeresi  ^) : 

Obsecro  h6rcle  te,  üt  m^ä  v6rba  aüdiäs  prius  qu&m  secat'), 
et  in  V.  Rud.  1086  ante  personam  mutatam  syllaba  admittitur 
anceps,  ut  mutatione: 

Cum  crepündiis.  |  Quid  . . . . , 
quam  commendat  Leo,  non  opus  sit,  quamqnam  in  eadem  fere 
re  Plautum  non  nego  scripsisse  cum  crepündiis  Rud.  1362  sg.: 
una  istinc  dstella  excepta  est  modo 

1)  Gf.  Gonsen,  Aassprache  II,  460.  Baecheler^-Windekilde,  Deoli- 
nation  pag.  40.    Stadelmann,  ].  c.  pag.  28. 

2)  Omisi  eos  versui  (iamb.  tept.  oct,  anap.  sept.  oct),  in  qaibns 
syllaba,  de  qua  dicimas,  eam  tenet  Bedem,  in  qaa  admittitar  «yilaba 
anceps,  velut  in  diaeresi:  Amph.  1055.  Asin.  419.  618  . .  . 

8)  Bad.  1216.  1222  : 

Omni&n  licet?  |  Licet,  sed  sein  quid  est  qnod  te  volo? 
0mnift(n)  licet?  |  Licet:  tibi  rursam  r6fero  gratiam, 
a  producta  est  vi  positionis. 

4)  Cf.  pag.  18.  5)  Sic  Leo. 


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De  vocalibos  productis  Latinas  Toces  ierminantibus.      23 

Ciim  crepündifs,  quibuscum  hödie  filiam  inveDi  meam, 
et  similiter  Cist  709:  cistellam  cum  orepundiis. 

Quod  pertinet  ad  forma«:  aUfrä  (Asin.  199),  ömfiia  (Men. 
900.  Mil.  1314.  1338),  fäcinöra  (Pseud.  563) »).  non  aliter  de 
eis  iudicandum  est  ac  de  formis  libifrä,  alt^a,  ömmbüs,  vSttt- 
müs,  de  quibus  accarate  verba  feci  pag.  8  et  emendandos  esse 
versus,  in  quibus  occurrunt,  ostendi.  Atque  in  uno  quidem 
versu  (Asin.  199)  emendatio  probabilis  tamquam  ipsa  se  praebet: 

CSterüm  quae  völumus  üti  Oraeca  mercamür  fide '), 
vel  quam  ego  anteposuerim  emendationem : 

Cetera  quäe  (dos)  völumus  üti  Graeca  meroamür  fide  *). 

Difficilius  autem  est  yersibus  Men.  900!  Mil.  1314.  1338. 
Pseud.  563  mederi,  id  quod  vulgo  fit  transponendo:  Men.  900: 
omnia  ea^);  Mil.  1314.  1338:  ofnnia  isH  quae*);  supplendo 
Pseud.  563:  facinara  {his}  <).  Neque  vero  bis  coniecturis  satis 
habeo  fidei,  sed  versus  Men.  900.  Mil.  1314.  1388  cum  hiatu 
legere  praefero  quaroquam  non  legitimo: 
Men.  900:   Quae  me  cl&m  ratus  sum   f&cere  |  ea  |  omntä  fecit 

palam  ^). 
Mil.  1314:  Quid  vis?  |  Quin  tu  iäbes  ecferri  |  ömniä  quae  |  isti 

dedi? 
Mil.  1338:    ^te  &tque   ecferte   huc   intus   6mnlä   quae  |  ist! 

dedi  •), 
versum  Pseud.  563  desperans  probabiliter  corrigere. 

Ad  bos  Septem  versus  autem  diverbiorum  accedunt  sex  ex 
canticis: 

Men.  974:  Verberä  cömpedes  *). 

Pers.  761:   Quorum  opera  haec  mihi   facilia  factü  &ctft  sunt 

quae  volui  effieri  »•). 
Poen.  253:  Sunt  hie  omnia  quae  ad  deüm  pacem  oportet  ^^). 

1)  Cf.  pag.  8  adnot.  2). 

2)  Sic  Leo.  8)  (nos)  add.  Fleckeisen.  4)  Bothe. 

6)  Ritochl  et  Taubmann.  6)  Ritachl. 

7)  Fortasse  post  omma  pronomen  interponendum  est  velut  Ate. 

8)  Versus  Mil.  1814  et  1888  snnt  sine  offensione,  si  pro  relativi 
forma  quae  ponimns  rariorem:  quioy  de  qua  vide  sis  infra: 

omniä  qnia  isti  dedi  (?) 

9)  Creticus  dim.  aoat.  10)  Anapaesticus  oct. 
11)  Baccbiacns  tetr.  acat. 


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24  Georgius  Wedding 

Rud.  199:  Ts  uavem  atque  ömniä  perdidit  in  inari  ^). 
Rud.  215:  Algor,  error,  paYor,  me  ömniä  tenSnt  •). 
Rud.    933:    Oppidä    circümvectäbor;    übi    noMlitas    m4a    erit 

cl&ra  *). 

Atque  prirnum  reiciendos  esse  ostendam  illos  tres  Tersas 
sumptos  ex  Radente.     Y.   199    enim   ultima   adiectivi   omnia 
syllaba  eum  cretici  tetrametri  tenet  locum,  quo  syllaba  anceps 
admittitur  et  hiatus  *).    Quae  res  his  confirmatur  versibus : 
Asin.  134:  N&m  mare  haud  68t  mare,  vös  mare  acerrumum. 
Asin.  137:  Qua£  dedi  et  quöd  ben^  föci,  at  poeth&c  tibi  ^). 
Rud.  233:  Gerto  vox  mdliebris  aüris  tetigit  meas; 
hiatus  autem  invenitur: 

Asin.  135:  Nam  in  mari  repperi  |  hie  elavi  bonis. 
Gas.  149:  Qu4ndo  is  mi  et  filio  |  ädvorsatdr  suo. 
Gas.  190:  Nee  mihi  iüs  meum  |  öptinendi  optiost 
Rud.  950:  Sed  boni  eönsili  |  ecquid  in  te  mibist? 
Quod  cum  ita  sit,  iure  versum  Rud.  199  legemus: 
Is  navem  ä.tque  ömniä  perdidit  in  mari. 

Quis  autem  nobis  persuadebit  versum  Rud.  215: 
Algor,  error,  pavor,  me  ömnia  tenent 
creticum  esse  dim.  acat.  +   clausulam  _v>.u.  ^),   cum  iam 
supra  viderimus  ^)  Plautum  identidem  creticos  coninuxisse  cum 
clausula  ^kj^jkj^  ? 

Quia  circum  versum  Rud.  933  reperiuntur  anapaesti,  dissua- 
detur,  ut  eum  compositum  esse  interpretemur  ex  trochaeis. 
Neque  haec  res  editores  effugit  fabularum  Plauti,  qui  omnes 
recepisse  videntur: 

Oppida  circiimvect&bor. 
Vbi  nöbilit&s  mea  erit  clara, 
i.  e.  paroemiacus  et  anapaesticus  dim.  acatalectus. 

Etiam  versus  Men.  974  et  Poen.  253  altera  legendi  Sunt 
ratione:  v.  Men.  974,  cum  antecedant  versus  baccbiaci  (praeter 
V.  973)  et  sequatur  eiusdem  generis  tetrameter,  facile  adduci- 
mur,  ut  dimetiamur: 

Verbera  compedes  *), 

1)  Creticos  tetr.  acat. 

2)  Greticus  dim.  acat.  cum  clausula  ~u_^u^. 

8)  Troch.  oct.  4)  Gf.  pag.  18.  5)  De  hmif  of.  ioira. 

6)  De  hac  clausula  vide  Leo,  1.  c.  pag.  8  sqq. 

7)  Pag.  11.  8)  Sic  Leo. 


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De  Tocalibus  productts  Latinas  voces  terroinantibus.      25 

i.  e.  bacchiacus  dim.  catal.,  qui  patdo  ante  (v.  972)  reperitur 
cum  clausala  iambica^):  Recördetur  fd,  qui  nihili  sunt,  quid 
eis  preti. 

Versus  autero  inde  a  Poenuli  252  ueque  ad  254  disponit  Leo 
(nesdo,  num  oodicum  secutus  sit  dispositionetn ;  nihil  enim  ad- 
notat)  hunce  in  modnm*): 

Quiesco.  I  Ergo  am6  te.  sed  hoc  nunc  respönde 

Mihi:  sunt  hie  ömnia, 

quae  ad  d6um  ^)  pacem  oportet  adesse?  |  Omnia  äccurävi, 

i.  e.  bacchiacus  tetrameter  acat.  +  bacchiacus  mon.  cum  clau- 
sula w.«u»_  ^)  +  bacchiacus  trim.  cum  Reiziano. 

lam  nnus  superest  versus  Plautinus  Pers.  761,  qui  ipse 
nos  admonet)  ne  aetate  Plauti  litteram  a,  de  qua  dicimus, 
fuiase  productam  temere  concludamus,  cum  syllabam  longam 
non  difficile  sit  remoyere.    Qui  versus  vulgo  legitur: 

Quorum  öpera  haec  mihi  faciUa   factu  facta  sunt   quae 

volui  effieri; 

G.  F.  W.  Mueller  autem,  cuius  partes  seqnitnr  Leo,  proponit  ^): 

Quorum  öpera  haec  mihi  facilia   factü  facta  (haec)  sunt, 

qua6  volui  effieri,    / 
quam  lectionem  non  dubito  recipere. 

Neque  usquam  alibi  in  litterarum  Romanarum  monumentis 
exstat  locus,  qui  syllabam,  de  qua  verba  facimus,  longam  esse 
possit  probare.  Nam  versus  Ennii  Ann.  300  (L.  M.)  sine  dubio 
est  corruptus  •): 

Eloqueretur  et  cunctä  malaque  et  bona  dictu; 
itemque  corruptela  insinuavit  in  Ann.  v.  93: 

92 :   Gonspicit  inde  sibi  data  Romulus  esse  t  propriam  ^) 
Auspicio  regni  stabilitfi  scamna  solumque. 
Atque   ego   quidem    inter   stabilüa   atque    scamna    coniecerim 
omissam  esse  coniunctionem  ei,  quam  librarios  frequenter  omi- 
sisse  nemo  ignorat: 

1)  Cf.  pag.  12.  2)  Goetz-Sohoell  scribnnt  ictiboa  omissis: 

258.  254:  Sunt  hio  omnia,  quae  ad  deam  paoem  oportet  adesse?  |  Omnia 

accuravi. 

8)  Non  reote  Leo :  quae  ad  deum ,  quo  icta ,    niii  fallor,  no- 

tare  vult,  deum  per  synicesin  esse  legendum.    Cf.  pag.  12. 

4)  Cf.  pag.  15.  5)  L.  c.  pag.  18. 

6)  Cf.  Yahlen,  Mus.  Rhen.  XIV  555  et  L.  Maeller  in  editione  reli« 
qniarum  Ennii«  7)  Yahlen:  priora\  L.  Maeller:  proprüim. 


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26  Georgius  Wedding 

Auspicio  regni  stabilita  (et)  scamna  solumque. 
Vnus,   qui  ex  Terentii  fabulis  a£fertur  veroas,   dubiae  est 
naturae: 

Ad.  612:  Membra  metu  debilift  sunt:  animus  timore^): 

sunt  cfaoriambi:  ^kj^ e.uu.-£.uu_uj[ .    Longe  aliter  autem 

dimetitur  Spengel: 

Membra  metu  debilia  sunt: 
Animus  timöre  obstipuit, 
i.  e.  trochaicus  dim.  cat  et  lamb.  dim.  cat.  *). 

Ut  igitur  in  linguae  Latinae  monumentis  usque  quaque  a 
littera  nominativi  sg.  primae  declinationis  brevis  est,  ita  nomi- 
natiTUS-acGusativus  plur.  neutr.  gen.  in  a  productam  desinens 
nusquam  deprehenditur,  sed  huius  vocalis  correptio  eodem  fere 
tempore  facta  videtur  esse,  quo  a  nominativi  sg.  primae  decli- 
nationis correpta  est. 

4.    Ablativus  sg.  primae  declinationis. 

Ablativum  sg.  primae  declinationis  exiisse  constat  in  ^-ad^ 
id  quod  aevi  vetustioris  testantur  inscriptiones,  in  quibus  inve- 
nitur:  Binnad%  praidad*)]  et  senatus  consultum  de  Baccha- 
nalibus  ^)  (a.  n.  c.  568)  semper  ponit  litteram  d  <),  quamquam 
dubitari  nequit,  quin  illa  aetate  haec  d  aut  non  dicta  et  aadita 
Sit  aut  tenuiter;  nam  apud  Plautum  a  ablativi  freqnenter  eli- 
ditur  velut: 

Amph.  193:  Praeda  &tque  agrö  |  adöri&que  adfecit  populär^  suos, 
et  multis  aliis  locis.  Neque  mirum  est,  quod  ablativus  d  littera 
abiecta  apud  omnes  scriptores  Romanos  mittitur  in  a  pro- 
ductam. 

5.    Secunda  persona  sg.  imperativi  praes.  ad.  primae  coniu^ 

gaiiofiis. 
Secunda  persona  sg.  imperatiri  praes.  act  quattuor  coniu- 
gationum  respondet  secundae  personae  sg.  indicativi  praesentis, 

1)  Sic  Fleckeisen,  Vmpfenbacb. 

2)  Verg.  Aen.  III  464  legitur  gravid  vi  arseos,  qnippe  qoae  forma 
tribrachyn  efficienfi  in  venu  heroico  locnin  habere  non  posait. 

5)  Schneider,  Ezempla  117:  Äf,  CUmdius  M,  f.  eomol  Humad  ctpü. 
4)  Schneider,  1.  c.  119:    M.  Foun'o  C.  f.  tribunoi  miUUir0  de  ftrai- 

dad  MaurU  deded,  6)  L.  c.  97. 

6)  Velnt;  spiUnHad^  ^, 


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De  vocalibus  productis  Latinas  voces  tertniDantibus.      27 

scilicet  praeter  id  quod  imperativi  formae  s  littera  carent  finali: 
laudä'8  :  lauda;  dd€'8  :  deli;  Ugi-s  :  leg^^)\  aiudf-^  :  otkff. 
Quod  cum  ita  sit,  a  imperativi  usque  quaqne  prodoctam  esse 
exspectamus.  Neque  tamen  paucis  accidit  locis,  ut  baec  syllaba 
brevis  Tideatur  esse»  sed  exempla  ipsa  üacile  nos  docent  boc 
fiactum  esse  ex  ea  lege  metrica,  ex  qua,  si  verbi  iambici  ictus 
est  in  paenultima  vel  sequitur  productam,  baec  corripitor  >) : 
satis  erit  unum  exemplum  afferre  itemque  alterum: 
Carc.  38:  luventüte  et  püeris  liberis,  ftmä  quid  lubet 
Cure.  708:   Qu&ndo   vir  bonü's,    responde  quod    rogo.  |  Rögä 

quod  lubet. 

6.  Aniidea,  anteä  ^),  postideä,  postea,  postillä,  intereä,  praeUrea, 
eäprajder  *),  quärpropUr. 

a  litteram  borum  adverbiorum  productam  esse  ex  bis  in* 
tell^gimus  versibus  Plautinis: 
pasiidea: 

Aulul.  118:  Nunc  quo  profectus  sum  ibo:  posfeideä  domum. 
eist.  784:   Ybi   id    erft  factum,   öroamenta  pönent:  pöstideft 

loci  *), 
itemque  semper  cadunt  in  a  productam  podeä^^  pa9tiUä'^\ 
interea  %  praeterä  »),  proptereä  lo),  quä-propter  **). 

Quibus  in  adverbiis  baeret  oontroversiay  utrum  -eä  (et 
qua')  ablativns  sg.  sit  primae  declinationis  an  aocusativus  plur. 
nentrius  generis.  Hoc  contendit  inprimis  Corssen  ^>),  qui  a 
productam  accusativi  plur.  neutr.  in  bis  adverbiis  servatam  esse 
coactas  est  opinam:  fieri  non  potuisse,  ut  olim  praepositiones 

1)  ^^  pro  ^J^fi,  qnia  t  brevis  finalis  in  lingna  Latina  non  serva- 
tnr  sed  mntatur  in  -9;  cf.  nominat.  marif  pro  *mar^. 

2)  Gf.  pag.  6,  adnot.  6). 

8)  Adverbiit  aiMUi  et  atUsä  Plautut  non  ntitnr,  ted  pro  bis  ad- 
verbio  miU. 

4)  Gf.  Luoret.  IV  887  (Lachm.) : 

Deztera  eapropter  nobis  simnlaora  remittunt. 

6)  Stich.  97.  758.  6)  Most.  185.    Poen.  147. 

7)  Poen.  467.  750. 

8)  Asin.  48a  Men.  446.  Mil.  810.  Pars.  172.  Pseud.  266.  Rud. 
236.    Stich.  81.    Tmc.  82.  9)  Anlal.  557.    Merc.  88. 

10)  Mil.  1257. 

11)  Epid.  42.    Men.  714.    Most.  278.  825.    Poen.  1886.    Trin,  80. 

12)  Anaspraohe  II  455  sqq. 


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28  Georgius  Wedditig 

ante,  pod,  inter,  praeter^  propter,  coniungerentur  cum  ablativo, 
dehide  cnm  accasativo.  Sed  primum  quidem  scriptam  videmas 
in  seoatcra  consulto  de  Bacchanalibas  ^):  sei  ques  eeent,  ^trei 
arvorsum  ead  fecteent,  quam  suprad  scriptum  est,  h.  e.  prae- 
positio  adversus  (adversum),  a  qua  aurea  Latinitatis  aetate 
pendet  accnsativus,  cum  ablativo  coniungitur  in  hac  inscrip- 
tione  tarn  accurate  scripta,  nt  ead  errorem  esse  fabrilem  dici 
noD  possit  Deinde  in  tabula  Bantina*)  reperitar:  past  exae, 
quae  forma  quin  ablativus  sing,  sit  feminin!  generis,  dubitari 
nequit  Quamquam  igitur  in  Latina  quoque  lingua  praepo- 
sitiones  ante,  post,  inter,  praeter^  propter  fortasse  cum  ablativo 
coniungi  potuerunt,  tamen  haec  adverbia  non  crediderim  ea 
ratione  orta  esse,  ut  praeposltio  et  forma  (ablativus)  pronominis 
determinativ!  a  praepositione  pendens  coalescerent,  potius  vera, 
nisi  fallor,  interpretatio  ducitur  de  adverbiis  eiusdem  fere  ge- 
neris  interU>i  et  postibi.  In  bis  enim  bina  adverbia  (inter  + 
ibi,  past  +  fU)  copulando  iuncta  esse  neminem  effngit  Noa 
aliter  res  mihi  se  habere  videtur  in  adverbiis  interea  et  poäea, 
in  quibus  adverbia  (praq[)08itiones)  inter  sive  post  coniunctae 
sunt  cum  adverbio  (ablativo)  eä,  non  aliter  in  ceteris  eiusdem 
genens  *). 

7.   Oiträ  *),  extra,  infrä,  intra »),  supra,  uürü. 

Ex  his  apud  Plautum  mittunturin  a  productam: 
extra: 

Aulul.  711:  Nam  ego  d6clin&vi  padluMm  me  ezträ  viam. 
tupra: 

Gürc.  477:  Confid6ntes  g&rrulfque  et  mdlevoli  suprft  lacum. 
Pers.  819:  £go  pol  vös  erddicabo.  |  At  t6  ille,  qui  suprft  nos 

h&bitat 

Quomodo  de  his  adverbiis  et  praepositionibus  iudicandum 

sit,  apparet  ex  s.  c.  de  Bacch.,  in  quo  scribitur  exstrad  ^),  su- 

1)  Schneider,  ].  c.  97.  2)  Zvetajeff,  pag.  76  (8),  77  (28). 

8)  Cf.  poitmadoy  deforas,  Gf.  Skutsoh,  Jahresber.  für  roman.  Philol. 
IV  76. 

4)  cüra^  tn/ra,  uUra^  nisi  fallor,  neqne  apad  Plantam  neqae  apnd 
alium  illias  aetatis  poetam  tali  loco  inyeniantar ,  Qt  4^  t(Hilpae  natura 
qnid  ooncladi  possit. 

6)  Gf.  Enn.  Ann.  118.  422  (L.  M.). 

6)  Gf.  Oioorom  Mrad, 


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De  vooalibiu  productis  Latiniw  voeas  terminantibus.      29 

prad:  sunt  igitor  ablativi  8g.  primae  dadinatioBis,  qui  postea 
d  litteram  finalem  abieoerunt 


8.    Contra. 

De  adverbio  et  praepositione  contra,  cuins  forma  simillima 
est  adverbiis  citra,  extra,  Heorsnm  disserere  oportet,  quia  in 
diTersas  abierunt  partes  viri  docti,  utrum  aetate  Plauti  contra 
mitteretnr  in  a  prodnctam  ^),  qua  aurea  terminatnr  Latinitatis 
aetate,  an  in  a  brevem  '),  in  qnam  adverbiom  frustra  olim 
desiisse  infra  videbimus.  Faciamas  nos  omnino  ignorare,  quae 
ultimae  sit  natura,  et  coactos  esse  ex  servatis  lingnae  Latinae 
monnmentis  usqne  ad  Lncilinm  colligere,  qua  quantitate  fuerit 
syllaba  finalis.  Atqne  sunt  hi  versus,  in  quibus  contra  occurrit, 
scilicet  omissis  eis,  ubi  a  littera  eliditur  vel  in  eo  est  loco, 
quo  sine  dubio  admittitur  syllaba  anceps: 
Amph.  217:  Plrodücit  6mnem  exercitnm.     Gontr&  Telöboae  ex 

öppido  Legiönes  oducdnt  su&s. 
Pseud.  156:   Adsistite  ömnes  contra  me  et  quae  löquar  advör- 

tite  &nimum. 
Rud.  242 :  Accede  ad  me  &tque  adi  contra.  B  Fit  sedulö. 
Truc.  124:  Fer  contra  manum  et  paritSr  gradere. 

Naev.  praet.  6  (I  278  ü.): 
Gömiter  sen6m  sapientem  contra  redhostis?  ||  Min  salust? 
Ennius  (Ann.?)*):  Quis  pater  aut  cognatus  volet  nos  contra  tueri. 
Ennins  (Ann.  ?)  ^) :  Contra  carinantes  verba  atque  obscena  pro- 

fatus. 
Att.  538  (I  205  R.):  Quem  neque  tu^ri  contra  ueque  affiuri  queas  ^). 

1)  Cf.  Stadelmann,  1.  c.  pag.  22  sq. 

2)  Inprimi«  Ysener,  Ind.  schol.  Gryphisvald.  1866,  pag.  10  iq.; 
Bergk,  Aaslantendes  D  im  alten  Latein,  pag.  82;  naper  Skntsch,  Plant, 
nnd  Rom.  pag.  8.  8)  L.  M.  fab.  428.  4)  L.  M.  fab.  444. 

6)  Nonia«  158,  14  affert  ex  libro  XXYIIII  Lnoilii  verba:  nanc  tu 
eontra  venia  vel  q«i  in  nnptiis  velseae  neoes  te  nee  sine 
permitie.    Quae  verba  valde  corropta  oorresit  Ysener,  1.  o.: 

nunc  ta 
contra  venis,  nt  qni  in  nnptis  versere  neceste 
nee  sine  permitie. 
Longe  aliter  antem  L.  Mueller  in  Nonii  reoensione 

non  tu 
contraheris?  volgi  imperiit  vertere  necessest 
nee  sine  permitie. 


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30  Georgias  Wedding 

lam  singulos  perlnstremus  Tersus.  In  primo  quidem  Amph. 
217  contra  desinit  in  a  productam: 

Prodiicit  ömnem  exercitüm.    Contra  Telöboae  ex  oppido. 
Ex  contrario  dubitari  nequit,   quin  eadem   syllaba   brevis   sit 
Paeud.  156: 

Adsistite  ömnes  contra  me  et  quae  loquar  advortite  inimiun, 
quo  in  versa  syllaba,  de  qua  dicimos,  ultimajpn  ante  diaeimin 
iambici  septenarii  efficit  tbesin.  Sed  in  Yersibus  Rad.  242. 
Truc.  124.  Naev.  praet.  6  utrum  contra  in  brevem  mittatar 
sjUabam  an  in  productam,  non  potest  diiudicari.  Nam  Rad. 
242: 

Accede  ad  me  &tqae  adi  contra.  ||  Fit  sedulo, 
a  littera  in  ea  sede  est  cretici  tetrametri,  in  qua  syllabae  brevis 
loco  identidem  succedit  producta  velut: 
Amph.  236:  Höstes  crebri  cadunt,  nöstri  contra  ingruont. 
Cure.  109:  Sine,  ductim.    Sed  hac  &biit»  hac  persequar. 
Rud.  243:  Gedo  manum.  ||  Accipe.  ||  Die,  vivisne?  öbsecro, 
in  multis  aliis  versibus. 
In  versu  Truc.  124  autem  duplex  dimetiendi  exstat  ratio: 

Fer  contra  mänum  et  pariter  gradere, 
vel: 

Fer  contra  mänum  et  parit6r  gradere, 
quo  in   versu  numeri  ^m/uukjjl  (dactylus,  anapaestus)   eadem 
ratione  et  eodem  iure  coniunguntur  quo  Mil.  1024: 

Age  age  ut  tibi  maxume  cöncinuümst.  ||  NuUümst  höc  siölh 

d%ü8  säxum, 
Denique  Naev.  praet.  6  legi  potest: 

Gömiter  senem  sapientem  cönträ  rSdhostis?  ||  Min  salust? 
vel: 

C6mit6r  senem  sapientem  cöntrft  redhostis?  ||  Min  salust? 
ut  a  littera  sit  in  thesi,  quae  indifferens  est  rhythmo  ^). 
Dubiae  naturae  est  versus  Ennii: 
Quis  pater  aut  cognatus  volet  nos  contra  tueri, 
quem  ex  Annalibus  sumptum  et  hexametrum  esse  contendnnt 
alii  >),  alii  ex  fabula  quadam,  velut  Vahlen ,  sed  qui  nos  ponit 
post  quis,  haec  verba  suspicatus  esse  reliquias  duorum  versuum 
iambicorum  senariorum'): 

1)  Ut  eonirä  r^hostis  legamus,  snadetnr,  ne  sylJaba  finalis  interrum- 
pat  Bolatam  theain.  2)  Bergk,  Ribbeok. 

3)  VahleD,  Ennii  trag.  ret.  44S.  444. 


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De  Yocalibus  prodactis  lAtinas  voces  termiuantibus.      31 

U.V/  qulfl  no8  p&ter  aat  cögnatüs  volet 
Contra  tu6ri  — o_u— u—  *). 
Neque  tarnen,   uisi  fallor,  pronomen  noe  opus  est  transponere, 
et  coniecerim  haec  verba  ex  tragoediae  (vel  comoediae)  cuius- 
dam  parte  petita  esse,  qnae  trochaicis  ex  septenariis  erat  com- 
posita: 

-i.iu'.w,  »u^  quis  p4ter  aut  cognatüs  tolet 
Nos  contra  tuen  — w,  .«u— o,  —u—  *). 
lam  neminem  effugiet  nihil  bic  esse  certi,  nihil  explorati. 
In  altero  yersa  Enniano  et  verba  incerta  sunt  et  numeri: 

Contra  carinanies  yerba  atqne  obscena  profatus, 
quae  scribit  Vahlen  (Ann.  181.  182): 

contra  carinantes 
Verba  (atra)  atque  obscena  profatus. 
L.  Mueller  autem  haec  verba  ex  cantico  fabulae  cuiusdam  esse 
suspicans  adnotat  anapaestos  (v.  444.  445  fab.): 
v.u-ov^  contra  c&rinantes 
Verba  ai^  obscena  prof&tos. 
Denique  syllaba,  de  qua  dicimus,  brevis  aut  producta  esse 
potest  Att  538  (R.): 

Quem  neque  tu6ri  cönträ  n^que  &ffari  queas» 
vel: 

Quem  neque  tueri  contra  neque  äffarl  queas  '). 
Omissis  igitnr  omnibus  locis  incertis  restant  duo  Amph.  217 
et  Psend.  156,  quorum  alter  a  finalem  in  contra  praebet  pro- 
ductam,  alter  brevem.  Qnod  cum  ita  sit,  triplex  exstat  ratio: 
aut  Plauttts  promiscue  usus  est  formis  contra  et  contra;  aut^ 
ut  apud  Plautum  deleatur  forma  contra,  corrigendus  est  versus 
Ampb.  217;  aut  huic  poetae  (simulque  ceteris)  deroganda  est 
forma  contra,  Quomodo  diiudicandum  sit,  non  ex  bis  duobus 
versibus  (Amph.  217.  Pseud.  156)  ipsis  coUigere  possumus,  sed 
deliberandum  est,  quaenam  ratio  sit  verisimilis.  Primum  con- 
tenderim  Plautum  non  promiscue  usum  esse  formis  contra  et 
contra;  id  qnod  eo  ipso  apparet,  quod  Plautus  accuratissime 

1)  L.   Mneller    ex    bis    verbis   restitait    trochaicum    septenariam 
(v.  428): 

Qqib  pat6r  oontrft  taeri  nös  aat  cognatüs  yolet? 

2)  Primum  pedem   troohaici  «ept.  dipodiarum    legem    neglegendi 
habere  licentiam  «atis  oonstat.    Gf.  W.  Meyer,  1.  c.  pag.  43. 

8)  Gf.  pag.  so  adnot.  1). 


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32  Georgius  Wedding 

et  diligenter  seiungit  breves  Tocalea  et  prodaott^  neqae  anquam 
eandem  formam  modo  mittit  in  longam  modo  in  brevem  sylla- 
bam.  Ergo  nobis  diiudicandum  est,  utra  ratio  vera  ait,  termi- 
nayeritne  Plautus  adverbium  contra  brevi  an  producta  vocali. 
Videamus,  quibus  argumentis  haec  adiuvetur  ratio,  quibos  iUa. 
Litteram  a  productam  esse  confirmat: 

1)  Versus  Plautinus  Ampb.  217. 

2)  Quod  aegi'e  adducimur,  ut  adverbium  €on4ra  divellamus 
a  formis  ex-tra,  in-ira  etc. 

3)  Quod  Oscorum  cantrud  ^),  Lat.  contra^  in  cantrö-perHa 
etc.  eüam  formam  cotUra  pristinum  esse  ablativum  indioat  et 
respondent  formae:  contrud,  contrö-  :  otmträ  =  citrö,  intrö  : 
cürü,  ifUrä, 

Brevem  autem  ultimam  esse  nihil  oonfirmat  nisi: 

versus  Plautinus  Pseud.  156. 
Mihi  quidem  ba^c  argumenta  spectanti  non  dubium  videtur 
esse,  quin  semper  ultima  in  contra  fuerit  producta  atque  hoc 
adverbium  ut  suprä  ex  8upra-4,  exirä  ex  cx^trä-d  ortum  sit  ex 
*oonträrdj  atque  eo  magis  hoc  ut  credam  addueor,  quod  etiam 
in  nonnullis  aliis  versibus  in  ultimam  thesin  ante  diaeresin 
iambici  septenarii  insinuavit  syllaba  longa,  ut  emendare  necesse 
sit  Huc  accedit,  quod  non  diffidle  est  explicare,  quonam  modo 
factum  sit,  ut  huius  versus  modi  turbarentur.  Est  enim  in  v. 
Pseud.  156  altera  corruptela,  cum  apud  Plautum  contra  non- 
dum  sit  praepositio,  a  qua  pendet  accusativus,  sed  usque  quaque 
^verbium,  id  quod  perbene  inteUegitur  ex  versu  Capt.  664: 
At  ut  confidenter  (hömo)  mihi  contra  istitit. 

Quae  res  cum  ita  se  habeati  versum  Pseud.  156  scriptum 
fiiisse  coniecerim: 

Adsistite   contra    omnes   mihi    6t    quae    loquar   advörtite 

animum, 
atque  nescio  quem  librarium  Plautinum  adverbii  contra  usum 
ignorantem  coniunxisse  vocabula  contra  et  mihi  atque  correxisse 
contra  me,  quippe  qu^  contra  praepositionem  coniungi  sciret  cum 
accusativo  ^. 

1)  Tab.  Bant.  11,  17,  26:  eontrud  exeie, 

2)  Corrigrados  est  etiam  v.  Fers.  13: 

Qais  illic  est  qai  contra  ml  astat?  ||  Qafs   bic  est  qai  sio  contra 

mi  astat, 
in  quo  bis  traditom  est:  contra  me. 


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Üe  vocalibus  prodaelit  LadiiaB  voces  terminantibus.      33 

•P.  Fmstra. 

Adverbium  frustra  optima  Latinitatis  aetate  desinit  in  a 
litteram  ()rodactaiD.  Quod  antea  effedsse  trochaeum  neque 
apud  Plaatum  unquam  efiScere  spondeum  diu  perspexerunt  viri 
doctissimi  ^)  hos  afferentes  Septem  versus,  in  quibus  frudra 
cadit  in  a  brevem: 

Merc.  528:  Nunc,  mulier,   ne  tu  frusträ  sis,   mea  nön  es»  ne 

4rbitr6rei 
et  sexies  in  fine  iambid  senarii  vel  trochaici  aeptenaiii  ne 
frurirä  sis:  Capt  854  Men.  692.  Pers-  140..  Rud.  969.  1255. 
Truc.  754" 

Maiiifestum  igitur  est  adverbium  frudra  non  esse  ablativum 
sg.  primae  decÜnationis  sed  alium  casum  sive  nominativum  fig. 
primae  declinationis  ^ve  nominativum-accusatiyum  plur.  neutrius 
geiieris*).  Forma  frusträ  autem  postea  orta  est  propter  simi- 
litüdinem  adverbiornm  cUra,  exträ. 

10.    Brgä,  iuxtä,  quOf  unä^). 

Cum  ea  linguae  Latinae  advertna,  ^nae  ezeunt  in  a,  pri- 
stiiiosi  etee  ablativos  supra  iatellexerimixs,  iure  etiam  adVerbia 
ergä,  iuatä*)^  qua,  uta  eiusdem  geoeris  emb  formas  iudicabiraus^ 
quia,  ubiciimque  occurrunt,  longa  terminantur  syllaba. 

11.  Ita,  ita-que. 

'  Qua  quantitate  littera  a  in  adverbüs  äa  et  iia-que  äpud 
Platfttim  füerity  difficile  est  perspicere,  quia  persaepe  ictus  est 
in  paenultima  vel  sequitilr  ultimam:  Üä^  Uä  ^. 

'  Apud  Ennium  autem  haec  adverbia  efficere  pyrrhichium 
nos  dooent  hi  versus  Annalium: 

1)  Ysener,  1.  e.  pag.  18^.  Spengel,  Plaatiu,  pag.  SÜtq.  Skatacli, 
foFBoh.  I,  8. 

2)  Cf..  Skutsoh,  1.  c.  pag<  8  adnoi.  1):  nach  dem  plsutinu^hen  ge- 
brauch von  fh$9tra  erf oheint  9>  nicht  auagetchloMen,  daat  frui^a  em 
nominativ  war.  Das  beirefiende  substantiT  (sei  es  nan  *frustra  oder 
^flrudrum)  liegt  dem  verbam  /Hutrari  zu  gründe. 

8)  Adverbinm  eireä  ante  saec.  YII.  a.  a.  c.  non  reperitur. 
4)  QiHbe   adverbiornm   «r^tf  et   iuaeUf  sit   etymologia,  non  liquet. 
Yid.  Lindsay-Nohl,  die  lat.  spräche,  pag.  671  et  678.  —  Cf.  srgö  :  irgä^inirö: 

Battrtf«  «.  kana«  d.  UUf.  ■»tmImb.    XXVU.  8 


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ä4  Georgius  Wedding 

33:  Et  ripas  rapiare  locosque  novos.  Itä  sola. 
119:  Et  simul  effugit  speres  itä  fimditu'  nostra^ 
Atque   multi   ezstant  versus  Plautini,   abi  ictus  est  in  syllaba 
-to  et  duae  sequuntur  syllabae,    quaruiu  prima  una    cum  -td 
efficit  arsin  solutam,   altera   thesin.     Cuius  rei  exempla  sunt 
haec: 

Bacch.  751:  Quia  mi  it&  Itibet:  pötin  ut  eures  te  atque  ut  ne 

parc&s  mihiF 
Gas.  17&:  It&  sölent  ömnes  quae  sunt  male  nüptae. 
eist  151:  It4  pröperävit  de  puellae  pröloqui. 
Cure.  48:  Quid  itä?  ||  QuIa  proprium  f&cio:  amö  pariter  simuL 
Mil.  1260.  Tene  me,   öbsecrö.  ||  Quor  ?  ||  Ne  cad&m.  ||  Quid  iU? 

1  QuIa  stire  nequeo. 
Most.  685:  Itä  m^a  cönsilia  ündique  öppugnäs  male. 
Poen.  691:  Quid  itä?  ||  QuIa,  (a)  müscis  si  mi  hospitium  quae- 

rerem. 
Psend.  77 :  Quid  itä?  ||  Genus  nöstrum  semper  sicooculum  fdit 
Praeter  hos  versus  comprobat  syllabam  brevem  Rud.  212: 

Aüt  viam  aut  semitam  mönstret  ita  nunc, 
i.e.  creticus  dim.  acat.  cum  clausula  —  <jukj  — . 

Tamen  non  mediocris  exstat  numerus  versuum,  in  quibus  syl- 
laba 'ta  producta  videtur  esse,  quos,   etsi  de  parte  eorum  iam 
verba  fecit  C.  F.  W.  Mueller^),  non  supervacaneum  erit  denuo 
accurate  componere. 
1)  Ex  diverbiis: 
Amph.  1077:   Tua  Brömia  ancilla.  ||T6tus  timeo,  ita  me  incre- 

pnit  lüppiter. 
Amph.  1081 :  Amphitruo :  it&  mihi  änimus  etiam  nunc  abest. 

I  Agedum  expedi. 
Asin.  18:  Itä  te  obtestor  per  senectutem  tuam. 
Aulul.  69:  Queo  cömminisci:  itä  me  miseram  ad  hünc  modum. 
Capt.  93:  Itä  nunc  belligeränt  Aetöli  cum  Aleis. 
Capt.  372:  Quem  servitütem  itä  fers,  üt  ferri  decet. 
Gas.  343:  Tibi  et  Ghalino:  itä  rem  nätam  intellego. 
Gist.  arg.  10:  Itäque  lege  et  rite  dvem  cognitam. 
Gurc.  667:   Quam  ob   rem  istuc?     1    Quia  ille  itä  reprömiait 

mihi. 
Merc.  762:  Mihi  quidem  hercle.  ||  Itä  me  amäbit  lüppiter» 

1)  L.  ü.  pag.  14.  15. 

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De  vocalibus  productift  Latinas  voces  terminal) tibus.      35 

Mil.  1047:  Qua  ftb  illa?  n4m  itä  me  öocursiDt  multae:  memi- 

Dlsse  haud  pössuin^). 
Most  389:  S&tin  habes,  si  ego  ädvenientem  itä  patrem  &ci&m 

taom. 
Poeii.  566:  Vix  quidem  hercle,  itä  pauzillast,  digitulis  primö- 

ribus. 
Po6D.  705:  Quid  itd?  ||  Quia  adrum  pöscunt  praeaent&riom. 
Poen.  1258:    Num  hi  f&lso  oblectant  gaüdiö  nos?  ||  At  me  itS 

di  servent 
Trin.  447:  Homo  ego  suro,  homo  es  tu:ita  me  am&bit  luppiten 
Truc.  276:  Ne  ittig&s  me.  ||  Egon  te  tängam?  It&  me  amabit 

8&rculum. 
Ad  bo8  versus  accedunt  duo  ex  diverbiis  TerentiaDis: 
Eun.  697:   Frateme?    ||    It&.    ||    Qnando?    |    Hodie    |    Qu4m 

dudum?   II   Modo. 
Phorm.  542:   Itane?     |     Itä .    ||    Sane  hercle  pülchre  suädes: 

etiam  tu  hfnc  abis? 
2)  Ex  canticis: 
Amph.  635:  Itä  dis  est  pläcitum,  Tolüptatem  ut  maeror  comes 

consequ&tur  *). 
Gapt.  502:  Itä  me  miserüm  restitändo  retinendo'). 
Pseud.  1253:  Itä  victu  excurato,  ita  münditiis  dlgnis'). 

Tantus  numerus  versuum  primum  legenti  bonam  praelucet 
spem  eis  posse  probari  adverbium  ita  apud  Plautum  re  vera 
terminari  syllaba  producta.  Sed  accurate  hos  versus  perlu- 
strantes  videbimus  omnes  fere  alio  modo  legi  posse,  nonnullos 
sine  dubio  esse  corruptos. 

Atque  ex  Ulis  undeviginti  versibus,  qui  exstant  in  di- 
verbiis, primo  loco  detrabendi  sunt  quattuordedm,  quos  cum 
hiatu  legere  licitum  est: 

a)  cum  hiatu  legitime  in  diaeresi: 

Amph.  1077:  Tua  Bromia  ancilla.     |  Tötus  timeo,  itä  me  in- 

crepuit  lüppiter. 

Most.  389:  Satin  habes,  si  ego  4dvenientem  itä  patrem  faciäm  tnom. 

Truc.  276:   Ne  ittigäs   me.   |  Egon«)   te  tängam?   itä  me  a- 

mäbit  särculum. 

b)  cum  hiatu  legitime  ante  personam  mutatam*): 

1)  Sic  Mneller.  2)  BtoohiacnB  hexameter. 

8)  Bftcchiaens  tetrameter  acal. 
4)  Yel:  egön  te  i&ngam?  ...  5)  Cf.  pag.  6. 

8* 


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86  Oeorgras  Wedding. 

Merc.  762  Mihi  quidem  herole.    ||  Itä  me  am&bit  lüppiter. 
Ter.   Eun.  607:  Frateme?  |  Itä.  H  Quando?  ||  Hödie.   1    Qa^ 

dndüm?    |  Modo. 
Phorm.  542:    Itane?    ]|    Itä.    |    Saue  berde'  pfilchre  so&deB: 

etiam  ta  hinc  abis'). 

c)  cum  hiatu  in  caesura  iambici  senarii,   de  quo  vide  sis 
snpra  pag.  5:  .  i        . 
Aulttl.  69 :  Queo  cömsciinisci:  |  itä,  me  miseram'  ad  hünc  modum. 
Gapt.  372:  Quom  servitütem  )  itä  fers»  ut  ferri  decet. 

Gas.  343:  Tibi  et  Ghalino:  |  itä  rem  n&tam  intälego. 

Cure.  667 :  Quam  ob  rem  istuc  ?  |  Quia  ille  |  itä  reprömisit  mibi  ^). 

Triti.  447:  Homo  ego  8um,  homo  (§8  tu:  |  itä  me  am&bit  luppiter. 

d)  cum  hiatu  quamquam  non  legitimo*): 

Amph.    1081:   Amphitruö:  |  itä   mihi  inimus  etiam  nunc  äbest 

I  Agedum  expedi  ^). 
Poen.  566:    Vix  quidem  hercle  —   itä  pauxillast  —  digitulis 

primoribus  *). 
Poen.  705:  Quid  it&?  |  Quiä  '  aürum  pöscunt  praesent&riam  *). 
Secundo  loco  reiecerim  Torsus  Asin.  18.  et  Poen.  1258, 
in  qüibud  pro  me  et  te  substituendae  sunt  formae  med  et  ted: 
Asin.  18:  Itä  ted  obstestor  per  senectutSm  tuam  ''). 
Poen.  1258:  Num  hi  fdlso  oblectant  gaudiö  nos?  |  At  med  it& 

di  seryent*). 
Porro  V.  Mil.  1047   non  eä  ratione  traditus  est,   qua  eum 
affert  Mueller«),  sed  potius: 

Qua  ab  illarüm?  nam  Itä  me  öccursant  multae:.  meminisse  haud 

p6s8um. 
Deinde  corruptela  est  in  versibus  Capt.  93  et  Gst.  arg.  10. 

1)  Cf.  Eon.  409  :  Perpaucoram  homlnimi.  |  Immo  nüUonun  irbitror. 
Phorm.  146 :  Qaod  det  fortasse  ?  |  Immo  nil  nisi  spem  moram,    • 

porro  Phorm.  968.  Adelph.  604.  767.  Spengel,  Ter.  Andr.  XXXm ;  [der  hiat 
ist]  also  anch  hier  [beim  Personenwechsel,  überliefert]  vor  Interjektion^ 
oder  den  interjektionen  nahe  kommenden  adverbien. 

2)  Vel^.  Qnam  ob  rem  istno?  |  Qnia  illi(c>  it&  reprömisit  mihi. 
a)Cf..  pog.  4.  4)  Sie  Leo. 

5)  Hiatns,  nisi  fallor^  defenditur,  qoift  üa  pauxittaH  est  parentheais. 
^6)  Cf.  Luchs,   Herm.  YIII  114.  ^  Hiatum   in  hoc  versn  acoipere 
non  neoesse  est,  cum  ante  personam  matatam  admittatnr  syllaba  aaeeps: 
Quid  üat  I  Qma  oiirtim  .  .  . 

7)  Forma  ted  tradita  est  in  codice  D. 

8)  Cf.  Wackernage],  idg.  forsch.  I  410.       «9)i  Cf.  supra  pag.  35. 


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De  vocalibus  productis  Ijatinas  voces  terminHntibuB.      37 

In  hoc  enim  yerm  —  ut  praetermittam  eiun  non  in  fabula 
ipsa  ezstare  sed  in  argumento  —  adverbinm  üaque  ^egre  qua-* 
drat  in  Fensum : 

9.    Requirens  servoB  reperit  qu&m  proiececat. 
.  Itdque  I^e  et  rite  cxvem  c^gnitam 
AlcSsimäxclin^  ilt  erat  n&otos»  p^ssidet» 
maximeque  desidero  ryoces  cicem  eognüam  aperte  et  ooncinne 
cQniiinctf^s  esse  cum  eis,  quae  antecedant»  Terbis.   Quod  com  ita 
sitf  ego  qnidem .  legendos  esse  ooniecerim  hos  versu«: 
Requirenp  seryps  reperit  qn4m  proiecerat, 
Illdmque  lege  et  rite  dvem.  cögnitam 
Alcesimärchus,  üt  erat  n&ctns,  pöeddet, 
com  ex  älamque,  üläque  facUe  corruptela  üaque  evadere  potnerit. 
In  versa  Gapt  93.  autem,  si  legitur: 

Itft  nttnc  b6Iliger&nt  Aetöli  cum  ^Aleis 
turbati  •sunt  numeri,  quia  neqne  semiquiiiaria  neque  semisepte- 
naria  ^xstat  caesiira.    Neque  tarnen  dimetiri  sufficit: 
'  M  nunc  beüigeränt  Aetoli  cum  |  Aleis 

cum  hiatü  (nbn  legitimo)  inier  (Tum  et  Aleis  %  ne  paenultima 
producta  in  Aetoli  quartam  iambici  senkrii  efficiat  thesin;  id 
qüod  cum  lege  pugnat  dipodiarum  ^.    Cum  igitur  verba:  AetUi 

eufH   AMef'i.e l — ^u  —   in   fine   versus  öint  sine   offen- 

sione,  mendum  in  prima  huius  versus  parte  esse  apparet, 
praesertim  cumi  Terba,  quae  antecedunt,  cum  versu  93  non 
conciAne  sint  coüiuncfä.  Emendatiöne  igKur  opus  est,  sed  pro^ 
babilem  aut  verisimilem  confiteor  me  nescire,  üt  in  prima  ver- 
sus 93  parte-coacti  simus  poiiere  crucem,  ut  aiunt,  desperationis. 
Restat,  ut  verba  faciätn  de  illis  tribus,  qui  ex  canticis 
petiti  sunt,  versibüs:  Amph.  635.  Capt.  502.  Pseud.  1253. 

£x  qüibuä  diu  cörrectüS'  eist  v.  Amph.  63o,  cum  legatur: 
ltä"dl(vi)8  est  pl&citum,   voMptatem    ut  maerot  comes  conse- 
/  i  ^  qu4tur*). 

Gapt. ^502  autenii  dubiae  est  naturae.    Quam  ob  causam  Goetss- 
Schoell,  oiiaiserunt  ictus,  verum  Leo  proponit: 
.  Itäime  miserum  rtetit&ndo: 
'  i  Refeinendöqoe  l^sum  reddidörunt, 
adnotatis:  trodiaei  esse  videntur*). 

1)  Hiatum  accipiant  Goetz-Schoell,  Bris-Niemeyer,  (Leo?). 

2)  Gf.  pag.  2.  3)  Sic  Leo. 

4)  Trochfuoas  dim.  acat.  -{-'  troch.  mon-  aoat.  -f  itbyphallioui. 


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38  Georgias  Wedding 

Denique  versum  Pseud.  1253  praebet  Ambrosianus: 
Ita  victn  excurato  ita  magnis  munditis,  dis  dignis, 
quem  snppleverunt  Goetz-Schoell : 

Itä  victu  excurato,  ftä  magnis  munditiis  dl(vi)s  dignis, 
et  Studemund,  stud.  I  404: 

Itä  viotu  excurato,  Itä  magnis  munditiis  (et)  dis  dignis, 
non  bacchios  esse  intellegentes  sed  anapaestos. 

NulluB  igitur  exstat  locus,  quo  äa  (vel  äa^ue)  producta 
terminetur  syllaba.  Cum  autem  omnia  adverbia,  qoae  in  lin- 
gua  Latina  exeunt  in  o,  mittantur  in  a  productam,  olim  fuisse 
verisimile  est  formam  *itä  (etymologia  est  obscura),  sed  cui 
per  legem  iamborum  oorreptionis  ipsis  antiquis  temporibus  sub- 
iit  forma  üä. 

12.  Quia. 
Goniunctionem  quia  deducendam  esse  Gorssen  >)  sibi  per- 
suasit  ex  instrumentali  sg.  relativi  pronominis  gui  et  ex  ad^er- 
bio  tarn:  *quiiam,  qua  ex  forma  tamen  nullo  modo  evadere 
potuit  pyrrhichius  qtuä.  Nam  praeterquam  quod  t  productam 
desideramus  ex  i  +  t'  ortam,  intellegi  nequit,  qui  factum  sit,  ut 
m  littera  finalis  interiret  et  ne  vestigium  quidem  sui  reliu- 
queret.  Huc  accedit,  quod  quae  vera  huius  adverbii  sit  in- 
terpretatio,  est  in  promptu:  scilicet  nominativus -accus, 
plur.  neutr.  gen.  pronominis  relativi  et  eius  stirpis,  quam 
hoc  pronomen  recepit  ex  interrogative*).  Inde  inter  se  re- 
spondere  apparet  formas  *quia  et  quüä  ut  ^mari-a  et  mari^ 
etsi  iam  apud  Plautum  nusquam,  ut  videtur,  quia  relativi  fun- 
gitur  vice*).  Cum  autem  a  litteram  finalem  nominativi-acc. 
plur  neutr.  gen.  Plauti  aetate  correptam  fuisse  supra  demonstra- 
visse  mihi  videar,  quid  verisimilius  est  quam  in  ooniunctione 
quia  quoque  ultimam  non  servatam  esse  productam,  prae- 
sertim  cum  legem  iamborum  oorreptionis  (quid,  qtuä^)  ultima 
ut  breviaretur,  eo  facilius  efficere  oporteret?  Hoc  confirmatur, 
quod,   ubi  apud  Plautum  finali   ictus  est  in  syllaba^),   usque 

1)  AaBspraohe  II  850.  3)  Cf.  Leo,  plaat.  forsch.  287. 

3)  y.  eist.  682  exbihent  Codices  B'  et  C:  Nnnc  vestigia  hie  si 
quia  sunt  noscitabo,  sed  in  hoc  versa  num  forma  quia  reoipienda  sit, 
eo  magis  incertum  est,  cum  bac  bacchiaci  tetrametri .  sede  pyrrhichius 
non  admittatur  nisi  certis  oondicionibns.  Gf.  supra  pag.  12.  Ambigiii 
sant  etiam  versas:  Mil.  1314  et  13381;  of.  pag.  23. 

i)  Pleromque  deprehenditur  :  quid    vel  qüiä  -c- 


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De  TocalibuB  prodnctis  I^tinas  voces  terminantihus.      39 

quaque  (uno  excepto  loco)  dnae  sequuntur  syllabae,   quanim 
prima  cum   syllaba  -a  arsin    efficit  solniam,  altera  thesin: 
Epid.  177:  Quiä  Itcitümst  eam  tibi  vivSodo  vincere.  |  Oh. 
Pen.  256:  Qui&  mSo  amfco  amicitör  hanc  cömmodititis  cöpiam. 
Pers.  546:  Nfsi  qai&  epScie  quidem  edepol  Ifber&lisi,  qnisquis  est. 
Trin.  938:  Nfsi  qni&  lübet  experfri,  quo  evasürnsi  denique. 
Trnc.  786;  Nfsi  qui&  tirmeö  tarnen  0 

Neqne  tarnen  desunt,  qni  uno  utique  versa  coniunctionem 
quia  ef&cere  iambum  contendant:  Merc.  395: 

Qni  verö  ?  |  Quift  non  nöstra  förmam  hab^t  dign&m  domo. 
Quod  ego  non  crediderim.  Nam  cum  paulo  post  inveniatur: 
V.  405:   NequjB    sinam.  |  Qni  yero?  |  Qufa   illa   forma  m&trem 

f&milias, 
fädle  adducimur,  ut  in  versu  395  quoque  suspicemur  eadem 
ratione  ictus  distributos  fuisse:  qui  viro?lQuta^  atque  ante 
qui  vero  alibrario  coniecerim  interiectionem  quandam  (fortasse 
ah)  esse  omissam*). 


II. 
Formae  in  -e  exenntes. 

i.  Ablativus  9g,  in  -^  iertiae  declinationis. 

In  tertiam,  quae  dicitur,  linguae  Latinae  declinationem 
satis  notum  est  duas  confluxisse  declinationes :  et  stirpium  in  i 
et  earum,  quae  desinunt  in  consonam;  quarum  declinationum 
haec  efficit  ablativum  in-^>),  iUs,  in-;,  quae  orta  est  ex-K2.  Au- 
rea  Latinitatis  aetate  promiscue  uterque  profertur  ablativus, 
quia  partim  stirpium  in  f  desinentium  receperunt  -^  finalem  ea- 
ram,  quae  in  consonantem  exeunt,  partim  stirpium  in  conso- 
nantemexeuntiumasciveruntiproductam.  Sedusquead  idtemporis 
contenderunt  viri  docti  aevo  vetustiore  ablativum  sg.  stirpium,  quae 
cadunt  in  consonantem/  servatum  esse  in  -9  ex  -Sd,  quem  ab- 
lativum genuinum  esse  opinantur  alii,  alii  eum  re  vera  desiisse 
in  -ei  (4d) :  *aerM,  *nomin&d,  et  eos  in  -«rf  -id  :  *igned  (:  ign^) 


i)  Reliqna  hnins  versus  pars  prave  tradita  est. 

2)  Cf.  Maeller,  naohtr.  pag.  8. 

3)  Haep  forma  est  vetustas  locativus:  ^«fMrf  ex  germ^  :  sor.  jdnaMt, 


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40  Georgiüs  Wedding 

aerid,   nomtnidf  ortos  ease  analogiam).     Atqae  reperitur  abla- 
thua  io-^  hisoe  in  venibus  Plautinis*)^: 

Amph.  542:  Nümqnid  via?  |  Vt  qnom  ibaim  m6  ajneSk'meloam 

te  abamte  tamon*). 
Ampb.  826:  Amphitru6  aliüa,  qui  Corte  ted,  hiac  ftbsente  tarnen  ^K 
Amph.  860:   Qnidqoid  eat,   iam    ex.  Naderate    cogn&to  id   co- 

gnoao&m  meo. 
A8iQ*.873:  lUe  opere  &ria  &eiündo  l&aaua  noota  <ad  me)  &d- 

tenit*)- 
Baooh.  628:  M&lta  ai41a  me  in  peotore  nunc  Äeria  &tqae  acerba 

.    eveninnt 
Caa.  140:  Qiiaai  mua^  in  medio  pärietä  vara4bere« 
Gaa.  318:  Cum  e&dem  qaa  tu  aemper.  |  Cum  uxore  mea? 
Pei»..  41:   Quod  tu  me  rogte;   nam  tu  aquam  a  püaneß  nunc 

.  *  pöstidaa. 
Paoiid.  761:.  Omnea  öniyine  aub  afgoia  ducam  Ic^nea  meaa^ 
Ex  quibua  exemplia  certiaaima  aunt  neque  uUö  modo  reioienda: 
NaucratS,  operS,  pectorS,  uxarS,  ordini.  Quomodo  de  hia  iudi- 
cabimua  formia?  Utrum  formam  in  -ed,  -^  priatinam  eaae  pn- 
tabimua,  ex  qua  poatea  evaaerit  forma  in  -e?  An  re  vera  abla- 
tivua  olim  desiit  in  -dd?  An  ei  in  -ed  effecti  aunt  analogia? 
Minime,  cum  atirpea  itr  coaAdnantdm -^feeiiieatea  ablativum  neque 
unquam  in  -od  (-lä)  efficere  potuerint  neque  in  -ed,  -e;  et 
cum  neque  eat  ablativö  in  -^  {4d)  neqiie  ex  illa  in  -6c{,  -^  ex- 
ai^re  pojbu^rit  ablatiyua  in  -^  Alia^inigitu]:  haa  forntaa  .inter- 
pretandi  rationem  necease  eat  inirO;  quam,  ration^,  qna^ 
vera  ..ait,  aovi  yetuatioria .  noa  docent  inacr^ptionea.  In  bis 
enim  deprehenduntur  pari  ipodo  formfie  :  aef^te  7)>»  h^nore}) 
temp€9tate%  aire^^),  et  praeter  hoa  :  airid^^)^  ponvenUft' 
nid^^)^    vifiutei^^)^     Quibua  ex  formia    olim   aUatiyum    atir- 

1)  Gf.  Gorssen/  ausspräche  TL  462 ;  Bneolieler-Windekilde  pag.  96 
sqq. ;  Stadehnami;  L  c.  pag.  87  sqq.  40.  41. 

2)  Omisi  eol  v«ms  affdrre,  in  qmbas  oeounraiit  abkrtm  atÜ^iniD 
in  d  exeimtiuin  velat  9arm  {^ßme  AP)  Oapt.  914;  jmt^  {QDy  part$  B) 
Men.  478;  wrt^  Gas.  428  $  morü  (£,  ssor.  Mf^)  Mil.  707,  et  iiMertoa  ve)iii 
Gapt.  807.  Pseud.  616.  »68.  1812,  aUos. 

3)  God.  abMntem,  4)  Sic  omnes  codioes. 

5)  (ad  um)  adiecit  Fleckeisen.  6)  God.  ordines,  correxit  Soaliger. 

7)  Schneider,  1.  o.  91,2.  8)  Schneider,  1.  ,c.  9l,5i 

9)  1.  0.  96,6.                 10)  1.  c  24.                   11)  1.  c.  181. 

12)  1.  0.  91,5.  18)  L  0.  91,5 


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De  vocalibus  productis  Latinas  voces  tenumantibus.      4) 

pium  in  i  desinentium  magis  quam  aurea  Latinitatis  aetate  in- 
sinoaviase  ajpparet  in  eas  stirpes,  quae  cadunt  in  consonantem, 
atqae  loddaTum  ^,  qni  ablativi  ftingitar  vice,  sununoTisse. 
Qaod  cnm  ita  cdt,  non  in  errorem  indacemnr  formas  ab$ent7, 
NcMcrate,  operS,  pedarS,  pariets.  uxofS,  pumice,  ardine  intelle- 
gentes  substitntas  eese  a  librariis  in  locum  earam,  qttibus  ii8a8 
est  Plautus  :  absenti,  Naucrati^  aperi  ^),  pectori,  parieti,  uxari^ 
jmtnici,  ordini,  rel  abaentei,  op&rei,  ardinei  etc.,  praesertim  cum 
nonnnllicr  in  versibusyel  codiceB  prae1>6ant  fonnam  in  »  iä* 
enntem  velut: 

Gapt  258:  Qaöe  tarn  gr&ndi  äim  merc&tas  praesenti  pec6nia*). 
Mil.  1341 :  Bene  quaeso  Inter  vös  dicttis  mf  med  Msenti  tarnen. 

2.  Ablativus  ag.  quiniae  dedinatümis. 

Ablativu8  8g.  sttrpium  in  i  exeuntium  usque  quaqtte  desinit 
in  e  longam,  cuiU8  rei  apud  Plantum  quoque  multa  reperiuntur 
ezempla,  velut: 

Bacch.  827 :  Quanto  in  periclo  et  qu&nta  in  pfirnicie  siet, 
alii8que  in  veraibus').  '  Neque  dubium  est,  quin  ablativus  in  -e 
velut  r9,  fide  ortas  sit  ex  *rEd,  *fid^,  quamquam  eins  generis 
exemplum  non  est  servatum.  Nam  in  eis  quoque  versibus,  ubi 
poet  ablativnm  sg.  quintae  declinationis  deprehenditur  hiatus 
velut: 

Merc.  639:  De  istac  r6  |  argutus  es,  ut  pär  pari  reepöndeas. 

Psend.  19:  Iuv&t>o  aut  re  |  aut  öpera  et  cönsiliö  bono, 
vix  credibide  est  formam  rfti  esse  restituendäm. 

Geternm  nonnuUi  exstant  versus,  in  quibus  hie  ablativus 
brevi  vid^tur  teminari  syllaba,  velut: 

Fers.  243  t  Fid^  dat&  cred&mus.  |  Novi  :  omnes  sunt  lenae  le* 

vifidae, 
sed  haec  corr6(ptio,'ubicnmque  occurrit,  effecta  est  vi  legis  iam- 
borum  correptioni^. 

3.   Secundä  persona  sg.  imperativi  act.  secundae  coHiugationis. 
Haec  quoque  forma  nusquam  cadit  in  e  brevem.    Nam  ut  in 

1)  eorpari  prsebet  etiam  lex  lalia  mnnioipalis,  Schneider,  1.  c. 
312,  122.  2)  VE  praetmUia. 

8)  Qointae  deolinatioius  est  etiam  nomen  fmnes.  De  ablativo  vide 
Aain.  146.  Gist.  46.  Mo«t.  198.  Pen.  818.  Stich.  216. 


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42  Georgius  Wedding 

prima  coniugatione  secunda  persona  imperativi  praesentis  act. 
—  quippe  caret  8  littera  finali  —  respondet  secundae  personae 
indicativi  praesentis  velat:  laudä  :  laudä-s  ^),  non  aliter  respon- 
det gaudS  formBß  gatids-s.  Longam  syllabam  autem  confirmant 
apud  Plautum: 

Amph.  848:  Edepol    me  lubente  f&cies.  ||  Quid   ais?    responde 

mihi. 
Ampb.  1110:  Ne  pave:  sed  &ngues  oculis  ömnis  circumyisere, 
permultique  alii  versus  *).  Ubi  e  littera  brevis  videtur  esse, 
oam  breviat  lex  illa  iamborum  correptionis,  ut  creberrime  in 
imperativis:  cdv^,  döc^,  hdb^,  itiM,  mäne,  m6n^,  mAv^  iäce> 
tifie,  vdU,  vid^. 

4.   Infinüivus  activi  in  -re. 

De  infinitivo  praesentis  activi  nuper  verba  fecit  vir  doctissi- 
mus  Solmsen  ')  non  modo  infinitivum  in  -r^  contendens,  id 
quod  nemo  negat,  esse  vetustum  locativum  (viverif :  sscr.  *ß' 
vdsi),  sed  etiam  servatas  esse  formas  in  -ri  et  vivere  respon- 
dere  sscr.  jivdse.  Atque  Solmseni  ipsius  verba  sunt  baec*): 
y,. . .  .  fragen  wir,  was  aus  idg.  *gvi^äi  =  ai.  fivdse  im  latei- 
nischen werden  musste,  so  muss  die  antwort  lauten:  zunächst 
vivere.  Nach  dem  bilde,  das  die  inschriften  uns  gewähren, 
dürfen  wir  diese  Orthographie  in  plautinischer  zeit  noch  durch- 
aus erwarten,  und  ich  meine,  wenn  wir  nun  im  Plautustext 
tatsächlich  noch  infinitive  activi  auf  -ere  finden,  so  dürfen  wir 
sie  unbedenklich  den  ai.  auf  -^e  gleichsetzen''. 

Antequam  videamus,  quae  sint  exempla  Plautina  in  -ri, 
paucis  liceat  confirmare  iam  Plautum  sine  dubio  infinitivum  in 
•re  misisse  in  e  brevem : 

Mil.  82:  Vt  Sit  ubi  sedeat,  lUe  qui  aüscult&r^  volt 
Trin.  734:  Par&ta  dös  domist:  nisi  exspect&r^  vis. 
Merc.  2«70:  Capram  &bduxis8e,  et  coepit  inrider^  me. 
Trin.  661 :  Perpeti  nequeö,  simül  rae  pfget  parum  pudert  te. 
Cure.  74 :  Me,  te  atque  hos  ömnis.  ||  Tum  tu  Venerem  vömer^  vis. 
Cas.  853:  Paene  exposivit  cübito.  ||  üubitum  ergo  ir^  volt. 


1)  Cf.  snpra  pag.  27. 

2)  Reperiuntnr  formae:   deiponde,  gauds,  Aa&i,  ttifti,  m^ta^  pma^ 
rsspondi,  »alvd,  iaee,  tetie^  vii^,  vide. 

3)  Idg.  forsch.  IV  240  sqq.  4)  1.  o.  pag.  260. 

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De  vocalibas  prodactis  Jjatinas  voces  ierminantibus.      43 

Stich.  419:   Ere,   si  ego  tioeam  seä  loqu&r,  scio  scir^   te  ^). 
Quibus   ex   yeraibus  Plauti    aeiaie  syllabam  -re  infinitivi 
sads  apparet  fuisse  correptam.     Versus  autem,  in  quibus  infini- 
tivus  cadit  in  e  longam,  sunt  hi: 

a)  Ex  diverbiis: 

Asin.  250:  Aique  argento  cömpar&ndo  fIngerS  fall&dam. 
Merc.  934:   Stültus   6s:    noli   istuc,    quaeso,   dicere.  ||  Certum 

exsequist. 
Mil.  848:  Numquam  edepol  vidi  promere.    Verum  höc  erat 
Mil.  1316:  Tibi  salütem  me  iusserunt  dicere.  ||  Salvae  sient. 
Pseud.  355:  Ego  scelestus  nunc  argentum  promere  possum  domo. 
Pseud.  1003:  NuU&m  salütem  mittere  scriptum  solet? 
Trin.  585:  Nam  certnmstsine  dote  haüd  dare.  ||  Quin  tui  modo. 
Truc.  425:  Non  andes  äliquid  mihi  dare  munüsculum? 

Ad  hos  versus  Plautinos  adicias  duos: 
Tit.  105  (R  Com.):  Ipsüs  quidem  hercle  dücerS  sane  nevolt. 
Ter.  Andr.  437:  Potin  es  mihi  verum  dicere?  ||  Nil  f4cilius. 

b)  Ex  canticis: 

Most.  696:  Voluit  in  cubiculum  abdncer^  me  anus  >). 
Most.  710:  Peius  posthäc  fore  qu&m  fuit  mihi '). 
Pseud.  1299:  Cum  coroUa  ebrium  incedere?  ||  Lubet'). 
Rud.  209:  Quae  mibist  spes,  qua  me  vivere  velim  *). 
Rud.  244 :  Tu  fatcis  me  quidem  ut  vivere  nunc  velim  *). 

Numerus  sane  non  mediocris.  Sed  primum  fides  deroganda 
est  quattuor  versibus:  Merc.  934.  Mil.  1316.  Trin.  585.  Ter. 
Andr.  437,  quia  in  eis  syllaba,  de  qua  quaerimus,  est  ante  mu- 
tatam  personam,  ubi  syllabam  admitti  ancipitem  identidem 
supra  vidimus  ^).  Item  quattuor  reiciendi  sunt:  Most.  696. 
Pseud.  1299.  Rud.  209.  244,  quos  versus  alia  ratione  ac  supra 
dimetiri  licitum  est: 

Most  696:  Voluit  in  cubiculum  abdücerS  me  anus. 
Pseud.  1299:  Cum  corolla  ebrium  inceder^?  ||  Lubet 
Rud.  209:  Quae  mihist  spes  qua  me  viver^  velim, 
qui  tres  versus  sine  ulla  dubitatione  cretici  dimetri  acat.  sunt 
non  cum  clausula  _w-.u_,  sed  potius  cum  clausula  _ v^.w^. 

1)  Praeter  hoe  versui  cf.  Cure.  178.  Pers.  616.  Tmc.  228,  Merc, 
644.    Poen.  665.    Stich.  801. 

2)  Gf.  Buecheler-Windekilde,  1.  c.  pag.  120. 

3)  Creticiu  dimeter  acat.  cum  olaasula:  .— cu.. 

4)  Cretious  tetrameter  aoat.  5)  Gf,  pag,  6, 


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44  GeorgiuB  Wedding 

Versus  Rud.  ^44  autem: 

Tu  facis  me  quidem  ut  vivere  nunc  velim 
est  creticus  dimeter  acat.  cum   clausula  _u_w.y  cuius  prinoa 
Üiesis  hoc  in  versu  duabus  efficitur  syllabis  brevibus. 

Deinde  ^^nimi  est  pretii  versus  Most.  710: 
Peius  posth&c  for^  qu&m  fiift  mihi,.. 
cuHi  inter  colon  creticum  et  olausulam  .v^^u..  syllatiam  anci* 
pitem'  Ifcitum  sit  ponere  ^). 

Porro  incerta  sunt  verba  Titinii,  cum.j  utrum,  haec  verba 
unius  versus  sint  an  duorum,  nesdamus.  .Atque  mihi  quidom 
verisimile  videtur  esse  ea  duobus  tribuenda  esae  veraibus: 

.....  ipsüs  quidem  hercle  diicere 

Sane  nevolt  . . .  ., 
nisi  fallor,  iambids  senariis  (vel  octonariis  9). 

lam  quinque  supersunt  versus: 
Asin.  250:  Atque  argento  comparando  fingere  fall4ciam. 
Mil.  848:  Numquam  edepol  vidi  prömere.    Verum  hoc  erat. 
Pseud.  355:  Ego  scelestus  nunc  argeptum  prömere  pössum  domo. 
Pseud.  10Ö3:  Null&m  saliitem  n&^ttßr$  scriptum  sol^? 
Truc.  425;  Npn  aüdes  &liquid  jnihi  dare  mun^soulum  '), 
ex  quibus  facillimum   est  corrigere   vjarsum  Pseud.  355  ,<  cum 
scribatur:: 
Ego^^lestus  nunc  argentum  promerS  pötis  sum.domo.    / 

Qui  versus  iure  in  suspicionem  nos  uddudt  etiam  quattuor 
rdiquos  non  recte  esse  traditos  atque  de  formis:*  fing^r^,  pro- 
m^g,  mUtSrg^  tthj.däri  eadem  ratione  iudicandum  eöse  ac  de  foV- 
mis  yelni  ömniAas,  tSr^imüs,  aliis  eiusdem  generis,  de  quibus 
aocurate  supra  pag.  8  feei  verba.  Quae  res  cum  ita  se  habeat, 
iam  nemo  dubitabit,  quin  Plautus  infinitivum  praesentis  act- 
usque  quaque  tenninaverit  in  e  brevem  ^).    . 

Sed  sententiam  suam  ut  copfirmet,  pergit  vir  doctissimns 
Solmsen  ^) :    wir  haben  ein.  schwerwiegendes .  zeugniss  für  den 

1)  Cf.  pag.  24.  ' 

2)  Etiam  troohaici  sept.  esse  posdunt :  Sane  nevolt  .  .  . 
B)  Facile  est  transponere:  däre  mihi  munusculum, 

4)  Versam   Pers.  642':    Iam  de   istoc   rogare   omitte.     Non   vidi» . 

.    nol]€.  loqoi, 
iam  correxit  Camerarius: 

Iam  de  istoc  rogare  omitte.    Non  vides  folle  ^e)loqai, 

5)  l  0.  pag.  260. 


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De  vocalibus  productis  Latinas  Tooes  terminantibus.       46 

activisohen  gebrauch  des  infinitiTS  auf  -I  in  der  formel«  duroh 
die  der  oensor  das  voIk  zum  census  berief  und  die  uns  Varro 
L.  L.  VI,  86  aufbewahrt  hat:  si  quis  pro  se  prove  cMero  roHo- 
netn  dari  vdet.  lam  süpra  cum  de  tertiae  declinationis  abla- 
tiyo  in  e  feci  Verb'a,  demonstravisse  mihi  videor,  quid  fidei  in 
tali  re  libris  habenda  sit  manuscriptis.  Tamen  hoc  levius,  gra- 
vius  autem  illud:  eodem  iure  ac  contendit  Solmsen  hanc  t  in 
dari  esse  proHuctam,  alter  dicet  atque  al&rmabit  in  bis  ter- 
bis  vetustissimis  servatam  esse  t  brevem  finalem  locatiii,  ex 
(jua  postea  evadere  oportebat  e  breVem,  neque  quisquam  facile 
eins  refutabit  sententiam. 

Neque  vero  opinionem  riri  doctissimi  Sohnsen  confirmant 
inscripitiones,  etbi  verba  eiiU  iam  supra  allata:  ,,. . .  tnverS, 
Nach  dem  bilde^  das  die  inschriften  uns  gewähren ,  dürfen  wir 
diese  Orthographie  in  plautinischer  zeit  durchaus  erwarten", 
nobis  inidunt  suspicionem  in  inscriptionibus  infinitivnm  praes. 
act.  per  vicem  mitti  in  I,  E;  EI,  quae  ratio  scribendi  syUftbam 
finalem  ortam  esse  confiirmkt  ex  diphthongo.  Hanc  yariam 
enim  scribendi  rationem  praebent  inscriptiones  in  infinitivo 
praes.  passivi:  pakari^),  [denjantiari  *) ,  fieri^)  :  €hrei^), 
legei^);  contra'  infinltivus  praes.  actiyi  üsque  quaque  ter- 
unnatur  littera'^ :  cedre  «),  {compramesise)  %  audeire  *),  eire  •) . . . 
Quod  cuih  ita  Sit,  iure  adducimur  illam  sententiam  ut  repipia- 
mnSy  in  linguaLatina  ab  initio  locativum  sg.  yelut  viver^  ex 
*iriveri,  sscr.  ^jwäri  functum  esse  yice  infinitiyi  praes. 
aetiyi,  datiyum'  yelut  agt  ex  -^i,  sscr.  dfe  yioe  infinitiyi 
praes.  passiyi. 

4  ...  ,  . 

4.   Ädverbia  in  e  (cMätivi  secundae  dedinatianis). 

Fprmae  facilutned  ^%  rected  M),  Oscorum  amprufid '»)  (im- 
probe)  satis  ostendunt  eins  generis  adyerbia  exüsse  in  litteram 

1)  Schneider,  Exompla,  19.  3)  Schneider,  1.  c.  392,  8. 

8)  L.  c,  298,  48,  70,  78.  4)  L.  c'  298,  9,  6*. 

6)  li.  c  298,  18.  ^  L.  c.  95,  9. 

7)  L.  0.  97,  14.  —  De  syllaba  ultima  m$niti?i  perfecti  eadem  ra* 
tione  ittdicandum  est  ac  de  ultima  infinitiyi  prinesentiB  actiyi. 

8)  8.  o.  296,  71.  9)  8.  c.  298,  78. 
'  10)  8.  c.  de  Baech.,  Schneider,  1.  c.  97,  27. 

11)  In  insoripi.  Falisc,  Schneider,  1.  c.  pari.  tec.  17. 

12)  Lex.  Baut.  80,  Zv  pag.  78. 


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46  Georgias  Wedding 

d  et  veteres  esse  ablaiivos.  Cum  autem  post  longam  vocalem 
d  littera  finalis  saeculo  sexto  a.  u.  c.  tenuiter  audiretur,  adver- 
biorum  quoque  evanescere  coepit.  Neque  enim  exemplis  pro- 
bare possumus  Plautum  bis  formis  in  -ed  usum  esse,  frequeiiter 
autem  eis  in  -e: 

Gura  44:  Nempe  buic  lenoni  qui  bic  habit&t?  ||  Recte  tenes. 

Cure.  375:  Verum  hercle  vero  cum  belle  recögito, 
permultis  aliis  locis. 

Verum  duo  adverbia,  bene  et  tnale,  iam  apud  Plautum  et 
Ennium  cadunt  in  syllabam  brevem,  quamquam  ex  illo  poeta 
certum  exemplum  afferri  non  potest,  quia,  ubicumque  oceur- 
runt,  ictus  est  in  paenultima  herum  adverbiorum  vel  sequitur 
ultimam  (bitte,  mdl^,  vel:  b^pie-i.,  mäle^);  sed  in  Annalibus 
Ennii  nonnuUi  exstant  versus,  ex  quibus  hanc  e  Ulis  tempori- 
bus  correptam  fuisse  satis  apparet,  velut: 

105:  Accipe  daque  fidem  foedusque  feri  bene  firmum. 

107:  Se  fortunatim,  feliciter  ac  ben^  vortat 
Tamen  tres  adhibentur  versus  Plautini,  in  quibus  e  littera, 
de  qua  didmus,  producta  videtur  esse: 

Asin.  137:  Quae  dedi  et  quöd  benS  feci,  at  posthac  tibi  ^). 

Epid.  378 :  Nimis  döctus    ille  (est)  äd  male  facienduuL  ||  Me 

equidem  certo, 

Rud.   1316:   Di  |  bömines  respiciunt:    bene  ego    hinc  prae- 

d&tus  ibo, 
Qui  tres  versus  tamen  nihil  valent,  quia  littera  e  eum  tenet 
locum,  ubi  admittitur  syllaba  anceps*). 

Iam  exsistit  quaestio,  qui  factum  sit,  ut  e  finalis  in  bene 
et  mcde  corriperetur,  cum  in  ceteris  adverbiis,  quorum  paenul- 
tima et  ultima  efficiunt  iambum,  etsi  eorum  syllaba  finalis  iden- 
tidem  apud  Plautum  vi  legis  iamborum  correptionis  breviatur '), 

1)  GretioQs  tetrameter  aoat. 

2)  De  versu  Asin.  187  vide  sapra  pag.  24. 
8)  Velut  maxumi  Mü.  1024: 

Age  age  üt  tibi  mäxamS  concinnümBt.  ||  Kallümst  hoc  Btolidias  saxuro. 
prosp^rg  Psead.  574 : 

Pro  Ittppiter,  üt  mihi,  quidqaid  ago,  lepide  6mnia  prosper^tque  6veniiiiit 
prob9: 

Pen.  173 :   Ovis  si  in  ludum  iret,    pötuisset  iam   fieri   nt  probll  litteras 

sciret* 
Pers.  756:  Eas  vobis  habeo  grates  atque  ago,  quia  probS  sum  lUtus  meum 

inimicnm. 


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De  vocalibus  productis  Latinas  Yoces  terminantibus.      47 

ultima  servata  sit  producta.  Atque  nm  omnia  me  &lluut, 
correptio  in  bene  et  male  duabus  effecta  est  ex  causis:  primuin 
quia  plus  sermone  terebantur  ceteris,  deiiide  correptionem  acce- 
lerayerunt  formae  insirumentalis ,  quae  semper  carebant  littera 
fiuali  d:  *bene  et  *male;  i.  e.  promiscue  olim  baec  profere- 
bantur  formae:  ablativi:  *bened,  ^mcded,  *bin^,  *fndl^,  poetea: 
*ben€f  *male,  bin^,  mdl^;  et  instrumentales:  *  bene,*  male,  bini, 
mdlM,  quibus  ex  formis  solae  servatae  sunt  correptae :  benS  et 
tnal^. 

5.     Catidie,  hodie,   meridie,  podridie,  pridie. 

Haec  adyerbia,  ubicumque  occnrrunt,  in  e  litteram  mittun- 
tur  productam.  Originem  unde  ducant,  sintne  locativi  an 
ablativi,  dubium  est,  quamquam,  cum  frequenter  ooniun- 
gantur  formae  velut  die  quarti,  die  septimi,  die  eraeiini  et  com- 
posita  poairt-dief  pri-die,  merl^ie  priore  in  parte  locatiYum 
continere  videantur,  suadetur,  ut  die  locatiyum  esse  credamus, 
qui  I  litteram  abiecit  finalem.  Sed  buic  sententiae  offidt,  quod 
Faliscorum  foied  ^),  etsi  haec  ipsa  forma  quomodo  intellegenda 
Sit  non  plane  liquet  *),  ablativus  singularis  quintae  declinationis 
in  -ed  ndetur  esse,  qui  d  litteram  servayit  pristinam. 

Pauca  yerba  mihi  facienda  sunt  de  adverbio  hodie ').  Quod 
omnes  fere  ortum  esse  interpretantur  viri  docti  ex  hö^ie^) 
quippe  0  littera  correpta ,  quia  duo  coaluerint  vocabula  ^). 
Profecto,  negari  nequit  identidem  in  lingua  Latina,  duo  ubi 
coaluerunt  vocabula,  primae  vocis  vocalem  finalem  breviatam 

Pseud.  608:  lam  pol  ego  hanc  str&tiotioam  nnntium  advenient^m  probS 

percatiam. 
In  adverbiifl  maxume^  progpere   lingua  Latina  coneptionem  non  reoepit, 

qoia  haec  adverbia  non  iambum  effioinnt  (ut  olim  beM,  male,  sg^^ 

quaiij  sed  oreticnm. 

1)  Deecke,  spräche  der  Faliiker  pag.  155:  foied  '  uino  •  pt^fo  • 
kra  '  kort/o' 

2)  Deecke,  1.  c. :  „foied  scheint  eine  verunglückte  Faüskisirnng  des 
lat.  hodie  zu  sein,  in  gegensatz  zu  kra  ss  orasy  sei  es  verstellt  aus 
^fodie  oder  entstellt  aus  *fodied  mit  ablativisohem  J .  . .  .  verfehlt  ist 
die  form  in  jeder  hinsieht,  entscheidend  falsch  des  /**,  —  Sed  of.  pag. 
48,4). 

8)  De  perendie  vide  Skntsch,  Jahrb.,  suppl.  bd.  27.  pag.  98  sqq. 

4)  NonnuUi  ez  hov4ie\  of.  VaniSek,  etym.  wert.  pag.  124,  ex 
*  hoi-die-i, 

5)  Vide  Buecheler,  Wölfflins  archiv  III  145.    Skutsch,  forsch.  I  8. 


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4^  Georgiufi  Wedding 

esse  ^).  Sed  haec  correptio  cum  persaepe  non  reperiatur,  mea 
c^uidem  sententia  necesse  est  ostendere,  quae  siot  loges,  ex 
quibus  primae  Yocis  sylliaba  fipalis  modo  oorrepta  sit  modo 
servata  producta  *).  Quibus  ex  legibus  uua,  nisi  fallor,  mani- 
festa  est:  hanc  correptionem  non  effectam  esse,  nbi  iUam  syl- 
labäm  finalem  olim  sequebatur  consonans,  quae  e^m,  ut  ita 
dicam,'  tuebatur  et  defendebat,  ut  quöqircä  e^  quo-d-^rcä^) 
Omnibus  temporibus  o  litt^ram  servavit  productam.  Formam 
*hödie  autem  qui  acceperunt,  non  alia  ex  forma  eam  dedooeriB 
possunt  atque  ex  *hödee^i€  Yel*höd'die,  quibus  in  formis  con- 
sonantes  d  et  c  impedivisse  necesse  est^  quominus  hodie  eva- 
deret  forma.  Praeterea  nonne  miraris,  quod  in  adverbiis  co^ 
die,  merüdie,  postri-die,  prl-die  primae  partis  sjUaba  finalis 
nop  correpta  est,  sed  in  hödie?  Quaenam  res  in  hoc  adyerbiQ 
correptionem  effecit,  probibuit  in  Ulis?  *). 

Quae  cum  ita  sint,  mihi  quidem  non  dubium  yidetur.esge, 
quin  forma  hödie  non  duoenda  sit  ex,  *hö^ie,  '^hödee-die,  sed 
etymolQgiam  non  proponer^  malo  quam  incertam  proferre  vel 
prayam. 


III.    Formae  in  i  exenntes. 

•■  Quia  i  brevis  finalis  in  lingua  Latina  non  senratur,  sed 
mutatur  in  e  breyem^),  illam  omnibus  in  fonnis,  in  quibus 
deprehenditur,  productam  esse  oportet  Quae  i  finalis  partim 
proles,  ut  ita  dicam,  est  pristinae  vocalis  7,  partim  orta  ex 
diphthongis  -äi,  -Ä;  -^i. 

Atque  i  pura  sine  dubio  reperitur  in  numeräli  vigifUiy  quae 
forma  vetustus  est  nominativus-accusativus  dhalis  neutrius  ge- 
neris  nata  ex  idg.  vig^mth  Nam  idg.  g^mt-,  lai  -gihi-  respondet 
stirps  Banscritica  in   consonantem  desinens  -gat-  in  trttn-(«ftv 


1)  Yelut  flpM  ex  ^m;  of.  mmm,  Sohneider,  Exempla  298,  64. 

2)  Non  dabito,  quin  mpKmiB  ictua  respioiendas  tit  et  endiris. 
8)  Haeo  forma  servata  est  Schneider,  Exempla  298,  13. 

4)  Quod  in  inscriptionibiis  Falisois  /  littera  (füi^  scripta  est  pro 
A  {hodie),  minimi  est  momenti.  Cf.  FeUna  pro  Helena  (Schneider,  1.  c. 
42),  Fereies  (1.  o.  46),  FaraHa  (1.  c.  200). 

5)  Cf.  snpra  pag.  27,  adnot.  1). 


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De  vocalibus  productis  Latinas  yoces  terminantibas.      49 

catvarifh-fdt,  pa^a-g&t.  Ut  autem  ad  stirpes  neatrias  generis, 
quae  exeant  in  consonantem ,  velut  ahan  (tag),  jag(U  (weit) 
efficitur  nominativus-^accusativus  dualis:  ahan-i,  jagat-i,  ita  ad 
stirpem  -fat  effici  potuit  nominatiyus-accusatiYUS  dualis  -nat^i  ex 
-^mt-i,  quam  ad  formam  referenda  est  forma  tü-giniri. 

Deinde  pristinam  i  inyenimus  in  genitivo  angularis  secun- 
dae,  quae  didtur,  declinationis.  Quam  rem  maxime  testantur 
stirpes  in  -jo,  quas  usque  ad  medium  saeculum  septimum  a.  u.  c. 
f  stirpis  et  eam  t,  quae  genitivi  est  Signum,  contrahere  non 
solum  poetae  illius  aetatis  ostendunt,  sed  etiam  inscriptiones : 
Saetumi  ^),  aedißci  •),  benefici  •),  consüi  *),  iudici  *),  municipi  •)• 
Cum  autem  eaedem  voces  in  -jo  in  locativo  i  stirpis  et  t  loca- 
tivi,  quam  ortam  esse  ex  diphthongo  -ei  satis  constat,  nunquam 
contrahant,  id  quod  apparet  ex  versibus  Ennii,  quos  affert 
Apuleius  Apol.  39  ^): 

Omnibus  ut  Glupeae  praestat  mustela  marina, 
Mures  sunt  Aeni  faspera;  ostrea  plurima  Abydi 

Mytilenae 

Est  pecten  charadusque  apud  Ambraciai  finis; 
Brundisii  sargus  bonus  est:  hunc  magnus  si  escit, 
Sume  tibi,  apriclum  scito  primum  esse  Tarenti  *), 
et  ex  Terentii  y.  Eun.  519: 

Rus  Sünii  ecquod  h&beam  et  qu4m  longe  4  man, 
Yocalis  i  locatiyi   ex  diphthongo   orta  non  eadem  esse  potest 
atque  i  genitivi,  h.  e.  dubitari  nequit,  quin  i  genitivi  pura  sit 
et  pristina  (cf.  Job.  Schmidt  apud  Mahlow,  die  langen  vocale 
A  E  0  37  sq.). 

1)  Schneider,  Exempla  28.  2)  1.  o.  295,  99. 

8)  1.  0.  837,  8.  4)  I.  c.  298,  57.  5)  1.  c.  295,  35. 

6)  1.  c.  312,  149,  152,  154. 

7)  Cf.  Mueller,  Ennü  Sat.  51  sqq.  —  Baehreni,  Frg.  poet.  Rom. 
pag.  180. 

8)  Sic  fere  yerba  cormpta  restituenda  esse  oenseo  neque  intellego, 
qaam  ob  oaasam  L.  Maeller  pro  Brunditn  scribai  ablativum  Brundüio^ 
praesertim  oam  locatiyi  Chipeae^  Aeni,  Ahydi^  Mytilenae,  Tarenti  hunc 
defendant  locatiytim.  —  Geterum  cf.  Athen.  III,  pag.  92  d:  lÄQx^^^^og 

TOVg  fAVS  AIVOS  ix^l  fABydloVS,  0€rTQ€Ut  «f*  *!Aßv^oif 
ras  aqxtov^  HaQutv,  rovg  Sk  xtivag  i)  Mvfikrfini  * 
nliünovs  S*  ^AfAßqeixia  na^x^i,  xal  anlara  ^cr*  aurtSv  .... 
Buttrig»  I.  kud«  d.  iadg.  funMhMi.   XXVU.  4 


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60  Georgias  Wedding 

Denique  eadem  i  pura  deprehenditur  in  secunda  persona 
imperaÜTi  actiyi  quartae,  quae  appellatar,  coniugationis :  audi : 
audi-s  1). 

Eas  formas  autem,  qoarum  •  finalis  in  lingaa  Latina  orta 
est  ex  diphthongis  -äi,  -%',  -ai,  satis  erit  breyiter  componere'): 

a)  ex  äi: 

1)  Infinitdvus  praesentis  passivi;  agi:  Sscr.  dß. 

2)  Secunda  persona  plur.  passivi  -mtnT;    legiminn    inf. 
leyifAsyai  (?)  »). 

3)  Prima   persona  sg.  ind.  perl  act.;  Lat.  hUudl  :  Sscr. 
tutudi  (hoc  primus  intellexit  Fick  GGA.  1883.  588). 

b)  ex  Si: 

1)  Lfocativas  sg.  secundae  declinationis. 

2)  Dat. :  iUi,  isti...  *). 

3)  mihi,  tän,  sibf,  Ose.  tifei,  sifei. 

4)  uMy  ib^. 

c)  ex  Öi: 

1)  Nominativus  plur.  sec.  decl.:  poptd^  :  fesceninoe  :  olnoi. 

2)  Dativus  sg.  pron.  determ. :  ä  ex  *ej(hi  (cf.  dat.  quo-i). 

3)  Nominativus  sg.  juJ  ex  *quo-i,  Ose.  poi. 

Unde  i  ducat  originem  in  genitiYO  sg.  primae  et  quintae 
declinationis:  -ä-t,  -e-^,  et  in  datiyo  sg.  tertiae  declinationis 
(ex  äi?)  et  in  tU-i^)  huc  illuc  interpretatione  trahunt  viri  doc- 
tissimi. 

Non  necesse  videtur  esse  de  omnibus  bis  formis  ex  dipb- 
thongo  natis  accurate  disserere,  sed  de  una  itemque  altera  yerba 
ÜEicere  non  erit  alienum. 


1.    Locativm  tertiae  declinationis. 

Quanto  opere  in  tertia  declinatione  permixtae  sint  decli- 
natio  stirpium  in  i  et  in  consonantem  exeuntium,  iam  supra, 
cum  de  ablativo  disputarem  ^,  exposui.  Atque  ut  in  hoc  casu 
ita  in  locativo  quoque  accidit,  ut  Plauti  aetate  locativus  in  i 

1)  Vide  supra  pag.  27.  2)  Gf.  Solmsen,  idg.  fonch.  IV  241. 

8)  Contra  Bopp  contendit  U^minl  eandem  esse  formam  ac  Xiyofuvo^ 
e$t€. 

4)  Hae  formae  etiam  deduoi  possont  ex  *Hloi,  *i$tai, 

5)  Cf.  Job.  Schmidt  KZ.  XXXH  407  sq. 
6}  Pag.  39  sqq. 


seil. 


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De  Yocalibus  productis  Latinas  Yoces  terminantibus.      51 

plus  stirpiam  in  consonam  exettotium  occapayerit  quam  anrea 
Latinitatis  aetate,  neque  exstare  videtnr  Tersas^  in  quo  hie  poeta 
usus  Sit  locativo  in  -^  ^);  forma  in  i  autem  in  his  deprehen- 
ditur  yersibus: 

Cüst  156:  Fuere  Sioyoni  iam  diu  Dion^sia. 

Merc.  606:  Sl  neque  hfc  neque  AcheruntI  sum,  übi  sum?  || 

Nüsquam  gentium. 

Cist  226 :  Me  hos  dies  sex  rärl  cöntinuos  *). 

Aulul.  454:   Temperl,    postquam    implevisti  fdsti    fissonim 

Caput  *). 

Merc.  255:  Ad  pörtum  hinc  äbii  m&ne  cum  lud  simuH). 

Mil.  995.    Qui  ancupet  me  quid  agam,  qui  de  vesperT  yiv&t 

suo? 

Gapt.  111:  Her!  quos  emi  de  praeda  4  quaestöribus  ^). 
Forma  ruri  est  locativus  stirpium  in  i,  rur^  ex  *rurt 
locativus  stirpium  in  consonantem  desinentium  <).  Rem  ita  se 
habere  negayit  yir  doctissimus  Johannes  Schmidt  ^)  locativum 
in  -e  contendens  ortum  esse  ex  -e,  cui  formae  respondeat  Sscr. 
agnä,  Gr.  ftolri-i.  Sed  haec  comparatio  quamquam  scite  facta 
tamen  est  reicienda,  cum,  quomodo  et  qua  de  causa  in  lingua 
Latina  ex  formis  yelut  *rurS  eyaserit  forma  rur^,  hac  ex  sen- 
tentia  intellegi  non  possit. 

2.  Mihi,  tibi,  sibi;  ibi,  ubi;  quasi,  nisi. 
Lex  iamborum  correptionis  effecit,   ut  borum  yocabulorum 

1)  Libris  mannsoriptis  fides  non  habenda  est. 

2)  rurt:  Gas.  781.    Most.  799.    Ter.  Phorm.  863. 

3)  tempert:  Gas.  412.  Gapt.  191.  Epid.  406.  —  Umper^  Rad.  921 
vi  legis  iamborom  correptionis.  4)  lueü:  Men.  1005.  Stich.  364. 

5)  h&ti  locatiYQS  est  stirpis  in  «  desinentis;  cf.  Am-  in  hest^rnu»^ 
Gr.  jifö^ff.  —  Praeter  v.  Gapt.  111.  her%  apud  Plantum :  Amph.  799.  Gare. 
17.  Most.  963;  hw^  autem  vi  legis  iamDorum  correptionis:  Amph.  514. 
Gurc.  18.  Pseud.  148.  Stich.  516. 

6)  Nam  iamPlautus  signifioationes  et  formas:  rtirt,  auf  dem  lande, 
et  rtirir,  von  dem  lande,  seiunzerit,  dubium  est,  cum  neque  forma  rur}f 
usquam  dimetiendi  ratione  postuletur  et  nonnullis  locis,  ubi  optima  Lati- 
nitatis aetas  utitur  forma  rur}S^  in  omnibus  codioibus  tradita  sit 
forma  ruri^  velut 

Most  1076 :  Eüge,  Tranio,  quid  agitur?  ||  V^niunt  rüri  rüstici, 
et  Truc.  669:  Mirum  vidötur,  Htri  erilem  filium 

Strabdcem  n6n  rediisse. 
(codd.:  rurier  iUm  mm,)  7)  EZ.XXyiI  290. 

4* 


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52  Georgias  Wedding. 

iambicorum  partim  omnino  fierent  pyrrhicbia,  partim  syUabam 
prodactam  modo  servarent  modo  corriperent. 

Adverbium  guasi  quamquam  in  nonnullis  inscriptionibns 
invenitor  forma  quasei^)  poetae  semper  terminavisse  videntur 
I  breyi,  cum  ei  pauci  versus,  in  quibus  ef&cit  iambum,  nihil 
▼aleant.    Corruptus  enim  est  v.  Lucr.  11  291: 

Et  deyicta  quasi*)  cogatur  ferro  patique, 
quem  versum  iam  correidt  Lachmann: 

Et  deyicta  quasi  (id)  cogatur  ferro  patique. 
In  y.  Pöen.  241  autem: 

Quasi  Salsa  märiatica  esse  autum&ntur 
Codices  non  tradunt  guasi^  sed :  quam  si  salsa  ....  et  MiL  798 : 

Militi  üt  darem  :  quaslque  egö  rei  sim  interpres.  |  Audio, 
eodem  iure  dimetiri  licet:  quo^ue  ^o,  etsi  yerisimile  est  inter 
ego  et  rei  cum  Ritschelio  interponendum  esse  pronomen  ei  et 
legendum: 

Militi  üt  darem,   quasique  ego  (äi)   rei  sim  interpres.  |  Audio. 
Niei  ^)  creberrime  apud  Plautum  desinit  in  syllabam  breyem 
{nisi,  n%si-i),  nonnullis  locis  autem  in  %  productam: 
Gas.  699:  Nisl  se  sciat  yilicö  non  datum  iri^). 
Cist.    61:    Quid  dic&m,    nisl   stultitia   mea  me  in  maerorem 

rapi[t]?«) 
Poen.  243:  Nisl  multa  aqua  üsque  et  diu  maceräntur^. 
Poen.  325:  Opsecro  hercle,  ut  mülsa  löquitur.  |  Nil  nisl  later- 

culos. 
Rud.  1092:  Hie  nisl  de  opiniöne  certum  nil  dic6  tibi. 

Quamquam  fortasse  yersibus  Gas.  699,  Gist.  61,  Poen.  243 
derogabit  quispiam  auctoritatem  (yide  sis  adnot  4).  5).  6).), 
tamen  eos  defendunt  yersus  Poen.  325.  et  Rud.  1092,  in  quibus 
quin  nisi  mittatur  in  i  productam  dubitari  nequit. 

Pronomina  mihi,  tibi^  sibi'^  nunquam  apud  Plautum  efifi- 
ciunt  pyrrhichium  nisi  vi  legis  iamborum  correptionis,  neque 
usquam  finis  versus  iambici  senani  vel  trochaid  septenarii  in- 

1)  Yelut  lex  Bantina,  Schneider,  1.  c.  292,12;  lex  Acil.  repet.,  1.  o. 
298,  41.  2)  cod.:  pum. 

8}  In  inscriptionibas  identidem  nüet,  velat  8.  c.  de  Bacch.,  Schneider 
.  c.  97,  8,  16,  21.  4)  A:  NISI,  P:  m'.   Ni  s^se  (?}. 

6)  Yel:  Quid  dicam,  nisl  stültitid  mea  me(d)  in  maerorem  rapi[t]? 

6)  Hermann:  nisi  («t>.  7)  Gf.  pag.  60. 


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De  vocalibus  productis  Latinas  voces  termioantibus.       53 

venitur  velut :  dicere  itbü  vnU.    Postea  autem  usqae  quaque  hae 
formae  promiscue  in  %  longam  terminantur  et  correptam. 

C.  F.  W.  Mueller  %  quem  sequitur  Stadelmann  >),  in  fabulis 
Plautinis  nusquam  inveniri  exemplum  contendit,  quod  ibi  et 
übi  in  longam  cadere  syllabam  confirmet.  Tarnen  nonnnlli 
versus,  in  quibus  nihil  est  offensionis^  i  litteram  praebent  pro- 
ductam: 

Pseud.  425:  Proficisci^  ibl  nunc  öppido  öpsaeptdst  ria. 
AuluL  507 :  Sed  hoc  etiam  pülcrumst  praequam  ubi  sumptus 

petunt. 
Aulul.  700:  Ibo  intro,  ubi  de  cäpite  meo  sunt  comitia. 
Gapt.  955:   Quid  me  oportet  f&cere,  ubf   tu  tälis  vir  falsum 

aütumas? 
Gas-  245:  Vnde  is,  nOi?  Vbl  fuisti?  VbT  lustrÄtu's?  Vbi  bibfsti? 
Cas.  875:  Neque  quo  fugi&m  neque  ubi  lateam  neque  hoc  de- 

decus  quömodo  celem. 
eist  735:  Grepundia  üna.  ||  Est  quidam  homö,  qui  illam  ait  se 

scfre  ubi  sit. 
Poen.  702:  Quid  mülta  verba?   F&ciam,  ubi  tu  l&veris. 
Rud.  1347:  Tecum  h6c  habeto  t&men,  ubi  iurä.yeris '). 

Sed  mirum  mihi  videtur  esse,  quod  ex  bis  novem  versibus 
in  octo  ante  adverbia  ihi  et  ubi  deprehenditur  yocalis^),  atque 
iure  quaerimusy  num  haec  res  forte  facta  sit,  praesertim  cum 
etiam  in  v.  Bud.  1347  non  difficile  sit  Tocabula  tecum  et  tarnen 
transponere: 

Tamen  höc  habeto  tecum  ubi  iuräveris. 

Suntne  hi  novem  versus  legendi  cum  hiatu?  Haecine  ad- 
verbia a  Flaute  usque  quaque  consilio  sie  posita,  ut,  quae  vera 

1)  1.  0.  pag.  28.  2)  1.  0.  pag.  69. 

3)  Dabito  de  versa  Trao.  698: 

Vbl  male  acclpier  mea  mihi  peounia, 
qui,  onm  finis  verbi  intemimpat  thesin  alteram  solntam,  non  reote  tra- 
ditus  videtur  esse,  atque  conieoerim : 

Vbi  m&le  (ego)  aooipiar  m6a  mihi  peounia. 

4)  Etiam  in  omnibus  fere  oeteris  versibus,  quorum  aliis  alia  ex 
causa  non  vis  inest  et  auctoritas,  ante  formas  ihi  et  utn  est  vooalis: 
Amph.  1094.  Gapt.  606.  Gas.  78.  Guro.  340.  Aulul.  439.  Baoch.  17.  431. 
766.  Gist.  717.  Men.  280.  Most.  316.  327.  380.  Fers.  630.  Poen.  863.  866. 
Pseud.  188.  490.  1269.  Rud.  930.  1286.  Truc  860.  914.  —  Sed  of.  Asin. 
709  «»>?).  Poen.  718  (ibi  quai  reltetiX)  Gist.  717  (tua  ub%).  Pseud.  1278 
(syllaba  anceps).  Truc.  606 :  quin  vibi  natM  :  quin  ß&f  nätw  i$t  — 


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54  Georgias  Wedding. 

ultimae  dt  natura,  perspici  non  possit?     Aegre  hoc  ut  credam 
adducor;  tarnen  hodne  fieri  non  potnit? 

Ut  autem  post  Plautum  sine  dubio  promiscue  profernntur 
formae:  mih^,  mihi,  tibi,  titü,  sibi,  aibi,  ita  etiam  formae  ubi  et 
ub$,  ibi  et  iln.    Cf.  Ter.  Phorm.  827: 

Hoiusce  habendae.   S6d  übt  n4m  Getam  invenfre  pössim, 
quo  in  yersu  ilitteram  breviatam  esse  vi  legis  iamborum  correptio- 
nis  non  crediderim  ^). 


IV.  Formae  In  ö  exeuntes. 

Operae  pretium  non  videtur  esse  accurate  de  eis  disserere 
formis,  quae  usque  quaque  in  lingua  Latina  cadunt  in  o  pro- 
ductam  yelut  dativus  sg.  secundae  dedinationis :  -ö  ex  -öt*): 
Gr.  -Alt,  ablativus  eiusdem  dedinationis  :  ö  ex  öd^  nominativus 
sg.  in  ö  tertiae  dedinationis,  (homö\  prima  persona  sg.  actiyi : 
ferö  :  q)iQw,  imperativus  in  -40  ex  -töd^  itemque  omittere  possum 
yerba  facere  de  formis  dualis  amböj  Gr.  ajuqpco,  octö :  oxrcJ,  *duö: 
dvWf  ex  quibus  duo^  ut  apud  Graecos  quoque  usitata  est  forma 
dvo,  nusquam  in  lingua  Latina  ö  pristinam  servavit  productam, 
cum  unus,  qui  o  longam  comprobare  yidetur  versus,  nihil  yaleat: 
Mil.  1384:  Duo  di  quem  cürant.  |  Qui  duö?  |  Mars  et  Venös. 
Nam  ante  personam  mutatam  admitti  syllabam  andpitem  iam 
supra  identidem  intelleximus. 

Quaerere  autem  necesse  est  tribus  de  formis  :  egö^  modo, 
cito,  utrum  servatae  sint  in  lingua  Latina  an  in  earum  locum  iam 
Plauti  aetate  successerint  formae  correptae  ego,  modS,  cito. 

1.  Ego. 

Permultis  in  versibus  ictus  est  in  paenultima  pronominis 
ego  aut  in  ea  quae  sequitur  ultimam  syllaba,  ut,  quae  ultimae 
Vera  sit  natura,  propter  legem  iamborum  correptionis  perspid 
non  possit.  Nonnulli  autem  exstant  versus,  qui  aetate  Plauti 
docent  o  finalem  in  ego  sine  dubio  fnisse  correptam: 

Men.  279:  Quisquis (V^^)  egö  sim»)? 

1)  Gf.  pg.  56.  —  t  prodaota  serratnr  in  compositis  :  alibij  ibidmn, 
{iMim  Bacoh.  818);  tOrublque. 

2)  Vide  sis  insoriptionem  illam:  ManioB  m^d  fhefhaksd  Numanoi, 
8)  Quin  hio  finis  verans  faerit,  non  est  dnbiam. 


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De  vocalibus  productis  Latinas  voces  terminantibus.      55 

Mil.  1138:  Neminem  pol  yläeo,  nisi  hunc  quem  YÖlumas  cön- 

yentum.  H  Et  egö  yos  ^), 
quibus  in  yersibus,  cum  Plantus  nitimam  iambici  senarii  et 
trocbaici  septenarii  thesin  non  ea  efficiat  ratione,  nt  illam  ex- 
pleat  syllaba  vi  legis  iamborum  correptionis  breviata,  haec  lex 
▼aluisse  neqoit. 

Sed   non  mediocris  yersnam  affertor  numerus,   in  quibus 
pronomen  ego  in  productam  cadit  syllabam,  id  quod  alii  yiri  docti 
contendunt*),  negant  alii  *).  Sunt  autem  qui  adhibentur  yersus  hi: 
1)  Ex  diverbiis: 

a)  ex  iambicis  senariis: 

Asin.  810:  Sequere  h&c.   Egone  haec  p&tiar  aät  taceam?  Emori. 

Aulul.  570:  Non  pötem  eg9  qnidem  hercle.  II  At  ^o  iussero. 

Bacch.  196:  EgOn  ut,  quöd  ab  illo  fittigfsset  nüntius. 

Cas.  781:  Cena  übi  erit  cöcta;  eg9  rurl  cen&vero. 

Gas.  786:  Tandem  üt  fveniamus  16ci;  egö  cras  hfc  ero. 

Epid.  389:  EgO  me  excruciare  &nimi,  qu&si  quid  filius. 

Men.  544:  FiÄt.   Gedo  aürum,  egö  manüpretiüm  dabo. 

Merc.  544:  Tandem  impetr&vi  egömet  me  üt  corrumperem. 

Mil.  142:  In  e6  conclävi  egö  perfödi  p&rietem. 

Mil.  554:  Fateör.  |  Quid  nl  fate&re,  egö  quod  ylderim? 

Mil.  1379:  Egö  f  ^^^  conyeniam  illum,  übi  ubi  est  gentium. 

Trin.  173:  Sed  nunc  rogare  egö  vicissim  te  volo. 

Truc.  357:  Vah,  v&pulo  hercle  egö  nunc,  4tque  adeö  male. 

b)  ex  iambicis  septenariis: 

Gist.  745:  Quid  istüc  negöti  est?    Aüt  quis  es?  ||  Egö  sum  illius 

mäter. 

c)  ex  trochaicis  septenariis: 

Aulul.  457 :  Göctum  egö,  non  y&pulätum,  düdum  cönductüs  fui. 
Bacch.  571:  Töllam  egö  te  in  c611um  atqueintro  hinc  aüferam. 

I  Immo  ibö,  mane. 
Gapt.  1021:   Sed  die  öro  :  p&ter  meüs  tune  es?  ||  Egö  sum, 

gn&te  mi. 
Cure.  294:  Tristes  ätque  ebrioli  inc6dunt :  eos  egö  si  offendero. 
Cure.  305:  Haüd  magis  cupls  quam  egö  te  cüpio.  |  0  m6a  op- 

portünitas. 
Men.  651:  Quis  is  Menaechmust?  ||  Tu  istic,   inquam.  ||  Egone? 

II  Tu.  I  Quis  &rguit? 

1)  Gf.  Carc.  104.  2)  ßneoheler-Windekilde,  ].  c.  pag.  27; 

Neue- Wagner,  1.  c.  II  346.  8)  C.  F.  W.  Maeller  1.  o.  pagr.  80  sqq. 


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56  Georgius  Wedding 

Men.  934:   Quid,   ego?  |  Dfxti  ins&nus,   inquam.  ||  EgQne?  ||  Tu 

istic,  qoi  mihi. 
Men.  1125:  Mi  germäne  gemine  frä^ter,  salve.  EgQ  sum  Sösicles. 
Merc.  470:  Füisse  credo,  praeut  quo  p4cto  eg9  divörsus  distrahor. 
Pers.  198:  Eo  ego.  |  Is&ne.  Ego  domum  ibo.  Face  rem  hanc  cum 

cur&  geras. 
Pseud.  624.  625:  Immo  adest  ||  Tun  ättuUsti?  |  Egömei  |l  Quid 

dubiUa  dare? 
Rud.  730:  Ita  hinc  eg9  te  orn&tum  [te]  amittam,  tu  ipsus  te  ut 

non  növeris. 
Rud.  779:  Abi  modo,  ego  dum  hoc  cürabö  recte.  ||  lam  egü  re- 

venero. 
Rud.  1184:  Sümne  egö  scelestus,  qui  illunc  hodie  excepi  vfdulum? 
Rud.  1410:  Maxime.  ||  Pro  ill6  dimidio  eg9  Gripum  emittam  manu. 
Stich.  293:  Ad  me  adiri  et  säpplicari  egömet  mi  aequom  censeo. 
Stieb.  720:  Nolo  egö  nos  t  prosumo  bibere.  Nülli  rei  erimus  pöstea. 
Truc.  526 :  Töllere,  it4  dolet  itaque  egö  t  medulo,  neque  etiam 

queo. 
2)  Ex  canticis: 

a)  ex  anapaestis: 
Poen.  1185:  Spero  equidem.  ||  Et  p61  egö,  quem,  ingeniis  quibus 

sümus  atque  &liae,  gnösco^). 
Pseud.  939:   Sed  egö  quae  tibi  bona  dabo   et  faciäm,    si  hanc 

söbrie  rem  äccurässis. 
Rud.  190:  Hancine  egö  pärtem  cäpio    ob  pietatem  praecipuam? 

b)  ex  bacchiacis  tetrametris  acat 
Truc.  453:  Egö  prima  de  me,  domo  docta,  dico. 

Truc.  464:   Puerperio  egö  nunc  me(d)  esse  aegram   adsimulo. 

c)  ex  creticis  tetr.  acat. 

Trin.  282:*N61o  egö  cum  Improbis  te  viris,  gnäte  mi. 

Sed  ex  bis  duodequadraginta  versibus,  in  quibus  o  finalis 
pronominis  ego  producta  videtur  esse,  detrahendi  sunt  undevi- 
ginti,  quos  cum  hiatu  legere  licitum  est: 

1)  cum  hiatu  legitime  in  diaeresi: 
Merc.  470:   Füisse  credo,    praeut  quo  p&cto  egÖ  divörsus  dis- 
trahor. 
Rud.  1410:  M4xime.  ||  Pro  illö  dimidio  egö  Gripum  emittam  mann. 
Stich.  293 :  Ad  me  adiri  et  süpplic4ri  egömet  mi  aequom  censeo. 

1)  In  hoc  versa  et  Rud.  190  egö  legen  dam  esse  in  tliesi  yersas 
anapaestici  contendit  Seyffert,  Bars,  annal.,  1895,  pag.  260.  261. 


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De  vocalibus  productis  Latinas  voces  termiuantibus.      57 

2)  cum  hiatu  legitimo  ante  personam  mutatam: 

Men.  651:   Qois  is  Menaechmust?  (I  Tu  istic,  Inquam.  |  Egone? 

II  Tu.  II  Quis  irguit? 
Men.  934:   Quid,   egö?  |  Dixti  insdnus,   inquam.  ||  Egone?  ||  Tu 

istic,  qui  mihi. 
Fers.  198:  Eo  Sgo.  ||  I  sane.  egÖ  domum  ibo.  F&ce  rem  hanc  cum 

cur&  geras. 
Pseud.  624:  Immo  adest.  ||  Tun  ättulisti?  ||  Egömet.  ||  Quid  du- 

bit&s  dare? 

3)  cum  hiatu  in  caesura  iambici  senarii^): 

Aulul.  570:  Non  pötem  eg6  quidem  |  hercle.  ||  At  ego  iüssero. 

Bacch.  196:  EgÖn  üt,  quod  &h  illo  |  ättigisset  nuntius'). 

Gas.  781:  Gena  ubi  erit  cöcta;  |  egö  ruri  cen&vero*). 

Men.  544:  Fi&t.   Gedo  aürum,  |  egö  manupretiüm  dabo. 

Mil.  142:  In  eö  conclävi  |  6gÖ  perfodi  pärietem. 

Mil.  554:  Fateör.  ||  Quid  ni  fateäre,  |  egÖ  quod  viderim?^) 

Trin.  173:  Sed  nunc  rogäre  |  egÖ  vicissim  te  yoIo. 

Truc.  357 :  Vah,  y&pulo  hercle  |  egö  nunc,  ätque  adeö  male. 

4)  cum  hiatu  quamquam  non  legitimo*): 

Aulul.  457 ;  Cöctum  |  egö,  non  v&pulatum,  düdnm  cönductüs  fui. 
Men.  1125:  Mi  germdne  gemine  frdter,  s&lve.  |  egö  sum  Sösicles. 
Rud.  779:   Abi  modO)    6go  dum  |  hoc  cur&bo  recte.  ||  lam  egÖ 

revenero  •). 
Rud.  1184:  Sümne  |  egö  scelestus,  qui  illunc  hödie  excepi  vi- 

dulum. 
Deinde  sine  ulla  dubitatione  corrupti  sunt  versus  quattuor: 
Gas.  786.  Mil.  1379.  Stich,  720.  Truc  526,  in  quibus  iam  supra 
corruptelae  sedem  cruce  illa  significavi  usitata  ^).  Tum  in  Septem 
yersibus  tam  facile  est  emendare,  ut  rationi  dimetiendi  egö  iure 
anteponamus  emendationes : 

1)  Cf.  sopra  pag.  5. 

2)  Leo :  iHoCy  qaod  verieimile  est. 

3)  Hoc  in  veno  alteram  est  mendum  metricum,  cum  paenultima 
producta  looativi  rüri  quartam  iambicinseDarii  effioiat  thesin;  cf.  pag.  2. 

4)  Hiatus  in  semiseptenaria.  6)  Vide  sis  pag.  4. 

6)  Sic  hunc  versum  ut  legamus,  praecipitor,  ne  paenultima  in 
curäbo  tertiam  trochaici  septenarii  efficiens  thesin  cum  dipodiarom 
pugnet  lege. 

7)  Geterum  Truc  526.  meliore  ratione  quam  supra  legitur: 
Tollere,  lia  dolet  itaque  eg5  f  medulo,  neque  etiam  queo. 


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58  Georgias  Wedding 

Asin.  810:  Sequere  h&c  (med).   Egone  haec  p&tiar  aüt  taceam? 

Emori  i). 
Bacch.  571:  T611am  6gÖ  ted  in  Collum  atque  fntro  hinc  aüfe- 

ram.  ||  Immo  ih6,  mane  '). 
Gapt.  1021:  Sed  (tu)  die  orö :  pater  mens  tüne  es?  ||  Egö  sum, 

gn&te  mi  *). 
Ost.  745:  Quid  istüc  negöti  est?    Aüt  quis  es  t(u)?  ||  Egö  sum 

illius  m4ter^). 
Cure.  305:  Hadd  magis  (me)  cupis  quam  Sgö  te  cupio.  ||  0  mea 

öpportdnitas  % 
Epid.  389 :  Egö  mS(d)  excniciare  &nimi,  qu&si  quid  fiOius  '). 
Truc.  453:  Egö  prima  de  me(met),  domo  doeta,  dico^). 

Deinde  duobus  yersibus  non  inest  auctoritas,  quia  inter  se 
discrepant  Ubri  manuscripti:  versum  Merc.  544  praebet  Ambro- 
sianus, ut  supra  eum  attuli: 

Tandem  impetr&vi  egömet  me  üt  comimperem, 
Palatini  autem  hoc  in  versu  veram  serrayerunt  lectionem: 

Tandem  impetr&vi  ut  egömet  me  comimperem. 
Contra  Rud.  730  ordo  verborum  praeponendus  est  Ambrosiani: 
Ita  egö  te   hinc   omätum  amittam,    tu  ipsus  te  ut  non 

növeris, 
quem  versum  non  recte  ezhibent  Palatini: 

Ita  hinc  egö  te  orn4tum  te  amittam,   tu  ipsus  iA  ut  non 

növeris. 

Postremo  tres  versus  aliam  admittunt  dimetiendi  rationem: 

Poen.  1185:  Spero  equidem.  |  Et  pöl  ögö  quöm,  ingenüs 

quibus  sümus  atque  &liae,  gnösco  *). 

Versum  Rud.  190  constare  existimaverim   ex  duobus  iambicis 

dimetris  catal: 

1)  (med)  adieoi.  of.  Asin.  941: 

Immo  intro  potiüs.    Sequere  hao  me,  mi  anime.  H  Ego  yero  sequor. 

2)  D  habet:  Ut, 

8)  (tu)  Bupplevit  Havet,  recepit  Leo. 

4)  M  t(u)  Bcripsi  pro  codicnm  lectione :  Mt,  in  qaa  m  tu  vestiginm 
sai  reliquisse  videtur. 

6}  (me)  Fleckeisen,  Goetz,  Leo.  —  Ooetz-Sohoell  in  editione : 
Haüd  magis  cnpis  quam  eg5  te  cupio.  ||  0  mea  opportünitas. 

6)  me(d)  recepit  Leo.  7)  me(m0(),  sapplevi. 

8)  Cf.  Klotz,  1.  c.  pag.  119.  123  sqq.  —  De  daotjlo  +  anapaesto 
(— «uuujl)  cf.  sapra  pag.  80. 


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De  vocalibus  productes  Latinas  voces  terminantibus.      59 
Hancine  egö  p&rtem  c&pio     ob  pletatem  praeofpnam, 

praesertim  cum  in  hoc  ipso  cantico  reperiantur  versus  iambici, 
in  quibus  omnes  fere  theseis  syllaba  longa  efficinntur  vel  du- 
abus  correptis,  ut  illi  versus,  quamquam  iambici,  anapaesticis 
similes  videantur  esse  et  ex  uno  loco,  in  quo  una  syllaba  bre- 
vis  explet  thesin,  versum  iambicum  esse  appareat  Vide  sis 
versum  185: 

Nimio  höminum  förtunae  minus  miserae  memor&ntur, 

iambicus  dimeter  acat  cum  clausula  Reiziana  (vel  anapaestica?). 
Similiter  res  se  habet  in  versibus  huius  cantici  218  et  219: 

Nunc  qui  minus  serviö,  quam  si  servä  forem  näta? 

Neque  quicquam  umquam  {lUs  pröfuft,  qui  me  sibi  edux- 

^runt, 

1.  e. e-uu.i.,  \jj. L CUU.C — 

quorum  versuum  alter  est  iambicus  dimeter  catal.  cum  clausula 
Reiziana  ^),  alter  iambicus  septenarius. 

Versus  Truc.  464  autem  esse  potest  bacchiacus  dimeter 
cataL  cum  clausula  iambica  (iamb.  dim.  catal),  quos  versus 
iam  supra  >)  demonstravi  identidem  apud  Plautum  esse  con- 
iunctos: 

Puerperio  egö     nunc  m6(d)  esse  aegram  adsimulo; 
inter  utrumque  colon  admittitur  syllaba  anceps. 

Iam  tres  supersunt  versus  Cure.  294.  Pseud.  939.  Trin. 
282: 

Tristes  ätque  ebrioU  incedunt:  eos  egQ  si  offendero. 

Sed  egö  quae  tibi  bona  d4bo  et  faci&m,  si  hanc  söbrie 

rem  äccurässis. 

Nölo  egö  cum  fmprobis  t&  viris,  gn&te  mi. 

Atque  ego  quidem,  cum  ceteri  quinque  et  triginta  versus, 
in  quibus  ego  in  syllabam  productam  cadere  videtur,  nos  dece- 
perint,  his  tribus  quoque  fidem  esse  derogandam  censeo,  prae- 
sertim  cum,  ut  iam  supra  exposui,  Plautus  nunquam  eandem 
vocem  vel  formam  hie  terminaverit  in  vocalem  productam  illic 
in  brevem.    Quod  cum  ita  sit,   mihi  quidem  non  est  dubium, 


1)  cnins  nnmeri  anapaestis  sunt  simiUimi« 

2)  Cf.  pag.  12. 


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60  Georgias  Wedding 

quin  iam  Plauti  aetate  pronomen  ego  nusquam  effecerit  iambum, 
sed  potius  usque  qoaque  pyrrhichium,  etsi  confiteri  debeo,  quo- 
modo  illi  tres  versus  Cure.  294.  Pseud.  939.  Irin.  282  pro- 
babiliter  emendandi  sint,  me  nescire  ^). 

2.    Cito,  modo. 

Adverbia  dto  et  modo  optima  Latinitatis  aetate  cadunt  in 
syllabam  brevem.  Atque  est  controversia,  utrum  aetate  Plauti 
horum  adverbiorum  ultima  iam  fuerit  correpta  an  post  hunc 
poetam  facta  sit  correptio.  Sed  non  desunt  versus,  in  quibos 
littera  o  finalis,  de  qua  dicimus,  est  producta,  qui  versus 
omissis  incertis  >)  sunt  hi: 

a)  citöi 

CSist.  748:  Elöquere,  unde  haec  sunt  tibi,  cit9,  crepündia. 
Ter.  Andr.  474:    Hui,   tam  cit9?   ridiculum:   pöstquam  ante 

östium. 
Heaut.  375:  Sed  qu&m  cito  sunt  cönsecütae  mülieresl 

b)  modö\ 

Asin.  prol.  5:  Age  nunc  resfde,  cäve  mod9  ne  gritiis. 
Asin.  869:   Täce  modo.     Ne  illüm   (m)ec&stor  miserum  ha- 

bebo.  II  Ego  istüc  scio  *). 
Aulul.  239:  Dum  modo  moräta  recte  veniat,  dötatist  satis. 
Capt.  458:  Ad  fratrem  modo  captivos  älios  lnvis6  meos. 
Merc.  426:  Täce  modo:  sen^x  est  quidam,  qui  illam   min- 

davit  mihi. 
Merc.  875:  Hüc  secündus  v^ntus  nunc  est;  cipe  modo  vor- 

söriam. 

1)  Yix  oredibile  est  v.  Psead.  989  dimetiendam  esse: 

Sed  egjt  qo&e  tibi  bönft  dabo  et  ficlam  si  |  hano  sobrie  rem  iocorassis, 
ne  initio  versus  tres  se  excipiant  proceleusmatici.  Sed  versus  Trin.  282 
fortasse  legendus  est  cum  hiatu  non  legitime: 

Nolo  egö  cum  |  improbis  te  viris,  gnäte  mi. 

2)  Velut:  c%to\  Asin.  745.  Bacch.  202.  641.  Gas.  686.  Gist.  748 
(ante  personam  mutatam)  Men.  226.  Mil.  1868  {üe  eüö  vel  iU  eWf), 
modo:  Amph.  644  (Goetz-Sohoell  omittunt  ictus,  Leo  bacchios  esse 
censet)  Asin.  876  (cum  hiatu  in  diaeresi  legi  potest).  Gas.  758  (a.  pers. 
mnt.)  Guro.  665  (a.  pers.  mut.)  Mero.  607.  Mil.  984  (a.  pers.  mnt.). 
Rud.  951. 

8)  {ni)eea9tor^  oorrexi.    Vulgo:  n«  {ego)  ülum  setutor. 


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De  vocalibus  productis  Latioas  voces  terminantibus.       61 

Most.  326:  Cäve  modo,  ne  prius  in  via  accümbas. 

Most.  994:  Non  ^uidem  in  A^ptum  binc  modo  vectüs  fui. 

Poen.  926:  Näm  et  hoc  döcte  cönsul^ndum,  quöd  modo  con- 

cr^ditumst. 

Pseud.  689:  M^um  mendäcium,  bfc  modo  quod  subito  cöm- 

mentüs  fai. 
Mea  quidem  sententia  dubium  esse  nequit^  quin  in  bis  ver- 
sibns  et  cüo  et  modo  efificiant  iambum,  b.  e.  quin  Plauti  aetate 
hae  syllabae  nondum  fuerint  breviatae.  Quae  res  confirmatur, 
quod,  ubi  utrumque  adverbium  apud  Plautum  efficit  pyrrhi- 
chium,  ultima  corripitur  vi  legis  iambomm  correptionis  ^)  neque 
unquam  eam  occupat  sedem,  in  qua  syllaba  natura  brevis  postu- 
latur  >).  Vi  eiusdem  legis  autem  postea  accidit,  ut  omnino  bis 
in  adyerbiis  o  finaUs  corriperetur.  Quod  in  cüo  paulo  post 
Terentium  factum  videtur  esse,  cum  post  hunc  poetam  forma 
cito  nusquam  reperiatur;  diutius  autem  servata  est  forma  modö^)^ 
qua  etiam  Lucretius  nonnullis  usus  est  locis  yelut: 

n,  1135:  Plura  modo  dispargit  et  ab  se  corpora  mittit 

II,  941:  Ne  congressa  modo  vitaUs  convenientes. 

lY,  1181:  Vna  modo,  causas  abeundi  quaerat  honestas^). 
Atque  mihi  quidem  verisimile  est  ob  eam  causam  modo 
diutius  fuisse  in  usu  quam  cito,  quia  verborum  conformationes 
ut  omni  modo,  unö  modo,  nuUö  modo,  quarum  adverbialis  fere 
est  significatiOy  semper  in  modo  o  finalem  servaverunt  pro- 
ductam. 

Restat,  ut  verba  faciam,  unde  adverbia  modo,  modo,  cUö, 
cito  ducant  originem.  Atque  nisi  omnia  me  fallunt,  ut  in  ad- 
yerbiis bene  et  mcUe  %  in  bis  quoque  fieri  potuit,  ut  ex  duplici 
orerentur  forma.  Neque  enim  negari  potest  olim  fuisse  abla- 
tivos  *caöd,  *modod  et  instrumentales  *citö,  *modö,  quae  for- 
mae,  cum  d  littera  ablatiyi  deiecta  confluxissent,  non  aliam 
formam  parere  possent  ac  cüö,  modo,  ex  quibus  yi  legis  iambo- 

1)  Velut:  em:  Gas.  744.  Mil.  266.  Most.  347.  Pseud.  168.  Ter. 
Adelph.  448.  mödS:  Amph.  286.  696.  Asin.  36.  168.  170.  240.  337.  457. 
902.  927  etc.  eto. 

2)  Velat  in  ultima  thesi  iambici  senarii  et  trochaici  septenarii. 

3)  Sine  dubio  Bomani  quodam  tempore  usi  sunt  et  forma  modo  et 
modif,  ut  et  tibi  et  <tK 

4)  Gf.  Lachmann  ad  Lucr.  II  1185. 

5)  Tide  supra  pag.  46. 


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62     Georgias  Wedding    De  vocalibus  prodactis  Latinas  etc. 

ram  correptionis  et  quod  sermone  terebantnr  adverbia,  Dasei 
oportebat  formas  cito  et  modo. 


V.    Fonnae  in  ü  exenntes. 

De  formis  in  u  productam  desinentibus  brevi  praecidam, 
quippe  quae  formae  nee  numerosae  sint  nee  praebeant  dif&cul- 
tates,  qoas  denno  necesse  est  vocare  in  quaestionem. 

Nam  formas  in  ü  nominativi-accasativi  sg.  neutrins  generis 
quartae,  quae  dicitur,  deelinationis  velut  cornü  re  vera  vetustos 
esse  nominatiyos-aee.  pl.  neutr.  gen.  doeuit  vir  doctissiinns 
Johannes  Schmidt,  die  pluralbildungen  der  idg.  neutra,  pag.  49. 

Deinde  praeter  eiusdem  deelinationis  dativam  in  -uet  ^;,  -ui, 
euius  interpretatio  dubia  est,  omnibus  temporibas  in  usu  fuit 
dativus  in  -ü%  quem  non  modo  Latinum  esse,  sed  Italicum 
maxime  Vmbrorum  confirmat  dativus:  trifo  »). 

Ablativus  sg.  autem  olim  desiit  in  -üd,  cuius  formae  exem- 
plum  servatum  est  in  s.  c.  de  Baech.  13:  promagiairatud  ^), 
postea  —  nee  mirnm  —  usque  quaque  in  u  mittitur  pro- 
ductam. 

Quem  ad  modum  interpretandae  sint  formae  diu  et  nocM, 
utrum  loeatiyi  sint  neene,  dubium  est.  Nam  in  noctü  ex  -öu  : 
Sscr.  äktaü  amplissima  reperiretur  stirps  -öu,  quam  in  lingua 
Latina  servatam  esse  aegre  crediderim. 

Restat,  ut  verba  faciam  de  pronomine  tu.  Quae  forma 
cum  Omnibus  temporibus  cadat  in  u  productam,  ducenda  est 
ex  Idg.  *tüy  cf.  ags.  /li  =  angl.  thou,  ahd.  du,  altpr.  tau, 
altslov.  ty;  sed  dubium  esse  nequit,  quin  praeter  Idg.  tu  iam 
fuerit  forma  tu,  quam  maxime  testantur  gr.  Ttf ,  lit.  tu,  ahd.  du, 
da:  cf.   Job.  Schmidt,  pluralbildungen  der  idg.  neutra  219. 

1)  Cf.  Schneider,  1.  c.  805,  12:  sMotuei. 

2)  Velut  Mil.  1073: 

Quid  est?  Yt  lado?  H  Neqoeo  hercle  eqaidem  risü  meo  moderarL  | 

Cf.  Psead.  306.  Rad.  294.  —  Sapinam  in  -ü  :  diciu,  audäü  etc.  eandem 
esse  formam  satis  constat. 

8)  Bnecheler,  Ymbrica,  pag.  109. 

4)  Forma  incisa  magütratuo  sine  alla  dubitatione  error'  est  fabrilis. 


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Hans  Reichelt    Beitrg.  z.  gesch.  d.  indogerman.  konjugal.    63 


Beiträge  zm  geschiohte  der  indogermaniBchen 
koigiigaüon, 

L    Die  abgeleiteten  ^'-st&mme. 

(Tgl.  BB.  26,  284 ff.;  26,  266 ff.) 

Die  vorliegende  arbeit  behandelt  diejenigen  yerba  der  so- 
genannten ib-klasse,  die  einen  zweiten  stamm  auf  S  haben. 

§  1.  Es  ist  wohl  keine  klasse  des  idg.  verbalsystems,  ob- 
wol  sich  die  bewährtesten  forscher  an  ihrer  erklärung  ver- 
suchten,  in  dem  masse  verkannt  worden,  wie  die  /o-klasse.  Der 
grund  hiefiir  liegt  hauptsächlich  darin,  dass  man  das  i-element 
auf  das  praesens  beschränkte  und  vom  thematischen  vokal  nicht 
loszutrennen  wagte  ^). 

Die  Verhältnisse  bei  dieser  klasse  sind  durchaus  nicht  so 
verwickelt,  wie  die  neuesten  Untersuchungen  ergeben  haben. 
Die  trennung  in  verschiedene  weitere  klassen,  für  deren  not- 
wendigkeit  besonders  Streitberg  PBrB.  14,  224  ff.  und  Hirt  Idg. 
akzent,  192  ff.  eingetreten  sind,  hat  die  erklärung  nur  erschwert. 
Barthol omae^  der  so  oft  tiefer  blickt  als  seine  fachgenossen, 
ist  der  einzige,  welcher  den  Zusammenhang  der  verschiedenen 
bildungstypen  erkannt  hat.  Dadurch,  dass  er  für  den  zweiten 
stamm  auf  -9  (oder  -a)  die  entstehung  aus  -^  (oder  -ai)  nach- 
gewiesen hat,  hat  er  die  grundlage  für  das  richtige  Verständnis 
der  in  frage  kommenden  verba  geschaffen.  Vgl.  Studien  zur 
idg.  Sprachgeschichte  2,  142  ff.  und  Grd.  d.  iran.  phil.  1,  79  ff. 

§  2.  Nach  Hirt,  der  in  der  hauptsache  Streitberg  folgt, 
sind  mindestens  folgende  klassen  zu  unterscheiden. 

I.  %  ist  nicht  praesenssuffix  sondern  gehört  zum  stamm. 

II.  i  ist  praesenssufGx  und  erscheint  daher  nicht  in  den 
andern  Stammformen.  Diese  klasse  hat  nach  Brugmann  Grd. 
2,  1059  zwei  abteilungen,  je  nachdem  a)  die  Wurzelsilbe  den 
wortton  hatte  und  voUstufig  war,   oder  b)  in  der  Wurzelsilbe 

1)  Wie  ich  den  mitteilongen  über  die  46.  Versammlung  deutscher 
Philologen  und  Schulmänner  (in  Strassburg)  lA.  12,  349  entnehme,  hat 
prof.  Lenmann  bei  besprechung  der  vierten  praesens-klasse  im  Sanskrit 
das  praesenssul&z  --ya  in  •  -f-  a  aufgelöst  und  damit  die  forschung  auf 
die  richtige  bahn  gelenkt. 


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64  Hans  Reichelt 

Schwundstufe  herrschte,  und  der  ton  auf  dem  suffix  lag,  analog 
den  ö-verhen. 

III.  -iß  im  praesens  steht  neben  einem  zweiten  stamm  auf 
-5  (oder  -a)  aus  *4S'  (oder  *'ä%y 

Abgesehen  von  der  L,  der  wurzelklasse  lässt  sich  diese 
einteilung  aus  zwei  gründen  nicht  aufrecht  erhalten.  Erstens 
ist  das  i  nirgends  praesenssuffix ;  es  muss  vielmehr  überall  auf 
einen  zweiten  stamm  auf  ei  oder  äi  bezogen  werden.  Und 
dann  lassen  sich  auf  dieser  grundlage  nur  wenige  der  hierher 
gehörigen  formkategorien  verstehen. 

§  3.  Die  verba  der  ib-klasse  zerfallen  in  zwei  haupt- 
gruppen,  je  nachdem  der  zweite  stamm  auf  -a  oder  e  ausgeht 
Wie  ich  eingangs  erwähnt  habe,  kommen  hier  nur  die  verba 
mit  einem  zweiten  stamm  auf  -^  in  betracht  Die  wichtigsten 
anhaltspunkte  für  ihre  erklärung  sind  der  Zusammenhang  mit 
der  nominalen  e^-stammklasse  und  der  umstand,  dass  dasselbe 
idg.  verbum  in  den  einzelsprachen  verschiedenen  bildungen 
folgt,  die  in  folge  dessen  einen  gemeinsamen  Ursprung  haben 
müssen.    Vgl.: 

ai.  gödh  'licht',  got.  hugs,  as.  hugi  ^sinn'  :  ai.  gücyati 
'leuchtet*!  got.  hugjan  'denken'. 

ai.  rudh  'licht',  ksl.  ludh  'licht'  :  gr.  X&ioaw  'schaue'  aus 
*X8uiH'(0j  lat  lüceö  'leuchte'. 

ai.  varUh  'umlauf'  :  lit  verczü  'kehre  um',  ksl.  vrhätq 
Werto'. 

ai.  kavih  'klug'  :  gr.  Koita  'merke',  lat.  caveö  'hüte  mich'* 

aw.  hadiä  'sitz'  :  lat.  sedeö  'sitze',  lit  sed&i,  ksl.  sid&i 
'sitzen'. 

gr.  x^Q^S  ^gunst'  :  gr.  x^^'^^i  h^Q^  'freue  mich',  ai.  hdr^ 
ycUi  'er  begehrt',  umbr.  heris  'vis',  lit.  gerü^s  'freue  mich'. 
Dazu  got  grsdus  'hunger'  (Hirt  SBtr.  23,  291). 

gr.  axalig  'hacke',  Ut  skgle  'loch'  (mit  sekundärer  dehnung 
nach  Wiedemann  Lit  gr.  s.  20) :  gr.  axaXilai  'scharre'  aus 
*aiuxXi'Wf  lit.  sküiü,  skUti  'schlage  feuer  an'.  Dazu  gr.  a%aXfj' 
vog,  axoXi^g  'krumm'. 

gr.  fivela  'erinnerung'  aus  *iivbi^-ol^  an.  mun(rj  'sinn,  unter- 
schied', gr.  ^tjvig  'groll',  fiavla  'raserei'  :  gr.  fialvofiai,  {if^dyfjv) 
'rase',  fii'fivy-f^ai  'erinnere  mich',  ai.  manyaU  'er  glaubt',  got 
miman  'meinen',  Ut  menü,  min&i  'gedenke',  ksl.  mtnjq^  mbnUi 
'meine',  air.  do-moiniur  'puto'. 


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Beiträge  zur  geschichte  der  indogermanischen  konjugation.     65 

gr.  Idia  ^erscbeinung'  aus  */tif€x-a,  ai.  vidyä  'wissen',  : 
lat  Video  'sehe',  got  tvüan  'beobachten',  lit.  pavydzu, 

lat  fid^  'vertrauen',  gr.  Ileid'ti  'Überredung'  neben  Tteiaig  : 
gr.  {7t8i&(o)y  ifti'^y  got.  bidja  'bitte'.  Dazu  lat.  fidius  'wahr- 
haftig' und  fidilis  'treu'. 

lat.  ctiedfy  'mord'  :  gr.  axi^o)  'spalte',  lit  skedhu  'spalte'. 

lat.  aedes  'feuerstätte' :  ai.  idhyäte  'wird  angezündet'.  Dazu 
lat.  aedüisj  osk.  Atifineü  'Aedinii'. 

lat.  aci98  'schärfe',  an.  egg^  eggiar  'schneide',  ahd.  ekka, 
mhd.  ecke  :  an.  eggia  'anreizen'. 

lat.  per-nieiBs  'verderben';  ai.  nd^ati,  aw.  tMsyeiH  'er 
geht  zu  grund'.  Dazu  lat.  itUerneciea  (Gloss.  phil.,  Isid.  or.  5.  26) 
inter-neciüm  (Not.  Tir.  p.  123). 

lat.  seriis  'reihe',  gr.  sYqw  'knüpfe'  aus  *ae^x-ai. 

lat  faciSs  'erscheinung',  fax,  faces  (PauL  Festi  s.  87) 
'fackel',  lit.  eväke  'licht'  :  gr.  naiqxiaaw  'schimmere'  aus 
*-g>aKi'(o.    Dazu  lat.  facstus  'glänzend'. 

lat.  species  'erscheinung'  :  ai.  pdgyati  'er  späht',  lat.  spe^ 
ciö  'sehe  nach  etwas'.    Dazu  lat.  specietas,  au-spici^nn. 

got  kuni,  kunßs  'geschlecht',  lat  pro-genüs  'geschlecht', 
gr.  yhva  'geschlecht'  aus  ^yevi-a  :  gr.  yeivofiat  'werde  geboren' 
aus  *y€yi^'Ofiai,  ai.  jägcUi  'wird  geboren'.  Dazu  gr.  ofwyviog^ 
got  samakuns  'verwandt',  lat  genius  'schutzgeist'. 

got.  grißs  'schritt'  :  ai.  gr'dhyati  'er  ist  gierig',  lat.  gradior 
'schreite'. 

got.  qumsy  ahd.  chumi  'ankunft'  gr.  ßalvw  'gehe',  lat  veniö 
'komme'. 

lit  alAa  'äuge',  gr.  caaa  'äugen'  aus  *ox|-«  :  gr.  oaaofiai 
'sehe'  aus  ^onLi-oiicLi^  got.  ahjan  'glauben'. 

lit  rudis  'rost'  :  lat,  rubire  'erröthen',  ksl.  rtdUi  8^  'er- 
röthen'. 

lit  gulie  'lager'  :  lit  guliü  'lege  mich',  ai.  gldti  'er  ist  er- 
schöpft', aw.  ni-^äire  'sie  werden  geworfen',  gr.  ßdklta  'ich 
werfe'. 

lit.  zinl  'künde'  :  ahd.  ir-knau  'weiss'  aus  *§nei-ö. 

lit  szlove  'ehre',  gr.  Klatüi  'verkünderin'  statt  *Äi«a5  aus 
*xA«/-o«-  (vgl.  üeid'oiy  yirjTCu)  :  gr.  xAc/ai  'mache  berühmt' 
aus  *xJU/-i-ai,  lat  düeo  'höre'  aus  *dev^'ö.  Dazu  lit.  8zl6vi'nu 
'preise'.    Idg.  ♦£tojfc(i>,  *JUeitö(i)'  :  *Jcle^'  :  *keui'. 

Baltrtfs  1.  knadt  0.  indg.  ■pnelMB.  XXVII.  ^ 


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66  Hans  Reichelt 

lit  srove  'Strömung'  :  lit.  sravi-ü,  sravij-au  'fliessen',  gr. 
i^rj-v  'floss',  idg.  *«röjfe(i>;  *8rj^i)-  :  ♦«rojft-. 

lit  dväse  'hauch'  :  lit  dvesiü  'atme',  dilsiü,  düsUi  'atme'. 
Dazu  gr.  d^tTiog  aus  *&/8ai''0g  'göttlich',  lat  Fürius  aus  ^feu- 
8P4$8,  vgl.  Petr,  Krok  VI  6,  248  f. 

lit.  grobe  'beute'  :  ai.  grhhndmi  'ergreife',  lit.  grilbiu  'raffe, 
packe',  ^reiw  'raffe,  harke'  Brugmann  Grd.  '  I,  152. 

air.  cruim  'wurm',  ai.  kf'mih  'wurm',  lit  kirmis  'wurm'  : 
ai.  kramyati  'er  schreitet'. 

§  4.  Brugmann  und  Hirt  haben  das  -ö-  der  yerbalen 
cs-stämme  mit  dem  a  der  femininen  ä-stämme  identifizirt.  Vgl. 
H.  M.  Chadwick  IF.  11,  169:  „With  regard  to  the  origin  of 
these  stems  the  Suggestion  of  Brugmann  (Gr.  2,  §  487)  and 
Hirt  (Idg.  akz.  §  197)  claims  attention.  According  to  ihem 
the  ä  of  these  stems  is  identical  with  the  *<s-  of  feminine  sub- 
stantives.  We  have  already  mentioned  that  the  connection 
between  verbal  and  nominal  e^stems  is  of  great  antiquity,  and 
there  are  two  further  points  in  support  of  the  theory.  (1)  The 
oldest  Stratum  of  feminine  ö-stems  consists  largely  of  verbal 
abstracts  (cf.  Hirt  akz.  §  197,  271).  (2)  These  stems  likewise 
show  as  a  rule  either  reduced  or  o-vocaUsm  in  the  root-syllable 
and  are  accented  on  the  stem-final". 

§  5.  Ich  identifizire  in  gleicher  weise  das  ß)i  der  ver- 
balen «n-stämme  mit  dem  der  nominalen  ei-stämme.  Es  steht 
hier  wie  dort  ei-  mit  ei-,  i-  und  t-  im  ablaut  lat.  fdi-s  ver- 
hält sich  gr.  htiS^'Vy  wie  lat  fidi^us  zu  got.  Wdj-a.  Die  von 
Streitberg  Urgerm.  gr.  s.  300  so  genannten  starren  ji^/ia-bil- 
dungen,  zu  denen  got  bid-ja  gehört,  sind  nichts  weiter  als 
durch  den  themavocal  erweiterte  ^-stamme. 

Neben  den  starren  ia/^b-bildungen  verzeichnet  Streitberg 
a.  a.  0.  noch  abgestufte  ie^  ib-bildungen.  "Wie  beim  nomen 
im  Litauischen  kilia  neben  k&iaa  steht,  so  erscheint  auch  beim 
verbum  neben  der  voUstufenform  des  Suffixes  die  Schwundstufe. 
Und  zwar  kann  diese  doppelte  gestalt  haben:  1)  einsilbiges 
'ißlj^'  wird  in  unbetonter  Stellung  zu  kurzem  t.  —  2)  neben 
dem  einsilbigen  ißlio  findet  sich  unter  den  von  Sievers  PBrB. 
5,  129  ff.  festgestellten  bedingungen  zweisilbiges  -ißliO'.  In  der 
Schwundstufe  muss  alsdann  die  länge,  d.  h.  1,  auftreten.  Wie 
das  Germanische  und  —  nach  £.  Berneker  und  P.  Giles  — 


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Beiträge  zur  geschichte  der  indogermaniBchen  konjugation.    67 

das  Lateinische  darthun,  erscheint  die  zweisilbige  yoUstufe  und 
damit  die  langrokalische  Schwundstufe  regelrecht  nach  langer 
Würzelsilbe.    So  erklärt  sich  die  lateinische  doppelheit: 

capio  fardo 

capis  fareis 

capit  farcit 

capimus        fardmus 

capitis  farcUis 

capiunt        fardunt. 

Streitberg's  ansatz  der  vollstufe  mit  iejio  und  die  heran- 
ziehuug  von  lit  kSlis  neben  hiilias  ist  hinfallig.  Da  sich  bei 
den  nominalen  «^-stammen  -ei-  (-oi')  als  vollstufe  ergeben  hat, 
ist  auch  hier  -^-  und  nicht  -iß-  als  vollstufe  anzusetzen. 

§  6.  Wie  für  die  nominalen  ^it-stämmey  deren  bildungs- 
typen  nicht  weniger  verschieden  sind,  lässt  sich  auch  für  die 
verbalen  ^stamme  ein  einheitlicher  Ursprung  nachweisen.  Die 
ablauterscheinungen  der  beiden  Stammgruppen  sind  dieselben. 
Die  silbe  ei  bewegt  sich  je  nach  dem  akzent  in  den  ablaut- 
stufen ei  (i)  :  ei  :  l,  i;  sie  ist  hier  wie  dort  ursprünglich  be- 
tont gewesen,  wodurch  sich  die  grosse  anzahl  schwundstufiger 
Wurzelsilben  erklärt.  Allerdings  darf  man  diese  Verhältnisse 
nicht  nur  auf  das  praesens  beziehen.  Bezzenberger  BB.  26, 
s.  171  bemerkt  sehr  richtig:  ''Unzweifelhaft  darf  man  die  sache 
auch  anders  ansehen  (vgl.  Bartholomae,  Studien  z.  idg.  Sprach- 
geschichte 2,  150),  und  Streitherg  wird  weder  leugnen,  dass 
man  grundsätzlich  immer  versuchen  muss,  die  verschiedenen 
Stämme  eines  verbs  zu  vereinigen,  noch  dass  in  der  regel  ein 
nicht  praesentischer  stamm  auf  S  einen  praesensstamm  auf  e 
oder  eje  zur  seite  hat". 

§  7.  Dass  die  idg.  grundsprache  nicht  aus  wurzeln,  son- 
dern aus  Worten  bestanden  hat,  wird  wol  niemand  bezweifeln. 
Trotzdem  darf  man  aber  den  wurzelbegriff  nicht  ohneweiters 
fallen  lassen,  da  ihn  grammatische  abstraktionen  notwendig 
machen.  Ob  die  wurzel  als  solche  jemals  in  sprachlichem  ge- 
brauche stand,  ist  einerlei;  auf  jeden  fall  ist  sie  noch  für  die 
zeit,  wo  die  spräche  unserer  forschung  erreichbar  wird,  d.  h. 
historisch  zu  werden  anfängt,  hinter  dem  schleier  von  ablaut- 
und  flexionserscheinungen  deutlich  erkennbar.  Die  wurzel 
braucht  deswegen  nicht  immer  einsilbig  gewesen  zu  sein.    Für 


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68  Hans  Reichelt 

uns  ist  eben  alles  Wurzel,  was  sich  bei  mehreren  etymologisch 
zusammengehörigen  worten  als  gemeinsames  element  ergibt 

Es  ist  nun  die  frage,  ob  wir  im  vorliegenden  falle  die 
Silbe  ei  zur  wurzel  zu  rechnen,  also  von  zweisilbigen  wurzeln 
auszugehen  haben,  oder  ob  wir  in  der  silbe  ei  ein  ableitungs- 
suffix  sehen  müssen. 

§  8.  H.  Hirt  Der  idg.  ablaut  s.  25 — 153  hat  eine  neue 
theorie  der  idg.  wurzeln  aufgestellt,  indem  er  sie  auf  uridg. 
basen  zurückführt,  aus  denen  sich  seiner  ablauttheorie  gemäss 
die  historischen  formen  der  einzelnen  sprachen  entwickeln. 
Nach  seiner  einteilung  gehören  unsere  verbalstämme  zu  den 
zweisilbigen  schweren  basen  und  zwar  zu  den  exBi-hBsen, 

Ich  stehe  auf  dem  Standpunkte  Bartholomae's,  nach  dem 
9i  (Bartholomae's  äi)  kein  wurzelhaftes,  sondern  ein  stamm- 
bildendes sufGx  ist,  wofür  ich  einerseits  den  Zusammenhang 
mit  den  abgeleiteten  nominalen  e^-stämmen,  andrerseits  das 
Vorhandensein  der  zahlreichen  formen  von  der  einsilbigen,  un- 
erweiterten wurzel  geltend  mache.  (Ich  sehe  nicht  ein,  warum 
dieser  annähme  die  infixtheorie  entgegensteht,  wie  Hübschmann 
lA.  11,  s.  52  einwendet  Der  nasal  kann  ebensogut,  wie  vor 
dem  zweiten  vokal  der  basis,  auch  vor  dem  ableitungssuffix, 
das  sich  mit  der  Wurzelsilbe  eng  verbunden  hatte,  infigirt  wor- 
den sein)  Hübschmann  a.  o.  s.  52  ^  hat  bei  der  besprechung 
von  Hirt's  e^^i-basen  schon  auf  mehrere  falle  aufmerksam  ge- 
macht, die  die  vermuthung  zulassen,  dass  ^i  ein  stammbilden- 
des Suffix  war,  und  hat  dabei  auf  die  iranischen  Verhältnisse 
ein  besonderes  gewicht  gelegt: 

idg.  *od'ei-  neben  ♦orf  'riechen'  :  gr.  o^«,  lat  olSre,  lit. 
6!deu  neben  gr.  od^iiq^  lat.  od-or,  ol-fadö. 

idg.  ^men-ei'  neben  *inen  'denken'  :  ai.  mdnyate,  gr.  fiai- 
vofiai^  got.  munan,  lit  min&i,  ksl.  mhnSti  neben  ai.  fnatäh, 
maUh. 

idg.  *uer'ei'  neben  *^er  'sprechen'  :  gr.  «t(pco,  lit.  reju 
neben  lat.  ver-bum,  got.  waür-ds,  lit  por-das. 

idg.  *uel'ei'  neben  *^el  'wählen'  :  ai.  vrndti,  ksl.  vdMi 
neben  lat  vel,  lit  pa-vel-mi,  ai.  vr-tdh, 

idg.  *^eid-ei'  neben  *^eid  'sehen'  :  lat  pidSre,  got.  wüan, 
lit  porvyd&i,  ksl.  mditi  neben  aw.  ms-tö. 

idg.  ^keuk-ei-  neben  ^kevk  'leuchten'  :  ai.  gücyati,  got 
hugjan  neben  ai.  (ukrdlj^,  aw.  suxrö. 


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Beiträge  zur  gescbichte  der  indogermanischen  konjugation.    69 

idg.  ^bheudh-ei'  neben  *bheudh  'erwachen'  :  ai.  büdhyati, 
lit.  budeti,  ksl.  bhdSti  neben  ai.  buddhdh. 

idg.  ^ieudh-ei"  neben  *j^udh  'kämpfen'  :  ai.  yMhyatiy  lat. 
iulOref  lit  judüi  neben  ai.  yuddhdh. 

idg.  ^grebh-ef  neben  *grebh  *  greifen'  :  ai.  grbhnäti,  lit 
grä>iu  neben  aw.  g9r9pta',  np.  jrtW/i. 

idg.  ^stcheid-ei'  neben  ^sÜieid  »spalten'  :  gr.  0%/^,  lat. 
caed^,  lit  skidzu  neben  ai.  chinndh,  lat  8ci88U8. 

idg.  *ghven-ei'  neben  ♦jrÄt^^n  'schlagen'  :  gr.  ^«tVcu,  lit. 
^ene^i  neben  ai.  Adft^t^  lit.  ptil^». 

idg,  *ter-ei'  neben  ♦^tfr  'bohren'  :  ai.  ti'ryati,  gr.  rfi/^oi, 
lat.  iri'Vi  neben  ai.  U-tar-ti. 

idg.  ^der-ei-  neben  *rfer  'spalten'  :  ai.  dpMydi,  gr.  if</^, 
IdaQviVy  lit.  d»rfii  neben  ai.  (/(friSfi,  {Jr^aA,  gr.  dgcetSg. 

idg.  ^^erg-ei'  neben  *tf«rjr  'abhalten'  :  lat  urgSre,  lit.  i?«r- 
ih'fi  neben  lit  vargas,  ksl.  rr(]^. 

idg.  )^-ei-  neben  *ff^  'wenden'  :  ai.  varUh,  lit  t^erc^iiS^, 
ksl.  vrhüq,  vrrMi  neben  ai.  var/^f,  vrttäh,  lat  f?orMM. 

§  9.  Hirt  unterscheidet  bei  den  zweisilbigen  schweren 
basen  noch  monophthongische,  die  sogenannten  sSf-hasen  (§  187 
— 443).  Auf  dieselben  hier  näher  einzugehen,  besteht  keine 
veranlassung.  Ich  will  nur  yorausbemerken,  dass  Hirt  in  seiner 
beispielsammlung  eine  anzahl  von  stammen  unter  die  ^^basen 
eingereiht  hat,  die  eigentlich  zu  unseren  stammen  zu  rechnen 
sind. 

Das  ableitungssuffix  ist  also  in  der  vollstufe  als  -^-auszu- 
setzen. Infolge  des  akzentwechsels  innerhalb  der  flexion  unter- 
liegt es  dem  quantitativen  ablaut  Seine  ursprünglichen  ab- 
lantsverhältnisse  haben  sich  aber  nirgends  vollständig  erhalten. 
Wie  beim  nomen,  so  wurden  auch  beim  verbum  schon  in  ur- 
sprünglicher zeit  durch  betonungsverschiedenheiten  eine  reihe 
von  nebenformen  entwickelt,  die  in  ihrer  neuen  gestalt  ver- 
kannt und  von  der  eigentlichen  stammklasse  losgetrennt  wurden. 
Die  Ursache  der  betonungsverschiedenheiten  ist  teils  in  der 
komposition  (durch  den  eintritt  der  enklise)  und  dem  übertritt 
in  die  thematische  flexionsweise,  teils  in  der  beeinflussung 
durch  formen  vom  unerweiterteh  stamme  zu  suchen. 


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70  Hans  Reichelt 

I»    Das  praesens. 

a)  Singular. 

§  10.  Nach  Hirt  Idg.  ablaut  s.  108  bilden  die  exei-hasen 
das  praesens  verschieden.  Die  reinen  ea^ei-basen  haben  im  sg. 
den  akzent  auf  der  ersten  silbe:  vüdiimai,  pl.  veideimis  »-  idg. 
*v4idiini,  pl.  vidimiB,  vgl.  ksL  pidüi,  pl.  viditm  (statt  *vhdifm). 
Die  ea;^/-basen  mit  n  haben  im  sg.  den  akzent  auf  der  zweiten 
^ilbe  der  basis:  ghrebh-fir^'Umai,  pl.  gkrebh-n-Si-mSs  «  ai. 
grbhndmi,  pl.  grbhmmdh. 

§  11.  Ich  glaube,  Hirt  wird  diese  verschiedene  praesens- 
bildung  'der  ea:^f-basen'  nicht  vertheidigen  können.  Es  sprechen 
die  infixtheorie  und  der  thatsächliche  formenbestand  zu  sehr 
dagegen.  Ai.  grbhäyäti  (ap.  agarbäyah,  aw.  g9urvain)  enthält 
die  ursprüngliche  praesensform  des  sg.  vom  erweiterten  stamm 
*gkfbh'ei',  nur  dass  es  durch  den  thema vokal  vermehrt  ist 
Wäre  der  akzent  wirklich  auf  der  ersten  silbe  gelegen,  so 
müsste  eine  form  *grdbMU  (thematisch  *grdbhyati)  entstanden 
sein,  die  nach  infigirung  des  nasals  ^grdbhnüi  gelautet  hätte. 
Da  eine  solche  form  nirgends  zu  finden  ist,  wird  man  zugeben 
müssen,  dass  auch  'die  reinen  ea;ei-basen'  im  sg.  den  akzent 
auf  der  zweiten  silbe  gehabt  haben.  In  der  that  finden  sich 
neben  den  thematischen  formen,  wie  ai.  grbhäy&ti,  noch  die 
ursprünglichen  athematischen:  got.  habaia,  habaiß  geht,  wie 
Bartholomae  a.  o.  s.  147  nachgewiesen  hat,  auf  idg.  *kk9bh'H' 
si,  *leh9bh'€i-ti  zurück.  In  ai.  prasi,  gUtti,  psäti,  gr.  {f^if^y 
ftXrjfiij  (Ti^-tQfjfih  Iftt.  habes,  hobst  und  in  ahd.  hab9m,  habSa, 
habet  liegt  die  idg.  nebenform  auf  ^'t-mi,  *-€-«,  *-^-*f  vor. 
Vielleicht  ist  auch  lesb.  (pUrifii  u.  s.  w.  hierherzustellen,  wenn 
die  aeol.  flexion  der  verba  auf  -co»  nicht  als  gr.  neuerung  be- 
trachtet werden   muss.     Die  ursprüngliche  flexion  des  sg.  ist 


demnach : 

idg. 

ai. 

gr. 

lat. 

got 

ahd. 

*kh9bh-ea}mi 

ti-t^m 

habm 

*kh9bh-$a)-i>i 

prOsi 

tl-TQijg 

habes 

habais 

habes 

*kh9hh-i(i)-H 

gläti 

ti-vijtjai 

habet 

haba^ 

habet 

Vgl.  ai.  prdsi  'du  füllst',  gr.  TtlfiTtltifit  4ch  fülle'  neben  lat. 
pUö  'ich  fülle'  aus  *plei'^i  ai«  gl&ti  'er  ist  erschöpft',  aw.  ni- 


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Beiträge  zur  geschiebte  der  indogermanischen  konjugation.    71 

yräire  'sie  werden  geworfen'  neben  ai.  gUyati  :  gr.  ßaXXto 
4ch  werfe',  eßXriv  4ch  wurde  getroffen',  lit  gvHiü,  guUSti  'schlafe'; 
ai.  mldti  'er  erschafft,  wird  weich'  neben  mlaycUi  :  gr.  ilivHw 
'mahle',  ksl.  mdjq  'mahle';  ai.  paäti  'er  zehrt  auf  neben  gr. 
tpi  aus  *xfnji-ei  'er  reibt';  gr.  Ti-^QTjfii  'bohre'  neben  ahd.  drau 
'drehe'  aus  *tr^ö  :  ai.  tfryati  'er  setzt  über',  gr.  tetgta  'reibe', 
tSQiü)  'bohre',  lat  (terö),  trv^  'reibe',  lit.  tyriü  'erfahre',  ksl. 
itrq^  treii  'reibe';  gr.  rcL^-nlriiii  (nach  niii^-nhivw)  'fülle'  wie 
oben;  gr.efi-^ci'ftQrjfxi.  'ich  stecke  in  brand'  neben  ru88.|»r^, 
prsti  'schwitze,  siede'.  Ferner  die  praesensformen  des  singulare 
von:  got  ßah an,  Bhd.dag9n  'schweigen',  lai^tacere  'schwei- 
gen'; got.  toitan  'auf  etwas  sehen',  ahd.  wizen  'sapientem 
esse',  lat  vidSre  'sehen'  :  lit.  pa-vydeu,  -vyd^i  'beneide',  ksl. 
vizdq,  vid&i  'sehe';  got.  Hb  an,  ahd.  lebin  'leben' :  gr.  {aJLetqxo) 
riXlqnjv  'salbe';  got.  tnunan  'gedenken',  ahd.  fir-monin  'ver- 
achten' :  ai.  tnänyatS  'er  denkt'  s.  §  3;  got.  weihan,  ga-toeihan 
'weihen  heiligen',  umbr.  e-veietu  ■—  ^-veig-S-^öd  'voveto'  vgl. 
Osthoff  IF.  6,  39 ff.;  got.  ana-silan  'still  werden',  lat.  stiere 
Schweigen';  got.  toahan  'wachen',  lat  vegere  'wecken';  got 
haban  'haben',  lat  habere  'haben';  got  ga-ßarban  'sich 
enthalten'  :  is\.trbplja,  trhpsti  'dulden';  got  trauan  'trauen' : 
pr.  druws,  druwU  'glauben'  (dazu  pr.  druwi,  druwis  'glaube'); 
lat  8ed9re  'sitzen'  :  ahd.  sizzu  'sitze',  ksl.  sSzdq,  sSdsH  'sitze' 
s.  §  3;  lat  rubSre  'roth  sein'  :  ksl.  rhidq^  rbd&,i  'erröthen'  s. 
§  3;  lat.  val^re  'stark  sein'  :  lit  galiü,  gaUU  'kann';  lat 
mordSre  'beissen'  :  ai.  mrdnäü  'er  reibt',  lit.  nUrdHu  'bin  im 
sterben';  lat.  ol^re  'riechen'  aus  *od^e  :  gr.  o^  'rieche',  lit. 
A'd&u,  A'sti  'rieche';  lat  luc^re  'leuchten' :  gr.  levaata  'schaue', 
Ut.  Idukiu  'warte';  u.  a. 

§  12.  Die  gr.  formen  zeigen  reduplikation.  Dass  bei  den 
abgeleiteten  verbalen  ^'-stammen  in  der  reduplikationssilbe  der 
i-vokal  erscheint,  ist  nichts  auffallendes,  da  die  schwundstufige 
Wurzelsilbe  mit  dem  ableitungssuffix  gleichsam  eine  einsilbige 
diphthongische  basis,  wie  etwa  ai.  bibhtmi  oder  dkemi  repräsen- 
tirt:  gr.  tl^^-fii  'bohre'  aus  "^U-trSf-mi  (zu  ahd.  dräu  'drehe' 
aus  *tr^"^)  vgl.  aw.  didaüi  'er  sieht'  aus  *dhi-dh^U.  Gr. 
'ftl'TcXrj-^L,  mfiTtkfjfii  'fülle'  aus  *pi'pUi'fni  (zu  lat  pleö  aus 
*plsi^)^  'Tti'Tturi'fUf  nififrQftjf^i  'fache  an'  aus  ^pir-pr^-mi  (zu 
russ«  preju,  pr^ti  'siede').  Die  schwachen  personen  dieser  gr. 
verba  fiektiren  wie  die  der  gleichgebildeten  monophthongischen 


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72  Hans  Reichelt 

Wurzelstämme,  was  Brugmann  mit  recht  dem  einfluss  yon  prae- 
sentien  wie  tatrifii^  tatafiev  zuschreibt.  In  ai.  U'tar4i  'er  ge- 
langt hinüber',  pi-par-ti,  pi-pra-ti  ^erfüllt'  ist  das  i  der  redup- 
likationssilbe  aus  formen  wie  *ti4rSi''ini  (tlvgri^t)  u.  s.  w. 
herübergenommen. 

In  andern  fällen  lässt  das  f  der  reduplikationssilbe  auf  das 
ehemalige  yorhandensein  solcher  ursprünglicher  praesensformen 
schliessen  und  findet  darin  seine  erklärung.  Ai.  djijanat  'er 
wurde  geboren',  aw.  zlzan9nti  'sie  gebären',  gr.  ylyvofiai  'ich 
werde',  lat.  gignö  'ich  erzeuge'  nach  *g'ig'n^ti,  vgl.  ai.  janiSva, 
lat.  -yenies,  got.  kuni  'geschlecht' ;  gr.  fiiiivo}  neben  fniwo  'bleibe' 
nach  *mimnSiti,  vgl.  gr.  /jtefiivfj'xaf  lat.  maneö  'bleibe';  ai.  apl- 
patat  'er  fiel',  gr.  TtjfTttto  'falle'  nach  *piptBj^i,  vgl.  gr.  niTvito 
'falle',  das  B,\d*p9t'n^ifni  zurückweist,  Ttrüiov  'feder*,  lat.  (petö), 
peti-vi;  gr.  ivlarta}  'ich  sage'  nach  ^siskvEiti,  vgl.  gr.  iv-iOTcrj-^ut^ 
an.  skcM  'dichter'  statt  skdld  aus  ^8ke(i)'äla'  Liden  BPrB. 
15,  507.  ahd.  sagSn;  ai.  ^dati  'er  sitzt',  gr.  t^o)^  lat.  ^ö 
'setze  mich'  nach  *9izdeimi,  vgl.  lat.  sedeö  'sitze'  u.  s.  w.;  ai. 
jighnatS  'er  wird  geschlagen'  nach  * gh^ightm^ti,  vgl.  gr.  d'slvio 
'schlagen',  lit.  gen'Sti  'äste  abhauen',  genys  'specht',  ksL  zbnj{f, 
z^i  'schneide'.  Hom.  on-Tftevw  'begaflfe'  nach  *u9h>eitiy  vgL 
gr.  oaaof^ai  'sehe',  oaae  'die  äugen',  lit.  alAs  'äuge',  femer  gr. 
ouvio}  'zaudere',  wenn  man  es  mit  Meringer  S.  W.  A.  W.  125  11. 
s.  14  hieherstellen  darf,  das  wie  Tcitvew  aufzufassen  ist.  [Ai. 
tkßats  'er  sieht'  (äikäißi,  ikäiidh)  hat  von  (zkii  'äuge*  das  8 
übernommen;  hom.  fraQd-ev'OTt-TTtfjg  'mädchenbegafifer'  ist  ein 
ursprünglicher  d|-stamm  wie  SsaTtovTjg]. 

b)  Plural. 
§  13.  Für  den  plural  fordert  Hirt  mit  recht  formen  wie 
*vidiinS8,  enklitisch  *mdimü,  *mdU(h)6,  enkl.  vidit(h)i,  *(vi- 
dtnti)  *vidiQii.  Die  formen  mit  -I-  begegnen  uns  in  ai.  frraot- 
mah,  lat.  saglnms,  got.  sökeiß,  ksl.  viditm  für  ^vhdifm  (vgl. 
Hditm)y  die  enklitischen  in  ai.  svapimah,  lat  capimus,  (ahd. 
hiffenos  nach  hiffent  »-  lat.  capiunt\  lit.  vydime.  Nach  Bar- 
tholomae   a.  o.    s.  157  ff.  ist  das   -i-  von   bravlmi  i)  etc.   von 

1)  Hubschmann  LA.  11,  s.  46  nimmt  an,  dass  ai.  hrofEümi  för 
älteres  *6rammi  a  idg.  *mr^9mt  steht.  Aber  die  art  und  weise,  wie 
er  sich  mit  aw.  vydnwrlta  und  mrwairt  (a.  o.  s.  55)  abfindet,  ist  wenig 
überEeugend. 


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Beiträge  zur  geschichte  der  iDdogermanischen  konjugation.    73 

banse  aus  nar  im  praeteritum  heimisch  gewesen  nnd  erst  von 
da  aus  in  das  praesens  gedrungen.  Da  sich  aber  im  Aw.  die 
praesensform  mrapäire  findet,  nehme  ich  keinen  anstand,  ai. 
bravfnti  etc.  dazu  in  direkte  beziehung  zu  bringen. 

Es  scheint  sich  hier  die  urar.  fiexion  *bravdimi  :  *6rat;i- 
mds  ausgeglichen  zu  haben.  Im  Awesta  ist  die  lautgestalt  des 
sg.,  im  Altindischen  die  des  plural  auf  die  ganze  flexion  yer- 
breitet  worden.     Vgl.  gr.  eitjg  :  eirjts  neben  lat.  iriSs  :  Htnus. 


idg. 

ai. 

kt. 

got. 

ksl. 

*vidimi8 

aagimus 

[sökjatn] 

viditm 

•vidUhi 

sägitis 

sökeip 

vidite 

*vidtnti 

[sägiuntj 

[sökjand] 
ahd. 

[vid^th] 
Ut. 

*vidifni8 

svapimah 

capimus 

[hiffemes] 

vydime 

*vidUhS 

svapüha 

capitis 

[hiffä] 

vydite 

*vidiiti 

[capiunt] 

[hiffentj 

§  14.  Die  ursprüngliche  yerschiedenheit  in  der  flexion  des 
Singulars  und  plurals  lässt  sich  ausser  bei  den  verben  der  ai. 
9.  praesensklasse  nirgends  mehr  nachweisen.  Aber  sie  ist  in 
vielen  fällen  noch  deutlich  erkennbar,  da  in  den  einzelsprachen 
teils  die  flexion  des  Singulars,  teils  die  des  plurals  durchge- 
drungen ist,  was  bei  formen  desselben  idg.  yerbums  hinlänglich 
gewähr  bietet  Man  hat  dabei  an  dieselbe  ausgleichung  zu 
denken,  wie  bei  ai.  bravtmi  und  aw.  mrat^aire.  Vgl.  ksl.  viditm 
«a  lat.  säfffmus  und  vid^h  ==»  lat.  vident.  Eine  parallele  bieten 
die  nominalen  ei-  und  e^^-stämme:  vgl.  die  deklination  von 
hom.  ßaailevgf  gr.  fjgwg^  nohg  (ftoXetog)  und  die  von  gr.  nSXig 
{Ttokiog)^  ai.  gauriah,  nadiah,  ndptyah. 

§  15.  Bei  den  verben  der  ai.  9.  praesensklasse,  in  denen 
vor  dem  ableitungssuffix  ein  nasal  infigirt  wird,  ist  die  ursprüng- 
liche praesensflexion  unverändert  erhalten:  grbhnimi,  grbhnäsi, 
grbhndti,  gxbhnlmdh,  grbhnifhd,  [gfhhndnti] ,     Vgl.: 

ai.  dpüydt  ^)  'spalten'  :  gr«  öelgio^  idaQrjv  ^schinde',  lit 
diriit,  dirti  'schinden'. 

ai.  mfdnaii  'reiben'  :  lat.  mordeö  'beisse',  lit.  mSrdziu  'bin 
im  sterben'. 

1)  Wegen  des  alters  dieser  praesensbildang  vgl.  Burtholomae 
Stadien  n,  176  •,  Wackemagel  Ai.  gr.  XXm  *. 


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74  Hans  Reichelt 

ai.  cptdti  (i^ryate)  'zerbrechen' :  gr.  xBiQtOy  hagtpf  ^scheere', 
lit.  skiriii,  shtrti  'schneide'. 

ai.  ßnäH  (jt'yatB)  'überwältigen'  :  gr.  ßiviw  'beschlafe',  lit 
i-gujit,  f-gyti  'erlange'. 

ai.  gamnifS  gamaydU  (gamyati)  'mühen'  :  gr.  xojueco  'pflege', 
napLvtOy  mixfiri'Xa  'mühe'. 

ai.  prnäti  (pü'ryamäna)  'fülle'  :  ai.  präM  s.  §  11. 

ai.  Vfnati  'wählen'  :  dor.  Aj  aus  *j^lrii^ßi  'er  wünscht',  lit 
vSlyju  'wünsche',  ksl.  veljq,  vditi  'befehle'. 

2A.  jandJti  'er  weiss'  aus  *^^-n-d-^t;  got  kunnaiß  'er  weiss' 
aus  * g^f^-n-ii-ti  :  ahd.  ir-knau  'weiss'  aus  *§nii-ö.  Dazu  lit 
zine  'künde'. 

ai.  gfbhndti  (grhhäyöJti)  'ergreift'  :  lit.  gr'Aiu  'harke'. 

ai.  dhumyät  'schütteln'  :  gr.  dvvicn  'tobe',  lit  pri-dv^fas 
'dumpfig'. 

Dazu  gr.  niivripLi  'breite  aus'  aus  * pdi-n-ei-mi  :  lat  pateö 
'bin  offen';  got  kunnais,  kunnaip  s.  o. 

gr.  d-wiü}  'tobe'  neben  ai.  dhuniyät,  xovvi(o  aus  ^xoßviat 
'merke'  neben  gr.  xoeo),  lat  caveö,  oxvio}  'zaudere'  aus  ^okv- 
n-ei'ö  neben  oaaofiai  'schaue'  aus  ^akp-i-o-  sind  durch  den 
themavokal  erweiterte  formen  dieser  praesensklasse.  Air.  artp- 
chrinim  'zerfalle'  neben  ai.  grndti  und  -gninim  'erkenne'  neben 
ai.  jandti  sind  mit  gr.  xAtW  'beuge,  neige'  aus  *kIiV'1'Ho  neben 
ahd.  hlinem  'lehne'  aus  idg.  ^Jäün-emi  gleichgebildet 

§  16.  Auffallend  bleibt  freilich  der  umstand,  dass  wir  im 
praesens  nirgends  der  vollstufe  des  Suffixes  -ei-  begegnen,  wäh- 
rend die  mit  -e^  abgeleiteten  yerba  (ai.  5.  und  8.  praesens- 
klasse) im  Singular  des  praesens  fast  nur  die  vollstufe  des 
Suffixes  aufweisen  ^).  Allein  die  yoUstufenform  -ej^-  ist  auch 
dort  nicht  ursprünglich.  Hübschmann  a.  o.  s.  57  hat  hervor- 
gehoben, dass  für  wurzeln,  deren  praesens  sowol  nach  der  5., 
wie  nach  der  9.  ai.  klasse  gebildet  wird,  entweder  verschiedene 
basen  angenommen  werden  müssen,  oder  dass  das  eine  der 
praesentia  eine  jüngere  neubildung  sein  muss.    Ich  halte  dafür, 

1)  Ich  glaube  nicht  besonders  hervorheben  zu  müssen,  dass  die 
abgeleiteten  verbalen  -M^stamme  ihrerseits  mit  den  abgeleiteten  nomi- 
nalen -«s^-stämmen  im  zusammenhange  stehen.  Vgl.  gr.  d-Quav^  'kühn', 
lit.  dr€^8Üs  'dreist'  :  gr.  ^aga^m  'mnthig  sein',  d^QC^vm  'ermnthigen', 
ai.  dkf,iifXfU  'dreist  sein';  lat.  arduus  'steil'  ;  ai.  fdhmU  ^gedeihen';  gr. 
oivi  'scharf  ;  ai.  kfmuii  'wetzen';  gr.  xogvf  'heim'  :  ai.  kf^mi  'machen'. 


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Beiträge  zur  gescliichte  der  iDdogermanischen  konjugation.     75 

dass  die  -e^-  und  -n-^-praesentia  ursprünglich  geradeso  wie 
die  -ei-  und  -n-e/-praesentien  im  sg.  die  dehnstufe  des  Suffixes 
entwickelt  hatten.  Vgl.  ai.  ürnduti  neben  Vfnifti  ^bedeckt'  und 
kpnäuti  ^wetzt'.  Nach  abfall  des  jT  oder  ^  in  der  Stellung  vor 
konsonanten  lauteten  daher  die  formen  beider  klassen  gleich. 
Idg.  slrnemi,  stf(r)eYni  konnte  sowol  aus  *8tpieifniy  * 8tr(r)eimif 
wie  aus  strneumi,  str(r)iumi  entstanden  sein.  Auf  grund  sol- 
cher gemeinsamer  formen  sind  dann  neubildungen  nach  der 
einen  oder  andern  klasse  erfolgt  ^) : 

ai.  vrnoti,  aw.  V'^rdnvaiie  neben  ai.  Vfucüi  'wählt'  :  dor. 
X^  'wünscht',  ksl.  veleti  s.  §  15. 

ai.  dhünoti  neben  dhunfyät  'schütteln*  :  gr.  ^vm  *tobe', 
lit.  pri4v'4ja8  'dumpfig'  s.  §  15. 

ai.  pp^uyät  neben  ai.  pfndti,  püryamäna  s.  §  11. 

Umgekehrt  ist  ai.  minäti,  fninit,  'er  schädigt'  neubildung 
zu  minoti,  gr.  f^ivid-w^  lat.  minuö  'vermindere',  got.  mins  'we- 
niger' aus  *minjf-i>  F.  Sommer  IF.  11,  61).  Zu  ai.  minäti  ist 
dann  mlyate  nach  jindti-ji'yate,  prlndti-prtyate,  lindti-liyate 
gebildet  worden. 

§  17.  Von  den  wenigen  wurzeln  der  ai.  8.  praesensklasse 
gehören  5  sicher  zu  unseren  stammen. 

ai.  mannte  neben  mdnyate  'denkt',  got.  munan  'gedenken' 
§3. 

ai.  tan^ti  'streckt',  gr.  xdvvfKu  'strecke  mich'  neben  gr. 
xBivia  'strecke',  lat.  teneö  'halte'.  Dazu  gr.  ratv/a  'streif,  binde' 
(gr.  TLTaivo)  'dehne'  lässt  nach  §  12  auf  ursprüngliches  *ti- 
tneüi  schliessen). 

ai.  vanoti  neben  vaniäat  'lieben',  gr.  oveioQ  'nutzen',  lat. 
venenum  'gift'.    Dazu  got.  mnja  'weide'. 

ai.  hanoti  'schlägt'  neben  jighnate  §  12. 

ai.  tarute  neben  tiryati  §  12. 

Meiner  ansieht  nach  liegt  in  diesen  neubildungen,  denn  als 
solche  müssen  sie  aufgefasst  werden,  der  beweis,  dass  die  ur- 
sprünglichen praesensformen  idg.  *m^(^n^-c^i,  *t'Q(n)'^ti,  *}iv{^)' 
^ti,  *gh9'(j^(n)-^ti,  *tr(r)-eti  existirt  haben  müssen,  ksanö'ti 
'verwundet'  (gr.  Tcvelvw,  xTivwfdi)  ist  zweifelhaft,    karifti  'macht' 

1)  Vgl.  die  Übertragung  des  lokativauBganges  -äu  der  ai.  tf-stämme 
auf  f-stämme,  die  durch  die  gemeinsame  sandhiform  -ä  (aus  -äu,  -äi) 
ermöglicht  wurde.    Meringer  BB.  16,  224. 


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76  Hans  Reichelt 

(karünam  'bandlung,  heiliges  werk',  kdrvaram  *that'  vgl.  Hirt 
Ablaut  §  484)  und  sanoti  'erlangen'  (gr.  r]vwo  'es  wurde  voll- 
endet', got.  sniufan  'eilen'  Hirt  a.  o.  §  538)  gehören  offenbar 
zu  den  ejf -stammen. 

§  18.  Die  praesentia,  in  denen  die  ursprüngliche  singular- 
flexion  beseitigt  ist  und  die  durchweg  das  i  oder  i  des  plurals 
verwenden,  sind  ziemlich  häufig.  Nicht  selten  bestehen  die  ab- 
lautsstufen  l  und  i  nebeneinander  i). 

I.    Praesentia  auf  idg.  *i, 

lat.  farciö,  farcüa  *stopfe'  :  gr.  g>Qdaawy  itpqdyrpf  'stopfe'. 

lat.  paviö,  pavls  'schlage' :  gr.  Jtaiw  'schlage'  aus  ^/raZ-j^tf» 
lit.  piduju  'schneide'. 

lat.  feriö,  feris  'schlage'  :  lit.  bariik  'schelte',  ksl.  harjq, 
hrati  'kämpfe',  ahd.  berjen  'schlagen'. 

lat.  8ägiö,  sogis  'spüre'  :  got.  sökja,  sökeis  'suche',  gr. 
'^yiofiai  'führe'. 

lat.  veniö,  venls  'komme'  gr.  ßatvo)  'gehe'. 

got.  Paüraeip  mik  'mich  dürstet'  :  ai.  tjfäyati  'er  dürstet', 
torreö  'dörre'.    Dazu  gr.  ragaid  'darre'. 

got.  ßugkja,  ßugkeis  'meine'  :  lat.  tongere  'denken'. 

got.  födja,  födeis  'ernähre'  :  gr.  n:a%io/jiai  'esse'  aus  *pat' 
Si-O'  %  ksl.  pit&jq  'nähre'. 

ksl.  sSzdq  sHiH  (sSdSti)  'sitze'  s.  §  3. 

ksL  tnhnjq,  mhniäi  (mmeti)  'meine'  s.  §  3. 

ksl.  vizdq  vidiH  (videti)  'sehe'  s.  §  3. 

ksl.  rhzda,  rtdüi  (rbdsti)  'erröthen' :  lat.  rubere  'roth  sein', 
8.  §  3,  §  11. 

ksl.  bbzdq,  bbdüi  {bbdeti)  'wache' :  ai.  büdhyate  'er  erwacht', 
lit.  {bundü)  budeti  'wachen'. 

ksl.  9Vb8ta,  svhtiäi  {svhtsti)  'leuchte'  :  lit  szvSczü,  szvesti 
•leuchten',  szvit&i  'flimmern'.  Dazu  ksl.  sveäta  'kerze'  aus 
*8vBtja,  got.  hvaüeis  'weizen'. 

ksl.  VTbätq,  vTbtiäi  (vrbteti)  'wende'  s.  §  3. 

ksl.  veljq,  vdisi  (velsti)  'befehle'  s.  §  15. 


1)  Im  Lateinisohen  und  Germanisohen  ist  der  gebrauch  des  t  und 
t  so  geregelt,  dass  -t-  nach  langer  wurzelsübe  and  in  mehrsilbigen 
Wörtern,  -•-  nach  kurzer  wurselsUbe  auftritt. 

2)  S.  §  20  anmerkung. 


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Beiträge  zur  geschichte  der  indogermanischen  konjugation.     77 

ksl.  trtplq,  trhpiH  (trhp^tt)  •erdulde'  :  got.  ga-parban  'sich 
enthalten'  s.  §  11. 

ksl.  gorjq  gorüi  (gorHi)  'brenne'  :  gr.  {»igofiat),  i&€Qt]v 
'warm  werden'. 

IL    Praesentia  auf  idg.  i. 

ai.  vdmimi  4ch  erbreche'  :  gr.  ifziu)  'speie'  aus  *vemei'ö, 
lit.  vemiü,  lett.  vemju  'erbreche  mich'. 

ai.  imper.  stanihi  :  tanyati  'er  rauscht',  gr.  ateivw  'stöhne', 
an.  stynia  'stöhne',  lit.  stenii,  sten^i  'stöhne',  ksl.  stenjq  *seufze'. 

ai.  imper.  janiäva  :  jäycUS  'er  wird  geboren'  s.  §  3. 

ai.  imper.  gamiSva,  gamtSva  :  gamgafi  'er  müht  sich'  s. 
§  15. 

lat.  specio,  specia  'sehe'  :  ai.  pagycUi  'er  späht'  s.  §  3. 

lat  cupiOj  cupis  'begehre'  :  ai.  kupyati  'gerät  in  aufregung\ 
ksl.  kgpljq  'siede'. 

lat.  gradior  'schreite' :  ai.  grdhgati  'schreitet  rasch  los  auf 
etwas'  s.  §  3. 

lit.  girdzü,  gifdime,  gird&i  'höre' :  gr.  q>Qa^ü}  'gebe  zu  ver- 
stehen'. 

lit.  galiü,  gdlitne,  gcUeti  'kann'  :  lat.  valeö  'bin  stark'. 

lit  sraviüj  srävime,  srav^i  'fliesse'  s.  §  3. 

lit.  pa-vgdzu,  -vydime,  -vgd^i  'beneide'  s.  §  3. 

lit.  8^zu,  8'4dimey  sediti  'sitze'  s.  §  3  i). 

§  19.  Ueber  die  lit.  formen  hat  zuletzt  Bezzenberger  in 
seinen  beitragen  26,  171  ff.  gehandelt.  Nach  ihm  sind  die 
praesensformen  der  lit.  verba  auf  -iu,  deren  infinitivstamm  auf 
e  ausgeht,  mit  der  yollstufe  des  ableitungssuffixes  -ei-  anzu- 
setzen: aviü  —  *avijö.  Vgl.  auch  Wiedemann  Lit.  gr.  §  203. 
Bezzenberger  macht  gegen  Brugmann  Grd.  2,  s.  1063  ff.,  der 
diese  verba  in  die  klasse  einreiht,  bei  der  dem  -ib-  des  prae- 
sens ein  -e-  zur  seite  steht,  formen  wie  aviü,  sraviü,  deviü  u.  s.  w. 
geltend,  an  deren  stelle  nach  der  analogie  von  kraüjas,  naüjas 
=  ai.  krävgam,  nävya-  früher  *aujü,  *sraujü  u.  s.  w.  hätte 

1)  Dazu  noch  mmü  statt  *fn&mu  zu  miniti  'gedenken',  wtenü  statt 
*itemu  zu  sienHi  'stöhnen'.  Vgl.  Hirt  IF.  10  23:  "Um  das  fehlen  des  j 
im  lit.  praes.  zn  erklären,  mnss  man  darauf  hinweisen,  dass  i  znm  teil 
lantgesetzlich  geschwunden  ist,  z.  b.  in  iylü  ans  *tyl%i^tylH%  'still  sein', 
galä  aus  * gaUik-gaiUi,  Solche  falle  können  vorbildlich  gewirkt,  und  ein 
menü  an  stelle  von  mantA  gegenüber  gr.  fiaivofjuu-^/Aohnpf  herbeigeführt 
haben." 


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78  Hans  Reicbelt 

stehen  müssen.  Dieser  einwand  scheint  allerdings  mit  rücksicht 
auf  die  verba  auf  -auju,  wie  mduju  ^streife'  neben  lat.  movire, 
piduju  ^schneide'  neben  gr.  maiw,  lat.  paviö  berechtigt.  Allein 
die  worzelgestalt  der  yerba  auf  -aujti  erklärt  sich  aus  der 
thematischen  flexion,  während  die  verba,  wie  sraviü  u.  s.  w. 
athematisch  flektirten.  £s  kann  sich  also  nur  um  die  I.  person 
sing,  handeln.  Gerade  so,  wie  yon  avis  'das  schaf  der  dat  sg., 
dessen  endung  aus  der  -j0-deklination  herübergenommen  ist, 
äviai  statt  *aujai  und  der  gen.  pl.  aviü  statt  *auju  lautet,  weil 
in  allen  übrigen  kasus  lautgesetzlich  die  wurzelgestalt  ath  steht, 
ist  nach  formen  wie  avl,  ävüe  die  I.  pers.  aviü  gebildet  worden. 
Es  liegt  also  kein  grund  yor,  für  aviü  eine  andere  erklämng 
zu  suchen  als  für  piduju.  Vgl.  Bartholomae,  Studien  2,  s.  151 : 
''Die  in  lit.  pchv^dzu,  vydi,  vydime  etc.  vorliegende  flexions- 
weise ist  gewiss  alt;  sie  entspricht  der  von  lat  capiöj  capisj 
capite  u.  s.  w.,  darin  -is  z.  b.  unmöglich  aus  -im  gedeutet 
werden  kann". 

§  20.  Die  grosse  menge  der  thematischen  nebenformen, 
die  es  ja  auch  bei  den  verwandten  nominalstämmen  gibt,  hat 
in  vielen  fallen  die  ui'sprünglich  athematischen  formen  des 
praesens  verdrängt.  So  sind  im  Griechischen  überall  die  athe- 
matischen formen  durch  thematische  ersetzt  worden.  Der 
themavokal  tritt  an  alle  drei  ablautsstufen  des  sufflxes  an: 
L    Praesentia  auf  ^-ei-oje : 

ai.  gldyati  'er  ist  erschöpft'  :  ai.  gl&ti  'er  ist  erschöpft', 
aw.  ni-yräire  'sie  werden  geworfen',  gr.  ßaXXo)  'werfe',  ißd^v^ 
eßXijv  'ich  wurde  geworfen',  lit.  gvlifi  'ich  lege  mich'. 

ai.  mldyati  'er  erschlafft,  wird  weich'  :  ai.  nUänti  'sie  er- 
schlaffen', gr.  fivlXü)  'mahle',  ksl.  tneljq  'mahle'. 

ai.  grhhäydti  'er  ergreift',  aw.  ^urvain  'sie  ergriffen'  :  lit. 
gribiu  'harke'. 

aw.  vädäyöit  'er  möge  zurückstossen',  gr.  dd-io)  aus  *uödh' 
^-ö  'stosse'. 

gr.  ifjiiw  aus  ^^emei-ö  'speie'  :  ai.  vamiti  'er  erbricht',  lit 
vemiü,  lett  vemju  'erbreche  mich'. 

gr.  ofxiofiai  aus  *fghsi'0'  'tanze',  ai.  rghäydtS  'er  bebt'. 

gr.  Ttomiw  aus  *pv^ei'ö  'schreite'  :  ai.  panihäh  aus  potUh- 
e(i)'S  'weg',  lat  pons  'brücke',  ksl.  p(fth  'weg'. 

gr.  ^oipiia  aus  ^sfbh^-ö  'schlürfe'  :  lat.  sarbeö  'schlürfe', 
lit.  arebiü  'schlürfe',  ksl.  srMjq. 


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Beiträge  zur  gescbichte  der  indogermanischen  konjugation.    79 

gr.  xo€(o  aus  ^ho^ei-ö  ^merke'  :  ai.  hcwOi  ^seher',  lat  eaveö 
*hüte  mich'. 

gr.  teliw  aus  *h>elBi'ö  'beende'  :  lit.  keliü  'hebe'.  Dazu 
lit.  k&ias  'weg'. 

gr.  tp^  aus  *xfßri'i€i  'er  zerreibt'  :  ai.  psdti  'er  zehrt  auf, 
bhasUah  'zu  asche  gerieben'  vgl  Brugmann  Ord.  II  s.  961. 

dor.  Ag  aus  */Xti'ißi  *er  wünscht'  ;  ai.  vrnäti  aus  fff-«- 
e(i)'ti  'er  wählt',  lit  v&lyju  'wünsche',  ksl.  veljq,  veHH  'befehle'. 
Vgl.  Brugmann  a.  o. 

ahd.  ir-knau  aus  *§n€i'ö  Veiss'  :  ai.  jändti  aus  *ffQrn-e'ti 
'er  weiss',  got.  kunnaiß  aus  *^-n-6jf-^»  'er  weiss'.  Dazu  lit. 
zine  'künde'. 

ahd.  drau  aus  *^r^'-ö  'drehe'  :  ai.  ttryati  'er  setzt  über', 
gr.  TeiQia  'reibe'. 

lit.  gir'^&s  'freue  mich' :  ai.  hdryati  'er  begehrt',  gr.  xalffia 
'freue  mich',  umbr.  heria  'vis'. 

lit  r'iju  aus  ^^r^i-ö  'brülle  los'  :  gr.  biqü}  'rede',  dor.  /^ij- 
%ifa  'vertrag',  lat  rear  'meine'  (früher  'spreche,  sage').  Vgl. 
V.  Sabler  KZ.  31,  283. 

ksl.  gov^jcf  'verehre'  :  govljq,  gaviäi,  lat.  faveö  'bin  gnädig'. 
Dazu  ai.  häm-ma  'anrufung'. 

ksL  grSjq  'erwärme'  :  gorjq,  goriäi  'brenne',  gr.  {&iQO/jiai)y 
i&iQijy  'erwärme'. 

ksl.  pitsjq  'nähre',  gr.  nariofiai  aus  ^p^tei-^  'esse'  (mit 
sekundärem  ablaut)  i)  :  got  födjan  'ernähren'.  Dazu  ksl.  piita 
aus  *püja  'nahrung'  und  got  födeins  'nahrung'. 

II.    Praesentia  auf  'iffj'^l^' 
gr.  i&bo  'schwitze'  :  ai.  svidyati  'er  schwitzt',   ahd.  stoizzu 
'ich  schwitze'. 

gr.  nQtio  'säge'  :  gr.  TtEiQw,  BTtäfriv  'dringe  durch'. 
Ut  v%ju  'wünsche'  :  dor.  Xy  s.  o. 
lit  kirmgjü  'schlafe'  :  ai.  framyaii  'er  wird  müde'. 
IIL    Praesentia  auf  i-ofe. 

Die  praesentia  auf  i-oje  zerfallen  nach  Brugmann  Ord. 
2,  1059  in  zwei  abteilungen,  je  nachdem  a)  die  Wurzelsilbe  den 

1)  Die  warzelsilbe  ist  mit  Hübschmann  a.  o.  8.  64  als  päü  anzu- 
setzen. Der  eigentümliche  ablaut  von  gr.  natiofiai  'esse'  und  ahd.  /o- 
imnga  'nahrang'  mnss  auf  die  nebenform  *p«U  (got  fö^f'an)  bezogen 
werden. 


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so  Hans  Reichelt 

wortton  hatte  und  yoUstufig  war,  oder  b)  in  der  Wurzelsilbe 
Schwundstufe  herrschte,  und  der  ton  auf  dem  suf&x  lag,  analog 
den  o-Yorben. 

Wie  ich  schon  oben  hervorgehoben  habe,  hatten  sämmt- 
liehe  abgeleiteten  ei-yerhs,  ursprünglich  suffixbetonung.  Es  er- 
scheint daher  die  Wurzelsilbe  in  der  überwiegenden  mehrzahl 
schwundstufig,  gleichgiltig,  ob  das  ableitungssuffix  durch  den 
themayokal  erweitert  war,  oder  nicht.  Bei  denjenigen  verben, 
wo  trotzdem  Wurzelbetonung  vorherrscht,  beruht  diese  entweder 
auf  analogie  nach  den  o- verben  oder  sie  stammt  von  formen, 
die  aus  dem  unerweiterten  stamm  gebildet  sind.  In  letzterem 
falle  ist  die  vollstufenform  der  Wurzelsilbe  wieder  eingeführt 

gr.  ösIqo}  neben  idäQr]v,  lit.  diriü  nach  (gr.  dif-w),  ai.  ddrh, 

gr.  Teigo}  neben  ai.  tfryati,  lit.  tyriü  nach  (lat.  ter'ö)^  ai. 
tüartü 

gr.  d-eivw^  lit  geneti  neben  ksl.  zhttjq  nach  ai.  hdnti,  aw. 
jainii, 

gr.  areivo),  lit  steniti,  ksl.  stenjq  neben  an.  stynia  nach 
ai.  stanihi,  sta/n. 

gr.  ipiifa^  lit  vemiü  nach  ai.  vamanti. 

gr.  evQto  nach  lat  ver-bum. 

ksl.  veUti  nach  lit.  pa-veltni. 

Von  diesem  gesichtspunkte  aus  gebe  ich  die  beispiele,  ohne 
die  2  abteilungen  Brugmann's  zu  berücksichtigen: 

ai.  ndgyatif  aw.  nasyeiti  *er  geht  zu  gründe' :  lat.  pemieies 
8.  §  3. 

ai.  manyaiä,  aw.  manyete  'er  meint'  :  gr.  ptaivo^iai  s.  §  3. 

ai.  hdryati  'er  findet  gefallen  an  etwas'  :  gr.  x^^  'freue 
mich',  umbr.  heria  'vis'  s.  §  3. 

ai.  kupyati  'er  gerät  in  aufregung'  :  lat.  cupiö  s.  §  18. 

ai.  büdhyaJte  'er  erwacht'  :  lit  budeti  s.  §  18. 

ai.  lübhycUi  'er  empfindet  verlangen'  :  lat  lubsi  'es  ist  ge- 
fällig', got  lubains  'hoffhung'. 

ai.  yüdhyate  'er  kämpft'  :  lat  iubeö  'befehle',  lit.  jud&i 
'schwanken'. 

ai.  idhy&U  'er  wird  angezündet'  :  lat  aed^  'tempel,  feuer- 
stätte'  8.  §  3. 

ai.  fücyati  'er  leuchtet'  :  got.  hugjan  s.  §  3. 


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Beitrage  zur  geschiclite  der  indogermanischen  konjugation.    81 

gr.  d^lqia  aus  *()«0(-€i>,  idddtjv  'schinde'  :  ai.  drnlyät 
'spalten',  lit  diriü  'schinde'. 

gr.  eiQw  'knüpfe'  :  lat  serüs  s.  §  3. 

gr.  veiga)^  Tegdw  'reibe'  :  ai.  t^ryatf  'er  geht  hinüber',  lat. 
(terö),  trv-vi  'reibe',  lit.  tyriü  'erfehre'. 

gr.  xor/^€i>  aus  *xri-^i  hAn^  'freue  mich'  :  ai.  hdrycUi  'er 
findet  gefallen  an  etwas'  s.  o. 

gr.  anaiQWf  ioTtoQtiv  'zapple'  :  lit  spiriü  'stosse  mit  dem 
fiisse'. 

gr.  ßalXo)  aus  */»/j|-cö,  ißdltiv,  eßXtjv  'werfe'  s.  §  11. 

gr.  axäXXo)  'scharre'  :  lit.  sküiü  s.  §  3. 

gr.  fivXlw  'mahle'  :  ai  nUdti  s.  §  11. 

gr.  d'elvw  aus  *&ev%'W,  'schlage'  :  ai.  hanydU  'wird  ge- 
schlagen' s.  §  12. 

gr.  OTeivta  'stöhne' :  ai.  tdnyati  'rauscht',  an.  stynia  'stöhne', 
lit.  stenü,  steneti  'stöhne',  ksL  sienjq  'stöhne'. 

gr.  vBivia  'dehne'  ;  lat.  imeö  'halte',  ags.  ßunjan  'dehnen'. 
Dazu  gr.  raivla  'streif. 

gr.  ßalv(ü  aus  ^ßm-w  'gehe'  :  lat  veniö  'komme',  got.  qums 
'ankunft'  s.  §  3. 

gr.  [laivofÄaL  'rase'  :  ai.  mdnyatS  s.  §  3. 

gr.  7tai(ü  aus  *naj^i'a}  'schlage'  :  lat.  pavio,  paxUs  'schlage', 
lit  piäuju  'schneide'. 

gr.  xXelü}  'schliesse' :  gr.  xXoidg  'kette',  lat.  clävis  'schlüssel', 
air.  ddim  'vincö'  (Windisch  IF.  3,  83). 

gr.  xlelw  'mache  berühmt'  :  lat.  dueö  s.  §  3. 

gr.  axl^o)  aus  ^ox^öi-w  'spalte'  :  lat.  caedes  'mord',  lit 
skedziu  'spalte'. 

gr.  q>Q(iZio  'teile  mit'  :  lit  girdzü,  girdMi  'höre'. 

gv.viacü}  aus  *vdYk'<^  'stosse'  :  ksL  pro-nozüi  'transfigere'. 
Dazu  lett  nazis  'messer',  ksl.  nozb  'messer'. 

gr.  l&iaaw  aus  *A«;)cx-a>  'schaue' :  lat  lüceö  'leuchte'  s.  §  3. 

gr.  oaaofiai  'sehe'  :  got.  ahjan  'glauben'  s.  §  3. 

gr.  nai-qxxaao}  'schimmere' :  lat.  fctciSs  'erscheinung'  s.  §  3. 

got.  bidja  'bitte'  :  lat  fides  s.  §  3. 

got  hugja  'denke'  :  ai.  göcih  s.  §  3. 

lit.  skiriü,  slariame^  sklrti  'trenne,  scheide'  :  gr.  x«t^ci>, 
huxQifp^  'scheere'.    Dazu  skir^as  'Schiedsmann'. 

B«ltrig»  B.  kuiul«  d.  indg.  spnelieB.    XXVU.  6 


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82  Hans  Reichelt 

lit  aküiü,  sMiame,  skUti  'schlage  feuer  an'  :  gr.  cncoUai 

8.   0. 

lit.  spiriü  sp%riaine  spirH  ^stosse  mit  dem  fasse'  :  gr. 
an:aiQ(Oy  iartaQtpf  'zapple'  s.  o. 

Ut.  tffriüf  tyriame,  tirti  'erfahren'  :  gr.  tEiQta  *reibe'  s.  o. 

lit.  diriü,  dtriame,  dlrti  'schinde'  :  gr.  J^/^oi,  IdAfprpß 
'schinde'  s.  o. 

lit.  latdciä,  laükiame,  Idvkü  'warte'  :  gr.  levaaw  s.  o. 

lit.  vemiüy  virniame,  v4mti  'speie'  :  ai.  vdmäi  s.  §  18. 

ksl.  meljq  meljeH  {müti)  'mahle'  :  gr.  (ivXkw  s.  §  11. 

ksl.  vrjq,  vrjeH  {vreti)  'concludo',  lit.  vertu,  vSriame,  vMi 
'schliesse'  :  lat  operiö,  operis  'decke'. 

ksl.  &bnj<f,  ztnjedi  {z^i)  -schneide,  ernte'  :  gr.  &aivia  s. 
§  12. 

ksl.  borjq,  barjeäi  (brati)  'pugno'  :  lat.  feriö  s.  §  18. 

air.  'Uciu  'lasse'  aus  *leiku'^  :  ai.  Hcyate  'er  lässt  frei', 
gr.  Xiaawf^ev'  idawfisy  Hesjch.  vgl.  Brg.  Ord.  11  §  707,  §  719. 

air.  do  muiniur  'meine'  aus  *fif^ö  :  gr.  fiaivofiat  s.  §  3. 

§  21.  Im  Ai.  und  Aw.  gibt  es  noch  praesentia  auf  -^i-a. 
Nach  Bartholomae  ist  diese  praesensklasse  aus  der  auf  -äi-^i- 
hervorgegangen,  indem  das  suffixale  ä  im  anschluss  an  die 
formen  der  kausativklasse  durch  a  ersetzt  wurde.  VgL  Stadien 
2y  s.  93.  Ich  nehme  keinen  anstand  ar.  -a^-a  direkt  aus  idg. 
-ei'OJe  zu  erklären  und  verweise  auf  aw.  k^ranava  neben  k9r9' 
naoiti,  ai.  kfnoti,  gr.  d-a^aiw  aus  *d'aQaß/(a  neben  d-agavtna, 
ai.  dhr^ti,  hom.  oQio/icu  aus  ^oqef^o-fim  neben  OQWfu,  ai. 

ai.  grbhdyaniah  'die  ergreifenden',  aw.  g9urf>aya  'ergreife' : 
ai.  gtbhaydti  s.  §  20. 

ai.  turdyati  'er  setzt  über',  ap.  viyatarayamah  'wir  setzen 
über'  :  ai.  ttrycU^  s.  §  20. 

ai.  patdyanti  'sie  fliegen',  aw.  apatay9n  'sie  stürzten'  :  gr. 
nitviw  s.  §  12. 

Leider  bietet  das  Gr.  und  Lat.  nur  in  seltenen  fallen  eine 
sichere  gewähr  dafür,  ob  praesentia  auf  -«oi,  -eö  mit  idg.  *^*-o/e 
oder  *-tfj|-o/e  anzusetzen  sind. 

§  22.  Wenngleich  Brugmann  Grd.  2, 1144  bedenken  ti^ 
die  kausativklasse  mit  den  i'o-klassen  zu  einer  gruppe  zu  ver- 
einigen, möchte  ich  doch  einige  punkte  dafür  geltend  machen. 


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Beiträge  zur  geschiclite  der  indogermanisclien  konjugation.     83 

Schon  Brogmann  hat  als  charakteristisches  element  dieser  yer- 
balklasse  das  ^wurzeldeterminatiy'  -t-,  das  dem  determinativ  hi« 
parallel  ging,  mit  dem  7  von  praesensformen  wie  ai.  amUi  in 
nächste  beziehung  gebracht  Wenn  man  daza  den  umstand, 
dass  es  schon  von  idg.  zeit  her  kausativa  mit  tie&tufiger  Wurzel- 
silbe gegeben  hat,  in  betracht  zieht ,  kann  man  noch  weiter 
gehen  und  das  suf&x  -^-  mit  dem  unserer  stamme  identifiziren« 
Denn  auch  bei  unseren  stammen  ist  es  keineswegs  auf  das 
praesens  beschränkt. 

So  sind  formen  wie  lit  manyk,  Bokyk  2.  imper.  sg.  und 
ksl.  vrciäUf  zu  den  in  §  18  angeführten  praesentien  auf  idg.  t 
zu  stellen.  Meiner  ansieht  nach  bildeten  die  lit  verba  auf  -au, 
-yti  ihr  praesens  ursprünglich  wie  ksl.  vraitq,  vratüi,  bezw. 
thematisch  wie  vät/ju  und  gaben  erst  imter  dem  einfluss  der 
verba  auf  -au,  -^U  diese  bildungsweise  auf.  Vgl.  Wiedemann 
Lit  gr.  §  204:  '*Der  praesensstamm  auf  urlit  ^ä  ist  hier  jeden- 
falls jünger  als  der  infinitivstamm  auf  urlit  -f-,  der  allen 
ausserpraesentischen  formen  zugrundeliogt;  dabei  ist  zu  be- 
achten, dass  im  praeteritum  die  endungen  1.  sg.  -au  usw.  ohne 
Vermittlung  eines  j  an  das  stammauslautende  urlit  -i-  antreten, 
wonach  dieses  sich  in  ij  auflöst  und  mit  den  endungen  des 
praet  zu  den  endungen  1.  sg.  -uiU;  2.  sg.  -ei,  3.  sg.  -^  usw. 
verschmilzt".  Die  praesensflexion  auf  -au  ist  ursprünglich  nur 
bei  den  verbis  auf  -oti  üblich  gewesen.  Da  aber  -P-  die  tief- 
stufenform  zu  stammen  auf  -H-  und  -ai-  sein  konnte  (vgl  da- 
raü,  daryti  'machen'  :  gr.  dgafo  und  manaü,  manyti  'denken' : 
gr.  liAompf)^  sind  auf  grundlage  von  tiefstufigen  formen  neu« 
bildungen  mit  willkürlicher  Verteilung  von  -^|-  und  -etjt-  ge- 
schaffen worden.  So  kommt  es,  dass  zu  den  lit.  kausativa,  die 
mit  dem  suffix  ^ei-,  -t-  abgeleitet  sind,  praesentia  auf  -au  ge- 
bildet werden  konnten.  Ein  ähnlicher  Vorgang  war  bei  den 
aL  Verben,  deren  praesens  nach  der  ö.  und  9.  klasse  gebildet 
werden  kann,  zu  beobachten.  S.  §  16.  Nach  Brugmann  a.  o. 
s.  1144  erklärt  sich  die  ksl.  praesensflexion  dieser  verbalklasse 
am  ein&chsten  daraus,  dass  -i-  aus  dem  infinitivstamm  in  sie 
übergeführt  wurde.  Für  mich  unterscheidet  sich  vraätq,  vratiäi 
von  vTbitq,  vrUüi  s.  §  18  nur  durch  den  vokalismus  der 
Wurzelsilbe. 

Dass  bei  den  kausativformen  von  wurzeln  der  e-reihe  die 
Wurzelsilbe  fast  immer  die  2.  vollstufenform  o  hat,  halte  ich 

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84  Hans  Reichelt 

nicht  für  ursprünglich.  Ich  glaube  vielmehr,  dass  der  o-voka- 
lismus  von  denominativen  verben  stammt,  denen  substantiva 
auf  ejo  zugrundeliegen,  und  schreibe  auch  die  eigentümliche 
bedeutung  dem  einflusse  derselben  zu.  Nach  dem  muster  von 
ipodiia  zu  (poQog  {<f>^Qto)y  g>oßi(o  zu  g>6ßog  {q>BßopLai)f  vQOTtiw 
zu  TQOTgog  (zgiTtia)  ist  ai.  täräyati,  gr.  vogew  zu  toQog^  ai.  to- 
nayoH  zu  tänah,  gr.  vovog,  ai.  kfänayati  zu  gr.  xvovog,  gr. 
axoftiw  zu  anoTtog  u.  s.  w.  gebildet  worden  i). 

§  23.  Ich  hoffe,  durch  meine  ausfährungen  gezeigt  zu 
haben,  dass  die  abgeleiteten  ^-yerba  ursprünglich  eine  einheit- 
liche praesensbildung  hatten.  Infolge  des  akzentwechsels,  der 
auch  für  die  flexion  der  abgeleiteten  6;2-nomina  angenommen 
werden  muss,  erscheint  im  singular  die  dehnstufe  des  sufOxes, 
im  plural  die  tiefstufe.  So  erklärt  sich  in  den  einzelsprachen 
das  nebeneinander  von  verschiedenen  praesensbildungen  der- 
selben Wurzel.    Vgl.: 

ai.  pfnäti,  pü'ryamana  ^füllen',  (rndti,  gtryati  'zerbrechen', 
(anmiäi,  ^amyati  'mühen',  klifnaiiy  kliQyaU  'quälen',  pruändnt, 
dpruäyat  'spritzen',  gr.  tefiiOy  TeiQO)  'reibe',  eiqiüfy  Btqio  'spreche', 
9vviu}j  dvP(o  (aus  *dvi^'w)  Svw  (aus  *dv^-(o)  'tose',  oxvm^ 
oaaofiai  'sehe',  xowiw  (aus  *xo/>^cii),  xoiw  'merke',  lat.  paveö, 
paviö  'schlage',  frequenSy  farcio  'stopfe',  ahd.  hogSn^  got  hugjan 
'denken',  ahd.  hab9n,  as.  hibbian  'haben',  ksl.  govSjq,  goüjq 
'verehre',  gr^jq  'wärme',  gorjq  'brenne'. 

Anhang. 

Neben  lat.  fidis  'vertrauen'  steht  gr.  üeid-w  'Überredung', 
neben  lit.  Bzlove  'ehre'  gr.  KUiii  'verkünderin'  statt  *KKb(ü  s. 
§  3.  Das  ableitungssuffix  erscheint  also  auch  in  der  zweiten 
vollstufenform.  Die  fälle  sind  allerdings  sehr  selten.  Von  ver- 
balformen sind  hier  in  betracht  zu  ziehen: 

ksl.  znajq  'kenne'  aus  *^nö|-ö,  gr.  eyvwv  neben  ahd.  knau 
aus  *§n€i'ö  vgl.  Brugmann  a.  o.  s.  960. 

gr.  xpC(S(o  'zermalme'  aus  *bhsöfö  neben  1/^5  s.  §  11. 

ahd.  blouen  'blühen'  aus  ^tnlöi-,  gr.  eßXiO'  iq>avrj  Hes.  vgl. 
Hirt  Idg.  abl.  §  293. 

1)  loh  werde  diese  ersoheinung  in  dem  IL  beitrag  'das  partizipiale 
nomen'  eingehend  behandeki. 


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Beiträge  zur  geechichte  der  indogermanischen  konjugation.    85 

ahd.  ^sprouen  ^sprühen'  aus  *9pröi-  neben  gr.  artalgw^ 
iaTtaQrjv,  lit.  spiriü  s.  §  20. 

ahd.  glouen  'glühen'  aus  ^ghlöi-  neben  lit.  ilejä  'dämme- 
rung'. 

II.   Der  praesensaorist. 

§  24.  Nach  Hirt  a.  a.  o.  war  der  sogenannte  praesens- 
aorist  in  seiner  bildnng  Yon  den  praesentien  nur  durch  den 
akzent  verschieden,  der  im  sg.,  du.  und  plur.  auf  der  zweiten 
silbe  der  basis  lag,  in  folgedessen  alle  numeri  festen  vokalismus 
zeigen.  Von  Hirt's  *veidsi  z.  b.  ist  der  aoriststamm  veidU  = 
idg.  *videi',  vor  konsonanten  ^vide-. 

Ich   kann   mich   hier  Hirt  vollkommen   anschliessen.    Die 
abgeleiteten  «i-verba  hatten  durch  die  ganze  flexion  des  prae- 
sensaoristes  suffixbetonung. 
idg.  *fndeim 

*videi8  ai.  (aräih 

*mdeit  dgaräit^) 

*mdeime(n) 

*videite 

*videint 

ai.  ofaräit,  gr.  hctgt],  lit.  skyri  >) ;  ai.  aprOt,  lit.  pylS;  gr. 
ifiavT^,  lit.  mtnS;  gr.  ißlijy^  ißdXtjVy  lit.  gHUi;  gr.  icTtdfrjy  lit. 
spyre;  gr.  idagf]^  lit.  dir^,  dure;  gr.  iQQVfi  (lit  srope) ;  gr.  iliTttj 
(lat.  liest) ;  gr.  i^e-rtkayr],  lit.  pläke;  gr.  ig>vriy  ksl.  bE  «)  u.  s.  w. 

§  25.  Neben  dieser  ursprünglichen  aoristflexion  hat  sich 
unter  dem  einflusse  der  enklise  eine  zweite  aoristflexion  mit 
tiefstufigem  suffix  -i-  entwickelt.  Sie  ist  nur  im  Ai.  und  Aw. 
erhalten.  Wir  verdanken  ihr  Verständnis  den  ausführungen 
Bartholomae's,  Ar.  forschungen  2,  s.  69fif.  und  Studien  2, 
s.  158  ff.    Das  hauptgebiet  der  i-formen  ist  die  2.  und  3.  p.  sing. 

1)  Vielleicht  ist  hierher  aw.  MtOt  za  stellen.  Vgl.  Bartholomae 
Grd.  d.  Iran.  phil.  1  §  142. 

2}  Nach  Wiedemann  unnrsprüngliche  dehnong,  vom  praeteritam 
Miau  ausgegangen,  lit.  praet.  s.  117  ff.  Vgl.  aber  Bartholomae  IF.  8, 
s.  55  and  unten  §  46. 

8)  Hirt  a.  a.  0.  §  411  setzt  mit  rüoksicht  auf  lat.  fuam,  -ham^  gr. 
<pvii  eine  basis  hkewä  an.  Lat.  fe4usy  ß-d,  gr.  <fi:-Tv,  (pi-tvat,  itpvrf^  ksl.  h$ 
aber  weisen  auf  idg.  *M)^-0|-. 


gr.  Sf^avrjv 

lit  miniaü 

ifidvfjg 

minel 

ksl.  bi 

ifidvrj 

mini 

bS 

ifiavrjfiev 

nnneme 

ifuxvtjze 

tnlnite 

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86  Hans  Reichelt 

idg.  ividlm  al  agrabhlm 

MdU  agrabkih 

MdU  ctgrabhU 

ai.  agrabhU  neben  lit.  grebe;  ai.  adkuvU  (dhumyat  s.  §  15); 
ai.  agarU  neben  agaräü;  [ai.  sparth  neben  gr.  koTtdqri  s.  o.; 
avamU  neben  lit.  em^/  ai.  agamU  :  gdmyati,  gr.  xo/ieoi?]. 

§  26.  Im  Ai.  sind  die  echten  i-formen  von  formen  des 
-t^-aoristes  schwer  zu  unterscheiden.  Der  umstand,  dass  die 
singularen  aktivformen  des  t^-aoristes  normal  die  dehnstufe  des 
wurzelvokals ,  die  i-formen  aber  die  Schwundstufe  hatten,  ist 
nicht  immer  stichhaltig,  da  durch  syntaktische  yerschweissung 
der  beiderseitigen  formen  eine  ausgleichung  der  Wurzelsilbe  er- 
folgte. Wenn  ich  Bartholomae  Studien  2,  s.  164  recht  ver- 
stehe, stellt  er  auch  alle  aoriste,  die  in  der  Wurzelsilbe  kurzen 
o-Yokal  haben,  zu  den  i-formen. 

§  27.  Nach  Wiedemann  liegt  dem  lit.  praeteritum  auf 
"iau  ein  sekimdärer  stamm  auf  -^  zu  gründe,  an  den  nach  art 
der  unthematischen  flexion  die  personalendungen  getreten  sind. 
Dieser  sekundäre  stamm,  dessen  -^  mit  der  ableitungssilbe  der 
€^-yerba  (in  der  dehnstufenform)  identisch  ist  und  ursprünglich 
nur  bei  diesen  verben  berechtigt  war,  wurde  im  Litauischen 
auch  auf  verba  anderer  bildungsart  übertragen. 

§  28.  Im  Arischen  gibt  es  praeterita,  die  die  vollstufe  des 
ableitungssuffixes  aufweisen.  Vgl.  Bartholomae,  6rd.  d.  iran. 
phil.  1,  §  146  und  Studien  2,  127.  Sie  bilden  die  Zwischen- 
stufe zwischen  ai.  agaräü  und  agarit^  vgl.  pjrnoti  neben 
ürnduH. 

aw.  nühidöiä  'du  setztest  dich'  aus  *'89dei8  :  lat.  sedeö  usw. 

aw.  yazaita  *er  verehrte'  :  gr.  aC/ofiai^  Syiog. 


m.    Der  arisehe  passiyaorist. 

§  29.  Bei  der  frage  nach  dem  Ursprung  dieser  spezifisch 
arischen  formkategorie,  kommen  wesentlich  drei  punkte  in  be- 
tracht:  1)  der  indogermanische  lautwert  des  endungs-t;  2)  die 
qualität  und  quantität  des  wurzelvokals,  3)  die  bestimmung  der 
form  an  sich. 

Osthoff  bei  Streitberg  IF.  3,  390  sieht  in  den  formen  des 
ar.  passivaorists  nominale  «-stamme  mit  o-stufiger  Wurzelsilbe. 


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Beiträge  zur  geschichte  der  indogermanischen  konjugation.    87 

Mit  den  wenigen  beispielen  aber,  die  namentlich  aus  dem  Ghie- 
chischen  dafür  geltend  gemacht  werden,  ist  die  existenz  von 
idg.  i-stämmen  mit  o- stufe  des  wurzelvokals  durchaus  nicht 
ausser  frage  gestellt.  Denn  gr.  tQOxiSy  tQ6q>ig  erklären  sich 
einfacher  durch  beeinflussung  von  tQOxog^  tQ6q>og,  während  für 
gr.  n6kig  tiefstufige  Wurzelsilbe  angenommen  werden  muss. 

Nach  Hirt  Idg.  ablaut  s.  49  liegen  die  reinen  stamme  von 
«^^wurzeln  vor.  Auch  er  nimmt  o-stufige  Wurzelsilbe  an,  for- 
dert aber  für  das  endungs-t  entstehung  aus  idg.  9.  Die  über- 
wiegende mehrzahl  der  formen  aus  der  älteren  spräche  gehört 
jedoch  zu  unseren  stammen  und  macht  somit  eine  andere  er- 
klärung  notwendig. 

ai.  a^ari  :  ^piäti,  gr.  neiQw;  asädi  :  lat.  sedeö;  apoH  :  gr. 
Ttvfviio;  atäri  :  t%ryixt%;  agami  :  gr.  ßcUvw;  av9di  :  lat.  videö; 
aröci  :  gr.  letaau);  abödhi  :  büdhyati;  agöci  :  gucyati;  äjani 
(jäni,  jani)  :  jdyatB;  aw.  jaini  :  gr.  d'elvio. 

Das  endungs-f  ist  zweifellos  die  tiefstufe  der  ableitungsilbe 
-ei-;  die  länge  des  wurzelvokals  muss  in  der  feststellung  der 
form  ihre  erklärung  finden.  Da  es  vom  arischen  passivaorist 
nur  eine  einzige  person,  die  3.  person  sing,  gibt,  wird  man 
wohl  mit  Streitberg  von  einer  nominalform  auszugehen  haben. 
Dafür  spricht  auch  der  nahe  Zusammenhang  zwischen  verbum 
und  substantivum,  sowie  die  grosse  zahl  der  augmentlosen  vedi- 
schen  passiyaoriste.  Die  wurzelgestalt  aber  und  die  auflEiallende 
endung  -»  erschweren  die  bestimmung  der  kasusform,  die  ein 
nominatiy  sein  müsste,  ganz  erheblich.  Ich  möchte  deswegen 
den  Ursprung  dieser  formkategorie  in  der  komposition  suchen 
und  fiässe  di&  einzelnen  formen  als  losgerissene  erste  glieder 
auf.  Wenn  ich  auch  aus  dem  Altindischen  keine  belege  dafür 
zu  geben  vermag,  finden  sich  doch  einige  in  den  andern  spra- 
chen. Ich  verweise  auf  die  bei  Osthoff  'Das  verbum  in  der 
komposition'  angeführten  beispiele  aus  den  germanischen  dia- 
lekten:  an.  fleygi-kviUr  ^ein  losgelassenes,  verbreitetes  gerücht', 
fl^i^ofiok  ^wurfspiess' :  verbum  fleygja  liegenlassen,  werfen'; 
ftceäirbahhi  'bei  der  Überschwemmung  bedeckte  bank',  ßixdi-sker 
'beim  hochwasser  überschwemmtes  felsenriff'  :  verbum  iUeda 
'fluten  machen,  überschwemmen';  sendi-boä  'übersandte  bot- 
schaft',  sendiskip  'abgesandtes  schiff'  :  verbum  senda  'senden' 
an.  fleygi-,  floedi-,  sendi-  sind  nomina  aktionis  zu  den  entspre- 
chenden schwachen  verben.     Unter  an.  sendi^kip  dürfte  ur- 


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88  Hans  Reichelt 

sprünglich  'sendungssohiff,  schiff  der  Sendung'  verstanden  worden 
sein,  woraus  sich  später  die  passivische  bedeutung  'abgesandtes 
schiff'  entwickelte.  Da  aber  nominalstamm  und  verbalstamm 
der  form  nach  zusammenfielen,  verlor  sich  allmählich  der  no- 
minale Charakter  des  ersten  gliedes,  wodurch  der  verbale  falsch- 
lich zur  alleinigen  geltung  kam.  Ich  spreche  daher  mit  aller 
reserve  die  Vermutung  aus,  dass  die  arischen  passivaoriste  solche 
missverstandene  nomina  aktionis  sind,  die  aus  der  komposition 
losgerissen  in  ihrer  passivischen  bedeutung  als  verbalformeo 
zur  Verwendung  gelangten. 

Ich  zweifle  nicht,  dass  sich,  wie  Streitberg  ausführt,  aus 
fi6fig>tg  (oder  welcher  form  immer)  mit  zu  ergänzender  kopula 
«s  <es  findet  tadelung  statt'  bei  passivischer  wendung  des  ge- 
dankens  leicht  die  bedeutung  'es  wird  getadelt'  hätte  entwickeln 
können,  aber  dann  würden  die  ai.  formen  das  nominativ-«  bei- 
behalten haben.  Denn  an  neutrale  verbalabstrakta  auf  -t  ist 
kaum  zu  denken. 


IT.    Der  sigmatlsclie  aorist. 

§  30.  Es  wird  allgemein  angenommen,  dass  im  singular 
des  sigmatischen  aorists  Wurzelbetonung  herrschte,  während  der 
plural  wie  bei  allen  athematischen  bildungen  die  endung  be- 
tonte. Daher  abstufender  vokalismus:  idg.  *  tSr-i^s-fn,  pl.  tr(r)' 
p-s-mi.  Der  typus  der  e2;^i-basen,  wie  ihn  Hübschmann  a.  o. 
im  sinne  Hirts  darstellt,  sieht  allerdings  ganz  anders  ans: 
uridg.  ghribhüaemj  pl.  ghrebhiiami  =-  idg.  ghribhis^,  pl.  ghre- 
bhismi  —  ai.  "^grabhliam,  pl.  *gj'bhl8md,  belegt  dgrabhU^  agrabh- 
ifma^  grabhi^ta.  Auf  diesen  typus  liesse  sich  aber  nur  eine 
geringe  anzahl  der  uns  überlieferten  formen  zurückführen  ^). 
Und  gerade  ai.  agrabhU  neben  den  bei  Hirt  angeführten  astä- 
nit,  (wSdU  ist  als  beispiel  schlecht  gewählt,  da  es  gar  kein 
sigmatischer  aorist  ist,  vgl.  Bartholomae,  Studien  2,  s.  165. 
''Gegen  die  formale  gleichsetzung  von  a^rit,  agrabhih,  mathU 
u.  s.  w.  mit  gärU,  jävil^  etc. ,   also  gegen   ihre   einstellung  im 

1)  Hirt  hat  eben  viele  eigentliche  '«rif-basen'  (d.  h.  abgeleitete 
verbale  «i-stämme),  deren  formen  hier  berücksichtigt  werden  müssen, 
nicht  erkannt.  Aaffallend  ist,  dass  er  ai.  astäfiUf  lit.  stefM  basis  ttehS 
§  880,  bei  der  erklärung  des  «-aorist's  den  «räi-basen  zuweist  §  818  b. 


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Beiträge  zur  geschichte  der  indogermanischen  konjugation.     89 

i^-aorist  spricht  entscheidend  die  Unmöglichkeit,  das  i  von 
a^arit,  agrabhih  von  dem  äi  in  ofaräü,  agrabai^am  zu  trennen. 
Dass  man  aber  von  einem  irgendwie  aus  dem  ijif-aorist  hervor- 
gegangenen ^Hh  nicht  auf  garaih  kommen  kann,  diese  annähme 
dürfte  heute  schwerlich  mehr  auf  widersprach  stossen.  Das  % 
in  agarU^  agrabhit  hat  zum  tj?-aori8t  keine  genetischen  bezieh- 
ungen;  es  ist  das  gleiche  wie  in  äHt,  worin  noch  niemand  einen 
i^-aorist  hat  finden  wollen,  wie  in  gdrftöh,  gfbhUäh  und  ähn- 
lichen nominalbildungen". 

§  31.  Einen  ai.  i^-aorist  hat  es  nicht  gegeben.  Die  ver- 
einzelten formen  agrabhi^na,  agrabhUta  berahen,  wie  Bartho- 
lomae  a.  o.  nachgewiesen  hat,  auf  kontamination.  So  ist  z.  b. 
die  2.  plur.  agrabhlsta  durch  kontamination  von  *agrabhiffa 
und  *agrabhUa  zu  erklären.  Die  i-formen  des  i^-aorist's  sind 
neubildungen,  ausgegangen  von  der  2.  sing,  auf  'if.  "Neben 
ar.  *auadü  stand  nun  in  gleicher  funktion  *agrabhiä,  jenem  in 
der  flexionssilbe  bis  auf  die  vokalquantität  gleichend.  Bei 
dieser  ähnlichkeit  konnten  verwirrangen  nicht  ausbleiben.  — 
War  nun  erst  einmal  das  dem  7-aorist  entstammende  -i^  und 
'it  1)  völlig  im  t^-aorist  eingebürgert,  so  währte  es  wieder  nicht 
lange,  bis  umgekehrt  dem  i^lf-aorist  zugehörende  ausgänge  in 
den  2-aorist  eindrangen.  Und  mit  der  zeit  wurden  i  und  if- 
aorist  völlig  zusammengeschweisst  Wie  neben  vodisma,  avä- 
difur  etc.  avädU  steht  so  jetzt  auch  neben  mathl^  und  mathU 
ein  mathiftana  u.  s.  w."  Ich  weiche  nur  in  einem  punkte  von 
Bartholomae  ab,  indem  ich  für  unsere  stamme  die  erklärung 
des  ai.  i  aus  idg.  t  beanspruche  und  so  die  Verbindung  mit 
dem  ei  von  agrahaiäam,  gr.  eipijaa  herstelle. 

§  32.  Die  abgeleiteten  verbalen  ^i-stämme  zeigen  im  sig- 
matischen  aorist  die  tiefstufe  des  ableitungssuffixes  i. 

o)  Singular. 
Die  Wurzelsilbe  ist  dehnstufig. 

1)  ^'Dm  völlige  durchdringen  von  -it  hängt  mit  der  wirkang  der 
aaslautgesetze  zusammen;  ihnen  zufolge  musBte  (absolut  auslautendes) 
ar.  'üi  zu  -is  werden;  eine  solche  endung  für  die  8.  sing,  konnte  sich 
aber  dem  deutlich  charakterisirten  -tf  der  2.  gegenüber  auf  die  dauer 
nicht  halten,  da  ein  derartiger  teilweiser  zusammenfall  in  den  ausgängen 
der  2.  und  8.  sing,  sonst  nicht  vorkam".    Bartholomae  a.  o.  b.  166, 


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90  Hans  Reichelt 

*idg.  *8td'i^8'ip>  9i.asädi^m 

*8ed'i'S'8        osadiA  statt  *a8ädih  lat.  sSdisti  air.  dcljücis 
*8ed'i^'t         (MOdit  statt  *a8ädih  doljleic 

ai.  adarit  :  dfulyät,  gr.  ddqia\  ai.  dtarti,  tärifat  : 
tirycUl,  gr.  rct^co;  ai.  adhävU  (neben  adhuPU)  :  gr.  ^viw; 
ai.  atanit  :  gr.  r^tVco;  ai.  agärit  :  lit.  ^rtö;  ai.  aAsnt^  : 
gr.  d'eivü);  ai.  acärlt  :  gr.  T6^ctf;  ai.  äindhiffä  statt  *^lje2- 
Af^.Ai  nach  indhäts  :  idhyais,  lat.  a^ss;  ai.  asädit,  lat  «6cl- 
»»^i;  lat.  vBni8ti  aus  ^gvitn-is-  :  gr.  ßaiy(o;  lat  f%di8ti  aus 
*bheidh'i8'  :  /!(2ei9/  lat.  vldi8ti  aus  ^^Sid^is-  :  ai.  avSdifam, 
lat  t?ü2^d;   lat  ^fj^t^i^^i;  *air.  -!9ct8  aus  ^IHkfyJ^-  :  lat 

Ich  leugne  nicht,  dass  lat.  5^»  ^}  ebensogut  ein  altes  per- 
fekt (*idg.  8e-zdr)  sein  könnte,  und  stütze  mich  lediglich  auf 
ai.  a«eE(2l]^  neben  aw.  nühidöü.  Wegen  lat.  fid»,  venij  liqui, 
ffdi  yerweise  ich  auf  Wiedemann  Lit  praet  s.  111  ff.  Mit  aL 
avidifam,  lat  tüdisti  wird  vielfach  gr.  ydaa^  ätdea  'wusste'  zu- 
sammengestellt. So  erklärt  Brugmann  Grd.  II  §  836:  ^^^dea, 
üdea  'wusste',  bildete  das  praet  zu  (Ada  ^weiss',  vgl.  air.  ro- 
fetar  *ich  weiss'  mit  -€8-  oder  -is-,  ai.  d-vedii-am  mit  -m-,  lat 
tad%84i8  mit  -fV.  Bei  dieser  auffassung  bliebe  abgesehen  da- 
von, dass  sich  die  Suffixe  -es-,  -98-  mit  -is-  nicht  vereinen 
liessen,  zum  mindesten  die  herkunft  des  -e-«-  bei  einem  stamme 
auf  -ei"  fraglich.  H.  Zimmer  E.Z.  30,  222  hat  den  richtigen 
weg  eingeschlagen  y  indem  er  air.  roßetar  als  kontaminations- 
form  aus  idg.  *e  vidis-r  3.  pl  act.  —  air.  fidi8ar,  fitar  und 
*e  vidis-nto  3.  pl.  med.  =  air.  fidi8et,  fitet  erklärte  und  so  mit 
ai.  dfMi§am  und  lat  mdisti  in  einklang  brachte.  *'rofitetar 
gab  mit  den  nach  ihm  gebildeten  rofitemnar,  rofUid  das  modell 
ab,  wonach  der  singularis  in  analogie  von  niarlassar,  niar- 
la88air  :  niarla88atar  etc.  umgestaltet  wurde :  rofetar  'ich  weiss', 
rofitir  *er  weiss^".  Gr.  ^d^a,  £td8a  ist  gar  kein  sigmatischer 
aorist,  sondern  mit  aw.  niähidöiä-  gleichgebildet :  ^decc,  eXdea  = 
i'J-id-et'iji,  vgl.  idia  =  •/td-«^-a. 

ß)  Plural. 
Die  Wurzelsilbe  ist  tiefstufig. 

1)  Vgl.  Brugmann  IF.  8,  302  f. 

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Beiträge  zur  geschichte  der  indogermanischen  konjugation.    91 
idg.  *89d'i-Mn6. 

Die  belege  sind  sehr  spärlich.  H.  Zimmer  a.  o.  hat  auf 
ai.  idhifttnahi,  rucifiya  und  gmi^iya  aufmerksam  gemacht.  Ich 
stelle  noch  ai.  püriffhäh  dazu. 

ai.  idhi^itnahi,  indhifiya  neben  aindhiffa  :  ai.  idhyäU, 
lat.  aedSs  s.  o. 

ai.  gmifiya  neben  gami^fam  :  gr.  ßahio,  lat.  veniö, 

ai.  rucifiya  neben  rociäiya  :  gr.  lavao(a  s.  §  3. 

ai.  püri^fhah  neben  apärit  :  ai.  pü'ryamana  s.  §  11. 

air.  *fidisar  s.  o. 

§  33.  Nach  dem  überlieferten  formenmaterial  zu  schliessen, 
haben  die  singularformen  mit  dehnstufiger  Wurzelsilbe  die  herr- 
schaft  erlangt.  Es  gibt  auch  formen  mit  Yollstufiger  Wurzel- 
silbe :  ai.  ayödhU  :  yMhyaU,  lat.  jubeö;  aL  alöbhit  :  lübhyati, 
lat  lubSt;  ai.  bödhifat :  büdhyatS,  lit.  btid'äi  :  ai.  göcih  :  gucyati, 
got  hugjan;  ai.  ai;?(2i^;  lat.  vidisti.  Durch  das  zusammenfallen 
von  formen  des  -i^aorists  mit  dehnstufiger  Wurzelsilbe  und  yon 
formen  des  praesensaoristes  mit  schwundstufiger  Wurzelsilbe 
sind  die  ursprünglichen  ablautverhältnisse  stark  getrübt  worden. 
Es  sind  daher  auch  formen  mit  vollstufiger  Wurzelsilbe  nicht 
auffallend. 

§  34.  In  den  ksl.  aoristen  auf  •'Sch^,  die  wie  ai.  agrah- 
aiäam,  gr.  hpt]aa  gebildet  sind,  ist  ^ der  einfluss  von  futurbil- 
dungen  wie  ai.  gläsyati  —  lit.  gtUeaiu,  ai.  mnasyati  —  lit.  mt- 
nesiu  (s.  §  36)  unyerkennbar.  Vgl.  Brugmann  Grd.  2,  1186  f. 
z.  b.  ksl.  vidScH,  lit  pchvidesiu;  ksl.  mbn'ech^i  lit.  min-^u 
u.  8.  w.  Ich  stelle  hierher  auch  formen  wie  zr^hh,  zitrSclvb, 
ir6ch%,  vreclvb,  nü^fvb,  mr^lvb,  die  man  aus  *zerclvb,  terchh  usw. 
durch  metathesis  zu  erklären  pflegt,  und  zwar  aus  folgenden 
gründen.  1)  Die  in  betracht  kommenden  yerba  sind  sämmtlich 
abgeleitete  ^-stamme;  2)  in  den  quellen  finden  sich  häufig  die 
Schreibungen  inf.  mhriti,  zbrSti,  aor.  1nhrSch^,  zbr^ch%;  3)  die 
andern  idg.  sprachen  haben  korrespondirende  bildungen. 

ksl.  meljn,  tnUti,  ml^ch%  'mahlen'  :  ai.  mlati,  amlasyatätn, 
ndatäh  8.  §  11. 

ksl.  hrq,  trsti,  tbriti^  tr9ch^  'reiben'  :  gr.  TkQtjfii,  lat. 
tero,  tr%vij  trltus  s.  §  11. 


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92  Hans  Reichelt 

ksl.  zhrq,  zreti,  zhrSti,  zrech^,  zhrSch^  'fressen'  :  gr.  ßi- 
ßQw-amo, 

§  35.  Der  ausgang  der  III.  plur.  des  perfekt»  im  Latei- 
nischen ist  "h'unt.  Man  erklärt  die  endung  -^runt  gewöhnlich 
als  3.  plur.  des  hiftsyerbums  'sein',  indem  man  sie  mit  gr.  -cacey 
(III.  plur.  plusqupf.)  vergleicht  Ich  möchte  lat.  -^runt  aus 
*i8ont  erklären  und  wie  die  II.  sing,  und  plur.  dem  -t-s-aorist 
zuweisen:  -is-ont  statt  -is-xf^,  wie  capiunt  statt  *capi-^. 

Y.    Das  ftitarum« 

§  36.  Für  bildung  von  formen  mit  futurbedeutung  diente 
im  Indogermanischen  das  suffix  -si-o-,  welches  im  Ar.,  Gr.  und 
Balt.-Slav.  belegt  ist.  Leider  sind  die  akzentverhältnisse  noch 
nicht  genügend  aufgeklärt.    Vgl.  Hirt  Idg.  akzent  s.  204. 

War  das  suffix  -sio-  ursprünglich  betont ,  dann .  müssten 
Wurzel-  und  ableitungssilbe  in  der  tiefstufe  stehen:  idg.  ^mj^nj- 
p-si'ö'.  Im  Ai.  aber,  wo  thatsächlich  suffixbetonung  vorherrscht, 
erscheint  die  Wurzelsilbe  fast  durchwegs  in  der  vollstufe.  Ich 
schreibe  diesen  merkwürdigen  umstand  dem  einfluss  der  aus 
dem  unerweiterten  stamm  gebildeten  futurformen  ^)  zu,  die  im 
Lit.  Wurzelbetonung  haben:  vgl. 

ai.  vedi^ati  neben  vBtsyati,  gr.  ewofiat ;  ai.  varti^yati  neben 
vartsyäti,  lit.  versiu;  ai.  manisiß  neben  mqsyatE;  ai.  iani^yati 
neben  iqsydtS;  ai.  jani^yäti  neben  aw.  zqhyamanqm;  ai.  han- 
Uydti  neben  hqsycUi, 

Der  akzent  von  ai.  *vdrt8yati,  *tqsyate  ')  hat  dann  später 
seine  Stellung  wieder  nach  vartisyäti  usw.  geändert  Ursprüng- 
liche formen  mit  tiefstufiger  Wurzelsilbe  sind  ai.  guri$y<US  neben 
gari^ati  :  grnätni  'preise' ;  ai.  grhUyati  neben  grahisyati,  grak- 
i^ati  :  grbhndmi  'ergreife'. 

§  37.  Wahrscheinlicher  aber  ist,  dass  die  abgeleiteten 
verbalen  e^-stämme  wie  im  praesens  und  praesensaorist  auch 
im  futurum  die  ableitungssilbe  betonten,  da  hierin  das  Ai.,  Gr. 
und  Balt-Slav.  übereinstimmen:  idg.  * fn(^)n'e(^)-8i'(h  —  ai 
^mnasyor,  gr.  *fiavr]aO'y  lit.  ^min'^o-, 

1)  Nach  Brugmann  Grd.  II  s.  1092  hatten  die  ai.  formen  mit  -ilya- 
den  -i^-aorist  zur  grundlage,  vgl.  ai.  vddifydti  zu  dem  aoriststamm  tadii- 
in  d-vedi^-am,  2)  Vielleicht   ist    ai.  Jägyati  aus  *##(n)-*|-«<»  ent- 

standen, also  eine  form  mit  dehnstafiger  Wurzelsilbe. 


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Beiträge  zur  geschichte  der  indogermanischen  konjugation.     93 

ai.  gJasyati,  lit.  guUbiu;  ai.  psäsffati  :  psäti;  ai.  chtnlasya- 
täm  :  mldti;  ai.  mnäsyati,  gr.  ficnnjaoficu^  lit  mineaiu;  gr.  A- 
dijaw^  ]ii.  pa-^desiu ;  gr,  ^vijaofiai,  lit  sraveaiu;  hom.  ni&ijaw 
:  lat  /Wes;  gr.  %aiQrio(o  für  *x<Hn^^i  ^^^-  g^^i^;  gr.  (i^ifacü  i) 
lat  o2dr0;  gr.  fckijao)  :  TclfiTtXrjfii;  gr.  TtTi^aofiai  :  /rtry^ct;;  gr. 
yeyijaofuu  :  yeivofitxi. 

Das  €  der  gr.  fatura  auf  -6io,  die  von  unsem  stammen 
gebildet  sind,  gehört  zum  suffix  *-esr(-o  vgl.  Bartholomae  BB. 
17  y  109.  Es  liegen  also  futurbildongen  vom  anerweiterten 
stamm  vor. 

gr.  xev-iio  :  ai.  tani-^jfiUi;  gr.  deQüi  :  ai.  dari-^cUi;  gr. 
tel-dß  :  ai.  cari-^ati,  gr.  ^ev-im  :  ai.  hani-^ati;  gr.  xe^-cü  : 
ai.  gari-fffati;  gr.  ifi-H^vfiai  :  ai.  vami-^cUi  u.  a. 


Tl.    Dag  perfektum« 

§  38.  Obwohl  fast  alle  abgeleiteten  ei-verba  das  perfek- 
tum  aus  dem  unerweiterten  stamm  bilden,  finden  sich  doch  im 
Ai.,  6r.  und  Lat.  vereinzelte  formen,  denen  der  erweiterte 
stamm  zugrunde  liegt. 

Die  Wurzelsilbe  ist  tiefstufig,  das  ableitungssuffix  erscheint 
in  der  dehnstufe: 

ai.  papräu,  paprd,  lat  p/ftn  vgl.  Fick  GGA.  1883  s.  594; 
Sil.  jagläu,  gr.  ßißltjftai;  ai.  mamnau,  gr.  fiifiyrjfiai;  ai.  mafn- 
lau  :  (lat  tnolui);  ai.  jagfUtu  :  (lat  genui);  ai.  papsäu;  lat. 
crStn;  gr.  ThQtjraij  ninlfjTai^  nsxoQrjrair  u.  a. 

Das  u  der  ai.  und  insbesondere  der  lat  formen  ist  bis 
jetzt  noch  nicht  befriedigend  erklärt;  es  kann  aber  schwerlich 
etwas  anderes  sein,  als  das  u,  das  uns  schon  im  praesens  be- 
gegnet ist  und  das  von  den  abgeleiteten  ^-stammen  her- 
stammt ').  S.  §  16.  ai.  papräu  j  lat  plevi  ist  demnach  [auf 
ai.  ptnuyatf  gr.  nolvg^  lat.  plus  (s.  §  44)   bezogen]  dieselbe 

1)  Gr.  dC^orcti  ist  kompromiBsbildang  und  steht  fär  ddrao».  Vgl. 
Hirt  IF.  10,  28. 

2)  Anch  F.  Sommer  Lat.  gr.  606  f.  leitet  das  lat.  v-perfekt  von 
den  ti-verben  ab;  er  lässt  jedoch  die  ai.  formen  unberücksichtigt  and 
geht  speziell  von  lat.  füoi  ans:  "Als  */t«m  (anthematischer  aorist)  zu 
^fü-ai,  */w-{f-at  umgebildet  wurde,  löste  man  bei  der  Silbentrennung 
^fii-^  das  -ya»  u.  s.  w.  als  suüfix  ab  und  übertrug  es  auf  alle  vokali- 
schen verbalstämme".    S.  dazu  §  44. 


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94  Hans  ßeichelt 

bildung  wie  ai.  cuk^näva  von  kSnäumi  4ch  wetze'.  Für  den 
abfall  des  endungs-a  (bezw.  -e  der  IIl.  pers.)  in  den  ai.  formen 
vermag  ich  keine  erklärung  zu  geben.  Ai.  paprdtha  2.  pers. 
ist  aus  *paprä(j^)4ha  entstanden. 

Der  bindeyokal  ai.  i,  lat.  t. 

§  39.  P.  Y.  Bradke  IF.  8,  123  ff.  fuhrt  den  perfektischen 
^bindeyokal'  im  Altindischen  und  im  Griechischen  auf  den  aus- 
lautenden vokal  der  aS^tämme  zurück  und  weist  darauf  hin, 
dass  derselbe  Ursprung  auch  für  den  lateinischen  und  gotischen 
bindeyokal  geltend  gemacht  werden  könnte.  Demnach  läge  in 
ai.  i,  gr.  a,  lat.  i,  got.  u  die  Vertretung  von  idg.  9  vor.  Für 
die  abgeleiteten  €;{- stamme  muas  diese  im  prinzip  zweifellos 
richtige  erklärung  dahin  modifizirt  werden,  dass  für  das  ai. 
und  lat  i  entstehung  aus  idg.  t  festgesetzt  wird.  Das  a  der 
gr.  perfekta  nanoi^a^sv^  vi&vafisp  usw.  bleibt  besser  aus  dem 
spiel,  da  es  wahrscheinlich  aus  der  1.  sg.  und  3.  plur.  des 
perfekts  und  des  sigmatischen  aorists  stammt. 

Bradke  a.  o.  135  f.  nimmt  mit  recht  an ,  dass  die  an- 
knüpfung  der  perfektischen  personalendungen  mit  dem  binde- 
yokal i  nach  der  qualität  der  wurzel  geregelt  war,  und  stellt 
folgende  Schemata  auf. 

9^.^- wurzeln: 
jagrdbha   *jagr(ä>hitha  jagrdbha   ^jagfbhimd  jagfbhd  j(Mgibhiir 
papdta      *pap<Üüha      papdta       paptimd     paptd     papfür 


am/-wurzeln: 

vavdrta     *vavärUha 

vavdrta       vavrtmd 

vavrtd 

vavftür 

sasdda        saadttha 

sasdda      *sidmd 

ssdd 

ssdir 

(*8azdmd 

sazdd 

sazdir) 

Bei  der  Scheidung  in  sif-  und  ani^wurzeln  in  der  indischen 
grammatik  kommen  nicht  immer  die  idg.  Verhältnisse  zur  gel- 
tung.  Von  den  beispielen,  die  Bradke  s.  126  anführt  (ausser 
den  genannten  noch  jajdna,  tatdra,  jagdma,  eakdra)^  sind 
sämmtliche  abgeleitete  cap-stämme.  Eine  teilung  nach  der  qua- 
lität der  Wurzel  ist  hier  wenigstens  nicht  nothwendig.  Der 
bindeyokal,  der  vor  den  konsonantisch  anlautenden  endungen 
auftritt,  ist  die  tiefstufenform  des  sufßxes  -ei-.  Formen  vom 
erweiterten  und  unerweiterten  stamm  gehen  nebeneinander.  Die 
rigvedischen  Schemata,  die  Bradke  s.  137  aufstellt,  bedürfen 
daher  keiner  besonderen  behandlung. 


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Beiträge  zur  geschichte  der  iodogermanischen  konjugation.     95 

papäta     papdUha         pajpäta      paptima     paptä      paptür 
sasdda      sasdUha  sasäda      sSdimd       sedä        sidür 

jagrdbha  jagrdbha  jagrbhmd     jagrbhd  jagrbkür 

vavdrta    vavarthita    vavdrta    vavrtmd       vavrtd      vavttür 
Ygl.  ai.  sSditnd,  lat  sSdimus;  ai.  vavarthüd,  lat.  vertimus; 
ai.  vivtditha,    lat  Pktimus;   [ai.  jagatnüha],   lat  vSnimus;  ai. 
iinimd,  alat  ie-tinimus;  ai.  babhütnind,  lat  fuimua. 


yn.    Terbaladjektiya. 

§  40.  I.  -to-j  pari,  perf.,  meist  passiv.  ''Bei  den  eigent- 
lichen Partizipien  ist  im  Idg.  die  endbetonung  allgemein,  was 
wahrscheinlich  aus  einer  zeit  stammt,  in  der  die  passive  bedeu- 
tung  noch  nicht  durchgeführt  war".  Hirt  Idg.  akzent  s.  270. 
Wurzel-  und  ableitungssilbe  erscheinen  infolge  der  endbetonung 
in  der  tiefstufe:  idg.  *'^td'i4ö'. 

ai.  ruciidh  'leuchtend,  glänzend'  :  ai.  rtict'A  4icht';  ai.  vU 
düäh  'erkannt,  bekannt'  :  lat  videöi  ai.  mrdüdh  'zerdrückt, 
gerieben'  :  ai.  mrdnati;  ai.  tr^dh  'durstig',  got  ßaursißs 
'durstig'  :  got  ßaurseiß  mik;  aL  tphurita^  'zuckend,  zitternd'  : 
gr.  üTrainio;  aL  güüah  'verschlungen'  :  ai.  grndti;  ai.  kupUah 
'erzürnt,  zornig'  :  ai.  kupyati;  lat  licitus  :  liest.  —  ai.  fami- 
tah  :  ^myati,  staniiah  :  stanihi,  lat.  genüus-z  -^eniSs  können 
nicht  mit  Sicherheit  hierhergestellt  werden. 

§  41.  Alle  übrigen  bildungen  sind  durch  beeinflussung 
von  praesensformen  zu  erklären. 

a)  Die  Wurzelsilbe  ist  vollstufig  (vgl.  gr.  deiifta  statt  *  daigw 
aus  *driö  (lit  diriü)  nach  ai.  ddräi).  ai.  bhasitah  'zu  asche  ge- 
rieben' :  bdbhasti,  bhdscU;  ai.  patitah  'gefallen'  :  ai.  pdtati;  lat 
f>omitu8  :  vomo,  moUtua  :  molo.  Vielleicht  auch  ai.  galüah  'ver- 
schwunden, fehlend'  :  ai.  gcUati,  ai.  carüdh  :  ai.  cdrati. 

ß)  Die  ableitungssilbe  erscheint  in  der  dehnstufe;  die 
Wurzelsilbe  ist  tiefstufig,  vgl.  ai.  nd&ti,  psati  usw.  §  11. 

ai.  mUUdh,  aw.  mraiö  'durch  gerben  weich  geworden'  :  ai. 
nUäti;  ai.  prätdh  'gefüllt',  lat  im-pletus  :  ai.  präsi;  sA.  psätdh 
'gegessen'  :  paäti;  ai.  mnätcth  'erwähnt'  :  ai.  mnäti;  gr.  ßlfjrog 
'geworfen,  getroffen'  :  ai.  gläH;  gr.  ^6g  'verabredet,  bestimmt 
:  lit  riju;  gr.  Tftjtog  'durchbohrt'  :  gr.  %LxQri(u\  lat  crStm  : 


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96  Hans  tleichelt 

gr.  xeiQ(o;  an.  trüadr  ^gläubig'  :  an.  trüa;  ksl.  grSt^  ^erwärmt' 
:  grejq. 

Y)  Die  ableitungssilbe  hat  die  tief  stuf engestalt  -r-;  die 
Wurzelsilbe  ist  meist  tiefstufig,  vgl.  §  18. 

ai.  grhhltdh,  grhUäh  *  ergriffen'  :  ai.  äfffhüäm,  grhithas, 
grhl^va;  lat.  cupttus  :  cupiö,  cupivi;  petUus  :  *petiö  *petire 
(R.  Thumeysen  KZ.  30,  492). 

§  42.  Es  finden  sich  auch  formen  vom  unerweiterten 
stamm  vgl.  Grd.  ü,  208  ff. 

er)  Mit  tiefstufiger  Wurzelsilbe. 

ai.  viüdh  'gefunden,  erkannt,  bekannt',  aw.  vistö  'ge- 
funden', gr.  aHüTog^  ungekannt,  unkundig',  air.  ro  fess  'scitum 
est',  got  un-vis  'ungewiss'  :  lat  videö,  ksl.  vidBti;  ai.  saUah 
'gesessen'  ^),  lat.  ob-sessus  —  aw.  pcisu^astö  'viehhärde',  an.  sess 
'sitz',  lat.  sub-sessa  'hinterhalt'  :  lat.  sedeö,  ksL  sSthti;  ai.  Aa- 
tdh,  aw.  jatö  'geschlagen',  gr.  g>ctT6g  *getödtet',  lit  giMas  'ge- 
jagt, getrieben',  ksl.  zq-th  'gehauen,  gemäht'  —  ags.  güd  'kämpf 
:  gr.  ^eivfo,  lit.  genäi;  ai.  mcUdh  'gedacht',  lat  com-mentus, 
got  munde  'gemeint,  gedacht',  lit  mifitas,  ksl.  mq-tb  —  ai.  ma- 
täm  'meinung',  gr.  avTOfiavog  'freiwillig',  lat  com-mentum 
'einfall,  erfindung',  air.  der-met  'vergessen'  :  got  munan,  lit 
mineti,  ksl.  mhnSti;  ai.  vjitäh  'versus',  lat  vorsu8  (versus)  — 
ai.  vfitäm^  ksl.  vrbsta  'bewandtnis,  befinden',  lit.  värsias  'pflug- 
gewende'  :  ksl.  vrbUti;  ai.  gatdh  'gegangen',  gr.  ßccvög  'be- 
treten, gangbar',  lat  circumventus,  lit  pri-gimtas  'angeboren'  : 
gr.  ßalvio,  lat.  venio;  ai.  buddhdh  'erwacht',  gr.  a-Ttvtnog  'un- 
bekannt, unkundig'  :  lit  budeti,  ksl.  bbditi;  ai.  drtäh  'gespalten', 
aw.  d9r9tö  'geschnitten,  gemäht',  gr.  dQovogy  daQvog  'geschun- 
den', lit.  nU'dirtas  'geschunden'  :  ai.  drniyät,  gr.  Ido^i;»;  ai. 
taidh  'gestreckt,  gedehnt',  gr.  taxog  'dehnbar',  lat.  tentus  :  lat 
teneö;  air.  taH  'durst'  aus  *trstö-  (W.  Foy  IF.  6,  338),  got 
fdurstei,  ahd.  durst  :  got  Paurseip  mik. 

ß)  Mit  hochstufiger  Wurzelsilbe. 

lat  msus,  got  un-veis  'unwissend,  unkundig',  ahd.  uns 
'weise'  aus  *jieiMO'  (oder  '^UHo-  neben  ai.  viUdh  usw.);  ahd. 
kind  'kind'  aus  *§entom  neben  got.  qina-kunds  'weibgeboren'; 
ai.  spaffäh  'ersichtlich,  klar',   aw.  avi-spoHö  'belauert,   ange- 

1)  bal.  nista  'sitzend'  aus  idg.  *n%'9i40'  für  *ni+Ml+^«  Bartho- 
lomae  Grd.  d.  iran.  phil.  §  96,  1. 


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Beitrage  zur  geschichte  der  inclogermanischen  konjagation.     97 

feindet',   lat.  adspectus  aas   ^speh-to-;  gr.  ini-ftHovog   'leicht 
überredbar'y  lat.  fisus  neben  gr.  matog  Hreu,  zuverlässig'. 

§  43.  IL  'HO-,  part.  praet.,  meist  passiv.  Da  das  suffix 
-no-  betont  war,  müssten  auch  hier  wurzel-  und  ableitungssilbe 
in  der  tiefstufe  stehen:  idg.  ^idri'n6-.  Es  sind  aber  fast  nur 
formen  mit  dehnstufiger  ableitungssilbe  erhalten. 

ai.  prOnah  'gefüllt',  lat.  plsnus,  umbr.  plener  'plenis'  :  ai. 
präse;  ai.  mlänah  'welk'  :  ai.  mUUi;  aw.  ynänö  (vgl.  Bartbo- 
lomae  Grd.  d.  iran.  phil.  §  209,  3);  ai.  krand  'gern,  willig,  so- 
fort' :  (ai.  cdrati)  gr.  teliw;  gr.  axalvpfog  'krumm'  :  anäXXü); 
ksl.  tnhfam  :  mhtiSti;  ksl.  videm  :  vidsti.  Hierher  gehören 
ferner  die  germ.  infinitive:  got  munan,  liban,  ahd.  lebsn  usw. 

§  11. 

Formen  vom  unerweiterten  stamm  sind  aw.  p9r9nö  'gefüllt 
voll',  got.  fvUe  :  ai.  prndmi;  ai.  chinndh  'zerbrochen,  zerrissen' 
•  gr-  <^Z*'^wi);  aw.  asna-,  äsna-  'nahe'  aus  ^äzdna-  :  ksl.  cAo- 
diti  >),  vgl.  ai.  nediyah  'näher',  deanna-  'nahe'  Bartholomae  IF. 
5,  367,  w.  l  kl.  phil.  17,  1223. 

Neben  den  partizipialbildungen  aus  dem  unerweiterten 
stamm  stehen  solche,  in  denen  der  vokal  der  tiefstufigen  Wurzel- 
silbe gedehnt  erscheint. 

ai.  jätdh,  aw.  zätö  'geboren',  lat.  gnatus,  nätüSy  gall.  cintu-^ 
gnätua  'erstgeborner'  neben  got  -kunds,  kun^;  ai.  ghalah 
'tötend,  schlag,  tötung*,  gr.  d-vrjrdg  'sterblich'  neben  ai.  hcUdh; 
ai.  vamtdh  'ausgebrochen';  ai.  güridh,  gürnah  'gebilligt,  will- 
kommen, angenehm',  lat.  grätus  'willkommen,  angenehm',  lit. 
girtas  'gerühmt';  ai.  mUrndh  'zermalmt,  zerbrochen',  alat.  mal- 
täs  'moUes',  air.  blaüh,  mlaüh  'weich'  —  lit.  mütai  'mehl'  neben 
ai.  ^mrnah;  ai.  d%rndh  'zerrissen,  gespalten'  —  nkymr.,  com. 
dornt  'teil,  stück'  neben  ai.  dfixih;  ai.  gimah  'verschlungen',  lit. 
girtas  'betrunken';  ai.  partdh,  pürndh  'gefüllt,  voll',  air.  län 
'voll',  lit.  pünas  'voll'  neben  ai.  pftäh;  ai.  tlmdh  'überschritten, 
durchgemacht',  türtah  'schnell';  ai.  jurndh  'alt'  —  ai.  jirndtn 
«gebrechlichkeit,  alter';  gr.  tXtitos  'duldend,  standhaft',  lat. 
UUus  —  lit.  tÜtas  'brücke'  —  neben  ahd.  giduU  'geduld'. 

1)  ai.  iüisMh  'pfeUköcher',  das  gewöhnlich  aus  *t}nO'  erklärt  and 
zur  Wurzel  *UU[ex'  'tragen'  gestellt  wird,  gehört  nicht  hierher.  Vgl. 
Bartholomae  lA.  12,  28  und  IF.  8,  187  f. 

2)  Oder  zu  lat.  m<I«ö?    Siehe  §  &0. 

Beitrig»  s.  konde  d.  indg.  apneheD.     XXVII.  7 


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98  Hans  Reichelt 

§  44.  Bezüglich  des  wechseis  von  fr  und  är  im  Arischen 
und  Lit.-Slavischen  schliesse  ich  mich  den  ausführnngen  Bar- 
tholoroae's  KZ.  27,  205  und  Bezzenberger's  bei  v.  Naegelein 
^Zur  Sprachgeschichte  des  Veda'  32  an,  die  darin  den  einfluss 
eines  folgenden  vokals  sehen.    Vgl.  Wackernagel  Ai.  gr.  29. 

Ich  habe  in  §  16  die  thatsache,  dass  viele  ai.  verba  das 
praesens  sowol  nach  der  ö.,  als  auch  nach  der  9.  praesens- 
klasse  bilden,  auf  grund  ursprünglicher  praesensformen  erklärt, 
die  in  beiden  klassen  gleich  lauteten.  Ebenso  ist  der  Wechsel 
zwischen  formen  der  4.  und  8.  ai.  praesensklasse  zu  erklären, 
wie  überhaupt  zwischen  formen  der  abgeleiteten  verbalen  ei- 
und  e^stämme.  Die  gemeinsamen  formen ,  von  denen  neubil- 
dungen  nach  der  einen  oder  andern  klasse  erfolgt  sind,  sind 
die  des  praes.  sing,  auf  ^-e-mi,  *-^-s!,  *-e4i  aus  ^-ei-mi,  •-cjf- 
mi  usw. 

Da  nun  bei  tiefstufengestalt  der  Wurzelsilbe  in  ein-  und 
demselben  verbum  der  stimmton  der  liquidasonans  bald  dem 
einfluss  eines  folgenden  i,  bald  dem  eines  folgenden  u  ausge- 
setzt war,  kann  es  nicht  wunder  nehmen,  wenn  tr  und  ür 
nebeneinander  erscheinen, 
idg.  *ter-ei'  'durchdringen'. 

ai.  tiryat%,  lit.  tyriä  —  ai.  tiräbi,  Hrndh  [Vir am  'ufer', 

tirdh  *durch']. 
ai.  farutBf  turvati,  arm.  thaXotvl^)^  gr.  vqvw^  ^^X^« 
lit.  trikstu,  ksl.  tryti  —  ai.  turdH,  türtdh,  türnah 
[turdh  'beschädigt'], 
idg-  *jr»er-ej|-  'singen'. 

ai.  grnäini,  lit.  giriü  —  ai.  sam-girate. 

gr.  yrjQVü)  {yiJQvg,  dor.  yaQvg  'spräche']  —   ai.  gurdU, 
gilrtdh,  gürndh. 
idg.  ^g^er^ei'  'verschlingen'. 

ai.  grndmi,  lit.  geriü,  ksl.  zr^ti  —   ai.  girdti,  gilitah, 

girndh. 
[aeol.  diQQOi  'hals'  aus  *de^/ä  Kretschmer  KZ.  31.  397] 
—  \[ii.gurkly8  'kropP,  ^i&\.gr^lo  'kehle']  ksl.  irb<i. 
idg.  *pel-ei'  'füllen'. 

ai  prnämi,  präsi  [pdrinoh  'fülle'],  gr.  Ttififilfjfii  usw.  — 
lit.  pünas  'voll'. 

1)  Ygl.  Meillet  M^m.  boc.  ling.  VIU,  168  f. 

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Beiträge  zur  geschichte  der  indogermanischen  konjugation.     99 

ai.  prv^uyät,   [gr.  rtoXig  'viel']    lat.  pUvi,  plus  *)   —   ai. 
pürndh,  pürtdh,  [purüh  'viel\  ksl,  pHm], 
idg.  *der-ei'  'spalten'. 

ai.  dfniyat,  lit.  diriü  —  ai.  dir  nah. 

ai.  därüh  'zerbrechend'    [ai.  däru  'holzscheit',   gr.  doQv 
*balken',  lit.  dervä  'kienholz'?  usw.]  —  lit.  duriti. 
idg.  ^^el-ei'  'wollen'. 

ai.  vrndmi,  ksl.  veljq  usw. 

ai.  vfnömi,  lat.  volui*)  —  [ai.  hötr-vurya-  'einsetzung 
des  Hotar']. 
idg.  ^mel-ei'  'mahlen'. 

ai.  mrnihi,  gr.  iivlkut^  ksl.  meljq  -—  [litmiltai  'mehl']. 

got.  ga-malwjan,  lat.  molui  >),  [emolumentum  'mahlertrag'] 
—  ai.  mürndh, 
idg.  *gvel'ei'  .  .  . 

ai.  glatt,  gcdüah,  gr.  ßdXha. 

gr.  ßXvta^  ßXvCfa  —  lit.  guliü. 
idg.  g'er-ei"  'altem'. 

ai.  jtrgati,  ksl.  zrSju  —  bA,  jlrndh. 

[aw.  zaurva  *alter',  gr.  yQävg  'greisin']  —  ai.  jürndh, 
idg.  k'er-ei'  'zerbrechen'. 

ai.  gtryate,  lit  skiriü,  gr.  x«/^  —  ai.  glrndh. 

ai.  kfn(fini  —  gUrtdh  [ksl.  kr^n^  'verstümmelt']. 

§  45.  Gerade  so,  wie  für  die  dehnung  der  tiefstufigen 
Wurzelsilbe  bei  den  «e^-basen  der  ausfall  des  9  als  Ursache  an- 
genommen wird,  liesse  sich  auch  bei  den  abgeleiteten  -ey  und 
-^Verben  die  dehnung  durch  den  ausfall  des  i  oder  u  er- 
klären. Es  ist  aber  zu  bedenken,  dass  infolge  der  suffixbe- 
tonung  bei  den  partizipien  auf  -to-  und  -ro-  sowol  ableitungs- 
silbe,  wie  Wurzelsilbe  reduzirt  werden  mussten.  (ai.  ruc-i-tdh, 
mrd-i-tdh,  sphur-i-tah,  gil-i-tah).    Selbst,  wenn  man   annimmt, 

1)  Nach  Fr.  Sommer  IF.  11,  s.  94  ist  lat.  plus  ein  alter  neutraler 
akkuBativ  auf  -is  wie  magis  und  geht  aaf  eine  grandform  *pld'is  zurück. 
Dagegen  wäre  nichts  einzuwenden,  wenn  die  formen  phus  und  plouruma 
besser  dazu  stimmten.  Denn  in  der  Schreibung  ou  eine  mittelstufe 
zwischen  oi  und  dem  später  daraus  entwickelten  ü  zu  sehen,  entbehrt 
einer  sichern  stutze.  Da  für  die  wurzel  *pel  durch  ai.  pfnuyät^  gr.  no- 
Xvi,  \&i.  ptevi  usw.  s.  §  16  die  ableitung  durch  -eff-  erwiesen  ist,  sehe 
ich  kein  hindernis,  plus  aus  *plst$'Os  zu  erklären,  wie  minus  aus  minff-os. 

2)  Siehe  §  88. 

7* 


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100  Hans  Reichelt 

dass  durch  die  reduktion  wirklich  völliger  schwand  der  ab- 
leitungssilbe  bewirkt  wurde,  hätte  sich  die  Wurzelsilbe  in  ihrer 
schwächsten  gestalt  erhalten  müssen,  da  die  Wirkung  der  re- 
duktion, als  der  Schwund  der  ableitungssilbe  stattfand,  zweifel- 
los am  grössten  war.  Wie  wären  denn  sonst  formen  wie  ai. 
8unmäh  neben  sunumdh,  tanmd^  neben  tcmvihdh,  kurmdh  neben 
kunäMh  erklärbar? 

Wir  haben  es  daher  mit  keiner  ursprünglicher  dehnung  zu 
ihun;  sie  kann  erst  eingetreten  sein,  als  sich  bereits  der  stimm- 
ton der  liquida  oder  nasalis  sonans  selbstständig  oder  unter 
dem  einfluss  des  vokals  der  ableitungssilbe  entwickelt  hatte, 
und  muss,  da  sie  aus  den  partizipialformen  selbst  nicht  erklärt 
werden  kann,  auf  Übertragung  beruhen. 

§  46.  Die  praesentien,  in  denen  der  themavokal  an  das 
tiefstufige  ableitungssuffix  %  tritt,  zerfallen  in  zwei  klassen,  je 
nachdem  die  Wurzelsilbe  den  wortton  hatte  oder  der  themati- 
sche Yokal.  Ich  habe  schon  in  §  20  darauf  hingewiesen,  dass 
die  Wurzelbetonung  unursprünglich  ist  und  zum  teil  auf  ana- 
logie  nach  den  o-verben  beruht  Bei  den  o-yerben  stehen  sehr 
häufig  formen  mit  Suffixbetonung  und  solche  mit  wurzelbeto- 
nung  nebeneinander.  Vgl.  Brugmann  Ord.  2,  913.  Da  neben 
ai.  tiräti  ^er  setzt  über'  eine  form  tdra;ti  steht,  ist  zu  *tirydti 
ein  *Hry(xti  gebildet  worden,  das  endlich  nach  dem  muster  von 
cdmati,  krdmati,  sähati  ^),  8%dati  >)  u.  a.  in  tl'ryati  überging, 
ai.  jiryatiy  jü'ryati  'er  kommt  in  verfall'  nach  järati-juräti ; 
ai.  JdämytxH,  främyati  *er  wird  müde'  nach  —  framati  lit  kir- 
mt/jü  'schlafe';  ai.  ddmyati  'er  zähmt'  nach  got.  *gatems  in 
gaUmiba  'geziemend',  gatiman  'ziemen' ;  ai.  giryati  'er  zerbricht' 
nach  an.  skera  —  air.  scaraim,  ai.  (rOsO^^h'  ^-  krdmyati  'er 
schreitet  aus'  nach  krämati;  ai.  fdmyati  'er  hört  auf  nach 
gamati;  ai.  jdyati  'wird  geboren'  aus  *jayaU  *§j^''iit%  nach 
jänati;  von  diesen  praesentischen  neubildungen  wurde  die  deh- 
nung  auf  die  partizipia  übertragen,    ai.  tirndh,  tärtdhrtfryati, 

1)  £a  ist  hier  belanglos,  ob  das  ä  solcher  ai.  praesentia  aas  dem 
«-aorist  stammt,  wie  Bartholomae  Idg.  F.  S,  s.  50  z.  b.  far  ai.  hhrifati^ 
aw.  brattaäi  neben  gr.  tpUya  (ßbhräf)^  aw.  räs^qn  neben  ai.  tdrjanam 
(atrskf  aträf)  nachweisen  will. 

2)  Ai.  gtdati  ist  ans  *89Mt  =s  aw.  hiSaüi  nach  lit.  Mu  oder  einer 
Ähnlichen  form  s.  Roswadowsky  IF.?  umgebildet  worden.  Ygl.  lit.  «iK^M 
«spalte  mich',  tylü  'verstnmme'  nsw.    Wiedemann  Lit.  praet  s.  90. 


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Beiträge  zur  geschichte  der  indogermanischen  konjugation.    101 

turyati;  ai,  firndh,  jürndh'jiryati,  jü'ryati;  ai.  0ridh,  fartäh" 
afryate;  ai.  pürtäh  neben  prtdh-pü'ryati;  ai.  klämtäh-klämyaH; 
gf*amfdhrgrdmyaH;  ai.  gämtäh-gämyati ;  ai.  tämtäh-iämyati ;  ai. 
damtdh'ddmyati ;  ai.  jcUäh'jdyate. 

Partizipia  wie  gr.  -j^v^J^,  lat.  nätus  neben  lat.  genüus 
sind  auf  praesentia  wie  lat.  näscor  zu  beziehen.  Gr.  T^carog 
Verwundbar'  :  tiTQiooTUo;  gr.  ßganog  'essbar'  :  ßißQwaiiuo  neben 
ai.  güüal^;  gr.  xlrjvos  'gerufen,  willkommen,  erlesen'  :  xixXij' 
axcd  1).  Vgl.  ai.  jnätäh  'gekannt',  gr.  yvunog,  lat  nötus,  air. 
ynd^  'solitus'  :  gr.  yiyvwayuo^  lat.  gnöscö,  ahd.  Ämaen  'kennen'; 
ai.  nUäUh,  aw.  mres^d  'durch  gerben  weich  geworden'  :  nUaU, 
mldyati  neben  lat.  mclüus;  ai.  mniUah  'erwähnt'  :  ai.  mnäU, 
gr.  fiifinjancDy  neben  ai.  maiäh;  ai.  glanah  'erschöpft',  nkymr. 
Hin  'fatigatus'  :  ai.  gldti,  gldyaii  neben  galücA;  ai«  pratah  'ge- 
füllt', lat.  pUtu8  :  ai.  ^rrf^i;  air.  Itnaitn  neben  ai.  ft^bf  <^w. 
p9r9nö;  ai.  psotäh  'verzehrt'  :  /»s^t  neben  bhasiiah. 

Der  stosston  der  lit.  formen  jr^r^o«  'betrunken',  pa-Hntas 
'gekannt',  pilnas  'voll',  miltai  'mehl'  usw.  stammt  aus  dem 
praeteritum.  Wie  Bartholomae  IF.  3,  9 ff.  nachgewiesen  hat, 
ist  die  dehnung  des  wurzelvokals  mit  gestossenem  ton  im  prae- 
teritum nach  dem  muster  der  sigmatischen  aoriste  der  auf  8 
ausgehenden  verba  erfolgt.  Nachdem  sich  die  praeteritalbil- 
dung  mit  i  nach  dem  muster  von  lett.  tisu,  dzisu  bei  einer 
reihe  von  verben  mit  praesentischem  e  wie  lit.  hdiiirkSUau, 
geriü-^eriau  eingebürgert  hatte,  wurde  sie  auch  bei  verben  mit 
anderm  praesensvokal  (i;  u)  nachgeahmt.  So  z.  b.  lit.  giriü- 
gyriau,  skiriü-skyriau,  spiHü-spyriau,  duriÜ-düriau,  ktUü^ 
kuliau.  Vom  praeteritum  aus  wurde  dann  der  stosston  in  das 
Partizipium  und  den  infinitiv  verschleppt 


Yin.    Terbalsubstanüya. 

§  47.  I.  Nomina  actionis,  die  in  verschiedenen  kasus  als 
infinitive,  supina  oder  gerundia  auftreten. 

a)  Formen  von  dem  durch  die  ableitungssilbe  erweiterten 

1)  Es  läsBt  sioh  nicht  immer  sicher  entscheiden,  ob  dehnung  Yon 
tiefstufigen  oder  voUstufigen  vokalen  vorliegt.  Im  ersteren  falle  liegt 
der  unerweiterte  stamm  zugrunde,  im  letzteren  der  erweiterte. 


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102  Hans  Reichelt 

stamm,  ai.  yudhdyS  ^zu  kämpfen',  dat.  zu  ^ludh-ei-,  ai.  grhaiß 
'zu  greifen',  aw.  gdvdbqm  'festzuhalten'  dat.  und  akk.  zu  ^gr^h-ei-^ 
aw.  ydnqm  'zu  töten',  akk.  zu  ^ghvn-ei-,  Bartholomae  KZ. 
29,  588,  Grd.  d.  iran.  phil.  1,  §  2d5,  2,  c  stellt  aw.  g^r^bqm, 
y^nqm  zu  den  feminen  ö-stämmen;  ich  möchte  jedoch  wegen 
ai.  grdhi,  gfbhi-  in  aw.  gdr^bqm  den  akk.  eines  -ai-stammes, 
der  wie  aw.  hi&qm,  gr.  ^^v  gebildet  ist,  sehen.  Ferner  idg. 
^ybidS'  in  lat  vids-bam,  ksl.  vids-achz  u.  s.  w.  Vgl.  Lindsay 
Lat.  gr.  s.  563. 

b)  Formen  von  dem  erweiterten  stamm  mit  dem  suffix 
*'teu-,  ^'tei'.  Die  akzentverhältnisse  sind  noch  nicht  aufge- 
klärt. Wahrscheinlich  ist  ursprünglich,  das  suffix  betont  ge- 
wesen und  standen  wnrzel-  sowie  ableitungssilbe  in  der  tief- 
stufe: ai.  giritum  'zu  verschlingen'.    Vgl.  §  41. 

a)  Die  Wurzelsilbe  ist  vollstufig, 
ai.  caritum  ^zu  bewegen'  neben  ai.  carüdh;  ai.  j'anitöh  'zu 
erzeugen',  lat.  gentium;  ai.  taritum  *zu  übersetzen',  (lat.  tritum); 
ai.  püritum  'zu  füllen',  (lat.  impletum);  ai.  pdtüum  'zu  fallen' 
neben  ai.  patüdh;  ai.  vämitum  'zu  erbrechen',  lat  vontitum; 
ai.  vedüum  'zu  erkennen'  neben  ai.  vidüvä,  vidüdh;  ai.  var- 
titum  'zu  wenden';  ai.  göcüum  'zu  leuchten';  ai.  röcitum  'zu 
scheinen'  neben  ai.  rucüdh. 

ß)  Die  ableitungssilbe  erscheint  in  der  dehnstufe,  die 
Wurzelsilbe  ist  tiefstufig,  lat.  im-plMum  'anzufüllen'  neben  ai. 
püritum;  lat.  crStum  'zu  scheiden'  neben  ai.  garitöh;  lit.  miniti 
'erwähnen',  ksl.  mbn^^i 'meinen' ;  lit  hudeti,  ksl.  bhdsti  'wachen'; 
ksl.  vrhteti  'wenden,  kehren'  neben  ai.  vartUum;  ksl.  ttr^i 
•reiben'  neben  ai.  taritum;  ksl.  ztrBti  'fressen'  neben  ai.  giritum. 
Mit  hochstnfiger  Wurzelsilbe:  lit.  gefi£i%  'äste  abhauen'  neben 
ai.  hanitum;  ksl.  vel^ti  'befehlen'  neben  ai.  varitum. 

y)  Die  ableitungssilbe  hat  die  tiefstnfengestalt  l;  die 
Wurzelsilbe  ist  meist  tiefstufig,  ai.  grdhUum  'zu  greifen'  neben 
ai.  grhftdh;  ai.  varitum  'zu  wählen',  lit.  wilgti  'wünschen';  lat 
petTtum,  cubitum,  tritum. 

Formen  vom  unerweiterten  stamm:  ai.  gdntum  'zu  gehen', 
lat.  ventum,  lit.  gimtu  'geboren  zu  werden',  ai.  gäntuh  'weg', 
lat.  adventus;  ai.  mantum  'zu  denken',  lit  miMu  'zu  gedenken' 
—  ai.  mdntuh  'rat';  ai.  yöddhum  'zu  kämpfen',  lat.  iuasum  — 
lat.  iu88us  'befehl';  ai.  vettum  'zu  wissen'  (neben  vedüum),  lat 


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Beiträge  zur  gescliichte  der  indogermanischen  konjugation.     103 

Visum  —  lat.  vf8U8  'blick ',  air.  fiss  ^wissen';  ai.  tanium  'zu 
strecken',  lat.  tentum;  ai.  sattum  *zu  sitzen',  lat.  sessum;  lat. 
versum,  vorsum,  lit.  vefati  'umkehren'  —  lat.  versus  'Wendung'; 
ai.  häniutn  'zu  schlagen'  (neben  ai.  hanitum),  lit  gifUu  'zu 
jagen';  lit.  mifUi  'gedenken'  —  ai.  matih  'denken'  usw.  vgl. 
Brugmann  Grd.  2,  s.  277  £P.  ('ti-  in  primären  abstrakta).  Wegen 
der  lit.  infinitive  mit  stosston  wie  girti  'trinken',  virnti  'sich  er- 
brechen', vSrti  'auf  oder  zu  tun',  kiUi  'heben',  skilti  'spalten', 
dirti  'schinden',  sp{rti  'mit  dem  fusse  stossen',  skirti  'schneiden' 
u.  a.  8.  §  46. 

§  48.  n.  Die  mit  dem  suffix  -ter  und  -trom  (-dhrom) 
gebildeten  nomina  agentis  und  actionis. 

a)  Die  Wurzelsilbe  ist  tiefstufig,  die  ableitungssilbe  erscheint 
in  der  dehnstufe:  gr.  ^^twq  'redner'  :  lit  r^ju;  lat  im-plstar; 
gr.  TtXfj^Qov  (ßldog  ^hqov  Hesych).  Wegen  ai.  jMtd  'kenner', 
gr.  Yvw(ayi;riQ  'zeuge',  lat.  nötovy  ksl.  zna4elh  'wissender'  s.  Bei- 
träge U. 

ß)  Die  Wurzelsilbe  ist  meist  Yollstufig,  das  ableitungssuffix 
erscheint  in  der  tiefstufengestalt  -t-i 

ai.  janüd  'erzeuger',  janüram  'geburtstätte',  lat.  genüor  ^); 
ai.  v^düä  'kenner';  ai.  prortaritd  'förderer';  ai.  gräbhUä  'er- 
greifer', pratigrahUd  ^empfänger' ;  ai.  dhavüram  'wedel,  fächer'  : 
dhuniyat;  ai.  carüram  'fuss';  lat.  molüor;  ai.  tarutd  'über- 
winder', 4drutrah  'hinüberschaffend'  nach  tarutS;  [ai.  manötä*) 
'ersinner'  nach  manut^]. 

Formen  vom  unerweiterten  stamm: 

ai.  vetiä  'kenner',  gr.  uncag^  Xatioq  'wissender,  zeuge',  lat. 
v}sor^  in-visor,  ksl.  sptr-v^tdh  'mitwisser,  zeuge',  ai.  böddhä  'wer 
etwas  versteht,  kennt',  gr.  nevatiJQiog  'fragend,  forschend',  ksl. 
bljustelh  'Wächter';  ai.  hantd  'wer  schlägt',  aw.  janta  'erleger, 
tödter',  ksl.  z^tdh  'Schnitter';  ai.  gäntä  'wer  geht  kommt',  gr. 
ßatriQ'  ßaivwv  (Hesych),   lat  ^in-ventor^;    ai.  säää  'wer  sitzt', 

1)  Das  i  {(b)  von  gr.  y«y-«-Tii^,  H^-£-^qop,  lat.  ter-e-bra^  gr.  l^-«-TOf 
usw..  ist  durch  miachang  der  abgeleiteten  «i'-yerba  mit  den  primitiven 
(themavokalischen)  zu  erklären.  Vgl.  Gurtius  Verb.  I  870  ff.  und  Ost- 
hoff D.  verb.  i.  d.  nominalkomp.  184.  Gr.  yivrni^  :  ai.  jänati]  gr.  riQi' 
TQov  :  ai.  tdrat%\  gt.  tfistoq  :  ai.  vdmati. 

2)  Dieselbe  bildung  wie  ai.  manöta  aus  ^meneff-ier-  ist  lat.  crthrutn^ 
air.  eriaihar  'sieb'  aus  ^hrn-tro-  :  gr.  x«/^w,  lat.  ere-vi.  Vielleicht  ge- 
hört dazu  ahd.  (hjrltara  f.,  mhd.  rUer  'reiter,  sieb'. 


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104  Hans  Reichelt 

lat.  ctdsessor,  aw.  aim-ädista  ^wer  sitzt';  ai.  yöddhä  'kämpfer*, 
lat.  iu88or  (neXevrfJQ  gloss.  phil.);  ai.  mantd  'denker',  gr.  Mev- 
TfOQ,  lat  com-^entor,  ai.  mdntrdh,  aw.  mqd'rö  ^sprach';  ai. 
tdntram  'Webstuhl',  lit.  ii^Üdas  'netz';  gr.  SiQtQoy  'darmfelP; 
gr.  viQ&QOv  'ende,  spitze';  gc,  ßä&QOv  'stufe,  schwelle,  sitz;  lat 
speärum  ^bild'. 

§  49.  III.  Die  mit  dem  suffix  -men-  gebildeten  nomina 
aktionis,  meist  neutra. 

a)  Die  Wurzelsilbe  ist  tiefstufig,  die  ableitungssilbe  erscheint 
in  der  dehnstufe,  gr.  ßl^fia  ^wurf,  schuss'  :  ai.  gläti ;  gr.  ^^fia 
^ausspruch'  :  lit.  reju;  gr.  fir^fia  ^denkzeichen'  :  ai.  mnätu 

ß)  Die  Wurzelsilbe  ist  vollstufig,  die  ableitungssilbe  er- 
scheint in  der  tiefstufengestalt  -t-.  ^ 

ai.  jänima  'geburt'  :  ai.  jäyatS;  ai.  päritna  'fülle'  :  aL 
präsi;  ai.  däHtna  'Zerstörung'  :  ai.  dpüy&t.  Formen  vom  un- 
erweiterten stamm:  gr.  deq^a  'abgezogene  haut'  neben  ai.  där%- 
ma;  ai.  värtma  'bahn,  spur',  ksl.  vr&n^  'zeit'  aus  *vertm^  :  ksl. 
vrbtM;  ai.  sddma  'sitz';  ai.  jdnma  'geburt'  neben  ai.  jänima. 
Infinitiv  ai.  vidmdnS  'zu  erkennen',  lesb.  i'dfievav  'zu  wissen'. 


IX.    Die  komparative  auf  -^ios. 

§  50.  H.  Hirt  IF.  12,  200 fif.  hat  dadurch,  dass  er  das  7 
dieser  komparativbildungen  mit  dem  i  der  ai.  set-haaen  und 
weiter  mit  dem  ^  der  übrigen  sprachen  in  Zusammenhang 
brachte,  der  forschung  den  richtigen  weg  gezeigt  Das  7  kann, 
wie  die  beispiele  beweisen,  nichts  anderes  sein,  als  die  tief- 
stufenform  unseres  Suffixes,  und  der  umstand,  dass  daneben 
nirgends  I  erscheint,  weist  darauf  hin,  dass  es  ursprünglich 
betont  und  dehnstufig  war.  Es  lässt  sich  allerdings  nur  eine 
einzige  solche  ursprüngliche  form  anführen:  ai.  präyah  'meist', 
lat  *pU''iö8  in  pleores  (F.  Sommer  IF.  11,  51)  :  ai.  prnäti, 
lat  pleo.  (Die  slav.  komparative  auf  -^ßs,  die  Streitberg  PBrB. 
16,  266  aus  *^je8  erklärt  hat,  sind  wahrscheinlich  sekundäre 
bildungen  und  von  adverbien  auf  -^  abgeleitet  (Brugmann,  Grd. 
2,  410),  kommen  also  schwerlich  in  betracht). 

Wenn  man  aber  die  bedeutung  der  hierher  gehörigen  ai. 
komparative  berücksichtigt,  kann  die  annähme  der  ursprüng- 


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Beiträge  zur  geschichte  der  indogermanischen  konjugation.    105 

liehen  betonang  des  ableitungssuffixes  nicht  befremden:  ai.  ta- 
riyän  deicht  durchdringend'  :  "^triO'^i'  *  durchdringen';  ai. 
yö'dhlyän  'besser  kämpfend'  :  ^iudh-ei-  'kämpfen';  ai.  t^dXyän 
*  besser  kennend'  :  ^uid-S^-  usw.  Diese  komparative  haben 
partizipialbedeutung  und  sind  direkt  aus  dem  verbalstamm  ^) 
gebildet  Es  scheint,  als  lägen  in  ai.  dari-^  däri-  'spaltend', 
grbhi'  *in  sich  fassend',  -^adi-  'sitzend',  fuci-  'strahlend'  korre- 
spondirende  positivbildungen  Yor,  und  als  wäre  ai.  n^dlyän 
'näher,  mehr  dabei  sitzend'  (aus  idg.  ^ne-zd-,  aw.  nazdyah- 
und  nazdiätch  Uhlenbeck  Et.  wb.  d.  ai.  spr.  150)  der  regel- 
rechte komparativ  zu  [pathij-fädi-  '[am  weg]  sitzend'. 

ai.  tdriyan  'leicht  durchdringend'  :  (ai.  ttryati)  gr.  rltfrjfii, 
ahd.  drau. 

ai.  t^diyan  'besser  kennend'  :  lat  video,  got.  mtan,  ksl. 
vidHi, 

ai.  yödhiyän  'besser  kämpfend'  :  lat.  jtibeö. 

aL  variyän  'vorzüglicher'  :  ai.  vrndti,  ksl.  velsti, 

ai.  haniyän  'besser  schlagend'  :  gr.  ^eivw^  lit  gen&i. 

ai.  tanlyan  'sich  mehr  streckend'  :  gr.  t«iVcd,  lat.  ten(Sre, 

Anstatt  ai.  vediyän  wäre  also  ^viddyan  zu  erwarten.  Der 
akzent  von  vediyän  und  die  reduktion  des  dehnstufigen  ablei- 
tungssuffixes findet  in  der  komposition  seine  erklärung.  Die 
komponirten  komparative  ziehen  den  akzent  soweit  als  möglich 
zurück.  In  sämmtlichen  bekannten  fällen  ist  die  erste  silbe 
des  Vordergliedes  auch  die  tonsilbe.    Reuter  KZ.  31,  579. 

vgl.  vMsdiyän  'mehr  feuchtend',  prdticyamyan  'sich  mehr 
herandrängend',  udyamtyän  'mehr  in  die  höhe  hebend'. 

Solche  in  der  komposition  entstandene  formen  fanden  dann 
auch  ausserhalb  derselben  ihre  Verbreitung  und  verdrängten 
schliesslich  die  ursprünglichen  formen  vollends. 

1)  Vgl.  ndbhas  tdrJySn  'die  wölke  leicht  dorchdringrend',  Vftrdm 
hdniffha]^  'der  beste  Schläger  des  Yritra'.  Es  finden  sich  auch  falle,  wo 
der  Wurzel  eine  praeposition  vorgesetzt  ist:  agami§lha,  'aufs  beste  her- 
beikommend'.   Vgl.  Whitney  Ai.  gr.  §  468. 


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106  C.  Hentze 


Der  imperativische  inflnitiy  in  den  homerischen 
gedichten. 

Der  bedeutung8UDterschied  zwischen  dem  imperatiY  und 
dem  Imperativischen  infinitiv  im  Griechischen  ist  au£Pallend 
spät  erkannt  und  klar  gestellt.  Zwar  hatte  Delbrück  bereits 
in  seiner  dissertation  de  infinitivo  Graeco,  Halle  1863,  in  dem 
gebrauch  der  Odyssee  einen  unterschied  zwischen  beiden  formen 
gefunden  und  dahin  bestimmt,  dass  der  imperativische  inf.  von 
handlungen  der  entfernteren  Zukunft  stehe,  der  imperativ  da- 
gegen von  unmittelbar  oder  doch  in  der  nächsten  Zukunft  zu 
vollziehenden  handlungen.  Dass  dieser  unterschied  sich  nicht 
auf  den  gebrauch  der  Odyssee  beschränkt,  sondern  in  gleicher 
weise  in  der  Ilias  sich  zeigt,  beobachtete  dann  Gaedicke  (Der 
accusativ  im  Veda,  Sreslau  1880),  aber  erst  Rieh.  Wagner 
unterzog  in  dem  Schweriner  programm  1891  (der  gebrauch  des 
imperativischen  infinitivs  im  Griechischen)  den  gebrauch  in  den 
homerischen  gedichten  einer  gründlichen  Untersuchung.  Das 
hauptergebniss  dieser  ist,  dass  der  imperat.  inf.  bei  Homer 
seiner  bedeutung  nach  ein  futurischer  imperativ  ist  Hinsicht- 
lich des  gebrauchs  aber  wird  festgestellt,  dass  er  in  Vorschriften, 
die  für  alle  zukunft  und  alle  fälle  gültig  sind,  selten  ist,  doch 
für  die  zweite  person  ohne  konkurrenz  des  imperativs,  dagegen 
besonders  in  Vorschriften,  befehlen,  mahnungen,  Warnungen  ver- 
wendet wird,  die  sich  auf  einen  einzelnen,  nach  verlauf  einiger 
zeit  (zuweilen  nur  eventuell)  eintretenden  fall  beziehen  und  deren 
ausfuhrung  häufig  mit  einem  Ortswechsel  verbunden  ist;  selten 
endlich  unter  zurücktreten  seiner  futurischen  bedeutung  zur 
bezeichnung  eines  energischen  befehls  oder  dringenden  Wunsches 
gebraucht  wird.  Diese  ergebnisse  hat  Delbrück  Vergl.  Syntax  H 
p.  4ö4  ff.  im  wesentlichen  anerkannt.  Nach  ihm  ist  der  griech. 
inf.  genau  in  die  bedeutungssphäre  des  imperativs  auf  töd  ein- 
gerückt und  bezeichnet,  wie  dieser,  etwas,  was  erst  in  einem 
augenblick  der  entfernteren  zukunft  geschehen  soll.  Äehnlich 
bemerkt  Brugmann  Griech.  gramra.  «  p.  517,  dass  der  inf.  in 
die  bedeutungssphäre  der  imperativformen  auf  -rw  -a^cw  u.  s.  w. 
einrückte,  die  ursprünglich  bedeuteten,  dass  einer  aufforderung 
erst  in  der  zukunft  nach  einem  gewissen  Zeitpunkt  nachge- 
kommen werden  solle. 


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Der  imperativische  iDÜnitiv  in  den  homerischen  gedichten.     107 

Indess  sind  durch  die  so  verdienstyolle  Untersuchung 
Wagners  nicht  alle  fragen  erledigt  So  bedarf  namentlich  die 
bereits  yon  Delbrück  a.  o.  II  p.  456  bestrittene  annähme,  dass 
der  imperativische  inf.  in  einzelvorschriften  bei  geringerer  deut- 
lichkeit  der  futurischen  beziehung  von  dem  konkurrierenden 
imperativ  sich  durch  eine  grössere  intensität  und  einen  gewicht- 
volleren charskter  unterscheide,  und  überhaupt  das  verhältniss 
des  gebrauchs  beider  formen  noch  einer  näheren  Untersuchung. 
Sodann  ist  die  von  Wagner  verneinte  frage ,  ob  innerhalb  der 
periode,  welche  die  homerischen  gedichte  umfassen,  eine  ent- 
wicklung  des  gebrauchs  in  einer  bestimmten  richtung  sich  ver- 
folgen lässty  noch  einmal  aufzunehmen.  Endlich  werden  sich 
noch  weitere  spuren  von  dem  gebrauch  des  imperat.  inf.  3. 
person  verfolgen  lassen,  als  die  bekannten  spärlichen  beispiele 
bei  Homer  zunächst  ergeben. 

Wir  wenden  uns  zunächst  zu  dem  ganz  überwiegenden 

Gebrauch  des  imperativischen  infinitivs  der 
2.  person. 

Die  futurische  bedeutung  ergiebt  sich  vornehmlich  aus  den 
zahlreichen  beispielen,  in  welchen  der  imperat.  inf.  im  nach- 
satze  eines  futurischen  temporal-  oder  konditionalsatzes  oder 
konditionalen  relativsatzes  steht,  oder  mit  der  konstruktion  von 
Ttqiv  mit  inf.  verbunden  ist.  Wagner  zählt  in  den  hieher  ge- 
hörigen beispielen  im  ganzen  67  imperat.  infinitive  (U.  28,  Od. 
39);  ich  zähle  einige  mehr,  im  ganzen  78  (II.  32,  Od.  46)  i). 
Imperativ,  infinitive  2.  person  finden  sich  überhaupt  in  den 
homerischen  gedichten  nach  Wagners  Zählung  199  (IL  76,  Od, 
123),  80  dass  die  mit  futurischen  nebensätzen  verbundenen  über 
ein  drittel  der  gesamtzahl  ausmachen. 

1)  Es  geht  ein  nebensatz  Toran  im  conjunotiv,  mit  inriv  O  148. 
n  464.  ff  294.  (T  416.  €  849  f.  (2).  C  298  (2).  ar  527  f.  (2).  A  121.  o  37  f. 
(4).  a  270.  X  4*3;  kniC  xi  I  708  (2).  Y  387.  *  535;  St  &v  H  460 
(2);  8t€  Xi  <r  422  (8);  önor'  av  4»  841.  x  611  (2).  C  804;  onort  x€  J  42 
(2).  X  295.  l  182  (2).  v  166.  158.  n  285  296;  otpg  av  xs  C  261;  at  xt  E 
130.  261  flf.  (3).  T  147  (2).  t  504.  i/;  79 ;  rf  x«  B  182.  /  279.  281.  JT  89. 
92.  a  291  (3).  fA  164.  ^  83.  ü  (liv  xe  —  tl  Si  xi  {  395  ff.  (2);  il  KSil; 
rpf  Tii^  xal  n  211  i.  (2).  Der  nebensatz  folgt  nach:  mit  knriv  11  95  (2); 
W  av  J  hZ\  8rt  x€  X  335.  n  287.  r  6;  «r  x€  Ä  592.  fi  49.  Ein  hypo- 
thetischer relativsatz  geht  voran  /  288.  a  316.  a  286,  folgt  nach  SP"  246  ff. 
Ein  negativer  imperat  inf.  neben  n^iv  mit  inf.  n  889  ff.  4>  294  ff, 
X  536  f. 


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108  C.  Hentze 

Oleichwerthig  mit  futurischen  konditional-  oder  temporal- 
sätzen  sind  participia  des  aorists,  wie  J7  87  in  vrfov  iXdaag 
Uvai  Ttdhv.  B  91  0  296  f.  rc  132  f.  283  S.  Oft  gehen  dem 
imperatiyisohen  infinitiv  auch  hauptsätze  im  fut.  voraus ,  in 
denen  ein  Vorgang  als  zukünftig  eintretend  gesetzt  wird,  der 
für  die  im  inf.  geforderte  handlung  die  Voraussetzung  bildet, 
wie  X  296  ff.  fj  di  a  vftodeiaaaa  xslfjaezai  cvvri&^ai'  ev^a 
av  fifpch*  BJCBix  dnavrjvCLüd'ai  &eov  evvijv  xtL  *).  Nicht 
selten  aber  ist  die  in  der  Zukunft  Hegende  Voraussetzung  für 
die  im  inf.  geforderte  handlung  gar  nicht  angegeben,  aber  aus 
dem  zusammenhange  leicht  zu  entnehmen:  aus  vorhergehenden 
futurischen  nebensätzen  X  259  (aus  256).  x  173  ff.  (aus  167). 
K  65  (aus  63).  y  327  vgl.  325 f.;  aus  vorbereitenden  sätzen 
mit  lokalangaben  V  334 — 343  (wenn  du  dem  beschriebenen 
ziel  dich  genähert  hast),  o  33  f.  Sonst  V  83  vgl.  80  f.  (sinn: 
ordne  an,  dass  nach  deinem  tode  unsere  gebeine  vereinigt 
werden).  Ein  Ortswechsel,  welcher  der  geforderten  handlung 
vorausgehen  muss,  wird  ohne  weiteres  vorausgesetzt:  /  369 
(wenn  ihr  in  Agamemnons  zeit  zurückgekehrt  seid).  S  501  f. 
(wenn  ihr  nach  hause  gekommen  seid),  d  408  f.  (wenn  du  zu 
deinen  gefährten  zurückgekehrt  bist).  «  29  f.  l  441 — 43  (wenn 
du  nach  hause  gekommen  bist),  l  455  f.  (wenn  du  auf  der 
fahrt  nach  hause  bist),  v  307—10  (vgl.  306  dofioig  m).  O 
500  f.  (fiev  dd'avdToiai  ^eöiav  d.  i.  'im  saale  des  Zeus')  •). 

An  manchen  stellen  wird  die  im  inf.  geforderte  handlung 
durch  beigefügte  zeitadverbia  ausdrücklich  in  die  zukunft  ge- 
rückt: durch  IWra,  wobei  die  zunächst  vorzunehmende  hand- 
lung theils  vorangeht:  V  245 — 248  [ausdrücklich  mit  vvv  be- 
zeichnet  X  ^^ — 43^9  ^0  xad^aiQeiv  aber  wahrscheinlich  im- 

1)  Die  beispiele  gehören  bis  auf  eins  nur  der  Odyssee  an.  An  der 
spitze  des  parataktischen  nachsatzes  steht  <f^  tot*  inura  m  629  ff.,  auf- 
forderndes dXXd  fji  89  ff.  101—109.  121—124.  (p  232  ff.,  ein  persönliches 
pronomen  als  subjekt  des  inf.  mit  ^i  B  73—75.  <f  417—19.  l  248—50. 
n  288-85  und  295,  nur  ^i  y  825—27,  asyndetisch  V  362—865.  Dem 
faturischen  satze  sind  Ortsbeschreibungen  oder  undere  angaben  ange- 
schlossen, welche  an  der  spitze  des  nachsatzes  mit  looalem  %v^  aufge- 
nommen werden:  C  291—95.  v  407—11,  ähnlich  %  512—521.  A  69—78, 
auch  C  304-10. 

2)  Hierher  würde  auch  B  806  gehören,  wenn  mit  Düntzer  nach 
dem  vorschlage  von  Heyne  an  stelle  des  handschriftUoh  überlieferten 
iStiyi£a&ai  zu  schreiben  wäre  iSny^^^*  'du  führe  jene  (die  Troer)'. 


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Der  imperativische  infinitiv  in  den  homerischen  gedichten.     109 

perat.  inf.  3.  person  ist],  theils  nachfolgt,  mit  vvv  di  T  147  f. 
X  250 f.,  ohne  yerhum  mit  tji  %al  ttvrlwx  vvv  'F  551f.,  einmal 
durch  devT€QOv  avve  nach  vvv  V  602 — 605;  durch  rjcj&ev  nach 
Yorhergehendem  imperativ  q  599  f.  t  317 — 320,  offi'  ^oi  q^i.- 
vofiivriq>iv  t]  222  (nach  Aristarchs  lesart  örfvveo&ai^  Zenodot: 
oxqvvw^B).    Vgl.  auch  /  705—9. 

Als  futurisch  erweist  sich  der  imperat.  inf.  auch  ohne  tem- 
porales adverb,  wenn  zwei  au£Porderungen  einander  folgen,  von 
denen  die  erste  im  imperativ,  die  zweite  im  infinitiv  steht.  Der 
vorangestellte  imperativ  enthält  mehrfach  die  bezeichnung  eines 
Ortswechsels:  A  322  f.  eQxead'ov  yiliairiv  Ilfjlrjiddeu}  ^AxtXrjog' 
XBiQog  kXovT  dye^ev  Bqiafjlda.  JB  8flf.  ßdaii  l&i  —  d-odg  ini 
vijag  *^%aiSrv'  iJL&(ov  ig  xXiairjv  li4yafiifivovog  —  dyoqevifiev, 
O  158  f.  1).  Anschluss  des  inf.  mit  di  J  701  y  17—19  vgl. 
323 — 327.  Selten  wird  bei  imperat.  inf.  der  Ortswechsel  durch 
das  participium  eines  verbums  der  bewegung  bezeichnet,  wie 
P  691  f.  dXXd  av  y  aly/  ^A%iXi^i.  d'iwv  Inl  vijag  ^AxanSv  si- 
neiv  und  o  543 f.,  oder  durch  eine  locale  bestimmung  beim 
verbum  angedeutet,  wie  T  194  dtjga  iiirjg  naga  vrjog  evsi- 
xi^ev.  Ein  zwischen  beiden  handlungen  liegender  Ortswechsel 
ist  nicht  bezeichnet  o  151  f.  xalgsrovy  (o  tlovqu)'  xal  Niaxoqi 
noifiivi  ladfv  elrcelv,  wo  x^^Q^^^  zu  ergänzen  ist,  'auch 
Nestor  sagt  meinen  gruss'  (wenn  ihr  zu  ihm  gekommen  seid). 
Ebenso  O  229  f.  dlXcc  avy  h  x^/^eaat  Id^  aiylda  &vaa^ 
voBoaav*  r^v  fidÜ  imaaelünf  q>oßhiv  'Axatoig*  Apollo  soll  so- 
gleich (noch  auf  dem  Ida,  wo  er  mit  Zeus  sich  befindet)  die 
aegis  ergreifen  und,  wenn  er  auf  das  Schlachtfeld  gekommen, 
sie  schwingen.  —  Es  kommt  noch  ein  beispiel  in  betracht,  in 
welchem  die  lesart  nicht  feststeht:  J!^  140  ff.  v^Big  fiiv  vvv  övTe 
d'aXaaafjg   svqia  noXrtov  otpo^eval  %e  yiqovSf  aXiov  —  xai  ol 

1)  Nooh  würde  hieher  gehören  A  611  dkX'  f^»  —  Niaro^*  fQito, 
wenn  die  anstössige  form  igito  mit  v.  Leenwen-Mendes  da  Costa  doroh 
i(fiaSa$  oder  mit  Brandreth  durch  iqiad'ai  zu  ersetzen  wäre.  —  Be- 
merkenswerth  ist  auch  die  zu  iV465  alV  Imv,  lAXxad'op  inafivvofjiiv  im 
Yind.  5  sich  findende  Variante  inafiwifiw^  far  welohe  spricht,  dass  im 
folgenden  der  von  Deiphobos  hier  aufgeforderte  Aineias  allein  gegen 
Idomeneus,  der  Alkathoos  erlegt  hat,  vorgeht  und  v.  490  Deiphobos  zu 
hülfe  raft.  Aristarch  wird  den  inf.  verworfen  haben,  weil  an  In^ 
'komm  mit'  sich  nie  ein  imperativ  oder  inf.  sohliesst,  sondern  entweder 
ein  adhortativer  ooig.  oder  ein  absiohtssatz. 


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110  C.  Hentze 

noYi  dyogevaaiy  wo  die  handschriften  ayogevactv  geben,  wäh- 
rend Zenodot  ayogevaat  las,  worüber  Didymos  bemerkt:  mat 
vftoq>aiv€i  to  ^OtatjQiKOv  i'd'og:  Lud  wich  Ar.  H.  T.  I  p.  429. 
Gleichwohl  sind  nur  Bekker,  Nauck  und  Fick  Zenodot  gefolgt. 
Nun  stossen  wir  aber  auf  eine  reihe  von  beispielen,  in 
welchen  der  Wechsel  von  imperativ  und  infinitiv  nicht  ohne 
weiteres  verständlich  ist,  theils  weil  die  bezeichneten  hand- 
lungen  ohne  Ortswechsel  in  unmittelbarer  folge  einander  auf- 
nehmen oder  weil  sie  von  der  betrachteten  reihe  sonst  in  auf- 
fallender weise  abweichen.  Zunächst  zwei  beispiele,  in  welchen 
dem  imperativ  eines  verbums  der  bewegung  nicht  der  imperat 
inf.  folgt,  sondern  zunächst  ein  zweiter  imperativ  und  dann  erst 
der  infinitiv:  Z  209  S.  dXkä  av  fiiev  Ttqog  vrjov  ^A&Tjvairjg  — 
e^eo  —  TiinXov  de  —  tov  ^ig  ^Ad^votirjg  irtl  yovvaaiv  —  xcu 
Ol  vTroaxio&ai  .  .,  wo  man  d'elvai  an  stelle  von  tov  d-ig  er- 
warten sollte,  umsomehr,  als  in  der  vorläge  v.  92  ^eivai  steht, 
und  X  402  ff.  sqx^o  vvv  irti  vrja  ^cwjy  —  v^a  ^ev  oq  Tcdfifcgah- 
Tov  iqvaaccsB  i^jceiQOvöej  XTfjfiaTa  <f  iv  artijeaav  freldaactfe  — 
avjog  d'  Stp  ievai  xat  ayeiv  iQirjQag  etaigovg  ^).  Hier  ist  aber 
in  bezug  auf  den  anschluss  eines  zweiten  imperativs  an  den 
imperativ  eines  verbums  der  bewegung  sofort  festzustellen,  dass 
dieses  der  regelmässige  gebrauch  ist,  dem  gegenüber  die  wenigen 
beispiele,  in  welchen  an  stelle  des  zweiten  imperativs  der  im- 
perativ, inf.  folgt,  nur  als  ausnahmen  erscheinen.  Und  zwar 
schliesst  sich  einem  sqx^o  oder  t^t  ein  zweiter  imperativ  nicht 
nur  dann  an,  wenn  jene  ohne  Ortsangabe  wie  eine  art  verschlag 
diesem  vorausgeschickt  sind,  so  dass  sie  sich  der  bedeutung 
einer  aufforderungspartikel  nähern,  sondern  auch  da,  wo  in- 
folge der  hinzugefügten  Ortsbestimmungen  die  Vorstellung  ge- 
geben ist,  dass  eine  längere  oder  kürzere  zeit  verlaufen  wird, 
ehe  die   zweite    handlung    ausgeführt  werden   kann  *).      Diese 

1)  Wäre  die  von  Eirchhoff  d.  hom.  Od.  p.  219  and  Fick  über 
y.  408  f.  aasgesproohene  athetese  begründet  und  schriebe  man  nach 
aasBcheidang  dieser  beiden  verse  statt  avrog  406,  sei  es  mit  Eirchhoff 
xit&iVf  sei  es  mit  Fick  av^ig,  so  wäre  das  yerhältniss  von  tt^x^o  nnd 
iivai  das  gleiche,  wie  in  den  oben  angefahrten  beispielen. 

2)  Ich  gebe  eine  vollständige  Übersicht  des  gebraaohs.  Nach  i^x^o 
(iQX^ff^-t)  folgt  ein  zweiter  imperativ :  asyndetisoh  M  843.  x  820.  402  f. 
n  180  f.  Q  508.  629.  544,  mit  Si  Z269f.  r  28  ff.  ff  814  ff.  {fierigx^o 
Z  86),  mit  xal  1  649.  O  54;  nach  IIH  mit  xat  Sl  \Vli.  a  284,  nach 
üatk^i  mit  utai  Z  864;  ll^^t  mit  H  oi  214  f.,  nach  f^»  asyndetisch  B 


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Der  Imperativische  infinitiv  in  den  homerischen  gewichten.     1 1 1 

beobachtang,  sowie  die  andere,  dass  auch  da,  wo  ein  Orts- 
wechsel durch  das  participium  eines  yerbums  der  bewegung 
mit  oder  ohne  Ortsangabe  angezeigt  ist,  der  imperativ,  und 
nicht  der  infinitiv,  regelmässig  gebraucht  wird  (nur  zwei  aus- 
nahmen sind  p.  109  bemerkt),  ergiebt,  dass  der  Ortswechsel, 
durch  den  die  zweite  handlung  in  die  zuknnft  gerückt  wird, 
jedenfalls  für  die  wähl  der  imperativischen  form  nicht  das  ent- 
scheidende oder  wenigstens  nicht  das  allein  entscheidende  mo- 
ment  ist.  In  den  beiden  in  frage  stehenden  beispielen  sind 
also  die  beiden  zunächst  vorzunehmenden  handlungen  als  eng 
zusammengehörig  in  derselben  form  des  Imperativs  gefordert, 
die  weiter  hinzukommende  aber  durch  eine  andere  form  davon 
gesondert.  Dafür  wird  in  x  402  ff.  massgebend  gewesen  sein, 
dass  die  rückkehr  des  Odysseus  erst  nach  abschluss  der  vor- 
hergehenden handlung  (der  bergung  des  Schiffes  und  der  guter) 
eintritt,  wofür  die  beispiele  JT  451 — 454  und  <D  531 — ^535  zu 
vergleichen  sind,  in  denen  vor  dem  imperat.  inf.  durch  einen 
fiiturischen  temporalsatz  ausdrücklich  der  abschluss  eines  bei 
dem  vorhergehenden  imperativ  bezeichneten  Vorgangs  angezeigt 
wird.  Dagegen  ist  in  Z  269  ff.  kein  grund  ersichtlich,  weshalb 
die  unmittelbar  zusammengehörigen  handlungen  der  weihung 
des  gewandes  und  der  zusage  eines  opfers  durch  verschiedene 
imperativformen  bezeichnet  sind;  man  möchte  vermuthen,  dass 
für  die  wähl  des  inf.  die  vorläge  Z  93  bestimmend  gewesen, 
obwohl  diese  vorläge  in  v.  273  (ß^iq  statt  ^üvai  92)  verlassen 
ist.  Aber  auch  sonst  ist  der  Wechsel  von  imperativ  und  infini- 
tiv nicht  überall  verständlich.  In  r  4ö8f.  freilich,  wo  die 
handschriften  mit  Aristarch  geben:  Ipiüq  S  ^Afffdriv  ^EUvrjy 
xai  XTijfia&*  Sfi  ocv%^  «xdor«,  %ai  Tifi^v  drcoTivi^w  (Zenodot: 
dftorlvevov  irrig  als  pluralform  gefasst),  können  Ahrens  und 
la  Roche  (Hom.  unters.  II  p.  74)   recht   haben   mit   der   ver- 


168  ff.  179  ff.  X  157  f.  r482.  K  BS.  175  f.  A  611.  T347f.,  mit  xai 
V  646.  tf  171 ;  nach  ßaax  t^i  asyndetisch  9  3d9.  ui  186.  n.  144  f.,  mit 
xai  tLVLch  ü  886 f.,  nach  Hi'ri  mit  ^i  ß  189.  —  Ein  Ortswechsel  wird 
beim  imperativ  durch  das  participium  eines  verbums  der  bewegung  mit 
oder  ohne  Ortsangabe  angezeigt:  durch  Itav  u<  179  f.  Z490f.  =  a  856  f. 
»  9  850 f.  /  421  f.  2  198.  Si  704.  ß  178.  288  f.  ^  142.  ^  184.  a  408; 
durch  xUav  N  294;  durch  iXd'niv  A  394.  ^  88  f.,  l^tX^ovre  {reg)  <p  90. 
X  875,  €iaeX&<av  Sl  465  f. ;  avaßäaa  <f  751  f.  V^  864  f.  d^imf  x  106;  naq^- 
Cofuvos  V  884;  <p^^anf  ^  845,  aytop  A  828  ff. 


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112  C.  Hentze 

muthung,  dass  die  arsprüngliche  lesart  aTtorlvere  wegen  des 
Hiats  korrigiert  sei,  (y.  Leeuwen-Mendes  da  Costa  haben  so  ge- 
schrieben). In  a  162  f.  ferner:  dXl*  aye  dovQata  fAOKQa  TOfiwy 
dqfjLotfiO  xaX%^  evQBiav  axadirpf  orap  X%qia  ftij^ai  ift'  cpivrjg 
ist  die  erklärung  Wagners  (p.  23),  welcher  Ttij^ai  als  imperat. 
inf.  aor.  I  act  fasst,  *weil  die  befestigung  der  XxQia  erst  ge- 
schehen konnte,  wenn  das  floss  im  übrigen  fertig  war'  annehm- 
bar (indess  bleibt  auch  die  möglichkeit  die  form  als  imperat. 
aor.  I  med.  zu  fassen;  einige  handschr.  bieten  7tfj§oy).  Diese 
erklärung  ist  aber  nicht  anwendbar  auf  das  beispiel  X  339  ff. 
f4f]  fie  Icr  TtaQa  vrjvat  xvvag  ytataddtpai  li4xai(3vy  aXla  av  fiiv 
Xahcov  TB  alig  x^vaoV  ze  dide^o  dwQo,  rd  tol  dwaovai  Ttarrg 
%al  TvÖTvia  ^i]Tf]Q,  GWfia  de  oXxai^  ifiov  öd^evai  Ttdhv.  Denn 
empfang  (oder  annähme?)  des  lösegeldes  und  ausliefernng  der 
leiche  sind  zwei  so  unmittelbar  zusammengehörige  handlungen, 
dass  ein  Wechsel  der  imperativformen  zu  dem  zweck,  genau  zu 
bezeichnen,  dass  die  zweite  erst  nach  abschluss  der  ersten  er- 
folgen solle,  durchaus  nicht  zu  erwarten  ist.  Dazu  kommt  das 
andere  bedenken,  dass  beide  handlungen  der  zukunft  ange- 
hören und  zur  Voraussetzung  haben,  dass  die  leiche  in  das 
lager  gebracht  und  ein  lösegeld  angeboten  ist,  daher  nicht 
diSe^o,  sondern  di%Ba&ai  zu  erwarten  wäre  i).  Aber  diese  Vor- 
aussetzung gilt  auch  schon  für  die  erste  bitte  in  339,  wo  sie 
auch  in  der  Ortsbestimmung  na^  vrjvoi  deutlich  enthalten  und 
trotzdem  nicht  der  futur.  inf.  fiij  ^e  iäaai^y  sondern  der  impe- 
rativ fit]  fie  ea  gesetzt  ist.  Hier  bietet  sich  nun  ein  neuer  ge- 
sichtspunkt,  von  dem  aus  eine  reihe  von  beispielen  zu  beur- 
theilen  sind,  in  welchen  handlungen,  welche  unter  der  Voraus- 
setzung, dass  eine  andere  vorhergegangen  ist,  erst  in  der  Zu- 
kunft zu  vollziehen  sind,  doch  nicht  im  infinitiv,  sondern  im 
imperativ  gefordert  werden.  Der  grund  ist  hier,  dass  Hektor 
die  von  Achill  335  f.  ausgesprochene  absieht  seine  leiche  hunden 
und  vögeln  preiszugeben  abwehrt:  fxiq  (äb  ka  ist  dem  sinne 
nach :  gieb  die  absieht  auf,  und  dem  entsprechend  ist  auch  bei 

1)  ^ix^ifd'M  bietet  die  handschr.  H.  (Yindob.  117)  bei  la  Roche 
statt  ^i^t^o  und  darin  vermathet  Delbrück  Vergl.  synt.  II  p.  191  die  ur- 
sprüngliche lesart,  aber  deshalb,  wie  es  scheint,  weil  er  für  das  perf. 
ßi^iyfiai  nur  die  bedeatnngen  'standhalten'  and  'warten  auf  anerkennt. 
Aber  MiyfAipo^  A  124  wird  doch  nur  heissen  können  'empfangen 
habend'. 


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Der  imperatiTische  infinitiy  in  den  homerischen  gedichten.     113 

dem  positiven  gegensatz  dXla  —  didßSo  nicht  daran  gedacht, 
dass  die  ausfdhrung  der  handlang  der  znknnft  angehört,  son- 
dern die  bitte  geht  auf  eine  yon  Achill  augenblicklich  abzu- 
gebende erklärung,  dass  er  das  in  aussieht  gestellte  lösegeld 
annehmen  werde.  Ein  weiteres  schlagendes  beispiel  für  diesen 
gebrauch  des  imperativs  ist  Si  137  aüJt'  ay$  ä^  Ivaov^  vwqoIo 
de  di^ai  arroiva^  wo  es  sich  ebenfalls  nicht  um  die  sofortige 
lösung  der  leiche  handelt,  sondern  um  den  entschluss  Achills 
seine  bisherige  ablehnende  haltung  aufzugeben  und  eine  dem 
entsprechende  erklärung.  Aehnlich  JT  451  Suaow  vgl.  458  fil 
Yon  hieraus  sind  nun  auch  die  beispiele  zu  verstehen,  in  denen 
eine  der  geforderten  handlung  vorhergehende  ausdrücklich  im 
part.  aor.  bezeichnet  ist  und  doch  nicht,  wie  in  den  p.  108 
verzeichneten  beispielen,  der  imperat.  inf.,  sondern  der  impe- 
rativ zum  ausdruck  der  forderung  gewählt  ist  In  drei  bei- 
spielen spricht  der  redende  im  imperativ  seine  Zustimmung  aus 
zu  einem  vom  angeredeten  soeben  ausgesprochenen  anerbieten 
oder  entschluss,  verknüpft  damit  aber  die  forderung,  dass  er 
vor  der  in  absieht  genommenen  handlung  eine  andere  vollziehe, 
die  er  im  partic.  aor.  entweder  dem  imperativ  folgen  lässt: 
Q  599  av  ^  Siixeo  deielujoag  vgl.  593:  'gehe,  aber  vespere  zu- 
vor', und  o  171  ff.  vgl.  164 f.,  oder  vorausschickt:  T  34ff. 
dXJia  dt;/  elg  dyoQf^v  ycaXiaag  fJQOHxg  ^Axaiovg^  ^rfviv  anounw 
—  €u\pa  lAdÜ  ig  ncXaiAov  d'iaqifsa^o  —  ^rüste  dich,  aber  berufe 
zuvor'  vgl.  23.  (Vgl.  auch  %  106  mit  101).  Nehmen  wir  dazu 
ft  150  diXd  av  /  dyyellag  OTtiom  xie  'sobald  du  die  meidung 
gemacht  (im  palast  der  Penelope),  kehre  zurück'  (von  der  Stadt 
auf  das  gehöft),  wo  die  aufforderung  im  gegensatz  zu  einem 
anerbieten  des  Eumaios  (137)  ausgesprochen  wird,  so  ergiebt 
sich,  dass  im  imperativ  der  wille  des  redenden  mit  bezug  auf 
den  ausgesprochenen  willen  des  andern  entschiedener  zum  aus- 
druck kommt,  ohne  rücksicht  auf  das  temporale  verhältniss  der 
geforderten  handlung  zur  gegenwart  des  redenden,  wogegen 
dieses  bei  der  wähl  des  imperat.  inf.  vorzugsweise  in  betracht 
gezogen  wird.  In  7t  150  ff.  folgen  dem  imperativ  sofort  imperat 
infinitive  mit  rücksicht  darauf,  dass  die  handlungen  erst  voll- 
zogen werden  können,  nachdem  Eumaios  vom  gehöfte  sich  in 
die  Stadt  begeben  hat 

In  dem  eben  besprochenen  beispiel  befremdet  freilich  der 
rasche  Wechsel  der  Imperativformen,  weil  der  positiven  aufforde- 

BMtrtge  s.  kttnd«  d.  indg.  spnehMi.    XXVU.  8 


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114  G.  Hentze 

rung  zunächst  eine  negative  ansfuhrung  folgt,  die  doch  dieselbe 
ausdrucksform  zu  verlangen  scheint:  oftiata  yUe,  fitidi  xar 
ayQOVQ  nXa^eO'^ai  fier  ixeivov.  Von  dieser  erscheinung  finden 
sich  noch  folgende  beispiele:  E  605  dXla  TtQog  TQwag  nstQu^- 
fiivoi  aUv  oniaoio  uy^b^  firjdi  d^eolg  ^eveaivefiev  lq>i  fiaxea&ai 
(wo  nach  Bentleys  verschlag  Christ  und  v.  Leeuwen-M.  vregen 
des  digammatischen  anlauts  von  lq>i  schreiben  fiereaivßte)^ 
a  105  ivwav'^oi  vvv  tjoo  avag  re  %vyag  %  dueQvyuaPy  fiifjdi 
ov  ye  ^Bivwv  nat  7ct<axd)v  xoiQovog  elvai.  IvyQog  iwv.  In  nicht 
so  enger  Verbindung  mit  dem  imperativ  steht  der  inf.  mit  iirfie 
Q  277  el  d*  i&ileigj  irtL^uvov^  iym  d*  el^i  TtQOTtdQOi^sv'  iirfii 
ov  drj&vveiv.  Nach  dem  gedankenverhältniss  beider  glieder  ge- 
hört hieher  auch  K  235  £f.,  wo  im  ersten  gliede  der  imperativ 
durch  das  futurum  vertreten  wird.  Wagner  p.  24  misst  den 
mit  ^f]di  eingeführten  infinitiven  ein  grösseres  gewicht  bei,  als 
den  imperativen,  und  erkennt  in  E  606  und  a  106  in  denselben 
für  alle  zukunft  geltende  verböte  bezw.  Warnungen.  Diese  auf- 
fassung  ist  aber  den  übrigen  beispielen  gegenüber  nicht  haltbar. 
Wirklich  futurisch  im  verhältniss  zu  der  im  imperativ  sofort 
geforderten  handlung  ist  die  mit  ^tidi  im  inf.  bezeichnete  nur 
a  105  f.  und  q  277  f.  (wenn  ich  hineingegangen  bin),  und 
nur  an  der  ersteren  stelle  geht  die  geltung  der  warnung  über 
die  nächste  zukunft  hinaus.  An  den  drei  andern  stellen  da- 
gegen bildet  der  infinitiv  mit  firjdi  die  negative  ausführung  zu 
dem  vorhergehenden  positiven  imperativ.  Ich  weiss  damit  nur 
beispiele  zu  vergleichen,  wo  einem  positiven  imperativ  ein  mit 
fitjdi  angeschlossener  optativ  folgt,  wie  F  159 f.  406 f.:  der 
positiven  aufforderung  gegenüber  mochte  die  abgelehnte  mög« 
Uchkeit  dem  Sprachgefühl  in  eine  gewisse  ferne  gerückt  er- 
scheinen, für  welche  dort  der  optativ  des  Wunsches  oder  der 
Vorstellung,  hier  der  infinitiv  die  passende  ausdrucksform  schien. 
Dasselbe  verhältniss  zwischen  imperativ  und  negiertem  inf.  würde 
bestehen  in  B  163—165  und  179—181,  wenn  Naucks  vei> 
muthung  ^rjö^  idav  statt  der  Überlieferung  firjöi  sa  die  ur- 
sprüngliche lesart  herstellte,  vgl.  aber  Ameis-Hentze  Anhang 
zur  Dias  1 «  p.  120. 

Die  umgekehrte  folge  der  geforderten  handlungen,  der  art, 
dass  die  später  auszuführende  im  inf.  vorangestellt,  die  früher 
zu  vollziehende  nachgebracht  wird,  zeigen  folgende  beispiele: 
l  248  £P.  TtsQiftloftivov  cT  hiaviov  ti^aig  dylad  tixva  —  cv 


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Der  imperatiYische  infinitiy  in  den  homerischen  gedichten.    115 

de  Tovg  nofiieiv  dvallifievai  te.  vvv  d*  l(jx«t;  ^^  dw^jux  tuxI 
lax^o.  In  K  65  ff.  hat  ov^t  fUveiv  zur  voraassetzungy  dass 
Menelaos  vorher  Idomenens  und  Aias  gerufen  hat  und  mit 
ihnen  zu  den  wachen  gegangen  ist;  das  q^d-iyyeo  aber  soll  er 
vorher,  auf  dem  wege  zu  den  genannten,  ausführen.  In  O  231  ff. 
ist  der  zuerst  auszuführende  auftrage  äbereinstimmend  mit 
y.  221,  iyuQBy  nach  welchem  der  vorher  im  inf.  ertheilte  (90- 
ßiuv)  ausgeführt  wird.  Vgl.  indess  Hentze  Anhang  zur  H.  5* 
p.  103  f. 

Aufiiallend  erscheint  wieder  der  Wechsel  der  Imperativ- 
formen, wenn  ein  im  imperativ,  inf.  ertheilter  auftrag  durch 
einen  asyndetisch  angeschlossenen  imperativ  ausgeführt  wird: 
B  8 — 11  ßdo%  Xd-i  —  nay%a  fuiX^  d%Q€x4u}g  dyoQSvifuy^  dg 
iTtvfiUM'  »wQtj^aL  e  xiXwe  . . .  Aehnlich  O  158—160.  Ohne 
zweifei  war  für  die  wähl  des  imperativ,  inf.  dyoQsvifiw  das 
temporale  verhältniss  dieser  handlung  zu  dem  vorhergehenden 
imperativ  ßdox  i^i  bestimmend,  dieses  trat  dann  aber  in  den 
gedanken  des  redenden  zurück,  weil  durch  (og  htizilkia  wie 
O  159  durch  ndrta  tdde  der  worÜaut  der  auszurichtenden 
botschaft  angekündigt  wird,  den  er  jetzt  vernehmen  soll  An- 
derer art  ist  6  342  ff.,  wo  der  imperativ,  inf.  dkld  fidX  cJd* 
sQ^ai  eine  reihe  von  rathschlägen  zusammenfassend  einleitet, 
die  sich  nicht  nur  auf  die  gegenwart,  sondern  zum  theil  auch 
auf  die  Zukunft  beziehen,  während  der  gleichen  einleitenden 
formel  ^  258  ff  nur  anweisungen  für  die  zukunft  folgen. 

Die  fnturische  bedeutung  des  imperat  inf.  ist  überhaupt 
und  insbesondere  in  seinem  verhältniss  zum  imperativ  durch 
ein  reiches  material  zweifellos  festgestellt;  die  nicht  sehr  zahl- 
reichen beispiele,  welche  an  stelle  des  zu  erwartenden  inf.  den 
imperativ  zeigten,  liessen  sich  meist  befriedigend  erklären.  Es 
sind  nun  einige  stellen  zu  besprechen,  in  welchen  eine  futuri- 
sche bedeutung  des  imperat.  Infinitivs  nicht  annehmbar  ist 

Wagner  macht  für  die  erklärung  dieser  beispiele  zum  theil 
von  seiner  annähme  gebrauch,  dass  dem  inf.  in  einzelvor- 
Bchriften  bei  geringerer  deutlichkeit  der  futurischen  beziehung 
eine  grössere  Intensität  und  ein  gewichtvollerer  Charakter  eigen 
sei,  als  dem  imperativ.  Allein  die  für  diese  annähme  geltend 
gemachten  gründe:  das  grössere  gewicht,  das  ihm  schon  die 
längere  form  verleihe,  und  namentlich  die  beobachtung,  dass 
besonders  gern   göttliche  wesen   zu   sterblichen  in   imperativ. 

8* 


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116  C.  Öentze 

infinitiven  sprecheo,  haben  geringes  gewicht.  Der  weitere  ge- 
sichtskreis,  in  dem  sich  der  imperativ,  inf.  bewegt,  und  die 
abhängigkeit  der  zukünftigen  handlang  yon  yoraassetzungen 
verträgt  sich  nicht  wohl  mit  der  annähme  einer  grösseren  in* 
tensität  der  bedeutung.  Erscheinungen,  wie  der  mit  /j.^qdi  ein- 
geführte imperat.  inf.  nach  vorhergehendem  imperativ,  begün- 
stigen dieselbe  auch  nicht,  vgl.  p.  114. 

Von  einer  sofort  auszuführenden  handlung  steht  der  imperat. 
inf.  an  folgenden  stellen:  1)  J  6ii  av  de  Sviaaov  ^j^dt/vaij] 
inireiXai  .  .  ,,  vgl.  68  f.  2)  auch  in  ui  20,  wo  man  nach 
Wolf  jetzt  gewöhnlich  liest :  näida  (f  ifiol  Xvaal  %e  q>ihjy  %a 
%*  anoiva  dixeadai,  richtet  sich  die  bitte  des  Chryses  auf  die 
sofortige  losgabe  der  tochter  —  er  hat  das  lösegeld  bereits  zur 
stelle  gebracht  — ,  der  gedanke  an  eine  längere  Zwischenzeit, 
welche  bis  zur  wirklichen  lösung  verlaufe,  liegt  ganz  fem.  3) 
a  346  TTJ  Si^  rode  xQi^defivov  vnb  axiqfifOio  %onfvaaai.  Vorher- 
gehen imperative:  343,  etiÄora  toCt  änoöbg  cxeSifjv  aviiioiai 
(pigead'av  näKUne  xtI.  von  sofort  auszuführenden  handlungen, 
und  das  ablegen  der  kleider  und  anlegen  des  Schleiers  folgen 
so  unmittelbar  aufeinander  (vgl.  373  avviTca)^  dass  die  Unter- 
scheidung eines  früher  und  später  durch  verschiedene  impera- 
tivformen  unwahrscheinlich  ist.  —  In  diesen  drei  beispielen 
lässt  sich  der  Infinitiv  allerdings  leicht  beseitigen.  In  no.  1 
giebt  Apollon.  de  synt.  78,  14  mit  iTvUulai  vielleicht  die  ur- 
sprüngliche Schreibung.  In  no.  2  kann  mit  la  Roche,  Leaf» 
Rzach  der  am  besten  (in  ^  beglaubigte  optativ  kvaaiTe  her- 
gestellt werden,  der  als  ausdruck  einer  bitte  der  stelle  auch 
wohl  angemessen  ist  Liest  man  dann  aber  weiter  mit  AD  ra 
S*  artoiva  (vd  v  ist  konjektur)  dix^a^^ai,  so  ist  auch  hier  der 
futur.  imperativ  au&Uend,  weil  der  emp&ng  des  bereit  liegen- 
den lösegeldes  ein  mit  der  rückgabe  der  Chryseis  eng  verbun- 
dener akt  ist.  Keine  analogie  bietet  X  340  ff.  vgl.  p.  112,  es 
bleibt  nur  Z  273  f.  zu  vergleichen  mit  dem  eben&lls  nicht 
recht  erklärlichen  Wechsel  von  imperativ  und  inf.  Sonst  müsste 
man  sich  für  die  von  C  gebotene  lesart  dixaa^e  entscheiden. 
In  no.  3  aber  wird  sich  empfehlen  den  in  einigen  handschr. 
gegebenen  imper.  aor.  I  med.  Tawaoai  in  den  text  zu  setzen, 
dem  auch  la  Roche  zuneigt,  freilich  nur  wegen  der  medialen 
form.  Nach  dem  Imperativischen  vi}  folgt  sonst  überall  der 
imperativ.  —  4)  In  dem  heroldsruf  ^  11  £  öbvv  aye,  0aiipua¥ 


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Der  imperativische  Infinitiv  in  den  homerischen  gedichten.    117 

^yiJTOQeg  ijdi  fiidopregy  slg  dyo^  livai  ist  der  imperat  inf. 
nach  dsvre  abweichend  von  dem  regelmässigen  gebrauch,  der 
sonst  nach  dsvQOy  devze  nur  den  imperativ  kennt  Möglich^ 
wenn  auch  nicht  sehr  wahrscheinlich,  ist,  dass  devt  Uvai  nach 
analogie  von  Wendungen,  wie  of^eo  —  nohvif  «/i«y  ^  255) 
zusammengestellt  und  Uvai,  inf.  des  zwecks  wäre.  —  b*  A  682  f. 
alka  avfov  /  iizhaai  xa&aTtrw&ai  fialcmdiaiV  ceitlx  Mjtud^ 
iXaog  ^OXvfiTCiog  aaaevai  fjfiiv  —  i)«  Ist  die  in  der  anmerkung 
gegebene  auffiassung  der  stelle  begründet,  so  enthält  sie  ein 
nicht  zu  beseitigendes  beispiel  dafür,  dass  der  imperativische 
inf.  von  einer  sofort  auszuführenden  handlung  gebraucht  ist. 

Keinem  zweifei  dagegen  unterliegt  die  futurische  bedeutung 
des  imperat  inf.  in  folgenden  beispielen:  T  147  f.  da^o  fihy 
ai  X  id'iXya&a^  7toLqaa%i^BV  —  i;  %  ^e^w  rtaqa  aoL  vvp  di 
fiyriawfied'a  %aqiiirjq  ahffa  fiola:  Achill  weist  Agamemnons  aner- 
bieten, sofort  die  geschenke  holen  zu  lassen,  schroff  zurück. 
Voraussetzung  für  den  imperat  inf.  ist  die  beendigung  des 
kampfes,  wie  der  folgende  gegensatz  vw  di  zeigt.  Vgl.  auch 
p.  114f.  —  %!>  364  f.  Big  vfCBUtp  avaßSaa  —  ^ad'aiy  fitjöi  tiva 
TtQOTiSaaeo  firj^  igieivs:  dass  hier  nach  dem  formelverse  364 
statt  des  Imperativs  (d  752.  q  50)  der  imperat.  inf.  folgt,  er- 
klärt sich  daraus,  dass  Penelope,  als  Odysseus  sie  auffordert, 
nicht,  wie  dort,  im  frauengemach  oder  im  männersaal  sich  be- 
findet, sondern  im  ehegemach  im  hinteren  hofe,  und  zwar  noch 
im  bette,  also  erst  aufstehn,  sich  ankleiden  und  in  das  haus 
gehen  muss,  ehe  sie  zum  obergemach  hinaufsteigen  kann.  Ganz 

1)  Wagner  p.  24  nimmt  an,  dass  der  von  Hephaistos  seiner  matter 
ertheilte  rath  nicht  nur  för  den  vorliegenden,  sondern  auch  för  alle  za- 
künfügen  Wie  gelte.  Aber  es  gilt  doch  nur  ein  entweder  —  oder.  Die 
fallsetznng  580  f.  elneq  yAq  x  id^ili^inf  X)Xvfintoe  daxiqonrftrg  H  iiiwf 
OTvipeXC^ai  kann  unmöglicli  allgemein  gefasst  werden,  sondern  ist  nur 
als  unmittelbar  drohende  möglichkeit,  die  nach  678  f.  und  587  f.  vgl. 
mit  566 f.  nicht  so  fem  liegt,  an  der  steUe.  avn  578  aber  ist  nicht: 
'wieder  einmal  in  znkunft,  wie  jetzt',  denn  zum  ^alra  ragäoanv  and 
OTwpiX^M  ist  es  noch  nicht  gekommen,  sondern  'wieder,  wie  schon 
früher',  er  denkt  an  590  ff.  Um  der  jetzt  drohenden  möglichkeit  einer 
wiederholong  vorzabeagen,  soll  Here  Zeas  mit  freundlichen  werten 
nahen,  nicht  bloss,  wie  bisher  (569),  sich  stumm  dem  willen  des  Zeus 
beugen.  Mit  dieser  mahnung  kehrt  Hephaistos  zurück  zu  den  worteu 
577  f^ijr^l  6*  iyu  naQatprifA^  xt(. 


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118  C.  Hentze 

unbegreiflich  aber  sind  dann  die  folgenden  imperative  ^).  —  In 
fi  56  ff.  ¥y'd'a  TOI  omir  erveita  ditp^&ciwg  ayoQevoto,  dftnoriqti 
dij  TOI  6 dbg  eaaeracj  akla  xal  avTog  Svfii^  ßovXevsiv'  eqifo  di 
TOI  afiq>OT€Q€od'ey^  ist  für  den  imperat.  inf.  voraussetzang :  wenn 
ich  dir  beide  wege  beschrieben  habe. 

Den  gebrauch  des  imperat.  inf.  in  Vorschriften,  die  für 
alle  Zukunft  und  alle  fälle  gültig  sind,  bezeichnet  Wagner 
p.  25  als  selten.  Er  führt  p.  12  zunächst  nur  die  vier  beispiele 
an:  /  255  ff.  ^  788  f.  A  441  ff.  %  287  ff.,  es  werden  aber  im 
weiteren  verlauf  der  Untersuchung  in  gleichem  sinne  noch  sechs 
beispiele  erklärt:  u4  582.  ß  305.  a  106.  tjj  355  f.,  als  allge- 
meiner oder  für  eine  längere  dauer  geltend  E  606  und  P  501. 
Von  diesen  beispielen  ist  A  582  nach  der  oben  gegebenen  er- 
klärung  auszuscheiden.  Allgemeine  Vorschriften  für  die  Zukunft 
enthalten  die  beispiele:  t//  355  ff.  xTi^fictra  fiivy  to  fioi  &m, 
xofii^efisv  h  fieyaQOiaiv  ^)  und  ß  305;  nahe  stehen  E  606  und 
P  501y  welche  Vorschriften  für  die  dauer  des  bevorstehenden 
kampfes  geben,  und  a  106.  Es  sind  diesem  gebrauch  aber 
noch  folgende  beispiele  zuzuweisen,  in  denen  Wagner  die  wähl 
des  imperat.  inf.  zum  theil  aus  der  vermeintlich  intensiveren 
kraft  dieser  form  erklärt.  An  E  606  und  P  501  reihen  sich 
an  E  124  d'CtQoäv  vvv^  Jidfiijösg,  ini  Tqdeaot  fidxso&ai  und 
O  347  vrjvaiv  eTtiaaevea&cu  ^  iSv  ^  Syccga  ßgoToevra  ').  Eine 
mahnung  für  alle  zukunft  enthält  W  605  devTsgov  ccvt  aXia- 
adixi  afieivovag  tjftSQOTtevetv^  Vorschriften  für  eine  längere  dauer, 
nach  vorausgegangenem  Ortswechsel  v  307  ff.  411.  o  33f.  xff  365  f. 

1)  Die  vene  geben  auch  sonst  begründeten  anstoss  und  sind  von 
Autenrieth  in  Ameis  anhang  zur  Od.  4'  p.  96  und  von  v.  Leeuwen- 
Mendes  da  Costa  verworfen. 

2)  Wagner  p.  20  bringt  die  Vorschrift  an  Penelope  in  nicht  annehm- 
baren Zusammenhang  mit  dem  folgenden,  wenn  er  erklärt:  'die  obhut 
der  besitzthümer  soll  Penelope  —  erst  dann  und  jedesmal  dann  über- 
nehmen, wenn  Od.  auf  einem  raubzuge  abwesend  sein  wird'.  —  Ver- 
kennung  der  bedeutung  des  imperat.  inf.  Hess  Autenrieth  im  anhange 
zu  Ameis  Od.  4*  p.  96  einen  unbegründeten  widersprach  zwischen 
*o(juÜ(iiv  und  864  f.  finden. 

8)  Die  von  Leaf  aufgestellte  und  von  v.  Leeuwen-M.  in  den  tezt 
gesetzte  yermuthung  inurafv€a&*  {e),  ideiv  würde  einen  nicht  yerständ- 
lichen  Wechsel  der  imperativformen  ergeben.  —  Fiok  lässt  die  infinitive 
von  ixixXero  846  abhängen  und  erst  mit  348  die  direkte  rede  beginnen, 
wofür  J  802  f.  und  ^  864  f.  verglichen  werden  können. 


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Der  imperativische  Infinitiv  in  den  homerischen  gedichten._119 

und  a  267  £f.  (ftir  die  ganze  dauer  der  abwesenheit  des  Odys- 
sens),  mit  bestimmter  angäbe  des  endpunktes  durch  aig  S  x« 
mit  conj.  o  542  f.,  des  anfangspunktes  Y  337  f.  So  ergeben 
sich  im  ganzen  19  beispiele  von  yorschriften  allgemeiner  gel- 
tung  (H.  8,  Od.  11),  wovon  aber  für  die  zukunfb  überhaupt 
nur  die  sieben  gelten:  /255f.  u^788f.  ¥^605.  ß  30b.  A  441  ff. 
X  287  ff.  }p  356  ff. 

Nach  feststellung  der  futurischen  bedeutung  des  imperat. 
inf.  lässt  sich  nun  auch  für  einige  beispiele,  in  welchen  die 
aufiassung  des  inf.  streitig  war,  eine  sichere  entscheidung  ge- 
winnen. So  ergiebt  sich  für  J  404  L^TQstdfjy  fi^  \f)Bvdi  ifti- 
ardfievog  aaqm  eirteiv  als  einzig  richtige  Verbindung  ju^  ^evdeoy 
iftia^r,  a.  altt,^  und  ist  die  andere  ^ui}  ^eidea  elTceiv,  irt.  od<pa 
(Faesi-Franke)  unhaltbar.  Ebenso  findet  die  von  mir  im  an- 
hange zu  Ameis  Od.  3^  p.  67  f.  näher  begründete  Zurück- 
weisung der  von  Aristarch  und  Nicanor  vertretenen  imperativi- 
schen  auffiassung  der  nach  u  ^  i&eUig  folgenden  infinitive  in 
Z  150.  Y  213.  0  487.  o  80  jetzt  eine  sichere  bestätigung. 
Denn  der  imperat.  inf.  findet  sich  nur  nach  futurischen  be- 
dingungssätzen ,  nach  ei  mit  ind.  dagegen  steht  der  imperativ, 
insbesondere  nach  el  d*  i&ileig  T  142.  7t  82.  q  277.  Andrer- 
seits müssen  jetzt  die  von  Gauer  durch  veränderte  interpunktion 
<y  61  f.  $€lv,  fil'  a  OTQvvsL  ugaditj  xai  dv/wg  dyijvwQ^  zovrov 
dXe^aad-ai  und  (nach  Doederlein  und  Bergk)  %  231  f.  ntüg  d^ 
vvv  —  avta  fivrjatiJQwv  oloqwQeai;  alxifiog  elvai^l  neu  einge- 
führten imperat  infinitive  als  dem  homerischen  gebrauch  wider- 
sprechend zurückgewiesen  werden,  weil  eine  sofort  zu  voll- 
ziehende handlung  in  frage  steht.  Dagegen  ist  als  futurisch 
gerechtfertigt  der  imperat.  inf.,  der  durch  die  von  G.  W.  Nauck 
vorgeschlagene  und  im  anhang  zu  Ameis  Od.  2'  p.  130  be- 
gründete Veränderung  der  üblichen  interpunktion  hergestellt 
wird  fi.  49  f.  draQ  avTÖg  dxovi/dsvy  ai  %  id'iXrjad'a*  drjadw(av  .... 
Als  futurische  imperative  sind  auch  unter  veränderter  inter- 
punktion in  T  4  ff.  TrjXefiaxe,  XQV  ^^X^'  d^ijia  xard^e/iev  avato 
Ttdwa  fidX''  ovroQ  /AvrjOT^Qag  —  fcaQq>da9'ai^  ove  xiv  ae  fie- 
taXXwaiv^  und  in  yj  78  f.  avtctQ  iywv  eiiid^ev  jteQiduaofiaL  av- 
trig'  ai  nev  a'  l^aTtaqxa^  xtelval  ^6  .  .  .  die  inf.  7taQq>dad'ai 
(dies  gilt  für  Telemach  allein,  xaT&ifiev  auch  für  Odysseus) 
und  KTäivai  an  ihrer  stelle. 

Wir  haben   nun   noch   die    scheinbaren   oder    wirklichen 


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120  C.  Hentze 

übergriffe  des  imperativs  in  das  gebiet  des  imperativischeii  inf. 
zu  verfolgen.  Nach  oder  vor  futurischen  temporal-  oder  kon- 
ditionalsätzen  findet  sich  der  imperativ  in  folgenden  stellen: 
y  45f.  ccvTOQ  enel  OTtelcfjg  ts  xal  ^^mi  — ,  dog  xal  zavr^ 
efteita  dinag-,  die  unmittelbare  folge  der  handlungen  ^so 
(43)  und  d6g  wird  die  wähl  der  gleichen  ausdrucksformen  ver- 
anlasst haben.  In  B  236  f.  noifitjadv  fiov  Zijvog  —  oaae  — , 
ovriTL  irtel  tmv  iyw  ftagali^ofiav  ...  ist  die  wähl  des  Impera- 
tivs durch  den  vorhergehenden  xal  vvv  nei^ev  bestimmt,  für 
den  er  die  ausfiihrung  giebt.  —  In  ^^  202  ff.  oq>Q^  av  fih  xew 
ÖQ^g  — ,  T6q)Q  VTtoBixe  fiax^Qi  ^^'^  d*  aXXov  Xaov  aywx^i  ßaq- 
vaa^ai  bezeichnet  der  imperativ  VTcdeixe  (halte  dich  fem,  wie 
bisher,  vgl.  163.  198)  eine  fortzusetzende,  avta%9i  eine  sofort 
zu  beginnende  handlung.  Vgl.  H  193  f.  ö  374£  Z  112  f.  — 
In  B  33  f.  wird  der  temporalsatz  mit  €vx  av  im  conj.  nur  zu 
dem  zweiten  imperativ  (3.  person)  gehören,  nicht  zu  ^e.  —  In 
n  445  f.  und  T  401  f.  gehört  der  fut.  konditional-  bezw.  tem- 
poralsatz zu  den  von  (fqäCfio  (tpQaKlßad-B)  abhängigen  infini- 
tiven. 

Der  futurische  bedingende  relativsatz  A  549  ov  di  %  iyw 
aTtavBv&B  &B&V  id-ilco/dt  vorjoat  ist  ohne  einfluss  auf  die  aus- 
drucksform  der  folgenden  aufforderung  pn^  ti  av  %av%a  huaoxa 
duiQBo  geblieben,  weil  Zeus  den  eigentUchen  nachsatz:  so  sollst 
auch  du  diesen  gedanken  nicht  vernehmen,  überspringt  und  zu 
dem  vorliegenden  fall  zurückkehrend  jede  frage  zurückweist. 
In  O  109  %iff  ^«t',  tkxi,  %ev  vfifii  xaxov  TtifiTtyaiy  htaarfiß  da- 
gegen steht  der  imperativ  von  der  nächsten  zukunfb  (solange 
Zeus  vom  Ida  aus  die  schlacht  leitet)  und  mit  bezug  darauf, 
dass  Ares  schon  jetzt  von  leid  betroffen  ist  (110). 

/U17  Ttflv  mit  imperativ  O  340  fiijdi  tvqIv  dftonavB  teop 
fiivog^  alX*  hnox  av  d^  q>d'ey^OfÄ  iytav  idxovaa^  tot«  axelp 
andfiovov  TtvQ  erklärt  sich  daraus,  dass  fünf  imperative  voraus- 
gehen und  das  adv.  tcqIv  nicht,  wie  11  839.  0  294,  eine  aus- 
fuhrung mit  TtQiv  und  inf.  vorbereitet,  sondern  nur  unbestimmt 
andeutet,  dass  vor  dem  anoTtav^tv  etwas  anderes  eintreten 
müsse,  wie  2  134.  T  306  ff. ;  sobald  dies  in  einem  futur.  tem- 
poralsatz bestimmt  ausgeführt  ist,  folgt  im  nachsatz  der  im- 
perat  inf.  Von  den  beispielen  mit  imperativ,  in  welchen  dem 
Vollzug  der  geforderten  handlung  eine  andere  im  partic.  aor. 
bezeichnete  vorau%ehen  soll,  ist  eine  besondere  klapse  schon 


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Der  Imperativische  infiDitiy  in  den  homerischen  gedichten.     121 

p.  113  besprochen,  d  750  ff.  und  ^  48ff.  p.  117.  Vereinzelt 
steht  c^i  N  235  (alX'  ays  vevxsa  devQO  hxßw  i»i)  nach 
Wagner  p.  11  in  der  bedeutnng  'kehre  (hieher)  zurück*,  wie 
efx^o  (abgesehen  Ton  q  599  und  7t  270)  nur  a  280  (vff  aqaaq 
eQ%Bo)  Ton  einer  nicht  sofort  auszuführenden  handlung;  an 
beiden  stellen  aber  haben  die  participia  nicht  die  bedeutung 
fnturischer  temporal-  oder  konditionalsätze,  sondern  bilden 
einen  theil  der  aufforderung  selbst. 

Trotz  der  ausdrücklichen  angäbe,  dass  die  geforderte  hand- 
lung erst  am  folgenden  morgen  ToUzogen  werden  solle,  steht 
diese  mehrfach  im  imperativ.  In  rt  270  ff.  aXXä  av  fiev  vvv 
Eqxsv  ctfA  Y^ol  g>aivofiivrj(fiv  oYiMxde  — ,  avtag  if^i  TtQari  aatv 
avßdrtjg  vareQOv  a^ei  steht  der  imperativ  unter  der  einwirkung 
von  vvv,  welches  von  der  vorhergehenden  erwägung  des  zu- 
künftigen kampfes  mit  den  freiem  zu  den  zunächst  zu  er- 
greifenden massregeln  überleitet  und  die  nächste  zukunft  um- 
fasst,  daher  die  Zeitbestimmung  Sf^  i^oi  g>.,  die  ihren  gegensatz 
in  vcrefov  hat,  keinen  einfluss  auf  die  wähl  der  imperativ, 
ausdrucksform  geübt  hat;  von  277  an  folgen  imperat  infinitive, 
die  den  voUzug  der  270 — 73  in  aussieht  genommenen  mass- 
regeln voraussetzen.  In  ^  36  werden  die  werte  oÄi*  ay  ino^ 
TQwov  TtariQa  xlvtov  i^id&i  ngo  —  ig>07tXiaat  in  der  nacht 
kurz  vor  anbruch  des  tages  gesprochen,  vgl.  48  (ccvtlMc). 
Aehnlich  o  14,  vgl.  56.  Vgl.  auch  o  308—310.  Schwer  zu 
erklären  ist  aber  die  wähl  des  imperativs  W  48  f.  6XX'  ijzot 
vvv  fiev  OTvyeQ^  fcei&dfieS'a  daitr  ^wd-ev  (f  otqwov,  ava^ .  . , 
wo  der  gegensatz  zu  vvv  fiiv  gerade  erwarten  liesse,  dass  der 
zeitliche  unterschied  durch  den  imperat.  in  f.  zum  ausdruck  ge- 
bracht wäre.  Ferner  a  272  f.  avQiov  eig  dyoQrjv  xaUaag  tJQioag 
l^xatovg  fivSüv  7t€q>Qade,  worauf  der  imperativ  auch  280  ff. 
fortgesetzt  wird,  sogar  284  von  handlungen,  die  der  gegenwart 
weit  entrückt  sind.  —  ij  222  ist  p.  109  den  beispielen  mit  im- 
perativ, inf.  zugewiesen.  In  q>  265  aber  gehört  t'jwd'ev  zu  dem 
abhängigen  int.  äyeiv,  nicht  zu  xilea&e  (Melanthios  ist  an- 
wesend). Uebrigens  ist  zu  beachten,  dass  in  den  entsprechen- 
den beispielen  mit  imperat.  inf.  (p.  109)  überall  imperative 
vorausgehen,  die  eine  sofort  vorzunehmende  handlung  be- 
zeichnen, Q  600  und  T  320  auch  durch  voranstellung  von  ijU)^€v 
di  das  zeitUcbe  verbältniss  beider  handlungen  besonders  mar- 
kiert ist. 


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122  G.  Hentze 

Ohne  rücksicht  auf  die  zeit  sind  ferner  imperative  auch 
da  gesetzt,  wo  die  ausführung  der  geforderten  handlang  den 
eintritt  einer  andern  zur  Voraussetzung  hat:  a  305  (wenn  ich 
fortgegangen  bin,  vgl.  303 f.);  /u  160  (wenn  wir  zu  der  insel 
der  Sirenen  gekommen  sind,  vgl.  166—178),  an  diesen  beiden 
stellen  wohl  erklärlich,  weil  der  eintritt  der  Voraussetzung  un- 
mittelbar bevorsteht  Aber  v  386  f.  folgen  unmittelbar  auf 
einander  äXX^  aye  fÄTJnv  vqnfpfov  und  tcccq  di  fioi  avvrj  ar^&i^ 
zwei  handlungen,  die  zeitlich  und  örtlich  weit  auseinanderliegen: 
denn  den  rath  der  Athene  wünscht  Odysseus  sofort  (beide  be- 
finden sich  im  hafen  von  Ithaka),  ihren  beistand  aber  zum 
kämpfe  mit  den  freiem ,  der  später  im  palaste  des  Odysseus 
stattfinden  wird.  In  ähnlicher  weise  sind  räumlich  und  zeit- 
lich getrennte  handlungen  unterschiedslos  im  imperativ  ausge- 
drückt Z  46  =  -^  131  ^liyQei  — ,  av  d*  a^ia  di§ai  anoiva  *) 
und  P  652  flf.  axdTtreo  vvv  —  av  xev  Idtjai  —  ^AvvlXoxoy  — 
oTQvvov  d'  It^xiX^t  —  dnuv.  An  der  letzten  stelle  folgen 
wenigstens  beide  handlungen  nach  Ortswechsel  unmittelbar  auf 
einander. 

Dass  ein  voraufgehender  Ortswechsel,  durch  den  die  ge- 
forderte handlung  in  die  zukunft  gerückt  wird,  bei  der  wähl 
der  imperativischen  form  öfter  nicht  berücksichtigt  wird,  ist 
schon  oben  beobachtet  Hier  sind  noch  die  beispiele  anzu- 
führen q  Ib  und  IT  667 — 71  (Zeus  giebt,  auf  dem  Ida  sitzend, 
dem  hier  ebenfalls  anwesend  gedachten  Apollo  den  auftrag, 
auf  dem  schlachtfelde  für  die  leiche  Sarpedons  zu  sorgen).  In 
^  302  f.  aber  ist  die  nur  rhetorische  bedeutung  der  aufforde- 
rung  der  grund,  dass  Achill  so  spricht,  als  ob  Agamemnon 
sofort  in  der  agora  den  versuch  machen  könnte  ihm  noch  ein 
anderes  stück  aus  seinem  besitz  zu  entreissen,  was  doch  nur 
in  Achills  zeit  geschehen  könnte,  vgl.  300  f.  In  diesem  heraus- 
fordernden sinne  wird  der  imperat.  inf.  überhaupt  nicht  ge- 
braucht 

Dass  der  imperativ  mit  dem  imperat.  inf.  auch  in  Vor- 
schriften, die  für  alle  zukunft  und  alle  fälle  gelten,  konkurrirt, 
was  Wagner  p.  25  bestreitet,  zeigen  folgende  vier  beispiele: 
E  428 f.  ov  toiy  rixvov  i/^6v,  dedotav  7coXefii]ia  eqya*  dXka  av 

1)  V.  Leeuwen-Mendes  da  Costa  schreiben  SiU^  d.  i.  J^lwt  statt 
Si^ai^  Nauck  vermuthete  cf^l?},  —  eine  niebt  ganz  abzuweisende  ver- 
muthang,  da  der  Papyr.  zu  Si  137  Sif^  bietet.    Vgl.  K  878. 


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Der  Imperativische  infinitiv  in  den  homerischen  gedichten.     123 

y  ifiegSeyra  fisri^eo  egya  yäfioio.  v  180  f.  Ttofintjg  ^h 
TtctvBa&e^)  ßQoräVy  ove  %e»  tig  ixtjTai , . .  E  348  elxe^  Jiog 
^vyaxBQ^  noXifjLOv  xai  df)i<nrJTog  d.  i.  halte  in  Zukunft  dich 
fem  Yom  kämpfe,  wie  die  gegensätzliche  fallsetzung  350  ai  de 
ov  y  ig  Ttölsfiov  moXrpBai  zeigt,  nicht:  weiche  jetzt  aus  dem 
kämpfe,  r  406  ff.  fjao  nag  avxdv  iovaa,  9'atSv  <f  drtdeixa 
•Mkev^cv  d.  i.  halte  dich  für  immer  fem  vom  pfade  der  götter, 
wie  407  (iri^  m  und  409  aiai  zeigt.  Sehr  zahlreich  aber  und 
bei  weitem  zahlreicher  als  die  p.  118  verzeichneten  im  imperat. 
inf.  sind  die  Weisungen  im  imperativ,  die  für  eine  längere  dauer 
der  näheren  zukunft  gelten. 


Nach  unsem  beobachtungen  ist  eine  so  reinliche  Scheidung 
des  gebrauchs  beider  imperativischen  formen,  wie  man  wünschen 
möchte,  nicht  zu  gewinnen.  Die  konkurrenz  des  imperativs  mit 
dem  imperat.  inf.  reicht  doch  weiter,  als  Wagner  annahm,  ins- 
besondere auch  in  Vorschriften,  die  für  alle  zukunft  und  alle 
fälle  oder  doch  für  eine  längere  dauer  der  nächsten  zukunft 
gelten.  Sodann  bleibt  der  einer  geforderten  handlung  voraus- 
gehende Ortswechsel,  durch  welchen  die  ausfühmng  weiter  in 
die  Zukunft  hineingerückt  wird,  auf  die  wähl  der  imperativi- 
schen form  vielfach  ohne  einfluss.  Auch  machen  sich  im  zu- 
sammenhange der  rede  mannigfache  einflüsse  verschiedener  art 
geltend,  welche  die  rücksicht  auf  das  zeitliche  verhältniss  der 
handlung  zur  gegenwart  des  redenden  zurücktreten  lassen.  Die 
daraus  sich  ergebenden  Schwankungen  im  gebrauch  beider  im- 
perativischer formen  erschweren  denn  auch  die  beantwortung 
der  frage,  ob  innerhalb  der  periode  der  homerischen  dichtung 
eine  Weiterentwicklung  im  gebrauch  des  imperat.  inf.  sich  ver- 
folgen lässt.  Die  ausserordentliche  zunähme  der  imperat.  in- 
finitive  in  der  Odyssee  (IL  76,  Od.  123)  giebt  ohne  weiteres 
keinen  beweis  dafür,  dass  die  verliebe  für  diese  ausdrucksform 
zugenommen  oder  die  gebrauchssphäre  sich  erweitert  habe.  Der 
grund  dafür  kann  in  dem  verschiedenen  inhalt  und  Charakter 

1)  Die  von  Nauck  ond  v.  Leeuwen-Mendes  d.  C  aas  guten  hand- 
Schriften  aafgenommene  lesart  navead^e  (übt  nicht  weiter  die  entsen- 
dong)  verdient  wegen  des  folgenden  faturisch-iterativen  temporalsatzes 
den  Vorzug  vor  dem  sonst  gelesenen  navaaa&e  (stellt  die  entsend ung 
ein). 


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124  G.  Hentze 

beider  epen  liegen.  Allerdings  bietet,  wie  Wagner  bemerkt, 
die  Ilias  weniger  gelegenheit  zu  so  aasführlichen  Vorschriften 
für  die  zuknnft,  wie  sie  die  Odyssee  in  grösserer  anzahl  enthält, 
obwohl  doch  auch  A  393—412.  E  124—132.  260—264.  Z 
269—278.  O  221—233.  il  49—100.  667—671.  ®  331—340 
und  y  334—343  ähnliche  enthalten.  Nun  finden  sich  aber 
unter  diesen  beispielen  theils  solche,  welche  die  Weisungen  im 
imperativ  geben,  während  der  nothwendige  Ortswechsel  infinitive 
erwarten  liesse:  A  394.  407.  77  667—671,  theils  solche,  die 
einen  au&llenden  Wechsel  beider  ausdrucksformen  zeigen,  wie 
Z  269—274.  O  221—233.  Ferner  gehören  der  Ilias  auch 
vorzugsweise  die  sonstigen  beispiele  an,  in  denen  Ortswechsel 
und  zeitverhältniss  bei  der  wähl  der  imperat.  form  unberück- 
sichtigt geblieben  sind:  A  179 f.  B  11.  163 ff.  Z46  -  ^  131. 
A  828  ff.  iV  235.  S  236.  P  654.  V  49,  oder  die  einen  nicht 
leicht  erklärlichen  Wechsel  der  formen  zeigen :  T  458  f.  X  340 
—342,  oder  imperat.  infinitive  zeigen,  wo  imperative  zu  er- 
warten wären:  A  20  (bei  der  lesart  XvQai  und  dixBod-ai),  A 
582.  J  64.  0  340.  Auch  gehören  von  den  vier  beispielen, 
welche  Weisungen  für  alle  zukunft  im  imperativ  enthalten,  drei 
der  Ilias  an.  Hienach  wird  man  doch  soviel  sagen  dürfen, 
dass  die  einfiüsse,  unter  denen  der  imperativ  mit  dem  infinitiv 
konkurrierte,  in  der  Ilias  wohl  noch  im  grösseren  masse  sich 
geltend  machen  und  der  gebrauch  des  imperat.  inf.  noch  nicht 
so  befestigt  erscheint,  als  er  uns  in  der  Od.  meist  entgegentritt 
Nach  der  sehr  wahrscheinlichen  annähme  von  Delbrück 
Vergl.  Syntax  11  p.  459  f.,  dem  Brugmann  Griech.  gramm.  ' 
p.  516  zustimmt,  ist  nun  der  imperativ,  gebrauch  des  inf.,  der 
bereits  urindogermanisch  war  und  sich  auf  alle  drei  personen 
erstreckte,  aus  dem  finalkonsekutiven,  dem  der  dativ  zu  gründe 
lag,  in  der  weise  hervorgegangen,  dass  der  in  dieser  bedeutung 
ursprünglich  zur  ergänzung  einer  Satzaussage  dienende  inf.  ver- 
selbständigt wurde,  indem  die  Satzaussage  selbst  nicht  ausge- 
sprochen, sondern  nur  hinzu  empfunden  wurde.  Auch  homeri- 
sche beispiele  können  über  eine  solche  verselbständigung  noch 
aufschluss  geben,  indem  sie  zeigen,  wie  eine  Satzaussage,  die 
mit  einem  final -konsekutiven  inf.  verbunden  war,  darüber 
hinaus  bei  einem  weiteren  gliede  auf  die  wähl  des  inf.  bestim- 
mend einwirken  konnte,  obwohl  diesem  gliede  durch  die  art 
der  anknüpfung  eine  selbständigere  Stellung  zukam.    Besonders 


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Der  Imperativische  infinitiv  in  den  homerischen  gedichten.     125 

deutlich  ist  dies  verhältniss  H  372  ff.,  wo  nach  tjw&eif  d*  ^Idaiog 
Xtm  TiolXag  ini  vijag  Bini^ev  l/tvQsidfjg  —  (ivd'ov  ^AXe^dvögoio, 
375  xai  di  —  ein:i/4^ai  sehr  wohl  noch  als  inf.  des  zwecks  von 
tTCtf  abhängen  könnte,  wenn  nicht  xai  de  nach  seinem  son- 
stigen gebrauch  einen  selbständigen  satz  anzunehmen  empföhle. 
In  o  125  £  dw^  toi  xal  iy(6^  ximvov  q>lX8^  ravto  dldo)fiij 
(ivij^  ^Elevtjg  x^^^^y  TtokvrjQdvov  ig  yafxov  &QTpff  afj  dX6%(fi 
q)OQieiv'  Tßiwg  de  q)ilj]  nafä  ^firgl  xelad^ai  lassen  Hinrichs- 
Faesi  und  Delbrück  Tie'iad'ai  wirklich  noch,  wie  q>OQievVy  von 
didwfu  abhängen,  und  wenn  diese  auffassung  auch  nicht  wahr- 
scheinlich ist,  weil  nur  q^oQ^eiv  den  zweck  des  gebens  bezeichnet, 
während  die  worte  reiwg  di  --  -Miad-ai  einen  nebensächlichen 
punkt  betreffen  und  durch  den  gegensatz  zu  der  vorhergehen- 
den Zeitbestimmung  eine  selbständigere  Stellung  gewinnen,  so 
lässt  sich  doch  verstehen,  dass  öiötofii  mit  abhängigem  inf.  bei 
der  wähl  des  inf.  xeia^oti  noch  nachgewirkt  hat  Selbständige 
imperativ,  infinitive  werden  noch  angenommen  von  Meyerheim 
de  inf.  Hom.  I  p.  66  in  V  618  t^  rvv,  xal  aol  %ov%o^  yiqov, 
xeifiijliov  ea%o)j  IlazQOKXoio  tdipov  fivij(A  efifierai.  und  von 
Düntzer  in  X  512  ffl  diX  rj  %oi  rdöe  Ttdvra  xazaq>li^(o  — , 
avöiv  aol  y  ^oifeljog^  htei  ovx  fyxelaeai  cwTolg^  dXXd  ttqog 
Tfeian^  xat  Tifwidötov  %Uog  elvcu  ^es  sei  dir  dies  zum  rühme', 
was  eher  annehmbar  ist,  weil  die  zwischen  dem  hauptsatze 
und  dem  inf.  stehende  apposition  ovdev  aol  y  oipelog  mit  be- 
gründung  den  Zusammenhang  des  inf.  mit  dem  hauptsatze 
lockert.  Jedenfalls  können  auch  diese  beispiele  zeigen,  wie  eine 
weitere  trennung  des  infinitivsatzes  vom  hauptgedanken  oder 
eine  kleine  pause  vor  dem  Infinitivsätze  zur  Selbständigkeit  des 
letzteren  fuhren  konnte. 

Für  den  Ursprung  der  imperativ,  infinitive  2.  person  aus 
final-konsekutiven  sind  besonders  die  beispiele  belehrend,  in 
welchen  solche  sich  an  den  imperativ  eines  verbums  der  be- 
wegung  asyndetisch  anschliessen.  In  O  lö8f.  ßdax  Y&iy  ^Iqt 
ro^aZa,  Iloaeiddafyt  avoKtt  ndkva  %dit  dyyelkaiy  ftrjde  xfjevödy- 
yelog  üvai  könnte  dyyellai  an  sich  noch  als  finaler  inf.  ge- 
fasst  sein,  wie  ^  255  oQoeo  —  noXivit  l'fievy  und  es  liesse 
sich  begreifen,  wie  dieser  inf.  die  gleiche  form  für  die  negative 
ausführung  nach  sich  zog,  obwohl  diese  nicht  mehr  in  dem- 
selben verhältniss  zu  dem  imperativ  ßdax  Xd'i  stand,  als  der 
positive  inf.    In  A  322 f.  und  £  8  ff.  aber,  wo  zwischen  die 


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126  C.  Hentze 

imperaÜTe  und  die  infinitive  in  den  participien  ilowe  und 
iX&vh  eine  neue  handlung  tritt,  wird  der  unmittelbare  Zu- 
sammenhang der  infinitive  mit  den  imperativen  gelöst,  und 
damit  erhalten  jene  eine  selbständige  Stellung.  Diese  beispiele 
stellen  aber  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  eine  der  ältesten  ge- 
brauchsweisen  des  ursprünglich  finalen ,  dann  imperativischen 
inf.  dar.  Es  sind  die  einzigen  ihrer  art  in  den  homerischen 
gedichten:  in  allen  entsprechenden  beispielen  folgt  nach  dem 
imperativ  eines  verbums  der  bewegung,  auch  nach  ßac%  X&i^ 
asyndetisch  ein  zweiter  imperativ.  Es  ist  also  die  ältere  Ver- 
bindung, die  nur  in  ^  und  B  und  nachgeahmt  in  dem  sicher 
späteren  O  sich  findet,  innerhalb  der  homerischen  periode  auf- 
gegeben und  durch  die  andere  ersetzt.  Nur  einzelne  beispiele 
(p.  109),  welche  nach  dem  imperativ  eines  verbums  der  be- 
wegung einen  mit  di  angeschlossenen  imperativischen  inf.  zeigen, 
lehnen  sich  an  die  ältere  Verbindung  an. 

Die  entstehung  der  imperativischen  infinitive  aus  der  ver- 
selbständigung ursprünglich  abhängiger  finaler  infinitive  erklärt 
nun  ebensowohl  den  ihnen  eignen  futurischen  Charakter,  als 
dass  sie  ganz  überwiegend  im  anschluss  an  andere  aussagen 
und  meist  abhängig  von  den  darin  gegebenen  Voraussetzungen 
gebraucht  werden,  sehr  selten  aber  an  der  spitze  einer  rede 
sich  finden.  Daher  nicht  selten  die  aufeinanderfolge  eines  im- 
perativs  von  einer  sofort  auszuführenden  handlung  und  eines 
imperat.  infinitivs,  der  eine  später  vorzunehmende  hinzufugt, 
und  ganz  besonders  der  gebrauch  des  imperat.  inf.  nach  futu- 
rischen  temporal-  und  konditionalsätzen,  entsprechenden  relativ- 
Sätzen  u.  a.,  der  über  ein  drittel  der  gesamtzahl  der  beispiele 
umfasst  Dass  die  entwicklung  des  letzteren  gebrauchs  aber 
vorzugsweise  in  der  periode  der  homerischen  dichtung  sich  voll- 
zogen hat,  wird  nicht  sowohl  durch  die  bedeutende  zunähme 
der  beispiele  in  der  Odyssee  (IL  32,  Od.  46)  wahrscheinlich, 
als  durch  folgende  beobachtung.  Der  gebrauch  ist  in  der  Ilias 
auf  die  12  gesänge  JEHIKOüTYOyKi  beschränkt,  während 
die  Odyssee  ihn  in  17  gesängen  hat.  Unter  den  gesängen  der 
Ilias  aber,  die  ihn  entbehren,  sind  AAXy  die  jedenfalls  zum 
ältesten  bestände  der  Ilias  gehören  (der  seinen  haupttheilen 
nach  ebenfalls  dahin  gehörende  gesang  JT  weist  in  diesen  an 
1  stelle  drei  beispiele  auf:  v.  89.  92.  95)  und  die  auch  nicht 
jungen  gesänge  BFZ,    Diese  sechs  gesänge  mit  überhaupt  10 

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Der  imperativische  infinitiv  in  den  homerischen  gedichten.     127 

beispielen  imperativischer  infinitive  zeigen  diese  vorzugsweise 
im  anschluss  an  imperative:  in  den  5  beispielen  A  323.  J3  9f. 
r  459.  Z  274.  X  342  (und  nach  einem  optativ  der  bitte  bei 
der  lesart  Ivaaite  A  20),  ansätze  zu  dem  gebrauch  nach  futur. 
nebensätzen  in  2  beispielen:  B  73 — 7d  und  X  259,  ausserdem 
in  A  582  ein  beispiel  von  einer  sofort  auszuführenden  hand- 
lang (wozu  in  A  20  bei  der  lesart  Xvaai  %a  ein  zweites  kommen 
würde),  endlich  in  AL  788  ff.  drei  imperat.  infinitive,  die  eine 
allgemeine  Weisung  für  die  zukunfb  enthalten. 

Der  mit  einer  geforderten  handlung  verbundene  Orts- 
wechsel hat  in  den  sechs  gesängen  keinen  wesentlichen  einfluss 
auf  die  wähl  der  imperativischen  ausdrucksform  geübt.  Von 
den  5  beispielen  mit  imperat  infinitiv  nach  einem  imperativ 
sind  nur  A  323  und  B  10  mit  Ortswechsel  verbunden,  der  im 
imperativ  selbst  bezeichnet  ist;  die  stellen  aber,  an  denen  man 
wegen  des  Ortswechsels  einen  imperat.  inf.  erwarten  könnte, 
zeigen  den  imperativ:  A  179 f.  394.  407.  Z  273  vgl.  270. 
B  U  vgl.  10.    Z  46  =  ^  131.    A  828  ff. 

Haben  wir  die  grundlagen  für  die  entwicklung  des  home- 
rischen gebrauchs  der  imperat  infinitive  richtig  bestimmt,  so 
wird  die  ganz  voraussetzungslose  Verwendung  derselben  für 
jünger  gelten  müssen.  Von  den  seltenen  beispielen,  in  denen 
der  imperat.  inf.  eine  rede  ohne  weiteres  eröffnet,  findet  sich 
das  erste  E  124,  dem  sich  weiterhin  anschliessen  S  501.  O  347. 
P  501.  l  441  f.  %  287  ff.  Von  diesen  beispielen  gehören  die  der 
Ilias  gesängen  an,  die  mit  grund  für  jünger  gelten.  Damit  ist 
aber  meistens  zugleich  eine  erweiterung  des  gebrauchs  über  die 
ursprünglichen  grenzen  hinaus  verbunden :  die  Verwendung  auch 
in  Weisungen  für  einen  längeren  abschnitt  der  nächsten  zukunft 
und  für  die  zukunft  überhaupt.  Die  gesänge  der  Ilias  ABFZJIX 
enthalten  mit  ausnähme  von  A  788  f.  kein  beispiel  dieses  ge- 
brauchs. 


Der  gebrauch   des  imperativischen   infinitivs 
3.  person 

ist  nach  Wagner  p.  6  auf  folgende  6  beispiele  beschränkt. 
r  284  ff.  d  de  x'  IdU^avÖQOv  xTeivji  ^av^og  Mevilaog,  Tqwag 
efiud^  ^ElivTjy  —  djtodovvai,^  Tifi^v  d*  ^^gyeloig  dnorivifiev.  — 
Z  86 — 93  ^XTOQ^   ä%otQ  at   nohvde  fiaraQxeOy  alTti  6^  Sfteiza 


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128  C.  Hentze 

fitpFiQi  —  ^  di  ^dyovaa  yBQcuag  —  ftiTcXov  —  d-elvai  l^^tj- 
vaifjg  ijtt  yovvaaiv  —  aal  o\  vnoax^o&ai,  —  H  77  flf.  «l  ftiv 
Kcev  ifie  yieivog  ^Xj]  — y  tevxea  avhjaag  q>eqhto  xoilag  int  v^ag^ 
0(5 fia  da  ovKaif  ifiov  dof^evai  naXiv.  —  H  372  ff.  tjw&ey  f 
^Idaiog  itw  xoUag  inl  vrjag  eirviiiev  *A%qBtdrjg  .  . .  .,  xat  ds 
%6d'  BiTtifisyav  nvKivbv  ertog.  —  X  443  dUd  %d  fiiv  g>ac&ai, 
%d  ÖS  wxt  Tux^fifiivop  elvai.,  —  o  125  ff.  diÜQÖv  toi  luxi  fyw^ 
xhyov  g>lX8f  tovto  didwfii  —  TtoXvrjQO^ov  ig  yafiov  wQtp^y  a^ 
äXoxfp  q)OQi€iv'  zelwg  de  q>lXrj  Ttagd  fitjtQt  Kelad'ai.  Von  diesen 
beispielen  zeigt  das  erste  das  Subjekt  im  accusativ,  in  den  fünf 
übrigen  ist  es  im  nominativ  theils  ausdnicklich  gesetzt  (Z  87. 
X  443),  theils  aus  dem  vorhergehenden  zu  entnehmen.  Alle 
zeigen  den  imperat.  inf.  3.  person  in  futurischer  bedeutung: 
nach  fut.  bedingungssatz  F  285  f.  und  H  79,  nach  ^(o9ep 
H  375;  Z  87 — 93  hat  zur  Voraussetzung  Hektors  gang  in  die 
Stadt  u.  s.  w.,  o  128  Telemachs  heimkehr,  X  443  Odysseus 
rückkehr  nach  hause.  Was  andere  gegen  die  annähme  von 
selbständigen  imperat.  infinitiven  3.  person  in  diesen  beispielen 
vorgebracht  haben,  ist  nicht  überzeugend,  i). 

Vielleicht  aber  ist  diese  geringe  zahl  von  beispielen  doch 

1)  In  Z86 — ^98  ist  Leaf  geneigt  ein  durch  die  weite  trennong  von 
snbjekt  nnd  praedikat  veranlasstes  anakoluth  anzanehmen:  nach  ^  ^i  87 
habe  der  dichter  im  sinne  gehabt  am  schlnss  ^irn  folgen  zu  lassen. 
Jedenfalls  wird  der  anstoss,  der  ihn  mit  zu  dieser  annähme  bestimmte, 
dass  dies  die  einzige  stelle  sei,  wo  der  imperat.  inf.  8.  person  das  Sub- 
jekt im  nominativ  zeige,  durch  X  448  beseitigt.  —  Zu  JET  79  bemerkt 
Delbrück  Yergl.  synt.  II  p.  465:  S6fiePM  könne  wohl  auch  heissen:  ihr 
sollt  zurückgeben.  Aber  dagegen  spricht  durchaus  die  genaue  korre- 
sponsion  von  77—80  und  81—85,  auch  würde  eine  deutliche  bezeiohnung 
des  Subjekts  zu  SofuvM  {vfjiiZg  Si)  zu  erwarten  sein.  —  Zu  A  443,  der 
einzigen  stelle  mit  passivischer  Wendung,  findet  sich  im  Schol.  A  545 
neben  der  oben  angegebenen  lesart  die  Variante  dlXa  ro  fikv  ol  ipaa^i 
inos,  To  J*  M  <pQ€al  xiv&eiv,  die  Delbrück  a.  o.  vorziehen  möchte. 
Diese  giebt  allerdings  einen  leichteren  und  natürlicheren  gegensatz,  aber 
ob  die  nur  hier  sich  findende  passivische  Wendung,  die  doch  einen 
grösseren  nachdruck  hat:  'sei  und  bleibe  verborgen',  ein  genügender 
grund  ist  die  handschriftlich  allein  überlieferte  lesart  zu  verwerfen,  ist 
doch  zweifelhaft;  das  ungewöhnliche  spricht  eher  für  diese.  Ueber 
o  128,  wo  xsTa&m  die  lesart  Aristarchs  und  einiger  handschriften ,  die 
gewöhnliche  lesart  aber  xiCad-w  ist  und  Hinrichs-Faesi  und  Delbrück 
nüa^aif  wie  tpo^tip,  von  ilSmfii  abhangen  lassen,  nnd  über  H  375  ist 
schon  p.  125  gesprochen. 


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Der  Imperativische  infinitiv  in  den  homerischen  gedichten.     129 

um  einige  zu  vermehren.  Für  W  618  f.  freilich  ist  die  an- 
nähme Meyerheims  de  infinit.  Hom.  I  p.  66,  dass  fiv^fi  efAfie- 
vai  imperativ,  inf.  3.  person  sei,  von  Capelle  im  Philol.  37 
p.  99  und  Wagner  p.  6  wohl  mit  recht  zurückgewiesen.  Eher 
ist,  wie  schon  p.  125  gezeigt  ist,  die  gleiche  annähme  für  X  514 
ngog  Tqdwv  xcd  TQioiddtfyy  ycXiog  elvat.  begründet.  Femer  ist 
zu  erwägen  V  245  ff.  rvfißov  d*  ov  fidXa  TtoXXov  fyw  Ttwiea&ai 
avwyoy  aiX  iniuxia  toiov  STteita  de  xat  rov  l/lxcuoi  eiqvv 
&*  vxpijl6y  T«  Ti&tjfieymj  ot  Ttev  efielo  devtsfoi  h  rqeaav  — 
UTttjad^e,  wo  die  andern  hefausgeber  %i^(i9»at  als  imperat  inf. 
2.  person  fassen,  Stier  aber  ti^fievat,  b»  ti9ivt(xiv  erklärt. 
Diese  auffassung  scheint  sich  deshalb  zu  empfehlen,  weil  Achill 
nur  zu  den  fürsten  redet;  für  den  überging  von  der  gesamtheit 
der  Achaeer  zu  den  fursten  in  dem  beschrüikenden  relativsatze: 
^die  ihr  (soweit  ihr)  mich  überleben  werdet',  kann  B  301  f.  ver- 
glichen werden. 

Für  X  437  ff.  aqxetB  vvv  vi%vag  q>o^eiv  xal  üvtaxd-e  ywai- 
TMxq'  avTotq  Bftuta  d-QOvovq  —  xa&cuQeiv,  wo  xa&aiQeiv  allge- 
mein als  imperat  inf.  2.  person  gefasst  wird,  kommt  in  be- 
tracht,  dass  das  na&aiQeiv  in  Wirklichkeit  nicht  Sache  der 
männer,  sondern  der  mägde  ist,  wie  ausser  v  151  f.  gerade  die 
folgende  erzählung  zeigt.  Dass  der  inf.  aber  noch  von  aytaxd'e 
ywalnaq  abhängig  sei,  ist  nicht  wahrscheinlich,  weil  diese  Worte, 
zu  denen  aus  dem  vorhergehenden  q>oqiBiv  zu  ergänzen  ist, 
einen  so  abgeschlossenen  gedanken  geben,  dass  ein  weiteres 
anhängsei  in  einem  neuen  abhängigen  inf.  durchaus  nicht  zu 
erwarten  ist«  Es  wird  xad-aiQeiy  als  imperat.  inf.  3.  person  zu 
fassen  sein:  aber  danach  sollen  sie  reinigen. 

In  den  beispielen  q>  235  ff.  eMelv  %b  ywai^lv  Tckrjlaw  fie- 
yoQOiO  ^Qag  — ,  tjv  di  %ig  atovcexrjg  iji  xTVftov  hfdov  äxavaTj 
— ,  fiij  Ti  ^Qa^e  TtQoßXwaxeiv  und  y  381  ff.  TijXifiaxog  xils- 
Tai  ae,  fteQiq)(f(ov  EvQVKXeia,  %krjia€u  %%i  ==■  236—39  empfiehlt 
Pfudel  Die  Wiederholungen  bei  Homer,  Liegnitz  1891,  p.  15 
nach  V.  236  und  382  kolon  zu  setzen,  denn  mit  237  und  383 
werde  in  direkte  rede  übergegangen.  Diese  auffassung  ist  be- 
sonders für  die  zweite  stelle  geboten,  weil  hier  mit  der  fall- 
Setzung  riv  öi  %ig  383  die  folgenden  infinitive  ihr  besonderes 
Subjekt  erhalten,  so  dass  Tcikeral  ob  nicht  mehr  gedacht  werden 
kann.  Freilich  sagt  Renner  bei  Faesi:  die  adresse,  an  die  die 
rede  sich  wende,  sowie  die  satzbeherrschende  Stellung  von  x^- 

Beltilgt  I.  kimaa  d.  ladg.  tpiMlMii.  XXVII.  9 


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130  C.  Hentze 

Xerai  ae  lege  in  die  worte  383 — 385  den  sinn  von  fi^  iav 
TtQoßXtSaxetv ,  aber  formell  sind  sie  doch  von  xiletai  as  ge- 
löst, und  berücksichtigt  man  die  abneigung  der  homerischen 
spräche  gegen  ausgedehnte  abhängige  rede  und  den  häufigen 
Übergang  aus  dieser  in  die  direkte  form,  so  wird  man  Pfudels 
auffassung  den  Vorzug  geben  müssen. 

Mit  dem  beispiel  F  284  ff. ,  in  welchem  das  Subjekt  des 
imperat  inf.  im  acc.  steht,  sind  die  stellen  zu  verbinden,  welche 
den  infinitiv  in  Wunschsätzen  zeigen.  Auch  in  diesen  steht  das 
Subjekt  zum  theil  im  acc:  B  412 ff.  Zev  Kvdtare  — ,  ^17  tt^i^ 
'^ihov  dvvai  — ,  TtqLv  iib  narä  TtQtjvig  ßaleeiv  IlQidfiOiO  fiila- 
d'QOV  ...  Ä  179  f.  Zev  ndxBQ^  tj  AXonfxa  hx%eiv  iq  Tvdiog  vlop 
?  avTOv  ßaaiXfja  —  Mvyujvrig.  q  354  f.  Zev  ava^  Trjleficexop 
lioi  iv  ävögoiaiv  olßiov  dvai.^  xal  ol  Ttavra  yevoiTO  .  .  ^).  Dazu 
würde  noch  kommen  £  117  ff.  bei  der  im  SchoL  gebotenen 
lesart  vvv  ovt  ifdi  q>ikai^  ^^dTJvrj'  tdvde  %e  fi  avöga  eleiv 
xal  ig  OQfArpf  h^^og  iXd^eiv^  og  fjt  eßals . .  .y  während  die 
handschr.  geben:  ddg  de  ne  statt  ndvde  xi  (tov  de  %e).  Das 
Subjekt  ist  im  nominativ  gedacht  in  zwei  beispielen  nach  der 
formel  tu  yäg  Zev  xe  Ttdxeq  aal  ^A&tp^alt]  xai  ^'AnoXkov:  die 
2.  person  17  312  ff.  xoio^  idv^  oTog  ioaty  xd  xe  q>QOvifay^  a  t 
eyii  TteQy  rtaidd  x  ifii^v  ix^fiev  xai  ifiog  yafißQog  xaleea&ai 
av&i  fiiviov  olxov  de  x  {%  M)  iy(d  xat  xxtjfiaxa  öolrjv.  — 
die  1.  person  (o  377  ff.  olog  NfJQinov  elXov  ....  —  xdiog  iw 
xot  xd'iXpg  —  iq>eaxdfieyai.  xat  dfivveiv  avÖQag  fivrjaxrjgag'  xq 
xi  aq>iwv  yovvm   ekvaa  ...*). 

Zum  acc.  c.  inf.  in  F  284  ff.  vergleicht  Delbrück  Vergl. 
synt  n  p.  455  dieselbe  ausdrucksform  in  inschriften,  wo  sie 
neben  anderen  formen  den  willen  des  gesetzgebers  ausdrücke, 
und  nimmt  an,  dass  überall  ein  verbum  wie  ^es  wird  bestimmt' 

1)  V.  Herwerden  empfahl  yiviad'ttt  statt  yivouo ,  welches  allein 
überliefert  ist,  ohne  gmnd,  vgl.  B  417  f.  mit  418. 

2)  In  V  218,  wo  man  nach  Aristarch  und  den  handschr.  liest  Zevs 
atf^ag  rCaano,  wird  Zenodot  die  lesart  xCaaadxn  zageschrieben.  Ribbeck 
im  Philol.  8  p.  705  f.,  Dindorf  und  Lndwich  Ar.  H.  T.  I  p.  600  halten 
die  angäbe  für  durchaos  unwahrscheinlich  und  vermathen  als  Zenodots 
lesart  rurdad'*  a*  xusdad-ta.  Für  einen  gebrauch  des  inf.  in  der  weise, 
wie  sie  in  der  lesart  Zenodots  vorausgesetzt  wird,  findet  sich  allerdings 
keine  analogie.  Dass  auch  der  imperativ  gegen  den  homerischen  ge- 
brauch sei,  begründet  Gebet  Mise.  crit.  p.  882. 


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Der  imperatiTische  infinitiv  in  den. homerischen  gedichten.    131 

oder  dergl.  vorschwebe,  wie  bei  den  Wunschsätzen  im  acc.  c. 
inf.  nach  anrufung  der  gottheit  ein  yerbum  wie  Sog,  Ebenso 
denkt  Bnigmann  Griech.  gramm.  '  p.  519  dort  an  doKäi,  di^ 
dcnzai^y  edo^e,  hier  an  d6g  oder  evxof^ai.  Aber  das  beispiel 
r  284  ff.  wird  richtiger  in  anmittelbarem  zusammenhange  mit 
den  Wunschsätzen  im  acc.  c.  inf.  behandelt  werden,  mit  denen 
es  gemeinsam  hat,  dass  eine  anrufung  der  götter  vorangeht 
(276 — 80)  y  unter  deren  schütz  hier  die  Vertragsbedingungen 
281  ff.  gestellt  werden.  Der  zunächst  befremdende  Wechsel  der 
ausdrucksformen  —  282  f.  imperativ  und  conjunctiv,  285  acc. 
c.  inf.  —  scheint  auf  folgendem  zu  beruhen.  Imperativ  und 
conj.  des  wollens  gebraucht  der  den  vertrag  abschliessende 
Agamemnon  von  dem,  was  von  seinem  eignen  willen  abhängt, 
was  er  geschehen  zu  lassen  (^^oi)  oder  mit  den  seinigen  zu 
thun  (vecified'a)  bereit  ist;  dagegen  richtet  er  die  forderung, 
was  die  Troer  thun  sollen,  an  die  adresse  der  als  zeugen  und 
hüter  des  Vertrags  angerufenen  götter.  In  dieser  auffassung 
werden  in  den  mit  anrufung  der  gottheit  verbundenen  Wunsch- 
sätzen im  acc.  c.  inf.  die  personen,  welche  die  bitte  betrifft,  in 
der  Vorstellung  des  bittenden  zu  Objekten,  die  er  als  solche  der 
einwirkung  der  gottheit  empfiehlt;  ebenso  in  F  285  die  Troer, 
die  ohne  beziehung  auf  die  götter,  in  direkter  forderung  als 
Subjekte  eines  imperativs  im  nom.  stehn  würden.  Bei  dieser 
erkläning,  in  der  ich  im  wesentlichen  mit  Leaf  zu  F  285  über- 
einstimme, bedarf  es  für  die  Wunschsätze  im  acc.  c.  inf.  nicht 
der  ergänzimg  eines  sonst  sich  findenden  dog  oder  eines  ei^o- 
fiai  oder  JUaaofiai.  Dass  der  infinitiv  ebensogut,  wie  er  mit 
befehlendem  oder  aufforderndem  tone  gesprochen  die  stelle  des 
imperativs  vertritt,  auch  mit  wünschendem  tone  gesprochen  den 
Optativ  vertreten  kann,  zeigen  17  311  und  a»  376  (vgl.  L.  Lange 
ei  II  p.  525).  Vollends  für  das  beispiel  mit  fulj  B  412  ff.  ist 
jede  annähme  einer  elUpse  abzuweisen.  Dass  ein  verbum  des 
wünschens  oder  bittens  vorschwebe,  ist  unwahrscheinlich,  weil 
fiij  mit  inf.  oder  acc.  c.  inf.  nach  diesen  verben  bei  Homer 
sich  überhaupt  nicht  findet  Es  scheint  hier  eine  alterthüm- 
liehe  ausdrucksform  vorzuliegen,  in  welcher  der  durch  fuj  ab- 
gewehrte gedanke  in  seiner  gesamtheit  als  objekt  der  Vorstel- 
lung gefasst  wurde:  fem  sei  der  gedanke  (d.  i.  die  Verwirk- 
lichung des  gedankens),  dass  die  sonne  eher  untergehe  .  .  . 
Diese. ausdrucksform  konnte  aber  ohne  weiteres  der  anrufung 


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132  C.  Hentze 

der  gottheit  folgen,  wie  z.  b.  17  331  ein  wünsch  im  opt.  dieser 
ohne  weiteres  angeschlossen  ^rd,  vgl.  auch  q  354 f.,  wo  der 
anrufung  des  Zeus  ein  acc.  c.  inf.  und  ein  wünsch  im  opt 
durch  xal  verbunden  folgen.  Die  Verbindung  von  dog  mit 
einem  durch  ju^  negierten  acc.  c.  inf.,  wie  sie  sich  i  530  findet, 
wird  die  jüngere  ausdrucksform  sein. 

In  £  118  haben  die  neueren  herausgeber  nur  mit  aus- 
nähme von  Franke-Faesi  die  handschriftliche  lesart  dog  de  we 
mit  recht  aufj^nommen.  Gegen  die  Variante  tovSe  ts,  die  nach 
Ludwich  Ar.  H.  T.  I  p.  252  nicht  mehr  als  Aristarchs  lesart 
gelten  kann,  spricht,  dass  hier  nicht,  wie  in  den  andern  bei- 
spielen,  eine  einfache  anrufung  der  gottheit  vorangeht,  sondern 
die  werte  vvv  avr  ifii  (pihxi^  *A9rjVYiy  zu  denen  sich  besser  die 
ruhigere  ausführung  durch  einen  neuen  imperativ  {dog)  schickt, 
als  die  lebhaftere  form  des  acc.  c.  inf. 

Dass  in  den  ganz  vereinzelt  dastehenden  Wunschsätzen  im 
inf.  17  312  ff.  und  oi  377  ff.  die  Subjekte  nicht  im  acc.  stehen, 
sondern  im  nom.  gedacht  sind,  erklärt  sich  aus  der  besondem 
beschaffenheit  dieser  wünsche.  Der  zweite  ist  überhaupt  uner- 
füllbar, und  auch  in  rj  konnte  Alkinoos  an  die  Verwirklichung 
des  gewünschten  nach  Odysseus  äusserung  223  f.  im  ernst  nicht 
denken  und  hat  auch  daran  nicht  gedacht,  wie  315  ff.  zeigen. 
Hienach  war  die  form  des  acc.  c.  inf.,  in  welcher  der  ange- 
rufenen gottheit  der  wünsch  zur  Verwirklichung  gleichsam  unter- 
breitet wird,  nicht  recht  anwendbar  ^).  Warum  der  dichter 
dann  aber  nicht  den  nach  der  formel  a?  yaq  Zsv  te  ftateg 
aal  ^A&rpfairi  %OLi  "ATtoXkov  in  wünschen  gebräuchlichen  Optativ 
anwandte,  ist  nicht  zu  sagen. 

Die  erörterten  beispiele  des  imperativischen  infinitivs  3. 
person   sind   nur  die  spärlichen   reste  eines  ursprünglich  um- 

1)  Diese  göttertrias  wird  überhaupt  nicht,  wie  in  den  obigen  bei- 
Bpielen  Zeus,  angerufen,  um  von  ihnen  die  Verwirklichung  des  Wunsches 
KU  erflehen,  sondern  nur,  um  sie  gleichsam  zu  zeugen  zu  nehmen  für 
einen  feierlichen  ausspmoh,  den  der  redende  in  die  lebhafte  form  eines 
Wunsches  kleidet,  wie  er  z.  b.  B  871  der  ausdruck  freudiger  bewunde- 
rung,  H  182  wehmüthigen  Schmerzes  ist.  Auch  in  17  811  hat  der 
Wunschsatz  mehr  den  Charakter  eines  ausrufs,  welcher  der  bewunderung 
ausdruck  giebt,  die  Alkinoos  f&r  den  fremden  empfindet,  während  sich 
in  M  876  mit  der  erinnerung  an  frühere  thaten  der  schmerz  verbindet, 
an  dem  kämpfe  mit  den  freiem  keinen  antheil  gehabt  zu  haben« 


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Der  Imperativische  infinitiy  in  den  homerischen  gedichten.    133 

fassenderen  gebrauchs.  In  den  homerischen  gedichten  wird 
die  Funktion  eines  futurischen  imperativs  3.  person  regelmässig 
durch  den  imperativ  3.  person  versehen,  was  mit  Wagner 
daraus  zu  erklären  ist,  dass  ein  befehl,  dessen  Subjekt  ein  ab- 
wesender sein  soll,  stets  futurischen  Charakter  hat.  Aber  von 
dem  älteren  gebrauch  des  imperativ,  inf.,  der  sich,  me  das 
Altindische  zeigt,  ebensowohl  auf  die  dritte  und  erste  person, 
wie  auf  die  zweite  erstreckte ,  sind  aller  Wahrscheinlichkeit 
nach  noch  spuren  in  den  infinitivkonstruktionen  nach  tcqIv  vor- 
handen. Die  erklärungy  welche  in  Übereinstimmung  mit  Heikel 
im  Skandinav.  archiv  1891  I  p.  274  ff.  (mir  nicht  zugänglich, 
vgl.  Berlin,  philol.  wochenschr.  1893  p.  89  f.)  Brugmann 
Griech.  gramm.  ^  p.  519  f.  für  diese  giebt,  scheint  nach  den 
verfehlten  versuchen  anderer  durchaus  das  richtige  getroffen 
zu  haben.  Indem  ich  im  anschluss  an  die  von  ihm  gegebenen 
andeutungen  die  entwicklung  dieser  konstruktionen  hier  noch 
eingehender  verfolge,  hoffe  ich  theils  seine  erklärung  noch  weiter 
stützen,  theils  einzelne  punkte  richtiger  stellen  zu  können. 

Für  die  erklärung  der  infinitivkonstruktionen  nach  rtQiv 
sind  folgende  daten  zu  gründe  zu  legen:  1)  die  infinitivkon- 
struktionen schliessen  sich  dem  hauptsatz  regelmässig  post- 
positiv an  (in  74  beisp.,  U.  41,  Od.  33),  praepositiv  finden  sie 
sich  nur  0  100.  ^  229,  zwischen  die  glieder  des  hauptsatzes 
eingefügt  £i  245.  e  301.  v  124.  q  105.  oi  430;  2)  der  gebrauch 
gehört  ganz  überwiegend  den  reden  an  (in  66  beisp.  von  81) 
und  bezieht  sich  vorwiegend  auf  zukünftige  handlungen  (45 
beisp.);  3)  die  hauptsätze  sind  überwiegend  negativ  (in  51 
beisp.);  von  den  30  an  positive  sätze  angeschlossenen  infinitiv- 
konstruktionen gehören  der  Dias  nur  12,  der  Odyssee  18  an; 
4)  der  infinitivkonstruktion  mit  rtQiv  geht  im  hauptsätze  in  29 
beisp.  (II.  20,  Od.  9)  ein  adverbiales  ngly  (ya)^  näqog  oder 
jcQoad'ev  voraus;  die  ersten  fünf  gesänge  der  Ilias  kennen  nur 
die  Verbindung  Ttqiv  (ndQog)  —  Ttglv  in  7  beisp. 

Hienach  werden  den  ältesten  gebrauch  die  beispiele  dar- 
stellen, in  welchen  der  infinitivkonstruktion  mit  Ttglv  ein  ne- 
gierter hauptsatz  futurischer  richtung  (meist  im  fut.  oder  im- 
perativ) mit  dem  temporalen  adverb  Ttqlv  (ftdQog)  vorausging, 
welches  zunächst  nur  unbestimmt  andeutete,  dass  vor  dem  ein- 
tritt der  bezeichneten  futurischen  handlung  eine  andere  eintreten 
müsse,  [und  daher  einer  näheren  bestimmung  bedurfte,    Diese 


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134  G.  Hentze 

wurde  zunächst  in  einem  selbständigen  satze  nachgebracht,  in 
form  eines  gegensatzes,  wie  0  340  firiSi  ngiv  änonacvB  weöp 
fiivog*  diX  onot*  aw  dtj  q>d'iy§ofji  fywv  ld%ovaa^  %6%€  axifjtev 
mdfucvov  rcvQj  vgl.  TT  62  f.  und  T  306  ff.  In  engere  Verbin- 
dung mit  dem  vorhergehenden  satze  trat  die  ergänzende  be- 
stimmung,  wenn  sie  durch  ein  ebenfalls  ursprünglich  adver- 
biales ftqlv  demselben  angeschlossen  wurde,  welches  auf  das 
vorhergehende  zurückwies:  ^ehe  das  bezeichnete  geschieht',  wie 
Ttqlv  auch  sonst  gebraucht  wird,  z.  b.  ui  29  vipf  <f  iyia  od 
liaw  rtqLv  fiiv  Tuzi  y^Qag  €7ceiaiv  rjfietiqffi  ivi  oYnup.  Elnthält 
nun  der  vorhergehende  satz  eine  erklärung  des  redenden,  dass 
er  die  in  frage  stehende  handlung  entweder  selbst  nicht  voll- 
ziehen oder  von  dem  angeredeten  nicht  vollzogen  wissen  wolle, 
ehe  eine  andere  vollzogen  sei,  so  fügt  sich  in  diesen  Zusammen- 
hang der  ursprünglich  selbständige  inf.  in  imperativischem  sinne 
auf  das  leichteste  ein.  So  erklärt  sich  der  einfache  Infinitiv 
nach  TCQiv:  nach  negiertem  imperativischem  inf.  2.  person  als 
imperativ,  inf.  2.  person  z.  b.  iT  839  fiij  fioi  Ttqiv  Uvai  — 
Ttqiv  "ExTOQog  —  xeraJ^a  —  dat^ai^  ursprünglich  gedacht:  *zu- 
vor  zerfetze  Hektors  leibrock',  ebenso  0  294  f.;  als  imperat 
inf.  3.  person  ui  98  ov<f  oys  nqiv  Javaoiaiy  äeixia  JüOLyov 
aTtwaeif  Ttqlv  y  ano  Ttarqi  q>ll(p  Sdfievat  —  xovqijv  ^zuvor 
sollen  sie  (die  Danaer)  dem  vater  die  Jungfrau  zurückgeben'; 
aber  auch  als  imperat.  inf.  1.  person  2  334  ov  ae  nqiv  xTeqiäj 
Ttqiv  y  ^'ETttoqog  ivd'd^  ivAnuxL  xbvx^oi  xat  xsqnxkijv  ^zuvor  will 
ich  Hektors  rüstung  und  haupt  hieher  bringen',  ebenso  <Z>  224  f., 
vgl.  auch  H  45  ff.,  wo  die  direkte  rede  lauten  würde:  ov  Ttqiv 
aTtoviofiac,  Ttqiv  ivi^Ttq^aai,  und  x  383  ff. 

Aber  auch  der  acc.  c.  inf.,  wie  wir  ihn  als  ausdruck  einer 
forderung  oder  eines  Wunsches  p.  130  kennen  gelernt  haben, 
fügt  sich  mit  dem  zurückweisenden  Ttqlv  auf  das  natürlichste 
in  den  Zusammenhang  ein.  So  schliesst  sich  in  dem  an  Zeus 
gerichteten  gebet  B  413  ff.  an  den  wünsch  fiij  Ttqiv  ^eAioy 
dvvai  xtI  ein  zweiter  wünsch  mit  Ttqtv^  der  das  erste  Ttqiv 
näher  bestimmt,  Ttqiv  fxe  narä  Ttqrivig  ßalisiv  Ilqiafioto  ftHa- 
^qov  ^zuvor  möge  ich  (lass  mich)  das  deckengewölbe  des  Pria- 
mos  niederwerfen',  woran  sich  noch  ein  Wunschsatz  im  opt. 
schliesst,  wie  q  354  im  gebet  dem  acc.  c.  inf.,  durch  xai  ver- 
bunden, ein  wünsch  im  opt.  folgt.  Als  ausdruck  des  willens 
kann  Ttqiv  mit  acc.  c.  inf.  ursprünglich  gedacht  sein  O  72 — 74, 

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Der  Imperativische  iafinitiv  in  den  homerischen  gedichten.     135 

als  forderung  ß  127  f.  rj^üg  d*  oiv  irti  kqya  ftctQOs  y  Xfuv 
o^e  TtTj  allfjf  Ttqiv  av%rp  yijfiaad'ai  Idxmiav  ^  %  kd'iXyav 
'zuvor  vermähle  sie  sich  . . .'     Ebenso  a  288  f.,  auch  B  354  f. 

So  entstand  bd  engem  zusammenschluss  beider  sätze  eine 
art  korrelation  zwischen  beiden  nqlv^  welche  bewirkte,  dass 
während  das  erste  vorausweisende  in  Verbindung  mit  der  nega- 
tion  seine  scharfe  betonung  behauptete»  der  ausführende  satz 
mit  dem  zurückweisenden  nqiv  und  inf.  allmählich  seine  Selb- 
ständigkeit einbüsste  und  damit  auch  seine  voluntative  bedeu- 
tung  verlor. 

Auch  nach  negativen  aussagen  ohne  voraufweisendes  nqiv 
erklärt  sich  der  inf.  auf  das  natürlichste  als  ausdruck  des 
willens:  T  422  f.  dXlä  %al  efinrig  ov  lij^fOy  nqiv  TqdSag  adtjv 
ilaaai  TtoUfioio  'zuvor  will  ich  die  Troer  genugsam  im  kämpfe 
umtreiben',  vgl.  auch  ¥  44  f.;  als  forderung  an  die  2.  person 
X  536  f.  iiriÖB  iäv  veKv<ov  cifievrivä  xaqriva  oUfjLotog  aaaov  Xfxsv^ 
nqiv  Teiqeoiao  nvd'iad'ai  'zuvor  befrage  Tiresias',  an  die  3. 
person  /  386  f.  oidi  %ev  <og  ¥ti  &vfxdv  ifibv  nsiaai  *Aya(xiiiv(av^ 
nqiv  y  anb  naaav  i^oi  öofievai  dvfialyia  küfßtjv  'zuvor  soll 
er  mir  seinen  frevel  vollständig  büssen';  ähnlich  acc.  c.  inf. 
nach  nqiv  als  forderung  an  die  2.  person  %  63  f.  Einige  bei- 
spiele  sind  dadurch  bemerkenswerth ,  dass  durch  nqiv  mit  inf. 
nicht  sowohl  das  temporale  verhältniss  beider  handlungen  be- 
stimmt wird,  sondern  der  gegensatz  des  positiven  gedankens 
zum  negativen  überwiegt,  sodass  nqiv  geradezu  mit  'vielmehr' 
übersetzt  werden  kann:  Y  256  dkxtjg  d*  ov  fi  inhaaiv  äno- 
vqitpeig  /i^^aJra,  nqiv  x^^^V  h^^oaad'ai  ivavtiov  ^vielmehr 
bestehe  den  kämpf  mit  der  waffe';  X  265  ff.  ovte  ri  vwiv 
oqyua  iaaovtai  nqiv  tj  ^sqöv  y$  neoovra  älfiarog  aam  ^'Aq^a 
'vielmehr  muss  einer  von  uns  beiden  fallen',  vgl.  auch  M  171  f. 
O  556  ff.  —  ein  ähnliches  gedanken verhältniss,  wie  A  29  %riv 
^  iyw  ov  Ivato '  nqiv  fiiv  xai  yfjqag  eneiaiv  ^€tiq(f  evi  olx^, 
vgl.  5  282  f.   ß  551.    0  164  ff. 

Eine  weitere  entwioklungsstufe  bezeichnen  die  beispiele,  in 
denen  der  erste  satz  (ohne  nqiv)  nicht  mehr  negativ,  sondern 
positiv  ist,  von  der  zurückweisenden  bedeutung  des  adverbialen 
nqiv  nichts  mehr  vorhanden  ist  und  der  inf.  nur  noch  die  Vor- 
stellung eines  zu  erwartenden  ereignisses  enthält.  Unter  diesen 
beispielen  sind  besonders  die  hervorzuheben,  in  denen  die  infi- 
nitivkonstruktion  eine  dem  redenden  unerwünschte  möglichkeit 


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136  C.  Hentze 

enthält,  deren  eintritt  er  durch  eine  im  hauptsatze  geforderte 
oder  gewünschte  handlung  zuvorkommen  möchte,  sodass  rtqlv 
mit  infinitivkonstruktion  der  bedeutung  nach  einem  negativen 
finalsatze  gleichkommt  So  nach  aufforderungen  im  imperativ 
Z  80  f.  a%i^v  cevTov  xat  kaov  iQvxdxeve  —  tcqiv  avv  iv  X^Q^l 
ywaixwv  q>evyovTag  fteoiei^v,  rc  376.  oi  430 ,  in  anderer  form 
P  30flf.  —  y  198  ff.,  nach  wünschen  im  optativ  Z  464  f.  allA 
f4e  tedytjwra  x^^  i^ccra  yäia  xakvrttoi  tiqIv  yk  %i  aijg  ve  ßofjg 
aov  y  ek%ri»fxoio  n;v»ia»ai.  ß  245  f.  d  667  f.  q  597,  mit  atd^ 
äq>Bll8  a  401  vgL  X  16  f.;  auch  nach  aussagesätzen,  die  einen 
wünsch  des  Subjekts  enthalten,  wie  d  823  =  v  426  —  o  30 
(loxotoaiv)  Ufisvoi  ntsivai  rcqiv  Ttavqlda  ydiav  iTdad'ai.  O  588. 
Auch  in  der  erzählung  wird  durch  tzqIv  mit  inf.  öfter  eine 
nicht  wirklich  ausgeführte  handlung  bezeichnet,  deren  ausfüh- 
rung  durch  die  handlung  des  hauptsatzes  verhindert  ist :  JT  322 
eqfdi]  oQs^dfisvog  nqiv  ovtaaai  'ehe  er  durchbohren  konnte'. 
@  453.  »  301.  l  319.  —  In  oratio  obliqua  steht  n^iv  mit 
infinitivkonstruktion  in  futurischem  sinne,  nach  negierten  haupt- 
sätzen  (mit  oder  ohne  nQlv):  E  288.  P  504.  ß  375.  d  2Mt 
741.  Q  10b,  nach  einem  positiven  e  301 ;  im  anschluss  an  einen 
befürchtungs-  oder  absichtssatz  mit  fii^  im  opt.  nach  praeteri- 
tum  J  IIb,  V  124.  193,  mit  fit}  im  conj.  t]  196. 

Der  letzten  entwicklungsstufe  werden  die  beispiele  ange- 
hören, in  welchen  der  inf.  auch  nicht  mehr  futurische  bedeu- 
tung hat,  sondern  im  anschluss  an  aussagesätze  im  ind.  praes. 
oder  praet.  eine  als  eintretend  gesetzte  oder  wirklich  einge- 
tretene handlung  bezeichnet  und  durch  ftglv  lediglich  die  zeit- 
liche folge  beider  handlungen  (im  sinne  von  bis  oder  bevor) 
zum  ausdruck  kommt.  So  im  anschluss  an  eine  aussage  im 
praes.,  an  eine  negative  T  170  ovdi  %i  yvla  Ttqiv  wx^vuj  tvqIv 
Ttdvtag  igw^aai  Ttolsfxoio.  B  19.  Y  100.  0  578;  an  eine 
positive  ^  288.  Häufiger  in  der  erzählung:  nach  n^ertem 
hauptsatze  T  313  ovdi  vi  dvfn^  %iqftG$o  nqlv  rtolsfiov  arofia 
dvfievai.  H  48L  i  65.  148.  l  50.  89.  fi  187.  t  475,  nach 
positivem  hauptsatze  /  403  -  X  156.  N  172.  a  210.  v  83, 
vor  positivem  hauptsatze  0  100.  $  229.  Der  diese  letzte  ent- 
wickelungsstufe  darstellende  gebrauch  ist  auf  20  beispiele  be- 
schränkt (II.  10,  Od.  10).  Die  beispiele  der  Dias  gehören  den 
gesängen  HINSTYOX  an;  die  ersten  6  gesänge  und  ausser 
andern  auch  ^  und  JI  bieten  kein  beispiel. 

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Der  imperativische  infinitiy  in  den  homerischen  gedichten.    137 

Der  gebrauch  von  jcagog  mit  Inf.  bietet  kein  beispiel,  in 
welchem  der  inf.  ursprünglich  in  voluntativem  sinne  gefasst 
sein  könnte  ^). 

Ich  muss  noch  ein  bedenken  erwähnen,  welches  Delbrück 
Vergl.  Synt.  IQ  p.  437  gegen  die  von  Heikel  und  Brugmann 
aufgestellte  ansieht  über  den  Ursprung  der  infinitivkonstruk- 
tionen  nach  rtQvv  erhoben  hat,  das  bedenken:  es  sei  nicht  ein- 
zusehen, warum  die  Griechen  gerade  den  infinitiy,  und  nicht 
lieber  den  imperativ  gewählt  hätten.  Dies  bedenken  erledigt 
sich,  meine  ich,  dadurch,  dass  in  den  beispielen,  welche  uns 
den  ältesten  gebrauch  von  tcqIv  mit  inf.  darstellen,  die  voraus- 
gehende negative  aussage  (im  fut.  oder  imperativ,  inf.)  eine 
handlung  enthält,  welche  erst  im  verlauf  der  zukunft  vollzogen 
werden  kann,  und  auch  die  vorher  zu  vollziehende,  welcher 
jene  unmittelbar  folgen  soll,  eine  futurische  ist,  daher  der  im- 
perat.  inf.  als  fnturischer  imperativ  an  der  stelle  war. 

Göttingen.  C,  Hentze, 


Leo   Heyer    Handbuch    der    griechischen    etymologie.     Leipzig, 
8.  Hirzel.     8°.     I.  band  (656  s.),   II.  band  (860  s.),   IH.  band 

(488  8.)  «). 

Es  wird  wenige  gelehrte  geben,  die  im  laufe  eines  langen 
lebens  der  arbeitsart  und  dem  arbeitsfeld  ihrer  Jugend  so  treu 
geblieben  sind,  wie  Leo  Meyer,  und  wenn  ich  nun  sage,  dass 
ich  die  wissenschaftliche  persönlichkeit  des  Verfassers  der  „Ge- 
drängten vergleichung  der  griechischen  und  lateinischen  decli- 
nation'',    der  „Vergleichenden    grammatik    der    griechischen    und 

1)  Der  viel  seltenere  gebrauch  von  ndgog  mit  inf.  (überhaupt  in 
12  beisp.,  II.  7,  Od.  6,  mit  inf.  in  8  beiep.,  IL  4,  Od.  4,  mit  aco.  c.  inf. 
in  4  beisp.,  D.  3,  Od.  1)  findet  eich  mit  ansnahme  von  xff  909  nnr  nach 
positiven  satzen,  daher  auch  nirgend  ein  nagog  oder  n^iv  vorausgeht, 
und  nur  in  beziehung  auf  die  Vergangenheit.  Er  berührt  sich  nur  mit 
der  zweiten  entwicklungsstufe  von  nQtv  mit  inf.  in  4  beispielen  in 
AMSO,  die  eine  in  der  Vergangenheit  nicht  eingetretene  handlung  ent- 
halten, am  meisten  aber  mit  der  letzten  entwicklungsstufe  von  n^Cv,  da 
8  beisp.  in  Z£^  und  in  der  Odyssee  eine  in  der  Vergangenheit  einge- 
tretene handlung  bezeichnen.  Dagegen  nimmt  Delbrück  Yergl.  synt.  III 
p.  486  f.  an,  dass  nqCv  sich  nach  nuqog,  und  zwar  in  schon  sehr  früher 
zeit  gerichtet  habe. 

2)  Ygl.  die  selbstanzeige  66A.  1901  s.  825^329. 


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138  A.  Bezzenberger 

lateinischen  spräche'',  der  ,yFlexion  der  adjectiva  im  Deutschen^ 
der  „Gothischen  spräche"  u.  s.  w.  in  dem  „Handbuch  der  griechi- 
schen etymologie"  fast  unverändert  wiedergefunden  habe,  so  glaube 
ich  damit  eine  Vorstellung  von  dem  gehalt  und  dem  wesen  dieses 
Werkes  zu  geben,  die  nur  für  diejenigen  einer  ausfuhrung  bedarf, 
welche  nicht,  wie  ich,  jenen  älteren  Schriften  ein  gutes  teil  ihrer 
wissenschaftlichen  Schulung  verdanken. 

Gleich  den  früheren  arbeiten  Leo  Meyers  „charakterisiert  sich" 
auch  die  vorliegende  „durch  eine  reinliche,  klare  und  nüchterne 
darstellung*'  (Benfey  Geschichte  der  Sprachwissenschaft  s.  591) 
und  durch,  wie  mir  scheint,  unbedingte  Zuverlässigkeit  aller  tat- 
sächlichen angaben.  Gleich  jenen  zeigt  sie  aber  auch  eine  be- 
schränkung  des  arbeitsgebietes  sowohl  auf  griechischem,  wie  auf 
nichtgriechischem  boden,  welche  ich  trotz  des  alters  und  der 
klassicität  der  von  Leo  Meyer  bevorzugten  Sprachdenkmäler  als 
richtig  nicht  anzuerkennen  vermag,  und  dieser  beschränkung 
gegenüber  ein  eingehen  auf  das  vorkommen  der  von  ihm  berück- 
sichtigten  altindischen,  lateinischen  und  gotischen  Wörter,  die  den 
eindruck  der  Verschwendung  macht.  Was  hat  es  beispielsweise 
für  einen  wert,  dass  III  166  lat.  dare  mit  „Enn.  ann.  234; 
447''  belegt  ist?  Oder  dass  ebenda  s.  295  „das  ganz  vereinsamt 
dastehende  gothische  bnauan  'zerreiben'"  (das  Leo  Meyer  ver- 
mutungsweise zu  x^aveiv  stellt)  mit  dem  citat:  „nur  Luk.  6,  1: 
raupididun  ahsa  sipdnj6s  is  jah  matid^un  bnauandans  —  '^cJ- 
XOVTsg'  —  handum"  verbunden  ist?  Oder  dass  ebenda  s.  300 
unser  graben,  goth.  graban  (nach  Leo  Meyer  möglicher  weise  zu- 
sammenhängend mit  x^^^aaßtr)  belegt  ist  mit:  „Luk.  16,  3: 
graban  —  'onaTtTBiv'  —  ni  mag;  6,  48:  mann  timrjandin  razn, 
saei  grob;  19,  43:  bigraband  fijands  theinai  grabai  —  'x^qoxc^ 
—  thuk  ?"  Oder  dass  ebenda  s.  461  got.  varmjan  mit  den  be- 
legen: „Mk.  14,  54;  Joh.  18,  18  —  2  mal  —  und  25;  Ephes. 
5,  29"  ausgestattet  ist  (während  dem  Verfasser  auf  der  vorher- 
gehenden Seite  für  dasselbe  verbum  das  citat  „Ephes.  5,  29: 
födeith  ita  jah  varmeith"  genügte)  ?  Btatt  ein  übermaass  von  zeit 
und  räum  auf  solche  citate  zu  verwenden,  die  sich  aus  spezial- 
wörterbüchern  doch  leicht  entnehmen  lassen,  und  deren  ange- 
messenheit von  dem  herr  Verfasser  selbst  dadurch  in  frage  ge- 
stellt ist,  dass  er  sie  öfters  ganz  willkürlich  ausgewählt  (vgl.  z.  b. 
die  obigen  anführungen  über  got.  varmjan  und  die  belege  für 
altind.  pdti-s  II  506,  546:  RV.  I,  44,  9;  I,  52,  13  —  RV.  I, 
127,  8;  I,  105,  2)  und  bei  der  anführung  von  z.  b.  altslavischen 
und  litauischen  Wörtern  verschmäht  hat  —  statt  also  sich  und 
sein  publikum  mit  solchen  citaten  zu  plagen,  wäre  es  gewiss 
richtiger  und  willkommener  gewesen,  wenn  er  die  griechischen 
dialekte  ausgebeutet  und  bei  jedem  griechischen  werte  die  beson- 
deren mundartlichen  formen,  unter  denen  es  bekannt  ist,  ange- 
geben hätte.  Dass  er  dies  unterlassen  und  die  dialekte  nur  auf 
das  notdürftigste  berücksichtigt  hat^  beeinträchtigt  den  wert  seines 


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Anzeige.  139 

Werkes  sehr  empfindlich  und  macht  zugleich  den  mangel  eines 
der  anläge  von  Büchelers  Lexicon  italicum  oder  von  Miklosichs 
Etymologischem  Wörterbuch  entsprechenden,  aber  mit  belegen  aus- 
gestatteten griechischen  Wörterbuches  recht  fühlbar. 

Auch  mit  griechischen  citaten  hat  übrigens  der  herr  Verfasser 
sein  werk  allzu  reichlich  bedacht,  indem  er  sehr  oft  bei  einer 
anführung  oder  einem  verweise  ein  griechisches  wort  mit  beleg- 
steilen begleitet,  obgleich  dasselbe  wort  an  seinem  platze  mit  aus- 
geschriebenen belegen  genügend  versehen  ist.  Ich  verweise  bei- 
spielsweise auf  ftooig  n  546  und  506,  dearto'nig  III  217,  II  546, 
Td^ig  II  766  und  728. 

Das  werk  ist  lexikalisch  angelegt  und  grundsätzlich  aber 
nicht  mit  pedantischer  konsequenz  nach  stammen  geordnet.  Ab- 
gesehen von  einzelheiten  kann  ich  dies  nur  billigen,  muss  es  aber 
einstweilen  für  einen  missgriff  halten,  dass  die  ordüung  nicht  in 
gemässheit  des  griechischen  alphabets,  sondern  nach  einer  von 
dem  herrn  Verfasser  gewählten  buchstabengruppierung  erfolgt  ist 
(a,  €,  0,  17,  w;  t,  aiy  €iy  01;  v,  av,  ev^  ov;  %  [auch  ^,  7t  [auch 

V']»  ^;  y»  ß>  ^»  C;  X»  ?>>  *;  <^i  ^  l^>  Q*  ^)-  ^«^  «^^^»  ^en  der 
herr  Verfasser  für  diese  einschneidende  neuerung  geltend  macht, 
dass  nämlich  die  reihenfolge  des  gewöhnlichen  alphabets  „eine 
sehr  bunte  ist  und  viel  nah  zusammengehöriges  weit  auseinander 
reisst'<  (QQA.  1901  s.  328),  wird  niemanden  mit  ihrer  unge- 
heuren Unbequemlichkeit  aussöhnen.  Der  angegebenen  Ordnung 
gemäss  folgen  der  reihe  nach  z.  b.  auf  ftä  „sich  erwerben''  (II 
465):  Ttatd",  ^«og-,  Tto-  (pronomen),  7to-  „trinken",  ttj,  ntjö^gy 
nah-  „trinken",  ttcü,  Ttwv-y  Ttwvyy-y  7t i-  (Ttl-)  „trinken",  /rla^, 
nUtßiVy  Tttov-y  ftal'Siv,  rtai^o-v,  Ttai^ov-,  Ttaiwviä,  nol,  noUeiv^ 
Ttoio^^  Ttoitj  „gras",  Ttoiri  „sommer,  jähr",  rtiavo-gj  ftveXo-g, 
nvo-g^  Ttvog-t  Ttav-ead-ai,  Ttovy  TtoMXouv  u.  s.  w.;  auf  Jiwpvao-g 

im  177):  dtfaXvYio-gy  diaiy  dlaita^  Siaivsiv,  dal  u.  s.  w.;  auf 
^qv^AO^v  (in  253):  ddilo-g,  dilaof  u.  s.  w.  —  Femer  muss  ich 
mich  gegen  das  nicht  seltene  zerreissen  von  zusammengehörigem 
aussprechen,  das  der  herr  Verfasser  doch  gerade  vermeiden  wollte, 
z.  b.  von  7to-^  TTw-,  Ttir-  (7ti')  „trinken"  (s.  oben),  oder  von  ya- 
„töten"  (in  348),  qnxto-g  „getötet"  (III  360),  q>€V-  „töten"  (ge- 
folgert aus  e7t€q>vov;  III  384)  und  ^-ay-  „schlagen"  (III  449: 
„im  gründe  das  selbe  mit  q>€V'  'töten'"),  obgleich  zuzugeben  ist, 
dass  in  dieser  hinsieht  die  richtige  mitte  zwischen  einem  zu  viel 
und  einem  zu  wenig  nicht  leicht  gefunden  werden  kann. 

Bei  der  behandlung  des  Stoffes  ist  der  herr  Verfasser  darauf 
ausgegangen,  ihn  von  seinem  wissenschaftlichen  Standpunkte  aus 
nach  möglichkeit  gruppenweise  vorzuführen.  Um  aber  auch  die 
Selbständigkeit  mindestens  der  wichtigeren  ableitungen  hervor- 
treten zu  lassen,  hat  er  dieselben  auch  besonders  —  öfters,  wie 
bemerkt,  etwas  zu  breit  —  behandelt,  oder  doch  aufgeführt.  So 
heisst  es  z.  b.  unter  tdaaaiv  (II  766)  nach  einer  reihe  von  be- 
legen dieses  wertes: 


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140  A.  Bezzeuberger 

„Dazu  tä^ig  'geoidnete  auf  Stellung,  heerhaufen,  Ordnung*; 
'Stellung,  platz';  Aesch.  Prom.  128:  q>iUa  yag  fjÖB  va^ig  nxBQvycop 
^odig  afililaig  Ttqoaißa  Tovde  Ttayav.  Pers.  298:  oa%  erct 
oxTjTtTOvxiijf  ToxS'etg  avavdgov  tcI^iv  fjQi^fjtov  &avtiv.  Soph.  Oed. 
Kol.  1310:  ^^^ctjK^wv  %a  tcSv  k^äv^  dt  vvv  avv  STtra  xd^eaiv 
avv  enxa  re  Xoyxatg  xb  Qijßfjg  tzböLov  äf4q)eaTaai  fzäv,  Hdt. 
1,  82 :  6  di  %wv  AomedaifjLOviunf  ^O&QDadrig  . . .  |y  r^  xa^i  elxe 
kiovTÖv.  (Biehe  auch  besonders  seile  728).  räyo-g  'anordner, 
befehlshaber'  (siehe  besonders  seite  749).  —  tayij  'Schlachtord- 
nung' (siehe  s.  749)". 

Schlägt  man  die  stellen,  auf  die  hier  verwiesen  ist,  nach,  so 
findet  man: 

(S.  728)  „rd^ig  'geordnete  aufstellung,  Ordnung,  Stellung, 
platz'  (weder  bei  Homer  noch  bei  Hesiod;  Pindar  hat  es  nur  in 
dem  abgeleiteten  ra^iow&ai  'sich  in  Schlachtordnung  aufstellen' 
Ol.  7,8;—  Aesch.Prom.  128;  Pers.298;  380;  Soph.  Oed.Kol.1311; 
Bruchst  399,  3;  Hdt.  1,  82;  6,  111;  9,  26;  27),  siehe  weiterhin 
unter  tdöOBi^v  'geordnet  aufstellen,  ordnen';  'verordnen,  befehlen'". 

(S.  749)  „xäyo^g  'anordner,  befehlshaber'.  H.  23,  160: 
Ttagd  d*  oi  %ayol  afjifjLi  fÄSvovtonf  (scheint  weniger  gute  lesart 
als  .  .  .  o?  if"  dyoi  'führer'  .  .  .).  Aesch.  Prom.  96:  voior^  6 
viog  Tayog  (layuxQiov  i^Q  W  ifioi  deOfÄOv  aeixfj.  Pers.  23: 
%ai  Meyaßdftig  ^^  ^AOTciaTtrjg,  %ayoi  üeqativ.  324:  Bdqvßig 
V€  ftev%m.(nf%OL  ftevränig  vewv  %ay6g.  480:  vawv  yB  zayol  %wv 
XBXBL(jLfjLBV(j}v  .  .  .  fUQovtm  wvytjv.  Agam.  110:  l4x^^^  dld-qorov 
xgctTog^  ^Ellddog  fjßag  ^fjKpqova  rayti.  Soph.  Ant.  1057:  ao^ 
ola&a  rayovg  ovtag  av  Idygg  liyiov;  Eur.  L  A.  269:  avv  o 
^'AÖQaatog  rjv  tay6g.  Ar.  Bitter  159:  o;  %wv  ^Ad'miiav  %aye  rwv 
evdai/iovwp.  Xen.  Gesch.  6;  1,  8:  ort  .  .  .  evneruig  äv  iyw 
rayog  Qertalwy  dndvtwv  xaraoTairjv.  Pollux  1,  128  erklart: 
i'di.ov  .  .  .  &eTtaX(Sy  zayog,  —  Dazu  rayi/  'Schlachtordnung'; 
Ar.  Lys.  105:  6  d'  ifiog  ya  (nämlich  dvjjg),  xav  ix  to^  rayag 
eXop  nona.  —  Scheint  eine  verbalgrundform  räy  (oder  %ay) 
'ordnen,  anordnen,  befehlen'  zu  ergeben,  die  aber  in  keiner  ein- 
zigen verbalfonn  deutlich  heraustritt,  ausser  in  dem  paBsivaoristi- 
schen  ray^vai,  das  aber  nur  bei  späteren  (wie  ApoUod.  1,  9,  23; 
rd  iTtV'Tayivra)  vorkommt  und  sich  zu  dem  präsenlischen  %daauv 
(siehe  seite  766)  stellt". 

Diese  beispiele  lassen  zugleich  die  sehr  eingehende  behand- 
lungsweise  erkennen.  Was  an  griechischen  Wörtern  einem  Stich- 
wort untergeordnet  und  nicht  durch  Verweisungen  erledigt  ist,  ist 
mit  belegen  versehen,  und  alsdann  ist  auf  lautliche  Verhältnisse, 
form  und  verwantschaft  des  betreffenden  wertes  bezw.  wortkreises 
eingegangen. 

Unleugbar  ist  diese  behandlungsweise  sehr  zweckmässig  und 
wie  sie,  so  erkenne  ich  auch  gern  an,  dass  die  belege,  obgleich 
in  einzelnen  fällen  über  ihre  auswahl  eine  auskunft  erwilnBcht 
wäre,  über  das  vorkommen  der  griechischen  Wörter  in  der  litte- 


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Anzeige.  141 

ratur  gut  orientieren,  und  dass  das  eingehen  auf  die  form  der 
Wörter,  ihre  erläuterung  durch  parallelbildungen  eine  grosse  an- 
nehmlichkeit  bildet.  Womit  ich  mich  aber  nicht  befreunden  kann, 
ist  die  etymologische  seite  des  Werkes.  Nicht  selten  ist  gar  keine 
deutung  eines  wertes  gegeben,  obgleich  es  klar  oder  befriedigend 
erklärt  ist»  und  nur  zu  oft  ist  eine  gute  etymologie  in  unbegrün- 
deten zweifei  gezogen  oder  gar  bald  ausdrücUich,  bald  still- 
schweigend einer  weniger  guten  nachgesetzt.  So  heisst  es  unter 
ddiv-  „drüse"  (I  137):  „dunkeler  herkunft  .  .  .  Fick  I  *  363  ver- 
muthet  Zugehörigkeit  zu  altbulg.  jendro  'kern,  hode'  und  altind. 
andä^m  'ei,  hode'  (Manu;  Hit)".  Die  tadellose  kombination 
Saussures:  ddrp^  —  lat.  inguen  —  an.  ehkr  „geschwulsf'  (M6- 
moires  de  la  soci6t6  de  linguist  VI  53)  wird  hier  jeder  vermissen. 

—  Von  ddivo-q^  das  „etymologisch  völlig  dunkel"  sei  (I  141), 
gibt  es  eine  bemerkenswerte  erklärung  Zupitzas  (Gutturale  s.  88). 

—  af4vä(4og  „enkel,  nachkomme",  das  sich  von  selbst  in  d-fjLväfxo^ 
zerlegt  und  einen  nachkommen  insofern  benennt»  als  seine  erinne^ 
rungen  nicht  soweit  zurückreichen,  wie  die  eines  vorfahren,  ist 
mit  dOT  kurzen  bemerkung  „dunkelen  Ursprungs"  abgefunden 
(I  249).  —  Von  iQoyfj  „andrang,  schwung"  (I  443)  ist  gesagt: 
„Die  gewöhnlich  angenommene  identitat  mit  dem  vorausgehenden 
iQun^  'das  ablassen'  ist  bei  dem  weiten  auseinanderliegen  der  be- 
deutungen  beider  Wörter  durchaus  unwahrscheinlich.  Weiterer 
etymologischer  Zusammenhang  noch  unermittelt".  Diese  äusserung 
trifit  schon  seit  langer  zeit  nicht  mehr  zu,  s.  Fiok  Vgl.  wbch. 
•  m  252  (unter  räaa),  Prellwitz  Etym.  wbch.  s.  104.  —  iqioq 
(I  602;  nach  dem  herm  Verfasser  „alt  wahrscheinlich  /ifto-^') 
ist  unerklärt  geblieben,  und  iifiog,  das  daran  anklingende  beiwort 
ApoUons,  soll  von  imog  „kläglich,  jammervoll"  nicht  verschieden, 
„aber  wohl  anders  (aoer  wie?)  gedacht"  sem  (II  15).  Die  erklä- 
rungen,  die  Froehde  BB.  III  7,  XIX  235  von  diesen  Wörtern 
gegeben  hat,  durften  hier  nicht  unerwähnt  bleiben.  —  Für  fij^oixa 
(11  22),  J^Bixd^eiv  (II  105),  ßeixtav  (II  106)  u.  s.  w.  ist  angeb- 
lich „weiterer  etymologischer  Zusammenhang  noch  nicht  nachge- 
wiesen; Fick  (bei  Bezzenb.  4,  184)  behauptet  einen  solchen  mit 
lit.  vfkti  'eintreffen,  zutreffen,  wahr  werden',  bringt  aber  gar  nichts 
bei,  das  die  von  ihm  angenommene  bedeutungsentwicklung  irgend 
me  wahrscheinlich  machen  könnte"  (II  23).  Diesem  mangel  hätte 
der  herr  Verfasser  aber  selbst  leicht  abhelfen  können.  Ich  führe 
an:  lit.  pchtvdikslas  „beispiel",  pa-weikdfis  „musterhaft"  (vgl. 
ßei^xülv),  newyk^  ddikts  (lit.  forsch,  s.  57,  vgl.  äßsixehog),  lett 
uAkstüs  „ich  schicke  mich  an"  (vd.  J^ifoixe  „es  schickt  sich"). 
Übrigens  stellt  Fick  neuerdings  ioiyux  vermutungsweise  zu  skr. 
vigati  „eintreffen"  (Wbch.  *  I  543)  und  Prellwitz  Wbch.  s.  85 
ist  ihm  leider  darin  gefolgt  —  Über  oixea&ai  liest  man  (II  131): 
„Da  in  den  verwanten  sprachen  sich  ofienbar  keine  frappant  ent- 
sprechende form  findet,  so  bleibt  Benfeys  Vermutung  (Or.  und 
Oco.  ly  427;  732)  erwägenswerth,  nach   der  das  %  ^  &^^  ^hn- 


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142  A.  ßezzenberger 

lieber  weise  wie  in  a^ead'ai  'kommen,  gehen'  (1,  seite  460)  sich 
aus  älterem  prasentischem  sk  entwickelte  und  dasselbe  alte  altind. 
ti  zu  gründe  liegt,  das  mit  der  bedeutung  'bringen ,  heibeiscbafien' 
schon  unter  oU  'tragen,  bringen'  (seite  121)  aufgeführt  wurde, 
mehrfach  aber  auch  in  der  beideutung  'gehen,  kommen'  auftritt". 
Ich  möchte  wissen,  was  Leo  Meyer  gegen  die  Verbindung  von 
oXxofiai  und  lit  eigä  „gang"  (Prellwitz  Wtboh.  s.  221)  einzu- 
wenden hat  —  Obgleich  Homer  nur  xiJQ  zeigt,  bleibt  der  herr 
Verfasser  doch  bei  der  alten  annähme,  dass  %^q  aus  xictQ  kon- 
trahiert sei,  und  erklart  über  dieses:  „Dunkeln  Ursprungs.  Die 
annähme  naher  Zugehörigkeit  zu  xceQÖitj  'herz'  ist  ohne  boden" 
(n  218  f.).  —  7tQOfiv7iaTiv(hg  „einzeln  einander  folgend"  ist  mit 
{»yxcoi^lvog  verglidien,  „das    offenbar   von   dem    superlativischen 

ayxiotO'-g ausging.    So  darf  man  auch  in  unserem  wort 

das  -aT-  für  superlativisch  halten.     Die  vorausgehende  suffixform 

begegnet  offenbar  denen   in  n^vf^vo-g  'der  äusserste' Die 

grundlage  aber  bildet  nQO  'vor"'  (U  640).  Ganz  anders  und 
wie  ich  glaube,  abschliessend  ist  TtQOpLvrjaiTtvog  von  O.  Hoffmann 
Rhein,  museum  LVI  474  erklart.  —  Die  Zusammenstellung  von 
xiod^äCßiv  mit  unserem  tadelf  die  übrigens  meines  Wissens  zueest 
von  mir  gemacht  ist  (BB.  V  315),  trifil  nach  dem  herm  Verfasser 
„schwerlich  das  rechte".  Er  selbst  ist  nicht  abgeneigt,  daa  grie- 
chische wort  mit  skr.  hdscUi  „lachen,  verspotten"  in  zufiammen- 
hang  zu  bringen,  an  dessen  intensivform  jähasyamäna  tw^^v 
„sich  möglicher  weise  eng  anschliessen  könnte"  (H  763).  —  ßi^nri 
soll  „etymologisch  nicht  mit  Sicherheit  weiter  zu  verfolgen"  sein 
(UI  151).  Ich  glaubte  bisher,  dass  Ficks  etymologie  ßlijxV' 
ahd.  kUtga  (BB.  XII  161)  allgemeine  Zustimmung  gefunden  habe 
(vgl.  Brugmann  Grundriss  *  I  614,  Zupitza  Gutturale  s.  82).  — 
dQVTtTBiv  (ÖQvqfeiv  III  252)  „scheint"  nach  Leo  Meyer  „in  den 
verwandten  sprachen  noch  nicht  aufgefunden  zu  sein",  ist  aber 
mit  recht  zu  lett,  drupt  „zerfallen,  in  trümmer  gehen,  zerbröckeln" 
gestellt  (G.  Meyer  Griech.  gram.  *  s.  69 ;  wegen  des  Verhältnisses 
zu  lit.  trupSti  „in  brocken  zerfallen"  (dazu  trutnpas  „kurz")  s* 
s.  Noreen  Urgerm.  lauüehre  s.  185  anm.  3,  Eretschmer  KZb. 
XXXI  455  anm.,  Zupitza  das.  XXXVH  389).  —  xoQOg,  deesen 
identificierung  mit  lit  zäras  (Fick  Wtbch.  «  I  435,  Prellwitz 
Wtbch.  s.  362)  ich  für  tadellos  halte,  ist  ohne  erwähnung  dieser 
etymologie  in  Zusammenhang  gebracht  mit  skr.  ghurndti  „hinund- 
herschwanken,  wanken,  sich  hinundherbewegen,  zucken"  (HI  308). 
Nach  dem  herm  Verfasser  selbst  ist  es  lediglich  wissenschaft- 
liche strenge  gewesen,  wodurch  sein  etymologisches  verhalten  be- 
stimmt ist.  „Alles"  sagt  er  in  der  selbstanzeige  des  Werkes  s.  329 
„was  an  früheren  worterklarungen  nach  dem  gegenwartigen  stände 
der  Wissenschaft  als  ganz  verfehlt  angesehen  w^en  darf,  ist  ganz 
unerwähnt  geblieben,  ebenso  aber  auch  alles,  was  etwa  an  fülzu 
unsicheren  und  verwegenen  muthmassungen  sich  hie  und  da  leicht 
hätte    vordrängen   mögen.      Wo   ausreichende    erklärungen   noch 


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fehlen,  ist  es  unverblümt  ausgesprochen;  mit  Wendungen  wie 
'dunklen  Ursprungs',  'etymologisch  noch  unaufgeklärt'  und  ähn- 
lichen ist  durchaus  nicht  gespart".  Die  obigen  anführungen  geben 
aber  ein  ganz  anderes  bild.  Nicht  strenge  rücksicht  auf  den 
gegenwärtigen  stand  der  Wissenschaft  hat  den  herm  Verfasser  ge- 
leitet, sondern  lediglich  sein  subjektives  ermessen,  sein  wissen- 
schaftlicher geschmack,  und  dass  er  in  dieser  beziehung  auf  ein- 
samem pfade  wandelt  —  wenn  dafür  noch  ein  beweis  nötig  ist, 
so  bietet  ihn  z.  b.  I  636,  wo  die  Zusammenstellung  von  i^ilix- 
und  aind.  sadrg-  als  „noch  immer  wahrscheinlich"  behandelt  ist 

Diese  Subjektivität  hat  aber  nicht  nur  unmittelbar,  sondern 
auch  mittelbar  das  urteil  des  herm  Verfassers  ungünstig  beein- 
flusst,  denn  sie  —  und  gewiss  nichts  anderes,  da  der  Vorwurf  der 
bequemlichkeit  der  ungerechteste  wäre,  den  man  Leo  Meyer 
machen  könnte  —  hat  ihm  auch  die  neuere  einschlagende  litte- 
ratur  fem  gehalten  und  ihn  also  verhindert,  sich  ein  zutreffen- 
deres bild  von  dem  gegenwärtigen  stände  der  Wissenschaft  zu 
machen.  Wie  wenig  er  sie  zum  grossen  schaden  seines  Werkes 
berücksichtigt  hat,  wie  viel  er  aus  ihr  hätte  entnehmen  können, 
das  man  nun  wieder  mühsam  zusammen  suchen  muss,  wie  viel 
nutzbarer  und  zeitgemässer  er  mit  ihrer  hülfe  ein  werk,  das  in 
solcher  ausdehnung  nicht  leicht  wieder  erscheinen  wird,  hätte 
machen  können,  zeigt  dasselbe  auf  jedem  blatt.  Ficks  Wörter- 
buch ist  wohl  das  einzige  hülfsmittel,  das  er  mit  einer  gewissen 
regelmässigkeit  benutzt  hat,  und  gewiss  gebührt  diesem  eine  be- 
vorzugung  im  höchsten  grade,  denn  niemand  wird  leugnen,  dass 
Fick  der  verdienteste  etymologe  unserer  zeit  ist.  Aber  Fick  selbst 
wäre  der  letzte,  der  den  grossen  etymologischen  leistungen  Bugges, 
Froehdes,  J.  Schmidts  aufmerksamstes  gehör  versagen  und  es  ab- 
lehnen würde,  überall  nach  etymologischen  perlen  zu  suchen,  wo 
er  sie  vermuten  kann.  Wie  er  ein  etymologbches  handbuch  des 
Griechischen  anlegen  würde,  hat  er  in  seiner  anzeige  von  Prell- 
wits*  etymologischem  Wörterbuch  (GGA.  1894  s.  227)  ausge- 
sprochen. Dass  Leo  Meyer  ihm  nicht  gefolgt  ist,  wird  hoffent- 
lich dazu  beitragen,  dass  Prellwitz'  werk  bsdd  in  einer  neuen 
bearbeitung  erscheint. 

Die  zahl  der  falle,  in  denen  ich  aus  der  fach  wissenschaft- 
lichen litteratur  etymologische  bemerkungen  gegen  den  herm  Ver- 
fasser zu  entnehmen  habe,  ist  zu  gross,  als  dass  ich  sie  erledigen 
könnte,  und  hier  noch  eine  auswahl  aus  ihnen  zu  treffen,  hätte 
wenig  zweck.  Dagegen  erlaube  ich  mir  eine  reihe  von  Wörtern 
zu  behandeln,  deren  beurteilung  ich  fördern  zu  können  glaube. 

dßoKiBiv,  aßcMtig  (I  127). 

Diese  Wörter  und  aßa^^  das  Hesych  als  erklärung  von  aßet' 
xfig  braucht,  nebst  dßcactjfiary  ^^aXalog^  davyerog"  (ders.)  verbinde 
ich  mit  ßaxTfjQia  „stock,  stütze",  ßänTQOv  „stab,  stütze",  ßdxtai 


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144  A.  Bezzenberger 

j^loxvQoi*'  (Hesyoh),  lat  bäculutn,  ifipieciUus  „schwach^'  (Fick 
BB.  XVII  320\  Uhlenbeck  PBB.  XVIII  242  hat  zu  diesen 
Wörtern  mit  recht  nd.  pegel  gestellt;  ahd.  chegil,  das  Fick  ihnen 
zugesellen  wollte,  ist  das  asl.  zhzh^  russ.  iiezh  ,,stab,  stock'', 
lett  fißs  „Stab",  vgl.  Miklosich  Etjm.  wbch.  s.  413. 

Die  ursprüngliche  bedeutung  von  a-ßccK-  wird  „haltlos, 
schwach"  gewesen  sein,  und  hiervon  liegt  „ruhig,  sanft,  still" 
nicht  weit  ab,  vgl.  z.  b.  den  gebrauch  von  engl.  soft.  Übrigens 
kann  in  aßmriacnf  Od.  4,  249  dieselbe  geringschätzigkeit  stecken, 
wie  in  imbecäliis. 

dyavcmTeiv  (I  108). 

ayctwccKzifa  —  ay-ava%T€<o  enthält  vermutlich  -otycty  — •  f>ngh 
in  lit.  ünkti  (üngau)  „Ammern  wie  ein  hund",  ünkstyii  „leise 
winseln,  wimmern",  germ.  ank-  in  mnd.  ankert  „seufzen,  stöhnen". 
Vgl.  GGA.  1898  s.  554  anm.,  wo  weniger  gut  TceQi'tifjuxTifo  zu 
üfäcti  gestellt  ist. 

ae»Xov  (I  8),  aoQ-  (I  14). 

aeS-lov  „kampfpreis",  asS'Xog  „kämpf,  wettkampf"  hat  Benfey 
Wurzeil.  I  255  f.  zu  skr.  vadh  „schlagen,  erschlagen,  verwunden, 
töten"  gestellt  (vgl.  txxdhd,  vddhatra^  vadhdnä,  vädhar  =  av. 
vadare  „waffe"),  und  diese  etymologie  scheint  mir  viel  zu  früh 
aufgegeben  zu  sein  (so  auch  von  Zupitza  KZs.  XXXVII  405  f.). 
aed'kov  kann  ursprünglich  „wafie"  bedeutet  haben:  die  waffen  des 
gegners  waren  damals  die  svoqol.  Später  trat  anderes  unter  ihrem 
namen  an  ihre  stelle  (II.  XXII  163  f.).  Unter  diesem  gesichts- 
punkt  findet  die  Hesychische  glosse  aoQeg'  ywaixeQ  Hyavrcu  xal 
ZQiTtoöeg  (vgl.  äoQwv  *  ywat%(Svj  falls  nicht  zu  ändern  in  ooQOfy) 
ihre  sehr  einfache  erledigung,  und  auch  nicht  zweifelnd  lässt  sich 
hierauf  ein  äoQ-  „frau"  begründen  (I  14).  Nur  insofern  ist 
Hesychs  deutung  von  aoQeg  beachtenswert,  als  sie  eine  Überliefe- 
rung erkennen  lässt,  die  als  eigentliche  bedeutung  von  aaS^lov 
aoQ€g,  also  eben  „waffen"  annahm. 

alomeiv  (11  74). 

Wie  idw  auf  *aefajü}  kann  alovato  „begiesse,  feuchte  an" 
auf  *aaißoväjw  beruhen^)  und  zu  lit  sywai  „saft",  lett.  ^we, 
aiws  (auch  gijs,  wie  aj^s  „schafe",  güjs  „kühe"  Lett  dialekt-stud. 
s.  160)  „das  öl,  das  sich  beim  stossen  des  hanfs  bildet,  mist- 
jauche" (auch  „scharfe  materie"  im  anschluss  an  siws  „scharf"), 
got.  8aiv8  „see"  gehören.  Die  wurzel  dieser  Wörter  scheint  im 
Griechischen  bereits  durch  al^a  (Prellwitz  a.  o.  s.  8,  Stokes  Ur- 

1)  Fick  60A.  1894  b.  229  zieht  far  die  erklämng  von  aiovdta  yed. 
ifvämi  drapBäm  in  betracht.  Allein  dies  heisst  „ich  sende  den  tropfen^* 
(KV.  YIII  86, 14),  und  in  atovdu  liegt  nicht  die  vorstellang  der  schnellen 
beweguig,  die  an  ty  haftet. 


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Anzeige.  145 

keltischer  spraohschats  s.  303)  vertreten  zu  sein  (s.  jedoch  Fick 
GGA.  1894  8.  229). 

Got.  (german.)  saiva  auf  *8oikvi-'  zurückzufuhren  (Zupitza 
Gutturale  s.  68)  nötigt  gar  nichts,  denn  ahd.  giaig  {gesUc,  gtsic) 
„palus,  stagnum'S  das  angeblich  für  die  erklärung  von  saivs 
maassgebend  ist,  hat  kein  recht  für  mehr  als  eine  hochdeutsche 
bildung  (aus  sigan  Graff  VI  130  f.)  zu  gelten.  —  Pick  Vgl. 
wbch.  3  II  257,  ^  I  141  stellt  lit  aywai  zu  gr.  veiv  „regnen 
lassen 'S  „regnen''  und  skr.  8un6ti  „auspressen".  Allein  dem 
widerspricht  das  y,  und  was  veiv  betrifil,  so  ist  es  fraglich,  ob  es 
mit  skr.  su  zu  verbinden  ist.  Empfehlenswerter  scheint  mir  seine 
Vereinigung  mit  onieiv  „schöpfen"  (Fick  BB.  11  187,  Osthoff  O^ 
schichte  des  perfekts  s.  486),  lat  haurio  und  an.  ausa  „be- 
sprengen, begiessen",  nicht  nur,  weil  in  vbiv  die  Vorstellung  des 
pressens  nicht  enthalten  ist  (vgl.  in  dem  vorliegenden  werke  II 
139),  sondern  auch  weil  durch  diese  Zusammenstellung  eine  be- 
friedigende erklärung  der  formen  vadTjoay  und  iqwafiivog  und 
des  Wortes  vatioKOv  „trinkgefass"  (II  165)  gegeben  wird.  Dass 
vd-kog  „leeres  geschwätzt  zu  veiv  gehöre  (Persson  Wurzelerweite- 
rung s.  8 f.),  ist  sehr  unwahrscheinlich.  Wohl  aber  darf  ^idv 
auf  veiVy  ausa  bezogen  werden  (Froehde  BB.  XX  212;  an.  eyrr 
bleibt  besser  fem). 

ämevsiVy  ayuovuv  (I  43  f.). 

dxevsr  rtjQei»  KvrtqiOL  (Hesych),  axsiovtog  im  recht  von 
Gortyn  (von  Bücheier  mit  „indem  hört"  übersetzt),  Idmevad 
(Bechtel  GN.  1888  s.  411)  will  Kretschmer  EZs.  XXXIU 
565  wegen  der  nicht  zu  bezweifelnden  vergleichung  von  amovia 
mit  got.  hausjan  von  änovw  trennen.  Ich  lasse  es  dahinge- 
stellt sein,  ob  nicht  mit  wenigstens  demselben  rechte  diese  ver- 
gleichung wegen  mevw  aufgehoben  werden  könnte,  da  mir  alle  drei 
Wörter  eng  zusammenzugdiören  scheinen.  Ihre  letzterreichbare 
grundlage  sehe  ich  in  asi.  öuti  „noscere",  nsl.  öuti  „hören,  wachen", 
wr.  cu6  „hören"  (Miklosich  Etym.  wbch.  s.  37,  Bemeker  IF. 
X  151,  Zupitza  KZs.  XXXVH  399). 

Aus  der  hierin  enthaltenen  Wurzel  k^  ergaben  sich  zunächst 
zwei  ablautsf ormen :  keu  und  kä.  Letzteres  ist  erhalten  in  gr. 
nvdog  „rühm,  ehre"  (11  277),  hervorgegangen  aus  ^kexidos-  =  slav. 
öudo  „wunder"  i).  Zu  keu  stellen  sich  %o(/)iwy  skr.  kavl  (II  21 9  f., 
Hirt  Ablaut  §  449),  wie  z.  b.  lit.  sraweti  zu  ^€Ci>,  und  es  liegt 
selbst  vor  in  (a-)x6t;co,  in  dem  %ev  durch  8  erweitert  ist  (vgl. 
russ.  düchath  „schmecken"  :  duth  „wahrnehmen",  gebildet  wie  asl. 
qchati^  gr.  uaadofjLcti  BB.  VII  62). 

Aus  {a-)7i€v{a)(o  ergab  sich  endlich  (a')xov{a)j(o  —  got. 
hauaja  sei  es  auf  dem  von  Meister  (Dialekte  II  231)  vermuteten 

1)  In  Hudo  sehe  ich  eine  doroh  Hu€hf  „riese",  HuUdh  „fremd"  ver- 
anlasste Umwandlung  von  oudo.  Anders  Bemeker  a.  o.  s.  156.  Vgl. 
J.  Schmidt  ESB.  VI  184. 


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146  A.  Bezzenberger 

wege,  sei  es  als  eine  denominale  bildung  (ygL  axaij).  Dass  diese 
beiden  verba  ursprünglich  „wahrnehmen''  bedeutet  haben,  darf  un- 
bedenklich angenommen  werden,  und  ebenso  ist  es  ganz  unbe- 
denklich, in  dem  d-  von  a%svw^  axotco  das  lett.  sa  zu  sehen  (vgl. 
lett,  just  „fühlen,  bemerken,  empfinden''  —  sajud  „fühlen,  be- 
merken, wahrnehmen");  die  entwicklungsreihe  ^acmetaw  —  ^Ha- 
xevHü)  —  äytevHü)  —  dxevop  ist  völlig  regelrecht  Nicht  unbe- 
denklich ist  dagegen  die  von  Ejretschmer  vertretene  annähme, 
dass  anovfo  auf  einer  Zusammensetzung  ax-ovg  „ein  scharfes  ehr 
auf  etwas  habend"  beruhe  (vgl.  auch  Fick  BB.  I  334,  Johansson 
IF.  III  199).  Viele  analoge  bildungen  lassen  sich  keinesfalls 
nachweisen,  und  driQoäa&at,  die  hauptstütze  dieser  erklarung^ 
steht  seiner  bildung  nach  so  weit  von  dxovto  ab  {cniovfo  — 
dxQodofiai;  dutjxoa  —  iJxQoäfiai),  dass  es  mehr  gegen,  als  für 
jene  annähme  spricht. 

In  den  kreis  der  eben  behandelten  werter  ziehe  ich  auch 
das  viel  erörterte  lat.  custödtre  (s.  Zupitza  Qutturale  s.  127  f.), 
dessen  st  seiner  unmittelbaren  Vereinigung  mit  xei^oi  widerspricht 
(vgl.  J.  Schmidt  EZs.  XXV  166),  und  dessen  erklarung  aus 
hudhS'U  (Brugmann  IF.  VI  103  f.)  mir  zu  gekünstelt  ist  i).  Als 
„bewahren,  verwahren"  lässt  es  sich  dagegen  eng  mit  mevw 
vereinigen.  —  Ohne  bedeutung  für  die  etymologie  von  custödire 
sind  die  von  Prell witz  BB.  XXV  312  herangezogenen  lettischen 
Wörter,  da  sie  gar  nicht  echt-indogermanisch  sind:  ktide  „stelle 
in  Aussen,  wo  die  fische  laichen"  ist  das  liv.  kud,  estn.  kudu 
„laich"  (Thomsen  Beröringer  s.  262)  und  in  ufkude  „keller^, 
ufkuds  „brotkleete"  steckt  liv.  koda,  estn.  kodu  „haus"  {uf- 
„hinter"  wie  im  Litauischen),  gleichwie  in  kodlaks  „hausier". 

d%idv6g^  dxiÖQOS  (I  41  f.). 

Die  Zusammenstellung  dieser  Wörter  mit  skr.  khid  „stossen, 
drücken"  ist  bedenklich  wegen  des  kh  dieses  verbums,  und  noch 
weniger  kann  ich  mich  mit  der  Verbindung  von  äxidvog  mit 
fiixQOs  (Bury  BB.  VII  340)  und  mit  ^rtadavog  (Fick  GGA.  1894 
s.  229),  sowie  mit  seiner  beziehung  auf  x/dvi;  „geröstete  gerste" 
(Prellwitz  Wbch.  s.  10)  befreunden.  Begrifflich  Hessen  sich 
dxidvogf  dmdQog  eher  auf  rjxa  „schwach",  oKaXog  >,ruhig"  be- 
ziehen, aber  formell  sind  sie  hiermit  nicht  wohl  zu  vereinigen. 
Dagegen  steht  nichts  im  wege,  sie  zu  cymr.  cwyddo  „fallen",  an. 
hitta  „treffen"  (Stokes  Urkelt.  Sprachschatz  s.  75,  Zupitza  Gutturale 
8.  117)  zu  stellen.  Als  ihre  ursprüngliche  bedeutung  wäre  dann 
„hinfällig"  anzunehmen. 

1)  Ahd.  hutta  „hütte"  und  hüs  „haus",  die  wiederholt  mit  eutUdSrB 
in  Zusammenhang  Rebracht  sind,  stelle  ich  (hMs  als  küt9»-<h)  zu  nordlit. 
zemait.  lüitis  „stall",  lett.  käts  „viehstall,  vorhängeschloss"  (nach 
Brückner  Litoslav.  stud.  I  100  vielleicht  aas  poln.  kue»a  „niedrige  hütte", 
entlehnt,  was  er  wohl  selbst  nicht  mehr  glaubt). 

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Anzeige.  147 

axoXog,  aßoXog  (I  39,  129). 

axoXog  „brocken,  bissen"  scheint  mir  nichts,  als  a-noXo-^ 
(vgl.  lat  ceüo)  zu  sein,  obgleich  keine  der  möglichen  deutungen 
des  a-  sich  dieser  erklärung  leicht  fugt.  Dagegen  kann  in  aßoXog 
„mantel''  nur  das  „kopulative*'  o  enthalten  sein,  wenn  es,  wie  ich 
nicht  zweifle,  ein  griechisches  wort  ist.  Wie  der  mantel  zu  diesem 
namen  gekommen  ist,  lehrt  das  lateinische  „pallium  in  collum 
conjicere*'. 

av€(p^  av8(o  (I  192). 

BB.  rV  314  f.  habe  ich  tj  „sprachV  von  skr.  oA  getrennt 
und  eine  erklärung  von  ^  vorgeschlagen,  die  ich  heute  zwar  nicht 
mehr  für  richtig,  aber  an  und  für  sich  noch  immer  für  besser 
halte,  als  die  zurückfuhrung  von  rj  auf  *^x^  (ausfuhrlich  hier- 
über Osthoff  BB.  XXIV  171  f.).  Was  gegen  jene  erklärung 
spricht,  ist  aveto  (aveqi),  das  von  rj  nicht  wohl  getrennt  werden 
kann  imd  insofern  die  annähme  einer  wurzel  se  für  ^  verbietet 
(vgl.  a'(a)cti;og).  Es  ist  ablativ  (vgl.  Buttmann  Lezilogus  II 1  ff.) 
von  ^arfjßog  =»  av-tj/o-Q  „nicht  sprechend"  (vgl.  Düntzer  KZs. 
XIII  1  f.),  gebildet  aus  dem  er  privativum  (wegen  dieser  betonung 
vgl.  Knauer  KZs.  XXVII  1  ff.)  und  einem  adjektivum  i^fo-g, 
das  zu  ^  gehört,  wie  lat.  gnavu-s  zu  lit.  zinö4i,  gr.  tXtj/o^ 
(:  tXä/og)  zu  tXtjf^i,.  Das  t]  ist  verkürzt  wie  z.  b.  in  Toxiioy. 
Ficks  Schreibungen  ävaoi,  aväw  sind,  soweit  ich  sehe,  ohne  ge- 
währ.    Die  betonung  aV«cti  erklärt  Buttmann  a.  o.  s.  3. 

avTfjQlg,  avtQOV  (I  205,  208). 

ävTtjQLg  soll  nicht  nur  „stütze",  sondern  auch  „fensteröffnung 
oder  überhaupt  loch,  nüster"  bedeutet  haben  (dann  dvr^Qig  be- 
tont) und  scheint  mir,  soweit  ihm  diese  bedeutung  zukommt,  zu 
avTQoy  zu  gehören.  Für  verwant  halte  ich  asl.  qÜb  „durch- 
löchert" ((fUina,  qtlizna  „scissio"),  russ.  ütlyj  „leck,  morsch, 
schwach,  krüppelig",  poln.  wqtly  „schwach,  nicht  fest",  wqtlica 
(fvqklica)  „zerbrochener  topf"  (Miklosich  a.  o.  223,  430)  und 
lett.  dtenis,  dtdinüe  vermutl.  „krüppel-birke"  (gegensatz:  purdinüe 
„sumpf-birke"). 

a^og,  äo^og,  o^og  (I  13,  145,  524). 

Leo  Meyer  hat  o^og  in  der  Verbindung  o^og^'^tjog  von  o^og 
„zweig"  nicht  getrennt,  während  ich  von  der  richtigkeit  der  an- 
nähme überzeugt  bin,  dass  es  in  dieser  Verbindung  an  ^ao^og, 
a^g  „diener"  anzuschliessen  ist.  In  der  deutung  von  oXog  ^'Aqrjog 
bin  ich  also  mit  W.  Schulze  Quaestiones  s.  497  (vgl.  Johansson 
IF.  III  199  f.)  einverstanden,  aber  nicht  beipflichten  kann  ich 
seiner  lautlichen  erklärung  dieses  oC,og  als  o-ad-o-g,  da  sie  nicht 
allein   Übergang   von    ad  in  ^  annimmt  (wofür  sichere  beispiele 

10* 


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148  A.  Bezzenberget 

fehlen),  sondern,  was  noch  viel  empfindUcher  ist,  in  o^og  und 
ao^og  (das  von  W.  Schulze  als  a-aoö-jo-g  aufgefasst  wird  und 
sich  gar  nicht  anders  auffassen  lässt)  principiell  verschiedene 
bildungen  sieht  und  das  ^  von  o^og  ganz  anders  beurteilt  als  das 
von  ao^og.  Beides  ist  aber  so  willkürlich,  dass  eine  bessere  er- 
klärung  von  o^og  (*i/iQt]og)  gesucht  werden  muss. 

Eine  solche  wäre  schon  die  zurückführung  von  o^og  auf 
0'a{o)dJ0'g,  also  eine  bildung,  die  sich  von  ao^og  durch  ihr  o- 
=  a-  (vgl.  W.  Schulze  a.  o.  s.  494  ff.)  und  das  fehlen  des 
wurzelvoktds  (ebenda  s.  498)  unterscheiden  würde.  Allein  abge- 
sehen von  anderem  bliebe  bei  ihr  unklar,  warum  der  wurzelvokal 
in  ao^og  geblieben,  hier  aber  geschwunden  wäre.  Aus  diesem 
gründe  ziehe  ich  es  vor,  in  o^og  (^'Aqrjog)  eine  falsche  Umschrei- 
bung von  0Z02  s=a  w^og  und  in  dem  w  dieser  form  das  ergeb- 
niss  einer  kontraktion  zu  sehen.  Als  offne  form  setze  ich  o-oCog 
voraus,  da  zusammenziehung  von  a(a)o  der  echten  homerischen 
spräche  nicht  zugemutet  werden  daif,  während  kontraktion  von 
o<<7)o  durch  ^Hovg  d  188,  aldovg  v  171  (vgl.  Pick  Ilias  s.  556) 
gut  bezeugt  ist  und  durch  zusammenziehungen  von  a(o)a  eine  ge- 
wisse bestätigung  findet.  Das  Hesychische  o^eia  -  &€Qa7t€ia  bietet 
keinen  triftigen  einwand  gegen  diese  erklärung,  da  o^eia  eine 
ganz  späte  ableitung  aus  dem  falsch  umschriebenen  0Z02  sein 
kann;  und  ebenso  wenig  sind  a^oc,  d^fjtm  (I  145,  W.  Schulze 
a.  o.  s.  500)  für  die  erklärung  von  otpg  (*A^og)  von  bedeutung, 
da  nichts  hindert,  atßg^  äl^^Tai  zu  schreiben  und  das  anlautende 
d  mit  Leo  Meyer  auf  a — o  zurückzufuhren. 

Ein  besonderes  interesse  verdient  ao^og  (fi^og,  ci^og)  insofern, 
als  es  dasselbe  ausweichen  eines  kompositums  in  die  ,;o-deklination 
zeigt,  das  sich  im  Litauischen  und  Lettischen  zum  gesetz  erhoben 
hat.  Bekanntlich  steht  es  aber  in  dieser  hinsieht  im  Griechischen 
nicht  allein.  Einige  derartige  griechische  bildungen  habe  ich 
Beitr.  z.  geschichte  der  lit.  spräche  s.  105  angeführt,  andere 
sind  von  Pick  GGA.  1881  s.  444,  Johansson  BB.  XIV  171, 
Prellwitz  Programm  des  gymnasiums  zu  Bartenstein  1895  s.  8 
erwähnt.  Ein  hübsches  beispiel  ist  VTtvog  :  iv-Vftvvov,  weil 
h'Vftviov  deutlich  auf  eine  lokativische  Verbindung  als  Veran- 
lassung des  thema-wechsels  hinweist  und  zugleich  die  entstehungs- 
art  einer  anzahl  von  /o-stämmen  aufhellen  hilft,  da  unzweifelhaft 
(ev-)v7tviov  identisch  ist  mit  lat.  somnium,  slur.  8väpnya-m  und 
sich  hiervon  lediglich  unterscheidet  wie  ev-alog  (neben  evaliog  *« 
iv  ali'Og)  von  lit.  sola  „insel'^  (Prellwitz  a.  o.).  Selbstver- 
ständlich kann  aber  nur  eine  beschränkte  zahl  derartiger  bildungen 
aus  der  Verbindung  einer  präposition  mit  einem  lokativ  ohne 
weiteres  erwachsen  sein;  von  den  meisten  derselben  ist  vielmehr 
anzunehmen,  dass  die  ihnen  je  zu  gründe  liegende  Verbindung 
nach  mustern  wie  ircix^iviog^  ivdXiog  deklinabel  gemacht  wurde. 
So  entstand  z.  b.  evvTtviov  nicht  ebenso  aus  *iv  vnveiy  wie  iTtc- 
X&Sviog  aus  ijti  x^ovi^  sondern  ist  in  iv-vn:y{BCyuhy  zu  zerl^;en. 

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Anzeige.  149 

Beiläufig  bemerkt  darf  I^t.  insomniutn  nicht  mit  iyvnviov  identi- 
ficiert  werden,  sondern  ist  als  eine  lateinische  neubildung  anzu- 
sehen, da  es  jünger  als  somnium  ist.  —  Ein  keltisches  komposi- 
tum,  das  in  den  kreis  der  hier  behandelten  Zusammensetzungen 
gehört,  ist  Mediolanium  Revue  celt.  VUI  187  (vgl  Fick  BB. 
Xn  161). 

Im  anschluss  hieran  erlaube  ich  mir,  einige  belege  für  die 
Umstellung  von  compositionsgliedern,  die  ich  Beiträge  z.  geschichte 
der  lit.  spräche  s.  106  f.  berührt  habe,  zusammenzustellen :  Leop. 
Schroeder  Bedetheile  s.  215,  6.  Meyer  EZs.  XXII  13 f.,  gr. 
a(^(h'V<xv%rjq  „den  schifiern  beistehend'',  Bühler  BB.  IV  76, 
Zachariae  BB,  V  53,  PW.  IV  157  f.  unter  nipata  (vgl.  auch 
Pänini  2.  2.  31,  38),  Bollensen  UrwasT  s.  164.  In  fällen  wie 
XvKQafd-qüiTtog  —  werwolf  (falls  dies  „mannwolf''  bedeutet),  an. 
fuähunir  —  nhd.  Hundsfott  sind  die  kompositionsglieder  nicht 
vertauscht,  sondern  ihre  Stellung  widerspricht  sich  lediglich  in 
gemässheit  verschiedener  anschauung. 

dTteiX^  (I  74). 

aTteiXrj  „drohung,  prahlerische  Versprechung''  und  dnevliia 
„drohe,  prahle,  gelobe"  kennen  wir,  so  viel  ich  weiss,  nicht  aus 
einer  Überlieferung,  die  über  die  beschafienheit  ihres  ec  sicheren 
aufschluss  gäbe.  Hat  Fick  statt  ihrer  mit  recht  äol.  aTreXXä, 
aTteXXiü)  angenommen,  so  können  sie  zu  lett.  pM  „schmähen, 
lästern,  verleumden",  paias  „tadel,  Schmähung",  if-ptUüt  „tüchtig 
ausschmähen"  gestellt  werden.  Vgl.  begrifi^lich  mhd.  präUn 
„hofi*ärtig,  gross  tun"  und  „lärmender  Wortwechsel".  —  Die  Ver- 
mutungen Froehdes  BB.  XIX  242  lassen  sich  hiermit  sehr  wohl 
vereinigen. 

aTr^vrj  (I  70),  Ttartdvä  (H  242). 

Für  dmjvri  „lastwagen"  sollen  die  Thessaler  Ttandvä  ge- 
braucht haben,  und  hierin  scheint  mir  ein  fingerzeig  für  die  er- 
klärung  dieser  Wörter  zu  liegen,  den  ich  nicht  vernachlässigen 
möchte.  Den  schluss  beider  beziehe  ich  auf  nfjvog'  vwaofia 
(Hes.),  lat.  pannU'8,  got.  fana,  asl.  o-pona  „vorbang"  (II  579) 
und  sehe  in  aTtrjvrj  eine  mit  (a-)  einem  verhäng  oder  verdeck 
versehene  a/ia§a.  Dasselbe  bedeutete  meines  erachtens  iMtnavä 
=  xa(i:o)-7räva  (also,  falls  nicht  nannävä  zu  schreiben  ist,  wohl 
nicht  thessalisch,  sondern  kyprisch?),  vgl.  iiardfj,7tsXog  „reich  mit 
weinstöcken  versehen",  TcaraTtdytov  „langbärtig",  xatdaxiog 
„schattig",  xaTaaxorog  „dunkel",  natdazeyog  „bedacht",  xard" 
tex^og  „kunstvoll",  xardxctXxog  „mit  erz  belegt".  —  Anders  über 
xarcdvä  Prellwitz  Etym.  wbch.  s.  138  unter  lidTtsrog^  Stokes 
Urkelt.  Sprachschatz  s,  330, 


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150  A.  Bezzenberger 

aQßrjlos  (I  281). 

aQßfjXoq  „rundes  sohustermesser'^  ßtelle  ich  zu  lett  irbs 
„Stricknadel'^  irbulis  „pflöckchen,  griffel**  :  lit.  ufbinti  „mit  dem 
pfriemen  ein  loch  machen'',  urhti  =  \eit.urht  „bohren",  urbulis 
„pfriemen,  grifiel"  :  lit  rubH  „aushöhlen",  Hiptüwas  „hohlmesaer**, 
lett.  räbs  „kerbe,  einschnitt,  falze,  mangel,  zwistigkeit"  (BB. 
XVII  215;  Basis:  erdh  orob-  rob),  —  Darf  angenommen  werden, 
dass  aQßvXrj  „starker,  den  ganzen  fuss  bedeckender  schuh"  ur- 
sprünglich einen  holzschuh  bezeichnete,  so  passt  diese  etymologie 
auch  für  dieses  wort. 

Ganz  verschieden  von  lit.  rubti  „aushöhlen"  ist  r&'bti  in  ap- 
si'rü'bti  „die  häuslichen  arbeiten  verrichten"  (Kurschat  Lit.  wbch. 
s.  18).  Dies  steht  in  ablaut  zu  got.  arbaißs,  ahd.  arabeit,  asl. 
rabh  „servus",  rabota  „servitus"  (Basis  orobh-  röbh,  vgl,  J.  Schmidt 
Vocalismus  11  144,  478).  Hierzu  gehört  auch  lit.  roba  „leib- 
eigene, gefangenschaft"  (Miezinjs  s.  208),  aber  nur  als  lehnwort. 

Eine  wesentlich  andere  et3rmologie  von  arbai^s  gibt  Oiien- 
berger  Sitzungsberichte  der  Wiener  Akad.  phil.-hist.  cl.  GXLII, 
VIII  28.  Ich  stimme  den  von  Uhlenbeck  PBB.  XXVH  115  f. 
gegen  sie  gemachten  einwendungen  bei  und  benutze  übrigens 
gern  diese  gelegenheit  Grienbergers  beachtenswerte  erklärung  von 
aurahi  (a.  o.  s.  36  f.,  vgl.  BB.  XXVI  166)  hervorzuheben. 

d%ifißüi  (I  88). 

Mit  Fick  GGA.  1894  s.  245  halte  ich  die  sämmtlichen  faUe 
der  angeblichen  Vertretung  von  aspirata  —  aspirata  durch  griech. 
tenuis  —  media  für  äusserst  bedenklich  ^)  und  gebe  daher  die 
Zusammenstellung  von  drifjißm  „schädige,  verkürze,  beraube"  und 
skr.  dabh  auf.  Auf  eine  bessere  etymologie  führt  die  vergleich- 
ung  von:  äxifjißBi  d-vpidv  ivl  OTtj^eaaiv  IdxauSv  ß  90  mit: 
l^vdQOTcXeidTj   xavadw   %ai  trpf  yXw%{%)av   xrjv   wxKriv  mal  %dv 

d-vfxov  rov  xcrxov J\tovvaLOv  yL(na[5]w  %ai  %'^v  yhSx(%)aif 

Tfjv  yuxycTjv  xal  tov  dv/nbv  tov  ycaxbv  xat  tt^v  xlJvxfjv  i^y  xcnci][v 
(R.  Wünsche  Defixionum  tabellae  atticae  [Corp.  Inscr.  Attic. 
Appendix]  s.  19  no.  84  a).  dxifjißw  erscheint  hierdurch  als  sy- 
nonymum  von  %a%adi(a  (vgl.  auch  ediytre  hbXbv&ov  d  380,  469). 
Als  solches  aber  tritt  es  von  selbst  zu  xdfißog  „band,  schleife'^ 
(dies  wort  finde  ich  bei  Leo  Meyer  nicht),  lit.  kimbü  „bleibe 
haften,  hängen",  norweg.  hempa  „band,  schleife,  haken,  klammer" 
(Pick  BB.  II  187,  Bugge  das.  III  103,  Zupitza  Gutturale  s.  22). 

Vergleichbare  ausdrücke  sind  lat.  ligäre,  obligäre,  fascinare 
(neben  fascia,  fascis  Wharton  Etyma  lat,  s.  34)  und,  wie  ich 
glaube,  auch  an.  sida  „Zauberei  treiben",  seidr  „zauber",  lit.  saisü 
angebl.  „zeichen  deuten,  prophezeien"  (vgl.  ahd.  seito  „strick, 
fessel,    saite",   seid  „strick,   fallstrick",   lit.  saitctö  „strick,  fessel", 

1)  nOnyoq  zu  lett.  peldf€  (neben  pehe  =  lit.  pMe  Pick  Wbch.  * 
B.  478)?    Bei  Tegea  hiess  ein  wald  nOayos,  vgl.  Fidc  BB.  XXII  231. 


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Anzeige.  151 

8^08  ,,8trick'S  lett.  saüe  ,,baDd,  feesel,  schnür",  sUawa  „tuch  um's 
bein",  skr.  sMu  „bindend,  fesselnd,  band,  fessel'').  Qanz  anders 
hierüber  Osthoff  BB.  XXIV  158  ff.  ^). 

aqweiv  (I  158). 

aquvuv  (i^-aqwoytsg)  und  äqwaoeiv  (aus  a-qwTJetv)  be- 
rühren sich  lautlich  und  begrifflich  so  nahe  mit  lat  ifnbuo,  dass 
die  gleichstellung  dieses  Wortes  mit  dqwcj  der  erwägung  wert  ist. 
Vgl.  z.  b.  fii&v  ägwoauv  „wein  schöpfen,  giessen"  und  gidtura 
lade  hnbuere  „die  kehlen  begiessen";  terras  vomere  imbuere, 
opus  itnbuere  und  dia  d'  tyrega  x^Axog  ij^ae^  ^Ixog  äq>vaaeiv. 

Die  Zusammenstellung  von  imbuo  mit  aXi-ßdita  (Lettner 
KZs.  VII  178  no.  123)  und  di/w  (Leo  Meyer  BB.  HI  75,  Fick 
das.  V  352)  lässt  einen  rest,  der  mir  durch  Bugge  (BB.  XIV  61, 
vgl  Prellwitz  Wbch.  s.  81,  Eretschmer  KZs.  XXXI  424  f.)  nicht 
eben  verkleinert  zu  sein  scheint  (vgl.  Brugmann  IF.  XI  277), 
und  die  gleichsetzung  von  imlmo  und  i^q)vo}  (Havet  M6m.  de 
la  soc.  de  linguist.  VI  32  und  Osthoff  Perfect  254  anm.)  er- 
innert —  da  if4qw(0  im  Lateinischen  durch  infui  vertreten  ist  — 
etwas  zu  sehr  an  das  hexen-einmaleins. 

Ist  die  gleichung  itnbuo  —  ägwio  richtig,  so  kann  als 
grundform  dieser  Wörter  9-n(e)bhu-  angenommen  werden,  wodurch 
man  zu  ved.  nabh  „bersten",  nabhan^  „fluss"  gelangen  würde 
(vgl.  Benfej  Einige  derivate  des  indogerm.  verbums  anbh  — 
nabh,  Fischöl  Ved.  stud.  II  101,  Scherer  Z6DS.  >  s.  405).  In 
derselben  richtung  bewegt  sich  die  Vermutung  Froehdes  BB. 
II  336. 

äqwayerog  (I  158). 

Für  nicht  verwant  mit  ag>vaaeiv  halte  ich  aqnHfyevdg 
„schlämm,  unreinigkeit  in  einem  fluss".  Das  Verhältnis  von  got. 
biugan  zu  skr.  bhujäti  gibt  das  recht,  aus  got.  us-baugjan  „aus- 
fegen" ein  indogerm.  bheug-  (bheuz-?)  von  ungefähr  gleicher  be- 
deutung  zu  folgeren,  und  hierauf  kann  aqwayerds  (als  a-ij^vy" 
axe-TO-g)  beruhen.  Seine  eigentliche  bedeutung  wäre  aann 
„kehricht,  gemüll'^ 

Avest.  buj,  das  zu  us-baugjan  gestellt  zu  werden  pflegt, 
lasse  ich  vorläufig  bei  seite;  s.  Qeldner  KZs.  XXIV  142,  Ost- 
hoff IF.  V  294. 

ßa^SLV  (in  86). 

ßay-  in  ßd^eiv  „sprechen"  (ßißa%%aC)y  ßdyfia  „rede",  ßdßa^ 
„Schwätzer"    steht   für   zvag-    (oder  zv^ng-?)  und   gehört  zu   lit. 

1)  J.  Grimm  erwähnt  bei  der  besprechung  von  ««kfr*  got.  »auft 
(Mytb.  '  988).  Das  gibt  mir  gelegenheit  za  der  bemerkung,  dass  hunal 
zu  lit.  Munlä  „schmore,  brühe"  «  lett.  tuiu  „ioh  werde  heiss,  schmore, 
bähe"  gehören  kann  (als  hun(Ji)$la'\  vgl.  Grienberger  a.  o.  s.  121  f.). 


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152  A.  Bezzenberger 

zwingti  „wiehern^'  i)  -•  lett.  fvAgt  «  asl.  zv^ti  ,,caiiere'S  U^ 
8U'&wingti  „in  wiehern  ausbrechen",  fzwqgantziu  {toaru)  Bretk; 
I  Kor.  13.  1  „tönendes  (erz)'',  zwageti  „klappern"  »  lett.  fw€uifH 
dass.,  lit.  zwaglnei  „wiesenklapper",  lett.  fwadßndt  „plappern, 
schellen,  tönen  machen,  sich  hören  lassen"  und  german.  kvak- 
in  mnd.  quaken,  nhd.  quakeuj  quacken. 

Von  den  eben  erwähnten  baltischen  wörtem  sind  ganzlich 
zu  trennen  lit.  swagiti  „tönen"  und  lett.  swadßt,  swadfindt 
„rasseln,  plappern".  Zu  dem,  was  von  Fick  Vgl.  wbch.  '  11  692, 
Bchade  und  Zupitza  (Qutturale  s.  181)  ihnen  zur  seite  gestellt 
ist,  füge  ich  vermutungsweise  gr.  rixq^  ^xd  „schall,  ton".  Lat. 
vägire,  womit  diese  griechischen  Wörter  verbunden  werden,  ist  bei 
skr.  vagnü  „tönen"  u.  s.  w.  gut  untergebracht  (Uhlenbeck  Altind. 
wbch.  II  267).  O.  Hoffmann  stellt  mit  recht  hierzu  auch  lit. 
wögrauti  „krahlen"  (mündliche  mitteilung). 

Weniger  klar  sind  mir  lit.  zwaglSti  (begrifflich  «-  zwageti)^ 
Zic'Sgauti  und  zwögauti  „unartikuliert  schreien".  Ihr  z  charakte- 
risiert diese  verba  als  lehnwörter,  allein  nur  für  zwegauti  kann 
ich  eine  auswärtige  unterläge  nachweisen  (klr.  zvjaha  „lärm" 
Miklosich  Et.  wb.  s.  404)  und  muss  daher  die  möglichkeit  offen- 
halten, dass  zwag'iSti  und  zwögauti  durch  zvegauti  veranlasste 
abänderungen  von  zwageti  und  *  zwögauti  sind. 

ßhfia^siv  (HI  154). 

ßXlfjiätßLV  „prüfend  betasten",  von  Brugmann  IF.  XI  286 
anm.  vermutungsweise  aus  ßXvOfi-  erklärt  und  zu  alban.  g'iM, 
gtiät  „finger"  gestellt,  scheint  mir  zu  gehören  zu:  lett.  glaimM 
„scherzen,  schmeicheln,  liebkosen",  an.  kleima  „beschmieren,  be- 
netzen", norweg.  kleima  „kleben,  kleisteren",  „liebkosen,  um- 
fangen", ags.  clceman  „kalfatern,  zustopfen,  festmachen",  deutsch 
kleimen.    Vgl.  Zupitza  a.  o.  s.  147. 

ßqaöouv  (in  117). 

Wenn  man  ßgaoaeiv  (ion.  hc-ßQijaaeiv ;  die  nebenform  ßga- 
l^eiv  nach  Leo  Meyer  zu  streichen)  „sieden,  aufbrausen,  worfeln" 
auf  ßQäd'-  zurückführt,  so  tritt  es  neben  lit.  murdynas  „quellige 
stelle  im  boden",  lett.  murdit  „aufsprudeln",  murdi  „sprudel" 
und  lit.  miirdyti  „etwas  rüttelnd,  schüttelnd  behandeln".  —  Auch 
Osthoff  Morphol.  Untersuchungen  V  97  lässt  das  ßq  von  ßqaaaBiv 
aus  mr  entstehen,  verbindet  aber  lat.  fretum  mit  ßgaoaeiv.  Ich 
kann  lat.  fr  für  mr  nicht  anerkennen. 

Von  den  erwähnten  baltischen  Wörtern  zu  trennen  ist  lett. 
murdit  „phantasieren",  das  für  *murgdä  steht,  vgl.  mur^i 
„Phantasien,  nordlicht".     Über  lett.  murda  „reuse"  s.   Thomsen 

1)  Mit  Hirts  zusammenbringnng  von  mo^ngti  und  skr.  hü  (BB. 
XXIY  246)  kann  ich  vorläufig  nicht  rechnen. 


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;e.  153 

Beröringer  a.  270.  —  ßgatteiv'  TtXtj&vveiv  scheint  mir  W.  Schulase 
Quaestionee  s.  168  anm.  2  richtiger  zu  beurteilen,  als  Zupitza 
Gutturale  s.  129. 

ßifexuv  (III  122). 

ßoiXBiV  „benetzen,  übergiessen",  ßQOX^^Q  „regen",  von  Prell-^ 
witz  Wbch.  s.  52  richtig  zu  lett.  merga  (mdrga)  „sanfter  regen'', 
mergüt  „sanft  regnen"  gestellt  (dazu  mergäinis  „nebelig"),  gehören 
weiter  zu  öech.  mrholüi  „nieseln",  mrhülka  „feiner  regen"  (Mi- 
klosich  Et  wbch.  s.  191;  das  unmittelbar  hiernach  aufgeführte 
tnerch'  und  morsit  ebenda  s.  202  gehören  wohl  zu  lit  mursz- 
linii,  mürkszlinti  „patschen,  sudeln"). 

Die    von    Thomsen   Beröringer    s.  201    betreffs   lett.  merga 
offengehaltene  möglichkeit  wird   durch   das  vorstehende  sehr  un- 
.  wahrscheinlich. 

ßqll^uv  (III  129). 

ßqiLfa  „bin  schläfrig**  (d-ßgi^'  fypffOQwg  Hes.)  scheint  mir 
seine  erklarung  zu  finden  durch  russ.  grSza  „träum,  traumereien, 
faseln",  grizüh  „im  schlafe  reden,  träumen"  (nach  Miklosich  Et. 
wbch.  s.  78  aus  griz-). 

Wiedemann .  BB.  XIU  310  anm.  denkt  an  Zusammenhang 
von  ßQiCßiv  und  lat.  marc^re.  Ich  muss  diese  Vermutung  als  zu 
gewaltsam  ablehnen. 

yXaqw  (IH  62). 

yXaxpv  „höhle"  (zu  ylcupsiv  „scharren,  kratzen,  ausgraben") 
kann  identisch  sein  mit  bulg.  glob  „höhle,  grübe",  vgl.  poln.  tvy- 
ghbiS,  tpy-giabiaö  „aushöhlen"  (Miklosich  a.  o.  s.  66). 

ödfiOQ  (III  231). 

ödfiaQ  ist  von  W.  Schulze  KZs.  XXVm  281  f.  als  datn-ft' 
„des  hauses  waltend"  erklärt,  und  diese  zierliche  etymologie  hat 
die  Zustimmung  J.  Schmidts  Neutra  s.  222  und  Prell  witz'  Wbch. 
s.  67  gefunden.  Andere  dagegen  haben  ddfiag,  seiner  bildung 
nach,  an  skr.  ydkrt,  genit.  yaknds  —  gr.  ^rcaq^  ffncevog  —  lat. 
jecUTy  jecinaris  u.  drgl.  angeschlossen  (so  Johansson  BB.  XVIII  11, 
IP.  III  227,  Pedersen  KZs.  XXXII  244),  und  ich  sehe  weder 
einen  grund,  diese  annähme  zu  verwerfen,  noch  ödfiaq  von  an. 
timbr  „bauholz",  as.  timbar  „bau",  got.  Hmrjan  „zimmern,  er- 
bauen" zu  trennen,  denn  es  steht  nichts  im  wege,  diesen  Wörtern 
ein  grundsprachliches  neutrum  dimar-  „gezimmer"  zu  gründe  zu 
legen  und  das  verhältniss  desselben  zu  dem  nominativ  ddfjiaQ{T) 
nach  massgabe  von  xongogi  skr.  gdkrt  (Pedersen  a.  o.  s.  245) 
und  zu  german.  timra-  nach  vöuq  :  vatra-  (J.  Schmidt  a.  o. 
s.  202)  zu  beurteilen.  Im  wesentlichen  dieselbe  auffassung  von 
dd^aq  und  titnbar  lese  ich  bei  Johansson  BB.  XVIII  11  zwi- 
schen den  Zeilen.    Wegen  der  entstehung  der  flexion   ddfiaq{T) 


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154  A.  Bezzenberger 

da/iaQTog  verweise  ich  auf  J.  Schmidt  a.  o.  s.  184  und  wegen 
der  bedeutuDg  von  3a/iaQ  auf  JohansBon  a.  oo.,  y.  Bradke  IF. 
IV  86  sowie  auf  skr.  antahpura,  (uddhatUa  1.  „gynaeceum*', 
2.  ,,die  bewohnerinnen  desselben*'.  Den  weg  endlich,  auf  dem 
dafiOQ  zum  femininum  wurde  (Brugmann  IF.  XI  103),  veran- 
schaulichen  die  im  Grimmschen  Wörterbuch  IV,  1  c.  85  ange- 
führten verse: 

das  frauenzimmer  auch  da  stund 
in  irer  allerschönsten  wat. 
Skr.  därd  „eheweib",  womit  v.  Bradke  a.  o.  (vgl.  IF.  V  273, 
Vin  152)  dofiag  verbindet»  halte  ich  diesem  fem,  da  für  *dami- 
rd-  *damrd  zu  erwarten  wäre.  Über  järd  s.  BB.  XVII  223. 
—  Ansprechend  stellt  Ehrlich  Die  nomina  auf  -svg  s.  40  anm.  1 
zu  da(Aa(^  lit.  martl  als  {iymartl.  Aber  eine  brücke  würde  ich 
auf  diese  etymologie  nicht  gründen. 

deyva^Bi.v  (in  224). 

Wie  duQiSv'  XoidoQaia&ac.  ^dyuaveg  (Hes.)  zu  lat.  garrio 
(Fick  BB.  XVI  286),  dehpig  zu  gall.  gdlha  verhält  sich  devva- 
teiv  „beschimpfen,  verhöhnen"  (nebst  dhvog  „ beschimpfung, 
schände'^  dswov  •  xmfjoloyoy  Hes.)  zu  lat.  gannio  „kläffe,  belfere, 
lärme'^  Das  vv  wird  zu  erklären  sein,  wie  in  ßlewa  (Stokes 
a.  o.  s.  188,  Zupitza  a.  o.  s.  147),  ßliwog^  yiwa  (nach  Frohde 
BB.  VII  104  aus  yiv\a   vgl.   skr.  jdnana;   nach  Solmsen  KZs. 

XXIX  64    aus   yev-va    vgl.    tcot-vo;    nach   Wackernagel   das. 

XXX  314  beruhend  auf  *ydyvir}fic;  nach  Johansson  BB.  XVIII  39, 
KZs.  XXX  410,  413  auf  einem  y-stamm  beruhend,  oder  aus 
yev'väy  oder  aus  *yevfä;  nach  Eretschmer  KZs.  XXXT  361  anm. 
plural  von  '^yiv'VO-v  vgl.  tixvov;  nach  anderen,  z.  b.  Brugmann 
Qrundriss  i  II  348  aus  *yev-ina,  vgl.  skr.  jdnman). 

Brugmann  Grundriss  «  I  659,  IF.  VI  103  ist  geneigt,  ßUwog 
aus  mleds-no-  und  dewog  aus  ^g^edzhno-  zu  erklären. 

eveQOL,  kviqxsqog,  sveQ&e  (I  406). 

In  dem  anlautenden  €  dieser  Wörter  sieht  Leo  Meyer,  ge- 
stützt auf  vigzegog  und  viqd-By  „ebenso  wie  in  iyeyxeiv  einen 
jünger  entwickelten  laut''.  Umgekehrt  halten  Johansson  BB. 
XrV  171  anm.  und  Sommer  IF.  XI 13,  wenn  ich  sie  recht  ver- 
stehe, wie  schon  Benfey  Wurzell.  11  48  heQtaQog^  eveQ&e  für 
ursprünglicher,  als  vcQveQogy  veQd-e. 

Qegen  beide  ansichten  ist  einzuwenden,  dass  neben  ive^i 
ein  *viQOV  nicht  vorkommt  Warum  fehlt  dies,  wenn  sich  viQ^e 
neben  dem  nach  Leo  Meyer  unursprünglichen  eyeq^e  erhielt? 
oder  aber,  wenn  sich  dem  angeblich  ursprünglichen  eveod-e  das 
junge  viQ&e  zugesellt  hat?  Ferner  spricht  gegen  die  erste  an- 
sieht, dass  prothetische  vokale  im  Griechischen  nicht  so  schwan- 
kend auftreten,  wie  Xieo  Meyer  es  in  diesem  falle  annimmt;  gegen 


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Anzeige.  löö 

die  zweite  aber,  dasB  vi^s^g  durch  umbr.  neriro,  an.  norSr  ^) 
für  eine  viel  früherere  zeit  bezeugt  wird,  als  ivi^eoos.  Man 
mag  daher  immerhin  viqvBQog  aus  (e)ner'ter(h8  (vgl.  vniqTeQog) 
erklären:  im  Griechischen  muss  vigregog  für  alter  als  iviffregog, 
und  folglich  vsg&e  für  älter  als  Svegd-e  gelten. 

Die  einzige  möglichkeit,  sowohl  diesen  momenten,  als  auch 
dem  doch  nun  einmal  unverkennbaren  Zusammenhang  von  ¥if€Qd'a^ 
iyiftSQog  und  evegog  gerecht  zu  werden,  scheint  mir  darin  zu 
liegen,  dass  man  jene  Wörter  für  volksetjmologische,  durch  BV€Qog 
hervorgerufene  Umgestaltungen  von  veQ&e,  ri^egog  erklärt. 
¥y€Qog  dagegen  war  durch  seinen  unheimlichen  gehalt  vor  einer 
lautlichen  änderung  geschützt 

Was  nun  die  etjmologie  von  eveqog  betrifft,  so  kann  es  seiner 
form  nach  zweifellos  mit  Sonne  EZs.  XIV  11  als  komparativ  von 
iv  betrachtet  werden.  Aber  die  bedeutung  des  Wortes  scheint  mir 
doch  mehr  zu  ihrem  rechte  zu  kommen,  wenn  man  h^€QOi  „die  unter- 
irdischen" nicht  so,  sondern  als  ol  ir  SQff  als  TMjnaxhovioi  erklärt 

iTtdxpno  (I  358). 

Leo  Meyer  erklärt  diese  form  nicht,  bestreitet  aber  mit  recht» 
wie  mir  scheint  >),  dass  sie  zu  irtixw  gehöre.  W.  Schulze,  der  sie 
auf  ex^LV  bezieht  (Quaesüones  s.  228j,  hat  bei  ihrer  betrachtung 
Wendungen  wie  ^^ijv  d'  Ix«  /Movyog  ertißXijgy  9vqa  ei%e%o  fJLO%li^ 
überschätzt,  und  seiner  meinung,  intixaTO  beruhe  auf  *i6xctT0, 
das  der  dichter  „ut  vocabulum  inhabile  metro  aptaref'  zu  ioxccro 
gemacht  habe,  und  das  „proclivi  errore''  zu  i7t(a%(no  bezw.  ^/rr^i- 
Xaxo  geworden  sei,  glaube  ich  durch  ihre  erwahnung  genugzutun. 

Ich  sehe  in  iiKaxcno  eine  hohe  altertümlichkeit  der  home- 
rischen spräche  und  zwar  eine  aoristform  von  Ttayvvfiv,  deren 
genaue  bestimmung  ich  aber  vorläufig  ofienlasse,  da  l/tcixaTO 
sowohl  den  ved.  aoristformen  dUärima,  avädiran,  bädhühäh 
(WJiitney  Sanskrit  Grammar  '  §  904  d,  verschieden  behandelt 
von  Baräiolomae  Stud.  II 165  und  Bechtel  Hauptprobleme  s.  164), 
als  auch  der  arischen  III  sing.  aor.  pas.  auf  -i  wie  ved.  avaci 
»  avest  aväci  (richtig  hierüber  Brugmann  Grundr.  ^  II  1380, 
vgl.  Benfey  Mit  r  anlaut.  personalendungen  s.  7  f . ,  anders 
Bechtel  a.  o.  s.  159,  Osthofi^-Streitberg  IF.  III  389  f.,  Reichelt  o. 
s.  86)  angereiht  werden  kann.  Im  ablaut  stimmt  erctixaro  zu 
red-amzaL,  ^w^ai  :  &äy(o  (Saussure  Systeme  s.  154  f.,  BB.  V  317, 
G.  Meyer  Gr.  gram,  s  88  f.,  Bechtel  a.  o.  s.  236). 

In  begrifi*licher  hinsieht  verweise  ich  z.  b.  auf  den  gebrauch 
von  Ttaxtovv. 

/exöTt  (I  343). 
Nach  älterer   auffassung    soll    hirjtL   (/«xj/Ti,  hcäTi)    „nach 

1)  Vgl.  Bagge  BB.  m  105  und  A.  Ludwig  EZs.  X  446.  Nicht  zu 
übersehen  ist,  dass  die  Inder  die  nördliche  seite  üdane  und  die  südliche 
adharaSie  nennen :  also  das  gerade  gegenteil  der  germanisohen  auffassung. 

2)  Vgl.  indessen  Brugmann  IF.  XIII  280  [korrektornote]. 


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156  A.  Bezzenberger 

willen,  um  willen*^  datiy  bezw.  lokativ  sing,  sein,  und  dieser 
meinung  neigt  nicht  nur  L.  Meyer  zu,  sondern  sie  wurde  früher 
auch  von  Eretschmer  vertreten  (KZs.  XXX  586).  Sie  lässt  sich 
aber  nicht  aufrecht  erhalten,  da  exfjti  wegen  seines  i  nicht  datiy 
eines  Stammes  /ejcört-  (Benfej  Wurzell.  I  347)  sein  kann,  und 
die  annähme  eines  Stammes  fexär-  mit  abstrakter  bedeuton^  in 
der  luft  schweben  würde  (vgl.  x^Aiyg,  i^/Jijg,  fthnjg^  Tarvijq 
L.  Meyer  Vgl.  gram,  i  II  100;  über  y^Aoir-,  Ipwr-  J.  Schmidt 
KZs.  XXVI  344,  Solmsen  EZs.  XXIX  109).  Mit  recht  haben 
also  Osthoff  Perfekt  s.  335  (vgl.  Froehde  BB.  XTX  235)  und 
Eretschmer  EZs.  XXXI  459  jene  ältere  auffassung  aufgegeben. 
Osthoff  sieht  in  h(,mL  den  „reflex  eines  sanskr.  *vagä  cid"  (▼gl* 
dazu  Hirt  IF.  I  17);  Eretschmer  trennt  ?xdTt  in  ^kar-iy  stellt 
^xäT-  dem  skr.  ablativ  vagäi  gleich  und  lässt  das  folgende  -i 
nach  analogie  von  doppelformen  wie  fcoti  :  ttot  angetreten  sein. 
Beides  ist  aber  zu  bestreiten.  Gegen  Osthoff  spricht,  wie 
Eretschmer  hervorgehoben  hat,  dass  er  dem  Griechischen  eine 
hier  beispiellose  Verbindung  zumutet,  und  ob  gr.  ßexä-  einem 
instrumental  vagä  gleichgesetzt  werden  darf,  ist  mindestens  sehr 
fraglich.  Gegen  Eretschmer  aber  ist  einzuwenden,  dass  seine 
annähme,  das  auslautende  d  des  ablativs  sei  zu  t  geworden  und 
sei  T  geblieben,  als  ihm  l  angeblich  angefügt  wurde,  einen  Vor- 
gang konstruiert,  der  gleichfalls  beispiellos  genannt  werden  muss 
(vgl.  TtodanoQj  onddog  BB.  XXIV  321).  Seine  erklärung 
kommt  indessen,  wie  mir  scheint,  der  Wahrheit  sehr  nahe,  und 
diese  suche  ich^  darin,  dass  ich,  zwischen  Osthoff  und  Eretschmer 
vermittelnd  ^xazi  in  den  ablativ  /fixä((J)+Tt  zerlege,  aber  in  ri 
nicht  skr.  cid,  sondern  das  element  ti  sehr,  das  z.  b.  auch  in 
TtQOti,  skr.  prdti  :  tvqOj  skr.  prd  enthalten  ist.  Insofern  die 
erweiterung  von  */fixa(d>  zu  /exa(d)-Tt  nach  analogie  von  ftgo  : 
TtQorl  mit  demselben  recht  angenommen  werden  kann,  mit  dem 
Ejretschmer  *lxaT  zu  ^cctl  nach  analogie  von  tvot  :  Ttori  werden 
lässt,  wird  er  hiergegen  nichts  einzuwenden  haben.  Anders  aber 
steht  die  sache,  wenn  man,  wie  ich  es  tue,  in  /£xä(d)-rt  nicht 
eine  analogiebildung,  sondern  eine  freie  bildung  sieht,  denn  als 
solche  entspricht  sie  nicht  den  von  Eretschmer  EZs.  XXX  565  ff. 
aufgestellten  regeln  über  die  behandlung  von  r  vor  t.  Aus 
dieser  Verlegenheit  könnte  man  sich  freilich  wieder  durch  inan- 
spruchnahme  der  analogie  helfen,  indem  man  die  erhaltung  des 
T  von  h^äTi  aus  der  einwirkung  „des  gleichbedeutenden  lovrjri** 
erklärt.  Allein  mir  scheinen  die  ein  Wendungen,  die  Goidanich 
I  continuatori  ellenici  di  ti  indo-europeo  (Salemo  1893,  vgl.  das 
referat  Brugmanns  Indog.  anz.  V  50)  gegen  jene  regeln  erhoben 
hat,  beachtenswert  genug  zu  sein,  um  auf  das  v  von  Sutiri  kein 
gewicht  zu  legen.  Dabei  kann  ich  aber  nicht  umhin,  zu  be- 
merken, dass  die  von  Goidanich  s.  8  getadelte  arbeitsart  Eretsch- 
mers  mir  im  allgemeinen  doch  weit  erspriesslicher  zu  sein  scheint» 
als  das  alla  grossa-verfahren  Goidanichs  selbst. 


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Anzeige.  157 

Dasselbe  ti  wie  in  uQOti  ist  enthalten  in  ftovl  s  avest. 
paiti,  skr.  Üi  (lat.  iti^emf),  yennutlich  auch  in  ital.  pert,  lat. 
post  (Lindsaj  Latin  language  s.  588).  Dagegen  ist  es  mir  sehr 
fraglich,  ob  es  auch  in  oqxi,  steckt,  und  auf  keinen  fall  kann 
ich  es  in  bildungen  wie  dfiox^'^  anerkennen. 

Was  diese  bildungen  betrifft,  so  bestreitet  Leo  Meyer  (I  343) 
die  „unmittelbare  Zusammenstellung*'  von  /ixäti  mit  äfiaxrfci^ 
avovTtjri^  ttvaifiwrly  dviÖQtavi  u.  s.  w.,  „da  sie  anders  betont 
sind  und  auch  gedehntes  auslautendes  i  haben*'.  Eretschmer 
EZs.  XXX  586  erklärt  äfioxriri  gleich  iotän  für  lok.  sing,  und 
trifft  hierin  zusammen  mit  W.  Schulze  Quaest.  s.  450 :  „a(Jio%r]fti 
0  437  est  locativus  stirpis  in  consonam  t  exeuntis  quae  latet 
in  substantivo  fiayrj^rjg".  Mir  scheint  die  erklarung  dieser  ad- 
verbia  vorgezeichnet  zu  sein  durch  eyQfjyo^i  K  182,  das  un* 
zweifelhaft  von  einer  yerbalform  ausgegangen  ist  (vgl.  Kissling 
EZs.  XVII  213)  und  sich  eng  an  ved.  carkrU  „preis,  lob, 
loblied"  anreiht.  Ich  stelle  die  adverbia  auf  -xL  daher  ihrem 
Ursprünge  nach  zu  den  latein.  auf  4im  (Leo  Meyer  EZs.  VI  301, 
anders  vergl.  Gram.  ^  II  392).  Die  bestimmung  ihrer  form 
hängt  davon  ab,  ob  ihr  -/  lang,  oder  kurz  anzusetzen  ist  (H.  W. 
Smyth  Amer.  Journal  of  Philol.  VI  427  f.).  Entscheidet  man 
sich  für  die  länge,  so  wird  man  ihre  auffassung  als  instrumen- 
tale (s.  J.  Schmidt  EZs.  XXVII  287  f.)  sehr  naheliegend  finden. 
Sieht  man  dagegen  in  dem  l  von  z.  b.  fyQrjyo^l^  &vovTf]tl  nur 
eine  Wirkung  des  iktus,  so  sind  sie  nach  skr.  prabhrti  zu  be- 
urteilen. —  In  dnoviTBiy  dvctvsi,  durjqvxTsl  mögen,  wenn  ihr  €i 
anzuerkennen  ist,  lokative  von  ro-stämmen  vorliegen. 

Mit  a^L  pflegt  man  armen,  ard  ,Jetzt"  (Bartholomae  Stud. 
H  23,  Bugge  EZs.  XXXII  3)  und  lit.  artl  „nahe'<  zu  vereinigen, 
und  diese  kombination  ist  um  so  bestechender,  als  neben  OQti 
aQTvw  „füge  zusammen,  bereite*'  und  neben  artl  artüs  „nahe'' 
steht.  Allein  auf  diesen  parallelismus  ist  in  Wirklichkeit  nichts 
zu  geben,  da  artüs  ungebräuchlich  ist  und  erst  aus  artl  ge- 
wonnen sein  wird  ^).  Scheidet  man  aber  artüs  aus ,  so  nimmt 
man  damit  der  Vereinigung  von  ccqti  und  artl  ihre  festeste  stütze 
und  kann  sich  bei  der  Verschiedenheit  dieser  Wörter  in  bezug  auf 
betonung  und  auch  auf  bedeutung  zu  gunsten  ihrer  Vereinigung 
oder  gar  identificierung  (so  anscheinend  Brugmann  Orundriss  >  I 
161,  Prellwitz  Wbch.  s.34)  nur  auf  ihre  lautliche  gleichheit  berufen, 
die  mir  in  diesem  falle  aber  nicht  massgebend  zu  sein  scheint 

aQTi,  erst  nachhomerisch,  lässt  sich  nicht  trennen  von  den 
homerischen  Zusammensetzungen  agTi-feTtingy  aQri'Ttog^  dQTi^q>Q(aVy 
und  von  diesen  ergibt  dfri-ferti^g  deutlich  aQ^i'  als  nominal- 
stamm =  lat.  arti'   (vgl.   W.  Schulze  Quaest.    s.  159    anm.  1). 

1)  Vgl.  J.  Schmidt  Nentra  8.  846,  dem  ich  aber  in  bezug  auf  at^ 
itüs  nicht  beistimme,  Tgl.  skr.  duf^,  suffhü.  —  In  den  kreis  der  von 
J.  Schmidt  hier  behandelten  formen  wird  auch  lett.  nüai  „weg,  fort"  zq 
ziehen  sein. 


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158  A.  Bezzenberger 

Indem  die  bedeutung  dieses  compositions-gliedes  etwas  yerblasste, 
gewann  es  den  anschein  eines  präfixes  und  wurde  in  nachhome- 
rischer zeit  als  adverb  verwendet.  Dabei  erhielt  es  nach  analogie 
von  d/xl-voog,  ayxi-d-aog  u.  s.  w.,  hpi-^vyog^  vtpi-TtiTfjg  u.  s.  w.: 
a/%t,  vtpi  die  betonung  auf  der  ersten  sylbe.  Dass  im  gegensatz 
hierzu  an^aQTi  betont  wird,  ist  vielleicht  durch  aft-aqTttfa  ver- 
anlasst^ vielleicht  aber  mit  dem  betonungswechsel  in  skr.  prdti  : 
-^ati,  pünar  :  a-pundr  in  Verbindung  zu  bringen.  Dagegen  ist 
es  mir  ganz  unwiüirscheinlich ,  dass  die  accentuelle  Übereinstim- 
mung zwischen  aTt-of^i  und  lit.  artl  mehr  als  zufällig  ist.  Wie 
andere  betonte  auslautende  t  des  Litauischen  scheint  nämlich 
auch  das  von  artl  und  ebenso  das  I  von  ankstl  (QGA.  1896 
s.  962  f.)  aus  gestossen  gesprochenem  e  verkürzt  zu  sein  (vgl. 
Leskien  Archiv  f.  slav.  philologie  V  188),  denn  neben  ankstl 
haben  wir  preuss.  angsteina,  angstainai  (=  ankste-nai?)  und 
neben  artl  zem.  artei  (Schleicher  Leseb.  s.  256)  ^=9  artie  (Ze- 
majtiu  Wiskupiste  I  51),  d.  i.  arte.  Dies  arte  (preuss.  *anksie- 
nai)  verhält  sich  zu  artl  (ankstl)  und  artyn,  artybe  {ankstybas, 
ankstybi,  vgl.  BB.  XXI  312),  wie  die  präposition  ope  zu  opi-  in 
apl-kaläi  und  apy-  in  z.  b.  apy4anka,  und  wie  hier  und  in  an- 
deren fällen  (z.  b.  koke  —  ger'e  -ß  —  gerl)  eine  zwiefachheit  der 
betonung  eine  zwiefachheit  der  form  hervorrief,  so  ist  dies  auch 
bei  arte  und  artl  anzunehmen.  Ich  fasse  jenes  also  als  arte 
auf  und  führe  dies  auf  ein  nur  accentuell  hiervon  verschiedenee 
*arte  zurück. 

Da  ferner  mit  lit.  artl  im  gegensatz  zu  oqtv  kein  einziges 
compositum  beginnt,  und  da  es  einen  ganz  anderen  gehalt  hat 
als  a^i-  in  aQTi-feTtijg,  so  schrumpft  die  scheinbar  enge  ver- 
wan  tschaft  dieser  beiden  werter  zu  der  möglichkeit  ihres  wuhe^ 
haften  Zusammenhangs  ein.  Und  auch  dieser  scheint  mir  im 
besten  falle  als  ein  nur  sehr  lockerer  anerkannt  werden  zu 
könnejD,  denn  es  hindert  nichts,  in  artl  (aus  *arie)  eine  Verbin- 
dung der  präposition  ar  (lett.  ar,  lat.  ar-,  BB.  XXTTI  298)  und 
tö;  einer  ablautsform  von  ti  in  skr.  prdti  u.  s.  w.,  zu  sehen.- 

Dieselbe  nebenform  (fö)  ist  vielleicht  anzuerkennen  in  slav. 
proti  uTtgSg^'  und  lett.  preti  „entgegen,  gegenüber"  (neben  prei, 
pretim)y  sowie  in  ahd.  nida  =»  ags.  nide  „infra"  :  skr.  ni  und 
in  lat.  cottldie  (Wackernagel  KZs.  XXIX  147  mit  der  beachtens- 
werten Vermutung,  dass  hier  ti  mit  xoL  gleichzustellen  sei).  Auch 
in  altlit.  idafite  »-  idanti  (heute  iddnt;  ostlit  adunt,  was  For- 
tunatovs  BB.  III  63  erklärung  von  iddnt  etwas  erschüttert), 
nete  =  net  (Fortunatov  a.  o.  s.  58)  und  teipte  u.  s.  w.  (Bei- 
träge z.  geschichte  der  lit.  spräche  s.  268)  kann  sie  enthalten 
sein,  aber  man  geht  sicherer,  wenn  man  ihr  -te  dem  ausgang  von 
anöte^  anöt  gleichstellt.  Dies  wort  bedeutet  nach  Eurschat  „ent- 
sprechend,  gemäss"  und  erscheint  in  Wendungen  wie  atiöte  tewo 
„wie  der  vater  zu  sagen  pflegte"  (Kurschat  Lit  wbch.,  Schleicher 
Lit  gram.  s.  280),  anit  and  kalbös  „nach  jenes  rede"  (Jurkschat 


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159 

Lit  märchen  s.  44).  Ich  glaube  nicht  fehl  zu  gehen,  wenn  ich 
es  unter  berufung  auf  dvd-Xoyog  „dem  logos  gemäss'^  auf  avest. 
ana  „durch  —  hin,  über  —  hin",  gr.  ard  „auf,  an,  durch", 
germ.  ana  „an,  auf,  bis,  gegen"  beziehe. 

Wie  dies  4e  aufzufassen  bt,  ist  zweifelhaft;  da  neben  dem 
erwähnten  neU  neta  vorkommt  (Beitrage  z.  geschichte  der  lit. 
spräche  s.  71,  2671),  so  ist  eine  notwendigkeit,  es  mit  -ti  und 
4e  zu  vereinigen,  nicht  anzuerkennen,  sondern  es  kann  auf  eine 
linie  mit  t«,  ye  gestellt  werden.  Aber  -te  kann  auch  für  -He 
stehen;  dann  würde  es  mit  4i  und  -Vi  eng  zusammenhangen  und 
dem  griech.  -ob  in  aAAo-tr«,  hLei-ae^  dfio-ae  entsprechen. 

Wie  sich  dies  nun  aber  auch  verhalten  mag:  jedesfalls  steht 
das  -ti  von  skr.  prdti  u.  s.  w.,  das  -t'e  von  arf'i  und  -oe  in  Zu- 
sammenhang mit  bildungen  wie  skr.  ant-astya  :  lit.  fszczos  (Jo- 
hansson IF.  III  242),  skr.  dpatya  :  lit.  apaczä  (wegen  der  be- 
deutungsverschiedenheit  vgl.  skr.  apa-kr^fa  „niedrig,  gering"  : 
ui-hrfta  „eine  höhere  Stellung  einnehmend";  BB.  IX  334),  skr. 
amdtya  :  asl.  *doinaith  (Zubat^  Archiv  f.  slav.  philologie  XIV 
152),  skr.  *upatya  :  gr.  v/roog,  gr.  eXaw  :  lett.  tkscha  (BB. 
IX  334),  gr.  fihaaaaiy  vsoaaog^  rtegiacog  (vgl.  maked.  neQixia 
Pick  KZs.  XXn  213),  ahd.  fremidi  (got.  framafja-)  :  got.  fram 
(W.  Schulze  Berlin,  phil.  Wochenschrift  X  1506),  lat.  pretium  : 
lett.  pret  (Prellwitz  BB.  XXIII  252).  Schliesslich  erlaube  ich 
mir  kurz  auf  lett.  kldt  „nahe  bei,  zugegen"  und  lit.  tdü't  „lieber 
als,  ehe  als,  anstatt  dass"  einzugehen. 

Über  das  verhältniss  von  kldt  zu  ktdd  „zusammen,  mit  ein- 
ander" s.  BB.  XVII  214.  Genauere  auskunft  über.Ärla^  gibt 
seine  nebenform  kldtu:  ein  wie  lit.  arti  gebildetes  ^IdäM  gab 
anlass  zur  bildung  eines  adjektivs  *kldius  (vgl.  oben  lit  atiüs) 
und  hieraus  wurde  ein  neues  adverbium  kldtu  gebildet  (vgl.  tdlu 
BB.  XVII  201),  das  sich  als  einziger  rest  dieses  adjektivs  neben 
dem  aus  *kläti  verkürzten  Mdt  erhielt. 

tiiä*t  {uiot  Nesselmann,  a&üi  Miezinys,  uzidt  ^)  Eurschat, 
uziA't^)  Schleicher),  von  Zubat^  IP.  VI  279  f.  anm.  bereits  be- 
rührt, gehört,  sei  es  als  -ti-t  sei  es  als  -/S-ableitung  zu  der  pra- 
Position  uz  (aiti),  deren  verschiedene  formen  ich  BB.  XXI  315  f. 
zu  bestimmen  versucht  habe  ^).  Dass  auch  uzücza  „Verborgen- 
heit" auf  ihr  beruht,  habe  ich  schon  Beitrage  z.  geschichte  der 
lit.  spräche  s.  336  bemerkt.  Die  reihe  atü^  :  uiüUfy  :  uxAcza 
entspricht  beinahe  ganz  der  reihe  fCQO  :  ngorl  :  n^aaw. 


\)  Weffen  des  t  vg 
uiurgkdÜB^  sowie  ii 
2)  über  die   etyn 


vg:l.  die  wechselnden  schreibangen  nurgidüa  „raub" 
nnd  niurgiiäB^  sowie  üoroH  „glänzend  strahlen"  :  k&Ui  dass. 

2)  Über  die  etymologie  ganz  verschieden  Meillet  Memoires  de  la 
societe  de  lingnist.  IX  54  f.  (slav.  za,  got.  ga)  und  Prellwitz  BB.  XXIII  67 
anm.  2  (slav.  m,  griech.  ava  :  von).  Dass  za  ua  prenss.  ms«  gehöre 
(Meillet  a.  o.  X  141  f.),  glaube  ion  nicht. 


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160  A.  Bezzenberger 

CrjTiw  (III  265). 

Eretschmer  KZs.  XXXI  354  anm.  will  die  vogelnamen 
xjyf,  xovij^,  xava^,  xijvf  „durch  eine  ursprüngliche  flexion  *xaf 
aus  *xciv^ :  *xat;xdg  vereinigen".  Allein  diesen  namen  steht  eine 
solche  menge  von  anklangen  zur  seite  ^),  dass  die  zurückführung 
von  *xa^  (j^^S)  *^^  *xäi;f  mir  unnötig  erscheint.  Etwas  bessere 
belege  für  ä  bezw.  jj  «  dt;   (bezw.  lyv)  sehe  ich  in: 

1)  Xrpiv&'og'  TO  fAera^v  tov  Xavuavlov  %ai  av%svoq  i^x^^S 
(Hes.),  verglichen  mit  lavxavia  „kehle'S  l^t.  pa4aüki8  „wamme 
unter  dem  kinn  des  rindes"  (Fick  BB.  I  3321;  dazu  slav.  lalzkh 
Miklosich  Et.  wbch.  s.  160  als  reduplicierte  bildung?); 

2)  TtT^Qä  „ranzen",  mjQiy  „hodensack",  vgl.  lett  pürs  „ein 
kornmaass  (lof),  aussteuerkasten",  pürtnsch  „ein  kober,  ein 
paudel  von  lindenborke"; 

3)  ^rjTiü}  „ich  suche",  vgl.  lett,  jdutdt  „fragen,  forschend 
fragen",  gehörig  zu  lit.  jaüsti  „fühlen"  =  lett.  jdust  „zu  ver- 
nehmen geben",  lit.  jüsti  (pras.  juntü)  „durchs  gefühl  gewahr 
werden"  =  lett.  just  „fühlen,  bemerken,  empfinden",  lit.  juius 
„wach",  lett.  jdutrs  „munter,  lebhaft,  frisch".  Vielleicht  beruht 
jätU'  auf  jäu,  und  aus  diesem  könnten  ^'^Xog  (^äXog)  „eifer,  eif er- 
sucht, neid"  (=  nsl.  jal  „neid"?),  Kri/Äia  (^ctjUto)  „strafe,  schaden" 
und  ^iOQog  „feurig,  ungemischt"  (vom  wein)  hervorgegangen  sein. 

Von  Benfe^  Wzll.  I  681  f.  und  Pick  Wbch.  »  I  731  sind 
^ijXoQ  und  ^iOQog  zu  ^ew  gestellt  (vgl.  Brugmann  IF.  XII  899 
anm.,  Solmsen  KZs.  XXIX  349);  Prellwitz  stellt  ^^log^  ^W^^9 
^7]%€a}  zu  ved.  ycUdr  vermutl.  „rächer",  yätü  „spuk",  rna-tfä 
„schuldrachend",  und  G.  Meyer  Gram.  '  a.  292  folgt  ihm  in  be- 
zug  auf  ^fjXog  und  trjTdü),  bringt  dagegen  Kri/nia  in  Zusammen- 
hang mit  skr.  yam  halten  (aber  weder  in  yätdr  u.  s.  w.  noch  in 
yam  wird  das  durch  ^  reflektierte  y  stecken);  nach  Wharton  BB. 
XVIII  295  soll  ^ijlog  zu  lit.  gM  „heftiger  schmerz"  gehören; 
^(0Q6g  beziehen  Solmsen  a.  o.,  Kretschmer  KZs.  XXXI  383, 
O.  Hofimann  Dial.  I  102,  Prellwitz  und  G.  Meyer  IP.  VI  110 
auf  asl.  ^ar»  „amarus,  iratus",  doch  neigt  Solmsen  KZs.  XXXFV  53 
einer  älteren  annähme  zu,  nach  der  l^wQog  zu  ^ijv  gehört  (G.  Meyer 
Gram,  i  45).  Froehde  BB.  XX  186  fasst  dies  jarh  auf  als 
*er*  (im  weiteren  berührt  sich  mit  ihm  Kretschmer  a.  o.);  ich 
stelle  es  zu  lit.  aürüs  „bitter  und  brennend  im  munde  und  im 
halse",  dem  Prellwitz  BB.  XXIII  68  einen  sehr  weiten  Unter- 
grund zu  geben  sich  bemüht  hat. 

Nach  G.  Meyer  Gram.  •  s.  573  soll  auch  di^rjfiai  mit  J^fjzio) 
zusammenhängen  (vgl.  L.  Meyer  im  vorliegenden  werk  III  210). 
Das  wäre  überzeugender,  wenn  neben  diC,rjfiav  nicht  di^Ofiai  und 
diC;!jaoftai  standen,  und  dlt,r]iim  nicht  e  enthielte  (neben  ^äTiw). 

1)  Vgl.  lett.  kdhtt  „dohle",  akr.  kika  „krähe"  —  lit.  kowa  „eaat- 
krahe",  poln.  kawa,  kawka  „dohle"  —  lett.  kaija  „möwe",  aal.  cqfka 
y,dohle"  —  deatach  kau  n.  a.  w.    Grimm  Wbch.  V  804. 


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Anzeige.  161 

Nimmt  man  mit  Prellwitz  als  eigentliche  bedeutung  von  Si^rifiaL 
„ich  schaue  mich  um''  an,  so  lassen  sich  mit  ihm  lit.  didis  „gross", 
lett.  difchs  „gross,  ansehnlich,  hübsch'',  an.  teitr  „laetus,  hi- 
laris"  vergleichen. 

fjyayov  (I  612). 

ryavov  „bratpfanne"  und  das  hiermit  von  Prellwitz  ver- 
einigte äyavog  „freundlich,  sanft"  beruhen  auf  cr/a-,  das  sich 
dem  lett.  ugu-  in  ugu'ns  „feuer"  (=  lit  iignls,  asl.  ognh,  lat. 
ignis,  skr.  agni)  gleichstellen  lässt.  Für  verwant  hiermit  halte 
ich  auch  a^a  „dürre,  glut",  a^o)  „ich  dörre",  ä^aXiog  „trocken, 
dürr,  ausdörrend"  (von  Osthoff  PBB.  XIII  396,  Persson  Wurzel- 
erweiteruDg  s.  282,  Kretschmer  EZs.  XXXI  452  anm.  2,  Walde 
das.  XXXrV  521  zu  nsl.  öech.  ozditi  „darren"  gestellt,  vgl. 
PreUwitz  BB.  XXIII  71,  74). 

»vUofJLav  (m  487). 

&vliea&ai  „opferen"  gehört  zu  lett.  düle  „brennende  pergel 
(holzspähne)  beim  krebsen  oder  fische-stechen",  dülit  „bei  einer 
düle  fische  stechen  oder  krebsen;  mit  dem  dül6js  feuer  machen 
oder  räuchern",  duUjs  (düldjs)  „(aus  lumpen  und  stroh  gemachte 
mehr  rauchende  als  brennende)  fackel",  lit  dülis  „räuchermasse 
zum  forttreiben  der  bienen",  skr.  dhüli  „staub"  (vgl.  Zubat^ 
Archiv  f.  slav.  philol.  XVI  392). 

La  (n  3). 

Von  den  verschiedenen  ansichten  über  die  herkunft  dieser 
form  (aufgeführt  von  J.  Bchmidt  KZs.  XXXVI  891  ff.)  erscheint 
mir  am  wahrscheinlichsten  die  von  Leo  Meyer  und  Prellwitz  ver- 
tretene, nach  welcher  va  zu  skr.  aydm,  got.  is  u.  s.  w.  gehört. 
Ich  halte  es  femer  auch  für  richtig,  mit  Prellwitz  BB.  XXII  95 
ahm.  2  la  dem  skr.  ij/[dm]  gleichzusetzen,  aber  ich  bezweifle  mit 
Leo  Meyer  (im  vorliegenden  werk),  dass  la,  bezw.  das  r,  worauf 
iyäm  beruht,  mit  der  endung  der  „movierten  Feminina"  zu  identi- 
ficieren  sei,  wie  Prellwitz  vermutet.  Diese  endung  scheint  mir 
vielmehr  in  l'a  und  iydm  enthalten  zu  sein. 

Skr.  aydm  (avest.  aem)  beruht  nach  wohl  allgemeiner  an- 
nähme auf  indogerm.  ei  (^-loser  nominativ  sing.  masc).  Hierzu 
könnte  ein  femininum  *i  nur  auf  grossen  um  wegen  gebildet  sein; 
da  aber  nicht  der  mindeste  grund  vorliegt,  skr.  iydm  (avest  fm) 
für  jünger  zu  halten,  als  aydm  (aem),  so  ist  eben  nicht  *i,  son- 
dern *iT\  d.  h.  das  regelrechte  movierte  femininum  von  ei-f  als 
letzt  erreichbare  grundlage  von  iydm  (im)  anzusetzen. 

Dies  *ii  ergab  im  Sanskrit  i  {iy-dfn)  und  würde  im  Grie- 
chischen ganz  genau  vertreten  gewesen  sein  durch  *ua.  Hieraus 
aber  wurde  va  entweder  durch  hyphäresis  (vgl.  J.  Schmidt  Neutra 
s.  323  anm.)  oder  in  anlehnung  des  nomin  ativs  (und  ebenso  des 

Beitrig»  z.  kond«  d.  indg.  sprsolMii.    XXVII.  11 


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162  A.  Bezzenbdrgef 


akkusativs)  sing,  an  den  genit.  sing.  *ijSg  und  den  dat.  sing.  ^ißU 
(wegen  des  ;  s.  J.  Schmidt  Sonantendieorie  s.  136,  188). 

Im  Litauischen  wurde  *n  =  *iia  zunächst  vertreten  durch 
*ii,  genitiv  *ijds.  Dies  ergab  *i  (weiter  i  durch  die  Wirkung 
des  stosstons),  genit.  iös  (vgl.  gerös-ios  und  Wiedemann  Hand- 
buch 8.  31),  wofür  später  durch  den  einfluss  maskuliner  formen 
ß,  jd8  eintraten.  Vgl.  szl  (aus  *8zi%),  genit.  sziös  (aus  *$zijÖ8). 
Dass  J.  Schmidt  Neutra  s.  43  als  grundform  von  aslav.  si,  lit. 
8z\,  ags.  hi  nicht  ^ia,  sondern  gi-a  angesetzt  hat,  scheint  mir 
nur  durch  eine  zu  weit  gehende  rücksicht  auf  asl.  si  veranlasst 
zu  sein.  Die  bildung  von  femininen  auf  ''i'<t  zu  maskulinen  auf 
•i-s  ist  für  die  grundsprache  mit  Sicherheit  noch  nicht  nachge- 
wiesen. 

Prell witz  a.  o.  sieht  in  dem  i  von  skr.  l-drg  das,  worauf 
iyäm  zunächst  beruht,  also  das  femininum  von  ayfdmj.  Diese 
annähme  wird  aber  erschüttert  durch:  lit.  ypaczei  „besonders'S 
ypatybi  „eigentümlichkeit,  eigenschaft^',  ypatysU  „besonderheit^% 
ypatiszkas  „besonders,  eigentümlich,  fremdartig,  sonderbar'^  ypa- 
tinis  „eigentümlich*'  ^),  ypatas  „einsam,  allein,  abgesondert,  eigen- 
tümlich, individuell,  ausgezeichnet,  hervorragendes  lett  ipats 
(tpaachs)  „sonderlich,  eigentümlich,  abgesondert,  eigen  angehörig^, 
ipaschi  „besonders,  insbesondere,  abgesondert",  tpaschu'ms  „das 
eigentum,  die  eigenheit''.  —  Dass  ypaczei  u.  s.  w.  in  i-pat-  zu 
zerlegen  sind,  und  dass  in  ihrem  ^-  überhaupt  eine  pronominal- 
form zu  sehen  ist,  wird  durch  die  folgenden  lexikalischen  an- 
gaben bewiesen:  „Osöbno.  Separatim.  Sewiszki,  setripassi", 
„Osöbnosc.  Secessus,  solitudo,  anachoresis,  locus  sine  arbitris. 
Sewiszkums,  sewipaszuma  ^  tuksznese''  (Kurmin  Stownik  polsko- 
lacinsko-lotewski)  —  „Osobnoäc.  Becessus,  solitudo,  anachoresis, 
locus  sine  arbitris.  Ipati  wieta,  ipatiste^^  „Osobny.  Solitarius, 
singularis,  peculiaris,  secretus,  seclusus.  Ipatu^^  (Szyrwid  Dic- 
tionarium). 

Aller  Wahrscheinlichkeit  nach  ist  das  i  von  l-drg  dasselbe 
wie  das  von  ypaczei  u.  s.  w.  In  diesem  aber  wäre  i  als  nom. 
sing.  fem.  „sie''  unverständlich,  und  darum  wird  in  idrg  und 
ebenso  in  tä-drf,  yä-drg  eben  nicht  dieser  kasus  enthalten  sdn. 

XxQiov  (II  29). 

XyLQiov  „brett,  deckbrett,  balken"  erinnert  sehr  an  russ.  Vera, 
poln.  ikraf  lit.  ikrai,  lett.  ikriy  preuss.  yccroy  „wade"  bezw. 
„waden",  und  der  technische  gebrauch  von  xv^fitj  und  unserem 
schiene,  auch  von  franz.  jamAe  (jambes  de  force  „giebelbalken") 
lässt  diesen  anklang  etymologisch  bemerkenswert  erscheinen. 

1)  In  der  bedeatnng  „der  untere"  (Beitrage  z.  gesohiohte  d.  lit. 
spraohe  8.  288)  fehlerhaft  far  apaünit. 


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Anzeige.  163 

ix%aQ  (11  24). 

ixtaQ  (iTttaga  Hes.),  name  eines  fisches,  kann  zu  russ.  os'etrt 
„stör"  =  poln.  jesiotr  (aus  egetro-s)  gehören.  Das  verhältniss 
dieser  Wörter  zu  preuss.  esketres  „stör",  altlit.  eszkitras  „walfisch" 
(später  erszketras  „stör"')  ist  noch  nicht  aufgeklärt. 

Ufi  (II  68). 

ilri  nSchBoa"  ist  von  mir  BB.  XXI  300  anm.  zu  lit.  eile 
„reih^,  Schicht",  von  Btokes  BB.  XXV  256  zu  ir.  iall  i,trupp, 
herde"  gestellt;  beides  mit  unrecht,  da  tlri,  wie  Leo  Meyer  und 
vor  ihm  schon  Ahrens  II  45  f.  richtig  erkannt  hat,  ursprünglich 
anlautendes  digamma  hatte.  Den  beweis  hierfür  liefern  ausser 
den  Hesychischen  glossen  vilti'  Ofi^Xog  (1.  Oficlog)  uiid  ßeiXag- 
fioardg'  ßeildfxccg.  TaQOvclvoi  die  inschrifllichen  böotischen 
formen  fLla^x^owog,  ßila^iovriov  (Meister  I  225).  Die  attische 
form  war  tXr]^  die  ionische,  wie  es  scheint,  el%ri  (Smith  Amer. 
Journal  of  philol.  VI  438).  Als  kretisch  überliefert  Hesych 
aQXiXXdv  a^LftoifiCvaj  und  auf  den  ersten  blick  scheint  hierin 
eine  umkehrung  von  ellofx^S  vorzuliegen.  Aber  das  digamma 
von  ßiXaQxiovTog  u.  s.  w.  widerstrebt  dieser  auffassung  in  dem 
grade,  dass  es  wohl  besser  ist,  in  kret.  *ä^ilXäg  eine  auf 
*a(ixc-läo-g  (Fick-Bechtel  Personennamen  s.  73)  beruhende, 
namenartig  verkürzte  form  zu  sehen. 

Als  grundform  von  tXtj  kann  wegen  der  angeführten  böoti- 
schen formen  nicht  */€Xjä  oder  ^J-aXaä  oder  drgl.  angenommen 
werden.  Dagegen  scheinen  mir  alle  betr.  dialektischen  formen  zu 
ihrem  rechte  zu  kommen,  wenn  man  als  grundform  veislä  (ßeiXä) 
aufstellt  und  annimmt,  dass  dies  in  kompositis  und  ableitungen 
(iXadov)  zu  vislä  wurde,  und  dass  dies  {FtXa,  tXfj)  dann  Selb- 
ständigkeit gewann.  Dies  veislä  würde  fast  genau  aem  lit.  veisle 
„Zucht,  brut"  (nach  Nesselmann  auch  „geschlecht,  familie")  ent- 
sprechen. 

Nur  zögernd  wage  ich  die  Vermutung,  dass  auch  lat.  vüis 
(„in  menge  vorhanden,  zahlreich")  hierher  zu  ziehen  sei. 

iXtg  (II  69). 

tXvg  „schlämm,  bodensatz",  von  H.  Weber  KZs.  X  251 
vermutungsweise  in  vorgeschlagenes  i  und  Xv-g  zerlegt,  „wenn 
das  lange  i  durch  das  metrische  bedürfnis  hinlänglich  gerecht- 
fertigt erscheinen  sollte",  ist  im  anschluss  hieran  von  Osthoff 
KZs.  XXIII  584  (vgl.  Wackernagel  KZs.  XXIX  124)  gleich- 
falls vermutungsweise  als  *l'aXv^  zu  mhd.  slam,  sllm,  von 
Thumeysen  KZs.  XXX  352  als  *zla'  (vgl.  Kretschmer  KZs. 
XXXI  332,  342,  Persson  BB.  XIXT  280  anm.  7,  und  die  be- 
denken Waldes  KZs.  XXXTV  530)  zu  lat.  lütum,  gr.  Xvfia  u.  s.  w. 

11  ♦ 


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164  A.  ßezzenberger 

gestellt.  Dagegen  vermutete  J.  Schmidt  Vocal.  II  259,  486, 
dass  iXvq  auf  sei-  beruhe  und  zu  skr.  acUüä,  lat.  scUiva  gehöre. 
Diesen  künsteleien  gegenüber  entscheide  ich  mich  für  den 
(ich  weiss  nicht  von  wem  aufgestellten)  vergleich  von  t  Xvg  mit 
asl.  russ.  ih  „schlämm",  poln.  ü  „mergel,  letten"  (Miklosich  Et. 
wbch.  s.  95)  und  zugleich  die  Zusammenstellung  von  ^^i;^  mit 
etXv'  fjiihxv  Hes.  (Weise  BB.  VI  234),  indem  ich  diese  beiden 
etymologien  vereinige  und  lett.  Us  „stockfinster"  in  ihren  bereich 
ziehe  ^).  Es  steht  nichts  im  wege ,  empfiehlt  sich  vielmehr,  AXi 
als  *iXv  aufzufassen,  und  da  Ua  auf  *üu-^  beruhen  kann  (vgl. 
lett  plata  neben  plaschs  „breit",  lit.  plaiüs),  so  können  siXv  und 
ils  ihrem  stamme  nach  identisch  sein.  —  Begrifi^lich  ist  diese 
Zusammenstellung  bereits  von  Weise  durch  anführung  von  fiiXag 
und  fioXvvü)  (dazu  lit.  mulwe  „morast,  schlämm")  gerechtfertigt. 
Ich  verweise  in  dieser  hinsieht  auch  auf  nhd.  schwarz  :  lat.  sor^ 
didus,  skr.  käla  „schwarz"  :  asl.  hih  „koth". 

Iv^eiv  (n  18). 

Für  ^ivJ^ü)  „schreie  laut" «)  schreibt  Fick  P  66,  o  162  vlvCta 
=  fivtfü  (ebenso  vlvyfnoi  S  572).  Die  homerische  spräche 
selbst  gibt  aber  keine  berechtigung,  iv^eiv  mit  anlautendem  di- 
gamma  zu  versehen,  und  ebenso  wenig  rechtfertigen  die  sicheren 
homerischen  beispiele  für  äol.  v  ==  f  (Fick  Odyssee  s.  18)  die 
Schreibung  vlvC,ü)  statt  /ivJ^w  (vgl.  W.  Schulze  KZs.  XXIX  237). 
Die  ansetzung  von  /ivC/co  statt  iv^w  gründet  sich  lediglich  auf 
die  Hesychischen  glossen  dßiv%zov'  i(p  ov  ov%  iyivevo  ßo^ 
dnoXXvfJievov  und  ixßiov^ei'  d-qinvü  fuerä  ycQOvyrjg  (KZs.  XVII 
315,  BB.  VI  238,  XIV  83).  Ich  kann  dieselben  als  sichere 
zeuKcn  für  fiv^w  nicht  anerkennen.  Nicht  dßivutov,  sondern 
dßirjxtov  ist  handschriftlich  überliefert»  und  dßivxtov  ist  hierfür 
von  Is.  Vossius,  wie  ich  aus  Ahrens  II  47  anm.  18  ersehe,  „e 
Serie  litterarum"  eingesetzt  Die  alphabetische  Ordnung  erlaubt 
aber  auch  äßiovyLzov^  wie  M.  Schmidt  in  der  grossen  Hesych- 
ausgabe  (vgl.  die  kleine  unter  hißiovtßi)  schreibt  und  wegen 
h,ßiovC/ßi  vorzuziehen  ist.  Ein  *ßvv^(a  ist  also  gar  nicht  über- 
liefert, und  ßiov^u)  kann  eine  boiotisierende  Schreibung  von  ßvCio 
„schreie  wie  ein  uhu"  sein,  das  Hesych  auch  in  der  intensivform 
ßtjßvCjEiv    ^yaaXTtiCßiv**    bietet    und    das     verschieden    gedeutet 

1)  Nicht  verwant  mit  lett.  iU  „stockfinster"  sind  lett.  ÜCmseh 
„wiudstoBs,  Windsbraut",  lit  ylinge6sA%,  (im  Nordlit.  entstellt  in  oiingu)\ 
sie  sind  yielmehr  aus  einer  nordgerm.  spräche,  yermutlich  dem  Däni- 
schen, eingedrungen:  dän.  Hing  (Jessen  Dansk  Etym.  Ordbog  I  107), 
norweff.  eling^  tßling  (Aasen  Norsk  Ordbog  s.  182),  aisl.  H  „Schneesturm" 
vgl.  Zupitza  Gutturale  s.  64,  Prellwitz  Deutsche  bestandteile  in  den 
lett  sprachen  s.  8. 

2)  Von  Leo  Meyer  nicht  erklärt,  von  Fick  Vgl.  wbch.  '  II  204  xu 
\ai,jugm-e  (hierüber  anders  BB.  VI  238),  von  Pott  BB.  VIII  67  (ygl. 
Wiedemann  Lit.  präterit.  s.  40,  Zubatj^  BB.  XVIII  255,  Froehde  BB. 
XXI  380)  zu  unserem  jauchzen  gestellt. 


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Anzeige.  166 

werden  kann  ^).  Allerdings  tritt  insohriftlich  boot.  lov  für 
t;  nur  mit  bekannter  beschrankung  auf.  Allein  an  eine  He- 
sychiscbe  glosse  ist  nicht  der  maasstab  einer  guten  inschrift 
zu  legen,  lOv  =  v  steht  vereinzelt  sogar  am  wortanfang  (Meister 
I  234),  und  J.  Schmidt  scheint  mir  ganz  recht  zu  haben,  dass 
„lov  als  eine  nur  graphische  bezeichnung  des  zwischen  i  und  ov 
liegenden,  auch  im  Bootischen  allmählich  an  die  stelle  von  u 
tretenden  ü  aufzufassen  sei"  (Jen.  lit.-zeitg.  1877  art.  691). 

Ich  sehe  in  ^tvXto  eine  ableitung  von  *iu^  das  auch  ent- 
halten ist  in  lit.  ywaa  „nachteule,  uhu'^  preuss.  ywty-garge  „eulen- 
bäum''  und  in  MeTai'  xXaUi,  odigevai  (Hesjch).  Hierzu  ver- 
halt sich  lit.  yna  „stöhnt'S  wie  z.  b.  skr.  dAon-  zu  dhanih 
(Persson  Wurzelerweiterung  s.  146  anm.  3).  Das  vermutlich  zu 
gründe  liegende  1 ')  kann  sich  in  lett  icUt  „ächzen,  stöhnen,  leise, 
brüllen"  erhalten  haben,  das  aber  auch  für  *ind6t  stehen  kann. 

Den  möglichen  Zusammenhang  von  lvt,ia  mit  lälefiog,  i^ 
„ruf",  iij  (ausruf),  iijtog,  iv,  lavy  Uv^  iov,  Ici  lasse  ich  hier  un- 
er  wogen. 

Von  den  im  vorstehenden  erwähnten  glossen  ist  keine,  wenn 
ich  nicht  irre,  in  dem  vorliegenden  werke  berücksichtigt,  und 
überhaupt  ist  das  lexikon  des  Hesjch  für  dasselbe  nichts  weniger 
als  ausgenutzt.  Ich  will  mit  dem  herrn  Verfasser  hierüber  nicht 
rechten,  da  diese  quelle  ohne  eine  gewisse  Zurückhaltung  über- 
haupt nicht  ZU  benutzen  ist,  möchte  diese  Zurückhaltung  aber 
nicht  so  weit  getrieben  sehen,  dass  Hesjchische  unica  als  solche 
einer  etymologischen  behandlung  für  unwert  gehalten  werden, 
und  muss  sogar  bekennen,  dass  dieselben  für  mich  einen  beson- 
deren reiz  haben.  Die  berechtigung  dieses  Standpunkts  ergeben 
—  um  nur  einiges  anzuführen  und  zwar  solches^  was  in  dem 
vorliegenden  werke  fehlt  —  die  glossen  dgoov  *  ioxv^^*  ^A^eioi 
(Bugge  BB.  XVm  165,  Froehde  BB.  XXI  207,  Zimmermann 
BB.  XXV  6)  und  Sdegog'  yaatriq  (Johansson  Beitr.  zur  griech. 
Sprachkunde  s.  138,  IF.  II  15).  Auf  einige  andere,  die  ich  an 
stelle  des  herrn  Verfassers  nicht  bei  seite  gelassen  hätte,  erlaube 
ich  mir  im  folgenden  kurz  einzugehen. 

yoLQ-Mtv'  ^aßdov,  Maxedövsgy  yoQQa'  ^aßdog,  yaQaava' 
(pQvyava.  KQrjveg^  vgl.  lett.  fars  „ast,  zweig"  (vgl.  Fick  KZs. 
XXn  203,  Zupitza  Gutturale  s.  193).^ 

ydgvov  xo  eaw  tijg  TtXrjpivTjg  oidwgiov,  o  tov  a^ova  tgißei, 
vgl.  lett.  gurni  „die  gabel  am  spinnrade,  darin  das  rad  läuft". 

di^a  (bekreuzt)*  at^.  Jdyuaveg,  aus  ^diyja,  vgl.  ags.  ticcen 
„Zicklein",  ahd.  zikkin,  nhd.  zicke  (beinahe  ebenso  Stier  KZs. 
XI  210;  über  alban.  <J*  Q.  Meyer  BB.  VIH  186). 

1)  Das  zu  ßv^to  gehörige  ßv^  „eule"  pflegt  nach  dem  vorgange 
Froehdes  BB.  XIV  84,  99  zu  mhd.  A^z«,  küz,  nhd.  kam  gesteUt  zu 
werden.  Die  scbildernng,  die  Brehm  vom  fressen  und  kotzen  derealen 
überhaupt  gibt,  legt  eine  andere  erklärung  von  kaut  nahe. 

2)  I  aus  fl  (ahd.  jamar)  ?  %u  aus  %$u  (deutsch  yaufo»)? 


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166  A.  Bezzenberger 

Urea*  dxovriovy  vgl.  entweder  alxkor  al  ytaviat  %ov  ßikovg  ^) 
(preuss.  aycido  „nadel'O»  oder  aiyavif]  „wurfspiess''  und  atifitj 
,,lanze,  lanzenspitze".  —  Wie  schon  Düntzer  KZs,  XV  61  ge- 
sehen hat,  gehören  alyaverj  und  alxfÄYi  zusammen;  alxfitj  steht 
für  aizsmä  (lit.  e8zm(M,  lett.  Sstns,  preuss.  aysmis  f&r  aizsmo-s). 
Die  Wurzel  mag  auch  in  preuss.  eyswo  „wunde''  =  russ.  jdzva 
„wunde,  geschwür",  lett.  ife  „riss,  brach,  spalt*',  lit.  ejzieti 
„brechen'*  (Greitler  Stud.  s.  82)  u.  s.  w.  *)  enthalten  sein.  Gegen 
Schraders  Zusammenstellung  von  aiyavif]  und  alyig  mit  unserem 
eiche  (EZs.  XXX  461)  habe  ich  ausser  anderem  einzuwenden, 
dass  eichene  speerschäfte  und  eichene  schilde  schwerlich  irgendwo 
in  gebrauch  gewesen  sind.  —  a%%ia'  dogara.  xag^a^,  worauf 
M.  Schmidt  unter  ixTcu  verweist,  beweist  nichts  gegen  die  richtig- 
keit  von  hcria, 

yLag>a'  XovttJq,  ^axtaveg  =  axdiffj  „trog,  wanne". 

nagxi^eLv  {Gyprü)  yelSv,  iuxq>d^oi'  xcncx^^oi"  Y^J^  gehören 
zu  xa%aCfiiVy  dessen  %  darum  aber  nicht  als  gh  aufzufassen  ist 
(vgl.  Zupitza  Gutturale  s.  127).  %aq)aCfiLV  ist  vielmehr  in  den 
kreis  mundartlicher  formen  zu  ziehen,  den  ich  BB.  XVI  253  an- 
geschnitten habe.  Ficks  bemerkung  über  Tuxxd^ecv  GGA.  1894 
s.  243  ist  mir  nicht  verstandlich. 

xsdvog  (II  273). 

xsdvos  „geehrt)  schätzenswert"  kann  lautlich  mit  xnd^a^ca 
{Kädso&ai)  „sorge  tragen",  xijdog  (xadog)  „sorge",  ntjd&JTTjg  „ver- 
schwägerter" (kret.  rLädBa%ag\  ausfuhrlich  über  dies  wort  Del- 
brück Verwandtschaftsnamen  s.  145  ff.)  kaum  anders  zusammenge- 
bracht werden,  als  indem  man  es  mit  Bartholomae  BB.  XVII  109 
anm.  „für  eine  speziell  ionische  Umbildung  von  *yLadvo^  nach 
xijdiatog  u.  s.  w.  ansieht".  Hierzu  wird  sich  aber  wohl  niemand 
entschliessen ,  da  xsdvdg  lediglich  der  dichtersprache  angehört, 
auch  bei  Pindar  und  den  tragikern  vorkommt,  als  ionisch  nicht 
bezeugt  und  von  xtjdiarog  begrifflich  verschieden  ist  {xijdtaTog 
xsdvÖTOtog  T«),  und  da  ^nadvög  auch  für  einen  lonier  ganz  un- 
anstössig  gewesen  wäre. 

Mir  scheint  xeövog  auf  einer  linie  mit  aefivog  zu  stehen. 
Bragmann  EZs.  XXV  302  hat  dies  treffend  erklärt  als  den, 
„vor  dem  man  zurücktritt".  Demgemäss  stelle  ich  xßdvög  zu  lat. 
cSdo  als  den  „cui  ceditur". 

Keine  Schwierigkeit  bereiten  dieser  erklärung  die  von  Froehde 
BB.  VI  175  f.  und  von  Thurneysen  und  Bragmann  (IF.  XIII  84) 
aufgestellten   deutungen   von  cSdo.     Jene  scheint  mir  bereits  all- 

1)  Anch  dies  vermisse  ich  in  dem  vorliegenden  werk  (behandelt 
dagegen  schon  von  Benfey  WzU.  1 164).  Ist  nd.  ine  „granne,  ährenspitze" 
(Doomkaat  Eoolman)  verwant? 

2)  Hierzu  lit.  izakott  „klauben",  der  bildung  nach  vergleichbar  mit 
gr.  danaxttCofÄM  :  aan&iofAtu'i 


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Anzeige.  167 

gemein  aufgegeben  zu  sein  und  diese  {ce  +  zdö,  piäsens  von 
sed  „gehen'*)  ist  nicht  sicherer,  sondern  unsicherer,  jedenfalls  ge- 
suchter als  meine  erklärung  von  xedvog.  Eine  gewisse  Schwierig- 
keit bereitet  ihr  dagegen  der  umstand,  dass  sie  fds  schwache  form 
von  kSd-  xed'  ergibt»  als  solche  aber  in  xsMtdciy,  Ttejcddowo,  xe- 
Yxxdrjasi  xaS-  erscheint.  Hieraus  aber  lässt  sich  die  Unrichtigkeit 
dieser  erklärung  nicht  folgern,  denn  eine  unbefangene  betrachtung 
kann  unmöglich  ä,  sondern  muss  ^  als  normale  kürzung  von  S 
anerkennen,  und  nicht  der  ablaut  kSd-  :  kSd-,  sondern  der  ablaut 
kSd-  :  käd-  (den  ich  natürlich  nicht  leugne)  bildet  daher  ein 
problem.  In  die  behandlung  desselben  kann  ich  hier  nicht  ein- 
treten, will  aber  konstatieren,  dass  der  ablaut  S  :  ^  nachgewiesen 
ist  (vgl.  die  literaturangaben  Noreens  Urgerm.  lautlehre  s.  71, 
Bartholomae  BB.  XVII  108,  Bechtel  Hauptprobleme  s.  242  f., 
Hirt  ablaut  s.  142  §  731,  Saussure  Systeme  s.  167  f.),  und  dass 
in  mehreren  fallen  gleichzeitig  ^  und  ä  als  ablautvokale  eines 
nicht  auslautenden  S  erscheinen  (vgl.  Persson  Wurzelerweiterung 
s.  226  f.  anm.).    So: 

lit.  ify'as  ,4amm"  —  gr.  €Qiq>og  „bock"  —  lat.  äries; 

lit  isz-püsti  „ausbreiten**,   lett  pl&st  „breit  machen,   offnen** 

—  lit.  pletnua  „dick,  beleibt**,  lett.  piek  =  plSst  (Bielenstein 
I  368)  —  lit  platüs,  lett  plats  =  gr.  nlarvg  „breit**; 

lit.  tetytis  „Väterchen**,  lett.  Ute,  Utitis  dass.  —  lit.  U^is  dass., 
gr.  thra  —  gr.  Tora,  lat.  tixta. 

Neben  lit  pUUüs,  lett  plctts  stehen  lit.  plötia  „breite**,  lett 
plaiÜ  „breit  machen**.  Daher  können  den  obigen  reihen  ange- 
schlossen werden: 

lit.  bl^i  „laufen,  fliehen**,  lett.  b^gt  „fliehen,  laufen,  meiden** 

—  gr.  q)€ßofiai,  „fliehe,  flüchte,  meide**  —  lit  boginti  „flüchten, 
eilen  machen'*; 

lat  r6po,  lit.  replidti  „auf  allen  vieren  kriechen**  —  lett 
r&püt  „kriechen**. 

Mit  r^  steht  cedo  auf  einer  stufe*);  cesal  und  xedvog  ver- 
halten sich  hierzu,  wie  lett.  plest  zu  pUat,  (pißofiai  zu  lit  b^i; 
x€m16ov%o  zu  eido  wie  nXarvg  zu  lett  jdSst,  lit  plisti.  Die  be- 
rechtigung,  in  cido,  xeSvogy  xeitddoyto  verschiedene  ablautsstufen 
einer  wurzel  zu  sehen,  ist  daher  unanfechtbar. 

TMfidg  (n  340). 

Zu  nefidg  „reh**,  „hirschkalb**  scheint  mir  ausser  an.  ags.  hind, 
ahd.  hintä  (s.  Zupitza  Gutturale  s.  207)  preuss.  camstian  „schaf** 
zu  gehören.  Dasselbe  gehört  seiner  bildung  nach  zu  eristian 
„lamm**  (lit  eras),  prastian  „ferkel**  (lit  parszas),  tcerstian 
^kalb**   (lit.   icerszis),   tvofistian  „zicklein**    (lit  ozys)   und  darf 

1)  Sehr  beachtenswert  ist,  was  Osthofif  Perfect  s.  107  ff.  über 
solche  präsentia  vortrafft.  Ich  gehe  darauf  an  dieser  stelle  nur  deshalb 
nicht  ein,  weil  es  mir  hier  nur  auf  tatsächliches  ankommt. 


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168  A.  Bezzenberger 

unbedenklich   auf  *kemadstian  oder  *hemadistian  zurückgefübit 
werden,     a  statt  e  ist   im  Preussischen  bekanntlich  nicht  selten. 

%Ba%iov  (II  291). 

neaxlov  ,ywerg,  flachsabfalP'  gehört  offenbar  zu  asL  öesati 
„kämmen",  öech.  pades  „werg",  poln.  paczeä  „hede"  (Miklosich  Et. 
wbch.  8.  35).  Auch  unser  hede  lässt  sich  diesen  wörtem  an- 
schliessen.  Dagegen  weiss  ich  nicht,  wie  man  tlooxivov  „sieb^ 
an  das  Leo  Meyer  und  Prell witz  bei  yceaniov  denken,  mit  ihnen 
vereinigen  könnte. 

noivog,  xwfioQy  üUffiT]  (II  324,  344  f.). 

Lit  kaikaras  „horde,  häufe"  (GeiÜer  Lit.  stud.  s.  89)  und 
lett.  ziku  „truppweise"  (zikät  „wimmeln'')  schliessen  sich  begriff- 
lich so  eng  an  lit.  kaimene  „herde",  dass  Zusammengehörigkeit 
dieser  Wörter  anzunehmen  ist  i).  Von  kaimene  lassen  sich  aber 
andrerseits  lit.  kemas  „hof,  dorf ,  lett.  zlrm  „dorf"  (auch  „ver- 
sammlungshaus  der  herrenhuter")  nicht  trennen  >),  und  dass  hierzu 
mit  recht  got.  haims,  an.  heimr  u.  s.  w.  und  gr.  xiifitj  „dorf^' 
gestellt  weiden,  ergibt  das  nebeneinander  von  haims  und  an.  ßing- 
heimr  „die  ganze  beim  thing  anwesende  Versammlung",  von  luifjir] 
und  TLWfiog  »ygelage,  grosser  zug,  schwärm".  Beide  Verhältnisse 
entsprechen  dem  von  kemas  zu  kaimene  (kaikaras,  zVcu),  Da- 
gegen wird  xiiurj  ohne  not  von  Tcäfiog  losgerissen,  sobald  man  es 
zu  lit.  szeimyna  „gesinde"  u.  s.  w.  stellt  (Zupitza  Gutturale 
s.  49,  vgl.  Grienberger  a.  o.  s.  106). 

Da  baltisches  ai  in  mehreren  fällen  (z.  b.  lit  kemas  :  opt- 
kaime,  kaimynas,  vgl.  szdUi  :  porszolys,  skanils  :  sMn-skoniai) 
als  vrddhi   von  'd  auftritt*),  so  kann  als  wurzel  der  behandelten 

1)  Ich  stelle  zu  ihnen  auch  preuss.  kaytoe,  lett.  kiwe  „State" 
(herdenpferd).  kSwe  muss  aus  dem  Nordlitauischen  entlehnt  sein,  wo 
lit.  *käwe  («  pr.  kaywe)  *kewß  lauten  würde,  aher  verloren  ist. 

Zu  noifAf^^  noCfivn,  nwv  (W.  Schulze  EZs.  XXVn  426)  gehören 
lit.  pi^fva  „wiese"  (derselbe  Quaestiones  s.  45  anm.  2,  Persson  BB.  XIX 
257)  und  lit.  pSsa  „herde'*  (Geitler  Lit.  stud.  s.  103).  —  Beiläufig  be- 
merkt lassen  sich  ^ianoiva,  ags.  /(smne  ,gungfrau,  junge  frau'\  tSries. 
fämne  „frau,  magd"  ebenso  gut  zu  noifirpf^  wie  zu  avest.  päeman  „milch 
der  weiber"  (J.  Schmidt  Sonantentheorie  s.  104  £P.,  186)  stellen. 

2)  Vgl.  skr.  grama  ,,dorf,  heerhaufe,  schaar",  rnss.  wr.  poln.  gro» 
tnäda  „(grosser)  häufe,  dorfgemeinde"  und  Zupitza  Gutturale  s.  149; 
ferner  an.  ßarp  „gehöft,  dorf '  :  pyrpoBt  ,,8ich  drängen"  und  Feist  Grot. 
etymol.  s.  146. 

8)  In  dem  -ais  des  instrum.  plur.  der  a-stämme  sehe  ich  nicht 
-öü,  sondern  -om.  Die  arisohen  instrum.  plur.  auf  -oü  (s.  hierüber  For- 
tunatov  Archiv,  f.  slav.  phil.  XII  97  f.,  J.  Schmidt  KZ.  XXVII  305,  Feet- 
gruss  an  R.  v.  Roth  s.  184,  W.  Schulze  KZ.  XXVII  421)  halte  ich  für 
neubildungen  auf  grund  der  instrum.  sing,  auf  -ä,  indogerm.  -ö.  Analoge 
bildungen  sind  avest.  avatihüa^  yätus  (66A.  1875  s.  1116,  vgl.  Geldner 
KZs.  XXVII  225,  Studien  I  186,  Bartholomae  Beiträge  z.  flexionslehre 
8.  73  f„  143,   BB.  XyU  107). 


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Anzeige.  169 

worter  köi  :  koi  :  Ja  „gesellen,  sich  schaaren'^  aufgestellt  werden, 
und  unmittelbar  hieraus  kann  Ttoivog  „gemeinsam"  erwachsen  sein. 
Aber  es  scheint  mir  trotz  J.  Schmidt  Sonantentheorie  s.  120,  147 
auch  erwogen  werden  zu  müssen,  ob  %0iv6q  nicht  etwa  aus 
*xoifxv6g  (vgl.  kaimenä)  hervorgegangen  ist. 

Weitere  anknüpfungspunkte  bieten  vielleicht  skr.  cinöti  „an- 
einanderreihen, schichten,  sammeln'',  asl.  dinüi  „oomponere''. 

x6la^  (II  428). 

xola^  „Schmeichler"  ist  der  „qui  nimis  colit".  Wegen  des 
anlautenden  k  berücksichtige  man  urkelt  vo-keld  „ich  sorge  mich" 
(Stokes  Urkelt.  Sprachschatz  s.  83)  und  dvavLolog^  d^erjxologj  deren 
zweites  glied  nicht  notwendigerweise  mit  -TtoXog  in  ai-rtoXog, 
dvrj-noXog  identificiert  werden  muss  (vgl.  Fick  BB.  XVIII  135). 

%oloi6g  (U  435). 

xoloiog  „dohle"  kann  beinahe  gleichgesetzt  werden  dem  asl. 
slavij  (russ.  solovij)  „nachtigall"  (preuss.  salotpis  dass.  hieraus 
entlehnt?  s.  J.  Schmidt  Vocal.  II  137).  —  Ahd.  nahtagala  be- 
deutet nicht  nur  „nachtigall",  sondern  auch  „corax",  „nocticorax", 
„noctua". 

Dass  üohffog  „geschrei,  lärm",  %oJi(pav  „lärmen,  schelten"  zu 
yioloiog  gehören,  erscheint  mir  selbstverständlich. 

noQog  (II  368). 

yu)Q/ogy  xÖQ/af  von  Leo  Meyer  nicht  erklärt,  stellt  Prellwitz 
Wbch.  s.  159  zu  tloq&vvw  „erhebe".  Aber  näher  scheinen  mir 
doch  xo^g  „heim",  xoQvaaw  „rüste,  wappne,  erhebe",  zu  liegen. 
Die  grundbedeutung  dieser  Wörter  (von  denen  ich  übrigens  manches 
fem  halte,  was  Johansson  EZs.  XXX  347  ff.  mit  ihnen  vereinigt) 
ist  zweifelhaft,  allein  der  gebrauch  von  noQvaaaiv  gibt  die  berech- 
tigung,  mit  ihrem  xogv^  zu  verbinden:  preuss.  saruns  „waffen", 
lit.  szdrwas  „harniscb,  ganze  rüstung  eines  kriegers",  „mitgift" 
(Szyrwid  Dictionarium  unter  posag,  wyposazam,  vgl.  zbroia).  Die 
ursprüngliche  bedeutung  dieses  wertes  wird  „ausrüstung"  im  all- 
gemeinen gewesen  sein  i),  und  es  wäre  daher  ebenso  bedenklich, 
sartais  und  sisdrwas  mit  skr.  gdru  „speer,  pfeil",  got.  hairus 
„Schwert"  zu  kombinieren,  als  darin  eine  entlehnung  aus  got. 
sarva  „waffen,  rüstung"  (ahd.  saro,  ags.  searu)  zu  sehen.  Hier- 
gegen spricht  auch  der  anlaut  von  szärwas.  Eher  könnte  got. 
sarva  aus   dem   Preussischen  entlehnt  sein. 

1)  Eine  andere  möglichkeit  ergibt  sich  aus  Tacitus  Germ.  XVIII 
(ipsa  armorum  aliquid  viro  affert),  woran  Prellwitz  mich  erinnert,  falls 
diese  stelle  nicht  auf  einem  irrtum  beruht.  Für  litauische  anschauungen 
liegt  sie  aber  sehr  fern.  —  Über  ndrwae  vgl.  noch  Brückner  Lituslav, 
stud.  I  116  anm.  und  Lit.  forsch,  s.  152. 


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170  A.  Bezzenberger 

Lit.  szdrwas,  dekliniert  wie  kilmas  (BB.  XXI  295  anm.  2) 
und  daher  vielleicht  auf  dem  dreisilbigen  stamm  *szaru€h  be- 
ruhend, entspricht  dem  gr.  xoQfog  lautlich  genau,  und  wenn  man 
jenes  mit  „rüstung''  und  dies  mit  „der  rüstige''  (s.  ycovgoteqog) 
übersetzt,  so  besteht  zwischen  ihnen  ungefähr  dasselbe  verhältniss 
wie  zwischen  skr.  gasa  „befehl'*  und  gäsä  „gebieter''. 

Insofern  szdrwctö  „mitgift»  aussteuert'  bedeutet,  und  eine  mit- 
gift  eine  legale  eheschliessung  voraussetzt,  berührt  es  sich  mit 
xovQidiog,  in  dem  „der  begriff  der  ehe  der  wesentliche  ist"  (Butt- 
mann Lexil.  I  34),  das  man  aber  doch  nicht  gern  von  %ov^ 
ganz  wird  losreissen  wollen.  —  Ob  die  kretischen  Kureten  nach 
ihren  waffentanzen  benannt  sind,  ist  mir  sehr  fraglich. 

Ttohiecv,  xQOKri  (II  395,  399). 

XQixeiv  „schlagen,  klopfen"  (ein  gewebe,  ein  Saiteninstrument), 
XQOxr]  „einschlagfaden,  gewebe"  stelle  ich  zu  asl.  krosno,  poln. 
krosna  „Webstuhl",  russ.  krosna  dass.,  auch  „ungebleichte  lein- 
wand"  und  nsl.  kresati,  russ.  kresttt  „feuer  si^agen",  poln. 
krzesaö,  krzmS  dass.,  auch  „schlagen"  überhaupt,  „hauen".  — 
Auch  lett.  krekls  „hemd",  ags.  hrägl  „gewand",  ahd.  hregü  „in- 
dumentum"  (Zupitza  Gutturale  s.  123)  lassen  sich  hierher  ziehen, 
indem  in  krekls  assimilation  des  wurzelauslautes  an  den  anlaut 
angenommen  wird. 

KQoaaa  (II  401). 

XQoaaa  „mauervorsprung,  zinne,  absatz,  stufe"  darf  nicht, 
wie  von  mir  BB.  XII  239  und  Zupitza  a.  o.  s.  122  geschehen 
ist,  auf  x^ox-  zurückgeführt  werden,  wenn  auf  die  Hesychische 
glosse  üQÖazLva '  qwlayLtfJQia  etwas  zu  geben  ist.  Jedenfalls  aber 
lässt  sich  xQoaaa  auch  zu  got.  hröt  „dach",  as.  hröst  „sparren- 
werk des  hausdachs"  (s.  Henning  Das  deutsche  haus  s.  122) 
stellen,  und  hierzu  gehört  asl.  krada  „rogus,  fomaz,  altare",  nsL 
„holzstoss",  klr.  kr<ida  „Scheiterhaufen"  (Miklosich  Et.  wbch. 
s.  137),  falls  dies  nicht  auf  lit.  krösnis  „ofen"  zu  beziehen  ist. 
—  Anders  über  hröt  Johansson  EZs.  XXX  349  anm.  2,  Wie- 
demann  IF.  I  194,  Zupitza  a.  o.  s.  127  (wo  auch  lit.  kriaüte, 
kraüU  „bodenraum"  hatte  aufgeführt  werden  können),  Grienborger 
a.  o.  s.  119  f. 

xmcLBiv  (11  239). 

%vyLOiBiv  „rühren,  mischen,  aufrühren",  iiVKrjol'T€q>QOg  „mit 
asche  gemischt",  xvyLeiSv  „gemisch,  misch  trank,  mischmasch", 
%vxr]&QOv  „rührkelle"  sind  nahe  verwant  mit  lit.  szduksztas 
„löffel",  sziüksztnes  „geröU,  auskehricht",  sziüksztus  „mit  spreu 
oder  kleie  gemischt".  —  Lit.  szüke  „scharte,  Scherbe",  szukos 
„kämm",    lett  süka  „bürste,  Striegel",  sukis  „scherbe",  sukums 


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Anzeige.  171 

,4ücke,  scharte^  (lett.  schuhe,  schukis,  schuld  halte  ich  im  gegen* 
satz  zu  Leskien  Ablaut  s.  318  für  lituanismen)  stelle  ich  da- 
gegen zu  skr.  0Üca  „granne  des  getraides,  Stachel  eines  insekts'^ 
avest  güka  ,,nadel"  (vgl.  begrifflich  ahd.  scirbi  „scherbe^,  lett. 
schkerpele  „splitter''  Zupitza  a.  o.  s.  155). 

xwvog  (II  318). 

Die  gleichheit  von  xüvog  „kegel,  pinienzapfen,  helmspitze, 
der  kegelförmige  kreisel'*  ^)  und  skr.  gäna  „  Schleifstein  <'  steht 
durchaus  nicht  fest  *),  denn  gdna  scheint  minder  richtig  als  gäna, 
und  gegen  die  annähme,  n  könne  im  Sanskrit  oder  gar  in  den 
veden  an  und  für  sich  durch  n  ersetzt  sein,  besteht  ein  berech- 
tigtes misstrauen  (s.  Leumann  E!Zs.  XXXII  309,  Persson  EZs. 
XXXin  288).  Auch  bei  fäna  ist  dasselbe  zutreffend,  denn  (äna 
kann  unbedenklich  zu  gää  „stein,  fels'',  an.  hella  „flacher  stein, 
schiefer'^  gestellt  werden  (vgl.  Stokes  Urkelt.  Sprachschatz  s.  72  f.). 
Femer  aber  ist  es  doch,  zumal  in  hinblick  auf  nsqi'TifavsiVy 
wahrscheinlich,  dass  die  bedeutung  „pinienzapfen''  älter  sei,  als 
die  bedeutung  „kegel*^;  nimmt  man  dies  aber  an,  so  ist  die  Ver- 
mutung nicht  abzuweisen,  dass  %(avog  zu  asL  spsna  „abies",  russ. 
sösna  (auch  sosnä)  „flehte,  kiefer,  föhre"  (s6sna  italij&nskaja 
„pinie'^y  poln.  sosna  dass.  gehöre.  Es  würde  sich  lautlich  hierzu 
verhalten  wie  gr.  ufiog  zu  skr.  ärhsa  u.  s.  w.  (Solmsen  EZs. 
XXTX  62,  81)  und  begrifllich  wie  hd.  iann  zu  tanne^  lat.  molum 
zu  malus  ').  —  Die  Zusammenstellung  von  sosna  und  ahd.  kien 
(Pedersen  IF.  V  66)  ist  zu  gewaltsam. 

Auch  das  n  von  ved.  mani  „perle,  perlenartiger  zierrat^ 
kleinod,  edelstein,  juwel",  das  J.  Schmidt  EZs.  XXXII  385 
neben  gäna  als  sicheren  beleg  für  n  =  n  nennt,  ist  als  solcher 
nicht  anzuerkennen  (vgl.  Windisch  EZs.  XXVII  168).  mani 
kann  nämlich  aus  *malfnni  entstanden  sein  und  zu  got.  malma 
„sand",  lit.  mdmü  „nierenstein'S  sdmalnes  „schrotmehP'  gehören 
(vgl.  J.  Schmidt  Sonantentheorie  s.  104,  114,  117).  Begrifflich 
ergibt  sich  dies  aus  der  Verdeutschung  von  lat.  margarita  (ahd. 
merigrioz  u.  s.  w.). 

x(5og  (II  222). 

Neben  xäog  „höhle,  gefingniss'S  xvecv  „schwanger  sein" 
(n  227),  xvaQ  „Öffnung"  (II  230)  mache  ich  aufmerksam  auf 
lett.  schäwa  „eine  scheidenartig  geformte  spalte  oder  höhlung  an 

1)  Die  Übersetzung  „spitzstein"  Michels  IF.  lY  68  ist  nar  will- 
kürlich. 

2)  Ans  der  neueren  literatur  darüber  erwähne  ich  Hirt  BB.  XXIY 
234  nnd  Zupitza  Gutturale  s.  184. 

3)  Wie  xwos  far  ^xatavo^  steht  yielleicht  xavvog  „loos"  für  xava- 
vo-i,  vgl.  asl.  pr^khiiti  „durchs  loos  gewinnen"  (Miklosich  a.  o,  s.  154), 


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172  A.  Bezzenberger 

einem  bäume",  das  auf  geti-  beruht  und  also  in  einem  bemer- 
kenswerten ablautsverhältniss  zu  xwog  u.  s.  w.  steht  —  Nicht  rnnz 
zutreffend  scheint  mir  Leo  Meyer  eyxvog  „schwanger",  iy-xtutav 
dass.  :  xvoq-  „fetus",  yiVfAa  dass.  zu  beurteilen.  Die  richtige 
beurteil ung  dieser  Verhältnisse  ergibt  sich  aus  skr.  jcUhära  „mutter- 
leib",  got  kilßei  dass.  —  got.  inkilßö  „schwanger"  —  engL 
child. 

oid'  (II  129). 

Zu  old-  „schwellen",  olöog  „geschwulst",  oldfia  „schwall*' 
stellt  Leo  Meyer  lat  aemidus,  armen,  ait-nu-m  „ich  schwelle'S 
ait'Umn  „gesdiwulst",  att  „wange"  und  ahd.  eiz  „eiterbeule,  ge- 
schwur",  an.  eitiU  „drüse"  mit  der  bemerkung:  „Kaum  dazu  auch 
altn.  eitr,  ahd.  eitar,  nhd.  eiYer". 

Dieser  bemerkung  gegenüber  halte  ich  an  der  Zusammen- 
gehörigkeit der  erwähnten  germanischen  Wörter  fest,  die  mir  durch 
bair.  aiszeln  „schwären,  eitern"  und  anderes,  was  Schmeller  Bayer, 
wörterb.  I  157  f.  aufitihrt,  bewiesen  zu  sein  scheint.  Andrerseits 
gehe  ich  über  Leo  Meyer  hinaus,  indem  ich  an.  eür,  ags.  äioTj 
ahd.  eitar,  mhd.  eiter  „gift",  nhd.  eUer,  mnd.  schwed.  etter  „eiter, 
bezw.  gift"  nebst  ahd.  mhd.  eiz,  an.  eitill  und  asl.  russ.  jath, 
poln.  jad  „gift"  von  olöog  u.  s.  w.  trenne.  Maassgebend  hierfür 
sind  lett.  idra  „das  faule  mark  eines  baumes",  idrüt  „einen  faulen 
kern  bekommen"  i),  die  sich  von  den  obigen  Wörtern  nicht  trennen, 
aber  den  begriff  des  schweUens  nicht  hervortreten  lassen  und 
lediglich  auf  die  Vorstellung  eines  krankhaften  einschlusses  fuhren ; 
und  hierzu  stimmt  gut  an.  eitill,  das  nach  Cleasby-Vigfusson 
nicht  „drüse",  sondern  „a  nodule  in  stone,  iron,  or  the  like" 
bedeutet.  —  Möglicherweise  gehört  zu  dieser  wortgruppe  lit  aidinti 
„reizen"  (Beiträge  zur  geschichte  d.  lit  spräche  s,  269  f.),  vgL 
poln.  jad  und  unser  gift  in  der  bedeutung  „zorn,  wut".  Viel- 
leicht war  aber  die  eigentliche  bedeutung  dieses  wertes  „auf- 
wiegeln", und  dann  würde  es  auf  oldog  u.  s.  w.  und  asl.  jtidro 
„sinus",  „velum"  (von  Fick  KZs.  XXI  5,  463  mit  recht  zu  oldog 
gesteUt)  zu  beziehen  sein.  Auch  lit.  didyti  „toben,  getöse  machen", 
angeblich  auch  „wiederhallen",  aid(is  „echo"  können  hierzu  ge- 
hören. 

Ob  lat.  ae^nidus  mit  oldog  u.  s.  w.  verwant  sei,  ist  sehr 
fraglich,  s.  Froehde  BB.  V  273.  Lit  aime  „eine  zahllose  menge" 
(Geitler  Lit  stud.  s.  76),  das  an  aemidus  erinnert,  ist  mir  nicht 
gut  genug  bezeugt. 

oi(pBiv  (II  131). 

Als  eng  zusammengehörig  betrachte  ich  skr.  ibha  „diener- 
Schaft,  hausgenossenschaft,  familie"  {ßhya  „zum  gesinde  gehörig, 

1)  Ein  lett.  idrs  „kern"  (Fick  Wbcb.  *  I  363  unter  wdra-m)  gibt 
es,  soweit  ich  sehe,  nicht. 


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Anzeige.  173 

höriger**),  ahd.  eiba  „land,  gau**  in  Wetareiba,  Wingarteiba, 
langobard.  aib  „gau*<  in  Burgundaib,  Antaib,  Bainaib  (Brückner 
Sprache  der  Langobarden  s.  99)  und  lit.  aibis  „menge,  echaar** 
(Miesänys).  Das  verhältniss  von  ahd.  hl-rdl  „heirat,  Vermählung** 
zu  ags.  hWed  „familie**,  an.  hS^rad  „bezirk,  landschaft**  legt  den 
gedanken  nahe,  dass  {bha  u.  s.  w.  und  oupeiv  verwant  seien. 
Ich  muss  dies  aber  ablehnen,  da  oiq>eiv  nicht  das  schliessen  einer 
ehe  ausdrückt,  vielmehr  nach  seinem  ganzen  gehalt  in  einem 
scharfen  gegensatz  zu  ibha  und  eiba  steht.  Dasselbe  gilt  von 
skr.  ydbhaU  und  seinen  slavischen  verwanten  (poln.  jebaS,  slov. 
jibati  u.  8.  w.),  womit  ol'q>€iv  herkömmlich  zusammengestellt  wird. 
Von  der  richtigkeit  dieser  kombination  ist  Leo  Meyer  freilich 
nicht  fest  überzeugt,  allein  die  gleichmässigkeit  der  bedeutung 
macht  sie  doch  so  wahrscheinlich,  dass  das  fehlen  eines  anderen 
oi-  =  skr.  ya-  sie  nicht  ernstlich  gefährdet.  Wegen  dieses  Ver- 
hältnisses s.  Persson  Wurzelerweiterung  s.  231,  Hirt  ablaut  s.  132. 
Die  ähnlichkeit  von  {bha,  eiba  mit  skr.  sabha,  got.  sibja 
„sippe"  (vgl.  Noreen  Lautlehre  s.  218)  liegt  auf  der  band.  Wegen 
der  bildung  s.  Prellwitz  BB.  XXII  89  ff. 

d^g  (I  500). 

o^Lva  „egge**,  das  sich  ohne  gewaltsamkeit  von  lit  akUSczos 
{ekiSczo8\  lett.  eaisehi  (com.  ocet,  ^d.  egidä)  nicht  trennen  lässt, 
enthält  nach  ausweis  dieser  Wörter  nicht  g,  sondern  k  fvgl.  Zu- 
pitza  Gutturale  s.  129  i)).  Da  femer  von  o^Lva  auch  o^g  sich 
nicht  losreissen  lässt,  so  ist  folglich  auch  dessen  ^  als  ks  auf- 
zufassen, und  die  Verbindung  von  o^q  mit  skr.  d^  „ecke,  kante**, 
äpi  „rasch,  schnell**,  gr.  axQog^  ancvg  u.  s.  w.  ist  zu  lösen.  Da- 
g^en  lässt  sich  o^  identificieren  mit  cdcs-  in  lit  cAstts  „spitziges 
stöckchen**,  äkstinas  „Stachel,  ochsenstecken,  federstachel**  ==  asl. 
ostbm  „Stimulus**,  lett  aksts  „flügge,  hurtig**.  Eretschmers  tref- 
fende erklärung  der  Hesjchischen  glossen  ^qovj  ^vQßl  (EZs. 
XXXI  414)  wmi  hierdurch  nicht  berührt,  während  die  von  ihm 
veranlasste  Vereinigung  von  o^  mit  skr.  k^naüti  „schleifen, 
wetzen,  schärfen**  (Pedersen  IF.  II  314,  325)  mit  meiner  auf- 
fassung  jenes  wertes  nicht  besonders  harmoniert  —  Führt  man 
0^  =  aks-  auf  ein  neutrales  okes-  zurück,  so  verhält  sich  o^g 
hierzu,  wie  lit  tamsiis  zu  skr.  tdmas  (lit  tamsä).  Der  gedanke 
Hirts  IF.  Xn  225,  o^g  sei  „aus  *ak8ii8  erst  im  Griechischen 
entstanden**  wird  wohl  wenig  Zustimmung  finden,  und  mhd.  wahs 
„scharf**,  das  nach  Fick  GGA.  1894  s.  242  möglicherweise  zu 
o^g  gehört,  gilt  mit  recht  für  eine  entstellung  von  was  (ahd. 
htoas). 

1)  Ans  dem  von  Zupitza  herangezogenen  lat  aeus  will  0.  Hoffmann 
Dial.  I  278  kypr.  dxoOTri  „gerate**  ableiten,  das  aber  für  9Vxo<nä  oder 
jwTtwnii  stehen  kann,  vgl.  asl.  j^ehmy^  rnss.  jacmSnh  „gerate**  (Mikloaioh 
Et  wbch.  8.  104). 


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174  A.  fiezzenberger 

Für  wurzelhaft  verwant  mit  o^g,  lit  aksÜs  halte  ich  oxQig 
{oxQiSeig,  OKQiaofxai),  lat.  ocris  und  ir.  ochar,  cymr.  ochr  (Stokes 
Urkelt.  Sprachschatz  s.  6),  während  ich  axQLg  mit  dfri  identi- 
ficiere.     Vgl.  Hirt  Ablaut  s.  162. 

oojQCfjiov  (I  538). 

oOTQifiOv  yßtaJl,  hürde"  kann  auf  daTQO-  beruhen  (vgl.  oßQi- 
flog 9  auf  das  auch  Leo  Meyer  verweist;  Fick  BK  XVI  170), 
und  dies  kann  aus  od^QO^  entstanden  sein  und  dann  gehören  zu: 
as.  edor  ,,zaun,  umfriedigung*',  ags.  eodor  „zäun,  dach'S  nmd. 
<tder(e)  „staken,  knüppel,  woraus  man  die  zäune  macht^,  an. 
jadarr  „rand'^  ahd.  etar^  mhd.  eter  „geflochtener  zäun,  umzäuntes 
land,  säum,  rand'S  asl.  odrb  „bett'S  odrina  „stall",  russ.  6drh 
„lager,  brettergerüst".  —  Dürfte  man  hiermit  bair.  eszter  ,/alltor 
am  fahrweg  durch  einen  geschlossenen  feldbezirk''  (Schmeller 
I  161),  Schweiz,  ester  „fallgatter''  (Grimmsches  Wörterbuch  III 
1172)  verbinden  (wie  Stalder  Schweiz,  idiotikon  I  346  vorschlägt), 
so  ergäben  diese  werter  eine  bildung,  die  der  vermuteten  unter- 
läge von  oavqiiiov  sehr  nahe  käme. 

ortqaXiog  (I  514). 

Zupitza  EZs.  XXXVII  406  ist  auf  eine  Vermutung  Ficks 
zurückgekommen,  welche  dieser  aber  anscheinend  aufg^eben  hat, 
nach  der  otqaXiog^  STfrjQog^  ozqvvw  mit  lett.  dtrs  „rasch,  heftig, 
hastig,  hitzig''  zu  verbinden  sind  (Vgl.  wbch.  '  II  514).  Ich 
halte  dieselbe  aber  nur  unter  der  Voraussetzung  für  zulässig,  dass 
das  ä  von  ätrs  ^)  und  von  lit  otu  „schnell"  (Greitler  Lit.  stud. 
s.  99)  ablaut  von  i  ist.  Und  nur  unter  derselben  Voraussetzung 
lassen  sich  as.  cidro  „eilend,  alsbald,  zeitig,  früh",  ags.  cedre 
„sofort",  ahd.  atar  „acer,  sagaz,  celer"  zugleich  mit  äJtrs,  otu 
und  mit  6%(iaXiog  u.  s.  w.  vereinigen  (Zupitza  a.  o.),  gleichviel  ob 
der  anlaut  dieser  werter  lang  oder  kurz  anzusetzen  ist 

Fick  a.  o.  zieht  zu  dtrs  ausser  ozfiaXeog  u.  s.  w.  auch  lat. 
äbrox  und  skr.  ötati  „wandern,  laufen"  (vgl.  dtya  „renner"). 
ätrox  wird  besser  zu  äter  gestellt;  die  beziehung  von  dtoH  sei 
es  auf  dtrs,  sei  es  auf  &tQaXiog,  sei  es  auf  beides,  erscheint  mir 
aber  noch  immer  sehr  berücksichtigenswert  (vgl.  Prellwitz  B& 
XXin  69  f.). 

Sxevog  (I  526). 

Unter  preisgäbe  einer  früher  von  mir  geäusserten  Vermutung 
(BB.  XXni  298),  die  sich  aus  begrifflichen  gründen  nicht  woU 

1)  Hieraus  scheint  mir  nordlit.  dirus  „heftig,  hitzie,  jähzornig" 
(«^i(t),  üV«(t)  ady.  dass.  „schnell",  Lit.  forschungen  s.  97)  entlehnt  sa 
sein.    loh  lasse  es  deshalb  im  text  bei  seite. 


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An^ige*  17Ö 

durchfuhren  lässt^  stelle  ich  ox^^S  „nniie,  kanal,  Wasserleitung'' 
als  oxharog  zu  lit  ekete  {akete,  aJcyte)  „in  das  eis  gehauenes  loch 
zum  Wasserschopf en ,  wuhne",  lett.  akate  ),mit  wasser  gefüllte 
grübe  im  moraste'S  ableitungen  von  lit.  d^as  (äkis)  „wuhne'', 
lett.  aka  „(gegrabener)  brunnen''.  Gegen  die  Verbindung  dieser 
Wörter  mit  lit.  akis  (Brückner  Lituslav.  stud.  I  43  anm.  31)  und- 
slav.  oko  (J.  Schmidt  Neutra  s.  405)  habe  ich  mich  schon  Deut- 
sche lit. -Ztg.  1889  sp.  1458  erklärt  und  habe  sie  zu  skr.  kha 
„höhle,  öfinung'S  kha  =  avest  khä  „quelle"  gestellt  (BB. 
XVin  221  anm.,  XXIU  297).  Hierin  sieht  man  herkömm- 
licher weise  sprösslinge  von  skr.  khänati,  avest.  kafUi  „graben'' 
(so  auch  Brugmann  Grundriss  ^  11  456).  Diese  annähme  ist  aber 
bereits  von  Hirt  Ablaut  s.  93  mit  recht  bezweifelt;  der  gebrauch 
von  kha  und  das  hiermit  zusammengesetzte  sukhd  machen  sie 
ganz  unwahrscheinlich  und  der  lautliche  gegensatz  zwischen  avest 
kaMi  {BL^^em.  ko/fitanaiy,  vgl.  auch  armen,  akan  Hübschmann 
Armen,  gram.  I  413)  und  khä  (khd)  tragt  —  wenn  auch  das  k 
von  kafiti  u.  s.  w.  unursprünglich  ist,  vgl.  Fierlinger  EZs. 
XXVII  335,  Bartholomae  das.  367  anm.  2,  Persson  das. 
XXXni  290  —  nicht  dazu  bei,  sie  glaubhaft  zu  machen. 

Lit.  dk(i8  und  skr.  kha,  lett  aka  und  skr.  khä  lassen  sich 
vereinigen  unter  indogerm.  ökho-  :  khö-,  bezw.  ökhä  :  khd.  Das 
aus  6mä  verkürzte  Idia  trat  neben  z.  b.  k§a  und  bildete  daher 
den  nomin.  sing,  khoa  =  av.  khä.  Die  zu  gründe  liegende  wurzel 
kann  ich  anderweits  nicht  nachweisen  (skr.  ökhardy  Okhü?),  Wegen 
des  X  '^  kh  verweise  ich  auf  Wackemagel  Altind.  gram.  s.  119f.  ^). 

fri^a  (H  533). 

TtiC/Di  „kleines  fischernetz"  gehört  wohl  nicht  zu  neCfit  „fuss, 
säum",  sondern  zu  ^iiv  „fessel".  Von  der  diesem  zu  gründe 
liegenden  wurzel  (Fick  Wörterb.  ^  I  474)  stammen  auch  lit.  pidas 
„getreidegarbe",  lett  pida  „bund,  armvoU". 

nXadog  (II  694). 

TtXad'  in  nXadog  „feuchtigkeit»  Schlaffheit,  faule",  nhxdaqog 
„nass,  feucht^  matschig",  Ttladaecv  „nass,  schwammig  sein"  ent- 
spricht dem  lett  plid'  in  plidindt  „sich  baden",  plide^ns  „glatt- 
eisig". Dies  beruht  auf  pled-  in  lett  pled^kscha  „etwas  ausge- 
flossenes", dessen  etwaigen  Zusammenhang  mit  peld-  in  lett  peldÜ 
„schwimmen"  ich  dahin  gestellt  sein  lasse. 

1)  Prellwitz  Et.  wbch.  s.  155  hat  zu  xoyxn  i^tt.  9ßme  „muschel" 
gestellt.  Richtiger  scheint  aber  ftme :  Ulmann  s.  284,  Magazin  der  lett.- 
liter.  Gesellschaft  XIII,  1.  stück  s.  25.  Nicht  ganz  so  unsicher  wäre  der 
vergleich  von  xoyxri  mit  nslov.  ssimü  „schlafe"  (vgl.  skr.  ^ai/ikkd  „rnnschel" 
—  „schlafe")  ans  »mbßt>  (Miklosich  Et.  wbch.  s.  292). 


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176  A.  Bezzenberger 

TtoixlXog  (n  481). 

nomllog  „bunt,  kunstvoll  gearbeitet,  manigfaltig,  gewandt**, 
tihd.feh  „hunt,  schillernd'',  slav.  pisati  „schreiben'',  skr.  pigas  „gestalte 
form,  färbe"  (Pischel  Ved.  Studien  II  113  ff.),  apers.  nirpisianaiy 
„schreiben"  sind  mit  recht  gestellt  zu  üt  paüzas  „russfleck", 
peszä  „russ"  (Zupitza  Outtuiule  s.  189),  iz-payßau  (wie  für  iz- 
payfau  zu  lesen  ist)  „rysuig  co  w^glikiem,  dowem  etc.,  delineo, 
adumbro,  primas  lineas  duco"  (Szyrwid  Diction.  6;  Miklosich  Et. 
wbch.  8.  271),  peszti  „schreiben"  (Feist  Got  etymologie  s.  30, 
Leskien  Ablaut  s.  292).  Im  hintergrunde  jener  Wörter  steht  also 
nicht  die  arbeit  mit  dem  grabstichel  oder  dem  meissel,  sondern 
die  graphische  darstellung  in  ihrer  einfachsten  art,  die  adum- 
bratio,  das  aufreissen  von  figuren  oder  bildem  mit  schwarzer 
färbe.  Dies  ist  zwar  ebenso  selbstverständlich,  als  dass  m%i(6q 
von  Ttoinllog  zu  trennen  ist  ^),  ist  aber  soviel  ich  weiss,  noch 
nicht  ausgesprochen,  obgleich  es  für  die  beurteilung  der  indoger- 
manischen kultur,  des  alters  und  der  entwicklung  der  indoger- 
manischen kunst  von  sehr  grosser  bedeutung  ist. 

Ebenso  wie  nirpistanaiy  und  pisati  bedeutete  auch  got.  mä- 
jan  ursprünglich  ein  zeichnen,  malen  mit  schwarzer  färbe,  wenn 
es  von  Grienberger  a.  o.  s.  158  richtig  —  wovon  ich  überzeugt 
bin  —  mit  gr.  fiiXag  vereinigt  ist 

Ttvikag  (n  512). 

Tttilag  „eher",  rtteXea'  ovg  vtvo  AocMoviav  können  zu  lit 
idas  „kalb",  lett.  iihch  dass.,  asl.  id^  =  poln.  cielq  (genit.  de- 
l^cia)  „kalb"  gestellt  werden  unter  der  Voraussetzung,  dass  diese 
Wörter  anlautendes  p  aufgegeben  haben.  Vgl.  begrifflich  lat. 
verres  „eher"  :  lit.  wefszis  „kalb". 

Möglicherweise  steht  preuss.  kUnte  (voc.,  clynih  Grünau) 
„kuh"  für  *Üente  aus  (pytelente. 

TcvfiOTog  (II  593). 

nvfiOTog  „der  letzte"  auf  *7t6o(JLa%og  oder  auf  *fK6fiaTog 
(so  Reichelt  BB.  XXVI  225)  zurückzufuhren,  ist  nicht  nur  sehr 
bedenklich  (Solmsen  EZs.  XXIX  90),  sondern  auch  ganz  unnötig, 
seit  Bugge  BB.  XIV  68  nvfiavog  zu  skr.  pünar  „wieder,  zurück, 
von  neuem"  (bildung  wie  avest.  hanare  Bartholomae  BB.  XV 
16,  23)  gezogen  und  aus  *pU'  „hinter"  abgeleitet  hat,  das  Bugge 
auch  in  lat  puppis  und  in  skr.  pücdui  „schwänz,  schweif,  ruthe" 
vermutet.    Auch  skr.  puta  „hinterbacke",   griech.  nwog  (jvivyog) 

1)  Auch  ahd.  feigt,  an.  feigr,  nhd.  feige  trenne  ich  von  ntHxUog 
und  bleibe  bei  der  Zusammenstellung  dieser  Wörter  mit  lit.  paÜtas 
„dumm",  indem  ich  in  dem  feigen  nicht  mit  Schade  und  Zupitza  den 
„gezeichneten",  sondern  den  dem  todesschlaf,  der  betaubung  bereits 
yerfallnen  (vgl.  Vilmar  Idiotikon  von  Eurhessen  s.  100)  sehe. 


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Anzage.  177 

„ftQüntTSg**  (über  novviov  8.  w.  u.)  und  an.  fitä  ,,oanna8'S  mhd. 
vut  „cunnus,  yulya"  und  ahd.  fona  „yon**  (das  mit  ftvfiatog  und 
pünar  längst  verbunden  ist  [J.  Schmidt  KZs.  XXVI  24,  Perseon 
Wunselerweiterung  s.  224  anm.,  IF.  II  214  f.]  und  gleich  pun-^r 
eine  n-ableitung  wie  lat  externus,  infemus,  got.  inn  u.  s.  w. 
darstellt)  beruhen  auf  dieser  grundlage,  neben  der  ich  aber  ein 
gleichbedeutendes  *pau  oder  *peU'  annehme  wegen  preuss.  ^pau' 
nian  „hinterbacken"  (BB.  XXIII  310),  lett  pauna  „(rucksack), 
ranzen,  tomister,  bündelchen'S  paune  „bündel,  tornister,  knap- 
saok'*  (woraus  estn.  paun  ,,ranzen,  feileisen''  u.  s.  w.  Thomsen 
Beröringer  s.  272  entlehnt),  pipaunä  „auf  dem  rücken'',  paundt 
„(buckeln),  auf  dem  rücken  tragen'',  8a-paun&t  „(sacken),  zu- 
sammenpacken". Ob  Tvowia^eiVj  ftovviov  {ftowid^aiv  TtaiöiKOig 
XQ^^iU'  ftovPiOP  yoQ  6  dciKtvliog  Hes.)  dies  *pou  enthalten, 
oder  mit  Ahrens  II  125  als  lakonisch  anzusehen  sind,  lasse  ich 
dahin  gestellt  sein  (ebenso  die  erklärung  von  äfffinovg'  äerog, 
Mcmedoveg,  Fick  EZs.  XXU  2001).  —  Eine  zweite  nebenform 
von  *pu'  „hinter",  nämlich  *pür  enthält  vielleicht  nvyij  „der 
hintere"  (vgl.  skr.  apa-gd  „sich  abwendend"  und  skr.  mak^', 
mÜhü  :  maksü,  miihu);  anders,  aber  noch  unsicherer  BB.  XII  79, 
XVIII,  135,  QGA.  1894  s.  245.  ^ 

Von  J.  Schmidt  a.  o.  sind  Ttvfxatog  und  ahd.  foua  auf  gr. 
äno  bezogen,  und  ich  halte  dies  prinzipiell  für  richtig,  stimme 
aber  Persson  a.  o.  und  Johansson  PBB.  XV  230  bei,  die  das  u 
von  pünar  und  Ttvfiarog  dem  v  von  a/rv,  xarv,  ftfv-^  vnv  gleich- 
setzen (vgl.  OGA.  1887  8.  418).  An  diese  formen  reihen  sich 
ferner  an  z.  b.  got.  du  und  halt,  pru-  —  rcqv-  in  lit.  prusnä 
„maul,  schnauze",  preuss.  prusna,  prosna  „angesicht". 

Wie  alle  diese  formen  zu  stände  gekommen  sind,  lassen 
lat.  sin^  :  gr.  iiyev  :  skr.  sanu-tär,  got.  inu  (Prell witz  Wbch. 
8.  23),  das  obige  *poU'  {*peU'?)  :  */>«-  u.  a.  erkennen;  sie  be- 
ruhen je  auf  der  Verbindung  eines  fertigen  wertes  mit  einem  u, 
das  ich  für  identisch  halte  mit  dem  v  von  Ttdvv,  ovzog  u.  s.  w. 
Eigentliche  lokative  (vgl.  hierüber  Bartholomae  BB.  XV  23, 
Hirt  IF.  I  30,  J.  Schmidt  EZs.  XXXII  412  anm.  1)  kann  ich  in 
ihnen  nicht  sehen. 

Hin  und  wieder  scheint  mir  aus  einer  solchen  Verbindung 
ein  170-stamm  erwachsen  zu  sein:  gr.  vei/avog  „der  unterste" 
(Fick  BB.  I  336),  asl.  niva  „acker"  (skr.  nivanä  „zu  tal"  ?)  aus 
*nei  :  *nei-u;  skr.  pü'rva  „vorderer,  früherer",  gr.  TtQiÜTog;  lat. 
prlvus,  umbr,  preve.  —  Auch  die  griechischen  ortsadverbien  auf 
-Vi,  -VLg  führe  ich  auf  eben  solchen  Verbindungen  zurück  und 
sehe  also  in  z.  b.  Ttijlvi  und  ttqwJ-i  ^)  gleichartige  bildungen. 
Ganz  anders  J.  Schmidt  EZs.  XXXII  394  ff. 

1)  Lett.  pr^am  „fort,  weg"  trennt  J.  Schmidt  KZ0.  XXXII  407  in 
prdirjatn^  ohne  dies  an  erklären.  loh  halte  es  fär  entstanden  aus  *jirdio- 
jam  (vgl.  gMma,  dimin.  von  giw  „knh"),  was  sieh  zu  n^ti^uis  verhält 
wie  gwam  „vorbei,  vorüber"  zu  ga^seh  „lang". 

Beitrife  s.  kand«  d.  Indg.  ■pnehen.     XXYII.  12 

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178  A.  Bezzenbetgel' 

voftog  (n  737). 

Zu  TÖftog  ,,ort^  stelle'S  %07ta^p  „vermuten**  (vortä^'  eina^u. 
lÖQvsi,  vTtofCfsvBi.  a%oxaC,etai  Hes.)  stelleich:  lit.  Mp^' „werden", 
pri-tapH  „antreffen,  kennen  lernen,  erfahren",  lett  tapt  „werden, 
geschehen,  gelangen'*,  tapigs  „ein  fähiger  köpf**,  iapindt  „(za- 
kommen  lassen),  borgen,  leihen**,  if4apt  „loskommen,  zurecht- 
kommen, es  einem  zu  danke  machen,  mit  ihm  zurecht  kommen**, 
pa4apt  „hingelangen,  wozu  kommen  können,  müsse  haben**,  pa- 
tapas  „müsse**,  sa-tapt,  sa^aytapt  „begegnen,  auf  jemand  treffen*' 
{nä  <üwa  sastapts  „von  gott  beschert'*);  ags.  ßofian  (mit  ä  s. 
Sievers  PBB.  X  509^  „etwas  geschehen  lassen,  sich  in  etwas 
fugen**  (god  hü  gejßafode  „gott  lies  es  zu**).  —  Der  begriffliche 
Zusammenhang  ist  nicht  ganz  klar,  aber  einleuchtend.  Zweifelnd 
vergleiche  ich  klr.  do-t^M  „einsieht"  (Miklosich  Et  wbch.  s.  352). 

Sfx^  (II  170). 

vifxn  Angeblich  „irdenes  gefäss  für  eingesalzene  fische'*  kann 
zu  lit  wdrias  „korb  zum  fischfang,  reuse**,  lett.  warfa  „fisch- 
wehr**,  to(»r/i  „setzkörbe*'  gehören.  Der  name  könnte  von  dem 
geflochtenen  auf  den  möglicherweise  gleichgeformten  irdenen 
fischbehälter  übertragen  sein.  Übrigens  berührt  sich  die  älteste 
keramik  mit  der  flechterei  (vgl.  z.  b.  Schrader  Beallezikon 
s.  457),  und  auch  abrit  bdscauaa  scheint  ursprünglich  einen  ge- 
flochtenen korb  bezeichnet  zu  haben  (vgl.  G.  Meyer  IF.  VI  106 
anm.). 

Lat.  urceuSy  das  man  früher  zu  vfjm  stellte,  wird  jetzt  besser 
mit  aslav.  vrböb  verbunden  (Miklosich  ESt.  wbch.  s.  383). 

vaaog  (II  162). 

vaaog  „wurfspiess"  aus  ^vo^jo^g  gehört  zu  as.  ord,  an.  oddr^ 
ahd.  ort  „spitze**,  womit  auch  verbunden  sind  vc%i(i^  „Stachel- 
schwein" (Noreen  Urgerm.  lautlehre  s.  190)  und  vvigy  vvm] 
„Pflugschar",  lit.  usnls  „distel,  hagedorn**,  lett  usehnes  ^)  „disteln" 
(Fick  BB.  XU  162,  vgl.  Solmsen  EZs.  XXIX  81). 

vaact^  „weibliche  schäm**  kann  auf  vx-  beruhen  und  zu  lat 
Vagina  gehören. 

g>i]fif]  (in  388). 

Neben  g>^fiTi  {g>afiä)  steht  das  gleichbedeutende  lett.  bäume 
{bauma)  „gerüchl^  nachrede*',  und  bekannte  analogien  legen  die 
—  aus  anderem  gründe  bereits   von  Persson  Wurzelerweiterung 

1)  Von  iMeAfiM  (fehlerhaft  aaoh  t^ftehms)  ist  gmchmm  m  trennen. 
Stender  fibersetst  jenes  mit  „döbelkraat,  disteln**,  dies  mit  „bergdistel, 
(gänsedistel)".     Die  ubersetKong  „gänsedistel**  verrät  die  herkanfi  von 


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Anzeige.  179 

8.  140  berührte  —  frage  nahe,  ob  statt  der  Wurzel  bhä  „spre- 
ehen<'  (Fick  Wbch.  «  I  489,  Hirt  Ablaut  s.  31)  etwas  bhäu  an- 
zusetzen sei.  Ich  nehme  dies  aber  nicht  an,  sondern  stimme  viel- 
mehr Persson  a.  o.  s.  120  ff.  und  Zubat^  BB.  XVIU  247  f. 
darin  bei,  dass  die  angeblich  langdiphthongisch  auslautenden 
wurzeln  —  einige  wenige  vielleicht  ausgenommen  —  io  Wirklich- 
keit langvokalische  waren  und  nur  durch  das  antreten  formativer 
elemente  (vgl.  Johansson  De  derivatis  verbis  contracti:?  s.  173  ff.) 
das  ansehen  diphthongischer  wurzeln  erhielten  ^).  Zu  dieser  Auf- 
fassung drangen  Widersprüche,  welche  der  formenkreis  einiger 
wurzeln  enthält  So  weist  z.  b.  ved.  cbSy»  (III  sing.  aor.  pas. 
von  da  „geben'*)  folgerecht  ebenso  auf  döi^  wie  ved.  äpäffi  „ist 
getrunken"  auf  pöi  „trinken"  (W.  Schulze  EZs.  XXVII  420, 
vgl.  Hübschmann  Vocalsjstem  s.  25),  und  niemand  wird  leugnen, 
dass  dies  däi  die  denkbar  einfachste  erklärung  des  reduplikations- 
vokales von  äidwfii  bietet  (vgl.  Reichelt  o.  s.  71  f.).  Andrerseits 
aber  ist  ebenso  folgerichtig  wie  aus  päydna  „das  tranken"  auf 
p(H  ')  und  aus  dvtj  „quäl"  auf  däu  (W.  Schulze  a.  o.  s.  420,  427), 
aus  ved.  dävdne,  kjpr.  iv/avoi  ')  u.  s.  w.  (Bechtel  GN.  1888 
s.  409  f.,  Fick  BB.  XV  291,  Hoffmann  Dial.  I  165,  Wiedemann 
Lit.  Präteritum  s.  43)  auf  wurzel  döu  zu  schliessen  (Persson  a.  o. 
s.  139,  Hirt  a.  o.  s.  32). 

Von  besonderem  interesse  für  die  beurteilung  der  zahlreichen 
fälle  dieser  art  sind  1)  lit  8t6ju  „ich  trete"  (inf.  stöti;  stöti^ 
„sich  stellen")  —  lett  stdju  „ich  stelle"  (inf.  stdt;  sidti-s  „sich 
stellen,  bleibenden  aufenthalt  gewinnen")  und  lit.  stöwiu  ^)  „ich 
stehe"  (infin.  stoweti)  =»  lett.  stdwu  „ich  stehe"  (infin.  stdwit 
„stehn,  bleiben"),  2)  lit.  dedü  (demi)  „ich  lege"  (infin.  d^i;  apsi- 
d^i  „sich  etwas  anlegen")  und  lit.  dewiü  „ich  trage  (ein  kleid) 
angezogen"  (infin.  d^&t)^). 

1)  Vom  Standpunkt  der  theorie  ans  vereinigen  sich  gr.  onnna  and 
Tia^tp^nina  unter  eiq,  onwia  und  got  ougö  unter  öuq^  ^ntona  und 
oaat  unter  dq.  Die  annähme  von  oiq  und  öuq  neben  öq  wäre  aber  ab- 
surd. Das  zeigt,  wie  vorsichtig  man  mit  der  annähme  langdiphtbong^- 
scher  wurzeln  überhaupt  sein  muss,  die  ich  grundsätzlich  übrigens  nicht 
leugne  (vgl.  o.  s.  160). 

2)  Die  annähme  einer  nebenwurzel  p9u  zieht  Zubaty  BB.  XVIII  249 
in  betracht. 

8)  Jvciv,  ^vta^ai  lässt  sich  öfters  mit  lat.  m  dare  übersetzen  (vgl. 
Lentz  Wissenschaftl.  monatsblätter  VI  167)  und  also  zu  dv^uvoi  ziehen. 
Von  skr.  ducds  „hinausstrebend"  tritt  es  durch  die  bedeutung  „(waffen) 
anlegen"  weit  ab. 

4)  Hirt  IF.  XII 197  will  auf  lit.  $t<npUi  „kein  gewicht  legen«.  Wenn 
er  vor  einem  *9iwawHi  nicht  zurückschreckt,  scheitert  aber  an  tiowHi 
seine  indogerm.  basis  sih^wä, 

5)  Dies  verbum  berührt  sich  mit  poln.  od^Uwaö  „bekleiden,  ver- 
hüllen", wtdtimDaö  „anlegen",  russ.  odivätb  „anziehen,  bekleiden"  (BB. 
VI  288),  unterscheidet  sich  aber  von  diesen  komponierten  iterativen  so 
sehr,  dass  es  nicht  in  unmittelbaren  Zusammenhang  mit  ihnen  gebracht, 
oder  gar  als  slavisches  lehnwort  angesehen  werden  kann. 

12* 


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ISO  A.  ßezzenberger 

Das  verhältniss  von  stöju,  stäju  zu  Mwiu,  stäum,  von  dedü 
(dimi)  zu  demü  ^)  entspricht  dem  von  tcTTjfiiy  arfjawy  ecvfiaa 
„ich  stelle''  u.  s.  w.  zu  iarrpLa  „ich  stehe",  oxrjvai  „stehen",  und 
den  engen,  geschichtlichen  Zusammenhang  dieser  Verhältnisse  kann 
nur  der  in  zweifei  ziehen,  der  in  stoweti  (stäwH)  und  dew^ 
denominativa  sieht.  Gegen  diese  auffassung  streitet  aber  nicht 
nur  die  mehrheit  der  baltischen  verba  auf  -tu  :  -^i,  sondern 
auch  der  tatbestand.  s^iwiu  (stäum)  hat  allerdings  11t.  siawä 
„stelle",  stdms  „zustand",  lett.  stäws  „gestalt",  stäwa  „stehend" 
zur  Seite,  aber  neben  d^witi  findet  sich  kein  nominalstamm,  auf 
den  es  zurückgeführt  werden  konnte,  denn  indieufai  (Bnigmann 
IF.  IX  370)  mit  seinem  durchgehenden  ie  passt  nicht  zu  d^SH 
und  bedeutet  übrigens  Da  45,  22  gewiss  nicht  „künstlich"  (eher 
„wunderbar",  vgl.  asl.  divo  „wunder?").  Ich  sehe  daher  in  stöwiu 
(stduni)  nicht  eine  ableitung  von  stowä  u.  s.  w.,  führe  vielmehr 
beides  auf  ein  und  dieselbe  verbale  grundlage  zurück. 

Nach  dem  vorausgehenden  gehören  stöwiu  und  dewiü  in  das 
gebiet  entweder  des  perfekts,  oder  des  aorists.  Auf  den  aorisl 
könnten  diese  prasentien  indessen  nur  bezogen  werden,  wenn  die 
betr.'  Wurzelverben  als  stkau,  d/ou  anzusetzen  wären,  oder  wenn 
es  einen  v-aorist  gegeben  hätte.  Für  die  annähme  eines  solchen 
fehlt  aber  noch  der  beweis  (vgl.  Persson  a.  o.  s.  2101),  und 
sthäu,  dhsu  können  trotz  allem,  was  sich  für  diese  basen  an- 
führen lässt  (Fick  BB.  XV  290,  Hirt  IF.  XII  195,  Kretschmer 
EZs.  XXXI  385,  Persson  a.  o.  s.  1401,  J.  Schmidt  EZs.  XXXII 
385  f.),  nur  als  ableger  der  wurzelverba  sthä,  dh&  betrachtet 
werden,  da  unter  regelmässigen  Verhältnissen  nur  aus  sthä,  dhi 
lit.  stöti,  d'4ti  erwachsen  konnten  (während  sthou  ^stätUi  und 
dheu  waJirscheinlich  "^deduti  ergeben  hätte),  und  da  stoweH  und 
dewUi  wegen  ihres  dargelegten  Verhältnisses  zu  sMi,  dÜi  aus 
der  flexion  derselben  wurzelverba  (sfhä,  dhS)  abgeleitet  werden 
müssen.  —  Wie  es  um  die  „wurzel"  sthäu  (J.  Schmidt  EZs. 
XXXII  386)  steht,  lehrt  übrigens  sehr  deutlich  der  umstand, 
dass  auch  sie  eine  „Ai-wurzel"  (sthäi)  zur  seite  hat  (Fortunatov 
EZs.  XXXVI  45,  Hübschmann  a.  o.  s.  19). 

Eine  befriedigende  erklärung  von  stoto&i,  dewUi  und  ihrem 
verhältniss  zu  stAti,  d&i  ergibt  sich  dagegen,  wenn  man  sie  aus 
dem  perfektum  ableitet,  zu  dem  sie  durch  ihre  bedeutung  über- 
dies noch  besser  passen,  als  zum  aorist  (Meltzer  IF.  XTT  343). 
Auch  Mahlow  Lange  vokale  s.  144  sieht  in  stöwiu  eine  perfek- 
tische  form,  nimmt  aber  —  wogegen  ich  oben  bereits  gründe 
geltend  gemacht  habe  —  als  ihre  grundlage  eine  „wurzel  stev'* 
an,  während  ich  stöwiu,  dSiciü  für  sprösslinge  eines  alten  per- 
fekts von  si6ti,  diti  halte  und  unmittelbar  an  ved.  tasthaü,  dctcUtaü 

1)  diwiü  hat  gleich  lett.  Mwu  geschleifte  wnneelsilbe  and  hier- 
durch  wird  es  wahrscheinlich,  dass  nicht  die  betonung  von  tUSwu  (BB. 
XXI  814)  sondern  von  lit.  Mwiu  anarsprfinglieher  ist. 


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Anzeige.  181 

(vgl.  BB.  XXVI  154)  anschliesse.  Wie  man  dazu  kam,  hier- 
aus, oder  vielmehr  aus  den  diesen  formen  entsprechenden,  um 
die  reduplikationssilbe  verkürzten  baltischen  perfektformen  *8iäUj 
*diu  (wegen  des  ^  vgl.  gr.  vixhjxa^  re&Bfiivog)  verba  auf  -tu  : 
•Sti  zu  bUden,  lasst  sich  erkennen. 

Was  von  den  lateinischen  verben  auf  ^eo  gilt,  dass  sie  näm- 
lich zum  teil  „einen  passiven  oder  intransitiven  Charakter  tragen" 
und  in  Übereinstimmung  „mit  den  griechischen  starken  passiv- 
aoristen,  zu  denen"  sie  teilweise  „die  präsenüa  zu  sein  scheinen  ^), 
den  reinen  stamm  enthalten"  (Leo  Meyer  Vgl.  grammatik  ^  II  29, 
vgl.  Froehde  KZs.  XXTT  250,  PrellwiU  BB.  XXI 162,  vgl  auch 
Fay  Btudies  in  honor  of  B.  L.  Gildersleeve  s.  201  ')),  gilt  auch 
von  den  baltischen  verben  auf  -tu  :  ^iti  (vgl.  Wiedemann  Archiv 
f.  slav.  philol.  X  655).  Für  diese  Übereinstimmung,  durch 
welche  die  BB.  XXVI  169  ff.  verfochtene  erklärung  dieser  verba 
bestätigt  wird  %  gebe  ich  folgende  belege: 

lit.  a/üti  (pras.  aunU)  ■-  lett.  AiU  (pras.  dunu  und  ä/u^) 
„die  füsse  bekleiden"  :  lit.  awHi  (pras.  awiü)  „(fussbekleidung) 
angezogen  haben"; 

1)  Dieser  umstand  ist  von  wesentlicher  bedeatang  bei  der  bear- 
teilung  der  lateinischen  verba  auf  -^a  (aod  ihrer  entsprechnnffen)  und 
des  gr.  passiv-aorists  aaf  -ip^,  denn  insoweit  jene  mit  dieser  form  zu- 
sammenhängen, kann  ihr  9  nur  auf  9t  zurückgeführt  werden,  wenn  zu- 
gleich "ftv  als  -i(On  aufgefasst  wird. 

Ich  bemerke  bei  dieser  gelegenheit,  dass  das,  was  Bartholomae 
Stud.  II  71  anm.  1  und  Streitberg  IF.  III  862  vortragen,  nicht  ganz 
neu  ist;  vgl.  Grassmann  KZs.  XI  81,  Scherer  ZGDS.  ^  s.  182  anm.  und 
meine  äusserung  über  skr.  damüa  Zs.  f.  deutsche  phil.  V  475  (wo  das 
beispiel  freilich  unmodern  ist). 

2)  Lat.  earere  mit  Leo  Meyer,  Froehde  und  Prellwitz  zu  gr.  ir«^- 
vai  (Mt^)  zu  stellen,  kann  ich  mich  freilich  nur  mit  dem  vorbehialt 
entschliessen ,  dass  es  auch  mit  lett.  kanu  „nüchtern,  hungrig,  schlank, 
leer",  russ.  Mmyj  „klein  von  wuchs"  (vgl.  Fortunatov  KZs.  XXXYI  15) 
verbunden  wird  (wozu  vielleicht  auch  gr.  a-nui^g  „kurz"  gehört).  Zu- 
pitza  Gutturale  s.  110  (vgl.  Hirt  BB.  XäV  276)  bezieht  earere  zweifelnd 
auf  mhd.  nhd.  harrmy  lett.  sarA  „meinen,  vermuten,  hoffen",  n^rskUi 
„worauf  jmd.  seine  hoffnung  setzt,  das  warten",  w&hrend  ich  diese 
Wörter  zu  serb.  korota  „trauer"  und  ahd.  as.  nhd.  härm  (anders  z.  b. 
Zupitza  a.  o.  s.  188,  Luft  KZs.  XXXVI  145)  stelle. 

Zu  den  aorist-passivischen  lat.  verben  auf  -«rs  lässt  sich  auch  das 
vielbebandelte  lat.  halar$  rechnen,  wenn  man  es  als  „begabt  sein"  zu 
unserem  geben  stellt  (ähnlich,  aber,  wie  mir  scheint,  weniger  gut  Wiede- 
mann Archiv  f.  slav.  philol.  X  655).  Anders  z.  b.  Zupitza  KZs.  XXXVII 
887  (vgl.  Luft  KZs.  XXXYI  145.  Beiläufig  bemerkt  trifft  Lufts  Zerle- 
gung von  got.  vainei  ebenda  s.  148  mit  einer  annähme  zusammen,  die 
ich  vor  80  jähren  ausgesprochen  habe  [Got.  adverbien  s.  89] ,  die  aber 
ebenso  wenig  beachtet  ist,  wie  meine  zurnckfOhrung  von  got.  -uh  auf 
unh  [daselbst  s.  98 ff.,  vgl.  Hirt  PBB.  XVm  299].  In  betreff  des  nei 
von  vainei  halte  ich  an  meiner  auffassung  fest). 

8)  Reichelt  oben  s.  78  wendet  gegen  meine  auffassung  der  I.  sing, 
lit.  awiü  den  dat.  sing,  dtpiai  und  den  genit.  plur.  aunü  ein.  Aber  amü 
spricht  durchaus  nicht  gegen  mich  (vgl.  iriju  ^  gr.  to$üv,  got.  frifi 
sowie  iyo  „es  regnete"   [:  Igfo  =  dUo  „nutzte  sich  ab"  :  d^h]   und 

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182  A.  Bezzenberger 

lit.  -gidti  (präs.  -guliü)  „sich  legen*'  —  lett.  -gt^Ü  (pms. 
gtdu)  „sich  schlafen  legen'* :  lit.  guliti  (pras.  guliü)  »  lett.  guiSi 
(pras.  guiu)  „liegen'*  bezw.  „schlafen"  (wegen  der  etjmologie  s. 
Zubat^  BB.  XVIII  263,  Mikkola  BB.  XXI  219); 

lit  käUi  (präs.  kalü)  „schmieden"  =  lett.  kalt  (pras.  kaiu)  ^), 
lit.  ap-k<Uti  „beschmieden ,  gefangen  setzen"  «a  lett  ajhJcali  „be- 
schlagen" :  lit.  kaliti  (präs.  kcUiü)  „gefangen  sitzen"  (irrig  wird 
kcUHi  von  Prellwitz  Wbch.  s.  135  mit  gr.  xaXv^  „knospe",  von 
Kretschmer  KZ.  XXXVII  406  mit  skr.  kdra  „gefängniss"  ver- 
bunden) ; 

aslav.  tditi  „besänftigen",  russ.  u4oUth  „stillen",  utoUtb- 
8Ja  „sich  beruhigen",  ir.  tuilim  „ich  schlafe",  lit  tylü  „werde 
schweigend"  :  lit.  fyleti  (präs.  tyliü)  „schweigen"  (vgl.  Strachan 
IF.  II  369,  Persson  BB.  XIX  261,  Stokes  Urkelt  Sprachschatz 
s.  134); 

lit.  trefüeti  (präs.  trenkiü)  „dröhnend  stossen"  ==  lett  trikt 
(präs.  trizu)  „zerstossen,  wegjagen,  scheuchen,  erschüttern"  :  lit. 
trinkiti  (präs.  trlnkiu)  „dröhnen"  «-  lett  trtzSt  (präs.  tftzu) 
„zittern,  beben"; 

lit.  twSrti  (präs.  tweriü)  „fassen"  —  lett  ttoirt  (präs.  tweru) 
:  lit  tureti  (präs.  turiü)  „haben"  (auch  „bekommen"  =»  „ein 
junges  werfen")  »  lett.  turSt  (präs.  turu)  „halten,  haben,  hegen, 
dafür  halten"  =  preuss.  turit  „haben"  {es  turri  „ich  soll")  (vgl. 
Fick  Wbch.  »  II  576;  hierzu  gr.  miqavyogt)  «). 

Die  baltischen  verba  auf  -iu  :  -üi  bezeichnen  also  vielfach 
die  folge  eines  getan-häbens  oder  eines  geworden-seins  und  be- 
rühren sich  dadurch  auf  das  engste  mit  dem  perfektum,  insofern 
dasselbe  „eine  handlung  bezeichnet,  welche  in  der  gegenwart  des 
redenden  als  eine  vollendete,  zur  entwickelung  gekommene  er- 
scheint" (Kühner  Ausf.  gram.  ^  II  126).  Daher  lag  es  sehr 
nahe,  diese  verba  zur  gewinnung  perfekt-präsentischer  verba  zu 
benutzen,  und  dass  dies  schon  in  lituslavischer  zeit  geschehen 
ist,  macht  mir  lit.  sidzu,  sidefi  „sitzen"  s  asl.  sezdq,  8idHi 
wfjurscheinlich. 

Wiedemann  Handbaob  8.  59)  und  äwiai  bearteile  ich  ganz  anders  als 
Reichelt.  Ich  halte  seine  endung  nicht  für  „aus  der  -tä-deklination 
herübergenommen",  sondern  zerlege  awiai  in  aufi  (alten  dativ  aaf  i)  -f- 
ai  (dativ-endung  der  ä-deklination),  was  als  späte  neubildung  (Klein  gibt 
noch  awy  als  normalen  dativ  von  au)U  an)  sich  als  awiai  erhielt.  — 
Ebenso  kann  der  lett.  datiy  sCrdiJ  entstanden  sein  (a*  9t  rdi^^i,  vgl. 
BB.  XV  299  ff.). 

1)  Lett  näudu  kalt  „geld  münzen"  erklärt  preoss.  eaUe  „ein  margk" 
(Grünau). 

2)  Wegen  des  scheinbar  nicht  nur  begriff  lieb,  sondern  auch  for- 
mell (wiedemann  a.  o.)  entsprechenden  Verhältnisses  aslav.  inu^  „icdi 
nebme^*  :  imSti  „haben**  s.  J.  Schmidt  Sonantentheorie  s.  146,  dessen 
auffassung  freilich  die  resultative  bedeutung  von  imSti  nicht  erklärt 
Über  preuss.  eb-immai  „begreift"  :  itnmimai  „wir  nehmen"  s.  BB. 
XXUI  807, 


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Anzeige.  183 

Für  Mwiu  sagt  man  im  Memeler  dialekt  stiunu  und  stäunu 
(Schleicher  Gram.  s.  240»  Jacobj  Mitteil.  d.  lit.  litter.  gesellechaft 
I  65,  Eurschat  Gram.  §  1186).  Niemand  wird  bezweifeln,  dass 
diese  form  nicht  lautlich  identisch  ist  mit  aslav.  sianq  „ich  stelle 
mich*'.  In  demselben  lautlichen  verhaltniss  wie  stanq  zu  gidunu, 
steht  aber  (pafid  zu  lett.  bäume,  d.  h.  jenes  beruht  auf  bhä 
„sprechen*'  (lit.  biti  „wonach  fragen'')  und  dies  auf  einem  hieraus 
flexivisch  entstandenen  bhäu, 

(poißog  (HI  371). 

Lautlich  stimmt  zu  diesem  wort  sehr  gut  lett.  baigi  „alle 
fürchterlichen  zeichen  am  himmel,  als  nordlicht,  feuerkugel  u.  s.  w.", 
dessen  alter  durch  den  heidnischen  ausdruck  baigi  kdujds  „das 
nordlicht  schlagt  sich,  kämpft  (=  flackert)"  gewährleistet  wird. 
Es  gehört  zu  lit.  baigus  „schüchtern",  baiisztis  „fliegenwedel" 
(Leskien  Ablaut  s.  271). 

Über  andere  erklärungsversuche  s.  Froehde  BB.  XIX  232 
(vgl  Fick  BB.  I  15). 

g>6efiifi  (III  396). 

(poQpuy^  vereinigt  sich  mit  poln.  brzmieS  „ertönen,  klingen, 
summen"  in  einer  basis  frAerem- '),  zu  der  ich  im  anschluss  an 
G.  Curtius  Etym.  »  s.  483  und  A.  Kuhn  KZ.  VI  152  lat.  fremo 
und  ahd.  bretncm  „brummen"  stelle. 

Wie  q>6Qfiiy^  halte  ich  auch  xtx^OQig  {xi&oQä)  für  ein  echt 
griechisches  wort,  vgl.  lit.  &didiu  „ich  spiele"  {afd  smutko  „auf 
der  geige"). 

X^lvvfi  (TU  335). 

X^lvvrj  ,4ipp^'S  wahrscheinlich  auch  „kinnlade"  verhält  sich 
zu  lett.  felit  (dfeÜf)  „sabbeln,  lecken,  aber  auch  wohl  kauen 
überhaupt"  (ganz  verschieden  von  lit.  seilUi  „sabbern,  geifern") 
wie  lat  IMum  zu  lambo.  Ob  zu  feUt  lett.  dfdAkmis  „backen- 
zahn"  gehört,  ist  zweifelhaft  (vgl.  äem.  gerqnkszte,  nordHt.  cre- 
rükszte  dass.).  Wahrscheinlicher  ist  mir  verwantschait  von  xeXwf] 
und  x«Ai;(r<r«iy  (xsXXvaaetv)  „mit  anstrengung  auswerfen,  überh. 
ausspeien,  auswerfen". 

Xr]X^  (III  338). 

XfjJiTJ  (x^Xa)  bezeichnet  sehr  verschiedenes  gespaltenes  und 
spaltendes   („klaue,  huf,   kralle,  krebsscheere,  kerbe,   alles   zwei- 

1)  Zu  den  basen  dieser  art  (Hirt  Ablaut  s.  128  ff.)  gehört  n.  a. 
aoob  die  von  Fick  Wbch.  ^  I  492  als  bh^rgo-  angesetzte.  Sie  ist  im 
Slavisohen  rertreten  durch  urslav.  berget  (vgl.  tff^vyiXoc)  Miklosich  Et, 
wbob.  ß.  10. 


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184  A.  Bezzenberger 

spaltige  zinkenartig  hervorragende")  und  stimmt  also  nicht  nur 
lautlich,  sondern  auch  begrifflich  zu  skr.  häld  =  hüld  »,pflug 
(auch  als  waffe)"  (in  modernen  indischen  dialekten  har  Benfey 
Kl.  Schriften  IV  89,  Grierson  Bihär  Peasant  Life  s.  1).  — 
Hübschmann  Armen,  gram.  I  471  stellt  zu  hold  zweifelnd  armen. 
jUt-m  „furche,  pflüge". 

Zum  schluss  erlaube  ich  mir  auf  eine  frage  von  allgemeiner 
bedeutung  einzugehen.  %dlv^  „knospe"  und  oqvv^  „wachtel" 
weichen  von  den  gleichbedeutenden  sanskritwörtem  kalika,  vor- 
tdka  (vartikä)  hinsichtlich  des  dem  ableitenden  guttural  voraus- 
gehenden vokals  ab,  während  fidga^  „knabe,  mädchen"  in  dieser 
Beziehung  zu  skr.  maryakd  „männchen"  stimmen  kann.  In  gleicher 
weise  unterscheiden  sich  von  xaAv^,  oqtv^  z.  b.  dilg>a^y  dora^y 
ndqa^^  Ofjiq>a^  und  femer  z.  b.  dv&€Qi^  (dvd'eQixog^  dvd-eQlxti), 
xdli^,  und  dies  schwanken  wird  wiedergespiegelt  durch  skr.  vor- 
taka  und  vartika  (s.  oben),  durch  das  nebeneinander  der  slavi- 
schen  bildungen  auf  7>kb  und  hkb,  deren  Scheidung  „oft  auf  der 
band  liegend,  in  vielen  fallen  unmöglich,  in  anderen  unsicher  ist" 
(Miklosich  Vgl.  gram.  II  254),  durch  lat.  ütiMcus  :  got.  cdncJia, 
an.  göfugr  :  got  gabiga,  gabeigs  ^)  (mehr  bei  Noreen  Urgerm. 
lautlehre  s.  66  und  an  den  daselbst  citierten  stellen)  u,  a.  Nur 
selten  lässt  sich  dies  auseinandergehen  durch  das  zurückgreifen 
auf  tatsächlich  vorkommende  primäre  bildungen  erklären  (vgl. 
z.  b.  skr.  kUi  neben  kaitka)  und  mit  den  mittein  der  lautlehre 
ist  ihm  nicht  beizukommen.  Es  kann  folglich  nur  darauf  be- 
ruhen, dass  das  gebiet  dieser  A'-ableitungen  durch  Übertragungen 
in  Unordnung  gekommen  ist  (vgl.  Brugmann  Grundriss  ^  II  239) ; 
und  dies  lässt  sich  nachweisen. 

Sowohl  sekundäre,  wie  primäre  stamme  auf  -aka  haben  im 
Sanskrit  sehr  häufig  feminina  auf  -ikä  neben  sich  (Benfey  Vollst 
gram.  s.  230,  Whitney  Sanskrit  Grammar  «  §  1181  c,  §  1222  i, 
Lindner  Altind.  nominalbildung  s.  131).  Obgleich  dieser  Wechsel 
im  Rigveda  nur  an  iyattcJcd  :  iyattikd  hervortritt,  ist  er  doch 
uralt.  Vielleicht  liegt  er  vor  in  ahd.  mardh  „equus"  —  mertha 
„equa"  (J.  Grimm  Gram.  II  315  [299],  Graff  II  844;  aou  merr, 
ags.  myre  beruhen  auf  *marhi\  offenbar  aber  steht  er  in  engem 
Zusammenhang  damit,  dass  im  Litauischen,  wie  Kurschat  Gram. 
§  356  angibt  und  trotz  Leskien  Bildung  der  nomina  s.  517 
zahlreiche  tatsachen    bestätigen  *),    diminutiven  auf  -vka-^  (z.  b. 

1)  Vgl.  avest.  marzhdika  „barmherzigkeit"  :  ved.  mfdikd  „gnade" 
und  Bartholomae  Stadien  II  174. 

2)  Ein  *tn0müke  „matterchen",  *mergük4  „mägdlein"  statt  mamM^ 
merglk^  würde  ich  mouströs  finden.  Sobald  aber  ein  solches  wort  mas- 
kulinisiert  (ursprünglich  wohl  neutralisiert  wird)  endigt  es  auf  -ukat  : 
mamükt  yr  ghra  (Prökuls),  wozu  das  von  Leskien  s.  518  angefahrte 
toiiztükoB  stimmt.  Hier  ist  wiederum  ein  *mam\ka8  für  mich  undenkbar. 
Vgl.  übrigens  Lett.  dial.-stud.  s.  140,  Sprache  der  preuss.  Letten  s.  44 
anm.  1,  Osthoff  Sprach wissensoh.  abhandlungen  hsg.  von  Patrubany  II  100  f. 


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Anzeige.  18Ö 

tewükas  Väterchen  :  teivas  „vater'|^  feminina  auf  -Uce  gegenüber 
stehen.  Es  wird  weder  einem  zwei^l  unterliegen,  dass  hier  -ike  mit 
skr.  'ikä  zu  verbinden  ist,  noch  dass  -üka-s  das  ihm  korrespondierende 
skr.  -akch  vertritt,  noch  dass  es  diesem  lautlich  nicht  entspricht 
Folglich  ist  'üka-B  an  stelle  von  ^-aka-s  getreten,  und  es  kann 
wiederum  nicht  zweifelhaft  sein,  dass  -tSi^a-«  ursprünglich  nur 
diminutiva  von  u-stammen  bildete  und  sich  von  ihnen  aus  bis 
zur  völligen  Verdrängung  von  ^-aka-s  verbreitet  hat. 

Wie  hier  -uka-s,  so  sehen  wir  im  Sanskrit  sowohl  -aka-  wie 
'ikor  sein  gebiet  erweitern  —  offenbar,  indem  der  alte  unterschied 
-aka-^  :  ikä  ausgeglichen  wurde  (z.  b.  kan^nakd  :  kanl^nikäj 
ajakä  :  aßkä,  mdk^ikä  :  m&k^ika,  vartaka  :  variakä,  väriikä  : 
vartika). 

Fasst  man  nun  wieder  got.  ainaha  und  lat  unicus,  an. 
göfugr  und  got.  gabigs  in  das  äuge,  so  erkennt  man  dort  das 
verhältniss  skr.  iyattakd  :  iyattikä,  hier  das  verhältniss  lit.  tS' 
toükas  :  mamlkä  wieder  und  erkennt  ferner  in  einem  grossen 
umfange  ebensolche  Übertragungen  und  ausgleichungen,  wie  ich 
sie  eben  zur  spräche  brachte.  Und  femer  sieht  man,  dass  z.  b. 
o^v^  nicht  zu  den  skr.  bildungen  auf  -aka-,  -ika-,  sondern  zu 
den  litauischen  auf  -ukas  zu  stellen  ist. 

Was  endlich  den  auffallenden  Wechsel  -akch  :  *ikä  im  San- 
skrit betrifft,  so  findet  er  meines  erachtens  seine  erklärung  durch 
den  vokaüv  singularis  (mask.  a,  femin.  e).  Dieser  kasus  scheint 
mir  die  grundlage  sehr  vieler  diminutiva  gewesen  zu  sein,  so  der 
litauischen  auf  -eli^a,  deren  feminina  auf  -ele  erst  von  den  ent- 
sprechenden maskulinen  aus  gebildet  sind. 

A.  Bezzenberger. 


Lat  prömulgare. 

Lat  prömulgäre  ist  meines  wissens  noch  nicht  befriedigend 
erklärt  worden. 

Gorssen  Ausspr.  I  >  77,  II  *  152  hält  es  für  ein  deno- 
minativum  vom  stamm  promulca-  (^promulco  agi  dicitur  navis 
cum  scaphae  ducitur  fune'  P.  ex  F.  281.  6  Th.  d.  P.),  wie  re- 
mulcäre  von  remutco-  (^remulco  est,  cum  scaphae  remis  navis 
magna  trahitur'  ebd.  383.  15),  und  nimmt  dabei  erweichung 
des  c  zu  ^  an.  Da  propntdco"  'schlepptau,  trödelseil'  bedeutet, 
wäre  der  ursprüngliche  sinn  von  prömulgäre  'hervor  bewegen', 
woher  später  '[einen  gesetzantrag]  vortragen,  vorbringen  [vor 
die  öfiEientlichkeit]'. 

Bugge  KZ.  XIX.  444  ff.  postuliert  einen  urit.  stamm  *mO' 
nogo'  'vier  (idg.  ^managha'  d,  h.  ^monogho-,  vgl.  got  manags 


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186  Giuseppe  Ciardi-Dupre 

aks.  m^nog^  u.  verw.),  woher  durch  dissimilation  ^mologo-  und 
dann  durch  syukope  ^molgo-,  ^mulgo-.  Der  nämlichen  sippe 
gehöre  weiter  multus  —  *mülgtu8  an.  Die  eigentliche  bedeu- 
tung  von  prömulgäre  sei  danach  'vor  viele,  vor  die  menge 
bringen'.  Diese  etjmologie  hat  Vanicek  Et.  wb.  d.  1.  spr. 
^  123  (Et.  wb.  '  ist  mir  unzugänglich)  und  Gr.  lat.  et.  wb.  699 
aufgenommen:  am  letzteren  ort  aber  bezeichnet  er  sie  als 
^'ziemlich  unsicher"  und  führt  andere  möglichkeiten  an. 

Nach  Fröhde  o.  IL  336  wäre  prömidgäre  mit  got.  md 
'Zeitpunkt'  plur.  'schrift'  mdjan  'schreiben'  faürameljan  *fv^ 
yQaq>€iv\  ahd.  mdl  'zeichen'  gemäUn  'jüngere,  scribere,  desig- 
nare'  lit.  molavAti,  lett.  mäUt  'malen'  wurzelverwandt  Für  die 
bedeutungsentwicklung  des  lateinischen  wertes  lege  das  ent- 
sprechende gr.  nQOYQdg>€iv  'bekannt  machen'  ein  zeognis  ab. 

Die  angeführten  deutungsversnche  lehnt  0.  Wiedemann 
o.  Xni.  303  nach  sorgfältiger  prüfung  ab;  und  da  ich  seiner 
kritik  im  wesentlichen  beistimme,  halte  ich  es  für  nutzlos,  mich 
hiermit  eingehender  zu  beschäftigen.  Jedoch  kann  ich  die  neue 
von  ihm  vorgeschlagene  etymologie  ebensowenig  billigen,  wie 
die  vorhergenannten.  Wiedemann  setzt,  wie  Bugge,  einen  no^ 
minalstamm  ^mulgo-  voraus;  diesen  aber  fuhrt  er  auf  eine 
Wurzel  tnelg-  zurück,  die  er  in  tnuUus  (aus  *muletu8  'ange- 
schwollen'), lit  müzinasj  lett.  müzena  'riese',  milzt  'schwellen', 
milze  'grosser  häufe'  wiederfindet  Mit  den  bekannten  lautge- 
setzen  steht  eine  solche  etymologie  nicht  im  Widerspruch, 
scheint  mir  aber  in  semasiologischer  hinsieht  kaum  wahrschein- 
lich. 

Andere  forscher  (wohl  in  anlehnung  an  Festus,  s.  unten) 
lassen  prömtdgäre  aus  dem  ähnlich  bedeutenden  prövulgäre  her- 
kommen, indem  sie  Umwandlung  des  v  in  m  annehmen.  So 
z,  b.  Pott  Et.  forsch.  I  >  552,  der  freilich  proinvulgare  an- 
setzt, und  Bickel  KZ.  XIV.  427,  der  als  weitere  instanzen 
desselben  Vorgangs  ^'mare  statt  väri,  fjtdQnrva  =  vark,  vrofc, 
clämo  —  grdvayämV^  [sie]  anführt.  0.  Keller  Neue  jähr. 
GLV.  349  ff.  schreibt  den  Übergang  des  t;  (und  b)  einer  sabelli- 
sehen  muudart  zu,  und  sieht  die  Wörter,  worin  er  denselben 
nachzuweisen  glaubt,  als  entlehnungen  an.  Es  genügt  aber  auf 
die  betreffenden  wörter  (multa  nach  Keller  «»  mvUgdta  = 
vulgata  [seil,  poena]  :  Matners  =  Mavors  =  *Ma[g]vor[ij8 
'Schlachtenwender';    SamnUSs  ^   SctwUaii    turma   ^   iurbä) 


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Lat.  prömtdgäre.  187 

einen  blick  zu  werfen,  um  sich  da?on  zu  überzeugen,  dass  die 
Keller'sche  annähme  in  der  luft  schwebt. 

Die  sonderbare  von  Zehetmayr  erfundene,  mir  bloss  durch 
Keller  a.  a.  o.  bekannte  etymologie,  wonach  pramulgäre  mit 
promungere  [?]  zu  vergleichen  sei,  und  ursprünglich  'vor- 
schneuzen'  heisse,  braucht  nicht  besprochen  zu  werden. 

Was  bedeutet  prömulgäre  in  historischen  zeiten?  Festus 
spricht  sich  darüber  folgenderweise  aus:  ^promulgari  leges  di- 
cuntur  cum  primum  in  vulgus  eduntur,  quasi  provulgari'  (P. 
ex  F.  281.  4).  Näheres  ein  alter  schoUast  zu  Cicero  Pro 
Sextio  2ö:  ^Saepe  hanc  ostendi  promulgatae  legis  et  latae  di£fe- 
rentiam:  nara  trinundino  proponebantur,  ut  in  notitiam  populi 
penrenirent,  quo  exacto  tempore  ferebantur  in  iuris  validi  fir- 
mitatem'  (bei  Mai  Class.  auct.  t.  IL  139 f.).  Statt  '[legem]  in 
vulgus  edere',  'proponere%  durfte  man  4n  vulgus  (od.  vulgo) 
promere'  sagen:  vgl.  Horaz  epist  II.  1,  105  'clienti  promere 
iura',  Quintilian  1 ,  1 ,  22  'cur  improbetur  si  quis  ea .  .  . .  in 
publicum  promit?'  und  Martial  8,  18  'promere  vulgo  epigram- 
mata',  wobei  promere  'bekannt  machen'  heisst.  Es  liegt  also 
die  vermuthung  sehr  nahe,  prömtdgäre  sei  als  Umbildung  von 
promere  nach  tndgäre  divulgäre  usw.  oder  nach  vulgus  anzu- 
sehen. Umbildung  eines  wertes  durch  angleichung  an  die  lau- 
tung  sinnverwandter  werte  ist  kein  seltner  Vorgang  in  den  indo- 
germanischen sprachen,  vgl.  ai.  jtpdtu-p  'leben'  (aus  ^jyäiu-^, 
av.  gen.  jfyäJtöuä  +  fivi-  j^vaii)^  gr.  odvcaaüßcu  'grollen'  (aus 
WZ.  od-,  lat.  odium  +  dva-),  mhd.  nhd.  heischen  (aus  ahd.  eiskon 
+  mhd.  heigen,  nhd.  heiesen)  u.  s.  w.  (s.  Brngmann  IF.  XII. 
löOff.  und  die  dort  angeführte  literatur). 

Florenz.  Qiueeppe  Ciardi-Dupri. 


Saum  cuique. 


Die  von  mir  o.  XXVI  189  angeführte  etymologie  von  Ustie 
hat  Henry  (Bull.  Soc.  Ling.  VII  s.  CHI)  zuerst  vorgeschlagen. 

Die  Verwandtschaft  von  ai.  vrana-,  poln.  rana  usw.,  die 
ich  o.  XXVI  192  anm.  nach  Rozwadowski  Quaest.  etc.  ser. 
alt  angenommen  habe,  wurde  gleichzeitig  und  unabhängig  auch 


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188  J.  Endzelin 

von    Liden    Ein    baltisch -slavisches    anlautgesctz    (Göteborgs 
Högskolas  Ärsskrift  1899,  IV)  s.  19  f.  anerkannt 

Florenz.  Giuseppe  dardi-Dupri. 


Lettische  etymologien. 

pßdHJcne. 

Oben  XXV  270  leitete  ich  pedurkne  „ärmel^'  von  dem  ver- 
bum  pedurt  „anheften'^  ab  und  liess  weiterhin  aus  pedurkne 
über  p'edürkne  —  p'idrükne  entstehen.  Nun  aber  findet  sich 
pedriikne  auch  in  solchen  mundarten  (Schlock,  Mitau,  Siuxt  u.  a.), 
die  den  Übergang  von  anteconsonantischem  ur  in  ür  nicht 
kennen;  mithin  kann  p'edrükne  nicht  aus  p^urkne  entstanden 
sein,  wohl  aber  lassen  sich  alle  dialektischen  formen,  wie  wir 
unten  sehen  werden,  auf  pedrükne  zurückführen.  Man  hat  also 
mit  Bielenstein  in  dem  zweiten  bestandteil  der  form  das 
wort  rüka  „band'*  zu  sehen;  es  fragt  sich  nur,  was  das  ped- 
ist  In  pe-d--  es  zu  zerlegen,  was  Bielenstein  thut  sind  wir 
natürlich  nicht  berechtigt,  und  auch  die  Vermutung  Prell- 
witz's  (o.  XXII  123  n,  77  n)  ist  mir  ganz  unwahrscheinlich. 
Ich  sehe  also  darin  ein  aus  dem  Germanischen  (vgl.  got  paidoy 
ahd.  pfeü,  as.  pSda  „rock,  Unterkleid'')  entlehntes  Substantiv 
*pMa  „rock''  :  p9drükne  bedeutete  also  ursprünglich  „rock- 
ärmel''  (man  beachte,  dass  dialektisch  das  blosse  r^Jca  „ärmel" 
bedeuten  kann).  Im  lauf  der  zeit  ist  mit  dem  Wechsel  der 
moden  das  einfache  wort  *pikla  verloren  gegangen  und  infolge 
dessen  der  ursprüngliche  sinn  der  Zusammensetzung  vergessen 
worden,  sodass  das  wort  mannigfacher  Variation  in  den  ver- 
schiedenen mundarten  unterlag.  Durch  metathesis  entstand  zu- 
nächst pidürkne,  das  aber  nur  in  solchen  mundarten  (Frauen- 
burg u.  a.)  sich  halten  konnte,  die  dr  aus  ur  vor  consonanten 
haben ;  überall  da  (Wolmar,  Kremon  u.  a«),  wo  solches  dr  nicht 
vorkommt,  entstand  lautgesetzlich  pedurkne;  durch  erneute  me- 
tathesis entstand  daraus  pedrukne  (Wallhof).  Durch  regressive 
metathesis  entstand  aus  pedrukne  —  perdükne  (man  vergleiche 
dazu  die  Gaikensche  form  p'erddbs  aus  p'edärbs  „dreschtenne"), 


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Lettische  etymologien.  189 

das  aber  nur  da  (Luttringen)  sich  hielt,  wo  ir  vor  oonsonanten 
zu  er  wird ;  aus  p^dükne  ist  in  mundarten,  die  jetzt  kein  ante- 
consonantisches  er  kennen  (Kursiten,  Gross-Esseru) ,  pirdükne 
oder  pir^dükne  (wie  cir^is,  dur^vis  u.  a.)  wohl  rein  lautgesetz- 
licb  entstanden.  Scheinbar  ohne  suffix  ist  die  form  psdr&k 
(Uipisch,  Dondangen;  doch  könnte  in  diesen  mundarten  sehr 
wohl  am  ende  ein  n  abgefallen  sein);  ein  anderes  suffix  zeigt 
die  form  pSdrSHesne  (Remten).  In  mundarten,  die  suffixales  ö 
zu  a  oder  mit  nmlaut  zu  e  oder  e  (offenes  e)  kürzen,  erscheinen 
die  formen  pMrakxf,  (Ubbenorm),  pidraka  (Neu-Salis),  psdreh^, 
(Pemigel),  psdrfkn'  (Nabben).  Aus  einer  derart  gekürzten  form 
müssen  durch  die  Zwischenstufe  *pedrk^,  —  nach  der  Synkope 
des  Vokals  war  r  schwer  auszusprechen,  —  die  formen  ped'k^n 
(Popen;  der  apostroph  bezeichnet  hier  einen  unqualificirbaren 
stimmlosen  yocal)  und  mit  secundärer  entwickelung  eines  vooals 
zwischen  d  und  k  (man  vergleiche  dazu  die  Popenschen  formen: 
diket  <  dikH,  salkets  <  salktis  u.  a.)  p'idikx^  (Suhrs,  Windau 
u.  a.)  entstanden  sein.  Eine  solche  kürzung  ist  in  den  tahmi- 
schen  mundarten  nichts  auffallendes :  man  vergleiche  z.  b. 
nom.  s.  oüg^ns  =  oAgüns,  mdc^tes  =  mäcttäjs;  nom.  pL  aüdz'ie 
=  südzetaji;  loc.  pl.  südm'les  =  sudmaläs;  inf.  mäzg'tes  = 
mazgät^a;  praet.  nüsmäzjas  =  riümazgäjäs  (Suhrs;  zum  Über- 
gang zj  >  4/  vergl.  taS  jumU  jäuzjum  »  tos  jurhls  jhuzjum  ebenda ; 
^jfnU  =  uzjemt  Samaten;  iik'Sr  =  isk'&ra  Angermünde;  ^ 
jums  dui  »  es  jums  düäu,  neben  es  tou  d.  Anzen ;  leö  Jänit 
==  lec  Janit  Alschwangen  u.  a.);  loc.  pl.  möki'Aas  —  mäk&Ms; 
nom.  s.  ceifies  =  ceturtais,  astit^s  =  astütais,  är'jiä  =  ari- 
jini  (Hasau);  acc.  s.  d'ensud  =  densvidu  (Wensau;  vgl.  idg. 
ysup-  aus  ysi^ep');  nom.  pl.  6giA  =  aügüAi  (Targeln;  dem  ö 
<  au  entspricht  dort  B  <  ei  :  mStans  =  tn^tene);  inf,  strät  = 
strädät  (in  den  tahmischen  mundarten  hat  sich  der  fallende 
ton  dem  stosston  angeglichen),  meklt  =  mekUt;  nom.  s.  astes 
=  ast'ätais,  sept^s  =  septUais,  desrpies  =s  desmitaia;  näkä  nedf 
=  näküäu  nedil'u  (Popen);  hidxf'  =  sücten  (Angermünde); 
nom.  s.  ü^sies  as  ^Uäjs,  nom.  pl.  skatte  —  skatUäji  (Anzen 
u.  a.).  Nicht  unerwähnt  will  ich  noch  die  form  perükne 
(Wiexeln)  lassen,  obwohl  sie  nicht  als  ganz  gesichert  gelten 
darf,  da  die  person,  von  der  ich  dieselbe  hörte,  sprachorgan- 
fehler  zeigte  (doch  sprach  sie  daneben  p'idrabsl);  wirklich  vor- 
kommend, wäre  die  form  eine  volksetymologische  Umgestaltung 


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190  J.  Endzelin 

von    pidr^ikne;    man    vergleiche    dazu    apdureB    (Schrunden) 
„hemdärmeP'  ans  ap  „um*'  und  düre  „faust'^ 

aüia. 

aüia  „narr,  alberner  mensch"  kann  auf  *au8tjä  zurück- 
geführt werden  und  gehört  dann  zu  lit.  ausöoti  oder  auädUi 
„schwatzen**,  preuss.  acc.  atuün  „mund'';  die  ursprüngliche 
bedeutung  dürfte  „Schwätzer'*  gewesen  sein.    [BB.  XXI  304.] 

zuiis. 

zutis  „aap'  fasse  ich  als  zu-tis  auf  und  verbinde  es  mit 
zivs  oder  (dial.)  zuvs,  lit.  zuvls  „fisch**;  die  ursprüngliche  be- 
deutung dürfte  die  eines  deminutivs  „fischlein'*  gewesen  sein. 
Zur  quantität  des  wurzelvokals  vergl.  lit.  zUkmistras  „fisch- 
meister'*,  preuss.  mckis  „fisch'*. 

k^eiris. 

k'eiris  „linkshand**  erinnert  zunächst  an  lit.  kairya  „link- 
hand**,  und  zwar  erklärt  sich  das  k'  im  anlaut  des  lettischen 
Wortes  fiir  zu  erwartendes  c  offenbar  dadurch,  dass  k!eiris  durch 
dissimilation  aus  *kreiri8  (wie  auch  lit.  kairys  aus  ^^krairys) 
entstanden  ist  Denn  beide  formen  gehören  natürlich  zur  wurzel 
krei-,  die  wir  noch  in  lett  kre\98  „link**,  kreüis  „linkhand** 
(kreilis  dürfte  gleich  k'eirio  auf  *kreiri8  zurückgehen;  vgl.  dazu 
skahgals  und  skalgans  „stück  von  einem  pergel**  aus  ^skalgals^ 
und  praüh  „vermodertes  stück  holz*'  aus  *pl^aul8  <  ^pSulas 
zu  püt  „faulen**),  lit.  krelvaa  „schief"  haben  (vgl.  dazu  in  se- 
masiologischer  beziehung  d.  schief  :  gr.  axaiog,  lat.  seaevas, 
Brugmann,  Grdr.  I  >  207).  Eine  der  wurzel  krei-  parallel  lau- 
fende wurzelform  grei-  hätten  wir  in  lett.  greizs,  lit  graüuB 
(Mie^inis)  „schief"  (zum  Wechsel  der  tenuis  und  media  vergl. 
noch  lett  klipis  „schooss"  :  lit  glAya  „armvoll**,  lett.  purna 
„schnauze**  :  lit.  burnh  „mund",  lett.  tesmtns  :  destnens  „euter", 
lett  iuset  „stöhnen"  :  dusit  „keuchen**;  lett  trupindt  „locker 
machen"  :  drupindt  „zerkrümeln"  u.  a.  und  Brugmann,  Ordr. 
I  '  §  701);  in  anbetracht  des  Verhältnisses  von  russ.  krivda 
„unrecht"  zu  russ.  krivoj  „schief'  könnte  man  endlich  slav. 
grkkb  „sünde**  hierherziehen  und  es  auf  ^graisas  zurückführen. 


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Lettische  etymologien.  191 

katn'äH. 
kameH  „Schulter'^  gehört  vielleicht  zu  abd.  hemidi  „hemd^S 
ir.  caimmse  „nomen  vestis"  (man  vergl.  in  semasiologischer  be- 
ziehung  lett.  pUdi  „weibliche  jacke  ohne  irmeV' :pl^  „Schulter"); 
als  nom.  s.  gibt  Ulmann  kamesis  an,  doch  fragt  sich  sehr,  ob 
er  eine  solche  form  aas  dem  volksmund  gehört  hat,  zumal 
dieses  wort  jetzt  wohl  nur  noch  aas  der  bibel  bekannt  ist. 
Jedenfalls  kann  man  sich  als  ursprünglichen  nom.  s.  ^Jcam^is 
denken,  zu  dem  sich  kamesis  verhielte,  wie  kvesis  (nach  dem 
nom.  pl.  kveH  „weizen")  zu  lit.  kv'itys. 

titi. 
IMi  „sehr''  gehört  wohl  als  lehnwort  zu  russ.  Ijutyj  „grau- 
sam'' (vgl.  aksL  IjuU  „gewaltig,  heftig''  und  das  deutsche 
„furchtbar  gross"  u.  a.);  als  wurzelverwandt  stellt  sich  zu  slav. 
Ijutbj  lett.  taüns  „böse",  beides  wohl  participia  zu  dem  verbum, 
das  wir  noch  in  lett.  taut  „lassen 'S  lit  lidutis  „aufhören" 
haben,  vgl.  d.  „ausgelassen*'  (vgl.  Per  Persson  o.  XIX  279). 

J,  Endzelin. 


Ghriech.  yUAog. 

Dies  wort  hat  sich  als  appellativum  in  der  Zusammen- 
setzung veayiXlog  erhalten.  Diese  ist  aus  dem  epos  und  der 
vom  epos  abhängigen  litteratur  bekannt;  aber  auch  dem  pub- 
licum, für  das  Isaios  schrieb,  ist  sie  verständlich  gewesen,  da 
sich  Isaios  nach  dem  Zeugnisse  des  PoUux  ihrer  bedient  hat  i). 
Die  lexikographen  glossieren  veoyiJilSg  mit  vBoyovog  und  ver- 
wandten ausdrücken;  sie  rathen  auf  die  bedeutung  lediglich 
aus  dem  zusammenhange. 

Als  Simplex  ist  yilXog  nur  aus  der  namengebung  bekannt 
Herodot  erwähnt  einen  FiXlog  dvtjQ  TaQavtlvog  (III  138);  eine 
FiXXlg  erscheint  auf  dem  attischen  grabsteine  C!IA  IV  2  no. 
3790  b;  und  ein  ZtonvQog  riXXlofvog  ist  freilasser  auf  der  ka- 
lymnischen  inschrift  Anc.  gr.  inscr.  306  a. 

1)  Poll.  II  8  ro  <f^  vtoyMov  {vtoyiXov  A)  *Iaaiog  fikr  if^xiv  iv  tiS$ 


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192  P.  Bechtel    Griech.  ydX6g. 

Die  beiden  epigraphischen  Zeugnisse  entscheiden  definiÜT 
darüber,  ob  man  bei  schwankender  handschriftlicher  Überliefe- 
rung ysayillog  oder  veoyiXog  zu  bevorzugen  habe.  In  der 
Odyssee  (fi  86)  haben  La  Roche  und  Nauck  gegen  die  auiorität 
des  Yen  A  veoyiX^g  aufgenommen;  Theokr.  XVII  58  ist  Ziegler 
dem  'princeps  omnium  Theocriti  codicum'  gefolgt  und  hat  sich 
für  ß9ig>os  vsoyiXXov  entschieden.  Es  ist  nicht  zweifelhaft,  wer 
hier  mit  grössrem  glück  verfahren  hat. 

Die  bedeutung  von  yüilogy  deren  richtung  durch  Verbin- 
dungen wie  ßQiq>og  veoyiiXov  bestimmt  wird,  lässt  sich  durch 
die  etymologie  noch  genauer  feststellen.  Dass  griech.  IX  aus 
dX  hervorgegangen  sein  kann,  lehrt  lak.  %XXa  (auch  in  x€ra£(JUl)a), 
dessen  identität  mit  lat.  sdla  längst  erkannt  ist.  Steht  aber 
yiUAg  für  yidXog^  so  liegt  die  Zusammenstellung  mit  lit  zindu 
(ich  sauge)  auf  der  band.  yiXldg  ist  also  ein  püpus,  und  wenn 
erwachsne  menschen  FlXXog  und  FtXXig  heissen»  so  liefern  sie 
nur  einen  neuen  beweis  dafür,  dass  benennungen  der  kinder- 
stube  dem  einzelnen  auf  die  Strasse  nachfolgen  können,  selbst 
dann,  wenn  er  nicht  einmal  durch  sein  benehmen  an  den  tag 
legt,  dass  er  den  zulp  niemals  aus  dem  munde  gebracht  hat 

Halle,  25.  januar  1902.  R  Bechtel 


Zu  den  altgrieohischen  Ortsnamen. 

^'Oxi^  ist  die  höchst«  kuppe  von  Süd-Euboea,  war  also 
wahrscheinlich  schiffermarke.  Dann  stellt  sich  der  name  sehr 
klar  zu  txBiy  „hinhalten,  steuern^^  Nach  dem,  was  Thomas 
o.  26.  183  über  das  rätselhafte  dieses  namens  sagt,  darf  ich 
diese  Vermutung  wohl  äussern,  auch  wenn  mir  selbst  nie  ein 
versuch  vergönnt  sein  sollte,  ob  man  ein  schiff  lein  nach  jener 
oyr^  steuern  kann.  —  Zu  erinnern  bleibt,  dass  der  eigenname 
hier  wie  so  oft  zurückgezogenen  accent  zeigt,  denn  als  appellatiy 
müsste  das  wort  o^i/  beissen,  wie  Fick  o.  21.  260  bemerkt 

Königsberg  i.  Pr.  FF.  Prellwitz. 


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Vandeiihoeck  &  Ruiireehl 


In    *  »"  . LI 1 1 ^"jj, 


8c><4li4it  «laii  t*r*cbiftiK+ü i 


il,  l  fli 


Blüss,  Fr„  Griiatii  ies  litBstaoieiitllclieii  GriecU. 

r  ^  ttüc  2kh  mm  3oriic  21(l)iü*J, 

aus  bn  3üa^  mi^$\*fd]icöi:n  iinö  mctnfA  übet  Km 

Sein  in  üctnwflii^  laxu  l\  Wt 

:£i^i)rt4):    'Hilf  lim  luata  tit»  btit  f^ca  Tl 

.Jitf  Imt  011^  K*n  ^riimmvrtt,    in  Me  Mc  Jlrttit  Mq  ?[Iti   :iTiA[tt.ini     An  ticucis 
f(i^atf  pointiert,  hU  IkTfc  fiab  f(ie|nit  unti  pwn  33or(f(t-(i  1  :^t.' 

tOOO  und  niül  iiiid  erschleüen ; 

FraMscIe  AilBilMi  w  Mermo  ier  SM  aer  SimliBli 

von  iJr,  C  Veiten,  Ldm*r  des  Suaheli  «ni  Setniunr  für  on*^nt. 
Sprachen  zu  Berlin*  Geh,  5  ]\rk,,  goh.  Mk  bMl 

Grammatik  des  Kinyannu-si.  f„Lt"f",^lI-?S; 

Afrikäu  speciell  iles  Dialekts  von  ünyjinrenib(%  nebst  eineTii  Woil- 
verzeichniiä  kinyaoiüesi-Jeutsrh  luul  di!tit>srh*kiiiyamües!. 
Von  Dr.  €.  Veiten,  Lehrer  des  Suyheli  am  Seminar  £  oriental. 
Sprachen  in  Berlin.  Geh*  Mk,  10*50, 

Safari  za  Wasnaheli  'So.'."Gä.'9'S;. ,,b. .«,. 9.60. 
SoMdermisen  der  Suaheli  Z^SS^^Z':! 

Au8  dem  Muude   von  Sualieli-Negeni   gesammelt   und  übersetzt 

von  Dr.  i\  Vidtivii,    Mit  Einbandzeiehnimg  de*  Kolonialmalers 

Heilgrevc.  Geb.  ML  5. 

.J)a&  Erscliemi'n  diußüe  Bui^Ues  bat  uns  tin -gemein  freudig  lierülirt  .  .  ,  , 
Weiteres  inii-^'ni  wir  uöb  vprsugen,  wir  scLl  <  der  Erklartinj^t  da^s  dits 

Bu€li   mehr   t^iitliätt  ab  dor  t^iiifafrlie  Tit*?l  t  und  da.-it*  ^tin  StudiuJi* 

j^d^m  Fpcnindi*   ims-vrer  WiBnensdiaft    Flf.^Ichiun^    uim!    loii^tion  Gpuues   l>ringen 
viM/*  I Intern*  Arohiv  f.  Ett^ttograpliie  VM)2,  S.  4  u.  Bj 

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I 


Verlag  von  Hermann  Coslenable.  Bariin  W.  57,  Kurfiirsienstr.  tl. 

DIE  HEIMAT  DER  INDOGERMMNEN 

IM  LICHTE  DER  URGESCHICHTÜCHEN  FORSCHUNG 

VON 

n\  MATTHAEUS  MUCH. 


Ei«  Banrl    Gr.  8«.    7  Mit, 

Dio  JleiHiLit  der  liidugerroaiiüii  ist  zu  eioer  im  I' 
dei  Pniiiistiirie,  lier  Geschiclite^  der  Ethnographie  mid  ;  .«^^ 
kuiide,  d^r  Sprach-  und  Ritsseiilbi^chiing  mid  seihst  der  Politik 
eirigelieud  ertkterto  wissenseliatUiche  Tagesfrajje  gewonlcn  und 
wir  »JTid  »iclier»  ihm  dü^  vorliegende  Bneh  dm  bekuDuteii  iVä- 
liistorikers  lebhaflcK  iDteitJsse  erregen  ütid  lebhafte  Nadumgi* 
hervorrufen  wird. 


R.  Gaertners  Verlag.  H.  Heyfelder,  Berlin  SW, 


Das  Ich 


als  Grundlage  unserer  Weltanschauung. 

Von 

Gustav  Gerber. 

^T>h  DürHtdtun^c  -  .     ■  verdient  dfe  Aafmerkiamkeit  dir  pt?fla«i>|)lifQ^ 
rtnden  Gegenwart  In  tioheiti  Masse,  und  uhnv;  Fi^i^i*  wini  <h'  i/u 

In   (^  nschaftNchen  Autfassung   der  Wirkliohkeit  zu  gewfr 

th . ♦  1 !  I  S f  i  n  0  i  ri  1 1 1 Ti  1 1 1 1 1  - "  (  O öd.  öelfh  rti ' 


QlBSprafihsuDdiluErkiiiiniL'  Di>  SpracliB  alt  Kunst. 

Gustav  Garber.  ]  " 

ifT,  H\    8  Ml  !  Gusuv  6erb€r. 

„Km     hoehiM  j    ^^fj^    2  B  Ml. 


s?ii  I       „Ein  Werk  von  tiißti 
^Werta  von  iortenem  Werte  und  groeaer  Origlnalltit**    (Hrme c^ 


lr»t.H>i*i.4»«*V*r*t   «n«  IL»  A.  II ulk.  Mf4tlt««i^ 


Beiträge 


zur  künde  der 


indogermanisehen  sprachen 


herauig^gtbeti 


lir.  Ad.  BesEEanbergeF  «nd  Dr.  W<  Prellwlte. 


Siebenundzwanzigster  band, 
Brittea  und  Tiertes  hesh. 


GdtfiDgeD 

Vandenhoeek  und  Rnpceehi 
190a. 


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Good|^^ 


Inhalt 

Etymologien.  "  Von   Wiedemunn *.  193 

Yedisch  «<Uf«.    Von  W.  Neisser .  262 

Phrygisohes.    Von  Alf  Torp 280 

Rhodisohe  Beitrage.    Von  iS,  Nachmaiuon .291 

€ontribntion8  to  Old  Italic  Etymology.    Von  Zouü  JET.   Ortw      .    .  297 

Zar  decUnation  der  lettischen  bestimmten  adjectiva.  Von  J,  jEntbeUn  310 

Lettische  comparativbildangen.     Von  J.  Endzelin 815 

Zu  den  lettischen  Zahlwörtern.    Von  J,  BndxMn 819 

Lettische  etymoldjgien.    Von  «/.  Endzelin 329 

Zur  i-epenthese  im  Latein.    Von  A.  Zimmermann      .......  831 

Homerisch  x€xa(pti6ta.     Von   W.  PrellwiU 8S2 

Ferdinand  Sommer,  Handbach  der  lateinischen  laut-  und  formen- 

lehre.    Angeieigt  von   W.  FrelknU 883 

Register.    Von  W.  PriOwitz 884 

-■■■■■       ■       ■  ■      -  ■  ■     ■  ■ 

Alle  für  die  redaction  dieser  Zeitschrift  bestimmten  seudangen  wolle 
man  richten  an  Professor  Dr.  Adalbert  Betuunherger^  KOmg$berg  i.  Pr.^ 
Stmndatnm.  WaUgtr.Nr.lu.2,  oder  an  Gymnasial-Oberlehrer  Dr.  WaUker 
Pr$üwftz,  Königsberg  i.  Fr„  MiUelhufen  LudienaUee  $, 


Soeben  erscheint: 

FE  PAS. 

Hbbandlangen  fur  JndogermanisAen  SpracbgesdHdite 

HudUSt  f  idt 

jom  5ieben)t05teit  öebartstage  gewidmet 

von  f  reanden  and  $d>alern. 

Inhalt  der  Festschrift: 

Seite. 
Friedrich  Blase,   IlaefisvidTfs  oder  Üagfisveldijs     *    .    •    .  1 — 16 
Pritz  Bechtel,   Ein  Einwand  gegen  den  äolischen  Homer  17 — 32 
Otto  Ho  ff  mann.   Das   Präteritum   der    sogenannten  redu- 
plizierenden Verba   im  Nordischen   und  West- 
germanischen    38 — 62 

Walther  Prellwitz,   Zur  lateinischen  Wortbildung.    Con- 

sidero,  desidero  und  andere  Präfix-Denominativa  63 — 76 
€arl  Hentze,   Die  Entwicklung   der  «/-Sätze  mit  dem  In- 
dikativ eines  Präteritum    in  den  homerischen 

Epen 77—107 

Eranz  Skutsch,   lambenkürzung  und  Synizese  .....  108—151 
A.  Bezzenberger,    Ober   das  lange   i    einiger  Ableitongs- 

Elemente 153—214 

Walter  Neisser,   Altindisch  bhavati  /  syät    ......  215 — 227 

Konrad  Zacher,  Zur  griechischen  Wortforschung.    MvataS, 

fmaxa^  und  vjt^v?; 229 — ^248 

Georg  Mekler,   Gotisches  hunsl 249—264 

I.  Wortregister 265—268 

II.  Sachregister 269—271 

ni.  Stellenregister 271—272 

Preis  10  Mark. 

MT  Den  Abnehmern  der  „Beiträge  zur  Kunde  der  iiidog. 
Sprachen'*  wird  diese  Festschrift,  falls  bis  zum  1.  Oktober  bestellt,  tarn 

Vorzugspreis  von  8  Mark 
geliefert.    Die  den  Bezug  yermittelnden  Buchhändler  mtasen  in  diesem 
Falle  ihrer  Bestellung  die  eigenhändige  Untersohrlft  des  Bestellmfe 
hinzufügen. 


Wiedemaim    Etymologien.  193 


Etymologien« 


1.    6ot.  dthginnan,  abulg.  -6^%,  hont,  schwed.  börja^  lett.  Si 

alb.  z^. 

Wiederholt  hat  J.  Grimm  (myth.  >  525, 1218,  zfda.  Vm  14ff., 
dtsch.  wb.  I,  1296)  got.  du-ginnan,  ags.  ä-,  be-,  on-,  under- 
ginnan,  afries.  bi^enna,  as.  bi-ginnan,  mnl.  beHjhinnm,  ahd.  bi-, 
in-ginnan  anfangen,  beginnen  mit  aisl.  gina,  ags.  tö^glnan 
klaffen,  gähnen,  ahd.  ginin  gähnen  zusammengestellt,  indem  er 
als  gmndbedeutung  beider  Sippen  „schneiden",  „spalten"  an- 
nahm und  dies  durch  hinweis  auf  ähnliche  bedeutungsentwick* 
lungen  innerhalb  andrer  idg.  sprachen  zu  stützen  suchte.  Mit 
recht  hat  Pauli  (KZ.  XIV,  97  ff.)  dagegen  eingewandt,  dass  die 
bedeutung  „spalten"  bei  ahd.  inrginnan  nur  vereinzelt  auftritt 
und  erst  bei  mhd.  mannen  völlig  zur  geltung  kommt.  Femer 
spricht  gegen  J.  Grimmas  Vermutung  der  umstand,  dass  das 
got  und  ags.  verbum  nur  »anfangen'  bedeutet,  (Bugge  PBB. 
XII,  405).  Trotzdem  halten  Franck  (Etym.  woord.  d.  nederl. 
taal  69)  und  Prellwitz  (Etym.  wb.  d.  griech.  spr.  264  s.  v. 
7t(^(paTog)  die  herleitung  der  bedeutung  „anfangen"  aus  der 
bedeutung  „öffnen",  „spalten",  „schneiden"  noch  für  möglich 
und  stimmen  J.  Grimm  bei  und  auch  Tamm  (Etym.  svensk. 
ordb.  29  f.))  der  einer  weiter  unten  zu  erwähnenden  etymologie 
beipflichtet,  lässt  es  unentschieden,  ob  „greifen",  „heben"  oder 
„schneiden"  die  ursprüngliche  bedeutung  des  nur  in  Zusammen- 
setzungen mit  präfixen  vorkommenden  verbs  ist.  Pauli  nimmt 
als  ursprüngliche  bedeutung  von  -^nnan  „den  mund  auftun" 
an  und  das  ist  das  einzig  richtige,  wenn,  was  auch  Pauli  an- 
nimmt, -ginnan  zu  aisL  gina  usw.  gehört;  denn  in  abulg.  zij<xti, 
lit.  ziöti,  lat.  hiäre,  aisl.  gina,  ahd.  giwSn,  gewön,  mhd.  giweny 
gewen  liegt  diese  bedeutung  ja  noch  unverändert  vor.  Indessen 
ist  die  von  Pauli  angenommene  bedeutungsentwicklung  „den 
mund  (zum  sprechen)  auftun"  —  „zu  sprechen  anheben"  — 
„anfangen"  doch  nicht  recht  glaublich  und  J.  Grimm's  etymo- 
logie muss  daher  ganz  aufgegeben  werden,  wenngleich  sie  ausser 
Franck  noch  viele  anhänger  gefunden  hat  (Pott  Etym.  forsch. 
I  1,  142,    II  «,  2   8.  85 ff.;   Diefenbach  Vgl.  wb.  d.  got.  spr. 

BAitrtg«  s.  künde  d.  indg.  ■pnoken.    XX VH.  13 


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194  Wiedemann 

n,  405;  Weigand  Dtsch.  wb.  I  *,  172  f.;  Schade  Adtsch.  wb. 
>326f.;  Benecke-Müller-Zarncke  Mhd.  wb.  I,  528;  Lexer 
Mhd.  handwb.  I,  1018;  Leo  Meyer  Oot.  spr.  lö,  wo  -ginnan 
zwar  nicht  mit  aisl.  ginüy  ahd.  ginSn,  wol  aber  mit  dem  auch 
schon  von  Pott  aao.  herangezogenen  lat.  in-choäre  und  zwei- 
felnd auch  mit  gr.  xalvatv  zusammengestellt  wird;  Heyne  Dtsch. 
wb.  I,  317).  Aber  auch  ahd.  in-ginnan  spalten,  schneiden,  das 
etymologisch  von  got.  du-^nnan,  ahd.  bi-ginnan  und  deren  ent- 
sprechungen  in  den  übrigen  germ.  sprachen  getrennt  werden 
mussy  gehört  nicht  zu  aisl.  glna,  ahd.  gin^  und  deren  sippe» 
denn  letztere  hat,  wie  wir  jetzt  wissen,  idg.  gh  als  anlaut  (abulg. 
zijati,  lit.  ziAti)^  während  in  ahd.  in-ginnan,  idg.  gith  vorUegt 
(ai.  3.  pl.  präs.  ghnänti  sie  schlagen,  gr.  ^ctVcii  schlage,  treffe, 
g>6yog  mord  usw.). 

Eine  andre  etymologie  des  got.  du-gtnnan  hat  A.  Kuhn 
(KZ.  Q,  463)  aufgestellt:  -ginna  entspricht  darnach  dem  aL  M- 
"nv-a-mi,  der  nebenform  zu  ai.  hi-nö^  setzt  in  bewegung,  treibt 
an,  veranlasst,  fördert,  schleudert  Von  Seiten  der  laute  ist 
gegen  diese  etymologie  nichts  einzuwenden:  idg.  -m?-  wird  zu 
germ.  -nn-  (A.  Kuhn  aao.  460  ff.;  Leo  Meyer  KZ.  IV,  408  ff.) 
und  der  ablaut  in  -gann,  '^unnumj  -gunnans  ist  von  Joh. 
Schmidt  (Vok.  I,  62  ff.)  befriedigend  erklärt  worden.  Daher 
hat  diese  etymologie,  der  auch  von  Seiten  der  bedeutungsent- 
wicklung  nichts  entgegensteht,  nicht  nur  bei  Leo  Meyer  (aao. 
408)  und  Joh.  Schmidt  (aao.  66),  sondern  auch  in  neuerer  zeit 
vielfach  Zustimmung  gefunden  (Osthoff  MU.  IV,  40,  402;  Brug- 
mann  Grdr.  I  «,  335,  II,  1007,  1015,  1017,  1259;  Pederaen 
IF.  n,  316;  Streitberg  Ürgerm.  gramm.  296,  Hirt  o.  XXIV,  245; 
Delbrück  Vergl.  synt.  II,  45,  wenn  auch  mit  beigefügtem  „viel- 
leicht*^). Im  letzten  grund  ist  diese  etymologie  identisch  mit 
der  von  Graff  (Ahd.  sprachsch.  IV,  208)  neben  derjenigen 
J.  Grimm's  für  möglich  gehaltenen  etymologie,  der  zufolge  in 
'■ginnan  eine  „sekundäre  wurzel  von  ga^%  d.  h.  der  nach  Graff 
in  ahd.  y^n  gehn  steckenden  wurzel,  vorliegt;  denn  ahd.  gen 
geht  auf  eine  idg.  w.  §hei  zurück  (verf.,  lit.  prät.  142)  und  ai. 
hinöti,  hinvati  ist  seiner  bedeutung  nach  nichts  anderes  als  das 
kausativum  zu  ahd.  gen.  Zur  stütze  dieser  etymologie  Uessen 
sich  lat  in-i-^fum,  ahd.  ane-genge  anfang  anfuhren;  aber  gegen 
sie  spricht,  dass  die  zu  lat  inäium  und  ahd.  anegmge  gehören- 
den verba,  lat.  in-ire^  bez.  ahd.  ane-gen  zwar  „seinen  anfang 


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fitymologien.  195 

nehmen*^  bedeuten  können,  aber  nicht  „einen  anfang  machen'S 
was  ginnan  neben  „seinen  anfang  nehmen*'  bedeutet.  Daher 
mu88  auch  diese  etymologie  abgelehnt  werden. 

Fick  (Vgl.  wb.  I  *,  415)  verbindet  -ginnan  mit  gr.  Trpoor- 
9)aTog  „frisch'^  und  ihm  schliesst  sich  Prellwitz  aao.  an,  der 
weiter  gr.  ^aivfo  töte  und  gr.  qxSvog  mord  heranzieht  und 
für  fCQoaqnxTog  die  bedeutungsentwicklung  „frisch  geschlachtet", 
getötet,  frisch  annimmt.  Dabei  bleibt  aber  die  bedeutung  von 
nQoSf  das  doch,  wie  ja  auch  Prellwitz  annimmt,  offenbar 
in  TVQoaqxnog  steckt,  unberücksichtigt.  Ich  möchte  daher  im 
zweiten  teil  von  nqooqxnog  die  von  Prellwitz  (o.  XXII,  76  ff.) 
behandelte  idg.  w.  bhe  scheinen,  glänzen,  suchen  und  TtqoO' 
qxxvog  als  „entgegenglänzend''  auffassen;  dass  sich  hieraus  die 
bedeutung  „frisch"  entwickeln  konnte,  leuchtet  wohl  ohne 
weiteres  ein.  Zweifelnd  zieht  Fick  noch  lit  gifiti,  abulg.  ghnati 
treiben,  do-gbnati  erreichen  heran,  die  er  auch  schon  früher 
(II  8,  335,  III  ',  98),  und  zwar  zuversichtlicher,  verglichen 
hatte.  Indessen  ist  auch  diese  etymologie  nicht  befriedigend, 
denn  ich  weiss  die  bedeutung  „anfangen"  weder  aus  „treiben", 
noch  aus  „schlachten"  abzuleiten. 

Eine  wesentlich  andre  und  hinsichtlich  der  bedeutung  auf 
den  ersten  blick  sehr  bestechende  etymologie  hat  Bugge  (aao. 
405  f.)  vorgeschlagen.  Indem  er  im  anschluss  an  Kluge  (KZ. 
XXVI,  82  ff.)  das  Verner'sche  gesetz  auf  die  anlautende  idg. 
tenuis  des  zweiten  gliedes  von  Zusammensetzungen  ausdehnt,  ver- 
bindet er  das  nur  in  der  Zusammensetzung  vorkommende  -ginnan 
mit  dem  ebenfalls  nur  in  Zusammensetzungen  vorkommenden 
abulg.  'ö^H  (präs.  -dbnq)  :  e?*-,  na-,  po-ö^ti  anfangen  und  mit 
dem  nomen  abulg.  kont  anfang.  Diese  etymologie  hat  nicht 
nur  bei  Kluge  (Etym.  wb.  *  36),  sondern  auch  bei  Tamm  aao., 
Vercoullie  (bekn.  etym.  woord.  d.  nederl.  taal  *  22),  Osthoff 
(Verhdlgn.  d.  41.  philologenvers.  in  München  1891,  s.  301), 
Möller  (Zfda.  XXXVI,  330  anm.),  Zubat^  (Arch.  f.  slav.  phil. 
XVI,  386  f.),  Uhlenbeck  (Kurzgef.  etym.  wb.  d.  got.  spr.  »  38), 
Kluge-Lutz  (Engl.  etym.  15  f.)  und  nicht  so  zuversichtlich  bei 
Noreen  (Urgerm.  lautl.  132)  Zustimmung  gefunden.  Gegen  sie 
spricht  aber  der  umstand,  dass,  wie  Streitberg  (Urgerm.  gramra. 
126)  richtig  bemerkt,  die  verbalkomposita  jünger  sind  als  die 
uominalkomposita,  was  sich  aus  der  betonung  (z.  b.  duginnan 
nicht  *düginnan)   ergibt.     Ferner   wendet  E.  Zupitza   (Oerm. 


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196  Wiedemann 

gatt  116)  gegen  Bugge  noch  ein,  dass  abulg.  öMq,  kofif»  ver- 
mutlich  mit  ir.  cenn,  cymr.  penn  spitze,  ende,  köpf  verwandt 
seien,  also  idg.  ki^  haben.  Da  aber  Bugge's  etymologie  trotz- 
dem viele  anhänger  gefanden  hat,  scheint  es  mir  nicht  über- 
flüssig, sie  ausführlicher  zu  bekämpfen. 

Bugge  hat  sich  zu  seiner  etymologie  augenscheinlich  da- 
durch verleiten  lassen,  dass  sowol  got.  -ginnan  als  auch  abulg. 
-J^{  die  gleiche  bedeutung,  nämlich  „anfangen*  S  haben  und 
abulg.  kofih  anfang  scheinbar  vortrefflich  dazu  stimmt.  Daher 
werden  denn  auch  allgemein  abulg.  -d^t  und  abulg.  konh  in 
etymologischen  Zusammenhang  gebracht  (so  z.  b.  von  Miklosich 
Etym.  wb.  114  f.,  Fick  I  *,  382  f.,  wo  ein  europ.  *qeno  anfangen 
angesetzt  wird).  Sehen  wir  aber  genauer  zu,  so  ergibt  sich, 
dass  alles,  was  Fick  aao.  unter  *qeno  vereinigt,  zu  fünf  von 
einander  geschiedenen  sippen  gehört 

1.  Idg.  w.  ken  fassen.  In  der  Zusammensetzung  mit  vh, 
na,  po  hat  abulg.  -d^i  allerdings  die  bedeutung  „anfangen"; 
dass  diese  aber  erst  aus  einer  andern  hervorgegangen  ist,  zeigt 
klar  die  Zusammensetzung  mit  za,  die  einzige,  die  ausser  denen 
mit  vh,  na,  po  noch  vorkommt:  za-ö^i  bedeutet  aber  „empfan- 
gen" (vom  weih).  Diese  bedeutung  ist  aus  einer  allgemeineren 
,yaufnehmen'S  „in  sich  fassen"  verengert,  wie  das  zugehörige 
primäre  nomen  zeigt:  abulg.  za-kom  gesetz,  in  anderen  slavinen 
auch  „brauch'S  „sitte",  „ehe";  wir  haben  hier  also  dieselbe 
bedeutungsentwicklug  wie  bei  gr.  vo/dog  gesetz:  got.  niman 
nehmen.  Hieraus  ergibt  sich,  dass  das  simplex  abulg.  -6^  nur 
„nehmen'',  „fassen",  „fangen"  bedeutet  haben  kann,  und  dafür 
lässt  sich  geltend  machen,  dass  das  bedeutungsverhältnis  von 
abulg.  *d^t  :  Vb-,  na^,  po-ö^i  :  za-ö^i  genau  demjenigen  von 
lat.  capere  :  in-cipere  :  con-cipere  oder  demjenigen  von  nhd. 
fangen  :  an-fangen  :  emp- fangen  entspricht.  Ausserhalb  des 
slavischen  lässt  sich  diese  (unerweiterte)  idg.  w.  ken  nicht 
sicher  ^)  nachweisen.      Zwar  hat  Zubaty  aao.   versucht,  lett. 

1)  Für  sehr  wahrscheinlich  halte  ich  die  zagehörigkeit  einiger  kel- 
tischer Wörter  zu  dieser  idg.  w.  ken  fassen.  Wenn  wir  das  bedeatongs- 
verhältnis  von  gr.  t/xtoi  gebäre,  Hxvov  kind  :  aisL  piggja  nehmen, 
empfangen,  aisl.  pegn  knabe  (zu  der  weitverzweigten  idg.  w.  tek  fest 
sein,  fest  nehmen)  erwägen,  so  lassen  sich  zu  abulg.  -o^'  nehmen,  fassen, 
fangen  ziehen  :  ir.  cinmt  entspringe,  eetOi,  acymr.  eenetl  gesohleoht,  die 
femer  in  etymologischem  Zusammenhang   mit  gr.  'scaa^  gesohlecht  in 


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Etymologien.  197 

cfsfe-s,  cU9'8  streben,  trachten,  ringen,  lett.  cjntte^  kämpfen, 
ringen,  sich  bemühen,  lett.  censVi-s  sich  anstrengen,  sich  be- 
streben, sich  sehnen,  ai.  cdnas  gefallen,  befriedigung,  ai.  cd' 
niffha-B  sehr  gnädig,  sehr  genehm,  av.  cinö  liebe,  hnld  mit 
abolg.  -dfh' etymologisch  zusammenzubringen;  doch  gehören  alle 
diese  Wörter  zu  einer  idg.  w.  km  sich  strecken,  aus  welcher 
bedeutung  einerseits  die  bed.  „sich  verlangend  nach  etwas 
strecken",  „verlangen",  „lieben"  (lett.  rf/^»,  ai.  cdni^fha-s,  av. 
cinö)y  andrerseits  die  bed.  „sich  anstrengen",  „ringen"  (lett. 
cUi-8,  cinite^,  censte-s)  hervorgegangen  ist;  vgl.  dieselbe  be- 
deutungsentwicklung  bei  der  idg.  w.  ven  :  ai.  vanM  wünscht, 
liebt,  erlangt,  gewinnt,  siegt  und  got.  winnan  leiden,  aisl.  vinna 
arbeiten,  erwerben,  gewinnen,  besiegen,  aushalten,  leiden.  Zu 
dieser  idg.  w.  ken  sich  strecken  stelle  ich  femer  gr.  xavciv 
gerader  stab,  richtschnur,  wagebalken,  messmte,  lat  cönar 
(strecke  mich  womach  — )  erstrebe,  versuche  (ganz  anders  über 
cönor  Stowasser  Lat.-dtsch.  schulwörterb.  226  und  Schwyzer, 
KZ.  XXXVII,  147  f.)  und,  mit  wurzelerweitemdem  i,  ir.  cisaim 
leide  nebst  sippe  (Fick  II  ^,  77  f.),  lit.  keniiti  aushalten,  leiden 
und  dessen  sippe,  zu  der  jedoch  das  von  Leskien  (abl.  331) 
dazu  gestellte  lit  kanezä  schmerz,  quäl  nicht  gehört  (s.  u.), 
wol  aber  die  oben  erwähnten  lettischen  Wörter,  deren  t  also 
nicht,  wie  Zubaty  annimmt,  infolge  etymologischer  undeutlich- 
keit  von  formen  wie  präs.  fut.  censzu,  inf.  censt  für  8  einge- 
treten, sondern   vielmehr  etymologisch  berechtigt  ist  ^).  —  Mit 

uvto-icaai-yiniwoq  dem  eignen  geeohlecht  entstammend  stehn.  Letzteres, 
oder  vielmehr  xaaC-yvrjros,  ist  schon  von  0.  Sohrader  (Spmohvergl.  n. 
urgesch.  *  687  f.  anm.)  mit  abnlg.  -^t  zusammengestellt  worden ;  aber 
anch  ir.  ai-^^  der  erste  zieht  Sohrader  heran  und  fibersetzt  x€Ufiyrfßos 
mit  „erstgebomer".  Zwar  hat  Wackemagel  (KZ.  XXXTTI,  18  ff.)  avro- 
nuatyinßog  als  umgestaltet  aus  ^av^rixaal-yvfiTog  zu  erkl&ren  versnobt 
nnd  bei  Bmgmann  (Ber.  d.  säohs.  ges.  d.  wiss.,  phiL-hist.  kL  1896,  s.  47, 
anm.  2)  Zustimmung  gefunden ;  aber  die  Zusammensetzungen  mit  fiovaa, 
das  ja  in  seiner  stammbildung  mit  -ttxaay-  übereinstimmt,  zeigen  fiovao^ 
so  dass  man  *  avTixaaoyvfjTot  erwartet.  Dass  in  avvoxaaiyvf[rot  ein  wort 
ffir  „mutter**  steokt,  soheint  mir  aus  stellen  wie  ^  267  ss  M  871 ,  r 
237  f.  nicht  notwendig  zu  folgen;  im  gegenteil  seheint  mir  in  Ünat^, 
bez.  TM  fAoi  (lUt  yiivoTo  /uijti}^  nur  eine  genauere  bestimmung  des  aUge- 
meineren  avroxaaiyvfitos  vorzuliegen. 

1)  Zu  lit.  kMUti  hat  Fiok  (o.  Vni,  831,  XVI,  281,  vgl.  wb.  I  \  888) 
gr.  T9v^tvg^  6  lltv^ihg  na^a  ^Bxtnatm  Phot,  niv^o^  leid,  trauer,  ndax» 


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198  Wiedemann 

wurzelerweiterndem  idg.  t  gehört  hierher  got.  -hinpan  fangen, 
zu  dem  schon  J.  Grimm  (Gramm,  ü,  35,  nr.  395)  mit  recht 
got.  handus  hand  und  got.  handugs  weise  gestellt  hat,  wenn  er 
auch  mit  einem  fragezeichen  andeutet,  dass  er  diese  Zusammen- 
gehörigkeit nicht  für  sicher  hält.  Dass  handus  zu  hinßan  ge- 
hört, wird  wol  ziemlich  allgemein  für  sicher  gehalten.  Wider- 
sprochen hat  £.  Zupitza  (Gutt.  183),  der  handus  unabhängig 
von  Thurneysen  (KZ.  XXVI,  310  anm.  1)  in  etymologischen 
Zusammenhang  mit  dem  zahl  wort  für  10  bringt  und  bei  Kluge 
^  161  und  0.  Schrader  (Reallex.  968)  Zustimmung  findet  Da 
es  kein  idg.  wort  für  „hand^'  gibt,  liegt  nichts  näher  als  die 
annähme,  dass  die  einzelnen  idg.  Völker  die  hand  nach  irgend 
einer  ihrer  tätigkeiten  benannten,  woraus  es  sich  erklärt,  dass 
wir  bei  Wörtern  für  „band*'  mehrfach  ein  primäres  verbum  da- 
neben haben,  so  lit.  rankä,  abulg.  rqka  hand:  lit  rifikii  sam- 
meln, handus  :  -hinpan.  Für  handugs  dürfen  wir  unbedenk- 
lich dieselbe  bedeutungsentwicklung  annehmen  wie  sie  bei  lat. 
capax  vorliegt;  auch  an  nhd.  behende  sei  erinnert.  Anders 
urteilen  über  handugs  Osthoff  (P6B.  XIII,  418  ff.)  und  Stokes 
(Fick  II  *,  90),  dem  sich  E.  Zupitza  (aao.  206)  anschliesst 
Mit  ahd.  hantag  acer  hat  handugs  nichts  zu  schaffen,  obgleich 
noch  ganz  neuerdings  Uhlenbeck  (Kurzgef.  etym.  wb.  d.  got. 
spr.  '  73)  das  für  möglich  hält. 

2.  Idg.  w.  kaen  spitz  sein.  Hier  ist  zunächst  abulg.  konh 
nur  in  iskoni  ab  initio  zu  nennen.  Dass  die  bedeutung  „anfangt 
erst  aus  der  bedeutung  „spitze'^  hervorgegangen  ist,  zeigen 
teils  die  anderen  slavischen  sprachen,  teils  das  Altbulgarische 
selbst :  abulg.  kontcb  ende,  slov.  konica  spitze,  klruss.  hin  ecke, 
russ.  konath  bis  aufs  äusserste  treiben  (weitere  verwandte  bei 
Miklosich  Etym.  wb.  114 f.);  femer  ziehe  ich  aus  dem  Slavi- 
schen noch  hierher  abulg.  kanüi  treiben,  ermuntern  (eig.  „an- 


leide gestellt  und  darin,  soweit  ich  sehe,  fast  allgemeine  znstimmang 
gefanden ;  nur  Bezzenberger  (bei  Fiok  II  ^,  78)  und  Solmsen  (KZ.  XXXIV, 
644)  haben  sich  meines  wissens  dagegen  ausgesprochen  und  vielleicht 
lassen  auch  die  von  Gast.  Meyer  (Gr.  gramm.  ^  262)  gewählten  worte 
„man  hat  .  .  .  verbanden"  auf  zweifei  sohliessen.  Durch  das  Keltische 
wird  meiner  meinung  nach  Fick's  etymologie  endgiltig  umgestossen  und 
man  hat  bei  der  alten  Zusammenstellung  von  mv^-  mit  lat.  -fwfhdo  zu 
bleiben  (Grassmann  KZ.  XII,  120,  Joh.  Schmidt  Vok.  I,  92  ff. ;  was  Grass- 
mann  und  Joh.  Schmidt  sonst  noch  dazustellen,  gehört  nicht  hierher). 


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Etymologien.  199 

stacheb'*)  und  seine  sippe  (Miklosich  aao.  HO),  zu  der  aber  die 
Wörter  mit  der  bed.  „betrügen**  schwerlich  gehören.  Ausser- 
halb des  Slavischen  gehören  hierher:  ir.  cenn,  cjmr.penn  spitze, 
ende,  köpf  und  wol  auch  lat.  cuneus  keil;  mit  wurzelerweitern- 
dem idg.  t  gehört  hierher  auch  lit.  Jeanczä  quäl,  schmerz. 

3.  Idg.  w.  ^ent  spitz  sein.  Diese  wurzel  steckt  in  gr. 
Tuvrew  steche,  lUvtQov  (aus  *%ev%f{UQov;  Fick  KZ.  XXII,  99) 
Stachel,  %ov%6g  stange  (daraus  wol  lat  contus  Stange,  wurfspiess 
entlehnt),  ir.  cinteir  gl.  calcar,  cymr.  cethr  spitze,  nagel,  ir. 
c9tne  der  erste,  gall.  (Hntus,  ahd.  hantag  spitz,  scharf,  got.  hin- 
dumists  äusserster,  bürg,  hendinos  könig,  lett.  sits  («-  lit.  ^szin- 
tos)  jagdspiess.  Vielleicht  ist  das  t  wurzelerweitemd  (Saussure, 
Mem.  76,  Persson,  Wurzelerw.  42);  dann  Hesse  sich  noch  ai. 
gi'^d-s,  gi-gn-d^m  männliches  glied  heranziehen  und,  mit  wurzel* 
erweitemdem  labial,  alb.  &ump,  best.  &umbi  Stachel,  nhd. 
humpe,  humpen. 

4.  Idg.  w.  ken  glänzen.  Hierher  gehören  gr.  xaivdg  neu, 
ai.  kand,  kanyd  mädchen  (zum  bedeutungsverhältnis  vgl.  gr.  viog 
neu  :  veavUcg  Jüngling),  kdmyän  junger,  kleiner,  kamna-s  jung, 
kantnakchs  knabe,  jüngling,  augenstem,  kaninakd  mädchen, 
Jungfrau,  kan^naka,  kaninika  augenstern. 

5.  Idg.  w.  rek  fest,  straff  sein.  Diese  wurzel  ist  für  lat. 
recens  frisch,  kräftig,  rüstig,  jung,  neu  anzusetzen.  Steckte  in 
recens  eine  idg.  w.  ken,  so  bliebe  es  unverständlich,  was  für 
einen  sinn  die  Zusammensetzung  mit  re-  haben  soll.  Ich  sehe 
daher  in  recens  das  part.  präs.  act.  von  einem  verbum  *rec&^e 
—  lett.  recit,  sa-rec^t  gerinnen  (von  der  milch);  dazu  gehören 
weiter  lett  rikt,  sa-rikt  gerinnen,  m-rika  gallerte,  lit  rMnti 
schliessen,  räktas  Schlüssel,  ai.  racdyati  ordnet,  verfertigt,  bildet, 
bereitet,  macht  zurecht,  racana-m  Ordnung,  anordnung  =  got 
ragin  beschluss,  abulg.  raöiti  wollen;  auch  abulg.  rekq  sage 
kann  mit  E.  Zupitza  (Gutt.  136)  hierher  gezogen  werden,  wo- 
bei noch  an  gr.  Hyta  reihe  die  worte  aneinander,  sage  zu  er- 
innern wäre,  das  dieselbe  bedeutungsentwicklung  durchgemacht 
hat.  Anders  über  lat.  recens  Darmesteter  (MSL.  IV,  225  f.)  und 
Emault  (ebda.  V,  48). 

Kehren  wir  nach  dieser  notwendigen  abschweifung  zu  got 
du-ginnan  zurück,  so  dürfte  es  nicht  überflüssig  sein,  zunächst 
noch  einige  andre  verba  mit  der  bedeutung  „anfangen**  zu  be- 
sprechen«   Wie  bereits  erwähnt  ist,  haben  wir  bei  lat.  in-cipio, 


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200  Wiedemann 

nhd.  an-fangen,  abulg.  vh-,  na-,  po-d^i  die  bedeutangsentwick- 
lung  „nehmen*\  ,,fa8sen*^  „üangen^'  :  „anfangen^'.  Dasselbe  ist 
der  fall  bei  osk.  kahad  capiat  :  lat.  in-eohäre,  in-ehoäre  an- 
üangen,  bei  ir.  g(Min  nehme  :  gabim  friss  fange  an  und  bei  lit. 
imti  nehmen  y  das  mit  einem  abhängigen  infinitiv  »anfangen*' 
bedeutet.  Die  gleiche  bedeutungsentwicklung  nehme  ich  für 
ai.  prabhrti'S,  das  u.  a.  auch  „anfangt'  bedeutet,  und  schwed. 
börja  anfangen  an;  Tamm  (Etym.  svensk.  ordb.  84),  der 
Mrja  mit  recht  zu  ai.  bhdraU,  gr.  q>€Q(o  usw.  stellt,  will  zwar 
von  der  bedeutung  „(die  band  oder  den  fnss)  heben''  ausgehn, 
aber  viel  näher  liegt  es,  direkt  an  die  bedeutung  des  abulg. 
b^rati  nehmen  anzuknüpfen. 

Etymologisch  unaufgeklärt  ist  bisher  lett  saH  anfangen; 
ausser  der  von  Leskien  (Abi.  374)  zweifehid  gegebnen  Zusammen- 
stellung mit  der  sippe  von  lit.  szökti  springen,  die  sich  von 
Seiten  der  bedeutung  nicht  halten  lässt,  ist  mir  kein  weiterer 
erklärungsversuch  bekannt  Gehn  wir  für  saht  von  der  be- 
deutung „fassen",  „festnehmen'^  aus,  so  lässt  es  sich  in  etymo- 
logischen Zusammenhang  mit  lat  aancio  mache  fest,  setze  fest, 
bestimme,  dessen  nasal  ursprünglich  nur  präsensbildend  war, 
aber  auch  in  ausserpräsentische  formen  gedrungen  ist,  z.  b. 
lat  sanctus  eingeschlossen,  eingehegt,  heilig  g^enüber  aisL  saUr 
versöhnt  (-=  lat.  ^sactus).  Mit  gr.  aarTio  stopfe,  atpuos  bürde, 
wozu  man  es  früher  stellte,  hat  sancio  nichts  zu  schaffen. 

Endlich  ist  noch  alb.  zi,  geg.  zq  bertihre,  fange,  fange  an, 
empfange  (vom  weihe),  miete  zu  nennen.  Zwar  hat  G.  Meyer 
(Et  wb.  d.  alb.  spr.  483)  zi  als  lehnwort  aus  bulg.  zemam, 
zimam  (aus  abulg.  za-  und  iwq)  nehme  betrachtet;  aber  die 
bedeutungsentwicklung,  die  die  bei  G.  Meyer  angeführten  alb. 
Wörter  —  ausser  zM  noch  dzs,  ndzi  fasse,  enthalte,  begreife, 
lerne,  zikem  werde  ergriffen,  bürge,  streite  mich,  z%  seele,  zem 
fang,  faust  als  mass,  ZBnei  streit,  zbt&A  fange  an,  ndzenss 
Schüler  —  aufweisen,  hat  mich  schon  längst  daran  zweifeln 
lassen,  dass  wir  es  hier  mit  entlehnung  zu  tun  haben.  Auf 
eine  deshalb  an  G.  Meyer  gerichtete  anfrage  habe  ich  im  sept 
1895  von  letzterem  zu  meiner  freude  die  antwort  erhalten,  dass 
er  seine  aao.  vorgetragene  ansieht  zu  gunsten  der  meinigen 
aufgebe,  nach  der  ze  auf  uralb.  *zenö  zurückgeht  Für  dies 
uralb.  *zenö  darf  man  die  bedeutung  „nehme'S  „fasse'S  „fange** 
ansetzen.    Aus  dieser  bedeutung  ist  aber  die  des  bei  G.  Meyer 


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Etymologien.  201 

aao.  weiter  angeführten  perzt,  geg.  perzq  vertreibe  nicht  her- 
leitbar; letzteres  muss  daher  etymologisoh  von  zi,  g^.  zq  ge- 
trennt werden.  Die  bedeutung  lässt  an  eine  Zusammenstellung 
mit  lit  genü,  abulg.  zenq  treibe  denken  und  ich  halte  eine 
solche  für  durchaus  haltbar.  Zwar  hat  G.  Meyer  (aao.  136, 
alb.  stud.  III y  7)  zu  genü,  zenq  alb.  ga'/i  jage,  verfolge,  ge- 
stellt; doch  muss  nach  dem,  was  Pedersen  (KZ.  XXXVI,  330  f.) 
auseinandergesetzt  hat,  g'ofA  als  etymologisch  dunkel  gelten. 
Andrerseits  hat  aber  Pedersen  (aao.  305  ff.)  in  fiir  mich  über- 
zeugender weise  i)  dargetan,  dass  die  idg.  labiovelare  im  alba- 
nischen vor  Palatalen  vokalen  palatalisirt  werden:  idg.  h»  wird 
zu  8,  idg.  gu,  g^h  zu  z.  Es  hindert  also  nichts,  in  alb.  perze 
eine  Zusammensetzung  mit  idg.  *guheno  zu  sehen.  Miklosich 
(Etym.  wb.  62,  409),  Leskien  (Abi.  326,  368)  und  6.  Meyer 
(Alb.  stud.  III,  7)  trennen  zwar  abulg.  zmq,  lit.  genü  von 
abulg.  zhnja  ernte,  lit.  geniü  ästle  und  6.  Meyer  fährt  alb. 
g'a^f  abulg.  zenq,  lit.  genü  auf  ein  idg.  *genö  (im  anlaut  me- 
dia, ob  aber  reinvelar  oder  labiovelar,  lässt  er  unerörtert, 
scheint  aber  ersteres  angenommen  zu  haben)  zurück;  aber  gegen 
O.  Meyer  muss  geltend  gemacht  werden,  dass  abulg.  zenq,  lit. 
genü  ursprünglich  nur  vom  treiben  des  viehs  auf  die  weide 
gebraucht  worden  sein  muss  (das  lehren  wörter  wie  poln.  wygon, 
russ.  tygon  weide,  lett.  gam  hirt,  gani  pl.  tant  weide),  so  dass 
sich  die  bedeutung  „treiben'^   sehr  leicht   aus   der   bedeutung 

1)  Damit  soll  nicht  gesagt  sein,  dass  alle  von  Pedersen  zur  stätse 
seiner  Vermutung  beigebrachten  beispiele  einwandfrei  sind.  Gerade 
unter  den  4  ersten,  von  P.  fSr  schlagend  gehaltnen  beispielen  sind  zwei, 
die  ich  für  bedenklich  halte:  pest  fünf  und  <iV  äuge.  Ersteres  führe  ich 
mit  G.  Meyer  (Alb.  stud.  U,  47ff.,  III,  6,  25,  80,  Etym.  wb.  829)  auf 
uralb.  *p0nktfi  zurück,  denn  der  einwand  Pedersen's,  -fi-  werde  nicht 
zu  'iiä-  erweitert,  scheint  mir  übereilt ;  das  -f  in  alb.  besi  glaube  kann 
doch  eben  so  wenig  auf  idg.  •%$  zurdckgehn  wie  das  von  mbesi  nichte 
(gegenüber  gr.  dvixißia  geschwisterkind,  got.  nipjo  verwandte:  lat.  nepUs, 
idid.  niß,  lit.  neptis  enkelin  :  ai.  naptt  enkelin,  von  denen  die  ersten 
zwei  —  got.  'fy'o  beruht  natürlich  auf  idg.  *tjä  —  im  suffiz  mit  alb. 
mhest  identisch  sind;  ai.  napt^  liegt  von  tnhen  viel  weiter  ab),  dessen 
-e  Pedersen  ja  allerdings  nicht  auf  idg.  *-w  zurückführen  will.  Was 
alb.  Mt  anlangt,  so  lässt  es  sich  anstatt  auf  idg.  *ok^,  lit.  akU  ange 
und  dessen  sippe  vielleicht  besser  auf  ein  idg.  *h>idom  zu  got.  hveiis 
weiss,  lit.  azvidus  blank,  glänzend,  ai.  ^indaU  glänzt,  leuchtet  zurück- 
fahren. —  Besonders  wird  Pedersen's  Vermutung  durch  die  falle  ge- 
stützt, in  denen  im  wurzelauslaut  k  mit  «,  g  mit  t  wechseln  (s.  828  f.). 


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202  Wiedemann 

„schlagen'*  entwickelt  haben  kann.  Ich  sehe  daher  keinen 
grund,  abulg.  zenq,  lit.  genü  von  ai.  hdnti  schlägt,  erschlägt, 
tötet,  gr.  ^dv(a  schlage,  erschlage,  töte,  q>6vog  mord  usw.  zu 
trennen.  Es  ist  also  für  abulg.  zenq,  lit.  genü,  idg.  gifh-  anzu- 
nehmen und  -ze  in  alb.  perzi  kommt  zu  den  von  Pedersen 
beigebrachten  beispielen  als  weiteres  hinzu.  —  Wie  psr^  müssen 
auch  die  bei  6.  Meyer  am  schluss  des  artikels  genannten  wörter 
mit  wurzelbaftem  zem-  von  ze  getrennt  werden:  zimsre,  geg. 
zimBVBf  zimbere,  scut  z^mer  herz,  vnlle,  leib,  zemertUe,  zembe- 
räk  jähzornig,  zsmer^'än,  zemer-durüim  langmütig,  zemer-k'in 
hartherzig,  zemer-nguäte  ungeduldig,  zemsrM  erbittere,  reize 
zsmerir  herzhaft,  gr.  z&neraU  zorn.  Auch  diese  wörter  halte 
ich  für  einheimisch  und  setze  alb.  zem-  =»  idg.  §hem-,  dessen 
grundbedeutung  „sich  heftig  bewegen'*  ist  vgl.  die  gleiche  be- 
deutungsentwicklung  bei  ai.  dhümd-8,  abulg.  dynn,  lit  dümai 
(seltner  dümas)^  lat  fümtis  rauch,  ahd.  toutn  dampf,  dunst» 
duft  :  gr.  &vfjL6g  gemütswallung,  geist,  seele,  willen  zorn  und 
bei  lett.  gaiss  luft  :  aisl.  geisa  wüten,  ags.  ^äst  geist  (über 
diese  sippe  handle  ich  in  einem  andern  aufsatz,  wo  ich  auch 
meine  von  der  allgemein  herrschenden  annähme  abweichende 
ansieht  über  die  natur  des  anlautenden  gutturals  begründen 
werde).  Diese  idg.  w.  §hem  sich  heftig  bewegen  liegt  meiner 
meinung  nach  in  germanischen  bisher  wesentlich  anders  beur- 
teilten Wörtern  vor:  aisl.  gaman  lustig,  freude,  scherz,  alt.  dän. 
gammel  lustig,  dän.  dial.  smikke  gammeü  leichtfertig  sprechen, 
Unzucht  treiben,  nhd.  gammel  sinnlicher  Übermut,  geilheit,  männ- 
liches glied;  mit  wurzelerweitemdem  labial  gehört  hierher  mhd. 
gumpen,  gampeti  hüpfen,  springen,  stampfen,  mhd.  gümpd, 
nhd.  gimpel,  mit  wurzelerweiterndem  guttural  ahd.  gähi  (aus 
urgerm.  ^ganh-)  jäh.  Auch  ahd.  *gamug,  gamg  gemse  darf 
hier  genannt  werden,  denn  wenn  das  germanische  wort  auch, 
wie  Much  (Zfda.  XLII,  167ff)  dargetan  hat,  lehnwort  aus  dem 
gleichbedeutenden  lat.  camox  ist,  hat  doch  volksetymologische 
anlehnung  an  die  hier  behandelte  germanische  sippe  stattge- 
funden. Über  diese  letztere  haben  Kluge  (KZ.  XXVI  70)  und 
Wadstein  (IF.  V,  8,  jwo  noch  weitere  german.  wörter  beige- 
bracht sind)  die  Vermutung  ausgesprochen,  es  lägen  hier  Zu- 
sammensetzungen mit  ga-  vor,  nach  Kluge  ga-^man  zu  got 
manna  mann  also  „Zusammenkunft  von  menschen'*,  nach  Wad- 
stein (ausser  ga-man  auch)  g-aman  zu  lat,  amäre  lieben;   auch 


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Etymologien.  203 

in  ahd.  gohi  hat  Erdmann  (antiqv.  tidskr.  för  Sverige  XI,  4, 
8.  30  f.)  eine  Zusammensetzung  mit  ga-  gesucht  und  unter  Zu- 
stimmung von  Noreen  (Urgerm.  lautl.  44)  und  E.  Zupitza 
(Germ,  gutt  190)  im  zweiten  glied  ein  zu  gr.  tixvg  schnell, 
lat.  öcior  schneller  gehöriges  wort  vermutet.  —  Zu  dieser  idg. 
w.  §hem  möchte  ich  auch  lat.  homo,  lit.  imtl,  ihnogüs,  pr.  smoif 
mensch,  got.  guma  mann  ziehen,  indem  ich  von  der  bedeutung 
„beseeltes  wesen''  (vgl.  lat.  animal,  got.  diw  beseeltes  wesen, 
tier)  ausgehe;  allgemein  werden  diese  Wörter  als  „zur  erde  ge- 
hörig'^  „irdisch'*  aufgefasst  und  zu  lit.  ütne,  abulg.  zemlja 
erde  usw.  gestellt  *).  —  Was  alb.  zem-  betrifft,  so  vertritt  z 
hier  die  idg.  palatale  media  aspirata,  wie  in  den  bei  G.  Meyer 
(Alb.  st.  III,  18)  genannten  beispielen  zok,  best,  zagne  junger 
vogel  :  arm.  jag  dass.  und  zotb  darm  :  lit  zdma,  aisl.  gpm 
dass.,  lat.  hertiia  darmbruch  *).  Dazu  kommt  noch  ze  stimme  : 
abulg.  zvom  schall,  arm.  jain  stimme  (von  Hübschmann,  Arm. 
gramm.  I.  469  zwar  abgelehnt,  aber  es  hindert  doch  wol  nichts, 
-ain-  aus  ^nj-  zu  erklären ;  vgl.  abulg.  zvbniti  klingen  mit  der- 
selben ablautstufe).  Über  die  Ursache,  warum  die  idg.  palatale 
im  Albanischen  bald  durch  interdentale,  bald  durch  dentale 
Spiranten  vertreten  werden,  vermutet  Pedersen  (aao.  338  f.), 
dass  ein  benachbartes  v  die  Wandlung  von  uralb,  ä  zu  su^ 
uralb.  d  zü  zu  veranlasst  habe.  Damit  ist  aber  die  frage  noch 
nicht  endgiltig  beantwortet,  denn,  um  nur  bei  idg.  §h  zu  bleiben, 
von  den  drei  genannten,  auch  von  Pedersen  anerkannten,  bei- 
spielen fiir  2;  =  idg.  §h  ist  nur  bei  Z€  :  abulg.  zvot^  ein  v 
nachweisbar;  für  zok  lässt  Pedersen  die  möglichkeit  zu,  dass 
der  auslautende  guttural  labiovelar  war  und  für  zofe  postulirt 
er  ein   v  oder  u   (anlaut  ghv-  oder  auslaut  -nu--);   aber  §hv- 

1)  Bemeker  (IF.  IX,  860)  will  auch  got.  manna  mann,  magus  knabe, 
knecht  in  etymologischen  Zusammenhang  mit  got.  guma  bringen,  därfte 
aber  darin  wol  kaum  znstimmnng  finden ;  abgelehnt  hat  diese  Vermutung 
bereits  ühlenbeck  (Kursgef.  etym.  wb.  d.  got.  spr.  *  104,  106).  Bei- 
läufig sei  bemerkt,  dass  das  suffix  des  abulg.  nu^  mensch  an  -gu-  in 
lit.  kmo-gÜB  erinnert;  genau  entsprechen  würde  ein  lit.  *-giu'. 

2)  Das  bei  0.  Meyer  ausserdem  noch  genannte  zjaf  feuer,  lit.  za- 
rija  glühende  kohle,  pr.  aari  glnt  hat  Pedersen  (aao.  320 f.)  mit  zjarm 
hitse  besser  zu  gr.  ^ßQfioi  warm  und  dessen  sippe  gestellt.  Dagegen 
stelle  ich  zu  lit.  iarija  usw.  das  von  Pedersen  zu  pr.  golimban,  russ.  ^o- 
luboj  blau  gezogene  ir.  gorm  hiau,  dessen  r  zu  dem  litu-slav.  l,  wie  auoh 
Pedersen  bemerkt  hat,  nicht  recht  stimmt. 


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204  Wiedemann 

hätte  germ.  w-  ergeben  und  for  das  alb.  wort  ein  andres  suffix 
anzunehmen  als  für  das  litauische,  das  sich  mit  dem  albani- 
schen ja  sonst  auf's  genauste  deckt,  wird  man  sich  nicht  so 
leicht  entschliessen  können.  Es  ist  daher  auch  ohne  einwir- 
kung  eines  v  oder  u  die  Vertretung  von  idg.  §h  durch  alb.  z 
möglich.  —  Wie  in  zi-msrs  und  seiner  sippe  kann  auch  in  der 
sippe  Yon  ze  das  anlautende  z  Vertreter  von  idg.  §h  sein;  es 
steht  daher  nichts  im  weg,  got.  du-^innan  in  etymologischen 
Zusammenhang  mit  alb.  ze  zu  bringen  und  auch  für  du-ginnan 
von  der  bedeutung  „berühren'S  „fassen^*,  „fangen^'  auszugehn. 
Zu  besprechen  bleibt  noch  das  "nn-  in  du-ginnan.  Wie  be- 
kannt, hat  A.  Kuhn  (EZ.  II,  460  fif.)  -nn-  aus  idg.  -nv-  erklärt 
und  in  du-ginnan  und  andren  verben  mit  -nn-  Umbildungen 
alter  präsensstämme  nach  der  ind.  5.  klasse  gesehen  und  hat, 
wie  oben  erwähnt  ist,  -ginnan  dem  ai.  MnvaH  gleichgesetzt. 
Es  lässt  sich  aber  nicht  bei  allen  verben  mit  -nn-  aus  dem 
Altindischen  oder  einer  andern  idg.  spräche  ein  präsens  mit 
idg.  -nr-  nachweisen  und  man  hat  daher  schon  für  manche 
der  von  Kuhn  besprochenen  verba  wurzeln  auf  idg.  n  ange- 
setzt. Daher  ist  also  auch  lautlich  gegen  eine  Zusammen- 
stellung von  du-ginnan  mit  alb.  ze  nichts  einzuwenden;  nur 
liegt  bei  dem  einen  eine  andre  präsensbildung  vor  als  bei  dem 
andern:  slh.zi  ist  «-  idg.  *§henö,  got.  -ginna  ist  —  idg.  ♦^Äen- 
v-ö  (Umbildung  aus  einem  präsens  nach  der  ind.  8.  kl.)  oder 
idg.  ^ghsn-nö  (auf  einem  präsens  nach  der  ind.  9.  kl.  beinihend). 
Zu  gunsten  des  letzteren  darf  aisl.  ginna  bezaubern,  das  einem 
got.  *ginnon  entsprechen  kann,  schwerlich  beigebracht  werden, 
denn  die  bedeutung  liegt  zu  weit  ab.  Auch  sonst  lässt  sich 
aus  den  germ.  sprachen  nichts  mit  Sicherheit  zu  got.  -ginnan 
ziehen;  denn  got.  ganajan,  das  Diefenbach  (Vergl.  wb.  d.  got. 
spr.  II,  386)  und  Rheden  (Etymol.  versuche  a.  d.  geb.  d.  idg. 
spr.,  18  f.,  21.  jahresber.  d.  bisch,  privatgymn.  zu  Brixen,  1896) 
hierherziehen,  lässt  sich,  da  es  nur  6al.  6,  17  als  Übersetzung 
des  gr.  Tcagexeiv  belegt  ist,  in  seiner  eigentlichen  bedeutung 
nicht  scharf  genug  fassen;  man  übersetzt  es  gewöhnlich  mit 
„verursachen",  dann  aber  darf  es  mit  -ginnan  nicht  verbunden 
werden;  nur  wenn  man  es  als  kausativum  zu  einem  got.  *gin- 
san  nehmen  betrachtet  und  mit  „nehmen  lassen",  „geben", 
„gewähren'^  übersetzt,  kann  es  zu  -ginnan  gehören  und  -s-  als 
Wurzelerweiterung  aufgefasst  werden.     Auf  keinen  fall  verdient 


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fitjmologien.  206 

JohanBfion  (PBB.  XV,  228  f.)  Zustimmung,  der  gatujan  als  zu- 
sammensetzung  von  geh  und  ncutjan  ansiebt  und  ihm  die  ur- 
sprüngliche bedeutung  „hervorkommen  machen'*  beilegt;  erstens 
liegt  ja  got.  ga-nasjan  gesund  machen /heilen,  erretten  noch 
vor  und  zweitens  bedeutet  got.  ^nisan  ursprünglich  nicht  „her- 
vorkommen", sondern  ^»(gesund)  zurückkommen  (aus  dem  krieg)'S 
denn,  wie  wol  allgemein  anerkannt  wird,  gehört  "^isan  zu  gr. 
viofAai  kehre  zurück,  voazog  heimkehr.  —  Auch  Ghrienberger 
(Unterschgn.  z.  got  wortkunde  89),  der  an  zusammenbang  mit 
abd.  ganz  ganz  denkt,  tri£Ft  schwerlich  das  richtige. 

2.    Got.  brüßs  und  andre  idg.  verwandtschaftsnamen. 

Obgleich  got  brüßs  Schwiegertochter  (daneben  got  brüßfaßs 
brautherr,  d.  h.  bräutigam)  schon  wiederholt  etymologisch  er- 
klärt worden  ist,  befriedigt  doch  keine  der  vorgeschlagenen 
etymologien  und  es  scheint  mir  daher  nicht  überflüssig,  eine 
neue  etymologie  vorzutragen,  um  so  mehr  als  ich  sie  schon 
vor  einer  langen  reihe  von  jähren  gefunden  habe  und  sie  auch 
trotz  inzwischen  erschienener  neuer  etymologischer  erklärungen 
für  haltbar  erachte. 

Allgemein  anerkannt  ist  heutzutage  nur,  dass  die  alte  noch 
von  Bopp  (Gloss.  '  356  a)  und  J.  Grimm  (Wörterb.  U,  33)  ge- 
billigte Zusammenstellung  von  got.  brüßs  mit  ai.  praudhä  die 
heimgeführte  aus  lautlichen  gründen  unhaltbar  ist;  dagegen  hat 
man  sich  nach  der  anderen,  positiven  Seite  hin  noch  nicht  ge- 
einigt, obgleich,  so  weit  ich  sehe,  vier  verschiedene  etymologi- 
sche erklärungen  gegeben  sind. 

Lautlich  am  besten  liesse  sich  mit  Döderlein  (Lat  synom. 
u.  etym.  VI,  139)  brups  dem  lat.  Frütis  gleichsetzen  und  diese 
etymologie  hat  daher  auch  wiederholt  Zustimmung  gefunden 
(Fick,  Vgl.  wb.  «  822,  II  »,  696,  DI  »,  217  f.,  I  *,  493,  Job. 
Schmidt,  Vok.  II,  288  f.,  Zehetmayr,  Anal,  vergl.  wörterb.  173, 
Kluge,  Etym.  wb.  s.  v.  [in  allen  auflagen],  Franck,  Etym.  woor- 
denboek  153).  Aber  es  ist  noch  nicht  sicher,  dass  FriUia  ein 
echt  lateinisches  wort  ist,  denn  eben  so  gut  könnte  es  auch 
eine  entstellung  des  gr.  ^Aq>Qodti:ri  sein,  wofür  sich  Keller  (Lat 
volksetym.  37,  325),  der  zuletzt  hierüber  gehandelt  hat,  ent- 
scheidet Ist  Frütis  nicht  entlehnt  und  entstellt,  so  ist  es  am 
besten  mit  Fick  I  ^,  493  zu  lat  fnUex  Strauch,   mhd.  brisen 


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206  Wiedemann 

schwellen,  knospen  zu  stellen  und  könnte  sehr  wol  mit  got. 
brüps,  dessen  bedeutung  ursprüngl.  , Jungfrau''  gewesen  sein 
kann,  zusammengestellt  werden  (vgl.  z.  b.  gr.  7ra^^<^o^  jung- 
frau  :  TVfOQ&og  trieb/ sprössling). 

Wesentlich  abweichend  sieht  Bugge  (PBB.  XIII,  184  f.)  in 
brüfo  eine  Zusammensetzung,  führt  es  auf  idg.  *par'4idhi^  zu- 
rück, erklärt  es  als  „die  heimgeführte'*  und  stellt  es  zu  lit. 
vedü,  abulg.  vedq  führe,  ai.  vadhü'-s  braut,  junges  eheweib, 
weih.  Aus  lautlichen  gründen  (germ.  b-  s  idg.  jp-)  muss  diese 
etymologie,  die,  so  weit  ich  sehe,  nur  bei  Heyne  (Dtsch.  wb. 
I,  483)  und  VercouUie  (Bekn.  etymol.  woord.  d.  nederl.  taaJ 
*  45)  Zustimmung  gefunden  hat,  abgelehnt  werden. 

Lautlich  einwandfrei  ist  die  von  Torp  (SprygL-hist.  studier 
tilegn.  prof.  C.  R.  ünger  174),  ühlenbeck  (PBB,  XXII,  188) 
und  Hirt  (ebda.  234)  fast  gleichzeitg  gegebene  Zusammenstel- 
lung von  got.  brups  mit  ai.  brävUi  sagt,  spricht,  vorausgesetzt, 
dass  die  wurzel  idg.  r  enthält;  beide  fassen  urgerm.  ^brädi^ 
als  verbalabstraktum  auf,  dem  sie  die  bedeutung  „Versprechung*^, 
„Verlobung"  beilegen;  Torp  zieht  auch  lit.  marti  braut,  junge 
frau,  Schwiegertochter  heran.  Dagegen,  dass  sich  die  in  urgem. 
*brüdi-  vorliegende  konkrete  bedeutung  aus  einer  abstrakten 
entwickelt  haben  kann,  ist  nichts  einzuwenden.  Trotzdem  halte 
ich  diese  etymologie  für  unbefriedigend,  denn  ai.  brävUi  und 
seine  komposita  zeigen  nirgends  die  bedeutung  „versprechen", 
„verloben"  und  ausserdem  haben  abulg.  mhva  tumultus,  inhvüi 
tumultuari,  öech.  mluva  rede,  tnluviti  reden,  klruss.  mova  spräche, 
rede,  movyty  sprechen,  reden,  sagen,  russ.  molva  gerücht^  mcl- 
vüh  sagen,  sprechen,  murmeln  u.  a.,  die  von  ai.  brävUi  nicht 
getrennt  werden  dürfen,  //  die  Torp-Ühlenbeck-Hirt'scbe  etymo- 
logie ist  daher  auch  aus  lautlichen  gründen  anfechtbar. 

Endlich  hat  Wood  (Mod.  lang,  notes  XV,  96)  urgerm. 
*brüdi'  mit  kret.  f^aQTig  Jungfrau,  lit.  martl  (nicht  tnartis,  wie 
Wood  angibt)  zusammengestellt  und  diese  vergleichung  durch 
hinweis  auf  das  krimgot.  marzus  braut  gestützt.  Dieser  deu- 
tung  kann  ich  nur  zustimmen;  Wood  hat  aber  mit  ihr  nichts 
neues  geboten:  brüßs  ist  ausser  von  Torp  bereits  von  mir  (lit 
ctrbl.  1898,  sp.  810)  ohne  kenntnis  von  Torp's  teilweiser  Prio- 
rität mit  lit.  martl,  gr.  BQLt6-f4a^ig,  fxsiQa^  knabe,  mädchen, 
lat  marttua  ehemann,  ai.  maryakd-s  männchen  zusammenge- 
stellt worden  und  krimgot.  marzus  hat  bereits  Solmsen  (KZ. 


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Etymologien.  207 

XXXV,  481  £f.)  mit  lit.  marti,  gr.  BQito-fAaQvts  verglichen. 
Wenn  ich  hier  nochmals  auf  die  etymologie  von  urgerm.  ^brüdi- 
eingehe,  so  geschieht  es  einerseits,  um  die  vergleich ang  von 
urgerm.  *brüdi-  mit  lit.  martl  usw.  näher  zu  begründen  als  es 
a.  a.  o.  geschehen  konnte,  andrerseits,  um  einige  andre  gleich- 
bedeutende wöi'ter  etymologisch  zu  behandeln. 

Wie  wol  bekannt  sein  dürfte,  hat  0.  Schrader  (o.  XV,  130; 
wiss.  beil.  z.  jahresber.  d.  grossherz.  gymn.  zu  Jena  1895,  s.  58; 
reallex.  955)  zu  lit.  mart\  die  germanischen  benennungen  des 
marders  (aisl.  mprdr,  ags.  mearß,  meard,  ahd.  mardar)  gestellt. 
Jedenfalls  haben  krimgot.  marztis  und  urgerm.  *brüdi'  zu- 
nächst ansprach,  mit  lit.  marti  verglichen  zu  werden,  um  so 
mehr,  da  sich  für  aisl.  mgrär  usw.  eine  andre,  sehr  nahe 
liegende  etymologie  bietet.  Zunächst  bemerke  ich,  dass  ich, 
abweichend  von  0.  Schrader  (KZ.  XXX,  462,  o.  XV,  128  f.), 
gr.  alilovQogy  ai'XovQog^  wiesei  mit  gr.  aioXog  beweglich,  schnell 
und  urgerm.  '"'tciriUi'  wiesei  (ahd.  wistda  usw.)  mit  abulg.  veseh 
hilaris  verbinde  und  ähnlich  cymr.  bele  marder,  ahd.  büik  bilch, 
russ.  biüca  eichhörnchen  mit  got.  ^bcUßs,  adv.  balßaba  kühn, 
dreist  Das  wiesei  und  der  marder  können  sehr  wol  ihre  be- 
zeichnung  von  ihren  flinken  bewegungen  bekommen  haben  und 
so  lassen  sich  die  germ.  Wörter  für  marder  an  die  idg.  w.  mer 
flimmern,  schimmern  (gr.  fiaQfiaigw)  anknüpfen;  die  der  bed. 
„flimmern^S  „schimmern"  zu  grande  liegende  allgemeinere  be- 
deutung  „sich  rasch  bewegen^'  liegt  meiner  meinung  nach  noch 
in  lat.  mare,  ir.  muir,  got.  marei,  abulg.  morje  meer,  lit.  mären 
haff  und  in  ai.  marü  wind,  windgott  vor,  das  man  seit  Leo 
Meyer  (KZ.  V,  387)  und  Grassmann  (KZ.  XVI,  161  ft),  der  es 
ebenfalls  zu  gr.  fxaQfiaiQio  zieht,  mit  lat.  Mävors  zusammen- 
stellt, wogegen  aber  die  quantität  des  a  in  Mo/dws  einsprach 
erhebt  Es  verhält  sich  aisl.  m^är  usw.  :  ai.  marüt  seiner  be- 
deutung  nach  ebenso  wie  gr.  alikovoog,  aiXovqog  :  gr.  aUlogy 
das  ja  zum  namen  des  windgottes  geworden  ist 

Was  nun  den  weiteren  etymologischen  Zusammenhang  von 
urgerm.  ^brüdi-,  lit  martl  usw.  betrifift,  so  hat  Johansson 
(GGA.  1890,  s.  745  aum.)  die  Vermutung  ausgesprochen,  lit. 
martl,  kret.  fjtaqxig  bedeute  die  „integra'S  ^intacta"  und  ge- 
höre zu  gr.  oQvefifjg  incolumis,  integer.  Weiter  stellt  Johansson 
auch  air.  briihem  richter  hierher  und  begründet  diese  Zusam- 
menstellung durch  annähme  einer  bedeutung  etwa  „der  unpar- 


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208  Wiedemann 

teiische^^;  aber  br-  kann  hier  nicht  anf  idg.  mr-  zurückgdm, 
sondern  musB,  wie  cymr.  bam,  mbret.  bam  gericht«  ir.  bam 
richter  zeigen ,  auf  idg.  bhr-  oder  g^r-  zurückgeführt  werden, 
wenngleich  die  etymologie  dieser  keltischen  wörter  noch  zu 
finden  ist,  denn  zu  gr.  9>^y  gemüt,  an  das  Bezzenberger  (Fick 
II  \  169)  denkt,  können  sie,  falls  q>qr(»  mit  aisl.  grtmr  ahnung 
zusammenhängt,  wie  ausser  Bezzenberger  auch  £.  Zupitza  (Germ, 
gutt.  97)  annimmt,  nach  dem  von  Osthofif  (IF.  IV,  268  fif.)  aus- 
geführten nicht  gestellt  werden;  ausserdem  liegt  qp^y  auch 
seiner  ursprünglichen  bed.  „Zwerchfell''  w^en  begrifflich  zu 
weit  ab;  näheres  über  q>^v  im  nächsten  aufsatz.  Aber  nicht 
nur  die  heranziehung  von  air.  brühem,  sondern  auch  die  aii- 
setzung  der  bedeutung  „integra^S  „intacta''  für  lit  martl,  kret. 
fia^ig  kann  ich  nicht  billigen.  Das  Ut.  marti  bezeichnet  nicht 
nur  die  braut  und  die  Schwiegertochter,  sondern  auch  die  junge 
frau  bis  zur  geburt  des  ersten  kindes  und  wir  dürfen,  da  auch 
urgerm.  *brQSi-  braut,  Schwiegertochter,  junge  frau  bedeutet, 
annehmen,  dass  sowol  das  litauische  als  auch  das  germanische 
wort  ursprünglich  „mannbares  weih*'  ohne  rücksicht  auf  unbe- 
rührtheit bedeutet  hat;  erst  mit  der  geburt  des  ersten  kindes 
beginnt  ein  neuer  abschnitt  im  leben  des  weibes.  Die  diesen 
Wörtern  zu  gründe  liegende  wurzel  kann  keine  derartige  bedeu- 
tung gehabt  haben,  dass  von  ihr  nur  bezeichnungen  für  weib- 
liche Personen  gebildet  werden  konnten,  denn,  wie  man  schon 
lange  erkannt  hat  —  wer  das  zuerst  ausgesprochen  hat,  kann 
ich  nicht  feststellen  — ,  stehn  zu  lit.  martl,  kret  fiOQug  und, 
wie  man  nun  hinzufügen  darf,  urgerm.  *brüdi'  in  engstem  Zu- 
sammenhang ai.  mdrya-B,  junger  mann,  bes.  bräutigam,  junger 
ehemann,  maryakd-8  männchen,  gr.  fieifa^  knabe,  mädchen, 
fieiQaMW  knabe,  also  wörter,  die  auch  männliche  wesen  be- 
zeichnen. Femer  gehört  hierher,  wie  ich  aao.  schon  erwähnt 
habe,  lat.  marUus  ehemann  ^)  und  auch  den  ersten  teil  des  zu- 

1)  Zu  dieser  ansieht  war  ich  anabhängig  von  Bartholomae  (Stad. 
z.  idg.  sprachgesob.  II,  82)  gekommen,  habe  aber  später  gefunden,  dass 
schon  Weber  (ESB.  IV,  281)  and  Benfey  (Sanscrit-engl.  dict.  690)  ma- 
HtiM  zu  ai.  märya-9  gezogen  haben.  Dass,  wie  Bartholomae  annimmt, 
auch  lat.  mulier  weib  hierher  gehört,  halte  ich  für  sehr  anwahrschein- 
lich; denn  mtUier  mass  seiner  bedeutang  wegen  zu  einer  wurzel  ge> 
hören,  von  der  keine  Wörter  zur  bezeichnnng  männlicher  wesen  stammen 
können.  Am  besten  lässt  sich  mit  Benfey  (Or.  wrzUex.  II,  277)  muUer 
zu  lat.  mul^ßo  melke  ziehen,  nur  muss  man  dann  g  in  mulgere  als  wurzel- 


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Etymologien.  209 

sammengesetzten  kret.  Bfitd^fioftig  möchte  ich  lieber  hierher 
ziehen  als  zu  kret  ßgitv'  yXwv  Hes.,  denn  erstens  passt  die  be* 
nennung  «, süsse  Jungfrau''  für  die  keusche,  herbe  Artemis 
schlecht  und  zweitens  müsste  es  dann  doch  ^  BqiTV'iicLqtig 
heissen;  andrerseits  steht  nichts  im  weg,  in  BQuo-fiontig  eine 
ähnliche  Zusammensetzung  zu  sehen  wie  in  nhd.  schdUcskneekt, 
lindumrtn  u.  a.  Auch  ein  ^jagd''  bedeutendes  wort  könnte  in 
ßgito-  stecken;  die  etymologische  Zusammengehörigkeit  beider 
glieder  bliebe  auch  dann  bestehn.  Aus  dem  Keltischen  hat 
schon  Diefenbach  (Vergl.  wörterb.  d.  got.  spr.  II,  50)  cymr. 
morwyny  com.  tnorain  virgo»  puella,  ancilla  herangezogen; 
Stokes  (Fick  II  ^  211)  fügt  noch  ir.  moru  in  rnuir-moru  see- 
jungfer  hinzu.  Bildungen  mit  gutturalen  suffixen  oder  wurzel- 
erweiterungen  liegen  vor  in  den  ebenfalls  -schon  bei  Diefenbach 
erwähnten  cymr.  bret.  merch  tochter,  weih,  com.  myrgh  tochter, 
lit.  mergäy  pr.  mergOy  mergu  mädchen;  es  ist  nicht  nötig,  mit 
Bezzenberger  (Fick  11  ^,  211)  die  keltischen  Wörter  auf  ein 
idg.  *merg9kä  zurückzuführen,  denn  es  kann  sehr  wol  im  Kel- 
tischen ein  suf&x  idg.  -kä-^  im  Litauischen  ein  suffix  idg.  -gä- 
oder  -ghOr  vorliegen;  doch  vgl.  auch  E.  Zupitza  (KZ.  XXXVI, 
237).  Die  litauischen  Wörter  stehn  lautlich  der  sippe  lit  mir- 
gUi  flimmern  (Leskien,  abl.  337)  sehr  nahe  und  bestätigen  da- 
durch die  herleitung  der  hier  besprochenen  wörter  von  einer 
idg.  w.  mer  schimmern ;  in  allen  diesen  Wörtern  handelt  es  sich 
ursprünglich  um  die  bezeichnung  erwachsener  in  der  ersten 
blute  ihrer  Jugend  und  daher  ist  für  sie  von  der  bedeutung 
„strahlendes  „leuchtend^'  eben  so  gut  auszugehen  wie  bei  dem 
oben  s.  199)  besprochenen  ai.  kanyd  und  bei  ai.  yö^ä  mädchen, 
junges  weib  zu  idg.  ^juvefi-  (lat.  juvenia  usw.)  jung  :  lat.  juvo 
erfreue,  jücundus  erfreulich.  Dass  es  sich  hier  vorwiegend  um 
Wörter  für  weibliche  personen  handelt,  ist  nicht  auffallend,  da 
ja  vor  allem  an  dem  weibe  Schönheit  gepriesen  wird.  Aus 
dieser  ursprünglichen  Sphäre  hat  sich  die  bedeutung  nach  zwei 
verschiedenen  richtungen  hin  entwickelt,  einerseits  bei  lat  marUus 

erweiteruDg  auffassen,  was  auch  Persson  (Wrzlerw.  62),  ohne  mulier  zn 
erwähnen,  tut.  Übrigens  bleibt  anoh  zu  erwägen,  ob  die  lautgruppe 
idg.  'igi'  nicht  lautgesetzlich  zu  lat.  -i^-  werden  kann,  da  ja  auch  nach 
einem  vokal  vor  i  im  Lateinischen  schwindet  (Sommer,  IF.  XI,  88 ff., 
Solmsen,  KZ.  XXXVII,  23). 


BeiUig«  s.  kund«  d.  Indg.  »praebM.  XXVII.  14 


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310  Wieclemahti 

zu  der  bedeutang  „ehemann",  andererseits,  zum  teil  bei  wörtem 
mit  deminutivsuffixen,  zu  der  bedeutung  „knabe,  mädchen'^ 

Dieselbe  bedeutungsentwicklong  wie  die  hier  besprochenen 
Wörter  zeigt  alb.  re  neuvermählte,  Schwiegertochter  neben  ri, 
f.  re  jung,  neu.  G.  Meyer  (Etym.  wb.  d.  alb.  spr.  366)  stellt 
ri  vermutungsweise  zu  alb.  rü  mache  gross,  übertreibe,  erziehe, 
wachse,  pass.  ritem  wachse  und  weiter  (s.  367)  zu  ai.  rdhnäti 
gedeiht,  fördert,  abulg.  rasti  wachsen ;  doch  hat  diese  zusammen- 
stellang  wenig  für  sich,  denn  der  begriff  „neu^'  kann  sich  aus 
dem  begriff  „wachsen"  wol  kaum  entwickeln.  Der  bedeutung 
besser  gerecht  wird  daher  die  von  Bugge  (o.  XVIII,  170)  be- 
fürwortete Zusammenstellung  von  alb.  ri  mit  gr.  vhg  neu,  jung 
und  seiner  sippe,  die  schon  Bopp  (üb.  d.  alban.  541)  und  Stier 
(KZ.  XI,  248)  vorgeschlagen  haben;  aber  hier  macht  wieder 
alb.  r-  für  idg.  n-  Schwierigkeit,  denn  die  von  Stier  und  Bugge 
beigebrachten  beispiele  für  alb.  r-  «»  idg.  ff-  sind  alle  sehr 
zweifelhaft.  Daher  schlage  ich  vor  alb.  ri,  dessen  bedeutung 
sich  aus  der  bedeutung  „schimmernd'S  „leuchtend'^,  „strahlend^' 
entwickelt  haben  kann,  zu  lit.  reglet  sehen  zu  stellen,  das 
Strachan  (o.  XX,  27)  und  Bezzenberger  (Fick  II  *,  230)  mit 
ir.  rsil  klar,  rHaim  offenbare  verbinden,  wogegen  nichts  einzu- 
wenden ist ;  mit  Bezzenberger  stelle  ich  auch  ir.  rose  äuge  hier- 
her. Aus  dem  Albanischen  ziehe  ich  noch  re  in  der  Verbin- 
dung v€  re  gebe  acht,  betrachte,  beachte,  merke  auf  hierher; 
der  bedeutung  nach  verhält  es  sich  zu  lit.  reg'iti  wie  ahd.  ahta 
beachtung,  aufinerken  zu  idg.  w.  ohf  sehen.  G.  Meyer  (aao.  362) 
denkt  an  lat.  gravis  schwer. 

An  alb.  re  schliesse  ich  alb.  nuse  braut,  neuvermählte, 
Schwiegertochter,  Schwägerin  an.  G.  Meyer  (o.  VIII,  191),  hat 
nuse  auf  *nusjä  zurückgeführt  und  zu  ai.  snu^ä,  gr.  wog^  lat 
nürus,  abulg.  swickOf  ahd.  mur  Schwiegertochter  gestellt,  diese 
etymologie  aber  später  (Etym.  wb.  d.  alb.  spr.  312)  aufgegeben 
und  nuse  für  entlehnt  aus  lat.  *nuptta  (für  nupta)  angesehen. 
Dagegen  hat  Pedersen  (o.  XIX,  295,  IF.  V,  34,  KZ.  XXXVI,  283) 
die  alte  etymologie  durch  annähme  einer  dissimilation  der  beiden 
idg.  8  zu  halten  gesucht.  Gern  mag  man  zugestehn,  dass  bei 
annähme  einer  dissimilation  der  zurückführung  von  alb.  nuse 
auf  idg.  *8nusä  keine  lautlichen  Schwierigkeiten  entgegenstehn. 
Aber  trotzdem  lässt  sichlnt^e  mit  ai.  snu^d  usw.  nicht  in  ety- 
mologischen Zusammenhang  bringen,  und  zwar  seiner  bedeutung 


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Etymologien.  211 

wegen.  Denn  während  ai.  snu^ä  und  die  dazugehörigen  Wörter 
der  übrigen  idg.  sprachen,  so  weit  ich  sehe,  nur  ganz  verein- 
zelt etwas  anderes  als  „Schwiegertochter"  bedeuten,  stimmt  nuse 
in  seinen  bedeutungen  genau  zu  urgerm.  ^brüSi-  und  lit.  marti; 
wie  letzteres  muss  es  das  mannbare  weib  bis  zur  geburt  des 
ersten  kindes  bezeichnet  haben,  wie  sich  aus  alb.  nuser^  zeit 
Yon  der  hochzeit  bis  zur  niederkunft  ergibt.  Wir  müssen  uns 
also  nach  einer  anderen  etymologie  für  alb.  nuse  umsehen. 
Bevor  ich  aber  auf  nuse  eingehe,  sei  mir  erlaubt,  eine  Vermu- 
tung über  die  etymologie  von  ai.  snusä  usw.  auszusprechen. 
Man  hat  früher  nicht  daran  anstoss  genommen,  die  idg.  Wörter 
für  Schwiegertochter  in  etymologischen  Zusammenhang  mit  dem 
idg.  wort  für  söhn  (ai.  sanü-s  usw.)  zu  bringen,  wofür  man 
sich  auf  Schwab,  söhnin,  söhnerin  berufen  hat;  diese  ansieht 
vertreten  u.  a.  Schrader  (Sprachvergl  u.  urgesch.  *  542,  reallex. 
753),  Delbrück  (Verwandtschaftsn.  534  f.),  Kluge  (Etym.  wb.  « 
350)  und,  wenn  auch  zweifelnd,  Fick  I  ^,  150.  Gegen  diese 
etymologie  hat  sich  Bartholomae  (Stud.  z.  idg.  spraohgesch. 
II,  31,  anm.  5)  erklärt,  indem  er  mit  Job.  Schmidt  (KZ. 
XXV,  29)  ^)  annimmt,  ü  könne  doch  nicht  ausfallen.  Die  alte 
etymologie  hat  dann  in  Pedersen  (o.  XIX,  297  f.)  einen  Ver- 
teidiger gefunden  und  man  darf  mit  Pedersen  die  möglichkeit 
offen  lassen,  dass  ü  unter  umständen  schwinden  kann.  Nun 
haben  wir  aber  zur  bezeichnung  der  durch  heirat  entstandnen 
Verwandtschaftsverhältnisse  wörter,  die  ihrer  etymologie  nach 
von  dem  begriff  des  bindens,  festmachens  ausgehn: 

ai.  jdm&ä,  av.  zämatar-,  alb.  dsndsr,  dendsf,  gr.  ycLfjtßqoQy 
lat.  gener  (volksetymologisch  umgestaltet  aus  *geiner),  lit. 
zintas,  abulg.  z^  Schwiegersohn,  ai.  jämä  Schwiegertochter, 
jami'S  verschwistert,  gr.  yafiio)  heirate,  lat.  gemini  (die  ver- 
bundenen =)  Zwillinge;  zu  diesen  Wörtern  stelle  ich  ir.  gemel, 
cymr.  gefgn  fessel,  gr.  yevto  fasste,  vyys/nog-  avXXaßi]^  aisl. 
kimbeU  bündel,  ags.  cimbing  commissura;  abulg.  zwnq  drücke, 
das  gewöhnlich  zu  gr.  yiwo  gestellt  wird,  gehört  nicht  hierher, 
sondern  eher  zu  lat.  gemo  seufze. 

1)  Job.  Schmidt  bringt  zweifellos  mit  recht  ai.  Hr^  weib  in  ety- 
mologischen Zusammenhang  mit  ai.  sätu-s  matterleib,  irrt  aber  darin, 
dass  er  weiter  urgerm.  ^sadi-  saat  heranzieht.  Es  unterliegt  für  mich 
keinem  zweifei,  dass  ä  in  aatU'S  auf  einen  u-diphthong,  idg.  eu,  öu  oder 
äu,  zurückgeht  und  atUu-s  etymologisch  zu  ai.  suie  («au^t),  »uyaU  {süyaii), 
sdvati  zeugt,  gebiert  gehört. 


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212  Wiedemanti 

ags.  ädum,  ahd.  eidum  Schwiegersohn  gehört  mit  argerm. 
*aißa-  eid  zu  ahd.  Swa  gesetz,  ehe;  der  diesen  wörtem  zu 
gründe  liegende  begriff  ist  „festmachen",  „binden'S  die  orsprüng- 
Uche  bedeutung  des  urgerm.  "^aißa"  „festmachung",  „erhärtung'S 
die  des  urgerm.  *aiwö-  „festsetzung",  „vertrag**;  wahrscheinlich 
ist  auch  das  zahlwort  für  „eins",  idg.  ^op-no-s^  ^oi-ko^s,  verwandt 
und  bezeichnet  ursprünglich  das  vereinigen  mehrerer  dinge  zu 
einem.    Hingegen  ist  got.  ai^ei  mutter  nicht  hierher  zu  stellen. 

gr.  rcsv&sQog  vater  der  frau  wird  allgemein  zu  gr.  fcüa§jia 
tau,  seil,  got,  bindan  binden  usw.  gestellt. 

ai  syald'8,  abulg.  iurh,  äurim,  iura  bruder  der  frau,  die 
Hoffmann  (o.  XXI,  140  ff.)  zusammengestellt  hat,  gehören  weiter 
zu  ai.  sjfü'ma  band,  riemen,  zügel,  naht,  gr.  vftijv  hochzeitslied, 
gott  der  ehe  und  zu  ai.  aivyaü  näht  und  seiner  sippe. 

mhd.  gatß  gatte,  got.  gadiliggs  vetter,  verwandter  zu  ahd. 
gaiaro  gatter,  nhd.  guter  (Kluge,  Etym.  wb.  *  lä5,  will  hierin 
eine  Zusammensetzung  aus  urgerm.  ^ga-,  ge-  und  urgerm.  *dur- 
tür  sehen)  und  weiter  zu  ai.  gadk"  festhalten,  festmachen. 

com.  dof  Schwiegersohn :  ir.  däm  gefolge,  schar,  gr.  däiiog^ 
Srjfiog  Volk,  denen  der  begriff  des  zusammenfassens  zu  gründe 
liegt;  vgl.  got.  hansa  (aus  idg.  ^konUsä)  schar :  got  hintan  &8sen. 

lit.  laigönas  bruder  der  frau  :  lat  ligo  binde,  wobei  für 
das  litauische  in  rücksicht  auf  alb.  Üid'  binde  (G.  Meyer,  o. 
Vm,  186,  Etym.  wb.  d.  alb.  spr.  245,  Alb.  stud.  IH,  17)  Ver- 
mischung der  gutturalreihen  anzunehmen  ist 

Andre  in  betracht  kommende  verwandtschaftswörter  sind 
etymologisch  dunkel;  aber  die  hier  genannten  genügen,  um  es 
gerechtfertigt  erscheinen  zu  lassen,  auch  für  ai.  mu^d  und 
seine  sippe  von  dem  begriff  des  bindens,  festmachens  auszugehn 
und  es  zu  ai.  mdva,  snävd  band,  sehne,  abulg.  snov^  zettele, 
gr.  vi(a  spinne,  vcv^a,  yevQov  sehne  zu  stellen;  mit  wurzeler- 
weiterndem labial  gehört  hierher  auch  abulg.  snubiii  verlangen, 
lieben,  in  andern  slav.  sprachen  auch  verloben,  wobei  von  der 
grundbedeutung  „die  band  wornach  ausstrecken"  auszugehn  ist 
(das  straffwerden  der  sehnen  ist  hierbei  das  wesentliche;  vgl. 
dieselbe  begrifisentwicklung  bei  nhd.  sich  sehnen  :  nhd.  sehne  ^). 

1)  E[ret8chmer  (ans  d.  anomia  27  mit  anm.  2)  will  aach  lat  mbo 
heirate  hierher  ziehen  und  von  lat.  nübo  Terhfille  trennen,  laaat  dabei 
aber  ansser  acht,  dass  nübo  nur  vom  weibe  gebraucht  wird,  abolg.  tnu-' 
lü%  aber  Tom  mann ;  andrerseits  ist  ja  das  verhallen  der  brant  eine  alte 


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Etymologien.  213 

Kehren  wir  nun  nach  dieser  abschweifiing  zu  alb.  nttse 
zurück,  80  ist  zunächst  noch  ein  anknüpfungsversuch  dieses 
Wortes  zu  erwähnen.  Kretschmer  (aus  der  anomia  27  f.),  der 
an  der  Zusammenstellung  von  nuse  mit  ai.  snu^d  usw.  festhält, 
setzt  nuse  einem  nur  in  der  quantität  der  ersten  silbe  abwei- 
chenden thrak.  vvaä  mit  denselben  bedeutungen  wie  gr.  vvfignjj 
TuieT],  Ttaqd-ivog  gleich  und  sieht  das  zugehörige  maskulinum  in 
dem  namen  JtO'yvaoq^  den  er  als  „Zeussohn*',  „Zeusheld''  er- 
klärt. Darin,  dass  mit  dem  kultus  der  Semele  und  des  Dio> 
nysos  auch  die  namen  beider  gottheiten  aus  Thrakien  heräber- 
gekommen  sind,  hat  Kretschmer  vollkommen  recht;  aber  mit 
der  deutung  beider  namen  scheint  auch  er  mir  nicht  das  rechte 
getro£Een  zu  haben.  Ohne  auf  die  bisherigen  deutungen  des 
namens  Jiowaog,  die  G.  Meyer  (Gr.  gramm.  *  381  f.  anm.) 
zusammengestellt  hat,  einzugehn,  möchte  ich  hier  eine  neue 
deutung  versuchen,  wobei  ich  voraussetze,  dass  der  name  thra- 
kischen  Ursprungs  ist.  Wie  SefiiXt]  meiner  meinung  nach  nicht 
zu  thrak.  ^efieixo  erde  (lat.  hutnüis)^  sondern  als  „traube"  zu 
ahd.  uo-quemilo  racemus  gehört,  wobei  ^-,  d.  h.  z-,  und  ahd. 
qu-  auf  idg.  gv-  zurfickgehn  können  <),  so  ist  Jiovvaog  (Ju- 

indogermaDische  sitte.  Es  darf  daher  unbedenklich  nubo  heirate  mit 
nübo  TerhÜUe  identifizirt  werden,  obgleich  Kretschmer  bei  Stolz  (Hist. 
gramm.  I,  302)  und  Brugmann  (Grdr.  I  *,  764)  zastimmang  gefanden  hat. 
1)  G.  Meyer  (Alb.  stad.  III,  61  anm.  2)  bringt  in  ähnlicher  weise 
gr.  aitog  getreide,  weizen,  mehl,  brod,  nahrong  in  etymologischen  Zu- 
sammenhang mit  got.  hvaiisü  weizen  und  mit  diesem  weiter  zu  got. 
hveä»,  ai.  fvetd-»  weiss  (idg.  w.  hffeid  neben  ^!f«tQ,  wobei  er  lit.  kvflty» 
weizenkom,  pl.  kveetät  weizen  als  germ.  lehnwort  betrachtet,  wie  es 
anch  Elnge  (Etym.  wb.  *  420)  tat.  In  rücksicht  anf  das  bedeatongs- 
Terh&ltnis  von  lit.  kvHgs  :  hoihzäf^  das  dem  von  lit.  rugii  roggenkem  : 
pl.  rugiäf  roggen  n.  ahnl.  entspricht,  halte  ich  lit.  kv^fy»,  kvSezat  für 
einheimisch  und  stelle  es  mit  got.  hvaiUU  zu  abulg.  whU\  blühe  (idg.  w. 
kfieit  :  hffe%d)\  oTtos  hingegen  stelle  ich,  es  ebenfalls  als  fremdwort  auf- 
fassend, zu  abulg.  mto  fructus,  bulg.  IHto  weizen,  serb.  Mäo  getreide, 
weizen,  slov.  9Uo  getreide,  roggen,  Sech.  Jtöo  roggen,  osorb.  Üto,  nsorb. 
iyto  getreide,  roggen,  polab.  zaiHi  getreide,  poln.  iyio  getreide,  roggen, 
klruss.  iyio  roggen,  russ.  IHto  getreide,  pr.  yeits  brod,  gatdi»  weizen ;  die 
bedeutung  des  pr.  geäa  spricht  namentlich  für  meine  erkl&rung  von 
aZtoi,  das  ja  u.  a.  auch  „brod"  bedeutet;  pr.  gaidü  darf  von  pr.  geits 
nicht  getrennt  werden,  wie  es  z.  b.  bei  Bemeker  (Preuss.  spr.  289)  ge- 
schieht. Was  das  lautverhältnis  von  gr.  a-  :  litu-slav.  g  betri£ft,  so  liegt 
entweder  im  Litu-slavischen  yermischnng  der  gutturalreihen  vor  oder 
das   von  Pedersen  (KZ.  XXXVI,  805  ff.)  für   das  Albanesische  naohge- 


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214  Wiedemann 

vvaog,  Jeovijaog)  abgeleitet  yon  thrak.  *Ji6vä  (^Jisvä^  ^Jeoya)^ 
das  etymologisch  zu  gr.  Qvwvtj,  einem  namen  der  Semele,  und 
weiter  zu  der  in  gr.  dvu)  stürme  daher,  rase,  opfere  steckenden 
Wurzel  gehört  und  daher  die  „berauschende"  bedeutet;  Jicrv- 
aog  fasse  ich  als  ein  von  ^  Jiovä  mit  dem  suffix  idg.  -utja^ 
(vgl.  lit.  -^tis)  gebildetes  deminutiv  oder,  was  ja  dasselbe  ist, 
metronymikon  auf  und  führe  zur  stütze  dieser  ansieht  den  rho- 
dischen  namen  des  gottes,  &vwvidag,  das  ja  unverkennbares 
metronymikon  von  Qtmvrj  ist,  ferner  Qviovevg  =  spross  der 
Gvunnj  und  den  päonischen  namen  des  Dionysos,  JvaXog,  an. 
Der  fremde  name  ist  dann  in  einigen  griechischen  dialekten  in 
volksetymologischen  Zusammenhang  mit  Zeig  gebracht  und  zu 
^Jiog-vwog  umgestaltet  worden.  Ob  -a-  in  Jiovvaog  erst  auf 
griechischem  boden  aus  -ti-  entstanden  oder  schon  im  thraki- 
schen  -ti-  zu  -s-  geworden  ist  (im  Albanischen,  dem  ja  das 
thrakische  nahe  steht,  wird  nachtoniges  idg.  -^i-  zu  s-;  6.  Meyer, 
Alb.  stud.  III,  25)  ist  gleichgiltig;  wichtiger  ist,  dass  die  Grrie- 
chen,  nachdem  sie  im  namen  Jiovvaog  den  namen  des  Zevg 
enthalten  glaubten,  das  ursprüngUche  *- vvaog  mit  anlehnung  an 
Nvaa  in  -vvaog  umgestalteten.  Ist  meine  erklärung  von  /fio- 
vvaog  richtig,  so  findet  alb.  nuse  an  -vvoog  keinen  anhält ;  hin- 
gegen wäre  etymologischer  Zusammenhang  mit  gr.  Nvaa^  lat. 
niUrio  nähre  möglich,  wenn  man  für  Nvaa,  nfUrio  von  dem 
begriff  „strotzen''  ausgeht;  vgl.  z.  b.  fries.  fämne  raädchen, 
magd,  ags.  fcßtnne  Jungfrau,  Jungverheiratete  frau,  die  Joh.Schmidt 
(Sonantenth.  105)  mit  recht  zur  sippe  von  lit.  pencu  milch 
zieht.  Aber  meiner  meinung  nach  liegt  es  doch  näher,  wie  für 
lit  marti,  urgerm.  ^brüdi-,  so  auch  für  alb.  nuse  von  dem  be- 
griff „schimmern^',  „strahlen'',  „glänzen'*  auszugehn.  Daher 
führe  ich  alb.  nuse  auf  idg.  *nükä  zurück  und  stelle  es  zu- 

wiesene  gesetz,  dass  die  labiovelare  vor  palatalen  vokalen  palatalisirt 
werden,  gilt  auch  für  die  spräche,  ans  der  oTrog  entlehnt  ist;  ich  halte 
letzteres  für  wahrscheinlicher.  —  Anders  wird  ahd.  uo-^iuemtio  Ton 
E.  Zapitza  (Germ.  gntt.  83)  beurteilt,  der  darin  eine  weiterbUdnng  von 
ahd.  uo-quemo  sprössling,  nachkomme  sieht,  es  also  aagenscheinlich  zu 
got.  qiman  kommen  steilen  will;  das  halte  ich  für  sehr  unwahrschein- 
lich. —  Das  phrygg.  C^fjtiUv  ßaQßagop  avdQanodov.  4^vy€s  Hes.,  das 
Eretschmer  mit  anderen  als  „mensch"  auffasst  and  zu  lat.  Aemo,  hämo 
mensch  stellt,  bedeatet  meiner  meinung  nach  von  hause  ans  „gefesselter", 
„gefangener"  und  gehört  zunächst  zu  dem  bereits  oben  (s.  211)  er- 
wähnten ir.  getnel  fesseL 


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Etymologien.  215 

nächst  zu  ir.  nfUichor  (—  idg.  ^neuTc-oro-s,  bez.  -orä)  bräatigam, 
braut  und  weiter  mit  Stokes  (Fick  II  ^,  193)  zu  idg.  *nevo8, 
*nevijo$  neu,  wozu  ja  auch  gr.  veaviag  jüngling  gehört;  Stokes 
sieht  in  -chor  zweifelnd  das  gr.  xoqtj  mädchen,  aber  ich  glaube 
doch,  dass  sich  alb.  nuse  zu  idg.  *nevos  ebenso  verhält  wie  ai. 
yuva-gdrs  jugendlich,  lat.  juvencus  jung,  junger  stier,  jüngling, 
got.  jugga  jung  :  ai.  yüvan  jung;  im  Keltischen  ist  dann  noch 
ein  r-suffix  angetreten.  Dass  8  in  msse  Vertreter  eines  idg.  1c 
sein  kann,  wird  durch  das  von  Pedersen  (KZ.  XXXVI,  338) 
aufgestellte  lautgesetz  gestützt;  daher  wird  auch  Pedersen,  der 
ja  wiederholt  für  alb.  nuse  =  ai.  snu^i  eingetreten  ist,  keine 
lautlichen  bedenken  gegen  meine  erklärung  von  alb.  nuse  gel- 
tend machen  können. 

Die  bedeutung  „mannbares  mädchen'^  ist  meiner  meinung 
nach  die  ursprüngliche  des  lat.  uxor  ehefrau,  gattin  gewesen, 
vrie  sich  aus  der  redensart  uxärem  dücere  in  mätrimönium  er- 
gibt, die  doch  nur  dann  einen  sinn  haben  kann,  wenn  sie  be- 
deutet „ein  mannbares  mädchen  in  die  ehe  fuhren*^;  auch  die 
redensart  tixöre  exeisdere  um  die  braut  kommen  spricht  zu 
gunsten  meiner  annähme.  Ob  die  bei  Plautus  an  zwei  stellen 
im  cod.  vet.  überlieferte  form  mit  anlautendem  vo-  gewährt  hat 
(Koch,  n.  Jahrb.  CI,  283  flf.,  685,  Froehde,  o.  XIV,  95)  oder 
nicht  (Brix.  Plaut,  trin.  111,  Stolz,  bist,  gramm.  149,  lat. 
gramm.  '  79,  anm.  11,  Lindsay,  lat  spr.  6),  ist  für  die  etymo- 
logie  nur  in  sofern  von  belang,  als  durch  voxor  die  bei  den  alten 
grammatikern  beliebte  Zusammenstellung  mit  lat  unguo  (ungo) 
salbe,  die  heute  ausser  Keller  (Z.  lat.  sprachgescb.  I,  18fif.) 
ohnehin  wol-  kaum  noch  einen  anhänger  finden  dürfte,  und  die 
nicht  gerade  überzeugende  Zusammenstellung  mit  ai.  ücyati 
findet  gefallen,  6kas  behagen,  gefallen,  gewohnter  ort,  wohn- 
stätte,  heimwesen  (Fick,  Vgl.  wb.  «  23,  I  *  7,  159,  360,  o. 
XIV,  79,  XVIII,  138,  Bugge,  o.  XIV,  76,  Prellwitz,  Et  wb.  d. 
gr.  spr.  227)  widerlegt  werden;  denn  unguo  enthält  überhaupt 
kein  idg.  u-  (ai.  afij-,  präs.  andkli  salbt  usw.)  und  zu  ai.  ücyati 
usw.  lässt  sich  kein  hochtoniges  idg.  vek-vok-  nachweisen.  So 
bleiben  denn  von  den  bisherigen  Zusammenstellungen  nur  die 
von  Pott  (Etym.  forsch.  I  \  9)  herrührende  mit  der  sippe  von 
ai.  vdhati  fuhrt,  fährt,  zieht,  fährt  dahin,  fliesst,  weht,  trägt, 
führt  heim,  heiratet  (diese  etymologie  billigt  u.  a.  auch  Del- 
brück aao.  439)  und  die  von  AscoU  (KZ.  XIII,  157  ft)  her- 


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216  Wiedemann 

rührende  mit  der  sippe  yod  ai.  txfyfi  will,  gebietet,  yerlangt, 
begehrt,  hat  gern  lautlich  möglich  ^).  Aber  auch  hier  bieten 
sich  grosse  Schwierigkeiten.  Gehört  uosor  zu  vehere,  so  könnte 
es  seinem  suffix  nach  eher  „führer"  —  bräutigam,  als  „ge- 
führte" =  braut  bedeuten.  Diese  Schwierigkeit  sucht  Delbrück 
aao.  durch  die  annähme  zu  umgehn,  uxar  beruhe  auf  einem 
*vexa  =  vecta  und  verdanke  sein  suffix  dem  einfluss  von  9oror; 
aber  zur  ansetzung  eines  *vexa  berechtigt  uns  nichts,  denn  das 
part.  pass.  lautet  eben  vectus  und  es  gibt  ausser  tentus  neben 
tensus,  die  aber  nicht  als  stütze  von  *vextM  benutzt  werden 
dürfen  (tenttM  =  gr.  Tcrrog,  ai.  tatd-s,  tensus  aus  ^tend-to-s)^ 
kein  beispiel  für  -so-  neben  -to-.  Auch  bei  Ascoli's  etymologie 
macht  das  -s-  Schwierigkeiten.  Oehn  wir  aber  für  uxor  von 
der  bedeutung  „mannbares  mädchen"  aus,  so  lässt  es  sich  ohne 
das  geringste  lautliche  bedenken  zunächst  an  ai.  ükfaii  wächst 
und  weiter  an  dessen  sippe  anschliessen,  woran  schon  Leo  Meyer 
(Vgl.  gramm.  I  •  808),  aber  mit  annähme  einer  andern  be- 
deutungsentwicklung,  gedacht  hat;  auch  Froehde  aao.  vertritt 
Leo  Meyer's  ansieht.  Zu  uxor  gehören  etymologisch  wol  auch 
die  keltischen  Wörter  com.  gtdiU,  bret.  gouhez  Schwiegertochter, 
die  auf  idg.  *veks-  zurückgeführt  werden  können. 

Die  bedeutungen  „braut**,  ,Junge  frau",  „Schwiegertochter" 
vereinigt  auch  abulg.  nev^a  und  die  ihm  entsprechenden  werter 
der  übrigen  sla vischen  sprachen;  dass  auch  hier  von  der  be- 
deutung „mannbares  mädchen"  auszugehn  ist,  zeigt  russ.  nev6sta, 
das  diese  bedeutungen  neben  den  erwähnten  hat,  dann  aber 
auch  „alte  Jungfer"  bedeutet  Es  ist  daher  nicht  möglich,  mit 
Prusfk  (KZ.  XXXm,  160  flf.)  slav.  nevSsta  aus  *nev(hvSsta  zu 
erklären  und  darin  eine  Zusammensetzung  aus  *nevo  =  novo- 

1)  Schrader  (Sprachvergl.  u.  argesoh.  '  544,  reallex.  166,  752)  wiU 
lat.  uxar  zu  lit.  ü'bkvib  vater  der  frau  stellen  und  lat.  u-,  Ht.  A-  auf  idg. 
ö-  zurückfahren,  indem  er  sich  auf  lat. /tir  :  gr.  (pnaQ  dieb  beruft;  an 
der  zuletzt  angeführten  stelle  fugt  er  zweifelnd  auch  ags.  de  Stiefvater 
hinzu,  das  von  Kluge  (Festgr.  an  Böhtlingk  61)  wol  richtig  zu  ü'noi* 
gestellt  worden  ist;  lat.  ü  =  idg.  ö  zu  setzen,  sind  wir  aber  nicht  so 
ohne  weiteres  berechtigt  und  ausserdem  lässt  sich  die  Quantität  des  u 
in  uxar  nicht  feststellen.  Lautlich  einwandfrei  wäre  die  Zusammen- 
stellung Schrader's  nur  dann,  wenn  sowol  lat.  u  als  auch  lit.  ü  u-vokale 
wären,  wogegen  ags.  öe  nur  dann  sprechen  würde,  wenn  man  nrgerm. 
ö  aus  idg.  du  oder  au  nicht  gelten  lassen  will.  Mich  hindert  aber  die 
bedeutung,  lat.  uxar  mit  lit.  ü*nvit,  ags.  öe  zusammenzustellen. 


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Etymologien.  217 

neu  und  ^vesta  die  heimgeführte  :  abnlg.  vedq  fahre,  zu  sehen, 
obgleich  Joh.  Schmidt  (Sonantenth.  96)  diese  erklärung  gebilligt 
hat.  Die  ?on  Pnisik  für  litu-slav.  e — v  beigebrachten  beispiele 
sind  alle  zum  beweis  seiner  annähme  nicht  zu  gebrauchen, 
denn  es  handelt  sich  um  Wörter,  die  entweder  Tolksetymologisch 
beeinflusst  sind  (wie  z.  b.  serb.  devesüj  neben  nevesilj  huflattich), 
oder  um  wörter,  die  sich  anders  besser  erklären  lassen  (wie  z.  b. 
lit.  devyni,  abulg.  dev^th  neun  aus  litu-sla?.  ndv-,  verf.,  handb. 
d.  lit.  spr.  27);  auch  Zubat^  (Archiv  f.  slav.  phil.  XVI,  405) 
hält  die  annähme  Prasik's  für  unglaublich.  Recht  hat  Prusfk 
nur  darin,  dass  er,  wie  es  auch  schon  andre  vor  ihm  getan 
haben,  abulg.  vino  mitgift,  für  verwandt  hält.  Letzteres  geht, 
wie  wol  allgemein  anerkannt  wird,  mit  lat.  vSnum  kaufpreis 
auf  idg.  *vHhnom  oder  *vSdnom  (vgl.  gr.  eedva,  ?dm  brautge- 
schenke)  zurück.  Da  slav.  vSno  ursprünglich  den  für  braut 
gezahlten  kaufpreis  bedeutete,  so  liegt  nichts  näher  als  ne-v^ta 
als  „(noch)  nicht  verkaufte^',  „(noch)  nicht  verheiratete*'  zu 
fassen,  wie  das  auch  Zubat^  (aao.  407)  tut,  der  aber  ai.  vin- 
ddti  findet,  erwirbt,  heiratet,  vetta  gatte  vergleicht.  Ausserhalb 
des  Slavischen  stehn  begrifflich  am  nächsten  ai.  vadka's  braut, 
junges  eheweib,  lit.  vadü'ti  auslösen,  got.  gohtcadjan  verloben, 
tcadi  pfand,  handgeld,  lat.  vas  bürge.  Verwandtschaft  mit  lit. 
vedü,  abulg.  vedq  führe  ist  zwar  anzuerkennen,  doch  liegen 
diese  Wörter  begrififlich  femer;  wir  dürfen  wol  eine  idg.  w.  v^h  : 
vM  mit  der  grundbedeutung  „fest  machen^^  annehmen,  woraus 
sich  einerseits  die  bedeutung  „an  der  band  fassen*',  „führen'\ 
andrerseits  die  bedeutung  „festsetzen'^  „einen  vertrag  schliessen'S 
„bürgen'*  entwickelt  hat  Von  sonstigen  idg.  Wörtern  für  „ehe- 
frau*'  bespreche  ich  noch  ai.  dards  pl.  m.,  über  das  zuletzt 
Johansson  (IF.  III,  224  flf.)  und  Bradke  (IF.  IV,  85  ff.)  gehan- 
delt haben;  ältere  literatur  über  därds  hat  Johansson  s.  225 
angeführt.  Beide  nehmen  für  därds  die  bedeutungsentwicklung 
„haus",  „familie'S  „hausfrau**  an,  indem  sie  sich  auf  ai.  grhas 
pl.  m.  das  dieselben  bedeutungen  hat,  berufen;  beide  ziehen 
das  griechische  heran,  Johansson  öovXog'  ^  oixia^  i]  rijy  irtl 
to  avTO  awelsvaiv  tuiv  yvvaixdjy  Hes.  und  öovXog^  dor.  ödiXog 
Sklave,  Bradke  ödfjiaQ  gattin.  Johansson  stimmt  im  wesent- 
lichen mit  Legerlotz  (Etymol.  Studien,  progr.  Salzwedel  1882) 
tiberein,  wo  eingehend  über  doiXog  gehandelt  wird.  Dass  dovlog' 
fi  oiula  und  dovkog  sklave  identisch  sind  und  weiter  zu  ai.  da- 


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äl8  Wiedemann 

rd-s  das  7.  astrologische  haus  gehören,  darf  man  Johansson 
UDbedenklich  zugeben,  wenngleich  meiner  meinung  nach  das 
begriffsverhältnis  von  „haus"  und  „sklave"  von  Legerlotz  und 
Johansson  verkannt  ist;  wir  haben  es  mit  derselben  würzet  zu 
tun,  die  z.  b.  in  gr.  dvvafiai  bin  stark,  kann  steckt,  und  Sovlog- 
^  oiyua  bedeutet,  wie  z.  b.  gr.  öofiog  „das  feste"  (vgl.  gall. 
dünum,  aisl.  tun,  die  auch  Johansson  s.  232  anfuhrt),  dovlog 
Sklave  aber  „zimmerer'S  „arbeiter'';  weitere  verwandte  hat  Lo- 
rentz  (IF.  V,  342  f.),  der  ebenfalls  für  Sovlog  sklave  von  der 
bedeutung  „arbeiter"  ausgeht,  zusammengestellt,  insbesondere 
got.  taujan  machen,  aisl.  ags.  töl  Werkzeug.  Auch  Legerlotz, 
der  allerdings  auch  manches  nicht  hierher  gehörige  heranzieht, 
hat  Sovlog  schon  zu  got.  taujan  gezogen;  das  bedeutungsver- 
hältnis  von  gr.  Sofiog  haus  :  Sfidg  sklave  beurteile  ich  ebenso. 
Dass  Johansson's  erklärung  des  ai.  daräs  nicht  das  richtige 
tri£ft,  beweist  meiner  meinung  nach  der  umstand,  dass  aL  da* 
raka-s  nicht  nur  „knabe",  „söhn'*  bedeutet,  sondern  auch  „tier- 
junges"; es  ist  also  für  ai.  daraka-s  von  der  bedeutung  „Säug- 
ling" auszugehn  (vgl.  lat.  fiUus  söhn,  ftUa  tochter  —  lett  däe 
saugendes  kalb  oder  lamm  zu  lett.  dEju  sauge).  Da  man  sich 
wol  schwerlich  dazu  entschliessen  wird,  ai.  däraka-s  und  ai. 
därikä,  darakS  mädchen,  tochter  von  däräs  zu  trennen,  kann 
letzteres  nur  als  „säugend"  gefasst  werden;  die  plurale  form 
ist  eben  so  zu  erklären  wie  bei  Johansson's  etymologie.  Wie 
ai.  dards  das  7.  astrologische  haus  und  gr.  Swlogy  Sovlog  von 
Johansson  richtig  auf  eine  idg.  w.  däu  zurückgeführt  werden, 
so  liegt  auch  dem  ai.  dära-  saugend,  säugend  eine  idg.  w.  däu, 
d&i  oder  döu  zu  gründe;  zu  ai.  dära-  gehört,  mit  andrer  ab- 
lautstufe, nhd.  zullen  saugen,  dessen  Ursprung  Kluge  (EtymoL 
wb.  ^  439)  als  dunkel  bezeichnet. 

Im  anschluss  an  die  bisher  besprochenen  verwandtschafts- 
wörter,  bespreche  ich  hier  noch  einige  andre,  die  ich  etymolo- 
gisch anders  erkläre  als  allgemein  üblich  ist,  ohne  auf  die  bis- 
herigen etymologien  näher  einzugehn,  als  es  zur  begründung 
der  von  mir  vertretenen  ansichten  nötig  ist. 

Mann.  Wie  idg.  *  vires  (ai.  vlrds,  av.  virö,  lat.  riV,  ir.  fer, 
got.  wair,  lit.  vyras)  bezeichnet  auch  ai.  püman  den  mann  als 
den  starken;  begrififlich  am  nächsten  stehen  £ech.  pevny  fest 
(weitere  slav.  verwandte  bei  Miklosich,  Etymol.  wb.  269);  ganz 
anders,  aber  schwerlich  richtig,  über  diese  slavische  sippe  Zu- 


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Etymologien.  219 

bat^  (Archiv  f.  slay.  philol.  XVI,  408  f.).  Auch  alb.  buf,  bufe 
mann,  ehemann  bedeutet  ursprünglich  ,>8tark*S  denn  es  gehört 
nicht,  wie  6.  Meyer  (Etymol.  wb.  d.  alb.  spr.  öö,  Alb.  stad. 
m,  74)  will,  zu  ahd.  bür  haus,  kammer,  sondern  mit  ahd.  baro 
mann  zu  gr.  (pigteQog  stärker,  tapferer,  vortrefflicher;  ich  führe 
buf  auf  idg.  *bhemo8  zurück,  denn  der  idg.  rednzirte  vokal 
erscheint  auch  sonst  im  Albanischen  als  u.  Ob  mit  O.  Meyer 
auch  alb.  mbuf  lobe,  mbufem  prahle,  bin  stolz  hierher  zu  stellen 
ist,  lässt  sich  nicht  entscheiden,  da  alb.  b  nach  anlautendem 
m  auch  idg.  p  vertreten  kann  und  in  diesem  fall  die  bei  Mi- 
klosich  (aao.  268  unter  päch-)  behandelte  sippe  begrifflich  sehr 
nahe  stünde;  -ch-  ist  Wurzelerweiterung;  alb.  f  wäre  in  diesem 
fall  suffixal.  —  Falls  für  got.  c^  ehemann  von  der  bedeutung 
„mann*'  auszugehn  ist,  und  dafür  spricht  die  bedeutungsent- 
vncklung  bei  got.  qens  ehefrau  —  ai.  -jäni-s  weib,  gehört  es 
zunächst  zu  got  abrs  stark,  heftig;  näheres  über  aha,  abrs  in 
einem  anderen  Zusammenhang.    Über  got  guma  s.  o.  s.  203. 

Weib.  Von  den  wörtem  dieser  bedeutung  erwähne  ich 
nur  aisl.  vif,  ags.  as.  wif,  ahd.  wtp,  das  mit  recht  zu  ahd. 
weibön  schwanken,  unstet  sein,  ai.  f>ip<xt€^  vepati  regt  sich, 
zittert  gestellt  wird,  nur  möchte  ich  nicht  mit  Kluge  (Etym. 
wb.  *  417)  an  die  in  ai.  vipra-s  erregt,  begeistert,  dichter, 
priester  und  andern  altindischen  Wörtern  dieser  sippe  hervor- 
tretende auf  das  geistige  übertragene  bedeutung,  sondern  un- 
mittelbar an  die  des  ahd.  tpeibön  anknüpfen;  urgerm.  *trzfta- 
bezeichnet  also  das  weib  nach  dem  mehr  oder  minder  wiegen- 
den gang;  die  übertragene  bedeutung  „erregt  sein"  ist»  so  weit 
ich  sehe,  ausschliesslich  indisch. 

Mutter.  Das  idg.  ^mater-  (ai.  tnätä,  av.  mäta,  arm.  mair, 
gr.  fiijtfjQ,  dor.  f^aTfiQj  lat.  tnäter,  ir.  tnäthir^  aisl.  möder,  abulg. 
mati;  lit  mötSj  mote  eheweib,  weib,  alb.  motre  Schwester  haben 
eine  andre  bedeutung  angenommen)  wird  gewöhnlich  (so  z.  b. 
auch  bei  Delbrück  aao.  384)  zu  ai.  mdti,  mimati  misst  und 
entweder  als  „bildende**  oder  „waltende**  gefasst;  aber  die  in 
ai.  truUi,  mimäti  steckende  wurzel  lautet  idg.  m^,  nicht  mä 
(vgl.  abulg.  m^a  mass,  lat  mitior  messe  usw.),  daher  ist  idg. 
*tnater'^  falls  es  nicht  mit  Kretschmer  (Einl.  in  d.  gesch.  d. 
griech.  spr.  353  ff.),  dem  Schrader  (Reallex.  564)  beistimmt,  als 
Umbildung  eines  lallworts  aufzufassen  ist,  besser  mit  lat  manus 
band  auf  eine  idg.  w.  ma  :  ma  fassen  zurückzuführen  und  als 


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220  Wiedemann 

„empfangend**  zu  fassen;  allerdings  kann  lat.  manus  auch,  wie 
das  gewöhnlich  angenommen  wird  (so  z.  b.  von  VaniÖek,  Etym. 
wb.  d.  lat.  spr.  *  200)  zur  idg.  w.  tnS  messen  gehören»  aber  in 
rücksicht  auf  got.  handus  :  hinßan  (s.  o.  s.  198)  liegt  es  näher, 
lat  manus  als  „fassende**  zu  erklären.  [S.  o.  XXVI,  308.  Pr.] 
Sohn.  Über  idg.  ^sänu-  (ai.  sünü-s,  av.  hunu--,  got.  sunus, 
lit  süniis,  abulg.  stfm^y  daneben  mit  anderem  suffix  gr.  vlog^ 
vtvg^  könnte  man  zweifeln,  ob  es  der  „erzeugte**  oder  den 
künftigen  „erzeuger**  bedeutet;  Delbrück  (aao.  453)  und  Schrader 
(aao.  781)  nehmen  z.  b.  ersteres,  Benfey  (Griech.  wrzUez.  I,  410) 
letzteres  an.  Wenn  wir  aber  erwägen,  dass  neben  idg.  ^aänu- 
der  präsensstamm  ai.  sunti-  (sundti  presst  aus,  keltert),  neben 
gr.  vio-  der  präsensstamm  vo-  :  v«-  (vsi  es  regnet)  liegt,  so 
kann  es  nicht  zweifelhaft  sein,  dass  idg.  *9Ünü,  gr.  vios  den 
künftigen  erzeuger  bezeichnet.  Hingegen  ist  ai.  stUd-s  söhn 
„der  geborene*^  Letzteres  ist  auch  die  bedeutung  des  alb.  bir^ 
das  Pedersen  (KZ.  XXXIII,  541)  zu  aisl.  burr  stellt;  zu  dieser 
ansieht  war  auch  ich  unabhängig  von  Pedersen  gekommen,  zu- 
nächst an  got  baür  denkend ;  aber  schon  lange  vor  Pedersen 
und  mir  hat  Diefenbach  (Vgl.  wb.  d.  got  spr.  I,  261),  wenn 
auch  nicht  gerade  got  baür,  so  doch  das  wurzelverwandte  got 
bam  kind,  dem  im  suffix  alb.  bafs  last  (»  idg.  *bhoma)  sehr 
nahe  steht,  zu  alb.  bir  gestellt;  trotzdem  bezeichnet  Schrader 
aao.  letzteres  als  „dunkel**.  —  Als  etymologisch  dunkel  gelten 
arm.  ustr  und  ordi.  Während  man  früher  (vgl.  die  bei  Lagarde, 
Arm.  stud.  120  verzeichnete  literatur)  ordi  zu  Alpidrd^  söhn, 
kind  gestellt  hat,  hat  neuerdings  Bartholomae  (Stud.  z.  idg. 
sprachgesch.  II,  33  anm.  2)  versucht,  uHr  und  ai.  putrd-^  in 
etymologischen  Zusammenhang  zu  bringen,  dabei  aber  auch 
darauf  hingewiesen,  was  dagegen  spricht  Mit  grösserer  Zuver- 
sicht verbinde  ich  ustr  mit  ai.  uk^d  stier,  cymr.  yck,  got  auksa 
ochse,  ai.  ukadti  lässt  träufeln,  besprengt,  und  ohne  das  vmrzel 
erweiternde  s  :  gr.  hyqog^  aisl.  v^kr  feucht  u.  a.;  zu  gründe 
liegt  dem  arm.  ustr  ein  idg.  ^ukter-^  dessen  volares  k  nach  u 
eben  so  durch  arm.  s  vertreten  ist  wie  bei  arm.  duslr  tochter 
aus  idg.  *dhukter'  und  arm.  usanim  lerne  :  abulg.  vyknqti  sich 
gewöhnen  (vgl.  Hübschmann,  Arm.  gramm.  I,  408,  440,  484). 
Eine  andre  erklärung  von  ustr  versucht  Müller  (MSL.  VII,  162). 
Was  ordi  betrifft,  so  hat  Bugge  (Beitr.  z.  etym.  erläut  d.  arm. 
spr.  28)  es  durch  zurückführung  auf  ein  idg.  ^gatriö-  mit  lat 


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Etymologien.  ül 

Uterus  mutterleib,  got.  qtfror  in  lau&-qiprs  leermagig  zasammen- 
bringen  wollen;  doch  ein  idg.  ^goirid-  hätte  nach  Bartholomae 
(aao.  anm.  1)  *kori  oder  *kwr  ergeben.  Windischmann  (D. 
grundl.  d.  arm.  im  ar.  sprachst.  38,  3)  verbindet  ardi  mit  gr. 
noQtig  kalb,  junge  kuh,  doch  stellt  jetzt  Bugge  (aao.  9)  mit 
besserem  recht  zu  letzterem  arm.  arf  kalb;  Hübschmann  (aao. 
483)  hält  diese  Zusammenstellung  für  unsicher;  aber  über- 
zeugend ist  auch  Windischmann's  etymologie  nicht.  Da  sich 
arm.  ardi  auf  idg.  ^ardh--  zurückführen  lässt,  yerbinde  ich  es 
mit  mhd.  nhd.  art  angeborene  eigenschaft;  allerdings  kann  das 
i  Yon  art  auch  auf  idg.  t  zurückgehn,  aber  auch  in  diesem  fall 
braucht  art  nicht  von  arm.  ardi  getrennt  zu  werden,  denn  im 
Armenischen  wird  idg.  -rt-  lautgesetzlich  zu  -rd^  (Hübschmann, 
aao.  408);  weiterhin  ist,  da  bei  Zugrundelegung  einer  idg.  w. 
erdh  :  ordh  das  dh  Wurzelerweiterung  ist,  die  in  ags.  2.  sing. 
eart,  pl.  earan,  lit.  yrä  steckende  idg.  -w.  er  :  ar  sein  (Job. 
Schmidt^  KZ.  XXV,  595)  zu  vergleichen;  die  konkrete  grund- 
bedeutung  dieser  idg.  w.  ^  :  or  ist  wol  „geboren  werden '', 
„seinen  Ursprung  nehmen*',  denn  auch  lat.  ariar  erhebe  mich, 
entstehe,  ardiar  fange  an,  sind  verwandt;  auch  abulg.  radz  ge- 
Bchlecht,  geburt,  natur  ziehe  ich  hierher,  indem  ich  vorslavisohe 
metathesis  von  idg.  or-  zu  ra-  annehme;  schon  Ebel  (KSB. 
I,  428)  hat  rad^  und  art  zusammengestellt  Von  art  angeborne 
eigentümlichkeit  ist  ahd.  mhd.  art  ackerbau,  ackerung  (zu  lat. 
aro,  gr.  dgoio  pflüge  usw.)  ganz  zu  trennen.  Ist  die  hier  ge- 
gebne erklämng  des  arm.  ordi  richtig,  so  würde  es  „zum  ge- 
schlecht, zur  familie  gehörig*'  bedeuten;  dieselbe  bedeutung  hat 
man  ja  auch  für  lat  filius  bei  der  lautlich  unmöglichen  Zu- 
sammenstellung mit  gr.  qwki^j  gwlov  (Thumeysen  o.  XHI,  281 
anm.)  angenommen.  —  Im  Keltischen  haben  wir  air.  tnaccy 
cymr.  mab,  über  die  zuletzt  E.  Zupitza  (KZ.  XXXVI,  237)  ge- 
handelt hat,  nachdem  er  schon  früher  (Germ.  gutt.  65  f.)  got 
magus  knabe,  knecht  dazu  gestellt  hatte;  abweichend  von 
£.  Zupitza  führe  ich  air.  macc  auf  idg.  ^mahtds  zurück,  auf 
das  auch  lat.  magntM  gross  zurückgeht,  dessen  übliche  Zusam- 
menstellung mit  arm.  mec,  alb.  mad'  (best  fnaö'i)^  gr.  fifyag^ 
fieyako-^  got.  mikils  gross  des  a  wegen  bedenklich  ist;  im  suffix 
entsprechen  einander  einerseits  macc  und  lat.  magnus^  andrer- 
seits mab  und  got.  magus.  Über  die  weiter  zugehörigen  Wörter 
handle  ich  weiter  unten  in  einem  besondem  arükel. 


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m  WiedematiD 

Tochter.  Das  idg.  wort  für  tochter  (ai.  duhäd,  ay.  duy- 
dar-,  arm.  dustr,  gr.  &vyäTfjQf  got.  daühtaVy  lit.  dulde,  abulg. 
dhäti)  hat  man  von  jeher  in  etymologischen  Zusammenhang  mit 
ai.  dögdhi  melkt,  milcht  gebracht,  dabei  aber  das  wort  teils  als 
„melkerin",  teils  als  „säugend^',  „nährend'S  teils  als  „saugend'' 
erklärt  Die  erstgenannte  au£fassung  halte  ich  für  die  richtige; 
das  Objekt  des  melkens  ist  pdtitn  (z.  b.  RV.  I,  105,  2) ;  wie  bei 
idg.  *8änü-  ist  also  auch  hier  die  künftige  geschlechtsfunktion 
bezeichnet. 

Bruder.  Etymologisch  unaufgeklärt  ist  bisher  alb.  vdij 
vbü.  Zwar  hat  G.  Meyer  (Alb.  Stud.  III,  36)  es  in  der  weise 
mit  idg.  *bhräter-  zusammenzubringen  versucht,  dass  er  darin 
eine  koseform  sah,  wie  eine  solche  z.  b.  auch  in  lit.  brölis  yor- 
liegt.  Aber  vi-  bietet  Schwierigkeiten,  denn  avul  dunst,  auf  das 
6.  Meyer  sich  beruft,  indem  er  letzteres  zu  der  sippe  von  ai. 
cAhrä'S  trübes  wetter,  gewölk,  luitraum,  staub  stellt,  muss  yon 
dieser  getrennt  werden,  da  sie  auf  eine  nasalirte  wurzel  (idg. 
*einbh)  zurückgeht,  wie  lat  imber  platzregen,  air.  imritn  stürm 
zeigen  (Johansson,  IF.  IV,  139);  ob  Johansson  (aao.  anm.  1) 
apui  richtig  mit  gr.  aslXa  zusammenstellt,  bleibt  fraglich.  Was 
aber  veiä  anlangt,  so  hat  G.  Meyer  (Etym.  wb.  470)  einen  weg 
gezeigt,  der,  wie  mir  scheint,  zum  ziel  führt:  er  erinnert  an 
idg.  Verwandtschaftsnamen  mit  anlautendem  sve-.  Hieran  an- 
knüpfend, stelle  ich  veid  zu  aisl.  svili  brother-in-law,  pl.  svüar 
the  husbands  of  two  sisters;  zu  letzteren  stellen  Kluge  (KZ. 
XXVI,  86)  und  Hofi&nann  (o  XXI,  142)  gr.  eiXtaveg-  oi  . .  . 
ädehpag  yijfiavreg  ofioya/ißgoi  ^  avyyafißQOi  (Pollux  IIl,  32); 
doch  bereiten  andre  gr.  dialektformen  lautliche  Schwierigkeiten 
(Meister,  o.  XVIII,  324  ff.),  so  dass  diese  griechischen  Wörter 
besser  bei  seite  bleiben.  Wenn  wir  annehmen  dürfen,  dass  dem 
urgerm.  *8wüjan-  ein  wort  für  „Schwester*^  zu  gründe  liegt,  so 
wäre  dies  das  dem  alb.  vM  entsprechende  femininum;  doch 
kann  aisl.  svili  ursprünglich  auch  „bruder^*  oder  „vetter'^  be- 
deutet haben  (Schrader,  Reallex.  754),  was  die  heranziehung 
des  alb.  vdd  nur  noch  besser  rechtfertigt.  —  Über  gr.  aivona" 
aiyvTfvog  s.  o.  s.  196  f.  n. 

Grosseltern.  Die  für  die  idg.  Ursprache  zu  erschliessen- 
den  Stämme  *avo-  (arm.  hav,  lat.  avm,  aisl.  ai,  das  aber  „ur- 
grossvater'*  bedeutet),  avä-  (got.  awo)  die  noch  von  Delbrück 
(aao.  482)  zu  ai.  dvati  hat  freude,  tut  sich  gütlich,  sättigt  sich, 


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Etymologien.  223 

tut  wol,  tut  gfitlich,  sättigt,  hat  gern,  wünscht,  liebt,  findet 
gefallen,  lässt  sich  angelegen  sein,  beachtet,  begünstigt,  fördert, 
ermutigt,  hilft,  schützt  gestellt  werden,  will  Schrader  (aao.  308) 
davon  trennen  und  von  der  bedeutung  „die  alten'',  „die  vor- 
fahren'* ausgehn,  wofür  besonders  abd.  ano  grossvater,  ana,  pr. 
ane  grossmutter,  lit  anyta  Schwiegermutter,  gr.  dwig  (Hes.) 
grossmutter  gegenüber  lat.  anus  alte  frau  spricht  Doch  kann 
sich  Schrader  nicht  dazu  entscbliessen,  beide  gruppen  etymo- 
logisch an  die  anklingenden  präpositionen  ai.  ava  von  her,  bez. 
gr.  dpa  hinauf  anzuschliessen,  weil  derartige  bildungen  von 
präpositionalstämmen  schwerlich  analoga  haben.  Zu  einem,  wie 
ich  glaube,  annehmbaren,  ergebnis  kommen  wir  aber,  wenn  wir 
von  den  pronominalstämmen  idg.  *aP0'  (av.  apers.  ava-^  abulg. 
ov^  jener),  bez.  idg.  ^ano-  (ir.  ano-  er,  lit  o/ha  jener,  abulg. 
am  jener,  er)  ausgehn  und  annehmen,  dass  idg.  *avO'  :  *avä-^ 
bez.  idg.  ^ano'  :  *anar  die  grosseltern  als  „entferntere"  ver- 
wandte, als  „vorfahren"  (vgl.  arm.  hav,  nhd.  ahnen)  bezeichnen. 
—  Unaufgeklärt  sind  bisher  alb.  güi,  güie.  Zwar  hat  Bugge 
(o.  XVIII,  176)  versucht,  sie  als  lehnwörter  aus  lat.  ^aviüsitm, 
bez.  ^aviüsia  zu  deuten;  solche  lateinische  formen  sind  aber 
wenig  wahi*scheinlich,  zumal  wenn  ^avüsiua,  -ia  bestanden 
haben.  Ich  versuche  die  albanischen  Wörter  als  einheimische 
zu  deuten.  Da  alb.  tregü§  urgrossvater,  ia^resfüi  ururgross- 
vater,  peseguä  urururgrossvater  bedeutet,  d.  h.  dritter,  vierter, 
fünfter  vater,  so  darf  man  annehmen,  dass  güä,  güäe  ursprüng- 
lich nicht  die  grosseltern,  sondern  die  eitern  bezeichnet  haben 
(vgl.  alb.  täte  vater,  das  im  südalb.  auch  „grossvater"  bedeutet, 
und  lat  parentes  eitern,  oder  auch  „grosseltern");  unter  dieser 
Voraussetzung  lassen  sich  alb.  güi,  g'üäe  auf  idg.  *8ü868,  bez. 
*9ü8d  zurückfuhren  und  alb.  güie  stimmte  dann  in  laut  und 
betonung  (Pedersen,  o.  XIX,  29ö)  genau  zu  ai.  »ü^d  (AV.  I, 
Hl  3)  gebärende.  —  Unter  den  Wörtern,  die  eine  generation 
von  vorfahren  bezeichnen,  verdient  noch  lat  trUavus,  das  den 
am  weitesten  zurück  liegenden  vorfahren,  also  den  ahnherrn, 
bezeichnet,  beachtung.  Neben  tritavtis  liegt  das  bei  Festus  31 
überlieferte  stfitavtis,  auf  grund  dessen  Bury  (Glass.  rew.  II,  43) 
abulg.  8taf7>  alt  zum  vergleich  herangezogen  hat.  Ob  das 
richtig  ist,  mag  dahingesteUt  bleiben  (Miklosich,  Etym.  wb.  320 
stellt  starb,  das  zunächst  dem  aisl.  starr  gross  genau  entspricht, 
zu  ai.  sthird-s  starr,  fest),  jedenfBdls  aber  ist  von  der  form  mit 


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Üi  Wiedemann 

str-  auszugehn  und  an  diese  klingt  alb.  iter-  in  itsrgüi  or- 
grossTater,  ätergüie  urgrossmutter  u.  a.  bei  G.  Meyer  (Etym. 
wb.  416)  verzeichnete  wörtem  80  auffallend  an,  dass  6.  Meyer's 
Vermutung,  letzteres  sei  aus  ital.  Hra-  entlehnt,  sehr  unwahr- 
scheinlich ist;  (8)trü'  und  äter-  gehören  meiner  meinung  nach 
zu  lat.  sUrps  stamm,  trabs  balken,  stamm  und  deren  sippe, 
(8)tr%taiu8  bedeutet  also  auch  der  etymologie  nach  „stamm- 
yater'S  „stamm ahn**;  in  dem  4-  steckt  ein  suffix,  doch  könnte 
man  auch,  was  allerdings  unwahrscheinlicher  ist,  an  Übertragung 
von  ixt-,  das  zu  lat.  at-,  abulg.  oh»  weg  gehört,  denken.  Im 
anlaut  haben  wir  in  striU  neben  trü-  dasselbe  Verhältnis  wie 
in  stirps  neben  trabs.  —  Über  av.  nyäka-,  vt/äks-,  die  man  zu 
ai.  ni-aüccUi,  ni-^icati  biegt  nieder,  beugt  sich  gezogen  und  als 
„gekrümmt**  gedeutet  hat,  möchte  ich  nur  bemerken,  dass  sie 
lautlich  eben  so  gut  und  begrifflich  jedenfalls  besser  zu  spätahd. 
eninchüf  enkel  gezogen  werden  können,  das  ja  etymologisch  zu 
ahd.  ano  ahn  gehört,  also  zu  einem  wort,  das  in  seiner  bedeu- 
tung  zu  av.  nyaka-  stimmt;  dann  wäre  -ka-  suffixal,  das  ä 
enthielte  die  wurzel. 

Enkel.  Zu  besprechen  ist  hier  nur  arm.  forn,  das  bei 
Delbrück  (aao.  479)  und  Schrader  (aao.  183)  als  „dunkeP*  be- 
zeichnet wird  und  bei  Hübschmann  fehlt.  Lautlich  einwandfrei 
dürfte  es  wol  sein,  torn  zu  lit.  tarnctö  diener,  ai.  tarna^  kalb 
zu  stellen;  die  begriffe  vermitteln  ai.  tdnma-s,  gr.  T^^i;y  jung, 
zart,  osset.  farin  knabe,  lat.  tlrö  rekrut,  neuling,  lehrling,  das 
trotz  Solmsen  (KZ.  XXXIV,  2)  von  %iqrjiv  und  seiner  sippe  nicht 
getrennt  werden  darf,  wenngleich  auch  das  l  noch  nicht  befrie- 
digend erklärt  ist;  wahrscheinUch  liegt  dem  i  zunächst  I  zu 
gründe  (vgl.  z.  b.  falle  wie  lit  skyrius  unterschied  :  akiriü 
scheide),  keinesfalls  aber  ist  l  aus  e  entstanden  und  die  frage 
ist  nur  im  Zusammenhang  mit  dem  von  Niedermann  in  seiner 
dissertation  „«  u.  %  im  Lateinischen**  Darmstadt  1897)  behan- 
delten Problem,  das  übrigens  Niedermann  noch  nicht  gelöst  hat, 
zu  entscheiden.  Darnach  dürfen  wir  für  arm.  forn  von  der 
bedeutung  „kind**,  „söhn**  ausgehn,  wofür  ir.  aue,  falls  es  auf 
idg.  *pavio8  (zu  gr.  Ttdßig,  Ttaig  usw.)  und  nicht,  was  doch 
wol  viel  eher  der  fall  ist,  auf  idg.  *anio8  (zu  lat.  avus  usw.) 
zurückgeht,  ein  analogen  bietet  Da  auch  bei  lit.  tafnaa  von 
der  bedeutung  „kind**  ausgegangen  werden  kann  (vgl.  ausser 
anderen  wörtem  besonders  lit  birnas  knecht  :  got.  barn  kind), 


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Etymologien.  225 

so  ist  es  unnötig»  mit  Flensburg  (Stud.  a.  d.  geb.  d.  idg.  wrzlbild. 
I,  89,  99)  für  tafnas  von  der  bedeutung  ,^nk''  auszugehn. 

Oheime  und  tauten,  neffen  und  nichten.  Unter  den 
hierher  gehörenden  wörtem  bespreche  ich  zunächst  das  slavi- 
sche  wort  für  „bruder  des  vaters*'  :  abulg.  stryjh.  Delbrück 
aao.  500  und  Schrader  aao.  595  wissen  es  nicht  zu  erklären; 
Miklosich  (Etym.  wb.  327)  vergleicht  lit  strujus  greis,  mit  dem 
man,  ganz  abgesehen  davon,  dass  es  offenbar  slav.  lehnwort  ist, 
nichts  machen  kann  (vgl.  Leskien  bei  Delbrück  aao.  497 
anm.  2).  Da  das  abulg.  wort  erst  aus  jüngeren  denkmälem 
belegt  ist,  hindert  uns  nichts  von  einem  älteren  *gvtryjh  auszu- 
gehn; dann  aber  liegt  hierin  eine  Zusammensetzung  *9n»4ryjb 
vor,  deren  erstes  glied  die  präposition  abulg.  s^  (vgl.  verwandt- 
schaftsnamen  wie  gr.  d-vBxfJwg^  lat.  can-sobr^nua)  ist,  während 
das  zweite  glied  ir-  aus  idg.  ptr-  enthält  und  sich  von  ai. 
pitrvya-s  nur  im  vokalismus  unterscheidet  (vgl.  die  namen  für 
„vater*'  mit  idg.  U,  die  Job.  Schmidt,  KZ.  XXV,  34  aus  idg. 
pt'  erklärt,  wie  mir  scheint,  mit  recht).  Für  meine  auffassung 
dieses  slavischen  Wortes  spricht  auch  obers.  tryh,  das  s%-  nicht 
enthält.  —  Mit  dem  idg.  wort  für  „vater^'  hängt  nach  Grimm 
(Wörterb.  I,  1147)  auch  ahd.  basa  vaterschwester  zusammen. 
Auf  grund  dieser  Vermutung  hat  Bugge  (PBB.  XIII,  175)  ahd. 
basa  als  eine  koseform  aus  urgerm.  ^fadurswist^r,  ^faPurswesö 
zu  erklären  versucht.  Das  halte  ich  für  unwahrscheinUch,  ob- 
gleich Kluge  (Etym.  wb.  *  33)  und  Schrader  aao.  847  ebenfalls 
etymologischen  Zusammenhang  mit  ahd.  fatar  annehmen.  Einen 
weg  zur  etymologischen  deutung  des  ahd.  basa  weist  uns  das 
alb.  mbesSf  bess  enkelin,  nichte.  Zwar  meint  6.  Meyer  (Etym. 
wb.  265)  nAese,  bese  und  basa  seien  nicht  zusammenzubringen; 
aber  ich  glaube,  dass  es  doch  möglich  ist.  Pedersen  (o.  XX, 
232)  hat  alb.  mbesB,  bese  auf  idg.  *nepotia  zurückgeführt;  das 
halte  ich  für  richtig,  nur  setze  ich  statt  idg.  ^nepotiä  idg. 
*n(e)potiä,  ^mpoiiä  an.  Auf  einer  form  idg.  *nepot'  oder 
*nepöt^  also  mit  dem  ton  nicht  auf  der  ersten  silbe,  beruht 
meiner  meinung  nach  nun  auch  ahd.  basa,  indem  ich  die  reihe 
urgerm.  *nib^,  *n(ißj-,  *mbj.,  b—  (auf  die  übrigen  laute 
kommt  es  nicht  an)  annehme.  Das  -o-  ist  wol  durch  einfluss 
eines  dem  ags.  faidu,  afries.  fethe  vatersschwester  entsprechenden 
verlorenen  worts  zu  erklären,  falls  man  nicht  neben  idg.  ^nepöf- 
und  ^nept'    noch   ein  idg.  *nepat-  annehmen  darf;    das  s  ist 

B«ttrige  s.  kmuie  d.  indg.  ipiMliML.    XX VU.  X5 


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226  Wiedemann 

ist  suffixal.  Wenn  mit  £.  Leamann  (Festrgr.  an  Böhtlingk  77  f.) 
idg.  *nipöt'  zu  idg.  ^paUr-  yater  zu  stellen  ist,  was  Delbrück 
aao.  504,  Bartholomae  (Stud.  z.  idg.  sprachgesch.  U,  31  anm.  5) 
und  Fowler  (Negatives  of  the  indo-europ.  lang.  3)  allerdings 
bezweifeln,  hängt  ahd.  baaa  etymologisch  in  der  tat  mit  ahd. 
fatar  zusammen,  wenn  auch  nicht  so  nahe,  wie  Bugge  will; 
doch   halte  auch   ich  Lenmann's   etymologie   nicht  für   über- 


3.    Got.  hrusU  und  andre  idg.  benennungen  der  brüst. 

Zu  den  etymologisch  noch  immer  nicht  befriedigend  auf- 
geklärten Wörtern  gehört  auch  das  gemeingermanische  wort  für 
brüst:  got.  brusts,  ahd.  bnut,  ndd.  ndl.  barst,  daneben  mit 
andrem  yokalismus  aisl.  brjöH,  ags.  brSost,  afries.  briiist,  as. 
briost.  Früher  hat  man  unser  wort  wol  ziemlich  allgemein  zu 
aisl.  brjöta,  ags.  brSotan  brechen,  mhd.  briegen  hervorbrechen, 
aufischwellen,  knospen  gestellt  und  auch  as.  brustian  aufbrechen 
herangezogen,  also  für  st'  in  brusts  entstehung  aus  idg.  d  +  t 
angenommen,  so  dass  also  als  ursprüngliche  bedeutung  von 
brusts  „schwellend"  anzusetzen  wäre.  Heute,  wo  wir  wissen, 
dass  idg.  dental  -j- 1  za  urgerm.  -ss-  wird  (vgl.  Noreen,  argerm. 
lautl.  190  ff.  und  die  dort  verzeichnete  literatur),  dürfen  wir 
brusts  nur  dann  auf  eine  wurzel  mit  auslautendem  urgerm.  t 
zurückführen,  wenn  wir  annehmen,  dass  unserm  wort  zunächst 
ein  «-stamm  zu  gründe  liegt  (über  derartige  erweiterungen  alter 
«-Stämme  vgl.  Brugmann,  IF.  VI,  102 ff.;  wo  aber  ahd.  quist 
verderben,  Vernichtung  sicher  zu  streichen  ist);  aber  brusts, 
das  noch  spuren  konsonantischer  flexion  zeigt»  macht  durchaus 
den  eindruck  eines  primären  nomens.  Und  was  as.  brustian 
betrifft,  so  darf  es  nicht  von  as.  ahd.  brestan  brechen,  reissen, 
bersten  getrennt  werden,  sein  u  ist  also  nicht  idg.  u,  worauf 
das  u  in  brüst,  da  es  im  ablaut  zu  i»-diphtongen  steht,  notwen- 
dig zurückgeführt  werden  muss. 

Noch  bedenklicher  als  die  Zusammenstellung  von  brusts  mit 
aisl.  brjöta  usw.  und  mit  as.  brustian  ist  in  lautlicher  beziehung 
die  von  Bugge  (PBB.  XIII,  320  ff.)  versuchte  etymologie,  der 
zufolge  brusts  zu  abulg.  prbsi  pl.  tant  brüst,  ai.  prstt-s,  pdr- 
(U'S,   av.  p^r^su--  rippe  gehört.     Gegen  sie  spricht  1)  germ.  b 


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Etymologien.  227 

=  idg.  jhf  2)  der  umstand,  dass  in  got  malkstm  mit  h  yor  st 
nicht  geschwunden  ist,  obgleich  das  wort  isolirt  steht,  3)  der 
in  aisl.  brjöst  usw.  Torliegende  diphthong,  den  Bugge  als  sekundär 
betrachten  muss.  Bugge's  etymologie  hat  daher  ausser  Vercoullie 
(Beknopt.  etym.  woordenb.  d.  nederl.  taal  '  40)  wol  kaum  einen 
anhänger  gefunden. 

Bei  Kluge  (Etym.  wb.  «  60)  und  Schrader  (Reallex.  466) 
wird,  wol  infolge  der  andeutung  bei  Windiscb  (KSB.  VIII,  430), 
brusts  in  etymologischen  Zusammenhang  mit  ir.  bruinne  brüst 
gebracht,  wogegen  an  sich  nichts  einzuwenden  wäre,  denn  ir. 
bruinne  kann  auf  urkelt.  *brü8niä  zurückgehn.  Dass  aber  ir. 
bruinne  nicht  auf  diese  form  zurückgeführt  werden  darf,  be- 
weisen cymr.  brynn  coUis,  so  dass  Stokes  (Fick  11  ^,  184)  für 
alle  diese  Wörter  eine  keltische  wurzel  brend  schwellen  ansetzt; 
weiter  vergleicht  Stokes  die  von  mir  (o.  XIII,  310)  mit  einander 
zusammengestellten  gr.  ßgivS'og  stolz,  ßgeif&voficu  brüste  mich, 
lat.  grandis  gross,  bedeutend,  wozu  Bezzenberger  auch  noch 
das  ebenfalls  von  mir  verglichene  abulg.  gr(fdh  brüst  fügt.  Doch 
lässt  sich  nicht  entscheiden,  ob  kelt.  brend-  &=  idg.  ^g^rendh- 
oder,  wie  Stokes  früher  (o.  IX,  88)  angenommen  hat  und  wie 
auch  K  Zupitza  (Germ.  gutt.  129)  annimmt,  ob  es  —  idg. 
*bhrendh'  ist.  Zu  gunsten  der  letzteren  annähme  scheint  mir 
der  umstand  zu  sprechen,  dass  sonst  zwei  nicht  benachbarte 
Völker  kein  gemeinsames  wort  für  „brust^*  haben,  was  für  die 
slaven  und  kelten  bei  zurückführung  von  kelt.  brend-  auf  idg. 
g^rendh-  der  fall  sein  müsste.  Für  viel  wahrscheinlicher  halte 
ich  es  aber,  dass  kelt.  brond-  auf  idg.  bhrend-  zurückgeht  (s.  u. 
8.  243). 

EndUch  hat  Uhlenbeck  (Eurzgef.  etymol.  wb.  d.  got.  spr.  > 
32)  u.  a.  die  Vermutung  ausgesprochen,  bruBts  bedeute  „die 
schwellende**  und  gehöre  mit  as.  brustian  knospen  zu  slov., 
serb.  brst,  klruss.  broeth  knospe  und  weiter  zu  den  schon  oben 
erwähnten  aisl.  brjöta,  ags.  brSotan,  mhd.  briezen.  Lautlich 
könnte  urgerm.  brüst-  sich  mit  urslav.  *brbst',  worauf  die  ge- 
nannten slav.  Wörter  zurückgehn,  decken,  aber  nur  unter  der 
Voraussetzung,  dass  beide  auf  ein  idg.  *bhrust'  zurückgehn. 
Da  jedoch  slav.  -8^-  auch  auf  dental  +  ^  zurückgehn  kann, 
wird  man  diese  im  Slavischen  isolirt  stehenden  Wörter  von  aisl. 
brjöta  usw.  wol  kaum  trennen  dürfen  und  as.  brustian  enthält, 
wie   wir   oben  gesehen   haben,    kein  idg.  u.     Weiter  erwähnt 

16* 


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228  Wiedemanü 

Uhlenbeck  als  möglicherweise  verwandt  auch  noch  ags.  brymn 
brechen,  air.  Z^ütm  zerschlage,  zerschmettern;  aber  diese  liegen 
in  der  bedeutung  doch  zu  weit  yon  brusts  ab,  denn  es  tritt  bei 
dieser  sippe,  zu  der  auch  ahd.  brösma,  andd«  brösmo  brosam, 
krume,  bröcklein  gehört,  nur  der  begriff  des  zerbrechens  hervor. 

So  bleibt  also  eine  etymologie  für  brusts  noch  zu  suchen. 

Sehen  wir  uns  zunächst  in  den  germanischen  sprachen  um, 
so  könnten  nach  laut  und  bedeutung  in  betracht  kommen  aisl. 
brjösk  knorpel,  mhd.  bmsche,  nhd«  bratische  beule  (dazu  nhd. 
dial.  brauschy  Gebhardt,  PBB.  XXIV,  409  ff.,  wo  mit  recht 
franz.  brusque  frech  als  germ.  lehn  wort  aufgefasst  wird),  die 
schon  von  Diefenbach  (Vergl.  wb.  d.  got.  spr.  I,  331)  und 
Bezzenberger  (o.  II,  191)  zu  brusts  gestellt  sind;  ferner  sind 
zu  nennen  nhd.  dial.  brües,  dazu  das  demin.  nhd.  bröschtn 
brustdrüse  der  tiere,  engl,  brisket  tierbrust,  die  ebenfalls  schon 
Diefenbach  aao.  erwähnt  hat.  Alle  diese  Wörter  lassen  sich 
auf  eine  idg.  w.  bhretis  schwellen  zurückführen;  aber  eben  so 
gut  können  sie  vor  s  ein  t  eingebüsst  haben  und  gehören  dann 
zu  der  sippe  von  aisl.  brjöta,  in  welchem  fall  brusts  von  ihnen 
getrennt  werden  muss. 

Von  den  bei  Diefenbach  aao.  genannten  Wörtern,  die  er 
nebst  brusts  gern  zu  der  sippe  des  got.  bairan  tragen  ziehen 
möchte,  gehören,  was  ja  heute  selbstverständlich  ist,  nicht  hier- 
her die  unter  d  angeführten  Wörter  aisl.  bringa  brüst,  schwed. 
bringa,  dän.  bringe  brüst,  bruststück  grosser  tiere.  Wenn  ich 
dennoch  diese  Wörter  hier  erwähne,  so  geschieht  es,  weil  ich 
glaube,  sie  befriedigend  erklären  zu  können.  E.  Zupitza  (Germ, 
gutt.  129)  stellt  aisl.  bringa  zu  lit  brlnkti  quellen,  schwellen, 
brankä  anschwellen,  brankszöti  emporstarren,  russ.  nahrjcücnui 
anschwellen,  gr.  ß^dusTov'  nXfjd'og,  ßgoTTsiv  nXrjdvvuv  Hes. 
An  und  für  sich  lässt  sich  gegen  diese  Zusammenstellung  nichts 
einwenden;  aber  zunächst  verdienen  doch  wol  andre  Wörter, 
und  zwar  aus  den  germanischen  sprachen,  berücksichtigung,  da 
sie  lautlich  dem  aisl.  bringa  sehr  nahe  stehn:  got  briggan,  ags. 
bringan,  ahd.  bringan,  as.  brengian  bringen,  die  E.  Zupitza 
(aao.  209)  mit  Stokes  (Fick  11  S  186)  zu  cymr.  he-brwng  de- 
ducere,  com.  hem-bronk  deducet  stellt;  femer  ist  zu  nennen: 
aisl.  at  brpngo  (Hamdismal  20)  klemme,  das  Falk  (Akad.  afhdl. 
til.  S.  Bugge  13  f.)  mit  norw.  dial.  brank  bruch,  schaden, 
branka  beschädigen,  brechen,  verrenken,  zerren,  brankutt  abge- 


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Etymologien.  229 

tragen,  abgestossen,  zernagt  (deren  -fiA;-  auf  älterem  -ng-  be- 
ruht) zu  ai.  bhrqgas  fall,  yerlust  stellt,  womit  er  nach  dem 
Vorgang  andrer  ir.  brec  lüge  verbindet;  nach  Bugge  (Eddaaus- 
gabe 320)  gehören  zu  hr^go  :  nisl.  hrang  lärm,  tumult,  schwed. 
dial.  bränga  gewaltsam  andringen,  wozu  E.  Zupitza  (aao.  188) 
noch  engl,  to  brangle  streiten,  zanken  fügt,  in  dem  er  die  be- 
deutung  durch  hinweis  auf  engl,  to  faU  out  zu  vermitteln  sucht. 
Letztere  annähme  ist,  ganz  abgesehen  davon,  dass  ai.  hhrqga^ 
nach  ausweis  des  part.  -bhr^fa-s  keinen  wurzelhaften  nasal 
enthält,  also  aus  der  reihe  der  hier  genannten  Wörter  auszu- 
scheiden ist  1),  nicht  nötig,  wie  lat.  pugno  kämpfe  :  gr.  Trvxi- 
vog  nvyivog  dicht  gedrängt,  alb.  pud-  küsse  (eig.  umarme), 
pu&t6A  presse,  umarme  (O.  Meyer,  Etym.  wb.  d.  alb.  spr.  356) 
zeigt.  Von  der  bedeutung  „fest  umschliessen*'  lassen  sich  alle 
in  den  genannten  wörtem  der  germanischen  sprachen  auf- 
tretenden bedeutungen  ableiten,  wie  z.  b.  got.  preihan  drängen, 
lit.  trefikti  heftig  stossen,  lat.  truticus  cymr.  trüch  verstümmelt 
mit  derselben  bedeutungsentwicklung  zeigen.  Dass  auch  für 
aisl.  bringa  brüst  von  der  bedeutung  „fest  amschliessen*'  aus- 
zugehn  ist,  zeigt  das  schwed.  bringa,  das  die  variarum  rerum 
vocabula  mit  „thorax"  übersetzen;  mit  „thorax"  ist  doch  wol 
,,brustkorb''  gemeint.  Darnach  darf  man  annehmen,  dass  die 
bedeutung  „brusf'  bei  aisl.  bringa  sich  aus  der  bedeutung 
„rippe'^  entwickelt  hat,  wie  das  ja  bei  abulg.  prtsi  gegenüber 
ai.  pdrgU'S  der  fall  ist.  Etymologisch  gehören  zu  den  zwei 
letzteren  wörtem  pr.  pirstenj  lit.  pirsztas,  abulg.  prbsth  finger, 
was  auch  schon  bei  Grimm  (Dtsch.  wb.  11,  443  s.  v.  brüst)  an- 
genommen wird,  und  so  gehört  auch  aisl.  bringa  zu  got.  brig^ 
gan,  wie  schon  Tamm  (Etym.  ordb.  59  s.  v.  2  bringa)  für  mög- 


1)  Eben  so  gehört  anch  ir.  hree  nioht  hierher,  ganz  abgesehen  da- 
von, dass  seine  bedeutung  sich  weder  mit  der  des  ai.  brcfipa-s,  noch  mit 
der  des  aisl.  br^ngo  vereinigen  lässt ;  ich  stelle  hr&c  zu  aisl.  kringla  kreis 
aus  idg.  ^gUrefii-,  daneben  idg.  *g9frenk'  in  lit.  gresiü  drehe,  engl,  erank 
krümmung,  ahd.  chrancholön  straucheln,  schwach  werden,  mhd.  kranc 
schwach,  kraftlos,  nichtig,  gering,  schlank;  gr.  ßgoxog,  ßgox^s  schlinge, 
zu  dem  man  kringla  und  gr^ü  gewöhnlich  stellt  (s.  z.  b.  £.  Zupitza, 
aao.  82),  muss,  da  es  keinen  nasal  enthält,  fernbleiben.  Mit  Bezzen- 
b erger  (Fick  II  ^  183)  hrie  zu  ahd.  krumh  krumm  zu  stellen,  verbietet 
der  germanische  labial;  begrifflich  ist  diese  Zusammenstellung  weit  ein- 
leuchtender als  die  mit  ai.  hkrc^chB^ 


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230  Wiedemann 

lieh  hält;  nur  dass  die  bedeutuDg  ursprünglich  ,, tragender 
körperteil"  oder  „erhöhter,  hervorstehender  körperteil"  gewesen 
ist,  wie  Tamm  annimmt,  halte  ich,  wenn  wir  auf  die  ausser- 
germanischen  verwandten  von  got.  briggan  rüeksicht  nehmen, 
nicht  für  richtig.  Über  got.  briggan  hat  ganz  neuerdings  Brug- 
mann  (IF.  XU,  154  ff.)  gehandelt  Brugmann  sieht  in  got. 
briggan  und  in  den  p.  (s.  228)  und  bei  Fick  II  S  186  ange- 
führten keltischen  wörtem  eine  Verschmelzung  der  wurzeln  idg. 
bher  und  idg.  eneh,  enk,  nek.  Ist  das  richtig,  so  ist  eine  der- 
artige Verschmelzung  nicht  auf  die  germanischen  und  keltischen 
sprachen  beschränkt,  denn  wir  finden  auch  in  andern  idg. 
sprachen  wörter,  die  sich  auf  idg.  w.  bhrenk  fest  umschliessen 
zurückführen  lassen. 

1.  Die  bei  Diez  (Etym.  wb.  d.  roman.  spr.  ^  63)  und 
Körting  (Iiat.-roman.  wb.  >  163,  no.  1544)  unter  branca  zu- 
sammengestellten romanischen  Wörter,  die  zunächst  auf  lat. 
branca  pranke,  pfote  zurückgehn.  Dies  halte  ich  für  entlehnt 
aus  einem  gall.  *branca  s=  idg.  ^bhrenlca  arm.  Wenn  Neu- 
mann (Ztschr.  f.  rom.  phil.  V,  386)  unter  berufung  auf  nhd. 
zweig  :  zwei  die  romanischen  wörter  auf  ^bi-ramica  zurück- 
führt, hat  er  übersehen,  dass  die  bedeutungsentwicklung  arm: 
zweig  in  ir.  biss  finger  :  aisl.  kvidr  zweig  ein  analogen  hat; 
auch  in  ableitungen  wie  ital.  brancolare  tappen  tritt  die  ur- 
sprüngliche bedeutung  von  roman.  branca  noch  hervor.  Im 
Italischen  würde  die  idg.  w.  bhrenJc  als  frinc-  oder  mit  -g-  statt 
-c-  als  fring-  erscheinen;  vielleicht  gehört  daher  lat.  fringiUa 
(fringuiUaJj  fringiUus  kleiner  vogel  hierher  (zur  bedeutungs- 
entwicklung „klein^*  aus  „fest  umschlossen^*  vgl.  gr.  nvyfxaio^ 
eine  faust  gross  :  Ttvyfiij  faust :  TtvKivog  TtvKPÖg  dicht  gedrängt 
und  die  o.  s.  229  genannten  alb.  wörter.)  Die  gewöhnUch 
(z.  b.  bei  Fick  U  »,  175,  Vaniöek,  Etym.  wb.  d.  lat.  spr.  «  191) 
zu  fringiUa  gestellten  wörter  liegen,  da  sie  keinen  nasal  halten, 
etwas  ab. 

2.  Das  bei  Miklosich  (Etym.  wb.  23)  angeführte  aruss. 
bruena  quaedam  pars  corporis,  für  das  Sreznevskij  (Materialy 
dlja  slovarja  drevne-russkago  jazyka  181)  nur  einen  belog 
bietet:  pleäda  ze  i  grudi  ot^  strä'nago  udarenija  i  otT»  sabet- 
nago  i  brusng  jego  bjacku  sini  jako  i  sukno.  Da  schultern  und 
brüst  genannt  sind,  darf  man  vermuten,  dass  brusny  einen  be- 
nachbarten körperteil  bedeutet,  und  da  liegt  es  denn  sehr  nahe, 


,      Digitized  by  VjOOQ IC 


Etymologien.  231 

die  bedeutung  ,,ann*^  anzunehmen  und  brusfta  auf  urslav. 
*brq8na  oder  ^bf'qshna  zurückzuführen. 

3.  Auf  eine  idg.  w.  bhrenh  führe  ich  auch  gr.  ipQdaaw 
(aus  idg.  ^bhrenkjo)  umgebe,  schliesse  ein,  verzäune,  umfriedige, 
versperre,  verwahre  zurück,  das  ja  wol  fast  allgemein  dem  lat. 
farcio  stopfe  voll  gleichgesetzt  wird.  Doch  bezweifeln  Waltor 
(KZ.  Xn,  385)  und  Fick  (Vergl.  wb.  I  S  495)  mit  recht  diese 
Zusammenstellung.  Wie  ja  allgemein  anerkannt  wird,  hat  far- 
cio  wurzelauslautendes  idg.  k»,  das  die  labialisation  vor  dem  j 
des  präsenssuffixes  eingebüsst  hat.  Erhalten  ist  der  labialisirte 
guttural  in  lat.  frequens  voll  gestopft,  zahlreich,  reichlich,  das 
aber  eine  andre  Stellung  des  r  zeigt.  Ich  führe  daher  farcio, 
frequens  auf  eine  zweisilbige  idg.  w.  bherektf  zurück,  zu  der 
auch  das  u  in  lit.  bri^i  einzwängen  stimmt  (vgl.  Bezzenberger 
o.  XVII,  216).  Eben  so  weist  auf  eine  idg.  w.  bherektf  das 
alb.  bark  bauch,  von  dem  mbars  mache  trächtig  abgeleitet  ist 
(Pedersen,  o.  XX,  231,  238);  doch  möchte  ich  im  gegensatz  zu 
Pedersen  -ark-  auf  eine  ältere  form  mit  einem  vokal  zwischen 
r-  und  k  zurückfuhren ;  der  vokal  ist  geschwunden  als  die  Wand- 
lung von  altem  -rk'  zu  -f-  schon  abgeschlossen  war.  Über  den 
Wechsel  zwischen  alb.  k  »  idg.  k»  und  alb.  8  vgl.  Pedersen, 
EZ.  XXXVI,  323.  Die  grundbedeutung  dieser  idg.  w.  bhereh*  ist 
„voll  sein",  „schwellen^S  kaus.  „voll  stopfen".  Hierher  ziehe 
ich  auch  die  von  W.  Schulze  (Quaest.  ep.  168,  anm.  2)  zwei- 
felnd zu  got.  ana-praggan  bedrängen,  von  E.  Zupitza  (aao.  129), 
wie  erwähnt,  zu  aisl.  bringa  gestellten  hesychischen  ßgoxerov, 
ßqavtuv^  die  offenbar  aus  einer  dem  Albanischen  nahestehenden 
spräche  entlehnt  sind. 

Die  hier  besprochene  idg.  w.  bhrenk  hat  eine  nebenform 
mit  wurzelauslautender  media,  die  ausser  in  dem  oben  erwähnten 
lat.  fringiUa  noch  vorliegt  in  schwed.  dial.  brikka  brüst,  aisl. 
brekka,  ndd.  brink  hügel,  engl,  brink  rand,  ufer;  nach  E.  Zu- 
pitza (aao.  198)  gehören  diese  wörter  zur  sippe  von  got.  marka 
grenze,  was  sehr  unwahrscheinlich  ist.  —  Die  etymologische 
Zusammengehörigkeit  von  gr.  arigrov  brüst,  abulg.  strana  seite 
und  ahd.  stirna  stim  lässt  mich  die  Vermutung  aussprechen, 
dass  zur  idg.  w.  bhrenk  auch  lat  frons  stim  gehört;  front- 
kann  aus  *  fronet*  entstanden  sein.  Dieselbe  bedeutungsent- 
wicklung,  die  ich  hier  für  die  idg.  w.  bhrenk  angesetzt  habe 
(„fest  umschliessen"  :  „tragen")  zeigt  auch  gr.  avayxri  zwang : 


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232  Wiedemann 

heyneiv  tragen ;  es  würde  also  von  seilen  der  bedeutung  nichts 
im  wege  stehn,  die  von  Brugmann  für  das  Keltische  und  Ger- 
manische angenommene  Verschmelzung  von  idg.  bher  und  idg. 
enenJc  in  eine  ältere  periode  zurückzuverlegen.  Die  frage  ist 
nur,  ob  wir  berechtigt  sind,  für  eine  mit  ausnähme  des  Litaui- 
schen und  Albanischen  —  das  alb.  wort,  das  allenfalls  auf  die 
idg.  w.  bhrenk  zurückgeführt  werden  könnte,  glaube  ich  weiter 
unten  besser  erklären  zu  können  —  in  allen  idg.  sprachen 
Europa's  nachweisbare  wurzel  eine  derartige  Verschmelzung  an- 
zunehmen, oder  ob  es  nicht  besser  ist,  neben  idg.  bher  und 
idg.  enenk  noch  ein  idg.  bhrenh  anzusetzen.  Das  got.  briggan, 
das  Brugmann  (aao.  155)  gegen  ansetzung  einer  idg.  w.  bhrenk 
geltend  macht,  kann  doch  kein  ernst  zu  nehmendes  hindemis 
sein;  ich  sehe  nicht  ein,  was  uns  hindern  könnte,  für  got. 
*breihan  :  briggan,  ags.  bringan,  as.,  ahd.  bringan  :  ags.  bren- 
S(e)an,  as.  brengian  dasselbe  Verhältnis  anzunehmen  wie  es  z.  b. 
got.  ßreihan  drängen  :  aisl.  pryngwa  drängen,  ags.  ßringan, 
as.  thringan,  ahd.  dringan  dringen  :  mhd.  drengen  drängen 
zeigen. 

Von  den  Wörtern,  die  Diefenbach  aao.  aus  anderen,  nicht 
germanischen  sprachen  heranzieht,  verdienen  ernstlich  in  er- 
wägung  gezogen  zu  werden  alb.  briAe  rippe,  abschüssiger  boden, 
anhöbe,  küste  und  russ.  brjucho  bauch.  Ersteres  kann  auf  idg. 
*  bhrOsnjä  zurückgeführt  werden  und  würde  dann  wenigstens  in 
seinem  wurzelhaften  teil  zu  bmds  stimmen;  ich  glaube  aber 
weiter  unten  aus  den  germanischen  sprachen  ein  wort  bei- 
bringen zu  können,  mit  dem  sich  alb.  MAs  auch  im  sufüx 
deckt,  so  dass  der  wurzelvergleich  von  briiie  mit  brusls  zu 
gunsten  einer  wortgleichung  aufgegeben  werden  muss.  Was 
russ.  brjvuiho  betrifift,  so  kann  dessen  -ch-  zwar  auf  idg.  -«-  zu- 
rückgehn,  eben  so  gut  aber  auch  auf  idg.  -ks-,  d.  h.  volares 
oder  labiovelares  h  -^^  8,  und  in  diesem  fall  kann  brjucho  nicht 
mit  brtLsts  zusammengestellt  werden.  Mit  Sicherheit  lässt  sich 
nur  behaupten,  dass  russ.  brjucho  in  etymologischem  Zusammen- 
hang mit  ir.  brü  leib,  bauch,  cymr.  bru  venter,  Uterus,  ai. 
bhrünä-s  embryo  steht ;  zu  gründe  liegt  eine  idg.  w.  bhreu  oder 
bhreu  schwellen,  auf  die  jedoch  die  bei  Fick  II  *,  187  unter 
*bru  und  bei  Uhlenbeck  (Kurzgef.  etym.  wb.  d.  aind.  spr.  208 
s.  V.  bhründs)  sonst  noch  zusammengestellten  Wörter  nicht  zu- 
rückgehn.    Diefenbach  aao.  hat  bereits  ir.  brß  und  ai.  bhrünA-s 


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Etymologien.  233 

erwähnt;  Miklosich  (Etym.  wb.  22)  läast  die  slayischen  Wörter 
unerklärt. 

Auf  ein  idg.  ^hhruzdh-  will  Pedersen  (IF.  V,  73)  aiel.  broddr 
spitze,  ags.  brord  Stachel,  ir.  brot  Stachel,  abulg.  brezda  frenum 
zurückführen;  wir  brauchten  nur  noch  neben  idg.  *bhruzdh- 
ein  idg.  ^bhruzd-  anzusetzen,  um  eine  lautgruppe  zu  gewinnen, 
mit  der  sich  urgerm.  *bni8t'  auf's  genaueste  deckte.  Leider 
aber  ist  es  schon  der  von  Pedersen  gar  nicht  erwähnten,  von 
abulg.  brbzda  aber  schlechterdings  nicht  zu  trennenden  lit. 
brlzgüas,  pr.  h-izgelan  zügel  wegen  (von  den  offenbar  dazu  ge- 
hörigen bei  Joh.  Schmidt,  Vok.  II,  464  verzeichneten  Wörtern 
schon  ganz  abgesehen)  nicht  möglich  in  abulg.  brbzda  ein  idg. 
*bhruzdh'  zu  sehen;  ir.  brot  und  urgerm.  *bruzdaz  sind  schon 
ihrer  bedeutung  wegen  auf  alle  fälle  von  abulg.  brtzda  zu 
trennen  und  haben  aus  dem  Slavischen  nur  die  sippe  von  abulg. 
brazda  furche  zur  seite. 

Eine  von  lautlicher  seite  einwandfreie  etymologie  von  brüste 
hat  Helten  (50  bemerkgn.  zum  Grimmischen  wörterb.  16  ff.) 
vorgeschlagen:  er  stellt  brusts  zu  ai.  bhrü-s,  gr.  oq>qvgj  lit. 
bruvis,  abulg.  obrtvh,  brhvty  ags.  brü^  ahd.  prawa,  bräwa,  nhd. 
braue,  aisl.  brün,  nhd.  augen-braune,  indem  er  für  letztere  nicht, 
wie  das  gewöhnlich  geschieht,  von  der  bedeutung  „zucken^', 
sondern  von  der  bedeutung  „gekrümmt,  gebogen  sein"  ausgeht. 
Ferner  zieht  Helten  hierher:  lit.  brauna  (Eurschat:  briaunä) 
rand,  kiel,  aisl.  brün  rand,  brjösk  knor^l,  mhd.  brüsche,  nhd. 
braiMche  beule  und  hebt  hervor,  dass  gt.  6(pQvg  auch  „hügel'^ 
und  „rand''  bedeutet;  bmsts  bedeute  also  das  „gewölbte'\  Wenn 
wir  von  aisl.  brjösk,  mhd.  brüsche,  nhd.  brausche,  die  ja  immer- 
hin „gewölbt*^  bedeutet  haben  können  (eine  viel  einleuchtendere 
etymologie  dieser  wörter  ist  oben  s.  228  erwähnt),  absehen,  so 
ist  weder  für  die  sippe  von  ai.  bhru-s,  noch  für  lit.  briaunä, 
aisl.  brün  von  der  bedeutung  „gekrümmt,  gebogen  sein''  aus- 
zugehn.  Bei  den  Wörtern  für  „braue^'  ist,  wie  man  auf  grund 
des  anlautenden  vokals  im  Griechischen,  Slavischen  und  Irani- 
schen (npers.  ebrüy  osset.  d.  arfuk,  t.  ärfig)  wol  vermuten  darf, 
von  idg.  *obhrü-  auszugehn,  das  dann  als  *obh'rü-  zu  erklären 
ist,  also  gar  kein  wurzelhaftes  idg.  bhrü  enthält  (Osthoff,  Mü. 
IV,  217).  Diese  sippe  kommt  also  für  die  etymologie  von 
brusts  gar  nicht  in  betracht.  Eben  so  ist  bei  lit.  briaunäy 
aisl.  brün  nicht  von  der  bedeutung  „krumm**,  sondern  von  der 


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234  Wiedemann 

bedeutung  „spitz",  „first",  „kante"  auszugehn,  denn  die  darin 
steckende  idg.  w.  bhrü  (ich  setze  die  tieftonige  form  her,  weil 
sich  die  hochtonige  nicht  sicher  feststellen  lässt;  vielleicht  bhreu) 
ist  eine  erweiterung  der  idg.  w.  hher  spitz  sein  in  aisl.  barmr 
kante  (Persson,  Wurzlerw.  287)  gr.  (faQÖo)  pflüge,  urslav.  *  boma, 
serb.  brana,  russ.  borona  egge,  lat.  foräre,  ahd.  borön  bohren 
u.  a.;  daneben  liegen  die  erweiterungen :  1)  bher-dh  in  ai. 
-bradhnch  pfeil,  abulg.  brbdo  hügel  (Diefenbach,  KZ.  XVI,  221), 
ahd.  barta  heil,  bart  spitze,  lit.  barzdä,  abulg.  brada  hart;  2) 
bher-8  in  ai.  bhrsH-s  spitze,  lat.  fasttgium  first,  ir.  barr  schöpf, 
gipfel,  aisl.  burst  spitze,  horste ;  3)  bher-z-dh  in  ir.  brot  stachel, 
aisl.  bf'oddr  spitze,  abulg.  brazda  furche  (Persson,  aao.  19,  45, 
85,  98,  286  f.,  der  allerdings  eben  so  wie  andre  die  idg.  w.  bher 
spitz  sein  von  der  idg.  w.  bher  schneiden,  hauen  nicht  scheidet; 
meiner  meinung  nach  sind  es  zwei  verschiedne  wurzeln,  die  sich 
scharf  scheiden  lassen ;  nur  bei  ahd.  barta  kann  man  zweifeln, 
ob  es  seine  benennung  seiner  kante  oder  des  Schneidens  wegen 
hat).  Zu  der  idg.  w.  bhrü  spitz  sein  stelle  ich  auch  lett  brüds 
(aus  idg.  *bhröudho8)  dachfirst,  das  Persson  (KZ.  XXXIII,  292) 
weniger  überzeugend  zu  aisl.  bratt,  ags.  brant  steil  zieht.  Da- 
gegen gehören  die  von  Fick  (KZ.  XX,  178)  zu  aisl.  brün  ge- 
stellten aisl.  bryni  Wetzstein,  bryna  wetzen,  schleifen  nicht  hier- 
her, auch  nicht  wie  Tamm  (Etym.  ordb.  64)  will,  zu  aisl.  brünn^ 
ags.,  as.,  ahd.  brün  braun  (eig.  „glänzend"),  sondern  gehen  auf 
urgerm.  *bruxn-  —  idg.  ^bhruJcn-  zurück  und  gehören  zu 
urslav.  *bru8^  (—  idg.  *bhrauho8)  in  bulg.,  serb.,  slov.,  öech., 
osorb.,  nsorb.,  poln.,  klruss.,  russ.  brt48  wetz-,  Schleifstein  zu 
abulg.  brbsnati  wischen,  streifen,  abstreifen,  brechen,  das  von 
Pedersen  (IF.  V,  38)  falsch  beurteilt  wird,  s.  u.  s.  244. 

Einen  sicheren  anhält  zur  etymologischen  erklärung  von 
bru8t8  gewährt  uns  das  Albanische.  Gehn  wir  für  brusts  nicht 
von  der  bedeutung  „schwellen",  sondern  wie  bei  dem  oben 
(s.  228)  besprochenen  aisl.  bringa  von  der  bedeutung  „fest  um- 
schliessen"  aus,  so  dass  also  für  brusts  als  ursprüngliche  be- 
deutung „rippen"  anzusetzen  wäre,  und  hierfür  spricht  der  um- 
stand, dass  got.  bru8t8  plurale  tantum  ist  — ,  so  steht  nichts 
im  weg,  got.  bru8f8  in  etymologischen  Zusammenhang  zu  bringen 
mit  alb.  bre8  (best,  brez-i)  gürtel,  geschlecht,  generation,  brents 
binde,  mbreA  gürte.  G.  Meyer  (Etym.  wb.  d.  alb.  spr.  46  f.) 
geht  von  einem   alb.  ^breno-  *-  *breunO'  aus  und  vergleicht 


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Etymologien.  235 

got  brunjo,  aisL  brynja,  ahd.  brunna  brastbarniscb.  6.  Meyer 
hält  demnach  diese  germanischen  Wörter  für  erbwörter.  Eben 
80  Kluge  (Etym.  wb.  «  60)  und  Tamm  (aao.  64),  die  Verwandt- 
schaft mit  air.  bruinne  brüst  für  möglich  halten.  Das  geht 
aber  nicht  an,  da  das  -nn-  des  irischen  wertes,  wie  oben  (s. 
227)  erwähnt,  aus  älterem  -nd-  assimilirt  ist.  Aber  auch  kel- 
tisches lehnwort,  wie  0.  Schrader  (Sprachvergl.  u.  urgesch. 
s  336,  Reallex.  612)  und  Stokes  (Fick  II  S  184)  annehmen, 
kann  urgerm.  ^brunjän-  nicht  sein,  da  in  diesem  fall  germ.  -nn- 
oder,  falls  das  wort  vor  der  assimilation  von  -nd'  zu  -nn"  ent- 
lehnt wäre,  germ.  -nd-  zu  erwarten  wäre.  Oder  ist  -n;-  in 
got.  brunjo  gleichzeitig  mit  -n;-  in  got.  sunjia  wahr  aus  urgerm. 
'ndj-,  -ndj'  entstanden?  Das  Keltische  dient  uns  also  wol  nicht 
zur  erklärung  des  urgerm.  ^brunjän-,  wol  aber,  wenn  wir 
urgerm.  *brunjän''  mit  Kluge,  Tamm  und  6.  Meyer  als  erbwort 
ansehen  —  und  das  dürfen  wir  wol  unbedenklich  tun  —  das 
albanische.  6.  Meyer  war  also  auf  der  richtigen  fährte,  wenn 
er  urgerm.  ^brunjan-  zur  auf  hellung  eines  albanischen  wertes 
heranzog,  nur  steht  dem  urgerm.  *brunjän-  das  dazu  gehörende 
Albanesische  wort  lautlich  nicht  so  fem  wie  alb.  bres,  sondern 
deckt  sich  mit  ihm,  wenn  wir  den  germ.  än-stamm  auf  einen 
idg.  ei-stamm  zurückführen,  was  ja  bei  erbwörtem  immer  ge- 
schehen muss,  laut  für  laut.  Urgerm.  ^brunjän-  führe  ich  auf 
idg.  *bhrenjä'  zurück  und  nähme  weiter  an,  dass  idg.  «n  vor 
folgendem  vokal  oder  j  durch  alb.  in  vertreten  wird  (vgl.  alb. 
ir  »  idg.  $r  und  alb.  ü  —  idg.  d  in  derselben  Stellung  Pe- 
dersen,  KZ.  XXXIII,  541,  verf.,  liter.  ctrlbl.  1898,  sp.  810);  so 
gelangen  wir  zu  uralb.  *brinjä,  woraus  alb.  briM  rippe,  ab- 
schüssiger boden,  anhöbe,  küste  hervorgegangen  ist.  Allerdings 
wird  alb.  briM  (und  das  dazu  gehörige  alb.  br^,  best  br\-ni, 
Uf-ni  rippe,  seite)  von  G.  Meyer  (Etym.  wb.  d.  alb.  spr.  48, 
alb.  stud.  III,  14,  31  f.)  ganz  anders  erklärt:  brin-  für  ♦jpmn- 
=r=  idg.  *perJcn^  zu  si.  pärgu-s  rippe,  av.  p9r9su-  rippe,  seite, 
osset.  fars  seite,  gegend,  abulg.  prhsi  pl.  t.  brüst,  lit.  priszis 
brüst  beim  pferde.  Obgleich  0.  Meyer  kein  weiteres  beispiel 
für  alb.  br»  aus  idg.  pr-  beibringt  —  denn  in  alb.  breme  neben 
mbreme  abend,  dessen  Zusammenstellung  mit  got.  fram  von  . . . 
her,  von  ...  an,  adv.  weiter  (G.  Meyer,  Etym.  wb.  266,  alb. 
stud.  III,  31)  von    0.  Meyer   selbst   nicht   sehr   zuversichtlich 


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236  Wiedemann 

vorgetragen  wird  *),  wäre  der  wandel  von  idg.  p  zu  b  nur  durch 
das  vorangehende  m  hervorgerufen  — ,  hält  er  seine  erklämng 
von  briAa  doch  für  zweifellos.  Trotzdem  glaube  ich  eine  bessere 
etymologie  von  briiis  gegeben  zu  haben,  obgleich  sie  mit  einem 
von  6.  Meyer  (Alb.  stud.  III,  66)  aufgestellten  lautgesetz  nicht 
in  einklang  steht.  6.  Meyer  lehrt  nämlich,  dass  idg.  -nj-  vor 
vokalen  zu  -/-  wird;  ein  idg.  *bhrenja  wäre  also  lautgesetzlich 
*brije  geworden;  man  darf  wol  unbedenklich  annehmen,  dass 
durch  einfluss  des  gleichbedeutenden  brf  das  n  vor  dem  schwand 
bewahrt  worden  ist;  vgl.  jedoch  Pedersen  (KZ.  XXXVII,  339), 
der  erhaltung  des  inlautenden  -li-  lehrt,  so  dass  -n-  in  brins 
lautgesetzlich  wäre,  was  jedenfalls  meiner  erklärung  vorzuziehen 
wäre.  Lässt  sich  somit  meine  gleichsetzung  von  alb.  brlAe  mit 
urgerm.  *brunjan-  lautlich  rechtfertigen,  so  steht  ihr  andrer- 
seits auch  von  Seiten  der  bedeutung  nichts  im  weg,  wenn  wir 
für  die  in  alb.  bri'Ae  und  urgerm.  *bnmjan-  steckende  idg.  w. 
bhren  die  bedeutung  „umschliessen*^  ansetzen;  die  „rippen"  sind 
es  ja,  die  die  brüst  gewissermassen  umschliessen,  und  was 
urgerm.  *bruHJän  betrifft,  so  dürfen  wir,  da  die  brünne  ur- 
sprünglich aus  leder  bestand,  zunächst  von  der  bedeutung 
„leder",  „feil",  „haut"  ausgehn,  die  weiter  auf  die  bedeutung 
„umschliessendes"  zurückgeht.  Elinen  ähnlichen  bedeutungs- 
wandel  haben  wir  bei  der  von  Thumeysen  (Hermann  Osthoff 
zum  14.  aug.  1894,  s.  5  ff.)  behandelten  idg.  w.  k(i§h,  nur  dass 
wir  hier  keine  Wörter  mit  der  bedeutung  „rippe"  haben,  und 
ferner  bei  der  sippe  von  ai.  pdr^-s,  worüber  der  nächste  auf- 
satz  handelt.  Indessen  kann  die  bedeutung  des  urgerm.  *brun^ 
jän-  auch  unmittelbar  aus  der  bedeutung  „umschliessend"  her- 
vorgegangen sein,  wie  z.  b.  gr.  x^wqö^  brustharnisch,  krug  : 
ai.  dhäraka-s  haltend,  behälter  zeigt.  Zu  alb.  brine,  urgerm. 
*brufijän-  stelle  ich  auch  gr.  q>QTJv^  pl.  q>Qiveg,  6.  Meyer 
(Griech.  gramm.  >  337)  bezeichnet  q>Qijv  als  etymologisch  dunkel; 
die  bisher  gegebnen  erklärungen  hat  er  also  nicht  für  befrie- 
digend gehalten.  Allgemein  abgetan  sind  heute  wol  die  Zu- 
sammenstellungen von  g)Qi]v  mit  ai.  pränd-s  hauch,  atem,  lebens- 
hauch  (Benfey,  Wrzllex.  I,  119,  Bopp,  Gloss.  «  256  b,  Pott, 
Etym.  forsch.  «  I,  543,  II,  4,  3  f.,  Christ,  Griech   lautl.  I,  119) 

1)  Eine,  wie  iofa  hoffe,   annehmbarere  erklärung  will  ich  in  einem 
weiter  unten  folgenden  aafsatz  geben. 


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fitymologien.  237 

und  mit   ai.  plihd,   gr.  anXijv^  lat.  lien  iiiilz  (Leo  Meyer,  KZ. 

V,  374,  VaBiöek,  üriech.-lat.  etymol.  wb.  1190,  Wharton,  Etyma 
graeca  131).  Alle  andren  mir  bekannten  etymologieen  des  gr. 
(pQ^v  sind  lautlich  zum  teil  auch  heute  noch  haltbar.  Zunächst 
die  von  Pott  (Etym.  forsch.  I  ^,  182)  angedeutete,  aber  nicht 
weiter  begründete  Zusammenstellung  mit  ai.  ghräti,  jighrcUi 
riecht,  für  die  namentlich  das  ebenfalls  von  Pott  herangezogene 
gr.  ooipQaivofÄai  rieche,  wittre  sprechen  würde;  später  hat  Pott, 
wie  oben  erwähnt,  Benfey's  etymologie  gebilligt.  Sonne  (KZ. 
XII,  296),  dem  Ebeling  (Lex.  hom.  II,  447)  zustimmt,  führt 
q^Q'-ev-  auf  eine  idg.  w.  bher  (Sonne  schreibt  phar)  umhegen, 
einschränken,  schirmen  zurück,  die  er  weiter  in  ags.  bern,  engl. 
bran  scheune,  nhd.  barn  krippe,  räum  in  der  scheune  zum  auf- 
bewahren der  garben,  engl,  bar,  nhd.  barre  schranke,  riegel 
sieht;  auch  gr.  q>Qdaa(Of  das  er  auf  eine  idg.  w.  bher-g  (er 
schreibt  pharg)  zurückfuhrt,  stellt  er  hierher,  desgleichen  engl. 
brim,   nhd.  bram  rand,  nhd.  braue.    Brugmann  (Curtius'  stud. 

IX,  376  anm.)  stellt  q>Q-€V''  zu  ai.  bhuräti  zuckt,  zappelt,  und 
dieselbe  ansieht  spricht  auch  Windisch  (Ber.  d.  sächs.  ges.  d. 
wiss.,  phiL-hist.  kl.  1891,  s.  198 f.)  aus,  ohne,  wie  es  scheint, 
Brugmann's  priorität  zu  kennen;  auf  dasselbe  kommt  es  auch 
hinaus,  we^n  Leo  Meyer  (vgl.  gramm.  I  >,  751  f.)  (p^v  mit  ai. 
bhrdmati,  bhrdmate,  bhrdmyati  schweift  umher,  ist  unstet,  ist 
in  Verwirrung,  irrt  zusammenstellt,  denn  ai.  bhram-  ist  wurzel- 
verwandt mit  ai.  bhuräti  (Persson,  Wrzlerw.  68);  jetzt  hält 
Leo  Meyer  (Handb.  d.  griech.  etym.  III,  402)  q)Qi^v  für  „dunkeP^ 
Andrerseits  hat  schon  Döderlein,  Hom.  gloss.  II,  315  f.)  (pnijv 
mit  gr.  q>Qa^(a  lasse  wahrnehmen,  lege  dar  zusammengestellt 
und  diese  Zusammenstellung  ist  in  neuerer  zeit  vielfach  wieder- 
holt worden,  so  von  Fick  (o.  I,  334  f.),  Bezzenberger-Fick  (o. 

VI,  239),  wo  allerdings  nicht  q)QTJv^  wol  aber  das  davon  nicht 
zu  trennende  gr.  q>QOvi(a  denke  erwähnt  und  weiter  lit.  girdik 
vernehme,  höre  dazu  gestellt,  das  gr.  q)  also  auf  idg.  gnh  zu- 
rückgeführt wird;  ferner  wird  q>Qr]v  mit  q>Qa^(ü  verbunden  von 
Froehde  (o.  YII,  116),  der  aber  aisl.  garnir  pl.  därme,  magen 
und   ai.  hrd-,  hrdayorm  herz    vergleicht,   und  von  CoUitz   (o. 

X,  59).  Dann  sind,  nachdem  Bezzenberger  (o.  XVI,  240)  €pQcä^w 
(ohne  heranziehung  von  q>Qijv)  zu  pr.  po-gerdaut  sagen,  cymr. 
am'fnraivdd  Umschreibung,  brawddegg  redensart  (urkelt.  grund- 
form  nach  Bezzenberger  *bradO'^  nach  Stokes  bei  Fick  II  *,  216 


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236  Wiedemann 

*brädO')  gestellt  und  zweifelnd  auch  cymr.  bard,  corn.  barth^ 
ir.  bard,  gall.  bardos  barde  herangezogen  hatte,  von  Fick  (Vgl. 
wb.  I  *,  417  f.,  n  *,  162,  0.  XVIII,  142)  tpq^v  und  qxial^fa  ausser 
zu  den  genannten  litauischen  und  keltischen  Wörtern  noch  zu 
aisl.  grunr  ahnung,  verdacht,  gruna  beargwöhnen  und  zweifelnd 
(wie  übrigens  auch  schon  von  Pott,  Etym.  forsch.  I  \  182)  zu 
lat  ren^  nieren  gestellt  worden,  wozu  Bezzenberger  (Fick  II  *, 
162)  noch  ahd.  gruog  anrede,  anspräche,  anklage,  gruss,  gruo- 
gan  rufen,  nennen,  grüssen,  angreifen,  as.  grötian  anreden,  ags. 
gretan  grüssen,  herausfordern,  afries.  greta  anklagen  hinzufugt 
Prellwitz  (Etym.  wb.  d.  griech.  spr.  348,  349)  und  Zupitza 
(Germ.  gutt.  97)  stimmen  der  heranziehung  der  aisl.  Wörter  bei. 
Femer  wird  q)iia^(o  (ohne  heranziehung  von  g>Qi]v)  von  Wharton 
(Etyma  graeca  131),  Brugmann  (Grdr.  U,  1061  f.)  und  Hirt  (o. 
XXIV,  262,  abl.  HO)  zu  lit.  girdeü,  von  Stokes  (bei  Lottner, 
KZ.  XI,  163  anm.,  KSB.  VII,  386,  o.  XL  70)  zu  kelt.  *bard<h 
gestellt;  Osthoff  (IF.  IV,  275)  lässt  es  unentscliieden,  welche 
von  diesen  beiden  vergleichungen  den  vorzug  verdient.  Uhlen- 
beck  (Ark.  f.  nord.  fil.  XIV,  388,  Kurzgef.  etym.  wb.  d.  got. 
spr.  >  66)  stellt  qp^a^cu  zu  pr.  pa-gerdatä  und  der  sippe  von 
got.  gretan  weinen  und  nimmt  für  diese  wörter  eine  idg.  w. 
g^rSd,  guherd  an.  Wesentlich  abweichend  von  allen  diesen 
erklärungen  ist  die  von  J.  Grimm  (Gramm.  I  *,  593)  her- 
rührende Zusammenstellung  von  q>qäC,(a^  (J.  Grimm  erwähnt  nicht 
q>Qd^(o,  wol  aber  q)^dijg  verständig)  mit  lat.  prüdens  klug  und 
got.  frops  klug,  verständig,  fraßjan  verstehn,  denken,  die  bei 
Döderlein  (Lat  syn.  u.  etym.  V,  113,  VI,  177,  hom.  gloss. 
n,  311),  Benfey  (Griech.  wrzUex.  I,  363,  II,  352)  Diefenbach 
(VergL  wb.  d.  got.  spr.  I,  394  f.,  II,  760),  Curtius  (KZ.  IV,  237, 
grdz.  6  673),  Fick  (Vgl.  wb.  I  »,  679  f.),  Vanidek  (Gr.-lat.  etym. 
wb.  553  f.)  beifall  gefunden  und  mit  ausscheidung  von  prOdens 
und  dem,  was  aa.  aa.  oo.  sonst  aus  dem  Lateinischen,  Litaui- 
schen und  Altindischen  beigebracht  ist,  auch  heute  noch  für 
diejenigen  haltbar  ist,  die  für  die  idg.  Ursprache  tenues  aspi- 
ratae  annehmen  und  für  ^^^o)  und  die  sippe  von  got.  frofsj 
fraßjan  als  anlaut  idg.  ph  ansetzen  (Osthoff,  Perf.  322  f.,  Mo- 
reen,  Urgerm.  lautl.  119,  182,  Streitberg,  Urgerm.  gramm.  112). 
Da  meiner  meinung  nach  der  heutige  stand  der  forschung  uns 
noch  nicht  berechtigt,  für  die  idg.  Ursprache  tenues  aspiratae 
anzusetzen,  fällt  die  Zusammenstellung  von  q>Q<iZü}  mit  der  sippe 


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Etymologien.  239 

von  got.  frapjatiy  frofs^  die  nur  mit  der  sippe  von  lit.  prantü 
werde  gewohnt,  pr.  prätin  rat,  lat.  inter-pres  vermittler,  aus- 
leger,  inter-pretor  vermittle,  lege  aus  zusammenzustellen  ist 
Ferner  ist  die  etymologie  Froehde's,  die  nach  seite  der  Bedeu- 
tung vorzüglich  ist,  aus  lautlichen  gründen  abzulehnen;  denn 
die  von  Froehde  verglichenen  Wörter  haben  idg.  §h  wie  u.  a. 
lit.  zärna  darm  zeigt  (Fick,  Vgl.  wb.  I  *,  54,  219,  435  fc, 
E.  Zupitza,  Germ.  gutt.  201  und  die  an  diesem  ort  weiter  an- 
geführte Uteratur). 

Wir  haben  nun  zwei  fragen  zu  beantworten:  1)  GFehören 
g>(^  und  q>Qdl^w  etymologisch  zusammen?  2)  Ist  ihr  q>  Vertreter 
von  idg.  fff^  oder  von  idg.  bh?  Die  erste  frage  ist  leicht  be- 
antwortet; wir  brauchen  nur  ein  paar  Zusammensetzungen  mit 
-qfqiov,  das  natürlich  nicht  von  9>^v,  und  mit  'q>Qaöfig,  das 
eben  so  wenig  von  q>Qa^a)  getrennt  werden  darf,  herauszugreifen, 
um  diese  frage  bejahend  zu  beantworten.  Homer  hat  neben 
einander  aq^qtav  und  dq>Qadijg  unbesonnen,  unvernünftig,  töricht, 
€vq>Qa)v  freudig,  erfreuend  und  evq>Qadijg  deutlich,  wolberedt, 
TCBQUpQiav  und  nBiiiq>qadrig  sehr  verständig;  dem  homer.  yucnLo- 
g>qadijg  schlechtes  sinnend,  unbesonnen  steht  zur  seite  das  bei 
andern  dichtem  vorkommende  x(XKÖq>Q(av  schlecht  gesinnt,  bos- 
haft usw.  (vgl.  Pape,  Etym.  wb.  d.  griech.  spr.  235,  268).  Nicht 
ganz  so  leicht  ist  die  zweite  frage  zu  beantworten,  aber  auch 
hier  ist  eine  sichere  entscheidung  möglich,  so  dass  sich  Osthoff's 
zweifei  beseitigen  lassen.  Was  zunächst  aisl.  grunr  betrifft,  so 
wird  es  von  Wadstein  (IF.  V,  28)  als  zusammengesetzt  aus  ga' 
und  run-  zu  aisl.  rün  geheimnis,  rune,  got.  ga-rüni  geheime 
beratung  gestellt  und  Uhlenbeck  (Ark.  f.  nord.  fil.  XIV,  388, 
kurzgef.  etym.  wb.  d.  got.  spr.  >  60)  stimmt  ihm  bei.  Ich  halte 
Wadstein's  Vermutung  für  sehr  bedenklich,  stimme  ihm  aber 
darin  bei,  dass  wir  es  in  aisl.  grunr  mit  einem  idg.  u  zu  tun 
haben,  und  vermute,  dass  aisl.  grunr  zu  aisL  grär,  ags.  grceg, 
ahd.  grao  grau  (zu  ags.  gräg  vgl.  Jellinek,  PBB.  XIV,  584), 
ahd.  in-grüin  schaudern,  mhd.  grüwen  grauen,  grausen,  mhd. 
griuwel,  griul,  ndl.  gruwd  schrecken,  grauen,  gräuel  gehört;  zu 
gründe  liegt  die  bedeutung  „schimmern'S  so  dass  etymologischer 
Zusammenhang  mit  lit  ziur&i,  abulg.  ztr^i  sehen  und  den  von 
Leskien  (Ablaut  319,  371)  und  Miklosich  (Etym.  wb.  401  f.) 
zusammengestellten  Wörtern  sowie  mit  lat.  -gur  in  at^gur  vogel- 
beobachter,  vogeldeuter,  gr.  x<xqo7t6g  strahläugig  besteht    Für 


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240  Wieaemann 

das  Germanische  hätten  wir  in  diesem  fall  von  einer  u-erweite- 
rung  der  in  den  genannten  wörtem  steckenden  idg.  w.  §her 
auszugehn.  Ist  meine  Vermutung  haltbar,  so  hat  aisl.  grunr 
palatale  aspirata,  ist  also  mit  ^^i;V,  (pQal^(a  unvereinbar.  Pala- 
tale aspirata  hat  auch  got  gretan,  das  daher  nicht  mit  Dhlen- 
beck  zu  ipqaC/b)  gestellt  werden  darf;  jetzt  lässt  Uhlenbeck 
(Kurzgef.  etym.  wb.  d.  got  spr.  >  66)  es  unentschieden,  ob 
got  gretan  zu  q>Qd^(üj  pr.  po-gerdaut  oder  zu  ai.  hrddate  tönt 
laut,  zu  dem  es  bisher  immer  gestellt  worden  ist,  gehört;  got. 
gretan  gehört  zweifellos  zu  ai.  hrddate  wozu  man  weiter  av. 
zradö  kettenpanzer  stellt,  das  aber  auch  anders  und,  wie  ich 
glaube,  besser  erklärt  werden  kann  (s.  u.  s.  247).  Dass  g-  in 
got.  gretan  auf  palatale  aspirata  zurückgeht,  beweist  schon  das 
A-  des  ai.  hrddate;  idg.  gh  wäre  ja  im  Altindischen  vor  r  durch 
gh  vertreten.  Was  nun  die  Zusammenstellung  von  g>QT^^  <pQdCw 
mit  lit.  girdzü,  pr.  po-gerdaut  betrifft,  so  zeigen  die  bei  Les- 
kien (Ablaut  327)  verzeichneten  zu  dieser  sippe  gehörigen  Wörter, 
dass  ftir  sie  von  der  bedeutung  „tönen",  bez.  „tönen  lassen'' 
auszugehn  ist.  Dasselbe  gilt  von  den  bei  Fick  (Vgl.  wb.  U  S 
162)  zusammengestellten  keltischen  Wörtern.  Sehen  wir  nun 
zu,  ob  die  bedeutungen  von  q>QT^y,  q>Qa^(ü  dazu  stimmen.  Bei 
Homer  bedeutet  der  singular  cpQijv  im  wesentlichen  dasselbe 
wie  unser  nhd.  sinn,  der  plural  „Zwerchfell",  „eingeweide", 
„inneres'\  bes.  im  gegensatz  zum  körper,  daher  „sitz  der  gei- 
stigen tätigkeiten'S  „bewusstsein",  „vorstellungsvermögen",  „ge- 
dächtnis",  „gemüt",  „verstand",  „klugheit".  Dem  entsprechend 
deckt  sich  g>Qd^Ox^ai  im  wesentlichen  mit  nhd.  sinnen,  q>qa:fy} 
bedeute  „ich  lasse  sinnen",  „lasse  mit  den  sinnen  erfassen'S 
„lege  dar";  die  bedeutungsentwicklung  ist  der  des  gr.  ley^ 
ziemlich  gleichartig :  bei  beiden  Wörtern  handelt  es  sich  um  ein 
geordnetes,  für  den  verstand,  nicht  für  die  phantasie,  berech- 
netes   darstellen  ^).      Die    Zusammensetzungen    mit   q>Qfav  und 

1)  Diese  bei  der  sippe  von  if>^,  <pQdCa  hervortretende  bedeatang 
maöht  er  meiner  meinung  zur  gewissheit,  dass  gr.  dXfyttj  dUyl^  küm- 
mere mich,  dlsytvoi  besorge,  lat.  nsg-lego  kümmere  mioh  nicht,  di-Ugo 
liebe,  re-ligeru  gottesfürchtig  von  gr.  Xfyai,  lat.  lege  nicht  getrennt  werden 
dürfen,  was  seit  Döderlein  (Hom.  gloss.  I,  76  f<),  wie  es  scheint,  allge- 
mein, geschieht ,  obgleich  Lingen  (D.  wrzln.  uiSr  und  uiEX  85  f.)  sich 
gegen  diese  trennnng  ausgesprochen  hat;  nur  möchte  ich  die  bedeu- 
tungen etwas  anders  vermitteln  als  Lingen;   nsg-Ugo  ist  „zähle  nicht**, 


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Ctymologien.  241 

-^PQaihig  können  wir  im  allgemeinen  durch  Zusammensetzungen 
mit  „gesinnV^  wiedergeben;  a<pQünff  aipgadijg  ist  „sinnloses  „ge- 
dankenlos*'. Desgleichen  zeigen  €pq6vig  verstand,  klugheit,  ein- 
sieht und  (pQOVTig  sorge,  fürsorge,  aufmerksamkeit,  nachdenken 
bedeutungen,  die  unserm  „sinn*'  sehr  nahe  stehen.  Nirgends 
tritt  bei  g)Qi]v  q>Qa^w  und  ihrer  sippe  die  sinnliche  bedeutung 
einer  tonempfindung  oder  -erzeugung  hervor,  wie  dies  bei  den 
genannten  keltischen  und  litauischen  Wörtern  der  fall  ist;  9)^v 
9^cr^ai  dürfen  daher  weder  zu  der  einen  noch  zu  der  andern 
sippe  gestellt  werden,  aber  es  hindert  uns  nichts,  die  keltischen 
und  litauischen  Wörter  untereinander  zu  verbinden,  was  meines 
Wissens  bisher  noch  nicht  geschehen  ist;  dazu  stelle  ich  mit 
Müller  (MSL.  IX,  150)  auch  arm.  kardam  erhebe  die  stimme, 
dessen  kard-  =  lit  gird-  auf  eine  idg.  w.  gnerdh  weist  und 
dessen  bedeutung  besonders  zu  der  des  urkelt.  *  bardos  stimmt 
Den  dental  der  armenischen,  keltischen  und  litauischen  Wörter 
fesse  ich  als  Wurzelerweiterung  auf  und  stelle  weiter  hierher 
si.  jdrate  ruft,  grnäii  singt,  gr.  degiar  koidogiai^  ahd.  queran 
seufzen,  lit.  girti  loben;  das  von  £.  Zupitza  (Germ.  gutt.  78) 
hierher  gezogene  ir.  berran  kummer  liegt  begrifflich  zu  weit  ab 
und  gehört  eher  zu  den  von  Stokes  (Fick  II  ^,  173  f.)  unter 
^bhersd  zusammengestellten  Wörtern. 

Sind  also  die  erwähnten  etymologien  von  9>^i/y,  q>Qa^ü}  teils 
von  Seiten  der  taute,  teils  von  Seiten  der  bedeutung  —  letzteres 
ist  auch  bei  der  von  Hirt  (Abi.  83)  gegebnen  Zusammenstellung 
der  fall  —  abzuweisen,  so  steht  der  von  mir  vorgeschlagenen 
Zusammenstellung  von  9)^,  q>Qät,w  mit  got.  brunjo,  alb.  brf^ 
brine  nichts  im  weg,  denn  wir  brauchen  bei  g>QTJVf  q>QciCj(a  keines- 
wegs von  einer  idg.  wurzel  auszugehn,  die  den  begriff  der  be- 
wegung  bezeichnet.  Wie  Windisch  anfuhrt,  sagt  üalen,  dass 
Aristoteles  die  bedeutung  des  Zwerchfells  als  avanvoi^g  oqyavov 
noch  nicht  erkannt  hatte;  es  ist  daher  wenig  wahrscheinlich, 
dass  die  Griechen  ein  wort,  das  als  zur  sippe  von  ai.  bhurdti 

re-Ugwu  (die  abschweifenden  gedanken)  wieder  sammelnd;  vgl.  dieselbe 
bedeatungentwicklung  bei  der  idg.  w.  kftei  (gr.  ri  o>  zahle :  sobätze,  ehre, 
re-'t £-71- fiat  bin  betrübt,  eig.  bin  besorgt,  abulg.  cim  Ordnung;  dbttb 
ehren),  sowie  bei  nhd.  pM  :  geUen,  schätz  (das  ja  allerdings  fremdwort 
ist,  aber  doch  hier  genannt  werden  darf):  sehlUzen^  pr^  (ebenfalls 
fremdwort)  :  preisen.  —  Mit  aXyog  schmerz  hat  dXiyia  eben  so  wenig  za 
schaffen  wie  liytt  (Lingen  aao.  81  ff.). 

Biililg«  c.  knd«  d.  iidg.  ipiMlMB.     XXVU.  16 


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242  Wiedemann 

gehörig  nur  „zackendes'S  „bewegliches^^  bedeutet  haben  kann, 
zur  bezeichnung  des  Zwerchfells  verwandten.  Vielmehr  werden 
sie  dazu  ein  wort  mit  der  bedeutung  ,,haut'S  »»feil"  gewählt 
haben;  ^^  bedeutete  also  ursprünglich  „das  umschliessende, 
umfassende,  deckende".  In  q)Q6yig,  q>QOVTig,  -^^aivw,  tpQafyd  ist 
die  ursprüngliche  konkrete  bedeutung  „fassen"  aufs  geistige 
gebiet  übertragen,  wie  das  z.  b.  auch  der  fall  ist  bei  aisl.  geta 
erlangen,  erreichen,  vermuten,  alat  tongeo  kenne,  got  pagkjan 
denken  :  abulg.  t^o  Ifidg^  lorum  und  dessen  bei  Miklosich 
(Etym.  wb.  350  f.)  verzeichneter  sippe  ^).  Ihre  ursprüngliche 
sinnliche  bedeutung  hat  die  idg.  w.  bhren  im  Ghriechischen  noch 
bewahrt,  in  6a'g>Qaiyoidai  (aus  *od(€)a-  :  lat.  odor  und  q>Qal' 
yojuat,  s.  Wackemagel  KZ.  XXXIII,  43)  Witterung  bekommen 
=  riechen  trans.  Es  liegt  durchaus  kein  grund  vor,  mit  Pott 
(Etym.  forsch.  I  S  182),  Windisch  (aao.  198  anm.  1)  und 
Brugmann  (IF.  VI,  lOOff.,  griech.  gramm.  ^  114,  258  mit  anm., 
272)  oo-ipQaivo^ai  in  etymologischen  Zusammenhang  mit  ai. 
ghräti,  jighrati  riecht  zu  bringen;  mir  scheinen  formen  wie 
äaq>qav%o^  iiaq>q6firj¥^  6oq>Qiadixv  sich  ganz  ungesncht  als  durch 
einfluss  der  verba  auf  -cryoi,  -atvio  erklären  zu  lassen.  Zu 
letzteren  gehört  ja  auch  das  seiner  bedeutung  nach  von  oog>Qai' 
yofiai  nicht  allzu  weit  abliegende  aladiiyoficu  nehme  wahr  und 
dioipQOfifiv  verhält  sich  zu  oaq>Qaivofiai  genau  so  wie  ^o^fitpf 
zu  aiad'dvofiat  >).    Die  beeinflussung  durch  ala9iivofiai  und  die 

1)  Zu  alat.  iangeo,  got.  pagJ^an  ziehen  Stokes  (Rev.  celt  V  252, 
268),  Tharneysen  (ebd.  VI,  185  anm.  1)  and  Arbois  de  Jabainville  (MSL. 
XI,  880)  auch  ir.  iangu  schwöre,  dessen  arsprfingliehe  bedeatang  dann 
wäre  „mache  fest",  „bekräftige".  Doch  kann  sich  die  bedeatang 
„schwören"  auch  aas  der  bedeatang  „sprechen"  entwickelt  haben,  wie 
got.  9waran  schwören  :  aisl.  wara  antworten,  nhd.  «cAtotirsn,  ai.  närati 
tönt  zeigt.  Falls  auch  bei  ir.  iangu  von  der  bedeatang  „sprechen"  aos- 
zagehn  ist,  gehört  es,  wie  aach  schon  Stokes  (Fick  U  *  121)  andeatet,  za 
ir.  Ung»,  xung»,  Za  lat.  iango  berahre,  wozu  Stokes  ir.  tongu  stellt, 
stimmt  es  lautlich  schlecht,  da  es  warzelhaftee  s  gegenüber  lat.  a  and 
festen  nasal  gegenüber  dem  nur  aof  den  präsensstamm  beschrinkten 
des  lateinischen  hat. 

2)  Auch  lat.  ft'Sgro  rieche  intr.  hat  meiner  meinung  nach  mit  ai. 
ghrWti^  jigkraU  nichts  zu  schaffen,  sondern  ist  vielmehr,  wie  das  z.  b. 
schon  bei  Fick  (Vgl.  wb.  I  "  697,  II  •  178,  UI  "  216)  and  Yani&k 
(Etym.  wb.  d.  lat  spr.  *  189)  geschehen  ist,  mit  lat.  fr§gum  erdbeere 
zu  mhd.  hrcßhen  riechen  intr.  zu  stellen. 


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fitymologiefi.  243 

andern  abgel.  verba  auf  -mvw^  -oyoi  konnte  bei  6o'q>Qalvofiai 
um  80  leichter  erfolgen,  als  letzteres  seiner  bedeutnng  nach  den 
übrigen  Zusammensetzungen  mit  -q>^iv(o  fem  getreten  ist,  durch 
sie  also  nicht  gestützt  werden  konnte.  Der  präsensstamm  gr. 
q>Qaivo-  :  g>Qaiv8  entspricht  in  ablaut  und  sufßx  genau  dem 
alb.  briiie,  got.  brunjo  und  dadurch  erhalt  meine  etymologie 
Yon  f^ifv,  (fga^o)  eine  nicht  unwesentliche  stütza  Eine  weitere 
stütze  würde  sie  gewinnen,  wenn  sich  auch  der  in  9^^o-  :  q>Qa^ 
steckende  stamm,  idg.  ^bkrendja-,  ausserhalb  des  griechischen 
nachweisen  Hesse.  Das  ist,  glaube  ich,  in  der  tat  möglich. 
Denn  alb.  bres,  best,  brez-i,  von  dem  wir  ausgegangen  sind, 
lässt  sich  ohne  weiteres  auf  idg.  *bhr$ndjo8  zurückfuhren;  idg. 
•n  wird  vor  folgendem  konsonanten  (ausser  j)  durch  alb.  e 
Tertreten  (G.  Meyer,  Alb.  stud.  II,  2ö),  wie  ^zet  (in  'At-^zH 
zwanzig  u.  and.  dekaden)  :  ai.  gati-s,  gr.  -'Mni.y  lat.  -ginti^  ginta, 
ir.  'Che^  gen.  chatj  got.  -hund  zeigt,  und  uralb.  -dj^  wird  nach 
dem  ton  zu  -z-  (6.  Meyer,  Alb.  stud.  III,  28).  Die  nicht  er- 
wetterte idg.  w.  bhren  kann  in  alb.  nibreiA  gürte  vorliegen;  denn 
es  hindert  wol  nichts,  alb.  -breA  auf  idg.  *bkrenjö  zurückzu- 
führen, da  auch  sonst  die  diphthongirung  des  e  ohne  erkenn- 
baren grund  unterblieben  ist  (6.  Meyer,  Alb.  stud.  III,  85  f.); 
alb.  g'aA  jage,  das  am  schwersten  gegen  zurückführung  von  -breA 
auf  idg.  *bhrenjö  in's  gewicht  fallen  würde,  wenn  es  mit 
G.  Meyer  (Etym.  wb.  136,  Alb.  stud.  IE,  7,  84)  auf  idg.  *genjö 
zurückgeführt  wird,  ist  nicht  zu  verwerten  (Pedersen,  KZ. 
XXXVI,  330  f.).  Indessen  kann  e  auch  t-umlaut  von  a  {-breA 
aus  *branjö  =  idg.  *bhronjö;  -breA  stünde  dann  dem  gr.  q)QO' 
vito  nicht  allzu  fern)  oder  e  kann  =s  idg.  ö  sein  ('4>reA  =:  idg. 
*bhrönjö),  in  jedem  fall  lässt  sich  -breA  auf  die  idg.  w.  bhren 
zurückführen.  Auf  die  in  q>Qa^€o  vorliegende  idg.  w.  bhrend 
führe  ich,  wie  schon  oben  (s.  227)  angedeutet,  auch  die  bei 
Fick  (Vgl.  wb.  II  ^j  184  unter  *brend)  zusammengestellten 
Wörter  zurück  und  bemerke  zu  cymr.  brynn  coUis,  dass  alb. 
briAa  u.  a.  auch  „anhöhe''  bedeutet.  Auch  aisl.  braUr,  aschwed. 
brantr,  ags.  bront  steil  gehören  meiner  meinung  nach  hierher. 
Neben  der  erweiterten  wurzel  idg.  bhren-4  liegt  die  oben  (s.  230  f.) 
behandelte  idg.  w.  bhrenk,  die  sich  ebenfalls  als  erweiterung 
auffassen  lässt:  bhren-Jc;  dadurch  gewinnen  wir  die  möglichkeit, 
das  oben  (s.  228)  besprochene  aisl.  bringa  in  einen,  wenn  auch 
entfernteren,  etymologischen  Zusammenhang  mit  den  keltischen 

16* 


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244  Wieclemann 

Wörtern  für  „brust^^  zu  bringen.  Aus  diesem  gründe  halte  ich 
auch  die  zurückftihrung  von  alb.  mbr&A,  bres  auf  die  idg.  w. 
bhren,  bhren-d  für  viel  wahrscheinlicher  als  6.  Meyer's  zurück- 
führung  auf  ein  idg.  *bhreunO',  denn  diese  albanischen  werter 
gewönnen  dadurch  anschluss  an  eine  ganze  reihe  andrer  be* 
nennungen  für  „brüst".  Sollte  indes  mit  G.  Meyer  bre-  in  alb. 
bre8,  tnbreA  auf  idg.  bhreu-  zurückzuführen  sein,  so  würde  ich 
statt  idg.  *bhreun(h  lieber  idg.  *bhreu8'no-  ansetzen  und  got. 
bru8t8  dazu  stellen. 

Es  gibt  aber  im  Albanischen  noch  ein  andres  wort,  das 
sich  lautlich  ohne  weiteres  mit  got.  brtMis  vereinigen  lässt,  und 
dessen  bedeutung,  wenn  sie  auf  den  ersten  auch  abzuliegen 
scheint,  dennoch  mit  der  des  got  brusts  vereinbar  ist:  alb. 
breäsn  hageL  G.  Meyer  (Etym.  wb.  47,  Alb.  stud.  III,  35,  61, 
72,  90)  stellt  breäsn  zu  ahd.  brösma  krume,  bröckchen,  kelt. 
^bräS'  zerschlagen  (weiteres  über  die  kelt.  Wörter  bei  Thur- 
neysen,  Eeltorom.  94  f.)  und  Stokes  (Fick  U  \  187),  abulg. 
brbsfUfti  rädere,  corrumpere,  brbseh  scherbe.  Diese  Zusammen- 
stellung ist  aber  von  lautlicher  seite  sehr  anfechtbar,  wie  schon 
Pedersen  (IF.  V,  38)  erwähnt  hat.  Über  das,  was  Pedersen 
behauptet,  lässt  sich  aber  ebenfalls  streiten.  In  ags.  brysan 
brechen,  ir.  braim  zerschlage,  ahd.  brösma  und  lat.  frustum 
brocken,  stückcken  liegt  meiner  meinung  nach  eine  idg.  w. 
bhreuB  :  bh-üs  brechen,  zerbrechen  vor.  Wer  mit  Pedersen  in 
ags.  brysan^  ahd.  brösma  eine  «-erweiterung  der  in  aisl.  brjöta 
brechen  vorliegenden  idg.  w.  bhreud  sieht,  muss  diese  Wörter 
von  ir.  brüim  und  seiner  sippe  trennen  und  dazu  kann  ich  mich 
nicht  entsohliessen.  Sind  aber  die  germanischen  Wörter  nicht 
auf  eine  erweiterte  idg.  w.  (bhreud-s  — )  bhrmt-s  zurückzu- 
führen, so  fallt  auch  die  stütze  für  Pedersen's  herleitung  von 
slav.  brbS'  aus  einer  solchen  erweiterten  wurzel.  Dazu  kommt 
noch,  dass  die  ursprüngliche  bedeutung  der  von  Miklosich 
(Etym.  wb.  23)  behandelten  slav.  w.  brhs^  gar  nicht  „brechen", 
sondern  „streifen'^  „wischen*^  ist  Dieselbe  grundbedeutung 
hat  die  bei  Leskien  (Abi.  293,  wo  aber  lit  briikÜ  zu  streichen 
ist;  8.  o.  s.  234)  zusammengestellte  sippe  von  lit  braukti 
wischen,  streichen,  lett.  brukt  abbröckeln,  braukt  fahren,  wie 
Pott  (Etym  forsch.  UI  ^  193  f.)  erkannt  hat  Daher  hat  denn 
auch  schon  längst  Fick  (Vgl  wb.  II  >,  622)  die  slavischen  und 
litauischen  werter  mit  recht  zusammengestellt ;  der  Widerspruch 


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Etymologien.  245 

zwischen  slav.  8  und  lit  k  löst  sich  dadurch,  dass  beide  ver- 
schiedene  wurzelerweiterungen  sind:  slav.  s  =  idg.  Jc^  lit.  k  = 
idg.  k  oder  hf  (vgl.  auch  Persson,  Wrzelerw.  126,  wo  aber  mit 
unrecht  slav.  8  als  idg.  8  aufge&sst  und  eben  so  mit  unrecht 
die  litu-slavischen  Wörter  an  wörter  angeschlossen  werden,  denen 
sie  begrifflich  fern  stehn).  Die  nicht  erweiterte  wurzel  steckt 
in  lett  brauna  schelfer,  abgestreifte  haut,  schuppe,  das  uns 
auch  zeigt,  wie  die  bedeutungen  von  abulg.  hnsnqti  und  br^8d^ 
zu  vermitteln  sind.  Mit  recht  stellt  Miklosich  aao.  auch  abulg. 
(jbruvb  handtuch  und  bulg.  serb.  slov.  2ech.  osorb.  nsorb.  poln. 
klruss.  russ.  brus  wetz-,  Schleifstein  dazu,  was  Pedersen  (aao.  39) 
befremdlicherweise  für  falsch  halt;  wie  oben  (s.  234)  erwähnt 
ist,  gehören  auch  aisl.  bryni  Wetzstein  und  aisl.  bryna  wetzen 
hierher. 

Wäre  demnach  eine  Vereinigung  von  alb.  breisn  mit  abulg. 
brhsnqtij  brbseh  nur  unter  der  Voraussetzung  möglich,  dass  das 
i  von  breiBn  aus  älterem  8j  =  idg.  Jej  entstanden  ist,  so  ist  sie 
doch  eben  so  wie  die  zurückführung  des  alb.  breäen  und  der 
von  O.  Meyer  damit  zusammengestellten  keltischen  und  germa- 
nischen sippe  auf  eine  idg.  w.  bhreus  von  Seiten  der  bedeutung 
abzulehnen.  Wenn  wir  von  nhd.  graupdn  absehen,  das  eine 
junge  bildung  ist  und  seine  entstehung  offenbar  der  ähnlichkeit 
des  hageis  mit  den  graupen  verdankt,  so  wüsste  ich  kein  idg. 
wort  für  „hageP^  zu  nennen,  das  nachweislich  ursprünglich 
„brocken^^  oder  etwas  ähnliches  bezeichnet  hat  So  weit  die 
Wörter  etymologisch  klar  sind,  bedeuten  sie  ursprünglich  „festes 
„hart**  oder,  was  auf  dasselbe  hinausläuft,  „gefrorenes  clenn 
„frieren"  ist  ja  nichts  andres  als  „fest,  hart  werden".  Etymo- 
logisch klar  sind  aisl.  haigl,  ags.  hcegd,  ahd.  hagal  :  gr.  ndx^S 
kiesel,  lit.  kriuszä  :  ahd.  (h)ro8a  eis,  kruste,  gr.  x(fvog  frost, 
TidvaTaXXog  eis,  lat.  crüsta  rinde,  cradu8  roh,  cruor  geronnenes 
blut  usw.  (das  8Z  in  lit.  kriu8zh  ist  nicht,  wie  Pedersen  aao.  36  f^ 
will,  idg.  8,  sondern  idg.  h,  also  eine  andre  Wurzelerweiterung 
als  idg.  8  in  den  genannten  gr.,  lat  und  germ.  Wörtern;  lit 
kriÜ8zti  zermalmen  mit  8z  =  idg.  £  und  die  sippe  von  abulg. 
kruch^  frustum  mit  ch  =  idg.  8  sind  von  kriu8zh  zu  trennen), 
mhd.  doge  :  ahd.  8liogan  (festmachen  — )  schliessen,  an  welcher 
Zusammenstellung  man  nicht  zweifeln  darf,  gr.  xahxtfii  :  xaXi^ 
kiesel.  Schwierigkeiten  bereiten  lat.  grando  und  abulg.  grad^y 
zu   denen   Meillet  (MSL.  X,  280)   auch  das   gleichbedeutende 


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246  Wiedemann 

arm.  karkut  (aus  ^ka-kruf)  stellt.  Schrader  (Beallez.  664) 
schliesst  sich  der  üblichen  Zusammenstellung  des  lat.  grando, 
abulg.  grad^  mit  ai.  hrädüni-s  an,  während  Meillet  letzteres 
nur  mit  x^^^"^  verbindet;  auch  von  andern  wird  x^Aer^a  zu 
ai.  hradüni-8  gestellt.  Als  urheber  dieser  Zusammenstellung 
darf  wol  Benfey  (Gr.  wrzUex.  II,  135)  gelten,  obgleich  er  ai. 
hradüni'8  nicht  nennt;  er  erwähnt  aber  gr.  xcrAa^,  lat.  grando, 
abulg.  grad^  im  Zusammenhang  mit  dem  bereits  oben  (s.  240) 
erwähnten  ai.  hrddate  und  zieht  u.  a.  noch  ai.  hradim  fluss, 
hradd'8  teich,  see,  hräda-s  geräusch  und  das  ebenüetUs  schon 
oben  (s.  240)  erwähnte  got.  gretan  heran.  Ohne  auf  Vollstän- 
digkeit anspruch  zu  machen,  nenne  ich  von  den  Vertretern  der 
ansieht  Benfey's  Curtius  (Grdz.  *  196 f.),  Miklosich  (Lex.  pal.- 
slov.  141,  [Etym.  wb.  76),  Walter  (KZ.  XI,  433),  Grassmann 
(KZ.  Xn,  89),  Ascoli  (KZ.  XVII,  324),  Schleicher  (Komp.  3  (4) 
238),  Siegismund  (Curtius'  stud.  V,  139  anm.  28),  Fritzsche 
(Ebda.  VI,  321),  Joh.  Schmidt  (Vok.  II,  118),  Vaniöek  (Griech.- 
lat.  etym.  wb.  265  f.,  Etym.  wb.  d.  lat.  spr.  >  95),  Froehde  (o. 
VI,  174,  Whai-ton  (Etyma  graeca  132),  Saussure  (Mem.  263 
anm.,  268),  Leo  Meyer  (Vergl.  gramm.  I  >,  1047),  Bersu  (Lat 
gutt.  188),  Hom  (Grdr.  d.  npers.  etymol.  152).  Dass  gr.  xala^ 
und  lat.  grando  mit  einander  nichts  zu  schaffen  haben,  darf 
jetzt  wol  als  allgemein  anerkannt  gelten;  meinungsverscbieden- 
heit  besteht  nur  darüber,  ob  gr.  xdla^  oder  lat.  grando  oder 
keines  von  beiden  zu  ai.  hrädüni-s  zu  ziehen  ist.  Für  xdla^a : 
hrädüni'8  haben  sich  ausser  Meillet  noch  entschieden  Hirt  (o. 
XXIV,  233,  246,  Abi.  88,  wo  befremdlicherweise  unter  no.  278 
zu  einem  idg.  ghdä  brause  auch  ahd.  hagal^  aisl.  hagl,  ags. 
hagol  aus  idg.  *kaglÜ9y  also  mit  anlautender  tenuis,  erwähnt 
wird ;  die  Verwirrung  ist  wol  durch  gr.  xaxhxlQu)  plätschern  her- 
vorgerufen) und  zweifelnd  Fick  (Vgl.  wb.  I  *,  438),  für  grando  : 
hradüni'8  ausser  Schrader  noch  Wharton  (Etyma  lat  42), 
Froehde  (o.  XVI,  213),  G.  Meyer  (Griech.  gramm.  »  158), 
Johansson  (IF.  11,  43,  Uppsalastudier  72),  Lindsay-Nohl  (Lat. 
spr.  338),  Uhlenbeck  (Kurzgef.  etym.  wb.  d.  aind.  spr.  362). 
Ferner  habe  ich  folgende  Zusammenstellungen  gefunden:  lat 
grando  und  got.  gretan  (Bugge,  Curtius'  stud.  IV,  348 f.,  wo 
aber  ohne  rücksicht  auf  die  übrigen  germ.  sprachen  von  der 
bedeutung  des  gotischen  wertes  „weinen''  ausgegangen  und 
darauf  hingewiesen  wird,  dass  im  nordischen  die  tränen  oft  als 


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Etymologien.  247 

hagel  bezeichnet  werden);  lat.  grando  und  abulg.  grad^  (Fick 
I  *,  417,  Froehde  o.  XXI,  328,  Hirt  o.  XXIV,  281);  lat.  grando 
und  abulg.  gradh  :  gr.  xiqadog  griess  (Persson,  Wrzlerw.  220, 
Stolz,  Hist.  grarnm.  d.  lat.  spr.  261)^).  Endlich  ist  noch  zu 
erwähnen,  dass  Pott  Etym.  forsch.  >  IV,  417  ff.)  über  alle  diese 
Wörter  gehandelt  hat,  ohne  irgend  eine  entscheidung  zu  treffen. 
Es  ist  wol  auch  kaum  möglich,  eine  entscheidung  zu  treffen, 
die  etwas  unbedingt  überzeugendes  hätte;  so  viel  sollte  aber 
meiner  meinung  nach  allgemein  anerkannt  werden,  dass  ai 
hrOdi/ni'S  nichts  mit  den  oben  (s.  240)  bereits  erwähnten  ai. 
hradate,  got.  grektn  zu  schaffen  haben  kann.  Dass  der  hagel 
seine  benennung  Yom  lärm  hat,  müsste  erst  durch  weitere  bei- 
spiele  nachgewiesen  werden.  Ebenso  unwahrscheinlich  ist  es, 
dass  av.  zrädö,  dem  man  die  bedeutung  „kettenpanzer''  beilegt, 
zu  ai.  hrädate,  got.  gräan  gehört.  Nach  Bartholomae  (IF.  XI, 
128)  bedeutet  av.  zrädö  vielleicht  „koller''  und  damit  dürfte 
Bartholomae  wohl  recht  haben,  denn  npers,  zirih  panzer  be- 
weist eben  so  wenig  etwas  für  Verwandtschaft  mit  ai.  hradate, 
got.  gretan.  Für  av.  zrädö  und  npers.  zirih  darf  man  wohl 
von  der  allgemeineren  bedeutung  „deckung'S  „umschliessendes'' 
ausgehn;  dann  ist  es  möglich,  beide  Wörter  mit  ai.  hrädüni-s 
zusammenzustellen  und  für  letzteres  dieselbe  bedeutungsent- 
wicklung  anzunehmen,  die  mhd.  slöze  aufweist.  Mit  ai.  hrä- 
düni-s stellt  Nöldeke  (bei  Hom  aao.)  npers.  zala  hagel,  reif  zu- 
sammen; doch  verdient  meiner  meinung  nach  die  von  Hom 
(KZ.  XXXn,  588)  vorgeschlagne  Zusammenstellung  mit  ai.  ja- 
da-8  kalt,  starr,  regungslos,  stumpf  den  vorzug,  denn  erstens 
erklärt  sich  npers.  -äl-  aus  älterem  ^ard-  besser  als  aus  -räd- 
(Hübschmann,  Pers.  stud.  72,  131  f.,  260)  und  zweitens  lässt 
sich  npers.  zäla  bei  Hom's  eigner  erklärung  auch  weiter  zu 
abulg.  zlidica  glatteis,  got.  kalds  kalt,  lat.  gelu  kälte,  frost  usw. 
stellen;  der  dental  d  neben  dh,  ist  Wurzelerweiterung.  Da 
npers.  iäla  „hagel''  und  „reif  bedeutet,  würde  es,  fidls  es 
wirklich  mit  Nöldeke  zu  ai.  hrädüni-s  gestellt  werden  müsste, 
den  beweis  liefern,  dass  ai.  hrädüni-s  nicht  zu  ai.  hr&date,  got. 
gretan  gehört;  denn  dass  auch   die  bedeutung  „reif'  aus  der 

1)  Übrigens  hatte  aach  sohon  Benfey  aao.  gr.  ;if/^(foc  im  Zusam- 
menhang mit  lat.  grando,  abalg.  gradhy  gr.  jj^aitaC«,  ai.  kradüm'$  er- 
wähnt. 


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248  Wiedemann 

bedeutung  „tönen*^  herleitbar  ist,  wird  wohl  niemand  behanpten 
wollen.  Da  andrerseits  in  ai.  hrädüni-s  h,  weil  es  vor  r  steht, 
nur  Vertreter  von  idg.  §h  (nicht  gh  oder  g^h)  sein  kann,  mnss 
abulg.  grad^  von  ai.  hrädüni-s  getrennt  werden,  denn  es  liegt 
kein  triftiger  grund  vor,  für  abulg.  grad^  Vermischung  d«r 
gutturalreiben  anzunehmen.  Ich  glaube  daher,  dass  Meillet 
recht  hat,  wenn  er  abulg.  gradh,  lat  grando  zu  arm.  karktU 
stellt;  dazu  füge  ich  noch  mit  Fick  (Vgl.  wb.  II  ',  555)  lit 
grödas  frischer,  steif  gefrorener  strassenschmutz,  das  Brückner 
(Slav.  fremdw.  im  Lit.  85)  mit  unrecht  für  slav.  lehnwort  hält 
Jedenfalls  dürfen  nicht  die  von  Brückner  angeführten  poln. 
gruda  schölle,  erdschoUe,  eisschoUe,  grudzieA,  wruss.  grudieA 
dezember  herangezogen  werden,  da  slav.  u  im  lit  nicht  durch 
0,  sondern  durch  u  wiedergegeben  wird.  Nur  lit.  grudis  de- 
zember kann  slav.  lehnwort  sein,  ebenfalls  auch  grodinis  de- 
zember, das  eine  durch  grödas  hervorgerufene  volksetymolo- 
gische  Umgestaltung  eines  entlehnten  *grüdinis  sein  kann. 
Durch  lit.  grödas  wird  also  auch  für  abulg.  grad^,  lat.  grando. 
arm.  karkut  die  grundbedeutung  „hart'',  „gefroren'*  erwiesen  i). 
—  Ferner  führe  ich  an  osset.  D  yex,  T  ix,  Ix  eis,  hagel,  D 
yexan,  T  ixan  kalt  :  npers.  yax  eis,  yaxöe  hagel  und  pr.  key- 
taro,  das  ich  zu  lit.  kitas  hart  stelle. 

Wird  auch  durch  die  hier  erörterten  Wörter  für  „hagel'* 
meine   annähme,    auch   alb.  breäen   bezeichne   den    hagel   als 

1)  Auch  für  den  fall,  dass  lat.  grando  nnd  arm.  karkut  weder  mit 
abulg.  grad^  noch  mit  einander  verwandt  sind,  lassen  sich  fcir  beide 
anknüpfangen  finden,  bei  denen  ebenfalls  die  gleiche  bedeutungsent- 
wicklang  vorläge.  Für  lat.  grando  kämen  ausser  dem  von  Persson  und 
Stolz  verglichenen  gr.  ;|f/^a<foc  noch  in  betraoht  gr.  ygov^og  geballte 
fanst  und  die  von  Liden  (Stud.  z.  aind.  n.  vergl.  sprachgesch.  157)  dazu 
gestellten  Wörter  oder  gr.  /orcf^c  knospe,  graupe,  kom,  das  zuerst  von 
Benfey  (Griech.  wrzllex.  II,  136)  aus  *x^^Qog  erklärt  worden  ist;  für 
XovSqos  :  grando  könnte  ein  r-n-stamm  angesetzt  werden.  Doch  ist  die 
Zusammenstellung  von  grando  mit  gr.  ;|f^^<foc  oder  x^^^Q^  insofern 
nicht  ganz  einwandfrei,  als  die  frage  nach  der  Vertretung  von  idg.  gkr^j 
§hr-  im  Lateinischen  noch  immer  eine  offne  ist  (vgl.  Hoffmann  o.  XXVI, 
140  ff.).  Für  arm.  karkut  Hesse  sich,  wenn  wir  es  mit  Meillet  zunächst 
aus  *ka-krut  herleiten,  Verwandtschaft  mit  den  oben  genannten  slav. 
Wörtern  (poln.  gruda  usw.)  oder  mit  dem  oben  (s.  245)  erwähnten  lit. 
kriu9zä  annehmen;  in  letzterem  fall  hätten  wir  im  Liitauisc)ien  und  Ar* 
wenischen  verschiedene  Wurzelerweiterungen, 


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Etymologien.  249 

„hart",  „gefroren"  genfigend  gestützt ,  so  erhält  sie  noch  eine 
weitere  stütze  durch  das  albanesische  selbst.  Dem  alb.  breäen 
steht  laatlich  sehr  nahe  das  alb.  breäe,  breäke  Schildkröte. 
G.  Meyer  (Etym.  wb.  d.  alb.  spr.  47)  hält  mit  Schnchardt 
(KZ.  XX,  253  f.)  das  wort  für  entlehnt  aus  lat.  *brö8CU8,  er- 
halten in  mlat  bf'uscus  frosch.  Schuchardt  meint  mlat.  &ru8- 
CU8  könne  mit  prv.  brusc  rinde  identisch  sein,  da  die  kröte 
auch  sonst  als  „rinde"  bezeichnet  werde.  Das  ist  im  gründe 
richtig;  nur  muss  man  für  „rinde"  und  „kröte"  die  bedeutung 
„harte  schale",  „schild"  zu  gründe  legen  und  annehmen,  dass 
mlat.  brvscus  ursprünglich  „Schildkröte"  bedeutet  hat,  dann 
erst  „kröte"  (im  allgemeinen),  „frosch".  Das  bei  G.  Meyer 
weiter  genannte  alb.  bretäke  Schildkröte  ist  meiner  meinung 
nach  etymologisch  von  alb.  breika,  breäe  zu  trennen  und  zu 
gr.  ßoTQCtxog  frosch  zu  stellen,  das,  wie  wohl  allgemein  ange- 
nommen wird,  für  ^ßqatqaxog  steht  und  das  ich  mit  gr.  ßgaacw, 
ßQo^o)  sprudle,  siede,  worfle  zu  derselben  idg.  w.  mer  ziehe, 
die  in  der  oben  (s.  184  f.)  behandelten  sippe  von  got  brafs 
steckt  Die  grundbedeutung  dieser  idg.  w.  mer  ist  „fluctuare" 
(ein  völlig  bedeutungsgleiches  deutsches  wort  finde  ich  nicht), 
woraus  sich  einerseits  die  bedeutungen  „springen",  „sieden" 
(=  blasen  treiben),  andrerseits  die  bedeutung  „flimmern" 
„schimmern"  und  aus  ihr  wieder  „hell  sein"  und  „dunkel  sein" 
entwickeln.  Dasselbe  bedeutungsverhältnis  wie  zwischen  ßa^Qa- 
xog  :  ßgaoaü)  besteht  zwischen  lit.  varle  frosch  und  pirti  sieden ; 
dazu  stelle  ich  auch  lat.  räna  (aus  *vränä)  frosch.  Hingegen 
bedeutet  die  in  alb.  breäke,  breSe  und  breisn  steckende  idg.  w. 
bhrem  „hart,  fest  sein"  und  für  das  bedeutungsverhältnis  von 
alb.  breäke,  breie  :  breSen  führe  ich  als  analogen  dasjenige  von 
gr.  x^^^S  Schildkröte  :  x^^^<^  &i^i  ^in^  Zusammenstellung,  die, 
soweit  ich  sehe,  bisher  noch  nicht  vorgeschlagen  worden  ist 
Da  von  x^^^G  abulg.  zely,  zehvb  Schildkröte  nicht  getrennt 
werden  darf,  wird  für  x^^^G  ^^^  damit  auch  für  x^^^^  ^^ 
anlaut  idg.  gh,  d.  h.  die  rein-velare  media  aspirata  erwiesen, 
80  dass  auch  aus  diesem  grund  die  Zusammenstellung  von  x^^^^^ 
mit  ai.  hrädüni-s  unhaltbar  ist.  Für  rein-velare  media  aspirata 
sprechen  ferner  die  meiner  meinung  nach  mit  x^AtJ^,  x^^Cor 
verwandten  gr.  x^ilxe^g  kupfer,  erz,  pr.  gdw,  lit.  gelezis^  lett. 
dzelze^  abulg.  zelezo  eisen.  Gegen  idg.  gh  scheint  lit.  zilvS 
Schildkröte  zu  sprechen ;  daher  bat  Zubat^  (o.  XVII,  327  f.)  das 


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250  Wiederoann 

slav.  wort  für  ein  lit  lehnwort  gehalten  (auch  Hirt,  o.  XXIV, 
257  hält  es  für  ein  lehnwort),  aber  später  (arch.  f.  slay.  phil. 
XVI,  420)  das  i  für  2?  =  lit.  z  als  folge  volksetymologischer 
anlehnung  an  eine  andre,  von  Zubat^  (aao.  423 f.)  ebenfalls 
besprochene  sippe  aufgefasst  Viel  näher  liegt  es  aber,  das 
Ut.  zilve  und  das  russ.  dial.  zelv  Schildkröte  als  anlehnungen 
an  das  wort  für  „grün'^  (lit.  zelvas,  abulg.  zdem)  aufzufassen, 
falls  diese  beiden  Wörter  nicht  überhaupt  etymologisch  yon 
abulg.  zely  ganz  zu  trennen  und  zu  dem  gleichbedeutenden 
lat.  gdaia  zu  stellen  sind.  Für  die  etymologische  Zusammen- 
gehörigkeit der  Wörter  für  „Schildkröte*^  und  der  werter  für 
„eisen^'  spricht  auch  lit.  gelezln  varle,  wo  gelezinis  noch  auf 
eine  für  lit.  geUÜs  vorauszusetzende  bedeutung  „hartes''  weist 
—  Da  nun  gr.  xiXvg  nicht  nur  „Schildkröte*',  sondern  auch 
„brusthöhle'S  „brustkorb",  „lyra''  (zu  letzterer  bedeutung  vgl. 
gr.  xi&dqa  zither  :  xid-agog  brüst,  ir.  cruit  harfe,  cymr.  crwth 
Violine  :  lit.  krütis,  krüüne  brüst;  E.  Zupitza,  KZ.  XXXVI,  242) 
bedeutet,  so  steht  von  Seiten  der  bedeutung  nichts  im  wege, 
got.  brusts  und  seine  sippe  zu  alb.  breäen  und  breike,  breis  zu 
stellen;  es  sei  nur  noch  zur  weiteren  stütze  dieser  Zusammen- 
stellung darauf  hingewiesen,  dass  die  eben  genannten  lit  krüüs, 
krütine  etymologisch  zu  dem  oben  (s.  245)  erwähnten  lit  kriu- 
8zä  gehören.  Alle  hier  behandelten  Wörter  für  „brüst"  haben 
zunächst  „rippe"  bedeutet,  welche  bedeutung  auf  die  ältere 
„umschliessendes",  „umfassendes"  zurückgeht. 

Die  gleiche  bedeutungsentwicklung  liegt  in  pr.  kradan, 
lit  kriklas,  brüst  vor.  Nesselmann  (Thes.  ling.  pruss.  79)  und 
Bemeker  (Preuss.  spr.  300)  stellen  zu  pr.  kradan  Wörter  die 
„klappern",  „krächzen''  bedeuten,  was  natürlich  ganz  unan- 
nehmbar ist  Vielmehr  müssen  beide  Wörter  mit  Leskien  (Nom. 
452  f.,  hier  ist  allerdings  nur  lit.  kriklas  erwähnt,  aber  s.  451 
ist  neben  letzterem  pr.  kradan  genannt)  zu  lett  krekls  hemd 
und  weiter  mit  Brugmann  (Curtius*  stud.  VII,  281,  wo  übrigens 
nur  lett.  krekls  genannt  ist)  und  E.  Zupitza  (Germ,  gutt  133) 
zu  ags.  hrcRgl  gewand,  stahlhemd,  ahd.  hragü  indumentum  ge- 
stellt werden.  Weiter  stelle  ich  dazu  russ.  kroäni  pl.  t  Schulter, 
rücken  und  alb.  krcJiß  oberarm,  arm,  Schulter,  flügel,  krahnuery 
krahanür  geg.  kraheruar,  -ör  tosk.  Schulterblatt,  flügelknochen, 
brüst,  krahenurü  brustleidender,  krahnöä  schäfertasche.  Die 
alb.  Wörter  werden  von  G*  Meyer  (Etym.  wb.  d.  alb.  spr.  203  f., 


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Etymologien.  251 

alb.  stud.  III,  6)  und  Lid6ii  (aao.  43  f.)  anders,  und  zwar  von 
beiden  verschieden  beurteilt.  Ohne  Schwierigkeit  lässt  sich  alb. 
krähe  aus  idg.  *hrok8kä  herleiten  wie  alb.  äoh  sehe  (aus  idg. 
^sik^Tcö,  nach  Pedersen,  KZ.  XXXVI,  283)  zu  got.  sa{han 
sehen  ^)  (G.  Meyer  Alb.  stud.  III,  6  f.)  zeigt;  slav.  hroä-  geht  auf 
idg.  *krok8'  zurück.  Die  ursprüngliche  bedeutung  dieser  idg. 
w.  krek  tritt  noch  hervor  in  abulg.  okroöiti  cingere  (Miklosich 
Etym.  wb.  131),  poln.  krokwa  verklammerung,  harren,  dach- 
sparren,  öech.  klruss.  krokva  dachsparren,  die  Miklosich  (Etym. 
wb.  141)  von  abulg.  okroöiti  mit  unrecht  ganz  trennt;  auch 
gr.  %Qwoa6g  krug,  urna  und  ir.  crocän,  kymr.  crochan  topf  ge- 
hören als  „umfassendes**  hierher.  —  Die  von  G.  Meyer  zu  alb. 
krähe  gestellten  wörter,  die  auf  eine  idg.  w.  kerk  weisen,  lassen 
sich,  wenn  man  von  der  bedeutung  „biegen''  ausgeht,  mit  lat. 
circue  kreis  und  seiner  sippe,  über  die  Brugmann  aao.  gehandelt 
hat,  allerdings  ohne  die  auf  idg.  kerk  weisenden  formen  von 
den  auf  idg.  krek  weisenden  zu  scheiden;  im  letzten  grund 
mögen  ja  idg.  krek  und  kerk  verwandt  sein. 

Sehr  stiefmütterlich  und  zum  teil  auch  unrichtig  ist  eine 
andre  sippe  von  Wörtern,  die  „brusf'  oder  auch  einen  benach- 
barten körperteil  bezeichnen,  etymologisch  behandelt.  Es  ist 
das  die  sippe  des  .  lat  pecius.  In  Pott's  etymologischen  for- 
schuugen  fehlt  pedus  gänzlich.  Bopp  (Gloss.  comp.  *  338) 
stellt  es,  wenn  auch  zweifelnd,  mit  ir.  ucht  brüst  zu  ai.  vdk^as 
brüst  und  Benfey  (Griech.  wrzUex.  II,  23)  wiederholt  die  Zu- 
sammenstellung von  pedua  mit  vdk^ae,  erwähnt  aber  ucht  nicht. 
Gegen  die  Zusammenstellung  von  pectue  mit  väk^as  zu  polemi- 
siren,  ist  heute  nicht  mehr  nötig,  da  wol  niemand  mehr  daran 
festhält.    Schwenck  (Etym.  wb.  d.  lat.  spr.  553  f.)  stellt  pectue 

1)  Die  znsammenstellung  von  got.  »aihvan  mit  alb.  ioh  habe  ich 
erst  nach  Veröffentlichung  meines  aufsatzes  (IF.  I,  257  f.)  bei  6.  Meyer 
(Etym.  wb.  d.  alb.  spr.  411  f.)  gefunden,  sonst  hätte  ich  alb.  aoh  nicht 
unerwähnt  gelassen.  Übrigens  habe  ich  nachträglich  auch  gefunden, 
dass  schon  Diefenbaoh  (Vergl.  wb.  d.  got.  spr.  II,  184)  alb.  ioh  als  dem 
got.  saihtan  am  nächsten  stehend  erwähnt  hat.  An  der  von  mir  ge- 
gebnen etymologie  von  got.  saihvan  halte  ich  auch  heute  noch  fest,  ob- 
gleich Kluge  (Etym.  wb.  ^  860  f.)  und  Uhlenbeck  (Eunsgef.  etym.  wb.  d. 
got.  spr.  '  125)  noch  immer  Aufrecht's  etymologie  vertreten.  Far  meine 
etymologie  hat  sich  neuerdings  wieder  Brugmann  (IF.  XII,  28)  ausge- 
sprochen. 


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252  Wiedemann 

mit  Isidor  zu  lat.  pecto  kämmen  und,  was  auf  dasselbe  heraus- 
kommt, Bitschi,  wie  ich  aus  der  erwäbnung  bei  Schweizer  (KZ. 
III,  377,  XIV,  151)  ersehe,  zu  lat.  pecten  kämm;  doch  ist  diese 
Zusammenstellung,  obwobl  Schweizer  und  Zehetmayr  (Analog.- 
vergl.  wb.  323)  ihr  beipflichten,  sehr  unwahrscheinlich  und  mag 
daher  auf  sich  beruhen;  lautlich  lässt  sich  gegen  sie  natürlich 
nichts  einwenden.  Dann  hat  Hupfeld  (EZ.  VUI,  375)  peetus 
zu  ai.  pak^d-8  seite,  achsel,  flügel,  hälfte,  monatsmitte,  partei, 
anhang  gestellt,  worin  ihm  Hintner  (KL  wb.  d.  lat.  etym.  163X 
Br6al  (KZ.  XX,  80),  BrÄal-Bailly  (Dict.  etym.  lat.  »  254)  und 
Byrne  (Origin  of  the  greek,  latin  and  gothic  rootsg  (isnlt  ofd%. 
Hintner  zieht  auch  noch  lat.  pango  befestige  hinzu,  eben  so 
Vaniöek  (Griech.-lat.  etym.  wb.  461,  Etym.  wb.  d.  lat  spr.  " 
149).  Zu  pango  ist  peetus  schon  yon  Perotti  gestellt  worden, 
wie  ich  aus  Vossius  (Etymol.  linguae  lat.  377)  ersehe;  in  neuerer 
zeit  haben  sich  für  Zusammenstellung  mit  pango  ^  ohne  aL  pa- 
kpä-8  zu  nennen,  Curtius  (De  nom.  graec.  formatione  20  anm.  89), 
Schweizer-Sidler  u.  Surber  (Gramm,  d.  lat.  spr.  197),  und  Fu- 
magalli  (i  principali  etimol.  lat  152)  ausgesprochen.  Aber 
schon  Vossius  nimmt  an  dieser  Zusammenstellung  des  zu  dem 
e  in  pedus  nicht  stimmenden  a  wegen  anstoss;  wenn  er  aber 
zu  gr.  TtriTitog  gefügt  seine  Zuflucht  nimmt,  worin  ihm  Döder- 
lein  (Lat.  synon.  u.  etym.  VI,  260)  folgt,  so  ist  auch  das  heute 
nicht  mehr  möglich,  denn  wir  wissen  jetzt,  dass  das  i]  in 
nrjxfog  und  seiner  sippe  idg.  ä  ist  Es  bleibt  also  nur  der 
vergleich  von  peetus  mit  ai.  pak^d-s,  pdk^as  bestehn,  nur  darf 
man  weder  mit  Breal  aao.  lat.  -et-  =  ai.  -i^-  setzen,  noch 
mit  Korscb  (Ohafkovskij  sbornik  istoriko-filologiieskago  obsöetva 
1895,  s.  9  des  sonderabdr.)  ^),  abulg.  pleäte  Schulter,  rücken 
heranziehen.  In  diesem  sinn  hat  sich  denn  auch  Pedersen 
(Nord,  tidsskr.  f.  filol.,  HI.  raekke,  bd.  V,  32)  ausgesprochen, 
der  seinerseits  noch  gr.  nixog  vliess  heranzieht,  was,  wie  ¥rir 
weiter  unten  sehen  werden,  nicht  angeht.  Abweichend  von  den 
bisher  genannten  forschem  hat  Schleicher  (Komp.  §  167,  3)  an 
Bopp's  Zusammenstellung  von  peetus  mit  ir.  ueht  festgehalten, 
aber  mit  recht  ai.  vdk§as  bei  seite  gelassen;  denn  ir.  ucht 
kann   zwar    entweder   zu   ai.  vdk§as  gestellt  werden    oder  zu 

1)  Das  Zitat  gebe  ich  nach  Pedersen,  da  mir  die  abhandlang  nicht 
zaganglich  ist. 


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Ctymologien.  25d 

pectuSy  nicht  aber  zu  beiden.  Die  znaaminenstellung  von  ir. 
tKiht  mit  ai.  väksas  ist  unter  der  Voraussetzung  möglich,  dass 
vdk^as,  wie  Bopp  angenommen  hat  und  wie  auch  noch  Uhlen- 
beck  (Kurzgef.  etyra.  wb.  d.  aind.  spr.  267)  annimmt,  zu  ai. 
ük§ati  wächst  gehört;  u-  in  ir.  ucht  ginge  dann  auf  idg.  m-^ 
va-  in  ai.  vdksc^  auf  idg.  90-  zurück.  Aber  schon  Benfej  aao. 
hat  väk^as  zu  ai.  vank^antt-a  krümmung  in  der  gegend  des 
Schosses,  leisten,  weichen  gestellt  und  auch  Böhtlingk-Roth 
(Skr.-wb.  VI,  616,  618),  stellen  vdk^as  und  vank^cma-a  zu 
ai.  vakfdna  hohler  leib,  bauch,  weichen,  flussbett;  diese  ge- 
hören aber  weiter  zu  ai.  va^aii  wankt,  wackelt,  geht  krumm, 
schleicht,  vaficayati  entgeht,  entwischt,  hintergeht,  betrugt, 
vacydU  dreht  sich,  tummelt  sich,  fliegt,  vdnhri-a  rippe  (dies 
wort  spricht  besonders  für  die  hergehörigkeit  von  vdk^as\ 
vaakü-8  sich  tummelnd ;  zu  diesen  und  den  von  Uhlenbeck  (aao. 
8.  0.  vdficaü,  Kurzgef.  etym.  wb.  d.  got.  spr.  *  163  s.  v.  wagga- 
reis  und  toaggs)  zusammengestellten  Wörtern  ziehe  ich  auch 
noch  aisl.  vdngr,  engl,  wing  (nord.  lehnwort)  flügel;  zur  be- 
deutung  von  got.  waggs  (aue),  paradies  vgl.  lett  lekns,  Wcna 
niederung,  feuchte  wiese  :  lit.  lifücti  sich  biegen  und  abulg.  lqg^ 
hain,  russ.  lug  wiese  :  lit.  lingü'ti  sich  hin  und  her  bewegen. 
Mit  pr.  wangus  dameraw,  das  Pauli  (KSB.  VII,  178),  Nessel- 
mann (Thes.  ling.  pass.  199),  Fick  (Vgl.  wb.  II  »,  769,  HI  », 
288),  Schade  (Altd.  wb.  »  108),  uhlenbeck  (PBB.  XIX,  523), 
Berneker  (Preuss.  spr.  329)  und  E.  Zupitza  (Germ.  gutt.  181) 
zu  got.  ivaggs  stellen,  kann  damit  nichts  zu  schaffen  haben, 
denn  bei  pr.  wangtis  muss  von  der  bedeutung  „wald''  ausge- 
gangen werden;  das  wort  kann  ursprünglich  eine  baumart, 
wahrsch.  „eiche''  bezeichnet  haben,  so  dass  etymologischer  Zu- 
sammenhang mit  ai.  vanghchs  ein  bestimmter  bäum,  zu  dem  es 
auch  Uhlenbeck  (Kurzgef.  etym.  wb.  d.  aind.  spr.  267),  wenn 
auch  nicht  ganz  zuversichtlich,  zieht,  meiner  meinung  nach 
nicht  zu  verkennen  ist  —  Da  nun  ir.  ucht  nicht  auf  eine  idg. 
w.  venk  zurückgeführt  werden  kann,  bleibt  nur  lat.  pectus  zum 
vergleich  übrig.  Wenn  E.  Zupitza  (KZ.  XXXV,  266  f.)  für 
diese  Zusammenstellung  eintritt,  so  kann  ich  ihm  darin  nur 
beipflichten,  wie  das  auch  schon  Stokes  (KZ.  XXXV,  594)  getan 
hat,  der  früher  (Fick  VgL  wb.  II  *,  55,  Ztschr.  f.  celt  phil. 
I,  73)  lett.  pups  weiberbrust  verglichen  hatte.  Aus  obigem 
kann  aber  E.  Zupitza  sehen,  dass  er  keine  geringeren  Vorgänger 


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254  Wiedemann 

hat  als  Bopp  und  Schleicher.  Die  Zusammenstellung  Ton  pectus 
mit  ir.  ucht  macht  aber  die  Verbindung  von  peetus  mit  ai 
pakfd-s  nicht  hinfällig;  es  liegt  nur  im  Indischen  ein  anderes 
Suffix  vor  als  im  Italischen  und  Keltischen.  Zu  ai.  pak^d-s 
hat  Bezzenberger  (o.  XVI,  120)  lett  paksis  hausecke,  aizpakszem 
bei  Seite  gestellt  Dies  lettische  wort  lehrt  uns,  dass  wir  es 
bei  ai.  paksd-s,  lat.  pectus,  ir.  uckt  mit  einem  velaren  oder 
labio-velaren  guttural  zu  tun  haben;  es  geht  daher  nicht  an, 
mit  Böhtlingk-Roth  (Skr.-wb.  IV,  350)  und  Goldschmidt  (KZ, 
XXV,  611)  ai.  päJc^ma  haar,  wimper  zu  ai.  pak^d^  zu  stellen, 
denn  ai.  pdk^ma  hat  -ks-  aus  idg.  -Jca-,  wie  das  i  von  av, 
paän9fn  augenwimpern  zeigt;  npers.  pctäm  wolle  beweist  nichts, 
da  apers.  xä  (=  idg.  ks)  vor  konsonanten  zu  npers.  i  wird 
(Hübschmann,  Pers.  stud.  232  f.),  also  mit  apers.  i  (=  idg.  Ics) 
zusammengefallen  ist,  wol  aber  wird  für  ai.  pa^kma  -ka-  aus 
idg.  -hs'  noch  erwiesen  durch  arm.  tisr  Schafwolle,  vliess,  von 
dem  das  gleichbedeutende  gr.  ftixog  nicht  getrennt  werden  darf 
(damit  ist  Pedersen's  Zusammenstellung  von  lat.  pectU8  mit  gr. 
Ttixog  widerlegt),  und  durch  lit.  piszti  abreissen,  rupfen,  pflücken. 
—  Ausser  lett.  paksis  weist  der  litauische  sprachzweig  noch 
einen  spross  dieser  idg.  wurzel  auf:  pr.  paggan  wegen,  das  ich 
hierher  ziehe;  zur  bedeutung  verweise  ich  auf  nhd.  -seits,  von 
Seiten  und  besonders  auf  nhd.  -AaZA,  -halben,  halber  :  got  haJJba 
hälfte,  Seite,  halbe  halb.  Ausser  bei  Pierson  (Altpr.  wörterschatz 
29),  der  in  paggan  eine  Zusammensetzung  aus  jemh  und  einem 
dem  gäl.  kion  grund,  Ursache,  chiim  wegen  verwandten  wort 
sieht,  habe  ich  keine  etymologische  deutung  von  pr.  paggan 
gefunden;  ich  hoffe,  dass  meine  deutung  für  besser  als  diejenige 
Pierson's  befunden  wird ;  sie  wird  auch  dem  -gg-  besser  gerecht, 
denn  in  einer  Zusammensetzung  hätte  der  ton  wol  auf  dem 
zweiten  teil  geruht  und  daher  wäre  nach  dem  (unbetonten)  a 
der  ersten  silbe  das  g  nicht  doppelt  geschrieben  worden.  In 
pr.  paggan  sehe  ich  den  instr.  sg.  eines  A-stammes  (vgl  lit.  -a, 
dial.  'U,  lett.  -u,  abulg.  '(oj)<f,  ai.  -ä,  aus  idg.  -^n,  Mahlow, 
Lang.  vok.  70).  Das  Preussische  erweist  als  wurzelschliessenden 
konsonanten  idg.  media  oder  media  aspirata.  Beide  formen, 
die  mit  -g-  oder  -gh-  und  mit  -ks-,  kommen  in  den  slavischen 
sprachen  vor,  die  zahlreiche  verwandte  von  lat.  pectus,  ir.  uckt, 
ai.  pakehd-s  lett.  pakeis,  pr.  paggan  aufweisen.  Zunächst  nenne 
ich  osorb.  pod^paha  achselhöhle,  in  dem  wir  den  aus  pr.  paggan 


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Etymologien.  255 

erschlossenen  ^f-stamm,  nur  mit  anderem  wurzelvokal,  haben. 
Derselbe  vokalismus  hegt  vor  in  den  mit  den  Suffixen  idg.  -so-, 
'Sä'  gebildeten,  also  slav.  -ch-  aus  idg.  -ks-  enthaltenden,  russ. 
poch  leistengegend,  poln.  klruss.  russ.  pacha  achselhöhle,  wruss. 
pachi  pl.  t.  Schulterblätter,  pacha  achselhöhle,  band,  osorb., 
russ.  pod'pach,  klruss.  pod-pacha  acbselhöhle;  auf  einem  ü- 
stamm,  urslav.  pachy-,  pochy-,  beruhen:  russ.,  wruss.  pachva 
Achselhöhle,  leistengegend ,  russ.  pachvi  pl.  t,  poln.  pachtoinaj 
pachunny  pl.  t.  leistengegend,  wruss.  paehviny  (pl.  t.)  unterer 
teil  des  körpers  von  den  rippen  bis  zu  den  füssen,  wruss. 
pachvina,  russ.  pachovina  teil  des  bauches  vom  nabel  bis  zu 
den  weichen  (bei  tieren),  serb.  povi  (f.  *pohvi),  slov.  pohvine 
Schwanzriemen,  iech.  pochva  scheide,  degen-,  messerscheide, 
pl.  pochvy  Pferdegeschirr,  paäva^  osorb.  pdawa,  poln.  pochtva, 
poszwa,  klruss.  pochva,  wruss.  pochva  scheide,  russ.  pochva 
Schwanzriemen,  poiev  (veraltet),  poävy  m.  pl.  t.  poSevni  pl.  t. 
breiter  und  niedriger  Schlitten  (zur  bedeutung  vgl.  russ.  sani 
pl.  t.  Schlitten  :  lit.  szinas  seite;  Zubat^,  Arch.  f.  slav.  phil. 
XVI,  410  f.).  Femer  gehört  hierher  klruss.  -paü  in  ruko-paS 
handgemein,  wie  schon  Miklosich  (Etym.  wb.  230)  angedeutet 
hat.  Hierher  ziehe  ich  auch  klruss.,  wruss.,  russ.  pagtb  Schlund, 
rächen  und  abulg.  peith  höhle,  das  entweder  von  abulg.  peätt 
ofen  (zu  abulg.  pekq  backe)  ganz  zu  trennen  ist  oder  in  der 
weise  damit  identisch  ist,  dass  für  beide  von  der  bedeutung 
„höhle'^  auszugehn  ist;  letzteres  halte  ich  der  bedeutung  „fels'^ 
wegen,  die  urslav.  ^pekttr-  in  mehreren  slay.  sprachen  neben 
der  bedeutung  „ofen''  zeigt,  für  das  wahrscheinlichere;  zum 
bedeutungsübergang  „höhle'S  „felsenhöhle'%  „fels"  vgl.  lit.  ^ä 
felsenhöhle,  fels  neben  gr.  avlög  flöte  (vgl.  gr.  cvQiy^  flöte  : 
lit  kiduras,  Bezzenberger,  o.  XUI,  299),  avXdv  hohlweg,  cevk^ 
hof,  Wohnung,  abulg.  ulijh  bienenstock  (nach  den  waben  be- 
nannt), ulica  gasse,  die  zum  teil  schon  zusammengestellt  sind; 
für  das  bedeutungsverhältnis  „höhle''  :  „ofen"  führe  ich  noch 
an  lat.  fornix  höhle,  Wölbung  :  fornäx  ofen,  die  meiner  mei- 
nung  nach  ebenso  zusammenhängen  wie  lat.  öUa,  alat.  aula, 
ai.  ukhä'8,  uhhä  topf  und  got.  aühns  ofen,  die  schon  längst 
zusammengestellt  sind.  Es  darf  also  auch  für  abulg.  pestt»  un- 
bedenklich von  der  bedeutung  „höhle''  ausgegangen  werden. 
Vielleicht  deckt  sich  abulg.  peith  laut  für  laut  mit  lat  pectus, 
denn  das  diesem  zu  gründe  liegende  idg.  *pekiu8  kann  lautge- 


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266  Wiedemann 

setzlich  nur  zu  abulg.  peHt  (zunächst  aus  *peih)  werden;  yom 
nom.  sg.  aus  kann  das  wort  der  analogie  der  zahlreichen  ab- 
strakta  auf  -it  verfallen  sein.  Natürlich  kann  eben  so  gut 
abulg.  pestb  auf  idg.  *pekti8  zurückgehn,  und  das  müssen  die- 
jenigen annehmen,  die  mit  Miklosich  (Festgr.  a.  Böhtlingk  88), 
Fortunatov  (Arch.  f.  slav.  phil.  XI,  567)  und  ühlenbeck  (PBB. 
XIX,  517  ff.)  der  ansieht  sind ,  aus  abulg.  p^  «=  lit.  pefiktas 
fünfter  ergebe  sich  das  lautgesetz,  dass  idg.  -A^-  zu  t  slav.  -t- 
werde,  nach  Fortunatov  und  Ühlenbeck  vor  dunklen  (harten) 
vokalen.  Ein  derartiges  lautgesetz  darf  aber  aus  abulg.  p^ 
eben  so  wenig  gefolgert  werden,  wie  aus  lat.  quintus  fünfter 
für  das  lateinische  ein  lautgesetz,  dass  idg.  -kt-  zu  lat  -4-  wird; 
aus  abulg.  p^h,  lat.  quirUus  folgt  nur,  dass  in  beiden  sprach- 
familien  in  der  lautgruppe  -nkt"  h  sehr  früh,  im  Slavischen  vor 
der  Umwandlung  von  idg.  -fe-  zu  abulg.  -M-,  serb.  -<5-  usw., 
geschwunden  ist.  Leider  hat  Brugmann  (Grdr.  I  >,  585)  diese 
annähme  Fortunatov's  und  Uhlenbeck*s  gebilligt  und  auch 
E.  Zupitza  (KZ.  XXXV,  266)  hat  abulg.  potb  schweiss  auf  idg. 
*pokf^08  (zu  abulg.  peiq  backe)  zurückgeführt,  ohne  auch  nur 
ein  wort  über  slav.  -f-  zu  verlieren  i).  —  Aber  noch  eine  reihe 
andrer  Wörter  aus  dem  Slavischen  gehört  zu  lat  pectus  usw. 
Zunächst  nenne  ich  öech.  paze  arm,  pod-paenik  schosshund, 
günstling,  podpaznice  Schulterkissen,  (busen)freundin,  wund- 
beule, osorb.  paza  achselhöhle,  nsorb.  paea  räum  zwischen 
Oberarm  und  seite,  pod-paza  achselhöhle;  das  paz-  dieser  Wörter 
geht  auf  urslav.  ^pagj-  zurück.  Durch  anfiigung  eines  dental- 
suffixes,  idg.  HiO'(-dä-J  oder  •4ho-(-dha')  an  die  wortform  idg. 
^pöks-  entsteht  idg.  ^pögzd-  oder  ^pögzdh-  —  slav.  pazd-  in 
slov.  pazdiicha,  paadicha  achselhöhle:  femer  mit  -zd-  aus 
urslav.  'zdj-  :  öech.  pazdi  achsel.     Neben  diesen   formen  mit 

1)  Viel  näher  liegt  es,  abulg.  potb  als  „nasses^*  za  fassen  und  mit 
gr.  notafioi  fluss,  HoriSäc  (od.  I7oTi<faf  ?),  IloastSiSv  aaf  eine  idg.  w. 
pet  :  pot  nass  sein ,  fliessen  znrückzafahren ;  die  übliche  zusammenstel- 
lang  von  IToanStSv  mit  gr.  novrog  meer,  ai.  pänthSs  pfad,  bahn,  weg, 
lat.  pons  brücke,  pr.  pinHs,  abulg.  pt^h  weg  scheitert  an  den  laaten, 
denn  durch  einfluss  von  gr.  naros  pfad  darf  man  den  spurlosen  Schwund 
des  nasals  in  lloaetdtav  nicht  erklären,  da  der  etymologische  Zusammen- 
hang von  ndrog  und  nopros  kaum  dem  Sprachgefühl  der  Griechen 
lebendig  war.  Ebenso  unwahrscheinlich  ist  es,  dass  notafiog  zu  gr.  ni-^ 
TOfia^  fliege,  nlnxui  falle  gehört,  wie  man  gewöhnlich  annimmt,  da  in 
dieser  sippe  nur  die  bedeutUngen  „fliegen",  „fallen"  hervortreten. 


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fitymologien.  257 

'zd'('zd')  liegen  formen  mit  -2f-  :  abulg.  pcLZueha,  bulg.  pa- 
zucha  pazuva,  jpo^va  busen,  sQvh.  pazucho  axsbsel,  %\o^.pazucha, 
pazicha  acbselhöhle,  öech.  pazticha  achsel,  pazauch  nebenzweig, 
poln.  pazucha  bösen,  pl.  pazuchy  achselhöble,  klruss.  wruss. 
russ.  pazucha  bösen ,  abolg.  pazuähnica  onterkleid,  russ.  pazu- 
Hna  höhle,  vertiefong.  Diese  Wörter  mit  'Zdr(id)'  ond  -2r-  sind 
bisher  noch  nicht  befriedigend  erklärt  worden.  Miklosich  hat 
zo  verschiedenen  Zeiten  verschiedene  ansichten  geäossert.  Im 
lex.  palaeoslav.-gr.-lat.  551  vergleicht  er  lit.  pazastis  achsel- 
höble; vgl.  gr.  II,  290  f.  will  er  von  ^paducha  aosgehn  ond 
darin  eine  zosammensetzong  von  pa  ond  ducha  (zo  ai.  dös 
Vorderarm,  arm,  onterer  teil  des  vorderfosses  bei  tieren,  lett. 
duse,  pa-duse  achselhöble)  sehen;  vgl.  gr.  I  >,  258  zerlegt  er 
abolg.  paztAcha  in  paz-ucha  (dazo  lett  pazuse  onter  dem  arm, 
pad'448e  achselhöble  ond  ai.  afhsa-s  scholter;  s.  286  heisst  es 
wörtlich:  „ucha  für  ai.  dthsas  (Mikl.  hat  äsa).  pazucha  steht 
für  pazducha  :  lett.  duM,  paduse;  etym.  wb.  52  geht  er  von 
pazducha  aos  ond  kehrt  zo  seiner  annähme  einer  zosammen- 
setzong mit  ducha  (ai.  dös)  zorück,  bemerkt  aber  am  schloss 
des  artikels  „donkel  ist  paie  osw.*'  Fick  (o.  11,  267,  vgl.  wb. 
I  S  433)  zerl^  das  wort  ebenfalls  in  pa-zucha^  will  aber  das 
'Uch-  aof  idg.  ^ons-  zorückfohren,  was  gegen  die  laotgesetze  ist 
(vgl.  jetzt  Pedersen,  IF.  V,  56  f.).  Obgleich  Miklosich's  ansieht, 
dass  -ducha  mit  ai.  dds  zosammenhangt  bei  Pedersen  (aao.  38) 
o]>d  Ublenbeck  (Korzgef.  etym.  wb.  d.  aind.  spr.  131)  zostim- 
mong  gefanden  hat  ond  aoch  Nehring  (IF.  IV,  400)  ihr  zozo- 
stimmen  scheint,  halte  ich  Miklosich's  frühere  zosammenstellong 
mit  lit.  pazadis  insofern  für  richtig,  als  er  dabei  paz-  als 
worzelbaft  ansah,  wenn  aoch  lit  pazasth  mit  Zobat^  (o.  XVII, 
327)  als  zosammensetzong  aos  por  onter  ond  ^zasias  =  ai. 
hdsta-s,  av.  zastö,  apers.  dasta-,  npers.  dest  band  ^)  anzosehen 
ist  ond  daher  mit  pazucha  nichts  zo  ton  hat.     Aosser  lit.  pa^ 

1)  Ob  aach  gr.  dyocrros  (nar  bei  Homer  in  der  formel  IJU  yaiav 
dyoarm  und  bei  anderen  dichtem,  ebenfalls  nur  im  dativ)  hierher  ge- 
hört, ist  sehr  fraglich;  viel  näher  liegt  es,  mit  Döderlein  (Hom.  gloss. 
III,  4)  dyooTos  in  Zusammenhang  mit  gr.  dyri  bug  za  bringen,  nur  darf 
nicht  mit  Döderlein  gr.  ayifvfn  breche  verglichen  werden,  weil  dies  an- 
lautendes ^  hat,  dyooTog  aber  nicht.  Auch  möchte  ich  nicht  mit  Benfey 
(Or.  wrzllex.  n,  18)  und  Leo  Meyer  (Handb.  d.  grieoh.  etym.  I,  115)  an 
die  idg.  w.  ang  sich  krümmen  denken,  sondern  lieber  an  die  sippe  von 

Beitiig«  1.  kaodA  d.  indg.  apnehwi.    XX VU.  17 


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258  Wiedem&nti 

z€i^\8  hatte  Miklosich  aber  früher  auch  £ech.  petze  usw.  yer- 
glichen,  Wörter,  die  er  später  als  „duokeP*  bezeichnen  musste, 
da  sie  bei  der  annähme,  pazucha  sei  eine  Zusammensetzung, 
mit  diesem  unyereinbar  sind.  Mit  recht  nimmt  denn  auch 
Walde  (KZ.  XXXIV,  510)  zur  erklärung  des  z  in  pazucha 
gegenüber  dem  -zd-  in  sIot.  pazdueha  auf  diese  formen  rück- 
sicht;  wenn  er  sie  aber  aus  ursl.  paz-  +  /-suf&x  erklären  will, 
so  kann  ich  ihm  darin  nicht  folgen,  da  ich  mich  nicht  ent- 
schliessen  kann,  die  slav.  Wörter  Ton  fr.  paggan,  lett.  paksis 
zu  trennen,  welches  letztere  ja  den  slav.  wörtem  mit  poch-, 
paeh"  (poi-,  pai')  lautlich  sehr  nahe  steht.  Zur  erklärung  des 
z  in  pazucha  muss  zweierlei  berücksichtigt  werden:  erstens,  dass 
Wörter  wie  russ.  pachva,  bulg.  pazva  auf  einen  u-stamm  weisen, 
und  zweitens,  dass  wruss.  pacha  nicht  nur  „achselhöhle^'  son- 
dern auch  „band'S  also  den  untersten  teil  des  arms,  bedeutet 
Dies  führt  zur  yer mutung,  dass  das  idg.  wort  für  „unterarm^*, 
*bhaghü-  (ai.  bähü-s,  av.  bozu-,  gr.  mjxvg  (näxvg)^  aisl.  bögr)^ 
auch  im  Slavischen,  wo  es  *bazh  gelautet  haben  würde,  vor- 
handen gewesen,  dann  aber  ausgestorben  ist,  jedoch  nicht,  ohne 
in  dem  z  des  abulg.  pazucha,  in  den  auf  einen  u-stamm  wei- 
senden wörtem  und  in  der  auf  den  unteren  teil  des  arms  er- 
weiterten bedeutung  spuren  hinterlassen  zu  haben.  Grehört 
auch  sIoY.  pazdueha  nicht  zu  aL  dös,  so  doch  ausser  ir.  döe 
arm  noch  lett.  duse^  pa^duse  achselhöhle,  wie  auch  schon 
Walde  gesehen  hat,  der  auch  lett  pazusS  (Walde  hat  pazuse; 
Ulmann  Lett.-dtsch.  wb.  190,  aber  fährt  das  wort  nur  im  lok. 
sg.  pazuaE  an)  richtig  erklärt,  und,  wenn  wir  für  diese  Wörter 
Ton  der  grundbedeutung  „schwellen'S  bez.  „hohl  sein''  ausgehn, 
was  unbedenklich  ist,  auch  lat  ab -dornen  neben  ab^düfiMn 
(„unter  den  weichen  befindlich"  =)  Unterleib  (anders  über  ah- 
dehnen  Brugmann,  IF.  XI,  271  ff.)  und  ai.  do^d  („verhüllend", 
„verhüllt"  ==)  dunkel,  nacht.  Das  in  slov.  pazdueha  steckende 
idg.  pögzd'  oder  pögzdh-  möchte  ich  auch  in  einem  lateinischen 
wort  suchen:  da  idg.  pögzd-,  pögzdh^  nichts  anderes  ergeben 
kann  als  lat  pöd-  so  hindert  von  selten  der  laute  nichts,  lat 
pödex  hinterer  hierher  zu  ziehen;  hinsichtlich  der  bedeutung 
erinnere  ich  an  die  oben  (s.  255)  angeführten  slav.  wörter  mit 

lat  a»äla  aoheelhöhle,  aisl.  ^  achsel  denken;  sn  gninde  liegt  dioten 
Wörtern  der  atamm  idg.  *  agu-. 


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Etymologien.  259 

der  bedeutung  „Schwanzriemen^^  i).  Doch  gibt  es  ausser  dieser 
und  der  üblichen  Zusammenstellung  mit  lat.  pedo  noch  zwei 
andre,  nicht  minder  gute  erklärungen  von  pödex:  1)  pödex  : 
abulg.  pozd^  („zurück-,  fernliegend'*  =)  spät  (vgl.  nhd.  At«- 
terer,  abulg.  zcuh  rücken,  zaedt  hinterteil;  anders  über  diese 
slav.  Wörter  Pott,  Etym.  forsch.  *  IV,  416  anm.,  E.  Zupitza, 
Germ.  gutt.  201  f.  mit  anm.);  2)  pödex  :  gr.  noa&ri  männliches 
glied  (vgL  lit.  bulis  hinterer  :  gr.  q>aXXog  männliches  glied); 
femer  kann  lat.  pödex  auf  idg.  ^pöugdr  oder  *pöugdh-  zurück- 
geführt und  zu  dem  gleichbedeutenden  gr.  nvyij  gestellt  werden 
und  endlich  können  diejenigen,  die  für  das  Lateinische  Zu- 
sammensetzungen mit  pO'  =  lit  pa-,  abulg.  po  auf  annehmen, 
zu  denen  ich  aber  nicht  gehöre,  in  lat  pödex  mit  besserem 
recht  die  idg.  w.  sed  sitzen  suchen  als  Rozwadowski  (IF. 
V,  353  £)  in  pr.  peisda,  russ.  pizda  *).  —  Ausser  den  hier  be- 
handelten Wörtern  gehört  zur  sippe  von  lat.  pectus  noch  ai. 
pafasyä-m  bauchgegend,  weichen,  das  schon  von  Pedersen 
(aao.  49)  mit  recht  zu  russ.  pcich  gestellt  worden  ist,  wenn 
auch  Pedersen  den  Zusammenhang  beider  mit  ai.  pak^d^ 
nicht  erkannt  hat');    mit  unrecht  nennt  Uhlenbeck   (Eurzgef. 

1)  Der  bedentung  nach  hätte  das  Verhältnis  von  lat.  pödex  :  abnlg. 
poBueha  (rass.  p€ttueha  bedeutet  u.  a.  auch  „aohselhöhle**)  eine  ent- 
sprechang  in  dem  von  serb.  gut  hinterer,  poln.  gweiea  steiss  der  yögel 
zu  franz.  gouasei  achselhöhle,  dem.  zu  franz.  gausse  schote,  hülse  (ital. 
gtueio  schale  von  nassen,  eiern,  schaltieren).  Die  von  Dies  (Etym.  wb. 
d.  roman.  sprachen  ^181,  Scheler  (Dict.  d'etym.  franc.  260)  und  Kör- 
ting (Lat.-rom.  wb.  '  420,  no.  4136)  gegebnen  erklärungen  dieser  roma- 
nischen Wörter  befriedigen  nicht.  Legen  wir  ein  lat.  *guseius^  das  für 
*gue8ciu8  stehn  kann,  mit  der  bedeutung  „Schwellung",  „höhlung**  zu 
gründe,  so  erklärt  sich  alles  aufs  beste;  dann  darf  auch  franz.  goussatU 
dick,  gedrungen  herangezogen  werden.  Zu  den  von  Stappers  (Diot. 
synopt.  d'6tym.  frang.  '  772)  herangezogenen  keltischen  Wörtern  vgl. 
Thumeysen  (Eeltorom.  65).  Das  von  Miklosich  (Etym.  wb.  81)  ver- 
glichene lit.  gi^Aas  knorren  ist  slav.  lehnwort  :  poln.  guz  beule,  knorren 
(Brückner,  Slav.  lehnw.  i.  lit.  86,  Leskien,  Nom.  190);  wol  aber  sind  die 
bei  Leskien  (Abi.  816  u.  tu-ei-guzU)  genannten  Wörter  verwandt. 

2)  Bozwadowski's  aufsatz  ist  völlig  verfehlt,  weil  in  ihm  das  von 
Miklosich  (Etym.  wb.  248)  verglichene  alb.  pi^y  best,  pid-i  weibliche 
soham,  das  ganz  andre  wege  weist,  unbegreiflioherweise  gänzlich  ausser 
acht  gelassen  ist. 

8)  Das  von  Pedersen  erwähnte  slov.  paelueh  zuchtstier,  das  nach 
Pedersen  irgendwie  mit   russ.  pa$iueh  hirt  zusammenhängt,    hat  damit 

17* 


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260  Wiedemanü 

etym.  wb.  d.  aind.  spr.  162)  diese  zusammenstellang  unsichOT. 
Das  ai.  päfosyä-m  gibt  uns  aufscbluss  darüber,  dass  das  g  {gg) 
in  pr.  paggan  auf  idg.  media  zurückgeht;  dass  es  die  rein 
Telare  media  ist,  zeigt  uns  das  germanische,  denn  zu  der  hier 
behandelten  sippe  ziehe  ich  auch  ags.  fcec  Zeitraum,  zeit,  ahd. 
fah  teil,  abteilung  die  allgemein  zu  nhd.  fügeti  gestellt  werden ; 
höchstens  nhd.  -fach  in  einfach  könnte  zu  fügen  (vgl.  gr.  -na§) 
gehören,  aber  für  ags.  ftBC,  ahd.  fah  setzt  man  wol  am  besten 
als  grundbedeutung  „(hohl)raum'%  „spatium''  an;  dann  aber 
gehören  sie  zu  der  sippe  Ton  lat.  pectus,  haben  also  germ.  a  =: 
idg.  0,  gegenüber  ahd.  fang  &ng  mit  a  —  idg.  a.  Es  ist  aber 
durchaus  nicht  notwendig,  -fach  von  ahd.  fah  zu  trennen,  um 
es  mit  gr.  -^o^  zu  verbinden;  die  in  -fach  vorliegende  bedeu* 
tung  kann  sich  sehr  gut  aus  der  bedeutung  des  ahd.  fah  ent- 
wickelt haben.  Höchst  wahrscheinlich  ist  von  ahd.  fah  teil 
ahd.  fah  reuse,  schlinge  etymologisch  zu  trennen  und  zu  dem 
gleichbedeutenden  gr.  Ttdyog  zu  stellen;  denn  von  der  bedeu- 
tung „schwellen",  „hohl  sein",  die  der  sippe  von  lat.  pedm 
zu  gründe  liegt,  sehe  ich  keine  Vermittlung  zu  der  bedeutung 
„schlinge",  die  sich  andrerseits  aus  der  bedeutung  der  idg.  w. 
päh,  pä§  „fest  sein",  „fest  machen",  „fügen"  ohne  weiteres 
entwickeln  konnte. 

Während  nach  diesen  darlegungen  lat.  pedua  eine  recht 
ansehnliche  sippschaft  hat,  steht  ein  anderes  lateinisches  wort 
für  „brüst",  nämlich  ^nu^;  ziemlich  vereinsamt;  erst  in  neuerer 
zeit  hat  G.  Meyer  (o.  VIII,  192,  etym.  wb.  d.  alb.  spr.  140, 
alb.  stud.  UI,  44)  alb.  g'i  (stamm  g'in-)  busen,  schoss,  meer- 
busen  dazu  gestellt.  Die  von  A.  Kuhn  (KZ.  II,  462,  466)  her- 
rührende Zusammenstellung  des  lat.  sinus  mit  ai.  aänu-^  Ober- 
fläche, rücken,  höhe  hat  heute  wol  kaum  noch  einen  anhänger, 
von  Leo  Meyer  (Vergl.  gramm.  I  *  753)  vielleicht  abgesehen. 
Niedermann  (^  und  I  im  lat),  der  das  lat.  sinus  bei  billigung 
der  etymologie  A.  Kuhn's  hätte  besprechen  müssen,  erwähnt  es 
überhaupt  nicht,  woraus  man  wol  schliessen  darf,  dass  auch  er 
diese  etymologie  für  völlig  abgetan  hält.    Lautlich  haltbar  ist 

natürlich  nichts  za  schaffen,  sondern  gehört  zn  ahd. /mW  naohkommen- 
schaft,  mhd.  vaaelnni  zuchtstier  und  dessen  sippe,  über  deren  slav.  sa- 
gehörige Pnisik  (KZ.  XXXV,  601  f.)  gehandelt  hat;  doch  zieht  er  aoch 
allerhand  hierher,  was  nicht  daza  gehört,  u.  a.  anch  manche  der  von 
mir  oben  anders  erkl&rten  Wörter. 


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Etymologien.  261 

die  von  Lid6n  (o.  XIX,  284)  vorgeschlagene  zarfickfiihrung  auf 
eine  idg.  w.  «i-  mittere,  aber  die  von  Liden  angenommene 
bedeutungsentwicklung  „niederscbiessende,  herauslaufende  kriim- 
mung^S  „falte'*  ist  wenig  einleuchtend  und  auch  das  von  Liden 
herangezogene  got.  skauts  zipfel,  säum  des  kleides,  nhd.  schoss  : 
ahd.  skioggan  schiessen  hilft  nichts ,  denn  es  hat  doch  eine 
wesentlich  andre  bedeutung  als  lat.  sinus,  alb.  g'i,  die  beide 
auf  eine  grundbedeutung  „  schwellend '%  „rund 'S  „gebogen" 
weisen.  Daher  ist  die  schon  von  den  lateinischen  grammatikern 
herrührende  Zusammenstellung  mit  lat.  slnus,  glnum  weit- 
bauchiges, tönernes  gefäss,  sUüla  eimer,  krug,  wozu  weiter 
umbr.  sviseve  dass.  (vgl.  zu  diesem  wort  Planta,  osk.-umbr. 
dial.  I,  305),  möglich.  Ich  glaube  aber  noch  ein  bisher  nur  un- 
befriedigend erklärtes  slavisches  wort  hierher  ziehen  zu  dürfen : 
abulg.  Üja  schüsselbein,  hals,  das  Miklosich  (Lex.  palaeo-slov.- 
gr.-lat.  1134)  zu  ai.  si/äti,  sinäJti  bindet  gestellt,  aber  später 
(etym.  wb.  339)  unerklärt  gelassen  hat;  er  erwähnt  nur  serb. 
O'Hjati  umschwenken,  za-o-äijcUi  beugen.  Die  lautverhältnisse 
liegen  bei  lat.  sinus,  alb.  g'i,  abulg.  äija  genau  so  wie  beim 
Zahlwort  für  „sechs"  (lat.  sex,  alb.  g'aite,  abulg.  ieath)^  für  das 
Job.  Schmidt  (KZ.  XXV,  121  anm.)  und  Hübschmann  (KZ. 
XXVII,  105  ff.)  auf  grund  des  ai.  ^dt  und  des  ay.  x^^x^  ^^^ 
recht  idg.  ksv-  ansetzen ;  vgl.  auch  Kretschmer  (KZ.  XXXI,  418). 
Die  von  Pedersen  (IF.  V,  76  f.)  versuchte  erklärung  des  i-  von 
abulg.  ieath  ist  verfehlt,  da  das  Slavische  bei  diesem  wort  im 
inlaut  nie  etwas  andres  als  -st-  gehabt  haben  kann;  slav.  cA- 
(i-)  kann  stets  nur  auf  idg.  ks-  (oder  ksv-)  zurückgehn  und  es 
ist  durchaus  nicht  zu  gewagt,  wenn  man  für  diejenigen  sprachen, 
die  in  solchen  fallen  auf  idg.  8-  (oder  sv-)  weisen,  Schwund  des 
Ar-  im  sonderleben  der  betreffenden  sprachen  annimmt  Im 
Albanesischen  muss  dieser  Schwund  schon  zu  einer  zeit  statt- 
gefunden haben,  als  idg.  ks-  noch  nicht  zu  alb.  h-  geworden  war. 

(Fortsetzung  folgt.) 


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262  W.  Neisser 


Vediaeh  stu^e. 

Die  interessante  probe  einer  kritisch- exegetischen  bearbei- 
tung  des  textes  der  rgvedischen  hymnen,  die  H.  Oldenberg 
im  laufenden  (55.)  bände  der  ZDMG.  veröffentlicht,  hat  diesen 
hervorragenden  forscher  im  laufe  der  erörterung  zahlreicher 
mit  dem  texte  verknüpfter  probleme  auch  zu  ved.  stu^e  und 
genossen  geführt  (s.  306  ff.),  denen  ich  o.  20,  54  ff.  die  (in 
einigen  fallen  infolge  umdeutung  verdunkelte)  geltung  aus  infi- 
nitiven  hervorgegangener  imperative  (meist  2.  person,  bisweilen 
1.  pers.)  zuerkannt  habe,  die  besonders  häufig  auf  ein  koUek- 
tivum  als  Subjekt  bezogen  erscheinen.  Das  ergebnis  der  von 
Oldenberg  geföhrten  Untersuchung  ist  von  dem  von  mir  er- 
mittelten wesentlich  verschieden.  Er  gibt  den  fraglichen  formen 
durchweg  indikativische,  nicht  imperativische  bedeutung  und 
bezieht  sie  nicht  auf  kollektivische,  sondern  auf  singularische 
Subjekte  (meist  1.  pers.,  bisweilen  3.  pers.).  Oldenbergs  Unter- 
suchung hebt  sich  von  den  im  folgenden  namhaft  zu  machenden, 
dem  gleichen  problem  gewidmeten  Veröffentlichungen  durch 
vollständige  berücksichtigung  des  belegmaterials  ab.  Obwohl 
ich  die  ergebnisse  nirgend  unverändert  mir  aneignen  kann, 
danke  ich  ihnen  die  anregung  zu  erneuter  prüfung,  die  das 
früher  mitgeteilte  im  wesentlichen  mir  bestätigt,  doch  im  ein- 
zelnen kleine  berichtigungen  und  mehrere  nachtrage  ergeben 
hat  Neben  gewissen  leicht  abzugrenzenden  exegetischen  In- 
dizien sind  es  vorwiegend  grammatische  gesichtspunkte,  durch 
deren  ausfuhrlichere  darlegung  ich  eine  einigung  der  meinungen 
anzubahnen  hoffe. 

Oldenberg  (s.  309)  hält  es  für  nächstliegend,  stu^e  als 
indik.  praes.,  gebildet  aus  dem  stamme  stu^-  ^)  mittelst  antritt 
des  sog.  primären  personalsuffixes  -e  anzusehen.  So  schrieb 
ehedem  Delbrück  Altind.  verb.  181:  „am  ein&chsten  ist  wohl, 
dass  man  stu^e  von  einer  wurzel  stus  ableitet,  die  sich  zu  siu 
verhielte,  wie  ^rti?  zu  äru.  Dafür  spricht  auch  stu^iyyar^ 
Die  hier  verglichene  „würzet'  ^ru^,  der  —  abgesehen  von  RV. 

1)  „.  . .  ein  sigmatifloher  aoriststamm?  Dann  mfirate  natürlich 
pun%§i  f^'iue  etc.  aaf  amwegen,  die  aber  wohl  gangbar  sind,  erklärt 
werden''.    (Anm,  0.*b). 


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Vedisch  stu^e.  263 

I,  68,  9  iri^an,  das  formell  konj.  des  5*aor.  sein  kann,  vgl. 
unten  s.  266  extr.  —  4ro§antu,  irö^amönoh  entstammen,  zeigt  in 
Übereinstimmung  mit  ne^a  par^a  nak^ati  rosate  u.  a.,  dass  nicht 
1.  3.  sing,  stu^e,  sondern  1.  sing,  "^sto^e,  3.  sing,  ^stopate  einer 
aus  Verallgemeinerung  des  aoriststamms  hervorgegangenen 
„wurzeV'  stu^  entspringen  würden.  Das  nnthematische  stu^e 
kann  nur  aus  der  lebendigen,  regelrecht  unthematischen  flexion 
des  «-aorists  hergeleitet  werden,  wofern  es  als  finite  form  ver- 
standen werden  soll.  Freilich  erregt  der  umstand,  dass  alle 
finiten  formen  des  aor.  sto^^  hochstufe  der  wurzel  aufweisen 
(ebenso  ahe^ata  von  aor.  he^-,  dagegen  tiefstufig  hifie)^  sogleich 
bedenken  gegen  die  Zusammenstellung  von  stu^e  mit  den  finiten 
formen.  Und  wie  sollte  das  praesentische  personalsuffix  in  stu^e 
erklärt  werden?  So  ist  begreiflich,  dass  Delbrück  in  der  Ver- 
legenheit eine  „wurzel''  siu^  aufstellt,  hi^e  gehört  dann  ver- 
mutlich zu  „Wurzel''  hi^  .  arcaa-,  füjcia-  u.  s.  w.  dagegen  in 
arc<ise,  rfijase  u.  s.  w.  werden  „doppelstämme"  genannt:  namen 
bedürfen  keiner  erklärung.  Brugmann  Grundr.  II  1020,  der 
an  Delbrück  (und  Grassmann)  sich  anschliesst,  ohne  Lud- 
wigs infinitivtheorie  (inf.  im  Yeda  s.  73 ff.,  „Qg^eda"  passim) 
zu  erwähnen,  reiht  die  ausschliesslich  ^)  als  1.  sing,  oder  3.  sing, 
nachweisbaren  stu^e  und  genossen  an  altertümliche,  durch  das 
ganze  paradigma  durchflektirte  praesentia  der  wurzeln  ar.  dve^ 
„hassen",  idg.  jös  „gürten'S  idg.  ves  „sich  ankleiden",  deren 
herkunft  aus  dem  9-aorist  unsicher  und  kaum  wahrscheinlich 
ist.  Durch  diese  kombination  kann  die  bei  praesentischer  auf- 
fassung  von  stu^e  u.  s.  w.  sich  ergebende  völlige  isolirung  dieser 
formen  nicht  aufgehoben  werden« 

Nun  sei  zugegeben,  dass  zwar  nicht  der  «-aorist,  aber  an- 
dere praeteritalstämme  neben  ihren  regelrecht  mit  sog.  sekun- 
dären personalsuffixen  bekleideten  finiten  formen  gelegent- 
lich und  ausnahmsweise  (vermutlich  infolge  des  umstands, 
dass  in  den  nichtaugmentirten  formen  vielfach  eine  praeteritale 
bedeutung  nicht  zu  tage  trat,  ja  von  haus  aus  fehlte)  praesen- 
tische formen  auch  des  indikativs  zulassen.  So  finden  sich  im 
RV.  bei  den  in  gewöhnlicher  praeteritalflexion  sehr  reichlich 
belegbaren  aoristen  kar-,  gam-,  bhü-  ausnahmeweise  praesentisch 

1)  J.  Schmidt  Ztschr.  27,  326:  „auffällig  ist,  dass  keine  anderen 
personen  der  art  vorkommen". 


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264  W.  Neisser 

krthas  '  krtha  \  gathd  ^,  bhüOids  *  bhiUas  ^,  bei  perf.  nine-  einmal 
ninUhds^)f  u.  ähnl.,  alles  im  Terhältnis  zur  masse  des  regulären 
in  einer  kleinen  minderheit  von  fällen.  Wollte  man  analoges 
gelegentliches  übergreifen  auch  des  «-aorists  in  die  praesens- 
sphäre  für  prinzipiell  möglich  erklären,  so  wäre  doch  ersichtlich, 
dass  stt4?e,  das  20  mal  belegt  ist,  dreimal  häufiger  als  die  echt 
praeteritalen  medialformen  von  sto^-,  nicht  zur  gelegenheits- 
bildung  gestempelt  werden  kann  und  von  krthas  u.  s.  w.  prin- 
zipiell zu  scheiden  ist  Das  von  stu^e  gesagte  gilt  verschärft 
für  arcase  Hijase  u.  s.  w.,  neben  denen  finite  formen  gar  nicht 
vorhanden  sind^  deren  bei  praeteritaler  bildung  praesentische 
bedeutung  den  anstoss  zur  annähme  praesentischer  personal- 
suffixe  gegeben  haben  könnte. 

Ich  betrachte  als  erwiesen,  dass  stu§e  seiner  form  nach 
nicht  indik.  praes.  sein  kann.  Da  nach  dem  stände  unsers 
Wissens  das  auslautende  -e  nur  entweder  als  personal-  oder  als 
infinitivsuffix  angesehen  werden  kann,  so  bleibt  formelle  iden- 
tifizirung  von  stu§e  mit  dem  inf.  stu^iy  von  dem  es  nur  durch 
Unterwerfung  unter  das  gesetz  der  verbalenklise  sich  scheidet, 
einzig  übrig.  Da  formell  auch  hi§e  mit  inf.  ß^i  sich  vergleicht, 
Hijase  dohaae  von  den  gleichlautenden  infinitiven  nur  durch 
die  verbalenklise  geschieden  sind,  neben  grnl^e  mit  anderem 
8u£Sx,  aber  gleicher  Stammbildung  inf  grn^äni  sich  einstellt, 
während  gäyi§e  etwa  an  MS.  1,  2,  17  (27  4)  dvyathiae  (wohl 
kein  eigentlicher  inf.,  doch  ähnlich  verwendet)  erinnert,  so  er- 
gibt sich  ein  bis  in  die  einzelheiten  des  morphologischen  auf- 
baus  zu  verfolgender  parallelismus  von  8t%i§e  und  genossen  mit 
den  auf  -se  auslautenden  infinitiven.  Es  bleibt  die  frage  der 
ursprünglichen  identität  beider  kategorien  unter  dem  gesichts» 
pnnkt  der  bedeutung  zu  prüfen. 

Die  möglichkeit  einer  vergleichung  der  beiderseitigen  be- 
deutung en  ist  in  der  bekannten  tatsache  begründet,  dass  Infi- 
nitive im  sinne  eines  verbum  finitnm  verwendet  werden  können. 
Es  wird  zu  fragen  sein,  ob  die  für  diese  Verwendung  geltenden 
gesetze  auch  als  den  gebrauchs weisen  von  8tu§e  u.  s.  w.  zu 
gründe  liegend  erweislich  sind.  Für  die  vedische  spräche  lassen 
die  bedingungen,  unter  denen  infinitive  die  stelle  eines  ver- 

1)  Für  verfehlt  halte  ich  es,  wenn  H.  Hirt  IF.  12,  220  hierin 
(sowie  in  nintytH)  einen  fortsetzer  vorindischer  praesensbüdung  sucht. 


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Vedisch  stu^e.  265 

bum  finitum  einnebmen  können,  sich  80  formuliren:  sie  ver- 
ireten  (trotz  Delbrück  Vgl.  Synt  2,  453  a.  E.)  nie  einen 
indik.  praes.,  wohl  aber  (als  sog.  infinitivi  historioi)  gelegent- 
lich einen  indik.  praeteriti  ^);  ihre  häufigste  bedeutung 
ist  die  imperativische.  Vergleichen  wir  hiermit  die  Verwen- 
dungen von  stu^e  u.  s.  w.,  so  wird  der  praeterital-indikativi- 
schen^  die  auch  bei  echten  infinitiven  seltener  nachweisbar  ist, 
das  mindere  gewicht  beizumessen  sein'),  aller  nachdruck  da- 

1)  RY.  X,  182,  1  ijSnäm  id  Dy&ur  JBhumir  ^hi  prabhü§d^i, 
yänäm  Adüifiäv  abhi  avardhatäm  „dem  opferer  standen  himmel  and  erde 
zn  diensten  {prabhüadni  wohl  nicht  zu  prä  hhü  „za  gute  kommen,  nützen", 
das  den  dativ  regiert,  sondern  za  prd  hhüf  „bedienen,  ansrüsten'*),  dem 
opferer  erwiesen  die  Aivin  Wohltat".  Vgl.  auch  Vm,  89,  1  yajddhyai 
neben  astofi.  Jedenfalls  ist,  wie  in  den  von  Wackernagel  Verh.  d. 
39.  philol.  vers.  279  f.  belenchteten  enropäischen  parallelen,  der  „histo- 
rische" igebranch  ans  dem  imperativisohen  abzuleiten.  (Ober  entspre- 
chende herleitung  von  idg.  hlüU  „warst"  ans  hhüB  „sei"  vgl.  o.  20,  72  A.). 

2)  „Historische"  Verwendung  eines  ^infinitivs  scheint  vorzuliegen 
in  VI,  11,  5  vfüji^  dem  praeteritale  indikative  parallel  gehen.  Auch 
I,  142,  6  Vffl;e  kann  «»  avfHjata  zn  verstehen  sein.  Vgl.  VII,  2,  4  vjrit- 
jaU  (diese  parallele  ist  Foy  EZ.  84,  244  entgangen);  doch  ist  (kollektiv-) 
imperativisohe  auffassung  ebenso  möglioh,  die  ich  früher  vorgeschlagen 
habe.  An  perf.  dädhära  (freilich  mit  praesentisoher  bedeatung)  lehnt 
sich  an  I,  62.  9  Smasu  cid  dtidhife  pakodm  atUdJjt  „in  die  rohen  kühe  ist 
gare  milch  gelegt":  nimmt  man  dadhifs  als  2.  sg.  („du  hast  gelegt"), 
bleibt  die  medialform  unerklärt.  Hiemach  könnte  auch  X,  96,  10  das 
auf  aharyat  folgende  dadki^e  als  auf  die  8.  sg.  bezogenes  infinitum 
angesehen  werden,  doch  liegt  keine  nötigung  vor,  da  in  v.  11  formen 
der  2.  sg.  folgen.  Sehr  schwierig  ist  I,  128,  6  dwatra  haoydm  öhif€,  das 
trotz  der  härte  doppelten  Personenwechsels  {6h.  steht  zwischen  formen 
der  8.  sg.),  für  den  das  lied  sonst  keinen  anhält  bietet,  Pischel  Ved. 
stnd.  1,  191  und  Oldenberg  SBG  46,  188  als  2.  sg.  gelten  lassen. 
Ohne  zweifei  ist  die  8.  sg.  dem  Zusammenhang  des  satzes  angemessener. 
Aber  wie  seltsam  dann  die  grammatische  bildung.  Ein  -wa-infinit  eines 
perf.  wäre  verständlich,  wenn  letzteres  erstarrt  und  als  praesens  be- 
handelt wäre.  Dies  wird  man  von  6hif4  nicht  behaupten  können,  da  in 
dem  parallelen  VIU,  19,  1  dwatra  hmydm  dhire  sicher  unversehrte 
Perfektbedeutung  (es  geht  hier  dadhanmre  voran)  vorliegt,  dadhife  ist 
natürlich  nicht  zu  vergleichen,  da  nichts  hindert,  dieses  auf  praes.  dadh- 
zu  beziehen.  Infinita  des  perf.  scheinen  vorzuliegen  in  den  bereits  von 
Ludwig  in  diesem  sinne  gedeuteten  YIII,  8,  10  oakrade^  VUI,  57  (» 
Val.  9),'*  2  dadrüy  VUI,  lOO,  10  duduhs,  vielleicht  V,  89,  4  jH^Ufe,  da 
die  Verbindung  dieser  anscheinend  singularischen  verba  mit  pluralischen 
nicht  sächlichen  Subjekten  wohl  keine  andere  auffassung  zulässt.    Vgl. 


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266  W.  Neisser 

gegen  auf  den  nachweis  der  imperativischen  funktion  und  prin* 
zipiellen  aasschliessang  der  indikativisch -praesentischen  gelegt 
werden  müssen. 

Imperativische  Verwendung  auf  -e  auslautender  verbal* 
formen  bei  singularischem  Subjekt  habe  ich  0.20,69  darch 
I,  76,  4;  VII,  42,  2;  X,  14,  5  huvi,  V,  56,  1  hvaye  [dieselbe 
form  auch  in  v.  5],  X,  61,  21  vavrdhe  belegt.  Der  erste  beleg 
wird  abweichend  aufgefasst  von  Oldenberg  SBE.  46,  96,  der 
die  Worte  prajävatä  vdcasä  vdhnir  äsä  \  d  ca  huvi  ni  ca  satäihd 
devaih  so  überträgt:  „with  words  procuring  ofifspring,  carrying 
tbee  (to  our  sacifice)  with  my  mouth,  I  call  thee  hither,  and 
thou  shalt  Sit  down  here  with  the  god8'^  0.  dtirt  Delbrücks 
Zeugnis  synt.  forsch.  Y.  473:  „es  liegt  kein  grund  vor,  dem 
huvi  den  Charakter  einer  ersten  person  zu  versagen'^  (D.  fugt 
jedoch  hinzu,  dass  die  (oben  mit  ausgehobenen)  werte  des  ersten 
Pada  ihn  bedenklich  machen).  Dies  zeugnis  erfahrt  seine  m.  e. 
entscheidende  Widerlegung  durch  Delbrücks  eigne  bekundung: 
„dass  Sätze  mit  nicht  parallelen  verben  durch  ca  verbunden 
würden,  dürfte  kaum  vorkommen^'.  Es  ist  mir  unzweifelhaft» 
dass  durch  das  doppelte  ca  parallelismus  von  huve  und  saisi 
erwiesen  wird  und  beide  verba  auf  die  nämliche  person  be- 
zogen werden  müssen,  a  ca  huvi  ni  ca  satsi  ist  =  höta  ni 
9lda  (v.  2),  vgl.  VIII,  75,  1;  X,  70,  3.  prajdvaUl  vdcasä  be- 
zieht sich  auf  Agni  wie  VI,  16,  36  prajävad  brähtna;  vdhnir 
äsä  bedarf,  gleichfalls  auf  Agni  bezogen,  keiner  rechtfertigung. 
Auf  die  pardlele  U,  6,  8  ist  früher  schon  von  mir  hingewiesen 
worden.  Alles  scheint  mir  so  in  guter  Ordnung,  während  der 
—  im  gegensatz  zu  der  demütigen  spräche  des  v.  1  —  pomphaft 
von  sich  redende  opferer  die  in  vv.  2 — 5  gehäuften  apostrophen 
Agni's  etwas  auffallend  unterbrechen  würde. 

Zu  V,  56,  1  hvaye  trage  ich  die  parallele  V,  43,  10  noch 
nach.  Femer  als  neuen  beleg  eines  singularischen  «-imperativs : 
VII,  7,  1  cd  bhdvä  no  diUö  adhvardsya  vidvän  \  imdnä  devifu 

aaoh  das  gleichfalls  von  Ludwig  zitirie  X,  23,  2  (hdrt)  vidi  vdtu  „(In- 
dra's  falben)  finden  sich  gntes'^  Aber  von  diesen  -a-formen  bis  sn 
uhi§e  ist  ein  weiter  weg.  —  Zar  praeteritalen  Verwendung  der  infinite 
vgl.  noch  VI,  26,  6  dAtfi  and  die  im  sinne  praeteritaler  indikative 
stehenden  konjj.  II,  11,  10  nijurvst,  V,  81,  5  äreän,  6  vihkdrai^,  VI,  17,  11 
Vifrdhän,  X,  74,  4  Utfisän  (während  I,  68,  9  iröfon,  YII,  68,  7  pärfoi  als 
thematische  indikk.  gelten  können,  vgl.  o.  7,  242). 


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Vedisch  stufe.  267 

vivide  mitddruh  „sei  unser  opferkundiger  böte,  finde  in 
schnellem  lauf  bei  den  göttem  dich  ein*^ 

Eine  reibe  mit  -8-  gebildeter  e-infinite  reiht  sich  an:  V, 
13,  6  d  rddha^  cUrdm  rfijase  „ausgezeichnete  spende  verschaff 
uns,  Agni*'  (anders  Geldner  Ved.  stud.  3,  35);  VI,  22,  9 
dhi^d  vdjram  ddk^ine,  vUvä  dayase  vi  mäyah  „nimm  den 
keil  in  die  rechte,  vernichte  alle  truggestalten''  (in  dem  genau 
parallelen  VI,  18,  9  steht  abhi  prä  manda  (nicht  „ziehe  los 
gegen",  sondern  transitiv :  „schlage  in  die  flucht'*)  an  der  stelle 
von  dayaae);  VIII,  93,  19  käyd  tvdm  na  tUyä  abhi  prd  man- 
da se  (et^a  „mit  welcher  hülfe  wirst  du  zu  uns  eilen"  (vgl 
Geldner  Ved.  stud.  2,  133)  enthält  das  zu  abhi  mandasanäh 
(v.  21)  gehörige  infinitum  (cf.  rfijase  :  rfijasändh)  ^),  das  hier 
konjunktivisch  verwendet  ist  (cf.  v.  20  käsya  suU  sdcä  rantU); 
VlU,  4,  10  nimighamäno  (simam)  divi-dive  \  öjiftham  dadhi^e 
sähah  kann  hierher  gehören  („täglich  den  soma  in  dich 
giessend  gewinne  gewaltigste  kraft"),  da  dieser  wünsch  an  die 
vorangehenden  d  gahi  ptba  simam  sich  angemessen  anschliesst 
und  die  ezistenz  eines  inf.  dadki^e  anderweit  gesichert  ist,  vgl« 
oben  und  V,  45,.  11  dhiyam  vo  apsü  dadhi^e  avar^am  (cf.  VII, 
34,  10)  „richtet  auf  die  wasser  eure  erfolgreiche  andacht" 
(diese  stelle  ist  o.  20,  59  nachzutragen);  X,  50,  5d  (.  6a) 
eiä  sdvanä  tütuma  kr§e  ist  von  Bartholomae  IF.  2,  280  mit 
recht  imperativisch  („mach  diese  pressungen  wirksam")  ge- 
nommen worden,  während  desselben  gelehrten  Interpretation 
von  V,  58,  1  8tu8e  im  sinne  einer  2.  sg.  iropt.  zweifelhaft  ist: 
8tu§e  kann  auch  hier  wie  sonst  (s.  u.)  pluralisch  gefasst  werden. 
Näher  liegt  singularische  Übersetzung,  die  Ludwig  Inf.  i.  V. 
(s.  75  a.  £.)  vorschlägt,  in  VUI,  23,  2,  doch  ist  auch  hier 
pluralische  interpretation  in  passivem  sinn  zulässig:  „und  ge- 
priesen seien  die  wagenstreiter".  Singularisch  nehme  ich  X, 
93,  9  sd  ca  stuae  maghönäm  „lass  unter  den  gabenspendern 
dich  preisen",  vgl.  V,  10,  7  stdvase  (konj.)  ca  nah. 

Mit  X,  93,  9  berührt  sich  inhaltlich  V,  33,  6  präryd 
stu^e  tuvimaghdsya  ddnam  „zu  preisen  sei  des  trauten  Spen- 
ders gäbe",  wo  stuae  als  imptv.  3.  sg.  vorliegt.  Das  ist  auch 
der  fall  —  ich  berichtige  hiermit  meine  früher  gegebene  dar- 

1)  V,  38,  S  a  yamase  „halte  an  dich"  kann  mit  yanuuSnä-  ver- 
einigt werden  (yamas-e)  oder  mit  konj.  yamaU  {yanuk'9e). 


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268  W.  Neisser 

Stellung  —  in  I,  122,  7  stu^e  sd  väm  —  rat{h  (cf.  X,  143,  4, 
cit6  tdd  vam  —  räUh),  8  asyd  stu^e  mähimaghasya  rädhcA, 
VIII,  63,  3  0  $tu^i  tdd  asya  pdunsyam;  mit  der  letzten  stelle 
hat  Ludwig  Inf.  75  (vgl.  Bartholomae  a.  a.  o.)  VHI,  3,  20 
=  32,  3  krpi  tdd  Indra  pdunsyam  „gerühmt  sei,  Indra,  diese 
heldentat*^  zutreffend  zusammengestellt  und  die  weeentliche 
Identität  von  hr^i  und  cdrkr^e  erkannt  Vgl.  Bartholomae 
0.  13,  78,  Foy  KZ.  34,  238,  deren  Interpretationen  im  ein- 
zelnen der  Verbesserung  bedürfen.  carhr§e  ist  X,  74,  1  im 
sinne  der  1.  sg.  verwendet:  „ich  rühme  die  Vasu^S  dag^en 
X,  22,  1;  105,  4  auf  die  3.  sg.  bezogen,  im  ersten  belege  in 
gewöhnlicher  bedeutung  „er  werde  gerühmtes  im  zweiten  in 
jener  praegnanten  bedeutung  „rühm  erwerben  (im  sport)",  d.  L 
„schnell  vorwärts  kommen",  die  ich  o.  17,  251  ff.  für  carkarmi 
und  mehrere  Synonyma  nachgewiesen  habe,  vgl.  besonders  X, 
22,  4  8to^  dävä  „lass,  Indra,  wie  zum  preise,  die  rosse  schnell 
laufen''.  Danach  X,  105,  4  sdcä  yir  rndraä  cdrkr^  dn  ups^ 
nasdh  Baparydn{tam)  „mit  denen  (den  rossen)  Indra  schnell, 
wie  zum  preise,  eilt  zur  einkehr  beim  Verehrer'*  (vgl.  —  von 
carkr^e  abgesehen  —  Fischöl  Ved.  stud.  I,  197).  carkr^e 
auch  hier  Imperativisch  zu  übersetzen  („er  eile**),  verhindert 
das  parallele  pdpaje  in  v.  3,  für  welches  indikativische  auf- 
fassung  anzunehmen  ist.  —  Auf  die  3.  sg.  können  femer  be- 
zogen werden  VII,  96,  1  brhdd  u  gdyi^e  vdco  asuryä  nadtnäm 
„ein  mächtiges  lied  erhalte  gesungen  die  herrin  der  ströme'^ 
und,  um  noch  gleich  dem  schon  genannten  cUi  -^lose  bildungen 
anzufügen,  X,  13,  1  yuj4  vam  brdhma  pürvydm  ndmobhih  „ge- 
rüstet werde  euch  ein  vorzüglicher  spruch**,  VII,  97,  2  Brha^ 
spdtir  no  maha  d  sdkhäyah  „B.  werde  von  uns  gefeiert**. 

Aus  der  zahl  der  pluralischen  belege  hebt  eine  gruppe 
von  nahezu  30  in  meiner  früheren  abhandlung  ^)  verzeichneten 
Sätzen  sich  ab,  in  denen  das  pron.  vah  den  «-infinitis  voran- 
geht, was  Bartholomae  (für  einige  dieser  ^tze)  und  ich  als 
bestätigung  des  pluralischen  Charakters  der  verbalform  und 
ihrer  beziehung  auf  die  2.  person  betrachten.    Delbrück  Vgl. 

1)  Fuge  hinza:  X,  101,  9  a  oo  dhiyafh  yqflUyoth  varta  ütdye.  Da- 
gegen ist  VI,  48,  1  däkfOBs  seines  akzentes  wegen  besser  zu  den  eigent- 
lichen infinitiven  sn  rechnen;  nimmt  man  es  rein  verbal,  so  ist  die 
cäsur  zur  erkiämng  der  betonung  heranzuziehen. 


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Vedifioh  stu^e. 

synt.  2,  446  hält  dagegen  unter  zastiminaiig  Oldenbergs 
a.  o.  309  vcA  für  durchweg  bedeutungslos  und  untauglich,  über 
den  Charakter  der  sPu^e  u.  s.  w.  gültiges  zeugnis  abzulegen. 

Es  ist  nicht  zu  leugnen,  dass  die  Verwendung  von  pah  in 
einigen  rgvedischen  belegen  den  Interpreten  ein  kleines  problem 
stellt.  Geht  man  die  einzelnen  falle  durch,  so  yermisst  man 
einmal  (A)  ein  nomen,  von  dem  man  vah  regiert  denken 
könnte,  anderswo  (B)  folgt  auf  pah  eine  andere  verbalform 
ab  die  erwartete  2.  plur.  Gelegentlich  kann  A  mit  B  kom- 
binirt  sein. 

A.  I,  37,  1  krildm  pah  sdrdho  M&rutam  —  abhl  prä 
gOyata,  HI,  13,  3  Äguim  Uim  po  äuvasyata,  I,  122,  4  prd  po 
Ndpätam  apdm  krnuMpatn,  YU,  36,  8  prd  vo  maiim  Ardma^ 
Um  krnudhvam,  V,  41,  öprd  po  Rayim  yulUdaäpam  bharadhpam^ 
Vm,  49  (—  Vftl.  1),  1  abhi  prä  pah  —  I'ndram  arca  ydtha 
pidi.  liier  befindet  sich  pah  in  Übereinstimmung  mit  dem  ver- 
balen praedikate,  als  welches  in  allen  sechs  fallen  ein  imptv. 
2.  plur.  oder  der  Vertreter  ^)  eines  solchen  fungirt  Aber  es 
fehlt  ein  nomen,  zu  dem  der  casus  obl.  pah  in  beziehung  ge- 
setzt werden  könnte.  Man  hüte  sich,  dasselbe  in  den  neben 
pah  stehenden  göttemamen  zu  suchen  und  etwa  „eure  Marut- 
schaar^*,  „diesen  euem  Agni"  u.  s.  w.  zu  übersetzen.  Obwohl 
diese  art  der  Übersetzung  allgemein  gebräuchlich  ist,  glaube 
ich,  dass  sie  nicht  nur  in  den  obigen  belegen,  sondern  durchweg 
im  RV.  aufgegeben  werden  sollte.  Vergegenwärtigt  man  sich 
Sätze  wie  folgende  dem  YII.  buche  entnommene:  3,  1  Ägnim 
PO  dütdm  adhpari  krnudhvam,  4,  1  prd  pah  iukrdya  bhär 
ndve  hapydm  matim  ca  Ägndye,  31,  1  prd  pa  Tndräya 
mädanam  —  gäyata,  31,  10  prd  po  mahi  bharadhpam  prd 
sumaUm   hrnudhpam,   34,  9    abhi  po  dhiyam  dadhidhpam, 

1)  Als  Vertreter  von  areata  darf  area  im  letsten  belege,  wie  in 
VIII,  69,  4,  angesehen  werden,  vgl.  X,  101,  10  s^Usa  neben  iakfoia  «oa- 
fadh9am  yunakUif  12  i  eySvaya  neben  dadhätana  eodaytUa  khudata  nnd 
das  oben  20,  56  a.  E.  bemerkte  (ebenda  58  über  I,  143,  4  himshi).  So 
UI,  18,  Iprd  va^--  hdrhiffham  aroSamai  (of.  III,  12, 5),  VI,  16,  22  prä  va^ 
Mokhäyal^  —  ärea  gaya  ea  (of.  VI,  45,  4),  X,  50,  1  prd  vo  mah6  mdndth 
mänäya  ändhaao  area  (cf  I,  62,  2),  X,  76,  5  i  vah  —  arca  (of.  1  i  va 
rVo9e),  vm,  46,  14  abM  vo  Vtrdm  —  gäya,  V,  25,  1  dehä  vo  AgrUm 
dvas0  dmubk  gUi^  wohl  auch  VI,  45,  22  tdd  vo  gdya  auU  saeä  (obwo^ 
in  V.  16  Uuhi  vorangeht). 


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270  W.  Neisser 

fri  vo  devaträ  väcarh  krnudhvam,  so  findet  man  nicht  götter- 
namen,  sondern  ganz  andere  begrifife  mit  vah  Terknüpft.  Diesen 
beispielen  aus  buch  VII  lassen  sich  gleichartige  aus  allen  teilen 
des  RV.  anschliessen.  Rechnet  man  dazu  fälle,  wie  VI,  48,  1 
lad  va  ukthasya  barhdnä  tndräyopcutnflifdni,  wo  ein  impe- 
rativischer infinitiv  auf  vah  folgt,  so  dürfte  ihre  zahl  auf  drei 
dutzend  sich  belaufen.  Würden  meiner  auffiissung  gemäss  auch 
die  Sätze,  in  denen  stu^e  u.  s.  w.  auf  vah  folgen,  berücksichtigt, 
so  ergäbe  sich  eine  noch  erheblich  grössere  zahl.  Doch  scheiden 
wir  diese  strittigen  sätze  aus  der  betrachtung  aus.  Auch  so 
steht  fest,  dass  vers-  oder  satzanfange  wie  Agnifk  vo  düidm, 
prd  vah  äukrdtfa,  prc  va  rndraya  u.  s.  w.  durch  den  RV.  ver- 
breitet waren  und  dass  diesen  anfangen  regelrecht  eine  fort- 
setzung  folgte,  die  das  zu  vah  gehörende  bezugnomen  (das  kein 
göttemame  war)  enthielt  Da  ist  leicht  verständlich,  dass  ge- 
legentlich die  anfangsformeln  sich  verselbständigten  (zunächst 
etwa  unter  hinzudenkung  des  zu  vah  gehörenden  nomen),  wo 
kürzerer  ausdruck  bedürfnis  war.  So  lassen  die  sechs  unter  A 
gegebenen  belege  eines  defektiven  typus  auf  den  normaltypus, 
der  vah  mit  imperativ  und  nomen  verbunden  zeigt,  sich  im 
prinzip  zurückfuhren.  Ja  die  kürzung  lässt  sich  noch  am  ein- 
zelnen falle  wahrscheinlich  machen.  Der  letzte  der  unter  A 
verzeichneten  belege  ist  eng  verwandt  mit  VIII,  69,  4  abhi  prd 
gdpatirn  gird  \  I'ndram  arca  ydihä  vidi-,  hier  ist  das  gird  er- 
halten, das  wir  in  obigem  abhi  prd  vah  —  I'ndram  area  ver- 
missen. Femer  ist  zum  vorletzten  der  obigen  belege  (V,  41,  ö 
prd  vah  —  bharadhvam)  v.  6  des  liedes  zu  vergleichen:  prc 
vah  —  krnudhvam  arkaih  {prd  bharadhvam  und  prd  krnu- 
dhvam  neben  einander  auch  Vn,  31,  10).  Durch  ergänzung  eines 
begriffs  wie  arkaih  erklärt  sich  auch  prd  vah  —  krnudhvam 
in  den  an  dritter  und  vierter  stelle  unter  A  genannten  belegen, 
die  gleich  V,  41,  5.  6  Vi^ve  devah-hymnen  entnommen  sind: 
bei  der  häufung  der  anrufungen,  aus  denen  derartige  hymnen 
sich  zusammensetzen,  werden  kürzungen  des  ausdrucks  unver- 
meidlich. Da  solcher  art  leise  fäden  sich  finden  lassen  zwi- 
schen der  isolirenden  Verwendung  von  vah  und  der  dasselbe  in 
Verbindung  mit  zugehörigem  nomen  bewahrenden,  bin  ich  nicht 
geneigt,  mit  Delbrück  Synt.  forsch.  V,  206  und  Th.  Bau- 
nack  Stud.  I  353  vah  in  obigen  fallen  die  bedeutung  einer 
verstärkenden  parükel  («^  iJTOi)  zuzuschreiben,    wodurch   der 


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Vedisoh  stuse.  271 

abstand  von  den  volle  pronominale  bedeutang  wahrenden  be- 
legen übermässig  vergrössert  würde.  Es  wird  genügen,  vah  für 
innerhalb  oft  wiederholter  satzeinleitender  formein  erstarrt  zu 
erklären,  bisweilen  scheinbar  erstarrt,  so  dass  eine  den  ein- 
zelnen beleg  mit  seinen  verwandten  und  parallelen  verknüpfende 
betrachtung  dem  wörtchen  seine  bedeutung  zurückgeben 
kann. 

B.  VI,  38,  3  tärh  vo  dhiyd  (cf.  VI,  22,  7)  abhy  änü^t 
arkaih,  VII,  2,  3  ilinyam  vah  (cf.  VII,  9,  4)  —  sddam  in 
mahema,  V,  21,  4  devdm  vo  devayajyayä  (cf.  VIII,  71,  12) 
lUta  mdrtyahi  hier  ist  vah  in  pronominaler  weise  (nicht  als 
Partikel!)  mit  bezugnominibus  verbunden,  stimmt  jedoch  an- 
scheinend nicht  zu  dem  verbum  des  satzes.  Erinnern  wir  uns 
der  freiheit  des  Personenwechsels  z.  b.  in  VIII,  24,  1  sckhaya 
d  iiaämahi  —  stu^d  ü  ^  vo  nrtdmäya  „wir  wollen  unser 
gebet  an  Indra  richten,  gepriesen  werde  von  euch  der  held'^ 
(cf.  ebenda  19  =  VIII,  81,  4  ito  nü  rndram  stdvamä)  oder 
V,  45,  11  dhiyam  vo  apsu  dadhise  («  VII,  34,  10  dadhi- 
dhvam\  ayd  dhiyd  syäma  devdgopäh  „weihet  eure  andacht  den 
wassern,  möchten  wir  durch  diese  andacht  den  schütz  der 
götter  erlangen",  so  wird  auch  der  in  obigen  belegen  zu  be- 
obachtende Sprung  in  der  darstellung  der  personen  weniger  be- 
fremden. Einer  unter  den  priestern  kann  die  genossen  in  der 
2.  pl.  sowohl  anreden  wie,  sich  einschliessend ,  in  der  1.  pl. 
{mahe^na)  zusammen&ssen;  er  kann  wohl  auch  als  einzelner  in 
der  1.  sg.  {anOfi)  sich  ihnen  gegenüberstellen  oder  in  allge- 
meiner Wendung  („der  sterbliche")  in  der  3.  sg.  {i^  mdrtyah). 
So  folgt  eine  1.  pl.  auf  vah  im  nämlichen  satze  auch  in  I,  36,  1 
prd  vah  (mit  viädm  zu  verbinden  und  dtithim  zu  ergänzen?)  — 
imahe,  VIII,  88,  1  tarn  vo  mandandm  dndhasah  —  abM  girbMr 
navämahe  sowie  VIII,  24,  18  tdm  vah  —  ahamahi,  yajfiibhir 
vävrdhSnyam.  Mit  dem  letzten  beispiele  beginnen  grössere 
Schwierigkeiten  sich  einzustellen.  In  ihm  könnte  vah  mit 
yaj^iSbhir  verbunden  werden:  „wir  rufen  ihn,  der  durch  unab- 
lässige Opfer  von  euch  zu  erfreuen  ist".  Aber  eine  gleiche 
Interpretation  ist  ausgeschlossen  in  dem  doch  nicht  zu  trennen- 
den belege  V,  64,  1  Vdrunam  vo  riäddasam  red  Mürdm  ha- 
vämahe:  hier  kann  vah  nicht  auf  red  bezogen  werden,  „wir 
rufen  mit  euerm  lied"  wäre  widersinnig.    Ein  zu  vah  gehören- 


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272  W.  Neisser 

des  bdzugnomen  fehlt  ^),  wie  oben  in  den  belegen  des  typus  A» 
in  IV,  16,  16  tdm  id  va  Fndram  suhdvam  huvema,  VI,  19,  4 
tarn  va  Indram  —  huvema.  Hiernach  wird  auch  VIII,  24,  18 
tarn  vc^  {Tndram)  —  ahümahi  für  sich  allein  za  nehmen, 
yajfiibhir  vävrdhinyam  von  vah  zu  trennen  sein.  Will  man 
nicht  vah  auf  die  Yajamänäh  (vgl.  Pischel  Ved.  stud.  U  228; 
Geldner  ebenda  III  179)  beziehen  im  gegensatze  zu  den  jeden- 
falls auf  die  priester  bezüglichen  verben  huvema  havamahe  ahü- 
mahi (wie  zuvor  navamahe  imaA«),  wodurch  der  Personenwechsel 
sachlich  zu  begründen  wäre  (cf.  auch  VIII  45,  28!),  so  wird 
vah  hier  ähnlich  wie  in  den  belegen  des  typus  A  ab  in  der 
Satzeinleitung  formelhaft  eingeschlossen  zu  betrachten  sein. 

Diese  ')  belege  des  typus  B  sind  es,  denen  im  sinne  Del- 
brücks, dem  Oldenberg  sich  anschliesst,  die  falle  anzu- 
reihen wären,  in  denen  stu^e  u.  s.  w.  auf  einen  vcA  ein- 
schliessenden  satzanfang  folgen.  Da  beiden  gelehrten  stuse  und 
genossen  in  der  grossen  mehrzahl  der  belege  als  1.  sg.  gelten, 
so  würde  in  den  fraglichen  fallen  zwischen  vah  und  dem  satz- 
praedikate  ein  ähnlicher  Personenwechsel  wie  in  den  soeben 
besprochenen  belegen  zu  konstatiren  sein.  Aber  die  ähnlich- 
keit  wird  durch  eine  grössere  unähnlichkeit  ihrer  beweiskraft 
beraubt  Sehen  wir  von  X,  106,  4  (api  vah  —  gami^fam)  ab, 
dessen  Situation  von  der  den  anderen  belegen  des  typus  B  zu 
gründe  liegenden  ebenso  verschieden  ist  wie  von  derjenigen  der 
belege   von  stuae  u.  s.  w.   und  darum  sich  nicht  eignet,    das 

1)  Ebenso  anscheinend  in  X,  106,  4  äp^  vah  —  gamiB^am  (Roth 
ZDMG.  48,  118). 

2)  Zu  streichen  ist  Baunacks  (a.  a.  o.)  beispiel  VIII,  26,  16 
tdtya  vratani  dnu  vai  earaman  (der  einzige  faU,  in  dem  bedentungloees 
vah  ausserhalb  des  satzanfangs  stehen  würde),  mit  vah  sind  die  v.  16 
genannten  ndra^  angeredet.  Zu  dem  spränge  von  vah  zn  tüno,  an  dem 
Ca  1  and  Synt.  d.  pron.  59  *  anstoss  nimmt,  in  VIII,  19,  7  »uagnäpo  vo 
agnibhü^  syama  Müno  Mhasa]^  ist  der  Personenwechsel  in  IV,  2,  8  anidr 
lyase  —  yuftnaiM  ea  dwan  vUa  tt  ca  mdriän  „dn  gehst  einher  zwischen 
enoh  göttern  and  den  menschenstämmen*'»  VII,  95,  5  ima  [havyim] 
iühvSnä  yufmdd  ä  —  jufaMva  „diese  spenden  von  euch  empfangend 
koste'*  zu  vergleichen :  va^  darf  wie  ytt^man,  yuftndd  in  pronominaler 
geltung  genommen  werden.  Delbrück  hat  I,  62,  2;  122,  1;  127,  1 
(die  letzte  stelle  aach  ich  a.  o.  64  anm.)  irrig  herangezogen,  vah  hat  in 
allen  drei  fallen  pronom.  bedentong.  —  An  stellen  wie  V,  7,  l;  VIII 
69,  la;  70,  8;  71,  12.  X,  92,  1;  115,  8  ist  ein  imptv.  2.  pl.  oder  ein 
inf.  neben  vah  zu  ergänzen. 


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Vedifich  du^e.  273 

gegenseitige  verliältniB  beider  belegkategorien  aufzuhellen,  bo 
bleiben  für  typus  B  neun  beispiele  übrig.  In  ihnen  finden  wir 
mit  wih  verbunden  siebenmal  eine  1.  pl.  (mahetna  imahe  na- 
vömahe  ahütnahi  havämahe  huvema*)^  je  einmal  eine  1.  sg. 
(anu^  und  eine  3.  sg.  (flUa).  Also  die  Verbindung  von  vah 
mit  einem  verbalen  singular  stellt  eine  ausnähme  dar,  die* 
jenige  mit  einer  1.  plur.  ist  häufiger  zu  finden  und  obendrein, 
wie  oben  nachgewiesen,  durch  parallelen  zu  stützen,  in  denen 
einer  verbalform  der  2.  plur.  eine  solche  der  1.  plur.  unmittel- 
bar sich  anschliesst.  In  schärfistem  gegensatze  hierzu  würden 
stu^e  und  genossen  nahezu  dreissigmal  als  1.  sing,  mit  vah 
verbunden  erscheinen.  Die  annähme,  dass  vah  in  den  belegen 
der  fraglichen  «-formen  bedeutungslos  sei,  wird  mithin  durch 
eine  prüfung  des  sonstigen  auftretens  des  anscheinend  oder 
tatsächlich  irrationalen  vah  nicht  bestätigt,  sondern  in  anbe- 
tracht  der  dargelegten  Zahlenverhältnisse  zu  fall  gebracht.  Die 
grosse  masse  der  vah-helege  kann  stuse  u.  s.  w.  als  1.  sing, 
nicht  enthalten;  nur  im  vereinzelten  falle  wäre  eine  derartige 
Verwendung  denkbar,  wie  einmal  auch  die  1.  sing,  anü^i  neben 
vah  uns  begegnet  ist. 

Die  raA- belege  von  du^e  u.  s.  w.  gleichen  den  belegen  mit 
vah  verbundener  imperative  2.  pl.  oder  gleichbedeutender  infi- 
nitive  so  genau,  sind  auch  durch  andere  indizien  so  deutlich 
als  pluralisch  gekennzeichnet,  dass  schwer  verständlich  wäre, 
wie  sie  verkannt  werden  konnten,  wenn  nicht  die  bisweilen  ein- 
getretene umdeutung  zur  1.  sg.  von  der  richtigen  erkenntnis 
abgelenkt  hätte.  Wodurch  unterscheidet  sich  VI,  15,  1  imäm 
ü  fü  vo  diithitn  —  rfijase  girä  (cf.  4  dyiUändm  vo  dtithim- 
rfijase)  von  6  priydm-priyam  vo  dtithim  grnfpdni?  Wo- 
durch II,  16,  1  prd  vah  satdm  jyi^fhaiamäya  suffuHm  — 
havir  bhare  *)  von  VI,  67,  1  vUvesäm  vah  saidm  jyisfhatamä 
g%rbhir  vävrdhddhyai?  Warum  X,  101,  1  dvase  nf  hvaye 
vah  in  gegensatz  bringen  zu  allen  imperativen,  zwischen  denen 
es  steht,  während  dvase  vah  zu  vollem  rechte  gelangt,  sobald 
hvaye  im  sinne  eines  plur.  genommen  wird?  VIII,  31,  14  ist 
vah  —  ile,  dem  VIII,  23,  7  vcük  —  huve  grne,  vahk  —  stu^e 
parallel   laufen,   mit  saparydniah  verbunden,   ebenso    VIII, 

1)  Diese  stelle  wird  von  Oldenberg  als  beleg  eines  mit  «o^  ver- 
bundenen indik.  1.  sg.  zitirt. 

Dttitzfige  z.  künde  d.  indg.  spraolien.    XXVU.  18 


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274  W.  Neissöi* 

74,  1  vah  —  8tt4^e  und  I,  30,  1  vah  —  sifice  mit  vajdyantah, 
Willy  66,  1  vah  —  huve  mit  gdyantah,  I,  142,  5  vrfijf  mit 
strnänäsah.  Zur  entkräftnng  des  aus  diesen  partizipien  auf  die 
^-formen  zu  ziehenden  Schlusses  erinnert  Delbrück  Vgl. 
synt  2,  447  an  das  II,  11,  4  unabhängig  stehende  vardhdyan^ 
tcL^i  so  seien  auch  aaparyantah  u.  s.  w.  nicht  notwendig  mit 
den  e-formen  eng  zu  verbinden.  Es  ist  richtig,  dass  dergleichen 
vorkommen  kann,  wenn  auch  sichere  belege  rar  sind  (II,  38,  10 
vajdyantah  kann  über  Ndrä^dnsah  —  avyäh  hinweg  mit  syäma 
verbunden,  YII,  34,  16  sfdan  vielleicht  als  Vertreter  von  9i^ dan-- 
tarn  angesehen  werden);  aber  was  in  einem  satze  zutrifft,  kann 
in  einem  anders  gebauten  sehr  unwahrscheinlich  sein.  Delbrück 
hat  übersehen,  dass  der  Verfasser  des  liedes  II,  11  die  caprice 
hat,  jeden  vers,  bisweilen  mehrere  Päda  desselben  verses  mit 
einem  auf  -ant  oder  -äna  ausgehenden  partizip  (in  10.  11 
sutdsya,  sutdsah)  zu  beschliessen:  1  k^drantak,  2  c  manyamOfiam, 
d  vävrdhändh,  3  c  tnandasändh,  4  a  vardhdyantak,  b  dddhänäh, 
c  vävrdhändh,  5  b  k^ydntam,  c  tastabhvänsatn  u.  s.  w.  u.  s.  w. 
bis  einschliesslich  v.  19,  nur  in  16  stehen  brhdntah,  strnändnah 
nicht  am  ende,  sondern  am  anfang  des  Pada;  in  18  setzt  das 
prinzip  aus;  in  20,  dem  eigentlichen  schlussverse  ist  vielleicht 
Trit&sya  den  oben  genannten  autdsya,  sutäsah  an  die  seite  zu 
stellen.  D.  wird  einräumen,  dass  ein  diesem  liede  entnom- 
mener partizipialbeleg  nicht  geeignet  ist,  das  urteil  über  die 
konstruktion  der  von  mir  vorgeführten  fünf  belege  zu  beein- 
flussen, in  deren  jedem  eine  abtrennung  des  mit  vah,  bez.  der 
e<form  harmonirenden  partizips  den  satz  kläglich  zerreissen 
würde.  —  Wenn  endlich  gegen  meine  konstatirung,  dass  durch 
anerkennung  des  pluralischen  Charakters  von  stu^e  u.  s.  w.  in 
vielen  belegen  die  mit  diesen  formen  verbundenen-  plurale 
girbhih  süktaih  äo^aih  u.  s.  w.  erst  in  das  rechte  licht  gestellt 
werden,  von  D.  eingewendet  wird,  dass  solche  pluralische  nomina 
auch  mit  singularischen  verbalformen  verknüpft  werden  können, 
so  ist  das  quantitätsverhältnis  nicht  in  anschlag  gebracht:  in 
solcher  häufigkeit  wie  immer  wieder  neben  stt^e  und  genossen 
sind  pluralische  termini  neben  singularischen  verben  nicht  zu 
finden;  die  kategorie  der  e-infinita  wird  daher  durch  diese 
häufigkeit  als  pluralisch  bestätigt;  nur  im  einzelfalle  würde, 
das  räume  ich  ein,  Delbrücks  einwand  gelegentlich  geltend  ge- 


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Vedisch  du^e.  275 

macht  werden  können,  wenn  nicht  andere  erwägungen  die 
pluralische  interpretation  der  fraglichen  verbalform  empfehlen. 
Ich  hofife  erwiesen  zu  haben,  dass  die  in  rede  stehenden 
6-formen  nicht  vorhistorisch,  was  Oldenberg  als  möglich 
gelten  lässt,  sondern  an  zahlreichen  stellen  des  rgvedischen 
textes  als  infinita  sich  ergeben.  Als  solche  sind  sie,  was  Bar- 
tholomae  und  Delbrück  durchweg  verkannt  haben,  von  den 
eigentlichen  infinitiven  zu  unterscheiden  (vgl.  oben  20,  74  ^)  ^). 

1)  Den  Vorschlag  Foys  KZ.  84,  287,  die  enklitisch  überlieferten 
e-formen  mit  akzenten  zu  versehen,  begnüge  ich  mich  hiermit  zu  er- 
wähnen. Das  auch  sonst  in  textänderungen  oft  abenteuerlichsten  ge- 
prages  sich  dokumentirende  Unvermögen  dieses  Schriftstellers,  den  Hgveda 
so  wie  er  ist  zu  interpretiren ,  findet  ein  drastisches  seitenstück  und 
eine  psychologische  Illustration  in  seiner  behandlung  eines  —  modernen 
textes.  Foy  bespricht  meinen  aufsatz  vier  Seiten  hindurch,  ohne  ihn 
völlig  gelesen  zu  haben.  Er  stellt  a.  o.  286  als  ergebnis  desselben  hin, 
dass  die  «-infinite  im  Yeda  ausschliesslich  pluralisch  verwendet  werden 
im  gegensatze  zu  ihren  singrularischen  griech.  entsprechungen.  Foy  hat 
also  die  Seiten  69  und  70  meines  aufsatzes  übersehen,  in  denen  ich  die 
singularische  Verwendung  der  ved.  «-infinite  nachweise,  die  Wichtigkeit 
dieser  Verwendung  für  beurteilung  des  gesammtproblems  ausdrücklich 
(mit  hervorhebuDg  durch  Sperrdruck)  betone,  nebenbei  über  ursprüng- 
liche pluralische  funktion  der  fraglichen  form  im  Griech.  eine  Ver- 
mutung vortrage!  Femer  behauptet  Foy  a.  o.  286,  dass  die  echten 
(akzentuirten)  infinitive  von  mir  mit  stillschweigen  übergangen  worden 
seien;  er  findet  den  mut  hinzuzufügen,  es  sei  dies  deshalb  geschehen, 
weil  dieselben  meiner  über  itu^e  u.  s.  w.  vorgetragenen  ansieht  nicht 
entsprechen.  Foy  würde  auf  diese  insinuation  verzichtet  haben,  wenn 
er  s.  74  meines  aufsatzes  gelesen  hätte.  Die  echten  infinitive  sind  von 
mir  nicht  übergangen,  sondern  als  grundlage  der  enklitischen  formen 
anerkannt  worden,  obwohl  die  anerkennung  sich  erübrigte,  da  sie  selbst- 
verständlich ist:  der  von  Foy  konstruirte  Widerspruch  zwischen  meiner 
aufifassung  von  »ttise  und  der  Verwendung  allgemein  anerkannter  infini- 
tive liegt  in  Wirklichkeit  ja  gar  nicht  vor.  Wenn  iiufe  und  genossen 
in  meinem  aufsatz  zunächst  als  imperative  eingeführt  werden,  so  ge- 
schah es  nach  dem  nämlichen  grundsatze,  dem  zufolge  gr.  ßovUvCiu^ 
lat.  UgimifU  als  imperative  allgemein  bezeichne!  werden:  über  den  Ur- 
sprung der  form  wird  durch  diese  einen  gegebenen  tatbestand  beschrei- 
benden termini  nichts  ausgesagt.  Wohl  aber  ist  nach  darlegung  der  im 
ved.  tezt  uns  nächsterreichbaren  imperati vischen  geltung  von  »t%tf€  und 
genossen  auch  ihr  infiniter  Ursprung  eingehend  von  mir  gewürdigt 
worden.  Gegenüber  der  bestimmtheit ,  mit  der  Foy  seine  sätze  hinzu- 
stellen pflegt,  schien  es  mir  von  allgemeinem  interesse,  an  flagranten 
beispielen  den  grad  der  ihnen  innewohnenden  verlässlichkeit  festzulegen. 

18* 


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276  W.  Neisser 

stu^e  und  genossen  gehören  ihrer  betonnng  nach  zum  yerbum  % 
echte  Infinitive  zum  nomen.  Der  §  149  in  Delbrücks  Vgl. 
synt  II,  der  die  abgrenzung  des  infinitivs  gegen  das  verbum 
finitum  behandelt,  ist  völlig  umzugestalten.  Insofern  äu^e  zur 
1.  sg.  umgedeutet  ist,  gehört  es  in  die  betrachtungen  des  an- 
gezogenen Paragraphen  überhaupt  nicht  hinein.  Nicht  stufe 
als  1.  sg.,  sondern  als  enklitisch  gewordener  infinitiv  ist  dem 
nominalbetonten  infinitive  gegenüberzustellen,  in  der  akzentuellen 
differenzirung  ist  die  abgrenzung  des  verbum  gegen  das  nomen 
beschlossen. 

Mit  der  akzentuellen  Scheidung  von  sta^S  :  stu^e  ist  eine 
funktionelle  naturgemäss  verbunden  zu  denken.  Zunächst 
offenbar  die,  dass  stu^e  mit  dem  verlust  des  nominalen  ak- 
zentes  auch  den  der  nominalen  funktion  erlitt:  „ich  verlange 
nach  preis*^  kann  nicht  durch  vifni  stu^e,  sondern  nur  durch 
vimi  stufi  (vgl.  VIII,  4,  17)  ausgedrückt  werden.  Wichtiger 
als  dieser  negative  umstand  ist  die  tatsache,  dass  das  rein 
verbale  slu^e  in  die  sphäre  des  medium  bezogen  worden  ist 

Durchmustern  wir  die  s in gul arischen  Verwendungen 
von  stu^e  und  genossen  (oben  s.  266  ffl),  so  gehören  huve  und 
hvaye  „rufe",  rfijaae  y^erstrebe",  dayase  „zerteile"  zu  verben, 
die  auch  sonst  häufig  oder  ausschliesslich  medial  flektiren. 
Wird  VIII,  23,  2  stu^e  als  imptv.  2.  sg.  („preise'^)  interpretirt, 
so  ist  zu  erinnern,  dass  1.  sg.  stavai  und  1.  sg.  agto^i  mehr- 
fach in  aktiver  bedeutung  vorliegen,  so  dass  auch  bei  aktiver 
Übersetzung  die  form  stuae  als  medial  behauptet  werden  kann. 
Dasselbe  gilt  für  X,  50,  d.  6  advanä  t&tumd  kr^e  „mach  die 
Pressungen  wirksam":  das  PW.  verzeichnet  unter  kar  15) 
mehrere  fälle,  in  denen  das  medium,  wie  an  unserer  stelle 
kf^By  mit  doppeltem  akk.  „eine  sache  oder  person  zu  etwas 
machen"  bedeutet,  vgl.  aus  dem  RV.:  III,  43,  5.  V,  30,  8. 
An  der  stim  tragen  ihre  medialbedeutung  X,  93,  9  stu^e  „lass. 
dich  preisen",  VIII,  4,  10  dadhi^e  „lege  dir  bei"  sowie  vävrdhe 
„stärke  dich",  vivide  „finde  dich  ein" ;  mandaae  wird  durch  das 

Ihm  in  einzelheiten  Ea  folgen  erübrigt  sich  dnrch  das  oben  im  tast 
gesagte. 

1)  Oldenberg  würdigt  dies  voUanf,  rückt  aber  «Inf«,  indem  er 
es  SU  den  praesensformen  stellt,  zu  weit  ab  von  den  echten  infinitiven, 
von  denen  es  doch  dnrch  akzentnelle  differensimng  nor  leise  g^ 
schieden  ist. 


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Vedisoh  stu^e.  277 

benachbarte  mandasändh  ausgewiesen«  Die  auf  die  3.  sg.  be- 
zogenen infinita  stehen  meist  passivisch :  stu^e  „werde  gepriesenes 
kr^e  f, werde  gerühmt'*  (ähnlich  X,  22,  1;  105,  4  cdrkr§e\ 
gäyi^e  ,,werde  besangen",  ciU  „werde  bemerkt'S  yuji  „werde 
gerüstetes  mähe  „werde  gefeiert'';  in  praeteritaler  fnnktion 
VI,  11,  5  vHiji  „wurde  hingeworfen",  I,  62,  9  dadhi^e  „ist  ge* 
legt"  (event.  X,  96,  10  dadhi^e  „hat  sich  beigelegt").  Sollte 
I,  128,  6  havydm  öhi^e  auf  die  3.  sg.  zu  beziehen  sein  (=<=  „er 
fährt  das  opfer  zu  den  göttern'^),  so  wäre  zu  berücksichtigen, 
dass  auch  sonst  das  medium  vahate  ,jmdm.  etwas  zuführen" 
bedeutet,  so  V,  53,  13.    VIII,  26,  23. 

Unter  den  pluralischen  belegen  würde  Ym,  23,  2  riu^e 
event  passivisch  zu  interpretiren  sein,  wie  oben  bemerkt.  Von 
den  anderen  pluralischen  belegen  zeigt  ein  teil  formen,  deren 
zugehörige  praesentien  zwar  von  uns  aktiv  übersetzt  werden, 
aber  sei  es  häufig,  sei  es  durchweg  medial  flektiren:  huve 
hvaye,  %fe,  Hijdse;  ein  anderer  teil  formen,  in  denen  ein  re- 
flexives oder  neutrales  medium  zu  tage  tritt:  V,  45,  11  dhiyam 
vo  ap9Ü  dckdhi^e  „lenkt  euern  frommen  sinn  auf  die  wasser", 
X,  19,  7  pari  vo  viSvdto  dadhe  „füllt  euch  überall",  anschei- 
nend auch  vivak^aae  im  refrain  X,  21 ;  24;  25  (.,kräftigt  euch"?); 
der  grösste  teil  bietet  überwiegend  aktiv  flektirenden  verben 
angehörige  formen,  deren  medialität  als  exponent  kollektiver 
funktion  zu  betrachten  ist. 

Gegen  die  aufstellung  eines  kollektiven  medium  (o.  20,  65  ff.) 
argumentirt  Delbrück  Vgl.  synt.  2,  432  in  etwas  eigentüm- 
licher weise.  Er  übergeht  meine  herleitung  des  der  BrShma^a- 
prosa  eigentümlichen  medialgebrauches  von  stuvate  „sie  tragen 
ein  s&ma  vor"  aus  dem  kollektiven  „sie  lobpreisen  alle  zu- 
sammen"; meinen  hinweis  auf  ved.  sacate  (=  gr.  fnerai  = 
lat  sequüur)^  dessen  grundbedeutung  „zusammengehen"  sich 
kollektivisch  auffassen  lasse;  ignorirt  ved.  janghananta  >,  arcata 
gtobkaia,  grnania,  vrüjate,  marjayadhvam  (denen  ich  acht  an- 
dere mediale  imptve.  2.  plur.  anreihe),  med.  bhara-  *^,  sieamahe 
sificämahai,  janayanta^;  nur  I,  140,  3  tareie  und  III,  7,  1  sam 
earete  (ein  beispiel  unter  vielen  für  die  bekannte  regel,  dass 
sonst  aktiv  flektirende  verba  in  Verbindung  mit  sam  das  me- 
dium anwenden)  werden  zitirt  mit  dem  bemerken,  dass  D.  diese 
zwei  stellen  „nicht  sicher  zu  übersetzen  wage",  also  —  damit 
schliesst  D.  die  Untersuchung  ab,  ohne  sie  begonnen  zu  haben 


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278  W.  Neisser 

—  den  rein  kollektiven  sinn  des  medinm  nicht  finden  könne. 
S.  447  a.  e.  wird  dies  negative  ergebnis  in  die  positive  form 
gekleidet,  dass  D.  die  aufstellung  eines  kollektiven  medium  für 
verfehlt  halte. 

Die  aas  der  reihe  meiner  belege  willkürlich  von  D.  aus- 
gehobenen zwei  stellen  liegen  jetzt  in  SBE.  46  in  Oldenbergs 
Übersetzung  vor.  An  der  ersten  stelle  bleibt  der  grund  des 
anstosses,  den  D.  gefunden,  mir  unersichtlicb.  Ich  halte  tareie 
für  ein  schlagendes  beispiel  der  kollektiven  funktion  des  me- 
dium. An  der  zweiten  stelle  ist  mein  zu  buchstäbliches 
„schreiten  gemeinsam**  durch  „kommen  zusammen"  zu  ersetzen. 
An  der  grammatischen  auSassung  wird  damit  nichts  geändert. 
Ist  (pUära)  sdm  carete  zu  trennen  von  Y.  9,  5  fracaröi^s 
(pita  pufraäca)  „vater  und  söhn  schreiten  gemeinsam  vor"? 
Wird  in  letzterem  satze  nicht  das  Subjekt  als  zusammenge- 
höriges paar,  als  koUektivum  also,  durch  die  medialform  cha- 
rakterisirt? 

Über  die  beziehung  des  kollektiven  medium  zum  rezi- 
proken sei  dem  früher  (a.  o.)  bemerkten  noch  folgendes  angefügt 
hinblick  auf  modernes  empfinden  und  übersetzen.  Beide  arten 
des  medium  können  im  Deutschen  durch  Verwendung  des  be- 
gri£Pes  „einander**  verdolmetscht  werden.  Bei  dem  reziproken 
medium  ist  dieser  begriff  als  grammatisches  objekt  anwendbar: 
„sie  lieben,  hassen,  bekämpfen  einander**;  beim  kollektiven 
medium  ist  diese  anwendung  ausgeschlossen,  dagegen  kann  hier 
„mit  einander**  in  jedem  falle  bei  dem  verbum  hinzugedacht 
werden.  So  wäre  z.  b.  janghananta  bei  reziproker  bedeutung 
wiederzugeben  durch  „sie  schlugen  einander**,  bei  kollektiver 
durch  „sie  schlugen  einen  gegenständ  alle  miteinander** ;  arcata 
grnanta  astuvata  rezipr.  bedeuten:  „sie  priesen  einander**, 
während  sie  als  koUektiva  besagen:  „sie  priesen  (die  götter) 
alle  mit  einander** ;  marjayadhvam  rezipr.:  „reinigt  euch^S  koll.: 
„reinigt  (das  feuer  u.  s.  w.)  mit  einander**,  bharadhvam  rezipr. : 
„erhebt  euch**,  koll.:  „erhebet  (die  stimme  u.  s.  w.)  alle  mit- 
einander**, u.  s.  w.  •  Beide  typen  sind  so  scharf  ausgeprägt, 
dass  der  grammatiker  sie  zu  berücksichtigen  und  auseinander 
zu  halten  gezwungen  ist. 

An  diese  finiten  medialformen  kollektiver  bedeu- 
tung reihen  die  «-infinita  sich  unmittelbar  an.  Zu  stupote  gehört 
stu^e  „¥är  wollen  alle  mit  einander  (die  götter)  preisen**  oder  „preiset 


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Vedisch  stu^e.  279 

alle  mit  einander'S  zu  arcata  grnanta  treten  arcase  nnd  aree, 
grnlse  und  grne,  zu  vrfijate  :  vrfije,  zu  hharadJivam  sificämahai 
janayanta  :  bhare  siilcejanaye;  hiae  ist  etwa  mit  ahe^ta  (4  mal  in 
buch  IX)  zu  kombiniren.  Es  reiben  sich  femer  an  (belege  am 
früheren  ort)  :  dohase  (1.  pl.)  4u^e  parte  name  mande  i^e  iae 
piväse  voce  juju^e,  neben  denen  finite  media  kollektiver  funktion 
nicht  nachweisbar  sind.  Das  kann  nicht  auffallen,  da  zu  impe- 
rativischen  anrufungen,  als  deren  träger  die  «-infinite  erscheinen, 
besonders  häufige  gelegenheit  geboten  war. 

Dass  die  medialität  der  «-infinita  von  Delbrück  für 
scheinbar  erklärt,  von  Bartholomae  nicht  erwähnt  wird,  ist 
auf  den  umstand  zurückzuführen,  dass  beide  gelehrte  die  verbal 
gewordenen  infinita  von  den  nominal  fungirenden  nicht  unter- 
scheiden. Auch  ist  das  Verhältnis  stuäe  :  stöpi  von  diesen  for- 
schem nicht  in  seiner  vollen  tragweite  gewürdigt  worden.  Folgt 
doch  schon  aus  dem  hinblick  auf  die  nie  ^)  kollektiv  oder  sonst 
medial  verwendeten  sto^  und  genossen  mit  Wahrscheinlichkeit, 
dass  wie  diese  dem  aktivum,  so  stu^e  und  genossen  dem  medium 
angehört  haben,  seitdem  sie  dem  gesetz  der  verbalenklise  sich 
unterwarfen.  Oder  gibt  es  fälle,  in  denen  unzweideutig  ein 
«-infinit,  auf  eine  einzelne  person  in  aktiver  funktion  bezogen 
erscheint? 

Eine  isolirende  betrachtung  könnte  ein  auf  die  1.  sg.  be- 
zogenes imperativisches  infinitum  aktiver  bedeutung  finden  in 
VII,  8ö,  1  punt^d  väm  arak^dsam  mani^äm  söfnam  Tndräya 
Vdrunäya  jühvat  „ich  will  ein  tadellos  lied  euch  weihen", 
X,  74,  1  Vdsünäm  carkr^a  iyak^an  „die  Vasu  will  ich  rühmen" 
oder  V,  34,  9  sahasrasdm  Agniveäim  grni^e  „den  tausende 
schenkenden  A.  will  ich  preisen",  ähnl.  II,  33,  12;  aber  gegen- 
über der  grossen  zahl  der  bisher  besprochenen  stellen,  an  denen 
mediale  bedeutung  vorliegt,  würde  nur  zwingende  not  die  an- 
nähme aktiver  bedeutung  rechtfertigen.  Ein  zwang  ist  jedoch 
nicht  vorhanden,  da  die  tatsache  nicht  bezweifelt  werden  kann, 
dass  an  einer  reihe  von  stellen  (die  a.  o.  von  mir  verzeichnet 
sind,    man  füge  hinzu  X,  49,  7   rdhaJe  kr^e)  das  «-infinit  als 

1)  Dass  das  Y,  25,  1  mit  vah  verbnndene  gän  nicht  zam  koUek- 
tivnm  (gestempelt  werden  darf,  folgt  aus  den  o.  269  ^)  angezogenen 
paraUelen,  in  denen  in  gleicher  weise  gäya,  area  and  andere  singnlar- 
formen  anf  oo^  folgen  nnd  die  stelle  eines  plarals  einnehmen. 


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280  W.  Neisser    Vediscb  stuae. 

1.  8g.  indik.  praes.  behandelt   worden   ist  und    nichts  hindert^ 
den  gleichen  Vorgang  in  obigen  vier  belegen  vorauszusetzen. 

Diese  sekundäre  umdeutung  berührt  nicht  das  endergebnis 
unserer  Untersuchung,  das  dahin  formulirt  werden  kann,  dass 
die  infinitive  des  durch  stu^i  und  rfl/a« 6  gekennzeichneten 
typus  träger  medialer  funktion  wurden,  indem  sie  dem 
gesetz  der  verbalen  enklise  sich  unterwarfen.  Dass  sie 
nicht  gleichwertig  mit  beliebigen  medialformen,  sondern  nur  mit 
Imperativischen  und  praeteritalen  verwendet  werden  konnten, 
folgt  aus  der  natur  des  Infinitivs. 

Dass  die  d-losen  infinita  huve  hvaye  vavrdke  u.  s.  w.  in 
nominaler  betonung  nicht  belegbar  sind,  kann  auf  zu£all  be- 
ruhen: auch  stu^i  ist  nur  VIII,  4,  17;  24,  1,  fiijase  nur  VUI, 
4,  17  als  verbalnomen  belegt  Es  ist  kein  grund  vorhanden, 
der  ansetzung  eines  echten  Infinitivs  *huvi  zu  widerstreben, 
der  dem  X,  88,  10  belegten  bhuvi  (vgl.  U,  16,  3  paribhvi) 
entsprechen  würde.  Dagegen  werden  hvaye  bhare  arce  siflce 
viväse  u.  ähnl.  auf  nachahmung  beruhen,  wie  innerhalb  der  kate- 
gorie  der  s-infinite  die  formen  grnt^e  puni^e. 

Beide  kategorien,  die  mit  8  wie  die  ohne  8,  zeigen  die  be- 
schränkung  auf  mediale  funktion  in  der  enklise:  wie  bei  gr. 
ßovlsvaai  (Bezzenberger  GOA.  1887,  428)  hat  ersichtlich 
anlehnung  an  das  mediale  verbum  finitum  stattgefunden.  Das 
enklitische  formenpaar  sto^/atu^e  hat  den  kontrast  des  finiten 
aktivum  und  medium  zur  Voraussetzung  und  illustrirt  ihn  seiner- 
seits nur  insofern,  als  es  das  wesentliche  seiner  äusseren  form 
im  akzentwechsel  erkennen  lehrt.  Diese  erkenntnis  war  freilich 
aus  finiten  formen  der  stammabstufenden  konjugation  wie  3.  sg. 
dögdhijdugdhS  bereits  zu  gewinnen. 

W.  Nei88er. 


Phrygisches  ^). 

1.   IDie  BiHngiiis  von  IDorylaion. 
Diese  inschrift  ist   in   den   mitteilungen  des  k.  deutschen 

1)  Die  von  Ramsay  in  Eohns  zeitschr.   28,   8.  381  ff.  behandelten 
phrygiBchen  ioschrifben  aas  römischer  zeit  beseiohne  ich  als  E.  1,  E,2  a.8.w., 


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Alf  Torp    Phrygisches.  281 

Instituts,  Athen,  XXIII  s.  362  nach  abschrift  und  abklatsch 
Yon  7.  MriXiÖTSovXog  veröffentlicht  worden.    Sie  lautet: 

e . .  i&ifiovfievog 

viOiaiogyadQOTog 

€i%ovfiiTQaq>ccva 

xefiagrefiQoye 

i4}gK€novvTag 

ßagußevaTo^va 
dovfi&neoiovd' 

ßavaddoTWtOQOv 

av  TtaQe&ififjv  v6 

fiytlfUiOv  %oig  nQO" 

yeyqa/ifiivoig  &a- 

oig  x(ai)  tj  xoifif] 

L4axXf]ni6g. 

Der  veröffentUcher,  H.  von  Prott^  hat  daran  die  folgenden 
bemerkungen  geknüpft: 

„Der  anfang  enthält  offenbar  eine  bestimmung  in  phrygi- 
«cher  spräche  (participium  auf  -fievog  mit  sitov  =  i^otto).  Es 
folgen  phrygische  namen  durch  x«  «  gr.  xai  verbunden.  An- 
sprechend vermutet  A.  Dieterich,  dass  dies  die  im  griechischen  text 
als  -^soi  erwähnten  toten  sind,  deren  schütze  das  grab  anver- 
traut wird,  und  verweist  auf  die  bekannte  phrygische  sitte,  die- 
selben namen  für  götter  und  sterbliche  zu  verwenden  (Kretschmer, 
Einleitung  in  die  geschichte  der  griechischen  spräche,  s.  200,  1). 
Zu  den  namen  bemerkt  P.  Kretschmer:  MiT(fag>aTa  persich, 
wol  =  MiTQoßatrig,  lykisch  Mi^rapaia.  Mag  als  frauenname 
C.  L  G.  4411a  und  Heberdey- Wilhelm,  Beisen  in  Ealikien 
nr.  264,  scheint  als  männername  vorzukommen  bei  Heberdey- 
Ealinka,  Reisen  in  Kleinaäien  s.  37  nr.  47;  TefiQoyuog  ist 
Tembrogius,  wie  Plinius  VI,  4  den  Thymbres  nennt,  an  dem 
Dorylaion  liegt.  Zu  Ädda  vgl.  einleitung  s.  338,  zu  den  nomi- 
nativen  Oiovd'ßav{?)  und  Toqovav  das  illyrische  feqC/av  (in- 
schriften  von  Olympia  nr,  695)". 

die  drei  von  Hogarth  in  Journ.  of  Hellenio  Studies  1890,  8.  158  f.  mit- 
geteilten als  H.  1,  H.  2,  H.  8.  Zwei  abhandlnngen  von  mir:  „Zu  den 
phrygischen  inschriften  aus  römischer  zeit 'S  Ghristiania  Videnskabs- 
Selskabs  Skrifter  1894,  nr.  2,  and  „enm  Phrygischen",  daselbst  1896 
nr,  8|  eitlere  ich  der  kürse  halber  als  Phryg.  I  und  Phryg.  U. 


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282  Alf  Torp 

Seine  in  diesen  worten  angedeutete  auffassung  hat  Kretschmer 
später  (Mitteil.  d.  k.  deutsch,  inst.  XXV,  s.  445)  wesentlich 
geändert,  indem  er  jetzt  glaubt,  z.  8  das  aus  den  phrygischen 
grabschriften  'römischer  zeit  bekannte  adöcmer  erkennen  zu 
müssen.  Die  richtigkeit  dieser  aufiassung  ist  über  jeden  zweifei 
erhaben,  und  es  wundert  mich  nur,  dass  ein  so  scharfsinniger 
forscher  wie  Kretschmer  nicht  gleich  beim  ersten  blick  das 
verbum  addaxer  erkannt  hat.  Dagegen  scheinen  mir  seine 
übrigen  bemerkungen  zum  grössten  teil  nicht  zutreffend.  Er 
sagt  a.  0.:  „da  durch  die  von  Chantre,  Mission  en  Cappadoce, 
Paris  1898,  s.  169  mitgeteilte  altphrygische  inschrift,  wie  ich 
in  der  Wiener  Zeitschrift  für  die  künde  des  Morgenlandes  XIII. 
B.  359  dargelegt  habe,  erwiesen  ist,  dass  phrygisches  xb  grie- 
chischem T€,  lateinischem  que,  skr.  ca  entspricht  und  enklitisch 
nachgestellt  wird,  so  muss  Eva%aQv{a)  dovfid-  z.  6/7  das  letzte 
der  durch  x£  verbundenen  glieder  sein.  Ich  schlage  also  vor 
z.  6  ff.  zu  lesen : 

EvoTOQva- 

[g?]  dovfjL»  X«-  Oiovd^ 

ßav  addaxer  oqov 

av. 
In  MiTQa(pataf   Mag   TsfiQoyeiog^  Ilovvtaaßag   sind   doch    wol 
nicht  vergötterte  tote,  sondern  wirkliche  d-soi  zu  erkennen,  denn 
TtaQsd-ifirp^   entspricht   doch    sonstigem    Tragadldtofii  ^    das    die 
formel  einleitet,  mit  der  ein  grab  dem  schütz  der  unterirdischen 

götter  anempfohlen  wird". „Da  im  griechischen  text  zu 

Toig  mQoyeyQafi^ivoig  &€oig  hinzugefügt  ist  x(ae)  r^  xw/nfj^  so 
wird  man  auch  im  phrygischen  text  eine  erwähnung  der  xcSfitj 
suchen  und  in  dem  letzten  der  mit  xe  verbundenen  glieder, 
EvoraQva  dov^d^  erkennen  dürfen.  Sonderbar  und  im  wort- 
auslaut  wenig  glaublich  erscheint  in  dem  zweiten  wort  die  kon- 
sonantengruppe  fiS-.  Vielleicht  ist  &  verschrieben  für  O  oder 
ii  und  dovfio,  dovfia)  oder  dergleichen  zu  lesen:  dann  wäre  hier 
das  phrygische  dovfiog  zu  erkennen,  das  auf  einer  inschrift  aus 
Maionia  vom  jähre  173  nach  Chr.  in  der  bedeutung  avvodogy 
avyxltjTogy  avtußlioaig  vorkommt  und  zu  got.  dötns  „Satzung, 
gericht"  =  asl.  duma  „rat**  gehört  (Bezz.  beitr.  XIV,  s.  51, 
Kuhns  Zeitschr.  34,  s.  53).  Hier  müsste  es  xd^tj  entsprechen 
oder  etwa  „gemeinderat,  gemeindeversammelung^^  bedeuten  und 
EvaTaQva[g?]  dann  der  name  des  ortes  sein*'. 


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Phrygischee.  283 

Mit  Eretschmer  halte  ich  es  für  wahrscheinlich,  dass  S  in 
dovfiy^  feblgeschrieben  und  doviJio  oder  dovfup  zu  lesen  ist. 
Wenn  aber  Kretschmer  daraus,  dass  auf  dovfi^  ein  xe  folgt, 
glaubt  schliessen  zu  können,  dass  Evota^alg?]  dovfid'  das  letzte 
der  durch  xs  verbundenen  glieder  sein  muss,  so  kann  ich  die 
richtigkeit  dieser  Folgerung  nicht  anerkennen.  Dass  xe  nach- 
gestellt wird,  habe  ich  schon  Phryg.  1  s.  17  nachgewiesen  und 
daselbst  griechisches  r«,  lat.  que  verglichen.  Allein  phryg.  xe 
weicht  vom  griech.  t«,  lat.  que  darin  ab,  dass  es,  wenigstens 
in  den  neuphrygischen  inschriften,  auch  vorangestellt  werden 
kann.  Vgl.  R.  6:  tag  vi  fte  ^afiielw  yiedeog  .  .  |  .  .  .  «rt  i^Ttr- 
terix^srog  £[i]Toi;,  R.  7  :  öeog  x€  ^€fÄ[elw],  H.  2:  [fiB  ^e]fi€ltog 
xs  [S]€[o]g,  R  29 :  log  asfiow  xvovfiavB  \  xaivi  ^avxa  xaxov  adda- 
x[er].  Diese  letzte  stelle  ist  besonders  beweisend,  denn  xaivi 
ist  natürlich  x'atn;  hier  werden  also  durch  das  zwischenge- 
stellte x€  die  synonyme  xvovfiave  und  aivi  fiavxa  verbunden. 
Dieser  doppelte  gebrauch  ist  so  auffallend,  dass  man  versucht 
sein  könnte,  in  dem  vorangestellten  xe  ein  anderes  wort  zu  ver- 
muten, als  in  dem  nachgestellten,  nämlich  das  entlehnte  grie- 
chische xaL  Wie  dem  auch  sei,  jedenfalls  lässt  sich  nicht  be* 
streiten,  dass  xs  auch  vorangestellt  werden  kann.  Unter  allen 
umständen  könnten  die  werte  EvoTaQva[g?]  öovfid-  nicht  ein 
glied  ausmachen,  das  durch  xe  mit  den  voranfgehenden  ver- 
bunden wäre,  denn  nach  der  analogie  von  tb  und  que  hätte  es 
doch  in  diesem  falle  EvaTaQva[g?]  xs  dovfid-  heissen  müssen,  es 
sei  denn,  dass  wir  EvaraQva  dovfix^  als  ein  kompositum  aufzu- 
fassen hätten,  was  doch  wol  nicht  sehr  wahrscheinlich  ist. 
Also:  nicht  EvaraQvag  dovfid'  x6,  sondern  dovfi&  xs  bildet  das 
letzte  glied  der  aufzählung.  Hier  ist  das  xe  nachgestellt,  aber 
daraus  folgt  nicht,  dass  es  auch  bei  den  übrigen  gliedern  nach- 
gestellt sein  muss. 

Ueber  die  letzten  werte  des  phrygischen  teils  der  inschrift 
bemerkt  Kretschmer: 

„Ueber  den  schluss  des  phrygischen  textes  lässt  sich  wol 
nur  soviel  sagen,  dass  er  vielleicht  dem  schluss  des  griechischen 
paralleltextes  Tavd'^  6  nar^g  l^axXrjTiiog  entspricht,  addaxsz 
also  ein  hier  fehlendes  und  zu  ergänzendes  verb  mit  der  be- 
deutung  „hat  festgesetzt,  angeordnet*^  wiedergiebt*'. 

Dieser  auffassung  kann  ich  mich  nicht  anschliessen,  einer- 
seits weil  addaxst  in  den  übrigen  phrygischen  inschriften  die  von 


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284  Alf  Torp 

Eretscbmer  angenommene  bedeutung  nicht  aufweist,  und  auch 
nicht  als  Präteritum,  sondern  als  präsens  gebraucht  wird,  und 
besonders  weil  so  der  anfang  der  inschrift  ganz   sinnlos  wird. 
In  fi  .  .  i^viovfievog  —  —  eiTov  kann  wol  niemand  eine  Ver- 
wünschung verkennen.    Dann  muss  aber  notwendig  auch  gesagt 
werden,  wen  diese  Verwünschung  treffen  soll,   und  das  wird  in 
den    übrigen    neuphrygischen    inschrifben    durch    einen    eben 
dieses  verb  addoKer  enthaltenden  relativsatz  angegeben.     Also 
sollte   sich   auch   hier  ein  solcher  relativsatz  vorfinden.    Und 
das  ist  auch  der  fall.    Das  subjekt  des  verbs  addcmev  bildet 
das  relative  pronomen  tog  z.  5,  von  Eretschmer  falschlich   als 
die  endung  des   namens   refigoye  aufgefEisst.    Das  folgende  x« 
macht    das   relativum  zu  einem  indefinit  relativen ,   vgl.  log  xe 
R.  27,  ig  xfi  R.  5;   dem   phrygischen   log  %e  entspricht  skrt. 
yagca,   griech.  ogre.     Ich   möchte   die   inschrift   so   erklären: 
[Z.  1 — 4  enthalten  die  Verwünschung.    Z.  1  fehlen  nach  e 
zwei  buchstaben.    liier  ist  gewiss  b\%C\  zu  ergänzen.    Dieses  «rt 
kommt  häufig  in  der  Verbindung  eritTevixfieyog  vor,  und  scheint 
der  bedeutung  nach  dem  deutschen  ver-  zu  entsprechen;   vgl. 
skr.  ati  „über  —  hinaus^',  als  erstes  glied   einer  Zusammen- 
setzung mit  verstärkender  bedeutung,  z.  b.  atidüra^  „sehr  ent- 
fernt" (Phryg.  I  s.  14).    Die  Verwünschung  ist  durch  die  drei 
asyndetisch  verbundenen  Wörter  t&viovfisvog  vioiatog  vadQorog 
ausgedrückt.    Dieser  wortreichtum  deutet  auf  einen  sehr  ener- 
gischen Charakter  derselben.     Das  erste  dieser  werter  idyiav- 
{jLBvog  halte   ich   für  ein   participium  perfecti  med.,  vgl.  Tfrtx- 
liBvog.     Das  wort  erinnert  merkwürdig  an  das  griechische  idvota 
„krümmen 'S   med.   „sich   (besonders  im   schmerz)   krümmen^\ 
Ich  möchte  die  beiden  Wörter  zusammenstellen,    idvou}  ist  ein 
speciell  homerisches  wort,  für  welches  keine  etymologie  gefunden 
ist.     Sollten   die  kleinasiatischen  Griechen  dasselbe  von  ihren 
phrygischen  nachbaren  entlehnt  haben?    Das  phrygische  i&viov- 
fieyog  würde  sich  von  einem  griechischen  idvwfdivog  nur  darin 
trennen,  dass,  während  das  griechische  verb  von  einem  adjektiv 
*idv6g  gebildet  ist,  das  phrygische  auf  einem  mit  dem  sufiKxe 
•^0  gebildeten  *  idviog  beruhen  würde.     Falls  dies  richtig  ist, 
so  zeigt  sich   auch    in   der   bildung   des  perfektum  med.  eine 
merkwürdige  Übereinstimmung  zwischen  Griechisch  und  Phry- 
gisch,   sowohl   hinsichtlich  der   vor   der   perfektendung   (-/uai, 
"/^eyog  u.  s.  w.)  eintretenden  vokalverlängerung,  als  hinsichtlich 


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Phrygisches.  285 

der  reduplikation :  tetixfjiepog:  Ttarteiafiivog;  Zdyiovfievog  (denn 
dass  der  anlautende  vokal  verlängert  wurde,  ist  sehr  wahr- 
scheinlich): ^idywfiivog.  «[ri]  idytovfievog  also  gleichsam:  y, ver- 
krümmt (im  schmerz  zusammengekrümmt)". 

Bedeutet  aher  i&viavfievog  „im  schmerz  zusammeuge- 
krümmt*^  so  liegt  es  nahe  anzunehmen,  dass  die  bedeutungen 
der  beiden  darauf  folgenden  und  damit  asyndetisch  verbundenen 
adjektive  auch  in  demselben  begriffskreise  zu  suchen  sind :  auch 
diese  weisen  wol  auf  körperliche  misshandlungen  hin.  Ich  stelle 
vaÖQOtog  einem  griechischen  dvdvdQonog  gleich,  vgl.  avavÖQoa} 
„entmannen'^  -ad^-  halte  ich  für  aus  -ovd^  entstanden,  und 
dass  *avadQOTog  durch  weg£etll  des  unbetonten  anlauts  zu  va» 
ÖQOTog  werden  konnte,  ist  wol  leicht  denkbar.  Auch  hier  wäre 
die  Übereinstimmung  mit  dem  Griechischen  au£Pallend.  Ein 
passives  verbaladjektiv  auf  -arog  liegt  auch  in  jAeiarog  R.  23 
vor  (siehe  Phryg.  II  s.  7).  Diese  form  setzt  ein  verb  *inetojo 
voraus,  mit  welcher  bildung  zu  vergleichen  ist  altphryg.  xaaviot 
(d.  i.  ^kakojoi)y  3.  präs.  opt  (Kretschmer  Mitteil.  XXV,  s.  361). 

Auch  vioiaiog  scheint  auf  ein  beraubtsein  hinzudeuten.  In 
ni  scheint  es  aber  nicht  möglich  die  negation  zu  sehen;  dagegen 
könnte  diese  partikel  dem  indischen  ni^  entsprechen.  Dass  an- 
lautendes 8  im  Phryg.  schwand,  scheint  durch  den  namen  ^AXvg 
bewiesen,  welchen  bereits  alte  griechische  Schriftsteller  aus  dem 
bei  dem  flusse  befindlichen  salz  erklären.  Schon  Spiegel  (Eran. 
alt  I  183)  hat  demnach  ^'AXvg  fiir  griechische  entstellung 
eines  auf  arm.  aX  „salz''  zurückgehenden  namens  angesehen. 
Also  war  wenigstens  bei  den  Armeniern  schon  vor  Herodot  das 
anlautende  b  zum  hauch  geworden  oder  geschwunden  (vgl. 
Bugge  Kuhns  zeitschr.  32,  81).  Wenn  nun  aber  die  richtigkeit 
der  angäbe  des  Herodot,  dass  die  Armenier  Ogvywv  aTtoixoi. 
seien,  kaum  zu  bezweifeln  ist,  so  scheint  die  annähme  gerecht- 
fertigt, dass  auch  im  Phrygischen  derselbe  lautübergang  statt- 
fand. Schwand  aber  das  8  im  anlaut,  so  muss  es  auch,  wie 
im  Arm.,  inlautend  zwischen  vokalen  geschwunden  sein.  Vgl. 
Phryg.  II  s.  13,  16 — 17,  wo  ich  phryg.  o  mit  griech.  6  „der**, 
phryg.  tot  mit  hom.  Ibi,  präs.  opt.  3.  sing.,  gleichgestellt  habe. 
Betreflfs  des  zweiten  gliedes  des  kompositums  ni'Oi8io8  wage  ich 
eine  Vermutung,  die  ich  natürlich  als  eine  sehr  unsichere  be- 
zeichne. Wenn  vadforog  die  bedeutung  „entmannt**  hat,  so 
muss  in  vioiaiog  wol  eine  verwandte  bedeutung  gesucht  werden« 


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286  Alf  Torp 

-oioioq  könnte  aus  ^-oitios  entstanden  sein,  vgl  afji[fia]aiap 
aus  *ammartian  (R.  15:  fiavxav  afi\\iLi]aaiav  „unsterbliches 
denkmal",  vgl.  fivrjfieiov  ä^dvavovj  das  in  kleinasiatischen  iu- 
Schriften  vorkommt,  Phryg.  II  7).  *Oiviog  könnte  auf  *oidios 
zurückgehen,  denn  es  scheint  sieber,  das  der  im  Arm.  durch- 
geführte Übergang  von  g  und  d  in  k  und  ^,  auch  im  Phrygi- 
sehen  unter  gewissen,  noch  nicht  ermittelten  umständen  statt- 
fand, vgl.  ßinog  „brod*^  =  arm.  bek  „casse,  rompu,  brise'*, 
bekar  „morceau,  ot-  =  idg.  ud  (Phryg.  U  3  f.,  8),  i&vtovfieyog^  wo 
d"  wol  t  bezeichnet,  =  idvcjfiivog  u.  m.  Bei  dem  stamm  *oidio^ 
könnte  man  an  an.  etsto  n.  asl.  isto  n.  „testikeP*  denken.  Tgl. 
an.  eitiU  (—  idg.  oidäo-)  „glandula".  ni(9'J  oisios  also:  „ohne 
hoden"(?). 

Z.  3—4.  fiiTQaipata  \  xhfiagvefiQoye,  Beide  Zeilen  sind  um 
einen  buchstaben  kürzer  als  z.  2.  Leider  geben  uns  die  „mit- 
teilungen''  darüber  keinen  bescheid,  ob  nach  fxLzqaqxna  und 
nach  tefiQoye  ein  buchstabe  verloren  gegangen  sein  kann.  Ich 
halte  die  beiden  namen  für  dative.  Falls  in  jeder  zeile  ein 
buchstabe  zu  ergänzen  ist,  so  lese  ich  fiivQaqKna[i]  und  TSfi- 
Qoy6[i]y  wenn  nicht,  so  können  auch  die  formen  f^iTgaqxxta  und 
tefiQoys  als  dative  gelten,  vgl.  ra  R.  2,  f^avxa  R.  29,  neben 
fiavnai,  nvovpLova  R.  26,  28,  neben  xvovfAavsi,  Die  namen,  die 
durch  zwischeogestelltes  xe  verbunden  sind,  bezeichnen  die  gott- 
heiten,  denen  der  verwünschte  anheim  fallen,  oder  von  welchen 
die  strafe  verhängt  werden  soll.  Im  letzteren  falle  wäre  also 
der  gebrauch  des  dativs  derselbe  wie  im  Griechischen,  wo  ein 
solcher  dativ  bei  einer  passiven  verbalform  das  wirkende  Sub- 
jekt bezeichnet  Der  dativ  T6fiQoy€(i)  entspricht  einem  nomi- 
natiy  Tefigoyig^  vgl.  den  dativ  XafaXxaei,  Die  endung  -ig  ist 
aus  -Log  entstanden  (vgl.  die  italischen  namen  auf  -is);  durch 
den  nominativ  sind  diese  bildungen  in  die  i-äexion  hinüberge- 
zogen worden  (Phryg.  II  s.  8).  TBfiQoyig  ist,  wie  Kretschmer 
erkannt  hat,  der  flussgott  Temrogius ;  durch  den  vorangestellten 
genitiv  (jiag  ist  er  wohl  als  der  söhn  der  göttin  Ma  (Rhea)  be- 
zeichnet. 

Mit  z.  5  fängt,  wie  gesagt,  der  relativsatz  am  now- 
taaßag  fasse  ich  als  den  genitiv  eines  frauennamens  ftovwaaßa. 
Falls  dieser  name  das  idg.  wort  für  „pferd'*  enthalten  sollte, 
so  müsste  er  wol  eranischer  abkunft  sein,  denn  phrygisch  hätte 
es  jedenfalls  -eaba  heissen  müssen.     Durch  xe  wird  dieser  name 


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t^brygisches.  287 

mit  einem  anderen  Evota((ya[g]  yerbanden.  Auch  hier  ist  also 
das  xfi  zwischengestellt.  EvaTaQva[g],  (so  ist  gewiss  mit 
Kretschmer  zu  ergänzen)  ist  der  genitiv  eines  frauennamens 
EvajaQvUy  der  wie  das  passiv-particip  der  mit  der  präposition 
Bv  verbundenen  worzel  sUr^  (skr.  8i%rnd')  aussieht. 

dovfid'  xa.  Hier  ist  das  verbindende  x«  nachgestellt.  öovfiQ 
(oder  öovfiq))  halte  ich  für  den  genitiv  eines  männemamens 
Jovfioq^  worin  wol  eine  kurzform  eines  von  dem  oben  er- 
wähnten werte  dovfiog  gebildeten  namens  zu  sehen  ist,  vgl. 
JovfÄhaog  (Solmsen,  Kuhns  zeitschr.  34,  53).  Einen  solchen 
genitiv  erkenne  ich  auch  in  vei^avxo  R.  15 :  ^ewt]  xa  vBi^av%o  \ 
dadf,  d.  i.  „Xeune  die  gattin  des  Neixauchos*^  Der  genitiv  der 
o-stämme  endigte  meines  erachtens  im  Phrygischen  ursprüng- 
lich auf  -ö,  aus  *'(hso,  * -o-o  entstanden.  Dieses  -ö  hätte  wie 
jedes  andere  -a  werden  sollen.  Wir  erwarteten  also  *  dovfiov. 
Bei  den  o-lauten  schwankt  aber  die  Schreibung  sehr.  So  findet 
sich  oft  aefiov  statt  aefiowy  umgekehrt  wird  das  kurze  o  in 
TuxKov  häufiger  mit  -ov  (kockow)^  einmal  auch  mit  (o  wieder- 
gegeben. 

Die  genitive  Ilovvzaaßag,  EvaraQva(g)y  Jovfjto  sind  von 
o^oi;ai'  abhängig,  oqovccp  ist  der  akk.  sing,  eines  *OQOvay  worin 
gewiss  ein  wort  für  „grab"  zu  sehen  ist.  Verwandt  ist  OQvxa 
R.  15,  das  ich  nicht  länger  (vgl.  Phryg.  II  s.  7)  für  das  ent- 
lehnte griechische  oqvx>],  sondern  für  echt  phrygisch  halte. 
o^xa  ist  von  o^ot;a  durch  ein  X;-8uffix  abgeleitet,  ogova  er- 
innert merkwürdig  an  das  lykische  arava  „heroon'',  das,  wie 
die  ableitung  eravaziya  (neben  aravaziya)  zeigt,  aus  *erava 
entstanden  ist.  In  OQOva^  aus  *ordra(?),  ist  dann  vielleicht 
ein  ursprüngliches  anlautendes  e-  durch  assimilation  an  den 
o-laut  der  zweiten  silbe  in  o  übergegangen. 

Dieselbe  endung  wie  OQOvav  zeigt  oiov&ßay.  Hier  macht 
die  lautverbindung  oiovS--  einen  wenig  zuverlässigen  eindruck. 
Vielleicht  ist  deshalb  ot  als  ein  wort  für  sich  zu  fassen  und 
dies  mit  xs  zu  verbinden ;  dies  ist  um  so  wahrscheinlicher,  weil 
auch  in  zwei  anderen  inschriften  auf  xe  unmittelbar  ein  oi 
folgt:  [^«i^]«  TU  Ol  eiQOi,  R  7,  ^/uga  xe  oi  Tteieg  x«,  R.  12. 
Dieses  oi  kann  ich  freilich  nicht  erklären,  vermute  aber  eine 
bedeutung  wie  „auch^*. 

Für  aSdaxez  nehme  ich  hier  die  bedeutung  „facif'  an. 
Die  präposition  ad-  hat  also  hier  keine  ausgeprägte  bedeutung. 


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288  Alf  Torp 

So  kommt  auch  neben  dem  gewöhnlichen  aefiow  nfvovfioofu 
yuxKov  addaxei  einmal  (R.  26)  der  ausdruck  oefww  xvav/ncafe 
xamov  donuT  vor;  dies  könnte  darauf  hindeuten,  das  auch  in 
dieser  Verbindung  addomei  nicht  „afficit"  sondern  nur  „facit^^ 
bedeutet  (Ttccnov  Igya^eTai).  In  ov&ßav^  das  ich  für  ein  ad- 
jektiv  halte,  wäre  vielleicht  die  präposition  ^ud  za  erkennen, 
vgl.  or-  in  ürearafivle]  R  9.  &  bezeichnet  wohl  den  f-laat; 
vgl.  oben  idyiovfievog.  ov  und  o  bezeichnen  hier  beide  den 
kurzen  i^-laut.  Ich  vermute  die  bedeutung  ,,offen*S  ohne  dass 
ich  den  letzten  teil  des  wertes  zu  erklären  vermag  (suff.  -ro- 
wie  im  skr.  udvd-?). 

Der  relativsatz  wäre  demnach  so  zu  übersetzen:  „wer 
immer  das  grab  der  Pountasba  und  der  Enstama  und  auch(?) 
des  Doumos  öffiuet  (eigentlich  offen  macht)". 

So  erhalten  wir  auch  die  namen  der  begrabenen,  deren 
nennung  doch  wohl  ziemlich  notwendig  war. 

Aus  dem  griechisch  gefassten  teil  der  inschrift  erfahren 
wir  weiter,  dass  der  vater  dieser  toten  ihnen  das  grab  bestellt 
hat 

9.  IMe  insolLrift  von  Tyrialon. 

Mitgeteilt  von  Anderson,  Journ.  of  Hellenic  Studies  XVIU 
8.  121. 

aao8fi0w%vovfiavqdid'QeQcat 

^evveoiddixeieiav  (vacat) 

fiavxctvuxveaTaeg  ßgarefe 

fÄaifÄaQtiXvTcovKQogfiavig 

,  .  ysyenoQxegdetovv 

§evvttvatdfi(ogß(f(ni8UO 

öeKfiovwonriaiav 

TtQOtoaov 
Das  verbum  ist  eazaeg^  ein  deutlicher  sigma-aorist  der 
Wurzel  8ta,  vgl.  altphryg.  edaeg.  Dies  neue  beispiel  solcher 
bildung  ist  besonders  interessant,  weil  dadurch  bewiesen  wird, 
das  phrygisch  ^E  nichts  wie  einige  gemeint  haben,  den  9-laut 
wiedergiebt;  denn  eine  form  *e8ie8  wäre  ja  undenkbar.  Meine 
erklärung  dieser  formen  (Phryg.  II  s.  14)  war  also  wol  richtig, 
sie  sind  -d«s-aoriste;  edaeg  ist  aus  *  e-dä^^ejes-t,  eataeg  aus 
*e'8tär^8)e8-t  (oder  *e'8tä'{s)e8-t)  entstanden,  vgl.  av.  dä-hfs  „du 
hast  gemacht'*,  skr.  agä-^  „er  ging'^ 


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Phrygischea.  289 

Das  Objekt  ist  fAavxav  „denkmal'S  akk.  fem.  Zwischen 
diesem  wort  und  eavaeg  steht  lav^  das  wie  das  relative  pron. 
im  akk.  sing.  fem.  aussieht.  Hier  scheint  aber  ein  relatives 
pronomen  nicht  am  platz  zu  sein,  weil,  so  viel  wir  sehen  können, 
sich  in  der  ganzen  inschrift  nur  das  eine  verb  eataeg  vor- 
findet, und  das  ganze  demnach  nur  einen  satz  bildet;  denn 
zwar  könnte  z.  2  ^evve  als  ein  Subjekt  aufgefasst  werden,  aber 
das  darauf  folgende  ocddinei  sieht  nicht  wie  ein  verb  aus.  Ich 
halte  deshalb  das  i  in  lav  für  einen  zufälligen  strich,  und  lese 
aveorasg  =  griech.  dvioTtjas.  Dies  ist  mir  um  so  wahrschein- 
licher, weil  in  aaaefiow  dasselbe  ov,  womit  das  verb  zusammen- 
gesetzt ist,  als  Präposition  aufzutreten  scheint.  Denn  der  dativ 
asfiovv  ist  von  keinem  verb  abhängig,  also  muss  in  ag-  eine 
den  dativ  regierende  präposition  vorliegen.  Da  eine  präposition 
ag  nicht  denkbar  ist,  so  muss  das  g  in  ag  durch  assimilation 
eines  konsonanten  an  das  folgende  g  entstanden  sein.  Man 
hätte  dann  wol  nur  entweder  an  ad  oder  an  av  zu  denken. 
Da  nun  aber  ad  wol  kaum  den  dativ  regierte,  so  bleibt  als  die 
wahrscheinlichste  die  annähme,  dass  aaaefiow  aus  av  asfiow 
entstanden  ist.  In  den  griechischen  inschriften  Phrygiens  ist 
avioTriae  fivfjfia  ein  sehr  häufig  vorkommender  ausdruck.  Das 
auf  ae^ow  folgende  wort  ist  wohl  xvovfiovadi  zu  lesen,  wenn 
auch  das  a  hier  eine  ungewöhnliche  form  hat  (A  gegenüber 
sonstigem  A).  Von  %vovfiav  „grab''  lautet  der  dativ  sonst  xvov- 
fiavei.  Die  endung  -adi  kann  ich  nur  so  erklären,  dass  ich  ein 
von  nvovficey  abgeleitetes  synonymes  wort  ^yLvovpiavad-  annehme. 
Was  die  endung  -i  betrifft,  so  findet  sich  auch  sonst  i  stat.  bi 
als  dativendung  konsonantischer  stamme  {xvovfiovi  R.  7,  12,  25, 
daöiTi  R.  9).    aaaefiow  xyovfiavadi  also:  „auf  diesem  grab'S 

In  den  folgenden  werten  sehe  ich  die  namen  des  toten. 
In  &QeQaK  ist  entweder  die  dativendung  -i  verwischt,  oder  der 
Steinmetz  hat  vergessen  diesen  buchstaben  anzubringen.  ^8i;- 
veoiddixei  halte  ich  für  den  dativ  eines  patronymicums  oder 
metronymicuras  auf  -ig  :  ^svveotddmig,  ^evve  (S^wrj)  ist  sonst  als 
frauenname  belegt  und  kommt  auch  in  der  akkusativform 
^evvav  in  dem  wegen  der  lücken  unverständlichen  schluss  un- 
serer inschrift  vor.  eiav  verbinde  ich  mit  iiavxav  und  sehe  in 
demselben  den  akk.  sing.  fem.  des  demonstrativen  pronomens, 
dessen  nom.  sing.  masc.  ig  R.  28  belegt  ist.  ßqaxsQB  ist  der 
dativ  des  Stammes  ßgareg-  „bruder^*.    Zur  endung  -e  (falls  hier 

BeiMg«  s.  künde  d.  indg.  tprafllieii.      XXVU.  ^9 


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290  Alf  Torp     Phry^sches. 

nicht  am  ende  der  zeile  ein  -t  zu  ergänzen  ist)  vgl.  ntvovficn^e^ 
und  zur  ablautastufe  -reg-  altpbryg.  ^atsgav^  akk. ,  fiareQB^ 
gen.    Daneben  steht,  wie  es  scheint,  -Tag  im  nom.  f^ctrag. 

fiaifAOQtjlvftovxgog  ist  wohl  kaum  als  ein  wort  aufzufassen. 
Ich  teile  fjiaifiaQrjlv  fcovrcgog  und  vermute  in  dem  X  ein  miss- 
ratenes  A.  fiai^aQtiqv  verbinde  ich  mit  fiavxav  und  vergleiche 
die  form  mit  dem  griech.  fiagfKXQmv  von  fiaQfjtaqsog  „flimmernd, 
glänzend,  marmorn**.  Entweder  ist  in  dem  phrygischen  wort 
fxotL^-  aus  ficcQfA-  entstanden,  oder,  was  wahrscheinlicher  ist,  es 
liegt  hier  eine  andere  art  von  reduplication  vor.  In  novxifog 
fiavig  sehe  ich  einen  doppelnamen.  Das  folgende  .  .  v&f  ist 
mir  unverständlich.  Mit  inaqueg  de  tow-  -  fängt  ein  griechi- 
scher text  an,  der  sich  wegen  der  lücken  nicht  deuten  lässt 
Wir  erkennen  hier  die  namen  Emkxv  und  JexfiovTcajolov^  vgl. 
Jenfiovraig  R.  9.   - 

Ich  übersetze  also  die  inschrift  so: 

„Auf  diesem  grabe  hat  dem  Threrak  Xeunoiddikis 
das  denkmal  errichtet,  dem  bruder  das  glänzende  (oder: 
„marmorne"?)  Poukros  Manis  — ". 

Mit  dem  ausdrucke:  „hat  auf  diesem  grabe  das  denkmal 
enichtef'  vgl.  einen  ähnlichen  R.  9: 

vadowerog,  ovftaae 
dexfioVTttig  Xivo[t;] 
lna[v]Ti  fivxavoteüTafi 
i{fi]  daöiTivev[va]Qia 
TcaQTvaovßQa. 
Auch  hier  bildet  fi{a)viiap  das   objekt     OTeataf^vls]   habe  ich 
Phryg.  II  8  mit  einem  skr.  udastabhnät  verglichen  (phryg.  -a/uy- 
aus   -afißv-   =   idg.  -^bkn-).     Dieses  imperfekt    ist  mit  dem 
aorist  aveataeg  ungefähr  synonym.  xivo[v]ßa[v]Ti  muss  dem  son- 
stigen xvovfiiavei  entsprechen.    Liegt  hier  ein  nebenstamm  xfov- 
juotw-  vor?    Vgl.  gr.  ovo^avi  (idg.  -mp^-).    dadiTi  ist  der  dativ 
eines  Stammes  öadir-^  nom.  dadi  „gattin'^     Das  Subjekt  ist  in 
der  1.  zeile  enthalten.     Die  namen  scheinen   kaum  richtig  ge- 
lesen zu  sein.    jJeKfÄOvtaig  ist  ein  patronymicum  oder  ethnicum. 
Das  ganze  wäre  etwa: 

„N.  N.  Dekmoutais  errichtete  auf  dem  grabe  ein  denkmal 
der  gattin  Nenusria  — *^ 

Christiania  april  1902.  Alf  Torp. 


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E.  Nacbmanson    Rhodische  beitrage.  291 


Bhodisohe  beitrage'). 

1.    dyad'ät  Tvxai'* 

Die  inschrift  n.  789*),  ein  sakrales  gesetz  aus  Hadriani- 
scher  zeit,  ist  ganz  in  gemeingriecbischer  spracbe  abgefasst, 
bat  also  durchweg  tj  für  der.  d,  aber  dennoch  z.  1  dyad]M 
Tvx[a]t,  Dazu  sagt  Hiller:  „Lectio  mira  certe  in  hoc  titulo 
communi  Graecorum  sermone  conscripto".  Vielleicht  doch  nicht 
so  erstaunlich.  Ich  mache  zuerst  darauf  aufmerksam,  dass,  wie 
Björkegren  s.  42  uns  belehrt,  seit  etwa  der  mitte  des  1.  Jahr- 
hunderts nach  Chr.  nie  auf  den  rhodischen  inschriften  i  dveK- 
gxavtffov  geschrieben  ist,  ausser  eben  in  diesem  dya&'}ai  ri^[a]i 
(aber  iXoU(p  ibid.  17).  Den  grund,  dass  eben  diese  Verbindung 
in  zweifacher  beziehung  ein  altertümlicheres  gepräge  trägt, 
sehe  ich  darin ,  dass  sie  eine  alte  forme! ,  als  Überschrift  zur 
inschrift  gestellt,  bildet.  Es  mangelt  doch  nicht  an  parallelen. 
Auf  xoif^-inschriften  aus  der  zeit,  wo  man  längst  aufgehört 
hatte,  das  t  zu  schreiben,  habe  ich  indess  zuweilen  die  Über- 
schrift dya&^i.  '^vxn^  gefunden.     E^  folgen  die  belege: 

aya&rji  tvxfji  Ath.  mitt.  9,  18  z.  1  (Kyzikos)  aber  tj  veta- 
x6(f(fi  3. 

dya&^i  Tvxrji  Ath.  mitt  24,  425,  z.  1  (weihinschrift  aus  Niko- 
media,  206  nach  Chr.),  aber  &e<p  2aßa^t^  Ilav- 
aa\yav(p  2 — 3. 

dyadiji  tvx']^  Ath.  mitt.  25,  122  n.  1,  1  (Philadelphia,  später 
als  212  nach  Chr.),  aber  evatad-eiif  4. 

äya^fji  xixfji  Revue  archeolog.  1874,  112,  z.  1  (ehreninschrifb 
aus  Milet,  von  dem  aweÖQiov  twv  XivovQydSv  ge- 
setzt, später  als  212  nach  Chr.),  aber  av%(p  7, 
Tip  idl(p  9,  BQyip  10,  nocvfj  7,  Tg  8,  idiif  7. 

1)  Neuerdings  ist  eine  abhandlung  über  die  lante  der  rhodischen 
inschriften  erschienen:  Rudolf  Björkegren,  De  sonis  dialecti  Rhodiacae, 
üpsaliae  1902.  Beim  studinm  derselben  9ind  die  folgenden  bemerknngen 
entstanden.  Sie  beschäftigen  sich  mit  einigen  erscheinnngen,  die  B. 
entweder  gar  nicht  oder  ganz  ungenügend  behandelt  hat. 

2)  Blosse  zahlen  beziehen  sich  auf  Hiller  von  Gaertringen's  Samm- 
lung, Insoriptiones  Graecae  Insulamm  I  im  Berliner  corpus. 

19* 


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292  E.  Nachmanson 

äya&^i  Tvx^i  Bull.  Corr.  Hell.  11,  100  n.  23.  1  (ehreninschrift 
aus  Thyateira,  von  färbern  gesetzt,  vermutlich 
2.  jhdt  nach  Chr.),  aber  iXi(p  11,  t^  knalTÖ^r- 
TaOTvXifi  13,  t^  jiin/mf  TtOTOßffi  17,  Tjj  21. 

ayla^i.  Tvx]rii  Bull.  Corr.  Hell.  13,  312  no.  20,  1  (weihinschrift 
für  Zeus  Bonitenos,  215  nach  Chr.),  aber  &€i(p 
TtOTQioip  Jd  Bovitrivif  1. 

&yadrii  tv^qt  Bull.  Corr.  Hell.  17,  540  n.  16,  1  (weihung  der 
sonst  unbekannten  Charmideaner,  161 — 169  nach 
Chr.),  aber  ^Olvfi7ci(p  2  aaT^\7taUff  2,  tuxqtvo- 
q>6Q(p  4,  T(p  7tqti%(p  8. 

a'^a']^l  Tvxrji  Bull.  Corr.  Hell.  22,  522  n.  12,  1  (thrakische 
ehreninschrift  für  Septimus  Severus)  neben  9- 
maligem  -(p. 

äyadiji  Tvxfji  Inscr.  Brit.  Mus.  n.  174,  1  (Dekret  von  Tomis  zu 
ehren  des  Aur.  Priscus  Isidorus),   aber    t^  xßa- 

tIoTTj  ßovk\f]   2,   T^   Xaf47tQ0TdT(fi  Öljfl(p   3. 

TvxV'^  crya^^t  Journ.  Hell.  Stud.  11,  121  n.  5,  1  (Keramos)  aber 
T^  9  (zweimal). 

äya&rii  xvxqi'  findet  sich  ferner  als  Überschrift  bei  folgen- 
den nachchristlichen  inschriften :  Ath.  mitt.  10,  18  n.  4  (Byzanz, 
2.  oder  3.  jhdt);  20,  243 f.  (Philadelphia,  später  als  212); 
25,  124  u.  8  (ort  und  zeit  wie  vorher);  Inscr.  Brit.  Mus.  n.  575 
(Ephesos,  2.  jhdt);  Le  Bas- Waddington  Asie  Mineure  n.  147  c 
(Ephesos,  3.  jhdt);  Bull.  Corr.  Hell.  13,  305  n.  13  (Pompei- 
polis  in  Paphlagonien ,  2.  jhdt).  In  diesen  findet  sich  zwar 
kein  beispiel  für  17,  ^  oder  ^,  aber  sie  sind  doch,  weil  aus  so 
später  zeit,  geeignet  das  oben  gesagte  zu  stützen. 

Auch  rein  äusserlich  wird  zuweilen  einer  alten  formel,  wie 
es  diese  ist,  spezielle  aufmerksamkeit  zu  teil.  Ich  verweise  auf 
Dittenberger-Purgold ,  inschriften  von  Olympia  486  und  487 
(off.  ehreninschriften  vom  jähre  257  nach  Chr.,  jene  von  den 
Messeniern,  diese  von  den  Achäem  gesetzt).  Über  die  beiden 
sagt  Dittenberger  sp.  541  zu  n.  449:  „Der  paläographische 
Charakter  der  beiden  inschriften  spiegelt  sehr  deutlich  die  zeit 
der  hereinbrechenden  barbarei  wieder' ^  Aber  im  gegensatz 
zum  übrigen  steht  in  beiden  mit  monumentalem  styl  sorgfaltig 
eingehauen  die  Überschrift  aya^l  Tt%iy. 


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Rhodische  beitrage.  293 

2.   Zur  geschichte  des  et. 

Es  ist  bekannt,  dass  das  €((«-?)  vor  yokalen  mit  aus- 
nähme nur  für  den  fall,  dass  i  vorherging,  bedeutend  später 
als  vor  konsonanten  in  f  übergegangen  ist,  Tgl.  Schweizer, 
Gramm,  d.  pergamen.  inschr.  51  ff.,  besonders  55  f.  Das  ein- 
schlägige material  aus  Rhodos  ist  zwar  nicht  eben  umfassend, 
reicht  indessen  vollkommen  aus,  um  festzustellen,  dass  die  ent- 
wickelung  auf  Rhodos  gänzlich  mit  der  gewöhnlichen  überein- 
stimmt Um  200  vor  Chr.  ist  vorkonsonantisches  Bi  (und  vor- 
vokal, nach  i)  in  T  übergegangen,  vgl  awenifÄekrj^iLiiv  O.  D.  I. 
3751,  13  (rhod.  Staatsdekret,  c.  170  vor  Chr.)  und  axBq>av(o- 
maav  Ath.  Mitt  25,  107  n.  106,  5  (grabschrift,  2.  jhdt)  neben  • 
aT€g>ava)d'eiattv  ib.  2,  ebenda  z.  4  auch  *y4Xeia  (worüber  weiter 
unten).  Bedeutend  später  tritt  i  vor  vokal  für  si  auf,  d'Tov 
72b,  10  (grabschrift,  c.  80  vor  Chr.)  und  ^i[o]v  auf  der  statue 
107,  18  (c.  70  vor  Chr.),  wie  van  Gelder  G.  D.  I.  3819  m.  e. 
richtig  ergänzt  (Hiller  las  ^[€r|oi'(?),  aber  nach  der  Zeichnung 
fehlt  nur  ein  buchstabe).  Dazu  kommen  in  der  zeit  vom  jähre 
200  vor  Chr.  an  die  Schreibungen  tj  und  e  für  antevokalisches 
fit  (XaQiTLX^a  516,  1  und  '^lUa  730,  17,  l^gyeog  180,  3,  KaQ- 
viov  achtmal  auf  den  amphoren  belegt),  denn  diese  sind  ja 
nichts  anderes  als  versuche  den  ?-laut  auszudrücken,  vgl. 
Schweizer  a.  a.  o.  56. 

Nachdem  ei  =  l  geworden  war,  wurde  bekanntlich  für 
langes  i  gewöhnlich  ei  geschrieben,  dies  kann  sogar  als  die 
übliche  Orthographie  bezeichnet  werden;  dagegen  kommt  i  für 
ev  ziemlich  selten  vor.  Es  scheint  mir  daher  angebracht,  auch 
die  späteren  belege  für  i  statt  et  zu  verzeichnen  : 

1)  vor  konsonanten: 

a)  in  off.  inschriften:  ig  3,  2;  84,  5;  831,  4. 

b)  in  privatinschriften :  lg(g)  937,  5,7,  10,  eTtavyila- 
piivov  ib.  10,  11  neben  füg  8,  9,  ^TtopyeUero  7,  iTtavyeikafii- 
vov  9;  ovdig  Ath.  mitt.  23,  403  n.  105,  8  *). 

c)  auf  den  amphoren:  Q€vq>ldevg  1142,  IIiaiarQdTov 
1180,  1  jind  5,,  ^AQtaxlda  inschr.  von  Pergamon  890,  I.  G.  Sic.  It. 
2393,  102. 

1)  Dagegen  statt  7ra[^]rv[a]»,  d.  h.  nageivat,  wie  Hiller  auf  Diels' 
Vorschlag  789,  2  geschrieben  hat,  lese  ich  lieber  mit  Dittenberger 
Sylloge  *  n.  567  7ra[^]6'[a]«,  d.  h.  na^iiptti,  vgl.  Dittenberger  zur  stelle 


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294  E.  Nachmanson 

2)  vor  yokal.  Das  einzige  beispiel  ausser  den  oben  ge- 
nannten ist  hehiodif]  693,  2  (christl.  grabschrifb). 

Eine  weitere  bemerkung  hinsichtlich  des  et  mag  hier  platz 
finden.  Für  die  übliche  xoivif-kontraktion  von  ui^  d.  h.  ü,  in 
ly  virorüber  vgl.  Schweizer  a.  a.  o.  101,  bieten  auch  die  rhod. 
inschriften  einige  belege.  Das  fest,  welches  gewöhnlich  "^AXlua 
heisst,  ist  ^AktTia  *)  Ath.  mitt.  25,  107  n.  106,  4  (vgl.  oben)  und 
58,  19  geschrieben,  femer  L^AciW  12,  4.  Aber  erhalten  ist  ui 
im  götternamen  '  Yyuiai  25,  3  (3.  jhdt.  vor  Chr.)  *). 

3.   Ol  >  o. 

Dieser  Übergang  ist  auf  Rhodos  nur  zweimal  belegt  : 
eTvofjaavTo  C.  1.  G.  3656,  6  (zu  Kyzikos  gefundenes  rhod.  pse- 
phisma,  2.  jhdt.  vor  Chr.)  und  TtoelaS^wv  155,  70  (grabaltar 
aus  demselben  jhdt.)  neben  Jtouiad'waap  ib.  22.  —  „umge- 
kehrte Schreibung^'  oi  für  o  kommt  einmal  vor:  IlQa^ivoif]  397 
(grabschrift). 

4.   Zur  liquidadissimilation. 

E.  Schwyzer,  Neue  Jahrbücher  1900,  261,  vgl.  auch 
Meisterhans  '  82,  hat  darauf  aufmerksam  gemacht,  dass  q 
nicht  nur  in  demselben  werte,  sondern  auch  im  Satzzusammen- 
hang dissimilatorisch  schwinden  kann.  Ich  glaube  dieselbe 
erklärung  bei  einigen  fällen  von  ^-Schwund  auf  Rhodos  anwen- 
den zu  dürfen.  So  bei  Kl€vat{Q)arog  KkeuxdQiog  \  Kkuttopa 
^KpQavoQog  I  &€oig  106.  In  EvipQOviog  |  K(a)aaaavd{Q)€v(g)  \ 
XQ^ff'^i  XOLlqe  429  ist  q  vermutlich  wegen  der  umgebenden  q 
geschwunden,  obwohl  die  inschrift  mit  ziemlich  geringer  Sorg- 
falt eingehauen  ist.  Vielleicht  gehört  hierher  auch  NvxayoQa  \ 
2x{g)a%i7t7tov  347,  1 — 2  (indessen  auch  ^i]vrjaLd(a)fAOv  ib.  4). 
Etwas  anderes  als  reinen  steinmetzfehler  wage  ich  nicht  bei 
Tifia(Q)xidag  Q^iXiTtnov  in  der  namenliste  42,  8  anzunehmen 
(immerhin  zwei  q  in  der  folgenden  zeile). 

Ich  gestatte  mir  in  diesem  Zusammenhang  zwei  ander- 
weitige falle  namhaft  zu  machen:  JiooTnovQidi^g  ^E(g)fzog>ilov 
Heberdey-Wilhehn,   Reisen  in  Kilikien  71  flf.,  n.  155  A  IX  162 

1)  So  ZQ  accentuieren ! 

2)  Dagegen  vyüxg  1088,  4  (Karpathoa),  vytias  in  Nero's  brief  Ath. 
mitt.  20,  887  z.  16. 


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Rhodische  beitrage.  295 

(liste  der  priester  des  Zeig  KwQinfLLog)^  wo  man  bemerke  die 
Worte  der  herausgeber:  „Die  inschriften  der  hauptseite  A  sind 
durchweg  sorgfältig  eingetragen'*  i).  Zweitens  .  .  .  ra  fjiev 
iaq>Q\ayia^iva  t&i  da/Äoalai  ag>Qayldiy  rä  di  daq>(Q)dyiaTa  noxl 
tovg  7fQoata[r]\ag  G.  D.  1.  3591a,  38fif.  (Kalymna)  »). 

5.    Silbentrennung. 

Darüber  werden  wir  durch  die  wortbrechung  am  ende  der 
Zeilen  unterrichtet  Zwar  lässt  sich  ein  streben  deutlich  be- 
merken, jede  zeile  mit  ToUem  worte  zu  sohliessen,  aber,  wo  ge- 
trennt wird,  wurde  im  grossen  und  ganzen  die  hauptregel  be- 
obachtet, die  die  Griechen  bei  der  wortbrechung  befolgt  haben, 
d.  h.  jede  zeiliB  schliesst  mit  einer  ToUen  silbe. 

Zuerst  eine  bemerkung  über  das  hier  in  frage  kommende 
material.  Die  wortbrechung  bei  inschriften,  die  ja  durch  die 
form  des  Steines  bedingt  ist,  stammt  natürlich  nicht  vom  con- 
cipienten,  sondern  vom  jeweiligen  Steinmetzen  >).  Deshalb  haben 
wir  es  hier  nur  mit  den  erzeugnissen  der  Steinmetzen  von  Rhodos 
(oder  dessen  colonien)  zu  thun.  Eine  inschrift  wie  z.  b.  British 
Museum  3,  n.  403  ^)  (Schiedsspruch  einer  rhod.  commission,  in 
Priene  eingehauen)  kommt  somit  hier  nicht  in  betracht,  da- 
gegen aber  z.  b.  der  auf  Rhodos  eingehauene  brief  Nero's,  Ath. 
mitt.  20,  387  f.,  z.  6 — 26,  der  bei  der  sonstigen  behandlung 
des  Rhodischen  natürlich  fem  zu  halten  ist. 

1)  Ein  konsonant  gehört  zur  folgenden  silbe,  z.  b.  ti\fidg 
155,  35,  x^l^o^y  762  B,  14.  Ausnahmen  von  dieser  regel  sind 
nur:  avT\ov  652,  3,  Jafi(aydaafi\g  672,  1,  aTdla\g  677,  8,  Bov- 
%\6nia  798,  2  ni^<^a^dq\\d\vog  799,  1,  Ilfn\eidävi  905,  2. 

1)  Über  das  element  *£^fi-  in  kleinasiat.  namen  vgl.  EretBohmer, 
Einleitang  in  d.  g68ch.  d.  griech.  spr.  361. 

2)  Betreffs  der  disBimilation  im  einfachen  worte  sei  auf  va\mXi\qov 
912,  2  (cbristl.)  aufmerksam  gemacht,  vgl.  dazu  Solmsen,  Rhein,  mns« 
68,  151  ff. 

8)  Als  beleuchtendes  beispiel  sei  auf  die  beiden  exemplare  des 
Schiedsspruches  der  Magneten  im  streite  zwischen  Hierapytna  und  Itanos 
(das  magnetische  Kern,  Inschr.  von  Magnesia  a.  M.,  n.  106,  das  kreti* 
sehe  ebenda  abgedruckt)  verwiesen. 

4)  Nebenbei  bemerkt,  Verstössen  Hicks'  ergänzungen  nicht  selten 
gegen  die  gesetze  der  Silbentrennung.  So,  um  bei  dieser  inschrift  zu 
bleiben:  \v\6\  25,  \9\vö\  28,  \x\fi^w\  185,  [»arax€;^|a)^Mr^ya]  166  etc., 
was  alles  van  Gelder  (G.  D.  I.  8768)  unkritisch  abdruckt. 


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296  E.  NachmanBon 

2)  Zwei  oder  drei  konsonanten  werden  zur  folgenden  silbe 
gezogen,  wenn  mit  ihnen  ein  griechisches  wort  beginnen  kann 
(über  a  -f-  kons.  s.  3)),  z.  b.  yelygafi^ivov  155,  101,  dedolx^-ai 
761,  43  elßSof^at  890,  29.  Zuweilen  auch  einige  andere  gruppen> 
s.  Kühner -Blass  I  §  91,  4  a.  Yon  diesen  ist  auf  Rhodos  yfi 
belegt,  xdQv\yf4a  155,  31. 

Aus  dieser  regel  folgt,  dass  geminaten  getrennt  werden, 
z.  b.  Bäa\aov  648,  1,  67tav\y[ikl](ayraL  762  A,  19,  ebenso  nasal 
oder  liquida  -f-  kons,  (ausser  juy,  mit  dem  ja  ein  wort  anfangen 
kann,  yv\uvaal&a^ov  I.  G.  Sic.  It  256,  20  (Gela),  indess  yviij- 
vdaiov  ibid.  25),  z.  b.  ävdQidv\r(av  58,  14,  L^Ar€^a[y]|()^^  155,  16 
(pikooTOQlyiag  72b,  17  u.  s.  w.  Ausnahme  macht  nur  £o(y)- 
ar[a]\vrivov  911,  2  (christl). 

3)  Bei  der  gruppe  a-konsonant  haben  die  Griechen  sehr 
geschwankt.  Das  war  auch  der  fall  auf  Rhodos.  Getrennt 
sind:  €Qano\Tav  9,3,  Ov€o\7taoiav6v  58,  6,  xaXkia\ro)v  ib.  9, 
XQdTia]\TOv  95  b,  2,  7rXsta\Tav  762  A,  5,  7cQoa\xdQaiog  791,  3  *), 
altr]oaa\&ü}  890,  19,  7caQ€la\{xyp^ai  922,  12,  ifßaq>ia\fÄCcrog  Ath. 
mitt  21,  53,  n.  51,  1.  Diesen  9  fällen  gegenüber  stehen  fol- 
gende 6:  2eßa\aT0v  59,3,  Jafio]\a&€VTjg  72b,  5,  ^^Qi\aT6ßiog 
128,  3,  €v[e]\ataii6Teg  155,  20,  €VTvxB\a[Tdt(av  772  b,  2,  evas- 
߀\[araTCJv  ib.  1  (deutliche  spur  von  a). 

4)  Die  beiden  komponenten  eines  diphthonges  werden  nicht 
getrennt,  z.  b.  UQOta^i\evactvTa  58,  15,  7coi\€iaS^(av  762,  22. 
Ausnahme  nur  rtQo[aax]dQa\iog  798,  1. 

5)  Diese  regeln  gelten  auch  bei  zusammengesetzten  Wörtern. 
Die  wenigen  belege  sind:  k\^ai(H>vfi9vov  155,  72,  i\^oxJjv  Nero's 
brief  z.  16,  a]\7tidoaav  ibid.  13,  (ganz  unsicher  ist  i|[7raivov- 
fiivav  839,  10),  ebenso  7ux\t  evog  839,  30.  Nur  einen  fall  habe 
ich  gefunden,  wo  mit  nichtbeachtung  der  gewöhnlichen  regeln 
nach  den  kompositionsgliedern  getrennt  ist,  avv\[B]ifcnfia%daf 
155,  46.    Zu  diesem  abschnitte  vgl.  Crönert,  Qu.  Herc.  15  f. 

Nach  aufgäbe  des  alten  alphabets  und  annähme  des  ioni- 
schen hat  man  zuerst  atoiytidov  geschrieben  (indessen  ist  diese 
anordnung  auf  Rhodos  nur  einmal  belegt,  n.  760),  dann  hat 
man  sich  allmählich  das  später  übliche  System  angeeignet.  Der 
umstand,   dass  einige  ausnahmen  von  den  gewöhnlichen  regeln 


1)  Dittenberger's   erklärang  dieses  wortes  (Syll.  '  n.  626  ')  ist  der 
von  Hiller  gegebenen  (Paoly-Wissowa  III  1  8.  1017)  vorsuziehen. 


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Rbodische  beitrage.  297 

in  Inschriften  des  4.  oder  3.  Jahrhunderts  vor  Chr.  zu  finden 
sind  (n.  677,  798,  799,  905)  deutet  darauf  hin,  dass  auf  Rhodos 
wie  anderwärts  (vgl.  dazu  Crönert  a.  a.  o.  16  f.)  dies  System 
erst  gegen  200  y.  Chr.  ausgebildet  war.  —  Dass  mau  in  der 
späten  kaiserzeit  mitunter  nachlässiger  wurde  (n.  652',  91 1), 
darf  nicht  befremden. 

Stockholm,  16.  juni  1902.  Ernst  Nachrnanson. 


Contributions  to  Old  Italic  Etymology. 

Oscan  aflakus^  aflukad  :  Latin  (ahßaqueo. 

In  the  Capuan  curse  of  Vibia  this  verb  occurs  three  times 
as  foUows:    usurs  inim   malaks  nisirus  pakin   kluvatiud  vala- 

mais  pfuklu?] ^)  aflukad  (11.  2 — 3),  and  9vai  puh  afiakus 

pakim  kluvatiium  valaimas  puJdui  8upr[uis?]  inim  tuvai  leginei 
inim  sakrim  svai  puh  aflakus  huntrus  teras  (11.  10 — 11).  In 
the  latter  passage  'as  in  1.  8'  ptddui  is  probably  to  be  cor- 
rected  to  puUum  (cf.  the  yarious  emendations  coUected  by 
V.  Planta,  11,  629,  and  Conway,  127).  The  a  seems  to  be 
original  in  this  Oscan  verb,  so  that  u  in  the  subjunctive  aflukad 
was  apparently  a  secondary  development  (cf.  v.  Planta,  I,  238, 
284—285).  Previous  conjectures  as  to  the  meaning  of  the 
word  have  been  suramarized  by  v.  Planta,  IL  627,  although 
he  finds  none  of  them  altogether  satisfactory.  Perhaps  we  may 
compare  with  aflakus  Latin  lacio,  lax  (Festus,  ed.  Tb.  de  Ponor, 
83,  ladt  decipiendo  inducit.  Lax  etenim  fraus  est)^  laqueus, 
and  Old  Church  Slav.  Iqka  *trick',  l^öq  'I  seize,  entrap'  (cf.  Fick, 
I  *.  535,  n  ».  216,  648).  Furthermore,  in  Latin  the  verb 
laqueo,  the  denominative  from  laqueus,  is  used  in  composition 
with  ab,  the  equivalent  of  Oscan  and  Old  Latin  af^  as  in  Cato, 
RR.  29,  et  si  ibi  olea  erit,  sirrnd  ablaqueato,  stercusque  addiio, 
and  Gloss.  Latino-Graec.  (Goetz,  II.  4,  3),  ablaqueata  Siogvx- 
diwa.      While   the   force  of   the    compounded    verb    evidently 

1)  The  intervening  words  anikadum  damia leginum  seem 

too  corrupt  to  admit  of  satisfactory  interpretatioQ, 


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298  Louis  H.  Gray 

differed  in  Oscan  and  in  Latin,  the  root  meaning  seems  to  hare 
been  *to  seize  unexpectedly  or  by  guile,  to  ensnare,  to  carry 
off.  My  suggested  rendering  for  the  two  passages  cited  would 
accordiugly  be:  ^may  she  entrap  (my)  enemies  and  foes  nearest 
to  [i.  e.,  likest  to?]  Paoius  Cluvatius,  son  of  Valaima',  and» 
'whether  thou  shalt  have  entrapped  Pacius  Cluvatius,  son  oi 
Valaima,  as  doomed  both  to  the  gods  above  and  to  thy  host, 
or  shalt  have  entrapped  him  beneath  the  earth', 

Oscan  cadeis  :  Late  Latin  cadmeus, 

The  OTT.  ley.  cadeis,  Tab.  Bant.  6,  evidently  denotes  from 
the  context  'disadvantage'.  The  most  obvious  etymology  for 
the  Word  is  the  root  found  in  Doric  xado),  Skt  k(id  (lexicogra- 
phical)  'injure',  Latin  cadamitas  (cf.  Lindsay,  Lat.  Lang.»  286, 
and  see  Mar.  Vict.  8,  15,  ed.  Keil,  Gramm.  Lat  VI,  Grn.  Pom- 
peius  Magnus  et  scribebat  et  dicebat  kadamitatem  pro  cahmi- 
tate)  1).  For  the  root  kad  in  Italic  we  may  probably  quote  in 
addition  to  cassus  <  *kad-tus  also  Gloss.  cod.  Sangell.  912 
(Goetz,  Corp.  Gloss.  Lat,  IV  215),  catmea  victorie  non  bone, 
which  Goetz,  V  160,  emends  to  cadfnea(e),  (rBiher*cadamea{e)?) 
<  *kadim'eO'  like  cadamitas  <  ^kadim-üas  (cf.  Sommer«  Lat 
Laut-  und  Formenl. ,  121).  If  the  comparison  of  cadamiUu 
and  cadmeus  with  cadeis  be  correct,  the  meaning  of  the  Oscan 
word  would  seem  to  be  established. 

Oscan  angetuzetj  angüu-  :  Latin  ango. 

The  verb-root  atigito-  is  found  but  twice  in  the  Italic  in- 
scriptions  thus  far  discovered,  both  times  in  the  Bantine  Tablet 
The  first  passage,  1.  2,  is  corrupt,  q  moUam  angitu . .  .,  and  is 
rendered  by  v.  Planta  'quaestor  multam  fro^osuerif,  The 
second  instance,  11.  18 — 20,  is  tolerably  clear,  pon  censtur 
Bansae  tautam  censazet  pis  eeus  Bantins  fust  censamur  esuf  in 
eituam  poizad  ligud  isusc  censtur  censaum  angetuzet  This  is 
translated  by  v.  Planta,  'quum  censores  Bansae  popnlum  cen- 
sebunt,  qui  ciuis  Bantinus  erit,  censetor  ipse  et  pecuniam,  qua 
lege  ii  censores  censere  proposuerint'.     The   first   point   to   be 

1)  For  other  etymologies  see  v.  Planta,  Osk.-Ümb.  Gramm.,  1.  S27, 
471  f.,  Fick,  Vgl.  Wtb.,  1.  *  32. 


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Gontribations  to  Old  Italic  Etymology.  299 

considered  is  angetuzet.  Various  etymologies  ha^e  been  suggested 
for  it,  particularly  with  Latin  gnosco,  Lithuanian  ziniiti  as 
Standing  for  *  an^en-t^zet ,  or  with  the  Latin  verbs  ingesserä, 
ago,  or  aio  (see  v.  Planta,  L  329,  441,  475,  IL  261,  343).  The 
arguments  of  v.  Planta  against  a  derivation  from  *an^e(n)' 
i-uzet  seem  to  me  valid,  but  I  am  unable  to  accept  a  com- 
parison  with  ago  or,  as  he  prefers,  aio,  since  noither  of  these 
words  has  in  any  of  its  cognates  a  nasalized  form  of  the 
root.  I  think  it  possible,  howeTer,  to  connect  the  Oscan  Terb 
with  the  Indo-Germanic  root  an§h-^  Sanskrit  arhhas,  Avesta 
qzah,  Armenian  anjük,  ancuk,  Old  Church  Slavic  qzhkb,  Greek 
ayx^f  Gothic  aggwus,  Old  Irish  cum-ung,  and  Latin  angö 
(Brugmann,  Grundr.,  I  >.  549).  In  all  these  dialects  the  root 
meaning  is  *to  narrow\  whence  may  be  derived  the  signification 
'to  constrain',  which  is,  I  think,  its  force  in  Oscan.  In  for- 
mation  angetuzety  angitu .  .  .  is  an  iterative  like  Umbrian  etaians 
'itent',  dato  'itate',  Latin  vocUo,  agito,  sciscüo,  etc. 

The  second  point  concerns  the  Infinitive  cenzaum.  It  is 
noteworthy  that  the  Osco-Umbrian  dialects  have  no  present 
infinitive  which  is  distinctively  passive  (Bück,  Chicago  Studies, 
I  137,  V.  Planta,  II,  405).  The  same  form  must  consequently 
do  duty  for  both  voices  (cf.  Giles,  Manual  *,  469).  Thns  we 
have  Capnan  fatium  (v.  Planta,  129,  6;  8  sa  Conway,  131), 
Latin  fatsriy  and  probably  Umbrian  stiplo  (Tab.  Ig.,  VL  a,  2), 
Latin  stipuläri,  It  would  then  seem  preferable  to  render  cen- 
zaum by  'censeri'  than  by  'censere'.  I  accordingly  suggest 
translating  the  passage  ander  consideration :  'when  the  censors 
shall  make  a  census  of  the  people  of  Bantia,  whosoever  shall 
be  a  Bantine  Citizen  shall  have  his  census  taken  there  (?  cf. 
v.  Planta,  I,  509—510),  even  as  regards  his  money,  according 
to  whatever  law  those  censors  shall  compel  the  census  to  be 
made'. 

Volscian  aepu  :  Latin  sequo. 

The  Volscian  word  sepu  occurs  once,  Tab.  Velit  3,  in  a 
line  which  forms  a  complete  sentence  by  itself,  sepis  touticu 
couehriu  sepu,  ferom  pihom  estu.  The  two  preceding  lines  of 
the  tablet  prescribe  an  expiatory  ofifering  for  touching  the 
Statue  of  Decluna.  The  line  under  discussion  is  rendered  by 
V.  Planta,  II.  543,   cf.  652,  'siquis  publice  conuentu  sciente, 


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300  Louis  H.  Gray 

ferre  pium  esto'.  Tbe  word  sepu  is  therefore  regarded  as  an 
ablative,  and  it  is  compared  with  Oscan  sipus  'sciens'  (cf. 
V.  Planta,  I.  94,  II.  396,  Conway,  Ital.  Dial.,  655—656).  Apart 
from  pbonological  difficulties,  there  is  a  serious  syntactic  ob- 
jection  wbicb  may  be  urged  against  such  a  translation  as 
y.  Planta  proposes,  for  tbe  conditional  clause  tben  has  no  yerb. 
It  seems  doubtful  wbetber  sepu  is  a  participle  in  tbe  abiatiye 
Singular.  I  am  inclined  to  regard  it  as  a  yerb  in  tbe  third 
Singular  of  tbe  future  perfect  (cf.  atahus,  1.  1).  Against  this 
it  may  be  urged  tbat  final  s  is  written  in  Oscan  and  its  kin- 
dred dialects.  In  this  yery  inscription  we  find  atahus,  sepis 
(twice),  pis,  uesclis  (cf.  y.  Planta,  I.  581 — 582,  Brugmann, 
Grundr.,  I  *  921).  On  tbe  otber  band  8  may  either  been 
omitted,  as  in  tbe  Capuan  AnniiH  for  Anniieis  (y.  Planta,  137 
—  Conway,  107),  or  baye  been  a  Latinism  like  Yestinian  Uetw 
for  Uetios,  especially  as  tbe  Volscian  inscription  is  written  in 
tbe  Latin  alpbabet.  If  we  are  justified  in  reading  8qi>U8  for 
sepu,  tbe  yerb  is  not  to  be  compared  with  Latin  sapio,  Old 
High  German  int-sefflu,  but  with  Latin  sequor,  Greek  %7toiiai^ 
Old  Irisb  do-seich  (cf.  Fick,  I  *  137,  559,  II  *  295—296).  Tbat 
*seq^--  has  an  actiye  as  well  as  a  middle  yoice  is  clear  not  only 
from  Sanskrit  sacati,  Greek  yTcw  beside  ^rtofiaiy  Old  Irish  do- 
sechim  beside  do-sechur,  but  also  from  Latin  sequo  (Aulus  Gellius, 
XYm.  9,  8,  nam  et  sequo  et  sequor  et  item  secta  et  Sectio  con- 
suetudine  loquendi  differunt^  sed  qui  penittis  inspexerü,  origo  et 
ratio  utriusque  una  est,  see  also  Priscian,  Instit,  VIII.  29,  ed. 
Keil,  Gramm.  Lat,  II.  396).  The  yerb  sepu  is  used  here  abso- 
lutely  as  is  frequently  tbe  case  with  sequi  in  Latin,  e.  g.,  Caesar, 
BC,  I.  1,  4,  Pompeio  esse  in  animo  reipublicae  non  deesse,  si 
senatus  sequatur.  Finally,  toticu  couehriu  is  probably  an  abiatiye 
absolute  like  Tab.  Baut.  21,  toutad  praeseniid,  I  sbould  accor- 
dingly  render  Tab.  Velit.  3,  *wbosoeyer  shall  baye  conformed, 
wben  tbere  is  a  public  assembly,  let  tbe  ofifering  be  boly'. 

Pompeian  kaila  :  Latin  caelum. 

Tbe  Oscan  word  kaila  occurs  once  in  a  Pompeian  inscrip- 
tion (y.  Planta,  28,  6 — 7  =  Conway,  39),  where  it  eyidently 
signifies  *temple'  (ant  kaila  lüveis  Meeilikiieis  'before  tbe  temple 
of  Melician  Jupiter').     Tbe  reading  kaüa  instead   of  tbe  old 


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Contributions  to  Old  Italic  Etymology.  äOl 

katda  may  now  be  considered  as  fixed  (cf.  t.  Planta,  II.  499, 
767,  Conway,  58).  Bücheler's  comparison,  Umbrica,  49,  with 
Latin  calare,  Oreek  v.ali(a  does  not  seem  beyond  criticism  to 
me.  If  we  may  assume  that  Oscan  kaüa  is  derived  from 
Pre-Italic  *qaüa'',  it  may  be  connected  with  Gothic  haüs,  Old 
Irish  cä,  Prussian  kaUüstiskan  *health',  Old  Church  Slavic  cä^ 
*hale,  whole'  Greek  xoUv  to  %ak6v  (Hesychios)  (cf.  Fick,  I  *. 
375,  II  *.  88,  Brugmann,  Grundr.,  I  «.  575-576,  Ausdr.  f.  d. 
Totalität,  41—42,  50—51).  Instead  of  '^qoüo-,  ^qeüo-  for  the 
Indo-Germanic  forma  of  the  word,  as  Brugmann  proposes,  I 
ßhould  prefer  *qaÜ0',  ^qeüo',  *qoilO'  (cf.  Brugmann,  Grundr., 
I  «.  490).  Furthermore  Latin  caelum,  Caelius  may  then  be 
compared  with  Oscan  kaüa,  Gothic  haiU,  etc.  as  against  the 
etymology  of  Fick,  II  '.  62.  Germanic  and  Keltic  give  close 
semasiological  parallels  for  this  Suggestion.  Anglo-Saxon  hcel 
sometimes  signifies  *portent',  as  Beowulf  203,  h<el  sciawedon 
*omens  observed  they*,  while  the  denominative  verb  hdlsian, 
hedlsian  has  a  similar  meaning,  as  in  Elene  699,  ic  iow  hedlsie 
Purh  heofona  god  'I  adjure  you  through  the  God  of  the  hea- 
vens'.  So  too  the  Old  Norse  heü,  e.  g.,  HyndlulioS  48,  8,  eüri 
hlandinn  mipk  ülu  heilli  *mead  mingled  with  poison,  with  ill 
omen',  and  Old  High  German  heüisön,  Middle  High  German 
heüsen  have  a  like  signification.  The  Keltic  words  cognate  in 
meaning  and  in  etymology  with  Oscan  kaüa,  Latin  caelum  are 
Old  Irish  csl  *augurium',  Old  Welsh  coilu  'auguriis',  coiliaucc 
*augur',  and  Comish  chuülioc  ^augur',  cuillioges  'phitonissa' 
(Fick,  n  *.  88). 

Paelignian  uus  :  Old  Church  Slavic  vy, 

The  Paelignian  Herentas-inscription  contains  the  pronoun 
of  the  second  person  plural  twice,  both  times  in  the  same  form 
uus.  In  one  of  these  two  passages  the  word  is  plainly  nomi- 
native,  eüe  uus  'ite  vos'.  In  the  second  instance,  in  the  follo- 
wing  line  of  the  inscription,  uus  is  almost  as  certainly  a  dative, 
dida  utis  'det  vobis'.  The  dative  uus  is  explained  as  standing 
for  *vöfs,  *vöfis,  Latin  vöbis  (cf.  Brugmann,  Grundr.,  II.  817, 
Conway,  671,  Giles,  Manual  «,  301,  v.  Planta,  I.  119,  230, 
464,  II.  233).  While  this  theory  is  plausible,  there  is  another 
possibility  worth  noting.  To  the  Latin  accusatives  nös,  vös  the 
Old   Church  Slavic  ny,  vy  correspond   exactly.     These   same 


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302  Louis  H.  Gray 

forms  ny,  vy  serve  as  enclitic  daÜTes  plural  bedde  the  non- 
enclitic  natm,  vatm  (cf.  Miklosich,  Vgl.  Gramm.,  III  *.  46, 
IV.  72—75,  Leskien,  Hdb.  d.  altbulg.  Spr.  »,97,  Vondr4k, 
Altkirchenslav.  Gramm.,  59,  178).  With  the  Old  Church  Slavic ») 
enclitics  ny,  vy  as  acctisatives  and  datives  one  immediately 
compares  the  Gsthä  Ayesta  enclitic  accusatives  nä,  vä,  as  well 
as  the  enclitic  genitive-datives  n5,  i;»,  Younger  Avesta  nö,  vö 
and  Sanskrit  nah^  vah  (all  accusative-genitlTe-dative).  In  Indo- 
Germanic  *nes,  *ys8  evidently  served  for  the  enclitic  accosa- 
tive,  dative,  and  genitive  plnral  of  the  personal  pronouns  of 
the  first  and  second  persons  (Skt.  nah,  vah  —  acc.,  dat.,  gen. 
— ,  GAv.  «5,  f^  —  dat.,  gen.  — ,  JAv.  nö,  vö  —  acc,  dat,  gen.). 
Beside  the  atonic  *ne8,  *^e8  stood  the  tonic  *nö8,  *jfö»  (GAv. 
nä^  vä  —  acc.  — ,  Latin  nös,  vös  —  acc.  — ,  Lith.  mds,  jus  — 
acc.  — ,  Old  Gh.  Slav.  ny,  vy).  In  Slavic  the  Indo-Germanic 
*nö8,  *^ö8  assumed  at  least  a  portion  of  the  functious  of  *ne8, 
*^e8  (Audouin,  Declinaison,  358,  375 — 376,  see  also  Meillet, 
Genetif-accusatif  en  Vieux-Slave,  96).  It  may  perbaps  be  pos- 
sible,  therefore  to  regard  the  Paelignian  uns  in  the  second  of 
its  occurrences  in  the  Herentas-inscription  as  an  enclitic  dative 
which  may  be  compared  in  fanction  with  Sanskrit  vah,  Avesta 
HS,  vö,  and  in  both  fanction  and  form  with  Cid  Church  Slavic 
vy.  On  account  of  the  vocalism  we  cannot  compare  with  Pae- 
lignian VU8  the  Old  Latin  >)  nis  'nobis'  (Gloss.  Cod.  Sänge)  1., 
912,  ed.  Goetz,  IV.  261,  cf.  Festus,  ed.  Th.  de  Ponor,  33, 
Caüim  antiqui  dicebant  pro  clam^  ut  ni8  pro  nobis,  8am  pro 
suam,  im  pro  eum,  see  aJso  Lindsay,  425,  Schmalz,  137,  Som- 
mer, 444). 

Paelignian  hanustu  :  Latin  fanum. 
In  the  Paelignian  Herentas-inscription  (v.  Planta,  254,  7, 
Gonway,  216)  over  the  grave  of  the  priestess  Vibia  the  goddess 

1)  Of  the  other  Slavic  diftlects  only  Old  Gzeoh  preserved  the  accn- 
satives  ny,  vy.  Here  too  the  New  Czech,  like  the  other  langaages  of 
the  group,  sabstitated  the  genitive  (tUU^  vd$).  In  Serbian  it  is  inte- 
resting  to  note  that  m,  vi,  like  Old  Chorch  Slavic  »y,  oy,  are  fonnd 
beside  the  regulär  dative  forma  nama^  vama  (Miklosich,  m  *.  360 — 361, 
216). 

2)  Still  more  doabtfal  is  the  Old  Latin  noi9  or  noMt  of  the  Daenoe- 
inscription,  even  if  it  means  'nobis',  whioh  is  very  uncertain  (cf.  Sommer, 
444,  Egbert,  Latin  Inscriptions,  846—347). 


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Contributions  to  OH  Italic  Etymology.  303 

Herentas,  who  corresponds  to  the  Roman  Venus,  has  the  epithet 
hanustu,  found  only  here  in  the  inscriptions  thus  far  discovered. 
Seyeral  conjectures  as  to  the  meaning  of  the  word  haTe  been 
collected  by  v.  Planta,  I.  463,  IL  660.  The  best  of  these  seems 
to  be  that  of  Breal,  Mem.  Soc.  Ling.,  VI.  84 — 85,  who  regar- 
ded  hanustu  as  connected  with  Latin  fänum,  Oscan  fiisna^ 
Umbrian  fesnafe  (cf.  also  Stolz,  LAt.  Gramm.  »,74,  Lindsay, 
Lat.  Lang.,  294 — 295),  even  though  fesn,  apparently  an  abbre- 
viation,  is  found  in  Paelignian  (v.  Planta,  253,  4  —  Conway, 
239).  Possibly  Paelignian  hanustu  is  for  *ha8nu8~t0y  ^fasnus-to 
(cf.  Oscan-Umbrian  fesna-)^  with  the  same  formation  as  in 
Latin  onus-tus,  vetus-tus,  venus-tus,  Umbrian  mersto  (cf.  Brug- 
mann,  Grundr.,  IL  218,  y.  Planta,  II.  40).  With  hanustu  one 
may  also  connect  the  (Faliscan?)  gloss  (cf.  Cionway,  385),  hch 
nula,  parva  delubra,  quasi  famUa,  Festus,  ed.  Th.  de  Ponor,  73. 
The  phrase  hanustu  herentas  would  tben  mean  'the  Venus  of 
the  shrine'.  It  may  well  be  that  this  goddess  was,  according 
to  the  Paelignian  cnlt,  one  of  the  eerfum  semunu  (1.  4)  whose 
priestess  Vibia  had  been. 

Umbrian  an  gif  :  Sanskrit  a^cati. 
The  Umbrian  Stv.  Xsy.  angif  is  found  in  Tab.  Ig.  U.  a,  25 
in  a  passage  reading:  arvia  puni  puHuvitu,  vestikatu,  ahtre- 
puroitu,  pustin  angif  vinu,  nums  ahtrepuratu,  tiu  puni  tiu  vinu 
teitu.  The  word  angif  is  usually  regarded  as  the  accusatiye 
plural  of  a  noun  meaning  Mces'  (Conway,  601,  Bücheier  Um- 
brica,  133—134),  although  others  compare  it  rather  with  Greek 
ayKvXi]  or  with  ayysa  (v.  Planta,  L  361).  At  all  events,  its 
kinship  to  Umbrian  anglome,  Latin  ancus,  angulus,  Greek  Synog, 
Old  Irish  ^ath  'hook',  Old  High  German  angul,  Sanskrit  awka, 
aficati,  as  well  as-with  the  Oscan  gloss  ungtdus  ^anulns',  Latin 
uncus,  Greek  oyxog  seems  certain  (cf.  v.  Planta,  I.  328,  Lind- 
say, Lat.  Lang.,  259,  Fick,  I  *.  348,  II  *.  32,  H  ».  7,  Prellwitz, 
Etym.  Wtb.  d.  griech.  Spr.,  218,  Uhlenbeck,  Etym.  Wtb.  d. 
altind.  Spr.,  4).  The  view  that  angif  is  a  noun,  however,  does 
not  seem  altogether  satisfactory  to  me,  for  vinu,  which  is 
obviously  dependent  on  angif  ^  is  hard  to  explain  on  such  a 
hypothesis.  I  regard  angif,  therefore,  as  the  present  active 
participle  of  *angio  which  is  cognate  with  Sanskrit  aücati 
*bends\  Pahlavl  anöitan.    For  the  form  the  Volscian  asif  *arens, 


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304  Louis  H.  Gray 

ardens'  (cf.  v.  Planta,  11.  651 — 652,  Bück,  Chicago  Studies, 
I.  183,  134)  is  to  be  compared,  as  well  as  Latin  forma  like 
serxribäs,  seribas,  insignibaty  mollbar,  praesagibat,  exibam,  leni^ 
bat,  etc.  (Sommer,  569,  Lindsay,  491,  Neue-Wagener,  Formenl. 
d.  lat.  Spr.  «,  m.  317—318).  If  this  explanation  of  the  üm- 
brian  word  be  possible,  then  the  phrase  anpt/  vinu  'bowing 
with  wine'  has  an  exact  parallel  in  Sanskrit.  The  definition  of 
the  root  a^c  as  given  in  the  DhStupätha,  L  203,  ed.  Böbtlingk 
(see  also  the  edition  of  Kirste,  L  105,  890  —  pp.  19,  110), 
a^cu  gatipüjanayöh  is  confirmed  by  such  a  sentence  as  bhimö 
'yam  girasaflcati  ^Bhlma  here  bows  with  his  head'  (i.  e.,  salut^). 
The  word  pustin,  like  puste,  I.  a,  25,  though  it  is  a  prepo- 
sition  governing  the  accusative  in  the  other  passages  in  wbich 
it  occurs  (IV.  13,  V.  a,  13,  18,  20,  21,  b,  8,  12,  14,  17,  so 
also  Oscan  püstin  slagim,  Cipp.  Abell.,  34),  seems  to  be  here 
a  temporal  adverb  (cf.  however  v.  Planta,  IL  450 — 451).  In 
like  manner  Latin  post  is  used  both  as  a  preposition  and  as  a 
temporal  adverb,  e.  g.,  Plautus,  Menaechmi,  36,  pauds  diebus 
pöst  Tarenti  emMiwst,  Cicero  ad  Farn.,  VII.  5,2,  atque  Ha 
miUo,  tU  initio  mea  sponte,  post  autem  invitatu  tuo  mittendum 
duxerim.  I  accordingly  translate  the  passage  under  conside- 
ration:  'let  him  present  the  fruits  of  the  field  (and)  sour  wine, 
let  him  pour  a  libation,  let  him  dance,  then  bowing  with  wine 
let  him  dance  nine  times,  let  him  say,  '*thee  with  sour  wine, 
thee  with  wine  (I  honor?)"'. 

Umbrian  amperia  :  perum. 

The  Umbrian  amperia  occurs  but  once,  IL  a,  29,  where  it 
is  found  in  the  passage,  katlu  purtuvltu,  amperia  persnihmu, 
asegeta  käme  persnihmu.  Various  conjectures  as  to  the  etymo- 
logy  of  the  word  have  been  coUected  by  v.  Planta,  I.  466—  467 
(cf.  Conway,  599).  It  seems  clear  that  amperia  is  to  be  divi- 
ded  am-peria.  The  first  component  is,  in  my  judgment,  the 
preposition  ana  (Avestan  ana,  Greek  opd,  dv,  Thessalian,  Ijes- 
bian,  Cyprian  oy,  Latin  an-helare,  etc.).  The  dental  nasal  be- 
comes  m  before  the  labial,  as  in  am-pentu  beside  an-peties^ 
a-pentu  (cf.  v.  Planta,   11.  455 — 456)  *).    The   second  part  of 

1)  Cf.  the  same  change  in  Greek,  as  in  afinvtvfia.  Find.,  Nem. 
1.  1,  dfAnenalMV,  r  355,   beside  «vinaXro,   9  85.     The  Hesychian  gloss 


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Contributions  to  Old  Italic  Etymology.  305 

the  word  is  obviously  connected  with  ümbrian  perum  'ground', 
Latin  ojhpidum,  Greek  Ttediov^  etc.  The  meaning  of  amperia 
accordingly  seems  to  be  'placed  on  the  sacrificial  space'. 

Umbrian  niru  :  Greek  vIqov. 
The  Umbrian  word  niru,  which  occurs  once,  11.  b,  15,  in 
the  pbrase  pistu  niru  fertu  has  been  connected  with  hesitation 
by  V.  Planta,  L  375,  with  Latin  nigrum.  Bücheier,  ümbrica, 
146,  is  probably  correct  in  bis  explanation  of  niru  as  'pistum 
frumenti  genus  aut  leguminis',  and  equally  justified  in  declining 
to  identify  it  with  Greek  vijqiov.  As  a  mere  conjecture  I  offer 
the  Suggestion  that  the  Umbrian  niru  may  be  related  to  the 
Hesychian  gloss,  viqov  fiiya.  In  meaning  niru  may  denote 
either  the  size  of  the  grain  which  is  to  be  ground,  or,  less 
probably,  its  quantity  (cf.  magno  in  populo,  Verg.,  Aen.  I.  148). 

Umbrian  eru  'ab  se'. 

The  pronoun  eru  in  the  passage  Tab.  Ig.,  V.  a,  7 — 10,  has 

occasioned   much    discussion.     The   section  in  questioii   reads, 

revestu  pure  terte,  eru  emantur  herte,  et  pihaklu  pune  tribrigu 

fuiest,  akruiu  revestu  emantu  herte,    Here  the  last  three  words 

are  plainly  parallel  to  revestu eru  emantur  herte.    Of 

all  the  translations  only  v.  Planta's  (II.  568,  cf.  671),  'reuisito 
a  quo  datnr,  ab  eo  emantur  oporteatne',  recognizes  the  fact 
that  eru  is  ablative  singuIar  masculine.  On  the  other  band  I 
think  Conway,  517,  correct  when  he  renders  pure  terte  by  'quod 
datur'.  The  question  is  at  once  suggested  as  to  whom  or  what 
eru  refers  and'how  it  is  to  be  construed.  It  is,  I  think,  an 
ablative  of  agent  after  emantu(r)  herte  and  refers  to  the  im- 
plied subject  of  revestu.  It  consequently  Stands  for  the  re- 
flexive which,  like  all  the  personal  pronouns,  has  no  ablative 
in  the  Osco-Umbrian  dialects.  Ablatival  forms  like  Old  Latin 
sS(d),  mE{d),  te(d)  (cf.  Neue- Wagener ,  Formenl.  d.  lat.  Spr.  *, 
II.  354)  are  not  found  in  the  other  Italic  languages.  It  would 
seem  therefore  that  the  personal  agent  in  Osco-Umbrian  was 
expressed  by  the  instruroental-ablative  without  a  preposition, 
diverging  herein    from   the  Latin  usage.     Although   it  is  true 

dfina^lfiv'  (favBQ^s  cannot,  if  correctiy  transmitted,  be  compared  with 
Umbrian  ampetia  on  account  of  the  vocalization. 

Beitrag«  z.  knnde  d.  indg.  spraoheii-    XXVU.  20 


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306  Louis  H.  Gray 

that  Latin  from  the  earliest  moDuments  onward  employs  a(b) 
with  the  ablative  to  denote  the  personal  agent  with  yerbs  in 
the  passive  voice  and  grows  careless  of  this  rule  only  in  the 
decadence  of  the  langaage  (Schmalz,  Lat.  Synt.  ^  252,  Draeger, 
Hist.  Synt  d.  lat.  Spr.  «,  L  547—548),  yet  I  believe  that  this 
use  of  a(b)y  as  of  the  corresponding  syntactic  equivalent  v^o 
in  Greek,  is  relatiyely  a  late  development,  and  that  the  Osco- 
Umbrian  adheres  in  this  regard  to  Indo-Germanic  usage  (cf. 
Delbrück,  SR,  V.  135—136,  Vgl.  Synt.,  I.  268—269,  Audouin, 
Declinaison  dans  les  langues  indo-europeennes,  321).  I  should 
accordingly  prefer  to  render  the  passage  here  considered,  're- 
yisito  quod  datur,  (ab)  se  emantur  oporteat  (ne),  et  piacalomm 
qunm  temio  fiet  ex  agro,  revisito,  einantor  oporteat(ne)'. 

Umbrian  anderuomu  :  Latin  interluo. 
The  Umbrian  S/r.  Xey,  anderuomu  occurs  Tab.  Ig.,  VL  b,  41, 
anderuomu  sersUu  arnipo  comatir  pesnis  fust.  Bücheier  renders 
the  word  'inter  rogos',  while  y.  Planta,  L  380—381,  hazards  a 
connection  with  Latin  lämen  or  Umbrian  uoco-  or  9ub-{y^jocO'. 
As  a  very  doubtful  Suggestion  one  might  regard  anderuomu  as 
an  instrumental-ablative  of  manner  (cf.  Conway,  500 — 501)  from 
ander-uo-mO'  <  *  ander 4U'mO'  (cf.  on  Umbrian  u  <  Z  v.  Planta, 
L  285 — 289).  The  word  would  then  be  a  -mo-  formation,  like 
Oscan  eg-mo,  Latin  fä-mä,  ro-mus,  to  Latin  lue,  lutum,  Greek 
loßco,  Xovü),  Armenian  loganem,  etc.  (cf.  Fick,  I  *.  539,  11  •. 
223—224),  as  well  as  to  Latin  lö-mentum,  Greek  Xv-firj.  The 
meaning  of  anderuomu,  if  this  Suggestion  be  adopted,  may  be 
gained  from  the  foi:pe  of  the  cognate  Latin  interluo  in  such  a 
passage  as  Cato,  RR.,  132,    cum  pollucere  oportdnt,  sie  fades 

manus  interluito,  poetea  vinum  sumüo.    The  passage 

under  discussion  would  accordingly  seem  to  signify,  'let  him 
Sit  with  a  (ritualistic)'  washing  (of  the  hands)  between  (the 
stages  of  the  sacrifice),  until  he  shall  have  prayed  when  (the 
grain  offering)  is  ground'. 

Umbrian  asiane, 

Umbrian  asiane  occurs  but  once,  Tab.  Ig.,  I.  a,  25,  in  a 

passage  reading,  puste  asiane  fetu,  zeref  fetu,     Previous  sugge- 

stions  relative  to  this  obscure  word  are  collected  by  y.  Planta, 

I,  388,  526,   who  seems  to  me  correct,   I.  526,   Ö.  7,  32,   in 


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Gontribntions  to  Old  Italic  Etymology.  307 

associating  it  with  Umbrian  aso,  Marrucinian  asumj  Latin  os- 
säre, New  High  German  esse,  etc.,  with  the  suffix  -ano-.  It 
is  possible  that  asiane  is  a  deriTative  from  a  proper  name  *asfO', 
and  is  the  designation  of  some  building  in  Iguvium  near  the 
Veian  gate.  Various  places  belonging  to  or  named  after  per- 
sona are  mentioned  in   the  Umbrian   inscriptions,  especially  in 

VI.  a,  12 — 14,  presoliafe  nurpier, tettome  müenitar, 

carsome  uestisier,  etc.     Further,  the  'Ono-  formation 

freqnently  gives  derivatives  from  proper  names  both  in  Osco- 
Umbrian  and  in  Latin  (v.  Planta,  II.  32—33,  Lindsay,  326— 
327).  The  name  *asiO'  may  have  belonged  either  to  a  man, 
in  which  case  the  Umbrian  (?)  name  Asania,  i.  e.,  As-ania, 
cited  as  occurring  bnt  once  by  Conway,  446,  may  be  compared 
if  (mane  is  to  be  analyzed  as-i-äne,  or  to  a  local  fire-godling 
of  the  Iguvines  who  offered  a  sacrifioe  at  bis  shrine  during 
their  lustral  procession. 

Umbrian  ruseme  :  Old  Norse  rodra. 
The  Word  rt^seme  occurs  three  times  in  the  Iguvine  Tables, 

VII.  a,  8,  ape  supo  postro  pepescus,  enom  pesclu  rusetne  uesti- 
catu,  Vn.  a,  9,  enom  uesclir  adrir  ruseme  eso  persnihimu, 
VII.  a,  23 — 24,  enom  ruseme  perschu  uesticatu,  The  term  is 
quite  unclear  (cf.  the  explanations  coUected  by  v.  Planta, 
I.  161,  428),  but  I  believe  that  v.  Planta,  IL  50  is  right  in 
thinking  that  the  root  of  rusetn-e  ends  in  a  dental  and  that 
the  word  is  a  -^i-formation.  Possibly  ruseme  refers  to  the  raw 
flesh  of  slaughtered  victims,  especially  as  the  words  in  other 
Indo-Oermanic  dialects  which  I  regard  as  its  cognates  some- 
times  have  special  application  to  slain  animals.  I  think  that 
rusi  is  for  *rudh4%  (cf.  Sanskrit  nidA-tVa  *red',  Greek  e-^ö-^og, 
Latin  rub-rum,  rus-sus  <  ^rudh-so-,  Umbrian  ruf-ru,  Old 
Church  Slavic  rbd-rb,  Old  Norse  roä-ra,  Fick,  I  *.  116).  The 
form  rtm  instead  of  *rusti  may  be  compared  with  Latin  ßissus 
<  *iudh-tO'  (Sanskrit  yuddhi)  and  Latin  gressus  <  *gredh-to- 
(Gothic  grids)  (cf.  Bnigmann,  Grundr.,  I.  •  627,  v.  Planta, 
I.  423,  bat  against  this  Sommer,  281,  645).  As  another  ex- 
ample  of  Umbrian  s  <  dh-t  one  may  cite  the  word  Fisiu  if 
this  Stands  for  *bhüdhrtO',  as  v.  Planta  says,  rather  than  for 
*bh%dh'SO',  as  Brugmann  is  inclined  to  believe.  The  etymology 
here  suggested  for  Umbrian  ruseme  I  regard  as  merely  tenta- 

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308  Louis  H.  Gray 

tiye,  but  I  think  tbat  the  resultant  meaning  'blood'  fits  tbe 
context  a  little  better  tban  previous  explaDations.  It  is  worth 
notiDg  in  this  coDnection  tbat  Old  Norse  rodra,  wbicb  I  regard 
as  related  to  ruseme,  refers  especially  to  the  blood  of  slaugh- 
tered  animals. 

Umbrian  furfaO  :  Sanskrit  gfbhnOH. 
Tbe  Umbrian  verb  furfa-  is  of  extremely  doubtful  etymo- 
logy.  Tbe  four  passages  in  wbicb  tbe  word  occurs  are  as 
foUows:  I.  b,  1  vuhikum  luviu,  pune  uvef  furfad,  tref  viünf 
turuf  Marte  Hufie  fetu  =  VI.  b,  43,  uocucam  louiu,  ponne 
oui  furfant,  uitlu  foru  trif  fetu;  VI.  b,  17,  eno  mefa  uestisia 
8opa  purome  efurfcUu,  subra  spahmu  =  VII.  a,  38,  enno  uesti- 
sia mefa  spefa  sopam  purome  efurfcUu,  subra  spahamu,  The 
old  etymology  of  furfaß  was  witb  Latin  februus  (Breal,  Tab. 
Eug.,  132 — 134),  still  held,  apparently,  by  Brugmann,  Grundr., 
IL  958.  The  Suggestion  of  v.  Planta,  I.  459—460,  tbat  the 
verb  may  perhaps  be  compared  witb  Latin  forfex  and  contain 
the  root  bher  'out'  seems  ratber  improbable.  If ,  on  the  other 
band,  y.  Planta  is  rigbt  wben  he  states,  L  111,  tbat  Italic  o 
becomes  u  before  rf  (whence,  by  implication,  Itahc  or  from 
Indo-Germanic  r  becomes  ur  before  f/),  it  seems  possible  to 
suggest  an  etymology,  wbicb  is  at  once  pbonologically  correct 
and  suitable  to  the  context,  and  possessed  of  morpbological 
parallels.  I  think  that  Umbrian  furfad  may  be  derived  from 
Indo-Germanic  ghrabh  'seize',  Sanskrit  grbhnäti,  Old  Church 
Slavic  grabiti,  Old  High  German  garba,  English  grab,  etc.  Um- 
brian furf-  from  ^ghrbh-  may  be  compared  eitber  witb  the 
Sanskrit  present  stem  seen  in  grhUkäs,  grhita,  grhisva,  agrhUäm 
or  witb  the  aorists  grhe,  gfhat^,  gfhämahi,  if  indeed  these  latter 
forms  are  not  ratber  presents  (cf.  Delbrück,  Vgl.  Synt,  IL  76). 
From  the  same  low  grade  of  this  Indo-Germanic  root  comes 
the  New  High  German  verb  grappen,  grapen  (Hirt,  Ablaut  80). 
If,  on  the  other  banrl,  Sanskrit  grhe,  etc.  are,  as  Whitney 
supposes,  aorists  (cf.  the  root-aorists  grbhäna,  agrbhran  and  see 
Whitney,  Uoots,  40),  we  then  have  one  of  the  instances  where 
a  given  root-grade  has  an  aoristic  force  in  one  language  and 
a  present  value  in  another  (cf.  Delbrück,  Vgl.  Synt.,  II.  100 
— 101).  Other  Umbrian  words  from  Indo-Germanic  roots 
which  have  no   equivalent   in  Latin  are   not  lacking.     As  an 


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Contributions  to  Old  Italic  Etymology.  309 

example  tbe  I3mbrian  hahina  'goat'  may  be  cited.  This  word 
is  to  be  compared  with  Sanskrit  chäga,  Älbanian  ked,  Old 
Church  Slavic  koza,  Anglo-Saxon  hicen  (cf.  Wackernagel,  Altind. 
Gramm.,  I.  155,  otherwise  v.  Planta,  I.  336).  Finally,  for  the 
preservation  of  tbe  double  aspirate  in  Italic  from  ^ghfbh-  we 
may  compare  Oscan  feihüss^)  'muros',  Latin  fig-ura,  Greek 
TfiZ^og,  Gothic  deigan,  Sanskrit  dehi,  etc.  from  Indo-Germanic 
*dhei§h.  The  two  passages,  I.  b,  1  and  VI.  b,  17,  quoted  abore, 
are  accordingly  to  be  rendered,  if  furfad  is  connected  with  the 
root  *ghfbh-,  as  follows:  'in  the  grove  (?)  of  Jupiter,  when  one 
takes  the  sheep,  let  bim  offer  three  bullocks  to  Hudian  Mars', 
and  *tben  let  him  take  out  to  the  fire  and  spread  above  it  the 
sacrificial  cake,  the  libation,  and  the  entrails'. 

Umbrian  andersafust  :  Italian  andare. 
The  yevh  andersafust,  andirsafust,  aterafust  occurs  three 
times  in  the  Iguvine  Tablets  in  the  following  passages :  I.  b,  40, 
pusieriu  parte  puplu  aterafust  «  VII.  a,  46,  postertio  pane 
poplo  andirsafust,  VII.  b,  3,  appei  arfertur  Atiersir  poplom 
andersafust.  The  meaning  of  the  verb  (cf.  Bücheier,  ümbrica, 
113)  is  clearly  'circumdederit,  ambieverit',  literally  **arabidederit'. 
It  is  a  Compound  of  Umbrian  amfr-,  amf-,  am-  (Latin  afnbi-, 
Greek  a^qpt,  etc.)  and  the  root  da  (v.  Planta,  I.  294,  IL  246 
—247,  455,  cf.  also  Osthoff,  Perfect,  240—241,  Brugmann, 
Grundr.,  II.  967,  Bück,  Chicago  Studies,  I.  132).  While  no 
exact  Latin  representative  of  this  Umbrian  verb  is  found,  the 
word  andersafust  has,  I  think,  a  Romance  descendent,  the 
Italian  andare  and  the  Spanish  and  Portuguese  andar.  The 
y^rb  andar(e)  has  given  rise  to  much  discussion  among  Ro- 
mance scbolars.  Among  other  etymologies  Körting,  Lat.-Rom. 
Wtb.  *),  283,  traces  andar(e)  to  *am(b)dare.  This  is,  I  believe, 
the  correct  view.  The  Latin  ^ambdare,  *ambidare  corresponds 
precisely  to  the  Umbrian  andirsafust,  while  it  has  given  rise, 
through  the  transition  grades  *amdare,   *  andare  to  the  form 


1)  On  the  phonetio  valne  of  this  h  cf.  v.  Planta,  I.  486,  446—447. 

2)  In  the  second  edition,  51 — 55  Körting  seems  to  nie  to  retro- 
grade decidedly  when  he  regards  Latin  ambularB  as  the  only  possible 
ancestor  for  andarfej.  The  objection  of  Br6al,  Mem.  Soc.  Ling.,  XII.  2, 
to  the  postulation  of  a  Latin  verb  *ambdare^  *amhidare^  seems  to  me 
nngronnded. 


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310     Louis  H.  Gray     Contributions  to  Old  Italic  Etymology. 

found  in  ItaliaD,  Spanish,  and  Portuguese.  We  tbus  have  the 
interesting  pbenomenon  of  an  Italic  verb  unknown  in  Latin  and 
even  in  Folk-Latin,  yet  existing  in  a  neigbbouring  cognate  dia- 
lect  and  preseryed  in  impoi*tant  members  of  tbe  Romance  group. 

Umbrian  vatuva  :  Latin  vates. 
The  Substantive  vatuva  occurs  twelve  times  in  the  Iguvine 
Tablets,  only  in  the  phrase  vatuva  ferine  fetu  (also  spelled 
vatuvu,  uatuo,  uatue),  The  etymology  of  the  word  has  been 
discussed  by  v.  Planta,  I.  350  (cf.  also  426,  287)  but  bis  com- 
parison  with  Sanskrit  kvathati  ^boils'  seems  to  me  extremelj 
doubtful,  even  if  the  change  of  root-determinative  from  p  to 
th  be  granted  (cf.  Brugmann,  Grundr.  I  *.  790).  On  the  other 
band  I  think  he  is  right  in  regarding  vatuva  as  a  stem  in 
-^0-  (IL  163,  cf.  13 — 15)  like  Umbrian  saluuom,  mersuva).  For 
the  etymology  of  the  word  it  seems  both  simpler  and  clearer 
to  connect  vatuva  with  Latin  vates,  Gothic  wödSy  Sanskrit  api- 
vätayati  'understands',  etc.  The  word  would  then  signify  *re- 
lating  to  augury,  and  the  formula  vatuva  ferine  fetu  is  to  be 
translated,  %i  bim  put  the  things  relating  to  augury  on  the 
barrow'. 

Princeton,  N.  J.,  U.  S.  A.,  April  24,  1902. 

Louis  H.  Gray. 


Zur  declination  der  lettiBohen  bestimmten  a^jectiva. 

Mit  recht  verwirft  Leskien  (Declination  im  Slavisch- 
Li tauischen  und  Germanischen,  s.  135)  die  ansieht  von  Bielen* 
stein  und  Miklosich,  dass  in  der  declination  der  bestimmten 
adjectiva  das  Lettische  in  allen  casus  das  thema  des  adjectivs 
enthalte  und  eine  form  wie  der  nom.  pl.  labe  „die  guten'*  durch 
contraction  aus  labäji  entstanden  sei,  indem  er  hinweist,  dass 
lab^  nach  den  lettischen  lautgesetzen  gar  nicht  aus  labäji  her- 
geleitet werden  kann.  Verfehlt  ist  jedoch  die  weitere  behaup- 
tung  Leskiens:  „to&o-  kann  deswegen  nicht  stamm  des  ad- 
jectivs sein,  weil  sein  a  stets  lang  ist;  wer  es  dennoch  dafür 


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J.  Endzelin  311 

hält,  muss  eine  erklärung  der  länge  geben/^  Denn  wollte 
jemand  noch  die  ansiebt  Bielensteins  und  Miklosicbs  ver- 
treten, so  könnte  er  mebr  als  die  erklärung  der  länge  geben, 
nämlich  die  postulierte  kürze  des  a  nachweisen.  Dabei  kommen 
freilich  nicht  formen  aller  mundarten  in  betracht.  Es  werden 
nämlich  in  Rujen,  Allendorf,  Salis,  Lemsal,  Ubbenorm,  Pernigel, 
Adiamünde  und  Loddiger  in  den  Suffixen  alle  langen  vocale 
(und  an  allen  diesen  orten,  ausser  in  Loddiger,  auch  der  diph- 
thong  ü,  teilweise  auch  e)  zu  kurzen  vocalen ;  noch  weiter  gehen 
bekanntlich  in  dieser  hinsieht  die  tahmischen  mundarten  Kur- 
lands, wo  die  gekürzten  längen  teilweise  ganz  geschwunden 
sind  (vgl.  Bezzenbergers  Lettische  dialekt- Studien  150 ff. 
und  oben  XXVII  189).  Aber  auch  in  solchen  mundarten,  die 
sonst  eine  Verkürzung  der  suffixalen  längen  nicht  kennen, 
werden  gerade  vor  j  lange  suffixvocale  gekürzt;  so  z.  b.  in 
Bodenpois  und  Segewold.  Es  kann  demnach  eine  form  wie  der 
dat.  s.  v^cajatn  „dem  alten**  aus  Stenden  auch  auf  vecäjam 
zurückgeführt  werden,  denn  in  Stenden  werden  in  einigen  formen 
die  langen  suffixvocale  gekürzt:  dat.  pl.  mäcüajim  „den 
pastoren**,  inf.  iur^  „halten'^  dat  pl.  m^am  „den  töchtern**, 
loe.  s.  meza  „im  wald**,  praet.  nevarej  „konnte  nicht",  fut 
näMdis  „wird  abbeissen",  mSs  runa  „wir  sprechen",  nom.  s. 
Irbit  „kleines  rebhuhn*',  dusmigs  „zornig**  u.  a.  (daneben :  comp. 
Iftäks  „leichter**,  praet  izdzSrds  „zechte  zur  genüge**,  loc.  pl. 
puUcäs  mäjäs  „in  vielen  häusem"  u.  a.).  Dagegen  dürfen  wir 
in  folgenden  formen  keine  Verkürzung  des  a  annehmen :  dat.  s. 
smotkajam  „dem  feinen"  (Palzmar),  labajam  „dem  guten** 
(Smilten,  Dickein,  Olai,  Wallhof,  Mitau,  Grünhof,  Dohlen, 
Schwitten,  Liewenbersen ,  Siuxt,  Lesten,  Neuenburg,  Remten, 
Frauenburg,  Kursiten,  Ringen,  Grösen  u.  a.),  loc.  s.  labajä  „in 
der  guten*',  dat.  pl.  lelaßtm  „den  grossen**,  jaünaßm  „den 
jungen**  (Wolmar).  Denn  in  diesen  mundarten  wird  ursprüng- 
liche länge  des  a  auch  vor  j  bewahrt:  dat.  s.  arhjam  „dem 
pflüger*',  wäöUäjam  „dem  pastor^^  loc.  s.  Imäjä  „auf  dem 
flachsfeld**,  runäjam  „wir  sprechen'*  u.  a.  (Wolmar).  Für  die 
nomina  agentis  auf  -täja-  und  -äja-  gilt  dieses  von  allen  den 
eben  genannten  mundarten,  während  in  den  verbalformen  einige 
derselben  verkürztes  a  aufweisen:  praet.  dzedaja  „er  sang**, 
mazgajda  „wusch  sich";  daneben:  tnd^Mäjs  „pastor**  (Olai).  In 
den  mittleren  mundarten  Livlands  und  Kurlands,  die  der  letti- 


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312     Zur  declmation  der  lettischen  bestimmten  adjectiva. 

sehen  Schriftsprache  zu  gründe  liegen,  scheinen  also  bloss  ad- 
jectivformen  mit  kurzem  a  vorzukommen,  wobei  die  kürze  dea 
a  ursprünglich  sein  muss.  Formen  mit  langem  a  (z.  b.  dat 
s.  sUnkäjam  „dem  faulen")  habe  ich  in  Serbigal,  Mehrhof 
(Liyland)  und  in  den  westkurischen  mundarten  von  Nieder- 
Bartau,  Klein-Gramsden,  Preekuln,  Grobin,  Amboten,  Nigranden, 
Wirginahlen,  Schrunden,  Wormen,  Lahnen  u.  a.  gefunden.  Auf 
'äjam  muss  wohl  auch  die  endung  -am  (z.  b.  slinkäm  ,,dein 
faulen^')  zurückgeführt  werden,  die  ich  in  Firckshof,  Schneh- 
peln,  Gross-Iwanden,  Dubenalken,  Hasenpoth,  Zierau,  Sacken- 
hausen, Appricken  und  (in  Livland)  in  Adsel-Schwarzhof  gehört 
habe.  Das  a  der  schlusssilbe  wird  nämlich  auch  tonlos  ge- 
sprochen (sUnküjam  in  Wähnen  und  Kabillen ;  mundrajam  „dem 
muntern",  Ober-Bartau)  und  fällt  dann  auch  ganz  aus,  worauf 
das  j  nach  ä  gleichfalls  wegfällt  (slinkäm)  oder  mit  a,  bezw.  a, 
den  diphthong  ai  bildet:  dat  s.  mundraim  in  Kalleten^)  (ähnlich 
wird  in  Kalleten  der  nom.  s.  fem.  g.  izgajusi  hußSaa  zu  izgaisi, 
in  Wolmar  dagegen  zu  izgosi  gekürzt).  Die  formen  mit  langem 
a  hat  Leskien  (Declination,  s.  136  f.)  wohl  richtig  erklärt; 
verwerfen  muss  ich  nur  seine  erklärung  des  dat.  s.  labäjam,  in 
dem  er  mit  hinweis  auf  lit.  labqjem  aus  labäm-jam  weiterent- 
Wickelung  eines  ursprünglichen  ^labäm-jam  sehen  möchte. 
Erstens  ist  die  von  Leskien  angesetzte  urlettische  form  mit 
langem  a  ganz  undenkbar  (dieselbe  kann  nur  *labam'jam  ge- 
lautet haben),  zweitens  sind  wir  nicht  berechtigt,  Übergang  von 
-aw/-  in  -äj-  im  Lettischen  anzunehmen;  vielmehr  muss  labär 
jam  ebenso  wie  etwa  der  loc.  pl.  labäjüs  erklärt  werden,  näm- 
lich als  analogiebildung  nach  dem  gen.  s.  masc.  g.  und  dem 
nom.  8.  fem.  g  «).  Aus  dem  ursprünglichen  ^labam-jam  ist  da- 
gegen labam  entstanden,  das  neben  labäjam  im  sinne  eines  be- 
stimmten adjectivs  gebraucht  wird.  Wie  sind  aber  die  formen 
mit  kurzem  a  (wie  labäjam)  entstanden?  Dass  dieselben  der 
Verbindung  des  reinen  adjectivstammes  {Idba-)  mit  den  casus- 
formen von  jis  ihr  dasein  verdanken,  wird  wohl  niemand  mehr 

1)  0.  XVII  276  führt  Lautenbaoh  aas  der  Abaagegend  den  dat. 
8.  lahaim  an. 

2)  Ähnliche  nenbildungen  kommen  auch  im  Litauischen  vor:  ausser 
hierher  (gehörigen  formen  in  Kurschats  gramm.  s.  251  vgl.  noch  den 
dat.  s.  fem.  g.  tr^eziöjei  (Bezzenberger,  Lit.  forsch.  1),  jaun^snöfei 
(ibid.  9). 


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J.  Endzelin  313 

behaupten  wollen.  Mir  scheint  es,  dass  diese  formen  vom  dat. 
8.  fem.  g.  ihren  ausgang  genommen  haben;  dieser  casus  muss 
im  Urlettischen  *labaijai  gelautet  haben;  ^labaijai  ist  aber 
meiner  ansieht  nach  rein  lautgesetzlich  zu  labajai  geworden. 
Zu  dem  fem.  labajai  dürfte  zunächst  das  masc.  lahajam  hinzu- 
gebildet sein  ^),  und  weiterhin  die  übrigen  casus.  Freilich  kann 
ich  keinen  sicheren  fall  des  angenommenen  wandeis  von 
suffixalem  -aij-  in  -aj-  namhaft  machen;  allenfalls  lassen  sich 
die  hochlettischen  praeterita  auf  -eju  oder  -eju  für  -eiju  (= 
schriftlett.  -Iju ;  vgl.  Bezzenbergers  Lettische  dialekt-studien 
131)  vergleichen*).  Andererseits  spricht  aber  meines  wissens 
nichts  gegen  die  annähme  eines  solchen  lautwandels,  und  man 
versuche  nur  formen  wie  *labaijai  rasch  zu  sprechen,  so  wird 
der  Übergang  von  ^labaijai  zu  labajai  sehr  natürlich  vorkommen. 
Nach  dem  muster  des  dat.  s.  fem.  g.  wie  labajai  scheinen 
ursprünglich  für  alle  casus  nebenformen  mit  einem  scheinbaren 
adjectivstamm  auf  -a  oder  —  nach  andern  musterformen  — 
dialektisch  auf  -ä  im  gebrauche  gewesen  zu  sein;  wenigstens 
lassen  sich  solche  formen  aus  den  Volksliedern  nachweisen 
(beispiele  bei  Bielenstein,  Lett.  spr.  II  57).  Da  aber  eine 
form  wie  der  acc.  s.  labü  „den  guten*'  aus  Habü-ju  (Bielen- 
stein,  Lett  spr.  II  57,  weist,  freilich  mit  falscher  auffassung, 
aus  einem  Volkslied  die  form  raznü^ju  ')  nach)  sich  auch  so 
deutlich  von  labu  „einen  guten**  unterschied,  so  konnte  die 
längere  neugebildete  form  labaju  oder  labäju  neben  labA  nicht 
recht  aufkommen.  Dagegen  unterschied  sich  eine  form  wie  der 
dat.  s.  labam  „dem  guten**  aus  ^labam-jam  äusserlich  durch 
nichts   von   labam  „einem  guten^,   und  deshalb  wurde  hier  die 

1)  Vgl.  dazQ  den  lit.  dat.  s.  fem.  g.  hdUäjai  (Kanchat,  Gramm. 
8.  250),  der  doch  wohl  nach  der  maskalinform  balUffäm  (ibid.  248)  nea- 
gebildet  ist. 

2)  Vgl-  dazu  folgende  lit-  formen:  dat.  s.  Uiiamuiam  (Psalteras 
Dowido  1626,  Ps.  87,  12),  piktamujem  (Ps.  94,  18). 

8)  Übrigens  ist  es  zweifelhaft,  ob  rahiAju  wirklich  die  alte  vor- 
ausgesetzte form  ist;  man  könnte  aach  an  contamination  von  rainü  nnd 
raSnäju  denken,  wie  denn  der  loc.  s.  taini  (Behrshof)  „in  dem*'  (dazn 
der  loo.  pl.  tainijäs  aas  Ziepelhof)  durch  misohung  von  tat  und  tant 
entstanden  ist.  In  iaint  einen  umlaut  zu  sehen,  was  Bielenstein  o.  I  217 
tut,  ist  unmöglich.  Zu  rainüf'u  stelle  ich  noch  zwei  andere  acc.  s.: 
$kl%dAfu  (Latwju  dainas  2887,  1),  «iouwe  pirmoye  DeeU  (Evangelia  und 
Episteln,  Riga  1616). 


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314    Zur  declination  der  lettischen  bestimmten  adjectiva. 

neubildung  labajam  oder  labäjam  sehr  üblich.  In  der  leben- 
digen Volkssprache  setzt  sich  also  das  paradigma  folgender- 
massen  zusammen  (der  kürze  wegen  führe  ich  hier  nur  die 
Wolmarschen  formen  an): 

masculinum  femininum 

sing.  nom.  labais  labä 

gen.  labä  labäs 

dat.  labajam  od.  labam  labajal  od.  labai 
acc.  labu  wie  masc. 

loc.  labajä  od.  lahä  wie  masc. 

plur.  nom.  labe  labäs 

gen.  labä  wie  masc. 

dat.  labaßtn  od.  laltem  labajam  od.  labäm 

acc.  labus  labäs 

loc.  labajds  od.  labus  labajds  od.  labäs. 

Endlich  sei  hier  noch  erwähnt,  dass  in  den  westkurischen 
mundarten  von  Appricken  und  Paddem  der  dat.  pl.  masc  g. 
der  bestimmten  adjectiva  auf  -Sm,  bei  den  unbestimmten  da- 
gegen auf  'im  auslautet,  z.  b.  föm  mudigem  swAim  „den  flinken 
hunden*'  neben  ar  savim  v^cim  draügim  ^)  „mit  seinen  alten 
freunden"  (Paddem).  In  diesen  mundarten  (wie  in  vielen  an- 
dern) lautet  nämlich  der  dat,  instr.  pl.  der  o-stämme  und  -io- 
stamme  auf  -im  aus.  Dieses  -im  kann  nun  freilich  keine  rein 
lautliche  Schwächung  aus  -em  sein,  wie  Bezzenberger  Lett. 
dial.-stud.  129  meint,  denn  dagegen  sprechen  mundartliche 
formen:  so  wird  z.  b.  in  Rujen  suffixales  e  durchgängig  zu  e 
gekürzt  (z.  b.  cdes  „erhebe  dich'*  aus  ceUs)^  im  dat.  pl.  er- 
scheint aber  hier  nicht  etwa  -em,  sondern  gleichfalls  -im  (z.  b. 
zubim  „den  zahnen";  vgl.  auch  Rakstu  Eräjums  XIII  75  und 
86).  Dieses  -im  der  o-  und  ib-stämme  stammt  vielmehr  von 
den  masculinen  t-stämmen,  wie  taüdim  „den  leuten^^  In 
Wolmar  unterscheidet  man  noch  das  masculinum  Vaüdim  (mit 
kurzem  i)  von  den  feminina  wie  z.  b.  giMm  (mit  secundärer 
länge  des  i)  „den  kühen".  Anderwärts  spricht  man  aber  jetzt 
auch  Vaudim,  indem  dieses  wort  sich  ganz  den  feminina  ange- 
schlossen hat;  ja,   in   den   tahmischen  mundarten  von  Sirgen, 

1)  f  ist  offenes  #;  in  diesen  mundarten  hat  sich  der  fallende  ton 
dem  stosston  angeglichen,  daher:  drailgim. 


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J.  EDdzelin  315 

Pilten  u.  a.,  wo  die  weiblichen  «-stamme  in  die  declination  der 
j^-si&mme  übergegangen  sind,  heisst  es  im  dat.  pl.  toudfm  wie 
d'äer^m  „den  türen*',  värt^  ^)  „der  pforte";  vordem  hat  aber 
auch  hier  Vaudim  sein  -im  auf  die  o-  und  ib-stämme  über- 
tragen, denn  auch  hier  geht  der  dat  pl.  dieser  stamme  auf 
-im  aus:  skapim  „den  schränken**,  rtxtim*)  „den  rädern", 
käPjim  „den  schmieden"  (Pilten),  h&Mm  „den  bäumen",  ah- 
mv/dm  „den  steinen"  (Sirgen).  Von  den  substantiva  ist  dann 
die  endung  -im  auch  auf  die  adjectiva  übergegangen;  natürlich 
wurde  dabei  -em  nicht  plötzlich  durch  -im  vollständig  ver- 
drängt, sondern  es  konnten  eine  zeit  lang  beide  endungen  neben 
einander  gebraucht  werden  (so  noch  in  Wolmar;  anderwärts 
hört  man  bereits  nur  -im).  In  den  erwähnten  mundarten  von 
Apprieken  und  Paddern  ist  dann  das  nebeneinander  von  ~dm 
und  -im  in  der  weise  ausgenutzt  worden,  dass  die  volleren 
formen  auf  "'em  den  bestimmten,  die  auf  -im  den  unbestimmten 
adjectiva  zufielen. 

«/.  Efidzelin. 


Lettische  comparativbildimgen. 

In  den  Schriften  des  Mancelius  (z.  b.  Postille  I  39  und  41) 
findet  sich  öfters  das  comparativische  adverb  labis  „besser"; 
entschieden  comparativische  bedeutung  hat  auch  das  adverb 
väirs  ')   „mehr",  das  auf  *vairi8  zurückgeführt  werden  kann 

1)  Hierzu  der  n.  pl.  värf$;  im  Wolmarschen   dagegen  n.  pl.  värti. 

2)  In  der  amgegend  von  Windaa  sind  oft  erweichnngen  za  hören; 
ich  gebe  einige  beispiele:  nad  st'  „komm  (zu)  essen"  (Schlehk);  n.  s. 
fem.  g.  patudfii  „verloren*',  mdt'  „matter",  ck^ad  „kackak**,  vdladi 
„pfingstvogel  (Sirgen) ;  te  pai'  „hier  selbst",  n.  s.  maso.  g.  sades  „loca- 
tas",  a.  s.  näd  „das  messer"  (Pilten);  n.  pl.  ad*$  „äugen",  1.  pl.  toui'iiia$ 
„in  der  fremde",  praet.  gad^ijat  „traf  sieh"  (Suhrs);  praet.  nmuSisüt*^ 
„schickte  nicht  ab",  d.  pl.  därbfm  „den  arbeiten"  (Hasan).  Aus  der 
erweichang  entstand  dann  öfters  ein  epenthetisoher  vocal:  vdlaM,  ba- 
laid^*9  „taube"  (Hasan) ;  n.  vä^rt'  „pforte"  (Popen)  u.  a. 

8)  Die  angäbe  Ulmanns  (im  Wörterbuch)  und  Mnhlenbachs 
(Dafchi  jautajumi  par  latweeschu  walodu  UI  27),  dass  vair$  nur  in  ne- 
gativen Sätzen  vorkommt,  mag  allenfalls  für  bestimmte  mundarten  richtig 
sein.    Wenn  aber  Mahlenbach  ganz   allgemein  einen  satz  wie  tikai 


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316  Lettische  comparativbildungen. 

und  wohl  von  einem  adjectiv  *vair(a)s  „gross"  „viel"  (davon 
das  verbum  fxnriU  „mehren",  wie  von  l(ü>8  „gut"  —  labilt 
„bessern")  abgeleitet  ist,  von  dem  auch  das  adverb  vairdh 
„mehr"  stammt;  auf  '^vairis  gehen  wohl  auch  die  dialektischen 
formen  vairi  (von  Bielenstein,  Lett.  spr.  11  279,  ans  Volks- 
liedern angeführt),  vair^  vais,  vai  zurück.  Mühlenbach  (Dafcbi 
jautajumi  III  25)  sieht  in  labis  und  vairs  alte  instr.  pl.,  des- 
gleichen in  pr.  tälis  oder  täls  „weiter",  und  verweist  in  sema- 
siologischer  hinsieht  auf  litauische  ausdrücke  wie  tolifn  vazi&'ti 
„weiter  fahren".  Aber  die  litauischen  formen  auf  -yn  sind  ja 
keine  instrumentale  und  erklären  deshalb  keineswegs,  wie  ein 
instr.  labis  zur  bedeutung  „besser"  gekommen  sein  sollte. 
Ausserdem  kann  auch  pr.  täl{i)8  kein  instr.  pl.  sein,  da  ja  im 
Preussischen  dieser  casus  noch  den  diphthong  aufweist  (Ber- 
neker,  Preussische  spräche  197).  Das  -«  in  pr.  tälis  ist  viel- 
mehr dieselbe  comparativendung ,  die  wir  in  lat.  magisy  goi 
hauhis  finden  (Berneker211).  Und  so  sehe  ich  auch  in  den 
lettischen  formen  labis  und  vatrs  alte  comparative;  vielleicht 
sind  es  auch  pirms  aus  pirmis  (die  letztere  form  finde  ich 
noch  ^)  in  Latwju  dainas  4991,  4  b  und  in  den  aufzeichnungen 
aus  dem  dialekt  der  preussischen  Letten,  die  ich  der  gute 
hm.  L.  Behrsiris  verdanke;  neben  pirms  ist  jetzt  pirmdk  im 
gebrauch)  „ehe",  „früher"  und  senis  (Bielenstein  Lett  spr. 
n  273;  dafür  ist  üblicher  sendk  oder  —  in  Paddern  —  sendks, 
wo  das  -5  vielleicht  auch  vom  comparativ  stammt)  „vor  zeiten". 
Doch  können  die  zwei  letzten  formen  auch  instrumentale  sein, 
wie  es  ganz  sicher  retis  „selten"  (Wolmar)  ist  Unentschieden 
muss  ich  die  frage  lassen,  ob  das  -is  in  labis  ursprünglich  ist 
(wie  in  pr.  tcUis)  oder  aus  -ais  gekürzt  ist  (vgl.  pr.  massais 
„weniger",   Berneker  210);    denn   in    lautlicher   hinsieht  ist 

ndtras  un  fuzäles  vair$  siUajä  8aulg{Ut  (der  schrift  eines  kurl&nders  ent- 
nommen) „es  gibt  nar  noch  nesseln  und  nnkrant  im  warmen  Sonnen- 
schein'* far  fehlerhaft  aasgibt  und  darin  einen  germanismus  sieht,  so 
muBS  ich  dagegen  entschieden  protestieren.  In  Wolmar  und  anderwärts 
steht  eben  vairs  nach  tik(ai)  „nur**  auch  in  positiven  sätsen.  Im  übrigen 
ist  das  wort  vielleicht  wurzelverwandt  mit  v7rs  „mann'',  vgl.  got  ma- 
nagi  :  aksl.  tnc^h.  Unverkennbare  comparativbedeutung  hat  das  wort 
z.  b.  im  folgenden  satz:  katters  arridtczan  wayr»  gir  nska  wens  Prophetz 
„der  auch  mehr  {fitiCov  ti)  ist  als  ein  prophet'*  (Evangelia  und  Episteln, 
Riga  1615). 

1)  Vgl.  auch  Mühlenbach,  Daschi  jautajumi  III  88. 


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J.  Endzelin  317 

meiner  ansieht  nach  beides  möglich  ^).  Sollte  vätrs  über 
*vairi8  auf  *vairai8  zurückgehen,  so  sollte  das  i  wohl  sich  er- 
halten haben,  doch  ist  der  verlust  desselben  in  diesem  so  ge- 
bräuchlichen adyerb  nicht  auffallender,  als  etwa  der  verlust  des 
i  in  pSc  „nach'*  aus  pedis  (vgl.  Mühlenbach,  Dafchi  jauta- 
jumi  EI  87  f.  und  102)  oder  in  dHz  „bald"  aus  dmi  u.  a. 
(vgl.  Zubat^,  Flickyokale  7).  Dass  aber  in  labis  auch  die- 
selbe endung  vorliegen  kann  wie  in  pr.  tälis,  dafür  dürften 
sprechen  bei  Mancelius  vorkommende  formen  wie  n.  s.  avis 
„schaf",  vesis  „gast''  (dazu  der  n.  pL  und  acc.  pl.  v^is,  also 
ein  «-stamm ;  heute  n.  pl.  vesi),  neben  denen  auch  formen  ohne 
*  wie  sirds  „herz"  vorkommen.  Freilich  ist  es  nicht  ganz 
sicher,  dass  in  den  angeführten  nom.  s.  wirklich  altes  i  vor- 
liegt. Man  müsste  auch  für  die  zeit  des  Mancelius  erwarten, 
dass  der  nom.  s.  —  sirds,  der  gen.  s.  dagegen  —  sirdis  lautet 
(regelrecht  heisst  es  in  der  Dispositio  imperfecti:  n.  s.  sird^, 
gen.  s.  sirdis;  bei  Mancelius  dagegen  schwankt  die  endung  im 
gen.  s.  zwischen  -s  und  -ü  wie  im  nominativ  *) :  püis  „der  bürg" 
neben  airds  „des  herzens").  Ferner  beachte  man,  dass  dialek- 
tisch noch  heute  der  nom.  s.  der  t-stämme  auf  -is  auslautet: 
Bezzenberger,  Lett.  dial.-stud.  160,  führt  aus  Puseneeken 
und  Schlehk  den  nom.  s.  zivis  „fisch"  an,  und  ich  habe  mir  in 
Kabillen  die  nom.  s.  güvis  ')  „kuh",  zuvis  „fisch",  ierdis  „herz", 

1)  Die  behaaptang  Poriezinskijs  (CöopnHRi»  cTareH,  DocBim^eHHbix'b 
O.  6.  OoprynaroBy,  626  und  645),  dass  im  Lettischen  der  diphthong  ai 
in  endsilben  nirgends  za  t  gekürzt  sei,  hat  für  mich  nichts  überzeu- 
gendes; wie  will  denn  herr  Porlezinskij  die  alten  dative  von  ö-stammen 
auf  -t  erklaren,  die  in  erstarrten  redewendungen  (z.  b.  pa  laln  ruki  „zur 
rechten  band",  pa  iesi  „wahrlich"  u.  a ),  bei  Mancelius  Und  dialektisch 
auch  noch  heutzutage  vorkommen?  Dass  die  jetzt  üblichen  formen  wie 
rükai  nicht  lautgesetzlich  sind  und  ihren  Ursprung  der  pronominalen 
flexion  verdanken,  hat  schon  Zubaty  vermutet  (Flickvokale  8),  sogar 
—  dem  anscheine  nach  —  ohne  die  erhaltenen  formen  auf  -t  zu  kennen. 
Vgl.  dazu  Zubaty,  Genitivendungen  11.  Für  den  entsprechenden  wandel 
von  auslautendem  -au  zu  -ti,  der  von  PorSezinskij  (ibidem)  gleichfalls  in 
abrede  gestellt  wird,  ist  ein  sicheres  beispiel  die  form  puiu  „entzwei"  : 
lit.  pusiau. 

2)  Die  gleiche  inconsequenz  findet  man  in  den  allerältesten  letti- 
schen drucken  von  1686  und  1587. 

3)  Durch  diese  Schreibung  soll  die  tonlosigkeit  des  t  bezeichnet 
werden;  kurze  endvocale  der  mittleren  dialekte  werden  dort  (in  Ka- 
billen und  anderwärts),  meist  tonlos  gesprochen. 


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318  Lettische  comparativbildungen. 

pert%8  ,,bad8tnbe'S  acis  „auge'^  (dieselbe  form  hat  dort  der  gen. 
8.,  also:  ff^fH8)y  in  Samiten  ffüvis^  zuvis  gemerkt  Wenn  man 
endlich  bedenkt,  dass  in  den  tahmischen  mundarten  von  Pase- 
neeken  und  Schlehk  sogar  ursprünglich  lange  sufiixyocale  ge- 
kürzt und  teilweise  ganz  geschwunden  sind  und  auch  den 
mundarten  von  Kabillen  und  Samiten  derartiges  nicht  ganz 
fremd  ist  ^),  so  wird  man  wohl  schwerlich  an  erhaltung  des 
ursprünglichen  i  in  den  genannten  nominativen  denken.  Wahr- 
scheinlich ist  in  Kabillen  und  anderwärts  das  i  aus  dem  ge- 
nitiv,  wo  es  lautgesetzlich  war,  auf  den  nominativ  übertragen, 
und  in  den  übrigen  mundarten  der  genitiv  dem  nominativ  an- 
geglichen worden  (etwa  nach  dem  muster  der  consonantischen 
oder  gar  u-stämme  *),  wo  der  nom.  und  gen«  s.  vielleicht  schon 
zu  einer  früheren  zeit  die  gleiche  form  erhielten?).  Wenn  diese 
annähme  richtig  wäre,  so  würde  man  auch  das  schwanken 
zwischen  -is  und  -«  bei  Mancelius  leicht  verstehen.  Oleichwohl 
halte  ich  es  nicht  für  unmöglich,  dass  in  der  form  labtB  altes 
i  vorliegt,  das  aus  irgend  einem  uns  unbekannten  gründe  er- 
halten blieb  ')  (etwa  um  den  zusammenfall  dieser  form  mit  dem 
nom.  8.  des  adjectivs  labs  zu  vermeiden?).  Was  nun  endlich 
die  formen  vaiH  und  vaira  anbetrifft,  die  ich  nur  aus  Volks- 
liedern kenne,  so  muss  man  das  -t  und  -a  dieser  formen  wohl 
für  flickvocale  ansehen,  was  keine  Schwierigkeit  bereitet  In 
den   formen   vair,  vais,  val  haben  wir   Verstümmelungen   vor 

1)  Belege  werden  in  einer  znaammenhängenden  darstellung  dieser 
mnndarten  gegeben  werden. 

2)  Für  anrichtig  halte  ich  die  beh'anptong  Brdckner8  (A.  f.  sl. 
ph.  III  260),  dass  ein  gen.  s.  wie  akm«ns  (die  qnalitat  des  e  in  diesem 
wort  ist  mir  unbekannt,  doch  vergl.  den  gen.  rudeM  „des  herbstes'*  mit 
geschlossenem  e  aus  Weinschenken)  „des  Steines"  nar  aof  eine  neubil- 
dung  ^ahm^nis,  nicht  aber  aaf  eine  consonan tische  form  (wie  lit.  ak- 
mM)  zurückgeht  I  was  durch  die  erhaltung  des  -mi-  bewiesen  werde. 
Auch  wenn  akmena  (gleich  lit.  aknMni)  auf  *akm0ns8  zurückgeht  (und 
das  halte  ich  far  ausgemacht),  musste  das  -en-  erhalten  bleiben.  Ebenso 
wenig  kann  ich  Brückner  beipflichten,  wenn  er  (A.  f.  sl.  ph.  III  284) 
für  einen  gen.  s.  wie  tirds  eine  rein  lautliche  entwickelung  aus  *nrdSi 
annimmt;  eine  grundform  *»irdü$  möchte  aber  auch  ich  fürs  ürlettische 
annehmen.  Anders  darüber  Bezzenberger,  Beitr.  z.  Gesch.  d.  lit. 
spr.  182. 

8)  [Viel  wahrscheinlicher  scheint  mir  jetzt  die  annähme,  dass  labi9 
aus  ^labaU  entstanden  ist.     Korrektumote.] 


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J.  Endzelin  3 19 

uns,  denen  adverbia  und  partikeln  nicht  selten  ausgesetzt  sind, 
vgl.  Bezzenberger  Lett.  dial.-stud.  46  und  Zubat^,  Flick- 
vokale  13.  — 

Wenn  zwei  eigenscbaften  verglichen  werden,  so  steht  im 
Lettischen  (wie  im  Lateinischen)  der  comparativ  beider  adjec- 
tiva,  z.  b.  sivene  remdks  nekä  garäks  „das  ferkel  ist  mehr  dick 
als  lang^^  (Kaugershof),  doch  steht  zuweilen  nur  das  erste  ad- 
jectiv  im  comparativ,  z.  b.  suric  rfsndks  kd  gari  „der  bund  etc/' 
(Wolmarshof).  — 

In  einigen  westlivländischen  mundarten  entspricht  dem 
deutschen  „als''  nach  comparativen  die  praeposition  uz  (wie  äi 
im  Litauischen),  z.  b.  uz  manim  vfcaks  „älter  als  ich"  (Lod- 
diger). — 

J.  Endzelin. 


Zu  den  lettirchen  Zahlwörtern. 

In  lett.  vens,  lit  venas  ist  das  anlautende  v  gewiss  kein 
produkt  einer  rein  lautlichen  entwickelung.  Ich  vermute  in 
dieser  form  falsche  teilung  einer  missverstandenen  Zusammen- 
setzung. Vielleicht  mnss  man  lett.  ikvens  (der  wortaccent  ruht 
auf  der  zweiten  silbe),  lit  kSkvenas  , jedweder"  in  ^iky^-%nas, 
^käc^-iSnas  zerlegen.  Nachdem  *iku,  *keku  zu  ik,  kek  ge- 
worden (der  abfall  eines  auslautenden  u  dürfte  in  diesen  isolirt 
stehenden,  sehr  gebräuchlichen  formen  zulässig  sein),  musste 
man  ikvens,  kekvencta  als  ik-vens,  k'ik-venas  auffassen  und  daraus 
das  numerale  vens,  lit.  venas  abstrahieren.  Es  könnte  freilich 
der  angedeutete  Vorgang  auch  in  einer  andern  (uns  nicht  über- 
lieferten) Zusammensetzung  stattgefunden  haben.  — 

Die  zweizahl  lautet  bekanntlich  in  der  lettischen  Schrift- 
sprache dtpi  (masc.  und  fem.),  das  aus  *duvi  entstanden  ist, 
wie  schon  Bielenstein  (Lett.  spr.  II  62)  erkannt  hat;  dieses 
*dufn  ist  aber  nom.,  acc.  dualis  fem.  et  neutr.  und  somit  zu- 
nächst mit  aksl.  d^ve  identisch  (Bezzenberger,  Spr.  d.  preuss. 
Lett  73;  Mühlenbach,  Dafchi  jautajumi  III  49  und  IF. 
XIII  238).  Ich  will  hier  zunächst  über  den  umfang  und  die 
Verbreitung  des  Überganges  von  -Hf^  zu  -tv-  sprechen,  den  ich 


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320  Zu  den  lettischen  Zahlwörtern. 

als  eine  art  von  dissimilation  ansehe  ^)  (die  mittelstufe  wird 
wohl  -üV'  gewesen  sein).  Ausser  divi  bietet  der  mittlere  dia- 
lekt  noch  folgende  beispiele:  sivens  ,,ferkeP'  und  zivs  „fisch"'. 
Diese  drei  Wörter  kommen  auch  in  der  Schriftsprache  nur  mit 
-iv'  vor;  dagegen  bietet  die  Schriftsprache  das  adverb  tuvu 
9,nahe"  (nebst  ableitungen)  im  gegensatz  (wenigstens  teilweise) 
zum  mittleren  dialekt.  Denn  für  tuvu  spricht  man  im  grössten 
teil  von  Westlivland  (vgl.  Rakstu  Kräjums  XIII  81)  fivu,  ander- 
wärts tümu  (z.  b.  in  Dickein),  tidu  (z.  b.  in  Trikaten)  oder 
tuwu  *)  (z.  b.  in  Bauske)  und  mit  regelrechtem  schwund  des 
w  vor  u  tau  ')  (z.  b.  in  Erons-Würzau).  Freilich  habe  ich  im 
mittleren  Kurland  an  einigen  orten  (Ruhenthal,  Strutteln,  Kal- 
nazeem  u.  a.)  auch  tuvu  gehört;  doch  heisst  „nahe"  in  Mittel- 
kurland gewöhnlich  Jddtu  oder  auch  (in  Samiten  und  Bixten) 
ist  (so  spricht  man  in  Samiten:  viAä  man  isi  rada  „er  ist  mir 
nahe  verwandt'^;  isineks  „ein  naher  verwandter'*;  uz  isäkä  meia 
braukt  „zum  näheren  wald  fahren'').  Es  wäre  daher  möglich, 
die  form  tuvu  in  Ruhenthal  u.  a.  dem  einfluss  der  Schrift- 
sprache zuzuschreiben  (der  einfluss  derselben  macht  sich  jetzt 
in  allen  mundarten  stark  geltend);  es  fragte  sich  dann  nur, 
woher  das  tuvu  in  der  Schriftsprache,  die  doch  auf  dem  mitt- 
leren dialekt  beruht.  Vielleicht  ist  dieses  tuvu  eine  ungenaue 
Schreibung  für  ta(w)u,  denn  das  ü  wird  hier  vor  (w)u  etwas 
kürzer  gesprochen,  als  vor  andern  lauten.  Ferner  hat  man  -uv- 
im  schriftlettischen  druva  „Saatfeld";  und  nur  mit  -«&-  kennen 
dieses  wort  auch  die  meisten  mundarten.  Ich  habe  zwar  selbst 
mir  dieses  wort  nur  aus  Gross-Pönau  und  Dehnen  im  gebiet 
des  mittleren  dialekts  notiert,  doch  zeugen  für  die  weite  Ver- 
breitung dieser  form  die  nummern  13,  2427,  4506  u.  a.  der 
Latwju  dainas.    Die  form  driva  ^)    habe   ich    bis  jetzt  nur  in 

1)  Aach  bei  Ulmann,  aber  ohne  angäbe  des  fandortes,  angeführt. 

2)  Vielleicht  lässt  sich  damit  ambr.  aoc.  pl.  iv^ka  od.  %u§nga  » 
XtX,  juveneaa  vergleichen.  3)  Mit  to  sei  hier  ^  bezeichnet. 

4)  Alle  diese  formen  können  mit  verschiedenen  Suffixen  von  einer 
wurzelform  Uk-  abgeleitet  sein,  von  der  wahrscheinlich  aach  lit.  Uiliu 
„so  mancher*',  pr.  tulan  ,>viel",  aksl.  tyti  „fett  werden"  a.  a.  stammen. 
Da  aber  die  meisten  lettischen  mundarten  auf  eine  gmndform  Uiwu  zu- 
rückweisen, so  sind  tulu  und  tümu  (wären  diese  formen  alt,  so  müssten 
sie,  wie  lit.  tüla$^  den  acut  haben)  vielleicht  nenbildungen ;  iuiu  könnte 
auf  tüu  zurückgehen  und  das  /  von  seinem  gegensatz  tdUi  „fem"  be- 
zogen haben;  schwieriger  ist  das  m  in  tümu,   vielleicht  stammt  es  aus 


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J.  Endzelin  321 

▼olksliedern  gefunden,  die  ans  hochlettischem  gebiet  stammen, 
z.  b.  in  13,2,  2427,2,  2448,  i,  4506,  ic,  4507  c  der  Laiyrjn 
dainas;  und  mir  scheint  es  sehr  bedenklich,  auch  hier  an  laut- 
gesetzlichen Wandel  des  uv  in  iv  zu  denken  (weiter  unten  wird 
gezeigt  werden,  dass  wenigstens  vielen  hochlettischen  mund- 
arten  dieser  lautwandel  fremd  ist).  Bekanntlich  gibt  es  im 
Litauischen  ein  wort  dirvh  „acker";  und  im  hochlettischen  ge- 
biet ist  die  entsprechende  form  ebenfalls  bekannt,  vgl.  dirvans 
„neu  aufgenommenes  dreeschland^'  (bei  Ulmann  nach  Lange 
aus  dem  Oberland  angeführt,  wohl  in  phonetisch  ungenauer 
Schreibung)  und  derva  (=  druvä)  in  einem  Volkslied  (Latwju 
dainas  4506,  2)  aus  Ludsen;  derva  ist  aus  *dirva  entstanden, 
wie  gen.  s.  terga  1194,  2  aus  iirga,  n.  pl.  sertni  2469,  2  aus 
sirmi,  n.  pl.  part.  cerstis  3086  (der  nachtrage)  aus  ^drstis 
(—  niederlett.  cir stets)  u.  a.  Ich  halte,  es  für  wahrscheinlich, 
dass  driva  durch  contamination  von  druva  und  *dirva  ent-^ 
standen  ist.  Endlich  findet  sich  nur  uv  nach  r  in  den  Wörtern: 
druvis  „Schauder*'  und  druvMes  „sich  furchten"  (von  Ulmann 
ohne  angäbe  des  fundortes  angeführt),  ruvft^  »»ruhig  werden, 
sich  legen''  (bei  Ulmann  aus  Kremon  angeführt;  wahrscheinlich 
entlehnt),  kruva  (bei  Ulmann)  „häufe",  grtwa  (Ulmann)  „schutt", 
„ausgefahrene  gruft",  kruweäi  (Wolmar)  oder  (nach  Ulmann) 
auch  gruioeH  „gefrorener  kot".  Nach  andern  lauten  kommt 
noch  (ausschliesslich)  uv  vor  in  nuvejais  „der  jetzige"  (bei  Ul- 
mann aus  Witebsk  angeführt;  phonetisch  wohl  ungenau  ge- 
schrieben) und  in  puweäi  „eiter".  Das  letztere  wort  könnte 
natürlich  in  bezug  auf  das  u  von  put  „faulen"  beeinflusst  sein 
und  käme  dann  nicht  in  betracht;  das  gleiche  gilt  von  den 
praeterita  guwu,  äuum  (in  Wolmar  lautet  auch  das  praesens : 
äuum)^  gruwu,  kl'uwu,  puwu,  zuum,  die  ihr  u  den  übrigen  ver- 
balformen  verdanken  könnten  und  zum  teil  (äuwu,  zuum  neben 
sivens,  zivs)  wahrscheinlich  wirklich  verdanken  i).  Schwer  zu  be- 
urteilen (sogar  zu  lesen)  ist  die  form   büwis  oder  buewis  „ge- 

tü{w)umä  „in  der  nähe",  wofür  man  im  schnellen  sprechen  auch  tAmä 
hören  dürfte  (belege  habe  ich  gerade  nicht).  Die  von  Ulmann  aus 
Hasenpoth  angeführte  form  Ujaki  ist  eine  contamination  von  it^'äki  nnd 
and  Hväki. 

1)  [In  Latwju  dainas   1843,  1   findet   sich    tatsächlich   die    hoch- 
lettische form  iyvu  <  ^Hvu.    Korr.-note.] 

Beitrfige  z.  kumle  A.  indp.  tpraehen.    XXVII.  21 

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322  Zu  den  lettischen  Zahlwörtern. 

wesen"  aus  dem  «nchiridion  *)  (vgl.  Bezzenberger,  Einleitung 
XIII)  neben  scbriftlett.  bijis  und  westkurisch  buj^  (Dubenalken, 
Schlebk,  Sarnaten,  Suhrs ;  dazu  das  praeteritum  bui  aus  Popen  *); 
Tgl.  auch  Bezzenberger,  Lett  diaL-stud.  94);  eine  erörterung 
dieser  formen  würde  uns  hier  zu  weit  ins  gebiet  der  verbalen 
Stammbildung  ablenken  und  doch  schwerlich  mehr  als  blosse 
hypothesen  erzielen;  sicher  scheint  nur  das  eine,  dass  das  i  in 
biju  „ich  war"  ursprünglich  ist  (vgl.  Bezzenberger,  Beitr.  z. 
gesch.  d.  lii  spr.  207).  In  suffixaler  Stellung  scheint  -uv-  ge- 
meinlettisch zu  sein,  vgl.  namentlich  die  wörter  auf  -tuva  oder 
-luve  (Bielenstein,  Lett.  spr.  I  274);  freilich  finden  sich  in 
einigen  mundarten  auch  bildungen  auf  -ive;  so  finde  ich  in 
Latwju  dainas  z.  b.  raudiveü'e  2513,  2,  a.  s.  slaaktiveiti 
2217,  2,  mal'tiveife  695,  2  (vgl.  auch  678  und  680,  2).  Die 
citierten  lieder  stammen  aus  hochlettischem  gebiet,  und  aas 
einer  hochlettischen  mundart  (Swirdsen)  entnimmt  auch  Bezzen- 
berger (Lett.  dial.-stud.  95)  die  formen  roudive  und  värstive; 
aus  einer  niederlettischen  mundart  (Gross-Essem)  stammt  die 
nummer  4714,  wo  man  neben  rauduvUe  auch  raudivUe  findet  '). 
Das  i  in  diesen  bildungen  muss  man  wohl  anders  beurteilen 
als  das  i  in  divi  u.  a.;  man  beachte  daneben  bildungen  mit 
der  lautfolge  -ev-  :  raudmnU  2513,  2  c  und  2515  und  ligeviAa, 
cUevv/iaf  DauyeviAa  (aus  Saussen,  nach  Eaulin,  o.  XII  216). 
Man  wird  also  für  den  mittleren  dialekt  mit  einiger  Sicherheit 
folgendes  lautgesetz  annehmen  können:  in  Wurzelsilben  bleibt 
-UV-  nach  r  erhalten,  nach  d,  t,  z,  s  dagegen  geht  es  in  -iv- 
über  *) ;  in  suffixaler  Stellung  bleibt  es  immer  erhalten  ^).  Es 
bleibt   die  frage  übrig,   ob  u  auch   vor   anderen   labialen  in  i 

1)  [Da  im  enchiridion  ue  {Ü)  nur  den  lautwert  eines  langen  «  oder 
eines  Ü  (aas  t)  hat,  so  kann  auch  huewU  (büwis)  nur  als  büvis  (ans 
*bwi8)  gelesen  werden.    Eorr.-note.] 

2)  Vgl.  auch  hi^fums  „hab  and  gat*^  (bei  Ulmann  aus  Pebalg  an- 
gefahrt). 

8)  Man  beachte  daneben  die  formen  n.  pl.  zuvis,  n.  s.  nioffw,  d.  pl. 
dt^'äm  aus  Gross-Essern. 

4)  Für  die  übrigen  lante  fehlt  es  an  sicheren  beispielen ;  vgl.  hieza 
den  darch  bestimmte  naohbarlaote  bedingten  wandel  des  u  in  t  im 
Lateinischen  (Sommer,  Lat.  laut-  nnd  formenlehre  88). 

5)  Der  Übergang  von  uv  za  iv  findet  sich  auch  in  lit.  mondarten: 
brtvai  „aagenbranen",  a.  pl.  lüves  „fische".  Mitt.  d.  lit.  litter.  ges. 
IV  168. 


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J.  Endzelin  323 

übergeht?  Ich  glaube,  man  mu8s  darauf  eine  verneinende 
antwort  geben.  Neben  schriftlett.  tumsa  „dunkelheit''  kommt 
meines  wissens  nur  im  Hochlettischen  timm  vor  (vgl.  Latwju 
dainas  3426  und  Bezzenberger,  Lett  diaL-stud.  95),  und 
diese  Verschiedenheit  ist  anders  zu  beurteilen,  wie  lit  timsras 
und  aksl.  thmhtn  zeigen  ^).  Das  gleiche  gilt  von  schriftlett.  Sk'ipde 
„schaufel^^  neben  westkurischem  (z.  b.  in  Preekuln  und  Sacken- 
hausen) äk'upelei  hier  erklärt  sich  das  nebeneinander  von  u 
und  i  durch  die  lautliche  gestalt  der  entsprechenden  platt- 
deutschen formen  „schüffel'^  oder  „skuppel''  (Zeidler,  Mag.  d. 
lett.  liter.  ges.  XYI  1,  69).  Vgl.  ausserdem  die  gemeinlettischen 
formen  tupet  „hocken*',  upe  „fluss"  u.  a.  Sehr  schwer  zu  be- 
urteilen ist  nur  das  eine  wort  dibem  oder  (in  Wolmar)  dibine 
„boden'S  „grund^* ;  so  viel  ich  weiss,  ist  i  in  diesem  worte  dem 
ganzen  mittleren  dialekt  eigen  (nur  aus  Burtneck  führt  Ulmann 
die  form  dtibengals  an),  und  auch  aus  dem  hochlettischen  ge- 
biet kenne  ich  bis  jetzt  nur  formen  mit  i,  z.  b.  dibänc  *)  (Palz- 
mar,  wo  man  zuve  und  suvänc  spricht),  vgl.  auch  Latwju  dainas 
4976  »  und  1943,  12  und  Kaulin ,  o.  XII  224.  Den  M-vocal 
zeigt  dieses  wort  in  westkurischen  mundarten  (Bezzenberger, 
Lett.  dial.-stud.  160  und  Spr.  d.  pr.  Lett.  118):  dubens  (z.  b. 
in  Zirau),  dubenc  (z.  b.  in  Gramsden),  duhans  (z.  b.  in  Pilten). 
Und  zwar  kennt  man  in  Westkurland  dort,  wo  man  dieses 
wort  mit  u  spricht,  in  der  regel  auch  die  lautfolge  -ui?- ;  dieser 
umstand  spricht  scheinbar  sehr  zu  gunsten  der  ansieht,  dass 
"Ub-  in  diesem  wort  in  gewissen  mundarten  lautgesetzlich  zu 
-Hh-  geworden  ist.  Doch  kann  ich  mich  nicht  enschliessen,  eine 
solche  ansieht  hier  zu  vertreten,  denn  dieselbe  Hesse  das  -ti6- 
in  dubti  (gemeinlettisch)  „kot*'  unerklärt  (dazu  bei  Ulmann  die 
formen  diAt  „einsinken"  und  aus  Neu-Autz  duba  „garbe"). 
Man  könnte  ja  etwa  an  verschiedene  behandlung  des  -uh-  je 
nach  der  betontheit  oder  unbetontheit  der  silbe  denken,  doch 
wäre  dieses  eine  so  vage  hypothese,  dass  sich  mit  ihr  nichts 
anfangen  lässt.  Ich  bin  daher  geneigt,  an  Vermischung  von 
zwei  wurzeln  zu  denken,  vgl.  aksL  dfibrh  „schlucht",  russ.  debro 

1)  Ebensowenig  gehört  wohl  hierher  hochlett.  kymmsy  (von 
Bezzenberger  o.  XXI  315  angeführt)  aas  *kimüs%8  neben  niederlett. 
kumiißs  „bissen*^ 

2)  Mit  ä  bezeichne  ich  einen  zwischen  f  and  a  stehenden,  sehr 
offenen  «-laut. 

21* 


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324  Zu  den  lettischen  Zahlwörtern. 

y,8ohlttcht<S  „wald  in  einer  niederang'*.  —  Ich  gehe  nan  über 
zu  der  frage,  wie  die  lautfolge  -tir-  im  Hochlettischen  behan- 
delt ist;  da  ich  aber  zur  zeit  diesen  dialekt  aus  eigener  an- 
schauung  nur  zum  geringen  teile  kenne,  kann  ich  hier  nichts 
abschliessendes  geben,  sondern  beschränke  mich  auf  folgende 
angaben.  Für  schriftlett  iv  in  zivs  und  sivfna  spricht  man  uü 
(nebst  sonstigen  Veränderungen  dieser  wortformen)  in  Palzmar, 
Grundsahl,  Adsel,  Odensee  und  (nach  Treu,  Mag.  d.  lett  liter. 
ges.  Xm  1,  22)  in  Oppekaln  und  (nach  Mag.  XHI  3,  70)  in 
Setzen  und  (nach  Eaulin,  o.  XII  232)  in  Saussen  (neben  tivu 
und  tutoMiSs)^  vgl.  auch  Bezzenberger,  Lett  diaL-stud.  95. 
Dagegen  finde  ich  -iv-  in  den  formen  g.  pl.  zytu  (Latwjn 
dainas  2673  S  1),  tyvu  3709  >,  divi  4993,  1  und  2142  ^ 
(alle  diese  Volkslieder  stammen  aus  dem  Witebskischen);  in 
der  zweizahl  scheint  der  hochlettische  dialekt  nur  -itv  zu 
kennen.  —  In  den  westkurischen  mundarten  ist  das  u '), 
von  einiger  beeinflussung  durch  die  Schriftsprache  abgesehen, 
noch  treu  bewahrt.  Den  schriftlettischen  divi,  zivs,  sivfns,  tuvu 
entsprechen  hier  dui  oder  auch  duj  oder  (in  Schlehk,  Pilten) 
du;  2Ü8  (Oramsden,  aus  zutcs)^  zuve  oder  zuvis  (Kabillen)  oder 
zujs  (I wanden);  suv^s  (Oaweesen)  oder  suvfnc  (Rutzau);  tufu 
oder  (im  Tahmischen)  mit  vocalschwund  tuj  *).  Es  mnss  uns  nun 
die  frage  beschäftigen,  auf  welche  grundform  das  westkurische 
duj  zurückgeht  Denn  dui  ist  nur  in  der  ausspräche  von  duj 
verschieden,  und  auch  du  entspricht  nicht  etwa  dem  lit  dü^) 
(dieses  bemerke  ich  wegen  Brückner,  Ar  eh.  f.  slav.  phil. 
IV  24;  dem  lit.  du  würde  lett  *dü  entsprechen),  sondern  ist 
nur  eine  Verstümmelung  von  duj,  vgl.  die  formen  lU.  praes.  re 

1)  Die  geographische  verbreitang  des  u  in  Westkarland  kann  man 
nngef&hr  aas  Bielensteins  „Atlas  der  ethnolog.  geographie  des  Letten- 
landes"  (karte  VI,  isoglosse  4)  ersehen;  indem  ich  die  einzelheiten  für 
eine  zasammenhängende  darstellnng  vorbehalte,  bemerke  ich  hier  nur, 
dass  die  betreffende  isoglosse  zam  teil  weiter  nach  osten  sa  hatte  ge- 
sogen werden  sollen. 

2)  Die  von  Ulmann  gebotene  form  tifaki  (ans  Hasenpoth)  ist  eine 
contamination  von  tiväki  nnd  iujäki,  [Zar  bearteilang  der  oben  ange- 
fahrten form  Umiu  „nahe^*  führe  ich  hier  nachträglich  aas  der  lettischen 
mftrchensammlang  von  Lerchis-Paschkaitis  VII,  1 ,  75  den  loo.  s.  Uuna 
(aas  Ul(w)umä)  „in  der  nähe'*  (aas  Wohlfahrt)  an.    Eorr.-note.] 

8)  Damit  ist  aach  das  arteil  über  Brückners  erklärnng  von  d^i 
(Arch.  f.  slay.  phil.  IV  24)  gefallt. 


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J.  Endzelin  325 

„bellV'  aus  rej,  fragepartikel  va  aus  va\  (Schlehk),  imp.  lAe 
y,gies8e  ein^*  ans  elej  (AlBchwangen),  imp.  du  „nähe''  aus  inj 
(Duhren),  imp.  e  „geh"  aus  ej  (Füssen),  partikel  la  aus  lat 
(Stenden),  n.  s.  mä  „haus^'  über  mäj  aus  mäja  (Pilten)  u.  a. 
Auch  wäre  es  an  und  für  sich  recht  unwahrscheinlich ,  dass 
das  nur  in  einem  kleinen  gebiete  bekannte  du  auf  eine  andere 
grundform  zurückginge,  als  das  sonst  in  Westkurland  übliche 
duj.  Durch  recomposition  ist  du  auch  in  die  zusammenge- 
setzten Zahlwörter  gedrungen,  z.  b.  dudesmit  „zwanzig'^  (Schlehk) 
für  älteres  duidesmü  (Ooldingen).  Dieser  auffietssung  von  du 
widerstreitet  auch  nicht  das  offenbar  sehr  alte^)  compositum 
duceles  „zweirädriger  wagen"  (Sackenhausen  und  weiter  süd- 
wärts am  strande),  denn  sonst  heisst  es  in  Sackenhausen  dui 
(nicht  dut)  und  dujlpacmü  „zwölf^  Das  hohe  alter  dieser 
form  *)  nötigt  uns  vielmehr,  das  du-  in  ducdes  mit  dem  italischen 
du-  >)  in  lat.  ducent%,  duplex ,  umbr.  iu-^ah  zu  identificieren 
(in  ital.  du^  mit  Brugmann  und  Sommer  eine  neubildung 
zu  sehen,  liegt  eben  kein  zwingender  grund  vor).  Dieses  duj 
nun,  das  sich  als  die  gemeinwestkurische  ^)  form  der  zweizahl 

1)  Das  Simplex  (vgl.  preass.  h^lan^  aksl.  holo  „rad'')  ist  n&mlich 
nicht  mehr  bekannt  (in  der  alten  bedeatnng);  etlU  (lit.  JUiyM)  heisst  nur 
noch  „kniescheibe"  (dazu  auch  e^Fi  „weg").  In  Ziran  sagt  man  dafür 
duiriU4i, 

2)  Far  duesle*  kommt  in  andern  mundarten  (Nieder-Bartan  n.  a.) 
die  form  dieele  vor;  wie  dieselbe  zu  beurteilen  ist  (die  zweizahl  lautet 
in  Nieder-Bartan  duH,  lasse  ich  unentschieden. 

8)  Dieses  du  könnte  die  allerUteste  form  der  zweizahl  gewesen 
sein,  ans  der  durch  anfügung  der  dnalischen  oasusendung  die  formen 
*dyS(y)  oder  *di»ffd{jf)  entstanden. 

4)  Die  form  duva  nämlich,  die  Bielenstein  (Lett.  spr.  II  64) 
aus  Sackenhausen  anfuhrt  (ohne  zu  sagen,  ob  er  dieselbe  selbst  gehört 
hat  oder  der  mitteilung  eines  andern  verdankt),  scheint  mir  zu  schlecht 
beglaubigt.  Zwar  will  ich  den  umstand,  dass  zwei  von  mir  befragte 
ältere  personen  aus  Sackenhausen  nur  dui  kannten,  als  keinen  entschei- 
denden gegenbeweis  ansehen,  doch  sonst  scheint  mir  die  form  duva 
sehr  sonderbar  zu  sein.  Sollte  dieselbe  wirklich  vorkommen,  so  könnte 
sie  eine  neubildung  (aus  der  zeit,  wo  in  die  zweizahl  noch  nicht  das  j 
eingedrungen  war)  nach  aba  sein,  vgl.  aba-dui  „beide*'  (Nieder-Bartau, 
Eruhten  u.  a.) ;  dieses  aba  scheint  mir  durch  vocalassimilation  entstanden 
zu  sein  aus  dem  alten  nom.  acc.  masc.  g.  *abu  (vgl.  den  acc.  ahudt  in 
der  Dispositio),  als  das  -u  nicht  mehr  als  dualendung  lebendig  war.  Zu 
der  angenommenen  assimilation  vgl.  z.  b.  mttgura  „rücken'*  aus  älterem 


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326  Zu  den  lettischen  Zahlwörtern. 

erweist,  kann  nicht,  wie  Bezzenberger  (Spr.  d.  preoss. 
Lett  73)  anzunehmen  scheint,  mit  dem  schriftlett.  dwi  aus 
*duvi  der  bildung  nach  identisch  sein.  Denn  ein  *duvi  müsste 
in  Westkurland  diese  seine  lautliche  gestalt  durchaus  bewahrt 
haben,  vgl.  den  acc.  s.  zuvi  ,,den  fisch^*  (im  südlichen  West- 
kurland). Der  laut  v  oder  w  schwindet  nämlich,  wie  weiter 
unten  gezeigt  werden  wird,  regelmässig  nur  vor  u  und  ä.  Frei- 
lich kommt  in  einzelnen  mundarten  wegfall  des  v  (w)  auch  vor 
andern  vocalen  vor:  zuj^ina  „fischlein"  aus  zu{w)üina,  neben 
ztwe  und  suvfnc  (Preekuln),  n.  pl.  zues,  n.  s.  sapuis  „verfault" 
(Migranden),  d.  pl.  güim  „den  kühen"  (Schmarden),  stians 
„ferkel"  (Pilten),  woraus  weiterhin  rntis  (Schlehk;  hier  hat  sich, 
wie  überhaupt  in  Westkurland ,  der  fallende  ton  dem  stosston 
angeglichen)  oder  »uns  (Sarnaten;  dagegen  in  Sirgen,  Wensau, 
Suhrs  u.  a.  noch  suvans).  Dies  sind  aber,  wie  gesagt,  nur  ver- 
einzelte fälle,  deren  keiner  allen  oder  auch  nur  den  meisten 
westkurischen  mundarten  eigen  ist,  während  duj  gemeinwest- 
kurisch  ist;  ja,  es  zeigt  sich  das  j  sogar  in  allen  casus  und 
ableitungen :  gen.  müduju  „unser  beider''  (Rutzau),  dat.  dujüm  ^) 
(Leitischneeken)  oder  dußm  (Preekulu),  fem.  dujäm  (Durben), 
loc.  dußs  (Sackenhausen);  dujcUa  „zu  zweien"  (Gramsden), 
woraus  weiterhin  dttjö^a  (Kalleten);  dujäd  „zweierlei"  (Sarnaten); 
das  V  habe  ich  nur  noch  in  der  ableitung  duvejäd^  „zweierlei" 
(Alschwangen  u.  a.)  gehört,  vgl.  dazu  Bezzenberger,  Spr.  d. 
preuss.  Lett.  72  und  118.  Wie  duj  aufzufassen  ist,  zeigt  uns 
das  ebenfalls  gemeinwestkurische  tuju  „nahe",  das  offenbar  über 
*tuu  auf  ttivu  zurückgeht.  Also  führe  ich  duj  aus  ^duju  über 
*duu  auf  *dui0Uj  die  form  des  nom.  acc.  masc.  g.  (=  aksl. 
d^va)J  zurück.  Bekanntlich  war  im  Lettischen  und  Litauischen 
der  Schwund  des  ^  vor  u  und  ä  und  des  i  vor  %  von  jeher 
lautgesetzlich  (Brugmann,  Grdr.  I«  289,  337,  340).  In  den 
verschiedenen  paradigmata  wird  dieses  lautgesetz  zwar  vielfach 
durch  den  systemzwang  durchbrochen,  aber  doch  hört  man 
auch  die  regelmässigen  formen :  nom.  s.  part.  fem.  g.  paguusi 

(vgl.  lit.  nugara)  mugara  (im  nördlichen  Lettland),  oder  upurü  „opfern*' 
ans  up0rit  (so  noch  bei  Mancelias). 

1)  Diese  form  ist,  gleich  abßim  (Nieder-Bartau)  und  irifüm  (Ober- 
Bartau,  Bezzenberger,  Spr.  d.  preuss.  Lett.  16),  eine  neubildung  mit 
tl  nach  dem  Icoativ,  nach  massgabe  des  femininums,  wo  ä  im  loc  und 
dat.  steht. 


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J.  Endzelin  327 

von  pagiU  „erlangen^'  (Butzau),  gen.  pl.  zuu  „der  fische^S  nom. 
pl.  pari.  fem.  g.  8am^ay,äas  aus  8am^a(u;)uSa8  yon  sam^ltU 
„zusammenlügen'*  (Nieder-Bartau),  I  s.  praet.  nukau  von  nükaüt 
y^erschlagen'*  (Wolmarshof);  nom.  s.  part.  masc.  g.  skreia  von 
skrU  „laufen''  (Nieder-Bartau),  demin.  patiAas  von  paljas 
„kinderspielzeug*'  (Kumbern),  loc.  s.  le^nä  „im  kleinen  tal*'  von 
leja  (Wolmarshof)  u.  a.  Auch  wo  kein  vollständiger  Schwund 
eingetreten  ist,  spricht  man  doch,  soviel  ich  beobachtet  habe, 
in  der  regel  vor  u  und  ü  —  ^  (nicht  v)  und  vor  t  -i  (nicht  j). 
Es  mussten  also  aus  tuwu  und  *duwu  in  Westkurland  lautge- 
setzlicb  die  formen  *tuu  und  "^duu  entstehen;  dieselben  erhielten 
sodann  zur  Vermeidung  des  hiatus  ein  j^  sodass  tuju  und  "^dvju 
entstanden.  Da  nun  der  nom.  acc.  *duju  viel  gebräuchlicher 
war  als  die  übrigen  casus  und  ableitungen,  so  drang  auch  in 
die  letzteren  das  j  aus  *duju  ein.  Ähnlich  muss  man,  glaube 
ich,  auch  das  j  auffassen  in  den  formen  nom.  s.  zuje  „fisch'' 
(Iwanden  u.  a.),  nom.  s.  g^J€  „kuh"  (Lubb-Essern  u.  a.),  nom.  s. 
*a;«  „schaf  (vgl.  dat.  pl.  ajam  und  acc.  pl.  afs  bei  Bezzen- 
berger,  Lett  dial.-stud.  160);  hier  wird  das  j  zuerst  in  den 
gen.  pl.  zuu  (so  in  Nieder -Bartau),  *güu  (vgl.  güwu  in  Ka- 
billen),  *au  ^)  (eine  solche  form  oder  auch  *aum  kann  ich  nur 
zufällig  augenblicklich  nicht  belegen)  regelrecht  aufgekommen 
und  von  da  aus  in  die  übrigen  casus  eingedrungen  sein,  zumal 
auch  in  diesen  (von  zuws  und  g^w8\  wie  oben  gezeigt  ist,  zu- 
weilen der  hiatus  erscheint.  Das  j  in  *aje  ist  eventuell  erst 
durch  den  einfluss  von  güj€  aufgekommen.  —  Nun  sollte  die 
form  *duju  das  -u  eigentlich  bewahrt  haben;  wenn  man  aber 
bedenkt,  dass  dieses  -u  zuletzt  ganz  isoliert  dastand  (der  dual 
war  ausgestorben),  so  wird  der  Schwund  desselben  in  einem  so 
gebräuchlichen  zahlwort  nicht  allzu  auffällig  erscheinen,  vgl. 
dazu  ndst  >)  „weg''  aus  *nü8tü  (vgl.  lit.  atdü  und  lett  atastu 
„seitwärts  ab",  nach  Treu,   Mag.  d.  lett.  lit.  ges.  XIII  1,  26, 

1)  Daför  finde  ich  in  der  Postille  dea  Manzelius  die  regelrechte 
form  der  t-stämme:  avojo  I  306  oder  acf/o  II  24  (ich  lasse  die  formen 
ohne  transscription) ;  auch  glaube  ich  im  südlichen  Westkarland  den 
gen.  pl.  auju  gehört  za  hahen,  ohne  jedoch  leider  die  form  mir  gleich 
notiert  zu  haben. 

2)  Dialektisch  ist  »t«^  zu  nu  (nicht  zu  verwechseln  mit  der  prae- 
position  nä!)  verstümmelt.  Die  ungekürzte  form  niriu  habe  ich  in 
Grundsahl  gehört. 


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328  Zu  den  lettischen  Zahlwörtern. 

in  Oppekaln  gebräuohlich),  kad  ;,wann*'  aus  *kadu  (Zubat^, 
Flickvokale  20).  —  Etwas  schwierig  ist  das  du  der  Dispositio 
C  ist  dort  längezeichen)  zu  beurteilen;  es  könnte  etwa  aus 
*duu  contrahiert  sein,  oder  (und  dieses  ist  mir  wahrscheinlicher) 
du  ist  die  hochlettische  form  (mit  dem  hochlettischen  wandd 
des  ü  zü  ü)  für  niederlettisch  *dü  («»  lit.  du,  ai.  dväü  oder 
dva).  Denn  die  Dispositio  ist  nicht  (wie  Bi  eleu  stein,  Mag. 
d.  lett  lit.  ges.  XIII  3,  103,  sich  ausdrückt)  „in  niederlettischem 
dialect  mit  nur  wenig  hochletüsoher  farbung''  verfasst,  sondern 
ist  eine  vom  Verfasser  vorgenommene  willkürliche  mischung 
einer  streng  hochlettischen  mundart  und  des  mittelkuriacben 
dialektesy  worauf  der  autor  selbst  hindeutet  (,,haec  grammatica, 
licet  non  niminm  Curlandicae  dialecto  inhaeret,  eam  tarnen 
magis  sequitur**  i)).  Meist  ist  zwar  ü  (nicht  ü)  geschrieben, 
aber  ü  (aus  ü)  bieten  die  formen  gen.  pl.  tu,  jü;  I.  s.  praes. 
celus  (lies  cd'üs  =  niederlett.  cd^üs),  L  s.  praet  cäus  (= 
niederlett.  celüs),  L  s.  fut  celszüs  (=  niederlett  cetäus).  Ausser- 
dem stellt  der  autor  neben  du  die  schriftlettische  form  divi, 
und  diese  beiden  formen  können  unmöglich  einer  und  derselben 
mundart  angehört  haben,  was  also  gleichfalls  zu  gunsten  der 
hochlettischen  provenienz  von  du  spricht  >).  —  Lett  tris,  lit  irys 
gehen ;  wie  ihr  accent  zeigt  (vgl.  o.  XXV  269),  auf  eine  ge- 
meinsame grundform  "^triiis  zurück;  dazu  stimmen  zwar  nicht 
ai.  trdyas  und  gr.  (gort.)  zqiBg  (was  bekanntlich  nicht  der  ein- 
zige derartige  fall  wäre),  wohl  aber  osorb.  tfo,  nsorb.  täo,  die 
auf  *trtji  zurückgehen  (Mikkola,  Betonung  und  quantität  in 
den  westslav.  sprachen  I  37).  Das  i  von  *triji8  stammt  ganz 
entschieden,  wie  auch  Brugmann  (Grrdr.  n  665)  vermutet, 
aus  den  casus  obliqui.  —  In  däri  „vier"  weist  das  anlautende 
d  auf  entlehnung  aus  dem  Slavischen  hin;  bei  dieser  aufiassung 
würde  sich  auch  am  besten  das  geschlossene  e  erklären,  das  in 
allen  casus  beider  genera  auftritt,  auch  in  solchen  mundarten, 
die  das  jotierte  r  nicht  verloren  haben  (z.  b.  loa  öetrüs  in 
Kandau).     Die  entsprechende  Ordnungszahl  lautet  in  Kruhten 

1)  Wie  aus  den  darauf  folgenden  Worten  hervorgeht,  hat  der 
autor  die  absieht  gehabt,  für  leser,  die  nur  des  Hochlettisohen  mächtig 
waren,  auch  die  niederlettische  Schriftsprache  zuganglich  s«  machen. 

2)  [Die  entsprechende  niederlettische  form  du  (gesohr.  doh)  findet 
sich  in  der  Lotavica  grammatica  vom  jähre  1787  in  der  abteüung  de 
adverbiis.    Kor.-note.] 


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J.  Endzelin  329 

cetr^aü;  wie  die  form  aufzafaBsen  ist,  bleibt  mir  zweifelhaft 
Man  könnte  ja  an  nietathese  denken  (vgl.  c^iürtaia  in  Oaweesen 
u.  a.),  aber  ür  kommt  meines  Wissens  in  dieser  form  nur  in 
solchen  mundarten  vor,  die  überhaupt  anteconsonantisches  ur 
zu  ür  verwandeln.  In  Kruhten  aber  bleibt  anteconsonantisches 
ur  (und  ir)  nicht  bloss  unverwandelt,  sondern  es  stellt  sich 
sogar  ein  svarabbaktischer  vocal  ein:  kurble  »»taub'S  dzir^t 
„hören''  u.  a. 

Bielenstein  (Lett  spr.  II  67)  gibt  für  „sieben"'  nur  sep- 
tmi  und  für  „neun"  nur  demM  an;  aber  in  Wolmar  u.  a.  sind 
nur  die  älteren  (vgl.  Brugmann,  Grdr.  II  479)  formen  sep- 
Mi  und  devii&i  bekannt  (»eptini  und  devlAi  kenne  ich  aus  Nieder- 
Bartau). 

Die  acht  lautet  im  Lettischen  astüni  oder  (in  Wolmar  u.  a.) 
astwM;  atitwAi  ist  nicht  etwa  eine  lautliche  kürzung  aus  ostMi, 
sondern  hat  das  u  von  der  Ordnungszahl  ^astuntaia  (—  lit. 
(MuMaa)  bezogen,  worauf  über  ^astviais  die  Lemsalsche  form 
astutaä  zurückgeht  (Rakstu  Kr^ums  XIII  74).  Umgekehrt  hat 
die  form  aMtais  das  ü  wahrscheinlich  von  (MiAM  bezogen. 

In  Dondangen  habe  ich  die  formen  septafU^  „siebenter"', 
€ist(»ntf8  „achteres  dev<^nte8  „neunter""  gehört.  Man  wird  wohl 
hier  nicht  an  bewahmng  des  n  denken  dürfen,  sondern  es  wird 
dasselbe  wohl  von  den  entsprechenden  cardinalzahlen  einge- 
drungen sein.  Die  formen  sepUntfS,  astatU^  (vgl.  daneben  asti'A 
„acht'"I),  depantes  gehen  zunächst  wohl  auf  *8eptxfif8,  ^ast'QJI^, 
*devv^  zurück,  wie  acc.  s.  nikan  über  *nikfi^  auf  niknu,  n.  s. 
steran  über  *ster^  auf  stema  u.  a.;  *8ept'Qt^  etc.  ist  aber  wohl 
aus  *8eptifUfs  etc.  entstanden.  — 

J.  Endzdin. 


Lettische  etymologien. 

sfnalcis  „hülsen"",  „kleie"'  kann  (vgl.  J.  Schmidt,  Kritik 
der  sonantentbeorie  120)  auf  *seinn€Ua8  zurückgehen  und  ge- 
hört  dann  zu  lit.  SiSmenys  „saat'". 

In  mafita  (gemeinlett.)  „schätz"',  „hab  und  gut'"  erklärt 
sich  das  n  am  besten  bei  der  annähme,  dass  manta  ein  lehn- 


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330  Lettische  etjmologien. 

wort  ist,  und  zwar  leite  ich  es  von  lat.  mofiäta  ah  (vgl.  got. 
8k(Uf8  „geldstück** :  d.  schätz);  hinter  n  ist  ein  vocal  geschwun- 
den wie  in  dem  ebenfalls  entlehnten  kungs  „herr". 

Den  namen  ÜsinS  „schutzgott  der  pferde*'  (oder  auch  der 
bienen)  hat  Bezzen berger  (Mag.  d.  lett.  lit.  ges.  XVI  2,  39) 
von  der  wurzel  abgeleitet,  die  wir  z.  b.  in  lit  atiärä  „morgen- 
röte"  haben;  demnach  wäre  ÜsiAä  ursprünglich  ein  lichtgott 
gewesen;  freilich  wäre  der  gott  da  stark  degradiert  worden, 
doch  wäre  das  nicht  unmöglich.  Stärker  widersprechen  dieser 
etymologie  formelle  gründe.  In  allen  von  pastor  Auning  ge- 
sammelten materialien  (Mag.  d.  lett.  lit  ges.  XVI  2)  erscheint 
nur  die  form  ÜsiiiS,  bis  auf  den  gen.  s.  üsa  (im  liede  no.  36), 
der  offenbar  eine  jüngere  abstraction  von  dem  scheinbaren  de- 
minutiv Üsinä  ist  (wie  im  volksmunde  aus  brandavTns  „brannt- 
wein**  auch  brandava  entstanden  ist).  Nun  ist  -Mä  aber  nur 
ein  deminutivsuffix,  und  da  Üsüiä  kein  deminutiv  ist,  so  halte 
ich  diesen  namen  für  ein  lehnwort  aus  dem  Germanischen  (vgl. 
ahd.  n.  pl.  hüsinga  „penates**,  afries.  hüsing  „hausmann**).  Dass 
ein  hausgeist  sich  zu  einem  Schutzpatron  der  pferde  entvrickeln 
konnte,  ist  ja  leicht  denkbar.  Näher  will  ich  dieses  an  einem 
andern  orte  begründen  i). 

Neben  bärda  „hart"  steht  dial.  härzda,  lit.  barzdä;  das  z 
der  zwei  letzten  formen  stammt  meiner  ansieht  nach  aus 
'^barzdä,  das  wir  auf  grund  des  Slavischen  (russ.  borozda 
„furche**  u.  a.)  auch  fürs  Urbaltische  annehmen  dürfen.  Dass 
ein  wort  unter  dem  einfluss  eines  andern,  ähnlich  lautenden 
wertes  seine  form  ändert,  kommt  ja  auch  sonst  vor;  ich  gebe 
im  folgenden  dazu^noch  einige  beispiele:  Bielenstein  (Lictt  spr. 
I  53)  unterscheidet  noch  richtig  käst  „seihen'*  (lit.  köHi)  von 
kdrst  <  khrst  „tocken**  (lit.  karäti),  aber  in  Ronneburg  hat 
nach  P.  Schmidt  (TpoÄKaH  ^^oorora  m»  aaTbnocROMi»  mhorh  23)  eine 
gegenseitige  ausgleichung  der  beiden  verba  stattgefunden,  indem 
dort  jetzt  zwei  formen  käst  und  kärst  üblich  sind ,  die  beide 
die  bedeutungen  „seihen**  und  „tocken**  haben.  In  der  lett 
Schriftsprache  heisst  der  wachholder  paegle  oder  paeglis  (woraus 
in  Ronneburg,  nach  P.  Schmidt  32,  über  *  paeglis  die  form 
paiglis  entstanden  ist),  in  Wolmar  aber  pahrglisi  erst  ist  das  e 


1)  [Ist  bereits  geschehen  in  der  Zeitschrift  Apskats  I  25  £f.    Korr.- 
note.] 


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A.  Zimmermann  331 

unter  dem  nebenton  gedehnt  worden  (dass  im  Lettischen  kurze 
Yocale  unter  dem  nebenton  gedehnt  werden,  will  ich  nächstens 
nachweisen)  und  dann  hat  sich  unter  dem  einfluss  von  irglis 
„adler**  noch  ein  r  eingestellt.  Für  süatSt  „brennend  schmerzen" 
(die  III.  praes.  süst  finde  ich  auch  bei  Mancelius)  sagt  man  in 
Wolmar  suratet  unter  dem  einfluss  von  mrs  „bitter"  (dass  das 
r  in  mrstet  nnursprünglich  ist,  zeigt  die  länge  des  u,  vgl.  o. 
XXV  273). 

Dorpat  19  27/XI  02.  J.  Endzelin. 


Zur  i-epenthese  im  Latein. 

Trotzdem  die  lat.  Schriftsprache  keine  spur  von  i-epenthese 
aufweist,  muss  sie  doch  im  Latein,  wenn  auch  nur  in  der 
vulgär-  bezw.  dialektsprache ,  eingetreten  sein.  Das  beweisen 
zunächst  die  romanischen  sprachen  und  dann  vor  allem  die 
eigennameu.  Wenn  im  CLL.  nach  meiner  Zählung  117  ver- 
schiedenen gentilicien  mit  dem  Stammvokal  a  ebensoviel  parallel- 
gentilicien  mit  dem  Stammvokal  ae  (bezw.  ai)  gegenüberstehen, 
dann  kann  das  m.  e.  nicht  auf  zufall  beruhen,  sondern  die 
mehrzahl  dieser  gentilicia  auf  a  muss  mit  denen  auf  ae  in  einer 
bestimmten  beziehung  stehen  d.  h.  die  auf  ae  sind  aus  denen 
auf  a  durch  t-epenthese  hervorgegangen;  auch  sind  die  meisten 
dieser  gentilicia  auf  a  für  mich  etymologisch  durchsichtig, 
während  das  bei  den  andern  meist  nicht  der  fall  ist.  Vgl. 
Amidius  bezw.  Amäius  neben  Aemüius  (Aimilius),  AUius  neben 
Aetius,  Maccias  neben  Maecius,  Navitis  neben  Nc^evius  etc.  Es 
braucht  darum  auch  nicht  notwendig  die  form  Aüius  in  den 
fasti  Cap.,  wenn  die  auctores  hier  auch  Aelius  bieten,  verderbt 
zu  sein,  sondern  es  wird  eben  aus  AUius  durch  t-epenthese 
sich  später  Aelius  entwickelt  haben.  Cf.  Unger  Fleckeisen  1891 
p.  476.  Sind  doch  auch  im  Deutschen  Katharina  und  Käthe, 
Walther  und  Wälti  etc.  dieselben  namen.  Ist  doch  nach  dem 
ind.  n.  (III)  bei  (Jonway  AUius  fast  ebenso  häufig  wie  Aelius 
und  wird  Alius  schon  unter  den  praenomina  der  allerältesten 
zeit  beim  auct.  ine.  de  praen.  c.  1  angeführt.  Auch  steht  in 
einer  alten  marrucinischen  Inschrift  v.  Planta  11  p.  549  u.  275 


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332  Zur  i-epenthese  im  Latein. 

(Teate)  u  (dies  l,  sa  altes  ow  (—  F.  AUius  L.  /".,  Sa  Aüius 
As.  f,).  Schon  das  fehlen  der  gemination  in  beiden  fallen  be- 
weist für  das  alter  des  praen.  und  n.  gentile  ^).  Aber  es  giebt 
auch  noch  andere  beispiele.  Auf  der  alten  Pränestiner  Inschrift 
CIL.  XIV  4098  —  cf.  Conway  §  291  —  steht  Painiscos  für 
navianog,  auf  einer  ebenfalls  alten  andern  Pränestiner  inschrift 
XIV  3110  Craislios,  was  offenbar  aus  Ordssüios  hervorgegangen 
ist  —  cf.  afr.  graide  neben  grdcüis  — ,  und  praen.  Gnaivos 
entstammt  doch  einem  Onamos  wie  Naevius  dem  Navius  cf. 
Onaus  VI  4712  und  Navos  ibid.  2641.  Inschriften  aus  späterer 
zeit  —  es  sind  der  mehrzahl  nach  solche,  die  namen  von  hand- 
werkern  bringen  und  fremdsprachlichen  gegenden  entstammen 
—  weisen  zum  Stammvokal  a  i-epenthese  ebenfalls  auf.  Ich 
erwähne:  XV  7458  (saec.  I  med.  vel  exeuntis)  Maivae  C.  f.  Pro- 
ciUae,  VI  29279  Ulpia  Flaiva,  VIII  5763  Flaivius  Fuliqus, 
VI  26564  Silia  Ilaira  (vgl.  frz.  8t.  Hüaire),  V  421  Fktemica 
(Flamius  z.  b.  VHI  16015),  XV  4746  P.  Graüi,  XI  4996 
(Ora)itano  et  Theodosio  AA.  vv.  cc.  XI  6999  (208)  Urbaini  (frz. 
urbain),  XHI  10010  (395)  of.  Cailoi  (8  mal)  cf.  XU  5686  (159)  k, 
XIII  10010  (486  c)  Caäü  (b  Catüli),  II  4970,  278  c  Laicin(i) 
aus  Olisipo  {b  aus  Tarraco  Lacini)  und  schliesslich  XI  6716 
bene  vaeleas  für  valeas  bezw.  valias. 

A.  Zimmerfnann. 


Hom.  xsxafpriora. 

Keaaqnjora  &vfiov  wird  meist  zu  udmai  schnappe  gestellt. 
Eine  eingehende  Würdigung  der  Homerischen  stellen  wird  klar 
machen,  dass  dies  zu  verwerfen  ist.  Besser  erklärt  wohl  fol- 
gende Zusammenstellung  das  participium:  nhiiffp&f'  ri^rrjus» 
(Hesych.);  noHpög  gelähmt,  stumpf,  lat.  hebes,  hebetis  stumpf, 
unempfindlich,  abgestorben. 

Königsberg  i.  Pr.  W.  PteUwUz. 

1)  Eine  benennung  G.  AIUub  Grispi  1.  Princeps  AeUiM  XI  5396  ist 
fiir  UDB  dann  ebenso  verständlich  wie  etwa  im  Deutsohen  Heinrich  Heine. 


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Dr.  W.  Streitberg,  Prof.  Dr.  A.  Thumb,  Dr.  A.  Walde  und  Prof. 
Dr.  J.  Zubaty  herausgegeben  von  Dr.  Hermann  Hirt.  1.  reibe 
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formenlehre.  Eine  einfübrung  in  das  spracbwissenscbaftlicbe 
Studium  des  Lateins  von  Dr.  Ferdinand  Sommer.  Heidelberg 
1902.     Carl  Winter's  universitatsbuchhandlung. 

Dem  vom  gymnasium  kommenden  Studenten  will  das  vor- 
liegende buch  eine  schnelle  und  bequeme  einfübrung  in  die  er- 
gebnisse  der  vergleichenden  grammatik  ermöglichen,  soweit  sie 
das  lateinische  Sprachgebiet  betreffen.  Es  bringt  daher  zunächst 
eine  ziemlich  ausführliche  einleitung  über  die  Stellung  des  Latei- 
nischen zu  den  verwandten  sprachen  tmd  mundarten,  die  hilfs- 
mittel zur  erforschung  der  lateinischen  spräche  und  einige  kurze 
erklärungen  über  die  prinzipien  der  Sprachforschung.  Darauf 
folgt,  unter  heranziehung  einer  möglichst  grossen  fülle  von  tat- 
sachen  auf  knapp  bemessenem  räume,  die  lautlehre.  Während 
hier  vom  lautstand  der  Ursprache  aus  die  änderungen  der  laute 
in  der  italischen  und  lateinischen  sonderentwickelung  dargestellt 
werden,  wird  in  der  formenlehre  der  lateinische  bestand  zu  gründe 
gelegt  und  mit  möglichst  weitgehender  heranziehung  des  altlatei- 
nischen materials  in  zwei  abschnitten  (I.  das  nomen  und  pro- 
nomen,  U.  das  verbum)  behandelt 

Die  Stellung  des  Verfassers  innerhalb  der  Sprachwissenschaft 
wird  durch  sein  Verhältnis  zu  Karl  Brugmann,  dem  das  buch 
auch  gewidmet  ist,  gekennzeichnet.  „Der  anfänger  will  vor  allem 
in  die  tatsachen  der  historischen  grammatik  eingeführt  sein,  und 
so  findet  er  bei  mir  einfach,  was  ich  persönlich  für  richtig 
halte"  ....  „Auch  in  der  polemik  habe  ich  mich  nur  aufs  aller- 
notwendigste  eingelassen.  Wenn  gerade  hier  Brugmann's  grund- 
riss  vielleicht  am  häufigsten  in  die  debatte  gezogen  ist,  so  habe 
ich  das  aus  einem  rein  pädagogischen  motiv  getan :  bei  der  grossen 
autorität^  deren  sich  das  vortreffliche  werk  mit  recht  erfreut,  liegt 
die  gefahr  gar  zu  nahe,  dass  namentlich  der  anfänger  dasselbe 
als  eine  art  bibel  betrachtet  und  die  darin  aufgestellten  ansichten 
urteillos  hinnimmt  Eben  deswegen  habe  ich  in  einigen  fällen, 
wo  ich  von  Brugmann  abweiche,  versucht,  ausdrücklich  die  be- 
rechtigung  einer  andern  meinung  darzulegen."     (S.  IX  u.  X). 

Die  darstellung  ist  also  vielfach  einseitig  und  man  darf  nicht 
erwarten  hier  über  den  stand  der  gesamten  forschung  aufgeklärt 
zu  werden.  Zu  der  persönlichen  farbung  tragen  auch  eigene, 
zum  teil  recht  kühne  Vermutungen  des  vf.  bei  wie  s.  225  die  er- 
klärung  von  Majua  aus  *  Maisios  (osk.  Maesius  (Paul.  Fest  109. 
Th.  d.  P.).  Aber  trotzdem  füllt  das  buch  m.  e.  eine  lücke  aus, 
weil  es  zum  selbständigen  durcharbeiten  des  stofis  anregt  und 
die  Probleme  oft  klar  darstellt  und  inuner  scharf  anfasst  Es 
ist  ganz  dazu  angethan,  in  späteren  auflagen  bei  reichlicheren, 
das  ganze  forschnngsgebiet  unpassenden  citaten  und  objectivierer 
farbung  zu  einem  rechten  handbuch  zu  werden. 

Königsberg  i.  Pr.  W.  PrellwÜz.  /GoOgle 


334 


Register. 


Register. 
I.  Sachregister. 


Accent:  wechselnder  a.  in  Par- 
tikeln wie  aqjt,  anaqtlj  ai.  pfinar^ 
apundr  158.  Wechsel  von  ge- 
stossenem  and  geschleiftem  a.  in 
der  lit.  endung  -h'  158.  Abände- 
rung des  a.  in  griech.  eigen namen 
192.    S.  pronomen. 

Bedeutungsentwicklnng: 
fangen,  fassen,  nehmen  —  an- 
fangen 196.  199 ff.;  fassen  —  be- 
greifen 242;  wallang,  danst  — 
zorn,  geist  202;  binden  —  Ver- 
wandtschaft durch  heirat  211 ; 
sich  gesellen  —  dorf  —  gemein- 
sam 168  f.;  glänzend,  strotzend  — 
junger  mann,  junge  frau  207, 209, 
214;   stark   —    mann    218;   fest, 

—  hagel  245;  fest  —  Schildkröte  : 
brüst  250;  brüst  —  leier  250; 
umfassend  —  rippe  —  brüst  250 ; 
arm  —  zweig  280,  seite  —  Schlitten 
256;  höhle  —  ofen  2öö;  bein  — 
balken  152;  dunkel  —  schlämm 
164;  biegung  —  wiese  253;  kalb 

—  eher  176;  sprechen  —  schwören 
242  n.;  russ  —  schreiben,  form 
176.  Herkunft  der  indogerm.  ver- 
wandtschaftsbezeichnangen  218  ff, 

Comparativbildungen  im  Letti- 
schen 815  ff. 

Com  Position  zweier  bedeutungs- 
ähnlicher demente  209.  Um- 
stellung der  c.  glieder  149. 

Conjugation:  eine  idg.  stamm- 
erweiterung  mit  -ei  liegt  allen 
-lo-verben  zu  gründe  63  ff.  68  f., 
daneben  nominale  -et  (0)-Btämme 
64.  Die  starren  -j(0-stamme  sind 
durch  -0  erweiterte  t-stämme  66  f. 
Das  praesens  dieser  bildungen 
hatte  im  Singular  -im»  u.  s.  w. 
im  plural  -fmds  u.  s.  w.  70.  80. 
Mit  dem  singular  stimmten  paral- 
lele «v-bildungen  überein,  sodass 
eine  Vermischung  eintrat  75.  Reste 
der  «t-praesentien  72  ff.  Der  vocal 
der  praesensreduplication  ist  t, 
weil  er  die  schwachstufige  Wie- 
derholung des  wurzelvocals  ei  ist 
71,  dt  179.  Der  praesens -aorist 
auf  idg.  e(i)m,  enkl.  im  85  f.  181  n.; 
der  arische  passivaorist  ist  ein 
losgerissenes  glied  nominaler  Zu- 
sammensetzungen, '»  die  tiefstufe 
des  dementes   -ei   86.     Der  sig- 


matische  aorist  der  M^it-basen 
88  f.,  die  3.  sg.  aof  -U  gehört  eigl. 
zum  praesensaorist  89  n. ;  das 
futurum  92  f.  perfectum  93.  Her- 
kunft des  u  in  ai.  -au,  des  v  in 
lat.  vi  83  f.;  das  verbaladjectiv 
auf  'toSf  'i-toB  95.  181  n.  —  Die 
idg.  causativa  82  ff.,  die  ari- 
schen verba  aaf  -aya  82;  alter- 
tnmlichkeit  der  ai.  9.  klasse  73; 
infinitivi  historici  im  Rigv.  265 n.; 
0-intinita  mit  bedeutung  einer 
2.  sg.  imptv.  266  f.,  einer  3.  sg. 
imptv.  267  f.  eines  imptv.  plur. 
268  ff.;  in  die  Sphäre  des  medioms 
gezogen  276  ff.,  umgedeutet  als 
1.  sg.  indic.  praes.  279  f.  Con- 
junctiv  mit  bedtg  eines  indicativs 
praeteriti  265  n.  collectives  me- 
dium 277,  reciprokes  278.  Griech. 
TQ^ea  90,  fntur  auf  ^ai  98.  Lat 
verba  auf  -io  66  f.  77  n.,  auf  -to 
181 ;  die  1.  sg.  perf.  act.  auf  -i 
=»  ai.  e  50.  90,  die  2.  sg.  perf. 
act.  90  f.,  die  infinitive  auf  -r«, 
alte  locative,  bd  Plautus  stets 
mit  IS  42  ff.,  die  inf.  auf  %  alte 
dative  44.  Inf.  praes.  pass.  fehlen 
im  Osk.  299.  —  A  ir.  rqfiUtar  90. 
der  Esl.  aorist  auf  echö  91;  die 
lit.  verba  auf  ü<,  €ti  brauchen 
nicht  aus  ej'o  hergeleitet  zu  wer- 
den 78,  zeigen  wie  die  lat.  auf 
-ere  passiven  oder  in  transitivem 
chsracter  181  f.;  die  lit.  prae- 
sentia  auf  -au  gehören  zunächst 
nur  zu  Verben  auf  -o<»,  erst  sekun- 
där zu  -yÜ  83.  —  Sigmatischer 
(fM-)aorist  imPbrygiscben  288. 
Consonanten:  anlaut.  idg.  pt  zu  i 
225;  armen,  s  für  q  nach  u  220; 
8  im  anlaut  und  zwischen  vocalen 
im  Arm.  u.  Phryg.  geschwunden 
285;  gänzlicher  verlast  zweier  c 
in  aufeinander  folgenden  silben  im 
Griech.  146;  german.  nn  aus  nv 
204 ;  die  idg.  labiovelare  erscheinen 
vor  palatalen  vocalen  im  Alba- 
nesischen  palatalisiert ,  q  als  i, 
g  und  gh  als  z  201;  q  als  k  und 
«231;  die  palatale  media  und 
aspirata  als  z  203;  4/  nach  dem 
Aor.  als  z  243,  nj  zaj  286;  lat. 
mbd  zu  nd  309,  m,  umbr.  s  aus 
dht   307;   nkt   im    Latein,    und 

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Register. 


335 


Slav.  schon  sehr  früh  zu  nl, 
sonst  aber  slaT.  kt  nicht  za  t  256. 
Dissimilation  zweier  r  und  l  im 
Lett.  190.  Liqnidendissimilation 
in  benachbarten  griech.  Wörtern 
294  f.,  Wechsel  von  anlautender 
tennis  nnd  media  im  Lett.  190, 
lett.  f(;tf  ans  tm,  uvu  826  f.  Schwund 
eines  j  im  Lit.  infolge  von  sy- 
stemzwang 78  n. 

Declination:  Instrumental  sing,  der 
ä-stamme  idg.  auf  -an  254.  Lat. 
gen.  sing,  der  io-  und  o-stämme 
auf  echtes  •%  49  f.,  abl.  der  3.  d. 
39  £f.,  der  5.  d.  41.  Die  ad  ver- 
bia  auf  0  teils  ablative  auf  -ed, 
teils  instrumentale  45  ff.  Lit. 
instr.  plur.  auf  -aü  ist  aus  ois 
entstanden,  ar.  äü  dagegen  jün- 
gere neubildung  168.  Dat.  sg. 
awüu,  lett.  airdi;  182  n.  Zur  d. 
der  lett.  bestimmten  adjectiva 
310 ff.  Dative  im  Phrygischen 
49  f. 

Deminutivbildung  auf  dem  vo- 
cativ  sing,  beruhend  185. 

Dialecte:  eigentümlichkeiten  lett. 
d.  310ff. 

Enclisis:  Die  schwachstufe  zu  ei 
ist  in  der  c.  I,  nicht  ?  72. 

Inschriften:  deutung  phrygi- 
scher  i.  280 ff.,  zu  rhodischen 
i.  291  ff. 

Lehnwörter:  Gallische  1.  im  Lat. 
280;  keltische  im  Qerman.  285; 
lat.  im  Ahd.  202;  german.  im 
lit.  164  n.,  169,  213  n.;  dtsche. 
im  Lett  823,  880;  Lat  im  Lett. 
380;  dtsche.  im  Französ.  228; 
baltische  im  Got.  (?)  169;  slav.  im 
Preuss.  169;  im  Lit.  2,  150,  152, 
248,  im  Lett  328,  lit  im  Lett 
168  n.  171,  lett  im  Lit  174  n.; 
liv.-estn.  im  Lett  146. 

Metrik:  das  lat.  dipodieen  gesetz 
2;  bedingungen  für  das  eintreten 
einer  kürze  in  der  thesis  des  vor- 
letzten fusses  des  iamb.  senars  3; 
das  lat.  iambenkürzungsge- 
setz  5  n. 

Pronomina:  ai.  vaft  pron.  2.  plur. 
scheinbar  bedeutungslos  im  Rig- 
veda269ff.;  enolit  und  hochbe- 
tonte formen  des  gen.  dat.  acc. 
plur.  des  pron.  der  1.  und  2. 
person  in  Idg.  302;  die  älteste 
form  das  p.  ü  161  f. 


Silbentrennung  in  griech.  in- 
schriften  295  ff. 

Stammbildung:  identitat  der  no- 
minalen und  der  verbalen  3-, «»-,  {%-) 
««-  («-) Stämme  66.  74  n ;  her- 
kunft  der  movierten  feminina  161  f. 
s.  conjugation  und  deminutiva. 
Entstehung  von  -tio- stammen  aus 
locativen  auf  -t  148;  composita 
mit  o- Stämmen  werden  -»o-sÜmme 
im  Griech.,  Litt.,  Lett,  Kelt  148  f. 

Suffixe:  der  Wechsel  im  Ai.  zwi- 
schen fem.  -ikä  und  roasc.  -aka 
ist  uralt  184 f.,  spuren  davon  im 
Ahd.;  Lit.  demin.  männl.  auf 
'ükas,  weibl.  auf  ike  184 n.;  slav. 
ükü  und  tkü^  gr.  'vy,  -ax,  -uc, 
lat.  -»CM#,  got  -oÄ,  -^g  184.  Tier- 
namen anf 'ttian im  Preuss.  167 f.; 
't%  in  Partikeln  156  f.,  griech.  ad- 
verbia  auf  -r/  und  j€(  157. 

Syntax:  Der  idg.  imperativische 
intuitiv  beruht  auf  dem  final- 
consecutiven  (dativ)  124,  hat  bei 
Homer  futurische  bedeutung  106. 
126;  wird  auch  für  die  3.  person 
gebraucht  127 ff.,  wovon  die  in- 
finitivconstruction  nach  ngir  noch 
eine  spur  ist  133. 

Vocale:  Ablaut  von  e  :  ä  neben 
dem  von  «  :  e  in  demselben  wort 
167;  H  in  der  xoivri  ist  später  vor 
vocalen  als  vor  consonanten  zu  i 
geworden  293;  oi  zu  o  294,  ausl. 
-at,  -ei,  'oi  in  mehrsilbigen  lat. 
Wörtern  zu  %  50;  gr.  &  (17)  aus  äu 
vor  consonanten  160;  i-epenthese 
in  lat  eigennamen  381;  umbr.  u 
aus  /  306;  idg.  «n,  «r,  J>  vor  vocal 
im  Albanes.  zu  m,  »r,  ü  285; 
«n  vor  consonanten  zu  e  248 ;  halt 
at  als  vrddhi  zu  U  168;  preuss.  a 
statt  «  168,  lett  iw  aus  uu>  319  ff. 
vocalkürznng  und  sekundäre  vo- 
calentfaltung  in  1  e tt.  dialecten  189, 
811,  317,  824  f.,  329.  Vocalassi- 
milation  ebd.  325  f.  n. 

Wurzeln:  bedeutung  des  wurzel- 
begriffs  67  f.  Sekundäre  entste- 
hung  langdiphthongischer  wurzeln, 
z.  b.  aiäu,  diu  aus  dem  per  f.  act. 
179  ff.  Beeinflussung  eines  wertes 
durch  ein  anderes  ähnlich  lauten- 
des im  Lettischen  380. 

Zahlwörter:  zu  den  lett  z.  819ff. 


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336 


Sanskrit. 

303 
dtaü  174 
ankuiya  169 
^Mi^ya  169^ 
api'VStayati  810 
tuitpatai  72 
anMfti  169 
aydm  161 
^'  174 
»dAwiinaAf  91 
ihka  172 
tyitoi  161 
äff  162 
tiA«a<t  216.  220 
ukkd  266 
nuiy«  160 
rdhnöii  74  n. 
iUma  199 
Awmna  199 
katiSyttn  199 
<;anvä  199 
kaWcä  184 
A»v<  146 
kupjaU  78 
AT^m»  74  n. 

ATVItf  *   66 

kramyati  66 
kfmioii  Ib 
kffOuH  74  n.  76 
A^  176 
hhä  176 
5rad%  212 
grfäH  241 
gfdhyati  66 
grhhnmi  808 
yrAö»  217 
gmifiya  91 
^^0^*  66.  70 
5r%a<»  71.  78 
gräma  168  n. 
^Aroff  242  u.  n. 
eanoB  197 
caniftha  197 
Jafhdra  172 
j<uto  247 
jV^ote  241 
janÄi  74 
jams  211 
fdmäta  211 
yam^  211 
ßvaiu  187 
^ru^a  224 
^ani^  76 
Utma  224 
cföyt  179 
OSrä  217 


II.  Wortregister. 

däraka-  218 

({öriiM  218 

ilirS«  817  f. 

dSrikä  218 

cteiMin«  179 

duvds  179  n.  3. 

dtiff^  167  n. 

duhdta  222 

*t«J^  81 

dofi  268 

<iof  267  f. 

dhsraka  286 

dhutayat  74  f. 

<iA«fK»i  76 

<2AM/f  161 

ähnnati  74  n« 

ft<wV  201  n. 

nabh  150 

poJkfir  252  ff. 

pdr^  226.  229.  236 

päjagyä  269  f. 

pueeka  176 

puto  176 

ptiiuir  176 

fwman  218 

pürüfhsh  91 

^'tra  177 

prftt'  226 

0«0«M  176 

ftaXii  268 

bhurdÜ  237 

6Arf^'  234 

bradhna  234 

ftrift^li^'  206 

bramfa  229  a.  n. 

ft^roma^'  237 

bhrü  233 

ftAröfki  232 

moiii  171 

marüt  207 

ffuSryff  208 

maryakd  184.  206.  208 

mdd  219 

mati  219 

mtfki<#,  mtn?)t  76 

fn^aU  Ib 

mm  71.  81 

fMydii  71.  78 

yolii  160 

yähhaH  172 

yö^  160 

y<V«  209 

raeana  190 

racdyaii  199 

riKyate*  82 

rtfctfiya  91 

^Ayo^t  80 

vaktätiä  253 


voAfM  251  ff. 
vahkü  263 
oiMibn»  253 
ooAibfa^a  263 
nahgha'  263 
voey^  263 
Mffcol»  263 
viKiA  144 
vadhü  217 
va9M$<»  75.  197 
varU^  184 
fMir<i%a  184 
vmltf  74  f. 
wiM  75 
oWfo  217 
v^paU-U  219 
vraiM  187 
^akkhd  175  n. 
corSÄft  85 
fAru  169 
oiifia  171 
etiä  171 
fifnd  199 
ptiib-a  66 
eueyaÜ  66 
püAn  171 
fW0<  81 
främyaU  79 
fvindaU  201  n. 
po«eii  213  n. 
fa^  261 
idiu  211  n. 
•amttt  76 
sabia  173 
ftvyaft  212 
suU  220 
ncfw»«  220 
«tif^ii  167  n. 
9iUe  211  n. 
sünu  220 
«er*  211  D. 
9Mrd  223 
«ft«9a  212 
•nti|i  21 1  f. 
»ydti  261 
$yäU  212 
«yjima  212 
Aan<»t  76 
hdiUi  202 
AoM  184 
ha0€fna  79 
AiMto  257 
iU2rf  184 
himtämi  194 
V<^  337 
hradd  246 
Arocia  246 
Aräi2a<«  240.  246 

Digitized  by  V^jOOQ IC 


337 


hriduni  246 

Iranisch    rAvesiisch 

unbeseiobnet.) 
äem  161 
avaAhüs  168  n. 
np.  ßbrü  288 
kir»fun>a  82 
kkä  175 
khfVOf  261 
gAirvSin  78 
^fM»  197 
sofiäf  86 
soffö  257 
Dpers.  t«rt%  247 
strsdho  247 
npers.  IKäfo  247 
ap.  datta  257 
ilulAätfo  71 
npers.  de$t  267 
mffhraire  65.  71.  78 
ap.  nrnsUmaiif  176 
nühußis  86.  90 
|>aSffMm  168  n. 
painem  264 
»«TMW  226.  285 
5is»  258 
5i{;  151 

npers.  yax  248 
npers.  yaxce  248 
yusatfto  86 
vddäyäi$  78 
ctfMrd  66 
ffiiba  171 

Ossetisch. 
arfuk  233 
/ori  285 
ix  248 
rarp  224 
y«c  248 

Armenisch. 


172 
aüumn  172 
akan  175 
•^fAvf  285 
ord  157 
an-  254 
(JtM^  220 
fom  224 
kardam  241 
A;ar^tf<  246.  248  n.  n. 
Aat7  222 
jag  208 
y0m  208 
jUm  184 
or<2f  220 
or<*  221 
uaanim  220 


f««er  220 

Phrygisch. 
adSaxer  282 
ufifMMOunß  286 
(fatf^rft  290 
(faxer  288 
(fov^o;  282  f.  287 
£(f  acf  288 
CMEir  289 
e<mMc  288 
fr«TTeTM/u«9^  284  f. 
UhfiovfAivos  284 
loffxe  284 
xaxvu>$  285 
xe  282  f. 

fiavxw  286.  289  f. 
fierarog  285 
i^aS^oTOC  284  f. 
vuMTwe  284  ff. 
o»  287 
o^vav  287 
o^i/ara  287 
annafivi  290 
ov^/fcty  288 
nowraaßas  286  f. 

Oriechisoh. 
Apaxinv  148 
ußaxrifAW  (Hes.)  148 
a/faxi};  148 
a/}af  (Hes.)  148 
ttßivxTOP  (Hes.)  164 
a/}oXoc  147 
a^p/{  158 
dytcraxrim  144 
ay^otftoc  257  n. 
aViir  141 
fiJ^irdc  141 
cU^loy  144 
ae^ioc  144 
aeUcr  222 
aCa  161 
iSCfd/o;  161 
i^C^ra»  148 
äCot  147  f. 
aÜu  161 
afyapin  166 
aUlovpos  207 
ff/xlo»  (Hes.)  166 
aflov^C  207 
of^«  144 
tOolog  207 
afoyixM  144 
ain6Xog  169 
afjp/u^'  166 
<|x«Piic  181  n. 
dx€vHV  145  f. 
lixivato  145 
axufvof  146 


dxtd^i  146 
oxoJtoc  147 
dx(Krr^  178 
iJjroMty  145  f. 
axe«;  174 
dxQodofitu  146 
ofAväfAog  141 
ai/o(  241  n. 
ai«)^i^tt>  240  n. 
ail^yw  240  f.  n. 
dXeüpu  71 
avdyxri  281 
a<f«t;  177 
ccre^MK  201  n. 
avi^  147 
oy^ip^  184 
dvvis  (Hes.)  222 
aiTi;^/ir  147 
aPTQOP  147 
aoCof  147  f. 
dnagti  158 
a^rcUij  149 

«TTITITI    149 

ti^ßnXos  150 
ap/}i;Xi|  150 
dey^novs  {Hea.)  177 
a^«i/oycici^i|C  149 
a^i  157  f. 
d^unijt  157 
d^tnog  157 
dQTUpQtw  167 
drifißm  150 
ai/c«y  145 
aulij  255 
avJU^f  255 

avtoxaafyptfToc  197  n. 
dfpviiv  150 
dffvaytros  151 
dwvcauv  151 
/!a^{  151 
/»ai^^r  161 
^axriM  (Hes.)  148 
ßaxTUQla  148 
ßdxTQOV  148 
/»aUiki  65.  71.  78 

ßdjf^X^  ^^ 
ßnlagfioarde  163 
/»Jl^yyof  154 
/J^'ür?  142 
ßXmaC»  152 
ßQoxnov  (Hes.)  228.  281 
ß^aöm,  ßQuCn  152.  249 
ßqdjT^w  (Hes.)  158.  228. 

281 
i9^^C  227 
^^<;tM  158 
i9^/{»  158 
Bqt>j6(Mi(fH£  206 
^^/c  229  n. 
i8^/of  229  n. 


BtIMc«  s.  kud«  4.  ind«.  ipnahMi.      XXVIl. 


22 


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338 


Register. 


ßv^a  165 

ßußvCitv  (Hes.)  164 
ytifiß^S  211 
yafUu  211 
maked.  yagxav  166 
yaqvov  (Ü66.)  165 
yaq^  (Hes.)  165 
ydffaatfa  (Hes.)  165 
y^ivofAtu  65 
/6va  65 
/^ITO  211 

raz/^  191  f. 

riXlog  ü.  ä.  191  f. 

yldtpv  158 

/^^C  248 

^tifia^  153  f.  217 

<re/^  81 

ä€wdCi$v  154 

<f€^^«  241 

dianoiva   168 

(f^MOf  212 

«r/^QMi«  179 

ecia  (Hes.)  165 

SCCfifAtu  160 

SfCofuu  160 

JmvGOos  218  f. 

<f)(iwc  218 

«fof^ffl  184 

JovJloc   (Hes.   s   o/x^) 

217  f. 
^ovXos  217  f. 
<r^o<>y  (Hob.)  165 
Sv€tv,  dvia&a&  179 
kypr.  dvßdvoi  179 
dwafjuu  218 
dvftxoXoq  169 
l/fAik>  (Hes.)  84 
iynvfiww  172 
l}^«i/off  171 
l/ywv  84 
iy^fiyo^i  167 
el»a(ik>  141 
<{xftfy  141 
ion.  efil]}  168 
iiXloPts  222 
eUv  (Hes.)  164 
ef^  68.  79.  81 
effffti  159 

ixßtovdi  (Hes.)  164 
feri^i  155  f. 
ion.  ixß^aoitv  152 
lii^r^  ;r^ii«  71  bis 
hftQ^i  154  f. 
hnQoi  154  f. 
hi^iQos  154  f. 
htonm  72 
loura  141 
iniuj[tno  155 
l^i^x);  167 
1^  141 


itpva^os  145 
/ißouta  141 
^txdCii^  141 
^etxtiv  141 

boeot.  ^UaQx^o^o^  163 
CijAof  160 
Ci}/u/a  160 
f^r^A»  160 
Cikipoc  160 
fl47 
Hyapov  161 
ScTca  90 
[MC  141 
JM»y  145 
ivvvro  76 
i};^«  152 
^^iu  82 
^ci7xoJU>c  169 
^c^jnu  194  f.  202 
^ew  66 
^Q/A6g  203  n. 
&Qaaiaf  74  n. 
d^avvw  74  n. 
^t;i};r<$Xoc  169 
^vliofjuu  161 
^i/y^o»  74 
^oi^l  236 
Oi/owAfac  214 
ra  161 
idlt/ios  165 
toi;  165 
Wa  65 
JcTru  79 
/€i;  165 
ii  165 

/17W  141.  165 
IxQityy  162 
f»T0^  168 
ixTia  (Hes.)  166 
rjli9  168 
llvg  168 

/yvcrm  (Hes.)  165 
iov  165 
jv  165 
Jvfciy  164 
/»  165 
xa«ydc  199 
xdXv^  182.  184 
xfxyoiy  197 
thesB.  xanivä  149 
xavvo^  171  n. 
lak.  xMfa  (Hes.)  166 
kypr.    xag^dCitp    (Hes.) 

166 
»a/Jl^f  245 
xidvös  166 
x</^  74.  81 
xtxaipffiora  332 
»e/uac  167 
xiVTiu  199 


»^^ov  199 
jc/<nr<oy  168 
xtv&w  146 
x/i^ae^  188 
x£diiQog  250 
jtJUyw  74 
xoyxn  175  n. 
xo^A»  145 
»oi:At;  (Hes.}  301 
xonfog  168  f. 
»dJUtf  169 
xolxuog  169 
»oA^V  169 
»c$^/So(  150 
xopvim  74 
xovTos  199 
«o^vMi  169 
jcd^o;  169  f. 
xo^vf  74.  169 
xdaxwov  168 
xovQlStos  170 
»ov^c^off  170 
xqixiiv  170 
x^jn;  170 
xQo^ca  170 
je^o<rriya  (Hes.)  170 
x^vorroiUo;  245 
»rf /!rft)  75 
xtlwvfii  75 
«i^e  171 
»mToc  145 
»ucir  171 
xuxttCir  170 
xvua  172 
XM>f  172 
xiofin  168 
xcS/uoff  168 
xaH'oc  171 
xiSof  171 
XavxttPüt  160 
Aiyw  240.  241  n. 
dor.  li  74  f.  79 
Jliixv^c  160 
Uaatufup  (Hes.)  82 
Xvxdp&QWios  149 
kret.  /uaV^  206 
tMUfdofitu  145 
^i^  184.  206.  208 
fUraaCfu  159 
/uvil«  71.  78.  81 
vtUarog  177 
yco^cXlo^  191 

ViOfAM  205 

v€oaa6£  159 
y^^»€  154  f. 
ri^iQoc  154  f. 
y<t/^ov  212 
y^w  212 
yi^  (Hes.)  805 
yd^of  196 


Digitized  by  VjOOQIC 


Register. 


839 


ifocTOi  305 
Nyaa  214 
vTüüau  81 
ivQov  173 
BSe^  (Hes.)  165 
oSvaaaa<hu  187 
oCiia  (Hes.)  148 
of^a«)  93  n. 
oiog  147  f. 
o/Jua  172 
oldos  172 
or^«r  172  f. 
otx^a^oi  141  f. 
oyy^flo  72.  74 
^XQK  174 
oviioQ  75 
^l/yiK  173 
divff  74  n.  173 
6ntn€vu  72 
oqiofiai  82 
oervf  184  f. 
dqx^^fJ^^  78 
Haaofiai  81 
oifr^fAov  174 
Satp^ivofjMi  237.  242 
oT^i^oc  174 
ovroff  177 
^^vc  233 
Sxnoe  174 
"Oyij  192 
^ff/of^  260 
TrcM^potftfflo  65.  81 
TTsAtf  77.  81 
Äort;  177 
ndgos  137  a.  n. 
7ta<rx»  197  n. 
nariofiai  77 
TToroc  256  n. 
I7£«^iu  65 
nixog  252.  254 
^rcv^c^C  212 
niv^oi  197  D. 
ne^fl/juxriw  144 
n€Qusa6s  159 
maked.  ntqijut  159 
wijAw  177 
7r^(w  160 
TTi;^/)^  160 
TT^IfVff  258 
nMe^C  176 

nrnttt  72 
nuviu  72 
nirvTifii  74 
nXnda^g  175 
nXaSdof  175 
TrAocTof  175 
TT  Acer  VC  167 
TtoutiXos  176 
noiiirpf  168  n. 


notfivri  168  n. 
TToiToc  256  n. 
noaiidtSv  256  n. 
TToor^  259 
notafAOi  256  n. 
novvwif  (Hes.)  177 
?r^/y  133  ff. 
;r^Aw  79 

;r^<myi}<rriyoc  142 
n^Ofpatos  195 
;r^ft);r«  177 
ngwos  177 
TTT^Accc  176 

lak.  TTTcA/a  (Hes.)  176 
Trr^lo)'  72 
TriyjJ  177 
nvyfitdoi  230 
^rvxiyoc,  TTVjrvdc  229  f. 
nvfjunos  176  f. 
^«/yof  176  f. 
TTuliv  168  n. 
-tfi  159 
2«^/Jli9  213 
cflTog  213  n. 
tfxaM^ff  190 
axiqvw  231 
<rv^|  255 
tf//;»  65.  69.  81 
Tffiy/a  75.  81 
TttWfuu  75 
rarä  167 
Tttvu  75.  81 
TC/^  81 

t4xvov  196  n. 
tMw  79 
Ttvd^ivc  197  n. 
r^^il^  224 
tniflfiai  241  n. 
r^fra  167 

TITCUVU  75 

r/TM^  71  bis 
ro7T«Ctti  178 
To^rof  178 
t  vgawog  182 
riiD^'iiEir  142 
t^'T^c^oc  211 
vy^g  220 
v««  220 
i/Ci)'  145 
vnos  145 
vUi7  (Hes.)  163 
vt6g  220 
vfi^  212 
w*ff,  VW1J  178 
vTn-ioc  159 
vQX^  178 
va^i^tfoy  145 
vtforffl  178 
vacfof  178 
untaxos  145 


{/(fr^il  178 
^^M  234 
Ipißofuu  167 
iffifTiqoq  219 
qpi5/uij  178 
a)üro  85  n. 
lesb.  ^/ili7j(ii  70 
ip6oui^f  188 
^eiT*"  208.  286  f. 
ifolBog  188 
^eaCo»  81.  237  ff. 
ipQdatfvi  231 
ipQov^n  237 
9)^i(  241  f. 
(pQovrls  241  f. 
qfQvyiXog  183  n. 
9)0^  216  n. 
j^aJlttCff  246  f.  249 
XtUuS  184.  245 
XaXxos  249 
X«^  79 
XaQon6g  289 
jffAiVij  188 
//ilt;c  249  f. 
xeXvacfiw  188 
X^^^og  247 
/ijjlij  183 
XOvSqoc  248 
/o^C  142 
V^,  79 
V^ctf»  84 
M^^fti  78 

Lateinisch. 
aMöfiMii  258 
abdünun  258 
aetM  173  n. 
aed49  65 
aemiduB  172 
omi^0  202 
an^aä  u.  ä.  27 
amm  223 
ar-  158 
arduus  74 
aMor«  307 
ö^  174 
airox  174 
atiaur  239 
atiAi  265 
avus  222  ff. 
imZbi  258  n, 
haeulum  144 
5«nar  46  f. 
hranea  230 
mlat.  IrfMCtM  249 
eadamüas  298 
CMii««  65.  69.  81 
caekim  300  f. 
oartfT«  181  n. 
ea$»tM  298 


22* 


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S40 


Register. 


28 


&9do  166 
esOo  147 
eäo  60  fi. 
eUrä  u.  ä. 
eiuM  66 
eöf)or  197 
eontra  29 
eotttilM  158 
erüdus  245 
eruor  245 
erif«to  245 
euneus  199 
cii|No  78 
eu9i»dir0  146 
cft/£^o  240  D. 
dueenü  825 
(ittpie«  825 
Mir  54  ff. 
fa^Uu$  65 
/oet«»  65.  81 
fanum  302  f. 
/oreio  281 
foittgium  284 
AioM  79 
/«v  65 
f^ndo  198  n. 
AliM  85 
ßdiUs  65 
^«  65.  66.  81 
ßdiu»  65 
^/^ro  809 
ßltui  218 
>So  85 
/or»-«  284 
fomax  255 
fomiz  255 
/rj^o  242  0. 
yrä^m  242  n. 
fremo  183 
/r«jtMiM  231 
fringilhu,  -a 
/ro9M  281 
^ti«<ttm  244 
ft'utex  205 
JWf(i«  205 
fuam  85  n. 
/i^  216  n. 
Füriu»  66 
gannio  154 
^«/u  247 
gtmini  211 
^#ffio  211 
pMMT  211 
^a9iN»  65 
gradier  65 
grandü  227 
grando  245  ff. 
Aofer«  70  f.  181 
Aatirto  145 
A«rl  51 


280 


A«rma  208 
A^«  198 
Ao<{m  47  f. 
hämo  208.  214  n. 
imhSeiUuM  144 
tm6tfa  150 
tnguen  141 
inUmeeied  65 
m^at)»'««  289 
ii^«m  157 
Hi59r0  67.  80 
iüeundu»  209 
209 
209 
juger4  164  n. 
iaqueu»  297 
^  297 
i^o  240  B. 
Me«  80 
magis  816 
iiM^t»  221 
Mqfut  888 
ma^  46  f. 
moftiM  219  f. 
mare  207 
mart<t»  206.  208 
Msvar»  207 
fiO^Mir  219 
modo  60ff. 

Ä»  208 
208  f.  D. 
mulUu  186 
neglepmu  240  n. 
iMplw  201  D. 
fiMt  52 
nubo  212  n. 
mi<no  214 
oeris  174 
ö^  255 
ordior  221 
ortbr  221 
jMifint»  149 
pavio  77.  81 
jMe<iM  251  ff. 
permeiii  65 
/Mftrt  72 
phö  70 
jpä<2M;  258  f. 
prMitn  159 
prnmt  177 
prömuigäre  185  ff. 
jiii^fio  229 
puppis  176 
^tiott  51  f. 
r«fta  249 
r#e«fM  199 
religen»  240  f.  n. 
rini«  288 
reor  79 
r^o  167 


rür4  51 
ri^  51 
ru9$us  807 
«oftoo  164 
«on6tb  200 
sanetus  200 
seaoou$  190 
M<{t  90 
««rtM  65.  81 
9ex  261 
«Ml«  177 
261 


MfttM  260 
«fMiw  261 

««eirfa  261 

$trita9u$  228 

ton^o  242  n. 

<iro  224 

toi^«o  77.  241  tt.  n. 

irikmuB  228 

tnw  69.  71 

truMMM  229 

tu  62 

tfroMM  178 

urg9r4  69 

ii^tM  220 

ifdEor  215  f.  216  n. 

fOfina  178 

iNi^tr«  152 

vas  217 

tHirf««810 

tMtfer«  71 

o«/66 

v«fitf»«m  75 

OMNim  217 

tHOMii  48 

ofliv  168 

OskiBch. 
aßaku8  297 
o/fuAoii  297 
ang€iuut  298  f. 
ofi^-  2981 
eadeis  298 
AaOa  300  f. 

Umbriech. 
amperia  304 
ofifi/  803 

andirsaftut  u.  ä.  819 
Müin«  806f. 
aso  807 
«TM  805 
evoUtu  71 
JVn'tf  807 
/t«r/a^  808 
h«ri8  79 
iMfiro  155 
ntrti  305 
prm>€  177 

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Register. 


341 


rufru  807 
ruMimt  307 
iwplak  826 
sms&ve  261 
fxxtuva  810 

Faliskiflch. 
foied  47 
Twimla  308 

Italienisch. 
andere  809 
hraneolare  280 
gu$eio  2ö9  n. 

Paelignisch. 
AaiNM^u  302 
ttiw  801 

YolskiBch. 
««pti  299  f. 

MarrnciDisch. 
asum  807 

Französiflch. 
gou»Bant  269  n. 
gau9»e  269  n. 
goustet  269  n. 

GalÜBch. 
Cm^iM  199 
-dtfnum  218 
Mediokmium  149 

Irisch, 
air.  orocArtmin  74 
au«  224 
harn  208 
ftorr  234 
60rran  241 
6tM  230 
ftrie  229  a.  n. 
air.  brühem  207  f. 
hroi  238  f. 
dm  282 
hrüim  227.  244 
air.  hruitms  236  f. 
üatmmM  191 
üan?/  196  n. 
eenn  196.  199 
eifotm  197 
e?/iM  197  n.  199 
citOeir  199 
air.  ei<$tm  81 
eroean  261 
<Tiit<  260 
dSm  212 

^mtm/  211.  213  n. 
air.  »gninim  74 


^ofw  208  n. 
air.  imrim  222 
air.  lieui  82 
air.  tnaoe  221 
207 

209 
nüaehar  216 
ochar  174 
r?»/  210 
rsAitm  210 
air.  roßUtar  90 
ro«e  210 
<afi^«  242  D. 
/oiMrtf  242  n. 
»<;&  261  f. 

Gymrisoh. 
ammrawdd  287 
6ar<I  288 
harn  208 
6a/0  207 
hratodtgg  287 
frru  282 
6ryfm  227.  243 
acymr.  etntiU  196  d. 
erwihan  261 
cru^^A  260 
ewyddo  146 
Mfyn  211 
\ehrumg  228 
f»ui6  221 
m«reA  209 
mortoyn  209 
oeAr  174 
jvenn  196.  199 
trüeh  229 

Cornisch. 
<2o/  212 
guhü  216 
A0m6rof»A  228 
morofft  209 

Albanesisch. 
omii  222 
hafi  220 
6arA  281 
60S€  201  n. 
hir  220 
6r«ftfo  284 
hres  234.  243  f. 
6r0i€,  hrtiJu  249 
&r0«€i»  244.  248  f. 
hretiki  249 
6r^'  236  f.  241 
Wifc   232.    286  f.    241. 

243 
huf,  buf€  219 
dindif   211 
Ji  166 


199 
ga4  201.  248 
^'m^c  261 
gi  260 
^t«<  162 
^ril«  162 
My  güH  228 
%raA£  260  f. 
krahmurh  261 
AraAfuJI  261 
krahnuer  261 
r*»  212 
mhars  231 

m6«M,  60M  201  n.  226 
mhrmi  284.  248  f. 
mhuf,  mhufem  219 
mo^c  219 
mue  210  ff.  214 
ntM«rt^  211 
peni  201  f. 
JIM«  201  n. 
ptd'  269  D. 
pti^  229 
pu&t64  229 
r«  210 
ri  210 
r«^  210 
Mt  201  n. 
ioh  261 
i^^'if«  224 
taU  223 
oc^tf,  9la  222 
zi  200.  204 
zemhiräk  202 
MUMTiiA  202 

Mmcro^c  202 
scmcrcittrtiim  202 
tinuri  202 
zcmcr^n  202 
zitmrk'Sn  202 
sem£rn^tf«<0  202 
zemiröH  202 
Z€mir6r  202 
i(/af  208  n. 
so^  208 
soff  208 

Slavisch  (Eircben- 
slavisch  nnbezeichnet.) 
qchati  146 
€^  147 
&«rjäi^  188  n. 
hi  86 
6^;^  207 
mss.  harona  284 
ftracla  234 
hrazda  238  f. 
5r0S({<i  283 
rase,  hrjueho  232 
serb.  slov.  hrBt  227 


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342 


Register. 


ru8s.  hru9  284 
arnsB.  bruma  280 
hrüdo  284 
brUselü  244  f. 
brümati  234 
brütfufti  244 
dMO^t  168 
dtnä  241 
cUU  241  n. 
dticlo  146 
ruBs.  cuehaCt  146 
dti<t  146 
cvitq  218  n. 
(im?^  217 
dotipa  178 
ijtfma  282 
düiii  222 
^fo6  158 
^(;o9;V{  79 
govyq  79 
^oMet  808 
gradu  246  ff. 
orodt  227 
griehä  190 
^^a  168 
^^t&  158 
p.  gruda  248 
r.  %krä  162 
t7fi  164 
jVkJro  172 
jadü  172 
jorö  160 
p.  jebad  172 
j^my  173  n. 
AMimY»  198 
kir.  A:tft  198 
r.  kona»  198 
A;<mr  195  f.  198 
korm  198 
A!<$riij^'  181 
korota  181 
Ara<2a  170 
D8l.  kr»$ati  170 
p.  krokwa  261 
Aro«ito  170 
r.  A;ro«nt  250 
kruchii  246 
A:ti0(^a  78 
laWkü  160 
%&  268 
&'u^  191 
mc^  208  n. 
m«&Vi  71.  78.  91 
nUUva  206 
mlriväi  206 
klr.  möt^a  206 
Sech,  mrholüi  152 
r.  nabrjakntä  228 
tMV^Ma  216  f. 
m'fa  176 


no^81 

obru9u  245 

o6r&i;r  288 

odrü  174 

okroeiti  251 

of>ona  149 

o#{;a<t  261 

o«ft>tä  173 

Sech,  vaces  168 

r.  jvaeX  a.  ä.  255 

klr.  paga  255 

bIov.  r.  pastueh  259  n. 

bIov.  pazducha  u.  ä.  256 

Sech.  pMi  256 

Sech.  t»aX0  a.  ä.  256 

paxuena  257 

bnlg.  pat(u)ta  267  f. 

ptfier  256 

;7^jf  256 

jieonjf  218 

ptBoH  176 

l^Ä^Vi  77 

r.  piida  259 

I^^BJfe  262 

OBorb.  podpaha  264 

/»otö  256  u.  D. 

serb.  povi  255 

prikäÜti  171  n. 

ruBB.  JM-Ät  71 

pronotiU  81 

;iro<t  168 

j^rffM  226.  229.  285 

prUtiSi  229 

rdbü  150 

radti^t  199 

p.  rana  187 

riM^'  210 

re^  199 

rodXt  221 

klr.  rukopai  255 

nsK  «6fMe  175  n. 

Blaoij  169 

«nova  212 

«nu6tkt  212 

$09na  171 

<^ana  281 

«torfi  228 

9<rtf;Y  205 

«M«  261 

üja  261 

i^tnio  145  n. 

iura  212 

«wrr  212 

iurinü  212 

fo^  176 

^o  242 

tr&i  71.  91 

osorb.  tro  828 

^£r^2^t  71.  78 

oberB.  tryk  225 


tilftM  255 
uUji  255 
ruBB.  tf%;  147 
p.  vHfUiea  147 
p.  imi^y  147 
veda  217 
O0Mllf  207 
vino  217 
t^röcT  178 
vy  801 
p.  vDygon  201 
vgktuäi  220 
vfie^t  195  f. 
aoo^'  196 
soibon«  196 
r.  dial.  zeh  250 
s^211 
xnajq  84 
so^^t  152 
wonS  208 
sofn^t  208 
lf«^ftBo  249 
MSvi  249 
My  249 
2f0fU|  201  f. 
X^mqi  211 
i^'o  201 
zir&i  239 
Xii($  213  n. 
Stefti  144 
SZe<liea  247 
iirUi  92 
2t><f  198  f. 

PreasfliBch. 


angsiamm 


angsUinat 
158 

ay«ti^  166 

atuUn  190 

britgekm  288 

cfrifto»^  71 

«ftünmot  182  D. 

MA;«frM  168 

gauU»  218  n. 

^0ti«  213  D. 

^«^  249 

ifcerwf  162 

tinmimat  182  n. 
^iircr#  165 
lüatiBkan  301 

^yiO0  168  n. 

eaiU  182  n. 

eoffM^ta»  167 

kei/taro  248 

;k20n<0  176 

kradan  250 

jM^^on  254.  258 

p^Udo  259 

pirtten  229 

pogwdaut  287.  240 


Digitized  by  ^OO^L^ 


Register. 


34S 


paunian  177 
protna,  pru9na  177 
9ar%  208 
»arwü  169 
nnoy  203 
sue&s  190 
iäm)8  816 
loofi^tM  263 

Litauisch. 
o8tl.  adufU  168 
otM  173 
aidas  172 
ouitn^'  172 
iftVfy^'  172 
aimi  (?)  172 
af6^  160 
dka$  175 
aikteo«  173 
dkgHiuu  173 
aA:«<U  173 
anib^^i  158 
an^  223 
aft(»r«>^  158 
iipaezä  159 
opMrd'Mt  150 
zem.  arUi  158 
orft  157  f. 
oifto  157 
auneMoÜ  190 
aSfo'  181 
awHi  181 
alA<  159 

(OAfftM  183 

ba&sstü  188 
6anM2a  234 
lOati  167 
6^fUM  224 
&o^f)n<t  167 
branka  228 
hrankazdU  228 
dratf^f  244 
ftrouna  283 
MftJb^*  228 
bf^tgtku  238 
6rö£«  222 
brükti2Bl 
hruvU  283 
6«rfi«(  190 
dedä  179 
ileirttk  179  f. 
dmwtd  217 
<iU&  161 
«ffWi^  81 
diUia  161 
«^Ä  142 
4kdf  175 
^a«  167 
«rfsAI^M  168 
altl.  eutkHras  168 


?MmM  166 

geU»M  249 

^«ntflk  201 

aenä  201  f. 

lern.  0«rqiiAM<<  188 


ffirl^  79 
rtr<»A  81. 


287  f.  240 


gtra 
gkrti  241 
graiüus  190 
^«M  229  n. 
grödas  248 
^y/M^  65.  71.  78 
giiäas  259  n. 
yS^  65 
altl.  idanU  158 
Mry<»  74 
^  165 
tnclMtrat  180 
ypaetei  162 
ypaius  u.  ä.  162 
l^a  221 
üzczo»  159 
M^AM'  167 
jfioa«  165 
tloib^f  166 
joüsU  160 
jtMia^f  66.  80 
ßuti  160 
juliM  160 
kaikaras  168 
ÄMiimen^  168 
A^Zil^t  182 
kaneta  197 
;k?ffUM  168 
kentHt  197  n.  n. 
iktmM  150 
kirmiujü  79 
Ar?A£ia  250 
kriam  170 
^tMsa  245.  248  n. 
kriümBU  245 
kromis  170 
Arü^U  250 
iem.  Aü^M  146  n. 
kwäty»  191.  213  n. 
Jaigönas  212 
AVMPd'6'  258 
töllb^'  258 
martl  154.  206 
mdH/u  79 
melmu  171 
fiMntk  78  n. 
msrdSiu  71.  78 
m«rffa  209 
mübmu  186 
mM  85 
mai^  219 
murdpnas  152 
mör<fy<t  152 
mtirAlM/tfi^'  158 


mtirtsftnft  158 
altl.  neto  158 
altl.  n«^«  158 
neptü  201  n. 
n^wyk^  141 
o^  174 
|>aiA:iM  176  n. 
paiwas  176 
palAükU  160 
pawMilas  141 
po&M^«  257 
l>^«E<t  254 
jilTM  168  n. 
;ilf«sa  176 
pUai  176 
ji^a  168  n. 
pja^'u  77.  78.  81 
l>2ato  167 
plötü  167 
l^an^d  239 
pridvijas  74  f. 
prinü  285 
prtMfia  177 
rdA;to#  199 
ranA^  198 
rßgHi  210 
rO'u  68.  79 
r€pli6ti  167 
rtiü^'  198 
rJIftfo'  150 
Muti  150 
«a«te«  150 
Ȋm<dni9  171 
«vtoat  144 
«JMsu  65.  69.  81 
Bkiriü  74.  81 
memd.  ttdutiu  183 
t<0nw  78  n. 
Mju  179  f. 
«toiolft  179  f.  u.  n. 
nM^MS^t  259  n. 
wfogHi  152 
närtooB  169  f. 
szdukazias  170 
neimjna  168 
Mtä^MfllM  170 
«zw^M^ti«  170 
MdAe  170 
MttÄk>«  170 

Mtfn^ck  151  n. 
«sfiTfdtc«  201  D. 
täpH  178 
tofnat  224 
altl.  UUfU  158 
«0^«  176 
Miytü  167 
fyMft  182 
tyriä  71.  81 
^•Jl^t  229 
trutnpas  142 


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Google 


544 


Register. 


irupHi  142 
ugnU  161 
ünktt  144 
unkttytt  144 
ufbinii  150 
wfAs  178 
ttSäcsa  169 
tMt  159 
ätö  255 
ö'mom  216  n. 
tooid'^'  217 
warU  249 
f<?«Ja  217 
to«M/7  163 
wet'ssia  176 
viH  249 
venas  319 
wögrauU  152 
zwagHi  152 
twl^anU  152 
zwogauti  152 
»cit(&if  183 
Sanj'a  203  n. 
i^na  203.  239 
attfnto«  211 
Ühffuitf  192 
ihn?  74 
üttiir^'  239 
iOejä  85 

Ifmo^ö«  203  u.  n. 
hnü  203 
Sioii^^f  152 
iwakä  65 
ü^^<  152 
hiwis  190 

Lettisch. 

oAmi  175 
akate  175 

aAw<«  178 
ar  158 
ätTM   174 
al2«üAa  190 
baigi  183 
6ar<2a  330 
harzda  330 
5atffn0  178. 
5ratfA^  244 
hrauna  244 
&rtfA^  244 
hHkda  234 
diberu  u.  ä. 
dumenB  190 
(lifo  218 
dt/b^  161 
cftun  u.  ä.  319  f. 
drupinäi  190 
drtip^  142 
dubma  u.  ä.  323 


254 


183. 


323 


duzeles  305 

<l<l/9   161 

duse  257  f. 

<2tM^  190 

4fMksni$  183 

«s^cAt  173 

gaiis  202 

^ofM  201 

ghimdi  152 

^*t/»  190 

^rm'  165 

gwehma  178  n. 

i<ii«^  165 

idra  172 

i^'  162 

tA^n«  319 

ih  164 

f^ofo  u.  ä.  162 

tr6«  150 

tXtfZü  150 

ik9eha  159 

yattt4<  160 

hamM9i  191 

Akim«  181  n. 

heiris  190 

^#i£;0  168  n, 

klät(u)  159 

A^lip«  190 

Arai^  190 

kr€%98  190 

;kr«;U9  170.  250 

kude  146 

A<^  146  n. 

koisis  191 

/o^M  315 

räum  191 

ftXsfw  253 

r^/i  191 

merga  153 

murda  152 

muref^  152 

fM(/S9  81 

mU<  157  n.  327  u.  n. 

dtditdU  147 

ötmü  147 

paduse  257  f. 

j^oA^  254.  258 

j>ala«  149 

pauna  177 

|7<i/u«i  238 

pe'ldit  175 

|>i^A  149 

;9Ä  317 

p^dr^ikne  u.  ä.  188  fi. 

p%rm{%)»  316 

pledskscha  175 

i^/üi«'!!«  175 

p/ültiu£f  175 

prallt  190 

preti  158 


pr&jam  177  n. 
prürmseh  160 
;n<rna  190 
;i^«  160 
r«<w  316 
r«s^   199 
rikt  199 
rd&«  160 
fa'rB  166 
/«2i»  183 
/«fiM  175  n. 
jyU  144 
yuw,  Jm$  190 
/ti^  190 
/tt^  152 
9aH  200 
«Mtopt  178 
9inatas  329 
««nü  316 
««UM  175  n. 
Hj»  144 
«&  199 
9uka  170 
«ttJb«  170 
9fktu  161  n. 
«^'tf  179 
Mwu  179 
sehäioa  171 
<^2ieA  176 
teMiMfM  190 
«rC«  328 
trupindt  190 
tMftiW  161 
uVft<  150 
^/kude  146 
^iti  330 
usehnes  178  n. 
«wtrt  u.  &.  315  ff. 
wtns  319 
toTA:«^  141 
ZMBtU   197 
S0r«  181  n. 
Mu  168 
stfi«^«  197 
süsÜB  197 
si^«  197 
sfm«  168 

Gotisch. 
aba  219 
o^an  66.  81 
atutpraggan  281 
arba^s  150 
atiAiM  265 
aoo  222 
ba^aba  207 
ftom  220.  224 
baur  220 
6M(;'a  65.  81 
bringan  228    230.  232 


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Register. 


345 


hrunfo  284.  241 
brusU  226  ff.  234 
brüps  205  ff. 
d&nu  282 
dun  177 

dugmnan  193  ff.  204 
fana  149 
fö4fa  77 
frabian  288 
gadüiggs  212 
gafuujan  206 
gan^an  204  f. 
gaparban  71.  78 
gauHuyan  217 
^aton  288.  240.  246 
^]^«  66 
0t«iiwi  208 
AadoM  70 
Aofton  71 
AaOf  801 
AatfiM  168 
AatrtM  169 
handugs  196 
AofM^tM  198 
Aafwa  212 
hau^jan  146 
AmdtiffiM««  199 
Ath/on  198.  212 
hrU  170 
At^'ofi  66.  81 
huMl  161  n. 
IwaUeU  77.  218 
Ao««to  201  D.  213 
inki^  172 
AnAö  247 
kUpei  172 
AuMfiat;  74.  79 
lau9'qipr$  220 
lu&atfw  80 

208  n.  221 

171 

203  n. 
207 

krimgot.  mmrzu9  206  f. 
mHjan  176 
mtman  71 
nij^o  201  n. 
quin»  219 
ra^n  199 
BoSkran  251 
Mto«  144 
Barva  169 
•ati^  151  n. 
sibja  172 
«Aaii<«  261 
«niioon  76 
noaran  242  n. 
^'oft  218 
Umbrjan  158 
^OIMM  71 


ßag^'an  242  ü.  n. 
preiKan  229.  282 
-iiA  181 
tM^atf^on  161 
vadi  217 
iiMiff^«  268 
wahan  71 
u?atiMt  181  D. 
iMiAa»  71 
wit^'a  76 
tMfifum  197 
Uföds  810 

Altnordisch. 

(Altiflländisch.) 
ät  222 
ausa  146 
6armr  284 
bögr  268 
&ra^  248 
6riii^a  228  f.  248 
brJöBt  226 
5r;ö<a  244 
broddr  288  f. 
&r(^o  228.  229  n. 
brün  288  f. 
brgna  246 
6rym  284.  246 
hurr  220 
6tir«^  284 
ati^»«  172 
eür  172 
«yrr  146 
fud  177 
fiMundr  149 
gaman  202 
^omtr  287 
^«ita  202 
^fM  193 
^^m  203 
^är  289 
gruna  288 
yninr  288  ff. 
Hella  171 
A^Af  172 
At'fMJ  167 
hiUa  146 
jiuftirr  174 
Atm6«|{  211 
kUima  162 
hringla  229  n. 
Avw^  230 
marr  184 
mddf  219 
m^^y-  207 
noriir  166 
oddr  178 
(^AAr  141 
9x1  258  n. 
roÄ-a  307 


iSttr  200 
«M^  160 
tMto  160 
»kdld  72 
#töfr  228 
•tara  242  n. 
m/i  222 
Uür  161 
^m6r  168 
tön  218 

196  n. 
.  ,>  196  n. 
purp  168  n. 
pryngwa  282 
/yy^M^  168  n. 
v<Bngr  268 
t7(^  220 
vtfina  197 

Norwegisch, 
dial.  brank  226 
dial.  hranka  228 
dial.  6raiiAiiM  228 
Kwnpa  150 

Dänisch. 
5rtfi^#  228 
gammel  202 

Schwedisch, 
fttfr;«  200 
-dial.  bringa  229 
dial.  brikka  281 

Angelsächsisch. 
3^m  212 
bem  287 
&rayi<284 
6r?o«t  226 
brord  283 
6ryMn  228.  244 
einUnng  211 
0/<eman  162 
aar  Oll  221 
eari  221 
/Veo  260 

famne  168  n.  214 
Aa/  801 
hrt^l  170.  260 
nwfis  158 
öe  216  n. 
tisean  166 
tcgtnan  193 
tö/  218 
Pqfian  178 
fda«  202 

Englisch. 
bar  237 
6arn  287 
6raii^^  229 


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346 


Register. 


hrink  2S1 
brim  237 
brisM  228 
chüd  172 
erank  229  n. 
wing  258 

AltflächBiech. 
adro  174 
5rto«<  226 
brtutian  226 
•i{or  174 
Arö<e  170 
ard  178 
j?0<2a  188 

Frieflisch. 
fämne  168  n.  214 

Mittelnieder- 
deutsch. 

aderCeJ  174 
an&«n  144 
quaken  152 

Niederdeutsch. 

ftrtfiA;  281 
p^el  144 

Burgundisch. 
^«ficitna«  199 

Althochdeutsch. 

ano  228 f 
otor  174 
baro  219 
6ar<a  284 
basa  225  f. 
&^tnfi«fi  198 
6t/^  207 
bhtoen  84 
6ordn  284 
breman  188 
5re«ton  226 
6rö«ma  227.  244 
drsu  71.  79 
eiba  178 
«ultim  212 
etjs  172 
eninehüi  224 
etor  174 


ewa  212 

/oA  260 

/««/  ?60  n. 

/M  176 

/«^t  176  n. 

fona  177 

fremidi  159 

^o^t  202  f. 

^ams  202 

gawi  205 

^ar5a  808 

^atoro  212 

gen  194 

gewön  198 

^nen  198  f. 

^iw^  145 

pft00»  193 

glatten  85 

oruos  238 

hagal  245  f. 

Aon^  198.  199 

hemidi  191 

Ätro*  173 

hlinem  74 

Äroyi?,  Är«^  170.  250 

hü9  146  n. 

Au<<a  146  D. 

htoas  178 

fin^'nnan  198  f. 

inarüen  289 

trAfiau  65.  74 

chegil  144 

A%a  142 

ehraneholön  229  n. 

ATtfm6  229  n. 

leben  71 

moroA  184 

mardar  207 

merigrioz  171 

m«r^  184 

ntVIa  158 

my)(  201  n. 

ort  178 

p/n^  188 

quer an  241 

9tfM<  226 

«i;^tfn  72 

shazan  245 

«^trna  281 

uoquemiio  218.  214  n. 

uo^iMmo  214  n. 

weihön  219 


toencdf  149 
1070  219 
tottuAi  207 
zikkin  165 

Mittelhochdeutsch. 

ar<  221 
brahen  242  n. 
5ri«sen  205 
drengen  232 
gampen  202 
^crf«  212 


gümpel  202 
gumpen  202 
«2öM  245 
tooA«  178 

Neuhochdeutsch, 
bair.  aineln  172 
ar^  221 
5am  287 
5arr#  287 
ftrom  237 
braue  283.  287 
6ratMeA«  228.  238 
bröeehen  228 
dial.  brüee  228 
Mfi/oeA  260 
«ü;  212 

en^ fangen  196 
bair.  ms^  174 
gammei  202 
gimpel  202 
^«»Sr  212 
^A(i')p^  808 
Aorm  181  n. 
harren  181  n. 
keuchen  187 
Atiino«fi  199 
hundefaU  149 
Jauchzen  164  n. 
Amiub  165  n. 
»chüf  190 
«cAoM  260 
schwirren  242  n. 
si«/^  218 

Lykisch. 
arava  287 


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Terkg  von  Vanhenifocä  &  Supre^t  in  (ß5ütn^cti. 


(tiüii    Irfirbitbnrtt    0.  pi|itianiiJ, 
Dr.  ^utttillfrs.  ^rttf  ooti  (gS^ftii 


V<tt«tf,    Bo3cmrri   am  5emrtiar  für 
orirntalif^e  Sfrafi^en  in  3criiit* 


„Über  ben  «l^riogtop^ifc^eit  SBcit  Ut\fi  Ruf- 
^di^nungeti  Matif^t  e^  feiner  iS^otU^  eS  fei 
f^  nuT  bafauf  |ingcfoicfni  Mft  ba&  Bu^ 
ftueti  9lci|  tot,  brti  tontiß  «iitbfrc  ^erfc 
ntiiKit,  eiimi  fymäi  F^f^rr  Orißinatitäi.  tteii 
ferne  nod»  fö  in'#  lüttöil  ge^citk  @<l$abttuiig 

!)at  utt^  uii^rmeiit  fttubt^  berJi^tt.  ....  Wh  ^Un  nuf  E)irt  unb  ha  einen 
^riff  tu  ben  xtittitn  ^nf^(tU  bei  SEÖetffI'  <tetan.  ^riterf^  miifffii  tok  on« 
bftiflflen,  tüit  [djUf§en  mit  bei  GrUäiung,  ba^  bai  5^uc^  metit  enthält,  aU  bet 
einfo^^  ^^^^t  berfi^tic^l  unb  bo|  (ein  Ctubiitm  lebetn  ^tetmbe  uttjeta  ^tflett- 
f^aft  ^^ete^Tuitg  unb  T^td^en  OSenug  bxtnQen  toirb/ 

mcbui  82.  SBonb  1002  @,  49:  ^_  .  .  .  @*  ip  ni^t  mialit^,  in  cinrni 
fixT3tn  ^nd^t  brn  ^iibaLt  bf4  nou  bet  IBerlagä^iibtung  ui»t;4Üg1i^  auä^rftat' 
teten  5^n(^^  )u  fr|i|öpfeu.  t:ah  <?^  ^u  beii  m fflf(|neii  iBü<^crn  a^IjÄd ,  bie 
Ml  jf^t  ßbfT  mifcre  ilöloniftt  eTf<öieitiii  finb.  unb  ba^et  bie  Tiic(tefk  SPetbtei* 
tong  nerbjcnt,  bAiilbei  ^tnti^t  tinln  ben  ISemirm  nnfnff  Üötüniets  ntit  eine 
IHemuiii,*' 

^ItfiiAbotf»  1i^0;j  ®.  56;  ^ »du  etiiopflit^et  Äfiffli^ttbfiti:  mb^ 

mit  tö  toeiar^cn,  H^  idj  bie  Hieifeeqäl^lunaeii  bie(<t  etitfa^ien  ©tta^Ci  mit 
i^KH  bianifttifdjiii  Iialo^3«n,  tlrwm  ÜJUngtt  ati  Sierleriüntn,  tl)rft  päc&tRfföpctt, 
glciilini^igen  ^atfttrEuKa  ^t^n  ^lenft^  ititb  tin,  B^on  unb  ^d§uj|,  <9til 
unb  JlSöf«  öiel  iHtetenont«  fitib«  all  bte  geHjüiraten  d^til^t^  bie  n  mit  ßiif* 
tiWt  .  -  ^  ■'  

Okjohzeitig  sind  erfchierioü; 

von  Dr,  C,  Veiten. 
J90L    Gek  9  Mk.»  geb.  t  Mk.  GO  Pf. 

Int  Sifan  &in<l  die  ieisescIifldQniiiseR  im  OrJgmJzIlii:^  wOlAär€ 
täueÄ  Ltjsc-  laiii  LbuügebueU  far  di«  Soalielisiir&die.  ^ 


Uoijtine^ 


TcrUg   von   Tandenboeclt  &  Ruprecht   in   eötttii9eii. 

1902  ist  erschienen: 

Die  attischen  frauennaineii 

nach  ihrem  Systeme  dargestellt 

von 

F«  BeohteL 

Preis  5  Mk. 
In  der  Dentschen  Lit.-Ztg.  1903,  No.  15  schreibt  J.  Wackernagel: 
,,In  den  bisherigen  systematischen  Darstellungen  des  griechischen  Namen- 
Wesens  waren  die  Franennamen  höchstens  nebenbei  berücksichtigt  worden.  Es 
ist  erfreulich,  diese  Lücke  nun  ausgefüllt  zu  sehen,  imd  zwar  von  berufenster 
Hand.  Allerdings  ist  das  in  dem  neuen  Buche  Gebotene  wiederum  nur  ein 
Ausschnitt;  die  ausserattischen  Frauennamen  warten  auch  jetzt  noch  des  Dar- 
stellers. Aber  die  vorläufige  Beschränkung  auf  Attika  ist  durchaus  zu  loben. 
Hier  allein  gestattete  es  die  Fülle  der  inschriftlicheu  und  das  gleichzeitige 
Vorhandensein  literarischer  Quellen  über  blosses  Aufzählen  und  formale  Analy&e 
hinauszugehen  und  die  Onomatologie  in  einen  sittengeschichtlichen  Rahmen 
einzufügen.  Die  gewonnenen  Ergebnisse  rechtfertigen  das  Verfahren  des  Verf.s. 
Überhaupt  ist  an  dem  Buche  so  gut  wie  alles  zu  loben.  Die  einge- 
streuten Scherze  wird  sich  auch,  wer  selbst  zu  solchen  weder  imstande  wäre 
noch  Lust  hätte,  als  Wtir^e  gern  gefallen  lassen *' 

Früher  ist  erschienen: 

Dil  liiclicliii  PdsoiiH  ü^d'^/Jli^'ge^^^ 

von  Aug.  Fick,     Zweite  Auflage   bearbeitet   von   Fr.  Bechtel 

und  Aug.  Fick.    1894.    Preis  geh.  12  ]Vfk.,   geb.  13  Mk.*  60  Pf. 

Aus  dem  Literar.  Centralblatt  1894,  No.  41.  „Es  ist  etwas  beschämenb 
für  die  griechische  Philologie,  dass  Fick's  „Personennamen",  durch  welche  die 
griechische  Onomatologie  zuerst  auf  eine  wissenschaftliche  Grundlage  gestellt 
worden  ist,  volle  zwanzig  Jahre  warten  mussten,  ehe  sie  eine  neue  Auflage 
erlebten.    Diese  ist  denn  nun  auch  ein  ganz  neues  Buch  geworden. 

.  .  .  .  ,  Die  in  den  Abtbeilungen  C  und  D  gegebenen  Sammlungen  von 
Namen  bilden  den  wertb vollsten  Theil  des  Buches.  An  ihrer  Vervollständigung 
hat  Bechtel  einen  ganz  hervorragenden  Antheil,  der  seine  reidien  Sammlungen 
aus  den  Inschriften  dem  Werke  zur  Verfügung  gestellt  hat.  Wir  haben  in 
diesen  Abschnitten  zwar  noch  kein  vollst,  griech.  Namenbuch,  aber  wir  haben 
etwas  ganz  Vorzügliches,  das,  so  lange  wir  keines  haben,  uns  einen  an  verächt- 
lichen Ersatz  dafür  zu  bieten  vermag.  Die  reiche  und  harmonische  Fülle  der 
griech.  Personennamen  ist  hier  zum  ersten  Mal  bequem  vor  uns  ausgebreitet, 
in  C  geordnet  nach  den  Namenwörtern,  aus  denen  die  Anfangs-  und  Bndglieder 
gebildet  sind;  ihnen  schliessen  sich  in  D  die  Kalendernamen,  Widmungsnamen, 
die  ans  der  Götter-  und  Heroenwelt,  dem  Thier-  und  Pflanzenreiche,  von 
Geschlechtsnamen  und  von  Rang  und  Amt  hergenommenen  Namen  an. 

....  Das  Ganze  ist  ohne  Zweifel  eine  der  werthvoUsten  Bereicheningen 
unserer  wissenschaftlichen  Literatur  aus  den  letzten  Jahren,  ein  Bach,  das  bald 
je  dem  Linguisten,  Philologen,  Epigraphiker  und  Historiker  ein 
unentbehrliches  Handbuch  werden  wird.'* 

Die  MBtuTolilig  ler  imlopiiiiiMeii  Liutlilin 

seit  Schleicher.    Von  Fr.  Bechtel.    1891.    Preis  9  ML 

„Verf.  hat  sich  die  ungemein  dankbare  Aufgabe  gestellt,  die  wichtigsten 
der  zahlreichen  Entdeckungen,  die  in  den  beiden  letzten  Jahrzehnten  auf  dem 
Gebiet  der  indog.  Lautlehre  gemacht  worden  sind,  in  ihrem  histor.  Zusammen- 
hang darzulegen  und  sie  einer  krit.  Prüfung  zu  unterziehen,  die  das  Bleibende 
vom  Veralteten  sondern  und  zugleich  die  noch  bestehenden  Lücken  anarer 
Kenntnis  andeuten  soll.  Diese  Aufgabe  hat  er  in  ebenso  besonnener  wie  om- 
sichtiger  Weise  gelöst  und  dadurch  ein  Buch  geschaffen,  das  ein  sehr  will- 
kommenes Hilfsmittel  für  Alle  bilden  wird,  die  sich  über  den  gegenwärtigen 
stand  und  die  einzelnen  Entwicklungsstadien  der  indogerm.  Lautlehre  unter* 
richten  wollen.''  (Literar.  Centraiblatt  1892,  21.) 


UnlT.-Buchdixckvrf^l  Tim  E.  A.  Halb,  Ol^ttluien. 


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