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Full text of "Beiträge zur Naturgeschichte der Rankenfüsser (Cirripedia)"

li f i ( r ;i g e 



Naturgeschichte 



der 



Rankeiifüsser. 



Beiträge 



zur N a 1 11 r s: e s c h i c h t c 



» 



der 



K a II k e II f ii N N e i* 

(Cirripedia). 



V n 

Her in a n ii B u r m e i s t e r , 

üoctor der Medicin und Pliilosopliif , 

Piivatdocenten nn der Friedricli-Wilhelins-Universität, aiisserordl. Lelirer der Natviiuoscli. ,itn kcillnisclien Real- 
gymnasium zu Berlin, IMitgliede der Kaiserl. Leopold. Carolin. Acadeniie der Naturiorsrlier, luid der fJesellscIi 

uaturforscli. Freunde zu 15erlin Ehrenmit'iliede. 




Mit zwei Kupferiafeli 



B e r 1 i n. 

CrPilniciil und verlegt Lei G. Reimer. 
1834. 



Herrn 



Dr. Carl Gr ii s t a v C a r ii 8 , 

Königl. Siiclisisch. Hof- und IMedicinnIratlie , auch Sr. Majestiit des Königs von Sachsen Leibarzt, Ritter 
des Künigl. SücLsiscIi. Civilverdienstordens, melirerer Academien und gelehrter Gesellschaften Mitgliedc , 



in Anerkennung 



seiner vielfachen Verdienste um die Wissenschaft 



gewidmet 



V e r f a s s e r. 



Di 



'ie in vorliegenden Blättern niitgetheilteu Untersuchungen werden die Aufmerk- 
samkeit der Naturforscher in zwiefacher Hinsicht in Anspruch nehmen dürfen ; ein- 
mal in sofern sie zeigen, wie wichtig und notliwendig nicht hloss für den Phy- 
siologen, sondern aucli für den systematischen Zoologen, das Studium der Ent- 
wickelungsgeschichte der Tliiere ist, und dann indem sie die vielfachen Mei- 
nungen und Ansichten über die natürliche Verwandtschaft einer Tliiergnippe, 
welche mehrere Male Gelehrte des ersten Ranges beschäftigte, zur Entscheidung 
bringen, und jene überraschenden Andeutungen weiter ausführen, welche ein neue- 
rer Schriftsteller vor Kurzem gegeben hat. Indem ich beide Absichten in meiner 
Darstellung verfolgte, ergab sich daraus die Nothwendigkeit der vorangeschickfen 
historischen Einleitung, welche den Leser auf dem Schauplatz heimisch machen 
sollte; sie kann nur von diesem Gesichtspunkte aus gerechtfertigt und beurtheilt 
werden. Die Beobachtungen selbst, der Ilaupttheil meiner Arbeit, wollte ich so 
klar als bündig wiedergeben, dalier eine schmückende Ausstattung, hinter wel- 
cher sich oft nur eine grössere Leere des Inhaltes verstecken will, eben so sehr. 
als eine ermüdende Weitläufigkeit, die den unberufenen Redner gar bald verräth- 
zu vermeiden war. In beiden Bestrebungen sind meine Vorbilder die ähnlichen 
Arbeiten des Mannes, dem ich in der Zueignung einen Beweis vom Dankgefüble 
darbringen möchte, welches ich schon längst, anerkennend die Lehren, so seieu 
Schriften mir, *wie vielen Anderen, geboten haben, gegen den Hochgefeierten heg«. 



vni 

Der driUe Abschnitt, Bemerkungen über Systematik der Rankenfüsser ent- 
hallend, ist vielleicht Denen nicht unangenehm, die mit der Gruppe, zu welcher 
die Cirripedicu sich begeben sollen, weniger bekannt sind; auch wollte ich zu- 
gleich das höchst natürliche Verhältniss entwickeln, in welches sie zu den übrigen 
Krustaceen treten. Ich benutzte so die Gelegenheit, meine Eintheilung dieser 
Thiergruppe raitzutheilen, welche, auf vieljähriger mühsamer Beschäftigung mit ihr 
sich gründend, einstens so ausführlich bewiesen werden soll, wie ich vor Kurzem 
angefangen habe, den Beweis meines Systems der Kerfe zu führen. — 

Bciliii, den 15. JaniKir 1834. 

Burmeister. 



I. Historische Vorbemerkungen. 



Ge 



rerauiiie Zeit waren die zur Gruppe der Cirripeclien '^-) gehörigen Gattungen 
den Naturforschern und auch Laien bekannt gewesen, ehe dieselben von Cuvier 
als besondere Abtheilung der Mollusken gegründet und in einer eigenen Abhand- 
lung näher beleuchtet wurden. Bei den ältesten Schriftstellern, wie C Gesner, 
Petiver, Rondelet, Baster u. a. m., führen sie den gemeinsamen Namen B(i^ 
lanus, und wenn gleich mehrere Formen von ihnen beschrieben wurden, so ge- 
schah dies doch nicht mit der strengen systematischen Genauigkeit, welche durch 
Linne aid" uns vererbt worden ist; daher eine genaue Angabe der ihnen vorge- 
iegeuen Arten schwer halten möchte. Auch Aldrovandi gedeidct schon der 
Lepas auatifera und bezeigt eben durch den ihr gegebenen Namen Conc/ia ana~ 
tiferu, dass er sie den Muscheln verwandt glaube, eine Ansicht, in welcher alle 
späteren Schriftsteller übereinstijnmen, und die auch der deutsche Name Enten- 
muschel als die gemeinste und verbreitetste beurkundet. Unter diesem Namen 



•) Ciivier Mild viele Naturforscher nach ihm nennen diese Gruppe Cirrhopoda , ein Name, der 
von den griechischen Wtirlern xi-fj^öi^ nnd ^ovg beikoninien, und Gelbfüsser bedeuten würde. 
Das lateinishe Wort cirrus, die Locke, Ranke, stammt nicht aus dem Griechischen, daher 
man auch das zweite Wort des Composifuins ans der lateinischen Sprache nehmen, und die Gruppe 
Cirripedia , nach der Analogie von bipes Gen. bipedis , Noni. Pliir. bipedia, neiineu mnss. 
Lamark und seine Anhänger scliieibeu ganz iiiirichlig Cirrhipoda oder Cirrhipeda \ auch 
Berthold, der liieratif zuerst aurinerksam gemacht hat, srbieiht Cirripedes, aber mit Unrecht, 
du sich das Adjeklivwort auf Mollusca oder Animcdia bezieht, also die Form des Neutrum 
aiinchinen muss. 

1 



sind sie den» auch Küsleiibewobnern lange bekannt gewesen; denn selten kehrt 
aus tropischen Meeren ein Scliiff in den Hafen zurück, ohne solclie Gäste an 
seinem Kiel mit heimwärts zu tragen. Zugleich erinnert uns dieser Name an die 
alte Vorstellung des gemeinen Mannes, Naturforscher haben sie kaum hegen kön- 
nen, dass aus ihnen die seeischen Bernikel- Gänse (^Anser turquatus Frisch. 
Anas hernida Linn.^ entständen, ein Glaube, der sich noch hie und da bei 
Laien erhalten haben mag, obwohl, nach Cuviers Bemerkung, schon im 13ten 
Jahrlnmdert Albertus 31. denselben als ungegründet uud falsch nachgewiesen 
hat. Die zweite Abtbeilung der Cirripedien, nehndich die der sitzenden, welche 
man in der Gattung Baianus der Neuereu repräseutirt findet, ist noch häufiger 
und allgemeiner verbreitet, jede alte Austernschale, jeder abgeworfene Krebspan- 
zer, der längere Zeit auf dem Meeresboden in der Nähe des Ufers gelegen liat, 
pflegt junge und alte Balanen, auch Seetulpen, Meereicheln, KuJischel- 
len oder Seepocken genannt, alles Namen, Avelche die vergleichende Phantasie 
des aufmerksamen Fiscliers erdacht hat, auf seiner Oberfläclie zu beherbergen. 

So wortreich auch die Beschreibungen jener oben genannten Verfasser zum 
Tlieil sind, so genügen sie docli keiuesweges, um ein naturgetreues Bild des 
Thieres zu entwerfen, und Avenn gleich genauere Beobachter, wie Needham und 
Ellis, sich dieselbe Aufgabe stellten, so erreich! en dennoch auch diese das Ziel 
nur unvollkommen. Linne konnte daher nichts anderes tlmn, als der allgemeinen 
Ansicht beitreten, d. h. die Cirripedien zu den Mollusken, seinen rermibus 
testaceis , stellen und sie alle in die von ihm gegründete Gattung Lepas vei'ei- 
nigen. Er beging dabei das Versehen, dass er das von seiner Schale getrennte 
Tiiier wieder als eigene Galtung unter dem Namen Triton aufs(eli(e, Avahr- 
sdieinlich verleitet durch die irrige Ansicht eines früheren Schriftstellers, der ihm 
hierin vorangegangen war'-'). Oken hat diesen Irrthiun Linne's zuerst aufge- 



•) Mail YergleicLe Linnaei Syst. natura, ed. 12. ^ol. I. pars 2. pog. 1092. no. 292. Tri- 
ton lilorciis; nnil i'lieiida pag. 1107. no. 301 seqq , wo aiicli die Seliriften der früher geuaniiteii 
Autoren aiifiirefülirt sind. 



deckt*). Abgesehen also von der irrigen Gattung Triton, welcher bei anderen 
älteren Schriftstellern kaum Erwähnung geschieht'"""), blieb Linnes Gattung 
Lepas unverändert, bis sie zuerst von Bruguiere (in der Enctfclopedie metho- 
dique, Abtheilung Vers.~) in zwei aufgelöst wurde. Er sonderte neluiilich die 
ungestielten von den gestielten Arten, und nannte jene Baianus, diese 
Anatifa. Dadurch war freilich für die Kenntniss der äusseren Gestalt ein Fort- 
schritt gemacht, aber die des inneren Baues blieb zur Zeit noch unermiUelt, bis 
Poli denselben näher untersuchte, und im ersten Bande seines berühmten Werkes 
{^Testacea utrhisque Siciliae. Pannae. 1791. fol.) auf Taf. 4 — 6 auseinander- 
setzte; doch ist ihm die Form des Nervensystemes, so wie einiger anderen Organe 
Verhältniss, noch unbekannt. Er stellte übrigens die Cirripedien zu den Sepien, 
und bezeichnete sie mit dem Zusatz: brachiata. Das Verdienst, die innere Orga- 
nisation dieser merkwürdigen Gruppe zuerst in das gehörige Licht gestellt zu 
haben, war dem grossen Cuvier vorbehalten. Nachdem derselbe in seinen Vor- 
lesungen über vergleichende Anatomie (Original. Bd. 2. S. 313 — 315) den Bau 
des Nervensystemes angedeutet hatte, machte er in einer eigenen Abhandlung 
{^Annales du Museum d'histolre naturelle Vol. I. 1802) seine umfassenden Un- 
tersuchungen über den inneren Bau dieser Thiere bekannt, aus welchen nuinnehr 
hervorging, dass die Cirripedien ein knotiges Nervensystem, äussere freie zipfel- 
förmige Kiemen und mehrere Paare von Kiefern in dem weit Iiervorsfehenden 
Maule besitzeai, lauter Data, die sie den Mollusken, in deren Classe sie sich noch 
immer befanden, entfremden jnussten. Dies haben denn auch alle späteren Schrift- 
steller gefühlt, und allerlei ^^ersuche gemacht, sich aus dieser Verlegenheit zu 
helfen; betrachten wir diese nach der Zeitfolge. 

Kurz vorher ehe Cuviers eben erwähnte Beobachtungen bekannt Avurden. 
hatte Lamark den Grundriss seines Svstems der Avirbellosen Thiere herausse- 
geben {Systeme des animaux sans rertehres. Paris, 1801. 8), in Avelchem die 



•) Nainrgeschichle, 3. B.I. 2. Abllil. S. .363. 

'*) Ne mm iiich allgemeines Polvglniteu-Lexicoii der Nalnrgescli. 2. Bd. S. 1494. 

1 * 



Cirripedieii noch unter den Mollusken mit vielen Schalen in der Nähe der 
Chitonen slanden; allein bei einer späteren Ueberarbeitung desselben Systenies 
fiu seinem Werke: philosophie zoologhjue. 2. Vol. Paris 1809. 8.3 bildete La- 
mark zuerst aus ihnen eine eigene Klasse, welche er Cirrhipoda nannte und 
neben die Mollusken, zwischen diese und die Gliederthiere , stellte. Der Ver- 
fasser theilt hier das Tlüerreich in 6 grosse Gruppen, von welchen die vierte die 
beiden Klassen der Cirripedien (Cirrhipoda^ m\A Mollusken (ilio^M^ca) ent- 
hielt; jene bildete den Uebergang zu den Anneliden und zerfiel in die Gattungen 
Anatifa, Balanus , Coronula und Tuhicinella. 

Okeu folgte diesem Beispiele (Zoologie, 1. Abthl. S. 359. 1815.), indem 
er die Cirripedien von den Mollusken (rennte, wich indess darin von Lamark 
ab, dass er sie geradezu mit den Gliederthieren verband. Das System, welches 
in seiner Zoologie befolgt ist, hat er freilich in dem derselben vorgesetzten Rali- 
men durch den Beisatz: „woran mau sich zu halten" selbst wieder lungestossen, 
allein doch auch hier die nahe Vereinigung der Cirripedien und Lernäen 
beibehalten, so dass ihm der Ruiun nicht entgehen kann, die ausgezeichnete Ver- 
wandtschaft beider Thiergruppen zuerst gefiililt zu haben. In dem genannten 
Werke selbst stellt er die Cirripedien mit den Radiaten über die Mollus- 
ken; beginnt mit den Radiaten die dritte Klasse, welche unter dem Namen 
Kerfe alle Gliederthiere enthalten soll, lässt auf die Radialen zunächst die 
Lernäen folgen, und reihet diesen die Cirripedien an. Dann folgen die eigent- 
lichen Anuulaten, und nun weiter Krustaceen, Arachniden und Insekten. 
Der Ralnnen dagegen lässt die Radiaten auf die Medusen folgen, demnächst 
die Lernäen, dann die Cirripedien, und reihet diesen die schalenloseu 
Muscheln und in der gewöhnlichen Reihenfolge die übrigen Mollusken an, 
von welchen die Eingeweidewurmer den Uebergang zu den gegliederten T liie- 
ren bilden. Ausser dieser geänderten Stellung im System der Tliiere hat Oken 
zuerst die Gattung Anatifa Bru(j., für welche er den alten Namen Lepas beibe- 
iüelt, in mehrere, nehmlich in Lepas, Branla und Mitella aufgelöst, sehr unpas- 
send aber mit diesen gestielten Gattungen die Amphipoden Gattung PItro- 



nima La fr. verbunden; Lepas hat 5 Schalenstücke (^Änatifa), Branta keine 
(Otion Leacli), 31iteUa viele (PolUcipes Jueacli). 

Bald darauf gab Leach (vergl. Journal de physiq. Vol. 85. pag. 67) 
eine Eintlieilung der Cirripedien , in welcher die ganze Gruppe in zwei Ordnun- 
gen , nach den heterogenen GaKungen Lepas und Baiamts , geschieden , jede 
derselben wieder in Familien gesondert und durch Aufstellung vieler neuen 
Gadungen bereichert ist. Die siztenden Cirripedien (Balanen) nennt er Acain- 
ptozomafa und tlieilt sie in 2 Familien: 1. Farn. Coronulidea, mit vierklappi- 
geni Deckel (^Coro/inla. Tuhicinella. CheUmohiuni) ; 2. Fam. Balanidea , mit 
zweiklappigem Deckel, a. Schale Irichlerföriin'g: die Ga(kuigen Pyrgoma. Creu- 
sia. Acasta. h. Schale verschiedengestalüg : die Gattungen Balaiuis. Co- 
nia. Clusia. Die gestielten Cirripedien (Lapadenj führen bei Ijcach den Na- 
men Campylozomata , und zerfallen in: 1. Fam. Cincrhlea, mit häutiger Hülle, 
worin kleine Schalstücke : Otion iBranfa Ok.^. Clneras ; 2. Fam. Pollicipeda, mit 
kalkiger Schale, die aus mehreren Stücken besteht: Gatt. Pentalasmis {Lepas 
Oketi). Scalpellum. Polliceps {Mitella OkenJ. 

Im Dictionnaire des sciences naturelles (Vol. IX. 1817. S. 263 J steht 
eine kurze Abhandlung von Blainville, in welcher er der Ansicht von Lamark, 
dass die Cirripedien ehie eigene Klasse bilden, beitritt, und sie ebenfalls zv\ ischen 
die Mollusken und Annulaten, stellt. Er meint zugleicli, nmn könne sie als 
Gliederthiere betrachten, die, nach der Weise der Mollusken, von einem Mantel 
umgeben seien. Blainville giebt darauf die Eintlieilung seiner Gruppe nach 
Leach, und führt die von ihm gebildeten Abfheilungen und neuen Gattungen na- 
mentlich auf. 

In der zweiten Bearbeitung seines Werkes (histoire naturelle des ani- 
snaux Sans vertebres. Vol. V. Paris., 1818. 8.) behält Ijamark die Cirripedien 
als eigene Klasse zwischen den Annulaten und Mollusken bei. Dass sie 
nicht zu den Mollusken gehören können, fühlte er sehr wohl, dass sie aber zu- 
gleich in ihrer vollendeten Ausbildung den Krustaceen nicht beigeslellt werden 



dürften, suchte er ebenfalls darzutbun '■ ) ; ebensowenig seien sieden Annulaten 
ven^andt, dalier denn nichts anderes übrig bleibe, als eine eigene Klasse aus 
ihnen zu machen. Die fernere Eiiitheiluug ist wie bei Leach, die sitzenden Gat- 
tungen zerfallen in solche mit vier Deckelslücken (^TubicineUa , Coronula, Ba- 
ianus, Acasfa}, und solche mit zwei Deckelstückeu (Pijrgoma , Creusia^-, die 
gestielten Gattungen theilt er in solche mit ausgebildeten, vollkonmien scldiessen- 
den Schalen, ^\o\ün Aitafifa Brug. (Penfalasmis Leach. Lepas Okefi^ und Pol- 
liceps Leach {MileUa Oheny, und in solche, bei welchen die Schalen als Kalk- 
stücken in der weichen Haut (dem MantelJ liegen {^Cineras. Otion {Braytta Oke7i\). 
Die übrigen von Leach aufgestellten Gattungen hat Lamark nicht angenommen. 
A. F. Schweigger (Handbuch der skeletloseu ungegliederten Tliiere, 
Leipzig, 1820. 8. Seite 603 u. flgd.) bildet aus den Cirripedien, nach dem 
Beispiel seiner nächsten Vorgänger, gleichfalls eine eigene Klasse, welche auch 
von ilim zwischen die Annulaten und Mollusken gestellt ist. In der Eiidei- 
tung zu der Systematik dieser Klasse handelt er von den inneren Organen, gros- 
sentheils sich Poli und Cuvier anschliessend, und spricht dann über den Wachs- 
thum dieser Thiere, besonders ihrer Schale, welcher wie bei den Mollusken vor 
sich gehen soll. Die meiste Aehnlichkeit aber schien iluii die Zahnl)ildung der hö- 
heren Thiere, besonders der Gattungen Dioihm und Tefrodmi mit der Ausbildung 
der Schale bei Baianus darzubieten, indem diese Organe in beiden Fällen sich 
schichtweise in conceutrischen Kreisen von innen nach aussen bilden. Indem nun 
jede innere Lamelle über den oberen Rand der nächst äusseren heraustritt, wird 
der Schaleukegel beständig höher. Die Fortpflanzungsorgane besclu-eibt Schweig- 



*) Veiglcielie a. a. 0. Seite 376 h. 77. Des animaux qui onl itne moclle longHtidinaJe nou- 
eu^e, des bras ou cirres articiile's, a jieau cornt'e , et phisieitrs pairs de muchiores qui se 
meiivent iiansversalement , ne sont assurement pas des mollusques; des animaux dont 
le Corps est, d Vexterieur, enveloppe dun manteau en forme de tunique, Sans ojjrir d'an- 
neaux trarisverses , ni de faisceaux de soies , ne suuraient clre des annelides; en/in 
des animaux qui nont point de tele, point d''yeux, et dont le Corps, muni d'un man- 
teau, se trouve enferme dans itne ve'ritabte coquille, ne peuvenl itre non plus des cru siuccs. 



ger nach Cüvier, woraus hervorgeht, dass er selbst AAohl keine Beobachtungen 
über die innere Organisation angestellt liabe. Er sagt nur, dass sich die Eier 
zwischen Körper und Mantel ausainnieln, ehe sie ausgeworfen werden; icli w'erde 
in der Folge zeigen, dass sie daselbst von Jugend auf sich befuiden. — Die sy- 
stematische Eintheiluug ist wie bei Leacli und Lamark, doch niaclit Schweig- 
ger nur aus den beiden Haugtgruppen Gattungen, und ninniit die von jenen Schrift- 
stellern aufgestellten Gattungen als untergeordnete Gruppen seiner Gattungen an. 
A. P. Latreille (^Familles naturelles du regne anhnal etc. Parift, 1825. 
8. Ins Deutsche übersetzt von A. A. Berthold. Weimar 1827. 8.), welcher 
das Thierreich in drei grosse Reihen : Vertebrata , Cephalidia luid Acephala bringt, 
zerfällt die zweite, zu welcher die Cirripedien konnnen, wieder in drei Stämme; 
Mollusca, Elminthoida und Coiidylopa. Der erste Slannu trägt die Muscheln 
und Schnecken, ohne die Cirripedien, der zweite die Cirripedien und An- 
uulaten als besondere Klassen, dor dritte die Krustaceen, Arachniden, 
Myriapoden und Insekten. Bei der aligemeinen SchiUlerung bemerkt Latreil- 
le, dass nach den Beobachtungen von Godichaud, Naturforscher bei der Ex- 
pedition des Capitain Freycinet, einige Cirripedien in zalilreicher Gesellschaff, 
und mit einander verbunden, in» Meere uudierschwimmen; doch ist diese Beobach- 
tung wohl nur von solchen zu verstehen, die an beweglichen Gegenständen, Holz- 
stückeu, Seetangen u. dgl. m., festsitzend mit diesen undierschwinunen, wohl nicht 
auf die später mitzutlieilende Beobachtung Thompsons, dass sie in der Jugend 
alle frei umher schwimmen, auszudehnen. Die Eiiitiieilun"- der Klasse ist wie bei 
den vorher genannten Schriftstellern, nur dass Latreille die Anzahl der Kiemen 
zum Haupttheilungsgrund macht, indem sich dieselbe bei den stiellosen auf ein 
Paar, bei den Gestiellen auf mehrere Paare beläuft; erstere nennt er Dihran- 
chia^ letztere PolyhrancUia., Diese zerfallen in nackte Gi/miioderma {Cineras , 
Olion) wiA beschälte Oslracoderma {iJthntnjya Sotverhy, Analtfn, Polticeps; jene, 
die stiellosen Gattungen, theilt er nach der Anzahl der Deckelstücke in vierklap- 
pige Quadrifora (Tubichiella, Äcasta, Baianus, Coronula}, und in zweiklap- 
pige Bifora {Creusia, Pi/rgoma). 



8 

Blainville, welcher in seinem Manuel de Malacologie {Paris, 1828. 8. 
8 Vol.\ das brauclibarste Handbuch zum Studium der Weichthiere gegeben hat, 
zerfällt sämmtliche Mollusken Cuviers in eine typische Gruppe, welche er 
Malacoztm nennt, und in eine nebentypische, welche den Namen Malentozoaria 
fuhrt. Die letztere enthält die Cirripedien und Chitonen (Polyplaxiphora^ 
als gesonderte Klassen, die erstere alle übrigen Mollusken Cuviers. Die Cir- 
ripedien, für welche er den Namen Malentozoria nematopoda einführt, zerfal- 
len in 2 Familien. 1. Fam. Lepadicea, die gestielten, mit der Gattung Lepas, 
die in 4 Untergattungen aufgelöst wird: Gymnolepas CCineras Leach) Penta- 
lepas C-4:natifa , Penfalasmis und PoUiceps) , Polylepas (Scalpellum Leach) 
nwA Litholepus So werbt/. 2. Fam. Balanidae, die ungestielten Gattungen, nehm- 
Yich Balaiins aiit., Ochthosia Ranzanl , Conia (Asemus Ranz), Creusia CPi/^~ 
goma Savigtii/)., Chthamaltts Raiizani, Coronula (mit den Untergattungen C*ä«- 
jwlobimn Leach, Cetopira Ranz, Diadema Ranz und Tubicinella LamJ. Von 
jeder Gattung wird eine kurze Charakteristik gegeben und viele finden sich auf 
den beigefügten Tafeln recht gut abgebildet. — 

Trotz dieser fast allgemeinen Uebereinstunmung in der Ansicht, dass die 
Cirripedien nicht zu dem Mollusken zu rechnen seien, hat dennoch Cuvier 
dieselben in der neuesten Ausgabe seines regne animal (Uo/. 3. pag. 174. Paris. 
1830. 8.} bei dieser zweiten grossen Gruppe seines Systeme« als sechste und 
letzte Klasse derselben stehen lassen. Er theilt sie dann ferner, Mie Blainville 
und die übrigen Vorgänger, in zwei Gattungen Anatifa und Baianus; jene mit 
den Untergattungen P^»////ö*w*«>, PoUiceps, Cineras, Ofion und Tetralasmis Cur.; 
diese mit den Untergattungen Baianus, Acasta, Conia, Asemus, Pyrgoma , Och- 
thosia, Creusia, Coronula, Tuhicinella und Diadema. 

Gestützt auf die Autorität Cuviers haben die meisten deutschen Natur- 
forscher besonders seiner Ansicht gehiddigt, und so finden wir denn in den Wer- 
ken von Goldfuss*), V^'^ilbrand*'-^) u. a. m., ja selbst in Okens neuerer 



•) Zoolu-ie. 1. Bd. S. 596. Nürnl.era:, 1820. 8. 

•*) Darslelliiiig der gesamiiileii Orgaüisation. 2. Bd. S. 219 u. flgde. Giesscn, 1810. 8. 



Systematik*), die Cirripedien bei den Mollusken. Auch ich habe mich frü- 
her zu dieser Ansicht bekannt, doch dabei die grosse üebereinstiunnun"- mit den 
Gliederthieren, welche diese Gruppe zu einer eigenen, die Glieder- und Weicli- 
thiere verbindenden , Klasse befähige , hervorgehoben *^'''). 

Der jüngste aber zugleich wichtigste Schriftsteller, welcher der Cirripe- 
dien gedenkt, ist John, V. Thompson, der in einer interessanten Scln-ift •"="=*) 
unter anderen neuen Entdeckungen auch die Verwandliuig und natürliche Verwandt- 
schaft dieser Tlüergruppe zuerst bekannt gemacht und gewürdigt hat. Er fand 
im Meere unter vielen anderen Thierchen sehr zahlreich einen kleinen, der Gat- 
tung Cypris ähnlichen, Krebs, den er in mehreren Individuen einfing, in ein Glas 
setzte, und hier sehie Umgestaltung zu Balanu/i puftiflus Penn, beobachtete. Die 
von ihm gegebene Beschreibung und Abbildung stimmt mit meiner vierten Ent- 
wickelungsstufe vollkommen übereiu, daher icli nur auf die unten gegebene Be- 
schreibung verweisen wiU. Die Jungen gehörten, wie schon bemerkt, der Gat- 
tung Baianus, nicht Lepas (Anatifa Brug.) an, und setzten sich nicht mit den 
vorderen Fühlern oder Armen, obwohl auch sie mit einem Saugnapf versehen sin<} 
wie bei Lepas ^ fest, sondern mit dem Rücken. Thompson glaubt nehmlich 
schon bei dem noch umherschwinimenden Individuen auf dem Rücken in der Nath 
zwL«chen den Schalen die Stelle bemei-ken zu können, mit welcher das Tliier 
sich hernach befestigt; den unmittelbaren Uebergang indess hat er nicht «'esehen, 
sondern nur das festgesetzte junge Thier. Es hat dann eine breite Rückenscheibe, 
, etwa eine solche, wie bei der Gattung Actinia, und erhebt sich von dieser eben- 



•) Niiiiirgescliiclite für Se)iiileii, S. 658. Leip/i^r, ]821. 8. 

'•) l.el.ibiuli der Naliirncsiliiililc. S. 335. Halle. 1829. 8. 

f) Dei VülLsliiiidige Tilei dieses in Deiilsthlaiul «olil sekeiien \N'eiJ\es ist: Zoologicai researches 
gnd iJhtsIralions , or a natural history of iiondescript or imperfeclly known animals etc. 
by John, V. Thompson Esq. I. L. S. Vol. I. p. I. Cork (oliiie Jalu.-,/,;!!!!), pntUed 
for Kuig (ind Bidings. (Kanu aiicli diii»h Tn'iiflel und Würz in London niid Slraslniru liezoneu 
Hpidcn.) Der Yerfijsscr llieilet liier 5 AMiandliinseii von grosser AVieliligkeit mit. 1. Ucbor Zoea. 
2. Ucher Mysis (Zoea sind Junge von Mysis). 3. Üeljcr die S eh ix oitodcn. 4. L'vbcr die 
Cii ri jtedieu. 5. Ueber die PoI>zol'u (Polypen). 



10 

falls als ein stumpfer Kegel. Die noch flachen Seiten des Kegels sind mit sechs 
bogenförmigen Schalstücken belegt, welche in der Mitte einen grossen Raum frei 
lassen. Dieser Raum wird durch die früheren Schalen des schwinnnenden Indivi- 
duums gescldossen; es können sich dieselben öffnen und zuklappen, um nach Be- 
lieben des Thieres die Anne (Füsse) herauszulassen oder zu verdecken. Durch 
diese Schale sah er noch die beiden getrennten Augen hindurch schimmern, ge- 
rade au der Stelle, wo auch ich sie liegend fand. Dass dann die fernere Ent- 
wickelung durch Häutung , nach Art der Krustaceen , vor sich gehe , bezeugt 
Thompson durch direkte Beobachtung. Das Junge hatte, als es noch schwamm, 
6 gespaltene Fusspaare, jedes Füsschen mit 2 Gliedern, ganz so, wie auch ich 
es gesehen habe und später beschreiben werde. Nach der ersten Häutung aber, 
seit das Tlüer festsitzt, nehmen die Glieder jedes Füsschens zu, und so mit je- 
der folgenden Häutung. Selbst die alten ausgewachsenen Thiere häuten sich noch; 
Thompson fand die abgeworfene Haut häufig im Meere, und meint, dass nach 
einer solchen Linnes Gattung Triton gegründet sei, eine Vermuthung, die alle 
Wahrscheinlichkeit für sich Iiat. Als wichtige Beobachtung Thompsons, die 
auch durch seine Abbildung bestätigt wird, bemerke ich noch die Glaskegel im 
Auge unter der gemeinschaftlichen Hornhaut, die ich niemals gesehen habe, und 
deshalb annelune, dass sie vielleicht durch Auflösung in Weingeist verscln\Tinden 
seien; ich sah an jedem Auge nur die Hornhaut und dalünter eine unregelmässige 
schwarze Masse. — 

Diese Beobachtungen Thompsons wurden von H. Straus Durkheim 
in Ferussacs Bulletin des scienc. natur. Aoiif. 1830. pag. 331. angezeigt. Der 
Referent tritt der Ansicht des Beobachters, dass die Cirripedien Krustaceen seien, 
bei, und vindicirt sich selbst die Priorität dieser Meinung, indem er bemerkt, dass 
auf die Verwandtschaft zwischen Limnadia Herrn, und Lepas CAnatifa Brug.^ 
schon früher von ihm in den Mein, du Museuin hingewiesen worden sei. Es soll 
auch bei den Limnadien ein kurzer Stiel vorn am Körper vorkommen, mit wel- 
chem sie sich momentan festsetzen können. Ich habe einmal vor langer Zeit, als 
ich noch in Griefswald studierte (1826), auf einer Wiese die Limnadia Her- 



II 

manni zu tauseuden gefunden, damals auch davon gesammelt und dem dortigen 
zoologischen Museum einverleibt, allein von einem Stiel sah ich nichts, doch war 
meine vorläufige Betrachtung keineswegs sorgfältig. Die Tlüere, von Linsen- bis 
Erbsengrösse, schwammen unaufhörlich, wie die Daphnien, neben einander auf 
und ab, und bewegten sich gerade so munter, wie diese, im klaren Wasser um- 
her. Leider besitze ich keine Exemplare mein*, um über den Stiel etwas Nähe- 
res anführen zu könaen, doch scheint mir die Verwandtschaft der jungen Cirri- 
pedlen mit Cypris und Polyphßmus ^ abgesehen davon, dass dessen Schale anders 
gestaltet ist, noch näher zu sein, als die mit Limmidia. 

In Deutschland ist für die allgemeine Bekanntjnachung dieser interessanten 
Beobachtungen Einiges geschehen. A. F. A. Wiegmann hat in seinem Handbuch 
der Zoologie (Berlin, 1832. 8. S. 549) auf die Beobachtung Thompsons in einer 
Anmerkung hingewiesen, indess die Cirripedien noch vorläufig als eigne Ord- 
nung der MoHusken stehen lassen, bis „weitere Beobachtungen über ihre eigent- 
liche Stellung entscheiden". 

Ganz neuerdings bat endlich R. Wagner in seinen Beiträgen zur verglei- 
chenden Physiologie des Blutes (Leipzig, 1833. 8.J, wo er Thompsons Beo- 
bachtungen gedenkt, einige Bemerkungen über die Cirripedien niedergehjgt. Er 
sah, wie ich, den kornblumenblauen Eierstock ausserhalb des Tlueres frei in der 
Schale, und entdeckte an den Embryonen in den Eiern die von der späteren abwei- 
chende Form, ohne jedogh über diese Form etwas Ausführlicheres zu sagen. — 

So stand es bis jetzt um die Gruppe der Rankenfüsser; zuviel überra- 
schende Ainleutungen und Beobachtungen waren gegeben, als dass nicht ein jeder 
Naturforscher, der nüt dem Geleisteten bekannt war, die erste sich ihm darbie- 
tende Gelegenheit ergreifen sollte, die gespannten Erwartungen zu befriedigen, 
die zum Theil noch vorliegenden Probleme zu lösen und die merkwürdige Paradoxie 
durch umfassende Beobachtungen wieder auszugleichen. Dass mir dies gelungen 
sei, soll, so hoffe ich, das Resultat der Mittheilungen sein, die ich im zweiten Ab- 
schnitt den eben gemachten hier anschliesse. — 



3 * 



18 



II. 

Beobachtungen über die Entwickelung der Lepaden und 
den Bau der Banken füsser überhau jit. 

JLrurch die zuletzt erwähnten Wahrnehmungen aufs höchste gespannt, war mir 
nichts erwünschter, als unter einer kleinen Sendung meines Freundes Clu Zim- 
mermann aus Nordamerika auch ein Flaschen mit frisch gefangenen Lepaden 
zu erhalten, die derselbe bei seiner Ueberfalu-t nach New York im nördlichen 
Theile des Atlantischen Oceanes aus dem Meere aufgefischt hatte, wie sie dort 
an Lappen von grösseren Fucus Arten umherschwannnen. Schon die Art an sich 
erregte Intresse, denn es war Lepas anserifera Lin. {^Anatifa striata harn- 
und An äff fa vitrea Lam., Penfalasmis striata Leacli), nicht die viel gemeinere 
Lepas anatifera Lin. QAnatifa laevis Lam.y Von den 26 Individuen, die ich 
erhielt, hatten nur wenige die Grösse, in welcher ich eins unter Fig. 11. abgebildet 
habe, alle übrigen waren kleiner, und zwar so verschieden, dass die kleinsten 
etwa eine Linie massen, und dabei die etwas abweichendere Form des unter 
Fig. 10. abgebildeten Individuums zeigten. Ohne mich weiter um diese kleineren 
Individuen zu bekünnnern, suchte ich vielmehr sogleich an einem der grösseren 
den Eierstock auf, in der HofTnnng, an den Eiern die schon von R. Wagner 
erwähnte abweichende Bildung des Embrvo erkennen zu können, und diese meine 
HotTnung wurde denn auch bald erfüllt, als ich einen Tlieil eines röthlichgelben 
körnigen Lappens, welcher den unteren Tlieil der Schale erfüllte, unter das Mi- 
kroskop brachte und hierin alsbald Eier und Embryonen erkannte. Später gelang 
es mir, eben ausgeschlüpfte Junge an demselben Fucus zu entdecken, und so er- 
gab sich dann die Reihe von Entwickelungsstufen , welclie ich jetzt mitzutheilen 
im Begriff bin. Sehr wichtig war es mir endlich, meine an Lepas anserifera 



13 

gemaclilen Beobachtungen an jungen Individuen einer anderen Art, deren ansge- 
bildeten Zustand ich nicht kenne, und mit welchen mir Herrn Dr. Meyen aufs 
zuvorkounnendste in grosser Menge aushalf, nicht bloss bestätigen, sondern auch 
erweitern und ergänzen zu können. Folgendes ist das Resultat meiner Beob- 
achtungen. 

Erste Entwickelungsperlode. 

Eizustand. (Taf. I. Fig. 1.) 

Oeffnet man die Schale eines ausgewachsenen Individuums, das sich der 
Eier noch nicht entledigt hat, so bemerkt man in dem unteren Raum einen aus 
zwei vollkommen getrennten Hälften besiehenden, breiten, etwas gefalteten, di- 
cken, gelbrothen '"=) Hautlappen, welcher den Vorderlheil des Thieres leiciit umhüllt, 
und mit seiner äusseren Oberfläche an den inneren Rand der Schale fest angedrückt ist 
(Fig. 12. a). Dieser doppelte, in jeder Hälfte dreieckige, Lappen ist der Eier- 
stock. Er steht mit dem ausgewachsenen Thiere in gar keiner Berührung und 
scheint überhaupt nur dadurch gehaUeu zu werden, dass die Haut, welche die 
innere Oberfläche der Schale auskleidet, sich genau an denselben anlegt, aber 
ebenfalls nirgends in einer organischen Verbindung mit ihm steht. Wir werden 
weiter unten sehen, dass sich dieser Eierstock sogar getrennt von dem Körper 
des Thieres entwickelt, und nur anfangs durch eine Haut mit dem Kopfende des 
Thieres verwachsen ist. — 

Nimmt man nun einen Theil des Eierstocks und bringt ilui unter da? 
Mikroskop, so erkennt man die ungeheure Zahl von Eiern, aus welchen derselbfc 
besteht. Sie zu zählen, ist unmöglich, und ihre Menge mit Sicherheit zu schätzen 
zu waglich. Das Selifeld des trelTlichen Schick- Pistor'schen Instrumentes, mit 
welchem ich arbeitete, fasste, bei 270maliger Linearvergrösserung, 20 Stück, 
und ohne Frage hätte ich dasselbe 100 mal an derselben Hälfte erneuern können, 
ohne sie ganz zu erschöpfen. Dies gäbe 2000 Eier in jeder Hälfte, also 4000 



•) NacL R. AV agil er (a. a. 0.) ist der Eierstock bei Lepas anatifera koriibliinieiiblau. 



, 14 

im ganzen Eierstock. Dazu kommt noch , dass die Eier nur am Rande des Eierstocks 
einfach neben einander liegen, in der Mitte y^u doppelt und dreifach, so dass die 
angegebene Zahl auf keinen Fall zu gross ist. Die Eier am Rande waren am 
wenigsten entwickelt, und erscliienen bei 90maliger Vergrösserung so, wie ich 
sie iu Fig. 1 abgebildet habe. Sie lagen uiiregelaiässig neben einander, und jedes 
Ei hatte eine nach dem einen Ende stumpfe, nach dem anderen zugespitzte Form, er^ 
schien dabei etwas flacher als breit, und enthielt in einer sehr feinen Haut eiuen 
gelbrothen , wolkigen Dotter , welcher zwei Reihen kleiner Körner einscldoss, 
welche Reihen gegen das dickere Ende hin breiter Miirden und liier mit einander 
verschmolzen und iu einander flössen. Diese Kügelchen , welche in allen sich 
entwickelnden Eiern niederer Thiere entstehen, und die beginnende Gestaltung 
des Embryo bezeichnen, sind wohl nichts anderes, als die ersten aus der homoge- 
nen Dottermasse anschiessenden Schlelmkügelchen, das Substrat aller entwickele 
teren Gebilde des thierischen Körpers. Ofl'eubar bezeichnen sie auch liier die Lage 
des Körpers vom Embryo, wie die Gestalt des ausgeschlüpften Jungen beweiset. 
Untersucht man Eier mehr aus der Mitte des Eierstocks, so findet man in diesen 
die Eutwickelung schon weiter vorgeschritten. Innerhalb der klaren Eiliaut liegt 
schon der junge Körper des Thierchens ausgebildet da; man erkennt den bira- 
förmigen Leib und die an dem hinteren verjüngten Ende befindlichen , an der 
Spitze mit Scliwimmborsten besetzten Füsse, ohne dabei ihre Zali] und Gestal-r 
tung genauer abwägen zu können. Der vordere Tlieil des Leibes erscheint dunk- 
ler, uud die in zwei Reihen liegenden Kügelchen haben sich vermehrt. Zerrt 
man an diesen vollkonuneu entwickelten Eiern mit feinen Nadeln, so zerreis-sen 
die Eihäute leicht, und die Embryonen fallen heraus; die Eihäute dagegen bleiben 
an einander hängen , und bilden ein solches Gewebe länglich dodekaedrischer 
Zellen, wie man dies ebenfalls innerhalb der grossen Säcke der weiblicJien Ler- 
näen beobachtet hat'"'). Mit dem Ausschlüpfen des Embryo ist zugleich das Ei- 
lebeu gescldossen, und das Thier geht in den zweiten EntAvickelungszustand über. 



*) Vergl. V. Nordmanns mikrograpbisibe Bcilriige. Berl., 1831. 4. 2. Heft. Taf. 2. Fig. 3. 



15 

Zweite Entwickelungsperlode. 
Das frei umlierschwimmende Junge. (Taf. I. Fig. 2.) 

Das aus der EihüUe hervorgescldüpfte Junge gleicht in seiner äusseren Ge- 
stalt den Jungen der Lernäen und Ostrakoden, besonders der Gattung Daphnia, 
Cyclops u. a. ui. Es hat, wie das Ei, einen birnförraigen Umfang (Fig. 20, und 
zeigt in der Mitte des fast abgestumpften Vorderrandes eine kleine Hervorragung, 
liinter welcher ein dunkler Fleck sich zeigt, der vielleicht später zum Auge sich 
entwickelt, doch habe ich an den eben zum Ausschlüpfen fertigen Jungen noch 
kein Auge bemerken können '^). Seitlich neben dieser Hervorragung, gegen die 
Vorderecken des Körpers hin, sitzen zwei lange, dünne, ungegliederte Fäden, 
welche beim Embryo zurückgeschlagen neben dem Leibe liegen und nach der 
Form desselben gebogen sind. Da ich niemals lebende Embryonen gesehen habe, 
auch kein freies scliou ausgeschlüpftes Individuum an den Fuchs Blättern bemerkte, 
so kann ich der unmittelbaren Beobachtung nach nicht entscheiden, welchen' Ge- 
brauch das Thier von diesen Fäden mache ; aller Analogie nach aber sind es Füh- 
ler, deren sich das Thier zum Festklammern bedient. Darauf scheint auch der 
am Ende jedes Fadens befindliche Hacken hinzudeuten. Die innere Masse zeigte 
eine fein in die Quere gestrichelte Struktur, gerade dieselbe, welche man an der 
einfachen Muskelfaser der Krustaceen und Insekten beobachtet, daher ich keinen 
Anstand nelmie, diese Füliler für muskulöser Beschaffenheit zu halten, was die 
ausgesprochene Ansicht ilu*es Nutzens nur bestätigen würde; den unmittelbaren 
Beweis dafür wird indess erst die folgende Entwickelungsstuffe liefern. Uebri- 
gens stehen die Fühler mehr nach dem Rücken hinauf, an der oberen Seite des 
Körpers. 



•) Dies mag dalier rülircn, dass sich das Pigment des Auges im Weingeist aufgelöst Lal , wofür 
Beobarhtnngen an Lcrniieu sprccben. Ich Teniinthe, dass das Jnnge der Cirripcdien schon ^n 
Ange ans dem Ei mitbringt. 



_ 16 

Mehr an der unteren oder Bauchseite stehen die Füsse, 3 Paare, von 
welchen die vorderen ziemlich am Vorderende, die andern beiden Paare in der 
Mitte des Körpers befestigt sind. Jeder Fuss des ersten Paares ist einfach, und 
au seiner Spitze mit mehreren Borsten versehen ; jeder Fuss des folgenden Paares 
ist gabelf()rmig gespalten, und jede Zinke wieder mit mehreren Borsten am Ende 
besetzt. Gliederungen habe ich weder am ersten, noch an den beiden anderen 
Fussparen aa ahrneluiien können. 

Der Schwanz oder Hinterleib, welcher den verjüngten Theil des birnför- 
mi^eii Körpers einnimmt, schien mir ziemlich flach gedrückt zu sein, an der Spitze 
leicht ausgeschnitten und hier mit mehreren Borsten besetzt. Gliederungen oder Ein- 
schnitte bemerkte ich an ihnen nicht; dagegen zeigten sich im Innern des Leibes die bei- 
den schon im Ei erkennbaren Streifen kleiner Kiigelchen, welche lüer eben nicht 
o'rösser im Umfange, sondern nur zaldreicher vorhanden waren. Gegen das Vor- 
derende zu verbreiteten sich die Kügelchen inmier mehr, bildeten aber noch zwei 
zu beiden Seiten des Körpers liegende Hauptmassen. Weiter konnte ich im In- 
nern "des Körpers nichts entdecken, der mittlere Raum war hell und durclisichlig, 
und der hier ohne Frage befindliche Darm enthielt noch keine Nahrungsmittel, 
natürlich, weil die Jungen sich noch nicht selbsständig umher bewegt hatten. — 

DrillP Enlwickelungsperiode. 
Das ^lunge umgiebt sich mit einer Schale und setzt sjch fest. 

(Taf. I. Fig. 3. und 4.) 

Ich kenne diese dritte Entwickelungsperiode nur nach einem einzigen Indi- 
viduum, welches ich schon festsitzend an den Tangblättern zwischen den übrigen 
antraf. Auf welche Weise das vorher schalen- und augenlose ( ?j Individuum in diese 
folgende Periode übergehe, wann und auf welche Weise sich die Schale bilde, 
Iwann ich daher nicht angeben, sondern nur beschreiben, wie sich das Individuum 
in seinem dritten Lebensalter zu erkennen giebt, — 

Es ist nun von einer dünnen lederartigen Schale, welche aus einem einzi- 
gen Stück besteht, das sich um den Rücken fortsetzt, aber am Bauch gar nicht 



^^ J7 . 

geschlossen ist , sondern am ganzen unteren Rande der beiden Klappen einen 
Zwischenraum frei lässt, umgeben. Die Schale selbst ist vollkommen durchsichtig, 
gelblich gefärbt und der Länge nach mit Strichelchen versehen, Avelche so ver- 
laufen, wie die Linien in der Haut an der inneren Handfläche. Nach dem Grunde 
iün ist die Schale breiter uud abgerundet, an der verschmälerten Spitze ist sie 
schief abgestutzt. Durch einen fleischigen Fortsatz, Avelcher an der luiteren Stelle 
des abgerundeten Basalfheiles zwischen den Klappen hervortritt, war das Indivi- 
duum an der Haut des Tangblattes befestigt. Bevor es sich auf diese Weise fest- 
setzt, schwiuunt es, wie Thompsons früher angeführte Beobachtungen bewei- 
sen, eine Zeit lang im Wasser umher, und wahrscheinlich bildet sich während 
des Umherschwimmens, gleich nach dem ersten Ausschlüpfen aus dem Eie, die 
Schale. Die Organe, wodurch das junge Thier sich festsetzt, sind offenbar die 
langen, mit einem Hacken versehenen Fühler. Ich habe freilich in dem fleischi- 
gen Fortsatz keine AehuUchkeit mit den F"'ühlern wahrgenommen, allein Thomp- 
sons Abbildung, und meine Wahrnehmung an der folgenden Entwickelungspe- 
riode. sprechen dafür. Thompson sah einen langen, gegliederten, am Ende mit 
einem Saugnapf und Borsten versehenen Fühler aus der vorderen Oefl^iiung, ge- 
rade an der Stelle, wo ich den Fleischfortsatz bemerkte, hervortreten, und mit 
eben diesen Fühlern fand ich alle Individuen der vierten Entwickelungsperiode 
befestigt. Daher nehme ich keinen Anstand, den scheinbar fleisclügen Stiel, wel- 
cher schon jetzt das Junge trug, für eine Umgestaltung jener langen Fühler an- 
zusehen. 

Das Junge innerhalb der Schale hat noch grosse Aehnlichkeit mit dem der 
TOrigen Periode ; nur der Vordertheil hat sich mehr verlängert und verdickt. 
Man bemerkt hier (Fig. 4. b.) deutlich die Stelle, an welcher die Fülder entspringen, 
und gleich dahinter, zwischen Fühlern und Maul, liegt das sehr grosse Auge. Ich 
sah daran. Avie ich schon früher bemerkte, die einfache durchsichtige Hornhaut, 
und dahinter einen runden schwarzen Fleck, aber keine Glaskegel in der Pi«r- 
mentmasse stecken; Thompson dagegen hat sie abgebildet und es folgt daraus, 
flass das Auge, wie bei Calüfus , Argulu>' , Dap/inia , PulyphettiHs , Branchipus 

3 



18 

u. a. m. ein zusammengesetztes, doch mit einfacher, gemeinsamer Hornhaut ver- 
sehenes, sei. Betrachtet man das Thierclien von der Seite, so lässt sich nur ein 
Auge erkennen, bei der Beobachtung von der Bauchtläche aus dagegen ergiebt 
sich, dass das einfache Auge aus zwei Hälften zusammengesetzt ist, die sich nach 
uud nach immer mehr trennen, bi s sie in der folgenden Periode durch einen brei- 
ten Zwischenraum geschieden sind. — Gleich hinter dem Auge befindet sich ein 
kurzer kegeliürmiger Fortsatz, aus welchem sich in der Folge die Mundtheile 
entwickeln. Dass in ilim die Mundöffnung zu suchen sei, beweist der bogenför- 
mig liinter dem Auge verlaufende, mit schwarzbrauner Materie gefüllte, Darmka- 
nal, dessen Fortsetzung ich deutlich bis auf die Mitte des Körpers verfolgen konnte. 
Beide, das schwarze Auge und der braune Darm, scheinen durch die Schale hindurch. 

Der hintere Theil des Körpers ist dem der vorigen Entwickeluugsperiode 
noch ziemlich ähnlich, man bemerkt die drei Fusspaare, wie früher; doch sind 
sie einander näher gerückt, und stellen hier unmittelbar neben einander, eine Stre- 
cke vor der Iliuterleibsspitze. Jeder Fuss des ersteu Paares ist einfach uud be- 
steht aus drei Gliedern, von welchen das Grundglied das grösste ist; das kleinste 
Endtheil trägt vier lange steife Borsten. Die Füsse der folgenden Paare sind 
nicht einfach, sondern jeder in zwei kleine, zweigliedrige Füsschen gespalten, die 
neben einander an dem stärkern Grundgliede sitzen. Das Endglied jedes Füss- 
chens trägt wieder vier steife, lange, wie am vorliergehenden Fuss gerade nach 
hinten ausgestrecktes Borsten. Die dann folgende Hinterleibsspitze ragt noch ein 
wenig über das Ende der Füsse hinaus, und liat, so schien es mir, keine Bor- 
sten mehr. 

Im Innern bes-teht das ganze Thier aus einer gleichförmigen Masse, in 
welcher ich jene Körnchen, die schon im Ei und im Embryo zu erkennen waren, 
nicht mehr fand. Eine feine überall durchsichtige Haut umkleidete den Leib lo- 
cker und unter dieser, zwischen ihr und der Köqiermasse, waren grosse gelbe 
Oeltropfen, die sich beim Druck in mehrere kleinere vertheilen, welche unter der 
Haut umher schwammen. (Fig. 4. a. a. a.) — 

Die Länge des ganzen Tliierchens mit der Schale betrug ^ Linie. 



19 



Vierte Entwickeln ngsperlode. 

Das Junge häutet sich innerhalb der Schale und bekommt die 
doppelte Anzahl Füsse. (Taf. I. Fig. 5. 6. 7. u. Fig. 15.) 

Die folgende vierle Enlwickelung.speriode habe ich nicht an Lepas imseri- 
fera, sondern an einer anderen Art, die vielleicht Lepas auatifera sein kann, 
beobachtet. Ich verdanke die Individuen der gütigen Mittheilung des Herrn Dr. 
Meyen, welcher sie in zahlloser Menge an einem Tangblatt befestigt an der 
Küste von Chile aus dem Meere auffischte. Fast alle liatten eine gleiche Grösse, 
neluulich | Linie Länge, und nur liie und da bemerkte ich Individuen, welche 
schon in die ausgebildete Form übergegangen waren und nuu die Gestalt zeigten, 
in welcher ich sie unter Fig. 15. habe abbilden lassen; die natürliche Grösse ist 
bei a angegeben, sie beträgt 1| Linie. Im Bau weicht die vorliegende Form da- 
durch von allen Lepaden ab, dass das zweite Schalstück jeder Seite {//.) bis 
zur Basis des ersten hinaufreicht , und dieses dadurch vollsfäiidig vom dritten 
trennt. Die Schalen selbst waren dünn, lederartig und zeigten nur hie und da 
Anfänge von Verknöcherungspunkten. Die Entwickeluug, welche ich durch Beo- 
bachtung vieler an Grösse und Ausbildung mannigfach verschiedener Individuen 
in ihrem Fortsclu"itt ziendich A'oLlständig belauscht zu haben glaube, geht auf fol- 
gende Weise weiter von Statten. 

Nachdem sich das junge liuiividuum mit den arinartigen Fühlern festgesetzt 
hat, streift es iiuierhalb der Schale seine alte Haut ab, und bekommt nun die 
dopjiehe Anzahl der im Uebrigen noch ähnlich gestalteten F'usspaare: doch besteht 
das vordere jetzt auch aus zwei F'üsschen an jeder Seite. Die armartigen Fülder 
/.eigten folgenden Bau. Sie entspringen als ein Paar (leischiger Fortsätze, die 
vom Vordertheil des Körpers wagerecht ausgehen, bis sie eine kurze Strecke über 
den Rand der Schale hervorgetreten sind: darauf biegen sie sich ein wenig nach 
oben, und nehmen allmälig etwas an Umfang zu. Bei näherer Befrachtung be- 
merkt man. dass der ganze Fühler au*- üiehreren Gliedern besteht, das erste Glied 



20 

steckt halb in der Schale, das zweite ragt frei liervor. Dieses zweite Glied liegt 
seiner ganzen Länge nach auf der Fläche, an welcher sich das Tliierchen be- 
festigt, daher denn auch in der ersten Zeit nach dem Festsetzen die Lepaden nicht 
aufrecht stehen, sondern flach mit der Bauchseite auf der Oberfläche des Gegen- 
standes ruhen. Am Ende des grössten, zweiten Gliedes beOndet sich mein* nach 
aussen zu ein selir kleines drittes Glied (Fig. 5. c. d.), welches an seinem Ende 
mit drei ziemlich starken Dornen besetzt ist; alle drei sind gebogen, und zwar 
die beiden äusseren nach vorn, der mittlere nach hinten, Neben diesem dritten 
Gliede sitzt am Ende des zweiten, doch mehr nach innen zu, ein viertes sauguapf- 
artiges Glied (ebenda b), mit welchem das Tliierchen sich oflenbar zuerst fest- 
setzt und dann erst die Dornen in die Oberfläche des Gegenstandes, an welchem 
es sitzt, einzubohren sucht. 

Die Häutung, welche wohl bald nach dem Festsetzen innerhalb der alten 
Schale erfolgt, ist höchst merkwürdig, denn es bleiben an der alten Haut zugleich 
die Augen und Fühler hängen, und das innerhalb der Schale befindliche Tliier 
ist von dieser Häutung an beider verlustig gegangen. Wie ich zuerst bei jneinen 
Beobachtungen bald die Augen herausliillen , bald an den losgerissenen Fühlern 
hängen bleiben sah, erregte dies meine grosste Verwunderung, und erst durch 
eine grosse Reihe vielfach wiederholter Untersuchungen gelang es mir, zu dem 
Resultat zu kommen, dass beide, Augen und Fühler, an der alten Haut hängen 
bleiben, und dass mit dieser von nun an auch die Schale in alleiniger Verbindung 
stehe. Es scheint mir nehmlich die alte Haut nicht ganz herauszufellen, sondern 
noch an der Stelle, avo die Arme ans der Schale heraustreten, mit dieser in Ver- 
bindung zu bleiben; dadurch sitzen denn auch noch die Arme an der Schale fest, 
und eben deshalb sieht man noch die Augen in der Schale, indem sie an diesen 
Hautresten hängen bleiben. Sie liegen nun Aveit auseinander an versclüedcnen 
Stellen, und bleiben auch Avohl an den Armen hängen, Avenn das Individiuuu un- 
vorsichtig abgerissen wird. Eine neue, parenchymatöse Schleimhaut bekleidet zu- 
gleich fortan die innere Oberfläche der Schale, und bildet sich auf diese Weise 
zu dem, gemeiniglich Mantel des Thieres genannten, inneien Schalenüberzüge aus; 



21 

wenigstens fand ich einen solchen üeberzug bei allen Individuen dieser Periode. 
An der inneren Oberfläche dieser Hau(, welche am Rande von einer duidder ge- 
färbten Einfassung umgeben ist, hatte sich ein dichtes, braunes, bröckeliges Paren- 
cliym angesammelt, welches den grössteu Raum im Inneren der Schale einnahm, 
und das junge Thier überall einhiülte. Dieses Pareuch} m ist nichts anderes , als 
die meistens gelbe bröckelige Masse, welche auch Cuvier beschreibt, und die 
die innere Höhle des Stieles ausfidlt. Auch ich fand bei melu-eren ausgewachse- 
nen Individuen von Lepas anserifera den Stiel ganz damit ausgestopft, noch mehr 
aber bei Oliuii Cuvieri La in., wo der sehr lange Stiel und der untere Theil 
der Schale davon strotzten. Ganz dieselbe Masse ist es , welche die holden 
Räume in der Schalensubstanz bei den Bai a neu (Balanus. Coronula.^ ausfüllt. 
Üeber die Bedeutung dieser Materie wird man unten, bei der Besclu-eibung des 
vollkommenen Tliieres, das Nähere finden; hieher gehört noch die Bemerkung, 
dass eine sackförmige Fortsetzung jener eben beschriebenen iimeren Schaleuhaul, 
die gleich aufiings mit diesem Parencliym angefüllt ist, und vorn oberhalb der 
Arme zwischen den beiden Sclialeiddappen hervorwächst, den Stiel bildet, mit 
welchem das Thier, nachdem die Arme bei der Häutung verlohren gegangen sind, 
sich festsetzt. Man sieht diesen Fortsatz in Fig. 5. bei m. als eine gelbe Ma- 
terie, welche den vorderen Raum der Schale anfüllt, angedeutet, und in dem 
Maasse, als die Arme mehr verkümmern und verschrumpfen, tritt der Stiel ans 
der Schale hervor, und setzt sich an dem Gegenstaude fest. Der Stiel ist also 
hiernach ein von dem Thiere ganz abgesonderter Theil, der gar keine Berührung 
mit ilun hat, nach Art eines vegetativen Gebildes fortwächst aus der Nahrungs- 
substanz, die er selbst in seinem Inneren enthält, und die von der inneren Haut 
desselben fortwährend producirt wird. Es besteht nehiidich der Stiel schon jetzt 
aus zwei Häuten (Fig. 10. a. b.) ; die erste oder innere ist die Fortsetzung der 
inneren Schalenhaut, die zweite äussere ist die Fortsetzung der äusseren Schalen- 
Oberhaut. Dass eine solche Epidermis auf der äusseren Oberfläche der Schale 
selbst bei ziendich weit im Wachsthum ^ orgeschrittcnen Individuum der Lepas 
anserifera, wie eins unter Fig. II. abgebildet ist, in welchem ausge wachseneu 



22 

Zoistande ich sie mit Anafifa vitrea Lam. für identisch halte, noch vorhanden 
sei, habe ich deutlicli walirgenouimen. Die äussere Haut des Stieles kann also 
nichts anderes sein, als eine Fortsetzung dieser Haut, die wegen des anderwei- 
tigen Zweckes etwas an Dicke zunimmt, sonst aber nicht von der strukturlosen 
Epidermis verschieden ist; ebenso sah ich keinen Unterscliied zwischen der inne- 
ren Haut des Stieles und der der Schale. Bei grösseren Individuen dieser Ent- 
wickelungsperiode bemerkte ich in der sonst hellen inneren Schalenhaut dunkle, 
sternförmige Körper in regelmässiger Lage überall vertlieilt, welche Körper ich 
für Drüsen halte, von denen die früher erwähnte Materie abgesondert wird. Auch 
die Vergrösserung der Schale hängt gewiss mit diesem Parenchym zusammen, und 
geht wohl von ihm aus ; die Kalkmasse bildet sich zuerst am Ende dieser Periode, 
denn die kleinsten schon gestielten Individuen liallen nocli keine Verknöcherungs- 
punkte, hier war die Schale ganz hornig, aber in den grösseren sah ich schon 
mehrere zerstreute Kalksterncbeu gebildet. (Fig. 15.1 — 

Das innerhalb der Scliale befindliche junge Thier hat jetzt, nach der Häu- 
tung, unglcicli mehr Achiilicbkeit mit der Form des alten, als in der vorherge-r 
henden l^ebensperiode. Der dicke abgestutzte Vordertheil (Fig. 6. a.) bildet 
die Haiiptmasse des Leibes; er liegt ziemlich in der Mitte der Schale und ver- 
rätb sich durch die grösste Dunkelheit in derselben (Fig. 5. g.). Dass irgend 
eine Stelle des Leibes mit der Scliale verwachsen wäre, habe ich nicht bemerken 
können, sondern immer lag das Thier frei in der parenchymatösen Masse, Avelche 
die Höhle der Schale ausfüllte: nur am Vorderende schien es inniger mit dersel- 
ben in Verbindung zu stehen (Fig. 6. g.), und das ist auch die Stelle, an wel- 
cher es in Zukunft mit der Schale verwächst. Eine Strecke hinter dem A^order- 
ende verschmächtigt sich der Leib sehr, doch bemerkt man in dieser Ausbuchtung 
einen Forlsatz (b.) derselben, den schon die vorige Enlwickelungsperiode zeigte. 
und aus welchem sich die ."^^nndtheile bilden. 

Die Füsse, welche den hinleren Kaum des Korpers einnehmen, haben eine 
von der in der vorigen Periode abweichende Bildung. Jeder Fuss (P^ig. 7.) be- 
steht aus einem dicken Gmndgliede (a.). wclcliev v,ieder von einem fleischigen 



23 

Fortsalze des Körpers getragen wird; auf das Grundglied folgt ein zweites (b.) 
und ein drittes (c), beide an Grösse abneluneud. Das dritte Glied trägt am Ende 
zwei zieinLch lauge Borsten. An der inneren Seite des dritten Gliedes hängen 
jedesmal zwei noch kleinere, länglich ovale Glieder, von welchen jedes an dem 
vorderen Ende eine kurze steife Borste trägt, während die innere Seite mit drei 
langen, geraden, nach hinten ausgestreckten Borsten versehen ist. Die Anzahl 
der Füsse beläuft sich nun auf 6 Paare, beträgt also das doppelte der vorigen 
Periode, aber die gleiche Zahl mit der folgenden und dem ausgebildeten Zustande. 
Ganz hinten am Körper, da wo die Grundglieder der Füsse entspringen, sitzt 
noch ein kleiner, zweigliedriger Schwanz (Fig. 12, d.), welcher am Ende zwei 
ovale Blättchen trägt, deren jedes mit vier feinen geraden Borsten besetzt ist. 
Dieser Schwanz stammt noch vom Embryo her, wo ein ähnlicher bemerkt wurde, 
und ist wold die Vorbildung des laugen Rohres zwischen den Hinterfiissen der 
ausgewachsenen Individuen. — 

Von der Schale selbst habe ich noch zu bemerke«, dass sie in ihrem Um- 
riss die Fosm eines halbirten Kartenherzens hat. Das obere stumpfe Ende ist ab- 
gestutzt, um dem hervortretenden Stiel einen Ausschnitt darzubieten, das hintere 
ist zugespitzt ; der Rücken ist einfach, rundlich, ohne Spur von Nath oder Trennung ; 
die Oberfläche, ^^ie friüier, gestrichelt. Bei manchen Individuen bemerkte ich je- 
derseits vorn an der Schale einen olirförmigen Fortsatz, über dessen Zweck ich 
nichts Näheres anzufülu-eu weiss. — • 

Fünfte Eulwickelungsperiode. 

Das Junge nimmt die Form des Alten an. (Taf. I. Fig. 8 — 10. u. 13.)- 

In der lezlen Entwickelungsperiode hat das Junge schon alle Organe des 
vollendeten Zustandes, nur nicht hi dem Grade ausgebildet, wie wir sie bei den 
alten Individuen antreffen. — Was zunächst die äussere Gestalt betrifft, so ist 
diese ziemlich dieselbe wie beim ausgewachsenen Tliier. Die Schale hat vollkom- 
men das Auseheu einer Mandel, und besteht schon aus den 5 Stücken, welcliß 



, ^ 24 ^ ^ 

den Charakter der Gattung Lepas (^Analifu Lam. Pentalasmis Leach) bilden. 
Am unteren Rande klaffen die Schalen ein wenig aus einander , sehr bedeu- 
tend aber am vorderen. Diese Oeffnung wird jedoch von dem hier hervortreten- 
den Stiel ausgefüllt. Die äussere Haut desselben war fester, fast sehniger Na- 
tur und festgewachsen an dem Gegenstande, an welchem sich das Thier frülier 
mit den Annen befestigt hatte. Die Individuen, welche ich untersuchte, sassen 
alle auf den Blättern eines Fucus , und waren mit dem Hauttrichter durch die 
Oberhaut hindurch gedrungen, so dass sich dieselbe wie ein Wall rings um die 
Anheftungsstelle aufgeworfen hatte. In diesem äusseren häutigen, trichterförmigen 
Stiel steckte ein zweiter sackförmiger Fortsatz, welcher unten gescldossen ist 
und die früher erwähnte gelbbraune, bröcklige Masse enthielt, die mir in mancher 
Hinsicht mit dem Fettkörper der Kerfe übereinzustimmen schien. Bei diesen jun-^ 
gen Individuen fand ich nur wenig, bei manchen älteren war die Höhle des Stie- 
les damit wie ausgestopft, bei ganz alten dagegen war sie wieder vollkommen 
leer. Niemals indessen habe ich gesehen, dass in dieser Periode die Holde des 
Stieles mit der inneren der Schale zusannneniiing, immer war sie volLkoramen von 
derselben abgeschieden durch einen Fortsatz der Haut, welche die innere Ober-r 
fläche der Schale auskleidet, und die wie ein Trommelfell straff über den Eingang 
in den Trichter weggespannt ist. Dies scheint mir mit dafür zu sprechen, dass 
die Masse im Stiel bloss zur Bildung des Stieles bestimmt ist. 

Die Schale unterscheidet sieh jetzt von der der alten Individuen dadurch, dass 
sie länglicher, gestreckter, dünner und viel flacher ist. Mit den beiden grösseren 
Seitenslücken fd.J hängt das Thier an den unteren Vorderecken zusammen, und 
das ist überhaupt die einzige Stelle, in welcher es mit der Schale in Verbindung 
steht, sonst liegt es vollkommen frei innerhalb der Schale, Diese selbst besteht 
au,s einer dünnen Kalkplatle, welche inwendig wie auswendig von einer feinen 
Haut überzogen ist, die man, besonders die innere, den Mantel genannt hat. 
Es ist vielmehr die Epidermis der Schale, welche sich auch bei allen übrigen 
Kruslaceen findet, und für die Erhallung und Ausbildung der Schale zu sorgen 
hat, also im Grunde eine mit dem Mantel der Mollusken übereinstimmende Fun- 



25 

a-tion besitzt ; denn die Schute dieser Lat keine lebendige thierisclie Epidermis. 
Nur bei den älteren Schalen wird sie zuweilen auf der Oberflache abgerieben, 
bei den jungen Thieren feldt sie ausserhalb nie. Jede grosse Seitenschale (d.) 
ist dreieckig von Gestalt, allein die Ränder sind nicht gerade, sondern gebogen; 
der vordere nach innen, der obere und untere nach aussen erhaben. Der obere 
ist leicht gekerbt, der vordere dagegen hat einen breiten, scharfen, aufgeworfenen 
Rand. Von dem unteren Vorderwinkel aus laufen zehn erhabene Längsslreifen 
nach der gegenüberstehenden Seite hinüber. Sie bilden den Charakter der Lepas 
anserifera Linn., ein Kennzeichen, tkss also nur dem jugendlichen Alter zu- 
kommt. hernacL schwindet, denn die Ausgewachsenen haben die Streifen nicht 
mehr, und sind die Aimtifa vifrea Lamark. Die kleinere, am Hiuterende ge- 
legene, Seitenschale passt an die hintere Hälfte der Oberseite der vorigen, ist 
auch am Rande gekerbt, vor der Spitze aber ausgeschnitten und auf der Aussen- 
Iläche nüt 5 erhabenen Längsstreifen versehen. Die fünfte oder Scldossschale , 
wie man sie nach der Analogie mit den Musclieln genannt liat, ist nach dem 
Oberrande der ersten und zweiten gebogen, und kahufurmig gestaltet. Sie bildet 
also ein scharfen nach oben gewendeten Kiel, der auch durch mehrere erhabene 
Querslrcifen höckerig ist. Sein Rand ist, Avie bei den anderen Schalen, an den 
Verbindungsstellen mit der Nachbarschale leicht aufgeworfen, und bildet eine durch 
Haut verbundene Nath, in welcher die Schalen, selbst bei den ältesten Indi\ idu(,'n. 
gegen einander beweglich sind. 

An der inneren Oberfläche der grösseren Seitenschalen und des Rückeu- 
kiels liegt eine concentrische, aber viel kleinere, weiche Platte, die selbst bei der 
äusseren Betrachtung durch die Schale lündurchscheint (c.), und bei nälierer Untersu- 
chung aus vielen kleinen Körnchen besteht. Es ist dies der noch sehr junge Eier- 
stock, weicher im Verlauf der Ent Wickelung immer grösser wird, und das Tbier 
zuletzt ganz umgiebt. Mit dem jungen Indisiduum steht derselbe nur an zwei 
Stellen, nehmlich jederseits im Nacken (F"'ig. 13. a. b. ) in Verbindung: doch sah 
ich keinen Gang aus dem I^eibe entspringen, sondern uur durcli eine weiche Hau(, 
wie es schien die äussere Haut des Eierstocks, war derselbe wn Nacken des 

4 



26 

Tlüeres befestigt ^^\). Selbst die drei Lappen des Eierstocks hingen nicht unmit- 
telbar, sondern nur durch diese Haut, welche mir eine Duplicatur der inneren 
Schalenhaut zu sein schien, aneinander. Fig. 9. gieht die Form des Seiteneier- 
stocks, bei Fig. 8. ist der Rückeneierstock mit der Schale abgebildet. — 

Das innerhalb der Schale befindliche Thierchen hat nun schon eine ganz 
veränderte Gestalt angenommen, namentlich ist der Yordertheil im Vergleich zum 
hinteren Theile fast verkümmert. Es besteht aus einem fast dreieckigen, fleischi- 
gen Leibe , an dessen nach hinten gerichteter Seite die schon in der Anlage 
ziemlich rankenförmig gebildeten Füsse hängen. Das Vorderende des Körpers 
lässt die frühere Gestalt nur noch schwach erkennen. Man beuierkt daselbst ei- 
nen breiten, grösseren, abgestuzten Fortsatz, welcher ganz nach vorn gerichtet 
ist, und an seiner oberen Ecke mit den Haut (a.}, an welcher der Eierstock {\).) 
liegt, zusammenhängt. Die untere Vorderecke ragt mehr hervor, ist ziemlich frei, 
und schickt hier einen häutigen Fortsatz (c.~) aus. Mehr nach oben ist ein dunk- 
ler brauner Fleck (f.) in diesem abgestutzten Vorderende, den ich für den Mus- 
kel halte, durch welchen das Tliier mit der Scliale in Verbindung steht. Ein 
tiefer Ausschnitt trennt diesen Fortsatz von den Mundtheilen, welche den zweiten 
Fortsatz des Leibes bilden. Er hat eine stumpf kolbige Gestalt, gerade so Avie 
bei dem späteren alten Thier, dem er auch im Bau ganz ähnlich sieht. An sei- 
nem Vordereude ist ein dunkelbrauner Fleck, welchen die vordere Hälfte der 
Oberlippe bildet, indem sie von den unter ihr liegenden Oberkiefern diese dunkle 
Färbung erhält. Die Füsse, deren Anzahl und Bildung schon ganz dieselbe 
ist, wie man sie später bei ausgewachsenen Individuen findet, sind indess verhält- 
nissmässig kürzer, dicker und feiner gebaut. Man bemerkt sechs dicke Fleisch- 
fortsätze an jeder Seite des Hinterleibes, von welchen jeder sich bald in zwei 
Füsse spähet. Jeder Fortsatz des gespaltenen Fusses besieht aus einer Reihe 



•) Ich erkenne hierin eine nicht unbedcntende Achnlichkeil mit den Lophyropoden, wo auch die Eier 
in einem eigenen Sack ansserlialb des Thieres am oberen Rande der Schale sich Ijclinden. Eine 
zweite Analogie liefern die Lernäen, hei welchen gleichfalls die Eier in freien Hohlen aussei hall) 
des Körpers ihre Reife erlangen. 



27 

hinter einander liegender, schwacli getrennter, dreieckiger Glieder, die, besonders 
am Innenwinkel, der nach vorn gerichtet ist, mit langen Borsten besetzt sind, so 
dass der ganze liintere Thejl des Leibes als ein aus vielen mit Borsten besetzten 
Füldern gebildeter Quast erscheint. — 

Von den Kiemen zeigten sich noch keine Spuren; die lange Schwanzrölire be- 
merkte ich, nach Wegnahme der Füsse, als einem kurzen, einwärts gebon"enen 
fleischigen Fortsatz, der kaum über das Grundglied des vorletzten Fusspaares 
iiinausragte. Von der auf 6 Paare beschränkten Anzahl der Füsse habe ich mich 
vollkouunen überzeugt; man bemerkt, wenn man den Quast eine Strecke hinter dem 
Körper absclmeidet , 24 einzelne gegliederte Füsse, was 12 gespaltene Füsse, 
also 6 Paare im Ganzen ergiebf. Sie nehmen, wie beim Alten, von vorn nach 
hinten an Länge zu, dort sitzen die kürzesten, hier die längsteij. 

Periode der Reife. 
Das ausgewachsene Thier von Lepas anserifera (^Anatifa vUrea Lam.). 

(Taf. L Fig. 11 — 12. 14, 16 — 20.) 

Die Schale des Thieres besteht aus 5 Stücken (Fig. 11.}, zwei grösseren 
vSeitenslücken b., zwei kleinereu Endstücken c. und einem unpaaren Rückenstück d., 
welches nach der ßückenbiegung der Scliale gebogen ist, und an der Aussenkante 
einen scharfen Kiel hat; einen ähnlichen zeigte das erste Schalenstück am Vor- 
derende oder Grunde als scharfen aufgeworfenen Rand, An dieser Stelle schlies- 
sen die Schalen nicht, sondern werden von einer ziemlich festen Haut zusanmieu- 
gehallen, welche sich in einen kurzen röhrigen, dicken Fortsatz (a.) verlängert, 
mit ^velchem das Thier festgewachseu ist. In diesem Forlsatz befindet sicli, die 
schon früher besclu-iebene gelbe, dicke, körnige Masse. Auch den unteren Raum 
in der Schale erfüllt sie etwas, und wird von der feineren Haut, welche die in- 
nere Oberfläehe der Schale auskleidet, überall an der Aussenseite umgeben, ist 
also von der Schalenhöhle ganz abgescldossen. Die Schalenöffnung findet sich an 
der unteren oder Bauchseite, und erscheint als eine lange, von vorn nach hinten 

fortlaufende Spalte, aus welcher die letzten Enden der Füsse hervorragen. 

4 * 



28 

Die innere Oberfläche der Schale wird nunnielir von einer dünnen, gelbli- 
chen, vollkommen strukturlosen, nur hie und da dunkler gewellten Schh.'imliaut 
ausgekleidet, welche auch in die Höhle des Stieles mit eindringt, und daselbst 
den Sack bildet, in welchem jene Materie enthalten ist; dass dieser Sack nach 
oben von einer Duplicatur der inneren Schalenhaut geschlossen ist, also nicht mit 
der Höhle der Schale in Verbindung steht, habe ich erwähnt. 

An der Innenseite dieser weichen Haut lag bei einigen Individuen im Grunde 
der Schale ein röthlichbrauner mantelartiger Lappen verbreitet, welcher die innere 
Fläche der ersteren wie eine zweite parenchymatöse Haut überzog, dabei schon 
bei der Betrachtung mit dem blossen Auge eine körnige, punklirie Struktur ver- 
rieth, und sich bei näherer Betrachtung als der aus vielen tausend Eiern zusam- 
mengesetzte Eierstock bewährte. Am Rande dieses breiten Eierstocks waren die 
Eier kleiner und unentwickelt, in den tieferen Stellen, wo auch die Eier lockerer 
an einander hingen, waren in jedem Ei schon Embryonen sichtbar, die beim Zer- 
ren der Haut leicht herausfielen. Die Eier selbst waren so umuittelbar verbunden, 
wie die im Sack von den Lernäen, und die Eihülsen blieben als ein netzförmiges 
Maschenwerk an einander hängen, nachdem die Embryoneu herausgefallen waren. 

Wenige, der ausgewachsenen Individuen, nehmlich 3 von den 26, die ich vor 
mir habe, besassen diesen Eierstock, den, wie früher erwähnt worden, schon manche 
der kleinsten, noch in der fünften Entwickelungsperiode begriffenen, Individuen 
zeigten; allen übrigen, grossen und kleinen, fehlte derselbe. 

Nur an zwei Stellen stellt das Tliier mit der Schale in Verbindung, nehm- 
lieh an der vorderen Grundecke jeder grösseren Seitenschale. Die Verbindung 
wird durch einen breiten Muskel, der sich au die bezeichnete Stelle der Schale 
ansetzt und mit vom Rücken des Thieres herkommt, bewerkstelligt (Fig- 14. a.), 
Bei Lepas anserifern ist dieser j^Juskel, so wie die ganze äussere Muskellage, 
sehr schwach; stärker fand sie Cuvier bei Lepas anafifera entwickelt, und sehr 
vollkoinnieu habe ich sie bei Coronula dtadona gesehen. Bei vorliegender Art 
bildet die äussere Decke des Körpers eine dünne, durchsichtige, Aveiche Haut, 
welche den durchsclieinenden Darm locker umgiebt und wegen ihrer ausnehmenden 



29 

\>'cite viele FaUeu auf der Oberflache bildet (Fig. 14. b.]. Es sclieint mir diese 
Haut eine Fortsetzung der inneren Sclialenliaut zu sein, denn bei der Betrachtung 
der Strukturverliaituisse fand ich keinen Unlerscliied, beide stimmten darin überein, 
dass sich keine besondere S(ruktiir an ihnen wahrnehmen liess; sie waren ein- 
fache, klare Häute. An dem hinteren Thcile des Leibes wird die Haut etwas le- 
sler und verhärtet namentlich au den ßankenfüssen zu hornartiger Beschaffenheit. 
An der Bauchseite des Körpers bemerkt mau gleich hinter dem Verbin- 
dungsmuskel den dicken kolbigeu Fortsatz, welcher die Mundtheile umschliesst 
(Fig. 14. d.J. Dieser Fortsatz wird äusserlicli eingehüllt von einer hornigen Haut, 
welche den ganzen äusseren Umfang des Mundes umgiebt, und nur nach hinten 
oiTen bleibt. Man kann sie als die Oberlippe betrachten, die aber nicht bloss auf 
der Oberfläche, sondern im ganzen Umfange die Decke der übrigen Mundtheile 
bildet; eine frei bewegiiclie Oberlippe ist niclit da. Theilt mau dui-ch einen Schnitt 
den ganzen Fortsatz der Mundtheile in zwei Hälften, also auch diese Oberlippe 
mit, uud stellt nun die halbe Oberlippe allein dar, so erscheint sie in der bei 
Fig. 19. abgebildeten Form. Wir seilen hier die halbe Oberlippe von der inneren 
Seite in der umgekehrten Lage, in welcher sie sich an dem Fortsatz der Mund- 
theile, wie er in Fig. 14. dargestellt ist, befinden würde, d. Ii. der freie untere 
Rand steht nach oben, uud der mit dem Leibe zusammenhängende obere nach un- 
ten, der vordere hängt mit demselben Rande der anderen Hälfte zusammen und 
ist durch den Schnitt entstanden, der hintere ist zur Hälfte frei und nur am unte- 
ren Rande mit den zunächst liegenden Mundtheilen verwachsen. Die innere Fläche 
der Oberlippe wird ringsum von einer w eichen nn"t Pareuchym unterhalb erfüllten 
Schleimhaut ausgekleidet, von welcher bei a. undb. (Fig. 19.) noch Reste vorhanden 
sind. An dem freien in der natürlichen Lage nach unten und hinten gerichteten 
Rande befindet sich ein beweglicher Fortsatz c, weicher hinten breit, nach vorn 
zugespitzt und an dieser Spitze mit kurzen Borsten besetzt ist. Man hat diesen 
Fortsatz für einen Taster erklärt, doch da er an den äusseren Bedeckungen des 
Mundes hängt, so kann er kein Taster sein; als was man ihn denlen müsse, weiss 
ich jedoch nicht. Zunächst auf die äussere Decke der Muiidthi.-ilc folgen die 



30 

Oberkiefer; sie sind bei Fig. 18. in iimgekelirter Lage dargeslelh, so dass das 
untere Ende nach oben steht. Jeder Oberkiefer besteht aus zwei Gliedern, das 
unlere oder Grundglied (a.) hängt ziendich innig mit der inneren Bekleidung der 
Oberlippe zusammen und ist, wie jene, von der Schleimhaut überzogen ; das zweite 
oder Endglied (b.) gelenkt bei c. mit dem ersteren. Es besteht aus einer flachen 
Hornschuppe, die am vorderen Rande sanft gebogen, am unteren mit vier grossen 
Zahnen besetzt, und am hinteren tief ausgeschnitten ist. Inwendig ist dies zweite 
Glied hohl und enthält Muskelfasern, welche dasselbe gegen das erste bewegen. 
In seiner natürlichen Lage liegt dies mit Zähnen bewaffnete Glied nach unten, 
die Zähne stehen nach hinten und der gebogene Rand nach vorn. — Innerhalb 
beider Oberkiefer, und von ihnen äusserlich bedeckt, befinden sich die Unterkiefer 
in derselben I^age fFig. 17.). Jeder von ihnen besteht ebenfalls aus zwei Glie- 
dern, die bei a. mit einander gelenken; das Grundglied ist weich, muskulös und 
enthält zwei Gräten b. und c, welche ilmi als Stütze dienen. Das Endglied äh- 
nelt dem zweiten Gliede der Oberkiefer, ist aber in allen seinen Dimensionen klei- 
ner, hat gleichfalls vier Zähne am Unterrande, von >velcher der erste sehr gross 
ist, und ist ausserdem ebenda mit vielen Borsten der Reihe nach besetzt. — Zwi- 
schen den Unterkiefern, doch mehr nach hinten gerückt, liegt dann das dritte 
Kieferpaar oder die Unterlippe. Sie besteht aus ^ier neben einander liegenden 
bogenförmigen Haullappen, von >\ eichen zwei und zwei gleiche Grösse haben; 
in Fig. 16. ist die Hälfte der Unterlippe dargestellt. Der innere Ilautlappen (a.), 
welcher mit seinem gleich gebildeten Nachbar am Grunde verwachsen ist, bildet 
am freien Hiuterende einen Umschlag (c), welcher mit dem entsprechenden des 
gleichen Nachbarlappens nach innen zusammenhängt und dadurch die Mundöfiiiung 
nach hinten schliesst; der freie Rand des Lappens ist aufgeworfen, Acrdickt und 
mit schwarzen gekräuselten Zacken versehen. Der äussere etwas grössere Lap- 
pen {]).) hängt mit dem inneren auch durch einen Umscldag (d.l zusammen, und 
ist, statt der Krause, am Rande und auf der Aussenfläche des Umscldags mit lan-s- 
gen aber weichen Haaren dicht besetzt. 



31 

In dem Winkel, welchen der liinlere Rand des Mundfortsatzes mit dem 
Leibe bildet, sitzen die Kiemen. Es sind vier bogenförmig gekrümmte lanzett- 
liclie Lappen (Fig. 14. c. c. c. c), von welchen jeder aus einem sehr feinen 
häutigen Sack besteht, der inwendig eine hellbraune Masse enthalt, docli so, dass 
dieselbe nur den innersten Raum einnimmt, rings am Umfange aber eine Lücke 
frei Ijisst. Von den vier Rienienlappen ist der zweite der kleinste, dann folgt 
der erste, dann der vierte, und der grösste ist der dritte. 

Gleich hinter den Kiemen befinden sicli die Rankenfiisse, 6 Paare der Zahl 
nach, deren jeder wieder aus zwei gegliederten Ranken besteht. Ein grosses 
Grundglied, welches in Fig. 12. von der äusseren, in Fig. 14. von der inneren 
Seite dargestellt ist, bildet den Stannn jedes Fusses. Aeusserlich wird es von 
der durchsichtigen, hier mehr hornigen Oberhaut bekleidet, welche besonders am 
Vorderende des Gliedes verdickt und duidcel erscheint; innerlicli enthält das Glied 
Muskeln zur Bewegung und Befestigung der Ranken. Auf dieses grösste Grund- 
glied folgt ein zweites, viel kleineres, einfaches Glied, welches in beiden Figuren 
ebenfalls gesehen wird, bei Fig. 14. h. von innen. Es hat eine kurz kolbige Ge- 
stalt, beginnt mit dünnem Grunde und erweitert sich gegen das Ende. Dieses 
Glied trägt nun beide Ranken zugleich. Jede Ranke, deren ZAvei und zwei an 
einem Gliede befestigte gleiche Form und Grösse haben, besteht aus einer gros- 
sen Anzahl kurzer Glieder, die allmälig an Umfang abnehmen, so dass dadurch 
die ganze Ranke gegen das Ende hin sich zuspitzt. Au der inneren, nach vorn 
gerichteten, Seite ist das Glied dichter und dunkler, und bei starker VergTösse- 
mng bemerkte ich hier ein schwarzes Pigment, welches in a ielen kleinen Punklen 
die innere Oberfläche der Oberhaut bekleidet. Am Rande der Glieder umgürtet 
eine Reilie von Borsten, die besonders am Innenwinkel lang sind und dichter ste- 
hen, die Ranke. 

Zwischen den grossen Grundgliedcren des letzten Fusspaares befindet sich 
der schon von Cuvier beschriebene Schwanz (f.). Er liegt gewöhnlich einge- 
schlagen zwischen den Füssen, und dehnt sich von seinem Anfange bis gegen 
den Mund hin aus, neben welchem sein Ende sich befindet. Bei genauerer Beo- 



. 3g = 

bachtung unter stärkerer Vergrösserung bemerkt man, dass dieser Schwanz aus 
einer weiclien Haut besteht, die in regelmässige, sehr kurze Ringe getheill und 
zwischen diesen Ringen etwas eingesclmürt ist, so dass auch der Schwanz aus 
einer zahllosen Menge von Gliedern zu bestehen scheint. Alle Glieder sind auf 
ihrer gauzen Oberfläche von langen, weichen Haaren bekleidet, wodurch der 
Schwanz ganz rauh wird. (Fig. 20.) 

Was den inneren Bau von Lepas anscrifera betrifR, so war es mir lange 
unmöglich, durch Zergliederung die Form der inneren Organe näher zu untersu- 
chen, indem die mir vorliegenden Exemplare durch den Aufenthalt in ^Veingeist 
so zusammengeschrumpft sind, dass ich eine Trennung des Harmes von seiner 
nächsten Umgebung unmöglich fand; später indess, nachdem' ich die Struktur ver- 
wandter Gattungen untersucht hatte, gelang mir auch bei dieser die Zergliederung 
ziemlich vollständig. Beschränken wir uns zunächst auf die Betrachtung dessen, 
was der durchsichtige Leib von inneren Organen zur Schau trägt, so bemerkt 
man im vorderen Theile des Körpers vor dem Munde ein grosses, braunes 
Oro^an, welches ich für den Harm erkannte, oder richtiger für den Magen (Fig. 14. 
e. e.). Hie anfängliche Vermuthung Avurde dadurch zur Gewissheit, dass ich bei 
der Zerlegung in diesem braunen Theil kleine Schneckengehäuse fand, welclie 
offenbar die Nahrung des Thieres ausmachten. In einem anderen ausgCAvachse- 
nen Exemplar, das keine Eierlappen enthielt, fand ich im hohlen Raum zwischen 
den Schalen, aber ausserhalb des Körpers, den Leib einer Annelide, doch 
kann ich nicht angeben, von welcher Gattung, oder welche Art. Her Leib war 
an beiden Enden angefressen, in der Mitte durchgebissen, und so zusammenge- 
schrumpft, dass nur die büschelweis stehenden Borsten und die Farbe des geron- 
nenen Blutes diese Reste als von einer A u n e 1 i d e herstammend beurkundeten. ZAvi- 
sehen den Kiefern eben dieses Individuums waren zertrennte Massen desselben 
Thieres und ebenso in dem als Magen bezeichneten dunklen Theile des Leibes. 

Heutlicher gab sich dieser dunkle Tiieil am Hinterende des Thieres als 
Harmkanal zu erkennen. Ich bemerkte zuerst in der Gegend der Kiemen eine 
Einschnürung, hinter welcher sieh der Kanal \on neuem erweiterte, nnd dann 



33 

sich albiiiilig wieder verjüngte. V'on dieser Stelle an setzte sich der Darm ge- 
rade nach hinten fort, und schien als mittlerer Kanal in die Hohle des Schwanzes 
einzudringen; allein bei näherer Untersuchung ergab sich, dass derselbe zwischen 
den Hüften des letzten Fusspaares dicht über dem Ursprünge des Schwanzes sich 
in den After offne, wie dies auch Cuvier angegeben hat. 

Bei der Zergliederung fand ich den inneren Bau ziemlich so, wie ihn die 
Untersuchung von Aussen gezeigt hatte. Der Darmkanal (Taf. H. Fig. 15.) be- 
steht aus einem selir weiten kugeligen Magen (^a.), in dessen vorderes Ende dicht 
über dem Magenmunde ff.) die von Cuvier als Speicheldrüsen beschriebenen 
Organe (b.) mit länglicher IMünduug (e.) sich einsenken. Bald hinter dem Ma- 
genmunde verengt sich der Nahrungskanal und wird Darm (^d.J, welcher als ein 
leicht gebogener, ziemlich dicker Kanal, der mit einer dunklen Materie angefüllt 
ist, bis gegen das Ende des Körpers vordringt. Am Anfange dieses Darmes be- 
findet sich dicht neben dem Magenmunde eine zweite längliche Oeffnung (gO? '» 
welche der Ausgang der Leber an jeder Seite in den Darm sich einsenkt. Diese 
Leber besteht aus zwei gleichen, länglich blattförmigen Organen, die vom Magen 
bis gegen die Mitte des Darms hin an beiden Seiten neben dem Nahrungskanal 
liegen, und denselben von beiden Seiten bedecken. Jede Hälfte besteht aus einer 
äusseren, durchsichtigen, engeren, und einer inneren, weiteren, vielHiche Taschen 
and Höhlen bildenden Schleimltaut, deren lulialt eine dunkelbraune Materie ist, 
welche sich durch die genannte grosse Oeffnung Cg.) in den Darm ergiesst. Da 
hinler jedem Leberlappen das weite, gewundene Gefäss, welches ich für den Ho- 
den halten muss, verläuft, und am Ende jeden Leberlappen umfassend frei neben 
ihm hervortritt, so hielt ich anfangs die Leber für den Hoden, und dieses Gefass 
für den Samenleiter, in welcher Meinung die sechszehiite Figur entworfen wurde, 
wo nun a. a. die Leberlappen, b. b. die inneren Höhlen derselben und c. c. die 
neben jedem lieberlappen hervortretenden Hoden bezeichnen. Man kann zu dieser 
Ansicht noch dadurch besonders verleitet werden, dass der feine Ausgang der 
Leber leicht zerreisst und nun die lieber mit dem dicht an ihr liegenden Hoden in 
Verbindung bleibt, wie es auch in genannter Figur darge'«tellt worden ist. Der 



34 

wahre Hode ist also das gewundene Gefäss (c. c), welches zwischen Leber und 
Darm sich bis zum Magen hinauf windet, und hier blind endet. Ebenso verläufJ 
es gewunden an dem hinteren Theile des Darmes, nähert sich dem Räume unter 
ihm, und liegt hier frei neben dem Darm (Taf. I. Fig. 14.), bis es in die Gegend 
gekommen ist, wo der Schwanz ZAvischen den Hinterfüssen entspringt. Dort ver- 
binden sich, so scheint es, die verengten Ausführungsgänge der Hoden zu einem, 
und dieser dringt dann in die Höhle des Schwanzes ein, denselben von seinem 
Anfange bis zu seinem Ende durchbohrend (Taf. H. Fig. 16. d.). Dass beide 
Gefässe zusammen münden scheint jedoch nur den Balanen eigen zu sein, ich 
fand es auch bei Coronula diadema Ijam.., aber bei Otioti Cuvieri bleiben sie 
bis zur Spitze des Schwanzes getrennt. 

Andere innere Organe habe ich nicht wahrnehmen können, selbst das Ner- 
vensystem aufzufinden gelang mir nicht. 

Ueber den Bau der Coronula diadema. 

Um die Beobachtungen, welche ich über den inneren Bau der Rankenfüsser 
mitgetheilt habe, gehörig ausfüllen und ergänzen zu können, erbat ich mir vom 
Herrn Geheimen-Rath Lichtenstein mehrere Individuen verschiedener Gattungen 
zur Untersuchung, welche mir derselbe auch, nach seiner bekannten Bereitwillig- 
keit, gütigst aus den Dubletten des zoologischen Museums darreichte. Unter den 
Tliieren, die ich erhielt, schien, wegen der bedeutenden Grösse, keins einladender 
und versprechender, als die Coro?mla diadema Lam.', daher ich diese zuerst der 
Untersuchung unterwarf. Was ich an derselben beobachtet habe, theile ich hier 
denuiächst mit. 

Das Gehäuse des Tliieres, welches einer an den Seiten gewölbten sechs- 
seitigen Pyramide ähnelt, die au jeder Ecke, statt mit einer scharfen Kante, mit 
drei hervorragenden, in die Quere gereiften, nach oben zugespitzten Wülsten ver- 
sehen ist (Taf. n. Fig. 1.), hat oben eine kleinere sechseckige Oeffnung, welche 
in die trichterförmig nach unten verengte innere Höhle (Fig. 2. a.) führt. Die 
untere Fläche der Pyramide ist ebenfalls tief ausgehöldt (Fig. 2. b.) und sieht 



35 

durch die mittlere Oefluuiig (c.) des Trichters mit der innereu Höhle in Verbia- 
dung. Diese kuppenfurmige Aushöhlung der unteren Fläche ist durch Scheide- 
wände, welche von der Mitte einer jeden Widst entspringen und gegen die un- 
lere Oeffnung des Trichters hinlaufen, in acht^elui straldenförinig neben einander 
liegende Kammern (h. b. b.) getheilt, welche Kammern sich in der inneren Wand 
der Schale hinauf erstrecken. Jede dieser Kammer liegt also hinter der Nath 
in welcher die beschriebenen Wülste sich berühren. In diese Kammern dringt 
eine sehnige fibröse Haut, welche die untere kuppenförmige Vertiefung der Schale 
auskleidet, und auch die mittlere Oeffnung der oberen trichterförmigen Vertiefung 
hcldlesst, hinein, und füllt jede der Kammern genau aus; sie ist das Mittel, wo- 
durch die Schale mit dem Gegenstande, an welchem sie haftet, in inniger Ver- 
bindung steht, nirgends aber, an keiner einzigen Stelle, mit dem in der Schale 
wohnenden Tliiere zusammenhängt. So nach ist diese fibröse Haut nichts anderes, 
als der Stiel der Lepaden, und ebenso, wie jener, ein selbstständiges Produkt, 
welches unabhängig vom Thiere sich bildet und besteht, t — Ausser den beschrie- 
benen achtzehn straldenfürmigen Kammern in der Wand der Schale, liegen in der- 
selben noch sechs andere, nehmlich hinter den flachen Wänden der Schale, Diese 
Holden (Fig. 3. c. c. c,), welche die anderen an Grösse und Umfang bedeutend 
übertreffen, stehen mit der inneren trichterförmigen Holde, in welcher das Thier 
steckt, in Verbindung, nehmlich durch sechs kleine Löcher, die im Umfange des 
mittleren Lochs des Trichters liegen (Fig. 2. d. d.). Durch diese Löcher tü-ingt 
die Haut, welche jene grössere mittlere dem Thiere als Wohnung dienende Höhle 
auskleidet, in die sechs Nebenhölden hinein, und bildet in jeder derselben einen 
nach ihrer Gestalt geformten Sack, welcher mit derselben gelben körnigen bröck- 
ligen Materie angefüllt ist, von der ich früher bei der Beschreibung der Lepaden 
gesprochen habe, und die auch dort den inneren Raum des Stieles erfüllte. Ich 
halte sie für das Substrat, durch welches die Schale erhalten und vergrössert 
wird und muss sie, wie dort, für eine Absonderung der Haut halten, welche die 
innere Oberfläche der Schale auskleidet, und mit der äusseren Epidermis des Tlüe- 
res in unmittelbarem Zusammenhange steht. 

5 * 



36 

Seilen wir nun auf die Geneisis der Schale, wie sie bei Thompson nie- 
dergelegt ist, so finden wir, dass sechs nierenförniige Schalstücke die ersten Andeu- 
tungen derselben sind. Diese sechs Platten bilden den Anfang der Flächen un- 
serer Schale, und schliessen, indem sie sich nach innen umscldageu, die Haut, 
welche die Schale bekleidet, in sich ein; so wachsen sie fort, bis sich die umge- 
scldagenen Ränder berühren und dadurch die in ihnen enthaltenen Theile der Haut 
von der übrigen, bis auf die berührte Verbindung am unteren Ende, abgetrennt 
wird. Zugleich bilden sich an den Stellen, wo sich die Umschläge der Schalen 
berühren, die Widste, welche als Scheidewände zw'ischen den Umschlägen der 
Seitenwände gegen die Mitte der Schale vordringen. Indem diese ScheidcAVände 
von vorn herein getrennt sind, drängt sich die äussere Haut, mit w elcher das Thier 
festsitzt, und die, nach unserer früheren Beobachtung, die äussere Epidermis der 
Schale ist, zwischen die Scheidewände, und veranlasst so das Entstehen der acht- 
zehn kleineren Nebenkammern in der Wand der Schale fFig. 3.). Wir finden 
hiernach bei den Balanen eben so gut, Avie bei den Lepaden, einen Stiel, doch 
mit dem Unterschiede, dass er sich zwischen die sechs Schalstücke drängt, und 
so eine innige Verwachsung derselben hindern würde, Avena nicht neue Schal- 
stücke, die Wülste, sich auf seiner Oberfläche bildeten, und dadurch den innigen 
Zusammenhang der sechs Schalstücke bewerkstelligten. Bei der Untersuchung 
fand ich nehmlich, dass die Wülste wie unter sich, so mit den sechs Seitenscha- 
len, nur durch eine feine, gezähnte und geriefte Nath zusammenhingen, nicht aber 
in unmittelbarer inniger Verbindung mit ihm verwachsen Avaren; auch sieht man 
an der Oberfläche der Höhle, in welcher das Thier steckt, sehr deutlich die Nä- 
the, in welchen die umgeschlagenen Ränder der primären Seitenschalen an einan- 
der stossen. 

Es besteht also der Unterschied der Lepaden und Balanen, AA-as die 
Schale betrifft, darin, dass bei jenen der häutige Stiel frei bleibt, und au seinem 
Ende die Schalen trägt, bei diesen sich ZAvischen die einzelnen Schalstücke hin- 
eindrängt und theils von ihnen allein, theils von neuen, auf seiner Oberfläche sich 
bildenden, Schalstückcn (den Wülsten) überwachsen Avird. 



37 

Das Thier uiUerscIieidet sich von dem der Lepadenfuinilii' besonders und 
anfTallend durch die Kleinheit und Kürze der Rankenfüs.se, so wie durch die über- 
wiegende Grösse des Vorderleibes. Mit der sehnigen Haut, welche den oberen 
Eingang in die Schale verengt und auskleidet, steht es, wie mit der Schale selbst, 
nur durch eine Fortsetzung seiner Oberhaut in Verbindung. In der sehnigen Haut, 
deren Fortsatz kegelförmig aus der oberen OclTnung hervorragt (Taf. H. Fig. 4.), 
und die ich, wie die früher beschriebene, die untere Aushöhlung der Schale be- 
kleidende Haut, für eine Umgestaltung der äusseren Oberhaut der Schale halte, be- 
sonders weil sie mit jener im Bau und Textur übereinstinnnt , liegen zwei kleine 
Schalen (a- *.), über welche sich eine Schicht der Deckelhaut fortsetzt. Auf der 
inneren Oberfläche (Taf. II. Fig. 5. a. a.) liegen die Schalen. frei, und sind hier 
mit dem Innenrande an einem Knorpelringc festgewachsen, welcher den Eingang 
in die Höhle rings umgiebt, und gleichsam den Schalen wieder zur Stütze dient 
(ebenda b. b. b.) '"'_). 

Die Lage des Tlueres in der Schale ist vollkommen wagrecht mit der Bauch- 
seite nach oben : nicht senkrecht, wie bei Lepas. In dieser Lage wird es gehal- 
ten durch seine Befestigung an der Schale, die etwas inniger ist, als bei hepas. 
Es sitzt nehmlich an der nach ohen gewendeten Fläche des dicken kolbigen \ or- 
derlejbes ein fester Ilautlappen, Avelcher nach hinten bis gegen die jMundtheile 
verlängert ist. An diesem Hautlappen befestigen sich drei starke, bandförmige 
Muskeln, einer gerade in der Längenrichtung des Thieres am Vorderende, die an- 
deren beiden einander gegenüber an beiden Seiten des Hauflappen, nicht Aveit 
vom Munde. So erstrecken sich die Muskeln von iln-em Anfange um das Thier 
herum bis zum Grunde der Höhle lün, und verwachsen in ihrem ganzen Verlaufe 
mit der Haut, welche die innere Oberfläche der Schale auskleidet. Diese Haut 
kommt mit der bei Lepas überein, in so fern sie die gelbe bröcklige Materie ab- 
sondert, von welcher sie überall bedeckt wird, und die mit ihr in die sechs Ne- 



•) Leack und Lamark geben den Deckel von Coionula als aus vier Sthalstütken bestehend an, 



iih habe nur diese beiden DetKelslüeke gefunden. 



— — 38 — — 

beuhöhlen der Schale eindringt, Offenbar wird die Haut durch die drei genanotea 
Muskelbüudel verstärkt und uoterstützt, sie überkleidet ^uch die Muskeln, und 
hängt so mit der Epidermis des Thieres z,usammen. 

Unter dieser Haut, also auch unter den Muskeln, liegen äusserlich frei ne- 
ben dem Körper die Kiemen. Die Stelle, wo sie inniger mit dem Tlüere ver- 
bunden sind, befindet sich ebenfalls gerade unter den beiden Seiten-Muskeln, wel- 
che das Thier in der Schale halten. Jede Kieme (Taf. H. Fig. 10. a.b.) hat eine 
halbkreisförmige Gestalt, ist auf der inneren Seite ausgehöhlt, und auf der äusse- 
ren erhaben. In der zehnten Figur der zweiten Tafel habe ich das Thier in fast 
doppelter Vergrösseruug von der Bückenseite, also von der in seiner natürlichen 
Lage unteren Fläche, dargestellt mit den beiden Kiemen, wie sie noch mit dem 
Körper in Verbindung stehen. Wir sehen hier die beiden Muskeln (c. c), wel- 
che von den Seitentheilen des Vorderleibes herkommen, und über die äussere 
Seite der Kiemen fortlaufen. An diesen Muskeln sind die Kiemen durch die Ober- 
haut, als deren Duplikatur und Zusanuneufaltuug ich die Kiemen betrachte, be- 
festigt, auch bedeckt ein Tlieil der ihr angefügten bröckUgeu Masse das lünlere 
Ende der Kiemen vollkommen (d. d.); neben dieser steigt der Ausgang der Kie- 
men (e. e.J. walu-scheinlich der Kanal, durch welchen die Gefusse eingehen und 
zurückkehren, zum Körper hinauf, und mündet in diesen in der Nähe des Mundes 
an der Stelle, wo auch bei Lepas die Kiemenohren sitzen. Jede Kieme bildet 
zwei Hauptlappen, einen inneren kleinen (a. a.), und einen äusseren grossen (b. b.), 
Beide bestehen aus einer Beilie tiefer Falten (8 — 10.), weiche oben und unten 
zusammengeschnürt und wieder der Länge nach in viele sehr feiue Fallen gelegt 
sind. Am kleineren Innenrande hängen diese Falten durch einen Hautumschlag 
zusammen, eben so am grösseren Ausserrande, und der hier gelegene Umschlag 
läuft wie eine gleich breite Wulst am Bande fort, und bildet die Gränze der Kieme. 
Die äussere Kieme hat denselben Bau, und beide gehen nach hinten in einander 
über. So bilden die Kiemen eigentlich einen einzigen grossen Sack, der wegen 
seines ungeheuren Umfanges in diese zahlreichen Falten gelegt werden musste, 
damit er tu der Sehale uebeu dem Thiere Platz finde. Ich versuchte es. denselben 



39 

vom Ausführungsgauge aus aufzublasen, was mir indess nur theilweis gelang, in- 
dem eine Verletzung in der Mitte des kleineren Kiemenblattes die Luft wieder 
herausliess. Ausser diesen Kiemen und der früher beschriebenen die Schale aus- 
kleidenden Haut fand sich nichts in der Höhle der Schale, was den Leib noch 
einhüllte, kein den Eierstocklappen entsprechendes Gebilde. 

Der Körper des Thieres hat, wenn man ihn von der nach unten gewen- 
deten Rückenseite betrachtet (Fig. 10.), ein kegelförmiges Ansehn, und besteht 
aus sechs ziemlich merklich abgesetzten Ringen. Der erste grosse Ring (f.), wel- 
cher von einer sehr weichen Oberhaut, die ziemlich strafT gespannt ist, bekleidet 
wird, umschliesst unter einer dünnen Fleischschicht den grossen Magen. Nach 
unten hängt an ihm das erste Fusspaar nnd der Mund. Die folgenden Ringe neh- 
men an Grösse ab, doch gewinnt ihre Oberhaut an Festigkeit, und ist an dem 
ganzen Hintertheile des Leibes hornartiger Natur. Jeder dieser Ringe wird an 
seinem Anfange von zwei nach oben gebogenen und allmälig verengten Wülsten 
umfasst, die sich in der Mitte am Vorderrande des Ringes treffen. An diesen 
Wülsten hängen die folgenden Fusspaare, und unter denselben liegen die Mus- 
keln, welche die Füsse tragen und bewegen. In der bezeichneten Figur sind 
diese Wülste nach einander dargestellt und man bemerkt, wie die Füsse mit ih- 
nen in Verbindung stehen. Nur der letzte Ring ist kleiner, und die an ihm ver- 
laufenden Wülste daher auch undeutlicher. 

Zwischen dem zweiten und dritten, oder bei einem anderen Individuum, 
zwischen dem ersten und zweiten Fusse der linken Seite drängt sich der lange 
Schwanz (g.) hindurch, und biegt sich mit seiner Spitze nach unten, so dass er 
schon den Anfang eines spiraligen Aufrollens bildet. 

Die Mundtheile, deren natürliche Lage sich aus der in Fig. 13. gegebenen 
Seitenansicht entnehmen lässt, bestehen aus denselben Stücken wie bei Lepas. 
Von vorn betrachtet (Fig. 6.), überkleidet den dicken ungleichen Fortsatz eine 
hornige Haut, welche durch Furchen in mehrere gewölbte Felder gelheilt ist. Be- 
sonders liegen drei deutliche Felder am Ausseurande, uud neben dem Basalfelde 
ein kleineres nierenförmiges nach innen zu. Unter allen diesen Feldern liegen 



4« 

Muskeln, daher i«h sie, wie bei den Kerfen, durch das Ansetzen von Muskeln 
mir entstanden denke. An der Inneuecke des oberen, an der Aussenecke des 
ganzen Fortsatzes befindlichen, Feldes gelenken zwei bewegliche Anhänge (a. a.)» 
die nach innen zu gegen die Oeffhung des Mundes gerichtet sind, und diese von 
vorn bedecken. Es sind ein Paar dünner weicher Platten, deren gegen einander 
gerichtete abgerundete Enden mit Borsten dicht besetzt sind. Ich liabe bei Lepas 
ähnliche Fortsätze beschrieben und schon dort bemerkt , dass sie keine Taster 
sein können, da sie an der äusseren Bedeckujig des die Mundtheile einhüllenden 
Fortsatzes sitzen. In dem Fortsatz finden sich eingeschlossen ein Paar Oberkie-^ 
fer, ein Paar Unterkiefer und die Unterlippe. 

Die Oberkiefer (Fig. 7.) bestehen, wei bei Lepas, aus zwei Gliedern, de-» 
ren Gelenkung gegen einander aber undeutlicher ist. Das Grundglied liegt mit sei^ 
ner breiteren Aussenkaute neben dem nach hinten umgescldagenen freien Rande 
der den Mundtheilenfortsatz einhüllenden Decke, und an die Innenseite setzen sich 
Muskeln, welche das Grundglied mit eben dieser Decke verbinden und die bukel-^ 
förmigen Seitenfelder der Aorderen Seile CEig- ß-) erfüllen. Das zweite Glied 
ist ganz frei, bildet eine beilfonnig gestaltete Platte und ist an dem naeh vorn 
gerichteten Rande in vier grössere Zähne getheilt, Avelche Zähne noch je zwei 
und zwei, mit Ausnahme der beiden ersten, einen kleineren Zahn zwischen sich 
haben. 

Die Unterkiefer (Fig. 8.) sind viel kleiner, als bei Lepas, und haben mit 
dem Oberkiefer ziemlich gleiche Bildung. Das Grundglied liegt zwischen jenem 
des Oberkiefers und der Unterlippe, und hängt mit beiden durch Muskeln zusam- 
men, das Endglied ist sehr klein, flach, hat an der Aussenecke einen langen Zahn 
und an dem Rande darunter eine Reihe kürzer werdender steifer Borsten. Die 
Unterlippe (Fig. 9.) weicht von der bei Lepas ab. Sie besteht aus zwei neben 
einanderliegenden Lappen, die von einer dünnen Hornhaut bekleidet und am Rande 
mit Borsten besetzt sind; am Grunde hängen sie zusammen und bilden hier einen 
Fortsatz, welcher nach vorn hervorragt und sich zwischen die Grundglieder der 
Kiefer hineinschiebt. Dadurch wird der Eingang in den Schlund sehr verengt. 



41 

obwohl die Mundliöhle, wie auch bei Lepas, einen zicinliclien Umfang hat. Ue- 
hrigens ist die Unterlippe so lang, dass sie über alle anderen .Mundlheile hinaus- 
ragt, und selbst bei der Betrachtung des Mundfortsatzes von vorn erkannt wird. 
(Fig. 6. b. b._) 

Die Anzahl der Kankenfüsse ist dieselbe, wie bei Lepas, doch unterschei- 
den sie sich von denen dieser Gattung bedeutend durch geringere Grösse. Jeder 
Fuss des ersten Paares (der linke ist in Fig. II. von der inneren Seite darge- 
stellt) sitzt dicht neben dem Mundfortsatz an dem grossten ersten Gliede des Kör- 
pers. Man bemerkt an demselben ein sehr kleines Basalglied, oder vielmehr eine 
Art von Fortsatz, der mit dem Körper in Verbindung steht (a.): dann folgt das 
sehr grosse Grundglied (b.), welches breiter anfangt, sich gegen das Ende etwas 
verschmälert, und an dem nach hinten gerichteten Rande viele sehr gedrängt ste- 
hende feine Borsten trägt. Von der Mitte dieses Gliedes entspringt an der In- 
nenseite ein Fortsatz, welcher sich nach vorn biegt, und die vordere der beiden 
Ranken trägt; sie (c) ist die längere, aber die schmälere, hat eine lancettförmige 
Gestalt, massige Dicke und mehr Glieder, als die liintere. Jedes Glied trägt an 
seinem nach aussen gebogenen Rande einen Büschel feiner Dornen. Die hintere 
Ranke ist kürzer als die vordere, aber breiter und S-förmig nach liintcn gebo- 
gen. Ihrem Baue nach stimmt sie mit der vorigen überein, nur ist das Grundglied 
grösser als bei jener, und die Anzahl der Glieder geringer. 

Die übrigen Füsse haben unter sich einen ganz gleichen Bau, und nehmen 
nur von vorn nach hinten an Grösse zu; ich habe in Fig. 11. den linken Fuss 
des vorletzten fünften Paares von der Aussenseite dargestellt; man bemerkt das 
grosse Grundglied a., und das dann folgende kleinere (ilied b., an welchem beide 
Ranken hängen. Jede besteht aus einer grossen Anzahl (etwa 30) kurzer, allmäiig 
schraäler werdender Glieder, deren nach vorn gerichtete Seite in einem abgerun- 
deten Fortsatz hervortritt, welcher Fortsatz mit einem Büschel steifer kurzer Dor- 
nen bewehrt ist. An der Aussenseite, welche nach hinten gerichtet ist, trägt 
jedes Glied, etwa von der Miüe der Ranke an, einen ziemlich steifen vorwärts 
gerichteleu Dorn. 

6 



48 

Der vSchwanz fFig. 10. g. und Fig. 13.) bildet einen unmitielbaren Fortsatz des 
letzten Gliedes, der zwischen den Grundgliedern des letzten Fusspaares entspringt. 
Er ist hier ganz straflF und prall, nicht mit Haaren besetzt, wie bei Lepas, aber 
doch, wie jener, durch Einschnürungen in viele kleine Ringe getheilt. An Länge 
übertrifTt er den bei Lepas, auch liegt er nicht ZAvischen den Füssen versteckt, 
sondern tritt zwischen dem ersten und zweiten, oder diesem und dem dritten Fuss an 
der linken Seite hervor, so dass das Ende frei zwischen dem Korper und der 
Kieme hängt. 

Der innere Bau, dessen Darstellung ich mir bei der Untersuchung von 
Coronula zur Hauptaufgabe gestellt hatte, ist im Ganzen sehr einfach, und stimmt 
mit der von Lepas rifrea Lam. gegebenen Darstellung überein. Entfernt man 
die äusseren Bedeckungen des Körpers, so stösst man auf eine dünne Haut, an 
welcher die in vielfacher Richtung sich begegnenden Muskeln zur Bewegung der 
Füsse befestigt sind, und denuiäclist auf den Darm. Nach Cuvier müsste zu- 
nächst das Herz folgen, allein ich habe ein solches Organ nicht bemerkt, zweifle 
indess keinen Augenblick an seinem Vorbandensein, vielmehr schreibe ich es 
dem laugen Aufenthalt im Weingeist zu, dass dieses zarte Organ mir entgangen 
ist. Der Nahrungskanal (Taf. H. Fig. 1.3. a. b.) nimmt den Haupttheil der inne- 
ren Körperhühle ein. Er steigt als dünner Schlund in gerader Richtung vom 
Munde herauf, biegt sich mein- nach vorn liiu, gegen das dicke Ende des Kör- 
pers, und erweitert sich hier in einen grossen sackförmigen Magen (a. a.). An 
dem vorderen aufsteigenden Rande desselben liegen die von Cuvier als Speichel- 
drüsen beschriebenen Organe (c). Es sind ein Paar dicke, körnige Massen, von 
welchen jede wieder aus zwei Lappen besteht, und die sich sogleich in den Ma- 
gen vorn vor dem Mageumunde mit mehreren Ausgängen, die in zwei gemein- 
schaftliche Holden münden, öffnen (Fig. 14. d.). Hinter dem Magen zieht sich 
der Nahrungskanal beträchtlich zusammen, erweitert sich indess bald wieder, und 
läuft nun als Darm bis zur Spitze des Leibes fort, wo er sich in den After öff- 
net. Der Darm ist anfangs ziendich weit, nimmt aber allmälig an Umfang ab, 
und erscheint äusserlich durch Einschnürungen geringelt. — Bei der Untersuchung 



43 

des innereu Baues fand ich zwei deutlich getreniUe Haullageu, die iuuersle war 
sehr fein uud zart, ohne besondere Struktur; die äussere zeigte einen festeren 
Bau uud deutliche Muskelstreifen, sowohl der Länge als auch der Quere nach in 
Schichten über einander, doch zeichneten sich einzelne Liingsbündel ganz beson- 
ders aus. Unterschiede im Bau des Nahrungskanals ai» seineu verschiedenen Ab- 
schnitten habe ich nicht bemerkt. 

Den Raum neben dem Nahrungskaual füllte, wie bei Lepiis vitrea, ein 
Organ (Taf. II. Fig. 13. d. d.J aus, das jedoch von jenem in seiner Form etwas 
verschieden war. Es erschien mir als ein grosser häutiger Sack, welcher, wie 
die Kiemen, in viele kleine und mehrere grösseren Falten gelegt war, um neben 
dem Darm Platz z.u finden. Alle Falten gingen von unten nach oben, und bilde- 
ten Linien auf der äusseren Fläche. Dieser Sack zog sich gegen den Darm hin 
zusammeu, und mündete hier neben und liber dem jMagenmunde in den Magen 
(Fig. 14. e.j. Die innere Höhle, welche wegen der vielen Falten nur sehr un- 
bedeutend ist, war mit einer braunen Materie, die wie geronnene Flüssigkeit aus- 
sah, angefüllt, uud die Haut, welche den Sack bildete, hatte ein ziemlich dickes 
und dabei lockeres, nicht gestreiftes oder gefasertes Ansehen. Dass dieses Organ 
ebenfalls ein Absouderungsorgan , also Leber sei, leidet keinen Zweifel Bei der 
innereu Untersuchung des Darmes bemerkt man die grosse weite Mündung (Fig. 
14. e.J, mit welcher es sich in den Magen gerade über dem Schlünde ergiesst. 
und sieht hinter dieser Mündung die vielen Falten, in welclie die sackförmige Höhle 
gelegt ist. Zum Theil liinter, z. Th. neben demselben bemerkte ich ein weisses 
geschlängelt es Gefäss (Fig. 13. e. e.J, welches sich in vielfachen Windungen am Darm 
hinab zog, und dann in den Schwanz eindrang. Auf jeder Seite des Darms lag 
ein solches, und beide drangen zugleich in den Schwanz ein. Bald naclidem sie 
hl denselben eingedruügen sind, vereinigen sie sich zu einem gemeinsamen Gange, 
der den ganzen Schwanz bis zur Spitze durchläuft , und erst dort sich öffnet. 
Ausser diesem Gefass glaube ich am vorderen Theil des drüsigen Organes zwi- 
schen ihm und dem Darm ein verzweigtes, ästiges viel feineres Gefäss bemerkt 
zu haben, das theils am Mügen. theils am drüsigen Oi-gan mit seinen Zweigen 

G '■■■ 



44 

sich verbreifet, und, nach Cuvier, in das gcsclJängelte Seitengefäss übergehen 
soll. Cuvier, der dieselben Organe bei Lepas anatifera fand, hält das drüsige 
Organ für den Eierstock, das ästige Gefäss für Eiergang, und das einfache ge- 
scliläugelte Gefäss für den Hoden, durch welchen zugleich die Eier gelegt wür- 
den. Dass jenes Organ kein Eierstock sein kann, beweist meine Beobachtung, 
dass derselbe von Jugend auf ausserhalb des Thieres im Inneren der Schale vor- 
handen ist, so wie der Umstand, dass sich dieses Organ in den Darm öffnet, und 
daher halte ich jenes drüsige Organ für die Leber. Das ästige Gefäss habe ich 
nicht deutlich genug gesehen, um behaupten zu können, dass es in den dickeren 
Kanal überginge, es schien bloss aus unregeluiässigen Fäden des Zellgewebes, wel- 
ches zwischen Leber und Darm sich etwas ansammelt, und mit dem Fettkörper der 
Kerfe übereiidiommt, zu bestehen. Das einfach geschlängelte Gefäss kann nun 
nichts anderes sein als der Ilode, eine Ansicht, die alle Analogie für sich und 
keinen Grund gegen sich hat; und der schwanzförmige Anhang wäre im wahren 
Sinne ein Penis. 

Unter dem Darm liegt dann eine dicke Muskelschicht, welche zur Bewe- 
gung der Rankenfüsse dient, und vom Zellgewebe leicht eingehüllt wird. In der 
Mitte desselben verläuft das knotige Nervensystem, das Cuvier schon ausführlich 
besclu"ieben hat, daher ich es hier übergehe. 

Die innere Holde des Schwanzes wird, wie der untere Theil des Kör- 
pers, von einem dichten Parenchym angefüllt, welches den Umfang nach aussen 
als eine sehr dichte Schicht, die auch Muskelfasern enthält, Avie ich deutlich ge- 
sehen habe, umgicbt, den mittleren Raum dagegen, als ein lockeres, zelliges Ge- 
füge, ziemlich ausfüllt, bis auf eine freie kanalartige Höhle im Inneren. Dieser 
Kanal hat indess keine eigene Wand, kann mithin kein Gefäss oder sclbstständi- 
ges Gebilde sein; wozu er dient, weiss Ich niclit, vielleicht um eine Art von 
Erektion hervor zubringen, wenn Flüssigkeiten von der Körperhöhle aus in diese 
Höhle treten. Der Durclischnitt (Fig. 18.) zeigt bei a. den gemeinsamen Aus- 
gang der beiden geschlängelten Gefässe, bei b. den mittleren freien Kanal, bei c. 
das lockere und bei d. das dichtere Parencliym im Inneren des Schwanzes. 



45 

Eine Hauptfrage bleibt nocli zu beantworten, nelunlich die: sind die Cirri- 
pedien Zwitter, oder sind sie getrennten Geschlechtes? — Für die letzte Ansicht 
spricht, dass in so vielen Individuen von Jugend auf der Eierstock fehlt, wäh- 
rend alle diese einen schwanzlörniigeu Anhang, den Penis, besitzen, also auch 
männlichen Geschlechtes sein müssen; für die erstere Meinung, zu welcher ich 
mich bekenne, spricht indess ziemlich entscheidend der Umstand, dass ich bei den 
Individuen, die Eierlappen besassen, ebenfalls den schwanzforniigen Anhang be- 
obachtete, woraus folgt, dass auch ihnen männliche Organe zukommen. Deshalb 
halte ich alle Cirripedien für Zwitter und glaube, dass man bei Ausgewachsenen 
so häufig keinen Eierstock finde, weil sie die Eier schon gelegt haben, dass er 
bei jungen Individuen aber theils noch zu sehr zurück sei in der Ausbildung, um 
erkannt werden zu können, theils aber auch häufig verkümmere, gar nicht ent- 
wickelt werde, und deslialb ganz fehle. 

Ofion C UV ier l. 

Auch von dieser Gattung habe ich die Anatomie gemacht, und bei ihr 
ganz denselben ßau, wie bei den anderen, gefunden. Der fast knorpelige Stiel 
ist von der bröckeligen Materie überall angefüllt, und das Tlüer steckt, abgeson- 
dert von der Höhle des Stieles, frei in der oberen Erweiterung desselben, nur 
an den früher bezeichneten Stellen befestigt. In dieses erweiterte Oberende füh- 
ren die beiden ohrartigen gefalteten Röliren hinein, und mögen, wie man die Ver- 
mulhung schon aufgestellt hat, dazu dienen, das AVasser ins Innere der Holde 
zu führen. Das Tliier hat den Bau, wie das von Coronula, aber die Kiemen 
sind lange drehrunde grade Zipfel, welche den Leib von beiden Seiten umfassen. 
Sechs Paare habe ich bemerkt; das erste sitzt in dem Winkel neben dem Muiid- 
forlsatz, die folgenden fünf stehen mit den Hüftgliedern der gleichnamigen Raii- 
kenfüsse in Verbindung, aber das letzte Fusspaar hat keine Kiemen. Der innere 
Bau ist ganz wie bei Coro/iula, nur dass der leberartige Körper aus vielen klei- 
nen unter sich an Grösse verschiedenen meist nierenförmigeu ürüsenbälgeu {Aci- 
tiis^ besteht. Zwischen dieser Leber und dem Darm verbreitet sich jederseKs 



4ü • 

der hier «ehr weite gewundene Kanal, welcher gerade so liegt, wie ihn Cuvier 
hei Lepas anatifera abgebildet hat; er ist sehr prall und inwendig mit einer 
dicken geronnenen Flüssigkeit angefüllt. Beide dringen in den Schwanz ein, blei- 
ben aber bis zur Spitze desselben getrennt. Der Durchschnitt des Schwanzes in 
Fig. 17. CTaf. n.) zeigt auch die Durchschnitte der beiden Gefässe (a. a.), mit 
der geronneneu Materie in ihrem Inneren. Umgeben werden die Ausgänge von einem 
lockeren zelligeu Parenchym, in welchem, neben den Gefässen, zwei hohle Mit- 
telräume (c. c.) frei bleiben. Den Umfang des Schwanzes bildet auch hier eine 
dichtere, von Muskelfasern unterstützte, Schicht (ß.. d.j, welche von der zarteu, 
quergeriugelten Oberhaut umgeben ist. Auf derselben stehen in Reihen Büschel 
kurzer und steifer Borsten. — 

Die Eier fand ich bei dieser Art noch in der Entwickelung begriffen, und 
zwar in dem lockeren parenchymatösen Gebilde, welches den unteren Raum der 
knorpeligen Hülle vor dem Eingange in den Stiel erfüllte. Es erschien dies Par- 
enchym unter 90-maliger Vergrösserung als aus vielen kleineu , gleich grosseu 
grauen oder violettbräunlichen Kügelchen zusammengesetzt, welche letztere strah- 
lige Figuren in der sonst einfachen graugelben Substairz, bildeten. Zwischen den 
Körnern dieses Parenchyms lagen ziemlich regelmässig grössere, in der bezeich- 
neten Vergrösserung massigen Stecknadelknöpfen gleichkommende, gelbe Körper, 
die ich für die Eier halten muss. Bei noch stärkerer Vergrösserung zeigte sich 
nichts, als eine gelbe Materie in ihrem Inneren. Uebrigens ist das Parenchym. in 
welchem die Eier liegen, von dem im Inneren des Stieles vollkommen verschieden; 
auch enthält letzteres keine Eier. Nur am Anfange des Stieles verbreitet sich 
noch das lockere, die Eierkeime enthaltende, Parenchym über die Oberfläche des 
im Inneren des Stieles befindlichen festeren faserigen Parenchyms. Jenes aber 
stimmt im Bau mit dem Parenchym überein, das sich in dem Sack befindet, wel- 
cher oben in der vierten Entwickelungsperiode als Aidage des Stieles beschrieben 
wurde : daiier mögen auch in diesem sciipn selu- kleine Eierkeime vorhanden 
sein. — 



47 



ni. 

ßetrachtiingcii über die natürliche Verwandtschaft der 

Cirripedien. 

xIlus den so eben niitgetheilten Beobachtungen wird jeder Unbefangene das Re- 
sultat ziehen müssen, dass an eine Vereinigung der Cirripedien mit den Mol- 
lusken nicht mehr gedacht werden kOnne, wir setzen daher diese Ansicht als 
allgemeine voraus, olnie uns noch ferner über die Nothwendigkeit derselben zu 
verbreiten. Schwieriger iind vernickelter scheint die Beantwortung einer ande- 
ren Frage: ob die Cirripedien einer schon bestehenden Thierklasse beizuzälüen 
seien? oder ob sie fernerhin als eigene Klasse angesehen werden nnissen? — 
Erörtern w^ir zunächst die Meinung Lamarks und Blainvilles, welche beide 
die Cirripedien als verbindendes Mittelglied zwischen den Mollusken und 
Annulaten betrachten, so fragt es sich, welche Gründe diese Ansicht unter- 
stützen? — Der Hauptgrund für die Verwandtschaft mit den Mollusken lag und liegt 
im Bau der Schale, welche in manchen Stücken der bei den Muscheln (Bival- 
ven^ ähnlich ist; allein der durchgreifende Unterschied fällt auch hier auf. Er- 
stens ist die Scliale niemals z^veiklappig, sondern sie besteht aus mehreren 
Stücken, die oft, wie bei den Balanen, nicht mal klappenartig gestellt sind. Dann 
fehlt selbst in dem Falle, avo die Schalen zweiklappig erscheinen, die analoge 
Verbindung des Tlüeres mit der Schale. Diese hat an einer ganz abweichenden 
Stelle statt, und ist weit lockerer, als bei den Muscheln; auch fehlt das Band, 
lind seine Gegend wird von einer eigenen Schale verdockt. Endlich haben wir 
gesehen, dass die Schale ein selbstständiges Produkt sei. was ziemlich unabhän- 
gig vom Thier sich entwickelt, und dass eine blosse Duplicatur der äusseren 
Haut des Thieres die Stoffe absondere, aus welchen die Schale sicli bildet und 



■ 48 

vergrössert. J)}es Ist bei den !ilu.sclieln nicht der Fall, indem dasselbe Organ, 
welcFies den Leib der Muschel einhülU und schützt, aucli die Schale hervorbringt; 
aber diese Iiat keine eigene lebendige Epidermis, sondern ist inwendig gar nicht, 
auswendig nur von einer dünnen Hornschicht bedeckt. Hiernach ist die Aehnlich- 
keit der Cirripedienscliale mit jener der Mollusken eine» bloss formelle, ohne an- 
derweitige Beziehungen. Fällt aber die Uebereinstimmung im Bau und der Natur 
der Schale weg, so schwindet damit die Verwandtschaft mit den Mollusken eben- 
falls, denn die Bewohner zeigen gar keine Aehnlichkeiten. FVeilich haben fast alle 
früheren Schriftsteller von einem Mantel bei den Cirripedien so gut wie bei den 
Mollusken gesprochen, allein dass ein solches, dem Mantel der Mollusken ver- 
gleichbares, Organ bei den Cirripedien nicht vorhanden sei, wird Jeder zugeste- 
hen, welcher uns in der Darstellung der Entwickelungsgeschichte gefolgt ist. Der 
so genannte Mantel der Cirripedien ist nichts anderes, als die Oberhaut, welche 
die Schale auf beiden Seiten bekleidet, eine Epidermis, die bei allen Krustaceen 
vorkoumit, und wesentlich mit zur Regneration der Schale beiträgt. So wie sich 
bei den Krebsen unter der alten Schale eine neue bildet, die nach und nach er- 
härtet und fester wird, und ebenfalls äusserlich von der Epidermis einen Ueber- 
zug bekommt, so findet etwas Aehnliches bei den Cirripedien Statt. Freilich wird 
die Schale nicht abgeworfen, sondern sie vergrossest sich nur allraälig durch An- 
legung der neuen Schicht an die inneren Seite der alten, und die neue Lamelle 
wächst dann über den Rand der alten hinaus, Avie es die Grösse des Thieres 
erfordert. Dadurch wird die frühere Schale zugleich verdickt, und in dem Masse, 
wie sie au Umfang zunimmt, die äussere Epidennis auf der Fläche abgerieben, so 
dass also die Schale zwar ausserhalb, niemals aber innerhalb, nackt erscheint. Nur 
an den Stellen, wo die Epidermis der Schale eine eigenthümliche Entwickelung 
ergreift, bleibt sie äusserlich, und bildet sich zugleich mit der Schale fort; und 
dies ist namentlich an dem Punkte der Fall, wo die Schale an dem Gegenstande, 
der sie trägt, haftet. So wird aus dieser äusseren Epidermis eines Theils der 
Stiel bei den Lepaden. andern Theils die Unterlage der Schale bei den Balanen, 
und die Hau), in welclu^r die Deckelstncke liegen. Bei den Lepaden nimmt sogar 



49 

die innere Epidermis der Scliale Anllieil, und bildet den Sack, welcher mit seiner 
körnigen Masse die innere Höhle des Stiels erfüllt, bei den Balanen dagegen 
dringt die innere Epidermis in die Holden der Schale ein, dieselbe Masse ihr un- 
mittelbar zuführend. — Ich glaube somit dargethan zu haben , dass die Verwandt- 
schaft mit den Mollusken nur oberflächlich sei, und dass eine gewisse analoge 
Form ihrer Schale nicht hindern können, die Cirripedieu mit einer anderen Thier- 
gruppe, welcher sie in den Organisationsverhältnissen gleichen, unmittelbar zu ver- 
binden. 

Eine solche Thiergruppe ist die der Krustaceen. Betrachten wir ver- 
gleichuugs weise alle Organe nach einander, so giebt es, mit Ausnahme der des 
Gescldechtssystemes, kein einziges, welches genügende Einwürfe gegen eine Ver- 
eiiiigung liefern könnte. V^on der Schale und deren Analogie mit der Kalkhülle 
der Krebse ist schon gesprochen, kommen wir also zu dem Körper des Thieres 
selbst. Was zunächst den jugendlichen Zustand betrifft, so stimmt dieser voll- 
kommen mit der ersten Entwickelungsstufe der Lernäen und Lophyropoden. 
Nach v. Nordmanns Beobachtungen'"') sind die Jungen aller von ihm in diesem 
Zustande bemerkten Lernäen anfangs mit zwei oder drei Paaren zum Schwim- 
men tauglicher Füsse versehen, spitzen sich nach hinten in einen Schwanz zu, 
und besitzen ein Auge. Hierin zeigt sich die Uebereinstinuiuing mit dem aus dem 
Ei geschlüpften Jungen der Lepaden, welches sich von einem jungen Enjasilus 
(a. a. 0. Taf. H. Fig. 7.) nur dadurch unterscheidet, dass es die mit Klainmer- 
hacken versehenen Fühler besitzt, welche diesem fehlen. Icli habe freilich bei 
den ganz jungen Lepaden noch kein Auge bemerken können, glaube indess, dass 
dasselbe durch Auflösen des Pigments im Weingeist unsichtbar geworden sei, we- 
nigstens ist mir bei einigen Lernäen diese Erscheinung vorgekommen. Verglei- 
chen wir dann ferner den Bau der Lophyropoden, so hat schon Jurine durch 
Beobachtungen an Daphnia und Cyclops nachgewiesen, dass deren Junge als 
rundliche, schalenlose, mit drei Schwimmfusspaaren versehene, geäugelte Indivi- 



•) Jlikiosrapbisthe Beitrüge. 2. Heft. Berlin, 1882. 4. 



50 

dueu gebolireii werden, und erst nach und nach durch verschiedene Umgestaltun- 
gen ihre spütere Form anneJnuen. Sonach stimmt also die Form des Jungen mit 
der bei den jungen Krustaceen der untersten Abtheilungen überein. Gehen wir 
dann zur folgenden Entwickelungsstufe über, und vergleichen dieselbe mit den 
Gattungen üaphia, Lj/nceus, Polyphemus und Cj/pris, so wüsste ich nirgends 
eine melir überraschende Aelnilichkeit bei verwandten Thiergruppen zu finden. 
Die genannten Gattungen sind von einer hornigen bald zweildappigen (^Cypris), 
bald geschlossenen Schale bedeckt, haben alle ein grosses Auge gerade vorn am 
Körper, daliinter zunächst ein Paar ästiger oder einfacher mit Borsten besetzter 
Fühler, auf welche der kegelförmig hervorragende Mund folgt, dem sich, liiuter 
einem Ausschnitt des Körpers, die (3 — 5) gespaltenen oder mit langen Schwimm- 
borsten besetzten Fusspaare anschliessen. Das Ende des Körpers bildet dann ein 
kurzer, oft gabelförmiger, Schwanz. Dieselben Formen und Organe zeigen die 
jungen Lepaden in der dritten Entwickelungsstufe, so dass auch in dieser Periode 
ihres Lebens die nächste Verwandtschaft mit den genannten Gattungen nicht ge- 
läugnet werden kann. — 

Von dem Augenblick ati, wo die Lepade sich festsetzt, bestinnut sie die 
Natur zu einem Dasein eigenthümlicher Art, und ändert somit auch ihre Gestalt 
ab, welche sich gleiclifalls zu einer höchst eigenthümlichen umformt. Niclits desto 
weniger felden auch den ausgebildeten Rankenfüssern keinesweges manigfaltige 
Uebereinstimnumgen mit den Krustaceen. Was das Festsetzen betrifft, so sind 
diesem die meisten Lernäen unterworfen, und erleiden dadurch ähnliche Umge- 
staltungen, in so fern auch ihnen die Organe, welche für die freie Bevvegliclikeit 
bestimmt waren, von der Zeit des Festsetzens an verlohren gehen *). Dann bietet 
sich in der Lage des Eierstocks im Inneren der Schale ausserhalb des Körpers 
eine grosse Aehnlichkeit mit Daphnia dar; denn auch bei dieser Gattung liegt 
nach Straussens Beobachtung dasselbe Organ abgesondert vom Körper in einem 
liefen Aussciniift des Rückens zwischen ihm und der Schale. Sehen wir dem- 



*) Man ver"li'iiLc hierüber v. ]No rü man ns anRcfülirle Sdirifl S. 56 u fluide. 



51 

nächst auf den Bau des Mundes, so zeigt uns dieser, Avenigstens in seiner An- 
lage, eine grosse Uebereinstinunung mit dem der Pliyllopoden C^pits, Lepidurus). 
Wir wissen aus Savignys Untersuchungen an Apus cancri/hnuis ■^), mit wel- 
chen meine eigenen, an Lepidurus productus angestellten, übereinstinuiien, dass das 
Maul dieser TJjiere von einer grossen, dünnen hornigen Oberlippe bedeckt M-ird 
unter welcher drei Paare von Kiefern liegen, die ziemliche Aehnlichkeit jnit de- 
nen von Lepas zeigen. Bei jenen Gattungen ist das erste und zweite Paar hor- 
nig und am Rande mit grossen Zähnen bewaffnet, doch niemals mit Tastern ver- 
sehen, ebenso bei Lepas und Coronuta; das dritte Paar, die Unterlippe, welche 
Savigny das erste Kaufusspaar genannt hat, besteht jederseits aus zwei Lappen, 
einem äusseren tasterförnngen und einem inneren, häutigen, am Rande mit Borsten 
besetzten, der von mir bei Coroliula dladema dargestellten Unterlippe nicht un- 
äluilich, nur das hier der äussere, tasterfürmige xinhang felilt; dagegen ist die 
Unterlippe von Lepas jederseits in zwei Lappen gespalten. Auch die Lage der 
Kiemen bat eine Uebereinstimmung mit der Krustaceenbildung, inniier hängen sie 
mit den Füssen zusammen, und folgen bei vielen Familien (den Pliyllopoden, De- 
kapoden und Amphipoden) gleich hinter dem Munde, an den ersten Ringen des 
Körpers. — Konuiien wir dann zu den Füssen selbst, so ist die Spaltung jedes 
Fusses in zwei gleiche Ilälften bei allen niederen Krustaceen Gruppen Gesetz. 
Schon bei den schmarotzenden Gattungen der Caliginen beginnt sie, wenn gleich 
die Füsse noch klein und mehr blattförmig sind, erscheint deutlicher bei Arqulus, 
bleibt bei den Lophyropoden (^Limnadia) und Pliyllopoden ^Apus), (rill 
dann noch in der Gruppe der langschwänzigen Dekapoden bei den Schizopo- 
den i^M^sis} auf, von welchen, wie früher erwähnt worden, schon Thompson 
in seinen zoological researches nachgewiesen hat, dass auch sie einer merkwür- 
digen Melamorphose unterliegen, und hat endlich bei den Stomatopoden {^Phyl- 
losoma. Erkliihus^ nicht unbedeutende Anklänge. Sonach lässt sich an dci- 



*) Me'moires siir les animaux Sans vertibres. J^uL I. 



52 

Verwandlscliaft der Cirripedieu mit den Krustaceen, was die äussere Form be- 
trifft, nicht mehr zweifeln. — 

Auch der inneren Organe Uebereinstiinmung lehren Cuvlers und meine 
Beobachtungen. Der einfiiclie, gleicli anfangs in einen grossen Magen erweiterte 
und hier mit zuführenden Absonderungsorganen versehene Nahrungskanal, welcher 
ungewunden den ganzen Leib bis zur Spitze durchläuft, hat mehr Aehnlichkeit 
mit dem Bau ber Krustaceen, als der Mollusken, welchen letzteren immer ein den 
Körper an Länge übertreffender gewundener Darm eigen ist. Das Nervensystem 
stimmt ebenfalls mit dem Typus der Gliedertliiere, und hat so viel Knoten, als 
der Leib Ringe; nicht weniger der Bau der Muskeln, die aus geraden, parallel 
neben einander liegenden, gleich langen Fleischfasern bestehen. Das Geschleehts- 
system endlich scheint sich nicht unter das bei den Krustaceen waltende Gesetz 
fügen zu Avollen, indem es durch jneine Beobachtungen mehr als wahrscheinlich 
wird, dass die Cirripedieu Zwitter sind; ein Gescidechtsverhältniss, welches mei- 
nes Wissens bei den Krustaceen noch gar nicht beobachtet wurde, wiewohl es 
bei den Rundwürmern das ziemlich allgemein herrscJiende ist. Dann muss auch 
die Erscheinung, dass der lange freie Penis am Ende des Körpers liegt, und 
nicht, wie bei den übrigen Krustaceen, am Ende des Brustkastens, die Aufmerk- 
samkeit der Beobachter erregen. Hiergegen lässt sich indess einwenden, dass 
den Cirripedien höchst wahrscheinlich der ganze Leibesabschnitt, welchen man 
bei Krebsen Schwanz genannt hat, da er doch schicklicher den Namen Hin- 
terleib (ahdomeit) oder Bauchtheil verdient, fehle, und dass also, dies zuge- 
geben, After und Gesclilechtsöffnung an demselben Ringe des Körpers sicli befin- 
den müssen. Bei manchen Gattungen der Lemodipoden {Cyamus) fehlt der 
Schwanz ebenfalls, und daher liegt auch bei diesen die Geschlechtsöffnung am 
Hinterende '■•') des Körpers. So wäre denn selbst dieses anomale Verhällniss der 



•) G. R. Treviranns, wclrher den Cyamus ceti aiialomisfb iinlersurhte, fand nnr den Ausgang 
der ni.'innliclien Zengiingsori^ane an dieser Stelle, den der weiblichen konnte er oiclit entdecken. 
Vergl. Vermiscblo Schriften etc. Bd. 2. S. 9. Taf. 1. Fig. 1. d. n. Fig. 7. 



53 

Cirripedieii keiuesweges olme Anklänge bei den Crustaceen und liierinit zugleich 
die Kiassenverwandtschaft jener mit diesen hinlänglich dargethan. 

Um demnächst noch über die Stellung der Cirripedien in der Klasse der 
Krustaceen mich in wenigen Worten zu verbreiten, so ist so viel aus den frühe- 
ren Mittheilungen schon klar, dass sie, wenngleich nicht ohne Aehnlicldieit mit 
vielen oder den meisten Gruppen, doch den Lophyropoden vor allen sehr nahe 
stehen. Die merkwürdige Form des jungen Thieres in der dritten und vierten 
Entwickelungsstufe spricht zu laut für die Verwandtschaft beider Gruppen, als 
dass sich gegen diese Stellung Ei-Jiebliclies einwenden Hesse. Freilich entfernt 
sie die Gestalt des vollendeten Thieres wieder, welches sich besonders durch die 
Form der Füsse den Schizopoden anscldiesst, allein diese ist auch die einzige 
Aehnlicldieit, und der Bau des ganzen Körpers weicht ab. Dagegen sind die 
Cirripedien durch den Bau des Mundes sehr eng mit den Phyllopoden, be- 
sonders mit Lepidurus, verbunden, und würden auf diese Weise als ein verbin- 
dendes Mittelglied zwischen den Lophyropoden und Phyllopoden zu betrach- 
ten seien; oder will man den hübschen Uebergang beider Gruppen in einander 
{^Cyclops und Branchipus') durch Dazwischenscliieben der Cirripedien nicht tren- 
nen, so würde ich vorschlagen, sie zwischen die Phyllopoden und Poekilo- 
poden (Xiphosuren} einzuschalten, und sie auf diese Weise, besonders wegen 
der stärkeren Ausbildung der Kiefer, Füsse und Schale, als Zwischenglied zwi- 
schen diesen beiden Gruppen zu betrachten. Das Verhältniss, in welches die Cir- 
ripedien dadurch zu den übrigen Krustaceen treten, zeigt die nachstehende, tabel- 
larische Uebersicht der Hauptgruppen dieser Klasse, welche Gruppierung man zu- 
gleich als das Schema der Einthedung ansehe» kann, die ich für die schicklichste 
und natürlichste halte. 



64 

Klasse: Crustacea, Krebse. 
GliederUiiere, deren Leib aus mehr weniger ungleichen, von meistens 
verliärleler, horniger oder kalkiger Haut bedeckten, Ringen besteht. Sie athmen 
durch Kiemen, oder die Respirationsorgane felden. 

1. Ordn. Aspkhstraca. Schalenkrebse. Körper weich, 
oft bloss von Haut bedeckt, die meistens etwas verhornt ist, 
häufig ausserdem eine oder mehrere hornige oder kalkige Scha- 
len, die den Leib frei umgeben und einhüllen. Püsse alle oder 
/,um Theil gespalten und mit langen Borsten besetzt. Bestehen 
eine Metamorjjhose. 

1. Zunft. Parasita. Schmarotzerkrebse. Maul oboe Kiefer, oder 
mehr weniger schnabelförmig Terliiiigert und dann mit einem oft ztisammen- 
s^esetzten Kiefer, und Tasterpaar versehen *). 

a. Keine Fühler und keine gegliederten Füsse ... . . 1. Faia. Penellina. 

h. Mit Fühlern und gegliederten Füssen. 

* Zwei Klaininerfiisspanre hinter dem Sclinabel, Schwiinmfüsse fehlend 

oder blosse Hautlappen . .2. Farn, Lemaeoda. 

** Hackige Klaminerfiisse hinter dem Schnabel von verschiedener Zaid, 
vier gegliederte Schwimmfusspaare 

a. Innere Fühler mehrglierlrig 3. Farn. Eigasilina. 

h. Innere Füliler zwei- (drei-?) gliedrig 4. Fain. Caligina, 

*** Zwei saugnapfartige Klnininerfüsse liiiiter und nel)en dem Schnabel. 5. Farn, yirgutina. 
2'. Zunft. Lophyropoda {Entomostraca Bliill'), Busch e ifüsser. 
Maul mit Kiefern. Ein Auge. Füsse mit Borsten besetzt, die Glieder rundlich 

a. Leih von gemeinsamer Schale bedeckt. 

* Vier einfache Fühler ......... 6. Farn. Ostraccda. 

** Zwei gabelige Fühler 7. Farn. Cladoeera. 

b. Leib gerigelt. Zwei (?) oder vier einfache Fühler, daseiue Paar sehr lang. 8. Fani. Cydopidae. 
3. Zunft. Phyllopoda. Blattfüsser. Zwei Augen. Drei Paare von 

3Tundthi.'iIeu ; viele Füsse mit breiten , biiutigeu bladartigcn Kiemen. 

* Leib gegliedert, ohue Schale 9. Farn. Cymnota. 

** Leib von einer grossen am Kopf festgewachsenen Schale bedeckt. 10. Farn. Aipidophora. 



') Man vergleiche über diese Familie meine Ahhaiilung \n:Nova acta physico-medica so». Caes. 
L-jop. (^nrol. nai. curios. f'^ol. XF^II. p. 1. 



55 

4. Zunft. Cirtipedia. Ranken füsser. Ohne Augeo und Fühler im 
aiisgewacbseoen Zustande. Drei Paare von Mundtheileo; sechs Paare viel- 
gliedriger ans zwei gleichen Rauken gebildeter Füsse. Zwitter. Stecken in 
einer kalkigen, aus mehreren Stücken gebildeten, Schale. 

• Scbale von einem hiiutigen Stiel getragen, oft selbst nur häutig. " 11. Farn, Lepadea, 
** Schale festsitzend, ohne sichtbaren Stiel- ... . . 12. Farn. Balanoda. 

5. Zunft. Poecilopoda. Stäche I füsser. Zwei Augen. Maul in der 
Mitte der sechs scherenförmigen Fnsspaare, deren mit Stacheln besetzte Hüften 
die Kiefer bilden. Kiemen am abgesonderten Hioterleibe. 

Zugleich die , ... 13. Farn. Xiphosura, 

II. Ordn. Thoracostraca (^j\I. podophthalma Leach.^. 
Aeclite Krebse. Mit gestielten Augen, deren Hornliaut fa- 
cettirt ist, Brustringe von gemeinschaftlicher Scliale bedeckt, 
welclie meistens noch mit dem Kopfschilde zusammenhängt. 

6. Zunft. Decapoda, Zehnfüsser. Ein Kepbalothorax. Füuf Paare 
«ccessorischer Mundtheile und füuf Fnsspaare mit Kiemen am Kephalolhorax. 

• iMit eiDgel)0genem Hiuterleibe ohne Flossen am Ende ... 14. Fain, Brachyura. 
•* 3Iit gerade ausgestrecktem Hinterleibe und Flossen am Ende . 15. Farn. Macrura. 

7. Zunft. Stomatopoda. Maulfüsser. Kopf getrennt yom Thorax. 
Drei Paare accessorischer Mundtheile; sieben Fusspaare. Kiemen am Hiii- 
terlcibe. 

Bildet zugleich die 16. Farn. Branchiura. 

III. Ordn. Arthrustraca {M. hedriophthalma Leach.). 
Ringelkrebse. Mit ungestielten Augen, freiem Kopf und 
gegliedertem Brustkasten. Drei Paare accessorischer Mund- 
theile und fünf oder sieben Fusspaare, im Jugendzustande ein 
weniger (ob bei allen?). ■^') 



•) Mehrere von mir im jugendlichen Zustande beobachlele Auiphipoden und Isopoden vcraiibissen 
mich zu dieser Behauptung, mit welcher Ptathkes Eeobachlungcu au ylsetlus nquaticiis und 
Oniscus murarius (Abhandlungen zur EutwicUeliingsgeschlclile des Menschen und ilci' Tbieri' cir. 
Thtil 1 u. 2. Leipzig, 1832 u. 33. 4.) übereiuslimmen. 



56 

8. Ziiuft. Amijhipoda. Flohkrebse. Kiemen «id der Brnst, an den 
Hüflglicdern der 6 hinteren Füsse befestigt; diese selbst Terscbiedcn gestallet. 

A. IMit eiocro Hiiiterleibe. 

• Sieben Fusspaare 17. Farn. Gammarina. 

•* Fünf Fusspaare 18. Farn. Typhina. 

h. Ohne Hinterleib . . , 19. Fam. Lemodipoda. 

9. Zunft. Isopoda. Asseln. Kiemen unter dem B.tttch *). Füsse von 
gleicher Bildung, sieben Paare. 

* Wasserbewoliner. 

a. Ohne Augen und Fühler 20, Fam. Epicaride$. 

h. Mit Augen und Fülilern 

t Hinterleib 4 — 6-gliedrig 21. Fam. Cymothoda. 

tf Hinterleib 2 — 3-gliedrig. 

" Kiemen nicht unter Klappen. 

Letztes Hinterleibsglied mit seitlichen Scliwimmblättern . 22. Fam, Sphaeromatoda. 
Letzter Hinterleihsabschnitt ohne seitliche Schwiuimblätter, 23. Fam, AselUna. 
®° Kiemen unter zwei nach aussen zuriickschlagbaren Klappen. 24. Fam. Idotoda. 
** Landbewoliner. 

Kiemen durchlöcherte Säcke; sechs Hinterleibsringe .... 25. Fam. Oniscoda. 



Naclideni ich so meine Leser in die Entwickelungsziistande und die nalürlicben Ver- 
wandtschaftsverhältnisse der Cirripedien eingeführt habe, Hegt es mir noch ob, vor dem 
Abschluss des Gegebeneu einen Irrtbum zu verbessern, auf den ich erst nachträglich während 
des Druckes, und zwar zu spät für die sofortige Verbesserung, aufmerksam gemacht worden 
bin. Es ist nehmlich die wahre Lepas anserifera Linn. viel grösser, als das beschriebene 
Individuum der fünften Eutwickelungsperiode, auch anders gestaltet, weshalb ich meine An- 
nahme, es sei jene Art nur das junge Tbier von Lepas vilrea Li am. und einerlei mit den von 
mir beschriebenen Formen, als uugegründet wieder zurücknehme. 



*) Der gewühnlifh als Untersrbcidungskeonzeichcn der Isopoden nnd Ampbipoden angegebene 
Charakter, dass diesen Tasler an dein ersten Rieferpaarc zukoiunien , welche jenen fehlen sollen, 
ist nach meinem Wahrnehmung unzureichend. Manche Aniphipoden (Orchestia) haben keine Ta- 
sler, manche Isopoden (Cirolana) besitzen sie; nur die Lage der Kiemen kann beide Grujipeu 
trennen. 



57 



r k I ä r 11 n ^' d c r K o p f e r I a f c 1 1 1. 



T a f e I 1. 

Fiit. 1. Die Km- in löO-inaü^pr Ycr^iiösscniii!;. (Liiii';irvi'i};iiissoiiiiiy; nach Anjialjo des Scliick- 
rislorsi'liPii Micrniiielcis Lri i'incr Scliwcilp von 8 ]\itisrr Liiiirii.) 

Fig. 2. Der aiis dem Ei {jciioimnciie Einliivo in 270-iiia!Igcr ViTiiiiisseiiinjr. a. n. die Fühler, 
li. Ii. die vorderen Fiisse, r. c. und d. d. die liiciteren Fiisse, e. S|iilze des Hinlerleilics. 

Fig. 3. Da« junge Tliier mit der Siiiale in 40-iiial!ger Ycigr(is.<*erniig. A. A. die Scliale, B. 
die Fühler, C. ein Tlieil des Tanglilatles , c. dasi Auge, d. der I\Iiin(ll'oilsalz , e. die l^i'isse. 

Fig. 4. Das ans der Schale genommene Tliier in 90-iualiger Vergrössernng. a. a. a. Oei- 
Iropfen niiler der Hau(, h. Füliierrcsl, c. Ange, d. ]\Ianlloilsalz , e. rrsies, f zweites, g. driiles Fnss- 
paar, li. Ilinlei leil». 

Fig. 5. Das Jnnge mit der Scliale ans der vierten Enl«irk('Iiings]>erIode iinler 40-maliger Vor- 
uriissernng. a. a. Erstes FiililiTglied, h. Ii. zweiles, c. c. drittes, d ISehenfortsatz des diilte« mit den 
drei Dornen, c. Auge, f. Scli«iniml)ür>ten der Fiisse. h. Der dnrclisclieinende Kiiijier des 'l'liieres, 
la. der hiintige Sack, ans welcliem sich der Stiel hildct. 

Fig. 6. Das Junge deisellien Periode, liefreit von der Schale iinicr 40 iniiigei' N ergiiissernng 
eines hehr grossen !ndi\idMnnis, a. Yordeileili, li. Forlsalz der Jlnndlheile, c. Reste der inneren Sclia- 
lenliant. d. Sciiwanz. 

Fig. 7. Ein Fnss dessellion Jungen nnler 270-nialiger Vcipnisseinng; a. (i'iiindglied, li. zweites 
Glied, c. diittes Glied, d. d. die ScIivNimmhlatter. Im Inneren ^ielil man die nndentlich nmschrieliene 
IMasse ((er Jensen Ranke. 

Fig. 8. Unpaarige Schale der fiinftcn Enlwickelnngsperiode unter 40-inaliger \ ergriissernng. 
a. Ein Tlieil des Eierstocks. 

Fig. 0. Der halhe Eierstock des jungen Tliiercs nnler 40-niaIigcr Vergriisserniig. 

Fii. 10. Das Junge der filnfteii Enlwickellliigsperiode unter 40-maliger ^ ergrössernng. a. Aens- 
sere Hant des Stieles, li. innere Haut dessellien, c. die durch die Schale hiiidiirclischeineude Hiilfte des 
Eierstocks, d. grosse Seilen«cliale , e. kleine Seitenscliale, f. Riickenschale. 

8 



58 

Fig. 11. Lepas vitrea Lam. im ausgewachsenen Zustande und in natürlicher Grösse, a. der 
Stiel, h. grosse Scitcnschale, c. kleine Seitenschale, d. Rücken schale, e. Haut, welche die Schalen ver- 
bindet. 

Fig-. 12. Dieselhe, alier die Hälfte der Schale ist weggenoiumen. a. Eierstock, b. Kiemen, 
c. Leib des Thieres, d. Miindtheiii'iifortsatz, f. Vcrhindiingsmuskel. 

Fig. 13. Das Junge der fünften Entwickelungsstiife, aus der Schale genommen, unter 90-nia- 
liger Yergi'üsscrnng. a. Haut, an welcher der Eierstock (h.) hiingt, c. Yorderendc des Körpers, d. Mund- 
theilenfortsalz , e. e. e. die Piankcnfüsse , f. Aerhindungsmnskel (?). 

Fig. 14. Das ansgewaclisene Thier von Lepas vitrea Lamark unter 6-maliger Vergrosse- 
Hing durch die Lupe. Die Raukenfüsse der vorderen Seite sind weggenommen, a. Vcrbindungsmns- 
kel, b. b. weiche fallige Korperhaut, c. c. c. c. Kiemen, d. Mundiheilenfortsatz, e. e. e. Nahrungskanal, 
f. Schwanz, g. g. g. Rankenfüsse. h. zweites Glied des unpaaren Stieles, welches die paarigen Ranken tr.igt. 

Fig. 15. Das Junge der fünften' Entwickelungsperiode der Art, die in der vierten Entwickeliings- 
perlode heschriehen Isl. a. INalürliche Grösse, b. Sliel, c. Rückenschale, d. kleinere, e. grössere Seiten- 
schale, in welcher die sternförmigen Yerkalkungspnnkte sichtbar sind, f. Mnndtheileufortsatz, g. Rankenfüsse. 

Fig. 16. Halbe Unterlipi)e. a. innerer Lappen, b. äusserer, c. d. umgebogene nach hinten ge- 
richtete Ränder derselben. 

Fig. 17. Unterkiefer, a. Gelenk zwischen Grnnd- und Endglied, b. c. Horngrälen Im Grnndgliede. 

Fig. 18. Oberkiefer, a. Grundglied, b. Endglicil, c. Gelenk zwischen beiden. 

Fig. 19. Hornige Deklelduug des Mundlheiienfortsatzes, halb, von der inneren Seile gesehen. 

a, b. bekleidende Haut der Mundhöhle, c. beweglicher Forlsalz. 

Fig. 20. Spitze des Schwanzes iu fast 40-maliger Vergrüsscrnng. a. Ausgang der Hoden. 

T a f e 1 2. 

Fig. 1. Ansicht der Schale von Coronida diadema in natürlicher Grösse. 

Fig. 2. Längsdurchschnilt derselben, a. Die innere Höhle, in welcher das Thier steckt, b. b. 

b. Höhlen, welche von der unteren Seite in der Schale sich hlnanferstrccken, c. .Stellen, wo die Schei- 
dewände dieser Höhlen sich treffen, d. d. Eingänge in die Sellenhöhleu der Schale, welche mit der mitt- 
leren Hulile in Verbindung stehen. — 

Fig. 3. Qiierdurchschnitt. a. a. a. a. a. a. Die sechs primären Schalstücke, welche sich nach 
innen umschlagen, h. b. b. b. Die "Wülste zwischen den primären Schalstückcn mit den von iliuen eul- 
springenden Scheidewänden der INebenhöhlen. c. Nebenhöhlen in der Schale, die mit der initiieren Hauj)!- 
hölile in Verbindung sieben. 

Fig. 4. Ansicht der Deckelhant, welche den oberen Eingang in die Schale schlieist; natürliche 
Grösse, a. a. Schalstncke, welche durch die Deckelhant hindurchscheinen. 

Fig. 5. Deckelhant von innen, ebenso, a. a. Schalen in der Deckclhaut. b. b. b. Der Knorpel- 
ring, an dem sie hängen. 

Fig. 6. Der Mundtlieileuforlsatz , von vorn gesehen. Durch die Lupe vergrössert. a. a. Be- 
wegliche Planen, b. h. Die von hinten hervorragende Unlerlippe. 



59 



Fig. 7. Oberkiefer. 



Fig. 8. Uiilerltiefer. 

Fig. 9. Unterliiipe. 

Fig. 10. Ausic'bl des Tliieres der Coroniila diadema von der Rückenseile in do])|tcllcr Llin- 
gcnTergrüsserung. a. a. Innere Kieraenlappen , I). b. ilnssere, r. c. Seilenmnskcln, welche das Thier 
iesthallcn, d. d. Parencbyniatüse Haut, welche die Schalenhühle und einen Tbeil der Kiemen überzieht, 
c. e. Ausgänge der Kiemen, f. Yorderleib, worunter der Mageu. g. Schwanz. 

Fig. 11. Yorderfuss der linken Seile, von innen gesehen, 40-mal vergriissert. 

Fig. 12. Hinterfuss, ebenso. 

Fig. 13. Seilenansicht des Thieres, nach AVegnabme der änsseren Bedecknngen und der ganzen 
Mnskellage. a. a. Magen, b. Darm, c. Speicheldrüse, d. d. Leber, e. e. e. Hodc. Mnudtheilenfort- 
baiz', Füsse nnd Schwanz liängen an der Unterseile herab, 

Fig. 14. Der gcüll'nele Darm desselben Thieres, wie die yorlge Figur in 5-maligcr Längenver- 
grössernng. a. a. Mageu, b. Darm, c. Speicheldrüse, d. Ausgang derselben, e. Ausgang der Leber, f. 
Magenmnnd, g. Schlund, h. ein Thcil der Leber. 

Fig. 15. Darmkanal tou Lepas vitrea, iu 6-uialiger Längenvergrusscrnug. a. Magen, b. Spei- 
cheldrüse, c. Schlund, d. Darm, e. Ausgang der Speichtldnise, g. Mageumuud, f. Ausgang der Leber. 

Fig. 16. Lebpr, Hoden und Schwanz von Lepas vitrea, iu 6-maIiger Liingenvergrössernng. a. a. 
Aeussere Haut der Leber, b. b. innere Hiihle. c. c. Hudco. d. Ausgang dersell)en. 

Fig. 17. (i)uerdnrchschuill des Sciiwanzcs von Olion Cuvieri, 90-nial vergriissert. a. )i. Masse, 
in den Ausführuugsgiingen der Hoden beliiidlich, b. b. Zellgewebe im laueren des Schwanzes, c. c. Lückea 
»laiiii. d. d. Dichteres Zellgewebe am Rande. 

\ Fig. 18. Derselbe von Coionula diadema. a. Ausgang der Hoden, b. Lücken im Zellgewebe, 
f. Zellgewebe im Inneren, d. dasselbe am Rande. 



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V e r b e s s c r Uli 2* e n. 



Auf S?i'ile 33 sind diircli ein \erscliPn dip ßiirbplabcn zur DezciilHiiing des Srliliiiides und dor 
LelieiitlTiniii!; Terwcclisell ; man setze datier Zeile 9 v. o. (g.) slalt (f.) und Zeile 14 ii. 21 v. o. (f.) 
(C.) stall (ff.) (s.\ 

Seite 48 Z. 16 T. II. I. Re'^eneia tion st. Regneralion. 

— .54 — 2 V. u. I. Aljjia ndliin.s st. AliLanliiiig. 

— 56—3 V. II. 1. meiner st. meinem. 



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