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ÜBER KARLMEINET. 



ÜBER KARLMEINET. 



EIN BEITRAG ZUR KARLSSAGE 



VON 



3* 'AaAAsuuzM. 

KARL BARTSCH. 



NÜRNBERG. 
BAUER k RASPE 

(JULIUS MERZ.) 
1861. 



£\ 






^to 






Druck der U- E. S ebalcTscben Offlein in Nürnberg. 



Vorwort. 



Nachfolgende Untersuchung über einen Theil der karolingischen 
Sagen war bestimmt dem Manne zugeeignet zu werden , mit dessen Ver- 
diensten sie in so unmittelbarem Zusammenhange steht , der vor nun 
mehr als zwanzig Jahren die verschiedenen Darstellungen der Rolands- 
sage weitgreifend zusammenfasste und mit dem reinen Sinne für das 
Wesen der Sage, der ihm eigen war, in den manichfach wechselnden Ge- 
bilden den einheitlichen Kern erkannte. Ein Theil meiner Untersuchung 
umfasst auch die Sage von Roland, und dass ich hier nichts weiter thun 
konnte, als auf dem Grunde von W. Grimms Forschungen weiter bauen, 
wird den kundigen nicht befremden. 

Das Wiederauffinden des so lange verloren geglaubten Gedichtes, 
dessen Inhalt der Name ,Karlmeinet' mehr bequem als richtig ausdrückt 
(doch hat auch mich wie den Herausgeber die Rücksicht auf Kürze be- 
wogen, den seit J. Grimm hergebrachten Namen beizubehalten), ist wie 
so mancher Fund der letzten Jahre für unsere Literaturgeschichte eine 
grosse Bereicherung. Das Gedicht übertrifft die Erwartungen, die man 
nach den Bruchstücken von ihm hegte, auf der einen Seite, und bringt 
auf der andern weniger als jene Trümmer verhiessen. Statt eines ein- 
heitlichen Werkes erhalten wir eine an sich werthlose rohe Compilation, 
die aber durch den Inhalt des in ihr verarbeiteten Stoffes und noch 
mehr grade durch die rohe Verarbeitung einen bedeutenden Werth er- 
hält. Hätte es dem geistlosen Zusammenreimer , der das ganze Leben 
Karls zu behandeln sich zur Aufgabe gesetzt hatte, gefallen, die einzel- 
nen Elemente, aus denen sein Gedicht besteht, wirklich zu verarbeiten, 
so wären wir schlimm daran; denn ein so rohes Machwerk als das 
Werk dann geworden , hätte schwerlich Leser gefunden noch den Druck 
verdient. Aber eben sein poetisches Unvermögen ist uns zu Gute ge- 
kommen: indem er, statt zu verarbeiten, bloss äusserlich und lose anein- 
ander reiht, lässt er uns einen Blick thun in die Fülle von Dichtungen, die 



— VI — 

in deutscher Zunge von Karl gesungen wurden. Zwar nicht eigentlich 
deutsch ist die Sprache dieser Gedichte, sondern sie weisen uns auf nie- 
derländische Gegenden und noch weiter hinaus nach Frankreich, das 
Karl als eigentlichen Nationalhelden sich erkor, während die deutsche 
Sage des grossen Mannes früh vergass. In dem Kahmen dieser Compilation 
entrollt sich uns der Zeitraum eines Jahrhunderts, das in fast ununter- 
brochener Folge von Karl dichtete. Die Zergliederung dieser Einzel- 
dichtungen ist die Aufgabe meines Buches. 

Wilhelm Grimm dies Zeugniss meiner Liebe und Verehrung dar- 
bringen zu können , war mir nicht vergönnt ; mitten in der Fülle des 
Schaffens entriss der Tod ihn der deutschen Wissenschaft. Dass aber 
seines Namens hier zu gedenken ich mir nicht versagte , wird man dem 
gestatten, der das Glück hatte, Liebe zum deutschen Alterthum aus den 
Vorlesungen des verehrten Mannes wie aus einem erquickenden Quelle 
zu schöpfen. 

Rostock, 5. November 1860. 

Karl Bartsch. 



Ueb ersieht des Inhalts. 



Erster Abschnitt. Bestandteile und Quellen S. 1 — 216. 
I. Karls Jugend, Flucht und Rückkehr S. 1 — 24. Quelle dieses Ge- 
dichtes 2 ; Sagen und Dichtungen über Karls Jugend 3 ; Alberich von 
Trois-Fontaines 3 ; Girard von Amiens 8 ; Reali di Francia 12 ; Gran 
conquista de ultramar 15; Vergleichung der Darstellungen 19. 
II. Morant und Galie S. 24—35. Quelle 27; Erwähnung der Sage bei 
Alberich 28; in der gran conquista 29; Verhältniss vonl und II, Wi- 
dersprüche 30; Uebereinstimmung 33. 

III. Der Compilator des Ganzen Verfasser dieses Abschnittes S. 35 ; Tur- 
pin bei Vincenz von Beauvais Hauptquelle 35; andere Quellen, Al- 
berich, Einhard 36. 42; Annales regum Francorum 43; mittelnieder- 
ländisches Bruchstück 53 ff.; wörtliche Uebereinstimmung zwischen 
diesem und Karlmeinet 63. 66; welcher Dichter entlehnte von dem 
andern? 66, vgl. S. 385. 

IV. Karl und Elegast S. 76 — 87. Ausdrücke , die sich nur in diesem 
Abschnitte finden 77; vom Bearbeiter entfernte Ausdrücke 79; Ue- 
bersicht der Auslassungen und Zusätze 84. 

V. Die Roncesvallesschlacht S. 87—208. Konrads Rolandslied umgear- 
beitet, mit Weglassung und Zusätzen 87 ff; eine vollständigere Fas- 
sung des Rolandsliedes als die uns erhaltene wahrscheinlich 91 ff. 

V». Die eingeschaltete Dichtung von Ospinel 99. 

Uebereinstimmung mit der Chanson de Roland 101 ff. 

Vb. Geneluns Verrath, nicht nach Konrad 110; Uebereinstimmung mit 
der Chanson de Roland 112; mehr noch mit den jüngeren Texten 
112; Turpin wenigstens nicht alleinige, wahrscheinlich gar nicht 
Quelle 115. 

Lücke in der Handschrift des alten Rolandsliedes 143; die Ueber- 
einstimmung mit Konrad hört auf 145. 

Vc. Fernere Vergleichung und Uebereinstimmung mit dem Stricker 146 ff.; 
und den Jüngern französischen Texten 156 ff. (vgl. S. 389) ; Ver- 
fahren des Dichters bei der Bearbeitung von Konrads Texte 185; 



— VIII — 

Missverständnisse 192; Vergleichung mit Strickers Verfahren 194; 
sprachliche und Reimeigentümlichkeiten des Bearbeiters 197; Be- 
merkungen zu Konrads Texte 201. 
VI. Der Compilator Verfasser dieses Abschnittes 208 ; Vincenz als 
Quelle 209 ff. 

Zweiter Abschnitt. Die Sprache S. 217—262. Kurze Vocale 217; 
lange Vocale 223 ; Diphthonge 226 ; Liquiden 227 ; Lingualen 234 ; 
Labialen 237; Gutturalen 239; Flexion 244; Vergleichung der ein- 
zelnen Abschnitte in Bezug auf die Sprache 250; Behandlung des 
Reimes 251 ; rührender Reim 257 ; Reimhäufung 259 ; Quantität 260. 

Dritter Abschnitt. Der Wortbestand S. 263 — 365. Verzeichniss 
der seltenern und charakteristischen Ausdrücke 263 ff. ; Vergleichung 
der einzelnen Abschnitte in dieser Beziehung 354 ; Eigennamen 358. 

Vierter Abschnitt. Subj ectives Hervortreten der Dichter 
S. 366—384. Beziehungen auf die Quelle 366 ; die Dichter wenden 
sich an die Zuhörer und Leser 370; die Wahrheit des Erzählten 
bezeugt 372; Ausdrücke für , erzählen' 374; Verhältniss des Dich- 
ters zu seinem Stoffe 377; Vergleichung der einzelnen Abschnitte 381. 

Fünfter Abschnitt. Schluss S. 385 — 391; Zeitbestimmung der 
Compilation 385; der einzelnen in sie aufgenommenen Dichtungen 
386 ff. 



Bestandteile und Quellen, 



D 



ie Erkenntniss, dass das grosse von Keller als fünfundvierzigste 
Publication des literarischen Vereins zu Stuttgart unter dem Titel 
,Karl Meinet' herausgegebene Gedicht aus mehreren von verschiede- 
nen Verfassern herrührenden und verschiedenen Zeiten angehörigen 
selbständigen Dichtungen zusammengesetzt ist, muss sich bei der er- 
sten Lesung des Ganzen aufdrängen. Es handelt sich bei einer Un- 
tersuchung über ,Karl Meinet' also darum, den Quellen dieser ein- 
zelnen Stücke nachzugehen, ihren Zusammenhang unter einander zu 
zeigen, dem Compilator des Ganzen den ihm gehörigen Antheil zu- 
zuweisen und durch eingehende Betrachtung der grammatischen Eigen- 
tümlichkeiten , des sprachlichen und metrischen Gebrauches die Hei- 
mat und das Alter der zu Grunde liegenden Dichtungen festzustellen. 
Wären uns diese wie die eine, von Karl und Elegast, erhalten, so 
wäre die Untersuchung leicht ; man brauchte dann nur zu zeigen, in- 
wieweit der Compilator seine Vorlage treu und unverändert aufge- 
nommen hat. Gleichwohl lässt sich von der Behandlung, die er die- 
sem einen Gedichte zu Theil werden liess, ein Bückschluss auf die 
übrigen machen : derselbe wird durch alle Beobachtungen im wesent- 
lichen gestützt. 

Ein in sich geschlossenes Ganze bildet der Abschnitt von Karls 
Jugend Flucht und Rückkehr, der mit der Doppelvermählung Karls 
und Galiens, Godins und (Mens nach Art der meisten mittelalterli- 
chen Epen endet. Der Anfang der grossen Compilation ist zugleich 
der Anfang des zu Grunde liegenden, vom Bearbeiter aufgenommenen 
Gedichtes. 

Zo allen ziden in dem jare 
mach man stille ind offenbare 



gerne hören wäre zale, 
die güden lüden lüden wale, *) 
bevallen inde sint bequeme, 
die mir de wort niet underneme, 
lichte wolde ich üch sagen 
dat üch solde wol behagen. 
Ich halte diesen Anfang nicht für eine vom Compilator voraus- 
geschickte Einleitung, wie Keller zu meinen scheint (Seite 834); 
denn die Verse 1, 9 die dat hoch hat gedieht van vranzois in dütsch 
geschneit, he wolde sich gerne nennen, können sich doch nur auf 
denjenigen Dichter beziehen, der unmittelbar nach dem französischen 
dichtete, d. h. den niederländischen Dichter, der den Abschnitt von 
Karls Jugend bis zur Vermählung mit Galie schrieb. Dieser Dichter 
ist es nun auch, nicht der Compilator, der in 1, 17 ff. seinen Na- 
men andeutet 

sin erste böstaf is en h, 
ff 1 p get dar nä, 
g is sin leste bostaf ; 
was zu enträtseln mir bisher nicht gelungen ist. 

Wie der Anfang, so ist auch der Schluss dieses .Abschnittes der 
Schluss des alten Gedichtes, 216, 5 — 9 
so war si gevaren sin, 
got läze uns also varen 
dat wir unse sele be waren, 
dat si der düvel niet enpende ! 
he so nem unse liet ein ende! 
Dieses war ein niederländisches, nach französischer Quelle gear- 
beitetes. Ersteres ergibt nicht nur die sprachliche Betrachtung und 
der Wortvorrath, sondern auch das Metrum. Darauf hat schon Mone 
(Uebersicht der niederländischen Volksliteratur, S. 57) hingewiesen; 
namentlich darf man in Anschlag bringen , dass , wenn man von der 
schlechten Ueberlieferuiig in der Handschrift A absieht, die Senkun- 
gen selten ausgelassen werden a ), sondern die Regel, die Senkungen 
auszufüllen, waltet, wie es bei den niederländischen Dichtern üblich 
ist; ferner, dass die Verse bei klingendem Reime meist volle vier 
Hebungen und eine überzählige, also neun Silben durchschnittlich 
haben. Die stumpfen Reime sind bei weitem überwiegend. — Vom 
poetischen Standpunkte ist der Werth dieses Gedichtes ziemlich gering ; 



') louclen wale die Hs. : den Missklang zu vermeiden, thut man besser luden 
ganz zu streichen und zu schreiben : die den güden lüden wale bevallen 
(Hs. bevalen). 

2 ) Ganz vereinzelt stehen Verse ohne Senkungen, wie: nam Karl (Hs. Karlle) 
bi sich. 138, 47. 



doch finden sich einzelne frische, ans Volkstümliche streifende Stellen, 
wie überhaupt auch im Wortvorrath das volkstümliche Element sich 
zeigt, so die Schlachtschilderung 40 — 41, vgl. 40, 61 ff. 

dese randen, de gene reden, 
de gene vächten, dese streden, 
dese schuzzen, de gene stächen, 
de gene Sprüngen, dese brächen, 
man sach in dem gevilde 
buckelen van schilde 
zovaren ind zovlegen, 
helme brechen ind begen, 
doden nedervallen. 
vegen hört man schallen, 
schrien ach ind owe. 
manich des lives verze. 
da wart gewonnen ind verloren, 
eteliche woden zo den sporen 
in der döden blöde. 

Eine kunstmässigere Anlage zeigt sich in der stellenweise vor- 
kommenden Wechselrede, die gegen eine Abfassung im zwölften Jahr- 
hundert nicht unbedingt spricht, z. B. 134, 5 — 8. 

Dass der Verfasser dieses Gedichtes ein anderer war als der 
Compilator des Ganzen, wird die später folgende Vergleichung des 
sprachlichen und lexicalischen zur Genüge darthun 1 ). Spuren des 
niederländischen Originals finden sich ausser in einer Keine von Wor- 
ten auch sonst, z. B. in Anlehnung der Personalpronomina, sade d. h. 
sadhe 16, 43 ,sagte er', gröte ,grüsste er' 102, 61. lachte ,legte 
er' 108, 42. dede ,that er' 114, 32. stäche ,stach er' 134, 63, wo 
Keiler unrichtig stacht e hei bessern will. Auch 154, 65 ist he aus- 
gelassen : wahrscheinlich stand geinghe für geynck der Handschrift. 

Niederländische Dichtungen, die Karls des Grossen fabelhafte 
Jugendgeschichte behandelten, gab es schon in der. ersten Hälfte des 
dreizehnten Jahrhunderts; denn es ist doch wahrscheinlich, dass Al- 
bericus, der sogenannte Mönch von Trois-Fontaines, der in der Diö- 



l ) Uebereinstimmung im einzelnen kann nichts dagegen beweisen ; sie kann 
vom Compilator herrühren, der manche Wendungen und ganze Verse aus 
den von ihm benutzten Gedichten herübernahm ; das auffallendste Beispiel 
ist folgende Stelle vom Frieden der Boten : 

113, 18. hei sprach ,env> r ere it nu niet sede, 
dat man den boden leste Trede, 
ich dede dich van dem live dön.' 
295, 11. ,en were it nu niet sede, 

dat de boden hedden vrede, 

ich (Hs. ind) dede dich zo döde slän.' 

1* 



cese Lüttich um 1239 sein Chronicon schrieb, und 1246 demselben 
die letzte Kedaction gab (Wilmans in Pertz' Archiv 10, 179), sich in 
seinen Sagenbeziehungen hauptsächlich auf niederländische Gedichte 
stützt. Bei ihm finden wir ja auch die Erwähnung von Karls Dieb- 
stahl (Hoffmann, Karl und Elegast S. II), einer speciell niederländi- 
schen oder wenigstens deutschen Sage, von der keine französische 
Bearbeitung bekannt ist. Albericus gedenkt zum Jahre 763 der Sa- 
gen von Karls Jugend (Leibnitz, accessiones historicae 2, 1, 100): 
,hic annotandum est de duce Provinciae Raimundo et filio ejus Be- 
lino, sed et de duobus bastardis filiis Pipini Holdrico et Raginfredo, 
si vera sunt ea quae dicuntur, et fuga Karoli Magni ad Galafrum ad- 
miraldum Toleti. Erant pro Karolo Milo de Angleris et Garnerus de 
Divione, pater alterius Milonis, cujus Garneri fuit frater Samson de 
Valentia, pater Reneri.' Albericus folgt hier einer Ueb erlief erung, 
die der Dichter von I (so bezeichne ich den Abschnitt von 1 — 216 
der Darmstädter Handschrift) auch kennt, dass Hoderich und Rein- 
frit uneheliche Söhne Pippins waren, denn er sagt 1, 30 

der eine hez Hoderich 

ind der ander Hanfrät. 

ich horte sagen in wäre dat 

dat si [koninges] sone weren 

Pippines des heren, 

der koning was van Vrancrich. 

dar bi horte ich [sagen] werlich 

van in ein ander gedüde, 

dat si weren ackerlüde 

van eren ver anken (Hs. ancheren) komen. 

alsus hän ich de rede vernomen : 

die ein wil sus, die ander so. 

(Hs. dye eyne willen alsus, dye ander also). Die Namen der Brü- 
der werden, was den ersten betrifft, übereinstimmend angegeben : Gi- 
rard von Amiens hat Heudry (Grimm, Ruol. liet CHI), die Reali di 
Francia Olderigi, Alberich Holdericus, was mit Hoderich für Houde- 
rich stimmt. Der andere Bruder heisst bei Girard Reinfroy, in den 
Reali Lanfroi, welches W. Grimm mit Recht in Ranfroi zu bessern 
vorschlägt, Albericus hat Raginfredus; in Hanfrät könnte H für R 
entweder erst vom Schreiber der Handschrift, oder, was wahrschein- 
licher, schon vom Dichter verlesen worden sein. Aber auch das 
schliessende ät stimmt nicht: man erwartet it. Leicht lässt sich än- 
dern, wenn man in der angeführten Stelle schreibt: ich horte sagen 
in wäre dit (:Reinfrit); auch an andern Stellen kann man Reinfrit 
in den Reim setzen: ' 



— Ö — 

3, 40. harde balde dat he nam 
sinen broder Reinfrede *) 
ind sachte eme do mit rede. 
16, 44. we he gescheiden were 

van Hoderich ind Reinfrede. 

dar nä begunden sich zo stede (Hs. sich do drade) 
de fursten reiden zo dem hove. 
21, 2. Hoderich ind Reinfrit 

si gengen sunder einich bit. 
(bit ,zögern'; die Hs. berait (= bärät): Haenffrait). 
114, 1. so swiget ind verstet de rede 
van Hoderiche ind Reinfrede. 
(Hs. wat H. ind Haenffrait de de). 

114, 66. nu höret sagen ein ander mere 
van Hoderiche ind Reinfrede, 
we si ir man mit valscher rede 
alle vur sich däden gän. 
alsus begonden si en sän. 
(Hs. Haenffrade. We sy mit valschem rade Ir man al vur sich). 
121, 8. dat was Hoderich ind Reinfrit. 
si vlüen rechte, wizzet dit. 
(Hs. in sulcher dait). 

127, 20. mit Hoderiche ind Reinfrede 
de en mit ir valschen rede 
verdreven hadden menchen dach. 

(Hs. mit valschem rade). Vgl. noch Hanfrät: rät 3, 51. 4, 35. 6, 29. 
8, 7. 16, 17. 125, 37.: meindät 7, 5.: missedät 8,30.: dät 13,37, 
Hanfräde : gedräde 8, 48.: genäde 112, 1 (Reinfrede: frede?); un- 
genäde 113, 36.: rade 239, 47. — Wenn es richtig ist, dassin einem 
Theile dieser Stellen Reinfrit das ursprüngliche war, so bliebe frei- 
lich noch die schwer zu lösende Frage, ob die Entstellung durchgän- 
gig auf Rechnung des Compilators kommt, oder ob schon der mnl. 
Dichter die irrige Namenform anwendete. In ersterem Falle war, 
was sich auch aus anderem ergibt, die Bearbeitung bei diesem Ge- 
dichte eine freiere als die von Karl und Elegast. 

Die oben angeführte Stelle Alberichs enthält noch einige Namen 
und Beziehungen. Raimundus, Herzog von Provence könnte identisch 
mit Raimunt sein, der in dem zweiten vom Compilator aufgenomme- 
nenen Gedichte (254. 255) vorkommt; vgl. Ramon 229, 46. Dies ist 
um so wahrscheinlicher, als Belin, den Alberich Raimunds Sohn 



') Der Accusativ in e ist im Karlmeinet sehr häufig;- über ähnliche siehe Haupt 
zu Neidhart 54, 32, 



— 6 — 

nennt, in I (18, 9. 114, 19 ff.) als Herzog von Arles (Arlo) bezeich- 
net wird. Die Worte ,erant pro Karolo Milo de Angleris' enthal- 
ten wieder eine bestimmte Beziehung auf eine Begebenheit in I: in- 
dem Milo den jungen Karl, der Hoderich vor den Augen der Fürsten 
geschlagen, unter seinen Mantel, d. h. in seinen Schutz nimmt ; Karlm. 
23, 26 ff. Zwar heisst hier Milo Herzog von Ingelheim, 23, 27; 
aber Ingelheim ist nur entstellt, denn auch Turpin hat Milo de Ang- 
leris. — Garnerus de Divione kommt im Karlmeinet nicht vor ; in II 
(240, 46) wird ein Garnir als Vater Morands von Riviere genannt 
und 243, 66. 244, 45 kommt Garner d. h. Garnier von Anzmin, Anz- 
hin vor. — Wenn es auch wahrscheinlich ist, dass Alberich sich auf 
mittelniederländische Dichtungen beruft, so ist doch kaum anzuneh- 
men, dass das hier vorliegende Gedicht gemeint sei, da dasselbe in 
der vom Compilator tiberlieferten Gestalt nicht über die Mitte des 
13. Jahrhunderts hinaufreicht. 

Das mittelniederländische Gedicht nennt als seine Quelle ein fran- 
zösisches : 1, 9 die dat böch hat gedieht van vranzois in dütsch ge- 
schricht ; 21, 17 des wil ich mich an de böch zien de in vranzois 
dar af sin geschreven. Die allgemeinere Beziehung auf ein ,böch, 
Buch, Bücher' begegnet Öfter: wes ich bin van den bochen wis 1, 
16. des ich bin van den bochen wis 4, 31 (Hs. worden wis). des 
wart mi an dem hoch gegiet 58, 46. noch hörde ich lesen in dem 
böch 87, 58. Der Verfasser nennt sein Werk ein ,liet' : höret vur 
wart dit liet 17, 53. he so nem unse liet ein ende 216, 9. Ausser 
mehreren französischen Worten ist eine ganze französische Phrase bei- 
behalten : balde stän üp grande pont 2, 55 ; doch das haben in ähn- 
licher Weise hochdeutsche Dichter des zwölften und dreizehnten Jahr- 
hunderts auch gethan. 

Der Dichter sagt, er habe das Buch in deutsche Schrift ge- 
dichtet (1, 9) ; wenn dieser Ausdruck, der sich in andern Theilen der 
Compilation wiederholt *), genau zu nehmen ist, so war der Verfasser 
von I (ebensowenig als der Dichter jenes späteren Stückes) kein 
eigentlicher Niederländer, sondern gehörte etwa der Grenze zwischen 
den Rheinländern und Niederlanden an, wie Heinrich von Veldeke, 
der darum im Servatius denselben Ausdruck , deutsch' gebraucht. 
Von dem sogenannten ,niederrheinisch' ist seine Sprache aber noch 
verschieden, so verschieden, wie Veldekes Servatius von seiner in 
Thüringen umgearbeiteten Eneit. 



') in dütschem hez si Ade inde in welschem Aide 501, 8. he quam zo Böneval, 
dat spricht zo dütsche Güt-dal 513, 37; vgl. auch 535, 26. 32. 



Wenn das niederländische Gedicht etwa um die Mitte des 13. 
Jahrhunderts entstand, so ist es wahrscheinlich, dass das zu Grunde 
liegende französische Gedicht noch dem zwölften Jahrhundert ange- 
hört. Die Provenzalen besassen im zwölften Jahrhundert Lieder, 
welche die Jugendgeschichte Karls behandelten ; das beweist die An- 
spielung in der gereimten Albigenserchronik (vom Anfange des 13. 
Jahrhunderts), Fauriel, hist. d. 1. poesie provencale 3, 464 
ara aujatz batalhas mesclar d'aital semblant, 
qu'anc non auzitz tan fera des lo tems de Kotlant 
ni del tems Karlemaine que venquet Aigolant, 
que conques Galiana la filh' al rei Braimant, 
en Espanha de Galafre, lo cortes amirant 
de la terra d'Espanha. 

Die vorletzte Zeile ist verderbt, wie schon das Metrum zeigt. 
Vermuthlich ist zu lesen: espoza de Galafre; entweder verwechselte 
der Dichter, der aus der Erinnerung citierte, die Namen Galafers 
und Breimunts, oder das provenzalische Gedicht wich ab. Allein eine 
Umstellung rückt die Sache zurecht, wenn man schreibt espoz' al rei 
Breimant e filha de Galafre. Dass Guillem von Tudela hier ein pro- 
venzalisches Gedicht meint, ist kaum zu bezweifeln, denn in Montal- 
ban, wo Guillem 1210 seine Chronik begann, noch weniger in seiner 
Heimath (Tudela in Navarra), werden schwerlich um jene Zeit schon 
nordfranzösische Epen gesungen worden sein. Schon die Entstellung 
der Sage weist darauf hin. Es ist offenbar, dass Galafers aus dem 
historischen Waifer, Herzog von Aquitanien, entstanden ist, mit wel- 
chem Pippin Krieg führte. Die Erinnerung an diesen Krieg enthält 
auch Karlmeinet noch, denn hier sagt Galafers 33, 57 : 

so vele zorns hat mir dän kunt l ) 
sin vader der koning Pippin. 
he reit mir in dat (Hs. dit) lant min 
ind wan mir ave bürge ind stede. 
menchen laster he mir dede. 

Waifarius (Albericus 2, 100 schreibt Waifarum, 2, 103 dagegen 
Waiferum) wird theils Herzog der Gascogne 2 ), theils Herzog von 
Aquitanien 3 ) genannt. Nach Albericus 2, 103 ward Waifarius von 



i) Hs. halt ir mir hye daen. 

2 ) Wascones . . cum WaifarLo suo principe: Pertz, inoimm. 2, 265. 

3 ) Waifario Hunaldi filio, Aquitaniorum duci Pertz 2, 319. Einhards vita Caroli 
(2, 444) cap. 3: flnito Aquitanico bello quod contra Waifarium (andere Hss. 
Gaufrarium, Gaiferium , Guaifarium) ducem Aquitaniae, ab eo susceptum, 
per continuos novem annos gerebatur. Auch in dem deutschen Gedichte 
kommt ein Hunold vor: Hünolt von Angouwe ,Anjou' (:Pictouwe, Hs. Angone: 
Pictone) 17, 64. 198, 11. 199, 8 ? 



Pippin getödtet ; das macht aber für die Sage nichts aus. — Auf das 
Gedicht von Karls Jugendgeschichte kann sich auch eine andere pro- 
venzalische Anspielung beziehen, die noch dem zwölften Jahrhundert 
angehört, bei Bertran Paris von Rovergue (in meinen Denkmälern 
85, 30) 

ni com bastic Toleta l'amiratz. 

Dies Gedicht, möge es nun ein französisches oder, was wahrschein- 
licher, ein provenzalisches gewesen sein, kann aber dem niederländi- 
schen Dichter nicht vorgelegen haben : denn es enthält schon die An- 
spielung bei Guillem von Tudela einige bemerkenswerthe Abweichun- 
gen. Galafers Tochters heisst Galiana, im Karlmeinet Galia oder 
Galie (durch den Reim ist nur letztere Form bestätigt) ; sie wird Brei- 
munts Tochter genannt, was freilich, wie ich oben bemerkte, auch ein 
Fehler des Textes sein kann, und der afrikanische König selbst heisst 
nicht Breimunt, sondern Braimant (wie auch in den nordfranzösischen 
und italiänischen Quellen). Wir müssen uns also nach einer andern 
Quelle umsehen. 

Für das Vorhandensein von Liedern in Südfrankreich über Karls 
Jugend haben wir noch ein älteres Zeugniss : in der Chronik Turpins, 
Cap. 20 (Reuber 80, 30): ,Quemadmodum Galafrus Admiraldus Co- 
leti (lies Toleti) illum (nämlich Karl) in provincia (lies pueritia) exu- 
latum ornavit habitu militari (Alb. militiae) in palatio Toleti (R. Co- 
leti) et quo modo idem Carolus postea ob merita ejusdem Galafri oc- 
cidit in bello Braimantum, magnum ac superbum regem Saracenorum, 
Galafri inimicum, et qualiter diversas terras et urbes acquisivit, et 
trino nomini subjugavit, et quomodo multorum sanctorum corpora et 
reliquias in auro et argento collocavit et qualiter Romae imperator 
fuit et dominicum sepulchrum adiit et qualiter lignum dominicum secum 
attulit, unde multas ecclesias dotavit, scribere nequeo : magis deficit 
manus et calamus quam ejus historia' *). Dies deutet auf Sagen, die 
ohne Zweifel in poetischer Fassung schon im elften Jahrhundert im 
südlichen Frankreich lebten. Einen Theil der hier berührten werden 
wir noch späterhin zu besprechen Gelegenheit haben. 

Die älteste nordfranzösische Bearbeitung, die Karls Jugendge- 
schichte enthält, ist die des Girard von Amiens, der unter Ludwig 
dem Neunten und seinem Nachfolger einen Roman de Charlemagne 
in Alexandrinern dichtete. Derselbe kann nicht wohl die französische 
Quelle sein, welche der niederländische Dichter benutzte. Dafür zeugt 
sowohl der Inhalt seines ersten der drei Bücher, in welchem Karls 
Jugend erzählt wird, als auch seine Lebenszeit, die für den Dichter 



') Die Stelle hat aus Turpin auch Albericus 2, 121 aufgenommen. 



— 9 — 

des Karlmeinet und noch mehr für das von dem Compilator benutzte 
Gedicht zu jung ist. Es könnte sein, dass beide Dichtungen auf eine 
gemeinschaftlich benutzte, aber frei behandelte Quelle hinwiesen; da- 
rum wird es nicht unerwünscht sein, eine Inhaltsangabe nach der 
Analyse in der Bibliotheque des Romans (October 1777, 119 — 132) 
zu versuchen. Der Dichter beginnt mit Pippins und Berthas Ge- 
schichte ; nach der Rückkehr der wahren Bertha (vgl. Strickers Karl 
124 — 135) erzeugte Pippin mit ihr einen Sohn und zwei Töchter ; 
der Sohn hiess Karl (Stricker 141), die Namen der Töchter werden, 
wie Girard sagt, verschieden angegeben : die älteste nennt er Gilairce 
(Stricker, der nur eine Tochter kennt, nennt sie Gerdrüt 140), nach 
andern hiesse sie Bertha (so nennt sie auch der Dichter des Karl- 
meinet, 496, 45 ff.), Eglantine, Rota'ide (vgl. Karlm. 302, 43, wo 
Karls Tochter Rotrüde genannt wird), die jüngere hiess Constance. 
Die älteste heiratete Milon von Anglante oder Anglane und wurde Ro- 
lands Mutter, die jüngere den König von Ungern. Zugleich mit die- 
sen echten Kindern wuchsen am Hofe die beiden Söhne der falschen 
Bertha, Reinfroy und Heudry (im Drucke steht Hendry) auf. Wie- 
wohl ohne rechtmässige Ansprüche auf die Krone, lebten sie doch 
auf fürstlichem Fusse und trachteten, um sich in Besitz der Herrschaft 
zu setzen, Karl und seiner Mutter nach dem Leben. Sie Hessen ih- 
nen, in des Vaters Gegenwart, vergifteten Wein bei Tische vorsetzen, 
Karl trank nicht; Bertha aber, die davon genossen, verschied unter 
fürchterlichen Schmerzen. Der König schwur, die Schuldigen schwer 
zu bestrafen. Die beiden Bastarde, aus Furcht vor Entdeckung ih- 
res Verbrechens, setzten diesem durch Vergiftung des eigenen Va- 
ters die Krone auf. Der Tod erfolgte so rasch, dass Pippin kaum 
Zeit hatte , einige Massregeln für die Zukunft seines rechtmässigen 
Erben zu treffen. Er befahl ihn Heinrich,, Herzog von Berri, und 
Hugo, Grafen von Auvergne, auf die er sich unbedingt verlassen 
durfte. In der That hätte Pippin keine bessern Beschützer für Karl 
finden können. Nicht damit zufrieden, ihn vor den Schlingen der 
Bastarde sicher zu stellen, sannen sie auch darauf, Karls Krönung in 
Rheims ins Werk zu setzen. Sie geleiteten den jungen Karl nach 
Rheims; unglücklicherweise hatte Reinfroi Güter in der Nähe der 
Stadt, und so gelang es den Brüdern, mit überlegener Macht in die 
Stadt einzudringen und die Krönung zu vereiteln. Sie sprachen es 
laut aus, dass das fränkische Reich nicht in die Hände eines vierzehn- 
jährigen Knaben kommen dürfe ; denn das heisse Frankreich dem 
Herzoge von Berri und dem Grafen von Auvergne unterthan machen. 
Am Abend vor dem zur Krönung bestimmten Tage gab der Erzbi- 
schof von Rheims ein grosses Fest; unter andern Speisen sollte auch 



— 10 — 

ein Pfau aufgetragen werden, dessen Füsse und Schnabel vergoldet 
waren. Alle anwesenden Fürsten waren zu dem Feste eingeladen. 
Die beiden Bastarde erschienen mit grossem Gepränge und nahmen 
ohne Umstände die ersten Plätze ein. Unwillig blieb der junge Karl 
einen Augenblick neben dem Tische stehen ; aber als Reinfroi ihn 
aufforderte, den Pfau zu zerlegen und ihnen, den Brüdern, als Knappe 
bei Tische zu dienen, da übermannte der Zorn den jungen Helden, 
er ergriff den gebratenen Pfau, der noch siedend heiss war, beim 
Kopfe und bei den Füssen und schlug damit den Brüdern ins Ge- 
sicht, dass ihnen Augenbrauen und Bart versengt wurden und Nase 
und Wange bluteten. Die Brüder ziehen das Schwert, Karl ebenso; 
seine Schützer eilen ihm zu Hilfe und der erzbischöfliche Palast wird 
der Schauplatz eines wilden Kampfes. Karls Freunde waren in der 
Minderheit, sie werden aus der Stadt gedrängt und ziehen sich in ein 
festes Schloss zurück, das die Brüder alsbald belagern. In mehreren 
Ausfällen der Belagerten zeigt Karl zuerst seinen Heldenmuth. Allein 
die Besatzung ist zu schwach und die beiden Vormünder Karls ent- 
schliessen sich zu Unterhandlungen. Während dieser wird Karl Ge- 
legenheit gegeben zu entfliehen; seine Beschützer schlagen sich in 
ihr Land durch und überlassen den Bastarden den grössten Theil 
des Reiches, das diese, ohne jedoch den Versuch zur Krönung zu 
machen, von nun an inne haben. Inzwischen war Karl, begleitet von 
Morand von Riviere, nach Spanien zum König Galafre von Arago- 
nien entflohen. Unter dem Namen Maine tritt er dort als Morands 
Sohn auf und gewinnt bald die Liebe des Königs wie des ganzen 
Hofes. Auch in Kriegen, die Galafre mit seinen Nachbarn führt, 
zeichnet sich Karl aus. Der König hatte eine Tochter, namens Ga- 
lienne; der Ruf von Karls Tapferkeit drang auch zu ihren Ohren 
und sie begann dem jungen Helden ihre Neigung zuzuwenden. Ein 
grosses Fest, das der König an den Ufern des Ebro gibt und 
an dem auch Galienne mit vielen Frauen Theil nimmt, bezaubert 
sie völlig. Karl spielt die Harfe und tanzt meisterlich, und erhält 
als Preis einen Blumenkranz aus Galiennes Händen. Aber erst 
nachdem die Königstochter sich selbst damit geschmückt, will Karl 
ihn annehmen. Auch in seinem Herzen zündet die Liebe ; bald 
werden mit Hilfe von Vertrauten die Liebenden vereinigt und 
schwören sich ewige Treue. Galienne wird heimlich von Morand 
getauft und ebenso heimlich mit Karl vermählt, dessen Herkunft 
Morand der Königstochter entdeckt. Das Glück der Liebenden währt 
nur kurze Zeit. Bramante, König von Afrika, der von Galiennes 
Schönheit vernommen, lässt um sie werben. Galafre willigt ein, aber 
die Tochter verweigert ihm anzugehören. In Folge dessen abschlägig 



— 11 — 

bescliieden, sammelt der zornige Afrikaner, von andern Königen un- 
terstützt, ein grosses Heer, um Galafre zu bekriegen. In der ersten 
Schlackt schon wird Galafre mit seinen drei Söhnen gefangen ge- 
nommen. Um zu befreien eilt zuerst Morand in den Kampf; ihm 
widerfährt das gleiche Schicksal. Karl sammelt den Rest des ara- 
gonischen Heeres und liefert den Heiden eine grosse Schlacht, in der 
er einen sarazenischen König, namens Polinore, tödtet und das be- 
rühmte Schwert Durandale, dem nichts widerstehen kann, gewinnt. 
In einer zweiten Schlacht greift er Bramante selbst an, der, ein 
fürchterlicher Riese, unermessliche Kraft besitzt. Ein Hieb des gu- 
ten Schwertes Durandale schneidet ihm das Haupt ab. Die Afrika- 
ner stürzen sich in wilde Flucht; Galafre und seine Söhne wie Mo- 
rand werden befreit. In der Siegesfreude entdeckt Karl dem Könige 
seine Herkunft und sein Verhältniss zu Galienne. Der dankbare Ga- 
lafre ist nicht nur mit allem einverstanden, sondern lässt sich selbst 
taufen. Zwar erweckt dieser Schritt ein wenig das Missfallen der 
andern Sarazenenkönige ; aber Galafre, auf Karls Beistand vertrauend, 
fürchtet sich nicht. Er rüstet ein Heer, um Karls Ansprüche auf den 
fränkischen Thron geltend zu machen, allein zuvor unternimmt er 
auf Karls Antrieb einen Zug, um dem von andern Sarazenen bedräng- 
ten Pabste zu Hilfe zu kommen. Ueber die Pyrenäen, Alpen und 
Apenninen ziehen sie nach Rom und heben die Belagerung auf. Zum 
Dank ertheilt ihnen der Pabst zahlreiche Privilegien für sie und ihre 
Nachkommen. Jetzt erst zieht Karl in die Heimath. Er kehrt über 
die Alpen zurück und lässt an der französischen Grenze Galafre und 
Galienne, während er selbst mit einem kleinen, aus Spaniern und Ita- 
liänern bestehenden Heere, das aber durch die treugebliebenen Un- 
terthanen mehr und mehr anschwillt, den Usurpatoren entgegenzieht. 
Reinfroy begegnet ihm mit seiner Macht am Ufer der Loire: der 
Fluss trennt beide Heere. Während sie sich zum Uebergange an- 
schicken und Reinfroy, der edlere von beiden Brüdern, seiner Pflicht 
als Heerführer obliegt, sinnt der treulose Heudry auf Verrath: er 
verkleidet sich als Pilger und kommt, mit Muschelstabe und Pilger- 
tasche sowie einem falschen Barte versehen, in Karls Lager. Unter 
dem Vorwande, ein Almosen zu erbitten, weiss er sich dem Tische 
zu nähern und will auf die Schüsseln ein Pulver praktizieren, das er 
aus seiner Kürbisflasche geholt. Der Verrath wird entdeckt, man fin- 
det, dass das Pulver Gift ist, und den Verräther trifft die Strafe. 
Er soll gehangen werden, aber mit Rücksicht auf seinen Vater ver- 
urtheilt ihn Karl zu der weniger schimpflichen Strafe des Köpfens. — 
Der Verrath des einen Bruders dient zum Sturz des andern. Karl 
lässt in Reinfroys Lager die That Heudrys verbreiten und verspricht 



— 12 - 

allen denen, die zu ihm übergehen, Verzeihung. Fast das ganze Heer 
Reinfroys verlässt diesen, die übrigen strecken ihre Waffen. Reinfroy 
ergreift die Flucht, wird ereilt und wie sein Bruder geköpft. Karl, 
nun im Besitz des ganzen Reiches, lässt sich in Rheims krönen; ein 
grosses prächtiges Fest findet statt. Gegen Ende des Jahrs gebirt 
Galienne ihm einen Sohn, der aber bald, wie die Mutter selbst, starb. 
Nachdem Karl ein Jahr Wittwer geblieben, vermählt er sich mit der 
Tochter des Lombardenkönigs Didier (Desiderius) aus politischen 
Gründen, die ihn ebenso bald nachher nöthigen, sie zu Verstössen. 
Nach ihr heiratet Karl noch drei Frauen. Das zweite Buch ent- 
hält Karls Kriege mit Desiderius, den Sachsen und den Sarazenen 
in Spanien, dann seinen Zug nach Rom, um Pabst Leo, den augen- 
und zungenberaubten, zu befreien. Ein Wunder gibt auch hier, wie 
im Karlmeinet und anderwärts, dem Pabste Gesicht und Sprache wie- 
der. Das dritte Buch endlich enthält seinen Zug nach Spanien, d. h. 
die Roncevalschlacht und was ihr bei Turpin vorhergeht und folgt, 
den (nach der Bibliotheque des Romans a. a. 0. 134) der Dichter 
hier ausschliesslich benutzt. 

Eine zweite Darstellung von Karls Jugend und seiner Flucht 
nach Spanien geben die Reali di Francia im sechsten Buche (cap. 
14 — 47.) Diese Darstellung weicht noch mehr als Girard von 
Amiens von Karl Meinet ab, daher kann ich mich auf eine kurze 
Inhaltsangabe der betreffenden Capitel beschränken. Auch hier wird 
wie bei Girard die Geschichte der wahren und falschen Bertha vor- 
ausgeschickt : letztere wird verbrannt. Auch ihre beiden Söhne , die 
hier Lanfroi und Olderigi heissen, sollen das Schicksal der Mutter 
theilen, werden aber auf Fürbitte begnadigt und beim Leben gelas- 
sen. Die wahre Bertha wird zurückgeführt und gebirt Karl den 
Grossen. Von seinen Augen heisst es, übereinstimmend mit Turpin, 
,niemand habe ihn mit festem Blicke ansehen können.' Er wurde 
Morando von Riviera zur Erziehung übergeben und dieser widmete 
ihm mehr Sorgfalt als wenn er sein eigenes Kind gewesen wäre. 
Als Karl 12 Jahr alt war, gebar seine Mutter ein Töchterchen; zu 
derselben Zeit war Lanfroi achtzehn und Olderigi fünfzehn Jahr alt. 
Inzwischen wurden die beiden Bastardsöhne durch beständige Briefe 
von Mainz aus zur Rache angefeuert; man hielt ihnen vor, dass, 
wenn Karl fünfzehn Jahr alt geworden, er zur Herrschaft gelangen 
und sie, die älteren, dem Kinde einer Hure unterthan würden. So 
beschlossen sie Bertha, die gerade ein zweites Töchterchen geboren, 
zu vergiften ; ihr Anschlag gelang ; die Tochter Hess Pippin Bertha 
die zweite taufen. Nicht zufrieden mit der Vergiftung der Stief- 
mutter trachteten die ehrgeizigen Brüder auch nach dem Leben ih- 



— 13 — 

res eigenen Vaters. Sie überfielen ihn in seiner Kammer und er- 
mordeten ihn mit Messerstichen. Karl, der die Drohungen gegen 
sein eignes Leben, die sie bei dieser That ausstiessen, vor der Thür 
vernahm, entfloh aus Paris; auf der Strasse nach Orleans traf er 
einen Hirtenknaben seines Alters. Nachdem er mit diesem die Klei- 
der vertauscht, kam er nach der Abtei St. Omer, in der er freund- 
lich aufgenommen und verborgen gehalten wurde. Hier findet ihn 
der treue Morand auf und beschliesst, weil er das Kloster für nicht 
sicher genug hält, mit ihm ausser Landes zu gehen. Der Abt ver- 
sieht Karl mit Waffen und einem Ross und so machen sie sich auf 
den Weg nach Spanien. Sie kommen nach Saragossa, zum König 
Galafro , der über ganz Spanien herrscht. Karl hat den Namen 
Mainetto angenommen. Er wird zum Diener der drei Söhne Ga- 
lafros, Marsilio, Balugante und Falsiron, angenommen. Eines Tages, 
am ersten April, speiste der König in seinem Garten. Da erschien 
seine Tochter, Galeana, begleitet von 20 Jungfrauen und begann 
Harfe zu spielen, während die Jungfrauen tanzten; Karl aber kniete 
inzwischen vor dem Könige und schnitt ihm vor. Sobald die Kö- 
nigstochter ihn erblickte, war sie in ihn verliebt, wiewohl sie noch 
nicht das zur Liebe erforderliche Alter hatte. Nach dem Essen gieng 
Karl im Garten umher und machte sich einen Kranz, den er auf 
sein Haupt setzte. Das sah Galeana und sprach zu ihrer Vertrau- 
ten: ,ich wollte der Knabe wäre mein Mann.' , Schweig, Thörin,' 
erwiederte die andre, ,bist du so hochgeboren und willst einen Die- 
ner zum Gatten ?' Galeana antwortete : ,was weisst du, wer er ist ? 
seine Geberden verrathen einen Edelmann: ich will, dass er mir den 
Blätterkranz gibt, den er auf dem Haupte trägt.' Sie gieng auf ihn 
zu und bat ihn darum. Er meinte zwar, ihr gezieme ein Kranz von 
Rosen, aber schliesslich gab er ihn ihr. Noch war in seinem Herzen 
keine Liebe zu der Jungfrau ; seine Gedanken standen nur auf die 
Heimkehr und alle Tage betete er deswegen zu Gott. So blieben 
sie fünf Jahre in Spanien. Da bat eines Tages Galeana ihren Vater, 
dass er Mainetto ihr zur Bedienung gebe; sie erhielt Gewährung und 
Hess ihm ein Scharlachkleid machen, das bis auf die Füsse herab- 
gieng. Als sie sich nun einst mit ihm und ihrer Vertrauten allein 
in ihrem Gemache befand, wo er ihnen bei Tische diente, sagte sie 
,Wo ist deine Geliebte?' Karl erröthete und entgegnete nichts. ,Hast 
du noch keine Frauenliebe kennen lernen?' fragte die fünfzehnjährige 
Galeana weiter. Karl dachte an den Tod seines Vaters und seufzte. 
Sie fuhr fort ,Wer bist du?' Er gab sich für den Sohn eines auf 
dem Meer verunglückten Kaufmanns aus Barcelona aus. Die Ver- 
traute bemerkte ,so gezieme er ihr nicht zum Liebhaber;' aber Gä- 



— 14 — 

leana glaubte ihm nicht, sondern fragte »Willst du mein Geliebter 
sein?' Karl fiel ihr zu Füssen, bat sie, keinen Spott mit ihm zu 
treiben und sagte ,Er werde nie ein Weib lieben, bis er in seine 
Heimat zurückgekehrt. 4 Galeana merkte alles, was er sagte. Nach 
dem Essen eatfernte sich Karl, aber die Liebe hatte ihn entzündet. 
Der König Galafro wollte seine Tochter vermählen und entbot ein 
grosses Fest, zu welchem viele heidnische Fürsten und Könige ka- 
men. Es sollte ein grosses Turnier stattfinden und Galeana fragte 
Karl scherzhaft, ob er nicht auch eine Lanze brechen würde? Er 
erwiderte, er verstehe nicht zu turnieren; aber in dem Augenblicke 
begegneten sich ihre Blicke und jedes schlug die Augen nieder und 
seufzte. Morand redete mit Karl von dem Turnier und rieth ihm, 
sich nicht zu betheiligen, denn es sei für sie beide gefährlich. Karl 
versprach es ; aber als er am ersten Tage zugesehen, schlich er sich 
in seine Kammer und holte die mitgebrachten Waffen hervor. Zu sei- 
ner Betrübniss entdeckte er, dass sie nicht mehr brauchbar waren. 
Beim Essen fragte Galeana, warum er so nachdenklich sei. Er ge- 
stand ihr den Grund. Sie lächelte und sprach , Willst du Galeana 
lieben, wenn sie dir Waffen und Boss gibt?' Er versprach es und 
beide Liebende gelobten sich ewige Treue. Sie stattet ihn turnier- 
fähig aus und er siegt im Turnier. Jetzt erst erfährt Galeana, wer 
er ist. Sie lässt sich von Morand taufen und wird mit Karl heim- 
lich vermählt. Was nun folgt, stimmt mit Girard, so weit es der 
Auszug beurtheilen lässt, ziemlich genau. Bramante, der von einem 
der Könige, die beim Feste zugegen waren, von Galeanas Schönheit 
vernommen, lässt um sie werben und kommt, als sie ihm verweigert 
wird, mit einem Heere vor Saragossa. Zuerst wird Galafro, dann 
Morando, der ihn befreien will, gefangen genommen. Karl rüstet 
sich zum Kampfe und erschlägt den König Polinoro, dem er das 
Schwert Durlindana abgewinnt. Am andern Tage erneuert er die 
Schlacht und trifft mit Bramante zusammen. Der Kampf beider wird 
ausführlich beschrieben; einzelne Details stimmen zum deutschen 
Karlmeinet. Karl weicht den Schlägen des Heidenkönigs aus (vgl. 
Karlm. 91, 55), dieser ergreift das Schwert mit beiden Händen und 
führt einen ungeheuren Schlag gegen Karl , der ihm ausweicht, 
und das Schwert fährt tief in die Erde. Jetzt erst tödtet Karl den 
Feind. Hoch geehrt und reich belohnt bleibt er bei Galafro , ein 
vieltägiges Fest feiert den Sieg. Die Reali lassen hier einen Krieg 
Galafros oder vielmehr Mainettos mit Gualfedriano folgen, den 
Agolante, der Bruder des erschlagenen Bramante, anstachelt. Ugieri, 
(d. h. Ogier), der Sohn dieses Gualfedriano, wird Karls Freund und 
lässt sich taufen , nachdem er erfahren , wer er ist. Beide verabre- 



— 15 — 

den mit Morand und Galeana die Flucht, weil Galafros Söhne Karl 
aus Neid nach dem Leben trachten. Die Brüder verfolgen die Flie- 
henden und es kommt zum Kampfe. Nachdem die Gegner überwun- 
den, gehen die Flüchtlinge nach Rom, von da nach Baiern und end- 
lich nach Frankreich. Die beiden Bastarde ziehen ihnen mit Heeres- 
macht entgegen. In der Schlacht tödtet Karl den einen der Brüder, 
Lanfroi; der andere, Olderigi, wird gefangen genommen. Karl er- 
obert Paris und schlägt mit eigener Hand Olderigi das Haupt ab. 

Dem niederrheinischen Gedichte nähert sich am meisten die Dar- 
stellung von Karls Jugendgeschichte in der gran conquista de ultra- 
mar, auf die Ferdinand Wolf (über die beiden wiederaufgefundenen 
nl. Volksbücher von derKöniginn Sibille und vonHuon von Bordeaux. 
Wien, 1857) aufmerksam gemacht. Auch diese Darstellung weist auf 
eine französische Quelle (Wolf, a. a. 0. S. 7), die gleichwohl von der- 
jenigen verschieden ist, die dem deutschen Gedichte zu Grunde liegt. 
Der Name der spanischen Königstochter ist in dem spanischen Texte 
Halia, was sich an Galia (Galie) der deutschen Bearbeitung am näch- 
sten anschliesst und von den sonst gebrauchten Namenformen stärker 
abweicht. Ich will auch von diesem spanischen Texte, den Wolf 
(a. a. 0. S. 92 — 105) hat wieder abdrucken lassen, einen Auszug ge- 
ben. Der König Peppino gab seinem Sohne Karl Morant de Ribera 
und Mayugot de Paris, zwei wackere Ritter, zu Erziehern. Als nun 
der König starb, geriethen die treuen Männer in grosse Betrübniss, 
denn die beiden Bastardsöhne waren mächtig und die Grossen des 
Reiches hielten zu ihnen , weil sie viel Geld hatten. Karl aber war 
arm, doch war er ebenso gross und stark wie jene, wie wohl er noch 
nicht über zwölf Jahr, die Brüder bereits gegen zwanzig waren. Es 
blieb ihm nicht eine einzige Stadt, kein einziges Schloss, worin er 
sich vor ihnen hätte vertheidigen können. Seine Erzieher wussten 
keinen andern Ausweg, als ihn so lange auf ihre Kosten zu erziehen, 
bis er selbst aus eigenem Verstände handeln könnte, um, wenn er in 
Zwist mit seinen Brüdern gerathe, ihm beizustehen. Diese aber 
trachteten, wie sie Karl und seine Schützer aus dem Wege schaffen 
könnten. Sie sandten zu Morant und Hessen ihm die Wahl, entwe- 
der mit seinem Schützlinge das Land zu verlassen, oder ihn in ihrem 
Hause zu erziehen. Morant war über diese Botschaft sehr betrübt, 
er berieth sich mit Mayugot und sie kamen dahin überein, in die 
zweite Forderung unter der Bedingung zu willigen, dass keinem von 
ihnen ein Schade geschähe. Die Brüder Karls waren damit zufrieden, 
denn sie hofften, wenn er erst einmal in ihrer Gewalt sei, nach Will- 
kür mit ihm verfahren zu dürfen. Karl kam ; als ihn jene so schön 
und gross sahen, fürchteten und hassten sie ihn noch mehr. Sie 



— 16 — 

suchten nach einem Vorwande ihn zu verderben. Er ward wie ein 
anderer Page gehalten, denn sie glaubten, wenn er erwachsen sei, 
werde ihm das eine Schande dünken und er sich beschweren; da- 
durch fänden sie einen Vorwand, wie sie ihn brauchten. So gieng es 
bis zum vierzehnten Jahre. Karl gewann nach und nach alle Tugen- 
den, die einen Ritter zieren. Durch Mayugot, der immer um ihn 
war, während Morant zuweilen sich entfernte, um seine Ländereien 
zu besuchen, erfuhr er, wie seine Stiefbrüder ihn des Erbes beraubt 
und es wuchs sein Hass gegen die Usurpatoren heran, wie auch der 
Grimm dieser gegen ihn. Jetzt schien die gewünschte Gelegenheit 
gekommen zu sein. Bei den Franzosen war damals ein Spiel üblich, 
die Tafelrunde genannt, bei welchem am letzten Tage ein junges 
Mädchen einen gebratenen Pfau aufzutragen pflegte, auf den die Rit- 
ter ihr Gelübde thun mussten. Die Brüder geboten nun Karl an 
Stelle des Mädchens den Pfau zu tragen und hofften durch seine 
Weigerung .einen guten Grund zu haben, ihn zu verderben. Aber 
Karl erfuhr es vorher. Weinend erzählte er es seinen Erziehern, die 
beriethen, was zu thun sei. Sie beschlossen, alle ihre Verwandten 
auf diesen Tag zu entbieten; diese sollten Panzer unter den Klei- 
dern tragen und theils bei der Tafelrunde zugegen sein, theils sich 
verborgen halten. An dem bestimmten Tage nun musste Karl wider 
seinen Willen in die Küche gehen und dreissig von seinen Beschüt- 
zern erwählte Ritter begleiteten ihn. Karl wollte den Pfau auf kei- 
ner silbernen Schüssel tragen, sondern bloss am Bratspiess. Als El- 
doys, der jüngere der beiden Brüder, ihn so kommen sah, sagte er, 
nun sehe man, von welch schlechter Herkunft Karl sei. Da erwiderte 
Karl : ,das lügst du wie ein Schurke.' Jetzt stand der andere Bru- 
der auf und wollte ihn schlagen. Karl aber hob den Bratspiess mit 
dem Pfau mit beiden Händen empor und schlug ihn so gewaltig, 
dass er zu Boden stürzte. Darauf Hess er den Spiess fallen und 
gieng fort: alles sprang mit Schwertern und Messern nach, um ihn zu 
tödten. Die dreissig Ritter aber, die draussen vor dem Zelte ge- 
blieben, empiiengen sie mit Waffen und tödteten einige. Jetzt ent- 
stand allgemeiner Lärm und Kampf. Morant mit seinen Rittern kam 
Karl zu Hilfe, Ranfred, der ältere der Brüder, ward verwundet und 
wäre getödtet worden, wenn ihn nicht die Uebermacht seiner Solda- 
ten befreit und zu Rosse gebracht hätte. Karl kämpfte ritterlich 
und zwang die Feinde, in ein nahe gelegenes Schloss sich zu flüch- 
ten Nun hielt er mit Morant und Mayugot Rath ; alle drei begaben 
sich zum Herzog von Burgund, der sein Freund war. Als aber der 
Herzog vernahm, dass Karl kein Geld hatte, seine Brüder dagegen 
reich waren und bereits mit einem mächtigen Heere anrückten, hielt 



— 17 — 

er und Karls Erzieher es für besser, dass er eine Zeit lang aus 
dem Lande entwiche. Die Wahl fiel auf Spanien, weil sie dort sei- 
nen Grossvater Flores glaubten; inzwischen hatten aber, ohne dass 
sie davon wussten, die Mauren das Land erobert. Karl theilte nun 
die Eitter, als Pilger verkleidet, in je zwei und zwei, und wollte mit 
ihnen in der Gascogne zusammentreffen. Er selbst nahm Morant und 
Mayugot mit sich. Als sie sich alle in Bordeaux zusammengefunden, 
erfuhren sie, dass der Herr des Landes, ein maurischer Fürst, mit 
dem Herrn von Toulouse, gleichfalls einem Mauren, Krieg führte. 
Sie boten jenem für Sold ihre Dienste an, die er gern annahm. Sie 
verhälfen ihm zum Siege über seinen Feind, so wie über die Mauren 
im spanischen Gebirge. Während dieser Zeit wurde Karl immer 
Mainet genannt und von seinen Gefährten als Knappe behandelt, da- 
mit er unerkannt bliebe. Yon der Tapferkeit der Christen vernahm 
der König von Toledo, Haxen, der mit dem König von Cordova, Ab- 
dalla, und dem von Saragossa, Abraham, kriegte, weil er letzterem 
seine Tochter Halia verweigerte. Der Schatzmeister des Königs von 
Toledo, Halaf, kam im Auftrage seines Herrn zu Morant, um ihn 
nach Toledo zu nöthigen. Mainet war gleichfalls damit einverstan- 
den, dorthin zu gehen. Der König empfieng sie ehrenvoll in seinem 
Schlosse, das der Palast Galianas hiess. Bald nachher fiel der 
König von Saragossa, ein Mann von riesenmässiger Stärke, wieder 
mit einem grossen Heere ein. Morant und seine Genossen wurden 
zum Beistand angerufen. Da beschlossen Morant und Mayugot, Mai- 
net nicht am Kampfe theilnehmen zu lassen. Es war am frühen 
Morgen, Mainet schlief noch in seiner Kammer; diese schloss Morant 
zu und nahm den Schlüssel mit sich. Halaf zog mit den Rittern 
von Toledo dem Feinde entgegen, es kam zur Schlacht und von 
beiden Seiten fiel eine grosse Menge Volkes, bis Morant mit den 
seinen kam und den Sieg entschied. Die Feinde flohen zum Könige 
von Saragossa und erzählten ihm von der Tapferkeit der Christen. 
Der König spielte Schach und warf den ersten, der ihm die Nach- 
richt brachte, mit einem Roch todt zu Boden. Aber als der zweite 
dieselbe Kunde sagte, da sammelte er sein Heer und zog unter Dro- 
hungen den Christen entgegen. Inzwischen hatte die Königstochter 
ihren Yater gebeten, sie auf den Thurm des Palastes steigen zu las- 
sen, um die Christen in den Kampf ziehen zu sehen. Sie sah ihnen 
nach, bis sie sie aus den Augen verlor. Dann setzte sie sich an ein 
Thurmfenster, um ihre Rückkehr abzuwarten. Während sie dort sass, 
hörte sie Mainet erwachen, er wollte heraus, konnte aber nicht; er 
rief, keiner hörte ihn. Da verfluchte er die Stunde seiner Geburt und rief 
wehklagend Yater, Mutter und Grosseltern. Haha hörte alles, er that ihr 

2 



— 18 — 

leid, doch vernahm sie gern, dass er von so hohem Geschlechte war 
und es dünkte sie, ihr könne kein besserer Mann werden. Ihren 
Vater und ihren Glauben vergessend, stieg sie von dem Thurm herab 
und gab sich für eine Dienerin aus die zu seinem Frommen käme. 
Als er sie fragte, ob sie auch aus Frankreich sei, da nannte sie sich 
und versprach ihn zu befreien und ihm Waffen und Ross zu geben, 
wenn er sie heirate; sie wolle dann Christin werden und ihm den 
grössten Theil des väterlichen Schatzes verschaffen. Mainet war des- 
sen zufrieden; sie suchte nun so lange, bis sie einen Schlüssel fand, 
der die Thür öffnete. Sie gab ihm Waffen und ein Schwert namens 
Durandarte. So eilte er in den Kampf, der sich inzwischen zum 
Nachtheil der Christen gewendet. Mainet drang auf den König von 
Saragossa ein und schlug ihm mit gewaltigem Streiche, als er eben 
einen Ritter tödten wollte, die rechte Hand ab, bald darauf die linke 
und tödtete ihn; sein Haupt schnitt er ab und hieng es an den Sat- 
telbogen. Um nicht erkannt zu werden schlug er einen Seitenweg ein, 
allein Morant und Mayugot wollten durchaus erfahren, wer der 
tapfere Ritter gewesen: letzterer eilte ihm nach und erreichte ihn. 
Anfangs wollte Mainet sich nicht zu erkennen geben, endlich gestand 
er wer ihm die Waffen verschafft, und bat ihn es Morant zu ver- 
schweigen. Mayugot war einerseits froh, dass Mainet sich so tapfer 
gezeigt, andererseits traurig wegen des Versprechens, das er der 
Königstochter gegeben, denn er fürchtete, sie werde Karl von seinem 
Glauben abwenden, weil er die Schlauheit der Heidinnen kannte. Er 
hielt für besser es Morant mitzutheilen. Auf beider Rath versprach 
Karl sie nicht mehr zu sehen und zu sprechen. Das gieng einen 
Monat so fort. Die Königstochter die sich betrogen wähnte, bewog 
ihren Vater den Christen den Sold zu entziehen. Sie wären nun gern 
nach Frankreich zurückgekehrt, allein ohne Geld durften sie es nicht 
wagen. Morant rieth nun doch, dass Mainet die Jungfrau sähe; da- 
zu war dieser gern bereit und entschuldigte sein langes Ausbleiben 
mit Krankheit, was Halia gern glaubte. Morant und Mayugot wur- 
den von den Liebenden ins Vertrauen gezogen, die Jungfrau schwur 
bei ihrem Glauben, mit Mainet nach Frankreich zu entfliehen und 
Christin zu werden; dagegen schwur Mainet sie dann zum Weibe zu 
nehmen. Von Halias Seite wurde nur ihre vertrauteste Dienerin mit 
der Sache bekannt gemacht. Halia bestand darauf von Karl geküsst 
zu werden, weil es sonst kein festes Bündniss sei, und die Erzie- 
her willigten endlich darein, wiewohl sie noch Heidin war. Die Jung- 
frau sorgte nun dafür, dass die Christen reicheren Sold bekamen als 
vorher und dass namentlich Mainet von ihrem Vater herrliche Ge- 
schenke erhielt. Nachdem sie berathen, auf welche Weise die Flucht 



— 19 — 

zu bewerkstelligen sei, schien es das sicherste, dass Mainet mit 
seiner ganzen Ritterschaft abziehe und dann Morant mit wenigen Be- 
gleitern sende, um die Jungfrau zu holen. Halia fand sich darein 
nicht gleich mit Mainet zu entfliehen. Noch einige Tage warteten 
sie, bevor sie den König um Urlaub baten. Inzwischen erhielt 
Mainet einen Brief vom Herzoge von Burgund, den die beiden Stief- 
brüder gezwungen seine Freundschaft für Karl aufzugeben, wenn 
nicht, so verliere er das Leben. Sie hielten ihn gefangen und aus 
dem Gefängniss entbot er und mit ihm die meisten Grossen des 
Reiches ihre Liebe und Sehnsucht nach seiner Rückkunft. Ungern 
gewährte der König von Toledo den erbetenen Urlaub, mit Schmer- 
zen nahmen Mainet und Halia von einander Abschied. Als die Stief- 
brüder von Mainets und seiner Genossen Ankunft vernahmen, sannen 
sie auf einen friedlichen Vergleich. Mainet wies das zurück; mit 
dem mitgebrachten Gelde gewann er viele Freunde und lieferte den 
Brüdern eine Schlacht, in der er siegte. Sie mussten aus dem Lande 
fliehen, der Herzog von Burgund ward befreit, ,wie es seine Ge- 
schichte erzählt, die alle diese Thaten vollständig behandelt' (Wolf 
a. a. 0. S. 102). In Achen ward Mainet gekrönt und erhielt den Namen 
Carlos-Mainet. In allem Glücke aber vergass er nicht der geliebten 
Halia, sondern sandte Morant sie zu holen. Der König von Toledo 
nahm diesen freundlich wieder auf. Morant gelang es Halia zu spre- 
chen, die an Karls Treue verzweifelnd nahe daran war sich selbst 
zu tödten. Um die Flucht zu erleichtern, stellte sie sich krank; 
Morant musste alles vorbereiten, wobei sie ihn mit Geld unterstützte. 
Als alles bereit war, liess sie sich von dem Palaste an einem Seile 
herab und nur von Morant, ihrer treuesten Dienerin und einem 
Ritter begleitet, entkam sie glücklich in Mannestracht. An der fran- 
zösischen Grenze tödteten sie die Begleiterin und den Ritter und 
kamen beide allein zu Karl, der sie freundlich empfieng. Die Köni- 
gin erhielt in der Taufe den Namen Sibilla und Karl vermählte sich 
erst jetzt mit ihr. 

"Wir haben hier vier verschiedene Darstellungen, von denen keine 
unmittelbar aus der andern geflossen sein kann. Die Reali di Fran- 
cia folgten vermuthlich auch einem französischen Vorbilde, wie Wolf 
(über die neuesten Leistungen u. s. w. S. 25, Anmerk. 3) meint: 
auch stimmt dazu die Form der Namen Lanfroi, Riviera u. s. w. 
Da der Karlmeinet und der spanische Text nach französischem Ge- 
dichte gearbeitet sind, so muss es vier französische Recensionen gege- 
ben haben, die auf mündlicher vielfach abweichender Ueberlieferung 
beruhen, ähnlich wie dies bei den verschiedenen Texten des Rolands- 
liedes der Fall ist, nur dass in unserm Falle die Abweichungen im 

2* 



— 20 — 

Einzelnen vielleicht noch stärker als in der Kolandssage sind. Aus 
mündlicher Ueh erlief erring schöpfte das Gedicht, dem der erste Theil 
der deutschen Compilation folgt: 95, 11 

mir sade ein pilgrin we he sege, 

dat üp dem selven grave lege 

me dan düsent voder steine, 
welche Berufung der deutsche Dichter aus seinem Original mit her- 
übergenommen hat. Als Grundbestandtheil, der allen Darstellungen 
gemeinsam ist, stellt sich folgendes heraus : Karl entflieht, vor seinen 
ihm nach dem Leben trachtenden Stiefbrüdern Holderich und Rein- 
frid, von Morand begleitet, zum Könige Galafre, gewinnt die Liebe 
der Königstochter Galiana, besiegt in Galafres Gefolge den heidni- 
schen König Bramante und gewinnt das Schwert Durendart. Nach 
Frankreich zurückgekehrt erlangt er den väterlichen Thron wieder ; 
die beiden Usurpatoren verlieren das Leben. Dies der Kern der 
Sage, von welcher sich, wie es scheint, am meisten die Darstellung 
der Reali entfernt, und dem Girard von Amiens am nächsten steht. 
In einzelnen Zügen stimmt das deutsche Gedicht, ausser dieser 
allgemeinen Grundlage, mit der französischen und italiänischen Dar- 
stellung. Karl soll gekrönt werden und die Brüder wissen die Krö- 
nung zu hintertreiben: im deutschen Gedichte mit List, indem sie 
Karl den Fürsten in der Küche bei unwürdiger Beschäftigung zei- 
gen, im französischen mit der Gewalt des Schwertes. Es findet dann 
ein festliches Mahl statt, nach Girard beim Erzbischofe von Rheims, 
dem deutschen Gedichte fehlt hier etwas, weil die einzige Handschrift 
eine Lücke hat; vermuthlich aber geben Hoderich und Hanfrät hier 
in Paris den Fürsten das Fest. Nach Girard setzen sie sich auf die 
obersten Plätze, auch im Karlmeinet (21, 3) heisst es ,sie giengen mit- 
ten unter die Fürsten sitzen'. Ein gebratener Pfau wird in den bei- 
den Gedichten aufgetragen. Im deutschen ist es Karl, der ihn selbst 
aufträgt und auf des Schenken Dietrich Antrieb ihn Hoderich ins 
Gesicht schlägt. Bei Girard fordert Reinfroy den jungen Helden 
auf, ihnen als Diener den Pfau zu zerlegen und darüber erbittert 
schlägt Karl beide Brüder mit dem Pfau. Es erhebt sich ein Kampf 
nach diesem Akt der Selbstrache; bei Girard knüpft sich hieran die 
Belagerung einer Burg, in die sich Karl und seine Freunde geflüch- 
tet und von welcher aus Karl nach Spanien entkommt. Im deutschen 
Gedichte legen die Brüder arglistig den Streit bei, um Karl nachher 
um so sicherer zu verderben. Diesem geahnten Verderben entreissen 
ihn seine Getreuen, indem sie ihn aus Frankreich führen. Galafre 
ist König von Saragossa, im Karlmeinet residiert er zu Toledo. Das 
Yerhältniss Karls zu Galiena ist in beiden Gedichten wesentlich ver- 



— 21 — 

schieden: Girard erzählt von einer heimlichen Vermählung und von 
Galienas Taufe. Auch im Karlmeinet glaubt Galie an den Christen- 
gott, aber weder lässt sie sich gleich taufen, was erst in Frankreich 
geschieht, noch ist sie mit Karl vermählt. Die Gefangennehmung Ga- 
lafres und Morands kommt im Karlmeinet nicht vor; dem Kampfe 
mit Polinore entspricht etwa im deutschen Gedichte der an derselben 
Stelle erzählte Kampf Karls mit Kaiphas, den Karl erschlägt. Bei 
Girard und ebenso in den Reali gewinnt Karl das Schwert Durendart 
von Polinore, im deutschen Gedicht ist Breimunt der Besitzer und 
Karl kämpft es ihm ab. Der Fall Bramantes ist allen Darstellungen 
gemeinsam. Dass Karl nach der Schlacht Galafre alles entdeckt, 
und dieser, damit einverstanden, sich selbst taufen lässt, sagt nur 
Girard. In dem was folgt treffen beide Gedichte insofern zusammen, 
als Galafre sich rüstet, um Karl mit Heeresmacht in Frankreich wie- 
der einzuführen, aber die dazwischen liegenden Ereignisse, die auch die 
Reali haben, in Italien fehlen dem deutschen Gedichte. Auch der 
Sturz der beiden Brüder weicht in der französischen und deutschen 
Darstellung ab; nur will ich bemerken, dass die von Heudry ange- 
wandte Verkleidung als Pilgrim an Roharts List im zweiten Theile 
des deutschen Gedichtes erinnert. 

Noch geringer als mit Girard sind die einzelnen Aehnlichkeiten 
mit den Reali. Ausser wenigen Stellen im Zweikampfe Karls mit 
Bramante ist eigentlich nur die heimliche Entführung Galeanas 
durch Karl zu nennen, die aber im deutschen Gedichte erst geschieht, 
nachdem Karl sein Reich wieder gewonnen und nochmals, als Pilger 
verkleidet, nach Spanien zurückgekehrt ist. Die Ereignisse, die sich 
an diese Entführung knüpfen, berühren weder Girard noch die Reali. 
Diese beiden Quellen nähern sich aber darin einander, dass Karl mit 
Galiena heimlich vermählt und Galiena von Morand getauft ist; fer- 
ner im Zweikampfe Karls und Polinores und der damit verbundenen 
Gewinnung des Schwertes Durendart, endlich im Zuge Karls nach 
Italien, nachdem er aus Spanien geschieden. Morand von Riviere 
heisst in beiden Quellen der treue Beschützer und Begleiter Karls. 
Auch im deutschen Gedichte ist ein Morand (27, 42) mit Karl nach 
Spanien gezogen, der im Kampfe gegen Breimunt das Leben verliert, 
auch keineswegs der einzige und bedeutendste Begleiter Karls ist, 
sondern eine untergeordnete Rolle spielt. Girard und die - Reali 
lassen ihn glücklich mit Karl nach Frankreich heimkehren, und dies 
scheint die echte Fassung der Sage zu sein. Morant von Riviere 
tritt im zweiten Theile des deutschen Gedichtes als Hauptheld auf; 
davon nachher. Die zweimalige Fahrt Karls nach Spanien, das erste 
Mal mit seinem wahren Namen, das zweite Mal als Pilger verkleidet, 



— 22 — 

die wir nur im deutschen Gedichte finden, ist auch ohne Zweifel 
nicht die ursprüngliche Gestalt der Sage, und die Ereignisse mit 
Orias, Orie und Godin sind eine spätere Verflechtung eines ur- 
sprünglich für sich bestehenden Stoffes in Karls Rückkehr aus Spa- 
nien. Die Vermählung Karls mit Galiena, die um der Doppelhoch- 
zeit willen im deutschen Gedichte auf den Schluss verschoben scheint, 
stellte die Sage wirklich als in Spanien vollzogen dar. 

Bedeutend ist die Uebereinstimmung zwischen dem spanischen 
Texte der conquista de ultramar und dem deutschen Gedichte. 
Namentlich sind es folgende Züge, die sich zum Theil auch bei Gi- 
rard von Amiens wieder finden. Die Sage, dass die beiden Brüder 
Söhne Pipins waren, kannte der Dichter des Karlmeinet auch (vgl. 
1, 32 ff.), der spanische Text wie die andern hält diese Ueberliefe- 
rung fest, die der niederrheinische Dichter nur beiläufig erwähnt. 
Von der Auffindung eines Schatzes weiss die spanische Recension 
nichts, wohl aber von ihrem grossem Reichthum. Dass Karl beim 
Tode seines Vaters zwölf Jahre alt war, sagen übereinstimmend beide 
Texte. Zwei Erzieher (Vormünder) hat nach beiden Darstellungen 
Karl, im Karlmeinet sind es die Brüder selbst, die ja hier nicht als 
Karls Stiefbrüder gedacht werden. Die Brüder trachten Karl nach 
dem Leben; die Gelegenheit bei welcher der verhaltene Groll aus- 
bricht, ist in beiden Darstellungen dieselbe. Ein Fest, bei welchem 
ein Pfau die Hauptrolle spielt. Karl wird wie ein Diener behandelt. 
Als solcher soll er bei dem Feste, dessen Anlass allerdings ein ver- 
schiedener ist, den Pfau auftragen. Nach beiden Darstellungen erfährt 
Karl vorher, welche Erniedrigung ihm zugedacht ist, nach beiden bricht 
er in Thränen aus , muss den Pfau aus der Küche holen und trägt den- 
selben am Bratspiesse. Karl schlägt mit dem Pfau den älteren Bru- 
der (Hoderich im Karlmeinet, Manfred im spanischen Texte, wo 
Heudry (Eldovs) und Reinfroi (Manfred) verwechselt sind) ins Gesicht. 
Allgemeiner Kampf in beiden Recensionen, der auf verschiedene 
Weise beigelegt wird. Von einer Reise zum befreundeten Herzog 
von Burgund sagt der Dichter des Karlmeinet nichts, sondern hier 
begibt er sich, ohne Aufenthalt in Bordeaux, sofort zum Könige von 
Toledo, der Galafres in Uebereinstimmung mit den andern Darstel- 
lungen, im spanischen Texte Haxen heisst; doch bemerke ich, dass 
auch in diesem gegen Ende ein alguazil Alafre auftritt (Wolf a. a. 0. 
S. 103). Nach dem spanischen Texte heisst Karl von nun an Mai- 
net und sein Geschlecht wird verschwiegen; hierin steht also Karl- 
meinet allen Darstellungen gegenüber. Die Uebereinstimmung der 
Namen Halia und Galia hat Wolf bereits bemerkt. Ein riesenmässi- 
ger König fällt im Reiche des Königs von Toledo ein, weil ihm des- 



— 23 -■ 

sen Tochter verweigert wird; im Karlmeinet Breimunt, im spani- 
schen Texte der König von Saragossa. Karl (Mainet) darf nicht am 
Kampfe theilnehmen. Die Königstochter hört ihn vom Fenster aus 
klagen. Die Art wie sie im spanischen Texte Karl ihre Liebe an- 
bietet, ist naturwüchsiger, und darum wohl der echten Auffassung 
der Sage näher stehend. In der conquista gibt sie Karl das Schwert 
Durendart, das er nach den übrigen Recensionen im Kampfe gewinnt. 
Karl hängt des Besiegten Haupt (im Karlmeinet Kaiphas) an seinen 
Sattelbogen. Einer Vertrauten der Königstochter wird das Verhält- 
niss mitgetheit; von einer Vermählung in Spanien und einer vorher- 
gegangenen Taufe ist ebensowenig im Karlmeinet als im spanischen 
Texte die Rede; sondern beides geschieht erst in Frankreich. Da- 
her ist es folgerichtig, dass jedes Zeichen der Liebe ihnen bis dahin 
versagt ist, in der conquista der Kuss, im Karlmeinet enthält sich 
Karl jeder fleischlichen Berührung. Wiederum stimmt es, dass Karl 
nicht sogleich mit der Geliebten entflieht, sondern dass sie zurück- 
bleibt. Den Sturz der Usurpatoren und Karls Wiedereinsetzung er- 
zählt die conquista so kurz, dass eine Vergleichung einzelner Züge 
nicht möglich ist; aber der Ausgang der Stiefbrüder ist anders er- 
zählt als im Karlmeinet und den übrigen Quellen. Die Entführung 
Halias aus Toledo durch Morant weicht wesentlich von dem ab, was 
im Karlmeinet erzählt ist, denn hier ist es Karl selbst der sie holt. 
Dass Halias Vertraute an der Grenze getödtet wird, ist gleichfalls 
ein der spanischen Darstellung eigentümlicher Zug. Im Karlmeinet 
behält Galie auch nach der Taufe ihren Namen bei. So viel scheint 
aus diesen übereinstimmenden Zügen hervorzugehen, dass die franzö- 
sischen Quellen beider Darstellungen näher mit einander verwandt 
waren als die übrigen Recensionen der Karlmeinetsage. 

In Deutschland ist die älteste Erwähnung und Beziehung auf 
Karls Jugendgeschichte die bei Thomasin, wälscher Gast 1035 

si suln ouch Penelope 

der vrouwen volgn und Oenone, 

Galjenä unde Blanscheflör. 

Das Citat kann sich, auch wenn wir zugeben, dass das nieder- 
rheinische Gedicht noch dem 12. Jahrhundert angehört, auf dieses 
nicht beziehen, wie die verschiedenen Namenformen (Galjena und 
Galie) darthun; das hat schon Rückert (S. 529) bemerkt. Wir müs- 
sen also, wenn nicht Thomasin sich auf ein romanisches Gedicht be- 
zieht, (welche Möglichkeit Rückert mit nicht ausreichenden Gründen 
bestreitet), das Vorhandensein einer zweiten deutschen Bearbeitung 
desselben Gegenstandes im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts an- 
nehmen. Eine solche, die wesentlich von der niederrheinisch-franzö- 



— 24 — 

zösischen abweicht, enthält bekanntlich Strickers Karl. Dass Stricker 
nicht das alte niederrheinische Gedicht benutzt haben kann, hat schon 
W. Grimm (Ruol. liet CY) gezeigt. Er folgte vielmehr einer an- 
dern, bisher noch gar nicht sonst nachgewiesenen Recension; denn 
dass die Weihenstephaner Chronik nicht, wie W. Grimm früher meinte, 
mit Stricker auf eine gemeinsame Quelle weise, sondern dass Stricker 
Quelle der Chronik ist, hat Wackernagel (Literaturgeschichte S. 176, 
Anmerk. 13) mit Recht behauptet. Stricker ist ausserdem noch von 
Heinrich von München benutzt worden (Wackernagel S. 176). Dass 
es ein altes Gedicht war, geht aus Karl 115 ff. hervor: 
diz ist ein altez maere. 
nu hat ez der Strickaere 
erniuwet durch der werden gunst u. s. w. 

Es kann sich dies natürlich auf Konrad beziehen; da aber 
gleich nach dieser Einleitung folgt: dem künege Pippine wart ein 
frouwe gesworn 124, so liegt die Yermuthung nicht fern, dass Stri- 
cker neben Konrads Rolandsliede auch ein selbständiges altes Gedicht 
über Karls Jugend vor sich hatte. Gegen die Annahme, dass der 
dem Stricker vorliegende Text des Rolandsliedes vollständiger und er- 
weitert gewesen, was wir im Yerlaufe der Untersuchung noch ein- 
mal sehen werden, spricht der von W. Grimm (S. CII) bemerkte 
Umstand, dass Karl bei Runzeval als hochbejahrter Greis auftritt. 
War es aber ein selbständiges Gedicht, das Stricker bei seiner Ein- 
leitung benutzte, so kann dies leicht dasselbe gewesen sein, auf das 
Thomasin anspielt. Stricker nennt keinen Namen der heidnischen 
Jungfrau; auch in seiner Quelle könnte Galiena gestanden haben. 
Die Möglichkeit der Benutzung französischer Quellen durch den Stri- 
cker kann eben so wenig als bei Thomasin in Abrede gestellt wer- 
den, da aus dem Daniel von Blumenthal (vgl. Pfeiffers Germania 2, 
449 ff.) erwiesen ist, dass Stricker der französischen Sprache, oder 
vielmehr der provenzalischen, mächtig war. Die Provenzalen aber 
besassen, wie oben gezeigt ist, bereits im 12. Jahrhundert eine der- 
artige Dichtung, in der die heidnische Königstochter Galiana hiess. 

Mit 216, 29 des Karlmeinet beginnt das zweite selbständige 
Gedicht, welches der Compilator aufnahm: das erste schloss mit 
216, 9. Die dazwischen liegenden Zeilen 216, 10 — 28 rühren von 
dem Compilator her, und bilden den Uebergang zu der neuen Er- 
zählung, welche bis 293, 38 geht. Auch hier hat sich wie in I der 
ursprüngliche Schluss ohne Zweifel erhalten. 

293, 24. Got de läze uns also, 
als Mörant ind Galie 
ind ir juncfrouwen drie 



— 25 - 

ere schände ind ere not 
verwunnen, durch sinen dot 
nu ind zo allen stunden 
unse not verwinden 
an sele inde an live, 
so wir mit eren bliven 
ummer me an ende, 
dat unse sele gelende. 

Die Handschrift liest die letzte Zeile vp dat vnse sele by eme 
gelende und fügt noch vier Zeilen hinzu, die ich für Schreiberreinie 
halte, wenn sie auch vielleicht schon in der vom Compilator benutz- 
ten Handschrift standen. Der Eingang dieses Gedichts weicht schon 
äusserlich von allen übrigen Theilen ab: er ist in lyrischem Vers- 
mass aus kurzen und langen Zeilen gemischt. Es scheint aber die 
Form nicht ganz unentstellt überliefert zu sein; das ursprüng- 
liche sind achtsilbige, in der Mitte gereimte Verse mit klingen- 
dem Reime und fünfsilbige mit stumpfem, alle auftaktlos. Dass 
ich achtsilbige, nicht viersilbige Verse annehme hat seinen Grund in 
der Elision 216, 39. 40, welche mit wenigen Ausnahmen in der 
Lyrik ein Zeichen des Inreims ist. Es ist daher dieser Eingang so 

herzustellen : 

Zallen ziden in den dagen 
hört man singen inde sagen, 
trüwe kranke, ere s wanke, 

duget die si alt, 
5 valscheit manichvalt. 

duget ind ere de sint sere 

achterwert gedreven. 

unrecht is becleven. 

wan untrüwe is leider nuwe 



10 

manich durch mede nu verrede 
leider sinen mäc: 
dan komt grözer bäc, 
dat wir ringen nä den dingen 

15 nu in der werkle nie 
dan bevoren e. 

3 liest die Handschrift We truwe sy kranck Ere sy swanck. 4 die 
fehlt. 4 valsch sy ualt. 12 synen mage. 13 Dan äff kompt grosse 
plage. 14 Na den dyngen Dat wir ringen. 15 werlt. 16 Da hee 
bevoren ee. 1 ) 



J ) Auch nachher kommen in dem Gedichte noch einzelne Verse von zwei Hebun- 
gen vor, die aber auf fehlerhafter Ueberlieferung beruhen können : we quät 



— 26 — 

Der Versbau in diesem Gedichte ist ein wesentlich verschiede- 
ner von dem des ersten. Die Yerse sind viel kürzer und regelmässi- 
ger, die klingenden Reime zahlreicher; während jenes mehr dem 
metrischen Gesetze der niederländischen Dichter folgt, schliesst sich 
dieses an deutsche Vorbilder an. Die Verse mit klingendem Reime 
haben gewöhnlich nur drei volle Hebungen mit überzähliger Silbe. 
Ungemein häufig sind Verse von drei Hebungen, deren Reimwort 
zwei Silben mit erster kurzer hat, die unorganisch verlängert wird, 
z. B. 

nu dot mir eine bede 

sunder wederrede 219, 51. 

her zo mime hove, 

den ich mit grozem love 220, 22. 

selver wolde komen, 

als hei hedde vernommen 221, 52. 
und ebenso 221, 54. 222, 4. 222, 24. 222, 48. 224, 34. 224, 
48. 225, 17. 43. 65. 226, 47. 53. 227, 16 (lies verlure: erküre). 
66. 228, 47. 69. 229, 68. 230, 9. 67. 231, 2. 14 u. s. w. 

Aber nicht nur die Verschiedenheit des Versbaues, sondern auch 
die Sprache zeigt, dass I und II von verschiedenen Verfassern her- 
rühren. Endlich macht es der ganze Stil, wie schon Lachmann be- 
merkt hat, wahrscheinlich, dass die Abfassung von II höher hinauf 
geht als die von I: er ist einfacher und doch poetischer, während 
in I schleppend, namentlich die vielen Beziehungen auf den Dichter 
selbst, die meist nur den Vers füllen, und die sich erst im nächsten 
Abschnitte (III) wiederfinden. II hält sich im Ganzen von solchen 
inhaltslosen Berufungen frei; es macht den Eindruck eines Gedichtes 
aus dem Anfange des dreizehnten Jahrhunderts, vielleicht sogar noch 
vom Schlüsse des zwölften: Lachmann setzt es zwischen 1190 — 1210. 
Der Verfasser mochte ein von Heinrich vonVeldeke gebildeter Dich- 
ter sein, mit dem er auch ungefähr die Heimath gemein hat. 1 ) Noch 
weniger als bei I kann man den Dichter einen eigentlichen Nieder- 
länder nennen, wenn gleich auch bei ihm sich eine Neigung zum 
Niederländischen in Ausdrücken zeigt. Einzelne Reste der Anleh- 
nung der Pronomina finden sich in II wie in I : z. B. hadde, hatte er' für 
haddhe 217, 46. sprach (lies spräche für sprachhe) 229, 50. 280, 
55. Einmal sagt der Dichter hundert ministrere de wir nennen spe- 



döt 217, 5. haz ind nit, uutrüwe ind strit 217, 12. 13. alzosamen 262, 20. 
nu over mer 262, 24. dö over mer 274, 39. 
i) Nach Gödecke (Mittelalter S. 698) sind die Bruchstücke von I älter als die 
, sorgfältiger geglätteten' von II: er beachtet dabei nicht, dass zwischen der 
rauheren und roheren Form des zwölften Jahrhunderts und dem wieder 
Roherwerden im dreizehnten eine grosse Kluft liegt. 



- 27 - 

leman 287, 12: war der Ausdruck ministrere in den eigentlichen 
Niederlanden allgemein üblich, so weist auch dies ,wir ; auf einen 
niederrheinischen Dichter, der nur einzelne niederländische und fran- 
zösische Ausdrücke aus seiner Quelle entnommen hat. Bemerkens- 
werth sind die nicht seltenen Syncopen im Eeime, wie sie weder 
in I noch in den spätem Stücken begegnen, ir valt für ir valtet 
(: gewalt) 239, 70. hei lit (: nit) für lidet 253, 28. min sin leit 
(: wärheit) für leitet 254, 22. ir gebiet (: niet) für gebietet 260, 
53. 265, 28. 280, 38: diese Syncope kommt auch in I vor. hei 
hedde mich anders gedot (: not) für getoetet 261, 16. bescheit 
(: stegereit) für bescheidet 279, 13. gebeit (: bereit) für gebeitet 
289, 13. versnit (: zit) für versnidet 290, 39. Ausser Keime steht 
ir stoent für ir stuondet 270, 16. Gewöhnlicher, wenn auch nicht 
allgemein, sind Syncopen wie: den got mint (: sint) für minnet 270, 
50. gedient: gesient 274, 49. verdient: gient 284, 15. Einzelne 
solcher Syncopen begegnen auch in den späteren Abschnitten, z. B. 
stönt: versönt in III, 320, 6. In IV (Karl und Elegast) verdient : 
vrient 389, 2. 390, 60. rit: erbit 386, 42, was eben so gut ridet: 
erbidet geschrieben werden kann, ir moet (muotet) : doet 389, 27. 
Eine Stelle in V wo hei sint: kint 327, 14 reimt, kann leicht geän- 
dert werden. Dagegen in V b hei wart (für wartet) : hovart 458, 49. 
Solche Syncopen gehören zu den niederländischen Anklängen in II. 

Das Gedicht gibt sich als eine einzelne aventüre aus dem Leben 
Karls, vgl. 217, 15 

dat deit uns kunt ein aventüre, 

de Karle geschach mit sime wive, 

der reinesten de van live 

dö zo den selven ziden was. 

Li dem vom Compilator benutzten Gedichte wird hier wohl eine 
Erwähnung Galiens und ihrer Herkunft gefolgt sein, die der Compi- 
lator natürlich wegliess. Es nennt sich ein Lied, wie I auch: Nu 
höret vort we geit dit liet 219, 33. want mir sade dit liet 289, 28. 
Auch heisst es ,Leich': als mir sade der leich 235, 66, also ein 
französischer Lai de Charlemagne. 

Auch dieses Gedicht folgt einer französischen Quelle : sie wird 
zwar allgemein eine wälsche genannt, aber bei dem damaligen Ge- 
brauche des Wortes ist nicht zu zweifeln, dass eine französische ge- 
meint ist; das ergeben zum Ueberfluss viele französische Ausdrücke 
die darin vorkommen. Berufungen auf ,das wälsche' finden sich 
häufig: in dem welschen ich it las 217, 10. als ich it an dem wel- 
schen las 217, 19. 267, 55. 275, 28. als mich dat welsche machde 
wis 218, 6. 231, 48. als ich an dem welschen las 219, 20. nu 



— 28 — 

hört wat ich me las ind mich dat welsche berichte 230, 1. als dat 
welsche lerde mich 232, 37. so als mir dat welsche sacht 234, 14. 
dat welsche alsus heschiet mich 253, 1. als ich it in dem welschen 
las 258, 10. ind mir dat welsche ergehe (= erjaehe: so statt erge- 
de!) 276, 27. als mich dat welsche beschiet 279, 13. als dat welsche 
üt lechte mit runen i) inde machde wis 284, 48. als ich an dem 
welschen las 292, 35. Der Verfasser war nicht ungelehrt: er citiert 
einen lateinischen Pentameter 216, 67. 68 

Quod nova testa capit, inveterata sapit. 

Das Gedicht bildet ein in sich geschlossenes Ganze, ebenso wie 
I: es erzählt, wie die moralische Einleitung schon kund gibt, den 
an Morand geübten Verrath und die schliessliche Bestrafung der 
Verräther und endet wie gewöhnlich mit mehreren Heiraten. Den 
Inhalt des Gedichtes anderweitig im einzelnen nachzuweisen, ist mir 
nicht gelungen: Keller (zu 225, 30) fährt die bekannte Stelle Albe- 
richs (2, 105) an, die bereits Wolf (über die neuesten Leistungen 
u. s. w. S. 156) eingehend besprochen: super repudiatione praedictae 
reginae, quae dicta est Sibilia, a cantoribus gallicis pulcherrima con- 
texta est fabula. 

Die von Alberich erwähnten Einzelheiten der Sage stimmen, 
wie Wolf gezeigt hat, genau zu dem spanischen Prosaroman und 
dem niederländischen Volksbuche, so wie zu den Bruchstücken einer 
altfranzösischen chanson de geste, die Wolf nachgewiesen hat. 
Diese Darstellungen aber gewähren nur wenige Anhaltspunkte zur 
Vergleichung mit dem niederrheinischen Gedichte. Dass Sibilia und 
Galiena (Galie) identisch sind, hat Wolf dargethan, es ergibt sich 
zweifellos aus der oben mitgetheilten Darstellung der gran conquista 
de ultramar. Karl befindet sich zu S. Denis, als ihm die Untreue 
seiner Gemahlin yon den Verleumdern berichtet wird (Wolf a. a. 0. 
S. 125, Karlm. 224, 66). Die Königin soll verbrannt werden (Wolf 
S. 127, Karlm. 262, 43). Almerique de Narbona tritt für die Un- 
schuld der Königin auf (Wolf S. 127), ebenso im Karlmeinet Am- 
merich (253, 69). Auberin de Mondiser steht im spanischen und 
niederländischen Texte auf Sibillens Seite (Wolf S. 127), im Karlm. 
(240. 242) Droons von Mundesdier. Ein Zweikampf entscheidet in 
beiden Darstellungen, nur ist im Karlmeinet nicht von Auberis Hunde 
die Rede, sondern es kämpfen der Kläger und der Angeklagte. Die 
Schuldigen werden an Rossschweife gebunden und geschleift (Wolf 
S. 137), auch im Karlm. 285, 14 werden sie von Pferden zerrissen. 
Ein Graf Morante als Vasall Karls legt in den Prosadarstellungen 
Fürbitte ein (Wolf S. 154), so stimmt auch wenigstens dieser Name 



!) mit rimen ? 



— 29 — 

zu dem Helden des Gedichtes. Das sind aber alle Züge, die sich 
vergleichen lassen: im Uebrigen gehen die Darstellungen weit aus- 
einander und weisen höchstens auf einen gemeinsamen Kern, der 
sich aber nach verschiedenen Richtungen hin sowohl in der Prosa 
wie im Gedichte bereits sehr entwickelt hat. 

Mehr Uebereinstimmung, aber auch nur im allgemeinen, mit dem 
Gedichte zeigen die Andeutungen, welche die conquista de ultramar 
enthält. Die betreffende SteUe lautet (Wolf, Königin Sibilla S. 103) : 
e porque la dueiia amava al conde Morante e se iiava en el, porque 
la levava bien e mucho en salvo, mostraua selo en todas las cosas 
tanto que algunos que lo dessamavan por embidia que le haviam, 
levantäronle que el dormia con ella e rebolvieronlo con Carlos di- 
ziendo que no podria ser, que aquel amor tamano fuesse sino por 
aquella razon: e tanto era el gran amor que Carlos havia a la 
dueiia, que lo ovo de creer de manera que, comoquier que no hiziesse 
mal al conde Morante, no le mostrava ningun amor assi como ante 
solia hazer: assi que aquellos mesmos que lo (al conte Morante) re- 
bolvieren, le metieron tamano miedo, que se ovo de yr de la tierra, 
que fue cosa de que pesö mucho a Carlos : porque despues que torno 
cristiana a la ynfanta e le puso por nombre Sebilla e casö con ella 
e la hallo quäl devia: creyö que era mucho errado contra el conde 
Morante e embiöle a rogar que se viniesse para el; mas el conde, 
con gran miedo que havia del, no lo osö hazer: por que Carlos ovo 
tan gran sana contra il, que pusiera en su coracon di nunca lo per- 
donar, e hizieralo assi sino fuera por Mayugot .de Paris que tan 
afincadamente le rogava cada dia por el, hasta que le hizo tornar 
en su amor e lo perclono. Die freundschaftlichen Beziehungen zwi- 
schen der Königin und Morant de Ribera haben ihren guten Grund 
in den Diensten, die letzterer der Herrin geleistet, indem er es 
war der sie aus ihrer Heimath nach Frankreich entführte. Im deut- 
schen Gedichte, wo diese früheren Beziehungen fehlen, hat das innige 
Verhältniss zwischen Galie und Morant keine rechte Begründung. 
Die Beschuldigung aber ist in beiden Darstellungen dieselbe, vgl. 
Karlm. 218, 36 ff. 

dat wil ich uch leren, 

we he mit valscher minne 

Galie de koninginne 

hat bedrogen zo sime live, 

dat he si zo eime wive 

hat zo allen stunden. „ 

dat hän ich bevunden 

mit minen ougen, want icht sach, 



— 30 — 

dat he bi erem live lach, 

als ein man mit sime wive. 
Karl glaubt den Verleumdern und entzieht Morant seine Huld. 
In dem Gedichte, und dies steht hierin gewiss dem echten näher, 
soll es beiden Angeklagten ans Leben gehen. Nach der conquista 
entweicht Morant der Ungnade des Königs und dieser sendet, nach- 
dem er sein Unrecht eingesehen, zu ihm, um ihn holen zu lassen. 
Auch in dem Gedichte entbietet er Morant an den Hof zu kommen, 
aber hier geschieht es, damit er sich verantworte. Schliesslich jedoch 
findet nach beiden Redactionen eine Versöhnung statt. Wir sind 
nach den Andeutungen in der conquista berechtigt anzunehmen, dass 
dem spanischen Bearbeiter eine Fassung der Sibillensage vorlag, 
die mit dem deutschen Gedichte und dessen französischer Quelle zu- 
sammenhieng, aus der er aber nur eine, wie schon Wolf bemerkt 
hat, etwas verwirrte Inhaltsangabe entnahm. 

Wir müssen noch besonders des Verhältnisses von II zu I ge- 
denken: beide Gedichte stehen durch ihren Inhalt und einige der 
Hauptpersonen in nächstem Zusammenhange. Der Verfasser von II 
kannte auch die Sagen von Karls frühester Jugend, von seiner Flucht 
nach Spanien, aber in anderer Gestalt, als sie in I uns vorliegen. 
Dadurch erklären sich einige Widersprüche zwischen I und II, die 
der Compilator nur theilweise und schlecht beseitigt hat und die 
wiederum verschiedene Autorschaft beider Gedichte beweisen. Wir 
haben oben aus der Darstellung Girards von Amiens und der 
Reali di Francia gesehen, dass Morant von Riviere Karls Begleiter 
nach Spanien war, und dass auch im ersten Theile des deutschen 
Gedichtes ein Morant als Karls Begleiter auftritt, der im Kampfe 
mit den Heiden getödtet wird (83, 20). Es ist dies ohne Zweifel, 
wie sich aus Vergleichung der andern Quellen ergibt, derselbe Morand, 
der der Held in II ist, d. h. Morand von Riviere, aber der Compi- 
lator musste natürlich, um den Tod Morands an jener frühern Stelle 
zu motivieren, zwei verschiedene Männer dieses Namens annehmen, 
grade wie aus ähnlichem Grunde die Sage zwei Rolands annahm. 
Er sagt daher 219, 15 

weit irs nu erbeiden, 

so wil ich üch bescheiden 

van desem Morande, 

den man van Rivere nande, 

dat dat de Morant niet enwas, 

als ich an dem welschen las, 

Everharts *) geselle, 

de mit nedervelle 



i) Evert die Hs. 



— 31 — 

van Bremunde wart erslagen, 
als ich it hän hören sagen 
de bi stunden sint gewesen 
dat si horden lesen 
van Karies kundicheide. 

Die Worte als ich an dem welschen las sprechen nicht dagegen, 
dass diese Verse Zusatz des Compilators sind, denn dieser bedient 
sich nicht selten solcher aus seinen Quellen entlehnten Wendungen. 
Nähmen wir an, dass diese Verse dem Dichter von II, nicht dem 
Compilator zukämen, so müssten wir zugleich zugeben, dass jener I 
gekannt habe, dass mithin I älter sei als II. Abgesehen davon, dass 
alle Gründe für ein höheres Alter von II sprechen, kann auch aus 
Gründen des Inhalts der Dichter nicht das erste Gedicht gekannt 
haben. Morand bezieht sich, der Untreue angeklagt, auf die Karl 
geleisteten Dienste in Spanien und sagt 

239, 40. ich hän üch trüweliche 
dicke ind gewisse 
gedient an verretnisse 
(des nemen ich got zo tröste), 
do ich üch erloste 
in üre kintheide 
van den deven beide, 
Hoderich ind Hanfräde, 
de dicke gengen zo räde 
we si üch deden vergeven 
ind üch nemen üwer leven. 
it is war dat ich sage, 
des moeste ich vur dage 
niet offenbar an stille 
an Gaffers J ) mins vader wille 
durch rechte trüwe ind leve 
geliche eme deve 
mit üch rümen dit lant *) 
ind quämen da mir (wir?) unbekant 
wären al geliche, 
in ein vremdez riche 
zo dem koninge von Tollet 
ind dede üch nennen Meinet 
ind mich Mörant von Rivere 
ind dede üch ouch Galafere 
machen ritter werde 3 ). 
ich was ouch de dat herde 



') wol Garners zu lesen: denn 240, 41 heisst es min vader Garner. 2) Gaen 
gelich eme deve Ind mit uch rumet dyt lant A. 3 ) van werde A. 



— 32 — 

dat ir zo den ziden 
manich schone riden 
redet dicke mit gewalt 
inde ir den koninc valt 
von Afrike Bremunt, 
üp einen dach inde stunt 
240. mit üre hant benämt sin leven. 
ouch so halp ich üch geven 
den rat, dat min vrouwe 
üch gaf sulche trouwe 
ind gelofde sulche stedicheit, 
als noch hüt dis dages deit 
ein reine vrouwe er manne, 
ind sich ouch droste danne 
mencher grozen blischaf 
ind si durch leve geinc ir af 
mit üch üp ür genäde. 

Die Beziehungen an dieser Stelle auf den Aufenthalt Karls in 
Spanien weisen zum Theil auf andere Quelle, als sie uns im ersten 
Theile des deutschen Gedichtes vorliegt. Höderich und Hanfrät 
trachten nach II dem jungen Karl nach dem Leben, indem sie ihn 
vergiften wollen: das stimmt mit I. Karl flieht zum Könige von 
Tolet; aber Morant stellt sich hier, wie es bei Girard und in den 
Reali der Fall ist, als den einzigen Begleiter Karls dar, während 
von David Dietrich und Eberhard nicht die Rede ist. Er nennt sich 
Morand von Riviere, welcher Zusatz im ersten Theile nicht vorkommt. 
Karl nimmt den Namen Meinet an (in I Karl Meinet) wie auch bei 
Girard Maine, in den Reali Maineto, in der conquista Mainet, um 
sein Geschlecht und seine Abkunft zu verleugnen, während im ersten 
Theile gleich bei der Ankunft in Spanien Karls Abstammung dem 
Könige genannt wird (33, 40). In den Versen 240, 2 — 11 liegt 
eine weitere Beziehung auf die Rolle, welche Morant in dem Liebes- 
verhältnisse Karls und Galiens gespielt, wovon der erste Theil nichts 
weiss. In den beiden letzten Versen ausserdem die Andeutung, dass 
Galie gleich mit Karl aus Spanien entfloh, wie es Girard und die 
Reali auch erzählen; von einer nochmaligen Fahrt Karls nach Spa- 
nien wusste der Dichter von II nichts. Noch einige Widersprüche 
mit I finden sich in II: Morant erzählt (224, 36 ff.) seinen Mannen 
er habe den Rath gegeben, dass Höderich und Hanfrät gefangen 
würden; davon weiss aber der erste Theil nichts. Auch von der in 
228, 50 enthaltenen Beziehung kommt in I nichts vor: 

als Hügon mit nide 
durch Hoderiches wille 



— 33 



offenbare ind stille 

hat georloget lange stunt. 

Es kann sich dies recht gut auf Hugo von Auvergne beziehen, 
der in G-irards Gedichte Karls Beschützer ist und mit Hoderich 
Krieg führt. Die Fassung der Sage kam also in II bedeutend der- 
jenigen näher die wir bei Girard und in den Eeali finden. 

Ein Widerspruch von II mit sich selbst ist das Ross Blanzet, 
welches Morand reitet, Während dasselbe schon 234, 16 stirbt, 
kommt es im Kampfe Morands 275, 9 nochmals vor: sin güde ros 
Planzet, dat he brachte von Tollet. Mit einem spätem Stücke der 
Compilation (V) widerspricht sich II darin, dass in II Baldewin als 
ziemlich erwachsen im Alter von Roland geschildert wird : sie heissen 
beide bachelere (264, 29) und sind leibliche Geschwister, ihr beider 
Vater ist Mile (264, 30): in V dagegen ist Baldewin zur Zeit des 
Zuges nach Spanien noch ein hilfsbedürftiger Knabe und Rolands 
Stiefbruder, Geneluns Sohn. 

Eine merkwürdige Uebereinstimmung zwischen I und II zeigt 
sich an mehreren längeren Stellen, die ich einander gegenüber stellen 
wiU. 

I. II. 

291, 45. ind allen den gerichten 
de da zo angesichten 
de trusseten vur drogen 
in lovesamer vogen. 
dar wart geschenket der win 
mit menchem vazze guldin. 

291, 69. . . als en wal zam. 
dar enwas neman gram, 
mer blide vro ind gemeit : 
want dar (was) herschaf gereit 
ind mencher hande wunne 
me dan ich gesagen kunne. J ) 

292, 6. dat man dar af sagen mach 
biz an den domesdach. 2 ) 
van ministreren de schare, 
de durch nemen quämen dare, 
de mosten alle werden rieh, 
want Karl, dat wizzet werlich, 
der edel koninc walgeborn, 
gaf dar selve sunder zorn 
ros pert silver golt. 
des moste man em wesen holt. 



21, 8. we mancher hande gerichte 

de trusseten vure drogen. 
in lovesamer vogen 
brachten de schenken den win 
mit menchem koppe guldin. 

209, 32. als en beiden wal gezam. 
do enwas zo hove neman gram, 
mer blide vro ind gemeit: 
want da was herschaft gereit 
ind mancher hande wunne 
me dan ich gesagen kunne. 

209, 40. dat man dar af sagen mach 
biz an den lesten dach, 
zo der brüloch so quämen dar 
varender lüde manche schar, 
de mosten alle werden rieh, 
want Karl, dat sagen ich werlich, 
der edel koninc walgeborn, 
hei gaf do selve sunder zorn 
ros pert silver golt. 
des moste man em werden holt. 



') Hs. Dat ich gesagen kunne. 2) Hs. donneis dach. 



34 — 



he gaf grä, he gaf bunt, 
he gaf so vele zo der stunt, 
dat sulche gäve enwart gesen 
ne noch ne, sal man gen. 
de vursten ind de andern heren 
gäven do mit grozen eren. 
it was do allet gevens rive. 
so weme dar bleif an sime live 
ein gut kleit, dat wizzet in trouwen, 
dat mochte man zo wunder schou- 
wen. 

208, 21. der burger sone de basallere 
ind begunden harde sere 

ein burderie machen, 
des man wal mochte lachen, 
mit vrouden si sich understächen. 
menich sper si zobrächen. 
de stach den, de den weder, 
eteliche quämen dar neder. 
so si des genoch plagen da, 
so enwart it niet lanc dar nä. 
210, 57. machen manchen stolzen 
danz. 
nu hadde Godin sinen kränz. 

209, 61. des dages do droch over hof 
Karl der edel koninc de kröne, 
so dede Galie de schone. 

210, 45. wilcher wunnen 

dat si plagen, 
do si do bi ein lägen. 
210, 51. da was leide sunder clage. 
de brülof werde verzen tage, 
so al de vorsten van dem riche 
do mosten bliven semencliche: 
so däden ridder inde vrouwen. 
de sach man do sunder rouwen. 



he gaf grä inde bunt, 
he gaf so vele zo der stunt, 
dat sulche gäve enwart gesen 
niet noch ne, des solt ir gen. 
de vursten ind de andern heren 
gäven do mit grozen eren. 
it was do allet gevens rive. 
so weme dar bleif an sime live 
ein gut kleit, dat wizzet in trouwen, 
dat mochte man zo wunder schou- 
wen. 

292, 40. de junge bachelere 
si begunden harde fere 
ein burderie machen, 
des man wal mochte lachen, 
mit vrouden si sich understächen. 
menche sper si zobrächen. 
der ein stach dar, der ander weder, 
eteliche velen neder. 
do si dis genoch geplägen da, 
so enwart niet lanc dar nä. 

292, 50. Karl der machde do einen 
danz. 
ouch so hadde he einen kränz. 

292, 53. do drog he enboven 
eine riche kröne. 

so dede eine schone 

293, 4. wilche vroude ind minne 
de leve samen plagen, 

do si bi ein lägen. 
293, 7. da was levede äne clage. 
de brüloch werde verzen dage, 
so de vursten van dem riche 
mosten bliven semeliche: 
so däden ridder inde vrouwen. 
si hadden blischaf sunder rouwen. 



Eine Entlehnung muss hier in jedem Falle stattgefunden haben; 
wenn der Dichter von II aus I entlehnte, so muss natürlich I älter 
sein und, wenn II zwischen 1190 — 1210 verfasst ist, der zweiten 
Hälfte des zwölften Jahrhunderts angehören. Wir werden die Mög- 
lichkeit dieser Annahme noch später einmal in's Auge fassen. Ein 
äusserer Entscheidungsgrund lässt sich nicht geltend machen. Beide 
Gedichte schliessen mit Beschreibung eines Festes, in beiden sind 
daher die angezogenen Stellen passend angebracht. Es könnte sein, 
dass weder I von II entlehnte noch umgekehrt, sondern dass der 



— 35 — 

Compilator aus dem einen Gedichte einzelne Stellen bei passender 
Gelegenheit in das andere einfügte, wie er selbst am Anfange des 
dritten Abschnittes in der Festbeschreibung manches entlehnte. 

Von dem hier besprochenen Gedichte haben sich bekanntlich 
ein paar Bruchstücke erhalten, die Lachmann herausgegeben 1 ). Die 
Handschrift, der diese Bruchstücke angehören, ist wenigstens in der 
Mitte des dreizehnten Jahrhunderts geschrieben. Wenn dies richtig, 
so können die Bruchstücke nicht einer Handschrift der ganzen Com- 
pilation zugehören, sondern einer die das vom Compilator aufgenom- 
mene Gedicht noch als selbständiges Ganze enthielt; denn wir wer- 
den sehen, dass die Compilation erst in der zweiten Hälfte des drei- 
zehnten Jahrhunderts entstanden sein kann. Zu dieser Annahme be- 
rechtigt auch die ziemlich beträchtliche Abweichung von dem Texte 
der Darmstädter Handschrift, weniger in einzelnen Lesarten, als in 
ganzen Stücken von zehn und mehr Versen, die in der Darmstädter 
Handschrift fehlen. Dass aber der Compilator kürzte, wird sich 
auch bei andern Gedichten ergeben. Wir sind somit im Stande, die 
Zuverlässigkeit und Treue desselben wenigstens an einzelnen Theilen 
des zweiten von ihm aufgenommenen Gedichtes zu beurtheilen. 

In dem Verfasser des dritten Abschnittes, der mit 293, 41 be- 
ginnt, indem die beiden vorhergehenden Zeilen als Ueberschrift zu 
betrachten sind, und mit 373, 64 schliesst, erblicken wir den Compi- 
lator selbst, der an Dürftigkeit der Gedanken hinter dem Verfasser 
von I und noch mehr hinter dem von II weit zurück steht, ein 
matter sich unablässig wiederholender und in Reimausfüllungen be- 
wegender Reimer, dessen Verse beinahe immer paarweis durch den 
Sinn zusammen gebunden, von einem kunstreichen Brechen der 
Reime kaum eine Spur zeigen, wie es am meisten in II hervortritt, 
dessen Dichter sich auch hierin als Schüler Heinrichs von V eldeke 
erweist. Die ganze Art und Weise zeigt einen Dichter vom Aus- 
♦ gange des dreizehnten Jahrhunderts ; in keinem Falle hat er , wie 
seine Quellen zeigen, vor der Mitte des Jahrhunderts gelebt. In die- 
sem Abschnitt sucht der Compilator, der Karls ganzes Leben in un- 
unterbrochener Reihenfolge schildern wollte, die Lücken, die die von 
ihm benutzten Gedichte Hessen, bis zu dem Zuge nach Spanien, aus- 
zufüllen. Er behandelt hauptsächlich Karls Kriege mit den Sachsen, 
Langobarden, Baiern, den Zug nach dem heiligen Lande, den Kampf 
mit Agolant, mit Ferragut und einiges Andere. Die Hauptquelle ist 



a ) Ueber drei Bruchstücke niederrheinischer Gedichte aus dem zwölften und 
aus dem Anfange des dreizehnten Jahrhunderts, in den Abhandlungen der 
phil. Classe der Berliner Academie 1836, S. 159—190. 

3* 



— 36 — 

das speculum historiale des Vincenz von Beauvais. Welchem Chro- 
nisten der Dichter für die Geschichte der Sachsenkriege folgte, kann 
ich nicht angehen. Dass aber auch hier eine lateinische Quelle vor_ 
lag ist nach dem häufigen Beruf auf ,das Latein' kaum zu bezwei- 
feln. Nur einmal beruft sich der Dichter auf ein ,wälsches' Buch: 
als uns dat welsche quit 303, 41 und zwar gerade in der Geschichte 
der Sachsenkriege. Vielleicht ist demnach für einen Theil derselben 
(303, 36 — 305, 47) eine französische Quelle anzunehmen: kaum 
aber die Chanson des Saxons. Eine ganze französische Zeile findet 
sich mitten in einem aus dem Latein übersetzten Stücke 334, 14 
non pais perle arme mie, wo zu lesen ist non pas le sai per 1'arme 
mie. Berufungen auf das Latein : als ich it ime (Hs. in dem) latine 
las 302, 30. 316, 40. als mir dat latin quit 307, 36. 311, 29. 341, 6. 
344, 61. alsus uns dat latin quit 314, 46. 323, 35. alsus ich ime la- 
tine las 340, 9. also uns dat latin quit 355, 26; keine spätere mehr, 
wie man aus Kellers Angabe (S. 853) schliessen könnte. Einmal 
heisst die Quelle bestimmt , Chronik' : de kr Omca saget uns alsus 
322, 6. Ein paarmal nennt der Dichter seinen Gewährsmann ,den 
weisen Mann, den Weisen' : ouch schritt uns der wise man 302, 23. 
alsus uns der wise schreif 328, 9. Einmal nennt er Turpin: Turpin, 
de uns dit beschreif 339, 26. Die Benutzung von Alberichs Chronik 
ist insofern nicht unwahrscheinlich, als in der Gegend, wo der Com- 
pilator schrieb und lebte, dieselbe jedenfalls bekannt war: aber im 
einzelnen Falle ist die Entscheidung nicht immer sicher. 

In der Angabe der Kinder, die Karl mit Hildegard hatte, scheint 
Einhard (vita Caroli cap. 18) Quelle zu sein oder Albericus, der unter 
der Aufschrift ,sequitur secundum Alchwinum' Einhards Worte zum 
Jahr 770 (Leibnitz 2, 105) ziemlich wörtlich anführt: vgl. auch 2, 152, 
wo aus Hugo Floriacensis die an ersterer Stelle vergessenen Namen 
der drei Töchter nachgetragen werden. 

Einhard 18. Hildegardem 302, 17. si was van hoger geburt . . 

de gente Suavorum, praecipuae ind was Hildegart genant 

nobilitatis feminam, ind was geboren in Swävenlant. 

in matrimonium accepit, ouch schrift uns de wise man, 

de qua dat Karl van ir gewan 

seis schonre kint . . 

tres filios, der kinder dri sone was, 

als ich it ime latine las, . . 

Karolum videlicet der ein was Ludewich genant . . 

et Pippinum ind der ander Pippin . . 

et Ludowicum ind der dirde Karl as sin vader. 

totidemque filias, de ander dri warn juncvrouwen . . 

Hruodrudem, Rotrüde de eine genant was 



— 37 — 

et Bertham ind de ander Bergas: 

de dirde ind de leste 
et Gislam genuit. heiz Gillä de beste. 

Gleichwohl glaube ich nicht, dass der Verfasser unter dem , wei- 
sen Manne' Einhard versteht, sondern viel eher, dass die Handschrift 
Alberichs, die der Compilator benutzte, Einhards Worte vollständiger 
enthielt, als der bei Leibnitz gedruckte Text. Vincentius 24, 25 führt 
auch die sechs Namen der Kinder an, ohne aber Hildegard vorher 
zu nennen und als ihre Mutter zu bezeichnen; daher dieser Autor 
an der Stelle nicht benutzt sein kann. Die Bemerkung, die der 
Dichter an die Namen der Töchter knüpft , dass Karl in unkeuscher 
Weise mit seinen Töchtern gelebt und dass sie desswegen nicht 
standesgemäss verheiratet wurden (302, 47 — 56) ist eine im Mittel- 
alter viel verbreitete Erzählung, zu der zunächst ein paar Worte 
Einhards mögen Veranlassung gegeben haben (vgl. Massmanns Kai- 
serchronik 3, 1024.) Wenn sich hier der Compilator auf ein ,Lied' 
bezieht (alsus saget uns dit liet 302, 56), so ist das nicht wörtlich 
zu nehmen, sondern als eine den Reim füllende Phrase wie so viele 
in III zu betrachten. 

Für die Geschichte des langobardischen Krieges und die darein 
verwebte Erzählung von Amicus und Amelius ist Vincenz benutzt, der 
im speculum histor. 24, 162— 169 die Sage von beiden Freunden 
mittheilt. Auch Albericus (zum Jahre 774) hat sie 2 , 108— 111, 
aber wiewohl er und Vincentius nach gemeinsamer Quelle arbeiteten, 
so ist doch aus der nachfolgenden Vergleichung ersichtlich, dass der 
deutsche Text Vincenz näher steht als Alberich. Der Compilator hat 
die vorausgegangne Erzählung von Amicus und Amelius Freundschaft 
ausgelassen und berichtet nur von ihrem Tode. 

Vincent. 23, 169. 305, 48. Nu was in Lamparten ge- 

sezzen 
ein stolz koninc vermezzen, 
der was genant Desiderius, 
hie itaque Adrianus ind orlogede üp Adriänus 

papa [urbis Romae] *) den päis van Rönie . . 

he hedde den päis gerne ver- 

dreven, 
üp dat eme der stol were bleven. 
an den päis quam dö mere 
dat Karl zo Paris were. 



i) Die eingeklammerten Worte fehlen bei Vincenz in der von mir benutzten 
Ausgabe (Douai 1624. Fol.), stehen aber in der von Mone (Anzeiger 5, 157) 
gedruckten lateinischen Prosa. 



38 



legatos suos ob Romanae 
ecclesiae defensionem misit 
ad Karolum regem Francorum, 



quia valde affligebatur a Desi- 
derio rege Langobardorum. 
mox idem Carolus mitissimus 
atque christianissimus 

misit nuntios suos 

eidem Desiderio, 

deprecans 

ut civitates et reliqua, 

quae beato Petro abstulerat, 

pacifice 

redderet 



promittens ei 
etiam dare 

quatuordecim milia solidorum 

auri. 

sed cum 

neque precibus neque muneribus 
ejus ferocitatem flectere valeret, 
congregavit [ipse Karolus rex] 



regni sui 
multitudinem 



ducum, principum 

et aliorum fortissimorum 

militum nee non episcoporum 

et abbatum: 

inter quos fuit venerabilis Albinus 

Andegavensis episcopus. 



dem sande he stne breve 
ind bat en üp alle leve, 
dat he zo eme wolde komen 
mit allen sinen vromen 
ritteren ind knechten, 
wan der koninc van Lamparde 
sette em zö alzo harde . . 
306, 5. Karl was ein gotvortich man 
ind der heiigen kirchen gehörsam . . 
dar umb hört he des päis bede, 
inde sande harde schere 
sine breve ind boden fere 
zo dem koninc Desiderius 
inde bat en alsus, 
dat he dem päis van Röme 
ind den senätöre 
dat er weder wolde geven, 
sunder einich wederstreven, 
dat he* in hedde genomen: 
h.6 wolde is eme zo denste komen 
ind eme geven zo minnen 
des sins mit göden sinnen 
verzen düset Schillinge 
von golde geslagen sunderlinge. 
Desiderius was ein grimmich man: 
en enkunde beweichen neman 
noch mit gäven noch mit bede, 
noch mit geinre sozer r6de . . . 
Karl der koninc here 
hadde sich dö balde besant 
al umbe ind umbe in sin lant 
ind samede ein gröz her 
ind reit mit schilde ind mit sper 
here zo Lamparden wert 
ind mit em menich ritter wert *). 
üz Engelant ind Vrancrich 
ind üz dütschem lande werlich. 
da was mench abt ind bischof 
ind mench greve ind herzoch. 
da was ouch sante Albin 
ind Amis ind Amelis der geselle 
sin.*) 



i) menche ritter hert Hs. 2 ) Die Erwähnung der beiden Freunde geschieht bei 
Vincenz nachher: in quo (nämlich exercitu) erant comes Amelius et Amicus 
[socius ejus]. 



— 39 



cumque rex ad Clusas approquin- 
quasset et, volens pacifice beati 

Petri 
justitias recipere et sie ad propria 
redire, nullatenus Desiderii meu- 
tern malignam posset inflectere : 
qui 

ad resistendum fortiter 

cum exercitu suo 

fortiter in ipsis Clusis 

assistebat. 

Deus ejus iniquam 

proterviam conspiciens, 

misit 

terrorem validamque trepidatio- 

nem in cor ejus omniumque 

Langobardorum, 

ita ut eadem nocte . . . 



fugam omnes arriperent, 
nemine persequente, 



propriis dimissis tentoriis 
et supellectili . . postea vero 
Desiderio in Campania 
maximo exercitui Francorum 
Anglorum Teutonicorum aliarum 
gentium quae in Italia intraverant 
(vgl. 306, 41) 

facto congressu in loco qui dice- 
batur tunc Pulchra-Silvula, quia 
delectabilis erat 

2. ibi etiam interfectus est 

gener regis comes Amelius 
et socius ejus. 

1. mortua est ibi 



he reit mit desem gedüse 

an eine stat, de hez de Klüse 

dar dede he an ein velt 

üp slän sin gezelt 

inde lachte sich dar neder 

mit menchem manne beder. 

dö Desiderius dat vernam, 

dat Karl intgän en quam, 

he satte sich zo gewer 

mit allem sinem her 

inde reit sunder wän 

entgän Karl den koninc sän . . . 

dö si alsus intgän ein lägen, 

des ersten nachtes sunder vrägen 

sande got unse here 

Desiderius lüden gröz beswere 

ind angest in er herze, 

dat si mit grözem smerze 

bevangen worden in der nacht, 

dat si wänden si weren mit dem 

döde belacht: 
des höven si sich danne 
ind vlüen mit menchem manne . . . 
so dit Desiderius gesach, 
zohant he üp brach 
ind lez stän 1 ) gut inde zeit 
ind reit hene over ein velt, 
in eine stat de hez Campine. 
da vant h6 vele der lüde sine 
ind samende dö ein michel her . . . 
Desiderius en wolde niet beiden., 
ind reit üz der stat schere 
mit menchem schönem banere 
üp ein velt, was wal bekant 
ind was Schönebüch 3 ) genant, 
aldä helt he mit overmöde 
entgän Karl den koninc göde. 

308, 42. he (Karl) stalde rüwe inde 
not 
umb sinen neven Amelis 
ind sinen [leven] gsellen Amis, 
de da wären erslagen. 

304, 49. üp dem velde dort 



') Hs. laen. «) wohl Schönebrüch zu lesen. 



40 



non parva multitudo utriusque 
exercitus ... et ob hanc inter- 
fectionem locus ille usque hodie 
Mortalis vel Mortaria nuncupatur. 



des volkes van beiden partien 
so vele irs levens mosten verzien, 
dat dat velt noch is bekant 
ind is dat dötlich velt genant. 



Dass Amicus und Amelius balsamirt werden, 308, 54 — 57, ist im 
lateinischen Texte nicht gesagt. 



moxque 

reginam Hildegardem cum filiis 
ad se adduci fecit 
. . (civitatem Papiam). 
hortante igitur beato Albino 
cum caeteris episcopis et abba- 
tibus ut ecclesia ibi fabricari 
et interfectorum corpora 
sepeliri juberentur, 
fabricatae sunt duae ecclesiae, 

una jussu regis, 

quae dedicata est 

in honore beati Eusebii 

Vercellensis. 

altera jussu reginae 



in honore beati Petri 
[consecrata]. 



308, 60. Karl der koninc walbekant 
hadde sinen boden gesant 
nä der konigin Hildegart, 
de was komen zo em zo der vart 
vur de stat zo Papiä. 
Sant Albin der was aldä 
ind bat Karl ind de koninginne, 
dat si durch godes minne 
kirchen hezen machen 
mit vil werden sachen 
üp dat velt breit, 
dar de döden warn gespreit . . 
der koninc . . dede machen . . 
eine kirche vele gut . . 
de da zohant gewihet wart 
in ere sant Eusebius mit der vart. 
Hildegart de koninginne 
dede ouch machen mit gudem 

sinne 
eine kirche vele werde . . 
de . . gewihet wart ind bekant 
in sante Peters eren. 



Hier folgt nun bei Vincenz noch Karls Zug nach Rom und dann 
fährt sein Text, ziemlich übereinstimmend mit Alberich und der 
Prosa fort : 



Rex autem . . . 

jussit afferri 

duas archas lapideas : 

in quarum una conditus est 

Amelius, 

apud ecclesiam beati Petri, 
in alia vero Amicus 
apud ecclesiam beati Eusebii. 
Mane autem facto 
dispositione divina 



309, 22. Karl der koninc in wärheit 
dede von kostelichem werke 
machen zwene schöne serke. 
in den einen dede he legen 
Amelis den könen degen, 
in den andern Amis . . . 
ind dede setzen Amelius 
in de kirche sant Eusebius 
ind in sant Peters kirche Amis. 

309, 35. nu dede der almechtic got 
in der nacht sin gebot 
ind ein miräkel gewere, 



41 



est inventum corpus Amelii 
cum sarcophago 
juxta sarcophagum Amici 
in ecclesia regali. 



quos enim deus animi 
concordia et discretione 
invita conjunxit, in morte 
quoque 

separare noluit. ') 
[super quod miraculum rex 
atque regina valde gavisi 
manserunt ibi per triginta 
dies, agentes officia interfectorum 
atque maximas tribuerunt 
dotes basilicae in honore 
s. Petri dedicatae.] 
V. 23, 169. *) Interim exercitus 
Caroli in obsidione civitatis labo- 
ravit, donec post decem menses 
obsidionis . . . Desiderium cum 
suis comprehendit . . . 
ipsum Desiderium 
et ejus conjugem 
secum in Franciam duxit. 

23, 168. 3 ) Postea rediens Papiam ce- 
pit iterumque Romam rediit, 

synodum constituit cum 
Adrian o papa 
aliisque 153 religio sis 

episcopis et abbatibus, 
.in qua Adrianus papa cum 
universa synodo dedit ei 



dat bi ein quämen de here. 
der güde ritter Amis 
quam bi sinen gesellen Amelis 
in sente Eusebius kirche sunder 

wän. 
da vant man si des morgens stän. 
got wiste wal van en beiden, 
dat si sich ne enwolden scheiden 
in engeinre nöde. 
dar umb nä irme döde 
enwolde he si ne gescheiden haven. 

309, 53. Karl dede eme sän 
gewinnen zwene capelän 

ind beval en de kirchen beide, 
dat si si mit arbeide 
besungen ind bewarden 
ind sich dar ane niet ensparden, 
si enbeden vur de seien . . . 
ind gaf en grote rente dar zö. 

310, 1. der koninc reit in de stat 
mit grözen eren unbelat 

ind besach sich al umbe . . 
wä Desiderius were. 
den vant schere der here 
inde nam en mit gewalt 
ind sine vrouwen wal gestalt 
ind sande si in Vrancrich 
gevangen harde vestlich. 

310, 11. Karl besatte de stat ind 
reit zo Röme 
zö dem päise ind dem senätöre. 

32. des machde he sunder wän 
einen grözen rät 
dar inne warn hundert ind dri 

ind vunfzich 
buschove ind ebde van haven rieh, 
ind quämen des alle over ein, 
dat si gäven de macht allein 
Karle dem here, 
zo vil grözer ere, 



l ) Die Worte quos enim bis noluit stehen bei Vinceuz ein wenig 1 früher. Die 
lateinische Prosa hat dafür: O admiranda duorum societas , o ineffabilis Ca- 
ritas, quae nee in morte dividi potuit. 2 ) nach den Worten: in ecclesia re- 
gali. 3 ) Das Folgende hat auch Albericus 2, 111 , der seinen Gewährsmann 
Helinand mit Namen nennt; Vincenz führt keinen Namen an. 



— 42 — 



JUS 

eligendi pontificem 

et ordinandi sedem apostolicam, 
dignitatemque patriciatus, 



insuper archiepiscopos 

et episcopos per singulas provincias 

ab eo investituram accipere defini- 

vit: et ut nisi a rege laudetur et 
investiatur episcopus , a nemine 
consecretur : 



dat he hedde gewalt 
zo kesen einen päis junc of alt, 
so wanne der stöl ledich were . . 
ouch gäven si eme de macht . . 
zo setzen dat recht in wirdicheit 
des stols der heiigen kirchen ge- 

meit . . 
dat he over al de lant 
mochte setzen buschof mit siner 

hant 
ind dat neman engeinen buschof 
ensolde consecreren noch geven 

lof 
dan den der koninc hedde gesät, 



omnesque huic decreto 

rebelies 

anathematizavit et nisi resipisce- 

rent, bona eorum publicari jussit. 



it were in lant of in stat, 
ind so wer sich her weder lechte 
mit gewalt of mit rechte, 
der solde in dem banne sin, 
biz he wederdede den schin. 



In dem dann folgenden Sachsenkriege kann weder Alberich noch 
Vincenz benutzt sein; zwar stimmt mit Alberich in einer aus Otto 
von Freisingen entlehnten Stelle das deutsche Gedicht: 



2, 112. incendiisque 
vastata terra. 



311, 33. Karl stalte groze not 
al umbe in dem lande 
mit rouve ind mit brande; 



aber diese Uebereinstimmung mag zufällig sein, denn das übrige 
weicht ab. Die Mersberch 311, 50 ist ohne Zweifel aus Heresburch 
entstellt, Vincentius 23, 170. Albericus 2, 113. 

Im Kriege mit Tassilo ist vielleicht Einhard benutzt; man ver- 
gleiche folgende Stelle : 



Einhard cap. 11. Baioaricum de- 

inde bellum et repente ortum . . 

quod superbia simul ac socordia 

Tassilonis ducis excitavit: qui 

hortatu uxoris, 

quae filia 

Desiderii regis erat, 

ac patris exilium per maritum 

ulcisci posse putabat, 

juncto foedere cum Hunis, qui 



313, 1. Nu was in Beieren gesezzen 
ein herzöge vermezzen, 
der was Tessolon genant, 
sin wip was wal bekant 
over al de riche, 
dat si was dochter gewisseliche 
des koninges van Lamparde . . . 
dat was Tessolon harde swere 
dat sin sweger here 
alsus verdreven was. 



— 43 — 

Bajoariis sunt ab Oriente con- hei machte sinen pas 

termini '.) hene zo den Hünen wert. 

Die Geschichte von Karls Liebe zu der todten Frau (Karlm. 
317—321), die durch so viele mittelalterliche Geschichtsbücher geht, 
berührt weder Albericus, der so viel Sagenhaftes über Karl enthält, 
noch Yincenz. Da in diesem Abschnitte eine lateinische Quelle nicht 
genannt wird, so wäre es möglich, dass der Compilator hier nach 
mündlicher Ueberlieferung dichtete: der Compilator, denn diesem 
fällt durch Stil und Versbau auch dieser Abschnitt zu. Dann folgt 
in dem deutschen Gedichte der Zug Karls nach Italien, um dem 
Pabst Leo zu helfen, und seine damit verbundene Krönung. Auch 
hier kann Vincenz nicht Quelle sein, denn er erwähnt die Geschichte 
mit Leo gar nicht und hat nur nach 24, 1 eine Annotatio, d. h. ei- 
nen kurzen Bericht über die Krönung Karls (801), der aber auch 
nicht zu der deutschen Darstellung stimmt. Ohne behaupten zu wol- 
len, dass sie unmittelbare Quelle des Compilators waren, will ich 
eine Stelle der Annales regum Francorum zum Jahre 799 (ßeuber.31, 
39) mit dem Karlmeinet vergleichen, die im Wesentlichen stimmt. 

Romae Leo papa cum letaniam 322, 66. Zo den selven ziden 

processurus ad ecclesiam wolde päes Leo riden 

beati Laurentii . . equo sedens zo der processien 

pergeret, zo sante Laurencfen. 

in insidias a Romanis dispositas dö lägeden eme de Römere 

juxta eandem basilicam incidit, ind vengen den grözen here 

ubi equo dejectus umbe er grözer bosheit, 

(dat wart en doch sint leit) 

et erutis oculis, ind stächen eme üz de ougen 

ut aliquibus visum est, (dat moste he allet dougen) 

lingua quoque amputata ind sneden eme de zunge af. 

nudus ac sernivivus in platea des was he rechte as ein kaf. 

relictus est. nu was dar bi gesezzen 

a Winigiso duce ein herzöge vermezzen, 

Spoletano, der was von Spöleit. 

qui audito hujusmodi facinore do he vernam dat leit, 

Romam festinus advenerat, he reit zo Rome in de stat 

susceptus ind nam den päes unbelat 

ac deductus est ind vörte en mit em danne 

Spoletium. zo Spöleit mit menchem manne. 



') Vgl. auch Albericus zum Jahre 781 (2, 116): Vincenz 23, 172 ist hier ganz 
kurz: Anno 7. Tassilo dux Bajoariae contra regem Carolum reus majestatis 
adjudicatur, unde a Carolo attonsus cum filio ejus Theodone in monasterig 
relegatur, kann also hierfür nicht Quelle sein. Karlmeinet 314, 7, 

ind brachte Tessalon dar zo, 

dat he ind de sinen worden vrö, 

dat si monche mochten werden, 



44 



Das Wunder, dass der Pabst wieder sehend und sprechend wird, 
erzählt der lateinische Text nicht , der ja auch zu der Verstümme- 
lung des Pabstes die Bemerkung macht ,ut aliquibus visum est': der 
deutsche 323, 18—27 und dann fahren beide fort: 



cujus rei nuntium cum rex 
accepisset, ipsum quidem ut 
vicarium S. Petri et Romanum 
pontificem cum summo honore 



ad se praecepit adduci 
in Saxoniam . . . 



ad Padabrunnon accessit . . . 
venitpontifexetvaldehonorificeab 
illo susceptus est mansitque apud 
eum dies aliquot . . . iterum Romam 
cum magno honore . . . rediit. 



323, 28. dar na harde schere 
vernam Karl de fere ') 
dese mere van päes Leo. 
der wart he sere unvro 
inde sande alzohant 
sine boden walbekant 
zo eme zo Spolit 
(alsus uns dat latin quit) 
ind entbot eme dat he queme 
in dütsche lant zo eme . . . 
der päes . . reit alzohant 
zo Karle in dütsche lant 
ind vant en in der stat 
zo -Padelborne unbelat. 
Karl . . intfenc den päes mit eren 
ind helt en bi em menche zit . . 
ind sande en weder zo Rome 
mit menchem manne schöne. 



Der weitere Verlauf der Erzählung schliesst sich wieder an Al- 
berich 2, 129 (zum Jahre 800), der wiederum aus Otto von Frei- 
singen entlehnt. 



2, 129. ipse quoque Romam 
properat. 

cui pridie quam urbem intraret, 
Leo . . . occurrit 
eumque honorifice suscepit. 
mane facto urbem ingressus 
a pontifice cunctoque populo 
susceptus. 



2, 130 (anno 801). Nam in die 

natalis domini, 
cum rex ad missam ante 
confessionem beati Petri surgeret 
ab oratione, Leo papa 



323, 42. alsus reit Karl zo Röme wert 

ind mit em menich ridder wert. 

dö . . der päes dat vernam, 

hei reit üz mit grözer ere 

entgän Karle dem here 

ind entfinc en minnecliche 

ind vörte en erliche 

mit eme zo Rome in de stat. 

dar quämen unbelat 

de Romere gemeine. 
325, 5. des andern dages it kirsdach 
was. 

ein priester sine misse las. 

de hörde vil gehere 

Karl der koninc here. 

der päes genc vur sant Peters 
eitere 



') Hs. Karl harde fere. 



— 45 



capiti ejus imposuit, 

et a cuncto populo Romano 
acclamatum est ,Karolo Augusto 
. . . imperatori Romanorum.' 
et post laudes acclamatas ab 
apostolico more antiquorum 
principum adoratus est, et ablato 
Patricii nomine imperator et 
Augustus appellatus. 

Romani qui a Constantinopolitano 
jam diu animo desciverant. . . 
Karolo regi imperatoris laudes 
acclamant. 



2, 129. rex concione facta 

causam adventus exponit 
2, 129 (nach Otto v. Freisingen). Leo 

quoque cui aemuli sui magnum 

crimen imposuerant, 
2, 130 (nach Elinand) cum eorum 

nullus probator existeret, 
2, 129 (Otto) nemine cogente 

ex bona conscientia de objecto 

crimine coram omnibus 



2, 130 (Elinand) evangelium 
portans . . . jurejurando ab objec- 
tis criminibus se purgavit. 

2, 130 (anno 801. Elinand) post 
paucos dies jussit imperator 
eos, qui pontificem superiori 
anno deposuerant exhiberi 
et habita ex eis quaestione 
secundum legem Romanam 
tan quam rei majestatis 
capitis damnati sunt: 
pro quibus tarnen papa 
intercessit, 



ind brachte ein crone offenbere 
ind satte si Karle üf sin hoft 

schöne, 
bi gode van dem trone, 
do wart he gerofen ind genant 
,keiser' over al de lant. 
der güde päes Leo 
wiede Karl den keiser do, 
als man noch de keiser deit. 
dar zo was he harde gereit. 
do de wienge was geschiet, 
dö enwoldens läzen niet, 
de senätore ind de Romere, 
si enquemen vur den keisere 
ind kn£den neder vur eme, 
als it en was bequeme, 
ind boden eme groze ere 
ind helten en vur eren here, 
als si vor zo done plagen . . 
von Constantinoblen dem keiser. 

325, 65. des genc he zo gerichte 

sitzen 
mit vele güden witzen. 

326, 11. si sachten ein logenmere, 
ind antworden dem keisere 

dat der päes hedde missedan. 

23. des enkunden de Romere 
mit engeime gewere 
den päes overzogen niet. 
zohant sich der päes beriet 
ind wolde sich der sachen 
mit rechte unschuldich machen., 
inde swor einen eit 
üp dat ewangeljum gemeit, 
dat he des unschuldich were 
des en zegen de Romere. 

35. do wart ein ordel gegeven, 
dat güd inde leven 
solden sten in des keisers hant 
der genre, de hedden geblant 
Leo den grozen here. 
dat (die?) vurderde Karl der kei- 
sere 
ind wolde si don verderven. 
der päes began zo werven 
ind bat harde sere 



46 



Karl den grozen here, 
dat he sich wolde benäden 
ind keren sine genäden 

ut nee vitam nee membra an leven der Römere. 

perderent, Karl., lez en dat leven; 

ii ideo doch wurden si verdreven 

exilio deportati sunt. üz Rome ind in eilende 

Dann erzählt das deutsche Gedicht Karls Zug nach Constanti- 
nopel ; gemeinsame Quelle der lateinischen Bearbeitungen ist Helinands 
Chronicon, aus der sowohl Albericus als Yincenz schöpften. Da nun 
aus dem ebengeführten Nachweis dargethan ist, dass der deutsche 
Dichter Albericus auch benützte, so ist es in diesem Falle zweifel- 
haft , welcher von beiden Chronisten , ob Alberich oder Vincenz, bei 
der nachfolgenden Erzählung zu Grunde liegt. Schwerlich Helinand 
selbst. 

Vincenz 24, 3. *) Karolus autem 
indignantibus contra se impera- 
toribus Constantinopolitanis prop- 
ter invidiam imperatorii nominis 
a Romanis sibi impositi, 



magna illos patientia et magna- 
nimitate tulit, et quia 
suspeetam ejus potentiam 
habebant, crebris eos sibi 
legationibus firmissimo 
foedere conciliabat. 
Vincenz 24, 4. a ) Legitur quod eo 
tempore . . . 

patriarcha Hierosolimitanus 

de civitate expulsus a 

paganis 

venit 

Constantinopolim 

ad imperatorem Constantinum 



327, 48. Nu was zu Constantinoblen 
komen 

de mere, als ich hän vernomen/ 
vur den keiser Constantin, 
so we Karl der ridder fin 
sich an nomen habe der riche.. 
dit was Constantin ungedacht 
ind wart zornich ind swär gemot . . 
60. do Karle dese mere quam, 
zohant he vur sich nam 
sinen boden vele gehere 
ind sande si zo dem keisere 
von Constantinobel Constantin 
ind enbot eme de hulde sin. 

328, 14 (Got) gehengede dö den 

heiden 

dat si mit arbeiden 

die patriarken verdreven, 

also dat en bleven 

zo Jherusalem dat heiige lant . . 

des quämen harde schere 

de patriarken fere 

van (lies vur) Constantin den kei- 
ser here. 



i) Fast wörtlich mit Alberich 2 , 143 (zum Jahre 805) stimmend. Bei Vincenz 
mit der Aufschrift ,Chronographus.' 2 ) nach Helinand pag. 102 : auch Alberi- 
cus hat diese Stelle , aber unter dem Jahre 802 (2, 134) ; diese verschiedene 
Anordnung scheint denn doch zu beweisen , dass der Compilator hier wie 
meist Vincenz folgte. 



— 47 



Vincenz24,4 (Alber. 2, 134). Qua- 

dam nocte in extasi factus vidi 
(so schreibt Constantin) ante lec- 
tum meum quendam juvenem stan- 
tem, qui me blande vocans paulu- 
lum tetigit et ait .Constantine, 
rogasti divinum auxilium ad 
hanc rem: ecce accipe Karo- 
lum magnum regem Galliae 



ecclesiae in domino 
propugnatorem.' 



et ostendit mihi quendam 

militem 

armatum, 

ense praecinctum. 

Ille ad Karolum misit 

cum epistola *) . . . 

hi legati regem 

Parisiis invenerunt, 

et ei epistolas tradiderunt. 

. . . has epistolas jussit rex 

exponere Turpinum archiepisco- 

pum coram omni populo, 

quibus auditis 

omnes proficisci 

regem precabantur. Quo audito 

mox rex edictum 

proposuit . . . itaque majorem 

exercitum, 

quam antea habuisset, 

congegravit 

et profecti sunt. 

cum venissent autem Hierosoly- 



328, 35. hört wat dede got unse 

here: 
he sande vur Constantin 
einen jungelinc, der was fin, 
in sime släfe da he lach, 
der zo eme alsus sprach 
,Constantin, woultu zo deser zit 
werden deser sorgen quit, 
so sende harde schere 
zo Karle dem keiser fere . . . 
ind bidden getrüwelich, 
dat he (dir) zo helpen kome, 
want he is mechtich inde vrome . . 
ind is harde getrüwe 
der heiiger kirchen gehere.' 
noch sprach der jungelinc mere 
jConstantin, sich hinder mich! 
he steit Karl des keisers glich 
gewäpent harde schone 
bi gode van dem trone.' 
dar sach der keiser Constantin 
gewäpent schone inde fin 
einen ridder hinder eme stän, 
der was recht als Karl gedän 
ind hadde ein swert in sinre haut. 

329, 1 . he nam boden mit der vart 
ind dede en schriven breve 

ind sande si mit leve 
zo Karle zo Paris. 
24. he nam den bref in sine hant 
den eme Constantin hadde gesant 
ind deden lesen buschof Turpin 
vur allen den lüden sin. 
dat volc wart dar af beweit 
(dat si üch allen geseit) 
ind baden Karl eren here, 
dat he wolde wrechen de mere . . . 
der keiser samende dö ein her 
mit vil grözer ger 
dat meiste dat he ie [vil] gewan. 
dar quam mench man 
mit deme vur *) he over mer . . . 
hene zo dem heiigen lande wert. 



') Allerdings wird hier hinzugefügt Johannis patriarchae , und nur am Schlüsse 
des Briefes hat Constantin seine Vision beigefügt. 2) Hs. vm. 



48 



do he nii dar quam . . . 
do reit he in einen walt, 
der was harde schöne gestalt 
ind was lanc zweier dachvart, 
al da he inne irre wart 
mit allem sime here. 
in dem walde was mench bere, 
manch lewe inde lepart . . 
manch lintworm inde drache. . 
ind mench ander grimme dier. 
nu nekede harde schier 
de duster nacht . . . 

64. Karl der keser here 
nam des gröz ervere 
ind vel in stn gebede neder 
inde lach dar inne seder. 

330, 23. do he dit gebet hadde gedän, 
dö sach he beneven eme gän 
ein vogelkin, dat was deine 
ind van vederen harde reine . . . 
zohant it dö zo Karle sprach 
,Franke, wat sagestü? 
Franke, wat sästu nü ? . . . 
der keiser mit sinen mannen 
reit eme vaste nä . . . 
also lange biz si vunden da 
einen rechten wech vur en stän 
ind de lüde dar inne gän. 

332, 3. slögen de heiden alle döt 
dat ir wenic van der not 
entquam noch entflö . . . 
Karl . . . nam dö de patriarkenriche 
ind satte si gewaldicliche 
weder in dat heiige lant . . . 
Karl reit danne sinen pas 
hene zu dem keiser Constantine 
mit alle deme volke sine 
ind nam orlof van eme, 
als id was bequeme, 
repatriandi. ind wolde weder heim zo lande. 

Die Einmischung von Roland Turpin und Olivier fehlt im latei- 
nischen Texte. Sie ist vermuthlich vom Dichter hinzugefügt, um 



mam, 

in nemus quoddam, 

quod vix duorum dierum 

spatio solet transiri, 

(errante 

exercitu *) 

in quo erant Grifones, 

ursi, leones et tigres 

et aliae ferae diversae . . 
adveniente nocte . . 

transacto autem noctis 

silentio rex in lecto 

suo accubans inchoavit 

psalmos. 

ecce evidentius vox ad 

aures ejus cujusdam alitis 

prope lectum ejus clamantis 

audita est . . . 

ales iterum clamavit 

,France, quid dicis? 

France, quid dicis?' 

tunc alitem prosecutus est 

rex parvula semita, 

donec recognoverunt 

callem,'quem die 

praeterito amiserant. 2 ) 

Vincenz 24, 4. Alberich 2, 138. 

fugatis 

paganis 

et recuperata 

terra 

petivit rex 

ab imperatore Constantinopolitano 

licentiam 



') Diese beiden Worte stehen im Texte ein paar Zeilen später. 2 ) Vgl. auch den 
Bericht Guidos bei Albericus 2, 136. Nach dem eben angeführten Satze hat 
Vincenz (und Albericus 2 , 135) noch einen kurzen : Peregrini dicunt quod ab 



— 49 



diese Helden Karls hier zu verwenden und die Schlachtschilderung 
zu erweitern, die bei Albericus und Vincenz ganz kurz ist. Eine an- 
dere Quelle ist nicht wahrscheinlich : auf Sagen über Karls Kreuzzug 
deutet die Chronik Turpins : Qualiter dominicum sepulchrum adiit . . 
scribere nequeo. Aus dem altfranzösischen Gedichte ,le voyage de 
Charlemagne ä Jerusalem et ä Constantinople' hat neuerdings (im Jahr- 
buch für romanische und englische Literatur 1, 198 — 211) Paulin 
Paris einen Auszug gegeben. 

332, 24. der keiser Constantin wal 
bekant 
dede bringen Karle do 
vur de porze schone gäve zö, 
golt silver ind schone pert, 
groze ros ind mench gewant wert. 
Karl genc do gedräde 
mit sinen vursten zo räde 
ind quämen des over ein, 
dat he der gäven enkein 
en wolde nemen van Constantine, 
ind sprach ,de not ind de pine, 
de wir he hän geleden 
entgän den bösen heiden, 
dat willen wir gerne hän gedän 
durch den leven got sunder wän, 
sunder umb geine gäve niet, 
wat uns dar van geschiet.' 
Constantin den keisere 
wunderde des harde sere, 
dat Karl van Vrancriche 
niet ennam der gäven riche. 
332, 50 sagt Constantin zu Karl: 
,sö mach dir wol gezemen, 
dattu nemes des heiltüms gehere 
van der passien unses here.' . . 
Karl was des harde bereit 
ind genc dar umbe zo räde 
ind gebot harde dräde 
zo vasten allen sinen lüden 
dri tage, alsus hört ich it düden. 
nä den drin dagen 
wolde Karl der keiser sagen 
Ebroino sine begeit 



Vincenz 24, 4. Alberich 2, 138. 

quem per unum diem retinuit 
imperator apud Constantinopolim, 
et interim fecit parari ante 
portam civitatis animalia 
diversi generis et coloris et au- 
rum et gemmas: Karolus autem, 
. . quaesivit consilium a proceri- 
bus suis quid facere deberet, qui 
responderunt a nullo debere 
eum aliquod munus accipere 
pro labore, 

quem 

pro solius dei amore 

susceperat. 

[tunc imperator 

alteri miranti 

. . . respondit. Guido 

bei Albericus 2, 138.] 

Vincenz 24, 5. Alberich 2, 139. 

tandem adjuratus et coactus 

aliquod munus accipere, petivit 

de reliquiis passionis dominicae. 

inito autem consilio 

indictum est 

jejunium 

triduanum omnibus nostris. 

2. tertia die 

Karolus confessus est 

peccata sua 



illo tempore coeperunt audiri alites sie loquentes in illa terra , und dann fu- 
gatis u. s. w. 

4 



50 - 



Ebroino archiepiscopo. 



1. et duodecim personis 

Graecis, quae electae sunt 

ad hoc sanctuarium dividendum. 

deinde 

psalmos cum litania 

inchoant 

utrique cleri. 

cum autem Daniel 

Neapolitanus antistes 

aperuisset tecam, 

in qua erat 

spinea Corona, 

tantus odor 

exiit inde, 

ut omnes putarent 

se in paradiso esse. 

tunc Karolus 

prostratus in pavimentum 

plenus fide oravit 

dominum, 

ut propter gloriam nominis 

sui miracula suae passionis 

et resurrectionis renovaret. 

et cum orasset, 

statim coelitus 

ros veniens, lignum 

infudit et inebriavit 

et flores emittere fecit, 

tantaque lux 

affuit cum odore, 

ut omnes 

putarent sua vestimenta 

caelestia esse. 

cumque Daniel 

secare inciperet robur 

ipsius ligni adunca forcipe, 

tunc magis ac magis florere 

coepit. 

tunc K&rolus 



dem erzbuschove: des was he be- 
reit, 
do he sine begeit hadde gedän, 
do kos man zwölf paffen sän, 
de dat heiltüm deilen solden, 
also as it der keiser wolde. 
333. dar na dede he over al den 
hof 
singen harde grozen lof 
gode unsem heren 
de clerke mit grozen eren. 
Nu quam Daniel dar zo, 
der buschof von Näpels, do 
ind enslöz üp de kiste, 
dar he innen wiste 
dat heiltüm ind de dornen crone . . 
malllch do entfenc 
den alre sözesten roch, 
dat si (alle) wänden doch 
in dem paradise wesen... 
Karl der keiser walbekant 
viel neder in sin gebet zohant 
ind bat vil innecliche 
unsen heren van hemeMche, 
dat he ein zeichen wolde dön 
umb der willen, de he da sege 

stän, 
dat it gewär heiltüm were. 
dat dede god unse here 
ind sande von hemel her neder 
einen dou, dar van seder 
grone wart de dorne creme 
inde blöde ouch harde schöne, 
inde dar mede quam 
alsulch en licht, als icht vernam, 
mit so sozem röche, 
dat alle de da rochen 
dochte dat ir cleider 
rochen nä dem hemelschen röche 

heider. 
dar nä der buschof Daniel 
begunde zo deilen snel 
de crone mit einre schere: 
do blöde de crone e lenger e mere 
ind de blömen bestönden zo rfsen. 
de entfenc Karl der keiser lise 



51 — 



in arboreo pallio, quod ad hoc 
praeparaverat, suscepit de 
floribus et implevit wantum 

suum dextrum, dehinc alium 
wantum. . tradidit illum Ebroino 
archiepiscopo . . ille putans 

se accepisse et ipse dedisse, 
uterque wantum dereliquit, 
qui fere unius horae spatio 
pependit in aere. 
cumque alterum wantum 



rex spinis implesset, 



et illud episcopo 
tradere voluisset, 

vidit illum p ender e 
in aere. 

post haec cum flores de 
wanto ejicere cuperet, 



conversi sunt 

in manna, 

et hoc manna modo est 

apud sanctum Dyonisium, 

quod a multis putatur 

esse de illo manna 

antiquo, quod dominus 

pluit 

in deserto. 



omnes aegri qui ibi aderant 
ad odorem florum 
sani 
facti sunt. 



üp sinen mantel, den he droch, 

ind vulte dar mede vol genöch 

den hentschen van sinre rechten 
hant 

inde gaf en dat (lies dar) zohant 

Ebroino dem buschove . . . 

Ebroinus wände den hentscho ha. 
ven, 

also als ich it hän entsaven, 

dö bedroch en sin wän: 

de hentsche bleif hän 

tuschen en beiden in der lucht.. 

nu dede eme Karl der keiser 
reichen 

den hentschen van der lurzen 
hant . . 

ind vulte en ouch mit blömen 
vol . . 

Karl der keiser enmerde niet, 

he enkerde sich Ebroino zö 

ind wolde haven den rechten 

hentscho *): 
do sach he en hangen do vil reine 
in der lucht alleine . . 
Karl den (lies der) keisere 
334. nam do de hentschen beide . . . 
ind dede zosamen de blomen. 
alsus hän ich it vernomen, 
dat dar de edelen blömen zart 
wurden hemels brot zer vart : 
dat vint man noch zu sent Dionise 
vil nä bi Parise, 
ind mench mensche wenet des, 
dat dat heiige brot gewis 
si des brotes, dat got unse here 
sande den kindern offenbare 
van Israhel in de wöstenie : 
non pas le sai per l'arme mie. 
noch werte der blomen roch baz. 
allet dat da siech was, 
van des edelen roches macht . . 
dat wart an der stunt 
alzomäle gesunt. 



i) Dem Sinne und dem lateinischen Texte nach muss es heissen ind woldem 
geven den [rechten] hentscho. 

4* 



52 — 



his ita gestis ecce 
ecclesiam violenter intrans 

turba infinita 

clamare coepit 

,vere hodie est resurrectionis 

dies: nam odor de floribus 

exiens totam civitatem 

impleverat, 

et CCC et unum 

aegros sanaverant. 

quidam aeger ibi erat, 

XXIII annos 

et tres menses habens in 

infirmitate sua, surdus et 

mutus, caecus, 

hie in extractione spineae coronae 

visum reeepit, in sectione audi- 

tum, 

in emissione florum loquelam. 

post haec praefatus Daniel 
dominicum clavum 
2. qui cum de alabastro, in quo 
absconditus erat, extraheretur, 

1. manibus elevatis 
regi tribuit. 

sanatus est puer quidam, 
ab utero matris 



sinistram manum 

et totum sinistrum latus 



habens aridum, 



et cueurrit ad ecclesiam, 



dicens, quod lecto jacens quasi 
in extasi positus videre sibi visus 
est quendam canutum fabrum 



her nä quämen gedrungen 

in de kirchen beide aide ind 

jungen, 
der lüde ein michel deil, 
ind sprächen ,wir sagen gode heil, 
want it is hüde ein heilich dach, 
der blömen roch , der blömen 

smach 
hänt vervolt al de stat . . 
also dat an deser stunt 
sint worden gesunt 
dri hundert minschen inde ein : . . 
in der stat ein minsche was, 
dat sech hadde gewest XXIII jär 
ind dri mänet offenbar, 
dat he enhörte noch ensprach 
noch nie stich ensach, 
der von der teilenge der krönen 
ind van dem edeln geroch der 

blömen 
hörende sehende sprechende wart 
alzomäle zo einre vart. 
dar nä der buschof Daniel 
nam uns es h6ren näl snel 
üz alapaster, da he lach 
verborgen, dat mench mensche 

sach, 
ind gaf en Karl dem here 
mit vil grözer ere. 
zo der selven stunt 
wart ein kint gesunt, 
dat van des it geborn wart 
hadde ein suchde, de was hart. 
so we eme was geschiet, 
it envolte der lurzen hant niet 
noch ouch der siden mede. 
alle sine lurze lede 
warn eme erstorven inde kalt, 
dat kint wart van der suchden 

balt 
ind lef in de kirche do. 
mallich sprach eme zo, 
so we it genesen were. 
it antworde ind sachte dese m&re, 
so we it in sime släfe düchte, 
so we eme ein smit üz ruchte 



53 



admica forcipe extrahere 
ex sinistra manu sua et sinistro 
pede similiter arido clavum et 
a latere lanceam 



mit einer zangen einen näl 
üz siner lurzen siden zo mal 
ind ouch uz vöze inde hant: 
dar nä worde it wachen zohant 
ind vunde sich an der stunt 
harde Aval gesunt, 
(circa horam nonam 1 ). ind dat were zo nöne zit. 

Wir sind hiermit schon in das Stück der Erzählung gekommen, 
wo das von Karajan in Haupts Zeitschrift 1, 103 — 111 herausgege- 
bene mittelniederländische Bruchstück von ;Karl dem Grossen ein- 
tritt. Es beginnt mit der Yision des kranken Knaben, die Karajan 
in der Inhaltsangabe (S. 99) irrtümlich auf Karl bezogen hat. Die 
Gegenüberstellung der Texte wird zeigen, dass das mittelniederlän- 
dische Fragment sich noch inniger als. der Karlmeinet an den latei- 
nischen Text anschliesst. 



quod circa horam nonam 
jacens lecto et videre sibi visus 
est quasi in extasi 
quendam canutum fabrum 
adunca forcipe ex sinistra manu 

. . et sinistro pede . . extrahere 
clavum 

et a latere lanceam 
(vgl. Karlmeinet 335, 3. 4.) 

Data sunt praeterea 

regi Karolo 

frustum crucis dominicae 

et domini sudarium 

et camisia beatae Mariae 

et fascia, 

qua puerum Jesum 

in cunabulis cinxit, 

et brachium sancti senis 

Symeonis : 

quae omnia rex recondidit 

in sacco, 

de bubalmo tergore facto. 

et ad Collum suum pependit 

ad instar 

perae. 



i) Diese "Worte ein paar Zeilen früher. 
Karajan übersetzt. 



datter 2 ) omtrent none lach 
op sim bedde end oec sach 
in ommacht, als hem dochte, 
enen grauwen smet, die brochte 
een tange, die uut siene luchtern 

hant 
end uut sinen luchtren voete prant 
enen nagel 3 ), dies waest blide, 
end enen sper uut siere side 
end tehant waest genesen 
van allen evele na desen. 
Hier toe gaf men dar ter stede 
den groten keiser Karle mede 
van ons heren cruce een deel 
end sine sudarie al geheel 
end onser vrouwen hemde tehant 
end daer toe ons heren bant, 
dar menne mede in sire kintshede 
bant end ontbant sine lede, 
end Symeons arm des ouden, 
die onsen heren ontfinc met vrou- 

den. 
Karl dede al dese grote saken 
in enen sac, dien hi dede maken 
van ere buffels huut tien tiden, 
dien hinc hi an sire siden 
in die gelike. in die gebare, 
alse ocht een scerpe wäre, 

Hs. Batter. 3 ) nicht .Pfeil-, wie 



- 54 



veniens autem 

ad castrum nomine Ligmedo 

puerum mortuum suscitavit 

per tactum reliquiarum 

et ibi curati sunt 

L aegri promiscui sexus. 

ibi sedit Karolus sex mensibus 

et uno die. 

veniente autem eo Aquisgranum, 



sanati sunt [ibi] caeci 
innumeri, 
febricitantes 
innumeri, 

daemoniosi duodecim, 
leprosi octo, 

paralitici XV, 

claudi XIII, 

manci 

XXX, 

gibbosi LH, 

caduci 

LXV, 

gutturnosi plures 

et ex vicinis locis 

quam plures. 

denique indixit 

per totum orbem, 

ut idibus 

junii 

venirent Aquisgranum 

videre 

reliquias, quas 

advexerat de Hierusalem 

et de Constantinopoli 

prius 

peccata sua confitentes. 4 ) 



end reet vaste te lande wert, 
dar quam hi ter selven vaert 
tenen castele, tere stede, 
dar hi en doot kint op staen dede 
metten heilichdome datter was 
end oec mede hi genas 
L sieke van evele swaer. 
VI maende rüste hi daer 1 ) 
end enen dach : der na twaren 
es hi tote Aken gevaren, 
dar hi gerne was voer al tevoren, 
want die stede hatti vercoren. 
Daer genasen so vele blende, 
dat ment getal niet enkende, 
end so manich van den rede 2 ), 
men conste oec getellen niede 
si (?) Xn van den quaden geeste 
end VIH lasersche, als ic ver- 

heeste, 
van der icht X end vive 3 ) 
end XIH crepele an den live, 
manc an hande end an voete 
hadder XXX daer die boete, 
buttenaren L end twee, 
die van den groten evel hadden 

wee, 
genasser LXV, dat es vele, 
end die wee hadden in die kele. 
end ander gebure omtrent 
genasser mer dan es bekent. 
ten leste gaf men tAken uut mede 
end geboot al dore kerstenhede, 
dat men opten XHIsten dach, 
die doen in Junius gelach, 
tot Aken in pelgrimagen quamen 
end besagen end vernamen 
theilichdoem dat Karl met hem 
brachte van Jherusalem 
end van Constantinoble die stat, 
end eer iemen oec sage dat, 
datti sine biechte sprake 



') Karajan ,er zog sechs Monate umher und eines Tages darnach fuhr er gen 
Aachen.' 2 j Karajan , Stumme fanden ihre Rede wieder.' rede ist mhd. rite. 
3 ) K. ,Die Gesten erzählen von zwölfen , genaue Nachfrage nennt acht , von 
fünfzehn geb ich Kunde.' 4 ) Hier folgt bei Albericus 2, 141 noch ein Satz ,et 
statutum — reliquiarum', den Vincenz und auch der deutsche Text nicht hat- 



55 



In hoc concilio fuit 

Leo papa 

et Turpinus archiepiscopus, 

[et] Alexandrinus episcopus 

Achilleus 

et Theophilus Anthiochenus 

et alii plurimi episcopi 

et abbates. 



ibi etiam 

suscitatus est mortuus. 



van alder sonderliker sake. 
In die consilie so was mede 
paus Leo van Rome der stede 
end der dsche bisscop *) Tulpin 
entie patriarke Alexandryn, 
die geheten was Achilleus, 
van Anthiochen Theophulus, 
die patriarke van der Port 2 ), 
end menich bisscop weder end 

vort 
end menich abt mit crommen 

stave : 
ic wane danaet quam hier ave, 
dat men tAken haelt alle jare. 
so doet van deser selver mare 
ter selver consilien dat ich scrive 
so was verwect van dode te live. 



Es folgt nun in dem mittelniederländischen Bruchstücke eine 
Lobeserhebung Karls, von der Alberich und Vincenz nichts haben. 
Eine so getreue wörtliche Uebersetzung wie das Bruchstück enthält 
der Text des Karlmeinet nicht. Wir führen die oben unterbrochene 
Vergleichung weiter. 



Vincenz 24, 5. data sunt praeterea 

regi Karolo 

frustum crucis dominicae 

et sudarium domini, 

et camisia beatae Mariae 

et fascia (qua puerum Jesum 



335, 7. dar nä wart Karle dem kei- 
sere 

heiltümes gegeven mere, 

uns heren doch sudario 

ind ein groz stucke van dem crüce 
dar zo 

ind dat here hemde unser vrou- 
wen, 

ind de windeln in rechten trou- 



in cunabulis cinxit 3 ) et brachium 
sancti senis Symeonis : quae omnia 
rex recondidit in sacco 
(de bubalino tergore facto) 
et ad Collum suum pependit 
(ad instar perae). 

veniens autem 



ind sant Symeons arm dar zö. 
dit heiltüm dede Karl do 
in einen sac, der was schone, 
bi gode van dem trone! 
ind henc it an den hals sin 
ind dankde dem keiser Constantin 
inde sehet do van eme . . . 
Karl reit do van danne . . . 



J ) Lies der erzebiscop Tulpin. 2 ) Diese Zeile fehlt im lateinischen Texte, so- 
wohl bei Vincenz als bei Alberich. Da sie auch im Karlmeinet 336, 41 steht, 
so müssen wir eine Lücke bei den beiden Chronisten annehmen. 3 ) Ich 
schalte die nicht übersetzten Worte in Klammern ein. 



56 



ad castrum, 
nomine Ligmedo, 



puerum mortuum 



per tactum reliquiarum 
suscitavit. 

et L aegri 
promixui sexus 
ibi 

curati sunt. 

ibi sedit Karolus 

sex mensibus et uno die. 



veniente autem 
eo Aquisgranum, 



caeci 

febricitantes 

daemoniaci 

innumeri 
sanati sunt. 



zo einem stetgin zo, 

dat hez Legymedo. 

do he in de stat quam, 

alzohant he vernam 

einen menschen, de was döt . . 



der keiser genc do bi un 

ind rorde en mit dem heiltüm... 

so wart der dode levendich . . 

nu was zo Legymödö 

in der stat funfzich sechon *) do, 

beide wif inde man. 

so balde dat heiltüm dar quam, 

sie worden an der stunt 

alle samen gesunt. 

der keiser bleif in dem stetgin . . 

seis mände inde einen dach . . 

Karl der keiser was (1. wal) be- 

kant 
sehet do von Legymodo zohant 
ind reit der stat van nech (1. Ache) 

zo. 
des wurden harde vrö 
de in der stat sech waren . . . 
alle de da wären blint 
ind van dem vresen ungesunt 
ind mit dem düvel besezzen, 
deser enkunde man niet gemezzen, 
so vele was er äne zal, 
dese genäsen al zo mal. 

Das Folgende weicht im Karlmeinet von dem lateinischen Texte 
ab; zwar die von der ,malaterien c geheilten zwölf scheinen noch aus 
Vincenz ,caduci LXV (vgl. Karajan 50) hervorgegangen ; aber dann 
wird erzählt, dass der Kaiser das Heiligthum der Frauenkirche in 
Aachen geschenkt und dass auf den Ruf von der Ankunft der Reli- 
quien der Pabst Leo nach Aachen gekommen sei und das Münster 
geweiht habe. Bei Albericus folgen nach Elinands Berichte ein paar 
Worte Sigeberts (2, 141) : ,Leo papa ad Karolum imperatorem in 
Franciam venit', die leicht zu dieser Erweiterung des deutschen Ge- 
dichtes Anlass gegeben haben können. Dann fährt Karlmeinet mit 
Elinands Worten bei Yincenz 24, 5, Alberich 2, 141 also fort: 
in hoc consilio (plurimi 2 ) 336, 35. dar bi wären vil bischove 

episcopi et abbates) ind ebde mit grozem love 



') Hs. leichen. 2 ) Die eingeschalteten Worte stehen im lateinischen Texte nach 
den Namen von Turpin u. s. w. 



— 57 — 

et Turpinus archiepiscopus ind mit namen buschof Turpin 

et Alexandrinus episcopus ind der patriarch von Alexandrin, 

Achilleus, de geheizen was Achileus, 

et Theophilus Antiochenus. ind van Anthiochen Teofilus, 

der patriarche van der port 
inde mench preläte vort. 

Dann folgt, was bei Vincenz und Alberich vorhergeht: 
denique 336, 47. Karl der keiser here 

indixit gebot do offenbare 

per totum orbem, over al sin riche, 

ut dat ieclich minsche geliche 

venirent eins des jares solde komen 

Aquisgranum, zo Ache mit grözem vromen 

prius peccata mit rüwen inde begeit 

sua confitentes, ind eme sin sunde sint leit, 

üp dat he were wirdich 
videre reliquias zo sen dat heiltum lovelich . . . 

ind dit solde man alwege dön 
sunder einich rön 
idibus Junii. in dem heumände. 

Im Karlmeinet wie in dem mittelniederländischen Bruchstücke 
folgt nun der Zug Karls nach Spanien. Quelle ist für beide Turpin, 
d. h. Turpins Text bei Vincenz, dem das mittelniederländische Ge- 
dicht wiederum getreuer und ängstlicher folgt. Auch Alberich er- 
zählt den Zug zu St. Jacob, unter dem Jahre 778, mit Beziehung 
auf Turpin; er gibt aber nur einen kurzen Auszug. Daraus, wie aus 
dem Umstände, dass der Zug nach Constantinopel bei Alberich erst 
unter den Jahren 802 und 803 steht , während bei Vincenz die Rei- 
henfolge so ist wie bei den beiden Dichtern, ergibt sich auch hier mit 
Bestimmtheit, dass der Compilator des Karlmeinet hier Vincenz und 
nicht Alberich folgte. Ebendasselbe gilt von dem mittelniederländi- 
schen Bruchstücke. Mir scheint es unzweifelhaft, dass dieses dem 
spieghel historiael von Jacob von Maerlant angehört, dessen entspre- 
chender Theil noch nicht herausgegeben ist. Gödekes Mittelalter 
(S. 704) führt es noch als Fragment einer Dichtung über Karl den 
Grossen an. Der Umstand, dass Hoffmann in seiner zweiten Aus- 
gabe der Uebersicht der mittelniederländischen Dichtung das Frag- 
ment nicht unter den Gedichten über Karl den Grossen anführt, be- 
stärkt mich in meiner Annahme; ich kann die von Hoifmann (S. 80) 
angeführten Schriften nicht vergleichen, um zu sehen, ob man das 
Fragment Jacob von Maerlant schon zugewiesen hat. 

Dass im Folgenden auch nicht Turpin direkte Quelle sein kann, 
sondern dass er durch Vincenz vermittelt ist, wird die Vergleichung 



— 58 — 

zeigen; der deutsche Dichter ist einerseits kürzer als Turpin, indem 
er namentlich die moralisch-religiösen Betrachtungen weglässt, ander- 
seits ausführlicher, indem er manches hat, was bei Turpin fehlt, aber 
bei Vincenz steht. Der Niederländer erzählt unter der Aufschrift: 
,dat vision dat Karl sach van sinte Jacoppe XXVP: dass Karl nach 
so vielen überstandenen Mühen und Kriegen den Kest seines Lebens 
ruhig in Aachen zubringen wollte. Gott aber habe es nicht zuge- 
lassen, sondern ihm einen neuen Kampf gesendet. Aehnlich im Karl- 
meinet , wo vorher nur noch Leos Rückkehr nach Rom kurz erzählt 
ist; auch hier (337;, 10 — 18) will Karl in Aachen ausruhen und von 
nun an bis zum Ende seines Lebens Gemach haben. Bei Yincenz 
24, 6 heisst es: Carolus postquam multa regna acquisierat proposuit 
quiescere a praeliis, und dann fährt das mittelniederländische Bruch- 
stück fort: 



Vincenz 24, 6. Turpin cap. 2. 
statimque intuitus est in 
coelo viam quandam 
stellarum, incipientem 
a mari Frisiae, et tendentem 
per Hispaniam 

et Navarram 

usque ad Galiciam, 

in qua beati Jacobi corpus 

tunc 

latebat incognitum. 



hanc viam per singulas noctes 

aspiciebat Carolus et cogitabat 

quid significaret. 

cui hoc cogitanti in extasi 

vir quidam optimae et pulcherrimae 

formae ultra quam fas est dici nocte 

apparuit, dicens ,quid agis, 



fili mi?' cui Carolus ,quis es, 
domine ? ; ,ego sum' ait 



116. daer Karle lach twaren 
nachtes, heeft hem gedocht, 
datti sach in die locht 
ene strate van sterren und no mee, 
die quam van der Vriescher zee 
ind ghinc henen tote Spaengen 

(fehlt eine Zeile) 
end over dlant van Navare l ) 
tote in Galissien openbare 
daer sente Jacob dapostel lach 
ombekent op dien dach, 
want niemen enwas so wiis das 
waer siin lichame begraven was, 
want die gedinknisse was ver- 
loren : 
so lanc waest daer tevoren 
want hi onthooft was in dat lant. 
Karle peinsde al tehant, 
wat die wech bedieden mach, 
dies hi alle nacht sach. 
nachtes eens quam hem an 
een ommacht end enen man 
sach hi staen van scoender gedane 
voer sim bedde end sprac hem 

ane 
end seide ,wat doestu sone miin ?' 
Karl antwerde ,wie machtu siin, 
die mi nu sus 2 ) spreket an?' 



») Hs. auare. 2 ) sus] ons Hs. 



59 



,apostolus Jacobus, alumnus 
Christi, filius Zebedei, 
frater Johannis evangelistae, 
quem super mare 
Galileae dominus 
eligere dignatus est, 

ad praedicandum populis, 

quem Her ödes rex 

gladio peremit, 

cujus corpus in Galicia, 

quae a Sarazenis 

turpiter adhuc opprimitur, 

incognitum requiescit. 

unde [ultra modum] miror 

cur terram meam 

nondum liberasti, 

qui tot terras et tantas 

urbes acquisisti. 

quapropter tibi notifico. 

quia sicut dominus te fecit 

potentiorem omnium regum 

terrenorum, 

sie . . te elegit 

ad praeparandum iter meum et 

liberandam terram meam de ma- 

nibus Moabitarum, 

ut tibi coronam aeternae 
retributionis exinde praepararet. 
via stellarum quam in coelo 

vidisti significat, quod tu 
cum magno exercitu ad pugnan- 
dam gentem paganorum 
perfidam . . iturus et post te 
omnes populi . . . 



hi sprach. ,ic bin die selve man, 
Jacob dapostel ons heren Jhesus, 
die sone was Sebedeus, 
Jans broeder des ewangelisten. 
die op der zee daer vischten 1 ), 
van Galilee onse here riep, 
dat ic liete dat water diep 
end vercoes nu datti woude 
dat ic den volke predeken soude 
end dien de derde Herodes dede 
onthoefden om sine felhede. 
in Gallisien leget miin lichame, 
die vertreden mit groter scame 
die Sarrasine. als selc volc pleget, 
end ombekent eest waer hi leget. 
hier omme wondert mi sere, 
twi du mi niet en daeds die ere 
dattu hads gesuvert miin lant, 
vant du heves metter hant 
den vianden menich laut geno- 

men. 
hier omme ben ic tot di comen, 
geliic dien god heeft gegeven 
macht boven alleconinge dieleven, 
die heren siin in erterike. 
heeft hi di vercoren sekerlike 
den wech te maken mit diere hant 
end te suveren miin lant 
van den onr einen Moabiten, 
die dat lant al versliten. 
dattu dar af gewins te lone 
van gode de ewelike crone. 
den wech dien du sages von 

sterren 2 J 
bediet dattu souds van verren 
mit eren 3 ) comen tonsen lande 
end verdriven onse viande. 
so dat de kerstine comen mögen 
tot minen grave getogen 
dat in Galissien es gelegen. 



>) Lies dar si Tischten. 2 ) K. ,deinen Weg erblickst du vorgezeichnet an den 
Sternen.' den wech steht durch Attraction für den Xorninativ (vgl. Jac 
Grimm, über einige Fälle der Attraction S. 13.) 3 ) Vielleicht mit here zu 
lesen. 



— 60 — 



a tempore praesenti 
usque ad finem saeculi. 



so machmen der pelgrimagen ple- 

gen 
also lange als die werelt staet 
dat mim soeken niet tegaet. *) 



So geht es weiter; es wäre überflüssig, den ganzen Text zu ver- 
gleichen, um so mehr als der mittelniederländische Dichter Vers 230 
Turpin ausdrücklich als Quelle nennt. 188, 189 übersetzt Karajan 
,ringsum Hess man ihn ungehindert und ohne Streit vor Pampelona 
kommen': statt ,ringsum' muss es heissen: ,und ist über die Geronde 
(Garonne) gegangen'. Dass Turpin und auch Vin&enz und Alberich 
hier nicht die Garonne erwähnen, deutet auf einen vollständigem 
Text hin, als der bei Reuber gedruckte ist; dergleichen vollständigere 
Handschriften, ob interpolierte oder nicht kann ich nicht angeben, fin- 
den sich nicht selten (vgl. Pertz Archiv 10, 238). Mit Vers 225 hört 
die Uebereinstimmung auf; es stimmt nur der Schluss des dritten 
Capitels bei Turpin: 

postea ivit per totam Hispaniam 224. dar nä doer voer hi Spaengen 

mee 

a mari usque ad mare. van der ere zee toter ander zee. 

Um die Uebereinstimmung zwischen Karlmeinet und Vincenz 
und zugleich die verschiedene Behandlungsweise beider Dichter zu 
zeigen, wähle ich ebenfalls die Erscheinung des heiligen Jacobus. 



statimque intuitus est 

viam quandam stellarum 

in coelo, 

incipientem a mari Frisiae, 

et tendentem inter Teutoniam 

et Italiam , inter Galliam . . per 

Gasconiam . . et Navarram et 

Hispaniam usque ad Galitiam, 

in qua beati Jacobi corpus 

tunc latebat incognitum. 

hanc viam . . aspiciebat Carolus 

cui . . nocte 

vir quidam . . . 

apparuit, 

dicens 

,quid agis, fili mi?' 



337, 19. alle nacht he dar sach 
einen wech von sterren stan 
an dem hemel sunder wän, 
der genc van Vreslant 
tuschen Lamparden ind dütsche 

lant 
ind tuschen Vrancrich ind Gas- 

conjen 2 ) 
ind durch Navernen ind Hispanjen 
hene zo Galitzen lant, 
da sint Jacobs lichnam wal bekannt 
zo der zit verborgen lach, 
des wunderde hen, als he it sach. 
in einre nacht quam Karle do 
der güde sant Jacob zo 
ind erschein em offenbare 
ind sprach dese wort zware 
,wat deistu, Karle, leve sun?' 



i) K. ,mein Segen soll kein Ende nehmen:' soeken ist bei Turpin ad visitan- 
dam basilicam meam. 2) Castonyen die Hs. 



61 



cui Carolus ,quis es, domine?' 
,ego sum' ait ,apostolus Jacobus, 

alumnus Christi, 

filius Zebedei, 

frater 

Johannis evangelistae, 

quem dominus super mare 

Galileae . . eligere dignatus est, 

quem Herodes rex 

gladio peremit, 

cujus corpus in Galitia. .. 

incognitum requiescit. 

unde [ultra modum] miror, 

cur 

terram meam . . nondum liberasti, 

qui tot et tantas 

urbes acquisisti. 

quapropter 

tibi notifico, 

quia sicut dominus potentiorem 

omnium regum terrenorum te 

fecit, sie ad praeparandum 

iter meum 

[nachher: cum magno exercitu] 

et liberandam terram meam 

te inter omnes, 

üt tibi coronam 

aeternae retributionis exinde prae- 

pararet, elegit. 

via stellarum, quam 

in coelo vidisti 

significat 

quod tu . . iturus es 

ad pugnandam gentem 

paganorum . . 

et post te a tempore 

praesenti 

omnes populi 

usque ad finem saeculi.' 



Karl antwordc ,here, we bistu? 
sant Jacob sprach ,ich bin Cristus 

bodelinc, 
deme kunt sint alle dinc. 
min vader was Zebedei genant 
ind min broder ouch was bekant 
ind hez ewangeliste Johan. 
ich bin ouch der selbe man, 
den Cristus ref van dem mer 
van Galilea mit grozer ger, 
ind den Herodes mit noden 
dede mit dem swerde döden, 
des lichnam zo Kompostelle lit 
verborgen, dat man enweit niet. 
nu wondert mich vele sere, 
dattu, Karl keisere, 
niet enverloses min lant, 
wan du menche stat walbekant 
ind lant has gewunnen 
des dir got wolde gunnen. 
dar umbe bin ich komen her, 
dat ich dir sagen mit grozer ger, 
also as dich (got) üp deser erden 
einen mechtigen man hat läzen 

werden, 
dattu dich üp minen wech reides 
ind ein groz her mit dir leides 
ind erlöse min lant, 
dat ich niet enblive geschant, 
üp dat dir werde gegeven 
dar umb dat ewige leven.' 
vort so hat Cristus läzen gesehen : 
den wech den du häs gesen 
van [den] sterren an dem hemel 

stän, 
de bedüdet sunder wän, 
dattu wandeln salt sicherlich 
ind de heiden verwinnen mecht- 

lich. 
dit saltu vur don 
äne resten inde ron 
ind dar nä sal mich 
eren ind heimsoken trülich 
alle güde cristen lüde 
biz anz ende der weit: dit ich 

dir düde. 



- 62 - 



Der bei Turpin folgende Satz Nunc antem bis in laude (Reuber 
68, 8 — 11) fehlt im Karlmeinet ebenso wie in dem mittelniederlän- 
dischen Gedichte und bei Yincenz; er beweist wie so viele Stellen, 
dass^dem deutschen Compilator nicht Turpins Text selbst vorgelegen. 
Mit 338, 19 beginnt das dritte Capitel Turpins. Bei Turpin betet 
Karl zuerst zu Gott, dann zu St. Jacob, in den beiden Gedichten, 
übereinstimmend mit Vincenz, bloss zu dem Apostel. Die Ueberein- 
stimmung mit Vincenz ist vollständig, nur folgt der Abschnitt tota 
terra Hispanorum im Karlmeinet gleich nach den Worten et facta 
est tota terra sub tributo. 



Saraceni ubique Carolo pergenti 
se inclinabant et mittebant ei tri- 
butum , et reddebant ei urbes : 
et facta est tota terra illa ei sub 
tributo. 



338, 53. alle stede begunden sich 
entgen 
ind gäven sich in Karies hant 
ind al dat Hispanjen lant 
gäven zins ind boden ere 
Karle dem keisere. 



Der Rest des vierten Capitels bei Turpin fehlt im Karlmeinet; 
dagegen hat dieser und ebenso das mittelniederländische Gedicht ei- 
nen Zusatz über die spanischen Provinzen aus Vincenz 24, 6, der 
ihn unter der Aufschrift Turpinus anführt. Auch Alberich 2, 114 
(zum Jahre 778) hat diesen Zusatz. 1 ) Die Stelle lautet nach Vin- 
cenz: tota terra Hispanorum tunc Carolo subjecta est, terra scilicet 
Landaluf, terra Perdorum, terra Castellanorum, terra Maurorum, tel- 
lus Navarrorum, tellus Portugallorum, tellus Saracenorum, tellus Ala- 
norum, tellus Biscaiorum, tellus Busculorum, tellus Parargorum. In 
den beiden Gedichten lauten diese Stellen so: 

62. 



Karajan 244. 
een lant hiet Alandalyf, 
dat bleef al in Karies bedryf, 
der Parden lant 2 ), dlant van Casteel, 
der Moren lant viel hem te deel, 
dlant van Navare, van Portegale, 
der Sarrasine lant altemale, 
der Alane lant oec mede, 
[die wilen met groeter mogenthede 
metten Wandelen wonnen Spaen- 

gen 
end doer reden al Alemaengen 



Karlmeinet 339, 
dat lant van Parden 
ind dat lant van Castelen 
dat lant van Avernen (1. Navarren) 
ind dat lant van Partegalien. 
noch horte dar zo ein lant, 
dat was Allandaluf genant, 
dar zö horte noch baz. 
der More 3 ) lant, so wit was, 
ind dat lant van Allanar, 

dat gehörte ouch dar, 



i) Karajan vergleicht zu dem mnl. Bruchstücke eine andere Stelle aus Albe- 
rich 2, 147 (zum Jahre 806) : aber nicht diese , sondern die zum Jahre 778 
(2, 114) war anzuführen. 3 ) palant Karajan, mit dem Beisatze ,undeutlich.' 
2) Moyt Hs. 



63 — 



ind der Zarazene lant. 

ouch so is it mir bekant 

dat dat lant van Baikalin 

ind dat lant van Barlagin 

sich von Hispanj en enschieden niet. 



end Gallen ende wonder dreven 
end in Gallen sittende bleven], 
oec wan hi der Boscanjen lant, 
en der Basken lant in sijn hant 
end dlant van Palergen mede. 
[in den lande so enbleef stede 
siine wert Karlen op gegeven 
ocht sine wert so bedreven 
met orloge end met groter pine, 
dat si viel in den willen sine.] 



Der niederländische Text ist, wie man sieht, ungleich vollstän- 
diger; er hat eine historische Beziehung auf die Alanen und ihre Her- 
kunft, die aber auch bei Yincenz fehlt und daher wohl aus anderer 
Quelle stammt. Die Namen im Karlmeinet sind bis zur Unkenntlich- 
keit entstellt; einige fehlen ganz. Im Karlmeinet folgt nun die Be- 
rufung auf Turpin (339, 26), der , sechsundzwanzig spanische Städte 
angibt'; in dem niederländischen Bruchstücke steht dieselbe vor der 
Länderaufzählung, wie auch bei Vincentius. In dieser Stelle stimmen 
die beiden deutschen Gedichte merkwürdig genau. 

Karajan 230. Karlmeinet 339, 26. 

Tulpim, de dese jeeste schreef, Turpin, de uns dit beschreif 

bi wien dware niet achter bleef, ind dar umb groze arbeit dreif, 



seget dat ten selven stonden 
XXVI stede stonden 
wel gevest in Spaengen lant, 
die algader gingen in hant. 
en hieter Osca, alse wijr hören, 
dannen sinte Vincent was geboren, 
daer wilen in stonden XC toernen, 
groot sterc ende uut vercoerne. 
dus ginc altemale Spaengen lant 
den keiser Karle in de hant. 



der seit do zo der selven stunden, 
seis ind zwenzich stede stunden 
wal vast in Hispanj en lant, 
de alle gader gengen in hant. 
ein hez Ora, als wir hören, 
danne santVincencius was geboren, 
dar inne stoenden nünzich torne 
35. groz ind starc ind üt erkorne. 1 ) 
42. al zo male Hispanj en lant 
genc dem keiser Karle in hant. 



Die im Karlmeinet zwischen 339, 35 und 42 liegenden Verse 
fehlen in dem mittelniederländischen Gedichte. Sie enthalten eine 
Notiz, ähnlich wie die über Osca (wofür fälschlich im Karlmeinet 
Ora), über eine andre spanische Stadt, deren Name nicht angegeben 
ist, in der St. Torquatus, ,Jacobi Knecht', begraben sei; auf seinem 
Grabe sehe man alle Jahre einen blühenden Oelbaum. Auch diese 
Notiz ist aus Vincenz, nach dem dies Wunder in ,civitate Accinctina' 
geschieht. In Karajans Bruchstück folgt nun der'Namencatalog, und 
dann in beiden Gedichten die Belagerung von Lucerna, im Ganzen 



J ) turnen: erkoren die Hs, 



64 



eine Wiederholung der Belagerung von Pampelona; aber das mittel- 
niederländische Gedicht steht dem Vincentius wieder näher. Alberi- 
cus 2, 115 nennt Lucerna auch, weiss aber von ihr nur zu 
sagen ,Lucernam quae est in valle viridi' (vgl. Karajan 265 und 
Karlmeinet 339, 46 der was eine Lucerne genant, de was walbekant 
ind was in einen grönen dale gelegen): ihm fehlt was Vincenz und 
das mittelniederländische Gedicht (aber nicht Karlmeinet) am Schlüsse 
hinzufügen: ,die Stadt liegt noch heute wüst, denn als man davor lag, 
drang jDlötzlich entspringend in die Stadt ein schwarzes Wasser, das 
Thor und Mauern untergrub, und noch heut findet man schwarze 
Fische da.' Dann nennen beide deutsche Texte noch drei andre 
Städte, die ausser Lucerna Karl widerstanden; sie führt Yincenz am 
Schlüsse von 24, 6 und auch Alberich 2, 115, jedenfalls nach Tur- 
pin, an. Hae sunt urbes quas Carolus maledixit propter hoc quod 
gravi labore eas acquisivit et idcirco sine habitatore permanent us- 
que in hodiernum diem, Lucerna, Yentosa, Caparta, Adania. 



Karajan 282. 
dats Lucerne ind Capata, 
Ventesien end Adama, 
want hie se wan met groter pine 
end dar omme verloes die sine, 
dus sijn si toten dage huden 
ombeseten van allen luden: 
dus wrac got Karies toren, 
sijns edeles ridders uutvercoren. 



Karlmeinet 340, 14. 
dat de eine hiez Adamen 
ind de ander Yentosen, 
de dirde, gehorde her zo, 
de hiez Capien dö. 
vur desen steden dri 
hadde Karl der keiser vri 
vele arbeide me . . . 
ich horde it vort beweren, 
dat he erkreich an gode 
ind an sant Jacobi sinem bode, 
dat de stede viere 
worden vermalediet schiere . . . 
also dat si alzohant 
worden gewost ind geschant. 



In dem mittelniederländischen Bruchstück schliesst sich hier ein 
Lob Karls an, und die Bemerkung, dass die Brabanter von Karl 
abstammen. Im Karlmeiiiet folgt einiges, was zum Theil die oben 
aus Yincentius und aus dem dritten Capitel Turpins ausgelassenen 
Sätze nachholt. Karl reitet nach Galizien und erobert dort dreizehn 
Städte, unter ihnen Compostella. Er sucht St. Jacobs Grab auf und 

der ihn bis dahin behütet. 



dankt Gott und seinem Heiligen, 

deinde visitato tuto sarcophago 
[beati Jacobi fehlt Yinc] 

agens deo gratias 



340, 51. Karl genc do sin gebet 
kallen 
zo sente Jacobes grave zö 
ind dangde gode van hemele dö 



— 65 — 

et sancto Jacobo grates. ind sante Jacob dem here 

der vele grozer ere. 

Die Eroberung von dreizehn Städten erzählt auch das mittel- 
niederländische Gedicht. 

Karajan 226. Karlm. 340, 46. 

ende wan in Galissien lant alsus gewan he sunder logenrede 

XHL stede in sine hant in Galitzen drizen stede. 

daer Comp o stelle af was dene, under den was Comp o stellen . . . 

die tien tiden was clene. ind was de minste van en allen. 

Die Stelle fehlt bei Turpin , lautet aber bei Vincentius ,in Ga- 
litia tunc acquisivit XIII urbes, inter quas Compostella tunc erat 
parva.' Was darauf im Karlmeinet folgt, wird im mittelniederländi- 
schen Gedichte später gekommen sein, wie bei Vincenz auch (24, 7) ; 
Albericus ist hier kurz 2, 115: Karolus in Hispania per tres annos 
commorans beati Jacobi ecclesiam augmentavit. 

Karlmeinet 341, 2. 
per tres annos in Ulis der keiser drü järe 

oris (Hispaniae) commorans in dem lande zo Hispanjen was . . . 

augmentavit Karl dede binnen deser ztt, 

als uns dat latin quit, 
ecclesiam beati Jacobi sante Jacobs kirchen machen 

eamque tintinnabulis et palliis mit vele güden Sachen 

et libris decenter ornavit. zo Compostelle in der stat . . . 

antistitem ind machde dar in ein buschdüm 

ind gaf darzö gröz richdüm 
et canonicos . . . instituit. ind ouch ein canonie. *) 

Von 341, 22 stimmt der Text des Karlmeinet wieder mit dem 
mittelniederländischen Gedichte, welches hier seinen XXVIII (die 
Handschrift schreibt XLIIII) Abschnitt beginnt mit der Ueberschrift 
,hoe Karle dafgode brac end vanden kerken die hi maecte'. Der 
Text lehnt sich wieder genau an Vincenz 24, 7 an, wie schon die 
beiden ersten Zeilen zeigen. 

Karajan 296. 
omnia idola et simulacra alle dafgode die hi vant 

quae tunc in Hispania invenit. keiser Karle in Spaengen laut 2 ). 

Aus der Ueberschrift ergibt sich zugleich, dass dieser Abschnitt 
des Gedichtes das siebente Capitel des Vincentius, das vierte und 
fünfte bei Turpin umfasste. Ehe wir uns von dem mittelniederlän- 
dischen Bruchstücke trennen, müssen wir noch die merkwürdige Ue- 
bereinstimmung mit Karlmeinet berühren, die sich Vers 230 — 239 



') Hs. eanonisie. 2 ) Hier bricht das Bruchstück ab. 



66 



mit Karlm. 339, 26 — 35 ergab. Ausser der erwähnten Stelle 
noch eine andere wörtliche Uebereinstimmung. 



zeigt 



Karajan 69. 
end der erzebisscop Tulpim, 
entie patriarke Alexandrin, 

die geheten was Achilleus, 
van Antiochen Theophulus, 
die patriarke van der Port 
end menich bisscop weder 
vort. 



end 



Karlm. 336, 37. 
ind mit namen buschof Turpin, 
ind der patriarke [van] Alexan- 
drin, 
de geheizen was Achileus, 
ind van Antiochen Teofilus, 
der patriarke van der Port, 
inde menich preläte vort. 



Noch einige Stellen von kleinerem Umfange können angeführt 
werden, an denen beide Gedichte sich im Ausdrucke ganz nahe 
kommen. 



Karajan. 
156. hier omme wondert mi sere. 

158. dattu hads gesuvert min lant, 
want du heves metter hant 
den vianden menich lant genomen. 
161. hier omme bin ic tot di comen. 
167. end te suveren min lant. 
211. end vielen alle in Karies 

hant. 
265. die in dien grönen dale sat. 

210. daer om dedi sine gebede 
an gode end an sint Jacop mede. 



Karlmeinet. 
357, 48. nu wundert mich vil 

sere. 
50. niet en verlöses min lant, 
wan du menche stat walbekant 
inde lant häs gewunnen. 
54. dar umbe bin ich komen her. 
68. inde erlose min lant. 

338, 54. ind gäven sich in Karies 

hant. 

339, 48. ind was in einen gronen 

dale gelegen. 
60. do bat he" den leven got 
ind den güden sente Jacop. 



Wenn auch zum Theil die Uebereinstimmung zufällig und durch die 
gemeinsam benutzte Quelle zu erklären ist, so ist doch bei einigen Stellen 
direkte Entlehnung nicht zu bezweifeln, namentlich bei den beiden 
längeren. Welcher Dichter entlehnte von dem anderen? Wenn das 
niederländische Gedicht älter ist als der Karlmeinet, so muss vor 
allen Dingen Wunder nehmen, dass der Compilator des letzteren, der 
doch ganze Gedichte in sein Werk aufnahm, es sich in diesem Falle 
so schwer machte und sich begnügte, ein paar Stellen von wenigen 
Zeilen aus dem mittelniederländischen aufzunehmen. Schon von die- 
ser Seite ist es also unwahrscheinlich, dass dem Compilator das nie- 
derländische Gedicht vorgelegen. Für die entgegengesetzte Annahme 
aber lässt sich eine Stelle geltend machen, Karlm. 339, 60; Kara- 
jan 210: war der Reim gebede: mede der ursprüngliche, d. h. lag 
das mittelniederländische Gedicht dem Compilator vor, so war nicht 
abzusehen, warum letzterer den reinen Reim , der auch seiner Mund- 



67 



art gemäss war, entfernt und dafür eine Assonanz got: Jacop an die 
Stelle gesetzt haben sollte ; wohl aber ist das umgekehrte erklärlich. 
So hätten wir hier den Beweis, dass die Compilatiori, die so viele andere 
Dichtungen in sich verarbeitete wiederum einem jüngeren Dichter als 
Quelle diente. Natürlich nur nebenbei; denn im Uebrigen folgt der 
Niederländer unmittelbar dem lateinischen Originale. 

Wir setzen unsere Yergleichung des Karlmeinet mit dem speculum 
historiale, bezüglich mit Turpin, fort. 



Vincenz 24, 7. Turpin 4. 
Omnia idola et simulacra 
quae tunc in Hispania 
invenit penitus destruxit, 
praeter idolum . . . 
quod vocatur Salancadis . . . 
tradunt autem sarraceni, quod 
idolum istud Machomet . . suo 
nomine fabricavit. Est autem in 
maris margine (quod est in terra 
Alantaluf) lapis antiquus, 

opere sarracenico optime sculptus 
super quem elevata est imago illa 
de aurichalco optimo in effigie 

hominis fusa, deorsum latus et 
quadratus, desursum strictus 
et tantae altitudinis 
quantum solet volare 
in sublime corvus. 



(Machumet) in eo sigillavit 

quandam legionem 

arte magica, 

quae legio tarn fortiter 

illud idolum obtinet, quod 

a nullo unquam frangi potuit. 



cumque aliquis Christianus 
ad illud appropinquat 



341, 22. Karl der keiser zo der zit 
machde sich der afgode quit 
al umbe in dem lande, 
so wä he si bekande. 
des quam he an ein afgot ! ) zohant, 
der was Salacandis genant, 
den Machumet hadde gemacht 
in sinem namen mit vurdacht 
ind gesät hadde an dat mer 
in dat lant Alandeluf mit ger 
ind is ein bilde van mes singe ge- 
mäht 
ind von werke wal gerächt 
ind is einem minschen glich 
ind stet üp einem piler vierecke- 

dich 
ind is oven smal ind unden wit, 
dat mant also verre sit, 
ind steit also ho erhaven 
als eiiiich gröze raven 
in de lucht gevlegen kan. 
dit hat gesen mench man. 
Karl enkundes 2 ) brechen niet, 
(vur war üch des zo mir versiet) 
want Machumet hadde darin ver- 
bannen 
ein schar düvele siner genannen 
mit der swarzer kunst, 
de heldent mit so grözer gunst, 
dateme nemen geschaden enkunde, 
so we he des begunde. 
ouch hadde it eine macht, 
alsus is it mir gesacht, 
so wilch Cristen sich versinnet, 
des he eme neken beginnet, 



') Die Worte: an eynen affgot stehen am Beginne der folgenden Zeile. 2 ) en- 
kunde dis affgotz gebrechen. 

5* 



68 



statim periclitatur. 

2. si forte super illud avis quae- 

libet se deposuerit, ilico moritur. 
1. sed cum aliquis Sarracenus 
causa adorandi vel deprecandi 
Maliumeth accedit, 
recedit incolumis. *) 



erectam faciem habens 

versus meridiem 

et clavem ingentem quandam 

in manu dextra tenens : quae 

scilicet clavis, ut Sarraceni 

ajunt, anno quo 

rex futurus in Gallia 

natus fuerit, 

qui totam Hispaniam Christianis 

legibus subjugabit, 

de manu ejus cadit. 
moxque Sarraceni ut 
clavem viderint lapsam, 
gazis suis in terra positis 
omnes 
fugdent. 



der setzet in angest sinen lif, 

he si man ofte wif: 

ind komt ein vogel dar üp ge- 

vlogen, 
zohant wirt he des lifs bedrogen. 
mer so wilch Zarrazin 
en anbedet mit dem munde sin, 
der wirt erhöret zohant. 
is h6 ouch sech bekant, 
he wirt an der stunt 
alzomale gesunt. 
ouch stet der apgot zwäre 
entgän dat suden offenbare 
ind hat einen sluzzel in der hant. 
dat is den heiden bekant 
ind sagent, so wilche zit 
geboren werde äne nit 
ein koninc van Vrancrich, 
der werde also mechtich, 
dat he si verdrive, 
dan ensolde niet langer bliven 
eme der sluzzel in der hant, 
he ensulle eme intfallen alzohant 
des nement si gröze war, 
so wanne der sluzzel v eilet dar, 
dat si begraven ir schetze dan 
inde wif inde man 
üz dem lande vlien. 



Den nächsten Satz (den Anfang des fünften Capitels bei Turpin) 
hatte der Dichter schon früher übersetzt : nun fährt er fort 

de residuo auro et argento 
immens o, 



quod de Hispania attulit, 



fecit 

has ecclesias: 

item beati Jacobi 

apud urbem Biterensium, 

item b. Jacobi apud Tolosam, 

item b. Jacobi in Gasconia 

inter urbem Axam et sanctum 



342, 24. reit weder in Yrancrich 
ind vörte mit eme einen schätz 

rieh, 
de eme in Hispanjen geoveret 

was. 
de was groz, als ich it las. 
38. ind dede dan af machen . . . 
vunf monster vele gehere 
in sent Jacob es 6re. 
der steit ein zo Biteremsen 
ind dat ander zo Tolosen, 
dat dirde is zo Panconien gelegen, 
dat gemacht wart vanKarles wegen, 



') Im deutschen missverstanden. 



— 69 — 

Johannem Sordue via Jacobitana, niet verre van sante Johanne, 

deme heiligen manne, 
item b. Jacobi apud Parisios ind ouch bin ich is worden wis, 

inter Sevanam et montem Mar- dat dat verde stet zo Paris, 

tyrum, beatae Mariae virginis ind dat vunfte zo Achen in der 

Aquisgrani. stat. 

Die Reihenfolge weicht vom Originale ab, wo die letztgenannte 
Kirche die erste ist. Die ecclesia apud urbem Biterensem (Beziers) 
findet sich nicht bei Turpin, wohl aber bei Yincenz und Alberich. 

Karlmeinet 342, 56—343, 31 entspricht dem sechsten Capitel 
des Turpin, welches Alberich 2, 125 in drei Zeilen kurz auszieht, 
und das bei Yincenz den Anfang von 24, 8 bildet. Dass Milo von 
Angleris bei dem Heere ist, wird nicht hier, sondern etwas später 
gesagt 344, 46 — 55: er heisst da Marschall des Heeres. Den Zusatz 
dass er Rolands Yater ist, hat in Uebereinstimmung mit dem Ge- 
dichte Albericus und Yincenz. Es folgt, entsprechend dem siebenten 
Capitel Turpins, die Erzählung von Romaricus und seinem ungetreuen 
Knechte 343, 34 — 344, 45. Der Name lautet im deutschen Texte 
entstellt Zemarich. In dem Gedichte übergibt der sterbende Ritter 
das Pferd einem Knechte zum Yerkaufe, bei Turpin einem seiner 
Verwandten. Der Schluss der Erzählung ist im Karlmeinet gekürzt ; 
die Turpinschen Sätze 69, 41 — 49 quaeritur quatuor diebus bis dam- 
nandos in aevuni fehlen: Yincenz hat einen Theil des hier fehlenden, 
lässt aber (24, 8) auch die letzten Zeilen seines Originals weg. Auch 
der Anfang des achten Capitels bei Turpin fehlt (69, 50—70, 1 bis 
zu den Worten in eodem loco) und wird zum Theil in 346, 21 nach- 
geholt, wo zu interpungieren ist : bereit, op de selve stede Karl sint 
büwen dede ein schone monster vele gehere in sente Prumtis (Primi- 
tivi Turpin) ind Facunden ere, der vil leven mertelere. Das stimmt 
gleichfalls mit Yincenz, der jene Worte auch später nachträgt, ungefähr 
an derselben Stelle wo sie das deutsche Gedicht hat. Yon da ab 
stimmen die Texte : 

Yincent. 24, 9. Turpin 70, 1. Post 344, 55. Do Agolant dat vernam, 

haec Aigolandus dat Karl dö ent(gän) quam 

mit so grözeme here, 
do satte he sich zo gewer e 

mandavit Carolo ind enböt em nä sim willen 

strit, 

bellum secundum velle suum als uns dat lattn qutt, 

ind gaf eme de kur dar af, 
of he wolde senden sinre ritter- 
schaf 



— 70 — 

vel viginti contra viginti, op ein velt zwenzich 

vel quadraginta contra quadra- ofte ouch verzieh 

ginta, vel centum contra centum, of ein of zwei hundert 

vel mille contra mille, of düsent mit der vart 

vel duos contra duos, vel unum of einen of zwene, 

contra unum. so we eme dat were bequeme 

u. s. w. 

Die ersten hundert, welche Agolant gegen hundert Ritter Karls 
sendet, werden getödtet: et interfecti sunt Sarracini, weswegen es 
auch 345, 14 mit besserem Reime heissen muss de heiden lägen er- 
slagen, vgl. 345, 28. Bei Turpin und Vincenz sendet Agolant dann 
200, dann 2000, im Karlmeinet nur 200. Die Schilderung des 
Kampfes 346, 29—347, 13 ist im lateinischen Texte ungleich kürzer; 
sie wird gleich mit einem ,quid plura' eingeleitet und nur erzählt, 
dass 40000 Christen erschlagen wurden (daher auch wohl 347, 13 
zu lesen veirzich düsant), unter denen Milo, Rolands Vater. Von 
Roland und Olivier, sowie von einer Schilderung der Schlacht ist 
weder bei Turpin noch bei Yincenz die Rede. Das braucht aber 
nicht auf einen erweiterten Text zu weisen, der dem Dichter vorge- 
legen, sondern es ist poetische Ausschmückung, wie früher schon ein- 
mal. Den Schluss des achten Capitels 70, 28 — 40 nota in praefata 
acie bis in coelesti regno hat schon Vincenz nicht, daher fehlt er 
auch im deutschen Gedichte. Den Schluss des neunten Capitels bei 
Vincenz, sowie das ganze zehnte und elfte, hat der deutsche Dichter 
übersprungen , weil sie nicht in diesen Zusammenhang passen : er 
fährt mit dem zwölften fort. Die Namen der heidnischen Könige 
(Turpin cap. 9) sind im deutschen Texte weggeblieben, weil sie schon 
Vincenz nicht hat. Agoland verspricht Karl sechszig, im Karlmeinet 
(348, 5) neun Pferde; bei Vincenz ist gar nur von zweien die Rede. 
Die Eroberung der Stadt Agen durch Karl ist im deutschen Gedichte 
wiederum gekürzt : es heisst nur Karl gewann die Stadt und Agolant 
entfloh nach Sentis (Sanctonas Turpin 10), womit das zehnte Capitel 
beginnt. Das bei Turpin und Vincenz wiederholte Wunder von den 
grünenden Speren der zum Tode bestimmten ist mit Recht wegge- 
blieben, ebenso dass auch hier Karls Ross getödtet wird. Ueber- 
haupt ist der Inhalt dieses Capitels ziemlich kurz wiedergegeben, 
nur die am Schlüsse erwähnten Könige von Algarbien und Bugien, 
die im Kampfe gefallen, stimmen zu der letzten Hälfte bei Turpin. 

Im Anfange des elften Capitels (Vincentius 24, 13) treffen die 
Texte genau zusammen : ich will die nicht uninteressante Stelle von 
351, 9 an hersetzen. 



— 71 



Carolus rediit 

in Galliam 

[et cum summa cura omnes 

exercitus suos longe lateque 

ad se venire mandavit l )] et prae- 

cepit per totam Galliam, 



ut omnes servi qui sub malis 
consuetudinibus clericorum tene- 
bantur, soluta proprii capitis Ser- 
vitute, . . cum omni progenie sua, 
praesenti et futura, permanerent 
[in sempiternum] liberi. 
malevolos 
pacifivicavit, 

omnes etiam quos ergastulis 
captos reperit 

absolvit 

et quos pauperes invenit 

ditavit, 

nudos vestivit, 
exhaereditatos 
propriis honoribus 
relevavit. 

omnes armis doctos et scutiferos 

milites fecit, 

et quos etiam ab amore suo 

juste separaverat, 

compunctus ad amicitiam 

revocavit. 



dö Karl vernam sinen homot, 
den eme Agolant embot, 
dö reit he harde hasteliche 
weder in Vrancriche, 
ind gebot harde hart 
eine gröze hervart 
over al sin riche, 
dat mallich trüweliche 
mit wäpen zo eme queme, 
so balde he it verneme. 
noch dede he me zwären: 
alle de da eigen wären, 
de vriede her mit erem gesiechte, 
it weren wif ofte knechte, 
nu ind vort ind ummer me. 
noch dede he me: 
so wä he vedeschaf wiste, 
de ebente he mit sinre liste. 
so we dö was gevangen, 
solde man en ouch hän gehan- 
gen, 
he machte si lös alle samen 
mit vele grozem gamen. 
so we do was arm of blöz, 
des selven he ouch genoz. 
he wart gemacht mit mäzen rieh 
ind gecleidet lovelich. 
so we ouch was erlös, 
dem gaf he' äne stöz 
alle sine ere weder 
ind machte sine lüde beder. 
al de zo wäpen wären gut, 
de machde he ridder walgemöt, 
ind alle de en hadden zornich 
gemachet in sime rieh, 
den vergaf he it alzomäle 
sunder einiche quäle (twäle?). 



Im Ganzen sammelt er nach Turpin 134000 Mann, nach Vincenz 
und dem deutschen Gedichte 124000; doch ist anzunehmen, dass an- 
dere Handschriften des Turpin auch letztere Zahl haben werden. Hier 
zählt nun Turpin und Vincenz die Namen von Karls Helden auf; 



i) Die eingeklammerten Worte fehlen bei Vincenz ; da sie aber im deutschen 
Texte ausgedrückt scheinen , so ist entweder ein vollständigerer Text des 
spec. histor. anzunehmen, oder der Compilator benutzte daneben noch eine 
Handschrift des Turpin. 



— 72 — 

Karlmeinet nur Turpin und Roland, und bemerkt 351, 57 ind heren 

stolz inde fin, der namen wir nu läzen sin. Karls Heer nimmt nach 

Turpin einen Raum von sex miliaria ein (73, 8), nach Vincenz (24, 

13 Ende) duabus dietis und ebenso im Karlmeinet 352, 13 ist es 

zwo dachvart breit inde lanc. Der Schluss des elften Capitels stimmt 

wieder fast gar nicht mit dem deutschen Gedichte, wenn auch der 

Verlauf der Begebenheiten im Ganzen gleich ist; dagegen stimmen 

Vincenz und Karlmeinet. Im zwölften fehlt das Gespräch zwischen 

Karl und Agolant über ihre Religion, das auch Vincenz nicht hat. 

Aber die Bemerkung, dass Karl die heidnische Sprache gelernt, als 

er sich in seiner Jugend in Spanien aufhielt, findet sich im deutschen 

wie in beiden lateinischen Texten. 

Vincent. 24, 14. Turpin 73, 15. 352, 48. Karl künde harde wale 

Carolus didicerat linguam Sarra- die heidenische spräche ind zale, 

cenicam, cum esset juvenis apud want he in sinen jungen dagen, 

Toletum [in qua aliquanto tem- als ir hie vor hat hören sagen, 

pore commoratus est.] zo Tolet in der stat lerde, 

dar he den koninc Galafers erde. 

Die Beziehung bei Turpin und Vincenz ist hier allgemein gehal- 
ten, wiewohl nach cap. 20 der Verfasser die Jugendgeschichte Karls 
recht gut kannte. Die Erwähnung von Toledo genügt, um zu zei- 
gen, dass das deutsche Gedicht in diesem Punkte dem echten näher 
steht als z. B. Girard, der als Sitz Galafres Saragossa angibt. 

Es werden von jeder Seite 20 Kämpfer ausgewählt; dann, nach- 
dem die 20 Sarrazenen getödtet, 40, dann 100, jetzt fliehen die 
Christen. Die moralische Auslegung Turpins fehlt auch hier wie im 
achten Capitel, und ebenso beidemal bei Vincenz. Der Kampf der 
200 und 1000 ist im lateinischen Texte mit zwei Zeilen abgemacht, 
bei Vincenz mit einer: der deutsche Dichter, ausführlicher schildernd, 
braucht dazu die Zeilen 354, 12 — 57 Im dreizehnten Capitel begeg- 
nen sich die Texte im Ganzen ziemlich, nur ist der lateinische aus- 
führlicher; dem deutschen fehlt, wiederum mit Vincenz stimmend, die 
moralische Auslegung am Schlüsse 74, 27-39. Dagegen hat das 
Gedicht, in Uebereinstimmung mit Turpin, dreizehn Bettler, Vincenz 
nur zwölf. Ziemlich weit weicht das vierzehnte Capitel vom deut- 
schen Texte ab; die Anzahl der Streiter auf beiden Seiten (134000 
Christen, 100000 Sarrazenen) ist im Karlmeinet nicht angegeben, 
eben so wenig die Schlachtordnung; Arnold von Bellanda ist der ein- 
zige Name, der im deutschen und lateinischen Texte stimmt. Beide 
begegnen sich bei Turpin 74, 50, Karlmeinet 358, 34; Arnold 
tödtet Agolant , die Heiden fliehen und werden auf der Flucht er- 
schlagen, nur die Könige von Sibilien und Corduba (Carduben) ent- 



— 73 — 

kommen. Besonders ist die Uebereinstimmimg Turpin 75, 2, Yin- 
cenz 24, 14 mit Karlmeinet 359, 6 zu bemerken. 

in crastina die nu wil ich sagen daz, 

also as ich it las, 

fuit caedes paganorum, dat der heiden in der not 

also vele wären bleven döt, 

quod Christiani usque ad talos dat de cristen in dem blöde 

in sanguine natabant. over ere enkel woden. 

Diese Stelle zeigt recht deutlich, wie der lateinische Text aus 
Liedern hervorgegangen ist; kaum würde man, wenn nicht der Be- 
weis vorläge, an dieser Stelle des deutschen Gedichtes eine Ueber- 
setzung aus lateinischer Prosa vermuthen, weil dieser Ausdruck in 
poetischen Schlachtbeschreibungen fast stehend ist. Der deutsche 
Dichter nennt vorher eine Menge christlicher Helden, die hier aus 
Turpins elftem Capitel (Yincenz 24, 13) nachgeholt sind. Aristannus 
de koninc van Britania (357, 44) ist Arastagnus rex Britanorum 72, 
16; Engelers herzöge van Gasconien Turpins Engelerus dux Aquita- 
niae, [genere Gasconis fügt Turpin 72, 21 hinzu, welche Worte bei 
Yincenz fehlen] van Yreslant der koninc Hundebolt entstellt aus Gun- 
deboldus rex Frisiae; van Bordeus Ganffer aus Gaiferus rex Burcle- 
galensis, den Turpin ohne Zweifel aus dem historischen Waiferius von 
Aquitanien entlehnt (vgl. oben S. 7) und der also wiederum iden- 
tisch mit dem heidnischen Könige Galafers ist ! der küne greve Yel- 
lis ist Oellus comes Nanantensis (vgl. Karlmeinet 363, 22) ; der güde 
vurste Lamprecht ist Turpins und Yincenz Lampertus princeps Bi- 
turicensis, Sampson der herzöge ist Sanson dux Burgundiae, Costin 
der amptman van Home Constantinus praefectus Romanus (Turpin 
rex Romanus); von Lotrin Gerin bei Yincenz Garinus Lotharingiae 
dux. Karlmeinet enthält hier nur die Xamen, die Yincenz auch hat, 
während Turpin eine Menge anderer noch aufführt; auch die Reihen- 
folge ist dieselbe wie bei Yincenz , nur steht Gaiferus vor Gundebol- 
dus. Es kann also kein Zweifel sein, dass hier der Dichter nur den 
Text des Turpin nach Yincenz vor sich hatte. 

Im fünfzehnten Capitel Turpins stimmt das deutsche Gedicht 
359, 20—41, nur ist wieder, weil sie auch bei Yincenz fehlt, die 
moralische Auslegimg des Ereignisses weggeblieben. Das sechzehnte, 
de bello Furrae, beginnt mit 359, 42 ; abweichend ist die Ortsbestim- 
mung, wo der Kampf zwischen dem heidnischen Fürsten und Karl 
geschehen. Turpin sagt: apud montem Garzimi, im deutschen Ge- 
dichte reiten sie zo Pampilöne da Karl was inne; doch heisst es 
auch bei Turpin 78, 17 de bello Panrpilomae. Der Kampf ist im latei- 
nischen Texte wieder mit einem quid plura kurz abgefertigt, bei Yin- 



— 74 — 

cenz bloss peracto bello; das deutsche Gedicht ist ausführlicher. Zu- 
satz des deutschen Dichters (ob auf lateinischem Texte beruhend?) 
ist, dass Karl einen von einem Bischof geweihten Kirchhof machen 
und die 150 (die Zahl gibt Karlmeinet nicht an) Gestorbenen begra- 
ben lässt; auch Yincenz hat nichts Entsprechendes. 

Das siebzehnte Capitel des Turpin, Yincenz 24, 15, beginnt im 
deutschen Gedichte mit 361, 48 und geht bis 369, 64. Den Ortsna- 
men Nagera Turpin 75, 42 nennt das deutsche Gedicht immer Va- 
gere 361, 64. 362, 6. 28. 32; auch Albericus 2, 146 hat Nageram, 
Vincenz (wenigstens die mir vorliegende Ausgabe) ganz entstellt Ma- 
griam. Die Beschreibung des Riesen Ferracüt (so ist, wie die Reime 
zeigen, statt des Farracuc der Handschrift immer zu lesen) ist im 
lateinischen Texte auf zwei Stellen vertheilt 75, 46—47 und 75, 53 — 55. 

hie virtutem quadraginta 362, 8. dis resen sterkde was so 

groz 
fortium possidebat. als verzieh man gewäpent of 

bloz. 
erat autem statura ejus ouch so was he lanc 

duodeeim cubitorum, zwölf eilen äne wanc. 

et brachia et crura ejus sine arme inde bein 

der enwas engein, 
quatuor cubitorum. si enwern lanc ver eilen. 

ouch so hört ich it zellen, 
facies ejus dat sin antlitze was 

longa quasi unius cubiti, lanc einre eilen pas 

nasus ind de nase van sime live 

unius palmi einre spannen lanc rive 

et digiti ind de vinger van sinre hant 

trium palmorum. de wären drier spannen lanc. 

desem resen Ferracüt 

was also veste sin hüt, 
lanceam aut sagittam dat he kein swert envorchte, 

non formidabat. so wä he is bedorchte. 

Für Rainaldus (Vinc. Renaldus) de Alba-Spina hat das deutsche 
Gedicht Arnolt von dem wizen dorne genant 362, 66: an andern 
Stellen ist der französische Name d'Aubespine beibehalten, so in II, 
251, 67 Hügün von Daupespine und entstellt 253, 19, Wellis der 
greve van Nanantensis 363, 21 ist der Oellus comus des lateinischen 
Textes : in Y steht Wellis durchgängig für Genelün: dass aber beide 
zwei verschiedene Personen sind, sieht man aus dem Verzeichniss bei 
Turpin 72, wo neben jenem Oellus angeführt wird Ganalonus, qui 
postea traditor extitit 72, 36, den Yincenz 24, 13 nicht mit anführt. 
Der Satz des lateinischen Textes 76, 3. 4 ,deinde mittuntur viginti 



— 75 — 

pugnatores, scilicet duo in simul separatim et illos similiter carcere 
mancipavit, bei Vincenz ,post haec mittuntur bini alii et illos simili- 
ter misit in earcerem' fehlt im deutschen Gedichte nach 363, 48, wo 
er folgen müsste. Das Gespräch zwischen Koland und Ferracut über 
die christliche Religion ist vom deutschen Dichter bedeutend ge- 
kürzt; es fehlen die ganzen Erörterungen von 76, 42 tunc Ferracutus 
,Nos credimus' inquit bis 77, 52 unde ergo filius dei venit, illuc re- 
diit. Yincenz ist noch kürzer , er hat nicht einmal soviel als das 
deutsche Gedicht; er sagt 24, 16 tunc coepit eum gigas interrogare 
de lege christiana et cum optime per omnia respondisset Rolandus, 
ait gigas: tali pacto (= Turpin 77, 52). So kann der Karlmeinet 
hier wenigstens nicht diesem Texte des Vincenz gefolgt sein. 

Aus dem folgenden Capitel (18) will ich zur Yergleichung zu- 
nächst die Stelle von den larvae hersetzen, die ohne den lateini- 
schen Text im deutschen etwas unklar ist. 

Vincent. 24, 17. 370, 65. do hadden de heiden 

gedacht 
ein list : dat si uch gesacht. 

2. venerunt ante singulos eikelich heiden man, 
equos eorum der da gereden quam, 

singuli pedites, hadde einen knecht vur eme gän, 

habentes larvas gebläbiset sunder wän 

barbatas mit eime grözen barde, 

et cornutas, üp sime hofde hörne harde 

tenentes singuli , inde an dem halse sin 

singularia tympana. ein tabür, de was fin. 

1. cumque jubente Carolo appro- do bi si cristen quamen 

pinquaret prima turba militum ind de knechte dat vernämen, 

nostrorum contra primam paga- dö slogen si ir tabure, 

norum, de hezzelfchen gebure, 

3. quae manibus fortiter percutie- also sere mit nide, 
bant, dat mant hörte wide. 
quorum sonitus mox ut equi do dat horten ind sägen 
nostrorum audierunt, der cristen ros in der lägen, 
exterriti fugam ceperunt. si wurden sere erveret u. s. w. 

Die Einzelkämpfe Rolands und Oliviers hat der deutsche Dichter 
wieder, wie oben, hinzugefügt, um seiner Schlachtbeschreibung indi- 
viduelle Züge zu leihen. Bei Turpin und Vincenz wird nur Karl 
erwähnt. 

Das achtzehnte Capitel ist am Schlüsse wieder vom deutschen 
Dichter gekürzt, namentlich ist die Vertheilung der eroberten Pro- 
vinzen ausgelassen, die auch Vincenz nicht hat. Mit diesem überein- 
stimmend heisst es: 



— 76 — 

tunc Carolus 373, 3. der keiser wolde do Ionen 

pugnatoribus suis sinen lüden mit des riches krönen 

der vil grozer arbeit, 
darinne si warn gewest gereit, 
divisit ind gaf mallich nä sime werde 

dat he mit dem swerde 
terras Hispaniae. gewonnen hadde bürge ind lant, 

veste ind stede in er hant. 
Auch der Inhalt des neunzehnten Capitels ist bedeutend gekürzt, 
weil schon bei Vincenz: er ist auf 373, 11 — 50 zusammengezogen. 
Die letzten Sätze welche stimmen sind: 

praecipiens, 373, 33. noch gebot he mere 

ut unusquisque possessor unius- Karl der keiser here, 

cujusque clomus Hispaniae dat e der man van Galitzen lant 

totius et Galeciae ind van Hispanjen mit der hant 

annuatim ex debito daret järs zo der kirchen brechten dare 

quatuor nummos, et liberi veir penning ind da mit quft 

essent wäre 

ab omni Servitute. van alre eigens chaf. 

in illo concilio ego Turpinus 43. hie bi was buschof Turpin 

[Rhemensis archiepiscopus] van Rens mit dem live sin 

cum IX episcopis ind nuin buschove ind vil cler- 

ken 
ecclesiam beati Jacobi zo Comp o stellen in der kerken 

dedicavi ind si da wieden zo der stunt 

et altare einen altär: dat was mir kunt. 

calendis Juniis. in dem heumande it was 

üp den ersten dach, als ich it 
las. 
Um den Uebergang zum folgenden Abschnitte zu machen, fügt 
der Compilator aus willkürlicher Erfindung hinzu, Karl sei, nachdem 
dies vollbracht, heim geritten und habe eine Zeitlang in Ingelheim 
am Rheine verweilt, wo ihm folgende Geschichte begegnet, für welche 
der Dichter das allgemeine Schweigen seiner Zuhörer in Anspruch 
nimmt. 

Es folgt nun als vierter grösserer Abschnitt der Compilation das 
mittelniederländische Gedicht von Karl und Elegast, mit geringen 
Abweichungen von dem Texte Hoffmanns. Gleichwohl verdienen diese 
Abweichungen eine nähere Beleuchtung, weil sie uns zeigen, dass der 
Compilator kein eigentlicher Niederländer war, wenn auch seiner Hei- 
mat nach ihm das Niederländische bekannt und verständlich sein 
musste. Ohne auf einzelne Lesarten einzugehen, wiewol uns auch 
diese zeigen würden, dass speciell niederländische Worte durch deutsche 
entfernt wurden, betrachten wir nur die Reime im Yerhältniss zum 



— 77 — 

Originale, so wie einige Weglassungen und Zusätze. Manche eigen- 
tümlich niederländische Ausdrücke finden wir nur hier, ein Beweis, 
dass sie dem Bearbeiter und seiner Mundart nicht zukommen, dass 
er aber hier aus Bequemlichkeit und Trägheit sie stehen liess. Die 
niederländische Verkürzung der Substantiva in heit findet sich in 
mede: wärhede (— wärheite) 374, 7, Elegast 7, : behendichede 383, 26, 
Elegast 644; stede : behendichede 385, 13, Elegast 760; mede: be- 
hendichede 386, 21, Elegast 836; 388, 49, Elegast 984. 

Nur einmal findet sich ein solcher Reim in VI mede: mogent- 
hede (Hs. heide) 537, 66. Es ist dies eine Annäherung ans Nieder- 
ländische , die sich Heinrich von Veldeke , mit dessen Mundart die 
des Compilators viele Aehnlichkeit hat, im Servatius, nicht mehr in 
der Eneit und den Liedern erlaubt, vgl. Servatius I, 2045.2305. 2427. 

Folgende Ausdrücke finden sich nur in diesem Theile der Com- 
pilation und sind nicht an allen Stellen vom Bearbeiter beibehalten 
worden. 

enträden : entgaen Karle den ich enträde (: schade) ,fürchte' 
378, 49, Elegast 340. 

gebast: soult ir geloven an ein hoen of an eins hüns (lies hun- 
des) gebast (: vast) 385, 39, noch dazu entstellt aus oft dat ein hont 
hast ,dass ein Hund bellt.' Elegast 788. 

he (er): numme 374, 45; Elegast 47 steht besser sweech hi: 
ay mi. Die Form he oder hi (das i mochte Anlass zu der unge- 
schickten Aenderung in numme sein) findet sich nur hier, während 
er durch 466, 24 belegt ist. 

hebet (mnl. heeft) = hat mehrfach im Keime hevet : levet 375, 
23, Elegast 110; leift: heift 376, 62, Elegast 220; hevet: levet 377, 
22, Elegast 246; 383, 52, Elegast 650. Ausgelassen ist der Reim 
Elegast 566 leeft: heeft nach 381, 15 mit einem ebenfalls mittelnie- 
derl. Reimpaare, so dass die Absichtlichkeit der Auslassung wahr- 
scheinlich wird. Doch war die Form dem Dichter nicht ganz fremd, 
sie findet sich einmal in V, 466, 43 levet: hevet, wo indess noch zu 
untersuchen bleibt, ob sie dem Compilator zukommt. 

Die Form hilt für hielt ist nicht speciell mnl., sondern auch nie- 
derrheinisch. Heinrich von Veldeke braucht mehrmals reduplizierende 
Präterita im Reime auf kurzes i, nicht blos in ginc, vinc, hinc. Doch 
kommt hilt in den Theilen, -die dem Compilator bestimmt angehören, 
nicht vor, mehrfach aber in IV: 377, 53, wo zu lesen ist: 
swart was sin heim inde schilt, 
die hei an sime halse hilt, 
vgl. Elegast 278: ebenso schilt: hüt 379, 42, Elegast 400. Dem 
Compilator scheint dagegen die Form helt zuzukommen, die einmal 



— 78 — 

auch ausser IV begegnet: heilt: gevelt 379, 66, Elegast 422; : velt 
380, 20, Elegast 442; 392, 59, Elegast 1252. 

crit (Kreiss) ist 392, 61 (vesperzit : krit) aus Elegast 1255 bei- 
behalten worden, dagegen entfernt Elegast 1223 strit : crit, wo der 
Bearbeiter mit Aenderung reimt ir sit : strit 392, 29 : vgl. auch 393, 
28, wo ausser Reime steht zo dem kreize. 

liede ,Leute', dessen gewöhnliche dem Compilator zusagende 
Form lüde ist, die häufige Reime bezeugen, steht 380, 40, aus Ele- 
gast 1041, im Reime auf schieden. 

när im Sinne von nach wurde 392, 33 entfernt (vgl. Elegast 
1226 die coninc antwoorde daer naer : waer), indem der Bearbeiter 
schrieb : Karl sprach do offenbar : war (Hs. offenbare : wäre) ; dage- 
gen ist när 374, 2 (Elegast 2) beibehalten worden. Auch in VI, 
534, 49 wäre die Form när anzunehmen. Die Handschrift gibt 
ind bleyff dar vil na 
achter eyn zwey iaer, 

was man aber leicht ändern kann : incle bleif vil nä dar (: jär). Ich 
glaube daher kaum , dass dem Compilator när zukommt. 

omtrent Elegast 261: in 377, 36 entstellt in umb den trent 
,rings herum' findet sich sonst nirgend in dem ganzen Gedichte. 

part für pfert: die Form phert und im Pluralis pherde belegen 
in andern Theilen des Gedichtes zahlreiche Reime. In IV dagegen 
steht part : enspart 374, 29, Elegast 33. Ebenso reimt Elegast 254 
vaerde : paerde (Plural): hier schreibt der Bearbeiter schon werde: 
perde 377, 30. Man vergleiche noch folgende Stellen: 

Elegast 1024. Karlm. 389, 23. 

van sinen scatte sulke skaerden, van sime schätze sulche gewerde, 

dat cume ghedroech twe paerden. it endröge niet dri perde. 

1310. Elegast ü ende uw pert, 393, 42. Eligast , dich ind din 

pert, 
ten si dat ghi ter vaert ... it ensi du dich dis erwers. ') 

Ausgelassen wurden des Reims paert : vaert wegen die Zeilen 
Elegast 1318. 19. 

seget für saget seit, oder wie der Dichter häufig reimt, sait, d. i. 
sät, findet sich im Reime auf leget (liget) : geseget nur 382, 59, Ele- 
gast 612. 

stoet für stuont findet sich in guet : . wederstoent (1. goet : we- 
derstoet) 375, 52, Elegast 141 ; verstoent : moet 383 , 10, Elegast 
628; stoent: goet 383, 48, Elegast 666; entfernt dagegen wurde die 
Form ohne n an folgenden Stellen: 



i) Vielleicht auch mit ir: it ensi dat ir üehs erwert. 



— 79 



Elegast 382. 
om teiken datter ane stoet : 
hi enwilde niet dat men waer 

vroet. 
486. als dit de coninc verstoet, 

was hi blide in sinen moet. 
1118. daeralle die moort ane stoet. 
do hi gebeet was te voet. 
1142. als die coninc dit ver- 
stoet, 
was hi blide in sinen moet. 
1232. ende pensde in sinen moet 

na dat gheschepen stoet. 



Karlmeinet 379, 24. 

durch zeichen dat da inne stunt. 

he enwolde niet, dat eman worde 
kunt. 

380, 62. als dat der koninc ver- 
stoent der gode, 

dö wart he blide in sinem mode. 

390, 46, den dis mort an draf. 

si stoenden van den rossen af. 

391,2. als dit verstoent Karl der 
gode, 

he was blide in sinen mode. 

392, 39. nä deme dat eme ge- 
schaffen was, 

so dachte he ,is en mach niet 



wesen baz.' 
verbüren ,verwürken' nur an zwei Stellen im Reime, verbüren : 
aventüren 376, 52, Elegast 209; : gedüren 377, 12, Elegast 237; an 
der zweiten Stelle in verbyrnen (=■ verbrennen) entstellt, zum Be- 
weise, dass der Bearbeiter das Wort nicht einmal verstand. 

Das Präteritum wilde für wolde im Reime auf schilde nur 376, 6, 
aus Elegast 161 : die Hs. schreibt wie gewöhnlich woulde. 

Wenn schon hier zum Theil wenigstens die fremden niederlän- 
dischen Ausdrücke und Wortformen entfernt wurden , so ist dies 
durchgängig bei den folgenden Worten der Fall, die durch andre 
Reime ersetzt wurden, bet für baz: 

Elegast 112. Karlmeinet 375, 25. 

dat wäre min wille bet, dat were min wille vele baz *) 

dan ic gevangen ben int net dat ich gevangen wer in ein vaz. 

ebenso bet : net Elegast 1006. 7. 

betrapen aus dem französ. attraper, ,überraschen, ergreifen.' 
Elegast 253. Karlm. 377, 27. 

dekenen ende papen, decken inde paffen, 

daer hi se can betrapen. dar he si kan gerachen, 

lieber mit ungenauem Reime als mit Beibehaltung des fremden Wor- 
tes. Ebenso im Elegast 523, wo der Bearbeiter stärker ändert. 



dekenen ende papen, 
wacr icse can betrapen. 

borgen = bergen ,beschützen ; . 
El. 834. dat hien moeste borghen. 

een deel was hi in sorghen. 



381, 28. dechen of paffen, 
en enkunde neit gehelpen ir 
knaffen. 

K. 386, 19. dat he en moste be- 

waren. 
ein deil was he in vären. 



>) Hs. das. 



— 80 — 

deren ,schaden' (mhd. taren) wurde mit Ausnahme einer einzi- 
gen Stelle (gederen: keren 383, 44, Elegast 662) durchgängig ent- 
fernt. 

El. 596, ten mochten niet deren, K. 382, 36. it enmochte eme niet 

geschaden 

dat wi van den sinen teren. also vele as zwä maden. 

880. tes ander dinc, dat u deert. 387, 2. it is ander dinc, dat üch 

wert. *) 

si bemaende ende besweert. si mande en also beswert, 

also mit anderer Bedeutung des zweiten Reimwortes. 

897. hoe sie hieten, wie si waren, 387, 1 8. we si heizen ind we si 

weren, 
die den koninc wilden daren. de den koninc wolden interen. 

1088. die u daer slaen wil of deren, 390, 16. de üch dan wollen ho- 

len 2 ) of slän, 
wi sullen wel weren. den möz it ovele ergän. 

dien an folgenden zwei Stellen: 

El. 1194. nu vermaen ic u bi alle K. 391, 52. ich manen üch mit gode 

dien, 

die gods van sonden plien. ind mit sinem heiligen gebode. 

1219. ende hem alle diet wilde 392, 7. ind alle de it wolden sein. 

sien. 

dorste Egheric loghenen van dien. ind dorste E. dat wedersprechen, 

sogar mit Aufhebung des Reimes. Doch ist es nicht wahrschein- 
lich, dass selbst der rohe Compilator so geschrieben. Ich vermuthe 
dorste Eggerich dar weder jenen (: sehen). 

diere für mhd. tiure oder, wie der Bearbeiter sagt, düre. 

El. 950. ic sal wederkeren schiere. K. 388, 15. ind ich sal wederke- 

ren schere, 
doe bemaenden die coninc diere. do mande in Karl sere. 

el ,sonst, anders' kommt ein paarmal im Reime vor. 
El. 294. nochtan wetic te voren 378, 5. nochtan weiz ich zovoren 

wel, wale, 

tes die duvel end niemen el. it is der düvel sunder logenzale. 

325. deen besach den anderen 378, 33. der eine besach den an- 

wel. dern wale, 

mer si enseden niet el. vier siner seden enwuste hei neit 

alle, 

was keinen Sinn gibt: ,vier siner seden' ist offenbar entstellt aus 
,mer si enseden' ; es scheint also die Entstellung eher vom Schreiber 



») wirret von werren. 2 ) wohl howen. 



— 81 — 

herzurühren, doch könnte auch schon der Compilator falsch gelesen 
haben, mer in der Bedeutung ,aber' kommt im Karlmeinet öfter 
vor. Wegen des Reimes el sind die beiden Zeilen Elegast 508, 9 
ausgelassen nach Karlmeinet 381, 15. 

faelghien, ,faillir c wurde, wiewohl es der Compilator selbst im 
dritten Abschnitt 370, 59 braucht, wo batalien: falien ,fehlen' reimt, 
aus Elegast 407 entfernt, wahrscheinlich wegen des andern Reimwor- 
tes maelghien ,maille', vgl. Karlmeinet 379, 48. 
heel, geheel. 
El. 536. ende ict weder hadde 381, 42. dat ich it weder hedde 

gheheel. zohant, 

der slaghen hebbic ooc een deel. want ich bin van siegen geschant. 

hoe ,wie' Eleg. 965 ic mach u segghen hoe (: vroe = vruo), 
Karlm. 388, 42 ich mach üch sagen we it dö (: vrö). 

houde ,schnell', Elegast 905, reimend auf soude = solde; der 
Bearbeiter schiebt ein Reimpaar ein, indem er solde auf wolde rei- 
men lässt und statt houde sagt mit der vart, ein bei ihm gewöhnli- 
ches Flickwort, das hier auf unbewart reimt, K. 387, 28 — 31. 
hout = heldet: 
El. 948. dat enlietic om al dat K. 388, 13. des enläzen ich niet 

gout, umb alle goet, 

dat die warelt inne hout. dat got hat in siner ho et. 

liden in der Bedeutung , gehen' ist merkwürdigerweise El. 1107 
durch riden ,reiten' ersetzt (Karlm. 390, 33), während es bei dem 
Compilator nicht selten vorkommt. Vielleicht hatte schon seine Hand- 
schrift des Elegast riden. 

maelghien, franz. maille, mhd. malhe, vgl. oben faelghien. 
meskief, altfranz. meschief, ,Unglück'. 
El. 376. berechten , ten wäre mi 379, 18. bericht irs mich *), it wer 

lief. mir lief, 

coomter mi goet af of meskief. mir kome dar af quät ofte lief. 

naken (naket : waket) ,nahen' ist aus Elegast 300 im Karlm. 378, 
11 durch ein anderes Reimpaar entfernt. Der Bearbeiter scheint 
neken zu sagen ; doch kommt auch diese Form nur ausser Reime vor. 

nöde ,mit Mühe, schwerlich' scheint K. 383, 8 absichtlich ent- 
fernt zu sein, Elegast 626 reimt es auf gode (= gote). Vielleicht 
aber war auch die verschiedene Quantität Ursache der Entfernung, 
wenn gleich der Compilator die Quantität nicht selten verletzt. 

ongherief ,Ungemach' lässt der Dichter des Elegast 94 in drei- 



l ) auch das berechten des Originals hat der Bearbeiter anders gewendet. 

6 



- 82 - 

fächern Keime auf dief und lief reimen. Der Bearbeiter hat nur 
zwei Keime dief: lief; es ist nicht unwahrscheinlich, dass er den 
dritten wegen des ihm fremden Wortes absichtlich unterdrückte. 

onvrame , Schaden', Elegast 755 auf quäme (= quaeme) reimend, 
ist Karlm. 385, 8 entfernt, indem der Bearbeiter für den zweiten 
Yers sagt ,hei enwas darzö neit geneme (: queme). vrame ,Nutzen' 
neben vrome steht Elegast 863, im Keim auf unbequäme. 

hi hadde eer ontbeert der vrame hei hadde dat erste geneme 

van den sadel ende tgewin, van dem sadel umb dat gewin, 

wie es scheint, auch missverstanden, 
ors ,Pferd'. 

El. 1325. al souts mi sijn te wors. K. 393, 53. an solde mir sin deste l ) 

wers. 
nu sit weder op uw ors. nu sitzet weder üp ür pert, 

also wieder mit ungenauem Reime. Hier konnte aber ebensogut 
die Form wors = wers, wirs, die Schuld der Entfernung tragen. 
Die Form ors findet sich im fünften Abschnitt auf Zors reimend 
(476, 39: die Handschrift schreibt ros); daraus aber folgt nicht, dass 
ors dem Compilator zukommt. 

pensen , denken' ist einmal in I ausser Reime aus dem mnl. Ori- 
ginale stehen geblieben, 133, 44. Im Elegast wird es entfernt, El. 
290 pensde, Karlm. 378, 1 dachte, und ebenso Elegast 434. 547. 
632. 665. Das Substant. ghepens reimt auf ghens Elegast 83 ; dafür 
steht K. 374, 63 gedanken: wanken. 

pointe steht ausser Reime Elegast 553 in der Verbindung te 
pointe bracht, ,zur rechten Zeit gebracht'; der Bearbeiter sagt got 
hat en mir dar umb her bracht, 381, 59. 

ramp ,res adversae', wie Hoflfmann erklärt: 
El. 1328. dan ic u sloeghe bi K. 393, 56. dan ich üch sloge zo 

rampe, voze dot, 

al soudic bliven in den campe. an solde ich bliven in grözer not. 

riveel ,Freude', reimend auf casteel. 
El. 1045. sin herte was sonder K. 389, 44. sin herze dede em 

riveel. we veP) 

scaerden , Scherben, Stücke', reimend auf paerden, Eleg. 1024; 
der Bearbeiter sagt dafür 389, 23 sulche gewerde : perde. 

sede ,sagte' reimt auf dede Elegast 798: es scheint K. 385, 47 
entfernt, wenn man übersetzt ,es krähte da ein Hahn in der Stille, 



i) Für deste steht deylde ; auch im mnl. Texte ist zu lesen de wors. 2 ) Hs. wewe 
veil. 



— 83 — 

in der Weise (de sede als absol. Acc.), wie er früher that.' Doch 
kann man leicht ändern: ende sede. 

sneven , dura sive adversa pati (vgl. mhd. snaben): hi sal ver- 
winnen al sijn sneven, Elegast 1005, reimend auf leven; der Bear- 
beiter 389, 4 setzt eine ganz andere Zeile dafür, ,ich sal em mine 
hulde geven. 4 

sterc für starc : hare speren waren sterc. si versaemden in een 
perc (locus septus), Elegast 388, wofür der Bearbeiter 379, 30 
sagt ir sper wären starc. si vergaderden hart, was auch wegen perc 
geändert sein kann. 

wel für wol, oder wie der Bearbeiter gewöhnlich sagt, wal, wale. 
Ein paarmal ist es beibehalten, wel : snel 379, 28, Elegast 387 ; 384, 
33, Elegast 714. Entfernt aber häufiger, vgl. zu den unter el ange- 
führten Stellen noch die folgenden: 

1262. die mi ie ghevel. K. 393, 4. der ich beginc zo der 

werlde ie, 
ic kenne mine mesdaet wel. der geven ich mich schuldich hie. 

1296. ten crite waert ghewapent 393, 28. zo dem kreize gewäpent 

wel, wal. 

die sere was int herte fei. sin herze was vol quädes al. 

windewaien: davon das Particip ic wilde mijn kele windewait 
(: erat), dafür sagt der Bearbeiter 385, 52 ich wil min hoft af läzen 
slän. 

wrochte für worchte ist aus Eleg. 396 in Karlm. 388, 61 ent- 
fernt, wiewohl einigemal die Umstellung des r in der Compilation 
vorkommt. Eher ist wol das folgende Reimwort ghedochte Ursache 
der Aenderung. 

In dem mnl. Gedichte finden sich mehrere ungenaue Reime; 
auch diese sind von dem genau (d. h. nach seiner Mundart und Zeit 
genau) reimenden Bearbeiter entfernt. Zwar Elegast wesen: tot de- 
sen 270 ist genau, würde aber nach der Mundart des Bearbeiters 
es nicht sein, darum änderte er 377, 45. Ebenso an den folgenden 
Stehen: 

El. 402. dat hi in tween stucken 379, 44. dat he vloch zo stucken 
vlooch, inzwei, 

oft waere een lindenloof. als it wer gewest ein ei. 

734. daer men mi volchde achter: 384, 53. da man mir volgede nä. 

endorfte niet keren door den ich endorste niet wederkeren da. 
laster. 

lachter = laster; es begegnet noch Elegast 351. 

Der Umlaut scheint ein paarmal Ursache zu Auslassungen ge- 
wesen zu sein. Elegast 132 gewäden: beräden fehlt nach K. 375,44, 

6* 



— 84 — 

weil der Bearbeiter wohl nur geweden (gewaeten) sagte, väre: wäre 
(für wsere) El. 303. 4. fehlt ebenso nach 378, 14; dagegen steht 
väre: were (vgl. El. 398) K. 379, 40. Des Reimes wegen haben 
folgende Auslassungen stattgefunden. Eleg. 9. 10 wegen des Reimes 
ghevel: wel; 774. 5 wegen ghedochte (Subst.) : ghedrochte; 978. 9. 
wegen vercocht (verkauft): brocht; 1096. 7. wegen groot: wederstoot. 
Entstellt und missverstanden sind folgende Reime: 

El. 336. waer ic seker van dien, K. 378, 45. were ich sicher van 

eme, 
dat hi quame om verspien. dat hei queme umbe spen, 

wo man die zweite Zeile besser schreibt: dat he umbe spen queme, 
dem eme: queme begegnet in III öfter. 

El. 483. eer ic u gheseide den 380, 59. ee ich uch gesade den 

fijn. sin. 

766- wat hanen craien ende hon- 385, 19. wat hanen kreden ind hun- 
den bilen. " de beiden, 

reimend auf wilen. 

Ich will schliesslich die Auslassungen und Zusätze nochmals zu- 
sammenfassen, Eleg. 9. 10 fehlt nach Karlm. 374, 8 wegen wel; El. 
29. 30 nach 374, 26 wegen of für af; nach 374, 36 folgen zwei Zei- 
len, die Elegast nicht hat. Dagegen fehlen im Karlmeinet nach 374, 
46 sechs Zeilen, bei denen ein sprachlicher Grund zur Auslassung 
nicht vorliegt; vermuthlich also war hier schon die Vorlage unvoll- 
ständiger oder der Compilator Hess sie aus, im Bestreben zu kürzen, 
das wir an andern Stellen auch finden. Statt der Verse, El. 61 — 74 
stehen im Karlm. nur zwei Zeilen 374, 53. 54. Nach 374, 64 fehlen 
zwei Verse, Eleg. 85. 86; ebenso nach 375, 44 zwei, El. 133. 134, 
wegen gewäden. Nach 376, 6 wiederum zwei, Eleg. 162. 163, we- 
gen stoet; nach 376, 54 fehlen Eleg. 212. 13; nach 378, 14 zwei 
Verse, Eleg. 304. 305; ebenso nach 379, 9 Elegast 366. 367; dage- 
gen sind nach 379, 59 zwei Verse eingeschaltet, die nach Elegast 
417 fehlen und eine gute Ergänzung bilden. Für Elegast 424. 425 
stehen Karlmeinet 380, 2. 3 zwei ganz andere Verse: 

El. dat hien manlic hadde gevelt dat he en vil nä hedde gevelt 

end van den orse tumeln dede. van dem rosse zo der molden. 

tuschen hem beiden enwas ghen tuschen en was gein ophalden. 
vrede. 

Da der Compilator sonst nicht molden : halden reimt , so halte 
ich diesen Reim für ursprünglich und der Lesart der Drucke vorzu- 
ziehen. Nach 380, 27 fehlen wiederum zwei Zeilen, Eleg. 450. 451, 
wahrscheinlich wegen gewrochte. Nach Elegast 473 schiebt Karlm. 



- 85 — 

zwei Zeilen ein, 380, 50, dö sprach der swarze rittere ,so mir got 
unse here', wodurch 474 schon zur Antwort Elegasts fällt. Dagegen 
sind nach 475 zwei Verse, Elegast 476. 477 weggeblieben. Auch 
nach 381, 15 fehlen vier Zeilen, Elegast 506—509, vermuthlich we- 
gen wel: el, wodurch auch die beiden andern Zeilen wegfallen muss- 
ten. Nach 382, 37 sind zwei Zeilen eingeschoben, hinter Eleg. 597, 
die allerdings keinen neuen Gedanken enthalten; auch die beiden 
nach Elegast 605 eingeschobenen Zeilen 382, 48- — 49 können dem 
Sinne nach fehlen. Hinter Elegast 611 folgen zwei Zeilen 382, 
56—57, die für die Construction jedoch wesentlich scheinen, denn 
die Worte' ,von sime schätze' sind zu dem nur im Karlmeinet er- 
haltenen Verse ,än hedden wirs unse pert geladen' zu beziehen. Dar- 
nach werden wir auch die andern Verse für echt halten dürfen; der 
Umstand, dass sie fehlen könnten, ohne den Sinn und Gedanken zu 
beeinträchtigen, berechtigt noch nicht sie zu streichen. Zwei Verse 
fehlen nach 385, 26, Elegast 774. 775, wegen ghedochte oder ghe- 
drochte. Dagegen hat der Text des Karlmeinet nach Elegast 811 
zwei Zeilen mehr, die man recht gut für echt gelten lassen kann. 
Die beiden Verse 820. 21 fehlen nach 386, 6; vermuthlich wegen 
tanden, da der Compilator im Pluralis zenden sagt. Karlmeinet hat 
nach Elegast 867 zwei Verse, 386, 53 — 54, die gewiss echt sind; 
denn erst nachdem Elegast das Reitzeug fortzutragen versucht hat, 
klingen die Schellen. Auch die beiden nach Elegast 901 stehenden 
Reimzeilen 387, 24. 25 halte ich für echt. Für Elegast 910. 911 
hat Karlmeinet 387, 36. 37 andere Reimworte: 

El. haer aenschijn over tbedde- er antlitze over des beddes ort. 

boom. 

Elegast die nam dis goom. Eligast he ruckede vort. 

Ebenderselbe Fall ist bei Elegast 920. 21 undKarlm. 387, 47. 48, 
wo vielleicht das vervären der zweiten Zeile Ursache der Aenderung 
war. Die beiden nach Elegast 943 eingeschobenen Zeilen 388, 7. 8 
mögen Zusatz des Bearbeiters sein, denn die Redensart bi gode van 
dem trone begegnet sonst im Elegast nicht, in III aber häufig. Da- 
gegen sind zwei andere Verse 388, 29. 30, die nach Elegast 963 fol- 
gen müssen, kein überflüssiger Zusatz. Elegast 978. 79 sind nach 

388, 44 weggeblieben, wegen des Reimes vercocht : brocht. Nach 

389, 56 fehlen vier Reimzeilen, Elegast 1058 — 61 , in deren Reimen 
wenigstens kein Grund zur Weglassung war; ebenso verhält es sich 
mit den nach 390, 3 weggefallenen Versen, Elegast 1074. 75. Dage- 
gen sind Elegast 1096. 97 nach 390, 23 wegen des Reimes groot: 
wederstoot weggeblieben. Für Elegast 1114. 15 stehen im Karlm. 

390, 40—43. Nach 391, 11 sind zwei Verse, Elegast 1152. 53 weg- 



— 86 — 

gefallen, ohne dass ein äusserer Grund vorhanden war. El. 1200. 1 
blieben wegen des Reimes el: ghevel fort nach 391, 57. Ein länge- 
res Stück folgt 392, 9—28, nach Elegast 1221. Der Text der bei- 
den Drucke ist hier offenbar entstellt, wie Hoffmann richtig erkannt 
hat. Es ist kaum zu zweifeln, dass Karlm. hier dem ursprünglichen 
näher steht. Die Stelle lautet: 

ich dede en gen der undät, 

& de sunne undergät, 

tuschen uns zwen in einre warve, 

of ich sal mins levens darven. 

Eckerich antworde nä dien (Hs. den) 

,der laster enmach mir niet geschien. (Hs. gescheyn) 

it ensal ouch neman wesen lief, 

dat ich engän einen verbannen dief 

min hals solde aventüren. 

hb solde baz mit gebüren 

kempen 1 ) danne entgän mich. 1 

do sprach he ,her Eckerich, 

ja enbin ich herzöge 2 ), as ir sit, 

ind was verbannen eine zit 

ind mir der koninc min gut nam, 

umbe dat he mir was gram. 

verretnisse 3 ) dede ich mich ave. 

ich han genomen groze have 

den riehen lüden van irm gode: 

dat dede mir not ind armöde. 

mer dat ir ein morder sit, 

ir enmoget entfangen kamp noch strit 

intgän engeinen man, 

de is üch gesinnet an.' 

Nach 393, 9 fehlen die Verse Elegast 1268— 73; doch folgen zwei 
von den hier ausgelassenen Zeilen nach 393, 17, nämlich 1272. 73; 
abweichend ist im Folgenden der Reim in Elegast 1282. 83 von K. 
393, 20. 21. 

doen hi einde sin gebede, dö he sin gebet geende, 

segnende hi alle sine lede. alle sine lede he sende, 

was wohl nicht absichtliche Aenderung des Compilators, sondern ur- 
sprünglich verschiedene Lesart ist. Auch in den folgenden Versen 
ist die Abweichung grösser als gewöhnlich; es stimmen Elegast 1284- 
85 mit Karlmeinet 393, 22. 23. Die beiden nächsten Zeilen Elegast 
1286. 87 mögen wegen des Reimes stoet (= stuont): ootmoet weg- 
geblieben sein; aber auch für die folgenden vier 1288 — 91 stehen im 
Karlm. nur zwei Zeilen, 393, 24. 25. Für enkalde in 24 wird zu 



') kempen steht in der vorhergehenden Zeile. 2 ) ich neit h. 3 ) v. ind mordens. 



— 87 — 

lesen sein entwalde, ,zögerte c . Es fehlen also noch Elegast 1288. 89. 
Ebenso vier Keimzeilen (1316—19) hinter 393, 47, wahrscheinlich 
wegen des Reimpaares paert: ter vaert. Nach 1340 findet sich im 
Karlm. wieder eine Erweiterung : es folgen nämlich nach 394, 3 acht 
Reimzeilen, denen Elegast 1340—42 entsprechen, also sechs Verse 
mehr. Die Länge der Zeilen in Karlm. , die die beim Compilator 
übliche übertrifft, weist auf die Echtheit auch dieser Verse hin, in 
welchen der Kampf mit den gewöhnlichen Farben ausgemalt ist. In 
dem von Mone (Anzeiger 4, 332) herausgegebenen Bruchstücke von 
Karl und Elegast finden sich leider gerade keine Stellen, die die 
Zusätze im Karlmeinet vergleichen Hessen. 

Wie sich der Anfang des Elegast unmittelbar an die aus Vin- 
cenz entlehnten Capitel anschloss, so folgt auf den Schluss de» mnl. 
Gedichtes sogleich wiederum eine Entlehnung und zwar aus dem Ro- 
landsliede des Pfaffen Konrad, welches das vierte vom Compilator 
aufgenommene Gedicht, den fünften grössern Abschnitt des ganzen 
Gedichtes bildet. Der Eingang des alten Gedichtes, in Gebetform, 
1, 1 — 16 ist weggeblieben, sowie die kurze Beziehung auf Karls Ab- 
stammung und früheres Leben 1, 17 — 2, 1, die der Compilator an die- 
ser Stelle natürlich nicht brauchen konnte. Aber schon mit 2, 2 be- 
ginnt die Entlehnung und Uebereinstimmung. Der ganze Uebergang 
des ungeschickten Zusammenreimers besteht in dem Verse: Nu solt 
ir wizzen wat Karle zö quam, und dann heisst es sofort nach Kon- 
rad 2, 2: 

Dö der gotes dienistman Karlmeinet 394, 50. 

von Yspaniä vernam, van Hispanjen he vernam, 

wie unküsclichen si lebeten, we unrechte si lefden, 

die apgot an beteten, de afgode si aver an bedden, 

dat si got niene vorhten, dat si got niet envorchten, 

harte sich virworhten, we sere si sich verworchten: 

daz clagete der keiser here. dö (dat?) clagede der here 

er mante got verre, ind mande got durch sin ere, 

daz er durch mennisken geborn want he durch den minschen ge- 
wurde, boren *), 

an deme crüce irsturbe, de van schulden was verloren, 

daz er die sine irloste, ind he erloste, 2 ) 

daz er getroste dat he ouch gedröste 

di manicvaldigen haidenscaft, de heidenschaft uz aller hacht, 

den diu nebilvinstere naht den de düvel hänt bracht 

den tätlichen scate pare, den tötlichen schaten 3 ) vare, 



i) lies wart oder wurde geboren. 2 ) 1. ind he de sine erlöste. 3 ) scharen: aber 
auch vare ist entstellt; es wird zu lesen sein den de düvelische nacht den 
tötlichen schaten bar. 



— 88 



daz er si dem tüvil benäme. 



vil tiure er hin ze gote rief, 
so daz Hut alliz intslief. 
der engel von himele 
er sprach zuo dem kuninge 
jKarl, gotes dienistman, 



ile in Yspaniam! 
got hat dich irhöret: 
daz Hut wirdit bekeret. 
die dir abir widir sint, 
die heizent des tüvelis kint 
und sint allesamt virlorin. 
die slehet der gotes zorn.' 
Karl an sineme gebete lac 
unz an den morgenlichin tac. 



dö ladeter 



zwelf herren, 



di di wisisten wären, 

di sines heres phlegeten. 

vil tugentliche sie lebeten. 

si wären helde vil guot. 

der keiser was mit in wol behuot. 

ir van si gewanten 

nie ze dehein werltlichen scanten. 

si wären guote knehte, 

des keiseres vorvehten. 

si wären küske und reine. 

den lip fuorten si veile 

durch willen der sele. 

sine gerten nihtes mere 

wan durch got irsterbin, 

daz himelrtche mit der martire 

irwerbin. 
Der keiser in do sagete 
daz er willen habete 

die haidenscaft zestoren, 



dat he er selver neme wäre, 

als eme dat wal gezeme, 

ind si dem düvel neme. 

Karl der koninc güde 

mit lüterlichem müde 

den wären got he ane ref, 

dö dat volc allet slef. 

der engel van hemelriche 

he sprach zo eme götliche 

,Karl, godes denstman, 

des din herze an mir gesan, 

des sal ich dich weren zohant. 

nu var in Hispanjen lant! 

got hat dich gehört ind geret. 

dat volc wirt al bekeret. 

de dir ever weder sint, 

de mozen sin des düvels kint 

ind sint alle verlorn. 

si ersleit godes zorn.' 

Karl an sime gebede lach 

biz an den Hechten dach 

mit vil güden sinnen. 

do hez he eme winnen 

de twelf vursten here, 

den lief was ir ere, 

de sines rädes plagen, 

als si sin not gesägen. 

si wären helde vele gut. 

der keiser was mit en behüt. 

ern mot si niet enwanden 

zo der werlde schänden. 

si wären güde knechte, 

des keisers vurvechte, x ) 

zo schaden ind zo heile. 

den lif vordens veile 

durch de godes ere. 

si engerden alles mere 

dan durch got zo sterven 

ind dat hemelrich zo erwerven. 

Der koninc sachte en dö stille, 
wes he hadde wille, 
of it got wolde hören : 
gerne wolde he erstören 



! ) vur rechte. 



— 89 



die cristin gemeren. 

er sprach ,nu wol ir mine vil liebin, 

nu scul wir gote dienin 

mit lüterlichin muote. 

wol ir helde guote, 

ja hat iu got hie gegebin 

ein vil volliclichez lebin. 

daz hat er umbe daz getan, 

sin dienist wil er da von hän. 

swer durch got arbeitet, 

sin lön wirt eme gereitet. 

swer durch got irstirbit, 

ich sage iu waz er da mite erwirbit : 

eine kunincliche kröne 

in der martersere chore, 

di liuhtet sam der morgensterne. 



iuweren willen west ich gerne.' 
An der rede wären 
herzogen unde gräven: 
da was der helt Ruolant 
unt Olivier der wigant 



de heidenschaf also breit 

ind meren de cristenheit. 

he sprach ,leve lüde min, 

in godes denste solt ir sin 

mit lüterlichem möde. 

ja, snelle helde gode, 

got hat üch gegeven 

ein vil wunnecliche l ) leven. 

dat hat he umbe dat gedän, 

einen denst wilt he van üch hän. 

so we durch got arbeitet, 

sin lön wirt eme bereitet 2 ); 

so we ouch durch en erstirvet, 

ich sän üch dat he erwirvet 

de hemelischen crone. 

de 3 ) wirt eme zo lone 

in der merteler chore gegeven, 

dar he eweclich 4 ) sal leven 

ind lüchten als ein morgensterre 5 ). 

nu ich üch geseit hän vil verre 

minen wille inde möt, 

nu saget wat üch dunke got!' 

an der rede 6 ) mere 

warn de rarsten here, 

de kone degen Rolant 

ind Oliver der wigant, 

der erzebuschof Turpin 

ind der herzöge Gerin u. s. w. 



Die beiden letzten Zeilen finden sich bei Konrad nicht; es ist 
aber, wie schon W. Grimm mit Bestimmtheit aus der jReihenfolge 
bei Stricker 490 gethan hat, zu folgern, dass Turpin hinter Olivier 
genannt war und dass demnach zwei Zeilen nach 4, 13 ausgefallen 
sind. Konrad führt in der Gestalt, wie der Text vor uns liegt, nur 
neun auf ; aber auch die Aufzählung im Karlmeinet ist unvollständig. 
Gemein mit Konrad hat das Gedicht Roland, Olivier, Samson, Ansis, 
Gerin, (wenn identisch mit Konrads Gergers 4, 18, der in dem an- 
dern Verzeichnisse 116, 11 Gernis (1. Gerins) heisst, im Karlmeinet 
Gyrin, bei Stricker 492 Gergis) Berenger, der auch 431 , 43 er- 
scheint (bei Konrad Wernes, dagegen 116, 12 richtig Pernger, Stri- 
cker 497 Bernger). Dietrich von Valcianen ist vermuthlich derselbe, 
den Konrad 116, 11 Eckerich nennt. Yon Konrads Helden fehlen 



') wuntlich die Hs. , vielleicht verlesen aus wlleclich , d. h. vulleclich. 2 ) ar- 
beit : bereit die Hs. 3 ) de fehlt. 4 ) ewelich. 5 ) sterne. 6 ) Vnder reden. 



- 90 — 



im Karlmeinet Engelher, Anshelm, Gottfried, und die auch Konrads 
Text, wie er uns vorliegt, nicht hat, wohl aber Stricker 496, Ive 
und Otte. Dagegen nennt Karlmeinet Naimes und Oiger unter der 
Zahl der Zwölfe, abweichend von den andern Quellen, aber in Ueber- 
einstimmung mit dem prosaischen Fierabras und dem Gallien Restore 
("W. Grimm, S. 315). Ausserdem noch zwei, Oresten und Helis 
396, 8, die nach Ansis (Konrad 4, 16) folgen und vermuthlich aus 
falscher Lesart der Konradschen Zeile 4, 17 der was (da was?) 
chüne vnd wis hervorgezogen sind; denn sie finden sich sonst in kei- 
ner Quelle. Nur entfernt klingt Oresten an Turpins Arastagnus rex 
Britanorum (cap. 11, S. 72, 16) an, der unter Karls Helden aufge- 
zählt wird ; im III. Abschnitte 357, 44 hiess er Aristannus de koninc 
vanBritaniä (S.73). In einem spätem Verzeichnisse (Karlm. 409, 37 ff.) 
werden Roland, Olivier, Ogier und Berant von Mondestier (Berart 
de Mondesdier) aufgezählt; 431,41 führt der Dichter Turpin, Oigier, 
Bernger von Köln, Roland und Olivier an. Nach dieser Stelle wird 
die andre 396, 7 ind der keller Berenger zu berichtigen sein, indem 
man schreibt ind van Colne Bernger. Der Dichter des Karlmeinet 
beabsichtigt gar nicht, alle Zwölf aufzuzählen, denn er sagt ausdrück- 
lich 396, 9 ind dar zö mench vrom man, der ich genennen niet en- 
kan, und darnach stimmt der Text gleich wieder zu Konrad: 



4, 34. diedemkeisereniegeswichen 
ze nicheiner not. 
si dienten im alle 

unz an den tot. 
Also die rede was getan, 
die herren sprächen ir man, 
sie berieten sich besunder, 
ob ieman waere dar undir, 
der in niht helfen wolde. 
si sprachen daz er scolte 
in ze stete widirsagen, 
weihen trost si zo im mähten 

haben, 
si redeten alle gemeinlichen, 
si newolten in niemer geswichen 



396, 11. de deme koninge heren 

denden wal mit eren, 

so war he en gebot, 

biz dat si storven dot. 

Als die rede was getan, 

de heren vrägeden do sän, 

e der man besunder, 

of eman were dar under, 

de en niet helpen enwolde. 

si sprächen dat he solde 

si it zohant läzen verstän, 

welchen trost si zo en mochten 

hän. 
do antworden si alle diet, 
si enwolden van en scheiden niet. 



So geht die Uebereinstimmung fort bis Konrad 6, 32 = Karlm» 
397, 33; dann wird in letzterem Gedichte eine kurze Anrufung Ma- 
rias eingeschoben, von der Konrad nichts hat: 

we wir dat erwerven, (Konrad 6, 32) 
wanne dat wir sterven, 



— 91 — 

dat unse sele vinde ro. 

nu möge uns helpen dar zö 

de heilige namen dri. 

milde maget, staut uns bi, 

himelsche koninginne, 

ind plich unser sinne 

also hi in ertriche, 

dat wir dat hemelriche (Konr. 6, 33) u. s. w. 

Man könnte hierin einen eigenmächtigen Zusatz des Compilators 
zu Konrads Werke erblicken; aber abgesehen davon, dass derselbe 
mehr zum Verkürzen als zum Verlängern geneigt ist, wie schon 
396, 9 hervortrat, ist auch der Stil so wie die Versification so we- 
sentlich verschieden von dem, was wir in III als Eigentümlichkeit 
des Bearbeiters kennen lernen, dass wir nicht daran denken dürfen. 
Wohl aber scheint begründet, was wir noch an mehreren Stellen be- 
obachten werden, dass der Text des Rolandsliedes, den der Bearbei- 
ter (wer er auch war, ob der Compilator des ganzen Werkes oder, 
was wahrscheinlicher, ein von diesem verschiedener Dichter) vor sich 
hatte, ein vollständigerer war, als der uns erhaltene, wie auch aus 
der Vergleichung mit Stricker stellenweise diese Ueberzeugung sich 
aufdrängt. Es ist natürlich nur eine unsichere Vermuthung, wenn 
ich annehme, es könnte in Konrads Texte etwa geheissen haben: 

daz wir hie irwerben, 

daz unser sele räwe vinde. 

himelische küniginne, 

du solt unser also phlegen, 

die wile daz wir hie leben, 

daz wir dort daz himelriche büwen. 

Stricker weicht von Konrad 6, 30 ab und lässt den Schluss von 
Karls Rede ganz weg ; ihn können wir daher nicht zur Vergleichung 
heranziehen. Die Uebereinstimmung zwischen Konrad und Karlmei- 
net beginnt mit Konrad 6,33 wieder und geht mit geringen Abwei- 
chungen bis 9, 5, Karlm. 399, 2 fort, 
so ste über iuch der gotes segen. so komt over üch gemeine 

sine heiige seine (Hs. segene). 
In den folgenden Zeilen aber findet einige Abweichung statt. 

daz her sich do breite, groze vroude dar wart, 

di cristin sich bereiten, do si sich hoven an de vart 

si eigen vaste in diu lant. mit love ind mit sänge. 

do vorens also lange 
biz si over den Roden qüämen. 
do de neiden dat vernämen, 
dat si sdken wolden ir lant, 



— 92 — 

die heiden huoben selbe den brant. selver stächen si ane brant. 

selbe si sich wuosten u. s. w. sere 1 ) si sich wosten u. s. w. 

Das Wesentliche des Zusatzes in Karlmeinet ist also, dass die 
Christen über die Rhone (den Roten) gehen und dieser Zusatz scheint 
nicht selbst erfunden, sondern ebenfalls auf einem ausgeführteren 
Texte Konrads zu beruhen. Noch mehr scheint mir dies der Fall 
zu sein bei dem nach 399, 12 folgenden Stücke, welche Zeile noch 
der Konrad'schen 9, 12 entspricht. Konrad 9, 13 trifft erst mit 
Karlm. 399, 61 zusammen. Die dazwischen liegenden Zeilen (399, 
13—60) erzählen von Roland, der den Kaiser um Erlaubniss bittet, 
dass die zwölf Fürsten (Pairs) über das Wasser setzen und die Hei- 
den verfolgen dürfen. Karl aber, darüber erzürnt, ist der Meinung, 
es sei noch nicht Zeit ; man müsse warten, bis der Hunger die Feinde 
überwältige und zerstreue. In dem Augenblicke sieht der Kaiser 
umher und gewahrt die Herren, sich anschickend, über die Fluth zu 
setzen; nochmals verbietet er es und stellt ihnen die Gefahr vor, 
vom Gebirge herab mit Steinen erworfen zu werden. Die Heiden 
ersinnen nun eine List ; sie waten durch die Garonne (liess Gerunden 
statt gründen) und untergraben die Stelle 1 ), wo die Christen über- 
setzen wollen. Dieser ganze Zusammenhang scheint mir besser als 
die äusserst gedrängte und fast dunkle Darstellung bei Konrad; die 
Worte des letzteren zuo des wazzeres gründe wolten si dö tröst hän 
finden erst in der bei Konrad fehlenden Stelle ihre Erklärung. Auch 
die folgende Siegesfreude der Heiden (Konrad 9, 18) hat keinen rech- 
ten Sinn, wohl aber wenn sie durch ihre Kriegslist den Untergang 
des Christenheeres hoffen, wie es im Karlmeinet motiviert ist. Stri- 
cker, dessen Text an dieser Stelle nicht ausführlicher war als der 
der Pfälzer Handschrift, liess daher die Zeilen Konrads 9, 18 ff. weg, 
weil er sie nicht in den Zusammenhang bringen konnte. Er erklärt 
sich die Sache so, die Heiden hatten die Schiffe aus dem Flusse ge- 
nommen und die Brücken abgebrochen (744. 748). Zu diesen innern 
Gründen, aus denen der Abschnitt im Karlmeinet echt sein kann, 
gesellen sich äussere ; es lassen sich nämlich, wenn man die Art der 
Ueberarbeitung des alten Gedichtes genau betrachtet, und die daraus 
gezogenen Regeln rückwärts gehend anwendet, auch noch einige der 
alten Reime herstellen. Ohne Zweifel hiess es 399, 41. 42 statt 

als si der hunger begrifet al, urspr. als si der hunger begrifet 

er eickelich entwichen sal. i r iegelich entwichet. 



') Vielleicht selve. 2 ) Nicht .eine Stadt', wie Keller S. 847 übersetzt. 



— 93 — 

al ist nur ein schlechter , den Reim bildender Zusatz. Ebenso 
statt (399, 53) 

sine kdnheit 1 ) helpet en deine, sin kuonheit deine hülfe, 

so en erwurpet mit eime steine so in erwurfe 

ein böse gebüre gedräde 2 ) ein böse gebüre. 

Noch an ein paar Stellen glaube ich die alten Reime erkennen 
zu können. 399, 21 statt 
dat wir 3 ) mit den swerden lies: daz wir mit den swerten 

unse sträze erherden 4 ), unser sträze erherten 

wir erhouwen einen pat, und ein phat houwen: 

si mözen uns rumen de stat. 5 ) si müezen iz uns rümen. 

Wenig wahrscheinlich ist verbieten: neiden, 399, 29; dagegen 
lese ich '399, 37 statt 
of wir erbeiden biz zo der zit. obe wir es erbiten. 

ich wil dat ir des vrö sit des weset vro und bilde. 

399, 51. wat helpet der köne ist wes ist kuonheit nutze 

äne sinne ind äne wist 6 ). äne sinne und äne witze. 

Eudlich die letzte Zeile von Karls Rede, der rede (Hs. reden) 
engewach nummer mere (399, 58) kehrt fast wörtlich an einer an- 
dern Stelle bei Konrad wieder, 47, 16, gewaehne dere rede niht 
mere, ebenfalls auf ere reimend und eine Rede Karls schliessend. 
Der Compilator sagt nicht gewahenen, sondern gewagen. 

Mit 9, 14 trifft Konrads Text wieder mit Karlmeinet 399, 62 
zusammen, aber schon mit 9, 16 gehen beide Gedichte wieder etwas 
aus einander, was aber noch mit der vorhergehenden Erweiterung 
im Karlmeinet zusammenhängt. Kellers Text interpungiert unrich- 
tig: es ist zu lesen 399, 64 dar zö wolden si tröst haven, 
als de Cristen mit scharen 
zo der stat quemen 7 ) gevaren, 
dat si dar in solden vallen 
mit rosse ind mit allen, 
dat ir einich dar brechte. 
si 8 ) wolden de güde knechte 
mit valsche also drenken. 
nu wolde it got ever bedenken, 
de siner vrunde nie [enjvergaz : 
he schof it anders inde baz. 

Dann stimmt wieder Konrad 9, 18—31 mit Karlm. 400, 10—30. 
Nun aber folgt im Karlmeinet abermals eine Erweiterung, von 
der Konrad nichts weiss, 400, 31 — 47, die wieder auf die Untergra- 



') konet die Hs. 2 ) gerade Hs. 3) mir. 4 ) her herden. 5 ) r. vur de stat. 6 ) des 
Reimes wegen entstellt aus witz, witze, oder für list. 7 ) quamen. 8 ) so. 



— 94 — 

bung des Flusses Bezug nimmt; der darin vorkommende Reim dü- 
sunt: kunt 400, 34, der nur in diesem Theile der Compilation be- 
gegnet, während der Compilator düsant sprach und reimte, macht es 
wahrscheinlich, dass auch hier eine alte Erweiterung des Konrad'- 
schen Textes zu Grunde liegt. Zwei Zeilen treffen mit Konrad zu- 
sammen, 9, 32 — 33 mit Karlmeinet 400, 48. 49 und dann in letzte- 
rem Gedichte eine abermalige Erweiterung, indem erzählt wird, der 
gefangene Heide sei von den Wächtern zu Hofe geführt und vom Bi- 
schof (d. h. Turpin) gefragt worden, wo ein Uebergang über den 
Fluss sei; zugleich bietet T. ihm an, sich taufen zu lassen oder ge- 
hängt zu werden. Der Heide ist zur Taufe bereit und verkündet, 
nachdem dieselbe vollzogen, dem Kaiser die Gefahr, die mit einer 
Ueberschreitung des Flusses an dieser Stelle verbunden gewesen. Er 
zeigt ihnen nun eine Furt (= Konrad 9, 34). Auch hier ist es nicht 
schwer, unter der Ueberarbeitung einige ältere Reime zu erkennen. 
So scheint mir 400, 64 für 

enwoltu des niet dön, zu lesen: obe dir daz versmähet, 

so enwil ich morne niet gerön, ich heize dich morgen hähen. 

ich endo dich hän. 

Ebenso an der folgenden Stelle 401, 9. 

darnä sagen ich dir , wizze crist, so sage ich dir, wizze crist, 

mere de dir lief ist. ein maere daz dir liep ist. 

dö der heiden an der stat dö der neiden was getoufet, 
gedöfet wart, als he bat, 

man gaf eme an mit vlize dö wart im ane gesloufet 2 ) 

göt linwät alle wize vil guoter linwäte. 
inde ander göt gewant. 

dö he de gnäde aldä gevant 1 ), do er vant die genäde, 

Auch das folgende arnen (: warnen) 409, 20 kommt beim Compilator 
nicht vor, dessen Yersification übrigens auch dieser Abschnitt nicht trägt. 
Ein kleinerer Zusatz, nachdem wieder 401, 35 — 38 sich an Konrad 
9, 34—10, 3 angeschlossen, ist von 401, 39—45: in 401, 43. 44 
könnte der ursprüngliche Reim übere : übele gewesen sein. Karlm. 
401, 46 — 50 stimmt mit Konrad 10, 29 — 33 überein; die dazwischen 
fehlenden Zeilen Konrads 10, 4 — 28 werden dann nachgeholt. Im 
Karlmeinet schliesst sich nun an 10, 33 gleich 11, 6 — 8 an, indem 
die Erwähnung Gottfrieds mehrere Blätter später kommt. Nach ei- 
nigen nichts Wesentliches enthaltenden Zeilen, die bei Konrad nichts 
Entsprechendes haben (401, 54—62), treffen beide Texte bei Kon- 
rad 10, 4 = Karlm. 401, 63 wieder zusammen und laufen bis 10, 
22 = Karlm. 402, 12 neben einander, indem nur zwei Zeilen Kon- 



i) Hs. genant. 2 ) vgl. Konrad 216, 23 daz gewant si im üz slouften, 



— 95 — 

rads (10, 14. 15) mit dem vom Bearbeiter wahrscheinlich nicht be- 
wältigten Reime irbibete : erspileten ausgelassen wurden. Konrad 
10, 23 ist Karlm. 402, 25. Die Verse dazwischen 402, 13—24 sind 
aber nicht Zusatz des Compilators , dessen poetische Kraft sie weit 
übersteigen, sondern es scheint, dass nach Konrad 10, 22 eine Lücke 
von mehreren Zeilen anzunehmen ist, die ich durch das zweimal im 
Reim stehende snellen erkläre, das auch noch durch die Ueberarbei- 
tung durchblickt, 402, 15. 26. Ich schliesse die Echtheit dieser Zei- 
len aus dem Ausdruck nötveste 402, 16, der bei Konrad 44, 1 auch 
vorkommt, und ebenso ovele geste 402, 17 (vgl. leide geste, Kon- 
rad 29, 29, wo Karlm. 432, 8 sagt böse geste). Es zeigen sich 
übrigens noch einige Uebereinstimmungen mit Konrad 29 und Karlm. 
401. 402; vgl. Konrad 29, 7 vil enge wart in der vurt mit Karlm. 

401, 54 zo dem torne wal enge', und die Beziehimg auf die veigen 
Konr. 29, 11 und Karlm. 402, 20. Da einige Zeilen von Konr. 29 
bald nachher (403, 21) wirklich folgen, und später, wo Konr. 29 
übersetzt wird, ein Stück fehlt, so kann man sich die Verwirrung 
nur etwa durch ein Versetzen in der Vorlage erklären. 402, 18 — 20 
(21) wird in zwei Zeilen zusammengezogen gewesen sein, mit der 
Assonanz beiden: veigen, vgl. Konrad 29, 10. 11. Auch die näch- 
sten wieder allgemein mit Konrad stimmenden Zeilen, die bei Kon- 
rad den Schluss von Josias Rede enthalten, 10, 23 — 28, haben im 
Karlm. einen weiteren Umfang 402, 25—47 und mancherlei Zusätze, 
die zum Theil wenigstens alt scheinen, z. B. die Vergleichung der 
Kämpfer ,mit wilden Ebern' 402, 30 (Hs. over), die in volkstümlichen 
Gedichten häufig ist, aber beim Compilator sich nicht findet; zwei- 
mal allerdings in I, aber das Gedicht hat viel volkstümliche Aus- 
drücke. 402, 37 ist offenbar zu lesen dar mede sint alle de gemant. 
Die nach dem Schlüsse von Josias Rede folgenden Verse 10, 29 — 33 
standen im Karlm. schon oben 401, 46 — 50. Hier aber folgt nach 

402, 47 wiederum ein Abschnitt, von dem Konrad nichts hat 402, 
48 — 403, 20, an dessen Echtheit um so weniger zu zweifeln ist, als 
der altertümliche Reim gemartelöt: tot 402, 66 darin vorkommt. 
Karl sendet zu den Heiden und fordert sie auf sich zum Christen- 
thume zu bekehren; das war aber dem Teufel leid und er gab den 
Heiden die Gesinnung ein, eher den Tod zu erleiden, als an einen 
andern Gott denn den von Alters her verehrten zu glauben. Sie ent- 
boten daher dem Kaiser, sie wollten ihm Silber und Gold geben, 
wenn er sie in Frieden Hesse. Zornig ward da der Kaiser und Hess 
sofort zum Kampfe rücken. Der Inhalt, namentHch das Hineinziehen 
des Teufels, spricht ebenfaUs für die Echtheit dieses Stückes. Aus- 
ser dem schon erwähnten übrig gebhebenen gemartelöt lassen sich 



- 96 — 

altertümliche Reime durch Vermuthung herstellen. 402, 51 ist zu 
lesen: 

vil tiure begunde er si manen 
daz si wolden gehorsamen 
402, 54. ind er ere also wielden; 

aber dieser Reim ist nicht der ursprüngliche, sondern es hiess statt 
ind er ere also wielden, ursprünglich: 

dat si de sele behielden. und behielden ir sele. 

he enbegerde niet mere er engerte nihtes mere 

van en, of it er wille were wan daz si sich touften. 

dan dat si sich döften. vgl. Konrad 3, 16, 17. 

402, 62 hat Keller das richtige der worde en sere verdröz in 

der Anmerkung schon hergestellt. 402, 66 — 403, 6 möchte so zu 

lesen sein, statt 

si worden alle gemartelöt, sie wurden alle e gemartelöt 

ind erkoren e [da] den döt, und erküren e den tot, 

e si durch eincher hande gebot e si durch sin hulde 

gelöven wolden an einichen got an deheinen got gelouben wolden 

dan den si erkanten ere. wan den si e bekanden. 

dat möde den keiser sere. daz tete dem keiser ande. 

sin herze is gröze pin gedulde. 

si sprächen dat si sine hulde doch jähen si daz si sine hulde 

gerne werven wolden, gerne solden verschulden. 

als si zo rechte solden. 

Noch an einer Stelle wird der Reim so herzustellen sein: 

403, 17. mit der meisten 1 ) her- lies: mit dem meisten magene 

kracht, 

de e zosamen wart bracht. der ie quam zesamene. 

Nach 403, 20 folgen einige Zeilen, die an Konrad 29, 12—15 
sich anschliessen, und von 403, 25 ab wieder eine grössere Einschal- 
tung bis 404, 54. Wir finden dadurch die oben angenommene Ver- 
wirrung in der Vorlage des Karlmeinet bestätigt. Roland war schon 
401, 63 erwähnt worden, und hier nochmals mit dem vorausgeschick- 
ten dat dede ein snelle jungelinc 403, 20, als wenn von ihm vorher 
noch nicht die Rede gewesen wäre. Dass jedoch trotz aller Ver- 
wirrung hier nicht der Bearbeiter hinzugedichtet, sondern dass nur 
die Beschaffenheit des von ihm benutzten Textes des Rolandsliedes 
an der Verwirrung Schuld trägt, zeigt die Uebereinstimmung mit 
Stricker an einigen Stellen. Die Heiden rufen ihre Götzen an (dass 
sie in die Tempel flohen, war 401, 51 gesagt) 403, 40; das sagt 



') Hs. meister. 



— 97 — 



Konrad 11, 6 nicht, wohl aber Stricker 822 ff. Vgl. die beiden 
Stellen: Karlm. 403, 39. Stricker 822 



er gode zo lange sliefen. 
we sere si en riefen, 



si enhorden kein wort. 



do erslöch st alle der mort. 



vil lüte sie anriefen 

ir apgote über al 

umbe der kristen val. 

daz wsere also guot Verlan: 

ir apgot mohten niht hän 

wider gote deheinen sin. 

die kristen liefen zuo zin drin 

und sluogens an ir gebete. 



Auch nach dieser übereinstimmenden Stelle hat Stricker noch* 
eine, wohl auf einem vollständigeren Texte beruhende Erzählung, 
dass die Christen die Götzenbilder von den Stühlen herabgeworfen 
und in Pfützen versenkt hätten. So weisen beide Texte, Strickers 
und der des Karlmeinet, auf eine Recension des Pf. Konrad, aus der 
die Pfälzer Handschrift stellenweise nur eine Verkürzung scheint, 
oder die eine etwas jüngere, aber gewiss noch dem zwölften Jahr- 
hundert angehörende Bearbeitung war. In dem Folgenden dagegen 
steht Karlmeinet wieder allein, indem Stricker erst wieder 846 mit 
Konrad 11, 10 (vgl. Karlm. 404, 66) zusammentrifft. Ich halte auch 
diesen Abschnitt für alt und echt; darin begegnet der Reim vor- 
deröst : tröst 404, 6 (vgl. Konrad 8, 8) und einige andere Reime 
lassen sich mit ziemlicher Sicherheit herstellen. Es ist klar, dass 
die vier Zeilen 403, 43 — 46 ursprünglich nur zwei bildeten, deren 
Wesentliches in den Worten ,dannen kerte Ruolant ze einer schar' 
liegt, während die andern beiden nur hinzugefügt wurden, um einen 
alten Reim zu entfernen, den zu errathen in diesem Falle schwer 
ist. Die Echtheit wird ausserdem durch die Verse 403, 53 ff. erwie- 
sen, die bei Konrad an einer andern Stelle 280, 10 — 17 stehen. 



280, 10. mit michelem nide 
Jöcerans starht sich in dem wige 



sam der lewe der da winnet, 
so er zornen beginnet. 

er was erbolgen harte, 
er gefrumte mit dem swerte 
manigen haiden töten, 
mit bluote betrörten. 



403, 53. Oliver der bilde 
sterkede sich mit nide 
ind ander jungelinge 
in des strides rtnge 
ind ergremeden 1 ) eren möt 
alle samen, als der lewe dot, 
als he sine jungen winnet. 
zornen he sich beginnet. 
si wären zornich sere 
ind erslogen vele gehere 
menchen doden heiden 
vele blödich an der heiden. 



l ) ergrymmeden Hs. 



- 98 - 

Den Ausdruck genenden 404, 8 braucht der Compilator sonst 
nicht. Statt der vier Zeilen 404, 10 — 13 wird der Reim knechte: 
schefte das ursprüngliche gewesen sein. 404, 28 ff. hiess es etwa 
statt 

dat he en allen dede kirnt, daz er in allen sagete, 

we si hedden an der stunt wie si gesehen habeten 

gesen vil menchen eisen maniger hande eise 

ind komerlichen vreisen und kumberlichen vreisen, 

vil mencher hande wise, manger hande wize, 

dat der düvel mit vlize daz die tiuvil mit vlize (?) 

der heiden sele alle samen der heiden sele nämen (baren?) 

gescheide van dem lichamen. von den lichnämen. 

eise , Schrecken' begegnet nur an dieser Stelle des Gedichtes, 
alle samen: lichamen kann Konrad nicht gereimt haben, denn er 
sagte samt und lichnäme (vgl. Strickers Karl S. LXIII). Die eben 
angeführten Zeilen erinnern an Konrad 11, 10— 13, aber sie sind nicht 
aus ihnen entnommen, denn jene Zeilen Konrads werden 405, 1 ff. 
ausgedrückt. Die Verse 404, 38 — 41 scheinen aus zwei Zeilen er- 
weitert zu sein , mit dem Reime here : sele oder here : Michahele 
(vgl. aber auch Konrad 11, 10 wären: sähen). Der Anfang des Ab- 
satzes 404, 44 ff. ist so herzustellen: 

dat enmach wizzen neman, daz mach nieman wizzen, 

wilche ') vroude dar gewan weihe vroude die Christen 

alle de Christen diet, alle dö gewunnen, 

dat si des hadden ein ergiet 

ind dit Urkunde sägen. dö si sähen diz Urkunde. 

dar neder dat si lägen 

mit alle irre menie do viel al diu menige 

ind sprächen ere venie. nider an ir venie 

got loften si sere, und lobeten got harte, 

dat he sins selves ere daz er sin ere starhte. 

sterkede so sere ind alle zit. 

Den Reim menie: venie kennt der Compilator nicht; er findet 
sich meist in Uebereinstimmung mit Konrad und wird daher wohl 
auch hier echt sein. Mit 404, 55 tritt wieder Uebereinstimmung ein, 
die die Zeilen Konrads 11, 2—14, Karlm. 404, 55—405, 7 umfasst. 
Die in Karlm. dann folgenden Verse haben bei Konrad nichts Ent- 
sprechendes (405, 8 — 17), aber auch sie sind alt. Die Worte 

laus sit regi glorie, 

daz sprichet ,gelobet si got immer me! 



>) Hs. wiche. 



- öd - 

erinnern an die vielen bei Konrad eingeschalteten lateinischen Phra- 
sen, die den Geistlichen erkennen lassen; der Compilator wendet der- 
gleichen niemals an. 405, 12 ist in der Handschrift entstellt, weil 
der Schreiber, vielleicht schon der Bearbeiter das Wort nicht ver- 
stand. Es ist zu lesen statt 

de vil leve gots vrunde die vil lieben gotes ewarten 

de bereyden sich do harde, sich vil schiere gareten, 

de heyden sy bekeirden, daz si die heiden touften. 
sy doefften sy ind leirden 

den geloven vele ind rechte si lerten si den gelouben 
nä alle irre mechte. 

ewarte begegnet fast nur in den Denkmälern des zwölften Jahr- 
hunderts. Mit Konrad 11, 16 trifft das Gedicht wieder bei 405, 15 
zusammen und folgt ihm bis 11, 21 =r Karlm. 405, 25. Ein paar 
dann folgende Zeilen fehlen beiKonrad (405, 26 — 36) und gehören noch 
zu der Erweiterung, die die ganze Stelle zeigt. Konrad 11, 23 — 25 
ist Karlm. 405, 37 — 39; die Verse Karlm. 40 — 43 sind wiederum 
ein Zusatz. Die Uebereinstimmung geht dann von Konrad 11, 26 — 12, 
23, Karlm. 405, 44— 406 ; 8. Statt der vier Zeilen bei Konrad 12, 
24—27 hat Karlm. deren zehn, 406, 9 — 18, die aber nicht mit Kon- 
rad stimmen und wieder einen selbstständigen Text voraussetzen; 
auch Stricker 959 — 967 ist hier ausführlicher und stimmt in einigen 
Ausdrücken zu Karlmeinet, vgl. Stricker 962, daz sie dar quaemen 
zehant, K. 406, 12 dat si . . zo eme dar quemen. 

Weiterhin stimmt Karlm. 406, 18—55 mit Konrad 12, 27—13, 
29, nur sind einige Zeilen bei Konrad (13, 26 — 27) übergangen. Hier 
schliesst sich der Karlmeinet genauer an das französische Rolands- 
lied (Michel, 2, 12. Genin 1, 22), wo es heisst: 
ni ad paien ki un sul mot respundet, 
fors Blancandrins de castel de Val Funde. 

Auch im französischen Gedichte spricht Blanschandiez nur ein- 
mal, es fehlen die Zeüen Konrads 13, 29 — 14, 22 = Karlm. 406, 
56—407, 6. 

Nach 406, 58 folgt gleich Konrads Vers 14, 9, aber wie man 
aus dem ever sieht, fehlt Konrads 13, 30 — 14, 8; vgl. Stricker 
1016- 1020. Ferner schliesst sich Karlm. 406, 56—408, 59 mit ge- 
ringen Abweichungen an Konrad 14, 9 — 18, 10 an; nur einmal, nach 408, 
15 sind vier Zeilen des alten Gedichtes, 16, 17—20 übersprungen. 

Dann aber folgt ein langer Abschnitt, von dem Konrad gar nichts 
hat, 408, 60—426, 2. Es ist dies ein in sich abgeschlossenes Stück, 
welches mit dem vorhergehenden wie mit dem folgenden in keinem 

7* 



— 100 — 

Zusammenhange steht. Die Sprache und Versification sind von dem 
hisher besprochenen Abschnitte ganz abweichend; beides nähert sich 
dem Tone von III, d. h. des Compilators. Doch fehlt es auch nicht 
an solchen Unterschieden der Sprache und des Wortgebrauches, dass 
eine Identität zwischen! dem Verfasser dieses Stückes und dem Com- 
pilator nicht unbedingt zugegeben werden kann. Von Marsilies 
Tochter Magdalie ist sonst nirgend in dem ganzen Gedichte die Rede 
und Marsilies selbst wird hier so eingeführt , als ob von ihm noch 
gar nicht vorher gesprochen worden wäre. Die Sage selbst begegnet 
in den übrigen Dichtungen von Karl nicht; der Name klingt an Tur- 
pins Ospinum regem Algarbiae 70, 46 an, der, Agolands Bundesge- 
nosse, im Kampfe erschlagen wird (71, 4 ). Eine provenzalische An- 
spielung könnten die Worte Bertrans Paris von Rovergue enthalten, 
s. meine prov. Denkmäler 85, 29 

ni d'Aspinel, per c'aussis l'escassier. 
Das Stück beginnt, wie der Anfang eines Gedichtes 

Nu was in Babilonjen gesezzen 

ein heiden 1 ) vele vermezzen: 

Ospinel was he genant. 

em denden alle heiden lant. 

Den Inhalt gibt Keller S. 847 — 848 an; es schliesst mit der Taufe 
der heidnischen Königstochter Magdalie, in die sich Roland, der 
Sieger, beinahe verliebt hätte; auf Oliviers Anrathen wird sie heim 
nach Frankreich zu seiner Schwester Aide, Rolands Braut, gesendet. 
Dem Sinne nach schliesst das Gedicht am besten mit 425, 20 und 
das übrige betrachten wir als einen den Uebergang bildenden Zusatz 
des Compilators, der den Ausdruck clerke (clericus) (425, 58) mehr- 
mals in III braucht. In diesem Abschnitte, den ich mit V a bezeich- 
ne, zeigt die Handschrift A einmal eine Vertauschung zweier 
Stücke, nämlich 420, 11 — 421, 18 muss nach 422, 29 folgen, so dass 
421, 19—422, 29 nach 420, 10 gehört. Daraus ergibt sich, dass der 
Schreiber dieser Handschrift zwei Blätter in seiner Vorlage vertauscht 
fand, die vielleicht verbunden waren, und dass diese Seiten von 
36^-37 Zeilen hatte. Bei 426, 10 schliesst sich der Text des Karl- 
meinet wieder da an, wo er von Konrad abgegangen war, nach Konr. 
18, 10; jedoch werden die Namen der heidnischen Rathgeber aus- 
gelassen, K. 18, 13 — 28, und 19, 1 trifft mit Karlm. 426, 11 zusam- 
men. Im Karlmeinet liegt Karl zu Runzeval, 426, 37, wohin er 
426, 1 gezogen ist, bei Konrad 19, 28 vor Corders, ebenso bei 



') eyne heyde. 



— 101 — 

Stricker 1201, und in der Chanson de Roland Strophe 5. Nach 427, 
7 folgen einige bei Konrad fehlende Zeilen (8 — 27). Dieser Zusatz 
ist auffallend; er erzählt nämlich, dass , ehe die Boten noch in das 
Thal herabstiegen und ihre Botschaft ausrichteten, die Burg, vor 
welcher der Kaiser lag, gewonnen und zerbrochen wurde, und dass 
die Christen grosse Beute nahmen. Kurz nachher (427, 61 ff.) heisst 
es: als die Boten sich näherten, bemerkten sie, dass Karl von Kor- 
ders der Hauptstadt nach Runzeval in das Thal gezogen war. Mit 
der eroberten Burg ist also doch Corders gemeint, und was 426, 37 
gesagt war, dass er in Runzeval liege, ist unrichtig. Denn so erzählt 
es die Chanson de Roland 8, 1 (Genin 1, 96), mit welcher jener 
Zusatz genau stimmt, 

8, 1. li empereres se faitebalz eliez, 427, 9. e si zo dem dale quemen 

ind ir botschaf gededen 
mit geven inde ouch mit reden, 
Cordres a prise e les murs peceiez, so was de burch gewunnen 

od ses cadables les Turs en abatied. inde ouch gar verbrunnen 

torne inde müre zobrochen. 
der keider hadde gewrochen 
al da godes ande 
over sin \iande 
de van eme wären gescheiden. 

3. en la citet n'en ad remes paien dar inne enwas gein heiden, 

4. ne seit ocis u devient chrestien: he enwere gedoft of erslagen. 

1. mult grant eschech en unt si alsus hört ich dat böch sagen, 

chevaler dat de dar iune nemen 

2. d'or e d'argent e de guarne- allet dat si bequemen, 

menz chers. schätz ind gesmide deine. 

des vrouweden sich algemeine 
beide arme ind riche=. 

Und nach den Worten ,u devient christien' folgt in der Chan- 
son de Roland unmittelbar, stimmend mit Konrad 21, 3 und Karlm. 
427, 29, li empereres est en un grant verger. Bei Konrad 28, 11 
wird erzählt, wie die Heiden einen Ausfall aus der Burg (d. h. aus 
Corders) machen und dass im Kampfe die Stadt gewonnen wird, wo- 
mit auch die spätere Erwähnung 94, 25, Corders wäre verbrannt, 
stimmt. Der Dichter des Karlmeinet erzählt nach Konrad diesen 
Ausfall und Kampf ebenfalls 432, 2 ff., sagt aber üz einer burch si 
drangen. Offenbar herrscht hier im Karlmeinet Verwirrung; die Er- 
oberung der Stadt wird zweimal erzählt. Ob diese Verwirrung allein 
vom Compilator herrührt, möchte ich bezweifeln. 

Bei Konrad 21, 3 treffen beide Gedichte wieder zusammen. 
K. 21, 3—14 entweicht Karlm. 427, 28—40. Einige Zeüen Konrads 



— 102 — 

fehlen 21, 15 — 26, wofür ein paar andre im Karlm., die jenen im 
Inhalt nicht entsprechen (427, 41—43). Von Konrad 21, 27—22, 7 
stimmt Karim. 427, 44—49 so ziemlich. In letzterem Gedichte sitzt 
Karl in dem Baumgarten, von seinen Rathgebern umringt, unter ei- 
nem Oelbaume und sieht dem Spiele der Jünglinge zu, die mit Ha- 
bichten und Hunden Kurzweil treiben (427, 52 — 60). Auch hier trifft 
Karlmeinet genauer mit der Chanson de Roland überein, wo es heisst 
Strophe 8 (Genin 1, 111), 

as tables juent pur eis esbaneier, 

e as eschecs li plus saive e li veill 

e escremissent eil bacheler leger (Karlm. 427, 42. 43). 
und dann von Karl: 

desoz un pin, delez un eglenter, 

un faldestod i unt fait tut d'or mer: 

la siet li reis qui dulce France tient. 

Der Zusatz im Karlmeinet erklärt den dunkeln Text Konrads 
einigermassen; es scheint, dass folgende beide Stellen sich entsprechen: 

K. 21, 20. si sähen daz die ade- 427, 52. Karl der edel koninc rieh 

laren 
dar zuo gewenit wären hadde dar sitzen umme sich 

dat si scate baren. in dem selven bomgarde 

si hörten die phacht leren sin rätgeven vele harde 

de edelin juncherren under eime olichboume 

und schermen mit den schilten, und nämen des speles goume, 

wie die valchen spilten want de jungelinge 

und andir manic vederspil. däden an dem ringe 

kurzwile mit hafgen ind mit 
hunden. 

,Die Adler sind gewöhnt Schatten zu machen', d. h. sie schwe- 
ben über dem Kaiser und bedecken ihn mit ihren Fittigen. Man 
könnte zur Erklärung eine Stelle aus dem Daniel von Blumenthal 
vergleichen, wo die Babiane (eine Vogelart) über den Häuptern der 
Frauen schweben (Karl XI) 

so swebent die vögele obe in. 
sie hänt die kunst und den sin, 
daz sie si vor der sunnen 
vil wol beschirmen kunnen. 

An Stelle der Adler steht im Karlmeinet der Oelbaum, in der 
Ch. de Roland eine Fichte und ein eglenter; letzterer Ausdruck er- 
klärt einfacher als die Stelle des Daniel die ,Adler'. Konrads Vor- 
lage hatte aiglenter und daraus machte der deutsche Dichter, der 
sich Mehreres der Art zu Schulden kommen lässt, durch Missver- 



— 103 - 

ständniss ,Adler c (aigle). — Die dann im Karlm. folgende Bemerkung, 
Karl sei von Korders nach Runzeval gezogen, scheint dem Compila- 
tor zuzukommen, wie ich aus dem Ausdrucke unbelat schliesse (427, 
65) ; er suchte die Widersprüche seiner Quelle dadurch zu vermit- 
teln. So werden wohl auch die nächsten Zeilen, 428, 2 — 14, die 
Konrad und auch die Chanson de Roland nicht hat, dem Compilator 
zufallen. Die Uebereinstimmung mit Konrad beginnt wieder 22, 10, 
Karlm. 428, 15 und geht bis 24, 1; doch ist die dazwischen liegende 
Schilderung Karls, K. 22, 18 — 23, 16 ausgelassen. Auch die Chan- 
son de Roland hat nur zwei Zeilen (Str. 8) über Karls Aeussere. 
Blanschandies Rede dagegen ist im Karlmeinet viel ausführlicher als 
bei Konrad und bei Stricker; die einzelnen Zeilen Konrads sind noch 
darin zu erkennen, 24, 2 = Karlm. 428, 50. 51 ; 24, 3 = Karlm. 

428, 60; 24, 5 == Karlm. 429, 17; und von da an ist wieder mehr 
Uebereinstimmung. Statt Konrad 24 , 2—5 hat der Dichter des 
Karlmeinet 42 Verse, 428, 43 — 429, 18, die, wie ich glaube, auch 
schon in seiner Vorlage, d. h. in dem Manuscripte des Rolandsliedes 
standen. Statt 428, 57 

sin blot heiz inde rot, lies: sin vil heiligez bluot, 

dat üzer sinen wunden vlöt. daz üz siner wunden wuot. 

Entstellt ist der Reim in 429, 3. 4, wo zu lesen ist: 

dar hat he uns ewecliche 
in geladen ind in gespannen, 
of wir mit eme wollen dannen, 

wenn nicht vielmehr Entstellung eines andern Reims zu Grunde liegt 

429, 6 lies it enleit nie vader durch sin kint und 429 , 14 bi sines 
vader rechte hant, nicht rechter, wie Keller will. Der Reim tuont : 
stuont 429, 11, den der Bearbeiter sonst nicht braucht, weist eben- 
falls auf ein hochdeutsches Original dieser Stelle. 

Die nächsten mit Konrad stimmenden Verse 429, 17—26 um- 
fassen Konrad 24, 5 — 12. Statt 24, 13 hat Karlm. fünf Zeilen, 
429, 27 — 31. Wieder stimmt mit geringen Abweichungen Konrad 
24, 15—28-, 10, Karlm. 429, 32 — 431, 13. Dann aber hat Karlm. 
abermals einen Zusatz, von dem auch Stricker nichts weiss: ,die 
Nacht naht, die Boten werden zur Herberge geführt. Der Kaiser 
geht zur Ruhe. Am andern Morgen nach der Messe lässt er unter 
einem Pinienbaume ein Zelt aufschlagen ; dorthin bringt man ihm 
den schön verzierten Königsstuhl; denn da wollte er Rath halten, 
was er Marsilius entbieten solle. Schön ward die Versammlung , da 
waren Turpin, Oiger, Berenger von Köln, Roland, Olivier und manch 
anderer Ritter. Karl lehnte sich an den Baum und theilte den Her- 



— 104 — 

ren mit, was ihm Marsilies entboten. Während er noch spricht, er- 
hebt sich ein gewaltiger Schall (Konr. 28, 11. Karlm. 432, 2. Str. 
1443). Keller bemerkt zu 432, 1 (S. 884), das Folgende passe nicht 
in den Zusammenhang ; jedenfalls aber passt es im Karlm. besser als 
bei Konrad. Ich glaube, dass in dem bei Konrad fehlenden Stücke 
431, 24—432, 2 auch ein älterer Text zu Grunde liegt. Es finden 
sich darin die Reime düsunt: gesunt 431, 58, wovon das erste Reim- 
wort ohne Frage alt ist; die zweite Zeile müzer inde wal gesunt 
sieht jünger aus und gibt keinen Sinn. Vermuthlich war der ur- 
sprüngliche Reim tüsunt: hunt. Auch der Reim goldis: is ist alter- 
thümlich 432, 1. Der Pluralis dieten 431, 39 findet sich auch bei 
Konr. (69, 28). 431, 33 war der ursprüngliche Text vielleicht 

under einem pinboume : 
der was vile schöne. 

Karlmeinet trifft hier wieder mit der Chanson de Roland zusam- 
men, in der allerdings der Beherbergung der Boten sechs Zeilen ge- 
widmet sind (11, 1 — 6); aber dann heisst es übereinstimmend (Ge- 
nin 1, 163): 



11,7. li empereres est par matin 


431, 26. der keiser do zo raste 


levet, 


genc, 




biz der dach ane venc: 


messe e matines ad li reis es- 


so sanc man eme gewisse 


cultet. 


mettin inde misse 




ind ander sin gezide. 


desuz un pin en est li reiz alez. 


do hez he an dat velt wide 




ein gezelt üp slän 




an einen pinbom wal gedan. 



Beim Rathe anwesend nennt Str. 12 Oger, Turpin, Richard, 
Henri, Acelin von Gascuigne, Tebald von Reims, Milun sun cusin, 
Gerers, Gerin, Roland, Oliver und Guenes. Hier kann der deutsche 
Dichter recht gut auch alle diese Namen vor sich gehabt haben, aber 
der Compilator kürzt, indem er sagt 431, 45 ind mench ander ritter 
feir. Im französischen Gedichte wird aber von dem Ausfalle der 
Heiden hier nichts erzählt; denn das war schon oben gesagt. Es 
hat also auch hier wieder den Anschein, dass der Bearbeiter auch 
den französischen Text vor sich hatte; nur sprechen dagegen Reim- 
formen, wie tüsunt und Anderes. 

In der folgenden Kampfs childerung ist Konrad ausführlicher. 
Konrad 28, 11 — 30, 2 im Karlmeinet nur zwölf Zeilen, die folgenden 
Konrad'schen entsprechen. 



— 105 

28, 14. under diu wart ein michil 

scal. 
de heiden wäfenten sich über al. 
uz der burch si drungen, 
ir wicliet si sungen. 
si kerten über den burchgraben. 
da wart michil not irhaben. 

29, 20. si gewunnen leide geste, 
die ire burch veste 

wart in underdrungen. 

29, 31. dar wartmenich helt vil sere. 

30, 2. dö wart virendet der strit. 



binnen dis wart ein michel schal. 

de heiden wäpenden sich al, 

üzer einer burch si drungen, 

eren sanc si sungen. 

si kerden over den borchgraven. 

dar wart ein groz not erhaven. 

si gewunnen dar böse geste, 

want ir burch starc inde veste 

wart en af gedrungen. 

ovel was en erlungen. 

mancher verlos dar den lif. 

de Cristen beneiden kamp ind kif. 



Einige von den hier ausgelassenen Zeilen sind schon früher im 
Karlm. verarbeitet, vgl. obenS. 96; auch andere Zeilen von Konr. 29 
lassen sich mit jener obigen Stelle vergleichen. 

403, 49. Olivier der wigant 
der dröch do in siner hant 
einen grozen kolveger, 
dar mede verwan he menchen *) 
ser. 



K. 29, 30. 

Olivier mit Alteclere : 

dar wart manich helt vil sere. 



kolveger kann recht gut Entstellung aus Altecler sein. — Nach- 
dem Konrad 30, 3—23 mit Karlm. 431, 14—36 gestimmt, hat Karlm. 
abermals einen Zusatz, der den voraufgegangenen Kampf zu motivieren 
sucht und den Zusammenhang feststellt; es kann der Zusatz recht 
wohl echt sein. Zwar hatte auch Stricker nur vor sich, was wir bei 
Konrad lesen ; aber man kann sich die Lücke durch ein zweimaliges 
Ruolant im Reime (weil Ruolant zweimal spricht) erklären, wie oben 
durch das zweimalige snelle (S. 95). Die Chanson de Roland hat an 
dieser Stelle natürlich nichts Entsprechendes, weil sie auch den vor- 
hergehenden Kampf nicht hat, sondern hier spricht Roland gleich 
wie bei Konrad 30, 24. 

Nach Karlm. 434, 23 sind sechs Zeilen Konrads ausgefallen, 
33, 23—34, 4; ebenso sechs nach 434, 51, Konr. 35, 3 — 8. Alles 
Folgende schliesst sich genau an Konrads Text an, Konr. 35, 9 — 46, 
14 entspricht Karlm. 434, 52 — 439 , 20. Bemerkenswerth ist eine 
Auslassung nach Konr. 38, 19 bis 39, 18, welche Verse Naimes Lob 
enthalten; dieselbe Auslassung hat auch Stricker nach 1692, nur dass 
er 1693 schon mit Konr. 39, 17 (statt 18) beginnt. Im Folgenden 
zeigt Karlm. einen theilweise verkürzten Text, möge derselbe nun 
vom Bearbeiter herrühren oder schon in der alten Hs. so gewesea 



') Hs. meynch. 



- 106 - 

sein. In der Rede Turpins fehlen die Verse bei Konrad 47, 23 — 48, 
12; ebenso ist Karls Antwort auf Turpins Rede kürzer als bei Kon- 
rad (48, 13—22); im Karlm. nur vier Reimzeilen 439|, 65—68, wo- 
mit die Chanson de Roland 19, 8 (Genin 1, 271) stimmt: 

19, 8. li empereres respunt per der keiser antworde dar geringe 

maltalant : 
alez sedeir desur cel palie blanc, ,her buschof , lät van desem ge- 

dinge ! 
n'en parlez mais , se jo nel vos enhät es engeinen wän ! 

comant. ir ensalt is niet ane vän. 

Was hierauf folgt, trifft wieder genauer zusammen; Konrad 48, 
23—56, 15 stimmt mit Karlm. 440, 1—443, 23. Die Erwähnung 
des Tobias 442, 67, die bei Konrad fehlt, ist ganz im Sinne geistli- 
cher Dichter des zwölften Jahrhunderts und mag alt sein. Karl ver- 
langt 442, 35 die Schlüssel der Stadt; auch dieser Zug ist nicht 
vom Compilator erfunden, denn auch im altfranzösischen Liede be- 
kommt Genelun die Schlüssel mit (W. Grimm S. XLIV). Nach 
Karlm. 443, 18 hat Genelun 600 Mann, nach Konr. 56, 12 700, aber 
auch Stricker 2136 hat erstere Zahl. 

Die Schilderung von Geneluns Mannen kürzt der Compilator 
(Konrad 56, 16—57, 10); dass dieser es ist, geht aus 443, 24. 25 
hervor: 

dit läzen wir nu stän 

ind willen vort van Wellis sän. 

Der Compilator hatte also den Text vor sich, wie wir ihn in 
den Handschriften haben; aber er kürzte absichtlich. In der Waff- 
nung Geneluns, Konrad 57, 11 — 60, 14 ist der jüngere Dichter un- 
gleich kürzer. Er stimmt genau mit dem französischen Texte, Chan- 
son de Roland 26, 1 (Genin 1, 342), Karlm. 443, 26. 

Guenes li quens s'en vait a sun Wellis was ein herzöge rieh. 

ostel, 
de guarnemenz se prent a eunreer, mit vlize zerede he sich 

de ses meillors que il pout recu- mit mancher hande zerheit, 

verer: der he genoch hadde gereit, 

nu höret wat dö geschach! 
als man noch ind e plach, 
ein schiltknap wolde neder knen. 
esperuns d'or ad en ses piez dem herzogen [Wellis] he umbe 

fermez, spen 

zwene guldine sporn. 

Die eine Zeile ce eint Murglies s'espee a sun costed (vgl. Konr. 
58, 1) fehlt im Karlmeinet; dieser hat dafür, was im französischen 



- 107 - 



Gedichte fehlt, die Geschichte und Beschreibung von Geneluns Rosse 
443, 36 — 55, von welchem die Chanson de Roland nur sagt en Tache- 
brun sun destrer es munted (vgl. 443, 56 — 57). Dann aber stimmen 
wieder beide Texte. 

Pestreu li tint sun uncle Gui- den steirip helt eme ein 

nemer. *) 

enpres li dient ,sire car nosmenez !' 

§0 respunt Guenes ,ne plaget dane 
deu! 

en dulce France, seigneurs, vos 
en irez! 

[sedeo inFrance me lassi reparier, 

fedel servisio me dites a mia moiej a ) 



mielz est 

[que] sul morge, 

que tant bon chevaler.' 



sin öme, hez Wineman. 
der sprach ,vrunt inde man, 
here, lät uns mit uch riden. 
,des endön ich niet zo desen ziden, 

sprach der herzöge Wellis. 
ridet heim, min leve amis, 

ind bewart bürge ind lant. 
is dat mich unse heilant 
mit genäden sendet weder, 
ich enlige dan dar neder, 
ich sal it gerne verschulden 
mit güden roden gülden. 
ouch is it bezzer, wizze Crist, 
nu it dar zö komen ist, 
daz ich sterve alleine, 
dan ir alle gemeine. 



Die letzten Zeilen stimmen aber noch genauer mit Konrad 61, 
24 — 27, so dass für sie die Quelle nicht zweifelhaft sein kann. Die 
gleiche Berührung theils mit dem französischen, theils mit dem deut- 
schen Texte zeigt sich in den folgenden Versen; vgl. Genin 1, 360. 



Ch. d. Rol. 26. en dulce France, 

seignurs, vos en irez, 
de meie part ma muiller saluez 



e Pinabel mun ami e mun per 



444, 10. nu vart und merret lan- 
ger niet. 
so wä ir min wif siet, 
saget ir den denst min 
ind si gesunt möze sin 
ind Pinabel minre suster kint 
ind dar zö alle de da sint. 
min deine son Baldewin 
sal üch allen bevolen sin. 



e Baldewin mun filz que vos savez 
e lui aidez e pur seignur tenez. 

Von Pinabel spricht Konrad gar nicht; die Grüsse an sein Weib 
kommen hinter der Erwähnung seines Sohnes, während im französi- 



') Nach dieser Zeile folgen im französischen Texte acht Zeilen , die im Karl- 
meinet fehlen. Die Sprechenden sind in der Ch. de Roland Geneluns Mannen 
überhaupt. 2) Die eingeklammerten Zeilen fehlen bei Michel; sie stehen in 
der venezianischen Handschrift, Kellers Romvart 20, 24. 25, die vielfach ent- 
stellt ist. Die zweite Zeile entspricht dem Sinne nach Karlm. 444, 11, scheint 
aber aus zwei Zeilen gemischt. 



— 108 — 

sehen Gedichte die Reihenfolge gerade wie im Karlmeinet ist. Doch 
ist Bälde wins Erwähnung wieder wörtlich wie bei Konrad. 

62, 6. min lieber sun Baldewin 444, 16. min deine son Baldewin 

der seol iu wole bevolhen sin. sal üch allen bevolen sin. 

zieht in iu ze eren! halt en zo den eren! 

zucht schult ir in leren! zucht solt ir en leren 

ind got möze eme geven, 
heizet in herlichen leben! dat he lange möze leven. 

Aber bei Konrad gehen die Ermahnungen noch weiter (62, 
11—21; die letzte Zeile stimmt ebenso mit 444, 21 als 62, 10, got 
läzze in gesunt leben! so dass es wahrscheinlich ist, dass der Bear- 
beiter wegen des gleichen Reimes leben mehrere Zeilen übersprang), 
während im Karlm. das Folgende wieder zur Chanson de Roland 
stimmt: 

entret en vie , si s'est achiminez. 444, 22. Als de rede geendet was, 

u. s. w. vort reit he durch daz gras u. s. w. 

Die Namensform Wineman, durch den Reim (Wineman : man 
443, 60) gesichertp neben der französischen ebenfalls im Reime steh- 
enden Guinemer macht es nicht wahrscheinlich, trotz so vielfacher 
Uebereinstimmung mit dem französischen Gedichte, dass dieses direkt 
zur Benutzung vorgelegen habe. Die frühere Annahme eines deut- 
schen, von Konrad vielfach abweichenden Textes lässt sich wohl auch 
hier aufrecht erhalten. — Nachdem Genehm fortgeritten, folgen im 
Karlmeinet, aus dem Zusammenhang gerissen, einige Zeilen aus sei- 
ner Schilderung bei Konrad, von denen die Chanson de Roland nichts 
hat. Konr. 60, 17—20. Karlm. 444, 22—37. 

als de rede geendet was, 
von den herbergen er reit. vort reit he durch dat gras 

harde unvrö ind ungemeit. 
er was dri eilen breit zweier eilen was he breit 

eneben siner ahsel. over sin asselbein. 

lanc was er gewahsen. langer bein enwas engein. 

Dann folgt, was bei Konrad auch an 60, 21 sich anschliesst, die 
Bewunderung des schönen Mannes von Seiten der Heiden, die das 
französische Gedicht nicht hat, Konr. 60, 22 — 24, Karlm. 444, 
31 — 33. Bei Konrad folgt nun die Anerbietung seiner Mannen, mit 
ihm in den Tod zu gehen, und unpassend auch im Karlmeinet, nach- 
dem Geneluns Anrede an Wineman (aber nicht an diesen allein, denn 
es heisst ir alle gemeine 444, 7, wie im französischen Str. 26 en- 
pres li dient, also alle seine Mannen) schon dieselbe Antwort gege- 
ben hat; Konr. 61, 1—7, Karlm. 444, 35—43. Aber auch Konrad 



— 109 - 

hat dies Anerbieten zweimal, wenn auch nicht so unmittelbar nach 
einander, 56, 12—15; 61, 1 — 7. Die Verse Konrads 61, 8 — 15, die 
Geneluns Abschied vom Kaiser schildern (schon 60, 3 hiess es Gene- 
hm geneich sinem herren), folgen auch im Karlm. nach 61, 7; vgl. 
444, 44 — 54. Dann aber folgt nach einer des Reims wegen einge- 
schobenen Zeile (444, 55), was bei Konr. 63, 13 — 15 steht, Karlm. 
444, 56—57 ; aber die Klage der Mannen (Konr. 63, 16—64, 7) ist 
im Karlm. auf zwei Zeilen (444, 58. 59) zusammengedrängt. Dies 
alles fehlt im französischen Gedichte; hier ist der Abschied ganz kurz 
und sogleich beginnt Blanschandies Gespräch mit Genelun. In jedem 
Falle aber ist die Darstellung im Karlmeinet verwirrt, was sich aus 
der Mischung zweier verschiedener Texte erklärt. 

Mit Konrad 64, 8 treffen beide deutsche Gedichte zusammen. 
Karlmeinet 444, 60—445, 17 ist bei Konrad 64, 8—65, 1. Dann 
folgt eine Auslassung der Zeilen bei Konrad 65, 2 — 16, wie man 
sieht, eine absichtliche; dem Bearbeiter war die Aufzählung zu lang, 
er sagt dafür nur 445, 18 — 20: 

alden inde jungen 

ind dar zö mench riche lant, 

de eme gegangen sint in hant. 

Das Folgende stimmt wieder, Konr. 65, 17 — 73, 19 ist im Karlm. 
444, 21 — 448, 63 ausgedrückt, wobei nur einzelne Stellen gekürzt 
sind. Nach Konrad 66, 13 sind die Verse 14—23 ausgelassen, wie 
auch die frühere Schilderung Karls ganz unterdrückt worden war. 
Ebenso fehlen Konrad 68, 15 — 26 nach Karlm. 446, 32, die meist 
Beziehungen auf zu erobernde Länder enthalten. Statt der Verse 
Konrads 72,15 — 22 finden sich im Karlmeinet nur zwei, 448, 36. 37. 
Die letzten Zeilen, die stimmen, sind folgende: 

72, 27. du sprach Bl. der alte 448, 42. dö sprach Blanschandiez 

der aide 
,daz dich, herre, gehalte ,here, got dich behalde, 

Machmet und Apolle! Machumet ind Apollen! 

und gebe dir den vollen de geven dir den vollen 

alles dtnes gemuotes alles dines gemödes, 

unde daz du dich behuotes ind dattu dich behödes, 

also ir wille si, alse din wille si, 

unde gemachen dir noch vri inde machen dir noch vri 

alliu dine riche. alle dine riche ! 

ich hän willichliche ich hän vil williche 

erworven dine boteschapht dine botschaf gedän. 

alse ich uz gesendet was. de cristen sint entän, 

als du balde vernemen salt. 

darumb sich dich dar zo gestalt. 



— 110 — 

nu scolt duz volenden. dattu it endes alzohant. 

dar umbe hat here gesendet wände dir hat her gesant 

Karl der römische voget Karl der römische koninc rieh 

einen vursten herlich, 

und ist der vursten aller wort. de is aller vursten wort. ') 

nu vernim du herre selbe, nu saltu vernemen vort, 

waz die böte rede welle. wat der bode wille. 
ich heere iz allez vile wole 
swaz er hie reden scol. 

du sprach der chunich Marsilie. do sprach der koninc stille. 

Die beiden Zeilen Konrads 73, 17. 18 fehlten vermuthlich in der 
Handschrift ; sie gehören bereits zur Rede des Königs, wie der fran- 
zösische Text (respunt Marsilie ,or diet , nus l'orrum) zeigt. Dann 
aber muss duo in 73, 19 gestrichen werden. 

Alles was nun folgt, weicht aber im Karlmeinet so sehr im Ein- 
zelnen von Konrad ab, und ist so stark gekürzt, dass an eine Ent- 
lehnung, wean man die bisherige treue Benutzung erwägt, nicht mehr 
zu denken ist. Ueberdies ist auch der Stil und Versbau so verschie- 
den von dem Vorhergehenden, dass die Vermuthung wahrscheinlich 
wird, es habe dem Bearbeiter eine unvollständige Handschrift des 
Rolandsliedes vorgelegen, die mit Konr. 73, 19 schloss und erst viel 
später wieder begann. Es stimmt in dem ganzen Stücke von 448, 
64 — 460, 19 nur Einzelnes und mehr zufällig. Der Inhalt ist zwar 
im Ganzen derselbe, nämlich Geneluns Verrath an den zwölf Pairs, 
Karls Abzug und der Kampf Rolands und seiner Genossen mit den 
Heiden, bis zu Rolands Tode; aber alle Einzelheiten sind verschie- 
den, die Darstellung im Karlmeinet ungleich kürzer. Die Einzel- 
kämpfe, die Namen der heidnischen und christlichen Heerführer feh- 
len fast alle oder es sind andere an deren Stelle getreten. Dennoch 
will ich die wenigen Uebereinstimmungen anführen. Konr. 74, 11 
unde werdest du sin man, Karlm. 449, 12 ind werdes sin man in 
allen gän. Genelun fordert (449, 59) die Schlüssel der Stadt von 
Marsilies und erhält sie wie im altfranzösischen Gedichte Strophe 51 
(W. Grimm XLIV). 
K. 101, 4. Genelun urlop nam. Karlm. 450, 25. Wellis do orlof 

van em nam. 
104, 3. dir entbiutet Marsilie, 450, 38. dir enbüdet Marseiis 

ein chunc wise unt biderbe, (vurwär si dir dat gesacht !) 

sin dienst willicliche. he wilt dir werden densthacht. 

Roland bleibt mit zwanzigtausend Mann in Runzeval zurück, 
Karlm. 451, 17. 27. Das stimmt mit Konrad 115, 17, aber auch 



') wert die Hs. 



— 111 — 

mit den übrigen Quellen: W. Grimm S. CXI. 
fordert Roland sein Pferd: 



Bei Konrad 118, 12 



üf ein marh er gesaz, 

daz was genennet Valentich. 

227, 2. so enzunt im sin eilen. 

dö wolt er sinen geselle» 

gerne ze helve sin chomen . . 

7. er sluoc Ruolanden 

mitten üf den heim. 

225, 24. er wart varlös unde 
pleih, 

die ougen im vergiengen. 

216, 19. der keiser hiez in sehen- 
den, 

pinten sine hende. 

237, 7. in den stein er iz sluoc. 

237, 20. äne mal und äne scarte. 

236, 8. ein heiden im gewarte. 
242, 18. er sprach ,wol du himi- 
lischer herre, 

der tac der ne gewert uns nieht! 
nu sende uns, herre, ein lieht, 
daz wir die räche da genemen. 
243, 12. der sunne scain im wider 

an den mitten tac. 



452, 15. Velantine man eme ge- 

wan, 
also was sin ros genant: 
dar üp saz he zohant 1 ). 

456, 60. dö wederreit he sinen ge- 

sellen 
mit vil grozen eilen, 
deme greven Rolanden, 
ind sloch en mit beiden handen 
üp sinen heim mit sime swerde. 

457, 23. dat eme de varwe was ver- 

gangen. 

459,3. aller schände si eme gun- 

den 
ind hänt en ouch vaste gebunden. 
459, 27. dat slöch he in einen 

stein. 

459, 29. it engewan weder bleck 

noch scharde 
459, 42. dat sach ein koninc heidin 

460, 1. ein wort he jemerlichen 

sprach 
,erlenge mir den dach, 
got, al der werlt ein here, 
durch diner möder ere, 
biz ich mich mach gewrechen. 
460, 7. zohant dede got de sunne 

wedergän 
dar si stont umbe nöne zit. 



Alle diese Uebereinstimmungen können durch eine gemeinsame 
Quelle erklärt werden, beweisen aber keineswegs eine Entlehnung. 
Diese Quelle werden wir wohl in einem französischen Gedichte zu 
suchen haben. Es wäre zwar auch denkbar, dass der Compilator 
das vollständige deutsche Gedicht vor sich hatte, und bloss, weil die 
Catastrophe von Roland und seinen Genossen mit seinem eigentlichen 
Thema, der Lebensgeschichte Karls, nichts zu thun hat, so gewalt- 
sam kürzte; allein dann würde, was er von der Schlacht bei Runze- 
val erzählt, doch noch genauer zu Konrad stimmen als an den weni- 
gen mitgetheilten Stellen. Vielmehr empfiehlt sich die Annahme, 



>) aaz he fehlt, Hs. 



— 112 — 

dass der Compilator, d. h. der Zusammenfüger des Ganzen, diesen 
Abschnitt, weil seine Hs. des Rolandsliedes ihn im Stiche liess, aus 
einem französischen Gedichte ergänzte. Freilich ist keine der uns 
bekannten französischen Redactionen so armselig und dürftig als die 
Darstellung im Karlmeinet; es könnte daher nur von einer freien 
Benutzung im Auszuge die Rede sein. Der Text der Chanson de 
Roland, den Michel und Genin herausgegeben, stimmt im Wesent- 
lichen zu Konrad, kann also nicht die ausschliessliche Quelle sein. 
Jedoch stimmen einige Zeilen auch zum französischen Texte. 

64,1. halt sunt li pui, e li val te- 451, 33. nu is it an den ävent 

nebrus, gegän. 

les roches bises, les destreiz mer- de wege wären böse gedän 

veillus . . over den berch zo riden, 

want it was en ovel zo liden. 
7. dune lor remembret des fius er eckerlich vur sande, 

e des honurs want si jämerden zo lande 

e des pulceles e des gentilz oixurs: zo eren wlven inde mägen, 

cel n'en i a ki de pitet ne plurt. de si in menchen jären enßägen. 

sur luz les altres est Carles an- Karl weinede inde schre, 

guissus, 
as porz d'Espaigne ad lesset son want eme dede sin herze we. 

nevold, 
pitet l'en prent , ne puet muer 

n'en plurt. 
65, 6. dejoste lui li dux Neimes here, sprach der herzöge Naimes, 

chevalchet, wes trüret ir alsus? 

editalrei: de quei avez pesance? dö sprach der koninc here: 

Carles respunt: tort fai kil me dat ich trüren alsus sere, 

demandet. dat is umbe Oliver ind Rolande. 

Und nun spricht im französischen Gedichte Karl gleich Geneluns 
Verrath aus, durch seine Träume belehrt. Mehr noch als das ältere 
französische Gedicht stimmt die jüngere Redaction (Monin S. 13) 
mit einer Stelle 451, 53 ff.; vgl. Michel S. XIX ff. 

451, 53. de nacht is hene ge- 
schahen, 
der dach begunde sich üp zo 

valden. 
Rolant ind sine geselschaf 
(des was si als ein kaf) 
lägen in eime sifen. 
li solaus lieve qui abat la rousee, de sonne valte den rifen 

eil ousel cantent en la selve ramee, over al van dem grase. 

dar sach man plichen manch 
brase. 



— 113 — 



li arcevesques a la messe cantee. 



it is gut dat man üch de wärheit 

sage, 
der buschof sanc de misse in dem 



dat was Turpin. 

harte vrö dat moste sin. 

dat sagen ich üch gewisse. 

dö gengen si hören misse 

Rolant ind mench degen göt . . 

als de misse was gesungen, 

de heren uze dem gezelde dran- 
gen. 

Rolant des koninges neve 

hez eme sin swert geven. 

dat brachte eme sin schiltman. 

Velatine man eme gewan. 

also was sin ros genant. 

dar üp säz he alzohant. 

üp einen berch he gereden quam. 

dar vernam he manchen heiden 
man 

beneven eme in eime dale. 

dat sagen ich üch vur war wale, 

drizich düsent hadde de erste 
schare . . . 

dat sach Rolant wale 

sunder logenzale. 

we wenet ir dat dem here 

do zo mode were, 

dat he sterven dö solde?.. 

eme velen de trene van den 
ougen. 

Und wie im Karlmeinet, erkennt auch im französischen Gedichte 
Roland sogleich den Verrath Geneluns. 



li cons Rollans l'a de euer escoutee, 



ist dou monstier, 

s'a sa corpe clamee, 
vint au perron, si demande s'espee. 
eil li aporte cui il l'ot commandee. 
sor Viellantin a la Croupe triulee 

sailli li cuens sans nulle demoree 
pas avant autre, al'engardemontee, 
vit depaiens moult grant ost aünee ; 



LX mil en a premiers esm.ee . . 



dex, distRollans, qui fis lamer salee, 



mien anciant ma mors est preparee. 
Li cuens Rollans ot s'orison finee, 
l'iauue dou euer li est as iex montee. 



Michel S. XXI. vengier nie lais 
dou conte Ganelon, 
vendus nos a par male traison. 



452, 88. got möze uns beräden, 
want Wellis hat uns verräden, 
min vil böse stiefvader. 



vgl. auch kurz vorher 452, 40. 41 mit ,et vit Frangois qui s'ar- 
ment par la pree'. Im Karlmeinet fordert Olivier Roland erst auf, 
das Hörn zu blasen, nachdem der grösste Theil der Christen bereits 
gefallen (455, 40 — 44. 53) , im französischen Gedichte (in beiden Re- 
dactionen), sowie bei Konrad naturgemäss schon vor Beginn des 
Kampfes. Die Schilderung, wie Roland das Hörn bläst, lehnt sich 
wieder ziemlich eng an das französische Gedicht, 

8 



114 — 



Ch. d. R. 132. li quens Rollans 

. . sunet son olifan, 

de sun cervel le temple en est 
rumpant. 
par mi la bouche en salt fors 
li cler sancs. 



del com qu'il tient l'o'ie en est 

mult grant, 
Karies l'entent ki est as porz pas- 
sant . . ce dist li reis : 

jo oi le corn Rollant. 



unc nel sonast, 



se ne fust cum- 
batant. 



Guenes respunt ,de bataille est-il 
nient, 

[ja estes veilz e fluriz e blanc, 

pur tels paroles vus resemblez 
enfant.] 

asez savez le grant orgoill Rollant. . 

pur un bei levere vatz tute jur 
cornant. 



458, 21. do he (Roland) zo eme 
selven quam, 
sin hörn van sime hals he nam 
ind bles it mit sulcher kracht, 
(vur war si üch dat gesacht!) 
dat eme der lif enbinnen spleiz . . 
de gröze not en dar zo dreif, 
dat in dem hörne bleif 
sines herzen blöt. 
aldä bleif he ungemöt. 
als der schal van dem hörne geit, 
do horte it Karl aldä he reit, 
do sprach der koninc here 
,nu vorten ich vil sere: 
ich hören blasen ein hörn, 
ich wene it rechte hän erkorn, 
it is Rolandes hörn grot. 
it endede eme not, 
he enhedde it geblasen hüde. 
vur war ich üch dat düde, 
Karies angest was vele gröz. 
ouch, we sere Wellis des verdröz ! 
he sprach ,here, ir kennet kleine 
(mit trüwen ich dat meine) 
des greven Rolandes hovart. 

op dem berge he der dere wart, 
is dat he dar einich sach, 
dar na blest he al den dach.' 



Auch Ch. d. Roland 135 stimmt mit Karlm. 459, 3 ff.; doch ist 
auch hier Oiieyns nicht genannt. Ebenso mit den andern französischen 
Texten (B und C) trifft Karlmeinet hier überein: 



Mon. S. 27. 



Oliviers sent n'en 
porra eschaper, 



plus hardement vait la mort en- 

durer. 
de lui vengier fu bien entalentez- 
28. dou sanc de lui envermoillit li 

prez. 
tint Hauteclere dont li poins fu 

dorez . . . 
29.quinzepaiensiavoitmorz gietez 
et Oliviers en a cent mort ruez. 



456, 37. als Olivier dat hadde 

verstän, 
dat he eme hadde ane gedän 
den bitterlichen dot, 
45. Oliver sich selver wrach. 
40. dö wart he van blöde röt 
42. ind nam Haltekler sin swert. 

54. doch halp em got in der not, 

dat he ') heiden ersloch dot 

wal me dan hundert 

(dat was en harde unwert) 



») U fehlt 



— 115 — 



li gentis hom fu forment adolez. midden in dem velde 

enmi la presse bi des Angelis gezelde. 

fu Rollans encontrez . . do wederreit he sime gesellen 

mit vil grözen eilen, 
deme greven Rolanden. 
Hiernach kann es nicht zweifelhaft erscheinen, dass für diesen 
Abschnitt ein französisches Gedicht benutzt ist. Ob als alleinige 
Quelle lässt sich nicht entscheiden, da die jüngere Redaction, der der 
Text am nächsten steht, erst bruchstückweise gedruckt ist. Einzelne 
Stellen stimmen auch zu Turpin, aber es sind gerade solche, die ih- 
rem Inhalt nach in allen Fassungen der Sage stehen. 



Turpin 23. omnis ejus 
tuba natu 

per medium scissa. 

82, 21. quam cum evaginasset, 

et manu eam tenens 

intuitus eam . . . 

dixit ,o ensis pulcherrime, 

fortitudine firmissime . . . 

si miles ignavus aut timidus 

te habuerit, 

si Saracenus aut aliquis perfidus, 

valde doleo . . 

percussit spatha lapidem . . . 
et gladius biceps 
illaesus educitur. 



458, 26. sine macht de goltbende 
sunder einich behende 
mechtlichen dar zö dwungen, 
dat si midden enzwei Sprüngen. 
459, 18. dat swert he üz der schei- 
den zö. 
sine güde hadde he wal bekant. 
he besach it do in siner haut 
ind sprach ,du edel Durendart. 
din ecken sint dir vil; zo hart, 
mocht ich dich nu verderven, 
so solde ich de sanfter sterven, 
want komes du under de heiden 

diet, 
so is der cristenheit ovel geschiet.' 
dat slöch he in einen stein, 
edoch it dar an niet enschein, 
it engwan weder bleck noch 
scharde. 



Sollte auch Turpin mitbenutzt sein, was nach der frühern Be- 
nutzung (in III) nicht unwahrscheinlich ist, so ist er in keinem Falle 
alleinige Quelle. 

Die Yergleichung mit dem Rolandsliede können wir von 244, 30 
an wieder fortsetzen, wozu Karlm. 460, 20 stimmt. 



244, 30. also di heiden di da 
intsamt wären 
alle ertrunken sunder twälen, 
do nähte iz der nahte, 
der keiser gebot sine wahte. 
ir iegelich schuof sin gemah. 
der keiser sin gebet sprah . . , 
also im di muode entweich, 
der släf in begreif. 



460, 20. do de heiden erslagen 

wären 
ind zo der hellen gevaren, 
do nekede it der nacht, 
der keiser gebot sine wacht, 
mallich dede do sin gemach. 
Karl an sime gebede lach, 
der släf en do begreif, 
dat he släfende bleif. 
8* 



— 116 — 

di engele sin huoten, de engele hdden sin da. l ) 

di wachtäre in umbestuonten. de wechter wachden eme nä. 

Dann folgen bei Konrad Karls Träume 245, 9 — 246, 21; diese 
hatte auch der Compilator in seiner Vorlage ; er kürzte aber absicht- 
lich, mit denselben Worten fast wie oben bei Geneluns Gefährten: 

dese rede läzen wir stän 
inde willen vort sän. 

vgl. 443, 24. 25. Trotz dieser absichtlichen Auslassung hat der ge- 
dankenlose Zusammenreimer 465, 28 auf Karls Träume Bezug ge- 
nommen. Im Folgenden stimmen beide Texte wieder. 

246, 22. Der chunc Marsilie 460,31. do der koninc Marseliüs 2 ) 

chom fliehende widere quam vliende weder zo hüs 

ze Sarragüz für di stat. vur de stat zo Sarragöz, 

owe welch der jämer dö wart! dar wart der jämer vele groz. 

er viel üf daz gras. he vel neder üp dat gras, 

harte weinote daz harde rüwich des was 

Brechmundä. de koninginne Bregmundä. 

sin ungemach genc ir nä. 
si ilten sä si wolde sich gerne wrechen. 

diu apgot hüs nider brechen. des dede si neder brechen 

al der afgode hüs. 

dar hörte man gröz gedüs 

van dem grözen valle. 
di gote hiez si werven u. s. w. de afgot hez si nemen alle u. s. w. 

Einige Zeilen Konrads fehlen wieder im Karlmeinet, 246, 32 bis 
347, 7. Ferner nach 461, 7 = Konrad 247, 31 mehrere Verse 
247, 32 — 248, 5, und im Folgenden findet eine andere Anordnung 
der Verse statt: 248, 13 — 19 stehen vor 248, 6 — 12. Aber eine 
solche Umstellung kann, wie die Reimverkettung zeigt (menige : ze 
redene 9. 20) nicht im Original stattgefunden haben; sie ist also 
Willkür des Bearbeiters. Das Folgende stimmt, Konrad 248, 20 bis 
251, 7, entsprechend Karlmeinet 461, 30 — 462, 54. Nachher sind 
wegen des wiederholten Reimes (brechen: rechen 251, 6. gerechen •* 
gesprechen 251, 12) sechs Verse übersprungen. Wiederum gehen 
beide Texte neben einander her, Konrad 251, 14—254, 24 ist Karlm 
462, 55 — 464, 36; die vier Schlusszeilen von Baligans Rede, Konr. 
254, 25 — 28 sind weggelassen. Die Königin heisst 464, 37 Pregmunda, 
oben 460, 38 Bregmundä; Pregmunda schreibt auch Stricker, Kon- 
rads Text Brechmundä; die Form mit g scheint nach der Ueberein- 
stimmung der beiden jüngeren Gedichte auch für das ältere die ur- 
sprüngliche. Weiterhin stimmen Konrad 254, 29 — 256, 6 mit Karlm. 



l ) Hs. Der engel hoeden da. 2 ) Hs. Marse lis. 



— 117 — 

464, 37—465, 16: aber die beiden Zeilen 465, 16. 17 im Karlm. 
setzen eine andere Lesart des Originals voraus, wegen des Reimes 
menie : venie. 

256, 8. der keiser scute sich üz 465, 16. he warp üz den hals- 

der halsberge: berch sin 

sin trüwe was zo gode schin. 
in crücestal viel er zuo der erde. an der erden sochte he sine venie 

ind bat got vur de cristen menie. 
Konrad 256, 8—261, 22 ist im Karlmeinet 465, 18—468, 17; 
darin sind nur einige kleinere Abweichungen zu bemerken. Nach 
Konrad 261, 3—10 lässt Karl die todten Helden durch Diepolt, Mi- 
Ion, Gebewin und Otte heim nach Kerlingen bringen (ebenso in der 
Chanson de Roland 210); im Karlmeinet werden keine Namen . ge- 
nannt, es heisst nur 468, 1 

do si de wlgande 

bekleiden mit sulchem gewande, 

vort worden si bewart zohant (= Konr. 261, 2) 

biz man si vorte in Vranzosen lant. 

Die Verse Konrads 261, 23 — 262, 4 sind, wie schon frühere Re- 
den mehrfach gekürzt wurden, ganz weggeblieben. Dann aber stim- 
men wieder Konrad 262, 5-264, 4 mit Karlm. 468, 18—469, 37; 
von hier springt der Bearbeiter gleich auf 264, 21, indem aber- 
mals, wie gewöhnlich, ein Theil der Rede (264, 5 — 20) ausgefallen 
ist. Die Waffnung Karls weicht von Konrads Texte ab ; sie schliesst 
sich wieder an das französische Gedicht an. 

Ch. d. Rol. 213, 1. li empereres 469, 41. der keiser sich wäpenen 

began. 
tuz premereins s'adubet, he zoch over sine brüste 

isnelement ad vestue sa brunie, mit vil grözer luste 

einen halsberch vil gut. 
lacet son helme, si ad ceinte dar mit was he wal behut, 

Joiuse. ind wart gewäpent nä siner ger 1 ). 

dö brachte man einen scharpen 

sper 2 ). 
als he dar was algare, 
Entercendur sun bon caval pus dö zoch man eme sin ros dare, 

muntet, dat was geheizen Encherchador. 

il le cunquist es guez desuz dat wan he selver dö bevor 

Marsune, in dem wazzer vnr Marsune 

sin getat mort Malpalin de Nar- ind stach Malprimen van Narbüne 

bone. dot dar ave in de vlot. 

dar üp saz der keiser göt. 



') Hs. na syme geheysch. 2) Hs. speis. 



— 118 — 

it was snel inde starc 
ind bezzer dan düsent marc. 
laschet la resne , mult sovent dem rosse he hengede. 

l'esperonet, üz 1 ) dem her he sprengede 

fait sun eslais veant cent milie harde schöne Sprunge. 

humes. he reit al umbe ind umbe 

ind beschouwede sin her. 
och, welich wunnicliche wer 2 ) ! 

Doch stimmen einige Zeilen der erwähnten Stelle mit Konrad 
265, 11: daz march hiez Entercador, daz ervacht er da vor da ze 
Vadüne dem chuninge ; aber die folgende Beziehung auf Malpalin von 
Narbonne (wofür im Karlmeinet irrig Malprimen) zeigt, dass der 
Text des Karlmeinet dem französischen näher steht als Konrad. — 
Im Karlmeinet schliesst sich an die erwähnte Stelle eine Klage Karls 
um Roland, von der das französische Gedicht nichts hat, und das 
Folgende nähert sich wieder Konrad. 

derkeiser vorderöteWinemannen. der keiser hez eme mit minnen 

zwene vursten gewinnen, 

Rapote hiez der ander. dat was Rabode ind Wineman. 

er. sprach zo en sprechen he began 

,vele leve vrunt min, 
,weset in Ruolandes stat etc. ir solt in der zweier stat sin u. s. w. 

Die Erweiterungen und Abweichungen werden von hier an stär- 
ker, was auch bei Stricker bis zum Schlüsse des Gedichtes der Fall 
ist. Es wird hier eine andere Recension des Rolandsliedes zu Grunde 
liegen, die nur stellenweise mit dem uns vorliegenden Texte Konrads 
stimmte: ein Fall, den wir auch an den beiden Redactionen des Ale- 
xanderliedes, sowie an der Kaiserchronik wahrnehmen. 

In der Anordnung der Schlacht stimmt der Text des Karlmeinet 
mit dem französischen Gedichte. Schon in der Erwähnung von Ra- 
pote und Wineman ist die Annäherung an dieses grösser als an 
Konrad. 

Carles apelet 470, 6. der keiser hez eme mit 

minnen 
zwene vursten gewinnen: 
Rabe et Guineman : dat was Rabode ind Wineman. 

qo dist li reis zo en sprechen he began 

,seignurs, jo vos cumant, ,vele leve vrunt min, 

eeiez es lius ir solt in der zweier stat sin 

Oliver e Rollant. Olivers ind Rolandes, 

der vil konre wigande. 3 ) 



J ) vsser. 2 ) ouch we ir wennyeh wer Hs. 3) wygantz : oder man muss lesen des 
yil könen wigandes , auf Roland allein bezogen. 



— 119 



l'un port l'espee 

e l'altre l'olifant, 

si chevalcez el premer chef davant, 
ensembl' od vos XV. milies de 

Francs, 
de bachelers de noz meillors vail- 

lanz. 
apres icels en averat altretant: 

sis guierat Gibuins e Jorans, 2 ) 
Naimes li dux 

e li quens Jozerans. 
icez eschieles ben les vunt ajustant : 
sil trovent oi, bataille iert mult 

grant. 
216. De Franceis sunt les pre- 
mieres escheles, 
apres les dous establisent la terce: 
en cele sunt li vassal de Baivere, 
a XX (milliers) chevalers la prei- 

serent. 
ja devers eis bataille n'ert lessee. 
suz cel n'ad gent que Carles ait 

plus chere, 
fors cels de France ki les regnes 
cunquerent. 
li quens Oger li Daneis, li puin- 

neres, 
les guierat : kar la cumpaigne 
est fiere. 



ir sit alre §ren wert. 

ür ein sal voren min swert, 

dat zo vorn plach Rolant, 

der ander sal voren dat hörn in 

der hant 
ind salt riden vur an der scharen, 
sament üch [wir] sollent varen 

der Vranzösen funfzich düsunt, 

den is striden wal kunt, ') 

ouch der anderen vele, 

de kunnen wal mit orloges speie. 

er aller geleide so sal sin 

Names inde Gebewin, 

ind der edele greve Jörans 

ind van Provence Jocerans. 3 ) 



Nu habe wir zwo scharen, 
de Beiern sollen nä varen 
mit zwenzich düsent halsbergen. 

it enmechten n& op der erden 
könre beide gewerden. 

si mögen arbeiden starke. 

Oiger van Denmarke 

de sal vören eren vanen. 

de kan de helde wal gemanen 

mit gutlichen worden. 

Dagegen weicht Strophe 217 von Karlm. 470, 40—54 ab; zwar 
nennt sie auch Alemannen und die Zahl 20000; aber die Einzelhei- 
ten stimmen nicht und die Franken fehlen; im deutschen fehlt 
der Herzog Herman de Trace, der sie führen soll. Wiederum trifft 
dagegen Strophe 218 mit Karlmeinet 470, 55 zusammen. 
218. Naimes li dux Names der vil märe 

e li quens Jozerans ind Jöceres de vil gehere 

i) Die Hs. reimt düsent : bekent , d. h. düsant : bekant , wie der Compilator 
reimt. leb halte aber dies Stück nicht für Arbeit des letzteren und habe da- 
her geändert; vgl. 471, 27. 2 ) Gebuins e Guinemans: doch vgl. 253, 7 Gebuiu 
e Lorain. 3 ) Prouente Jotaras. 



— 120 



la quinte eschele unt faite 

de Normans. 
XX milie sunt, co dient tuitli Franc: 
ar mes unt beles e bons cevals cu- 



machten de vunfte schare 
von *) Normannen, de was wal gare 
mit zwenzich düsent halsbergen, 
vur den heidenischen 2 ) wergen 

wolden si gerne ersterven, 

of si mochten erwerven 

des leven godes ere. 

der hoftman was Rikart der mere, 

der reit gedräde 

beide vrö ind späde. 

dar s ) was ritterlichen gare 

mit so grözer sechster 4 ) schare 

drizich düsent Britten: 

de hez he riden enmitten 5 ) 

mit eren Jseren rocken. 

he begunde her 6 ) vur locken 

den marcgreven Otten. 

zo der 7 ) selven starken rotten 

bat en der keiser sere, 

dat he ir hoftman were. 

dar zö hez he mit eme varen, 

de schar de baz 8 ) zo bewaren, 

zwene ritter vele stolt, 

[de hezen] Nevelin ind Reinbolt. 

der keiser inde Names 

de vrägeden under ein des, 

wilche de sevende mochte sin. 

,dit don ich, here, üch schin' 

sprach Names der wigant. 

ich wil dat der greve Rolant 

hoftman si der Pontevine 

ind ouch der lantlüde sine 

Alvernen de behäle 9 ). 

ir wäpen lüchten zo male 

als de lichten sterren, 

de clär schinent [van] verren.. 

ir geverde is mir kunt. 

ritter verzieh düsunt 

vörent si in ere scharen. 

ir hoftman sal si wal bewaren. 

he kan si wal geleren, 

•) Hs. Vor. 2 ) heydeschen. ') Der. i4) sechs, s) Bricken: en micken. 6 ) er. 
7 ) den. 8) dester bas. 9 ) behagelejHs. 10 ) XI Michel: aber schon das Metrum 
erfordert XL (quarante). 



ranz, 
ja pur murir eil n'erent recreanz. 
suz ciel n'ad gent ki plus pois- 

sent en camp. 
Richard li velz les guierat el camp, 
il i ferrat de sun espiet trenchant. 

219. La siste eschele 

unt faite de Bretuns, 
XXX milies chevalers od eis unt. 
icil chevalchent en guise de baron : 
peintes lur hanstes, fermez lur 

gunfanun ; 
le seignur d'els est apelet Oedun 



icil cumandet le eunte Nevelun, 
[Tedbald de Reins et le marchis 

Otun] 
,guiez ma gent, je vos en faz le 

dun.' 
220. li emperere ad VI escheles 

faites. 

Naimes li dux pueis establist 
la sedme 

de Peitevins 

e des barons d'Alverne. 



XL 10 ) milie chevalers poeent estre, 
chevals unt bons et les armes 

mult beles. 
dann noch drei Zeilen, in denen 



121 — 



ihre Führer Jozerans e Godesel- 
mes genannt werden. 
221. E l'oidme eschele ad 

Naimes establie, 
deFlamengs estedebaronsdeFrise, 
chevalers unt plus de XL milie: 
ja devers elsn'ert bataille guerpie. 
entre Rembalt e Hamon de Galice 
les guierunt tut par chevalerie. 



222. Entre Naimon e Jozeran le 

cunte 
la noefme eschele unt faite de 
prozdomes, 
de Loherengs e de cels de Bor- 

goigne. 
L milie chevalers unt par cunte, 
helmes laciez e vestues lor bronies 
espiez unt forz et les hanstes sunt 

curtes. 
Ihren Führer nennt das französi- 
sche Gedicht Tierris dux d'Argone. 

223. La disme eschele est des ba- 

runs de France, 
cent milie sunt 

de noz meillors cataignes. 
dann noch sechs Zeilen und: 
Munjoie escrient: od eis est Car- 

lemagne. 
Gefreid d'Anjou 



war si sich sullen keren 

dar si den pris gewinnen. 

[ind] von den stolzen Vlämingen 

wart gemacht de echte schare da. 

zo dem stride was en gä, 

dat si durch got geven dat leven. 

en wart zo hoftman gegeven 

zwene snelle helde, 

gut ind üzerwelde, 

mit üp gebundem helme, 

Heiman ind Jozhelme. 

vil menich heiden (des) intgalt. 

zo verzieh düsent wären si ge- 

stalt (1. gezalt). 
we mochte en wederstän? 
dat volc was also gedän., 
dat si envorten geine not 
noch ouch den grimmen döt, 
mit swerden ind mit spezen . . . 
ein lant heizet Lotringe ') . . . 

de nünde [schar] was van en er- 
koren 
ind van den Burgongeren . . . 

vunfzich düsent güder knechte 
hadden sl gezalter manne, 
de mit eme reden danne. 

lovesam so was de schare, 
under en was komen dare 
sunder wäpen gein man . . . 
Dö was de zende schare 
zo stürme harde wal gare, 
funfzen düsent man si hadden, 
de sich zo gewer sadden 
alle van Vranken geboren, 
si hadden zo hoftmanne erkoren 
Jonfroden van Anyo, 

der vil ungerne vlö 

Do de scharen mit gevalle 
geordineret wären alle, 
als der keiser wolde, 



') Hier fügt nun Karlm. eine Notiz über Karls Herkunft ein , die weder das 
französische Gedicht noch Konrad hat, ,tuschen den Hin ind Vrancriche is 
gelegen dat selve lant. Karl en dat zo rechte vant, of der man des sons 
niet enhat, dat de dochter dar entfat dat len van irme hSren. dar mede 
wolde he si eren. he was selve [van] danne geboren. 



— 122 — 

portet l'orie flambe, do beval he zo godes holde 

den banner Junfride. 
Seint Peire fut, si aveit num Ro- van golde ind van gesmide 

maine. was sente Peters bilde drane. 

Yon 472, 39 an folgt der Text wieder Konrad, mit dem er bei 
269, 19 zusammentrifft. Bei 264, 5 war Konrads Text verlassen 
worden, denn was nachher noch stimmt (Konrad 265, 17 ff.) ist kein 
Beweis für direkte Benutzung Konrads, da es noch genauer sich an 
den französischen Text anschliesst. Warum aber verliess hier der 
Bearbeiter sein deutsches Vorbild? Ich glaube aus keinem andern 
Grunde, als weil die von ihm benutzte Handschrift lückenhaft war. 
Konrad 264, 5 — 269, 18 sind etwa zwei Blätter der Pfälzer Hand- 
schrift und dasselbe Format ungefähr muss die Handschrift auch ge- 
habt haben, die dem Bearbeiter vorlag; wir werden das noch deut- 
licher an einer spätem Auslassung sehen. Dem Bearbeiter, d. h. 
nicht dem Compilator des ganzes Gedichtes, sondern demjenigen Dich- 
ter, der Konrads Werk umarbeitete; dass dies der Compilator nicht 
gewesen sein kann, zeigt die Sprache, der Versbau, der poetische 
Stil und die Art und Weise der Umarbeitung selbst, wie wir weiter 
unten zeigen werden. 

Allein auch dieses Stück des Textes im Karlmeinet verräth Spu- 
ren eines höhern Alters als dasjenige des Umarbeiters, der schon 
genaue Reime brauchte. Einige ungenaue Reime, sowie ein paar al- 
tertümliche haben sich noch in dem Texte erhalten. So der Reim 
Sprunge: umbe 469, 60; das zweimalige tüsunt: kunt 470, 20. 471, 
27. gewinnen: Vläminge 471, 33. Ein sehr freier Reim steht 471, 
56 Lotringe: Vrancriche; aber ich zweifle, dass hier der Text unver- 
derbt ist; denn wenn er echt wäre, so würde ihn doch kaum der 
Bearbeiter haben stehen lassen. Vergleicht man mit diesen Resten 
freier Reimbehandlung und altertümlicher Formen einige andere 
Stellen, an denen mit grosser Wahrscheinlichkeit freie Reime entfernt 
wurden, so wird man geneigt auch hier eine ältere Textgrundlage, 
die von Konrad allerdings abwich, anzunehmen. So ist 469, 43 mit 
vil grozer luste (: brüste) offenbar nur ein schlechter Reimbehelf für 
das ursprüngliche: 

er zöch über sin brüste 

einen halsberc vesten (469, 42—45). 

Ebenso gewiss scheint es mir, dass statt der vier Zeilen (471, 
5—8) ursprünglich nur zwei im Texte standen, 
mit eren iseren rocken. mit ir isern rocken, 

he begunde her vur locken 



— 123 — 

den marcgreven Otten. den marcgräven Otten 

zo der selven starken rotten. (bat er wesen ir houbetman). 

Die Verse 469, 64—470, 5 lauteten ursprünglich etwa so: 

wie schone si wären, 

doch was im vil swäre 

umbe Ruolanden sinen neven. 

jOuwe soldestu noch leben, 

so entorste Baligän 

uns niht mit strite bestän. 

himelischer trehtin, 

nu genäde der sele sin !' 
trehtin wurde auch an einer andern Stelle (397 , 10) vom Bear- 
beiter entfernt. 470, 30—32 finden sich drei Reime halsbergen: er- 
den: gewerden, die ursprünglich wohl nur zwei waren, so dass es 
hiess : 

mit zweinzic tüsent halsbergen. 

ez en mohten kuonre helde werden. 

vgl. Konrad 266, 16. — 470, 60 ist der Ausdruck vor den heideni- 
schen wergen (von wäre, einem Worte, das im dreizehnten Jahrhun- 
dert kaum noch vorkommt) zu bemerken, der in dem ganzen Gedicht 
sonst nirgend begegnet. Statt der vier Verse 471, 39 — 42 

zwene snelle helde, hiess es : zwene snelle helde, 
gut ind üzerwelde, Heimunt und Jozhelme : 

mit üp gebunden helme, vgl. haimunt Konrad 267, 25. 
Heiman ind Jozhelme. 

Noch eine Stelle will ich versuchen herzustellen. 472, 5 — 14 

vunfzic tusent knehte 
riten mit ime dan. 
diu schar was vil lussam. 
alle die dar quämen 
schoniu wäfen baren, 
do sich erhuop der strit, 
manic heidenischez wip 
wart do ir mannes äne: 
daz sol man klagen kleine. 

Gibt man zu, dass auch hier ein älterer Text zu Grunde liegt 
(und gegen einige der hergestellten Reime, so wie gegen die altertüm- 
lichen Reste wird sich nichts einwenden lassen), so müssen wir eine 
zweite gleichfalls alte und mit der gedruckten ziemlich gleichzeitige 
Redaction des Rolandsliedes annehmen, welche an grössern und klei- 
nern Stellen (weil schon die von diesem zweiten Redactor benutzte 
Handschrift des Liedes lückenhaft war) von der ersten abwich und 



— 124 — 

zum Theil nach dem französischen Texte ergänzte. Diese zweite Re- 
daction wurde am Ende des zwölften Jahrhunderts oder zu Anfang 
des dreizehnten von einem niederrheinischen Dichter umgearbeitet und 
in dieser Umarbeitung in die Compilation von Karls Leben aufge- 
nommen. So erklärt es sich, dass der Text des Karlmeinet an man- 
chen Stellen mit dem französischen Gedichte stimmt. 

Die Namen der Heerführer stimmen natürlich auch zu Konrad, 
wiewohl auch hier viele Abweichung sich zeigt. Rapote und Wine- 
man Konr. 265, 18, Karlm. 470, 8; Naimes und Gebewin Konr. 265, 
31. 266, 5. Karlm. 470, 25; Jöcerans von Provence Konr. 267, 27, 
Karlm. 470, 27; die Baiern bilden eine Schar von 20000, Konr. 266, 
12, Karlm. 470, 30. Oigier von Dänemark, Konr. 266, 17, Karlm. 
470, 34, Schwaben und Franken Konr. 268, 1. 8, Karlm. 470, 41; 
Richard, der Hauptmann der Normannen Konrad 267, 1. 8, Karlm. 
470, 58. 63; der Markgraf Otto führt bei Konr. 267, 33 die Rhein- 
franken, ebenso bei Stricker 9249, im Karlm. 471, 7 ist er Führer 
der Britten, wie im französischen Gedichte. Karlm. 471, 20 wird 
ein Graf Roland als Führer derer von Poitou und Auvergne genannt; 
bei Konr. 267, 22 werden die von Alvergie (daluergie) durch Regen- 
balt von Betowe geführt ; es ist klar, dass der Beisatz, den W. Grimm 
nicht zu deuten wusste, aus Poitou entstanden ist, so wie dass Ro- 
lant im Karlmeinet eine Entstellung aus Reinbalt ist. Die Fläminge 
werden im Karlmeinet 471, 34. 42 von Heiman (lies Heimunt) und 
Jözhelm geleitet; Konrad 267, 25 nennt nur den ersteren, daneben 
allerdings Jöcerans als Führer der Friesen, auch Stricker nennt nur 
Aymunt (9179). Die Friesen erwähnt hier auch die Chanson de Ro- 
land Str. 221. Von den Lotringern sagt Konrad 267, 29, sie sollen 
zu seiner Rechten kämpfen (vgl. Str. 9259), auf der andern Seite 
die Burgunder; an Stelle dessen hat Karlmeinet die oben angeführte 
Sage von Karls Herkunft aus Lotringen. Die nach ihnen genannten 
Franken 472, 19 sind identisch mit den Kerlingen, Konr. 267, 28; 
denn ihre Fahne führt in beiden Gedichten Gottfried von Anjou 
(Konrad 268, 16). 

Von 472, 39 an können wir, wie ich schon bemerkte, Konrads 
Text wieder vergleichen. 

269, 19. der keiser viel sine verde 472, 38. Karl der keiser dö gebot 

mit aller menige aller der menien, 

dat (si) deden ere *) venien 
in allen vier ende der werlte. in der werlt ver ende 2 ). 

üf huob er sine hende. op reckede he de hende. 3 ) 



J ) eren Hs. 2 ) an veir enden. 3 ) mit den henden. 



— 125 



er sprach ,wol du himilischer herre, 
dinen heiligin namen an uns ere! 

du erlostest mit dinem gewalte 

üz des visches wambe 
Jonam den wissagen, 
da der drie tage 

was inne begraben. 



du erlostest üz dem ovene 

driu kindelin. 
der vierde wäre du under in. 
du erhortest den chunc von Ninive, 
do er erkante din e, 



sent Petern 



üz des meres unden: 



er verlougenöte drie stunde, 
dines wunders 

man ich dich alles 

und dines erweiten sant Johannes, 



daz diu gift in niene tarte 
[noch daz öle niene brante]. 



durch willen aller diner trüte 
nu erhöre unsich hiute! 

de dine du geheile, 

unse viante du zeteile 

[durch des heiligen geistes zuo- 

chunft, 
so verlihe uns sselde unt sigenunft, 



he sprach ,hemelische here, 

dinen namen an uns ere 

in deser dalhelde, 

want du erlöstes mit diner gewelde 

üzer engestlichen klamben 

van den walvisches wamben 

Jönam, der sint was wissage, 

dar 1 ) he dri nacht inde tage 

inne beslozzen was. 

du hulpe eine dat he genas. 

des bistu wal zo lovene. 

ouch erlöstes du üz dem ovene *) 

drü unschuldige kindelin. 

dat verde were du 3 ) under in. 

du erhördes denkoninc vanNinive, 

dö he erkande dine e 

ind dine genäde manchvalt. 

du erlöstes mit dinre gewalt 

van grözem rüwen 

sente Peter den getrüwen 

üzer des meres unden. 

du vergeze 4 ) ouch der sunden, 

de he dir here zoende, 

dö he din dri stunt verloende. 

diner 5 ) vil mencher wunder 6 ) 

manen ich dich noch besunder 

mit allen desen helden. 

sente Jöhan dinen üzerwelden 

bewardes du gewisse 

vur starkem vergifhisse, 

dat en niet endarde. 

dine gnade en bewarde, 

dat eme niet enmochte genösen. 

nu willes uns ouch erlösen, 

here got, also stille 

durch aller diner heiigen 7 ) wille 

ind unse gebet erhören 

ind unse unrecht zostören. 

de dine du geheile, 

dine viande du verdeile, 

ind möges mir de macht geven, 

dat ich baz wreche minen neven.' 



J ) Dat. 2 ) loven : oven. 
dyner heiige. 



3 ) werde du. 4 ) vergeisses. b) dyiire. 6 ) wunden. 7 ) alle 



126 — 



want wir jehen ze dinen genäden.' 
si sprächen alle ,ämen.'] 

Im Folgenden schliesst sich Karlm. wieder an die Chanson de Ro- 
land an, die das Gebet Karls ziemlich kurz abfertigt ; Karlm. 473, 19. 



Ch. de Rol. 225. Cum adoret, 



si se drecet en estant. 



seignat sun chef de la vertut 
poisant. 



muntet li reis 

en sun cheval curant. 
Naimes e Jocerans 
l'estru li tindrent .... 

puis si chevalchet mult afichee- 
ment. 



Do der keiser was *) üp gestän, 
ind sin gebet hadde gedän, 
op so richde he sich 
inde stont an den wich, 
he hof üp sin rechte hant 
ind sanede sich der wigant 
in der drivaldicheide namen. 
do erhöven si sich alle samen 
de in er venien lägen, 
zo gode wart si sägen 
ind gäven em lof ind ere. 
Karl der keiser mere 
saz do üp dat ros sin. 
Names inde Nevelin 
helden eme den stegereif. 
an den sadel dat he greif 
ind saz dar üp inde reit, 
als ein degen wal gemeit. 



In der hier angeführten Stelle stimmt nur eine Zeile mit Kon- 
rad 270, 17, do saz er üf unde reit, Karlm. 473, 35 ind saz dar üp 
inde reit; aber daraus ist nichts zu folgern. Die Zeilen 473, 23—31 
scheinen mir eine Erweiterung aus fünf älteren: 

und segente sich der wigant. 
do huoben sich alle samt 
die an ir venie lägen, 
gote sie lop gäben. 
Karl saz üf daz ros sin. 

Was nun folgt, schliesst sich an Konrads Text an, 270, 18 — 272, 
22 ist Karlm. 473, 37—475, 2. Nach 475, 2 kommt im Karlm. ein 
Zusatz, den der französische Text gleichfalls hat. 

475, 3. over al beiden laut 
was he harde wal bekaiit, 
geminnet ind geeret 



Ch. de Rol. 228 li amirals ben 

resemblet barun, 
blanche ad labarbe ensement cume 

nur, 
e de sa lei mult par est saives 

hom 



ind in sinre e geleret. 



') was fehlt. 



127 — 



der son was Malprimes genant 
ind was ein starc wigant. 

dat bewerde he in dem dale 
mit sime live harde wale. 



e en bataille est fiers e orgoillus. 
ses filz Malprimis mult est cheva- 

lerus, 
granz est e forz e trait as ces an- 

ceisurs. 

475, 15. 16 hiess es vielleicht ursprünglich statt 
mit siner rechten hant. mit der sinen zeswen. 

gelöft si is unse heilant. gelobet si es unser trehten. 

Wenige Zeilen nachher tritt wieder Konrads Text ein, 272, 23 bis 
273, 5, Karlmeinet 475, 19 — 36 ; aber dort findet eine abermalige Ver- 
schiedenheit statt. Für Konrad 273, 6 — 22 stehen im Karlmeinet 
die Verse 475, 37 — 476, 25, die wieder dem französischen Texte 
treuer folgen als Konrad. 



Ch. d. Hol. 229. Bels filz Malpra- 
mis, c,o li dist Baligant, 

li altrer fut ocis le bon Rollant 
(M. le bon vassal Rollant) 

e Oliver le proz e li vaillant. 
li XII per qui Carles amat tant. . . 

trestuz les altres 

ne pris-jo mie un guant. 

230. Li empereres repairet veira- 
ment. 

sil m'a nunciet mes mes li Su- 
lians. 

X. escheles en vunt mult granz. 



231. Filz Malpramis 8 ) , Baligant 
li ad dit, 

jo vos otri quanque m'avez si 
quis: 

cuntre Franceis sempres ireiz ferir, 



475, 36. he sprach ,vele leve son 
Malprimes, 
it en is noch niet lanc, 
dat der kone Rolant 
wart döt erslagen, 
so ich vur war horte sagen, 
inde Oliver der degen. 
di zwelve sint alle erlegen, 
so weme it nu missevalle, 
de anderen noch alle 
enachten ich niet harde ho. 
ich bin des vele vro, 
dat der keiser mit sinre scharen 
entgän uns wilt varen. 
wir willen eme riden entgagen. 
wir hänt si vele balde erslagen. 
Karl hat gemachet sine scharen, 
nu wil ich ouch l ) dat bewaren, 
dat de unse wal geendet sin. 
leve son Malprin, 
einre bede 2 ) bidestu mich, 
der wil ich geweren dich, 
dat du hinne rides 
ind mit den Vranzosen strides. 
du salt mit dir leiden 
zwene kone heiden, 
Turiles den koninc van Persen 
ind van Türken Clapemorsen 
inde salt dat wale bewaren 



») uch Hs. 2 ) beyden. 



128 — 



le grant orgoill se ja puez matir, 



jo vos durrai un pan de mun pais : 
co est la tere 

qui fut al rei Flurit.' 



e eil respunt ,sire, vestre mercit.' 
[a itel ore unches puis ne la vit } 
ne il n'en fut ne vestut ne saisit.] 
[232. Li amiraill chevalchet par cez 



dat der cristen nummer zwären 
engein 1 ) levende kome weder, 
mochtes du den erslän dar neder, 
de dar bleset Olivanden, 
und brechtes it eme zo den handen, 
ich wouldes dir ummer danken, 
deis du sin ere kranken, 
ich geven dir dar umb zo lone 
dat lant ind ouch de kröne, 
dat des koninges Florines was, 
den ich ouch bedwanc üp dem pas, 
des du de baz mögen salt. 
[enjwurdes du düsent jär alt, 
du salt al dinen willen hän.' 
der junge man antworde sän 
dat he it gerne dede 
des he en bede. 
Baligän sprach do 



sis fiz le suit, ki mult ad grant 
le cors.] 

li reis Torleus e li reis d'Apamort 

XXX escheles establissent mult 
tost. 

chevalers u t a merveillus esforz: 

en la menur 

C. 2 ) milie en out. 



den zwen koningen zo 

,ir salt min her wal bewaren 
ind salt machen drizich scharen 
in vil lovelicher gevöch, 
want wir hän Volkes genöch. 
de alre minste sal dan 
haven drizich düsent man.' 



Auch hier zeigen sich Spuren einer älteren Form, weniger in 
dem Reime Rolant : lanc 475, 37 als in einer andern Assonanz , Per- 
sen: Clapamorse 475, 61 und dem altertümlichen engagen: erslagen 
475, 49. Aber auch andere Reime sind ohne Mühe herzustellen. 
475, 39 — 41 war der ursprüngliche Reim erslagen: degen, und es 
hiess 

iz enist noch niht lanc, 

daz der kuone Ruolant 

wart tot erslagen 

unde Olivier der degen 

und die anderen zwelve. 

die anderen alle 

ahte ich min dan ein strö, 

was, wenn man es mit dem französischen Texte vergleicht, diesem 



i) engeyu zwaren. 2 ) 30 wird die richtige Zahl sein ; auch das Metrum erfor- 
dert .trente.' 



— 129 — 

viel genauer entspricht als in der im Karlmeinet vorliegenden Form. 
Deutlich ist auch die Einschiebung in 476, 2—5, wo es hiess 

der da blaset Olivanden, 

ich woldes dir immer danken. 

und das Folgende hiess etwa 

ich gaebe dir nach minem tode *) 

daz lant und die kröne 

des kuniges Florines, 

den ich betwanc mit strite, 

daz du diu baz megest. 

obe du tüsent jär lebest, 

du solt allen dinen willen haben. 

Das Folgende, die Aufzählung der heidnischen Völker, 476, 22 
bis 48 trifft mit Konrad 273, 20 — 274, 6 zusammen, dann wiederum 
ein Zusatz, den Konrad nicht hat, 476, 49—61, der aber mit dem 
französischen Gedichte stimmt. 

Ch. d. Rol. 233. e la disme est de 48. de zende van Balie, 

Balide la fort : de dönt den cristen vil we. 

qo est une gent ki unches ben ne dat volc ouch ne raste en nam. 

volt. dö swör der koninc Baligan 

234. Li amiralz enjuret bi al den goden de he erkande, 

quanqu'il poet he solde Karle in dem lande 

de Mahumet les vertuz e le cors : sines hömödes 2 j vellen 

,Karles de France chevalchet cume ind alle sine 3 j gesellen 

fols: 

ind sin ere also letzen, 
jamais n'averat el chef datheüp sin hoft endorste setzen 

corone d'or. nummer cirkel noch krönen, 

he solde eme des Ionen, 
dat he Marseiis lant 
hedde geroft ind gebrant. 

Der Reim nam: Baligän ist auffallend, man könnte gewan für nam 
schreiben, aber auch an: an reimt der Bearbeiter nicht. Die Worte 
in dem lande sind wohl nur eingeschoben, um den Reim erkande: 
Karle zu glätten. Die zweite Aufzählung der heidnischen Völker 
(477, 1—33) stimmt nur theilweise mit Konrad 274, 8—275, 7. Die 
Einleitungsworte sind noch nach dem französischen Texte. 

235. 476, 62. Baligän der geliere 

hez sich do ilen sere 



') Vgl. Konrad. 273, 10 , wo auch wohl mineni zu lesen ist. 2 ) Syn hoeinotz. 3 ) 
syner. 

9 



— 130 — 

Dis escheles alle de gene 

establissent apres. ind machen ever scharen zene, 

so ich it rechte las. 

Die erste Schar von Orkanes und Vles Karlm. 477, 1: Ch. de 
Eoland la premere est de Canelius les laiz, Konrad 274, 12 Orkani- 
vessen Falsen und Flechsen, Stricker als elfte Schar (denn er zählt 
statt der zweiten zehn weiter 11 — 20) Orkanie und als zwelfte Niu- 
les 9550. 51, als 13. hat er Valsen 9556. Aus der Lesart von Karl- 
meinet scheint sich Strickers Niules zu erklären (ni-ules). Die zweite 
ist von Esdos 477, 4: Konrad 274, 16 von den chuonen Deden (: Pe- 
ren), bei Stricker fehlt der Name. Ch. de Rol. 235 de Turcs, und 
daraus ist Esdos verderbt (des-turcs). Die dritte von Pers, Konr. 
274, 17 Peren, Stricker 9561 Perre , Turold Pers. Die vierte von 
Fers 477, 7: Turold de Sinceneis e de Pers: Konrad 274, 19 Fer- 
ren und Suiten, Stricker 9561 Suiten. Die fünfte von Brücken 477, 
8: Konrad 274, 20 Promten, Stricker 9564 Tronten, ganz abweichend 
Turold de Solteras e d 1 Avers. Die sechste von Ormalus 477, 12, 
ebenso Turold (d'Ormaleus e d'Eugiez), Konrad 274 , 26 d'Armolo- 
ten, Stricker 9573 von Tarmalöt. Die siebente von Samuel 477, 17, 
Turold de la gent Samuel, Konrad und Stricker ganz abweichend 
Prussen, Prusse. Die achte von Bemisse 477, 19, Turold de Bruise, 
und diesem kommt jenes Prussen am nächsten. Die neunte von 
Klammen 477, 20, Turold de Clauers, Konrad 475, 4 als achte die 
von Clamerse, ebenso Stricker 9581. Die zehnte von Ortallen 477, 
22, Turold d'Occiant la desert, Konrad und Stricker weichen ab. 
Schon hier zeigt sich grössere Hinneigung des Karlmeinet zum fran- 
zösischen Gedichte und geringere Entstellung der Namen. Vollends 
stimmt mit Turold, was über diese ,Ortallen' gesagt wird: 

Str. 235. qo est une gent 477, 24. dat is also gedäne diet, 

ki dannedeu ne sert, üp eren schopper enachten si niet. 

de plus felluns ne envernam wif noch man, 

van dem de werlt erst began, 
n'orez parier jamais; van boserm volke gesagen. 

sienwillenhelm noch wäpen tragen, 
en la bataille sunt feluns e engres. in stürme sint si wilde, 

durunt lescuirsensementcumefer: smal sint alle er schilde. 

pur qo n'ont soign de elme ne en is der lif as ein stein: 

d'osberc. darumbe endorfen si wäpen geiri. 

Auch hier ist der Anschluss an das Original besser, wenn man 
annimmt, es habe urprünglich geheissen: 

nie vernam wip noch man 
von bceserm volke gesagen. 



— 131 — 

in stürme sint si wilde, 
sine durfent wäfen noch keime: 
in ist der lip als ein stein, u. s. w. 
denn die Zeile 477, 31 smal sint alle er schilde ist ein um des Rei- 
mes willen gemachter Zusatz, von dem das Original nichts hatte. 

Die Aufzählung der zehn Schaaren (also 21 — 30 des ganzen 
Heeres), die Baligan zu seinem eignen Schutze hahen will, stimmt 
zwar so mit Konrad 275, 14 — 276, 9 (— Karlm. 477, 34 — 54), dass 
die Benutzung des deutschen Gedichtes nicht zweifelhaft sein kann; 
aber Karlmeinet stimmt auch hier besser zum französischen Ge- 
dichte. Die erste Schar, die Giganden von Malprose 477, 41, wo- 
raus Konrad 275, 21. 22 zwei Schaaren macht (diu erste scar von 
Giganden, diu ander von Malprose) und dadurch die folgende Auf- 
zählung je um eine Nummer höher rückt, während bei Turold, der 
auch zu 477, 34. 35 genauer stimmt, 

236. Li amiralz Baligän wolde sich bewarn 

X. escheles ad justes *). ind machte ever zen scharen, 

wie im Karlmeinet die erste Schaar aus ,Jaianz de Malperse' besteht. 
Die zweite von Sures 477, 44, Konrad (3) von Surse, Turold de 
Hums; die dritte von Ungres 477, 45, Turold von Hungres, Konrad 
von Ungeren; die vierte von Galöse, Turold von Baldise, bei Kon- 
rad ausgelassen; die fünfte von Yalröse, Turold und Konrad Yelpe- 
nuse; die sechste von Imanzen , ebenso Konrad, Turold hat de Ma- 
ruse; die Abweichung erklärt sich aus dimaruse = dimanse verlesen 
oder verschrieben. Die siebente von Lyens und Mogyn, Konrad Mal- 
rosen und Deusen, Turold de Jeuse d'Astri monies, aus letzterem 
Worte ist Mogyn entstellt, wie Lyens aus Jeuse. Die achte von Ar- 
ginen, Turold d'Argoilles, Konrad Targilisen (= d'Argüles) ; die neunte 
von Carbinen, Turold de Clarbone, Konrad Bilisen; die zehnte von 
Garbönen, Konrad Carböne, Turold de Fronde. 

Auch die nächsten Verse nach dieser Aufzählung stimmen noch 
mit Konrad, Karlm. 477, 55—478, 1 ist nach Konrad 276, 16—21 
gearbeitet. Dann hat Karlmeinet einen Meinen Zusatz, der an sich 
unbedeutend ist, aber durch die Uebereinstimmung mit Sricker sich 
als echt bestätigt ; dass der Drache innen hohl gewesen und wenn er 
vom Winde erfüllt wurde, in der Luft sich von selbst bewegt habe. 
Karlm. 478, 2. der drache was en- Str. 9643. der was innen hol. 

binnen hol. 
des windes wart he dicke vol. als er des windes wart vol, 

dan sach dat heidenisch gesinde, so gebarte er als er lebte 

so we der drache in dem winde und gein den Hüten strebte, 

spilde inde umbe ran (: quam). 



l ) Michel justedes. 



— 132 — 

Die fast wörtliche Übereinstimmung in den beiden ersten Zeilen 
kann nicht zufällig sein; sie beweist, dass der Text, der beiden 
Dichtern vorlag, vollständiger war als der in den beiden Handschrif- 
ten erhaltene, und erlaubt uns einen Rückschluss auf die übrigen bei 
Konrad fehlenden Stücke. An eine Benutzung Strickers durch den 
Dichter des Karlmeinet ist nicht zu denken; eine solche würde viel 
umfänglicher sein , da ja ein grosser Theil der Stricker'schen reinen 
Reime auch für den Bearbeiter gepasst hätte und aufgenommen wor- 
den wäre. Auch ist die Assonanz van : quam zu beachten, die aus dem 
alten Texte hier stehen geblieben ist, während sonst vom Bearbeiter 
Konrads Reime m : n entfernt wurden. Nach zwei wieder überein- 
stimmenden Zeilen (Konrad 276, 22. 23, Karlmeinet 478, 11. 12) er- 
zählt Karlmeinet, was bei Konrad und auch bei Stricker fehlt, dass 
an dem Banner die Bilder der heidnischen Götzen Machmets Tervi- 
gants und Apollos sich befanden. Gedacht werden muss das auch 
nach Konrad 277, 3 (vgl. Karlm. 478, 39) und Stricker 9652. Diese 
weiter ausgeführte Beschreibung ist aber alt und stand in dem vom 
Bearbeiter benutzten Texte des Rolandsliedes, denn darin begegnet 
der Reim gemälöt : gebot 478, 20. Ausserdem ein ebenfalls unge- 
nauer was: ast 478, 27. Der Zusatz umfasst die Verse 478, 13 bis 
30. Die Chanson de Roland ist in der Schilderung der Fahne ganz 
kurz, sie sagt nur Str. 237 

de davant sei fait porter sun dragun 
e l'estandart Tervagan e Mahum 
e un ymagene Apolin le felun, 

dann folgt gleich der Ruf der Canelius (eines heidnischen Volkes, 
vgl. Strophe 235, 2), vgl. Konr. 277, 1: est ist wohl Canabeus im 
französischen Texte zu lesen, wie Konrad 276, 25 und Karlm. 475, 
34 übereinstimmend haben. Nicht Karl betet, als er die Heiden nie- 
derfallen sieht, zu Gott, sondern das ganze Christenheer, wie Karlm. 
478, 65, nachdem Karl gebetet hat; Konrad lässt nur den Kaiser 
beten (277, 19). Nach diesem Gebete Karls, nachdem Konrad 276, 
24—277, 25 mit Karlmeinet 478, 31—478, 62 gestimmt, schliesst 
sich letzteres Gedicht wieder enger an den französischen Text an, 
von 479, 9 

Str. 238. Li amiralz est mult de Baligän was ein wis man. 

grant saveir, sinen son he vur sich gewan 

a sei apelet sis fiz e les dous reis: mit anderen koningen zweien, 

der doget wal schein, 
dat was Turbens ind Clapemor. 



133 — 



,seignurs barons, devant cheval- 

chereiz, 
mes escheles tutes les guiereiz: 
mais des meillors voeill-jo retenir 
treis. 



Tun est deTurcs el'altre d'Ormaleis, 

e la terce des Jaianz de Malpreis. 
[cild'Ociant ierent ensambl' odmei, 
si justerunt ä Charles e ä Franceis]. 



he sprach ,ir sult riden vor 
ind geleiden de scharen, 
selver wil ich mich bewaren 
mit helden vele güden. 
ich wil hän zo hüden 
dri scharen, de plegen min. 
wilt ir wizzen we si sin? 
van den Türken is de eine, 
de ander van Meleine, 
de dirde van den Giganden, 
de dragent an den handen 
stangen vele groze. 
si dont siege ind stöze 
deme cristen volke. 



Dann folgen im französischen Texte noch drei Zeilen, die Karl- 
meinet 479, 28—36 aber nicht entsprechen und erst 479, 37 treffen 
die Texte zusammen, jedoch nur mit einer Zeile: 

479,37. Grözwas derheiden cracht 
ind ir geselschaft lovehacht. 

Zeilen des französischen Gedichts 



239. Granz sunt les oz e les esche- 
les beles. 



und nach fünf nicht stimmenden 
heisst es 479, 42 



239, 7. l'enseigne portet Amboires 
d'Oloferne. 



paien escrient, Preciuse l'apelent. 



dar vürde offenbare 

van Saphir ein helt balt 

Ambro sie mit gewalt 

den drachen mit der hant. 

de heiden rifen over al dat lant 

ir geruchde ,Preciosa.' 

Die unmittelbar vorhergegangenen Zeilen 479, 39 — 41 stimmen 
mit einer Stelle Konrads, die aber später folgt, 287, 11 — 13: 

si wären guote knehte. er helme ind er schilde 

si lühten sam die sterren lüchten over dat gevilde 

von golde unt perlen. als de sterren cläre. 

Die Spuren einer Ueberarbeitung kann man auch in diesem Ab- 
schnitte verfolgen. Der altertümliche Keim intgagen (: verzagen, 
Hs. versagen) begegnet auch hier 479, 50. geschelde 479, 6 steht 
für geschelle und weist somit auch auf eine entstellte Assonanz. Jene 
Stelle mochte etwa so gelautet haben: statt 

478, 66. röfen an unsern drechtin riefen an unsern trehtin, 

dat he genedich wolde 1 ) sin daz er in genaedic wolde sin 

ind zostören de heidenschaf. und zestoren die heidenschaft. 



l ) woul Hs 



— 134 — 

ind brengen si des hömots af. 

do quam mit grözer dracht 

gestrechen de heidensche kracht. die heiden mit herskraft 

sl begreffen dat gevelde. begriffen daz gevilde. 

dar wart ein gröz geschelde. dö wart ein groz geschelle; 

denn der Bearbeiter sagte nicht heidenschaft, sondern heidenschaf, 
darum musste er ein Keimpaar einschieben. Die folgenden Zeilen 
hiessen etwa 

479, 10. sinen sun er vur sich gewan 
und zwene ander kunige. 
die häten groze tugende: 
dat was Turbens und Clapemor (: vor). 

Einschiebung eines Reimpaares ist 479, 23 — 26 zu erkennen, wo 
ursprünglich stand 

diu dritte von Giganden: 
die tragent groze stangen 
gein dem cristen volke. 
dö jageten si als daz wölken 
ze beiden siten zesamen. 

Der Vergleich des Heeres mit den Wolken ist im Sinne der 
Poesie des zwölften Jahrhunderts ; aber in der letzten Zeile wird der 
ursprüngliche Text nicht zesamen: er solde kennen namen gereimt 
haben, denn der oberdeutsche Dichter sagte zesamene , worauf viel- 
leicht heiden also manige oder Aehnliches reimte. Das Zusammen- 
treffen der Zeilen 479, 39—41 mit Konrad 287, 11—13 wird da- 
durch noch wahrscheinlicher, dass an der betreffenden Stelle Kon- 
rads des heidnischen Fahnenträgers Amhoch gedacht wird, der ohne 
Zweifel identisch mit Ambrosie ist. Der Beisatz von Saphir ist aus 
d'Oloferne ziemlich stark entstellt, aber doch noch erklärlich. In 
479 , 45. 46 ist der ursprüngliche Reim noch leicht erkennbar ; er 
war harit: alle samt, aber der Bearbeiter sagte samen und musste 
darum ändern, freilich nicht geschickt. — Die Verse im Karlmeinet 
479, 48 — 60 entsprechen weder dem französischen Texte, noch Kon- 
rad ; gleichwohl sind sie echt und alt. ,Die Christen singen Sanct Pe- 
ters Lob' : sie stimmen das Kampflied an. Die religiöse Wendung 
und Beziehung auf den Teufel macht es wahrscheinlich, dass ein alter 
Text, von einem Geistlichen herrührend, wie der Konrads, zu Grunde 
liegt. Dies bestätigt die ungeschickte Einschiebung eines Reimpaares 
in 479, 51—54, wo es ohne Zweifel lautete 



— 135 — 

die Cristen niht verzageten, 
si kerten in engagene 
und sungen sente Peters lop. 
in half der gensedige got. 

Die Armseligkeit der eingeschobenen Zeilen weist auf das Rich- 
tige. In den nächsten Zeilen hiess es vielleicht 

got es in gehancte, 

daz si den tiuvil schanten. 

Die dann folgende Uebereinstimmung mit Konrad beschränkt sich 
auf drei Zeilen, Konr. 278, 19—21, Karlm. 479, 61-63. 

do sähen si von den heiden dö sach man an der heiden banen 

manigen vanen weiben sweven menchen güden vanen 

gruone unde weitin. gele inde gröne. 

Aehnliche ungeschickte Reime wie hier banen haben wir schon 
öfter bemerkt; sie sind fast immer an die Stelle einer Assonanz ge- 
treten. — Die Christen rufen ,Monschoi! ; vgl. Konrad 278, 6; aber 
auch Chanson de Roland 239 mult haltement ,Munjoie' renuvelent. 
Im altfranzösischen Gedichte, wie bei Konrad, wird nun Olifant ge- 
blasen; im Karlmeinet folgt dies etwas später 480, 49. — Im Karl- 
meinet ergreift Gottfried von Anjou (479, 67) die Fahne und tödtet 
den heidnischen Fahnenträger Ambrosie. Auch Konrad 279, 2 er- 
zählt, dass Gottfried einen Heiden vom Rosse gestochen, und einiger- 
massen stimmen hier die Verse: 

Godefrit der vanere dö nam Junfrit den vanen 

er stach von dem marhe inde reit Ambrosien ane . . . 

ein heiden also vreissam. ind stach en neder van dem rosse. 

Aber bei Konrad ist der Getödtete nicht Ambrosie (= Amhoch), 
denn dieser wird später (287, 7) erwähnt. Diese Abweichung und 
Erweiterung im Folgenden 480, 1—48 beruht vielleicht wieder auf 
französischem Originale, wenn auch Michels Text nichts Entsprechen- 
des hat; gewiss aber wieder auf dem älteren Gedichte, das zeigt der 
Reim rosse: entlochen 480, 4; auch der gleich darauf folgende Aus- 
druck horläge ist zu bemerken. Eine Zeile stimmt noch mit Konrad: 

29, 20. den gruonen anger mach- 480, 19. dat velt wart al mit ein 

ter rot. röt. 

Die nächsten Zeilen von 480, 19 an lauteten ursprünglich etwa 
daz velt wart allez rot, 
mit bluote berunnen. 
zesamene harte drangen, 
cristen unde heiden. 



— 136 — 

Rapote (Hs. Robode) wird als kühner Kämpfer im Karlmeinet 480, 
26 hervorgehoben; auch Stricker erzählt im Verlaufe der Schlacht 
von dem Einzelkampfe Rapotens mit Paligän, in welchem letzterer 
den ersteren tödtet, Karl 10093 ff. Rapote führt beim Stricker das 
Hörn, dagegen Wineman das Schwert Rolands (vgl. 9785); im Karl- 
meinet wie im französischen Gedichte ist es umgekehrt. Der Reim 
mure (mürbe) : vure 480, 34 begegnet nur an dieser Stelle und ist 
ohne Zweifel alt. Im Geiste der alten Poesie ist ferner die lebendige 
Schlachtschilderung 480, 45 ff. 

de cristen wären bilde: 

üp de heiden si drungen, 

de hörn vaste clungen 

kleine unde groze. 

dö schal üz dem gedöze 

Olivant 1 ) dat helle. 

Wineman der snelle 

bles it mit grimme. 

des selven hornes stimme 

was den heiden ungemach. 

In den letzten Zeilen trifft der Text schon wieder mit Konrad 
zusammen und zwar mit einer früher übersprungenen Stelle 278, 10 
bis 15, Karlmeinet 480, 50 — 59. Die darauf folgenden Verse (in 
denen nach 480, 63 ein Punkt zu setzen, dagegen der Punkt hinter 
64 zu tilgen ist) sind dem Karlmeinet eigentümlich; sie sind auch 
alt und lassen sich zum Theil herstellen: 

480, 64. dar an gedachten sine des gedahten sine holden 

holden 2 ) 
alda zohant si alle wolden und wolden in erslagen haben, 

en erslän in dem dale. daz wart in selben ze banen. 

dat quam en selver zo vale. 

Der Ausdruck ,die holden' begegnet hauptsächlich in Gedichten 
des zwölften Jahrhunderts, selten im dreizehnten. Der Reim der bei- 
den letzten Zeilen in der Hs. kann nicht echt sein; der Ausdruck ze 
banen, der im dreizehnten Jahrhundert kaum noch üblich war, aber 
bei Konrad häufig vorkommt (mhd. Wörterbuch 1, 82) ist ungeschickt 
entfernt. Auch das folgende ergremet 481, 1 (Hs. ergrymmet : ge- 
zemet) ist ein Lieblingsausdruck Konrads (mhd. Wörterbuch 1, 575); 
im Karlmeinet begegnet er nur hier. Was sich daran anschliesst, lässt 
sich mit Konrad wieder vergleichen, woraus zugleich die wahrschein- 
liche Echtheit des Vorhergehenden, wenn auch bei Konrad fehlen- 
den, sich ergibt. 



') dat hörn Oliuandes. 2 ) heiden, 



— 137 — 

279, 6. Oigier der wigant 481, 4. Oiger der kone wigant 

was ein degen vele balt. 
der fuorte in siner hant he vörte in sinre gewalt 

ain spanne breiten ger. ein vil gut sper, 

da mit gefrumt er dat satte he zo gewer 

manigen zuo der helle. ind stach mit gelüste 

durch der heiden veners brüste. 

In den letzten Zeilen wichen, wie auch im Folgenden, die zu 
Grunde liegenden Texte ab. Es hiess in dem dem Bearbeiter vorlie- 
genden wohl er vuorte in siner gewalt (: wigant) einen ger vesten. 
den stach er durch des vaneres brüste. Der im Karlmeinet nun fol- 
gende Reinbolt 481, 11 ist Konrads Regenbalt, der 281, 26. 282, 5 
mit anderen "Worten erwähnt wird. Mit 481, 17 ist Stricker 9835 
zu vergleichen. Ferner wird Nawin erwähnt 481,20; das ist entwe- 
der Gebewin, den Konrad 279, 14 bald nach Oigier nennt (vgl. Str. 
9833) oder entstellt aus Nevelin (vgl. oben 471, 14). Dann wird ge- 
sagt Gottfried (Junfrit 481, 27) habe die Fahne genommen; das war aber 
oben (479, 67) schon einmal gesagt. Einige Zeilen stimmen im Fol- 
genden wieder mit Konrad 282, 18 — 21. 

do frouten sich die cristen. 481, 33. dö vrouweden sich de 

Cristen. 

manc schilt vester manch vaste schilt mit listen 

(listen?) 

wart da verhouwin. wart alda verhouwen. 

wer scolte gote missetrouwin? wer solde gode missetrouwen? 

Aber was bei Konrad folgt, ist übersprungen, 282, 22 — 284, 7, 
und im Karlmeinet 481, 37 folgt gleich Konrad 284, 8-285, 10 == 
Karlmeinet 481, 37—482, 7, ziemlich genau sich anschliessend, nur 
zwei Zeilen 284, 19. 20, von denen die erste eine fast wörtliche 
Wiederholung von 284, 18 ist, sind vom Bearbeiter weggelassen, wohl 
absichtlich. Yon 482, 8 aber weichen beide Gedichte wieder ab. Karl- 
meinet erzählt, dass Canabeus, des Königs Marsilies Bruder, den von 
Naimes bedrängten Heiden zu Hilfe kommt und den christlichen Her- 
zog in das Haupt verwundet und fast erschlägt, als ihm Karl in der 
Noth beispringt. Auch die Chanson de Roland erzählt, übereinstim- 
mend mit Karlmeinet, nach dem Tode des Malprimes den Kampf 
von Naimes und Canabeus. Naimes hat Malprimes getödtet (Strophe 
249), ohne dass ersterem Karl zu Hilfe gekommen, und dann heisst 
es Str. 250: 
Reis Canabeus, 482, 8. alse Canabeus dö gesach, 

li frere al amiraill, dat sin neve dot lach, 

Malprimes sines broder kint, 



— 138 — 



des esperons ben brochet 
sun cheval, 
trait ad l'espee,le punt est de cristal, 
si fiert Naimun en l'elme principal, 
l'unemeitietl'enfruissedd'unepart. 
noch neun Zeilen, dann: 



Carles de France i vint 

kil succurrat. 

251. Carles li dist ,cuvert, mar le 
baillastes !' 



vait le ferir par sun gran vasselage, 
l'escut li freint , cuntre le quoer 
li quasset. 



niet lange enbeit he dar sint. 
vele gröz> wart sin zorn. 
dat ros mande he mit den sporn 
ind rante da he' Names sach. 
üp den heim einen slach 
gaf he em mit dem swerde, 
dat sin heim herde 
wart verhouwen sere. 
Canabeus der mere 
sloch en ever inde stach, 
dat he enhörte noch ensach. 
in dat hoft wart he wunt. 
dat gesach 1 ) an der stunt 
ever Karl der vreissam. 
dem helde he zo helpe quam 
ind beschudde en minnencliche. 
he sprach ,in aräbeschem riche 
ensaltu nummer gesagen 
wer he dot si of erslagen 
of in dem stride erlegen.' 
zohant gaf he dem degen 
mit sime swerde einen slach, 
dat he döt dar neder lach. 



puis sunt justez par amur e par 

feid, 
ensembl 'od eis tels XX milie Fran- 



Wie schon hier die Anlehnung an den französischen Text un- 
verkennbar ist, so auch im Folgenden. Der ausgehobenen Stelle fol- 
gen noch 2 Zeilen der 251. und 9 der 252. Strophe und dann heisst 
es, übereinstimmend mit Karlm. 482, 37: 

die vrunde mit den mägen 
wrächen si dar zo ringe, 
de konen Vranzoselinge 
werden sich mit vlize. 
menche halsberch wize 

worden dar verschroden. 
unzellich velen de döden 
de dar gestrouwet lägen . . . 
482, 51. in dem selven nitspele l ) 

erkos Baiig an Winemanne 

harde verre danne, 

der do vört [dat hörn] Olivanden 

mit beiden sinen handen 



ceis. 
n'i ad celoi que n'i fierge o n'i 
capleit. 

253. Li amiralz chevalchet par le 

camp, 
si vait ferir le cunte Guneman, 
[cuntre le coer li fruisset l'escut 

blanc, 
de sun osberc li derumpit les pans, 
les dous costetz li deseivret des 
flancs,] 



') mit speie Hs, 






— 139 — 



que mort l'abat de sun cheval 
curant. 

puis ad ocis Gebuin e Lorainz 
(1. Jorans). 



dat horn vil helle. 

an rante en der snelle . . . 

482, 63. dö sloch he an der stunt 

den greven Winemanne. 

dat ersach verre danne 

Jorans inde quam gerant. 

üf so höf Baligän der wigant 
den arm mit dem swerde 
ind sloch den helt unwerde 
durch kinne inde zende. 
dö nam Jorans sin ende 
vur der scharen sine, 
ouch wart do Gebewine 1 ) 
ein slach also groz 
dat he dot dar neder schoz. 

In Strophe 255 kommt Gemalfin, ein ,drut c des Admirals, und 
berichtet Baligan, dass sein Sohn und Bruder gefallen. Dieser Ge- 
malfin ist identisch mit dem Genease des Karlmeinet 483, 18. Nun 
ruft Baligan Jangleu Fultre-marin, bei Konrad 286, 4 Joleun, Karlm. 
483, 39 Joleum, und hier beginnt wieder wörtliche Uebereinstim- 
mung, mit Strophe 255: 



Dist l'amiraill , Jangleu, venez 

avant : 
vos estez pros e vostre saveir grant. 

noch drei Verse, dann: 
e eil respunt ,morz estes, Baligant : 
maisreclamez lesbarons d'Occiant, 
Turcs e Enfruns, Arabiz e Jaianz, 
co que estre deit ne l'alez de- 
murant.' 



he sprach ,nu rät du, helt here, 
we ich hüde behalden min ere. 
Malprimes min son is erslagen 
ind min broder: datmözichclagen. 
dö sprach Joleum der güde 
,ganc zo dime volc mit spüde 
ind samen dine helde 
de köne üzerwelde, 
de noch sint unerslagen. 



In diesem citierten Stücke (482, 8 — 483, 54) stimmen mit Kon- 
rad nur zwei Verszeilen, 286, 4. 5: 



Dö vorderöte Baligän 
Joleum sine man. 



483, 39. do vrägede Baligän 
Joleum sinen man sän. 



Im Karlmeinet kommt Karl Xaimes zweimal zu Hilfe ; es könnte 
scheinen, als wäre das zweitemal nur eine müssige Wiederholung des 
ersten. Allein Beides wird durch die andern Quellen gestützt, einmal 
durch das französische Gedicht, das andre Mal durch Konrad. Auch 
Stricker hat den Kampf von Kanabus, nur dass bei ihm der Heide 
nicht erst mit Naimes, sondern gleich mit Karl kämpft. Einige Verse 
von ihm lassen sich mit Karlmeinet vergleichen. 



l ) Bywene. 



— 140 — 

482, 8. als Canabeus dit gesach, 9967. diz sach sin veter Kanabus. 

13.datrosmandehemitdensporn 70. er reit dar naher unde sluoc 

ind rante da he Names sach. dem keiser einen slac groz, 

üp den heim einen slach. des er vil lützel genoz. 
gaf he em mit dem swerde. 
29. zohant gaf he dem degen 

mit sime swerde einen slach, 73. er sluoc in also sere wider 

dat he dot dar neder lach. dazer von dem rosse viel dernider. 

Mir scheint daher, dass in Konrads Texte, wie er uns vorliegt, eine 
Lücke anzunehmen ist; 276, 25 war des Königs Bruder Chanabeus 
genannt, im ganzen Kampfe aber wird seiner nicht mehr gedacht. 
Das ist bei einer so hochstehenden Persönlichkeit nicht wahrschein- 
lich. Die Lücke ist wohl nach 285, 5 oder 285, 7 zu setzen, wie 
die Vergleichung mit Stricker (9964 — 82) zeigt. Stricker hat in dem, 
was Naimes zu Karl sagt, ausserdem ein paar Verse, die vielleicht 
auch echt sind (9980) und es hiess bei Konrad 285, 8 — 10: 

Naimes geneic sime herren 

vrolichen unde sprach 

,den Longinus an dem kriuze stach, 

der selbe muoze dir Ionen : 

vil nach was ich dem tode.' 

Die ganze Stelle, die mit dem französischen Texte stimmt, be- 
ruht wie die meisten Zusätze im Karlmeinet auf einer älteren Grund- 
lage. 482 , 51 begegnet der Ausdruck nitspil (wie Keller mit Recht 
bessert), der nur an dieser Stelle der ganzen Compilation vorkommt 
und in der altern Poesie als Bild des Kampfes häufig gebraucht 
wird; vgl. Stricker 5752 und Anmerkung zu 811. Die älteren Reime 
sind auch hier stellenweise noch zu erkennen. 482, 38 ist zo ringe 
nur eine ungeschickte Aenderung von grimme, und die Stelle lautete : 

die vriunde und die mage (: waren) 

wrächen si mit grimme. 

die kuonen Kerlinge 

sich vil harte werten. 

manige halsberge 

wurden do verschroten. 

In den Versen, wo nitspil vorkommt, lautete der ursprüngliche 
Text statt 

482, 51. in dem selven nitspele in dem selben nitspil 

erkos Baligän Winemanne kos Baligän Winemannen, 

barde verre danne, 



— 141 — 

der dö vorde [dat hörn] Olivanden der fuorte Olivanden, 

mit beiden sinen handen. 

Statt der vier Zeilen 483, 1—4 standen vielleicht nur zwei Verse 
mit dem Reime swerde : zende. 

Im französischen Gedichte kündet G-emalfin dem Admiral den 
Tod von Canabeus und Malprimes, im Karlmeinet Genease, bei Kon- 
rad 285, 16 nur ein Heide, dessen Name nicht genannt ist, 253, 18 
war Geneasin auch genannt worden. Eine Zeile stimmt bei Konrad 
mit Karlmeinet: 

285, 23. sine hende er want. 483, 27. sine hende he" zosamen 

want. 

Alles Uebrige weicht ab, ohne aber auch mehr als im Allgemeinen 
mit dem französischen Texte zu stimmen. Statt der vier Zeilen 483, 
29 — 32 waren es ursprünglich wohl nur zwei: 

Machmet ind Apollo, Mahmet unde Apolle, 

we hat ir gedän also? wes hat ir mir niht geholfen 

war umbe enhulpet ir mir niet wider Karle und die sine? 

weder de böse cristen diet 

ind vur Karle ind de sinen? 

Das Zusammentreffen von Konrad 286 , 4. 5 mit Karlm. 483, 
39. 40 ist schon bemerkt worden. In 483, 45. 46 ist die Ueberar- 
beitung wieder ersichtlich. Die Reimworte der güde : mit spüde sind 
Flickwerk; ich glaube es hiess: 

dö sprach Joleün 

,ich sage dir, herre, waz du tuo: 

samene dine helde. 

du scolt niht langer twellen : *) 

Auch wenige Zeilen nachher statt der vier Reime ervechten: schech- 
ten : vluchtich : duchtic werden zwei ervehten : vluhte das ursprüng- 
liche sein. Von 483 , 55 — 484 , 6 stimmt das Gedicht mit Konrad 
286, 18—287, 6. Dagegen ist das Folgende, 484, 7—38 wiederum 
abweichend. Auch in diesem Stücke ist die Ueberarbeitung an dem 
Reime hadden: draden 484, 9 erkennbar; es hies statt 

489, 7. al de wile dat Joleus urspr. die wile daz Baligän 

ind Baligän sin here alsus unde Joleün sin man 2 ) 

redde zosamen hadden sus zesamene redeten 

ind ein wenich vort dräden. unde ein lützel vure drabeten, 

Nach 484, 21 muss etwas fehlen oder es ist mit einem Punkte 



>) co que estre en deit ne l'alez demurant: Ch. de Hol. 255. 2 ) Der Reim Bali- 
gän: man wurde auch Konr. 286, 4 entfernt. 



— 142 — 

nach niet zu lesen got hat is alles gewalt. 484, 22 tritt Gottfried 
der Fahnenträger nochmals auf (vgl. Konrad 279, 2) und redet ermu- 
tigend seine Gesellen an ; auch die Chanson de Roland erwähnt Gefrei 
d'Anjou noch zweimal, Strophe 258. 259. Hier fehlt im Texte eine 
Zeile, wie schon Keller bemerkt hat, nach 484, 27; doch ist wohl 
das ursprüngliche 

got ensal des niet gehengen (: brengen); 
484, 39 ist wieder aus Konrad entlehnt, aber vereinzelt. 

287, 17. ist iz also daz buoch sagit. 484, 39. is it, als dat boch quit. 

das Folgende weicht ab und schliesst sich enger an den französischen 
Text. 

260. passet li jurz, 484, 39. is it, als dat boch quit, 

si turnet ä la vespree, so was it an der vesperzit, 

dat de sonne begunde undergän, 
Franc e paien dö samende Baligän 

i fierent des espees, sfn volc al zosamen. 

mit grozem gamen 
kerden si an de Cristen. 
eil sunt vassal ki les oz ajusterent. do mengeden sich mit listen 

kristen inde heiden. 

Das Gebet des Kaisers folgt 484, 56 == Konrad 287, 20; das 
dazwischen liegende ist auch alt, wie sich entscheidend aus dem Reime 
zosamen: gamen ergiebt, der offenbar ursprünglich lautete: 

sin volc al zesamene. 
mit michilme magene 
kerten si an die Cristen. 
do wurren sich und mischten 
kristen unde heiden. 

vgl. Konrad 6, 11 mit michelem magene chom daz her zesamene 
119, 18 sigen si zesamene mit dem aller meisten magene; aber das 
Wort war im 13. Jahrhundert nicht mehr üblich (vgl. mhd. Wörter- 
buch 2, 8), auch musste die Assonanz entfernt werden. Die folgen- 
den Zeilen erweisen sich als alt durch die Uebereinstimmung mit ein 
paar früher übersprungenen Konrads 285, 12. 

484, 48. dar wart under en beiden 
do starkete sich daz volcwic, der alre meiste strit, 

sam von anegenges zit, der von anbegin der zit 

daz sich diu werlt erhuop. e üp der erden 

gestreden mochte werden. 

Mit 484, 56 tritt Uebereinstimmung ein; Konrad 287, 20—292, 22 
ist im Karlmeinet durch 484, 56—487, 46 wiedergegeben, wobei nur 



— 143 — 

geringe Abweichungen zu bemerken sind. Die Beziehung auf Gideon^ 
Konrad 287, 26 und Stricker 10088 ist in 484, 62 verwischt und 
weggeblieben. Die letzten aus Konrad entlehnten Sätze sind 



292, 6. die Christen 

wären in nöten 

umbe ir herren guoten. 

vil tiure si got dar nmbe manten. 

vil schiere si sich erhalten. 

der keiser kom wider ze siner craft, 

so er da vor nie so starc wart. 

an lief in der degen, 



er sluoc in mittin durch den heim, 
daz houbit er im in vieriu zeteilte. 



der heiden sich dö neicte. 
er sluoc im den anderen slac, 
daz er im under den fuozen gelac. 
[von himele chom den Christen 

ein lieht, 
diu hitze war in mere nieht.] 
si körnen wider zuo ir chreftin. 
got erhörte ie di rehtin, 
di an in gelonbint. 



487, 24. de Christen unverborgen 

wären in grözen sorgen 

ind in ovelem möde 

umb Karl eren heren göde. 

vele harde ermanden si got in- 

neclich. 
vil schere erholde sich 
der keiser weder zo siner cracht, 
so he ne so wal envacht. 
an lief en 1 ) der helt balt. 
Baligäns heim des sere entgalt, 
siege dede he dar in genöch. 
over mitz enzwei he en slöch. 
dat hoft he eme deilde, 
so dat it eme nummer enheilde. 
Baligän sich dö nickede. 
dar neder he dö sickede. 2 ) 
do slöch Karl den andern slach, 
dat he under sinen vözen lach, 
des vrouweden sich de Cristen, 
dat got Karle also wolde vristen 
ind quämen weder zo krechten. 
got gehörde e de rechten, 
de an en gelovich sint. 



Die folgenden Zeilen enthalten dreifachen Reim Michahele: 
mere: lovebere, die auf eine Assonanz zurückweisen, 487, 48—50. 
Dass diese drei oder vier Zeilen aus zweien entstanden sind, zeigt 
die Yergleichung mit Konrad 294, 26 — 27, denn diesen Zeilen ent- 
sprehen Karlm. 487, 48—52. 



vil manige heilige sele, 

si schinent in dem gotes riche 

sam der sunne iemir mere. 



[vil manige heilige sele 3 )] 

de mit sante Michahele 

wonent ummer mere 

lef ind lovebere 

in dem hemelriche 

der clären sunnen geliche. 



Es war also nach Konrad 292, 22 eine Lücke von einem Blatte 
in der Handschrift, welche dem Bearbeiter (d. h. dem Dichter von 



') Mit lyue Hs. 2 ) Wohl neic: seic; der zweite Reim ist nur wegen des ersten 
entstellt. 3 ) fehlt. 



— 144 — 

V) vorlag; er bemerkte dies nicht, sondern übersetzte ruhig weiter. 
Das fehlende Blatt begann mit 292, 23 und schloss mit 294, 25. 
Nun ist es merkwürdig, dass mit 292, 23 auch eine Seite (nicht ein 
Blatt) der Pfälzer Handschrift beginnt, und mit 294, 24 (also nur 
zwei Zeilen vorher) dieselbe Seite des nächsten Blattes anhebt. Daraus 
ergibt sich mit Sicherheit, dass die dem Bearbeiter vorliegende Handschrift 
in Grösse und, da dieselbe jedenfalls in fortlaufenden Zeilen geschrieben 
war, auch in Zahl der Zeilen mit der Pfälzer Handschrift überein- 
stimmte. Vorausgesetzt, dass die Handschrift auch Bilder hatte, denn 
1, 11 7^ (Grimm S. 294) findet sich ein Bild. War dies nicht der 
Fall, so war das Format ein wenig kleiner oder das fehlende Blatt 
enthielt mehr Text als bei Konrad steht; und dies letztere scheint 
mir wahrscheinlich. 

Der Ausfall eines Blattes erklärt aber auch den Mangel an Zu- 
sammenhang zwischen 487, 52 und 487, 53 ff. Auf einmal sind wir 
mitten aus dem Kampfe versetzt. Baligans Tod ist gar nicht bis zu 
Ende erzählt, nichts von der Flucht der Heiden, von Marsilies Tod, 
von Bregmundas Ergebung, die nach Stricker 10404 if. getauft wird 
und den Namen Juliana empfängt, während sie bei Konrad 294, 23 
von dannen geführt wird. Dass diese Taufe auch auf dem ausgefal- 
lenen Blatte erzählt war, ergibt sich aus 488, 20, wo der Name Ju- 
liane genannt wird. Darnach war der Inhalt des fehlenden Blattes 
umfangreicher als bei Konrad. Der Stricker hat für den Raum des 
Blattes 127 Verse (10301—10427), aber dieser Dichter ist hier über- 
haupt, auch schon im Vorhergehenden, ausführlicher; ein volles Blatt 
der Pfälzer Handschrift hat etwa 88 Reimzeilen, und so viel wird 
auch das fehlende enthalten haben. 

Mit Konrad 294, 28 ff. stimmt im Ganzen Karlm. 487, 56 ff. 

der keiser nähte genöte mit dem her he weder reit, 

sinen vil lieben töten, zo Runzeval in dat wal (Hs. bal). 

dar vant he berch inde tal 
die im belegen wären. al mit döden belegen . . . 

si huoben ir ämeren. 488, 2. dar mohte man jämer 

schouwen. 
daz ersach die chuningin. 15. dat ersach de koninginne 

ind merkede lt mit sinne, 
de erst hez Pregmunde. 
[Str. 10675 sprechen dö begunde 

do sprach frou Juliane de gotes underdäne, 

diu gotes undertäne.] de gedoft was Juliane, 

de nüwe bekerde. 
Karle si do lerde 
harde wisliche. 



145 — 



295, 2. sprach di frouwe. 
4. waiit si durch daz rechte sin 
gelegen, 



daz si vor gote iemir leben. 



nu horte ich dich, herre, sagen, 



ir tot ist gewäre, 
sunter offen suntäre 
[die totliche sterben: 
dise heiligen sculen uns gotes 
hulde erwerben.] 



3. daz ist der min geloube. 



12. Der keiser wunderote harte 
ir wislichen worte. 



si sprach ,koninc riche . . . 

40. ouch so sint si bleven bi 

rechte 
an der vart de dir got gebot, 
si ensint niet ovele bleven döt. 
si hänt verwandelt dat leven. 
der gewere got hat en gegeven 
herberge in sime riche, 
dar 1 ) si levent t ewe(c)liche. 
ich hörte dich selver sagen, 
de gerechten ensolde neman cla- 

gen, 
der ende [dat] gut were, 
sunder der sundere, 
kristen inde heiden, 
de so van hinne scheiden, 
dat si er sele niet bewaren 
ind in dat dusternisse varen 
ind de helle buwen 
mit eweclichem rüwen: 
de worden zo unheile geboren, 
dese heren ensint niet verloren, 
des gelove ich werliche, 
want si hänt godes riche 
van ewen besezzen. 
van de 2 ) saltu vergezzen 
des unmezlichen rouwen.' 
des volgede he der vrouwen. 
Der güde koninc Karlman 
harde sere sich wundern gan 
der wislicher worde, 
de he van er horde. 



Hiermit hört die Uebereinstimmung zwischen Konrad und Karl- 
meinet überhaupt auf; es wäre nun am einfachsten anzunehmen, dass 
auch die Handschrift des Rolandsliedes, die dem Dichter vorlag, und 
die, wie wir schon früher sahen, unvollständig war, hier ganz ab- 
brach und dass der Schluss nach einer anderen Quelle gearbeitet ist. 
Allein dieser Annahme steht mancherlei entgegen. Es ist, wenn man 
Konrads Gedicht mit den französischen Liedern vergleicht, ein gros- 
ses Bestreben zur Kürzung gegen den Schluss hin bemerkbar. Stri- 
cker hat hier eine Menge Ereignisse, die Konrad entweder gar nicht 
kennt oder nur flüchtig berührt. In vielen Zügen und Einzelheiten 



') Dat Hs. 2 ) Hs. van den : van de steht für von diu (Instrument.). 

10 



— 146 — 

stimmt Karlmeinet mit Stricker überein, ja man kann. sogar wörtli- 
ches Zusammentreffen nicht leugnen. Da nun eine Benutzung des 
Strickerschen Gedichtes nicht wahrscheinlich ist, wie wir schon oben 
sahen, so ist anzunehmen, dass der Bearbeiter auch hier, wie 
an vielen Stellen, einen ausgeführteren Text des Konrad'schen Wer- 
kes vor sich gehabt. Wir wollen zuerst diejenigen Stellen betrach- 
ten, in denen Karlmeinet mit dem Stricker von hier an stimmt. 

Karl wundert sich (damit schliesst die Uebereinstimmung Kon- 
rads mit Karlmeinet) der weisen Worte, die Frau Juliane gesprochen 
(vgl. Stricker 10479) und mässigt sein Leid, weil er einsieht, dass 
sie die Wahrheit spricht. Bei Stricker kehrt Karl jetzt erst nach 
Runzeval zurück und findet dort Rolands Leiche (10505 ff.). Im Karlm. 
ist er schon bei seiner Rückkehr vom Gebirge nach Runzeval gezo- 
gen (465, 66 ff.); das stimmt mit Konrad 257, 9. Damit verträgt 
sich aber nicht, dass er (487, 57) nochmals an die Kampfstätte rei- 
tet. Die Klage , in der ihn Juliane tröstet, ist bei Stricker die um 
die Todten, die er im Kampfe gegen Paligan verloren; die Leichen 
dieser werden, nachdem sie an den Barten erkannt, gesotten und mit 
ihren Gebeinen drei Särge gefüllt, die man nach St. Roman bringt. 
Nachdem dies geschehen, reitet er nach Runzeval, klagt um die dort 
gefallenen und wird abermals von Julianen getröstet (10675). Dann 
werden Roland, Olivier und Turpin balsamiert, die übrigen in einer 
grossen Grube begraben. Hier herrscht offenbar beim Stricker Ver- 
wirrung; das zweimalige Auftreten der Juliane ist nicht das richtige. 
Stricker hat Konrads Verse 257, 9—261, 10 hier 10505—762 ver- 
arbeitet, wie die theilweise wörtliche Uebereinstimmung zeigt; es wäre 
daher nicht unmöglich, dass er in seiner handschriftlichen Vorlage 
eine andere Anordnung hatte, dass jener Abschnitt (257, 9—261, 10) 
wirklich erst nach 295, 27 folgte, was dem Sinne nach recht gut an- 
geht. Der Dichter des Rolandsliedes im Karlmeinet (V) hatte, wie 
wir sahen, dieselbe Anordnung, die Konrads uns vorliegender Text 
befolgt; aber er hatte nach 295, 27 eine theilweise Wiederholung jener 
bei Konrad 257 — 261 stehenden Verse; man vergleiche 

467, 15. de gehere vursten, 489, 54. de heren ind de vursten, 

de it wal don dorsten, de in drösten dorsten . . . 

dehovendenkeiser van dem steine. si hoven en up lise. 

Konr. 259, 26. Stricker 10695. 

die heren fursten, nu sprach sie (Juliane) zuo den 

fürsten, 

di da getorsten, ob sie daz tuon getürsten, 

von dem steine st in huoben. daz sin trüegen von dem steine. 

Ich habe gesagt, dass die zweimalige Tröstung Karls durch Julianen 






— 147 



nicht das ursprüngliche ist; dies wird durch Karlmeinet bestätigt. 
Hier sinkt Karl, nachdem er Roland umarmt (489 , 8 mit armen he 
en umbevenc ■=. Stricker 10524 mit armen er in umbeslöz), ohnmäch- 
tig zusammen zwischen Naimes und Oigier, und Naimes ist es, der 
ihn hier tröstet. Dies scheint das allein passende ; die theilweise Ue- 
bereinstimmung mit Stricker spricht noch mehr dafür. 

Karlm. 489, 17. dis unmezliche rüwe Stricker 10577. diz ungefüege her- 

umb dese güde knechte zeleit 

gezemet üch, here, unrechte. missezimt iuwer wisheit. 

Dann ist es auch passend, dass Naimes (und nicht Juliane, bei 
Stricker 10695) die Fürsten auffordert, Karl von dem Steine zu he- 
ben. Von dieser zweiten Tröstung, sei es durch Naimes oder Juliane, 
hat Konrads Gedicht nichts. 

Karl lässt sich trösten; die Fürsten legen ihn (Karlm. 489, 61) 
auf ein für ihn bereitetes Bett, er bleibt die ganze Nacht daselbst 
unter einem Zelte liegen. Beim Stricker folgt nun noch die Bestat- 
tung der Todten. Dann aber stimmen die beiden jüngeren Gedichte 
darin überein, dass der Kaiser sein Heer auffordert, Gott zu bitten, 
die heidnischen und christlichen Leichen zu scheiden. "Vorher heisst 
es in ziemlich genauer Uebereinstimmung: 



Karlm. 490, 3. gröz was sin un- 
macht, (Karls) 



want he was möde genoch. 

490, 24. ind biddet innencliche 
got van hemelriche, 

dat he wolle underscheiden 
de Cristen van den heiden. 
30. want he it wal gedön mach. 

ouch erlengede he uns den dach 

ind hat mench zeichen gedän. 
34. si velen zo der erden. 

491, 3. dö de wigande 
van also menchem lande *) 
got genoch baden. 

26. dö de sonne üp quam, 
inde erluchtet was der dach 



Stricker 10765. dö was ir aller 

ungemach 
den tac gewesen so gröz, 
daz sie des weinens verdröz, 
wan sie vil müede wären. 
10784. ind biten alle dise naht 
unsern herren got vil sere, 
daz er die lichamen ere 
und sie uns helfe scheiden 
von der gemeinsame der heiden. 
10805. daz got vil wol gefüegen 

mac, 
do er uns lengete den tac, 
dö wart uns kreftecliche schin 
diu gnaden riche milte sin. 
10819. sie knieten nider gein gote. 
10833. dö des so manic edel man 

so sere flehen began. 

10846. (dö) der vil liehte tac quam 

daz sie sich mohten umbe sehen, 



•) Hs. Also do de wichande van rnenehem lande. 



10 



148 — 



groz wunder man dö sach. 
34. an eickelicher stede 
stonden swarze dorne, 
dar de heiden verlorne 
des ävendes lägen. 
42. si gäven laudem deö. 



do was ein zeichen da geschehen. 
10856. durch ieslichen heiden, 
der da ze töde lac erslagen, 
was gewahsen ein hagen. 

(vgl. hagedorne 10869). 
10882. des wart im michel lop 
gesant. 
Namentlich beweisend ist die letzte Zeile im Karlmeinet durch 
die Einflechtung lateinischer Worte 1) dafür, dass ein älteres deut- 
sches Gedicht ziemlich gleichzeitig mit Konrad zu Grunde liegt; 2) 
dafür, dass Stricker nicht vom Dichter des Karlmeinet (d. h. des V. 
Abschnittes) benutzt worden ist. Stricker umschreibt die lateinischen 
bei Konrad vorkommenden Worte durch deutsche. Wenn es nach 
dieser Gegenüberstellung nicht zweifelhaft sein kann, dass Stricker 
und Karlmeinet einer gemeinsamen Quelle auch hier folgten, so muss 
diese nothwendig eine deutsche gewesen sein; sonst könnte der Aus- 
druck nicht stellenweise wörtlich sich wiederholen. Das altfranzösische 
Rolandslied in zwei Recensionen kennt das Wunder von den Dornen 
auch, die an der Stelle jedes erschlagenen Heiden wachsen (W. Grimm, 
S. LVII); Stricker eigentümlich ist die Angabe, die Leichen der Hei- 
den hätten ausgesehen wie sechsjährige Kinder, sowie der Zusatz, 
dass bei dem Haupte jedes todten Christen eine weisse Blume stand. 
Die Annahme eines ausführlicheren Textes des alten Gedichtes wird 
gerechtfertigt durch die Spuren altertümlicher Reime , die hier wie 
überall noch durchschimmern. Es findet sich in diesem Stück der 
Reim menie : venie 490, 21, der hier immer Zeichen eines älteren 
Textes ist. Im Folgenden otmüete (Demuth) 490, 36, das wenig- 
stens der Compilator nicht braucht. 489 , 50 ist der Reim hadde : 
gevlede (denn hede kommt nicht vor) entstellt; es hiess ursprünglich 
statt 



lange geweinet hadde 

ind gode sere gevlede 

mit weinen inde ouch gebede 

ind he dis alles vele gedede. 



ursprünglich: 
lange geweinet habete 
ind hin ze gote digete, 
vgl. Konr. 171, 24. 303, 17. 304, 
25. 
Ebenso ist der alte Reim 489, 58 ff. erkennbar, 
de vursten so wise 
si hoven en üp lise, 
von der stat en leiden, 
ein bedde si eme bereiden. 
490, 4. want he was mode ge- 

noch. 
ein gezelt man boven en slöch. 



vil lise in uf huoben 
und von der stat truogen. 
vgl. Konrad 259, 28. 
vielleicht : want er begunde muo- 

den. 
ein gezelt si über in sluogen. 



— 149 — 

490, 36 hiess es ursprünglich statt 
mit grozen ötmöden mit grozer otmüete 

ind baden got den goden und bäten got durch sin güete, 

und in den nächsten Zeilen war der Reim vermuthlich schiede : lie- 
ben. Auch 490, 46 — 49 scheint der alte Reim noch erkennbar. 

dicke he üp zo gode sach 

an sime gebede da he lach Karl hin ze gote sach. 

heimelich an einre stat. got er innecliche bat. *) 

got he innenclichen bat. 

496, 62 reimte der alte Dichter jedenfalls statt 
dat ich dich manen so sere, daz ich dich mane so verre, 

genedich got here. genädiger herre, vgl. Konr. 2, 9. 

aber der Bearbeiter sagte nur here, nicht herre. Die Zeilen 490, 
65 — 68 werden ebenfalls in zwei zusammenzuziehen sein. 

de hänt verloren durch dich dat nu müezestu uns die genäde ge- 

leven. ben, 

nu mözes du uns de gnade geven daz wir si underkumen megen. 

dat wir so mözen dogen, vgl. mege: lege Konr. 290, 22. 
dat wir si underkumen mögen. 

was Karlm. 486, 13 auch entfernt wurde. 491, 3 — 8, welche Stelle, 
wie wir oben sahen, mit Stricker stimmt, also auch gewiss alt ist, 
wird so herzustellen sein: 

dö die edelen degene 
genuoc ze gote digeten 
und es so vil getäten 
daz in diu lit swären. 

Das Verbum swern ,schwären' kommt nur an dieser Stelle des 
Karlmeinet vor. 491, 17 — 31 stelle ich so her: 
mit menchem schonen worde, 

biz en got gehorde unz in got gehorte 

ind he en gewerde und der genäden werte, 
der gnaden der he gerde, 

want he sin trüwe erkande. want er sin triuwe bekande. 

sine boden h£ eme sande sinen boten er im sande 

ind hez den heren üp stän. und hiez den herren üf stän. 
sinen willen hedde he gedän. 

gütlichen he dat vernam. guotliche er daz vernam. 
do de sunne üp quam 

ind erlüchtet was der dach, do erlühte diu sunne, 

groz wunder man do sach, dö sach man gröziu wunder. 



') wenn nicht etwa Karl hin ze gote warte und innecliche harte, von hären 
,rufen'. 



— 150 — 

dat got do hadde gedän. 

man sach do dorne vele stän, clö waren dorne wasse 

de gewassen wären in der nacht. in der naht gewahsen. 

Karl lässt nun die Todten begraben ; nur für Roland, Olivier und 
Turpin, die, wie früher (467, 39) erzählt war, in Hirschhäute genäht und 
balsamiert worden waren, und deren Leichen man aufbewahrt hatte, 
bis man sie nach Frankreich führen würde (468, 2), werden Rossbah- 
ren gemacht und die Leichen darauf gelegt (492, 17). Dies lässt sich 
mit dem früher Erzählten recht gut vereinigen. Auch beim Stricker 
waren die Todten begraben ; aber von den drei Helden ist nicht mehr 
die Rede; es hiess 10760 ff. nur, man wollte sie dahin bringen, wo 
man sie ehren könnte. Nachdem die Bestattung vorüber, stiftet Karl 
in Runzeval ein Spital, in welchem Frau Juliane bleibt. Ausserdem 
stiftet er auf der Heimreise bei der ersten Nachtherberge ein Klo- 
ster zu St. Johannes Ehre (10970). Hierauf sendet er vier seiner 
Mannen nach Yianne, nämlich Wide Nevelin (also diese Namensform, 
die Karlmeinet auch hat, ist die richtige und das frühere Nibelunc 
bei Stricker ist nur eine Uebertragung ins Deutsche), Gotfrid und 
Richart, und entbietet durch sie dem Markgrafen Gerhart mit seiner 
Nichte Alite nachBlavii) an die Garonne zu kommen. Dieser Bot- 
schaft, die 496, 42 erzählt wird, gehen im Karlmeinet mehrere zum 
Theil beim Stricker fehlende, zum Theil anders geordnete Ereignisse 
voran. Während Karl im Begriff ist, die Heimreise anzutreten, be- 
gegnet ihm der Graf von Fundral (: wal 492, 29), Oliviers Oheim, 
und entschliesst sich, nachdem er den todten Neffen beklagt, sein 
Gut an Gotteshäuser und Klöster zu geben und namentlich die Kirche 
des heiligen Marcellus mit Gold und Edelsteinen zu ehren. Dasselbe 
erzählt Stricker vom Markgrafen Gerhart (11249 — 60) und zum Theil 
mit denselben Worten, so dass es wahrscheinlich ist, entweder dass 
Stricker den Grafen von Fundral , der übrigens nur hier erwähnt 
wird, ausgelassen und seine Klage auf Gerhart übertragen, oder dass 
der Dichter des Karlmeinet aus einer Person zwei gemacht. Wie 
dem auch sei , die Uebereinstimmung beweist , dass beide Dichter 
hier auf einem älteren deutschen Gedichte fussen. Man vergleiche 

492, 39. owe leve neve min, Stricker 11238. owe mir dirre 

hervart, 

nu möz ich wal unvro sin . . sit ich äne muoz sin 

56. ich bin nu alleine. des bruoder und des neven min. 

nu ich dich, vrunt, han verloren, daz ich die nifteln han verlorn 

den ich zo eime erven hadde er- die ich ze erben hate erkorn. 
koren. 



J ) Blaia, Blaye in Saint-Onge am Ufer der Garonne. 



151 — 



60. nu bin ich des worden 
mode, 

min vele leve neve, 

dat ich min eigen gut geve 

zo clöstern ind zo clüsen. 



zo 11249. sit ich erben äne stän, 

nu wil ich got zerben hän 
und -wil im hiute üf geben 
guot und werltlichez leben. 



Die aus dieser Uebereinstimmung gefolgerte gemeinsame deutsche 
Quelle wird durch die in dem betreffenden Stücke des Karlmeinet 
enthaltenen Reime bestätigt, die sich zum Theil auf ihre alte Form 
zurückführen lassen. So hiess es 491, 55 — 58 statt 
vil leve helde mere, wohl ursprünglich in zwei Zeilen: 

dat dese mertelere daz dise martersere 

wal begraven werden wol bestatet werden. 

ind bestatet zo der erden. 

und ebenso 492, 5 statt do de heren werden bestat wären zo der er- 
den etwa do die helde msere sus bestatet wären. 

als den beiden wol zam. 



492, 15. als den helden wal gezam. 
de dri doden man do nam 
ind lachte si üp de rosbären. 
dat is war zwären. 
do clagede Karl in wärheit 
sin drier vrunde dot ind leit. 
492, 35. dat dede he wal schin, 
want he was der ome sin. 
des schre er vil grimme, 
vil helle was stn stimme. 
492,39.he sprach ,owe leve neve min, 
nu möz ich wal unvro sin, 
dat uns de böse beiden 
van einander hänt gescheiden 
leider uns beiden alzo ') vrö. 
nu enweiz ich wat ich do. 
ich enkan mich niet verderven. 
ich wände dich wal erven. 
40. nu wil ich, sprach der helt balt, 
min ungemach gestillen 
ind durch diner sele willen 
geven zo der capellen 
mins heren sente Marcellen. 
492, 55. mit golde ind mit gesteine, 
want ich bin nü alleine, 
nu ich dich, vrunt, hän verloren, 
den ich zo eime erven hadde er- 
koren, 



die dri töten leite man 
üf die rosbären. 
do wart groz jämereii. 
vgl. Konr. 294, 30. 31. 



wan er was sin oehein. 
grimmeclichen er schrei. 

er sprach ,owe lieber neve, 
nu mac ich wol unvro wesen, 
daz uns die bösen heiden 
von einander hänt gescheiden. 

nune weiz ich waz min werde. 



ja wände ich dich erben. 
nu wil ich, sprach der helt 



mit. 



durch diner sele willen 

mines herren sente Marcellen 

munster baz eren. 

mit golde ind mit gesteine. 

nu bin ich erben äne (Str. 11249), 

want ich dich hän verlorn, 

den ich ze erben häte erkorn 



!) Hs. also. 



— 152 — 

durch din doget gode. durch din gröze tugende. 

nu bin ich worden des zo mode. nu bin ich des gehugende. 

oder besser nu wil ich in diner gehugede (zu deiner Erinnerung) min 
guot geben u. s. w. 

Nach diesem Zwischenereigniss setzt Karl seine Reise nach Blais 
(Hs. Baiais = Strickers Blavi 10992) fort. Allein hier ist nach dem 
Texte des Karlmeinet eine abermalige Lücke in der dem Bearbeiter 
vorliegenden Handschrift des alten Gedichtes anzunehmen. Zu dieser 
Annahme berechtigt auch hier die Uebereinstimmung mit dem Stri- 
cker. In beiden Texten wird von Geneluns Flucht erzählt ; nach Str. 
11287 entkam dieser während der Verwirrung, die um Alitens Tod 
herschte, im Karlmeinet wird Aldas Tod, so wie die ganze Sendung Karls 
erst nach Geneluns Flucht und Wiedereinbringung erzählt. Allein 
trotz dieser Verschiedenheit ist die gemeinsame deutsche Quelle in 
beiden Gedichten erkennbar. Mit der Darstellung des Karlmeinet 
stimmt die altfranzösische Redaction (B und C) ; auch hier entkommt 
Genehm, allerdings während Karl schon nach Vienne gesendet hat, 
um Gerart und die beiden Frauen holen zu lassen, vor Aldas Tode. 
Otho wird ihm nachgesendet, kehrt aber unverrichteter Weise zu- 
rück und fällt desshalb in Ungnade beim Kaiser. Er macht sich 
nochmals auf und wird endlich durch einen glücklichen Zufall des 
Flüchtlings habhaft. Otho kämpft ritterlich mit ihm und der Besiegte 
muss sich gefangen geben. Bisher hatte er Waffen und Pferd behal- 
ten, jetzt, um ihn zu entehren, wird ihm die Rüstung abgenommen, 
er auf das schlechteste Pferd gesetzt und in das fränkische Lager 
geführt (W. Grimm S. LVIII). Im Wesentlichen stimmt damit des 
Strickers Bericht. Gen-elun entkommt mit Hilfe seiner Verwandten 
und reitet in einen dichten Wald. Diejenigen , denen seine Bewa- 
chung anvertraut worden, jammern über seine Flucht und schicken 
sich an ihm nachzusetzen. Genelun begegnet inzwischen zwölf aus 
Frankreich kommenden Kaufleuten und bittet sie, wenn sie den ihm 
Nachjagenden begegnen, zu sagen, er sei bereits so weit, dass sie 
ihn nicht mehr erreichen könnten. Auf diese Antwort räth Otto wie- 
der umzukehren. Im Lager angekommen, wird Otto vor den 
Kaiser beschieden und muss ungnädige Worte darüber hören, dass 
er es gewesen, der zur Umkehr gerathen. Otto klagt es seinen Man- 
nen und diese rathen ihm, es mit Gewalt am Kaiser zu rächen/ Otto 
weist das zurück und macht sich mit zweien seiner Mannen nach 
einem Gebete auf den Weg, um Genelun nochmals zu verfolgen. Sie 
reiten Tag und Nacht, Otto voran. Am andern Morgen begegnet er 
einem Bauer und erfährt auf seine Frage von ihm, dass ein gewaff- 
neter Mann unter einem Baume entschlafen sei; an dem Rosse, das 



— 153 — 

neben ihm stehe, sehe man, dass er wacker geritten. Otto reitet ei- 
lig weiter ; da fängt Geneluns Ross an zu wiehern und der Verräther 
erwacht. In diesem Augenblicke kommt Otto herangesprengt und 
redet ihn an. Der ganze Inhalt des eben Erzählten (Stricker 11287 
bis 11527) fehlt im Karlmeinet. Hier ist nur gesagt: Karl bat sei- 
ner Mannen viele, Genelun nachzueilen; denn er habe vernommen, 
dass Genelun seinen Wächtern entflohen wäre. Da sass mancher auf 
sein Fohlen (lies volen für dolen 493, 20) und ritt ihm nach. Nicht 
weit waren sie gekommen, als ihn Otto bei einem Walde erblickte. 
Er erritt ihn und sprach ihn an. — Dass Otto auf einmal erwähnt 
wird, ohne dass von ihm vorher die Rede war, fällt an sich schon 
auf, noch mehr aber , dass er in seiner Anrede an Genelun der ver- 
scherzten Huld des Kaisers gedenkt (493, 34). Letzterer Umstand 
entscheidet für die Lücke, ebenso was Karl nach Ottos Rückkehr zu 
diesem sagt (495, 15 ff.), endlich die Beziehung in Geneluns Worten 
(493, 41), ; ihm war leid, dass er so lange auf dem Grase gelegen'. 
Die Lücke wird etwa nach 493, 21 anzunehmen sein (— Stricker 
11324) und wahrscheinlich fehlten zwei Blätter der Handschrift. Fol- 
gende Stellen zeigen Uebereinstimmung beider Texte, theils allge- 
meine im Gedanken, theils wörtliche im Ausdruck. 



493, 23. do ersach en Otte bi 
eime walde. 
25. des reit he eme [harde] sere nä. 
he ref harde, want eme was gä 
,ich wen du min x ) erbeiten most, 
swe ungerne du it dost. 
29. dtnen Ion saltu entfän. 
39. Wellis der verworchte 
endeil he sich enforchte. 2 ) 
44. he was des libes 3 ) ein degen 
ind mit alle ein helt mere. 
50. vele schere he zo Otten quam, 
he sprach zo dem heren Otten 
,ir ensalt min niet spotten 
noch niet sere drouwen. 4 ) 
ir sult mir des getrouwen, 
ich vorchten üch vele deine. 
of ir hie sit alleine, 
so wirt üch wal vergolden, 

dat ir mich hat gescholden. 



Str. 11529. als er in verrest ane 

sach, 
dö sprancte er dar unde sprach 
,weiz got, du triwelösez vaz, 
dune kumest nu niht fürbaz. 

11536. dir sol din reht von im 

geschehen. 
11509. Genelun der unreine, 
daz er in vorhte kleine. 

11537. nu hete er so gröze kraft 
und was dar zuo so manhaft. 
11542. er reit in an 

unde sprach 



11540. daz er in vorhte kleine, 
wand er Otten eine sach. 
11543. daz du mich hast geschol- 
ten, 
daz wirt dir wol vergolten. 



l ) myner Hs. 2 ) entforte. 3 ) lyffs. <) trauwen, 



— 154 



63. sin ros he dar wante. 

494, 6. entgän einander si stächen. 



11542. er reit in an. 

11555. spranctens unde stächen. 



Nach Stricker ist Otto mit zwei Mannen ausgeritten; im Karl- 
meinet sind es auch zwei, Samson und Jorins, also nicht seiner Man- 
nen, 494, 20. Sie kommen ihm (und ebenso bei Stricker seine zwei 
Begleiter) im Augenblick der Gefahr zu Hilfe, als Genelun im Be- 
griff ist, ihn zu besiegen. 

494, 26. dö vorchte Wellis den 

dot. 
zo eren vozen he sich bot. 
üf gaf he sin swert. 

40. dat si en leven liezen. 

41. dö zo den stunden 
üp ein ros si en bunden. 
dat was eme zo unmöden 1 ). 
hinder en si 16 den 
er alre halsberge. 

51. dö der keiser 2 ) Karlman 
Otten wederkomen vernam, 
ind Weihs gevangen brachte . . . 
56. dö was he eines deiles vrö. 
495, 13. der keiser zo Otten sprach 
15. ,Otte, helt gut! 
dat häs du wal erscheinet 
ind häs dich gereinet 
umb den verredere. 
ind of uns din lif iet were 
gewest, so hedde ich ummer ver- 
loren, 
dat ich dich e durch minen zorn 
so ovele 3 ) solde begrözen. 
dat wil ich dir gerne bozen 
wal nä dinen eren. 
40. Otte da weder sprach 
83. ,mir is lever ür hulde 
ind ür williche möt, 
danne ein vil gröz got 
sunder ure groze. 
ich wil al de boze 
an ür genäden setzen, 
ir moget is mich wal ergetzen. 



11584. dö muose er biten unde 

gern, 
daz man im lieze daz leben, 
und muose sin swert üf geben. 

11585. daz man im lieze daz leben. 
11587. sus wart er überwunden, 
si viengen in und bunden 

im füeze unde hende. 

11592. sie bunden ir halsperg alle 

dri 
unde ir helme hinder in. 
11609. nu wart vil gerne da ver- 

nomen, 
daz er mit Genelüne quam, 
do ez der keiser vernam, 
do genädet er gote 

unde sprach 
,Otte, wis got willekomen. 
16. und hast bewseret genuoc, 
daz ich dir unreht hän getan. 
vgl. auch Stricker 11600. 602. 

14. du hast mir vil gar benomen 
den zorn den ich ze dir truoc. 

19. ich wil nach grözem dime 

frumen 
vil gerne an dine hulde kumen. 
Do sprach der marcgräve also 
24. daz ich an iwer hulde 

bin komen ind ziwerm gruoze. 
ich wil ez umbe die buoze 
an iwer genäde setzen, 
ir muget michs wol ergetzen. 



•) H. von zo moden. 2 ) keiser fehlt. 3 ) So vele. 



— 155 — 

496, 12. Karl der keiser 1 ) riche 11635. sprach der keiser wider 

sprach do ernestliche ... in (zu Naimes) 

ir solt mir halden 

Wellis den bösen, nim minen verrätsere 

den valschen ind den losen, 

ind haldet en mit sinne. 

24. of he lieh entrinnet, mit flize in dine huote. 

dat ir nummer me gewinnet "bi libe ind bi guote 

mine hulde de wile ich leven. und dar zuo bt der hulde min. 

496,35. do sprächen alle de wigande, 11653. der herzöge des niht en- 

liez. 

dat si en bewaren solden, 58. Genelun wart behalden 
also 2 ) gerne als si wolden 
behalden ir selves leven . . . 

41. alsus der keiser enböt. 54. er tet als in der keiser hiez. 

Darunter sind einige Stellen, die wörtlich von beiden Dichtern 
aus der alten gemeinsamen Quelle aufgenommen wurden, namentlich 
Stricker 11625 — 28 = Karlm. 495, 56 — 59. Wir müssen aber auch 
die Abweichungen im Inhalt angeben, welche beweisen, dass einer 
der beiden Dichter, ich glaube der Stricker, der überhaupt freier mit 
dem alten Gedichte verfährt, sich nicht getreu an die Vorlage hält 
oder dass auch hier zwei in manchen Punkten abweichende Recen- 
sionen des Rolandsliedes vorlagen. Dass Karlmeinet die Namen der 
Begleiter Ottos, Samson und Jorins, nennt, habe ich schon oben be- 
merkt; Stricker sagt nur (11491) do nam er zwene sine man. Als 
Otto den gefangenen Genelun vor Karl bringt, da empfängt der Kai- 
ser den ersteren minniglich; aber beim Anblicke des Verräthers be- 
ginnt er zu wehklagen; er kann seinen Anblick nicht ertragen, son- 
dern heisst ihn fortführen. Davon hat der Stricker nichts. Karl em- 
pfiehlt beim Stricker Genelun nur dem Herzoge Naimes, ,dem ge- 
treusten Manne', zur Bewachung; im Karlmeinet sind es sieben sei- 
ner Mannen, Oiger und Samson, Reperich von Burbon, Diepolt von 
Troies (vgl. Stricker 177), der Herr von Schampanje (Stampanie 496, 
4; es stand also in dem alten Texte wohl Scampanie), Falke (Folko) 
von Denmanie, dem jungen Hatte von Stampes, dem Schwestersohn 
des alten Hatte (desselben, der Konr. 116, 12 genannt wird) und 
Bidam (Keller fasst das Wort bydamen unrichtig als Appellativ 496, 
11) von Salün. Der Herre von Schampanje muss Diepolt von Troies 
sein; denn sonst wären der Wächter acht. Naimes wird unter ihnen 
nicht genannt. Dies ist die wesentliche Abweichung beider Texte. 



•) keyser ind koning. 2 ) Als so, 



— 156 — 



Dass der Dichter des Karlmeinet im Ganzen treuer sich an die 
Vorlage hält, folgt auch aus der Uebereinstimmung einer Stelle (der 
einzigen, die ich leider von der noch ungedruckten Redaction zu 
diesem Stücke vergleichen kann) mit dem französischen Gedichte; 
Monin S. 88. 



quant voit fei Gane, 

si commence 
a plorer. 

,he Othes sire, gentiz iestez 

et ber. 
a moult grant tort vouz fiz arsoir 

blasmer. 
tenez mon gaige por le droit 

am ender. 
por amor deu qui se laissa 

pener, 
cel traitor oü po'istres 

trover?' 

sire, dit Othes, 

ice laissiez ester, 
[vous istez rois, je suis uns ba- 

chelier]. 
quant voz plairra, sei porrez 
amender. 



Ich will auch hier den Versuch 
herzustellen, da an der Sache selbst 
ren Textes, kaum gezweifelt werden 

493, 17. eme were zo wizzen komen, 
dat he den 2 ) genen were benomen, 
den Karl en hedde bevolen. 
dö saz manich üp sine volen 3 ). 
22. niet verre enquämen de 4 ) hel- 

de gemeit. 
do ersach en Otte bi eime walde 
riden wunderlichen balde. 
494, 37. de hoffen ich nu weder 
zo winnen, 
of ich dich bringen hinnen. 



495, 3. do he Wellis an gesach, 

do begunde der keiser here 

schrien harde sere 

ind clagede harde unsachte . . . 

14. du häs menlichen möt, 

Otto, helt got!... 

21. dat ich dich e durch minen 

zorn 
so ovele solde begrözen, 
dat wil ich gerne bözen 
wal nä dinen 6ren. 
33. got löne dir diner trüwen, 
de du an mir häs begangen, 
dattu mir häs gevangen 
desen 1 ) verredere. 
40. Otte da weder sprach 
44. ouch hän ich it al verkorn, 
dat ir mir sprächt durch üren 

zorn. 
57. ich wil al de boze 
an ür genäden setzen, 
ir moget is mich wal ergetzen. 

machen, einige der alten Reime 
, dem Vorhandensein eines älte- 
kann. 

Genelün waere hin komen. 
dö saz manic üf sinen volen. 

niht verre quämen die helde. 

do ersach in Otte bi eime walde 

die triuwe ich gewinnen, 

obe ich dich wider bringe. 



i) Hs. den. 2 ) de Hs. 3 ) dolen. «) de fehlt, helden. 



157 — 



59. want ich. is üch wal Ionen 

mach, 
dö he neman nie ensach, 
495, 15. dat Otte der helt lovesam 
neder zo den knen quam 
ind he vur eme begunde sweven. 
gerne hedde he eme gegeven 
einen vreislichen Ion. 
dö was der here Sampson 
inde Jorins dar zö komen. 
des wart Wellis benomen 
der hömöt mit dem gelpe. 
47. quämen si üz dem walde. 
de helde vil balde 
reden da der here lach. 



des scol ich dir wol Ionen. 

nu sach er da niemen. 

daz Otte üf diu knie quam, 
dö hsete er in zwäre erslagen, 



wan daz der herre Sampson 
unde Jorins dar kom. 

do gelac Genehmes gelphe. 
quamen si üz dem walde. 
die vil kuonen helde 
riten da Karl lac. 



Ein ungenauer Reim findet sich 494, 51 man: vernam, aber er 
ist wohl nicht alt; denn weder Konrad noch der Stricker sagen Karl- 
man. Dagegen steht gewiss echt entrannen : vunden 495, 48. Statt 
der dann folgenden vier Zeilen hatte das ältere Gedicht vermuthlich 
nur zwei. 

were he uns entrannen. lies: wsere er uns entrunnen. 

nü hän ich en vunden, nu hän ich in vunden, 

als it got selver wolde alz ez got selbe wolde. 

inde it wesen solde 

durch siner sunden schulde. 

mir is lever ür hulde. mir ist lieber iuwer hulde. 

Die folgenden Zeilen sind, wie die wörtliche Uebereinstimmung 
mit Stricker zeigt, unverändert aus dem alten Gedichte aufgenom- 
men. Statt 496, 12 — 15 wird es geheissen haben 

Karl sprach zuo den helden 

,ir solt mir Genelün behalden. 

496, 24 — 27 vielleicht entranne: hulde. Im Folgenden lese ich statt 
496, 30—35 nur vier Zeilen. 



want he vil gerne lüget. 
is dat he üch bedrüget, *) 
als he de anderen betrauen, 
so mözet ir mir ouch 
entrinnen üzer dem lande, 
dö sprächen alle de wigande. 



ist daz er iueh beswichet, 

ir müezet mir entwichen 

alle üz dem lande. 

dö sprächen alle die wigande. 



Die Botschaft, die Karl an Girard von Yienne sendet, steht bei 
Stricker vor diesen Ereignissen, nebst dem sich daran schliessenden 



! ) luclit : bedrueht Hs. 



— 158 — 

Tode der Alda. Im Karlmeinet folgt die Botschaft erst jetzt; Karl 
wählt dazu acht Knappen aus, von denen er vier nach Vianne und 
vier zu seiner Schwester Bertha sendet. Auch beim Stricker sind 
es vier, aber keine Knappen, sondern Ritter ; ihre Namen nennt Karl- 
meinet nicht. Bertha, Karls Schwester, kommt beim Stricker nicht 
vor; er weiss nur im Eingange von einer Schwester, Namens Ger- 
drüt. Bei ihm kommt nur Alite nach Blavi. Karlmeinet dagegen 
stimmt mit dem französischen Gedichte, in welchem Bertha, die Mut- 
ter Rolands, Geneluns Frau, auch erscheint (W. Grimm S. LVIII). 
Der Name der Stadt, in welcher Karl seine Verwandten erwartet, 
heisst hier (496, 49. 54) (wie oben 493, 13) Baiais, bei Stricker 
Blavi, Blaive im altfranzösischen Gedichte (W. Grimm S. LIX). Auch 
in der folgenden Erzählung findet Uebereinstimmung zwischen Stri- 
cker und Karlmeinet statt. 



496, 44. der he ver sande 
46. zo Gerarde van Vianne. 

48. dat si zo eme zo sprechen 

quemen 
zo Baiais, so balde si dat verneinen. 
51. dö reit der keiser vort baz. 

497, 17. nu warn gekert de an- 

dern boden 
zo Viannen üp den Roden 
so si alre rechtest künden. 
45. der marcgreve riche 
entfenc si minnencliche. 
50. he sprach do vil schere 
, saget mir durch godes ere, 
we vert Karl min here 
ind Oliver min leve neve 
inde ouch we he leve 
der dugentliche wfgant, 
ind der helt Rolant 
ind der buschof Turpin 
ind alle de mit eme sin, 
alden unde jungen, 
we is en erlungen? 
498, 1. de boden antworden eme 

mit gamen 
6. der koninc van Sarragözen 
der bleif selve da döt. 
dar was vele gröze not. 
12. des koninc Marseiis wif 
is gedöft ind bekeret. 



Str. 1 0978. und sante ze Viannen 
siner getriwesten manne viere. 
91. ern sprsechen in kurzer stunde 

ze Blavi an der Gerunde. 

77. nu reit der keiser dannen. 

11017. und gähten von dannen. 

sie quämen ze Viannen. 
20. in was ernest unde gäch. 
22. der edele margrave Gerhart 
enphie sie, als im wol gezam. 
26. er sprach 

sagt mir diu msere 
30. ... der keiser 
und Olivier der liebe neve min, 



30. unde Ruolant 
32. und der erzebischof Turpin 
und die zwelve und die geselle- 

schaft? 
wer ist da worden sigehaft? 
sie sprächen als sie s ölten : 
46. uns reit der künec von Sar- 

ragöz 
mit sehs hundert tüsent an : 
der quam nie deheiner dan: 
58. do bekerte sich 

Marsilien wip. 



— 159 



22. zo Baiais da beitent si din, 

dar heilent si ir wunden. 

26. he hat dir enboden daz, 

dattu rites dar zohant, 

als dir gezeme, in dat lant 

ind du it niet enlenges 

ind mit dir dar brenges 

dine nichte Aden 1 ). 

498, 51. ind sprach der greve 

Gerhart 
,dat Karl e geborn wart, 
des have got lof ind ere 
ind moze ummer mere 
gebenediet sin de stunde.' 
vrouwen he sich begunde. 

Die letzte Zeile im Karlmeinet 
vornherein als Zusatz zu streichen, 
dichte lautete ohne Zweifel: 

und si gebenediet immef mere, 
welche tiberlange Zeile Stricker einfach verkürzte 
V noch zu einem neuen Reimpaare verarbeitete. 



72. er wil iwer selber biten 

ze Blavi an der Gerunde. 

70. waz iu der keiser hat enboten 

[77. als ez ir eren wol gezeme.] 
75. so enböt er iu daz ir gsehtet 
und froun Aliten mit iu brüh- 
tet. 
11065. do sprach der margrave 

Gerhart 
,daz der keiser ie geborn wart, 
des habe got lop und ere 
beide hiute und iemer mere.' 



an dieser Stelle ist gleich von 
Der Schlussvers im alten Ge- 



cler Dichter von 



500, 62. zo der vrowen si orlof 11100. nu wart da urloup geno- 

nam. men 

von der frouwen Aliten. 
11105. sus sprach diu süeze guote. 
16. ir habt mich sit der stunde, 
daz ich wart vaterlös 
ind ouch die muoter verlos, 
gezogen alsam iwer kint. 
43. der margrave Gerhart 
huop sich vroelich an die vart 
mit siner nifteln Aliten. 



mit trürichem möde 

sprach de maget göde: 

68. ummer sit der stunden, 

dat ich her zo üch quam. 

ir helt mich, als it wal gezam, 

baz dan ich were ür kint. 

501, 13. dö vor der here Gerhart 

vrölichen sine vart . . . 

17. mit rittern inde vrouwen. 



mohten geriten, daz kertens an ein 



vgl. auch 505, 70 dö reit der marcgreve Gerhart ernestliche vur 
sich, mit Stricker 11146 swaz si 
gähen. 
507,8. dö reit der konincKarlman 



engän dem güden Gerharde. 
507, 24. dö de maget niet ensach 

Rölant noch Olivere. 

510, 60. swarz inde dötvare. 

65. dat reine herze dat zobrach. 



11149. dö wart nach ritterlichen 
siten 

frceliche gein in geriten. 

11156. done sähens niender drun- 
der 

Olivieren noch Ruolanden. 

11223. sie saz zer erden tötvar. 

22. ir jungez herze enzwei brach. 



') Alden Hs. 



— 160 — 

Auch hier zeigen die übereinstimmenden Stellen, namentlich Str. 
11065—68, Karlm. 498, 51—54; Stricker 11143—44, Karlm. 501, 
13—14; und Stricker 11222, Karlm. 510, 65, ebenso klar wie bei 
der Flucht und Wiedergewinnung Geneluns die gemeinsame deutsche 
Quelle beider Gedichte. Wie aber die Zahl der wörtlich stimmen- 
den Verse hier geringer, so ist andrerseits im Inhalte hier mehr Ab- 
weichendes. Zunächst fehlt beim Stricker, was ich schon bemerkte, 
Karls Schwester Bertha, zu der nach Maschün (lies Monzün 514, 52), 
497, 1 vier Boten gesendet werden; vier andere Boten kehren nach 
Vianne 1 ) an der Rhone (dieser Zusatz nicht beim Stricker). Im 
Karlmeinet wird erzählt, Gerhard sei gerade von einer Heerfahrt 
nach Sachsen und Friesland zurückgekehrt, wohin ihn Karl gesendet ; 
nichts davon beim Stricker, der dagegen die Zeit der Reise (zwölf 
Tage) angibt. Beim Stricker fragt Gerhard nach seinem Bruder Mar- 
cille (11028); dieser ist im Karlmeinet nicht genannt. Sonst stim- 
men hier beide Gedichte am meisten ; nur fehlt im Karlmeinet die 
Erwähnung Baligans (Str. 11050). Beim Stricker sagen die Boten, 
Karl wolle Aliten mit Roland in Blavi vermählen ; im Karlmeinet 
denkt sich Gerard dies nur (498, 45). Nun sendet im Karlmeinet 
Gerhard in die Kemenate nach seinem treuen Weibe Wiburg; der 
Name der Markgräfin wird von Stricker nicht genannt ; es heisst nur 
11104 vor ir frowen und 11125 diu margrävinne. Der Name stimmt 
zu dem französischen Gedichte, wo sie Quibor heisst (W. Grimm 
LVIII). Auch Alda lässt Gerhard auf den Saal holen, ihre Schön- 
heit wird geschildert; und hier können wir eine Stelle des französi- 
schen Gedichtes vergleichen, die auf die Uebereinstimmung auch des 
übrigen Textes schliessen lässt. 

Monin S. 53. 499, 2. want neman en gesach 

mot fu bele Aude, engeine lovesamer maget. 

quant el fu acesmee, 6. gepriset ind vermeret 

8. mit herlichem gewede 2 ), 

la granz clartez li fu al vis montee, düre inde göde. 

soz ciel n'a rose qui si soit co- van vleische ind van möde 

loree, enwart nie schöner bilde. 

quesabeautozn'aittotetrespassee. 14. si nam des rechte wunder, 

dame Guibors l'a el palais meneej dat si so rechte schöne was. 

tote la salle en fu si duchte we der palas 

inlumenee. van er erlüchtet were. 

Die Frauen empfangen auf Gerhards Wunsch die Boten freund- 
lich. — Das fehlt bei Stricker ebenfalls, der auf den Bericht der Bo- 



») Bemerkenswert ist in beiden Gedichten das a in Vianne, provenzal. Viana, 
altfranz. Vienne. 2 ) Hs. gebede. 



— 161 — 

ten Gerhard nur sagen lässt, es sei alles, auch Alitens Kleider, zur 
Reise schon bereit. In der Nacht besendet er seine Mannen; am 
andern Morgen waren 200 gekommen. Dies erzählt der Text des 
Karlmeinet ausführlicher. Gerhard gebietet seinem Marschall alles zu be- 
reiten und ruft zwei seiner Mannen, Bernard und Eimerich, die 100 
Ritter (bei Stricker 200) zur Abreise am andern Morgen rüsten sol- 
len; Floris soll der Führer dieser Schaar sein, denn er will in gezie- 
mender Weise vor Karl erscheinen. Inzwischen sorgt Wiburg für 
die Kleider der Jungfrau; es wird gesagt, dass sie seit der Zeit, 
wo Alda mit Roland verlobt war, für alle nöthigen Kleider schon vor- 
gesorgt hatte; dasselbe lässt Stricker den Markgrafen sagen (11087). 
Am Morgen nimmt Ade (der Dichter bemerkt, sie heisse auf deutsch 
Ade und im Wälschen Aide, 501, 7 — 9) von ihrer Pflegemutter Ab- 
schied; auch hier schliessen sich beide Gedichte nahe an einander. 
Die Antwort der Wiburg hat Stricker allein; es wird im Karlmeinet 
nach 501, 9 etwas fehlen, denn der Text bricht plötzlich mit jener 
Bemerkung über den Namen der Jungfrau ab. Stricker ist nun kurz 
in Bezug auf die Fahrt; Karlmeinet schildert ausführlich den Zug. 
Aide reitet auf einem schnee weissen Maulthier, auf der einen Seite 
neben ihr Gerart, auf der andern Bernard von Pavia (Paveie: leie 
501, 29), wohl derselbe Bernard,, der schon früher (499, 8) genannt 
war. Unter Gesang und Spiel reiten sie ihres Weges. Da erzählt 
Aide von ihren bösen Träumen und lässt Meister Magnus, Gerhards 
Kaplan, der also mit ritt, herbeirufen, um ihr die Träume zu deu- 
ten. Von bösen Träumen weiss auch das altfranzösische Gedicht 
(W. Grimm S. LYIII) ; eine spanische Romanze (bei Michel S. 251 
bis 253) erzählt ebenfalls davon. Aide sagt dort zu den Frauen: 

,un sueno sone, donzellas, 
que me ha dado gran pesar, 
que me veia en un monte 
en un desierto lugar: 
bajo los montes muy altoa 
un azor vide volar, 
tras del viene una aguililla, 
que lo afincaba muy mal. 
el azor con grande cuita 
metiose so mi brial, 
el aguililla con grande ira 
de alli lo iba a sacar, 
con las unas lo despluma, 
con el pico lo deshace.' 
alli hablo su camarera, 
bien oireis lo que dira : 

11 



— 162 — 

aquese sueno, senora, 
bien os lo entiendo soltar: 
el azor es vuestro esposo, 
que viene de allende el mar, 
el aguila sedes vos, 
con la cual ha de casar, 
y aquel monte es la iglesia, 
donde os han de velar. 

damit vgl. Karlm. 502, 58—69, und die Deutung 505, 24—35, die 
aber abweicht. — Der Kaplan sucht sie zu beruhigen und die Träume 
zum Guten zu deuten, obgleich er recht wohl ihren eigentlichen Sinn 
kennt. Sie nähern sich Blais (506, 10); als sie bei Sartis vorbeige- 
kommen, sitzt Gottfrid von Anjou mit drei Freunden auf und ver- 
kündet Karl ihre Ankunft. Als Karl die Nachricht vernahm, be- 
schied er Naimes zu sich und Hess ihn seinen Leuten befehlen, dass 
sie alle fröhlich erschienen und sich von ihrem Leide nichts merken 
Hessen. Er selbst ritt den Ankommenden entgegen und empfieng 
Aide mit dem Kuss. Als die Jungfrau Roland und Olivier nicht sah, 
fragte sie Karl, wo sie wären. Hier trifft Karlmeinet wieder mit dem 
Stricker zusammen. Dieser aber schliesst sich eng an Konrad an, 
bei dem sie nur nach Roland, nicht nach Olivier fragt. 

Konr. 296, 12. war hästu Ruolan- Str. 11182. wa ist min man Ruo- 

ten getan? lant, 

gim mir wider minen man, 

dem du mich ze wibe gäbe. den ir mir gäbet und mich im. 

wie gerne ich in ersähe! wie gerne ich in nu wider nim. 

Und bei Stricker erwidert Karl ebenso kurz wie bei Konrad 
,er ist (bei Stricker ,sie sind', d. h. Olivier und Ruolant) todt und 
begraben. Ich gebe dich Ludwig zum Weibe, dem Könige der Ker- 
linge 1 . Sie aber will nur Ruolant und stirbt (Konrad 297, 18. Str. 
11236). Bei Stricker folgt nun, was Konrad nicht hat, Gerhards und 
Karls nochmalige Klage, dann die schon besprochene Flucht Gene- 
uns. Anders im Karlmeinet. Auch hier fragt Alda, wo Roland und 
Olivier seien; aber nicht Karl, sondern ,ein biderbe man' (507, 30) 
sagt ihr etwas falsches. Karl gebietet Oiger neben ihr zu reiten. 
Er selbst nimmt Gerhard bei Seite und klagt ihm sein Leid. Beide 
weinen; aber Gerhard ermannt sich zuerst und sucht Karl zu trö- 
sten. Inzwischen kommen zwei Boten (oder einer; wenn ageleize zu 
schreiben ist 508, 4, so ist ind der folgenden Zeile zu streichen, und 
Givainet [Hs. Gynaynert] ist der Bote; Keller schreibt Ageleisse als 
Eigennamen und vielleicht fasste der Bearbeiter das Wort so auf, 
jedenfalls wohl der Schreiber der Handschrift) und verkünden Karl 



— 163 — 

Berthas Ankunft. Er reitet ihr entgegen und theilt ihr die traurige 
Nachricht mit. Sie wird ohnmächtig; Karl tröstet sie. Sie kommen 
nach Blais, wo inzwischen auch Gerhard und Aide eingetroffen. So- 
gleich begeben sie sich nach dem Münster, wo die Leichen Rolands 
uod Cliviers auf Bahren liegen. Hier scheint (nach 509, 16) im 
Karlmeinet etwas zu fehlen, denn nicht gleich dürfen sie in das Mün- 
ster gehen ; auch sagt ja im Karlmeinet Niemand etwas zu Aide, dass 
ihr Bruder und Verlobter todt sei ! Das ist so unnatürlich wie mög- 
lich. Die Vergleichung mit dem französischen Texte (Monin S. 54 
bis 55) bestätigt die Vermuthung einer Lücke, die etwa 1 Blatt der 
Handschrift umfassen mochte. — Aide wird ohnmächtig bei dem An- 
blick. Hier fügt der Dichter hinzu, 509, 41: 

nu sagent semeliche, 

dat si dar gröz wunder sege 

de wile si dar lege. 

si düchte we Oliver ir brör (Hs. broder) 

alsus spreche zör, (Hs. zo ir) 

des herzogen Reneres barn (Hs. gebaren) u. s. w. 

Diese Beziehung auf Aldes Vision hat auch das französische Ge- 
dicht (W. Grimm S. LVIII). Sie lässt einen Bischof kommen und 
beichtet. Dann führt man sie abermals zu den Bahren; sie hebt die 
Decke auf und sieht die entstellten Leichname der beiden Helden 
an. Nachdem sie Gerhard noch für alles gedankt, stirbt sie in Karls 
xVrmen. Ein unterscheidender Zug also von Stricker ist der, dass von 
Karls Sohne gar nicht die Rede ist. Diesen erwähnen ausserdem Kon- 
rad und der älteste französische Text. Mit dem jüngeren stimmt 
Karlmeinet, wie die Vergleichung des Schlusses zeigt (Monin S. 55): 

li cuers li part, 510, 65. dat reine herze dat zo- 

brach. 
l'arme s'en est alee, der geist van deme live schiet. 

also bin ich iez besehiet, 
!i ngre deu dat de engel quämen 

ind de sele nämen 
l'an ont el ciel portee, ind vörten si vroliehe 

devantJesu') de gloire presentee. in dat hemelriche. 

Karies l'esgarde, cuide Do wände Karl der here, 

que soit pasmee. dat er niet wal enwere, 

als it was dö bivorn. 
si hadde den lif verlorn, 
quant la redresce, dö he si rechte besach, 

si l'a morte trovee. dö vant he dat si döt lach 



>) Der Text liest Jerusalem; ursprünglich hiess es wohl devant le rei de gloire. 

11* 



— 164 



lors rancommence li diaus 

et la criee. 



durch minne ind durch trüwe. 
des hadde he gröze rüwe. 
Karl der koninc here 
weinde vele sere. 



Es bleibt noch übrig zu untersuchen , ob auch in der Form sich 
Bestätigung für die aus der Vergleichung mit Stricker hervorgehende 
Annahme findet, dass ein älteres deutsches Gedicht verarbeitet 
wurde, ein anderer Text des deutschen Rolandsliedes. Eine Anzahl 
ungenauer Reime findet sich noch jetzt in dem Abschnitte; wir wol- 
len diese zuerst betrachten, swester : laster 498, 65. bilde : helde 
499, 11. enboten : komen 500, 25. bereiten : zierheite (Hs. zier- 
heiten, vgl. 501, 23) 500, 49. spranc : Rölant 502, 47 in dreifachem 
Reime, aber die dritte Reimzeile mit der rechter hant ist nur hin- 
zugefügt, dem Sinne nach fehlt nichts, wären : pilseren (Hs. pylaren) 
503, 55 und ebenso gebären: wseren 506, 61. 507, 27 kann man 
auch durch die Mundart des Bearbeiters erklären, gesendet: vindet 
505, 21. Criste: beste 507, 61. rehte : begihte 509, 60. Ausser 
diesen Reimen ist das Vorkommen gewisser Wörter im Reime zu be- 
achten, die sich in den übrigen Theilen des Gedichtes nicht finden, 
trechtin 500, 27. megetin 500, 51. 501, 35. 502, 37. 507, 19. 
hinacht (: macht) 501, 38; auch 505, 17 ist hinacht : macht statt 
hynt zo nacht zu lesen, daz abgrunde 503, 17. ageleize (: heize) 
508, 3. barn (Hs. gebarn) : varn 509, 46. garwe (: varwe, Hs. vare : 
gare) 510, 30. Endlich lassen sich auch hier mit grösserer oder ge- 
ringerer Sicherheit die älteren Reime erkennen und herstellen. Ich 
will sie mit den oben erwähnten Stellen zusammen der Reihe nach 
aufführen. 



496, 42. nu dede der keiser vur sich 



lies: der keiser hiez im schaffen 



echte sin er knapen sän, 

der he vere sande 

zo Berten sinre soster lande, 

ind ver zo Gerarde van Vianne, 

dat is war sunder wäne. 

497, 61. we is en erlungen 

ind mime leven heren? 

is it eme ergangen nä eren? 

saget mir ouch of eme iet werre! 

dat ich eme was so verre, 

dat hat mich intrüwen 

sere sint berüwen. 

de b öden antworden eme mit gamen 

,si sint vrö alle samen. 



ahte sine knappen, 
der er viere 

ze Berhten sande, 
viere ze Gerharde von Vianne. 

wie ist in gelungen 

und minem lieben herren? 



daz ich im was so verre, 
daz muoz mich entriuwen 
iemer harte riuwen. 
die boten antworten zehant 
,si sint vro alle samt. 



165 — 



Namentlich an den beiden letzten Zeilen ist die Ueberarbeitung 
erkennbar. Konrad sagt samt, der Bearbeiter nur samen; um dies 
zu gewinnen, ist ein unpassendes Reimwort ,mit gamen' eingefügt. 



498, 33. dattu rites ») dar zohant 
als dir gezeme, in dat lant, 

ind du it niet enlenges, 

ind mit dir dar brenges 

dine nichte Aden: 

he" wilt sich mit dir beräden. 

45. dö Gerart dese mere vernam, 

he des in gröze vroude quam, 

ind wände dat der keiser here 

de brülocht gehere 

solde läzen volgän 

tuschen Rölant inde Alden wal- 

gedän, 
ind sprach der greve Gerhart 
,dat Karl e geboren wart, 
des have got lof ind ere 
ind möze ummer mere 
gebenedit sin de stunde 1' 
vrouwen he sich begunde. 
he sante vil gedräde 3 ) 
in de kemenäde 
nä Wiburge der vrouwen, 
sime wive, der getrouwen. 
he hez de vrouwen walgedän 
in den sal zo eme gän 
ind hez 4 ) si dar leiden 
Alden de gemeiden, 
Oliveres suster, 
de juncvrouwen äne laster. 

499, 7. die juncvrouwe stede, 
mit herlichem gewede, 5 ) 
düre inde güde. 

van vleische ind van müde 
enwart nie schöner bilde, 
do besähen si de helde. 
14. si düchte 6 ) we der palas 
van er erlüchtet were. 
do sprach Gerhart der here 
ein marcgreve walgestalde 
.vrouwe Wiburch unde Aide, 



daz du schiere dar qusemest, 
alse dir gezaeme, 
unde niht entwaldes, 
du enbringest 

mit dir Alden. 2 ) 

dö G6rhart disiu msere vernam, 

gröze vroude er gewan, 

und was daz sin geloube, 

daz die brütloufte 

zwischen Ruolande unde Alden 

vollengiengen balde. 

dö sprach der gräve Gerhart 
,daz Karl ie geborn wart, 
des habe got lop und ere 

und si gebenediet immer merel* 

[vgl. Str. 11065—68.] 
er sante vil dräte 
in die kemenäte 
nach Wiburge 

siner konen. 
er hiez si 

in den sal komen 
und mit ir bringen Aden, 
die vil wolgetänen, 
Olivieres swester: 
diu juncvrouwe was ane laster. 
mit herlichem gewsete. 
von vleische und von muote 
(oder: diu schone juncvrouwe, 
mit herlichem gezouwe) 
enwart nie schöner bilde, 
dö besähen si die helde. 
daz si alle dühte, 
wie der palas von ir waere er- 

liuhtet. 
dö sprach der marcgräve 
,vrou Wiburc unde Ade, 



!) Hs. reitz : oder es muss heissen dich reites. 2 ) Alden liest noch die Hs. a ) Hs. 
gerade. 4 ) In heysche. 5) gebede. 6 ) duchten. 



166 



grözet dese heren 

ind 1 ) intfät si mit eren! 

ir solt en ere beden. 

si sint wal wert güder meden. 

it is recht dat ir en leve dot. 

35. Gerart sprach ever do 

heimelich eme selver zö 

,got lone mime heren 

der trüwen ind der eren. 



grüezet dise herren 
und entfähet si mit eren 

[oder si vil werde : herren]. 
sie sint wert guoter miete, 
ir tuot in von schulden liebe. 
Gerhart sprach 

ze im selben tougen 
,got löne mime herren 

der trouwen. 



Auch die folgenden vier Zeilen 499, 39 — 42 waren ursprünglich 
zwei Zeilen, wie aus der ungeschickten Zeile 42 hervorgeht; aber 
war geruochet der eine Reim? 



500, 11. Parcis son Vlöris, 

der is hoesch inde wis 

ind is ein harde vromer man. 

vil wal [dat] he it gedon kan. 

500, 24. nu Karl der riche 

mir hat enboden, 

dat ich zo eme sulle komen. 

500, 30. mine nichte sime neven, 

dem alre besten man, 

der e lif gewan: 

dat is der helt Rolant, 

der wal verre is bekant. 

Wiburch de vrouwe, 

de stede ind de getrouwe, 

de ensümede do dit niet: 

de juncvrouwe si wal beriet 

mit herlichem gewande, 

so mant in menchem lande 

alre beste mochte vinden do, 

want si si wände senden vrö 

zo erem leven manne. 

do de juncvrouwe vor danne, 

dö was si wal beräden 

in ere kemenäden. 

500, 49. dö hez si sich wal be- 

reiden 
mit grozer zierheide, 
mit bunten inde hermelin. 
de vrouwe hadde dat megetin 
vil harde dugencliche gezogen. 
55. den heren was vil gä. 



Floris Parcises (?) sun, 
der ist hovesch unde vrum. 

[oder vrum: tuon.] 
nu mir Karl 

hat enboten, 
daz ich zuo im sule komen. 
mine niftel sime neven 
dem besten 

der ie lip gewan: 
daz ist der msere Ruolant. 
[oder man : Ruolant.] 
Wiburc diu vrouwe 
diu liez ir harte zouwen 

[oder entwalde : Alden]. 
und beriet die maget Aden 
mit herlichem gewäte 

so man ez beste mohte vinden, 

wan si si wände senden 

zuo ir lieben vriedel. 

dö sich die vrouwen schieden, 

dö was si wol beraten 

in ir kemenäten. 

dö hiez si si wol bereiten 

mit grözer zierheite, 

bunt unde härmin. 

diu vrouwe hete daz magedin 

vil tugentliche gezogen. 



i) In. 



167 — 



des nesten morgens dar nä, 
do it allet bereit wart 
des si bedorten zo der vart. 
66. got vergelde üch de trouwe, 
de ich an üch hän winden, 
ummer sint der stunden, 
dat ich her zo üch quam, 
ir helt mich, als it wal gezam, 
baz dan ich were ür kint. 
mir engescach nie leide sint 
van üren schulden seiden, 
dat möze üch 1 ) got gelden. 



An dem naehsten morgen 
do was bereit 

des si bedorften. 
got vergelte iu die triuwe, 
die ich an iu vunden han 
sit der stunde 

daz ich her ze iu quam, 
ir hieltet mich 

baz dan iwer kint. 
mir engescach nie sint 
leide von iwern schulden : 
daz müeze iu got gelden. 



Recht ersichtlich ist in den letzten beiden Zeilen der alte Reim: 
denn seiden ist eine ungeschickte Einschiebung, die mit dem voraus- 
gegangenen nie in Widerspruch steht, um den Reim zu glätten. 
501,54. soketmir meister Magnus suochet mir meister Magnus, 2 ) 



san, 
mines heren capelän so vröt, 
min herze nummer en gerot, 
ich enhave den selven man. 
van allen dingen he wal kan. 
hS is wal geleret an dem boch. 
van mencher kunst kan he genoch. 



mines herren capelän. 



mit allen dingen er wol kan. 
er ist wol geleret diu buoch. 
manigrer kunste ist er vruot.« 



Auch hier ist in 501, 55 — 58 der alte Reim und die Ursache 
der Entfernung unverkennbar. Der Bearbeiter reimte nicht an: an 
(vgl. unten) und schob darum zwei Verse ein. geruon ist auch an 
andern Stellen zur Entfernung eines alten Reimes und zur Ausfli- 
ckung verwendet. 



502,1. mich drömedehüde vur dage 

ein vil gröz wunder. 

daz wil ich üch sunder 

gerne sagen, of ich kan. 

ich enweiz of e einich man 

sulches iet verneme. 

mich drömede so we queme 

ein valke wiz so we der sne 

gevlogen over de wilden se. 

he was mit borden geschot. 
de worfel wären vele guot. 
18. we he mich danne drüge 
umbe einen berch vil hö. 



mir troumete hiute vor tage 

ein vil gröze wunder. 

daz wil ich iu 

künden. 

ich enweiz ob ie man solches iht 
vernaeme. 

ich sach in minem troume 

einen valken wiz als der sne. 

der quam gevlogen über den wil- 
den se. 

er was geschuocht mit borten. 

vil guot wären die worfel. 

wie er mich dannen trüege 

umbe einen hohen buhel. 



J ) Hs. ich. 2 ) sän ist offenbar des Reimes wegen eingeschoben ; aber was reimte 
auf Magnus ? Vielleicht verlust. 



— 168 — 



dar lez he mich vil unvrö. 

ich enwiste war he hene vlö. 

darnä dromede mir also. 

25. ind de helde balde 

jageden in eime walde. 

39. mich dromede ever dar nä 

so we ein lewe queme da. 

47. balde he zo eme spranc. 

dö zöch der degen Rölant 

mit siner rechter hant 

den güden Durendarde. 

503, 65. dat ich si döt sach ligen da. 

dö dromde mich ever dar nä. 

504, 23. des genc mir gröze rüwe zö. 

dar nä dromde mich ever do, 

we ich in einem monster were, 

dar ich de helde mere 

sege vele schere. 

42. he lez sich dar nedere. 

wunder düchte mich daz. 

tuschen de heren he gesaz, 

Rolande ind Olivere. 

53. dat ich it rechte vinde. 

ich mache mirs ein ende 

al nä minem wille. { 

dö sweich de maget stille. 

505, 8. dat he si drösten wolde, 

als eme sin wisheit riet. 

van dem drome enwirt üch niet, 

sprach he, maget gehere! 

envorhtet üch niet sere! 

drome dat is drogenheit. 

ir solt ervarn de wärheit, 

dat ich üch niet hän gelogen. 

der valke der do quam gevlogen 

30. dat he in der heiden lande 

eines koninges dochter neme 

de eme niet wal engezeme 

ind he üch ave solde gän: 

dat were gewest ovel gedän. 

65. dö sprach de maget reine 

jgot is geweldich alleine. 

505, 70. dö reit der marcgreve 

Gerhart 
ernestlich vur sich, 
sin gesinde was herlich. 



ich enwiste war er vluge. 

und die kuonen helde 

jageten in eime walde. 

dar nach begunde mir troumen 

wie dar queeme ein louwe. 

balde er ze ime spranc. 

dö zöch der degen Ruolant 

den guoten Durndarten. 
daz ich si tot ligen sach. 
mir troumte aber dar nach, 
des gewan ich grözen rouwen. 
dar nach begunde mir troumen, 
wie ich in einem munster wäre 
und die helde 

sähe. 
er liez sich dar nidere 
(daz düchte mich wunder) 
zwischen 

Oliviere und Ruolande. 
daz ich ez rehte bevinde.' 



dö sweic diu maget stille, 
daz er si trösten wolde. 

der troum scol iu niht werren. 

envurhtet iuch niht ze verre! 
troume daz ist niht wan tröge. 



der valke der dö quam gevlogen . . 
daz er in der heiden lande 
eines küniges tohter naeme, 
daz im ein schände wsere, 
und iwer niht gehugete: 
daz stüende zwäre ubele. 
dö sprach diu maget Aide 
,got eine mac es walden. 
dö reit der marcgräve (: geschähen?) 
vur sich an sinem sinde. 

schöne was sin gesinde. 



- 169 — 



506, 45. der marcgreve von Vianne, 
fein vorste miner manne, 
getrüwe ind wal gestalde. 
mit eme komt sin nichte Aide. 
507, 1. dat si sich wal gehelten 
ind vrolich sich an stelten. 

wenn nicht stalten das ursprüngliche 



von Vianne der marcgräve. 



mit im komt sin niftel Ade. 
daz si sich wol gehielden 
unde vroude wielden, 
ist und es hiess daz si sich 



erbalten und vroude stalten, vgl. Konrad 64, 15. 



3. ind läzen ir trüren ') sin, 
dat wolde Karl der keiser fin. 
mallich lez do sin ungemach. 
do it quam nä middach 
ind der äbent neken began, 
do reit der koninc Karlman 
van Blais üp eine warte. 
14. michel groze dar wart, 
als dat wal recht was. 
si lachten sich neder an dat gras. 

44. wat eme der ungetrüwe 
Wellis gedän hedde, 

dat he eme sin lenman entsette. 

57. mir engeschach nie so leide. 

do weinden si beide. 

61. he sprach ,bevelet si Criste, 

dat dunket mich dat beste, 

dat he de sele wille intfän. 

daz möze an siner gnaden stän, 

in des denste si sint bleven: 

de geve en dat ewige leven. 

508, 2. de heren weinden sere 

innenclichen heize. 

dar quam do Ageleize 

ind Givainet dar gerant. 

508, 21. Rölant ür leve son wis. 

got sehende Wellis. 

45. do de vrouwe dat vernam, 
harde sere si is underquam, 
Bertä dat güde wif. 

do verlach ir al ir lif. 
51. ind al ir lif (wart) kalt, 
ind quam in ein ungewalt, 
so dat si vil nä gevallen was 

van dem perde in dat gras, 



und liezen ir trüren. 

daz täten si durch trüwe. 
do ez nach mittem tage quam 
und der äbent nähen began, 
do reit Karl 

von Blais üf eine warte. 

do wart michel gruozen. 

an daz gras si nider säzen. 

waz im der ungetriuwe 

Genelün getan heete, 

daz er im sine lehenman verriete. 

mir engescach nie so leide. 

si begunden heize weinen. 

er sprach ,bevelhet si Criste, 

daz dunket mich daz beste, 

daz er die sele entfähe. 

daz ste in siner genäde. 

si sint beliben in sinem dieniste : 

er gebe in die ewigen reste. 

die herren 

weinten heize, 
do quam ageleize 
Givainet dar gerant. 
Ruolant iwer liebe sun. 
got sehende Genelün. 

diu vrouwe Berte harte erschrac. 
al der lip ir irlasch. 

aller ir lip erkalde. 



ei was nach 



von dem rosse gevallen. 



i) Hs. truwen. 



— 170 — 



509. 15. Gerhart der here an dat 
quam mit Alden der juncvrouwen. 
dö genc it an ein groz rouwen 
van allen de it vernämen. 

50. des saltu gewis sin, 
sprach he, leve swester min. 
66. einen bischof reine, 
den sprach si alleine 
gewisseliche an einre stat. 
genäde si zo gode bat. 

510. 16. quam si weder zo der baren 
dar de heren üp wären. 

68. dat de engel quämen 
ind de sele nämen 
ind vorten si vröliche 
in dat hemelriche. 



Gerhart der marcgräve 
was do komen mit Aden. 
dö gienc ez an ein jämeren 
von allen die ez vernämen. 
des tuon ich dich gewisse, 
sprach er, liebiu swester. 
einen heiligen bischof. 
genäden digete si an got. 



quam si wider zuo der baren 
da die herren üfe lägen, 
daz die engele quämen 

her nidere 
und fuorten die sele 

ze himele. 



Karl weint um die Todten und wird von Ogier und Gerhard ge- 
tröstet. Die Leichen werden im Münster von Blais beerdigt, Alda 
zwischen Olivier und Roland. Auch dies fehlt beim Stricker. Nach- 
dem alles vorüber, tritt Karl die Heimfahrt an. Er beräth sich mit 
seinen Getreuen, was mit Genelun geschehen solle. Seine Leute heisst 
er fröhlich sein, aber innerlich ist sein Herz traurig. Er durchreitet 
Poitou, Balene, Touraine, Chartres und Boneval: dat spricht zo düt- 
schen Güt-dal 513, 37. In St. Denis opfert er. In Löwen auf dem 
Palaste klagt er über Genelun. Der Verräther wird vorgeführt, um 
sich zu verantworten. Genelun gibt sich nicht schuldig. Da tritt 
Gundeluf, König von Friesland, hervor und fordert Genelun zum 
Kampfe. Karl nimmt den Kampf an und lässt von beiden Seiten 
Geiseln stellen. "Während Genelun von seinen Verwandten gewaffnet 
wird und das Ross besteigt, benutzt er die Gelegenheit, um zu ent- 
rinnen. Kaum wird seine Flucht bei Hofe bekannt, als sich Gunde- 
luf zu Rosse schwingt und Genelun nachsetzt. Er zwingt ihn mit 
ihm zu kämpfen; sie werden aber von Hinzukommenden getrennt. 
Genelun wird wieder gefangen vor Karl geführt. Jetzt fragt Karl 
um Urtheil über den Verräther. Alles hier Erzählte ist beim Stri- 
cker weggelassen; bei ihm versammelt Karl seinen Hof in Aachen 
und hält Gericht über Genelun. Dieser verantwortet sich; Karl fragt 
um Urtheil, aber alle Rathgeber verstummen aus Furcht vor Gene- 
luns Verwandten. Von letzteren tritt einer, Namens Pinabel, hervor 
und erbietet sich zum Kampfe. Hier schliesst sich Stricker wieder an 
Karlmeinet an ; auch in diesem Gedichte macht Pinabel dasselbe An- 
erbieten. Noch kürzer als Stricker erzählt Konrad. Der Keiser hält 
Gericht ; wo, ist nicht gesagt. Geneluns Verwandte wollen diesen ret- 



— 171 — 

ten. Er selbst gesteht, dass er den Tod der zwölf gewünscht, aber 
er habe ihnen offen widersagt. Die Verwandten bitten für ihn, Karl 
weist sie ab. Da tritt Pinabel vor. 

Stricker stimmt im Ganzen so mit Konrad, dass man die Be- 
nutzung seines Textes noch erkennen kann. 

297,19. der keiser an daz gerihte 11669. der (keiser) gie mit guoten 

saz. witzen 

owe waz fursten vor im was. an sin gerihte sitzen 

er hiez Genelünen pringen. und hiez Genehmen bringen. 

dö wolten im die Kerlinge dö häte er von Kerlingen 

den lip gerne fristen. vil manigen riehen mäc da. 

298, 2. Genelün bat einir stille. 11723. der bat verneinen siniu wort. 

4. ich nelougin dir sin niet. 26. ine lougen aber des niht, 

6. iz ist gewisse min rät. ine habe daz erworben, 

5. der zwelve tot ist mir liep. daz die zwelve sint erstorben. 

7. ich hete in e widersaget 30. ich häte in vor dem riche 
ze diner antwurte offenliche u. s. w. offenliche widersaget. 

Die Bitte der Verwandten und Karls Antwort darauf steht beim 
Stricker vor Geneluns Vertheidigung (11677—720), vgl. Konr. 298, 
21—299, 16; 298, 2-20. 

Uebereinstimmung zwischen Karlmeinet und Konrad (Stricker) 
zeigt sich fast gar nicht. Nur einige Zeilen lassen sich vergleichen. 
K. 298, 1. er wäre aller fursten 514, 54. he was wal vursten genöz. 

genoz. 

299, 17. dar für dranc Binabel, 520, 52. ein vurste, der hez Ptnabel, 
er was michel unde snel. ein helt köne inde snel. 

302, 13. dem keiser gerieten sine 517,47. de vursten Karle dö reden, 

wisen, 
daz er vorderote gisel. dö si den hentschen sähen beden, 

dat he gisel dar af intfenge. 

Es ist doch ein Anhaltspunkt an Konrads Text, der wenn auch 
wenig zu der anderweitig gewonnenen Ansicht von einem älteren 
deutschen Texte beiträgt. 

Das ältere, von Michel herausgegebene französische Gedicht 
stimmt in den meisten Einzelheiten zu Konrad und zum Stricker. 
Dagegen nähert sich Karlmeinet mehr der jüngeren Recension (B u. 
C bei W. Grimm S. LIX). Wie im Karlmeinet begibt sich Karl 
nicht zuerst nach Aachen, sondern nach Laon — Louwen 515, 54, 
und hier , erhebt Gondrebuef, König von Friesland, die Anklage und 
wirft Guenelon den Handschuh hin. Guenelon nimmt den Kampf an ; 
wie er aber auf seinem guten Rosse sitzt, entflieht er zum zweiten- 
mal, und lässt die Geisel, die sich für ihn dem Kaiser überliefert 
haben, im Stich. Gondrebuef holt ihn ein und bringt ihn wieder zu- 



- 172 - 

rück. Guenelon soll eben, ohne vorhergehenden Kampf, verurtheilt 
werden, als sein Neffe Pinabel von Florenz mit einem Gefolge von 
vierhundert Mann anlangt' (W. Grimm S. LIX). Der Verlauf stimmt 
ganz zum Karlmeinet; dass Pinabel hier fünfhundert Mann (520, 66) 
mit sich bringt, ist eine geringe Abweichung. Auch im Gallien re- 
store wird der Vorgang ähnlich erzählt. Karl begibt sich ebenfalls 
nach Laon und beschuldigt Ganelon des Verraths. Ganelon leugnet, 
aber Tierry, Herzog von Anjou, (also hier nicht Gondrebuef) wirft 
ihm seinen Handschuh an, den der Verräther aufhebt. Ganelon setzt 
seine Verwandten als Geisel, aber am andern Morgen entflieht er zu 
Rosse vom Kampfplatz. Sein Wiederfinden durch Thierry wird aben- 
teuerlicher und ausführlicher geschildert. Ganelon, gebunden nach 
Laon gebracht, soll geviertheilt werden, als sein Neffe Pinabel her- 
beieilt, um seine Unschuld im Kampfe zu beweisen (Grimm S- 
LXXXI). Darnach wäre das Einfachste anzunehmen, der Bearbeiter 
habe nach einem französischen Gedichte ergänzt (aber lückenhaft ist 
ja Konrads Text nicht); dem steht entgegen die Uebereinstimmung 
mit Konrad an drei Stellen, wo ein Vorliegen des deutschen Textes 
unzweifelhaft ist. 

Wir werden, um uns zu überzeugen, ob der Dichter von V nach 
deutschem oder französischem Texte arbeitete, wiederum seine Reime 
etwas genauer betrachten müssen. Es finden sich im Reime die sonst 
im Gedichte nicht vorkommenden Ausdrücke torsten (: vursten) 512, 
35. 516, 5. er wil (: vil) 517, 25; der Bearbeiter sagt wilt; ausser 
Reime Undankes ,wider Willen', wie 514, 13 zu lesen ist: dat möz 
ich Undankes doln ; nächrsetic 516, 20, wo der Schreiber nauredich 
setzt, vgl. Konrad 32, 18. Ein ungenauer Reim ist velde : milde 
513, 58, der sich indess durch die Mundart des Bearbeiters erklärt, 
Spur eines anderen in dem dreifachen quam: vernam : man 518,32, 
wo vernam : man das ursprüngliche ist. Dazu vergleiche man die 
olgenden Stellen. 

512, 22. he hadde sich wal ge- er häte sich wol gerochen 

wrochen in dem lande ze Spangen 

over sine viande an sinen vianden. 

zo Hispanjen in dem lande. 

de sine lüde hadden erslagen die sine liute heten erslagen, 

si enmochten selver niet geclagen diene mohten selbe clagen 

eren schaden inde not. ir schaden. 

512, 44. dat he dan nummer sil- daz er silber noch golt 

ver noch golt 

vur sinen lif enn&me vur den verrätaere 

ind dede, als em gezSme, niemer ennseme, 

zo sime unheile, 



ind heze eme verdeilen 

len eigen inde wif, 

hüs lant inde lif, 

lantrecht inde ere, 

so engulde is Wellis vele sere. 

60. do geberde he vroliche, 

doch dede eme der jämer we. 

he wolde trüren numme. 

513, 3. wir hän geweinet so vele 
ind gehat sd menchen leiden dach. 
10. mit willen däten si dat, 
want si hadden grözen schat 

de Cristene versunnen 
den heiden af gewunnen. 
25. alleine geberde he also, 
he droch an sinem herzen 
vele bitteren smerzen 
beide naht inde dach, 
des man wal geloven mach. 

514, 66. de heren sprächen alle 
zo Karle dat he it dede. 

dö wart he is zo räde mede. 

515, 22. st wolden bevinden 
die wärheit, of si lefden 

of we si sich gehefden. 

27. de vrouwen vrägeden umbe ir 

man. 
Karl jämern began. 
48. Wellis de si verriet, 
den hän ich bracht gevangen. 
den mort den he hat begangen 
den rieht üch selver alle, 
so we it üch gevalle. 

516, 54. so clage ich over den 

Wellis hie stän, 
der weder dich hat gedän 
untrüwe inde missedät. 
du häs durch sinen bösen rät 
Rölant dinen neven verloren 
ind manchen helt wal geboren. 

oder die er hat begangen, da von 
nen neven. 



wan hieze im verteilen 
lehen unde eigen, 

lantrecht unde ere: 
so engulte es Genelün vil sere. 
dö sach man in vröliche gebären, 
doch tete im we der jämer. 

wir hän so vil geweinet 
und gehabt so manic leide. 

wan si häten Schatzes ein wunder 
den heiden ane gewunnen. 

swie vrolich er gebarte, 
doch was im vil swäre 
an sinem herzen tougen. 
des mac man wol gelouben. 

die herren sprächen alle, 

daz er also taete. 

do wart er es ze rate. 

si wolden bevinden 

die wärheit, obe si lebeten 

oder wie si sich gehabeten. 

die vrouwen umbe ir man vrägeten. 

do begunde Karl jämeren. 

Genelün der si verriet 

den hän ich bräht gevangen. 

nu rihtet selve über in alle. 

so klage ich über Genelünen 

durch die untrüwe 

die er an dir getan hat. 

du hast durch sinen bösen rät 

verlorn Ruolanden dinen neven 

ind so manigen herlichen degen, 

du Ruolanden hast verlorn di- 



517, 1. des wilich üch bescheiden, 
it sade mir ein heiden 
dat Wellis hadde begangen 



ein heiden mir ez sagete, 
den ich gevangen habete, 



— 174 — 



(den heiden hadde ich gevangen) 

allet w& Wellis gevör 

ind we he dem heidenschen ko- 

ninc swor. 
26. dat mir Gundelüf so vil 
gesprochen hat an min ere. 
dat mot mich so sere. 
he mochte is wal an mir enbern. 

denn ere: enbsere wäre kein vom 
gewesen. 

35. weder Karl mime here. 

sinen vromen inde 6re 

warf ich e gerne inde riet. 

61. einen schilt he an den hals 
henc. 

zo dem rosse he dö genc. 

dö he dat güde ros beschreit, 

vil bermelichen he reit. 

sin wäpen eme wal gezam. 

he was ein ritter lovesam. 

518, 26. he kerde hen zo walde. 

he ilde vele balde 

wat dat ros mochte gevaren, 

want he enwolde is niet sparen. 

e sin eman gewar worde, 

dö was he sinre verde. 



wie Genelün täte ubele 

und wie er swuore dem heiden 

kuninge. 
Gundelüf hat mir so vil 
gesprochen an min ere 
des er wol enbsere 
oder: an min ere gesprochen, 
des er wol enbern mohte, 

Bearbeiter zu entfernender Reim 

wider Karle minem herren. 
sinen vrumen 

warp ich ie gerne. 

einen schilt 

er begreif, 
sin guotez marh er beschreit. 

sin wäpen ime wol gezam. 
er was ein wsetlicher man 
er kerte hin ze walde, 
daz er niht entwelde. 



e sin ieman wurde gewar, 
do was er dannen gevarn. 



Der Reim worde : verde könnte echt sein; aber man sagt was 
er sine vart, also muss es heissen gewar wart: vart. 



24. do h6z he vrunt inde man 

nä eme balde rennen. 

de in mir mach gewinnen, 

sprach Karl werliche, 

den wolde ich machen riche. 

dar vur enwolde ich niet sparen. 

solde he uns alsus intfaren, 

dat wer mir leit ind ungemach. 

53. dö Gundelüf gesprach daz, 

vil schere he üp sin ros saz. 

519, 4. dö sprach der köne helt 

balt 
zo Wellis dem ungerechten. 
19. ich vorten dat ich mich were, 
want min helpe is mir zo verre. 

520, 34. zo sime unheile. 



do hiez er vriunt unde man 
nach im balde springen, 
der in mir mac gewinnen, 

den wolde ich machen riche. 

[oder ich riehen], 
solde er uns alsus beswichen, 
daz wsere mir leit und ungemach. 
dö Gundelüf daz gesprach, 
vil schiere saz er üf sin marh. 
do sprach der helt kuone 

sus ze Genelüne. 

ich vurhte mir etewaz verre, 

wan min helfe ist mir ze verre. 



— 175 - 

des vrägede he ordeile des vrägte er urteile 

here inde knechte, Herren und knehte beide, 

dat si en ordelden nach rechte. 

Den Kampf Pinabels mit Dietrich hat Konrad , Stricker und 
Karlmeinet; in letzterem Gedichte ist er ungleich ausführlicher (520, 
50 — 530, 22). Zuerst hält Pinabel eine lange Rede, an deren 
Schlüsse die Fürsten nichts zu sagen wissen, sondern verstummen. 

522, 1. si worden dö vil stille. Str. 11758. des begundens alle 

stille dagen. 

Sie senden zu Karl, und bitten um Gnade für Genelun. Hier- 
nach kommt Pinabel in die Rathsversammlung, in der Karl nicht zu- 
gegen ist; dem widerspricht jedoch, dass Karl ihn nicht grüsst (521, 
19) und dass Pinabel den Kaiser anredet. Daher ist dies ,senden' 
nicht wörtlich zu nehmen und Konrads Darstellung, dass Karl zuge- 
gen, ist die richtige. Karl zürnt. 
Konr. 300, 16. vil harte zurnete 522, 10. dö zornde sich Karl vil 

er. ') sere. 

25. daz wil ich iemir gote chla- Karl sprach ,ich wil ez gode 
gen. clagen. 

Er will lieber selbst mit Genelun kämpfen als ihn ungestraft 
entlassen. Da erbietet sich Naimes zum Kampfe, den Karl aber 
ablehnt. Ebenso Ogiers Anerbieten. Jetzt tritt Dietrich Lamp her- 
vor, 522, 67; bei Konrad Tirrich, 301, 1; Stricker Dietrich 11813. 
Sein Vater heisst nach der Angabe im Karlmeinet Gerhard von An- 
schouwen (Anjou) 523, 11. Den frühe verwaisten hat Roland in 
Dienst genommen und ihm versprochen, ihn nächste Pfingsten zum 
Ritter zu schlagen. Er erbietet sich zum Kampfe; Karl nimmt ihn 
an. Es werden Geiseln gegeben. Aber der Kampf geschieht nicht 
auf der Stelle, sondern man begibt sich nach Aachen , wo nach Stri- 
ckers Angabe Karl schon vorher ist. Karl gibt Dietrich Waffen aus 
seiner Kemenate, unter anderen ein Schwert Kurtän: Dietrichs Ross 
heisst Ferrant, ein Geschenk Ogiers. Es werden Grieswärtel ernannt, 
Richard von Normandie, der Herzog von Lothringen, Babo von 
Baiern u. a. Alle diese Namen fehlen bei Konrad und Stricker; 
der Grieswärtel im Allgemeinen erwähnt letzterer auch, 11935. Nach 
langem Kampfe siegt Dietrich; Pinabel wird gehangen, bei Konrad 
und Stricker tödtet ihn der Sieger und steckt sein Haupt an einen 
Speer. Dietrich wird von Karl zu Aachen auf den Palast beschie- 
den, geküsst und seine Wunden geheilt. Zwei Verse gegen Ende 
stimmen mit Stricker fast wörtlich überein: 



•) So in A, in P enzunter. 



— 176 



529, 17. dö Karl der keiser dat Str. 12063. dö daz der keiser ge- 

gesach, sach, 

vrölichen he dö sprach. der genäden er von gote jach. 

vgl. Konrad 307, 2 wie frö der keiser des was, und in zwei anderen 
lässt sich Konrads Text noch in der Ueberarbeitung erkennen: 

K. 306, 21. di tiuren volcdegene 527, 48. de heren dd üp Sprün- 

gen, 
Sprüngen wider zesamene. zosamen dat si drungen. 



Mit den französischen Redactionen B und C (W. Grimm LIX) 
zeigt auch hier Karlmeinet im Inhalt die meiste Uebereinstimmung. 
Auch hier ist der junge Thierry Rolands Schildknappe. Allein Karl- 
meinet steht darin eigentümlich da, dass Karl vor dem Kampfe nach 
Aachen zieht. Mit dem älteren französischen Gedichte (A) stimmt 
Karlmeinet auch an mehreren Stellen. 



277. 5. Pur Pinabel se contienent 

plus quei. 

278. A Charlemagne repairent si 

barun, 
dient al rei ,sire, nus vos prium, 

que clamez quite le cunte Guene- 
lun . . . 

279. quant Carles veit que tuz li 

sunt faillid, 
mult l'enbrunchit e la chere e le 

vis . . . 
ais-li devant uns chevalers gen- 

tils, 
frere Gefrei ä un duc Angevin. 

curteisement al emperere ad 
dit: 

bels sire reis,ne vos desmentez si. 

ja savez vos que mult vos ai ser- 
vit. 



Guenes est fels d'igo qu'il le traft, 
vestre servise Ten douist bien 

guarir. 
pur co le juz-jo ä prendre e ä 

murir 



522, 1. si worden dö vil stille, 

dö si Pinabels willc 

so ernstlichen erkanden. 

zo Karle si dö sanden. 

des wären si beräden: 

genäde si en baden, 

of it ummer mochte wesen, 

dat he Wellis leze genesen 

dorch de godes ere. 

dö zornde sich Karl vil sere. 

Karl sprach ,ich wilz gode clagen. 

522, 67. dö stont dö ein kint, hez 

Dederich Lamp. 

523, 11. Gerart van Anschouwen 

min vader hez. 
523, 6. vur Karle he ilen began. 
he sprach 
14. so han ich gedenet menchen 

dach 
Rolande mime heren. 
21. Her Karl, ich sagen üch de 

wärheit, 
dö Wellis zo Zarragözen reit, 
dat he minen heren verriet, 
des ensolde he hän gedän niet. 
26. dat ordel wil ich sprechen, 
dat eme verdeilt is sin leven. 



— 177 



se or ad parent ki m'en voille des enläzen ich niet durch sinen 

desmentir, neven. 

a ceste espee que jo ai ceinte ici wilt he mich des brengen weder, 

mun jugement voel sempres gua- ich legen en dar neder, 

rantir. of is got geröket. 

In dem Kampfe selbst stimmen nur einige Zeilen genau, z. B. 
283. de desuz Aiz est la pree 527, 23. dö wiste man de könen 

mult large. an ein velt grone; 

aber im Ganzen stimmt der Yerlauf mehr zu Konrad als zu Karl- 
meinet; nur die letzten Zeilen Strophe 288, mit Karhn. 528, 58 



Qo veit Tierris que el vis est ferut, 

li sancs tuz clers en chiet el pred 
herbus ; 



fiert Pinabel 

sus l'elme d'acer brun, 

jusqu'al nasel 

li ad frait e fendut, 
del chef li ad 

le cervel espandut, 



branditsun colp, sil'admortabatut. 
a icest colp est li esturs vencut. 



Dederich wal geboren 

hadde sine macht verloren, 

want eme entgangen was sin blot. 

doch wrach sich der helt got 

sin ere inde sin leven. 

he sloch Wellis neven 

Pinabel den vursten here 

üp sinen heim harde sere 

mit siner rechten hant. 

he sloch eme af dat nasebant 

mit dem edelen gesteine 

ind de nase mit dem beine, 

den bart mit dem kinne. 

dat was ein unminne. 

Pinabel dem wigant 

vel dat swert uz der hant. 

als Dederich dat gesach . . . 

up den lip he eme trat. 

menliche he sich wrach 

mit sime swerde Kurtän. 

dö was Pinabels ende gedän. 



Die Spuren eines altern deutschen Gedichtes, wie sie schon aus den 
vereinzelt stimmenden Stellen Konrads sich ergeben, zeigen sich nun 
auch in einzelnen Reimen, die theils übrig geblieben, theils in der 
Ueberarbeitung mit Wahrscheinlichkeit zu erkennen sind. Zu jenen 
gehören die Reime oeheim : nehein 521, 23, : schein 526, 26. geant 
(geendet) : gesant 524, 5 (nur an dieser Stelle des ganzen Gedichts), 
manigen : Britanjen 524, 48. stsete : rate 524, 62. er wil : vil 529, 
39. Zu den andern folgende Stellen. 



520, 64. si brächten mit ein schone 

schare, 
Pinabel ind sine gesellen, 
vunf hundert ritter snellen, 



si brähten eine schöne schare 

Pinabel und sine gesellen, 
vunf hundert guoter helde, 
12 



178 



mit wäpen ind mit Schilden. 

de rede si sere stilden 

de durch Wellis was begunnen. 

521, 5. Pinabel was ein kone helt, 
als uns dat böch van eme zeit. 
19. Karl grote en niet sere, 

of he eme niet holt enwere. 
dö sprach der stolze jungelinc 
,here, dit is ein ovel dinc. 
41. Norman of Borgenjen, 
der minen omen Wellün 
he verdele sin ere, 
it en missekome eme alzo sere. 
of ir versaget mir gerichte, 
ich enläzen is niet so lichte, 
ich enkome is in arbeit, 
wan ich bin, here, so gereit, 
dat ich vur en vechte 
nä mime lantrechte. 

522, 15. ind sine rede hat so ho. 
he enloset Wellis niet also. 

32. dat en rüwet de vart. 
ouch we grä mir si der bart, 
ich brengen en in arbeit, 
ouch weiz ich wal de wärheit, 
dat Wellis üre man verriet. 
523, 10. Gerart von A. min vader 

hez. 
it is lanc dat he mich weise lez. 
sint mir dat leit geschach, 
so han ich gedinet menchen dach 
Rolande mime heren. 
he solde mir Ionen mit eren, 
wer he biz pingsten bliven leven: 
he hedde mir wäpen gegeven. 
de mit dat hat benomen, 
got läze it nä sinen schulden komen. 
524, 19. ich wil dich des bedwingen, 
dattu is selver gen 2 ) mos, 
dattu dörlichen dos 
inde grözes 3 ) dinen schaden. 
32. üp den dröst wil ich gän 
ind wil üch dar neder slän. 
55. dat he enwolde Ionen 



>) vgl. Konr. 111, 32. 114, 2. 113, 



mit wäpen und mit Schilden. 

dö lac diu rede stille, 

der durchGenelünen was begunnen. 

Pinabel was ein helt balt, 

als uns daz buoch von im zalt. 

Karl gruozte in undäre (Konr. 

250, 32.) 
als er im niht holt wäre, 
dö sprach er zuo dem kuninge 
,herre, ir tuot vil ubile. 
Norman oder Borgonjün, 
der minem oeheim Genelün 
sin ere verteile, 
ezn kome ime ze leide, 
versaget ir mir gerihte, 
vil kleine ich ez entsitze, 

wan ir sehet mich hie gerehten, l ) 
daz ich vur in vehte. 

und also höhe rünet. 
er enloset Genelünen. 
daz ers gewinnet riuwe. 
swie mir min bart gräwe, 
ich brenge in in ncete. 
ich weene 

er iwer man verriete. 
Gerart von Anschouwen min vater 

hiez. 
ez ist lanc daz er mich weise liez. 
sint hän ich Ruolande gedienet. 



er wolde mir hän gelönet, 
wser er unze phinxten bliven leben, 
er hsete mir wäpen gegeben, 
der mir die ere benam, 
got läze iz ime ubile ergän! 
ich wil dich des betwingen, 
daz du es selbe jenen muozes, 
du habest dinen schaden gegrözet. 

üf den tröst wil ich jehen 
und wil iuch dar nider legen, 
daz er in wolde Ionen, 

2 ) Hs. gaen. 3 ) grces. 



179 — 



als verrederen, 

of si also dump weren, 

dat si sich it underwunden 

des mordes ind der sunden. 

Pinabel enachte niet der wort. 

he wolde den kamp vechten vort. 

Karl der koninc städe 

wart do des zo räde 

mit den güden knechten, 

dat man den kamp solde vechten 

üp dem hove zo Achen. 

525, 24. beide Vranken ind Doringe 

quämen zo dem koninge. 



obe si wseren also tumbe, 
daz si sich des mordes 

underwunden. 
Pinabel enahte niht der worte. 
des kamphes er begerte. 
Karl der kuninc stsete 
wart dö des ze rate, 

daz die herren vähten 
üf dem hove ze Achen. 
beide Vranken unde Duringe 
quämen zuo dem kuninge. 



Hier besteht der Unterschied darin, dass Karlineinet reimt Do- 
ringe : koninge, das ältere Gedicht dagegen Düringe : kuninge. 
36. dö quam dar manich vrom man, 
da sich der hof samen began. 
dö Karl zo Achen was komen 
mit eren, als ir hat vernomen, 
do quämen widen 
vursten van allen siden. 
60. inde was des wal wert. 
Karl gurte eme ein swert. 
scharp was eme sin ecke. 
526, 50. dö zock manDederiche dar 
ein schonez ros grävar. 
527, 42. sprach Pinabel der degen. 
ich enwil der reden nietmeplegen. 
57. üp den heim he en slöch 
mit dem scharpen swerde. 
der heim was ever so herde 
ind so dicke ind so vast, 
it enschadde em niet dan ein bast. 
528, 18. he slöch den helt mit nide 
beneven in de side 
eine wunde vreislich. 
29. dat si beide velen in den sant. 
dö he dat hadde gedän, 
,danc have Kurtän. 
47. sin swert hof he vele ho 
ind slöch Dederiche 
harde nitliche 
einen grimmelichen slach. 
529, 2. he sloch em ave dat nasebant, 
mit dem edeln gesteine, 
ind de nase mit dem beine, 



der hof began sich samenen. 
dö quämen dar mit magene 

von allen siten verre 
vursten unde herren. 

Karl im ein swert gurte, 
sin ecke wären herte. 
dö zöch man Dieteriche dar 
ein vil schöne gräwe marh. 
sprach Pinabel der degen. 
ich enwil niht me reden, 
üf den heim er in sluoc 
mit dem scharphen swerte, 
daz im doch niht entarte. 
vgl. Konr. 270, 4. 

er sluoc dem helde s winde 
eine vreisltche wunden. 

daz si beide vielen in den sant. 
,danc habe Kurtän. 

sin swert er höhe üf huop. 
Dieteriche er nitliche 

sluoc 
einen grimmigen slac. 
er sluoc im abe daz nasebant, 

die nasen mit dem beine, 
12* 



— 180 — 



den bart mit dem kinne: 

dat was ein unminne. 

9. als Dederich dat gesach, 

dat Pinabel dar neder lach, 

got he genäde bat, 

up den lif h£ eme trat. 

33. godes genäde ind sine gewalt 

ind sine herschaf menchvalt 

ind sin recht gerichte, 

wan he villichte 

dat unrecht weiz inde siet, 

so wä it in der weit geschiet. 



den bart mit dem kinne. 



dö Dieterich daz gesach, 
üf den lip er ime trat. 

gotes genäde unde mäht 
und sine herschaft, 
sin rehtez gerihte, 
wan er 

allez unreht slihtet. 



Der Schluss stimmt mit den französischen Kecensionen (W. Grimm 
S. LYI); der Kaiser nimmt den Sieger in seine Arme, wischt ihm 
das Gesicht ab und lässt ihn nach Achen bringen. Dann geht er zu 
Achen auf den Palast, zu Gerichte zu sitzen. Herzog Otto bringt 
Genehm vor Gericht und dieser gesteht seine Schuld ein. Nun for- 
dert Karl seine Käthe auf, verschiedene Todesarten vorzuschlagen. 
Endlich bleibt man dabei stehen, ihn vier Rossen an den Schweif zu 
binden und schleifen zu lassen. Konrad und Stricker sind in diesem 
letzten Abschnitte sehr kurz ; von verschiedenen Strafen ist nicht die 
Rede. Einige Stellen stimmen im Ausdruck zum Karlmeinet. 

K. 307, 14. der keiser gesaz an 530, 28. dö genc he zo gerichten 

daz gerihte. sitzen, 

vgl. Stricker 12092. 
298, 4. ich nelougin dir sin niet. 530, 50. here, ich enmach noch 

[niet] enkan 
geloenen *) minre missedät. 

Noch mehr stimmt Karlmeinet in Einzelnem zum Stricker. 530, 33 
dö genc it üz dem spotte ist wörtlich Strickers Zeile 11580 dö gienc 
ez üz dem spotte, beidemal auf Otte reimend. 



530, 55. ich endede it äne schult 

niet, 
want he schuf inde riet, 
dat ich zo Marseiis wart gesant. 



durch got der al der weit gebot, 
dat ir mich wiset einen döt, 
der bitter si ind freislich. 



11735. und schuofen mich in den 

tot. 
daz ich daz räch daz tet mir not. 
vgl. 530, 64. daz ich daz unsanfte 

wrach. 
12110. nu ervindet wie ich daz 

getuo. 
des frage ich iuch beide 
bi dem rehte und bi dem eide, 
welhes tödes er mir schuldic si. 



') Hs. gelouen. 



— 181 — 



532, 51. nu gebot Karl der kone 

man, 
dat man v6r ros gewan, 
de wären snel inde starc . . 
inde dat man alzohant 
Wellis dar an bant 
vaste zome zagele. 



12130. man hiez ziehen da für 



vier starkiu schceniu ros zehant, 
der man da guote state vant. 
zuo der rosse zagelen zwein 
bant man im vaste siniu bein, 

wiewohl die Todesart beim Stricker im Zerreissen, im Karlmeinet 
(wie bei Konrad) im Schleifen durch Dornen besteht. 

In der Wahl der verschiedenen Strafen stimmt Karlmeinet zu 
den französischen Texten (B und C, W. Grimm S. LIX); auch da- 
rin, dass Genehm von drei Baronen Karls, im Karlmeinet von Otte 
vorgeführt wird, findet sich eine Aehnlichkeit. Man vergleiche die 
Doppelschilderung bei Monin S. 57 ff. und S. 106 ff. , letztere in 
Alexandrinern und ohne Frage die jüngere. 

530, 36. dö sprach Karl ernst- 

hachte 
zo Wellis dem ungetruwen 
44. mir is gröz herzeleit 
van dime räde gesehen. 
49. dö sprach der ungetrüwe man 
,here, ich enmach noch enkan 
geloenen minre missedät. 
leider durch minen bösen rät 
lit Rölant nu döt. 
ich dede it ever durch not, 
ich endede it äne schulde niet, 
want he schöf inde riet, 
dat ich zo Marseiis wart gesant, 
dat ich dar verlöre min leven. 



S. 57. quant le vit Karies, 

dou euer a sospire. 
,vassax, dist il, par vos 

sui adolez.' 
,sire', dist Ganes, malement 
ai ouvre. 
nel puis celer, 
par moi est mors Rollans 
[et Olivier et tuit li douze per] 
se gel vendi, n'en doi iestre 
blasmez, 
il me juja 

messaige outre mon gre, 



porce que il me voloit afoler. 

Die folgenden acht Zeilen (ein Absatz in Reimen auf oi) fehlen 
im deutschen Texte; dagegen weisen die Verse im Karlmeinet 530, 
61 — 531, 10 auf einen andern französischen Text hin, der bei Mo- 
nin fehlt. Dann fahren beide übereinstimmend fort: 



58. 

Seignor, dist Karies, 

por deu vouz voil 

proier, 
de male mort me le faites jugier 
et le faitez morir, ice je vos requier. 

apres parla dans Girars liguerriers, 
eil de Viane qui fu oncle Olivier : 



531, 11. dö sprach bermeliche 
Karl der koninc riche 
zo sinen vursten allen samen 
,ich bidden üch inde manen, 
durch got de al der weit gebot, 
dat ir mich wiset einen döt, 
der bitter si ind vreislich, 
unsachte inde engestlich'. 
dö sprach der greve Gerhart 
der vurste van Viannen 



— 182 — 



,par ma foi, sire, bien vos sai con- 
seiller. 

en deux grans cordes le faites bien 
liier 



et puis mener 

a pie com ors lanier. 



grans sont vos terres et longues 
por chascier . . . 
e de corgies le faites angoissier . . . 
baron,distKarles, ci a jugement fier. 
mais nel voil pas nel fuer tant 

respiter. 
Par ma foi, sire, dist Bone *) li 

vaillans : 
je vouz dirai un jugement plus 

grant. 

d'aubes espines faites un feu ardent. 
puis i giete on 

le cuivert soudouiant, 

[und noch vier Zeilen, wovon 

zwei Karls Antwort enthalten.] 

59. Apres parla Salemons li Bretons: 

plus aspre mort esgarde nouz 

avons. 

or faites jejuner tres ors 

et deus lions, 
al terz jor 



,heiz eme zwä lannen 

vaste umb sinen hals smeden 

mit starken iserinen leden, 

dar ane zwo stangen, 

gröze inde langen, 

vaste inde siechte, 

dar zö starke knechte, 

de en dar mede leiden 

barvöz mit arbeiden 

nacket äne gewant 

over alle de lant 

ind durch al ür riche . . . 

de en mit geisein sere slän . . . 

,sö leze ich en zo lange leven, 

sprach Karl Pippines son. 

dat mochte ich ovele gedön.' 

dö sprach ein ander here göt 

,ich sagen üch, here, wat ir döt. 

mit kürten Sachen 

heizet balde machen 

ein gröz vür van dornen 

ind heizet den verswornen 

legen dar inne, 

dat he levendich verbrinne: 

so hat he gröz ungemach'. 

Der greve Salomon dö sprach 

,döt eme, koninc here, 

also als ich üch lere, 

den neman wers enmach geren. 

döt ür lewen ind ür beren 

zwene dage ungezzen stän, 

so begint si ane gän 



si lor soit delivrez 
lo glotons. 2 ) 
il le menront ä grant destruc- 
tion 



gröz hunger inde zorn. 

so leget en Wellis dan vorn 

vaste gebunden . . . 

si hänt en balde zobrochen 

ind zorucket ind zobizzen 



i) Bueves Moain: Michel XLIX dagegen Bone, und dies ist die Lesart gewesen, 
die vorlag; Bone = guet 531, 49. 2 ) diese und die vorhergehende Zeile nach 
Michel S. L. Bei Monin lauten sie: 

faitez venir un ors et un lyon, 

si lor livrez le conte Ganelon. 



— 183 — 



et l'ociront par mult gran con- 
tenson. 

ne remanra chars ne os ne braon. 

Sire empereres, dist Ogiers li vas- 
sal, 

autre jo'ise vous ai trouve plus mal. 

faitez le maitre 

en celle tor aval . . . 

ne boive ne menjut par nul 

home charnal . . . 

puis l'amaigne on 

el palais principal. 

li biaus mengiers li soit touz co- 

munal, 
bien conreez et de poivre et de sal. 
de vin ne boive ne de l'iaue autretal. 

de soif morra 



d'unne angoisse mortal, 
com fistRollans li ber en Ronsceval. 



ind sin vleisch zosplizzen 

inde drinkent sin blöt.' 

dö sprach Oiger der helt göt 

die van Denmarke 

(he hazde Wellis starke) 

,heizet den verredere 

legen in einen kerkere 

inde döt als ich üch sage ! 

läzet en vasten zwene dage 

inde ouch zwä nacht ! 

den döt hän ich eme gedacht. 

des dirdes dachs, as dat is gedän, 

so döt en her üz gan, 

als ir en wilt läzen leven, 

ind heizet eme zo ezzen geven, 

als ich üch wise, 

versalzen spise 

ind enläzt en niet drinken. 

dat solt ir wal bedenken. 

so sal he van dorste doven. 

so döt einen oven 

hitzen ind in dar in sitzen 

in de gröze hitze, 

so stirft he van dorste, 

sprach der edel vurste, 

als Rölant starf in Runzevale. 



Das Folgende weicht von Karlmeinet ab, aber eine andere Hand- 
schrift derselben Redaction (Michel S. LI) schliesst sich genau an; 
hier spricht nur noch Naimes nach Ogier und macht einen Marter- 
vorschlag, den Karl nicht annimmt; dann heisst es .= Karlm. 532, 31. 



droiz emperere, dist le comte Otoier 
,jä n'e-ce mie cor seinz a deviser; 
[se faites ce que vos sai ensegner, 
nus hom de char ne poet mex 

de vis er.] 
icil traitor me faites amener, 
qatre chivaus mi faites anseler 
les plus coranz que l'on porra 

trover, 
et par desus un pautoner monter, 
portent correges por les mex ef- 

freier : 
les poinz li faites et Her et serer, 



dö sprach der helt Otmer 
,enspart Wellis nummer! 
heizet brengen schere 
starker rosse vere, 
de snelsten de man mach vinden, 
ind läzent Wellis dar an binden 
an vözen inde an henden 
mit vele vasten b enden ! 

alse dat is gedän, 

so heizt de ros mit geisein slän 

ind döt si achter wege jagen, 



184 



etpuis as coes de chevaus biennoer: 
lors verrez vos son cors tot dessirer. 



certes,distKarle,neldoitonrefuser, 

ja est ciz faiz compliz sans de- 
morer. 

iloques sunt li cheval apreste 
por cel marche qe Ganes ot acheve. 

le traitor ont 

as coes bien noe, 



mot durement et lie et serre. 

li pautoner furent tot enrage, 
chascuns fiert bien son cheval ab- 

rive: 
trestot ont Guenes destruit e de- 

vere, 
en poi de terme l'ont tot decip- 

line. 



dat si den morder hene dragen, 

dat in de wilde der verzerren 

hi ind dar, nä ind verren, 

den de was Judas geselle, 

dat man it zo wunder zelle 

her nä over düsent jär!' 

,ir hat mir gesacht war' 

sprach Karl Pippines son. 

also wil ich ouch dön.' 

Nu gebot Karl der köne man, 

dat man ver ros gewan, 

de wären snel inde starc 

ind wert mancher marc 

inde dat man alzohant 

Wellis daran bant 

vaste zome zagele. 

dö reit he umbehagele. 

geendet was sin raste. 

man bant en also vaste 

mit seien vaste genoch. 

mit geiselen man de ros sloch . . . 

do wart stn vleisch ind sin bein 

vil wide gescheiden 
an busche ind an heiden, 
an dornen ind an brämen. 
sin dinc da ende nämen. 



An einigen Stellen lässt sich auch hier, wie ich glaube , die ur- 
sprüngliche Form des Textes mit Wahrscheinlichkeit herstellen. 



530, 27. mit kristenlichen witzen. 
dö genc he zo gerichte sitzen 
zo Ache üp den palas, 
dar der vursten vele was. 

64. dat ich dat unsanfte wrach 
an unschuldigen lüden, 

dat rüwet mich hüden. 

531, 12. zosinen vursten alle samen: 

ich biden üch inde manen. 

42. dat de lüde alle gemeine 

jämer an eme sen, 

op dat it ramme möge gesehen. 

dat bispel sal he der werlde geven.' 

,sö leze ich en zo lange leven. 

65. gröz hunger inde zorn. 
so leget en Weihs dan vorn 



do gienc er ze gerihte 

ze Ache üf den palas sitzen. 

daz ich daz unsanfte räch 

an unschuldigen Hüten, 

daz muoz mich iemir riuwen. 

ze sinen vursten alle samt : 

,nu sit gebeten und gemant. 

daz di liute gemeine 

jämer an ime sehen. 

daz bispel sol er der werlte geben 

oder: 
so lieze ich in ze lange leben, 
zorn unde hunger. 
so leget in Genelün vur 



— 185 — 

vaste gebunden. gebunden : 

ir wert in kurter stunden so sit ir schiere 

unsanfte an eme gewrochen. an im gerochen. 

531,51.nugebötKarlderkoneman, do hiez im Karl 

dat man ver ros gewan, gewinnen vier marh, 

de wären snel inde starc die wären snel unde starc. 

inde wert mencher marc. 

60. man bant en also vaste man bant in vaste 

mit seien vaste genoch. mit seilen. 

mit geisein man de ros sloch. diu ros sluoc man mit geiselen. 

Der Schluss des Gedichtes lautet 533, 4 ff. 

he engalt der missedät so sere, 

dat man nummer mere 

dat zo wunder mach zellen 

ind sagen zo bispelle 1 ) 

allen cristen luden, 

dat si got dar vur moze behüden 

durch sin groze güde 

ind durch sine barmherzikeit, 

dat wir nummer enkomen in herzeleit. 

Fehlerhaft ist hier zunächst der dreifache Reim in 533, 8—10; 
wahrscheinlich ist die dritte Zeile zu streichen. Der ganze Schluss 
sieht dem Schluss eines Gedichtes so ähnlich, dass wir auch hierin, 
wie bei I und II, den wirklichen des zu Grunde liegenden Gedichtes 
erblicken. Dann hiessen wohl die letzten Zeilen 

allen cristen liuten, 

daz si got darvur behüete 

durch sin güete und sin minne, 

daz wir nimmer herzenleit gewinnen, 

wodurch auch der fehlerhafte dreifache Reim seine Erklärung findet. 

Es bleibt uns noch übrig, zum Theil um unsere Herstellungs- 
versuche zu rechtfertigen, das Verfahren des Bearbeiters an dem 
Texte Konrads zu beleuchten; denn aus ihm haben wir die Regeln 
gewonnen, die wir auf die nicht zu vergleichenden und doch alten 
Stellen anwendeten. 

Konrads zum grössten Theile freie Reime mussten natürlich, da 
der Dichter zu einer Zeit dichtete, wo reine Reime Erforderniss wa- 
ren, in strengere umgewandelt werden. 2 ) Das Einfachste war, von 
den zwei bei Konrad assonierenden Worten das eine zu vertauschen, 
so dass die beiden neuen genau reimten. 



») Hs. byspelen. a ) Mit dem Folgenden vergleiche man die Einleitung zu Stri- 
ckers Karl S. XLV— XLVIH. 



186 



Konrad. 
5, 8. si sprächen daz er scolte 
in ze stete widir sagen, 
weihen tröst si zuo im mochten 

haben. 
5, 27. also der keiser vernam, 
daz im wären willic sine man. 
9, 10. selbe si sich wuosten, 
wände sine getorsten 
des keisers niht irbiten. 
10, 10. sich verwandelet ir stimme, 
ein vorchte wart dar inne. 
13, 20. wol ir helde guote, 
ratet mir ze der note. 



Karlmeinet. 
396, 20. si sprächen dat he solde 
si it zohant läzen verstän, 
welchen tröst si zo en mochten hän. 
396, 47. als der koning dit ver- 
nam, 
dat si em wären gehorsam. 
399, 12. sere si sich wösten, 
want si niet enmösten 
des keisers erbeiden da. 
402,2. si verwandelden ere stimme, 
do wart de vorte grimme. 
406, 47. vil leve helde güde, 
rädet mit einem müde. 



und ebenso noch 14, 29 beren : welle nemen, Karlm. 407, 13 be- 
ren: wilt geren; Konr. 15, 25, Karlm. 407, 49, Konr. 17, 9, Karlm. 
408, 34; Konr. 17, 19, Karlm. 408, 42; Konr. 21, 7, Karlm. 427, 
32; Konr. 25, 20, Karlm. 430, 7; Konr. 26, 6, Karlm. 430, 19; 
Konr. 31, 11, Karlm. 433, 4 u. s. w. 

Oder es wird das eine Reimwort beibehalten, das andere durch 
Einschiebung eines Wortes zu einem genauen Reime. 

Konr. 2, 28. got hat dich gehöret. 395, 14. got hat dich gehört ind 



daz liut wirdit bekeret. 
37,11. enruoche ich niht mere 
wider der armen sele. 
276, 13. aigen noch lehen. 
dar nach swuoren die herren. 



daz volc wirt al bekeret. 

435, 48. enacht ich nummer märe 

weder min sele ind ere. 

477, 58. eigen noch len mit eren. 

dar nä swören de hären. 



und ebenso Konr. 6, 3, Karlm. 396, 57; Konrad 6, 21, Karlmeinet 
397, 15. 

Ein sehr häufiger Fall, den ich daher auch verhältnissmässig am 
häufigsten bei der Herstellung in Anwendung gebracht habe, ist die 
Einschiebung eines Reimpaares, so dass für Konrads zwei nun vier 
Zeilen entstehen. 



2, 15. den diu nebil vinstere naht 
den totlichen scaten päre, 



daz er si dem tüvil benäme. 
2, 26. Karl, gotes dienistman 



ile in Yspaniam ! 



394, 63. den de düvel hänt bracht 
den dötlichen schaten vare, 

dat he er selve nfrme wäre, 
als eme dat wal gezeme, 
ind si dem düvel neme. 

395, 10. Karl, godes denstman, 
des din herze an mir gesan, 
des sal ich dich weren zohant. 
nu var in Hispanjen lant! 



187 — 



3, 22. 

di haidenscaf zestören, 

di cristin gemßren, 

4, 6. eine kunincliche chrone 

in der martersere chore. 

13, 2. er hiez vur sich chomen 

sehs wise herzogen. 

13, 6. 

min herze ist bevangen 
mit angisten manigen. 

14, 15. wir ne mugen da widere 

niht getuon. 

din vehten ist nehein vrum. 

16, 13. 

und enbeite niht langer! 

daz Hut ist dir gevangen. 
16, 27. dar wir niht widere mu- 
gen getuon. 



minen sun gib ich gerne da zuo. 
39, 3. er sprach ,wole ir helde 

guote, 
helfet uns üzer nöte. 

und ebenso an den folgenden Stellen: 

Konrad 19, 25. 26. 
23, 25. 26. 
25, 6. 7. 
25, 18. 19. 

27, 8. 9. 

28, 1. 2. 

30, 25. 26. 

31, 3. 4. 
31, 13. 14. 



395, "42. of it got wolde hören, 

gerne wolde he erstören 

de heidenschaf also breit 

ind meren de cristenheit. 

58. de hemelischen cröne. 

de wirt eme zo lone 

in der merteler chore gegeven, 

dar he eweclich sal leven. 

406 , 23. ind hez vil balde vur 

sich komen, 
so ich it vur war hän vernomen, 
seis greven inde herzogen, 
de sin dicke hadden geplogen. 
29. min vroude is mir zogangen. 
min herze is mir bevangen 
mit engsten menchvalden. 
mines rätes solt ir walden. 
63. wir enmogen niet dar weder 

don, 
want des moget ir wal geron, 
uns enhelpet niet unse vechten 
weder also stolzen knechten. 
408, 10. dö din volc sich bereiden! 
du ensalt niet langer beiden, 
want it is so ergangen, 
dat dine lüde sint gevangen. 
22. dar weder enmogen wir niet 

don. 
ir enmoget nummer geron 
vur eme späde noch vro. 
minen son geve ich dar zö. 
426, 13. er vil leven helde, 
van manheit üzerwelde ! 
helpet uns üz deser nöde, 
e man uns alle dode! 



Karlm. 426, 


37- 


-40. 


428, 


35 


38. 


429, 


55- 


-58. 


430, 


3- 


6. 


430, 


51- 


-54. 


431, 


12- 


-15. 


432, 


52- 


-55. 


432, 


62 


-65. 


433, 


6- 


-9. 



— 188 — 



Konrad 32, 


6. 7. 


Karlm. 433, 28-31. 


32, 


12. 13. 


433, 36-39. 


34, 


15. 16. 


434, 36-39. 


35, 


13. 14. 


434, 56-59. 


36, 


2. 3. 


435, 5-8. 


36, 


20. 21. 


435, 29-32. 


38, 


4. 5. 


436, 6-9. 


41, 


5. 6. 


437, 8-11. 


42, 


13. 14. 


437, 28-31. 


42, 


23. 24. 


437, 40 43. 


45, 


6. 7. 


438, 43-46. 


49, 


10. 11. 


440, 15-18. 


50, 


18. 19. 


440, 45-48. 


52, 


16. 17. 


441, 28-30. x ) 


54, 


19. 20. 


442, 25-28. 


54, 


21. 22. 


442, 29-32. 


55, 


13. 14. 


442, 51—54. 


56, 


14. 15. 


443, 20-23. 


66, 


4. 5. 


445, 35-38. 


68, 


13. 14. 


446, 29-32. 


69, 


17. 18. 


446, 63-66. 


70, 


8. 9. 


447, 25-28. 


71, 


18. 19. 


448, 2-5. 


72, 


13. 14. 


448, 32-35. 


248, 


25. 26. 


461, 35-38. 


252, 


26. 27. 


463, 32—35. 


252, 


28. 29. 


463, 36-39. 


258, 


22. 23. 


466, 41-44. 


260, 


25. 26. 


467, 57-60. 


262, 


7. 8. 


468, 20-23. 


262, 


13. 14. 


468, 28-31. 


262, 


29. 30. 


468, 50-53. 


262, 


31. 32. 


468, 56-59. 


263, 


31. 32. 


469, 26-29. 


270. 


24. 25. 


473, 47—50. 


271, 


1. 2. 


474, 7-10. 


272, 


7. 8. 


474, 47-50. 


289, 


27. 290, 1. 


485, 46—49. 


290, 


16. 17. 


486, 5-8. 


291, 


18. 19. 


486, 53-56. 


291, 


32. 33. 


487, 8-11. 


292. 


14. 15. 


487, 36-39. 


Meist sind die zwei eingeschobenen Zeilen nur Nothbehelfe, sub- 


jective Bemer 


iungen des Dichters, 

e fehlt. 


die ebensogut fehlen könnten und 


») Eine Zeil 





— 189 — 

keinen Gedanken enthalten. Nur selten wird, durch den Reim ver- 
anlasst, ein Zwischengedanke eingeschoben. 



8, 21. di sine vil suoze lere 
hat er uns vor gedragen. 



wir sculn ime allez nächvaren. 



398, 42. der sine vil soze lere 
uns hat gedragen vure (Hs. overe) 
inde gevet uns de kure 
de sele zo behalden of zo verlesen, 
beide lezet he uns kesen; 
willen wir zo deser scharen, 
so sullen wir nä eme varen. 



Die Assonanz wurde entfernt durch Umstellung der Worte, wo- 
durch die bei Konrad reimenden Worte entweder beide oder eines 
in die Mitte des Verses treten. Ein Reimwort an folgenden Stellen: 



6, 14. di durch got üz chomen 

wären, 
unt si in vernämen. 
14, 23. wele dir üz dinen helden 
der aller wisisten zwelve. 
17, 23. der keiser keret widere, 
koment si von deme gebirge. 
30, 5. bischove und herzogen, 
vil manich furste ze hove chom. 



397, 3. de durch got üz wären 

komen, 
dö si hadden vernomen. 
406, 7. gewinnet van uren helden 
zwölf üzerwelden. 
408, 46. der keiser komet weder 
al dat gebirge neder. 
432, 16. herzogen ind buschove 
mit den vursten zo hove. 



Bei weitem häufiger ist der Fall, dass beide Reimworte in die 
Mitte der Reimzeilen zu stehen kommen. 

3, 28. der keiser in do sagete 395, 40. der koninc sachte en do 

stille 
wes he hadde wille. 
396, 55. si weren eigen *) ofte 
vri, 



daz er willen habete. 

6, 1. er wsere fri oder eigen, 



si cherten üf di heiden. 

6,3.si zeich enöten sich mit chriucen. 



ja wart under den liuten. 
7, 1. Nu wil ich iu clagin. 

die heiden tuontuns grözin scadin. 

7, 13. des wsere uns not. 

ich bit iuch alle durch got. 

8, 26. eret daz vil heilige chriuce, 
mine vil liebin liute. 

9, 34. er zeicte in ain guoten fürt. 



üp de heiden kerden si. 

396, 57. si zeichenden sich mit 

crüces male, 
de lüde gemeine ind alzomäle. 

397, 49. ich sal üch clagen mine 

not. 
de heiden dont uns schaden grot. 

397, 63. des genge mich gröze 

not ane. 
mit gode ich üch alle mane. 

398, 51. dar mit dat heilige crüze 

is geeret. 
mine leve lüde, nu leret. 
401, 35. ein vort he do 2 ) vant 



>) Hs. heyden. 2) Hs. do hey. 



190 — 



er wiste si an eine burc. 

11, 6. die heiden fluhen in di ap- 

gothüs. 
ja wart dar in und dar üz 
ein vil michil gedrenge. 
10, 18. vil manige für tot lägen. 

da wart michil jämer. 

26, 8. daz si dich irkunnin 

ind dine werch minnen. 

28, 7. vart ze iweren herbergen. 

habt ir neheine sorgen. 

32, 8. ir vile unreine betehüs. 

die tüvele muozen dar üz. 

40, 11. derentphähe iz dar ubere. 

der rät gevellet mir ubele. 

40, 19. ir stet mit unzuhten. 

daz wil ich, sprach er, rihten. 

42, 19. behuote sine bürge, 

habe neheine sorge. 

56, 6. dö sich die herren schieden, 

die traene dicke vielen. 

66, 10. ich wil dir wärlichen sa- 
gen, 

deme keiser nemach nieman ge- 
schaden, 

69, 7. so muozen da heime 

di kint lange weinen. 

247, 25. elliu chomen zesamene 

zwen unt vierzic chuninge. 

249, 23. verteile sine chröne, 

dar nach dwinc du Rome. 

251, 32. zwene und vierzic chuninge 

sint da her mit im ubere. 

259, 28. von dem steine si in huoben, 

in gote si in beswuoren. 



üp eine burch in ein lant. 

401, 51. in de afgode hüs zohant. 

üz ind in quämen si gerant. 
so (do?) wart gröz gedrenge. 

402, 8. vele mench vur en lägen 

dot. 
dö wart der jämer vele gröt. 

430, 21. dat si erkennent ') dich 
ind meinent dich eweclich. 

431, 20. nu get zo der herberge 

gemeine 
ind enhät sorge engeine. 
433, 32. ere bedehüs 2 ) unreine, 
de düvele mözen üz gemeine. 
436, 48. de neme wir dar enboven 

zohant. 
der rät is ovele bewant. 

436, 60. mit Unzuchten scherne. 
dat wil ich richten gerne. 

437, 36. ind de bürge gemeine, 
ind enhave [ein] sorge engeine. 
443, 8. dö sichgescheden de zwene, 
vele dicke velen de trene. 

445, 47. so ich it vur war gesa- 

gen kan, 
dem keiser enkan geschaden gein 
man. 

446, 51. des mozen dar heime 

kint ind wif 
weinen ind quelen eren lif. 

461, 1. alle zo samen komen 
ind ouch de koninge 3 ) vernomen. 

462, 1. ind deilen sine kröne da. 
Röme entwichet uns dar nä. 

463, 4. zwen und vierzich koninge 

vernomen 
sint mit eme over komen. 
467, 17. de höven den keiser van 

dem steine 
ind beswören en gemeine. 



Aber manchmal musste der Bearbeiter auch aus der Mitte des 



>) Hs. enkenneut. a) Hs. beydehuys. 3) Hs. konynckynne. 



191 



Verses die Reimworte entfernen und den Gedanken Konrads mit an- 
deren Worten und Reimen ausdrücken. 



2, 10. daz er durch mennisken ge- 
born wurde, 
an deme criuce irsturbe. 
3,24. er sprach ,wol ir mine vil liebin, 
nu scul wir gote dienin. 
4, 10. an der rede wären 
herzogin unde gräven. 



394, 58. want he durch den min- 

schen (wurde) geboren 
de van schulden was verloren. 

395, 46. he sprach ,leve lüde min, 
in godes denste solt ir sin. 

395, 66. an der 1 ) rede mere 
wären de vursten here u. s. w. 



Konrad hat nach der Weise älterer Dichter neben regelrechten 
Versen noch überlange; solche hat der Bearbeiter fast überall ent- 
fernt, indem er entweder ein paar Worte ausliess oder aus der langen 
Zeile zwei machte und einen neuen Reim hinzufügte. In der ersten 
der folgenden Stellen wäre eine Kürzung nicht einmal unumgänglich 
nothwendig gewesen. 



3, 10. ir van si gewanten 
nie ze dehein werltlichen scanten. 
3, 19. dat himelriche mit der mar- 
tire irwerben. 
65, 21. iz ist ein vroude der hei- 
ligen kristinheit. 



395, 31. eren mot si niet enwanden 

zo der weite schänden. 

395, 39. ind dat hemelrich zo er- 

werven. 
445, 25. it is vroude der cristen- 

heit. 



In zwei Verse getheilt wurden Zeilen Konrads an folgenden 
Stellen. 



5, 15. daz lobeten si 

mit üf erhabener hant. 

15, 24. daz erbe (daz) iuch iuwer 

vorderen an brähten. 

11,18. in nomine patris et filii et 

Spiritus sancti. 

52, 5. unde des keiserisboteschapht 

unwirdecliche enphienge. 

64, 18. er sprach ,enwsere iz dir 

herre niht swäre. 

68, 12. sine gesatent sich niemmir 

menneschen bluotes. 

250, 34. si sprächen ,nu gehalte 

dich Machmet und Tervagant. 

269, 28. da er drie tage was inne 
begraben. 



396, 27. dit geloften si gemeine 
(ir Sicherheit was reine) 
mit üp gerechter hant. 

404, 28. ind we ür aldern haven 

bracht 
ür erve an üch vele ellentacht. 

405, 20. in nomine patris et filii 
et spiritus sancti. 

441, 15. ind also unwertliche int- 

venge 
des edelen keisers boteschaf. 

445, 3. he sprach ,enwere it, here, 
dir nicht so swere. 

446, 26. ne menschen blödes 
engesadent si sich nummer mere. 
462, 45. si sprächen ,nu gehalde 

dich zohant 
Machumet ind Dervagant. 
472, 50. dar he dri nacht ind tage 
innen beslozzen was. 



') Hs. Vnder reden. 



— 192 — 

269, 69. du erlostest uz dem ovene 472, 54. ouch erlöstest du uz dem 

driu kindelin. ovene 

drü unschuldige kindelin. 

270, 2. dines wunderes man ich 473, 1. diner vil mencher wunder 

dich alles. manen ich dich noch besunder. 

Diese Vergleichung ergibt, dass der Bearbeiter in Bezug auf 
die metrischen Gesetze grössere Strenge anwendet , als wir im Gan- 
zen in dem uns vorliegenden Text des Karlmeinet beobachtet finden. 
Manches kommt zwar davon auf Rechnung der Handschrift, die viele 
Nachlässigkeiten hat, aber es zeigen sich metrisch tadelnswerthe Verse 
nicht in allen Theilen gleichmässig, am meisten in I, III, IV und den 
Abschnitten von Ospinel (V a ) und Rolands Tod (V b ), dagegen nicht 
in den Theilen des Gedichtes (V), die dem Rolandsliede Konrads 
folgen und, wo die Benutzung desselben aufhört, die Rolandssage bis 
zum Schlüsse fortsetzen. Wir müssen diesen Punkt festhalten und 
werden abermals darauf zurückkommen. 

Allzufreie Reime, die der Bearbeiter nicht bewältigen konnte, 
Hess er aus, wie den Reim irbibete : sputen 10, 14. 

"Worte, die ihm unverständlich waren, wurden ganz entfernt. 
9, 1. der brode lichame ist diu diu, 398, 60. sternich sint unselichamen 

ind an dem live vergenclich. 
mallich der reinige sich. 
di sele ist diu frouwe. de sele dat is de frouwe. 

diu ,Dienerin' begegnet schon im dreizehnten Jahrhundert äus- 
serst selten, vgl. mhd. Wörterb. 1 , 368 a. In dem Zusammenhange, 
Wie die Seele nun im Karlmeinet die Frau, d. h. die Herrin heisst, 
ist der Ausdruck ganz unverständlich. 

An Missverständnissen, zum Theil allerdings erst des Schreibers, 
aber auch des Bearbeiters fehlt es nicht. Unsicher ist, ob 394, 64 
den dötlichen scharen durch Schreibfehler entstanden oder ob schon 
der Bearbeiter in seiner Handschrift so las. Sicher schon vom Be- 
arbeiter herrührend ist das Missverständniss von rafste (Hs. rafte) 
Konr. 10, 22, wofür er schreibt 402, 12 de heiden reif he alle ane 
(Hs. reiffen alle he ane), woraus hervorgeht, dass auch die ihm vor- 
liegende Handschrift rafte hatte (vgl. W. Grimms Anmerkung). Das- 
selbe Missverständniss von reffen 32, 4, den gerefsen wir harte, wo- 
für Karlm. 433, 26 steht dat wrechen wir an der erden. 

26, 22. dar zuo gib ich minin, näm- 430, 35. dar zö geven ich dir zo 

lieh ,Sohn'. minnen 

wat ir an mir wilt gesinnen. 

Auch 27, 10 ist missverstanden: Karlm. 430, 55 ist die wären bei 
Konrad aufgefasst als gerechte und darum ie ausgelassen. 



193 — 

431, 2. ind got vriste al iir göde, 
woraus sich ergibt, dass die alte Handschrift las vrste allir. 

32, 25. er sprach, .herre got, 433, 53. he sprach ,here got, 
schephe minem munde ein turlin? schepper min. 

33, 11. dat ü der himilische wirt 434, 12. dat üch \virt der hemel- 

(hospes coelestis). sehe wingart. 

37, 7. ich ne wil die uurech nicht 435, 42. ich eirwil de werc niet 

krump machen. krum machen, 

die Handschrift las also (wie die Schweriner) uurch oder wrch, was 
der Bearbeiter für werch deutete. 

47, 11. du bist ze gsehe mit der 439, 50. mit den worden bis in 

rede vreden al, 

unde Ruolant min neve ind Rölant der neve min! 

mit zornlichen worten. mit vreden machtu wal sin 

ind äne zornliche wort. 
47,16. gewahene der redenihtmere. 439,63. enhät es 1 ) engeinen wän, 

indem gewahenen als gewannen aufgefasst wurde. Vielleicht auch 

49, 18. Genelün erbleichte harte. 440, 25. Wellis dö erblechede 

harde 
hin ze Ruolande er warte. hene zo Rolande warde, 

was indess wohl erst vom Schreiber herrühren mag, der er ausliess, 
indem er übersetzte ,hin wärts (wart = wert) zu Roland'. Sicher 
vom Dichter missverstanden ist 

50, 18. Genehm geswige min 440, 45. (mande) Wellis dat he 

swege 
ind üp Rolande verzege. 
ouch sprach he , schöne min 
lä dise unrede sin! ind läz dese wort sin. 

54, 6. daz ich vure unzuchte ne 442, 12. dat ich vur unzocht ne- 

mac. men mach, 

wo in der Handschrift wohl stand niene mac. 

69, 9. von du (diu) sage ich iu, 446, 53. wat du seis, wizze 

wizze Krist. Crist. 

72, 24. so man in nider meizet. 448, 12. als man en hätgemezzen. 

72, 5. den hat der wurm gehechet. 448, 20. den hat der wurm ge- 

ßwechet. 

doch kann der Bearbeiter auch das gehechet oder gebechet der Hs. ' 
nicht verstanden haben. Yermuthlich las die Hs. wie A gebechet. 

252, 31. wir fuoren gröziu niumäre. 463, 41. gröz is unse gemeine. 

258, 7. du wäre min zeswiu hant. 466, 29. du weres mine getrüwe 

haut. 



i) Hs. entaitz. 



13 



— 194 — 

Die Hs. las also wohl rehtiu, was der Bearbeiter durch getrüwe 
wiedergab. 

260, 25. in almäriske siden. 467, 58. nä dem alden seden; 

Der Reim liden erfordert aber siden; daher rührt das Missver- 
ständniss wohl erst vom Schreiber her ; der Bearbeiter verstand viel- 
leicht almäriske nicht. Missverstanden scheint ferner 
271, 33. si sint alle wol gereite. 474, 39. si sint vaste in ein ge- 

reden. 
herre, dune darftniht langer beiten. ich enweiz wes du mögest beden 

doch ist zu erwägen, dass das Substant. gebite, bite im Karlm. in 
der Bedeutung ,Zögerung' vorkommt und auch mhd. ein schwaches 
Yerbum biten ,zögern' zu begegnen scheint; vgl. mhd. Wörterbuch 
1, 175 a. Ferner 

272,21. sin gesiune were freissam. 475, 1. he hadde einen son mö- 

des rieh. 
273, 26. drizec tüsent von Meres. 476, 28. drizich düsent si hers *) 

her an dis side mers. 

d. h. von diesseit des Meeres. Die Stelle Konrads 

290, 27. want du an in gihest. 486, 17. wanttu an en segis. 

wi scantliche du geligest. ai we schere du he legis, 

ist durch Missverstehen von gihest zu erklären, segis ist du sigest, 
und dann scheint auch an in als äne in (Hs. aen en) verstanden 
zu sein. 

Anziehend ist es zu vergleichen, in welcher Weise zwei spätere 
Dichter, der Stricker Und der im Karlmeinet uns entgegentretende, 
ein und dasselbe alte Gedicht umarbeiteten. Abgesehen von der Ver- 
schiedenheit der Mundart, hatten beide das gleiche Bestreben nach 
reinen Heimen; aber nur selten kamen sie auf dieselbe Aenderung 
des Originaltextes. Um die Assonanzen zu entfernen, bedient sich 
der Stricker derselben Mittel , s. B. der Einschiebung zweier Verse. 
Konrads zwei Zeilen 263, 31. 32 chuninge der erde Stent üf wider 
ir herren drücken beide Dichter durch vier Zeilen, aber verschieden, 
so aus: 

Stricker 9039. Karlm. 469, 26. 

er sprach ,daz muoz noch werden : we koninge van der erden 

der künec üf der erden sullen dar zö gewerden, 

stät üf wider sinen herren we si gesten dar weder, 

und tuot noch schaden merren. dat si eren heren brengen neder. 

Im Ganzen ist der Stricker der gewandtere Bearbeiter. Zwar 
schwächt auch er, wie es erklärlich ist, die kräftige Sprache und 



J ) lies briugent si hers. 



— 195 — 

Ausdrucksweise seines Originals und wird geschwätzig, wo Konrad 
kurz und bündig ist. Aber er weiss die Sprache mehr zu beherr- 
schen und seine Einschiebungen immer lesbar zu machen. Dagegen 
ist der Bearbeiter im Karlmeinet, wie mir scheint, poetisch begabter, 
aber nicht so versgewandt, daher gelingt es ihm oft nicht, den Ge- 
danken, den er erweitert, sauber auszudrücken, sondern er muss 
armselige Versfüllungen zu Hilfe nehmen. Stricker steht seinem Ori- 
ginale freier gegenüber, er lässt mit grosser Willkür auch grössere 
Stücke, geschweige einzelne Verse, aus. Der Bearbeiter im Karlmei- 
net hat sich, so weit wir es beurtheilen können, zur Aufgabe ge- 
macht, Konrads sämmtliche Verse umzureimen. Weil wir diese all- 
zugrosse Aengstlichkeit an einem ziemlichen Theile des alten Gedich- 
tes beobachten können, so werden wir , wo die Vergleichung aufhört 
und sich Verschiedenheiten ergeben, bedenklich sein, diese in der 
Willkür des Bearbeiters zu suchen, sondern werden eher eine Abwei- 
chung in der Vorlage, d, h. in dem alten Gedichte annehmen. 

Selten, wie gesagt, treffen beide Ueberarbeiter, natürlich nur 
zufällig, in ihren Aenderungen zusammen. Ich habe mir folgende 
Stellen aufgezeichnet. Konrad 5, 27 also der keiser vernam, daz im 
wären willic sine man. 

Stricker 605. dö der keiser ver- Karlm. 396, 41. als der kcminc 

nam, dit vernam, 

daz sie gote gehörsam . . . wären. dat si eine wären gehorsam. 

Konr. 25, 26. der keiser sich alliz enthielt, also ime sin wistuom 
riet. 

Str. 1367. Karl sich allez enthielt, Karlm. 430, 13. der keiser sich 

harte enthielt, 1 ) 
wan er grözer wisheit wielt. want he grözer wisheit wielt. 

Konr. 27, 26 und vuoret daz selbe zeichin. minem zorne muoz 
ich intwichin. 
Str. 1431. und füert daz selbe 431, 10. indvort dat selve zeichen. 

zeichen. 
daz muoz min herze weichen. nu wil ich mime zorne intwichen. 

Hier zeigt sich scheinbar Verschiedenheit von Stricker und An- 
schluss an das Original; dennoch ist es nicht denkbar, dass der Be- 
arbeiter zeichen : entwichen gereimt, er müsste denn weichen gespro- 
chen haben. Das bestätigt aber kein anderer Beim. Daher lese ich 
auch hier nu wil ich minen zorn weichen. — Konrad 28, 1. die 
palme bezeichinöt den sigenumpht. 

Str. 1434. der palme bezeichent Karlm. 431, 13. de palme bezei- 

den fride. chent den vreden. 



l j Hs. sich in liart heylt. 

13* 



— 196 — 

Konrad 254, 16. Paligän vie si unter sinin mantel. 
Str. 8842. under sinen mantel er K. 464, 27. under sinen mantel he 

sie nam. si nam. 

Konr. 258, 26. getruobet ist al min kunne. diu lant du mir elliu 
dwunge. 

Str. 10619. beide ich und al min K. 466, 47. bedrovet is al min 

künne. kunne. 

die bürge die du mir gewünne. di lant du mir wunne. 

Konr. 263, 27. der chunc Davit vor unseres herren geburte ma- 
nige zit. 

Str. 9036. ez schreip der künec K. 469, 22. ouch sprach der ko- 

Dävit ninc Davit 

vor gotes geburte manec zit. vur gotes geburde menche zit. 

Konr. 264, 3. daz wir daz hiute rechen, ir gedwanc scule wir ze- 
brechen. 

Str. 9248. daz wir die selben K. 469, 36. dat wir dat hüde 

höhvart wrechen, 

mit siner helfe rechen ir hövart sullen wir zubrechen, 

und ir gedanc zebrechen. höhvart hat Konrad nicht. 

Konr. 270, 34. herre, ich mit listen chom an di Christen. 

Str. 9373. der sprach ,ich was mit K. 474, 5. here, ich was mit listen 

listen 
komen under di kristen. komen under de cristen. 

woraus zu folgern , dass auch in Konrads Texte zu lesen ist : herre, 
ich was mit listen chomen an die Christen; denn schon die Wort- 
stellung der Pfälzer Hs. ist auffallend. Konr. 274, 2 di sibende von 
Joricop, di bringent si in gröze not. Beim Stricker fehlt der Name ; 
er sagt an der entsprechenden Stelle 9582 

den viel noch ie ein solh ses, K. 476, 42. de sevende van Ro- 

ricof l ) 
daz sie den sige nämen, de e vil grözen lof 

swä sie ze strite quämen. zo allen stürmen nämen, 

so war si dar zo quämen. 

Hier mag eine Lücke von zwei Zeilen nach Konrad 274, 3 an- 
zunehmen sein. Konrad 287, 23 erzeige dine tugende, erlöse uns 
von dem ubele. 

Str. 10085. krist kerre, durch din 484, 58. (erscheine) dine genäde 

wunden. zo desen stunden 

lces uns von disen hunden. ind erlose uns van desen hunden. 

Andere auffallende Uebereinstimmung mit Stricker, namentlich 



l ) lies Joricof, 



— 197 — 



in dem Theile des Gedichtes, wo Konrads Text kürzer ist, habe ich 
schon oben bemerkt. 

Es ist für die Untersuchung wichtig, dass wir die sprachlichen 
und Reimeigentümlichkeiten, wie sie sich für den Bearbeiter des Ro- 
landsliedes ergeben , noch ins Auge fassen. Er reimt nicht an : an, 
wie Konrad häufig. Man vergleiche folgende Stellen : 

Karlm. 396, 15. als de rede was 
gedän, 



Konr. 5, 3. also die rede was ge- 
tan, 

die herren sprächen ir man. 
5, 21. des mager grözen tröst hän. 



ist ave hie dihein man. 

19, 21. di cristinheit wil ich ane 

gän. 
ich wirde gerne sin man. 
25, 22. da wirdet er din man. 
er machet dir undirtän. 
27, 14. Marsilie hat vile widir 

mir getan. 
er hiez mir houbten zwene mine 

man. 

44, 26. ,si mähten einen sterkeren 

man 
dar zuo wol erweit hän. 

71, 26. er ist innen vül und ubele 

getan, 
daz bezeichinet den man. 

72, 23. der rät der was getan, 
sich vrouten Marsilien man. 
272, 25. dö redeten alle sine man, 
Yspaniam scolt er von rehte hän. 
do sprach der chunc Paligän 
,hsete ich nu dehein man. 

290, 1 4. dö sprach der chunc Paligän 

,ja du vil veiger man. 

291, 34. wes sparstu den man? 



diu urteile ist über in getan. 



de heren vrägeden dö sän. 

396, 35. des mach he guden tröst 

hän. 
is einich man hi so gedän. 
426, 33. darzo de cristenheit zo 

intfän 
ind werden eme underdän. 
430, 9. da wirt he der man din 
ind wilt dir underdenich sin. 
430, 60. mir hat ür here Marsilius 
harde vele leides gedän. 
zwene man hat he" mir erslän. 

438, 35. zwären buschof Jöhan, 
si mochten wol ein[en] sterkern 

man 
dar zo gekoren hän. 
ir enmoget niet wal stän. 
448, 14. he is vül ind ovel gedän. 
dat bezeichent böser lüde wän. 
448, 38. do der rät ende gewan, 
sich vrouwede x ) Marseiis man. 
475, 21. do sprächen alle sine 

knechte, 
he soldeHispanjenhavenzo rechte. 
Baligän sprechen began 
,hedde ich nu einen man. 

486, 3. Baligän antworden began 
,ja du vil veiger man. 

487, 12. wes spars du den man, 
dem got des levens niet engan? 
du endarft niet mozich stän. 
dat ordel is over en gedän. 



Ebensowenig reimte der Bearbeiter m : n. 



J) vouwede Hs. 



198 



Konr. 5, 27. also der keiser vernam, 
daz im wären willic sine man. 
32, 18. Blanschandiz ist ein närae- 

tiger man. 
geweidiget er widere Yspaniam. 
49, 8. er ist ein helt lussam. 
wä vunde man nu deheinin man. 
249, 17. raten dirz dine man, 



396, 41. als der koninc dit vernam, 
dat si eme wären gehorsam. 



so we (he) queme in Hyspaniam. 
440, 13. göder liste he vele kan. 
wä vunde man nu einichen man. 
461, 65. he sprach ,rädent it ür 



cheren durch Yspaniam. 

Auch die Verbindung s : z bei 
dem überall entfernt. 

Konr. 12, 22. di heiden intsäzen 
in daz, 

daz in der keiser so nähe was. 

15, 31. so wirdit iz boeser danne 
iz e was. 

über alle heiden redent si daz. 

32, 8. ir vile unreine betehüs. 

di tüvele muozen dar üz. 

44, 10. wole wessen si daz, 



daz er deme keiser liep was. 
59, 25. swenne er dar üf gesaz, 

daz er äne angest was. 

67, 16. waz meinet ave daz, 
duo unser rede wole verendet was. 
246, 26. er viel uf daz gras, 
harte weinöte daz . . 



in Hyspanjen keren wir dan. 
Konrad wird nicht geduldet, son- 

406, 7. de heiden voiten sich da, 

dat en der keiser was so nä. 

407, 57. so wurde arger it dan e. 

de heiden redden ouch me\ 
433, 32. ere bedehüs unreine, 
di düvele mozen üz gemeine. 
438, 19. vil wal (si) en wisten 
bevangen mit güden listen 
van menchem räde vil dief 
ind he dem keiser ouch was lief. 
443, 46. so wanne he dar üp saz, 
van prise he sich wal vermaz, 
dat he äne angest was. 
ein pelle gröne as ein gras. 
445, 67. wat dat meinet, 
dö unse botschaf was vereinet. 
460, 36. he vel neder üp dat gras, 
harde rüwich des was. 



Noch bemerke ich folgende für den Bearbeiter charakteristische 
Formen. Er sagte brinnen als schw. Verbum, nicht brennen; das 
zeigt folgende Stelle: 

Km. 468, 50. den si niet enwillen 

kennen, 
als si en hörent nennen, 
dat heische vür sal si brinnen, 
wan si got envortent noch minnen. 



K. 262, 29. daz si nicht wellent 
erkennen. 

daz helle nur scol si iemir bren- 
nen. 



Immer sagt er vän, nicht vähen, entfän, nicht enphähen. 



Konr. 6, 29. daz er unsich ent- 
phahe. 



397, 27. dat he uns vederlich intfa. 



— 199 — 

nu scul wir heim gähen. nu sal uns allen wesen gä 1 ). 

vgl. volstän: enfän 398, 4. 

Immer here statt herre oder herre. 

Konr. 2, 8. daz chlagete der herre. Karlm. 394, 56. do clagede der 

here 

er mante got verre. ind mande got durch sin ere. 

67, 2. du redest wole, sprach er, 445, 55. du spriches als ein here. 

herre. 

wir schulen dir sin danken verre. wir sullen dir dis danken sere. 

248, 22. Karl hat mir in minem 461, 32. Karl hat mir in mime 

riche riche 

gemacht ein michelen werren. gemachet vele uneren. 

daz chlage ich allen disen herren. dat clagen ich üch heren. 

Von läzen heisst ihm die 3. Person nicht lät, wie er auch kein 
län hat, sondern lezet, gewöhnlich leist geschrieben. 

6, 19. also er uns geheizen hat. 397, 11. als he uns entheizen hat. 

dat an der schrift geschriven stät: 
swer wip oder kint lät. so we leist wif inde kint 

hüs eigen ind sich sint. 

Die Adverbialform der Adjectiva in lieh lautet neben lieh nur 
liehe, nicht liehen, himelriche : gütliche 395, 9. riche : werliche 402, 
19. vroliche: hemelriche 404, 22. innecliche : hemelriche 405, 40. 
riche : getrüweliche 407, 39. gemeinliche : riche 407, 60. -liehen 
findet sich zweimal, aus Konrad beibehalten , riehen : wunnenclichen 
400, 24. entwichen : werlichen 463, 26, hier kann man jedoch leicht 
ändern. Entscheidend für -liehe ist eine Stelle: 

287, 3. 483, 67. dat mach dir wal ge- 

liehen, 
wirne sculen nicht entwichen, wir enwillen dir niet intwichen. 

dat wizze werliche, 
sunter fröliche wir willen vroliche 

von dem wige seeiden. van dem stride scheiden. 

Dass der Bearbeiter nicht samt oder sant, sondern samen sagte, 
geht aus mehreren Stellen hervor. 

16, 7. und komit der keiser in di 408, 4. wan komet he in unse 

laut, lant, 

er nimt iz allez ensamt. wir sins alle geschant. 

38, 18. din neve Ruolant 436, 24. dat ür neve Rolant mit 

namen 
uberruofet uns alle samt. vur rofet uns alle samen. 



!) Das schliessende n in gähen kann nicht Ursache der Aenderung gewesen 
sein; denn er hätte sonst geschrieben daz er uns welle enphähen ( : gähen). 



200 



48,23. üf spranc der heltRuolant. 
,gevellet iz den fursten allen samt. 



440, 1. Rölant dö ever üp spranc. 
,ir vursten , wilt irs mir sagen 

danc. 
463, 48. Oliver ind Rolant. 
dar nä sint uns genant. 

Die Substantiva in schaft gehen beim Bearbeiter immer in blos- 
ses f aus; er sagt weder schaft noch Schacht, wie er diensthacht, 
ernsthacht sagt. 



253, 4. Olivier und Ruolant 
und dar nach alle samt. 



2, 14. die manecvaldigen haiden- 

scaft, 
den diu nebilvinstere naht 
5, 33. ja wart di selbe botscaft 

lieb unde lobehaft. 

13, 14. gesamente sich elliu hei- 

denschaft, 
daz ne vrumete niht wider siner 

craft. 
43, 3. zestoeren al ire kraft, 
so ne muot uns di heiclenscapht. 



394, 62. de heidenschaf üz aller 
hacht, 

den de düvel hänt bracht. 

396, 53. dö wart botschaf dar zo 
bracht, 

dat si wart lief ind lovehacht *). 

406, 41. samende sich ouch alle 
unse heidenschaf, 

it(were) engeltche den sinen ein gaf 

437, 50. ind brechen sine bürge 
alle af, 

so enwedersteit uns de heiden- 
schaf. 



Der Bearbeiter reimt nicht sun : tuon, er sprach daher son. 



27, 18. also solt ich iu tuon. 
selbe der wäre gotes sun. 



430, 65. 



also solde ich üch nu 
dön. 

nu wil ich alles des gerön. 

432, 28. ind den 2 ) sinen son zo 
gisel. 

nu rädet alle, ir wisen, 

wat wir dar umbe mögen dön. 

ouch enwil ich nummer geron. 

441, 24. diner swester kint ver- 
stözet he seder. 

wat mach ein wifgedön dar weder? 

Die Ausdrucksweise wie du tuo ist entfernt. 
14, 21. unde den ltb dar zuo. 407, 5. ind den lif ouch darzo. 

ich sage dir herre wie du tuo. ich sagen üch, h6re, dot also. 

16, 21. ich sage dir herre wie du 408, 16. ich sagen dir, here, dit 

tuo. dö ! 

dinen sun gib gerne da zuo. dinen son gif gerne dar zö. 

Um so auffallender ist es , an einer Stelle diese Ausdrucksweise 
zu finden, wo Konrad sie nicht hat. 



30, 17. ze gisile slnin sun. 

nu ratet 

waz wir dar umbe tuon. 

52, 12. er verstcezet dinir swe- 
ster sun: 

waz mähte ein wib wider ime ge- 
tuon ? 



i) Hs. loenhaflft. 2 ) Hs. der« 



— 201 — 

67, 22. er sprach zuo dem edelen 446, 7. deme keisere sprach he zö. 

chunige. 
herre, ,weis du here wattu dö *)? 

läz uns dar ubere. lä uns mit unsen scharen 

hene zo Marseiis varen. 

Dies setzt einen andern Text bei Konrad voraus, nach welchem 
der Bearbeiter dichtete. In seiner Handschrift standen vielleicht die 
Reime : ze dem keiser sprach er duo : tuo , Marsilie : nidere (vgl. 
446, 11). 

Von wellen lautet beim Bearbeiter die zweite Person nicht du 
wilt oder du wil, sondern du wolt. Vergleiche 

24, 23. des ensezent si nehein zil, 429, 45. si engeven dir wat du 

wolt, 

wan also du gebiutest unde wil. beide selver inde golt. 

In der dritten Person er wilt, nicht er wil; doch ist er wil: 
vil aus Konrad 30, 27 in Karlmeinet 432 , 56 übergegangen. Dage- 
gen entfernt: 

5, 23. der guot nemen wil, 396, 36. der da wilt nemen got, 

man git im also vil. man gevets eme als de vlot. 

Für Konrads Text sind bekanntlich die handschriftlichen Hilfs- 
mittel ziemlich gering. Zwar können sowohl der Stricker als der 
Dichter im Karlmeinet nur als seeundäre Quellen gelten, deren Les- 
arten, jede für sich, keinen Werth einer alten Handschrift gegenüber 
haben; wohl aber, wo sie beide zusammenstimmen; denn sie weisen 
in dieser Uebereinstimmung auf zwei verschiedene von einander un- 
abhängige Handschriften, da nicht dieselbe Handschrift beiden zu 
Grunde liegen kann. Daher ist nicht viel, aber doch etwas für Kon- 
rads Gedicht aus ihnen zu gewinnen. Mehr noch aus dem Karlmei- 
net als aus dem freier dichtenden Stricker. Ich will die wenigen 
bedeutenderen Lesarten zusammenstellen, indem ich vorher bemerke, 
dass nicht alle nachfolgenden Abweichungen, die sich mit einiger Si- 
cherheit aus den beiden jüngeren Gedichten ergeben, für Verbesserun- 
gen zu halten sind. Ich füge zugleich auch einige Bemerkungen über 
den französischen Text hinzu, zu dessen Verbesserung Konrads Ge- 
dicht ebenfalls beitragen kann; denn da die älteste Handschrift des 
französischen Gedichtes nicht über das Ende des zwölften Jahrhun- 
derts zurückgeht, so stellt, wo mit Sicherheit aus Konrad auf seinen 
französischen Text zu schliessen ist, dieser eine ungleich ältere Hand- 
schrift dar. Es wird sich aus dem Folgenden ergeben, dass sein 
Text sich in mancher Beziehung der venezianischen Pergamenthandschrift 

l ) Hs. does. 



— 202 — 

des dreizehnten Jahrhunderts näherte, von der Keller (Romvart S. 
12 — 20) ein Stück des Anfangs mitgetheilt hat. 

6, 4. ja wart unter den liuten daz aller meiste lop. Beneckes 
Vermuthung ja wart ime bestätigt sich nicht. Es heisst nur ,die 
Leute waren alle voll Lobes', nämlich gegen Gott, nicht Karl ist ge- 
meint. 

7, 7 und opherent si den abgoten : daz ist des tiuvelis spot. 
Die beiden letzten Buchstaben von apgoten sind, wie W. Grimm be- 
merkt, in der Hs. undeutlich; sollte sie der Schreiber haben ausra- 
dieren wollen ? Str. 654 sagt unde opherent uns die ze schänden für diu 
apgot ; Karlm. 397, 57 ind Offerent si vur den afgot. Auch Konrads 
Text lautete wohl entweder vur diu oder vur den apgot. 

7, 18. W. Grimm vermuthet statt des handschriftlichen 

wesit demuote (: guote), 

wesit gote Untertan. 

weit ir also volkomen, 

so vindit ir dar ze himele daz lön, 

wesit gote Untertan, wesit demuote in einer Zeile, dann reimt vol- 
komen: Ion. Dies hat viel für sich, denn undertän: komen ist ein 
bedenklicher Reim und Ion bliebe dann ohne reimende Zeile. Der 
Bearbeiter im Karlmeinet jedoch scheint auch 7, 18. 19 in dersel- 
ben Folge und in zwei Zeilen vor sich gehabt zu haben, denn er 
umschreibt nach seiner Weise 17, 19. 20 durch vier Zeilen 398, 1- — 4 

weset undertenich gode (7, 19) 
ind volget mime gebode. 
wilt ir dar ane volstän, (7, 20) 
der engel Ion sult ir entfän. 

Da undertän : komen nicht reimen kann, so vermuthe ich weset 
undertän gote (: volkomen) ; dann fehlt noch ein Reim auf Ion, wenn 
man nicht in einer Zeile schreibt 7, 21. 22 so vindit ir dar ze hi- 
mele daz Ion der genäden. 

8, 1 ist zu lesen da sint si gotes rätgeben. Stricker 686 nü 
sint si gotes rätgeben, Karlm. 398, 20 dat si sint godes rätgeven, 
wohl dar si sint oder dar sint si. Der Zusatz gotes, den beide 
Dichter übereinstimmend haben, wäre durch das Metrum nicht erfor- 
dert gewesen, er muss also auf ihrer Quelle beruhen. 

12, 9. sine waeren in die cristenheit komen. Uebereinstimmend 
lesen Stricker 892 (alle Hss.) und Karlm. 405, 57 zuo statt in. Str. 
hat sin wseren zuo dem toufe komen, Karlm. si enweren zo der cri- 
stenheit komen; vgl. Konrad 54, 24. 

13, 2—4. er hiez vür sich chomen sehs wise herzogen, dar zuo 



— 203 — 

sehs gräven. Ch. de Rol. 7, 5 il en apelet e ses dux e ses cuntes. 
offenbar ist ses durch Missverständniss von Konrad als ,sechs c auf- 
gefasst worden. 

13, 25. vor alter muoser neigen. Konrad hatte hier die Lesart 
der venezianischen Hs. (Romvart 13, 4) vor sich, blanche oit la 
barbe et lo vis der, welche Zeile in Michels Texte fehlt. 

14, 10. Fundevalle. W. Grimm vermuthet Yallefunde, allein so- 
wohl Stricker 1022, als Karlmeinet 406, 58 haben übereinstimmend 
Fundeval, wie statt Fundevalle in P zu lesen sein wird. 

14, 29 ff. auch hier schliesst sich Konrad an den Text der vene- 
zianischen Handschrift an; bei Michel fehlen die Rosse, Romv. 13, 
11 pois le donras palefroi et destrer = Konrad 14, 32. 

15, 11. im französischen Texte bei Michel 3, 19 ist zu lesen en- 
veie lui les filz de noz muillers, Michel liest e nueius u les f. und 
erklärt ,neveu!' 

18, 14. Die Namen stimmen wiederum mehr zu der Venezianer 
Hs. als zu Michels Texte. Clargis von Parguel 18, 14, Clarcis Y (q 
steht in dieser Handschrift häufig für g, z. B. uassalage 13, 5) de 
Baiare Romvart 14, 7; Ciarun de Balaguet Michel 5, 2. Estropiz 
Konrad 18, 15, Ynstropiz R. 14, 8, Eudropin M. 5, 3. Stramariz 
Konrad 18, 16, Estramariz (Konrad las wohl E Stramariz) R. 14, 8, 
Estamarin R. 5, 3. Priamur Konrad 18, 17, Priamus R. 14, 9, Pri- 
amun (obl. Casus) M. 5, 4. Gerglant mit dem barte Konr. 18, 18, 
Giraldo (ciraldo) li barbe R. 14, 9, Guarlan le barbet M. 5, 4; hier 
stimmt Konr. mehr zu M. , denn Giraldo bildet auch eine Silbe zu 
viel. Baiziel Konr. 18, 19 (Baiziel A), Baciel R. 14, 10, Machiner 
M. 5, 5. Malbrant von deme mer Konr. 18, 20, Malbragant de me(r) 
14, 11, Kellers Abdruck deine , Malbien d ultre mar M. 5, 6. Mat- 
heüs sin ceheim Konr. 18, 21, son oncle Mathe R. 14, 10, sun uncle 
Maheu M. 5, 5. Jomel Konr. 18, 23, Et engi mel R. 14, 11, e Joüner 
M. 5, 6. 

24, 16. Die Rede Blanschandiez ist im deutschen Gedichte un- 
gleich ausführlicher als in den französischen. Namentlich in der Ve- 
nezianer Hs. ist sie kurz; doch enthält sie hier einiges, was Konrad 
hat , nicht aber Michels Text , und wiederum M. einiges , was in R. 
fehlt, so die Aufzählung der Geschenke. Dagegen stimmt Konrad 25, 
16 gebiut dine spräche genau zu Romv. 15 , 32 defina un gorno, 
welcher Vers in M. nach 9, 14 stehen müsste. Auch nach 9, 15 
fehlt in M. eine Zeile, R. 16 , 1 vostre hom sera par amor et par 
ber (lies ben) == Konrad 25, 22 da wirdet er din man. Ebenso 
R. 16, 2 = Konrad 25, 23. Das Folgende ist kürzer in R, aber 



- 204 - 

wieder steht R. 16, 5 dist Femperer ,regracia si a de = Konrad 
26, 2, nicht in Michel 10. 

28, 3. daz sich Marsilie bekeret; A liest daz Marsilie wirt be- 
keret und ebenso, wörtlich übereinstimmend, lesen Stricker 1437 und 
Karlm. 431, 66; es wird daher wohl die Lesart von A vorzuziehen 
sein. 

38, 16. iz get uns an di ere: die Strassburger Hs. uns allen an, 
und so liest auch Karlm. 436, 22 it geit uns allen an unse ere. 

40, 25. die uns der heilige gebe. Es ist zu lesen die uns der 
heilige geist gebe, denn so lesen übereinstimmend SA und Karl- 
meinet 437, 2. 

42, 23. Die Handschrift, die der Bearbeiter benutzte, las Pise, 
denn sonst würde er aus Konrad 42, 23— 24 nicht vier Zeilen ge- 
macht haben mit den Reimen Pise: spise, wine: sine, 437, 40 — 43. 
Auch die Ch. d. Roland hat wie Konrad Pine Str. 14. 

44, 16. bluot des gelouben. bluot scheint das ursprüngliche, 
doch haben bluome wie S Stricker 1851 und Karlm. 438, 25 gele- 
sen. In der folgenden Zeile las Karlm. wie A gelouben statt er- 
louben. 

44, 21. also si hie vor dir stänt. Bemerkens werth und vielleicht 
dem ursprünglichen am nächsten stehend ist die Lesart des Karlmei- 
net 438, 30 de hi in antworden stänt, ,die dir hier gegenüber, vor 
deinem Gesichte stehen'. Konrad hat den Ausdruck 78, 3 ze diner ant- 
werte und 298, 8 ze diner antwurte. Stricker 1856 las wie die andern 
Handschriften. Der Ausdruck kommt im Karlm. nochmals vor; in 
des keisers antworde (: horde) 494, 63. 

49, 14 vestenden] sprächen A: so mögen auch Stricker 1983 und 
Karlm. 440, 22 gelesen haben, wenn nicht die Uebereinstimmung mit 
A zufällig ist; denn sprächen ergibt sich als natürliche Aenderung. 

51, 7. ditze hast du Ruolant getan; AS lesen diz hat Ruolant 
getan und ebenso lasen Stricker 2027 und Karlm. 440, 6, daher 
ist wohl diese Lesart vorzuziehen, denn gleich in der folgenden Zeile 
heisst es ime. 

51, 15. disiu botescapht ist min, so PA, S hat disiu boteschaft 
diu ist min und ebenso Stricker 2037, Karlm. 440, 69. Ein Grund 
im Metrum lag nicht vor, diu einzuschieben; daher hatten die alten 
Hss. schon dieselbe Lesart wie S. 

51, 16 nu lä din ungebären sin; die Lesart ungebäre, die AS 
haben, wird durch ungebere Karlm. 441, 1 bestätigt. Stricker 2038 
hat unrede, aus Konr. 50, 19. 

52, 2. daz man in dicke muose reichen: S hat ime für in, im 



- 205 — 

auch Stricker 2045. Karlm. 441, 12 liest en eme, was dem Sinne 
am meisten genügt. 

52, 5. unwirdecliche; so lesen PS, unwetlichen in A meint wohl 
unwertlichen, wie Stricker 2045 und Karlm. 441, 15 lesen. 

52, 22. heize weinin: A hat sere für heize und so las auch 
Karlm. 441, 39. 

53, 55 ff. auch hier schliesst sich, wie ohen, Konrad theils an 
die Venezianer Hs., theils an Michels Text an. Romv. 19, 14. 15= 
Konrad 53, 5 — 8, und ebenso das folgende 16—18. 21, Konrad 
53, 9—12. 

54, 22. du mäht ime ze wäre sagen. So lesen übereinstimmend 
die drei Handschriften : Karlm. 442 , 32 liest du macht it wal mir 
eme dragen ind eme zo [alle] Wortzeichen sagen, daraus scheint für 
die zu Grunde liegende Hs. die Lesart ze warzeichen für ze wäre 
hervorzugehen. 

55, 25. da wir got da eren: da wir, wie AS lesen, wird durch 
Karlm. 442, 63 dat wir got dar eren bestätigt 

64, 17. er huob sich neben ime dare: S liest eneben in, und 
dies scheint das richtige, das auch Karlm 445, 2 he höf sich bene- 
ven en dare gewährt, 

65, 1. vil listechlichen er sich erhalte: so alle Hss., Karlm. hat 
listlichen dö erbalde 445, 54. Aber auch Stricker las erhalte , denn 
sonst würde er den Reim nicht geändert haben, da er erbalden 2268 
aus Konrad 64, 15 beibehielt, erbalde setzt Karlm. 446, 60 auch, 
wo Konrad es nicht hat. 

68, 28. daz ir höchvart gevellet: unbedenklich ist zu lesen daz 
ir höchvart wurde gevellet, so vroute sich min sele. Stricker 2382 
hat würd ir höhvart gevellet, Karlm. 446, 36 dat ir hövart neder 
wurde gevellet. 

68, 31. auch hier scheint in P etwas zu fehlen, wo die Zeile 
lautet Hyspaniam büwen. Karlm. 446, 41 mit vreden Hyspanjen bü- 
wen, Stricker 2385 iwer lant mit fride büwen ; auch bei Konrad ist 
daher zu lesen mit fride Hyspaniam büwen. In der folgenden Zeile 
stimmen Stricker und Karlmeinet wiederum gegen P : P hat unde 
woldit ir dar zuo getrüwen, Stricker 2386 woltet ir mirs getrüwen, 
Karlm. 446 , 42 ind wouldet ir mir des getrüwen : so wird auch bei 
Konrad zu lesen sein, entweder unde woldit ir mir des getrüwen oder 
woldit ir mir des dar zuo getrüwen. 

69, 26. unde ist is iu also ze muote: A liest dir für iu, und 
so las auch Karlm., wo es 447, 10 heisst ind is dir also zo möde. 
Stricker hat hier freilich überall ir. 

70, 26. mit gedinge man wac, Ä hat man ime wac: so las auch 



- 206 — 

Karlm., wie aus 447, 49 mit gedinge weich man eme den schat, her- 
vorgeht. 

72, 6. swer der trüwin gesmechet: A hat so wer aver there, 
mit A stimmt auch hier Karlmeinet 448, 21 wer ever der trüwen 
smachet. 

72, 28. daz dich, herre, gehalte : A liest daz dich, herre , got 
behalte, damit stimmt am meisten Karlm. 448, 43 here, got dich 
behalde, wo Keller unrichtig interpungiert. behalte liest auch Stri- 
cker 2544. 

247, 10. 11. daz Paligän sin herre wäre chomen ubere mit zwein 
und vierzic chuningen: Stricker hat 8591 daz im quseme über mer 
ein vil kreftigez her. daz braute der künec Paligän. Karlm. 460, 
49 dat Baligän sin here over mer komen were mit menchen 
stolzen knechten üz erkoren zo vechten, ind koningen, so ich 
wene, der was vierzich ind zwene. Der Text in P scheint unvoll- 
ständig: W. Grimm vermuthet 247, 11 sei zu lesen wären chomen 
über mer. Allerdings haben Stricker und Karlmeinet über mer, 
aber dadurch würde der Reim zerstört , denn es reimt ubere : 
chuningen. Wie hier, steht auch 251, 32 zwene unt vierzec chu- 
ninge sint da her mit im ubere. Dass beide jüngere Gedichte hier 
stimmen, ist natürlich, denn ubere konnte nicht anders gut umschrie- 
ben werden als durch über mer. Wenn in P nichts fehlt, so bleibt 
nichts übrig als 247, 10. 11 in eine Zeile zu ziehen. Allein die Um- 
schreibung im Karlmeinet scheint auf eine fehlende Zeile nach 247, 
10 zu deuten. 

249, 29 — 32 sind in zwei Verse zusammenzuziehen: 

dar umbe scolt er dienen unt nigen. 

man scol in scenden unt dar umbe vertriben. 

darumbe 32 könnte aus der vorhergehenden Zeile eingedrungen sein: 
Karlm. 462, 5 liest nur man sal en sehenden ind verdriven. 

250, 2. iclarions. Clarions lesen übereinstimmend Stricker 8675 
(Clarjün) und Karlm. 462, 9. Auch Turolds Clarifan weist auf diese 
Form hin. 

250, 7. swä im sin nu aller durftes si. Stricker 8684 swar im 
aller liebest si, ebenso Karlm. 462, 16 so war eme alre levest (Hs. 
leyffte) si. 

250, 13. chomet ir schiere her widere : ir ist wol zu streichen. 
Stricker 8690 nu komt schiere her wider, Karlm. 462, 22 nu komet 
balde weder. 

252, 19. e er durch diheiner slachte not ain fuoz iemir entwi- 
chen. W. Grimm vermuthet e si durch; aber auch Karlmeinet 463, 



— 207 — 

25 liest e he durch einicher haude not emande woulde intwic'nen, da- 
her fehlt auch wohl bei Konrad ein scolte oder wolte vor entwichen. 

252, 32. die dine habent guot wort: W. Grimms Verbesserung 
die dine habent mit ir guoten swerten geworht bestätigt sich durch 
die Lesart des Karlmeinet nicht: hier heisst es 463, 41 gröz is unse 
gemeine inde hänt ein gut wort, d. h. ,die unsrigen gemessen eines 
guten Rufes, sind wackere Kämpfer'. Auch 253, 6 scheint vorchuone 
nicht anzutasten: Karlm. 463, 50 heisst es de alre könsten de da 
streden. Dagegen wird W. Grimms Besserung mere 254, 19 durch 
Karlm. 464, 31 bestätigt. 

256,33. ein chrüce er an in vant: es fehlt nichts, wie W. Grimm 
vermuthete, aber es ist zu lesen an ime vant. Karlm. 465, 44 ein 
crüce he an eme vant, vgl. Str. 8931. Ebenso in der Zeile 257, 1 
daz ime für daz in. 

258, 9. sine zeigent dir nehein geliehen ist nicht anzutasten, 
ebensowenig als die vorhergehende Zeile lesen diu buoch alle samt. 
Karlm. 466, 30 man lese böch over al dat laut, man envindet en- 
geinen din geliche. Der Sinn bei Konrad ist also: ,lasst uns alle 
Bücher lesen : sie zeigen keinen dir gleichen'. 

259,4. umbe daz ich wandel töten: Karlm. liest deutlicher 466, 
59 umbe desen leven döden. 

260, 26. si den herren legeten: den ist wohl nicht richtig, es 
muss heissen die, wie Karlm. 467, 59 si de heren lachten. Die Er- 
gänzung lichenämen, die W. Grimm vorschlägt, ist wenigstens nicht 
nothwendig und erhält durch Karlmeinet keine Bestätigung. 

262, 25. der Reim erfordert alle sine chuninge für das hand- 
schriftliche alle sine chüne (: ubile) und so las auch Karlm. 468, 45 
sine koninge sullen alle komen vorn: auch Stricker hat 9005 swie 
maneger siner künege si. 

263, 16. di haizent siniu rehten erbekint. Stricker 9032 hat 
die heizent miniu rehten erbekint, Karlm. 469, 11 want si sint min 
rechte erfkint. Ist auch bei Konrad miniu zu lesen? 

269, 25. 29 ist erlöstest für erlösest zu schreiben, vgl. Karlm. 
472, 46. 60. 

270, 24. üz vorne ziehen, vielleicht üz den halsbergen vorne 
ziehen; vgl. Stricker 9382 er hiez im ziehen sinen bart durch 
des halsperges ringe. Karlm. 473, 46. der keiser hiez si ir barde 
üz den halsbergen zien. Doch versteht sich der Zusatz fast von 
selbst. 

270, 34. herre, ich wil mit listen chom an di Christen. Stri- 
cker 9393, Karlm. 474, 5. ich was., komen, vgl. oben S. 196. 

273, 16. von den verschiedenen Namensformen stimmt nur Karlm. 



- 208 — 

zu Turold und zeigt damit die echte Form. Konrad hat Surlenes, 
Stricker 9502 Kurlens, Karlm. 475, 61 Turiles, Turold Torleus. Da- 
gegen ist Clappamors bei Stricker 9503 Lesefehler, der sich leicht 
erklärt, aber in den meisten Hss. findet, auch im Karlm. 475, 
62 Clapemorsen. Konrad hat das richtige Dapamorses. Irrtümlich 
schreibt Michel 231, 5 d'Apamort, un autre rei leutis, man lese Da- 
pamort, denn Leutis ist der Name seines Landes, vgl. Michel im 
glossaire 193 b. 

287, 24. Schon oben (S. 196) habe ich die Uebereinstimmung 
Strickers mit Karlmeinet bemerkt. Die Pfälzer Hs. hat erlöse uns von 
dem ubele (: tugende), gegen welchen Reim nichts einzuwenden ist. 
A hat von den hunden (: tugende), Stricker 10086 loes uns von di- 
sen hunden, und ebenso Karlm. 484, 60 ind erlöse uns van den hun- 
den. Auch dieser Reim ist untadelhaft für Konrad, denn wie man: 
sagen, und ähnliches kann auch hunt : tugent reimen. Gewiss ist hun- 
den hier das allein echte; der Schreiber von P fiel in das Pater- 
noster. 

288, 23. Die Lesart von A ist die richtige: ze den swerten si 
dö griffen. 

290, 17. Die in P offenbar verderbte Zeile machte halspergen 
wird durch die Lesart im Karlm. 486, 7 aufgeklärt. W. Grimm ver- 
muthete ine ahte dine halsperge, was an sich trefflich ist und guten 
Sinn gibt. Eine Lücke, die er noch für wahrscheinlicher hält, hatte 
auch die Hs., die der Dichter im Karlm. benutzte. Nach der Weise 
dieses Bearbeiters eine Assonanz Konrads durch vier Zeilen aufzu- 
heben schrieb er 486, 5 — 8 

nu mostu balde ersterven 

ind dinen döt erwerven. 

dir enhelpent niet dine halsbergen. 

du enkans dich niet verbergen. 
mir scheint es nicht zweifelhaft, dass diese Verse in dem alten Ge- 
dichte lauteten 

nu muostu vil schiere ersterben. 

dich enlielfent niht dine halsberge, 
demnach wäre machte aus nicht dine entstellt und vorher zwei Worte 
ausgefallen. 

Der letzte Abschnitt des ganzen Gedichtes beginnt mit 533, 13 
und geht bis zum Schlüsse. Es ist nicht schwer, schon äusserlich in 
diesem Stücke denselben Verfasser zu erkennen, der III nach latei- 
nischen Quellen compilierte. Auch für diesen Schluss des Ganzen 
ist Turpin (bei Vincenz von Beauvais) mit Ausnahme weniger Sätze 
Quelle. Zwischen ihm (VI) und III liegt das Gedicht von Karl und 



— 209 



Elegast, so wie die Umarbeitung des Rolandsliedes. Am Schlüsse von 
III war nach Turpin (19. Capitel) erzählt worden, dass Karl in Com- 
postella ein Concil hielt und der Stadt verschiedene Privilegien er- 
theilte (373, 3 — 50). Nachher war zur Anknüpfung an die folgende 
Erzählung von Karl und Elegast gesagt (nicht nach der Quelle, 
sondern aus Erfindung des Dichters) , Karl sei nach Ingelheim 
gezogen und habe dort eine Weile zugebracht. Was in Turpin vom 
21 — 30. Capitel folgt, bildet den Inhalt der Rolandssage und daher 
hat aus diesen der Compilator nichts aufgenommen, mit Ausnahme 
vielleicht von einigen Sätzen, wo ihn sein Vorbild, das deutsche Ge- 
dicht, mit dem Ms. im Stiche Hess (sieh S. 115). In Turpins 31. 
Capitel (Yincenz 24, 22) wird erzählt, dass Karl in St. Denis ein 
Concil nach der Rückkehr aus Spanien hielt. Auch Karlm. 537, 13 
berichtet dies gleich im Beginn des VI. Abschnittes; vgl. auch Albe- 
ricus 2, 150 (z. Jahre 806): Karolus ab Hispaniis rediens consilium 
tenuit apud beatum Dyonisium. Hier folgt nun alsbald der Anschluss 
des deutschen Textes an Turpin (Vincenz) nach wenigen einleiten- 
den Zeilen. 



Vincenz 24, 22 (Turpin 86, 48 

Reuber) 
ut ibi ageret Carolus gratias 
deo et sancto Dionysio de subju- 
gata gente pagana 
et dedit in praedio 
omnem Franciam 
eidem ecclesiae 
et praecepit 

ut omnes reges Franciae 
et episcopi 
praesentes et futuri 

subjecti essent 

et obedientes in Christo 

pastori illius ecclesiae, 



ne reges 
coronati 



sine ejus consilio 



!) lies vele kerken. 



534, 17. ind dankede gode ind 
eme, (dem heil. Dionys) 
dat it en was bequeme, 
dat he de heidenische diet 
bedwungen hadde, als ir siet, 
ind dar umb machde he underdän 
vele *) van Vrancrich sunder wän 
dem goden sente Dionise, 
ind gebot offenbare ind niet lise, 
dat alle de koninge van Vrancrich 
ind buschove lovelich 
de da wären ind sullen komen, 
dat si mit eren inde vromen 
soulden sin underdän 
ind gehörsam in gode sunder wän 
der kirchen van sant Dionise 
mit vil grözem prise. 
vort gebot he me, 
dat achter der zit ummer me 
gein koninc van Vrancrich 
ensoulde werden gckronet richlich 
offenbar noch stille, 
it enwere des abtes wille 
van sent Dionise in Vrancrich 



14 



— 210 — 

nee episcopi ind ouch dat gein buschof rieh 

ordinati nee apud Romam nummer gekoren ensolde werden, 

reeepti essent we sere man des begerde, 

aut damnati. noch entsat dar mede, 

u. s. w. it enwere mit des abtes vrede. 

Die Erscheinung des heiligen Dionys, ganz nach Turpin, welchem 
der Bearbeiter bis 87 , 12 ut terra illa quae antea vocabatur Gallia 
tunc Francia vocaretur (~= Karlm. 534, 43) folgt. Die nächsten 
Worte id est ab omni Servitute aliarum gentium libera und der Satz 
qua propter bis debetur fehlen im deutschen Texte. Dann heisst es 
wieder übereinstimmend mit Turpin (Vincenz 24, 22 sub finem): 

tunc [Carolus] rex 534, 46. Karl enbleif do langer 

niet, 
Aquisgranum perrexit. ind reit zo Achen in de stat. 

wie auch bei Albericus 2, 150 postea Aquisgranum versus Leodium 
perrexit. Nach Karlm. 534, 49 blieb Karl in Achen zwei Jahre und 
kränkelte während der Zeit beständig: Vincenz sagt (24, 25) nach 
der Vision des Turpin ,ab ipso enim tempore quo ab Hispania dis- 
cessit usque ad diem mortis suae assidue aegrotavit.' Was Karl für 
Achen gethan, erzählt Turpin am Schlüsse des 31. Capitels, der Be- 
arbeiter folgte Vincenz, der nach perrexit sagt: et ibi aedifieavit quae 
superius dieta sunt. Dann berichtet der Dichter, Karl habe seinem 
Sohne Ludwig das Reich übergeben (535, 4 — 33) mit der Bedingung, 
dass nach Ludwigs Tode nur ein deutscher Mann zum Kaiser ge- 
wählt würde. Vincenz 24, 25 sagt nur: Cum autem Carolus finem 
vitae cerneret imminere, Ludovico, filio suo, quem Aquitaniae regem 
dudum ordinaverat coronam imperialem dereliquit. 

535, 34—536, 35 wird Karls Ende erzählt; er starb in einem 
Alter von 72 Jahren, nachdem er 14 Jahre Kaiser gewesen. Den 
dann folgenden Brand der Mainzer Brücke, der mit Karls Tode zu- 
sammenfiel, hat der Verfasser wohl aus Turpin (cap. 32, S. 88, 1 
bei Reuber), d. h. bei Vincenz entlehnt, wo er kürzer als bei Ein- 
hard erzählt ist, dem Albericus 2, 157 folgte. 

536, 36. zo der selver zit 
dö Karl wart sines levens quit, 
pons ligneus quem ipse apud Mo- de brugge van Menze verbrante, 

guntinum...aedificaveratjincendio dat it mench man bekante, 

funditus per semetipsum consump- mit dem quäden vüre dö. 

tus fuisse dicitur. 

Dann folgt ebenfalls nach Turpin (Vincenz 24, 25) die Vision, 
die dieser vor Karls Tod hatte, cap. 32 (Reuber 87, 21—37), Karlm. 
536, 41—537, 33. 



211 



eram apud Viennam in ecclesia 
ante altare orans 
et cum raptus in extasim psalmum 
,deus in adjutorium' cantarem, 

vidi 

tetrorum spirituum agmina infinita 

[ante nie] praeterire 

et tendere versus Lotharingiam, 

quos omnes *) 

quidam Aethiopi similis 
insequebatur lento gradu. 
cui dixi ,quo tenditis ?' 



,Aquisgranum' inquit 

,ad Caroli 

mortem, 

ut ejus spiritum 

ad tartara rapiamus.' 



tunc ego 
,adjuro te 

per nomen domini nostri Jhesu 
Christi, 

ut peracto 

itinere ad me redeas.' 

tunc modicum morati, 

vix 

expleto psalmo, 

ad me redierunt 

eodem ordine 

et dixi novissimo, 

cui primum locutus fueram 



zo der selver stunt 

wart eime buschove kunt 

vur eime elter da he lach 

zo Viannen ind sin gebede sprach, 

ind begunde sin gezide 

ind sprach ,deus in adjutorium' 
bilde, 

so we quam in der locht gevaren 

von swarzen düvelen ein gröze 
schare, 

die vur eme voren mit der vart 

ind also zo Lotringe wart. 

dö 1 ) dese wären alsus geleden 
vore, 

do quämen do von verren möre, 

de drechlichen volgeden nä. 

he sprach ,war woult ir, wä, 

dat ir ilt alsus sere? 

wat is deser mere?' 
' si antworden eme mit der vart 

,wir willent zo Ache wart, 

da Karl lit in der not: 

eme neket ezö der döt, 

dat wir mit unsen gesellen 

de seien voren zo der hellen.' 

do dese wort wären gedän, 

der buschof wart sere intdän 

ind sprach zo eime möre dö 

,ich besweren dich ind manen 
dich hö 

bi Jhesus Christus, bt dime namen, 

dat ir alle zosamen 

her weder kompt zo mi 

ind saget mir we it si.' 

unlange nä der stunde 

dö eme nochtan niet uz er dem 
munde 

der erste selme komen enwas, 

den he zo der zit las, 

dö quämen si weder zo eme ge- 
varen 

geschart in der selven scharen. 

dö he si ane sach, 

zö eme he dö sprach 



Hs. de. 2 ) Turpin, genauer stimmend: qui cum omnes pertransirent. 



212 



,quid egistis?' 
,Galecianus', inquit, 

sine capite, 



suspendit 

tötet tantos lapides in sua statera 

et ligna innumera 



basilicarum suarum, 

quod magis 

appenderunt bona ejus quam mala, 

et idcirco animam ejus abstulit.' 

et his dictis 

evanuit. 



[itaque intellexi eadem die Caro- 
lum.. . subsidiis beati Jacobi, cujus 
ecclesias multas aedificaverat, ad 
superna meriti regna subvectum]. 



,we is dar geschiet?' 

der düvel sprach ,wir enhän sinre 

niet. 
dar quam ein man van Galitzen 

lant 
(Jacob is he genant) 
ind lachte entgän unse mäge 
also vele steine üp eine wäge 
ind holzes ind kalkes dar zö 
dat wir sin worden unfrö : 
dar mede he hadde don büwen 
vil bedehüs 1 ) mit truwen, 
also dat he zo den stunden 
uns entweich 2 ) alle sine sunden 
ind hat uns de sele entvort. 
nä den worten he do vort 
zoch mit sinen gesellen 
weder in de hellen, 
der buschof wart der rede frö 
ind dancte is gode van hemele dö. 
alsus sin wirs sicher worden, 
dat Karl is in der heiigen orden 
in dem schonen hemelriche 
bi gode harte wisliche. 



Die letzten von mir eingeklammerten Zeilen fehlen bei Vincenz, 
wenigstens in der mir vorliegenden Ausgabe; wenn in allen Hss. , so 
benutzte der Compilator neben seinem Texte noch Turpin. 

Nach Vincenz 24, 25 wird hierauf erzählt, dass Leo auf den 
Ruf von Karls Tode nach Achen gekommen, wo Karls Beerdigung 
stattfand. Obiit autem 3. Calend. Februarii et sepultus est Aquis- 
grani in ecclesia rotunda (Karlmeinet 537, 52) beatae Mariae virgi- 
nis und ein wenig später mit der Aufschrift ,Chronographus'. 



sepultus est igitur Aquisgrani 

[in ecclesia rotunda] 
formosissima toto 
Romanorum orbe capella 
honorificentissima Carolus 
[supra cujus tumulum 

exstructus est arcus 
deauratus]. 



537, 50. do wart gemachet schere 

van steinen ein graf fere 

in siner kirchen runde, 

de erligesten zo der stunde 

in dem römschen riche was. 

nu hört wat ich vort las! 

de vursten enhadden is niet ver- 

gezzen, 
si enhedden den keiser vermezzen 
balsemen doen harde schone 
bi gode van dem trone 



*) Hs. beyde huys. 2 ) Hs. entwych. 



— 213 — 



interfuerunt ibi Leo papa 
cum principibus Romanis 



duces etiam et comites 

et abbates et archiepiscopi et 
episcopi multi aliique 
innumeri 



corpus defuncti induentes 
vestibus imperialibus quasi festive 
auream capiti coronam imposu- 
erunt: deinde super auream ca- 

thedram quasi judicem viventem 

sedere fecerunt. 

catenulam quoque auream dia- 
demati conjunxerunt et cathedrae 
super quam sedebat, ne caput de- 
functi decideret, affixerunt. 

ac super ejus genua 



textum quatuor evangelistarum 
aureis literis scriptum colloca- 
verunt 



ita quod 

manus dextra textum, 

sinistra vera sceptrum 

tenebat aureum. 

sed et scutum aureum 

quod ei Romani fecerant 

ante faciem ejus statuerunt. 



mit harde costelichem gekrüde. 
43. (Leo) reit mit menchem Rö- 
mer wal bekant 
durch menche sträze inde pat 
hene zo Ache in de stat.. 
dar quam ouch mench greve ind 

herzoch 
ind mench abt ind buschof 
inde mench groz edelman, 
der ich alle niet genomen enkan. 
61. ouch so hört ich it düden, 
dat de heren, got it weit, 
Karl den doden hadden gecleit 
mit keiserlichen cleidern schone 
ind üf sin hoft ein guldin crone 
ind satten en üp einen sezzel 

mede 
als ein keiser in sinre mogen- 

thede 
ind stricten weder de cröne 
eine guldin ketten, de was schone, 
inde weder den sezzel mede, 
op dat dat hoft ind de lede 
vaste sitzen mochten, 
also als it en dochte, 
ind lachten eme üp sin knien 
ein boch, dar man inne mochte 

sien 
de ewangeljä alle viere 
geschreven in güder maniere. 
dat däden si dar umbe, 
want h6 alle crumbe 
der' heiigen kirchen ave hadde 

gedän 
ind si erde sunder wän. 
dat böch helt he, als ich it vant, 
aldä mit der rechter haut 
ind in der lurzen helt der güde 
ein ceptrum, eine guldin rüde. 
vur eme stont ein schilt van golde, 
den eme santen durch sin holde 
de Romere in sime leven. 
538, 50. dö quämen alle de vur- 
sten vromen 
ind nämen den keiser, als he saz, 
ind drögen en hene sinen pas 



— 214 



et arcum lapideum 
in quo sepultus erat 



pretiosis replentes aromatibus 

monumentum strenue sigillantes 
clauserunt. 



bi dat graf lovebere 

ind lachten dar in den here 

mit harde grözer erbercheit. 

dar zo waren si wal bereit. 

dar bi quämen höge lüde 

ind vulten dat graf mit güdem 

gecrüde 
ind beslozzen mit grozen eren 
dar in Karle den heren. 



Am Schlüsse folgt eine Beschreibung Karls, die von der bei 
Einhard (cap. 20) wesentlich abweicht, dagegen genau sich wieder 
an Turpin (bei Vincenz) anschliesst. Alberich hat an zwei verschie- 
denen Stellen (2, 121. 158) die Schilderung Einhards eingefügt, aber 
auch die Turpins (2, 121). Ich will auch diesen Passus, den letzten 
des Gedichts (539, 13—540, 30) zur Vergleichung hersetzen. 

Nu wil ich üch vurbaz sän 
so we sin lif was gedän 
ind wat seden dat he plach, 
also verre als ich it vermach. 
Karl, der koninge genöz, 
was van live schone ind gröz 
ind brün van sinre hüde. 
he hadde lenger voze dan ander 

lüde, 
der voze was he echte lanc, 
rechte ind ho in sinen ganc 
ind umb de siden breit ind grof 
ind lede gröz nä sime behof, 
gröz van armen ind van beinen. 
man envant in den ziden engeinen 
ritter zo wäpen also got, 
noch so vrom noch so vrot. 
sin antlitz was ein voz breit 
ind ander halve spanne lanc wal 

gereit, 
omch was sin vurhoft lovelich 
einen voz breit sicherlich, 
sin ougen warn zo sene ane 
gelich dem lewen nä gedäne. 
si vlackerden in dem gebere 
recht als it ein karfunkel were. 
sin bräen wären dar zö 
einre halven spannen lanc do, 
ind wanne he was zornich, 
so was sin gesüne vreislich, 



Erat hie Carolus 
corpore decorus, sed visu ferus. 
[capillis brunis, Turpin.] 
statura ejus 

octo pedum suorum, scilicet qui 
erant longissimi, renibus erat am- 
plissimis, ventre congruus, 

brachiis et cruribus grossus 

miles doctissimus 

et acerrimus 

et omnibus artubus fortissimus. 

facies ejus in longitudine 

habebat palmum et dimidium, 

barba unum pedem, frons erat 

unius pedis. 

oculi 

leonini 

scintillantes 

ut carbuneuli. 

supercilia 

dimidii palmi. 



— 215 






quemcunque iratus 
apertis oculis aspexisset, 

statim territus erat, 
cingulum quo cingebatur octo 
pedibus extendebatur 
praeter illud quod pendebat. 

inter coenandum aut aliquod 

acroama aut lectorem audiebat, 

legebantur ei historia antiquorum 

res gestae. *) 

parum panis comedebat, 

sed 

quartam partem arietis 

aut gallinas duas 

aut anserem unum 

aut spatulam porcinam 

aut pavonem aut gruem 

aut leporem integrum edebat. 

modicum vinum 

et aqua dilutum sevrie bibebat, 

ut semper ad coenam raro 

plus quam ter biberet. 

aestate post cibum meridianum . . . 

solitus erat 

duabus aut tribus horis quiescere. 



noctibus sie dormiebat, 
ut somnum quater vel quinquies 
non solum expergiscendo , sed 
etiam surgendo interrumperet. 2 ) 

tantae fortitudinis erat, 



ind so wanne dat geschach, 

ind we en dan ane sach, 

so enwas so stolz engein man, 

he enschede ververt van dan. 

sin edel lif [was] wal gedän 

was dicke echt vöze sunder wän. 

dat vant man an dem gurdel sin 

tuschen dem loch ind derrinkin. 

ouch so wanne he az, 

so horte he gerne dat man las 

de historjen der koninge, 

de hadden geleft in gudem dinge. 

he az brödes vele kleine, 

mer he az wal alleine 

van eime schäf dat vierteil 

of zwen kapünen up al heil 

of eine gans zo einem male 

of ein swins schulder sunder häle 

of eine pä of einen cranen 

of einen hase of einen swanen. 

van win zo drinken was he reine 

ind mengede den mit der fonteine. 

seiden he over ezzen dranc 

me dan dri werf äne wanc, 

ind als dat ezzen was geschiet, 

seiden wolde he is läzen niet, 

en bestonde zo vächen, 

dat he dan moste släfen. 

dat quam van deser sachen, 

wan he nachtes vele wolde wachen . 

ich hän gelesen van eme, 

dat it eme was bequeme, 

dat he seiden ganze nacht enslief, 

he enstonde üp ind rief 

got ane inde bede sich 

dri of vier werf sicherlich. 

dese pine dede he sime live 

üp dat he drächeit wolde verdriven. 

ouch so was sin sterkde so gröz , 

dat is menchen man verdroz. 

so wä he in einen strit quam, 



!) Die Worte inter coenandum — res gestae bei Vincenz 24, 2 nach Hugo Flo- 
rincensis. Auch Albericus hat sie 2, 121 aus Einhard (cap. 22). 2) Die Worte 
ut semper bis interrumperet bei Vincent. 24, 2 nach Hugo , wie bei Albericus 
2, 121 nach Einhard. 



216 — 



quod militem armatum, 



super equum sedentem, a vertice 
capitis usque ad bases simul cum 
equo uno ictu propria spatha 
secabat. militem armatum rectum 
stantem super palmam suam a 
terra usque ad caput suum sola 
manu velociter elevabat. 



quatuor ferraturas equorum 
simul manibus facile extendebat. 

[et erat donis largissimus, 
judiciis rectissimus, locutionibus 
luculentus. *) 



dar slöch h6 wal einen gewäpen- 

den man 
mit eime slage overmitz enzwei: 
des was en rechte as ein ei. 
einen gewäp enden ritter echt 
dede he üp sin hant stän recht 
ind höf en üp alzohant 
enboven sines hoftes rant. 
he plach ouch bi wilen zo nemen, 
as it eme mochte gezemen, 
van eime rosse van Hispanien 
vier hofisen zosamen 
ind brach de van ein zo male, 
dan ave enhadde he geine quäle, 
milde was h& in sime geven 
ind bescheiden al sin leven, 
als ir vur war wal hat vernomen. 



Woher der Compilator hat, was er diesen Versen folgen lässt, 
dass Karl in seinem Leben so viele Kirchen habe bauen lassen, als 
in der ersten Reihe des Alphabetes Buchstaben stehen (540, 32 — 36), 
weiss ich nicht. Bei Vincenz, an den man zuerst denken muss, fin- 
det sich die Bemerkung nicht, auch nicht im Turpin. Yermuthlich 
aber stammt sie auch aus einer lateinischen Quelle, die ein Histori- 
ker von Fach leichter auffinden wird als ich. 



') fehlt bei Vincenz. 



217 — 



IL 

Die Sprache. 

Wenn wir auch nachgewiesen haben, dass die einzelnen Bestand- 
teile der grossen Compilation in sich getrennte selbstständige Ge- 
dichte bilden und das dazwischen liegende vom Conipilator aus an- 
dern Quellen ergänzt wurde, so dass das Ganze zu einem vollständi- 
gen Leben Karls in poetischer Form sich erweiterte, so bedarf es 
doch noch des sprachlichen Beweises, dass die einzelnen Dichtungen 
verschiedenen Verfassern angehören. Zum Theil ist dieser Beweis 
dadurch erschwert, dass die Heimat aller dieser Dichtungen beinahe 
dieselbe ist, dass also gewisse Spracheigentümlichkeiten sich in allen 
finden. Trotz dieser dialektischen Verwandtschaft — die Mundart 
ist die niederrheinische, mit mehr oder weniger Hinneigung zum Nie- 
derländischen — sind die Verschiedenheiten noch gross genug, um, 
in Verbindung mit den aus dem Inhalt geschöpften Beweisen, die 
verschiedenen Dichter erkennen zu lassen. Es wird daher notwen- 
dig sein, die dialektischen Abweichungen in der Laut- und Formen- 
lehre, so weit sie sich aus den Reimen ergeben, die hier wie überall 
nur beweisen können, zusammenzustellen. Wir beginnen mit den Vo- 
kalen. 

1. Kurze Vokale, 

a für mhd. e, das mnl. häufig ist, kommt sehr selten vor. Ein- 
mal in IV part (Hs. pert) : enspart 374, 29; ausgelassen dagegen 
wurde ein solcher Reim nach 393, 47 (Elegast 1318) und entfernt 
durch einen an die Stelle gesetzten 393, 42 (Elegast 1310); vgl. 
auch 389, 23 mit Elegast 1024; ein deutlicher Beweis, dass der 
Mundart des Compilators dies a für e nicht zukommt, sterc : werc 
(Hs. starck : werck) ist 384, 64 aus Elegast 747 stehen geblieben. 
In V a reimt swert : Durendart zweimal 414, 65. 416, 38; doch es 
könnte eine Namenform Durendert angenommen werden. -Von an- 
derer Art ist das altertümliche a für e in engagen : erslagen 475, 
49. : versagen 479, 49, in V aus dem älteren Gedichte des 12. Jahr- 
hunderts beibehalten. Der Dativ hövarte (: harte) 446, 3 ist nicht 
zu dulden, sondern höverte (: herte, Adject.) zu schreiben. — Auch 



— 218 — 

in II bricht an einer Stelle die Hinneigung zum Niederländischen in 
dem Reime part (pfert) : vart (Hs. pert : vart) 293, 2 1 durch. 

a für e in dem Präteritum karte für kerte. karte ist allge- 
mein mitteldeutsch und niederrheinisch, gleichwohl findet es sich in 
dem ganzen Gedichte nur zweimal und keinmal sicher. In I reimt 
karte (Hs. keirde) : Durendarte 136, 39, und gebarte: karte (Hs. ge- 
leirde : keirde) 80, 3 : an der ersten Stelle kann man Durenderte an- 
nehmen, wie in V a (sieh die eben erwähnten Stellen) und in der 
zweiten ist wahrscheinlich geberte : kerte das ursprüngliche, vom iniin. 
geberen, der mehrfach vorkommt. 

a für o allgemein niederdeutsch, daher in allen Theilen der Com- 
pilation. 

I. sal (: al) 10, 2. 112, 41. 214, 30. : geval 65, 7. : ungeval 
119, 20. 153, 11. 154, 22. wal für wol, :bal 17,51. 137, 31. : sal 
21,7. 25,31. 34,44. 35,32.39. 44,62. 53,2. 55,2.62. 75,47. 
99, 27. 100, 40. 139, 42. 141, 35. 142, 25. 146, 28. 160, 47. 
: val 82, 40. 164, 33. 179, 45. 183, 50. : wederval216, 24. (we- 
derzal?). : zal 1, 3. 16, 27. 26, 17. 29, 4. 41, 22. 52, 17. 
57, 8. 58, 21. 71, 15. 47. 76, 13. 81, 1. 24. 88, 59. 97, 52. 
104,21. 109,29. 125,39. 126,36. 129,55. 132,22. 133,21. 
134, 32. 145, 17. 156, 65. 159, 12. 165, 8, 166, 1. 173, 37. 
176, 23. 185, 48. 194, 29. 209, 14. : logenzal 100, 2. 102, 25. 
143, 31. 161, 12. 186, 20. 187, 1. 191, 30. gewane für ge- 
wone, : ane 12, 60. 58, 23. 70, 36. 161, 50. : sän (? lies ane?) 
59, 18. 

IL wal für wol, : kal 245, 64. : sal 230, 28. 231, 51. 261, 
30. 263, 41. 265, 33. 288, 65. 291, 53. : tal 251, G6. : zal 
232, 64. 236, 54. 259, 6. 262, 32. : wederzal 248, 43. van für 
von, : man 254, 60. gewan für gewon, : ane 259, 36. 268, 61. 
: swane 222, 40. 

III. sal für sol, : al 373, 63. wal für wol, : mal 325, 35. : Por- 
tegäl 373, 23. : sal 296, 67. : zal 326, 58. 348, 20. 352, 48. 
: logenzal 330, 51. 338, 14. : wederzal 356, 48. In III kommt 
aber auch wol vor, denn es reimt wol : vol 333, 57. 

IV. mähte für mohte, : dachte 378, 38. : gedachte 376, 35. 
nachten 387, 5. wal für wol, : al 377 , 23. 393, 28. : zal 279, 6. 
: logenzal 378, 5. 

V. haln für holn, verhalt : gezalt 463, 44. sal für sol, : al 399, 
42. 433, 10. 439, 11. 461, 14. du salt : alt 476, 10. : balt 433, 
20. : gestalt 448, 54. : menchvalt 439, 26. wal für wol, : Runze- 
val 426, 1. : tal 426, 62. 466, 42. 475, 9. 477, 10. wanen für 
wonen, : manen 467, 51. 



— 219 — 

V*. wal für wol, : tal 410, 4. 419, 48. 420, 42. 433, 30. 
gewane : ane 418, 15. 

V*. sal : unval 449, 54. wal : tal 451, 25. 452, 21. 

Y c. 1 ) sal : al 500, 2. 523, 7. wal : Fundral 492, 29. 

Berührungen von langem und kurzem a im Reime sind selten. 
Von der Strenge des Dichters von V in Bezug auf die Reime an 
und an, die bei Konrad gebunden werden, ist oben S. 197 gespro- 
chen worden. Aber auch die andern Theile der Compilation sind 
hierin streng. Nur in I scheint einigemal a : ä gebunden zu wer- 
den, gewan (für gewon) : sän 59, 18, man müsste denn eine Kür- 
zung san (für sagen) annehmen, wie entschieden sade für seite ,sagte' 
vorkommt, man: van reimt 121, 26, doch kann man leicht ändern 
man : wan. 77, 47 lesen wir wan wir nu bergen unse zale, ge- 
vreische man it unse quäle, was keinen rechten Sinn gibt; wahr- 
scheinlich ist zu lesen wan wir nu bergen unse zal, gevriesche mant, 
it wurde bal (es würde schlimm). Ebenso lässt sich zomäl : sal 35, 
26 in zotal : sal ändern, kan : entgän 198, 46 muss entgän : hän 
gelesen werden. Yor s wird a : ä gebunden in palas : dwäs 21, 36, 
hier sprach aber der Dichter jedenfalls dwas, vgl. genas : gedwas 
120, 28. palase : gedwase 74, 43. 112, 43. dwas : was 162, 28. 
: Orias 177, 14. 187, 3. : Girnas 206, 11. In III reimt wale : zo 
male 325, 35. In IY dar : clär 376, 41, wo Aussprache dar (daer) 
anzunehmen ist. Ausserdem noch gewan : entgän 382, 2. In Y be- 
gegnen einige Stellen, die aber gewiss nicht unverderbt sind und 
wenn echt, aus dem alten Gedichte mit aufgenommen wurden, dar : 
vur war 461, 18. ennam : Baligän 476, 50; die Länge des Yoca- 
les in Baligän erweisen viele Reime , sonst könnte man gewan : Ba- 
ligan schreiben, denn m : n reimt Y nicht. Y a reimt lovesam : ane 
gän 418, 39, was, wenn es richtig ist, gegen die Identität der Ver- 
fasser von III und V a spräche. In Y c bleichvar : vurwär 504, 57 
halte ich auch für entstellt. 

e mit e gebunden auch sehr selten. In I unwerde : kerde 201, 
61. In II wert : gemert 257, 35. 

Der Wechsel von e und i, der Uebergang von i in e zeigt sich 
in zahlreichen Reimen, die sich in allen Theilen des Karlmeinet 
finden. 

I. brengen : gehengen 25, 62. 27, 6. : lengen 161 , 43. vol- 
lenbrengen : engen 72, 9. volbrengen : lengen 156, 17. bewerken : 
gemerken 208, 67. beden : reden 53, 26. gebede : mede iOO, 18. 



J ) So bezeichne ich den Theil von V, der sich nicht mehr an Konrads uns vor- 
liegenden Text anschliesst, 489, 1—533, 12. 



— 220 — 

IL gehengen : brengen 249, 8. 266, 4. 

III. vele : hele 296, 54. bequeme : eme 295, 53. 297, 6. 315, 
48. queme : eme 323, 36. 348, 1. brengen : verlengen 296, 36. 
: gehengen 299, 17. 355, 13. vollenbrengen : gehengen 350, 26. 
ere : were 315, 2. : here 317, 36. rede : mede 344, 1. stede : 
mede 343, 36. 373, 21. mede : dede 367, 65. geve : verdreve 
338, 36. leven : verdreven 326, 51. marcgreven : bleven 347, 37. 
des : gewes 334, 9. gewest : list 322, 14. 

IY. kele : vele 375, 16. kennen : winnen 378, 57. brengen : 
gehengen 385, 5. verwerken : sterken 375, 29. sede : dede 375, 
45. 385, 47. stede : mede 382, 48. mede (so lies!) : bede 394, 
40. verdreven : leven 376, 58. 381, 19. 383, 2. berichten : vech- 
ten 379, 12. 381, 6. desen : genesen 378, 3. 

V. gesellen : willen 440 , 63. gevelde : geschelde 479 , 5. en- 
binnen : erkennen 448, 10. stinken : bedenken 446, 47. drinken : 
bedenken 432, 21. vreden : reden 436, 64. bleven: geven 486, 15. 
segen : erstegen 398, 18. 

V a . dwingen : gehengen 425,31. bleven : leven 417, 64. 

V c . velde : milde 513, 58. bilde : helde 499, 11. versinnen : 
erkennen 520, 31. vinde : ende 504, 53. lenges : brenges 498, 33. 
lengen : brengen 526, 10. sterket : verwerket 529, 45. vreden : 
entreden 512, 41. entreden : leden 521, 60. rechte : begichte 509, 
60. Criste : beste 507, 61. 

VI. eme : bequeme 533, 17. beschreven : leven 534, 62. ge- 
west : list 535, 40. 

Der Conjunctiv und Infinitiv von ich wil lautet in ei- 
nigen Theilen der Compilation wille und willen. I. wille (conj.) : 
stille 26, 59. 31, 5. ich wille : stille 30, 24. 44, 7. 134, 24. 
156, 43. ir willet : gestillet 113, 65. 134, 30. — IL ich wille •* 
stille 270, 8. — IV. wille : stille 382, 60. Dass der Bearbeiter von 
V nicht wellen, sondern willen sagt, beweist die Entfernung von wel- 
len an folgenden Stellen: 

Konr. 35, 19. Apollen sinin gesellen. 434, 64. ind Apollen sinen gesellen, 

die sich ze gote gehaben wellen. de sich zo gode willent stellen. 

276, 8. unt ander sine gesellen. 474, 15. under andern sinen ge- 

sellen, 
wir wellen sone wellen. de dugenclichen eilen 

den wilt he mit stillen, 
wer enwillen ofte willen, 
vgl. noch wir willen : stillen 474, 18. willen (infin.) stillen 438, 65. 
wiUe (velit) : stille 448, 62. 

e berührt sich mit o in wechen für wochen, was sich aber auch 
bei hochdeutschen Dichtern findet. Doch kommt weche nur in I und 



— 221 — 

II vor. I. wechen : rechen 14, 41. : sprechen 121, 35. 172, 43. 
: gerechen 159, 23. II wechen : sprechen 228, 39. Von stechen 
scheint ein Partie, gestechen gebildet, denn erstechen steht 199, 7 
auch ausser Reime. Im Reime nur in I. gestochen : rechen 107, 51. 
erstochen (Hs. erstechen) : undersprechen 129, 3. gestochen (Hs. 
gestechen) : sprechen 153, 2. erstochen : wrechen 201,56. Ebenso 
ist ein gebrechen für gebrochen anzunehmen, reimend auf vermechen 
189, 45. Ausserdem kommt in I noch vor hert : gewort (für ge- 
worht) 157, 19. 

In III findet sich antworden : gerden 312, 23 , aber der Dich- 
ter sprach antwerden, wie 137, 54 auch ausser Reime steht. Nicht 
hierher gehörig ist gewelde : solde in IV, 377, 59 ; auch wers (wirs) 
pers (für ors?) 393, 52 kann nicht als Beweis gelten, dass der Com- 
pilator so gesprochen, denn dieser Reim ist nur eine Entstellung des 
mnl. Originales. 

i berührt sich mit i in einigen Worten, die aber nicht in allen 
Theilen des Gedichtes gleichmässig vorkommen. 

I. wich (wie) : ich 49, 15. berichten : bichten 165, 36. 

IL richte : bichte 223, 23. blis (blies) : ris (rise) ? 287, 23. 

III. sich : rieh 297, 36. 327, 38. 342, 36. 352, 30. vunfzich : 
rieh 310, 35. 

V. in : Turpin 404, 26. : guldin 427, 2. : kindelin 472, 55 
rieh : mich 397, 47. : sich 427, 52. 443, 26. 469, 30. sich : 
wich 473, 21. 

V a rieh : dich 417, 22. sich : wich 424, 6. V b 453, 60. 

V c gerichte : lichte 521, 45. 524, 53. 529, 35. — 
VI. sich : rieh 535, 8. 

Berührung von i und ie ist verhältnissmässig selten. I reimt 
Hecht : nicht 14, 51. schilt : zerspielt 91, 44. — IV. dinc : hienc 
394, 38. ginet : dinet 388, 21. schilt : hielt 377, 53 (so ist zu le- 
sen!). In V nur Olivier : dir 439, 43; denn schiffen : diefe 461 , 7 
ist keinesfalls unverderbt. In V a schilt : spielt 417, 8. dinc : 
entfienc 421, 13. 

Immer kurz ist i in in (hinein), in verschiedenen Theilen des 
Gedichtes. 

I. in : gewin 24, 19. 96, 54. : bin 170, 5. 178,34. 206,29. 

III. in : gewin 385, 12. V. in : konin gin 464, 38. 

o steht für a nach niederländischer Weise vor Liquiden, einmal 
in I. balde : Hünolde 199, 7, wenn nicht Hünalde zu lesen ist (vgl. 
Hüwalde 198,57); einmal in III. gescholden : beholden 344, 14; am 
häufigsten in IV. golt : manechvolt 377, 39. golde : wolde 378, 25. 
molden : holden 380, 2. brochte : dochte (so!) 386, 29. Dass je- 



— 222 — 

doch dies o nicht der Mundart des Compilators entsprach, beweist 
seine Entfernung in 391, 6. 393, 44. 

o berührt sich mit 6 ausser dem allgemein mitteldeutschen horte 
und gehört für horte, gehört nur in ros : los, am meisten in I und 
II. I. 40, 17. 54, 29. 65, 21. 69, 16. 80, 15. 87, 35. 94, 10. 
115, 28. 150, 28. 153, 36. : segelos 149, 60. — IL ros : los 244, 
25. 252, 21. 268, 52. einmal in III. 365, 6, und einmal in V. 
475, 15, und Ya. 411, 15. Am meisten fällt der Reim in V auf, 
dessen Dichter sonst sehr genau in der Trennung langer und kurzer 
Vocale ist. Er entfernt z. B. aus Konrad den Reim not : got 397, 
63. Daher beruht dieser Reim wohl auf mundartlicher Aussprache, 
entweder ros oder los (vgl. oben bei ä : a dwäs). 

o f ür u ist allgemein üblich. I. scholt : holt 33, 1. verscholt : 
golt 114, 55. : holt 156, 27. scholt : golt 200, 23. : unholt 205, 
56. hoffen : getroffen (statt hüffen) 193, 20. vlogel : vogel 187,58. 
mochte : dochte (für düchte, zugleich verkürzt aus ü) 139, 40. 

II. verscholt : holt 219, 11. 220, 14. 223, 49. scholt : holt 
221, 4. : golt 254, 71. holt : unscholt 237, 44. 244, 21. 253, 11. 

III. hulden : solden 294, 41. locht : vrocht (vorcht) 344, 35. 

IV. wolde : hulde 375, 58. vlugen : herzogen 394, 6. 

V. Aus der Entfernung des Reimes bürge : sorge 437, 36 sollte 
man schliessen, dass diesem Dichter o für u gar nicht zukäme. Doch 
findet sich wolde : hulde 472, 31. vursten : torsten 467, 15. 489, 
54. locken : stucken 485, 26. suln (soln) : holn 398, 21. 447,43. 
: bevoln 443, 4. In V^ schult : golt 451, 7. 

Häufig ist die Bindung o : u in V c . schult : golt 512, 43. 517, 
32. hulde : solde 525, 15. wolde : schulde 490, 54. 505, 7. 510, 
52. 524, 50. 526, 34. 527, 7. 530, 59. *) vergulde : solde 514, 
31. mochte : düchte 505, 7. 

VI. hulde : golde 538, 18. gebort : gehört 538, 62. 

u wird zuweilen mit i gebunden, woraus für u die niederländische 
Aussprache ü hervorgeht. Diese Bindung findet sich zuweilen auch 
bei Heinrich von Veldeke. 

I. gunnen : gewinnen 27, 8. : winnen 95, 50. gewunnen : rin- 
nen 103, 26. gedinge : dwunge 126, 22. 

IL runnen : gewinnen 280, 22. stunden : binden 240, 57. 242, 
2. 285, 23. : vinden 241, 37. : enbinden 249, 6. sunderlingen : 
bezzerungen (Hs. -ingen) 281, 29. 

III. kunt : sint 311, 8. Mint : ungesunt 335, 59. 

IV. vrunt : verdint 389, 1. : unverdint 390, 60 gehört nicht 



i) Das häufige Vorkommen dieses Reimes erklärt sich aus dem Inhalt 



— 223 — 

hierher, denn der ursprüngliche Reim ist hier vrient : verdient Da- 
gegen stucken : bicken 384, 45. Der Reim springen : jungen in V 
475, 19 ist zu ändern in ensprungen : jungen. In Y c reimt einmal 
vrunt : sint 514, 15. u bindet sich mit ü bestimmt nur in gerüm : 
krum I, 199, 45. 

9. Lange Vokale« 

ä steht nach niederländischer Weise für hochd. 8e, doch nicht, 
wie es scheint, vom Compilator gebraucht. 

I. war : swär (swaere) 50, 22. 63, 61. 74, 2. 128, 37. 129, 
9. swär : vär 173, 60. swäre : offenbare 101,42 ist unsicher, denn 
man kann auch schreiben swere : offenbare, welche Form vorkommt 
(vgl. III). wären : rittären 39, 14 (Hs. waren : ritteren, der Conj. 
weren ist nicht gut denkbar), untäte : rate 111, 50. täte : späte 
133, 19 oder tete : spete. 

IL swär : här 248, 31. : war 284, 13. swäre : offenbare 290, 3 
(vgl. I). offenbare : gewäre (gewsere) 374, 3, oder offenbere : ge- 
were (Hs. offenbar : gewser). späte : täte 217, 17 (vgl. I). 

III. wäre : offenbare 312, 29. 321, 37. altäre : offenbare 322, 
56. 325, 9. Da der Gebrauch von ä für ae nur in Reimen auf of- 
fenbare vorkommt, so ist er für den Compilator nicht zuzugeben, 
denn dieser sprach offenbere, wie die Reime offenbere : ere 324, 54. 
: sere 336, 30. : here 336, 47 darthun. 

IY. bequäme : name 380, 66. 382, 9. väre : wäre 377, 61. 
379, 40. wäret : gesparet 389, 17. säge : dage 389, 25. IV ge- 
währt die meisten sicheren Beispiele. 

Y. nur in sälde für sselde, aber auf kurzes a reimend, also salde 
gesprochen. Salden : behalden 445, 51. 469, 34. 

Yc. wären : pilären 503, 56. offenbare : wäre 516,42. städe : Ade 
501, 7. rate : State 489, 45. 506, 33. 524, 62. 

Berührung von ä : 6 zeigt sich in einigen Reimen. I. keme- 
näte : nöte 7, 55. stolt gemot : van so höer dät (wohl eher docht, 
wobei h im Reim nicht berücksichtigt ist) 64, 16. doch steht not : 
lesterliche dät unzweifelhaft 65, 3. göt : dät 71, 57. spöt : dät 
(Hs. doet) 110,29. moet ; zo der daet 111, 11. guet : daet 133,40. 

III. malen : verholen (oder verbalen?) 314, 47. stän : krön 
325, 9 ist zu ändern, indem man schreibt 

der paes ginc vur saut Peters altere 

ind brachte ein kröne offenbere. 
doen : stän reimt 333, 21. 

Y. röfen : wäfen 462, 32. 474, 51. doen : harn 474, 11. Si- 
cher unecht ist in Y c der Reim gröz : was 505, 19. 



— 224 — 

ä steht für ei durch Contraction ziemlich allgemein. 
I. gän : sän (sagen) 115, 4. hän : gesän 33, 18. zo säne (zo 
sagene): wäne 55, 25. : verstäne 112, 45. du säs : dwäs 9, 33. 

113, 24. gesät : dat 212, 14, wohl mit verkürztem Vocale in gesät, 
wie auch in du sas , und in dem Präteritum jade für jagete. jade : 
stade 93, 45. jaden : staden 88, 9. verjaden : staden 129, 53. 
Wie sän für sagen steht auch dran für dragen. dran : gedän 22, 
25. gedrän : gedän 54, 66. : wän 56, 51. 

IL hän : wedersän 257, 38. sän : verstän 260, 50. gesät : 
dät 217, 30. : missedät 227, 11. : hat 230, 66. versät : hat 232, 
70. besät : dät 240, 25. entsät : hat 253, 39. missedät : mät 
(meit) 270, 47. 

III. stän : sän 302, 65. 344, 46. 361,48. 370, 2. sän : ge- 
vän 365, 60. gesät : rät 345, 36, aber auch auf kurzes a reimend 
(vgl. I) gesät : bestat 321, 63. : stat 342, 51. Im Präteritum sade, 
entsaden : gestaden 322, 46. schaden : saden 346, 55. 

V. Hier ist der Gebrauch nicht zuzugeben; denn an den zwei 
einzigen Stellen, wo sän für sagen steht (443, 24. 460, 30, auf stän 
reimend) ist es vom Compilator eingeschwärzt, der hier sein Origi- 
nal abkürzte. Auch 447, 36 rät : gesät kann so vereinzelt nichts 
beweisen, Konrad 70, 20 reimt hier auch rät : gewissaget, und dies 
könnte der Bearbeiter beibehalten haben i). Dagegen findet sich sän 
häufig in Va gän : sän 413, 20, gedän : sän 414, 63. 425, 60. 
hän : clän (clagen) 413, 63, und in V b gedän: sän 449,56, 451, 14; 
gar nicht in V c , was wiederum für V beweisend ist. 

In VI steht sän : gedän 539, 13. 

e f ür se allgemein in allen Theilen des Gedichtes, vgl. 2, 29. 
3,9. 8,60. 9,5. 10,14. 11,38. 13,41. 15,9. 15,29. 17, 
16. 17, 54. 18, 25. 18, 53. 19, 52. 25, 52 u. s. w. Für das 
gewöhnliche ä steht e in offenbare (sieh ä für se) und geberen für 
gebären. 

e steht für ei, durch folgende Reime gesichert. IV. lene : ge- 
meine 375, 8. len : gein 376, 63. : engein 377, 13. 383, 43. 
deil : castel 382,32. — V. seien : gemeilen 469, 18. bevele : deile 
480, 62, dagegen zu entfernen ist geheiz : spez (für spiez) 469, 46, 
indem man ger : sper schreibt. 

e für ie. I. helt (für hielt) : manichvalt (?) 118,34. justiere : 
mere 105, 51. schiere : here 108, 45. 122, 17. banieren : keren 

114, 15. baniere : sere 197, 27. 



») Ebenso verhält es sich, mit hän : sän 430, 27 , wo Konrad 26 , 14 haben : sa- 
gen reimt. 



— 225 — 

IL gezieret : geleret 230, 29. nieren : gehören (so zu lesen!) 
236, 42. 

III. Oliviere : here 331, 23. 357, 30. 372, 9. fiere : keisere 
345, 42. balliere : keisere 370, 39. 

IV. hielt : gevelt 379, 66. : velt 380, 20. schiere : sere 388, 15. 

V. fiere : were 461, 19. miete : tete 448, 28. 

V 15 . Engelere : fiere 454, 23. Y c . erte : zierte 512, 10. gehiel- 
ten : stelten 507, 1 ist verdorben, vgl. oben S. 169. 

i für ie ist vielleicht in den folgenden Reimen anzunehmen. 

I. niet : lit 95, 40. 122, 26. iet : lit 104, 3. niet : git 104, 
23. lieht : lit 105, 30. ir siet : lit HO, 60. niet : gelit 138, 38. 
siet : zit 139, 32. er git (partic.) : niet 166,31. 194,11. zit : er- 
siet 186, 24. git : niet 192, 61. zit : niet 213, 35. 

IL zit : niet 217, 64. siet : git 251, 49. 

III. niet : phlit 299, 44. 302, 51. lit : niet 337, 46. wit : 
siet 341, 36. 

V. niet : git 430, 37. 
Vb. niet : git 449, 50. 

VI. phlit : niet 535, 55. 

Für git, lit, phlit an den angeführten Stellen wird überall giet, 
liet, phliet zu schreiben sein (sieh ie); denaoch bleiben eine Anzahl 
Stellen übrig, in denen i mit ie (aus ih) entstanden gebunden wird, 
hauptsächlich in I und IL Hier ist auch das schwach flectierte Par- 
tic. prät. von jehen zu erwähnen, welches auf niet reimt. I. niet : 
begiet 32, 32. : gegiet 58, 45. : ergiet 158, 28. 204, 48. IL ge- 
biet : ergiet 280, 38. 

6 für den Umlaut ce ist allgemein in allen Theilen. 

I. beschönen : crönen 6, 25. 31, 61. : Bargönen 145, 44. 
schone (Adj.) : tröne 26, 29. 30, 38. 78, 25. 153, 14. 159, 
49 u. s. w. : kröne 58, 35. 155, 51. : döne 141, 22. 

IL schöne : kröne 220, 29. : löne 239, 30 und öfter. 

III. nöde : döde 300, 17. schöne : kröne 307, 11 u. s. w. 

V. ören : hören 475, 27. döden : nöden 466, 59. böse : Tor- 
töse 401,37. Y a . töde : blöde 419,15. Y c . bösen : lösen 496, IG. 

ö für ou nicht häufig, bögen : ögen 536, 25. Dagegen allge- 
mein gekürzt in o, orlof (mhd. urloup). Ygl. ausserdem orloge (mhd. 
urliuge) : herzöge 302, 67. roch : doch 333, 13. gelochte (ge- 
loubte) : dochte 345, 38. 

ö steht für uo allgemein in zö für zuo 2, 39. 3, 63. 5, 41. 
7, 10. 403, 13. 407, 5 u. s. w., doch steht auch zu (: nü) 336, 3. 
Ausserdem noch in I. vrö für vruo 15, 19. genöch : kroch 103, 
26. vochten : söchten 40, 47. — IL genömet : verdömet 217, 50. 

15 



— 226 — 

suone : nöne 291, 9. — III. blömen : vernomen 334, 3. : krönen 
334, 39. hömöt : enböt 295, 33. 347, 66. 351, 9. möt : gebot 
363, 51. spöt : tot 359, 36. göt : tot 365, 45. mochte : söchte 
365, 51. — IV. köne : baröne 390, 62. ensöchte : döfte 378, 53. 

V. vrö : dö 432,14. not : tuot 447,30. söchte : mochte 441, 
19. — V a . vrö : dö 409,60. — Y e . köne : Böne 516,3. versöchte: 
tochte 518, 18. — VI. grof : behöf 539, 23. 

ü für iu auch allgemein, hüde : Ferracüde 268, 65. aventüre : 
süre 381, 28. müre : türe 405, 50. lüden : beilüden 533, 8. Ver- 
kürzt in vrunt für vriunt. vrunden : Urkunden 95, 4. künde : un- 
frunde 97, 43. vrunden : sunden 321, 16. vrunde : stunde 492, 3. 

3. Diphthonge. 

ei für i findet sich ein paarmal in den dem Compilator zufallen- 
den Abschnitten. III. stein : sin 367, 1. heiden : hämiden 370,37. 
begit : bereit 332, 61. : leit 336, 53. VI. begit : bereit 535, 62, 
wenn nicht ein Substantivum begeit anzunehmen ist. — In I, 82, 9 
steht 

de Vranzösen hedden pine alleine, 
weren si gemacht van steine, 
wo die echte Lesart vermuthlich pine : steine ist. Nicht hierher 
zu rechnen ist helle heize : vlize in V, 445, 30 , denn dort ist helle 
wize zu lesen. Ebensowenig zeichen : entwichen 431, 10 (vgl. oben 
S. 195) und das häufig vorkommende erschinen (reimend auf -einen) 
der Hs., wofür immer erscheinen (zeigen) zu schreiben ist. 

ei durch Contraction entstanden neben den gewöhnlichen seist, 
seit u. s. w. findet sich in III auch in entfeis (enphsehest) : seis 
368, 21, wo man aber auch entfäs : säs schreiben kann (vgl. ä für 
ei). In V ist seine (für segene) : gemeine 399, 2 zu bemerken und 
beweit für beweget (: geseit) 329, 28 (in III), was beides auch bei 
mitteldeutschen Dichtern vorkommt. Für beweit : geseit kann man 
schreiben bewecht : gesecht (Hs. bewecht : gesait). 

ie ist durch Elision von h und Contraction entstanden in den 
Verben geschehen, jenen, sehen (vgl. i S. 225). Der Gebrauch findet 
sich am häufigsten in I. gien : vlien 43, 30. 87, 30. 42. 117, 18. 
: sien 88, 11. 195, 12. : knien 98,53. : zien 171,52. geschien: 
zien 150, 32. 160, 32. sien : zien 103, 16. 136, 42. : enzien 
211, 65. gesien : zien 48, 36. : vlien 193, 64. 195, 4. 

II. verdient : -gient (jehent) 284, 15. — III. vlien : geschien 
342, 16. 370, 55. gevlien : gien 372, 32. 

V a . entvlien : sien 402, 22. vlien : geschien 422, 60. 

Durch Elision von g und dann erfolgende Contraction entsteht 



— 227 — 

ie in lien aus ligen (wie liet aus liget, S. 225), was am häufigsten 
in I vorkommt, lien : sien 35, 24. 36, 34. 107 , 25. 113, 10. 
137, 41. 142, 27. : gien 35, 34. belien : gien 115, 17. besien : 
lien 122, 59. lien : verspien (verspehen) 158, 53. 159, 13. zwei- 
mal in III: geschien : lien 309, 63. sien : lien 348, 34, denn eine 
dritte Stelle (338,53) ist nicht hierher zuziehen, dort reimt geschein: 
gein (geben), was gesehen : gen zu lesen ist. 

ou für iu in allen Theilen des Gedichtes, aber nur in wenigen 
Wörtern. 

I. rouwen (Subst.) : junevrouwen 36, 40. 59, 7. 61, 49. 
103, 1. 144, 63. 149, 62. 154, 10. 157, 45. 170, 41. 174,65. 
184, 48. 209, 25. rouwe : junevrouwe 75, 17. 163, 34. 210, 15. 
: vrouwe 166,45. trouwe fürtriuwe, : vrouwe 88, 61. : drouwe90, 11. 
junevrouwe 143,41. 155,58. 161, 4. 168, 33. trouwen : schouwen 
50,45. 88,49. 193,44. : beschouwen 169, 62. 191,1. : Anzou- 
wen 198, 57. : houwen 205, 15. : junevrouwen 57, 11. 58, 58. 
64, 21. 99, 55. 132, 9. 142, 15. 159, 61. 162, 23. 178, 46. 
180, 33. 187, 53. : vrouwen 160, 22. 173, 11. 182, 49. 211, 
53. rouwen : schouwen 123, 55. : vrouwen 189, 25. 

IL trouwen : vrouwen 219,5. 223,9. 227, 64. 238, 39. 244, 
19. 245, 66. 270, 19. : junevrouwen 262, 44. : geschouwen 268, 
30. rouwen : junevrouwen 226, 15. 274, 8. 285, 44. 288, 28. 
: vrouwen 250, 16. 272, 1. 273, 6. 277, 39. 278, 65. 293, 12. 
junevrouwen : getrouwen 286, 6. der ungetrouwe : vrouwe 230, 61. 
trouwe : vrouwe 236, 40. 237, 68. 240, 3. 275, 39. rouwe: 
vrouwe 249, 40. 264, 43. 281, 16. 

III. getrouwen : junevrouwen 302, 39. : houwen 304, 9. : zo- 
houwen 307, 40. rouwen : vrouwen 3 1 8, 2 1 . trouwen : vrouwen 335,11. 

IV. trouwe : vrouwe 393, 13. 

V. ich getrouwe : vrouwe 398, 63. rouwen : vrouwen 488, 64. 
Va. trouwe : junevrouwe 418, 23. 418, 61. getrouwen : junc- 

frouwe 419, 29. rouwe : junevrouwe 419, 60. 

V b . getrouwen : vrouwen 453, 58. 

Y c . trouwe : vrouwe 499, 31. 510, 42. getrouwe : vrouwe 500, 
35. trouwen : beschouwen 503, 23. rouwen : junevrouwen 509, 16. 
trouwen : vrouwen 497, 3. getrouwen : vrouwen 498, 59. 

ou für öu ebenfalls allgemein, da alle Umlaute (mit Ausnahme 
von e und e für ee) fehlen, ougen : gezougen 37, 25. zotigen : 
ougen 200, 15 u. s. w. (vgl. unten zoenen). 

4. Iiif|uitieii. 

Ein 1, im Reime nicht beachtet, findet sich zweimal in II, ein- 

15* 



— 228 — 

mal in V. spielt : niet 248, 27. enthielt : niet 255, 4. diet : hielt 
478, 36. 

m mit n bindet der Compilator unbedenklich im Reime, die 
übrigen Dichter wenig oder gar nicht. 

I. spilman : nam 11, 24. vernam : began 116, 23. Zu bessern 
ist 44, 21 als eime juncheren wal mocht stän, der ne schilt an s|- 
nen hals en genam, indem man schreibt als eime juncheren zam, der 
ne schilt an hals genam. 166, 5 ind dat gröze her vernam (: man), 
wo verwan zu lesen ist. 

III. man : vernam 294, 67. 299, 9. 303,54. 308, 6. 318, 7. 
320, 12. 320, 55. 320, 63. 350, 34. 356, 34. 359, 40. 362, 
54. 367, 23. : nam 359, 21. 363, 43. : gram 295, 31. : lobe- 
sam 305, 38. : gehorsam 306, 5. : quam 307, 59. 309, 49. 328, 
6. 335, 41. 354, 52. 358, 24. 370, 68. gewan : Iobesam 315, 
25. : vernam 316, 65. 317, 6. 318, 17. 323, 40. 327, 42. be- 
gan : vernam 330, 32. Naiman : quam 358, 14. heim : stein (wec: 
stec?) 313, 49. wonen : näkomen 310, 8. sun * dominum 367,41. 

Dass der Bearbeiter von V die Reimverbindung m : n bei Kon- 
rad entfernt, ist schon oben S. 197 gesagt worden. Zwar steht 406, 
51 genam : began, aber es ist zu lesen gewan : began. Ebenso zwei- 
felhaft ist nam : Baligän 476, 50. ran : quam 478, 6. Dagegen fin- 
det sich m : n in V a gereimt, quam : gewan 415, 3. gequam : 
man 417, 30. lovesam : ane gän 418, 39. 

V b . quam : man 450, 28. 452, 18. quam : began 456, 52. 

In V c finden sich ein paar Stellen, wo m : n reimt, man : ver- 
nam 494,51. alle samen : manen 531,13 (vgl. oben S. 184). ceheim: 
engein 521,53. : schein 526,27, aber der Bearbeiter sprach cehein. 

VI. quam : man 540, 14, also wie in III. 

n scheint im Infinitiv zuweilen abgeworfen zu werden, denn es 
reimen: • 

I. wize : glizen 39, 26. 

III. lüde (gen. plur., Hs. luden) : düden 296, 4. sere : offen- 
baren 320, 39. woulden nemen (lies nemen) : gezeme 324, 26. zo- 
risen : lise 333, 39. verdrive : bliven 342, 8. werden : perde 348, 
9. werden : engerde 356, 36. 

IV. Der einzige Beleg gesmide : biden (= biten) 375, 64 
wird durch Elegast 152 gesmide : bide (Substant.) aufgehoben. 

V. alleine : erscheinen 400, 55. stillen : wille 435, 23. -dare : 
bewaren 439, 18. halsberge : verbergen 486, 7. riche : intwichen 
447, 13. dage : versagen 485, 50; aber der Bearbeiter sagte nicht 
tuo für tuon, wie folgende Stellen ergeben: 



— 229 — 

Konr. 7, 11. mit schiezent dar zuo. 397, 61. ind schiezent si dar zö 

dan. 
mohte wir da widire icht getuo. mocht ich it keren ind mine man. 

16, 27. da wir niht widire mugen 408, 22. dar weder enmogen wir 

getuon. niet dön. 

ir enmoget nummer geron 
vur eme späde noch vrö. 
minen sun gib ich gerne da zuo. minen son geve ich dar zo. 

68, 13. die zwelve helfent in alle 446, 29. helpent en allet dar zö 

dar zuo. beide späde inde vro. 

seiden mögen si geron 
swaz si zwene wellent tuon. ind wat si zwene willent dön. 

Auch andere Infinitive ohne n bei Konrad sind vom Bearbeiter 
entfernt. 

9, 2. di sele ist diu frouwe. 398, 63. de sele dat is de vrouwe. 

ir scult gote vil wol getrouwe. gode ich des wal getrouwe. 

43, 10. so vuoren wir äne ende. 437, 56. wir sullen dit baz enden, 

min herre sol dare sende. min here sal boden mit senden 

In V a findet sich juncvrouwe : getrouwen 419, 30. doen : zoe 
417, 56. In V b neve : geven 452, 12. In V c unheile : verdeilen 
512, 48. In VI live : verdriven 540, 10. werden : begerde 533, 40. 

In I und II sind vermuthlich einige schwach flectierte Substan- 
tiva anzunehmen, wenn nicht Infinitive in n, die aber in II gar nicht, 
in I nur einmal begegnen. Der Art ist wise. I. wisen : prisen 62, 
42. IL 275, 35. schoe, im Plural schoen, reimend auf doen, I. 67? 
24. 73, 61. 138, 22. 147, 5. IL 232, 14. In Infinitiv doe ist 
nicht anzunehmen, weil niemals doe : zoe und ähnliches reimt. Fer- 
ner in I allein sperweren (nom. plur.) : keren 187, 12. si beiden 
(für si beide) : scheiden 145, 48. In II clagen (Substant.) : sagen 
257, 11. antlitzen : ritzen (Dat. sing.) 258, 43. In IV ein schwa- 
ches spere, speren (Dat. sing.) : generen 375, 21; doch liest der 
Text des Elegast spere : generen. In V scheint vrede ein paarmal 
schwach gebraucht, vreden : vermeden 431, 13. und vreden ; entre- 
den 512, 46 (V c ). Auch ein schwaches Subst. arme (brachium) ist 
anzunehmen; es reimt den armen : erbarmen 464, 33. 466, 20, wo 
auch die Annahme eines Infinitivs mit abgeworfenem n (erbarme) 
nichts hilft; denn es müsste der Plural sein; dem Marsilies wird aber 
nur ein Arm abgeschlagen (vgl. 456, 15). Ebenso güete, güeten : 
behtieten 396, 63, und miete, reimend auf bieten 499, 23 (V c ), wenn 
man hier nicht lieber Infinitive ohne n wie oben zugibt. 

Umgekehrt sind einige Substantiva, die gewöhnlich im Mhd. 
schwach erscheineD, stark flectiert; so ande. I. ande (accus.) : lande 



— 230 — 

45, 54. 32, 32. II. ande : genande 279, 35. III. ande : viande 
330, 19. V. ande : viande 427, 28. V a . ande : lande 408, 28. 

böte, das auch bei Heinrich von Veldeke stark flectiert im Keime 
vorkommt. I. böte (accus.) : gote 16, 31. III. böte : gote 321, 8, 
böte (dat.) : gote 340, 28. 

Viel häufiger ist wille, das Heinrich von Veldeke ebenfalls so 
braucht. 

I. stille (adverb. *) : iren wille 8, 17. : den wille 13,58. : si- 
nen wille 27, 65. ; durch wes wille 32, 57. : durch miner tochter 
wille 34, 10, und ebenso 63, 54. 65, 34. 67, 62. 75, 61. 80, 43. 
92,59. 106,24. 109,33. 120,34. 122,37. 130,68. 140,44. 
145, 47. 163, 56. 165, 60. 170, 60. 173, 9. 174, 12. 175, 6. 
177, 64. 184, 13. 200, 27. 211, 23. 212, 22. 213, 55. 214, 5. 
Auch 76, 20 ist für stille : minne zu lesen stille : durch ir wille. 
Die Handschrift schreibt meist willen : stille, selten wille : stille, nie- 
mals stillen : willen, und ähnlich verhält es sich mit den Hss. bei 
Heinrich von Veldeke. Dagegen reimt willen : willen 129, 27. 

IL wiUe : ville (Conjunctiv) 218,51. : stille 228,51. 236, 52. 
237, 11. 239, 53. 242, 68. 243, 30. 270, 41 (das Substantivum 
stille). 272, 12. 277, 2. 

III. sines wille : stille 294, 21 (Hs. willen); hier scheint willen: 
stillen unzweifelhaft, wille : stille (Subst.) 297, 10. : stille (adv.) 
314, 40. 326, 61. 330, 15 (durch dine wille; das setzt doch nicht 
ein starkes Femininum voraus?) 344, 18. 362, 60. 

V. stille : wüle 395, 40. 396, 61. 401, 3. 435, 9. 473, 11. 

Vc. stille : wille 497, 9. 504, 54. 522, 1. 522, 39. stüle 
(nom. sing.) : wille 523,9. Daneben in V gesellen : willen 440,63, 
in V c gestillen : willen 492, 49, wo man freilich auch Infin. ohne n 
annehmen könnte. 

Eine starke Form von here, das immer so lautet, niemals herre, 
begegnet neben der schwachen. Ich will zuerst die beweisenden Stel- 
len anführen, dass der Dichter here, nicht herre, sagte. 

I. here : sere 2, 45. 5, 57. 53, 25. 63, 45. 68, 62. 74, 9. 
76, 28. 92, 34. 107, 59. 110,8. 143,7. 145,1. 164,23. 176, 
6. 188, 66. 190, 23. 193, 18. 195, 7. 197, 9. 199, 9. : de 
mere (nwere) 10, 15. 17, 17. 94, 30. 95,34. 106,65 (so!). 111, 
6. 196, 16. 211, 47. : maere (adj.) 27, 33. 133, 42. : unmere 
113, 44. : lovebere 31, 38. : unlovebere 166, 9. : Tolettere 39, 
60. 87, 22. : Afrikere (so!) 43,28. : were 45,56. 108,53. 114, 



') Man könnte eine Adverbialform stillen annehmen, aber das reicht nicht für 
alle Stellen aus. 



— 231 — 

23. 154, 53. 180, 64. 194, 16. 201, 10. 206, 24. : ere 69, 63. 
93, 28. 104, 27. 149, 22. 171, 66. : gebere 79, 60. 116, 46. 
151, 45. 175, 35. 207, 23. : schiere 108, 44. soumere 122, 28. 
: ervere 152, 38. : swere 159, 21. : lere 167, 26. sperwere 186, 
13. : beswere 214, 37. junchere : were 6, 7. 33,7. : ere 17, 40. 
29, 59. : sere 18, 60. 22, 3. 49, 7. : lere 21, 30. : lovebere 
34, 25. : swere 109, 11. den heren (dat. plur.) : mit eren 16, 35. 
: keren 124, 31. 

II. here : verredere 217, 24. : were 218,9. 246,19. 266,64. 
270, 24. 290, 51. : beswere 225,38. : swere 226, 39. : ere 231, 
10. 239, 22. 248, 15. 250, 50. 255,29. 263,7. 268,39. 271, 
39. : sere 233, 14. 256, 7. 279, 38. : mere (Subst.) 286, 60. 
: bürgere 291, 31. : unmere 259, 68. : gebere 261, 7. van heren 
(dat. plur.) : eren 219, 13. mit heren : mit eren 229, 38. : weren 
235, 21. 

III. here : sere 300, 33. 322, 2. 328, 35. 346, 10. 361, 1. 
: were 304, 21. 305, 19. 310, 6. 317, 47. 318, 25. 326, 20- 
333, 24. 363, 54. vanere 303, 33. : beswere 306, 64. mere 321, 
25 (Subst.) : offenbare 323, 20. 334, 11. mertelere 327, 7. : rich- 
tere 343, 39. : Olivere 357, 30. 372, 9. den heren : eren 296, 
44. mit den heren : eren 294, 31. : weren 295, 44. 

IY. here : ere 374, 21. 383, 6. : porzenere 376, 4. : sere 
377, 1. 

V. here : lere 398, 41. 428, 48. : ere 406,55. 408,9. 433, 
16. 436, 23. 447, 8. 460, 2. 472, 43. : sere 440,49. 466, 57. 
486, 11. : mere 441, 28. 448, 22. : swere 445, 3. mit desen 
heren 462, 18. 

V a . here : ere 415, 20. : msere (subst.) 412, 1. : were 413, 
3. 416, 18. 424, 16. 

V b . here : logenmere 454, 13. : here (adj.) 455, 55. 

V c . here : ere 497, 51. 500,3. : were 509, 10. 511,1. : mere 
499, 66. den heren : eren 513, 60. 524, 6. 

Dass here schwach gebraucht wird, bedarf zum Beweise nur we- 
niger Reime. 

I. heren : weren 1,33. : beweren 102,34. : weren 37, 44 u. s. w. 

IL heren (gen.) : leren 218, 35. : geren 270, 29. dat. : be- 
weren 223, 7. : erveren 229, 42. accus. : besweren 247, 24. plur. : 
weren 256, 46. 

III. heren (gen.) : beweren 340, 26. dat. : beweren 317, 18. 
accus. : ritteren 349, 11. 

IV gebraucht here gar nicht schwach, denn 388^, 59. 394, 43 
ist here : ere zu lesen. 



— 232 — 

Y. he'ren (dat.) : keren 462, 26. geberen 467, 20. 

V a . heren (dat.) : keren 411, 3. 44. 412, 13. accus. : keren 
420, 21. plur. : weren 409, 26. 

V b . heren (dat.) : keren 449, 25. 450, 13. 

V c . heren (plur.) : eren 523, 55. 

VI. heren (acc.) : mit grözen eren 538, 60. 

Daneben wird der Gebrauch der starken Form durch zahlreiche 
Reime gestützt. Am auffallendsten ist der Genitiv here, wie auch 
ein Genitiv wille in dem Gedichte vorkommt. 

I. here (genit.) : sere 140, 10. : mere 183, 6. dativ : maere 
74, 55. 104, 18. 40. 138, 34. : swere 145, 27. accus. : Afrikere 
41, 44. : mere 47, 4. 183, 10. : lovebere 53, 47. 167, 45. 214, 
9. : porzenere 68, 49. : were 69, 39. 118, 57. 168, 5. : gebere 
88, 56. : sere 95, 46. 129, 26. : mere (adj.) HO, 27. 182, 9. 
: schere 122, 17. : mere 213, 61. junchere (accus.) : ere 6, 51. 
were 18, 25. : maere 8, 60. 12, 41. 27, 4. 35, 15. : lovebere 
19, 16. 44. 54, 22. : maere (adj.) 23, 23. 29, 18. : sere 23,30. 
36, 57. : swere 32, 63. 45, 18. : jegere 38, 22. 

II. here (dat.) : sere 217, 42. : beswere 224, 14. accus. : ere 
229,67. : sere 231, 65. 232,22. 234,42. 248,40. 249,39. 
255, 2. 272, 63. : ungebere 263, 2. : maere 264, 40. : were 
266, 47. junchere : sere 276, 48. 

III. here (gen.) : gehere 332, 51. dat. : unmere 295, 17. : msere 
300, 27. : sere 330, 56. 356, 22. 357, 25. 361, 27. 365, 56. 
: maere (adj.) 368, 33. accus. : sere 320, 27. 321, 46. 326, 44. 
360, 12. : Römere 323, 2. : ere 325, 26. 3C4, 61. : keisere 326, 
39. : unere 329, 30. plural. : maere 294,11. : ere 297, 26. : ge- 
were 309, 37. 

IV. gen. here : sere 394, 25. dat. : sere 380, 4. ere 388, 59. 
394, 43. accus. : ere 383, 36. 391, 36. : sere 390, 54. 

V. dat. here : sere 443, 54. : ere 482, 4. acc. : logenere 430, 
55. : maere ? 466, 6. : sere 467, 48. plur. 461, 57 ? 

V». dat. here : maere 409, 65. 411, 33. : were 423, 36. 
V b . dat. here : ere 449, 14. 450, 19. : were 452,30. accus. : 
lere 454, 40. 

VI. accus, here : ere 533, 62. : beswere 538, 21. : sere 538, 
30. : lovebere 538, 54. plur. : sere 536, 33. 

Mehrere Adverbialformen, die mhd. auf e ausgehen, lauten in 
en aus ; ausser dem zweifelhaften stillen für stille sind es hauptsäch- 
lich zwären und offenbaren, zwären : 

I. : jären (dat. plur.) 7, 56. 4«, 5. 49, 25. 65, 47. 77, 49. 
160, 2. 166, 18. : wären 18, 16. 27, 51. 29, 54. 37, 41. 38, 



— 233 — 

61. 51,57. 87,46. 94,7. 105,3. 105,26. 121,31. 123,36 

(so!). 134, 46. 154, 40. 159, 56. 172, 55. 180, 66. 181, 24. 

191, 12. 204, 61. 209, 5. : vären? 137, 3. : enbären 138, 52. 
: hären 163, 25. : offenbaren 177, 18. 

II. zwären : jären 216, 60. : wären 221, 12. 222, 62. 234, 5. 
243,44. 246,31. 270,34. 283,18. 284,61. 287,65. 288,21. 
290, 32. 291, 39. 

III. zwären : wären 296, 6. 298, 32 (so!). 300, 49. 303, 18. 
305, 6. 313, 54. 315, 14. 316, 10. 316, 26. 331, 12. 335,54. 
337, 5. 345, 62. 349, 4. 349, 25. 351, 19. 351, 64. 353, 41. 
354, 30. 355, 57. 359, 34. 361, 22. 362, 65. 370, 6. 

V. zwären : wären 467, 5. 

V a . zwären : jären 412, 52. : wären 420, 38. 
V c . zwären : rosbären 492, 18. 

VI. zwären : wären 536, 14. 

offenbaren neben offenbare und offenbare (III). 

I. offenbaren : wären 37, 45. 64, 57. 70, 13. 121, 47. 124, 
14. 155, 40. : jären 127, 14. 

H. offenbaren : wären 226, 35. 236, 34. 248, 66. 259, 62. 
267, 18. 291, 20. : hären 266, 18. 

V. offenbaren : wären 488, 7. 

V b . offenbaren : wären 450, 53. 

Ausser allen hier angeführten Stellen bleiben aber noch eine Zahl 
übrig, in welchen schliessendes e mit schliessendem en reimt. Zum 
Theil wird man auch hier noch Doppelformen (starke und schwache) 
annehmen. 

I. name : gamen (so lies statt gave !) 33, 48, wo eine Nomina- 
tivform namen zugegeben werden muss. phlägen : in dem wäge 
(Hs. wagen) 49, 30, entweder der Plural in den wägen oder, was 
bedenklich scheint, ein schwaches wäge, masre (Hs. meren) : weren 
50, 5. 95, 5. 126, 9, was ein schwaches maere voraussetzte, üp 
den einen : reine (Hs. eyne : reyne) 124, 56; es ist aber wohl zu 
lesen üp in eine, ,auf ihn allein', belegen : menche wege 127, 28, 
lieber der Dativ menchen wegen, döden : aller nö den 129,30 würde 
ein schwaches nöde voraussetzen. 

HI. Cristen : enwiste 304, 17. msere : wahren 325, 61 (vgl. I). 
der mertelere : weren 326, 69. solden : wolde 332, 65. 360, 23. 
röche : rochen 333,31. sun : du 337,34. vernomen : vrome (adj.) 
346, 57. harte : ensparten 357, 18. blute : wüten 359, 10. warte : 
den harten 363, 55. balde : mit alden 369, 61. 

IV. bedragen : menche (Hs. menchen) dage 382, 22, wo man 
ändern könnte zo menchen dagen. 



— 234 — 

V. knechte : dat vechten 406, 37 (oder die vechte, Substanti- 
vum?). slachte : brachten 461, 21, entweder slachte schwach oder 
die man dar brachte. Runzevalle : allen 465, 66 (Hs. Runtzevallen : 
allen), aus Konrad 257 , 9 beibehalten, de wiganden : kanden 466, 
17, also ein schwaches wigande? dat vurvechten : brechte 475, 33 
(vgl. 406, 37). dem volke : wölken 479, 27 (wohl kaum wölke zu 
schreiben). 

V a . geschaffen : paffen 411, 27. geraten : gedräte 426, 7. 

Vk. here : wir weren 451,19. verneme : queme453, 22. msere: 
ritteren 453, 40. 53 (vgl. I und III). 

V c . de könen : an ein velt gröne 527, 22; wahrscheinlich an 
einen anger grönen; denn es folgt even inde siechten (: vechten). 
an unschuldigen lüden : hüde (Hs. huden) 530, 65; man könnte le- 
sen an unschuldigem lüde. 

r wird nach niederdeutscher und niederländischer Weise umge- 
stellt, im Reime erscheint aber nur vrocht (vorcht), in III. vrocht : 
locht 344, 34. Dagegen ist in IV ghewrochte, Elegast 345 entfernt, 
indem 378, 54 steht dochte (= toufte) ; bedrochte (= bedorchte, be- 
dorfte) : mochte ist 392, 28 beibehalten. In V c steht zweimal bürste 
für brüste 502, 69. 505, 26; auch in I 201, 35 steht burst, aber 
an keiner Stelle im Reime. 

5. Lingualen. 

d für t ist ganz allgemein in allen Theilen des Gedichtes. 

I. sadel : adel 151,33. schaden : erstaden 104, 30. geschaden: 
begaden 170, 6. Hanfräde : genäde 112, 11. räde : ungenäde 125, 
61. : genäde 207, 41. braden : genäden 18, 49. räden : genäden 
26, 19. beräden : genäden 32, 37. 128, 53. 153, 60. verräden : 
genäden 109, 19. stede : rede 5, 11. 156, 33. rede : dede 6, 15. 
13, 51. 17, 46. 34, 49. 52, 21. 80, 7. 85, 20. 114, 1. 126, 
45. 131, 45. 139, 60. wederrede : bede 7 , 64. 8, 18. 60, 28. 
63,22. gebeden : reden 38,28. rede : gebede 65,13. sede : vrede 
103, 18. spreiden : beiden 12, 5. beiden : bescheiden 15, 1. 101, 
13. 171, 12. manheide : beide 27, 40. beide : schalkeide 28, 20. 
beide : leide 45, 26. gereide : beide 62, 17. erbeiden : bescheiden 
68, 28. beide : dogentheide 119, 24. scheiden : bereiden 130, 63. 
kleiden : leiden 144, 27. krankeide : beide 154, 28. arbeide : leide 
155, 17. schönheide : beide 160, 18. bescheiden : reiden 167, 16. 
scheide : cristenheide 169, 47. heiden : beiden 175, 44. 196, 50. 
199, 6. beide : mödicheide 178, 28. beiden : scheiden 192, 7. 
beide : mildicheide 215, 3. widen : ziden 3,37. 4,5. ziden : sni- 
den 22, 61. 44, 15. side : nide 39, 18. stride : nide 47,17. 50, 



— 235 — 

1. 173, 1. 180, 4. 181, 29. 183, 38. 189, 51. 190, 54. 194, 

17. 201, 45. blide : gezide 58, 1. 72,48. 76,21. 133,57. 203, 

15. liden : zideu 61, 35. 90, 26. 115,40. 135,18. ziden : ver- 
miden 69, 26. snide : gezide 71, 23. zide : nide 73, 41. blide : 
stride 77, 35. unblide : stride 88, 33. nide : gezide 91, 4. siden : 
geliden 116, 13. : versniden 117,4. striden : liden 182, 11. 198, 
35. niöder : broder 145, 57 (oft). 187, 31. 213, 42. 

II. erstaden : schaden 224, 34. beräde : genäde 217,34. 238, 
59. 246, 37. genäde : räde 240, 11. 247,38. 281, 25. : beräde 
271,15. genäden : baden 263,5. wederrede : stede 220,36. lede : 
rede (lite : rite) 225, 41. mede : vrede 235, 8. 265, 1. bede : 
rede 249, 16. : wederrede 264, 1. stede : berede 266,49. rede: 
vrede 276, 65. : dede 277, 14. wederreden : steden 256, 40. ge- 
leide : beide 221, 33. 233, 38. 278, 2. gereide : beide 239, 33. 
272, 31. 275, 3. leide : erbeide 262, 8. erbeiden : bescheiden 
219, 15. 258, 11. 269, 17. bescheiden : geleiden 234, 57. 261, 
22. bereiden : bescheiden 250,27. scheiden : leiden 273,41. ver- 
leiden : unbescheiden 280,64. nide : gezide 226, 19. : stride 228, 
50. 251, 47. büde : gezide 236, 10. siden : riden 268, 33. : zi- 
den 288, 3. riden : vermiden 231, 19. 

IE. räde : genäde 294, 5. 304, 7. 373, 15. beräden : benä- 
den 305, 26. stede : wederrede 294, 59. sede : vrede 295, 11. 
dede : rede 301, 12. 318, 67. 324, 12. 325, 33. : wederrede 
314, 3. vrede : mede 323, 50. lantstede : wederrede 339, 22. 
logenrede : stede 340, 46. mede : rede 344, 1. : dede 367, 65. 
gesneden : leden 326, 9. deden : reden 353, 9. beide : gereide 
334, 1. beiden : heiden 298, 20. 331, 1. 350, 44. 351, 7. 352, 
19. 354, 42. 357, 41. 372, 30. : reiden 303,2. heiden : erbei- 
den 328, 14. : reiden 330, 9. beiden : scheiden 336, 67. : clei- 
den 356, 44. cleider ; heider 333, 33. stride : nide 346, 3. 348, 

16. 360, 17. 365, 49. 366, 38. nide : wide 371,11. liden : zi- 
den 306, 7. 345, 30. 355, 1. siden : geliden 308, 8. riden : ni- 
den 363, 67. striden : liden 368, 11. nöde : clöde 309, 45. 

IV. schade : räde 383, 1. 384, 17. staden : genäden 394, 36. 
gnaden : missedäden 393, 2. stede : rede 377, 3. vrede : sede 
381, 65. mede : lede 390, 50. gereide : cleide 375, 43. verlei- 
den : scheiden 386, 73. bereiden : scheiden 392, 49. geliden : ri- 
den 380, 34. 

V. gestaden : geschaden 484,28. räde : dräde406, 27. späde : 
genäde 466, 67. gededen : reden? 427, 10. heiden : leiden 475, 
59. [ziden : vriden 441, 8?]. 



— 236 — 

Va. gegaden : schaden 415,28. geleide : beide 412, 39. beide: 
cristenheide 425, 19. side : nide 416, 32. geliden : riden 418, 33. 
liden : siden 421, 19. 

V b . genäden : räden 449, 30. räde ; ungenäde 450, 55. nei- 
den : erbeiden 453, 12. stride : nide 456, 31. nöden : blöden 451, 
1. 452, 66. möde : göde 458, 8. 

Y c . bestaden : schaden 511,37. schaden : staden 524, 22. Ade: 
städe 501, 7. Aden : däden 507, 17. Ade : räde 512, 7. Aden : 
beräden 498, 37. : räden 499, 63. genäden : beräden 529, 25. : ge- 
raden 489, 32. : däden 494, 37. heiden : leiden 528, 18. beriede : 
underschiede 490, 38. möder : bröder 497, 5. 508, 10. 

VI. mede : vrede 533, 43. : lede 538, 1. dede : rede 540, 34. 
steden : reden 536, 2. nöde : döde 535, 24. 

d steht im Präteritum schwacher Verba allgemein für t nach 1, n, r. 

I. wände : hande 18, 31. erde : gerde 64, 59. 131, 58. ger- 
den : werden 18, 51. werden : herden 179, 65. wurde : geburde 
28, 40. 147, 42. 

IL gerde : perde 291, 13. begerden : perden 222, 36. 

III. gerde : werde 296, 47. enmerden : erden 301, 21. wer- 
den : gerden 314, 10. erde : engerde 358, 59. 

V. erde : gerde 459, 61. gerden : erden 428, 19. Ich habe 
von vielen nur einige Stellen angeführt. 

Ebenso allgemein wie d für t steht im Auslaute t für z. 

I. dat : bat 14, 60. 63, 20. : stat 34, 46. 37, 37. 44, 34. 
48, 38. 51, 47. 62, 6. 52, 4. 26. 68, 53. 113, 63. 126, 4. 
205, 45. 213, 50. 78, 48. 78, 55. 208, 16. 90, 20. 96, 50. 
155, 33. : walstat 50, 53. 99,48. 104,36. : getrat 84,53. wat: 
stat 164, 17. dat : besät 179, 14. : getrat 201, 57. 206, 5. wi- 
tet : sitet 160, 52. 166, 11. ravit : vlit 94,19 (so!). 108, 1. ra- 
vite : vlite 93, 42 (so !). begurt : kurt 48, 26. gegurt : kurt 62, 20. 

IL bart : swart 258, 22. stat : dat 220, 60. 245, 6. 253, 41. 
262, 66. 264, 27. 286, 1. 289, 12. dat : bat 223, 19. : besät 
231,52. : rat 257,25. : gesät 282,20. wat : stat 252,43. vlite : 
ravite (so!) 269, 35. 

III. dat : gesät 312, 32. 348, 64 (so!). : stat 336, 62. 341, 
10. 348, 54. 349, 49. 362, 62. 369, 30. gebot : gröt 338, 17. 
gröt : not 3G9, 32. 370, 45. geburt : kurt 302, 18. 

IV. dat : schat 376, 55. 382, 46. schat : vergat 383, 55. 
gat : bat 384, 60. weit : ungereit 384, 23. : leit 389, 37. 
liet : niet 388, 55. 391, 35. : schiet 385,27. hiet : niet 387, 62. 
gröt : döt 386, 12. 393, 47. vröt : vöt 382, 50. gemöte : gröte 
378, 31. lüt : üt 376, 7, 



— 237 — 

V. dat : stat 442, 36. schat : stat 447, 49. gesitet : witet 
(so!) 438, 47. stolt : Reinbolt 471, 13. not : gröt 397, 50. gröt : 
döt 402, 9. 427, 47. 432, 40. rot : vlöt 428, 57. 

V». dat : versat 412, 28. : gesät 419, 42. gröt : döt 417, 62. 
425, 17. göt : vöt 415, 63. 

V b . dat : stat 449, 11. trat : wat 450, 7. not : gröt 458, 40. 

Y c . dat : stat 509, 15. schat : dat 513, 10. möt : verblöt 
530, 10. 

VI. weit : gesteit 537, 62. 

Für zt steht t, ausser in gesät für gesazt (sieh die eben ange- 
führten Reime) in Formen von grözen, bözen (grüezen, büezen). 
Nimmt man aber schon im Infinitiv die Formen gröten : böten an, 
so findet im Präteritum und Participium einfach Syncope statt und 
die folgenden Stellen fallen zu den eben erwähnten. 

I. gegröt : spöt 13, 33. gebot : göt 30, 6. 32, 40. gröte : 
söchte 168, 1. 

IL göt : gebot 222, 52. 225, 19. möt : gebot 257,58. gröte : 
söchte 218, 21. söchten : gröten 230, 13. gröte : röchte 235, 64. 

O. Labialen. 

v steht für b, oder auch b für v, doch schreibt die Handschrift 
immer v, in allen Theilen des Gedichtes. 

I. neven : ergeven 46, 53. : geven 47, 53. 117, 48. neve : 
geve 105,35. neven : begeven 118,24. : gegeven215, 19. greve : 
geve 198, 24. 201, 30. leve : breve 72, 24. 78, 3 (so!). 94, 40. 
172, 17. leven : gebreven 134, 1. geleven : breven 210, 43. ge- 
brevet : gelevet 134, 38. stive : wive 42, 12. : live 72, 6. hove : 
love 12, 11. 37: 15, 40. 16, 47. 55. 18, 5. 27, 36. 34, 23. 
35, 28. 54. 44, 27. 53, 8. 54, 51. 59, 49. 70, 27. 49. 99, 8. 
134, 8. 140, 40. 141, 38. 160, 34. 

IL geven : neven 229, 25. 231, 30. 252, 31. 276, 40. 283, 
14. 288, 25. 290, 6. neven : begeven 233, 34. 266, 24. : ge- 
geven 251, 1. 279,2. : Steven 265,3. : vergeven 291, 3. greve : 
ergeve 241, 9. : geve 254, 41. geven : greven 246, 61. leve : 
breve (so!) 221, 50. 224, 2. 228, 35. 287, 20. hove : love 217, 
46. 220, 22. 230, 9. 235, 24. 243, 52. 255, 47? 292, 36. 
bedrövet : prövet 256, 44. Hs. bedroefft : proefft. 

III. greven : bleven 296, 1. markgreven . bleven 347, 37. 
breve : leve 294, 50. 305, 63. 329, 2. hove : love 295, 39. 298, 
28. love : buschove 333, 45. 336, 35. 

IV. graven : haven 374, 49. neven : geven 392, 43. 

V. neven : geven 473, 17. neve : leve 466, 25. marcgreven : 



— 238 — 

geven 406, 9. unleve : breve 461, 45. oliven ; schriven 447, 21. 
hove : love 426, 53. 433, 38. 434, 40. 436, 10. : orlove 435, 
19. buschove : love 438, 55. lovene : ovene 472, 54. 

V». neven : geven 414, 2. 

V*>. neven : geven 452, 12. : leven 458, 60. 

V c . gräven : Swäven 525, 22. neven : geven 500, 30. : leven 
529, 59. 522, 47. 523, 27. 528, 63. neve : leve 497, 63. : geve 
492, 61. toven : oven 532, 23. 

p wird im Auslaute abgeworfen in krum : gerüm 199,46. : meum 
536, 23 und so wohl durchgängig, wenn auch nicht mehr beweisende 
Reime sich linden. 

f steht im Auslaute für b und p; boestaf : af 1 , 19 und ähn- 
liche Reime beweisen nichts, da hier auch buochstap : ab (wie bei 
Herbort) reimen könnte; dagegen die folgenden: 

I. botschaf : ergaf 16, 13. geschaf : af 29, 33. af : traf 42,4. 
80, 21. 85, 27. ritterschaf : ergaf 49, 37. : gaf 120, 14. : af 57, 
28. 121, 28. af : kaf 67, 2. af : herschaf 125 , 65. traf : begaf 
193, 14. gaf : herschaf 193, 60. : blischaf 215, 45. darf : erwarf 
44, 9. lief : brief 177,20. lif : stif 66,28. orlof : hof 8, 20. 11, 
56. 13, 1. 15, 60. 29, 10. 78, 13. lof : hof 49, 19. 61, 59. 
69, 65. 110, 24. 126, 39. 209, 60. 

II. geselschaf : af 218, 15. 241, 36. begaf : blischaf 221, 40. 
meisterschaf : af 222, 2. botschaf : af 230, 54. ritterschaf : af 235, 
46. blitschaf : gaf 236, 23. : af 240, 10. geselschaf : gaf 253, 3. 
begaf : heidenschaf 264, 9. : herschaf 2dl, 47. rief : dief (diep) 
240, 53. 242, 42. 244, 27. 266, 7. 274, 63. 277, 64. lof : hof 
289, 29. 

III. botschaf : gaf 294,51. af : ritterschaf 344, 62. eigenschaf : 
gaf 373, 39. lief : rief 318, 27. : dief 319, 21. buschof : lof 310, 
53. 357, 22. hof : lof 333, 1. gedouft : gelouft 305, 13. 

IY. hof : lof 374, 11. 

V. af : heidenschaf 437, 50. 479, 1. botschaf : gaf 441, 16. 
gaf : vruntschaf 443, 36. : ritterschaf 448, 35. dief : lief 438, 21. 
lof : hof 479, 51. 481, 45. gelouften : douften 402, 58. 

V*. af : botschaf 411, 31. orlof : buschof 410, 27. : hof 414, 
14. hof : geschöf 415, 19. 

Vb. gaf : ritterschaf 452, 56. 

V e . traf : af 528, 53. orlof : hof 520, 50. 

VI. behof : grof 539, 23. 

Die Substantiva in. schaft werfen das schliessende t ab ; die mei- 
sten Stellen sind schon in den vorhergehenden enthalten. 

I. botschaf : ergaf 16, 13. geschaf : af 29, 33. ritterschaf : 



— 239 — 

ergaf 49, 37. 120, 14. : af 57, 28. 121, 28. af : herschaf 125, 
65. gaf : herschaf 193, 60. : blitschaf 215, 45. 

II. af : geselschaf 218, 15. 241, 38. begaf : blitschaf 221, 40. 
meisterschaf : af 222, 2. botschaf : af 230, 54. af : ritterschaf 235, 
46. blitschaf : gaf 236, 24. : af 240, 10. geselschaf : gaf 253, 3. 
begaf : heidenschaf 264, 9. : herschaf 28!, 17. 

III. botschaf : gaf 294, 51. af : ritterschaf 344, 62. eigen- 
schaf : gaf 373, 39. 

V. heidenschaf : gaf 406, 41. af : heidenschaf 437, 50. 479, 1. 
botschaf : gaf 441, 66. gaf : vruntschaf 443, 36. : ritterschaf 448, 
35. Vgl. oben S. 200. 

Va. af : botschaf 411, 31. 
V b . gaf : ritterschaf 452, 55. 

9. Gutturalen. 

g steht im Inlaut für h in sägen für sähen , sege für ssehe und 
geschege für geschehe. 

I. besagen : lägen 35,41. sägen : lägen 39,49. 128,51. 181, 
58. 192,3. : wägen 173,13. gesägen : lägen 125, 31. sege : lege 95, 
11. 183, 15. lege : gesege 114, 21. sege : plege 132, 36. 200, 
29. versage : plege 160, 43. geschege : lege 103, 60. 

II. gesägen : lägen 223, 37. sägen : vrägen 234, 7. 277, 33. 
286, 16. : mägen 250, 37. : lägen 273, 8. 282, 27. lägen : be- 
sagen 272, 27. segen : legen 272, 20. 

III. sägen : vrägen 311, 38. gesägen : lägen 353, 65. sägen : 
vrägen 354, 16. : lägen 359, 26. 371, 13. 

Y. plagen : gesägen 395, 26. sägen : lägen 404, 48. 405, 36. 
473 , 28. gesägen : wägen 406 , 1 6. sägen : plagen 427 , 43. be- 
gäven : sägen ? 467,13. sägen : horlägen 480,7. geschege : drege 
467, 23. 

V». segen : legen 409, 27. gesege : lege 412, 5. 

V*. gesägen : mägen 451, 39. 

Vc. sägen : lägen 491, 37. 509, 20. : mägen 516, 29. 518, 
16. sege : lege 504, 42. 

VI. ögen : bögen 536, 24. 

Im Auslaute steht für die Tenuis k durchgängig die Aspirata eh. 

I. sprach : dach 1, 51. 2, 43. 7, 40. 14, 49. 32, 13. 33, 
38. 34, 12. 61, 40. 65, 55. 92, 43. 119, 1. 138,26. 178,50. 
181, 13. 196, 2. 211, 17. 212, 62. lach : geschach 2, 37. 176, 
2. slach : besach 3, 15. :sach83,15. 129,16. 182,1. 192,15. : ge- 
sach85, 58. 162,3. bach : lach 4, 21. 148,28. 186,6. dach : geschach 



— 240 — 

5,23. 46,55. 109,15. 117,32. sprach : mach 11,46. 26,15. 48, 1. 
51, 16. 58, 5. 76, 3. 86, 56. 151, 40. 210,9. gemach : dach 
12,36. 52,19. 107,45 121,32. sach : lach 12 , 55. 39,50. 
53, 18. 58, 28. 73, 13. 74, 15. 94, 4. 106, 36. 108,27. 141 
63. 152,43. 174,2. 199,58. dach : ungemach 26, 65. 31,11. 
lach : sprach 36, 6. 38, 32. 49, 57. 51, 60. 66, 46. 70, 39. 
80, 25. 98, 47. 99, 30. 101, 45. 103, 8. 105, 23. 139, 34. 
177, 58. sach : dach 52, 43. 144, 11. 167, 9. 173, 29. stach: 
lach 56, 55. plach : sprach 63, 6. 140, 18. dach : geschach 71, 
1. lach : brach 107, 3. plach : sach 108, 48. stach : dach HO, 
18. slach : ungemach 118, 2. lach : gemach 153, 58. 157, 11. 
158, 18. : öwach 154, 17. : gewach 159, 43. slach : sprach 201, 
8. dömesdach : öwach 163, 32. lach : gerach 189, 17. geschach: 
middach 194, 1. slach : gesprach 202, 16. mach : gesach 203,63. 
slach : brach 204, 9. ich : wich 49, 15. gedroch : idoch 1, 60. 
noch : bedroch 109, 63. burch : durch 15, 7. 103, 58. 104, 41. 
127, 8. 128, 14. 160, 26. 169, 29. .183, 64. 185, 64. 

II. erstach : dach 217, 58. : lach 258, 39. sach : lach 218, 
43. 247, 4. sprach : dach 243, 15. 245, 48. 264, 4L 281, 39. 
283, 10. gewach : dach 219, 61. dach : sach 225, 59. unge- 
mach : dach 232, 4. sprach : mach 233, 32. 251, 32. 268, 42. 
279, 22. slach : zobrach 234, 19. gesprach : lach 238,21 slach: 
stach 255, 6. sach : mach 261, 34. sprach : dach 271,51. slach: 
sach 272, 68. 273, 49. 274, 29. sprach : lach 276, 55. ge^- 
brach : lach 278, 62. dach : üp brach 293, 13. eich : sleich 232, 
56. leich : sweich 235, 66. vierzich : sich 252, 68. mich : zwen- 
zich 253, 1. : schuldich 254, 58. üch : gezüch 237, 14. 241, 2. 

III. dach : geschach 293, 70. 325, 3. 335, 47. : sprach 308, 
4. 330, 27 348, 51. : ungemach 315, 38. 346, 53. 366, 16. 
: sach 358, 6. mach : gesach 299, 48. 314, 25. 338, 32. 339, 
58. : sprach 304, 37. 312, 15. 367,27. vermach : geschach 328, 
10. mach : geschach 361, 5t. lach : ungemach 301, 36. ver- 
lach : sach 307, 30. lach : gesach 319,7. 347,3. : sach 334, 45. 
337, 28. 344, 38. slach : sach 303, 60. : geschach 365, 15. : ge- 
sach 368, 45. plach : geschach 322, 24. lach : sprach 360, 13. 
middach : gesach 372, 16. Brünswich : rieh 305, 42. mehtich : 
Vrancrich 303, 20. 342, 7. vunfzich : rieh 310, 35. ötmödich : 
sicherlich 314, 53. unmözich : vlizeclich 318, 31. [schuldich : le- 
dich 321, 41.] unschuldich : sich 322, 50. geweldich ; getrüwelich 
328, 44. levendich : sich 335, 39. mechtich : ritterlich 340, 24. 
wir dich ■ lovelich 336, 55. seiszich : stillich 348, 30. : heistlich 
348, 60. zornich : rieh 351, 41. unmödich : rieh 361, 58. al- 



- 241 - 

mechtich : mich 368, 8. burch : durch 302, 3. — IV. mach : dach 
374, 33. dach : gesach 378, 23. lach : gesach 375, 47. : sach 
386, 27. 389, 51. : stach 393, 36. slach : gesach 380, 8. 

Y. mach : sach 399, 43. : stach 481, 63. dach : ungemach 
442, 61. : sprach 448, 32. plach : geschach 443, 30. slach : sach 
482, 14. lach : gesach 478, 54. lach : sach 484, 55. 489,6. 490, 
46. sich : wich 473, 22. herlich : wich 466, 11. overmödich : 
wich 468, 10. burch : durch 401, 61. 

V a . mach : gesach 411, 15. dach : ungemach 404, 25. lach : 
sprach 415, 8. : ungemach 416, 14. 425, 23. : gesach 417, 2. 
424, 4. : stach 420,54. : gesprach 421,43. : sach 423, 54. wich: 
rieh 413, 13. 424, 6. dröch : doch 412, 47. burch : durch 425,25. 

V b . slach : sprach 456, 12. : brach 459, 51. lach : stach 
455, 10. : gemach 460, 24. : sach 458, 18. sich : wich 453,60. 
levendich : dich 458, 64. 

Vc. dach : sach 491, 27. 493, 47. 530, 23. mach : sach 503, 
37. : gesach 499, 1. ungemach : middach 507, 6. dach : geschach 
523, 14. lach : gesach 495, 3. 529, 9. : sach 510, 4. : besach 
511, 5. slach : wrach 528, 24. hüfslach : sach 518, 65. wich : 
Dederich 527, 28. kundich : Dederich 526, 18. ouch : bedrouch 
496, 33. : vlouch 505, 57. 

VI. sprach : mach 534, 10. : sach 536, 43. dach : geschach 
538, 41. Ludewich : rieh 535, 12. zornich : weislich 539, 39. 

h (ch) steht für f vor t (cht = ft) in allen Theilen des Ge- 
dichtes. 

I. kracht : gesacht 40,7. : manslacht 201,47. : macht 64, 34. 
herkracht : slacht 112, 23. : gesacht 113, 12. : nacht 114, 8. 
schacht : macht 44, 39. : vacht 118, 9. : bedacht 85, 1. : bracht 
90, 51. wärhacht : vollenbracht 102, 7. krechte : mechte 83, 10. 
92, 6. : unmechte 96, 18. : brechte 204, 7. krechten : vechten 
84, 56. 195, 26. : unmechten 96, 13. gedieht : geschricht 1, 10. 
gichte : angesiehte 13, 9. bösewich t : hantgicht 42, 36. 83, 61. 
193, 48. wicht : gicht 112,54. vorchte : bedorchte 145, 5. lucht : 
drucht 79, 19. 199, 52. 

IL kracht : macht 273, 35. gehacht : gesacht 246, 35. be- 
sacht : behacht 250, 25. krechte : unrechte 265, 29. hechten : 
knechten 265, 15. wicht : hantgicht 246, 68. gestiebte : berichte 
222, 6. gichte : berichte 223,15. suchte : berichte 230, 1. dochte: 
knockte (knüpfte) 259, 24. bedorchte : vorchte 220, 48. 250, 53. 
vrucht : lucht 216, 72. 

III. kracht : macht 297, 68. 311, 15. 319, 1. 329, 16. 341, 
64. besticht : bericht 312,51. mochte : gelochte 324,28. dochte: 

16 



— 242 - 

gelochte (glaubte) 345, 38. vorchte : bedorchte 362, 25. hiebt : 
ducht 333, 51. 358, 54. : vrocht (vorht) 344, 34. 

IV. kracht : nacht 375, 39. 376, 32. : bracht 377, 33. be- 
drochte : mochte 382, 28. bedorchte : vorchte 384, 5. ensochte : 
dochte (taufte) 378, 53 (Elegast suchte : wrochte). 

V. hacht : bracht 394, 62. lovehacht : bracht 396, 53. wan- 
hacht : macht 397, 55. bracht : ellenthacht 402, 29. kracht : 
bracht 403, 17. 479, 53. : gesacht 446,19. : nacht 428,61. 465, 

28. : macht 445, 50. : verdacht 448,24. : dracht 479,4. : vacht 
487,30. schechten : ervechten 483,51. vorchte : bedorchte 472,25. 

V a . kracht : bracht 418, 59. schacht : macht 411,17. kracht: 
gesacht 425, 56. 

V b . schacht : macht 456, 35. kracht : gesacht 458, 23. 459, 
7. bedacht : diensthacht 419, 27. diensthacht : gesacht 450, 39. 

Y c . kracht : nacht 491, 32. brachte : ernsthachte 530, 35. 
richte : gesuchte (Hs. riche : gestiebte) 492, 65. bericht : gesticht 
497, 33. 

h steht für g im Präteritum und Particip. prät. von sagen, le- 
gen, sachte, gesacht, lachte, gelacht. 

I. sachte : erdachte 7,55. : brachte 163,48. 175,42. : schilt- 
wachte 182,5. sachten : brachten 172,67. sechte : rechte 112, 10. 
(123, 3; die andre Keimzeile fehlt.) gesacht : nacht 1, 64. 3, 61. 

29, 49. 74, 58. 121, 41. 122, 13. 135, 33. 144, 21. 208, 5. 
: bracht 15, 31. 171, 31. 177, 34. : vollenbracht 22, 11. 31,57. 
166, 35. 196, 40. : kracht 40, 7. : herkracht 113, 12. : over- 
bracht 124,34. : unmacht (Hs. ungemach) 153,52. 162,45. : macht 
192, 1. : unbedacht 71, 25. : vacht 85, 32. lachte : unmachte 
(Hs. ungemache ) 5, 27. lachten : dachten 189, 69. gelacht : macht 
22, 33. : nacht 215, 62. 

II. sachte : dachte 260, 19, : bedachte 268, 24. versachte : 
brachte 269,41. sechten : brechten 230, 39. intsechte : rechte 244, 
31. 254, 37. gesacht : nacht 232, 40. 233, 7. 286, 62. : un- 
macht 238, 23. : gehacht 246, 35. : verdacht 265, 39. besacht : 
gedacht 225, 67. : behacht 250, 25. : bedacht 253, 25. : macht 
257, 14. intsacht : macht 264, 5 (Hs. nitsacht : macht). : kracht 
273, 30. sacht (dicit) : geschach 234, 13. lechte : richte 284, 47. 
gelacht : nacht 242, 9. 292, 71. : overbracht 267, 13. 

III. sechte : bedechte 320, 61. gesacht : nacht 299, 1. 329, 
56. 347, 67. : macht 334, 18. 310, 46. 349,47. 350, 61. 366, 
43. 314, 1. : bracht 335, 57. : gedacht 348, 67. 370,65. : be- 
dacht 368, 3. lechte : rechte 310, 57. gelacht : nacht 344, 22. 
: macht 358, 8. belacht : nacht 306, 67. 



— 243 — 

V. sachte : dachte 435, 13. sachten : erdachten 444, 64. ge- 
sacht : kracht 446, 19. lachten : brachten 467, 59. 

V a . sachten : gedachten 416, 41. gesacht : bracht 414, 50. 
: herskracht 425, 56. 

V b . sachte : brachte 450, 35. gesacht : kracht 458, 22. : hers- 
kracht 459, 7. : bedacht 457, 5. 

VI. sachte : gedachte 534, 60. gesacht : umnacht 536, 4. 

h wird inlautend und auslautend ausgestossen und abgeworfen; 
auch dieser Gebrauch ist allen Theilen gemeinsam. 

I. nä (nähe) : da 3, 47. in allen gän : getan 16, 30. 38, 26. 
: stän 24, 14. 176, 47. : umbevän 111, 2. me : sie 83, 13. ge- 
die : Orie 155, 48. schrien : verzien 21,54. 49,11. 86,52. 207, 
28. verzien : Galien 45, 20. 60, 5. 75, 10. 101, 53. 133, 45. 
170, 19. 203, 58. : Marien 89, 1. 95, 45. 131, 1. : Orien 156, 
54. 176, 27. 184, 58. 189, 4. vlien : gesien 42, 24. 195, 4. 
: gien 43, 30. zien : gesien 48, 36. : gien 171, 52. vlien : sien 
195, 12. entzien : sien 211, 65. ir siet : niet 149, 26. versiet : 
niet 12, 29. 44, 23. 76, 8. 79, 14. 83, 6. 103, 23. 136, 7. 
152,29. 160,31. 176,8. 200,60. 211,62. : diet 51, 31. : ge- 
schiet 53, 30. 164, 34. 174, 42. gebiet : niet 14, 20. niet : liet 
17, 52. : diet "42, 57. siet : diet 50, 11. iet : liet (oder icht : 
licht) 104, 2. begiet : niet 32, 31. üp höre : döre 151, 11. ge- 
worcht : vort 55, 21. 56, 20. gröte : rochte 146, 51. 171, 5. 

II. lene : zwene 233, 24. verzien : Normandien 218, 3. : Ma- 
rien 220, 67. 281, 51. : Galien 226, 57. 239, 2. 262, 52. 289, 
44. bezien : vrien 237, 42. 240, 29. verzien : vrien 252, 53. 
286, 53. Galien : bezien 270, 58. verzie : dregerie 238, 64. ver- 
siet : niet 275, 11. 289, 61. 292, 26. nötdorcht : kort 223, 57. 
söchte : gröte 218, 21. söchten : gröten 230, 13. gröte : rochte 
235, 64. 

III. vlien : geschien 342, 16. 370, 55. : gien 372, 32. par- 
tiell : verzien 308, 51. ir siet : diet 303, 27. versiet : niet 341, 
42. 367, 68. begit (begicht) : quit 321, 21 (Hs. beget : quyt). 

IV. len : engen 376, 63. 383, 43. ir siet : niet 380, 46. 
391, 56. 

V. intfä : gä 397, 27. hän (hähen) : stän 401 , 1. in allen 
gän : entsän 440, 50. lien : vrien 442, 40. vlien : sien 402, 21. 
zien : gesien 473, 47. ir siet : niet 444, 11. vliene : diene (Hs. 
vleyn : .deyn) 463, 10. 

Y a . in allen gän : getan 417, 18. 423, 9. : stän 424,30. ge- 
dte : vrie 410 v 49. verzie : vrie 413, 26. verzien : Ungarien 422, 

16* 



- 244 - 

58. : Magdalien 424, 15. vlien : geschien 422, 60. ort : ver- 
vorcht 417, 11. 

Yb. in allen gän : undertän 449, 12. : slän 453, 48. 460, 11. 

Vc. när : war 511,30. verriet : giet 531, 22. hosten : gedrö- 
sten 489, 30. 509, 6. mort : geworcht 495, 39. 

VI. knien : sien 538, 5. ir siet : diet 533, 20. entvorcht : 
vort 537, 24. 

In einigen Abschnitten finden sich die Formen gesöt (besöcht, 
besuochet) und vervlöt (vervlöcht, vervluochet). 

I. besöt : göt 55, 10. 62, 35. : möt 106, 15. [besoecht : 
ducht 198, 48.] vervlöt : höt 148, 12. 

II. gesöt : göt 234, 62. 249, 5. : bedelhöt 259, 44. besöt : 
göt 269, 45. 

III. besöt : högemöt 295, 4. : göt 299, 6. 308, 47. 353, 
54. 364, 17. 40. 

Y\ besöt : göt 410, 46. 414, 40. 

V b . besöt : göt 449, 39. 

ch wird im Auslaute allgemein abgeworfen. 

I. ha : na 1, 17. da : dar nä 208, 11. we : verzö 41, 10. 
82, 8. de (mhd. diech) : kne 82, 61. 92, 39. re : me 140, 52. 
verze : sne 180, 9. entflö : unvrö 43, 40. : üp hö 118, 55. zö : 
also 66, 61. 91, 25. 182, 25. : Arlö 116, 41. : vrö 93, 50. 99, 
32. : dö 185, 37. gezö : so 140, 8. 

II. nä : grä 221, 61. : zwä 268, 2. : aldä 270, 15. gä : da 
275, 44. blä : dar nä 288, 10. dar nä : da 291, 1. 292, 49. zö : 
vrö 230, 58. 230,7. 290,11. : also 241, 64. : rö 258, 48. : un- 
vrö 263, 20. : strö 272, 57. : hö 285, 56. 

III. nä : da 312, 48. 317, 38. 346, 1. 372, 34. nä (nähe) ; 
nä (nach) 330, 37. zö : vrö 301, 56. : dö 351, 2. entflö : vrö 
332, 5. 

V. gä : intfä 397, 27. nä : da 462, 2. 465, 63. 467, 40. 
da : gä 471, 36. vlö : Anjö 472, 22. 

V b . geve (Hs. genee) : me 452, 25. verze (Hs. veze) : wo 455, 
17. 457, 20. zö : unvrö 459, 18. 

Vc da : nä 503, 66. vlö : also 502, 21. 

VI. nä : wä 536, 54. 



So viel in Bezug auf die Lautlehre; nun noch einiges aus der 
Flexionslehre. Die Doppelformen starker und schwacher Substantiva, 
die des Reimes wegen angenommen werden müssen, sind schon beim 
n. (S. 229) erwähnt worden. Beim Pronomen bemerke ich zunächst 



— 245 — 

die Form mich, die im Reim nicht selten vorkommt und mithin ge- 
gen eine rein niederländische Abfassung zu sprechen scheint. Die 
niederdeutsche Form mi für den Dativ findet sich im Reime auf si 
90, 12. 537, 2, woraus hervorgeht, dass der Compilator diese Form 
für den Dativ durchgängig brauchte, denn mir begegnet nicht im be- 
weisenden Reime, mich findet sich an folgenden Stellen: 

I. mich : Affrich 27, 22. 31, 23. : mennelich 53, 38. 156, 
47. : Höderich 128,1. : gelich 160, 16. : smelich 187, 30. 

IL mich : Dederich 229, 23. mich : ich 241, 55. 289, 55. 
: Hertwich 242, 60. 

III. mich : gelich 328, 52. ; trülich 338, 8. : gezogenclich 
367, 12. 

IV. nur an einer Stelle, die im Original fehlt, reimt mich : Ecke- 
rich 392, 19. 

V. mich : rieh 397, 48. : herlich 445, 15. : billich 461, 51. 
V». mich : ich 410, 37. 

V c . mich : grözlich 503, 54. — VI. mich : kostelich 538, 47. 

In V c findet sich auch dich im entscheidenden Reime (: Dede- 
rich) 523, 44. 

In der 2. Person Pluralis ist üch zu bemerken, das als Dativ 
und Accus, gebraucht sich nur in II im Reime findet, üch : gezüch 
237, 14. 238, 15. 241, 1. 242, 50 und als Accus. 239, 25. Je- 
doch sagte auch wohl der Compilator und die übrigen Dichter im 
Dativ üch, nicht ü. 

Im geschlechtigen Pronomen der dritten Person lautet der Sing, 
masc. er, wie der Reim er : her (huc) 466, 24 beweist. In IV reimt 
he (: me) 374, 45 (Elegast hi : mi), in den übrigen Theilen kommt 
die Pronominalform im Reime nicht vor. Die Handschrift schreibt 
immer hey. Der Pluralis lautet immer si, und ebenso im Sing. Fe- 
min. Nom. und Accus, si (ea) : bi 35, 60. si (eam) : vri 36, 10. 
59, 2. 203, 59. bi : lachte si 157, 42. umbe si : vri 289, 50. 
horte si : vri 321 , 3. si (ii) : dri 229, 32. 252, 38. : vri 396, 56. 
si (eos) : vri 18,27. 283, 46. : dri 192, 43. 410, 12. 413, 49. 
: bi 448, 37. 

Verbum. Die erste Person Singul. des Präsens Indic. geht theils 
in n, theils vocalisch aus; zahlreiche Reime in allen Theilen bewei- 
sen diese Doppelform. In n: 

I. ich gewagen : sagen (Infin.) 9, 39. ich erkennen : genennen 
(infin.) 18, 17, ich wisen : Dionisen (Genit, Hs. Dionisse) 29, 11. 
ich verläzen : mäzen 46, 21 beweist nichts, da man auch mäzen 
schreiben kann, ich gewagen : clagen 46, 24. ich schrien : verzien 
(infin.) 49, 11. ich schämen : namen (accus.) 49, 29 (Hs. schäme : 



— 246 — 

name). ich heizen : ersweizen (infin.) 49, 31. ich düden : mit an- 
dern lüden 49, 33. ich haven : entsaven (partic.) 101 , 2. ich ken- 
nen : nennen (infin.) 128, 2. ich zellen : gesellen (dat. plur.) 139> 
15. ich leven : beneven 162, 43. ich düden : van üren lüden 169, 
56. ich bescheiden : gebeiden (infin.) 171, 62. ich lesen : wesen 
(infin.) 172, 16. ich bedüden : mit dinen lüden 187, 69. : mit ge- 
liehen lüden 188, 59. ich erveren : geberen (infin.) 191, 18. ich 
meinen : ür weinen 213, 22, könnte auch weine sein. 

IL ich geroken : besöken (infin.) 219, 55. ich minnen : mit 
sinnen 225, 5. ich bevelen : helen 228, 7. ich erheven : ergeven 
(infin.) 235, 14. ich leven : gegeven 237, 39. ich gehengen : breii- 
gen 244, 24. ich schämen : allesamen 250, 55. ich sagen : gesla- 
gen 253, 60. ich geven : ir leven 253, 68. ich wedersagen : ersla- 
gen 254, 55. ich lesen : gewesen 259, 33. ich kennen : nennen 
265,43. ich lesen : wesen 269,33. ich sagen : missehagen 274,57. 
: dagen (dat. plur.) 276, 22. 286, 46. 

III. ich gewagen : sagen 364, 21 kann leicht geändert werden, 
indem gewagen zum Infinitiv wird. 

V. ich geven : dat leven 440, 57. ich leven : begeven 442, 23. 
ich gesinnen : entrinnen 485, 1. 

V a . ich röchen : versuchen 423, 63. 

V b . ich sprechen : wrechen 458, 66. 

V c . ich manen : allesamen 531, 13. 

Die Form ohne n beweisen folgende Reime: 

I. ich drage : gewage (lies dat he min gewage) 36, 62. ich be- 
düde : hüde 48, 9. ich sage : an dem dage 124, 20. ich verzelle : 
Golosobelle 134, 69. ich berichte : nichte 158, 48. 165, 51. ich 
bescheide : beide 158, 52. 165, 54. ich düde : de lüde 199, 14. 
204, 55. : sine lüde 201, 50. 

II. ich bescheide : beide 230, 70. ich sage : vor dage 239,51. 
ich gesinne : koninginne 264, 3 beweist nichts, da koninginne auch 
schwach flectiert sein kann. 

III. ich sage : clage 297, 15. ich düde : lüde 338, 11. 370, 16. 
V. ich mane : ane 397, 64. ich lere : ere 442, 48. ich wene : 

zwene 460, 53. ich verdrive : live 464, 35. 

Y b . ich düde : hüde 458, 43. ich meine : deine 458, 47. 

V c . ich sage : alle dage 505, 49. ich vechte : dem rechte 523, 
38. ich sage : zwene dage 532, 11. 

Die 2. Person Singul. geht in I in s aus. du bis : gewis 7, 21. 
du sis : wis 89, 42. 90, 5. 109, 10. du säs (seist) : dwas 113, 
24. du häs : Oriäs 188, 36. Auch in V in s : du bist : gewis 439, 
47. du behüdes : gemüdes 448, 47. Dagegen st in du bist : Crist 



— m — 

430, 17. 4S8, 25. Dem Bearbeiter von V scheint nur die Form 
ohne t zuzukommen: du bist ist 430,17 aus Konrad beibehalten und 
wahrscheinlich auch an der zweiten Stelle, wo Konrads Text uns 
verlässt. 

Die 2. Person Pluralis geht in t, nicht in nt aus. Beweisend 
ist ir sit : zit 399, 38. 434, 7. ir hat : rat 400, 45. Einmal in 
II kommt vor ir helen : ich bevelen 228, 7, was Conjunctiv ist. 

Der flectierte Infinitiv geht nicht, wie man es sonst in nieder- 
deutschen Quellen findet, in nde, sondern immer in ne aus. Das be- 
weisen zahlreiche Reime aus verschiedenen Theilen des Gedichtes, 
in der häufigen Verbindung von .sehr und .stehen' mit ,zu ; und dem 
Infinitiv. 

I. des enis uns niet zo enberne (: gerne) 18, 62. 12S, 39. der 
warheit is gode zo gene : zene 39, 47. nu enstoent Galie zo en- 
berne : gerne 58, 19. der warheit is üch zo gene : zene 84, 49. 
dat si üch zo verstaue : plane 86, 31. de gut was zo verstaue : 
plane 93,61. dat si üch zo verstaue : zo saue 112,46. 195,31. 198, 
2. it stet uns wal zo döne : söne 128,31. dat si dir zo verstaue: 
plane 188, 14. 

II. we eme niet zo enberne (: gerne) were 219. 41. des enis 
uns niet zo enberne : gerne 228, 16. enis is üch niet zo enberne 
: gerne 211, 18. ouch si üch zo verstaue : Ardane 245, 29. der en 
is niet zo enberne : gerne 267, 23. 

IV. stet zo enberne : gerne 391, 58. 

V. enis it eme niet zo enberne : gerne 407, 29. 426, 29. nu 
is it üch zo döne : none 462, 12. 

In III, V», V*», VI findet sich dieser Gebrauch nicht. Zwar 
steht 314, 68 des enwolde si niet enberne : gerne, wo man schrei- 
ben könnte des enwas ir niet zo enberne, und ebenso 322, 1 ind 
woulde is durch got enberne : gerne, 367, 32 des enwil ich niet en- 
berne : gerne, wo gebessert werden dürfte des enis mir niet zo en- 
berne; allein es ist wahrscheinlicher, dass der Compilator mit abge- 
worfenem e reimte enbern : gern. So ist auch die einzige Stelle. 
wo die Construction sich wirklich angewendet findet, des enwere eme 
niet zo enberne (: gerne) 352, 35, in des wolde he niet enbern : 
gern zu ändern. 

Einzelne Yerba. Ton ich bin lautet die 3. Person meist is statt 
ist. I. is : gewis 3, 50. 11, 32, 14, 28. 26, 31. 30,40. 31,39. 
41,24. 47,29. 52,5. 71,33. 108,64. 110,64. 112,31. 119, 
38. 132, 68. 158, 45. 161, 6. 179, 35. 191, 20. 193, 1. 196. 
20. : wis 128,24. : Tennis 159,8. — IL is : wis 243, 4. — III. is : 
ewis 324, 16. 330, 17. 336, 9. 355, 55. — Y. is : goldis 431, 



— 248 — 

66. : Marseiis 434, 26. Gewöhnlicher aber ist : Crist 401 , 10. 
432, 39. 444, 5. 474, 29. 485, 57. : dienist 407, 9. : list 439, 
30 (aus Koiirad). Entstellt ist der Reim ist : wist 399, 51. Ohne 
Zweifel ist auch hier is das dem Bearbeiter zukommende (wie in bis 
für bist) und ist nur aus der hochdeutschen Vorlage beibehalten; 
dies ergiebt auch das mehrmals trotz des Reimes geschriebene is. — 
In Yc steht is : gewis 523, 58. 

Das Participium gewest erscheint im Reime auf list 322, 14. 
535, 40, also in den beiden dem Compilator sicher zufallenden Stü- 
cken (III. YI). 

haben; die 3. Person Präs. Sing., die gewöhnlich im Karlmeinet 
hat lautet, heisst einmal in V hebet (hevet) im Reime auf levet 466, 
43. Mehrmals begegnet diese Form in IV, 375, 23. 376, 62. 377, 
22. 383, 32, wo sie überall dem mnl. heeft entnommen ist, doch 
zeigt die Auslassung (Elegast 506), dass dem Compilator hevet nicht 
geläufig war. — Das Präteritum hat verschiedene Formen. I. hedde : 
bedde 14,30. 60,59. 68,26. — 94, 46 steht hadde : sunder bede, 
es ist zu lesen hede : sunder bede ,Zögern'. hedde : bedde 101,;32. 
209, 68. 

II. hedde : bedde 231, 42. 243, 28. : wedde 251, 53. hed- 
den : wedden 277, 36. 

III. hedde : bedde 317, 47. 
V a . hedde : bedde 409, 10. 

hadde in V hadden : entsadden 472, 17, und V c hadde : ent- 
sadde 507, 45, wo die Hs. hedde : entsedde reimt. 

häte, vielleicht in V häten : träten 484, 10, doch sieh oben 
S. 141. 

hete : gevlete V c 489, 50, aber auch dies ist nicht das echte, 
vgl. S. 148. 

hebte, die sich gehebten : lebten 515,24 ist ein anderes Verbum. 

ich wil; die dritte Person lautet in V er wilt (S. 201). Die 
Form willen für wellen ist schon besprochen worden. Eine zweite 
Person du wolt in der Bedeutung voluisti findet sich in I. du wolt : 
holt 176, 31, und in V, du wolt : golt 429, 45, so wie in V*> 450, 
15. ir wilt, reimend auf schilt, steht 113, 8, wie in IV, 374, 27, 
aus Elegast beibehalten. Ein Präteritum wilde wäre anzunehmen in 
V, 402, 54, wenn nicht zu lesen wäre: 

inde er ere also wielden, 
dat si de sele behielden. 

wilde steht in IV, 376, 6, und in V b , 454, 32, beidemal auf 
Schilde reimend. 



— 249 — 

Die klingend reimende Form des Adverbiums lautet fast immer 
in liehe, nicht in liehen (vgl. oben i und i), z. B. in I, 42, 60. 46, 
28. 46, 51. 78, 22. 89, 12. 100, 61 u. s. w. In II 219, 49. 
220, 54. 232, 29. 256, 62. 261, 53. In III 294, 8 u. s. w. In 
I ist vielleicht einmal -liehen anzunehmen, 42, 38, wo lesterlichen : 
wichen reimt; doch vgl. oben S. 228. 

Charakteristisch, namentlich für einzelne Theile des Gedichtes, 
ist der Gebrauch des historischen Präsens für das Präteritum. Am 
häufigsten in 

I. als si dat wort hänt vernomen 11, 59. nä den worden is der 
schenke gegän 22, 14. is he vur de tavel gegän 22, 55. mit desen 
worden so gehet dat gröze geruchte in dem sal 25, 29. mit dem 
is he dö gerant 56, 45. de wäpen sint eme üz gedän 57, 30. ir 
hende si da geweschen hän (: getan) 59, 17. stillichen is he dan 
gegän (: getan) 62, 8. mi desen is he dan gegän (: stän) 62 , 52, 
auch in der folgenden Zeile hat für hedde. balde is he dar nach 
gerant (: zohant) 68, 55. balde is he vur dat loch gegän (: ver- 
stän) 75, 55. hänt sich gewäpent mit schalle 78, 52. sint si üzer 
stat gerant 78, 54. under de is he balde gerant 79, 3. mit zorne 
is he vort gerant 87, 8. sint si dö üp (ein) gerant 90 , 39. sus is 
der heiden vermezzen gewäpent üp ein (sin?) ros gesezzen 106, 54. 
is he üp Gerfein gerant 106, 57. nä den worden dö geliet des wir- 
des zale (: niet) 138, 39. van vroiden is de schöne komen (: ver- 
nomen) in unmacht 141,60. mit zorne hänt si sich erkorn 151, 52. 
balde sint si komen rechte 159, 58. als Orias dat gesach, dat en 
af wenden niet enmach 163, 55. sus sint de boden danne gesant 
(gerant?) 172, 26. 

II. alsus sint si üp ere ros gesezzen (: vermezzen) 271, 31. 

II. dö Galie dat gesach, dat si leven niet enmach 299, 48. nä 
den worden alzohant is Karl engän den Sassen gerant 303, 37. dö 
Witgin dat gesach, dat he striden niet nie enmach 304, 6. Karl 
rante . . inde hat de stat belegen (: degen) 308, 34. ind hat dar 
in gröze not gestalt (: gewalt) 313, 62. dö der koninc dat gesach, 
dat he zo en niet enmach 314, 25. dö der keiser dit gesach, dat 
he er niet gewinnen enmach 338, 33, und wörtlich ebenso, nur Lu- 
cernen statt er, 339, 58. 

IV. want he da neman ensach ind wat dat röfen düden mach 
374, 33. 

V a . als der heiden dat gesach, dat he en wederwenden niet en- 
mach 411, 15. Oliver hänt si sin wäpen bracht 414, 50. alle sine 
sarewät harde wale si eme stät 415, 26. nä den worden sint si 
zosamen gerant (: genant) 415, 37. so Oliver dat gesach, dat it an- 



- 250 — 

ders niet sin enmach 415,47. an dat gras sint si sitzen gän417, 26. 
nä den worden sint si zo eme gerant 419,7. dö de juncvrouwe dit 
gesiet (: niet) 419, 22. vele ritter sint da zö gejaget 423, 40. 

Y b . Wellis is enwech gegän (: stän) 450, 3. als der schal van 
dem hörne geit (: reit) 458, 34. 

V c . als de misse was gevromet ind der buschof van dem elter 
komet 511, 47. 

VI. dö der keiser dat gesach, dat eme de höde niet helpen en- 
mach 535, 58. 

Dieser Gebranch erstreckt sich mithin eigentlich nur auf I, III, 
V a , V b , VI. In I hauptsächlich die Ausdrücke is gegän, gerant, ge- 
sezzen, komen. In III dat er (si) mach und ebenso in VI, so wie 
is gerant. In Va is gerant und dat er mach, V b is gegän. Die ver- 
einzelten Stellen in II und V c rühren gewiss vom Compilator her 
und lassen sich auch leicht wegschaffen. In. IV begegnet der Aus- 
druck auch einmal wie in III, aber in anderer Wendung. 



Fassen wir zusammen, was sich aus dieser Darstellung der gram- 
matischen Verhältnisse ergibt, so finden wir, dass gewisse Ueber- 
einstimmung sich in einzelnen Erscheinungen an einigen Theilen des 
Gedichtes zeigt, und zwar an denjenigen, deren gemeinsamen Ursprung 
wir schon in der Darlegung des Inhaltes vermutheten; andere Er- 
scheinungen finden sich, was bei den nahe verwandten Mundarten er- 
klärlich ist, in allen Theilen des Gedichtes. Wir beginnen mit dem 
gemeinsamen; in allen findet sich der Gebrauch von a für o, die 
Bindung e : i, o für u, e für ae, 6 für oe, ü für iu, ou für iu, ou 
für oü, here stark gebraucht, d für t, t für z, f im Auslaute für p 
und b, ch im Auslaute für c, cht für ft, h ausgestossen , die Perso- 
nalpronomenform si, die erste Person des Präsens vocalisch auslau- 
tend. In allen Theilen des Gedichtes, mit Ausnahme von IV, dem 
einzigen streng niederländischen Stücke, findet sich here schwach ge- 
braucht, zwären für zwäre, f im Auslaut für ft, wille stark gebraucht, 
(in den kurzen Abschnitten V a , V b , VI fehlt es nur zufällig), g für 
h in sägen (geschege nur in I und V, doch wohl auch nur durch 
Zufall) , wich für wie (worin jedoch II mit IV übereinstimmt) , h für 
g in gesacht, gelacht, Abwerfung von ch. 

Ausserdem findet sich zwischen einzelnen Theilen noch Ueber- 
einstimmung in folgender Art. Zwischen III und VI, den vom Com- 
pilator nach lateinischer Quelle gearbeiteten Stücken, im Gebrauche 
von ei für i und gewest für gewesen, so wie darin, dass beide nicht 
willen für wellen sagen, beide die erste Person des Präsens nicht in 



— 251 — 

n auslauten lassen. In Bezug auf willen stimmen zu beiden auch V a und 
Y b , die beiden in V eingeschobenen jüngeren Stücke, so wie sie auch 
den Infinitiv ohne n in Uebereinstimmung mit III und VI gestatten. 
Alle vier hier genannten, und wie ich vermuthe, von einem Verfasser 
herrührenden Stücke stimmen mit I in dem Reime m : n und dem 
Gebrauche des Präsens für das Präteritum ; mit I und II in der Bin- 
dung i : ie, in sien, gien, geschien für sehen, jehen, geschehen, in 
verzien für verzihen, zö für zöch, besöt für besöcht, hedde für häte 
oder hete. III allein trifft mit I und II zusammen in dem Gebrauche 
von lucht für luft, sechte für sagte; doch ist es wiederum wohl nur 
zufällig , dass in den übrigen dem Compilator zufallenden Stücken 
diese Formen nicht im Reime vorkommen. Mit I allein stimmt III 
im Gebrauche von lien für ligen, und böte in starker Flexion; mit 
II darin, dass beide lechte sagen, während I lachte bietet. 

Eigentümlichkeiten von I sind die Reimformen gestechen für ge- 
stochen, gedroch für getroc, die oder de für diech, vervlöt für ver- 
vluochet. In II allein begegnen die Formen sweich und üch im 
Reime. IV, welches manche der sprachlichen Erscheinungen nicht 
kennt, die die übrigen Theile haben, hat für sich allein den Gebrauch 
von o für a (einmal jedoch auch in III), von biet, liet für hiez, liez 
und von he für er. Mit III stimmt IV in der niederdeutschen Um- 
stellung des r, mit II darin, dass beide nicht wich für wie sagen. 

V und V c , die einem Dichter, dem Bearbeiter des alten Liedes, 
zufallen, zeigen in ihren sprachlichen Erscheinungen keinen Wider- 
spruch mit einander, dagegen stimmen sie im Gegensatz zu den übri- 
gen Theilen darin, dass sie nicht ä für ei sagen, was sie mit IV ge- 
meinsam haben, so wie in der Präteritalform hadde. V allein ge- 
braucht die Formen salde für saelde und er, doch ist es gewiss nur 
Zufall, wenn er in V c nicht im Reime steht. 



Die Behandlung des Reimes in Bezug auf Genauigkeit ist zwar 
in der Gestalt, wie der Karlm einet uns überliefert ist, in allen Thei- 
len ziemlich dieselbe; es finden sich in jedem Stücke eine Anzahl 
ungenauer Reime, aber viele fallen nur dem Schreiber zur Last, bei 
anderen ist es schwer zu unterscheiden, was davon auf Rechnung des 
ursprünglichen Dichters kommt oder von dem Compilator herrührt, 
dessen Zeit und Kunst eine sorgfältige Behandlung des Reimes nicht 
mehr bedingte. Gleichwohl linden sich auch hier Unterschiede in 
den einzelnen Dichtungen. Ich stelle hier zusammen, was sich, Si- 
cheres und Unsicheres, von Reimfreiheiten vorfindet. 

I. Liquiden assonieren mit einander, stille : minne 76, 20 ist 



— 252 — 

verderbt, statt durch ire minne ist durch iren wille zu lesen, minne : 
singen 141, 51 kann auch leicht beseitigt werden, wenn man liest: 

de herzeleve soze minne 
hän ich hören singen (dinne). 

slän : war 79, 11 ist ebensowenig zu dulden, sondern es ist zu 
lesen dat wizzet sunder wän : slän. Mediae mit einander, begra- 
ben : sagen 5, 45 ; auch hier kann man ändern : ouch hän ich it 
entsaven : begraven, ebenso 6, 17 sagen : haben lies want ich hänt 
wal entsaven : haven. d : g reimt 213, 63 schände noch schade bi 
dem göden dage. Die Tenues unter einander, steireip (Hs. sterypp) : 
schreit 55, 46. 62, 55 erklärt sich durch die Form stegereit, die 
auch in II vorkommt, starc : warp (oder starch : warf) 179, 59 
wird man müssen gelten lassen, dagegen 180, 26 wart : scharp in 
warf : scharf zu ändern ist. Von vocalischen Ungenauigkeiten be- 
gegnet e : o in helde (hielte) : solde; dies wird durch hilde : silde 
(niederl.) zu erklären sein. Nicht minder ist ein anderer vocalisch 
ungenauer Keim vurwerde : geburde 126, 29 durch volborde : ge- 
borde genau zu machen. Eine Zahl anderer Keime ist darin unge- 
nau, dass das eine Keimwort ein t hat, das dem andern fehlt. Die- 
ser Art sind ertriche : nichte 165, 66, was so zu ändern ist: 

it is der beste van al ertrich, 
legen ich, so verdoven ich mich. 

lachte : ungemache 5, 27 lies unmachte. gerächt : stach (lies ge- 
rach) 79, 7. ebenso slach : gerach[t], 84, 6. stach : gerach[t] 91, 
6. ungemach : bedacht (lies unmacht : bedacht) 132, 32. volbre- 
chen : knechten (volbrechten ?) 107, 15. geslochen : vochten 173, 7 
(vgl. 211, 36). 

Andere Assonanzen, zum Theil auf falscher Lesart beruhend, 
sind schätz : last 5, 7. sprechen : vermezzen (lies vermechen) 76, 
47. lägen : zwären 123, 36 (lies wären : zwären). büzen : rüschen 
124,5. entmachen : lägen 174, 21 ist sicher verderbt, zwäre : nähe 
(lies näre) 209, 10. läzen : vazzen 162, 13. 172,37 wird durch die nie- 
derdeutsche Form laten : vaten regelmässig, ebenso mäzen : vazzen 
173, 57 durch laten : vaten. 

Neben diesen Ungenauigkeiten, die man als Zeichen einer jünge- 
ren rohen Zeit auffassen wird, finden sich aber auch einige, die auf 
ältere Sprachformen hinweisen, und die eine Grundlage des zwölften 
Jahrhunderts für I nicht ausschliessen. Es hätte alsdann I eine dop- 
pelte Bearbeitung erfahren, einmal von einem niederländischen Dich- 
ter und das zweite Mal vom Compilator des Karlmeinet, wenn man 
nicht lieber annimmt, dass letzterer ein älteres mnl. Gedicht um- 



— 253 — 

reimte. Dieser Annahme, die mir vorzuziehen scheint, kommen die 
zahlreichen Einklänge zwischen I und II entgegen. Zu den Reim- 
freiheiten, die ich hier im Auge habe, gehören erist : list (Hs. eirst : 
lyst) 193, 4. Gerfeinis : Remis 196, 1 (Hs. Gerffyns : Remys), vgl. 
gewis : Remis 197, 57. Ausserdem finden sich einige Stellen, wo 
ältere freie Reime entfernt scheinen. 93, 59 ind hörte de vögele 
singen mit soezer stimme sunderlingen ; hier ist sunderlingen ein über- 
flüssiger Zusatz und es hiess gewiss 

ind horde de vögele singen 
mit vele soter stimme. 

204, 35 ouch brach de heize üz ind viel. Karl niet lange dö enwiel 
(Hs. veil : weil); enwiel muss dem Sinne nach heissen ,zögerte'; aber 
ein Yerbum wallen , wiel in dieser Bedeutung ist nicht bekannt. Es 
lautete wohl: 

ouch tobrak de helte. 
Karl dö nicht entweite, 

von twellen .zögern'. 214, 45 liest die Hs. durch der dri heiige na- 
men, de an einer persönen namen sint gewelÖich ind geliere ein got, 
engein mere. Der Reim namen : namen ist unstatthaft. Es ist ohne 
Zweifel zu lesen 

durch de dri helge nömen, 
de an einer persönen 
sint weldich ind gehere. 

vgl. genömet, ,genannt' 217, 50. 190, 39 steht de künde wal beden- 
ken wanne he sich wäpenen solde. he was bereit balde, as he wolde 
bi sinen heren Karle striden. Die dritte Zeile ist ungebührlich lang; 
es lautete 

de künde wal bedenken 

wan he sich wäpen solde. 

he was bereit balde 

bi Karle to striden. 

balde : solde ist aber nach mnl. Weise kein ungenauer Reim, denn 
der Dichter sprach bolde. Wir werden auf die Möglichkeit dieser 
Annahme noch einmal zurückkommen. 

II. Hier finden sich verhältnissmässig wenig ungenaue Reime, und 
sie lassen sich meist durch leichte Aenderungen beseitigen. Das ein- 
zige ziemlich sichere Beispiel ist morgengäbe : mäge 288, 61, zwei 
Mediae mit einander assonierend ; das haben sich auch gebildete hoch- 
deutsche Dichter des 13. Jahrhunderts (z. B. Wolfram) erlaubt. Alle 
andern ungenauen Reime beruhen auf unrichtiger Ueberlieferung oder 
der Aussprache des Dichters. 222, 8 reimt höden : söken, man lese : 



— 254 — 

umb godes zorn to roken 
ind sin genäde söken. 

258, 5 verfeinde : neinde (Hs. verleynde : neine) kann nicht richtig 
sein, es ist zu lesen sint got üp deser "erden minschen lez gewerden 

ind vunf sinne verle (— verlech), 

so wene ich dat sint noch e, 

it were wif ofte man, 

der bösheide e (— ie) began. 

263, 59 güden (= güete) : dugeden (tugenden) kann so geschrieben 
auch nicht richtig sein; entweder ist zu lesen 

van er ere, van er tuchte (= züchte), 

van erer macht, van erer duchte (== tugende), 

oder güde : duchde, wobei sich ch verhält wie in den oben (S. 244) 
besprochenen Reimen söchte : gröte u. s. w. Der Reim achter : 
Mummarter (Mont-martre) 225, 11 wird durch den Eigennamen ent- 
schuldigt, was auch für andere Dichter gilt. Ein Reim, in welchem 
ein t den Unterschied der Reimsilben macht (S. 252), findet sich nur 
in geschach : sacht (dicit) 234, 13. So ist die Zahl ungenauer Reime 
viel kleiner als in I. 

III gewährt eine Menge Reimfreiheiten, aber darunter keine, die 
die Spuren einer älteren Zeit an sich trüge. Wir halten fest, dass 
die Assonanz in der Poesie niemals ausgestorben ist und neben dem 
genauen Reime in der volkstümlichen Poesie, sowie in Händen rohe- 
rer Kunstdiehter fortgewaltet hat. Und letzterer Art gehören die 
ungenauen Reime in III an. Der Compilator lässt reimen (ausser 
m : n im Auslaut) m : n im Inlaute. Röme : schöne 323, 52. krö- 
nen : blömen 334, 39. zwene : bequeme 345, 2. Pampilöne : kö- 
rnen (lies körnen) 370, 7. Ebenso m : r in Röme : senätöre 305, 
52. 306, 15. 310, 11. 322,32. Oder verdoppelte Liquida, mm: 
nn. klummen : runnen 298, 62. grimme : sinne 365, 39, oder Li- 
quida und Media mit doppelter Liquida, nn : nd, Rolandes : mannes 
344, 52. Die Mediae im Inlaute reimen mit einander, haben : er- 
slagen 343, 24. grabe : sage 367, 49. Die Tenues, p : t, got : Ja- 
cop 339, 60. 313,41. c : t, hant : banc 362,20. Rölant : spranc 
368, 49. Die Aspiratae, f : ch, sach : gaf 298, 52. : kaf 318, 65. 
graf : lach 328, 20. 332, 15. gaf : geschach 344, 2. af : ge- 
schach 364, 14. lesterlich : lif (oder lieh?) 355, 3. bischof : her- 
zoch 301, 28. 300, 43. 351, 49 und inlautend bischove : herzöge 
323, 66. Endlich Reime, in denen ein t den Unterschied der Reim- 
silben macht, gerächt (lies gerach) : stach 331, 37, vgl. 331, 46, 
von diesen also kein sicheres Beispiel. Altertümlich könnten erschei- 



— 255 — 

uen gestediget : gehöret 312, 35, aber das ist doch wohl ein jünge- 
rer roher Reim. Ebenso hundert : vart 344, 66. 345, 22. Auch 
sind hierher die Reime zu ziehen, in denen die Endsilbe ich (mhd. 
ic) allein reimt (vgl. oben S. 240). 

IV. Das niederländische Original zeigt eine Anzahl freier Reime, 
die zum grössten Theile in die Bearbeitung aufgenommen worden 
sind. Die mnl. Poesie hat es überhaupt nicht zu der klassischen 
Reinheit der mhd. Kunstpoesie gebracht. Es reimen mit einander 
die Tenues in starc : hart 3T9, 30. Die Aspiratae in paffen : gera- 
chen 377, 27. : gemachen 382, 14; ausserdem sind freie Reime 
achter : laster 375, 13. Albrecht : best 384, 16. maesse : vaesse 
(lies mate : vate) 385, 15. 

V. Die freien Reime in V und V e sind bei der Analyse des In- 
halts und der Yergleichung mit Konrad schon erörtert worden; ich 
kann daher auf das früher Gesagte verweisen. 

Y a . Auch hier findet sich wie in III eine Anzahl von Reimfrei- 
heiten, die aber durchgängig die jüngere Zeit der Abfassung verra- 
then, und zum Theil auf falscher Lesart beruhen. Liquiden reimen 
auf einander, verstau : amiräl 413, 15 kann leicht in ir verstät : ami- 
rät geändert werden. Liquiden in Verbindung mit andern Buchsta- 
ben. Burgonjen : landen 321, 9; dergleichen Reime (Halbreime) 
sind in III bei Eigennamen häutig, vgl. 338, 62 ff. spranc : hant 
416, 52. junc : gewunt 417, 28. Mediae reimen auf einander, ge- 
louben : ougen 423, 34. Tenues, stegereip : schreit 411, 42; auch 
hier ist wie in I stegereit zu lesen. Andere Ungenauigkeiten sind 
hals : valsch 415,15. suster : laster 424,27. gerächt (lies gerach) : 
brach 411, 65. gerächt (lies gerach) : sach 415, 55. 

V b . Liquida in Verbindung mit einer Tenuis, swanc : vant 459, 
33. prant : spranc (Hs. spranck : pranck) 459, 50. Ausserdem noch 
folgende: Wellis : lifs 450, 61 scheint verdorben, berges : Astonys 
(lies Astonjes) 453, 14, was ganz der Reimart von III entspricht, 
wie auch hundert : unwert 456, 50 (vgl. III, 344, 66. 345, 22). ein- 
veldich : schuldich 457, 49; auch dieser Reim ist in der Art von 
III, wo die Endsilbe ich häufig allein reimt (S. 240). Der einzige 
Reim gelavete : havete (= gelabete : habete), wofür die Handschrift 
gelouete : hadde liest, 457, 39 verdient wegen des habete Beach- 
tung, indem das Präteritum des Hilfsverbums nicht mehr habete im 
13. Jahrhundert lautete, dagegen im zwölften, Konrad 3, 21, und 
öfter, mhd. "Wörterbuch 1, 595 a . Sollte aus diesem Reime auch für 
V*> eine ältere Grundlage gefolgert werden können, so ist dieselbe 
sicher vom Compilator verarbeitet und zwar in einer Weise, die von 
dem alten kaum eine Spur in Inhalt und Form zurückgelassen hat. 



— 256 — 

VI. Die wenigen freien Reime dieses Abschnittes tragen wie al- 
les üebrige den Charakter von III, herzoch : buschof 537, 46. His- 
panien : zosamene 540, 24. 

Eine Reimungenauigkeit, die sich in allen Theilen, aber in ver- 
schiedenem Masse, findet, habe ich bis zum Schluss verspart, die 
Bindung s : z. Sie findet sich an folgenden Stellen. 

I. was : az 6, 35. : haz 13, 25. 31, 55. 37, 63. : vergaz 

62, 11. mäze : paläse 27,56. 28,1. säze : Oriäse 196,58. blies: 
liez 80, 17. verlos : gröz 5, 49. ros : geschöz 37, 57. : verdröz 
48, 44. lös : verdröz 81, 57. hüs : üz 155, 27. 

II. vlize : wise 222, 56 ist, wie schon das Metrum zeigt, ver- 
dorben; gewiss standen in dem Originale andere Reimwörter, genöz : 
gekös 245, 40 kann leicht in gröz : genöz geändert werden. So ist 
der Gebrauch dieser Reimbindung für II nicht zuzugeben, sondern 
vom Schreiber oder Compilator eingeschwärzt. 

III. was : baz 294, 33. 334, 15. 334, 33. 339, 2. : saz 295, 

63. 319, 19. 363, 61. : naz 300, 23. : afläz 336, 43. vurbaz : 
pas 316, 19 (kann in vurbat : pat geändert werden), ebenso baz : 
pas 332, 18. pas : gehaz 357, 37; allein die Aenderung hat deswe- 
gen ihr Bedenkliches, weil an anderen Stellen pas entschieden auf s 
reimt (vgl. unten). Ferner las : baz 320, 1. 324, 30. : daz 359, 
6. was : daz 369, 15. haz : gras 372, 4. Amis : vliz 309, 33. 
Yranzös : genöz 293, 57. verlos : verdröz 345, 34. 350, 42. erlös : 
stöz 351, 35. ros : gröz 365, 21. 

IY. An zwei Stellen, wo das mnl. Gedicht anders reimt, findet 
sich s : z. pas : saz 377, 58 (Elegast pat : sat). was : baz 392, 
39 (Elegast moet : stoet, was wegen stoet geändert wurde). Auf- 
fallend aber ist, dass auch im mnl. Gedichte einmal (638) was : das 
reimt, was der Bearbeiter (382, 20) beibehalten; hier reimte wohl 
ursprünglich was : Elegast. 

Y. Da, wie wir oben (S. 198) gezeigt haben, der Bearbeiter alle 
Reime in s : z bei Konrad entfernt, so können die in Y (und Y c ) 
stehen gebliebenen nur vom Compilator herrühren. Es findet sich 
was : saz 443, 56. : baz 496, 50. : daz 527, 30. 

Y a . wise : vlize 404, 32. hüs : üz 404, 62. 

Y b . gröz : genös 455, 20. 

YI. saz : pas 538, 52. las : az 539, 49. 

Einige Reimformen sind einzelnen Abschnitten eigenthümlich. So 
in I jegere (sonst jegere) reimend auf gehöre 6, 47. : were 7, 51. 
28, 14. : msere 9, 3. 25, 33. : lovebere 30, 17. : here 32, 10. 
: junchere 38, 23. : sere 49 , 2. Aehnlich ist in III die Betonung 
vanere (mhd. venre) : here 303, 32. — rittere sagen I. : lovebere 



— 257 — 

29, 38. : junchere 29, 51. : here 32, 28. : ere 57, 42. : were 61, 
24. ritteren : ernieren 49, 17; daneben vereinzelt rittären : wären 
39, 14. Nicht zuzugeben ist eine Form rider, wie im Reime auf si- 
der 34, 17 angenommen werden müsste, sondern dort ist zu lesen: 

gezogenclich de riddere. 

do enbeit oucli sider niet mere. 

II. eren : ritteren 290, 65. 

III. rittere : here 345, 10. 348, 37. ritteren : eren 348, 56. 
: heren 349, 11. 

IV. rittere : here 380, 50. 

V b . mere : ritteren 453, 41. rittere : Engeleren 453, 63. 

Die Form keisere, wie das Wort überhaupt, kommt erst von III 
an vor, weil erst dort erzählt wird, dass Karl zum Kaiser geweiht 
worden, i) 

III. keisere : Romere 325, 21. : logenmere 326, 12. : here 
326, 40. ; mere 327, 12. 335, 7. : geliere 327, 62. : sere 328, 

29. 332, 41. 333, 66. 337, 49. 342, 52. : ere 337, 6. 338,57. 
: fere 345, 42. : were 355, 52. : Vagere 362, 1. : banere 370, 
39. Einmal reimt keiser : beger 325, 29; das gehört in die Ana- 
logie der oben S. 255 aus III angeführten Reime. Statt keisere steht 
326, 47 keiser here : Romere, wie in I 35, 5 Vranzösen here statt 
Vranzösere, 42, 45. 43, 28 Afrike here statt Afrikere. 

V. keisere : nisere 426, 27. : here 433, 15. Auch hier ein 
paarmal keiser here : geliere 465, 6. 498, 47. 

VI. keisere : beswere 534, 68. 

Der rührende Reim findet sich in allen Theilen der Compilation. 
Für die kritische Beurtheilung ist aus seinem Gebrauche nicht viel 
zu gewinnen; doch zeigt sich auch hier ein Abstand in der kunst- 
mässigen Behandlung. 

I. Wörter bei vollem Gleichklange, zo haut : üre haut 53, 58. 
heil : heil 45, 42. lieht : liet (liegt) 105, 30. sin : sin (infin.) 115, 

30. — Simplex und Compositum oder zwei Composita. dach : män- 
dach 54, 49. vulborde : geborde 126, 29. junchere : here 35, 45. 
-heit : heit, Schönheit : wärheit 162,29 und öfter. Eigennamen und 
Fremdwörter. Everhart : hart 43, 12. Hanfrät : rät 3, 51 und 
öfter. Stare : starc 195, 1. äventüre : türe 148, 49. In der Silbe 
lieh befolgt der Dichter von I nicht die höfische Regel. Er reimt 
werliche : ritterliche 106, 64. heimelich : werlich 140, 62 u. s. w. 



i) In IV (Karl und Elegast) heisst Karl immer König ; in V abwechselnd ,Kai- 
ser' und ,König', wie auch bei Konrad. 

17 



— 258 — 

Gleicher Reim findet sich, wohl durch Versehen, ein paarmal, üz 
gedän : an gedän 57, 30 kann als Compositum gelten, vallen : Val- 
ien 66, 40 ist in vallen : wallen zu ändern, vermöden : vermei- 
den? 67, 60. 

IL Simplex und Composita, zwei Composita. bereit : reit 220, 
58. enborn : walgeborn 245, 26. versache : sache 265, 65. ge- 
reide : stegereide 277, 44. behalden : halden 281, 59. Eigenna- 
men und Fremdwörter. Hanfrät : rät 224, 24. Dederich : rieh 240, 
43. 242, 30. 247, 40. 249, 46. 252, 27. 283, 4. : Vrancrich 
252, 59. riebe : Vrancriche 284, 55. : Heinriche 248, 22. Rö- 
harte : harte 249, 56. 277, 20. 279, 16. barünen : rünen 270, 5. 
286, 20. Die Silbe lieh; kunstgemäss ist innecliche : werliche 281, 
21. sicherlichen : eickelichen (lies ieclichen) 263, 35; dagegen un- 
höfisch ernestliche : lesterliche 254, 63. 

III. Voller Gleichklang, wert : wert 294, 27. 324, 42. 329, 
40. röche : rochen 333, 32. worden : worden 325, 31. hant : zo 
hant 333,42. 342,10. stunden : stunden (stuonden) 339,28. riche: 
riche 359, 58. Eigennamen. Ingelheim : heim 295,23. 320,21. 324,2. 
373, 59. rieh : Vrancrich 342, 24. 332, 43. Composita. ge- 
here ; here 305, 10. 325, 7. 332, 52. man : n6man 306, 25. ar- 
beide : beide 309, 55. holn : underholn 319, 65. hof : kirchhof 
320, 23. ziden : geziden 321,49. benäden : genäden 326,45. ha- 
ven : üp gehaven 330, 40. gezoch : herzoch 346, 70. vernam : 
nam 350, 54. 352, 1. 369, 39. 370, 31. ummerme : me 351, 
23. unmöt : walgemöt 358, 36. bisdüm : richdüm 341, 13. Die 
Reime in lieh sind sehr häufig und meist gegen die höfische Regel 
verstossend. Der Bearbeiter braucht Adjectiva in lieh aus Reimar- 
muth als Flickworte, lovelich : herlich 293, 43. gezogenclich : lo- 
velich 296, 24. trüwenliche : gemeinliche 313, 21. ritterlichen : 
menlichen 331, 13. : ernstlichen 331, 56. sicherlich : mechtlich 
338, 4. ritterlich : menlich 346, 61. 353, 47. 357, 48. lovelich : 
geweldeclich 352, 14. lovelich : leckerlich 355, 65. zitlich : vient- 
lich 360, 1. : ritterlich 360, 9. lovelich : ritterlich 363, 27. we- 
delich (d. i. wsetlich) : vientlich 364, 41. Ein gleicher Reim findet 
sich 318, 35 sin : sin. 

IV. nur ein paar rührende Reime, rieh : ertlich 374, 47. gunde: 
begunde 374, 61. 

V. Voller Gleichklang, male : male 396, 57. sin : sin 397, 9. 
beiden : beiden 403, 63. hant : zohant 429, 14. want : want 430, 
51. geloven : geloven 438, 25. tal : tal 443, 44. arm : arm 463, 
36. Composita. ertriche : hemelriche 397, 41. gewilde (gevilde?) : 
wilde 401, 45. düsunt : gesunt 431, 58. getan : entän 448, 52. 



— 259 — 

herzogen : gezogen 461, 35. here : geliere 465, 6. schulde : er- 
schiüde 465,23. bewart : gewart 478, 14. livelös : verlos 483, 15. 
verbergen : halsbergen 486, 7. getan : undertän 487, 54. her- 
schaf : heidenschaf 427, 6. cristenheit : Sicherheit 429, 23. wunne- 
sam : lovesam 448, 2. Eigennamen. Wineman : man 443, 60. Ba- 
ligän : begän 464, 60. Turpin : pin 467, 55. wigande : Gigande 
484, 25. wigant : Tervagant 486, 25. Adjectiva in lieh; im Gan- 
zen selten, aber auch hier die Nichtbeachtung der höfischen Regel, 
degeliche : gemeinliche 402, 64. gelich : herlich 478, 1 . werliche : 
vroliche 484, 1, neben geliche : willecliche (Hs. williche) 461, 59. 
vlizecliche : geliche 465, 58. 

V a . nur lande : Rolande 519, 53. mallich : herlich 420, 62. 

Yt>. beraten : verraten 452, 58. 

Vc. sin : gesin 490, 28. halsberge : berge 494, 45. 529, 55. 
sperwere : were 504, 40. vernam : nam 504, 59. schiet : beschiet 
510, 66. herzogen : gezogen 506, 31. drogenheit : wärheit.505, 
13. zierheit : richeit 512, 13. gewarheit : stolzheit 527, 18. her- 
liche : kostliche 517, 59. vreislich : herlich 528, 20. lande : Ro- 
lande 509, 48. Rölant : laut 498, 19. 502, 23. riebe : Dede- 
riche 525, 56. 530, 19. 

YI enthält viele rührende Reime wie auch III. Composita ver- 
nam : nam 534, 25. ertliche : hemelriche 535, 1. getan : entän 
536, 64. entvort : vort 537, 24. man : neman 538, 27. Eigen- 
namen, rieh : Yrancrich 533, 39. balde : Hildebalde 535,61. Die 
Silbe lieh, ernstliche : getrüweliche 533, 59. liefliche : vlizliche 
(lies vlizecliche) 536, 16. lovelich : sicherlich 539,31. willich (lies 
willeclich) : sicherlich 540, 38. 

Häufung des Reimes findet sich am meisten in I. Das stärkste 
sind neun Paar gleicher Reime 151, 53 — 152, 5; vier Paar finden 
sich 93, 61—94, 3. Diese Reimhäufung ist ohne Zweifel aus dem 
mnl. Originale aufgenommen, denn der Compilator zeigt in dem ihm 
zufallenden Antheil kaum etwas Aeknliches. Drei Paare finden sich 
in Y a . 422, 16 — 21. 424, 29 — 34 und in ebendemselben Stücke 
häufig drei gleiche Reime, die bei ihrer häufigen Wiederkehr auf so 
kleinem Räume für Yerderbtheit durchgängig zu erklären bedenklich 
ist. Sie finden sich theils am Schlüsse eines Absatzes, wo ihn auch 
andere Dichter (z. B. Wirnt von Gravenberc) haben, theils in der 
Mitte , wo ihn nur der Dichter des Passionais kennt. 409 , 62—64 
könnte Schluss eines Absatzes sein, ebenso 411, 41—43. Dagegen 
422, 29. 420, 11—12 (denn diese drei Zeilen gehören zusammen!) 
in der Mitte. 420, 64—421, 2 kann einen Schluss bilden, wenn man 
421, 3. 4 streicht. 422, 24 — 26 in der Lütte. 423, 17 — 19 am 

17* 



— 260 — 

Schlüsse. 425, 51—53 ebenso. Vgl. noch 421, 45—47, wo hant : 
want : dwanc reimen; hier kann eine Zeile ausgefallen sein, aber 
spranc : hant reimt auch 416, 52. junc : gewunt 417, 28. Nimmt 
man die oben angeführten sechsreimigen Stellen hinzu, so ergeben 
sich zwölf Dreipaare, und das ist für diesen kleinen Abschnitt viel. 
Somit wird die Identität der Verfasser von III und V a etwas zwei- 
felhaft, wenn aber auch eine verschiedene Grundlage für V a anzuneh- 
men ist, so erfuhr sie durch den Compilator eine starke Ueberarbei- 
tung. Auch in V b finden sich ein paarmal drei gleiche Keime. 449, 
34—36. 454, 55 — 57. 459, 67-470, 1 und einmal fünf Reime 
(statt sechs?) 456, 43—47. 

In II sind zwei Paar gleicher Reime so häufig, dass man ge- 
neigt sein möchte, eine Absicht des Dichters darin zu erblicken. Sie 
finden sich an folgenden Stellen: 219, 59- 62. 222,10—13. 228,59—62. 
232,22—25. 235,20—23. 235,66—09. 238,35—38. 242,14—17. 
245,36—39. 249,58—61. 255,56-59. 258,21 — 24. 259, 
58-61. 279, 49—52. 283, 66—69. 286, 50-53. 289, 61—64. 
291,21—21. Vielleicht auch noch an den folgenden. 220,66—69 (Ma- 
rien : verzien : Galie : companie). 235,8—11 mede : vrede : stede 
: rede ; doch macht die Hs. nach vrede einen Absatz. 236, 20 — 23 
war : jär, wä : da, wo man war : dar in den beiden letzten Zeilen 
schreiben könnte. 243, 44—47 zwären : wären, vären : offenbare 
(offenbaren?). 256, 52— 55 verstau : gän : sagen : beslagen, wo man 
sän : slän schreiben könnte. 286, 28—31 were : mere , eren : me- 
ren. Einmal sechs gleiche Reime 247,2 — 7; sind zwei zu streichen? 
einmal sogar sieben, 279, 20 — 26, entweder in sechs oder acht zu 
verwandeln. Vier gleiche Reime auch ein paarmal in V c . 490 , 10 
bis 13. 525, 9—12. 

Das Gesetz der Quantität, d. h. gleiche Quantität der reimenden 
Vocale in zweisilbigem Reime, finden wir auch bei den besten mnl. 
Dichtern nicht beobachtet, ein Zeichen, wie frühe im Mnl. das Ge- 
fühl für die Quantität erstarb. Einige Belege finden sich in jedem 
Theile. 

I. geleden (von liden ,gehen') : scheden (schieden) 144, 7. ge- 
stüre : dure 24,29. Unsicher ist wale : vale (väle? oder wal:val?) 
164, 33. Verderbt scheinen wägen : verzagen (lies betragen) 50, 
28; vgl. 65,20. gedagen (lies gebägen) : mägen 93,18. dede ve- 
reide 108, 37 ist in dede (taete) : gerede (gersete) zu bessern. 

IL genomet : verdömet 217, 50 ist kaum hieher zu ziehen, da 
der Dichter genomet sprach, stede (staete) : rede 256, 22; hier 
kann rede auch als raate gefasst werden. 

III. wale : male (oder wal : mal) 325, 35. 348, 12. 360,29. 



— 261 — 

schaden : saden 346, 58, mit mnl. Verkürzung in letzterem Worte 
aus sageten. samen : nämen 373, 20. vele : hele 296, 54. 316, 
28. 319,60. 347,10. bequeme : eme 295, 53. 297,6. 315,48. 
316, 19. 325, 23. 332, 21. 335, 19. 367, 33. 373, 58. eme : 
ungezeme 317, 16. queme : eme 323, 36. ere : here 317, 36. kei- 
sere : begere 325, 29. Homere : gewere 326, 23. stete : bete 369, 
5. verholen : malen 314,47. Hörne : vrome 337,9. 358,2. vrome : 
schöne 354, 40. 370, 33. blömen : vernomen 334,3. tröne : sone 
301, 44. hören : geboren 339, 32. 

IV. scharen : wären 377, 5. gevaren : gebären 377, 50. vrä- 
get : jaget 378, 43. schade : enträde 378, 50. wäge : dage 380, 
30. bequäme : name 381, 1. 382, 9. schade : räde 383, 1. 384, 
17. verräden : schaden 383, 34. äne : mane 384, 55. zale : male 
386, 17. bewaren : vären 386, 19. sale : male 386, 23. dagen : 
vrägen 387,9. wäret : gesparet 389,17. säge : dage 389, 25. ver- 
räden : staden 389, 45. staden : genäden 394, 36. mede : wärhede 
374, 7. 383, 26. 385, 13. 386, 21. 388, 49. gederen : keren 
383, 44. enbode : nöde 374, 59. voren : hören 375, 1. 384, 10. 
390, 56. verloren : hören 378, 19. dure : üre 384, 31. müre : 
dure 385, 1. 

V. bewaren : zwären 475, 63. mede : lede (leide) 430, 49. 
funfzene : gene 436, 37. zene : gene 476, 64. geriten : biten 474, 
39, wohl biten. räde : gerade (lies gedräde) 406, 27. gedwäse : pa- 
lase 464, 13, wohl paläse. ziden : vriden 441, 8 ist vom Compila- 
tor eingeschoben, liden : siden 467,5 7 ist aus liden : siden (Seide) 
entstellt. So bleibt für V kaum ein sicheres Beispiel. 

V b . dale : male 451, 49. schare : offenbare 452, 23. 
Vc. stete : gebete 499, 7. wale : häle 527, 16. 

VI. ane : gedäne 539, 33. eme : bequeme 533, 17. 540, 4. 
mede : mogenthede 537, 66. Röme : vrome 538, 25. vore : möre 
536, 53. 

Am stärksten ist der Gebrauch in IV, demnächst III und VI, 
deren Uebereinstimmung auch hier sich nicht verkennen lässt, wäh- 
rend V a und Vk abweichen, in jenem gar kein Beleg, in diesem 
zwei, darunter kein eme : bequeme, die in III und VI häufig sind. 
I gewährt nur ein paar sichere Beispiele, aber der Gebrauch ist 
nicht zu bestreiten, da ein mnl. Original zu Grunde liegt. Dagegen 
ist er für II nicht zuzugeben; auch die wenigen Stellen in V und 
Vc mögen vom Compilator oder Schreiber entstellt sein. 

Die Abwerfung eines schliessenden e nach langer Wurzelsilbe 
im Reime, die mit jenem Verletzen der Quantität im Zusammenhange 
steht (indem man wale : male auch als wal : mal auffassen kann), findet 



— 262 — 

sich im Ganzen selten. I. koen (Kühnheit) : doen 92, 31 lässt sich 
beseitigen, wenn man schreibt he enwiste wat to doene : koene. zit : 
blit (statt blide) 166, 52; vielleicht der Pluralis zide : blide. ver- 
vert : kert (präter.) 181, 65; man lese Jöhan sich niet ververde : 
kerde. gerächt : macht (statt machte) 19t, 63; lies mit sime sper 
gerachte (: machte) statt hedde gerächt. In I also keine Belege. 
Auch in II nicht. 

III gewährt mehreres der Art. rieh : Brünswich 305, 42 statt 
riche. er : wer 315, 2 (oder ere : were, vgl. Quantität), gern : en- 
bern 322, 1 (vgl. oben S. 247). zwar : jär (oder ein Pluralis järe) 
322, 39. 341, 1; aber es findet sich auch ein jär : zwar 324, 59. 
tier : schier 329, 54. Olivier (nom.) : schier 331, 47. unwert (ad- 
verb.) : swert 368, 47. Zu berichtigen ist verzeit : cleit (Präteritum) 
344, 29, indem man schreibt verzeite : cleite. 

IV. zwar : war 386, 15 ist aus Elegast 830.31 entstellt und zu 
lesen här : war. 

V a . taget : maget 418, 43 kann man auch ändern, wenn man 
schreibt des morgens als it was bedaget : maget. 

Somit beschränkt sich dies Abwerfen des e auf III, d. h. den 
Compilator und scheint, wo es sich sonst noch vereinzelt findet, über- 
all von diesem herzurühren. — Die grammatische Betrachtung wie 
die Reime bestätigen die Ansicht von der Verschiedenheit der Ver- 
fasser und der Einheit gewisser Stücke, die nur 6inem Verfasser 
zugeschrieben werden können. 



III. 

Der Wortbestand. 

Wir haben noch den Wortbestand der einzelnen Theile der Com- 
pilation zu untersuchen, um zu sehen, in wie fern die Ausdrucksweise 
der einzelnen Dichter von einander abweicht, mit einander stimmt. Auch 
hier trifft zu, was wir beim Beginn des grammatischen Abschnittes sag- 
ten: wie gewisse sprachliche Erscheinungen, das Eigenthum der Mund- 
arten, in welchen die Dichtungen geschrieben sind, in allen wiederkeh- 
ren, so auch ein gewisser Wortvorrath, der eben diesen Dialekten zu- 
fällt. Und ebenso wie bei der grammatischen Darstellung können wir 
uns hauptsächlich nur auf die Reime stützen, da innerhalb des Verses 
die Wahl eines Wortes vom Compilator oder Schreiber abhieng. Ich 
gebe das nachfolgende Wortverzeichniss zugleich als kleinen Beitrag zur 
Lexicographie und habe darum manches Wort mit aufgenommen, das 
zur Charakteristik der einzelnen Bestandteile wenig oder nichts beiträgt. 

achten, unpersönlich gebraucht. I. so der valke den wilden vogel 
düt, den wenich achtet um sin gut 66, 32. 

achterkaf, ,einer, der das Nachsehen hat', von achter und 
kapfen. I. des sperwers des möst ir sin ein gast inde ein achterkaf (: af) 186, 57. 

achterriten, , durch reiten einholen'. IV. dö he en achterreit 
aldä 378, 14. Das mnl. Original hat achterhalen. Gleichbedeutend ist 
erriten, beriten in andern Theilen. 

af gründe, neutr,, ,der Abgrund'. V. in afgrunde der hellen 486, 
30. — V c . mich düchte werliche, we si de erde entfenge ind mit en un- 
dergenge in dat afgrunde (: orkunde), so ist 503, 14 ff. zu lesen. 

afläz, ,Ablass'. m. der paes gaf dar in gröz afläz (: was) 336, 
44. Natürlich kommt das Wort nur hier vor. 

aflivit, ,ablebend , todt' (vgl. abelip). I. of Karl ir junchere af- 
livit worde 6, 8. 

ageleize, , eifrig, rasch'. V c . dar quam do ageleize Givainet dar 
zö gerant 508, 4; vgl. oben S. 164. 

ain (auch aen, an geschrieben), dasselbe, was sonst al (mhd. Wör- 
terbuch 1, 120) :, wiewohl , obgleich , zwar'. 1.11,4. 101,16. 112,18 
128,3. 164,19. 170,66. 195,16. 195,22. 212,11.-0.221,67. 
259, 37. In der Bedeutung ,sondern' 239, 53. — IV. 381, 21. 382, 35. 
56. 383, 1. 385, 58. 393, 52. 393, 57. 394, 4. Das mnl. Original setzt 
gewöhnlich al. — V. 438, 45. 461, 62. 470, 38. 485, 23. 485, 41. 487, 
21. — Vc. 501, 46. 523, 61. 528, 45. In der Form al findet sich das 



— 264 — 

Wort 50, 8. 113, 29 (vgl. auch allen). In EI, V», V*> und VI (d. h. den 

vom Compilator herrührenden Stücken) findet sich der Gebrauch von 
aen nicht. 

alden, ,altern £ . IL ind hoffen dar ane zo alden (Hs. halden) : be- 
halden 281, 60. got läze uns vort leven samen inde alden (: halden) 
282, 10. — HE. üp dat ich in eren alden (Hs. halden) : behalden 304, 67. 
üp dat si mochten behalden ir leven ind vort alden 314, 11. 360, 38. 
dat ich den lif möge behalden ind in dime denste alden 369, 1. — VI. 
den hän ich bi gode behalden genäde ind dat si bi eme [sullen] alden 
534, 15. 

allen, in derselben Bedeutung wie ain , , wiewohl , zwar', mhd. 
aleine, mhd. Wörterbuch 1, 421a. I. allen 12, 26. 16, 26. 28, 50. 31, 
41 (Hs. allem). 33,27. 39,21. 40, 51 (Hs. allem). 61,42. 64,5. 77, 
40. 192,41. alle en 10, 12. 21,62. 149,48. all en 38, 28. 60,37. 
60, 47. allene 83, 5. alle 126 , 51 (= al). alleit für allen verschrieben 
100, 53. In Va zweimal alleine 417, 24. 58, einmal auch in Vc, 513, 25. 

allerwegen (vgl. Germania 2, 488). I. enwillen wir uns aller- 
wegen (: belegen) nu niet weren sere 115, 8. als dat her alrewegen ne- 
der was släfen gelegen 180, 59. ind wartet üp mich aller (Hs. all) we- 
gen : degen 197, 4. ind vacht so sere alrewegen 202 , 63 (: degen). de 
mit orloge alre wegen (: degen, Hs. all wege) harde wale konde 205, 25. 
der der h6re allerwegen (: siegen) harde vele hadde intfangen 206 , 39. 
— H. hie ind allerwegen (: siegen) 285, 37. — HI. nur an einer Stelle 
ausser Reim: dit soulde man alwege dön 336, 59. — V. stächen sich 
allerwegen (: degen) 404, 10, an einer Stelle, die Konrad nicht hat; an 
einer zweiten ausser Reim: op dat wir offeren mozen alle wege na üren 
eren 478 , 51, wo Konrad bloss al hat. Demnach beschränkt sich der 
sichere Gebrauch nur auf I und II. 

altveter, , Vorfahren'. V. de altveder mine 465,24: Konrad 256, 
15 mine vorderen. 

alzoges, ,immer'. I. als die riddere don altois (: irpois) 86, 23. 
Die Darmstädter Hs. liest entstellt alsus. Vgl. J. Grimm in den Göt- 
tinger Gel. Anz. 1831, S. 806. 

amie, ,Freundin, Geliebtev HL mine leve soze amie (: Galie) 300, 
58 (lies Galien : amien). sine vil leve amien (: Galien) 301 , 16. — Va. 
noch mer clade en Magdalie , de was Ospinels amie 418 , 1 , und ausser 
Reime wilt ir min amie sin 418, 25. 

amis, ,Freund, Geliebter'. V. ridet heim, min leve amis (: Wellis) 
443, 65, an einer Stelle, die Konrad nicht hat. — Va. der wurde dan 
ir amis (: pris) 418, 37, und ausser Reim min amis en verwinden ich 
nummer me 418, 4. 

an, ane, in der Verbindung ane dat, die ein paarmal vorkommt. 
Die Bedeutung scheint zu sein ,in Beziehung darauf oder temporär ,in- 
zwischen'. HI. ind dar in wart ein buschof gesät , ein vrome man ane 
dat 312, 31 ; vielleicht auch dede sante Jacobs kirchen machen harde 



— 265 — 

schöne ind ane dat (Hs. an de dat) : stat 341 , 10. — Vc. Gerhart der 
here ane dat (: stat) quam mit Alden 509, 15. 

an de tuon ,kränken'; in V* it dede in allen vol ande (: sande) 
412, 46. Das Substant. ande, ,Leid, Schmerz', hauptsächlich in der Ver- 
bindung mit rechen , begegnet in allen Theilen des Gedichtes. Wegen 
der starken Flexion sieh S. 229. 

an den, ,ahnden, bestrafen', dat si it dorste anden (:_handen) IV, 
391, 64. 

ane gän, ,beginnen, unternehmen'. I. wir wellen dit gern ane 
gän (: van) 15, 50. allen den rät den de forsten willent ane gän (: be- 
stän) 16, 18, wo die Hs. ane auslässt. in trüwen dit wollen wir (Hs. 
wir wollen) ane gän (: hän) 27 , 29. in trüwen , dit willen wir ane gän 
(: entphän) 34, 44. wir enwellent ane gän (: bestän) 97, 58. Belin be- 
gonde it ane gän (Hs. ane zo gaen) 166, 6 (: gedän). — H. de it balde 
hedden ane gegän (: underdän) 216, 63. — III. want ich it ane wil gän 
(: bestän) 297, 29. so wat he ane wolde gän (: walgedän) 352, 40. wat 
soulden wir dan ane gän (: gedän) 364, 14. — Va. dat selve wil ich ane 
gän (: lovesam) 418, 40. 

anen, ,ahnen' ist an einer verderbten Stelle inVa herzustellen so 
mich dat anede (: manede) 421, 37; die Hs. hat mede. 

anewaldende, ,Zugehörige'. I. ir ind ür anewaldende (: hal- 
dende) 105, 41. 

antvanc, ,Empfang'. I. mit minneclichem antvange (: lange) 34, 
20; die Hs. liest mit mennetlichem intfange. 

antworte, , Gegenwart', sieh oben S. 204. 

arbeiten, , sich Mühe geben' - . V. so we durch got arbeidet (: be- 
reidet), Hs. arbeit : bereit 395, 54. ich wil gerne arbeiden : geleiden 
477, 37, an beiden Stellen in Uebereinstimmung mit Konrad. 

amen, , entgelten, büssen'. I. dat si it beide sullen amen (: vur- 
warnen) 113, 47. dit saltu arnen, ausser Reim 203, 63. — H. ind soul- 
den (Hs. ind en souldent) wirt mit dem live amen (: warnen) 226 , 46. 
so we ich it gearnede (: warnede) 262, 10. sal ich nu dat arnen (: vur- 
warnen) 265, 57. dat möz arnen din lif, ausser Reime, 280, 5. — V. den 
sult ir, keiser, arnen (: warnen) 401, 20, an einer Stelle, die Konrad 
fehlt. Ebenso de wir sere soulden arnen (: warnen) 428, 45. dat arnen 
si dan mit pine 433, 2, ausser Reime. — Vc. [ind] ouch wil ich üch den 
lön geven, den (Hs. de) he hat erarnet (: gewarnet) 496, 27. dat min lif 
gearne de missedät ausser Reime 531, 9. Das Wort fehlt also ausser IV 
in m, Va, Vb, VI, d. h. den vom Compilator herrührenden Stücken. 

assenieren, altfr. assinier, assener (vgl. Burguy, glossaire 22 fg.) 
I. üp einem ros geassineret (: gezeret) 150, 27. van orde zo ende geas- 
sineret (: gezeret) 160, 21. 162, 2. 

äventüren, ,wagen' , franz. aventurer. IV. dat ich engän einen 
verbannen dief min hals soulde äventüren 392, 16, an einer Stelle, die 
dem mnl. Gedichte fehlt, die aber gerade durch dies Wort als echt er- 
wiesen wird, denn der Compilator braucht äventüren nicht. 



— 266 — 

b ä c h. I. mer it dunket en ein bäch sin , ,eine Prahlerei' , näm- 
lich seinen Namen zu nennen 1, 13. — II. sulch lof ind sulk bäch (: träch) 
225, 36, wenn nicht vielmehr bäge : träge. 

bacheliere, altfr. bachelier , mhd. batschelier. I. de burger ind 
de batzelere reden dö üz harde fere 131 , 51. Die mit II übereinstim- 
mende Stelle 208, 20 ist oben S. 34 erwähnt worden. — II. üp sprangen 
do schere wal hundert bachelere 249, 34. zwene bachelere hoesch inde 
ouch fere 264, 29. Vgl. noch 292, 39 (S. 34). 

backe, ,Backe'. I. so was der slach an sinem backen (: nacken) 
3, 17. in de hant lachte he sine backen (: nacken) 48, 63. 

backenslach. I. so saltu haven zo löne van mir einen backen- 
slach 3, 15. 

bacolon. DI. (Aygolant) machde sinen bacoloon da van sime 
volke wä ind wä 357 , 2. Das Wort scheint ,acies , Schlachtordnung' zu 
bedeuten, denn Turpin hat an der entsprechenden Stelle (cap. 14), die 
bei Vincenz fehlt, Christiani vero quatuor acies fecerunt et Sarraceni 
quinque. Vgl. auch ein groze bacalir dat he nam 347, 6. 

bägen, sich, ,sich rühmen', muss in I an folgender Stelle gele- 
sen werden: du machs dich wal gebägen (Hs. gedagen) zo vrunden ind 
zo mägen 93, 18. 

bal, ,Böses, Unrecht', ein im mhd. sehr seltenes Wort. I. of 
dede he ertlichen bösen bale, he wände dat he dede wale 17, 50. dat 
halp tragen ouch den bale (: wale) 137, 32. we Orie mit starkem bale 
(: wale) ir hedde gewant gröze schände 165, 33. — In Va steht Duren- 
dart, dem it sere zo balen wart 415, 30, was nichts beweist. Hier hiess 
es ursprünglich wohl zo banen wart , ,tödtlich ward'. In V reimt dale : 
vale 480, 65, was für bale verschrieben sein kann; doch hiess es auch 
hier zo bane (vgl. S. 136). 

balt, ,kühn'. I. Dederich der schenke balt (: verqualt) 84, 36. 
an Godine dem ritter balt (: gequält) 118, 43. — II. der helt balt (Hs. 
kalt : gewalt) 224, 29. koninc balt! (: gewalt) 236, 14. zo Karle dem 
koninc balt (: gewalt) 237 , 64. van Karle dem koninc balt (: gewalt) 
241, 71. der koninc balt (: gewalt) 250, 1. koninc balt (: gewalt) 261, 
64. we wart ich e alsus balt (: alt) 273, 17. an Karle dem koninc balt 
(: gewalt) 276, 44. wer da e man also balt (: gewalt) 276, 62. mit dem 
burchgreven balt (: inthalt) 284, 52. — II. Auffallend selten, dat kint wart 
van der suchden balt (: kalt) 334, 58. Rolant der edel helt balt (: ge- 
stalt) 357, 26 könnte helt : gestelt gelesen werden. In IV gar nicht, in 
V dagegen häufig, kone helde balt (: menichvalt) 397 , 24. des macht 
du wal wesen balt (: salt) 433, 20. van Saphir ein helt balt (: gewalt) 
479 , 43. ein degen vele balt (: gewalt) 481 , 5. Junfrit der helt balt 
(: gewalt) 484 , 22. mit live der helt balt (: entgalt) 487, 32. Konrad 
hat an keiner dieser Stellen das Wort. — Va. der helt balt (: gewalt) 
411 , 1. 421 , 64. dem helde balt : gewalt 423 , 26. — Vb. nur einmal, 
der helt balt : gewalt 454,4. — Wiederum häufig inVc. der helt balt : 
gewalt 492, 48. zo den helden balden : halden 496, 14. de heren balde : 



— 267 — 

Aide 501, 10. de helde balde : walde 502, 25. der kone helt balt : 
gewalt 519, 4. der helt balt : gewalt 524, 25. : vergalt 528, 10. In VI 
gar nicht. 

bane, ,Bahn c . V. do sach man an der heiden banen sweven men- 
chen güden vanen 479, 61, als schlechtes Reimwort, um Konrads weiben : 
heiden 278, 20 zu entfernen. 

bane, ,Verderben c , sieh bal. 

b ä r ä t , ,Trug' , den Reim ausfüllend in I. si gengen sunder ei- 
nich bärät (Hs. berait : Haenflrait) mit under de fursten sitzen 21, 3. — 
II. entrüwen, sprach he äne bärat (Hs. berait : missedait) 285, 12. 

barentieren. I. alsus wart zo den ziden Bremunt geschaufferet 
ind so sere [zo] barenteret, dat he selve körne entflö 43, 37. 

barn, ,Kind'. V. vele mancher moder barn (Hs. gebaren) eme 
do zo helpen quam 396,. 50 (: varen) , fehlt bei Konrad. — Vc. des her- 
zogen Reneres barn (Hs. gebaren : varen) 509, 46. Vielleicht ist auch in 
Va barn herzustellen : 412, 37 liest die Hs. dat eme niet enkunde gescha- 
den vur Karle van einichen daden ; das letztere ist unsinnig, geschaden 
steht, wie der Reim zeigt, auch 412 , 18 für getarn , und ich lese daher 
dat eme mit enkunde getarn vur Karle einich barn (moder barn?). 

bast, , etwas Geringfügiges' (Grimm, Wörterbuch 1, 1149). I. ür 
drouwen is mich min dan ein bast (: vast) 177 , 42. — V. de cristen en- 
vorten si niet ein bast : vast 406 , 2 , was Konrad nicht hat. — V c . it 
enschadde eme niet ein bast : vast 527, 61. 

basüne, bäsine, ,Posaune'. I. mit baneren, mit basünen (Hs. bla- 
sunen) : rünen 200, 45. blasunen wäre blason. — V. mit pifen ind mit 
basinen : schinen 474, 59. do greif Baligän eine basinen (Hs. basunen) 
sinen 483, 34. 

b a t a 1 i e , franz. bataille. IH. ind machde sine batalien schöne, 
ausser Reime 370, 33. nu enwolden de ersten batalien zo der zit niet 
falien 370, 60. 

bedanc, ,Gedanke ( , in IH. in desem bedanke 328, 33, kann für 
gedanke verschrieben sein. 

bedrach, ,Sorge'. IH. Constantin was in grözem bedrage : sage 
328, 30. 

bedragen, sich, ,sich begnügen, auskommen'. IV. dar mede moz 
he sich bedragen : bejagen 376, 66; Elegast 225 steht dafür entdraghen. 
Ebenso dar mede si sich alle bedragen : bejagen 377, 18. des hän ich 
mich bedragen : dage 382, 22, vgl. Elegast 243. 582. 

bedwanc, ,Zwang'. IV. dan ich it üch sage mit bedwange 
(: lange) 379, 14. sunder bedwanc ind sunder not 391, 45, ausser Reim. 
Elegast hat an beiden Stellen auch bedwanc. — V. de nu sint leider 
lange in grozem bedwange 426, 46; Konrad hat gedwange 20, 2. 

begän. I. wen si noch hüde begent mit iren swerden ,erreichen { 
50, 20. — V. dar ane mach he sich wal begän, ,damit kann er sich be- 
gnügen' , soviel als bedragen in IV, 442 , 42. so wä man en begenge 



— 268 — 

henge) ,träfe c 477, 62. — V». mach he uns nu hie begän ,erreichen' 
420, 29. — Vb. so wä he de Cristen mochte begän 456, 3. 

begaten. I. als Galia was begat, dat si wal hadde behat 158,35, 
wohl gebat. alsus wil ich it begaden : schaden , einrichten, fügen' 170, 7. 
— V. noch dan so hez der keiser eme aldä begaden balde dar nä ,her- 
beischaffen', 467 , 39. dat si it wolden also begaden : gestaden ,einrich- 
ten< 475, 32. 

begeben. I. si wolden [beide] durch iren juncheren begeven 
(: leven) ir lant 28, 48. dat he sich üp der walstat bi nä solde hän be- 
geven 118, 23. so sich der köne degen reine bi nä solde hän begeven 
(: leven) 124, 56. — II. dat he en niet begeve also 220, 3. Morant van 
Rivere begaf alle vere 222, 10. we moget ir uns sus begeven ,im Stiche 
lassen' 223, 45. op dat si sich mochte begeven in ein grä nunnen leven 
238, 41. he hez it en begeven ,aufgeben' 266, 25. dat ich groze her- 
schaf begaf 281, 47. — V. ür gode begeven : leven 430, 38. du salt din 
angest begeven 442, 23. dat he is niet enwolde begeven : leven 465, 51 ; 
Konrad hat an keiner Stelle begeben. 

begiht, ,Beichte'. Diese Form ist anzunehmen in Vc, dat si ere 
begichte (: rechte) schere gedede 509, 61. In III findet sich begit und 
begeit. ind läien sprechen begit : quit 321 , 21. wolde sagen sine be- 
geit : bereit 332 , 61. mit rüwen inde begeit : leit 336 , 53. Letztere 
Form auch in YI. sprach sine begeit : bereit 535, 62. 

beginnen, als Umschreibung des Verbums finitums ist, wie bei 
allen mittelhochd. Dichtern (zu Strickers Karl 11521) , so auch in allen 
Theilen des Karlm. nicht selten. Ich führe nur die besonders auffallen- 
den Stellen an , wo beginnen mehrere Mal kurz hinter einander vor- 
kommt, was immer Zeichen eines ungeschickten Dichters ist. I. it be- 
gunde in zo wecken, so dat he begunde [zo] erschrecken 1, 49. darnä 
begunden sich dö dräde de fursten reiden . . ir vedere begunden si zo 
hove zo zoenen 16, 45. 55. begunden si sich dä[zo] bereiden . . doch e 
si begunden [zo] riden 38 , 2. 20. so war Bremunt sin swert begunde 
zo keren . . dat sich G. begunde zo erveren . . si begonde mit sporen 
nä zo slän . . ind begonde weder zo keren . . begunden si vaste weder 
slän 42, 2. 24. 29. 44. 50. do begunde he sich zo erveren . . begunde 
in vaste nach zo riden . . do begunde he zo Tollet keren 43, 26. 36. 46. 
begonde sich zo wegen . . begonde he do sinem ros zo neken . . un- 
der die begonde he [dö zo] keren 51, 7. 10. 23. dar over beginne zo 
keren . . so begonde der tach üz brechen 63, 14. 27. begonde zo la- 
chen . . begonde zo gän 74, 7. 20. do eme de wonde begonde zo blö- 
den . . do begonde he in sere [zo] clagen . . einen harden slach begonde 
he [zo] senden 83, 8. 23. 47. noch dan begonde he [zo] vrägen me . . 
dat leit begunde Karl [zo] beklagen 95, 27. 43. si begunden jemerlich 
zo kosen . . ein ritter sere begonde [zo] unmechten 96, 5, 12. begunde 
boden senden . . begunde sich zo reiden . . begunde ouch vurwart [zo] 
gän 102, 10. 20. 54. do begunde he zo rennen inde [zo] draven . . so 
ich üch begonde zu nennen 113 , 31. 43. begunde sagen mere . . be- 



— 269 — 

gunde [zo] lachen . . begunde sich keren 132, 10.25.29. begunde zo ir 
vazzen . . dat sorkot si ouch begunde setzen . . balde begunde he dar 
[zo] keren 162, 14. 16. 20. begonden machen schappele . . begunde en 
alsus [zo] leren 184, 9. 18. zo ist fast überall zu streichen. 

IL Rohärt zo rofen began sinen zwen gesellen ind begonde en [zo] 
erzellen 258, 54. 56. ind begonde si zo loven . . Karl begunde nennen 
265, 35. 44. und ebenso 269, 24. 48. 273, 37. 41. 57. 276, 33. 53. 277, 
19. 23. — IV. des begunde si en vrägen . . dat he ir sagen began 
387, 9. 13. 

V. sine gesellen begunde he manen . . dat de sonne begunde un- 
dergän 484, 24. 41. ebenso 485, 9. 17. 18. 34. 486, 6. 18. 66. 

Va. dar begunde he mit en zo striden . . des begunden de heiden 
sich erveren . . zo Marseiis he ilen began 422, 37. 52. 54. 

Vb. Rölant he an grifen began . . want mich beginnet sere ver- 
langen . . si begunden sich sere zo erveren . . als uns he nä beginnet 
riden . . Rölant des lachen began . . van prise he sich wäpenen began 
453, 8. 11. 18. 24. 36. 47 ist wohl das stärkste Beispiel. Vgl. noch 457, 
24. 60. 61. 458, 12. 

Vc. do begunden sumeliche vorderen . . Karl jämeren began 515, 
18. 28. 

Bemerkenswert!! ist das sehr seltene Vorkommen dieser Umschrei- 
bung in III und IV. Sämmtliche Stellen in III sind 326, 42. 328, 33. 
338, 53. 343, 25. 364, 10. In VI nur einmal 536, 7. Dies erklärt sich 
dadurch, dass beide Stücke eine andere Umschreibung haben, durch be- 
stän, sieh dieses. 

In Bezug auf die Flexion ist zu bemerken das Partie, in II, rei- 
mend auf punt 251 , 56. begunnen in Vc. de durch Wellis was begun- 
nen : gewunnen 52] , 1. he hat grözer rede begunnen : entrunnen 522, 
51. so menlich häs begunnen : gunnen (favere) 523, 50. 

behagel, ,freudig, kühn'. I. harde behagel inde fin quämen si 
gedravet 115, 45. — II. der wasjunc ind behäl (: amiräl) 261,5. — V. Al- 
vernen de behäle (Hs. behagele : male) 471, 23. — Vc. dö reit he unbeha- 
gele : zagele 532, 58. 

behalt, Sicherheit'. I. si was komen in behalt : manichvalt 171, 

56, so viel als enthalt, sieh enthalt. 

behende. Dies im mhd. nicht häufig vorkommende Wort 
findet sich in einigen Theilen des Karlm. I. ein behende logen, ausser 
Reim, 14, 14. nu was Davit so behende : zende 25, 39. ein sper starc 
ind unbehende : ende 82 , 56. sunder ein behende böch , dat was van 
astrologien 146 , 8. ir sit behende (: ende) 160 , 51. menche behende 
zale 173, 38. — IV. he quam behende : sehende 378, 14; ghehende Ele- 
gast 305. ein behende dief 384, 28; Eleg. 709 behendich. ein unbehende 
dief 385, 9; behendich Eleg. 756. — Vc. de Cristen behende : ende 455, 

57. In sunder einich behende 458, 27 ist behende Substantiv, gebraucht. 



— 270 — 

,einrichten, fügen'. I. ich (Hs. ach) soldet also be- 
henden : wenden 68, 22. 

behendicheit, ,Geschicklichkeit, List'. I. so vant si eine behen- 
dicheit : bereit 163, 58. dat he mit behendicheit kerde dat we he üch 
kusde 174, 46. — III. dat dede he mit behendicheit : meit 348, 10. dö 
Karl dese behendicheit sach 371, 21. — IV. sine behendichede : mede 

383, 26. Eligastes behendichede : stede 385, 13. nochtan künde he 
behendichede : mede 388, 49. 

behof, ,Behuf, Proportion'. VI. lede gröz nä sime behof : grof 
539, 24. 

beite, ,Zögern'. IV. sunder einiche langer beide : gereide 391,19. 
bejach, ,Erwerb' (vgl. bejagen). IV. dat ich reit üp min bejach 

384, 50. vört vur üch unsen bejach : dach (Hs. unse beiacht) 389, 33. 

bekande subst. V. to Runzeval reden si dö an de cristen be- 
kande mit schätze ind mit gewande 426, 58. 

bekliven, ,haften'. IL unrecht is bekleven : gedreven 216, 38. 
— V. sin lof enmöste bekliven : bliven 479, 59. 

bekomen. V. allet dat si bequemen, im nhd. Sinn gekommen' 
(: nemen) 427, 24. 

bekorn, ,versuchen'. V. dan af quam ein groz mort , de sint 
wart wal bekort 438, 13, vgl. Konrad 44, 5 dannen bechorten si sit 
alle des tödes. — Vb. mit desen worden hat he en bekort : gedort 450, 24. 

beläzen. III. dat he en wal hedde beläzen : mäzen, in seiner 
Stellung gelassen' 310, 64. 

beiigen, ,belagern'. III. belach de stat al umbe 370, 23 (andere 
Stellen sieh bei krumbe). — V. berch ind dal mit döden belegen, ,mit lie- 
genden Todten angefüllt' 487, 58. Gleichbedeutend mit belegen in III 
ist in I umbelegen, so was de burch al umbelegen : degen 175, 54. Ein 
schwaches belegen ,niederlegen' steht 86, 11. 

benäden, ,begnadigen'. III. ind wolde Witgin do benäden : be- 
räden 305, 27. dat he sich wolde benäden : genäden ,sich herablassen', 
326, 45, vgl. benädigen 326, 49. 

bequeme, ,bequem'. I. de güden lüden sint bequeme : under- 
neme 1, 5. — III. Karl der wal bequeme : eme 295, 53. als it recht was 
ind bequeme : eme 297, 6. als eme lief was ind bequeme : eme 315, 48. 
als eme was bequeme : eme 316, 20. als it en was bequeme : eme 325, 
24. als it was bequeme : eme 332, 21. als it eme was bequeme : eme 
335, 40. so we eme dat were bequeme : zwene 345, 3. de eme dat beste 
weren bequeme : neme 361, 63. dese rede is mir bequeme 367, 34. dat 
was eme harde bequeme : eme 373 , 58. — VI. dat it en was bequeme : 
eme 533, 17. dat it eme was bequeme : eme 540, 5. In IV lautet es 
bequäme. ist üch bequäme : name 380, Q6. is ür wille ind üch be- 
quäme : name 382, 9; dagegen unbequeme : geneme 386, 47, aber vom 
Compilator herrührend. 

berechen. IL dat ir Mörant mit ürme live selve berecht, als 
üch ordel wist ind recht 243, 12, vielleicht für besecht, sieh besagen. 



— 271 — 

bereiten. II. des wil ich üch bereiden : gescheiden, von reiten, 
,rechnen, erzählen' 257, 7. 

beringen, , erreichen'. V a . wat (Hs. war) si mochten beringen : 
dingen 422, 32, wenn nicht ein Schreibfehler vorliegt. 

beriten, ,reitend einholen'. I. so watBremunt aldä bereit: ver- 
sneit 82, 39. alle de he dar mit bereit : versneit 192, 11. — Va. so war 
he de Cristen mochte beriden 422, 36, vgl. erriten. 

bermede, ,Erbarmen'. I. dat ich din bermede hän intfän 89,27. 
eme quam is bermede in sinen möt 124, 59, vgl. erbermede. 

besagen, , anklagen, verleumden'. IL we wart si belogen ind 
besacht : gedacht 225, 66. vur mime heren besecht : gelecht 245, 57. 
van den dat ir sit besacht : behacht 250, 25. setzet dat ein man werde 
besacht : bedacht 253, 25. dan af dat he is besacht : macht 257, 14. 
de en zo unrechte zo sime heren besechte 269, 59. 

bescheiden. I. sich bescheiden, ,sich zurecht finden', kunt ir 
üch nu bescheiden her af 1, 20. — V. Das Partie, bescheiden als adjeet. 
Karl der bescheiden : heiden 402, 48. 

bescheit in I und IL ouch däden si eme bescheit : leit 249,43. 
wilt ir hören nu bescheit : geleit 250, 3. 

beschönen, ,beschönigen'. I. ich mach it lichte beschönen : erö- 
nen 6, 25. 19, 56. allen mosten si beschonen (: krönen) dem boden ere 
zale 16, 26. dat mach ich lichte beschönen : krönen 31 , 62. wat solde 
ich beschönen : Bargönen 145, 44. — II. ich wil üch ouch beschönen : 
Ionen 220, 44. 

beschrien, ,beklagen'. III. mallich sinen vrunt beschre : we 
361, 37. 

beschudden, ,beschützen', nirgend im Reim. I. do beschuit he 
sinen junchere 23 , 24. — IV. dat was zo beschudden sinen döt 388, 36. 
— V. beschudde en minnecliche 482, 26. 

besehen. I. sich besehen, ,sich vorsehen', e sich Höderich be- 
sach : slach 3, 16. des beset üch ,seht euch vor' 48, 16. e sich der 
heiden man besach : slach 204, 25. — III. besach sich al umbe ,sah sich 
um' 310, 3. — IV. si besagen sich sunder gröte ,sahen einander an c 
378, 32. 

beslemmen, ,mit Schlamm bedecken'. I. so beslemmet henc man 
si beide 130, 21. 

bespuitzen, ,bewerfen, ansprützen'. I. bespuitzede mit erden 
de vrouwen alle 185, 39. 

bestän. I. ,unternehmen , durchführen', den rät soln wir mit 
en bestän : gän 16, 20. wir en willent ane gän wes ir mit Karle wilt 
bestän 97, 58. Ebenso in V. ich vüre selver vur üch dare, of ich it 
moste bestän 441, 53. Eigenthümlich ist der Gebrauch von bestän mit 
dem Infinitiv im Sinne von beginnen in HI und VI. Karl bestont sich 
zo reiden 303, 3. we si under ein bestonden gewagen 316, 48. dat be- 
stont der apt zo klagen 320, 38. he bestont sich van danne reiden 327, 
11. ind bestont da zo besitzen 340, 39. so bestont eme zo neken der 



— 272 — 

döt 343,41. bestont zo erzellen 344, 31. Karl bestont da zo reden 353, 
10. mallich bestont sich zo bereiden 357, 11. — VI. de heren bestün- 
den do üp zo heven 538, 20. 

besunderen r= besunder. Diese Form des Adverb, begegnet, 
durch den Reim gesichert, in I: under en 10, 47. 14, 61. 35, 2. II. 
221, 42. 264, 21, vgl. das Yerbum sunderen : under en in V. 440 , 21. 
468, 60. 

betehüs, ,Bethaus'. V. ere bedehüs (Hs. beyde huys) unreine 
433, 32, nach Konrad 32, 8. — VI. vil bedehüs (Hs. beyde huys) 537, 21. 

betevart, ,Pilgerfahrt' , natürlich nur in I. ich hän gelovet 
mhie bedevart 7, 58. Davit de bedevart dachte 8, 11. de bedevart dat 
was, dat Karl trüwen leisten wolde Galien 134, 33. 

bewanc (vgl. bewenke), ,beweglich'. I. Karl was so lichte ind so 
bewanc : entspranc 91, 55. 

bewant (von bewenden). V. zo sorgen is it uns bewant 407, 3. 
it is uns zo sorgen bewant : hant 426, 24. der rät is ovele be- 
want : zohant 436 , 49. — V*. it was eme in der not so bewant 416, 60. 
it was eme also bewant (Hs. want : hant) 417, 14. it was dem helde also 
bewant 418, 51. it wart doch leider anders bewant 425, 16. 

bewar, ,Schutz, Rüstung'. V. de hadden güden beware : schare 
477, 5. Das ursprüngliche war wohl gare, vgl. zu Strickers Karl 3081. 

be waren. I. of ir sit van sulchem möde, dat ir üch des mogent 
bewaren (Hs. beuaren) dat ir dar over dorret varen 48, 17. we dorst ir 
üch des e bewaren, dat ir van uns sollet varen 69, 12. 

bewenke, so viel als bewanc: J. Grimm in den Göttinger gel. 
Anz. 1831, S. 807. I. enwere Dederich der schenke niet so rechte wal 
bewenke 85, 22. entrüwen, here , sprach der schenke, so räde ich dat 
wir sin (Hs. so) bewenke 137 , 5. nu was Davit also bewenke : schenke 
152, 47. 

bezide, ,in Zeiten' = enzit. I. si enhedden sich niet sd bezide 
bereit zo desem stride 39, 10. 

bezougen oder beziugen , ,bezeugen'. n. inde hedde ouch be- 
reit de si (die Missethat) bezougen solden 237, Q6. de wile en dri man wal 
bezügent hie van 254, 60. dese sint de wale bezügen mine vrouwen be- 
zichtigen' 245, 66. 

bicken, , stechen, durchbohren'. IL mit eime metze he bickede 
(: schickede) sine voze 259, 39. — IV. dar man müren mede solde bi- 
cken : stucken 384, 46. 

biderve, ,bieder'. Va. he sprach ,it is ein unbederve, dattu mir 
woult nemen min erve 413, 37, ,eine Ungeschicklichkeit'. Die Betonung 
bederve nur hier, sonst beder. 

biesen. I. vil balde vel he neder vur Orien ind beisen (: kei- 
sen = kiesen) 173, 46, vielleicht ind woldes beisen, aus franz. baiser. 

bil, ,Kampf , Streit'. I. biz ander ritter zo bile (Hs. vele : wile) 
op die quentine hänt gestechen 55, 51. den genen zo wederbile : wile 
,zum Trotz' 100, 6. zo strides bile (Hs. vele : wile) 180, 60. durch 



- 273 - 

kurzwile ind niet durch wederbile 213, 13. — II. begunde reden zo we- 
derbile : Mile 253, 47. — HL alsus lach he lange wile vur de stat zo bile 
309, 22. vor äne wederbile (: wile) üp zo hemelriche 367 , 58. eme ge- 
schach da ein wederbile : wile , etwas Widerwärtiges' 373, 62. 

bilen, ,bellen', einmal in IY. Mlen : wilen 388, 19. 

bisant, ,Bizantiner c , nur in V und Vc. manche guldin bisant : 
lant 407, 34. wane (== wagene) mit bisanden : lande 426, 51. — Y°. 
manch gut guldin bisant 511, 46 (: hant). 

b i s t e r , ,dunkel', Vc. in eime bistern walde 503 , 41 , vgl. das 
mundartliche ,sich verbistern, sich verirren'. 

biten, ,warten c , häufiger beiten. I. enbeit : reit 192, 21. — IL 
hant gebeden : kreden (von kriden) 272, 35. — Vc. dat si sinre dö biten 
ind niet vurder enriten (Hs. beyden : reiden) 513, 52. dar sin de vursten 
beden (Hs. buiden) : gereden 513, 57. niet langer si enbeden (Hs. bey- 
den : reden) 517, 55. 

bläbisen. IH. gebläbiset sunder wän mit eime grözen barde 
371, 2, wo bei Turpin cap. 18 larvas barbatas habentes steht. 

bl ädere (mhd. Wörterbuch 1, 203a) ,Blatter'. H. so man en de 
wonden sach mit grözen bläderen an eren halsäderen 250, 10. 

blenden, ,blenden', natürlich nur in in. war umbe si hedden 
geblant den päes inde geschant 326, 7. 

blichen, ,glänzen'. I. dat man dat vür sach blichen 118,5 (: wi- 
chen), so he Durendarde blichen sach 136, 40. — IL dat man dat vür 
durch den melm harde verre blichen sach 274, 38. — in. dat dat vür 
durch den melm over al dat velt bleich (: seich) 338, 45. — V. och we 
starc de untrüwe dö üzbleich : weich ,zum Vorschein, ans Licht kam' 
447, 52, wo Konrad üz brast hat. — V*>. dar sach man blichen manch 
brase 451, 60. 

blide, ,fröhlich'. I. weset vrö ind blide : gezide 58, 1. dö wart 
is der blide ind vrö 70, 11. nu weset vrö ind blide : gezide 72, 48. 76 
21. : nide 196, 4. here , weset blide : stride 77, 35. were ein minsch 
umbilde : stride 88, 34. weset vrö van blidem möde 133, 14. — n. dö 
w orden Mörandes lüde blide : gezide 224, 44. dat mallich blide was ind 
frö 230, 57. si wären vrö ind blide : gezide 236, 10. so scheiden wir 
hinnen blide : nide 271, 48. unse herzen machet blide : nide 288, 37 

— IV. dö wart he blide in sinem möde 380, 63. he was blide in sinem 
möde 391, 3, keinmal im Reim. — V. ind wärens blide inde vrö 397, 7. 
Oliver der blide : nide 403 , 53. de Cristen wären blide : nide 480 , 45. 

— VI. ind sprach ,deus in adjutorium' plide : gezide 536, 47, wenn das 
Wort gemeint ist; das Nichtvorkommen des Wortes in in, V a , Vb macht 
es auch für VE zweifelhaft. In I begegnet ausserdem noch blit : niet 
114, 26. 

blien, ,bleiern { . I. blien : Marien 4,7; auch Heinrich von Vel- 
deke reimt so. blien : zien Eneit 264, 36. 

blit, ,Freude', dasselbe was blitschaf. I. dat mir gescheit is sulche 
blit : zit 166, 52. 

18 



— 274 — 

,Freude, Fröhlichkeit'. I. blitschaft sunder rouwen 
59, 7. blitschaft ind werltere 119, 18. in grözer blitschaf inde gamen 
122, 52. da was blischaf sunder zorn 126, 38. blischaf inde minne 143, 
35. da was blitschaf inde heil 171 , 32. der sint blitschaf nie gewan 
180 , 23. der sulche blischaf verneme 210 , 42. — II. vroude inde bli- 
schaf : begaf 221, 41. sus was blitschaf inde schal 224, 50. ind drivent 
samen blischaf : gaf 236, 24. mencher grözen blischaf : af 240, 9. de 
sulche blischaf verneme 282 , 23. si hadden blischaf sunder rouwen 
293, 12. 

bodelinc ,Bote'. III. ich bin Cristus bodelinc : dinc 337, 36. 

borgen. Ve. den kamp borgede he dar weder 517, 51. also ge- 
reide borgeden si den kamp 524,41. Natürlich nur in Ve, nicht auch inV. 

böswicht. I. dat have dir, sprach he, böswicht 42, 36. ai du 
Bremunt, bösewicht 83, 60. — V&. wat hästu bösewicht gedän 419, 55. 
423, 10. 

bo um gart, stark flectiert (vgl. auch wingart). V. so quämen 
de helde göt in den bömgart : wart 406, 19. der keiser was gesezzen 
in einem bömgarde : harde 427, 30. in dem selven büngarde : harde 
427, 54. quämen zo dem büngarde : harde 428, 14. 

boven, ,oben'. I. op dat kuret enboven : loven 62, 40. sin got 
sizzet hie enboven : loven 71 , 35. — II. dat da lit enboven : loven 222, 
48. want ir mir vur alle wif e wäret enboven : gedoven 227, 48. de 
neste eme enboven (: loven) here was 229, 69. als ich üch lez verstän 
he enboven : loven 291, 67. da dröch he enboven (: loven) eine kröne 
292, 53. — IV. ind saz dar enboven üp ein ros, dat man mochte loven 
375, 65. swarz was sin wäpenroc enboven : loven 377, 56. gewar got, 
du bist hie enboven : loven 394 , 32. — V. dat was dat gereide dar en- 
boven : loven 443, 50. Die Aehnlichkeit aller dieser Stellen, wo das an- 
dere Reimwort immer loven und der Gedanke ist ,das kann, konnte man 
loben' erklärt sich durch die Reimarmuth. 

bracht, ,Lärm', in der Zusammensetzung overbracht ,übermässi- 
ger Lärm'. I. quam mit overbracht : nacht 2 , 64. de uns dönt sulche 
overbracht : gesacht .Uebermuth' 124, 33. der stürm ind ouch de over- 
bracht : nacht 180,38. — II. dat were gröz overbracht : gelacht ,Ueber- 
muth' 267, 12. 

brame, ,Dornbusch'. Vc. an dornen ind an brämen : nämen533, 2. 

brant, in der Bedeutung , Schwert' in Vb. ich endo mit desem 
brande, den ich hie vören in minre hande, sulche vesper singen 453, 30. 

brase, auch nur in Vb. dar sach man plichen manch brase : 
grase 451, 60, vgl. Grimm, Wörterbuch 2, 305. 

breste, ,Mangel'. III. in schänden ind in bresten : Cristen 368, 30. 

bridel, ,Zügel'. I. der bridel was van (ein?) borde rieh 55, 39. 

brieve. I. sunder brieve als reimausfüllendes Flickwort, ich 
sachte dir zohant sunder brieve : lieve 72, 25. dat wir sunder breve 
uns sprechen 78, 4, wo die reimende Zeile (leve?) fehlt, vort hörte ich 
sagen sunder breve : leve 94, 41. mit minnen sunder breve : leve, Hs. 



— 275 — 

leyfde 131, 21, vgl. auch 177, 21. — IL dat he sunder breve (: leve) sei- 
ver woulde komen 221 , 51. sachten vruntschaf ind leve Galien sunder 
breve 224, 2. de van minnen ind leve sprächen sunder breve 287, 29. 

brieven, schreiben, einschreiben'. I. me" danne ich kunne ge- 
breven : leven 134, 1. de hadde he vaste in sin herze gebrevet : gele- 
vet 134, 37. ich enkunde üch sagen noch gebreven : geleven 210, 44. 

brinnen, ,brennen'. Vc. dat he levendich verbrinne (Hs. verbyrne : 
inne) 532, 56. Das schwache brinnen für brennen in V; sieh S. 198. 

bronie, ,Brünne'. Va. hg bedarf güder bronien : Babilonien 414, 

42. stach en durch schilt ind bronien : Babilonien 415, 44. — Vi> ind 
vörte ein schone bronie an, ausser Reime, 456, 2. bronie ist die altfranz. 
Form des Wortes, die z. B. in der Ch. de Roland immer vorkommt. Da- 
raus ist auf ein französisches Original dieses Abschnittes zu schliessen, 
in welchem der Reim bronie : Babilonie gleichfalls stand. 

brüch, mhd. bruoch. III. mit wazzer inde mit bröch : genöch 
314, 23. under der borch lach ein bröch : genöch 318, 53. 

brüdegome. I. als einen jungen brüdegomen (Hs. brudegonnen: 
genomen) begunden si en hene leiden 119, 29. 

brütlouft. I. dö wart schöne brülocht, dö Karl Galien hadde 
gekocht 209, 38. alsus hat zo voller brülocht Godin Orien gekocht 215, 

43. — Ve. de brülocht gehere 498, 48, ausser Reim. 

bücken, ,sich bücken'. IV. der koninc buckede neder sän 383, 
59. — V a . vrölichen buckede he an de erde 423, 56. 

burderie, ,Ritterspiel'. I. 208, 23. IL 292, 42; vgl. S. 34. 

b üs che, mhd. biusche. I. man sach en da vartieren püschen ge- 
nöch 199, 60. 

büsen. I. weiz got dö genc it an ein büsen : hüsen 208, 40. 
. büwen, ,bewohnen'i V. dat wir dat hemelriche büwen : getru- 
wen 397, 42, vgl. Konrad 6, 33. mit vreden Hispanjen büwen : getrü- 
wen 446, 41 : Konrad 68, 31. de helle büwen 488, 55 (: rüwen), welche 
Stelle bei Konrad fehlt, aber durch dieses Wort wie durch andre sich als 
echt erweist. 

büz, mhd. buoz. V c . dö wart mir grözer sorgen büz : vüz 502, 57. 

danc : äne danc , wider Willen'. I. sin lant rümen äne sinen danc 
: lanc 29, 61. vallen sunder eren danc 91, 14. äne sinen danc 119, 27. 
sunder iren danc 123, 22. 136, 46. an eren danc 202, 39. — II. äne 
üren danc 240, QQ. 247, 16. ir sanc, der da is äne danc 246, 10. 

dat wird pleonastisch eingeschoben. I. nu hört we gedäne mein- 
dät dat H. ind H. begunden 7, 5. eine list dat he erdachte 7, 54. we 
rechte unwertlichen dat man üren juncheren heldet 9, 41. we mancher 
hande gerichte dat dö de trusseten drögen 21 , 9. mit worden dat dö 
vore slöch Dederich 30, 21. op (Hs. o) zohemel dat he sach 64, 60. un- 
sen heren dat he an sprach 64, 61. we loveliche clät dat Karl dö dede 
66, 3. zo sime sper dat he venc 69, 45. der künde dat si e gewan 70, 
32. zo Floretten dat si sprach 70,40. durch den buch dat he en stach 
79, 8. we wale dat he dat ane venc 79, 40. dan af dit ir verdreven sit 

18* 



— 276 — 

98, 35. och we sere dat he schre 157, 39. an iren hals dat si sich 
henc 166, 50. zo den vrouwen dat si sprach 186.', 17. over einen dat 
hS spranc 193, 26. — IL eines orlofs dat he bat 223, 20. balde dat he 
si geleit 230, 26, wenn nicht hat für dat zu schreiben ist. harde balde 
dat he saz 234, 64. einen staf dat he prant 246, 26. — HI. ein gröze 
bacalir dat he nam 347, 6. üp der stede müre dat he quam 372, 53. — 
V. ir hörn dat si blesen 400, 12. dar neder dat si lägen 404, 49. zo en 
allen dat he sachte 431,47. harde schere dat he sprach 463,63. an den 
sadel dat he greif 473, 34. — V». in den sadel dat he schreit 410, 31. 
413, 57. üp sine voze dat he spranc 413, 21. 415, 62. üp sinen schilt 
dat he en stach 419, 61. — V b . in sinen sadel dat he quam 450, 5. Ve- 
latine dat man eme gewan 452, 15. zo sinen mannen dat he sprach 454, 
61. den grimmen dot dat he nam 455, 5. under sinen arm dat he en 
nam 457, 25. der godes genäden dat he gerde 457, 46. — ¥ e . sin gla- 
vie dat he nam 493, 49. balde dat si üp Sprüngen 494, 9. we gerne dat 
ich wolde mich ergetzen 510, 53. zo dem altar dat he genc 515, 6. op 
sin ros dat he saz 526, 43. Bemerkens werth ist das seltene Vorkommen 
in m, in VI findet es sich gar nicht. 

degen. I. einen getrüwen degen : wegen 9, 48. he slöch da 
menchen degen wert 81 , 44. Bremunt der degen : belegen 86 , 11. 
: siegen 91, 43. Karl der junge degen : siegen 88, 4. den könen degen : 
legen 96, 49. der vrie degen : umbelegen 175, 54. stont als ein degen : 
alrewegen 202, 62. der buschof was ein degen 205, 24. Godin der de- 
gen : underwegen 207, 36. — IL Mörant der güde degen : wegen 230, 
16. — HL mit menchem stolzen degen : belegen 308,35. Amelis den könen 
degen : legen 309, 26. mit menchem degen : gelegen 339, 49. de ande- 
ren degen : legen 364, 58. Karl der edel degen : siegen 372, 3. — V. 
want he ein starc degen was 404, 3. de zwene starken degen : allerwe- 
gen 404, 10. Oliver der degen : erlegen 475, 41. degen : erlegen 482, 
31. mench gut degen : belegen 487, 60. — V*. der degen gehöre 419, 
45. — Vb. Rölant der degen herlich 454, 64. der degen höre 455, 54. — 
Ve. des libes ein degen : gelegen 493, 44. den degen he an rante 493, 
64. der köne vermezzen degen : entgegen 494 , 3. Gundelhüf der de- 
gen : entgegen 519,31. Oiger der degen : erlegen 522,41. Naimes der 
degen : plegen 527, 3. Pinabel der degen : plegen 527, 42. : siegen 54. 
— In IV kommt das Wort nicht vor, in V a und Vb an keiner sicheren 
Stelle, auch in II nur an einer. 

deger, mhd. tigere. I. des dede he sich deger los 153, 37. — 
V. vele deger begunde he si manen 402, 51. Beidemal nicht im Keim. 

deif , adj. I. it (das Ross) was ouch so van blöde deif : bleif 
201, 5. 

delit, franz. delit. I. üch sal van mir noch gröz delit ind vele 
leves gesehen (: sit) 77, 38. 

denen, in Hl soviel als erdenen, in I und II (sieh erdenen). sin 
swert he in de hant nam ind dende it höge in de locht 358, 54. 

denken, unpersönlich gebraucht. I. so gedachte en ever an dat 



— 277 — 

sitzen 73, 63. des lez he sich gedenken da 79, 33. des mich niet en- 
dachte 175, 47; do gedachte en an dat sagen 192, 55. Vgl. in III dat 
was Constantin ungedacht 327, 55. 

dicke, ,oft'. Im Reime nur in V. he ref vele dicke : blicke 440, 
60, vgl. Konr. 51, 6. 

diech, ,Schenkel'. I. den stach he durch sin lurze de : kne82,61. 
he slöch en in sin die : kne 92, 39. 

dienst haft, , dienstbar'. V. willestu eme wesen densthacht (Hs. 
deyn schacht) 407, 38. — Vb. dattu wilt eme werden densthacht (: be- 
dacht) 449, 27. he wilt dir werden densthacht : gesacht 450, 40. 

diet, im Pluralis gebraucht in V. andern sinen dieten : gebieten 
431, 39, vgl. 431, 51. in dem lande ind ouch den dieten : gebieten 447, 
12, vgl. Konr. 69, 28; wie hier der Ausdruck sich an Konrad anschliesst, 
wird er auch wohl an jener Stelle, die bei Konrad fehlt, auf einem älte- 
ren Texte beruhen. 

dihen, , gedeihen'. Va. so enwere ne swertslach gedegen 417,35. 
— Vc. so were he ovele gedegen : gezegen 521, 28. 

dilde, vgl. Zeitschrift Band 5. I. der denst enwas niet dilde (Hs. 
deilde : wilde) de do was zo dem hove 12, 10. he gaf eme einen slach 
undilde : schilde 192, 24. 

dinsen. HI, 370, 47 heisst es von der heidnischen Standarte: 
sie war so gross und breit, dat en mit grozer not dinsen mosten zo der 
stunt echt ochsen, d. h. fortbewegen*. Turpin cap. 18 quod octo boves 
trahebant. 

d inst er, , dunkel'. IV. an deser dinster nacht 375, 39. 

diu, der Instrum. des Artikels, in geschwächter Form de, vor 
Comparativen. I. die lever 38, 53. de baz 52, 39. 55, 54. 159, 13. 
175, 30. 211, 6. de minder 144, 14 (1. de min , was das Metrum erfor- 
dert, siehe min), de wers 179, 13. dis baz 184, 60 ist in die baz zu än- 
dern, de holder (Hs. den holder) 185, 6. - n. de min 217, 22. de baz 
217, 29. 253, 7. — HI. de langer 309, 30. de baz 319, 67. — V. de 
sanfter 447, 5. de baz 464 , 43. 476 , 10. van den saltu vergezzen des 
unmezlichen rüwen 488 , 62 ist van de = von diu ,deswegen'. — Vc. de 
holder 520, 16. des baz 528, 11 ist wohl dest. 

dogentheit, /Tüchtigkeit'. I. van Gödins dogentheide 119,25. 

doln, sonst dulden, wo es im Reime begegnet. H. armode ich 
dolede : holede 227, 54. — Vc. de martel de ich möz dolen : bevolen 531, 5. 

domesdach, Jüngster Tag', I, 82, 23. 163, 33, enstellt in Don- 
nerstag' . Ebenso II, 292, 7. 

don als Füllwort in HI, ind quam zo Bajone vur de stat mit 
grozem döne 343, 34, wenn es nicht heisst ,Lärm'. 

dorperheit ,tölpisches Wesen'. I. van dorperheit gar reine 155, 
56. — H. mit geinre hande dorperheit 237, 41, vgl. dorperlich 164, 6. 
de depperliche minne 163, 53. 

drö, ,Drohung'. V. ich envorte geine üre dro : do 441, 50, nach 
Konrad 53, 10. drouwe, dasselbe, in V. Karl envortet nemans drouwe 



— 278 — 

(Hs. trauwe) : vrouwe 463, 9, und diese Form scheint dem Dichter von 
V zuzukommen, denn Konrad 252, 6 hat kein drouwe. 

durch, mit dem Infinitiv verbunden, in I und II dasselbe, was 
umbe in anderen Theilen. I, durch besöken ind durch entsaven, durch 
vernemen ind durch besen 3, 54. durch en [zo] loven an der stunt 34, 
32. durch besen ind durch beschouwen, durch vernemen ind durch ver- 
stän 45, 3. durch [zo] heilen sine wunde 45, 31. durch vernemen mere 
46, 16. durch [zo] wern üre stat 124, 3. — II. durch swigen inde (durch) 
helen 244, 38. durch vernemen ind verstän 256, 52. 

durch ind durch, ,gänzlich'. Lieh sal ür (Hs. urre) plegen durch 
ind durch 160, 27. si hedde sich al durch ind durch gehüdet 174, 53. — 

II. inde hat en durch ind durch gesacht 232, 39, überall im Reime. — 

III. al dat lant durch in durch : burch 302, 4. — IV. da he dat loch 
van der müre hadde bracht dure ind dure 385, 1. 

düren, , dauern'. I. dit gedürde menchen dach 5, 23. der selve 
strit durde 51, 49. dit dürde wal ein halve mile 74, 14. niet lange en- 
dürde de zale 129, 56. — III. üp dat si de langer mochten düren : be- 
müren 309, 30. de enmochten niet langer düren : müren 340, 3. — IV. 
ich enläzen si niergen gedüren : verbüren 377,11. — VI. dar ane he sin 
leven mochte düren : üren 535 ,19. In I keinmal im Reime, daher mit 
Sicherheit nur in III, IV und VI anzunehmen. 

du.s 4, 52. 16, 39. dus (Hs. das) gedän leven 19, 37 u. s. w., nir- 
gend im Reime , ebensowenig als sus , das erst von III ab im Reime 
vorkommt. 

dusternisse, ,Finsterniss'. V. in dat dusternisse varen 488, 54. 

dwäs, ,Thor, Narr'. I. noch enbin ich niet entwäs (: säs) 9, 34. 
dus haldent si dich vur einen dwäs : palas 21, 37. suster, it is ein dwäs 
(: was) ,ein Nichts' ür Schönheit 162, 28. mit Oriase dem bösen wredem 
dwäse 171, 38. ür Machmet der is gar ein dwäs : Orias 177, 15. halt 
ir mich nu vur einen dwas : Orias 187, 4. ir besteit is als ein dwäs : 
Orias 188, 65. als ein man ind niet als ein dwäs : Girnas 206, 12 ; ebenso 
gedwäs: it was allet ein gedwäs ,ein Nichts' (: genas) vur Karle als he 
wolde striden 120, 29. — V. wat solde dir vil dummer twäs (: äs) min 
riche alhe besezzen 486, 18 , vgl. si gengen üp vele gedwäse zo Marseiis 
palase 464 , 13 (Konrad 254, 3 hat nichts von twäs) und : ir ensolt üch 
niet verdwäsen : Geneäsen 463, 15 (Konrad 253, 18). 

eber, ,Eber'. V. dat si als ever wilde ervochten 402, 30. 

eberswin, als Bild der Kämpfer in I. doch vacht (Hs. wach) he 
als ein everswin 86, 9. dat man ne enmochte schouwen zwe everswin 
sich so zohouwen 202, 26. 

echt, mhd. et, ot. III. zo sime grave siet man echt (: knecht) 
einen olichböm 339 , 39. — IV. dö lachte Eligast echt : recht 386 , 7 j 
vgl. Elegast 822. — VI. einen gewäpenden ritter echt (: recht) dede he 
stän 540, 18. 

echte, ,acht'. III. vunfzich jär ind echte (: mechte) 324, 62. 
Sonst kommt es im Reime nicht vor. 



— 279 — 

ecke, ,Schwertspitze'. IV. so scharp warn irs swerdes ecken 
vlecken 379, 57. — V. mit eren swerdes ecken : recken 468, 37. mit: 
sines güdes swerdes ecken : recken 486, 49. — Vc. scharp was eme sin 
ecke : recke 525, 62. 

ecker, mhd. eckert. I. dasselbe, was in DJ, IV, VI echt, ecker 
dat ir mich niet enezzet QQ, 1. dat is mir eckers min got gunne 195, 32. 

edelkeit, , edle Gesinnung, Edelmuth'. I. ind döt eme gröze edel- 
keit 91, 46. — III. dit was ein gröze edelkeit 367, 3. 

ein, in Verbindung mit Präpos. , einander'. I. under ein : zwein 
11, 35. 210, 68. van ein : stein 78,11. üp ein : erschein 85,15. : en- 
gein 91, 10. bi ein : erschein 98, 7. — II. under ein : zwein 274, 20. — 
HI. achter ein : erschein 338 , 13. — IV. under ein : zwein 379 , 33. 
383, 52. 

ein, al ein, als Neutrum, nicht adverb. ,alles eins'. I. dat was en 
al ein : zwein 11, 21. des si al ein : bein 50, 25. ich wene des is si 
al ein : stein 61,41. des si al ein : Gerfein 108, 61. dat is mir al ein: 
stein 146 , 34. burch ind stat was al ein : schein 155, 21. — D. de was 
Mörande al ein : stein 277, 31. 

einich, mhd. senec. I. sal ich ür nu einich sin 83, 25. we sal 
ich ür nu einich sin 175, 25. — V. manch wif wart irs mannes da ei- 
nich : weinich = wenich 472, 13. 

eise, ,Schrecken'. V. we si hedden gesen vil menchen eisen : 
vreisen 404, 29. 

eilen, ,Kraft', mit eilen, oft zur Reimfüllung. I. de zwene bat 
he mit eilen 27, 55. de Vranzösen mit solchen eilen trösten 38, 55. stre- 
den dö mit eilen 43, 15. vächten si mit eilen 82, 27. erslagen mit sol- 
chen eilen 94, 32. Karl mit guden eilen de zwene gesellen dede dragen 
96, 52. ich sal en wal mit eilen vellen 107, 55. Karl zöch mit eilen 
Durendarde 136, 33. he ind sin zwene gesellen höven sich mit eilen üz 
der stat 144 , 33. gewäpent mit al solchem eilen (Hs. sulcher ylen) 150, 
11. Karl mit eilen (Hs. ylen : gesellen) hadde gevalt 152, 7. we si mit 
jemerlichem eilen (Hs. -er ylen) in des vischers hüs quämen 157, 6. — 
in. under den was Compostellen , dar sente Jacob innen lach mit eilen 
(Hs. vil eyllen) 340, 48. storve in harde grözen eilen 346, 28. lachte si 
gevangen mit eilen 363, 47. — V. Apollen inde Machumet swichen (Hs. 
swegen) ir eilen 402, 1 (vgl. Konrad 11, 9). gedenket (Hs. bedencket) 
an ür eilen 402, 27. 468, 65. durch de gröze eilen 486, 38. pleonastisch 
steht es 447, 17, Bl. mit güder eilen (1. güdem e.) winkde sinen gesellen 
447, 17. de dugentlichen eilen den wilt he mit stillen 474, 16. — YK do 
wederreit he sinen gesellen mit vil grözen eilen 456, 60. sinen gesellen 
de dar lägen in eilen zo döde geslagen 459, 9. 

eilen th acht. V. ür aldern haven bracht ür erve an üch vele 
ellenthacht 402, 29. 

enblecken, ,entblössen'. sin lif den he enbleckede (: streckede) 
233, 61. de elter ich endeckede , de heiigen ouch enbleckede (Hs. en- 
deckede) 280, 18. 



— 280 — 

ende. V. der koninc Marseiis dachte mench ende : hende 406, 

21, nach Konrad 12, 34; dieser Gebrauch nur hier. 

enden, das Particip geant mit Rückumlaut erscheint im Reime 
nur in V°, geant : gesant 524, 5 (Hs. geent), woraus zu schliessen ist, dass 
die übrigen Stücke, mit Ausnahme von V und Vc, sowie der Compilator 
nicht so sagten. 

entbin ; den. I. Orias de wort entbant : hant 186, 53. — HL al- 
sus wart he entbunden ,losgesprochen' 321, 44. 

entgesten, ,entkleiden'. I. got möze mich entgesten (: besten) 
mit ere üzer deser wät 147, 16. — II. he begonde sich intgesten : re- 
sten 235, 56. 

enthalden. IV. mözen sich inthalden in velden ind in walden 
, aufhalten, zurückgezogen leben' 377, 15. — V. der keiser sich harte int- 
hielt 430, 13, ,hielt an sich', wer mochte sich des inthalden dan? 466, 
8. der heiden man enthielt sich dö 486, 46. 

enthalt (vgl. behalt). I. dar si enthalt Sicherheit, Zuflucht', ge- 
wunnen 123, 11. an den dat ir hat enthalt, .Rückhalt' : gewalt 213, 43. 
— IL want he enhadde gein enthalt : gewalt 278, 61. dar wänden si 
haven enthalt : balt 284, 51. 

entheiz en, mhd. nur selten und meist im 12. Jahrh. I. ind 
eme de herschaf intheizen (: leizen = liezen), Hs. mit heysschen, 125,46. 
als he si lez inde si eme inthez 139, 9. dö ich üch mine trüwe enthez 
(: lez) 143 , 40. — II. als üch hüde enthezen (: genezen) de fursten 265, 

22. alle samen si eme enthezen : genezen 274, 53. — IV. der gene de 
üch intheizet : heizet 381, 47 ist eine nicht verständige Aenderung von 
Eleg. 451, die ghene die u veet, ,der euch hasst'. — V. als he uns ent- 
heizen hat 397, 11, Konrad 6, 19 geheizen. — Vc. allet dat der here do 
enthez : lez 493, 8. als si eme enthezen : lezen 494, 39. dat enthez he 
Dederiche 530, 20. 

entjehen. IH. alle stede begunden sich [zo] entgein, , ergeben' 
338, 53; oder entgen — entgehen? 

entleiten, , entführen'. I. dese juncfrouwe, de dese böse paltenere 
hant entleit : gekleit 149, 1. 

entlemen, ,lähmen'. HI. dat it de Römer solden nemen ind de 
heiigen kirche intlemen 322, 65. 

entlesten. II. van schänden intlesten : besten 274, 10. 

entlichen. I. he hadde sich entlichen so wale an cleidern, ,sich 
unkenntlich gemacht' (von lieh) 13, 47; vgl. entmachen. 

entliden. HC. ,Das Land stand in Frieden' : dan af wolde it 
Kart entleden 313, 60, ,losmachen'. — Vc. it (das Schwert) hat der düvel 
gesmedet, dar mit du mich hast entledet (Hs. gesmeit : entleit) 528, 40. 

entlochen, partic. von entliuehe. IL min banere entlochen ind 
üp gebunden 219, 26. — V. dat he lach entlochen (: rosse) in einer hor- 
lägen 480, 5. 

entmachen, , verstecken, unkenntlich machen'. I. mit listlichen 



— 281 — 

sachen sal ich mich wal intmachen 10,11. — II. ich sal mich so entma- 
chen mit wonderlichen sachen 258, 67. 

entnemen, , entführen 1 . I. ich wil si entnemen hie 149, 5. 

enträden, ,fürchten' , nur IY. enträde : schade 378, 49. Sieh 
oben S. 77. 

entreden, ,sich von einer Anklage frei machen'. V?. enmach he 
sich niet entreden (: vreden) der schult 512, 42. enmach he sich des ent- 
reden niet 514, 58. of he sich is entreden kan 516, 21. dat he sich 
entreden wolde 516, 44. dat wil ich en entreden (: vreden) mit mime 
live inde leden 521, 59. des mordes entreden : vreden 527, 38. 

entreinen, ,unrein machen'. V c . ind hat ouch (Hs. uch) entrei- 
net sine doufe ind cristenheit 516, 63. 

entsagen, , freisagen' (vgl. entreden in Y e ), in II. ouch enwolde 
he do niet entsagen : gewagen (Hs. entzaven) 220, 10. we Garner vur 
queme ind sin gebot entsechte 244, 31. of dit der wedersache entsät : 
hat ,Lügen straft' 253, 40. ind dat man eme (lies en) entsechte, dat he 
zo sime rechte enmochte komen 254, 37. dat mir niet ensi intsacht (Hs. 
nit sacht) ir helpe (: macht) ,versagt - 264, 5. so he niet enhät entsacht 
(: kracht) wes Galie gesan 273, 31. want dir niet entsät din lief kint 
,versagt' 274, 13. sich entsechte al nä vursten rechte ,frei sagte' 283, 
67. — IH. de Römer eme entsaden (: gestaden) ind zegen en grözer mis- 
sedät, ,versagten ihm' oder , straften ihn Lügen' 322, 47. — V a . de wile 
ich mich is entsagen kan rr entreden, ausser Reim 413, 47. — Vb. ind 
entsäs du eme zo dime heren ,versagst du ihn als deinen Herrn' 449, 14. 

entschumferen, ,berauben'. I. so solde he schere nä siner eren 
uns intschofferen ind intvalden 191, 22. 

entseben, , wahrnehmen' , am meisten in I. entsaven : graven 
3, 54. entsaven (so! Hs. entzunnen) : haven 10, 4. 101,3. 111,43. 134, 
57. 149, 35. 164, 10. 169, 2. 179, 15. 184, 22. 187, 9. entsaven : 
burchgraven 40, 50. 81, 53. : draven 68, 20. : begraven 71, 35. 94, 
62. 183, 36. : gehaven 180, 63. entsüf : hüf 12, 63. 121, 44. — H. 
entsuf : hüf 222, 7. — HI. entsaven : begraven 308 , 58. 318 , 16. 342, 
33. : haven 309, 48. 333, 48. — VI. entsaven : haven 535, 3. : ange- 
haven 538, 35. 

entsten, ,werden'. I. ind mir dit jär zo leide entste : me 195, 
11. — Vc. want mir neket der döt, des enmach ich niet entstän, .ent- 
gehen, frei werden' 510, 57. 

entuon, ,zu Grunde richten'. I. nu moz ich leider sin intdän : 
gevän 46, 36. dat si sullent sin entdän : bestän 196, 7. — HI. dö wart 
he sere undän : län 354, 5; oder ungetan, ,ungehalten' ? — IV. so sit ir 
indän : gän 375, 3. — V. dö wart he harde sere entän : gän 426, 5. de 
Cristen sint entän : gedän 448, 53. Karl ensi dan sere indän : hän 463, 
23. — VI. der buschof wart sere intdän : gän, , erschrak' 536, 65. 

entwesen = äne wesen. H. dö enwolde he id (is?) niet entwe- 
sen : genesen 260, 50. — V c . de heren enwolden niet entwesen (Hs. en- 
beren : genesen) 452, 7. 



— 282 — 

erbalden, ,kühn werden'. I. an dem strit erbalden (Hs. erual- 
den) : gehalden 196, 65. — V. Bl. listlichen dö erbalde (: aide) ,gewann 
Muth' 445, 54. dat herze eme erbalde : aide 446, 60. 

erb ek int. V. want si sint min rechte erfkint 469, 11, nach 
Konr. 263, 16. 

erben. V. dat mir van anbeginne geerft ist 485, 50, nach Konr. 
290, 4. 

erbermede, vgl. bermede. I. si hat erbermede des intfän : wän 
76, 18. 

erdenen, vgl. denen. I. sin swert erdenede (Hs. en dente) he üp 
ho 85, 14. mit zorne he dö erdenede (: verwenede) einen slach 85, 58. 
der slag erdenet was 85, 61. von zorne erdenede he do harde Duren- 
darde 92, 13. mit macht erdenede he sin swert 203, 68. erdenede Du- 
rendarde 204, 24. — IL mit krechte erdenede he dat swert 276, 13. 

ere, adv. antea. V. den si erkanten ere : sere 403, 1. — Va. ere 
: sere 417, 33. 

ergaten (vgl. begaten). I. da wart he mit leve ergat : stat , em- 
pfangen' 208, 32. 

ergeben. I. solde ich nu de wort alle ergeven 46,54. so balde 
Karl sin wort ergaf : ritterschaf 49 , 38. he sine wort ergaf : botschaf 
16, 14. — IL al de rede ergeve 241, 9; vgl. entbinden. 

ergiet, ,Beweis'. V. dat si des hadden ein ergiet (Hs. ergeyt : 
diet) ind dit Urkunde sägen 404, 47. 

ergremen, von gram. V. de heiden wären sere ergremet : ge- 
zemet 481, 1. 

er ho gen, mhd. hügen. I. Karl erhogede sere umb de lovebere 
154, 32. — IV. so bidden ich dat ich werde erhoget : doget 393, 11. 

erjehen, im Particip. ergiet. IL als he selver hat ergiet (: ge- 
biet == gebietet) 280, 39. 

erklären, ,klar, leuchtend machen'. I. do si sus erlich wart ge- 
zeret ind van orde zo ende erkleret 58, 39. 

erkoveren, , erholen'. VI. dat he sich erkoveren niet enmochte 
534, 66. 

erkrigen, , erlangen'. I. dat e herre erkregen konde 45,52. hat 
he sin lant erkregen wale 132 , 32. des he si erkregen mochte 134, 42. 
mit zorne erwarf sich der here ind erkreich (Hs. erkrege) dat schönste 
her 175, 35. doch erkreg B. der here dat vurvechten 194, 62. — III. dat 
he erkreich (Hs. her kreich) an gode 340, 28. — V a . heddestu de cristen- 
heit e erkregen : gedegen 417, 34. 

erlengen. V. erlenge mir den dach 460, 1. dat si (die Sonne) 
sich erlengen moze 485, 3. 

erlingen. V. ovel is en erlungen : bedwungen 408, 14. ovel 
was en erlungen : drungen 432, 11. he wände eme were wal erlungen : 
drungen 481, 47. — Vc. we is en erlungen? 497, 60. Konrad hat er- 
lingen keinmal. 

ermeren, ,mehren'. I. dat (lies des) wolde ich gerne ermeren 



— 283 — 

mtnen pris ind minen lof 49, 18. dat solt ir allet morne ermeren : eren 
60, 35. den pris den ir üch hat ermeret : geeret 70, 1. eme was sin 
vrouwede ermeret 92, 32. — II. sich ermeren an güde of an eren 238, 
37. — V. dar mach sich unse heil ermeren 399, 20. de cristenheit er- 
meren 442, 64. unsen denst an üch ermeren 478, 53. — V b . unsen scha- 
den ermeren : keren 488, 3. — V c . sin richdüm ermeren : eren 492, 53. wil 
dir ermeren dine gewalt ind richdüm 495, 25. 

erriten (sieh beriten). III. so wen he dar erreit : arbeit 313, 
64. — Vc. dat he dat wilt dar üp erreit : wärheit 518, 58. erreit en 
mit gewalt 519, 3. 

ersweizen, von sweiz. I. möze ich noch hüde ersweizen : hei- 
zen 49, 32. 

ertouben, ,betäuben'. IL so sere en erdovede (: hovede) der 
slach 272, 27. 

ervaren, ,kennen lernen'. I. zo ervaren ere mildicheit 11,54. — 
V c . dar ich de wärheit ervare : dare 503, 32. 504, 51. ir solt ervaren 
de wärheit 505, 14. 

er v ere, ,Furcht'. I. hedden gein ervere : were 51, 43. gewan 
alsulch ervere : were 66, 23. he enhadde gein ervere : here 152, 39. 
so solde he is haven gröz ervere : sere 176, 11. — II. dat si gröz er- 
vere (: gebere) intfengen 255, 15. sunder ervere : sere 271, 43. : were 
273, 54. an ervere : sere 275, 42. — III. nam des gröz ervere : here 
329, 65. sunder einich ervere : sere 331, 18. 

er v eren, , erschrecken', sich erveren, ,sich fürchten', auch verve- 
ren. I. du solt dich es niet ververen : juncheren 7 , 23. begonde sich 
erveren (Hs. erweren : juncheren) 7, 45. G. sich niet erverde 10, 1. en- 
darf sich niet erveren : eren 20, 53. erveret niet! 22, 3. sunder erve- 
ren : juncheren 23, 42. ir endorft es üch niet erveren : keren 33, 25. 
plagen si sich zo erveren : keren 39, 9. begunde zo erveren 42, 24. 
sunder ervßren : keren 43, 7. 63, 15. 90, 56. 178, 11. begunde sich zo 
erveren : keren 43, 26. wart erveret : gekeret 66, 18. salt ir üch niet 
erveren : keren 76, 16. enverde sich niet 79, 13. sich mochten erve- 
ren : keren 81, 4. unververet 103, 32. begonde sich erveren : weren 
104, 56. der mochte sinre wal erveren, ,für sich fürchten' 117, 43. was 
erveret 144, 14. erveret üch niet 165, 21. des bin ich niet erveret 174, 
34. was niet ververet 181, 65. dat ich mich hie erveren 191, 18. sich 
begunde erveren 192, 53. he erverde menchen heiden 203, 26. enwolde 
sich niet erveren 203, 43. der er sich erveret 211, 38. Gr. erveren sich 
began 212, 1. sere wart si ouch erveret 215, 28. Der intransitive Ge- 
brauch ohne sich scheint immer auf falscher Ueberlieferung zu beruhen. 
— IL begunde sich zo erveren 229, 42. want si sich sere erverde 234, 
44. äne erveren 237, 3. wes mach ich mich erveren 240, 38. R. sich 
erverde 255, 8. kleine he sichs erverde 259, 59. R. des erverde sich 
267, 3. sunder erveren 268, 47. 272, 29. 273, 36. 276, 52. 277, 23. 
he en erverde sich niet 275, 12. unververet 273 , 53. — III. ir solt üch 
niet erveren 303, 25. der keiser enwas niet zo erveren 345, 7. unver- 



— 284 — 

veret 348, 43. si wurden sere erveret 371, 15. — IV. sit ir ververet? 
385, 55. de vrouwe wart erveret 386, 60. dat minen sin erveret 388, 
24. — V». Karl erverde sich 422 , 12. des begunden de heiden sich er- 
veren 422, 52. — V&. des endorte he sich niet erveren 450, 10. si be- 
gunden sich sere zo erveren 453, 8. — Vc. unververde 492, 28. Dem- 
nach scheint der Gebrauch von ervere und erveren für V und V c gar 
nicht zuzugeben. — VI. he enschede ververt van dan 539, 44. 

ervolgen, , erreichen'. I. Dederich ervolgede Galafers 42, 31. 

erwägen, ,beben'. V. de steinen hüs erwageden : verzageden 
404, 4, nach Konr. 11, 4. 

esterich, ,Estrich'. IL dreckede si neder üp den esterich : sich 
232, 1. — Vc. vel over den esterich : sich 509, 38. 

e warte, ,Priester'. V. de vil leve godes ewarte : harte (Hs. 
vruunde) 405, 12. 

gaabe, ,angenehm'. I. sin gebere dat was geve ind schone 
198, 24. 

g aleide, ,SchifF. V. galeiden ind barken 461, 12; Konr. 248, 16 
galine. 

gamen, ,Scherz', häufig zur Reimausfüllung. I. in grözer plischaf 
inde gamen : samen 122, 52. des lachede he ind hadde is gamen (Hs. 
glorien) : samen 164 , 62. mit grözer blischaf inde gamen 172 , 49. al- 
sus reit Karl in grdzem gamen 207, 58. sunder valschen (Hs. velschem) 
gamen 211, 21. — HI. mit vele grözem gamen (: samen) 351, 30. — V. 
mit grözer vroude ind gamen : samen 447, 19. st reiden also lange von 
manne zo manne mit gamen : samen 447 , 57. mit grozem gamen (: sa- 
men) kerden si an de cristen 484, 44, vgl. oben S. 142. — Va. de hei- 
den heldens (heddens?) eren gamen : samen 421, 52. — V c . de boden 
antworden eme mit gamen : samen 498, 1. — VI. ind bat en mit grozem 
gamen : lichamen 533, 58. 

gän. Die 3. Pers. Präs. lautet häufig geit. I. geit : bereit 60, 
26. : gemeit 72, 12. 99, 39. : geleit 112, 2. — Va. : neit 416, 24. — 
Vb. geit : reit 458, 34. 

gar, adj. ,bereit' (vgl. wiegar). V. als he was dar al gare : dare 
vollständig gewaffnet' 469, 48. zo dem döde sit ir gereit gare : schare 
444, 51, wo wahrscheinlich gereit Zusatz des Abschreibers oder Compi- 
lators ist, der das Metrum stört, Konrad 61, 13, ir birt alle zuo dem 
töde wole gare, de was wal gare : schare 470, 58. der was ritterlichen 
gare : schare 471, 1. zo stürme harde wale gare 472, 16. — V*>. he was 
zo stride wäle gare : geware 454, 33. 

garwe, das Adv. lautet immer gar; nur zweimal scheint garwe 
hergestellt werden zu müssen. I. wandelde ir de varwe ind wart ge- 
schaffen garwe (Hs. varue : dare) 162, 50, wiewohl man auch lesen könnte 
var : gar. — Vc ir schöne varwe was verswarzet garwe 510, 30 (Hs. 
varue : gare). 

gat, ,Thor, Gatter'. IV. her nä döt ein ander machen dat gat : 
bat 384, 60. 



— 285 — 

gate, gegate, , Genosse'. V*. sines Schildes envant man gein ge- 
gaden : geschaden 415, 28. 

gater, ,zusammen'. I. allet gader : vader 26, 58. 31, 4. alle 
gader : vader 53, 53. 58, 11. 100, 15. aller gader : vader 132, 34. — 
n. vader : zogader (engl, together) 242, 27. : allegader 246, 30. 290, 
69. — III. vader : allegader 302, 38. — IV. vader : allegader 376, 14. 
394, 49. - V. vader : allegader 429, 9. 470, 2. 475, 30. 481, 42. stief- 
vader : allegader 440, 8. — Y a . vader : allegader 418, 14. 419, 49. — 

— Vb. 452, 61. Vgl. auch vergaderinge I, 39, 41. 

gebenze. V. sin gebenze was so groz, dat is de heiden alle ver- 
dröz 444, 28, vgl. Konr. 60, 20 lanc was er gewahsen, groz sin gebeine. 
duo sprächen die heiden. Sollte gebenze aus gebeine entstellt sein? 

geberen, ,sich geberden'. I. geberen : erveren 191, 17. — V. ge- 
beren : heren 467 , 26. geberes : besweres 488, 31. gebere : were 489, 
38. — Vc. gebere : swere 501, 40. geberen : weren 506, 41. 507, 27. 
In Vc daneben gebären, gebäret : wäret 511, 17, auch wohl hez de 
lüde over al vrolichen gebären de da mit eme wären (Hs. geberen : we- 
ren) 512, 65. 

gebrech, ,Mangel'. III. hilf uns, here, äne gebrech weder üp 
den rechten wech 330, 21, den Reim füllend. 

gebrechte (vgl. bracht). I. als de forsten mit gebrechte dar we- 
ren komen 17, 31. — II. we groz is din gebrechte : gesiechte 240, 55. 
mit grozem gebrechte : knechte 270, 36. — III. der was ein groz ge- 
brechte : knechte 296, 3. mit grozem gebrechte : knechte 296, 15. Trotz 
dieser zwei Stellen glaube ich nicht, dass gebrechte dem Compilator zu- 
kommt , wie er auch bracht nicht hat. Die Schilderung hier ist eine 
Nachahmung der Festbeschreibung am Schlüsse von II und aus ihr sind 
einzelne Ausdrücke aufgenommen. Der Compilator ist ganz arm an De- 
tailschilderungen; im Gegentheil, er kürzt solche ab. 

geburen, ,gebühren\ I. dat it in dan zo geburde : wurde 6, 10. 
dat eme zo rechte an geburde : wurde 28, 40. vele baz dan (Hs. dat) 
en geburde : vulburde 126, 30. als it ir wal geburde : wurde 174, 42. 

— m. neme niet me dan sin gebure : vure 344, 45. 

gecke, ,thöricht', auch wohl ,verzagt'. I. dump geck! 3, 19. — 
V. we wenet he mich so (Hs. zo) gecken : trecken 468, 19 ; vgl. Konr. 262, 
6 wie waiz er mich so waichen : straichen. 

ge ekel ich. I. ich dede geckeliche 100, 61. we sprechestu so 
geckeliche 104, 15. — II. da ich mins vader riche also geckeliche rü- 
mede 273, 22. 

gedacht, , Gedanke'. I. do stont Davit in menchem gedacht : du 
macht 7, 15. wan si lach in menchem gedacht : nacht 36, 54. van der 
gedacht : nacht 61, 12. was in mencher gedacht : nacht 74 , 32. — IH. 
mit deser list ind gedacht : bracht 351, 45. — IV. quam in ander ge- 
dachte : brachte 374 , 37 (fehlt im Elegast). he was in menchem ge- 
dachte : machte 376, 35. dat he ir sechte sine gedachte : machte 387, 4. 
ich sal it vorderen nä minre gedacht : gemacht 388, 61. 



— 286 — 

gedalz. I. da wart ein michel gedalz : malz? 113, 60. 

gedanc {— gedacht). Yc. he hat menltchen gedanc : lanc523, 62. 

gedäne, .Benehmen'. I. ich hän an sime gedäne (lies sinre ge- 
däne) vernomen 108, 62. — VI. gelich dem lewen nä gedäne : ane 
539, 34. 

ge dinge. V. der heiden gedinge ,Bedingung, Vertrag' 437, 29, 
vgl. Konrad 42, 13. sint zo desem gedinge ind zo desem räde komen 
438, 52. lät van desem gedinge, ,Hoffnung' 439, GG. he verkochte in 
mit gedinge 447, 35 (vgl. Konr. 70, 16), an allen Stellen im Reime. 

gedöz, , Getöse, Lärm'. I. dar was so michel gedöz : verdröz 
105, 22. op dat he endein gedöz (: gröz) enmachte 181, 18. — II. da was 
schal ind gedöz : gröz 292, 4. — Y. dö schal üz dem gedöze (: gröze) 
dat hörn 480, 49. höf sich zo dem gedöze : gröze 481, 21. 

gedranc, ,Gedränge'. I. ein gröz gedranc : gewanc 181, 35. — 
Yc. dö wart da gröz gedranc : sanc 511, 43. 

gedräte, soviel als dräte, das auch vorkommt. I. vil gedräde : 
Hanfräde 8, 48. dräte reimt auf späte 15, 6. : Hanfräte 16, 46. : rate 
112, 6. gar dräde : späde 75, 63 ist vielleicht aus gedräde entstellt. — 
II. gedräde : räde (Hs. gerade : rade) 247, 48. dräde : räde 266 , 42. — 
m. gedräde : räde 332, 29. dräde (Hs. trade) : räde 332, 56. — Y. he 
sprach zo en gedräde (Hs. gerade) : räde 406, 28. gedräde : verräde 407, 
64. gedräde[n] : geraden 426, 8. gedräde (Hs. gerade) : räde 437, 6. 
: späde 470, 64. — Yc. gedräde (Hs. gerade) : kemenäde 498, 57. 

gedüs, ,Lärm' (vgl. gedöz). IH. he" reit mit desem gedüse : klüse 
306, 47. — Y. dar hörte man gröz gedüs : hüs 460, 43. 

gefizelieret, dasselbe was geassinieret. I. de so wale sint geze- 
ret, op eren rossen gefitzelieret 50, 15. 

gegen. Diese Form der Präpos. ist durch Reim gesichert in I. 
entgegen : legen 40, 55. 79, 15. 200, 47. daneben gän, was die Hs. 
ausser Reim gewöhnlich setzt, in entgän : hän 188, 46. — Yc. entgegen : 
degen 494, 4. 519, 32. gän sagt auch HL entgän : wän 354, 14. Y 
sagt gagen, engagen : erslagen 475, 49. : verzagen 479, 50. 

gehandelen (vgl. handelen). I. he mach sich entuschen so ge- 
handelen, he sol es werden frö 20, 50. 

gehengen, , erlauben'. I. of mir got des wolde gehengen : brengen 
25 , 62. of uns got wolde gehengen : brengen 27 , 7. - IL wolde ge- 
hengen dat man en vur moste brengen 248, 8. e ich (Hs. ouch) des ge- 
hengen, dat . . 248 , 23. dö is Karl wolde gehengen 248 , 33. wilt es 
eme gehengen Machumet 266, 5. si enwouldens niet gehengen : lengen 
267, 20. dat he irme ömen wolde gehengen : lengen 277, 59. — HI. des 
niet en gehengen : brengen 299, 18. der enwolde is niet gehengen : 
lengen 299, 46. got gehengede dö den heiden 328, 14. of is eme got 
wolde gehengen 350, 27. wolde is eme got gehengen : brengen 355, 14. 
ebenso verhengen. got is verhengede : lengede 315, 53. — IY. he en- 
wolde des niet gehengen : brengen 385, 6. — Y. want got enwolde is 
gehengen niet 479, 58. got ensal des niet gehengen : brengen 484, 28; 



— 287 — 

zwar ist hier gehengen vom Abschreiber getilgt und gestaden gesetzt, 
reimend auf gesehaden, aber es fehlt ein Vers. — Va. f is eme got 
wolde gehengen : dwingen 425, 32. — Y<\ wilt mirs got gehengen : 
brengen 518, 47. 

gehere, dasselbe was here. I. Pipins des koninges gehere (: je- 
gere) 6, 48. de schöne juncvrouwe gehere (: unmere) 26, 41. Bremunt 
der koninc gehere (: mere) 46, 59. juncfrou gehere (: ere) 70, 52. ritter 
gehere (: were) 106, 40. mit Galafers dem gehören (: meren) 111, 52. 
der vere (Ferge) was kondich ind gehere (: were) 135, 63. Marie maget 
gehere (: sere) 158. 1. kone ind gehere (: sere) 181, 63. — II. vrouwe 
gehere (: ere) 274, 11. — HL de heiige döfe gehere (: here) 305, 10. ein 
buschdüm wal gehere (: were) 312, 15. des heiltums gehere (: here) 332, 
51. de lichnäme vele gehere (: gewere) 322, 58. van der koninginne 
gehere (: mere) 323, 54. de (misse) horte vil gehere Karl der koninc here 
325, 7. sine boden vele gehere (: keisere) 327, 62. der heiigen kirchen 
gehere (: mere) 328, 50. vunf monster vil gehere (: ere) 342, 40. ein 
schone monster vele gehere (: ere) 346, 23. — V. so wat is dat geherste 
(: erste) 401, 7. erslögen vele gehere (: sere) menchen beiden 403, 62. 
den engel gehere (: were) 404, 39. al de werlt gehere (: were) 427, 5. 
doch is si (die Taufe) so gehere (: unmere) 435, 56. ein vurste gehere : 
(: mere) 440, 18. de zwölf vursten vele gehere 446, 28. der (Hs. des) 
godes engel gehere (: here) 465. 6. — Va. geine vrouwe so gehere (: were) 
409, 2. mine dochter gehere (: ere) 409, 58. von Karle gehere (: mere) 
413, 52. der degen gehere (: were) 419, 45. — Vb. de (Hs. der) engel 
vil gehere (: mere) 457, 36. — Vc. de brülocht gehere (: here) 498, 48. 
de maget gehere (: sere) 503, 19. 504, 47. 505, 11. 

gekos, , Gerede'. II. gröz geruchte ind gekös (: genoz) 245, 40. 

gekrüte, ,Kräuterwerk'. tH. mit edelem gekrüde 317, 33. 

geküde, vgl. mhd. küt. I. si lefen ouch mit zornes geküde (: lüde 
= Hute) nä s werden 23, 48. 

gelach. I. dö wart do ein gröz gelach (: stach) , Gelächter 108, 
22. dö wart ein gelach (: sprach) 129 , 39. nu wart dö ein gröz gelach 
(: bach) 187, 41. 

geläz, , Benehmen', vgl. geläzen. I. sin geläz was lovebere 50, 
47. sin geläz was so ritterlich 56 , 47. sin geläz ind sin gebere 88, 55. 
an sime geläze ind geleden 142, 48. ur geläz (Hs. geleyz) ür wise zale 

165, 9. — HI. sin geläz was vreislich 358, 32, also nirgend im Reim. 

geläzen, ,sich benehmen, geberden'. I. we si geleizen, w6 si ge- 
berden 40 , 39. si geleizen op eren rossen dö 51 , 40. he geleiz der 
selve junchere 56, 49. we he geleiz, we he vur dranc 79, 42. he geleiz 
so sere vreiseliche 81 , 3. si geleizen dogencliche 82 , 20. si geleizen 
als de juncfrouwen 98 , 9. der edel ritter geleiz , of he zo speie soulde 
gänll5, 50. wan ir juncfrouwe geleiz also 143,11. si enwiste mit mäzen 
we mit ir geläzen. si was erer van herzen vrö, dat si wal geleiz also 

166, 55. mer er zwä juncfrouwen geleizen also 170, 65. Gerfein konde 
geläzen wale 183 ,61. do begunde he springen ind geläzen harde sere 



— 288 — 

uz der mäzen 186, 34. si geleiz also mit sinne 212, 7. — HL geleizen 
in dem stride , of si allet mit nide woulden erslän 357 , 63. Vielleicht 
kommt geläz wie geläzen nur I zu; für LEI beweist kein Reim. 

gelfe, ,Uebermuth { . V. dat ich gestille Karies gelfe (: helfe) 461, 
39, vgl. Konrad 248, 27. — Vc. der hömöt mit dem gelpe (: helpe) 
494, 23. 

gelich, Subst. ,Bild'. HE. ein bilde nä des nüwen keisers gliche 
r. riche) 322, 30. in desem geliche hadde dat romsche riche gestanden 
322 , 36. hie steit Karl des keisers gelich (: mich) gewäpent harde 
schone 328, 53. 

geliehen, ,gefallen'. V. dat mach dir wol geliehen (: intwi- 
chen) 483, 68. 

gelüt, ,Läuten'. IV. dar was van siegen gröz gelüt (: hüt) 
379, 53. 

gemanc, , Gemenge'. I. da wart ein michel gemanc (: dranc) 
117, 8. 

gemeine, Subst., ,Heer'. III. do besagen si ir gemeine : der 
was harde deine 304, 23. Agolantz gemeine was so gröz (: deine) 343, 
9. — V. dat uns niet endouch dat vechten weder de sine gemeine (: deine) 
406, 38. gröz is unse gemeine (: alleine) 463, 41. 

gemeit, ,fröhlich'. I. der edel koninc gemeit (: mildecheit) 11, 
55. de broder gemeit (: wisheit) 14, 46. Karl dat kint gemeit (: unwir- 
dicheit) 15,39. (: leit) 16, 24. G. ind sin man gemeit (: wärheit) 23, 60. 
G. der edel heide gemeit (: deit) 32, 42. he mochte is wal sin gemeit 
(: Schönheit) 34, 36. de heiden Tolleten gemeit (: bereit) 37, 54. der 
koninc gemeit (: bereit) 39, 1. 56, 31. vrö ind gemeit 51, 14. 54, 11. 
: reit 57, 21. : gereit 208, 34. de kone Vranzosen gemeit (: wärheit) 
54, 41. quam Galiä walgemeit (: gecleit) 58, 60. K. der helt gemeit 
(: bereit) 63, 36. vur allen minen junevrouwen gemeit (: heimlicheit) 70, 
43. Galiä de junevrouwe gemeit (: geit) 72, 13. mit menchem Zarrazene 
gemeit (: bereit) 78, 50. dar üp saz der hßre gemeit (: geleit) 108, 4. 
got mache mich also gemeit (: stedicheit) 110, 1. mit menchem stolzen 
helde gemeit (: bereit) 114, 40. si lefen beide gemeit (: gebeit) 143, 14. 
der ritter gemeit (: reit) 148, 45. de Vranzosen gemeit (: bereit) 197, 25. 
mochte des wal sin gemeit (: reit) 207, 63. yan vrouwen sin gemeit 
(: wärheit) 212, 42. — H. vro ind gemeit 230, 25. 291, 21. 291, 71. — 
TTT . der heiigen kirchen gemeit 310, 48. dat ewangelium gemeit 326, 32. 
Karl der keiser gemeit 328,5. den Cristen gemeit 348, 11. vro ind ge- 
meit 355 , 21. 356 , 1. der koninc gemeit 355 , 50. des sit sicher ind 
gemeit 370, 44, überall im Reim. — V. unvrö ind ungemeit 444, 24. des 
was sin herze vil gemeit 472, 28. ein degen wal gemeit 473, 36. — 
V». vrö ind gemeit 425, 7. — Vc. de helde gemeit 493, 23. Alden de 
gemeiden (: leiden) 498, 64. 

gemelich (vgl. gamen) ,fröhlich'. I. mit gemelichen Sachen 10, 
22. in so gemelicher mäzen 19, 25. gemelichen vur strichen 159, 19. 



— 289 — 

II. it duchte si doch gemelich (: sich) 277, 43. manch harde gemelich 
man 287, 63. 

gemelicheit, ,Fröhlichkeit'. I. noch was it groze gemelicheit 
(: deit) 18, 46. 

gern icke. HL so nam der keiser in de hant eine glavie dicke, 
de was wol sin gemicke 331, 34. 

gemöt, .Begegnung im Kampfe'. I. eme quam in sin gemot Lo- 
rin ein köne ritter göt 116, 37. he quam zohant in sin gemöt (: göt) 
178, 4. so quam he eme in sin gemot (: got) 193, 8. harde koneliche 
quam he eme in sin gemot (: got) 203, 46. — II. he quam balde in sin 
gemüt (: gebot = gebüezet) 275, 13. — IV. dö si quämen zo gemote (: grote) 
378,31. — Das Verbum gemoten IV. dö he mir gemote .(: grote) 378,42. 

genanne, ,der den gleichen Namen trägt. 111. ein schar düvele 
siner genannen (: verbannen) 341, 45. 

gene, mit dem Artikel der gene, ,derjenige, der bezeichnete, ge- 
nannte'. I. üp den genen Höderich 3, 26. des hedde der ghene dein 
gewin 24, 20. dat si der gener heden erslagen döt dri hundert 24], 62. 
de gene van beiden siden 25, 8. dese begonde de genen van 40, 58. 
an den genen, de he erslöch 42, 20. so däden alle de gene dö, de zo 
Tolet inne wären 70, 12. den genen, de uns dö dede dragen angest 99, 
35. dat Karl den genen neder stach 108, 21. zo den genen van Paris 
117, 12. wist ich wer der gene were, de mir nu ref so sere 136, 9. 
der gene (Hs. geinre) der G. porte verwaren plach 140, 17. de schozzen, 
de gene herden, de gene däden er kracht, dese zonten ere macht, de 
genen gengen zo den zinnen, dese werden van enbinnen, dese helden sich 
mit nide, de genen stalten sich zo stride 179, 66. it is de gene de er- 
slöch 191, 6 ff. — HE. der genre, de hedden geblant Leo 326, 38. dat 
dede den genen we, de Karl da hadde geläzen 343, 5. — IV. we der 
gene wesen mochte 378, 38. de gene de üch hazzen 381, 51. dar he' 
alle de gene mede släfen dede binnen dem sale 386, 22. — V. so si sprä- 
chen de gene (: funfzene) 436, 38. de gene begunde he alle manen 436, 
57. ind lachten aldä neder des genen Wellis rät 438, 11. B. hez sich 
ilen alle de gene ind machen ever scharen zene 476, 63. — Vt>. ind lä- 
zet den (Hs. de) genen don de dat , der den besten pris hat 454, 21. — 
Vc. dat he den (Hs. de) genen were benomen, den Karl en hedde bevo- 
len 493 , 18. — VI. vur der geinre heil , de gerne willen geven 534 , 1. 
Im Reim also nur in V zweimal; als Gegensatz zu dieser 3 dieser und jener' 
nur in I. 

geneme. IV. he hadde dat erste geneme ,Raub, Beute' van dem 
sadel umb dat gewin (: unbequeme) 386, 48. 

genenden, ,sich erkühnen'. I. si saden ,Dävid, genende! (: ende) 
13, 63. wir soullen genenden an dat selve 18, 38. man sach da wal ge- 
nenden (: enden) de edelen ritter 82, 18. Evert begonde genenden (: hen- 
den) 83, 33. Karl genande (: lande) 92, 26. da sach man dö genenden 
(: henden) den vrien man 118, 13. mer si endorsten niet genenden (: en- 
den) 124, 12. Galie dö an got genande (: schände) 165, 35. — IL de 

19 



— 280 — 

broder genanden (: randen) 264, 57. Mörant zohant genande (: ande) 
279, 36. — V. ein lieidenesch man genante. (: rante) 404, 8. 

genendich, ,kükn'. I. Alexander was genendich ,külm' 122, 47. 

— genendeclich. I. so reit he vort genendecliche (: Afriche) 89, 12. 

gepac, , Gepäck'. I. Karies last ind sin gepac (: sac) dat was 
ein flesche lederin 135, 25. 

ger. In III als Flickwort, um einen Keim zu gewinnen, der kei- 
ser samende dö ein her mit vil grozer ger 329, 35. ich bin dem Cristus 
ref van dem mer van G. mit grozer ger 337, 43. dat ich dir sagen mit 
grozer ger (: her) 337, 55. in dat lant Alandalüf mit ger (: mer) 341, 
31. samende mit vil grozer ger ein michel her 347,51. durchbrach dat 
her mit grozer ger 372, 23. — Ebenso in IV. Eckerich quam mit [der] 
grozer ger (: her) 393, 27; vgl. Elegast 1295. 

ger, , Speer. V. einen grözen kolveger (: ser) 403, 51. 

gerachen. III. dat man hie busdüm machte, dar man it beste 
gerachte 312 , 22. dat he dar woulde dön machen, of man dat mochte 
gerachen, ein mqnster 319, 26. van werke wal gerächt (: gemacht) 341, 
33; die Bedeutung ,ins Werk setzen, vollenden'. — IV. gröze siege ind 
unsachte, de den andern gerachte , erreichte' 379, 48. mocht ich des 
meisters hüs gerachen (: machen) 384, 42. mochten wir nu her in gera- 
chen (: machen; die Keimzeile fehlt, vgl. Elegast 740) 384, 59. 

gerade. V. so en erwurpet mit eime steine ein böse gebür ge- 
rade (: schade) ,zufällig' 399, 54. 

ger de, Subst., ,Begehren, Verlangen'. III. des hadden si vil 
gröze gerde (: erde) 318, 12. ind entfenc mit grozer gerde (: werde) 
368, 51. 

gere, ,Schoss'. II. nemet Galien mit dem geren ,beim Schosse' 
(: sweren) 270, 12. he nam bi dem geren (: heren) sine vrouwen Galien 
270, 30, vgl. K. A. 158. 

gerech, , Gelingen'. I. got geve en ere ind gerech (: wech = 
wec) 135, 40. 

gerechte, ,bereit, gerüstet'. I. dat he mit gerechtem möde de 
schöne manheit hadde gedän 123, 39. 

gerichte, ,Essen'. I. menich gerichte brachte man en zö 12, 8. 
we mancher hande gerichte (: gesichte) de drusseten vure drögen 21, 8. 

— II. van eilen den gerichten (: gesichten) de da de trusseten vure drö- 
gen 291, 45. 

geringe, V. der keiser antworde dar geringe (: gedinge) 439, 
65, bloss um einen ungenauen Keim zu entfernen. 

gerucht, Rufen'. I. dat gröze geruchte in dem sale 25, 30. — 
III. de beiden hörten dat geruchte 369, 29. — V. ,Feldgeschrei'. dat 
dat unse geruchte si 474, 53. dit geruchte refen si da 474, 61; Konrad 
272, 15 hat zaichen. de beiden refen ir geruchde 479, 47. 485, 32. 

ger um, ,Kaum'. I. alse he gerüm mochte hau 137, 49. he machde 
eine ein gröz gerüm (: krum) 199, 45. Karl machde ein vil gröz gerüm 
: schüm) 203 , 33. da he küme mit ir mocht sitzen in gerüme 211, 44. 



- 291 - 

geschehe n, im conj. präs. geschie statt geschehe. I. geschie : hie 
28, 30. 64, 11. 93, 27. 104, 14. 107, 33. 143), 6. 149, 4. 168, 39. 
: nie 189, 41. — IL geschie : nie 229, 13. : hie 253, 56. : knie 266, 14. 

— Im partic. präter. geschiet (Hs. gescheit) statt geschehen. I. geschiet: 
gehet (liegt) 25, 28. : liet 73, 7. : misseschiet : niet 69, 14. is ge- 
schiet : versiet 98, 31. : niet 140, 42. 151, 49. 153, 12. 154, 2. 174, 
24. 185, 56. 189, 27. 191, 61. 207, 46. : liet 193, 47. : versiet 174, 
41. geschieht : nicht steht 171, 50, darnach könnte man überall schrei- 
ben geschieht und für liet licht, wie sacht für saget, sachte für sagete. 

— II. geschiet : niet 250, 45. : ergiet (= ergibet, hier wäre ergicht : 
nicht unstatthaft) 289, 64. — EI. geschiet : niet 297, 8. 300, 42. 325, 
19. 325, 57. 327, 18. 329, 32 (lies niet). 332, 7. 333, 59. 334, 53. 
337,10. 359,12.38. 365,11. 367,13. 372,64. vielleicht auch 331, 
3. 339, 10. — IV. geschiet : niet 386, 4. — Y. geschiet : niet 460, 12. 
: diet 462, 35. — V>. geschiet : niet 422, 2. 424, 20. — Vt>. geschiet : 
diet 459, 25. — YI. geschiet : niet 534, 45. 537, 12. 539, 3. 539, 65. 

gescheit, , Scheiden'. I. alsus wart dö ein gescheit (: leit) van 
Karle ind van Galien 60, 3. — III. in desem gescheide bleven si ge- 
vrunde beide 335, 21. 

gescheit, , Schelten'. IL da hörde man vlöchen ind gescheit 
(: velt) 262, 61. als Karl hörte dit gescheit (: velt) 266, 23. 

gesiune. YI. so was sin gesiune vreislich , Anblick' 539, 40. 

g es lacht. I. de were koninges geslacht (: bracht, Hs. gesiecht) 
35, 17. 

gestöz. I. doch wart it allet ein gestöz (: gröz) weder dat volc, 
dat Bremunt üz hadde bracht ,ein Nichts' 47, 38. 

geswäse. I. so quam Godin gevarn üzer der porten ungeswäse 
(: Oriäse) ,ungestüm' 177, 70. wohl auch: oueh sprächen dö geswäse 
(Hs. geduase) , sanft' beide vrouwen ind junefrouwen 178, 45. 

geval (vgl. ungeval). I. dat he dan mit gevalle (: alle) Karl mit 
eme zockede 17 , 33. ir hat mir mit gevalle (: alle) dicke geholpen mi- 
ner eren 60, 33. verleint mer schere gut geval , Glück' (: sal) 65, 8. dö 
si vernam mit gevalle (: alle) 144,47. — IV. ich engewan ne geval (: sal) 
, Glück' 380, 14; vgl. Elegast 436. wir enhedden dan got geval (: al) 
388, 44. 

geve, .feindlich gesinnt'. H. de den deven wären geve (Hs. ge ne) 
: me 285,1. — Vb, de Rolande wären alle geve (Hs. genee) : me 452, 25. 

geverde, ,Fährlichkeit'. "VT), sunder einicher hande geverde 
(: swerde) 455, 1. 

geve rieh, ,nachstellend\ I. de den beiden geverich wären 180, 
67; wohl besser geve, ,feindlich gesinnt'. 

geverte. V. dat vleisch mit dem andern geverte (: swerte) schar 
it af 480, 33. 

gevolgich. I. des sal ich gevolgich sin 101, 20. 

gewach (vgl. gewagen), .Erwähnung'. I. wanne dis nu wirt ge- 
wachj so is komen mins ruwen slach 152 ^ 4. des enweiz (ich) kein ge- 

19* 



— 292 - 

wach (: geschach) 153, 45. dat he van eme kein gewach (: lach) endede 
157, 24. an Orias ind ouch noch me gewach (: lach) wart gedän 159, 44. 
— IL e is der schale horde gewach (: lach) 247, 4. 

gewalt, Dat. gewelde. I. mit gewelde (: velde) 43 , 18. 81, 55. 
177, 1. 

gewanc. I. dar wart ein michel gewanc (: gedranc) vom Kampfe 
gesagt ,Hin- und Herweichen' 181, 35; doch vgl. gemanc. 

gewarheit, Sicherheit, Vorsicht'. Vc. nu schaffet unse hüde mit 
grözer gewarheide 500, 9. dat däden si durch gewarheit (: stolzheit) 527, 
18; wohl auch hez mit grozer gewarheit (Hs. warheit) dem volke gebe- 
den 506, 42. 

gewen, ,gähnen, seufzen'. I. Galie begunde gewen (: ewen) ind 
van leide suchten harde 160, 7. 

gewer, häufig als reimausfüllendes Flickwort. I. dat si balde 
mit gewere (: here) zo hulpe quemen 39, 55. do si sich niet ensazten 
(Hs. entsagent) zo gewere (Hs. -en : here) 43, 33. dat meste here, dat 
e here mit gewere erkrigen konde 45, 51. de lägen mit gewere (: here) 
47, 60. dat he wol mit gewere (: here) riden mach 97, 49. dat wir 
mit goder gewer durchriden mögen (: her) 98, 44. ir macht ind ir ge- 
wer (: her) 105, 6. dö ref he sere in er gewer (: her) 106, 39. ind he 
en schoesse al ir gewer (: her) 111, 55. schaffent ür gewer (: her) 115, 
39. — IL brenget mir birve lüde mit gewere (: here) 240, 52. — HL 
sehr häufig, mit menchem (menlichem?) gewer (: her) 297, 5^. he satte 
sich zo gewere (: here) 297, 64. 306, 55. 339, 14. 344, 59. mit men- 
chem gewer (: her) 303, 15. 311, 59. 338, 45. eme volgede mench 
man mit gewer (: her) 349, 42. düsent ridder mit güdem gewer (: her) 
354 j 39. quemet ir mit gewer (: her) 364 ,6. — V. ein sper dat satte 
he zo gewer 481, 8. — Vb. mit al irme gewer (: her) 452, 49. sich 
setzen zo gewer (: Beringer) 453, 17. — V c . mit sime her ind ouch mit 
irme gewer 492, 26. üp eime ros mit sime gewer (: her) 513, 48. 

gewerde. IV. dat ich nam van sime schätze sulch gewerde 
(: perde) /Werthgegenstände' 389, 23; aber Elegast 1024 hat scaerden : 
paerden, vgl. scharde. 

gewerf, ,Thätigkeit', von werben, mhd. gewerft, gewerbe. V. sin 
gewerf was da vele gröz 402, 62. 

gewicht. IV. umb gein gewicht van golde rot 382, 4. it was 
sins gewichtes wert 394, 19. 

gewinnen, in besonderer Bedeutung. V. der keiser mit sinen 
sinnen enmochte sin neit gewinnen 486, 53. sin, nämlich den Schild, 
,er konnte ihn nicht durchhauen'. 

gezimmer, ,Bau'. V. dat ür gezimmer niet enwiche 434, 22, 
vgl. Konrad 33, 21. 

gezit, als neutr. I. nu is des gezides seis dage hin gegän (: stri- 
des) 60, 19. morne an dem gezide (: stride) 60, 48. an desem gezide 
(: snide) 71, 24. : blide 72, 49. zo desem gezide (: blide) 76, 22. [in 
minen geziden : riden 79, 55.] an dem gezide : nide 91, 5. : stride 188. 



- 293 - 

39. : blide 203, 16. zo dem gezide : side 132, 31. an einichem geztde 
: blide 133, 58. — IL an dem gezide : blide 224, 45. 236, 11. an de- 
sem gezide : nide 226 , 20. — Im Plural in der kirchlichen Bedeutung 
von horae canonicae kommt die gezide vor, in III. de messe ind de ge- 
ziden (: ziden) 321 , 50. — V. mettin ind misse ind ander sin gezide 
(: wide) 431, 30. — VI. begunde sin gezide (: plide) 536, 46. 

gezoc, ,Zug'. III. Mile quam mit sime gezoch (: herzoch) für 
herzöge : gezoge 346, 59. 

gezüch, ,Zeuge'. II. des is urkunt ind gezüch (: üch) 237, 15. des 
si min hulpe ind gezüch 238, 16. des si got min gezüch 239, 26. 241, 2. 
des zo Urkunde ind gezüch 242, 56. gezüch dragen, nicht im Reim 253, 
62, sonst immer im Reim auf üch. 

gicht für gift. I. II sieh oben S. 241. 

giralde , , Gaukler'. IE. der giralde ind varnder lüden 296, 4. 

gise, , Geisel'; diese Form muss, wenn man nicht überall unge- 
nauen Reim annimmt, in V zugegeben werden. Die Hs. schreibt meist 
gysel. V. güden gisen (gysel) : wisen 407 , 27. erlösen wir de gisen 
(gysen) : wisen 408, 57. mich selver have du (do) zo gise : wise 430, 30. 
sinen sone zo gisen (gysel) : wisen 432, 28. 

glavie, altfr. glaive, ,Schwert'. 111. da wart manche glavie zobro- 
chen 303, 42. 307, 37. 345, 16. eine glavie dicke 331, 33. man sach 
da slän ind stechen ind menche glavien zobrechen 350, 39. 353, 60. äne 
ros ind äne glavie 366, 2. äne glavie inde pert 366, 10. — V. mit einre 
glavien vil starc 481, 65. — Vc. sine glavie dat he nam 493, 49. eine 
glavie (Hs. grauye) hadde he in der hant 526, 45. Das Wort steht nir- 
gend im Reim; daraus möchte eher die Betonung glavie als glavie zu 
folgern sein. 

glizen, ,glänzen, gleissen'. I. de sach man verre glizen (Hs. ge- 
lyssen) : wize 39, 27. — IL de man mach sen glizen verre 247, 68. — 
V. de velt sähen si glizen : wizen 427, 1. it en is niet allet golt dat da 
glizet (: wizet, Hs. gelyst : weyst) 447, 69. 

goume nemen, ,Acht geben, wahrnehmen'. IV. dar was ich ind 
nam ir goime (: boime) 392, 2. — V. nämen des speles göme (E(s. game) : 
bome 427, 57. 

gracht, ,Begräbniss'. III. zo der gracht mench here quam 315, 
19. zo der graft quam 323, 65; keinmal im Reim. 

graf, ,Grab'. I. so mir dat heilige graf (: gaf) 26, 22. so en dat 
heilige graf (: af) 28, 55. - n. so üch dat heilige graf (: gaf) 248, 30. 
— Vb. so swiche eme dat heilige graf (: gaf) 451, 6. 

gram, adj., ,gram, böse, zornig'. I. zornich inde gram 41, 54. 
84, 34. 193, 52. do enwas zo hove neman gram, mer blide ,traurig' 209, 
33; überall im Reim. — IL zornich inde gram 251 , 28. 276 , 50. dar 
enwas neman gram, mer blide 291 , 70 (vgl. oben S. 33). — HI. seiden 
so wart he gram 293, 46. zornich inde gram 295, 31. 298, 25. 328, 27. 
347, 5. Arnolt wart des slages gram 358, 52. des wart (he) vele gram 
366, 25. — IV. as der is gram 374, 40. dö* is he mir zo male gram 389, 



— 294 — 

21. umbe dat he mir was gram 392 , 24 (fehlt im Elegast). — V. dat 
mir min here is alsus gram , erzürnt' 443, 13. sines mödes was he gram 
475, 11. zornich inde gram 481, 50. Karl was ime (Hs. in) gram ,er- 
zürnt' 486, 43. — V c . der eme was sere gram ,gram' 516, 24. 

gran, ,Bart', nur in V aus Konrad. V. mit üp gewunden granen 
(: manen) 436, 56; vgl. Konrad 40, 16. 

gräve lautet in den einzelnen Theilen verschieden. I sagt greve : 
geve 113, 29. 201, 30. : geve (adj.) 198, 23. Ebenso IL greve : ergeve 
241, 10. : geve 251, 51. 254, 42. greven : geven 246, 62. — In III 
lautet das Wort greve, greven : wären bleven 295, 69. marcgreven : wä- 
ren bleven 347 , 37. In IV grave. graven : haven 374 , 49. In V wie- 
der greve, marcgreven : geven 406, 9, wo man aber lesen kann marcgrä- 
ven : gäven , und dann stimmt V mit V c , wo graven : Swäven 525, 22. 
: Bäven 526, 69 reimt. 

gries warte, ,Kampfrichter'. Vc. dö hadde Karl gekoren sine 
grieswarden : Richarden 526, 62; natürlich nur in Vc, nicht in V; aber 
auch in II könnte es vorkommen. 

grimmen, ,grimmig werden'. IL Karl begunde grimmen (: stim- 
men) 265, 7. 

grozen. Vc. dattu dorlichen dös inde grözes dinen schaden 
524, 22. 

gülden, , Gulden'. V. mit güden roden gülden (: verschulden) 
444, 3; missverstanden aus Konrad, vgl. oben S. 107. 

gutze. V. in der hellen putze ind in des heizen peches gutze 
469, 21. 

habe, ,Hafen'. V. got bewarde si vur der haven (: undergraven) 
400, 41. 

habe, ,Habe'. V. genoch hänt si der have (: ave) 446, 34. 

habe eh. V. kurzwile mit hafchen ind mit hunden 427, 60. dar 
zö hafgin düsunt 431, 58. 

haben, partieip gehat. V a . 424, 1. V c . 513, 4, aber nicht im 
Reime. 

haft. V. dat he ouch gedroste de heidenschaf üz aller hacht 
(: bracht) 394, 62. 

halden, ,steuern'. V. helden an Alexandriä 460, 67. 

hälschar. I. dat si mir ummer hälschar oder harnschar (Hs 
hairschar) sollen don an mime live (: dar) 106, 3. dö mosten liden häl- 
schar (Hs. harschar : dar) de heiden algemeine 205, 41. 

hämit. I. begunde de hameiden houwen 205, 14. — III. enbuzen 
de hameiden (: heiden) 370, 38. 

hän = hähen, wie van für vähen immer in I ff . hän : verstau 
52, 64 etc. 3. Person heit für haehet : breit 69, 19. 

handele n. I. darnä möst he sich handelen (: wandelen) 92, 4 
darnä sol ich mich handelen (: wandelen) 100, 29, ,benehmen'. — V. han- 
del it mit sinne 440, 54 in anderem Gebrauche als in I. 



— 295 - 

h an ts lagen, ,in die Hände schlagen', vom Wehklagenden. I. rt- 
zen inde hantslagen (: clagen) 73, 6. weinen inde hantslagen (: clagen) 
182 , 36. — II. rofen inde hantslagen (: clagen) 262 , 63. — V. schrien 
inde hantslagen (: clagen) 433, 14. 

harren, ,harren', mhd. sehr selten vorkommend. III. dat si in 
trüwen harden (: bewarden) 312, 56. 

här schür. IL ouch dat dat edel, wif so bösen gebüren zo solcher 
harschüren e wart underdän 267, 67. 

hart, diese Form des Adj. für herte in I. heiklen sich dö vast 
ind hart (: Everhart) 43, 13 ; wäre es Adverbinm, so wäre Abwerfung des 
e anzunehmen, was in I nicht vorkommt, unden was he van stäle hart 
(: bewart) 56,38. it was deine inde hart (: gewort =: geworht) 159, 19; 
daneben aber herte : we starc der was ind we herde (: sich werde) 80, 
51. — IL machde si hart (: wart) 258, 51. mit einre wet wal hart (: be- 
wart) 285, 26. — III. ind mit eme mench ritter hart (: wart, wärts, Hs. 
hert : wert, aber eine Verkürzung hert == herte kommt auch in III nicht 
vor) 306, 40. 313, 16. 316, 18. de suchte wart also hart (: wart) 323, 
57. dar mit slöch he zo male hart (: Durendart) 357, 29. — Tb. dtn 
ecken sint dir vil zo hart (: Durendart) 459, 22. Dagegen findet sich nur 
herte in V und Yc neben der vereinzelten Stelle in I. — Y. sin heim 
herde (: swerde. Hs. harde) 482, 17. — Y c . der heim was ever so herde 
(Hs. harde : swerde) 527, 59. 

hastelich, , eilig', mhd. sehr selten. I. santen hasteliche (: riche) 
17, 5. komet hasteliche (: riche) 22, 21. quam hasteliche (: Yrancriche) 
42, 6). quam gereden hasteliche : riche 48, 52. jagede hasteliche 88, 2 
(Hs. haescheliche : Afriche). warp hasteliche (: Yrancriche) 92, 15. — 
III. enboden hasteliche (: Yrancriche) 301, 18. reit hasteliche : riche 307, 
31. : Yrancriche 351,11. sande hasteliche : Yrancriche 322, 54. 324, 32. 
kom hastelich (Hs. heystlich : seiszich) 348 , 62. volgede hasteliche : 
Yrancriche 349, 33. dede eme langen hastelich (: sich) sine wäpen 363, 
14. — IV. dot hastlich üre cleider an 374, 18. — Y b . quam harde haste- 
lichen gerant 453, 64. 

hechten, .heften'. II. Die Form des Infinitivs beweist he" hez 
beide an zwei pert mit dem (lies den) schenkelen hechten (Hs. hecten) 
: knechten 285, 15. Das Particip lautet gehecht, zosamen gehecht ind 
genet 288, 12. öfter gehacht : vaste gebunden ind gehacht (: gelacht) 
245, 15. van den dat Mörant was gehacht , angeklagt'. : gesacht 246, 
35; ebenso behacht, van dem dat ir sit besacht ind zo mime heren be- 
hacht 250, 26. 

he cht er, ,Scharfrichter' , hängt wohl nicht mit hechten, sondern 
mit hähen zusammen. IL des wären dö gereide sine hechter beide 242, 
5. sinen hechteren beiden 244, 6. 244, 56. 

heidenisse, ,Heidenschaft'. I. over alle heidenisse (: gewisse) 
81, 19. 

hei der, ,heiter', als Keimfüllung. III. dat ir cleider rochen nä 
dem hemelschen röche heider 333, 34. 



— 296 — 

h eidin, ,der Heide', eigentl. adj. Diese Form sichern Keime in I. 
allein (Hs. allem) is he heidin (Hs. heiden), wir sollen eme wilkome sin 
31, 41 und Yb. dat sach ein koninc heidin (: sin) 459, 42. 

heil, ,ganz'. VI. he" az zwene kapünen üp al heil (: vierdeil) 
539, 56. 

heimöde, ,Heimat'. V. vert in sin heimode 408, 50, ausser 
Keim. 

hele, ,Hehl : . I. nu hadde David des hele (: sele) 9, 6. des en- 
hät mich kein hele (: Golosobele) 135, 1; daneben häle , aber ausser 
Reim, unse häle worde offenbare 139, 27. — III. dan (dat?) enis mir kein 
hele (: vele) 296, 55. dit enwas eme geine hele (Hs. heyle : vele) 316, 
28. als man noch ane hele (: vele) vinden mach 319 , 60. it enis mir 
gein hele (: vele) 347,10; daneben häl, dat sagen ich üch äne häl (: stäl) 
364, 30. — V. des enhät mich geine hele (: sele) 435, 6. — V». des en- 
hän ich gein hele (: Ospinele) 412, 4. des enhät mich geine hele (: Os- 
pinele) 417, 38. des enhän ich geine hele (: Ospinele) 419, 1. — Vc reimt 
einmal gewäpent harde wale sunder einiche häle 527, 17; dies ist aber 
gewiss verderbt, denn auch diese Verbindung von a : ä ist gegen den 
Gebrauch dieses Dichters, hele wird ihm zukommen, wie in V steht. 

— VI. sunder häle : male 539, 58. — hele : vele reimt nur III. 

hei lewarte, ,Höllenwächter, Teufel'. V. der böse hellenwarde 
(: harde) 397, 31, an einer Stelle, die Konrad fehlt, aber gewiss echt ist. 

hengen, ,demRosse die Zügel gehen lassen'. IL begunden hengen 
iren rossen ind sprengen 272, 44. den rossen si ouch hengeden zohant 
inde sprengeden 284, 35. — V. dem rosse he hengede, üzer dem her he 
sprengede 469, 58 ; ebenfalls nicht bei Konrad. 

h erden, ,härten'. I. anders gein unrecht noch krumbe enherde 
he niet üp sinen juncheren 19, 44. want (bis) dit de Vranzosen herden 
(: werden), ,bis die Franzosen das durchsetzten, erlangten' 110, 48. si 
ouch dat herde mit listen ind erdächte (: werde) 214, 58. — II. ich was 
ouch de dat herde (: werde) dat ir . . 239, 66. — V. dat wir (Hs. mir) 
mit den swerden unse sträze erherden (Hs. her herden) 399, 21. 

heumänet, ,Juni'. in. in dem heumände (: gände) 336, 61. in 
dem heumände it was 373, 49. 

hie, ,hier'. Diese Form begegnet im Reime in I. hie : geschie 
64, 10. 93, 26. : ie 73, 30. - n. hie : geschie 235, 55. : ie 270, 22. 

— IV. hie : ie 393, 5. — hier findet sich in I. nicht im Reime, nur aus- 
ser Reim , van heir 48 , 3 ; dagegen in H hier : Mundedier 242 , 35, 
wo man aber auch hiere : van Mundediere lesen darf und besser liest, 
so dass hier ganz aus allen Theilen zu streichen ist. hiere in I. hiere : 
viere (Hs. hye : vere) 149, 49. — H. hiere : fiere 249, 49. — IV. hiere : 
viere (Hs. hyr : veir) 379, 4. hiere : van Banniere 390, 5 (Hs. hyr : Ban- 
nvr ). _ V c . Oigiere : hiere 522, 66. In den übrigen Theilen erscheint 
keine Form im Reime. 

hin acht findet sich nur einmal im Reim. Vc. in mime drome hi- 
nacht : macht 501, 43 ; ausser Reim 122 , 30. 



— 297 — 

hirmen. Vb. wenich ir einich gehirmede (: scliirmede) 457, 37. 

hö, in der Verbindung üp hö in I. sin swert erdende he üp ho 
(: also) 85, 13; im Compar. üp höre, haldet üp höre! (: döre) 151, 12. 
ausser Reim he engenge üp höre sitzen III. 296, 70. 

hoe, die mnl. Form für wie ist vielleicht 1, 45 stehen geblieben; 
dort heisst es : it (das Buch) saget uns eventüren genoch, hye ein twerch 
gegangen quam, ,wie ein Zwerg gegangen kam'. Die Hs. hat ein grosses 
h; dies kann aber auch für w verschrieben sein. Irrig setzt Keller ei- 
nen Punkt nach genoich. 

hoffen, im mhd. sehr selten und erst spät vorkommend, begegnet 
in I. want si des hofden ind gerden 18, 51. des hoffen ich 111, 34. 
ich hoffen wal 114, 48. ir hofdet (Hs. hoeffde) e zo godem lone 145, 10. 
— II. ich hoffen wal vergelden 248, 45. ind hoffen dar ane zo alden 281, 
60. — Vb. de dar me hoften zo dem stride 453, 56. — V c . de hoffen ich 
nu weder zo winnen 493, 37. — VI. ind hofte it soulde eme vergän 535, 
53, nirgend im Reime. 

höge für höhe steht im Reime in VI. gaf sinen geist got dem 
högen (: ögen — ougen) 536, 25. 

högeborn, in III in derselben Bedeutung wie in I und II wolge- 
born (sieh dieses), van adel hogeboren (: üzerkoren) 327, 36. der edel 
keiser hogeboren (: verloren) 371, 26 und öfter. 

hogeburt, ,hochgeborner Mensch'. II. Galien de hogeburt (: un- 
gegurt) 267, 59. 

holt, die holden, ,die Getreuen, Anhänger' in I. Karl ind alle 
sine holden (Hs. helden) : wolden 102, 21. mit sinen leven holden (Hs. 
helden) : solden 110 , 44. he dede sich scharen Karies holden : solden 
115, 54. entgän Hoderiches holden : wolden 120, 40. neman enwistet 
dan sin holden : solden 121, 54. Belin noch sine holden : wolden 122, 
53. üp spranc Gerfein ind sine holden : wolden 170, 32. — V. nä zene 
siner holden : wolde 406, 9. daran dachten sine holden (: wolden) 480, 
64. — Vb. mit eme vlüen ouch sine holden : wolden 456, 20. Die Hs. 
schreibt fast immer helde, weil dem Schreiber wie dem Compilator der 
Gebrauch des Wortes fremd war. 

honen. V. he sal sich selver honen (: krönen) 468, 22. 

hör läge. V. in einre horlägen (: sägen) 480, 6. 

hoste, Superl. von hö , im Reime in V. lovet got den hosten 
(Hs. högesten, und so wird Schreiber und Compilator gesagt haben) : ge- 
drösten 489, 31. — Vc dat clage ich gode dem hosten (Hs. högesten) : 
gedrösten 509, 6. 

hoveman. I. de aller meiste richeit, de e einich hoveman ge- 
wan 14, 4. de aide hoveman Davit 135, 58. 

hui den, ,huldigen'. HI. de stede hulden ouch eme 297, 6. si 
swören inde hulden eme 315, 48. 

hüre, ,heuer', aber auch ,heut' , nicht unwahrscheinlich in I und 
H, wo diese Form im Reim erscheint. I. ich sagen üch dat noch hüre 
(/. eventüre) noch in düsent jären so gröze schat ne enwart vunden 3, 6Q. 



~~ 298 — 

nä (im? noch?) wizzet aldä hüre (: düre) noch zo jär noch ne kein man 
so starken rüwen ne gewan 154, 5. — IL untruwe ind strit, de enis niet 
van hüre (: aventüre) ,von heuer' oder ,von heut' 217, 14. zo järe noch 
ouch hüre (: aventüre) 276, 25. — hude findet sich im Keim auf bedüde 
in I, 48, 8. : lüde 136, 4. 

ile. I. hadden sich mit ile (: bile) üz gehaven 180, 60. — III. 
quam der koninc mit einre ile (: wile) 317, 63. 

irpois, nach J. Grimm für ripois, ,Ruheplatz' I, 86, 22. 

irren, ,irren, verwirrt machen'. V. enirret niet des riches ere 
442, 18; vgl. Konrad 54, 12. 

jämerheit, sonst gewöhnlich jämerkeit, in IL des leides ind der 
jämerheit (: bosheit, also jämerkeit?) 226, 17. — III. strit inde jämercheit 
(: gereit) 360, 45. — IV. gein liden noch jämerheit (: herzeleit) 534, 23. 
trürens noch jämerheit (: leit) 534, 57. 

jesten, mnl. , erzählen'. III. ich hört it vurbaz jesten : westen 
295, 1. 

j ucht für jugend. I. in we gedäne ere sich Karl brechte in sinre 
juchden. ich woulde ir seien gluchden (Hs. gluweden), ,ihre Seelen glüh- 
ten' 17, 40. 

kaf, ,etwas 'Geringfügiges, Nichts', auch gaf. I. darumbe enwas 
en niet ein kaf : af 67, 3. 203, 5. daz is mich doch als ein kaf 111, 17. 
— II it enhulpe em niet ein kaf (: ergaf) 241, 12. — III. he enachte üp 
en niet ein kaf (: sach) 318 , 66. des was he rechte als ein kaf (: sach) 
323, 9. — V. it (is) engeliche den sinen ein gaf (: heidenschafj 406, 42. — 
V*>. des was si als ein kaf (: geselschaf) 451, 56. 

k allen, ,rufen, sagen'. I. nöde ich des kalle (: alle) 9, 14 (Hs. 
wyl kalle). so ich horte kallen : gevallen 58, 51. wat mochte ich dis 
vele kallen : gevallen 120, 11. alsus begonde he [zo] kallen : allen 134, 
21. Avat mochte ich me kallen : vallen 167 , 4. — III. Karl genc dö sin 
gebet kallen (: allen) 340, 51. — IV. dat he dar enkalde : balde 393, 
24. — V. sal de zende schar kallen (: Ortallen) 477, 23. 

kamererse, ,Kammerfrau'. I. ir souldet ein rechte kamererse 
sin 211, 50. 

kampslach, ,Schlag im Kampfe'. IL dat ummer kampslach her 
umbe werde geslagen 253, 58. 

kanonie, ,Canonikat'. III. machde dar af ein kanonien (: Marien) 
319, 57; vgl. ein canonisie : vrie 341, 15. 

kanonke, ,Canonicus'. III. ind dar zö vele canonke (: monke, 
Hs. canoniche : monche) 355 , 36. — IV. buschofe ind canonke : monke 
377, 25. 381, 26. — Vc. buschofe ind canonke : monke 511, 56. Den- 
selben Reim hat auch H. v. Veldeke im Servatius. 

kant, ,Kante'. I. bede buckel inde kant heu he eme van der 
hant 85, 29. dö was eme de kant (: bant) al umbe durch slagen 178, 
35; vgl. rant. 

kantel, ,Kante c . I. umbe des Schildes rande genc ein kantel 
(kant?) van golde geslagen 56, 14. 



— 299 — 

karen, ,wehklagen , rufen'. [I. David begonde sere karen (: int- 
faren) 68, 15. de wile si sus karden (Hs. karmden) : sparden 96, 8. Be- 
zeichnend ist der Schreibfehler der Hs. an der zweiten Stelle. Der Schrei- 
ber und Compilator sagten karmen, nicht karen. karen ist ein altes sel- 
tenes Wort und zeigt für das Alter des zu Grunde liegenden Gedichtes. 

karmen. IL wehklagen — karen in I. IL ir schrien ind ir 
karmen (: erbarmen) 223, 52. karmen inde schrien 245, 52. dat schrien 
ind dat karmen : erbarmen 268, 23. — ILI. durch sinre moder karmen 
: erbarmen 300, 4. schrien inde karmen : erbarmen 307, 45. 346, 47. 
so wen si horte karmen (: armen) 314:, 62. — IV. ich enachten niet üp 
ir karmen (: armen) 382, 17. 

kative, franz. chetif. I. kative bliven in desem lande 68, 3. — 
IL we bin ich sus kative he in desem lande 238, 48 (: wive). sprach 
der katif : lif 282, 68. 

kemenäte, theils schwach, theils stark gebraucht. Schwach. I. 
in der kemenäten : verraten 6, 37. üzer der kemenäden : beräden 74, 
21. zo der kemenäden : beräden 78, 15. in der kemenäde(n) : beräden 
161, 37. üz der kemenäden : geraden 164, 37. — V c . in ere kemenäden : 
beräden 500, 46. van sinre kemenäden : beräden 525, 59. Stark. I. in 
eine kemenäde : nöde 6 , 55. in des palases kemenäde : zo räde 18, 56. 
mit räde : in eine kemenäde 97 , 7. gengen zo räde in eine kemenäde 
128, 21. 132, 49. mit räde in ür kemenäde 160, 55. zo räde in de ke- 
menäde 167, 57. gedräde in eine kemenäde 168, 16. in ere kemenäde : 
räde 172, 59. — II. gengen dräde in eine kemenäde 252, 50. gän zo 
räde in ein kemenäde 252 , 30. — III. in eine kemenäde : zo räde 360, 
31. — Vc. in de kemenäde : gedräde 498, 58. 

kif, mhd. kip. III. de helden dö den kif (: wif) weder Karle 
311, 53. — Y. de Cristen beneiden kamp ind kif (j lif) 432, 13. — Va. 
reit dö vort in den kif : lif 420, 64. der kif moste gevredet sin 424, 44. 

kirchhof. III, natürlich nicht in I, II. III. al umbe ind umbe 
den kirchhof (: hof) 320, 14. op einen kirchhof : buschof 361 , 42. — 
V. wiede den kirchhof : buschof 405, 35. 

klambe, ,Klaue'. V. üzer engestlichen klamben (: wamben) 
472, 47. 

klemmen, prät. klam. Vc. vil harde unsoze beklam he mich 
inde beiz 502, 68. van dem aren, de üch dar beiz inde klam (: nam) 
505, 25. 

klerke, ,clericus', nicht hochdeutsch. III. halp singen mit den 
clerken (: sterken) 321 , 51. darnä dede he singen den clerike 333 , 4. 
nun buschof ind vil clerken (: kerken, Hs. clericken : kirchen) 373, 45. 
— Va. dat man geinen clerich envunde 425 , 58 beweist nichts , also 
nur in III. 

knaffen. IV. en enkunde niet gehelpen er knaffen (: paffen) 
381, 29; die Bedeutung wird ,knausern' sein. Elegast 523 hat betrapen. 

knif, ,Messer'. IV. erstechen mit eime knive (: wive) 388, 11. of 
ir en dodet mit eime knive 388, 42. scharpe knive 390, 37. 



— 300 - 

knopen, ,knüpfen c . II. vaste he" en ouch knochte (: dochte) be- 
neden sime kinne 259, 25. 

kompanie. IL zo deser companien : Berrien 218, 14. in eren com- 
panien : vrien 245, 22. bi ir kompanien : vrien 291, 30; einmal scheint 
companje betont werden zu müssen, denn es reimt Hispanjen : companjen 
234, 66, wo man sonst Hispanien lesen müsste. 

koninc, diese und nicht die Form in ic ist durch zahlreiche 
Reime belegt. I. koninc : dinc 26, 37. 30, 46. IL koninc : jungelinc 
283, 8. 290, 15. koninge : ringe 289, 68. III. koninc : dinc 345, 32. 
de koninge : ringe 371, 55. IV. koninc : dinc 374, 32. 376, 45. 379, 
10. 36. 380, 28. 383, 40. : kemerlinc 389, 57. : rinc 390, 14. V. ko- 
ninge : gedinge 438, 51. V c . koninge : Doringe 525, 25. VI. koninge : 
dinge 539, 51. 

k orden. IV. ,Seile'. man slöch korden üp dat velt 392, 59. 

krach, holl. kraag, namentlich in I. gewöhnlich an den krach 
schlagen, krach : dach 21, 41. : slach 23, 6. 52, 14. 117, 50. 194, 
24. 199, 24. : lach 24, 23. 142, 66. : mach 64, 13. : gerach 181, 35. 
: sach 136, 41. : verdrach 151, 65. — IL krach : gelach 243, 36. : ge- 
wach 247, 3. : lach 249, 58. 

kragen, st. verb. prät. kroch in der Bedeutung ,kratzen, ritzen', 
mit erer nalden si in kroch : genoch 163, 27. 

krane, .Kranich'. IV. eine pä of eine crane (: swane), wohl einen 
cranen : swanen 539, 59. 

kratzen. I. we si kratzede so 171, 44. 

kreieren, , schreien beim Ritterspiel'. I. nu begunde Karl de 
Vranzösen an kreieren : banneren 87, 11. 

kreiz, ,Kampfplatz'. II. dreden in den kreiz (: weiz) 259, 16; in 
IV steht einmal dafür das mnl. krit, quam Eligast in den krit (: zit) 
392, 62. 

krenken, , schwach werden', nicht im Reim, wohl kranken. V b . 
dar krenkede (Hs. kreckede) der helt van siner macht 456 , 36. sere h6 
zo krenken began 53. 

kric, so viel als kriec, nur in I. krige : wige (Hs. krege : wege) 
81, 36. 181, 56. 188, 10. 191, 3. 199, 18; vgl. in IL sin wederkrigen 
(: swigen) 262, 30. 

kriden, franz. crier, aus crider. II. de rosse weiden inde kreden. 
ouch hänt si gebeden (gewartet) 272, 34; also ein starkes kriden, kreit, 
kriden, wie von prendre : prenden prant prunden. 

krisch, ,Gekreisch'. I. mit eime krische ind mit eime schalle 
42, 46. 

krischen, ,kreischen'. I. schrien krischen inde schallen 80, 58. 
si schrei inde kreisch so vele 163, 4. 

kristin. V. alle koninge cristin : sin 433, 62, vgl. heidin. 

kröf, prät. von krapen, ,kriechen'. ind kroif ir listelichen zö 387, 
38. 392, 3. 

krumbe, ,Krümmung', als adv. accus. ,die krumbe', in krummer 



— 301 — 

Linie. I. gewöhnlich in der Verbindung die richte ind die krumbe. I. 
de rechte ind de krumme (: umme) vlüen si 87, 32. stonden beide (de) 
richte ind ouch de krumme (Hs. krumbde : umme) 88, 23. gesal al umb 
ind umbe crützgewis ind niet de krumme 97, 3. de entvlüen de krumde 
ind ouch de richte 123, 8. dat her lach vur der burch al umbe beide 
de richde ind de krumbe 176, 4. begunde spenden mit dem swerde al 
umbe beide de richte ind ouch de krumbe 202, 56. — IL Karl begunde 
ouch umbe de rechte ind de krumbe sen 266, 52. — HL de stat belach 
he da al umbe de rechte ind ouch de krumbe 298, 37. ind werden sich 
al umbe de richte ind ouch de krumbe 398, 65. ind belach de (stat) al 
umbe de richde ind ouch de krumbe 307, 18. ind besach sich al umbe 
de rechte ind de krumbe 310, 4. he besöchte (untersuchte) si al umbe 
de richte ind ouch de krumbe 317, 53. ind belach de stat al umbe de 
richte ind ouch de krumbe 349, 45. 370, 24. want Karl belach (Hs. be- 
lacht) si al umbe de richte ind ouch de krumbe 362 , 34. ind greif den 
resen umbe mit dem kinne de krumbe 365, 1. 

küle, ,Kaule, Grube'. V. in eine küle reichen (hineinlegen) 
467, 45. 

kundic, ,schlau'. I. Karl der kundige man 22, 29. de vere 
(Ferge) was kondig ind gehere 135, 63. — Vc. ,bekannt'. dat was en 
ouch kundich (: Dederich) 526, 18. 

kundicheit, Schlauheit'. IL 218, 33. 219,27. 247,15. 

kunne, , Geschlecht'. V. bedrövet is al min kunne (: wunne) 466, 
47, nach Konrad 258 , 26. over alle keiden kunne (: enbrunne) 477, 60, 
wo Konrad zungen hat. — V a . de e menschen kunne gewan , ausser 
Reim 412, 56. — Vc. inde al din kunne (: wunne) 495, 28. dat sin kunne 
under dat min zosamen gemenget sollen sin 499, 43. 

kuret, ,Waffenkleid'. I. 62, 36. IL 268, 65 u. öfter. 

läge, ,Nachstellung , Hinterhalt'. IL si sprengeden van ere lägen 
(: gesägen) 223, 38. — HL dö brächen si ere lägen (: gesägen) 354, 1. 
der cristen ros in der lägen (: sägen) 371, 14. 

lägen, ,Nachstellung machen'. HL do lägeden eme de Römere 
323, 2. 

lamel, ,Klinge'. I. de lamel stach he in de scheide 204, 37. 

län für läzen sagte der Compilator. III. län : gedän 320, 30 u. s.w. 

lancie, ,Lanze'. III. gengen äne lancien 348, 44. 

lanne, ,Kette'. Vc. lannen : Viannen 531, 26, Hs. sannen. 

latin, von der Sprache der Vögel. IV. si saden in irme latin 
(: sin) 385, 23. de it in irme latine verkünden 32. 

laz, ,träge'. H. aldä bleif Berant laz (: vurbaz) 276, 68. 

läzen mit ausgelassenem ,sin', in Verbindung mit einem Adjectiv 
als Prädicat. I. Höderich lez it eme unmere 1 , 59. dat läzent üch, vrie 
vorsten, leit 9, 45. dit lez eme Kaiphas harde swär 63, 61. got lez sin 
genäde mir schin (werden) 69, 47. — H. enläzt it üch niet unmere 259, 
69. — V. läzet üch unmere 434, 25. — Vc. enläzet it üch niet swßre 
503, 39. 



— 302 — 

leck er lieh. III. ezzen ind drinken 1 eckerlich (: lovelich) 855,60. 

lern de, ,Lähmung'. III. der (Sünde) hadde he schemde ind in 
sfme herzen lemde 320, 36. 

lenden, ,landen c . II. so wä he gelende (: bekende) 259, 29. üp 
dat unse sele bi eme gelende (: ende) 293, 34. — V. unse vele groze un- 
gemach is unnä noch gelendet (: geendet) 465, 20, nach Konrad 256, 11. 

lenen, ,leihen'. I. so lenden si eme zo der stunt 4, 65. lenen 
ere groze have 5, 15. verleint mer schere gut geval 65, 8. — IL sint 
got üp des er erden minschen lez gewerden ind vunf sinne verleinde 
(: neine) 258, 5; we Karl Mörande selve leinde mit siner hant 290, 48. 
— Va. Rolant leinde it sime gesellen 415, 28, nirgend im Reim. 

lengede, ,Länge'. III. de wide ind ouch de lengede (: verhen- 
gede) 315, 52. 

1 engen, verlängern, lang machen' (vgl. erlengen). IL dat man 
soulde lengen (: gehengen) desen kamp 267 , 20. dat he woulde ir jo- 
get lengen ( : gehengen) 277, 89. — III. sunder einich verlengen (: bren- 
gen) 296, 37. ir leven langer lengen (: hengen) 299, 46. — Y c . dat du 
it niet enlenges (: brenges) 498, 35. niet lange ensalt ir lengen (: bren- 
gen) 499, 66. do enwoulde en Karl niet lengen (: brengen) 526, 10. 

leren, ,lernen'. I. ir soult it hie leren (: eren) 89, 24. dat he 
menchen dach de sluppe wal hedde geleret (: erveret) 144, 13. — IL he 
hedde wal striden geleret (: unververet) 271, 54. — III. want he in si- 
nen jungen dagen zo Tollet (die Sprache) lerde (: erde) 352 , 52. — V. 
leren den selven ganc 398, 49. nu leret (: geeret) de vrone zwo dage- 
zlt 398, 52. 

letzen. I. sunder einich letzen (: setzen) ,Verzögern c 54, 36. 
partic. prät. gelat, hauptsächlich ungelat, ,ungehindert, nicht aufgehalten'. 
I. so was de nacht al unbelat (: stat) geweldich over al de lant 96 , 59. 
ind als dat dö unbelat ^: schat) nä sinem willen was geschiet 104, 66. 
ouch wart he in trüwen so belat, dat he sich üp de walstat bi nä solde 
hän begeven 118, 22. of si gevangen ind gelat (: stat) worden sunder 
iren danc 123, 21. ouch enwart do nicht gelat (: stat) van den de lägen 
enbüzen 124, 4. so enwart dö niet gelat (: stat) van den barönen 126, 
12. si wolden sich nöde hän verlat (: stat) 144, 35. de zwelve bleven 
üp der stat alle döt ind gelat des lives 152 , 60. so ich nu al unbelat 
(: stat) hin möge vören dese junevrouwe 135, 7. unbekomert ind unbe- 
lat (: stat) 169 , 16. döt geslagen ind gelat (: stat) 205 , 29. — IL van 
aller sorgen unbelat (: stat) 261 , 27. so rede Galie . . ungelat (: stat) 
226, 14. quämen gereden unbelat (: stat) 245, 17. — III. si enreden un- 
belat (: stat) 298, 22. reit eme nä unbelat : stat 307, 15. reit unbelat 
(: stat) 310, 2. dat nu is al unbelat (unangefochten, allgemein, Hs. umb 
belat) 316, 2. nam den päes unbelat (: stat) 323. 15. unbelat : stat 323, 
45. quam unbelat (: stat) 323, 65. quämen unbelat (: stat) 324, 50. 
unbelat : stat 334, 28. 338, 38. ungelat : stat 364, 11. kerte sich umb 
unbelat ind reit (: stat) 364 ; 55. ungelat : stat 366, 4. umbelat : stat 



370, 10. unbelat (: stat) reit Karl 372, 48. reit unbelat (: stat) 373, 13. 

— V. was gevaren unbelat (: stat) 427, 65. restet unbelat (: pat) 434, 35. 

— VI. reit ungelat (: stat) 534, 48. 

liehame, im Reim in V. sterflich sint unse licliamen (: alle samen) 
398, 60. van deine licliamen : alle samen 404, 35. ere geliere licliamen 
(: samen) 467, 43. Konrad sagt lichenäme. — VI. sante Dionise licliamen 
: gamen 533, 57. 

liden, .gehen'. I. also der worde vel geleden (: scheden) ,er- 
giengen' 144, 7. dö dese dri wechen wären gelelen (: seden) 19 i, 40. — 
II. sus hänt si geleden Paris ind koment gereden (Hs. geleyden : gerei- 
den) 221, 68 ,sind Paris vorbei gekommen', des is geleden zwei jär 
260, 31. — 111. dö drizich dage waren geleden (: verschieden) 314, 4. — 
IV. dö (Hs. de) he de burchbrugge leit ,überschritt' (: bereit) 375, 60. 
als he Karl hedde geleden (: gereden) ,bei Karl vorüber war' 378 , 36. 
Eligast hez en sich liden (: riden) 386, 32. — V*. sus lez he de maget 
liden ,gehen' beneven des rosses siden 421, 19. — Vc. nu wären de bo- 
den verre geleden (: reden) 496, 66. dö si vur Sartis waren leden (Hs. 
leiden : vreden) 506, 4. — VI. dö dese wären alsus geleden vure 536, 52. 

liede = mhd. Hute, ,Leute'. IV. Eligast reit zo sinen lieden 
(: schieden, Hs. scheden : lüden) 389, 40. 

lief de, häufig, aber nirgend durch den Reim bestätigt, öfter 
widerlegt; es hiess nur lieve leve. I. durch de leifde ind durch de zale 
75, 14. durch Karies leifde 103, 33. an de leifde ind an de trüwe 132, 
62. — II. baden Mörant üp alle leifde : breve 221, 50. van grözer leif- 
den 236, 60. an de leifde ind an de trüwe 275, 39. da was levede äne 
clage293, 7. — IH. dese leifde was so gröz 317,22. — Vc. umb gröze leifte 
dede he daz 526, 58. 

lien = lihen, aber schwach gebraucht. H. Fuckelmet he verliede 
(: miede, Hs. mede : verlede) da Britanjen riche 290, 27. 

lihen, partic. gelüwen. V. als dir got hat verlüwen (: rüwen) 
481, 29. 

lint zeichen, ,Mal'. I. üp ire linke haut wart ein lintzeichen er- 
kant 58, 49. biz si üp ir lurze haut ein deine lintzeichen vant 166, 33. 

— HI. man sach dat lintzeichen alle zit 323, 24. 

loenen, ,leugnen'. I. ir eudorft des loenen niet 76, 7. — H. he 
seit ich have godes geloenet (: ungezoenet) 270, 64 beweist auch nichts, 
denn man kann auch schreiben ungezouget : gelouget. Vgl. zoenen. 

logenmere. in. si sachten ein logenmere : keisere 326, 11. 

lo genrede. III. sunder logerede (: stede) 340, 46. 

logenzal, ,Lügenerzählung, Lüge'. I. he sprach sunder logenzale 
(: wale) 100, 3. wizzet sonder logenzale (: wale) 102, 26. 135, 21. ir 
hat ür wärheit wale geleistet sunder logenzale 143, 32. sunder logen- 
zale (wale) 160 , 63. 161 , 13. — n. ouch vindet ir sunder logenzale 
(: sale) 249, 51. — HI. dat it äne logenzale (: wale) wer van der genäden 
godes 330, 52. dat dit enwas kein logenzale (: wale) 338 , 15. — IV. it 



- 304 — 

is der düvel sunder logenzale (: wale) 378, 6, vgl. Elegast 295, wo nicht 
logenzal steht. — "VX sunder logenzale (: wale) 452, 29. 

lop, pleon. zur Ausfüllung des Reimes und Verses ziemlich häu- 
fig. I. bleif zo hove mit harde grözem love 12, 38. wie wir mit love 
(: hove) einen grozen hof enbeden dar 15, 41. de fursten reden zo dem 
hove mit harde[m] grozem love 16 , 48. zwene ritter van grozem love 
(: hove) 27 , 37. he quam zo hove mit harde grozem love 18 , 6. hie- 
ven zo hove in Galafers denste mit love 34 , 23. beginnet he dan mit 
einichem love zo wandelen üp dem hove 35 , 28. bleven zo hove mit 
harde grözem love 44, 28. doch bleif der vrede mit grözem love (:hove) 
53 , 9. dede üp sime hove ein quentine machen mit love 54 , 52. dö 
moste Galiä mit love (: hove) weder üp iren palas 59 , 50. Schede üz 
dem hove mit rüwen ind mit krankem love 140, 41. mit harde krankem 
love (: hove) begunden si sich cleiden 160, 35. — II. zo mime hove den 
ich mit grözem love sal halden 220, 23. hove, den he mit grozem love 
soulde halden 221, 55. denden ouch mit love (: hove) 230, 44. wizt 
dat dö mit love (: hove) veir düsent dar quämen 235, 25. ouch was da 
mit love (: hove) wal gedrunken ind gezzen 292, 37. — III. quämen zo 
hove mit harde grözem love 295, 40. alsus wart do mit grözem love de 
spise angericht zo hove 296 , 18. alsus wart da zo hove gehovet mit 
grözem love 296 , 27. reit dar vort mit grözem love (: hove) 298 , 29. 
dat he en (den Handschuh) eme helde mit love (: buschove) 333 , 46. 
ebde mit grözem love (: buschove) 336, 36. 

lorze, ,links' (vgl. Geschichte d. d. Sprache 991), nirgend im 
Reim, ziemlich häufig ausser Reim; in I. sinen lorzen arm 151, 57. üp 
ir lurze hant 166, 33. in eren lorzen arm 189, 11. — m. den hentschen 
van der lurzen hant 333, 55. der lurzen hant 334, 54. sine lurzen lede 
334, 56. zo der lurzen siden wert 368, 51. — Va. in de lorze hant 416, 
61. — Vc sinen lorzen arm 503, 8. de lurze hant 528, 28. — VI. in der 
lurzen hant 538, 15. — link steht daneben in I üp ire linker hant 58, 49. 

losen, Rauschen, betrügen'. II. wä mede he wände losen (: ho- 
sen) 259, 34. 

losgeren, ,logieren, Lager aufschlagen'. I. da begonde he zo 
losgeren al langes den riveren 47, 45, vgl. lutsche. 

lovehaft. V. dat si wart lief ind lovehacht ,die Botschaft', Hs. 
loenhafft (: bracht), 396, 54, nach Konrad 5, 34. Ebenso steht ere ge- 
selschaf lovehaft (: craft) 479, 38, welche Stelle Konrad fehlt. 

lovebere, am häufigsten in I. dunket üch lovebere (: junchere) 
19, 17, überall im Reim, de vorsten lovebere 19, 45. dem schenken lo - 
vebere 28, 3. de wäpen lovebere 29, 37. zwei ros lovebere 30, 16. de 
juncfrouwe lovebere 30, 59. 35, 57. 75, 65. der koninc lovebere 31, 
37. was Karl so schone ind lovebere 34, 26. sin geläz was lovebere 
50, 47. 56, 48. vader lovebere! 53, 46. de kone Vranzösen lovebere 
57, 21. 98, 24. nu hän wir sus lovebere Karl unsen heren verlorn 
67, 51. Karl Meinet der lovebere 99, 53. 109, 28. mit menchem heiden 
lovebere 103, 19. einich man so lovebere 105, 48. mit menchem ritter 



— 305 — 

lovebere 117, 65. unser ros verdecket lovebere 122, 42. grozet si de 
lovebere 131,25. der schenke lovebere 135,52. de lovebere Galien 139, 
51. Karl der [here] lovebere 142, 60. 210, 66. de lovebere (Galia) 144, 
50. 148, 14. 154, 33. 158, 33. 174, 14. we lovebere eine burcli 155, 
12. de lovebere Orien 156, 24. 178, 49. der selve ritter lovebere 167, 
44. de schone lovebere (Galia) 171, 27. van sinre suster lovebere 175, 
3. den heiden lovebere 192, 32. van menchem heiden lovebere 199,36. 
der köne man lovebere 200 , 26. quämen üz vral lovebere entgan Karle 
208, 18. — II. de quämen lovebere mit cleidern wal behangen 287, 6. — 
V. lief ind lovebere 487 , 50. - YI. dat graf lovebere 538 , 36. So fällt 
der Gebrauch eigentlich nur I zu; denn die vereinzelten Stellen in II, 
V, VI (in HI gar nicht) kommen kaum in Betracht, 

lovelich, in derselben Bedeutung sehr häufig und fast nur in II; 
auch immer im Keim, he was hoesch ind lovelich 293, 43. dis rät dochte 
lovelich 294, 15. den sal lovelich 296, 25. mit menchem manne lovelich 
310, 66. 313, 40. ein buschdüm lovelich 312, 49. gäven loveliche 316, 
62. dat heiltüm lovelich 336 , 56. gecleidet lovelich 351 , 34. dit her 
was schöne ind lovelich 352, 15. zwei hundert ritter lovelich 354, 9. dit 
düchte en allet lovelich 355, 41. de bi dir sitzent, de sint lovelich 355, 
65. mit wäpen harde lovelich 363, 27. also was in I lovebere, ist in HE 
lovelich. — Ya. de helde[n] lovelich 414, 57. — Vc. din ecken de sint 
lovelich 528, 33; kann vom Compilator herrühren. — VI. buschove love- 
lich 533, 26. 

lovesam. III. mench ritter lovesam, auch im Reime 305,39. dat 
edel wif lovesam 315, 25. de (burch) was harde lovesam 318, 42. — V. 
der koninc lovesam 429, 27. Wellis was gröz ind lovesam 448, 3. de 
vrouwe lovesam 464, 28. lovesam so was de schare 477, 7. ein helt lo- 
vesam 481, 11. der here lovesam 489, 15. Konrad ist das "Wort nirgend 
entlehnt. — Va. de juncfrou lovesam 418, 39. — Vc. der here lovesam 
489, 15. der helt lovesam 494, 15. 528, 54. de juncfrouwe lovesam 500, 
61. de maget lovesam 501 , 64. der koninc lovesam 503 , 4. menchen 
vursten lovesam 506 , 35. den marcgreven lovesam 507 , 40. de ritter 
lovesam 508, 7. ein ritter lovesam 518, 1. ein vurste lovesam 520, 55. 
Mithin am meisten in V und V c . 

luch, ,Lug'. I. ein twerch hat mir sunder luch (: Balduch) dri 
nacht unraste gedän 2, 52. 

lumener e, ,Helmfenster\ I. immer im Reim, durch des helmes 
lumenere 56, 61. stach in de lumenere 66, 35. bi des helmes lumenere 
197, 40. in des helmes luminere 202, 18. 

lutsche, ,Logement, Heerlager'. I. ir lutschen haven si verbrant 
111, 66. lutscheren. HL 343, 34, vgl. losgeren. 

macht, dat. mechte. V. na aller ere mechte (: rechte) 405, 17. 
made. IV. also vele as zwä maden (: geschaden) 382, 37. 
mal, ,Mal', häufig zur Reimaushilfe. I. scheint male schwach als 
Fem. zu flectieren, vgl. hadde de zit gemerket ind de malen, recht als 
he mit quälen van sente Jacob queme 10 , 36 ; doch kann man auch 

20 



— 306 — 

male : quäle schreiben. — II. zo dem male (: Mamiräle) 252 , 2. : zin- 
däle 284 , 40. — HI. zo allen malen (: verholen 1) 314 , 47. dat in dem 
riche zo male (: wale) kranc gericht was inne 325, 36. ruchte ,zog' üz 
siner lurzen siden zo male einen näl ,Nagel' 334 , 66. dese genäsen al 
zo male (: zale) 335, 64. üp dat he de Cristen gemeit besege zo male 
(: Wale) 348 , 12. dem vergaf he it alzo male (: quäle) 351 , 43. dar 
umbe nam he si zo male (: wale) 360 , 30. — IV. gode beval he sich zo 
male (: zale) 386, 18. entsloz dar al zo male (: sale) de slöz 386, 24. 
si sollen sich wäpenen al zo mal (: sal) 390, 12. — V. de lüde gemeine 
ind al zo male (: male) 396, 58. zo geinem male : quäle 468, 54. ir wä- 
pen buchten zo male : behäle 471 , 24. — "VX dat it en niet ensnit zo 
male 416, 8. — V b . de zwenzich düsent alzomäle 451, 50. — Vc. he vin- 
det da zo male beide Cristen ind heiden (: Runzeväle) 491, 50; doch ist 
zu vergleichen 465, 66, wo Runzevallen : allen reimt. Daher auch wohl 
hier zu ändern mit alle : Runzevalle. — VI. eine gans zo einem male 
(: häle) 539, 57. brach de van ein zo male : quäle 540, 26. 

malaterie, fallende Sucht', d. h. die Krankheit xar it-oxyv. III. 
den was we van der malaterien (: vrien) 336, 1. 

malie, franz. maille. II. ein halsberch van maljen vaste ind 
reine 268, 63. 

maisch, ,kühn'. I. want ich enwart ne so maisch (: valsch) noch 
so vrö noch so blide 133 , 56. — II. mit sinen worden was he maisch 
(: valsch) 271, 11. 

malz. I. da de bevoren warn so malz (: gedalz) ? 113, 61. 

m ä n e t, ,Monat', im Reime nur in III. he lach da vur dri mände 
(: wände) 338, 23. 

mange, ,Belagerungsmaschine'. V. he endarf an sine mangen 
(Hs. wangen : begangen) nummer seil gespannen 468, 29, nach Konrad 
262, 13. 

manich, die Hs. schreibt entweder manch oder mench. In 
V c reimt manigen : Britanien (Hs. menchen) 524, 49. 

maniere, ,Weise'. VI. de ewangeljä alle veire, geschreven in 
güder maneire 538, 7. 

manslacht, ,Todschlag'. I. dawart harde gröze manslacht (macht) 
181, 46. sach (we) he mit grozem nide dar stalte manslacht (Hs. mans 
manslacht : kracht), vielleicht gröze manslacht? 201, 48. 

mar, ,Ross', nur in V, doch auch hier meist entfernt, Konrad 
sagt marh. beide ros inde mare (: gare) 429, 51; vgl. K. 24, 26. 

marke, ,Mark, Grenze'. V. dat mit vreden unse marke (: starke) 
vur en si 402 , 45. van vil menchen marken (: barken) 461 , 11, vgl. 
Konr. 248, 11; erstere Stelle fehlt bei Konrad. 

martilie, lat. martyrium. H. zo siner martilien (Passion Christi) 
: verdilien 270, 45. 

massenide, mhd. massenie. I. ein van siner masseniden (: ziden, 
Hs. masse) 86, 28. mit masseniden (: riden) 98, 61. 

mäze, schwach gebraucht. I. mit göder mäzen : läzen 9, 18. 



- 307 - 

43, 59. 146, 24. in so gemelieher mäzen : läzen 19, 25. zo solicher 
mäzen : läzen 22, 51. in so jemerlicher mäzen : verläzen 68, 6. mit ei- 
nicher mäzen : läzen 134, 41. mit jemerlicher mäzen : geläzen 174, 61. 
an lichtlicher mäzen : läzen 185 , 41. — IL zo göder mäzen : geläzen 
225, 2. 290, 53. mit sulcher unmäzen : verläzen 254, 9. dinre unmä- 
zen : läzen 281, 69. — III. mit inneclicher mäzen : säzen 293, 60. mit 
güder mäzen : läzen 316 , 46. mit enkeinre mäzen : läzen 366 , 57. — 
Va. mit alsus gedäner mäzen : geläzen 458, 6. 

mäzen. I. des mosten si sich mäzen des strides, ,mässigen' 25, 
13. üp dat irs üch me wilt gemäzen 69, 30. wir willen uns gemaches 
mäzen 138, 18. dö konde sich Karl wal gemäzen alles 153, 31; immer 
im Keim. — V. sich mäzen, ,sich gleichstellen', si wolclen sich ouch mä- 
zen der alre meisten dede (diete) 4u0, 27, vgl. K. 9, 29. an den ich Kö- 
lant möge mäzen , gleichstellen' 466, 45, vgl. K. 258, 24 ebenmäzen. — 
Ya. ,sich massigen', kunt ir üch des gemäzen 414, 22. — V°. mögen uns 
gemäzen ,mässigen' 515, 44. do begunden si sich mäzen 521, 66, vgl. 
auch 506, 45, wo vielleicht ir trüren mäzen zu lesen ist. 

megetin, ,Mädchen', nur in Vc (in V natürlich nicht, weil dort 
nicht von Jungfrauen die Eede ist), megetin : hermelin 500, 52. : sin 
501, 36. 507, 19. : min 502, 37. ob auch in I? 154, 8 steht als Karl 
hadde umb de juncfrouwe. Florette leit dö harde pine umb Gallen ir 
juncfrouwe. der schenke stalte gröze rouwe. Keller vermuthet , statt 
pine, rouwe: man dürfte auch lesen als Karl hadde umb dat megetin: pin, 
denn der zweifach wiederholte Reim ist schlecht genug. 

m eilen, ,beflecken'. V. si mözen sich gemelen (: seien) in der 
hellen 469, 19 ? 

meindät, , Treulosigkeit'. I. we gedäne meindät (: Hanfrät) 7, 5. 

meisteren. V. de hervart meisterde Baligän 461, 4, nach Konr. 
247, 28. 

meizoge, ,Erzieher'. I. Davit der was zo meizogen (: ungelogen) 
Karle gegeven 8, 62. 

melde, ,Verrath, Anzeige'. I. nu quam melde, de ne en lach 
125, 58. nu quam do zo der stunden melde de noch ne enlach 159, 43. 

melm, , Staub'. I. slögen si zo dem melme 40,21, immer auf heim 
reimend, dat he mit allen vel in den melm 50 , 62. so dat ich störte 
in den melm 52, 16. genc ficken in dem melme 79, 44. biz he en in 
den melm neder sloch 83, 17. dat si velen zo dem melme 116, 58. dat 
man dat vür durch den melm sach blichen 118, 5. so si stoven zo dem 
melme 178, 19. vel in den melm 182, 4. it wart da vil dicke in dem 
melme 196, 55. — II. de man durch de melme (üz dem melme?) mach 
sen glizen 247 , 67. so he entgän den melm neich 272 , 65. dat man 
sach üp den melm de steine vallen 273, 51. dat man dat vür durch den 
melm blichen sach 274, 28. de sterne (1. steine) van den helmen velen 
zo den melmen 275, 21. vel zo dem melme 277, 28. dat he störte in 
den melm 279 , 19. — HL van dem dürren melme 307 , 65. de neder 
velen in den melm 331, 54. dat he vel in den melm 358, 21. 

20* 



— 308 - 

menie, ,Menge { , nur in V und Vc, im Reim auf venie. V. mit 
aller irre menie 404, 50. bat got vur de cristen menie 465, 17. aller 
der menien 472, 39. dö viel ich under de menie 474, 26. — Vc. sprach 
Karl zo der menie 490, 22. 

mer, ,aber', steht in der Hs. sehr häufig, vgl. 12, 50. 14, 55. 44, 
62. 50, 43. 58, 26. 66, 55. 71, 50. 77, 49. 109, 17 u. s. w. 

mere, mhd. msere, schwach flectiert zuweilen in I. dö vrägede 
he zo hant meren : weren 50, 5. mochten sagen meren : weren 95, 5. 
vernämen de meren : weren 126, 9. stark dagegen 3, 34. 8, 60 u. s. w. 

— IQ. verneinen w T äre meren : weren 325, 61. — V b . sagen dese meren den 
stolzen ritteren 453, 40. sade dese meren den stolzen ritteren 52. 

mere, mhd. maere ,berühmt'. I. mit sime grozen here mere : ge- 
here 46, 60. Gerfein den meren (: geheren) 111, 52. — EI. der helt 
mere : here 368, 34. — V. an der (Hs. vnder) reden mere (: here) 395, 
66. de sint zo hove mere (: müzere) 407, 24 = Konrad 14, 34. he is 
ein vurste mere : geliere 440, 17. Names der vil mere : gehere 470, 55. 
Richart der mere : ere 63. Karl der keiser mere : ere 473, 30. Apol- 
len den meren : beweren 478. 42. Canabeus der mere : sere 482, 19. — 
V a . Ospinel der mere : here 412, 11, : gehere 413, 51. Ospinel den 
meren : eren 414, 47. : heren 415, 24. de helden mere : sere 417, 36. 

— Vb. ind wart ouch wide mere : ere 452 , 5. der degen mere : here 
456, 7. — Vc. ein helt mere : were 493, 45. 518, 2. Karies her dat 
mere : were 503, 10. de helde mere : schere 504, 26. Pinabel der mere : 
were 525, 3. Am häufigsten in V und Vc. 

meringe. V. de mit gode zo der meringe Saz , Abendmahl' 447, 
31, vgl. Konrad 70, 12. 

merkere, ,Merker , Störer der Liebenden'. I. mirkere : sere 
101, 35. 

merren, ,zö"gern'. we lange sal dit merren sin 65, 16, nicht im 
Reim. — II. Morant niet enmerde (: gerde) 224, 8. sunder merren ind 
beiden 226, 3. 228, 63. sunder merren ind bliven 228, 31. äne merren 
ind äne resten 235, 57. — HE. dat st niet enmerden : erden 301, 20. do 
enmerde he langer niet 313, 35. der keiser enmerde niet 333, 60. — 
IV. he vrägede wä he hedde gemerret (: vererret, Hs. gemeret : vereret) 
387, 60. dat lange merren was eme leit 388, 53, wo Elegast 988 letten 
(:= letzen) steht. — V. so enmerren wir niet seder 437, 48. nu vart ind 
merret langer niet 444, 10, keinmal im Reim. — Vb. du merres zo lange 
458, 59, auch nicht im Reime. 

mertelere, ,Märtyrer'. HL leven der merteleren ind we si ge- 
storven weren 326, 69. vunden der mertelere (: here) also vele 327, 8. 

— V. in der merteler chöre 395, 60. de heiige mertelere : were 467, 35. 
dese mertelere : mere 491, 56. den heiigen mertelere : were 515, 11. 

merz, ,März'. I. 14, 59. 62 biz an den merz, nicht im Reim, 
m es sine. HI. ein bilde van messinge gemacht 341, 32. 
metz, ,Messer'. I. Höderich ein metz geprant 22, 63. mit metzen 
stechen 79 , 17. ein stechemetz dat schone was 128 , 66. (Hs. scheche 



— 309 — 

metze.) ein stechemetz 189, 2. — II. mit eime metze he" en erstach 258, 
39. mit eime metze he bickede 259.39. — IE. stach en mit eime metze 
fiere 369, 14. 

michel, die Hs. schreibt gewöhnlich michelich. I. ein her unehe- 
lich inde groz 47, 37. ein michelich ros 198, 52. ein michelich deil 67. 
— II. michel baz 231, 26. — HL ein michelich her 307, 11. — IY. ein mi- 
chelich strit 393, 64. michelich fehlt Elegast 1336. 

miete, ,Bestechung c . EL manich durch mede nü verrede sine 
mäge 216, 41. als ich ne engenam mede : verrede 244, 43. den jungen 
ritteren gaf he mede : verlede 290 , 26. — Y. durch gäve[n] inde mede, 
dat he de bosheit dede (rede = riete?) 448, 28. — Yc. si sint wal wert 
güder meden (Lohn) : beden 499 , 24. durch Ion inde mede (: verrede) 
517, 8. durch danc of durch mede : gerade 521, 58. verrede [zo] den 
heiden durch mede 526, 23. 

min, ,weniger', im Reime erscheint es in I. ein wenich min : 
sin 117, 40. dri hundert ind niet min : bin 122, 23. dat he der heiden 
machte min : sin 199, 30. — HL it enhalp en min noch mere 354, 55, 
ausser Reim. — IY. nie noch min : in 387, 1, vgl. Elegast 879. 

ministriere, ,Minstrels , Spielleute'. Et. hundert ministrere 
(: vere) de wir nennen speleman 287, 12. ouch mosten dar mit sinnen 
de ministrere zönen da ir meisterschaft 291. 71. van ministreren de schare 
292, 8. — EH. nu hadden sich de ministrere bereit schere 296, 48 in der dem 
Schlüsse von II nachgeahmten Festschilderung. 

minne, , Gehebte'. I. dochter, leve minne, immer im Reim, 57, 62. 
Florette, herzeminne 70, 59. Galie, herzeminne 71, 9. 154, 18. Flo- 
rette, 16ve minne 71, 43. [nicht im Reim güde minne, bedenke dich 
72, 8.] nu blivet gesunt, sprach he, minne! 78, 1. leve soze minne 99, 
56. sins herzen minne 102, 59. sal he dan komen, minne? 133, 24, wo 
die Hs. schreibt sal hey dan komen myne meisterynne (: meysterynne). 
de (Hs. der) herzeleve söze minne 141 , 51. ir sprechet war, leve minne 
146, 62. erveret iich niet, gu.de minne 165, 21. sit wilkome soze minne 
166, 44. sit wilkome, sprach he, minne! 210, 11. — IE. herzen minne 
277, 70. 280, 55. leve minne, ausser Reim 263, 26. 

missagere, ,Bote'. HI. machden sich zwene missagere (: rittere) 
348, 41, ,verkleideten sich als zwei Boten'. 

misse, ,Messe', in specieller Bedeutung ,Fest eines Heiligen'. Y. 
zo sante Michels missa (: gewisse) 408 , 37 , nach K. 17 , 12. biz ent- 
gän sent M. misse : gewisse 435, 50, nach K. 37, 14. 

mis seli che. Yc. si sprächen misseliche umbe Wellis missedät, 
,waren verschiedener Ansicht' 520, 45. 

misseprisen, ,tadeln'. V». ich enröche wer mir dat misseprise 
: Dionise) 413, 29. 

missewende. I. it were sere uns zo missewende ,Tadel' (: ei- 
lende) 38, 47, immer im Reim, vochten sunder missewende 51, 37. dit 
is uns groze missewende 67, 57. sunder missewende gewäpent 115, 57. 
mit eren sunder missewende 180, 21. mit vrouden äne missewende 205, 



— 310 — 

63. — II. des ich. hän missewende 273, 25. an mine missewende 282, 4. 
— V a . min öme hedde is missewende 419, 16. 

missewenden, .schlimm, zum Tadel auslegen'. V. here, it wirt 
uns missewant (: Rölant) 399, 16, fehlt bei Konrad. 

mdden, hochd. muoten, ,zumuthen, ansinnen'. I. ich sal sagen 
inde lesen wes si en möden (: wöden) 7 , 18. — IV. it is pine, dat ir nu 
möt (: döt) 389, 27. 

möden, hochd. müejen, , ärgern, kränken'. I. we sere mich dat 
modet (: hödet) 9, 54. ein dinc modet minen sin 49, 13. och we sere 
modet dat den edelen schenken 50, 54. dö mödde in dat in sime her- 
zen 124, 25. want he sich hadde gemödet dare 135, 66. dat modet mich 
in mime herzen 143, 57. dat sal (mich) möden in min graf 188 , 34. — 
V. he modet mich an den ören 475, 27: Konrad 272, 31 der muot mich 
harte sere. — Vc steht moet, dat moet mich so sere 517, 28. 

möden, ,müde machen'. Yc. he was vermödet van den siegen 
494, 30. 

mogentheit, ,Macht'. VI. als ein keiser in sinre mogenthede 
(: mede) 537, 67. 

m o 1 d e , ,Staub'. I. he slöch da menchen degen wert vur sine vöze 
in de molde (Hs. den melme : woulcle) 81, 45. den slöch der schenke vur 
sine vöze in de (Hs. den) molde 84, 30. dat slöch der schenke als in de 
molde (: golde) 85, 42. ich sal en vellen van sime rosse zo der molden : 
vergolden 107, 57. he hat gequält m§ dan seiszich zo der molden : ver- 
golden 118, 44. — IV. dat he en vil nä hadde gevalt van dem rosse zo 
der molden (: holden = halden) 380, 2 : Elegast 424, 25 liest anders ; aber 
diese Abweichung gebührt dem Compilator nicht , der weder molde 
noch holden sagt. 

morden. V. ain woulde man en ermorden (: worden) 470, 38. 

morne, ,morgen'. I. overmorn : zorn 54, 23. morne : walge- 
borne 185, 59. — II. morne : zorne 244, 14. overmorn : zorn 246, 6. — 
Ausser Reim morn 77, 36. 78, 30. 388, 32. 499, 50. 

morsel, ,guter Bissen', mhd. mursel. I. dö brachte(n) eme de 
koche dö menich gut morsel zö 12, 53. entsiecht morsde, dar man de 
vette morsde az 6, 36. 

m u n t b o r , ,Vormundtschaft'. I. ouch machte si der koninc rieh 
muntbor over al de lant 5, 36. want si waren gekoren over alle lant 
zo muntboren 5, 54; die Hs. hat mummer und mommeren. 

mur, ,mürbe'. V. it was allet mit eme mure (: vure) 480,35; bei 
Konrad fehlt die Stelle. 

muschel, ,Muschel'. I. muscheln inde zeichen ströme 10, 39. 

müzere, Falkenart. V. düsent müzere 407, 23, nach Konrad 
14, 33. winde ind müzere 426, 49. müzer 431, 59. als ein gut müzere 
446, 65 ; überall nach Konrad. 

nac, ,Nacken'. I. üp sines rosses nac : lac 83, 42. neben nacke. 
haf de sucht in dinem nacken (: backen) 3, 17. neder negede he sinen 



— 311 — 

nacken : backen 48, 63. so was he an stnen backen geslagen ind ouch 
an sinen nacken 136, 21. he lachte sinen nacken (: backen) 148, 21. 

näkomelinc, ,Nachkomme'. III. sine näkomelinge 315, 63. — 
VI. ir näkomelinge 534, 37. In III daneben näkome. sine näkomen : 
wonen 320, 9. 

näl, ,Nagel'. III. einen näl : mal 334, 65. 

nalde, ,Nadel'. I. mit erer nalden si en kroch under de ougen 
163, 27 ; nicht im Reim, aber im mitteld. sehr gewöhnlich. 

namen, s. nomen. 

när, ,näher', auch md. Vc zo Karle geinc he dö när (: war) 511, 
30. — när == nach, siehe oben S. 78. 

nauwe. I. dö dachte he nauwe zo der stunt 141, 33 , genau, 
sorgfältig'. 

neken, ,nahen'; dies die allgemeine Form, die freilich kein Reim 
sicher beweist. I. 51, 11. 56,46. 80,41. 109, 54. 147, 34. — IL 221, 
10. 259, 11. — m. 329, 55. 341, 53. 343, 41. — IV. 385, 26. — V. 
427, 62. 434, 23. 460, 22. 465, 11. 479, 8. - Vc 507, 7. 510, 58. 
530, 1. - VI. 536, 61. 

nichte, ,Nichte', hochd. niftel. I. nichte : gesichte 145, 25. nichte : 
berichte 158, 47. 

nidere, adv. ,nieder', nur inV c . op mich saz he dar nedere : ge- 
vedere 502, 63. he lez sich dar nedere : gevedere 504, 42. 

nideren, ,sich erniedrigen'. V. dö nederde der sonnen schin ,die 
Sonne gieng unter' 489, 67. 

niderval, vgl. Everharts geselle, de mit nedervelle van Bremunde 
wart erslagen 219, 22: oder ein femin. die nidervelle? 

nieren, ,nirgend', nur in II durch den Reim belegt. 236, 42, wo 
zu lesen ist neren : geheren (Hs. neir : geheir). 

nieten. V. der alre meister dede, der man sich e genede 400, 
29. of ich des geneden mochte (oder geniezen?) 441, 20. 

nit, pleon. äne nit. EL so wilche zit geboren werde äne nit ein 
koninc van Vrancrich 342, 5. lägen zo der zit in eren tenten sunder nit 
345, 55. dat he sunder nit (: strit) de stat behalden mochte 350, 19. 
de spisen wir alle zit in godes ere sunder nit 355, 60. 

nit lieh, ,gehässig'. III. helden dö den kif (Kampf) harde starc 
nd nitlich (: rieh) 311, 55. we harde ind we nitliche (: Vrancriche) he 
orlogede 315, 33. woulde striden nitlich (: zitlich) 356, 53. streit harde 
nitliche : Vrancriche 358, 26. — Vc slöch Dederiche harde nitliche einen 
grimmelichen slach 528, 49. 

nitspil, ,Kampf, vgl. zu Strickers Karl 811. III. bleif doit in 
dem nitspele : vele 308, 27. — V. in dem selven nitspele (Hs. mit speie : 
vele) 482, 51. 

nochdan, mhd. dannoch, durchgängig. Im Reime steht noch- 
dan in I. en enhedde vergezzen niet nochdan : man 29, 48. slöch üp Mö- 
rant nochdan : man 83 , 2. — V. doch moste it en rüwen nochdan : 
Karlman 475, 13. 



— 312 — 

node, ,kaum, schwerlich, gezwungen, mit Mühe'. I. nöde ich des 
kalle ,ich spreche es kaum aus' 9, 14. he woulde node it hän gedän 11, 2. 
so soulde ich nöde unvromen don 33 , 31. nöde soulde he en dregen 
101, 63. Karl soulde des nöde hän vergezzen 103, 24. de de lesten an 
stride nöde soulde sin 121 , 50. dat st (der Pilgerstäbe) nöde enbären 
138, 53. si soulden sich nöde hän verlat 144, 35. des soulde he node 
wesen af 150, 43. ir souldes nöde walden 169, 37. — II. dat si de 
kröne node soulden besweren 229, 29. dat horden also nöde si 32. dat 
he gröze güde nöde an den keret 232, 60. de üch node soulden logen 
sagen 242, 59. dat si da wären node (: blöde) 255, 19. des he en nöde 
sege gewert 290, 37. — III. Karl hadde nöde ,aus Noth, gezwungen' den 
heren zorn 301 , 9. nu woulde ich node vergezzen 358 , 12. — IV. wat 
node soulde mir wesen dan 374, 55 ist nicht adv., sondern Genitiv, wohl 
aber nöde breche ich sin gebot 374 , 58 ; vgl. Elegast 78. so wolde ich 
es geloven node (: enbode) 374, 60. si soulde en nöde läzen hangen 383, 
51. — V. we node ich nü leve 466, 26; Konr. 258, 2, wie ungerne ich 
nu lebe! — V a . nöde soulde ich dich bedregen 410, 42 (vgl. 101, 63). 
want irs node enbert 420, 16 (vgl. 138, 53). — YI. dar umb wart he sin 
node quit 537, 67. 

nömen, ,nennen', in II im Reim, genömet : verdömet 217, 50. 
benömde : verdömde 290, 43. — IV. it komet : ir nomet 380, 49. kö- 
rnen : nomen 387, 17. — VI. der ich alle niet genomen enkan, ausser 
Eeim 537 , 49. — V. grozen schaden he uns vernomet : komet 406 , 44 
ist wohl nicht dasselbe Wort, denn V sagt namen (: samen) 462, 48, 
vgl. 479, 30. 

nöse, frz. noise aus nausea (nicht noxa). I. den nöse : böse 156, 
5. 201, 42. — IL vielleicht 271 , 28 , wenn man die vier Zeilen in zwei 
zusammenzieht mit dem Reime nöse : böse. — V b . don gröze nöse : 
böse 452 , 65. gröz genos : groz 455 , 21. Das Verbum nösen in I. 
: kosen 161, 31. — V. genosen : erlösen 465, 40. 473, 9. 

not, in der Verbindung over not III. ind wan si en af over not: 
dot 371, 60, soviel als sunder iren danc; ebenso zu lesen ist 309, 67. 

nötlich. V. de rede dö notlich wart ,angstvoll , bedrängt' 
406, 20. 

notveste, ,fest im Kampfe'. V. entgän dese nötveste (: geste) 
402, 16. 

nötzogen, ,nothzüchtigen'. I. we he si soulde nötzogen (Hs. 
noitzuchten : bedrogen) 171, 40. du enwouldes notzogen (Hs. noitzuch- 
tigen) si 203, 59. 

cehein, im Reim nur V c ; I etc. schreiben öme und sprachen wohl 
auch so. Wellis is min oehein : engein 521, 54. Wellis sin oehein : 
schein 526, 27. 

olbende, olbunde, beide Formen in V im Reim, erstere häufiger, 
müle ind olbunde : vunde 407 , 17 , wo man aber auch schreiben kann 
olbende : vinde. müle ind olivenden : senden 426, 48. 429, 47. seis du- 



— 313 — 

sent olivenden : senden 431, 57. er müle noch ir olivenden : sehenden 
435, 46. 

olive, ,Oelbaum'. V. satten sich under einen oliven (: schriven) 
447, 21; vgl. Konrad 70, 6. 

omtrent, sieh oben S. 78. 

ordinären, , ordnen'. V. dat min here soulde ir leven ordinären 
ind rät geyen 435, 58, K. 37, 20 hat ordinen. dö de scharen geordineret 
wären alle 472, 30. 

ors. I. mit eme orse wal gedän 13, 17. brachte an der hant ge- 
leit selve sin ors (Hs. ers) 29 , 67. — V. de hänt lange hoft als de ors 
(Hs. ros : Zors) 476, 39. 

ort, , Schwertspitze'. II. metzes ort : mort 258, 42. — V. dat ort 
vaste en durchbrach 403, 27. 

otmode, ,Demuth'. I. durch ür heiige otmode (: gode) 65, 2. — 
II. durch ür rechte gode ind ür [rechte] ötmöde 263, 16. bat sine gode 
ind sine gröze ötmöde 269 , 51. — IV. ind viel üp sin knie in (Hs. ind) 
ötmöde (: gode) 392, 65, wo Elegast 1258 ein anderer Reim steht. — 
V. durch sin ötmöde (: gode) 431, 3. — Va. durch dine otmode (: gode) 
519, 11. — V c . mit grözen otmöden : goden 490, 36. mit grözer ot- 
mode : gode 526, 41. 

otmode, ,demüthig' , nur in V. machet üch otmode : gode 
426, 22. 

otmodelich, dasselbe. I. nä dem selven gebede , dat Karl do 
ötmödelich dede (besser ötmödich) 89 , 10. dit däden si otmödeclich 
(: Yrancrich) 128, 46. — m. harde otmodelich : ertrich 315, 1. — IV. 
des danete Karl otmödeliche 388, 37. 

ötmödich, ,dasselbe c . m. si was simpel ind ötmödich : sicher- 
lich 314, 54. — IV. ötmödich got 376, 33. 393, 6. 

otmodicheit, ,Demuth'. VI. nü höret ein gröze ötmödicheit : be- 
reit 535, 4. 

overen, ,übrig bleiben'. HL schätz, de eme geoveret was 319,19. 
schätz, de eme in Hispanien geoveret was 342, 26. 

overmitz, ,in der Mitte', nirgend im Reime. III. wat si hedden 
verlorn overmitz Desiderius zorn vermittelst, durch' 310 , 16. ind slöch 
er vele overmitz enzwei 347 , 25. speit overmitz enzwei 365 , 23. — V. 
overmitz inzwei he en slöch 487, 35. — Va. dat he overmitz inzwei spielt 
417, 9. 

paltenere, ,Bettler c , altfr. pautonier, natürlich nur in I (u. II). 
zwene paltinere : vere 10, 42. ein palteneres kleit 100, 24. dri palte- 
neres slavenien 135, 9. paltenere : schere 139, 37. der edel paltenere : 
were 140 , 65. dar genc ein paltenere : unfere 142 , 33. de vunf palte- 
nere : schere 147,58. dese böse paltenere : fere 149, 1. — IL ein arme 
paltenere : fere 227, 53, mit Beziehung auf I (vgl. 142, 33) , daher kann 
es sein, dass das Wort erst vom Compilator hier hinein getragen ist. 

part, im Reime nur in in. der eren part : Luckart 327, 35; 
ausser Reim in II. in zwe part delden sich 252 , 68. 



— 314 — 

partie, nur in ITT. van beiden partien : verzien 308, 50. 

pas, frz. pas, am häufigsten in EI (in I und II, so viel ich be- 
obachtet habe, gar nicht), machde sinen pas : was 313, 14. mallich reit 
dö sinen pas : was 315, 28. Karl reit sinen pas : vurbaz 316, 16. he 
bleif halden üp dem pas : was 319, 10. mallich reit sinen pas 324, 1. 
Karl reit danne sinen pas : baz 332, 18. he" vurheilt en menich pas : 
gehaz 357 , 37. sin antlitze was lanc einer eilen pas 362 , 16. — IV. 
quam einen pas : saz 377 , 58 , meint wohl , wie aueh Elegast 283 steht, 
pat : sat. — V. was wlt ind lanc in (Hs. ind) menchen pas (von einem 
Grabe gesagt) 467, 29. üp dem pas : was 476, 8. — VI. drögen en hene 
sinen pas : saz 538, 52. Einige Stellen können durch pat erklärt wer- 
den, an andern muss man pas annehmen. Bestimmt kommt das Wort in 
m und VI vor, ob auch in V ist ungewiss. Die zwei Stellen können 
vom Compilator herrühren. 

passen. IV. enkunnet er si niet gepassen de gene de üch haz- 
zen 381, 50; hier steht gepassen an Stelle von ghematen (: haten) Ele- 
gast 544. 

pert, der Plural perde, wohl nur in III und IV, kaum in I. Zwar 
steht he valte neder üp de erde beide man inde perde 41, 60; aber hier 
ist dreifacher Eeim und 41, 60 — 42 , 1 sind zu lesen he valte neder man 
ind pert. so war Bremunt sin swert begonde keren. — III. min perde : 
werden 348, 5, wohl perden, wie Elegast 1025 steht. — IV. perde : verde 
377, 30. gewerde : dri perde 389, 24. 

p i 1 e r e , ,Pfeiler'. I. an einen marmelen pilere : sere 144 , 58. — 
V c . entuschen zw6n pilären : wären 503, 56. 

. pilgerin, ,Pilgrim' , die Hs. schreibt gewöhnlich pilgerim; die 
Reime bestätigen nur jene Form. I. pilgerin : sin 8, 56. 10, 45. in ei- 
nes pilgerimis gewtse 142, 46 beweist natürlich nichts. — II. einen pil- 
gerin : sin 258, 18. her pilgerin : sin 260, 51. den pilgerin : sin 265, 
5. der pilgerin : sin 267, 31. — V. wal üp, ir bilgerine : erschine 
398, 33. 

pilgrinere. I. de pilgrinere (: tere) 137, 19, Hs. pilge mere. 
gecleidet harde schere alse pilgerinere 146, 66; an den beiden Stellen 
kann man aber auch lesen paltenere. 

pinböm, ,Pinie'. V. an einen pinböm wal gedän 431, 33. 

pinsen, ,denken', franz. penser , mnl. sehr häufig, einmal in I 
stehen geblieben 133, 44. Dass der Compilator nicht so sagte, beweist 
die Entfernung des Wortes in IV; sieh S. 82. 

plegen, ein partie. geplogen statt gephlegen in I. geplogen : un- 
gelogen 160, 45. 167 , 33. V. : herzogen 406, 26. 

pleit, franz. plait, plai. II. pleit : steit (: stet) 261, 36. 

plomen, ,Federn' , frz. plume. II. sin plömen he üz streckede, 
der Adler 233, 63. 

porzenere, ,Pförtner'. I. sinem portzeneren (: heren) oder 
portzenere : here 15, 9. de portzener, de der porzen plach 63, 6. den 



— 315 — 

selven göden porzenere : mere 68, 43. — IV. den wechter ind den port- 
zenere : here 376, 3. 

pr enden (vgl. J. Grimm in den Göttinger gel. Anz. 1831, S. 806) 
frz. prendre, stark flectiert. prinde, prant , prunden. I. geprant : ge- 
want 18 , 41. : zohant 22 , 63. geprant (Hs. peprant) : hant 65 , 23. 
: bant 67, 4. : lant 87 , 3. : hant 106, 32. 136, 56. 189, 1. : bant 
197, 17. Auch 23 , 35 ist prant herzustellen , Hs. nam : bewant , ebenso 
42, 42 geprant (Hs. geramt) : hant, vielleicht auch 82, 57. — H. prant : 
lant 231 , 56. : zohant 246 , 25. he enprunde en mit beiden handen, 
conj. 277, 18. prant : hant 292, 59. — YP. sin hörn he mit der hant 
prant (Hs. pranck) : spranc 459, 60. 

presant, , Gesichtskreis'. H. als si üch koment in presant (: zo- 
hant) 228, 61, , sobald ihr sie erblickt'. 

prisant, , Geschenk, Gabe', altfr. I. nemet van mir dat prisant 
(: walbekant) 127, 53. mit mancheme prisante riche 130, 47. 

prisün, ,Gefängniss'. n. leiden in üren kerker ind prisün (: gar- 
zün) 228, 64. des ligent si in dem prisün (: garzün) 245, 58. 

prüzen. I. Orfe liez dar enbüzen ir man algader prüzen (Hs. en- 
bussen : prussen) ind ir zwo juncvrouwen ,warten?' 170, 39. 

pur lieh, ,rein, nur', von pur. HI. dese gäve he gaf pürlich 
umbe got 373, 42. 

purpunt, altfrz. purpoint, porpoint. I. ein purpunt däden si eme 
ane (Hs. omme) va(n) wizen pellen als ein swane 55, 7. darnä dede he 
(ein) purpunt ane van pellen wiz als ein swane 62 , 32. 

putze, lat. puteus. V. in der hellen putze (: gutze) 469, 20. 

quäden, ,misshandeln , verstümmeln', m. war umbe si hedclen 
den päes gequait an sinen leden 326 , 10 ; doch ist wohl gequält zu 
lesen. 

quäle, zuweilen pleonastisch : mit quäle, um den Vers zu füllen. 

I. als he mit quälen (: malen) van sente Jacob queme 10, 37. si moch- 
ten körne de quäle (: stäle) hän geleden 82 , 12. he mede verbarch 
(Hs. verbrach) si ir quäle (: sträle) 141 , 15. da mede dede he gröze 
quäle (: maeäle) den heiden 197, 66. — HI. den vergaf he it alzomäle 
sunder einiche quäle, ganz pleonastisch, 351, 43. — V. vele bitter wirt ir 
quäle : male 468 , 55. — VI. dan ave enhadde he geine quäle : male 
340, 27. 

quät, , schlecht, böse'. II. we quät döt 217, 5. quät gebere 276, 

II. — IH. we wal en döchte quät (: rät) 301 , 11. si was gut ind niet 
quät : Vasterät 316, 60. si enmochte so quät niet wesen 320 , 41. mis- 
sedät de vur den (lüden) lüdet quät 322 , 49. so behüde uns vor den 
teren quät : missedät 330, 8. van den quäden heiden 346, 51. dit is 
ein harde quät sede 356 , 7. — IV. gevelt mir quät of zo güde 378 , 2. 
mir kome daraf quät ofte leif 379, 19. ain hat he mich bi quädem räde 
383, 1. sin herze was vol quädes al 393, 29. — V. ind dede en quät 
geleide 404, 36. — Vc. mit quädem räde 521, 24. — VI. mit dem quä- 

40. ind we swere ind quät it si 540, 44. 



— 316 — 

quät = kät , ,Koth c . IL umb desen rät engeve ich niet ein per- 
des quät 267, 41. 

queln, schwach verb., , quälen, tödten'. I. wat he er quelde 
(: helde) mit sinem güden swerde döt 40, 30. e he uns alle gequele biz 
an den döt 47, 21. sint du zo dem döde bis gequält (: ervalt) 6G, 52. 
des mannes minne deit mich quelen (: verhelen) ist intrans. und wohl 
stark 70, 48. ebenso ein dinc döt min herze quelen (: verhelen) 75, 7. 
hadde verqualt (: balt) zo dem döde 84, 37. he hat an kurter zit ge- 
quält (: balt) me dan seiszich zo der molden 118, 43. — IL Karle be- 
gonde quelen (: helen) dat herze in sime live, intrans. 225, 44. dat si 
schrüen ind quälten (: stalten) umb ir vrouwen Galien 238, 70; ebenfalls 
intrans. , ,Qual litten , sich quälten', doch vgl. si schrien inde quälten 
sich inneclichen sere 272, 3. — III. da wart gröz jämer gestalt inde me- 
nich herze er quält van rüwen 300, 20. 

quentine. I. dede eine quentine machen 54, 51 ff. 

queschen, vgl. mhd. quaschiure. DI. dat he mit alre sinre macht 
en niet gequeschen künde , erdrücken' 366, 44. 

quit, , quitt, ledig'. I. quit inde ledig 34, 2. läzen quit (: zit) 
150, 3. — D. ich enläzen si es niet quit (: zit) 218, 47. dat he is mit 
eren worde quit (: sit) 226, 66. liez lös inde quit (: zit) 290, 67. — DI. 
we machtu mich also quit (: zit) 300, 36. dat he es ne enkunde werden 
quit (: zit) 317 , 27. ind machen en van allen sunden quit : begit 321, 
22. des enkunde he niet werden quit : zit 323, 25. biz he sins leides 
wart quit : zit 49. wir werden al dis landes quit : zit 324, 15. woltu 
werden deser sorgen quit : zit 328, 41. machde sich de(r) afgode quit 
: zit 341 , 23. irs lifs worden quit : zit 357 , 53. — IV. dö Karl wart 
sins levens quit : zit 536 , 37. dar umbe wart he sin node quit : zit 
537, 41. 

quit, 3. ps. von queden, in formelhafter Anwendung in DI und 
V. als uns dat welsche quit (: zit) 303 , 41. als uns dat latin quit 307, 
36. : strit 311, 29. 344, 61. : zit 314, 46. 341, 6. 355, 26. : Polit 
323, 35. alsus uns de geschrifte quit : zit 318, 48. alsus uns de schrefte 
quit : zit 335, 6. — V. is it, als dat böch quit : zit 484, 39, nach Kon- 
rad 287, 17. 

rämen, ,zielen, trachten nach', mit Genitiv. I. so si beste kün- 
den gerämen (: quämen) 181 , 2. he rämde ir nä dem herzen 189, 5. — 
DL he rämde einer (Ds. eyne) zit 317 , 43. — V. dat wir des besten ge- 
rämen : amen 437, 4, nach Konrad 41, 1. wes du mit mir woult rä- 
men : quämen 441, 33. da si dines lönes mözen gerämen 466, 69. — 
Vc. Eölant begunde is rämen : quämen 502, 46. — Für DI wohl kaum 
anzunehmen. 

rätgebe, ,Rathgeber'. V, nach Konrad. dit loveden alle de rät- 
geven : leven 408 , 59. he was ein der rätgeven : leven 434 , 39. der 
wichent alle sine rätgeven : leven 445, 10. he hat wise rätgeven (Ds. 
-gever : leven) 445, 64. ind ouch sine rätgeven : leven 463, 48. 

rechen. I. alsus hört ich it rechen, ,ausrechnen, erzählen', 14> 



— 317 — 

42 (: wechen). dat si mit eren munden sich niet gerechen enkunden 
,erreichen' 77, 12. Gälte, so ich hörde rechen (: sprechen) ,sagen' 78,6. 
den ersten den Karl do gerach (: stach) 79, 7 , erreichte', e man mochte 
gerechen, ,ausrechnen, bemerken' (: sprechen) dat ir Karl minnet 80, 46. 
den göden Mörant he gerach (: stach) ,erreichte' 82, 60. in de schulde- 
ren he en gerach [t] : stach 84 , 6. dat he Bremunt gerach[t] : stach 
91, 6. want he dö an der stunde Karl niet gerechen (Hs. gericken oder 
auch gerecken) enkunde 91, 58. dat he mich mit sime sper also gere- 
rechet (: stechet) 105, 61. wat he gerachde mit dem swerde 116, 49. 
binnen einre wechen sal ich mich gerechen, dat ich mit üch dar gän 
es dahin bringen, erreichen' 159, 24. als ich üch sal rechen , sagen' 187, 
64. — HE. den ersten den he gerach[t] : stach 331, 37. so wen he ge- 
rach (: stach) 331, 45. — IV. Karl begunde rechen (: brechen) dat kolter 
van dem ploche 384, 38. — Va. dat des düveles schacht desen schilt so 
rechte gerach[t] : brach 411, 65. hinder dem sadel he dat ros gerach[t] 
: lach 415 , 55. — Vb. üp sin halsberch he en gerach : brach 456, 13. 
Gleichbedeutend ist in I gerechenen : dat du is gerechen en niet enmacht 7, 14. 

gerechelich. I. dat mallich geröde hedde bi eme gerechliche, 
so dass er es erreichen konnte' 60, 60. 

recke, ,Recke, Held'. Wohl kaum in I. wer dö si des rechten 
here of wan si dar komen sin 105, 6G, wo die Besserung der recken 
here nahe liegt ; aber in I steht das Wort nicht im Reim. — Dagegen sa- 
gen recke V und Vc. wederstän sinen recken : ecken 468, 37. so zo- 
slöch he dem recken (: ecken) den schilt 486, 50, vgl. Konr. 291, 15, wo 
recke nicht steht. — Vc. Oiger der recke (: ecke) 525, 63. 

recken. Va. der buschof reckede eme de hant 412, 33, = 
rechen. 

rede, steht pleonastisch in VI. zo hant nä desen reden (Hs. de- 
sem, : steden) 536, 3 ,nachdem dies geschehen, darnach'. 

redelich. I. dat he üp dem dorpel lach harde geredeliche döt 
vollständig' 24, 24. 

reichen, in V dasselbe, was rechen in I und HI; doch kommt 
reichen im Reime auf streichen vor 211, 57. den hentschen he eme dö 
reichde (Hs. reckede : erbleichde) 441 , 2. dat man en eme so dicke 
moste reichen (: zeichen) 441, 12. in ein küle reichen : zeichen 467, 45. 
durch wat he si üz dede reichen : zeichen ,die Barte' 473, 53. 

richeit. I. de aller meiste richeit 14, 2. 

richte, adv. acc. die richte; gewöhnlich mit die krumbe verbun- 
den , sieh krumbe. Ausserdem noch I. quam de richte ind ouch de 
wers (lies twer) 198, 16. — II. begunde sich heven zo River de richte 
223, 23. reden de richte zo Paris 233, 48. he stont üp de richte (: an- 
gesichte) 239, 17. sint beide gerant vur eine burch de rechte (: lechte) 
284, 47. randen durch Paris de richte zo Mont Leheris 284, 68. — HI. 
beide de richte ind ouch de dwers 316, 34. 

rinke, ,Schnalle'. V. tuschen dem loch ind der rinkin (: sin), 
dämlich des Gürtels 539, 48. 



— 318 — 

rinnen, ,laufen'. I. runnen eren herbergen zö 23, 57, nicht im 
Keime. — II. paffen munich ind nunnen mit den leijen zö runnen 245, 9. 
man sach manchen man rinnen : gesinnen 272, 18. — HI. dat de heiden 
dar üz runnen (: gewunnen) 349, 60. Rölant zohant dar ran : began 366, 
67. — V. van uns so moz he rinnen : innen 398, 40. dö vunden si en- 
binnen de grimmen lewen rinnen 427, 33. it mochte wal rinnen (: min- 
nen) 443, 41. der drache spilde inde umbe ran (: quam, lies gewan) 
478, 6. — V». aldär sin ros ran : schiltman 412, 44. — Vc. he bat en 
vur rinnen (: gewinnen) 513, 47. dö hez he na eme rinnen (: gewinnen) 
518, 35. 

risen, ,fallen'. III. de blömen bestonden zo risen : Ilse 333, 39. 

rite, ,Fieber'. IL of he hedde den rede (: lede) 325,42. nu moze 
der rede (: mede) Fuckarte vellen 231, 26. 

rive, ,freigebig, reichlich'. I. Bremunt was mortrive (: live) 82, 
54. Gerfein was der siege rive (: live) 118, 19. sin böse möt was sfr 
s winde ind so mortrive (: wive) 164, 53. it was dö allet gevens rive 
: live 209, 56. — II. Karl was gevens rive : wive 290, 56. it was dö al- 
lst rive : live 292 , 22. — II. de nase van sime live einre spannen lanc 
rive ,reichlich' 362, 18. 

roch, , Geruch'. III. den alre sözesten roch : doch 333, 13. mit 
so sözeme röche : rochen 333, 31. 

rödelecht. I. dat was ein rödelechtig vale (: wale, lies vole : 
wole) 30, 10. 

röken, mhd. ruochen. Va. gerne ich din röchen ind wil dich 
ouch versöchen : Hs. dich ruckede : versoechene 423, 62, ein Zeichen, 
dass es nicht verstanden ward. 

rosbäre. V«. hez rosbären machen 492, 13. lachte si üp de 
rosbären : zwären 492, 17. 

rü, mhd. ruowe, und rün, mhd. ruowen. I. ro : do 36, 53. 74, 
53. 129, 44. : zö 119, 58. gerün : dün 8, 45. geroen : gedoen 71, 46. 
162, 10. 168, 64. 195, 8. roen : gedoen 73, 50. rüwen : doen (so!) 
75, 24. doen : roen 75 , 29. 52 , 53. rowen : gedoen 97 , 57. doen : 
geroen 52, 52. 53,43. 100,47. 101,18. doen : roen 112, 36. 132, 
53. 148,4. : geroen 113, 21. 131,6. 131,40. 184,26. geruwen : 
gedoen 154, 56. — II. nur einmal gerouwet (lies geroet) : gloet 262, 42. 
- m. gedoen : geroen 320, 40. doen : roen 328, 33. 336, 60. 338, 6. 
: geroen 338, 49. rö : unvro 349, 58. — IV. geroen : doen 389, 5; in 
Elegast ein anderer Reim. — V. roe : zo 397, 35. 438, 43. 439, 1. unro : 
zo 484, 18. doen : geroen 400, 65. 406, 64. 408, 23. 431, 1. 432, 31. 
446, 31. — Vc. vroet : geroet 501, 56. 

rucken. I, mit sporen he dö ruckede (: druckede) dat rabiz 119, 
51 (Hs. vickede : druckede). — III. so we eme ein smit üz ruchte ,zog' 
mit einer zangen einen näl 334, 64. 

rümen. I. David rümde den hof 8, 21. mit mir rümde he den 
hof 11, 57. he wolde rümen den hof 13,2. läzen van der hant beide erve 
inde lant ind rümen 28 , 34. mit en rümen desen hof 29 , 11. sin lant 



— 319 — 

ind sin ere rümen 29, 61. durch mich rimidet (Hs. rumet) ir de lant 
86, 59. de mit eme gerümet hadden dat laut 96, 1. sus wart Karle de 
heide gerümet 121, 18. we de zwene gerümet weren üzer Paris , entflohen 
wären' oder , entfernt wären' 126 , 10. de stat enwoulde he rümen niet 
140, 43. ouch rümde si den schönsten sal 145, 61. — II. mit üch rü- 
met dit lant 239, 57. dat si rümen de lant solden 260, 37. da ich mins 
vader riche rümede in eilende 273, 24. — Y. si mözen uns rümen vur 
de stat (vur zu streichen?) 399, 24. schere rümeden si dar üz 404, 63. 
— Va. du salt vur rümen al Yrancriche 413, 28. rümede sinen hof 414, 
15. — Ve. die hänt gerümet dat lant 498, 20. 

rünen, ,raunen'. I. runde eme dar in (in das Ohr) stilliche 21, 
28. sunder kosen, sunder rünen : basünen 200, 46. — II. offenbare sun- 
der rünen : barünen 286, 21. Auch in Y; doch wurde es 439, 40 ent- 
fernt, vgl. K. 47, 2. 

runt, ,rund'. EI. steine, de wären gröz ind deine inde wären 
dar zö runt (: stunt) 366 , 34. — VI. in siner kirchen runde : stunde 
537, 52. 

rüwich, ,traurig'. Y. harde rüwich des was Bregmundä 460, 37. 

rüzen? I. da wart ein michel rüzen (: enbüzen) : de swertslege 
man schallen horte 24, 32. si gengen stürmen ind rüzen (: enbüzen) vaste 
vur der porzen dure 124, 6, wenn nicht ungenauer Reim rüschen : üzen 
anzunehmen ist. • 

sache, oft pleon. gebraucht, mit Sachen, mit düren Sachen und 
ähnliches. I. mit harde düren Sachen ein hüs machen 4, 26. mit list- 
lichen Sachen, d. Adverb, vertretend (: intmachen) 10, 10. mit genieli- 
chen sachen 10 , 22. sage en , bode , ouch mit Sachen (: machen) 15, 
59. in werden sachen : machen 16, 54. deme det G. mit sachen sulche 
cleider machen 44, 19. mit werden sachen : machen 53, 34. 54, 8. mit 
harde düren sachen 81, 17. als der gewess^t zo solchen sachen 89, 33. 
van düren sachen : scharlachen 130, 58. der begunde si mit sachen (: la- 
chen) ein deil zosamen stricken 144 , 52. begunden si mit sachen sich 
beide cleiden ind machen 160, 36. min bröder is an bösen sachen : ma- 
chen 168, 21. wanne wilt ir mich mit sachen don döfen inde cristen ma- 
chen 172 , 1. döfen inde cristen machen mit harde lovelichen sachen 
176, 64. nu quam it doch zo den sachen ,dazu' : machen 185, 15. den 
wil ich mit sachen einen eigen schale machen 196, 68. dat en neit en- 
dochte der lif zo einichen sachen 201 , 20. — II. vroude noch lachen in 
geiner hande sachen 225, 56. mit harde düren sachen : machen 235, 45. 
dat he mit einigen sachen sin recht möge machen 249, 10. ich sal mich 
so entmachen mit wunderlichen sachen 259 , 1. — HI. kirchen machen 
mit vil werden sachen 309. 2. kirchen machen mit vele güden sachen 
341, 8. der dode vor enwech mit deser (lies desen) sachen : intwachen 
344, 26. he woulde en mit anderen sachen wal stridens möde machen 
363, 57. — IV. anders ist: umb wat sache[n] (: ungemache) 5 warum' 388, 
17. — Y. wir sullen mit andern sachen (: machen) uns erweren 399 , 32. 
an geiner hande sachen 447, 15 (: lachen), vgl. Konr. 70, 2 an deheinen 



— 320 — 

dinen Sachen. — V c . rosbären machen mit h^rlichen Sachen 492, 14. mit 
kürten sachen heizet balde machen ein vtir 531, 51. 

sachs, ,Schwert'. Vc. it is ein ungehüre sas (: was = wahs) 
528, 39. 

sachte, , sanft'. IV. groze siege ind unsachte (: gerachte) 379,48. 
— Vc. clagede harde unsachte : gedachte 495 , 6. unsachte ind engest- 
lich, nicht im Reim 531, 51. 

sage: äne sage. III he were van dem slage döt bleven äne sage 
, gewiss' 358, 51. lach döt äne sage (: grave) 367, 50. — V. äne vabel 
inde sage : dage 465, 54. 

salde, mhd. seelde. V. want [hei ind] wir begeren numme Sal- 
den : behalden 445, 51. got hat uns alle zo Salden her zö noch behal- 
den 469, 34. 

samen, ,sammt', in allen Theilen des Gedichtes (vgl. oben S. 199). 
I. beidesamen : schämen 4, 54. alle samen : gamen 122, 51. : schämen 
197, 7. — II. samen : schämen 227, QG. allesamen : schämen 250, 55. 
: namen 269, 54. — HI. alle samen : gamen 351, 28. — V. alle samen : 
lichamen 398, 59. 404, 34. : namen 401, 6. 405, 18. 429, 17. 435, 62. 
474, 50. : schämen 440, 5. : genamen 462, 47. — V». samen : gamen 
421, 53. — Vc. alle samen : gamen 498, 1. 

sän, ,sogleich', so und niemals sä lautet die Form. Im Reim er- 
scheint sän : underdän 400, 63. : intgän 402, 21. : hän 408, 30. 430, 
41. : Lateran 463, 3. : missegän 501, 54. 

samen. V. er geweide hez he üz samen (: lichamen) ,heraus sam- 
meln' 467, 44. 

sarjant. IV. manch ritter ind sargant : lant 390, 10. — V. sagt 
sarjän. under dis quam ein sarjän : Baligän 474, 1, wenn nicht zu lesen 
Surjän, vgl. Konrad 270, 33. 

sarwät, ,Rüstung'. Va. alle sine sarewät (: stät) 415, 26. — Vc. 
er swert ind ere sarwät : dät 527, 8. 

säven, frz. sauver. I. got säve üch, leve junchere 49, 7. 
säze, ,Hinterhalt'. I. dat ich min swester solde läzen in so schent- 
licher säzen 175 , 16. we si zo stride woulden varen mit säze (: Oriäse) 
196, 53; doch kann der Reim auch anders gewesen sein, denn 196, 54 
ist unvollständig, nu worden si mit säzen (: geläzen) underdrungen 
202, 35. 

säzen. I. we sich Karl begunde säzen üp den wech ind üp de 
sträzen 134 , 58. he begunde sich mit mäzen heim zo Vrancrich säzen 
206, 52. — III. he begunde sich zo Rome säzen (: läzen) 324 , 39. got 
woulde dit setzen inde säzen : mäzen 328, 12. — V. wir sullen uns so 
säzen 428, 2, wo die Reimzeile (e wir in vri läzen) fehlt; vgl. Konr. 43, 
20, wo steht wir muozen uns so versäzen. 

schalden. III. dat si dat lant in eren hielden ind von untrüwen 

schielden 312, 12. — V*>. de nacht is hene geschalden (: walden) 451, 53. 

schamp. II. it si zo ernste oder zo schampe (: kampe, Hs. stamp) 



— 321 — 

251, 38. mit susgedänem schampe : kampe 258, 63. — IV. ain gevele 
Elegast der schamp (: kamp) 394, 9; es ist wohl champ. 

schar, theils stark, theils schwach gebraucht. III. machden eine 
schare : geware 298, 13. dagegen mit einer grözen scharen : varen 313, 
24. — ITV T . schwach, mit grozer scharen : gevaren 390, 31. mit einer 
grözer scharen : gevaren 390, 45. — V. schare (acc.) : gare 403 ; 67. 470, 
57. schwach , an siner scharen : varen 397 , 45. zo deser scharen : va- 
ren 398 , 47. scharen (acc.) : missevaren 441 , 44. mit grozer scharen : 
varen 448, 41. an der scharen : varen 470, 18. zwo scharen : varen 470, 
28. in ere scharen : bewaren 471 , 29. mit sinre scharen : varen 475, 
47. sine scharen : bewaren 51. scharen (acc. plur.) : bewaren 476, 18. 
zen scharen : bewaren 477, 35. de scharen : bewaren 479, 15. dri scha- 
ren : gevaren 483, 17. — Vb. stark, schare : wiegare 454, 51. schwach, 
mit grozer scharen : bewaren 455, 8. an der scharen : bewaren 457, 23. 

— Vc. stark, schare : dare 520 , 64. — VI. in der scharen : gevaren 
537, 9. 

scharde, ,Scharte'. I. scharde inde stucke 40, 20, nicht im Reim. 

— IE. de hut äne scharde (: harde) ,ohne Verletzung' mit dem blöde af 
zö 258 , 46. menche diefe scharde : barde 278 , 42. — III. ich machen 
eme mit Durendarde in den lif menche scharde 364, 32. — IV. si ent- 
fengen scharden ind vlecken 379 , 56. — Vb. it engewan weder bleck 
(: vlecke?) noch scharde (: harde) 459, 29, vgl. zu Crane 3474. 

schaufieren. I. alsus wart zo den ziden Bremunt geschauferet 
43, 38? 

scheinen, , sehen lassen', die Hs. schreibt gewöhnlich sehynen. 
I. ich dir dat erscheine : alleine 63 , 53. ich üch dat scheine : alleine 
89, 19. dat he sin gebot scheine (Hs. zeune) : reine 133, 7. — II. dat 
willen wir üch bescheinen : meinen 226, 52. — V. he sprach ,wiltu mir 
erscheinen (: alleine) war wir varen over den grünt 400, 55. dat wirz 
niet en woulden meinen , des wir eme erscheinen 407 , 50. in rechtem 
ernste erscheinen : meinen 429, 60. he ensoulde mede weinen ind [mit] 
jämer dö erscheinen (Hs. ersehynen) 466, 10. got, nu erscheine (: reine) 
dlne genäde 484, 59. — Vc. dat has du wal erscheinet : gereinet 495, 16. 
dat hat he mir erscheinet : meinet 499, 39. he hat sin untrüwe beschei- 
net : entreinet 516, 62. 

s ehem. de, ,Schande\ I. ja sol noch hinacht sin gerochen ein der 
schemden 122, 31. der schemde genc eme zo dem herzen 140, 33. der 
schemden. de er was geschiet 174, 24. — n. de schemde (: vremde) de 
he intfenc 250, 37. — HL der (Sünde) hadde he schemde : lemde 
320, 35. 

schere, ,Scheere'. in. begunde deilen de kröne mit einre sche- 
re[n] : mere 333, 37. 

schern. V. dat vleisch schar it (das Schwert) af 480, 34. 

s eherne, , Spott, Hass : . I. dit ensprechen ich niet zo scherne : 
gerne 169, 34. hören in güdem scherne (: gerne) 173, 2. si sprach it 
in göden scherne : gerne 212, 23. — IV. ich enweiz, of ir it seit zo 

21 



— 322 — 

scherne : gerne 383, 29. — V. mit Unzuchten scherne : gerne 436, 60, 
unpassend eingefügt, um Konrads Assonanz zu entfernen. 

scherten, ,verwunden, schartig machen'. V. den heim he eme zo- 
scharde : gewarde 481, 59. den halsberch he eme zoscharde : harde 
486, 65. 

schiben, scheip. III. dat he den resen greif ind [warp] en under 
sich scheif (Hs. scheyss) 369, 9. 

schiltman. V*. dö lefen de schiltman (: ran) 412,43. des vrou- 
weden sich de schiltman : began 413, 54. 

schinnen. I. dat üch de raven schinnen ,schinden' 140, 23. 

schön de, ,Schönheit'. III. Karies schönde inde macht 328,62. — 
V. dat si ne de schönde en verneinen 444, 32. grözes bömes schönde 
machet dicke hönde 448, 6: Konrad 71, 20 hat schöne : hoene. 

s ehr ä den. III. dö wart manch heim zoschräden : genäden 371, 
45; man könnte zosebröden lesen, aber dies Wort gebraucht der Compi- 
lator nicht, vgl. do bleif zosträden manch heim, wo auch zoschräden ge- 
lesen werden muss, 331, 53. 

schrien, prät. und part. schrüwen. I. dat schrien, dat Karl ge- 
schrüwen hadde 53, 14. 

schrinden. V. slöch den heim dat he schrant ,spaltete c : spranc 
486, 59. 

schroten. V. menche halsberch wize worden dar verschröden : 
döden 482, 42. den heim he eme ave schriet (Hs. streit, woraus hervor- 
geht , dass ursprünglich scriet stand) : niet 485 , 30. — Y c . auch hier 
steht einmal streit 528, 37. it streit bein inde vel 528, 37 für schriet 
oder schrotet. 

schüwen, mhd. schiuhen, , scheuen'. II. geschüwen : de ungetrü- 
wen 218, 64. : gerüwen 221, 63. 

seine, ,Segen', fem. V. so komet over üch gemeine stne heiige 
seine 399, 1. 

ser, ,wund'. V. dar mede verwan he menich ser (: ger), , damit 
machte er manchen wund' 403,52; wörtlich stünde allerdings ,damit be- 
siegte er manchen Schmerz'; aber es ist zu lesen menchen oder menche. 

s6r, ,Schmerz'. I. van erem grozen sere (: gehere) 157, 63. — 
Vc. van rüwen ind van sere : mere 508, 63. minen schaden ind herzen - 
ser : Otmer 515, 67. 

sicheren, , einem Sicherheit geben, sich ergeben'. I. aldä sicherde 
Lorin Karle in sine hande 125, 12. 

sider und sint. Beide Formen kommen vor, nie erscheint sit 
im Reime, sider häufiger. I. seder auf weder , neder reimend , 1 , 62. 
39, 39. 75, 31. 77, 2. 81, 48. 94, 57. 104, 48. 108, 16. 109, 1. 111, 
13. 112,4. 116,32. 118,17. 120,38. 123,31. 141,47. 146,18. 
147,45.51. 150,39. 152,58. 174,50. 176,40. 181,32. 184,63. 
186, 55. 193, 25. 194, 8. 197, 12. 202, 1. 205, 55. 210, 40. 216, 1. 
— IL 222, 5. 232, 35. 234, 13. 266, 26. 279, 42. 281, 62. — III. 
312, 7. 312, 40. 327, 25. 330, 2. 333, 26. 347, 48. 365, 9. 371, 42. 



— 323 — 

372, 29. - V. 437, 48. 441, 24. 486, 61. — Vc ist in 509, 36 zu lesen 
gesitzen in keinre wise seder : neder. — sint dagegen findet sich : I. 
sint : kint 22, 36. 58, 54. — III. sint : kint 302, 26. 311 , 8. — V. 
sint : kint 405, 30. 482, 11. — Vc. 501, 4. 521, 4. 

sifen, st. verb. dat eme dat saf ,Blut' umb de ören seif : ge- 
greif 23, 7. de wunde dem heiden koninc begunde sere sifen ind blö- 
den 91, 63. 

sife, , Schlucht' (vgl. W. Grimm zu Wernher vom Niederrhein 
37, 25 und Zeitschr. 1, 426). I. bi eime sifen si neder lach 153, 58. — 
Vb. Rölant ind sine gesellschaf lägen in eime sifen : rifen 451 , 55 , vgl. 
auch 461,8, wo der entstellte Reim vielleicht durch sifen herzustellen ist. 

sigehaft, , siegreich'. V. dö machte si got segehaft : kraft 396, 
66. ind machten si segehaft : kraft 401, 58. dat si worden segehaft : 
kraft 479, 56. 

sigen, , sinken'. I. de blömen springen äne sigen (: swigen) 141, 
24. — II. biz der dach neder begunde sigen : stigen 231, 36. dat hovet 
dar neder seich : eich 233, 57. zo der siden he neder seich : verweich 
278, 59. — HI. dat hovet neder seich : bleich 358, 47. — V. dar neder 
he dö seich (: neich) Hs. neickede : seichede 487 , 39. in unmacht neder 
seich : besweich 489, 11. 

sitich, ,sittig'. III. w& sedich dat si were 302, 22. 

siune (vgl. gesiune). I. ind ich dit nemen en zoene (: grone) 3,1. 

slachte, ,Schlacht'. V. binnen deser grözer slachte : bedachte 
481, 37. groz wart de slachte : achte 484, 53. 

slän für slahen in I ff . gedän : slän 3, 8. ergän : slän 21, 
32 u. s. w. 

slavenie, ,Kutte'. I. dri palteneres slavenien : Galien 135,9. — 
154, 1 steht dar üp hat he si gelacht, mit slaffene bedacht: wohl mit ei- 
ner slavenien bedacht. 

sl6, ,stumpf. I. sin swert was scharp ind niet sie : me 200, 26. 

siechte, ,Ebene'. V. an bergen noch an siechten : gerechten 
468, 33. 

slich, jSchlamm'. I. der slich geinc en in den munt 130, 16. 

s linden. I. of he it alle woulde slinden : kinden , verschlingen' 
120, 54. 

sluch, ,Schlauch'. I. dat eme de derme ind ouch der slüch (: buch) 
her uzer sime live wil 93, 11. 

sluppe, ,Schlupfwinkel'. I. want eme wären da ind da de slup- 
pen kundich ind de pede 111, 62. ouch wizzet dat he menchen dach de 
sluppe wal hedde geleret 144, 13. 

smal, ,schmal'. IV. ür lov ensal niet wesen smal (: al) 389, 14. 
— Va. enmitten was si smal , schlank' 418, 17. 

smechen. V. wer ever der trüwen smachet (: geswachet) 448, 
21; vgl. K. 72, 6. swer der trüwin gesmechit. 

smeichen. II. vur war sunder smeichen ,schmeicheln' : weichen 
(weich machen) 268, 20. 

21* 



- 324 - 

smitzen. I. ich sal en smitzen (: sitzen) , schlagen' mit worden 
der er sich erveret 211, 26. 

smosse. IL he gelichde sich Reinharde dem roden vosse entgän 
ir smosse (Hs. voesse : smuysse) ? 255, 31. 

smutzlachen, , schmunzelnd lachen'. I.Karl begunde ouch smutze- 
lachen : machen 129, 41. doch umb de selven sachen begunde he zo 
smutzelachen 138, 17. 

snel: mit snellen. V. mallich mit snellen gedenket an ur eilen 
402, 26. 

snellen. sich snellen ,sich beeilen'. II. äne resten begunde he 
sich snellen : gesellen 235, 58. si hezen sich snellen (: gesellen) balde 
zo deser not 259 ,9. he begunde sich snellen da der koninc reit (: ge- 
sellen) 264, 62. Karl hez sich snellen de schelke ind gesellen 267 , 24. 
üp dat ir üch wilt snellen : gesellen 278 , 9. we ich mich gesnellen 
(: zellen) mochte mit der zungen 286, 69. — V. ind wolden sich balde 
snellen : gesellen 402, 15. — Vb. dar umbe snelle dich 458, 65, nicht 
im Reim. 

snel lieh. I. so bereident üch snellich[en] dar zö 29,13. snellich 
he" in den sadel schreit 51, 15. harde snellich he dö schreit 62, 57. harde 
snellich[en] ind zohant 78 , 53. — II. nemes snelliche (: Vrancriche) dese 
kinder 278, 1. 

snöde. I. ein zurkoit, en was niet snöde (: rode, Hs. roit : 
noit) 161, 53. 

sökinge. I. de sökinge was so starc ,AngrifF (vgl. suochen) 
179, 59. 

söt, ,frz. sot, nur einmal, in I sot : gespot 151, 44 

spannen. I. dar hat he uns ewecliche alle geladen ind in ge- 
spannen 429, 3. 

splizen, , spalten'. Vb. dat eme der lif enbinnen spleiz : reiz 
458, 24. — V c . gar si si zosplizzen (: bizzen) also trans. 502, 34. si hänt 
sin vleisch zosplizzen (: zobizzen) 532, 4. 

s p 6 1 , ,Eile' (vgl. nhd. sputen , mhd. framspuot) in allen Theilen 
gebraucht, aber verschieden häufig. I. mit spöde : nöde 4, 23. durch 
einiche böse spöt : göt 9, 37. spuet : gemuet 10, 58. : gut 11, 26. 
umb den spoet : gut 12, 51. mit alsus däner spuet : gegroit 13, 33. 
mit spude : gude 17, 11. umb den spoet : geloet (lies gloet) 17 , 37. 
sonder spoet : guet 18, 2. üp de spoet : goet 66, 13. mit bescheidener 
spoet : goet 72, 53. mit geiner spoet : goet 88, 44. goeden spoet : 
goet 106, 28. mit kostelichem spoet : doet 110, 28. mit spöde : göde 
190, 19. mit stolzelichem spöde : vermöde 200, 4. — II. mit boeser 
spoet : goet 223, 66. — m. mit geinre spoet : guet 325 , 44. mit gu- 
der spoet : guet 348, 25. 353, 22. 363, 16. 369, 58. mit kranker spoet : 
guet 348, 39. mit sulcher spoet : doit 359, 36. — IV. mit der spoet : 
guet 390, 21. mit guder spoet : guet 391, 28. — V. mit spode : güde 
493, 46. — Va. geinen spöt : högemöt 416, 29. Demnach scheint es V und 
Vc wohl auch II nicht zuzukommen. 



— 325 — 

spräche, Zusammenkunft'. V. dar gebede he sine spräche : Ache 
408, 32. gebüt dine spräche an dinen stöl zo Ache 430 , 1 , beides nach 
Konrad. — Vc. dat si quemen zo Ache entgän sine spräche 525, 16. 

sprech. I. Orias zurnde sich des spreches ,der Rede' 188, 67. 

spreiden, .ausbreiten'. I. nä den worden began man zo sprei- 
den (: beiden) de tavelen 12, 6. nu was dat ezzen bereit ind de tavelen 
gespreit 57, 35. — II. mit salze he si spreide (: erweide) /bestreute' 258, 
49. dat hüs was bereit ind de davelen gespreit 291, 22. — HE. de da- 
velen wären gespreit ind de spise was bereit 295 , 57 , in der nachge- 
ahmten Festschilderung, üp dat velt breit , dar de döden wären ge- 
spreit 309, 4. spreide over alle dütsche laut 312, 6. dede dö den elter 
spreiden : bereiden 320 ; 60. 

s p u r k e 1. YI. in der spurkclen it geschach 535, 42 , im Februar. 
in der spurkel, as ich vur sprach 538, 68. 

stade. IY. de eme soulden stän zo staden : verräden 389, 46. 
du machs helfen ind don zo staden alle de , de an dir gesinnet genäden 
394, 36. — Vc. einen helt köne mit staden (: Haden) ausfüllend 496, 9. 
so wan du mir komes zo staden : schaden .in meine Macht kommst, in 
meine Hände' 524, 23. 

stän, 3. pers. sing, steit. I. : wärheit 3, 3. 159, 15. : geleit 
29, 16. : gemeit 54, 10. : breit 100, 43. versteit : deit (tuot) 163 , 31. 
— II. steit : leit 236, 17. : pleit 261, 36. besteit : leit 258, 65. — III. 
steit : arbeit 312, QQ. 319, 47. : bereit 346, 19. : gereit 353, 16. — 
Y. cristenheit : steit 426, 42. steit : wärheit 436, 59. — T a . besteit : 
arbeit 423, 51. — Vb. steit : wisheit 454, 28. — Vc. steit : cristenheit 
516, 65. — VI. steit : gereit 540, 36. Das Präteritum stoet = stoent 
(stuont), nur in IY, aber auch dort meist vom Compilator entfernt, vgl. 
oben S. 79. 

standart. HE. si brachten mit en dare einen standart 370, 41. 
quam bi den standart : hart 372, 24. — Y. gebot üp richten den stand- 
arde : harde 478, 10. 

staren, , starren'. I. Galie dö sere starde : arde 142, 40. Orias 
si ane starde : harde 160, 9. — II. Karl do an starde den deif mit dem 
barde 266, 40. 

stec, ,Steg', in formelhafter Rede. I. reit vil balde sinen weg 
över sträze ind over steg 8, 63. Die zweite Zeile lautet ebenso 10, 31. 
16, 40. 87. 26. 137, 8. 147, 23. 153, 43. dagegen over stein ind over 
stech 159 , 30. — II. si enreden eren wech over sträze (Hs. straeff) ind 
over stech 233 , 47. — m. dö reit manlich sinen wech over sträze ind 
over stech 304, 26. 307. 4. 359, 43. 371, 18, vgl. over sträze ind over 
stein (: heim) 313, 50. — VI. si enreden eren wech over sträze ind over 
stech 539, 5. 

stegereif. I sagt, wie es scheint, nur steigereit. den vöz stach 
he in den stegereit (: schreit) Hs. sterypp 55, 45. he trat vaste in den 
stegereit (: schreit, Hs. steryp) 62, 56. — II. wol auch stegereit, ausser 
Reime steht steryp 277, 13. steygenreiff 277, 15. dagegen mit der ste- 



— 326 — 

genreide : gereide 277, 45. siner stegereide : eide 278, 44. sinen ste- 
gereit : bescheit 279, 12: das Fem. ist wohl zu ändern, mit dem stege- 
reide, sinem stegereide. — V. ausser Reim den steiripp 443, 59. dage- 
gen helden eme den stegereif : greif 370, 30. — V». sagt wieder stege- 
reit. der heiden helt eme den stegereit : schreit 411, 42. 

stellen. I. de sich erresten wellent ind ouch eren rossen stel- 
lent 86, 25; etwa nhd. , stallen'. 

stellen, hauptsächlich mit jämer, not verbunden. I. da stalte he 
jämer inde not 73, 4. 96,3. Br6munt stalte sulch ungevöch81, 59. Florette 
stalte grozen rouwen 145,45. der schenke stalte grözen rouwen 154,11. 
Fl. stalte sulchen rouwen 157, 45, da wart jämer dö gestalt 163, 1. dat 
si so starken jämer stalde : balde 163, 38. van dem rüwen, den si stal- 
ten 170, 58. he stalte jämerlich gebere 175, 34. grozen jämer he do 
stalde : qualde 182 , 38. stalte rouf inde brant 204 , 66. Karl stalte 
soulchen smerzen 207 , 22. — II. ind si bosheit woulden stellen 218, 20. 
so grozen jämer stalten : quälten 238, 69. de da grözen rouwen inde 
jämer stalten 272, 1. — III. da wart gröz jämer gestalt 300, 19. he 
stalte rüwe inde not 308, 41. Karl stalte gröze not 311, 33. ind hat 
groze not gestalt (: gewalt) 313 , 62. dar sach' man stellen gröze not 
315, 13. he stalte jämer inde not 317, 30. of dar würde groz jämer 
af gestalt : gewalt 350, 11. da wart mench jämer gestalt (: gewalt) 369, 
48. — V. wat ir einich[s] dar wunders stelde : velde 471,52. — Yp. dar 
stalte he jämers genöch 459, 16. — Vc. gröze vroude stellen : gesellen 
504, 30. — VI. dar wart mench jämer gestalt : alt 538, 31. 

sterke. III. ein monster , dat vaste were ind hedde sterke 
(: werke, Hs. sterckde) 319, 34, und ebenso steht sterckde ausser Reim 
372, 8. VI. 540, 12. 

sterre, , Stern', so durchgängig, niemals sterne. I. sterre (Hs. 
sterne) : verre 50, 17. — II. sterre : verre 247, 69, vgl. besonders mor- 
gensterne : verre (lies sterre) in V, wo der Reim Konrads morgensterne : 
gerne entfernt ist. 

stetgin, ,Städtchen'. III. steytgen steht 335, 25. dagegen steit- 
gin : sin 335, 45. 

stich, , etwas Geringfügiges'. III. dat he noch nie stich ensach 
334, 38. 

stille, Subst. ,Stille'. IL dat si sunderliche eme deden (ein) 
stille : wille 270, 41. — HI. he h§z eme machen eine stille : wille 297 
11. — V. einre stille[n] bat do Johannes 435, 16. — Vc. do wart do eine 
stille : wille 523, 9. 

stille, adv., in der Verbindung offenbare und stille. I. : wille 
44, 8. weder offenbare noch stille : wille 63, 55. beide offenbare ind 
stille 92, 60. stille ind niet offenbare 101, 43. stille ind niet offenba- 
ren : wären 121, 47. offenbare ind niet stille 140, 55. vgl. beide lüt ind 
stille 147, 52. it were lüt, it were stille 152, 59. — II. offenbar, niet 
stille : wille 270, 7. offenbare ind stille 272, 13. — III. beide offenbare 
ind stille 294, 22. 324, 41. offenbare ind stille : wille 326, 62. 330, 16. 



— 327 — 

344, 19. niet stille, mer offenbare : sere 336, 30. offenbare ind niet 
stille 362, 61. — VI. offenbar noch stille : wille 533, 37. 

stillen. V. si begunden sich alle do stillen : wille 435, 23. din 
volc heiz sich stillen : willen 438 , 66. — Vc. de rede si sere stilden : 
Schilden 520, 68. 

stilliche == stille. I. in einre middernacht stilliche : Hoderiche 
1, 47. quam ever stilliche : Hoderiche 2, 1. zo eme selver he stillichen 
sprach 7, 40. so beval he stilliche : Dederiche 8, 22. stillichen inde so 
verholen 14, 25. 144, 10. ind runde eme dar in stilliche : riche 21, 28. 
he woulde si sprechen stilliche : Dederiche 27 , 59. stillichen zö er sel- 
ver sprach 36, 7. stillich si zo er selver sprach 49, 58. stillichen is 
he danne gegän 62 , 8. den bridel nam he vil stilliche : riche 62 , 14. 
den wapenroc zoch he ouch stilliche : riche 62, 39. des nachtes so stil- 
liche : Vrancriche 62, 61. gesach stilliche, so he niet vele ensprach 78, 
62. stillichen sprach si ir zo 80 , 42. slillich ind niet mit schalle 123, 
15. we sich Karl stillichen hof 135, 31. stillichen he zo eme selver 
sprach 151, 39. dat si ir plagen stilliche 159, 51. stillichen si sich da 
besprach 169, 22. he begunde lachen zo eme selver stilliche 207,55. — 
III. nu höret mich stilliche : riche 297, 13. reit mit den stillich : seis- 
zich 348, 30. dit vernam he stilliche : riche 370, 14. — IV. he" hadde 
stilliche zo hove bracht 390, 25, nicht im Elegast 1099. — V. stillichen, 
dat mant körne vernam 443, 12, kommt V nicht zu. 

Stillung e. HI. do der abt in der stillunge stoent ind mit gode 
was versoent 321, 5. 

stive, auch stif. I. of he en zo stive an dem räde were 7, 49. 
got, we rechte stive was Gerfein an dem stride 24, 24. he is so rechte 
stive ind so gröz 26 , 48. zwei ros gröz ind stive 30 , 9. so starc ind 
so stive 42, 12. Florette , leve , ensi niet stive 72 , 7. dat der slag so 
stive erdenet was 85, 60. mer of her nu so stive einich ander were 107, 
35. we Gerfein starc were ind stive 118, 1. dat Karl dot sloch also 
stive hundert heiden 203, 38. ein paarmal stif. Karl was an der josten 
stif 66 , 29. worden eme wederstif an mencher hande räde 156 , 14. 
Einmal in III. ere seden ind ir lif wären minneclich ind stif 316, 58, in 
den übrigen Theilen gar nicht. 

stoppen. I. ich möz mich stoppen inde helen 100, 27. wan si 
mosten beide stelen stupen bergen ind verhelen 101 , 37. Galiä moste 
ir schönez här stoppen 147, 1. Galia stoppede sich mit irme höde 161, 
33. verstuppen inde nederslän 174 , 7. — III. deden stoppen ere ören 
zo 371 , 32 hat andern Sinn. Ebenso Vb mit dem hörne stopde he in 
de bach beide wazzer inde blöt 457, 30. 

stöz. III. dem gaf he äne stöz alle sine ere weder, zur Ausfül- 
lung 351, 36. 

stranc. I. von einer Wunde, so wit so groz so stranc : lanc 45, 
39. Von einem Rosse : so groz so starc ind ouch so stranc : lanc 64, 28. 

sträwen. I. dat Höderich nä den päwen over de tavel begunde 
sträwen, , langen, sich strecken' 23, 4. 



— 328 — 

strivere. V. ir hoste strivere däden en allen dat kunt 400, 23. 

strozze? I. dat David were erschozzen midden durch sin stroz- 
zen 183, 12, wol drozzen zu lesen. 

stunip, jStumpf. I. dö he den stomp angesach 83,58. — Va. mit 
dem stumpe he en durch den schilt stach 411 , 19. he bot eme stump 
ind haut 417, 15. 

stunt, stunde, zur Ausfüllung und des Keimes wegen. I. be- 
gunde vrägen an der stunde 2 , 48. leinden eme zo der stunt 4 , 65. 
kusten zo der stunt 10, 56. zo der stunt 11, 18. 12, 26. 13, 13. 21, 
26. 33, 56. 193, 35? 

zo den stunden 16, 63. 172, 66. zo der stunde 170 , 57. 198, 43. 
200, 22. 206, 44. 

an der stunt 24, 63. 29 , 39. 41 , 28. 37. 46 ,8. 47 , 6. 53 , 7. 
60, 15. 85, 28. 90, 9. 193, 35? 

an der stunden (den?) 31, 52. 56,43. 83,34. 91,13. 93,54. 
97, 10. 111, 27. 

an der stunde 60, 35. 74, 34. 82, 2. 92, 18. 135, 15. 190, 5 ? 
200, 57. 205, 13. 

IL zo den stunden 242, 13. 249, 6. 252, 8. 

zo der stunt 254, 46. 292, 17. in deser stunt 288, 19. — JH. an 
der stunt 334, 19. 343, 56. 366, 37. zo geinre stunt 356, 17. — V. zo 
den selven stunden 427, 61. zo der stunden 428, 23. — Vc. zo den 
stunden 501, 11. 520, 8. zo der stunden 504, 37. 

süchelen, ,kränkeln'. Vincentius aegrotare. VI. ind süchelde 
vil sere 534, 51. 

sun deren. V. de vursten enwolden sich niet sunderen (: unde- 
ren) 440, 21. he enwolde si niet sunderen (: underen) 468, 61. 

sunderliche. m. den koninc Karl sunderliche ,ganz besonders' 
: riche 322, 13. 

sunderlingen, dasselbe. I. mit sözer stimme sunderlingen 
: singen; hier ist sunderlingen eingeschoben. II. döt sunderlingen (: din- 
gen) varen schere 228, 28. hez eme sunderlingen eine misse singen 232, 
20. höret van den hären sunderlingen : dingen 253, 15. üren juncvrou- 
wen allen sunderlingen : bezzeringen 281 , 29. sunderlingen nä andern 
vogelen singen 287 , 57. mit denste[n] sunderlingen (: dingen) verschul- 
den 289, 49. sunderlinge steht 284, 18. vrägede si zo ringe alle 
sunderlinge. Diese Form auch in m. düsent Schillinge van golde ge- 
slagen sunderlinge 306, 24. sunderlinge gröze arbeit, ausser Reim 340, 
32. — IV. quam einen sunderlingen pas 378, 55, nach Elegast 283. — 
V. so woulde ich dat sunderlingen harde gerne underdingen 435, 25. 

sünre, ,Sühner'. V. want du alre dinge sonre bist 430, 18, nach 
K. 26, 5. 

sus erscheint im Reime nicht in I und II. HL antworde eme al- 
sus : Jhesus 368, 5. — V. Marsilius dat wederredede alsus 407, 42. Karl 
sprach zo eme ever alsus : Marsilius 430, 59. si bestaden si alsus : aro- 
37. alsus (: Joleus) rede zosamen häten 484, 8. — V b . wes 



— 329 — 

trüret ir alsus : Names 451 , 44. — Yc. de maget dröste he alsus : Mag- 
nus 505, 38. 

swanc, , schlank'. I. groz ind lanc ind niet zo swanc 45, 63. — 
schwankend', II. ere si swanc : kranc 216, 32. 

swart, , schwarz', im Reime in IL Fuckart der gartze ind Röhart 
der swartze 243, 22. 245, 62; dagegen groz lanc inde swart : Rohart 
258, 23. 

swatz. I. menchen guldinen swatz (: schätz) 4, 12. Keller ver- 
muthet smatz und vergleicht das ags. smäte. Aber swatz steht nochmals 
III. menchen guldinen swatz (: schätz) 340, 65. 

swern, , schwären'. Yc. dat en de lede swären (Hs. swairden) : wä- 
ren 491, 7. 

s w i c h e n. V. nach Konrad 1 1, 9 ist 402, 1 zu lesen swichen ir eilen für 
swegen der Hs. swichen steht ausserdem in der Bedeutung ,betrügen'. 
dat der aide uns soulde beswichen : entwichen 432, 59, ebenfalls nach 
K. 31, 1. dagegen in anderer Bedeutung al sin lif eme besw T eich : seich 
489, 10. — V&. so swiche eme dat heiige graf, nicht im Reime 451, 6. 

tabüre. III. hadde an dem halse sin ein tabüre 371, 5. do slö- 
gen si ir tabüre : gebüre 371, 9. 

tach, in der Verbindung der gode dach. I. got ind der göde d. 7, 
41. 65, 55. durch got ind den göden dach 21, 40. 33 , 39. so mir de 
göde dach 64, 1. 71, 2. 92, 44. 138, 27. durch den güden dach 69, 
21. so mir der heilige dach 107, 46. 110, 19. — II. so mir der güde 
dach 243, 15. 245, 49. 264, 42. 281, 40. 283, 11. so üch der güde 
dach 253, 22, gewöhnlich mit dem Zusatz der uns allen gevet Hecht. — 
Yc. sd mir der güde dach 493 , 48 ist subjective Bemerkung des Dich- 
ters, unpassend angewendet. 

tal. V. so enwas engein (Hs. so geyn) ,Ross' so tal (: dal) 443, 
44, Konrad 59, 23 was nehein ros so gezale, vgl. 216, 16 wart harde lef 
gezal : al. 

tälanc, nirgend im Reim, dieHs. schreibt daling. I. 5, 51. 52, 19. 
63, 56. 65, 17. — IL 247, 16. 248, 52. 278, 29. - HI. 363, 18 u. s. w. 

- Ya. 420, 9. 423, 14. 

tan , ,Wald'. Yc. dö si quämen in den dan : man 527, 27. 

tasten. H. zohant dö ane taste (: vaste) mallich den sinen 
, packte an' 244, 64. zohant he näre taste : vaste 258, 38. 

tat, häufig pleon. I. si vlüen rechte in sulcher dat (: Hanfrat) 
121, 9. zo also gedäner dat vogent si ir harde wal 161, 11. woult ir 
nu mit güder dat uns selve geven güden rät 166, 13. zo deser dat sal 
ich geven güden rät 169, 49. — H. wir willen alle dri mit schöner dat 
(: hat) üch bestän 251 , 24. zo desen dingen in deser dät : rät 288 , 50. 

— Yc. dat was ein misseliche dät (: sarwät) 527, 9 ist kaum hierher zu 
ziehen. 

tenne. H. ouch sal der hane ind de henne kleine scherren in 
dem denne 248, 14. 

tent, ,Zelt'. I. beide tenten ind gezelt 105, 13. tenten ind pau- 



— 330 — 

welüne 186,2. Im Reime nur in III. in sinre tent : sacrament 343, 47. 
in eren tenten 345, 55. in sinre tenten 363, 61. 

teren, deren, , schaden'. HL de heiden sullen uns deren (: weren) 
331, 26. — IV. de einen wilt slän üp deren : weren 380 , 24. it mach 
eme luzel gedeiren : keren 383 , 44. — In V heisst es taren. uns enmach 
he nemant daren (Hs. schaden : varen) 465, 33. dat en dat niet endarde : 
bewarde 473, 7. — "VX dat enmach dir niet gedaren (: varen, Hs. gescha- 
den) 412 , 8. dat eme niet enkunde geschaden vur Karle van einichen 
daden; ich lese gedarn : harn 412, 37, vgl. barn. 

toben. H. in sime sinne begunde he doven : loven 237, 6. ich 
enweiz of si dofden : gelofden 242, 63. mich hat so dön doven (: loven) 
dis pilgerin 265, 36. — V». we der koninc dö" dovede : gelovede 422, 63. 
— Vc. so sal he van dorste doven : oven 532, 23, vgl. auch vertoben. 

toi. I. (were) he gewest also dol : vol 140, 37. Gödin enwart 
ouch niet so dol : vol 185, 35. 

tören, ,zum Thoren machen'. V. sint si sich wollent doren : zo- 
storen 433, 37. 

tougen, ,heimlich'. V. dougen : ougen 443, 11. 

tracht. V. do quam mit grözer dracht gestrechen de heidensche 
kracht 479, 3. 

tragen. I. so wal gedrögen si is over ein (enein?) 5, 52. 

trechtin, in der Form trechten in I. drechten : vechten 196,31. 
Elegast 53 reimt drochtijn : sijn, was aber weggeblieben ist. In V im- 
mer drechtin : sin 398, 56. : Turpin 437, 55. : sin 478, 66. Entfernt 
ist trechtin aus Konrad in 397, 10. — Vc. trechtin : sin 500, 27. 

trecken, ,ziehen'. I. also lange verdrecket dö in David ,hin- 
ziehen' 14, 43. de wile dat volc üz getrecket was 48, 56. mit siner diet 
tregede he dö zo der stat 78, 47. alsus dreckeden si over dat gevilde 
103, 43. durch üren willen drecken vort 104, 11. dat he van hinne 
dreckede : erschreckede 19. sus dreckede Karl vort 113, 48. de Vran- 
zösen dreckeden vort 195, 51. — II. dreckede si vur sich 231 , 70. den 
(arm) he üch treckede van der siden 233, 18. begunde en recken, over 
sinen bart drecken 259, 21. dat man si berch inde dal mit perden over- 
dreckede : erschreckede 284, 27. dat man si dreckede durch de stat 
285, 33. an einem perde gedrecket 285, 52. — III. dreckede vort in de 
laut 302, 1. dreckede entgän Karle 303, 20. Karl dreckede vort 352. 
15. tregede entgän Karle 361 , 64. — IV. Karies schilt was overtrecket 
: endecket 379, 22. treckede ein isen üt 384, 36. woulde trecken sin 
swert 386, 59. — V. mit gedreckdem barde 436, 55, vgl. K. 40, 16. Karl 
begunde den bart zo drecken : gecken 468, 18, K. 262, 5 ; Konr. hat an 
beiden Stellen streichen. 

treffen. IV. den dis mort andraf : af 390, 46, vgl. Vc want it 
eme an de not draf : af 528, 52. 

träger, ,Betrüger'. H. eme treger gelich 259, 43. 

tregerie. IL umb dese dregerie : verzie 238, 63. 



— 331 — 

treten, ein partic. getrat , kommt in I und II vor. getrat : dat 
84, 52. 201, 58. 206, 6. — H. getrat : stat 285, 34. 

trisor, , Schatzkammer 1 . I. in mime trisor 54, 13. in sin trisor 
wal gedän 54, 62. 

trogene, ,Betrug\ Y b . de gröze hoftdrogene : logene 450, 34. 

trogenere, ,Betrüger'. Y. ein godes drogen&re 429, 33. si sint 
alle drogenere 462, 58, K. 251, 17 trugenaere. 

trogenheit, ,Betrug'. Yc. dröme dat is drogenheit : wärheit 
505, 13. 

tro genlich, betrügerisch'. Y c . din rede is gar drogenlich : De- 
derich 524, 13. 

trön, in der Bedeutung ,Himmel J , in I sehr häufig in der Redens- 
art got van dem tröne. bi gode van dem tröne : löne 3, 14. got van 
dem tröne 22, 48, immer im Reime, under des hemels tröne 26, 29. 
153, 15. bi gode van dem tröne 30, 3. 38, 11. 44, 26. 78, 26. 111, 
30. 115, 59. 123, 27. 124, 38. 131, 36. 177, 13. 199, 40. 200, 36. 
201, 66. 210, 60. bi Machumet van dem tröne 68, 47. 159, 49. 190, 
67. bi dem tröne 132, 19. got van dem bögen tröne 143, 34. van dem 
tröne 162, 32. under dem tröne 162, 38. — III. bi gode van dem tröne 
294, 54. 298, 39. 316, 54. 319, 46. 325, 12 328, 55. 335, 16. un- 
der hemels tröne 301 , 41. allen heiigen van dem tröne 301 , 45. got 
van dem tröne 304 , 49. 333 , 9. under des hemels tröne 350 , 33. — 
IV. de sterren lüchden van dem tröne 376 , 43. bi gode van dem tröne 
388, 8; beide Zeilen fehlen im Elegast, — YI. bi gode van dem tröne 
537, 59. 

trucht (vgl. tracht). I. enbeiden halven van der clrucht (: lucht) 
sach man ödem van den rossen 79. 20. nu hört we Godin quam mit ei- 
ner grözer drucht : lucht 199, 51. 

trumpe, ,Tromppte'. Y. de heiden slögen ere trumpen (: dum- 
pen) 400, 10, vgl. Konrad 9, 18. Das Yerbum trumpen: si trumpeden 
over al 474, 56. 

trüt. I. Godin was ein vrouwen drüt : Kit 173, 19. 

tu cht = tugent. I. min man sint van solcher ducht (: moet) 60, 
45. so köne ind van so höer ducht : gemoet 64, 17. Karl enmochte de 
schöne ducht (Hs. dayt : goet) ne sin geschiet 71 , 58. solde ich sagen 
üch al de ducht (doet : spoet) 110, 29. dat ir gedegen sit zo der ducht 
(doet : moet) 111, 11. van siner ducht [ind] van siner kracht 114, 26- 
sine gewalt ind sine ducht (doet : guet) 133, 40. in güder ducht : be- 
soecht 198, 47, wie hier besöcht auf ducht gereimt wird, und ebenso be- 
söcht auf möt etc. kann auch ducht auf möt gereimt werden. — II. so 
werlich as ich unduchden (: behüdeii) unschuldich bin 238, 14. van ere 
macht, van erer dugede[n] : gude[n] 263, 60. — DL dit was van gode 
ein gröze docht : locht 333 , 52. slöch mit göder docht : locht 358, 55- 
— Y. sine doicht is gut 445, 61, nicht im Reim, it vernüwede sich van 
unducht : jucht 446 , 62. sin docht bekande man wide 472 , 24 , auch 
nicht im Reim. 



— 332 — 

tu cht ich. V. Karl is also vil duchtich (: vluchtich) 483,54, kann 
tugendich sein, aber auch direkt von touc tohte abgeleitet , und dies ist 
wahrscheinlich, weil V auch nicht sicher ducht sagt. 

tuon, 3. ps. sing, deit = tuot , häufig in Reimen. I. deit : 
sleit 6,1. : irveit (Hs. det : iruet) 7 , 52. : smäheit 18, 39. : geme- 
licheit 45. : barmherzichcit 21, 52. : bereit 28, 25. : gemeit 32, 41. 
deit : deit 119, 12, lies deit : steit, oder streit : deit? deit : wärheit 
147, 37. : versteit 163, 30. — II. deit : stedicheit 240, 6. : vurveit 247, 
28. — III. deit : gereit 325, 15. — ■ Ein sehr häufiger Gebrauch von tuon 
ist der von einem Accusativ des Objects mit einem Infinitiv. I. ich dede 
Karl sterven 14, 31. ebenso 14, 53. 15, 55. 17, 26. 28, 8. 28, 22. 
30, 12. 37, 50. 44, 12. 44, 19. 45, 28. 46, 8. 52, 23. 52, 64. 54, 
42. 57,48. 61,2. 64,19. 71,40. 72,55. 74,26. 74,30. 81,52. 
82, 46. 96, 48. 97, 39. 99, 35. 114, 32. 119, 43. 129, 60. 136, 37. 
170,14. 179,44. 182,17. 190,32. 191,59. 200,4. 206,50. 211, 
21. — IL 228, 67. 237, 23. 240, 28. 244, 52. 261, 3. 262, 43. 263, 
45. 265, 36. 276, 66. 282, 66. 285, 50. 286, 25. 286, 39. 289, 37. 

— m. 296, 36. 298, 26. 299, 10. 304, 60. 305, 8. 306, 49. 307, 40. 
308, 54. 309, 14. 309, 23. 319, 17. 319, 65. 320, 42. 320, 60. 326, 
41. 329,26. 332,25. 338,47. 341,5. 342,38. 343,29. 346,22. 
352, 20. 359, 17. 361, 40. 363, 14. 364, 47. 367, 45. - IV. 376, 57. 
378,60. 392, 49. - V. 429, 63. 441,37. 442,54. 460,42. 460,63. 

— Va. 408,10. 410,25. 413,34. 415,12. 417,42. 417,56. 418, 
66. 422, 21. 422, 49. 424, 56. 425, 37. - Vc 496, 42. 514, 64. — VI. 
537, 20. 

turren, ,wagen'. I. dar ich dan verläzen mich 22, 8. ich dar it 
üch wal biweren 28, 36. des dar ich wal vur war gein 58, 13. dat dar 
ich wal erzellen 94, 33, nirgend im Reim. — V. of si, here, dorsten : 
vursten 429, 40. de wal dorsten vechten 436, 14. de it wal don dorsten : 
vursten 467, 16. dat he üp sin hoft endorste setzen 476, 57. de in drö- 
sten dorsten : vursten 489 , 55. — Va. dorren si mich dan bestän 409, 
52. dat de heiden niet endorsten dar varen 417, 43. — Vb. dat dar ich 
wal räden 449, 31. — Vc. de mir wal helpen dorsten : vursten 508, 36. 
de it sprechen dorsten : vursten 512 , 36. ich riede üch gerne , of ich 
dorste : vurste 516, 5. der sich selver neit en dar weren 524, 39. Also 
im Reime nur in V und Vc, namentlich das prät. dorste. 

turstec, ,kühn'. II. dat si so dorsteg wären 248, 65. 

tüsent, diese Form kommt im Reime gar nicht vor, was erklär- 
lich ist, dagegen zwei andere, tüsant und tüsunt. Erstere in III. dü- 
sant (Hs. -ent) : genant 311, 51. : lant 312, 6. : zohant 347, 13. : lant 
348, 26. : Rolant 351 , 56. : Aigolant 359 , 53. 361 , 55. - In V dü- 
sunt : kunt 400, 35. 471, 28. : gesunt 431 , 58. — Vb. düsant : zohant 
456, 29. : bekant 451, 17. An einer Stelle in V reimt düsant : bekant 
(Hs. dusent : bekent) 470, 20, was aber in düsunt : kunt zu ändern ist. 

twahen, , waschen'. DI. mallich sich do twoich (Hs. woisch : ge- 
noich) 296, 62. 



— 333 — 

twer, ,Queer c . I. quam de richte ind ouch de dwers (lies ind 
ouch dwers = mhd. twerhes) 198, 16. — HI. beide de richte ind ouch de 
dwers (lies ind ouch dwers) 316 , 34 (: mers). want al dit riche stät zo 
wers (: mers) oder wirs ? 325, 2. 

üb er g an. HI. de in des mochte overgän (: stän) ,überführen' 
326, 21. 

umbe, mit dem Infinitiv so viel als durch, m. umb vernemen 
mere 327, 6. umb zo wrechen dinen ande 330, 19. umb zo winnen mench 
lant ind state 337, 15. umb dese[n] wunder zo besein 361, 34. — IV. 
umb zo meren sinen lof 374, 12; vgl. Eleg. 12 om te. umb zo erlosen 
alle gader 376, 14. umb zo dön eme sulche schände 390, 1. — Einmal 
auch in V. 

umbetuon, ,zerstören'. IV. noch dan hat he umme gedän men- 
chem manne sine macht, subvertere, 377, 42, vgl. Elegast 267. 

umbe want, ,AVendung'. I. als Karl dö menich ummewant (: hant) 
mit gedenken hadde gedän 74, 18. 

unbesmitzet, ,unbefleckt', vgl. smitzen (auch nur I). I. he is 
unbesmitzet van aller hande undäde 111, 49. 

Undankes, ,unfreiwillig'. vgl. danc. I. dat si Undankes dö mosten 
vur Karl gän 127, 47. — Vc. dat möz ich Undankes dolen 514, 13, Hs. 
des — undanck. 

unde, ,Welle'. Y. üz[er] des meres unden : sunden 472, 63. 

und er dingen. Y. so woulde ich dat harde gerne underdingen 
435, 26, vgl. dingen bei Konrad 36, 17. 

underkennen. Yc. dat si si underkennen mochten 490,42. dat 
wir si underkennen mögen 490, 69. 

underkomen, , erschrecken', mhd. erkomen. I. grözes rüwen si 
underquämen : vernämen 125, 64. der botschaf underquämen : vernämen 
194, 58. — II. dat he is sere underquam : vernam 227, 3. sere he is 
underquam : vernam 234, 48. harde sere si underquam : vernam 237, 61. 
sere si underquämen : vernämen 246, 11. dat ich is sere underquam : 
vernam 262, 7. — HL harde sere he is underquam : vernam 329, 19. — 
Y. de zwene des underquämen : gedänen 462, 30. — Yc. harde sere si 
is underquam : vernam 508 , 46. vele sere des underquam (: lovesam) 
528, 55. 

undernemen, ,unterbrechen'. I. die mir de wort niet under- 
neme : bequeme 1, 6. 

underriten, , dazwischen reiten'. I. wurden underdrungen ind 
underreden 202, 36. 

undersäze, ,Unterthan'. HI. sinre lüde ind undersäzen : mäzen 
308, 39. 

underschiet. II. dat is ir zweier underschiet : liet 219, 33. 

undersprechen, , dagegen sprechen, einfallen'. II. mer Karl be- 
gonde zo undersprechen 129, 4. 

underspringen, dazwischen springen'. I. mer dat it Karl ouch 
underspranc 129, 20. 



— 334 — 

understän, ,unternehmen, subire'. I. dat understen si offenbare 
179, 19. 

und er t an. IL sus sint de lüde underdän , verschieden gethan, 
beschaffen' 216, 64. 

ungebere. V. nu lä din ungebere sin 441, 1, nach Konr. 51, 16. 
van dem grözen ungebere : were 462, 33, nach K. 250, 23. 

ungemeine, ,allein c . I. do he den so ungemeine da sach komen 
ind nemant me (: alleine) 88, 46. de wile Karl sus ungemeine in der ke- 
menäden saz alleine 133, 67. 

ungerech. I. och we gröz ungerech (: wech) wart in irme herzen 
dö gestalt 36 , 37. willichen ungerech hadde dö der alte Davit 67 , 48 
,Leid, Jammer'. 

ungeslacht. I. si wären dar zo zo ungeslacht (: gedacht) unge- 
schlacht, niedrig geboren' 6, 12. 

u n g e v a 1 , ,Unglück'. I. mit welchem ungevalle : alle 9, 30. zo 
grözem ungevalle (: alle) ergän 25, 35. brengen in sulch ungeval (: al) 
119, 21. it endo dan gröz ungeval : sal 133, 52. si leden pine ind un- 
geval : dal 147 , 26. it were mit ungevalle : alle 149 , 17. sus ungeval 
(: sal) is mir geschiet 153, 11. dat ich sal mir selver dön sulch ungeval 
154, 23. umb Galien ungeval : hal 38. — II. he dröste Morande sere 
an sin ungeval : al 234, 53. — IV. gut ind lant verloren bi ungevalle 
380, 56, vgl. Eleg. 480 bi onghevalle. — V. dede si burnen mit ungevalle 
460, 46, als dritter Keim zu valle : alle, mithin unsicher. — Vb. it enbe- 
neme mir dan unval (ungeval?) : sal 449, 55. 

ungevöch, ,Unfug'. I. da wart gestalt groz ungevoch (: genöch) 
24, 36. is he geschiet einich ungevoch : genöch 25, 5. ouch dede sin 
volc solch ungevöch : erslöch 42, 21. durch dat ungevöch : slöch 50, 58. 
dit dunket mich groz ungevoch 76, 39 (: genöch). Bremunt stalte solch 
ungevöch 81,59. dat deme ritter iet geschie ungevöch 107,35. do genc 
it an ein ungevöch 114, 10. he schof noch merer ungevoch 123, 13. — 
IL lichte sechtich ungevoch 230, 47. so mözet ir dit ungevöch legen ne- 
der 263, 10. mit sulcher macht ind ungevoch 276, 17. — III. he dede 
en mench ungevoch 305, 55. 315, 41. slöch üp Farracüt mit ungevoch 
366 , 25. — V. slögen mit mere ungevogen 486 , 36. — Vc. slöch , weiz 
got, mit ungevöch 494, 14. 

ungewalt, , Ohnmacht'. Vc. quam in ein ungewalt : kalt 508,52. 

ungezam. I. noch was it gröz ungezam (: quam) dat ,unpassend' 
162, 54. 

ungezeme. I. subst. dat is durch de ungezeme 26, 47 (: neme). 
das adj. ungezeme 30, 55. 

unmere. I. hat en harde unmere 26, 42 (: gehere). want mir 
dat were unmere 66, 8. hänt si mich so unmere 113, 44. dat eme sin 
leven were unmere 124, 48. lichte wer ir unmere bezzer cleider 161, 9. 
Orias was ir unmere 162, 59. mir is unmere, we starc he si 191, 36, 
immer im Reim. — II. enläzt it üch niet unmere (sin) 259, 69. — LH. 
dat mir it si unm&re 295, 18. — V. läzet üch unmere (sin) 434, 25. mir 






— 335 — 

is immer (Hs. ummer) Marseiis geven, nicht im Reim, 434, 53. de dofe 
is en unmere 435, 55. dat eme soulde sin unmere 442, 7. 

unmechten, , ohnmächtig werden'. I. ein ritter begonde unmech- 
ten : krechten 96 , 12. de mit so deiner krechte also sere unmechte 
96, 19. 

nnraste =s unmuoze. I. ein zwerch hat mir unraste gedän ,mich 
beunruhigt' 2, 53. 

unvermiten. I. sint gereden vur de selve porze al unvermeden 
,ohne es zu vermeiden' 38, 31. 

unversunnen. I. noch sit ir des unversunnen (: gewunnen) ,noch 
wisst ihr nicht' 17, 13, vgl. ungewizzen Konrad 66, 7. 

unvrome. I. gewunt ind rüwig mit unfromen, ,mit Verlust' 45, 25. 

unwerde, adv. I. dat eme sin sper unwerde begunde sinken 
üp de erde 46, 26, hier wie immer im Reim, stach en unwerde 107, 11. 
bedachte sich harde unwerde 113, 17. do ich Karle sach in der kochen 
gar (lies vil) unwerde 122, 33. unwerde neder reit 191, 55. — II. viel 
unwerde 234, 17. gelach eme selver zo unwerden (lies selver unwerde) 
243, 39. 276, 18. moste unwerde vallen 278, 56. — III. man sach un- 
werde vallen 307, 47. viel unwerde 331, 39. 338, 40. 346, 46. 371, 
53. — V. he liges du [mit] unwerde 403, 30. sprach [van] unwerde 441, 
30. sloch unwerde 483 , 2 , vgl. vacht eme do werde mit sime güden 
swerde 486 , 74. — Y a . do wart eme also unwerde 416 , 42. dat was 
eme vele unwerde 421, 22. lez en ligen vil unwerde 422, 51. — Vi», dar 
lach he vil unwerde 459, 58. 

urbere. I. dus genc deser zweier ere mit grozem urbere 4, 53. 
urberen : sich so gerne urberen wolde mit den wäpenen, ,sich hervor - 
thun, erproben' 49, 53. urbure : des was eme not ind urbure (: vure) 
85, 26. 

üre, frz. heur. IV. zo einre güden üre : dure 384, 32. — VI. zo 
der üren : duren 535, 18. 

Urkunde, ,Zeugniss'. II. in Urkunden : begunden 226, 31. des 
is urkunt ind gezüch 237, 15. des zo Urkunde ind gezüch 242, 56, 
nicht im Reime. — V c . got si des min orkunde : afgrunde 503, 18. 

üzerwelt als epith. ornans. I. helde, de wären üzerwelde 24, 4. 
helde, de e üzerwelde geboren mochten werden 32, 34. helde zo stride 
also üzerwelde 39, 21. de edelen Vranzösen üzerwelde : helde 43, 9. de 
könen Vranzösen üzerwelde 82, 4. (: helde) 97, 35. helde, zo wizzen 
alle üzerwelde, zo vechten oder zo stride (: wige ?) 104, 62. dinre helde 
veirhundert üzerwelde 188, 7. — V. van üren beiden zwölf üzerwelden 
407, 8. mit vunf hundert helden kone[n] ind üzerwelden 408, 34. helde, 
van manheit üzerwelde 426, 14. mit düset siner helde köne ind üzer- 
welde 430, 8. ir godes üzerwelden : helden 468 , 63. helde gut ind üz- 
erwelde 471, 40. helde, de kone üzerwelde 483, 48. — Va. üzerwelde 
zwölf vorsten, stolze helde 409, 36. — Vb. helde zo stride wal üzerwelde 
451, 28. zwölf üzerwelde der aller besten helde 459, 13. — Vc. helde[n] 
zo manheit üzerwelde[n] 508, 34. 



— 336 — 

üzvazzen. I. do genc it an ein bereiden, an ein üz vazzen 172, 
36 ,rüsten c . 

vachen, holl. vaach. I. mich faget 78, 34, wo K. in der Anmer- 
kung unrichtig vermuthet mich vachet 148, 1. In VI reimt vachen auf 
slafen 539, 67. 

vagen? Vc. döt si (die Rosse) achter wege vagen (: dragen) 532, 
41, wohl jagen zu lesen. 

val, pleon. I. dat ir sunder einiche val (: wal) de juncfrowe vör- 
det oder väle (Fehle) : wale ? 153, 23. ja sunder vale (: wale) 164, 33. 
sunder vale : wale 179 , 46. 194 , 44. sunder engestliche vale : wale 
183, 51, wohl überall väle. 

val, ,falb, fahl'. V. an dem herzen sint vale (: wale) 448, 17. 

välant, ,Teufel'. I. we der välant ridet, uneigentlich 192, 63. — 
V. ever erholde sich der välant (Hs. balant : rant) 485, 28. 

val den. I. ich haven noch behalden in mime trisor gevalden de 
wäpen 54, 13. so soulde he uns intschofferen ind intvalden (: halden) 
191 , 23. — III. valden (: halden) under slnen arm ein sper 331 , 42. ir 
glavien under eren arm vielten (Hs. weilten : heilten) 346 , 38. mallich 
hadde gevalden (: halden) sine glavie under sinen arm 354 , 47. zo 
stride si sich vielten (Hs. weylten : heilten) 371, 58. — Vb. der dach be- 
gunde sich üp zo valden 451, 54. 

falien, frz. faillir. III. woulden niet falien : batalien 370, QQ. 

van = vähen, so immer, entfän : ergän 7 , 13. vervän : gän 
11, 7. wän : ane vän 12, 2 u. s. w. 3. pers. veit : deit 247, 29, neit : 
intfeit 355, 64, wo vielleicht zu lesen sinem heren eren niet endeit : int- 
feit. erveit : deit 7, 52. 

vane, theils stark, theils schwach. I. sinen (lies sine) vane : ane 
41, 40. menchen vane : ane 187, 38. — II. minen vanen : manen 220, 
50. dagegen üre vane : ane 237, 4. — V. vane : ane 402, 13. 479, 67. 
schwach, under sinen vanen : manen 402, 50. : gemanen 470, 35. : ma- 
nen 484, 27. — Vb. vane : ane 456, 1. 

var, ,Farbe'. I. kleider wunderlicher var : dar 10, 23. gewan ir 
var : gar 158 , 25. wandelde ir de var (varue) : dar 162, 49. — Vc sagt 
varwe, sieh garwe. 

var, , Gefahr, Nachstellung', pleon. I. sunder var : war 14, 47. 
ir siege weren al in var : war 24, 40. si düchte sunder var : war 166, 
27. sunder var : war 173, 40. 

väre, viel häufiger, auch meist pleon. I. dat en David mit väre 
soulde doden (: furwäre, lies zwäre) 10, 61. so zoch mallich allen (lies al 
in) vären sin swert (: waren) 50, 38. de dit loch enge machte mit väre 
(: furwäre, lies zwäre) 77, 16. woulden dö en vären (: wären) Gerfein üp 
halden 107, 36. Gerfein lez ouch in vären (: zwären) üp Karle lofen we- 
der 108, 14. erloste Godine van der väre : offenbare 120, 32. de wile 
Karl in vären (: wären) streit 120, 57. of he si in vären (: wären) ge- 
winnen künde 127, 11. ind in so grözer vären (: jären) soulde sin bele- 
gen 127, 26 dat ir here were in väre (: offenbare) 150, 14. sint ir si 



— 337 — 

in väre nu wilt krenken offenbare 163 , 66. zo speles väre : offenbare 
185, 19. Orias enhadde geine väre : zwäre ,Furcht' 203, 42. — II. de 
refen ouch mit väre alle offenbare 243, 46. dat man uns in vären (: wä- 
ren) beneme unser leven 261, 11. — HI. erslögen in vären (: wären) döt 
298 , 15. want si wären in vären (: wären) 329 , 61, erslän in vären : 
zwären 330, 11. verlos in vären : zwären 350, 41. quämen in vären 
(: wären) danne 359, 29. üp di striden si mit vären : wären 371, 63. — 

IV. he säende sich ind was in vären (: wäre) 377 , 61. der koninc was 
in väre : wäre 379, 40. ein deil was he in vären : bewaren 386, 20. 
man leide en in grözen vären (: wären) vur den koninc 390, 53. — VI. 
so wer dat dede sunder väre : offenbare 533, 52. döt sint bleven in vä- 
ren : wären 534, 12. 

vart, pleon. mit der vart, so viel als zostunt und ähnl. , , sofort'. 
IE. 309, 8. 309,12. 329,1. 334,6. 334,42. 343,59. 345,1. 345, 
22. 353, 37. 353, 45. 356, 42. 364, 49. 365, 61. 369, 33. 370, 27. 
— IV. 387, 31. 393, 61. — VI. 536, 51. 536, 58, vielleicht ist ähnlich 
in Vb zu lesen, 454, 53 dar höf sich der meiste strit zo bart, der dar 
umber gewart, lies zo der vart : gewart. 

faselment. IV. kleider silver faselment (: umb den trent, d. i. 
omtrent) 377, 35. Elegast 260 facelment. 

vast, als adj. neben veste. veste findet sich im Reime in III. 
veste : geste 338, 26 (Hs. vaste : gaste) 314, 19 (Hs. vaste : geste). — 

V. veste : beste 438, 8. : geste 478, 30 (Hs. vaste : gaste) — Vc. veste : 
zo leste 514, 7, vgl. dagegen in I vast : gast 50, 51. : bast 177, 43. — 
IV. vast : Eligast 381 , 10. 32. : gebast 385 , 40. — V. vast : bast 406, 
1 (neben veste). — Vc. vast : bast 527, 60. 

v echten, prät. plur. vochten, nicht vächten und ebenso conj. 
prät. II. beduchte : gevochte 275, 60. — Vc. vochten : mochten 494, 12. 

vedeschaf, ,FeindschafV. IH. so wä he vedeschaf wiste 351,25. 

veige, ,der zum Tode Bestimmte'. I. de vegen sach man vallen 
80, 57. — V. de vegen enmogen uns niet entgän 402, 20. en juckede 
sin veige blot 465, 2. ja du vil veiger man 486, 4. 

veile. V. den lif vorden si veile (: heile) 395, 35, nach" Kon- 
rad 3, 15. 

fei, ,böse, schlecht'. IL snel siner reden inde fei 233, 11. — HI. 
sin siege wären harde fei : snel 366, 23. — IV. sin striden dat was fei : 
snel 379, 39. — V. nicht im Reime, Canabeus ein fei man 478, 34. 

venie (sieh menie), nur in V u. Vc. venie : menie 404, 51. 465, 
16. 472 , 39. 474 , 26 , ausser Reim sine venie he dö söchte 435 , 38. 
mit venien ind mit vasten 438, 40. de in ere venien lägen 473, 27. — 
Vc. venie : menie 490, 23. 

venne, ,Sumpf. I. beide walt ind venne : Mumgelenne 138, 57. 

venre, ,Fahnenträger'. V. den vener stach he 403, 25. durch 
der heiden veners brüste 481, 10. — III. sagt vanere : here 303, 32. 

v erb aide n. I. dat sich eman verbalde (: walde) ,sich erkühne' 
148, 8, vgl. erbalden. 

22 



— 338 — 

verbüren in IV. 376, 52. 377, 12. Vgl. S. 79. 

verburen. II. vrägede wat he liedde verburt mit dem wedde 
(wohl identisch mit dem vorigen) 247, 47. düsent unzen hat he verburt 
247, 53. ouch hat he verburt düsent bridel 247, 61. 

verdilien, ,vertilgen'. II. verdilien : martilien 270, 46. 

verdömen, ,verurtheilen'. I. verdömet möze sin de bach 151, 61. 
— II. vur gode si hei verdömet : genömet 217, 51. Fockart der ver- 
dömde : benömde 290, 42. 

verdröz, ,Yerdruss'. I. he dede it umbe dat verdröz : slöz 34,48. 
sunder einicher hande verdröz : ros 48, 45. 

vere, ,Ferge', mhd. verje , verge, natürlich nur in I. wä is der 
vere : here 135, 56. 

ve reimen, sich. I. als he sich rechte vereinde (: meinde) , einsah' 
84, 54. Orias sich do vereinde , dat . . . 186 , 39 ,entschloss sich', mit 
wem ir üch hat vereinet : meinet ,eins werden' 212, 35. — V. ich moz 
mich vereinen ind scheiden van dem besten wive ,trennen, eine machen' 
441 , 40. do unse botschaft was vereinet (: meinet) ,zu Stande gebracht' 
445 , 68. dar it allet vereinet wart (Hs. vereynet } wohl verant , mnl. 
eynde = ende) 465, 5. 

vergaderen, vom Kampfe, , zusammen rennen'. III. si vergader- 
den harde schere 331, 7. si vergaderden vele schere 345, 14. 346, 89. 
vergaderden mit nide 353, 29. 357, 12. vergaderden also warm 354, 49. 
dö si vergadern solden 370. 63. — IV. si vergaderden harte 379, 31, vgl. 
Elegast 389 si versaemden. 

vergaderinge, , Versammlung'. I. da (he) so schöne vergaderinge 
verneine 39, 41. 

vergezzen, unpersönlich. I. en enhadde vergezzen niet noch- 
dan 29, 48. en were is al vergezzen 54, 25. so enläzt üch, dochter, niet 
vergezzen 58 , 4. dat en des ezzens (esses Hs.) alles vergaz 59 , 40. er 
lez sich ouch des niet vergezzen 60, 62. si enwas noch niet vergezzen 
61, 15. si weres alles vergezzen 75, 36. we si sich irre trüwen niet en- 
lez vergezzen 99, 16. lezt he sich des vergezzen 132 , 61. Galie enlez 
sich niet vergezzen 144, 43. we Orias sich niet enlez vergezzen 190, 24. 
— ITC. nu enhadde der koninc sich des niet läzen vergezzen 296 , 69. 
he enlez sich niet vergezzen 317, 12. Rölant enwas vergezzen niet der 
smächeit 365, 11. — V». dat en Durendardes vergaz 419, 43. durch de 
maget is mich dinre vergezzen 420, 3. 

vergiftnisse, , Vergiftung'. V. vur starkem vergiftnisse : ge- 
wisse 473, 6. 

verholn, ,sich erholen'. V. des sich der keiser nummer en ver- 
halt : gezalt 463, 44. 

verlangen = mhd. belangen. III. üch soulde sere verlangen 
jlang werden' 331 , Q6. — V». des en sal niet verlangen 416 , 1. — V c . 
uns moz sere verlangen umb unse lange hervart 511, 26. 

verligen. DI. niet langer he en verlach , blieb länger, zögerte' 
307, 31. 



— 339 — 

verlockter, ,Yerleugner : . IL der godes verlocliter (Hs. verlor 
eher : dochter) 261. 54. 

vermale di en, .verwünschen - . II. clat si vermaledien (: Gaben) 
moze got 218. 70. clat si got vermaledien (: Gallen) möze 243, 69. — 
III. de stede worden vermalediet 310. 31. 

verm ecken. I. do enlez he sich niet vermechen, .hindern' : spre- 
chen 53; 21. nu läze uns ligen zo vermechen ind hören, of he it soulde 
sprechen 74, 49. nu läzet üch des niet vermechen (Hs. vermessen : spre- 
chen) we üch dunket we wir sint heiden .verbergen' 46 , 48. so we Ga- 
lie dat vermechde (Hs. vermachde) ind vre si it vrederspreche (weder- 
brechte) 161, 38. mine Sicherheit, de ich niet enwoulde brechen, so wan 
is soulde vermechen 165. 25. des he sich niet enleist vermechen, he en- 
wille brechen 168, 27 ,hindern ; . des mochte got wal vermechen : bre- 
chen, ,verhindern : 189, 46. — H. des begonde sich vermechen Galie de 
koninginne (: gesprechen) 250. 42. 

verm eren, mhd. vermaeren. Y<\ gepriset ind vermeret : ge- 
eret 499, 6. 

vermezzen, adj. epith. ornans. I. Galie de vermezzen 44, 53. 
der edel junchere vermezzen 54. 26. der koninc vermezzen. 57 . 39. de 
vräpen riche ind vermezzen 60 ; 63. mit Galaferse dem vermezzen 73 ; 54. 
Karl der junge helt vermezzen 75. 37. dat rabiz groz, starc ind ver- 
mezzen 103, 25. sit ir ever so vermezzen 113, 7. ich kennen in so ver- 
mezzen 133, 18 etc. — n. de schiltknechte vermezzen 230, 42. nä eren 
eiden vermezzen 277, 33. der burger son vermezzen 292, 39. — IH. de 
drösezzen vermezzen 296 , 8. der koninc vermezzen 296 , 68. ein stolz 
koninc vermezzen 305, 49. 342, 57. ein herzöge vennezzen 313, 2. 323, 
11. eines stolzen beides vermezzen 358, 13. — Y. ein koninc vele ver- 
mezzen 405, 65. de boden so vermezzen 427. 28. he was harde ver- 
mezzen 460, 57. den orlof vermezzen 481, 40. — Y a . ein beiden vele 
vermezzen 408, 61. m ein koninc rieh ind vermezzen 409, 9. den beiden 
vermezzen 410, 25. — VI. den keiser vermezzen 537, 57. 

vermöden. I. Karl sich do vermöte (: vlote) 136,61 (Hs. vemode) 
,vermuthete : . der he sich mit sinne in der stat verniöde (Hs. vermoet) 
: göde 139, 4. — Y. ir sult üch an eine des vermöden : güden 434, 33, 
vgl. muoten. 

verneinen, m. acc. e. Person, .vernehmen, dass Jemand irgendwo 
sei'. I da he den koninc Galafers vemam 32, 6. he nergen en do vernam 
67, 26. als Galie en da vur vernam 75, 57. vgl. dat he sin eigen laut 
vernam 207. 60. — H. da he Karle vernam 219, 48. also balde sine man 
en vernämen 224, 12. — IH. dar si de heren vernämen 294. 46. dar he 
de viende vernam 330, 62. dö si den koning Agolant vernämen 348. 49. 
dö Karl dat groze her vernam 351, 67. da he de stat zo Pampolone ver- 
nam 352 , 17. — Ya. as he den beiden vernam 410 , 34. do Eolant de 
veire vernam 418, 58. 

vernögeren. IH. dat he en dar sende sich zo vernogeren ,sich 
in Kampf einzulassen- 362, 45. 

22* 



- 340 - 

vernomen. V. grözen schaden he uns vernomet komet be- 
reitet' 406, 44. 

vernomen, adj., ,verständig, der sich vernehmen kann'. I. birve 
ind vernomen : komen 11 , 37. 16, 52. 26 , 2. ein heiden zo mal ver- 
nomen : komen 106, 47. de birve man vernomen : komen 108, 29. — 
m. vele buschove wal vernomen : komen 295 , 68. 299 , 36. — V. de 
koninge vernomen : komen 461 , 2. 463, 4. — Vc. der vurste wal ver- 
nomen 497, 29. 

verrederie, ,Verrätherei'. IL umb dese verrederie : Galle 
236, 29. 

verretnis, ,Verrath'. IV. verretnisse inde mordens dede ich mich 
ave 392 , 25 , die Stelle fehlt im Elegast. — V. de verretnis hänt inne 
448, 18. — Vc. dat he ne verretnis en began 521, 35. 

verrüwen. II. Karl verrüwede sich so sere gekümmerte sich, 
wurde traurig' 225, 52. 

v er Sachen. II. dat he er niet en versache (: sache) Hs. versage 
263, 65. des he niet en versachte (: brachte) 269, 41, ,versagen'. 

verse, ,Ferse'. I. dat ir uns sult läzen sen ür versen 188, 61. 

versehen, ,sich versehen, eines Dinges, sieh den IV. Abschnitt. 

versmä, in der Bedeutung von smaehe. I. versmä : aldä 112, 
21. In V reimt hat mich nü versme : owe 466 , 53 , dasselbe was bei 
Konrad unmaere. 

versm echten. III. he woulde si versmechten (: knechten) aus- 
hungern' 299, 19. 314, 33. ir hat de stat versmecht 300, 63. 

versnellen (vgl. snellen). HI. dö versneide en Rölant 365, 29, 
,kam ihm zuvor'. 

verspäten. IL dat ir niet verspäden (: räden) enwilt mit desen 
dingen ,säumen' 228, 26. 

v er st an, , vertreten'. IL woulde verstän (: wän) sin recht 239,19. 
unse unschult zo verstäne 239, 35. dat (Hs. dar) wolde he verstän (Hs. 
vurstaen : gedän) 247, 37. dat ir endorret verstän niet ür recht 250, 48. 
de Mörant mit listen verstönt dö 260, 35. 

vertieren, vartieren. I. man sach en dö vartieren ,austheilen' 
püschen genöch 199, 60. 

vertoben (vgl. toben). I. he enwart niet also verdovet : gelovet 
11 , 5. want he enwart ne so verdovet : gelovet 101 , 61. so verdoven 
ich mich (Hs. nichte) 165, 67. 

vertören = vertoben. IL niet enbin ich so verdöret : verhöret 
229, 6. IH. dat ein wip Karl verdöret (: gehöret) hadde 317, 9. he enwas 
niet also verdöret : gehöret 348, 19. dar bi si sich verdörten (: horten) 
371, 36. 

vertrac. I. so were bezzer min verdrach (: krach) 152, 1. — IL 
here min , hat gut verdrach : sprach ,vertragt es' 265 , QQ. sunder eini- 
chen verdrach : sprach 279 , 25. da enwas engein verdrach : gesach 
283, 45. 



— 341 — 

vertragen, , Vertrag schliessen'. I. sus verdrogen si zwene dö 
mit mode 188, 53. — IV. dar nä verdrogen si under ein 383, 52. 

vervorchten. Va. des was der heiden sere vervort : ort 417, 
11. dattu dortes vervorten dich 23. 

verwäzen, ,verwiinsclien c . I. de verwäzen cristen lüde 51, 20. 
verwäzen mözen si beide sin 82, 41. dat h6 verwäzen möze sin 90, 25. 
dat got dat metz verwäze : unmäze 189 , 14. — III. eilendige lüde ver- 
wäzen : mäzen 321, 56. 

ver werde n. I. want is sich Gerfein verwerde (oder von ver- 
wem?) : gerde 10, 18. ich mochte zovaren ind verwerden ,vergehen e 
: erden 61, 45. II. (ir) weidet verwerden 242, 19. — V. want he sich 
selver verwerde, dat he des esels gerde 431, 4 ,sich erniedrigte, herab- 
liess', also von wert abgeleitet. 

verwtgen. II. dat en de swerde verweich (: seich) ,überwog c 
278, 58, s. wigen. 

verwinnen, ,besiegen'. I. we he dat gröze her verwan (Hs. ver- 
nam : man) 166, 5. I reimt m : n nicht, sonst wäre es vernemen , vgl. 
das Hild. Lied. — II. dar got den düvel mit verwan (: man) 222, 14. of 
verwunnen wäre de pilgerin 280, 29. ich is en wederbrechte mit ordel 
ind verwunne (: kunne) 284, 11. - ere not verwunnen 293, 28. — HI. de 
heiden verwinnen 338 ,5. so mosten werden verwunnen : sunnen 368, 
25. — IY. verwinnen mine armode 388 , 28 ; vgl. Elegast 963. — V. si 
verwunnen list mit listen 400 , 38. dar mede verwan he menich ser 403, 
52. doch hän wir si verwunnen : kunnen 432 , 44. verwunnen zo der 
hellen 484, 12. — V». so en verwinnet (he) nummer dit lant 422, 19. 

verwizen, ,verweisen'. Y*>. dat mir Karl niet en sal verwizen 
,vorwerfen' 455, 57 : vlizen. 

verworcht, ,verflucht'. Y. der verworchte : vorchte 408, 42. 

vesper, ironisch. I. Gerfein eme eine vesper sanc 24, 22. 

v e s t e , ,Feste, Burg'. IL over al de burch ind de vesten : gesten 
224, 51.' randen vur de vesten : besten 285 , 4 , also schwach. — EL 
machden de vesten neder 352 , 9. lägen in einre veste 345 , 54. — IY. 
quämen vur de veste : beste, stark flectiert 384, 11. 

vet, ,fett', mhd. selten. I. de vette morsel 6, 36, ausser Reim. 
Im Reime II. ir wäret schone inde vet : Blanzet 234, 30. ir schöne 
vleisch vele vet : Gibet 285, 39. 

viant, im Reime gar nicht in I, wohl aber im Yerse 39, 48. 39, 
51 etc., was nichts beweist: II wohl auch nicht, man müsste denn 223, 1 
statt under yn sy anden (: schänden) lesen under ir vianden, was aller- 
dings die verderbte Stelle bessert. — III. viande : ande 330, 20, ausser 
Reim vianden 329, 62. — Y. viande : ande 427, 17. : lande 487, 18. 
viant : gesant 432, 24, ausser Reim viande 473, 16. — Yb. viande : lande 
452, 63. — Yc. viande : lande 512, 23, ausser Reim viant 516, 26. — VI. 
vianden : landen 534, 13. 

ficken, ,fechten, um sich schlagen'. I. we he mit sime helme 
genc ficken in dem melme 74, 44, franz. ficher. 49, 51 steht mit sporen 



— 342 — 

he do vickede dat rabiz, aber es muss gelesen werden ruckede (: dru- 
ckede). 

viere, alle: IL alle vier strecken 232, 41. 

fiere, franz. fier, sehr häufig in I und III. — I. Bremunt den 
fiere : schiere 34, 9. de Vranzösen fiere : schiere 38, 15. 48, 42. Ga- 
lle de fiere (so !) : schiere 49, 46. wäpen edel ind fiere : schiere 54, 64. 
dier : fier 55, 38, und ebenso noch 59, 56. 66, 34. 75, 33. 86, 47. 88, 
19. 90, 41. 93, 3. 105, 20. 111, 46. 126, 16. 131, 52. 133, 26. 134, 
3. 134, 62. 142, 11. 144, 37. 151, 32. 165, 64. 168, 8. 169, 6. 177, 
8. 183,59. 184,2. 190,7. 198,54. 211,35. unfiere : palteniere 142, 
34. — IL fiere : Kiviere 239, 8. 290, 46. : hiere 249, 48. : bacheliere 
264, 30, 292, 41. unfiere : palteniere 227, 53. - III. fiere : schiere 296, 11. 
298, 6. 298, 55. 301, 27. 304, 12. 305, 9. 308, 17. 312, 44. 317, 33. 
322, 29. 323, 29. 328, 23. 43. 331, 8. 336,22. 339, 17. 345,15. 349, 
32. 353, 56. 359, 63. 361, 9. 361, 41. 364, 16. 369, 14. fere : kei- 
sere 345, 42. : banere 370, 50. — IV. fier : hier 379, 5. — V. Oliviere : 
fiere 431, 45. 439, 32. fiere : were 461, 19. — V». Oliviere : fiere 424, 
19. — Vb. Engeler : fer 454, 23. — VI. schiere : fiere 534, 8. 537, 51. 

villen, ,bestrafen, quälen'. I. man sal üch hangen ofte villen 
(: willen) 129, 28. so is wert dat man si ville : wille 218, 52. — Vc. dar 
ich mede ville (Hs. wylle) Judas geselle 531 , 19. 

fin, häufig als Reimfüllung. I. ein iserin (schaft) dat was ge- 
stellet harde fin 90, 53. er spei was hoesch inde fin 173, 3. der aide 
meister Davit fin 180, 13. de (halsberch) was so göt ind so fin 200, 56. 
— IL kleider, nä ereui live gesneden fin 230, 31. in einem mantel, wal 
gefurneret inde fin 256 , 57. wal gewäpent inde fin 269 , 4. de edelen 
ritter inde fin 269 , 66. — III. den win , der clär was inde fin 296 , 23. 
win harde clär ind ouch fin 296, 65. Pippin : he was got inde fin 310, 
22. eine stole de was fin 326, 30. Karl der ritter fin 327, 51. fünen 
jungelinc, der was fin 328, 37. heren stolt inde fin 351, 57. gewäpent 
fin 356, 59. ein gut ritter inde fin 363, 11. ein tabür, de was fin 371, 
6. — IV. seven bürge van steinen fin 375, 34, nach Elegast 121. — Vc. 
Karl der keiser fin 507, 4. 

fineren. I. mit riehen cleidern gefineret 98, 6 : gezeret. 

vi ackern. VI. die Augen vlackerden in dem gebere, recht als it 
ein karfunkel were 539, 35. 

vi ecke. IL Maria möder äne flecke : bedecke 227, 4. — IV. si 
entfeingen scharden inde vlecken : ecken 379, 56. 

v liehen. I. were he eme entflüwen niet 3, 27. si vlouwent (fu- 
giebant) si ouch gemeine 43, 32. entflüwen : getrüwen 128, 18, vgl. ent- 
fluet : schuet 196, 66. — V. vlüwen , gevlüwen im Reim 404, 60. -- V a . 
421, 60, ähnlich verlüwen 488, 29. 

vlizlich. I. mit so vlizlichen seden 29, 21. 

vlozze. V. ir guldinen vlozzen (: Saragozzen) 433, 35, vgl. K. 32, 11. 

v o 1 , mit vollen , adv. V. ,in vollem Masse' , nach K. he bles it 
(das Hörn) mit vollen : Apollen 401 , 65. der volle ,die Fülle', de ge- 



— 343 — 

ven dir den vollen (: Apellen) 448, 45. dat si umb den vollen erden eren 
heren Ap ollen 478, 22. 

volbort. I. üp dat dit her geine volbort (: vort) in sime lande 
enhedde (Hs. en liende) hie 104 , 14. hedde ich is nu volbort (: vort) 
.Macht, Fähigkeit' 119, 59. so si ir ere ind ir leven behelde al mit vol- 
borde (Hs. vurwerde : geburde) 126, 28. — II. da ich vrö of späde des 
geve volvort : mort ,Erlaubniss, Vollmacht' 229, 10. ür wort enhänt en- 
geinen volbort 254, 50. — m. ind gaf mallich volbort, dat . . . (: vort) 
299, 14. noch gäven si eme vort de gewalt ind volbort 310, 49. 

volcwic, ,Kampf ; . I. riden in den volcwich : ich 49, 16. wanne 
de volcwige (Hs. volckwichte) vechten soulden 110 , 45. — V». it en 
ges(ch)ach ne in volcwige : svige 411, 5. 

vo Inerten. I. als der bode da volherde (: werde) der zwölf 
fursten botschaf ,vollbrachte' 16 , 12. he volherde al sunder wanc den 
strit 117, 31. — HI. de cristen de volherden ind slogen de heiden alle 
döt 332 , 2. — V. wir sullen mit unsen geverden wal volherden 434, 56, 
vgl. 445, 65, wo Konrads beherten (67, 14) durch behalden entfernt ist. 

volklagen, ,zu Ende beklagen'. Yc. dat ich enkan volclagen de 
edele zwölf genözen 506 , 56. dat enkan ich nummer volclagen 508, 25. 

volleist, ,Erfüllung'. Y. mit AVellis volleiste : geiste 447, 63. 

volvarn, ,vollenden'. Y. dat ir wilt volvarn : bewarn 430, 45. 

fönt eine, ,AYasser'. YI. mengede den (Wein) mit der fonteine : 
reine 539, 62. 

vor (vgl. vorn), im Ganzen selten im Keime. IV. de it dem ko- 
ninge brechte vure : verlure 387, 43. — V. gedragen vure (Hs. overe : 
kure) 398, 43. — Yc. gengen dar vure : verlure 516, 31. — VI. do dese 
wären geleden vore : möre 536, 53. 

vor der 6 st. V. im Reime auf dröst 398, 29. 404, 7. 

vor est, altfr. forest. I. vorest : entlest 88, 35. 

vorn (vgl. Zeitschr. 8, 417), in allen Theilen ausser HI u. YI (Va, 
Vb). — I. de da haldent allen zo vorn (Hs. zo allen voren : sporen) 50, 
13. de kolzen schudde man eme zo vorn : sporn 55, 5. zo vorn (Hs. 
zo den voren) : sporen 62, 30. : verlorn 168, 45. : erkorn 185, 50. 190, 
65. — K zovorn : verlorn 222, 25. 282, 62. : zorn 225, 30. 243, 57. 
. gesworen 271, 23. bevoren : gesworn 271, 13. — IV. zovoren : verlo- 
ren 374, 43. 380 , 55. : hören 375 , 1. : zoren 381 , 4. dar voren (an- 
tea) : verloren 381, 41. voren (Hs. vur en) : erkoren 383, 60. hie zovo- 
ren : verloren 386, 6. zovorn : zorn 388 , 3. : gesworen 388 , 34. 389, 
60. 392, 57, also in IV am häufigsten. — V. bivorn : verlorn 401, 24. 
zo voren : sporen 443, 35. : gesworen 462, 67. vorn : zorn 468, 45. — 
Yc bivorn : gesworn 500, 47. : verlorn 504, 65. 510, 28. 511, 3. 519, 
24. bevorn : sporn 518, 60. dar voren : sporen 518, 22. vorn : zorn 
531, 66. 

vort, md. und nd. , auch mnl. I. nochtan sult ir wizzen vort 4, 
30, ,weiter'. 145, 64. vort sagen ich 4, 55. vort wizzet 8, 12. höret 
vort 11, 9. 73, 51. 80, 50. 167, 27. vort bescheiden 15, 2. genc vort 



— 344 — 

22, 31. vort hat man mich dön gewis 26, 32. vort gesach 27, 61. sachte 
vort 28, 16. vort so weiz ich 30, 41. zoch he vort 32, 12. 107, 44. 
drat vort 34, 14. sagen vort 55, 22. 66, 37. 72, 37. 155, 34. 194, 30. 
stont erhaven vort ,ferner' in der Beschreibung 56, 21. vort zo allen zi- 
den, ,in Zukunft immer mehr' 69, 26. pröven vort 71 , 56. vort getrü- 
wen 90, 29. sprechen vort 101, 5. drecken vort 104, 11. vort brach 
he sich 116, 43. sus sloch Karl mit sporen vort 119, 58. de win wart 
da gedrunken vort 138, 41. vort verneinen 156, 48. vort begunde he 
si minnen 178 , 66. — IL sagen vort 217 , 70. 235 , 49. 260 , 50. vort 
me (in Zukunft) 223, 47. vort mere 286, 29. vort vernemen 225, 26. 
vort ouch üch des zo mir versiet 252, 47. dat ir wille geinge vort 253, 
7. we sine gesellen vort woulden an sine wort vallen 256, 28. vort lei- 
ten 264, 24. hören vort me 268, 19. höret vort 270, 62. 290, 45. drat 
vort 271, 5. vernemet vort 274, 57. vort keren 293, 2. — III. höret 
vort 293, 41. bleif ligen vort 299, 13. sagen vort 301, 47. 342, 51. 
365 , 60. streit vort 304, 13. verstän vort 308, 48. gäven si eme vort 
ausserdem' 310, 49. vort me 312, 58. 337, 18. vort wizzen 331, 12. 
vernemen 336, 32. inde mench preläte vort , ausserdem' 336, 42. vort 
so hat Cristus läzen gesehen 336, 64. rennen vort 340, 10. vort wizzet 
344, 13. geinc vort 352, 37. vort is mir bekant 373, 26. — IV. vurbaz 
vort 377, 47. bescheiden vort 381 , 55. brengen vort ,vollbringen' 387, 
22. 391, 54. — V. vort lesen 398 , 24. vort kundigen 435 , 29. läzen 
vort in vreden stän 436, 31. komen seiden vort zo brengen gröze ere 
439, 54. gelochten vort (glaubten) 448, 31. vernemen vort 448, 61. — 
Vc. he woulde den kamp vechten vort 524, 61. — VI. vort geven ,in 
Zukunft' 534, 17. verstent vort 535, 35. vort zöch 537, 25. — wider 
undevort. I. lofen weder inde vort ,hin und her' 3, 20. spranc vort 
ind weder 37, 20, vielleicht auch si ranten wider inde vort (Hs. wyt her 
ind dort) 41 , 17. sach üp ind neder , beide vort inde weder 141 , 44. 
dachte vort noch weder 144 , 16. gän van der burch vort ind weder 
183, 53. ligent wider inde vort 196, 11. lach dat her vort ind weder 
203, 24. he halp üp inde neder beide vort inde weder ,beim Auf- und 
Absteigen vom Rosse' 207 , 39. — II. keren weder inde vort 241 , 8. — 
V. si redden üp inde neder inde vort inde weder 437, 12. 

vreischen, , erfahren'. I. want vreischent (Hs. wryschent) mine 
lüde 169, 43. — II. gevreische man dat in dem lande 243, 55. 

vreise, ,Schrecken'. Ob in III? van dem vresen ungesunt 335, 
60 doch wohl: vreise ist die fallende Sucht. Ebenso in IV. wart bela- 
den mit dem vresen 535, 46 : hier eher frieren , Frost , Fieber, dagegen 
vreise Schrecken in V. kommerlichen vreisen (: eisen) 404 , 31. des 
grözen vreisen : reisen 465, 9. he envortet geinen vreisen : reisen 
474, 9. 

vr eis lieh. I. he geleiz so sere vreiseliche 83, 3. — III. sin ge- 
läz was vreislich 358 , 32. — V. in dem vreislichen speie 481 , 32. gröz 
inde vreislich 485, 20. — Vc beren vil vreislich 502, 31. vreislich was 
sin stimme 502, 44. der grozer vreislicher scholt 512, 43. umbe den 



— 345 — 

vreislichen mort 514, 59. mine siege de sint vreislicli 528, 3. eine wunde 
vreislich 528, 20. einen döt der bitter si ind vreislicli 531, 17. — VI. 
so was sin gesüne vreislich 539, 40. 

vreissam, dasselbe. V. ein man vre'ssam 433, 44. Karl der 
vreissam 482, 24. — Vc. ein lewe groz ind vreissam 502, 41. he düchte 
en vreissam 518, 8. 

vri, häufige Reimfüllung. I. de kinder fri 18, 28. de juncfrou 
fri 26, 54. 30, 63. 61, 28. 131, 27. Karl de junge ritter vri 57, 5. 59, 
3. dem heren vri 105 , 8. de koninginne vri 142 , 52. — II. vur allen 
sinen vursten vri (hierher?) 242, 46. 243, 8. des keisers vri 254, 18. 
dem koninge vri 257, 30. de maget vri (Maria) 263, 62. got ind sine 
möder vri 271,56. de zwene juncheren vri 283, 47. — III. de edele ko- 
ninginne vri 300, 16. Karl der keiser vri 340, 19. de kirche vrie 341, 
17. — V. under den vursten vri 474, 54. — Va. Ospinel der vrie 413, 5. 
413 , 25. hemelsche koninginne vrie 421 , 28. — Vc. de herzogen vrie 
526, 63; in V und Vc ist der Gebrauch von vri als Ausfüllung wohl 
gar nicht zuzugeben, am meisten in I und II. 

vri den. III. of he it woulde vreden (: seden) 352, 32. — Va. der 
kif moste gevredet sin 424, 44. 

vrien. II. Galien, umb de ich höre vrien inde striden sere 260, 12. 

vrome, pleon. III. sachten eme mit vromen : vernomen 295, 25. 
was komen buschof Turpin mit vromen 351 , 54. du enwilles dan zo 
vromen (: komen) mit mir striden 368, 10. — VI. mit eren ind vromen 
: komen 533, 28. 

vrone, ,heilig c . I. de maget vrone (: schone) 176, 60. — HL 
manchen guldin kop vrone : schöne 296, 38. eine stat schöne, de was 
walbekant ind vrone 311, 49. van dem heiltüm vrone : schone 335, 56. 
— V. mit dinen boden vrone : schone 484, 61. — V a . dat vröne para- 
dis 419, 37. — Vc. in den kör vrone : schöne 511 , 67. 

vrüt. I. D. was wislich inde vröt (: got) 14, 6, immer im Heim. 
D. was witzich inde vrot 75, 18. der here wis ind vrode 136, 14. [der 
alre vrödeste man 156, 5 1. wredeste]. — IL Galie, de reine de vrode 221, 
9. so reine ind so vrode 227, 19. der koninc vrode 267, 11. de reine 
ind vrode 267, 63. de wise, de vrode 281, 38; daraus folgt, dass II nur 
vrode, nicht vrot sagte. — IV. of ir mich machet vröt 380, 38. soulde 
ich üch machen vrot 57. mer ich wil is wesen vröt 382, 50: hat andere 
Bedeutung , vröt machen , ,unterrichten , aufklären', des sint vrot ge- 
wiss' 394, 35. — Vc. mines heren capelän so vrot (: geröt) 501, 55, vom 
Compilator , vgl. VI. ritter so vrom noch so vröt 539, 40; also sagte 
auch IE so. 

vurblech. V. dat eme dat vurblech af spranc 486,60 vom Helm, 
vgl. K. 291, 22. 

vulchen, von vülen, ,Leichnam c . III. den vülchen (Karl) also lef 
hedde 317, 48. 

vüle. V. ain enhät irs geine vüle (: stüle) 438, 45 ,wenn ihrs 
auch nicht fühlt'. 



_ 346 — 

vurbücj fiirbüege. IV. van dem gereide ind van dem vurboech 
386, 39. 

vurdacht. m. nadele gemacht mit vurdacht .Fleiss', vgl. ge- 
dacht 341, 29. 

vur deren. IV. ich sal it vorderen nä minre gedacht ,vorwärts 
bringen' 388. 61. — V. vurder de boden hinne 437, 30. vurder Marseiis 
boden hinne 438, 58. 

vure, ,Lebensart'. I. wilcher vöre[n] unse junchere pleit 19, 2. 

vurhouft, ,Stirn'. VI. sin vurhoeft lovelich eins vozes breit 
539, 31. 

vursprechere. V. dat he were ir vursprechere 438, 18. 

vurvechte, ,das Vorfechten'. I. Karl hette vurvechte : rechte 
152 , 35. — V. ,der Vorfechter' des keisers vurvechte 395 , 33 , vgl. 
Konr. 3, 9. 

vur v echten. I. erkreg dat vurvechten 194, 63. — V. dat eme 
wurde dat vurvechten 475, 33. 

vur wart. I. horent vurwart = vort 29, 46. 72, 61. sagen 
vurwart 45, 22. vurwart dringen 82 , 5. vurwart gän 102 , 54. mit 
sporen vurwart keren 181, 51, vgl. vortbaz 73, 55. 

wäc, schwach? I. dicke vischeten si in dem wägen : plagen 44, 
30 oder plural? 

wach, ,wehe'. I. owe leider ind owach : gemach 145, 34. öwe 
owach 151, 58. : lach 154, 17. owe, reif si, inde wach : dach 163, 32, 
einmal wie es scheint woch, reimend auf noch 95, 37. — III. 6 wach 
mich arme wif, ausser Reim 299, 68. — V c . owach ind öwe, ausser 
Reim 496, 61. 

wäge. II. de üp eine wäge (: mäge) setzent ere ind ouch lif 
246, 46. 

wagen, gewagen, mhd. gewahenen, gewehenen , sehr häufig. I. 
gewagen : sagen 9, 10. 9, 39. 26, 56. 31, 2. 116, 54. 147, 20. : tra- 
gen 21, 34. 37, 15. : clagen 46, 24. : gesagen 114, 28. gewage (conj.) 
: drage 36, 63. partic. gewagen : sagen 40, 44. 192, 56. 210, 8. : ge- 
sagen 170, 11. — II. gewagen : sagen 254, 16. partic. gewagen : entsa- 
gen (Hs. entzaven). 220,11. — III. gewagen : gesagen 296, 57. 331, 62. 
343, 13. 350, 49. : sagen 316, 48. 321, 12. 336, 14. 359, 55 (Hs. 
bewagen). 364, 21. — In IV gar nicht, in V nur der imper. gewach 399, 
58. 439, 56. — V*>. gewagen : sagen 459, 36. — VI. gewagen : sagen 
538, 44. 

wal, ,Kampfplatz'. V. weder reit zo Runzeval in dat wal (: Hs. 
bal : dal) 487, 57. — Vc. suchte sinen vrunt in dem wale (Hs. bale : dale) 
490, 8. Vgl. walstat. 

wal den, mit genitiv. I. welches gemacLes he weide : helde 12, 
44. ouch willent si des walden 16, 8. ir der tüvel moste walden 17, 44. 
das he des riches möge walden 19, 18. Kaiphas nie keiner unzucht en- 
welt : heilt 64, 55. ind grozer mödicheide wielt : hielt (Hs. in groesser 
moetkeit menygualt) 118 , 39. der herschaf der der koninc wielt (Hs. 



— 347 — 

helt : helt) 133, 34. — III. er eide niet enwaldent 312', 2. bat got, dat 
he is woulde walden 357 ,5. — V. ind er (Hs. en) eren also wielden : 
hielden (Hs. woulden) 402, 54. mins rätes soult ir walden : menchval- 
den 406, 37. want he grözer wisheit wielt 430, 14. so saltu heiles wal- 
den 485, 69. — V e . of si is mochten walden 520, 62. 

wallen. Y. Wellis sin blöt erwiel (: viel, es fehlt die Zeile) 
441, 18. 

walstat. I. üp der walstat 118, 23. — Y. van der wälstat : bat 
484, 34 und öfter. 

wambaset, ,Wamms c . I. 85, 50. 

wambe, .Bauch'. Y. van des walvisches wamben : klamben 472, 
48 == K. 269, 26. 

wän, sunder wän, häufig in m und VI; als Keimfüllung, aber 
auch I, II etc. HI. 371, 2. — VI. 533, 22. 533, 30. 533, 56. 534, 6. 
535, 52. 539, 46. 

wäre. V. vur den heideschen wergen : halsbergen 470, 60. 

warm, pleon. HL dröch en also warm (: arm) 362, 59. — Vb. 
dat der schilt ind der arm zo der erden velen also warm 456, 16. 

warnen. Y. wir wollen uns gerne so warnen ,bereit halten' (: ar- 
nen) 428, 46. 

wartnian. I. einen wartman hez he rennen 121, 64. 

waten. I. dat eme de derme ind ouch der slüch her üzer sime 
live wot : gemot 93, 12. — H dat Durendarde durch heim ind kop wöt 
274, 32. — ni. dat dat rode blut an allen enden dar durch wut 308 , 1. 
dat de cristen in dem blöde over ere enkelen wöden 359, 11. 

wec, von — wegen. I. van üre aller wegen 9, 47. van minen 
wegen 131,26. — II. van irs heren Karies wegen 230,15. — HL van Kar- 
ies wegen 342, 45. 

wedde, natürlich nur in H. bot sin wedde 247, 35. sin wedde 
Karl do intfenc 247, 44. it wer mit pant of mit wedde : hedde 251, 
54. zo bürge ind zo wedde : hedde 264, 12. — wedde n. IL ir en- 
dorfts niet wedden : hedden 277, 37. 

weichen, ,weich machen'. Y. nu wil ich minen (Hs. mynne) zorn 
weichen (Hs. intwychen) 431, 11. 

weidelich (vgl. waetlich). LH. dar üp saz he weidelich 364, 41. 

werf, .Mal', mhd. werbe. I. dri werf 73, 13, ebenso 81, 53. 196, 
20. — H. 263, 56. — V. 466,22. — V*. 420,35. — Vb. 458,17. — VI. 539, 
64. 540, 9. vgl. in IV warve : darve 392, 11 an einer Stelle, die Ele- 
gast fehlt. 

wer lieh, als ausfüllendes Reimwort. I. was werliche holt 8,41. 
wänden werliche 13, 39. 59, 13. wizzent werlich 33, 45. horte sagen 
werliche 81, 12. werliche 95, 8 u. s. w. — H. wizzet werliche 237, 18. 
240, 64. 281, 22. — HI. 306, 42. — IV. also werliche, ,so wahr als' beim 
Schwur 376, 11. — V. ich sagen üch werliche 397, 17. 402, 19. des ge- 
love ich werliche 488, 59 , hier nirgend als leeres Füllwort. 

werren. V. ich wene der cristene wich uns vele sere sulle wer- 



— 348 — 

ren : verre 483 , 63. Yc. saget mir of eme iet werre : verre 497 , 63. 
van dem dröme enwirt (enwirret ?) üch niet 505 , 10. ich vorchten dat 
mir icht werre : verre (Hs. dat ich mich were) 519, 19. 

wert, ,wärts { und wart, beide Formen begegnen im Reime. I. 
wert : pert (Hs. wart) 46, 61. : swert 85, 12. 85, 62. 118, 32. 127, 44. 
203, 67. — IL wert : swert 276, 12. — III. wert : unverhert 313, 57. 
wert : wert (dignus) 324, 42. 329, 40. häufiger wart : hervart (so zu 
lesen!) 297, 51. wart : hart (Hs. wert : hert) 306,39. 313, 15. 316, 17. 
350, 4. : vart 343 , 1. 364 , 50. : Durendart 364 , 43. — Ya. wert : 
swert 425, 46. wart : hervart 425, 30. — Yb. wert : swert 456, 41. — 
YI. wart : vart 536, 51. 59. 

wesen, partic. gewest nur in III und YI. gewest : man lest 322, 
14. 535, 40. 

wesselere, natürlich nur in I. 2,39. 3,33. wesselbanc 2, 40. 

wet. II. ouch wart mallichs hals wal bewart mit einer wet wol 
hart 285, 24. 

wetlich. Yc. ein sperwere, de vele wedelich were 504, 40. 

w i c (vgl. kric). I. wige immer im Reim auf krige 81 , 36. 181, 
56. 188, 10. 191, 3. 199, 18. — Y. dö mench helt herlich dar döt lach 
umbe den wich 466, 11. kere weder an den wich : overmodich 468, 11. 
stont an den wich : sich 473 , 22. der Cristene wich : eirlich (Hs. eir- 
liche : cristen ewiche) 483 , 62. — Ya. hän ich gevochten stürm inde 
wich : rieh 413, 13. he enwoulde niet weder an den wich : sich 424, 7. 

— Yb. de könen dachten an den wich : sich 453 , 61. — Yc. aldä he 
reit in den wich : Dederich 527, 29. 

wiegar, ,zum Kampfe bereit' (vgl. gar). I. quam wiegar (Hs. 
wygar) gereden dö 38, 57. — Yb. als de heren dö wären wichgare : 
schare 454, 51. 

wichorn. Y. blesen ir wichorn (Hs. wachorn) : zorn 401, 47, 
K. 9, 30. 

wide, ,Weide' , natürlich nur in I. bi der widen grone 3,2. bi 
einre widen : ziden 3, 37. under der alder widen : ziden 4 , 6. 

widerkere. III. nam de wederkere : here 304, 34. : sere 313, 
44. sunder wederkere : sere 314, 58. — Y. woulde niet dön wederkere : 
here 406, 4. 

Widerrede. I. sunder wederrede 7, 64, immer im Reim. 8, 18. 
60, 29. 180, 52. sunder einiche wederrede 63, 23. — II. sunder weder- 
rede 219, 52. 220 , 36. 264, 2. — III. sunder wederrede 294 , 60. 314, 
4. 366, 59. sunder einiche wederrede 339, 23. 

Widerreden. IL de it wederreden woulde 227, 32. so solde ich 
it wederreden 246, 23. 

widersache, , Widersacher'. I. sin wedersache Bremunt 47, 5. 

— IL min wedersache : mache 252 , 49. sinen wedersachen : machen 
277, 60. 253, 35. sins wedersaches (?) he beide 269, 14. — Y*. van si- 
nen wedersachen : gemachen 409, 21. 



— 349 — 

widerschamp (vgl. schamp). I. engeinre hande wederschamp 
(: lamp) ,Widerstand' enmochte si dö niet gedön 162, 8. 

widerspräche. VI. sunder einiche wederspräche : Ache 538,24. 

widerstreben. III. of it willen widerstreven , immer im Reim 
294, 14. äne einich wederstreven 295, 52. sunder einich wederstreven 
306, 18. 372, 57. sunder wederstreven 348 , 7 (lies auch sunder einich) 
348,58. 352, 42. — YI. sunder einich wederstreven 533, 50. 534, 4. 535, 
17. sunder wederstreven (lies sunder einich wederstreven) 534, 20. 

widerstrit. I. dat si eme wederstrides genöch geven 17, 19. 

widerval, in dem Absätze zwischen I und IL nochtan geschach 
ir groz wederval : wal 216, 25. 

widerwant. I. so dön ich dälinc wederwant (: hant) Wider- 
stand' 63, 59. 

widerwenden. I. sunder einich wederwenden 39, 31. 41, 57. 
201, 7. dat sper wederwant üp dem halsberge sin 200, 54. — V. willen 
des niet wederwenden : senden 429 , 44. — Va. dat he en wederwenden 
niet enmach 411 , 16. des enkan en neman wederwenden : senden 
411, 54. 

widerzal, , Widerspruch'. I. he enhöret wederzale niet 160, 30. 
he solde sunder wederzale (Hs. wyse zale, das Reimwort wale ist nach 
Oriase zu ergänzen) 183, 41. — II. sunder einiche wederzale : wale 248, 
44. — HI. dit geschach sunder wederzale : wale 356, 49. 

widewale, , Goldamsel'. I. 88, 32. 

wigant. HI. mench stolt wigant : lant 315, 51. : Rölant 371, 
66." Rölant der edel wigant : hant 372 ,6. — V. Olivier der wigant : 
Rölant 396 , 1. : hant 403 , 49. dar weinde mench wigant : lant 444, 
43. de vil düren wiganden : kanden (also schwach) 466 , 17. dö si de 
wigande bekleiden mit sulchem gewande 467, 71. der vil könre wigande 
(: Rolandes, lies des vil könen wigandes) 470, 13. Names der wigant : 
Rölant 471 , 19. sanede sich der wigant : hant 473 , 24. dem stolzen 
wigande : erkande 473, 64. was ein starc wigant : genant 475, 8. Oiger 
der wigant : hant 481 , 4. Baligän der wigant : gerant 482 , 67. op de 
heiden wiganden : handen 484, 16. gedenket, wigande : gigande 484, 
25. Karl der güde wigant : Dervagant 486, 25. — Va. nä dem wigande 
: rande 414', 30. — Vc. de wigande (Hs. wichande) : lande 491 , 3. de 
godes wigande : Rolande 492 , 7. alle de wigande : lande 496, 35. der 
dugentliche wigant : Rölant 497, 55. ander mench wigant : Rölant 505, 
2. de wigande , nicht im Reim 521 , 13. der üzerwelde wigant : hant 
526, 44. Oiger den wigant : Ferrant 526 , 23. Pinabel dem wigant : 
hant 529, 7. 

wigen, prät. weich, , wiegen'. V. mit gedinge weich man eme den 
schat 447, 49. einen last goldes de vele weich : bleich 447, 51. — VI. 
dat he uns entweich (Hs. entwych) alle sine sunden , nicht im Reime 
537, 23. 

wilkome. I. Caiphas neve, wilkome : vrome 51, 62. sit wü- 



— 350 - 

kome düsent stunt 131, 66, ausser Reime, ebenso 210, 11 ff. In V heisst 
es willekomen, im sit mir here willekomen : vernomen 464 , 42. 

willich, , willig'. I. williche : geliche 32, 53. willichen smerzen 
124, 26. dagegen willecliche 72 , 9. 149 , 63. : Vrancriche 187 , 51. — 
V. williche : riche 448, 51. 461, 55. : geliche 461,60. dagegen willen- 
cliche : riche 429 , 37. — Vc. sinen willichen möt 498, 28. — VI. gereit 
ind harde willich : sicherlich 540, 38. 

windele, , Windel'. III. de windelen 335, 12. 

wingarte, stark. V. dat he ilet vele harde in den wingarde 434, 

3. daneben wingart. der wingart : vart 434 , 9. der hemelsche win- 
gart : wart 434, 12. 

w innen, ,toben', missverstanden 403, 59, vgl. Konr. 280, 12. 

wint, ,Windspiel'. V. winde inde vederspil 407, 15. winde ind 
müzere 426, 49. 

wirs, ,schlimmer'. I. de wers vele 179, 13, nicht im Reime. — 
Vc. ir wart wirs danne e 510 , 33. den neman wers enmach geren 
531, 61. 

wis machen, sin, tuon. I. ich bin van den böchen wis : Paris 1, 
23. däden de gebroder [werden] wis : Paris 15, 55. do machte he wis 
Hanfrät 15 , 63 , immer im Reime, dat du mich einer dinge maches wis 
90, 4. he sal si des wal machen wis 111 , 39. ouch machden si mich 
beide des wis 113, 41. Gleichbedeutend ist gewis machen, vort hat man 
mich me dön gewis 26 , 32. wir soullen si des machen gewis 47 , 30. 
des machen ich dich gewis 71, 39. — IL als mich dat welsche machde 
wis 218, 6. als ich üch sal machen wis 218, 18. ir heren, machet mich 
wis 227, 23. sd balde si des worden wis 234, 9. einer dinge weset wis 
282, 40. — III. aldä wurden si wis 294, 2. de boden machden en wis 
329, 5. — V b . des wil ich üch machen wis 454, 48. 

wiste, diese Form des prät. ist die einzige im Reime. I. wisten: 
listen 45, 37. : misten 53, 50. wiste : liste 174, 6. — II. wiste : liste 
217, 63. wisten : listen 224, 54. — III. wiste : liste 302, 59. 351, 25. 
: Cristen 304 , 18. : kiste 333 , 8. — V. Cristen : enwisten 405 , 63. — 
V c . wiste : liste 526, 15. 

w i u n g e , ,Einweihung'. III. do de wienge was geschiet 325 , 19. 

wize, .Strafe'. V. vil mencher hande wize (Hs. wyse : vlize) 404, 
32 kann missverstanden sein, in de hellewize : vlize (Hs. helle heysse) 
445, 29. 

wizen (vgl. verwizen). V. wat wizes du mir 440, 32, Konr. 50, 1. 
— V a . mir nummer man enwize (Hs. enverwysse) : vlize 413, 44. — V°. 
deme woulde si it wizen : vlizen 514, 29. 

wizen, ,weiss sein'. V. silver dat da wizet : glizet 448, 1. 

wolbekant, häufiges Füllwort. I. der koninc walbekant 4, 60. 
98, 46. 127, 52. 207, 63. ritter wolbekant 27, 43. gesellen 28, 46. 61, 

4. 82,24. 95,25. Galafers der köne (koninc?) walbekant 41, 20. stat 
47, 48. de Vranzosen wolbekant 48, 51. juncvrouwe wolbekant 72, 47. 
Davit der walbekande (Hs. berande) 103, 55. ir heren walbekant 112, 61. 



— 351 — 

der vurste walbekant 114 , 52. der edel ritter walbekant 115 , 49. sit 
wilkome, walbekande ! 210, 14. da eme de walbekande wart harde lef 
216, 15. — IL de walbekande Galien 227], 7. eim edelen vorsten walbe- 
kant 256, 61. sprach der walbekande 262, 22. Gälte walbekande! 281, 
3. de walbekande Floretten 290, 23. Karl der walbekande 293, 18. — 
III. der koninc walbekant 294, 35. 308, 60. mit menchem manne wal- 
bekant 301, 2. sine boden walbekant 323, 33. ein juncfrouwe walbe- 
kant 327, 27. der keiser Constantin walbekande : zo lande 332, 24. Karl 
der keiser walbekant 333, 17. 335, 49 (Hs. was bekant) 340, 36. 346, 
30. sent Jacobs lichnam walbekant 337 , 27. stat walbekant 337 , 51. 
wazzer walbekant 345 , 56. Oitger walbekant 346 , 64. de heren walbe- 
kant 350, 31. dem keiser walbekant 355, 62. 356, 29. — Vb. Oliver der 
helt walbekant (Hs. balt bekant) 455 , 60. — Vc. ein koninc walbekant 
516, 49. de vil wal bekanden 527, 45. — VI. Karl der keiser walbekant 
533, 14. nach den vursten walbekant 536, 13. päis Leo walbekant 537, 
35. mit menchem Römer walbekant 537, 43. 

wolgeborn, ungefähr dasselbe, auch als Füllwort. I. der selve 
koninc walgeborn 26 , 27. 30 , 36. furste walgeborn 32 , 15. Galafers 
der walgeborn 33 , 8. der koninc walgeborn 33 , 22. 34 , 6. 205 , 49. 
zo den Vranzosen walgeborn 47, 9. Galie de walgeborne güde, nicht im 
Keime 76, 61. Bremunt der walgeborne 78, 43. de zwene gesellen wal- 
geborne : mit zorne 84, 10. Bremunt der koninc walgeborne : van zorne 
88, 38. Galie de walgeborne 103, 6. Karl der walgeborn 131, 13. Orias 
der walgeborne 177, 32. 187, 61. Orie de walgeborne 188, 56. sit wil- 
kome, walgeborn! 210, 23. de walgeborne 262, 16. — IL ho inde wal- 
geborn 227, 41. Karl der walgeborne 231, 55. Berandis der walgeborn 
245, 27. Galien de walgeborne 267, 60. der edel koninc walgeborn 292, 
12. -- In III steht dafür högeborn. Vc. der keiser walgeborn 503 , 7. 
mench helt walgeborn 515, 36. menchen helt walgeborn 516 , 59. De- 
derich walgeborn 528, 58. 

wölke, fem. HL dö höf sich ein groze wölke : mit sime volke 
307, 64. — V. do jageden si as de wölken : dem cristen volke 479, 28. 

wonhaft. V. dar Cristen sint wanhacht : macht 397, 55. 

wort: nä den worden, häufig nur so viel als dar nach. I. nach 
vorhergegangener Rede 8, 46. 22, 14. 38, 29. 47 , 34. 95 , 59. 138, 
39. 147, 21. 193, 2, vgl. mit desen worden 60, 51. nä der zalen 196, 
44. in der Bedeutung ,darnach< 189, 65. — III. 303, 36. 331, 31. 356, 
20. — IV. nä dem worde 387, 25. — V». 415, 38, vgl. mit den worden 
in der Bedeutung ,unter der Bedingung' 419, 36, sonst in den worden, 
den worden. 

Wortzeichen. V. zo Wortzeichen sagen 442, 32: Hs. zo alle 
Wortzeichen. 

wöstenie, ,Wüstenei'. in. in de wöstenie : mie 334, 13. 

wrede, ,zornig'. I. der wrede man 162, 61. dem bösem wredeni 
dwäse 171, 39. mit dem wreden Oriäse 183, 40, vgl. 156, 5 vrüt. 

wunde, stark. I. gaf eme eine wunde (: Bremunde) 43, 21. 



— 352 — 

zagel. Vb. baut vaste zome zagele : unbehagele 532, 57. 

zal, in der Bedeutung ,Erzählung' (vgl. auch logenzal) namentlich 
in I häufig, zal : wal 1, 3. 3, 11. 9, 59. 11, 31. 13, 48. 16, 27. 26, 
17. 29, 4 und ebenso 49, 48. 52,17. 53,64. 57,8. 58,21. 71,15. 
71, 45. 75, 14. 76, 14. 77, 47. 81, 24. 88, 59. 97, 52. 100, 3. 102, 
25. 103, 3. 104, 21. 109, 29. 125, 39. 126, 36. 129, 56. 133, 22. 
134, 32. 135, 21. 143, 32. 145, 17. 154, 37. 156, 66. 159, 11. 160, 
63. 165,9. 166,2. 173,38. 176,24. 185,49. 186,20. 187,1. 191, 
29. 194, 29. 209, 15. 211, 16. 214, 34. — IL 232, 64. 236, 54. 243, 
25. 248, 44. 249, 51. 252, 58. 259, 6. 262, 32. 263, 41. 265, 34. 
266, 12. 288, 65. — in. 330, 52. 338, 15. 348, 20. 352, 48. 356, 49. 
— IV. 375, 38. 378, 6. 379, 6. 384, 21. 391, 31. - V. 438, 6. — Vb. 
452 , 28. V und Vc scheint das Wort nicht zuzukommen , die einzige 
Stelle in V kann vom Compilator herrühren. 

zant, ,Zahn', durch den Reim belegt in I. zant : pant 33, 14. 
: hant 202, 10. : bekant 208, 62. — Va. zant : Rolant 415, 10. Im Plu- 
ral zende. zenden : henden 23 , 10. 80 , 19. zende : behende 25 , 38. 
: ende (Hs. hende) 483, 3. zenden : geweren (lies gewenden) 163 , 23. 

zein. II. si kerden de ros mit schenkelen ind mit beinen hene 
zo den zeinen 284, 34. 

zerren. Vc. dat en de wilde der zozerren (Hs. verzeren) : ver- 
ren 532, 43. 

zintelere, ,Feigling?' Vb. einich zintelere wille sin mit dem 
hörne min 455, 58. 

zit, zo der zit, zo den ziden, häufig als Reimfüllung (vgl. stunt). 
I. zo der zit 8, 3. 29. 8, 46. 10, 41. 49, 39. 67, 33. 47. 135, 37. an 
der zit 28, 8. zo deser zit 63, 41. 67, 59. 69, 9. 58. an deser zit 74, 
51. zo den ziden 13, 8. 15, 14. 47, 32. 48, 35. 54, 43. 61, 36. 62, 
22. 63, 32. 80, 53. 86, 29. 101, 57. 109, 23. 115, 40 (Hs. zo ziden). 
118,10.31. 121,56. 131,18. 135,18. 152,13.32. 165,3. 181,48. 
190, 41. 191, 45. 203, 19. zo desen ziden 168, 54. — n. zo den ziden 
221, 39. 231, 61. 239 , 67. 268 , 67. 285 , 20. 288 , 4. — III. zo der 
zit 338, 14, nicht im Reime, zo deser zit 328, 40. zo den ziden 343, 
62. — V. zo desen ziden 443, 63. 

zoden, ,Zaddeln'. III. endragent noch mentel noch zoden : bo- 
den 356, 3. 

zolde, ,Zoll'. I. mit alsus gedanen zolde : molde 84, 31. — H. 
zo zolde : golde 278, 6. — verzolden ,verzollen { steht in III. de moste 
man alle verzolden : wolden 319, 42. 

zoenen, ,zeigen', diese Form der hochd. siunen entsprechen 
würde , kommt häufig vor , aber an den meisten Stellen vom Schreiber 
herrührend. I. zoenen , ausser Reim 16 , 56. enzone 57 , 52. zonen 69, 
36. zonde 84, 15. dat he sin gebot an' mir genedeclichen zenne (: reine) 
133, 7 ; Keller zweifelt, ob zeune, zeine oder zenne zu lesen sei. Die Hs. 
wird wohl zeune haben, was recht gut siune entspricht: aber der Reim 
fordert erscheine oder das ahd. vorkommende zeine (und das Metrum 



— 353 — 

dann genedecliche). Aehnlicli setzt auch, der Schreiber der Hs. von Veldekes 
Servatius toenenfür zeinen, vgl. Servatius 1, 168. 1682. 2, 2654. zone 139, 33. 
he enwolde sich nie enzoen, reimt auf ougen 140, 1, ist also zougen zu lesen; 
ebenso jämer zoenen : ougen 157, 38. zonten ere macht 180, 1. zogen : ou- 
gen steht 185, 42. zoghen : ougen 200, 15. — II. ouch zoent der minsche 
sinen smach 216 , 63. de zoent he uns nu wale 263 , 42. he zone hie 
sin ere 273 , 29. he enzoende eme dan sine macht 273 , 64. mallich 
zoende sinen haz 275 , 15. de ministreren zoenen da 291 , 61. Einmal 
reimt zeynen : loynen 263, 32, d. h. zougen : lougen, was nichts beweist, 
ebenso ungezoent : geloent t=z ungezouget : gelouget für gelougent 270, 
63. — III. zonten 296 , 50. zoente ere kunst 299 , 41. Für HE beweist 
der Eeim gezoent : stunt (lies stont) 356, 16, dass der Compilator zoenen 
sagte. — IV. zoenen 376, 32. — V. zoenden ere kracht 401, 5. du zoe- 
nes eine schone gebere 430, 25. züne en hulpe 483, 61. zoende : ge- 
loende 472, 65 kann vielleicht als Beweis gelten. 

zornen, sich. I. sich zornde Hoderich 3, 25. so ensol ich mich 
dar umb zornen niet 106 , 27. des zornde sich der heiden 107 , 28. dö 
he sich Hoderich zornen sach 113 , 26. do zornte sich Godin 118', 50. 
enzornet üch niet 131 , 12. begonde sich zornen 191 , 35. zornde sich 
des sere 199, 10. zornde sich des harde 204, 3. — II. Karl sich zornen 
began 243, 60. sach sere zornen sich Karl 247, 23. Dederich. harde sere 
zornde sich 267, 15. — III. Karl zornde (Hs. zoende) sich 313, 52. zornde 
sich vil sere 356, 23. — V. des zornde sich Rölant 439, 30. nu enzorne 
dich niet 440 , 50. — V». do zornde sich harde Rölant 420 , 2. — Yc. 
enzurne dich niet 518, 44. "Wellis sich zornen began 519, 25. dö zornde 
sich Karl 522 , 10. enzornet üch niet 522 , 24. Pinabel zornde sich 
524, 9. 

zougen (vgl. zoenen). I. 185, 42. 200, 15. — Y b . do begunde 
he jämer zougen (Hs. doegen) : ougen 452, 35. 

zouwen. I. aldä vunden si zohant ein schif gezowet dö alleine 
135,50. it genc dö an ein zouwen : juncfrouwen .eilen, rüsten' 146, 63. 
— Yb. des wolden si sich zouwen : houwen 460, 14. 

zoverläz, ,Yerlass'. IY. ich hadde zoverläz zovoren 388, 26. 
Eleg. 961 toeverlaet. 

zweien. V a . dö zweieden si sere , entzweiten sich, zankten' 
413, 62. 

zwene: eine Nebenform zweine wäre anzunehmen nach dem 
Reime ich meine : zweine 4 , 33 ; allein . es ist wohl zu lesen ich wene, 
wie auch 274, 59. 460, 53 reimt. Das Femin. lautet zwä :'nä 169, 11. 
268, 2. 

zwivelen, ,wanken'. I. dö zwiveite he der mechte 83, 10. dö 
he Mörant zwivelen sach 83, 14. dat eme zwivelde ind gebrach ind he 
niet me enmochte 92 , 10. de (des ?) zwivelde (Hs. zweyualde) ir her- 
schaf 125, 6Q. der heiden des slages zwivelen begunde 202, 20. 



23 



— 354 — 

In jedem Abschnitte finden sich eine Anzahl ihm eigentümlicher 
Worte, bei denen aber ein einmaliges Vorkommen nichts entscheidet. 
Das Vorkommen mancher Worte in einem einzelnen Abschnitte liegt 
häufig in dem Inhalte desselben. Hauptsächlich ist auf die Ueberein- 
stimmung zwischen einzelnen Stücken in Bezug auf den Wortschatz 
zu achten, auf das Vorkommen gewisser Wörter und Wortformen 
in gewissen Theilen der Compilation, die Abwesenheit in anderen, 
wenn sich diese Uebereinstimmung nicht auf einmal vorkommende 
Worte beschränkt, denn dann ist sie in der Kegel Zufall. 

Fassen wir unter diese Gesichtspunkte den Wortbestand noch 
einmal zusammen, so ergeben sich für I zunächst folgende eigentüm- 
liche Worte und Wendungen: 

I. mich achtet, achterkaf, aflivet, alzoges, anewaldende, antvanc, 
backe, backenslach, bagen, bal, behalt (vgl. enthalt), behenden, ber- 
mede, sich bescheiden, besehen, bewanc, bewenke, bezide, biesen, blit, 
brüdegome, büsche, büsen, deif, denken (unpersönlich), diech, dilde, 
dogentheit, dorperheit, eberswin, eckert, entleiten, entlichen, entnemen, 
ersweizen, crvolgen, gaebe, gedalz, gehandelen, geküde, gelach, ge- 
manc, gemeuchelt, genendic, gepac , gerech, gerechte, gerinn, ge- 
slacht, gestöz, geswäse, geverich, gevolgich, gewelde. gewanc, gewen, 
hälschar, hähen (3. ps. heit), handelen, heidenisse , hoveman, ka- 
mererse, kant, kantel, karen, kragen, kreieren, kric, krisch, krischen, 
luch, manslacht, meindät, meizoge, melde, nierkere, merz, nac, nalde, 
nouwe, prüzen, redelich, rodelecht, rüzen, säze, schinnen, sicheren, 
sifen, sie, slinden, slüch, sluppe, smitzen, smutzlachen , Sprech, stel- 
len, stoppen, stranc, sträwen, strozze ('?), toi, trucht, umbewant, iin- 
besmitzet, undernemen, underriten, undersprechen, underspringen, un- 
derstän, ungemeine, ungerech, ungeslacht, ungezam, ungezeme, un- 
mechten, unraste, unvermiten, unversunnen, unvrome, urbere, üzvazzen, 
val, venne, verbalden, verdröz, vereinen, vergaderinge, verse, vertoben, 
vesper, wage, wach, wartman, widerschamp, widerstrit, Aviderwant, 
widewale, wrecle, zwivelen. 

II. begunt (partic), berechen, bereiten, bladere, enblecken, ent- 
lesten, erjehen, erlouben, gekos, gescheit, grimmen, härschür, hoge- 
burt, kampslach, knopen, kreiz, kundicheit, laz, losen, nieren, quät, 
rite, schüweii, smeichen, smosse, swart, tasten, tenne, treger, tregerie, 
turstec, underscheit, undertän, verdilien, verlochter, verrederie, ver- 
rüwen,. versachen, verspäten, verwigen (sieh wigen), viien, wet, Wider- 
rede, zein. 

III. bedrach, beläzen, beiigen, benähen, beschrien, bodelinc, breste, 
brüch, dinsen, entjehen, entlemen, gebrech, gekrüde, gelich, gemicke, 
genanne, gerde, gezoc, gracht, harren, heider, heumäuet, högeborn 






— 355 — 

(vgl. wolgeborn), hulden, lägen, leekerlick, lemde, lengecle, logenmere 
logenrede, niänet, inessinc, näl, nit, not, overen, quäden, riseu, roch, 
schiben, schräden, sitich, stetgin, stieb, stillimge, stöz, sunderlicbe, 
twahen, ubergän, undersäze ,' vedeschaf , verligen, versmechten , ver- 
snellen, vulchen, weidelich, widerval, zoden. 

IV. achterriten, anden, aventüreii, bedragen, beite, bilen, dinster, 
enträden, gat, gebast, gelüt, geneme, gewerde, gewicht, knallen, knif, 
korden, kröf, latin. liede, made, omtrent, wel, zoverläz. 

V. altveter, arbeiten, begäu (sich), bekande , bescheiden (adj.), 
bewar, boumgart, buwen, diet (im plur.), drouwe, dusternisse, eise, 
ellenthaft, ende, erbalden (?), erbekint, erben, ergiet, ergremen, er- 
lengen, erwägen, ewarte, gebenze, gedinge, gagen (für gegen), geli- 
ehen, ger, gerade, gerächte, geverte, gewerf, gewinnen, gezinuner, 
gise, gran, gülden, gutze, habe, habech, haft , halden, handelen , hei- 
möde , hellewarte , honen, horläge, irren, klambe, kristin, küle , love- 
haft. mange, mar, marke, mäzen, meilen, meisteren, nieringe, misse, 
missewenden, morden, mur. nideren. nieten, notlich, notveste, ötmöde 
(adj.), putze, rätgebe, rüwich, salde. samen, schem, scherten, schiia- 
den. seine, ser, sigehaft, slachte, siecht, smecken, spannen, strivere, 
sunderen, sünre, tal, toren, tougen, tracht, trogenere, trumpe, tüsunt, 
ünde, underdingen, ungebere, val, teile, venre, vereinen, vergiftnisse, 
verholen, verworcht, vlozze, vol. volleist, volvarn, vorderost, vreise, 
vule. wallen, wäre, weichen, wichorn, wingart, winnen, wize, wonhaft, 
Wortzeichen. 

Y a . ande tuon, anen, beringen, biderve, gate, misseprisen, recken, 
roken, schiltman. vervorchten, zweien. 

Y b . braut, brase, geverde, hinnen, krenken, trogene, verwizen, 
zintelere. 

V c . ageleize, begibt, begannen, bister, büz. enden (geant), entrei- 
nen, gebären, gewarheit, grozen. klemmen, lanne, manigen, megetin, 
misselicheiL nidere, oehein, sah-, swern, tan, underkomen, ungewalt, 
vermeren, volclagen, zagel, zerren. 

YI. behof, erkoveren, gesiune, heil, kraue, mogentheit, rinke. 
widerspräche. 

Besonders zu erwähnen sind die Fremdwörter, die in I, II, III 
am zahlreichsten sind In I allein finden sich folgende: assenieren, 
barentieren. delit, entschumferen, geüzelieret. irpois, lamel , losgeren, 
lumenere, lutsche, massenide, inorsel, pilgrinere, pinsen, prisant, piu'- 
punt, quentine, säven, schaufieren , slavenie , sot, trisor, vertieren, 
ticken, fineren, forest, wambaset. In IL kompanie , kriden, malie, 
martilie, ministrere (III?). plömen, plcit, presant. prisün. In III ba- 
colon, batalie, giralde, jesten, kanonie, klerke, lancie, malaterie, mis- 

23- 



— 356 — 

sagere, part, partie, pürlich, queschen, falien, vernögeren. In IV fa- 
selment, sarjant. In V galeide , ordineren , sarjän. In VI maniere, 
fonteine. In V also verhältnissmässig am wenigsten, und diese weni- 
gen stehen schon in Konrads Texte. 

Eine Reihe anderer Ausdrücke hängt, wie ich bemerkte, mit dem 
Inhalte jedes Abschnittes zusammen; dieser Art sind in I beslem- 
men, besputzen, betevart, Wien, kratzen, muntbor, muschel, notzogen, 
quentine, slich, vere, wesselere, wide* In II besagen, bezougen, gere, 
gezüch, hechten, hechter, verstän, wedde, wedden. In III afläz, blä- 
bisen, blenden, schere, tabüre, windelen, wiunge, wöstenie. In Y mu- 
zere, olbende , olive , pinböm , wambe. In Vc borgen , bräme , entre- 
den, grieswarte, rosbäre. In VI spurkele, süchelen, vlackeren. 

Namentlich wichtig ist das gemeinsame Vorkommen einzelner 
"Worte und Formen in gewissen Abschnitten, weil wir dadurch wie 
durch anderes auf die innere Verwandtschaft derselben aufmerksam 
gemacht werden.- In I und II finden sich eine Menge Ausdrücke, die 
die andern Theile nicht kennen: bäc, bescheit, beschönen, besunde- 
ren, blitschaf, bracht, brieve, brieven, danc, durch (m. d. Infin.), ein 
(al ein), entgesten, enthalt, entmachen, ergeben, gebrechte, geckelich, 
gemelich, gerichte, geschie, gewach, gezit, hure, krach, loenen, minne, 
morne, snellich, st'aren, swanc, tat, treten, verdomen, vermechen, ver- 
trac, vet, vreischen, vrüt, ausserdem folgende Fremdwörter: bache- 
liere, bärät, burderie, kative, kuret, maisch, paltenere. Ein Theil 
dieser Worte lässt sich aus der nahe verwandten Mundart beider 
Gedichte erklären, wiewohl II dem eigentlich Niederländischen viel 
ferner steht als I, das nur in überarbeiteter Gestalt vorliegt. Al- 
lein wir haben oben wörtliche Uebereinstimmung von ganzen Sätzen 
und Versreihen zwischen I und II gefunden; es ist also recht wohl 
denkbar, dass der eine von beiden Dichtern den andern nachahmte. 
Wenn I nur Ueb er arbeitung eines älteren Gedichtes durch den Com- 
pilator ist, wie wir oben (S. 252) nach den Reimen für nicht un- 
wahrscheinlich hielten, so musste der Dichter von II die unüberar- 
beitete Gestalt von I vor sich gehabt und aus ihr einige Stellen und 
Ausdrücke entlehnt haben. Gegen eine gemeinsame Autorschaft von 
I und II sprechen alle innern wie äussern Gründe; auch ist trotz 
der ziemlichen Anzahl beiden gemeinsamer Worte die Zahl derjeni- 
gen, die jeder Abschnitt für sich hat, viel grösser. — Auch mit III 
zusammen haben I und II eine. Anzahl von Worten gemeinsam, die 
aus der Mundart zunächst zu erklären sind. Der Art sind bile, de- 
nen (erdenen), ervere, krumbe, lop, nrelm, metz, queln, richte, rive, 
schemde, spreiden, tucht, deit (von tuon) , veit (von vähen), volbort, 
waten, wec, Widerrede, widerzal, zit, zolde (verzolden). Und wie mit 



- 357 - 

III, so auch mit VI, welcher Abschnitt ja von demselben Dichter, 
dem Compilator des Ganzen, herrührt, nämlich die "Worte entseben, 
quit, stec, stille. 

Die Uebereinstimmung zwischen III und VI muss sich, wenn ich 
Recht habe, auch in dem Wortbestande zeigen. Wiewohl nun VI 
nur sehr geringen Umfang hat, so findet sich doch eine verkältniss- 
mässig grosse Zahl von Worten, die beiden Abschnitten allein ge- 
meinsam sind: begeit, bequeme, bestän, gedüse, näkomelinc, runt, 
Sterke, vart, vrome, gewest, widerstreben. 

Die Annahme eines Dichters für V und V c , die der ganze Cha- 
rakter beider Stücke schon wahrscheinlich macht, belegen auch meh- 
rere beiden Stücken gemeinsame Worte, nämlich afgrunde, hast, bi- 
sant , erlingen , gelfe , herte , hoste , kunne , menie , recke , s'chroten, 
spräche, stillen, torste, venie, vreissam, wal , werren , und zwar sind 
dies fast durchgängig altertümliche Ausdrücke, die zu der Zeit des 
Compilators oder wenigstens in dessen Mundart nicht mehr üblich 
waren, die aber nebst so vielem Anderen die Altertümlichkeit von 
V c beweisen. 

Für das Verhältniss von Va und V b zu dem Dichter von III 
und VI lässt sich aus dem Wortbestande ebensowenig etwas Siche- 
res gewinnen, als aus der bisherigen Betrachtung. III und V a haben 
gemeinsam amie, amis, vriden, HI und V b schalden, tiisant, warm, 
III, V a und VI lovelich, wart für wert (wärts), und noch eine An- 
zahl anderer Worte, die aber auch in einzelnen der übrigen Ab- 
schnitte vorkommen. Mir scheint, dass der Compilator nicht für den 
Verfasser von V a und V b gehalten werden kann, wohl aber mögen 
beide Abschnitte von ihm überarbeitet worden sein. 

I und III stehen in Bezug auf Armut der Gedanken undUnbehilf- 
lichkeit des Ausdruckes einander am nächsten, was sich, wenn man eine 
Umarbeitung von I durch den Compilator annimmt, sehr leicht er- 
klärt. Sie haben auch eine Anzahl von Worten gemeinsam, ausser 
den oben angeführten, die auch II hat, sind es folgende, die in II 
nicht vorkommen: edelkeit, geburen, gän (für gegen), geläz, geläzen, 
gescheit, hamit, üp ho, ile, lintzeicken, stive, swatz, teilt, twer, ver- 
wäzen. 

Im Charakter, in Versbau und poetischer Befähigung nähert sich 
II am meisten den Abschnitten V und V c . Mit beiden gemein- 
sam ist ihm miete, mit V allein bekliben, entlochen, hengen, lenden, 
ort, mit V c doln, esterich, Urkunde, vechten (vochten). Aber auch 
I zeigt Verwandtschaft mit beiden Abschnitten, mit V allein hat es 
gemeinsam begaten, dwäs, einich, gecke, ors, geplogen, välant, veige, 
vermöden, versmä, walstat, mit Vc gedranc, gegen, kundich, ser, un- 



— 358 — 

dankes, var, willen, und mit beiden geberen, möden, rämen. Und da 
I und II unter sich so viel Uebereinstimmendes zeigen, so lässt sich 
denken, dass beide auch mit V und Y c theilweise stimmen, nämlich 
mit Y in den Ausdrücken begeben, gedöz, genenden, glizen, hantsla- 
gen, herden, pilgerin, verwerden, mit V und Y c in arnen, behagel, 
entheizen, ermeren, läzen, scheinen. 

I stimmt mit IV in den Worten erhogen, geval, möden , molde, 
porzenere, mit Va in beriten, stump, volcwic, mit Yb in entwesen, 
heidin, nösen, sifen, wiegar, zouwen. 

II zeigt nur in wenigen Worten, die nicht auch I hat, Ueber- 
einstimmung mit III, wie überhaupt der Charakter dieser beiden Ab- 
schnitte ein wesentlich verschiedener ist. Sie stimmen in Bezug auf 
die Worte läge, vermale dien, vertören, zoenen. 

III stimmt zu IV in den Ausdrücken ger, gerachen, perde, te- 
ren, vergaderen, was durch ähnliche Mundart zu erklären, wenn auch 
beide Dialekte 'noch weit von einander liegen, wie die obige Be- 
trachtung (S. 77 ff.) zeigt. IV und VI haben gemeinsam üre. 

III und V: wäre der Bearbeiter von Konrads Gedichte zugleich 
der Compilator, was er schon nach seinem Versbau nicht sein kann, 
so würde auch im Wortbestande die Uebereinstimmung grösser sein; 
sie zeigt sich in den Worten gemeine, kirchhof, nitspil, quit, sage, 
schönde, Standart (natürlich), widerkere, und mit V c , das ja identisch 
mit V zu fassen ist, in ane dat, entliden, erriten, nitlich. 

IV und V: die Mundart dieser beiden Abschnitte ist wie ihr 
Versbau wesentlich verschieden; so auch der Wortbestand, der nur 
folgendes Gemeinsame zeigt: bedwanc, goume, vast. 

Die in V eingeschobenen Stücke (Va und V b ) können, wie wir 
oben gezeigt haben, nicht von dem Dichter herrühren, der Konrads 
Gedicht umreimte; es zeigt auch der lexicalische Bestand nur wenig 
Uebereinstimmendes. V und V a haben gemeinsam bewant, ere, ta- 
ren, V und Vb diensthaft, gar, swichen. V a und V c clihen, sarwät, 
V b und V c spitzen. 



Von den in dem Gedichte vorkommenden Namen hat Keller am 
Schlüsse seiner Ausgabe ein genaues Verzeichniss gegeben. Ich füge 
demselben einige Bemerkungen über einzelne Namen hinzu. Zuerst 
ein paar Namen, die in verschiedener Form erscheinen. Und zwar 
nicht nur in den von verschiedenen Verfassern herrührenden, sondern 
auch in ein- und demselben Stücke, was ebenso auch bei andern 
französischen und deutschen Dichtern sich findet. 



— 359 — 

Der Name von Rolands Braut lautet in V a Aide, in Yc hat er 
zwei Formen, Aide und Ade, von denen der Dichter bemerkt, 501, 7 ff. 

de selve juncfrou städe 
in dütschem hez si Ade 
inde in welschem Aide (: balde). 

Erstere Form begegnet im Reime auf beräden 498, 37 (Hs. Al- 
den), : räden 499, 63, : daden 507, 17. Ade : genäde 509, 54; die 
zweite im Reime auf walgestalde 499, 19. 506,49. : balde 501,10. 

Angouwe, ,Anjou', der Landesname in dieser Form in I im 
Reime, oder mit anderer Orthographie Anzouwe, in V im Reime 
Anjö. Angewin, die gewöhnliche Form auch bei andern deutschen 
Dichtern, in V e , Anzemine in II könnte blosser Lesefehler sein. 

Karl hat den Beinamen von Frankreich in V c , 515, 1, öfter 
von Sante Dionise (St. Denis) in II, Karl van sant Dionise 283, 24 
und V b 458, 1; vgl. in V a Godert van sante Dionise 423, 5. Karl 
wird in St. Denis von den drei Verräthern gefunden 224, 66. In 
St. Denis wird Karl und Galie gekrönt, 289, 17; das zeigt recht den 
Ursprung aus französischer Quelle, auch für Vb, wie wir an einzel- 
nen Stellen schon oben gezeigt haben. Der Name Karl Meinet 
kommt nur im ersten Theile vor, der Name Meinet allein einmal in 
II, 239, 62, wo auf Karls Jugend Bezug genommen ist. In Y und 
V c scheint neben Karl (die - Handschrift schreibt gewöhnlich Karle, 
wo e nicht Zusatz des Schreibers ist, sondern die Form beruht auf 
der französischen Karies oder Charles) ein paarmal die Form Karle 
man, immer so getrennt geschrieben. Dies ist nicht Karlman, son- 
dern Charles meines (verschieden von Meinet, das Deminutiv ist), 
welcher Name für Karl im französischen Liede oft begegnet, vgl. 
Michel Str. 1, 1. Romvart 12, 16. 15, 2. Karlman ist in Y und 
Y c umgedeutschte Form, der keiser Karle man : nochtan 475, 14. 
der güde koninc Karle man : began 488, ßö, an einer Stelle, die 
auch Konrad hat, 295, 12, wo aber nicht Karle man steht, der ko- 
ninc Karle man : kau 491, 43. der koninc Karleman : vernam ist 
auch 494, 51 zu lesen, wo A koninc äuslässt, der koninc Karleman 
: began 507, 8. — Karl heisst in I und II König, in III bis zur 
Krönung in Rom König, von da ab gewöhnlich Kaiser, in IY nur 
König (mithin müsste IY vor III folgen), in Y wie bei Konrad ab- 
wechselnd König und Kaiser, und ebenso in YI. 

Malprimes, der Sohn Baligans; diese Form des Namens ist 
durch Reime gesichert: des 461, 64. 475, 33. 476, 31. 482, 35. 
: Naimes 481, 56, dagegen Malprin im Reime 475, 56, 476, 24. 
483, 24. Der Name kommt, wie auch der seines Yaters, nur in 
Y vor. 



~ 360 — 

Marseiis, in den französischen Quellen Marselies, so betont 
reimt auf is 434,26. : gewis 455,66. Dagegen Marselius im Reime 
auf Ms 430, 31. 460, 32. Auch in V* und V b kommt der Name 
vor, aber nicht im Reime. 

Naimes im Reime öfter, z. B. 451, 43, dagegen Namen, im 
Reime auf schämen in V c 522, 22. In III nach Turpins Naeman 
lautet der Name Nayman : quam 358, 14. 

Wellis: diese Form erscheint im Reime auf Nanantensis 363, 

21, an dieser Stelle jedoch eine andere Persönlichkeit als in den 
folgenden. V. Wellis : amis 443, 64. In V b 450, 61 reimt Wellis 
auf lifs (libes), wo man wohl libis annehmen muss. In den obliquen 
Casus Wellün, nur in V c . 508, 21 schreibt die Handschrift Rölant 
ür leve son wis : Wellis, aber es ist nicht zu bezweifeln, dass es 
ursprünglich hiess sun : Wellün (accus.), und dass entweder der 
Schreiber oder Compilator diesen Reim entfernte, weil er nicht sun 
sagte. Wellün (Hs. Wellyn) : Monzün (Hs. Monzoen) 515, 13 (vgl. 
doen : Monzoen 514, 51.) dö sante Karl na Wellis schon : dön 
(— tuon), lies Wellün : dün 516, 23. doen : Wellün 516, 37. 520, 

22. Wellün : Borgonjün (Hs. Borgonyen) 521, 42. Wellün : Leün 
524, 46. Die Form des Namens mit w, die die ursprüngliche ist, 
findet sich sonst nirgend in den französischen und deutschen Quellen. 
Die französische Redaction A (Michels Text) sagt im Nominativ Gue- 
nes (s ist Nominativzeichen) , in den übrigen Casus Guenelun , die 
Jüngern Texte B und G Guenelon und Ganelon. Die Venezianer 
Handschrift (Romvart 16, 28 ff.) sagt Game, gewöhnlich Gayno. Aus 
dieser Form erklärt sich am besten die in dem italienischen Ge- 
dichte la Spagna übliche Form Gan (von Mainz), ebenso in den Reali 
di Francia. Das lateinische Gedicht (bei Michel S. 223 — 242) hat 
Gueno. Die Form ohne 1 ist die ursprüngliche, die mit 1 deminutiv. 
Gueno, Guenes ist ahd. Wino, welcher Name auch sonst vorkommt 
(Förstemann 1, 1316), in den romanischen Sprachen schwach flectiert. 
Guenelon ist Winilo , vgl. Förstemann 1 , 1317. Der ächten Form 
am nächsten steht Guine (Gu = deutschem W), und so wird die 
Vorlage der Venezianer Handschrift statt Gaine vermuthlich gehabt 
haben. Die Form Wellis im Karlmeinet ist entweder durch Assimi- 
lation aus Weneli[s] oder durch Verlesen zu erklären, 11 = n, und 
vermuthlich hatte die Vorlage von V Wenis. 

Jeder Abschnitt hat auch in den Eigennamen seinen besonderen 
Kreis, zum grössten Theil liegt dies ja natürlich im Inhalt. In den 
Namen von Karls Mannen und Dienstleuten herrscht eine grosse 
Verschiedenheit; wäre die Quelle eine, so würde das nicht in diesem 
Grade der Fall sein. Erklärlich ist es allerdings, dass die Dienst- 



— 361 — 

leute und Vasallen, die in I und II auftreten, in V nicht mehr er- 
scheinen, allein auch zwischen I und II herrscht hierin ein Unter- 
schied. Vgl. in I die Namen Arlo, Belin, Gerwalt, Gerfein, Godin, 
Herbort von Schampanje, Hünolt (Hüwalt), Jöhan von Karkasöne 
(Karsöne), Nivers, Rauwelin, in II dagegen Ardanen, Bertram, Bu- 
tton, Droon, Durenstein, Elemant (Elmant, Elinas), Enguelmet, Gri- 
malt, Raimunt, Volcuin. 

Von den Namen, deren Vorkommen in einem bestimmten Ab- 
schnitte mit dem Inhalte zusammenhängt, hebe ich hervor in I: Af- 
felere, Afrike (in II nur in Beziehungen auf den Inhalt von I), Bal- 
duch, Bargöne, Bremunt (in II- nur in Beziehung auf I), Caiphas, Da- 
vit, Durdüne, Everhart (in II einmal, vom Compilator herrührend, 
vgl. S. 30) , Golosobele , Hanfrät, Höderich (einigemal in II, wo auf 
früheres Bezug genommen ist), Orias, Orie (irrtümlich ein paarmal 
in II für vrie), Oriette, Tolet. In II Beatris, Fuckart, Hertwich, 
Marmorine, Röhart. In III Achileus, Adamen, Adrianus, Agabien, 
Agune, Albän, Albin, Amis und Amelis^ Compostelle, Constantin, Con- 
stantinobel, Desiderius, Ebroinus , Egidius, Eusebius, Facunde, Far- 
racüt, Furre, Gilla, Haiverstat, Hamburch, Hildegart, Hünen, Lückart, 
Pampelone, Papia, Vasterät, Westvalen, Witgin und eine ziemliche 
Anzahl von Ortsnamen, hauptsächlich spanischen. In IV Albrecht, 
Eckerich, Eckermunde, Elegast, in V Baligän, Basanze, Basilie, Blan- 
schandiez, Bregmundä, Canabeus, Dortöse, Malprimes, in V a Ospi- 
nel, Magdalie, in V c Blais, Balene, Boneval, Gerart, Magnus, Wi- 
burch, Vianne. In V c kommen eine Anzahl von Namen vor, die in 
V nicht begegnen; doch das lässt sich leicht erklären. Der Schau- 
platz ist ein anderer, die Vasallen von Karl sind meist solche, die 
nicht an dem spanischen Zuge Theil genommen, z. B. Bäve, Böne, 
Gundelüf, Otmer, Teipolt, ferner gehören hierher Pinabel und Diet- 
rich. Diejenigen dagegen von Karls Helden, die mit ihm zurückge- 
kehrt sind, kommen auch in V c vor, Naimes, Oiger u. a. und inso- 
fern stimmt Vc recht gut zu V. 

Ache, bald so, bald Aiche, Aeche geschrieben, kommt in I und 
II gar nicht vor, vielmehr ist hier eigentlicher Mittelpunkt Paris; 
auch in Va und Vb nicht, was sich leicht erklärt. 

Babilonien in I, III und V a . Dass der Name in V nicht vor- 
kommt, wo doch Gelegenheit dazu war, weist auf verschiedene Quelle 
von V und V a . 

Baldewin in II und V: auf den Widerspruch habe ich oben 
S. 33 aufmerksam gemacht. 

Basilius, der heilige: ein Zahn von ihm ist ins Schwert Du- 
rendart verwirkt; das wird in I und V a erzählt, vgl. 208, 66, 415, 



.— 362 — 

10. 422, 15; Ebencia wird auch ein Stück von St. Georgs Arme 
als darein verwirkt genannt. Das weist wie so manches Andere auf 
verwandte Quelle beider Abschnitte. 

Berant von Mondisdier erscheint in II, V a und V b , nicht in V, 
unter den Helden und Vasallen Karls. 

Berie, ,Berry', in I und IL 

Bernger von Köln, einer der zwölf Genossen, in V und V b . 

Berthe, Karls Schwester, in III und V c , Bertha, Karls Mut- 
ter, in I. 

Britanjen. Ein Bernart von Britanjen kommt in I vor, in II 
wird der Belehnung Fuckelmets mit Britannien erwähnt, in Y c er- 
scheint Salomon von Britanjen. 

Corduba, auch Corduben, Cordulen in III, in II dagegen Cor- 
des, in V Korteres. 

Daubespine, Hugo von Daubespine (einmal Dambespine) in II, in 
III ein Arnolt van dem wizen dorne nach Turpin. 

Dederich, ,der Schenke', in I, verschieden von ihm ist Dederich 
von Ardennen in II, wiederum ein anderer Dederich von Yalciänen 
(d. h. Yal-ciänen) in Y, und endlich ein vierter, Dederich Lamp, der 
Besieger Pinabels, in Y c . 

Dervagant, ein heidnischer Götze, häufig in Y, einmal in III. 

Durendart, das Schwert Rolands, wird in Y nur einmal ge- 
nannt, in IY, wo auch Roland nicht vorkommt , natürlich gar nicht ; 
ebensowenig in YI. In den übrigen Theilen wird es von sehr ver- 
schiedenen Händen geführt. Karl gewinnt das Schwert Bremunt ab 
und führt es von da ab im Kampfe (I), in II besitzt es Morant, wie 
es scheint, nicht blos geliehen, in III hat es Konrad, doch wie man 
aus der Yergleichung mit den Quellen sieht, an Stellen, die der Com- 
pilator willkührlich hinzugedichtet hat, in Y, Y» und Y b hat es Ro- 
land, ohne dass wir erfahren, wie er es bekommen. 

Elsäzen nur in Y und Y c . 

Engelere, einer der zwölf Helden, in Y b , unter dem Namen 
Engelers in III aus Turpin, auffallender^ Weise dagegen gar nicht in Y. 

Ferrant, Name eines Rosses, das Rohart im Kampfe gegen 
Konrad reitet (II), in Y c das Ross Dietrichs im Kampfe gegen Pi- 
nabel. Die Uebereinstimmung erklärt sich daraus, dass ferran ur- 
sprünglich nicht Nom. propr. , sondern Gattungsname für Ross über- 
haupt ist. 

Florette, Galiens ,Meisterin', nur in I und IL 

Galafers, Galiens Yater, ebenfalls in I und II, in II jedoch nur 
bei Beziehungen auf Karls Aufenthalt in Spanien. 

Galie, Karls erste Gemahlin, in I und II: in III wird ihr Tod. 



— 363 — 

erzählt, wahrscheinlich aus Erfindung des Compilators, der in seiner 
lateinischen Quelle die Namen der geschichtlichen Frauen Karls 
fand. 

Garin, in II ohne besonderen Zusatz, doch ist wohl Garin von 
Lotringen gemeint, in I kommt ein Herzog Waran von Burgund vor. 
Mit jenem Garin in II scheint Gerin von Dentifelle identisch zu 
sein. Auch in III erscheint Gerin, aus Turpin entlehnt, mit dem 
Beisatze von Lothringen. In V Girin, als einer von Karls Bathge- 
bern, in Yb als Jerin. 

Gaudeosa, Karls Schwert, in III (während er in Spanien ein 
ihm von Galafers geschenktes, namens Golosobele führt) aus Turpin : 
in V, wo es bei Konrad vorkommt (Joyuse), nennt es der Dichter 
nicht. 

Gaufrit von Anjou, in vielen Formen wechselnd, Ganfrit, Jon- 
frit, Godefrit u. s. s. w. in Y und Ve. 

Girnas, Bischof von Kheims, kommt in I vor, 196, 1 : in V a er- 
scheint ein Bischof Jernes 424, 41, der gewiss mit jenem Girnas 
identisch ist. Auch das weist auf einen Zusammenhang beider 
Stücke. 

Haltecler, Oliviers Schwert, nur in Y a und Y b , auffallend nicht 
in Y. 

Hüge in II, in Y c Huis, in französischer Form. 

Ingelheim , Karls Besidenz , in III und IY ; auch in I kommt 
Ingelheim zweimal vor, Milo, Rolands Vater, heisst Herzog von In- 
gelheim; allein das ist Entstellung, worauf ich schon oben hingewie- 
sen habe. 

Jöcerans, einer von Karls Yasallen, heisst in II Joseram, in V 
Joceras oder Jotaras*, vermuthlich derselbe ist auch Justaris in Y b . 

Leo, der Pabst, in III und VI. 

Lotringe, in Y, Y c und VI; die französische Form Lorrein inl, 
Lorine in II. 

Machumet, als heidnischer Götze, in I, II, III und Y, was sich 
aus dem Inhalte dieser Stücke erklärt, aber auffallender Weise nicht 
in Y a und Y b . 

Marseiis, der heidnische König, kommt natürlich vor Y nicht 
vor, von da ab in Y, Y a , Y b und Y c . 

Mile, kommt natürlich nach III nicht mehr vor, da hier sein 
Tod erzählt wird, nach der lateinischen Quelle. 

Naimes, Herzog von Baiern; dass er in I und II nicht vor- 
kommt, kann nicht Wunder nehmen, wiewohl es seinem Lebensalter 
nach möglich wäre; denn er ist in Y ein alter Mann. Auch in IY 
findet er sich nicht , weil überhaupt hier nur ein sehr beschränkter 



- 364 - 

Kreis von Personen aus Karls Umgebung erscheint. Auffallender ist, 
dass er auch in V a nicht erwähnt wird. 

Oiger von Denemarke in V, V a und V c , dagegen nicht in I, II 
IV undYI, aber auch nicht, was mehr auffällt, inY b , vielleicht iden- 
tisch mit Oitger in III. 

Olivier kommt erst von III an vor, und zwar hier theils aus 
Turpin, theils vom Compilator willkürlich eingeschoben, in IV nicht, 
dagegen von da an mit Ausschluss von VI durchgängig. 

Pinabel, Geneluns Oheim, wird einmal in V nach französischer 
Quelle genannt, wo ihn Konrads Text nicht erwähnt, seine eigent- 
liche Rolle beginnt und schliesst mit Vc 

Pontouwe, ,Poitou', in verschiedenen Formen Pontaue, Pontauwe, 
Ponthauwen, Potauwe und Pictöne in I, II und V c ; letztere Form 
ist zu streichen, denn 17, 64 reimt Anzouwe : Pictouwe, und 19,28 
ist zu ändern ich nement üp min trouwe : Pictouwe. Der Name des 
Volkes lautet Pontevine (Poitevine?) in V. 

Richart : mehrere Personen dieses Namens sind zu unterschei- 
den. In I van Alvernen Ritzart 17, 62. van Avernen Richart 198, 
9. In V Rickart, der Hauptmann der Normannen, 470, 63 ; derselbe 
erscheint in V c 526, 63, daneben ein Richart van Birdon (Verdun?) 
519, 49. 

Rölant kommt in I gar nicht vor, in II als Knabe, einmal Rü- 
landin genannt, von da an mit Ausnahme von IV und VI durch- 
gängig. 

Runzeval, natürlich erst von V an, nicht aber in V a , weil Karl, 
erst 426, 1 nach Runzeval kommt. 

Samson, in III aus Turpin, und in V c . 

Sebelin, in III, scheint derselbe zu sein, der in Va Sibilie ge- 
nannt wird. 

Swäven, , Schwaben', nur in III, V und V c , nicht in I, II und 
IV, also nur in den Stücken, die auch das deutscho Achen als Karls 
Sitz kennen. 

Turpin kommt in I und II nicht vor. In I ist Girnas Bischof 
von Rheims, als dessen Nachfolger wir uns Turpin denken müssen. 

Ungarien in V, Ungeren in III, kaum dasselbe ist wohl Un- 
gres in V. 

Vranken, in V und Vc, nicht in den übrigen Theilen : Vranzösen 
nicht in III und IV, aber auch nicht in V b und VI. 

Wellis kommt in I und II nicht vor, sowenig als Olivier Tur- 
pin und Roland, aber auch in III nicht, denn AVellis 363, 21 ist ein 
anderer. Ebensowenig begegnet sein Name in IV, wie keiner der 



— 365 — 

gewöhnlichen Helden Karls, und Y a ; in YI nicht, weil er am Schlüsse 
von Y c getödtet wird. 

Welter (Walther) in I ist ein anderer als in Y a und Y b . In 
Y a hat Keller den Namen nicht erkannt, vgl. 423, 45. Nicht auffal- 
lend ist, dass Walther in Y nicht genannt wird, denn auch Konrad 
erwähnt ihn erst im Beginn der Ronzevalschlacht und dort tritt 
schon Y b ein. 

Wilhelm, zwei Personen dieses Namens kommen vor in I und 
II, doch ist es ungewiss, ob beide nicht dieselbe meinen. 

Aus den Namen allein einen Beweis für die Verschiedenheit der 
Verfasser zu liefern wäre unmöglich: jedoch im Zusammenhange mit 
den übrigen Gründen gewähren sie willkommene Bestätigung. 



366 



IV. 

Subjectives Hervortreten der Dichter. 

' Mittelalterlichen Dichtern, deutschen wie romanischen, ist häufi- 
ges Hervortreten ihrer Subjectivität eigen. Dies kann verschiedener 
Art sein; entweder beruft sich der Dichter auf seine Quelle, um die 
Wahrheit seiner Aussage zu bezeugen, oder er streut eine subjective 
Bemerkung ein. Jenes hat, wenn man einmal die Wichtigkeit zu- 
gibt, die die , Quelle' hatte, nichts Auffallendes und rindet sich bei 
allen Dichtern. Im zweiten ist bekanntlich AVolfram am stärksten, 
und seine Nachahmer. So fehlerhaft vom ästhetischen Standpunkte, 
namentlich im epischen Gedichte, dies Hervortreten ist, so findet es 
in der persönlichen Bedeutung eines Dichters, wie Wolfram, seine 
Entschuldigung ; wir werden durch seine originelle Persönlichkeit für 
den Fehler entschädigt. Das Mass, in welchem die einzelnen Dich- 
ter so hervortreten, ist ebenso verschieden als die dabei gebrauchten 
Wendungen. Zwar gibt es fest stehende, überall wiederkehrende, 
aber daneben auch eine Menge von speciellen Formeln. Wir werden 
diesem Punkte bei anderer Gelegenheit in Bezug auf alle Dichter 
des deutschen Mittelalters nachgehen; hier haben wir es nur mit der 
Verschiedenheit der wenigen Dichter zu thun, die in dem Rahmen 
des ,Karlmeinet' vereinigt sind. Die bestimmten Beziehungen auf die 
Quelle haben wir oben bei den einzelnen Theilen bemerkt, hier han- 
delt es sich um allgemeinere. 

1. Beziehungen auf die Quelle. ,Das Buch sagt' und ähnliche 
Berufungen auf ein ,Buch'. I. de böch (lies clat böch) mir it sachte 
175, 42. dat böch deit uns verstän 74,34. ich bin van den böchen 
wis 4, 31. des bin ich üz den böchen wis 126, 4. des wart mir in 
dem böch gegiet 58, 46. ich wil mich an de böch zien 21, 17. — 
V. als uns dat böch saget vurwär 473 , 62. — V c . alsus dat böch 
van ir saget 499, 4. alsus saget uns dat böch 510, 23. als uns 
dat böch van eme zeit 521, 6. of uns hat dat böch gelogen 500,54. 
In gleicher Bedeutung. inV, is it als dat böch quit 481, 39. als uns 
dit böch noch kundigen sal 461, 14. 



— 36 T — 

In III .die Schrift', alsus uns de geschrift quit 318, 48. alsus 
uns de schreite quit 335. 6. oder .es steht gesehrieben 1 , so we* he 
vur gesehreven steit 312. 66. also dat man schritt van er 315. 2. 
alsus uns der wise sehreif 328. 9. In TI : ouch vinden wir beschre- 
ven 534. 61. dat steit gesehreven ind is war 535. 38. vgl. als ich 
it vant 538. 13. 

Ausdrücke mit .lesem. I. so man it in den bochen las 4. 57. 
so man uns in den bochen las 44, 18. als man in den bochen las 
48, 57. so man in den bochen las 119. 53. so man uns las 93, 15. 
97. 15 (Hs. enlas) 152, 18. 157. 17. 192, 43. 200, 40. 213. 15. 
als man uns las 102, 42. 153, 46. 175. 40. 209. 29. so man las 
108, 55. so ich hörde lesen 95, 62. 115, 32. 140, 17. 211, 3. 
ich hörte lesen S7, 58. 

II. in dem welschen ich it las 217. 10. als ich it an dem wel- 
schen las 217, 19: vgl. oben S. 27. als ich it las 256,2. also hän 
ich it hören lesen 288, 48. 

III. ich hau gelesen 293, 53. ich haut ouch gelesen zware 305, 

16. ich hau gelesen zware 352. 10. 359, 34. als ich it las 315, 
59. 324, 31. 327, 11. 342, 27. 344. 49. 347, 54. 373,50. al- 
sus ich it las 320, 1. also as ich it las 324, 61. 359, 7. also ich 
it las 329. 59. als ich it in dein latine las 316, 40 ff. Sieh oben 
S. 36. nu höret vort so wat ich las 341, 4. nu höret zö wat ich 
las 361. 13. nu höret wat ich vort las 369. 38. 

V. so ich it rechte las 476. 66. 

Tl. ich hau gelesen 540, 42. nu huret wat ich vort las 
537, 55. 

Mit ,höreir. Ohne beifolgenden Infinitiv nur in III und Tl. also 
as ich hau gehört 312, 36. also ich it hau gehört 315. 63. 324, 
57. 330, 60. ich hau gehurt zwaren 350. 45. — YL also as ich 
it han gehört 538, 64. 

,ich hörte sagen-: gleichbedeutend dein Sinne nach ist in I mir 
sade ein pilgerin 95. 11 und in III alsus mir de wisen -achten 340, 
13. as it mir saden de it hadden vernoinen 346, 56. 

I. ich hörte jehen. ich hörte it werliche gen 9S. 63. 200. 37. 
as ich hörte gen 3, 32. so ich hörde gen 84, 63. 87. 43. hörde 
ich gen 117. 19. — ich hörte sagen 45. 59. 81, 12. ISO, 25. 202, 
25. dat hörte ich sagen 5S, 38. 77, CO. nu hörte ich sagen 66, 

17. hörte ich sagen 108, 36. so hörte ich sagen 193, 41. dar bi 
hörte ich sagen 1,36. ouch hau ich it hören sagen (: begraven. da- 
her it entsaven zu lesen) 8. 46. ebenso want ich haut wal hören 
sagen (: haven. lies wal entsaven) 6, 17. so. ich hörte it sagen 24, 
52. ich hörte sagen in wäre dat 1 , 32. ich hörte werliche (Tis. 



— 368 — 

wenlich) sagen 4, 39. 137, 25. ich hörte it sagen zwären 37, 42. 
ich horte sagen vur wäre rede 85, 20. vort horte ich sagen sunder 
breve 94, 41. ich horte sagen wisseliche 203, 31. ouch horte ich 
sagen ind kosen 44, 52. ich horte sagen ind düden 139, 59. — ich 
hörte sprechen, alsus so hörde ich sprechen 64,51. so ich hörde 
sprechen 79, 18. als ich hörde sprechen 121,34. 

II. als ich it hän hören sagen 219, 24. als ich vil wal hörte 
sagen 225, 53. 

III. ich hörde it beweren 307, 19. ich hörde it vort bewe- 
ren 340, 27. ouch hörde ich it düden 316, 30. alsus hört iclrit 
düden 332, 58. ich hört alsus düden 345, 49. ich hörde is vort 
ge wagen 343, 13. alsus hörte ich it gen 372, 33. ich hörte it fur- 
baz je sten 295, 1. alsus hän ich it hören lesen 333, 16. alsus 
hörte ich it sagen 298, 35. 345, 29. 347, 60. ich hän it sagen 
gehört 307, 8. ich hörte it sicher sagen 308, 45. ich hän it vur- 
baz gehört sprechen van den lüden 321, 26. alsus hört ich it 
zellen 362, 15. . 

V. alsus hört ich dat böch sagen 427, 21. 

YI. ouch so hört ich it düden 537, 61. 

Dasselbe bedeutet ,ich habe vernommen'. 

I. so (Hs. do) ich it vernam 22, 54. so ich hän vernomen 64, 
26. als ich it vernam 135, 29. so ich vernam 204, 51. so ich it 
rechte vernam 1, 46. 15, 4. 73, 60. 86, 35. 131, 50. so ich 
it rechte hän vernomen 17, 3. alsus hän ich de rede vernomen 1, 
40. ich hän de rede alsus vernomen 121, 59. 

III. als ich it vernam 308, 7. 316, 66. 329, 43. 333, 30. 
350, 7. als ich vernam 327, 42. als ich hän vernomen 327, 49. 
als ich it rechte vernam 294, 68. 311, 63. als ich it vurbaz 
vernam 318, 17. alsus hän ich it vernomen 334, 4. 366, 1. 
vort hän ich vernomen 336, 32. ich hän vernomen zwäre 341, 1. 
in dem so hän ich it vernomen 344, 7. ich hän dat wal vernomen 
351,59. so hän ich ouch vernomen 3C6, 41. nu höret wat ich ver- 
nam 324, 4. höret vort wat ich vernam 317, 7. 

V. so ich it vur war hän vernomen 406, 24. 

V a . so ich it rechte vernam 409, 15. als ich it rechte ver- 
nam 410, 1. . 

Y b . dat hän wir alle vernomen wale 451, 21. 

V c . als wir de rede hän vernomen 519, 45. [als ir hat verno- 
men 525, 39.] 

VI. als ich' it vernam 534, 42. wat ich vernam 535, 36. 

ich hän entsaben (von entseben): vgl. oben S. 281. I. ouch 
hän ich werüch entsaven 40, 50. so ich it hän entsaven 73, 36. so 



- 369 — 

ich hän entsaven 81, 54. van pilgerin hän ich entsaven 94, 63. al- 
sus hän ich de mere entsaven 134, 57. vur war so hän ich it ent- 
saven 169, 2. — III. vort so hän ich it entsaven 308, 59. alsus hän 
ich it entsaven 309. 48. 342, 33. als ich it hän entsaven 318, 16. 
also als ich it hän entsaven 333, 48. — VI. alsus hän ich it entsa- 
ven 535, 3. vort als ich it hän entsaven 538, 35. 

ich hän erkant. V b . of ich en rechte hän erkant 454, 8. 

ich hän verstanden. DI. ich hän it ouch verstanden vort 
308, 48. 

ich weiz (vgl. Zeitschrift 3, 187). I. ich weiz it wal al sunder 
wän 34, 30. nu enweiz ich weit also geschach 151, 63. 

ich wene. III. 296, 33. 301, 38. — Y. so ich wene 460, 53. 
464, 71. ich wene 466, 2. 

ich geloube. III. ich gelove dat it Padelborne were 312, 46. 

ich bin bescheiden. I. so als ich wart bescheit 45, 15. mer 
doch wart ich des bescheiden 191,54. — II. als man mich bescheide 
241, 46. dat welsche alsus bescheide mich 253, 1. als mich dat 
welsche bescheit 279, 13. — V c . also bin ich iez bescheit 510, 66. 

mir ist kunt. I. dat is mir van den böchen kunt 141, 40. it 
is mir van den böchen kunt 155, 31. — III. dat is mir kunt 370, 
48. dat was mir kunt 373, 48. 

mir ist bekant. III. der name is mir wal bekant 298, 31. al- 
sus (is) it mir bekant 305, 15. alsus is he mir bekant 312, 34. al- 
sus so is mir bekant 315, 35. ouch ist mir worden bekant 316, 38. 
317, 3. sus is it mir bekant 318, 52. ouch is it mir bekant 321, 
60. alsus is it mir bekant 326, 54. dat is mir worden bekant 333, 
56. ouch so is it mir bekant 339, 7. vort is it mir bekant 373, 26. 
— VI. dat noch is bekant 336, 1. 

mir wart ge wagen. I. also as mir is wart gewagen 210, 8. 

mir wart gejehen. I. des wart mir in dem böch gegiet 58, 
46. dat wart mir ergiet 153, 29. so mir wart ergiet 1C6, 32. wart 
mir ergiet 194, 11. des wart mir in den böchen ergiet 204, 48. 

mir wart zo verstän. I. alsus wart mir zo verstau 156, 32. 

mich hat kein hele. III. it enis mir gein hele 347, 10. — V a . 
des enhät mich geine hele 417, 38. 

mir ist berichtet. II. als man mich berichte 222,7. mich dat 
welsche berichte 230, 1. 

wis machen. I. ich bin van den böchen wis 4, 31. des bin 
ich üz den böchen wis 126, 4. — IL als mich dat welsche machde 
wis 231, 48. — III. als ich is bin worden wis 299, 30. alsus bin 
ich is worden wis 305, 47. 309, 33, ind ouch bin ich is worden 
wis 342, 48, 

24 



— 370 — 

2. Eine Reihe anderer Ausdrücke bezieht sich auf das Verhält- 
niss des Dichters zu seinen Zuhörern, resp. Lesern. Diese werden 
angeredet ,ihr Herren', wie im französischen Epos Sitte ist ,seigneurs', 
was für II, wo der Ausdruck vorkommt, nebst so vielem anderen die 
französische Quelle und die zum Vortrage bestimmte Dichtung be- 
zeichnet, ir hören, dat uns beräde got durch sine genäde 217, 34. 

Der Dichter fordert seine Zuhörer auf zu hören. 

I. höret 1, 51. 2, 38. 14, 13. 15, 18. 23, 50. 24, 56. 26, 
21. 114, 11. 118, CT. nu höret 7, 5. 13, 50. 64, 23. 92, 42. 
104, 68. 117, 47. 123, 55. 127, 23. 63. 128, 14. 152,63. 166, 
62. 170, 41. 188, 55. 190, 23. 194, 45. 199, 50. höret vort 
11, 9. 97, 23. nu höret vort 61, 9. 73, 51. 80, 50. 146 36. 
171, 3. wilt ir nu hören 98, 59. nu moget ir hören 56, 63. 66, 
47. 89, 15. 111, 29. 127, 51. 143,22. 160, 15. des (Hs. das) 
höret werliche gen 63, 43. dat moget ir gerne hören sagen 59, 19. 
nu höret sagen 63, 1. 84, 12. 159, 38. 202, 42. höret vurwart 
sagen 72, 61. nu höret sagen clagesanc 183, 9. nu höret sagen 
güde wort 195, 50. nu höret einen sprechen 106, 45. höret vur- 
wart dit liet 17, 53. nu höret vurwart mere 18, 54. 29, 46. nu 
höret sagen mere 86 , 1 7. nu höret sagen ein ander mere 111, 66. 
nu höret vremde mere 135, 45. nu höret vort mine rede 65, 13. 
nu höret vort de rede min 174, 58. 209, 3. dan af sult ir hören 
zale 58, 21. 132, 45. nu höret vort mine zale 157, 28. 209, 15. 
nu hört her weder mine zale 211, 16. 

II. höret 288, 56. nu höret 217, 33. 42. 223, 30. 229, 43. 
229, 71. 239, 11. 240, 37. 253, 14. 257, 66. 258,24.34. 259, 

33. 262, 48. 263, 17. 265, 63. 270, 2. 271,35; auch das häu- 
fige Vorkommen dieser Ausdrucksweise in II gemahnt an das fran- 
zösische Epos, wo oiez oder oiez seigneurs eine ebenso häufige Ein- 
schaltung ist. nu höret vort 256, 2. 274, 19. hört mich vort 269, 

34. 290, 45. nu moget ir hören 274, 36. nu höret mich her we- 
der 276, 6. wilt ir hören vort nie 268, 19. wilt ir hören nu be- 
scheit 250, 3. nu höret vort we geit dit liet 219, 34. nu höret 
wat ich sagen vort 217, 70. nu höret we ich it meine 224, 61. 
231, 45. 289, 41. nü höret harde vremde 250, 35. 

III. höret 328, 35. 344, 3. nu höret 309, 52. 321, 7. 324, 
4. 328, 10. 335, 48. 317, 66. 350, 35. 361,39. 362,37. 365, 
10. 366, 49. 369, 38. 373, 64. nu höret vort 317, 7. 319, 62. 
341, 4. 346,63. nu höret zö 361, 13. nu höret mich vurbaz 294, 
34. 334, 33. nu höret gezogenlich 322, 23. nu moget ir hören 
295, 10. 299, 60. 301, 59. 311, 65. 317, 67. 346, 36. nu hö- 
ret vort mine rede 325, 33. nu höret vort mine sprachen 320, 18. 



— 371 — 

nu höret vort mine wort 349,15. nu hört ein gröz wunder 345, 52. 
als ir hört an minen worden 325, 32. 

IV. hört her när 374, 2. hört hie wunder in wärheide 374, 8. 
versteit, so moget ir wunder hören 384, 10. nu moget ir hören 
sine zale 391, 31. 

Y. nu hört 443, 30. 

Y a . nu höret 410, 8. 413, 24. nu moget ir hören 421, 59. 

Y b . nu höret 452, 56. nu moget ir hören 449, 3. 450, 33. 
wilt ir nu hören 454, 55. 

YI. nu höret 535, 4. 537,55. nu hört wat mir nie is vur kö- 
rnen 540, 31. 

Zuweilen schliesst sich der Dichter mit ein und sagt ,wir'', aber 
ungleich seltener. I. we dit si, wir wesens vrö inde hören vort dit 
hoch 1, 42. — Y. her na wir wal hören solen 443,5. Mit der Auf- 
forderung ,zu hören' hängt eine andere zusammen. Die Zuhörer sol- 
len nicht durch Fragen den Vortragenden unterbrechen, daher nu 
höret sunder vrägen in II, 234, 39. 279, 6. 286, 17. oder nu en- 
vräge neman 72, 56. Der Ausdruck ,ihr hörtet sagen' namentlich 
in I. ir mich dar af hördet sagen 13, 54. as ir hördet sagen 45, 
33. als ir hördet sprechen 153, 3, vgl. III, 3 n 25, 32. 

Gleichbedeutend ist .vernehmt'. I. vort soult ir verneinen mich 
156, 48. verneinet wal de rede min 5, 22. verneinet vort de rede 
min 130, 32. 152, 27. — IL vort vernemet 245, 12. vernemetvort 
wat ich sagen 276, 22. 274, 57. vernemet vort mine rede 277, 4. 
vernemet vort (vort vernemet) de rede min 285, 68. 288, 40. — 
III. nu vernemet 325, 4. nu vernemet vurbaz mere 323, 54. — ,ihr 
habt vernommen'. I. as ir hat vernomen 39, 17. — YI. as ir fur- 
wär hat vernomen 540, 30. 

Schon weniger häufig ist , versteht!' I. dit solt ir rechte ver- 
stau 11, 3. dat si üch zo verstäne 86, 31. — Y. nu solt ir rechte 
verstan 447, 42. — YI. dat solt ir verstau 534, 53. verstet vort 
mine rede 535, 35. 

Aehnliche Ausdrücke sind , prüft!' II. an üch selver dat prövet 
256,45. ,seht!' YI. als ir siet : diet 533, 20. Sehr häufige Apostro- 
phe ist , wisset!' I. vort wizzet algemeine 8, 12. nochtan solt ir 
wizzen vort 4, 30. ir sult wizzen 75, 23. doch wizzet 80, 9. nochtan 
solt ir wizzen dat 96,51. ouch wizzet 102,62. noch salt ir wizzen 
eine zale 103, 3. ouch sult ir wizzen 120, 23. ouch solt ir wizzeii 
mere 109, 42. so wizzet 130, 46. dat wizzet wale 134, 33. ouch 
solt ir wizzen vort 145, 64. dat solt ir wizzeii rechte 152, 34. nu 
wizzet ir her af de zale 156, 66. vort wizzet eine mere 173, 25. 
ouch wizzet alle 190, 21. nu wizzet 195, 47, nu wizzet alle 198, 

24* 



— 372 - 

30; gewöhnlich mit einem betheuernden Zusätze, dat wizzet vur war 
8, 38. 24, 39. 74, 1. 79, 12. dat wizzet ouch vur war mere 70, 
18. dat wizzet in wärheit 30, 18. vur war sult ir wizzen dat 79, 
54. 205, 26. dat wizzet werliche 86, 19. 83, 39. 94, 34. dat 
wizzet zwären 87, 46. 94, 7. 157, 48. 194, 4. 209, 64. dat wiz- 
zet üch vur wäre rede 91 , 35. ouch solt ir alle wizzen zwäre 171, 
54. mer dat wizzet vur war 174, 53. nu solt ir wizzen zwäre 203, 
41. dat solt ir wizzen zwäre 204, 62. dat wizzet in trüwen 74,27. 
dat sult ir wizzen sunder spot 156, 37. dat wizzet alle sunder wän 
21, 15. dat wizzet sunder wän 34, 52. 62, 16. 26. 81, 32. 115, 
50. 135, 11. doch solt ir wizzen sunder wän 108, 20. dat solt ir 
wizzen sunder wän 158, 21. ouch solt ir wizzen sunder wän 200, 
2. mer dat wizzet sunder wän 175, 58. 

II. wizzet 272, 25. wizzet ir ? 269, 62. wizzet zwären 287, 65. 
dat wizzet zwären 221, 12. 246, 32. vur war wizzet dat 264, 28. 
286, 1. dat wizzet werliche 292, 11. vur war solt ir wizzen dat 
220, 61. 245, 6. 262, 66. 282, 21. 289, 12. dat solt ir wizzen 
zwären 280, 14. dat wizzet in trüwen 292, 29. dat wizzet sunder 
wän 291, 51. dat wizzet alle sunder wän 239, 19. 

III. dat wizzet zwäre 322, 39. 351 , 64. dat solt ir wizzen 
zwären 296, 7. 299, 58. 303, 19. 305, 7. 313, 54. 315, 15. 
316, 26. 324, 59. 337, 5. 361, 23. 362, 65. 370, 6. ouch solt 
ir wizzen zwären 300, 50. vort solt ir wizzen zwären 302, 7. 316, 
10. 331, 12. ind solt ir wizzen zwären 307, 56. dat solt ir wiz- 
zen sunder vrägen 325, 28. 

Y gar nicht, denn die erste Zeile 394, 50 nu solt ir wizzen wat 
Karle zö quam rührt vom Compilator her und bildet den Ueber- 
gang. 

Yb. wilt ir wizzen 450, 8. — V c . ouch solt ir wizzen daz 527, 
31 rührt auch vom Compilator her, wie der Reim daz : was be- 
weist. 

VI. dat solt ir wizzen offenbar 538, GG. 

,merkt!' nur in I. nu merket rechte mine rede 24, 55. 52, 
21. merket rechte mine wort 73, 52. nu merket rechte dese rede 
131, 46. 

,schweigt!' I. nu swiget ein wenic stille 16, 60. so swiget 
ind verstet de rede 104, 1. 

,wartet!' I. of ich nu de Stade hedde ind irs ouch woldet 
erbeiden 68, 27. — IL wilt irs nu erbeiden, so wil ich üch beschei- 
den 219, 15. 

3. Der Dichter beansprucht, dass man ihm glaube, weil er 
nicht Selbsterfundenes, sondern auf seiner Quelle Beruhendes erzählt. 



- 373 - 

Daher die folgenden Ausdrücke: ,seid sicher, seid gewiss!' I, des 
sit sicher ind gewis 41, 25. 118, 15. des sit gewis 172, 47. 175, 
51. 209, 22. — III. des sit sicher ind gewis 336, 10. — V. sicher 
moget ir sin des 477, 2. — V b . des moget ir sin gewis 454, 30. 

,glaubt mir!' IL nu solt ir mir getrouwen 286, 7. — III. wilt 
ir mirs nu getrouwen 302 , 40. ouch salt ir des getrouwen 304 , 9. 
ir solt is mir getrouwen 307, 40. des gelovet sunder vrägen 311, 
39. des gelovet sicherliche 312, 62. der reden mir gelouvet 365, 
44. — IY. des mach man wol geloven 383, 19. — V. des gelovet 
mir für war 461, 18. vur war des gelouvet 489, 64. — V a . des 
moget ir wal getrüwen 423, 43. — V b . des moget ir mir wal ge- 
trouwen 453, 59. 

Oder der Dichter sagt ,zweifelt nicht!' IL dar an ensolt ir zwi- 
velen niet 289, 27. oder ,verseht euch dessen zu mir!' I. vur war 
üch des zo mir versiet 12, 30. 40, 54. 44, 23. 51, 31. 79, 14. 
83,7. 152,29. 160,31. 176,8. 200,60. entrüwen üch des zo 
mir versiet 103, 23. Dieselbe Formel legt nun auch mit häu- 
fig vorkommender Vertauschung der Dichter seinen Personen in den 
Mund, vgl. 53, 30. 76, 8. 98, 32. 136, 7. — IL vur war üch des 
zo mir versiet 275', 11. 292, 26 und im Munde einer andern Per- 
son 289, 61. — III. vur war üch des zo mir versiet 341, 43, und 
einer andern Person in den Mund gelegt 367, 68. ,Die Rede ist 
wahr'. I. de rede is war ind ungelogen 6, 61. 13, 44. 23, 28. 
62, 59. 84, 7. 103, 34. 130, 20. 160, 44, 182, 55. 204, 29. 
dit is war ind ungelogen 121,43. Auch dieser Ausdruck kehrt wört- 
lich ebenso im Munde einer handelnden Person wieder 167, 32. 

Auch auf andere Weise und durch andere Formeln bezeugt der 
Dichter die Wahrheit seines Berichtes. I. des wil ich der wärheit 
gen 35, 35. 43, 61. 64, 39. 87, 30. der wärheit is üch zo gene 
84, 49. vur war ich üch des alle[n] wer 148, 38. of mans mir ge- 
loven wolde, so sachte ich üch de wärheit 165, 39. dit ensagen ich 
niet zo dröme, mer dat it was de wärheit 203, 12. wedersprichet 
man de rede min, dat si niet war enmoge sin, ich wil it üp de (de 
fehlt) läzen, de mit güder mäzen zo Tolet in sint komen ind hänt 
de wärheit wal vernomen 146, 21. — IL dat is war 236, 59. — 
III. des mözen (Hs. moess) mir der (Hs. de) wärheit gen alle de 
dar wären 303, 17. dit enis gein logenspräche 336, 8. mit wärheit 
ich dat düde 370, 16. — V. de wärheit möz ich schriven 497, 22. 
vur war si üch dat allen kunt äne vabel inde sage 465, 54. — Y c . 
dat is war zwären 492, 18. dat is war sunder wän (unecht) 496, 47. 
— VI. dat is war sunder sage 540, 43. 

Noch verstärkt wird der Ausdruck, wenn der Dichter eine 



— 374 — 

Schwurformel braucht. I. bi gode van dem tröne 30, 3. 44, 26. 
115, 29. 123, 26. 124, 38. 200,36. 210, CO. bi gode ind sente 
Marien 4, 8. so mir got ind [der gode] sent Jöhan 13, 36; bei St. 
Johannes schwören auch die im Gedichte vorkommenden Personen 
häufig (vgl. das Register unter Johan). so mir got heil 47, 57. so 
mir got der riche 24, 6. 198, 46. summer der dach 14, 50. in 
trüwen dat ich Cristen bin 178, 35. 206, 30. — II. bi gode ind 
sente Marien 220,66. ich swöre it bi eide 278, 45. — III. bi gode 
van dem tröne 294,54. 316, 54. — V«. so mir der güde dach 493, 
48 ist unecht, vgl. tac oben S. 329. 

4. Die Ausdrücke für , erzählen', theils mit dem Zusätze ,euch', 
theils ohne diesen, sind in den einzelnen Theilen des Karlmeinet 
folgende : 

lesen. I. ich sol üch lesen 1, 22. 11, 9. 146, 36. ich sal 
sagen inde lesen 7, 17. van Galien wil ich üch lesen 34, 40. van 
Davide sal ich lesen 67, 19. nu wil ich sagen inde lesen 99, 13. 
nu höret wat ich üch lesen 172, 16. als ich it voren las 144, 20. 
als ich zo voren las 205, 67. ir hördet mich zovoren lesen 168, 60. 
— II. van den ich lesen gerne solde 217, 7. als ich üch noch sal 
lesen 235, 33. als ich üch sal lesen 288 , 5. als ich üch hän gele- 
sen 285, 46. nu höret vort wat ich lesen 259, 33. hört mich vort 
wat ich lesen 269, 34. — III. wir willen Tan Galien lesen 299, 26. 
als ich zovoren las 322, 9. — Y. ander wort willen wir vort lesen 
398, 24. — YI. nu hat ir hören lesen 539, 9. 

sagen. I. ich sagen üch 3, 24. 3, 66. 24, 50. 205, 1. vort 
sagen ich 4, 55. vort sagen ich üch 66, 37. vort sal ich üch sagen 
dat 155, 34. dar engän sagen ich 156, 3. ich wil üch sagen zo- 
hant 148, 35. nochtan over al die rede sagen ich 6, 15. ich sal 
üch sagen mere 17,54. dan af wil ich üch ouch sagen 121,22. dar 
af ich üch wal sagen mach 140, 49. ich sal üch nie sagen 179, 2. 
ich sal üch sagen sunder vragen 182, 30. harde wal ich it üch sa- 
gen kau 17, 9. harde wal ich it üch sagen mach 11, 47. als ich 
üch wal gesagen mach 26, 16. 51, 17. 58, 8. 86, 57. 151, 40. 
210, 10. wal ich it üch gesagen mach 48, 1. als ich üch allen sage 
124, 20. als ich üch sal sagen 175, 9. als ich üch hän gesacht 
215, 7. ich sal üch sagen ind düden 174, 59. häufig noch mit ei- 
nem betheuernden Zusätze ,in Wahrheit', dat wil ich üch vur war 
sagen 16, 54. vur war ich it üch gesagen kan 23, 64. vur war sa- 
gen ich üch dat 34, 46. 42, 7. 44, 34. 48, 39. 51, 47. 104, 38. 
113, 63. so ich it üch vur war gesagen kan 68, 31. 103, 21. dat 
wil ich (ich üch?) vurwär sagen 70, 10. ich sage üch in wärheit 
23, 59. dat sagen ich üch in wärheit 108, 32. werlich sagen ich 






- 375 - 

üch dat 37, 38. dat sagen ich üch werliche 106, 64. 129, 2. 136, 
25. 209, 45. dat sagen ich üch zwären 18, 16. 27, 51. 29, 54. 
38, 61. 108, 13. 181, 24. dat sagen ich üch zo rechte 42, 62. 
dat sagen ich üch gewisse 81 , 18. dat sagen ich üch in tronwen 
98, 10. 180, 33. ich sagen iz üch in rechten tronwen 34, 53. onch 
sagen ich üch offenbare 148, 44. — IL ich sagen üch nie 242, 41. 
ich sagen üch baz 290, 45. ich wil üch sagen 277 , 5. ich sal üch 
sagen ind dön kunt 219, 35. höret wat ich sagen vort 217,70. ;dat 
ich üch gerne hadde geseit 217, 30. als ir mich hat hören sän 232, 
47 (vgl. 236, 31). vur war ich dat sagen mach 247, 7. vnr 
war ich üch nn sagen mach 279, 22. — III. mer ich sagen 
üch 361, 1. nn wil ich sagen daz 359, 6. nn wil ich vort sa- 
gen 315, 31. nn wil ich üch sagen vort 315, 62. vort so wil ich 
üch sän 365, 60. wir willen vnrbaz sän 370, 2. dan af ich üch 
sagen sal 373, 63. sohle ich nu sagen vort 331 , 63. he af wil ich 
sagen numme 327, 47. ich wil mit güder mäzen sagen 316, 47. als 
ich it üch gesagen mach 294, 24. 295, 36. 312, 16. 361, 51. 373, 
28. als ich üch sagen mach (fehlt it?) 304, 38. als ich üch gesa- 
gen mach 318, 38. he vur is gesacht 348, 65. — IY. da ich e af 
sade 386, 52. — V. ich sagen üch de mere 400, 32. 428, 22. als 
ich üch wal sagen mach 481, 63. — Y a . clat sagen ich üch werliche 
408, 64. dat mach ich üch vur war sän 414, 63. 425, 61. so ich 
it vur war gesagen kan 415, 4. ich sagen zAvären (lies ich sagen 
üch oder dat sagen ich üch zwären) 412, 52. dat sal ich sagen, of 
ich möz 412, 59. — Vi,, dat mach ich üch vur war sagen 451, 14. 
455, 18. 455, 30. dat sagen ich üch vur war wale 452, 21. dar 
mach (man) vur war sagen 460 , 8. it is gut dat man üch de wär- 
heit sage 451, 61. dat sagen ich üch gewisse 451, 65. dat sagen 
ich offenbare 452, 23. — Y c . man saget 512, 4. dat saget man vur 
wärheit 518, 57. dat mach ich üch vur war sagen 496, 65. dat sa- 
gen ich (Hs. sach ich) üch vur wäre (unecht) 504, 58. — YI. ich 
sal üch sagen 535, 36. nu wil ich üch vurbaz sän 539, 13. als ich 
üch gesagen mach 534, 10. 

Besonders ist zu erwähnen die Formel ,das sei euch gesagt', die 
in einzelnen Theilen häufig, in anderen gar nicht begegnet. I. dat 
si üch allen gesacht 1, 64. 122, 14. 135, 33. 140, 57. 144, 21. 
153, 53. 163, 3. 192, 2. 208, 5. dat si üch werlich gesacht 31, 
58. 85, 32. 124, 34. dat si üch vur war gesacht 40, 8. — IL 
vur war si üch dat gesacht 238, 24. 241 , 69. 257, 49. 273, 65. 
— III. dat si üch allen gesacht 299, 2. 310, 46. 329, 29. 335, 
53. 348, 67. 349, 48. 350, 61. 366, 43. 368, 32. dat si üch 
gesacht 345, 37. 370, 66. vort si üch dat gesacht 321, 64. 342, 



— 376 - 

51. 347, 34. vur war si üch dat gesacht 329, 57. 334, 17. — 
Y a . vur war si üch dat gesacht 414, 51. 425, 57. — V b . vur war 
si üch dat gesacht 458, 23. 459, 8. — VI. dat si üch allen gesacht 
536, 5. dat si üch ge sacht 536, 20. 

Gleichbedeutend mit diesem Ausdruck kommt vor ,das sei euch 
bekannt' in IL dat si üch allen bekant 244, 54. — In I. dat si 
üch van minem munde kunt 29, 41. dat si üch van mir kunt 41, 
31. — V. vur war si it üch allen kunt 465, 53. 

Ausser den erwähnten begegnen folgende nicht so häufig vor- 
kommende Ausdrücke für , erzählen' u. ähnl. 

bedüden. I. noch sal ich üch me düden 17, 21. ich sal it üch 
kurzlich bedüden 123, 5. vur war ich üch dat düde 199, 11. 204, 
55. in wären worden ich üch düde 201, 50. 

bereiten (vgl. oben S. 271). I. nu wil ich üch bereiden (: schei- 
den) van harde vremden sachen 130, 64. den wil ich üch bereiden 
erklären' 134, 60. 

berichten. II. der ich üch itzunt he berichte 223, 16. 

bescheiden. I. nu sit irs bescheiden 8, 9. vort sal ich üch be- 
scheiden 15, 2. ich enkans üch niet bescheiden wale 21, 7. ein 
deil ich es üch bescheiden möz 55, 4. her af sit ir bescheiden ge- 
nöch 95, 16. nu sit ir wal bescheiden 99, 6. mer ich sal uns doch 
wale bescheiden 125, 40. noch baz ich üch bescheiden möz 126,48. 
sus as ich üch bescheide 152, 21. nu höret wes ich üch bescheiden 
171, 62. des sal ich üch bescheiden 201, 33. — II. so wil ich üch 
bescheiden 219, 16. 258, 12. wes ich üch bescheiden 233, 50. der 
namen ich üch bescheide 264, 32. so wolde ich üch bescheiden 
269, 18. 

beschönen. I. ich mach it lichte beschönen 6, 25. dat mach 
ich lichte beschönen 31, 62. 

beweren. I. dat mach ich wal beweren 102, 34. ein dinc sal 
ich üch beweren 156, 40. 

bewisen. I. mich wart ouch bewiset 137, 29. 

bispel. I. dat ich it mit bispele gesagen in vollen niet enkan 
4, 16. dat man noch zo bispele wal mach sagen 18, 44. dat man 
noch zo bispele (Hs. speie) wal mach singen inde sagen 40, 42. ich 
mochte mit manchem bispele van Karle sagen harde vele 80, 5. dat 
ich is mit keime bispele üch niet gesagen enkunde 126, 48. dat 
ich mit bispele niet üch enkan bescheiden 171, 11. — III. dat mans 
zo bispele niet enkan gesagen 331 , 60. 350, 47. dat mans zo bi- 
spele niet enkunde gesagen 343, 11. — V c . dat man zo wunder 
mach zellen ind sagen zo bispellen 533, 7 ; dieser Schluss kann vom 
Compilator nicht herrühren, weil dieser bispele : vele reimt. 



— 377 — 

gebrieven. I. me danne ich kunne gebreven 134, i. ich en- 
kunde üch sagen noch gebreven 210, 44. 

gewar don. I. ich sals üch ein deil dön gewar 17, 57. 

nennen. II. den ich dicke hän genant 252, 4. — III. de ich 
üch sal nennen 338,60. — V. der ich genennen niet enkan 396, 10. 

offenbaren. III. dat wil ich üch offenbaren 302, 32. 

prisen. I. doch sol ich nü ind zo allen ziden einen prisen 124, 
16. ein dinc prisen ich sere 164, 38. 

rechen, ,erzählen' (vgl. S. 316). I. alsus als ich üch sal rechen 
187, 64. 

sprechen. I. als ich ezü sprach 174,63. als ich e sprach 194, 
33. als ich hie bevoren sprach 202, 45. — IL ich sprechen wal 
275, 24. als ich he zo voren sprach 290, 41. — VI. als ich vur 
sprach 538, 68. 

verstän läzen. I. nochtan don ich üch me [zo] verstän 206, 35. 
— IL als ich üch lez verstän 291, 66. 

wis machen (vgl. S. 350). I. des sal ich üch machen wis 10, 
47. nu hän ich üch gemachet wis 121 , 19. — IL als ich üch sal 
machen wis 218, 18. des sal ich üch machen wis 224, 62. nu we- 
set einer dinge wis 234, 68. 272, 16. ich wil üch ergen inde vort 
machen wis 235, 15. hört wes ich üch machen wis 235, 53. des 
wil ich üch machen wis 288, 44. 

zellen. I. dat dar ich wal erzellen 94, 33. vur war ich üch 
dat verzelle 134, 69. — - IV. de wil ich üch erzellen 374, 2. — V. 
mit mere ungevögen dan eman möge gezellen 486, 37. — VI. de ge- 
zellen enkunde neman (so zu lesen!) 538, 28. 

5. So viel von dem Verhältniss des Dichters zu seiner Quelle 
und zu seinem Publicum. Eine Reihe anderer Ausdrücke bezieht 
sich auf seinen Stoff und auf die handelnden Personen. Bei der Be- 
handlung des Stoffes sind zunächst die Uebergänge zu bemerken. 
Hier zeigen nicht viele mhd. Dichter Manichfaltigkeit und Geschmack. 
Das Gewöhnlichste ist ,ich will, wir wollen das lassen und von et- 
was Anderem erzählen'. Diese roheste unbehilfliche Form findet sich 
in allen Theilen des Karlmeinet, in einigen aber sehr selten, in de- 
nen nämlich , die auch im Versbau mehr Kunst verrathen. In man- 
chen Fällen rührt dergleichen vom Compilator her, wie an V be- 
stimmt nachweislich ist. 

I. nu wil ich läzen dat 14, 60. desen lof wil ich üch läzen ind 
sagen 22, 52. dese rede wil ich läzen stän ind sagen 32, 2. 49, 
64. dese rede wil ich läzen wesen 34, 39. nu wil ich van G-. lä- 
zen dese wort 37, 29. des wil ich hie verzien der rede van Galien 
ind sagen vurwart mere 45 , 20. durch dat is it göt dat ich it* lä- 



— 378 — 

zen ind mich an de rede säzen 46, 57. dit läz wir wesen inde stän 
ind sagen 58, 55. des wil ich läzen van der minnen : ander wort 
sal ich beginnen 60, 12. dese rede wil ich ezö he läzen bliven inde 
wesen : van D. sal ich lesen 67, 17. deser worde wil ich nu wesen 
af, van K. höret vurwart sagen 72, 60. nu wil ich läzen von Br., 
höret ... 95, 17. he wil ich dese zale miden ind sagen 112, 56. 
der wort wil ich nu wesen af ind sagen 133, 30. des wil ich mich 
mäzen, van 0. läzen: nu höret sagen 157, 1. dit wil ich läzen inde 
sagen 164, 50. nu läzen wir en jagen riden ind sagen nü 165, 2. 
he wil ich läzen dese -zale : vort wil ich üch sagen wale 194, 29. 

II. dit läzen wir wesen also 231, 32. ich wil hie nu zo stede 
nederlegen niine rede, biz ich si aver schere ander werf erheven 235, 
10. he so Avil ich läzen af mine rede ind mine wort : ich wil üch 
sagen vort 235, 47. dit läzen ich alsus wesen. hört mich vort! 
269, 33. 

III. dit willen wir läzen wesen ind willen van G. lesen 299, 25. 
nu willen wir Galien bevelen sante Marien., ind sagen vort 301,42. 
nu willen wir dit hie läzen stän inde willen vurbaz sän 302, 65. dit 
wil ich hie begeven ind wil vort sagen 314, 39. dit läzen wir stän 
inde sagen vurbaz 316, 14. dit wil ich hie nu läzen ind wil sagen 
316, 45. dit läzen wir sin ind sagen 320, 26. de wir läzen nü 
3.36, 4. dat were zo lanc zo sagen : wir willen ander rede gewagen 
336, 13. dit willen wir läzen stän inde willen vurbaz sän 341, 46. 
der namen wir nu läzen stän 351,58. dit willen wir läzen stän inde 
ein ander mere sän 364, 48. dit willen wir hie läzen stän inde wil- 
len vurbaz sän 370, 1. 

V. dit läzen wir nu stän ind willen vort van Wellis sän 443, 24. 
dese rede läzen wir stän inde willen vort sän 460, 30 ; beide Stellen 
rühren vom Conrpilator her, vgl. oben S. 106. 116. 

Wie an den beiden letzten Stellen der Grund in dem Bestreben 
zum Kürzen liegt, so zeigt sich dieselbe Neigung auch anderswo; 
vgl. 356, 13. — I. ich sal de zale kürten sere 158,22. ich wil üch 
kürten dese rede ind sagen 111,63. dat si üch allen bekurt 62,44. 
— IV. nu wil ich kürten dese dinc 394, 38. 

Eine andere Uebergangsformel ist ,wozu mehr davon sagen?' 

I. wat sal der worde me gesacht? 33, 61. wat mochte ich sa- 
gen he ave? 5, 16. wat sal der rede mere? 59, 46. wat mochte 
ich vele sagen dar af? 83, 53. wat mochte ich des vele gelesen? 
HO, 67. wat mach ich sagen? 112, 54. wat mochte ich vil sagen 
dar af? 124, 49. wat mochte ich nu machen der worde vele ind 
genöch? 126, 24. wat mach ich sagen her ind dar? 127, 33. wat 
mochte ich nu de zale lengen, von eime worde an dat (lies ant) an-. 



-& 379 ~ 

der brengen? 161, 46. wat mochte ich dar af sagen mere? 167,63. 
wat mochte ich dit me gesagen? 170, 10. 

II. wat mochte ich me wort keren weder inde vort? 241, 7. 
wat mochte ich vil sagen daraf? 241, 36. wat mach ich he af sa- 
gen vele? 287, 61. 

III. wat solde mir nu me gesacht? 314, 1. wat solde nü vele 
sagen? 315, 22. wat solde ich hinne af me sagen? 345, 18. 

"Während hier sich das Bestreben ausspricht, den ohnedies mas- 
senhaften Stoff möglichst zusammenzuziehen, und den Umfang des 
Gedichtes nicht noch mehr zu vergrössern, woraus zu schliessen sein 
möchte, dass diese Stellen meist dem Compilator zukommen, was 
auch die Uebereinstimmung in I, II, III bestätigt, enthalten andere 
Formeln den Ausdruck des Unvermögens , den betreffenden Gegen- 
stand in würdiger Weise behandeln zu können. Auch dergleichen 
Ausdrücke sind bei allen Dichtern üblich; sie sind um so häufiger, 
je geringer die geistige Kraft eines Dichters ist. Nicht immer in- 
dess sind sie Ausdruck der Bescheidenheit und der selbstempfunde- 
nen Schwäche, zuweilen sollen sie auch den Gegenstand der Kürze 
wegen abschneiden. Die Formeln sind sehr manichfaltig. 

I. ich enkunde üch nummer gezougen 37, 25. ich enkunde in 
drin dagen van der manheit niet gesagen 40, 33. solde ich mit mi- 
nen sinnen sagen . . it were zo lanc ind zo swere 45 , 16. solde ich 
nu de wort alle ergeven, mir were zo kurt vele der dach 46, 54. 
solde ich nu allet sagen vort, it were zo lanc zo säne 55, 22. 
dat ich si werliche envollen niet kan geprisen 57, 33. bezzer dan 
ich gesagen kunne 77, 31. solde ich de zale allet breiden, it wer 
zo sagen al zo lanc 77, 56. dat wer zo sagen vil zo lanc 79, 41. 
dan af enkunde ich in drin dagen envollen üch allen niet gesagen 

79, 47. it were ein zo lange rede 80, 8. der enhän ich keine zale 

80, 64. van dem wunder hedde ich üch allen zo sagen genöch 81, 
11. dat ich it körne kan gesagen 86, 15. dat ich al dis dages hüde 
üch dan af niet bescheiden künde 88, 24. solde ich it allet vore 
zien, it were ein zo lanc bescheide 101, 47. dat ich it körne gesa- 
gen kan 109, 51. dat were zo lanc zo säne 112, 45. dat ich is 
üch bescheiden geine wis künde, we gerne ich is begunde 113, 51. 
der ich allet niet enkan genennen sunderliche 114, 34. des enweiz 
ich gein bescheit 116, 35. were zo sagen al zo lanc 117, 2. wat 
(Hs. van) hulpe dat ich vil sechte 123, 3. solde ich nu breiden al 
de mere, it were ein zo lange rede 126,43. me dan ich gesagen kan 
147, 27. me dan ich üch künde gesagen mit minem munde 170, 62. 
me dan ich gesagen kunne 209, 37. 210, 50. so we ich de Stade 



— 380 — 

hedde ind ir alle woldet gedagen, ich enkunde nochtan niet gesagen 
209, 69. 

IL solde ich alle prisen, lichte sechte ich ungevöch 230, 46. dat 
ich zo gedüde si enkunde gezellen, we ich mich gesnellen mochte mit 
der zungen 286, 17. der ich gesagen niet enkan 287, 64. ich en- 
kunde üch niet geprisen 291 , 43. me dan (Hs. dat) ich gesagen 
kunne 292, 3. 

III. der enkunde ich niet gedüden 296, 5. dat it neman en- 
kunde gesagen, we gerne he is wolde gewagen 296, 56. der namen 
ich niet gesagen kan 340, 66. 360, 48. des ich üch niet kan be- 
scheiden 347, 65. solde ich it nu offenbare üch sagen, it worde eine 
lange rede 360,62. — V. der ich genennen niet enkan 396, 10. dat 
lanc zo sagen were de zerheit mancher slachten 461, 20. dat were 
zo lanc zo sagene 471, 53. ich enkan niet wizzen noch 473, 52. 
mit mere ungevögen, dan eman möge gezellen 486, 36. — VI. der 
ich alle niet genennen enkan 537, 49. de gezellen enkunde neman 
538, 28. dat enkunde neman volsagen 538, 43. nu wil ich sän also 
verre as ich it vermach 539, 16. 

Auch seinen Antheil an den handelnden Personen bethätigt der 
Dichter, und zwar, indem er dem einen Gutes wünscht, dem andern 
Böses, den einen segnet, dem andern flucht. Dies ist ein charakte- 
ristischer Zug, namentlich der nordfranzösischen Volksepen; am mei- 
sten findet er sich in II, das französischer Quelle folgt. 

I. Gutes, des möze sin sele gerün 8, 45. dat he selich möze 
sin 8, 57. dat he selich wesen (Hs. weren) möze 12, 22. des möze 
got ermeren Gerfeines sele gemach 12, 34. dat en got möze berä- 
den 74, 22. des (Hs. der) geve got Galien wunne 77, 32. gebene- 
diet möze he sin 124, 18. got geve en ere ind gemach 135, 40. 
dat ir gut geschie 148, 10. dat si wal gedie 155, 48. dat si möze 
gedien 156, 26. — Böses, ir lef werde en zo leide 16, 21. dat si 
vur gode sin verräden 1 7, 23. ich wolde ir sele gluweden ind ir der 
tüvel moste walden 17, 43. dat si verwäzen mözen sin 20, 64. got 
geve eme ummer bösen danc 112, 59. dat si vervlöt 148, 12. dat 
got dat metz verwäze 189, 14. 

IL Gutes, dat möze vur ir sunden stän 268, 1. — Böses, vur 
gode si he verdömet 217, 51. got geve leit sime live 217, 56. dat 
si möze vellen got unse here 218, 8. dat si vermaledien möze got 
der riche 218, 70. dat der düvel ir got si 221 , 21. der möze in 
leiden sweiz over eren lif läzen gän 221, 31. dat si got möze vel- 
len 222, 69. dat got ir leven mache kort 223, 58. dat geschant ir 
lif si 226, 32. nu möze der rede Fockarde vollen 231, 21. dat eme 
got geve schände 234, 51. dat si got vermaledien möze inde sehen- 



— 381 — 

den 243, 69. got geve en leide 244, 55. dat is eme der dtivel 
danke 258, 28. geschant möze he ummer sin 271, 8. 272,58. dat 
he ummer si geschant 276, 14. 

V. Die hier vorkommenden Beispiele sind anderer Art; sie ver- 
rathen den Geistlichen, wie auch bei Konrad , und sind gelegentliche 
Anrufungen Gottes, got haves lof ind ere 400, 37. nu helpen si 
uns üz alre not 405, 43. got he dö dan dar na dar mede wat sin 
wille si 465, 63. nu bidden wir got unsen here 467, 48. geloft si 
is unse heilant 475, 16. 

Y b . Gutes, got möze de helde bewaren 455, 9. nu möze in 
got bewaren 457, 43. — Böses, so swiche eme dat heiige graf 451, 
6. dat he ovel gedie 456, 23. got si vermaledie 456, 26. Auch 
hier zeigt sich, was die Vergleichung bestätigt, dass dieser Abschnitt 
nach französischer Quelle gearbeitet ist. 

Das Yorkommen gleicher oder ähnlicher subjectiver Formeln in 
Gedichten, die im Uebrigen verschiedenen Charakter tragen, ist kein 
Beweis gegen die von mir aufgestellte Sonderung mehrerer Verfas- 
ser, denn solche Formeln können viel leichter vom Compilator in 
eine Dichtung hineingetragen sein, der sie ursprünglich fremd waren, 
als grammatische Eigentümlichkeiten. Ueberdies berühren sich hier, 
weil es eben allgemeine Wendungen der Dichtersprache sind, auch 
sonst Dichter, bei denen an keine Nachahmung oder Entlehnung zu 
denken ist. Gleichwohl ist auch hierin die Eigentümlichkeit der ein- 
zelnen Abschnitte nicht zu verkennen. Am häutigsten brauchen die 
subjective Wendung als Ergänzung des armseligen Gedankens und des 
Reimes I, III und VI, und bestätigen somit die geringe poetische 
Kraft ihrer Dichter. Am wenigsten V und V c , auch in IV sehr We- 
niges der Art; in II herrscht ein gewisses Mass. Manche Formeln 
sind allen Theilen gemeinsam : so die Bezeugung der Wahrheit ; aber 
die hiebei gebrauchten Wendungen sind wieder verschieden. 

Inj allein findet sich der Ausdruck die rede ist war ind unge- 
logen, und ein anderer: des wil ich der wärheit jenen (ähnlich, aber 
nicht ganz ebenso einmal in III, 303, 17). In II findet sich diese 
Berufung fast gar nicht, nur an einer Stelle. — Gemeinsam ist auch 
die Formel ,ich sage euch', jedoch in IV und V äusserst selten: in 
IV nur einmal , in V an drei Stellen. 

Auch hier haben einzelne Theile beliebte Wendungen, in I dat 
sagen ich üch in trüwen, in wärheit, werliche, zwären, I und III ge- 
meinsam ist die Formel als ich üch wal gesagen mach, mit geringen 
Abweichungen. 

Von Formen, die einzelnen Abschnitten eigentümlich sind, hebe 
ich hervor; 



- 382 — 

In I allein begegnen die Ausdrücke ,mir wart ergiet' (gesagt). 
An die Zuhörer gerichtet ,nierkt' und , schweigt'. In Beziehung auf 
die Wahrheit der Aussage ,die rede ist war ind ungelogen' und ,der 
wärheit jehen'. Von Ausdrücken für , erzählen' die eben erwähnten 
,das sage ich euch fürwahr, wahrlich, in Wahrheit, in Treuen', so wie 
bedüden, bereiden, beweren, bewisen, gebrieven, gewar tuon, prisen, 
rechen. 

II allein hat den den Zuhörern gegenüber einmal gebrauchten 
Ausdruck ,prüft' und einen andern für erzählen ,berichten'. 

Auch in III kommen eine Anzahl Ausdrücke vor, die Berufung 
auf die Quelle enthalten und mit ,sagen hören' gleichbedeutend sind, 
ich hörte beweren, gewagen, jesten, lesen, zellen, und einer für ,er- 
zählen' : offenbaren. 

In IV und V finden sich keine besonderen Ausdrücke, wie über- 
haupt diese Abschnitte am wenigsten bieten. 

In manchen Wendungen stimmen einzelne Theile überein, wäh- 
rend sie sich in anderen nicht finden. I und II wenden sich an die 
Zuhörer mit der Bitte , wollt ihr warten' ; sie brauchen für ,erzählen' 
die Ausdrücke sprechen, verstehen lassen und wis machen'. Mit 
Y b haben beide Abschnitte gemeinsam, dass der Dichter Segen und 
Fluch über die handelnden Personen ausspricht, was, wie ich be- 
merkte, auf die französische Quelle hindeutet. 

I und II haben aber auch Berührung mit III und VI und zwar 
lässt sie sich in einer Menge von Ausdrücken zeigen, zwischen I und 
III in den Wendungen ,ich horte jehen, sprechen', ferner ,ich bin 
oder ich werde wis', d. h. ich bin berichtet. In den Ausdrücken mit 
bispel, mit bispele sagen, zo bispele sagen : zwar hat ihn auch V c ein- 
mal, aber dort reimt bispellen : gezellen, während in I, III bispele : 
vele. Uebereinstimmung von I mit III und VI findet sich darin, dass 
alle drei sagen ,ich habe vernommen', ,ich hän entsaben' und ,inir 
ist kund'. I und II stimmen mit III und VI in den Ausdrücken ,ich 
hörte sagen', was in V und V a nur je einmal, in IV, V b und V c gar 
nicht vorkommt. Ebenso ,ich las' (einmal in V) mit Unterschieden 
in der gebrauchten Formel: I sagt immer ,wie man uns las' oder 
,wie ich hörte lesen', niemals ,wie ich las', woraus zu folgern, dass 
der Dichter ein fahrender war, ohne gelehrte Bildung, und das er- 
klärt auch die mancherlei Ausdrücke aus der Volkspoesie, die in 
I vorkommen. Zwar sagt er ,wie ,ich euch las', oder ,ich will euch 
lesen', aber das bezieht sich nicht auf das Lesen einer Quelle, son- 
dern ist soviel als ,vortragen, erzählen', daher auch verbunden ,sagen 
und lesen'. In II immer ,ich las' und ebenso in III und IV, am häu- 
figsten in der Formel ,wie ich es (in meiner Quelle) las 1 . — Der an 



— 383 — 

die Zuhörer sich wendende Ausdruck ,liört' begegnet in V nur ein- 
mal; gewöhnlich lautet die Formel ,nun hört', in I auch ,nun hört 
sagen' , in II und III ,nun mögt ihr hören' , was in II nur ein- 
mal vorkommt: dagegen in II eigentümlich ist ,nun hört ohne zu 
fragen, ohne mich durch Fragen zu unterbrechen'. Der Ausdruck 
,nun mögt ihr hören', den III am meisten hat (an sechs Stellen), 
kommt auch in V a einmal und V b zweimal vor. Auch IY wendet 
sich mit ähnlichen Ausdrücken an die Zuhörer, jedoch nur an vier 
Stellen, was im Yergleich zu I, II, III sehr wenig ist. 

Wie mit ,hört' verhält es sich auch mit ,vernehmt'j in IY, Y, 
Y a , Yb, Y c kommt dieser Ausdruck nicht vor. I und II haben hier 
die meiste Uebereinstimmung , die formelhafte Wendung ,nu höret 
vort de rede min'. Auch der Zuruf ,wisset' kommt, wie ich oben 
gezeigt habe, nur in I, II, III und YI vor, einmal auch in Y b . For- 
melhafte Ausdrücke sind ,wizzet sunder wän' in I und II, in II al- 
lein die Formel ,vur war solt ir wizzen dat', in III ausschliesslich, 
mit Ausnahme einer Stelle und geringer Abweichung ,clat solt ir 
wizzen zw T ären', was ein paarmal, vielleicht erst vom Compilator hin- 
eingetragen, auch in I vorkommt: in I begegnet indess eine ähnliche 
Formel mehrfach ,dat wizzet zwären' (fünfmal). 

Die Yersicherungsformel ,verseht euch dessen zu mir' hat I am 
häufigsten in der stehenden Formel ,vur war üch des zo mir ver- 
siet', einmal mit geringer Abweichung : II und III im Ganzen selten, 
YI gar nicht, was Zufall sein mag. Die stärkere Bekräftigung durch 
einen Eid kennen gleichfalls nur I, II, III und YI; denn die einzige 
Stelle in Y c halte ich für eine ungeschickte Aenderung des Compila- 
tors. I, III und YI stimmen hier in der Formel ,bi gode van dem 
tröne, die II nicht kennt. I und II sagen je einmal bi gode ind 
sente Marien. 

,Ich lese', soviel als ,ich sage, erzähle', einmal in Y, aber un- 
gleich häufiger in I und II, in III allerdings auch nur einmal. Da 
aber ,ich las' mit Bezug auf die Quelle in Y nur einmal vorkommt, 
so werden wir auch bei diesem ,lesen' den Ausdruck für unecht 
halten. 

Die Formel ,das sei euch gesagt' erscheint gleichfalls in I, II, 
III und YI; auch hier ist der specielle Ausdruck verschieden, I sagt 
dat si üch allen gesacht, II durchgängig vur war si üch dat gesacht, 
III gewöhnlich wie I, zu dem ja überhaupt grössere Hinneigung sich 
zeigt, nur zweimal wie II, auch YI sagt wie I. Ausserdem begegnet 
die Formel ein paarmal in Y a und Y b , und zwar wörtlich wie in IL 

Den Uebergang zu bilden dient die gewöhnliche Formel ,das 
lassen wir, das lassen wir sein, stehen', und so begegnet sie inl, II, 



— 384 — 

III : zweimal auch in V , aber , wie ich zeigte , an Stellen , wo der 
Compilator kürzte. Die Art und Weise, einen Gegenstand abzubre- 
chen, kennen auch nur I, II, III. 

Uebereinstimmung zwischen III und VI hat sich nach diesen Be- 
legen schon genügend ergeben: in einigen Ausdrücken treffen nur 
diese zusammen, nicht auch zugleich mit I und II, nämlich ,ich hörte 
deuten' und ,mir ist bekannt'. 

Ganz unbedeutend ist das Zusammentreffen von III und V; es 
beschränkt sich auf das einmal vorkommende ,ich wähne', wo übri- 
gens auch Y an zwei Stellen von III abweicht; ebensowenig bedeu- 
tet das Vorkommen des Ausdruckes ,mich hat kein Hehl' in III und 
V a für die Identität der Verfasser. 



***& 



V. 

Schluss. 

Wir haben gesehen, dass für diejenigen Abschnitte, die mit Si- 
cherheit dem Compilator zugeschrieben werden dürfen (III und VI), 
hauptsächliche Quelle Vincenz von Beauvais ist. Yincenz vollendete 
sein speculum historiale zwischen 1254 — 56; somit gewinnen wir den 
Zeitpunkt, vor welchem der Compilator nicht geschrieben haben kann. 
Auch der terminus ad quem liesse sich festsetzen: zwar nicht vor 
Jacob von Maerlant (1283) müsste der Compilator gedichtet haben; 
denn nicht ihm, sondern Jan de Clerc, der 1305 dichtete, gehört, 
wie ich zu spät bemerkte, das oben (S. 53 ff.) besprochene mnl. 
Bruchstück an, wohl aber vor 1305, wenn die von mir behauptete 
Entlehnung des Niederländers aus Karlmeinet ihre Richtigkeit hat. 
Weitere Yergleichung mit Jan de Clerc, dessen Chronik mir bei Aus- 
arbeitung dieser Untersuchung erst ganz spät zugänglich war, hat 
mich indess zu der Ueberzeugung geführt, dass das Verhältniss doch 
wohl umgekehrt ist, dass nicht der mnl. Dichter dem Compilator, 
sondern dieser jenem abborgte, wobei in Anbetracht des sonstigen Ver- 
fahrens des Compilators nur auffallend bleibt, dass er sich auf Ent- 
lehnung einzelner Stellen beschränkte. Am stärksten ist die Entleh- 
nung in VI, wo folgende Stellen sich genau an Jan de Clerc an- 
schliessen. Karlm. 534, 62—66 — Jan 2, 4283—87; 536, 48—55 
= 2,4360—67, wo die ersten Zeilen etwas abweichend lauten Daer 
sag ic comen voer mi dare van swarten duvelen ene scare; 536, 62 
bis 63 = 2, 4370—71; 536, 68. 537, 1—5 — 2, 4374—79; 537, 
8 — 9 = 2, 4380 — 81 ; 537, 63—67 = 2, 4409—13; 538, 13 bis 
16 = 2, 4418—21; 538, 57—60 = 2, 4432—35; 539, 53 — 62 in 
den Reimen übereinstimmend mit dem Zusatz einer andern Hand- 
schrift, der dadurch als echt erwiesen wird, nach 2, 1796, wo aber 
539, 60 lautet: ocht eenen hase alst hem quam ane; 540, 18 — 21 = 
2, 1805—8; 540, 28—29 = 2, 1809—10. Die längste übereinstim- 
mende Stelle ist 539, 21 — 44, die Beschreibung Karls, die ich S. 
214 — 215 aus Karlmeinet mit Gegenüberstellung des lateinischen Tex- 

25 



— 386 



tes angeführt habe. Der Vergleichung wegen lasse ich die entsprechende 
Stelle des Jan de Clerc hier folgen: 2, 1773 ff. 



nochtan was dese grote here 
sijns selfs acht voete lanc, 
recht ende hoech in sinen ganc 
ende omme sine siden breet end 

grof, 
den lichame wel na sijn behoef 
grof van armen ende van beenen. 
men vant tien tiden enghenen 
riddere ten wapenen soe goet 
noch soe vromich noch so vroet. 
sijn aensichte was eens voets breet 
ende onderhalven lanc ghereet; 
sij n nase was lanc enen halven voet. 
sijn baert, die hem manlic stoet, 
was hem eens voets lanc ghereet. 



sijn vorhoeft was eens voets breet; 
sijn oghen waren te scouwen ane 
ghelijc den leuwen in ghedane 
ende sparcten in die ghebare 
gheliic oft een carbunkel wäre; 

sine winbrauwen in hären ganc 
waren eenre halve palme lanc. 
als hem gramscap ane lach 
ende hi dan op iemant sach, 
soe enwas so stout man noch soe 

mare 
hi enwart dan bevaen metvare; 
ende soe starc was hi in den strijt, 
vgl. 540, 14 ff. 



Für den Beweiss, dass der niederl. Chronist das Original ist, 
aus dem der Compilator einiges entlehnte, scheint namentlich eine 
Stelle entscheidend: 537,66 reimt mede (mite) : mogenthede, in nie- 
derländischer Weise, welcher Reim ausser in IV (vgl. oben S. 77) 
nur an dieser Stelle des Karlm. vorkommt. Der Compilator dichtete 
also nach 1305; er war Jan's Zeitgenosse, denn das Benekesche Bruch- 
stück gehört dem Anfange des 14. Jahrhunderts an. Die Dichtungen, 
welche der Compilator vor sich hatte, und theils unverändert, theils 
bearbeitet in sein Werk aufnahm, fallen mithin alle wenigstens in 
die zweite Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts. 

Zwischen I und III haben wir so vielfache und zum Theil so 
starke Uebereinstimmung wahrgenommen, dass sie ohne die ausge- 
sprochene Annahme, es habe der Compilator ein älteres Gedicht in 
mittelniederl. Sprache seiner Mundart und Reimweise durch Ueberar- 
beitung näher gebracht, wunderbar erscheinen müsste. Wir haben 
auf die Spuren älterer Reime, die sich leicht mehren Hessen (S. 252), 
so wie auf die stellenweis durchklingende Volkstümlichkeit des Aus- 
druckes hingewiesen (S. 95 , vgl. karen S. 299). Damit lässt 
sich auch die von Gödeke (vgl. S. 26) und W. Wackernagel (Litera- 
turgeschichte S. 176) ausgesprochene Ansicht in Einklang bringen, 
die die Bruchstücke von I für älter hält als die von II. Die Grund- 
lage erscheint auch mir älter, allein in der Gestalt, die das Gedicht 
nun hat, ist es gewiss nicht vor der Mitte des dreizehnten Jahrhun- 
derts entstanden. Der Umarbeiter aber war identisch mit dem Com- 
pilator, nicht haben wir uns eine dazwischen liegende Bearbeitung 



— 387 — 

durch einen anderen Dichter zu denken, dessen Werk der Compila- 
tor seinem Gedichte einverleibte, wie es bei V der Fall ist. Gegen 
eine solche Annahme scheint mir die Uebereinstimmung zu sprechen, 
die zwischen I und III im Versbau und der Ausdrucksweise viel 
grösser ist als zwischen III und V. Ein fahrender Dichter (S. 382) 
aus der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts dichtete in mittel- 
niederländischer Sprache nach einem französischen Texte, den er vor- 
lesen hörte, Karls Jugendgeschichte bis zur Rückkehr aus Spanien, 
zur Vermählung mit Galien. 

Dem eigentlich Niederländischen ferner, der niederrheinischen 
Mundart näher steht der Dichter von ,Morant und Galie'. Auch er 
folgte einem französischem Vorbilde, kannte neben diesem aber das 
ältere niederländische Gedicht von Karls Jugend, und entlehnte ihm 
einzelne Stellen»). Die Abfassung fällt nach Lachmann zwischen 1190 
und 1210; an dieser Zeitbestimmung weiss ich nichts zu ändern. Des 
Dichters Muster scheint Heinrich von Veldeke , dem er auch in Be- 
zug auf den Versbau und die Mundart sich nähert. 

Der Compilator des Ganzen, ebenfalls ein niederrheinischer Dich- 
ter, nicht ohne gelehrte Bildung, da er aus verschiedenen lateinischen 
Quellen zusammentrug, was zur Ergänzung der von ihm benutzten 
Dichtungen diente, aber auch des französischen mächtig, folgte, wie 
bemerkt, hauptsächlich Vincenz von Beauvais. Daneben ward Albe- 
richs Chronik benutzt (vgl. S. 44. 45), die dem Verfasser schon da- 
rum leicht zugänglich sein musste, weil er seiner Sprache nach in 
derselben Gegend lebte und dichtete, wie der lateinisch schreibende 
Augustinermönch des Klosters Neuf-Moutier in dem Bistum Lüttich. 
Das meiste, was dem Stoffe nach aus Turpin geschöpft ist, benutzte 
der Compilator in Vincenz Texte, jedoch daneben auch Turpin 
selbst , wenn nicht die Handschrift des speculum historiale, 
die er vor sich hatte, einen vollständigeren Text des Turpin ent- 
hielt, als der von mir benutzte Druck. 

Für das Alter des mittelniederländischen Gedichtes von Karl und 
Elegast erhalten wir durch die Aufnahme desselben in den ,Karlmei- 
net' eine ziemlich sichere Bestimmung. Noch in seiner zweiten Aus- 
gabe der Uebersicht der mittelniederländischen Dichtung (S. 4) scheint 
Hoffmann an der von Jonckbloet aufgestellten Behauptung , das Ge- 
dicht sei in den ersten Jahren des 13. Jahrhunderts oder noch in 
den letzten des 12. verfasst, zu zweifeln. Dem 13. Jahrhundert in 
jedem Falle muss es angehören, und zu spät setzte es Hoffmann, 



») Wenn man nicht vorzieht, die oben S. 33 fg. angeführten Wiederholungen auf 
Rechnung des Compilators zu setzen. 



— 388 — 

wenn er (Karl und Elegast S. Y) vielleicht das vierzehnte Jahr- 
hundert' ihm zuerkannte. Nichts widerstrebt nunmehr der An- 
nahme, dass Alberich in der bekannten Stelle seiner Chronik (2, 
120) ,ut in cantilena dicitur, ad istam conspirationem cognos- 
cendam Carolus Magnus monitu angeli ivit de nocte furari' sich auf 
das uns vorliegende mnl. Gedicht beziehe. Ich weiss nicht, ob Jonck- 
bloet in seiner mir noch nicht zu Gesicht gekommenen Ausgabe von 
Carel ende Elegast (Amsterdam 1859) auf die aus Karlmeinet ge- 
wonnene Zeitbestimmung schon hingewiesen hat. 

Was Jonckbloet (geschiedenis der middennederlandsche dichtkunst 
1, 27) von Einschiebungen in Hoffmanns Texte sagt, findet durch den Text 
im Karlmeinet überraschende Bestätigung, wenn auch nicht an allen 
Stellen. Dagegen ist seine Behauptung, es habe das Gedicht ursprüng- 
lich von einem Liebesverhältniss zwischen Elegast und Karls Schwe- 
ster erzählt, durch den Karlmeinet widerlegt. Diesen Text müssen 
wir als den ältesten uns erhaltenen betrachten, denn er weist auf 
eine Handschrift aus dem dreizehnten Jahrhundert, wenn nicht 
eine noch ältere. Freilich hat der Text dieser Handschrift erst- 
lich eine Veränderung durch den Compilator erfahren und dann 
ist er durch den Unverstand des Abschreibers im fünfzehnten Jahr- 
hundert nochmals entstellt. Aber auch in dieser Gestalt behauptet 
er seinen Werth als älteste Urkunde und zeigt uns , dass zwar in 
manchen Einzelheiten die beiden alten Drucke das niederländische 
Gedicht ungetreu überliefert haben, dass aber eine so durchgreifende 
Veränderung, wie sie Jonckbloet annimmt, nicht stattgefunden hat. 

Der Dichter, der das alte Gedicht des Pfaffen Konrad im An- 
fange des dreizehnten Jahrhunderts, wie ich glaube, in reine Reime 
und metrisch regelmässige Verse brachte, kann nicht der Compilator 
des Ganzen sein; das lehrte uns die Verschiedenheit des Versbaues, 
der Sprache, die Art der Umreimung, die manche dem Compilator 
zukommende Reimfreiheit (die Bindungen s : z, m : n) des alten Ge- 
dichtes nicht duldete. Auch dieser Bearbeiter war kein eigentlicher 
Niederländer, sondern gehörte ungefähr derselben Gegend an , der 
auch der Dichter von II zufällt. Der Text des Rolandsliedes, der 
ihm vorlag, wich von dem uns erhaltenen so bedeutend ab, weniger 
in einzelnen Lesarten als in der Hinzufügung kleinerer und grösserer 
Stücke, dass wir nothwendig eine Doppelrecension des Liedes anneh- 
men mussten. Auch die von ihm überarbeitete Textgrundlage ge- 
hörte sicher noch dem zwölften Jahrhundert an; es wäre nicht un- 
möglich, dass der Pfaffe Konrad selbst eine zweite Bearbeitung sei- 
nes Werkes lieferte, wie vom Pfaffen Wernher wahrscheinlich ist. 
Das Verhältniss beider Texte müssen wir uns ähnlich denken, wie 



— 389 — 

das der beiden uns erhaltenen Handschriften des Alexanderliedes. 
Namentlich gegen das Ende des Gedichtes werden die Erweiterungen 
und Abweichungen bedeutend. Der Dichter folgte zum Theil ge- 
treuer dem französischen Texte als Konrad; ob das französische Ge- 
dicht die alte Chanson de Roland (A), die unter Turolds Namen geht, 
oder eine der jüngeren Recensionen (B und C) war, lässt sich mit 
Bestimmtheit nicht entscheiden. Dass aber, wenn auch das ältere 
Gedicht benutzt ist, wie ohne Zweifel Konrads ursprüngliche Bear- 
beitung nur dieses kannte, daneben die Jüngern Texte dem Umarbei- 
ter vorlagen, ist gewiss, und wahrscheinlicher nur die Jüngern. Zwei- 
erlei Annahme wäre denkbar, dass derjenige Dichter, der das deutsche 
Rolandslied aus Assonanzen in reine Reime umdichtete, daneben die 
Recensionen B und C des französischen Liedes kannte und aus ihnen 
ergänzte, oder dass zwischen ihm und dem alten Liede eine Zwi- 
schenstufe liegt, die noch dem 12. Jahrhundert angehört, deren Spu- 
ren aus den stellenweise nur schlecht umgereimten Assonanzen noch 
hindurchblicken. Den genauen Anschluss von V c an die französischen 
Texte zu beurtheilen, war mir erst vor kurzem durch K. Hof- 
manns Gefälligkeit möglich, der mir bei meinem letzten Aufent- 
halt in München Einsicht in die Venezianer Hs. des jungem Textes 
gestattete. Dadurch ist zur Gewissheit geworden, was ich aus den 
einzelnen bei Michel und Monin abgedruckten Stellen schon vermu- 
thet hatte, dass dieser ganze Abschnitt sich an den französischen 
Text anlehnt. Gleichwohl ist auch er nicht uamittelbar in der Form, 
wie er uns im Karlmeinet vorliegt, aus dem Französischen übertra- 
gen, sondern auch hier jene deutsche Zwischenstufe anzunehmen, die 
noch dem 12. Jahrhundert angehört und von einem Dichter des 
beginnenden dreizehnten umgereimt wurde. Dass Strickers Karl 
dem Umarbeiter bereits vorgelegen, ist schon nach der Zeitbe- 
stimmung nicht wahrscheinlich. Da nun aber eine Anzahl Stellen 
beim Stricker und im Karlmeinet wörtlich stimmen, die Konrad nicht 
hat, so muss nothwendig ein zweites deutsches Gedicht angenommen 
werden, oder besser eine zweite Redaction des Rolandsliedes, welcher 
sowohl Stricker als der Text im Karlmeinet näher stehen, als der 
uns erhaltenen. Der Compilator des Karlmeinet hat an der Umar- 
beitung wenig mehr geändert; einzelne Kürzungen erlaubte er sich 
(S. 106. 116), doch im Ganzen nahm er das Gedicht, das ihm allerdings 
nicht in vollständiger Handschrift vorlag, ebenso unverändert auf wie 
die Dichtung von ,Morant und Galie', von ,Karl und Elegast'. 

Ungeschickt fügte er in die Rolandssage ein kleineres selb- 
ständiges Gedicht dieses Sagenkreises ein, das wir nach seinem Hel- 
den am besten ,Ospinel' nennen können. Den Compilator des Gan- 



— 390 — 

zen für den Verfasser dieses Abschnittes zu halten, ist trotz mancher 
Uebereinstimmung nicht gerathen. Das Yerhältniss scheint vielmehr 
dasselbe zu sein, wie bei I und III; beide Gedichte (I undV a ) wur- 
den vom Compilator umgearbeitet. Die Quelle des ,Ospinel' scheint 
ebenfalls eine französische zu sein, was ich aus der Form bronie für 
brünne schliessen zu können glaube (S. 275). Ein Sarrazene Ospinel le 
gris erscheint in einem cyclischenLivre de Charlemäine, vgl. Sachs, Bei- 
träge zur Kunde altfranz. Literatur (Berlin 1857) S. 23. Die Form des 
Wortes bronie gewährt uns aber einen weiteren Anhaltspunkt für die Ab- 
fassungszeit von V a . Sie begegnet nämlich nur in Denkmälern des zwölf- 
ten Jahrh. (im Aimoliede gerade wie hier bronje); wenn nun auch 
das französische Original Babilonie : bronie reimte, so würde dieser 
Reim gewiss nicht vom Uebersetzer beibehalten worden sein, wenn 
er brünne gesagt hätte. Dazu kommen einige andere Worte, vgl. 
oben bal, sarwät, teren. Endlich mache ich auf den Zusammenhang 
zwischen I und V a aufmerksam, der sich bei den Namen Girnas und 
Basilius zeigt (vgl. S. 361). Doch können I und V a nicht wohl von 
demselben Dichter verfasst sein, denn Ospinel zeigt weniger Spuren 
mittelniederländischer Sprache, als sich in I finden. 

Der Abschnitt, der das in der Handschrift fehlende Stück des 
Rolandsliedes ergänzte (V b ) , weist , wie die Yergleichung darthat, 
ebenfalls auf eine französische Quelle. Am einfachsten wäre anzuneh- 
men, dass der Compilator nach französischem Texte ergänzt habe, 
und diese Annahme habe ich oben (S. 112) ausgesprochen. Ihr 
kommt die gleiche Hoheit des Versbaues bestätigend entgegen. Al- 
lein erstlich ist es unwahrscheinlich, dass der Compilator, der Tur- 
pins Darstellung bei Vincenz kannte, nicht auch hier nach dem la- 
teinischen Texte gegriffen haben würde, dessen Benutzung wir nur an 
ein paar unsichern Stellen nachweisen konnten. Ferner ist die 
Sprache, wenn auch verwandt, nicht ganz dieselbe, in V b finden sich 
einzelne Ausdrücke, die III gar nicht kennt und die auf eine frühere 
Zeit hinweisen (vgl. brant, ,Schwert', S. 274, was indess aus der fran- 
zösischen Quelle beibehalten sein könnte, ferner: die holden, wie- 
gar u. a.), während andere sich in III, nicht in V b finden, wie der 
Reim eme : bequeme (in III und VI). Endlich ist das Hervortreten 
der Subjectivität in V^ ungleich geringer als in III und VI. Dem- 
nach wird auch wohl hier ein Mittelglied zwischen dem französischen 
Original und dem Compilator liegen, freilich nicht ein selbstständiges 
Gedicht, denn V b bildet an sich kein Ganzes, sondern ein Bruchstück 
aus einem anderen auf französischen Texten (hauptsächlich B und C) 
beruhenden deutschen Gedichte. Ich gestehe, dass diese Annahme 
ihre Schwierigkeiten hat; gleichwohl kann ich mich von der Identi- 



— 391 — 

tat von III und V b ebensowenig überzeugen als davon, dass der 
Compilator zugleich das Gedicht von Ospinel verfasst habe. In jedem 
Falle aber haben beide in die Rolandssage eingeschalteten Stücke 
durch des Compilators Hand manichfache Umänderung erfahren. Die- 
selbe besteht für diesen Fall hauptsächlich im gewaltsamen Verkür- 
zen. Der Compilator, dem Karl der eigentliche Held der Dichtung 
ist, konnte unmöglich den Kampf Rolands und seiner Genossen bei 
Roncesvalles mit derselben Ausführlichkeit schildern, mit der ihn 
ein selbständiges Gedicht behandelte. Die Annahme einer Lücke 
in der Handschrift nach Karlmeinet 448, 63 (Konrad 73, 19) wird 
durch das plötzliche Auseinanderspringen der Texte zur Gewissheit 
erhoben; sonst liesse sich allerdings auch zugeben, dass V b nur ein 
sehr stark verkürzter Auszug aus dem Gedichte wäre, das dem Com- 
pilator vorlag. 

Die Bemerkung am Schlüsse der ganzen Compilation, die von 
Karl gebauten Kirchen betreifend (S. 216), findet sich auch in 
Rothes düringischer Chronik, S. 163 der Liliencronschen Ausgabe. 

So haben wir in dem grossen Rahmen des weitschichtigen Wer- 
kes sechs verschiedene Dichtungen erkannt, von denen uns vier voll- 
ständig, wenn auch in manichfach entstellter und überarbeiteter Form 
erhalten sind. Die fünfte ist nur dadurch uns verstümmelt aufbewahrt, dass 
die dem Compilator vorliegende Handschrift eine -grössere und eine 
kleinere Lücke (von einem Blatt) hatte, deren letzte, vom Compilator 
nicht bemerkt, unausgefüllt blieb, während die andere durch einen 
Auszug aus einem sechsten Gedichte, das gleichfalls die Rolandssage 
behandelte, ergänzt wurde. 



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Neutralizing agent: Magnesium Oxide 
Treatment Date: Nov. 2009 

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