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Berlin 



und die 



Berliner 



Leute. 
Dinge. 
Sitten. 
Winke. 




Karlsruhe (Baden) 

J. Bielefelds Verlag 

1905. 



Was will dies Buch? 

Berlin und die BeiUner hätten 
so etwas längst verdient. 

Dies Buch ist ein Kulturbild. Es spricht das 
heut zum heut, es mag darum einst aus diesen Zeilen 
die Vergangenheit in eigenartigen Tönen charakter- 
voll durch den Alltag klingen. Das drängende Leben 
wird mitten aus sich heraus festgehalten zum Ver- 
ständnis, zur Erkenntnis, zum (Jenuß der Lebenden. 
Längst verrauscht wird es in seiner Farbenpracht, 
seinem Stimmungsgehalt, seiner rücksichtslosen 
Schwungkraft, seiner leise lächelnden Ironie den 
Enkeln wiedererstehn. 

Das ganze Berlin von 1905 baut sich auf in seinen 
körperlichen und in seinen geistigen Elementen, wie 
es sich als Einheit einem zeitgenössischen Kultur- 
menschen darstellt, erfaßt durch ein Temperament, 
beurteilt nach den Ansichten der Epoche, geschildert 
mit den heutigen Ausdrucksmitteln. Eine subjek- 
tive, individuelle und deshalb als Auffassung der 
Zeit berechtigte Darstellung des Berlins Wilhelms IL 
Denn gegenüber den vorherrschenden Ansichten, bei 
denen die Bewunderung oder die Ablehnung der 
Schöpfungen dieses Monarchen durchweg auf dem 
Eindruck der zahlreichen, rasch aufeinanderfolgen- 
den Einzelheiten beruht, muß endlich die keinerlei 
/5i Werturteil bedingende Tatsache eingestanden wer- 
^ den : das sichtbare und ohne Abstraktion empfimdene 
7' Berlin von 1905 ist das Berlin Kaiser Wilhelms IL 

2[ Schließest du freilich das Ohr dem Festtagslärm, 

^ schärfst du das Auge, zergliederst du zusammen- 
^ fassend die Arbeit und das Denken der ungeheuren 
^ Einwohnermengen und der paar tausend Großstädter, 
welche die staatsrechtlich zerklüftete Reichshaupt- 



a. 



201044 



4 Was wiU dies Budi? 

Stadt beleben, dann steigt noch ein anderes Bild vor 
dem Geiste auf: das Berlin, wie es nach Form und 
Inhalt die Geschichte erschaffen hat, in Größe wie 
Beschränktheit zum Herzen sprechend; aber auch 
das geistige Berlin von heutzutage mit seiner ge- 
waltigen Arbeit, seiner zukunftsfreudigen Anspan- 
nung, seinen tausend Menschlichkeiten, seiner oft 
genug unerhörten Liebe ziun Schönen, ein Bild, das 
aufgenonmien werden will mit tatkräftiger Schaffens- 
lust, mit dem Selbstgefühl einer neuen Zeit, mit 
nüchternem und gütigem Sinn, aber auch mit herz- 
haftem Spott. 

Dies Buch will ein Führer und ein Nachschlage- 
werk für Fremde und Einheimische sein. Es bietet 
einen Überblick über die Menschen, die im Jahre 1905 
Berlin bedeuten. Sie sind hübsch verzeichnet nach 
Namen, Stand und Wohnung, wie sie bei der Polizei 
angemeldet sind. Aber es finden sich auch kurze 
Bemerkungen über sie, kleine bezeichnende, manch- 
mal berlinisierende, oft böse und doch stets gutmütige 
Bemerkungen, wie sie der heutige Tag prägt und der 
morgige vergißt. 

Es gibt genug Führer durch Berlin und recht 
gute für bestimmte Zwecke, aber sie lehren doch alle 
eigentlich nur mehr oder minder genau, wie man 
hier vegetiert und sich als Dutzendmensch benimmt. 
Dies Buch soll anregen, wie man als Modemer hier 
lebt; es soll Empfindungen und eigene Gedanken 
auslösen, praktische Winke fürs Alltagsleben geben, 
mit denen man auch etwas anfangen kann, sei es, 
daß man als Tourist Eindrücke gewinnen will, sei es, 
daß man sich an diesem Kulturzentrum niederlassen 
möchte, sei es endlich, daß man als Berliner den 
schweren Entschluß faßt, seine Heimat zu studieren. 

Zirni ersten Male ein Führer, der die soziale und 
technische, die wirtschaftliche und geschäftliche 
Seite nicht vernachlässigt und bei der historischen 
und künstlerischen, der statistischen und politischen 



Was wm dies Buch? 5 

statt endlosen trockenen Materials das für den denken- 
den Menschen notwendige und wertvolle in ange- 
messener Form gibt. 

Dies Buch ist ein belehrendes und lustiges Lese- 
buch. Es ersetzt die Reise nach der Reichshaupt- 
stadt und verlockt wieder dazu. Man liest von Men- 
schen, Orten, Werken, die Erinnerungen und Sehn- 
sucht erwecken. Aber nicht nur die Einzelpersön- 
lichkeiten, die Paläste, die Denkmäler erstehen vor 
dem Auge. Das Volk in seiner vielseitigen Einheit- 
Uchkeit, ein eigenartiger, wertvoller, zu oft unter- 
schätzter Teil der jungen deutschen Nation, stellt 
sich breit und wuchtig hinter die lückenhafte Reihe 
der namentUch verzeichneten Individualitäten. Die 
alte Mark mit ihrer malerischen, ernst-poetischen 
Landschaft verdrängt das ungediegene Häusermeer. 
Vor den Großen in Kunst und Geschichte, vor den 
Toten voll edler Menschlichkeit verblaßt der Tages- 
ruhm und die historische Reklame. 

Und wir abgehetzten Menschen einer bedeutungs- 
reichen Übergangszeit lachen doch auch so gern. 
Berlin und die Berliner sollten nicht Stoff dazu geben? 

Es ist kein Buch für Snobs, das nun seinen Weg 
an die öffentUchkeit antritt. An der Spree existieren 
keine Snobs. Kein Buch für Nörgler und Gries- 
grämige, für vorurteilsvolle Kosmopoliten, für schwarz- 
weiße und andersfarbige Partikularisten. Nein, es 
ist ein Buch von bodenständiger Bescheidenheit und 
duldsamer Selbsterkenntnis, kurz ein Buch: voll- 
kommen wie Berlin und die Berliner. 



Inhalt. 

Seite 

Was will dies Buch? 3 

I. Leute. 

A. Physiognomien. 11 

B. Gesellschaft. 

1. Hof 17 

2. Tout Berlin 22 

3. Hochadel 33 

4. Militär und Beamtentum ...... 36 

5. Landadel 47 

6. Moderne Patrizier 50 

7. Aristokratie des Zukunftsstaates ... 54 

8. Fremdenkolonie 56 

C. Berufe. 

1. Politik 63 

2. Wissenschaft 71 

3. Technik und Großindustrie 81 

4. Bildende Kunst 91 

5. Musik 105 

6. Literatur 109 

7. Dramatische Kunst 132 

8. Andere Künste 140 

9. Boheme 141 

10. Mäcene 144 

11. Kapitalismus 145 



Inhalt. *j 

II. Dinge. 3^,.^ 

» 

1. Straßen und Quartiere 151 

2. Gebäude 157 

3. Kasernen 170 

4. Technische Anlagen 173 

5. Denkmäler 183 

6. Sammlungen 190 

7. Bibliotheken 201 

8. Presse 203 

9. Soziale Leistungen 215 

10. Banken 222 

11. Behörden und öffentliche Einrichtungen . 227 

12. Kirchen und Sekten 231 

13. Wissenschaftliche und Lehranstalten . . 239 

14. Klubs 252 

15. Vereine und Kartelle 255 

16. Studentenschaft 261 

17. Ausstellungen 262 

18. Vergnügungen 264 

19. Spaziergänge 271 

20. Vororte 273 

21. Ausflüge 279 

22. Ackerbau, Viehzucht und Schiffahrt . . 286 

23. Parlamentarismus 289 

III. Sitten. 

1. Der Kaiser in Berlin 293 

2. Hofrangordnung und Zeremoniell . . . 302 

3. Titulaturen . 309 

4. Dekorationen 330 

5. Gesellschaftsformen • . 334 

6. Die Berlinerin 344 

7. Geselligkeit im Lokal 354 

8. Wo trifft man sich? 359 

9. Premieren 366 

10. Die Sprache 370 



8 Inhalt. 

Seite 

11. Festtage 374 

12. Sport-Katechismus 382 

13. Der Berliner auf Reisen 390 

IV. Winke. 

1. Polizei und Meldewesen 395 

2. Wohnung, Miete, Steuern 403 

3. Bedienung 416 

4. Hotels und Pensionen 426 

5. Restaurants 433 

6. Cafds, Konditoreien, Bars . ... . . 440 

7. Post, Telegraph, Telephon 444 

8. Fernbahnen und Reisen 454 

9. Verkehrszentren und Verkehrsmittel . . 462 

10. Ein Kapitel, von dem man nicht spricht 472 

11. Wo finden Sie Rat und Hilfe? .... 476 

a. Feuerwehr 476 

b. Diplomatische Missionen 477 

c. Konsulate 480 

d. Auskunfts- und Beschwerdestellen ... 481 

e. Rechtsanwälte und Notare 483 

f. Gerichtsvollzieher . . . .... . . 485 

g. Ärzte 485 

h. Zahnärzte 488 

i. Hebammen 488 

k. Apotheken 488 

1. Tierärzte 489 

m. Unfallstationen 489 

n. Krankenpflege 490 

o. Heilanstalten 490 

p. Körper- und Gesundheitspflege .... 491 

q. Unterricht 492 

r. Standesämter 493 

s. Kindtaufe 493 

t. Todesfall . 494 

u« Unsterblichkeit 494 

12. Bezugsquellen 495 

Warum wir Berlin lieben '504 

Anhang: Literarische Anzeigen 510 



I. 
Leute. 



Berlin zählt ohne Vororte rund 
9 MillioDfiD, mit seinen Vororten 
beinahe 3 Millionen Einwohner. 
Nahezu ein Tausendstel davon be- 
trägt die Zahl jener, die nicht nur 
Einwohner sind. Für sie ist hier 
das allseitig gerechte Wort Leute 
gewählt. 



y 



A. Physiognomien. 

Sdiau mir einmal ins Gesicht 1 
Bist du's oder Ust du's nicht? 

Der Berliner, ob Herr oder Dame, ist nicht 
immer aus Berlin. In der Hälfte aller vorhandenen 
Fälle ist er es nicht; so sagt eine altbekannte, aber 
kaum noch veraltete Statistik. Nur die eine Hälfte 
der Bevölkerung ist autochthon, in mehr als zweiter 
Generation berlinisch, märkisch, die andere ist erst 
kürzlich eingewandert. Aber dem, der sie in ein 
paar Zügen ethnographisch zeichnen will, bieten sich 
beide als untrennbare Masse dar, und eben deshalb 
erscheint es fast unmöglich, für das unbekannt Viel- 
fältige einen einheitlichen Ausdruck zu finden. 

Die Nachkommen der „Kolonie", der huge- 
nottischen Flüchtlinge, die 6000 Köpfe hoch im sieb- 
zehnten Jahrhundert hier einzogen, kann man fest- 
stellen. Sie haben ihre französischen Namen und 
ihre eigene Gemeinde. Die anderen Fremdländer, 
die hier dauernd bleiben wollen, bemühen sich zu- 
meist, im Berliner Volkstum aufzugehen. Sie täu- 
schen den Ethnographen. Kann man trotz der Ab- 
weichungen, die sie mit sich bringen, einen Typus 
herausfinden? Und fern wie der Ausländer steht 
der Typenbildung der Stadt in neuester Zeit auch 
der Andersdeutsche. Der Einwanderer aus dem Süden 
und Westen des großen Vaterlandes, der eine ganz 
andere Entwicklung genonmien hat als die germani- 
sierend-slavisierten Enkel der ersten brandenburgisch- 
deutschen Kolonisatoren, bringt das Pfropfreis eines 
verschieden gearteten Stanunes hierher; auch ihn 
müßte man von der Gesamtheit, in der er in Wirk- 
lichkeit mit vollem Recht aufgeht, zuerst trennen 



12 A. Physiognomien. 

können, ehe man das Berlinische der Berliner Leute, 
ihre Figuren, ihre Gesichter, restlos zergliedern könnte. 
Der starke Zuzug vom Rheinland z. B. soll in den 
letzten Jahrzehnten den ureingeborenen weiblichen 
Schönheitsgrad Berlins bedeutend verändert haben. 
So behaupten galante (für das Rheinland galante) 
Schilderer der Hauptstadt. Darf man trotzdem die 
Berlinerin nach dem heutigen Berlin beurteilen? 

Das Gefühl des Beobachters ist zum Glück 
flinker als die Wissenschaft. Auf Schritt und Tritt 
läßt es uns Typen erkennen, die sich von den all- 
gemein zeitgenössischen, mitteleuropäisch modischen 
Erscheinungen deutlich abheben. Gefühlsmäßig wissen 
wir, daß in der Bevölkerung der Hauptstadt und 
ihrer Erneuerung allen andern Einflüssen zum Trotz 
vor allem der Nordosten des Vaterlands, der frische 
und kräftige Menschenschlag Ostelbiens, sich spiegelt. 
Und ist auch der weibliche Teil zum Glück lange 
nicht mehr einheitlich ^5. Die Berlinerin)^ der männ- 
liche hat noch immer seine bestimmte Physiognomie. 

Nicht die kräftige Erscheinung des turnerischen,' 
schlank und hochgewachsenen Mannes, die, als Aus- 
nahme auftretend, ursprünglich etwas Westdeutsches 
ist, dominiert hier; ein anständiges Mittelmaß herrscht 
gleichförmig und fast durchgehend wie in einem 
nach Militärvorschrift zusammengestellten Korps; 
blockförmig und in geraden Linien zugehauen, breit- 
schultrig, stattlich an Gliedern und Gelenken, mit 
großen Händen und Füßen, präsentiert sich der Ber- 
liner Bürger. Er ist Unteroffizier bei einem Garde- 
Infanterie-Regiment gewesen und behält zur Er- 
innerung den aufgekämmten Schnurrbart, den glän- 
zend-exakten Scheitel für den Rest seiner Tage. Nun 
erkennt man ihn. Der Kopf ist rund, regelmäßig, 
durch sein ruhiges Ebenmaß gefällig; das Gesicht 
unverkennbar wendisch-breitknochig, das Kinn ener^ 
gisch, wenn auch flach, der Timbre der Haut dabei 
meistens zart; das Haar blond oder hellbraun; das 



A. Physiogaomien. 13 

Auge blau oder grau. Nicht der schöne oder gar 
kokette, sondern der . männliche Mann ist das Ideal, 
dem nachgestrebt wird. Ein lebenslustig gesundes 
Kolorit ist den meisten Köpfen angeboren, und die 
Wohlgenährtheit namentlich in den subalternen Stän- 
den, mit denen das Publikum dienstlich in Verkehr 
konmit, so gleichmäßig, daß sie unter den Auslän- 
dern, die die Reichshauptstadt von heute beschreiben, 
gewöhnlich mit an erster Stelle genannt wird. Die 
runden Backen sind rasiert. Der Vollbart wird 
verpönt, er ist schlapp. Zwanzig Jahre sind ver- 
gangen, seitdem man im Sieger von Wörth das Vor- 
bild der männlichen Erscheinung erblickte, und was 
von Erinnerungen an den alten Kaiser und an groß- 
deutsch-österreichische Bartmoden geblieben, spukt 
nur noch auf den Gesichtern vereinzelter konser- 
vativer Herren weiter fort. Erstaunt betrachten 
wir heute die „Cotelettes" mit dem ausrasierten 
Kinn. Der Kommandeur des Gardekorps, Herr von 
Kessel, fällt als Träger dieser Tradition auf. 

Andere Zeiten, andere Wahlverwandtschaften. 
Als der erste Reichskanzler auf der Höhe seines 
Ruhmes stand, da hatte Fontanes lieber alter Ma- 
joratsherr von und auf Stechlin einen Bismarckkopf, 
da war der T3^us des markigen älteren Mannes 
der geschätzteste; von solchen Stechlinen und Bis- 
marcks kannte man damals eine ganze Menge. Dann 
trat der junge Kaiser an die Spitze der neuen Epoche. 
Die geistige Verhaltenheit und Entschlossenheit, die 
aus dem haarbuschigen Gesicht und seinem achtlos 
herabhängenden oder kurzangebunden gedrehten 
Schnauzbart sprach, löste sich in das Gefühl der 
Freude am Besitz auf. Ein Erbe ist da, man ge- 
nießt es. Der Scheitel glättet sich, der Bart auf 
der Oberlippe bekommt ein idealisiertes Gepräge, 
vom Ölzweig des Friedens fallen ein paar Tropfen 
auf jedes männliche Haupt. Neuberlin ist frisiert. 
Ein Haarkünstler, der die Mode angibt, hat es in 



l^ A. Physiognomien. 

der Hand, und es ist nicht mehr der alte preußische 
Sechser, den er propagiert. Armee und Gesellschaft 
vereinigen sich zu einer typisch-gleichmäßig-äußer- 
lichen Wiederholung des Kaiserkopfs. Die in der 
Fernwirkung beinahe starre Regelmäßigkeit dieses 
Gesichts verlockt überdies dazu; nur die feineren 
Einzelzüge um Auge und Mund können natürlich nicht 
kopiert werden. 

Dem Kaiser zunächst steht der Adel. Die 
nach ihrer Stammesgeschichte so vielseitige preu- 
ßische Aristokratie beginnt in Berlin sich zu assi- 
milieren und auszugleichen. In ihr erreicht der nieder- 
sächsische, der nordostdeutsche und der hier so stark 
vertretene schlesische Volkskreis seine stärkste Rein- 
kultur, und die Reinheit der in 500 Jahren gebildeten 
Rasse ist mit ihren äußeren Vorzügen gleichbedeutend. 
Berlin ist die Stadt, in der ebenso wie das Volk auch 
der Hof und die Gesellschaft durch die Männer ihr 
Gepräge bekommen. Man sieht es den Köpfen an, 
wie sehr ihre Vorfahren in freier Luft, bei guter 
Pflege und mit angeborner Neigung zu frommer Tugend 
gelebt haben. Sie haben etwas Gerundetes, Ruhiges, 
Vornehmes; auch wenn sie nicht alle, wie etwa der 
Chef unseres Militärkabinetts, den Ehrgeiz eines aus- 
geprägt schönen Mannes sich leisten können, so fehlt 
doch selten ein gewisser guter Umriß. Die klar-scharfe 
Linie ist da. Graf Hülsen-Haeseler ist übrigens, mit 
seinem soignierten schwarzen Köpfchen, doch mehr 
eine Ausnahme als der Typus; was sonst vorherrscht, 
ist die gerade Nase, die feingezeichnete Braue, die 
freie offene Stirn. Das Auge erscheint in der Ruhe 
von den spaltförmig geschnittenen Lidern halb ver- 
deckt; wenn es sich öffnet, wird es groß und blau. 
Das ist ein eigenartiges Kennzeichen des älteren nie- 
derdeutschen Aristokraten. Man findet einen leisen 
Zug davon auch bei dem Reich und Staat reprä- 
sentierenden Fürsten Bülow. Dabei entspricht aber 
unser mecklenburgischer Kanzler sonst nur wenig 



A. Physiognomien. i^ 

* dem Bild, seiner markigen Rasse — im Gegenteil, 
seine Stirn ist schmal, sein Ohr übertrieben klein, sein 
Gesicht aufs Weiche, fast Weibliche zugeschnitten, 
dabei fleischig-stark, von einem Temperament voll 
zufriedener Gesprächigkeit gleichsam noch gerundet, 
und in seinem tippigen Kinn sitzt ein berühmt ge- 
wordenes Grübchen. Dieses Grübchen! Physiogno- 
men behaupten, es sei katholisch. 

Unsere Staatsmänner sind auch sonst keine Ber- 
liner Köpfe. Sie sind zu klein und einfach, wie der 
liebenswürdige Minister-Regisseur Herr von Lucanus, 
zu grüblerisch, wie der blonde und blasse Herr v. 
Einem, zu bartreich, wie der stillvergnügte Graf Trast- 
Posadowsky, und auch Herr Dr. Studt, die deutsche 
Eiche, und der idealisierte Assessor Herr v. Rheinbaben 
haben nichts eigentlich Berlinisches. Herr v. Podbielski 
schon eher. Dieser märkische Gutsherr ist ein Typus. 
Im Gesamtbilde Berlins dürfte er nicht fehlen. Sein 
dicker, weißblonder Schnurrbart im kugelig-glatten 
und rosa satten Gesicht, seine runde Figur, seine 
charmante Lebhaftigkeit gehören zu uns; der junker- 
liche Einschlag, in der Großstadt sonst so diplo- 
matisch gedämpft, ist wenigstens an diesem einen 
Naturkind unverfälscht zu studieren. Und seltsam : 
Dem agrarischen Schwerenöter sieht ein ganz klein 
wenig unser wackerer Oberbürgermeister ähnlich. Spiel 
der Gegensätze! Denn wahrhaftig, Herr Kirschner 
macht seinem feudal angehauchten Landbewohner- 
gesicht keine Konzession. Und um beim Magistrat zu 
bleiben: Der jüngere Kollege, Herr Dr. Reicke, trägt 
gar einen sensiblen Künstler- und Konzertkopf auf 
den schlanken Schultern. Das hat immerhin seinen 
tieferen Sinn. 

Nun, und der jüdische Berliner? wird man fragen. 
Ist er nicht einer der auffallendsten Vertreter unseres 
Bürgertums? Zweifellos, und da er in großer Menge 
zur Spezies der reisenden Kaufleute gehört, kennen 
und verehren ihn als den eigentlichen Reichshaupt- 



l6 A. Physiognomien. 

Städter alle Bundesbrüder und das ganze Ausland. 
Verschärfend wirkt, daß er so gern auf Garde- 
regiment sich zustutzt. Mildernd, daß es liebens- 
würdige Gecken und sogar lispelnde Zungen in meh- 
reren Lagern gibt. Das kaufmännische Berlin ver- 
wischt langsam die Grenzen. Am Ende macht Blond 
und Schwarz allein noch einen Unterschied aus. 

Zwei Typen nur bleiben noch zur Erwähnung. 
Der eine ist der bleiche, hagere, scharf geschnittene 
Offizierskopf, der sein Monocle ohne Bändchen trägt, 
seine ahnenreiche Ruhe nicht verliert und eine 
blonde Unerschütterlichkeit zeigt, die wie Härte 
aussieht. Er hat auch auf das Volk abgefärbt, und 
man findet ihn mit oder ohne Stammtafel, mit und 
ohne Zierglas in allen Schichten. Unter den De- 
klassierten in der Kneipe, unter den Sportsmen in 
Hoppegarten, unter den geschäftskundigen jungen 
Leuten in der City. Er ist etwas Berlinisches. Und 
schließlich ist auch der unverwöhnte Kleinbürger 
der älteren Generation, der das sprichwörtliche Alt- 
oder Ur-Berlin darstellt, noch nicht ganz ausgestorben. 
Manchmal ist er in einem glücklichen Geschäft zu 
Wohlstand gekommen und rangiert fast unter den 
Patriziern, meistens bleibt er in der anonymen Masse, 
dem mittleren Beamtentum und in den bürgerlichen 
Bezirksvereinen; je seltener er auftritt, desto origi- 
neller seine Wirkung. Bei der allgemeinen Schwen- 
kung zu militärischem Paradeglanz ist er zurück- 
geblieben, und so wenig wie in die neuesten Stadt- 
viertel findet er sich in die Physiognomien seiner 
lieben Nachkommen. Wenn wir Nachkommen in 
all den falschen oder echten Weltstadtfreuden des 
Tages feierlich, streng, seriös geworden sindj so ist 
er heute wie einst gemütlichr, schlagfertig, zynisch 
und sein unmodischer Alltagskopf — nicht zu hell, 
nicht zu dunkel, weder gepflegt, noch ungepflegt — 
hat etwas von einem Massenartikel mit Garantie- 
schein für praktischen Gebrauch. 



B. Gesellschaft. 
I. Der Hof. 

Königliches Haus. 



WILHELM IL 

Deutscher Kaiser, König von Preußen, 

Markgraf zu Brandenburg, Burggraf zu Nürnberg, Graf zu 
Hohenzollern, souveräner und oberster Herzog von Schle- 
sien wie auch der Grafschaft Glatz, GroBherzog von Nieder- 
rhein und Posen, Herzog zu Sachsen, Westfalen und Engem, 
zu Pommern, Lüneburg, Holstein und Schleswig, zu Magde- 
burg, Bremen, Geldern, Kleve, Jülich und Berg, sowie auch 
der Wenden und Kassuben, zu Krossen, Lauenburg, Mecklen- 
burg, Landgraf zu Hessen und Thüringen, Markgraf der 
Ober- und Nieder- Lausitz, Prinz von Oranien, Fürst zu Rügen, 
zu Ostfriesland, zu Paderborn und Pyrmont, zu Halberstadt, 
Münster, Minden, Osnabrück, Hildesheim, zu Verden, Kam- 
min, Fulda, Nassau und Mors, gefürsteter Graf zu Henneberg, 
Graf der Mark und zu Ravensberg, zu Hohenstein, Tecklen- 
burg und Lingen, zu Mansfeld, Sigmaringen und Veringen, 

Herr zu Frankfurt. 

Kaiserliche und Königliche Majestät. 
Kgl. Schloß, Berlin. — Neues Palais, Potsdam, 



Schatullenverwalter und Korrespondenz- Sekretär: 
Geh. Oberregierungsrat Mießner, Kaiserin Augustastr. ^8. 

Von 12—2 im Kgl. Schloß. 



l8 Der Hof. 

AUGUSTE VICTORIA 

Kaiserin und Königin, 

Prinzessin zu Schleswig-Holstein, 

Kaiserliche und Königliche Majestät. 

Schatullverwalter und Kabinettssekretär: 

Dr. V. Behr-Pinnow. 

KINDER DES KAISERPAARES: 

Friedrich Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reichs 

und von Preußen, Kais. u. Kgl. H., Marmorpalais, 

Potsdam, — Im 24. Lebensjahre. Hauptmann 

u. Kompagniechef im i. Garderegiment zu Fuß. 

Hofmarschall: Kammerherr v. Trotha, Potsdam, 

Cecilie, Kronprinzessin des Deutschen Reichs und von 
Preußen, Herzogin v. Mecklenburg, Kais. u. Kgl. 
Hoheit. Marmorpalais, Potsdam, — Im 20. 
Lebensjahre. 
Oberhofmeisterin : Gräfin Jelka v. Tiele- Winckler. 

Eitel Friedrich, Prinz von Preußen, Kgl. H., Potsdam, 

— Im 23. Lebensjahre. Hauptmann im i. Garde- 
regiment zu Fuß. 

Persönhche Adjutanten: Hptm. v. Lettow- Vorbeck, 
Oberleutnant Frhr. Schilling v. Canstatt- 

Adalbert, Prinz von Preußen, Kgl. H., Kid, — Im 
22. Lebensjahre. Leutnant zur See. 
Militärischer Begleiter: Freiherr v. Schimmelmann. 

August Wilhelm, Prinz von Preußen, Kgl. H., Potsdam 
u. Plön, — Im 19. Lebensjahre. Leutnant im 
I. Garderegiment zu Fuß. 

Oskar, Prinz von Preußen, Kgl. H., Potsdam u. Plön, — 
Im 18. Lebensjahre. Leutnant im i. Garde- 
regiment zu Fuß. 

Joachim, Prinz von Preußen, Kgl. H., Potsdam u. Plön. 

— Im 14. Lebensjahre. Leutnant im i. Garde- 
regiment zu Fuß. 



Aus dem Hofstaat. 19 

Viktoria Luise, Prinzessin von PreuBen, Kgl. H., Pols- 
dam, — Im 12. Lebensjahre. 

SEITENLINIE. 

Prinz Albrecht von Preußen, KgL H., Neffe Kaiser 
Wilhehns I., Wühelmstr, 102, 
Regent des Herzogtums Braunschweig. 

Prinz Friedrich Heinrich, KgL H., Sohn des Prinzen 
Albrecht, Oberstlt. u. Kommandeur d. i. Branden- 
burgischen Dragonerregiments No. 2, Schwedt a, 0. 

Prinz Friedrich Leopold, Kgl. H., Sohn des Prinzen 
Friedrich Karl (Neffen Kaiser Wilhelms L), Gene- 
ral der Kavallerie, Klein-Glienicke b, Potsdam, 
Berliner Palais: Wilhelmsplatz g. 
Hofmarschall: Oberleutnant Graf Henckel von 
Donnersmark. 

Prinz Friedrich Wilhelm, Kgl. H., Sohn des Prinzen 
Albrecht, Hauptmann und Kompagniechef im 
I. Garderegiment zu Fuß, Potsdam. 
Adjutant : Baron v. Meerscheidt- Hüllessem, Haupt- 
mann. 

Prinz Joachim Albrecht, Kgl. H., Sohn des Prinzen 
Albrecht, Major im Kaiser Alexander Garde- 
Grenadierregiment Nr. 1, ^Wühelmstr :^I02. 

Aus dem Hofstaat. 

Zum Hofstaat des Kaisers gehören die Obersten Hof- 
chargen, die Ober-Hofchargen, die Vize-Ober- Hofchargen, 
die Hof Chargen und Kammerherren. Zum Hofstaat der 
anderen Mitglieder des Kgl. Hauses zählen die Ober-Hof- 
meister, Vize-Ober-Hofmeister, Oberhofmeisterinnen, Palast- 
damen, Hofstaatsdamen, Hofdamen, diensttuenden Kammer- 
herren, Hofmarschälle und persönlichen Adjutanten. Nur 
die bemerkenswertesten Träger dieser Würden sind hier 
genannt. 

Freiherr Udo ▼. Bodelschwingh, Viktoriastr, 25/11, 
Kammerherr, Oberst a. D. 

2* 



20 Der Hof. 

Dr. Gisbert v. Bonin, Lützowplatz 8/i, 

Exz., Kammerherr, Herzogl. Sachs. Wirkl. Geh. 
Rat u. Staatsminister z. D. 

Hans von Borwitz u. Harttenstein , Berliner str, iy2. 
Heroldsmeister, Vorst. d. Heroldsamts, Kammer- 
herr u. Schloßhauptmann v. Liegnitz. 

Therese Gräfin von Brockdorff, geb. Freiin von Loen, 
KgL Schloß I. Exz., Oberhof meisterin d. Kaiserin. 
5. Toi4 Berlin, 

Gräfin Hedwig von Brühl, Oberwallstr. i. 

Palastdame weil, der Kaiserin Friedrich, Ehren- 
stiftsdame des Schlosses Heiligengrab. 

Freiherr Heinrich von und zu Egloffstein, Kronprinzen- 
ufer j. Exz., Hofmarschall, Generalleut. k 1. s. 
der Armee. 

Graf August zu Eulenburg, Unter den Linden 36. 
Exz., Kammerherr, Ober-Hof- u. Haus-Marschall. 
S. Tout Berlin und Dekorationen. 

Gräfin zu Eulenburg, geb. von Witzleben, Gemahlin 
des Vorigen. Exz., Palastdame der Kaiserin. 

Graf Karl von der Goltz, UMandstr, 62, 

Exz., Kammerherr, Ober-Küchenmeister, Ge- 
sandter z. D. 

Gräfin Ferdinand von Harrach, geb. Gräfin von Pour- 
tal^, Bismarckstr, 3, 
Exz., Palastdame der Kaiserin. 

Freiherr Heinrich von Heintze-Weißenrode, Potsdamer- 
Straße 22, Exz., Ober- Jägermeister vom Dienst, 
Chef des Hof-Jagdamts. 5. Titidaturen, 

Georg von Hülsen, Behrenstr, 31. 

Exz,, Kammerherr, General-Intendant der König- 
lichen Schauspiele. 5. Tout Berlin, 

Graf Georg von Kanitz, Dorotheenstr. 52/11. 

Exz., Kammerherr, Vize-Ober-Zeremonienmeister, 
Direktor im Ministerium des Königl. Hauses. 



Aus dem Hofstaat. 21 

Bodo Freiherr von dem Knesebeck, Roonstr, 6, 

Exz., Kammerherr, Vize-Ober-Zeremonienmeister, 
beauftragt mit der Einführung des diplomatischen 
Korps. Ästhete. 5. Titulaturen, 

Freiherr Masdmilian von Lyncker, Schiffbauer dämm 20, 
im Sommer : Potsdam, Villa Liegnitz, "Exz,, Haus- 
Marschall, Generalleutnant ä la suite der Armee. 

Freiherr JErnst von Mirbach, Am Lustgarten 3, 

Exz., Kammerherr, Ober-Hofmeister der Kaiserin. 
5. Tout Berlin und Mäcene. 

Helmuth von Moltke, Brückenallee 33, 

Exz., Generalleutnant, Generalquartiermeister, 
Generaladjutant des Kaisers. 

Graf Friedrich von Perponcher- Sedini tzky, Wilhelm- 
straße 66. Exz., Ober-Gewand-Kämmerer, Gen. 
d. Kav. ä la suite der Armee. 5. Tout Berlin. 

Fürst Hans Heinrich XI. von Pleß, Graf von Hochberg, 
Wühelmstr. y8. Durchl., Gen. d. Kav. k la suite 
der Armee, Oberst- Jägermeister, Mitglied des 
Staatsrats. 5. Hochadel. 

Hans von Plessen, Potsdam, Bayerstr. i. 

Exz., Gen. d. Inf., diensttuender Gen.-Adj. d. 
Kaisers, Kommandant d. Kaiserlichen Haupt- 
quartiers. Rekord in Frühstücksorden. 

Otto von Plüskow, Potsdam, Augustastr. 13. 

Oberstleutnant, Flügeladj. d. Kaisers, Komman- 
deur d. Schloßgarde-Komp. Der „lange Plüskow**. 

Freiherr Hugo von Reischach, Unter den Linden 78/11. 
Exz., Kammerherr, Hof marschall weil. d. Kaiserin 
Friedrich. Seit kurzem Oberstallmeister. 

Friedrich von Scholl, Potsdam, Alte Luisenstr. 73. 
Exz., Generalleutnant, Generaladj. des Kaisers, 
Komutnandeur der Leibgendarmerie. 

Graf Götz von Seckendorff, Oherwallstr. i. 

Exz., Kammerherr, Ober-Hofmeister weil, der 
Kaiserin Friedrich. Geschichtliche Erinnerungen. 



22 Tout Berlin. 

Fürst Friedrich zu Solms-Baruth, Unter den Linden yy. 
Durchl., Oberst-Kämmerer, Militärinspektor der 
freiwilligen Krankenpflege bei der Armee im Felde. 
5. HochadeL 

Freiherr Ernst von Wangenheim, Wilhelmstr. 30/31. 
Diensttuender Kammerherr d. Prinzessin Fried- 
rich Karl, Hofmeister. 

Graf Ernst von Wedel, Breitestr. 36/1. 

Oberstallmeister a. D., Oberst ä la suite der Armee. 

Wilhelm von Wedel-Piesdorf, Wilhelmstr, y3/i. 
Exz., Kammerherr, Minister d. Kgl. Hauses. 
Früher Präsident des Reichstags. 

Graf von Zedlitz-Trützschler, Königgrätzerstr, 104. 
Hofmarschall des Kaisers. 



2. Tout Berlin. 

Sine ira et studio. 

Hermann Abraham, Schaperstr, 34. 

Rentier. Wohltätigkeitsfeste u. -Konzerte. Kin- 
derhilfstag. 

Richard Alexander, Knesebeckstr» yo, 

Direktor d. Residenztheaters, Schwerenöter auf 
der Bühne. 5. Dramatische Kunst. 

Prinz Franz von Assisi Arenberg, Hindersinstr, 6/1, 
Durchl. In verschiedenen Wohltätigkeitskomitees. 
5. Politik und HochadeL 

Adolph L'Arronge, Kronprinzenufer 11. 

Schriftsteller, Begründer u. Besitzer d. Deutschen 
Theaters. In allen großen Premieren. S.Literatur. 

Ludwig Barnay, Kurfürstendamm 46. 

Hofrat, Theaterdirektor und Schauspieler a. D., 
Begründer der Bühnengenossenschaft. Freund 
des Vorigen. Hat seinen Nachruhm in zwei Bän- 
den „Erinnerungen" festgelegt. 



Tout Berlin. 23 

Fräulein Lola Beeth, Grunewald, Königsallee 42, 
österr. Kammersängerin a. D. Polin. Seit langem 
berühmte Schönheit. 

Graf Sigmund von Berckheim, Lennestr. 9. 

Exz., badischer Gesandter. Als Staatsmann 
homo novus, als Gentleman primus. 

Dr. Ernst von Bergmann, Alexanderuf et i, 

Exz., Wirkl. Geheimrat, Professor der Chirurgie. 
Auf Wohltätigkeitsfesten in Uniform. 5. Wissen^ 
Schaft, 

Gräfin Mary Beroldingen, geb. Kaupe, Kronprinzen- 
ufer 12. Amerikanerin aus Stuttgart. Salon. 
Beliebte Komiteedame. 

Dr. Georg von Bleichröder, Stülerstr. 10, 

Sohn des Bismarck-Bankiers. Klubmann. 

Dr. Oskar Bliunenthal, Meineckestr. 12, 

Besitzer des Lessingtheaters und Schriftsteller, 
In allen Premieren. Beliebte Foyerwitze. 5. 
Literatur und Klubs. 

Dr. Tonio Bödiker, Nollendorf platz J. 

Wirkl. Geh. Oberregierungsrat a. D. 5. Technik 
und Politik, 

Freiherr von Brandenstein, Pariserstr. sg. 

Automobilklub und Freiwilliges Automobilkorps 
in Uniform. S. Sport, 

Therese Gräfin von Brockdorff, geb. Freiin von Loen, 
Exz., Oberhof meisterin der Kaiserin. Durch ihren 
Salon Einführung bei Hofe. Winterempfänge im 
Kgl. Schloß, Portal IV. 5. Hof, 

Frl. Mizi Bucks, Passauerstr, 31, 
Soubrette. S, Andere Künste, 

Fürst Bernhard von Bülow, Wilhelmstr, yy, 

Durchl., Reichskanzler. Meist im Gefolge des 
Kaisers. Sehr geschätzt als Wirt auf parlamen- 
tarischen Abenden und Empfängen. Kommt auf 
den Presseball. 5. Politik und Hochadel, 



24 Tout Berlin. 

Fürstin Maria von Bülow, früher Gräfin Dönhoff, geb. 
Prinzessin di Camporeale. Tradition Minghetti. 
Empfängt in der Saison jeden Donnerstag. Musik. 

Georg W. Büxenstein, Friedrichstr, 240. 

Kommerzienrat, Sports- und Klubmann. 5. Mo- 
derne Patrizier. 

Freiherr B. von Cramm-Burgdorf, Kleiststr. 21, 

Exz., braunschweigischer Gesandter und Dra- 
matiker. Premieren in Spandau. Erscheint auf 
dem Bühnengenossenschaftsball und den Wohl- 
tätigkeitsfesten. 

Frau Elise von Delbrück, geb. von Pommer-Esche, 
Roonstr. 2. Exz., Witwe des Staatsministers und 
Präsidenten des Reichskanzleramts. 

Dr. Friedrich Delitzsch, Knesebeckstr. 30, 

Professor. Bekannt durch seine Vorträge vor 
dem Kaiser. Babel und Bibel. 5. Wissenschaß. 

Angelika Dresp, Passauerstr. 6/y. 

Schauspielerin. 5. Andere Künste, 

Graf August zu Eulenburg, Unter den Linden 36. 
Exz., Oberhof- und Hausmarschall des Kaisers, 
Oberzeremonienmeister. Fünfundsiebzig Orden. 
S. Hof und Dekorationen. 

Dr. Otto Eysler, Bendlerstr. 7. 

Besitzer der Lustigen Blätter u. des Kleinen Witz- 
blattes. Wiener. Schöne Frau. 5. Presse. 

Gertrud Eysoldt, Unter den Linden 43. 

Schauspielerin, Gretchen von heute. S. Dra- 
matische Kunst. 

Professor B. Fränkel, Bellevuestr. 4. 

Geh. Medizinalrat, Halsarzt und Freund der 
Schauspieler. In vielen Premieren. S. Wissenschaft. 

Fritz Friedländer, Pariserplatz 5a. 

Geh. Kommerzienrat. Haus; Salon; Rittergut; 
Jagd; Stall. (Stallmeister: 40000 M., Privat- 
sekretär: 35000 M.) S. Moderne Patrizier. 



Tout Berlin. 2$ 

Frau Friedländer-Fuld, dessen Gemahlin, auf Wohl- 
tätigkeitsfesten. 

Frau Anna Führing, Lehrerin für Deklamation. 
S. Ferdinand v. Strantz. 

Frau Ida Fulda, Pension Stackmann, Kleiststr. 

Auf Wohltätigkeitsfesten, österreichische An- 
mut. Wird von Damen auf die Toilette angesehen. 
War Schauspielerin, dann verheiratet mit dem 
Folgenden. 

Dr. Ludwig Fulda, Lützowufer 13, 

Schriftsteller. Obmann des Vereins Berliner 
Presse. S. Literatur. 

Frau Bankdirektor Anna Fürstenberg, Bellevuestr, 6a. 
Polin, die schon durch Herbert Bismarck das 
Zeugnis einer geistvollen Frau bekam. Salon. 

Josef Giampietro, Karlsbad ig. 

Schauspieler. Bestangezogener Bonvivant. 
5. Dramatische Kunst. 

Ludwig Max Goldberger, Drakestr. 3. 

Geh. Kommerzienrat. Mann der „Unbegrenzten 
Möglichkeiten". 5« Kapitalismus. 

Gräfin Louise von der Groben, Bismarckstr. 3. 
£xz. Salon. Musik. 

Heinrich Grünfeld, Schellingstr. 5. 

Cellovirtuose. Beliebt als Anekdotenerzähler. 
Überall. 5. auch Musik. 

Friedrich Haase, Drakestr. i. 

Hofschauspieldirektor a. D. Berühmtes Profil. 
Aus dem ancien r6gime des Theaters. ,,Ach, da 
ist ja auch Haase.'* S. Dramatische Kunst. 

Maximilian Harden, Grunewald, Wernerstr. 16. 

Gehört dazu, auch wenn er es nicht will. 
5. Literatur. 

D. Adolf Harnack, Fasanenstr. 43. 

Professor der Theologie. Modernes Christentum, 
Gut angeschrieben bei Hofe 5. Wissenschaft. 



26 Tout Berlin. 

Gräfin Helene Harrach, geb. Pourtalte, Bismarckstr. j. 
Salon. Der Graf malt. 5. Hochadel u. Bild. KunsL 

Georg Helfft, Unter den Linden y8, 
Berliner jeunesse dor6e. 

Fürst Guido Henckel von Donnersmark, Pariserplatz 2. 
Früher Paris. Bismarck — Gambetta. Banken- 
stipendium zur Erhaltung des Offizierkorps. 5. 
Hockadel und Technik. 

Fürstin Katharina Henckel von Donnersmark, ge- 
schiedene Murawiew. Empfängt jeden Nach- 
mittag. Musik-Soireen. Jagd, auf die der Kaiser 
zu Gast kommt. 

Dr. Graf von Hohenthal u. Bergen, Voßstr, ig. 
Exz., sächsischer Gesandter. 

Friedrich von Hollmann, Fasanenstr. gs, 

Admiral z. D. Vorsitzender d. Orientgesellschaft, 
nicht des Flottenvereins. 5. Militär, 

Alfred Holzbock, Dessauerstr. 15. 

Journalist. Stürmischer Lockenkopf, gemildert 
durch eine behagliche Tonsur. Überall. Zeitungs- 
mann für Tout Berlin. 5. Presse. 

Georg von Hülsen, Behrenstr. 31. 

General-Intendant der Kgl. Schauspiele. S. Hof, 
Militär und auch Dramatische Kunst. 

Emil Jacob, Landgrafenstr. 12. 

Kommerzienrat. Zwölf Orden. Spediteur. 
5. Bezugsquellen und Moderne Patrizier. 

Prinz Joachim Albrecht, Kgl. H., Wilhelmstr. 102. 
Freund der ernsten u. der heiteren Musen. Kom- 
ponist. 5. Hof. 

Paul Jonas, Taubenstr. 18. 

Justizrat. Rechtsanwalt Gerhart Hauptmanns, 
des Lessingtheaters und auch anderer Literatur- 
richtungen. 



Tout Berlin. 27 

S. Karo, Kurfürstendamm 240. 

Zeitungsherausgeber. Vom Konfektionär hinterm 
Ladentisch zum Besitzer eines reichen Fachblattes 
„Der Konfektionär". 

Katsunosuko Inouy^, Tiergartenstr. 16. 

Exz., japanischer Botschafter. Ein Preuße des 
Ostens im Westen. S. Fremdenkolonie, 

Frau Inouy6, Tiergartenstr. 16, 

Gemahlin des Vorigen. Nationale Grazie. 

Dr. Stephan Kekule von Stradonitz, Groß-Lichter felde, 
Marienst. 16, Fürstl. Schaiunburg- Lippescher 
KanmierheiT. Bückeburg in Berlin, daher „dies- 
seits" ! 

Dr. Alfred Kerr, Bambergerstr. 26. 

Der Modernste. Auffallende Krawatte u. Bart- 
tracht. Berühmt in Berlin WW. S. Literatur. 

Martin Kirschner, Alt-Moabit go. 

Oberbürgermeister. Kann warten. 

Frau von Kurowska, In den Zelten 15. 

Wohltätigkeitskomitees. Fräulein von Kurowska: 
Wohltätigkeits- Vorstellungen. 

Graf Lanza di Busca, Wilhelmstr, 66. 

Exz., italienischer Botschafter. Alter Berliner. 
5. Fremdenkolonie, 

Sir Frank C. Lascelles, Wilhelmstr. 70. 

Exz., großbrit. Botschafter. S. Fremdenkolonie. 

Dr. Oscar Lassar, Reichstagufer i. 

Professor. Dermatologie, Sport und anderes. 
5. Wissenschaft. 

Siegmund Lautenburg, Kurfürstendamm 220. 

Rentier. Unbewußter Mittelpunkt des Berliner 
Theaterhumors. S. Dramatische Kunst. 

Ludwig Leichner, Schützenstr. 31. 

Fabrikbesitzer. Berühmter Fettpuder. Richard 
Wagner-Denkmal. S. Mäcene und Bezugsquellen. 



28 Tout Berlin. 

Dr. Leo Leipziger, Tai/tenzienstr. 20, 

Schriftsteller. Gesellschaftskritiker aus Erfah- 
rung. 5. Literatur, 

Julie Leipziger, seine Gattin. Beliebte Tochter Julius 
Stettenheims. 

Rita Leon, Schauspielerin, zur Zeit auf Reisen. Affäre 
Roehll. 5. Andere Künste, 

Graf von und zu Lerchenfeld- Köfering, Voßstr. 3, 
Exz., bayerischer Gesandter seit 25 Jahren. 

Dr. Ernst von Leyden, Bendlerstr, 30, 

Professor, Geh. Medizinalrat. Spezialarzt für das 
ältere Tout Berlin. S. Wissenschaft, 

Max Liebermann, Pariser Platz 7. 

Professor für sezessionistische Malerei. Arbeitet 
teils mit dem PinseJ, teils mit der Feder. 
S, Bildende Kunst. 

Dr. Paul Lindau, Alexanderufer 6. 

Der fahrten- (nicht immer listen-) reiche Odysseus 
des Berliner Theaterlebens. S, Literatur. 

Frau Dr. Emmy Loewenfeld, Landgraf enstr. 10. 
Kapitalistin des Neuen Theaters. 

Fürstin Vilma Lwoff (früher Krüger, unvereheUchte 
Parlaghy, geb. Brachfeld), zeitweise Hotel West- 
minster. Kann nur Fürsten malen; kann sie? 
Tierschutz-Bälle. 

Gräfin Alice von Matuschka, geb. v. Schalscha^ WH- 
helmstr, yi. Wohltätigkeitskomitees. Origineller 
Salon. Traumtänzerin. Der Graf ist Dr. phil. 

Franz von Mendelssohn, Grunewald, Herthastr. 6. 
Bankier. Anerkannter Cellovirtuose zu wohl- 
tätigem Zweck. S, Kapitalismus, Mäcene und 
Banken. 

Robert von Mendelssohn, Grunewald, Herthastr. i. 
Bankier. Wie oben. 

Dr. Alexander Meyer, Schöneberg, Fregestr. 65/66. 
Schriftsteller. Reichstagshumorist z. D. 



Tout Berlin. 29 

Dr. Julius Meyer, SchliUerstr, 25. 
Klubmeyer. 

Paul Meyerheim, Hüdebrandstr, 22, 

Tiermaler. Beliebter Bankettgast; stattlich u. 
witzig. 5. Bildende Kunst. 

Paul Michaelis, Hinter der katholischen Kirche 2. 

Rechtsanwalt, Justizrat. Spezialist für Theater- 
recht, Freund aller Theateragenten, Besucher aller 
TheaterpremiÄren. 

Ernst Freiherr von Mirbach, Am Lustgartens, 

Oberhofmeister der Kaiserin. War Sammlungs- 
poütiker reUgiöser Tendenz. S. Hof u. Mäcene, 

Annie Neumann-Hofer, Hindersinstr. 11, 

Gemahlin des früheren Lessingtheaterdirektors, 
Leiterin eines stillen Kabaretts. 

Hans Olden, Grunewald, Gneiststr. loa, 

Berliner Romancier in dritter Ehe. 5. Literatur, 

Graf von der Osten-Sacken, Unter den Linden 7. 
Exz., russischer Botschafter. S. Fremdenkolonie, 

Graf Fritz von Perponcher, Wilhelmstr, 64, 

Exz., Obergewandkämmerer. Aus der Zeit Kaiser 
Wilhelms. S. Titulaturen. 

Ludwig Pietsch, Landgraf enstr. 8, 

L. P. in der Vossischen Zeitung. Ehrenprofessor 
für Berichterstattung und hohes Alter. Hat 
überall Zutritt. S. Literatur. 

Prinzessin Mary von Pleß, Wilhelmstr, yS. 
Is n't she lovely? 

Gräfin von Posadowsky- Wehner, Wilhelmstr. 7. 

Exz., Gemahlin des Staatssekretärs des Innern. 
Wohltätigkeitsfeste in und außer dem Hause. 

Dr. phil. Komtesse Posadowsky- Wehner, deren Tochter. 

Aloys Prasch, Kantstr. 8. 

Lebenslänglicher Theaterintendant a. D. 



30 Tout Berlin. 

Auguste Prasch-Grevenberg, seine Gemahlin. Lebens- 
länglich graziöseste Naive. 5. Dramatische Kunst, 

Rudolf von Rabe, Schiffbauerdamm 22. 
Generalmajor z. D. Automobilklub. 

Frau vom Rath, Viktoriastr. 6. 
Wohltätigkeitsfeste. Salon. 

Herzog Viktor von Ratibor, Unter den Linden y8, 
Durchl. Automobilklub. S. Hochadel. 

Dr. Georg Reicke, Lützowufer 3, 

Regierungsrat a. D. Dichter-Bürgermeister. 
Schreibt lieber Akte als Akten. Künstler-Salon. 

Freiherr Hugo von Reischach, Unter den Linden 71, 
Exz., Oberstallmeister. Aus der Umgebung 
Kaiser Friedrichs. 5. Hof. 

Dr. R. Renvers, Noüendorfplatz 4. 

Professor, Geh. Medizinalrat. Modernster Internist. 
5. Wissenschaft. 

Baronin Hedwig v. Rheinbaben, Am Festungsgräben i. 
Exz. Versöhnt ihre Gäste mit dem fiskalischen 
Erfindungstalent ihres Gatten, des Finanz- 
ministers. 

Frau Professor C. Richter, Unter den Linden y8. 

Witwe des Malers Gustav Richter (Königin Luise), 
Freundin der Gräfin Bülow. 

Dr. Hugo Russak, Viktoria Luisenplatz g. 

Verleger einer Modenzeitung. Leiter der ehe- 
maligen Gesindebälle. Gönner der ehemaligen 
TheaterbeUebtheiten. Elegante Frau. Salon. 

Louis Schaurt6, Friedrichstr. gg/ioo. 

Herzogl. Hoflieferant. Besitzer des Monopol- 
Hotels. Patriotische Menüs. 

August Scherl, Bellevuestr. 6. 

Noch ohne Titel. Amerikanische Karriere. Selten 
zu sehen, brieflich schwer zu erreichen, gar nicht 
zu sprechen, ständig zu hören. S. Moderne Pa- 
trizier, Mäcene und Presse. 



Tout Berlin. ^I 

Gräfin Sascha von Schlippenbach, geb. von Metzler, 
Königsplatz 5. Wohltätigkeitsfeste. Salon. 

Dr. Erich Schmidt, Augsburgerstr. 57/58. 

Geh. Regieningsrat und Professor. Nährvater 
der Neuberliner Theaterkritik. In den Premieren 
des Lessingtheaters. 5. Literatur, 

Dr. Paul Schwabach, Mauersfr, 35, 

Großbrit. Generalkonsul. Aus dem Hause Bleich- 
röder. 5. Banken. 

Graf Götz von Seckendorff, Oberwallstr. i. 

Ober-Hofmeister a. D. weil. d. Kaiserin Friedrich. 

Frau Elise von Siemens, Tiergartenstr. 57. 

Rittergutsbesitzerin. Witwe Werners v. Siemens, 
Tochter Hermanns von Helmholtz. 

Felix Simon, Maithäikirchstr. 31. 

Rentier. Bekannter Rennstall (Captain Joe); 
Automobilklub u. Segelsport; schönes, von Alfred 
Messel gebautes Haus. 

James Simon, Tiergartenstr. 15a. 
Großindustrieller. 5. Mäcene. 

Hildegard von Spitzemberg, geb. v. Varnbüler, Magie- 
hurgerstr. 3. Exz. Erinnerungen an Kaiser Wil- 
helm I. und Bismarck. 

August Stein, Potsdamerstr. i. 

Vertreter der Frankfurter Zeitung. Repräsenta- 
tivster Zeitungsmann. S. Presse. 

Anna Steinthal, Uhlandstr. igi. 

Gemahlin des Direktors der Deutschen Bank. 
Allerlei Wohltätigkeit. 

Julius Stern, Bellevtiestr. 6a. 

Bankdirektor. Aktionär des Lessingtheaters. 
Malende Frau. Salon. Art Nouveau. 

Julius Stettenheim, Potsdamerstr. 52 und Bernau. 
Schriftsteller. Wippchens liebenswürdiger Ent- 
decker. S. Literatur und Klubs. 



32 Tout Berlin, 

Ferdinand von Strantz, BleiUreustr. 24. 

Kgl. Operndirektor a. D. Populär durch Alter 
u. Rüstigkeit. Schwarzer Schnurrbart, junge 
Frau. S. Anna Führing. 

Baronin Hugo von Stumm, Mauerstr, 36. 
Salon. 

Hermann Sudermann, Renkestr. i. 

Schriftsteller. Sprichwörtlicher Vollbart. Nicht 
mehr überall. 5. Literatur. 

Marie Sulzer, Kronprinzenufer 2g. 

Schauspielerin. Fürstliche Erscheinung. 

Ladislaus von Szögy^ny-Marich, Moltkestr. 3. 

Exz., österr.-img. Botschafter. Kleiner, mittlerer 
und großer Adelsname. Alle drei unaussprechlich. 
Bevorzugte Stellung. 5. Fremdenkolonie. 

Franz Hubert, erster Graf von Tiele-Winckler, Tier- 
gartenstr. 20. Salon. Jagd. Einige Male im 
Winter kommt der Kaiser zum Diner. 5. Land- 
adel und Kapitalismus. 

Heinz Tovote, Schöneberg, Kaiser Friedrichstr. 7. 
Schriftsteller. Viel in Gesellschaften. Berliner 
Maupassant. Eigentlich mehr Berliner als Mau- 
passant. 5. Literatur. 

Charlemagne Tower, Unter den Linden 68. 

Exz., Botschafter der Vereinigten Staaten von 
Amerika. S. Fremdenkolonie. 

Dr. Albert Träger, Behrenstr. 54. 

Justiz- und Poesierat. In den meisten Premieren. 
S. Politik und Literatur. 

Axel Freiherr Varnbüler von und zu Hemmingen, Voß- 
Straße 10. Württembergischer Gesandter. Viel- 
genannt im Schillerfest jähr: Schiller als Schwabe 
fällt in das Ressort seines Monarchen. 

Fräulein Giza von Virägh, Potsdamerstr. J07. 
Mimikerin. S. Andere Künste. 



Hochadel.. 



33 



Harry Waiden, Hotel Saxonia. 

Der bekannte Karl Heinz in Alt-Heidelberg. 
Beriins verlorener u. wiedergefundener Sohn. 
S. Dramatische Kunst. 

Max von Wedel, Dorotheenstr. ji, 

Hauptmann a. D. Direktor des Deutschen Offi- 
ziervereins. S. Literatur. 

Wilhelm von Wedel-Piesdorf, Wilhelmstr. 73. 
Exz., Minister des Kgl. Hauses. S. Hof. 

Wolf Wertheim, Leipzigerstr. 132/135. 

Mitbesitzer des Warenhauses Wertheim. Ele- 
gante Frau, frühere Schriftstellerin Truth. 
S. Moderne Patrizier und Bezugsquellen. 

Erbprinzessin Pauline zu Wied, Meineckestr. 23. 

Kgl. Hoheit. Tochter des Königs von Württem- 
berg. Leitet Wohltätigkeitsvereine, bekämpft 
die SäuglingssterbUchkeit. 5. Hochadel. 

Ernst von Wildenbruch, Hohenzollernstr. 14 (mit Ab- 
sicht?). Tout Berlin von gestern. S. Literatur. 

Yiutschang, Kurfürstendamm 218. 

Exz., chinesischer Gesandter. Ein Berliner des 
Ostens. S. Fremdenkolonie. 



3. Hochadel. 

Den Hochadel verleiht dies Buch 
nach Verdienst, lücht nach der Bun- 
desakte von 18x5. 

Prinz Franz von Assisi Arenberg, Hindersinstr. 6. 
Durchl., Major ä la suite der Armee, Legations- 
sekretär a. D., Mitgl. d. Reichstags u. Abge- 
ordnetenhauses. 5. Tout Berlin und Politik. 

Fürst Bernhard von Bülow, Wilhelmstr. 77. 

Durchl., Reichskanzler. 5. Tout Berlin und Politik. 

Graf Otto v. Castell-Rüdenhausen, Klopstockstr. 20. 
Erlaucht. 

Berlin und die Berliner. i 



34 



Hochadel. 



Fürst Richard Wilhelm zu Dohna-Schlobitten, Burg- 
graf von Dohna, Hindersinstr. ii, Durchl. 
Mitglied des Reichstags, Major ä 1. s. der Armee, 
erbliches Mitglied des Herrenhauses. 

Dr. Fürst Philipp zu Eulenburg und Hertefeld, Graf 
von Sandeis, Liebenberg (Mark). Durchl., Bot- 
schafter z. D. Phili, der Troubadour. 

Gräfin Sophie von Fugger- Kirchberg u. Weißenhorn, 
Lützowplatz 2, Erlaucht. 

Graf Heinrich von Hanau, Lichter f eider str. 33/11» 
Kurhessen. 

Graf Ferdinand Harrach, Bismarckstr. j. 
Wirkl. Geh. Rat u. Professor, Maler. 

Prinz Hermann von Hatzfeldt-Trachenberg, Groß- 
beerenstr, g2, Durchl., Leutnant. 

Graf Guido Henckel, Fürst von Donnersmarck, Pariser 
Platz 2. Durchl., Wirkl. Geh. Rat, Erb-Ober- 
Landmundschenk im Herzogtum Schlesien, erb- 
liches Mitglied des Herrenhauses. S. Technik 
und Tout Berlin, 

Graf Wilhelm von Hohenau, Bellevuestr, 12 a, 

Generalmajor, diensttuender General ä la suite 
des Kaisers. 

Prinz Max von Hohenlohe-Oehringen, Alsenstr. 3a. 
Durchl. , Rittmeister. 

Prinz Karl Anton von Hohenzollern, Moltkestr, 4, 
Durchlaucht. Mission nach Japan. 

Fürst Edzard zu Inn- und Knyphausen, Leipziger- 
str, 3, Durchl., Präsident des Herrenhauses. 

Graf August von Leiningen-Westerburg, Charlotten- 
bürg, Sophie Charlottenstr. ig, Erlaucht. 

Fürstin von Lichnowska, geb. Prinzessin von Croy, 
Roonstr. 5. Durchlaucht. 



Hodiadd. 



35 



Fürst Heinrich XI. von Pless, Freiherr von Hochberg, 
Freiherr v. Fürstenstein, Wilhelmstr. y8. Durchl., 
General der Kav., Oberst- Jägermeister, Mitglied 
des Staatsrats. S. Tötd Berlin, 

Fürst Ferdinand Radziwill, Wühelmstr, 66, Durchl. 

Fürst Georg Radziwill, Pariserplatz 3. Durchl. 

Prinz Franz von Ratibor und Corvey, Bliicherstr. 60, 
Durchlaucht. 

Dr. Victor Herzog von Ratibor, Fürst von Corvey, 
Prinz zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Unter den 
Linden y8, Durchl. S. Toid Berlin, 

Prinz Eduard zu Salm-Horstmar, Altonaerstr. 34. 
Durchl., General d. Kav. Präses der General- 
Ordens-Kommission. 

Prinz Franz zu Salm-Salm, Gtoßlichterfeldey Roon- 
Straße 21, Durchl., Leutnant. 

Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein, Hotel 
Bristol, Bruder der Kaiserin, Hoheit. 

Friedrich Wilhelm Prinz zu Schönaich-Carolath, Bre- 
dowstr. 4, Durchl., • Hauptmann, konunand. z. 
Gr. Generalstab. 

Heinrich Prinz zu Schönaich-Carolath, Hotel Con- 
tinental, Durchl., Landrat a. D., Rittmeister 
ä la suite, erbl. Mitgl. d. Herrenhauses, Mitgl. d. 
Reichstags. 

Fürst Friedrich zu Solms-Baruth, Unter den Linden 7. 
Durchl., Oberst-Kämmerer d. Kaisers, Major 
ä la suite d. Armee, erbl. Mitgl. d. Herrenhauses. 

Graf Eberhardt zu Solms-Sonnewalde, Brückenallee 6. 
Erlaucht, Botschafter a. D. 

Graf August zu Solms-Wildenfels, Haiensee, Kur- 
fürstendamm 13g, Erlaucht, Generalleutnant z. D. 

Dr. Graf Udo zu Stolberg-Wemigerode, Berlin, 
Kaiserhof. Erlaucht, Generalmajor ä la suite, 
Ober-Präsident z. D., Mitgl. d. Herrenhauses, 
Vizepräsident des Reichstags. S, Politik, 

3* 



36 Militär und Beamtentum. 

Graf Archambauld de Talleyrand-P^rigord, Magde- 
burgerstr.26. Ein Talleyrand mit dem eisernen 
Kreuz. 

Prinz Maximilian v. Thurn und Taxis, Gneisenaustr. 112. 
Durchl., Leutnant. 

Christian Kraft, Herzog von Ujest, Prinz zu Hohen- 
lohe-Oehringen, Hindersinstr. 12. Durchlaucht, 
Mitglied, des Reichstags u. Herrenhauses. Groß- 
industrieller. Aktiengesellschaft. 

Erbprinz Friedrich zu Wied, Meinekestr, 23. 

Durchlaucht, Rittmeister. Seine Gemahlin die 
Tochter des Königs von Württemberg. 5. Totd 
Berlin, 



4. Militär und Beamtentum. 

So gut wie die Namen des erstai ge- 
hören auch die Titel des zweiten Standes 
zur Berliner Zeitgeschichte. — Die Minister 
stehen unter Politik. 

Dr. Friedrich Althoff, Unter den Linden 4, 

Exz., Direktor im Ministerium d. geistlichen usw. 
Angelegenheiten. 5. Politik, 

Friedrich von Ammon, Wittenbergplatz 51, 

Generalmajor, Komm. d. i. Ing.-Inspektion. 

Gustav von Arnim, Unter den Linden 78, 

Exz., General d. Infanterie, ä la suite des Garde- 
Jäger-Bataillons. 

Hans von Arnim, Charlottenburg, Carmerstr, i, 

Exz., Generalleutnant, Kommandeur d. 2. Garde- 
Infanterie-Division. 

Karl Bartsch von Sigsfeld, Großbeerenstr, 74. 
^. Oberst und Kommandeur des 2. Garde-Dragoner- 
Regiments. 

Bernhard von Bergemann, Scharnhorststr, 42, 

Exz., Generalleutnant und Kommandant des 
Invalidenhauses. 



Militär und Beamtentum. 7^ 

Eugen von Bernhardi, CharloUenhurg, Bismarckstr. io8. 
Exz., Generalleutnant z. D. 

Dr. jur. Albrecht Graf von Bemstorff, Potsdam. 
Potsdamer Polizeipräsident. 

Andreas Graf von Bernstorf f- Stintenburg, Rauchstr, 5. 
Wirkl. Geh. Oberregierungsrat, vortragender Rat 
im Kultusministerium, Kammerherr und Kom- 
mandeur des Deutschen Ordens v. d. Balley- 
Utrecht. 

Graf Job. von Bismarck-Bohlen, Potsdaniy Marien- 
Straße 2, Hauptmann im i. Garderegiement 
zu Fuß, Kommandeur der Leibkompagnie. Hof- 
chef des Kronprinzen. 

Dr. Rudolf von Bitter, Klopstockstr. 21. 
Exz., Oberpräsident a. D. von Posen. 

Hermann von Blomberg, Nürnbergerstr, 6g, 

Exz., General d. Infanterie, ä la suite d. Garde- 
Gren.-Reg. Nr. i. 

Albert von Boguslawski, Ansbacherstr. 55. 

Exz., Generalleutnant z. D., Schriftsteller; Wehr- 
politik. 

Hans von Boehn, Kurfürstendamm 32, 

Flügeladjutant, Oberst, Kommandeur d. i. Garde- 
Kavallerie-Brigade, 

August von Bomsdorff, Motzstr. 14. 

Exz., General der Infanterie und Chef des In- 
fanterie-Reg. Nr. 26. 

Frhr. Oskar von Boenigk, Lindenstr. 4. 

Exz., Generalleutn., Präses der Ober-Militär- 
Examinat.-Kommission. 

Dr. Richard van der Borght, Friedenau, Stubenrauch- 
Straße 5/6. Geh. Reg.-Rat, Professor, Präsi- 
dent des Kaiserlichen Statistischen Amtes. 

Dr. jur. Georg von Borries, Alexanderstr. s/6. 
Berliner Polizeipräsident. 



^g Militär und Beamtentum. 

Bernhard von Brauchitsch, Westfälischestr. 4g a. 
Exz., General d. Kav. z. D. 

Otto von BraunbehrenSy Kaiserallee 210, 

Exz., Unterstaatssekretär a. D., Präsident d. 
Prüfungskommission für höhere Verwaltimgs- 
beamte. 

Walter Bronsart von Schellendorff, Potsdam, 

"Exz,, Generaladjutant, General d. Inf., Kriegs- 
minister a. D. 

Wilhelm Büchsel, Charlottenburg, Goethestr. 12. 

Exz., Vizeadmiral u. Chef d. Admiralstabs d. 
Marine. 

Karl von Bülow, Hardenbergstr. 32. 

'Exz., General d. Infanterie u. Kommandieren- 
der General des III. Armeekorps. 

Ernst von der Burg, Meinekestr, 22. 

Exz., General der Artillerie z. D., ä la suite des 
I. Garde-Feldartillerie-Regiments. 

Raimund von Caprivi, Uhlandstr. 2g. 
Exz., Generalleutnant z. D. 

Georg Cardinal von Widdern, Ansbacher str. 42. 
Oberst a. D., Fachschriftsteller. 

Otto von Ciaer, Turmstr. 44. 

Exz., Generalleutnant z. D. Moltke-Erinnerung. 

Alfred von Conrad, Leipzigerplatz 11. 

Exz., Wirkl. Geh. Ober-Reg.-Rat, Unterstaats- 
sekretär im Landwirtschaftsministerium. 

Adolf Deines, Joachintsthalerstr. 22. 23. 

Generalmajor, Abteilungschef im Gr. Generalstab. 

Otto Diederichsen, Kaiserin Augustastr. yy. 

Exz., Vizeadmiral u. Direktor d. Allgem. Marine- 
Departements d. Reichs-Marineamts. 

Willy von Dirksen, Margaretenstr. 11. 

Kaiserl. Gesandter u. bevollmächt. Minister, 
Geh. Legationsrat, Mitgl. d. Reichstags. 



Militär und Beamtentum. ^g 

Karl Donner, Motzstr. 26, 

Exz., Wirkl. Geheimrat, Ober-Landforstmeister 
und Ministerial- Direktor a. D., Mitglied des 
Staatsrats. 

D. Ernst Dryander, Oranienburger stf. 17 a. 

Konsistorialrat, Generalsuperintendent f. d. Kur- 
mark, Oberhof- u. Domprediger, Schloßpfarrer. 
S. Kirchen und Sekten, 

Lothar von Eichhorn, Genthinerstr, 35, 
Wirkl. Geheimer Legationsrat z. D. 

Rudolph von Eickstedt, Schillerstr. I2y. 

Kontreadmiral, Vorst. der Konstruktions- Abtei- 
lung des Reichs-Marineamts. 

Botho Graf zu Eulenburg, Brückenallee 2. 

Exz., Staatsminister a. D., Mitgl. d. Herren- 
hauses, Dechant des Domstifts Brandenburg. 
S. Politik, 

D. Wilhelm Faber, Probststr. 7. 

General-Superintendent, Wirkl. Ober-Konsi^t.- 
Rat, Domherr zu ' Brandenburg, Mitglied des 
Herrenhauses, Probst. 

Adolf von Fetter, Nürnbergerstr. 40. 

Exz., Generalleutnant u. Feldzeugmeister, 

Dr. jur. Paul David Fischer, Bendlerstr, 13. 
Exz., Unterstaatssekretär a. D. 

Wilhelm von Fischer, Von der Heydtstr, 4. 
Exz., Unterstaatssekretär a. D. 

Karl Fleck, Fasanenstr. 27. 

Exz., Unterstaatssekretär im Ministerium der 
öffentl. Arbeiten. 

Dr. jur. Adolf Förster, Augsburgerstr: 60. 

Wirkl. Geh. Oberregierungsrat, Ministerialdirektor 
im Ministerium d. geistl. Angelegenheiten. 

Michelet von Frantzius, Genthinerstr. 3. 

Exz., Wirkl. Geh. Rat, Direktor im Ministerium 
der öffentl. Arbeiten. S. Technik. 



40 Militär und Beamtentum. 

Dr. jur. Richard Freund, Karlsbad 33. 

Vorsitzender d. Landesversicherungsanstalt. 

Bernhard Fuisting, Motzstr. 34, 

Wirkl. Geh. Oberregierungsrat, Senatspräsident 
am Oberverwaltungsgericht. 

Arthur von Gaudy, Charlottenburg, Goethestr. 5. 
Exz., Generalleutnant z. D. 

Frhr. Georg von Gayl, Motzstr. 91, 

Exz., Generalleutn., Chef d. i. Artillerie-Inspekt. 

Frhr. von Gerok, Kurfürstendamm 22. 

Württemberg. Oberst, Mitgl. d. Reichs-Militär- 
Gerichts. Sohn des Dichters. 

Dr. Rudolf Göbel von Harrant, Potsdamer str. 33. 

Geh. Legationsrat, Vortr. Rat im Auswärtigen 
Amt. Handelsverträge. 

Ferd. von Grumme, Von der Heydtstr. 6. 

Fregattenkapitän, Flügeladjutant, im Aufsichts- 
rat der Hamburg-Amerika-Linie. 

Wilhelm von Hahnke, Bismarckstr, 4. 

Exz., General-Feldmarschall, Oberbefehlshaber 
in den Marken, Gouverneur von Berlin, Chef d. 
Grenadierregiments Nr. 12, Mitglied des Herren- 
hauses, Generaladjutant. 

Dr. Otto Hamann, Fasanenstr. 4g. 

Geh. Regierungsrat u. vortr. Rat im Ministerium 
der auswärtigen Angelegenheiten. S. Literatur. 

Karl von Hänisch, Lützowstr. 6. 

Exz., General der Kav. z. D., Chef des Ulanen- 
regiments Nr. 2. 

Graf Gottlieb von Haeseler, Harnekop bei Sternebeck 
(Mark). Exz., General-Feldmarschall, Chef des 
Ulanenregiments Graf Haeseler Nr. 11. Die 
Wacht am Rhein! Der populärste General. 

Dr. Carl Heiligenstadt, Kurfürstendamm igy, 

Kgl. Präsident der Zentral- Genossenschaftskasse. 



Militär und B«amt«atam. 



41 



Otto Hellwig, Motzsir, 56. 

Exz., Wirkl. Geheimrat, Ministerial-Direktor a.D., 
Mitglied des Staatsrats. 

Louis von Heydebreck, MeieroUostr. 10, 
Exz., Generalleutnant z. D. 

Ernst Karl Ed. von Hoffbauer, Burggraf enstr. J7. 
Exz., General d. Artillerie a. D. Letzter General- 
inspekteur der Feldartillerie. 

Otto von Hoffmann, Oranienstr, 95. 

Exz., Wirkl. Geh. Rat, Präsident d. Verwaltung 
d. Staatsschulden. 

Karl von Hof mann, Knesebeckstr, J2, 

Exz., Staatsminister a. D., Ehrendoktor d. Uni- 
versität Gießen. 

Fritz von Holstein, Großbeerenstr. 40, 

Exz., Wirkl. Geh. Rat, vortr. Rat in der politi- 
schen Abteilung d. Auswärtigen Amtes. „Austern- 
freund." 

Paul von Hoepfner, Platz am Zeughaus J. 

Exz., Generalleutnant, Inspektor d. Landwehr- 
Inspektion. China. 

Georg von Hülsen, Behrenstr. 31, 

Exz., Generalintendant der Kgl. Schauspiele, 
Kammerherr mit dem persönlichen Rang einer 
Ober-Hofcharge. Bekannt als Jugendfreund des 
Kaisers. 5. auch Dramatische Kunst. 

Graf Dietrich von Hülsen-Haeseler, Behrenstr. 66. 
Exz., Generalleutnant, Chef des Mitilärkabinetts, 
vortragender Generaladjütant. Nicht zu ver- 
wechseln mit Gottlieb von Haeseler. 

Dr. jur. Max Ittenbach, Charlottenburg, Knesebeck- 
Straße 68/6g. Exz., Wirkl. Geh. Rat, General- 
auditeiir der Armee u. Marine a. D., Mitglied des 
Herrenhauses und des Staatsrats, Kronsyndikus. 

Friedrich von Kamptz, Passauerstr. 5. 
Exz., Generalleutnant z. D. 



42 Militär und Beamteatam. 

Carl Kehrer, Schaperstr, 20, 

Exz., Generalleutnant, Präsident der Artillerie- 
Prüfungskommission. 

Dr. Reinhard Kekule von Stradonitz, Landgraf enstr. ig. 
Geh. Regienmgsrat, Direktor des Antiquariums 
im Alten Museum. S. Sammlungen, 

Dr. Egon Kelch, Hardenbergstr, 37. 

Präsident des Bundesamts für das Heimatswesen. 

Gustav von Kessel, Alt-Moabit iiy/ 118. 

'Exz,, Generaladjutant, GenersJ d. Inf., kommand. 
General des Gardekorps. 

Martin Kirschner, Alt-Moabit go, 

Oberbürgermeister der Stadt Berlin. Wochen- 
täglich 10 — II Uhr im Rathaus, Zimmer 46. 
S. Tout Berlin, 

Karl von Kleist, Regentenstr, iia. 
Exz., Generalleutnant z. D. 

Graf von Klinckowström, Altonaerstr, 34, 

Exz., Generalleutnant, Kommandeur der Garde- 
Kavallerie -Division. Erst seit kurzem in der 
Berliner Stellung, 

Richard von Klitzing, Schlacktensee, Krottnauerstr,, 
Villa Hedwig, Exz,, General d. Inf. z. D., Chef 
des Inf.-Regts. Nr. 76. 

Eduard von Knorr, Uhlandstr, 165/166, 

Exz., Admiral k la suite des See-Offizierkorps. 
„Meteor" 1870 bei Habana. 

Richard Koch, OberwaUstr, lo/ii, 

Exz,, Ehrendoktor der Rechte u. der Staats- 
wissenschaften, Wirkl. Geh. Rat, Präsident der 
Reichsbank. 5. Wissenschaft und Banken, 

Dr. Paul von Körner, Kleiststr, 21, 

Direktor der handelspolitischen Abteilung im 
Auswärtigen Amte. 



Militär und Beamteatum. 43 

Dr. Reinhold Koser, Carmerstr. 9. 

Geh. Oberregierungsrat, Generaldirektor d.Staats- 
Archive, Historiograph des Preußischen Staates. 
S. Wissenschaft. 

Hans Hugo von Kotze, Nürnbergerstr. 65. 
Exz., Generalleutnant z. D. 

Dr. jur. Richard Krauel, Pfalzburgerstr. 85/86. 

"Exz., ordentl. Universitäts-Professor, kais. Ge- 
sandter z. D. 

Gustav Krause, Alexanderplatz s/6. 

Populärer Polizeioberst, Kommandeur der Schutz- 
mannschaft, Major der Garde-Landwehr. 

Max von Krosigk, Kurfürsfendamm 213. 
Exz., Generalleutnant z. D. 

Dr. Oskar Küntzel, Genthinerstr. 39. 

Exz., Wirkl. Geh. Rat, Unterstaatssekretär im 
Justizministerium, Präsident des Disziplinarhofs. 

Viktor von Lignitz, Hardenbergstr. 32. 

Exz., Gen. d. Inf. z. D., Chef des Füsilier-Regts. 

Nr. 37. Memoiren. 
Karl von Lindenau, Leipziger Platz 5. 

Exz., Geh. Leg.-Rat, Vortr. Rat im Auswärtigen 

Amt. 

Karl Litzmann, Unter den Linden 74. 

Exz., Generalleutnant, Direktor der Kriegs- 
Akademie. 5. Lehranstalten. 

Otto Livonius, Gleditschstr. 47. 
Exz., Vizeadmiral a. D. 

Friedrich Wilhelm von Loebell, Joachimsthalerstr. 11. 
Geh. Regierungsrat, Direktor der Reichskanzlei. 

Theodor Lohmann, Lützowstr. 64/65. 

Exz., Unterstaatssekretär im Ministeriimi für 
Handel u. Gewerbe. 

Alfred von Loewenfeld, Ali-Moabit 137. 

"Exz., Generaladjutant, Generalleutnant, Kom- 
mandeur der I. Garde-Division. 



44 Militär und Beamtentum. 

Dr. jur. et med. Hermann von Lucanus, Wühelmstr, 64, 
Exz., Chef des Geheimen Kabinetts für die Zivil- 
angelegenheiten, Geh. Kabinettsrat u. Kapitular 
des Domstifts Merseburg. 5. Politik. 

Dr. Robert Freiherr Lucius von Ballhausen, Königs- 
platz 5, Exz., Staatsminister u. Oberstleutnant 
a. D., MitgUed des Herrenhauses. S. Landadel. 

Otto Freiherr von Manteuffel, Matthäikirchstr, 20. 
Exz., Landesdirektor der Provinz Brandenburg. 
S. Politik. 

Robert von Massow, Tiergartenstr. 15. 

Exz., General der Kav. k la suite der" Armee, 
Präsident d. Reichs-MiHtär- Gerichts, BevoUm. z. 
Bundesrat. 

A. Mayer, Tauenzienstr. 21. 

Exz., Generalleutnant z. D. 

Albert von Mischke, Schönberger-Ufer 47. 

"Exz., Generaladjutant weil, des Kaisers Fried- 
rich, General d. Inf. 

Hermann Möllhausen, Wichmannstr, 10. 

Exz., Wirkl. Geh. Rat, Ministerialdirektor a. D. 

Helmuth von Moltke, Brückenallee jj. 

Exz., Generaladjutant, Generalleutnant, General- 
Quartiermeister. Moltkes Neffe. 

Graf Kuno von Moltke, Alt-Moabit 90. 

General k la suite, Generalmajor, Abteilungschef 
im Großen Generalstabe. Ein zweiter Neffe. 

Dr. jur. Otto von Mühlberg, Matthäikirchstr. 28. 

Exz., Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amte. 
Hüter der offenen Tür in Marokko. 

Ernst Edler von der Planitz, Gr. Querallee 2. 

Exz., General d. Kav., Inspekteur der II. Kav.- 
Inspektion. 

Freiherr Karl von Plettenberg, Berlinerstr. 46. 

Generalmajor, Inspekteur d. Jäger u. Schützen, 
beauftr. m. d. Führ. d. reit. Feldjägerkorps. 



Militär und Beamtentum. ac 

Graf Hermann von Pückler, Bachstr. 9. 

Geh. Regierungsrat. Nicht der Politiker. 

Graf Karl von Reventlow, Knesebeckstr, 17. 
Exz., Generalleutnant a. D. 

Graf Arnold von Roon, Trabenerstr, 25, 

Exz., General der Infanterie z. D. Roons Sohn. 

Dr. jur. et phil. Hermann von Schelling, Brückenallee 5. 
Exz., Staatsminister a. D., Mitglied des Staatsrats 
u. des Herrenhauses, Kronsyndikus. Schellings 
Sohn, Lassalles Staatsanwalt. 

Graf Alfred von Schlieffen, Königsplatz 6. 

Ex2., Generaloberst d. Kav., Chef des General- 
stabes d. Armee. 

Graf Eberhard von Schmettow, Klopstockstr, 20. 

Diensttuender Flügeladjutant des Kaisers, Major. 

Friedrich von Schmidt, Savignyplatz 6, 

"Exz., Generalleutn., Inspekteur d. Feldartillerie. 

Friedrich von Scholl, Potsdam- Berlin. 

Exz., diensttuender Flügeladjutant des Kaisers, 
Generalleutnant, Generalkapitän der Schloß- und 
Leibgarde, Kommandeur der Leibgendarmerie. 
Historische Uniform. S. Hof. 

Wilhelm Schröder, Margarethenstr. 17. 
Exz., Vizeadmiral a. D. 

Alfred Schultz, Rankestr. 21. 

Exz., Unterstaatssekretär, Mitglied des Staats- 
rats, Vorsitzender d. Gerichtshofes zur Entschei- 
dimg der Kompetenzkonflikte. 

Dr. Georg von Schwartzkoppen, Netie Winter feldstr. 18. 
Wirkl. Geh. Legationsrat im Ministerium des Aus- 
wärtigen. 

Maximilian von Schwartzkoppen, HaUesches Ufer 24. 
Exz., Generalleutnant. Le colonel S. 

Freiherr Gustav v. Seckendorff , Kurfürstendamm 203 j 4. 
Exz., Generalleutn., Inspekteur der Kriegsschule. 



^6 Militär und Beamtentum. 

Richard von Seeckt, Brückenallee ig. 

Exz., General d. Inf., Chef d. Inf.-Regts. 
Nr. i6*, Ehrenbürger der Stadt Posen. 

Gustav Freiherr von Senden-Bibran, Voßstr, 25. 
Admiral, Chef des Marinekabinetts. 

Ludwig von Sobbe, UMandstr. 17g. 
Exz., General der Infanterie z. D. 

Graf Alfred von Soden, Landshiderstr, 36, 

Diensttuender Flügeladjutant des Kaisers, Haupt- 
mann. Peking 1900. 

Alexander von Spitz, Zietenstr. 26. 

Exz., General d. Inf. z. D. S. Vereine. 

Dr. jur. et phil. Adolf Stölzel, LiUzowstr. 76. 

Exz., Honor.-Professor, Mitglied des Herrenhauses 
u. Kronsyndikus. Hat alle Juristen geprüft. 

Dr. Hugo von Strauß und Torney, Bayreutherstr. 40. 
Senatspräsident, Mitglied d. Prüfungskommission 
für höhere Verwaltungsbeamte. Innere Mission. 

Ottovon Strubberg, Rankesir. 23. 

Exz., Gen. d. Inf. z. D., k la suite d. Kadettenh. 

Dr. Oskar Stuebel, Hohenzollernstr. 18. 

Wirkl. Geh. Legationsrat, Direktor der Kolonial- 
abteilung des Auswärtigen Amtes im Abgehen. 

Karl von Thielen, Kurfürslendamm 114. 

Exz., Staatsminister a. D. Eisenbahnen. 

Ernst von Unger, Ansbacherstr. 9. 

Exz., General der Kavallerie z. D. 

Ernst von Usedom, Lutherstr. 33. 

Exz., Generalleutnant ä la suite der Armee, Kom- 
mandant des Zeughauses. 

Dr. phil. h. c. von Verdy du Vernois,Wichfnannstr. 12a. 
Exz., General d. Inf. z. D., Kriegsminister a. D. 

Herm. von Villaume, Luisenpiatz i. 

Exz., Generalleutnant z. D. Diplomatische Posten. 



Landadel. 4^ 

Bodo Voigts, Köfhenersfr. 38, 

Exz., Präsident des Evangelischen Oberkirchen- 
rats. 

Heinrich Vollmar, Kaiser Friedrichsplatz 2. 

Kath. Feldprobst d. Armee, Tit. Bischof v. Per- 
gamon. 

Hermann Graf von Wartensleben, Karow, Kreis Jeri- 
chow II. Exz., General d. Kav. z. D., Mitglied 
des Herrenhauses, Ordens-Hauptmann. Der tolle 
Wartensleben. 

Adolf von Wendt, Hedemannstr, 12. 
"Exz., Ministerialdirektor a. D. 

Bernhard von Werder, Schöneberger Ufer 16. 

"Exz,, Generaladjutant, General d. Inf., Chef d. 
reit. Feldjägerkorps, ä la suite des Garde- 
Füsilier-Regiments. Diplomatenname. 

Adolf Wermuth, Uhlandstr. 120. 

Direktor im Reichsamt des Innern. Weltaus- 
stellungen. 

Max Wölfing, Neue Friedrichstr. 46. 

EvangeUscher Feldpropst der Armee. 

Dr. phil. Wilhelm Wjmcken, Schöneberg, Wielandstr. 13. 
Geh. Regierungsrat, Direktor des Uterarischen 
Bureaus des Staatsministeriums. 



5. Landadel. 

Der Landadel baut in Berlin keine neuen 
Paläste mehr und gibt die vorhandenen 
zum großen Teil auf. Ein fester Wohn- 
sitz in Berlin führt hier zu fester Besteu- 
erung. Man findet denmach nicht so viel 
Adressen wie Namen und suche die Ob- 
dachlosen in den grofien Berliner Hotels 
oder im Klub der Landwirte Dessauerstr. 8, 

Friedrich von Alvensleben, Neuhaldensleben. 
Geh. Regierungsrat, Landrat a. D. 

Joachim von Alvensleben, Falkenberg b. Briesen in d. 
Mark. Rittmeister a. D., Ritterschafts-Rat. 



^g Landadel. 

Wichard von Alvensleben, Polwitz, Kr. Gardelegen. 
Amtsvorsteher a. D., Kreisdeputierter u. Ritter- 
gutsbesitzer. 

Arno Achim von Arnim, OUerwisch. 

Fideikommißbes., Kammerherr, Rittmeister a. D. 
Der Name hat Wunderhom-Klang. 

Hermann von Arnim, Pariser Platz 4 und Muskau, 
Legationsrat a. D., Rittmeister a. D., Mitglied d. 
Reichstags. 

Karl von Arnim, Karlsbad 28, 

Kammerherr, Kur- und neumärkischer Haupt- 
ritterschaftsdirektor, Fideikommißbesitzer auf 
Züsedom, Kr, Prenzlau, 

Gräfin von Arnim-Boitzenburg, Pariserplatz 4, 

Ludwig Graf von der Asseburg-Falkenstein, Meisdorf, 
Oberjägermeister. Mitglied des Herrenhauses. 

Franz Graf von Ballestrem, Sommerstr, x. 

Exz., Majoratsherr, Päpstlicher Geheimkämmerer. 
5. Politik, 

Dr. Lucius Freiherr von Ballhausen, Klein- Ballhausen 
b, Straußfurt, Exz., Staatsminister, Mitglied des 
Herrenhauses, Oberstleutnant a. D. Fideikom- 
mißgrtinder. Landadel im Entstehen. 

Graf Kurt von Behr, Behrendorf, Kr, Greifswald, 

Landrat a. D., Fideikommißherr, Mitglied des 
Herrenhauses. 

Nikolaus von BeloW'SalesktfKusserow'b, Wusterwitz, 
Kr, Schlawe. Fideikommißbesitzer, Major a. D. 

Bogislav von Bonin, Bohrenbusch, Bez. Köslin, 

Rittergutsbesitzer, Landrat a. D., Rittmeister 
a. D., Mitglied des Herrenhauses u. Reichstags. 

Freiherr Alhard von der Borch, Friedeburg a, d, S, 
Kanunerherr, Rittmeister a. D., Fideikommiß- 
herr, Deichhauptmann. 



Landadel. aq 

Fritz von Bom-Fallois, Sienno, Kr. Bromberg. 

Rittergutsbesitzer, Mitglied des Herrenhauses, 
Kammerherr. 

Karl von Bredow, Buchow-Carpzow h. Wustermark, 
Kr. Osthavelland. Rittergutsbesitzer, Major a.D., 
MitgUed des Herrenhauses, Kurator u. Domherr 
von Brandenburg. 

Max von Bredow, Laudin, Kr. Westhavelland. 

Ritterschaftsdirektor, Rittergutsbesitzer, Ober- 
leutnant a. D., Mitglied des Abgeordnetenhauses. 

Dr. phil. Freiherr Ernst von Canstein, Kronprinzen- 
ufer 5. Hauptgeschäftsführer der Branden- 
burgischen Landw. Kammer, Landesökonomierat. 

Dr« phil. Graf Stanislaus zu Dohna-Schlobitten, 
Nürnbergerstraße 24 a. Hauptmann a. D. 

Richard Graf zu Eulenburg, Dorotheenstr, 51. 

Exz., Obermarschall im Königr. Preußen, Majo- 
ratsbesitzer, ErbUches MitgUed des Herrenhauses, 
Major a. D. 

Max Joachim von Hake, Hasenheide 61/62. 
Erbschenk der Kurmark Brandenburg. 

Bogdan Graf von Hutten-Czapski auf Smopulec, Hohen- 
zollernstr. 2. Früher Franken, heute Polen. 

Freiherr v. Manteuffel-Krossen, Matthäikirchstr. 2o\2i. 
Landesdirektor d. Prov. Brandenburg. S. Politik. 

Konrad Gans Edler Herr zu Putlitz, Tauenzienstr. 15. 
Fideikommißherr, Kammerherr, Sohn des Dichters, 
Gr.-Pankow. Ältester Name unter dem märki- 
schen Adel nach Äußerung Kaiser Friedrichs. 

Graf Wilhelm von Redern, Unter den Linden i. 

Fideikommißherr, Gesandter u. bevoUm. Minister 
a. D., Mitglied des Herrenhauses, Major a. D. 

Graf Hans von Schwerin, Nollendorf platz 7. 

Rittergutsbesitzer, Eüttmeister a. D., Präsident 
des Dtsch. Landwirtschafts-Rats. S. Politik. 

B«din und die Berliner. a 



so 



Moderne Patrizier. 



Graf Ernst Strachwitz von Groß-Zauche u. Camminetz, 
Prinz Augtist von Württemberg-Str. Herr auf 
Wiersbel u. Mauschwitz. 

Ernst von Stubenrauch, Viktoriastr, i8. 
Landrat a. D. 

Graf Franz Hubert von Tiele- Winckler, Tiergartenstr. 20. 
Fideikoinmißbesitzer auf Moschin b. Kujau. 
5. Toi4 Berlin und Kapitalismus. 

Graf von Wilamowitz-Möllendorff, Gadow. Vor- 
sitzender des Provinzialausschusses der Provinz 
Brandenburg. Ma j oratsbesitzer . 

Albert Graf von Zieten- Schwerin, Wustrau 6. Neu- 
Ruppin. £xz., Mitglied des Staatsrats u. des 
Herrenhauses. 



6. Moderne Patrizier. 

Berlin wird einstweilen regiert von einem 
Oberbürgermeister, einem Bürgermeister, 
X 8 besoldeten, x6 imbesoldeten Stadträten, 
Z44 Stadtverordneten und s^en Ge- 
s<ihlechtem. 

J. S. Arnheim, Roonstr. 5. 
Geldschränke. 

Ed. Arnhold, Regentenstr, ig. 

Geh. Kommerzienrat. Kohlenfirma Cäsar Woll- 
heim. 

August Aschinger, Alexanderplatz 1/2. 
Bierquellen. 

Carl Aschinger, Friedrichstr, 4, 
Bierquellen. 

Carl Bechstein, Johannissir. 6. 
Klaviere. 

Adolf von Beckerath, Gneisenaustr. 2y. 
Garne und Seiden. 

A. Bertuch, Mohrenstr. 5g. 

HofHeferant. Metallwaren. 



Moderne Patrizier. sx 

J. Bister, UfUer den Linden 8. 

Hoflieferant. Damenmoden. 
Hans von Bleichröder, Bendlerstr. 59. 

Bankier. Zweite Generation. 

Karl Bolle, Alt-Moabit gg/103, 

Meierei. 
F. Borchardt, Wilhelmstr, 20, 

Generalkonsul. Wertpapiere. 

F. W. Borchardt, Französischestr. 48. 

Hoflieferant, Rittmeister d. Reserve. Delikatessen. 

H. Borchardt, Französischestr. 47/48. 
Kommerzienrat. Delikatessen. 

E. Borsig, Kur fürstendamm 251/252, 

Kommerzienrat. Lokomotiven. 
J. Bötzow, Prenzlauer Allee 242/247. 
Kommerzienrat. Lagerbier. 

G. W. Büxenstein, Friedrichstr. 240/241. 

Kommerzienrat. Buchdruckerei. 

F. Camphausen, Tempelhofer Ufer ig. 

Kaufmann. Pilsener. 
Dr. G. Caro, Tiergartenstr. 32/33. 

Kommerzienrat. Schlesische Zechen. 

Wilhelm Faster, Straußbergerstr. 18. 

Obermeister der Schornsteinfegerinnung, Vor- 
sitzender der Handwerkskammer. 

Hermann Freudenberg, Werderscher Markt s/6. 

Warenhaus Gerson. 
Ernst Friedel, Paulstr. 4. 

Geh. Regierungsrat, Stadtrat. Mehr Patrizier 

als modern. 
Fritz Friedländer, Pariser Platz Sa- 

Geh. Kommerzienrat. Eisen, Kohlen u. Reederei. 

J. Friedländer, Bellevuestr. 8. 

Kommerzienrat. Konfektion. 

Theodor Gilka, Tiergartenstr. 34a. 

Konmierzienrat. Getreidekümmel. 

4* 



^2 Moderne Patrizier. 

Ludwig Max Goldberger, Drakestr. 3, 

Geh. Kommerzienrat. Schriftstellerei. 
Albert Haack, Schiffbauerdamm 26. 

Stadtrat. 
M. Happoldt, Hasenheide 32/38. 

Kommerzienrat. Bier. 
E. Hardty Unterwasserstr. 6, 

Geh. Kommerzienrat. Manufakturwaren. 

A. Hefter, Leipzigerstr, 97/98, 

Würstchen. 
Rudolf Hertzog, Breitestr, 12/20. 

Warenhaus. 
Th. Hildebrand, Spandauerstr, 47/48. 

Kommerzienrat. Schokolade. 
H. Hirschwaldy BrückenaUee 7 , 

Hoflieferant. Kunstgewerbe. 

O. Huldschinsky, Matthäikirchstr. 3 a. 

Schlesische Eisenwerke. Kieler Kaiserpreise. 

E. Jacob, LandgrafenstrJi2. 

Konunerzienrat. Spedition. 
Hermann N. Israel, Bendlerstr. 38. 

Kommerzienrat. Warenhaus. 
Johannes Kämpf, Elsholzstr. 16. 

Stadtältester. Freisinn. 
C. R. Lessing, Dorotheenstr. 15. 

Geh. Justizrat. Vossische Zeitung. 
Freiherr F. von Lipperheide, Potsdamerstr. 38, 

Modenwelt. Illustrierte Frauenzeitung. 
O. Lohse, MoUkestr. J. 

Kommerzienrat. Parfümerien. 
Isidor Loewe, Bellevuestr, 14, 

Konunerzienrat. Gewehre usw. usw. 

M. Markiewicz, Königgrätzerstr. 140, 

Möbel. 
Franz von Mendelssohn-Bartholdy, Herthastraße 5. 

Wertpapiere. 



Moderne Patrizier. 

E. von Mendelssohn-Bartholdy, Jägerstr. 53. 
Geh. Kommerzienrat. Wertpapiere. 

R. von Mendelssohn-Bartholdy, Jägerstr, 51, 

Wertpapiere. 
Rudolf Mosse, Leipziger Platz 15, 

Annoncen und Zeitungen. 
Dr. jur. Emil Münsterberg, Dörnbergstr. 7. 

Stadtrat. 

Elwin Paetel, Lützowstr. 7. 
Kommerzienrat. Bücher. 

H. Pfaffy Dresdenerstr. 2g. 

Möbel. 
Julius Pintsch, Tiergartenstr, 4a. 

Kommerzienrat. Maschinen. 
Richard Pintsch, Tiergartenstr. 4a, 

Geh. Kommerzienrat. Maschinen. 

R, Pringsheim, Wilhelmstr. 6y, 

Kaufmann. Zweite Generation. 

G. RakeniuSy Zimmerstr. g8, 

Lampen. 
H. Raußendorff, Kur fürstendamm 206/20^, 

Rentner. Wilmersdorfer Millionenbauer. 
J. C. Schaarwächter, Potsdamer str. 121b» 

Photograph. 
August Scherl, BeUevuestr. 6, 

Preß- Großindustrieller. 
R. Schwartzkopffy Müller str, ly 2 a, 

Maschinen. 
James Simon, Tiergartenstr, 15 a. 

Baumwolle. 
Paul Singer, Lindenstr, 44. 

Früher Konfektion, jetzt Verlag. 
Dr. Wilhelm Spindler, Spindlersfeld, Villa Daheim. 

• Färberei imd Wäscherei. 
Karl Stangen, Gr.-Lichterfelde, Geibelstr. 14. 

Begründer des Reisebureaus Stangen. 



53 



54 



Aristokratie des Zukunftsstaates. 



Konrad Uhl, Unter den Linden 36 - 
Hotel Bristol. 

Wolf Wertheim, Leipzigerstr, 132/1J3, 

Der Patrizier, der die meisten Klienten hat. 

7. Aristokratie des Zukunftsstaates. 

i. Z. = im Zukunftsstaat. 
z. D. = zur Disposition, 
a. D. = außer Diensten. 

Ignaz Auer, Kreuzbergstr. 63. 

Redakteur, Mitglied des Reichstags. Altreichs- 
kanzler i. Z. S. Politik, 

Ferdinand August Bebel, Habsburgerstr, 5. 

Mitglied des Reichstags. Universalminister und 
Universalgeneral sowie Vorsitzender der Sitten- 
kommission i. Z. S. Politik. 

Eduard Bernstein, Hohenstaufenstr, 31, 

Mitglied des Reichstags. Bibliothekar u. Minister 
für Unterrichts- u. geisthche Angelegenheiten d. 
alten Bundes i. Z. S. Politik. 

Josef Bloch, Lützowstr. 6g. 

Herausgeber der „Sozialist. Monatshefte*'. Vor- 
stand der Zentralstelle für geistige Nahrung u. 
Zensor i. Z. 

Dr. phil. Heinrich Braun, UMandstr. 15g. 

Herausgeber der „Neuen Gesellschaft* ^ Erster 
Vorsitzender des Adelskasinos i. Z. 

Lily Braun-Gizycki, UMandstr. 15g. 

Schriftstellerin. Erste Vorsitzende des Damen- 
klubs i. Z. 

Richard Calwer, Pragerstr. 30. 

Schriftsteller. Professor der Nationalökonomie 
a. D. i. Z. 

Minna Cauer, Wormserstr. 5. 

Herausgeberin der „Frauenbewegung". Oberhof- 
meisterin a. D. i. Z. 



Aristokratie des Zukunftsstaates. ^5 

Heinrich Cunow, Friedenau, Mayhachplaiz i6, 

Redakteur am „Vorwärts". Vorstand des lite- 
rarisch. Bureaus im Ministerium d. Innern z. D. i. Z. 

Kurt Eisner, Gr, -Lichter fdde, Boninstr, 3, 

Redakteur des „Vorwärts'*. Präsident der Aka- 
demie des Wahren, Guten u. Schönen i. Z. 

Paul Goehre, Zehlendorf. 

Pfarrer a. D. Preisgekrönter Schriftsteller, Pro- 
fessor der Ästhetik und protestantischer Hof- 
prediger i. Z. S. nicht Politik. 

Dr. phil. Georg Gradnauer, Gr.-Lichterfelde, Patdinen- 
Straße 6. Redakteur des „Vorwärts", Mitglied d. 
Reichstags. Chef des Geheimen Militärkabinetts, 
kommandierender General d. Elite-Milizkorps i. Z. 

Wolf gang Heine, Alt-Moabit 10 b. 

Rechtsanwalt, Mitglied des Reichstags. Minister 
für Unterrichts- u. geistliche Angelegenheiten des 
neuen Bimdes, Justiz u. unentgeltliche Rechts- 
auskunft, sowie Gnadensachen usw. i. Z. 

Johannes Holzmann, Elisabethstr. 38. 

Herausg. u. Redakteur d. „Kampf". Katilina i. Z. 

Karl Kautsky, Friedenau, Saarstr. ig. 

Redakteur der „Neuen Zeit". Marxistischer Kar- 
dinal-Fürst-Erzbischof und Zentrumsführer i. Z. 

Fritz Kunert, Südende, Potsdamerstr. 14. 

Redakteur des „Vorwärts", Mitglied des Reichs- 
tags. Geheimer Studienrat i. Z. 

Waldeck Manasse, Friedenstr. 13. 

Freireligiöser Sprecher. Strengreligiöser Oberhof- 
rabbiner i. Z. 

Dr. phil. Franz Mehring, Steglitz, Kantstr. 16. 

Chef des Geheimen Zivükabinetts u. der politisch. 
Geheimpolizei i. Z. 

Max Schippel, Turmstr. 37. 

Schriftsteller. Minister für Landwirtschaft, For- 
sten u. Domänen i. Z. 



^6 , Fremdenkolonie. 

Paul Singer, Lindenstr. 44, 

Verleger, Mitglied des Reichstags usw. Kommer- 
zienrat, Oberbürgermeister, Reichstags- u. Polizei- 
präsident i. Z. S. Moderne Patrizier. 

Arthur Stadthagen, Friedrich Wilhelmstr. 13. 

Schriftsteller, Mitglied des Reichstags. Geh. Ober- 
justizrat u. Präsident der Anwaltskammer i. Z. 
S. Politik. 

Dr. Albert Südekum, Düsseldorf erstr, 10. 

Schriftsteller, MitgUed des Reichstags. Kammer- 
herr für flüchtige Damen u. Vize-Oberzeremonien- 
meister z. D. i. Z. 

Fritz Zubeil, Elisabethufer 21. 

MitgUed des Reichstags. Kempinski i. Z. 

8.. Fremdenkolonie. 

Ist Berlin Weltstadt ? 

Belgien : 
Baron Greindl, Roonstr, 12, 

Exz., Außerord. Gesandter u. bevollmächtigter 
Minister. 

Graf L6on d'Ursel, Kronprinzenufer 13. Legationsrat. 
Fernand Peltzer, Legationssekretär. 
Gaston de Ramaix, Attache. 

Bulgarien : 

Nikyphoroff, Karlstr. 5 a. 

Generalmajor, diplomatischer Agent. 

Dr. Schlschmanow, Karlstr. 39, Sekretär. 

China : 

Yiutchang, Kurfürstendamm 218. 

Exz., Generalleutnant, außerord. Gesandter u. 
bevollmächtigter Minister. S. Tout Berlin. 

Kinginthai Tautai, Charlottenburg , Berlinerstr, 40. 
Beisitzer der Prov. Verwaltung, Legationssekretär. 



Fxemdenkolonie. ^y 

Dr. Tschiao Yütjü, Magistrat, Legationssekretär. 
Dschang Suyio, Kapitän, Attache. 

Dänemark : 

von Hegermann-Lindencrone, Voßstr. i*j, 

Exz., Kanunerherr, außerordentlicher Gesandter 
und bevoUmächtigter Minister. 

Graf Brockenhuus-Schacky Legationssekretär, KUyp- 
stockstr. 51. 

Frankreich : 

Bihourd, Exz., Botschafter. 
Prinet, Botschaftsrat. 
Romieu, 2. Botschaftssekretär. 
Ribot, 2. Botschaftssekretär. 
Seydoux, 2. Botschaftssekretär, 
de Beaumarchais, 3. Botschaftssekretär. 
Tailhaud, Attache, 
de Vaux, Attache. 

Comte de Laguiche, chef d'escadron d'artillerie. Milit. 
Attach6. 

Comte de Sugny, Kapitän zur See, Marineattach6. 
Henry Bourgeois, Konsul, Kanzleivorstand. 
Alle Pariser Platz 5. 

Griechenland : 

Cleon Rangab6, Rankestr. J. 

Exz., Außerord. (Gesandter u. bevollmächtigter 
Minister. 

Georges Caradia, Kurfüstenstr. 112. 
I. Legationssekretär. 

Großbritannien und Irland: 

The Right Honourable Sir Frank C. Lascelles, Wilhdm- 
sträße 70. Exz., Geh. Rat, Botschafter. S. Tout 
Berlin. 



^8 Fremdenkolonie. 

James Beethon Whitehead, Regentenstr, ly. 
Botschaftsrat. 

The Honourable Theo Rüssel, Margarethenstr. 8. 
2. Botschaftssekretär. 

The Earl Granville, 2. Botschaftssekretär. 

William S. H. Gastrell, Bendlerstr, 57. 
k Handelsattache u. 2. Botschaftssekretär. 

M. Wingfield) 3. Botschaftssekretär. 

Patrick de Bathe, Honorarattach6. 

Count A. P. W. Gleichen, Regentenstr, 2. 

Oberst, Militärattache. Ein Nachkomme der 
deutschen Sage. 

R. A. Allenby, Kaiserin Augustastr. 75/76. 
Kapitän, Marineattach6. 

Japan: 

Katsunosuko Inouy6, Tiergartensir. i6. 

Exz., außerordentlicher Gesandter u.. bevollm. 
Minister. 5. Toui Berlin. 

Otojiro Sasano, 2. Legationssekretär. 

Takugoro Oda, Luitpoldstr. 10. 3. Legationssekretär. 

Giro Kikutschi, Attache. 

Kikutaro Oi, Oberstleutnant, Militärattache. 

T. Takitawa, Habsburgerstr. 12. 

Kapitän zur See, Marineattach6. 

Italien : 

Graf Lanza di Busca, Wilhelmstr. 66. 

Exz., Generalleutnant, Botschafter. S. Toui 
Berlin. 

Cay. Mattioli Pasqualini, Botschaftsrat. 

Cay. Luca Orsini Baroni, Botschaftssekretär. 

Agostino Depretis, Attache. 

Graf Freschi, Attache. 



Fremdenkolonie. 



59 



Cav. Gastaldello, In den Zelten 75. 

Oberstleutnant vom Generalstabe, Flügeladjutant, 
Militärattache. 

Guiseppe Rossi, In den Zelten 5 a, 
Professor, Vizekonsul. 

Niederlande : 

Dr. Jonkheer D. A. W. van Tets van Goudriaan, Voß- 
Straße 16, Exz., Kammerherr, außerordentlicher 
(Gesandter u. bevollmächtigter Minister. 

Ritter W. L. F. C. v. Rappard, Königin Augustastr, 41. 
Gesandtschaftsrat. 

van Vollenhoven, Attache. 

Dr. F. A. Jansma van der Ploeg, Neue Winterfeldl- 
Straße 33, Kanzler. 

Österreich-Ungarn : 

Ladislaus von Szögy6ny-Marich von Magyar-Szögy6n 
und SzolgaegyhÄza, Moltkestr. j. 
Exz., Wirkl. Geh. Rat u. Kämmerer, Mitglied der 
Magnatentafel des Ungarischen Reichstags, Bot- 
schafter. 5. Toui Berlin. 

Dr. Graf Dionys Sz6ch6nyi von SÄrvdr u. Felsö-Vid6k, 
Viktoriastr. 26a, 

Kämmerer, erbliches Mitglied der Magnatentafel 
des Ungarischen Reichstags, Botschaftsrat. 

Franz Freiherr Riedl von Riedenau, Kronprinzen- 
ufer 14, Legationsrat. 

Dr. Laurenz Graf Szäpdry von Szäpär, Matthäikirch- 
Straße 27. Kämmerer, erbliches Mitglied der 
Magnatentafel des Ungarischen Reichstags, Lega- 
tionssekretär. 

Dr. Leon Freiherr von Vaux, Kronprinzenufer 20, 
Kämmerer, Legationssekretär. 

Fery Graf Kinsky, In den Zelten 16. 
Legationssebretär. 



5o Fremdenkolonie. 

Alois Klepsch-Kloth von Roden, Landgraf enstr, i8. 
Major im Greneralstabe, Flügeladjutant, Militär- 
attache. 

Dr. Freiherr Erwin von Ferstel, Hohenzollernstr, lo, 
Generalkonsul. 

Ottomanische Pforte: 

Tewfik Pascha, Alsenstr. J. 

Exz., Divisionsgeneral, Generaladjutant, Bot- 
schafter. 

Morel Bey, Hindersinstr, 3, Botschaftsrat. 

» 

Emin Bey, i. Botschaftssekretär. 

Chakir Djemal Bey, 2. Botschaftssekretär. 

Noury Bey, 3. Botschaftssekretär. 

Nazif Bey, Oberst im Generalstabe, Mihtärattach6. 

Persien : 

Hadji Mirza, Mahmoud Khan, Kadjar, Kurfürsten- 
dämm 213, Exz., Außerordentlicher Gesandter 
und bevollmächtigter Minister. 

Hovhann^ Khan, Emad-el-Vezareh, Pfalzburgerstr, 32. 
Legationsrat, Dolmetscher. 

Portugal : 

Vicomte de Pindella, Potsdamerstr. ii8a. 

Exz,, Pair von Portugal, außerordentlicher Ge- 
sandter u. bevollmächtigter Minister. 

Baron von Sendal, Legationsrat, i. Legationssekretär. 

Vicomte de Meirelles, Generalkonsul, Handelsattache. 

Rumänien : 

Dr. Alexander Beldiman, MoUkestr. 2, 

Exz., außerord. Gresandter u. bevoUm. Minister. 

N. Filodor, Kronprinzenufer 24, Legationssekretär. 



FremdeokoloDie . 5 1 

Rußland : 

Graf von der Osten-Sacken, Unter den Linden 7. 
Exz., Wirkl. Geh. Rat, Kammerherr. 5. Tout 
Berlin, 

Nicolas von Boulatzell, Unter den Linden y. 

Wirkl. Staatsrat u. Kammerherr, Botschaftsrat. 

Basil von Kroupensky, Unter den Linden y. 
Kollegiemrat, i. Botschaftssekretär. 

Wilhelm van der Vliet, IndenZeUenS. 
Kollegienrat, 2. Botschaftssekretär. 

Boris von Tatistschew, In den Zelten 9. 

Kollegienassessor, 2. Botschaftssekretär. 

Andr6 von Radkewitsch, Unter den Linden 7. 
Kollegienassessor, 3. Botschaftssekretär. 

Cyrill von Narischkine, Bendlerstr. ly, 
Kammerjunker, Attache. 

Valentin y. Golubew, Kaiserin Augustastr, 68, 

Geheimer Rat, Mitglied des Finanzministeriums, 
Attache für handelspolitische Angelegenheiten. 

Wadim von Schebeko, Sigismundstr, 6, 

Oberst im Generalstabe und Flügeladjutant, 
Militärattache. 

Fürst Dolgoroukow, In den Zelten 12. 
Fregattenkapitän, Marineattach6. 

von Artzimowitsch, Friedrich Wilhelmstr. 6a. 
Generalkonsul, Wirkl. Staatsrat. 

Graf J. A. Mussin-Pouschkin, Kollegienassessor, Vize- 
konsul. 

Schweden : 

Graf Taube, Bellevuestr, 7. 

Exz., außerord. Gesandter u. bevollm. Minister. 

Augustin Baron von Beck-Friis, 2. Sekretär im Ministe- 
rium des Auswärtigen Amtes, Legationssekretär 
ad. int., Attache. 



62 Frenidfliikoloiüe. 

Iwan Danielsson, Attache. 
Kraak, Kapitän, Marineattache. 

Schweiz : 

Dr. Alfred de Clapar^de» Rauchstr, 6. 

Exz., außerord. Gresandter u. bevollm. Minister, 

Dr. Deucher, Legationsrat. 

Henry Martin, Schöneherger Ufer 2g, Attach6. 

Serbien : 

Dr. jur. Michel G. Militschevitsch, Viktoriastr. 30. 
Exz., außerord. Gesandter u. bevollm. Minister. 

Dr. M. W. Radulovitch, Potsdamer str. 123. 
Legationssekretär. 

Spanien: 

Dr. jur. Ruata y Sichar, Maestrante y. Zaragoza, 
Regentenstr. 15. Exz., Kammerherr, Botschafter. 

Du Bosc, I. Botschaftssekretär. 

Don Alfredo de Mariitegui. Geisbergstr. 20. 
2. Botschaftssekretär. 

Caspar Castellano, Graf de Castellano, Attache. 

Graf del Pennen de la Vega, Fürtherstr. 2, 
Oberst, Militärattache. 

Vereinigte Staaten von Amerika: 

Charlemägne Tower, Am Königsplatz 4. 
Exz., Botschafter. 5. Toid Berlinm 

Henry Percival Dodge, Hohenzollernstr. 3. 

1. Botschaftssekretär. 

A. S. Reynolds Hitt, Bismarckstr. 3. 

2. Botschaftssekretär. 

Major Landon, Königsplatz 4, 

3. Botschaftssekretär. 

William L. Howard, Unter den Linden 68, 
Korvettenkapitän, Marineattach^. 



Politik. 63 

W. S. Biddle, Bendlerstr. 20, 

Kapitän der Infanterie, Militärattache, 

Frank H. Mason, Königin Augustastr, 43, 
Generalkonsul. 

Dean B. Mason, Vize- u. Deputy- Generalkonsul. 

Außerdem gibt es noch etwa 40000 nichtoffi- 
zielle, aber auch nur wenig bekannte Ausländer in 
Berlin, wovon die Hälfte österreichisch-ungarischer 
Staatsangehörigkeit. 

B. Berufe. 
I. Poütik. 

Berlin zUüt 6 Reichstags-Wahlkreise 
jnit 6 Mandaten und 4 Landtags-Wahl- 
bezirke mit 9 Mandaten. Das gibt regulär 
15 Berliner Parlamentarier. Ihre Zahl ist 
in Wirklichkeit viel größer. 

Die Reichstagsmitglieder für Berlin sind 
in der Mdirzahl sozialdemokratisch, im übri- 
gen freisimüg, die Berliner Landtagsabgeord- 
neten natürlich alle freisinnig. 

Dr. Friedrich Althoff, Unter den Linden 4, 

Direktor im Unterrichtsministerium. Bei ihm 
antichambriert das geistige Preußen. 5. Militär 
und Beamtentum. 

Prinz Franz von Arenberg, Hindersinstr, 6. 

Reichstag. Verbindlich und verbindend. An- 
träge. S. Tout Berlin und Hochadel. 

Dr. phil. Otto Arendt, Nürnbergerstr. 7. 

Reichstag. Abgeordnetenhaus. Freikonservativ, 
BimetaUistische Vergangenheit. 

Ignaz Auer, Kreuzbergstr, 30, 

Reichstag. Sozialdemokrat, aber Politiker. 

Dr. jur. Carl Bachem, Motzstr. 79. 

Reichstag. Dritte Führergeneration im Zentrum. 

Graf Franz von Ballestrem, Sommer str, 7. 

Präsident des Reichstags und Major a. D. 
Einst: „Pfui." Heute: „Hurrah." 



64 PoHtik. 

Dr. phil. Theodor Barth, Tiergartenstr. 57. 

Abgeordnetenhaus. Herausgeber der „Nation". 
Liberal sans phrase et avec. 

Ferdinand August Bebel, Habsburgerstr, 5. 

Reichstag. Sozialismus von gestern. Glaubt 
nicht alles, aber viel. S. Aristokratie. 

Eduard Bernstein, Hohenstaufenstr, 31. 

Reichstag» Professor der Sozialdemokratie. Bern- 
steinianer. S. Aristokratie, 

Dr. Theobald von Bethmann-Hollweg, Unter den Lin- 
den 72/^3. Minister des Innern. Wenn alle Blü- 
tenträume reifen ! 

Dr. Tonic Bödiker, N ollendorf platz i. 

Präsident des Reichsversicherungsamtes a. D. 
Nicht offiziell, aber tatsächlich der Schöpfer 
unserer bahnbrechenden Arbeiterzwangsversiche- 
rung. 5. Tout Berlin und Technik. 

Dr. Hugo Böttger, Filandastr. 34, 

Reichstag. Nationalliberal-akademischer Jugend- 
schriftsteller. O alte Burschenherrlichkeit! 

Max Broemel, Matthäikirchstr, 6. 

Abgeordnetenhaus. Freisinnige Vereinigung* 

Wilhelm Bruhn, Friedrichstr, 16. 

Reichstag. Verleger der „Staatsbürger-Zeitung". 
Antisemit. Konitz. Strafprozesse. 

Hermann von Budde, Voßstr. 33. 

Eisenbahnminister. Ideal: Preußisch -hessisch - 
ba5nisch - württembergisch - badische Reichseisen- 
bahngemeinschaft vierter Klasse mit Platzkarte 
und Simplizissimusverbot. 

Henri Bueck, Karlsbad 4a, 

Generalsekretär des Zentralverbandes deutscher 
Industrieller. Geschäftsführer für Schutz der 
nationalen Arbeit und Arbeitgeber. Landwirt- 
schaftliche Minimalzölle. 



PoUtik. 65 

Fürst Bernhard von Bülow, Wühelmstt, 77, 

Der vierte Reichskanzler. Der dritte Fürst-Reichs- 
kanzler. Der zweite gefürstete Reichskanzler. 
Der erste Dichter-Fürst-Reichskanzler. 5. TotU 
Berlin und Hochadel, 

Dr. Oskar Cassel, Luisenstr. 36, 

Landtag. Stadtverordneter u. Justizrat. Lokal- 
liberal. 

Friedrich Dasbach, Kaplan. 

Reichstag, Abgeordnetenhaus. Zentrumsjouma- 
list. Der Zweck heiligt nicht die Mittel. 

Karl von Einem, gen. Rotmaler, Leipzigerstr, 5. 

Kriegsminister. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht! 

Graf Botho zu Eulenburg, Brückenallee 2. 

Staatsminister a. D. Pflegte der kommende Mann 
zu sein. Schon der Namen ein System. 

Ernst von Eynern, Mohrensir. 66. 

Abgeordnetenhaus. Rentner. Nationalliberal in 
des Worts verwegenster Bedeutung. 

Otto Fischbeck, Burggraf enstr. 16. 

Stadtrat. Abgeordnetenhaus. Skandal-liberal, 
Podestabüe. 

Dr. jur. Otto Fischer, Kleiststr. 25. 

Geh. Rat, Ministerialdirektor, stellvertretender 
Kgl. Sachs. Bundesratsbevollmächtigter. Mir 
Sachsen sein helle! Rhetorik. 

Dr. jur. Richard Freund, Karlsbad 33. 

Sozialpolitiker von Bedeutung, sogar in amthcher 
' Stellung. 5. Militär und Beamtentum. 

Otto Gabel, Königin Augustastr. 25/27. 

Präsident des Reichsversicherungsamts. (Wir 
brauchen keinen Bödiker.) 

Carl Gamp, Potsdamerstr, 22a, 

Abgeordnetenhaus. Freikonservativ. Wirkl. Geh. 
Oberregierungsrat. Vielseitig. 

Berlin und die Berliner. 5 



66 PoUtik. 

Helmuth von Gerlach, GefUhinerstr. 75. 

Reichstag. Regierungsassessor a. D. Sozialliberal. 
Sic transit gloria nominis. 

Dr. phil. Georg Gradnauer, Gr. -Lichter felde, PauHnen- 
Straße 6. Reichstag. Redakteur des „Vorwärts". 
Radikal. S. Aristokratie, 

Adolf Gröber, Schützenstr, 25, 

Reichstag. Landgerichtsrat. Zentrumsführer. 
„Der Unteroffizier auch ein Stellvertreter Gottes 
auf Erden.'* 

Wolfgang Heine, Alt-Moabit loB. 

Reichstag. Rechtsanwalt. Sozialdemokrat, Re- 
visionist mit Vorsicht. S. Aristokratie. 

Dr. Otto Hermes, Unter den Linden 13, 

Reichstag, Abgeordnetenhaus. Stadtverordneter. 
Aus der alten Fortschrittspartei, daher historisch 
interessant. 5. Wissenschaft, 

Freiherr Heyl zu Hermsheim, Hotel Continental, 
Reichstag. Feudalliberal. 

Arthur Hobrecht, Gr, -Lichterfelde, Bahnhofstr, 42, 
Abgeordnetenhaus, Ehrenbürger von Berlin. Na- 
tionalliberal wie zur Zeit der Reichsgründung. 
Finanzministeü a. D. Auch Preußen hat es ein- 
mal mit Whigs versucht. 

Graf Paul von Hoensbroech, Gr, -Lichter felde, Drake- 
straßeyg, Jesuit von Vergangenheit, Protestant 
mit Zukunft. 

Edzard Fürst zu Inn- und Kn3rphausen, Leipzigerstr, 3. 
Präsident des Herrenhauses. S. Hochadel, 

Johannes Kaempf, Hohenzollernstr, 8, 

Stadtältester. Reichstag. Paladin Eugen Richters. 
S. Moderne Patrizier, 

Graf H. W. A. von Kanitz, Behrenstr. 64, 

Reichstag u. Abgeordnetenhaus. Majoratsbesitzer. 
Mann der großen Mittel u. geflickten Strohdächer. 



PoUtik. ßj 

Wilhelm von Kardorff, Behrenstr, i8, 

Reichstag und Abgeordnetenhaus. Ritterguts- 
besitzer. „Also sprach Bismarck." 

Dr. Karl Peter Klügmann, Tiergartenstr. i*ja. 

Bundesratsbevollmächtigter der Hansestädte. 
Offizieller Vertreter des monarchischen Republi- 
kanismus. 

Julius Kopsch, Dieffenbachstr. 51. 

Reichstag. Landtag. Rektor. Magistral-liberal. 

Reinhold Krätke, Leipzigerstr. 14/15. 

Reichspostsekretär. Kein Stephan, kein Pod- 
bielski. 

Jordan von Kröcher, Leipzigerstr. 4. 

Reichstag. Präsident des Abgeordnetenhauses. 
Hauptritterschaftsdirektor. 

Herr von Kröcher 
Strebt bald noch höcher. 

Dr. phil. Herm. Kropatscheck, Siegmundshof 16. 

Abgeordnetenhaus. Professor, Chefredakteur der 
„Kreuzzeitung". Le premier de ses ancetres. 

Dr. phil. Arthur Levysohn, Steglitzer stf. 2. 

Chefredakteur des „Berliner Tageblatts*'. Ge- 
schätzter Sonntagspolitiker. S. Presse. 

Max Liebermann von Sonnenberg, Holtzendorffstr. 20. 
Reichstag. Zionist. 

Graf von Limburg-Styrum, Friedrichstr. 100. 

Reichstag, Landtag. Gesandter a. D. Regierungs- 
konservativ. 

Dr. Hermann von Lucanus, Wilhelmstr. 64. 

Chef des Zivilkabinetts. Gehört eigentlich nicht 
in „Politik". 5. Beamtentum. 

Otto Freiherr von Manteuffel, Matthäikirchstr, 20. 
Herrenhaus. Preußens Zukunft. S. Landadel, 

Graf von Mirbach-Sorquitten , Hospiz vor dem 
Brandenburger Tor. Herrenhaus. Konservativer 
Führer der früheren Konservativen. 



68 Politik. 

Theodor Möller, Leipzigerstr, 2, 

Handelsminister. Lerne leiden, ohne zu klagen. 
Karl Mommsen, Kurfürstenstr, 82. 

Reichstag, Stadtverordneter. Sohn Theodor 

Mommsens. Wirtschaftsfragen. 
Dr. Otto Mugdan, Kurfürstenstr . X3g, 

Reichstag, Stadtverordneter. Medizinal-liberal. 
Dr. Ernst Müller, gen. Müller-Meiningen. 

Reichstag. Landgerichtsrat. Universal-liberal. 
Dr. Hermann Müller, gen. Müller-Sagan, Zimmerstr, 8. 

Reichstag. Unser Fortschritt liegt nicht auf dem 

Wasser. 
Richard Müller, gen. Müller-Fulda, Hospiz vor dem 

Brandenburger Tor. 

Rentier. Unser Zentrum liegt auf dem Wasser. 
Dr. Friedrich Naumann, Hohenfriedbergstr, 11, 

Begründer der nationalsozialen Richtung. Be- 
deutender liberaler Agitator. Pfarrer a. D. 

Dr. Arnold Nieberding, Voßstr, 5. 

Staatssekretär des Reichsjustizamts. Darf die 
preußischen Kollegen verteidigen. 

Dr. Hermann Paasche, Rankestr. 16. 

Reichstag, Abgeordnetenhaus. Professor, Geh. 
Regierungsrat, Guts- und Fabrikbesitzer. Fach- 
mann in NationalhberaHsmus, Zucker und Staats- 
geheimnissen. 

Viktor von Podbielski, Leipzigerstr, 5/9- 

Minister f. Landwirtschaft. Reichspostsekretär a. 
D., Husarengeneral z. D., Wasserbaukanzler in spe. 

Dr. Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, Wilhelm- 
straße 74. Staatssekretär des Innern. Nicht 
einmal dieser kann es jedem recht machen. 

Graf Ludwig zu Reventlow, Central-Hotel. 

Reichstag. Rittergutsbesitzer. Mindestens originell. 

Georg Kreuzwendedich von Rheinbaben, Am Festungs- 
graben i. Finanzminister. Miquels Epigone. Schon 
in der Taufe prädestiniert. 



Politik. 69 

Eugen Richter, Gr, -Lichter felde, Sternstr, 22, 

Reichstag, Landtag. Berühmt durch Bismarcks 
„Der Herr Abgeordnete Richter hat gesagt:" 

Dr. Oswald Freiherr von Richthofen, Königgrätzer- 
Straße 136. Staatssekretär des Auswärtigen Amts. 
Bringt die Sache gewöhnlich wieder ins Gleis. 

Dr. Viktor Rintelen, Landgraf enstr. 8. 

Reichstag, Abgeordnetenhaus. Kammergerichts- 
rat. Zentrum. Zurückhaltend. 

Hermann Roeren, Anhaltstr. 10. 

Reichstag. Abgeordnetenhaus. Oberlandesge- 
richtsrat. Zentrum. Lex Goethe. 

Dr. phil. Karl Sattler, Fasanenstr, 55. 

Reichstag, Abgeordnetenhaus. 2. Direktor der 
Staatsarchive. Nationalliberal von Fall zu Fall, 
von Umfall zu Umfall, aber in jedem Fall. 

Dr. Franz Xaver Schaedler, Kaiserstr, 36a, 
Reichstag. Schwarz-blau-weiß. 

August Scherl, Zimmerstr. 37/41* 

Organ der gouvernemental-parteilosen Politik. 
5. Tout Berlin und Moderne Patrizier, 

Ernst Günther, Herzog zu Schleswig-Holstein, Hotel 
Bristol, Bruder der Kaiserin. Hoheit. Herren- 
haus. S. Hochadel, 

Dr. Karl Schoenstedt, Wilhelmstr, 65, 

Justizminister noch während der Drucklegung 
dieses Buches. „Warte nur, balde " 

Dr. Schultz, Linkstr. 44, 

Präsident des Reichseisenbahnamts. Das gibt es ! 

Paul Singer, Lindenstr, 4, 

Reichstag. Kapitalsozialist. 5. Aristokratie, 

Dr. Peter Spahn, Hospiz im Zentrum, 
Reichstag. Reichsgerichtsrat. 

„Schön ist ein Zylinderhut, 
Wenn man ihn besitzen tut." 



70 Politik. 

Arthur Stadthagen, Corneliusstr, 3, 

Reichstag. Sozialdemokrat. „Heiß* mich nicht 
reden, laiS mich schweigen, denn " 

Freiherr Hermann von Stengel, Wühelmstr. 61. 

Staatssekretär des Reichsschatzamts. Finanz- 
reform mit Verdoppelung der Einnahmen und 
Herabsetzung der Steuern. 

Dr. Adolf Stöcker, Königgrätzerstr, 46 b. 

Hof- u. Domprediger a. D. Reichstag. Scheiter- 
haufenbrief. 5. Kirchen und Sekten, 

Dr. Udo Graf zu Stolberg-Wernigerode, Kaiserhof. 
Erster Vizepräsident des Reichstags. Das Glöck- 
chen im Dezembersturm. 5. Hochadel, 

Dr. Konrad Studt, Unter den Linden 4, 

Unterrichtsminister. Wilhelm von Humboldt 
anno 1905. Ehrenmitglied der Akademie. 

Dr. Albert Südekum, Düsseldorf erstr, 10, 

Reichstag. Rentier. Chauffeur-socialiste. 
5. Aristokratie, 

Christoph von Tiedemann, Wichmannstr, 12 c. 
Regierungspräsident a. D. 5. Beamtentum, 

Daher der Name Hakatismus. H = Hansemann, K = 
Kennemann, T = Tiedemann. Das Ganze ein Kreuz- 
zug gegen das Polentum in Preußen. 

Alfred von Tirpitz, Leipziger platz 14, 

Admiral. Reichs-Marinesekretär. Läßt schimpfen 
und baut Schiffe. 

Albert Träger, Behrenstr, 54. 

Reichstag, Landtag, Parnaß. S, Tout Berlin, 

Octavio Freiherr von Zedlitz und Neukirch, Hotel de 
Russie, Abgeordnetenhaus. Präsident der See- 
handlung a. D. Der tatsächliche Leiter der gegen- 
wärtigen preußischen Politik. 

Fritz Zubeil, Elisabethufer 21, 

Reichstag. Expedient des „Vorwärts**. Bebeis 
Getreuester. 5. Aristokratie, 



Wissenschaft ^ I 

2. Wissenschaft. 

Das sieht schon besser aus! 
Man weiß doch, wo und wie! 

Dr. jur. Max Apt, Magdeburgerstr, jj. 

Syndikus der Ältesten der Kaufmannschaft. 
Volkswirtschaft. Deutsche Wirtschaftszeitung. 

Friedrich Archenhold, Treptow. 

Direktor der Treptow-Sternwarte. 

Dr. med. et phil. Richard Aßmann, Seestr. 6i. 

Geh. Regierungsrat, Universitätsprofessor. Meteo- 
rologie. Wissenschaftliche Luftschifferei. 

Dr. Arthur Auwers, Lindenstr. gi. 

(Jeh. Oberregierungsrat, Professor, Kanzler des 
Ordens pour le m^rite. Astronomie. 

Dr. Adolf Baginsky, Potsdamer stf. 5. 

Universitätsprofessor. Kinderheilkunde . 

Dr. phil. Paul Bailleu, Eislebenerstr. 13. 
Greh. Archivrat. Geschichte. 

Dr. phil. Ernst Bardey, Cauerstr. 3. 
Professor, (beschichte. 

Dr. phil. Wolf Wilhelm Graf von Baudissin, Hohen- 
zollernstr. 22, Theologie. 

Prof. Dr. Ernst von Bergmann, Alexander u^ er i, 
Exz., Professor. Chirurgie. S. Tout Berlin, 

Dr. Albert Berner, Bismarckstr. 11, 

Geh. Justizrat, Professor. Jurisprudenz. 

Dr. phil. Wilhelm von Bezold, Lützowstr, 72. 

Direktor des Kgl. meteorol. Instituts, Geh. Ober- 
regierungsrat, Professor. 

Dr. Rudolf Biedermann, Steglitz^ Gnmewaldstr. 5. 
Universitätsprofessor. Chemie. 

Dr. Richard Böckh, Grunewald, Wangenheimstr. 7. 
Professor, Geh. Regierungsrat, Direktor b. Stadt. 
Statist. Amt. Sohn August Böckhs. 



^2 Wissenschaft. 

Dr. jur. med. phil. h. c. TonioBödikerfNollendorf platz i. 
Wirkl. Geh. Oberregierungsrat. Volkswirtschaft. 
5. Tout Berlin, Politik und Technik. 

Dr. phil. Richard von der Borght, Lützowufer 8, 

Präsident des Kais. Statist. Amtes. Volkswirt- 
schaft. 5. Beamtentum, 

Dr. jur. Konrad Bornhak, Blücherplatz i , 

AußerordentLUniversitätsprofessor,Amtsgerichts- 
rat a. D. Staatsrecht. 

Dr. phil. et rer. nat. Wilhelm von BrancOy Maaßenstr, 35. 
Geh. Bergrat, ordentl. Professor f. Geologie u. 
Paläontologie a. d. Univ., Mitgl. d. Akademie d. 
Wissenschaften. 

Dr. phil. Alois Brandl, Kaiserin Augtcstastr. 72. 

Ordentl. Universitätsprofessor, Mitgl. d. Akadem. 
der Wissenschaften. Englische Sprache und 
Literatur. 

Dr. phil. Kurt Breysig, Schmargendorf, Sulzaerstr. 14. 
Außerordentl. Universitätsprofessor. Soziologie. 

Dr. Heinrich Brunner, Lutherstr. 36, 

Geh. Justizrat, ordentl. Professor a. d. Universität. 
Mitgl. d. Akademie d. Wissenschaften. Deut- 
sches Recht. 

Dr. Eduard Buchner, Wilsnackerstr, 3. 

Professor, Privatdozent a. d. Univ., Vorstand d. 
ehem. Laboratoriums d. Landwirtschaftl. Hoch- 
schule. 

Dr. phil. Konrad Burdach, Grunewald, Paulsbornerstr.8. 
Mitgl. d. Akademie d. Wissenschaften, ordentl. 
Universitätsprofessor. Germanist. 

Dr. phil. Alexander Conze, Grunewald, Wangenheim- 
Straße ly. Professor. Archäologie. 

Dr. jur. Paul Daude, Bülowstr. 10, 

Geh. Regierungsrat, Universitätsrichter, Justitiar 
der Kgl. Bibliothek, Vors. der Preuß. Sachverst.- 
Kammem u. Vereine. Strafrecht. 5. Lehranstalten. 



Wissenschaft. 



7Z 



Dr. phil. Hans Delbrück, Knesebeckstr. 30. 

Universitätsprofessor. Herausgeber der Preußi- 
schen Jahrbücher. Geschichte, Politische Aufsätze. 

Dr. Max Delbrück, Fasanenstr. 44, 

Geh. Regierungsrat, Professor an der Landwirtsch. 
Hochschule. 

Dr. Friedrich Delitzsch, Knesebeckstr. jo. 

Ordentl. Professor an der Universität, Direktor 
der vorderasiatischen Abteilung der Museen. 
OrientaUst. S. Toi4 Berlin, 

Dr. Heinrich Dernburg, Kirschenallee 23. 

Geh. Justizrat, Universitätsprofessor. Römisches 
und bürgerliches Recht. 

Dr. phil. Hermann Diels, Kleiststr. 21, 

Geh. Regierungsrat, Universitätsprofessor. Phi- 
losophie. Derzeit Rektor der Universität. 

Dr. phil. Wilhelm Dilthey, Burggrafensir. 4. 

Ordentlicher Universitätsprofessor. Philosophie. 
Biograph Schleiermachers. 

Dr. Wilhelm Dönitz, Lindenstr. 27. 

Professor, Geh. Medizinalrat, Abteil.-Vorstand 
am Institut für Infektionskrankheiten. 

Dr. Erich von Drygalski, Schiffbauerdamm 2y. 

Universitätsprofessor. Geographie. Führer der 
Südpolarexpedition auf der „Gauß**. 

Dr. phil. Ludwig Elster, Bambergerstr. 5. 

Professor, Geh. Oberregierungsrat, Vortragender 
Rat im Kultusministerium. Volkswirtschaft. 

Dr. med. Theodor Engelmann, Neue Wilhelmstr. 13. 
Geh. Medizinalrat, ordentl. Universitätsprofessor, 
Direktor des physiologischen Instituts. 

Dr. Adolf Engler, DaMen b. Berlin-Steglitz, Botanischer 
Garten. Geh'. Regienmgsrat, Professor, Direktor 
des Botan. Gartens. 

Dr. phil. Hugo Erdmann, Charlottenburgy Bismarck- 
Straße 12. Professor, Direktor des anorganischen 
Laboratoriums der Technischen Hochschule. 



74 



Wissenschaft. 



Dr. med. Albert Eulenburg, Lichtensteinallee 3, 
Geh. Medizinalrat, Professor. Neurologie. 

Dr. C. A. Ewald, Rauchstr. 41. 
Professor. Innere Medizin. 

Dr. phil. et med. Emil Fischer, Hessischestr, 1/3. 

Geh. Regierungsrat, Universitätsprofessor, Direk- 
tor des I. Chem. Instituts. 

Dr. phil. Wilhelm Foerster, Ahornallee 40, 

Ordentl. Universitätsprofessor, Geh. Regierungs- 
rat. Astronomie. Gesellschaft für ethische Kultur. 

Dr. oec. pol. Ernst Francke, Nollendorfstr. 2g/30. 
Professor, Herausgeber der „Sozialen Praxis'', 
Generalsekretär der Gesellschaft für soziale Re- 
form. Volkswirtschaft. 

Dr. phil. Benedikt Friedlaender, Potsdatnerstr. 121a. 
Naturwissenschaft, Sozialökonomie. 

Dr. phil. Max J. Friedländer, Viktoriastr, 16, 

2. Direktor der Kgl. Gemäldegalerie. Kunstge- 
schichte. 

Dr. phil. Georg Frobenius, Leibnizstr. 70, 

Ordentl. Universitätsprofessor, Mitgl. d. Akad. d. 
Wissenschaften. Mathematik. 

Dr. Georg Gaffky, Klopstockstr. 51. 

Professor, Direktor des Instituts für Infektions- 
krankheiten. Bakteriologie. 

Dr. phil. Ludwig Geiger, Schaperstr. 8, 

Außerordentl. Universitätsprofessor, Herausgeber 
des Goethe -Jahrbuchs. Deutsche Literatur- 
geschichte. 

Dr. phil. Rudolf Gen^e, Viktoriastr. 12, 

Professor. Literaturgeschichte. Shakespeare- 
Bacon. Auch Dramatiker. 

Dr. jur. Otto Gierke, Carmerstr. 11, 

Geh. Justizrat, ordentl. Universitätsprofessor. 
Deutsches Recht. 



M^ssooschaft. y^ 

Hugo Gleditsch, Kurfürstendammyi. 
Professor. Klassische Philologie. 

Dr. phil. Paul Güßfeldt, Beethovenstr. i, 

Professor, Geh. Regierungsrat. Geographie. Be- 
gleiter des Kaisers auf den ersten Nordlands- 
reisen. 

Dr. med. Albert Guttstadt, Genthinerstr. 12. 
Professor, Geh. Medizinalrat. 

D. Dr. med. h. c. Adolf Harnack, Fasanenstr, 43. 

Ordentlicher Universitätsprofessor. Theologie. 

Direktor der Kgl. Bibliothek. 5. Kirchen und 

Sekten. 
Dr. phil. Ludwig Heck, Zoologischer Garten. 

Direktor des Zoologischen Gartens. 

Dr. phil. Gustav Hellmann, Margarethenstr. 2/3. 
Professor, Geh. Regierungsrat. Meteorologie. 

Dr. jur. Konrad Hellwig, Kurfürstendamm 202. 
Ordentl. Universitätsprofessor. Jurisprudenz. 

Dr. phil. Otto Hermes, Flensburger str. i. 

Direktor des Aquariums. Zoologie. S. Politik. 

Dr. phil. Max Herrmann, Augsburgerstr. 47. 
Professor. Literaturgeschichte. ^ 

Dr. med. et phil. Oskar Hertwig, Grunewald, Wangen- 
heimstr. 28. Ordentl. Universitätsprofessor, Geh. 
Medizinalrat. 

Dr. Otto Heubner, Kronprinzenufer 12. 

Universitätsprofessor, Geh. Medizinalrat, Direktor 
der Klinik u. PoHklinik f. Kinderkrankheiten i. d. 
Charit^. 

Dr. phil. Friedrich Freiherr Hiller von Gärtingen, Cour- 
biirestr. 15. Professor. Archäologie. 

Prof. Dr. J. Hirschberg, Schiffbauerdamm 26. 
Geh. Medizinalrat. Augenheilkunde. 

Dr. phil. Otto Hirschfeld, Carmerstr. 3. 

Ordentl. Universitätsprofessor, Geh. Regierungs- 
rat. Römische Geschichte. 



^6 Wissenschaft. 

Dr. Jakobus Hendrikus van t'Hoff, Charlottenburg, 
UMandstr, 2, Ordentl. Universitätsprofessor, Mit- 
glied der Akademie der Wissenschaften. Chemie. 
Nobelpreis. 

Dr. jur. Bernhard Hübler, Landgraf enstr. 3, 

Geh. Oberregierungsrat, ordentl. Universitäts- 
professor. Jurisprudenz. 

Graf Robert Hue de Grais, Königsplatz 5, 

Wirkl. Geh. Oberregierungsrat, Regierungspräsi- 
dent a. D. Verwaltungsrecht. 

Dr. phil. Ignaz Jastrow, Charlottenburg, Berlinerstr. 54. 
Universitätsdozent, Stadtrat, Herausgeber des 
„Arbeitsmarkt". Volkswirtschaft. 

D. Dr. phil. Julius Wilhelm M. Kaftan, Steglitz, Kaiser 
Wilhelmstr, 12. Ordentl. Universitätsprofessor, 
Oberkonsistorialrat u. Mitgl. des evangel. Ober- 
kirchenrats. 

Dr. jur. D. Wilhelm Kahl, Kurfürstenstr. 114, 

Geh. Justizrat, ordentl. Universitätsprofessor. 
Strafrecht. Klassische Richtung. 

Dr. phil. Reinhard Kekule von Stradonitz, Landgrafen- 
Straße ig, Ordentl. Universitätsprofessor, Direk- 
tor der Sammlung der antiken Skulpturen. 

Dr. jur. Theodor Kipp, Meinekestr, 20, 

Ordentl. Universitätsprofessor, Geh. Justizrat. 
Bürgerliches Recht. 

Dr. phil. Adolph Kirchhoff, Matthäikirchstr, 23, 

Ordentl. Universitätsprofessor, Geh. Regierungs- 
rat. Klassische Philologie. 

Dr. jur. et rer. pol. h. c. Richard Koch, Oberwallstr, lo/ii, 
Exz., Wirkl. Geh. Rat, Präsident der Reichs- 
bank. Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft. 
5. Banken, 

Dr. med. Robert Koch, Kurfürstendamm 25, 

Ordentl. Universitätsprofessor, Geh. Medizinalrat. 
Begründer der Bakteriologie. 



Wisseosdiaft 



77 



Dr. Carl Köhler, Klopstockstr, i8. 

Wirkl. Geh. Oberregierungsrat, Präsident des 
Reichsgesundheitsamts. 

Dr. jur. Jos. Kohler, Kurfürstendamm 216. 

Ordentl. Universitätsprofessor. Rechtswissen- 
schaften usw. usw. 

Dr. Franz König, BrückenaUee 35, 

Geh. Medizinahrat, Direktor der Chirurg. Klinik 
in der Charit^. 

Dr. Reinhold Koser, Carmerstr. 9. 

Historiograph des preuß. Staates. Geschichte. 
S. Militär und Beamtentum, 

Prof. Dr. Friedrich Kraus, Brückenallee 7. 
Geh. Medizinalrat. Innere Medizin. 

Dr. phil. Hans Landolt, Albrechtstr. 13/14. 

Geh. Regierungsrat, ordentl.Universitätsprofessor, 
Mitgl. d. Akademie der Wissenschaften. Physik. 

Dr. jur. et phil. Carl Lehmann, Marburgerstr. 6. 
Außerordentl. Universitätsprofessor. Geschichte. 

Dr. Max Lenz, Augsburgerstr, 52. 

Universitätsprofessor. Geschichte. 

Dr. Ernst von Leyden, Bendlerstr, 13, 

Professor, Geh. Medizinalrat. Innere Medizin. 
5. Tout Berlin. 

Dr. jur. Franz von Liszt, Hardenbergstr. ig, 

Ordentl. Universitätsprofessor, Geh. Justizrat. 
Strafrecht. Reformrichtung. 

Dr. med. et phil. Felix von Luschan, Friedenau, Begas- 
Straße 9. Direktor am Museum für Völkerkunde, 
außerordentl. Universitätsprofessor. 

Dr. £. Mendel, Schiffbauerdamm 2g, 
Professor. Psychiatrie. 

Dr. Carl Möbius, Sigismundstr, 8. 

Professor, Direktor des Zoologischen Museums. 



yS Wissenschaft. 

Dr. med. Alb. Moll, Blumeshof g. 
Neurologie. Sexualpathologie. 

Dr. med. Johs. Orth, Grunewald^ Humboldtstr, i6, 
Professor, Geh. Medizinalrat. Nachfolger Virchows. 

Dr. jur. Alb. Oisterrieth, Wühelmstr. 57/58. 
Urheberrecht. 

Dr. phil. Friedr. Paulsen, Steglitz^ Fichtestr. 31. 
Professor für Philosophie. 

Dr. Otto Pfleiderer, Gr, 'Lichterfelde, Marienplatz 7. 
Professor. Theologie. S. Kirchen und Sekten, 

Dr. phil. Jul. Alb. von Pflugk-Harttung, Spenerstr. 23. 
Archivrat. Geschichte. 

Dr. phil. Martin Philippson» Klopstockstr, 24. 
Universitätsprofessor a. D. Geschichte. 

Dr. phil. Adolf Pinner, Luisenstr. 56, 

Universitätsprofessor, Geh. Regierungsrat. 
Chemie. 

Dr. phil. Richard Pischel, Haiensee, Joachim Fried- 
richstr. 47. Geh. Regierungsrat. Sanskrit. 

Paul Pochhammer, Gleditschstr. 47. 

Oberstleutnant a. D., Dozent an der Humboldt- 
Akademie. Dante-Forscher. 

Dr. phil. Karl Reinhardt, Kurfürstendamm 212. 

Vortr.Rat im Unterrichtsministerium. Pädagogik. 
Reformgymnasium. 

Dr. phil. et med. h. c. Freiherr Ferdinand von Rieht- 
hofen, Kurfürstenstr, 117. Geh. Regierungsrat, 
ordentl. Universitätsprofessor, Direktor des Geo- 
graphischen Instituts u. des Instituts für Meeres- 
kunde. 

Viktor Ring, Schönebergeruf er 46, 

Kanmiergerichtsrat. Bürgerliches Recht. 

Dr. phil. Gustav Roethe, Westend, AhornaUee 30. 
Universitätsprofessor. Mitglied der Akademie. 
Germanist. 



Wissenschaft. 



79 



Dr. med. Rubner, Kurfürstenstr. gga. 

Universitätsprofessor, Geh, Regierungsrat, Direk- 
tor des Hygien. Instituts. 

Dr. phil. Eduard Sachau, Wortnsersir. 12. 

Universitätsprofessor, Geh. Reg.-Rat, Direktor 
des Seminars für oriental. Sprachen. 

Dr. phil. Dietrich Schäfer, Steglitz, Friedrichstr. 78. 
Universitätsprofessor, Mitgl. der Akademie der 
Wissenschaften, Geh. Rat. Geschichte. 

Dr. phil. Theodor Schiemann, Charlottenburg, UMand- 
Strasse 180. Professor, Lehrer an der Kriegs- 
akademie. Historiker. Äußerer Politiker der 
Kreuzzeitung. 

Dr. oec. pol., jur. et phil. h. c. Gustav Schmoller, 
Wortnserstr.ij. Universitätsprofessor. Begründer 
der historischen Richtung in der Volkswirtschaft. 
MitgUed des Herrenhauses. 

Dr. phil. Richard Schöne, Tiergartenstr, 27a. 

Wirkl. Geh. Rat, Generaldirektor der Kgl. Museen. 
Kunstgeschichte. 

Dr. jur. Friedrich Schollmeyer, Carmerstr. j. 

Ordentl. Universitätsprofessor, Geh. Justizrat. 
Jurisprudenz. 

Dr. jur. Max Schultzenstein, Motzstr, 86. 

Senatspräsident des Oberverwaltungsgerichts, 
öffentliches Recht. 

Dr. phil. Hermann Amandus Schwarz, Grunewald, 
Humboldtstr, 33. Universitätsprofessor, Geh. Re- 
gierungsrat. Mathematik. 

Dr. phil. et med. Georg Schweinfurth, Potsdamer- 
Straße 75a. Professor. Geographie. Afrikaforscher. 

Dr. Hermann Senator, Bauhof str, 7. 

Professor, Geh. Medizinalrat. Pathologie. 

Dr. phil. Georg Simmel, Berlin-Westend, 

Professor. Philosophie. Moderne Ästhetik. 



8o Wissenschaft. 

Dr. jur. h. c. et phil. Adolf Stölzel, Lützowstr. 76. 
Honorarprofessor, Krons5mdikus, Wirkl. Geh. Rat. 
Jurisprudenz. S. Beamtentum. 

D. Dr. phil. Herrn. Strack, Gr. 'Lichterfelde, Ring- 
straße 7J. Professor. Theologie. 

Dr. phil. Karl Stumpf, Augsburger str, 61. 

Universitätsprofessor. Psychologie. Der kluge 
Hans! 

Dr. phil. Adolf Tobler, Kurfürstendamm 25. 
Universitätsprofessor. Philologie. 

Dr. med. et chir. Adalbert Tobold, Ansbacherstr . 5. 
Universitätsprofessor, Geh. Medizinalrat. Laryn- 
gologie. 

Dr. jur. et phil. Joh. Vahlen, Genthinerstr, 22, 

Universitätsprofessor, Geh. Regierungsrat, Direk- 
tor des philolog. Seminars. 

Dr. jur. et phil. Adolf Wagner, Lessingstr. 51. 

Universitätsprofessor, Geh. Regierungsrat. Finanz- 
wissenschaft, Volkswirtschaft. 

Dr. med. jur. et phil. Wilh. Waldeyer, Lutherstr. 35. 
Professor, Geh. Medizinalrat. Anthropologie, 
Medizin. 

Dr. phil. Otto Warburg, Uhlandstr. 175. 
Professor am orientalischen Seminar. 

Dr. phil. Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, Char- 
lottenburg, Eichenallee 12, Universitätsprofessor. 
Philologie. Sophokles - Übersetzer. Mommsens 
Schwiegersohn. 

Dr. phil. Otto Witt, Siegmundshof 21. 

Professor, Geh. Regierungsrat, Chemiker. 

Dr. phil. Heinrich Wölfflin, Tiergartenstr. 18. 

Universitätsprofessor. Kunstgeschichte. Her- 
mann Grimms Nachfolger. 

Dr. jur. et phil. Friedrich Zahn, Landshuterstr. 34. 
Professor. Regierungsrat. Volkswirtschaft. 



Technik und GroBindustrle. gl 

3. Technik und Großindustrie. 

Der Deutsche, sagte Gambetta, ist 
ein Barbar, der das Polytedinikum 
absolviert hat. Gambetta kannte das 
moderne Beiiin nicht. 

Gustav Anklam, Friedrichshagen. 

Oberingenieur, Direktor der Müggelsee- Wasser- 
werke. S. Technische Anlagen. 

Otto Antrick, MüUerstr. 170/1. 

Chemische Fabrik auf Aktien (vorm, E. Schering). 

Graf Georg Wilhelm von Arco, Karlsbad ib. 

Ingenieur. Begründer und Leiter der „Telefun- 
ken", Gesellschaft für drahtlose Telegraphie. 

Rudolf Aßmann, Kalckreuthstr. 9. 
Geh. Marinebaurat. 

Bernhard Baare, Alsenstr. 8. 

Kommerzienrat. Hauptvertreter des Bochumer 
Stahlwerkverbands. 

Carl Bechstein jun., Neustädtische Kirchstr. 12. 

Fabrikant. Firma C. Bechstein, Pianofortefabrik, 
Johannisstr. 6 und Grünauerstr. 38. 

E. Becker, Reinickendorf-Ost, Oranienb. Chaussee 18 j 24. 
Maschinenfabrik für Hebewerkzeuge. Vorsitzender 
des Berliner Bezirksvereins deutscher Ingenieure. 
Auskünfte in Uebenswürdigster Weise. 

Hermann Beermann, Vor dem ScUesischen Tor. 

Kommerzienrat und Fabrikbesitzer. Firma Carl 
Beermann, Maschinenbauanstalt. 

Dr. Emil Bergmann, Kantstr. 57. 

Professor, Direktor des Militärischen Versuchs- 
amts, Chemiker b. Feuerwerks-Laboratorium. 

Heinrich Siegmund Blanckertz, Georgenkirchstr. 44. 
Heintze & Blanckertz, Stahlfedemfabrik. 

Hermann Blankenstein, Kalckreuthstr. 4. 

Geh. Baurat u. Stadtbaurat a. D., Erbauer vieler 
öffentlicher Gebäude in Berlin. 

Berlin und die Berliner. 6 



g2 Technik und Großindustrie. 

Emil Blum, Kaiserin Augusta- Allee 2y, 

Direktor der Berlin-Anhalt. Maschinenbau-A.-G. 

Dr. Tonio Bödiker, Nollendorf platz i. 

Wirkl. Geh. Oberregierungsrat a. D., Mitglied des 
Aufsichtsrats von Siemens & Halske. S. Politik, 

Hermann Boost, Haiensee, Ringbahnstr, iig, 

Professor der Techn. Hochschule. Bau-Ingenieur- 
wesen. 

August von Borries, Meierottostr. 5. 

Geh. Regierungsrat, Professor der Techn. Hoch- 
schule. Maschinen-Ingenieurwesen. Eisenbahn- 
betrieb. 

Richard Borrmann, Eislebenerstr. 5. 

Ordentl. Professor an der Techn. Hochschule, 
Regierungsbaumeister. Verfasser des Werks „Die 
Baudenkmäler Berlins'*. 

Conrad Borsig, Chausseestr. 6. 

Kommerzienrat. Firma A. Borsig. 

Ernst Borsig, Chattsseestr, 6, 

Kommerzienrat. Firma A. Borsig. S. Technische 
Anlagen. 

Fritz Brandt, Dorotheenstr. 2. 

Techn. artistisch. Oberinspektor bei den Kgl. 
Theatern. Erfinder einer Dekorations - Schiebe- 
bühne. 

Joseph Brix, Charlottenburg, Goethestr, 6g, 

Professor der Techn. Hochschule. Bau-Ingenieur- 
wesen. Straßenbau und Straßenbahnen. 

Adolf Budag-Muhl, Winter feldtstr. 34, 

Generaldirektor der Strontianit-Gesellschaft. 

Dr. Emil Budde, Charlottenburg, Berlinerstr, 54. 

Professor, Direktor der Firma Siemens & Halske. 

Dr. jur. Richard Bürner, Linkstr. 15, 

Syndikus der Vereinigung zur Wahrung gemein- 
samer Wirtschaftsinteressen der deutschen Elek- 
trotechnik. 



Technik und Großindustrie. g^ 

Carl Busley, Kronprinzenufer 2, 

Professor, Geh. Regierungsrat a. D. Schiffsbau- 
meister. Geschäftsführender Vorsitzender der 
Schiffsbautechnischen Gesellschaft. Vertreter von 
Schichau-Elbing. Theoretiker des Segeins. 

Wilhelm Cauer, Westend, Nußbaumallee 14, 

Professor derTechn. Hochschule. Bau-Ingenieur- 
wesen. Eisenbahnbetrieb. 

Max Collin, Bambergerstr. 7. 

Marine-Oberbaurat und Maschinenbau-Betriebs- 
direktor beim Reichsmarineamt. 

Dr. rer. nat. Carl Julius Cranz, CharloUenburg, Bis- 
marckstr, 12. Professor an der Militärtechnischen 
Akademie. Technische Mathematik. 

Fr. Deutsch, Schiffbauerdamm 22. 

Kommerzienrat, Direktor der A.-E.-G. 

Hans Dieckhoff, Charlottenburg, Uhlandstr. ig4. 
Professor der Techn. Hochschule. Schiffbau. 

Otto Dittrich, Stuttgarter Platz 22. 

Marine-Oberstabsingenieur vom Admiralstabe der 
Marine. 

Johann Einbeck, Landshuterstr. 57. 

Ingenieur, Direktor der Akkumulatorenfabrik- 
Aktiengesellschaft. 

Erich Emecke, Königgrätzerstr. 112, 

Ingenieur, Hoflieferant. Mechanische Werkstätten 
Ferdinand Ernecke. 

Wilhelm Feising, Schönebergerstr. 8. 

Besitzer der Hofkunstkupferdruckerei 0. Feising. 

Oswald Flamm, UMandstr. igj. 

Geh. Regierungsrat, Professor an der Techn. 
Hochschule. Schiffbau. 

Friedrich Franz von Liechtenstein, Kurfürstenallee 38. 
Werkst.- Vorst. und MitgUed der physik.-tech- 
nischen Reichsanstalt. 

Adolf Frey, Turmstr, 57. 

Regierungs- und Baurat, Wasserbauinspektor. 



gj, Technik und Großindiistrie. 

Fritz Friedländef , Pariser Platz 5. 

Kohlenbergbau und Reederei. S. Tout Berlin. 

Alfred Gaedertz, Grunewald, Trabenerstr, 59. 

Baurat, Direktor der Schantung-Eisenbahngesell- 
schaft. 

Hugo Gantke, Friedrichstr, 105a. 

Fabrikant. Automatische Glühlampenschilder. 

Robert Garbe, Tempelhofer Ufer 28. 

Geh. Baurat, Mitglied der Eisenbahndirektion u. 
des Patentamts. 

Carl Gause, Westend, Ahornallee 36. 

Baurat, Privatarchitekt. Erbauer des Hotel 
Bristol und des Carlton-Hotel Unter den Linden. 

Franz von Gay!, Elßholzstr, 18. 

Generalmajor z. D., Repräsentant der Firma Basse 
& Selve in Altena. 

Werner Genest, Bülowstr. 67. 

Direktor der Firma Mix & Genest, Telephon- 
und Telegraphenwerke, A.-G. 

Felix Genzmer, Joachimsthalerstr. 33/34* 

Baurat, ordentl. Professor an der Techn. Hoch- 
schule, Architekt der Kgl. Theater. Erbauer des 
neuen Innenraums im Schauspielhaus. 

Friedrich Glaser, Lindenstr, 80/81, 

Geh. Kommissionsrat, Zivilingenieur. F. C. Glaser 
& R. Pflaum. 

Adolf Göring, Wichmannstr, 12 c. 

Geh. Regierungsrat, Professor an der Technischen 
Hochschule. Bau- Ingenieurwesen. Eisenbahnbau. 

David Grove, Friedrichstr, 24. 

Hof-Heizungs- und Sanitäts-Ingenieur. Fabrik 
für Heizung und Lüftung. 

Julius Georg Grunert, Schöneberg, Prinz Georgstr. 7. 
Hauptmann a. D., Direktor von Dr. Seiles Farben- 
Photographie G. m. b. H. 



Technik und Großindustrie. 



85 



Dr. phil. Ernst Gumlich, ScMüterstr, 77. 

Professor, Mitglied der physikalisch-technischen 
Reichsanstalt. 

Fritz Haack, Ansbacherstr, 16. 
Baurat, Stadtbauinspektor. 

Dr. Ernst Hagen, Werner Siemensstr. 7. 

Professor, Geh. Regierungsrat, Direktor der phy- 
sikalisch-technischen Reichsanstalt, Abteilung IL 

Konrad Hartmann, CharloUenburg, Fasanenstr. 2g, 
Geh. Reg.-Rat, Senatspräsident des Reichs- Ver- 
sicherungs-Amtes. Professor an der Technischen 
Hochschule. Gewerbliche Gesundheitslehre. 

Wilh. Hartmann, Augsburgerstr, 64. 

Professor an der Techn. Hochschule. Maschinen- 
Ingenieurwesen. 

Alfred Hausding, Nikolassee, 

Geh. Regierungsrat a. D., Ingenieur, Direktor der 
A.-G. Schaff er & Walcker. 

Carl Hauß, UMandstr. 167/168. 

Wirkl. Geh. Oberregierungsrat, Präsident des 
Patentamts. 5. Beamtentum, 

Paul Heckmann, Ulmenstr, 2. 

Kommerzienrat, Fabrikbesitzer. Firma C. Heck- 
mann, Kupferschmiederei-, Messing- und Eisen- 
fabrikate. 

Christoph Hehl, Marchstr, 10, 

Geh. Regierungsrat, Senator, Professor an der 
Techn. Hochschule, Mitglied der Akademie des 
Bauwesens. Mittelalterliche Baukunst. 

Dr. phil. Albert Heinecke, Wegelystr. i. 

Geh. Regierungsrat, Direktor der Kgl. Porzellan- 
Manufaktur. S. Technische Anlagen. 

Guido Fürst v. Henokel-Donnersmarck, Pariser Platz 2. 
Großindustrie der verschiedensten Richtungen. 
S. Tout Berlin und Hochadel. 



g5 Technik und Großindustrie. 

Rudolf Henneberg, Nikolassee, Villa Schöneck. 

Kommerzienrat, Ingenieur. Rietschel & Henne- 
berg, Fabrik für Zentralheizungs- u. Ventilations- 
anlagen, Brandenburger Str. 8i. 

Alexander Herzberg, Wilmersdorf, Landhausstr. 23. 
Baurat und Hof-Installateur. Firma Börner & 
Herzberg, Tiefbohrungen usw., Bernburgerstr. 14. 

Dr. phil. Alex. Herzfeld, Grunewald, Gillstr. 12. 

Professor an der Techn. Hochschule, Dozent an 
der Landw. Hochschule. Landwirtschaftliche 
Gewerbe. 

Dr. phil. Georg Hettner, Kaiserin Augustastr. 58. 
Professor an der Techn. Hochschule und an der 
Universität. Höhere Mathematik. 

Emil Heyn, Charlottenburg, Carmerstr. 15. 

Professor an der Techn. Hochschule. Maschinen- 
Ingenieurwesen. 

Karl Hinckeldeyn, Margarethenstr. 13. 

Oberbaudirektor im Ministerium der öffentlichen 
Arbeiten, Präsident der Akademie d. Bauwesens. 

Dr. phil. Julius Hirschwald, Grunewald, Kunz-Bunt- 
schuhstr. 16. Professor an der Technischen Hoch- 
schule. Geh. Regienmgsrat. Vorsteher des mine- 
ralogisch-geologischen Instituts. 

Oskar Hossfeld, Würzburgerstr. 2. 

Geh. Oberbaurat, vortr. Rat im Ministerium der 
öffentlichen Arbeiten. 

Johannes Jäger, Ansbacherstr. 26. 

Geh. Marinebaurat, Schiffbaudirektor im Reichs- 
marineamt. 

Wilhelm von Jonqui^res, Tauenzienstr. ig. 

Geh. Oberregierungsrat. Vorstand der technischen 
Kommission für Seeschiffahrt. 

Emil Josse, Uhlandstr. 158. 

Professor an der Techn. Hochschule, Vorsteher 
des Maschinenlaboratoriums. S. Technische An- 
lagen. 



Technik und Grofiindustrie. g^ 

Dr. phil. Konrad Jurisch, Kurfürstenstr. 48, 

Professor an der Techn. Hochschule. Chemische 
Anlagen. 

Otto Kämmerer, KatUstr. 136. 

Professor an der Techn. Hochschule. Vorsteher 
der Abteilimg für Maschinen-Ingenieurwesen. 

Karl Keferstein, Brückenallee 8. 

Kommerzienrat. Ehren- Vorsitzender der Poly- 
technischen Gesellschaft. Senior der Berliner 
chemischen Industrie. Firma Karl Keferstein. 

Anton Kersting, Fasanenstr. yS. 

Generalmajor, Direktor der Militärtechnischen 
Akademie. 

Felix Klemperer, Bellevuestr, iia. 

Direktor der Berliner Maschinenbau-A.-G. vorm. 
L. Schwarzkopff. 

Prof. Dr. Georg Klingenberg, Hohenzollernstr. jj. 
Direktor der A.-E.-G. S. Technische Anlagen, 

Dr. phil. Oskar Knöfler, Fasanenstr. 75. 

Chemische Fabrik Plötzensee, am Verbindungs- 
Kanal. 

Dr. phil. Friedrich Kohlrausch, Marchstr. 25b. 

Universitätsprofessor für Physik und Mitglied 
der Akademie der Wissenschaften. Präsident 
a. D. der Physikalisch - technischen Reichs- 
anstalt. 

Arthur Koppel, Dorotheenstr, 45. 

Feld-, Klein- und Kolonialbahnen. 

Max Kosegarten, Bleibtreustr. 15/16, 

Generaldirektor von Ludwig Löwe A.-G. 

Dr. Gustav Kramer, Königgrätzerstr. 104/105, 

Professor, Vorstand der Aktien- Ges. für Teer- 
und Erdölindustrie. 

Friedrich Krause, Potsdamer str, 71. 
Stadtbaurat Berlins. 



gg Technik und Großindustrie. 

Max Krause, Grunewaldy Siemensstr. ly. 

Baurat, Direktor des Borsigschen Berg- und Hüt- 
tenwerkes. 

Fritz Kühnemann, Elsasserstr, 22. 

Kommerzienrat, Fabrikbesitzer. Eisengießerei 
Roessemann & Kühnemann. 

Erich Kunheim, Dototheenstr. 32. 

Kunheim & Co. Chemische Fabrik. 

Walter Laas, Kurfürstendamm 51. 

Professor der Techn. Hochschule. Schiffbau. 

Dr. phil. Stefan Lindeck, Charlottenburg, Goethestr. yy, 
Professor, Mitglied der physikalisch-technischen 
Reichsanstalt, Redakteur der „Zeitschrift für In- 
strumentenkunde**. 

Isidor Löwe, Bellevuestr. iia. 

Geh. Konmierzienrat, Direktorder A.- G.Ludwig 
Löwe & Co. S. Technische Anlagen, 

Oskar Lohse, Jägerstr. 41. 

Firma Gustav Lohse, Parfümeriefabrik. 

Adolf Martens, Gr.-Lichierfelde W,, Potsdamer Chaussee, 
Ingenieur, Geh. Regierungsrat, Mitglied der Aka- 
demie der Wissenschaften, Professor an der Techn. 
Hochschule, Direktor des Materialprüfungsamts. 

Dr. phil. Karl Alex. Martius, Voßstr, 12, 

Mitglied des Aufsichtsrats der A.-G. für Anilin- 
fabrikation. 

Dr. jur. Paul Micke, Kleiststr, 15. 

Direktor der Gr. Berliner Straßenbahn, Wirkl. 
Geh. Oberregierungsrat, Ministerialdirektor a. D. 

Dr. phil. Adolf Miethe, Kantstr, 42, 

Senator und Professor an der Technischen Hoch- 
schule. Photographie in natürlichen Farben. 

Dr. ing. Heinrich Müller-Breslau, Grunewald, Kur- 
märkerstr. 8, Geh. Regierungsrat, Professor an 
der Techn. Hochschule, Mitglied der Akademie 



Technik und Grofiindxistrie. 89 

der Wissenschaften und des Bauwesens. Statik 
der Baukonstruktionen. 

Dr. Th. Peters, Grunewaldy Auerbachstr. 4, 

Baurat, Direktor des Vereins deutscher Inge- 
nieure. 

Dr. jur. Julius Pieck, Königin Augustastr. 38. 

Geh. Regierungsrat, Direktor der allgemeinen 
Lokal- und Straßenbahngesellschaft. 

Richard Julius Pintsch, Andreasstr, 72/y3. 

Geh. Kommerzienrat. Firma Julius Pintsch. 
Eisenbahnwagenbeleuchtung. 

Dr. phil. August Raps, Westend, Ulmenallee 14. 

Professor, Ingenieur, Direktor der Firma Siemens 
&Halske A.-G. 

Dr. ing. Emil Rathenau, Schiffbauerdamm 22. 

Geheimer Baurat, Generaldirektor der A.-E.-G. 
S. Technische Anlagen. 

Dr. ing. W. Reichel, Steglitz, Lindenstr. 4g, 

Professor an der Techn. Hochschule. Maschinen- 
Xngenieurwesen. 

Fritz Riedel, Fasanenstr, J7. 

Firma J. D. Riedel, chemische und pharmazeu- 
tische Fabrik. 

Dr. Alois Riedler, Rauchstt, 7. 

Professor an der Techn. Hochschule, Geh. Regie- 
rungsrat, Mitglied des Herrenhauses. Reorgani- 
sation der Preuß. techn. Hochschulen. Schnellbe- 
triebpumpen, Dampfturbinen. 

Alexis Riese, Brückenallee g, 

Generaldirektor der Deutschen Waffen- und Mu- 
nitionsfabriken. 

Friedrich Romberg, Nicolassee, Tetäonenstr. 

Professor an der Techn. Hochschule. Schiffbau. 

Wilhelm Rose, Schöneberger Ufer 23. 

Professor, Geh. Regierungsrat, Vorsteher d. Chal- 
kograph. Abteil, der Reichsdruckerei. 



90 



Technik und Giofiindustrie. 



Johannes Rudioff, Marburgerstr. i6. 

Geh. Marinebaurat und Schiffbaudirektor. 

Hermann Rumschöttel, Chausseestr. 17/18. 

Direktor der Berliner Maschinenbau-A.-G., vorm. 
L. Schwartzkopff. 

Dr. ing. Georg Schlesinger, Nollendorfstr. 23. 

Professor an der Techn. Hochschule. Maschinen- 
Ingenieurwesen. 

Karl Schmeißer, Invalidenstr. 44. 

Geh. Bergrat, erster Direktor der Geolog. Landes- 
anstalt. 

Conrad v. Schubert, Tiergartenstr. 10. 

Generalleutnant z. D., Exz. Schwiegersohn des 
Geh. Kommerzienrats Freiherrn Carl v. Stumm- 
Halberg. 

Arnold von Siemens, Tiergartenstr. ig. 

Ingenieur, Fabrikbesitzer, Mitglied des Herren- 
hauses. Firma Gebrüder Siemens & Co., Char- 
lottenburg, Salzufer 2/3. 

Karl Heinrich von Siemens, Matthäikirchstr. jj. 
Ingenieur, Fabrikbesitzer. Firma Gebrüder Sie- 
mens & Co. 

Wilhelm von Siemens, Tiergartenstr. 10. 

Ingenieur, Fabrikbesitzer. Firma Gebrüder Sie- 
mens & Co. 

Dr. phil. Adolf Slaby, Sophienstr. 33. 

Geh. Regierungsrat, Professor an der Techn. 
Hochschule, Mitglied der Akademie des Bau- 
wesens, Mitglied des Herrenhauses. Elektro- 
technik; drahtlose Telegraphie. 

Ferdinand Springer, Monhijoüplatz 3. 

Firma Julius Springer. Größter technischer Verlag. 

Ullstein & Co., Kochstr. 23I25. 

Louis, Franz, Leopold, Hans, Hermann. Zei- 
tungs-Industrie. , »Berliner Morgenpost", „Ber- 
liner Illustrierte Zeitung", „B(erliner) Z(eitung) 



Bildende Kunst. 91 

am Mittag" „Musik für Alle", „Die praktische 
Berlinerin" etc. 

Dr. jur. Paul Wachler, Fasanenstr. 6^. 

Kgl. Oberbergrat a. D. Bekannter Aufsichtsrat 
zahlreicher technischer Großbetriebe. 

Dr. Hermann Wedding, GetUhinerstr, jj, Villa C. 
Professor, Geh. Bergrat. Mitglied des Kaiserl. 
Patentamts und der Kgl. technischen Deputation 
für Gewerbe. 

Dr. Wilhelm Wedding, Gr.'Lickterfdde-Osty Wilhelm' 
Straße 2. Professor an der Techn. Hochschule u. 
der Bergakademie. Elektrotechnik. 

Otto Wenzel, Siegismundstr. 4. 

Direktor der Berufsgenossenschaft der chemischen 
Industrie. Adreßbuch der chemischen Industrie. 

D. phil. Otto N. Witt, Siegmundshof 21. 

Geh. Reg.-Rat, Professor an der Techn. Hoch- 
schule. Chemische Technologie. Herausgeber 
des „Prometheus". 



4. Bildende Kunst. 

Es ist nicht aSles Kunst, was bildend 
ist. Vielmefar sind Weltgeschichte und 
Unifonnenkunde auch in Berlin vorläufig 
noch selbständige Gebiete für sich. 

F. Adler, Burggraf enstr. 15. 

Architekt. Wirkl. Geh. Oberbaurat a. D., Prof., 
Dr. theol., Dr. ing. Protestantischer Kirchenbau. 

J. Alberts, Lützowstr. 60 a. 

Maler. Von der Waterkant. Landschaften. Se- 
zession. 

Hans Baluschek, Schöneberg, Vorbergstr. 15. 

Maler. Berliner Vorstadtstinmiungen in]^pein- 
lichster Ausführung. Sezession. 

Paul Baum, Keithstr. 5. 

Maler. Moderne Stimmimgslandschaft. Sezession. 



92 



Bildende Kunst. 



Max Baumbach, Lietzenburgersir. 43. 

Bildhauer, Professor. Siegesallee. Akademie. 

Karl Begas d. J., Uhlandstr. 81/82. 

Bildhauer. Siegesallee. Fürstenporträts u. Sar- 
kophage. 

Reinhold Begas, Stülerstr. 3/4, 

Bildhauer, Professor, Unser Michelangelo. Der 
Offiziellste. Nach vielversprechenden Anfängen 
Werke wie : Bismarckdenkmal, Nationaldenkmal. 
Arrangeur der Siegesallee. Akademie. 

Gottlieb Biermann, Potsdamer str. 120, 

Maler, Professor. Porträt. Akademie. 

Ernst Bischoff-Culm, Genthinerstr, 32. 
Maler. Bauernromantik. Sezession. 

Wilhelm Blanke, Steglitz, Mariendorf er str. yg. 

Maler. Landschafter von modernem Geschmack. 

Josef Block, Sigmundshof II. 

Maler. Porträt, Genre. Sezession. 

Dr. Wilhelm Bode, Ufdandstr. 5. 

Geh. Regierungsrat, Direktor d. Kaiser Friedrich- 
museums. Berühmter Kenner und Käufer. 
Modern. Diplomat. 

Julius Bodenstein, Wilhelmstr. 62. 

Maler. Atelier für Dekorationsmalerei. Bekannter 
Hausbesitzer. 

Johannes Böse, Klosterstr. j6. 

Professor, Bildhauer. Siegesallee. Bildnisbüsten : 
Majestät, Major Lauff. 

Conrad Böse, Carmerstr. 18. 

Professor, Maler, Lehrer an der Akademie. 

Martin Brandenburg, Potsdamerstr. 27. 

Maler. Speziahtät: Geisterspuk. Sezession. 

Otto Brausewetter, Genthinerstr. 33. 
Geschichtsmaler, Professor. 



Bildende Kunst. g^ 

Peter Breuer, CharloUenburg, Berlinersir. 46. 

Bildhauer, Professor. Denkmäler. Akademie. 
Robert Breyer, Spichernstr. 14. 

Maler. Sezession. Jung-Berlin. 

Adolf Brütt, Siegmundshof II. 

Bildhauer, Professor. Kaiser Friedrich vor dem 

Brandenburger Tor. Dagegen: „Gerettet" in der 

Nationalgalerie. Akademie. 
Paul Cassirer, Viktoriastr. 35. 

Kunstsalon. Geschäftsführer der Sezession. 

Emil Cauer, Brückenallee 2g, 

Bildhauer. Siegesallee. Die Wasserschöpferin. 

Franz Christophe, Uhlandstr. 54. 

Zeichner. Modemer Buchschmuck. Sezession. 

Hermann Clementz, Grunewald, Hohrecktstr. 5. 

Maler. Im Vorstand des Vereins Berliner Künstler. 

Louis Corinth, Siegmundshof 11. 

Maler. Satanistische Züge. Moderne malerische 
Bildung ersten Ranges. Malschule. Sezession. 

W. Lucas yon Cranach, Kurfürstenstr. 126. 

Maler. Schmuckzeichner. Große Ahnen. 
E. Doepler d. J., Dörnbergerstr. 2. 

Lehrer am Kunstgewerbemuseum. 
Gustay Ebe, Pestalozzistr. 4, 

Architekt. Gelehrte Stilstudien. 

Gustay Eberlein, Lützowuf er 29/30. 

Bildhauer, Professor. Richard Wagner-Denkmal, 
Goethe in Rom. Siegesallee. Akademie. 

Bodo Ebhardt, Grunewald, Jagowstr. 28. 

Architekt. Studien über deutsche Burgen. Hoh- 
königsburg im Auftrage des Kaisers. 

Themistokles von Eckenbrecher, Kurfürstendamm 22g, 
Maler. Nordland- Veduten. 

Hermann Ende, Kaiserin Augustastr. 57. 

Architekt, Geh. Regierungs- u. Baurat, Dr. ing., 
Professor. Firma Ende & Böckmann. 



94 



Bildende Kunst. 



Otto H. Engel, Königin Augustastr. 51. 
Maler. Art der Sezession. 

Richard Eschke, Luitpoldstr, 46. 

Maler. Landschaft. 
Hanns Fechner, Hohenzollernstr, 17. 

Maler, Professor. Bildnis. 

Wilhelm Feldmann, Gr,-Lickterfelde, 
Maler. Landschaft. 

Reinhold Felderhoff, Gfolmannstr. 1/6. 

Bildhauer. Siegesallee. Die Bänke am Großen 

Stern. 
Franz Flaum, Wartenburgstr. 14, 

Bildhauer. Deutscher Rodin in Gips. 

Philipp Franck, Kronprinzendammii. 
Maler. Kgl. Kunstschule. 

Oskar Frenzel, Kleiststr, 36, 

Maler. Tiere u. Landschaft. Ehemals Sezession. 

Akademie. 
Friedr. Aug. Conrad Freyberg, Luisenstr. 24a. 

Professor, Hofmaler. 

Nikolaus Friedrich, Fasanenstr, 22, 

Bildhauer. Sezession. Strenge Form. 

Woldemar Friedrich, Lützowufet 33. 

Maler, Professor. Akademie. Akademische Hoch- 
schule. 

Richard Friese, Nettelheckstr, 5. 

Maler, Professor. Tiere. Akademie. 

August Gaul, Wilmersdorf y Westfälischestr, 3. 

Bildhauer. Tierplastiker ersten Ranges. Schöpfer 
eines eigenen Stils; bisher in Berlin nicht öffent- 
lich vertreten. Sezession. Akademie. 

Johannes Goetz, Leibnizstr, 33. 

Bildhauer, Professor. Saalburg. 

Alfred Grenander, Prinz Albrechtstr. 7. 

Modernes Kunstgewerbe. Lehrer am Museum. 
Arbeiten an den Hochbahnbauten. Möbel. 



Bildende Kunst 



95 



Karl yon Großheim, Hildebrandtstr. 25, 

Architekt, Geh. Baurat. Firma Kaiser & v. Groß- 
heim. Tiergartenhäuser. Akademie. 

Arthur Halmi, LiUzowplatz 13. 

Maler. Ungarischer Porträtist. 

Willy Hammacher, Spichernstr, 7. 
Maler. Seebilder. 

Erich Hanke, Kurfürstenstr. 118, 

Maler. Moderne Schule. Sezession. 

Ferdinand Graf von Harrach, Bismarckstr. j. 

Maler. Professor, Wirkl. Geh. Rat, Ritterguts- 
besitzer, Exz. Landschaften, religiöse Stoffe. 
Akademie. 5. Hochadel. 

Dr. Karl Ferdinand Hartzer, Liäzowstr. 82. 

Bildhauer, Professor. Porträtbüsten. Althoff in 

Erz. 
Wilhelm Hayerkamp, FriedenaUy Schwalbacherstraße, 

Haverkampsches Haus. Professor, Bildhauer, 

Lehrer am Kunstgewerbemuseum. Krupp in 

Kiel. 

Ernst Heilemann, Schleswiger Ufer ly. 

Maler. Porträts aus der besten Gesellschaft und 
nach den ersten künstlerischen Mustern. Illu- 
strator der Lustigen Blätter. 

Fritz Heinemann, Schlüterstr. 74. 

Büdhauer. Kunstgewerbemuseum. Kleinplastik. 

Hermann Hendrich, Düsseldorf erstr. 103. 
Maler. Theatraliker. 

Ernst Henseler, Zehlendorf ^ Querstr. 2. 

Maler. Techn. Hochschule, Kunstgewerbemuseum. 

Curt Herrmann, Kaiserin Augustastr. 6g. 

Maler. Neu-Impressionismus; leuchtende Farben- 
flecke. Sezession. 

Hans Herrmann, Dörnhergstr. 7. 

Maler, Professor. Berlin ä la Holland. Aka- 
demie. 



o5 Bfldende Kunst. 

Albert Hertel, v. d, Heydtstr. 7. 

Maler, Professor. Reiseskizzen. Akademie. Leiter 
eines „Meisterateliers". 

Ernst Herter, Uhlandstr, 6. 

Bildhauer, Professor. Siegesallee. Allegorien an 
Staatsgebäuden. Akademie. 

Ernst Hildebrand, Kurfürstenstr, 120. 

Maler, Professor. Porträt- u. Geschichtsmaler. 
Akademie. 

Dora Hitz, Lützowplatz 12. 

Malerin. Porträts, Mutterbilder. Malschule. Se- 
zession. 

Ludwig Hoffmann, Margarethenstr, 18. 

Architekt. Stadtbaurat. Ausgezeichnete Neu- 
bauten der Stadt Berlin. Märkisches Provinzial- 
museum. Affäre Märchenbrunnen. 

Paul Höniger, Königin Augustastt, 41. 

Maler. Art der Sezession u. Max Liebermanns. 

Heinrich Hübner, Kurfürstenstr. 128. 

Maler. Malerische Interieurs. Sezession. 

Ulrich Hübner, Hohenstaufenstr, 46. 

Maler. Landschafter ersten Ranges. Malschule. 
Sezession. 

Herm. Phil. Wilh. ▼. d. Hude, Fasanenstr. 35. 

Architekt. Ehrenmitglied der Vereinigung Ber- 
liner Architekten. 

Theodor Hummel, Eisenacherstr, 163, 
Maler. Sezession. 

Emil Hundrieser, Bachstr., Stadtbahnbogen 470. 

Bildhauer, Professor. Allegorien an Staatsgebäu- 
den. Akademie. Teutonisch. 

Ernst E. Ihne, Pariser Platz 6a, 

Architekt, Geh. Oberhofbaurat, Hofarchitekt. 
Marmoranlage vor dem Brandenburger Tor. 
Kaiser Friedrich-Museum. Marstall. 



Bildende Kunst. ^y 

Julius Jacob, Halleschestr. ig. 

Maler, Professor. Akademie. Berliner Aquarelle. 

Gerhard Janensch, Schaperstr. 17, 

Bildhauer, Professor. Akademie. Akademische 
Hochschule. Liebenswürdiges Denkmal des Kur- 
prinzen. 

Friedrich Kallmorgen, UMandstr. 161. 

Maler. Landschaften, Marinen, Interieurs ersten 
Ranges. Akademie u. Hochschule. 

Arthur Kampf, Fasanenstr, y8. 

Maler, Professor für Geschichtsmalerei. Meister- 
atelier in der Akademie. Große Kompositionen. 
Seit zwei Jahren modern. 

Konrad von Kardorff, Steglüzerstr. 30. 

Maler. Moderne Schule. Sohn des Politikers 
alter Schule. S. Politik, 

Heinrich Kayser, Hildebrandstt. 25. 

Architekt. Firma Kayser & v. Großheim. Geh. 
Baurat. Erster Vorsitzender des Vereins Berliner 
Künstler. Tiergartenhäuser. Akademie. 

Conrad Kiesel, HohenzoUernstr. 18. 

Maler, Professor. Furchtbar nette Damenbild- 
nisse. Akademie. 

Marie Kirschner, Steglüzerstr, 21. 

Dekorative Zeichnerin. Möbel, Gläser ä la Tif- 
fany. 

Max Klein, Grunewald, Warmbrunnerstr, 8. 

Bildhauer. Bismarck im Grunewald. Bildnis- 
büsten. Salon. 

Friedrich Klein-Chevalier, Bellevuestr, 6a. 
Maler. Offizielle Bildnisse. 

Fritz Klimsch, Bleibtreustr. 14, 

Büdhauer. Moderne Schule. Flotte Bronze- 
statuetten. 

Ludwig Knaus, Hildebrandstr. ij, 

Maler, Professor. Genre u. genrehafte Bildnisse. 

Berlin und die Berliner. 7 



98 Bfldende Kunst 

Nach Menzels Tod der Berühmteste u. Kleinste, 
Akademie. 

Georg Karl Koch, Anhcdtstr. 14, 

Maler, Professor. Landschaften. Jagdbilder. 

Käthe Kollwitz, Weißenburgerstr. 25, 

Malerin u. Radiererin. Ausgezeichnete Behand- 
lung sozialer Stoffe. Radierungen zu den „We- 
bern", „Bauernkrieg'*. 

Sophie Koner, Bellevuestr. 5. 

Malerin. Vorzügliche Portäts. 

Konservator der Kunstdenkmäler. 

Gibt es leider nicht. Es wird lustig demoliert und 
modernisiert. 5. Titulaturen. 

Karl Koepping, Siegmundshof 11. 

Kupferstecher, Professor. Akademisches Meister- 
atelier. Graphik u. Kunstgewerbe. Koepping- 
sche Gläser. 

Ernst Karl Eugen Körner, Klopstockstr. 55. 

Maler. Reiseskizzen. Verein Berliner Künstler. 
Leiter der Großen Berliner Kunstausstellung. 

Adalbert Ritter von Kossak, Achenbachstr, 13. 
Maler. Berühmter Pole. Kaiserbildnisse. 

Albert Krüger, Brückenallee 4. 

Kupferstecher, Professor. Farbenholzschnitte 
nach alten Meistern. Akademie. 

Max Kruse, Fasanenstr. 22, 

Büdhauer. Nietzschebüste. Holzskulpturen. 
Bote von Marathon. 

Walther Kyllmann, Bendlerstr. 34, 
Architekt. 

Karl Langhammer, Potsdamerstr. 123 a, 

Maler. Landschaften in der Art der Sezession. 

Melchior Lechter, Kleiststr, 3, 

Maler. „Die Weihe am mystischen Quell". Pa- 
stell-Landschaften. Ästheten-Berühmtheit. 



Bildende Kunst. gg 

Hugo Lederer, Groltnanstr. 44, 

Bildhauer, Plastiker großen Stils. Bismarck- 
denkmal für Hamburg. 

Walther Leistikow, Geisbergstr. 33. 

Maler. Mitbegründer der Sezession. Zahllose 
Grunewaldbilder. Ersten Ranges und hoch im 
Preis. 

Louis Lejeune, Westend, Spandauerberg 23, 
Maler. Landschaften. 



5psms, Maler, ^ j^ ... . . ^ 
, „ , . f Kurfurstenstr. 126, 
nus, Malerm, ) 



Reinhold Lepi 

Sabine Lepsius, 

Bildnisse, zumeist in französisch-englischer Manier. 

.Otto Lessing, Grunewald, Caspar Theysstr. 12, 

Maler u. Bildhauer, Professor. Berliner Monu- 
mente, Rolandbrunnen usw., Berliner Lessing- 
denkmal (sein Großonkel), Shakespeare in Wei- 
mar. Akademie. 

Arthur Lewin-Funcke, Kantstr. 15g. 
Bildhauer. Private Kunstschule. 

Max Liebermann, Pariser Platz 7. 

Maler, Professor. Führer der Sezession. Blei- 
bender Name. Soziale Stoffe. Impressionisti- 
sche Landschaften u. Bildnisse ersten Ranges. 
Trotzdem Akademie. S. Tout Berlin. 

Heinrich Linde- Walther, Steglitzer str. 32. 
Maler. Sezession. 

Franz Lippisch, Kantstr. 9. 
^ Maler. Sezessionistische Töne. 

Hans Looschen, Achenbachstr. 12. 
Maler. Wie oben. 

Harro Magnussen, Grunewald, Delbrückstr. 23. 

Büdhauer. Berliner Monumente, Graf Roon usw., 
auch besseres. 

Karl Manthe, Schmargendorf, Sulzaerstr. 8, 
Bildhauer. Siegesallee. 

7* 



lOO Bildende Kunst. 

Ludwig Manzel, Kaiserallee 14, 

Bildhauer, Professor. „Abendlied*' (National- 
galerie). Akademie u. akademisches Meister- 
atelier. 

Otto Marchy Marchstr. 9. 

Architekt. Amerikanische Kirche in der Motzstr. 

Alfred Messet, Schellingstr, 14. 

Architekt, Professor, führender Meister. Wert- 
heimsches Warenhaus, Leipzigerstraße. Moderne 
Villen im Tiergarten. Akademie. 5. Gebäude, 

Hans Meyer, Hardenbergstr. 33. 

Graphiker, Professor. Akademische Hochschule. 

Paul Meyerheim, Hüdebrandstr, 22, 

Maler, Professor. Humorist, auch mit dem Pinsel. 
Bekannter Tiermaler. Akademie. 5. Tout Berlin. 

Georg Ludwig Meyn, Hardenbergstr, 33. 

Maler. Porträts. 
Alfred Mohrbutter, W Unter sdorf er str. 166. 

Künstlerische Frauentracht (Reformkleider). 5. 

Ein Kapitel, von dem man nicht spricht. 

Bruno Möhring, Potsdamerstr, log. 

Architekt. Modern style. Hochbahnbauten. 

George Mosson, Königin Augustastr, 21. 
Maler. Sezessionistische Schule. 

J. Mühlenbruch, Grunewald, Wangenheimerstr, 45. 
Maler. Wandbilder im Rathaus. 

Eduard Munch, Lützowstr, 32, 

Maler. Norweger. Der extremste Sezessionist. 
Porträts, Landschaften u. Traimibilder. 

Johannes Otzen, Potsdamerstr, 120. 

Architekt, Professor, Geh. Regierungsrat. Pro- 
testantischer Kirchenbau in jahrzehntelanger 
Praxis. War ehedem mustergültig. Akademie. 

Cornelia Paczka, Lützowstr. 60 a. 

Malerin. Talent ersten Ranges. Tochter Adolf 
Wagners, des Nationalökonomen. 



Bildende Kunst. lOI 

Franz Paczka, Gatte von Cornelia Paczka, Maler. 
Ungarische Schule. Unausgeglichen. 

William Pape, Keithstr. 3, 

Maler. Geschichts- u. Bildnismaler. Vaterländi- 
sche Skizzen. Man durcheile den ersten Saal des 
Hohenzollemmuseums. 

Vilma Parlaghy (Fürstin Lwoff, geb. Brachfeld), zeit- 
weilig Hotel Westminster, Kaiser-, Prinzen- und 
Staatsmänner-Porträts. 5. Tout Berlin. 

Norbert Pfretzschner, Kantstr, 158. 

Bildhauer. Siegesallee. Gegner Max Klingers. 

Prof. Bernh. Plockhorst, Regentenstr. 4. 

Geschichts- und Bildnismaler. Religiöse Stoffe. 

Emil Pottner, Düsseldorferstr. 12. 
Maler. Münchener Sezessionist. 

Max Rabes, Burggraf enstr. 2. 

Orient- u. Genremaler. Veralteter Miniaturenstil. 

Dr. ing. Julius Raschdorf f, Händelstr. 12, 

Architekt, Geh. Regierungsrat, Professor. Er- 
bauer des neuen Doms. Akademie. Technische 
Hochschule. 

Karl Röchling, Hadernbergstr. 24. 

Maler. Mehr vaterländische als künstlerische 
Gesinnung. Schlachtenbilder. 

Carl Saltzmann, Neubabelsberg. 

Maler, Professor. Seebüder im Dienste des Kaisers. 

Friedrich Schaper, Buchenstr. 4. 

Bildhauer, Professor. Goethedenkmal. Aka- 
demie. 

Carl Scherres, Kantstr. 150a. 
Maler. Feine alte Schule. 

Josef Scheurenbergy Schaperstr, 10. 

Maler, Professor. Akademie u. Hochschule. 

Max Schlichting, Knesebeckstr . gg. 

Maler. Straßenansichten ä la Skarbina. Ehemals 
Sezession. 



J02 Bildende Kunst. 

Sophie Luise Schlieder, Kleiststr, 40, 

Malerin. Modernes Kunstgewerbe. Verein der 
Künstlerinnen. 

Dr. Schmidt, Geh. Oberregierungsrat im Ministerium 
für Unterricht usw. Ständiges Mitglied des Aus- 
stellungskomitees, nicht desjenigen der Sezession. 
Referent für Kunst. 

Bruno Schmitz, Sophienstr. 11. 

Architekt u. Bildhauer, Professor. Denkmäler 
auf dem Kyffhäuser, an der Porta Westfalica und 
am Rheineck bei Koblenz. Berühmte Bautätig- 
keit nur außerhalb Berlins. Immerhin Akademie. 

Hermami Schnee, Halleschestr, 8, 
Maler. Reiseskizzen. 

Dr. Richard Schöne, Tiergartenstr. 27 a. 
Exz., Direktor der Kgl. Museen, 

Walther Schott, Ansbacherstr, 50. 

Bildhauer. Kugelspielerin. Siegesallee. 

Werner Schuch, Potsdamerstr. 52, 

Maler, Professor. Vaterländische Gesinnung. 

Vergl. Röchling. 
Alfred Schwarz, Viktoria-Luisenplatz 11. 

Maler. Elegante Damenbildnisse. 

Franz Heinrich Schwechten, Lützowstr. 65. 

Geh. Baurat, Architekt. Kaiser Wilhelm- Ge- 
dächtniskirche. Akademie. 

Heinrich Seeling, Kurfürstendamm 22/23, 
Architekt. Neues Theater. Akademie. 

Bernhard Sehring, Kantstr. 8. 

Architekt. Theater des Westens. Aus der Stür- 
mer- und Gründerzeit. 

Nathanael Sichel, Fasanenstr. 94. 
Maler. Familienblatt-Odalisken. 

Clara Siewert, Uhlandstr. 157, 

Malerin. Impressionistische Büdnisse. Phanta- 
sien. Sezession. 



Bildende Kunst. 103 

Franz Skarbina, Königin Augusiastr, 41. 

Maler, Professor. Pseudo- französischer Impressio- 
nismus. ' Berliner Stadtansichten. Akademie. 

Max Slevogt, Motzstr, yo, 

Maler. Phantasien,5Legenden, Märchen. Sezession; 
dabei altmeisterliche Kraft. Der verlorene Sohn. 

Constantin Starck, Nassauischesfr, 35, 

Bildhauer. Die Quelle. Kleinplastik. 

Willy Stöwer, Tegel, Schloßstr. 31. 

Maler. Marinebilder, Aquarellskizzen : Der Kaiser 
in Itahen. 

Hermann Struck, BrückenaUee 33. 

Radierer. Bildnisradierung Gerhart Hauptmanns. 

Dr. Studt, Unter den Linden 4, 

Exz., Minister d. geistlichen usw. Angelegenheiten. 
Verantwortlich auch für die preußische Kunst. 

Ludwig Stutz, Tauenzienstr. 8, 

Zeichner. Die schöne Frau Stutz. Kladderadatsch, 

Louis Sußmann-Hellborn, v, d. Heydtstr. 17. 

Professor, Bildhauer. Figuren vor dem Kunst- 
gewerbemuseum, 

Paul Thumann, Keithstr. 10. 

Maler, Professor. Alte Schule. Amor u. Psyche, 
Parzen. Akademie. 

Dr. Hugo von Tschudi, Kurfürstendamm 100. 

Direktor der Nationalgalerie. Studien über und 
kluge Diplomatie für die moderne Kunst. 

Louis Tuaillon, Fasanenstr, 48, 

Bildhauer. Deutsch-römische Schule. Amazone 
zu Pferd vor der Nationalgalerie. Sezession. 

Cuno von Uechtritz- Steinkirch, Pfalzburgstr. 3. 
Bildhauer. Siegesallee. 

Max Unger, Güntzelstr. 46. 
Bildhauer. Siegesallee. 



I04 



Bildende Kunst. 



Joseph UphueSy Pfalzhurgerstr, 86. 

Bildhauer, Professor. Friedrich der Große in der 
Siegesallee und in Washington. Kaiser Fried- 
rich in Charlottenburg. Für unsern amerika- 
nischen Gesandten der ,, bedeutendste deutsche 
Künstler**. 

Lesser Ury, N ollendorf platz i. 

Maler. Sezessionis tischer als die Sezession. Pastell- 
Landschaften ersten Ranges. 

Max Uth, Nollendorfplatz 8, 

Maler. Straßen- u. Interieurstimmungen in 
Aquarell. 

August Vogel, Reichstagsplatz 3. 
Bildhauer. Fassadenschmuck. 

Hugo Vogel, Keithstr, 2. 

Maler, Professor. Bourgeoise Porträts. 

Grete Waldau, Voßstr. 33. 

Malerin. Berliner Ansichten. 

Karl Walser, Kantstr, 72. 

Maler u. Zeichner im Neuen Theater. Ge- 
mälde, Theaterdekoration und Buchschmuck. 
Eigene Formensprache. 

Wilhelm Wandschneider, Charlottenburg, Berlinerstr. 3g, 
Bildhauer. Geschätzte Kleinplastik. 

Anton von Werner, Potsdamer str. 113. 

Maler, Professor, Direktor der Kgl. akademischen 
Hochschule. Vaterländische Gruppenbilder im 
Zeughaus und Rathaus. Vertrauensmann des 
Kaisers. Reden gegen die moderne Malerei. 
Akademie. 

Fritz Werner, Luitpoldstr, 10, 

Maler, Professor. Militärbilder, Genre. Aka- 
demie. Erinnerungen an Adolph Menzel. 

Heinrich Zille, Sophie-Charlottenstr, 88. 
Maler. Aus dem dunkelsten Berlin. 



Musik. 105 

t 

5. Musik. 



p 



5. Ludolf Waldmann. 

Therese Behr, Wichmannstr, 2, 

Eine der besten Altistinnen der deutschen Kon- 
zertwelt. 

Karl Böhm, Uhlandstr, 42, 

Komponist, Professor. Äußerst produktiv und 
populär. 

Dr. Max Bruch, Friedenau, Albestr. 3. 

Professor, Komponist, Vorsteher einer akadem. 
Meisterschule für musikal. Komposition, Mitgl. d. 
Direktoriums u. Vorsteher d. Abt. f. Komposition 
bei der akadem. Hochschule f. Musik. Einer der 
hervorragendsten lebenden Musiker. 

Prof. Albert Dietrich, Ansbacherstr. 13, 

Komponist, ordentl. Mitglied u. Senator der Aka- 
demie der Künste. 

Dr. jur. Paul Ertel, Lützowstr, 86, 

Musikkritiker, Pianist, Komponist, Redakteur der 
„Deutschen Musiker-Zeitung**. 

Hermann Fernow, Martin Luther str. 82. 

Inhaber der Konzertdirektion Hermann Wolff. 
Der Mann, der alles macht. 

Dr. phil, Oskar Fleischer, Motzstr. J7. 

Außerordentl. Professor für Musikwissenschaft an 
der Universität, Vorsteher der Kgl. Sammlung 
alter Musikinstrumente. 

Oskar Fried, Nikolassee, Prinz Friedrich Leopoldstr. 41, 
Dirigent d. Sternschen Gesangvereins. Nietzsche- 
Stimmungen. Das trunkene Lied. 

Dr. phil, Max Friedländer, Kurfürstendamm 233. 

Außerordentl. Universitätsprofessor. Musikge- 
schichte. Schubert-Biographie. 



lo6 Musik. 

Friedrich Gemsheim, v, d, He'ydtstr. 4, 

Professor, Senatsmitglied der Kgl. Akademie der 
Künste. Gediegener Symphoniker und Kammer- 
musikkomponist. 

Etelka Gerster, Victoria Louisenplatz 8, 

Einst ein Stern am europäischen Opernhimmel. 
Jetzt gesuchte Gesangslehrerin. Italienische 
Schule. 

Max Graf, Kleine Hamburgerstr, 7. 

Kapellmeister im 2. Garde-Rgt. zu Fuß. Vom 
Kaiser oft ausgezeichnet. 

Heinrich Grünfeld, Schellingstr, 5. 

Professor. Cello -Virtuose. 5. Tout Berlin. 

Emilie Herzog, Lützowstr. 20. 

Kgl. Karamersängerm. Berühmte Lehrerin. 

Gustav Holländer, Bernburgerstr, 22a. 

Besitzer des Sternschen Konservatoriums. Ge- 
schätzter Lehrmeister. 

Viktor Holländer, Culmbacherstr. 5. 

Kapellmeister. Berliner Saisonschlager. 

Engelbert Humperdinck, Grunewald, Trabenerstr. 2. 
Professor, Komponist u. Vorsteher einer akadem. 
Meisterschule f. musikal. Komposition. Hansel 
u. Gretel. Die Heirat wider Willen. Hauslehrer 
in Wahnfried. 

Dr. Josef Joachim, Kurfürstendamm 2iy , 

Professor, Direktor der akadem. Hochschule für 
Musik, Vizepräsident der Kgl. Akademie der 
Künste. Der erste Geiger der letzten 40 Jahre. 

Robert Kahn, Kaiserin Augustastr. 58. 

Professor an der kgl. Hochschule. Tüchtiger 
Komponist und Dirigent. 

Dr. Wilhelm Kleefeld, Schönberger Ufer 41. 

Hofkapellmeister a. D., Universitätsdozent. 
Musikkritiker der ,, Frankfurter Zeitung". 



Musik. J07 

Theodor Krause, Händelstr. ig, 

Professor u. Musikdirektor, Lehrer am akadem. 
Institut für Kirchenmusik, Direktor des Nikolai- 
Marien-Kirchenchores. 

Dr. phil. Karl Krebs, Friedenau, Niedstr. 25. 

Professor, Senatsmitglied der Akademie der 
Künste. Musikkritiker des „Tag". 

FrW^ric Lamond, Siegmundshof i. 

Bedeutender Pianist. Gatte von Irene Triesch. 

Lilly Lehmann- Kaiisch, Grunewald y Herbertstr, 20. 
Kanunersängerin. Großzügiger Sopran. Lange 
Jahre Berlins Stolz. 

Otto Leßmann, Charloüenburgy Spreestr. 42. 

Herausgeber der „Allgem. Musik-Zeitung". De- 
bütanten bemühen sich, an ihn empfohlen zu 
werden. 

Oskar Lincke, Adresse: Apollotheater, 

Berliner Walzerkönig. Frau Luna. Berliner Luft. 

Mathilde Mallinger, Lutherstr, 18. 

Geschätzte Lehrerin. Preuß. Kammersängerin. 

Dr. Karl Muck, Schellingstr. 8. 

Kgl. Hofkapellmeister. Speziell für Wagner und 
Leoncavallo. 

Hans Pfitzner, Nachodstr. 43. 

Kapellmeister und Komponist. Der arme Hein- 
rich. Die Rose vom Liebesgarten. Sehr trans- 
szendentale Musik. 

Wilhelm Posse, Pariserstr. 45, 

Kammervirtuose auf der Harfe, Lehrer an der 
Kgl. Hochschule für Musik. 

R. Radecke, Courhürestr. 11. 

Direktor des Akadem. Instituts für Kirchenmusik. 
Solider Komponist. 

Dr. Heinrich Reimann, Knesebeckstr. yj, 

Professor, Bibliothekar der Kgl. Bibliothek, Orga- 
nist der Kaiser Wilhelm- Gedächtniskirche. 



lo8 Musik. 

Gustav Roßbergy Luitpoldstr, 7. 

Professor an der Kgl. Hochschule für Musik, 
Armee-Musikinspektor. Hat die Stimmungen 
unserer Homer und Trompeten zu verantworten. 

E, Rudorff, Gr.-Lickterfelde, Wühelmstr, 26. 

Professor, Mitglied des Direktoriums u. Vorsteher 
der Abt. für Klavier u. Orgel bei der Akadem. 
Hochschule für Musik. 

Xaver Scharwenka, Blumenthalstr. ly. 

Professor, Hofpianist, K. K. Kammervirtuose, 
Mitglied u. Senat der Akademie d. Künste. Kom- 
ponist guter Salonmusik. 

Prof. Schlar, z. Zt. Wiesbaden, 

Kgl. preußischer Kapellmeister. Droht Berlin. 

Felix Schmidt, Tauenzienstr. 21, 

Professor, ordentl. Lehrer an der Hochschule für 
Musik, Dirigent des Berl. Lehrer- Gesangvereins. 

Dr. Leopold Schmidt, Großbeerenstraße. 

Kapellmeister a. D. Musikkritiker am Berliner 
Tageblatt. 

Artur Schnabel, Wichmannstr. 2, 

Junger und zukunftsreicher Pianist. 

Paul Schnöpf, Engelufer ib. 

Professor, Musikdirektor, Gesanglehrer am Kölln. 
Gymnasium, Dirigent d. Petrikirchenchors, Be- 
gründer des Schnöpfschen Gesangvereins von 
1852. 

Hermann Schröder, Fasanenstr, 48. 

Professor, Lehrer an der akadem. Institut für 
Kirchenmusik. 

Oskar Schubert, Schöneberg, Wielandstr, 35. 

Professor bei der Kgl. Hochschule für Musik, 
Kammervirtuose. 

Adolf Schulze, Lidherstr, 33, 

Professor, MitgHed des Direktoriums der Akadem. 
Hochschule für Musik, Vorsteher der Gesangs- 



Literatur. lOg 

Abteilung, Mitglied des Senats der Akademie der 
Künste. 
Karl Steinbrück, Bärwaldstr. 62, . 

Musikdirektor, Komponist, Lehrer der akadem. 
Tonkunst. 

Oskar Straus, Eisenacherstr. 117. 

Komponist. Der lustige Ehemann. Die lustigen 

Nibelungen. 5. Boheme. 
Edmund von Strauß, ScJüüterstr. 31. 

Kgl. Kapellmeister. 

Dr. Richard Strauß, Joachimsthalerstr. 17. 

Kgl. Hofkapellmeister. Komponist. Führer der 
herrschenden nachwagnerschen Schule. Ein 
Heldenleben. Zarathustra. Till Eulenspiegel. 

Ludolf Waldmann, Schöneberg, Kolonnenstr, 18, 

Das Berlinertum in der Musik: Schunkelwalzer. 

Dr. Heinrich Welti, Lützowstr. 20. 

Musikschriftsteller und Kritiker z. D. Gatte 
von Emilie Herzog. 

Dr. Ludwig WüUner, Altonaerstr. 32. 
Berühmter Sänger ohne Stimme. 

Dr. Bogumil Zepler, BiUowstr. 6, 
Komponist. S. auch Boheme. 

6. Literatur. 

Das geistige Berlia. . . . Die Masse 
muß es bringen. 

Konrad Agahd, Rixdorf, Thüringerstr. 40. 
Lehrer. Kinderarbeit u. Kinderschutz. 

Conrad Alberti s. Sittenfeld. 

Dr. phil. Gustav Albrecht, Rönnestr. 18. 

BibUothekar. Geschichtliche Entwicklung Ber- 
lins. Märkisches Wanderbuch. 

Adolf L'Arronge, Kronprinzenufer 11. 

Vormals Direktor des Deutschen Theaters. Ge- 
boren 1838 in Hamburg. Volksstücke: Mein 



HO Literatur. 

Leopold; Hasemanns Töchter; Dr. Klaus; Lolos 
Vater. Damit schlössen die großen Erfolge. 
S. Totä Berlin. 

Dr, Hans L'Arronge, UMandstr, 194. 

Sohn des Vorigen. Schau- u. Lustspiele. Fast 
schon so viele wie Papa. 

Julius Bab, Kaiser aUee ig. 
Berliner Boheme. 

Johann Peter Baum, Friedenau, Fregestr. 46. 
Lyrik. Gott und die Träume. 

Hans Benzmann, Wilmersdorf y Uhlandstr. 123. 

Meine Heide, Gedichte in 7. Auflage. Die moderne 
deutsche Lyrik. 

Leo Berg, Augsburgerstr, 100. 

Herausgeber der „Kulturprobleme der Gegen- 
wart". Schrieb 1890 : Haben wir überhaupt noch 
eine Literatur? Hat durch große Fruchtbarkeit 
die bange Frage einem Ja zuzuführen gesucht. 

Maximilian Bern, Pfalzburgersir, 4, 

Deklamatorium; eigene und fremde Vortragsge- 
dichte. 

Georg Bernhard, Lützowstr, 74, 

Herausgeber der wirtschaftlichen Wochenschrift 
„Plutus**. Schärfster Kritiker des Berliner Finanz- 
lebens. Sozialistische Ideale. 

Carl Albrecht Bernoulli, Apostel Paulusstr. ig. 

Der Sonderbündler, Roman; Ulrich Zwingü, 
Drama. Gute Schweizer Schule. 

Ottomar Heinrich Beta, Steglitz, Breitestr. 9. 

Bürgerlicher Name : Bettziech. Pseudonym : Mal- 
thus n. Zahllose Flug- u. andere Schriften. Ur- 
sachen der geistigen Wohnungsnot in Deutschland. 

Dr. phil. Hans Bethge, Steglitz, Schildhornstr. 8g, 
Gedichte, Novellen und Essays. Der gelbe Kater. 
Totenspiele in Versen. 



Literatur. 1 1 1 

Dr. phil. Oskar Bie, Potsdatnerstr. 35. 

Professor an der Techn. Hochschule, Redakteur 
d, „Neuen Rundschau'*. Musik- u. Kunstschrift- 
steller in führender Stellung. Das Klavier. In- 
time Musik. Handzeichnungen alter Meister. 
Moderne Zeichenkunst. 

Karl Bleibtreu, Wilmersdorf, Ludwigkirchpiatz 2. 
Einer der Führer aus der Zeit der Literaturgrün- 
dung. Größter Rekord an Büchertiteln. Uni- 
versalfleiß mit dem Anschein von Universalgenie. 
Mihtärische Kenntnisse. Dies irae war der Be- 
ginn einer in unabsehbarer Zeit endenden Phan- 
tasienfolge über Themen aus 1870/71, 

Fritz Bley, Habsburgerstr, 11. 

Gefühlsagitation für ein „größeres Deutschland". 
Deutsch-englische Handelsbeziehungen. Die Bu- 
ren im^ienste der Menschheit. 

Dr. med. Iwan Bloch, Friedrichstr. i6g. 

Arzt. Pseudonym : Eugen Dühren. Der Marquis 
de Sade. „Mutterschutz", Zeitschrift zur Re- 
form der sexuellen Ethik. 

Paul Block, Halleschestr, 21, 

Feuilleton-Redakteur des Berliner Tageblatts. 
Romane. 

Dr. phil. Oskar Blumenthal, Meinekestr. 12. 

Genannt „der blutige Oskar'*. War früher als 
Kritiker, ist jetzt als Schwankdichter gefürchtet. 
War als Kritiker satirisch gegen die Theater- 
leute, ist als Theatermann satirisch gegen die 
Kritik. Allerlei Ungezogenheiten. Probepfeil. 
Ein Tropfen Gift. Großstadtluft. Der blinde 
Passagier. Das weiße Rößl. 5. Toid Berlin und 
Klubs, 

Clara Blüthgen, geb. Kilburger, Achenbachstr. 2. 

Pseudonym : C. Ej^sell-Kilburger. Gattin Viktor 
Blüthgens. Novellen und Gedichte, letztere 
spiritistisch. Klänge aus einem Jenseits. 



112 Literatur. 

Viktor Blüthgen, Achenbachstr. 2, 

Romane, Novellen, Gedichte, Jugendschriften 
usw. in großer Anzahl. 

Baronin Hedwig von Bode, Neue Winter feldstr, 4g. 
Romane. Fürstliches Blut. Ulanenliebe. De- 
klassiert. 

Martin Böhm, Wilhelmstr. 13g, 

Schwanke u. Parodien. Ehre. Sodoms Ende. 
Faust. Charakteristisch für Berlin. 

Wilhelm Bölsche, Friedrichshagen, Kaiserstr, 

Ehedem einer der Literaturneuerer, Redakteur 
der Freien Bühne; jetzt naturwissenschaftlicher 
Schriftsteller von darwinistisch-poetischer Stim- 
mung, auch Biograph Ernst Haeckels. Das Lie- 
besleben in der Natur. 

Richard Bong, Potsdamer str, 88, 

Annoncen für Götz Krafft. Verlagst)uchhändler. 

Frau Clarissa Boetticher, geb. Leyden, Steglitzerstr. 58, 
Pseudonj^m: Cl. Lohde. Zahlreiche Romane. 
Literarischer Salon. 

Dr. phil. Otto Brahm, Kronprinzenufer 7. 

Direktor des Lessingtheaters. Begründer der 
Freien Bühne. Entdecker Gerhart Hauptmanns. 
Jetzt kühl-korrekter Theatermann. Aus seiner 
Literarhistorikerzeit : Heinrich von Kleist. Schiller. 

Adolf Brand, Charlottenburg, Wilhelmplatz la. 

Redakteur, Herausgeber der Kunstzeitschrift 
„Der Eigene**. Die Kunstzeitschrift befaßt sich 
mit Künsten, die der Polizei nicht immer äst- 
hetisch erscheinen. 

Richard Bredenbrücker, Großbeerenstr, y8, 

. Romane und Dramen. Süddeutsches Volkstum. 
I bin a Lump und bleib' a Lump. 

Hans Brennert, Frankfurter Allee 142. 

Humorist, der mit dem Überbrettl zur Welt kam. 
Berliner Volkstum. Erzählungen, Kabarett- 



Literatur. 1 1 ^ 

lieder, Lustspiele. Die Hasenpfote. Der Kaiser- 
jäger. (Zusammen mit Hans Ostwald.) 

Marie von Bunsen, Königin Augustastr, 41. 

Tochter Georgs von Bunsen, dessen Biographie 
sie geschrieben hat (und dessen Andenken sie auch 
mit ihren eigenen Arbeiten Ehre macht). Ro- 
mane, Kunstkritik. 

Dr. phil. Carl Busse, Friedrichshageny Waldowstr, 4. 
Früh entdecktes lyrisches Talent aus der Schule 
LiHencrons, jetzt stark zur Kritik abgeschwenkt. 
Gedichte. Neue Gedichte. Neuere deutsche 
Lyrik. (Romane veröffentlicht er^klüglich unter 
anderem Namen.) 

Georg Busse-Palma, Friedrichshagen, 

Lieder eines Zigeuners. Mord, Geschichten, die 
mein Dolch erzählt. 

Clara Cohn-Viebig, Zehlendorf, Königstr.'s, 

Ist verheiratet mit ihrem Verleger, was sie dich- 
terisch gar nicht nötig gehabt hätte. Stärkste 
Romanerfolge der Berliner Schule. Kinder der 
Eifel. Rheinlandstöchter. Das tägliche Brot. 
Die Wacht am Rhein. Das schlafende Heer. 

Dr. phil. et med. Max Dessoir, Goltzstr, 31, 

Außerordentlicher Universitätsprofessor. Wissen- 
schaftlicher Zeuge gegen spiritistische Experi- 
mente. Psychologische u. ästhetische Vorlesungen 
an der Universität, in denen er auch die modernste 
Dichtkunst behandelt. Geschichte der neueren 
deutschen Psychologie. 

Hedwig Dohm, Tiergartenstr, ig, 

Witwe [des Kladderadatsch-Begründers Ernst 
Dohm. Doyenne der Frauenbewegung, auffallend 
kleine Dame mit halbkurzem Haar. Romane: 
Sibilla Dalmar. Schicksale einer Seele. Die Mutter. 

Dolorosa 5. Eichhorn, 

Dr. phil. Max Dreyer, Kronprinzenstr, 23, 

Teils gesinnungstüchtige, teils schlüpfrige Theater- 
Berlin und die Berliner. S 



114 



Literatur. 



stücke, die in den literarischen Theatern über- 
raschender Weise oft Erfolg hatten. Mehrmals 
- mit Zensurverboten beglückt. In Behandlung. 
Der Probekandidat. Die Siebzehnjährigen. Tal 
des Lebens. 
Theodor Duimchen, Eichhornstr. lo. 
Romane und Novellen. Bruch. 

Dora Duncker, Hohenzollernstr. 13, 

Schriftstellerei aller Gattungen. Groß-Berlin. 
Großstadt. Sumpfland. 

Dr. Friedrich Düsel, Friedenau, Sponholzstr, 14a, 
Theaterkritiker des „Kunstwart" (Ernst Detleff). 

Maria Eichhorn, Liesenstr, 4, 

Pseudonym : Dolorosa. Unter diesem Namen bei- 
nahe berühmt. Trägt in Kabaretts ernste Lyrik 
vor. Sängerin der Perversität. Confirmo te 
chrysmate. Fräulein Don Juan. Da sang die 
Fraue Troubadour. 

Dr. phil. Julius Elias, Matthäikirchstr, 4. 

Herausgeber des „Jahresbericht für neuere deut- 
sche Literaturgeschichte**. Gesellschaftlicher 
Mittelpunkt der ehemaligen „Freien Bühne". 
Mitkämpfer Ibsens. 

Dr. phil. Arthur Eloesser, Bambergerstr, 45, 

Theaterreferent der „Vossischen Zeitung". Einer 
der meistbeachteten Kritiker. 

Dr. phil. Eduard Engel, Lennestr. 6a, 

Professor. So fleißig, daß der Verdacht, es schrie- 
ben mehrere unter diesem Namen, aufkommen 
konnte. Literaturgeschichte, Publizistik, Eisen- 
bahnreform. Im Hauptamt Stenograph im Reichs- 
tag. Geschichte der englischen Literatur und 
der Literatur Nordamerikas. Heines Memoiren. 
Der Zonentarif. 

Fritz Engel, Courbiirestr. i, 

Redakteur des „Berliner Tageblatt" und des 
„Ulk". Theaterkritik. 



Literatur. 



IIS 



Georg Engel, Bayreutherstr. ig. 

Romane und Theaterstücke, in welch letzteren 
immer pommersche Wasserstiefel vorkommen. 
Die Furcht vor dem Weibe. Der Ausflug ins 
Sittliche. Über den Wassern. 

Alexander Ettenburg, genannt der „Einsiedler von 
Hiddensee", Gotzkowskystr, 2y, Wer sich der Ein- 
samkeit ergibt, pflegt das sonst nicht auf seine 
Visitenkarte drucken zu lassen. 

Dr. phil. Josef Ettlinger, Spichernstr. 8/g. 

Herausgeber des „Salon-Feuilleton" und „Lite- 
rarischen Echo", Vorsitzender der „Neuen Freien 
Volksbühne". 

Dr. phil. Cäsar Flaischlen, Kurfürstenstr. 44, 

Schwäbische und hochdeutsche Lyrik. In beiden 
ersten Ranges. Romane und Dramen. Jost 
Seyfried. 

Dr. phil. Karl Frenzel, Dessauerstr, ig. 

Professor, Redakteur der „National-Zeitung". 
Altester Theaterkritiker Berlins, der die führende 
Stellung allerdings schon lange aufgegeben. Ver- 
fasser zahlreicher, ehedem gelesener Romane. 

Julius Freund, Potsdamer str. 104. 

Librettist des Metropoltheaters. Alljährlich eine 
Revue der abgelaufenen Zeitungswitze mit hu- 
moristischen eigenen Zutaten. Das tolle Jahr. 

Alfred Hermann Fried, Schöneberg. 

Herausgeber der „Friedens- Warte". Zitaten- und 
andere Lexika. Kampfschriften für die Friedens- 
bewegung. Feuilletons. 

Ernst Friedel, Patdstr. 4. 

Geh. Regierungsrat, Stadtrat. Alt-Berliner Er- 
innerungen und zuverlässige stadtgeschichtliche 
Forschungen. 

Dr. phil. Alfred Friedmann, Karlsbad 21. 

Einer der bemitteltsten und fruchtbarsten Schrift- 

8* 



1 16 Literatur. 

steller Groß-Berlins und des übrigen Europas. Die 
Mehrzahl seiner Bücher erschien bei Reclam. 
Salon. 

Leo Frobenius, Rankestr, 28, 

Simmel-Sammel-Surium des Dr. Gottlieb Haberen 
Ringel-Reihen-Rosen-Reigen. Tingel-Tangel-Tun- 
gel-Titel von vorgestern. 

Eduard Fuchs, Zehlendorf, Karlstr, 14. 

Die Karikatur der europäischen Völker vom 
Altertum bis zur Neuzeit; vom Jahre 1848 bis 
zur Gegenwart. Das erotische Element in der 
Karikatur. 

Dr. phil, Ludwig Fulda, Lützowufer 13, 

Einer der Erfolg- und Tantiemen-Könige Berüns. 
Der beste Übersetzer fremdländischer Poesien. 
Vorsitzender des Vereins Berliner Presse. Der 
Talisman. Die Zwillingsschwester. Maskerade. 

Ernst Georgy s. Michaelson. 

Adele Gerhard, Wilhelmstr, go. 

Frauenfrage, Novellistisches. Mutterschaft und 
geistige Arbeit. Beichte. 

Dagobert von Gerhardt, Potsdam, Mangerstr, 23. 
Major z. D. Bekannt unter dem Pseudonym: 
Gerhard von Amyntor. Lieder eines deutschen 
Nachtwächters. Aus der Mappe eines Idealisten. 
Cis-moll-Sonate. 

Dr. phil. Paul von Gizycki, Rosenthalerstr. 6y. 

Schulinspektor. Autoritäten. Der neue Adel. 

Paul Goehre, Zehlendorf. 

Pfarrer a. D. Ausgezeichneter Schriftsteller. Drei 
Monate Fabrikarbeiter. Wie ein Pfarrer Sozial- 
demokrat wurde. Als Entdecker eines Arbeiters 
Fischer und mit einem erklärenden Vorwort 
edierte er das Buch: Denkwürdigkeiten und Er- 
innerungen eines Arbeiters. 



Literatur. 1 1 7 

Alfred Gold, Fasanenstr. 68, 

Chronikeur der Frankfurter Zeitung, Berliner 
Satire. Hat Einen gefunden, der von ihm ab- 
schreibt. 

Dr. jur. Paul Goldmann, Dessauerstr, ig. 

Koirespondent d. „Neuen Freien Presse". Politik, 
Theaterkritik, Reisebeschreibung. Ein Sommer 
in China. 

Dr. phil. Lothar Goldschmidt, Fasanenstr. 44. 

Bekannt unter dem Pseudonym : Lothar Schmidt. 
Theaterstücke; etwas Satire. Lektor im Bühnen- 
verlag S. Fischer. Der Leibalte. 

Ruth Mally Goetz, Neiis Winter feldstr. 37. 
Cand. med. Er, sie und der andere. 

Dr. jur. Eduard Grisebach, Grolmannstr. 30. 

Kais. Konsul a. D. Bekannt als Schopenhauer- 
Forscher, beneidet als Bibliophile, berühmt als 
galanter Dichter. Übersetzer aus dem Chinesi- 
schen. Tannhäuser in Rom, 

Dr. phil. Ludwig Gurlitt, Steglitz, Arndtstr. 35. 

Professor, Gymnasialoberlehrer. Der Deutsche 
und sein Vaterland. 

Dr. jur. Otto Hammann, Augsburgerstr. 4g. 

Geh. Legationsrat. Der von Journalisten am 
meisten ausgefragte Geheimrat. Diplomat von 
Berufswegen. Publizist aus Neigung. Schreibt 
nicht alles, was er weiß, und unterzeichnet nicht 
alles, was er schreibt. 

Maximilian Harden, Grunewald, Wernerstr. 16. 

Herausgeber der „Zukunft**. Apostata. Hat mit 
Bismarck eine Flasche Rheinwein getrunken. 
Seither Dauerkater. 

Ernst Hardt, Düsseldorf erstr. 9. 

Novellen, Dramen, Übersetzungen. Viel Talent, 
mehr Pose. Der Kampf ums Rosenrote. 



Ilg Literatur. 

Heinrich Hart, Rönnestr. ii, 

Bruder von Julius Hart, mit dem er so lange den 
monistisch - pantheistisch - buddhistischen Traum 
geträimit hat, bis er bei einem tüchtigen Journa- 
lismus gelandet ist. Lied der Menschheit. Die 
neue Gemeinschaft, ein Orden vom wahren Leben. 

Julius Hart, Wilhelmshagen, MoÜkestr, i6, 

Bruder von Heinrich Hart, mit dem er usw. 
Ganz wie oben. Sehnsucht. Der neue Gott. 

Dr. phil. Eduard von Hartmann, Gr. -Lichter felde, 
Marienstr, ya. Oberleutnant a. D. Berühmter 
Philosoph. Geboren in Berlin 1842. Philosophie 
des Unbewußten. Ausgewählte Werke, 13 Bde. 

Dr. Gerhart Hauptmann, Hotel de Rome. 

Wohnt nur zur Zeit seiner Premieren vorüber- 
gehend in Berlin. Berühmt geworden mit der 
Berliner Freien Bühne; seitdem Weltname als 
Dramatiker. Ehrendoktor der Universität Ox- 
ford, Hat sein Haustheater im Lessingtheater. 
Der gebildete Berliner sieht in ihm den mo- 
dernen Dichter. Die Weber. Die versunkene Glocke. 

Wilhelm Hegeler, Groß-Lichter felde, Elisabethstr. 34. 
Romanschriftsteller. Jungdeutsche Balzac-Schule. 
Ingenieur Horstmann. Daniel Klinghammer. 

Dr. Ernst Heilborn, Kurfürsienstr, 83. 

Redakteur der Nation, Theaterkritiker der Frank- 
furter Zeitung. 

Moritz Heimann, Zehlendorf, Johannesstr, 5. 

Ein jüngerer Schwager Gerhart Hauptmanns. 
Lektor im Verlag S. Fischer. 

Karl Henckell, Kantstr. 42, 

Berühmter Lyriker. Sein eigener Verleger. Die 
soziale Not. Trutznachtigall. Buch der Freiheit. 
Moderne Dichterabende. 

Louis Herrmann, Ludwigskirchplatz g. 

Berliner* Possen, Operetten, Couplets. Soge- 
nannter Altmeister. 



Literatur. 



119 



Rudolf Herzog, Pragerstr. 11. 

Theater- und Kunstkritiker der „Berliner Neuest. 
Nachrichten". Zahbreiche Romane. Die vom 
Niederrhein. Das Lebenslied. 

Dr. phil. Max Hirschfeld, Elsholzstr. 5. 

Herausgeber von „Die Feder", Leiter eines 
Bureaus, das dem Schriftsteller für zweiten Nach- 
druck seiner Arbeiten Honorare vermittelt. 

Paul Oskar Höcker, Landgraf enstr, 15, 

Romane und Schauspiele. Redakteur am „Da- 
heim". Geldheiraten. Die Wappenhännse. 

Felix Hollaender, Goethestr, 78, 

Viel gelesener Romanschriftsteller, sogar Dich- 
ter. Mit dem Aufkommen der modernen Schule 
bekannt geworden. Berliner Literaturname. Dra- 
maturg im Neuen Theater. Frau Ellin Röthe. 
Sturmwind im Westen. Das letzte Glück. Der 
Weg des Thomas Truck. 

Arno Holz, Wilmersdorf, Wilhelmsaue 16. 

Wenig gelesener Lyriker. Stammvater des Ber- 
liner Bühnennaturalismus. Erfinder der „Mittel- 
achse** für den Druck freier Rhythmen. Die 
Kunst, ihr Wesen und ihre Gesetze. Revolution 
der Lyrik. Neue Geleise (zusanunen mit Johannes 
Schlaf, den er jetzt zu verleugnen bemüht ist). 
Phantasus. Dafnis (Zweideutigkeiten im Stil des 
17. Jahrhunderts). Traumulus (mit Jerschke). 

Benno Jacobson, Wilhelmstr. 121. 

Redakteur am „Börsen-Courier". Possen, Ope- 
retten, Theaterstücke, Feuilletons. Chike Frauen. 

Dr. jur. Richard Jaff6, v. d. Heydtstr, 5. 

Das Bild des Signorelli. Der Außenseiter. 

Dr. phil. Hubert Jansen, Dorotheenstr. 4g. 

Leitender Redakteur des vom Verein deutscher 
Ingenieure herausgegebenen Technolexikons. Lin- 
guistik. Übersetzt aus neun europäischen und 
elf außereuropäischen Sprachen. 



I20 Literatur. 

Gustav Kadelburg, Brückenallee 36, 

Früher beliebter Schauspieler, jetzt bedeutender 
Schwankindustrieller. Dichterzwilling Blumen- 
thals. Gelegentlich auch Schönthans. Auch 
Anderer. Schrieb ohne diese: Der Familientag. 

Hans von Kahlenberg s. Monbart, 

Dr. phil. Gustav Karpeles, Kurfürstenstr, 21, 
Der Heine-Karpeles. 

Dr. phil. Alfred Kerr, Bambergerstr, 42, 

Pseudonym für Kempner. Modischster, aber auch 
im tieferen Sinn modernster Kritiker. Fahnen- 
träger Gerhart Hauptmanns. Bekannt in Tout 
Berlin, dem er als Satiriker am gefährlichsten 
werden kann. Das neue Drama. 

Wolf gang Kirchbach, Gr, -Lichter felde, Chausseestr. 56. 
Bekannt aus den Münchener Anfängen der mo- 
dernen Literaturbewegung. Romane u. Philo- 
sophisches. Soziale und freireligiöse Ideale. Das 
Leben auf der Walze. Was lehrte Jesus? 

Dr. phil. Alfred Klaar, Charlottenburg , Leonhardt- 
Straße 25. Professor, Redakteur und Kritiker an 
der ,, Vossischen Zeitung". Wir und die Humani- 
tät. Grillparzers Leben und Schaffen. 

Oskar Klein-Hattingen, Friedenau, Wiesbadenerstr. 4, 
Bismarck und seine Welt. Wird man das Werk 
auf die Dauer totschweigen können? 

Dr. phil. Adolf Kohut, Ebersstr. 66, 

Moderne Geistesheroen. Die Überweiber aller 
Zeiten. 

Hans Kraemer, Corneliusstr, 2. 

Unser Bismarck (mit C. W, Allers). Herausgeber 
populär-wissenschaftlicher Sammelwerke. 

Max Kretzer, Kantstr, ig. 

Eine Art Berliner Zola. Mehrere Dutzend ge- 
lesener Romane. Soziale Stoffe. Realistische Be- 
handlung. Meister Timpe. Mülionenbauer. Die 
Madonna vom Grunewald. Das Gesicht Christi. 



Literatur. 1 2 1 

Hans Land, Bachstr, 12. 

Berliner Romane der modernen Schule. Vergleiche 
Felix Hollaender und Max Kretzer. Literarischer 
Mitbegründer von Berlin W. Die Richterin. 
Arthur Imhoff. 

Isidor Landau, Steglitzerstr. 36. 

Redakteur des Berliner Börsenkouriers. Herr 
Doktor. Gemütvollster Theaterkritiker. 

Gustav Landauer, Hermsdorf ^ Mark, Schloßstr, 17, 
Ursprünglich harmloser Anarchist. Adlatus Fritz 
Mauthners. Der Todesprediger. Ein Weg zur 
Befreiung der Arbeiterklassen. 

Hedwig Landauer, Hermsdorf, Mark, Schloßstr, 17, 
Bekannt unter dem Schriftstellernamen Hedwig 
Lachmann. Eigene und übersetzte Verse. Oskar 
Wilde. Gattin des Vorigen. 

Dr. phil. Friedrich Lange, Gr. -Lichter felde, Mommsen- 
str, j. Herausgeber der „Deutschen Zeitung". 
Dichterisches und poHtisches Alldeutschtum. 

Helene Lange, Grunewald, Gillstr, 9. 

Leiterin der Gymnasialkurse für Frauen zu Berlin. 
Herausgeberin von „Die Frau*'. Das Endziel der 
Frauenbewegung. 

Dr, phil. Paul Langenscheidt, Gr, -Lichter felde, Bahn- 
hof Straße 34, Verlagsbuchhändler. Um Nichts, 
Drama. Um Nichts, Roman. Um Nichts . . . 

Viktor Laverrenz, Schöneberg, Vorbergstr. 10, 

Berliner Lokalskizzen. Humoresken und Reise- 
schüderungen. Direktor der „Deutschen Bühne", 
von der aber nur noch der Direktortitel besteht. 

Heinrich Lee, Charlottenburg, Goethepark 7. 

Pseudonym für Landsberg oder Landsberger. Die 
Literaturgeschichte wird es nie erfahren. Lust- 
spiele. Berliner Romane. Bemerkenswerte Reise- 
feuilletons. 



122 Literatur. 

Dr. phil. Leon Leipziger, Tauenzienstr. 20. 

Herausgeber des „Roland von Berlin**. Ein an- 
derer Maximilian Harden. S. Tout Berlin, 

Otto Leixner von Grünberg, Gr.'Lichierfelde, Pols- 
damerstr. 63. Ein Literaturpapst kleinen For- 
mats. Geschichte der deutschen Literatur. Ge- 
schichte der fremden Literatur. Zum Kampfe 
gegen den Schmutz in Wort und Bild. 

Dr. phil. Heinrich Lilienfein, Wilmersdorf , Schramm- 
str I,' Jung- Württemberg in Berlin. Modernus. 
Die Heilandsbraut. Maria Friedhammer. 

Siegfried Lilienthal, Wilmersdorf, UMandstr. 66, 

Bekannter unter dem Namen Fritz Stahl. 
Berlins lautester Kunstkritiker. Wie sah Goethe 
aus? Wie sah Bismarck aus? Wie sieht Fritz 
Stahl aus! 

Dr. phil. Paul Liman, Viktoria Luisenplatz 4. 

Redakteur der „Leipziger Neuesten Nachrichten". 
Bismarck nach seiner Entlassung. Der Burenkrieg. 
Der Kaiser. Hohenzollern. 

Dr. phil. Paul Lindau, Alexanderufer 3, 

Berühmter Roman-, Theater- u. Zeitungsschrift- 
steller, Wechselvolles Theater- und Gesellschafts- 
dasein. Einst ein leuchtender Stern am Himmel 
Tout Berlins. Günstling der MiUionärs- Gesell- 
schaft von vorgestern. In der Berliner Lokalge- 
schichte bleibender Name. Dramaturgische Blät- 
ter. Gräfin Lea. Frau Susanne. Spitzen. Die 
Sonne, Nacht und Morgen. S. Tout Berlin, 

Paul Lindenberg, Hohenstaufenstr. 33. 
Zahlreiche Berliner Schilderungen. 

Max Lorenz, Karlshorst, Roedelstr, 3, 

Literatur- und Theaterredakteur in den „Preus- 
sischen Jahrbüchern'*, Herausgeber der „Anti- 
sozialdemokr. Korrespondenz". Für und wider 
die Sozialdemokratie. 



Literatur. 123 

Hugo Lubliner, Gaisbergstr. 34. 

Langjähriger Lustspielautor des Kgl. Schauspiel- 
hauses. Wird nicht immer genügend belacht. Die 
Frau ohne Geist. Die armen Reichen. Der kri- 
tische Tag. 

Samuel Lublinski, Ludwigkirchstr, i. 

Gelehrter, aber nicht schulmäßiger Ästhetiker. 
Die Bilanz der Moderne. Vom unbekannten Gott. 

John Henry Mackay, SW, 11, 

Berühmtheit der neunziger Jahre. Romane und 
Ijynk im Geiste einer neuen Zeit. Die Anarchisten. 
Sturm. 

Franziska Mann, Behrenstr. 52. 

Apostel Ellen Keys. Moderne Novellen. Frauen- 
recht. Vom Mädchen mit dem singenden Herzen. 

Marie Madeleine s. Puttkamer, 

Dr. phil. Adolf Matthias, Luitpoldstr. jp. 

Geh. Oberregierungsrat im Kultusministerium. 
Literarisches und Pädagogisches. Wie erziehen 
wir unsern Sohn Benjamin? 

Fritz Mauthner, Grunewald, Wangenheimstr. 36, 

Theaterkritiker am „Berliner Tageblatt'* a. D. Ein 
halber Dichter, ein halber Gelehrter, ein ganzer 
Humorist. Nach berühmten Mustern. Xan- 
thippe. Berlin W. Kraft. Die bunte Reihe. 
Beiträge zu einer Kritik der Sprache. 

Dr, phil. Ella Mensch, Tempelhofer Ufer 29. 

Red. der „Frauen-Rundschau". Neuland. Die 
Frau in der modernen Literatur. 

Alfred Julius Meier-Gräfe, Pariser Platz 7. 

Der aktuellste Kunstschriftsteller. Etwas yankee- 
haft. Hat Böcklin „wissenschaftlich" widerlegt. 
Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst. 

Dr. phil. Wilh. M. Meyer, Grolmannstr, 36. 

Der Urania-Meyer. Naturwissenschaft. Das 
Weltgebäude. Der Untergang der Erde. 



124 Literatur. 

Dr. phil. Rieh. M. Meyer, Voßstr, i6. 

Professor, Die deutsche Literatur im 19. Jahr- 
hundert. Geschrieben vom modernen Berliner 
Standpunkt aus. Preisgekrönte Monographie: 
Goethe. 

Margarete Michaelson, Steglitzerstr, 51. 

Bekanntes Pseudonym : Ernst Georgy. Bahnhofs- 
Berühmtheit. Die Berliner Range. Groß-Berlin. 

Robert Mielke, CharloUenburg, Rönnestr. 18. 

Geschäftsführer des Bundes Heimatschutz. Hei- 
matapostel. Die Bauernhäuser der Mark. 

Robert Misch, Charlottenburg, SchiUerstr. 115, 

Romane und Lustspiele. Erfolgreiche Zweideutig- 
keiten. Das Ewig- Weibliche. 

Dr. phil. Marx Möller, Wilmersdorf, Kaiserplatz 16. 
Schauspielhaus- und Festdichtungen. 

Helene von Monbart, Steglitz, Kantstr. 27. 

Der vielgenannte Hans von Kahlenberg. Ein 
blondes Fräulein. Konfisziert. Nixchen (100. Tau- 
send). Die Sembritzkys. 

Christian Morgenstern, Halensee, Ringstr, iig. 

Modem-humoristische Lyrik. Die besten Ibsen- 
Übersetzungen. In Phantas Schloß. Horatius 
Travestitus. Galgenlieder. 

Lina Morgenstern, Potsdamer str. 82a. 

Herausgeberin der „Deutschen Hausfrauenzei- 
tung". Frauen-, Jugend-, Gesundheits- und alle 
anderen Fragen. Grundsatz: Immer praktisch. 
Berliner Typus. Was kochen wir heute? 

Alexander Moszkowski, Kleiststr. 42, 

Chefredakteur der „Lustigen Blätter". Anton 
Notenquetscher. Das Überbüchl. 

Dr. phil. Oskar Mysing, Bernburgerstr, 24, 

Redakteur an der „Kölnischen Zeitung". Unbe- 
deutende Romane, ausgezeichnete Berliner Feuil- 
letons. Chiffre: Pyramide von fünf Punkten. 



Literatur. 



125 



Dr. Friedrich Naumann, Hohenfriedbergstr. 11, 

Herausgeber der „Hufe". Religiöses, Soziales, 
Ästhetisches. Ideal: Vereinigung dieser Elemente. 
Demokratie und Kaisertum. Briefe über Re- 
ligion. 5. Politik, 

Frau Annie Neumann-Hofer, Hindersinstr. 11. 

Pseudonym: Annie Bock. Romane und Theater- 
stücke. Frau Theaterdirektor a. D. Leiterin 
eines Kabaretts. 

Rieh. Nordhausen, Gleditschstr, 6. 

Herausgeber der „Gegenwart", Mitarbeiter des 
„Tag". Pseudonjmi: Caliban. PoUtisches und 
Polemisches. Der Journalist up to date. Auch 
Novellen. Gib uns Brot, Kaiser! Urias Weib. 
Sonnenwende. 

Hans Olden, Grunewald, Gneiststr, loa. 

Früher Schauspieler. Lustspiele, Novellen und 
Romane. Geschmackvolle französische Schule. 
S. Tout Berlin. 

Ludwig Oldenburg, Neu-Kölln a, W. 23. 

Erzählungen aus dem niedersächsischen und 
oldenburgischen Volksleben. 

Dr. jur. Fritz Oliven, Potsdamer str, igi, 

Rechtsanwalt. Pseudonym : Rideamus. Über- 
brettlruhm. Vershumoresken. Willis Werde- 
gang. Berliner Bälle. 

Dr. med. Franz Oppenheimer, Kaiser allee 210. 

Geschätzter Polygraph. Medizinisches, Soziales, 
Politisches. Das Grundgesetz der Marxschen Ge- 
sellschaftslehre. 

Reinhold Ortmann, Tatienzienstr. 6. 

FamiUenblattromane. Ohne Gewissen. In Fesseln 
der Schuld. 

Hans Ostwald, Gr.-Lichterfelde, Ringstr, 47. 

Naturalismus und Romantik auf der Landstraße. 
Berliner Gegenstückchen zu Gorki. Landstrei- 
cher-Novellen. Die Vagabonden. Der Kaiser- 
jäger (mit Hans Brennert). 



126 Literatur. 

Willy Pastor, Wilmersdorf, Pfalzburgerstr, 62. 

Romane, Dramen, Naturphilosophie. Deutsch- 
nationale Kunstkritik in der „Täglichen Rund- 
schau". Im Geiste Fechners. Die Lebensge- 
schichte der Erde. 

Adolf Paul, Luisenplatz 4. 

Jung-Finnland in Berlin. Ist hier zum deutschen 
Dichter geworden. Dramen und Romane. Hero- 
ische Komödien. Die Doppelgängerkomödie. Die 
Madonna mit dem Rosenbusch. 

Emil Peschkau, Gr,'Lichterfelde. DaJüemerstr. y3. 

Chefredakteur von „Reclams Universum". Ro- 
mane und Humoresken. Noras Roman. Die 
Siegerin. 

Felix Philippi, Regentenstr. 2. 

Dramen mit Anspielung auf sensationelle Er- 
eignisse. Schlüssel-Literatur. Viel gespielt, wenig 
gelobt. Das alte Lied. Das große Licht. Das 
dunkle Tor. 

Prof. Ludwig Pietsch, Landgrafenstr. 8. 

Mitarbeiter der „Vossischen Zeitung*'. Bekann- 
tester Berliner Journalist. An Jahren und Druck- 
fehlern der Reichste. Gehört berufsmäßig zu 
Tout Berlin. Ball- und Kunstkritik. 

J. E. Poritzky, Schleswigerufer 16. 

Deutsch dichtender Russe. Überraschende Über- 
einstimmung mit berühmteren Landsleuten. Mil- 
derungsgrund : Mehrfaches offenes Geständnis. 
Keinen Kadosch wird man sagen... Die da 
müde sind . . . 

Dr. Heinrich Ritter von Poschinger, Wilhelmstr. yi» 
Geh. Regierungsrat. Politisches und Historisches. 
Bismarcks Eckermann. Schreibt aber nicht nur 
das, was er selbst gehört hat. Herausgeber von 
Bismarckerinnerungen und Bismarcks Nachlaß. 

Dr. Rudolf Presber, Geisbergstr. 30, 

Redakteur der „Post*' und der „Lustigen Blätter". 



Literatur. 127 

Lyrik von großer Geschmeidigkeit und Vielseitig- 
keit. Familienblatt, Witzblatt, modern. 
Hermione von Preuschen 5. Telmann, 
Dr. Heinrich Pudor, Wilmersdorf , Güntzelstr. 32. 

Herausgeber der „Dokumente des modernen 
Kunstgewerbes". Die Frauenreformkleidung. 

Marie von Puttkamer geb. Günther (Marie-Madeleine), 
Grunewald, Wangenheimstr. 32, Erotische Lyrik, 
vergöttert in Berlin W. und Umgebung. Aui 
Kypros. An der Liebe Narrenseil. 

Eugen Reiche!, Eisenacherstr. yy. 

Herausgeber der „Gottsched-Halle'*. Gottsched- 
Retter. 

Dr. Georg Reicke, Lützowufer i, 

Bürgermeister und Poet dazu. Moderne Romane 
und Theaterstücke. Das grüne Huhn. Schussel- 
chen. 5. Beamtentum. 

Gabriele Reuter, Ludwigskirchstr. 2, 

Die berühmte Verfasserin des modernen Mäd- 
chenromans: Aus guter FamiHe. Frau Bürgelin 
imd ihre Söhne. Liselotte von Reckling. 

Moritz von Reymond, Schlachtensee. 

Populärwissenschaftiiches und Humoristisches. 
Laienbrevier desHäckehsmus. Der kleine Schwen- 
ninger. Der kleine Jäger. Weltgeschichte. 

Rideamus s. Oliven. 

Anna Ritter, Wilmersdorf, Ludwigskirchstr. 11 a. 

Erfolgreichste moderne oder nichtmoderne Lyrik. 
Redaktrice im Verlag Scherl. Gedichte. Be- 
freiung. 

Prof. Dr. Jul. Rodenberg, Margarethenstr. i. 

Herausgeber der „Deutschen Rundschau'*. Alters- 
genosse und Freund verstorbener und lebender 
Dichter, wie Storm, Keller, Heyse u. a. Frucht- 
barer Schriftsteller, sehr verdienstvoller Redak- 
teur. Lieder und Gedichte. Berliner Bilder. Er- 
innerungen aus der Jugendzeit. 



128 Literatur. 

Dr. Abraham Römer, Knesebeckstr. 70/71. 

Herausgeber der „Korrespondenz für Kunst und 
Wissenschaft". Vertrieb von Informationen an 
die Presse. Auch außergeschäftlicher Ehrgeiz. 
Fritz Reuter. Blätter vom Wege. 

Hans Rosenhagen, Frobenstr, 27. 

Kunstkritiker am „Tag". Geist vom Geiste Max 
Liebermanns und der Berliner Sezession. Der 
Niedergang Münchens als Kunststadt. 

Oberlehrer Dr. S. Saenger, UMandstr. 48. 

Mitarbeiter der „Zukunft". Englische und sozial- 
politische Studien. John Stuart Mill. 

Frida Schanz s. Soyaux. 

Paul Scheerbart, CharloUenburg, Kaiser Friedrich- 
Straße 29. Phantastische . . . Dichtungen. Ber- 
liner Bureauchef im Reiche der Phantasie. Unver- 
ständHch aus Prinzip. Tarub, Bagdads berühmte 
Köchin. Rakkox, der BiUionär und die wilde 
Jagd. Der Kaiser von Utopia. 

Karl Scheffler, Friedenau, Feurigstr, 2, 

Musterzeichner und Musterschriftsteller. Die 
moderne Malerei und Plastik. Konventionen der 
Kunst. 

Johannes Schlaf, Pfalzburgerstr. 42. 

Mit Arno Holz Begründer des Bühnen-Naturalis- 
mus. Familie Selicke. Meister Oelze. Psycho- 
pathische Romane. 

Erich Schlaikjer, Gr,- Lichter felde, Augustastr, 28b. 
Theaterkritiker an der „Welt am Montag". 
Richter u. Dichter. Des Pastors Rieke, Komödie. 

Dr. phil. Erich Schmidt, Augsburger str. 58 /5g, 

Meistgeliebter aller Literaturprofessoren. Lite- 
raturpapst, aber ohne jegliche Pose. Lessing. 
Goethes Faust in ursprünglicher Gestalt (Urfaust), 
S. Tout Berlin, 



Literatur. 1 29 

Karl Schneidt, Straußberg, 

Chefredakteur und Herausgeber der „Zeit am 
Montag". Opposition auf allen Linien. Berliner 
Liebling des Staatsanwalts, nicht der deutschen 
Familie. Flugschriften und Flugdichtungen. 

Manuel Schnitzer, Lichier f eider str. 30, 

Redakteur am „Lokal- Anzeiger". Vielgelesener 
Humorist. Käthe und ich. Käthe, ich und die 
Andern. Erstes Semester. 

Robert Schweichel, Schöneberg, Akazienstr. 13. 

Geboren 1821. Aus dem Kreis der ersten Demo- 
kraten und Sozialisten. Romane und Erzäh- 
lungen. Der Schmuggler. Heimatlos. Um die 
Freiheit. 

Dr. phil. hon. causa Heinrich Seidel, Gr.- Lichier felde, 
Boothstr. 2g, Leberecht Hühnchen. Deutscher 
Dickens, weniger satirisch als der Engländer. 
Von Haus aus Techniker. Geboren 1842 zu Berlin. 

Conrad Sittenfeld-Alberti, Bernburgerstr, 21. 

Chefredakteur der „Berliner Morgenpost". Pseu- 
donym: Conrad Alberfi. Romandichter aus der 
Stürmer- und Drängergeneration Jüngst-Deutsch- 
land. Streit- und Flugschriften. Wer ist der 
Stärkere? Das Recht auf Liebe. Was erwartet 
die deutsche Kunst von Wilhelm H.? 

Heinrich Sohnrey, Steglitz, Albrechtstr, 9. 

Geschäftsführer des Deutschen Vereins für länd- 
liche Wohlfahrts- und Heimatspflege. Heraus- 
geber und Redakteur 'von „Das Land" usw. 
Heimat- und Dorfapostel. 

Frida Scyaux, geb. Schanz, Kleiststr. 30, 

Die bekannte und beliebte Frida Schanz. No- 
vellen, Gedichte und Jugendschriften, Preis- 
gekröntes Kneiplied?! 

Friedrich Spielhagen, Kantsir, 165. 

Weltname. Früher auch Publizist und Vor- 
sitzender literarischer Gesellschaften, jetzt völlig 

Berlin und die Berliner. 9 



I30 



Literatur. 



zurückgezogen. Meisterhafter Erzähler im Stil 
der nichtnaturalistischen Franzosen. Politische 
Nebentöne. Problematische Naturen. In Reih' 
und Glied. Ein neuer Pharao. 

Wilhelm Spohr, Friedrichshagen» 

Übersetzer und Herausgeber Multatulis. Kunst- 
kritik. 

Philipp Stein, Lidher str, 48/49. 

Theaterkritiker am „Lokalanzeiger", Chefredakt. 
des „Bazar**. Gilt für einen einseitigen Partei- 
gänger des Theaterdirektors Otto Brahm. Der 
Grad seiner schriftstellerischen Grazie versöhnt 
damit. 

Julius Stettenheim, Potsdamerstr. 52. 

Der älteste u. jugendlichste aller Berliner Feuille- 
tonisten. Vielgelesener und belachter Humorist. 
S. Tout Berlin, Wippchens Kriegsberichte. Ein- 
und Zweizeiler. Nase- und andere Weisheiten. 

Dr. phil. Edward Stilgebauer, Friedenau, Kirchstr, i. 
Götz Krafft. 

Hermann Sudermann, Tauenzienstr. 13. 

Dichter der Frau Sorge und des Katzenstegs. Der 
berühmte Verfasser der Ehre, der Heimat usw. 
Der Kämpfer gegen die Verrohung in der Theater- 
kritik. 5. Tout Berlin. 

Hermione Telmann, geb. von Preuschen, Schmargen- 
dorfy Villa Waldfrieden. Dichtende, malende, de- 
klamierende Vollnatur. Bevorzugt klangvolle 
Vornamen und lateinische Titel. Regina vitae. 
Via Passionis. Mors Imperator. 

Heinz Tovote, Schöneberg, Kaiser Friedrichstr. 7. 
Der Berliner Maupassant, aber . . . S. Tout Berlin. 
Im Liebesrausch. Fallobst. Die Leichenmarie. 

Johannes Trojan, Marburgerstr. 12. 

Redakteur des „Kladderadatsch". Bewährter 
Wein-, Tisch- und Pflanzenschriftsteller. Poli- 



Literatur. 



131 



tischer Satiriker. Kenner der deutschen Festun- 
gen. Jubiläumsreif. Scherzgedichte. Berliner 
Büder. 

Emma Vely, Maßenstr. 14, 

Muse der Leihbibliotheken. 

Clara Viebig s. Cohn. 

Donald Wedekind, Schöneberg, Hauptstr. 86, 

Bruder von Frank Wedekind. Romane und No- 
vellen. Ultra montes. 

Max von Wedel, Dorotheenstr. yi, 

Hauptmann a. D, Die konventionellen Gebräuche 
beim Zweikampf. 6. Auflage. S. Toui Berlin. 

Josef Wiener, Wilmersdorf, Güntzelstr, 29 a, 

Pseudonym : Wiener-Braunsberg. Mehrmals kon- 
fiszierte sittliche Entrüstung. Polizei und Sitt- 
lichkeit. 

Ernst von Wildenbruch, Hohenzollernstr, 14. 

Geh. Legationsrat z. D. Ungleich besser als Ma- 
jor Lauf f. Der einzige deutsche Poet mit echten 
Schillertönen. Hohenzollem-Dramen. Übergänge 
zum Naturalismus. Bravouröse Erzählungen. 
DieQuitzows. Der neue Herr. Das heilige Lachen. 
Die Haubenlerche. Unser Bismarck. S. Toid 
Berlin, 

Dr. phil. Bruno Wille, Friedrichshagen, 

Erster Sprecher der freirehgiösen Gemeinde Ber- 
lin, Einsiedler und Genosse. Atheistische Sitt- 
lichkeit. Die Christusmythe als monistische Welt- 
anschauung. Begründer d. Volksbühnenbewegung. 

Hans Wittenberg, Stargar der str. y8, 

Pastor an Gethsemane. Innere Mission in ge- 
bundener und ungebundener Rede. 

Julius Wolff, Fasanenstr. 27. 

Professor. Geschätzter Dichter-Jubilar. Holte 
sein Licht unter dem Scheffel hervor. In Prosa 
viel besser. Der Rattenfänger von Hameln. Tann- 
häuser. Der Sülfmeister. Zweifel der Liebe. 

9* 



132 



Dramatische Kunst. 



Ernst Frdherr von Wolzogen, Fasanenstr.y2/y3. 
Sein Ideal: Annäherung der Operette an die Lite- 
ratur. Was er bisher erreichte : Annäherung der 
Literatur an die Operette. Reichhaltige Roman- 
vergangenheit, teils im Familienblattstil, teils im 
Gegenteil. Die Kinder der Exzellenz. Das dritte 
Greschlecht. 5. Boheme, 

Eugen Zabel, CharloUenburg, Goethestr. 9. 

Theaterkritiker. Redakteur der „National-Zei- 
tung". Sammelt Theaterkritiken, vor allem seine 
eigenen. Zur modernen Dramaturgie. 

Arthur Zapp, Friedrichshagen, Lindenallee ig. 

Meister des Zeitungs- und Kolportageromans. 
Wie die jungen Mädchen lieben. Die Schau- 
spielerin. Eine Künstlerehe. 

Katharina Zitelmann, Kleiststr. sy. 

Novellen und Romane. Denn alle Schuld rächt 
sich auf Erden. 

Fedor von Zobeltitz, Uhlandstr, 33, 

Romane, Theaterstücke, Bibliophilie. Beliebter 
Erzähler. Multa, non multum. 

Hanns von Zobeltitz, Kantstr. 151. 

Hauptmann a. D. Herausgeber des „Daheim" 
und von „Velhagen & Klasings Monatsheften'*. 
Ebenfalls beliebter Erzähler. Der Riesenwicht. 
Ein bedeutender Mann. Die Tante aus Sparta. 

7. Dramatische Kunst. 

Königl. Schauspieler, Sänger und Tänzer 
sind ebenso wie Hofschauspicder darstellende 
Mitglieder der Königl. Theater. Hofschau- 
spieler und Kammersänger sind auszeich- 
nende Titel. Die Theaterkritik findet man 
unter Literatur und Presse. 

Richard Alexander, Knesebeckstr, 70/71. 

Direktor des Residenztheaters. Beliebtester Ko- 
miker in französischen Schwänken. S. Tout Berlin. 

Ernst Arndt, Kantstr. 88. 

Mitglied des Kgl. Schauspielhauses. Charakter- 
komiker. 



Dramatische Kunst. 



133 



Hansi Arnstadt, Blumeshof y, 

Mitglied des Kgl. Schauspielhauses. Jugendlich- 
muntere Naive. Jugend und Munterkeit sind 
echt. 

Hermann Bachmann, Steglüzerstr. 33, 
Kgl. Sänger. Bariton. 

Marie Barkany, Kurfürstendammi8/ig, 

Hofschauspielerin außer Dienst. Gastiert noch. 

Ludwig Barnay, Schaperstr. 6a, 

Hofrat, Ehrenmitglied des Hoftheaters in Mei- 
ningen, Ehrenmitglied und Meister des freien 
deutschen Hochstiftes zu Frankfurt a. M. Lehrer 
der Schauspielkunst am Deutschen Theater. 
S. Tout Berlin. 

Albert Bassermann, Adresse ist Geheimnis, 

Schauspieler am Lessingtheater. Spielt alles, aber 
mit Unterschieden. Immer interessant. Trau- 
mulus. 

Rosa Bertens, Halleschestr. 21, 

Schauspielerin am Lessingtheater. Rastlose 
Künstlerin. Verheiratet mit Paul Block. 5. Lite- 
ratur, 

Theodor Bertram, Friedrichstr, 104. 

Erster Bariton in der Komischen Oper. Don Juan. 

Ferdinand Bonn, SMüterstr, 26, 

Schauspieler. Manager des Berliner Theaters. 
Münchener und Wiener Vergangenheit. 

Nuscha Butze, Gr, -Lichter felde, Marienstr, 31, 

Kgl. Schauspielerin. Zwischen zwei Altern. Ver- 
heiratete Beermann. 

Rudolf Christians-Brörken, Kantstr, 125. 

Kgl. Schauspieler. Liebhaber. Schwärm der 
Backfische. 

Emmy Destinn, Genthinerstr, 13, 

Kgl. Sängerin. Sopran in vollster Blüte. San- 
inzzoL, Senta. Evchen. Agathe. Tschechin. 



134 Dramatische Kirnst. 

Marie Dietrich, Französischestr, 46. 

Kgl. Sängerin, Opern-Soubrette. Gretel. 

Georg Dröscher, Großheerenstr, 82. 

Oberregisseur und Dramaturg der Kgl. Theater. 

Tilla Durieux, Kurfürstendammi25, 

Schauspielerin am Neuen Theater. Spielt ältere 
Schwestern. Gattin des Malers Eugen Spiro, 

Paula Eberty, Leonhardstr. 23. 

Schauspielerin am Lessingtheater. Chargen. 
Gattin des Kritikers Professor Klaar. 

Georg Engels, Schiffhauerdamm 2y , 

Schauspieler am Neuen Theater. Alt- und neu- 
berlinischer Komiker. 

Gertrud Eysoldt, Unter den Linden 43, 

Schauspielerin am Neuen Theater. Genial. Modem 
im Sinn der Begründerin einer Mode. Salome. 
Elektra. Puck. S. Tout Berlin. 

Geraldine Farrar, zeitweilig in Berlin. 

Opernhaus-Schönheit. Lebt nur ihrer Kunst. 

Helene Fehdmer, verh. Kayßler, Kleiststr. 41. 

Schauspielerin am Deutschen Theater. Meister- 
haft in französischen Stücken. L'Amoureuse. 

Gessner s. Sommerstorff. 

Josef Giampietro, Karlsbad ig. 

Schauspieler am Metropoltheater. Bonvivant. Auf- 
stieg von den Brettern zum Brettl. S. Tout Berlin. 

Curt Glasenapp, Belle- Allianceplatz 5. 

Regierungsrat, Leiter der Theater- und Zensur- 
abteilung des Polizeipräsidiums. Rettungsanker 
vieler Dramatiker. 

Maria Götze, Steglitzerstr. 36. 
Kgl. Sängerin. Alt. 

Max Grube, Gneisenaustr. 100. 

Oberregisseur am Schauspielhaus und Hofschau- 
spieler. Meininger a. D. 



Dramatische Kunst. j^c 

Wilhelm Grüning, Holsteiner Ufer 3. 

Kgl. Sänger. Ehemals berühmter Lohengrin. 

Willy Grunwald, Kurfürstendamm 2g. 

Schauspieler am Lessingtheater. Studenten- 
humor. 

Friedrich Haase, Drakestr, i, 

Kgl. Sachs. Hofschauspieldirektor, Kgl. Hofschau- 
spieler, Ehrenmitglied des Dresdener Hoftheaters. 
S. Tout Berlin, 

Adele Hartwig, Französischestr. 32, 

Schauspielerin am Kleinen Theater. Gehört 
eher unter Tout Berlin. 

Bertha Hausner, Belle- Alliancestr. 92, 

Kgl. Schauspielerin. Jugendlich-muntere Naive! 

Emilie Herzog, Lützowstr. 20, 

Kammersängerin. Berühmte Koloratur. 

Baptist Hoffmann, Mommsenstr, i. 
Kgl. Sänger. Bariton. 

Lucie Höflich, Kantstr. 40. 

Schauspielerin am Neuen Theater. Vielseitig. 
Fach: Jugend. 

Max Hofpauer, Ludwigskirchplatz 12. 

Hof Schauspieler und Theaterdirektor a. D. Ehe- 
mals berühmter Bauerndarsteller. Rezitator. 

Georg von Hülsen, Behrenstr. 31. 

Generalintendant der Berliner und Wiesbadener 
Kgl. Schauspiele. S. Totd Berlin, 

Hans Junkermann, Yorkstr, 85, 

Schauspieler am Trianontheater. Onkel Bräsigs 
Sohn. Elegantester Berliner. 

Friedrich Kayßler, Kleiststr, 41, 

Schauspieler am Neuen Theater. Moderne Helden. 

Oskar Keßler, Belle- Alliancestr, 45, 

Kgl. Schauspieler. Gesetzter Bonvivant. 

Paul Knüpfer, Wartenhurgstr, 14. 
Kgl. Sänger. Erster Bassist. 



1^6 Dramatische Kunst. 

Gustav Kober, Uhlandstr, 151, 

Schauspieler. Napoleon -Spezialist. Schon seit 
längerem auf St. Helena. 

Ernst Kraus, Meineckestr. 23, 

Kgl. Kammersänger. Erster Heldentenor. Tann- 
häuser, Siegfried, Tristan. Kapitalistisches Genie. 

Arthur Kraußneck, Großheerenstr. 52, 
Kgl. Schauspieler. P^re noble. 

Siegmund Lautenburg, Kurfürstendamm 220, 

Theaterdirektor auf derSuche nach einem Theater. 

Emil Ledner, Taubenstr. 44/45* 

Theateragent. Dalai-Lama aller Engagement- 
losen. Unsichtbar für die Kleinen, überaus sicht- 
bar für die Berühmten. 

Else Lehmann, Marburgerstr. 9. 

Schauspielerin am Lessingtheater. Spielt wenig, 
aber von Herzen. Volkstümliche Darstellerin von 
unübertroffener Meisterschaft. Rose Bernd. 

Emil Lessing, Mommsenstr. 6. 

Regisseur am Lessingtheater (das nach ihm be- 
nannt ist). 

Julius Lieban, Lessingstr. 32, 

Kgl. Sänger. Tenor-Buffo. Mime. 

Amanda Lindner, Königgrätzerstr, 61. 

Hofschauspielerin. Einst Stern der Meininger. 

Dr. phil. Raphael Löwenfeld, Fasanenstr. 36. 
Direktor des Schillertheaters. 

Maximilian Ludwig, Knesebeckstr, j. 

Kgl. Schauspieler. Matkowsky von gestern. 

Adalbert Matkowsky, Joachimsthalerstr. 44, 

Hofschauspieler. Der Gott des Schauspielhauses. 
Markiges, manchmal monotones Organ; Dialekt 
der Ostseeprovinzen; außerordentlicher Kunst- 
verstand. Coriolan. Mark Anton, Wilhelm Teil. 

Vilma von Mayburg, Motzstr. 6g, 

Kgl. Schauspielerin. Salondame. 



Dramatische Kunst. i^j 

Klara Meyer, Ali-Moabit 131, 

Hofschauspielerin, Ehrenmitglied des Kgl. Schau- 
spiels. Alte Schule. 

Josef Mödlinger, Luüpoldstr, ly. 
Kgl. Sänger. Bassist. 

Georg Molenar, Mdchiorstr. 2g. 

Kgl. Schauspieler. Helden- und Götterdarsteller. 

Franz Naval, zeitweilig in Berlin. 

Kammersänger. L5nischer Tenor. Desgrieux in 
Manon. Jos6 in Carmen. 

Albert Niemann, Drakestr. 2. 

Kgl. Kammersänger. Wagnersänger a. D. Ge- 
nießt in selbstgewähltem Ruhestand den Ruhm 
seiner großen Vergangenheit. 

Heinrich Oberländer, Yorkstr. 84, 

Hofschauspieler. Lehrer der Schauspielkunst. 

Hans Pagay, Wielandstr, 6. 

Schauspieler am Neuen Theater. Heisere Chargen. 

Max Pategg, Siegmundshof 6. 

Schauspieler am Schillertheater. 

Albert Patry, In den Zelten ly, 

Schauspieler am Lessingtheater. Landrat und 
Offizier a. B. (auf der Bühne). 

Robert Philipp, Knesebeckstr. 3. 
Kgl. Sänger. Spielopemtenor. 

Thila Plaichinger, Königgrätzerstr. 45. 

Kgl. Sängerin. Gefeiert als Brunhilde und 
Isolde. 

Dr. Max Pohl, Friedrich Wilhelmstr. 25. 

Kgl. Schauspieler. Charakterdarsteller und Prä- 
sident der Bühnengenossenschaft. 

Rosa Poppe, Martin Lutherstr, 86, 

Hofschauspielerin. VereheHchte Frau Dr. Leva. 
Heroine im Schauspielhausstil. 



138 Dramatische Kunst. 

Aloys Prasch, Kantstr. 8, 

Hoftheaterintendant a. D., Direktor des Theaters 
des Westens. S. Tout Berlin. 

Auguste Prasch-Grevenberg, Kantstr, 8, 
Unvergeßliche Schauspielerin. 

Emanuel Reicher, Grunewald, Hagenstr, 3, 

Schauspieler am Lessingtheater. Spielt — mit 
Souffleur — alles. Manches ausgezeichnet. 

Max Reinhardt, Grunewald, Fontanestr. 8, 

Direktor des Deutschen und Neuen Theaters. Der 
Modernste. Begründer eines eigenen Bühnen- und 
Inszenierungsstils. 

Marie Reisenhofer, In den Zelten ly. 

Lustspielhaus. Bekannteste Salondame. Ver- 
heiratet mit Albert Patry vom Lessingtheater. 

Rudolf Rittner, Grunewald, Winklerstr, 28, 

Schauspieler am Lessingtheater. Der ehemals 
Modernste. Mitbegründer eines naturalistischen 
Stils. Fuhrmann Henschel. 

Oskar Sauer, Meinekestr. 6. 

Schauspieler am Lessingtheater. Ibsen-Darsteller 
ersten Ranges. 

Else Schiff, Meinekestr, 26, 

Schauspielerin am Lessingtheater. Talent im 
Werden. Hilde Wangel. 

Alfred Schmasow, Johanniterstr, 15, 

Schauspieler am Berliner Theater. Komiker. 

Anna Schramm, Waterlooufer 3. 

Kgl. Schauspielerin. Komische Alte; sehr ko- 
misch, ziemlich alt. 

Leopold Schrecker, Nachodstr, 16, 

Herzogl. Anhalt. Kommissionsrat. Theateragent 
mit fünfundzwanzig Orden. 

Kurt Sommer, Luitpoldstr, 27. 

Hofopernsänger, Herzogl. Sachs. Kammersänger. 



Dramatische Kunst. 1^9 

Otto Sommerstorffy Alexanderufer 4. 

SchauspielerimRuhestand. Pfarrer von Kirchfeld. 

Teresina Sommerstorff-Gessner, dessen Gattin. 

Julia. Gretchen. Monna Vanna, Durch den 
naturalistischen Stil von der Bühne verscheucht. 

Agnes Sorma, Gräfin Minotto, Kurfürstendamm ig6, 
Schauspielerin. Die Berühmteste und Beliebteste. 
Seit Jahren mehr auf Gastspielreisen als in Berlin, 
wo sie nur zeitweise im Neuen Theater auftritt. 
Jüdin von Toledo. Rautendelein. Minna von 
Barnhelm. 

Dr. Waldemar Staegemann, Augsburgersir, 7. 

Kgl. Schauspieler. Doktor der Rechtskunde, 
Baccalaureus der Schauspielkunst. 

Guido Thielscher, SMeiermacherstr. 21. 

Schauspieler am Thaliatheater. Der „kleine 
Thielscher* ' . Komiker. 

Irene Triesch-Lamond, Siegmundshof J. 

Schauspielerin am Lessingtheater. Fast eine 
deutsche Düse. Ibsen-Darstellerin ersten Ranges. 
Nora. Frau vom Meer. 

Arthur Vollmer, Händelstr. 14. 

Hofschauspieler. Erster Charakterkomiker. 

Tilly Waldegg, Roonstr. 10. 

Schauspielerin. Selten auf der Bühne, oft im Zu- 
schauerraum der Theater. Sehr elegant. 

Harry Waiden, Hotel Saxonia, 

Berühmt sind Prinz Harrys Bierreisen durch die 
Welt. Vorläufige Station: Metropoltheater. 
S. Tout Berlin, 

Hedwig Wangel, verh. Stabernack, Leihnizstr. 21. 
Schauspielerin am Neuen Theater. Junge Kraft 
für alte Rollen. 

Hans Waßmann, Leibnizstr. 22, 

Schauspieler am Neuen Theater. Baron im 
Nachtasyl. 



140 



Andere Künste. 



Eduard von Winterstein, Schiff harter dämm 4a, 

Schauspieler am Neuen Theater. Darsteller mo- 
derner Menschen. 

Vera Witt, Thomasienstr. 8. 

Schauspielerin am Residenztheater. Wird gern 
angesehen. 

Dr. Martin Zickel, Grolmannstr. 55, 

Direktor des Lustspielhauses. Entdecker Kadel- 
burgs. 

8. Andere Künste. 

Die zehnte Muse! Was [dachten Sie 
denn sonst? 

Henry Bender, Wilhelmstr. 125. 
Komiker am Metropoltheater. 

Martin Bendix, Annenstr. 51. 

Schauspieler. Der urkomische Bendix. Herrn- 
feld-Theater. 

Rudolf Bernauer, Wallnertheaterstr, 20. 

Schauspieler. Einer von den Bösen Buben. 

Mizi Bucks, Passauerstr. 31, 
Soubrette. S. TotU Berlin, 

F. R. Busch, Kleine Präsidentenstr, 2, 

Kommissionsrat, Zirkusdirektor. Agrarische Auf- 
führungen. 

Antonietta DelPEra, Mohrenstr. 25, 

Prima Ballerina an der Hofoper. Berühmte 
Coppelia. 

Angelika Dresp, Bleibtreusir, 10/ 11. 
Soubrette. S. Tout Berlin. 

Jos6 F^renczy, Alte Jakohstr, 30. 
Direktor des Centraltheaters. 

Emil Graeb, Fischerstr. 11, 
Kgl. Balletmeister. 

Harfenjule. Näheres unbekannt. 
Geht von Haus zu Haus. 



Bohdme. 



141 



Anton Hermfeld, Neue Königstr, jg, 

Donat Herrnfeld, Landsher gerstr. 8g, 

Die beiden Besitzer eines jüdischen Theaters und 
Rennstalles. 

Rita L6on, auf Reisen. 

Vari6t6. S. Tout Berlin, 

Carl Mainhard, Karlstr, 46. 

Schauspieler. Der zweite der Bösen Buben. 

Fritzi Massar y, UJüandstr, 52, 

Wiener Soubrette am Metropoltheater. Messa- 
linette. 

Wilhelm von Osten, Griebenowstr, 10, 
Dresseur des Klugen Hans. 

Ernst Renz, Fasanenstr. gj. 

Zirkusdirektor. Ehrwürdigste Dynastie. 

Otto Reutter, Zentral-Hotel, 

Gesangskomiker. Wintergartentriumphe. 

Albert Schumann, Karlstraßen-Passage. 
Zirkusdirektor. Wasserpantomimen. 

Max Steidel, UMandstr. i8g. 

Stettiner Sänger. Reichshallentheater. 

Robert Steidel, Potsdamerstr. 100. 

Gesangskomiker am Apollotheater. 

Giza von Virdgh, Potsdamerstr. 107, 
Tänzerin. 5. Tout Berlin, 

9. Boheme. 

Otium cum dignitate. 

Berlin hat seit vier Jahren wieder eine Boheme. 
Aus dem Dunkel der Unbekanntheit, in dem sie hier, 
wie in allen großen Städten, immer vorhanden war, 
ist sie durch die Gründung des Wolzogenschen Über- 
brettls, das zwei Jahre lang bestanden hat, bekannt 
und vorübergehend berühmt geworden. Eine gewisse 
Schicht der Bühne und der Literatur, die immer ihr 



1 42 BohÄme. 

Grundstock gewesen, ist es auch geblieben. Auf das 
Überbrettl folgten als Boh^mestätten die Kabaretts. 
Diese bestehen heute noch und sind im zweiten Teile 
unter Vergnügungen (mangels eines anderen Kapitels) 
aufgezählt. Wie weit in ihnen die Boheme echt ist 
oder nicht, ist schwer zu entscheiden; hier seien die 
charakteristischesten Vertreter dieser Gruppe genannt. 
Der König der Berliner Boheme, der Dichter Peter 
Hille, ist kürzlich fünfzigjährig im tiefsten Elend ge- 
storben. Ein in Schlachtensee begründeter Gemein- 
schaftsbund, der Hilles Freunde umfaßte, „Neue Ge- 
meinschaft'*, ist aufgelöst. In bestimmten Wiener 
Kaffeehäusern Berlins, Caf6 des Westens, Caf6 Mono- 
pol usw., und in den Kabaretts findet man die Reste. 
Die Adressen sind nicht immer bekannt. 

Bozena Bradsky, Königgrätzerstr. 48. 
Soubrette. Der lustige Ehemann. 

Marya Delvard s. Henry, 

Freiherr von Enzberg. 

Leiter eines Kabaretts. 

Hans Heinz Ewers, auf Reisen. 

Ehrengast in allen Kabaretts. Begabter Satiriker. 

Mara Feldern-Förster. 

Arrangiert Kabaretts in Privat- Gesellschaften. 

Clement George. 

Der Montmartrois in Berlin. Waschechter Fran- 
zose und Tenor. 

E. Griebel. 

Karikaturenzeichner und Niggertanz-Imitator. 

Danny Gürtler, Markgraf enstr, loi. 

Der Polterndste, nicht der Drolligste. Mehr Ab- 
sicht als Talent. 

Leo Heller, Lyriker. 

Henry. Leiter der ehemaligen Münchener „Scharf- 
richter**. Herr und Gatte von Marya Delvard. 
Deutsch radebrechender Franzose. 



Boheme. 



143 



Mirjam Horwitz. 

Diseuse. Jung, hübsch, Nixchen. 

Hans Hyan, Südende, Stephanstr. 25. 
Vertreter des genre rosse. 

Robert Koppel. 

Der Original-Lustige Ehemann. 
Elise Lasker-Schüler, Ludwigskirchstr. i. 

Überdichterin. 
Erich Mühsam. 

Scherzdichter im Kabarett z. Siebenten Himmel. 
Rudolf Nelson. 

Komponist im Kabarett zum Roland von Berlin. 

Arthur Pserhofer, Kurfürstendamm 20. 

Leiter des Kabaretts im Metropoltheater. Wiener 
Witz und Wiener Hetz. 

Marietta de Rigardo. 5. Schulz, 

Kreolin. Tänzerin im Siebenten Himmel. 

Paul Schneider-Duncker, Grolmannstr. J7. 

Leiter des Kabaretts zum Roland von Berlin. Der 
Erfolgreichste. 

Georg David Schulz, CharloUenhurg, Kirchplatz 5, 
Erster aller Berliner Kabarettiers. Leiter des Sie- 
benten Himmel. 

Oskar Straus, Eisenacherstr. iiy, 

Komponist. Sucht den Übergang zur Operette. 

S. Musik. 
Herwarth Waiden, Ludwigskirchstr, i, 

Komponist und Leiter des Vereins für Kunst. 

Ernst Freiherr von Wolzogen, Fasanenstr, 72/73. 
Der erste Beweger. 5. Tout Berlin und Literatur, 

Elsa Laura von Wolzogen. 

Siehe oben. Seine Dritte. Singt Volkslieder zur 

Laute. 
Bogumil Zepler, BiUowstr, 6, 

Komponist. Sucht den Übergang zur Spieloper. 

S, Musik. 



144 



Mäcene. 



10. Mäcene. 



Diese der Mitwelt zum -ersten Mal unter- 
breitete Liste wäre einer starken Erweite- 
rung fähig. 

Eduard Arnhold, Regentenstr. ig, 

Moderne Malerei. Gemäldesammlung. Ankäufe 

für die Nationalgalerie. 
Adolf von Beckerathy Markgrafenstr, 53/54* 

Bildende Kunst. 
Große Berliner Straßenbahn -Gesellschaft, Leipziger 

Platz 13. Denkmalgruppen am Großen Stern. 
Frau Julie Hainauer, Rauchstr, 23. 

Schenkung an das Kaiser Friedrich-Museum. 
Moritz Jaff6, Margarethenstr, 8, 

Gemäldegalerie. Multa non multum. 
Dr. jur. et phil. Richard v. Kaufmann, Maaßenstr.5. 

Professor für Volkswirtschaft. Kunst- und 

Möbelsammlung. 
Ludwig Leichner, Schützenstr, 31. 

Richard Wagner-Denkmal. 
Franz Freiherr von Lipperheide, Potsdamer str, 38. 

Kostümsammlung. 
Robert Freiherr von Mendelssohn-Bartholdy. 

Musik, Bildhauerei. S. Tout Berlin, 
Ernst Freiherr von Mirbach, Am Lustgarten 3, 

Architektur. S. Hof. 
Louis Raven6, Wallstr. 5/8. 

Privatgalerie. 
Hermann Rosenberg, Tiergartenstr. 10, 

Bankdirektor und Generalkonsul. Sezession. 
August Scherl, Bellevuestr, 7. 

Literatur, Musik, Sparsamkeit. 
Frau L6onie Schwabach, Wilhelmplatz 7. 
James Simon, Tiergartenstr. 15. 

Kaufmann. James Simonkabinett, Schenkung 

an das Kaiser Friedrich-Museum. S. Moderne 

Patrizier. 



Kapitalismus. I^^ 

II. Kapitalismus. 

Wie reich ist Bsrlin? Nach dem Stati- 
stischen Jahrbuch von 1904 betragen die ein- 
kommensteuerpflichtigen Einkommen rund 
ZZ75 Millionen Mark, d. h. ein Achtel der- 
jenigen ganz Preußens, die ergänzungsstcuer- 
Pflichtigen Vermögen 5750 Millionen Mark, 
das Erträgnis der Staatssteuem 32, der 
Gemeindeabgaben 62 Millionen Mark. Dabei 
sind die Millicmär- Kolonien der Vororte nicht 
mitgezählt. Die einzelnen Steuerstufen sind 
hier aus Diskretion nicht angegeben und der 
Kapitalismus nur in seinen boruflichen .Ver- 
tretern berücksichtigt. 

Sigmund Aschrott, Bellevuestr. 12. 
Kommerzienrat. 

Hans von Bleichröder, Behrenstr, 63, 

Firma S. Bleichröder. 5. Tout Berlin, 

Adolf Braun, Behrenstr, j. 

Direktor der Deutschen Hypothekenbank. Justiz- 
rat a. D. 

Alfred Cohn, Behrenstr. 48. 
Früher Warschauer Sc Co. 

Dr. Heinrich Cohn, Minder sinstr. 9. 

Justizrat, Rechtsanwalt a. D., Bankier. Firma 
Meyer Cohn. 

Bernhard Dernburg, Sckinkelplatz 1/2. 
Direktor der Darmstädter Bank. 

Curt Erich, Behrenstr, 14/16, 

Direktor der Deutsch-Asiatischen Bank. 

Carl Fürstenberg, BeUevuestr, 6a, 

Direktor der Berliner Handelsgesellschaft. 

Eugen Gutmann, Rauchstr, 10, 

Kommerzienrat, Konsul, Direktor der Dresdner 
Bank. 

Julius Guttentag, Hüzigstr, 7. 

Bankier, Generalkonsul. Firma Gebr. Guttentag, 
Jägers tr. 11. 

Arthur Gwinner, Rauchstr, i, 

Direktor der Deutschen Bank. Generalkonsul. 

Berlin und die Berliner. lo 



jA^ Kapitalismus. 

Dr. jur. Max Hedemann, Landhausstr. i6/ig» 

Direktor der Preuß. Boden-Kredit-Aktien-Bank. 

Eduard Helfft, Unier den Linden y8. 

Geh. Kommerzienrat, Vizepräsident der Ältesten 
der Kaufmannschaft. Bankier. 

Theodor Hemptenmacher, Hüdehrandtstr. 5. 

Geh. Oberregierungsrat, Staatskonmiissar bei der 
Börse. Kapitalismuspolizei. 

Wilhelm Herz, Dorotheenstr, i, 

Präsident der Handelskammer, Geh. Kommerzien- 
rat. Firma S. Herz. 

K. V. d. Heydt, v. d. Heydtstr. 18, 
Bankier. 

Josef Hoeter, Behrenstr, 43/ 44- 

Wirkl. Geh. Oberregierungsrat, Ministerialdirektor 
a. D., Gesch.-Inhaber der Diskonto- Gesellschaft. 

Karl Joerger, Mauerstr. 61/62. 
Firma Delbrück, Leo & Co. 

Gottfried Klingemann, Unter den Linden 34. 

Präsident der Zentral-Bodenkredit-A.-G., Amts- 
richter a. D. 

Rudolph Koch, Tiergartenstr. 7a. 

Kommerzienrat, Direktor der Deutschen Bank. 
Nicht zu verwechseln mit Richard Koch, dem 
Direktor der Reichsbank. 5. Wissenschaft. 

Wilhelm Kopetzky, Behrenstr. 35. 

Kommerzienrat, Bankier. Firma Kopetzky & Co. 

Friedrich Wilhelm Krause, Leipzigerstr. 1/5. 
Firma F. W. Krause & Co., Bankgeschäft. 

Eugen Landau, Königin Augustastr. 28. 

Bankier, Generalkonsul, Rittmeister d. L. 

Hugo Landau, Wilhelmstr. 71. 
Kommerzienrat, Bankier. 

Paul Mankiewitz, Behrenstr. 9/13. 
Direktor der Deutschen Bank. 



Kapitalismus. j^j 

Berthold Marckwald, BMevuestr. 15. 
Rentier. 

von Mendelssohu-Bartholdy, fägerstr. 49/30. 

Ernst, Paul, Franz, Robert. Firma Mendels- 
sohn & Co., Bankhaus. 5. Tout Berlin. 

Eduard Mosler, Behrenstr. 42. 

Persönlich haftender Gesellschafter der Berliner 
Handelsgesellschaft. 

Hugo Oppenheim, MaUhäikirchstr. jb. 

Kommerzienrat, früher Rob. Warschauer & Co. 

Josef Pinkuss, Tiergartenstr. 26. 
Kommerzienrat. 

Dr. jur. J. Rießer, Licktensteinaüee 4. 

Geh. Justizrat, Rechtsanwalt, früherer Direktor 
der Bank für Handel und Industrie. 

Ale3cander Schöller, Behrenstr. 43/44. 

Geh. Seehandl.-Rat, Geschäftsinhaber der Dis- 
konto- Gesellschaft. 

Dr. phil. Paul Hermann Schwabach, Mauerstr. 35/36. 
Bankier, Teilhaber der Firma S. Bleichröder, 
Generalkonsul. 

Dr. jur. Walter Sobernheim, Schöneherger Ufer 35. 
Bankdirektor, Konsul. 

Max Steinthal, Behrenstr. g/13. 
Direktor der Deutscheji Bank. 

Julius Stern, Voßstr. 34. 

Direktor der Nationalbank. 5. Tout Berlin. 

Graf Franz Hubert von Tiele- Winkler, Tiergartenstr. 20. 
Größter Steuerträger. S. Tout Berlin u. Landadel. 

Richard Witting, Voßstr. 34. 

Poscner Bürgermeister a. D. Geheimrat, Direk- 
tor der Nationalbank. 

Kapitalismus ist ein so schöner, vieldeutiger, 
mißverständlicher Begriff, ein so beliebtes Schlag- 
wort, daß es wohl erlaubt ist, hier einmal im Sinne 

lO* 



I^.g Kapitalismus. 

eines Berufes davon zu sprechen. Die Berufseigen- 
schaft fällt auch am meisten in die Augen. Streng 
genommen gehört zum Beruf eine Tätigkeit; das 
kann also hier nur der Geldhandel sein, denn Ka- 
pital ist Geld. Einstweilen darf man sich mit dieser 
volkstümlich-lapidaren Definition zufrieden geben. 
Wenn das Publikmn aber auf die Idee kommen 
sollte, daß es noch anderes Kapital, sogar imbeweg- 
liches, auch im Besitze von Proletariern und andern 
Antikapitalisten befindliches, gibt, dann dürften Ein- 
wände gegen dieses Kapitel erhoben werden. Gar 
bedenklich wird der Fall, wenn man aus dem Ab- 
schnitt über Berufe entnehmen würde, daß zum 
Beruf nicht notwendigerweise eine Tätigkeit gehört, 
wenigstens im heutigen Berlin nicht; daß der wesent- 
lichste Teil der geistigen Lebensbetätigung des Mannes 
nicht unbedingt produzierender Natur sein muß; 
daß man nicht bloß zu einem solchen Beruf geboren 
und berufen, sondern auch in ihm geboren sein kann ! 
Verlassen wir diese schwindelnde Perspektive, die 
uns das Steigen der Erkenntnis und der Fortschritt 
der Wissenschaft eröffnet. Denn dann müßte dieses 
Kapitel allerdings gründlich umgearbeitet werden. 



IL 

Dinge. 



Etats de choses 
Etats de l'äme. 



I. Straßen und Quartiere. 

Das große Berlin hat eine kleinere Ge- 
markung als Köln, Hannover oder selbst 
Mannheim. Weitere Ausdehnimg durch Ein- 
gemeindung der Vororte ist zurzeit ,, nicht 
tunlich". Die Terrainpreise sind mit der 
Übervölkerung so sehr gestiegen, daß an der 
Leipziger- und Friedrichstraßenecke, aller- 
dings dem begehrtesten und wertvollsten 
Posten der Stadt, die Quadratrute mit 
60000 Mk. bezahlt wird. 

Ist es einfach oder schwierig, Berlin kennen zu 
lernen? So fragt sich der Fremde, der hier Beobach- 
tungen zu machen begonnen hat, und nur zu rasch ist 
er geneigt zu antworten : Es ist sehr einfach. Räum- 
lich wie seelisch scheint dieses große Berlin von einem 
recht durchsichtigen System beherrscht, ja am Ende 
ist es überhaupt kaum etwas anderes als eine auf 
einem Blatt Papier mit Lineal und Bleistift aufge- 
zeichnete Stadtanlage. Selbst ihre ältesten und zen- 
tralsten Teile, von denen man höchstens die Ufer- 
partien am Fluß und Kanal oder einen Stadtbahn- 
viadukt, einen Kirchplatz, ein altertümliches Gäßchen 
ausnehmen mag, verraten dies in ihrem rechtwinkligen 
Straßennetz, um wie viel mehr erst die neueren Viertel 
aus dem achtzehnten Jahrhundert, die Luisenstadt, 
die Friedrichstadt, die in strahlenförmigen oder schach- 
brettartigen Mustern sich so rationalistisch klar, so 
rasch, so schulmäßig um die Altstadt gruppiert und 
vergrößert haben. Fast kennt man Berhn schon, 
wenn man nach einigen Spaziergängen seinen Plan 
sich einprägt; wie sein Stadtbüd an der einen Stelle 
ist, ist es meistens auch an den andern. Im'^Geiste 
kann man sich die übrigen Quadratkilometer leicht 



1^2 Straßen und Quartiere. 

ergänzen. Denn nicht nur im Westen sind es Pracht- 
straßen mit Alleen und Asphalt, mit Loeser & Wolff 
und Aschinger, die man sieht; im Norden, Süden und 
Osten sind es wieder Prachtstraßen mit Alleen, mit 
Loeser & Wolff und Aschinger. In den einen erglän- 
zen bloß die Fassaden heller und sauberer und die 
Läden eleganter und die Schilder aus Glas und Gold 
einladender, und in den andern sind auf den schmutzig- 
grauen ölanstrich der Häuser die Namen der vielen 
Kellerlokale gekleckst, und ärmlich gekleidete Kinder 
spielen auf Bürgersteig und Fahrdamm. Dort mehr 
Geld, hier weniger Geld; wie einfach ist diese Nuance! 
Und schließlich : über den riesigen Boulevards der 
Reichen wie der Armen schwebt wieder ausgleichend 
eine stramme Polizeiordnung. Das ist Berlin. Das ist 
sein Körper und seine Seele. 

So urteilt, nicht ohne Grund imd doch über- 
treibend, der verwöhnte Fremde. Er wohnt in einem 
Hotel Unter den Linden oder gar auf dem kolonialen 
Asphalt von Neu-Charlottenburg und kennt das innere 
Berhn nur von gelegentlicher Durchfahrt oder einem 
ersten und letzten Spaziergang mit dem Plan in der 
Hand. Er kennt nur die halbe Wahrheit. Die ganze 
erfährt er selbstverständlich aus diesem Buch. 

Berlin hat viele breite, gerade und schier endlose 
Straßenzüge und doch manche liebe Physiognomie in 
seinem Stadtbild. Es hat viel grauen Asphalt und 
gleichfarbig mit öl getünchte lange Häuserreihen und 
doch manche Stimmung. Es hat sogar eine peinlich 
hygienische Anlage und eine militärisch gegliederte 
Straßenreinigung in Uniform und dennoch — Ro- 
mantik. In den innern und ältesten Geschäftsvierteln 
der Stadt begegnet man ihr. Im Verzeichnis der 
Straßen und Quartiere sind einige Andeutungen ge- 
geben. 

Den zwei Millionen Einwohnern Berlins ent- 
spricht ein öffentliches Straßengebiet von mehr als 
10 Millionen Quadratmetern. Neunhundert benannte 



StraBen und Quartiere. 1^3 

Straßen und etwa hundert Plätze verteilen sich darauf. 
1834 Männer und Jungen sorgen mit Sprengwagen, 
Kehrmaschine und Schrubber für deren Pflege. 

Die Breite der Straßen beträgt in den neuen Stadt- 
teilen ohne die Vorgärten der Häuser 19 Meter; diese 
vergrößert sich in einzelnen Straßenzügen, wie Alt- 
Moabit, der Straße, die zum Kriminalgericht führt, 
bis zu 68 Metern. Diese breiten Straßen, für die auch 
die Straße Unter den Linden ein typisches Beispiel 
bietet, zerfallen der Länge nach in mehrere Fahr-, 
Fuß-, Straßenbahn- und oft auch Reitwege. Durch 
lange schmale Rasenstreifen mit Blumenbeeten sind 
die Wege in der Regel voneinander abgesetzt. Im 
ältesten Berlin gibt es noch heute Straßen, die nicht 
mehr als 4 bis 6 Meter Breite messen. 

Die Straßen Berlins unterliegen den Bestim- 
mungen der Stadt und nicht der Regierung. Das ist 
die Regel. Aber es gibt Ausnahmen um Ausnahmen, 
und über den Stadtbauräten steht der Kaiser, ohne 
dessen Genehmigung z. B. Unter den Linden nichts 
geschehen darf. 

Berlin zerfällt in 21 historische Stadtteüe oder 
Reviere, die sich zusammen in 389 Bezirke gliedern. 



Alt-Kölln. Nicht erst von Leoncavallo entdeckt. 
Eine der beiden Hälften der Altstadt. Der Roland 
stand an der Kurfürstenbrücke. Gebiet der Spree- 
insel zwischen Spree und Kanal. Schloß, Dom, Mu- 
seen. Altester Teil am Flußübergang zum Molken- 
markt. Schifferleben an der Waisenbrücke. Insel- 
speicher. Man gehe abends vom Schloßplatz nach 
Süden, an der Stechbahn vorbei durch die Brüder- 
oder Oberwasserstraße. Friedrichsgracht. 

Alt-Berlin. Berlin C. — C. kann auch City heißen. 
Das Gebiet zwischen den Bahnhöfen Börse, Alexander- 
platz und Jannowitzbrücke auf der einen und der 
Spree auf der andern Seite. Hauptader Königstraße. 



1^4 Straßen und Quartiere. 

Mittelpunkt Rathaus. Nicht weit davon ist ein zweites 
Rathaus im Bau. Zwischen Molkenmarkt und Mühlen- 
damm der wahrscheinlich erste Entstehungspunkt 
Berlins. Konserviertes Mittelalter: Klosterkirche, 
Nikolaikirche, Marienkirche, HeiUge Geistkapelle. Die 
letztere ist jetzt — o tempora! — ein Hörsaal der 
neuen kaufmännischen Hochschule. Man bewundere 
die im Sommer von dichtem Grün bedeckten alten 
Uferruinen zwischen Mühlendamm und Waisenbrücke. 

Dorotheenstadt und Friedrichstadt. Das Reich der 
Linden und der Friedrichstraße. Fremdenviertel. Hier 
ist Berlin Hotelstadt. Vielleicht mehr Hotel als Stadt? 
„Es ist alles da." Quartiere für Fremde, Geschäfte 
für Fremde, Vergnügungen für Fremde. Der Ab- 
schluß nach Süden ist die an Verkehr und Läden so 
reiche Leipzigerstraße. Man atme Ecke Leipziger- 
und Friedrichstraße etwas — nicht zu viel — Berliner 
Luft. Unter den Linden und in deren Nähe ein großer 
Teil des offiziellen Berlin. Akademie, Bibliothek, 
Universität, Opernhaus, Schauspielhaus. Neuere Stadt- 
teile, unter Friedrich L nach geometrischen Plänen 
angelegt. 

Friedrichswerder. Konfektionsviertel. Gegend 
des Werderschen Marktes, östlich bis zum Kanal, 
nördlich bis zum Zeughaus, südlich bis zum Spittel- 
markt. Historische Ergänzung von Alt-Kölln. Ehe- 
mals das Wiesengebiet der Grüngasse. Jetzt kleine 
Geschäftsstraßen, die auf den Kanal münden. Schleu- 
senwerk. Vom Hausvogteiplatz, der heute noch die 
Form der alten Stadtmauer-Bastion hat, soll zum 
Spittelmarkt Untergrundbahn gebaut werden. 

Friedrich- Vorstadt (obere). Philharmonieviertel. 
Quartier des Potsdamer und Anhalter Bahnhofs. Von 
der Königgrätzerstraße bis zum Landwehrkanal. 

Friedrich- Vorstadt (untere) . Tiergartenviertel. 
Potsdamer Platz und Potsdamerstraße. In den fünf- 



Straßea und Quartiere. I^^ 

ziger Jahren vor dem damaligen Stadttor in der Form 
vereinzelter Landhäuser angelegt. Iffland wohnte 
schon zur Zeit, als er Schiller empfing, in der Tier- 
gartenstraße. Heute liegt zwischen Tiergarten und 
Potsdamerstraße ein vollständig ausgebautes Woh- 
nimgsviertel, das schönste und teuerste in Berlin. 
Hier wurde das berühmte Berlin W. geboren. Millionär- 
kolonie. Sandsteinhäuser in französischem Villenstil. 
Hausgärten. 

Friedrich- Wilhelmstadt. Theater- und Studenten- 
viertel. Von der nördlichen Friedrichstraße westwärts 
bis zum Lehrter Bahnhof. Deutsches Theater. Zirkus 
Schumann. Charit6. 

Königsviertel. „Scheunenviertel." Fortsetzung 
der Königstraße hinter dem Alexanderplatz. Einzelne 
berüchtigte Straßen und Lokale. Stellenweise zum 
Abbruch reif und bestimmt. Im Norden Prenzlauer, 
im Osten Landsberger Tor. Alexanderplatz. Fried- 
richshain. Grab der Märzgefallenen. 

Luisenstadt diesseits und jenseits des Kanals. 
Berlin SO. Große Werkstätten und Fabrikanlagen. 
Möbel, Bronze, Metallwaren. Neue große Fabrik- 
komplexe mit drei bis vier Innenhöfen und Kraft- 
zufuhr für Arbeitsmaschinen. Musterlager für Groß- 
betriebe. Uferpartien am Luisenstädtischen und Land- 
wehrkanal. Obst- und Grünkramläden auf dem 
Wasser. Hafenplätze. An der Oberbaumbrücke Beginn 
der Oberspree. Oststrecke der elektrischen Hochbahn. 

Moabit. Kasernen-, Gerichts- und Beamten- 
viertel. Zellengefängnis. Krankenhaus. Neue Ter- 
rains an der Spree. Sogenanntes neues Hansaviertel. 
S. Tiergarten, 

Neu-Kölln. Wallstraße. Blick auf die Altstadt 
am Fluß. Geschäftsviertel. Märkisches Provinzial- 
museum. 



156 Straßen und Quartiere. 

Oranienburger Vorstadt. Berlin N. In den sech- 
ziger Jahren als das Viertel der Maschinenbauer, 
Königreich Borsig, entstanden. Jetzt naturwissen- 
schaftliche Sammlungen und Hochschulen. Quartier 
latin. An der Brunnen- und Ackerstraße die typischen 
Kleinbürgerviertel. Mietskasernen mit oft mehr als 
hundert Parteien. Stettiner Bahnhof. 

Rosenthaler Vorstadt. Berlin N., zweiter Teil. 
Siehe oben. 

Schöneberger Vorstadt. Kreuzung der Potsdamer- 
und Kurfürstenstraße. Übergang zu Schöneberg und 
Charlottenburg. Lützow- und Schöneberger Ufer sind 
teuer, das Hinterland volkstümlicher. Berlin W. zu 
ermäßigten Preisen. 

Spandauer Viertel. Zwischen dem Norden der 
Friedrichstraße und Alexanderplatz. Erstes Erweite- 
rungsgebiet der Altstadt. Geschäft und Vergnügen 
oder : Rosenthalerstraße und Oranienburger Tor. Dort 
die Handelswelt (der Name Rosenthal), hier belebtes 
Treiben und zahlreiche Volks- Vari6t6s. Die sogenannte 
Chansonettenecke. S. Vergnügungen. 

Stralauer Viertel. Berlin O. Hausindustrie für 
Wollwaren und Konfektion. Große Frankfurter- 
straße. Bahnhof Jannowitzbrücke und Schlesischer 
Bahnhof. Der verwöhnte Westen kennt hier nur das 
Residenztheater. Übergang zur Oberspree und zu 
dem alten Fischerdorf Stralau. Hier ist die Anlage 
eines großen Berliner Hafenspeichers geplant. 

Tempelhof er Vorstadt. Berlin S. Abschluß nach 
Süden. Das Tempelhofer Feld, der große Truppen- 
übungsplatz, schneidet die weitere Ausdehnung ab. 
Kreuzberg. Größerer Volkswohlstand als im Norden. 

Tiergarten. Bewohnt im sogenannten Hansa- 
viertel. Jüngeres, bescheideneres Gegenstück zum 



Gebäude. 15^ 

echten Tiergartenviertel. Mittlere Wohnungen. Be- 
amte und Offiziere. Schloß Bellevue. 

Wedding und Gesundbrunnen. Berliner Nordpol. 
Arbeiterfamilien. Konfektioneusen. Ringbahn. 

2. Gebäude. 

Unter den 45 000 Gebäuden, von denen 
fast da: xoo. Teil öffentliche sind, er- 
wecken doch eigentlich einige auch künst- 
lerischen Genuß. 

Abgeordnetenhaus. Prinz Albrechistr. s/^. 

Echter Sandstein. Echte Renaissance. Von 
Schulze 1898 beendet. Im Innern manchmal amü- 
santer. 

Besichtigung nach Anfrage beim Kastellan. 

Alt-Berlin. Vereinzelt in der Kloster-, Neuen Friedrich- 

und Gertratuitenstraße. 

Sehenswerte Reste aus der Zeit des ersten und 
zweiten Friedrich. Kleine Fenster, zarte Giebel als 
Frontispiz, steinerne Stufen vor der Tür. Hinter der 
Parochialkirche ganz niedrige Häuschen mit Dach- 
galerien. Ein altes Krankenhaus mit effektvollem 
Turm (jetzt Friseurschule) an der Waisenbrücke. 
5. Kirchen, 

Bahnhöfe. 

Sind nicht zur Besichtigung da. Vergleiche Fern- 
bahnen. 

Banken. 

Sind in Berlin Gebäude, in die — auch architek- 
tonisch — viel Geld gesteckt wird. Man findet in 
ihnen großen Luxus; zumeist lohnt er sich. Den 
verunglückten Instituten nehmen die noch nicht ver- 
unglückten die Gebäude ab. 

Darmstädter Bank, Schinkelplatz 1/2. 

Roter Sandstein. 
Berliner Handelsgesellschaft, Behrenstr, 32, 

Von Messel erbaut. 



158 Gebäude. 

Deutsche Bank, Behrenstr, g/13, Mauerstr. 29/32, 
Kanonier str,, Französischestr, 66/68, Reiche Re- 
naissance. Viereinhalb Millionen Kosten. Baut 
immer zu. 

Diskontogesellschaft, Behrenstr, 43 und Unter den 
Linden 35. Monumental, gediegen, sicher. 

Dresdener Bank, Behrenstr. 38/39, 
Palastfassade von Ludw. Heim. 

Reichsbank, fägerstr. 34a, 
Roter Sandstein. Renaissance. 1869 — 1876 von 
Hitzig gebaut. Gedenktafel für Grenadier Th5^sen. 

Bau- Akademie, Schinkelplatz, 

Rohziegelbau oder Ziegelrohbau? Kommt auf 
den Geschmack an. Schinkelscher Klassizismus. 

Kgl. Bibliothek, Platz am Opernhaus, 

Süddeutsches Barock. Nach Angaben Friedrichs 
des Großen und einem Plan Fischers von Erlach. Hei- 
terster Monumentalbau Berlins. Im Volk „die Kom- 
mode'* genannt. 

Börse, Burgstr. 25/26, 

Der erste neuere Werksteinbau Berlins. Hält 
allen Schwankungen stand. Außen Hitzig, innen hitzig. 
Viertausend Schreier. 

Besichtigung zur Börsenzeit (11 — 3 Uhr) von der Galerie 
aus. 30 Pfg. 

Brandenburger Tor. 

Propyläen von Berlin. Nicht umzubringen. 
Schadows Viktoria. Das wahre Nationaldenkmal. 

Deutscher Dom. 

Einer der beiden Kuppeltürme auf dem Gen- 
darmenmarkt. Der andere gehört zu der ärmlicher 
gehaltenen Französischen Kirche. Beide im Louis 
Seize-Stil von Gontard. Beide Schaustücke von etwas 
verblaßter Berühmtheit. 

Dom, Am Lustgarten, 

Rom in Berlin. Prunkvolle Übertreibung der 
italienischen Hochrenaissance. Im Innern protestan- 



Gebäude. I ^g 

tisch. Wirklich gelungen ist die Spannung der Kuppelj 
deren Silhouette einen großartigen Eindruck macht. 
Das Ganze von Geheimrat Raschdorff. 

Besichtigungsfreiheit wie in katholischen Kirchen. 

Feuerwachen. 

Hauptfeuerwache Lindenstr. 41. Besichtigung 
immer, nur nicht zwischen 2 und %4 Uhr, gestattet. 

Herrenhaus, Leipzigerstr, 3/4. 

Gegenüber Wertheim. Trotzdem nicht sehr be- 
kannt. Auch im Äußern (Renaissancefassade mit 
großem Vorhof) altmodisch. Vom Kaiser getadelt. 

Besichtigung nach Anfrage beim Kastellan. 

Kamekesches Haus, Dorotheenstr, 27. 

Echter Schlüter. Nicht offiziell; muß entdeckt 
werden. Wundervolles Barock im Landhaus-Charakter. 
Jetzt im Besitz der York Royal-Loge. 

Kirchen. 

Das Alte ist gut, aber nicht zahlreich, das Neue 
nur zahlreich. Prachtvolle gotische Altertümer: 
Nikolaikirche an der Poststr., Klosterkirche, Klosterstr. 
zw. 73 u. 74, Marienkirche an der Kaiser Wilhelmstr. 
Gleichfalls aus dem XIII. Jahrhundert: Heilige Geist- 
kapelle, In der Nikolaikirche eine Fülle von Monu- 
menten, Gedenktafeln und Gemälden. ^Beachte 
Schlüters Darstellung des Todes am Männhchschen 
Erbbegräbnis. Den Stil des achtzehnten Jahrhunderts 
hat die Parochialkirche, Klosterstraße zw. 67 und 68. 
Schönes Glockenspiel. Alte Kirchen im Herzen der 
Stadt sind ferner die Dreifaltigkeitskirche, Mauer- 
straße zw. Kronen- und Mährenstraße, an der Schleier- 
macher wirkte, und die böhmisch-lutherische Beth- 
lehemskirche. Femer die dem Pantheon nachgeahmte 
katholische Hedwigskirche hinter dem Opernhaus. 
Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche am Zoologischen 
Garten, romanischer Sandsteinbau, effektvoll gelegen. 
Die anderen neuen Kirchen fast ausnahmslos trockene 
Stügerippe ohne Reiz. 



l6o Gebäude. 

Königs- oder Neue Wache, zwischen Universität und 

Zeughaus. 

Charakteristischer Schinkel. Ausgezeichnete Um- 
münzung eines dorisch-römischen Castrums in ein 
preußisches. Schönes Material: Grauer Werkstein in 
den Architekturteilen, verwitterte Ziegelwände als 
Füllungen. 

Kriminal-Gerichtsgebäude, Alt-Moabit ii. 

Wird von denen, die es besuchen müssen, nicht 
auf Architektur angesehen. Langweilige Renaissance, 
rote Ziegelmauern. Untersuchungsgefängnis mit tau- 
send Zellen. 

öffentliche Sitzungen, täglich von V«'<^ Uhr an zu- 
gänglich. 

Künstlerhaus, Bellevuestr, j. 

Ein hübscher, halb moderner Bau, der sich der 
Villenstraße gut einfügt. Das geschmackvolle Innere, 
vor allem der große Festsaal mit seiner Bühne, zwei 
Altanen und stilisierter Wandmalerei, erinnert an süd- 
deutsche Muster. 

Land- und Amtsgericht L, Grunerstraße, 

Ernst ist das Gericht, heiter ist das Haus. Über- 
mütig modernisiertes Barock. Die ausgebauchten 
Türme schon von ferne sichtbar. An der Haupt- 
fassade, die die großen Portale enthält, sogar chine- 
sisch-japanische Anklänge. Unentwegte Sezession bis 
in die Einzelheiten der Inschriften und die Aus- 
schmückung im Innern. Der kühne Erbauer, Otto 
Schmalz, ist Professor an der Technischen Hoch- 
schule. 

Marstall, ScMoßplatz, 

Ernst, würdevoll. Italienischer Pferde-Palazzo. 
Die übliche Hofrenaissance in gelbem Sandstein. 
1897 — 1900 von Ihne erbaut. Aufzüge für Wagen 
und Pferde über 2 Stockwerke. Sehenswerte Gala- 
kutschen und historische Stücke. Hinter dem Neu- 
bau, Breitestraße, die älteren Marstallgebäude, das 



Gebäude. ' l6i 

eine mit schönem echten Renaissanceportal, das andere 
mit barocken Giebelfeldern. 

Besichtigung der Ställe und Wagenstände täglich ^1^12 
bis 2 Uhr: 25 Pfennige. 

Ministerium des Kgl. Hauses, Wühelmstr. 73, 

Das schönste alte Haus der an Ministerien und 
Antiquitäten so reichen Wilhelmstraße. 1734 als 
Gräfl. Schwerinsches Palais erbaut. Tiefer Vorhof; 
vorne Gitter mit Pfeilern und Schmuckstücken der 
Barockzeit. 

Altes Museum, Am Lustgarten. 

Schöner Schinkelscher Klassizismus. Säulenhalle 
mit Fresken (gleichfalls von Schinkel) und Stand- 
bildern. Große Rotunde mit gemalter Kassettierung, 
einem perspektivischen Scherz, als Eintrittshalle. 
Auf den Wangen der Freitreppe zwei Plastiken : Ama- 
zone zu Pferd mit Tiger von Kiß und Jüngling zu Pferd 
mit Löwen von A. Wolff. 

Besichtigung usw. 5. Sammlungen, 

Neues Museum, mit dem Alten verbunden. 

Von Stüler, 1845. Hoher Mittelbau, Giebelseite 
nach Westen. Darinnen imposantes Treppenhaus. 
Bekannte Wandgemälde von Wilhelm von Kaulbach. 

Besichtigung usw. s. Sammlungen, 

Kaiser Friedrich-Museum, KL Museumstr. 

Abschluß der Museimisinsel nach Westen. Ge- 
nannt das „nasse Dreieck". Wurde nicht so sehr für 
den Museimiszweck als zur Ausfüllung eines sonst nicht 
verwendbaren leeren Platzes erbaut. Die Fassaden 
an den beiden Wasserseiten verraten den Versuch 
einer Schlüterkopie. Die vordere Spitze als Eingangs- 
und Säulenhalle halbkreisförmig abgerundet. Die 
Empfangsräume im Innern sind in weißem Stuck in 
dem einfachen friderizianischen StU gehalten. Im 
vorderen Vestibül ein unmotivierter Abguß von Schlü- 
ters Denkmal des Großen Kurfürsten, im rückwärtigen 
Marmorstatuen von Pigalle (aus Sanssouci) und die 

Berlin und die Berliner. 1 1 



1 62 Gebäude. 

Feldherren des siebenjährigen Krieges nach Tassaert 
und Schadow. Für den ganzen Bau verantwortlich: 
Geh. Hofbaurat Ihne. 

Besichtigung usw. s. Sammlungen. 

Nationalgalerie, Museumstr,, hinter den Kolonaden. 
Das Land der Griechen mit der Seele suchend: 
ein Vermächtnis Friedrich Wilhelms IV. Romanti- 
scher Kunsttempel im Stil eines Pseudoperipteros 
zwischen Säulenhallen. 

Besichtigung usw. s. Sammlungen. 

Opernhaus. 

Antiker Kunsttempel aus der Zeit Friedrichs des 
Großen. Vom König angeregt und teilweise ent- 
worfen. „Friedericus Rex Apollini et Musis". An der 
Stirnseite korinthischer Porticus mit Giebelrelief und 
Nischen für Plastiken, im Innern vielfach umgebauter 
und geflickter Bühnenraum, neuberlinisch dekorierter 
Zuschauersaal und Konzertsaal mit Büffet. Seit 
kurzem wegen Feuersgefahr mit eisernen Nottreppen 
und elektrischen Lichtern rings umgeben. Stumme 
Mahnung an den Landtag. 

Palais des Kronprinzen, Platz am Zeughaus. 

Traditionelle Kronprinzenresidenz. Hier wohnte 
der spätere Friedrich der Große, dann der spätere 
Kaiser Friedrich und nun das jetzige Kronprinzen- 
paar. Verunglückter Umbau eines Gebäudes aus dem 
XVII. Jahrhundert. Mechanisch angewandte Renais- 
sanceformen, schmutzig-grauer Fassadenanwurf, wül- 
kürliches Verhältnis zum Platz. Durch einen Bogen 
über der OberwaUstraße mit dem hübschen barocken 
Prinzessinenpalais verbunden. 

Palais des Kaisers Wilhelm L, Ecke der Linden u. des 

Opernplatzes, 

Das historische Eckfenster (das Fenster, aus dem 
der König der vorbeiziehenden Wache zusah) . Schmuck- 
loses Haus mit dorischer Säulenordnung und Balkon. 
Vom jüngeren Langhans in den dreißiger Jahren er- 



Gebäude. l6^ 

baut; Dekoration der Innenräume von Strack. Ein 
Stück HohenzoUemmuseum. 

Zu besichtigen von lo — 2 (Sonntags bis i) Uhr. 50 Pf. 

Palais des Prinzen Albrecht, Wilhelmstr. 102, 

Ein von Schinkel umgebauter alter Palast, in 
einem großen und berühmten Parke stehend. Von 
Menzel wundervoll gezeichnet. Zur Straße hin Kolon- 
naden und Militärposten. 

Palais des Prinzen Georg, Wilhelmstr, 72. 

Aus dem XVIII. Jahrhundert. Unbewohnt. 
Im Besitz des Kaisers. 

Palais des Prinzen Friedrich Leopold, Wilhelmstr , Ecke 
Wilhelmplatz. 

Philharmonie, Bernburgerstr, 22/23, 

Aus einem Skating-Rink entstanden. Von Bau- 
meister Schwechten in den achtziger Jahren erbaut. 
Drei große Konzertsäle, darunter der von der Köthener- 
straße aus zugängliche Beethovensaal. Berühmter 
Dachgarten. 

Pleßsches Palais, Wilhelmstr, yS, 

1872 — 75 von dem Franzosen Destailleur im Stil 
Ludwigs XIII. erbaut. Das unnüttelbar anschließende 
Borsigsche Palais, von Lucae im Renaissancestil und 
in prächtigem Material begonnen, blieb unvollendet, 
weil der Nachbar, Fürst Pleß, daneben ein Stallge- 
bäude errichtete. Seit Jahrzehnten steht es unbenutzt. 

Pringsheimsches Palais, Wilhelmstr, 6y, 

Berühmtestes Beispiel der Berliner Hochrenais- 
sance und Hochfinance von 1873. Farbige Fassade, 
in der Höhe des Kranzgesimses ein Mosaikfries auf 
Goldgrund, nach Zeichmmgen Antons von Werner. 
Erbaut von Ebe und Bender. 

Rathaus von Berlin, Spandauer-, König-, Juden- u, 

Rathausstraße, 

Echtestes Berlin. Solide Technik, langweüige 
Architektur. Roter Ziegel- und Terrakottabau mit 



II* 



104 Gebäude. 

granitnem Sockel und Reliefs an den Baikonen. Das 
Ganze ist einem großen Bahnhof nicht unähnlich. Im- 
posanter Turm im Stil der Frührenaissance von 74 m. 
Höhe mit bestem Rundblick über Berlin. Das Haus 
ist 1861 — 70 von Wäsemann erbaut worden. Viel be- 
sichtigt wird in dem im übrigen verunglückten Trep- 
penraum die mehr geschichtlich als künstlerisch be- 
merkenswerte Ausschmückung. Ratskeller. 

Besichtigung 10 — 3 gestattet. 

Rathaus von Charlottenburg, Berlinerstr., am Wil- 
helmsplatz. 

Neuerrrichteter modemer Sandsteinbau. Das 
junge Charlottenburg demonstriert darin gegen das 
alte Berlin. Außer dem originell behandelten Turm 
ist das wirkungsvolle Treppenhaus und die Dekora- 
tion der Festsäle im Jugendstil beachtenswert. 

Eintrittskarten zum Rathausturm beim Portier. 

Redernsches Palais, Unter den Lindem, 

Gehört der Geschichte und bald nur noch der Ge- 
schichte an. Das von Schinkel umgebaute stilvolle 
Haus wird abgebrochen und macht einem Hotelbau 
Platz. 

Reichskanzlerpalais, Wilhelmstr. 77, 

Bismarcks Residenz von 1875 — 1890. Verbunden 
mit der Reichskanzlei. Schauplatz des Berliner Kon- 
gresses. Entstanden durch Umbau aus einem der 
Landsitze des alten preußischen Hochadels, mit pracht- 
vollem Garten zur Königgrätzerstraße hin, von Bis- 
marcks Nachfolgern im Amt übernommen. 

Reichstagsgebäude, Königsplatz, 

Der Gipfel des modernen guten Geschmacks, der 
Berlin bisher beschieden war. Ein mächtiges Viereck 
mit Details aus der italienischen und spanischen 
Hochrenaissance reich ausgestattet, von prachtvollen 
Umrißlinien an der Bedachung. Zarte stumpfe Eck- 
türmchen, eine mächtige Glaskuppel mit vergoldeten 
Gurten und goldener Laterne. Der überreiche büd- 



Gebäude. ' l6c 

hauerische Schmuck dem Ganzen so untergeordnet, 
daß er (trotz Begas, Eberlein, Klein u. a.) nicht stört. 
Bemerkenswert die beiden stolzen Herolde von Rudolf 
Maison über der östUchen Attika. Wenn man das 
Portal lange genug betrachtet, sieht man die In- 
schrift: Dem deutschen Volke. Erbaut wurde es 
1884 — 94 mit einem Aufwände von 22 Millionen von 
Wallot. Verantwortlich für die zu niedere Kuppel 
ist der Geldgeber. 

Besichtigung des Innern Sonntags von 2 — 4 Uhr, wochen- 
tags vor 149 Uhr morgens. 50 Pf. 

Romanische Häuser, Auguste Viktoriaplatz. 

Erbaut als stilvoller Vor- und Hintergrund für 
die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche. Überaus rei- 
cher Skulpturenschmuck in geschnittenem Sandstein; 
prunkvolle Rundbogen und Zwergsäulen. 

Schauspielhaus, Gendarmenmarkt u, Charlottenstr. 

Schinkels effektvollster Bau. Entstanden aus 
den durch Brand zerstörten Mauern des alten National- 
theaters, 1817. Großartiges Frontispiz am Schiller- 
platz. Eine große Freitreppe, niemals benützt, führt 
in eine ionische Säulenhalle und in die Höhe des Par- 
ketts. Der Theaterraum zieht sich von hier aus durch 
den Mittelbau; links imd rechts schließen sich kleinere 
Seitenflügel, Konzertsaal und Garderobehaus an. Die 
Schinkelsche Innendekoration hat im Laufe der Jahre 
mehrfache Umänderungen erfahren. Über die neueste 
Ausstattung s. Vergnügungen. 

Schloß Bellevue, Bdlevueallee, Tiergarten. 

Eine für den Prinzen Ferdinand 1785 erbaute 
Solitüde von großer Einfachheit und durch den schönen 
Park gehobener, reizvoller Fernwirkung. Der Park 
ist bis zum Eintritt der Dunkelheit zugänglich. 

Schloß Monbijou, Monbijouplatz. 

Ein Idyll mitten in der Stadt. Ein Lustschloß 
von galanter Rokoko-Heiterkeit, unter Friedrich I. 
für die Gräfin Wartenberg errichtet; nachdem diese in 



l66 Gebäude. 

Ungnade gefallen war, vom Kronprinzenpaar bewohnt 
und am Ende des Jahrhunderts mit den auffallenden 
runden Torgebäuden versehen. Jetzt Hohenzollern- 
museum. Im Monbijoupark die englische Georgs- 
kirche, ein zierlicher gotischer Bau aus rotem Granit. 

Königliches Schloß, zwischen Lustgarten und SchloßpL 
Ein Teil und zugleich ein Symbol Hohenzollern- 
scher Geschichte. Begonnen an der Spreeseite im 
XV. Jahrhundert; in mehreren Jahrhunderten, vor 
allem unter dem Großen Kurfürsten und dem ersten 
König, langsam vergrößert und bereichert; erreichte in 
Schlüters, Nerings und Eosanders Tätigkeit den künst- 
lerischen Höhepunkt. Von Schlüter rühren die beiden 
Hauptfassaden am Lustgarten und am Schloßplatz her, 
von Nering der in klassischer Hochrenaissance ausge- 
führte sogen. Apothekenflügel, und Eosanders Werk 
war die Westfassade mit dem effektvollen Portal im 
Stile des römischen Severusbogens. Neben diesem zwei 
glänzend polierte Bronzereliefs aus neuester Zeit. Der 
hier aufragende Kuppelbau (Schloßkapelle) und die 
sehr wirkungsvolle Terrasse am Lustgarten unter 
Friedrich Wühelm IV. angefügt. Damals diente das 
Schloß nur Repräsentationszwecken. Kaiser Wü- 
helm II. ließ es für sich und seinen Hofstaat neu ein- 
richten und auch im Äußeren ergänzen : Landungsplatz 
und Terrasse an der Spree; allegorische Standbüder, 
Wühelm I. als Jupiter, Kaiserin Augusta als Juno, 
Kaiser Friedrich als Mars, seine Gemahlin als Minerva 
auf der Dachbalustrade am Lustgarten. Denkmal 
Colignys. 

Der Grundriß ist klar, rechteckig, preußisch, und 
das Innere des Baues, so außerordentlich auch seine 
Dimensionen sind, übersichtlich. Es gruppiert sich 
um zwei nebeneinanderliegende Schloßhöfe ; der zweite, 
innere, ein Meisterwerk Schlüters. Er ist auf drei 
Seiten von offenen Bogenhallen umgeben. Im Portal 
an der Nordseite ein Standbild des Großen Kurfürsten. 
Die Empfangs- und Festsäle liegen im zweiten Ober- 



Gebäude. I (5^ 

geschoß. Schweizersaal; Parade-Vorkammern mit 
HohenzoUernbildnissen, von Pesne; Königszimmer, 
Rote Drap d'or-Kammer und Rote Adlerkammer, alle 
drei von Schlüter und mit modernen Bildern von 
Camphausen; Rittersaal über Portal V. Im Ritter- 
saal überreicher Barockschmuck, darunter vier Supra- 
porti von Schlüter und ein Augsburger Prunkbüffet; 
reicher Süberschatz, ein Jamnitzer Pokal. Hier finden 
die Ordensverteilungen und die Cour bei Hoffesten 
statt. Anschließend die Schwarze Adlerkammer, 
Rote Samtkanuner und der Kapitelsaal des hohen 
Ordens vom Schwarzen Adler. Bildergalerie mit 
Werken von Pesne (Friedrich I. auf dem Thron), von 
Menzel (Krönung Wühelms I. zu Königsberg), von 
Angeli (Wühelm H. und Auguste Viktoria) und A. von 
Werner. Es folgt der Westflügel mit einer kleineren 
Galerie und dem großen Weißen Saal. Marmor-Stand- 
büder der preußischen Herrscher vom Großen Kur- 
fürsten an schmücken ihn. Die Eröffnung des Reichs- 
tags, des Landtags und die großen Hoffeste finden 
hier statt. Die anderen Räume des Schlosses (im 
ganzen ungefähr 700) werden nicht gezeigt. 

Besichtigung wochen täglich von 10 — i, Sonntags und 
Feiertags von ^12 — 142. Eingang durch Portal IV am Lust- 
garten. 50 Pf. 

Schloß und Mausoleum in Charlottenburg, Straßenbahn 

Linie N., Station Luisenplatz, 

Entstanden aus einem Garten- und Lustschloß 
der Königin Sophie Charlotte. Erste Ansiedlung in 
der Kolonie, die später zur Stadt Charlottenburg 
wurde. Der Schlütersche Mittelbau ist später durch 
die beiden einen Vorhof einschheßenden Seitenflügel 
und den Kuppelturm vergrößert worden. In den nach 
dem Garten zu liegenden Räumen des Mittelbaues hat 
der kranke Kaiser Friedrich die letzten Monate bis zu 
seinem Tode verbracht. Der große und üppige Schloß- 
garten, bis zur Spree sich ausdehnend, ist von Lenötre 
angelegt. 



l68 Gebäude. 

In diesem Garten das vielbesuchte berühmte 
Mausoleum: Ruhestätte der Königin Luise und ihres 
Sohnes Wilhelm I. Ein nach Schinkelschen Plänen 
errichteter, später erweiterter, in Schwarz imd Weiß 
gehaltener ernster Bau. In einem kapellenartigen 
Raum sind die Sarkophage des Königs- und des 
Kaiserpaares aufgestellt. Die Marmorbilder der Kö- 
nigin Luise und des Königs Friedrich Wilhelms IIL von 
Rauch, diejenigen Wilhelms L und der Kaiserin Augusta 
von Encke. Sehr wirkungsvoller Beleuchtungseffekt. 

Besichtigung wochentäglich von 9 — 6, Sonntags und 
Feiertags 11 — 6, im Winter bis 4 Uhr. Eintrittskarten im 
rechten Schloßflügel für Mausoleum und Schloß je 25 Pf. 

Sing- Akademie. Am Festungsgraben hinter dem Zeug- 
haus, 
Altfränkisch feierlicher Bau aus der Schinkelzeit. 

Ausgezeichnete Akustik. S. Konzerte. 

Synagoge, Oranienburger str» 30, 

Von Knoblauch und Stüler in den sechziger 
Jahren erbaut. Reiche Architekturteile im orienta- 
lischen Stil. Große vergoldete Zwiebelkuppel, deren 
hübsche optische Wirkung bis zur Börse bemerkbar ist. 

Besichtigung des Innern nach Meldung beim Kastellan. 
Theater. 

Von den Privattheatem sind die meisten alt und 
unschön, auch die neueren zumeist unansehnlich und 
nur das Theater des Westens in Charlottenburg, 
ein auffallender Bau im Louis XVI.-Stil, das Neue 
Theater und das in einen Hof apart hineingebaute 
Lustspielhaus über das Gewöhnliche hinausgehend. 
Im Kleinen Theater, einem früheren Hotelsaal, moderne 
Ausstattung, an den Wänden die BöcklinschenMasken. 
Das Trianon-Theater eine Adaptierung von Speicher- 
räumen unter den Stadtbahnbogen. 

Universität (Friedrich Wilhelms-Universität), Platz am 

Opernhaus. 

Entstanden 1809 aus dem veralteten Palais eines 
Prinzen, enthält die Hörsäle der philosophischen. 



G«bäude. 169 

juristischen und theologischen Fakultät, aber nicht 
die naturwissenschaftlich- medizinischen Institute, 
die über die nördlich angrenzenden Straßen verteilt. 
An der Rückseite das Kastanienwäldchen mit dem 
Universitätsgarten und der akademischen Lesehalle. 

Wertheim, Leipzigerstr. 132/133. 

Das Warenhaus als Mäcen. Moderne Archi- 
tektur ersten Ranges. Typisch gewordene Neugotik: 
Schlanke graue Sandsteinpfeiler, dazwischen breite 
Glasflächen und eiserne Traversen. Am Leipziger Platz 
reich geschmückter Eckflügel mit offener Rundbogen- 
halle, die die Geschäftsfassade verkleidet. Das be- 
rühmteste Werk Alfred Messeis. 

Wohn- und Landhäuser. 

Verschiedene Zeit- und Stilschichten je nach der 
Entfernung vom Zentrum. Im Tiergarten noch ver- 
einzelte antike Landhäuser von Schinkel, andere be- 
reichert durch pompejanische, spätrömische und 
Renaissanceanklänge von Strack und Hitzig, schließ- 
lich neueren, französischen Mustern nachgebildete. 
Dies mit Vorliebe. Das reich gewordene Berlin wohnt 
wie der Adel des ancien regime. Einige hübsche 
Muster von Messel. Durcliweg ausgezeichnetes Mate- 
rial und solideste technische Behandlung. Vergröbe- 
rung der Stile im „neuen Westen" am Kurfürsten- 
damm. Große Häuser mit grellen Fassaden. Neue 
und stärkste Blüte der Berliner Wohnhauskunst in 
der Kolonie Grunewald. Dort auch einige, im Ver- 
gleich zu anderen Städten nur geringe Versuche in 
modernem Stü. Englische Hausgärten. 
Zeughaus, Platz am Zeughaus. 

Aus der Barockzeit. Der Gott des Krieges, von 
den Genien der Schönheit und der Kunst geschmückt. 
Der quadratische Grundbau, vom Holländer Nering 
entworfen, von Schlüter durchgeführt und durch tem- 
peramentvolle Fassadengliederung gehoben. Pracht- 
voller bUdhauerischer Schmuck von Schlüter. 

Besichtigung usw. s. Sammlungen. 



I/o 



Kasernen. 



Zirkus Busch, Kleine Präsidentenstr., Museumviertel 

(hinter Nr. 7). 

Frontentstellend. Rauh getünchte Pferderotunde. 
Es muß wohl auch solche Bauten geben, aber nicht 
zwischen der Museumsinsel und dem Monbijoupark. 



3. Kasernen. 

Die Garde steht in Berlin und Pots- 
dam, die Linie vorzugsweise an den 
Vogesen und der Weichsel. 

Berlin ist die Stadt der Kasernen. Aber da es 
dies mu* unter anderem und daneben noch so vieles ist, 
beherrscht die Kaserne doch noch nicht das Leben des 
Volkes. Im Bild der Stadt verschwindet sie beinahe, 
und das umsomehr, als ja, wenn man den Spöttern 
glauben darf, der ganze Berliner Straßenspiegel archi- 
tektonisch einer großen Kaserne gleicht. Jede Ka- 
serne hat ihr Kasino. Hier das Verzeichnis: 

2. Garde-Regiment z. F., i. u. 2. Bataillon: Friedrich- 

Straße loy, 
Füsilier-Bataillon : Karlstr. 34/35. 
Fridericianischer altersgrauer Bau mit zartem 
Giebel über einer massig-nüchternen Fassade. 

Rocktuch dunkelblau. Helm mit weißem, bezw. 
schwarzem Haarbusch; gelbe Knöpfe, schwedische Ärmel- 
aufschläge; leere rote Schulterklappen. 

3. Garde-Regiment z. F., Wrangelstr, 97/99- 

Wie oben. Gelbe Schulterklappen. 

4. Garde-Regiment z. F., Rathenowstr, 9/18, 

Wie oben. Blaue Schulterklappen. 

Kaiser Alexander-Garde-Grenadier-Regiment Nr. i, 
(Alexandriner), i. u. 2. Bataillon : Prinz Friedrich 
Karlstr. 

Füsilierbataillon: Alexandrinenstr, 128, 

Die modernste und jüngste. Die Front im Stil 
einer altdeutschen Festung, der Stall in der 



Kasernen. jyi 

Form einer altchristlichen Basilika. Zwing- 
Cölln. Wurde mit einer berühmt gewordenen 
Kaiserrede eröffnet. 

Dunkelblauer Rock. Helm mit weißem, bezw. 
schwarzem Haarbusch, bei Parade fridericianische Gre- 
nadiermütze mit rotem Futter; gelbe Knöpfe, branden- 
burgische Aufschläge, blaue Ärmelpatten. Weiße Schulter- 
klappen mit Aufschrift Ai. 

Kaiser Franz- Garde- Grenadier-Regiment Nr. 2 (Fran- 
zer), Blücherstr. 47/48. 

Dunkelblauer Rock. Helm mit weißem, bezw. 
schwarzem Haarbusch; gelbe Knöpfe, brandenburgische 
Aufschläge, blaue Armelpatten. Rote Schulterklappen 
mit Monogramm FA. 

Königin Elisabeth-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 3, 
I. u. 2, Bataillon: Charlottenburg-Westend. 
Füsilierbataillon : Charlottenburgy Schloßstr, i u, 6g, 

Wie oben. Gelbe Schulterklappen mit Aufschrift £. 

Königin Augusta- Garde- Grenadier-Regiment Nr. 4, 
Friesenstr. 15/16. 

Wie oben. Blaue Schulterklappen mit Aufschrift A. 

Garde-Füsilier- Regiment (Maikäfer), CÄawss^^s/r. Sgjgi. 

Dunkelblauer Rock. Helm mit schwarzem Haar- 
busch; weiße Knöpfe, schwed. Ärmelaufschläge; leere 
gelbe Schulterklappen. 

Diese sämtlichen Infanterieregimenter haben rote 
Kragen und Aufschläge. 

Garde-Schützen-Bataillon, Gr.-Lichterfelde, Steglitzer- 

Straße 52. 

Rock und Mützentuch grün. Kragen und (fran- 
zösische) Ärmelaufschläge schwarz mit gelben Litzen. 
Mützenstreifen schwarz, Ärmelpatten grün, rot ein- 
gefaßt. Knöpfe gelb. Tschako mit schwarzem Haarbusch. 

Garde-Kürassier-Regiment, Prinz August vonWürttem- 
bergstraße. 

Koller und Mütze weiß. Weißer Stahlhelm. Be- 
satz des Kollers und der Mütze blau. An Kragen und 
Ärmelaufschlägen weiße Litzen. Zur Parade Helm aus 
Tombak mit fliegendem Adler. 



1^2 Kasernen. 

1. Garde-Dragoner-Regiment Königin Viktoria von 

England, Belle- Alliancestr, 6. 

Hellblauer Rock. Knöpfe bezw. Helmbeschlag gelb. 
Schulterklappen rot. Haarbusch weiß, an Kragen und 
Ärmelaufschlägen gelbe Litzen. Auf den Schulter- 
klappen ein Monogramm VIR. 

2. Garde-Dragoner- Regiment Kaiserin Alexandra von 

Rußland, Blücherstr. 26. 

Wie oben. Knöpfe bezw. Helmbeschlag weiß. An 
Kragen und Ärmelaufschlägen weiße Litzen. Auf den 
Schulterklappen die Aufschrift A. 

2. Garde-Ulanen-Regiment, Invalidenstr, 56, 

Ulanka dunkelblau. Epaulettes. Tschapka, zur 
Parade weißer Haarbusch. Roter Kragen, gelbe Knöpfe, 
rote Epaulettefelder. An Kragen und Ärmelaufschlägen 
gelbe Litzen. 

I. Garde-Feld-Artillerie- Regiment, Kruppstr, 2/4, 

Röcke und Mützen dunkelblau ; Kragen, Ärmel und 
Mützenstreifen schwarz. Schwedische Ärmelaufschläge. 
Helm mit weißem Haarbusch. Weiße Schulterklappen 
mit Vorstoß aus rotem Tuch. Die reitende Abteilung 
trägt Helm mit schwarzem Haarbusch und Granaten- 
Abzeichen. 

3. Garde-Feld-Artillerie-Regiment, Stab u. i. Abteiig. 

Scharnhorststr. 23/31, 

Wie oben, aber gelbe Schulterklappen und glatte, 
runde Granaten -Abzeichen. 

Garde-Pionier-Bataillon, Köpenicker str. 12/14. 

Dunkelblauer Waffenrock, Kragen und (schwedi- 
sche) Aufschläge schwarz mit weißen Litzen. Knöpfe 
und Helmbeschlag weiß. Schwarzer Haarbusch. 

Eisenbahn- Regiment Nr. i., Schöneberg, Colonnenstr. 

Wie Garde-Pionier-Bataillon. Dazu auf den Schulter- 
klappen die Aufschrift E I. 

Eisenbahn-Regiment Nr. 2, General Papestr. 

Wie oben. Auf den Schulterklappen E II. 

Eisenbahn-Regiment Nr. 3, Groß-Görschenstr, 37. 

Wie oben. Auf den Schulterklappen E III. 

Telegraphen-Bataillon, Köpenicker str. 13/^4 w- 17^/180. 

Wie oben. Auf den Schulterklappen ein senkrecht 
stehendes Blitzbündel. 



Technische Anlagen. ly^ 

Luftschiffer-Bataillon, Jungfernhaide, am Schießplatz 
Tegel. 

Wie oben. Auf den Schulterklappen L. Tschako 
mit schwarzem Haarbusch. 

Garde-Train-Bataillon, Tempelhof, Berlinerstr, 2/5. 

Waffenrock dunkelblau; Kragen und (schwedische) 
Ärmelaufschläge mit weißen Litzen und wie die Schulter- 
klappen hellblau, Tschako mit schwarzem Haarbusch. 

4. Technische Anlagen. 

Auch unter den Sehenswürdigkeiten sind 
die nichtoffiziellen nicht die schlechtesten. 
Besichtigung ist Sache des persönlichen 
Geschicks; die Schulen und die bisherigen 
Reisehandbücher erziehen uns leider nicht 
dazu. VoUständigkdt ist in unserer Auf- 
zählung nicht angestrebt. 

A.-E.-G. s Allgemeine Elektrizitätsgesell- 
schaft. 

S. dk H. = Siemens & Halske. 

I. Die neuesten oder neuestens vergröBerten Anlagen. 

Königl. Material-Prüfungsamt, Gr. - Lichter felde- West, 
Potsdamer Chaussee. Mit der Techn, Hochschule 
verbunden. Abteilungen: Metallprüfung, Bau- 
materialprüfung, Papierprüfung, Metallographie, 
Allgemeine Chemie, ölprüfung. 

Elektrische Hoch- u. Untergrundbahn, Hauptstation: 
Potsdamer Platz. Wurde in den Jahren 1896/1902 
von Siemens & Halske nach ausländischen Mu- 
stern, aber mit vorläufig noch unerreichten mo- 
dernen Vorteilen erbaut. Bedeutendste Schnell- 
verbindung zwischen dem Osten (Warschauer 
Brücke) und dem Westen (Charlottenburg) Groß- 
Berlins. Die Station Potsdamer Platz liegt unter- 
irdisch an einer Abzweigung vom Hauptgleis. Ab- 
stieg auf einer Rampe von sehr starkem Gefälle, 
I : 38. An der Stelle der Abzweigung das sehens- 
werte (wenn auch inzwischen überflüssig gewor- 
dene) Gleisdreieck. Die zweite Rampe zum Unter- 
grundgleis am Nollendorfplatz. Gesamte Bahn- 
länge 10,7 Kilometer. Fahrtdauer ca. 10 Minuten. 



1^4 Technische Anlagen. 

An der Untergrundstrecke zahlreiche Notausgänge. 
Kraftwerk Trebbinerstraße. Die Bahn beförderte 
1903 etwa 30 Millionen Menschen. 

Berliner Elektrizitätswerke Moabit und Oberspree. 
Bureau : Luisenstr. 55. Abgerundete Statistik von 
heute: Tausend Abnehmer, eine halbe Million 
Glühlampen, tausend Motoren mit 30000 Pferde- 
kräften. Hervorgegangen aus der Edisongeseil- 
schaft und der A.-E.-G. Begründet von Rathenau. 

Städtische Gasanstalt Tegel, Zentralbureau: Kloster- 
Straße 68. Von den sechs Berliner städtischen 
Gasanstalten die modernst ausgestattete. Die 
gesamte Gasabgabe im Betriebsjahr 1903/04 
192 Millionen Kubikmeter. Anzahl der Gas- 
flammen 30912. Der Reingewinn, den die Stadt 
aus der Gasproduktion jährlich zieht, 10% Mill. 
Mark. 

Wasserwerke Tegel und Friedrichshagen (Müggelsee), 
Bureau : Kloster str, 68, Die beiden Werke hatten 
im Betriebsjahr 1903/04 eine Gesamtmenge von 
57% Million Kubikmeter zu liefern. Enorme 
Wasserhebe- und Filteranlagen mit neuen Ver- 
größerungen. Erste Versuche zur Gewinnung und 
Benutzung von Grundwasser. Reingewinn der 
Stadt aus der Wasserversorgung 6 Millionen Mark 
im Jahre 1903. 

Maschinen-Laboratorium an der Technischen Hoch- 
schule, Charlottenburg, Berlinerstr, 151. Jüngstes 
und bemerkenswertestes Institut der Technischen 
Hochschule. Durch Einsendung modemer Mu- 
sterexemplare auf dem Laufenden erhalten. Be- 
gründet und geleitet von Professor Josse. 

Stettiner Bahnhofsbauten, Invalidenstr. 

Großartige Erweiterungsbauten der Abfahrts- 
hallen und Bahnsteige aus den letzten Jahren. 
Sommerferienverkehr. 



Technische Anlagen. jyc 

Die „Millionenbrücke**. ImZugderSwinemünderstraße 
über die Gleise der Stettiner und Ringbahn. Nicht 
nur eine der teuersten, sondern auch eine der 
sehenswertesten Anlagen. 

Teltow- Kanal. Verbindet in einem bogenartigen Weg 
durcb die südlichen Vororte, den Teltower Land- 
kreis, die Havel mit der Oberspree. Berührt vor 
dem Eintritt in den Griebnitzsee den Klein-Mach- 
nower Forst, Teltow, Gr.-Lichterfelde, Steglitz u. 
Tempelhof und entnimmt der Spree bei Baum- 
schulenweg sein Wasser. Noch im Bau befind- 
liche Riesenanlage zur Entlastung des Berliner 
Schiffsverkehrs. Großartige Schleusenwerke; elek- 
trische Treidelei. 

Eisenbauten des neuen botanischen Gartens. Dahlem 
bei Steglitz, 

Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau. Schleu- 
seninsel im Tiergarten. Kiel in Berlin. Eine 
Schiffswerft in Miniatur. Einblick in unsere Zu- 
kunft. 

II. Die bekannteren Anlagen. 

Stadtbahn. Bahnstrecke 12,145 m. Davon der größte 
Teü auf gewölbten Viadukten. Im übrigen : Via- 
dukte mit eisernem Überbau; Dammschüttung 
zwischen eisernen Futtermauern; gewöhnliche 
Dammschüttimg. Bahnhofshalle Friedrichstr. ; 
Ringbahn. Stadt- und Ringbahn beförderten 
1903 etwa 98 Millionen Menschen. S. Ausflüge, 

Brücken. Die älteste ist die Lange- jetzt Kurfürsten- 
brücke, die das Denkmal des Großen Kurfürsten 
trägt. Die ersten Brücken moderner Eisenkon- 
struktion seit 1876. Durchschnittliche Breite an 
der Unterspree 50, an der Oberspree 140 m. Kaiser 
Wühelmbrücke mit Korbbogen kostete 1,700,000 
Mark, Moltkebrücke 1,200,000 Mark. Eberts- 
brücke war die erste mit Widerlagern ganz aus 
Beton. S. oben Millionenbrücke, 



1^5 Technische Anlagen. 

Kanalisation. Direktion : Neue Friedrichstr. g/io. 
Zwölf Radialsysteme, die ihre Bureaus in den ver- 
schiedenen Stadtteilen haben, führen die Ab- 
wässer auf die außerhalb der Stadt gelegenen 
Rieselgüter. Reingewinn der Stadt aus der Kana- 
lisation jährlich 5 Millionen Mark. S. Riesel- 
felder, 

Bade- und Krankenanstalten. Große und von allen 
Ständen gleichmäßig besuchte Schwimmbadean- 
stalten fehlen in Berlin. Von den 7 städtischen 
Volksbädern wird das Dennewitzerstr. 24a als 
das technisch bestangelegte genannt. — Das 
älteste und größte Krankenhaus ist die durch 
große Neubauten modernisierte Kgl. Charit^, 
Unterbaumstr, 7. Im Bau: Virchow- Kranken- 
haus. Die Stadt gibt jährlich etwa 8 Millionen 
Mark für Gesundheitspflege aus. 

Reichsdruckerei, Oranienstr, 90/g4, Alte Jacobstr, loi 
bis III, 113/116. Untersteht dem Reichspost- 
amt. Sieben Gebäudegruppen; die Gelddruck- 
räxmie von den übrigen getrennt. Außer Staats- 
u. Banknoten werden gedruckt : Postwertzeichen, 
Versicherungs-, Wechselstempel- u. statistische 
Marken; Formulare für Militär- und Zivilbehör- 
den; Patentschriften; das Reichsgesetzblatt; die 
Preußische Gesetzessammlung; das Kursbuch; die 
Generalstabskarten; Nachbildungen von Kupfer- 
stichen und Holzschnitten der Museen in voll- 
endeter Ausführung. Sattlers Nibelungenlied- 
ausgabe, 

Besichtigung zwischen 9 und 12 Uhr nach vorher 
eingeholter Genehmigung des Direktors. 

Zentral-Markthallen I und la, Neue Friedrichstr, 24/ 2y 
und 2g/ 34, Zwei Ziegel- und Eisenbauten von je 
mehr als 100 m Länge und nahezu so großer 
Breite. In mehrere Längshallen gegliedert; mit 
einander verbunden durch einen Tunnel und eine 
eiserne Brücke. Anschluß an die Bahnsteige des 



Technische Anlagen. \yy 

Alexanderplatz -Bahnhofs; hydraulische Waren- 
aufzüge. Eigenes Rangier- und Ausziehgleis. 
Kühlanlagen zum Aufbewahren von Lebensmitteln 
für 6 Wochen. 

Schlacht- und Viehhof, Eldenaerstr. Station des Nord- 
rings. Bahnsteig mit Wasserspülung versehen 
und undurchlässigen Klinkern gepflastert. Vieh- 
börse; Markthalle und Ställe für Rinder; Halle 
und Ställe für Schafe; Schweine Verkaufshalle; 
Kälberhalle ; Verwaltungsgebäude. Sehenswert 
sind die Rinder- und Schweineschlachthäuser. 
Reinigungsanstalten für die Mannschaft. Der Be- 
trieb warf für die Stadt vor Inkrafttreten der 
Handelsverträge von 1905 etwa 3 Millionen Mark 
jährlich ab. 

Schleusen und Schleusenwerke. Unterspree-Schleu- 
senanlagen in Charlottenburg. Schleusen-Bau- 
werk und -Gehöft im Teltowerkanal bei Klein- 
Machnow. Schleuseninsel und große Wehranlagen 
am Mühlendamm; kleinere Wehre im Kanal 
Unterwasserstraße. Schleuseninsel im Landwehr- 
kanal, Tiergarten, nahe der Charlottenburg-Ber- 
liner Chaussee. 

Rieselfelder. Zentralbureau, Neue Friedrichstr. g/io. 
Städtische Gemüse- u. Wiesenanlagen, bewässert 
und gedüngt von den Abwässern der Berliner 
Kanäle. Rieselgüter im Süden von Berlin: Os- 
dorf , Friederikenhof, Hainersdorf und Kleinbeeren 
für die Radialsysteme I und H. Großbeeren, 
Neubeeren, Ruhlsdorf und Diedersdorf für das 
Radialsystem VI. Sputendorf, Schenkendorf, 
Gütergotz für die Radialsysteme III und VII. Im 
Norden : Malchow, Blankenburg und Wartenberg 
für das Radialsystem IV. Falkenberg, Burkners- 
felde und Hellersdorf für die Radialsysteme V 
und XII. Blankenfelde, Rosenthal, Möllersfelde 
und Lindenhof für die Radialsysteme VIII, IX 

Berlin und die Berliner. 12 



1^8 Technische Anlagen. 

und X. Buch, Schmetzdorf, Hammelslust, Carls- 
lust, Albertshof. 

Eisenbahn-Hauptwerkstätten. Tempelhof; Bahnhof 
Grunewald; Potsdam. 

Allgemeine Elektrizitäts- Gesellschaft, Schiffbauer- 
dämm 22, Die größte ihrer Art. 

Generaldirektor: Geh, Baurat Dr. ing, Emil 
Rathenau. 

Direktoren: Deutsch, Jordan, Mamroth, Klin- 
genberg, Schrimpff, Hamspohn, Vortmann. 

Glühlampenfabrik: Schlegelstr. 26/2^. 

Maschinenfabrik: Brunnenstr, loja, 

Apparatefabrik: Ackerstr, 71/76, 

Turbinenfabrik: Huttenstr. 12/16, 

Kabel-, Draht- und Gummifabrik (Kabelwerk 
Oberspree) : Ober schöneweide, Wilhelminen- 
hofstr. 76/77, 

Borsigwerk in Tegel. Zentralbureau: Chausseestr, 6, 
Maschinenbauanstalt und Lokomotivfabrik. Ge- 
gründet Anfang des XIX. Jahrhunderts auf dem 
Terrain d. nördlichen Friedrichstraße von August 
Borsig. Die heutigen Besitzer dessen Enkel, Kom- 
merzienräte Ernst und Konrad Borsig. 1902 
fand das Jubiläum der tausendsten Lokomotive 
statt. 

Berliner Maschinenbau A.-G., vorm. L. Schwartzkopff, 
Chausseestr, 17/18, Direktoren: F. Klemperer, 
H. Rumschöttel. Altangesehenes Unternehmen. 

Maschinenfabriken Ludwig Löwe & Co., A.-G. Bureau : 
Dorotheenstr, 43/44- Werkzeugmaschinen-, Werk- 
zeugfabrik, Eisengießerei und Laboratorium : 
HüUenstr, 17/20, 

Spindlersfeld bei Cöpenick, Berliner Bureau: Wall- 
Straße g/13 (Spindlershof). Neben der historischen 
(Cöpenick) die Wäscherinnenstadt modernen und 
größten Stils. Färberei, Appretur, Wasch- und 
chemische Reinigungsanstalt. Große Arbeiter- 



Technische Anlagen. i^g 

kolonien und Wohlfahrtseinrichtungen. Inhaber 
Dr. Wilhelm Spindler (Spindlersfeld), Ernst und 
Erich Spindler. 

F. W. Schutts Dampfmühle, Moabit, Stromstr. 1/3. 
Inhaber Schüttsche Erben. 

Deutsche Niles- Werkzeug -Maschinenfabrik, Ober- 
Schöneweide, Wilhelminenhofstr, 83/85, Mittlere 
und schwere Werkzeugmaschinen deutscher und 
amerikanischer Bauart. Im Löwe-Concern. 

Meierei C. Bolle, Alt-Modbit 98/103, 

Ein Königreich der Milch. Berühmt geworden 
durch die Milch-Transportwagen mit den klingeln- 
den Kutschern (Klingel-BoUe). Diese Wagen, die 
morgens durch die Straßen fahren, sind noch heute 
die einzigen BoUeschen Filialen. Enormes Ar- 
beitsheer in militärischer Organisation. Inhaber 
Kommerzienrat Carl Bolle und Dr. med. Carl 
BoUe. 

Maschinenfabrik Carl Flohr, Chausseestr, 28 b, 

Personen- und Lastenaufzüge mit hydraulischem 
und elektrischem Betrieb. Dampfmaschinen für 
elektrisches Licht. Krane. 

Eisengießerei A.-G., vorm. Keyling & Thomas, Acker- 
Straße 12g. Direktor Kommerzienrat L. Keyling. 

Fabrik Julius Pintsch, Fürstenwalde an der Spree und 
Berlin, Andreasstr, 72. Gasmesser, Laternen und 
Apparate zur Gasfabrikation. Fettgas-, Ace- 
tylen-, Wassergas- und Sauggasanlagen. Gas- 
beleuchtung und Dampfheizung für Eisenbahnen 
und Dampfschiffe. Gegründet 1843. Inhaber 
Greh. Kommerzienrat Rieh. Pintsch, Oskar Pintsch, 
Kommerzienrat Julius Pintsch, Albert Pintsch. 

Charlottenburger Wasserwerke. Zentralbureau : West- 
end, Eschenallee i. Filiale der Wasserwerke Tegel. 

Berliner A.-G. für Eisengießerei und Maschinenfabri- 
kation, Charlottenburg, Franklinstr. 6/10. 



12* 



igo Technische Anlagen. 

Berliner Jutespinnerei und Weberei, Alt-Stralau 54/56, 
Direktoren: C. Hoffmann und P. Kliemand. 

Siemens- Schuckert- Werke, G. m. b. H. 

Abteilung für elektrische Beleuchtung und Kraft ; 
kriegs- und schiffbautechnische Abteilung; Ab- 
teilung für elektrische Bahnen: AskanischerPlatzj. 
Technisches Bureau : Wilhelmstr. ijo. 
Charlottenburger Werk: Franklinstr. 2g. 
Kabelwerk: Westend, am Nonnendamm. 

Interessenkoalition zweier Weltfirmen auf elek- 
trischem Gebiete. 

Siemens & Halske, A.-G. 

Gegründet 1847 von dem Artillerieoffizier, In- 
; genieur und Physiker Ernst Werner Siemens zu- 
sammen mit dem Mechaniker Halske. 

Sekretariat: Askanischer Platz g. 

Berliner Werk (Elektrizität in jeglicher Anwen- 
dung) : Markgrafenstr. g4, 

Betriebsleitung der elektrischen Straßenbahnen: 
Hollmannstr. 34, 

Glühlampen und Eisenbahnsichenmgswesen : 
Charlottenburg, Helmholtzstr. 4. 

Städtisches Elektrizitätswerk, Charlottenburg, Straße 20. 
Verpachtet an d.Elektrizitäts- Aktien- Gesellschaft, 
vorm. W. Lahmeyer & Co., Kronprinzenufer 4. 
Verklausuliert in Verbote, Lizenzen, Privüegien, 
unter denen die Parteien, die in Charlottenburg 
elektrisches Licht haben wollen, leiden. 

Aktiengesellschaft Mix & Genest, BiUowstr, 63/67. 
Telephon- u. Telegraphenwerke. Lautsprechende 
Telephonanlagen. 

Hauptwerkstatt der Großen Berliner Straßenbahn, Ufer- 
Straße 7/8. Gleislänge der Bahn : 602 km. Sie 
beförderte 1903 über 312 Millionen Fahrgäste und 
nahm 29 Millionen Mark ein. Die Straßen- 
bahn ist in Berlin im Gegensatz zu anderen Groß- , 
Städten das wichtigste Verkehrsmittel. Von den 



^ Technische Anlagen. igl 

581 Millionen Menschen, die 1903 durch Stadt-, 
Ring-, Hoch- und Untergrundbahn, Omnibusse 
und die verschiedenen Straßenbahngesellschaften 
befördert wurden, machten 398 Millionen von 
der „Elektrischen'* Gebrauch. 

Maschinenanlagen des Warenhauses Wertheim, Leip- 
zigerstraße 132/135. Unter den Maschinenkellern 
geht die Verlängerungsstrecke der Untergrund- 
bahn durch. 

Haupttelegraphenamt und Fernsprechvermittlungs- 
ämter. 5. Post, Telegraph, Telephon, 

Zahnräderfabrik Friedrich Stolzenberg & Co., G. m. 
b. H., Reinickendorf-West, Saalmannstr, 

Säge- und Holzbearbeitungsmaschinenfabrik C. L. P. 
Fleck Söhne, Reinickendorf, Flottenstr, Gegründet 
1859. Einrichtung kompletter Sägewerke, Bau- 
und Möbeltischlereien usw. 

Kupferwerke ,, Deutschland' ^ Oberschöneweide, Wil- 
helmstraße g2. Kupfer- und Messingwerk. 

Optische Anstalt C. P. Goerz, A.-G., Friedenau, Rhein- 
straße 44/46. Fabrikation photographischer Ob- 
jektive, Doppel-Anastigmate, Lynkeioskopen und 
Femgläser für Armee und Marine. Fabrik photo- 
graphischer Apparate. Direktoren L6on Christ- 
mann, Julius Rinnebach, Carl Schücke. 

Hofkunstanstalt Albert Frisch, Lützowstr, 66, 
Photographische Erzeugnisse. 

Schultheißbrauerei, A.-G., Zentralbureau: Roonstr. 6. 
Drei Erzeugnisse: Hell-, Dunkel- und Versand- 
bier. Berliner Brauereien : Schönhauser Allee 36 
bis 39 und Lichterfelderstr. 11. Bekam ihr Ge- 
präge durch den vor zwei Jahren verstorbenen 
Direktor Richard Roesicke. Sozialpolitische Neue- 
rungsversuche : Anfänge einer Gewinnbeteiligung 
des Arbeiters. 



l82 Technische Anlagen. 

Imperial-Continental-Gas- Association. Bureau : Mark- 
graf enstr, 80, Gaswerke Gitschinerstr. 19, Holz- 
marktstr. 28, Schöneberg, Gr.-Lichterfelde, Neu- 
Weißensee. Ammoniakfabrik in Nieder-Schön- 
weide. 

Accumulatorenfabrik A.-G. und Accumulatorenwerke, 
Luisenstr, 31a, Ingenieurabteilung: Am Kupfer- 
graben 4, 

Accumulatoren- und Elektrizitätswerke, A.-G., vorm. 
W. A. Boese & Co., Köpenicker str, 154, 

Berliner Mörtelwerke Gebr. Tabert, MüUenstr, 61/63. 
Kalk, Zement, Gips, Sand und Kies. 

Kgl. Geschützgießerei und Gewehrfabrik Spandau, Ar- 
tilleriestr. und Berliner Chaussee. Eines der wich- 
tigsten Institute für die Neubewaffnung der Feld- 
artülerie und Infanterie. 

Kabelwerk Oberspree. Ober-Schöneweide, Wilhelmstr. 
76/yy. Siehe A.-E.-G. 

Bildgießerei H. Gladenbeck & Sohn, A.-G. Friedrichs- 
hagen, Wilhelmstr. 62. Monumental- und Klein- 
gießerei. Vorstand : Felix Görling, Paul und Hugo 
Lewy. 

Gladenbecks Bronzegießerei, G. m. b. H. Friedrichs- 
hagen, Seestr. 126. Monumentale u. kleine Bronze- 
güsse. Vergrößerungen. Vertreter : Gustav Lücke, 
Walter und Paul Gladenbeck. 

Stahlfederfabrik Heintze & Blanckertz, Georgenkirch- 
straße 44. Gegründet 1852. Inhaber: Geh. Kom- 
merzienrat S. Blanckertz und R. Blanckertz. 

Aktiengesellschaft f. Asphaltierung u. Dachbedeckung, 
vorm. Jeserich. Charlottenburg, Salzufer i8/jg. 
Direktoren : Paul Lehmann und Eduard Oehring. 

Entwässerungsanlagen der Kolonie Grunewald. Aus- 
kunft im Amtslokal : Wernerstr. 3. 

Kgl. Porzellanmanufaktur. Wegelystr. am Bahnhofe 
Tiergarten. Fabrik und Porzellansammlung von 



Denkmäler. I g ^ 

ausgezeichnetem historischem Ruf. Bei Sammlern 
geschätzte Marke. AteUer für modernen Stil von 
Theo Schmuz-Baudiß : Einfache schöne Formen 
mit zarten Unterglasur-Malereien. 

Besichtigung Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 — 12. 



5. Denkmäler. 

Den künstlerisch bemerkenswerten 
Denkmälern ist ein Stern vorgedruckt. 
Wir zählen neun Sterne. 

Eine Berliner Denkmäler-Statistik besagt: 
Nach dem Stand vom i. Juhigos, 6 Uhr morgens, gibt 
es in der Reichshauptstadt 

165 Einzeldenkmäler in Stein oder Erz, 

232 Denkmäler überhaupt, darunter 

716 dargestellte Personen, 

128 Tiere. 

Im Tiergarten allein, der seinen Namen ursprüng- 
lich wegen des Reichtums an lebendigen Tieren be- 
kommen hat, wurden vom März 1898 bis März 1905 
enthüllt: 

14 Tiergruppen, darstellend 

36 Tierindividuen, und 

48 Denkmäler von Personen. 

Die Siegesallee zählt 114 Köpfe. 

Siegesallee. 

Gesamtarrangement von Reinhold Begas. 
Albrecht der Bär mit Bischof Otto von Bamberg und 

Wigger von Brandenburg. Von Walter Schott. 
Otto I. mit Abt Sibold von Lehnin und Wendenfürst 

Pribislaw von Brandenburg. Von Max Unger. 
Otto II. mit Joh. Gans zu PutUtz und Heinrich von 

Antwerpen. Von Jos. Uphues. 
Albrecht II. mit Eyke von Repkow und Hermann 

von Salza. Von Joh. Boese. 
Johann I. und Otto III. mit Bürgermeister Marsilius 

von Berlin. Von M. Baumbach. 



1 8^ Denkmäler. 

Johann IL mit Günther von Lindow und Konrad 

Belitz. Von Reinhold Felderhoff. 
Otto IV. mit dem Pfeil mit Joh. von Buch \md von 

Kröcher. Von Karl Begas. 
Waldemar mit Siegfried von Feuchtwangen und 

Heinrich Frauenlob. Von Reinh. Begas. 
Heinrich das Kind mit Wratislaw IV. von Pommern 

und Wedigo von Plotho. Von August Kraus. 
Ludwig der Ältere mit Kanzler Joh. von Buch und 

Burggraf Johann IL von Nürnberg. Von J^mst 

Herter. 
Ludwig IL der Römer mit Hasso von Wedel und 

Friedrich von Lochem. Von Graf Görz-Schlitz. 
Otto der Faule mit Thilo von Brügge und Thilo von 

Wardenberg. Von Brütt. 
Kaiser Karl IV. mit Erzbischof von Portitz und 

Klaus von Bismarck. Von Ludwig Cauer. 
Kaiser Sigismimd mit Lippold von Bredow und 

Bernd Ryke. Von Eugen Boermel. 
Friedrich I. mit Graf Hans von Hohenlohe und Wend 

von Ileburg. Von L. Manzel. 
Friedrich IL mit Friedrich Sesselmann und Wüke 

Blankenfelde. Von Calandrelli. 
Albrecht Achilles mit Eyb zu Eybburg und Werner 

von der Schulenburg. Von O. Lessing. 
Johann Cicero mit Busso von Alvensleben und Eitel- 
wolf von Stein. Von Alb. Manthe. 
Joachim I. Nestor mit Erzbischof Albrecht von 

Brandenburg und Bischof D. von Bülow. Von 

Joh. Götz. 
Joachim IL Hektor mit Markgraf Georg von Ans- 
bach und M. von Jagow. Von Harro Magnussen. 
Johann Georg mit Lampert Distelmeier und Rochus 

Graf von Lynar. Von Martin Wolff. 
Joachim Friedrich mit Joh. von Loeben imd Graf 

von Schlick. Von Norb. Pfretzschner. 

Johann Sigismund mit Graf zu Dohna und Th. von 
dem Knesebeck. Von P. Breuer. 



Denkmäler. 185 

Georg Wilhelm mit Conrad von Burgsdorff und Graf 
A. von Schwarzenberg. Von Kuno von Uechtritz. 

Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst mit Feld- 
marschall DerffUnger und Otto von Schwerin. 
Von Fritz Schaper. 

Friedrich I. mit Freiherm von Danckelmann und 
Andr. Schlüter. Von Gustav Eberlein. 

♦Friedrich Wilhelml. mit FürstLeopold vonAnhalt- 
Dessau und H. Rüdiger von Ilgen. Von R. Sie- 
mering. 

Friedrich der Große mit Joh. Seb. Bach und Graf 
von Schwerin. Von J. Uphues. 

Friedrich Wilhelm IL mit Immanuel Kant und C. 
von Carmer. Von A. Brütt. 

Friedrich Wilhelm III. mit Fürst Blücher von Wahl- 
statt und Freiherr v. Stein. Von Gustav Eberlein. 

Friedrich Wilhelm IV. mit Alex. v. Humboldt und 
Christ. Rauch. Von Karl Begas. 

Kaiser Wilhelm I. mit Fürst Bismarck und Graf 
Moltke. Von Reinh. Begas. 

Hohenzollern. 
Kaiser Wilhelm I. Sogenanntes Nationaldenkmal. 

Auf der ehemahgen Schloßfreiheit. Von Reinh. 

Begas, 1897. 
Jung- Wilhelm. Im Tiergarten. Von Adolf Brütt, 

1903. 
Kaiserin Augusta. Auf dem Platz am Opemhause. 

Von Schaper, 1895. 
Kaiserin Augusta. Grabdenkmal im Mausoleum. 

Von Encke. 
Kaiser Friedrich III. Vor dem Kaiser Friedrich- 
museum auf der Museumsinsel. Von Rudolf 

Maison, 1903/05. 
Kaiser Friedrich III. und Kaiserin Viktoria. Vor 

dem Brandenburger Tor. Von Brütt imd Gehrt. 
Friedrich Wilhelm IV. Auf der Freitreppe der 

Nationalgalerie. Von Calandrelli. 



I g6 Denkmäler. 

Friedrich Wilhelm III. Im Tiergarten an der Luisen- 
insel. Von Drake, 1849. 

Friedrich Wilhelm III. Im Lustgaiten. Von A. 
Wolff, 1871. 

♦Friedrich Wilhelm III. Grabdenkmal im Mausoleum. 
Von Rauch. 

Königin Luise. Im Tiergarten auf der Luiseninsel. 
Von Encke, 1880. 

♦Königin Luise. Grabdenkmal im Mausoleum in 
Charlottenburg. Von Rauch. 

♦Friedrich der Große. Unter den Linden, gegenüber 
dem Kais. Palais. Von Rauch, 1851. 

Friedrich der Große. Im Friedrichshain. 

Friedrich I. Am Polizei- Präsidium. 

♦Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst. Auf der 
Kurfürstenbrücke. Von Schlüter, 1703. 

Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst. Am Po- 
lizei-Präsidium. 

Friedrich Wühelm als Kurprinz. Im Tiergarten. 
Von Gerhard Janensch, 1904. 

Kurfürst Friedrich I. Am Hauptportal des Rat- 
hauses. Von Encke. 
Markgrafen. 

Albrecht der Bär. Am Mühlendamm. Von Boese. 

Waldemar. Am Mühlendamm. Von Unger. 
Staatsmänner und Feldherren. 

Bismarck. Vor dem Reichstagsgebäude. 
Von R. Begas, 1901. 

Bismarck. Im Grunewald, Bismarckplatz. 
Von Max Klein. 

Bismarck-Sarkophag-Denkmal. Im Dom. 
Von Reinh. Begas. 

Freiherr vom Stein. Auf dem Dönhoffplatz. 
Von Schievelbein, 1876. 

Graf von Brandenburg. Auf dem Leipziger Platz. 
Von Hagen, 1860. 

Prinz Albrecht von Preußen. In Charlottenburg, 
Schloßstraße. Von Brömel. 



Denkmäler. ig^ 

Feldmarschall Wrangel. Auf dem Leipziger Platz. 

Von Keil, 1880. 
♦Feldmarschall Blücher. Gegenüber der Neuen 

Wache. Nach Rauchs Modell, 1826. 
Graf York von Wartenburg. Wie oben. 
Neidhardt von Gneisenau. Wie oben. 
Bülow von Dennewitz. An der Neuen Wache. 

Von Rauch, 1822. 
Schamhorst. An der Neuen Wache. Von Rauch, 

1822. 
♦Zieten. Am Zietenplatz. Von Schadow, 1800. 
Leopold von Dessau. Am Zietenplatz. Von Scha- 
dow, 1797. 
Schwerin. Am Zietenplatz. Von Adam und Michael, 

1771. 
Winterfeldt. Am Zietenplatz. Von Gebr. Raenz, 

1777. 
Seydlitz. Am Zietenplatz. Von Tassaert, 1786. 
Keith. Am Zietenplatz. Von Tassaert, 1786. 

Dichter. 

Goethe. Im Tiergarten. Von Schaper, 1880. 
Schiller. Auf dem- Schillerplatz. Von Begas, 1871. 
Lessing. Im Tiergarten. Von O. Lessing, 1890. 
A. von Chamisso. Auf dem Monbijouplatz. Von 

Maser, 1888. 
Theodor Kömer. Im Viktoriapark. Von Wenck. 
H. von Kleist. Im Viktoriapark. Von Pracht. 
Ludwig Uhland. Im Viktoriapark. Von Kruse. 
E. M. Arndt. Im Viktoriapark. Von Latt. 
M. von Schenkendorf. Im Viktoriapark. Von Reichel. 
Rückert. Im Viktoriapark. Von Lepcke, 1899. 

Gelehrte. 
Helmholtz. Im Vorgarten der Universität. Von 

Herter, 1899. 
Helmholtz. Auf der Potsdamer Brücke. Von Max 

Klein. 
Alex, von Hiunboldt. Am Eingang der Universität. 

Von R. Begas, 1883. 



l88 Denkmäler. 

Wilh. von Humboldt. Am Eingang der Universität. 
Von P. Otto, 1883. 

Gauß. Auf der Potsdamer Brücke. Vonjanensch. 

Werner von Siemens. Auf der Potsdamer Brücke. 
Von Prof. Moser. 

Werner von Siemens. Vor der Techn. Hochschule. 
Von Wandschneider. 

Gerlach. Im Vorgarten der Tierärztlichen Hoch- 
schule. 

Hegel. Auf dem Hegelplatz. Von Blaeser, 1872. 

Mitscherlich. Im Kastanienwäldchen. Von Hartzer. 

Thaer. Auf dem Schinkelplatz. Von Rauch. 

Gräfe. Ecke Schumann- und Luisenstraße. Von 
Siemering. 

Wilms. Am Mariann^nplatz. Von Schmieden. 

Röntgen. Auf der Potsdamer Brücke. Von Felder- 
hoff. 

Bildende Künster usw. 

Rauch. In der Vorhalle des Alten Museiuns. Von 
Drake. 

Schadow. In der Vorhalle des Alten Museiuns. Von 
Hagen. 

Winkelmann. In der Vorhalle des Alten Museums. 
Von Wichmann. 

Cornelius. In der Vorhalle des Alten Museiuns. Von 
Calandrelli. 

Otfried Müller. In der Vorhalle des Alten Museums, 
Von Tondeur. 

von Knobelsdorff . In der Vorhalle des Alten Mu- 
seums. Von Karl Begas. 

Daniel Chodowiecki. In der Vorhalle des Alten 
Museums. Von Otto. 

Andreas Schlüter. In der Vorhalle des Alten Mu- 
seums. Von Wiese. 

Carstens. In der Vorhalle des Alten Museums. Von 
Janensch. 

Beuth. Auf dem Schinkelplatz. Von Kiß. 

Schinkel. Auf dem Schinkelplatz. Von Drake. 



Denkmäler. 1 89 

Komponisten. 
Richard Wagner. Im Tiergarten. Von Gustav 

Eberlein, 1903. 
Haydn, Mozart, Beethoven. Im Tiergarten. Von 

Rudolf Siemering, 1904. 

Reformatoren. 
Dr. Martin Luther. Auf dem Neuen Markt. Von 
Toberentz, 1895. 

Verdienstvolle Bürger. 

Senefelder. Auf dem Senefelder Platz an der Schön- 
hauser Allee. Von H. Pohl. 
Turnvater Jahn. Auf dem Turnplatz in der Hasen- 

haide. Von Encke. 
Schulze-Delitzsch. An der Ecke der Neuen Jacob- 

und Köpenickerstr. Von A. Arnoldt. 
Alfred Krupp. Vor dem Hauptportal der Techn. 

Hochschule. Von Herter. 
Heinrich Stephan. Im Reichspost-Museum. Von 

Uphues. 
Waldeck. Auf dem Jacobikirchhof, Oranienstraße 

76/79. Von Walger. 
Fasch (Stifter der Singakademie). Im Vorgarten 

der Akademie. 
Gustav Meyer (Gartendirektor). Im Treptower 

Park. Von Manthe. 
Koppe (Stadthauptmann). Auf dem Koppenplatz. 

Allegorische Denkmäler. 

Nationaldenkmal für den Befreiungskrieg. Auf 
dem Kreuzberg. 

National-Kriegerdenkmal. Im Invalidenpark. Von 
Brunckow. 

Kriegerdenkmal. Im Friedrichshain. Von Calandrelli. 

Kriegerdenkmal. Im Kleinen Tiergarten. Von 
Neumann. 

Denkmal für die beim Untergang der Korvette 
„Amazone" (Nov. 1861) ertrunkenen 114 See- 
leute. Im Invalidenpark. 



190 Sammlungen. 

Friedenssäule. Auf dem Belle-Allianceplatz. 
*Siegessäule. Auf dem Königsplatz. Entworfen von 

Strack. Die Siegesgöttin von Drake. 
Berolina. Auf dem Alexanderplatz. Von Hundrieser. 
Der Roland von Berlin. Kemperplatz. Von Otto 

Lessing, 1902. 

Tier-Monumente. 

*Amazone zu Pferd. Vor der Nationalgalerie. Von 
Louis Tuaillon. 

Geygerscher Stier. Im Humboldthain. 

Vier historische Jagdgruppen. Am Großen Stern 
im Tiergarten. Von Karl Begas, Uechtritz, 
Schaper, Haverkamp, Baumbach. 1904. 

Gedenktafeln. 

Bismarck : G5minasium zum Grauen Kloster, Kloster- 
straße 74, und Bismarcklinde, Königgrätzerstr. 88. 
Chamisso: Friedrichstr. 235. 
Fontane: Potsdamerstr. 139c. 
Gebr. Grimm : Linkstr. 7. 
Hegel: Am Kupfergraben 9a. 
Heine : Taubensti. 32. 

Alexander von Humboldt, Oranienburgerstr. 67. 
Heinrich von Kleist : Mauerstr. 53. 
Lessing: Am Königsgraben 10. 
Schlüter : Brüderstr. 40. 
Max Stirner: Philippstr. 19. 
Der alte Wrangel: Pariser Platz 3 a. 
Grenadier Thyssen. 

6. Sammlungen. 

Ober das Architektonische s. Gebäude. 
Zum genaueren Studium dienen die aus- 
gezeichneten Kataloge. 

Kaiser Friedrich-Museum, Museumsbrücke. 
Eröfinet 1904. 

Direktor: Geheimrat W. Bode. 

Muß man auf alle Fälle gesehen haben. Sowohl 
als Snob wie als Mensch. Gleichwertig den größten 



Kaiser Friedrich-Museum. 191 

Sammlungen der Welt. Einheitlich geordnet ist die 
Aufstellmig im ersten Stock: Malerei vom Trecento bis 
1800 ; dazwischen ein Bronzensaal mit Donatello ; zwei 
Zimmer Marmorskulptur mit Desiderio da Settignano; 
ein Raum mit den Majoliken der Della Robbia; ein 
korridorartiges Kabinett mit Teppichen des Rafael. 
Alles das fügt sich, verstärkt durch die Verwendung 
echter Türrahmen und im Stil gehaltener Zimmer- 
decken, zu einem Zeitbild der Renaissance, ihrer Vor- 
stufe und ihrer Nachfolger, harmonisch zusammen. 
Säle der umbrisch-toskanischen und Frühvenezianer 
Schulen: Botticelh, Signorelli, Crivelli. 

Hochrenaissance : Eine Madonnenwand von Ra- 
fael, Coreggio, ein unwahrscheinlicher Lionardo, ein 
echter Andrea del Sarto. Tiziansaal: Lavinia, Tinto- 
retto. Deutsche Schule: Hans Holbein, Dürer (Holz- 
schuher, Madonna mit dem Zeisig), zuviel Lukas Kra- 
nach. Großer Rubenssaal. Isabella Brant in einem 
kleineren zweiten Saal. Ein wundervoller Ruisdael, 
zur Sammlung Thiem gehörig, im Zimmer 49. Zwei 
Rembrandtsäle : Vision Daniels, Frau Potiphar. Ein 
Franz Hals-Zimmer. Velasquez im großen französisch- 
spanischen Saal, Goya. Ein kleines Musterstück an 
Ausstattung ist das nach dem Spender benannte 
James Simon-Kabinett. Bunt und stellenweise noch 
provisorisch ist die Gruppierung im Erdgeschoß. Man 
verweüe an der Spreeseite, in den stimmungsvollen 
Interieurs voll gotischer Plastik, die mit einem Nischen- 
mosaik aus Ravenna abschließen. Man passiert die 
persisch-islamischen Säle und findet an der Kanal- 
seite die wenig behaglichen Räume für die älteste 
deutsche Malerei, Bildschnitzerei und farbige Renais- 
sanceskulptur. Donatello. Die Anordnung wird hier 
kaum so bleiben. Abschluß nach Süden wertvolle 
Münzensammlung. In der Mitte des Erdgeschosses 
als neutraler (auch künstlerisch neutraler) Durch- 
gangsraum eine imitierte Basilika. 



1^2 Sammlungen . 

Besuchszeit: Sonntags, an den zweiten Feiertagen nnd 
Kaisers Geburtstag von 12 — 6, wochentäglich von 10 — 4, 
im Winter bis 3 Uhr; geschlossen jeden Montag und an den 
ersten Feiertagen, femer Neujahr, Karfreitag, Himmelfahrt, 
Bußtag. 

Altes Museum, Am Lustgarten, 
Eröffnet 1828. 

Direktor: Prof. Kekul6 v. Stradonitz. 

Antiken-Galerie. Sammlung antiker Kleinkunst 
(Antiquarium). Große Sammlung von Gipsabgüssen 
nach berühmten Originalen der Gotik und Renaissance. 
Neue Anordnung noch nicht vollendet. 

Besuchszeit: Wie im Kaiser Friedrich- Museum. 

Neues Museum, Museumstraße. 
Eröffnet 1855. 
Direktion des Kupferstichkabinetts : Adolf Lehrs. 

Mit dem Alten Museum verbunden. Gipsabgüsse 
wie dort. Ägyptisch-assyrische Abteilung. Kupfer- 
stichkabinett im 2. Stock: Potocka-Pastell. Große, 
jetzt noch in Vergrößerung befindliche Sammlung 
graphischerArbeiten (auch Handzeichnungen) aller Zei- 
ten. Im modernen Sinn fortgeführt und ergänzt. 
Wechselnde kleine Ausstellungen. Allgemein zugäng- 
licher Studiersaal. 

Besuchszeit: Wie im Kaiser Friedrich-Museum. 

Pergamon-Museum, Museumsinsel. 

Eröffnet 1901. 

Direktor : Prof. Kekul6 v. Stradonitz. 

Altar von Pergamon. Zweites Jahrhundert vor 
Christi. Vielleicht die großartigste Ausgrabung auf 
dem Gebiet antiker Plastik. Von Karl Humann im 
Dienste des deutschen archäologischen Instituts 1878 
bis 1886 in Form mehrerer großer Bruchstücke zutage 
gefördert. Die Bruchstücke fügen sich, mit zahl- 
reichen größeren Lücken, zu einem riesigen Relieffries 
„Gigantomachie'' zusammen. Die Kunst des Archi- 
tekten und die des Archäologen haben sich vereinigt 
und das um die äußere Altarwand laufende Relief 



Nationalgalerie. 193 

wiederhergestellt. Rings um den Altar und in dem 
von ihm eingeschlossenen Lichthof weitere Ausgra- 
bungen, teilweise aus Magnesia und Priene. 

Die Ausgrabungen werden fortgesetzt. Neben 
dem Pergamon-Museum das räumlich veraltete imd 
unzulängUche Oljrmpia-Museum mit Abgüssen aus 
Olympia. 

Besuchszeit: Wie im Kaiser Friedrich-Museum. 

National-Galerie, MuseumsinseL 

Eröffnet 1876. 

Direktor: Hugo von Tschudi. 

Nicht ausschließlich national. Stiftungsmäßige 
Bestimmung: Moderne Kunst vom Beginn des XIX. 
Jahrhunderts an. Wurde Jahrzehntelang im einsei- 
tigen Geschmack der Berliner Akademie geleitet und 
ergänzt; durch die gegenwärtige Direktion ihrer 
freieren Bestimmung zurückgegeben. Stärkste An- 
ziehungspunkte Böcklin und Menzel. Beide im 
Hauptgeschoß. Von Böcklin Hauptwerke wie Ge- 
filde der Seligen, Selbstbildnis mit dem geigenden Tod, 
Frühlingstag; von Menzel Tafelrunde in Sanssouci, 
Flötenkonzert Friedrichs des Großen, Eisenwalzwerk 
und zahlreiche kleinere Bilder, Studien und Zeich- 
nungen. Die letzteren in der Handzeichnungen-Samm- 
limg im 3. Stock. Uhde, Gebhardt, Leibl, Max Lieber- 
mann. Im Hauptgeschoß ist man freudig erstaunt, 
eine der schönsten Sammlungen moderner Plastik zu 
treffen. Feuerbachs Gastmahl des Piaton im Treppen- 
haus; im Vorratun des 2. Stocks Karls Einzug in Pavia 
von Alfred Rethel. Weiterhin im Kuppelsaal Scha- 
dows Kronprinzessin Luise mit ihrer Schwester Frie- 
derike, in den Seitensälen Porträts von Anton Graff, 
darunter Rahel von Vamhagen und dem Altberüner 
Fr. Krüger. Im 3. Stock, Saal III, eine sehr schöne 
Sammlung modemer Franzosen, hauptsächlich Im- 
pressionisten. Plastiken Von Meunier und Rodin. 

Besuchszeit: Wie im Kaiser Friedrich-Museum. 
Berlin und die Bwliner. 13 



194 Sammlungen. 

Ravendsche Gemäldesammlung, Wallstr. s/8. 

Ältere Berliner und Düsseldorfer Schule. Die 

ganze Sammlung ein Zeugnis des älteren Berlin. Franz 

Krüger, Eduard Hildebrandt, Ludwig Knaus.' Die 

beiden Achenbach, die beiden Meyerheim. Teutwart 

Schmitson. Horace Vernet und Meissonier. Als 

Kuriosität: „Seestück'' von Wilhelm II. 

Besuchszeit: Dienstag und Freitag lo — 2 Uhr. 

Sammlung von Carstanjen, Pariser Platz 5a. 

Ältere und alte Meister. Schöne holländische 
Landschaften. 

Wesendoncksche Sammlung. In den Zelten 21. 

Teilweise als Leihgabe im Kaiser Friedrich- 
Museum. Sehr reichhaltig an alten italienischen 
Meistern. Von BöckHns „Schweigen im Wald" hängt 
hier die gelungenste Fassung. 

Sammlung Arnhold, Regentenstr. ig. 

Moderne Gemälde und Skulpturen. Pariser und 
Berliner Sezession. 

Die drei letztgenannten und manche anderen Berliner 
Privat- Galerien können ebenso wie die Ateliers interessanter 
Künstler bei persönlicher Erlaubnis besichtigt wetden. Meh- 
rere Wochen in jedem Jahr, und zwar in einem der ersten 
Monate, pflegt die Besuchszeit geregelt zu sein. Gegen Ein- 
trittsgebühr zu wohltätigem Zweck. Der Verein Hauspflege 
gibt die betreffenden Karten aus. 

Kunstgewerbe-Museum, Prinz Albrechtstr. 7. 
Eröffnet 1881. 

Direktor: Julius Lessing. 

Sowohl in seinen geschichtlichen ,wie modernen 
Sammlungen ersten Ranges. Großer Lichthof mit 
wechselnden kunstgewerblichen Spezialausstellungen, 
die auch abends zugänglich sind. In den Räumen um 
den Lichthof Möbel und Hauseinrichtungen in histo- 
rischer Folge. Fast jedes Stück ist mit einer kurzen 
Beschreibung versehen. Die offene Galerie zwischen 



Kunstgewerbe-Museum. I ^ ^ 

den Zimmern und dem Lichthof ist gleichfalls mit 
Ausstellungsgegenständen gefüllt. 

Man beginnt mit Zimmer IX : Gotische Möbel zu 
weltlichem Gebrauch. Im Saal XIII und XIV voll- 
ständige Zimmertäfelungen aus dem XVI. Jahrhundert 
aus Schloß Haldenstein bei Chur und Schloß Höllrich 
bei Würzburg. Saal XlXa: Boudoirmöbel von Marie 
Antoinette aus Versailles. 

Das erste Stockwerk enthält Sammlungen alter 
und neuer Kleinkunst, Keramik, Glas, Leder, Metall, 
und die Textilsammlung. Man findet (ohne streng 
durchgeführte zeitUche Gliederung) Medaillen und 
Plaketten von Roty, chinesische und japanische Por- 
zellane, eine große Schmucksammlung, Emails aus 
Ostasien, Ratssilberzeug der Stadt Lüneburg, Silber- 
arbeiten von Jannitzer, Email von Limoges, deutsche, 
böhmische und Venezianer Gläser, Porzellane aus 
Meißen und Sdvres, Wedgwoodware und italienische 
Majoliken. 

Die Textilsammlung, in eigenen geschlossenen 
Räumen, ist eine der größten, die es gibt. 

Durch einen noch im Bau befindlichen Annex 
wird das Museum vergrößert. 

Besuchszeit wie im Kaiser Friedrich-Museum. 
Museum für Völkerkunde, Königgrätzerstr, 120. 

Eröffnet 1886. 

Im Erdgeschoß die vorgeschichtüchen Samm- 
lungen. Direktor: Greheimrat Dr. Voß. 

Im ersten Stock die ethnologischen Sammlungen. 
Direktor: Prof. Dr. Grünwedel. 

Die trojanischen Ausgrabungen Heinrich Schlie- 
manns, aufgestellt in den Sälen rechts vom Lichthof, 
sind bestimmt, von hier in das Alte Museum über- 
führt zu werden. Vielleicht werden sie dann wieder 
zu den Dingen gehören, die man gesehen haben muß. 

Das Museum für Völkerkunde, wegen zu großer 
Überlastung nicht mehr übersichtlich, ist heute fast 
nur von Fachmännern und Gymnasiasten besucht. 

13* 



196 Sammlungen. 

Andere Leute, die man darin antrifft, stehen im Ver- 
dacht, ein ungestörtes Rendezvous verabredet zu 
haben. Man sehe Alt Japan im i. Stock Saal VII und 
VIII. 

Besuchszeit wie im Kaiser Friedrich-Museum. 

Zoologischer Garten, Kurfürstendamm 9. 
Direktor: Dr. Heck. 

Über 1200 imd teilweise zum ersten Mal in zoolo- 
gischen Gärten vertretene Tierarten. Proben aus den 
deutschen Kolonien: bemerkenswerte Raubtierexem- 
plare. Großartige neue VoU^re. 5. Konzerte imd 
Spaziergänge, 

Besichtigung im Sommer von 6 Uhr morgens bis 10 Uhr 
abends, im Winter von 8 Uhr bis zur Dämmerung. Eintritt 
Wochen täglich bis 7 Uhr i M., sonst 50 Pf., am ersten Sonn- 
tag des Monats 25 Pf. 

Aquarium. Unter den Linden 6g. 

Direktor: Dr. Hermes. 

Geöffnet täglich von 9 — 7 Uhr, im Winter bis 6 Uhr, 
Eintritt i M., Sonntag 50 Pf., am letzten Sonntag jedes 
Monats 25 Pf. 

Landwirtschaftliches Museum, Invalidenstr, 42, 

In der landwirtschaftlichen Hochschule. Maschinen- 
abteilung; zoologische Abteilung; mineralogische und 
geologische Abteilung; geologische Reliefkarte von 
Berlin bis zu 400 m Tiefe; vegetabilische Abteilung; 
zootechnische Abteilung. Die letztere bedeutet Ge- 
schichte der Viehzucht und der Fischerei. 

Besuchszeit täglich zwischen 10 und 3 Uhr, außer Sonn- 
tag und Mittwoch. 

Museum für Naturkunde, Invalidenstr. 43. 
Direktor: Geheimrat Prof. Möbius. 

Paläontologische, mineralogische und zoologische 
Sammlungen. 

Besuchszeit: Sonn- und Feiertags von 12 — 6, wochen- 
täglich IG — 4 (Winter bis 3) Uhr, außer Dienstag und Freitag. 



Rauch-Museam. 19^ 

Museum für Bergbau und Hvittenwesen,Invalidenstr,44. 
Im Lichthof wird die Gewinnung und Verarbei- 
tung der Erze vorgeführt. 

Besuchszeit: Sonn- und Feiertags 12 — 6, wochentäglich 
12 — 2 Uhr. Montags geschlossen. 

Schinkel-Museum, Charlottenhurg, Berlinerstr, 151. 

Direktor: Geheimrat Julius Raschdorf f. 

Schinkels kunstreicher Nachlaß: Landschaften, 
Architekturgemälde, Baupläne, Originalskizzen zu den 
Fresken am Alten Museum, Entwürfe zu Theater- 
dekorationen. 

Besuchszeit täglich außer Sonnabend und Sonntag in 
den Mittagsstunden. Mittwoch von 10 — 12 Uhr. 

Rauch-Museum, Klosterstr. ^6. 

Direktor: Emil Hundrieser. 

Des Meisters ehemahge Werkstatt. Seit 1865 
Museum seiner Werke in Modellen und Gipsabgüssen. 
Für den Studierenden unerläßHch, dem Kunstfreund 
sehr empfehlenswert. Stille alte Räume. 

Besuchszeit wochen täglich von 10 bis 4 Uhr. 

Museum für deutsche Volkstrachten, Klosterstr. 36. 

In einem palastartigen Gebäude aus den ersten 
Jahren des XVIII. Jahrhunderts, in dem auch das 
Hygienemuseum der Universität untergebracht ist. 

Das Museum für Volkstrachten wurde 1889 aus 
Privatmitteln begründet; es verlangt nach anderen als 
seinen jetzigen veralteten Räumen. 

Elsässer Bauernstube. Oberbajnrisches Haus. 
Einzelnes aus dem Spreewald und der Altmark. Wen- 
dische Bauernstube. Hindeloper Stube aus holländisch 
Friesland. 

Besuchszeit täglich außer Mittwoch 11 — 2 Uhr. Ein- 
tritt 50 Pfennige. 

Märkisches Provinzial-Museum, Zimmerstr, 90/gi. 
{Neubau am Märkischen Platz), 
Direktor: Geheimrat Ernst Friedel. 
Durch die im Zug befindliche Übersiedlung in den 

Neubau zugleich in Umwandlung begriffen. Vor- 



ipg Sammlungen. 

geschichtliche, mittelalterliche und neuzeitliche Doku- 
mente zur Geschichte der Mark Brandenburg und 
Berlins. Die Sammlung verspricht in ihrem neuen 
Haus sehr sehenswert zu sein. 

Besuchszeit: Sonntag ii — %2, Donnerstag ii — 543 Uhr. 

Reichspost-Museum, Leipzigersir, 16/18 (Reichspost- 
amt). 

Das Reichspostamt ist ein reiches Postamt, das 
Reichspost-Museum ein reiches Museum. Der Bau, 
1873 errichtet, 1898 erweitert, hat eine pompös ge- 
gliederte abgerundete Ecke aus Sandstein und Mar- 
mor. Das neue Deutsche Reich hat sich in ihm ein 
mit allegorischer Ausschmückung überladenes Denk- 
mal gesetzt. In der Mitte des Lichthofs ist dem Schöp- 
fer und ersten Leiter des Ganzen, dem Bismarck der 
Reichspost, Heinrich v. Stephan, ein Marmorstand- 
bild errichtet. 

Briefmarkensammlern zucken die Finger gierig in 
den Taschen. Das Museum ist im Besitz einer absolut 
vollständigen Sammlung; seine jüngste Erwerbung 
war die blaue Mauritius, für die mehr als 30,000 Mark 
gezahlt wurden. Zu besichtigen eine Auswahl im 
Saal XV. 

Kulturhistoriker interessieren sich für die ge- 
schichtliche Abteilung im Erdgeschoß, die Illustra- 
tionen zum gesamten Verkehrswesen im Altertum und 
Mittelalter und zum Postwesen des XVI. bis XVIII. 
Jahrhunderts enthält. Die anstoßenden Säle behan- 
deln speziell das deutsche Postwesen des XIX. Jahr- 
hunderts. 

Große und kleine Kinder studieren alles dies und 
außerdem im i. Stock die mit Puppen theatermäßig 
aufgebauten Modellszenen aus dem Postwesen des 
Auslandes, darunter Rußland, China, Japan. 

Amerikaner schlendern durch die Abteilungen für 
technische Neuheiten (im i. und 2. Stockwerk) und 
finden nichts Neues. 



HohenzoUem-Museum. 



199 



So kommt hier jeder auf seine Rechnung. 

Besuchszeit: Sonntags und an den zweiten Feiertagen 
12 — 2 Uhr. Wochentäglich außer Mittwoch und Sonnabend 
10 — 2 Uhr. 

Deutsches Kolonialmuseum, Alt- Moabit, am Lehrter 
Bahnhof, 
Eröffnet 1899. 

Bilder aus den deutschen Kolonien. Ethno- 
graphisches Material, Panoramen, Dioramen, Er- 

f rischungsr auiti . 

Besuchszeit 9 — 7 Uhr. Eintritt i M. 

Orient-Handelsmusetmi, Lehrter Bahnhof, 

Eintritt 8 — 8 Uhr. Sonntag 9*4 — 2 Uhr. Kleine kunst- 
gewerbliche Ausstellung. 

Hohenzollem-Museimi, Schloß Monbijou, 

Direktor: Professor Seidel. 

Von Kaiser Wilhelm II. bis zum Großen Kur- 
fürsten. Geschichtliche Erinnerungen in umgekehrter 
Reihenfolge. Nicht nur historisch, sondern auch 
kunstgewerblich und künstlerisch sehr wertvoll. Un- 
gleich geschmackvoller in seiner Anordnung und auch 
anregender als manches moderne Museum. Zu wenig 
besucht. 

Stimmungen ä la Menzel, Chodowiecki und 
Fr^d^ric II. Rührende Intimität zwischen Königshaus 
und Volk beim alten König (Friedrich Wilhelm III.), 
beim alten Kaiser und dem Kronprinzen, dem Schöpfer 
des Museums. 

Zimmer 4: Von Menzel gezeichnete Adresse der 
Stadt Berlin nach dem Feldzug von 1866. 

Zimmer 6: Moltkes Arbeitstisch. 

Zimmer 7 : Erstes Wappenzeichen des Deutschen 
Reiches. 

Zimmer 11 : Tisch mit Zeichnungen Friedrich Wil- 
helms IV. Bildnisse der Humboldts und anderer Ge- 
lehrten der Zeit. 

Zimmer 13: Bei Belle- Alliance erbeutetes Tafel- 
gerät Napoleons. 



200 Sammlungen. 

Zimmer 14 — 16: Königin Luise. 

Zimmer 17: Prunkvolles Kunstgewerbe aus der 
Zeit Friedrich Wilhelms IL 

Zimmer 19 — 20: Porzellankammer und -Galerie. 
In der Mitte der Galerie seit kurzem ein versenkbarer 
eiserner Schaukasten mit den gold- und edelstein- 
montierten Tabaksdosen Friedrichs IL Wimdervolle 
Erzeugnisse der alten französischen und durch den 
Großen König nach Berlin verpflanzten Juwelierkunst. 

Zimmer 21 — 24: Friedrich der Große. 

Zimmer 28: Friedrich I. von Schlüter. 

Zimmer 31 : Sterbestuhl und Drechselbank Fried- 
rich Wilhelms I. Erinnerungen an Leutnant Katte. 
Tabakskollegium. 

Zimmer 35 : Zimmer des Großen Kurfürsten. Der 
Hut von Fehrbellin. 

Besuchszeit: Sonntags und an den zweiten Feiertagen 
*4i2 — 2 Uhr. Geschlossen Sonnabend und an hohen Feier- 
tagen. Sonst von 10 — 3 Uhr. 25 Pf. 

Botanisches Museum, im alten Botanischen Garten an 
der Potsdamerstr, 

Nur noch provisorisch. Die Übersiedlung in den 
neuen botanischen Garten bei Dahlem (S. Ausflüge) 
ist im Werk. 

Zeughaus, Plat^ vor dem Zeughaus. 

Die besuchteste und preußischste Sammlung. An- 
regende und packende Verkörperung der heroischen 
Epochen, kulturhistorisch und künstlerisch wertvolle 
Waffen und Trachten aller Generationen seit dem 
XV. Jahrhundert, zu viel für das Auge aus Epigonen- 
perioden. Die ruhmbedeckten Fahnen und Standarten 
mit dem schwarzen Kreuz tmd dem aufstrebenden 
Adler, hunderte eroberter Feldzeichen, im Lichthofe 
über Schlüters Masken leider fast ebenso viele chine- 
sische Wimpel. Die Stimmung bleibt schließlich 1870 
und man freut sich, vielleicht zum ersten Mal, über die 



Bibliotheken. 20I 

Medaillen und Bändchen an der Brust der alten Diener 
und des Taxameterkutschers. 

Besuchszeit: Wochen täglich außer Sonnabend lo — 3, 
im Winter 10—2 Uhr. An Sonntagen und zweiten Feier- 
tagen 12 — 3 Uhr. 

7. Bibliotheken. 

In Betracht kommen für allgemeine Bil- 
dungszwecke vor allem die Kgl. Bibliothek, 
die übrigens vor räumlicher wie organisa- 
torischer Umwandlung steht, und die aus- 
gezeichnete Bibliothek des Kunstgewerbe- 
museums. Zu kunstgeschichtlichem Spezial- 
Studium auch der Lesesaal des Kupfer- 
stichkabinetts. S. Sammlungen. 

Bezüglich der Leihbibliotheken $. Bezugs- 
quellen. 

Königliche Bibliothek, Platz am Opernhause, 

Bibhotheksdirektor : Prof. D. Dr. Adolf Harnack. 

Der große Lesesaal und das Zeitschriften-Lesezimmer 
täglich von 9 — 9 Uhr geöffnet. Ausheben der Bücher von 
9—3, Ausgabe bis 6 Uhr. Besichtigung von i — 2 Uhr. Die 
Handschriften -Abteilung: Behrenstr, 40, das Zeitschriften - 
Lesezimmer, die Musik- und Kartensammlung : Behrenstr. 42. 
Benutzungszeit der beiden letzteren von 9 — 3 Uhr. 

Ausgabe von Büchern mit vierwöchiger Leihfrist an 
jeden Deutschen, der einen Bürgschein von seinem Haus- 
wirt, und an jeden Ausländer, der einen Revers von seinem 
Konsulat beibringt. 

Bibliothek der Kriegsakademie, Dorotheenstr, 58/5g. 
BibUothekar: von Scharfenort, Hauptmann a. D. 

Bibliothek der Landwirtschaftlichen Hochschule, Inva- 
lidenstraße 42, 

Das Lesezimmer geöffnet : Sonnabend von 9 — 4, an den 
übrigen Wochentagen von 9 — 7 Uhr. Bücherausgabe : Diens- 
tag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend von 11 — 2 Uhr, Montag 
und Donnerstag von 2 — 5 Uhr. Vom 20. — 27. März und 
vom 15. August bis 15. September geschlossen. 

Bibliothek und Ornamentstich- Sammlung des Kgl. 

Kunstgewerbe-Museums, Prinz Albrechtsir. 7. 

Sehr bequem und empfehlenswert. 
Unentgeltlich geöffnet von 10 — 10 Uhr an allen Wochen- 
tagen. 



202 Bibliotheken. 

Museums-Bibliothek im Alten Museum, Am Lustgarten. 

Bibliothekar: Dr. Laban. 

Zugänglich nur zu wissenschaftlichem Zweck, während 
der Besuchszeit des Museums. 

Universitäts-Bibliothek, Dorotheenstr, 9/10. 

Die Bücherausgabe geöffnet von 9 — 3; während der 
Universitätsferien von 11— 2; Lesesaal täglich von 9 — 7; 
Katalogzimmer täglich von 12 — 2 Uhr. 

Stadtbibliothek, Zimmerstr, gojgi. 

Steht vor der Übersiedlung in den Neubau des Mär- 
kischen Provinzialmuseums. S. Sammlungen, 

Bibliothek der polytechnischen Gesellschaft, Wilhelm- 
Straße 62, Architektenhaus, 

Mo., Mi., Do., Sonnabend von 6 — 9. 

Bibliothek zur Frauenfrage des Vereins Frauenwohl, 
Alte Jakohstr, 20/21, 

Geöffnet Mittwoch von 5 — 8, Freitag von 12 — 3 Uhr. 
Jahresabonnement 2 M. 

Bibliothek des Architektenvereins, Wilhelmstr, 92/93, 

Geöffnet vom i. Mai bis 30. September an Wochen- 
tagen von 9 — 6, Mittwoch von 9 — 2 Uhr. Vom i. Oktober 
bis 30. April an Wochentagen von 9 — 2 und 4 — 8, Mittwoch 
von 9 — 2 und Sonnabend von 9 — 6 Uhr. 

Das Haus des Architektenvereins, populär unter 
dem Namen Architektenhaus, vermietet seine Säle 
im zweiten Geschoß während der Saison zur Ab- 
haltung gelehrter und anderer Vorträge. 

Freiherr von Lipperheidesche Kostüm-Bibliothek, Flott- 
wellstr. 4, 

Geöffnet wochen täglich von 10 — i, Dienstag und Frei- 
tag von 6 — 8 Uhr. 

Kaufmännische Fachbibliothek und Lesehalle der Kor- 
poration der Kaufmannschaft von Berlin. Im 
Börsengebäude, St, Wolfgangstr, i. 
Sehr reichhaltig; für Interessenten zugänglich. 

Geöffnet wochentags von 9 — 3 und 6 — 10, Sonntags von 
II — 12 Uhr. 



Presse. 203 

öffentliche Bibliothek und Lesehalle, Alexandrinen- 
Straße 26, 

Zu unentgeltlicher Benutzung für jedermann, von 5% 
bis 10 Uhr. An Sonn- und Feiertagen von 9 — i und von 
3—6 Uhr. 

Akademische Lesehalle, Kastanienwäldchen, 

Enthält Zeitungen und Zeitschriften; für Stu- 
dierende zugänglich gegen Abonnement- oder Tages- 
karten. 

Geöffnet im Sommer von 8 — 7*4. ini Winter von 9 
bis 8 Uhr. Beitrag für Studenten i M. pro Monat, 3 M. 
pro Semester, 5 M. pro Jahr. NichtStudierende pro Monat 
3 M., pro Semester 10 M., pro Jahr 15 M. 

öffentliche Lesehalle der Deutschen Gesellschaft für 

ethische Kultur, Münzstr, 11, 

Bibliothekare: Dr. phü. R. Böhme, Krautstr.52, 

Frl. Bona Peiser, Brandenburgstr, 11, 
Geöffnet wochen täglich von 12 — 3 und 6 — 10 Uhr. 
Sonntags von 954 — i und 5 — 10 Uhr. 

Städtische Volksbibliotheken und Lesehallen. 

Meist Mittwoch und Sonnabend von 12—2, Sonntag 
von II — I zur Anmeldung und Empfangnahme von Büchern 
geöffnet. Die mit Lesehallen verbundenen Bibliotheken sind 
gleich den Lesehallen wochentäglich von 6 — 9 Uhr abends, 
an den Sonntagen von 10 — 12 Uhr vormittags geöffnet. 

Achtundzwanzig Bibliotheken, elf Lesehallen. 

8. Presse. 

Ein Gesamturteil über die Berliner 
Tagespresse wäre hier umsoweniger am 
Platz, als die Berliner Tagespresse be- 
rufen ist, über „Berlin und die Berliner" 
zu urteilen. 

Täglich erscheinende Zeitungen. Die bekanntesten 
und zugleich die Mehrzahl der Berliner Zeitungen er- 
scheinen in einer Morgen- und Abendausgabe. Die 
letztere wird zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags aus- 
gegeben. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitimg*' 
gibt spät abends ihr vom nächsten Tag datiertes 
Morgenblatt aus; die „Nationalzeitimg'' läßt zur Zeit 
der Reichstags-Sessionen eine dritte (Nacht)-Ausgabe 



204 



Presse. 



erscheinen. Die Berliner Zeitung (B. Z. am Mittag) 
erscheint um i Uhr nachmittags. 

Abonnement und Einzelverkauf. Man abonniert 
die Berliner Zeitungen bei ihren Expeditionen oder 
deren Filialen (das „Berliner Tageblatt" hat in Berlin 
i8, der „Berliner Lokalanzeiger" 21 Filialen) ; Zeitungs» 
Spediteure, durch die man gleichfalls abonnieren kann, 
sind nur vereinzelt zu finden. Der Einzelverkauf 
findet auf der Straße durch fliegende Händler oder 
Eckensteher, die ihre festen Plätze haben, vor allem 
aber in allen Bahnhöfen der Fembahnen, der Stadt- 
und der Hoch- und Untergnmdbahn statt. Stellen- 
weise in besonderen Kiosken, die jetzt von einer neu 
gegründeten Gesellschaft vermehrt werden sollen. Im 
Sommer überdies in den Trink- und Erfrischungshallen. 
Vereinzelt gibt es auch Zeitungsautomaten. 

Die Morgenblätter kosten 5, bezw. 10, die „Voss. 
Zeitung" am Sonntag 15 Pfg.; Abendblätter bekommt 
man — wenigstens auf den Bahnhöfen — durch- 
gehend für 5 Pf. 

Extrablätter. Zu einer^ SpeziaUtät ist langsam 
auch in Berlin das Extrablattwesen geworden. Die 
großen Zeitungen lassen in Fällen, die ihnen wichtig 
genug erscheinen, Extraausgaben gratis verteilen. 
Daneben gibt es eine Extrablattindustrie, die solche 
Ausgaben zeitweise beliebig herstellen und von stimm- 
tüchtigen Schreiern zum Verkauf anbieten läßt. Den 
Inhalt erfährt man meist schon durch die Ausrufer 
deutlich genug, um das Blatt nicht zu kaufen. 

Depeschensaal. Eines Besuches wert ist der De- 
peschensaal des „BerUner Lokalanzeigers", Unter den 
Linden 3. Die neuesten Depeschen und photographi- 
schen Aufnahmen hängen in den Fenstern und im 

Saal. 

ZEITUNGEN. 

Berliner Abendpost, Kochstr, 23/24, 

Verl.u. Exp. Ullstein & Co. Vierteljährlich 1,80 M. 



Zeitungen . 205 

Berliner Abendzeitung. Red. u. Exp. Zimmerstr. 37/41- 
Chefredakteur H. von Kupffer. Verleger August 
Scherl. Vierteljährlich 1,50 M. 

Berliner Börsen-Courier, BetUhstr, 8. 

Chefredakteur Dr. J. Landau. Für Börsen- u. 
Handelsteil Julius Salomon. Verl. Berl. Börsen- 
Courier A.-G. Freisinnig. Viel Kurszettel, reich- 
liche Theatemachrichten. Vierteljährlich 6 M. 
u. Botenlohn. 

Berliner Börsen-Zeitung, Kronenstr, 57. 

NationaUiberal. Großer Handels- u. Lokalteil. 
Vierteljährlich 7,50 M. u. Botenlohn. 

Berliner Lokal-Anzeiger. Red. u. Exp. Zimmerstr. 57 
bis 41. Chefredakteur H. von Kupffer. Verleger 
August Scherl. AngebHch parteilos. Viel Hof- 
nachrichten u. Telegramme; Auflage von mehr als 
200000. Vierteljährlich 3 M. 

Berliner Morgenpost, Kochstr. 23/24, 

Verl. Berliner Morgenpost, G. m. b. H. Demo- 
kratisch. Volksblatt; Auflage von mehr als 
300000. Wöchentlich 15 Pf. 

Berliner Morgen-Zeitung, Jerusalemerstr. 46/47, 

Redakteur Victor Band. Verlag Rudolf Mosse. 
Liberal k la Tageblatt. Lokalblatt; Auflage von 
mehr als 100 000. VierteljährUch 1,35 M. 

Berliner Neueste Nachrichten, Königgrätzerstr, 41/42, 
Chefredakteur Dr. Otto Ballerstedt. Verl. Deut- 
scher Verlag, G. m. b. H. Halboffiziös. Groß- 
industriell. VierteljährUch 5,50 M. 

Berliner Tageblatt, Hauptexp. Jerusalemerstr, 46/47. 
Chefredakteur Arthur Levysohn. Verl. Rudolf 
Mosse. Berhner Freisinn mit Uterarischen und 
anderen Beilagen. Die im Reich und Ausland 
stärkst verbreitete Berliner Zeitung; Auflage von 
mehr als 90000. VierteljährUch 6 M. 



2o6 Presse. 

Berliner Volkszeitung, Jerusalemerstr. 46/47. 

Chefredakteur Karl Vollrath. Verl. Rudolf Mosse. 
Altdemokratisch. Vierteljährlich 4,50 M. 

B. Z. (Berliner Zeitung) am Mittag, Kochsir. 23/24. 
Verl. Ullstein & Co. Einziges Blatt, das mittags 
(i Uhr) erscheint; starker Straßen verkauf. Die 
Nummer 5 Pf. 

Das Deutsche Blatt, Königgrätzerstr. 42. 

Chefredakteur B. Schroeter. Verl. Deutscher Ver- 
lag, G. m. b. H. Vierteljährlich 1,65 M. 

Deutsche Tageszeitung, Dessauersir. 6. 

Redakteur Dr. Georg Oertel. Verl. Deutsche 
Tageszeitung, Druckerei u. Verl. A.-G. Organ 
des Bundes der Landwirte. Viertel jährUch 3,75 M. 

Deutsche Warte, Lindenstr. 26. 

Redakteur Max Graf Pilati vonTassul zu Daxberg. 
Verl. Deutsches Druck- u. Verlagshaus, G. m. b. H. 
Parteilos. Bekannt in der Friedrichstraße : „Dritte 
Nachtausgabe!" Vierteljährlich 3M. 

Deutsche Zeitung, Wühelmstr. 9. 

Herausg. Dr. Friedrich Lange. Verl. Kommandit- 
Gesellschaft „Deutsche Zeitimg*'. Alldeutsch. 
Sonntagsbeilage, auch allein zu haben : „Deutsche 
Welt." Vierteljährlich 3,50 M. 

Deutscher Reichsanzeiger und Kgl. Preuß. Staatsan- 
zeiger, Wühelmstr. 32. Redakteur Dr. T5n:ol. Verl. 
der Kgl. Exp. des Deutschen Reichs- u. Preuß. 
Staatsanzeigers. Offiziell. Von Beamten, die zu 
avancieren hoffen, sehr gesucht. Vierteljährlich 
4,50 M. 

Freie Deutsche Presse, Zimmerstr. 8. 

Redakteur Carl Kundel. Verlagsanstalt Deutsche 
Presse, G. m. b. H. Organ des Freisinns (Eugen 
Richter). Parlamentsbeilage erscheint 9 Uhr 
abends. Kleine Auflage, großes Machtgefühl. 
Vierteljährlich 3 M. 



Zeitungen. 207 

Germania, Stralauerstr, 25. 

Zeitung für das deutsche Volk. Verl. Germania 
A.-G. Zentnmisblatt. Vierteljährlich 4M. 

Das Kleine Journal, Friedrichstr. 23g, 

Chefredakteur Victor Hahn. Verl. des Kleinen 
Journal, G. m. b. H. Theaternachrichten, Chro- 
nique scandaleuse, Inserate. Vierteljährlich 3 M. 

Naüonal-Zeitung, Lindenstr, 3, 

Redakteur H. C. Nebel. Verl. A.-G. National- 
Zeitung. Nationalliberal. Große Tradition. 
Vierteljährlich 8,25 M. 

Neue Preußische (Kreuz-)Zeitung. Exp. Köthenerstr. 2. 
Chefredakteur Prof. Dr. Kropatscheck. Verl. 
Neue Preußische (Kreuz-)Zeitung, G. m. b. H. 
Historisches Blatt der konservativen Partei. Bis- 
marcks pubhzistische Anfänge. Vierteljährlich 
M. 7,50 und Botenlohn. 

Norddeutsche Allgemeine Zeitung, Wühelmstr. 32, 
Chefredakteur Otto Runge. Verl. Nordd. Buch- 
druckerei u. Verlagsanstalt. Offiziös. Blatt des 
Reichskanzlers. Vierteljährlich 4 M. 

Die Post, Zimmerstf, g4, 

Chefredakteur Dr. phil. W. Kronsbein. »Verl. Die 
Post, G. m. b. H. Tradition Stumm, früher diplo- 
matisch. Viertel jährüch 6 M. 

Der Reichsbote, Geschäftsstelle Dessauerstr. 57. 

Redakteur Heinrich Engel. Verl. Der Reichs- 
bote, G. m. b. H. Pastoren- und Kampfblatt. 
VierteljährUch 4 M. 

Staatsbürger-Zeitung, Friedrichstr, 16. 

Herausg. Wilhelm Bruhn. Verlag Staatsbürger- 
Zeitung G. m. b. H., Wühelm Bruhn. Antise- 
mitisch. Vierteljährlich 5,32 M. 

Der Tag. Red. u. Exp. Zimtnerstr, 37/41* 

Moderne illustrierte Zeitung. Chefredakteur Paul 
Marx. Verl. August Scherl. „Freies Wort jeder 



2o8 Presse. 

Partei". Wird von allen gelesen, die dafür 
schreiben, und das sind nicht wenige. Viertel- 
jährlich mit Lokalanzeiger 2 M. 

Tägliche Rundschau. Geschäftsstelle : Zimmerstr. s/8» 
Unabhängige Zeitung für nationale PoUtik. Hrsg. 
Heinrich Rippler. Verl. Bibliographisches Insti- 
tut Meyer. Parteiblatt für Parteilose. Feuilleton 
in den Unterhaltungsbeilagen des Abendblattes. 
Vierteljährlich 5,50 M. 

Vorwärts, Lindenstr. 6g, 

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei 
Deutschlands. Verl. Vorwärts, Buchdruckerei u. 
Verlagsanstalt Paul Singer & Co. Arbeiterzei- 
tung in literarischem Gewand für gläubige Leser. 
Vierteljährhch 3,30 M. 

Vossische Zeitung, Breitestr. 8/g. 

(Kgl. privilegierte Berlinische Zeitung). Redak- 
teur Hermann Bachmann. Herausg. Justizrat 
Lessing. Verl. Vossische Erben. Freisinnig. Tante 
Voß. Älteste Berliner Zeitung. Starker Annon- 
centeil. Vierteljährlich 6,50 M. und Botenlohn. 

REDAKTEURE UND KORRESPONDENTEN. 

Geehrte Redaktion! 
Entschuldigen Sie den Mangel an 
Vollständigkeit ! 

Wilhelm J. Auspitzer, Akazienstr, 11. 

Redakteur der B. Z. am Mittag, Korrespondent 
des Neuen Wiener Journals. 

Dr. Richard Bahr, Friedenau, Fregestr, 6. 

Redakteur der Tägl. Rundschau, Vertreter des 
Hannoverschen Couriers. 

F. Hause, CharloUenstr. 15b, 

Kommissionsrat, Direktor in Wolffs Bureau. 

Dr. phil. Ludwig Boas, Bayreutherstr. 7. 

Herausgeber des Berlüier Polit. Tagesdienst. 



Redakteure und Korrespondenten. 209 

Charles Bonnefon, Claudiusstr. j. 
Vertreter des Pariser Figaro. 

Dr. phil. Wilhelm Bornemann, Pariserstr. 15, 

Redakteur der Nordd. Allgemeinen Zeitung. 

C. A. Bratter, Wühelmstr, 10, 

Berliner Vertreter der New- Yorker Staatszeitung. 

Rudolf Breitscheid, Fasanenstr, 72. 

Korrespondent des Hamburgischen Correspon- 
denten. 

Hermann ten Brink, Stralauerstr, 25. 
Chefredakteur der Germania. 

Max CarOy Friesenstr. 6. 

Redakteur am Berliner Lokalanzeiger. M. C- 
Lokalpoesie. Manchmal vorzüghch. 

O. Dannhauer, Zimmerstr, 39/41* 

Hauptmann a. D., Kriegskorrespondent des Ber- 
liner Lokalanzeiger. 

Dr. phil. Egbert Delpy, Marburgerstr, ga. 
Kunstkritiker am Lokalanzeiger. 

Paul Dobert, UMandstr, 33. 
Chefredakteur der Woche. 

Heinrich Engel, Dessauerstr. 37, 

Pastor a. D., Herausgeber des Reichsboten. 

Matthias Erzberger, Pariserstr, 10. 

Herausgeber der Korrespondenz für die Zen- 
trumspresse, Mitglied des Reichstags. 

Heinrich Flach, Schöneberg, Kolonnenstr, 18. 

Vertreter des Frankfurter Generalanzeigers. 

Richard Gaedke, Steglitz, Albrechtstr, 41. 

Oberst a. D. mit Schwierigkeiten und Humor. 
Kriegskorrespondent des Berliner Tageblatts. 

Dr. Paul Goldmann, Dessauerstr. ig, 

Vertreter der Neuen Freien Presse. Rekord in 
Telegrammspesen. S, Literatur, 

Berlin und die Berliner. 14 



2IO Presse. 

Dr. phil. Rudolf Grosse, Schaperstr. 12, ^ 

Herausgeber der Nationalliberalen Korrespon- 
denz. 

Heinrich Guttmann, Potsdamer str, 57. 

Herausgeber der Parlaments-Korrespondenz. 

Franz Haendler, Teltowerstr. 6. 

Redakteur der Magdeburgischen Zeitung. 

Alfred Holzbock, Dessauerstr, 15, 
S. Tout Berlin, 

Arthur Ernst von Huhn, Kurfürstendamm 203/204» 
Vertreter der Kölnischen Zeitung. 

Paul A. Kirstein, Luüpoldstr, 34. 
Redakteur an der Morgenpost. 

Wilhelm Klatte, Nettelbeckstr. 24, 

Musikreferent des Berliner Lokalanzeigers. 

Dr. med. Georg Korn, Lindenstr. 8, 
Redakteur der Welt am Montag. 

Henning von Koß, Friedenau, Cranachstr, 13. 
Musikreferent der Kreuz-Zeitung. 

Dr. phil. Hermann Kropatscheck, Siegmundshof 16. 
Professor, Chefredakteur der Kreuz -Zeitung. 
S. Politik. 

Hugo von Kupffer, Gitschinerstr. iio. 

Chefredakteur des Berliner Lokalanzeigers. 
Amerikanische Schule. 

Max Lesser, Knesebeckstr. 20/21. 

Vertreter des Neuen Wiener Tagblatts. 

Dr. Isidor Levy, Breitestt. 8/g. 

Leitartikler der Vossischen Zeitung. 

Dr. phil. Arthur Levysohn, Steglitzer str. 2. 

Publizist, Chefredakteur des Berliner Tageblatts. 
S. Politik. 

Dr. Heinrich Mantler, Charlottenstr. 15h. 

Direktor von Wolffs Telegraphenbureau. 



Redakteure und Korrespondenten. 211 

Dr. Gustav Manz, Spichernstr, so* 

Feuilletonredakteur der Täglichen Rundschau. 

Paul Marx, Spichernstr, 7. 
Chefredakteur des Tag. 

Wilhelm von Massow, Gr.-Lickterfelde, Moltkestr. 42a. 
Hauptmann a. D., Vertreter der Münchener All- 
gem. Zeitung. S. ,, München und die Münchner". 

Ludwig Metzger, Wilhelmstr, 13g, 

Handelsredakteur am Lokalanzeiger. 

Dr. phil. Karl Mühling, Gr.- Lichter felde, Fontanestr. 3. 
Direktor der Gartenlaube. 

Dr. phil. Theodor Müller, Potsdamer str. 123» 
Vertreter der Kölnischen Volkszeitung. 

Georg Münch, Raabestr. 12. 

Handelsredakteur der Vossischen Zeitung. 

H. Passarge, Am Karlsbad ig, 

Vertreter der Rheinisch -Westfälischen Zeitung. 

Dr. Th. Pietsch, Friedrich Wilhelmstr, 13. 
Vertreter der Schlesischen Zeitung. 

R. Redlich, Eichhornstr, 11, 

Vertreter der Magdeburgischen Zeitung. 

Dr. K. Rennert, Zimmerstr, gs, 
Vertreter der Weser-Zeitung. 

Heinrich Rippler, Wilhelmstr, 141, 

Herausgeber der Tägl. Rundschau. 

Freiherr Paul von Roell, Lutherstr, 14, 

Landrat z. D., Herausgeber der Neuen politisch. 
Korrespondenz. 

Paul Roland, Schlachtensee, 

Redakteur am Kladderadatsch und Tag. 

Dr. med. et phil. Paul Samassa, Grunewald, Marga- 
rethenstr, 5. Professor, Redakteur der Alldeut- 
schen Blätter. 

S. Samosch, Joachimsthalerstr, 8, 
Redakteur der Nationalzeitung. 

14* 



212 Prosse. 

G. Saunders, Roonstr, j. 
Vertreter der Times. 

Der English mag den Dutchman gar nicht leiden, 
Doch seine dowry nimmt er gern. 

Georg Schneider, Köpenicker str. g8, 

Redakteur von Wolffs Telegraphenbureau, Hof- 
berichterstatter. 

Viktor Schweinburg, Wilhelmstr. 46/47. 

Direktor der Berliner Politischen Nachrichten. 
Früher bekannter Regierungsoffiziöser. 

Dr. Stanley Shaw, Potsdamer str. go, 

Vertreter von Laffans Telegraphenbureau. 

August Stein, Leipzigerstr, 131. 

Vertreter der Frankfurter Zeitung. E- und N- 
Berichte. Irenäus-Artikel. S. Tout Berlin, 

Friedrich Stephany, Potsdamer str, 86, 

Redakteur an der Vossischen Zeitung. 

Dr. jur. Franz Ullstein, Kochstr. 23, 

Herausgeber der Berliner Morgenpost. 

F. W. Wile, Friedrichstr, 59/60. 

Vertreter von The Chicago Daily News. 

Dr. jur. Richard Wrede, Steglitz, Arndtstr. 3. 

Leiter einer von ihm gegründeten Journalisten- 
Hochschule. 

ZEITSCHRIFTEN UND FACHPRESSE. 

Die wöchentlich oder monatlich erscheinenden 
Zeitschriften Berlins erreichen eine Gesamtziffer, die 
von hundert n^cht weit entfernt ist; die Fachpresse 
zählt nach vielen hunderten von Blättern. 

Von den ersteren sind, wenn wir Unterhaltungs- 
und illustrierte Blätter dazurechnen, die folgenden er- 
wähnenswert; die angegebenen Preise verstehen sich 
pro Nummer. 

Berliner Illustrierte Zeitung, Kochstr, 23, 

Red. Norbert Falk. Verlag Ullstein & Co. 
Wöchentlich. 10 Pf. 



Zeitschriften und Fachpresse. 213 

Berliner Leben, Friedrichstr, 218,] 

Hauptsächlich Theaterleben. Wöchentlich. 30 Pf. 
Bühne und Welt, Wormserstr. 7. 

Redakteur Dr. Heinrich Stümcke. Zeitschr. f. 

Theaterwesen. Halbmonatlich. 60 Pf. 
Daheim, Tauenzienstr, yh, 

Herausg. Th. Pantenius und Paul Oskar Höcker. 

Evang. Familienblatt. Illustr. Wöchentlich. 25 Pf. 

Deutsche Monatsschrift, Lützowsir, 43, 

Begr. von Julius Lohmeyer. Deutschnational. 2M. 

Deutsche Roman-Zeitung, AnhaUstr. 11, 

Herausg. O. von Leixner und Dr. E. Janke. Lang- 
jährige Versorgerin der deutschen Roman -en gros- 
Leserinnen. Quartalspreis 3,50 M. 

Deutsche Rundschau, Lützowstr. 7. 

Herausg. Prof. Dr. Jul. Rodenberg. Glänzende 
literarische Tradition. Monatlich. 2 M. 

Deutschland, Schönberger Ufer 43. 

Herausg. Graf von Hoensbroech. Antiklerikal. 
Monatüch. 2 M. 

Das Echo, Wilhelmsir. 2g, 

Verlag J. H. Schorer, G. m. b. H. Originelles, 
rühriges Organ für Auslanddeutsche. Quartals- 
preis 3 M. 

Die Gartenlaube, Zimmerstr, 37/41* 

Verlag August Scherl. Die alte Leipziger „Garten- 
laube". Famiüenblatt. Wöchentlich (Quartals- 
preis 2 M.) oder halbmonatlich. 25 Pf. 

Die Gegenwart, Gledüschstr. 6, 

Herausg. Richard Nordhausen. Konservativ im 
Stillen. Wöchentlich. 50 Pf. 

Die Hilfe, Hohenfriedbergerstr, 11, 

Herausg. Friedrich Naumann. Nationalsozial. 
Wöchentlich. Quartalspreis i M. 

Kladderadatsch, Zimmerstr. 8, 

Verlag A. Hofmann & Co. Redakteure Johannes 
Trojan und Wilhelm Polstorff. Politisches Witz- 



214 Presse. 

blatt seit 1848. Charakteristisch berlinische Satire. 
Wöchentlich. Quartalspreis 2,25 M. 

Das kleine Witzblatt, Altonaerstr, 20. 

Ein kleines Schmutzblatt. Wöchentlich. 10 Pf. 

Das litterarische Echo, Lützowstr, 2. 

Verlag Egon Fleischel & Co. Herausg. Dr. J. Ett- 
linger. Halbmonatliche Überschau über die Lite- 
ratur des In- u. Auslands. Quartalspreis 4 M. 

Lustige Blätter, Charlottenstr, 9. 

Verlag Dr. Eysler & Co. Redakteur A. Mosz- 
kowski. Witzblatt; fängt an zu versimplizissi- 
mussen. Wöchentlich. 25 Pf. 

Die Nation, Tiergartenstr, 57. 

Herausg. Dr. Barth. Freisinnige Vereinigung. 
Literarische Beiträge. Wöchentlich. 50 Pf. 

Die Neue Gesellschaft, Uhlandstr, 15g, 

Herausg. Dr. Heinrich und Lily Braun. Rechts- 
sozialistisch. Wöchentlich. 10 Pf. 

Die Neue Rundschau, Bülowstr, gi, 

Redakteur Prof. Dr. Oskar Bie. Verlag S. Fischer. 
Moderne Literatur und Kunst. Gediegenster Ge- 
schmack. Monatlich. 2.50 M. 

Der Roland von Berlin, Tauenzienstr, 20. 

Herausgeber Dr. L. Leipziger. Gesellschaftliche 
Pikanterien. Wöchentlich. 20 Pf. 

Soziale Praxis, Martin Luther str. 82. 

Herausg. Prof. Dr. Ernst Francke. Zentralblatt 
für Sozialpolitik. Wöchentlich. 30 Pf. 

Sozialistische Monatshefte, Beuthstr. 2. 

Herausg. J. Bloch. Revisionistisch. Monatlich. 

Velhagen und Klasings Monatshefte, Taitenzienstr.yh. 
Herausg. Hanns v. Zobeltitz. Unpolitisch. 1.50 M. 

Vom Fels zum Meer, Zimmerstr, 37/41. 

Herausg. P. von Sczepanski. Verlag Aug. Scherl. 
Moderne illustrierte Zeitschrift. 75 Pf. 



Arbeits-Nachweise. 215 

Die weite Welt. Andere Ausgabe des „Vom Fels zum 
Meer'*. Beide neuerdings mit der Gartenlaube 
vereinigt. 25 Pf. 

Die Welt am Montag, Lindenstr, j. 

Verlag „Die Welt am Montag." Radikal-poli- 
tisch. Wöchentlich. 5 Pf. 

Die Woche, Zimmerstr, 37/41» 

Verlag August Scherl. Photographische Revue. 

Der Analphabet als Leserideal. Auflage von mehr 

als 300000. Wöchentlich. 25 Pf. 
Die Zeit am Montag, Zimmerstr, 8. 

Herausgeber Karl Schneidt. Radikal -politisch. 

Wöchentlich. 5 Pf. 
Die Zeit im Bild, Mohrenstr. 5g. 

Verlag Dr. Alexis Schleimer. Nach dem Muster 

der Woche. Wöchentlich. 20 Pf. 
Die Zukunft, Friedrichstr, 10, 

Herausg. Maximilian Harden. Ein Tagebuch der 

Eitelkeiten. Erscheint immerhin nur wöchentUch. 

Ausgezeichnete Beiträge. 50 Pf. 

9. Soziale Leistungen. 

Für Armen- und Krankenpflege 
gibt die Stadtkasse rund 20 Millionen 
Mark jährlich aus. 

ARBEITER- KOLONIEN. 

Arbeiter- Wohlfahrtseinrichtungen größern Stils 
in Spindlersfeld (s. Technische Anlagen), Spandau 
(Munitionsfabrik), Haselhorst. 

ARBEITS-NACHWEISE. 

Zentral - Arbeitsnachweis, Gormannstr, ij u. Rücker- 
straße 6a. Gebaut von der Landesversicherungs- 
anstalt Berlin. Sehenswert. 

Arbeits-Nachweisbureau des Vereins zur Besserung der 
Strafgefangenen, Grunerstr., Gerichtsgebäude. 

Zentral- Arbeitsnachweis des Verbandes der Deutschen 
Gewerkvereine, Kaiser Wilhelmstr. 32, 



2i6 Soziale Leistungen. 

Verein ,, Dienst an Arbeitslosen", Ackerstr, 52, 
Direktor C. Liebich. 
I. Schrippenkirche. Sonntags morgen Frühstück, 

nachher Gottesdienst. 
II. Jugendhilfe. Fürsorge für jugendliche Ar- 
beitslose. 

III. Jugendheim. 16 Betten. Bis zur Unterbringung 
in Stellungen. 

IV. Zufluchtshalle. Ratmi für 300 Personen. Kaffee 
2 Pf., Schrippe 2 Pf., Suppe 5 Pf. 

V. Brockensammlung. Sammlung und Verteilung 
von alten Geräten und Kleidern. 

Literarische Zentralstelle für Arbeitsnachweise (Zen- 
tralstelle für Arbeitsmarktberichte), Charlotten- 
burgy Berliner Str. 54, Direktor Dr. J. Jastrow. 
Regelmäßige Arbeitslosenaufnahme. 

Deutscher Metallarbeiter- Verband. Bureau u. Arbeits- 
nachweis: Engelufer iSj Zimmer i — 5. 

Beschäftigungsnachweis für verabschiedete Offiziere, 
Veteranen, Invaliden und Beamte, Kommandanten' 
Straße 62. 

Zentralverein für Arbeitsnachweis weiblicher Personen, 
Münzstr, 11. 

Berliner Hausfrauenverein, Breitestr. 6. 

Unentgeltliche Stellenvermittlung. Kochschule. 

Heimathaus für Stellung suchende Mädchen, Bahnhof 
Börse, Stadtbahnbogen, 

Arbeitsnachweis des Lettevereins für alle Branchen, 
Viktoria Luiseplatz 6. 

SPEISEANSTALTEN. 

Armen- Speisungsanstalt. 

Unentgeltliche Abgabe von Suppen — nur im 
Winter — gegen Marken oder Karten, die von Direk- 
tionsmitgHedern verteüt werden. 

Winter 1902/03: 629800 Portionen; dafür ver- 
ausgabt 67680,37 M. 



Heimstatten für Frauen und Mädchen. 



217 



Volks- Kaffee- und Speisehallen, i. Scharr enstr, 18, 
2. Neue Schönhauserstr, 13. 3. Chausseestr. g8a. 
Geöffnet 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends. Mit- 
tagessen: 11^4 — 2% Uhr; warmes Abendessen: 
6— 9 Uhr. 

Volksküchen. Ehrenpräsidentin Frau Lina Morgen- 
stern, Potsdamerstr. 82a. 
Zentralbureau : Leipzigerstr, 103. 

Die Volksküchen sind geöffnet von 11 — 34 ^ Uhr 
mittags, im Winter auch abends von 6 — 8 Uhr. Mittag- 
essen eine ganze Portion 25 Pf., % Portion 15 Pf. 

Im Jahre 1902 wurden i 214 158 Portionen ver- 
teilt. 

Kinder- Volksküchen. Bureau : Weintneisterstr. la. 

14 Küchen. 

Die Küchen sind nur während der Wintermonate 
geöffnet. Eröffnung Ende Oktober oder Anfang No- 
vember. 

1902/03 wurden 571388 Portionen Mittagessen 
verabreicht, davon 491260 unentgeltlich. 

HEIMSTÄTTEN FÜR FRAUEN UND MÄDCHEN. 

Amalienhaus, Motzstr, 11, 

ChristHche Haushaltungsschule für evangelische 
eingesegnete Mädchen. Heimstätte für Frauen 
und Mädchen, Hospiz für Damen. 

St. Antonius-Stift, Hohenstaufenstr, 2. 

Katholisches Dienstmädchenheim. Ambulante 
Krankenpflege und Kinderbewahranstalt. 

Heimat für Mädchen und Frauen gebildeter Stände. 
(Mit Hospiz für Damen.) Köthenerstr. 42/43, 
Gutes Quartier, billiger Mittagstisch. Jeden Sonn- 
tag abends von 7 Uhr an gesellige Vereinigung. 
Gebildete Mädchen und Frauen willkommen. 
Wohnung 80 Pf. bis 1,50 M., Beköstigung 1,10 M. 
Mittagessen 40 Pf . Stellenvermittlung. 



2i8 Soziale Leistungen. 

Heimathaus für Stellung suchende Mädchen. (Errich- 
tet vom Deutschen Verein zur Hebung der öffent- 
lichen Sittlichkeit.) Bahnhof Börse, Stets Unter- 
kunft und Verpflegung. 

Heimstätte in Berlin, Drontheimerstr, ig. 

Bestimmt zur Aufnahme von hilf- und heimat- 
losen zum erstenmal gefallenen, sei es schwangeren 
oder eben entbundenen Mädchen mit deren Kin- 
dern. 1903 : 139 Mädchen aufgenommen. 

Mädchenheime Verein Jugendschutz. 
I. Heim: Stralauerstr, 52, 
n. Heim: Beuthstr. 14, 

Wohnung und Pension; Koch- und Wirtschafts- 
kurse; Abendkurse. 

Mädchen-Rettungshaus „Siloah'S Pankow, An der 
Schönholzer Brücke. Erziehungsanstalt für un- 
konfirmierte Mädchen, verbunden mit Damen- 
pensionat und Handelsgärtnerei. 

Mägde-Bildungsschule und Herberge (Marthas Hof), 
Schwedterstr. 37/40. Eigentum der Diakonissen- 
anstalt zu Kaiserswerth am Rhein. 

Marienheim I (Hospiz des Nordens), Borsigstr. 5. 
Heimathaus für alleinstehende Mädchen aller Be- 
rufsarten. 100 Betten; volle Pension 37 — 60 M. 
Haushaltungsschule. Stellenvermittlung 11 — 12, 
4 — 7 für Dienstmädchen. 

Marienheim II, Wasserthorstr. 35. 

Heimathaus und Stellenvermittlung. 

Marienheim III (Hospiz des Westens), Marburgerstr. 4. 
Unterkunft und Pension für Damen und Herren. 
Mittagstisch für Auswärtige; Stellenvermittlung 
für Hauspersonal. S. Hotels und Pensionen. 

Marienheim IV, Tieckstr. 17. 

Auch Abendheim für Auswärtige. 

Pestalozzi -Fröbel- Haus, Barbarossastr. 74. 

Unterhalten v. Berliner Verein f. Volkserziehung, 



Hospitaler und Altersversorgungsanstalten. 219 

Königin Luise- Stiftung, Markgrafenstr. lo. 

Erziehungsanstalt für Töchter vornehmer Fa- 
milien im Alter von 13 — 16 Jahren, gegr. 1811 
am ersten Todestag der Königin Luise nach ihren 
eigenen Plänen. Pensionspreis 1200 M. Außer- 
dem dreijährige unentgeltliche Ausbildung von 
12 Erzieherinnen von 19 — 22 Jahren, vorwiegend 
Töchter von hohen Beamten und Offizieren, die 
nicht in Berlin wohnhaft sind. Die Anstalt ist 
nur Internat. 

Letteverein. Lettehaus, Viktoria Luiseplatz 6. 

Förderung höherer Bildung und Erwerbsfähigkeit 
des weiblichen Geschlechts. Handelsschule, Ge- 
werbeschule, photogr. Lehranstalt usw. Viktoria- 
stift (Pensionat), zwei Speisearistalten. Stellen- 
vermittlung. 

Säuglingsheim, Schöneberg, Akazienstr. 10. 

Vereinsunternehmen unter Aufsicht von Geheim- 
rat Prof. Heubner. Unentgeltliche Aufnahme 
von unverheirateten oder schutzlosen Müttern 
und deren Kindern, in der Regel auf 3 Monate. 

HOSPITÄLER UND ALTERSVERSORGUNGS- 

ANSTALTEN. 

Krankenanstalten siehe unter 
Wo finden Sü Rat und Hüfet 

Städtisch. 

Altersversorgungs- Anstalt der Kaiser Wilhelm- und 

Augusta-Stiftung, Schidstr. 97/98. 
St. Gertraudt-Hospital, Wartenburgstr. j/7, Großbeeren- 

straße 22. 

Gesinde-Hospital, Koppenstr, 38/40. 
Hospitäler Zum heiligen Geist und St. Georg, Exerzier- 
straße 12 und Reinickendorf er Str. 31a. 
Friedrich Wilhelms-Hospital und Siechenanstalten. 
I. Für männliche Hospitanten u. Sieche beiderlei 

Geschlechts, Fröbelstr. 55. 
IL Für weibliche Hospitanten, Pallisadenstr. 37. 



220 Soziale Leistungen. 

Privat. 

Asylhaus der Friedrich Wilhelm - Viktoria - Stiftung, 
Elsenstr, 5/8, Verwaltungs-Behörde : Älteste der 
Kaufmannschaft von Berlin. 

Französisches Hospital, Friedrichstr. 12g. 

Hospital der jüdischen Gemeinde, Oranienburger str. 31. 

Hospital der Parochialkirche, Waisenstr. 28. 

Hotel de refuge, Friedrichstr. 61. 

HOSPIZE UND HERBERGEN. 

Gesellenheim. (Errichtet von der Volks-Kaffee- und 
Speisehallen- Gesellschaft.) Neue Schönhauser- 
Straße 13. 

Herberge des Berliner Gewerkschaftshauses, Engel- 
ufer IS- 

Herbergen zur Heimat des Evangelischen Vereins, 
Oranienstr. 105, Auguststr. 81, 

Leo-Hospiz. Rüder sdorf er str, 45. 
Katholisches Arbeiterheim. 

Städtisches Obdach, Fröbdstr, 

I. Für obdachlose Familien (1902 : 5610 Personen). 
II. Für Nächtlich-Obdachlose (1902: 570298 Per- 
sonen). 

Die Verwaltung wird in der Stadt verordneten- Versamm- 
lung alljährlich angegrifien. 

Berliner Asylverein für Obdachlose. 

Männer-Asyl Wiesenstr. 58\5g. Frauen-Asyl Fü- 
silierstr. 5. 

KINDERSCHUTZ. 

Kinderhort, Alt-Moabit 122, mit zusammen 24 An- 
stalten. 

Mädchenhort. Mit zusammen 16 Anstalten. 

Oberlin-Schulen. (Kleinkinderschulen). Begründet 
in 10 verschiedenen Kirchengemeinden Berlins 
vom Oberlin-Ortsverein für die Stadt Berlin. 



Die Heilsarmee. 221 

Evangelisches Johannesstift, Plötzensee, Südufer, 

Erziehvingsanstalt, Kinderheim, Brüderanstalt z. 
Ausbildung von Arbeitern der Inneren Mission, 
nebst Seminar für Kolonistenprediger in Nord- 
amerika. 

SIECHENHÄUSER. 

Elisabeth-Siechenhaus f. Frauen, Eberswalderstr, 17I18, 
Mit Erholungshaus: „Elisabethruh'' in Fischpr- 
wall b. Dannenwalde a. d. Nordbahn. 
Frauen-Siechenhaus ,,Bethesda''. Plötzensee, Südufer, 
Männer-Siechenhaus, Schönhauser Allee 5g, 

WAISENHÄUSER. 

14 größere Anstalten. 

DIE HEILSARMEE. 

Nationales Hauptquartier: Blücherplatz i, 
Kommandeur Oliphant. 

Wenngleich ihre Berliner Einrichtungen nicht ent- 
fernt mit den Londoner verglichen werden können, so 
sind ihre sozialen Leistungen doch sehr anerkennungs- 
wert. Aber das wichtigste ist der Geist ihrer Tätig- 
keit, der sie zu Erfolgen bei der sittlichen Wieder- 
aufrichtung Unglücklicher führt, wie sie keine andere 
Vereinigung aufweisen kann, am wenigsten unsere 
offiziellen Schutzvereine für die Jugend, entlassene 
Sträflinge oder gefallene Mädchen. Die Heilsarmee 
ist vielleicht die größte Wohltätigkeitsorganisation der 
Welt und deswegen die gesiindeste, weil sie das Al- 
mosen nicht kennt, unterschiedslos Unterstützung ge- 
währt, die auf die Dauer stets erarbeitet wird, ihre 
Anstalten aus sich selbst rentieren läßt, und es ablehnt, 
Proselyten zu machen; sie verlangt nicht einmal 
die Vergangenheit des reuigen Sünders zu kennen. 
Anders als die selbstbewußte Moral unserer gut- 
situierten Berufswohltäter urteüt das naive, von der 
eigenen Sündhaftigkeit überzeugte Herz dieser an- 
spruchslosen und heiteren Militia Christi (vgl. Har- 



222 Banken. 

nack). Wer die Salvation, die innerliche Krise zur 
Selbsterkenntnis, eriebt hat, steht jedem gleich; die 
schwerste Vergangenheit ist getilgt und das rettende 
Selbstvertrauen des sich geachtet fühlenden Menschen 
ist wiedererstanden. Versuchen Sie es wohl daraufhin, 
verehrteste gnädige Frau, Ihre Dienstmädchen von der 
Heilsarmee zu beziehen? — S. Kirchen und Sekten. 

Berliner Einrichtungen der Heilsarmee: 

Samariter-Heim, Schöneberg, Brunhildstr, 13. 

Dreizehn Samariterschwestem. Hauspflege bei 
armen Kranken und Notleidenden. 

Mädchen-Metropole, Oranienstr. 57. 

BiUige Wohnung und Verpflegung für allein- 
stehende anständige Mädchen. 

Kinderheim, Kastanienallee 11. 

Aufnahme und Verpflegung von über ein Jahr 
alten, meist unehelichen Kindern gegen monat- 
liches Kostgeld von 10 — 15 M. 

Rettung Trunksüchtiger. Meldungen an das Nationale 
Hauptquartier. Eigene Hilfstruppe. 

Rettungshaus für gefallene Mädchen, Friedenau, Frege- 
straße 53. Unentgeltlicher Aufenthalt und Be- 
schäftigung für reuige Gefallene. 

Wöchnerinnenheim, Kastanienallee 11, 

10. Banken. 

Jeld alleene macht nich jlicklich; 
man muß ooch wat haben! 

Reichsbank, Jägerstr, 34 a. 

Direktorium, Präsident: Wirkl. Geh. Rat Dr. 

Rieh. Koch, Exz. 
Vizepräsident: Dr. Gallenkamp. 
Direktoren (Geh. Oberfinanzräte): C. Frommer; 
Dr. von Glasenapp; von Klitzing; Schmiedicke; 
Korn; Gotzmann; Dr. von Lumm. 
Daneben ein Zentralausschuß, der eine Reihe 
erster Größen des Handels und der Industrie enthält; 



Banken. 223 

die Mitglieder des Direktoriums sind Reichsbeamte. 
Die Reichsbank ist keine Staatsbank, sondern ein 
Privatunternehmen unter Leitung und Beteiligung des 
Reiches, das befugt wäre, sie zu erwerben. Grund- 
kapital 180, Reservefond 65 Millionen Mark. 

Vom Reingewinn erhalten die Anteilseigner zu- 
nächst 3^% Dividenden, hiernach der Reservefonds 
20% vom Überschuß, endlich die Anteilseigner ein 
Viertel, das Reich drei Viertel des Restes. 

Deutsche Hauptnotenbank. Diskontierung, Ein- 
ziehungsgeschäft, Lombarddarlehen von größter Be- 
deutung. Giroverkehr einziger Art, ein nahezu kosten- 
loses buchmäßiges Zahlungssystem über das ganze 
Reich; wichtigste Depositenstelle im Rechtsleben. 
Ein seit seiner Gründung mustergültig geleitetes In- 
stitut, ohne das der Aufschwung unserer Volkswirt- 
schaft undenkbar wäre, maßvoll und energisch in der 
Regelung des Geldmarktes. Die koulanteste derartige 
Bank in der Welt. 

Seehandlungs-Sozietät (Preußische Staatsbank), Mark- 
graf enstr. 46 a. 
Präsident: Geh. Seehandlungsrat Krech. 

Eigentum des Preußischen Staates. Kapital 100 
Millionen Mark. Unter Friedrich dem Großen zur 
Heranziehung einer Industrie und Unterstützung des 
Auslandhandels gegründet, hat sie sich zu einem Privat- 
bankuntemehmen des Staates entwickelt, das einer- 
seits eine Einnahmequelle bilden, andererseits als 
Geldgeber für den Bedarf des Publikums eintreten 
soll. Von ihren eigenen industriellen Unternehmungen 
sind noch die Bromberger und Landeshuter Mühlen 
erhalten. In den letzten Jahren Abwicklung großer 
Finanzgeschäfte, Übernahme deutscher Staats- und 
Städteanleihen, Diskontierung von Wechseln, Lombard- 
darlehen. Neuerdings sucht der Staat ihr ein Monopol 
gegenüber den Sparkassen zu verschaffen, was auf 
Widerstand stößt. Nahezu gleichwertig geworden den 



224 Banken. 

privaten Großbanken ist diese Staatsbank eine Kon- 
kurrentin derselben, besonders, seit Einschränkung der 
Notenbanken, auf dem Diskontmarkt. Daneben be- 
treibt sie das Kgl. Leihamt. Leitung und Betrieb der 
Seehandlung oft etwas bureaukratisch. 

Deutsche Bank, Behrenstr. 9/13. 

Aktiengesellschaft. Direktoren : die Kommerzien- 
räte: Arthur Gwinner; Carl Klönne; Rudolf 
Koch; Paul Mankiewitz; Max Steinthal. 

Grundkapital 180 Millionen Mark, 3000 Beamte, 
Dividende seit Jahren 11%. Groß geworden unter 
Georg von Siemens durch rechtzeitige Erkenntnis der 
Bedeutung des deutschen Außenhandels, der sich auf 
Einführung der Goldwährung in Deutschland auf- 
bauen konnte. Ausbildung eines diesem Zwecke die- 
nenden Filialsystems und des Depositenkassenwesens. 
Nach Erstarkung auf das Gebiet großer finanzieller 
und industrieller Unternehmungen übergehend. Hier 
besonders der Ausbau der anatolischen Bahn, im Emis- 
sionswesen die Übernahme der gesamten Preußenan- 
leihe 1890. Ausgebreitete Kartellierung mit Provinzial- 
großbanken, wie Bergisch-märkische Bank, Rheini- 
sche Kreditbank, Schlesischer Bankverein. Affiliierte 
Auslandsinstitute u. a. A. Görz and Co. Limited. Auf 
industriellem Gebiet Beziehungen zu Siemens & Halske, 
Petroleumunternehmungen in Galizien und Rumänien. 
Neu- Westend-Aktiengesellschaft für Grundstücksver- 
wertung (via triumphalis von Döberitz nach dem 
Brandenburger Tor). 

Interessengemeinschaft Dresdener Bank — A. Schaaf f- 
hausenscher Bankverein, Behrenstr, 37/39 bezw. 
Französischestr. 55. 

Direktoren der Dresdener Bank: Kommerzienrat 
Eugen Gutmann; Geh. Oberfinanzrat a. D. Georg 
Waldemar Mueller; Louis von Steiger; Henry 
Nathan. 



Baoken. 



225 



Direktoren des A. Schaaf fhausenschen Bankvereins : 
Geh. Oberfinanzrat a. D. Hugo Härtung; Regie- 
rungsrat a. D. S. Samuel; Siegmund Schwitzer. 

Gesamtkapital: 285 Millionen Mark, Reserven 
65 Millionen Mark. Größte durch dauernden Vertrag 
kombinierte Kapitalsvereinigung. Sehr rühriges, oft 
etwas spekulatives Vorgehen. Starke Ausbildung des 
laufenden Geschäfts mit zahlreichen Filialen und De- 
positenkassen, neuerdings, da das Schwergewicht des 
Bankvereins im rheinischen Industriegebiet liegt, 
auch der deutschen Bergwerks- und Eisenindustrie 
näher gerückt, bekannt durch Unterstützung der Re- 
gienmg in der Hibernia-Affäre. Fusion mit der Deut- 
schen Genossenschaftsbank Soergel, Parrisius & Co., 
A.-G. Gehört zur Löwegruppe. Unter ausländischen 
Unternehmungen die General Mining and Finance 
Corporation. 

Direktion der Diskontogesellschaft, Behrenstr. 43/44^ 
Unter den Linden 55. Kommanditgesellschaft auf 
Aktien. 
Persönlich haftende Gesellschafter: Geh. Seehand- 
lungsrat a. D. Alexander Schöller; Max Schinkel- 
Hamburg; Dr. Arthur Salomonsohn; Ministerial- 
direktor a. D. Josef Hoeter; Dr. Ernst Enno 
Russell; Franz Urbig. 
Direktoren: Curt Erich; Dr. Georg Solmssen. 

Kapital 170 Millionen Mark, Reserven 57 MilHonen 
Mark. Vornehmste deutsche Großbank, gegründet 185 1. 
Finanztechnische Schule von Staatsmännern wie Da- 
vid Hansemann, Mathy, Miquel. Besonders nahe Be- 
ziehungen zu den alten großen Privatfirmen, wie den 
Rothschilds. Vorsichtige Entwickelung unter Adolf 
von Hansemann, neuerdings Filialienerrichtung viel- 
fach angelehnt an alte Privatfirmen. Büdete zuerst 
ein Kartellierungssystem mit Provinzialbanken aus: 
Norddeutsche Bank in Hamburg, Allgemeine deutsche 
Kreditanstalt in Leipzig, Bayrische Hypotheken- und 

Berlin und die Berliner. 15 



226 Banken. 

Wechselbank in München; Süddeutsche Diskontoge- 
sellschaft in Mannheim. Kolonialunternehmungen, be- 
sonders in Neuguinea, Schantung. Eisenbahnen in 
Venezuela, Petroleum in Rumänien, Otavi- Minen. 
Affiliierte ausländische Institute : Brasilianische Bank 
für Deutschland, Bank für Chile und Deutschland, 
Banca Generala Romana; im Verein mit den anderen 
deutschen Großbanken die Deutsch- Asiatische Bank. 
Alte Beziehungen zur Dortmunder Union. 

Berliner Handelsgesellschaft, Behrenstr. J2, Franzö- 
sischestr, 42, Kommanditgesellschaft auf Aktien. 
Persönlich haftende Gesellschafter: Carl Fürsten- 
berg; Gustav Ahrens; Dr. Walther Rathenau; 
Dr. Eduard Mosler. 

Kommanditkapital 100 Mülionen Mark. Einzige 
Berliner Großbank, die dem Konzentrationssystem 
völlig treu geblieben ist: keine Füialen, keine Depo- 
sitenkassen. Auf industriellem Gebiete vielfach be- 
teüigt, neuerdings besonders auch der elektrischen In- 
dustrie näher getreten. Beteüigung u. a. bei Gebr. 
Körting, Gebr. StoUwerck, Lenz & Co. 

Bank für Handel und Industrie (bekannt als Darm- 
städter Bank), Schinkelplatz 1/2, 
Aktiengesellschaft. Direktoren : Kaiserl. Bank- 
direktor a. D. Bernhard Dernburg; Paul Rump. 
Stellvertretend: Paul Hartog. 

Kapital 132 Millionen Mark. Die Berliner Filiale 
ist bedeutender als die Zentrale in Darmstadt. Neuer- 
dings hervorgetreten durch starke Geschäftsausbrei- 
tung, Übernahme der Breslauer Diskontobank, von 
Rob. Warschauer & Co., Bank für Süddeutschland. 
Portugiesen-Emissionen. Interessiert in südafrika- 
nischen Goldminen. Alte Stellung in Süddeutschland, 

Kommerz- und Diskontobank, Kanoniersir, 2g/30» 
Aktiengesellschaft. Direktoren: Waldemar Risch; 
Gustav Püster; Carl Harter. 



Behörden und öffentliche Einrichtungen. 227 

50 Millionen Kapital. Berliner Filiale des Ham- 
burger Instituts, neuerdings mit der Berliner Bank 
fusioniert. Gravitiert nach Skandinavien. Gelände- 
erwerb in Berliner Vororten. 

Nationalbank für Deutschland, Voßstr, 34. 
Aktiengesellschaft. Direktoren: Jul. Stern; Geh. 
Regierungsrat Witting. 

Kapital 80 Millionen Mark. Bewegte Entwicklung. 
Griechische Anleihen. Gründung: Orientbank. Kom- 
manditierung von Born & Busse. 

S. Bleichröder, Behrenstr. 63, 

Privatfirma. Altes vornehmes Haus. Emissionen 
für Mexiko, Rumänien. Der Gründer war Bismarcks 
Börsenpaladin. 

Mendelssohn & Co., Jägerstr, 49/50, 

Privatfirma. Führerin des Russenkonsortiums. 
Entstand zwischen Moses und Felix. 

Delbrück, Leo & Co., Mauerstr. 61/62. 

Privatfirma. Verbindung mit Krupp-Essen. 

II. Behörden und öffentliche 
Einrichtungen. 

Die ressortmäßige Unterordnung 
bt durch die Verachiedenheit im 
Druck kenntlich gemacht. Auskünfte 
geben die Portiers. 

REICHSSTELLEN. 
Der Bundesrat, Wühelmstr. 74, 
Der Reichstag, Am Königsplatz 1/3, 
Reichskanzlei, Wühelmstr. yy. 

Auswärtiges Amt, Wühelmstr. 75/77* 

Zugleich Kgl. preuß. Ministerium der auswärtigen 

Angelegenheiten. 
Kolonialabteilung, Wühelmstr. 62. 
Oberkommando der Kaiserl. Schutztruppen in den 

afrikanischen Schutzgebieten, Mauerstr. 45. 

IS* 



22'B Behörden und öffentliche Einrichtungen. 

Reichsamt des Innern, Wühelmstr, 74. 
Zentraldirektion der Monumenta Germaniae histo- 

rica, Königin Augustastr. 23/27. 
Statistisches Amt, Lützowufer 6/8, ' 

Reichs- Gesundheitsamt, Klopstockstr, 18, 
Patent -Amt, Luisenstr, 32/34 und sy, 
Reichs- Versicheningsamt, Königin A ugustastr. 25/2^. 

Reichs-Marineamty Leipzigerplatz 13. 
Admiralstab der Marine, Königgrätzerstr, 132. 

Reichs- Justizamt, Voßstr. 4, 

Reichsschatzamt, Wilhelmstr, 61 u. Wilhelmplatz i u. 2. 

Reichs-Eisenbahnamt, Linkstr, 44, 

Reichs-Postamt, Leipzigerstr, 14/18 u. Mauerstr. 6g/ y 3, 

Reichs-Militärgericht, Markgrafenstr, 65. 

Reichsbank, Jägerstr. 34, S, Banken, 

HOFSTELLEN. 

Oberst- Kämmereramt, Wilhelmstr, 73, 

Ministerium des Kgl. Hauses, Wilhelmstr. 73. 
Verwaltung des Kgl. Hausschatzes. 
Heroldsamt. 
Kgl. Hausarchiv, Charlottenburg, Spandauer str,. Ecke 

des Luisenplatzes. 
Kofkammer der Kgl. Familiengüter, CharloUenburg, 

Am Luisenplatz, 

Schatull-Verwaltung und Privatkanzlei des Kaisers, 
Im Kgl, Schloß, Am Lustgarten 3, 

Ober-Hofmarschallamt des Kaisers, Im Kgl, Schloß. 

Kgl. Ober-Zeremonienamt, Im Kgl. Schloß. 

Kgl. Hof- Jagdamt, Potsdamerstr. 134c. 

Intendantur der Kgl. Schauspiele, Dorotheenstr. 2. 

LANDESSTELLEN. 

Das Herrenhaus, Leipzigerstr. 3. 

Das Abgeordnetenhaus, Prinz Albrechtstr. 5. 



Bdiörden und öffentliche Einrichtiuigen. 229 

Staatsministerium, Wühelmstr. 63. 
Gerichtshof zur Entscheidung der Kompetenzkon- 
flikte, Wühdmstr. 63. 
Oberverwaltungsgericht, Markgrafenstr. 47. 
Deutscher Reichs- und Kgl. preuß. Staatsanzeiger, 
Wühelmstr. 32, 
Finanzministerium, Am Festungsgrabeni. 
Seehandlungs - Sozietät. (Preußische Staatsbank) , 

Markgrafenstr. 46 a. S. Banken. 
General-Lotteriedirektion, Wühelmstr. 63. 
Kgl. Leihamt, Direktion und L Abteilung, Jäger- 
Straße 64. 
Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten, Wü- 
helmstr. 75/76. $. Auswärtiges Amt. 

Kriegs-Ministerium, Leipzigerstr. 5. 
Invalidenhaus, Scharnhorststr. 42. 

Generalstab der Armee, Königsplatz 6. 

Schloßgarde -Kompagnie, Hinter dem Gießhause 3. 

Erste Armee-Inspektion, Wilsnackerstr. 4g. 

Ober-Konunando in den Marken, Hinter dem Gieß- 
hause 3. 
Generalkommando, Hinter dem Gießhause 3. 
Gouvernement von Berlin, Hinter dem Gießhause 3. 

Justiz-Ministerium, Wühelmstr. 65. 
Kammergericht, Lindenstr. 14. 
Landgericht Berlin I (Stadtbezirk Berlin), 

Neue Friedrichstr. 16/17. (Zivilkammern). 

Alt-Moabit 11/12. (Strafkammern). 
Staatsanwaltschaft, Alt-Moabit 11. 
Amtsgericht I. Zivilsachen, Neue Friedrichstr. 12 

bis 17 u. Molkenmarkt 2. 
Landgericht Berlin II (Vororte). 

Hallesches Ufer 29/31 (Zivilkammern). 

Rathenower Str. 83 (Strafkammern). 
Staatsanwaltschaft, Rathenower str. 6. 
Amtsgericht IL Zivilsachen, Hallesches Ufer 26, 29 

bis 31. 



230 Behörden und öffentliche Einrichtungen. 

Ministerium der geistlichen, Unterrichts- u. Medizinal- 
angelegenheiten. Unter den Linden 4, 
Kgl. Akademie d. Wissenschaften, Potsdamerstr. 120, 
Kgl. Akademie der Künste, Potsdamerstr, 120. 

Ministerium des Innern, Unter den Linden 72/73, 
Statistisches Landesamt, Lindenstr, 28, 
Polizei-Präsidium, Am Alexanderplatz, 
Oberpräsidium der Provinz Brandenburg, Potsdam, 
Polizeidirektion in Charlottenburg, Kirchhof str, 3. 
Landratsamt des Nieder- Barnimschen Kreises, 

Friedrich Karl-Ufer 5, 
Landratsamt des Teltower Kreises, Viktoriastr, 18, 

Ministerium für Handel und Gewerbe, Leipziger str, 2, 
Kgl. Porzellan-Manufaktur. 
Fabrik : Wegelystr. Verkaufslokal : Leipzigerstr, 2. 

Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Wilhelmstr, yg, 
Akademie des Bauwesens, Leipzigerstr, 125, 

Ministerium für Landwirtschaft, Domänen u. Forsten, 
Leipziger Platz 5/g, 
Große Schiedsgerichte zur Entscheidung von Renn- 
angelegenheiten in Berlin, Leipziger Platz 9. 

Evangelischer Oberkirchenrat, Köthenerstr, 38. 

PROVINZIALSTELLEN. 

Provinzial-Verband der Provinz Brandenburg, Matthäi- 
kirchstr, 20/21, 

Provinzial-Landtag und Provinzial-Ausschuß, Mat- 
thäikirchstr, 20/21, 

Landesdirektion der Provinz Brandenburg, Matthäi* 
kirchstr, 20/21, 

Provinzial-SchulkoUegium, Linkstr, 42, 

KOMMUNALSTELLEN. 

Magistrat von Berlin. 
Rathaus, Königstr, 15/18, 
Oberbürgermeister: Zimmer 46 (10 — 11). 



Kirchen und Sekten. 



231 



Bürgermeister: Zimmer 49 (12% — 2)* 

Stadträte: Sprechstunden, meist zur Mittagszeit, 

im Rathaus. 
Stadtverordneten-Bureau : Rathaus, Zimmer 48. 



12. Kirchen und Sekten. 

Berlin baut zu viel Bahnen und 
zu wenig Gotteshäuser. 

Historischer Ausspruch. 

Vier Fünftel der Einwohner Großberlins sind pro- 
testantisch, ein Zehntel katholisch, 4 — 5% jüdisch. 
Im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben ver- 
schiebt sich die Proportion derart, daß man an der 
Richtigkeit der Statistik irre wird. Doch sei nach- 
drücklich betont, daß das heutige Preußen die Glau- 
bensunterschiede nach Gebühr würdigt und die Kon- 
fessionen streng zu trennen bemüht ist, im Leben 
wie im Tode, auf der Schulbank wie auf dem Kirch- 
hof. Auch darf zwar noch jeder nach seiner Fasson 
selig werden, aber er muß erst vorschriftsmäßigen 
Religionsunterricht nach der Normalfasson mit- 
gemacht haben. 

Feuerbestattung. 

Urnen-Friedhöfe: Treptow- Friedrichs felde (Stadt. Zen- 
tral-Kirchhof). 

Freireligiöse Gemeinde. 

Versammlungen Sonntag vormittags 8^ Uhr im 
Bürgersaal des Rathauses. Vorlesungen Sonntag 
vormittags lo*/^^ Uhr in der Gemeindeschule 
Kleine Frankfurterstr. 6. 
Friedhof: Pappelallee 15/17. 

Evangelische Kirchen unter Patronat des Magistrats. 

St. Andreaskirche, Stralaaer Platz. 
Friedhof : Hohenschönhausen. 



232 



Kirchen und Sekten. 



Dorotheenstädtische Kirche, Mittdstr, 28. 

Friedhöfe: Chausseestr, iig, Liesenstr, 9 u, Rei- 
nickendorf, 

Fnedrichwerdersche Kirche, Werderscher Markt, 

Friedhöfe : Bergmannstr. 42/44, Chausseestr, iig. 

Friedrich Wilhelm-Hospitalkirche, Pallisadenstr, 3y, 

Jerusalemerkirche, Jerusalemerstr, 

Friedhöfe: Belle- AUiancestr,gy, Barutherstr,, Berg- 
mannstr. 

Klosterkirche, Klosterstr, 23/24, 

Friedhöfe: Prenzlauer str, 62 , Prenzlauer Allee 7. 

Luisenstadt- Kirche, Alte Jakobstr, 55/56, 

Friedhöfe: Bergmannstr, 48/50 u, Rixdorf, Her- 
mannstr, 135, 

St. Markuskirche, Weherstr, 54/ 55- 
Friedhof : Hohen-Schönhausen, 

St. Marienkirche, Marienkirchhof, 

Friedhöfe: Prenzlauer str. 62 u, Prenzlauer Allee 7. 

Neue Kirche, Gendarmenmarkt im Neuen Dom, 

Friedhof: Gemeinsam mit der Jerusalemer Kir- 
chengemeinde. 

St. Nikolaikirche, Nikolaikirchhof, 

Friedhof: Gemeinsam mit der Marien-Kirchenge- 
meinde. 

St. Petrikirche, Petriplatz, 
Friedhof: Friedensstr, 84, 

St. Thomaskirche, Mariannenplatz, 

Friedhof : Rixdorf, Hermannstr, 79/83 u, iyg/185. 

Evangelische Kirchen unter Königlichem Patronat. 

St. Bartholomäuskirche, Neue Königstr, 95. 

Friedhof: Weißensee, an der Falkenherger Chaussee. 

Kirche des Diakonissenhauses Bethanien, Mariannen- 
platz 2, 

Christuskirche, Königgrätzerstr, g6, 
Friedhof: Mariendorf, 



Kirchen und Sekten. 



233 



Dom, Am Lustgarten. 

Hof- und Dom-Kirchengemeinde. Personalge- 
meinde, ressortiert vom Ev. Oberkirchenrat. 
Friedhöfe: Elisäbethstr.ss/sö^ L%esenstr,6, Müller - 
Straße 72/y3. 

Hohenzollerngruft in den unterirdischen Gewöl- 
ben des Doms. 

Dreifaltigkeitskirche, Mauerstr, 

Neuer Friedhof in Mariendorf, 

St. Elisabethkirche, Invalidenstr. 3. 

Friedhöfe: Ackerstr.jy u, Pankow , Wollankstr.66. 

Friedenskirche, Ruppinerstr, 28. 

Friedhof: Nordend b» Nieder-Schönhausen. 

Garnisonkirche, Neue Friedrichstr, 

Neue Gamisonkirche, Kaiser Friedrichplatz, 

St. Jakobikirche, Oranienstr, Jjj. 

Friedhöfe : Rixdorf, Berlinerstr, 2/6 u. Hermann- 

Straße 99/105. 
St. Johannes Evangelist- Kirche, Auguststr, 90, 

Friedhof: Barfußstr. an der Müller str, 

St. Johanniskirche, Alt-Moabit 24/25, 

Friedhof: AÜ-Moabit 24/25, Seestr, b, Plötzensee, 
Jungfernheide am Plötzensee, 

St. Lukaskirche, Bernburgerstr, 4/5, 

Friedhof: Am Tempelhof -Britzer-Wege, 
St. Matthäuskirche, Matthäikirchstr, 

Friedhöfe: Großgörschenstr, u, am Priesterweg, 
Nazarethkirche, Müllerstr, 27. 

Friedhöfe: Seestr, b, Plötzensee u, Reinickendorf, 

Berlinerstr. 

Parochialkirche, Klosterstr, zwischen 6y u, 68. 

Friedhöfe: Friedensstr, 83, Boxhagenerstr, 
St. Paulskirche, Bachstr, 50/51. 

Friedhöfe: An der Seestr, u, am Plötzensee, 

St. Philippus- Apostelkirche, Philippstr, 11, 
Friedhof: Müllerstr. 44/45. 



234 Kirchen und Sekten. 

St. Simeonskirche, Wassertorstr, 21a. 

Friedhof: An der Brüz-Tempelhoferstr. 

Sophienkirche, Sophienstr. 

Friedhof: Bergstr, 32 u, freienwalderstr. ig, 

^ionskirche, Zionskirchplatz, 

l^ri^dihbit: Neu-Weißensee, Gustav Adolf stf.. Nord- 
end'Rosenthal, 

Kirche der Zwölf -Apostel-Gemeinde, An der Apostel- 
kirche, 

Friedhöfe: Kolonnadenstr, 24/25 u. Am Marien- 
dorfer Weg. 

Evangelische patronatsfreie Kirchen. 

Auferstehungskirche, Friedensstr, 86/8y. 

Friedhof: Weißensee, am Lichtenberger Weg, 

Dankeskirche, Weddingpiatz, 

Friedhof: Reinickendorf -West, Blankestr. 

Emmauskirche, Lausitzer Platz. 

Friedhof: Rixdorf, Hermannstr. gö/ioj. 

Gethsemanekirche, Star garder str, u, Schönhauser Allee, 
Friedhof: Nordend b. Nieder-Schönhausen, 

Gnadenkirche, Invalidenstr. 45/47* 

Friedhof: Barfußstr. an der Müllerstr. 

Heilandskirche, Thusneldaallee, 

Friedhof: Jungfernheide am Plötzensee. 

Himmelfahrtskirche, Brunnenstr, am Humboldthain. 
Friedhof: Nieder-Schönhausen, Nordend. 

Immanuelkirche, Prenzlauer Allee 28. 

Friedhof: St, Bartholomäuskirchhof in Weißensee. 

Kaiser Friedrich-Gedächtniskirche, Händelstr. (Tier- 
garten). 
Friedhöfe: Am Plötzensee u, Dohnagestell. 

Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche, Auguste Viktoria- 
platz? 

Friedhof: Charlottenburg-Westend, Neuer Fürsten- 
brunner Weg. 



Kirchen und Sekten. 235 

Lazaruskirche, Gubenerstr. 50, 

Friedhof : Hohenschönhausen. 

Lutherkirche, Dennewüzplatz, 

Friedhof: Lankwüz, Marienfelderstr. 

Samariterkirche, Mirbachstr. 

Friedhof : Hohenschönhausen. 

Versöhnungskirche, Bernauerstr. 4. 

Friedhof: Gemeinsam mit der St. Ehsabeth- Ge- 
meinde. 

Berufskirchen. 

Eine schwimmende Kirche für die Spreeschiffer Hegt 
im Humboldthafen; eine eigene Kapelle hat die 
Bollesche Meierei, Alt-Moabit gg/ 103. 

Konsistorium der französischen Kirche. 

Französische Klosterkirche, Klosterstr. 43. 

Friedhof: Chausseestr., Liesenstr. J7, Wollankstr. 

Französische Luisenstadtkirche, Kommandantenstr. 5. 
Friedhöfe: Wie oben. 

Katholische Kirchen. 

St. Bonifaciuskirche, Gneisenaustr. gg/ioo. 

St. Hedwigskirche, Platz am Opernhaus. 

Friedhöfe: Liesenstr. 8, Neu-Weißensee, Wörth- 
straße ly, Reinickendorf, Hohenschönhausen. 

Herz Jesukirche, Fehrbellinerstr. g8. 

St. Matthiaskirche, Winter feldtplatz. 
Friedhof: Stidende. 

St. Michaelskirche, Michaelskirchplatz. 

Friedhöfe: Rixdorf, Hermannstr.; Mariendorf er 
Feldmark. 

Piuskirche, Pallisadenstr. 73/74* 
Friedhof : Hohenschönhausen. 

Sebastianskirche, Gartenplatz. 

Friedhof: Reinickendorfs Humboldtstr. 

St. Pauluskirche der Dominikaner, Turmstr. 42/44. 



236 Kirchen und Sekten. 

Orientalische Kirchen. 

Griechisch-katholische Kirche, Unter den Linden 7. 
In der russischen Botschaft. An Sonn- und Feier- 
tagen um II Uhr vorm. Liturgie, am Abend vor- 
her 6 Uhr Gottesdienst. 

Russische Kapelle, Tegeler Landstr. 

Evangelische von der Landeskirche unabhängige Kirchen. 

Evangelische Bürgergemeinde, Wilhelmstr. 136. 

Evangelisch-lutherische Gemeinde, Wilhelmstr. 117. 

Evangelisch-lutherische Kirche, Annenstr, 52/33 und 
Usedomstr. 11. 

Freie Evangelisch-lutherische Jesukirche, Wasserthor- 
straße 3ya, 

Freie Evangelische Gemeinde, Charlottenburg, Krumme- 
Straße 28. 

Baptistengemeinde. 
Baptistenkirche, Schmidstr, ly. 
Kirche Bethel, Gubenerstr. 11. 

Kath.-apostolische Gemeinde. 
Hauptkirche, Willmsstr, 11, 

Apostolische Gemeinden. 

Acht Gemeinden einer strenggläubigen Sekte. 
Predigten über die nahe Wiederkunft Jesu Christi. 
Jeden Sonn- und Feiertag nachm. 4 Uhr, jeden Mitt- 
woch Abend 8 Uhr. 

Englisch-Amerikanischer Gottesdienst. 

St. George's Church, Monbijou-Garten, 

Englische Episkopalkirche. 
American Church, Motzstr. 6. 

Gottesdienst Sonntags 11^ Uhr. 

Methodistenkirchen. 

Tilsiterstr, 15, Rügenerstr.s, Junkerstr. $16, Haupt- 
straße 8, 



Kirchliche Einiichtungen. 237 

Mennonitenkirche. 

Im Hause der Evangelischen Brüdergemeinde, 
Wühdmstr, 136. 

Skandinavischer Gottesdienst. 

Im Hause des christlichen Vereins junger Männer, 
Wühelmstr, 34. 

Jüdische Gemeinde. 

Synagoge und Sekretariat: Oranienhurgerstr, 2g. 

Reformgemeinde, Johannisstr, 16, 

Friedhöfe: Schönhauser Allee 23/25; Neu-Weißen- 
see, Lothringer Str. 22, 

Kirchliche Einrichtungen. 

Evangelische Behörden. Die preußische Landeskirche 
ist die evangelische. In ihr hat sich, seit den Tagen 
Friedrich Wilhelms HL, eine Vereinigung des 
reformierten und des lutherischen Bekenntnisses 
vollzogen. Die oberste Kirchenbehörde ist das 
Kultusministerium, nächst ihm der Evangelische 
Oberkirchenrat, Köthenerstr. 38. Von diesem res- 
sortiert das Kgl. Dom-Kandidatenstift, Oranien» 
hurgerstr, y6a. Ferner unterscheidet man die fol- 
gende Bureaukratie : 

Kgl. Konsistorium der Provinz Brandenburg und 
des Stadtkreises Berlin; 

Provinzial-Synode für den Stadtkreis Berlin und die 
Provinz Brandenburg; 

General-Superintendentur Berlin; 

Berliner Stadt-S3mode. 
Kirchspiele und Diözesen. Das evangelische Berlin 
zerfällt, der Zahl und Lage seiner großen Kirchen 
entsprechend, in 49 Kirchspiele; diese sind in 
sechs Diözesen zusammengefaßt. 
Religiöse Vereine. Berlin hat mehr als hundert reli- 
giöse Vereine, mit verschwindenden Ausnahmen 
evangelischen Bekenntnisses. An evangelischen 
Jünglingsvereinen zählt die Stadt mehr als 40. 



238 Kirchen luid Sekten. 

Unter anderen gibt es einen Verein zur Verbrei- 
tung des Christentums im Judentum. Die Ver- 
schiedenheit der Richtungen innerhalb der Landes- 
kirche, der Hberalen neben den positiven, konmit 
auch in den Vereinen zum Ausdruck. Es gibt 
hberal-protestantische Vereine wie den unter dem 
Vorsitz des Reichstagsabgeordneten Schrader, die 
mit den vorgeschrittensten politischen Parteien 
sich verbünden; die Mehrzahl der Vereine steht 
indessen auf konservativem Boden. 

Kirchliche Führer. 
Sprechs tunden . 

Oberhofprediger Dryander, Domgemeinde. Positiv. 
Dienstag und Freitag 4 — 6 Uhr. 

Prediger D. Fischer, Markusgemeinde. Liberal. Ge- 
maßregelt. 9 — II Uhr. 

D. Adolf Hamack, Universitätsprofessor. Liberal. 

Prediger Dr. Kirmß, Neue Kirche. Liberal. 10 — 11 Uhr. 

Dr. Pfleiderer, Universitätsprofessor. Liberal. 

Professor Scholz, Mariengemeinde. 3 — ^4 Uhr. 

Hofprediger a. D. Stöcker, Reichstagsmitglied. 
Christlich-sozial. Di., Do., So. 10 — 11 Uhr. 

Sekten und Sektierer. 

Die apostolische Gemeinde ist die stärkste und 
vielleicht die eifervollste aller Berliner Sekten; unter 
Leitung eines ehemaligen Bahnmeisters, ihres „Apo- 
stels Krebs", ist sie fest organisiert worden, und sie 
bezeichnet heute ihrerseits alles, was nicht auf ihre Be- 
sonderheiten schwört, die römisch-katholische, die 
evangelische und die anderen Kirchen, als Sektierer. 
Die Irvingianer haben in Berhn eine Kirche und vier 
kleinere Kapellen. Auch die Dissidenten-Christen, die 
Gebetsheilung betreiben und vor Gericht den Schwur 
verweigern, haben hier häuf ig Versammlungen. Ebenso 
die christlichen Theosophen und noch manche andere 
Sekte. 



Wissenschaftliche und Lehranstalten. 239 

Die Heilsarmee. 

InWirklichkeit ist ihre internationale Organisation 
hauptsächlich eine Wohltätigkeitseinrichtung. Be- 
greiflicherweise hat sie unter Leitung ihres noch un- 
ermüdlichen Gründers General Booth in England ihren 
Hauptaufschwung genommen, und man darf nicht 
vergessen, daß ihre bei uns leicht komisch wirkenden 
Äußerlichkeiten ganz auf die niederen englischen 
Klassen berechnet sind. Übrigens tragen nur die Offi- 
ziere Uniform, nicht die Tausende einfacher Soldaten. 
Ihre Religion ist eine Art Urchristentum ohne Geist- 
lichkeit und von weitester Toleranz. Für die Zugehörig- 
keit ist die salvation, ein innerliches Erlebnis, eine sitt- 
liche Katharsis erforderlich. Im übrigen findet man 
neben naiven Leuten, die mit dem leibhaftigen Teufel 
kämpfen, hochgebildete Damen, die einen reinen Mono- 
theismus bekennen. Neben christlichen Missionaren 
in der Art der alten schottischen und irischen Mönche 
gehören orthodoxe Juden und Asiaten aller möglichen 
Religionen der Heilsarmee an, denn sie können dem 
Oberfeldherrn im Kampfe gegen das Schlechte und das 
Unglück sich ohne Gewissenszwang unterordnen, da 
nur die überragende sitthche Bedeutung Christi, nicht 
ein Dogma anerkannt zu werden braucht. Als Ganzes 
ist die Heilsarmee aber zweifellos eine christliche Ge- 
meinschaft von weit größerem Umfange als man 
glaubt. 5. Soziale Leistungen. 



13. Wissenschaftliche und Lehranstalten. 

Ein Quellennachweis unserer Bildung, 
nicht ohne Grund alphabetisch geordnet: 
Analphabeten gibt es in Berlin nicht! 

Das Schuljahr beginnt an den höheren, den Mittel- 
und den Elementarschulen (Gemeindeschulen) nach 
denOsterferien und endet mit diesen. In vielen Schulen 
gibt es Klassen mit Osterbeginn (0-Klassen) und mit 
Michaelisbeginn (M-Klassen) zur Wahl. An den Hoch- 



240 



Wissenschaftliche und Lehranstalten. 



schulen beginnt das Wintersemester im Oktober, das 
Sommersemester im April. Die Hochschulen und 
höheren Lehranstalten (Gymnasien, Realschulen) geben 
alljährlich Programme aus, in denen man auch die 
EintrittsmodaHtäten mitgeteilt findet. 

Staatliche Auskunftstelle für höheres Unterrichts- 
wesen, Prinz AlbrecMstr, 5, Prof. Dr. Hörn. 

Kgl. Akademie der Wissenschaften, Potsdamerstr. 120. 

Eine Lehranstalt im höchsten Sinne. Austausch 
wissenschaftlicher Vorträge im Kreise der Doctissimi. 
Man unterscheidet ordentliche, auswärtige, korrespon- 
dierende und EhrenmitgUeder. 

Gegründet am 11. Juli 1700 als „Sozietät der 
Wissenschaften", reorganisiert 1744 unter dem Namen 
„Akademie der Wissenschaften' '. Die zurzeit gelten- 
den Statuten sind aus dem Jahr 1881. 

Protektor ist der Kaiser. 

Es gibt eine physikalisch-mathematische Klasse 
(Sekretäre die Prof. DDr. Auwers und Waldeyer) und 
eine philosophisch-historische Klasse (Sekr. die Prof. 
DDr. Vahlen und Diels). 

Kgl. Akademie der Künste, Potsdamerstr, 120, (Pro- 
visorisch). 

Veraltet in ihrer künstlichen Vereinigung der 
Musikforschung und der Pflege der bildenden Künste. 
Das Statut, nach welchem die „Akademie der Künste 
eine der Förderung der bildenden Künste und der 
Musik gewidmete Staatsanstalt" ist, wurde 1882 er- 
neuert. Der Geist wurde nicht erneuert. 

Die Akademie der Künste (um im Statut fortzu- 
fahren) besitzt die Rechte einer juristischen Person, 
hat ihren Sitz in Berlin, steht unmittelbar unter dem 
Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- 
angelegenheiten als ihrem Kurator und umfaßt: 

1. den Senat, 

2. die Genossenschaft der Mitglieder und 



Akademien. 



241 



3. die beiden Unterrichtsanstalten : 

a) für die bildenden Künste, b) für die Musik. 
S. Akademische Hochschulen, 

Protektor ist der Kaiser. 

Präsident: Geheimrat J. Otzen, Professor für 
Architektur. 

Stellvertreter: Prof. Dr.J. Joachim, KapeUmeister 
der Akademie. 

Der Senat beschließt über die Angelegenheiten der 
Akademie. Die Mitglieder zerfallen in „Ordentliche 
Mitglieder" und „Ehrenmitglieder"; das ist die einzige 
Tätigkeit, zu der sie berufen sind. Sie werden gewählt 
auf der Grundlage von Vorschlag und Ablehnung. 
Auch einige Sezessionisten (Liebermann, Gaul) sind 
darunter. 

Akademische Hochschule für die bildenden Künste, 
Charlottenhurg, Hardenbergstr, jj. 

Akademische Meisterateliers für Maler, Bildhauer 
und Kupferstecher. 

Direktor: Anton von Werner. Die Anstalt be- 
zweckt eine allseitige Ausbüdung in den bildenden 
Künsten. Über die Erfolge sind die Meinungen ge- 
teilt. Der Aufnahme eines ZögHngs geht eine Prüfung 
voraus. 

Akademische Hochschule für Musik, Charlottenburg, 
Fasanenstr, i. 

Akademische Meisterschulen für musikalische 
Kompositionen. 

Vorsitzendei des Direktoriums: Prof. Dr. Josef 
Joachim. Die Schule zerfällt in Abteilungen für Kom- 
position und Theorie der Musik; für Gesang; für 
Orchester-Instrumente; für Klavier und Orgel. 

Die Vorsteher der Meisterschulen sind Max Bruch, 
E. Humperdinck, H. Gernsheim. 

Akademisches Institut für Kirchenmusik, Charlotten- 
bürg, Hardenbergstr. j6, 
Direktor : Prof. Radecke, Kgl. Kapellmeister a. D. 

Berlin und die Berliner. 16 



242 Wissenschaftliche und Lehranstalten. 

Das Institut hat den Zweck, Organisten, Kan- 
toren, Chordirigenten und Musiklehrer an den höheren 
Lehranstalten auszubilden. 

Artillerie- und Ingenieurschule, Charlottenburg , Fa- 
sanenstraße 112, 
Für Offiziere der Artillerie und der technischen 

Truppengattungen. 

Kgl. Augusta- Schule und Lehrerinnenseminar, Klein- 
beerenstr. i6/ig. 
Die bekannteste höhere Mädchenschule. 

Barackenschulen. 

Not- und Aushilfsbauten für Gemeindeschulen in 
Berlin N. und O. Erste Versuche am Wedding (Mal- 
plaquetstraße) , in Moabit (Brennerstraße), in der 
Kniprode- und an der Olivaerstraße am Friedrichs- 
hain. Die Bauten sind gegen das Eindringen von 
Feuchtigkeit geschützt und so konstruiert, daß sie ab- 
gebrochen und an einer anderen Stelle wieder aufgebaut 
werden können. Die Gesamtkosten stellen sich auf 
annähernd 900000 Mark. 

Baugewerkschule, Kurfürstenstr, 141. 

Staatliche Anstalt zur Ausbildung von Bauhand- 
werkern und Baugewerksmeistern in der Theorie, im 
Zeichnen und Projektieren. 

Bergakademie, Invalidenstr. 44, 

Direktor: Geh. Bergrat Schmeißer. 

Der Geologischen Landesanstalt angegliedert. 
Abteilungen: Mineralogisches Institut, Laboratorium 
für chemische Analyse, Laboratorium für Eisenprpbier- 
kunst, Laboratorium für allgemeine Probierktmst. 
25 Dozenten, 400 Studierende. 

Berlinisches Gymnasitun zum Grauen Kloster, Kloster- 

Straße 74. 

Ältestes und berühmtestes Berliner Gymnasium. 
Direktoren-Dynastie Bellermann. Gedenktafel für den 
Schüler Otto von Bismarck. 5. Gebäude, Alt- Berlin. 



ElcgnontarBchnlan . 243 

Bildungsanstalten der Korporation der Kaufmann- 
schaft, Börsengebäude 2. 

Sechs Kurse für männliche, ein Kurs für weib- 
liche Handlungsangestellte. Die Kurse werden in 
städtischen Schulgebäuden abgehalten. Anmeldungen 
an Direktor Dr. Knörck (Börse, Montag und Donners- 
tag 12 — 2). 5. Handelshochschtde. 

Blindenanstalt, Oranienstr, 26, 

Kostenloser Unterricht für Berliner Kinder von 
6 — 15 Jahren. Für auswärts wohnende Kinder zahlt 
man 150 Mark. Verbunden mit der Anstalt ist eine 
Fortbildungs- imd Beschäftigungsanstalt. 

Charlottenschule, Steglüzerstr, 2g. 

Dorotheenschule, Wilhelmshavener str, 2, 
Städtische höhere Mädchenschulen. 

öffentliche Elementarschulen. 

Fast 300 Gemeindeschulen; Unterricht nach Ge- 
schlechtern getrennt. Eine Viertelmillion Kinder, 
wobei die Knaben im Gegensatz zur Gesamtbevöl- 
kerungsproportion überwiegen. 

Kgl. Elisabethschule, Kockstr, 65, 
Höhere Mädchenschule. 

Gewerbliche Fach- und Fortbildimgsschulen. 

Für alle (bewerbe vorhanden. Aufzählung wäre 
hier überflüssig. 

Fachschule d. Vereins der Bankbeamten, Georgenstr, 74. 
Vortragszyklen und Unterrichtskurse für Bank- 
beamte, Kaufleute und Industrielle. 

Städtische Fortbildungsanstalten. 

Im Friedrich- Gymnasimn, Friedrichstr. 126, 
In der I. Realschule, Alexandrinenstr, 5/6. 
Im Dorotheenstädt. Real-Gymnasium, Georgen- 

Straße 30/31. 
In der II. Realschule, Weißenburgerstr. 4a. 

i6* 



244 



Wissenschaftliche und Lehranstalten. 



Fortbildungsschule des Berliner Handwerkervereins, 

Gipsstr, i6a. 

Unterricht an jedem Wochentag, abends ^49 ^is 
10 Uhr. 
Städtische Fortbildungsschulen. 

13 für Jünglinge, 9 für Mädchen. Zu unterschei- 
den von den vier Städtischen Fortbildungsanstalten, 
deren Unterrichtsstunden in Gymnasien bezw. Real- 
schulen abgehalten werden. 

Kgl. Französisches Gymnasium und Vorschule, Doro- 

theenstraße 41. 

Der Unterricht wird fast ausschließlich franzö- 
sisch erteilt. 5. Reformgymnasien, 

Freie Hochschule. 

Veranstaltung volkstümlicher Vortragszyklen. 
Generalsekretär : Dr. Vielhaber, Frobenstr. 16, 

Kgl. Friedrich Wilhelms- Universität, Platz am Opern- 
haus. 

Gegründet 1809. Die größte, nämlich am stärk- 
sten besuchte Universität im Deutschen Reich. Hörer- 
zahl im Sommersemester 1905 : 8500. Im Jahre 1904 
gab es 113 Professoren und 114 unbesoldete Privat- 
dozenten nach Entfernung desjenigen für sozial- 
demokratische Physik. Vier Fakultäten, unter 
denen namentlich die medizinische eine vor allem 
durch die Größe und den Reichtum der Institute 
hervorragende Stellung einnimmt; von Persönlich- 
keiten sind ihr nach dem Tode der Bedeutendsten 
(Langenbeck, Virchow) noch Bergmann, Waldeyer, 
König, Senator u. a. geblieben. Den Ruhm der ju- 
ristischen Fakultät tragen Demburg, Hübler, v. Liszt, 
Kohler ; den der philosophischen Fakultät die National- 
ökonomen Schmoller und Wagner, ferner Düthey, 
Tobler, Erich Schmidt, von Wilamowitz-MöUendorf, 
Paulsen, Wölfflin u. a. In der theologischen Fakultät 
Harnack und Pfleiderer. Rektor imd Senat wie an 
anderen Universitäten. Eine Spezialität ist der „Uni- 



Universität. 



245 



versitätsrichter" Geheimrat Dr. Daude. Ihm wird 
das Wort nachgesagt : „Wir kennen keine akademische 
Freiheit." 

Unter, den zahkeichen (rund 50) wissenschaft- 
lichen Anstalten der Friedrich Wilhelm-Universität 
seien hier einige hervorgehoben: 

ChristHch-archäologische Sammlung, Dorotheenstr. 5. 

Kriminalistisches Seminar, Kantstr, 30, 

Psychologisches Seminar, Dorotheenstr, 95/96. 

Historisches Seminar, Dorotheenstr, 5. 

StaatswissenschaftUch-statistisches Seminar, Doro- 
theenstr. 95/96, 

Seminar für orientalische Sprachen (13 Sprachen 
des Orients umfassend), Am Zeughause i, 

Institut für Meereskunde, Georgenstr, 34, 

Apparat für die Vorlesungen über neuere Kunst- 
geschichte, Universität. 

Geographisches Institut, Georgenstr, 34/36, 

KUnische Anstalten: 

I. Vereinigte Universitätskliniken, Ziegelstr, 5I9, 
II. Khnisches Institut für Geburtshilfe und Frauen- 
krankheiten, Artilleriestr, 20, 
III. Medizinische PoHkünik, Luisenstr, 18, 

Femer eine Reihe von Spezial- und die mit der Charit6 
in Verbindung stehenden Kliniken. 5. Rat und Hilfe, 

Institut für Untersuchungen mit Röntgenstrahlen, 

Luisenstr, 3, 
Praktische Unterrichtsanstalt für die Staats- Arznei- 
kunde. Im Leichenschauhause, Hannoverschestr,6, 
Physiologisches Institut, Dorotheenstr, 35, 
Botanisches Museum, Grunewaldstr, 6/y, 
Technologisches Institut, Bunsenstr, i, 
Universitäts-Bibhothek, Dorotheenstr, 5/10, 
Die Bestimmungen über Aufnahme (Immatriku- 
lation), Ablegung von Prüfungen und Doktor-Pro- 
motionen sind in der. Berliner Universität die all- 
gemein üblichen. Für Ausländer sind sie in der jung- 



246 Wissenschaftliche und Lehranstalten. 

sten Zeit verschärft worden. Speziell Russen unter- 
stehen einer eigenen Kontrolle. 

Geologische Landesahstalt und Bergakademie, Inva- 
lidenstr. 44. 
5. Bergakademie. 

Gesamtakademie. 

In der Akademie der Wissenschaften die Zusam- 
menfassung der philosophisch-historischen und der 
physikalisch-mathematischen Klasse. In der Akade- 
mie der Künste die Zusammenfassung der Abteilung 
für Bildende Künste und derjenigen für Musik. 

Gewerbeschule für Frauen und Töchter, Viktoria Luise^ 

platz 6, 

5. Letteverein. 
Gymnasialkurse für Frauen, Kleinbeer enstr, i6/ig. 

Private Vereinigung unter Leitung von Frau 
Marie von Leyden und Fräulein Helene Lange. 

Kgl. und städtische Gymnasien. 

Im ganzen sechs kgl. G57mnasien, ein kgl. Real- 
gymnasium. Elf städtische Gymnasien, sieben städti- 
sche Realgymnasien. Die Gesamtschülerzahl der 
Gjnnnasien, jetzt 7000, nimmt sichtlich ab, die der 
Realg57mnasien hält sich seit längerer Zeit auf 4000. 

Deputation für die äußeren Angelegenheiten der 
städtischen Gjminasien Rathaus II Zimmer 60/62. 

Handelshochschule, Spandauerstr. i. 

In Vorbereitung befindliche neue Gründung der 
Korporation der Kaufmannschaft. In dem seiner Voll- 
endung sich nähernden Neubau ist außer den großen 
Hörsälen und Instituten ein Musterkontor für 40 Per- 
sonen vorgesehen. 

Städtische Handwerkerschulen. 

I. Lindenstf, 97/98; 2. Andreasstr. 1/2. 

Den Lehrlingen und Gesellen des Gewerbestandes 
soll Gelegenheit gegeben werden, sich für ihren jedes- 
maligen Beruf zeichnerisch, wissenschaftlich u. kunst- 
gewerblich auszubilden. 



Pepini^. 247 

Haushaltungs- und Kochschulen. 

Deutsche Haushaltungshochschule, Potsdamer str. 74. 

Haushaltungsschule des Berliner Hausfrauenver- 
eins, Breitestr, 6. 

Haushaltungsschule des Lettevereins, Viktoria Luise- 
platz 6. 

Berliner Hausmädchenschule, Wilhelmstr. 10. 

Fröbelschule, Kochstr. 12, Pestalozzi Fröbelhaus II, 
Barbarossastr. 74a. 

Viktoria- Fortbildungsschule, Tempelhofer Ufer 2. 

Höhere Knabenschulen. 

Sieben private Anstalten mit G57mnasial- oder 
Realschul-Lehrplan. 

Höhere Mädchenschulen. 

5. Augustaschule und Elisabetkschide. Außerdem 
sechs städtische und zahlreiche private höhere 
Mädchenschulen. 

Städtische höhere Webeschule, Markusstr, 4g, 

Weberei, Wirkerei, Posamentiererei, Färberei. 

Humboldt- Akademie. Bureau: Unter den Linden 47 
(Stuhrsche Buchhandlung). Volkshochschule ohne 
Prüfungen und Berechtigungen. Volkstümliche 
Vortragszyklen für Herren und Damen in ver- 
schiedenen Sälen der Stadt und in den Kunst- 
sammlungen. 

Joachimsthalsches Gymnasiiun imd Alumnat, Wil- 
mersdorf, Kaiser aüeei/ 12, 
Eines der ältesten und gesellschaftlich bevor- 
zugten Gjnimasien. Vorwiegend Alumnat. Groß- 
artige Baulichkeiten und Gartenanlagen. S. Gym- 
nasien. 

Kaiser Wilhelms- Akademie für das militärärztliche 
Bildungswesen (Pepinidre), Friedrichstr. ijg/141. 

Untersteht dem Kriegsministerium. Die Lehr- 
kräfte, zu denen die bekanntesten Kliniker gehören, 
haben zimi großen Teü auch militärischen Rang. 



2aS Wissenschaftliche und Lehranstalten. 

Kindergärten. 
Kindergärten des Berliner Fröbelvereins. 
Kindergärten des Vereins der Volkskindergärten 

in Berlin. 
Kindergärten des Vereins für Volkserziehung. 

Barbarossastr. 74a. 
Dreizehn private Kindergärten. 

Kindergärtnerinnen-Bildungsanstalt. 
Pestalozzi-Fröbelhaus I, Barbarossastr. 74a, 

Kinderpflegerinnenschule des Berliner Fröbelvereins, 
Stallschreiber str. 45, 

Krankenpflegerinnen-Lehranstalt imAugusta-Hospital, 
Scharnhorststr. 

Kgl. Krankenwartschule in der Charit6, Schumann- 
Straße 21/22. 

Kgl. Kriegsakademie, Dorotheenstr, 58/39 und Unter 

den Linden 74, 

Direktor: Generalleutnant Litzmann, Exz. 

Die wissenschaftliche Tätigkeit der Kriegsakade- 
mie untersteht der Oberaufsicht des Chefs des General- 
stabes der Armee. Außer den militärischen werden 
technische und sprachwissenschaftliche Kurse abge- 
halten. 

Kunstgewerbeschule, Prinz Albrechtstr, 7 (und anschlie- 
ßender Neubau). 

Unterrichtsanstalt (staatlich) des Kunstgerwerbe- 
museums. Feststehend in ihrer Zuverlässigkeit be- 
züglich der historischen Stile. Schwankend in Hin- 
sicht auf den modernen Geschmack. In der letzten 
Zeit durch junge Kräfte (Grenander, f Eckmann, 
Orlik) erneuert. Große neue Schulateliers im Bau. 

Kgl. Kunstschule, Schinkelplatz 6 und Klosterstr. y6. 
Bestehend aus einer kunstgewerblichen und einer 
Seminar- Abteilung. Tagesunterricht 8 — 4 Uhr, abends 
5 — 9 Uhr. 



Landwirtschaftliche Hochschule. 249 

Kgl. Landwirtschaftliche Hochschule, Invalidenstr. 42. 
Gegründet in Anlehnung an die Friedrich Wil- 
helm-Universität. Drei Abteilungen für Landwirt- 
schaft, für Geodäsie und Kulturtechnik und für die 
landwirtschaftlich-technischen Gewerbe. Außer den 
Semestervorträgen finden gegen Schluß des Winter- 
semesters auch Unterrichtskurse für praktische Land- 
wirte statt. 43 Dozenten, 900 Hörer. 

Kgl« und private Lehrer- Seminare. 
Kgl. pädagogisches Seminar für höhere Schulen, 

Linkestr. 42, 
Kgl. Seminar für Stadtschullehrer, Friedrichstr. 22g, 
Kgl. Lehrerinnen-Seminar, Kleinbeer enstr, i6/ig. 
Zwölf private Lehrerinnen-Seminare. 

Lessing-Hochschule, Steglitzerstr. 8a. 

Volkstümliche Vortragszyklen für Herren und 
Damen. 

Letteverein, zur Förderung höherer Bildung und Er- 
werbstätigkeit des weiblichen Geschlechts, Vik- 
toria Luiseplatz 6, 

Handels-, Gewerbe- und Kochschule, Photogra- 
phische Lehranstalt und Buchbindereiwerkstätte für 
Frauen und Töchter. Sprechstunde der Vorsitzenden : 
Mittwoch und Sonnabend 11 — i Uhr. 

Königin Luise- Stiftung, Markgraf enstr. 10. 

Erziehungsanstalt (Internat) für Töchter vor- 
nehmer Familien im Alter von 12 — 16 Jahren. Pen- 
sionspreis 1200 Mark. Sprechstunde der Vorsteherin 
täglich außer Dienstag 3 — 4 Uhr. 5. Soziale Leistungen. 

Oberlin- Schulen. 

^ Zehn Kleinkinderschulen in den äußeren Be- 
zirken. 

Oberlin- Seminar zur Ausbildung evang. Kleinkinder- 
lehrerinnen, Neue Grünstr. ig. 

Festalozzi-Fröbelhaus I, Barbarossastr. 74a. 
Zu besichtigen: Dienstag 10 — 12 Uhr. 



250 Wissenschaftliche und Lehranstalten. 

Seminar für Kindergärtnerinnen und Kinder- 
pflegerinnen, Arbeitsschule, Säuglingspflege, Kinder- 
hort, Kursus für junge Mädchen zur Einführung in 
häusliche Berufe usw. Sprechstunde der Vorsteherin 
täglich außer Mittwoch und Sonnabend ^3 — 4 Uhr. 

Photographieschule. 
S. LeUeverein. 

Real- und Oberrealschulen. 

Zwei städtische Oberrealschulen, dreizehn städ- 
tische Realschulen. Deputation im Rathause, wie bei 
den Gymnasien. Die Schülerzahl der Oberrealschulen 
steht seit längerer Zeit auf 1000, die der Realschulen 
wächst sichtlich, jetzt über 6000. 

Reformgymnasien. 

Das sogenannte Reformgjminasium, das den Un- 
terricht in den alten Sprachen zugunsten der modernen 
Fächer und des Französischen in die höheren Klassen 
hinaufschiebt, ist unter den städtischen Berliner 
Gymnasien nicht vertreten; der Berliner Stadtschul- 
rat verabscheut j diese Neuerung. Indessen zählen 
die Anhänger des Reformgymnasiums das Franzö- 
sische Gymnasium (s. daselbst) zu den Anstalten ihrer 
Richtung, und außerdem gibt es in den Berliner Vor- 
orten (Charlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf) schon 
mehrere rühmlich bekannte Beispiele der neuen Art. 

S6minaire de Theologie, Friedrichstr. 12g, 
Hugenotten-Fakultät. 

Kgl. Sternwarte, Enckeplatz ja, 

Besichtigung Mittwoch und Sonnabend Vormittag 
9 — II Uhr. Unentgeltüch. 

Kgl. Taubstimunen- u. Taubstummen-Lehrerbildungs- 
Anstalt, Elsasserstr. 86/88, 

Aufnahme finden Kinder zwischen 7 und 10 Jah- 
ren. Pensionäre jährhch 480 M.; halbe Freistellen 
240 M. Externe Schüler 96 M. jährlich. 
Kgl. Technische Hochschule, CharloUenburg, Berliner^ 
Straße 151, 



Technische Hochschule. 



251 



Entstanden aus der Vereinigung der früheren 
Bauakademie und der früheren Gewerbeakademie. 
Steht unmittelbar unter dem Minister der geistlichen 
usw. Angelegenheiten. Etwa 4500 Studierende und 
Hörer, 91 Professoren, 60 unbezahlte Privatdozenten. 

Rektor (Magnifizenz) und Senat wie an der Uni- 
versität. Aufnahmebedingung ist das Reifezeugnis 
eines deutschen Gjrmnasiums, Realgjrmnasiums oder 
einer Ober-Realschule. Sechs Abteilungen: Archi- 
tektur, Bauingenieurwesen, Maschineningenieurwesen, 
Schiff- und Schiffsmaschinenbau, Chemie und Hütten- 
ktmde, allgemeine Wissenschaften, insbesondere Mathe- 
matik und Naturwissenschaften. 

Die Institute der Hochschule sind: a) Bibliothek, 
b) Laboratorien für alle technischen Fächer, c) Mate- 
rialprüfungsamt in Dahlem. S. Technische Anlagen. 

Kgl. Tierärztliche Hochschule, Luisenstr. 56 und Phi- 

lippstr. 13. 

Zugleich Khnik für große imd kleine Haustiere, 
22 Dozenten, 550 Studierende. 

Städtische Turnhallen. Bureau im Rathaus, Zimmer 
60 — 62, II. 
In vierzehn städtischen höheren Lehranstalten. 

Universität, Platz am Opernhaus. 

S. Friedrich Wilhelms-Univetsität. 

Verein für volkstümliche Kurse von Berliner Hoch- 
schullehrern. 

Näheres in der Zentralstelle für Arbeiterwohl- 
fahrtseinrichtungen, Dessauerstr. ly. 

Viktoria-Lyzeum, Potsdamerstr. jg. 

Erstrangig. Vorlesungen und Unterrichtskurse 
für junge Damen und Mädchen. Sprechstunde der 
Direktorin 3 — 4 Uhr. 

Waldschule in Charlottenburg. Im Charlottenburger 

Stadtforst. 

Eine neue volkstümliche Einrichtung von muster- 
gültigem Wert. Spezialklassen der Gemeindeschulen 



252 



Klubs. 



für schwächliche Kinder. Der Unterricht findet im 
Freien oder in einer Schutzhtitte statt. 

Zeichen- und Malschule des Vereins der Künstlerinnen 
und Kunstfreundinnen, Potsdamerstr. jS/jg, 
Bureaustunden q — lo Uhr. 

14. Klubs. 

Was ist die deutsch Sprak 
für ein arm Sprak! 

Die Berliner Klubs kann man auf zwei Oktav- 
seiten herzählen, und da sie der Mehrzahl nach Jeu- 
klubs sind, mag man im Zweifel sein, ob sie das 
Spezifische des Klubs überhaupt haben. Immerhin 
heißen sie so. 

Gejeut wird sehr viel in den paar privaten 
Vereinslokalen; mit welchem Erfolg, ersieht man 
daraus, daß sich die jüngeren Klubs von den älteren 
oft deshalb abzweigen, weü einige MitgHeder zu- 
viel verloren oder zuviel gewonnen haben. Natur- 
gemäß sind diese reichen Spielklubs, je jünger sie 
sind, umso eleganter und modemer ausgestattet. 
Die Bibliotheken werden immer größer — ohne daß 
sie jemand benutzt; die Lesesäle bekommen immer 
schönere Fauteuils, aber nur damit dann gelegentlich 
jemand darin sitzt und schläft. Das wirkliche Zentrum 
sind einzig die Spieltische, die denn auch an Karten- 
gebühren so viel abwerfen müssen, daß der Klub seine 
Vornehmheit damit bestreiten kann. In einem Hause 
der Bellevuestraße hat sich die modernste dieser Grün- 
dungen eingerichtet, und man erzählt kleine Wunder- 
dinge von der Noblesse, mit der das geschah. Unter 
anderem soll dieser Klub (sein Name ist weiter unten 
genannt) seinen MitgHedern im Restaurant alle Kost- 
barkeiten der Jahreszeit weit unter ihrem wahren 
Preis bieten können. Das alles mit den harten Gold- 
stücken, die von den Ecart6- und Skat- und anderen 
Spieltischen abfallen. 

Von solchen Eigenheiten oder von der Gesell- 



Klubs. 



253 



Schaft, die sich in einem andern bekannten Jeuklub 
aus markanten Berhner Tantiemen-Dichtem zusam- 
mensetzt, könnte man manches Unterhaltende er- 
zählen. Aber man müßte einzelne Namen nennen, und 
Namen sind hier odiös. Man findet sie weiter unten 
im Verzeichnis. Es ist schließlich gleichgültig, ob es 
ein Lustspiel- oder ein anderer Fabrikant ist, dessen 
Kartengewinnste oder Verluste sich pro Jahr auf 
Hunderttausende belaufen. Genug : die paar Berliner 
„Klubs" werden weidHch ausgenützt. Und sie be- 
herrschen so sehr die Vorstellung, die man sich hier 
vom Klubleben macht, daß andere CSreselligkeits- 
vereine, wenigstens solche, die gesellschaftlich mit- 
zählen wollen, sich in der äußeren Form ihnen an- 
passen müssen. Diese anderen sind — wenn man von 
der Großen Kasino- Gesellschaft und dem Klub von 
Berlin absieht — die wenigen großen Sportklubs. Auch 
in ihnen wird gespielt. . . . Von den Frauenklubs, die 
hier gleichfalls genannt sind, gilt dies nicht ganz so 
unbedingt. 

Der Eintritt in die Klubs vollzieht sich auch in 
Berlin auf Grund des sogenannten Ballottements. 
Das Aufnahmekomitee entscheidet in seinen Sitzungen 
über Würdigkeit und Unwürdigkeit. Bei einer dieser 
Gelegenheiten sagte ein strenger Schattenrichter jüngst 
von einem neuen Kandidaten: 

„Was nützt uns der Mann, wenn er nicht Ecart6 
spielt?" 
Große Kasino-Gesellschaft, Pariser Platz ja. 

Klub des Adels, der Offiziere und der Diplomatie. 
Der Kaiser ist MitgUed und Protektor. Bibliothek, 
Speisesäle und Spielzimmer. Gemeinsame Tafel, zu- 
meist von alten adligen Herren besucht, um %8 Uhr. 
Gespielt wird Skat und Bridge. Es gibt Mitglieder 
erster, zweiter und dritter Klasse. 
Klub von Berlin, Jägerstr. 2/3. 

Wilh. von Siemens, Tiergartenstr. 10, 

Tendenz : feuchtfröhlich. 



254 Klubs. 

Klub Hohenzollern, Augsburgerstr. 9. 
Dr. von Lewinski. 

Geselliger Verein zur Gesellschaft der Freunde, Pots- 
damerstr. 9. 
Verstorbene bleiben Mitglieder. 

Rennklub, Schadowstr. 8, 

C. von Kuhlmann, Kanzler des Deutschen Sport- 
vereins, MiUelstr. 23. 

Turfklub, Unter den Linden 62/63. 

Unionklub, Schadowstr. 9. 

Christian Kraft Fürst zu Hohenlohe-Oehringen. 

Verbindung mit Hoppegarten. Sport- und Spiel- 
klub. Ecart6 und Bridge nur mit Goldeinsatz. Ein- 
trittsgebühr 250 M., jährlicher Beitrag 200 M. 

Klub der Landwirte, Dessauerstr. 9. 

Schwere Eintrittsbedingungen: i. Agrarier sein, 
2. Not leiden. Gespielt wird mit politischen Ein- 
sätzen. (Nicht zu verwechseln mit Bund der Land- 
wirte. 5. Vereine.) 

Deutscher Automobilklub, Leipziger Platz ly. 

Herzog von Ratibor. 

Freiherr von Brandenstein. 

Dr. James von Bleichröder. 

Kommerzienrat L. M. Goldberger. 

Alle unter Tout Berlin. 

Pflegt Sport und Geselligkeit. Beliebt bei Hofe. 
Gründer des Freiwilligen Automobükorps. Modernes 
Haus. Gesellschafts- und Bureauräume. Fremden- 
zimmer für Auswärtige. 

Ressource zur Unterhaltung, Oranienburger str. 18. 
Otto von Holten, Lindenstr. gg. 

Klub des Westens, Potsdamer str. lo/ii. 
Im Osten wäre er vielleicht verboten. 

Verein der Freimütigen, Hotel Prinz Albrecht, Prinz 
Albrechtstr. 
Dr. Oskar Blumenthal, Meinekestr, 12. 



Vereine und Kartelle. 255 

Berliner Schriftstellerklub, Potsdamerstr, loi. 
H. Rippler, Wühelmstr. 141. 

Mittwochs-Gesellschaft (Vereinigung der französischen 
Kolonie). 
Landgerichtsrat Dr. B6ringuier, NeUelbeckstr. 21. 

Neuer Klub, Potsdamerstr, 136/ I3y. 

Neuer Rahmen für alte — Spieler. 

Klub von 1880, Unter den Linden 3. 

Kommerzienrat Büxenstein. 

Dr. Oskar Blumenthal. 

Julius Stettenheim. 

Auch alle unter Tout Berlin. 

Börsen-, Großindustrie- und Ecart^klub. Moderne 
Einrichtung. Lesezinuner als Luxus. 

Klub von 1900, Bellevuestr. i8a, 

Direktor Mollheim! 

Das Leben ein Spiel. Prunkvolle Ausstattung. 
Totchic. Neuestes Bulletin: Mehr tot als chic! 

Berliner Frauenklub von 1900, Potsdamerstr, 125, 
Fräulein Dr. Tiburtius. 

Deutscher Frauenklub, Potsdamerstr, 126, 

Frau von Leyden, Frau Meydan, Frau von Witt. 



15. Vereine und Kartelle. 

Wozu sind Vereine da? — Natür- 
lich, um von Deutschen gegründet zu 
werden. In Berlin gibt es ihrer einige 
tausend. Wer die Größe der Stadt 
empfinden will, muß vor allem die 
Vidfältigkdt dieses Vereinslebens 
Überblicken. 

Kunst- und Künstlervereine. 

Sezession, Kurfürstendamm 208. 

Nicht national, aber kunstfördemd. Merkwür- 
digerweise in Mode. Vorsitzender Max Lieber- 
mann. 5. Ausstellungen, 



256 Vereine und Kartelle. 

Richard Wagner- Gesellschaft für germanische Kunst 
und Kultur. Vorsitzender Prof. J. Kohler, Kur- 
fürstendamm 216. 
National, aber bisher nicht kunstfördernd. 

Preußischer Kunstverein, Karlstr. 15. 

Verein für deutsches Kunstgewerbe in Berlin, Bellevue- 
Straße 3. Vorsitzender Dr. Peter Jessen, Biblio- 
thekar des Kunstgewerbemuseums. 
Tritt zu selten hervor. 

Verein Berliner Künstler, Bellevtiestr. 3, 

Der offizielle Kunstverein; eine „Künstlerge- 
nossenschaft'' gibt es nicht. 

Politische Vereine. 

Politik ist auch ein Grund 
cum Trinken. 

Berliner Arbeiterverein (1862), NosHzstr. 60. 

Bund der Landwirte, Dessaaerstr. 7. 

Die alljährlichen Bündlerversammlungen finden 
im Zirkus Busch statt. 

Bürgerverein „Alt-Kölln*', Fisckerbrücke 13. 

Deutsche Kolonialgesellschaft, Schellingstr, 4, 

Präsident der Gesamtgesellschaft: Herzog Jo- 
hann Albrecht zu Mecklenburg. 

Abteilung Berlin. 
I. Vorsitzender: Generalmajor z. D. von Poser u. 
Groß-Nädlitz, Charlottenburg, Uhlandstr. 185, 

Abteilung Berlin-Charlottenburg, Htndersinstr. 6. 

Zentralverein der Konservativen vor dem Potsdamer 

Tor, Bayreutherstr, 21, 
Deutscher Volksbund (D. V. B.), Rosenthalerstr, 65. 

Fortschrittlicher Verein „Waldeck" zu Berlin, Roß- 

Straße 2. 
Kirchlich-liberaler Zentralverein, Alvenslebenerstr. 7. 
NationaUiberaler Verein, Schinkelplatz j. 

Verein zur Abwehr des Antisemitismus, Magdeburger- 
Straße 14, 



Vereine und Kartelle. 2^7 

Vereinigung der Steuer- und Wirtschaftsreformer, 

Hagdbergerstr. i8. 
Reichsverband gegen die Sozialdemokratie, Köthenet' 

Straße 6. 
Wahlyerein der Liberalen, Dessauerstr. i, 

Haus- und Grundbesitzervereine. 

Freut Euch des Lebens, solange noch 
der Wertzuwachs unbesteuert ist. 

Bund des Berliner Grundbesitzer Vereins, Burgstr. id. 
i6 Vereine. 

Berliner Grundbesitzerverein von 1805 (innere Stadt- 
teile), Dresdener stf. 80. 

Bund des Haus- und Grundbesitzervereins „Groß- 
Berlin'*, Kyffhäuserstr. 2. 

Berliner Wohnungs-Mieterverein. (In Auflösung?). 
Steht zu den Haus- und Grundbesitzervereinen 
in manchem CSregensatz. Auch darin, daß er 
keine Existenzmittel hat. 

Wirtschaftliche Vereine und Kartelle. 

Der Zweck der Enquftte: 
Dafi Niemand nlscht versteht. 

Bund der Arbeitgeberverbände Berlins, Dresdener- 
Straße iii. 

Bund der Handel- und Gewerbetreibenden, Rathaus- 
Straße 4. 

Bund der Industriellen E.-V., Köthenerstr. 33. 

Zentralverband der Vereine selbständiger Gewerbe- 
treibender, Bernburger Str. 30. 

Deutscher Handelstag, Neue Friedrichstr. 53/54. 

Deutscher Werkmeisterverband, Pankow^ Wollank- 
straße 12. 

Deutsch-nationaler Handlungsgehilfenverband, ' 
Breitestr. 23. 

Deutsch-russischer Verein zur Pflege und Förderung 
der gegenseitigen Handelsbeziehungen, Hallesche- 
straße I. 

Berlin und die Berliner. ly 



258 Vereine und Kartelle. 

Handelsvertragsverein, Köthenerstr, 28. 
Zentrale für Spiritusverwertung, Tauhenstr. 16/18, 
Polytechnische Gesellschaft, Wühelmstr, 92 /g^' 
Syndikat der Drahtwalzwerke, Mauerstr. 61/62, 
Verband Berliner Spezialgeschäfte, Leipzigerstr. iii. 

Verband Berliner Metallindustrieller, E. V., Garten- 
stf. 160, 

Verband der Baugeschäfte von Berlin und den Vor- 
orten, E. G., Helgoländer Ufer i, 

Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser, Encke- 
platz j a. 

Verband Deutscher Elektrotechniker, Monbijouplatz 3. 

Verband Deutscher Drahtstiftfabriken, Mauerstr, 61/ 62. 

Verband der Deutschen Buchdrucker, Chamissoplatz 5. 

Verband der Deutschen Gewerkvereine (Hirsch- 
Duncker), Andreasstr, 75. 

Verband reisender Kaufleute Deutschlands, Sektion 
Berlin, Moritzstr, 9. 

Verein Deutscher Zellstoff-Fabriken, Neue Friedrich- 

Straße 53/54- 
Verein der Deutschen Kaufleute, Dresdenerstr, 80, 

Verein der Deutschen Zuckerindustrie, Kleiststr, 32. 

Verein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, Karls- 
bad 4^' 

Verein zur Wahrung der Interessen der Chemischen In- 
dustrie Deutschlands E. V., Hof mannhaus, Sigis- 
mundstr, 4, 

Walzeisensyndikat (Vereinigte Oberschlesische Walz- 
werke), Neustädtische Kirchstr, 15, 

Zentralverband des Deutschen Bank- und Bankier- 
gewerbes, Behrenstr, 23. 

Zentralverband Deutscher Industrieller zur Förderung 
und Wahrung nationaler Arbeit, Karlsbad 4, 



Va«ine und Kartelle. 259 

Gemeinnützige Vereine. 

Als nächster gemeinnütziger Verein 
steht, wie man hört, endlich ein gegen 
die Gründung von Berliner Vereinen 
gerichteter Verein bevor. 

Abonnementsverein von Dienstherrschaften für kranke 
Dienstboten zu Berlin, Mohrenstr. 34. 

Berliner Handwerkerverein, Sophienstr, 15, 

Berliner Verein für Volksbäder, Karlstr. ig, 

Berliner Verein vom Roten Kreuz, Holzmarktstr, 65. 

Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur, Abteilung 
Berlin, Unter den Linden 16. 

Deutscher Freidenkerbund, Grolmannstr. 15, 

Deutscher Tierschutzverein zu Berlin, Königgrätzer- 
straße 62. 

Deutscher Verein für Volkshygiene, Motzstr. 7. 

Dienst an Arbeitslosen E. V., Ackerstr. 52. 

Erste Berliner Brockensammlung, Hasenhaidey. 

Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung, Lü- 
beckerstr. 6. 

Vorsitzender: Prinz Heinrich zu Schönaich- 
Carolath. 

Hauspflege, Roonstr. 4. 

Verein für Volksunterhaltungsabende, Tempelhofer 
Ufer 2. 

Verein junger Kaufleute in Berlin, gegr. 1839, Beuth- 
Straße 20. 

Verein für Prüfung von Gebrauchshunden zur Jagd. 
Adresse zu erfragen bei der „Kommission für das 
Deutsche Hunde-Stammbuch". 

Kriegervereine. 

L'union fait la force, si ce n'est 
que l'union personelle. 

Kyffhäuserbund d. Deutschen Landeskriegerverbände, 
Kurfürstenstr. gy, 
Vorsitz. : General der Inf. z. D. von Spitz, Exz. 

17* 



26o Vereine und Kartelle. 

Deutscher Kriegerbund (Korporation), Kurfürsten- 
Straße gy. 
Vorsitz. : General der Inf. z. D. von Spitz, Exz. 

Preußischer Landes- Krieger verband (Korporation), 
Kurfürstenstr. gy. 
Vorsitz. : General der Inf. z. D. von Spitz, Exz. 

Frauenvereine. 

5. KhAs. 

Jugendschutz, Kaiser Wilhelmstr. 3g. 

Vaterländischer Frauenverein (Hauptverein), Unter 
den Linden 72/^3. 

Verband der Vaterländischen Frauenvereine der Pro- 
vinz Brandenburg, Maithäikirchstr. ig. 

Verein zur Gewährung zinsfreier Darlehen an stu- 
dierende Frauen, Kurfürstendamm 232. 

Zweigverein Berhn des Vaterländischen Frauenvereins, 
Dessauerstr. 14. 

Gesellige Vereine« 

Nichts Schön'res weiß ich mir 
an Sonn- und Feiertagen. 

Klub der ,, Spree-Athener'*, Bendlerstr. 11. 
Geselliger Verein Berlin- West, Schlegelstr. 18. 
Kegelklub „Kalte Neun von 1886", Oranienstr, 120/21. 
Schwalbenklub „Austria**, Gesell. Wohltätigkeits- 
verein, Artilleriestr. 8. 

Verein ehem. Saldrianer zu Berlin, gegr. 7. Nov. 1882, 

Potsdamerstr. 122c. 
Verein „Sorgevor", Siboldstr. 2. 
Vergnügungsverein „Eintracht" 1901, Magazinstr. 2. 



Musikalische Vereine. 



Das deutsche Lied, 
Das deutsche UUiiedl 



Berliner Lehrergesangverein, Steinstr. 32/34. 
Dirigent: Prof. Felix Schmidt. 
Berühmt seit dem Sängerkrieg in Frankfurt a. M. 
Ehrt eure deutschen Lehrer! 



Studenteoschalt. 26 1 

Philharmonischer Chor, Bernburgerstr. 22/23, 
Über 600 Stimmen. 5. Konzerte, 

Singakademie, Am Festungsgraben, 

550 Stimmen, 7 Konzerte jährlich. 

Berliner Liedertafel, Alte Jakobstr. 128, 

Berliner Tonkünstlerverein, Bülowstr, 82, 

Berliner Sängerbimd, Tat4enzienstr, 21, 

Bundeschormeister: Prof. Felix Schmidt. 

Erkscher Männergesangverein, Rosenthalerstr, 38. 

Sportvereine 5. Sport, 

16. Studentenschaft. 

In Berlin lebt man nicht als Student, 
sondern als Studierender. Hier steht 
die Lüüe, das Gardekorps am Neckar 
und am Rheine. 

Verbindungen an der Universität. 

Sechzehn Burschenschaften. 
Fünf Korps im Kösener Seniorenkonvent. 
Zehn Landsmannschaften. 
Sechs akademische Turnerechaften. 
Sechs akademische Verbindungen nicht mit wissen- 
schaftlicher Tendenz. 

Wingolf. Kneipe: EUsaheihstr. 50I51. 

Kartell schwarzer Verbindungen mit unbedingter 

Satisfaktion: Zwei Verbindungen. 
Katholische Verbindungen: 

Suevia (1875). Kneipe; Niederwallstr. u. 
Bavaria (1898). Kneipe: Niederwallstr. 11. 
Hansea. Kneipe: Niederwallstr, 11. 

Verein Deutscher Studenten. Kneipe: Kleine Harn- 
burgerstr. 4, 

Freie wissenschaftliche Vereinigung. Kneipe: Neue 
Königstr, 26, 

41 Fachvereine. 

Finkenschaft, Dorotheenstf, gy: Akademische Lese- 
halle. 



262 Ausstdlungen. 

Verbindungen an der Techn. Hochschule. 

Akademischer Verein „Hütte**. Hüttenhaus : Bachstr.3. 
Akademischer Verein „Motiv**. Motivhaus: Chat- 

loUenhurg, Hardenbergstr, 6. 
Fünf Burschenschaften. 

Fünf Korps im Weinheimer Seniorenkonvent. 
Sechs Turnerschaften. 
25 sonstige Verbindungen. 
Wildenschaft, CharloUenburg, Schülerstt. 15, 

17. Ausstellungen. 

Besichtigungszeit in den behörd- 
lichen Ausstellungen mindestens lo 
bis 3, in den andern bis 6 Uhr. 

Ständige Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt, Chartotten- 

bürg, Fraunhoferstr. 11/12, 

Eine Art „Mus6e social". Mit dem vom Reichs- 
tag ausgesetzten Kostenbetrag von mehr als einer 
Million errichtet und vor zwei Jahren eröffnet. Be- 
stehend aus drei Teilen : Maschinenhalle, in der die an 
den Maschinen angebrachten Schutzvorrichtungen 
gegen Unfälle demonstriert sind; Ausstellung von 
Arbeiter-Schutzbekleidungen ; Abteüung für Errungen- 
schaften der Gewerbe- u. sozialen Hygiene. Bibliothek. 

Ausstellung elektrotechnischer Neuerscheinungen. 

Im Verwaltungsgebäude der Berliner Elektrizi- 
tätswerke, Luisenstr. 35. Ihre Bestimmung: Jeder- 
mann über die Fortschritte der angewandten Elek- 
trizität zu unterrichten. . . . Heraeuslampe, ein durch 
Quecksilberdampf hervorgebrachtes neues Licht, von 
dem die Technik Überraschungen erwartet. Reich- 
haltige Dynamosammlung. Kleine und kleinste 
Exemplare von 5 bis zu ^ Pferdekräften, für den 
Handwerker, die Näherin, den Hausstand bestimmt. 
Von ihnen setzt die Gesellschaft monatlich 1400 ab. 
Bemerkenswert der Turbo-Dynamo; 4000 Umdreh- 
ungen in der Minute. 



AussteUungen. 263 

Sezession, Kurfürstendamm 208. 

Regelmäßige Sommerausstellungen von Mai bis 
September. Klein, aber gewählt. International und doch 
einseitig. Vorherrschaft Liebermanns und der impres- 
sionistischen Landschaftsmalerei* Offiziere erscheinen 
in Zivil. Eintritt i M. Sonntags 50 Pf. In manchen 
Jahren Winterausstellimgen von moderner Graphik. 

Große Berliner Kunstausstellung, Am Lehrter Bahnhof. 
Massenaufgebot der Linie und der Landwehr. 
Regelmäßig vom April bis Oktober. Veranstaltet von 
der Berliner Akademie, dem Verein Berliner Künstler 
und der Düsseldorfer Genossenschaft. Vielseitig und 
sehr tolerant. Das Gute sticht ab. Mehr als 60 Säle 
mit großem schönem Park und Militärmusik. Eintritt 
50 Pf.; zur Musik allein (abends) die Hälfte» 

Ausstellungen im Lichthof des Kunstgewerbemuseums, 

Prinz Albrechtstr. 7. 

Mehrmals im Jahre wechselnd. Nach anregenden 
Gesichtspimkten aus Museums- und Privatbesitz zu- 
sammengestellt. Beispiele: Italienische Renaissance, 
Japanische Kunst, Sitzmöbel aller Zeiten usw. Vier- 
mal in der Woche bis 10 Uhr abends geöffnet. Mon- 
tags und an hohen Feiertagen geschlossen. 

Kunstsalon Schulte, Unter den Linden J. 

Wechselnde Bilderausstellungen. Ausgezeichnet 
sind ausländische und süddeutsche Schulen ver- 
treten. Offizielle Berliner Porträts. Vorherrschaft der 
Uniform. Eintritt i M. 

Kunstsalon Cassirer, Viktoriastr. 55. 

Bundesgenosse der Sezession. Wechselnde Bilder- 
ausstellungen, vorwiegend die moderne französische 
Schule. Etwas für Kenner. Eintritt i M. 

Kunstsalon Keller und Reiner, Potsdamerstr. 121. 

Modem, kleidsam, elegant. Wechselnde Bilder- 
ausstellungen in auffallender Inszenierung. Verbun- 
den mit Wohnungseinrichtung und Kunstgewerbe. 
Eintritt i M. 



264 Vergnügungen. 

Kunstsalon Casper, Behrenstr. ly. 

Wechselnde Bilderausstellungen. Anregendes 
Durcheinander von Älterem und Neuerem, Deutschem 
und Französischem. Eintritt 50 Pf. 

Kunstsalon Wertheim, Leipzigerstr. 132/135. 

Wechselnde Bilderausstellungen in abgeschlos- 
senem Raum. Eintritt 25 Pf. 

HohenzoUern- Kaufhaus, Leipzigerstr. 13. 

Ständige Ausstellung von ausländischem und 
deutschem Kunstgewerbe aller Gebiete. Modern. 
Eintritt 50 Pf. 

Möbelsalon A. S. Ball, Potsdamer str, 2ya, 

Ständige Ausstellung moderner Wohnungsein- 
richtungen. Leitung Professor Grenander. 

Möbelsalon Friedmann & Weber, Königgrätzerstr, 9. 

Moderne Interieurs. Vorwiegend Wiener und 
amerikanisches Kunstgewerbe. 

Castans Panoptikum, Ecke Friedrich- und Behrenstr. 
Bekanntes Wachsfigurenkabinett. Galerie der 
Tagesberühmtheiten. Anschauungsunterricht für große 
und kleine Kinder. Eintritt 50 Pf. 

Geweihausstellung. 

Alljährlich vom 27. Januar (Geburtstag des Kai- 
sers) bis zum 20. Februar. Ungefährlichster Treff- 
punkt für Jäger und andere Geweihfreunde. Eintritt 
am Eröffnungstage 5 M., sonst 2 M. 



18. Vergnügungen. 

THEATER. 

Billetverkaui siehe unter Bezugsquellen. 

Kgl. Oper, Am Opernplatz. 

Großes Richard Wagner-Reportoire. Außerdem 
in zahlreichen Gala- und Th^ätre par^- Vorstel- 
lungen: Weber, Lortzing und Leoncavallo. 
Hauptkräfte : Dirigent Dr. Richard Strauß, Emmy 
Destinn, Ernst Kraus, Paul Knüpfer. Die Preise 



Theater. 265 

werden von Zeit zu Zeit erhöht. Parkett kostet 
augenblicklich lo M. Abonnements. 

Deutsches Theater, Schumannsir. 12, 

In seiner heutigen Form und Berühmtheit ge- 
gründet von Adolf L'Arronge. Modernisiert von 
Otto Brahm. Ohne Erfolg geleitet von Paul 
Lindau. Jetzt von Max Reinhardt, dem Direktor 
des Neuen Theaters, mitübernommen. Wiege der 
naturalistischen und Hauptmannschen Richtung. 
Wird unter Reinhardt vor allem dem klassischen 
Spielplan wieder zugeführt werden. Parkett 
M. 4,70. 

Lessingtheater, Prinz Friedrich KarUUfer i. 

Direktor: Otto Brahm. Hausdichter: Gerhart 
Hauptmann. Daneben seltene, aber gute Ibsen- 
Aufführungen. Hauptkräfte: Bassermann, Irene 
Triesch, Sauer, Else Lehmann, Rittner. Parkett 
M. 4,70. Donnertag-Abonnements. 

Neues Theater, Schiffbauerdamm 4. 

Direktor: Max Reinhardt. 5. Deutsches Theater. 
Schönes Haus. Parkett M. 4,70. 

Kgl. Schauspielhaus, Gendarmentnarkt. 

Vorwiegend klassischer Spielplan. Darstellung in 
übertriebenem Meininger-Stil mit vielen mittel- 
mäßigen Kräften. Überragend Matkowsky, Voll- 
mer, Anna Schramm. Oberregisseur: Max Grube, 
Neu dekorierter Innenraum ä la Biedermaier. 
Parkett M. 5, — . 

Kleines Theater, Unter den Linden 44. 

Modernes in minutiös-intimer Wirkung. Direktor: 
V. Bamowsky. 

Residenztheater, Blumenstr. 

Französische Posse in Berliner Darstellung. 
Richard Alexander. S. Tout Berlin. Parkett- 
Fauteuil M. 5, — . 

Schillertheater, Chausseestr. 23/26 (N.) und Wallner- 
theaterstr. 35 (O.). 



266 Vergnügungen. 

Klassische Stücke, Volksstücke und Schwanke. 
Volkstümliche, auf weitere Ausdehnung zuge- 
schnittene Gründung mit niedrigen Preisen. 
Abonnementshefte. Gutes Repertoire, gute Dar- 
stellung. Direktor : Dr. Raphael Löwenfeld. Par- 
kett M. 1,70. 
LustspielhauSy Friedrichstr. 236, ganz im Süden. 

Elegante Räume, elegante Zuschauer. In den 
Zwischenakten Foyermusik. Ohne künstlerisches 
Programm. Direktor: Martin Zickel. Parkett- 
Fauteuil M. 4,10. 

Trianontheater, Georgenstr., Ecke Prinz Friedrich Karl- 
straße, 

Wie oben. Keine Foyermusik. Nur französische 
Komödien u. Schwanke. Hauptkräfte Junkermann 
u. Frau v. Ruttersheim. Parkett- Fauteuü M.4,10. 

Komische Oper, Friedrichstr., am Weidendamm. 
Direktor: Hans Gregor. Im Werden. 

Berliner Theater, Charlottenstr. go. 

Jetzt Ferdinand Bonn, ehemals Barnay. Dank- 
bares Publikum. Parkett M. 3, — . 

Nationaltheater, Weinbergsweg. 

Metropoltheater des Nordens. Aufführung älterer 
Possen zu billigen Preisen. Fauteuil M. 2,10. 
5. Rauchtheater. 

Neues Kgl. Operntheater (Kroll), Im Tiergarten. 
Gastspiele. Sommeroper. Im Karneval Bälle. 

Theater des Westens, Charlottenburg, Kantstr. 8. 

Operetten und komische Opernaufführungen. 

Direktor : Aloys Prasch. 5. Tout Berlin. Parkett- 

Fauteuil M. 4,10. 
Zentraltheater, Alte Jakobstr. 30. 

Direktor: Josef Ferenczy. Wiener Operetten. 

Orchester-FauteuU M. 4,10. 

Thaliatheater, Dresdenerstr. 

Berliner Volksstücke und Possen. Der kleine 
Thielscher. Parkett M. 4,10. 



Konzerte. 267 

KONZERTE. 

Genauere Auskunft geben die 
Inserate, vor allem in der Vossisdien 
Zeitung, cu Beginn der Saison. 

Dom, Am Lustgarten. 

Konzerte des Domchors an den Vorabenden hoher 
Feste. Dirigent: Prüfer. 

Kaiser Wilhehn-Gedächtniskirche, Charlottenburg. 
Nach Anschlag. 

Opernhaus. 

Symphoniekonzerte der Hofkapelle. Dirigent: 
Weingartner. An mehreren Freitagabenden der 
Saison. Hauptprobe mittags. Beides abonniert. 

Philharmonie, Bernburgerstr. 22/23. 

Zehn große Philharmoniekonzerte. Tradition Bülow. 
Dirigent: Nikisch. Hauptprobe (2 M.) Sonntag 
mittags. Abendabonnements, vollständig ver- 
geben. 

Philharmonischer Chor. Dirigent: Siegfried Ochs. 
Dreimal im Winter. 

Populäre Symphoniekonzerte mit dem philhar- 
monischen Orchester. Dirigent: Scharrer. Vier- 
mal in der Woche. Billets (von 2 M. bis 50 Pf.) 
im Vorverkauf. 

Verschiedene Einzelkonzerte an jedem Abend der 
Saison. Nach Anschlag. 

Konzerte des Sternschen Gesangvereins. Zweimal 
im Winter. 

Saal Bechstein, Linkstr. 42. 

Komponisten-, Virtuosen- und Sängerkonzerte. 

Beethoven- Saal, Köthenerstr. 32. 

Zur Philharmonie gehörig. Konzerte nach An- 
schlag. 

Singakademie, Am Festungsgraben 2. 
Chor der Singakademie. Dirigent: Georg Schu- 
mann. Probe Dienstag 5 — 7 Uhr. 



268 Vognügungen. 

Quartett Joachim, Acht Kammermusikabende. 

Abonniert. 
Grünfeld-Konzerte. Grünfeld, Zajic und Solisten. 

Ein paar andere regelmäßige Konzerte: 
Waldemar Meyer- Quartett. 
Böhmisches Streichquartett. 

KONZERTE IM FREIEN. 

Man unterscheidet BliUtärkonzerte 
in Gala und Militärkonzerte in gewöhn- 
licher Uniform. — Die Kapellmeister 
haben ungefihr Fddwebdrang. 

Ausstellungsparky Alt-Moabit 4/10. 

Militärkonzerte während der Ausstellungssaison 
im SonMner. Eintritt 50 Pf. Bier- und Wein- 
restaurants. 

Zoologischer Garten. 

Militärkonzerte im Sommer täglich von 5 bis 
II Uhr. Eintritt 50 Pf. Am ersten Sonntag im 
Monat 25 Pf., an einzelnen Abenden i M. Bier- 
und Weinrestaurants. 

Neue Philharmonie, Köpenickerstr, 96/97* 
Berlin O. 

Schippanowsky, An der Spandauer Bruches, 
Wie oben. 

In den Zelten, Hinter dem Königsplatz. 

Vier große Volksrestaurants. Konzerte im Som- 
mer an Sonn- und Feiertagen. 

KroUs Etablissement, Am Königsplatz. 

Im Sommer Konzerte im Garten. Eintritt 50 Pf. 
Bier- und Weinrestaurants. 

Theater des Westens, Kantstr, 12, 

Im Sommer Konzerte im Garten. Bierrestaurant. 

Brauerei Friedrichshain. 

Mehrere Wochen in der Saison Konzerte Johann 
Strauß jr. 



Van6t65. 269 

RAUCHTHEATER UND ZIRKUS. 

Folies-Berlin et Hippodrame. 

Metropoltheater, Behrenstr. 55, 

Ausstattungsstücke, Berliner Revuen, französi- 
sche Possen mit deutscher Musik. Die Halb- 
weltlerin als Muse. Orchester-Fauteuil M. 4, — . 
IL Rang-Promenoir (zum Besuch des Foyers, 
nach 9 Uhr) M. i, — . 

Apollotheater, Friedrichstr. 218. 

Operetten von Paul Lincke. Vor der Vorstellung 
(8 — 9 Uhr) Vari^t^. Orchester-Fauteuil M. 3,50. 

Gebrüder Herrnfeld-Theater, Stadthahnhof y Alexanderpl. 
Jüdisches Dialekttheater. Kellerlokal. Orchester- 
Fauteuil M. 3, — . 

Deutsch-amerikanisches Theater, Köpenicker str, 68, 
Ausstattungs- und Gesangspossen. Originelles 
Lokal; das ehemalige Überbrettl. Orchester- 
Fauteuil M. 4,10. Rauchen nicht gestattet. 

Zirkus Busch, Kleine Präsidentenstr. 7. 
Parkett M. 3, — . 

Zirkus Schumann, Karlstr. 
Sperrsitz M. 3, — . 

VARIETES. 

Plus 9a varie, plus c'est la m&me chose. 

Wintergarten, Centralhotd, 

Groß- und weltstädtisch. Reichhaltigstes Pro- 
gramm. Parkett-Fauteuil M. 4, — . 

Reichshallentheater, Leipzigerstr. yy. 

Stettiner Sänger. Orchesterloge M. 1,50. 

Passagetheater und Panoptikum, Unter den Linden 
22/23, 

Schaubudenstil. Die Frau ohne Unterleib und 
der Mann ohne Oberkörper. Wachsfiguren. 50 Pf. 
Abends Vari^t^. 

Castans Panoptikum. 
5. Ausstellungen. 



270 Vergnügungen. 

KABARETTS. 

Sdiangsongsi 

Die Reste der ehemaligen Überbrettl. „Ge- 
schlossene Gesellschaften", zu denen mein indessen für 
Geld Zutritt bekommt. Weinrestaurants. 

Roland von Berlin, Potsdamer str. 127/128. 
Das besuchteste. Billetverkauf bei Wertheim. 
M. 3,—. 

Zum siebenten Himmel, Charlottenburg, Kantstr, 7. 
Das älteste und echteste, M. 3, — . 

Klimperkasten, Friedrichstr. 165. 
In Castans Panoptikum. 

Kabarett unter den Linden. 
Im Passagetheater. 

DIE CHANSONETTEN-ECKE. 

Die Liebe und der Suff» 
Die reiben den Menschen uff. 

Oranienburger Tor; Ecke der Friedrich-, Chaussee 
und Elsasserstraße. Das Vari^t^ als Volkssitte. 
Quartier latin- Publikum. Wohlfeile und gelegentlich 
auch wohl feile Spezialitäten im Soubrettenröckchen 
und im Trikot. Verbunden mit Bier und Kellnerinnen- 
Bedienung. Uniformierte Türsteher, grelles Gelb- 
licht, dazwischen Kellerrestaurants. Verlockende Pho- 
tographieauslagen. Das Ganze der letzte Ausläufer 
der Friedrichstraße. 

BALLHÄUSER. 

Die richtigen BäUe s. unter 
Wo trifft man sickf 

Arkadiasäle, neben dem Metropoltheater, Behrenstr. 
Nichts für Plebejer. 

Moulin Rouge, Krausenstr, 

Man imitiert Paris. Französische Spezialmissio- 
näre sollen nicht unbefriedigt gewesen sein. 

Amorsäle, Besselstr, 

Nichts für Aristokraten. 



Spaziergänge. 2/1 

Wiener Ballhaus, Schiffhauerdamm J. 
Gemischt, 

Altes Ballhaus, Joachimsstr. 

Emberg (jetzt Dianasäle), Schumannstr. 14, 

War bekannt nicht durch die beste, aber die best- 
tanzende Berliner Gesellschaft. Sonntags: die 
Hand, die Samstags ihren Besen führt. . . . 

„Witwenbälle". Nach Zeitungsannoncen. 
Reich an Überraschungen. 

19. Spaziergänge. 

,, Mutter, wat jehn' Ihnen die 
jrienen Beeme anl'* Hdne. 

Unter den Linden. Die grande Avenue. Die 
einzige Straße, die MAN nicht nur zu Geschäfts-, 
sondern auch zu Spaziergängen benützt. Man hat 
immer zugleich die Ausrede des Shopping; das Spa- 
zierengehen an sich ist nicht berlinisch. Vermisch- 
ung aller Stände. Damen und Dämchen, Herren und 
Buchmacher. An Sonn- und Feiertagen das Volk in 
dichten Kolonnen. Naturschwärmer sitzen abends in 
der Mittelallee. 

Im Tiergarten und Zoologischen Garten. Der 
Zoologische Garten hat mit Tieren, aber der Tiergarten 
nichts mit Zoologie zu tun. Er ist der Rest eines einst- 
mals fürstlichen Waldes. Stark gelichtet, aber wunder- 
voll gepflegt; der größte und beliebteste Garten der 
Stadt. Eingeengt durch Denkmäler, Straßenbahnen, 
Automobile, Reiter, Kinder und Kinderfräuleins; 
große Teiche (der Neue See) für Ruderboote. Schutz- 
leute findet man in der Siegesallee. Der Zoologische 
Garten wird spät nachmittags, wenn die Tiere nicht 
mehr zu sehen sind, chic. 

Am Kanal. Spaziergänge für Ruheliebende. 
Schöneberger Ufer; Lichtensteinufer; Gartenufer; 
Kaiserin und Königin Augustastraße. Eine der schön- 
sten und vornehmsten Partien von Berlin W., an- 



272 Spaziergange. 

schließend an das Tiergartenviertel. Venedig in Ber- 
lin. Statt der Gondeln große Lasten tragende Spree- 
kähne. Ein romantischer Obstladen auf dem Wasser. 

Nach dem Grunewald. Spaziergang über den Kur- 
fürstendamm für Entfettende; Weg von 2 Stunden. 
Sogenannte Prachtstraße mit prunkvollen Häuser- 
fassaden, Kuppeln, Türmen, blumengeschmückten 
Baikonen, Vorgärten, Reitweg. Vorsicht vor Auto- 
mobilen! Grunewald s. Ausflüge. 

Berlin C. Geschäftswege für ganz Berlin; Spa- 
ziergänge für Historiker und Romantiker. Lustgarten 
zwischen Schloß und Museum, übervölkert zur Stunde 
der Regimentsmusik 12— i Uhr. Spaziergang längs 
der Wasserseite des Schlosses, rechts über die lange 
Brücke, über den Schloßplatz, am Begasschen Brunnen 
vorbei. Vergl. imter Quartiere und Straßen Alt-Kölln 
und AU-Berlin, 

Längs der Spree. Spaziergang zur Ehrenrettung 
Berlins. Wechselnde und überraschend schöne Stadt- 
büder. Schiffbauerdamm und Weidendamm im 
Westen, Burgstraße und Neu-KöUn am Wasser im 
Osten. 

Friedrichshain und Humboldthain. Spaziergang 
für Forschungsreisende. Volksparks an der Peripherie 
im Norden und Osten. In Berlin W. stirbt man, ohne 
sie gesehen zu haben. 

Schönhauser Schloßpark. Sehr sehenswert. In 
Nieder-Schönhausen. S. Vororte. 

Botanischer Garten. Der alte in der Potsdamer- 
straße im Verfall; der neue, im Vorort Dahlem, noch im 
Werden. 

Auf dem Kreuzberg. Der Berg. Berliner Terrain- 
kuren. Viktoriapark mit künstUchem Gießbach. 
Schinkelsches Nationaldenkmal für die Befreiungs- 
krieger. Ausblick über das südliche Berlin vom An- 
halter Bahnhof bis zur Lichtenfelder Kadettenanstalt. 
Schultheißsche Bierbrauerei. 



Vororte. 



273 



Die Friedrichstraße. Les affaires sont las affaires. 
Nachtleben schon bei Tag. Abwechselungsreichster 
Spaziergang. Richtiger „Bummel** genannt. 

Die Stadtbahn. Eine Spazierfahrt vom Bahnhof 
Friedrichstraße nach Westend, dann im Nordring 
nach Treptow und wieder zurück kann nicht genug 
empfohlen werden. Rasche, wechselnde, vielseitige 
und umfassende Bilder der charaktervollsten Teile 
Berlins. 

Die Hochbahn. Eine Ergänzung der Stadtbahn- 
fahrt, interessant besonders in technischer Hinsicht. 
S. Technische Anlagen, 

20. Vororte. 

Staats- und steuerrechtlich gibt 
es kein GroB-Berlin! Nur Post und 
Kriminalpolizei sind modern genug, 
ein halbwegs einheitliches großes 
Ganzes unter diesem Namen anzu- 
erkennen. 

Boxhagen-Rummelsburg. Steuerzuschlag 160 Proz. 
Einwohnerzahl: 20000. Preis der Wohnungen: mehr 
als 3 Räume 400 — 1500 M., 2 — 3 Räume 150 — ^360 M., 
I Raum 120 — 150 M. Sehenswürdigkeiten : Friedrich- 
Waisenhaus, Stadt. Arbeitshaus, Rathaus. Verbin- 
dung mit Berlin: Stadtbahn, Spreedampfer von der 
J anno witzbrücke aus. 

Arbeiterbezirk. 

Britz. Steuerzuschlag 150 Proz. Einwohnerzahl : 
10 000. Wohnungsmiete: 4 — 5 Zimmer 400 — 500 M., 
2 — 3 Zimmer 300 — 350 M., i Zimmer 200 — 250 M. 
Sehenswürdigkeiten : Kreiskrankenhaus, Gütspark, 
Späths Baumschulen. Verbindungen mit Berlin: 
Straßenbahn Nr. 29, 46, 48 u. Südliche Vorortbahn!, 
Richtung B. 

Gärtner- und Blumenzüchter-Kolonie. 

Charlottenburg. Steuerzuschlag 100 Proz. Ein- 
wohnerzahl : 230000. Wohnungsmiete : mehr als 3 Zim- 
mer ca. 715 M., 2 — 3 Zimmer 395 — 620 M., i Zimmer 

BerUn und die Berliner. iS 



274 



Voiorte. 



HO M. Oberbürgermeister: Dr. Schustehrus, Rat- 
haus, Zimmer 138, 10 — 12 Uhr vorm. Rathaus: Ber- 
linerstraße 72/73. Polizeidirektion: Kirchhof stf. 3. 
Sehenswürdigkeiten: Schloß mit Mausoleum, Tech- 
nische Hochschule, Akademische Hochschulen f. Musik 
und die Bildenden Künste, Physikalisch- technische 
Reichsanstalt, Porzellanmanufaktur, Artillerie- und 
Ingenieurschule. Verkehrsverbindungen mit Berlin: 
Stadt- und Ringbahn, Hoch- und Untergrundbahn, 
zahlreiche Straßenbahnen« * 

Moderne Wohnungsvorstadt für das wohlhabende 
Berlin. Gartenhäuser für bescheidenere Beamte, 
Schriftsteller, Künstler usw. Daneben Hochschul- 
viertel. Im Aufblühen begriffenes Industrieviertel 
nördlich der Spree. Villenkolonie Westend wird 
nach längerem Stillstehen jetzt wieder vergrößert. 
S. Ausflüge» 

Friedenau. Steuerzuschlag 100 Proz. Einwohner- 
zahl: 15000. Wohnungsmiete: 4 — 6 Zimmer 800 bis 
1200 M., 3 Zimmer 550 — 700 M., 2 Zinmier 300 — 450 M. 
I ZinMner 300 M. Verbindungen mit Berlin: Wannsee- 
und Ringbahn, Westliche Berliner Vorortsbahn, Linie 
D, E, F. 

Wohnungsvorstadt, billiger als Charlottenburg. 

Friedrichsfelde mit Kolonie Karlshorst. Steuer- 
zuschlag 110 Proz. Einwohnerzahl: 13,000. Woh- 
nungsmiete: 4 Zimmer 500 M., 2 — 3 Zimmer 300 bis 
400 M., I Zimmer 120 M. Verbindimgen mit Berlin: 
Vorortsbahn Berlin-Straußberg, Berlin-Fürstenwalde 
(Karlshorst), Straßenbahn Nr. 70. 

Bekannte Rennbahn. 

Groß-Lichterfelde. Steuerzuschlag 175 Proz. Ein- 
wohnerzahl : 30000. Preis der Wohnungen : 4 Zimmer 
700—800 M., 3 Zimmer 550 — 650 M., 2 Zimmer 250 
bis 300 M., I Zimmer 150 — 180 M. Sehenswürdigkei- 
ten : Rathaus, Haupt-Kadettenanstalt, Gardeschützen- 
Kaserne, Giesendorfer Kirche, Johanniter Siechenhaus. 



Vororte. 



275 



Verbindungen mit Berlin: Anhalter Bahn, Wannsee- 
bahn. 

Wohnungsvorstadt; billiger, entfernter, zurück- 
gezogener als Charlottenburg. 

Grunewald. Steuerzuschlag 54 Proz. Einwohner- 
zahl 4300. Wert der Grundstücke: 600 M. pro Qua- 
dratrute. Wohnungsmiete : mehr als 3 Zimmer 2000M., 
2 — 3 Zimmer 1500 M., i Zimmer 500 M. Verbindungen 
mit Berlin: Stadtbahn, Vorortbahn, Westl. Berliner 
Vorortbahn A und B (ab Linkstraße). 

Millionärkolonie. 

Lankwitz. Steuerzuschlag 125 Proz. Einwohner- 
zahl: 6000. Wohnungsmiete: mehr als 4 Zimmer 
600 — 700 M., 2 — ^3 Zimmer 300 — 500 M., i Zinmier 
100 — 200 M. Sehenswürdigkeiten : Fischzüchterei von 
Paul Matte, Steglitzerstraße; Tierasyl des Tierschutz- 
vereins, Dessauerstr. 21/23. Verbindungen mit Berlin : 
Potsdamer Ringbahnhof ; Südl. Berliner VorortbahnIX. 

Lichtenberg. Steuerzuschlag 140 Proz. Einwoh- 
nerzahl: 50000. Wohnungsmiete: 2 — 3 Zimmer 450 
bis 750 M., I Zimmer 240 — 360 M. Sehenswürdig- 
keiten: Kriegerdenkmal, Dottischer Park, Wasser- 
werke. Verbindungen mit Berlin : Stadtbahn, Straßen- 
bahn Nr. 66, 68, 69, 71. 

Arbeiterbezirk. 

Mariendorf und Südende. Steuerzuschlag 105 
Proz. Einwohnerzahl: 7800. Preis der Wohnungen: 
Mariendorf mehr als 3 Räume 600 — 700 M., 2 — 3 
Räume 300 — 600 M., i Raum bis 240 M. Südende 
mehr als 3 Räume 900 — 1800 M., 2 — ^3 Räume 500 bis 
900 M., I Raum 240 — 300 M. Sehenswürdigkeiten: 
Kirche in Mariendorf. Verbindungen mit Berlin : An- 
halter- u. Dresdenerbahn, Straßenbahnlinien 96, IV, J. 

Wohnungsvorort für bescheidenere Ansprüche. 

Neu-Weißensee. Steuerzuschlag 165 Proz. Ein- 
wohnerzahl: 35000. Preis der Wohnungen: mehr als 
3 Räume 500 — 1000 M., 2 — 3 Räume 270 — 450 M., 

18* 



276 VoTOTte. 

I Raum 180—250 M. Sehenswürdigkeiten : Denkmal 
Kaiser Wilhelm I. Verbindungen mit Berlin: Ring- 
bahn, Straßenbahn Nr. 61, 62. 
Arbeiterbezirk. 

Nieder-Schöneweide. Steuerzuschlag 85 Proz. 
Einwohnerzahl : 2500. Verbindung mit Berlin : Stadt- 
bahn, Görlitzerbahn, Spreedampfer. 

Industrielle Vorortkolonie von Berlin O. 

Nieder-Schönhausen und Schönholz. Steuerzu- 
schlag 130 Proz. Einwohnerzahl: 7500. Preis der 
Wohnungen: mehr als 3 Räume ca. 600 M., 2 — ^3 
Räume ca. 400 M., i Raum ca. 200 M. Sehenswürdig- 
keiten: Schloß und Park Nieder-Schönhausen; Park 
Schönholz (gehört der Berliner Schützengilde). Ver- 
bindungen mit Berlin : Stettiner Bahn, Berlin Krem- 
mener Bahn, Straßenbahn Nr. 46, 47. 

Vorortkolonie von Berlin N. 

Nikolassee. Steuerzuschlag wird nicht erhoben. 
Einwohnerzahl : 450. Verbindungen mit Berlin : Wann- 
seebahn und Stadtbahn. 

Villenkolonie, im Entstehen. 

Ober-Schöneweide. Mit Villenortsteil Ostend und 
Sadowa. Steuerzuschlag 100 Proz. Einwohnerzahl: 
12000. Verbindungen mit Berlin : Stadtbahn, Görlitzer 
Bahn, Spreedampfer. 

Charakter wie Nieder-Schöneweide. 

Pankow. Steuerzuschlag 120 Proz. Einwohner- 
zahl : 26000. Preis der Wohnungen : mehr als 3 Räume 
1000 M., 2 — 3 Räume 600 M., i Raum 200 M. Sehens- 
würdigkeiten: Kirche, Kriegerdenkmal. Verbindungen 
mit Berlin: Stettiner- und Nordbahn. Straßenbahn- 
linien Nr. 46, 47, 48, 49, 50a. 

Arbeiterbezirk. 

Plötzensee. Steuerzuschlag 30 Proz. Einwohner- 
zahl: 3500. Sehenswürdigkeiten: Strafgefängnis, Ver- 
suchs- und Lehrbrauerei. Verbindungen mit Berlin: 



Vororte. 



277 



Ringbahn, Bahnhof Beußelstraße. Straßenbahnlinie : 
Görlitzer Bahnhof -Plötzensee. 
Gefängniskolonie. 

Reinickendorf. Steuerzuschlag 155 Proz. Ein- 
wohnerzahl: 22000. Rathaus, Hauptstr. 38/40. Ver- 
bindungen mit Berlin : Eisenbahn Nordbahn; Schön- 
holz-Kremmener Bahn. Straßenbahnlinien. 

Arbeiterbezirk. 

Rixdorf. Steuerzuschlag 130 Proz. Einwohner- 
zahl: 135000. Sehenswürdigkeiten: Denkmal Kaiser 
Wilhelm I., Kriegerdenkmal, Jahndenkmal. Verbin- 
dungen mit Berlin: Stadt- und Ringbahn. Straßen- 
bahn. 

Arbeiterkolonie. Hasenhaide populäre Vergnü- 
gungs-Avenue. 

Schmargendorf. Steuerzuschlag 100 Proz. Ein- 
wohnerzahl: 4600. Verbindungen mit Berlin: Stadt- 
und Ringbahn. WestUche Vorortbahn. 

Villenkolonie im Westen. BilUger als Charlotten- 
burg. 

Schöneberg. Steuerzuschlag 100 Proz. Einwohner- 
zahl: 125000. Polizeidirektion: Hauptstr. 96. Ver- 
bindungen mit Berlin : Ringbahn, Südring. Wannsee- 
bahn: Bahnhof Gr.- Görschenstraße und Friedenau. 
Hoch- und Untergrundbahn. Straßenbahn. 

Das Berlin W. des Mittelstandes. 

Steglitz. Steuerzuschlag 115 Proz. Einwohner- 
zahl: 27500. Sehenswürdigkeiten: Schloß mit Park, 
Blindenanstalt, Feierabendhaus, Wasserturm, Luther- 
stift, JCanalisationspumpstation. Verbindungen mit 
Berlin: Wannseebahn. Westl. Vorortbahn. 

Große Wohnhauskolonie mit überraschend schö- 
nen Landschaftsdurchblicken. Botanischer Garten 
und neue Villenstraße in Dahlem. 

Stralau. Steuerzuschlag 165 Proz. Einwohner- 
zahl: 3000. Verbindungen mit Berlin: Stadt- und 



278 Vororte. 

Ringbahn. Im Sommer Spree-Havel-Dampfschiff- 
fahrtsgesellschaft „Stern", Jannowitzbrücke. Straßen- 
bahn. 

Arbeiterbezirk. 

Tegel. Steuerzuschlag 125 Proz. Einwohner- 
zahl: 10 000. Sehenswürdigkeiten: Schloß Tegel, 
Kaiser Wilhelmdenkmal, Wasserwerke der Stadt Ber- 
lin, Borsigsche Fabrik, Wasserwerk der Gemeinde 
Tegel, Anlage für Klärung der Schmutzwässer, Straf- 
gefängnis, Artillerieschießplatz. Verbindungen mit 
Berlin: Nordbahn (Stettiner Bahnhof). Straßenbahn: 
Unter den Linden - Charlottenburg - Tegel. Dampf- 
schiffverbindung nach Saatwinkel-Spandau, Tegelort- 
Heiligensee. 

S. Ausflüge. 

Tempelhof. Steuerzuschlag 120 Proz. Einwohner- 
zahl : 10 000. Sehenswürdigkeiten : Tempelhof er Baum- 
schulen, Gutspark, Kriegerdenkmal, Dorfkirche, Trup- 
penübungsplatz. Verbindungen mit Berlin: Stadt- 
und Ringbahn. Straßenbahn: Abfahrt Behrenstraße. 

Treptow mit Baumschulenweg. Steuerzuschlag 
100 Proz. Einwohnerzahl : 8500. Sehenswürdigkeiten 
Treptower Park und Plänterwald, Treptow-Sternwarte 
mit großem Fernrohr und astronomischem Museum. 
Verbindungen mit Berlin: Stadt- und Ringbahn. 
Im Sommer Dampf erverbindung : Jannowitzbrücke. 

Villenkolonie Berlin O. 

Weißensee. Steuerzuschlag 150 Proz. Einwohner- 
zahl: 3400. Verbindungen mit Berlin: Stadt- und 
Ringbahn. Straßenbahn. 

Arbeiterbezirk. 

Wilmersdorf mit Haiensee. Steuerzuschlag 90 Pro- 
zent. Einwohnerzahl: 52000. Verbindungen mit 
Berlin: Ringbahn. Straßenbahn in der Leipziger- 
straße. 



Ausflüge. 279 

Wohnungsvorstadt, Ergänzung zu Charlotten- 
burg. Halenseer Tanzlokale hinter der Ringbahn- 
brücke. Schranuns „Seebad Wilmersdorf". 

Zehlendorf mit Schlachtensee. Steuerzuschlag 
i2oProz. Einwohnerzahl: 12000. Verbindungen mit 
Berlin: Wannseebahn. Vorortverkehr. Villenkolonie. 



21. Ausflüge. 

Siehe „Vororte" und „Verkehrs- 
seatren*'; vor allem aber auch Theo- 
dor Fontanes „Wanderungen durch 
die Mark Brandenburg**. 

Ringbahn. Berlins landschaftliche Umgebung 
oder — wie der Berliner selbst, der ein passionierter 
Ausflügler ist, mit Vorliebe sagt — seine „Gegend" 
beginnt insofern schon am Potsdamer Platz, als dort 
die dem Vorortverkehr gewidmeten Wannsee- und 
Ringbahnhöfe liegen. Die Ringbahn ermöglicht dem 
Fremden eine interessante Rundfahrt um die äußerste 
Peripherie der Stadt. Der Bogen, den sie in ihrer 
nördlichen Hälfte (im Nordring) beschreibt, fällt 
noch in das Weichbild der Stadt, der Südring aber in 
den die südUchen Vororte Berlins mnfassenden Tel- 
tower Landkreis. Besteigt man die Ringbahn am Pots- 
damerplatz, so zweigen von der Station Schöneberg die 
beiden Arme des Südrings (richtiger : Südbogens) mit 
folgenden Stationen ab. Nach Osten: 

Tempelhof (Parade- und Exerzierfeld), Hermann- 
Straße (Anschluß nach Britz und Mittenwalde), Rix- 
dorf (Anschluß nach Treptow, dem Neiien und Alten 
Eierhäuschen), Stralau-Rummelsburg. 

Nach Westen : Wilmersdorf- Friedenau, Schmargen- 
dorfy Haiensee, 

Im Osten und Westen schheßt sich, den Kreis 
ergänzend, der Nordring an, und zwar mit den fol- 
genden Stationen: 



28o Ausflüge. 

1. Frankfurter Allee , Zentral- Viehhof, Landsberger 
Allee, Weißensee, Prenzlauer Allee, Schönhauser Allee, 

2. Gesundbrumien, Wedding, Putlitzstraße, Beußel- 
straße, Jungfernheide, Westend, Charlottenburg, 

Tegel. Der Ausflug nach Tegel, mit der Straßen- 
bahn oder von Spandau aus auf dem Dampfschiff, 
belohnt sich vor allem durch den Tegeler See, der einer 
der schönsten Havelseen bei Berlin ist. Er ist vor- 
läufig nicht eigentlich modern, aber er wird es noch 
werden. Seine breite, schön gefärbte Wasserfläche 
bietet dem Segelsport, sein Ufer dem Spaziergänger 
und Radfahrer ein dankbares Feld. 

Im Norden und Westen tritt der Laub- und Nadel- 
wald dicht an den See heran; im Osten, in der Um- 
gebung des Dorfes Tegel, hat er Fabriklagern und 
technischen Anlagen (Städtisches Wasserwerk und 
Borsigsches Eisenwerk) Platz gemacht. Nördlich vom 
Dorfe liegt mitten in einem eingefriedigten, aber zu- 
gänglichen Wäldchen das idyllische Schloß Tegel, der 
ehemalige Wohnsitz der Brüder Wilhelm und Alexan- 
der von Humboldt. Es ist ein von Schinkel im Stil 
einer römischen Villa umgebauter alter Herrensitz von 
auffallender gelber Farbe und mit noch stärker auf- 
fallenden, nicht leicht entzifferbaren griechischen In- 
schriften. Die Räume enthalten außer Abgüssen an- 
tiker Bildwerke auch Originale und können in Beglei- 
tung des Pförtners, dem man im Jägerhaus klingelt, 
besichtigt werden. 

Hinter dem Schlosse liegen, am Ende des Parkes, 
die Grabstätten der beiden Himiboldt mit einer Kopie 
der im Schloß aufgestellten Marmorstatue der Hof f- 
nung von Thorwaldsen. Ein für die Umgebung 
Berlins ungewöhnlich reizvoller Uferweg führt hier 
aus dem Wald an der kleinen Seeausbuchtung, dem 
sogenannten Malchensse, entlang zum „Strandschloß", 
einem in süddeutschen heiter barocken Formen er- 
bauten neuen Tegeler Restaurant. 



Ausflug«. 281 

Oranienburg. Man nimmt am Stettiner Bahnhof 
einen Vorortzug der Nordbahn und passiert die fol- 
genden Orte: 

Pankow (Schönhauser Park), Schönholz (Schloß 
Schönholz : Restaurant der Schützengilde); Reinicken- 
dorf-Rosenthal (Kolonie Wilhelmsruh), Weidmannslust 
(Villenkolonie), Hermsdorf (Villenkolonie, altes Dorf), 
Stolpe und Hohen-Neuendorf, Birkenwerder (Ausge- 
dehnte Waldung am Bahnhof), Bergsdorf, Lehnitz 
(Lehnitzsee). 

Oranienburg ist eine kleine Stadt an der Havel, 
vom Großen Kurfürsten zu einem Besitztum seiner 
(jemahlin Luise Henriette, Prinzessin von Oranien, 
gemacht. Für sie ist das Schloß Oranienburg erbaut 
worden. . Der Bau, von Eosander von Goethe, zeigt 
heute, wo er als Lehrerseminar dient, nur noch geringe 
Spuren seiner ehemaligen Bestimmung. Auf der Park- 
seite im ersten Stock ist noch ein Zimmer mit Decken- 
gemälde „Verpflanzung des Tees nach Europa" er- 
halten. Außer dem Schloß erinnern ein altes Waisen- 
haus, eine alte Kirche und ein modernes Standbild an 
das Wirken der Kurfürstin. 

Die Kurfürstin ist schon lange tot. Die Er- 
innerungszeichen, die ihren Namen tragen, haben Bä- 
deker-Reiz. Mittlerweile ist bei Oranienburg ein 
Schiffahrtskanal, der die Havel begleitet, bestehend aus 
dem Oranienburger und dem Ruppiner Kanal, angelegt 
worden. Nicht weit vom Orte Hegt die alte Schiffer- 
kolonie Sachsenhausen. Wer für das Besondere der 
märkischen Landschaft Sinn hat, wird auch den langen 
Oberländer Kähnen, die lastentragend aufeinander 
folgen, gern eine Zeitlang nachsehen. 

Bernau. Nach Bernau fahren die Vorortzüge der 
Stettiner Bahn, und zwar eine Strecke lang zusammen 
mit der nach Oranienburg führenden Nordbahnlinie. 
Eine halbe Stunde weit von Station Pankow-Heiners- 
dorf liegt Blankenfelde, sehenswert wegen der städ- 



282 Ausflüge. 

tischen Rieselfelder, die sich von hier 9 km weit er- 
strecken. Die Rieselfelder, deren Anlagen in den Ber- 
liner Vororten mehrmals wiederkehren, sind dazu be- 
stimmt, die Abflüsse der städtischen Kanalisation auf- 
zunehmen, und enthalten Baumschulen imd Garten- 
baukulturen. 5. Technische Anlagen. 

Nordwestlich liegt Französisch-Buchholz, ein vom 
Großen Kurfürsten mit hugenottischen Auswanderern 
bevölkertes Dorf. Das Dorf Buch, an der Bahnstrecke, 
ist gleichfalls städtisches Rieselgut. Noch steht das 
alte Schloß der Reformationsfreunde von Röbel, in dem 
Philipp Melanchthon mehr als einmal Gast gewesen 
ist. Später hat die Familie Voß hier gewohnt, aus der 
die dem König Friedrich Wilhelm II. angetraute 
Gräfin von Ingenheim stammte; sie ist in der Kirche 
desDorfes, einem Rokokobau des XVIIL Jahrhunderts, 
begraben. Jetzt hat die Stadt Berlin im Norden des 
Dorfes eine Lungenheilanstalt und eine Irrenanstalt 
erbaut. 

Bernau endlich, eine Berlin etwa gleichalterige 
Stadt an der Panke, ist nicht nur durch sein Hussiten- 
fest, sondern auch durch Wippchens erbauliche 
Schlachtenberichte bekannt, die alle von diesem histo- 
rischen Städtchen datiert sind. 

Marienkirche mit sehenswertem Innenraum; Müh- 
lentor und Kriegerdenkmal; schattige Promenade. 

Strausberg. Wir nehmen an einer der Stadtbahn- 
stationen einen Vorortzug der Ostbahn und passieren : 

Lichtenberg, Friedrichsfelde, Hoppegarten, Freders- 
dorf, Ostbahnhof Strausberg. 

Es sind die geringen landschaftlichen Reize von 
Berlin O., die sich im ersten Teil dieser Strecke er- 
schUeßen, die aber, wie man zugeben muß, im Laufe 
der Fahrt erhebUch zunehmen und von manchen Be- 
wunderem und berlinischen Touristen (während Fremde 
sich selten hierher verirren) der berühmteren west- 



Ausflüge. 283 

liehen Vororthälfte, der Grunewald- Potsdamer Gegend, 
vorgezogen werden. 

Friedrichsfdde (auch mit Straßenbahn zu er- 
reichen) ist ein Dorf mit historischem Schloß, dem 
Fontane ein liebevoller Geschichtsschreiber geworden. 
Schöner Schloßpark. 

Hoppegarten, berühmt durch den schöngelegenen 
Rennplatz des Unionklubs, der seit dem Jahre 1834 
die bunten Farben der Jockeys und an Sommer-Sonn- 
tagen ein schaulustiges Publikum sieht. Zwanzig 
Rennen jährlich. 5. Sport. 

Strausberg, das von der Ostbahnstation auf einer 
Zweigbahn oder hübscher Fußwanderung zu erreichen 
ist, liegt idylUsch an dem stillen Straussee. Für den 
einfachen Berliner, der noch nicht weltstädtisch ver- 
dorben und Globetrotter geworden ist, gehört eine 
Strausberger Sommerwohnung zum höchsten der Ge- 
fühle. Hier ist er Mensch, hier darf er's sein. 

Königs- Wusterhausen. Man nimmt einen Vor- 
ortzug der Görlitzer Bahn und passiert: 

Baumschulenweg (Späths Baumschule), Nieder- 
Schöneweide und Adlershof. Grünau (auch mit der 
Stadtbahn zu erreichen), liegt in der Hälfte der 
Strecke, an der Dahme, einem Nebenarm der Ober- 
spree. Beliebter und bekannter Ausgangspunkt für 
große Ruderregatten. Fußweg und Überfahrt nach 
Friedrichshagen und dem Müggelsee. Benachbart der 
kleine und der große Müggelberg; Aussichtsturm, Bis- 
marckwarte. Weiterhin an der Bahn: 

Eichwalde, Zeuthen, Wildau; Königs-Wuster- 
hausen, bekannt durch das Jagdschloß, in dem noch 
heute Erinnenmgen an die Tabakskollegien Friedrich 
Wühelmsl. aufbewahrt sind; nicht weit davon, an der 
Dahme, Dampferstation Neue Mühle, 

Rüdersdorf . Mit dem Dampfer auf der Oberspree 
bis Köpenick. Man passiert zahlreiche Fabrik- und 



284 Ausflüge. 

außerhalb der Stadt Vergnügungsanlagen. Viel ge- 
rühmt sind: 

Eierhäuschen, Wühelminenhof, Hasselwerder, 

Köpenicky eine unter anderem durch ihre Wasch- 
anstalten bekannte Stadt, mit mehr als 20000 Ein- 
wohnern. Schloß, in dem über Friedrich den Großen 
als Kronprinzen das Kriegsgerichtsurteil gefällt wurde. 
Von hier mit der Schlesischen Bahn (von Berlin aus 
auch mit der Stadtbahn) nach 

Friedrichshagen am Müggelsee. Die Berliner 
Wasserwerke. Müggelberge. Bekannte und teilweise 
überlebte Schriftstellerkolonie. Gerhart Hauptmanns 
Anfänge. 

Erkner, Am andern Ende des Sees. Von hier 
Dampfschiffverbindung nach Woltersdorf und 

Kalkberge Rüdersdorf, Hier Kalkbrüche und 
Spaziergänge auf den Schutthalden. O Berlin! 

Charlottenburg mit Westend. Kaum ein Ausflug, 
sondern ein Vorort. Kaum noch ein Vorort, sondern 
ein mit Berhn schon verwachsener Stadtteil. Aber 
ein Stadtteil ohne Hotels und für den Fremden darum 
meist nur auf der Durchfahrt erreichbar. Stadtbahn- 
und Straßenbahnverbindung. S. Vororte. 

Grunewald. Das Forstgebiet zwischen^Charlotten- 
burg und Potsdam. Großer und prächtiger Kiefern- 
wald, belebt durch die Havel und die von ihr aus- 
gehenden Seen. Im Süden der große und an Seglern 
reiche Wannsee mit der Villenkolonie gleichen Namens. 
Im Norden die Kolonie Grunewald und Hundekehle. 
Von hier Spaziergang nach Paulsborn, Jagdschloß 
Grunewald und Schlachtensee; ostwärts Picheisberg 
und Schildhorn. Der Grunewald, seiner ganzen Länge 
nach von der Potsdamer Vorortstrecke der Stadtbahn 
durchquert, hat bis jetzt noch Waldescharakter. Die 
nächsten Jahre werden aus ihm einen Volkspark 



Ausflüge. 285 

machen. An die Stelle des Jagdschlosses wird Herr von 
Podbielski Schießbuden treten lassen. 

Potsdam. Das preußische Versailles. Mit Schön- 
heiten des französischen und noch einigen eigenen. 
Wundervolle Einfahrt von Wannsee her. Pfaueninsel; 
Park und Schloß des Prinzen Friedrich Leopold; GHe- 
nicker Brücke; Schloß Babelsberg. Am Stadtschloß 
mit dem Exerzierplatz der Potsdamer Wachtparade 
betritt man die alte und historische Residenzstadt. 
Man tritt den klassischen Boden Friedrichs des Großen 
und ist weit, weit vom kaiserlichen BerUn. Auf dem 
Altmarkt dieNikolaikirche, darin die Gruft des Königs; 
das alte Rathaus; der Palazzo Barberini. Fahrt über 
den Wilhelmsplatz und durch das Brandenburger Tor 
nach Sanssouci. Das Verhältnis von Stadt- und Schloß- 
park ist dem in Versailles durchaus nachgebildet; 
auch an Wiederholungen der Orangerie und der Fai- 
sanderie fehlt es nicht. Graziöse Gartenskulptur von 
Franzosen des XVIII. Jahrhunderts. Durchaus selb- 
ständig imd originell dagegen der großartige Terrassen- 
bau des Schlosses, an das sich eine gleichfalls sehens- 
werte Büdergalerie anschUeßt. Der gerade lange 
Hauptweg führt durch den ganzen Park (Japanisches 
Haus, Chinesisches Theater, Antikentempel, Freund- 
schaftstempel, Charlottenhof) zum Neuen Palais, dem 
Residenzschloß des Kaisers. Das Kronprinzenpaar 
wohnt im Marmorpalais im Nordosten der Stadt. Am 
Eingang zum Park von Sanssouci das Mausoleum 
Kaiser Friedrichs. 

Spandau. Vorortzüge vom Lehrter Bahnhof oder 
von der Stadtbahn. Stadt mit 65000 Einwohnern. 
Ehemals berühmt durch seine Festung, jetzt als Gar- 
nisonstadt durch seine großen Artilleriewerkstätten, 
Gewehrfabriken, Geschützgießereien. Im Juliusturm 
der Zitadelle hegt der Reichskriegsschatz von 120 
Millionen Mark in Gold. Wird nicht gezeigt. Dampfer- 
fahrt auf der Havel nach Tegel oder nach Wannsee. 



286 Ackerbau, Viehrucht und Schiffahrt. 

22. Ackerbau, Viehzucht und Schiffahrt. 

Es ist alles da! 

Berlin ist seiner Geschichte nach eine Ansied- 
lung von Schiffern, nicht von Ackerbauern. Auf 
der Spreeinsel, in Alt-Kölln, wohnten unsere älte- 
sten Altvordern als Kahnbesitzer und Fergen, wäh- 
rend das Bruchland ringsum, sumpfige Wiesen und 
Sandhügel, eine Art vorgeschichtliches Dämmerungs- 
dasein führte. Die Schiffahrt und die Fischerei 
waren unter den natürlichen Beschäftigungen die 
für unser Seengebiet geeigneten. 

Spät, aber gründlich änderte sich das. Ruck- 
weise trat die Entwicklung auf. Die Industrie schuf 
eine große Stadt, und Fischerei und Schiffahrt blie- 
ben teils vor den Toren, teils nur noch wenig beachtete 
Durchzügler auf verhältnismäßig schmalen Wasser- 
straßen. Im äußern Gesamtstadtbild wenigstens. 
Der Sache nach ist freilich die Bedeutung des Schiffs- 
verkehrs für Berlin durchaus erhalten geblieben; 
mit ein paar Zahlen und Daten kommen wir gleich 
noch darauf zurück. 

Aber was nun das Merkwürdigere ist: gerade 
die Industrie holte für das sandig-smnpfige Tal 
zwischen dem Barnim und dem Teltow auch die Er- 
rungenschaft des Ackerbaues nach. Man benutzte 
die vorgeschrittene Landwirtschaft zur Fruchtbar- 
machung des Bodens. Von Friedrich dem Großen 
rühren die ersten entschlossenen Versuche her. Der 
Obstbau in Werder, einem hügeligen Havelstädtchen 
hinter Podsdam, ist heute ein ansehnlicher Faktor 
für Berlin und zur Zeit der Baumblüte eine durch- 
aus empfehlenswerte Sehenswürdigkeit ersten Ranges. 
Als Ergänzung zu dem Kapitel „Ausflüge" sei dieser 
Ort hier besonders betont. Anderwärts blühte der 
Gemüsebau auf, und die Teltower Rübchen sind 
ja auch schon längst über die Grenzen ihres poli- 
tischen Landkreises hinausgedrungen. In die Ge- 



Die Latibenkolonien. 287 

markung Berlins fallen diese Kulturen freilich nicht; 
sie sind nur charakteristisch für seine Umgebung. 
Aber auch richtigen Berliner Feld- und Ackerbau 
gibt es, und wenn einzelne der modernsten Zeugnisse 
der Bodenindustrie, die Berliner Rieselgtiter ^5. Tech- 
nische Anlagen)^ kaum noch in die Grenzen der 
Stadt fallen, so sind sie doch berlinisch, und die 
Sonntags- und Erholungsgrundstücke unserer Klein- 
bürger und Industriearbeiter, die Laubenkolonien, 
sind es erst recht. 

Diese Laubenkolonien sieht man an der Peri- 
pherie, aber auch auf leerem Baugelände mitten 
innerhalb der Stadt. Wer sich im Fluge über ihre 
Lage und Ausbreitung orientieren will, mache eine 
Fahrt auf der Ringbahn; da öffnet sich ihm man- 
cher Blick auf die eigenartigen, schmalen Rasen-, 
Blumen- und Gemüsebeetstreifen, die oft zu Dutzen- 
den sich nebeneinander hinziehen. Eine Laube, 
aus Brettern und Latten gefugt, ist das alther- 
gebrachte kennzeichnende Requisit ; ein paar hoch- 
stielige Sonnenblumen mit gelben und schwarzen 
Köpfen sind als der traditionelle Schmuck weit- 
hin erkennbar. Seine Sonmierfrische für Weib und 
Kind pachtet der kleine Mann mit diesen groß- 
städtisch bescheidenen Parzellen, aber es wäre ver- 
fehlt, zu glauben, daß diese Sommerfrischen dem 
Vater nur zum Tischlern, der Mutter zum Kafiee- 
kochen und den Kindern zu Kletterübungen gut 
genug sind. Wirkliche rationelle Landwirtschaft 
wird hier betrieben. Riesige Kürbisse, Kartoffeln, 
Bohnen, auch edle Gartenblumen gedeihen unter 
der Zucht des modernen Laubenkolonisten; auch 
die Viehzucht betreibt er in besonderen Verschlagen, 
wo er allerlei Hühner, Tauben, Kaninchen, mal 
auch ein Lämmchen, einen Ziegenbock aufmästet. 
Die Züchter sind tatsächlich in Kolonien, d. h. Ver- 
einen, denen sie poetische Namen wie Ostwacht, 
Bauers Ruh', Kiautschou geben, zusammengeschlos- 



288 Ackerbau, Viehzucht und Schiffahrt. 

sen; sie unterstützen sich gegenseitig mit Ratschlä- 
gen und veranstalten Ausstellungen mit Preisaus- 
schreiben. 

So tritt die Viehzucht des Berliner Ackerbür- 
gers ergänzend, wenn auch nur im kleinen, zur 
Fischerei, die speziell an der Oberspree einstmals 
berühmt war (Fest des Stralauer Fischzugs I) und 
auch heute keineswegs ausgestorben ist; man sehe 
die Reusen und Fischkästen hinter der Waisen- 
brücke! 

Und malerisch und prägnant haben sich gerade 
auch an diesem oberen Teü der Berüner Spree die 
Traditionen des althistorischen Schiffergewerbes er- 
halten. Die Berliner Schiffahrt ist Lastenschiffahrt, 
betrieben mit Flößen, großen Ruderkähnen und 
stellenweise vorgespannten kleinen Dampfer-Schlep- 
pern; als solche spielt sie eine größere Rolle, als 
man gemeinhin weiß. Sie bringt Obst aus Böhmen, 
Sandstein aus Schlesien, Kohlen von den Gleiwitzer 
Zechen, Sand, Zement und Backsteine aus der 
nordostdeutschen Ebene, Chemikalien und Mineralien, 
Zucker und Holz, Bier und Branntwein. Auch für 
die Getreide- und Mehlzufuhr ist der Wasserweg 
von erhebücher Bedeutung, nicht minder für den 
Weitertransport und die Versendung der Güter von 
Berlin aus. Es sind in der Hauptsache dieselben 
Rohstoffe und Fabrikate, welche zu Massen eingeführt 
wurden und nun, teilweise nach Veredelung, wieder 
die Ausfahrt antreten. Im Jahre 1903 wogen die 
abgegangenen Güter nahezu 700000, die angekom- 
menen fast drei Viertel Million Tonnen. Über dreißig- 
tausend Kähne sind es, die jährlich die Stadt durch- 
fahren. 

Berlin liegt mitten im Gebiet der Elbe-Oder- 
Verbindung. Die Spree und die Havel und die zur 
Ergänzung beider angelegten Kanäle stellen die 
Wasserstraßen her, die in Berlin ihr Zentrum haben. 



Schiffahrtswege. 289 

Die Hauptwasserstraße geht von Fürstenberg a. d. O. 
direkt nach Spandau. Ergänzt wird sie in und rings 
um Berlin durch ein Netz von Kanälen und zwar: 
Kupfergraben -Spreekanal, Landwehrkanal, Luisen- 
städtischer Kanal, Verbindungskanal, Spandauer 
Schiffahrtskanal und Teltow- Kanal; 5. Technische 
Anlagen. 

Diese Kanäle sind ebenso wie die untere Spree 
selbst zwischen Oberbaumbrücke und Spandau 
durch Schleusen und Wehre schiffbar gemacht; der 
bedeutendste Berliner Hafen ist der Hiunboldthafen 
am Lehrter Bahnhof. Hier kann man ein gut TeU 
des Berliner Schiffergetriebes aus eigener Anschauung 
kennen lernen. Die Anlage eines Lade- und Stapel- 
platzes ganz großen Stils, eines „Seehafens", ist 
am Stralauer Anger geplant. Wenn dann auch 
noch der Großschiffahrtsweg Berlin-Stettin gebaut 
ist, sind wir beinahe Seestadt. Hipp hipp hurrah! 

Dagegen ist der Berliner Personenverkehr zu 
Wasser nur luxuriöser Natur. Ausflugsdampfer gehen 
im Sommer täglich in größerer Anzahl von der Janno- 
witzbrücke in die Oberspree hinaus, in geringerer 
Anzahl von der Weidendammer Brücke abwärts nach 
Spandau und Potsdam. Auch die beliebten Seen in 
der Umgebung Berlins sind alle im Sommer von 
reichlich besetzten Passagierdampfern regelmäßig be- 
fahren. 

23. Parlamentarismus. 

Die unüiteressanteste Berliner 
Sehenswürdigkeit 1 

Reichstag, Königsplatz i — 3, 

Einlaßkarten am Vortage bestellen; man erhält 
einen Gutschein, der am Verhandlungstage zwischen 
9 Uhr und Sitzungsanfang gegen eine Eintrittskarte 
umgetauscht wird. Früh antreten! Bei besseren 
Sitzungen ist die Aussicht, etwas zu hören, sehr 
zweifelhaft. Der Saal ist gewöhnlich leer; die all- 

Berlin und die Berliner. 19 



290 Parlamentarismus. 

I 

gemeinen Tribünen für das Publikum reichen da- 
gegen an interessanten Tagen nicht aus. Man tut 
daher gut, sich Unterkunft auf den Galerien des 
Bundesrat, des diplomatischen Korps oder der Ab- 
geordneten zu verschaffen. Fehlen persönliche Be- 
ziehungen, so schreibe man vorher an seinen Ab- 
geordneten: „Hochverehrter Herr ! Als Landsmann, 
Wähler und Ihr getreuer Anhänger möchte ich usw." 
Geniert man sich dies zu tun, so kann es auch heißen : 
„Ew. Hochwohlgeboren beehre ich mich, zwar ein 
entschiedener Gegner Ihrer Grundsätze, aber von auf- 
richtigster Hochachtung für Ihre Person beseelt, usw." 
Wenn aber, wie meist, unser Abgeordneter gar nicht 
anwesend ist, so bittet man Herrn Stadthagen um 
eine Karte mit der Begründung, daß man ihn so 
gern einmal hören möchte. 

Abgeordnetenhaus, Prinz AlbrecMsir. 5. 

Eintrittskarten am Vorabend 5 — 7, am Sitzungs- 
tage am Billetschalter. Ahnliche Verhätnisse wie im 
Reichstag; meistens noch langweiliger. Im Zweifel 
kann man sich auch in beiden Häusern an einen 
Journalisten um Rat wenden, dem man sich von irgend 
einer diplomatischen Soiree in Erinnerung bringt. 

Herrenhaus, Leipzigerstr. 5. 

Eintrittskarten eine halbe Stunde vor der Sitzung 
in der Botenmeisterei. Gewöhnlich Platz genug und 
natürlich der Gipfel der Langeweile. 

Stadtverordnetenversammlung, Rathaus. 

Sitzungen Donnerstag Nachmittag 5 Uhr. Freier 
Eintritt ohne Karte. Verhandlungen manchmal sehr 
lebhaft und berünisch, die gesteckt volle Galerie 
dann aber desgleichen. 



III. 

Sitten. 



Die Philister, die Beschränkten, 

Diese geistig Eingeengten, 

Darf man nie und nimmer necken. 

Aber weite, kluge Herzen 

Wissen stets in unsem Scherzen 

Lieb' und Freundschaft zu entdeclcen. 



I. Der Kaiser in Berlin. 

Man sagt im Französischen und Eng- 
lischen oft wie auf deutsdi „Kaiser'% 
in Bedin ausnahmelos „Majestät". 

Berlin als Residenzstadt. 

Neben Potsdam ist auch Berlin Residenzstadt 
Sr. Majestät des deutschen Kaisers und Königs von 
Preußen. Als solche enthält es eine Reihe großer 
Wohnungspaläste, die im Besitze des Hofes sind; 
das kgl. Schloß auf der Spreeinsel, das Kaiser- 
Friedrich-Palais, das jetzt dem Kronprinzenpaar zu- 
gewiesen ist, das Palais des alten Kaisers, das Nieder- 
ländische und das Prinzessinnen-Palais, das Palais 
weil, des Prinzen Georg und Schloß Monbijou sind 
darunter die bekanntesten und wichtigsten. Be- 
wohnt wird von Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. 
nur das Schloß. Für ihn ist der historische Bau 
wieder neu und wohnlich adaptiert worden, und 
zwar liegen die Räume des Kaisers und der Kaiserin 
im zweiten Geschoß auf der dem Schloßplatz zu- 
gewendeten Seite. 

Die Anwesenheit Sr. Majestät im Schloß zu 
Berlin, genauer: seine Residenzzeit, die sich im Jahr 
nur auf einige Wochen erstreckt, ist durch die über 
dem Dach des Schlosses auf der Lustgartenseite ge- 
hißten Flaggen kenntlich gemacht. Die gelbe Kaiser- 
und die rote Königsstandarte mit Adlern imd eiser- 
nem Kreuz sind in diesem Fall schon von weitem 



294 



Der Kaiser in Berlin. 



erkennbar. Auch der brandenburgische rote Aar 
im weißen Feld weht dann oft über dem Schloß. 

Für die kurze Residenzdauer des kaiserlichen 
Hofes in Berlin werden mancherlei Gründe ange- 
führt; der entscheidende ist wohl der, daß das Ber- 
liner Schloß weder einen Garten enthält, noch einen 
zum Spazierengehen und Reiten benutzbaren Garten 
in seiner Nähe hat. Auch sonst läßt der alte Bau 
es an manchem Komfort fehlen. Das Neue Palais 
bei Potsdam bietet Sr. Majestät eine Umgebung 
mit stundenweiten, stillen grünen Anlagen; in Berlin 
empfiehlt sich zu ungestörtem Spaziergang und Aus- 
ritt nur der Tiergarten, und der fast nur zu früher 
Morgenstunde. Ihn besucht Se. Majestät während des 
Berliner Aufenthalts täglich. 

Wann ist der Kaiser in Berlin? 

Die geschUderten Umstände haben zur Folge, 
daß Se. Majestät und die kaiserliche Familie nicht 
immer, wenn sie vom Neuen Palais aus Berlin zu 
einem bestimmten Zweck besuchen, hier das Schloß 
beziehen. Nach einem kurzen Aufenthalt, auch 
abends nach dem Besuch eines Berliner Theaters, 
begeben sich die Majestäten zumeist zurück nach 
Potsdam, manchmal, aber nur vereinzelt und zwar 
bei Tage, im Automobil, gewöhnlich auf der Pots- 
damer Bahn. Der Bahnhof, der in der schmalen 
Zufahrtstraße hinter dem Potsdamer Platz den Ein- 
gang zum kaiserlichen Wartezimmer enthält, ist 
darum nach Galavorstellungen und bei ähnlichen 
Gelegenheiten von neugierigem Volk umgeben und 
teilweise abgesperrt. 

Die Paraden. 

Zu solchen kurzen Besuchen Sr. Majestät in 
Berlin gibt es mancherlei Anlässe. Die regelmäßig 
feststehenden sind vor allem die Frühjahrsparade 
(31. März) und die Herbstparade (2. September) des 



Der Kaiser in Berlin. 295 

Gardekorps auf dem Tempelhofer Feld. An diesen 
beiden Tagen trifft Se. Majestät der Kaiser mit Ihrer 
Majestät der Kaiserin und allen in Potsdam an- 
wesenden Mitgliedern des königlichen Hauses früh 
morgens am Bahnhof Groß- Görschenstraße in Berlin 
ein, verbringt nach beendeter Parade im hiesigen 
Schloß (zumeist mit Empfängen auswärtiger Gäste) 
den Tag und beschließt ihn abends im Opernhaus, 
wo für die Abende nach den Paraden Galavorstellung 
angesagt ist. Regelmäßig nach der Parade sielet 
man Se. Majestät, zur Mittagsstunde oder kurz vor- 
her, den Weg vom Tempelhofer Feld zum Schloß, 
die Belle- Alliancestraße, Friedrichstraße und die öst- 
liche Hälfte Unter den Linden, zu Pferde an der 
Spitze der Fahnenkompagnie zurücklegen. Der 
Kaiser erwidert mit einem leichten Schwenken des 
Marschallstabs die Grüße der zu Tausenden auf den 
Bürgersteigen und an den Fenstern versammelten 
Menge. Viele Lokale und Geschäfte vermieten für 
diese Tage Plätze an ihren Fenstern oder auf ihren 
Balkons. 

Die DenkmalsenthüUungen. 

Eine zweite Gelegenheit, den Kaiser zu sehen, 
wie das geflügelte Wort der Einheimischen und 
Fremden lautet, bieten ziemlich regelmäßig die hier 
stattfindenden Denkmalsenthüllungen , manchmal 
auch die Einweihungsfeierlichkeiten in öffentlichen 
Gebäuden. Ein reguläres Programm gibt es dafür 
natürlich nicht, aber man liest von Zeit zu Zeit in 
den Blättern von der neuesten Enthüllung, die in 
Berlin bevorsteht, und zumeist auch, ob und zu 
welcher Stunde Se. Majestät sich auf dem Festplatze 
einfinden wird. Gewöhnlich fährt der Kaiser bei 
solchen Gelegenheiten in offener Hofkutsche zu- 
sammen mit Ihrer Majestät der Kaiserin und der 
Prinzessin Viktoria Luise vor. In weiteren Kutschen 
schließen sich die Mitglieder des königlichen Hauses 



296 ^^ Kaiser in Berlin. 

und die Suite an. Gewöhnlich fehlt es auch an 
der militärischen Eskorte nicht, und zwar in der 
Regel bestehend aus einer Kavallerie-Eskadron, die 
voranreitet und den Ehrendienst leistet; bei Ge- 
legenheiten, die eine besondere militärische Demon- 
stration wünschenswert erscheinen lassen, sind auch 
Bataillone einiger Infanterieregimenter und die Leib- 
batterie des I. Garde-Feldartillerieregiments zur Stelle 
kommandiert, und Se. Majestät der Kaiser nimmt 
ip. diesem Fall, nach Abschreiten der Front vor 
oder nach der Enthüllung des Denkmals, den Vorbei- 
marsch ab. Entsprechend der Veranlassung werden 
oft besondere historische Uniformen angelegt. 

Bei solchen Feierlichkeiten oder festlichen Auf- 
fahrten, zu denen auch der Einzug fremder Mo- 
narchen in Berlin gehört, sind die Plätze und 
Straßen, in denen die Ankunft des Kaisers erwartet 
wird, und der Festplatz selbst, auf dem Se. Maje- 
stät in einem Samtzelt Aufstellung zu nehmen pflegt, 
polizeilich gesperrt. Nur die möglichst früh Er- 
schienenen, die sich in der Nähe des festlichen 
Schauplatzes auf dem Bürgersteig aufstellen, haben 
Aussicht, etwas von dem höfischen Bild zu erblicken; 
früh aufstehen ist also für diesen Fall geboten. 
Bei ganz großen Straßenveranstaltungen wird übrigens 
innerhalb des abgesperrten Raumes eine bestimmte 
Anzahl von Plätzen nicht nur für persönlich ge- 
ladene Teilnehmer, sondern auch für Berichterstatter 
und Zuschauer freigehalten. Je nach der Art der 
Veranstaltung gibt eine bestimmte Behörde die da- 
für geltenden Zutrittskarten aus; das Hofmarschall- 
amt, das Gouvernement, das jeweilige Ressort- 
ministerium, das Polizeipräsidimn oder der Magistrat 
sind die für die verschiedenen Fälle in Betracht 
kommenden Instanzen. An die richtige (die man 
herausfinden muß) wendet man sich mit der Bitte 
um eine Karte. Aber nur auf Grund guter Emp- 
fehlungen darf man hoffen, eine zu bekommen. 



Der Kaiser in Berlin. 297 

Schlofisaison und Kaisers Geburtstag. 

Außer den genannten gibt es eine programm- 
mäßig feststehende Residenzzeit Sr. Majestät des 
Kaisers in Berlin, und das ist der Januar. Diesen 
verbringt das Kaiserpaar regelmäßig in Berlin. Da 
herrscht im kgl. Schloß das Leben und Treiben der 
hohen Saison. Mit den großen und kleinen Hof- 
bällen wechseln zwanglosere Kostümfeste, mit diesen 
das populäre Krönungs- und Ordensfest, die Defilier- 
cour des diplomatischen Korps, die Defiliercour für 
die Herren vom Militär und das Kapitel des Ordens 
vom Schwarzen Adler {i8. Januar) ab. Seinen be- 
sonderen Glanz erhält das Schloßprogramm der 
Saison noch durch das in diesen Monat fallende 
Geburtsfest Sr. Majestät des Kaisers. Es ist dies 
bekanntlich der 27. Januar. 5. Festtage, 

Für Kaisers Geburtstag und für alle Karnevals- 
feste, die im Schloß stattfinden, läßt der Ober- 
zeremonienmeister Sr. Majestät, Graf Eulenburg, bezw. 
der Zeremonienmeister des Ordens vom Schwarzen 
Adler, Graf v. Kanitz, eine Hofansage ergehen, die 
mit entsprechender Respektfrist in den Berliner 
Blättern abgedruckt erscheint. Um von dem dafür 
geltenden Zeremonial ein Beispiel zu geben, sei die 
Hofansage für das letzte Krönungs- und Ordensfest 
hier abgedruckt: 

Das Oberhofmarschallamt läßt zur Feier des Krö- 
nungs- und Ordensfestes am 22. d. M. folgende Ansage 
ergehen: Einladung der neu zu dekorierenden Personen 
2U 9Va Uhr. Versammlung in der ersten braunschweigi- 
schen Kammer. Ordensverleihung in der zweiten braun- 
schweigischen Kammer um 10 Uhr. Der Kronprinz und 
die Prinzen und Prinzessinnen versammeln sich um 11^ 
Uhr im Kurfürstenzimmer, um daselbst den Kaiser und 
die Kaiserin zu erwarten. Die Hofstaaten und Gefolge 
versammeln sich zu derselben Zeit in der boisierten 
Galerie. Die Damen des Wilhelms-Ordens, des Luisen- 
Ordens, des Verdienstkreuzes und der Roten Kreuz-Me- 
daille versammeln sich in der zweiten Parade- Vorkammer 
um II 14 Uhr, schließen sich, nachdem die neudekorierten 



298 ^^ Kaiser in Berlin. 

Damen den Majestäten vorgestellt worden sind, den 
Damen des Gefolges an und begeben sich sogleich in die 
Schloßkapelle. Versammlung der Ritter des Hohen 
Ordens vom Schwarzen Adler sowie der aktiven Staats- 
minister im Rittersaale um 11% Uhr. Die zur Feier 
außerdem eingeladenen älteren Ritter und Inhaber, ins- 
besondere die im Jahre 1904 Dekorierten versammeln 
sich in der Schloßkapelle gegen 12 Uhr. Das Kaiser- 
paar, gefolgt vom Kronprinzen und den Prinzen und 
Prinzessinen des Königlichen Hauses, begeben sich zur 
Vorstellung der neu ernannten Ritter des Roten Adler- 
Ordens, des Kronen-Ordens und des Königlichen Haus- 
Ordens von HohenzoUern unter großem Vortritt in den 
Rittersaal, woselbst nach 11^ Uhr die Cour stattfindet, 
bei der die Prinzessinnen des Königlichen Hauses rechts, 
der Kronprinz und die Prinzen des Königlichen Hauses 
links vom Throne Aufstellung nehmen. Nach der Cour 
begeben sich die Majestäten und die Höchsten Herr- 
schaften im feierlichen Zuge, unter dem großen Vortritt, 
nach der Schloßkapelle. Gottesdienst in der Schloß- 
kapelle um 12 Uhr. Nach dem Gottesdienst begibt sich 
das Kaiserpaar und die Höchsten Herrschaften in den 
Marinesaal, während der Vortritt und die Gefolge in der 
Bildergalerie bezw. im Königinnengemach verbleiben, 
alsdann nach erfolgter Ordnung der Tafel im Zuge zu- 
rück in den Weißen Saal zur Tafel, welche nach i Uhr 
beginnt. 

Das Festmahl, mit welchem dieses Krönungs- 
und Ordensfest abschließt, ist für die weiteren Kreise 
der neu Dekorierten aller Stände, die alle einschließ- 
lich der mit dem Allgemeinen Ehrenzeichen Ver- 
sehenen geladen werden, die einzige Gelegenheit im 
Jahr, zu Hofe zu kommen. Die Defiliercouren und 
Bälle sind ai^schließlich für die bei Hofe eingeführten 
Personen bestimmt. Über diese, sowie über Vor- 
stellungen und Audienzen bei Hofe s. Hofrangard- 
nung und ZeremoniaL 

Die Defiliercouren finden abends 8 Uhr vor 
dem im Rittersaal des kgl. Schlosses thronenden 
Kaiserpaar, das Ordenskapitel des Schwarzen Adlers 
zur Mittagsstunde statt. Die Hof balle, auf j denen 
außer der Hofgesellschaft die besttanzenden Offiziere 
des Gardekorps das Hauptkontingent bilden, schließen 



Der Kaiser in Berlin. 



299 



regelmäßig um i Uhr nachts. Getanzt werden Zwei- 
schritt, Polka, Menuett, Gavotte, Quadrille. Zwei 
Vortänzer, die jedes Jahr aus dem Regiment Garde 
du Corps und dem i. Garderegiment zu Fuß für 
die Saison gewählt werden, sorgen für den nötigen 
Schwung und das richtige Arrangement. Die Hof- 
bälle schließen regelmäßig mit einer großen Polo- 
naise und einem Gesamtkompliment vor den kaiser- 
lichen Majestäten. Am 31. Januar ist Kehraus. 
Den Tag darauf verläßt der Hof Berlin. 

Der Kaiser auf der Strafie. 

Die Straße Unter den Linden ist die eigent- 
liche Kaiserstraße Berlins. Wenn der Kaiser sich 
in Berlin aufhält, passiert er diese Straße mindestens 
einmal täglich zu Wagen oder zu Pferde; sie führt 
in den Tiergarten und auch zur Wilhelmstraße, wo 
Se. Majestät im Reichskanzlerpalais sehr oft vor- 
mittags zu erscheinen pflegt. Die Stunde, in der 
Se. Majestät Unter den Linden erwartet wird, er- 
kennt man meist schon an den Schutzleuten, die in 
kleinen Zwischenräumen Aufstellung nehmen — auf 
der Südseite der Straße, wenn der Kaiser zu Wagen, 
auf der Nordseite, wenn er zu Pferde kommt. Die 
stärkste vStraßenaufmerksamkeit findet Se. Majestät 
natürlich als Reiter; gewöhnlich sieht map ihn 
zwischen zwei Begleitern, Adjutanten und Oberstall- 
meister, aber etwa um Pferdes Nasenlänge den 
beiden voraus, im Sattel sitzen; die bekiesten Strecken 
der Reitallee werden in kurzem Trab, die ge- 
pflasterten Übergänge im Schritt genommen. Alles, 
was Unter den Linden spazieren geht, drängt sich 
in diesem Fall so dicht als möglich an die Allee 
heran. 

Im Tiergarten sieht man Se. Majestät zu früher 
Morgenstunde oder auch um die Mittagszeit, zu 
Pferd oder zu Fuß, ganz unfeierlich und anscheinend 
ohne polizeilichen Begleitdienst. Gewöhnlich sind 



300 



Der Kaiser in Berlin. 



aber ein paar Schutzleute oder Detektivs zu Rad 
in der Nähe. 

Die kaiserliche Equipage, meist von Schimmel- 
trabem oder Trakehner Rappen gezogen, ist kennt- 
lich an der schwarzen Livree des Kutschers mit 
silbernen Fangschnüren und breitem Adlerband am 
Hut sowie dem dunkelgrün gekleideten Jäger mit 
Federhut und Bandelier. Das Automobil Sr. Maje- 
stät fällt sofort auf durch schnelle Fahrt, den leuch- 
tend gelben Anstrich, die Fanfare, die als Hupe 
dient, und die Horuniform des Chauffeurs. 

Auf der Straße sieht man Se. Majestät fast 
ausschließlich in militärischem Anzug, die linke Hand 
meist auf den Säbelkorb gestützt. Je nach der Ge- 
legenheit wird diese Uniform aus der großen Zahl 
derjenigen des deutschen Heeres und der kaiserlichen 
Marine gewählt, welche der Kaiser auf Grund seiner 
verschiedenartigen Beziehungen zu den einzelnen 
Truppenteilen anzulegen geruht. Wenn keine be- 
sondere Veranlassung gegeben ist, trägt der Kaisei 
in Berlin gewöhnlich den Überrock eines Garde- 
Infanterie- oder -Kavallerieregiments. Leicht bleibt 
Se. Majestät dem ungeschulten Auge unerkannt, 
wenn er mit Rücksicht auf fremde Fürstlichkeiten 
in einer seiner mannigfaltigen ausländischen Uni- 
formen durch die Straßen fährt. Ausnahmsweise er- 
blickt man den Kaiser auf Berliner Gemarkung auch 
wohl einmal im Hofjagdkostüm oder im roten 
Herrenreiterfrack. 

Man grüßt Se. Majestät auf der Straße durch 
Frontmachen; die Herren in Zivil lüften den Hut, 
die Damen machen tiefe Verbeugung, die Kinder 
knixen. Der Kaiser dankt regelmäßig mit Salutieren 
und einem so scharfen Blick, daß jeder, den er ge- 
troffen hat, dann zu sagen pflegt: „Majestät hat 
mich ganz genau angesehen.** 



Der Kaiser in Berlin. 



301 



Im Theater, in Ausstellungen und Ateliers. 

Se. Majestät besucht ausschließlich Vorstellungen 
des Kgl. Opern- und des Kgl. Schauspielhauses; im 
ersteren nimmt er gewöhnlich in der linken Seiten- 
loge des ersten Ranges, im Schauspielhaus gegen- 
über der Bühne in der großen Kaiserloge Platz. 
In Galavorstellungen wird sein Erscheinen durch 
den Intendanten, der den Kammerhermstab dreimal 
auf den Fußboden stößt, angekündigt. Das Publikum 
begrüßt ihn stehend und stumm. 

Der kaiserliche Besuch in Kunst- und ähnlichen 
Ausstellungen wird in der Regel erst im letzten 
Augenblick angemeldet und das Empfangskomitee 
meistens auf telephonischem Weg oder durch Eil- 
boten herbeigeholt. Se. Majestät legt bei solchen 
Besuchen weniger auf das höfische Zeremonial als 
auf ernste Besichtigung Wert. Ebenso zwanglos 
wie in der Großen Berliner Kunstausstellung er- 
scheint er auch in den Ateliers der Bildhauer und 
Maler, denen er Aufträge zu erteilen gewohnt ist, 
vor allem bei den Skulptur-Professoren Reinhold 
und Karl Begas. Die Ausstellungen der Sezession 
besichtigt er nicht und von ihren Künstlern hat er 
bisher nur Louis TuaiUon herangezogen. 

Der Kaiser als Gast. 

Als Gast erscheint Se. Majestät in Berlin nicht 
nur bei den Vorträgen in öffentlichen Gesellschaften, 
z. B. in der Schiffsbautechnischen Gesellschaft oder 
bei den Vorträgen des Professors Delitzsch, sondern 
auch zwanglos auf geselligen Abenden beim Reichs- 
kanzler, bei den übrigen Ministern, bei Gesandten 
und Botschaftern und bei einigen Sr. Majestät persön- 
lich nahestehenden Mitgliedern der Berliner Gesell- 
schaft. Die Liste der Gäste pflegt in solchen Fällen 
dem Kaiser vorher vorgelegt und von ihm manch- 
mal ergänzt zu werden. Oft sind mit solchen ge- 
selligen Abenden auch fachliche Vorträge verbunden, 



^02 Hofrangordnung und ZeremoDiell. 

nach denen der Kaiser in die Diskussion einzu- 
greifen liebt. 

Von den Häusern, in denen Se. Majestät mit 
ziemlicher Regelmäßigkeit als Gast zu erscheinen 
pflegt, seien hier besonders genannt die österreichisch- 
ungarische Botschaft, die sächsische Gesandtschaft, die 
Palais des Fürsten Guido Henckel von Donnersmarck 
und des Grafen Franz Hubert von Tiele-Winckler. 

2. Hofrangordnung und Zeremoniell. 

Achtung 1 Präsflütiert das — Gewdirl 

Rangordnung der bei Hofe erscheinenden (hoffähigen) 
Wer ist hoffähig? Personen: 

^wüSd^**° Der Oberstkämmerer. 

Die Generalfeldmarschälle. 

Der Ministerpräsident. 

Der Oberstmarschall. 

Der Obersttruchseß. 

Der Oberstschenk. 

Der Oberst] ägermeister. 

Die Ritter des Hohen Ordens vom 

Schwarzen Adler. 
Die Kardinäle. 

Der Hochadd. d{q Häuptcr der nachstehend aufge- 
führten fürstlichen und ehemals reichs- 
ständischen gräflichen Familien in fol- 
gender Ordnung: 
Arenberg, 
Salm-Salm, 
Fürstenberg, 
Thurn und Taxis, 
Solms-Braunfels, 
Isenburg-Birstein, 
Croy-Dülmen, 
Hohenlohe-Oehringen, 
Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst, 
Wied, 



Hofrangordnung und ZeremonieU. ^03 

Solms-Lich und Hohensolms, 

Sayn-Wittgenstein-Berleburg, 

Bentinck, 

Radziwill, 

Carolath-Beuthen, 

Lichnowski, 

Sagan, 

Hatzfeld-Trachenberg, 

Biron von Curland, 

Blücher von Wahlstadt, 

Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, 

Bentheim-Bentheim und Bentheim- 

Steinsfurt, 
Salm-Horstmar, 
Bentheim-Tecklenburg-Rheda, 
Isenburg-Büdingen in Wächtersbach, 
Isenburg-Büdingen in Meerholz, 
Solms-Rödelheim, 
Stolberg- Wernigerode, 
Stolberg-Stolberg, 
Stolberg-Roßla, 
Salm-Reifferscheid-Dyck, 
Pückler-Muskau, 
Sayn-Wittgenstein-Berleburg (Ljudwigs- 

burgische Speziallinie), 
Rheina-Wolbeck, 
Pleß, 
Rohan, 
Sulkowski, 
Lynar, 
Piatbus, 

Hatzfeld- Wildenburg, 
Bismarck. 

™G«SSmft* Der Vizepräsident d. Staatsministeriums. 
Die aktiven Generale der Infanterie, Ka- 
vallerie und Artillerie. 
Der Minister des Kgl. Hauses und die 
aktiven Staatsminister. 



?04 Hofrangordnung und Zeremoniell. 

Die ersten Präsidenten beider Häuser 
des Landtags. 

Die inaktiven Generale der Infanterie, 
Kavallerie und Artillerie, welche als 
solche patentiert gewesen sind. 

Die inaktiven Staatsminister, welchen 
bei ihrem Ausscheiden der Minister- 
rang vorbehalten ist. 

Die inaktiven Generale der Infanterie, 
Kavallerie und Artillerie, welche nicht 
als solche patentiert gewesen sind. 

Die aktiven Generalleutnants. 

Die wirklichen Geheimen Räte mit Ex- 
zellenzprädikat. 

Die Erzbischöfe und die geftirsteten 
Bischöfe. 

Die inaktiven Generalleutnants, welche 
als solche patentiert gewesen sind. 

Die den Titel Exzellenz führenden Ober- 
Hofchargen. 

Die Oberhofämter im Königreich Preu- 
ßen. 

Die inaktiven Generalleutnants, welche 
nicht als solche patentiert gewesen 
sind. 

Die übrigen Exzellenzen. 

Die Nachgeborenen der angeführten fürst- 
lichen und gräfhchen Häuser, falls sie 
das Cordon eines preußischen Ordens 
besitzen. 

Die Vizepräsidenten beider Häuser des 
Landtags. 

Die Oberpräsidenten, sofern sie persön- 
lich nicht höheren Rang haben. 

Die aktiven Generalmajore. 

Die Räte erster Klasse und die ihnen 
im Range gleichstehenden Beamten. 

Die Bischöfe beider Konfessionen. 



HotraugordnuDg uud Zeremoniell. 305 

Die Oberhofchargen ohne Exzellenz- 
prädikat. 

Die inaktiven Generalmajore. 

Die Vizeoberhofchargen. 

Die Obersten. 

Die Räte zweiter Klasse und die ihnen 
im Range gleichstehenden Beamten. 

Die Generalsuperintendenten, soweit sie 
den Rang der Räte zweiter Klasse 
haben. 

Die Feldpröpste beider Konfessionen. 

Der Oberbürgermeister von Berlin. 

Die Dompröpste und die Dechanten der 
Stifter. 

Die Schloßhauptleute. 

Die übrigen Kgl. Hofchargen und die 
Hofmarschälle der Prinzen, voran der 
Hofmarschall des Kronprinzen. 

Die Kgl. Kammerherren. 

Die Flügeladjutanten des Kaisers. 

Die Inhaber der Erbämter in den Pro- 
vinzen. 

Die Oberhof- und Domprediger und die 
ihnen im Range gleichstehenden ka* 
tholischen Geistlichen. 

Die Rektoren der Universitäten und die 

beständigen Sekretäre der Akademie der 
Wissenschaften, sowie der Präsident 
und der Direktor der Akademie der 

Die Oberstleutnants. [Künste. 

Die Räte dritter Klasse. 

Die Landesdirektoren (Landeshaupt- 
leute). 

Die Generallandschafts- und Haupt- 
ritterschaftsdirektoren. 

Die Domherren. 

Die Ritterschafts- und Landschafts- 
direktoren. 

Berlin und die Berliner. 20 



^o6 Hofrangordnung und Zeremoniell. 

Die Majore. 

Die Räte vierter Klasse. 
Die Landesältesten und Landschaftsräte. 
Die bei Hofe vorgestellten Herren. 
Die Mitglieder beider Häuser des Land- 
tags. 
Die Hauptleute und Rittmeister. 
Die Kammerjunker und Hofjagdjunker. 
Die Oberleutnants. 
Die Leutnants. 

Der Rang der verheirateten Damen richtet sich 
nach dem Range ihrer Männer. 

Die Oberhofmeisterin der Kaiserin geht allen 
Damen vor. Die Witwen folgen in jeder Rangkategorie 
den verheirateten Frauen. 

Die Armee als Markstein. Das Zeremonialbuch 
für den Kgl. Preußischen Hof beschließt das Hofrang- 
reglement mit dem folgenden Kommentar: 

„Wie vor 200 Jahren, so bilden auch noch heute 
die Rangstufen der Armee die Marksteine der Ordnung 
der zum Erscheinen am Kgl. Hofe berechtigten Per- 
sonen, und da jeder Leutnant, auch der bürgerlich ge- 
borene, hoffähig ist, so steigt der Stufenrang bis zur 
Leutnantscharge hinab." 

Anmeldung der Hoffähigen. Was die Anmel- 
dung der hoffähigen Inländer, und zwar der Herren 
vom Zivil betrifft, so haben diese bei dem Oberst- 
kämmerer, als dem Chef des Kais. Hofes, bei dem 
Oberhof- und Hausmarschall und dem Oberzeremonien- 
meister, ferner bei dem Oberhofmeister und der Ober- 
hofmeisterin der Kaiserin durch andere bereits vorge- 
stellte und am Hofe genauer bekannte Herren, des- 
gleichen bei den Hofmarschällen und den Oberhof- 
meisterinnen der Prinzen und der Prinzessinnen sich 
einführen zu lassen. Die Vorstellung erfolgt dann ge- 
wöhnlich bei einem der nächsten Hoffeste, und zwar 
bei dem Kaiser durch den Oberstkämmerer, bei der 



HofrangardnuQg und Zeremoniell. ^07 

Kaiserin durch den Oberhofmeister. Erst nach der 
Vorstellung bei den Majestäten kann die Vorstellung 
bei den Prinzen und den Prinzessinnen stattfinden. 

Um Namensverwechselungen zu vermeiden, soll 
jeder dieser Herren gleichzeitig mit der Meldung 
seinen Vor- und Zunamen, seinen Charakter, seine 
Wohnung in der Stadt und die Zeit, wie lange er 
sich hier aufzuhalten gedenkt, in ein bei dem Kgl. 
Hofmarschallamt, sowie bei der Oberhofmeisterin der 
Kaiserin ausliegendes Meldebuch eintragen lassen. 

Die im Laufe des Jahres zu Räten erster oder 
zweiter Klasse beförderten Zivübeamten haben in alt- 
hergebrachter Weise den Anspruch, dem Kaiser und 
König und seiner Gemahlin vorgestellt zu werden. 
Diese Vorstellungen sind bisher stets bei der großen 
Cour erfolgt, mit welcher die Winterfeste am Hofe 
eröffnet werden. Sollte indessen, so fügt das im Zere- 
monialbuch mitgeteilte Reglement hinzu, bei der 
stetig wachsenden Anzahl der Personen jener Kate- 
gorie die Abendstunde nicht weiter geeignet erscheinen, 
so würde auf den früheren Brauch zurückzugehen sein, 
wonach alljährlich die hier anwesenden, zu Räten 
erster oder zweiter Klasse beförderten Zivilbeamten 
durch ihre Departementschefs in einer passenden Mor- 
genstunde, wie solche für die Militäfvorstellungen an- 
beraumt wird, dem Kaiser präsentiert werden. 

Laut dem Hofrangreglement sind jene Damen be- 
fugt, sich zur Vorstellung zu melden, die durch ihren 
Geburtsrang oder ausnahmsweise durch die Stellung 
ihrer Männer zur Hoffähigkeit gelangt, oder, insofern 
sie unverheiratet sind, durch die Verleihung einer Hof- 
damenstelle oder eines Stiftskreuzes den verheirateten 
Frauen gleichgestellt sind. 

Die Anmeldung unverheirateter Damen, die nicht 
Hof- oder Stiftsdamen sind, ist zwar bei vielen Hof- 
festen, insbesondere bei Bällen gestattet, gewährt aber, 
falls Allerhöchsten Ortes nicht anders befohlen wird, 
keinen Anspruch darauf, bei Couren, bei welchen die 



20 • 



3o8 Hofrangordnung und Zeremoniell. 

Damen im Hofkleide (robe de cour) erscheinen, an- 
wesend sein zu dürfen. 

Jede Dame, die das Recht hat, sich bei Hofe zu 
melden, hat sich bei der Oberhofmeisterin der Kaiserin 
durch eine andere bereits vorgestellte und bei Hofe 
genauer bekannte Dame einführen zu lassen. Die 
Oberhofmeisterin der Kaiserin vermittelt die Vor- 
stellung auch bei dem Kaiser. Diese Vorstellung er- 
folgt in der Regel gleichfalls bei einem der nächsten 
Hoffeste, oder in den Appartements der Kaiserin. ^ 

Anmeldungen nicht Hoffähiger. Wenn Personen 
des Inlandes, die nicht zu den vorgedachten Kate- 
gorien gehören, sich bei Hofe zu einer Audienz melden, 
so muß darüber ein königlicher Spezialbefehl eingeholt 
werden. Dies kann, hinsichtlich der Herren, bei dem 
Kaiser durch den Oberstkämmerer, durch den General- 
oder den diensttuenden Flügeladjutanten, oder durch 
den Oberhof- und Hausmarschall, bei der Kaiserin 
durch ihren Oberhofmeister, bei den Prinzen durch 
deren Hofmarschall oder Adjutanten, hinsichtlich der 
Damen bei der Kaiserin durch ihre Oberhofmeisterin 
geschehen. 

Diese Personen, falls sie nicht in besonderer 
Audienz, sondern nur gelegentlich gesehen werden, 
erscheinen niemals zu großen Hofcouren, überhaupt 
nicht bei solchen Veranlassungen, bei welchen die 
Damen die Schleppe, die Herren große Gala nehmen, 
sondern bei Bällen, kleinen Abendgesellschaften oder 
zur Sommerzeit auf dem Lande. 

Anmeldung von Ausländern. Von den Mitghedem 
des diplomatischen Korps steht eine Antrittsaudienz 
bei den Majestäten nur den außerordentlichen Ge- 
sandten und bevollmächtigten l^inistern, sowie den 
Ministerresidenten zu, und zwar nach Meldung durch 
den Minister der auswärtigen Angelegenheiten, bei 
der Kaiserin durch ihren Oberhofmeister. Der Emp- 
fang der Gesandten resp. Ministerresidenten findet in 



Titulaturen. 



309 



den betreffenden Empfangszimmern statt und wird 
bei dem Kaiser durch den Introdukteur des diplo- 
matischen Korps, bei derKsuserin durch ihren Oberhof- 
meister vermittelt, während die Vorstellung bei dem 
Kaiser durch den Minister der auswärtigen Angelegen- 
heiten, bei der Kaiserin durch ihren Oberhofmeister 
erfolgt. Die Geschäftsträger fremder Höfe werden bei 
vorkommenden Grelegenheiten (z. B. großen Hof- 
couren) dem Kaiser durch den Oberhofmeister, die 
Legationssekretäre und Attaches sowohl dem Kaiser 
als auch der Kaiserin durch die betreffenden Missions- 
chefs vorgestellt. 

Die zu den Botschaften gehörigen Damen be- 
werben sich durch ihre Botschafterin bei der Oberhof- 
meisterin der Kaiserin um die Vorstellung bei Hofe 
und werden auch durch die Gesandtin vorgestellt. 
Alle anderen Damen des diplomatischen Korps suchen 
durch die Doyenne die Bekanntschaft der Oberhof- 
meisterin, um durch dieselbe zur Präsentation zu ge- 
langen, welche entweder in besonderer Audienz oder 
bei eben einfallenden Hoffesten geschieht. Die Ober- 
hofmeisterin präsentiert dieselben auch an den Kaiser. 

Anwesende Fremde werden bei dem Kgl. Hofe 
nur dann empfangen, wenn sie von den betreffenden 
Missionschefs bei den Hofbehörden in derselben Weise, 
wie bei Inländern vorgeschrieben, angemeldet worden 
sind. Diesen Fremden wird, nach Maßgabe ihres 
Ranges, entweder eine besondere Audienz bewilUgt, 
oder sie werden zu einem Hoffeste zugezogen und dabei 
die Herren beiden Majestäten durch die betreffenden 
Missionschefs, die Damen aber durch die Oberhof- 
meisterin der Kaiserin vorgestellt. 5. Hof, 

3. Titulaturen. 

Geboren werden ist nicht schwer, 
Geboren sein dagegen sehr. 

Man hat behauptet, den preußischen Staat haben 
seine Beamten groß gehungert. Heute ist er groß 



3IO 



Titulaturen. 



und die Beamtengehälter sind teilweise noch immer 
unzureichend. Jedenfalls aber erklärt dies Wort die 
Ursache und das geschichtliche Recht der über- 
ragenden poHtischen und sozialen Stellung des Be- 
amtentums in Preußen und den Grund der allge- 
meinen Wertschätzung der äußeren Ehren, die ohne 
einen solchen Ursprung sich mit der unübertroffenen 
Ehrenhaftigkeit und Pflichttreue dieses Standes nicht 
vereinbaren ließe. Indessen, die Gehälter sind in 
der Hauptsache besser, das Leben ist für den Bureau- 
kraten vielfach leichter geworden ; andere Stände sind 
mit gleichen Verdiensten in die Reihe der Träger des 
heutigen Staates und Reiches eingetreten und er- 
streben mit gleichem Rechte Macht und Einfluß. Da 
ist leicht Vernunft Unsinn, Wohltat Plage geworden 
und der Kampf gegen nun nicht mehr berechtigte 
Eigentünüichkeiten Pflicht. Mit feinem Takt und 
schonender Vorsicht wird der Deutsche in dieser Über- 
gangszeit sich zu bewegen und dem Ziele kosmo- 
politischer Urbanität näher zu kommen wissen. Wie 
aber soll der Ausländer sich hier zurechtfinden? Für 
ihn seien einige wenige und unbedingt notwendige 
Erklärungen gegeben. 

Das Titelwesen ist in der deutschen Reichs- 
hauptstadt schlimm; aber es ist weder ihre Erfindung, 
noch ihre Eigentümlichkeit. Es herrscht, wenn auch 
teilweise unter anderer Erscheinungsform, in der Mehr- 
zahl der übrigen Länder ebenso sehr wie in Deutsch- 
land, Wenn man genau zusieht, ist auch die Würdi- 
gung der Titulatur, einer Art hörbarer Uniform, seitens 
des Trägers und seitens der Menge keine Frage der 
Völkerpsychologie, sondern ein Ergebnis allgemein 
menschlicher Schwächen. 

Das Titelwesen unterscheidet sich in Deutschland, 
und in Berhn im besonderen, vom ausländischen 
hauptsächlich dadurch, daß es in der mündlichen 
Anrede eine große Rolle spielt. Hierfür kann aller- 
dings nicht auf Freisprechung plädiert werden, son- 



Titulaturen. 3 1 1 

dem wir wollen reumütig Besserung geloben und nur 
um Gewährung mildernder Umstände bitten. Solche 
sind aber in Geschichte imd Psychologie des deutschen 
Volkes gegeben. Ist es nicht ungeheuer bezeichnend, 
daß das Wort Herr seinen Herren- und Herrschersinn 
behalten, und daß trotzdem die deutsche Sprache für 
die höfliche Anrede des Mannes kein eigenes Wort 
auf Grund des Altersunterschiedes gebildet hat? Ein 
einzig Wort für Gott, den Herrn, und Herrn Meier, 
den Taglöhner! Nur dominus, kein senior! Wie 
anders die romanischen Völker und die romanisierten 
Angelsachsen: im französischen ist der Herrenbegriff 
verschwunden, nur der Altersunterschied ist geblieben. 
Auch Gott ist nur älter als die anderen Herren; 
immerhin ist Alter und Ausdruck anderer Art, In 
England ist Gott Herr gebHeben, und die nobility ist 
der Stand seiner peers. Nun lügt bekanntlich der 
Deutsche, wenn er höflich ist, und er lügt verhältnis- 
mäßig wenig von Mann zu Mann. Dies muß die Ur- 
sache sein, weshalb, bei der Erhaltung des ursprüng- 
lichen Wortsinnes, sich die Anrede „mein Herr" nicht 
ausbilden konnte. Das bringt der ehrliche Deutsche 
nicht über sich, einen anderen nmdweg seinen Herrn 
zu nennen. Wohl aber haben zwei Jahrtausende 
geschichtlicher Entwicklung, Gefolgstreue, Staaten- 
und Körperschaftsbildung ihm den Begriff der Obrig- 
keit und der staatlichen Eichung so ins Blut übergehen 
lassen, daß er mit dem Ausdruck für ihren höchsten 
wie ihren geringsten Vertreter den Begriff der Herr- 
schaft zu verbinden weiß. So muß die Sitte ent- 
standen sein, dem Titel den Herrn voranzustellen. 
Darum sagt man Herr Feldwebel, Herr Doktor, Herr 
Geheimrat. Und wenn man schließlich auch dem 
bürgerlichen Namen in der Anrede ein „Herr" voran- 
setzte, so ist dies nichts anderes als demokratische 
Reaktion gegen das alte Herrschaftsgefühl und besagt 
nicht mehr, als daß Herr Müller eben Müllers Herr 
ist oder wenigstens zu sein sich bemühen sollte. 



312 



Titulatiiren. 



Wie sollen wir uns nun bessern? Zwei Wege sind 
möglich: entweder wir machen es wie die Romanen 
und ehren auch den Jüngeren als unsern senior. Wir 
reden also etwa jeden Mann „Mein Alter** an; damit 
müßten aber in Berlin die Ausländer den Anfang 
machen, wenn diese Form aufkommen sollte. Oder 
wir lügen noch mehr und sagen: „Mein Herr". Ohne 
Ironie und Rauflust, die heute beim Gebrauch dieser 
Anrede unter Herren bewußt durchklingt, ohne 
Knechtsinn und Trinkgeldsucht, die jetzt das Wort 
im Munde der Berufstätigen aus dem Zweige der 
persönlichen Bedienung verdächtig machen. Ohne 
Titel, die wir auf diese Weise leichter vergessen und 
der Wertlosigkeit preisgeben. Ohne Namen, die man 
nicht mehr zu behalten braucht. O gleißende, ver- 
führerische Lüge! Was wird das Schicksal bringen? 
Vielleicht bleibt der Berliner ehrlich und loyal und 
betitelt auch in Zukunft unentwegt weiter. 

Ein wahres Glück, daß die Anrede der Frauen 
uns höchstens mit Prädikaten, nicht aber mit der 
Titulatur in Konflikt bringt. Dementieren Sie überall 
die verleumderische Behauptung, daß man die Frauen 
mit dem Titel des Mannes anrede. Sagen Sie getrost, 
daß so etwas entsetzlich spießig wäre, und daß der 
Spießigste nicht für spießig gelten will. Man sagt: 
„gnädige Frau** und „gnädiges Fräulein**. Und wohl 
mit Recht: Frau heißt Herrin, und der Gnade unserer 
Frauen bedürfen wir alle, soll Sonne auf dieser Erde 
scheinen. Dagegen ist der „gnädige Herr** der Ber- 
liner Dienerschaft höchstens künstlich aufgepfropft 
und recht unsympathisch. 

Seien Sie mit der Anrede „gnädige Frau** ohne 
Bedenken verschwenderisch, aber um so vorsichtiger 
mit ihrer Bezeichnung. Das echte alte Wort für das 
bessere Geschlecht, Weib, hat die Berliner Prosa ver- 
dorben. Ist es schon anderwärts der Herrin Frau 
gewichen, so hat es hier einen so starken Zusatz 



Titulaturen. 



313 



mangelnder Achtung erhalten, daß man es im Ge- 
spräch als Fremder besser vermeidet. Die Rokoko- 
schöpfung Frauenzimmer ist im heiteren Süddeutsch- 
land zwar auch etwas plumper geworden, aber doch 
brav, anständig und naiv geblieben. In Berlin ist sie 
unmöglich. Und erst das biederbe alemannische 
Weibsbild, die bajuvarische Dirne mit ihrer Poesie: 
undenkbar ! Die zopfige Mamsell ist hier zum resolut- 
nüchternen Beruf geworden. Und selbst beim Ge- 
brauch der Bezeichnung Dame könnte einem hier 
bange werden. Vielleicht zieht man sich am besten 
aus der Verlegenheit, wenn man stets auch nur von 
der, beziehungsweise einer gnädigen Frau spricht. 
Ohne Namen! Man hört hier zwar oft von der gnä- 
digen Frau von Arnim oder der gnädigen Frau Bauer 
reden, aber das ist gewiß nicht schön. Dagegen darf 
man unverheiratete Frauen stets als junge Mädchen 
bezeichnen. Man kann das Beiwort gelegentlich auch 
weglassen, aber es empfiehlt sich nicht. Die Frau 
des anderen ist seine Gemahlin, seine Gattin nur 
unter Freunden, im Amtsstil seine Ehefrau. Allein 
auch hier gibt es überall nur schwankende Grenzen, 
und Vorsicht mit Frauen kann überhaupt nicht drin- 
gend genug angeraten werden. S. Die Berlinerin. 

Das Titelwesen ist noch heute oft eine Reaktion 
gegen Adelsstolz und im höheren Maße als dieser 
eine berechtigte Reaktion gegen Geldbewußtsein. 
Man muß nach allem also damit rechnen, besonders 
bei Anreden. 

RATSCHLÄGE. 

Wenn man den Titel eines Berechtigten weiß, 
so gebrauche man ihn; gibt es eine einfachere, be- 
quemere, gemütlichere, ungekünstelte Form, und hat 
man sein Gegenüber als wohlwollenden und verstän- 
digen Menschen erprobt, so lasse man die Titulatur 
bleiben. Oft ist sie freilich gar nicht so uneben, wie 
es theoretisch erscheint. 



^I^ Titulaturen. 

Weiß man den Titel nicht, so spreche man jeden 
älteren Herrn als Herr Geheimrat an; ist die Anrede 
zufällig nicht am Platze, so wird sie der Angespro- 
chene in deutlicher Weise ablehnen und meist den 
zukommenden Titel angeben. Man kann übrigens 
auch ungeniert fragen: Welchen Titel darf ich ge- 
brauchen? 

Bei jüngeren Herren unterscheide man nach 
Haltung, Toilette, Hautfarbe und anderen Einzel- 
heiten. Hat man gar keinen Anhalt, so ist Herr 
Doktor stets das neutralste und unbedenklichste. Der 
militärische, dem Alter entsprechende Titel — aber : 
Rittmeister, nicht Hauptmann! — wird nie verübelt 
und trifft mit Sicherheit bei Herren zu, die mit ele- 
ganter Tracht irgend eine modisch-unmögliche Einzel- 
heit oder ein anti-ästhetisches je ne sais quoi ver- 
binden. Auch mit Herr Assessor kommt man bei 
entsprechendem Zivilaussehen ziemlich weit. 

Dagegen unterlasse man, auf Geratewohl eine 
Adelsbezeichnung zu verwenden. War sie am Platze, 
so hat man sich von vornherein in eine fast ebenso 
schiefe Stellung gesetzt, als wenn sie unangebracht 
war. Herr Jraf tituliert der Kutscher seine Kunden, 
Herr Baron hört man von ähnlicher Seite. In Berlin 
sind im Gnmde genommen diese mit dem dolus 
eventualis der Standeserhöhung ausgeführten Liebens- 
würdigkeiten von recht despektierlicher Unterstim- 
mung. 

Nicht alle Titel sind auf den ersten Blick ver- 
ständlich. Zur Belehrung von Reichsausländern seien 
hier einige der häufigeren oder komplizierteren mit 
Kommentar verzeichnet. Der deutsche Leser möge 
diesen Abschnitt ruhig überschlagen und sich mit dem 
(jedanken trösten, daß dem Fremden die etwaigen 
kleinen Respektlosigkeiten doch unverständlich blei- 
ben. Aus Raummangel können leider nur 7,385 ^/^ 
der in Berlin vorkommenden Titel aufgezählt werden. 



Titulaturen. 3x5 

TITULATURENVERZEICHNISAUSZUG. 

Amtliche. 
Amtsgerichtsrat. 

Ist ein Amtsrichter, der nm* sich selber Rat zu 
erteilen hat. Die Anrede „Herr Rat'* ist üblich. 

Amtspächter. 

Ämter kann man in Deutschland nicht pachten; 
also bedeutet Amt hier kein Amt. 

Amtsrat. 

Einer der geheimnisvollsten Titel, da man weder 
erklären kann, was für ein Amt gemeint ist, noch 
wem der Herr Rat erteilt. 

Verschiedene. 
Assessor. 

Gibt es nur in Zusammensetzungen, in der An- 
rede, im Begriff Assessorismus und in Bismarcks 
Wort: „Mit Assessoren und Leutnants kanfi ich 
keine Kolonialpolitik treiben." 

Ballettmeister. 

Anrede : „Königlicher Meister !*' S. Andere Künste. 

'Bergmeister. 
Bergschuldirektor. 

Kommen vom Berge, nicht vom Bergen her. 

Betriebsinspektor. 

Honny soit qui mal y pense. Betrieb ist deutsch, 
nicht berlinisch. 

Chordirektor. 

Chordirigent. 

Eine ungemein feine Nuance! Auf preußisch- 
lateinisch ist rector höher als regens. 

Deichhauptmann. 

Der junge Bismarck. Die Friesen sagen Deich- 
graf. So der alte Storm. 

Doktor. 

Ist im Zweifel jeder Zivilist mit Augenglas, soweit 
nicht mit Sicherheit als Ausländer oder Kom- 



3i6 Titulaturen. 

merzienrat erkenntlich. Aber auch diese Eigen- 
schaften bilden kein Hindernis. 

Doktor-Ingenieur. 

Eine der neueren Erfindungen. Die h. c. Titel- 
träger schämen sich etwas des Geschmacks und 
des Wohllauts ihrer Auszeichnung. 

Durchlaucht. 

Anrede für Fürsten. Kommt nicht von Lauch, 
sondern von Leuchten, wie die mit Vorsicht zu 
gebrauchende plattdeutsche Form Dörchläuchting 
beweist. 

Eichamtssekretär. 

Eichungsinspektor. 

Von der Aiche in neuer Rechtschreibung; offen- 
bar aus praktischen Gründen orthographisch rück- 
wärts revidiert. 

Eisenbahnbau- imd Betriebsinspektor. 

Trotz der Vielseitigkeit genügt die Anrede „Herr 
Inspektor". 

Eminenz. 

Anrede des künftigen Berliner Kardinal-Legaten. 

Erbliche. 

Die Erbweisheit ist eine fragwürdige Einrich- 
tung englischer Provenienz; ein wahres Glück, daß 
die Berufstätigkeit der Erbwürdenträger selten 
in Anspruch genommen wird. Doch ist immer- 
hin Gelegenheit, Renans Wort vom deutschen 
Adel : une aristocratie sans gräce Lügen zu strafen. 

Erbdrost. 

Erbfrohn. 

Erbhofmeister. 

Erbhofrichter. 

Erbjägermeister. 

Erbkämmerer. 

Erbküchenmeister. 



Titulaturen. 2 1 7 

Erblandhofmeister. 

Erblandmarschall. 

Erblandmundschenk. 

Erbnuurschall. 

Erboberjägermeister. 

Erboberkämmerer. 

Erboberlandmundschenk. 

Erbschatzmeister. 

Erbschenk. 

ErbtruchseB. 

Erbtürwärter. 

Endemische. 
Erlaucht. 

S. Hochadel. Weniger als Durchlaucht, aber 
stets Hochadel, während dies mehr und nicht 
stets Hochadel. Bitte, bemühen Sie sich nicht: 
das versteht nur ein Deutscher. 

Epidemische. 
Exzellenz. 

Gibt es auch im Ausland; aber ganze Groß- 
mächte enthalten deren nicht so viele wie Berlin 
allein. Das Prädikat wird wie eine Art Jahres- 
ring ersessen, umschließt auch die jüngste Gattin 
und ist immer noch erträglicher, als der außer- 
preußische persönliche Adel. 

Geheime. 

Nächst den erblichen und ansteckenden die 
höchsten. Dazwischen die Wirklichen Geheimen. 
Eine eigenartige Erscheinung, daß die — nach 
Zola — wahrheitsliebendste Nation vor der ge- 
heimen Tätigkeit eine solche Hochachtung hat. 
Dabei ist das Geheimnis die größte Farce. 

Geh. Bergrat. 

Das Geheimnis des Berges ii^t seinem Rat öfters 
ein Geheimnis. 



^ I g Htulaturen. 

Geh. Es^edient. 

Expediert meist in die Öffentlichkeit; wo nicht, 
fliegen seine Akten manchmal gegen seinen Willen 
auf den Redaktionstisch des Vorwärts. 

Geh. Finanzrat. 

Mit den Finanzen verträgt sich die Geheim* 
haltung noch am besten; die Veröffentlichung 
des Reichshaushaltsetats, den kein Mensch ver- 
steht, ist ein geeignetes Mittel dazu. 

Geh. Hofrat. 

Subaltern zum Leidwesen der nichtpreußischen 
Hofräte, die damit nicht verwechselt sein wollen. 

Geh. Hofkammerrat. 

Hof und Kammer vereinigen sich selbst bildlich 
schwer; wenn aber gar Rat und Geheimnis dazu- 
treten, wird die Sache pikant. Dagegen gibt es 
den Geh. Hofkamerad als Titel nicht. 

Geh. Kabinettsrat. 
Gloriola Lucani. 

Geh. Kanzleidiener. 

Das kriegt man nur bei uns zuwege! Diese 
Geheimheit ist um so ärger, als bei Abkürzung 
des letzten Wortes eine unerträgliche Verwechs- 
lung mit dem folgenden eintreten kann. 

Geh. Kanzleidirektor. 

Geh. Kommerzienrat. 

Hier ist der geheime tatsächlich wertvoller als 
der gewöhnliche. Man unterlasse ja nicht, bei 
der Anrede die Kommerzien zu verschweigen. 

Geh. Legationsrat. 

Diplomatischer Nimbus. In Wirklichkeit streicht 
der Chef die Konzepte. 

Geh. Medizinalrat. 

Beamtete Größe. S. dagegen Geh. Sanitätsrat. 



Titulaturen. jig 

Geheime Obere. 

Der unbedingte Gehorsam gegen geheime Obere 
ist zwar durch das Reichsstrafgesetzbuch streng 
verboten; allein die Bureaukratie von heutzu- 
tage beansprucht gelegentlich gesetzwidrige Aus- 
nahmen und Vorrechte. 

Geh. Oberfinanzrat. 

Meist Herren ohne Humor. 

Geh. Obermedizinalrat. 

Nicht aber Geh. Obersanitätsrat, denn das Vor- 
recht der Geheimen Oberen besteht nicht für 
Nichtbureaukraten. Schade, wie schön klänge 
doch der Wirkliche Geheime Oberkommerzienrat! 
Vielleicht siegt da noch einmal der Opportunismus 
über Tradition und Exklusivität. 

Geh. Oberregierungsrat. 

Ist gewöhnlich noch etwas anderes im Hauptamt. 

Weitere Geheime. 

Geheimrat. 

Gibt es als Titel gar nicht, sondern bloß als viel- 
deutige Anrede. 

Geh. Rechnungsrat. 

Kürzt sich im Fremdenbuch „Geh. R.-Rat" ab, 
obwohl es mit dem folgenden verwechselt werden 
kann. 

Geh. Regierungsrat. ' 

Der Geheimrat xai i^oxrjv. 

Geh. Sanitätsrat. 

Private Größe. S. oben. 

Geh. Seehandlimgsrat. 
S. Bofikcfi, 

Generale. 

Die Anrede lautet nur beim Generalmajor Herr 
General, nicht bei den anderen, wie in Amerika. 



320 



Titulatureu. 



Generalagent. 

Meist selbstverliehen. 

Generalerblandpostmeister. 

Müßte richtigerweise mit Erb anfangen, da das 
Erben über die Generalität geht. 

Generalintendant. 
S. Totd Berlin. 

Generalkommissionspräsident. 

Studieren Sie Preußisches Staatsrecht. 

Generallandschaftsdirektor. 

Generalitätsbegriff historisch. 

Generalsuperintendent. 

Kann bei langsamer Aussprache schön und er- 
haben klingen; doch hört man meist Jenral- 
suprindent. Schriftliche Anrede: Ew. Hoch- 
würden. 

Häusliche. 

Hausfideikommißbaurat. 

Das Haus in der ersten Silbe wird nicht von dem 
Baurat in den beiden letzten gebaut, sondern 
es ist das Königliche, wie in der ersten Silbe der 
folgenden Titel, soweit es da nicht nur einen Teil 
desselben oder ein Haus eines Teiles desselben 
bedeutet. 

Haushofmeister. 
Hausmarschall. 

Höfische. 
Hoffourier. 

Hofkammerpräsident. 

Hoflieferant. 

Königliche ohne Kaiserliche hier vornehmer als 
die S. M. des Kaisers und Königs, da von vor 
1871. Es wird aber im Alltagsgebrauch öfters 
gemogelt. 

Hofmarschallamtsassistent. 
Hofmarschallamtssekretär. 



Titulaturen. 



$21 



Hofmarschallamtsregistrator. 

Hofopernsänger. 

Oft mehr Hofbedienstete als Musiker. S. Dra- 
matische Kunst und Musik, 

Hofstaatssekretär. 

Man sollte meinen: ein potenzierter Staats- 
sekretär, eine Art Uberminister, aber weit gefehlt! 
Der Staat gehört zum Hof und damit verbindet 
sich der einfache Sekretär. 

Kämmerliche. 
Kammerdiener. 

Vor ihm besteht kein großer Mann; insofern ist 
er furchtbarer als der folgende. 

Kammerherr. 

Kämmerer, chambellan, chamberlain, camerlengo. 
Wie gleich und wie verschieden! 

Kammerjäger. 

Ist noch kein Staatstitel, da dieser Jäger auf die 
niederste Jagd, nämlich in der Kammer im buch- 
stäblichen Sinne geht. Wenn dieser Beruf dem- 
nächst auch in den öffentlichen Dienst gezogen 
wird, so müßte der Titel lauten : Kammerkammer- 
jäger, Hof kammer Jäger oder Staatskammer jäger. 

Kammerjunker. 

Junker ist der junge Herr, wie man hier sieht. 
Der soziale, politische und wirtschaftliche Begriff 
ist von der gentry und den hobereaux weit ver- 
schieden. Aber wenn man im Ausland meint, 
Junker gebe es nur bei uns, so irrt man sich. 

Kammersänger. 

O sänge doch manch' einer bloß in seiner stillen 
Kammer! 

Andere. 
Kanzleirat. 

Suchen Sie einige kennen zu lernen. Es sind 
köstliche, sympathische, urpreußische Originale 
darunter. 

Berlin und die Berliner. 21 



^23 Titulaturen. 

Klosterkammerpräsident. 

Der Titel wird sich als zu weltlich nicht auf die 
Dauer halten können. 

Königliche im engeren Sinn. 
Kgl. Schauspieler. 

Kgl. Sänger. 

S. Dramatische Kunst. 

Kgl. Tänzer. 

Eine schauderhafte Einrichtung. Männlichkeit 
als Karikatur. Lieber noch Wirkliche Geheime 
Oberhofkammertänzerinnen! S. Toid Berlin. 

Solche, bei denen Kom und Kon vorkommen. 

Kommerzienrat. 

Alles, nur das nicht! Mehr Begriff als Titel, 
mehr Typ als Begriff. S. Kapitalismus. 

Konservator. 

Eine Art Pfleger. S. Bildende Kunst. 

Konsistorialrat. 

Titel der Landeskirchenbureaukratie. 

Solche, bei denen diese nicht vorkommen. 

Kreiskommunalkassenkontrolleur. 

Ein schöner Stabreim vorwagnerischer Konstruk- 
tion von nur 30 Buchstaben. 

Kronsyndikus. 

Staatsjurist, der die Begründungen zu machen 
hat, welche die anderen staatlichen Juristen nicht 
fertig kriegen. Von Bismarck virtuos ausgespielt. 

Kurator. 

Auch eine Art Pfleger. An Universitäten un- 
schädlicher Posten für unbequeme Staatsmänner 
wie Roggenbach und Rottenburg. 

Kustos. 

Eigentlich gleichfalls eine Art Pfleger. Fremd- 
wörter sind doch gut, denn mit unserer armen 



Titulaturen. 



323 



Muttersprache könnte man den Bedürfnissen des 
Berliner Titelwesens nicht entsprechen. 

Ländliche. 

Landeskulturgerichtsrat. 

Ohne längeres Universitätsstudium nicht zu er- 
fassen. 

Landesökonomierat. 

Landschaftsökonomierat. 

Land und Landschaft ist zweierlei, bedeutet aber 
beides ungefähr eine preußische Provinz. 

Landschaftsrat. 

Nach dem Sprachgebrauch müßte es ein Erster 
Landschafter sein, wie die Ersten Staatsanwälte 
Staatsanwaltschaftsräte heißen. Indessen scheint 
der Begriff die Landschaft nicht zum Objekt, 
sondern zum Subjekt zu haben. 

Landrat. 

Rät zwar nicht dem Land, befiehlt aber dem 
Kreis. Darüber geht nichts. Weniger Titel als 
Begriff, weniger Begriff als Typ. 

Landrichter. 

Kann dagegen nicht aufkommen. 

Wieder andere, bei denen usw. 

Leibpage. 

Die Liebe im Herzen, 
Die Schlepp* in der Hand, 
Karriere im Köpfchen: 
Glückauf, junger Fant! 

Leutnant der Reserve. 

Anrede „Herr Leutnant" nur üblich während 
der Zeit der Dienstleistung, aber angebracht 
und beliebt auch zu anderen Jahreszeiten, wenn 
der Tituland bloß die militärische, aber keine 
bürgerliche Würde besitzt. 

21 * 



324 Titulaturen. . 

Ministerialdirektor. 

Da hört die Poesie auf. S. Politik, 

Mundkoch. 

Anrede : Herr Königlicher Mundkoch oder König- 
licher Herr Mundkoch. 

Gemünzte. 

Münzbetriebsassistent. 

Münzmedailleur. 

So ein schöner Titel und Leistungen wie die 
Gedenkfünfmarkstücke 1701 — 1901 ! 

Notorische. 
Notar. 

Kein selbständiges Staatsamt, sondern eine Art 
Domherrnpfründe für brave Rechtsanwälte. An- 
rede meistens „Herr Justizrat**. 

Obere. 

Die Anrede ist nicht „Herr Ober**. Darunter 
versteht man den Kellner in der Friedrichstraße. 
S. Dialekt. 

Oberamtmann. 

Hier ein besserer Gutspächter, und überhaupt 
kein Beamter. Den Obermann des Amtes Ober- 
amtmann statt Landrat zu nennen, wie es in Süd- 
westdeutschland geschieht, ist Gottseidank ver- 
mieden worden. Indessen droht der bayrische 
Bezirksamtmann auf kolonialem Reichswege ein- 
zudringen. 

Obergarderobiere. 

Wenn man sie nicht sieht, klingt das Wort leise 
nach Oper und Barberini; es tönt so ein bißchen 
1740. . 

Obergewandkämmerer. 

Umgekehrt zeigt hier die Ober-Kombination den 
pseudoromantischen Ursprung. D6 hat die maer 
ein ent. 



Titulaturen. 



32s 



Oberhofmeister. 

Der Meistertitel bedeutet sonst in der preußischen 
Nomenklatur nicht allzuviel. 

Oberjägermeister. 

Dieser Obermeistertitel ist gänzlich unberechtigt, 
denn es gibt keine Jägerinnung ; trotzdem schreitet 
die Handwerkskammer nicht ein. Man sieht 
übrigens bei diesem Handwerk, besonders dem 
Maschinen- und Hand-Hof jagdbetrieb, daß die 
Forderung des Befähigungsnachweises ihren Sinn 
hat. 

Oberlandesgerichtspräsident. 

Unoffiziell und offiziös Chefpräsident; Anrede 
glücklicherweise meist Exzellenz. 

Oberlandeskulturgerichtsrat. 

Das Wortungetüm eine Kulturblüte. 

Oberlehrer. 

Der Oberste der Oberen für unsere armen Jungen. 
Anrede vorsichtigerweise: Herr Professor. 

Obermünzwardein. 

Hat nichts mit Mein und Dein zu tun, so melan- 
cholisch auch bei Münzen das „war dein** klingt. 

Oberpostdirektionssekretär. 

Die Postverwaltung ist ja in Verdeutschungen 
besonders glücklich. 

Oberpostkassenkassierer. 

Die Alliteration wäre noch schöner, hieße es 
Oberkostkassenkassierer. 

Oberpräsident. 

Obgleich der einzige reine Ober unter vielerlei 
Präsidenten, doch häufig weniger als solche, die 
nicht Ober; die Logik geht einem nach gewissen- 
haftem Studium der Hierarchie erst in Dalldorf auf. 

Oberregisseur. 

Nur bei den Königlichen Theatern ein Titel, 
sonst lediglich ein Beruf. 



2 26 Titulaturen. 

Oberschloßhauptmann. 

Fällt auf seinen Posten — im Frack. 

Oberstaatsanwalt. 

Müßte in Berlin konsequenterweise Kammer- 
staatsanwalt heißen. 

Oberstabsveterinär. 

Der pöbelhafte Roßarzt ist endlich dem natio- 
nalen Zuge der Sprachentwicklung gewichen. 

Oberverwaltungsgerichts-Senatspräsident. 
15 Pfg. Telegrammgebühr. 

Oberzeremonienmeister. 

Last not least. Certainly not. 

Oberste. 

Die Herren werden weder Herr Oberst, noch mit 
ihrem ganzen Titel angeredet, sondern mit dem 
zukommenden Prädikat. 

Oberstkämmerer. 
Oberstmarschall . 
Obersttruchsess. 
Oberstschenk. 

Noch mehr gewöhnliche. 

Observator. 

Beobachtet nur gesetzmäßige und harmlose Er- 
scheinungen. 

ökonomierat. 

Nicht einmal unsere Landwirtschaft ist deutsch! ! 
Warum denn nicht Oberbauer?! 

Pastor. 

Der Protestantismus hat die Bibel ins Deutsche 
übersetzt, nur nicht den Titel des Geistlichen. 
Der Katholizismus läßt sie lateinisch und macht 
den Priester unter deutscher Amtsbezeichnung 
zum volkstümlichen Pfarrer. Abgesehen von der 
Bibel kann man eigentlich auch das Gegenteil 
sagen. 



Titulaturen. ^27 

Postdirektor. 

Postmeister. 

Postverwalter. 

Posthalter. 

Alles post-masters. Unser deutsch ist doch viel 
reicher und feiner. 

Präsident. 

Als amtlicher Titel trotz aller Vereinsmeierei 
immer noch ganz anständig. Dem Dorfschulzen, 
wie in der Schweiz, kommt er selbst bei stärkster 
Übertreibung der Höflichkeit nicht zu. 

Professor. 

Der Titel ist unerschöpflich und unerklärlich; er 
ziert den Deutschen par excellence. 

Prorektor. 

Der vorjährige Rektor, nicht der Vertreter eines 
fürstlichen rector magnificentissimus. 

Prosektor. 

Ist nicht dasselbe, nicht einmal in der Bedeutung 
der ersten Silbe. Und am Lateinischen sollen 
wir Logik lernen! 

Rat. 

Zwar kein Titel, sondern eine Rangstufe in 
zahlreichen Klassen, aber eine vieldeutige und 
bequeme Anrede. Man sagt einstweilen bloß: 
Herr Rat, nicht: Herr Rat vierter Klasse. 

Berechnete. 
Rechnungsdirektor. 

Rechnungsrat. 

Rechnungsrevisor. 

Solche Titel kommen auch nur von der Gleich- 
macherei unter den Beamtenkategorien. Und 
das wird immer schlimmer. Schon wollen die 
Juristen den Regierungsbeamten, die Oberlehrer 
den Juristen gleichgestellt werden. 



328 Titulaturen. 

Ein Titel für sich. 
Referendar. 

Der Mann, der die Prüfung bestanden, nämlich 
die einheitliche juristische. Bald trennen sich 
die Wege. Der eine nennt sich Regierungs- 
referendar und fühlt sich zur Garde. Der andere 
nennt sich Kammergerichtsreferendar (sprich: 
Kammerrichtsfendaa) und zählt sich zum Leib- 
regiment gegenüber der ordinären Linie außer- 
halb des Oberlandesgerichtsbezirks Berlin. 

Regierende. 

Regierung ist nicht die Regierung, sondern die 
mittlere Verwaltungsbehörde. 

Regierungsassessor. 

La creme de la creme. 

Regierungsbauführer. 

Regierungsbaumeister. 

Erwerben Sie erst die preußische Staatsangehörig- 
keit und lassen Sie sich dann in Charlottenburg 
immatrikulieren. Vielleicht wird es Ihnen so 
gehngen, diese zwei Würden nicht mehr zu ver- 
wechseln. 

Regierungspräsident. 

Man muß stets wissen, bei welchem Korps er 
aktiv war; daraus lassen sich die wichtigsten 
Grundsätze für seine Behandlung leicht schheßen. 

Regierungsrat. 

Der Titel hält nicht, was er verspricht. Manche 
getäuschte Hoffnung, manche entschwundene 
Jugend. 

Halbregierende. 
Registratur. 

So lange das Registraturwesen nicht bis in die 
letzte Einzelheit maschinell-automatisch besorgt 
werden kann, wetten Sie getrost, daß dem preußi- 
schen Registratur keiner über ist. 



Titulaturen. 329 

Rektor. 

Ein weiter Begriff von der Magnifizenz an der 
Friedrich Wilhelm-Universität bis zum pen- 
sionierten Dorfbakel in der Ackerstraße; ein 
Titel, den Größen der Wissenschaft wie Helm- 
holtz, und Erzieher des deutschen Volkes, wie 
Ahlwardt, zierten. 

Regierte. 
Repetitor. 

Amtstitel und Beruf decken sich nicht immer. 
In einem Falle ein geheim arbeitende öffentliche 
Einrichtung im Bühnenleben, im anderen ein 
öffentliches Geheimnis in der Beamtenlaufbahn. 

Sanitätsrat. 

Sollte man es glauben, daß dieser Titel schon 
wegen KostspieUgkeit der Erwerbung zurück- 
gewiesen wurde? 

Schulinspektor. 

Schulrat. 

Zwei geistliche Amter, in Berlin noch mit Laien 
besetzt. 

Staatliche. 

Staatsanwaltschaftsrat. 

Artige Assonanz in As-dur. 

Thronlehnssekretär. 

Es gibt tatsächlich noch Vasallen, doch beab- 
sichtigt die Regierung, eine Mutungssperre durch- 
zuführen. 

Unterstaatssekretär. 

Kein Unterbeamter, meist kein Liebhaber Jour- 
nalist und Joumalistenliebhaber, wie im Lust- 
spiel, sondern gewöhnlich eine ältere Exzellenz. 

Vize. 
Vizeoberzeremonienmeister. 

Die unvergleichliche Bedeutung des Arbeitsfeldes 



330 



Titulaturea. 



macht auch dem schlichten Mann eine so viel- 
stufige Differenzierung des Amtes verständlich. 
Vizeoberstallmeister. 

Auch die Anrede „Herr Vize*' ist nicht üblich. 
Diese Abkürzung bedeutet aber nicht etwa den 
längsten Titel, sondern die eher auszusprechenden 
i Vizefeldwebel und Vizewachtmeister. 

Wirkliche. 

Auch hier trotz amtlicher Versicherung kein 
wirkliches Geheimnis. Einige wenige: 

Wirkl. Geh. Oberbaurat. 

Wirkl. Geh. Oberjustizrat. 

Wirkl. Geh. Oberregierungsrat. 

Wirkl. Geheimer Rat. 

Bloß der unwirkliche existiert nicht; s. oben. 
Der wirkliche pflegt aber nur als Veranlassung 
zur Anrede „Exzellenz" verliehen zu werden. 

Die letzten im Abc. 

Zentralbureauvorsteher. 

Vorsteher ist so hübsch deutsch; warum sagt 
man nicht auch: Hauptamtsstube? 

Zeremonienmeister. 

Ein Hebenswürdiger Herr, an den man sich 
wenden möge, wenn man in diesem Kapitel etwas 
nicht versteht oder weiteren Aufschluß begehrt. 

4. Dekorationen. 

Dies«: Herr Karl Mathy muß da be- 
deutender Mann sein : er hat keinen Orden. 
Ein alter Engländer anno 1855. 

Auch Orden und Ehrenzeichen gehören zu den 
Zahlungsmitteln des Staates und erfordern daher eine 
nationalökonomische Beurteilung in erster Reihe. 
Wie seit dreißig Jahren der Wert und die Kaufkraft 
der Edelmetalle bei starker Vermehrung stetig, in 
letzter Zeit sogar rapid gesunken ist, so ist auch eine 



Dekorationen. 



331 



bedenkliche Entwertung der preußischen Dekora- 
tionen eingetreten, obgleich die meisten derselben 
wenig edles Material enthalten, also von dieser allge- 
meinen Bewegung unabhängig sein sollten. Bei den 
höchstwertigen Luxusgegenständen zeigt sich aber 
eine eigenartige Anomalie: während der Südafrika- 
nische Krieg eine Preissteigerung der Edelsteine bis 
zu 40% ihres Wertes und eine bedeutende Abnahme 
der Einfuhr zur Folge hatte, scheint er den Export 
von höchstklassigen Orden gesteigert zu haben. 

In zweiter Reihe bieten die Dekorationen Interesse 
vom ideellen Standpunkte. Sie sind ein amtlicher, 
daher zuverlässiger Maßstab für die so wichtige 
Differenzierung der verschiedenen Individuen und 
Klassen. Höchster Bewunderung würdig ist die 
geradezu raffinierte Vielseitigkeit und Abstufungs- 
fähigkeit, die deutungsvolle Symbolik und Heraldik 
des preußischen Dekorationssystems. Diese fine fleur 
uralter Kultur, wie sie kaum annähernd die drei- 
tausendjährige Geschichte Chinas zur Entwicklung 
bringen konnte, in dem jungen und doch bloß mo- 
dernen Staate der Hohenzollern! Jedes erklärende 
Wort könnte nur stören. Es sei daher lediglich das 
Verzeichnis der Orden und Ehrenzeichen hier gegeben. 

Orden und Ehrenzeichen. 

Schwarzer Adler-Orden mit der Kette; ohne Kette. 

Orden pour le merite mit Eichenlaub; ohne Eichenlaub; 
Friedensklasse dieses Ordens, für Wissenschaften 
und Künste. 

Wilhelm-Orden. 

Verdienst-Orden der Preußischen Krone. 

Roter Adler-Orden, Großkreuz mit Eichenlaub und Schwer- 
tern sowie mit Schwertern am Ringe (mitKette); 
mit Eichenlaub und Schwertern; mit Eichen- 
laub und Schwertern am Ringe; ohne Eichen- 
laub mit Schwertern; ohne Eichenlaub mit 
Schwertern am Ringe; mit Eichenlaub; ohne 
Eichenlaub. 

Roter Adler-Orden i. Klasse mit Eichenlaub, dem Emaille- 
bande des Kronen-Ordens und Schwertern am 



332 



Dekorationen. 



Ringe; mit Eichenlaub und mit dem Emaille- 
bande des Kronen -Ordens; ohne Eichenlaub 
und mit dem Emaillebande des Kronen-Ordens ; 
mit Eichenlaub und Schwertern und mit Schwer- 
tern am Ringe ; mit Eichenlaub und Schwertern ; 
mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe ; ohne 
Eichenlaub mit Schwertern; ohne Eichenlaub 
mit Schwertern am Ringe; mit Eichenlaub; 
ohne Eichenlaub. 
Roter Adler-Orden 2. Klasse mit dem Stern, Eichenlaub und 
Schwertern und mit Schwertern am Ringe; mit 
dem Stern und Eichenlaub mit Schwertern; 
mit dem Stern, Eichenlaub und mit Schwertern 
am Ringe; mit dem Stern ohne Eichenlaub 
mit Schwertern; mit dem Stern ohne Eichen- 
laub und Schwertern am Ringe; mit dem Stern 
und Eichenlaub; mit dem Stern ohne Eichen- 
laub; mit Eichenlaub und Schwertern und mit 
Schwertern am Ringe; mit Eichenlaub und 
Schwertern; mit Eichenlaub und Schwertern 
am Ringe; ohne Eichenlaub mit Schwertern; 
ohne Eichenlaub mit Schwertern am Ringe; 
mit Eichenlaub; ohne Eichenlaub. 

Roter Adler-Orden 3. Klasse mit der Schleife und Schwertern 
und mit Schwertern am Ringe ; mit der Schleife 
und Schwertern; mit der Schleife und Schwer- 
tern am Ringe; ohne Schleife mit Schwertern; 
ohne Schleife mit Schwertern am Ringe; mit 
der Schleife; ohne Schleife. 

Roter Adler-Orden 4. Klasse mit Schwertern; 4. Klasse. 

Kgl. Kronen - Orden i. Klasse mit Schwertern, mit dem 
Emaillebande des Roten Adler-Ordens mit 
Eichenlaub und mit Schwertern am Ringe ; mit 
Schwertern und mit dem Emaillebande des 
Roten Adler-Ordens mit Eichenlaub; mit dem 
Emaillebande des Roten Adler-Ordens mit 
Eichenlaub und mit Schwertern am Ringe; mit 
dem Emaillebande des Roten Adler-Ordens und 
mit Schwertern am Ringe; mit dem Emaille- 
bande des Roten Adler-Ordens mit Eichenlaub ; 
mit dem Emaillebande des Roten Adler-Ordens 
ohne Eichenlaub mit Schwertern ; mit Schwer- 
tern am Ringe; i. Klasse. 

Kgl. Kronen-Orden 2. Klasse mit dem Stern und Schwer- 
tern ; mit dem Stern und Schwertern am Ringe ; 
mit dem Stern ; mit Schwertern ; mit Schwer- 
tern am Ringe; 2. Klasse. 



Dekorationen. ^^3 

Kgl. Kronen-Orden 3. Klasse mit Schwertern ; mit Schwer- 
tern am Ringe; mit rotem Kreuze im weißen 
Felde; 3. Klasse. 

Kgl. Kronen-Orden 4. Klasse mit Schwertern; mit rotem 
Kreuze im weißen Felde; 4. Klasse. 

Kgl. Haus-Orden von Hohenzollem, Stern der Groß-Kom- 
ture mit Schwertern; Stern der Groß-Komture 
mit Schwertern am Ringe; Stern der Groß- 
Komture; )Creuz der Groß-Komture mit 
Schwertern; Kreuz der Groß-Komture mit 
Schwertern am Ringe; Kreuz der Groß-Kom- 
ture ; Adler der Groß-Komture ; Stern der Kom- 
ture mit Schwertern. Stern der Komture mit 
Schwertern am Ringe; Stern der Komture; 
Kreuz der Komture mit Schwertern ; Kreuz der 
Komture mit Schwertern am Ringe ; Kreuz der 
Komture ; Adler der Komture ; Kreuz der Ritter 
mit Schwertern; Kreuz der Ritter; Adler der 
Ritter ; Kreuz der Inhaber ; Adler der Inhaber. 

Eisernes Kreuz, Großkreuz; i. Klasse; 2. Klasse. 

Militär- Verdienstkreuz. 

Militär-Ehrenzeichen i. Klasse; 2. Klasse. 

Allgemeines Ehrenzeichen mit rotem Kreuz im weißen Felde. 

Allgemeines Ehrenzeichen in Gold, dasselbe erhielt am 
27. Januar 1900 die Bezeichnung: 

Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens (mit goldener Krone). 

Allgemeines Ehrenzeichen. 

Rettungsmedaille am Bande. 

Rote Kreuzmedaille i. Klasse (in Gold); 2. Klasse (in Silber); 
3. Klasse (in Bronze). 

Goldene Medaille für Kunst i . große, 2. kleine ; für Wissen- 
schaft I. große, 2. kleine; für Verdienste um 
die Landwirtschaft ; für Verdienste um das 
Bauwesen. 

Dienstauszeichnnngskreuz. 

Landwehr-Dienstauszeichnung i. Klasse; 2. Klasse. 

Johanniter-Orden, Rechts-Ritter ; Ehren-Ritter. 

Luisen-Orden Abteilung I; Abteilung II erster Klasse mit 
silberner Krone; Abteilung II erster Klasse; 
Abteilung II zweiter Klasse. 

Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen. 

Fürstlich Hohenzollemscher Haus-Orden. 

Die Vorschriften über Ordensbänder bleiben Raumes 
halber hier weg. Es sei nur auf das schwarz-weiße Band 
als Kriegsdekoration für Kombattanten, das weiß-schwarze 
als solche für Nichtkombattanten und das zweimal schwarz 



334 



Gesellschaftsformen . 



und dreimal weiß gestreifte als solche für Kolonialgouver- 
neure unter Weglassung der übrigen Kombinationen und 
Variationen hingewiesen. 

5. Gesellschaftsformen. 

Berliner Gesellschaftsformen? Formen 
hat hier die internationale Gesellschaft; 
die übrige hat Bürgertugenden. 

Mme. de G. 

Einführung in die Gesellschaft. Immerhin — 
auch hier muß der Neuling, der den Winter mitzu- 
machen wünscht, sich richtig einzuführen wissen. 
Mit mindestens einem Bekannten fängt er an; den 
muß ihm Gott beschert haben. Dieser Bekannte hat 
andere Bekannte, und so nimmt er ihn eines Tages 
in ein Haus mit, wo die Dame gerade Empfangstag 
hat, weshalb der Diener die Kutscherstiefel mit Es- 
karpins vertauscht hat und wartend an der Garderobe 
steht. Man gibt die beiden Karten ab. Man tritt 
ein, und der Bekannte No. i sagt von dem Bekannten 
No. 2: „Gnädige Frau, dies ist mein guter Kurt, von 
dem ich Ihnen erzählt habe." Aufrichtige Freude. 
Man sitzt nieder und steht bald wieder auf und geht 
weg. Auf der Visitenkarte aber, das ist das Wich- 
tigste, steht die Adresse. Das Weitere findet sich. 

Saison-Beginn und Ende. Berlinische Unsitte ist 
es, die Saison im Oktober oder gar im September 
beginnen zu lassen. In Wirklichkeit beginnt sie na- 
türlich auch hier mit dem Januar. Nach Weihnachten 
fängt man an, in bekannten Häusern seine Karten 
abzugeben. Wer nicht auf der Jagd oder seinem 
Gute ist, muß dies doch nicht aller Welt bekannt 
machen. 

Die Saison endet nicht zu früh. Man kann noch 
im Mai und selbst im Juni in Berlin sein und sich zu 
Hause oder auf Garden parties oder anderswo sehen 
lassen. Im März oder April dagegen ist man im Süden 
gewesen. 



Gesellschaftsformeii. 



335 



Aufforderungen und Besuche. Wenn man sich 
mehr als einmal in guter Gresellschaft getroffen hat, 
kann man sich gegenseitig auffordern, einen Besuch 
zu machen. Diese Aufforderung gilt nicht als Phrase, 
sondern sie verpflichtet. Eine von beiden Parteien 
muß mit dem Besuch anfangen, wenn ein Junggeselle 
darunter ist, natürlich dieser. Der Ehemann muß 
nicht zu Hause sein, die Dame übrigens auch nicht. 
Man hinterläßt seine Karte und bekommt dafür zu- 
nächst eine Einladung zum Jour fixe. 

Den Antrittsbesuch macht man spätestens acht 
Tage nach der Aufforderung; sonst ist man ein Kaff er 
und nicht ein Mann der guten Gesellschaft. Als 
Ehepaar fährt man natürlich gemeinsam vor und 
gibt eine gemeinsame Karte ab. Man gibt aber so- 
wohl für den Herrn, wie für die Dame eine Karte ab. 

Empfangstage. Der Jour fixe. Der Allerwelts- 
empfangstag für Fremdlinge ist noch immer der Sonn- 
tag Vormittag, d. h. von Mittags bis 2 Uhr. Aber 
natürlich hat jede Dame auch ihren eigenen und wirk- 
lichen Empfangstag, der mit dem Jour fixe zusammen- 
fallen kann, aber nicht muß. Für diese allgemeinen 
Empfänge sind, wenn nichts anderes bekannt gegeben 
ist, die Stunden 3 — 5 angesetzt; die Tage erfährt 
man, wenn man überhaupt in Gesellschaft verkehrt, 
ohne weiteres. Man benutzt sie zur Antritts- und 
jeder anderen steifen Visite. 

Der Jour ist ein ganz spezieller Fall. Jede Dame, 
die sich ihn eingerichtet hat, einmal oder mehrmals 
in der Woche, manchmal auch täglich, druckt dies 
auf ihre Visitenkarte und verschickt die Karten zum 
Beginn der Saison an ihre Bekannten. Man muß 
speziell dazu aufgefordert sein, um zu erscheinen. 
5. Wo trifft man sich? 

Einladungen. Mit der Einladung fängt der Groß- 
betrieb der Geselligkeit an und mit diesem die vor- 
geschriebene Regel im engeren. Für die einzelnen 



^ ^5 Gesellschaftsformen. 

Arten der Einladung hat man nämlich bestimmte 
Texte und für diese Texte gedruckte oder litho- 
graphierte Karten. Man läßt sie von einem fashio- 
nablen Graveur Unter den Linden, am liebsten in 
Kupferdruck, herstellen und kann bei diesem zugleich 
alle Muster für alle Gelegenheiten zum Studium und 
zur Nachahmung bekommen. So ist der Graveur 
der beste GeselHgkeitslehrmeister für Anfänger. So 
viel Einladungskarten, so viel Einladungsarten. 

Diese Einladungskarten sind entweder deutsch 
oder französisch oder englisch abgefaßt. Im Fran- 
zösischen und Englischen müssen sie fehlerlos sein; 
im Deutschen sind sie an unseren allerliebsten Berliner 
Grewohnheitsfehlern so reich, daß die Einführung von 
Verbesserungen aussichtslos wäre. 

Die Umschreibimgen sind von gezierter Be- 
scheidenheit. Ein Löffel Suppe ist ein Diner, wofür 
man seit kurzem in Berlin auch Mittagessen sagt; 
eine Tasse Tee ist ein Ball. 

Das U. A. w. g. erledigt man postwendend. Man 
schreibt auf schönes großes Briefpapier eine kurze 
Zusage oder Absage. 

Das Frühstück im Freundeskreis, zwischen i und 
2 Uhr, verlangt PünktUchkeit. Die Damen mit Hut, 
die Herren im Gehrock. Sind nur Intime unter sich 
oder ist die eigentliche Saison vorbei, kann man auch 
im Sommer- oder Morgenanzug kommen. Man sei 
darauf vorbereitet, daß sich eine ^ Bridgepartie an- 
schließt, und berechne darum die Möglichkeit eines 
Abgangs zur richtigen Zeit. Beim Frühstück ist man 
Gourmand. Der Gastgeber muß das wissen. 

Diners und Soupers sind die hohe Schule der 
Geselligkeit. Die Einladungen werden acht bis vier- 
zehn Tage vorher verschickt, Menüs werden gedruckt, 
Musiker und manchmal auch Schauspieler engagiert. 
Das Diner beginnt gewöhnlich %8 präzise, das Sou- 
per um ^9, in Wirklichkeit nicht vor lo. 



Gesdlschaftsformen. 



337 



Ist das Souper in großem Stil angelegt, mit 
Frauen ifi großer Toilette geschmückt imd durch ein 
großes offizielles Vergnügungsprogramm entstellt, so 
nennt man es eine Soiree. In diesem Fall gibt es für 
Herren, die nicht den ganzen Abend dans le train 
bleiben wollen, immerhin ein Rauchzimmer. Da- 
gegen nimmt die Unsitte, Spieltische für einzelne auf- 
zuklappen, während wir andern Lieder anhören müssen, 
nun doch langsam ab. 

Die Tischordnung wird durch Kärtchen bekannt 
gemacht, die im Vorraum für die Herren ausliegen, 
und durch Karten auf den Tischen selbst. Die Kärt- 
chen geben jedem Herrn seine Tischdame, die Karten 
jedem Gast seinen Platz an. Man sitzt Ueber an 
kleineren Tischen als an großen Tafeln. 

Durch die Tischordnung enthebt die Dame des 
Hauses sich der Pfücht, die Gäste untereinander 
bekannt zu machen. Die Gäste sollen das selber 
besorgen. Man muß dies nach allen Regeln neu- 
deutscher Kunst tun. Die Herren stellen einander, 
fassen in Schußweite Posto und muimeln mit einer 
Gleichgültigkeit, die verletzend aussehen darf, ihren 
Namen. Nur den Namen, nicht den Titel. Meier 
ohne Assessor. Den Damen läßt man sich ähnlich 
bekannt machen. 

Im Schmuck der Tische darf und soll man alle 
seine künstlerische Phantasie entfalten, aber man 
kann sich auch an einen guten SpeziaHsten xmter den 
Gärtnern wenden. S. Bezugsquellen. Man muß in 
den Blumen, Vasen imd Liberty-Belegen Farben 
sehen lassen. Ein beliebter Tafelschmuck sind herbst- 
Uch gelbe Ahorn- und Buchenblätter. 

Vom Diner geht man nach 12, vom Souper kurz 
nach I Uhr nach Hause. 

Bei beiden sollte man zwei Altberliner Gewohn- 
heiten vermeiden, die man immer noch und immer 
wieder in der bürgerlichen Gesellschaft antrifft: 

Berlin und die Berliner. 22 



338 



G«9ellschaftsfonnea. 



1. Man muß als Gast nicht das Essen loben und 
als Gastgeber nicht den berühmten Stadtkoch (alte 
Sitte!) verraten, der es erzeugt hat. 

2. Man muß sich beim Adieusagen nicht für die 
Einladung bedanken; die AnnaJmie, von der man 
ausgeht, ist ja schheßlich nicht die, daß man einen 
Freitisch genossen hat. Besser stellt man die oft 
gewagte Behauptung auf: Ich habe mich vorzüglich 
unterhalten. 

Leider sagt man noch immer „Mahlzeit". 

Über Berhner Küche und Trinkgelder s. Be- 
dienung in und außer dem Hause, 

Routs und Gartenfeste sind das Handicap der 
Geselligkeit. Aufhebung der Klassen- und Rassen- 
unterschiede. Musterbeispiele der großen Empfänge 
sind in Berhn die parlamentarischen Abende beim 
Reichskanzler und die ähnlichen Empfänge bei Mi- 
nistern und bei Diplomaten. Einladungskarten sind 
durch Teilnehmer oder auf direkte Bitte häufig zu 
erlangen; auf einen Gast mehr oder weniger kommt 
es in der Regel nicht an. 

Gartenfeste, zu deutsch Garden parties, finden in 
Berlin fast nur in den Gärten der Ministerhotels in 
der Wilhelmstraße, zumeist bei diplomatischen An- 
lässen, statt. Mehrmals im Jahr aber auch zu wohl- 
tätigem Zweck gegen Eintrittsgebühr. Da kann Herr 
Lehmann es mit eigenen Augen sehen, in was für 
schönen Vülegiaturen seine Minister wohnen. 

Die Garteneinladungen in privaten Kreisen, vor 
allem unter den Bewohnern der Grunewald- Villen, 
pflegen mit Einladungen zum Tennisspiel verbunden 
zu sein, über diese und die Einladungen zur Jagd, 
s. Sport. 

Wie zieht man sich an? Je nachdem; die Herren 
haben dafür mindestens sechs, die Damen mindestens 
zehnmal so viel Nuancen. 



Gesellschaftsformen. 



339 



Die allgemeine Regel lautet: Der Gesellschafts- 
anzug für Herren ist des Abends nur Frack, bei Tage 
nur Gehrock, in manchen Fällen (Klub, Theater usw.) 
Smoking. Zum Frack weiße, zum Smoking schwarze 
Binde, zum Gehrock farbigen Scarf. Diskret bimte 
Westen in allen drei Fällen möglich. Zum Tennis 
trägt man Morgen-, im Seebad Strandanzug mit der 
Mütze und dem Abzeichen eines Segelklubs. Auf der 
Jagd komplette Jagdausrtistimg, die aber niemals 
funkelnagelneu sein darf. 

Zum Gehrock und Frack immer Zylinder, zum 
Smoking mit VorUebe runden Hut. 

Der Chapeau claque und der matte Halbzylinder 
sind nicht in Mode; bunte Wäsche zu allen, nur nicht 
zu den Gesellschaftsanzügen. 

Das Geheimnis der Eleganz sind die erstrangigen 
AteUers. 

Und die Damen? S. Die Berlinerin. 

Wie macht man ein Haus? Es gehört Studium 
und einige Anstrengung dazu; mit dem guten Willen 
allein und redlichem Gemüt ist das im neuen und 
großen Berlin nicht zu erreichen. Man muß die Gäste 
nicht nur einladen und bekommen, sondern auch 
festhalten. Aber nicht vielleicht durch allzu naive 
Liebenswürdigkeit. Das wäre nicht berlinisch. 

\ Man suche die Freunde seines Hauses durch die 
Art ihrer Zusammensetzung zu fesseln. Sie müssen 
einander immer ein bißchen imponieren. Zum Be- 
amtenadel empfiehlt sich ein kleiner Zusatz von 
katholischen Grafen. Zu den modernen Patriziern 
ein starker Zusatz von hoher Finanz. Zur hohen 
Finanz eine mögUchst gute Garnitur von Militär. Diese 
Kunst des Zuziehens ist die entscheidende. Man 
vermeide aber die Einladung gewerbsmäßiger Re- 
nommiergäste, die eine Zeitlang grassierten. 

Wenn man sonst niemanden hat, zieht man mo- 
derne Schriftsteller zu. 

aa* 



340 



Gesellschaftsfonnen. 



Keinesfalls bleibt man in einer einzigen Kaste. 
Das mag in London, in Peking, in Hamburg gute Sitte 
sein; für Berlin wäre es zu langweilig. 

Und über das ganze Gesellschaftsleben des Hauses 
muß die gewisse Atmosphäre der Selbstverständlich- 
keit sich breiten. Man darf nicht kontrolliert, nicht 
genötigt, nicht zur Liebe gezwungen werden. Ge- 
müthch muß es sein. Man darf den Schweiß nicht 
merken, den die Sache der Hausfrau kostet. Aber 
Schweiß kostet es. 

Wie wird man Gesellschaftsmensch? Drei Wege 
gibt es dazu: 

1. Anlage imd Erziehung von der Kinderstube 
aus — das ist der heute in Berlin schon ziemlich all- 
gemein übliche Weg. 

2. Langsame Erfahrung — man läßt sich so lange 
abschleifen und hin- und herschieben, bis man das er- 
sehnte Cachet hat. 

3. Man blättert von Zeit zu Zeit in „Berlin und 
die Berliner". 

Der letzte Weg ist natürlich der sicherste und 
schmerzloseste, und denen, die ihn gehen, sei das 
Geheimnis aller Geheimnisse in kurzen Worten ver- 
raten : 

„Man kann tun, was man will. Man muß es 
bloß so tun, daß es Einen kleidet. In Stimmung sein 
ist alles!*' 

Nun wissen Sie es und nun versuchen Sie es 
einmal, gnädige Frau, und Sie, mein lieber Herr 
Referendar. 

Familienanzeigen und Briefe. Eine Vorschrift 
für elegante Korrespondenzformen gibt es in Berlin 
nur für Damen; die Herren sind viel zu seriös (lies 
bequem) dazu. Denn schließlich, als Herr hat man 
ganz andere Dinge im Kopf; man ist Oberleutnant 
oder Regierungsassessor oder allermindestens Bank- 



Gesellschaftsformell. 



341 



direkter, und wenn man nichts ist, ist man Sports- 
mann. Man schreibt also seine Briefe auf glattem 
englischen Papier unter Nachsicht aller Nuancen. 

Die Dame hat ihrer um so mehr. Sie muß in 
Berlin unbedingt ihr persönliches Papier, ihr per- 
sönliches Monogramm und — vor allem — ihre per- 
sönliche Handschrift haben; und nur weil es nicht 
so viele Papiersorten und Schriftzüge wie Persönlich- 
keiten gibt, findet man zum Schluß, daß diese Ori- 
ginalitäten doch einander — merkwürdigerweise — 
gleichen. 

Man schreibt in großen Lettern, kräftig und 
nicht sehr deutlich, in einer schrägüber gefallenen 
Steilschrift. 

Briefpapier und Briefkarten variiert man häufig 
und ein klein wenig nach Stimmungen. Das offizielle 
Papier ist nahezu weiß, höchstens ganz leicht getönt, 
trägt ein unauffälliges oder noch besser gar kein Mono- 
gramm, aber in deutlichem Prägedruck rechts oben 
und auf der Rückseite des Umschlags die Adresse. 
Papier mit der Adelskrone wählt man nur in speziellen 
Fällen. Im Wechsel des Formats und der Farbe 
kann man in der Korrespondenz mit einem Herrn 
nicht genug Luxus entfalten. Wie kann sich da die 
weibliche Gefühlsskala ausdehnen: 

Man nimmt morgens eine zärtlich girlandete 
Karte, nachmittags einen salonmäßig steifen Bogen, 
ein anderes Mal (aber das nicht zu oft) ein stark 
originelles Papier im modern style, und einmal auch, 
aber wirklich nur ein einziges Mal, gleichsam so 
zwischendurch, ein recht indiskret verliebtes, buntes, 
boudoirhaftes Blättchen. So wie eine Dame sich mal 
auf eine Minute lang im Neglig6 zeigen kann. Man 
macht das sofort wieder mit großer Toilette gut. 

Man muß, um elegant zu sein, sehr viel korre- 
spondieren. Als Abschiedsformel bürgert sich lang- 
sam eine einheitliche Wendung ein; man unter- 
zeichnet als „Ihre Ihnen herzlich ergebene . . ." Das 



342 



G«6ellschaftsformea. 



ist tadellos deutsch, tadellos korrekt, tadellos liebens- 
würdig. 

Geburts- und Verlobungsanzeigen kommen aus 
der Mode. Vermählungsanzeigen werden verschickt. 
Todesanzeigen setzt man außerdem in die Vossische 
Zeitimg, sofern deren Richtung standesgemäß er- 
scheint. 

Der Logierbesuch. Wenn in einem Haus ein ver- 
wandtes Ehepaar aus der Fremde, eine Provinztante, 
eine von Sommerreisen her bekannte imd befreundete 
junge Dame oder sonst ein neuer Mitbewohner ein- 
kehrt und Quartier im Fremdenzimmer bekommt, 
nennt man das in Berlin einen Logierbesuch. 

Die Jahreszeit, in der diese hier stark verbreitete 
Erscheinung am üppigsten aufblüht, ist der Frühling. 
Das weibliche Exemplar tritt ungleich zahlreicher als 
(Jas männliche auf. Von dem letzteren nimmt man 
an, daß es die in der Friedrichstraße gelegenen Hotels 
vorzieht. 

Mit dem Logierbesuch geht man vormittags ab- 
wechselnd in die Museen und in die Warenhäuser^ 
Das muß man konsequent mit ihm wiederholen. 
Zum Schluß reist er dann gewöhnlich etwas früher ab. 

Gesellschaftlich genießt der Logierbesuch in 
BerHn sehr große Rücksicht, und das erleichtert diese 
Einrichtung etwas. Man kann ihn ohne weiteres zu 
den Jours seiner Freundinnen mitnehmen und ohne 
Schwierigkeit oft auch zu den Gesellschaftsabenden 
einführen. Es besteht darin ein wechselseitiges Sich- 
Unterstützen unter den Berliner Famüien. Die eine 
hat mit der anderen Mitleid. 

Ist der Logierbesuch eine junge, graziöse, amü- 
sante Dame, dann gibt man ihm zu Ehren ein Diner. 

Allerlei kleine Gesellschaftspflichten. Jedermann 
hat es rechtzeitig zu wissen, wer von seinen Bekannten 
sich verlobt, wer einen Familienzuwachs bekommen, 
»wer sich verheiratet hat, wer verstorben ist. 



Gesellschaftsformen. 



343 



Man muß gratulieren, einen Kondolenzbesuch 
machen, einen Kranz schicken. 

Für Jourbesuche wird man dadurch belohnt, daß 
man eine Dinereinladung bekommt; für Dinerein- 
ladungen muß man sich als Junggeselle dadurch er- 
kenntlich zeigen, daß man gelegentlich mal wieder zu 
einem Jour kommt. Es ist nicht übhch, daß jüngere 
Ehepaare Dinereinladungen seitens älterer Herr- 
schaften in gleicher Weise erwidern. In besonderen 
Fällen kann die jüngere Dame mündlich und unter 
Betonung des Ausnahmefalles um die Ehre bitten. 

Auch wenn man eine Einladung abgelehnt hat, 
läßt man sich in dem betreffenden Haus bald darauf 
zur Empfangsstunde der Dame melden. 

Am Neujahrstag kann man Blumen verschicken, 
aber man darf nicht erwarten, daß dies allgemein 
geschieht. 

Im Theater macht man in den Zwischenakten 
allen Damen Besuche, von denen man glaubt, daß 
sie einen sehen; bei den übrigen ist das nicht not- 
wendig. 

Man „klingelt'* bei seinen Bekannten mehrmals 
im Monat grundlos „an**. Das gehört unter Berliner 
Gesellschafts -Damen und -Herren, speziell, wenn 
der Anflug einer Flirtation im Spiele ist, unbedingt 
zur Sache. Nachmittags besucht man sich, vormit- 
tags telephoniert man sich. Wer zu lange nichts 
von sich hören läßt, wird zum Außenseiter.*) 



*) Wer den Gesellschaftskodex bis hierher gründlich durchsttidiert hat, 
erfahre zum Schluß dann noch, daß er — wenn er will — in Berlin auch 
vollständig auf ihn verzichten kann. Darin ist diese Stadt großartig, einzig- 
artig; man kann sie ruhig die toleranteste aller Großstädte nennen. Was in 
London zur respectability gehört und in Paris de rigueur ist, kann man hier 
mitmachen oder nidit, ohne sofort zum Strolch erniedrigt zu sein. Man kann 
nach seiner Fasson leben und doch beinahe für einen Gentleman gelten. Man 
kann ung^ublich linkisch angezogen und doch eine Dame von Welt sein. 
Wer weiß das nicht! 

Für Leute mm gar, die 6twas Interessantes zu sein wissen, bietet Berlin 
eine ganz besonders herrliche Chance. Sie seien Nordpolforscher oder be- 
riihmte Hausders, Schriftsteller von Ruf oder Generaldirektoren einer Schiff- 
fahrtslinie: man räumt ihnen das Hindernis der Etikette vor den Füßen weg. 
Je origineller, desto willkommener. 



'344 ^® B^linerin. 

6. Die Berlinerin. 

Ach schweig* mir von der Berlinerin, 
Sie hat sich so vornehm gewandelt: 
Sie, die im Reifrock einst herdich war, 
Was tut sie heut'? Sie verstanden. 
Aus dem. neuen Romanzero. 

Die Berlinerin ist nicht verwöhnt. Niemals 
hat man sie in den Glauben gewiegt, daß holde 
WeibHchkeit die Gesellschaft zu beherrschen be- 
rufen sei, und jene große traditionelle Galanterie, 
die anderswo der ganzen Geselligkeitsordnung das 
Gepräge gibt, kennt man hier nicht. Die BerHnerin 
weiß das. Tr^s femme zu sein wie in Paris, wie 
in Frankfurt und Wien, ist ihr hier gar nicht ge- 
stattet, wenn sie nicht für affektiert gelten soll. 
Der charmanten und so kleidsamen Sicherheit, daß 
sie als Frau das Vorrecht genießt, den .Ernst der 
Männer mit einer kleinen Koketterie lachend zu 
zerreißen, kann sie sich nicht überlassen. Sie muß 
sich zusammennehmen; das macht sie im tiefsten 
Innern schüchtern, und sie bildet ihre Klugheit aus, 
um sich darüber hinwegzuhelfen. 

Als Produkt der Verhältnisse, nicht als ihre 
siegreiche, selbstbewußte, weiblich - souveräne Be- 
herrscherin tritt uns die BerUnerin entgegen; diese 
negative Eigenschaft ist die einzige, an der sie er- 
kennbar ist. Nach dieser einen Seite liegen ihre 
vielen ausgezeichneten und ihre ganz wenigen anderen 
Eigenschaften. Im übrigen gehen eigentlich recht 
verschiedenartige Erscheinungen in dem einen Be- 
griff „Berlinerin*' nebeneinander her. 

Ihrer Rasse und Herkunft nach ist die Ber- 
linerin weniger einheitlich als die Bewohnerinnen 
der älteren Großstädte, weil sie in der hastigen Zeit, 
wo die enorme Ausdehnung der Stadt es wünschens- 
wert machte, von allen Weltgegenden her auftauchte, 
um hier Bürgerin und Mutter von Bürgern zu werden. 



Die Berlineria. 34^ 

Im alten Rom mußten zu diesem Zweck Sabine- 
rinnen geraubt werden; bei uns findet die weibliche 
Zuwanderung gutwillig statt, und die Tatsache, daß 
nun seit langem schon mehr Frauen als Männer in 
den Mauern der Stadt gezählt werden, wird kaum 
etwas daran ändern. Im großen Berlin gehen die 
kernigen Schlesierinnen und die zierlichen Sächsinnen, 
die lustigen Kölnerinnen, die fromme Holsteinerin 
und die rassige Jüdin als Weltstädterinnen von ge- 
meinsamer Heimat mit Vergnügen auf. Hier lassen 
sie ihr Herz rascher als ihren Dialekt und ihre 
sonstige Eigenart Wurzel schlagen. Sogar die Frank- 
furterin schwört heute schon auf Berlin; das Ein- 
fallstor nach dem Süden ist geöffnet. Nur die pi- 
kante Schwäbin, die treuherzige Bayerin suchen und 
finden den Übergang nicht ohne weiteres, und auch 
die Österreicherin macht ihn nur scheinbar und 
äußerUch mit; in Wirklichkeit spielt sie ihre Fesch- 
heit gegen Berlin aus. 

Die Richtige. 

Mitten in diesem bunten Flor all der abwechs- 
lungsreichen Zuchtblumen lebt beinahe vereinzelt, 
auch das der Grund zu einer gewissen Unsicherheit, 
die richtige Berlinerin. Darüber, ob sie auf diese 
Echtheit mehr stolz sein oder sie vielleicht doch 
ein bißchen verdecken soll, ist sie sich nicht ganz 
schlüssig* Bis zu einem gewissen Grade bildet sie 
ihr Weltstadttum sogar an fremden Vorbildern heran 
— wenn auch freilich mehr im Äußern : sie betreibt 
englischen Sport und trägt sich allen Neuerungs- 
versuchen zum Trotz immer noch nach den Mo- 
dellen, die ihre Modistin und ihre Schneiderin zwei- 
mal im Jahr aus Paris hierherbringt. Für Hüte 
und Blusen nimmt sie außerdem auch Wien zu 
Hilfe. Wo bleibt ihre Bodenständigkeit? Man würde 
sie vergebens suchen, wenn nicht gerade aus dieser 
Unsicherheit, die ursprünglich sogar etwas Aschen^ 



346 I^A Berlinerin. 

brödelhaftes hatte, die Anspannung aller geistigen 
Kräfte von selbst erblüht wäre. An einer ver- 
haltenen Klugheit, die zum Unterschied von den 
Klugheiten aller anderen klugen Frauen nicht nur 
plaudern, sondiern auch disponieren kann, erkennt 
man die Berlinerin von heute. 

Die Berlinerin ist geistig abgehärtet. Der Mangel 
an Galanterie, mit dem wir sie erziehen, erstreckt 
sich über alle Stände; er ist preußisch und liegt 
uns im Blut. Man sehe den jungen Mann abends 
in der Kneipe seine kleine Freundin zum Weine 
führen. Das Bild ist t5^isch: er, ein baumlanger 
Student mit Kneifer und englischem Paletot, geht 
mit großen Schritten voran, sie ein niedlich zurecht- 
gemachtes und meistens recht naturfrisches Fräulein, 
das bei einer gewissen Koketterie doch riesig artig 
und bescheiden hinterdrein trollt. Ordnung muß 
nicht bloß sein, sagt der Berhner, sondern auch sind. 
Das Weibliche muß sich dem Männlichen unter- 
ordnen. Und wenn man es anspricht, das Weib- 
liche, darf es sich nicht zieren (um Himmels willen, 
nur nicht tutig!) und muß auf einen kräftigen 
Scherz eine kräftige Antwort haben. Nicht schwatzen, 
aber treffen ist die Parole. Das ist das Typische 
des weiblichen Berlin. Das kleine Mädchen aus der 
Seestraße und die Weltdame, die in jeder Woche 
ein großes Diner gibt, unterscheiden sich darin nur 
der Ausdrucksweise nach. 

Bei alledem ist die Berlinerin nicht eigentlich 
amüsant. Nach der geschilderten Anlage kann sie 
es kaum sein. Denn mit dem Verstand allein, und 
sei er noch so diszipliniert, kann sie den Mangel 
an glücklicher Harmlosigkeit und Heiterkeit doch 
nicht gut machen, und etwas von Anstrengung und 
Spannung fließt in die Konversation mit ihr leicht 
ein. Trotar ihrer angeborenen^ Schlagfertigkeit. Sie 



Die Berlinerin. ^^y 

ist nämlich im tiefsten Innern nicht nur unsicher 
und (man lache nicht) schüchtern, sondern auch 
ernst und schweigsam, und die Lebhaftigkeit, die 
sie trotzdem zeigt, ist eine angenommene Schutz- 
färbung, ist Mimikry. Echt ist sie nur im witzigen 
und mehr oder weniger gutmütigen Spott. Darin 
liegt die Stärke der Berliner Konversation. Wo 
Überstiegenheit oder Ungeschicklichkeit oder sonst 
ein für Satire dankbar geeigneter Stoff sich wittern 
läßt, da erwachen die Zungen unserer Damen so- 
fort zu spitzer Flinkheit. 

Das Leben erzieht die Berlinerin nicht zum 
Herrschen, sondern zur häuslichen Kameradin des 
Mannes ; darum ist sie in der Regel eine gute Haus- 
frau und eine brave Mutter. Dazu kommt in un- 
serem mittleren Bürgerstand die soziale Ordnungs- 
liebe, bei der die Frauen über den Gesellschaftskreis 
ihres ihnen gesetzlich angetrauten Mannes schwer- 
lich hinaustreten können. Der Beruf des Mannes 
spielt ja in der Berliner Geselligkeit eine so lächer- 
lich große Rolle. Nicht im Sinn eines Kasten- 
wesens, das im Gegenteü gerade hier nur wenig 
ausgebildet ist, aber für die Einschätzung, die die 
Berlinerin von anderen und auch durch sich selber 
erfährt. Sie ist niemals gnädige Frau schlechthin, 
sondern immer die Frau einer bestimmten Rang- 
oder Steuerstufe. Erst dadurch bekommt sie gleich- 
sam den festen Halt. So will es unsere Ordnungs- 
liebe. Und auch darum ist die Frau hier vielleicht 
mehr als anderswo auf ihre Kemenate, ihre Pflicht 
und andere nützliche Verstandestätigkeit angewiesen; 
die Pflicht geht voran — nur wenn dann noch immer 
Zeit genug zu Anderem übrig bleibt, kommt auch 
die Liebe zu ihrem natürlichen Recht. 

Eine Zwischenbemerkung: Es bleibt meistens 
Zeit genug übrig. 



348 1^0 Berlineria. 

Die Liebe. 

Auch die Berlinerin, sowenig sie ihrer Natur 
nach sich dazu eignet, selbstvergessen aus dem 
Vollen zu leben, verschmäht es nicht, Geliebte zu 
sein. Sie setzt einfach ein neues Kalkül in die 
Rechnung ihres Lebens und kommt meistens ganz 
brillant damit aus. Da sie geschickt und, was noch 
wichtiger, in ihrer Geschicklichkeit ehrgeizig ist, 
bildet die Schwierigkeit für sie eher einen Anreiz 
als ein Hindernis. Und bei alledem ist sie weder 
berechnend, noch kalt oder herzlos-kokett. Im Gegen- 
teü, auch auf ihre Abwege nimmt sie noch ein gut 
Teü Anständigkeit und Pflichtbewußtsein mit — 
jenes Pflichtbewußtsein, das mit ihrer geraden und 
gesunden Logik nun einmal von Haus aus verbunden 
ist, und sie zeigt sich auch dem Geliebten nicht als 
herrschsüchtig, als grausam, als willkürlich, sondern 
eher von einer treuen, kameradschaftlichen und (man 
lache nicht) beinahe schüchternen Seite. Sie ist 
allerdings vorsichtig genug, sich den Mann des Ver- 
trauens mit Bedacht selber zu wählen und sich nicht 
leichtsinnig wählen zu lassen. Das ist eine ihrer 
stärksten Klugheiten. Effi Briest, das gute arme 
Tierchen, war keine typische Berhnerin. 

Zur Vorübung für den Ernstfall hat die Ber- 
linerin ein gutes Manöverfeld: den Flirt. Eine Er- 
rungenschaft der heutigen Generation liegt darin; 
der Flirt ist wirklich das gesellschaftliche Um und 
Auf Neuberlins. Er ist ohne Einschränkung ge- 
duldet. Vormittags ist man häuslich oder gebildet 
oder wohltätig, nachmittags flirtet man. Und die 
Berlinerin macht auch hier Unterschiede: sie hat 
ihre ganz bestimmten Flirtverhältnisse. Sie kann 
sich den scherzhaften Umgangston, der ja in Berlin 
durchaus nicht prüde und vielleicht sogar freier 
als in mancher Stadt von freieren Sitten ist, zu 
höheren Zielen zunutze machen. Spielend lernt sie 



Die Berlinerin. 3^.9 

eine Anzahl Leutnants kennen, einen lieben, und 
sie hat dabei freilich die mehr schlaue als ange- 
nehme Gewohnheit, die Überzähligen mit immer 
noch weiter fortgesetzter Freundlichkeit zu täuschen, 
wenn die Wahl längst getroffen ist. Mancher gute 
jimge Mann, der das nicht durchschaut, tritt den 
Rückzug dann erst gezwvmgen an. Ihm kann man 
es nicht verargen, wenn er die Berlinerin „falsch" 
findet. Und sie ist doch in Wirklichkeit nur klug, 
nichts als klug, ausschließlich klug. 

Auf große Sentimentalität pflegt die Berlinerin 
so wenig zu reagieren wie auf wirklichen Zynismus; 
außerdem gibt es natürlich Ehen, in denen sie ihren 
Mann überhaupt liebt. 

Das Ideal. 

Äußerlich hat die Berlinerin ein Ideal, das als 
ihr typisches und charakteristisches bezeichnet werden 
kann; es ist das Ideal der Niedlichkeit. Es ist ihr 
von altersher bekannt, daß sie nicht eigentlich zur 
imposanten Schönheit neigt. Ihr nicht sehr üppiges, 
nicht sehr rassiges, nicht sehr bedeutendes Köpfchen 
sitzt auf einer Durchschnittsgestalt, die öfter klein 
als groß ist. Das ist guter alter Berliner Typus. 
Das wächst sich zur Frau Wilhelmine Buchholz aus. 
Dazu stimmt eine neckische Miene und ein be- 
scheiden-zierliches Kleid, dem man es nicht so ge- 
nau anrechnen darf, wenn es auch nicht ganz richtig 
angepaßt ist. Man nimmt noch ein paar Löckchen 
an der Stirn, einen großen Blumenhut zu Hilfe, 
und das Ideal der Niedlichkeit ist gerettet. Aber 
es ist heute freilich zum Teil auch schon wieder 
überholt. Die Berlinerin ist zugleich mit ihrer Stadt 
in einem jener geheimnisvollen Zusammenhänge, die 
nicht zu leugnen, größer und schöner geworden; 
sie stellt höhere Ansprüche an weibliche Erschei- 
nung und bildet eine moderne Strömung neben der 
alten aus. Und nichts ist auffallender in der Berliner 



350 ^io Berlinerin. 

Frauenwelt, als daß diese Strömungen nun unver- 
mischt und unversöhnt nebeneinander herfließen. 

Man kann es überall, wo die Berlinerin in größerer 
Menge auftritt, z. B. im Theater, beobachten; zweierlei 
Weiblichkeit mißt einander prüfend. Eine, rechte 
und eine linke Politik hat sich auch hier einge- 
bürgert. Die Rechten tragen Großmuttertracht, die 
Linken ausländische Modelle, dazwischen fehlen die 
Abstufungen. Jedenfalls sieht man noch immer zahl- 
lose junge Frauen und Mädchen in Blusen oder 
Taillen oder Jacketts von unbestinmibarem Schnitt, 
aus unbestimmbarem Stoff, in einer unbestinunbaren 
Mode. Eine große alte Brosche mit Filigrangehänge 
pflegt in diesem Fall den äußeren Menschen abzu- 
schließen. Dagegen gibt es heute nicht mehr bloß 
junge, sondern auch ältere Berlinerinnen, die zur fort- 
schrittlichen Partei schwören. Die Modedame muß 
sich natürlich Originale leisten, die Eleganz zweiten 
Ranges begnügt sich mit der Kopie, und für das 
große Aufgebot der kleinbürgerlichen WeibUchkeit, 
die doch auch nach etwas aussehen will, verviel- 
fältigen endlich die Warenhäuser die gerade in Mode 
befindliche Jackettform zu einem Massenfabrikat, 
das dann allerdings nur mehr Eleganz dritten Ranges 
ist. Die halbe Berliner Welt (die man mit der 
Berliner halben Welt nicht ganz und gar verwechseln 
darf) hat dann für drei Monate ihre neueste Uniform. 

Die Toilette der Berlinerin. 

Der Berlinerin als Modedame geht im allgemeinen 
das Talent ab, die Toleranz der Mode auszunützen; 
3ie versteht es nicht, der Individualität zum Rechte 
zu verhelfen und trotzdem chic und elegant zu er- 
scheinen. Die starke Dame trägt genau so ihr fuß- 
freies Kleid wie die schlanke, weil es modern ist, und 
das Reformkleid verletzt niemals ihr Schönheitsgefühl, 
obgleich es fast immer den Eindruck eines Hauskleides, 



[Die Berlinerin. ^^t 

eines Tea-gowns, oft den eines Schlafrocks macht. 
Man ist eben eine Moderne, wenn man ein Reform- 
kleid trägt. 

Die Preise sind bei den großen Schneidern und 
Schneiderinnen nicht erschreckend. 275 — 300 M. ist 
der Preis für ein einfaches Straßenkleid, für eine Abend- 
toilette etwa 400 — 500 M. und für sehr elegante Toi- 
letten 800 — 900 M. Die sogenannten Schneiderkleider 
kosten 250 — 350 M. Natürhch gibt es unzähhge 
kleinere Schneider und namentlich Schneiderinnen, die 
zu viel billigeren Preisen arbeiten. Sie berechnen 
nur die Fasson; die Stoffe und alle Zutaten werden 
dann meistens von den Damen selbst eingekauft. 

Die Mode wechselt hier so schnell wie in Paris. 
Das Neueste für die Wintersaison 1905/06 wird das 
Velvetkleid, besonders bevorzugt in flaschengrüner 
Farbe, sein. Diejenigen Berlinerinnen, die für das 
Reformkleid das richtige Verständnis haben, indem 
sie es verschmähen oder als richtiges Hauskleid be- 
trachten, tragen mit Vorliebe auf der Straße fußfreie 
Schneiderkleider, aus Tuch oder leichterem Woll- 
stoff, zu allen Tageszeiten. Bei großer Hitze trägt 
man nur den Rock mit einer weißen Batist- oder 
Leinenbluse. Die Bluse ist aber, ausgenommen während 
der Sommerhitze, bei der Berlinerin nicht so beliebt 
wie die festsitzende Taille, die oft recht gut gearbeitet 
wird — mit einer Ausnahme, dem Stehkragen. Daß 
dieser individuell gearbeitet sein muß und meistens 
der Taille ihr Gepräge gibt, wissen sehr viele Damen 
nicht; die Berliner Schneiderinnen beklagen sich oft- 
mals darüber. 

Die Jupons werden auf der Straße sehr einfach 
getragen, hin und wieder sieht man einen reichgarnier- 
ten Seiden- oder Spitzenrock, aber im allgemeinen 
trägt man simple weiße oder farbige Wasch- oder 
Alpackaröcke. Zur großen Toilette trägt man natür- 
lich auch sehr elegante Jupons. 



j^2 ^^ Berlinerin. 

Mit dem Korsett hält die Berlinerin es ähnlich 
wie die Pariserin. Die elegante Dame schnürt ihre 
Taille nicht ein, sondern trägt das niedrige Korsett 
mit den geraden Vorderstangen, das zwar ihre Taille 
um einige Zentimeter stärker, dafür aber länger er- 
scheinen läßt. Auf beiden Seiten des Korsetts sind 
je zwei Strumpfhalter angebracht, damit die Strümpfe 
faltenlos sitzen. Diese sind im Winter aus schwarzer 
Seide oder feiner Wolle, im Sommer aus schwarzem 
fil d'^cosse. Weiße seidene und k jour Strümpfe wer- 
den nur zur Balltoilette getragen. 

Bei der fußfreien Kleidung muß man besonders 
auf nette Bekleidung der Füße achten; im Sommer 
werden hauptsächlich graue Stiefel, oft mit schwarzen 
Lackspitzen getragen, weniger elegant sind die gelben 
und braunen Schuhe. Im Winter ist der schwarze 
Chevreaulackstiefel sehr beliebt. Zur Abendtoüette 
trägt man stets ausgeschnittene Schuhe. 

Sehr viel Geschmack verrät die Berlinerin in der 
Wahl ihrer Hüte. Schon vormittags sieht man weit 
häufiger den eleganten Hut mit Blmnen und Federn- 
gestecken als den einfachen enghschen Hut, aber auch 
dieser wird gern zum Blusenkleid getragen, und zwar 
wirkt er sehr hübsch durch Schleier oder Bandgarni- 
turen. Die diesjährige Wintermode bringt haupt- 
sächlich Samt- und Velourshüte; noch immer wird 
der durch den Automobilsport modern gewordene 
Gaze- oder Tüllschleier, nach rückwärts herabfallend, 
zuweilen durch ein Blumengesteck ein wenig gerafft, 
gern für den eleganten Hut verwendet, aber das be- 
liebteste Aufputzmaterial bildet wohl die Straußfeder, 
seitlich angebracht, in allen möglichen Farben. Die 
Blondine bevorzugt braune, blaue und schwarze Fe- 
dern, während bei der Brünetten die helleren Farben 
pikanter wirken. Zur Abendtoilette, besonders für die 
Theaterloge, gehört auf alle Fälle ein kostbarer Pariser 
Modellhut. 



Die Berlinerin. 



353 



Ebenso elegant müssen auch die Theatermäntel 
sein, die meistens aus hellem Tuch, reich gestickt und 
mit kostbaren Spitzen, Gaze. Pelzwerk garniert sind. 

Die Leibwäsche ist aus weißem Batist, nicht 
aus Seide, man garniert sie mit Spitzen und Sticke- 
reien und seidenen Durchzugbändern. 

Eine große Rolle spielt die Pelzboa, die auch die 
aufs einfachste gekleidete Dame ungern entbehrt. Nur 
bei der Soireetoilette tritt an ihre Stelle die breite 
Federboa in den zartesten Farben. 

Perlen imd Brillantschmuck sollen nach Möglich- 
keit die Gesellschaftstoilette vervollständigen. Wer 
nicht über ein Perlenhalsband verfügt, wird zumindest 
ein feines Kettchen mit zwei diamantenen Tautropfen 
um den Hals schlinger, und kostbstre Ringe werden 
nur durch Spitzenhandschuhe verhüllt. 

Resignation. 

Kleider machen Frauen. Der Unterschied zwischen 
der Modedame der neuen Schule und der Berlinerin 
der alten ist ein äußerer, aber er verrät einen innern 
Unterschied, der sich zum Teil mit jenem deckt und 
der tiefer ins Leben eingreift. Die Berlinerin der 
alten Schule ließ sich Madame nennen oder Frau 
Schulze oder unter Freunden einfach die Schulzen, 
die neue Richtung nimmt das gnädige Frauentum des 
Adels durchaus auch für sich in Anspruch (s. Titu- 
laturen), Die Berlinerin der alten Schule war glücklich, 
die der neuen ist ehrgeizig. Der Ehrgeiz ist es, der 
sie elegant macht oder gesellig oder endlich in die 
Strömungen des öffentlichen Lebens hinausführt; ohne 
die Tätigkeit in Wohlfahrts- oder Frauenvereinen 
ist die moderne Berlinerin kaum mehr zu denken. 
In den Frauenvereinen betreibt sie auf ihre Art Politik, 
die manchmal versöhnlicher ist als die männliche 
Politik, manchmal auch radikaler, und auf den Kon- 
gressen der Frauenrechtskämpfer steht sie, die ein 

Berlin und die Berliner. 23 



354 Geselligkeit im Lokal. 

ausgesprochenes Tribünentalent hat, längst auch 
schon in erster Reihe. Mit allen diesen vielfältigen 
Bestrebungen geht naturgemäß die lokale Eigenart 
verloren. Unzählige Variationen des guten braven 
netten Käfers Berlinerin, schillernd wie Schmetter- 
linge, flattern heute neben einander her; rechnet 
man noch die starke Einwanderung hinzu, wie sie 
oben geschildert war, so kann man sich höchstens 
über den Mut desjenigen wundern, der die Berünerin 
überhaupt kritisieren will. 

7. Geselligkeit im Lokal. 

Uff jef ordert, nich injdadenl 

Beim Liebesmahl. 

Das militärische Liebesipahl geht die öffenthch- 
keit nichts an; es findet nicht in einem „Lokal**, 
sondern im Offizierskasino der Kaserne oder schlimm- 
stenfalls im geschlossenen Raum eines erstrangigen 
Hotels statt. Indessen wird man glauben, daß das 
feine Kenn- und Kennerwort „Uffjef ordert, nich in- 
jeladen** gerade auf diese Kasinogeselligkeit gemünzt 
sei; es ist ja oft genug erzählt worden, daß für die 
Bowle und den Sekt, auch für Souper und Büffet in 
solchen Fällen eine eigene Kontribution ausgeschrie- 
ben werde. In Berlin ist das nicht der Fall. Ein 
richtiges Garderegiment hat natürlich seinen richtigen 
Gardeweinkeller und seine richtigen Garde- Repräsen- 
tationsfonds. 

Liebesmahl ist aber in Berlin ein Ausdruck ge- 
worden, der auch auf andere als militärische Gesell- 
schaften angewendet wird — z. B. auf literarische. 
Man kommt in derartigen Vereinen regelmäßig oder 
auf besondere Anregung zur Abhaltung von Gast- 
mählern zusammen. Ein Altmeister wie etwa Julius 
Wolff hat den Vorsitz. Man ißt nach einer gemein- 
samen Speisefolge und kann von den teuersten Weinen 
trinken, soviel man Lust hat. Beim Dessert neigt 



Geselligkeit im Lokal. ^^^ 

sich ein höflicher Herr im Frack diskret zu jedem 
Gast. Er präsentiert die Rechnmig: festen Preis für 
das trockene Gedeck und die entsprechende Kleinig- 
keit für den Wein. 

Natürlich halten, trotzdem es so unschön klingt, 
auch Maler Liebesmähler ab. Manche betreiben das 
sogar, wie man erzählt, im Hauptamt. Speziell der 
Genius der älteren Richtung zeichnet sich ja in diesem 
Sinn durch einen guten Ruf aus, denn zum Flaus- 
rock und zum lockigen Haar gehört seit jeher die Über- 
gemütlichkeit bei vollem Glas. Das Berliner Künst- 
lerhaus, Bellevuestr. 3, hält dafür seine eigenen und 
schmucken Räume in Bereitschaft. Viel ernster und 
ungemütlicher ist man in der Sezession. Da laufen 
die jungen Maler mit geschorenen Köpfen und in eng- 
lischen Anzügen (sind das auch Künstler?) herum und 
haben weder ein Vereinshaus, noch eine Genialitäts- 
kneipe. Bloß einmal im Jahr, nachdem sie ihre Früh- 
jahrsausstellung eröffnet haben, veranstalten auch sie 
ein Liebesmahl. Gäste sind in ziemlicher Anzahl da- 
bei — uffjefordert, nich injeladen! Man sitzt im 
großen Saal eines gar nicht sezessionistischen, sondern 
sehr feudalen Hotels an langen Tafeln mit bezeich- 
neter Tischordnung, der unerläßliche Liebermann 
(nicht von Sonnenberg) hält eine ironische Ansprache 
und furchtbar viel Damen freuen sich auf den Tanz. 
Das Diner muß aber heruntergegessen werden. Erst 
das Mahl, dann die Liebe! 

Und endlich gibt es noch eine vierte Art, poli- 
tische Liebesmähler, meist im Hotel Kaiserhof. In der 
Zeitung liest man den nächsten Tag davon, und zwar 
sind es nicht die Links-, sondern die Rechtsparteien, 
die sich für solche Zwecke die Reichshauptstadt aus- 
wählen. Am stärksten beliebt ist das Berliner poli- 
tische Essen bei den Landwirten. Einmal im Jahr 
hält ihnen sogar der Reichskanzler eine Liebes- 
mahlrede. Nicht nur uffjefordert, sondern auch 
injeladen ! 

23* 



356 Geselligkeit im Lokal. 

Im Kaffeekränzchen. 

Wer die Berlinerin älteren Schlags kennt, kennt 
auch das Kaffeekränzchen. Es ist altehrwürdige 
Überheferung. Es besteht darin, daß Frauen, die 
meistens Mantillen und altmodische Hüte tragen, 
irgendwo zusammenkommen, wo sie aus großen 
Kaffeekannen ihre kleinen Tassen mehrmals füllen, 
um zwischendurch immer zu sprechen, manchmal zii 
stricken, aber niemals ganz stillzuhalten. Solche Zu- 
sammenkünfte finden von rechtswegen in der guten 
Stube einer Teilnehmerin statt; damit niemand zu 
lange geschädigt wird, immer abwechselnd bei einer 
anderen. Dafür ist nun aber in Berlin seit längerem 
auch ein anderer Modus üblich. Man hat sein Kaffee- 
kränzchen im Lokal. Nicht in einer der modernsten, 
sondern in einer der älteren Wirtschaften, die nach 
Berliner Zuschnitt Konditoreien verbunden mit Kaffee- 
küche und Bierbuffet darstellen, ist für bestinunte 
Tage der Woche ein langer Tisch reserviert; wenn 
irgend möglich, ist dieser Tisch so gewählt, daß er 
durch eine Glaswand oder einen Wandschirm von der 
nicht immer S5mipathischen Mitwelt halbwegs abge- 
sondert ist; da sitzt man nun riesig gemütlich zwei 
bis drei Stunden und entrichtet dem weißrockigen 
Kellner, der jede einzelne Teilnehmerin schon kennt, 
schließhch 45 Pf. für das köstlich süffige Getränk, 
den süßen Kuchen und die aufmerksame Bedienung. 
Im Sommer verbindet sich dieses Kaffeekränzchen oft 
mit einem Straßenbahnausflug ins Freie. Magisch locken 
die Gartenlokale mit Aufschrift: „Der alte Brauch 
wird nicht gebrochen, hier können Familien Kaffee 
kochen." Eine Familie ist ja auch das Kränzchen. 

Der Stammtisch. 

Das männUche Kaffeekränzchen heißt in Berlin 
ganz wie in deutschen Kleinstädten Stammtisch; es 
gibt solcher Stammtische hier beinahe so viel wie in 
allen anderen deutschen Städten zusammen. Der 
beliebteste Schauplatz dafür ist das Bierrestaurant, 



Geselligkeit im Lokal. ^^y 

das in einem Teil der Friedrichstraße vor allem in 
der Gestalt zahlreicher „Bräus" (s. Restauranis) be- 
steht. An dem ungedeckten weißgescheuerten Holz- 
tisch fühlt sich die Berliner Stammrunde am wohlsten. 
Sie hat ihren Stammkellner, findet auf der Speise- 
karte ein Stamm-Menu und endet in einem Stamm- 
skat. Von den Weinrestaurants kennen nur die 
älteren und kleineren, die über ruhige Ecken und 
Zimmerchen verfügen, eine ähnliche Einrichtung; 
doch kommen hier die Herrengesellschaften kaum täg- 
lich, sondern in der Regel einmal in der Woche zu- 
sammen. Die großen Weinrestaurants ä la Kem- 
pinsky eignen sich für solche Gemütlichkeit kaum, 
obwohl freilich auch hier sich manche Freundeskreise 
regelmäßig zur Frühstückszeit zusammenfinden. Im 
allgemeinen fällt die Berliner Stammtischzeit in die 
Abendstunden. Eine besondere Ausnahme davon 
bilden die in den sogenannten Wiener Kaffeehäusern 
seit mehreren Jahren bemerkbaren Nachmittagsge- 
sellschaften. . Zwischen 5 und 8 Uhr sieht man in 
diesen Lokalen viele . von den Marmortischen, oft 
mehrere vereinigt, von größeren Gruppen besetzt. 
Zahlreiche Berufs- und Interessensphären haben hier 
ihre Konventikel. 5. Wo trifft man sich? 

Wohltätigkeits- und andere Feste. 

Die Berliner Wohltätigkeit ist in hervorragendem 
Maße Geselligkeit, darum ist sie kleidsam, amüsant, 
beliebt. Man betreibt sie selten zu Hause — freilich 
kommt auch das vor, z. B. in den Gärten der Minister- 
hotels, wo zeitweise Bazare veranstaltet werden; in 
der Regel wählt man zur Schaubühne dieser Tätig- 
keit eines der bestangeschriebenen Fremdenhotels, wo 
prunkvolle Säle sich dafür besonders empfehlen. Auch 
die geschlossenen Räume des Zoologischen Gartens, 
der Phüharmönie, des Krollscheh Theaters werden im 
Lauf . einer . Saison .oft i genug - zur.. Befriedigung des 
Wohltätigkeitsdranges der Berliner Gesellschaft heran- 



^eg Geselligkeit im Lokal. 

gezogen. Das wäre am Ende hier wie überall Groß- 
stadtsitte. Für unser Berlin aber bezeichnend ist die 
überaus rege und ausgebreitete Organisation der 
Wohltätigkeit in Vereinen, die zum Teil überhaupt 
nichts weiter zu tun haben, als eben Wohltätigkeits- 
feste zu arrangieren. Wenn das Fest vorbei ist, bleibt 
freilich noch die Aufgabe, dem Reingewinn das richtige 
Konto zu eröffnen und die würdige Verwendung zu 
sichern, aber faUs man der Chronik der letzten Jahre 
glauben darf, ist dieser Reingewinn der geselligen 
Wohltätigkeit oft sehr fragwürdiger Natur. Die 
Spesen sind zu hoch und die Preise, die man für das 
Glas Champagner und die Ansichtskarte erzielt, nicht 
hoch genug. Am Ende bleibt dem aufopferungsvollen 
Komitee nur der Profit, daß es sich unterhalten hat — 
böse Zungen behaupten, auf fremde Kosten. Die 
Komiteedame stellt sich ja nicht immer gratis und 
franko zur Verfügung. Sie will nicht bloß die Droschke, 
sondern manchmal auch das Souper und die Toilette 
bezahlt bekommen. Böse Zungen sprechen so. Da 
wir hier von Berliner Sitten erzählen, konnten die 
Unsitten nicht ganz unerwähnt bleiben. 

Karneval. 

Andere öffentliche Feste bringt für Berlin, aber 
nicht in zu großem Maße, der Karneval. Sie haben 
für verschiedene Stände verschiedene Namen und 
laufen immer auf ein Abendessen und einen Walzer 
hinaus, der dann seinen Gipfel erreicht, wenn Ein- 
ödshofer dazu die Musik dirigiert. Das Konkurrenz- 
essen und das Kavaliersfest, beide im Kaiserhof, sind 
zwei solcher wohltätigkeitsloser Veranstaltungen. Dazu 
kommen die Vereins- und Geschäftsbälle und die 
Süvesterfeiern. S. Wo trifft man sich? und Festtage, 

Privatgesellschaften und Hochzeiten. 

Für Privatgesellschaften halten viele Restaurants 
eigene Räum.e mit klangvoll bistoriscben Namen — ' 



Wo trifft man sich? 



359 



das mindeste ist ein Langobardenzimmer und ein 
Obotritensaal — zur Verfügung. In der Berliner Ge- 
sellschaft, die große Etagen bewohnt, gehört deren 
Benutzung freilich längst nicht mehr zum guten Ton. 
Herren, die einen Kongreß abhalten oder die einem 
Kegelklub angehören, rühmen dagegen umsomehr 
diese Einrichtung, die nur dann einen Haken hat, 
wenn besagtem Kegelklub auch die verehrlichen Gat- 
tinnen angehören. Das tut nämlich die boshafte Ber- 
linerin mit Vorliebe. m^^ 
Hochzeitsfeste großen Stils und in großen ge- 
mieteten Gesellschaftsräumen sind noch immer nicht 
verpönt. Man wählt dafür die Salons der bekanntesten 
Hotels. Das älteste Berliner Renommee für diesen 
Zweck hat A. Huster mit seinen Festsälen in der 
Mohrenstraße und im Hotel Prinz Albrecht. 

Familientage 

werden vom nord- und ostdeutschen Adel mit 
Vorliebe in Berlin abgehalten. Meistens im Hotel 
Kaiserhof, manchmal bei Riebenstahl Unter den Ltn- 
^^^ 33» I^cr Zutritt ist nur den Sippen imd Magen 
gestattet. Man wird dazu aufgefordert und nicht ein- 
geladen. Wen es zmn ersten Male trifft, der infor- 
miert sich vorerst aus einem Kadelburgschen Schwank, 
welcher zu diesem Zweck im Lustspielhaus gegeben 
wird, über den Hergang der Sache. 

8. V^o trifft man sich? 

Sehe jeder» wo er bleibe, 
Sehe jeder, wie er*s treibe. 

Empfangsstundenplan. 

SONNTAG. 

Freifrau von Spitzemberg, 4 — 6. 
Baronin Greindl, von 4 ab. 
Frau Ihne, 3 — 6. 
Gräfin Schlipj)6nbach, 3 — 6. 



360 ^o ^fft iQAQ sich? . 

Frau V. Leyden, 2 — 5. 
Gräfin Beroldingen, 4 — 6. 
Gräfin Groben, 4—6. 
Frau V. Hardt, 4 — 6. 
Prinzessin Salm, 3 — 6. 

MONTAG. 

Frau vom Rath, 4 — 6. 

Gräfin Taube, 3 — 6. 

Frau Beldiman, 3 — 6. 

Gräfin Brockdorff, 3 — 5. Portal IV. S. Tout Berlin, 

DIENSTAG. 

Freifrau v. Gramm, 3 — 6. 

Frau V. Hahnke, 3 — 5. 

Frau V. Schubert, 4 — 6. 

Freifrau v. Hammerstein, 3^/^ — s^/^. 

Freifrau v. Rheinbaben, 3^/^ — 6. 

Frau Studt, 3 — 5. 

MITTWOCH. 

Frau von Tirpitz, 3^, — 5^2- 
Gräfin Berckheim, 4 — 6. 
Gräfin Harrach, 4 — 6. 
Fürstin Solms-Baruth, 4 — 6. 
Baronin Greindl, von 9 ab. 

DONNERSTAG. 

Gräfin Posadowsky, 3 — 5. 

Frau V. Budde, 4 — 6. 

Frau V. Hegermann, von 4. 

Frau V. Bülow, von 4. Charlottenburg, Harden- 

bergstr, 32, 
Gräfin Brockdorff, 3 — 5. 
Fürstin Bülow, 4 — 6. 
Freifrau v. Stengel, 3 — 6. 
Gräfin Talleyrand-P^rigord, 4 — 6. . • 



Wo trifft man sich? 36 1 

FREITAG. 

Frau Klügmann, von 4^/^ ab. 
M™« Inoiiy6, 3 — 5. 
Gräfin Matüschka, 4 — 6. 
Frau V. Oertzen, 3 — 5. 

SONNABEND. 

M"*® de Ruata, 4 — 6. 
Frau V. Lucadou, 4 — 6. 
Gräfin Hohenthal, von 3 ab. 
Freifrau v. Varnbüler, 3 — 6. 
Frau V. Dirksen, 4 — 6. 

TÄGLICH. 

Gräfin Osten-Sacken, 3 — 5 und nach 6. 
Mrs. Whitehead, von 4*/^ ab. 
Frau V. Delbrück, 4 — 5. 
Vicomtesse de Pindella, von 5 ab. 
Frau Professor Richter, 5 — 6. 
Frau V. Szögy6ny, 5 — 6. 

Weitere Salons. 

Herzogin v. Ratibor, Unter den Linden y8. 

Frau V. Derenthall, Voßstr, 8, 

Gräfin August zu Eulenburg, Unter den Linden 36, 

Gräfin Botho zu Eulenburg, BrückenaUee 2. 

Freifrau v. Reischach, Unter den Linden yS, 

Freifrau v. Thielmann, Rauchstr. 9. 

Gräfin v. Wartensleben, Hindersinstr. 9. 

Man trifft sich fernerhin in den Salons der 
hohen Finanz und Industrie, s. Moderne Patrizier und 
Kapitalismus. Auch in Kreisen der Wissenschaft und 
bildenden Kunst, der Musik und Literatur gibt es 
eine Reihe Salons von gesellschaftlichem Rang. 

Die geistige Bedeutung und die Zusammen- 
setzung der Berliner Salons zu schildern, wäre eine 
allzu heikle Aufgabe, die leicht zu Indiskretionen füh- 
ren könnte und daher der Memoirenliteratur über- 
lassen sei. . * 



362 Wo trifft man sich? 

Die Politik. 

Man trifft sich auf den parlamentarischen Bier- 
abenden (mit Sektbuffet) beim Reichskanzler; solcher 
Abende gibt es ein bis zwei in der Saison, und sie 
vereinigen Abgeordnete aller Parteien außer der 
sozialdemokratischen. 

Andere Abende beim Reichskanzler, ferner bei 
den Staatssekretären und den preußischen Ministem, 
sind exklusiver und trotzdem weniger politisch. 

Unpolitisch sind auch die im übrigen meist sehr 
eleganten Gesellschaftsabende bei den auswärtigen 
Botschaftern und den Gesandten. 

Politische Volksversammlungen finden in Berlin 
nur vor den Wahlen und bei hohen Fleischpreisen 
statt; man findet in ihnen freisinnige oder sozial- 
demokratische Abgeordnete. 

Die politischen Konditoreien und Lesekabinette 
Alt-Berlins sind nicht mehr in Blüte. Kranzler 
und Josty sind die einzigen seit jener Zeit noch 
berühmten Lokale, aber bei Kranzler (Ecke Friedrich- 
straße und Linden) treibt man längst keine Politik 
mehr, und nur Josty am Potsdamer Platz, der 
„Präsentierteller von Berlin", sieht in den Nach- 
mittagsstunden manchmal, durchaus nicht regelmäßig, 
Volkstribunen aller Parteien bei sich zu Gast. Im 
allgemeinen hält die Politik sich vom Kaffeehaus fern. 

In der Kneipe ist sie eher zu Hause. Die kon- 
servative Richtung hält sich an den Wein, die fort- 
schrittliche an das Bier, die süddeutsch-demokratische 
etwa an „Altbayem" in der Potsdamerstraße. Die 
Bräus in der Friedrichstadt haben zumeist Stamm- 
tische von studentisch-nationaler Gesinnung. 

In den politischen Klubs und Vereinen findet 
man keinen Menschen. 

Die stärkste Aussicht, einen Abgeordneten zu 
treffen, hat man am Ende doch noch in den Parla- 
menten. S. Parlatnentarismus, 



Wo trifft man siel»? ^5^ 

Die Literatur und Kunst. 

Schriftsteller und Schauspieler treffen sich im 
Kaffeehaus. 

Die einzelnen Lager heißen Cafe Monopol, Caf6 
Westminster, Caf6 des Westens; im ersten herrscht 
die seriöse, im zweiten die heitere, im dritten die 
hypermoderne Richtung. 

Artisten treffen sich im Caf6 Victoria und im 
Cafe Centralhötel. 

Einen bekannten Musiker-Stammtisch hat das 
Restaurant Siechen in der Behrenstraße. 

Die alten Berliner Schriftsteller- und Schau- 
spielerkneipen (bekannt sind der Weinkeller Lutter 
& Wegener in der Charlottenstraße durch E. Th. A. 
Hoffmann und Ludwig Devrient und das Weißbier- 
lokal Haase in der Jägerstraße) sind heute nur noch 
historische Sehenswürdigkeiten. 

Die Meister, Jünger und Freunde der bildenden 
Kunst treffen sich regelmäßig bei den Vorbesich- 
tigungen (Firnistagen) der Ausstellungen. An regel- 
mäßigen Empfängen in den Ateliers fehlt es. 

Die Fremden. Tbut le monde. 

Die Ausländer der größeren Nationen, außer 
den Franzosen, haben in Berlin ihre Vereine, aber 
kein Fremder, der nach Berlin kommt, um es zu 
besichtigen, nimmt diese Vereine in Anspruch — es 
wäre auch schwer zu sagen, zu welchem Zweck. 

Auch die Deutschen aus dem Süden und Nor- 
den haben hier ihre landsmannschaftlichen Verbände 
und ganz vereinzelt landsmannschaftliche Gasthäuser. 
Den Westfalen z. B. empfiehlt sich die Dortmunder 
Bierstube. Im allgemeinen wird aber darauf keine 
Rücksicht genommen. 

An den meist von den bundesstaathchen Ge- 
sandten geleiteten landsmannschaftlichen Abenden 



j64 ^° ^^^ ''^^ sich? 

in Restaurants pflegen Beamte und Offiziere Ber- 
liner Bekannte zu treffen. Speziell die süddeutschen 
Abende, wo Prinzen, Exzellenzen, Abgeordnete, 
Räte, aber auch Leutnants und Studenten ziemlich 
zwang- und ranglos durcheinander sitzen, sind eine 
eigenartige Erscheinung im Berliner Milieu. Man 
wird als Landsmann eingeladen, wenn man Karte 
beim Gesandten abgibt. 

Die Fremden treffen sich zugleich mit dem großen 
Berliner Flaneurpublikum in den Warenhäusern, in 
den Theatern und in den volkstümlichen Wein- 
restaurants k la Kempinsky. Findet man in einem 
der letzteren keinen Platz, so kann man in das im 
Vestibül oft aufliegende Rendezvous Buch für die- 
jenigen, mit denen man ein Zusammentreffen ver- 
abredet hat, einschreiben, wohin man sich wendet. . 
Die beliebtesten Rendezvous-Orte sind in gewissen 
Fällen verschwiegene kleine Konditoreien, die zweifel- 
los auch manches vor der berühmten Fontäne bei 
Wertheim oder Tietz voraushaben. 

An langweiligen Sommerabenden trifft man sich 
im Zoologischen Garten. 

Im Karneval. 

Subskriptionsball. Im Opernhaus. 

Findet nicht regelmäßig in jedem Jahre statt. 
Gewöhnlich im Februar. Das Kaiserpaar erscheint 
mit großem Gefolge und eröffnet den Ball durch 
eine Polonaise unter Vorantritt des Intendanten. 
In den Logen große Hofgesellschaft, die ganze Di- 
plomatie und alle Minister. Zutritt gegen vorherige 
Anmeldung mit genauer Standes- und Wohnungs- 
angabe an die Intendantur der kgl. Schauspiele, 
Dorotheenstr, 2. Das Billet kostet 15 Mark. 

Presseball. In der Phüharmonie. . 

Veranstaltet: vom- Verein Berliner Presse,, der 
die Adresse seines Ballbureaus ;iji jedem Jahr durch? 



Wo trifft man sich? ^65 

die Zeitungen veröffentlicht. Zutritt für Mitglieder 
des Vereins und vom Vorstand geladene oder ein- 
geführte Gäste. Anmeldungen werden nur wenig 
berücksichtigt. Das Billet kostet lo Mark. 

Kolonialfest. Im Neuen kgl. Operntheater (Kroll). 

Veranstaltet von der Abteilung Berlin der 
Deutschen Kolonialgesellschaft. Vom Hofe erscheint 
gewöhnlich die Kaiserin mit den Prinzen. Dem 
Balle gehen Festspiele auf der Bühne voran; Büffets 
und Bazare werden von Damen der Gesellschaft zu 
wohltätigem Zweck geleitet. Billets (ä 6 Mark) sind 
leicht zu haben. 

Kavalierball. Im Kaiserhof. 

Veranstaltet von Herren der Hofgesellschaft. 
Die Listen für Anmeldungen liegen u. a. in der 
Großen Kasino -Gesellschaft, Pariser Platz 3a, auf. 

Sezessionsball. Kurfürstendamm 208. 

Veranstaltet vom Malerverein Berliner Sezession. 
Geschmackvoll. Anmeldungen an den Verein. Billet 
10 Mark. Hier und auf den weiter aufgezählten 
Bällen nicht in Uniform! 

Alpenfest. Im Neuen Kgl. Opern theater (Kroll). 

Ende Februar. Sehr gesucht, beliebt und über- 
füllt. Ersetzt den Berlinern beinahe die Schweiz. 
Kußfreiheit. Billets nur durch den Alpenverein, der 
aber seit kurzem nur Mitglieder berücksichtigt (Ge- 
schäftsstelle des Deutschen und österreichischen 
Alpenvereins, Enckeplatz 4). 

Große Karneval-Gesellschaft. (Klub der Rheinländer). 
In der Phüharmonie. 

Drei heitere karnevalistische Sitzungen auf 
Kölner Art. Billet ä 1.50 Mark in allen größeren 
Zigarrengeschäften. 



^56 Premi^ien. 

Ballfest der Genossenschaft Deutscher Bühnenan- 
gehöriger. Philharmonie. 

Auf Namen ausgestellte Karten zu lo Mark auf 
dem Wege der Subskription bei der Genossenschaft, 
Charlottensir. 85, zu haben. 

Ball des Deutschen Bühnenklubs. 
Ausstellungsrestaurant. 
Karten im Bureau des Klubs, Unter den Linden 2y. 

Ball der Berliner Bühnenkünstler. Hotel Imperial. 
Anmeldungen daselbst. 

Ball der Lustigen Blätter. Hotel Imperial. 

Veranstaltet von der Redaktion der Lustigen 
Blätter, dekoriert von ihren Zeichnern, besucht von 
ihrem großen Publikum. Billets durch die Redaktion. 

Rattenball. Im Neuen Kgl. Opemtheater (Kroll). 
Billets durch das Komitee im Monopol-Hotel. 

Ball der Bösen Buben. Hotel Imperial. 

Anmeldungen im Komiteelokal Monopol-Hotel. 

Wo man sich gesellschaftlich nicht trifft 

Metropoltheater-Bälle. Behrenstr. 

Drei Maskenbälle in der Saison. Anmeldungen 
an das Theater. Der Stil ungefähr der der Arkadia- 
säle. 5. Ballhäuser. 

9. Premieren. 

Introite, nam et hie dei sunt. 

Ihre Wichtigkeit. Die ersten Aufführungen von 
Theaterstücken, zu deutsch Premieren, sind für Berlin 
von großer Bedeutung. Nicht so sehr dadurch, daß 
sie literarische Überraschungen bringen, als deshalb, 
weil sie eine beträchtliche Anzahl von Menschen, die 
literarische Überraschungen würdigen zu können 
glauben, vereinigen. Im Ernst: die Premiere ist die 



Premixen. ^67 

einzige gesellschaftliche Spezialität Neuberlins. Darin 
ist die Stadt, trotz den Pariser Generalproben, jetzt 
die erste ihrer Klasse. Salons sind anderswo in- 
teressanter, Kunstausstellungen größer, Garden parties 
lustiger, Routs bunter zusammengesetzt, Diners von 
reinerem Geblüt, Rennen und Wagenkorso echter: 
nur die Berliner Premieren sind Berliner Eigen- 
tihnlichkeit. Charakteristisch sind sie für ein be- 
stimmtes Publikum. 

Ihr Publikum ist nicht eigentUch so schlecht wie 
sein Ruf. Man kann es kennzeichnen, ohne es zu 
beleidigen, — durch seine Gegner. Es hat Gegner. 
Niemand vom Kaiserlichen Hof nimmt in bemerkens- 
werter Weise an den Premieren der Saison teü. Nie- 
mand vom hohen Adel. Kein braver Junker. Kein 
standesgemäßer Beamter. Ihnen allen ist die Theater- 
premiere, von der man ja gar nicht weiß, was für 
Gesinnungen und Stimmungen sie aussprechen wird, 
ein gesellschafthch zu schwanker Boden, und nur der 
übrigbleibende Rest der sogenannten Gesellschaft, 
Finanz, Literatur, Boheme, ist neugierig genug, sich 
an der Abstimmung des ersten Abends zu beteiligen. 

„Premi^ren-PubUkum** ist infolgedessen stellen- 
weise ein Schimpfwort. 

Auch die Theaterdichter gebrauchen es in diesem 
Sinije, aber nur manchmal. 

Wie sind sie erreichbar? Man unterscheidet im 
allgemeinen zweierlei Premieren: solche, zu denen 
man Billets leicht bekommt — das sind die unin- 
teressanten; dann die interessanten — zu denen ist 
der Eintritt sehr schwer erreichbar. 

Das erste Mittel, das man versuchen kann, ist 
ein Brief, den man möglichst lange vor der betreffenden 
Erstaufführung an die Direktion des betreffenden 
Theaters (temperamentvoll, eindringlich und originell) 
schreibt. Man bittet darin um Reservierung eines 



^68 Premieren. 

Sitzes für den Vorverkauf an der Kasse. Darauf tritt 
in der Regel eine unerwartete Überraschung ein : man 
bekommt nicht nur kein Billet, sondern auch keine 
Antwort. Man kann sich nur mit dem Bewußtsein 
trösten, das korrekteste Mittel versucht zu haben. 

Billethandel und Agio. Das zweite Mittel, zu 
einer vielbegehrten Theatervorstellung, zum Beispiel 
der ersten Aufführung eines Sudennarnschen oder 
Hauptmannschen Stückes, zugelassen oder nicht zu- 
gelassen zu werden, besteht darin, daß man sich 
rechtzeitig an den Billethandel (eigentlich Billet- 
Zwischenhandel) wendet. Nicht an dessen offizielle 
Vertreter, wie Wertheim, Invalidendank, Künstler- 
dank, sondern an die kleineren Bureaus Unter den 
Linden und in deren Umgebung. 

Diese erklären für ein entsprechendes Aufgeld 
die Besorgung eines Billets versuchen zu wollen. Je 
größer das Aufgeld, desto größer die Wahrscheinlich- 
keit des Gelingens. Vor einzelnen Berliner Premieren 
ist schon das Fünf- bis Zehnfache des Kassenpreises 
für Sitze geboten worden. 

Sicheren Erfolg hat man auch damit nicht, weil 
die Premidrenbillets zum größten Teile nach einer 
von der Direktion des Theaters ausgestellten Be- 
sucherliste reserviert sind. 

In Ausnahmefällen kann man im letzten Augen- 
blick bei einem „fliegenden** Billethändler vor dem 
Theater einen Sitz erstehen. 

Unterschiede nach Theatern. Man unterscheidet 
Theater, die schlecht gehen, solche, die gut gehen 
(die man Institute zu nennen pflegt), und die könig- 
lichen Kunstanstalten Schauspielhaus und Oper. 
Diese sind subventioniert und gehen weder gut, noch 
schlecht. Sie haben ihren festen Abonnentenstamm. 

Namentüch das Opernhaus, das zweifellos die 
nachderüblichenRangordnunghöchststehendenGesell- 
schaftskreise zu seinen Besuchern zählt, könnte über 



Premixen. ^5^ 

ein sehr elegantes PremiÄren-Publikum verfügen, 
wenn nicht die dazu gehörigen Premieren fehlten. 
Immerhin, bei den wenigen Erstaufführungen, die 
das Berliner Opernhaus bietet, sieht man Adel und 
alten Reichtum imd bei den zahlreichen Vorstellungen, 
die auf Befehl des Kaisers als Festvorstellungen statt- 
finden, sogar das steifste Zeremonial mit vorgeschrie- 
bener Galakleiderordnung. S. Theatre pari. 

Im Schauspielhaus gehen die Erstaufführungen 
vor dem gleich- und langmütigen Geheimratspublikum 
vor sich, das man nicht Premieren-Publikum nennen 
kann. Das Lessingtheater hat an diesen Abenden 
seine Hauptmann- und Anti-Hauptmann-Gemeinde, 
das Deutsche Theater seine sensationsfrohe Moderne, 
die drei Schwankbühnen, Residenztheater, Trianon- 
Theater, Lustspielhaus, werden zum Stelldichein des 
lebenslustigen Ganz- und Halbberlin. 

Einen starken Prozentsatz in allen Theatern 
bilden die Vertreter der Kritik. Man erkennt sie 
unter anderem daran, daß sie den Gesellschafts- und 
Füll dress- Ehrgeiz der Habitufe nicht mitmachen. 

Toilettefragen. Die Toüettefrage der Premieren ist 
in Berlin so wenig einheitlich gelöst, wie die Toilette- 
frage der Theater überhaupt. Elegante Damen ziehen 
dem Luxus der Hüte zuliebe, die man auf den Rängen 
und im Parkett nicht zeigen kann, die Logenplätze 
vor; im übrigen trägt jede, was sie wül. Eine eigent- 
liche Theaterrobe gibt es hier nicht, und eine Dame 
ist schon elegant, wenn sie ein schönes Besuchs- oder 
Sommerkleid trägt; ein herzhaftes Decollet6 würde 
Aufsehen erregen. Es ist noch nicht lange her, daß 
eine Dame im Theater überhaupt elegant sein darf, 
ohne für zweifelhaft gehalten zu werden. Ganz vor- 
sichtige Frauen gehen darum noch heute in altüber- 
lieferter Tantenkluft in die, vor allem aber in das 
Berliner Theater in der Charlottenstraße. 

Herren erscheinen iiii Smoking mit schwarzer 
Salonbinde. Das ist die Regel. Aber diese ist in 

Berlin und di« Bediuer. 24 



9^0 '^ Sprache; 

Berlin nun so sehr zur Premierenuniform geworden, 
daß man es niemandem verargen kann, wenn er davon 
abzuweichen sucht. Im Frack ist man vorläufig noch 
eine auffallende Ausnahme. Bleibt der einfache Geh- 
rock. Er ist nicht das Schlechteste. 

Man trägt selbstverständlich Frack, wenn man 
mit einer fürs Theater richtig gekleideten Dame 
erscheint. 

Th^ätre par6 sind die Vorstellungen im Opern-, 
seltener im Schauspielhaus, die auf Befehl des Kaisers 
vor gänzlich oder größtenteils geladenem Publikum 
stattfinden. Ihre Festhchkeit prägt sich in der Tracht 
ihrer Besucher aus, und die Billets, die man als Ge- 
ladener zugeschickt bekommt oder als Käufer erwirbt, 
tragen in auffallendem Aufdruck die dafür geltende 
Instruktion. Am glattesten wickelt sich dieser Fall 
bei Offizieren und uniformtragenden Beamten ab; 
ohne mit der Wimper zu zucken, erscheinen sie auf 
Befehl in großer oder kleiner Gala. Auch die Herren 
vom Zivil bequemen sich zum vorgeschriebenen Frack. 
Zur Katastrophe wird die Vorschrift aber bei den an 
Hoffähigkeit nicht gewöhnten BerUner Damen. Unter 
diesen gibt es immer einige, die hochgeschlossen er- 
scheinen, nicht hineingelassen werden \md ihr De- 
kollete in der Garderobe improvisieren müssen. O 
Untertanentrotz! O, obrigkeitliche Strenge! 

10. Die Sprache, 

glossiert durch das Temperament eines schlechten 

Lokalpatrioten . 

„Man sagt nicht Kikche, sonikrn 
Kirche, mc^ Junge. Du sollst nicht 
so bealinan!" ■ 

Der Vater von heutzutage. 

Es ist traurig aber wahr : der Berliner Dialekt 
nimmt sichtlich ab. Im Gesamteindruck, den man 
von der Stadt und ihrem Leben bekommt, tritt er 
längst nicht mehr so hervor wie noch vor 20 Jahren. 



Die Sprache. ^yi 

Wohl gemerkt, der Berliner Dialekt! Es hat dies 
seine Ursache darin, daß einerseits die unverhält- 
nismäßig große Zuwandenmg der letzten Jahre 
sprachlich fast kaum assimiliert ist, und daß ander- 
seits die wohlhabenderen Klassen sich mehr imd 
mehr um ein von Sprachfehlem freies Schriftdeutsch 
bemühen. Der Berliner Dialekt, eine zwar hoch- 
deutsch zugestutzte, aber echt plattdeutsche Mund- 
art, ist der Gefahr der Verdrängung trotz seines 
einschmeichelnden, bequemen, verführerischen und 
aus den verschiedensten Gründen leicht Ausbreitimg 
gewinnenden Charakters gerade seiner Abstanmiung 
wegen besonders ausgesetzt; denn in der nieder- 
deutschen Tiefebene ist das Schriftdeutsche nicht 
abgeschliffener Dialekt, sondern man hat es ur- 
sprünglich als Fremdsprache gelernt, und wer sich 
seiner im Alltagsleben bedient, entwöhnt sich der 
heimischen Mundart. Vom Dialekt in diesem en- 
gern Sinne muß aber die Berliner Sprache, das ber- 
linisch gefärbte Hochdeutsch, dessen Gebiet bis in 
die mittleren Klassen des Bürgerstandes hinabreicht, 
unterschieden werden. Dieses Berliner Deutsch 
strebt nach dem Ideal unserer heutigen Sprach- 
entwicklung, nach dem von Fehlem freien, durch 
Tonfall, Aussprachefeinheiten, Wortschatz und Wen- 
dungen mundartlich charakterisierten und bereicher- 
ten Hochdeutsch. Dieses Berlinisch hat mehr oder 
minder schöne, aber jedenfalls berechtigte Eigen- 
tümlichkeiten, von denen einige der wichtigsten 
genannt sein mögen. Die Aussprache ist klar, deut- 
lich, rasch, verstandesscharf. Laut tönt diese Sprache, 
weil die Stimmlage über das natürliche Maß erhöht 
wird, eine Erscheinung, welche vielleicht auch, von 
wesentlicheren Gründen abgesehen, durch Jahrhun- 
derte alte Gewöhnung an militärischen Kommandomf 
geschaffen wurde. Wenn auch nicht gemütslos, so 
klingt doch alles verstandesmäßig; kein sinnlicher 
Reiz auch aus schönstem Mund, keine geheimnis- 



7J2 ^ie Sprache. 

vollen Untertöne auch bei sympathischer Stimme. 
Vielleicht eine Ursache dieser Erscheinung, jedenfalls 
aber die bezeichnendste Eigenheit, an der man den 
Berliner von ähnlich sprechenden Norddeutschen 
erkennt, ist die kurze, nach äußerster Korrektheit 
strebende, geschlossen -einheitliche Aussprache der 
Diphthonge. Wie Reiterhiebe sausen die ,,ei** durch 
den Satz; keine Trennung der beiden Vokale wie 
in Ostpreußen oder am Rhein, keine Verdunklung 
derselben wie meist in Süddeutschland. In Wen- 
dungen und Wortschatz hat die Berliner Sprache viel 
aus dem Dialekt erhalten und sie entnimmt ihm mit 
der eingeborenen Neigung des Reichshauptstädters 
zu geistreichelndem Wortspiel und trostlos trivialer, 
herdentriebmäßiger Nachahmung der Tagesschöpfun- 
gen täglich das neueste Erzeugnis seiner oft ge- 
schmackwidrigen Fortentwicklung. Das bodenstän- 
dige, unkünstlerische Berlin erzeugt nicht ohne 
Grund nach Wort und Ton die schlechtesten Gassen- 
hauer im großen Gebiet der deutschen Sprache und 
Musik. 

Zum Schwinden des Dialekts trägt es auch 
bei, daß bei dem gesunden Durcheinanderschütteln 
aller Elemente im neuen deutschen Reich die Stam- 
messprache vielfach hinter der Standessprache zu- 
rücktritt. Die auffälligste Erscheinung dieser Art 
ist das Offiziersdeutsch. Man berlinert nicht mehr 
wie der alte Wrangel, man betont nicht mehr den 
heimischen Dialekt; man hat sich ein von Aus- 
sprachefehlern ziemlich freies, allgemein norddeut- 
sches Schriftdeutsch mit gepreßter Stimme und 
idiotischer — oder heißt es idiomatischer? — Syn- 
tax angewöhnt. Vielleicht gibt es auch schon ein 
ähnliches preußisches Beamtendeutsch, und es kann 
Herrn von Podbielsky nicht hoch genug angerechnet 
werden, daß er inmitten dieser Entwicklung die 
heimische Mundart pflegt. Nur böse Menschen halten 
das für Koketterie. 



Die Sprache. 37 ? 

Unter den geschilderten Verhältnissen ist es 
selbstverständlich, daß man in Berlin das Deutsch 
aller möglichen Mundarten gegenüber dem einhei- 
mischen Dialekt stark hervortreten hört. Im Ver- 
hältnis gibt es in Wien nicht halb so viel unwiene- 
risches Deutsch oder in Paris Provinzialfranzösisch. 
Trotzdem kann man den echten, herzerfrischenden 
Berliner Dialekt auch heute noch oft genug genießen. 
Fremden sei empfohlen, dem Dialog zu lauschen, 
der auf den Zusammenstoß eines Straßenbahn- 
wagens mit einer Droschke zu folgen pflegt. Jedoch 
verlässige man sich vorher, ob der alte Kutscher 
nicht anno 70 bei den schlesischen Grenadieren ge- 
standen hat. Auch wenn ein Droschkengaul auf 
dem nassen Asphalt gestürzt ist, erklingen aus der 
neugierigen Menge, die sich sofort sammelt, manch- 
mal sogar aus dem Munde des kommandierenden 
Schutzmanns unverfälschte Berliner Laute. Wer 
den Dialekt aber gründlich und liebevoll studieren 
will, lese das hübsche Buch „Der richtige Berliner 
in Wörtern und Redensarten'* von Hans Meyer und 
schaffe sich nachher einen Kreis Alt-Berliner Be- 
kannter an, vom Kanzleirat bis zum Schulmädchen, 
vom legendenhaften Schusterjungen bis zur leib- 
haftigen Waschfrau. 

Ist Berlin großstädtisch, was die Mannigfaltig- 
keit der deutschen Idiome betrifft, so bietet das 
Straßenleben kein Seitenstück im Hinblick auf 
Fremdsprachen. Hier gibt es keine Quartiere, wo 
man sich im Ausland wähnt, wie etwa in London 
oder Newyork. Man hört wenig fremde Sprachen 
von anderen als Touristen gesprochen; höchstens 
fallen gelegentlich, besonders im Studentenviertel 
und in den ärmsten Quartieren, die russischen oder 
polnischen Konsonanten ins aufmerksame Ohr. In 
der Gesellschaft treibt man wohl viel Französisch 
und Englisch. Damen beschäftigen sich auch mit 
dem Studium des Italienischen; das Russische ist gar 



3^4 Festtage. 

modern, das Hebräische dagegen stirbt selbst als 
fakulativer Lerngegenstand aus. Aber bei aller Kor- 
rektheit und formalen Schulung fehlt für Fremdspra- 
chen wie deutsche Dialekte meistens das Gehör, und 
wenn auch die angund ong des preußisch- französischen 
Klassizismus in der Konversation verschwinden, in 
der Schule sich langsam abschleifen und nur in den 
Fremdwörtern sich unsterblich erweisen, so ist doch 
selbst beim flüssigen Gespräch in Molieres Sprache 
der Tonfall notgedrungen berlinisch- verstandesscharf . 
Einwandfreier ist die Aussprache des Englischen, 
doch kann trotz Zunahme des Sports eine Abnahme 
der Anglomanie und damit auch der englischen 
Rede beobachtet werden. Eine seltsame Erschei- 
nung ist es, daß man neuerdings in Gesellschaften 
auch außerhalb des diplomatischen Kreises, manch- 
mal sogar von Berlinerinnen untereinander und 
nicht übungshalber, französisches Zwiegespräch zu 
hören bekommt. Sollte man zum Ersatz für das 
aussterbende Deutsch aus Berlins großen historischen 
Epochen sich am Ende gar wieder durch Pflege 
Fridericianischer Umgangsformen entschädigen wol- 
len? Oder gibt es doch Snobs in Berlin? 



II. Festtage. 

Saure Wochen, frohe Feste! 

Der Sonntag. 

Der Berliner Sonntag ist ein Tag der Ruhe, 
aber nicht der heiligen Ruhe, und er unterscheidet 
sich darin sehr wesentlich von dem englischen Sonn- 
tag, obwohl die deutsche Gesetzgebung auf ein 
vollständiges Stillstehen aller geschäftlichen Lebens- 
äußerungen an diesem Tage und den andieren kirch- 
lichen Festtagen immer mehr hinzuarbeiten scheint. 
Das Gesetz kann eben doch schließlich eine Volks- 
sitte nicht erschaffen, und so ist denn die Berliner 
Sonntagsruhe mehr ein mit Paragraphen gepanzerter 



Sonntag. 375 

Zwang, dem man sich fügt, als ein natürlicher 
Lebenszuschnitt zu nennen. Verwickelt sind die 
Bestimmungen über die Sonn- und Feiertagsruhe 
in den verschiedenen öffentlichen Ämtern und allen 
geschäftlichen Betrieben. Natürlich sind zur Be- 
friedigung unvermeidlicher Bedürfnisse Ausnahmen 
getroffen, die stellenweise die Verordnimgen wieder 
durchbrechen und nicht immer als gerecht, sondern 
manchmal als willkürlich empfunden werden; so 
etwa wenn Bierhäuser imd Konditoreien den ganzen 
Sonntag geöffnet und Bäckerläden geschlossen sind. 
Solcher Inkonsequenzen gibt es noch manche. 

Die Heiligung des Sonntags zeigt sich also 
von recht ungleichmäßiger Art, auch wenn sich 
die Betrachtung von vornherein nur auf das Be- 
kenntnis der preußischen Landeskirche, das evan- 
gelische, beschränkt. Die Kirchen öffnen ihre Türen 
morgens um 9 Uhr zum Vormittags- und abends 
um 6 Uhr zum Nachmittagsgottesdienst; Chorgesang 
und Gemeindegesang, Orgelmusik und auch künst- 
lerische Konzerte vereinigen sich mit der Predigt 
zu einem Programm, das jeden Sonnabend für alle 
Berliner Kirchen auf einer riesigen Tabelle im Lokal- 
anzeiger angekündigt wird. Aber der Zuspruch 
entspricht diesen Dimensionen durchaus nicht immer. 
In Berlin glaubt alles, was modern und tolerant 
sein will — zum Unterschied gerade von London — 
irreligiös sein zu müssen, und so verbringt nicht 
die große Menge, sondern nur eine leicht überseh- 
bare Auswahl gewisser Stände ihren Sonntag in der 
Kirche. Die breite sozialdemokratische Schicht, der 
die Religion nicht Partei-, sondern nur Privatsache 
ist, hält sich geschlossen fern. Im Osten und 
selbst im Zentrum der Stadt bleibt das Gotteshaus 
halbleer, bloß im neuen Westen, wo die Offiziere 
und Beamten und deren Familien in stillen Straßen 
ein vom Großstadtbummel unberührtes Dasein füh- 
ren, schart die Gemeinde sich voll- und überzählig 



376 Festtafe. 

um das Bibelwort. Die Kaiser Wilhelm- Gedächtnis- 
kirche hat nicht nur das beste, sondern auch das 
zahlreichste Publikum. Im allgemeinen sind es 
außer den Offizieren imd Beamten gewisse Studenten- 
verbindungen und die in religiösen Vereinen ge- 
sammelten jungen Männer und Jungfrauen aus den 
mittleren und unteren bürgerlichen Klassen, die in 
Berlin den festen Stamm — nicht der Kirchen- 
gemeinden — aber der Kirchenbesuchergemeinden 
bilden. Die gesetzliche Sonntagsruhe hat diesen 
Stamm nicht verstärkt. Der Kommis oder der 
Lehrling, der jetzt vierundzwanzig Stunden das Ge- 
schäft nicht betritt, hat sich dabei vor allem die 
Errungenschaft des Frühschoppens angewöhnt, und 
auch das sonstige öffentliche Vergnügungsprogramm 
des Berliner Sonntags ist ja durchaus nicht kleiner 
und gewählter, sondern im Gegenteil ungebundener 
als das der Wochentage. Das edelste und zum 
Glück auch verbreitetste Berliner Sonntagsvergnügen 
ist fast ein halbes Jahr hindurch der Ausflug ins 
Freie oder zumindest in die Laubenkolonie. 

Silvester. Prost Neujahr! 

Das eigentliche Berliner Volksfest, das Fest 
des Übermuts, wie es etwa dem Pariser mi-careme 
entspricht, fällt hier origineller Weise in die Neu- 
jahrsnacht und ist unter dem Titel des Berliner 
Silvester berühmt und berüchtigt. Der Silvester 
ist der einzige regelmäßig wiederkehrende Ausbruch, 
den die sonst so ordnungsliebende Berliner Volks- 
seele sich nicht versagen kann, und das Bürgertum 
und die Schutzmannschaft rechnen mit dieser Nacht 
des Straßentrubels als einer Einrichtung, der man 
zur Not ausweichen, die man aber nicht aus der 
Welt schaffen kann. 

Der Zuzug der Vorstadtmassen in das Viertel 
der Linden und der Friedrichstraße beginnt am 
Silvesterabend um 10 Uhr und erreicht zur Mitter- 



Silvester. 



377 



nacht seinen Höhepunkt. Um diese Stunde ist es 
in der Regel nicht mehr möghch, eine der Straßen 
im genannten Carr^ zu übersetzen, da sowohl die 
berittenen und die Fußpolizisten als die vielen Hun- 
derte von jungen Leuten, die hierhergekommen sind, 
die Neujahrsnacht feierUch zu begrüßen, den Durch- 
gang versperren. Dabei bringt aber die volkstüm- 
liche Feier durchaus keine großen Überraschungen. 
Ein paar Scherz- und Juxgegenstände, wie Kinder- 
trompeten, Klappern und Lärmtuten, werden demon- 
strativ in Tätigkeit gesetzt, mit komischen Kopf- 
bedeckungen wird eine halbe Maskerade zumindest 
angedeutet und ein Heer unschuldiger Papierschnecken 
über Laternen, Fußgeher und Droschken ausgeworfen. 
Gefürchtet ist der unerbittliche Faustkampf gegen 
alle hohen Seidenhüte in dieser Nacht, der indessen 
dadurch viel von seinem Schrecken verloren hat, 
daß sich kaum noch jemand findet, der in der 
kritischen Zeit seinen Zylinder durch die Friedrich- 
straße trägt. Ein großer Teil der nun einmal vor- 
handenen Ulkstimmung wendet sich unter solchen 
Umständen gegen die Polizei, der man in der Sil- 
vesternacht mit Vorliebe den Gehorsam verweigert, 
was sich regelmäßig in den ersten Tagen des neuen 
Jahres in einer langsam bekannt werdenden Statistik 
besonders zahlreicher Sistierungen ausspricht. Auch 
in stilleren Stadtteilen ist um die Geisterstunde 
noch alles auf und entweder auf der Straße oder 
an den offenen Fenstern, und überall ertönt in dem 
einen entscheidenden Augenblick laut und vielstimmig 
derselbe Ruf: Prost Neujahr! 

Auch die Süvesterfeier in den öffentlichen Lo- 
kalen oder Gesellschaften ist hier animierter als 
sonst irgend ein Abend im Jahr; während die großen 
Kaffeehäuser Unter den Linden und in den anderen 
gefährdeten Straßen vorzeitig ihre Gäste hinaus- 
setzen und schließen müssen, sind die Bier- und 
Weinrestaurants und die Hotels lärmend und über- 



378 Festtage. 

füllt. Der Eintritt ist freilich auch hier nicht un- 
beschränkt. Die Plätze müssen im voraus bestellt 
sein, die Tische sind reserviert, jeder Unangemeldete 
und Überzählige wird von den Türstehem un- 
nachsichtlich abgewiesen. Um dem Radau vorzu- 
beugen, beugt man der Überfüllung vor. Indessen 
hat der Alkohol in der Neujahrsstunde eine ganz 
besondere Kraft, und an verwüsteter Einrichtung 
und zerbrochenem Geschirr wirft die Silvesterlustig- 
keit für die Friedrichstadt ein ganz ansehnlich Teil 
ab, auch ohne Überfüllung. Die Theater und Vari6t6s 
sind ausverkauft, die Philharmonie veranstaltet ein 
großes Silvesteressen mit anschließendem Ball. 

Der Neujahrstag ist, nach dem Geschilderten 
begreiflich, ein verhältnismäßig ruhiges Fest. Sein 
größter Teil gehört der Erledigung der Post, da an 
diesem Tage Karten, Briefe, Pakete (Gratulationen 
sind noch immer in Mode!) nicht nur zahlreich ein- 
laufen, sondern auch wie an Wochentagen ohne Ein- 
schränkung zugestellt werden. Die Männer von der 
Post, Briefträger und Paketboten, verdienen denn 
auch ihren Anteil an der Neujahrsfreude. Sie be- 
kommen an diesem Tag ihr Trinkgeld. Außer ihnen 
melden sich in der Regel noch eine kleine Schar 
verdienstlicher Mitbürger, wie Kanalreiniger und 
Müllkutscher; Dienstboten, Angestellte und Portiers 
erwarten dagegen ihre Geschenke oder Trinkgelder 
zu Weihnachten. 

Fastnacht und Aschermittwoch 

sind in Berlin nur bescheidene kleine Ansätze zu Fest- 
tagen. Sie beschließen einen Karneval, der nicht eigent- 
lich vorhanden war. Man hat getanzt, viel getanzt, 
geflirtet, gebummelt, aber doch eigentlich jeder Ge- 
sellschaftskreis für sich, die Einen in stillen Herr- 
schaftshäusern im Tiergarten, wo die Fensterfront 
erleuchtet, die Flucht aller Säle geöffnet war, die 
Anderen auf bescheidenen Kostümkränzchen, wieder 



Ostern. 



379 



Andere auf großen Wohltätigkeits- oder Bühnen- 
bällen ($. Wo trifft man sich?), aber ein großes 
Treiben, das einen großen Abschluß finden könnte, 
hat gefehlt. Die Rollkutscher schmücken ihre Pferde 
mit Papierblumen, und die Philharmonie veranstaltet 
zum letzten Mal ein gemeinsames Essen mit an- 
schließendem Tanz. Die Greschäfte sind offen, die 
Schulen haben nicht frei. 

Karfreitag. 

Die festlichen Festtage sind vorbei, der dies 
nefastus zieht ein; der Karfreitag ist der ernsteste, 
größte und feierlichste Ruhetag in Berlin. Man 
besucht die Kirchen und geistlichen Konzerte; die 
Theater sind geschlossen. 

Ostern und Pfingsten. 

Ostern ist das Fest der ersten Ausflüge ins Freie, 
Pfingsten das der Frühkonzerte; beides sind Fest- 
tage, an denen der Berliner sich vor allem an der 
Natur erfreut. Am Morgen des Ostersonntags läuten 
alle Glocken. Den Kindern hat der Osterhase allerlei 
kleine Geschenke und Zuckersachen versteckt; 
nachmittags sehen die Wirte im Grunewald zum 
ersten Mal nach dem Wetter, nach dem sich die 
Anzahl der Ausflüglerscharen richtet. Die Pfingst- 
konzerte aber beginnen schon morgens um sechs Uhr 
in allen Gartenlokalen, und wo ein fahrbares Wässer- 
lein ist, da sitzt der richtige junge Berliner schon 
um dieselbe Morgenstunde mit seiner Braut im Kahn, 
und die Braut trällert die Loreley. Pfingstzauberl 

Der dritte und der vierte Feiertag. 

Diesen Nachklang der zweitägigen Feste hat 
der protestantische Norden, augenscheinlich um sich 
für seine sonstige Kalenderarmut schadlos zu halten, 
erfunden. In Berlin kennt man den dritten und 
den vierten Feiertag als volkstümlich-unkirchliche 
Einrichtung allgemein, tm Leben der Handwerker 



38ö Festtage. 

rechnet man mit ihnen. An diesen Tagen wird 
nicht voll gearbeitet und schon früh am Abend spa- 
zieren oder in die Kneij^e gegangen. Vor allem hat 
die Promenade unter den Linden noch durchaus 
feiertäglichen Charakter. 

Reformationsfest und Christi Himmelfahrt 

sind Kirchen- und Schulfeiertage, das erste mit halber, 
das zweite mit ganzer Feiertagsruhe. Das Himmel- 
fahrtsfest war unter Friedrich dem Großen abge- 
schafft und ist unter seinem Nachfolger wieder ein- 
geführt worden. 

Der Bußtag und das Totenfest. 

Der Büß- und Bettag in der vorletzten No- 
vemberwoche ist eine Art Karfreitag; wenn ihm auch 
die religiöse Begründung jenes historischen Tages 
fehlt, so wird er doch aus allgemeinen moralischen 
Gründen mit ähnlichem Ernst begangen. Vor allem 
sind jede Lustbarkeit, Theater, Varietes und heitere 
Musik untersagt, und das geistliche Konzert findet 
auf Brettern und Brettln Platz. 

Das Totenfest fällt auf den folgenden Sonntag 
(gewöhnlich Totensonntag genannt) und ist wie das 
katholische AUer-Seelen der Tag der Gräberbesuche. 
Die Abwehr leichterer Unterhaltungen wird aber 
weniger streng als für den Bußtag gehandhabt. Die 
Theater spielen und dürfen nur nicht alles aus ihren 
gewöhnlichen Repertoiren spielen. Die Polizei macht 
da genaue Unterschiede; sie verbietet die eine 
Operette und läßt eine andere zu. Oft ist dabei nur 
der Gesichtspunkt, daß man durch die Änderung 
überhaupt an die Besonderheit des Tages erinnert 
werde, maßgebend. 

Der Sedanstag und die Paraden. 

Die Erinnerung an Sedan, den 2. September 
1870, wird nicht mehr offiziell gefeiert, seitdem 
25 Jahre über den Geburtstag Deutschlands hin- 



Weihnacht^. 9g j 

gegangen sind. Die Kriegervereine versammeln sich 
noch, aber die Sonntagsruhe tritt nicht mehr in Kraft, 
und die Schulen haben nur noch frei, wenn dieser 
Tag mit der Herbstparade zusammenfällt. 

Die Herbst- und Frtihjahrsparade auf dem Tem- 
pelhof er Feld erhalten ihr genaues Datum je nach 
der Witterung in den letzten Tagen des Mai und 
des August durch den Kaiser. Die Schulen werden, 
um rechtzeitig ihre Klassen schließen zu können, auf 
telephonischem oder anderem eiligen Wege davon 
in Kenntnis gesetzt. S. Der Kaiser in Berlin. 

Weihnachten. 

Den ganzen Dezember hindurch großer Weih- 
nachtsmarkt von Geschenk-, Winter- und Festtags- 
waren, der die Warenhäuser, Läden und Geschäfts- 
straßen der Stadt mit einem oft nicht mehr zu be- 
wältigenden Verkehr erfüllt. An den drei Sonntagen 
vor dem Fest ist der Geschäftswelt zuliebe die Sonn- 
tagsruhe stark eingeschränkt; man spricht vom 
kupfernen, silbernen und goldenen Sonntag. In 
der Friedrich- und Leipzigerstraße und auf dem 
Potsdamer Platz riesiger Straßenverkauf von beweg- 
lichem Spielzeug und anderen Scherzartikeln. Kleine 
Kinder rufen rauchende Mohren und laufende Mäuse 
aus. In mehreren Stadtvierteln sind Weihnachts- 
buden und Lebkuchenstände errichtet. 

Der heilige Abend wird ausnahmslos bei Armen 
und Reichen, bei Gläubigen und Agnostikern, bei 
Christen und Nichtchristen mit dem Christbaum 
und der Bescherung im Familienkreis gefeiert. Im 
Hinterhaus ist es ein kleines Tannenstämmchen, das 
man mit Wachskerzen illuminiert, in der hochherr- 
schaftlichen Etage eine pompöse und glänzend ver- 
goldete Rotkiefer, die man in den Erker stellt und 
deren kerzenförmige Lichter man durch den elektri- 
schen Kontakt erleuchtet. Die beiden Festtage ver- 
bringt man wie die anderen auf Spaziergängen, auf 



382 Sport-Katecfalsmus. 

Besuchen, vor allem aber auf dem Eis. Im Kauf- 
mannsstand bekommen gerade die Weihnachtstage 
von den sonst üblichen Nachwehen (S. dritter und 
vierter Feiertag) nur wenig ab; denn die Zeit zwischen 
Weihnachten und Neujahr wird mit der Inventur 
ausgefüllt. 

Kaisers Geburtstag. 

In allen öffentlichen Ämtern, einschließlich 
Magistrat und Post, finden Einschränkungen der 
Arbeitszeit, weitergehend als die Sonntagsruhe, statt. 
In der Kapelle des kgl. Schlosses wird ein feierhcher 
Gottesdienst, darauf im Weißen Saal Gratulations- 
coiu" abgehalten. Unzählige Körperschaften und Ver- 
eine (der Reichstag an der Spitze) veranstalten Fest- 
essen; die Häuser sind beflaggt. Die Auffahrt des 
diplomatischen Korps und die militärischen Festlich- 
keiten vereinigen große Menschenmassen Unter den 
Linden. Das Hauptereignis ist am Vormittag die 
große Paroleausgabe auf dem Zeughausplatz, der 
Seine Majestät zu Fuß anzuwohnen pflegt; die Pa- 
role lautet an diesem Tage immer ,, Königsberg — 
Berlin". Abends sind populäre Kaiserf eiern und die 
berühmten Kaiserbälle der einzelnen Truppenteile, 
die in Berlin freilich nicht mehr ganz den alt- 
preußisch gemütlichen Zuschnitt des standesaus- 
gleichenden FamiHenfestes tragen. 

12. Sport-Katechismus. 

Pro patria et pro lucro est, dum 
ludere videmur. 

Jagdfragen. 

Wer keinen eigenen Jagdgrund hat, pachtet das 
Jagdrecht auf öffentlichem Grund und Boden von 
der Gemeinde, wenn er es nicht vorzieht, sich von 
einem befreundeten Besitzer einladen zu lassen; in 
jedem Fall muß jeder Weidmann aber einen von der 
Polizei ausgestellten Jagdschein haben. Mit dem 



Reitsport. ^gj 

Grunewald, der bis vor kurzem kaiserliches Jagd- 
gut war, hat die Hofgesellschaft jetzt das Gelände 
bei Döberitz vertauscht, auf dem nun alljährlich im 
Herbst das Halali hinter der den Hasen hetzenden 
Meute erklingt. Die verschiedenen Schonzeiten für 
das Wild bestimmt der Oberpräsident der Provinz 
Brandenburg; man hält sich darüber am besten 
durch Verbindung mit dem Allgemeinen Deutschen 
Jagdschutzverein oder dem Verein deutscher Jäger 
auf dem Laufenden. Die Berliner Jagdfreunde treffen 
sich alljährlich in der Geweihausstellung. S. Aus- 
stellungen. 

Wie betreibt man den Reitsport? 

Die elegantesten Reitschulen sind in Berlin der 
Tiergarten-, Augusta- und Luisen-Tattersall, in Char- 
lottenburg das Reitinstitut Beermann. Falls man 
seine Pferde nicht im eigenen Stall hält, läßt man 
sie in einem dieser Institute in Pension. 

Man ist im Hippodrom (Bahnhof Zoologischer 
Garten) zur Benutzung für den alltäglichen Morgen- 
ritt abonniert. 

Der Berliner Reitweg führt von der Straße 
Unter den Linden durch den Tiergarten, der ein 
ganzes Netz ausgezeichneter Reitalleen hat, über den 
Kurfürstendamm in den Grunewald. 

Die Dame reitet nicht nach der Mode, die man 
von England aus einzuführen sucht, im Herrensattel, 
sondern lieber schlechter nach der guten alten Sitte 
in dem seitlich gerafften schwarzen Rock, zu dem 
man schwarze Schaftstiefel aus Lack und einen 
runden steifen Hut trägt. 

Die bekanntesten Berliner Herrenreiter, die 
gegenwärtig auf den großen Hindernisrennen in Karls- 
horst die siegreichen Farben zu vertreten pflegen, sind : 
Oberleutnant Graf v. Königsmarck; 
Leutnant v. Bachmayer, beide von den Leib- Garde- 
Husaren ; 
Oberleutn. Graf Eulenburg v. d. 2. Garde-Ulanen; 



^g^ Sport-Katechismus. 

Leutnant v. Schmidt-Pauli v. d. 3. Garde-Ulanen; 
Leutnant v. Rosenberg von den 10. Ulanen; 
Herr M. Lücke; 
Herr v. Wallenberg. 

Das Renn-Einmaleins. 

Die großen Berliner Flachrennen finden auf der 
dem Berliner Unionklub gehörigen Rennbahn Hoppe- 
garten statt. Der Unionklub, Schadowstr. 9, ist zu- 
gleich die Geschäftsstelle zur Kontrolle sämtlicher 
Rennen bei Berlin und der auf ihnen vertretenen 
Rennställe; jeder Besitzer eines Rennpferdes, das 
hier laufen soll, läßt seine Farben in die Bücher 
des Klubs einschreiben. 

Die Hindemisrennen finden auf der Hindernis- 
Rennbahn Karlshorst statt, deren „Große Bajm" 
6000 m beträgt und mehr als 20 Sprünge über Hecke 
und Graben verlangt. Sie untersteht dem Verein 
für Hindemisrennen, Schadowstr, 8, der dem genann- 
ten Unionklub verschwistert ist. 

Auch die Rennen auf der dritten Rennbahn 
bei Berlin, zu Strausberg, volkstümlichere Sonntags- 
rennen, nehmen die Anmeldungen von Farben durch 
den Unionklub entgegen. 

Ebenso ist der BerUner Rennklub dem Union- 
klub angegliedert. 

a) Die berühmtesten Flachrennen in Hoppe- 
garten sind: 

das Rennen um den Großen Preis von Berlin im 

Sommer; ^ 

das Union-Rennen; 
das Herzog von Ratibor-Rennen; 
das Wilamowitz-Zuchtrennen; 
das Rennen um Staatspreise I. Klasse. 

b) Die berühmtesten Hindernisrennen in Karls- 
horst sind: 

das Rennen um den Kaiserpreis; 

das Große Armee-Jagdrennen im Frühjahr; 

der Große Preis von Karlshorst im Herbst. 



. Renn-Binmaleins. ^g^ 

Der Tag der Armee ist der einzige im Jahr, 
an dem der Kaiser auf seiner Tribüne in Hoppe- 
garten zu erscheinen und die Preise selbst zu ver- 
teilen pflegt. 

Am renommiertesten sind in Berlin die Renn- 
ställe folgender Besitzer: 

Fürst Hohenlohe- Öhringen; 

Herr v. Oertzen; 

Herr Felix Simon (früher Captain Joe); 

Kgl. Hauptgestüt Graditz; 

Leutnant Freiherr v. Neimans; 

Dr. J. V. Bleichröder; 

Dr. Lemcke; 

Herr v. Goßler; 

Herr v. Tepper-Laski; 

Graf Fürstenberg. 

Zu den Karlshorster und Strausberger Rennen 
gehen außer den fahrplanmäßigen Vorortzügen auch 
zahlreiche eingelegte Sonderzüge der Stadtbahn ab, 
die doch selten den großen Strom der Ausflügler 
bequem aufnehmen können. Auf dem Bahnhof 
Friedrichstraße entwickelt sich in der Mittagsstunde 
der meisten Renntage ein sehr bewegtes und buntes 
Bild; in den Coupfe steht man gepreßt und hat 
kaum genug Ellbogenfreiheit, um in dem mitgenom- 
menen Sportblatt die Tips und ihre verführerische 
Begründimg studieren zu können. 

Als Mitglied des Unionklubs benutzt man dessen 
Tribüne, sonst wählt man einen Platz i. Klasse; 
man hat dann natürlich auch zum Sattel- und Wäge- 
platz Zutritt. Die Tribüne des Sattelplatzes ist 
nicht fair. 

Die einzige staatlich zugelassene Stelle zur Ent- 
gegennahme von Rennwetten ist der Totalisator, der 
nach dem bekannten Grundsatz des Pari-mutuel das 
eingenommene Geld auf die siegreichen Farben ver- 
teüt, und zwar nach Abzug gewisser Prozente für 
den Fiskus und den Unionldub. Im ganzen bleibt 

Berlin und die Berliner. 2$ 



^85 Sport-Katechismus« 

also ein gewisser Verlust immer auf seilen der 
Wettenden. Der Totalisator hat Abteilungen für 
Platz- und Sieg-Wetten und für diese Ticketschalter 
zu 5, 10, 20 und 50 Mark. Offizieren in Uniform 
ist das Herantreten an den Schalter verboten. 

Die Gilde der Buchmacher oder Tipster, zu der 
u. a. die Kellner mancher Caf& und die Inhaber 
vieler Zigarrenläden gehören, ebenso die Wettbureaus, 
soweit sie von der Polizei noch nicht ausgehoben 
sind, nehmen gleichfalls Rennwetten, auch zu aus- 
wärtigen Rennen entgegen. 

Trabrennen. 

Auch die Berliner Trabrennvereine, zu denen 
vor allem die Trabrenn- Gesellschaft Berlin- Westend 
gehört, hospitieren im Unionklub, Schadowstr. 8; die 
einflußreichsten Gönner dieses Sports in Berlin sind 
Prinz Ernst Günther zu Schleswig -Holstein und 
Prinz Eduard zu Salm-Horstmar. 

Die Trabrennbahnen sind in Westend und in 
Weißensee; der Totalisator ist nur dort allgemein 
zugänglich, hier herrscht außer der Wettmaschine 
für den Tra^brennverein das Buchmachertmn. 

In den Trabrennen lassen vor allem die großen 
Pferdehändler, aber auch andere bürgerliche Sport- 
leute, begüterte Schlächter und selbst Droschken- 
besitzer, laufen. 

Der Fahrsport. 

. Dem eleganten Wagen- und Fahrsport in Berlin 
widmet sich der Deutsche Sportverein, MMelstr. 23; 
der Verein steht unter dem Präsidium des Prinzen 
Aribert von Anhalt und hat einen geschäftigen 
Kanzler in Herrn C. v. Kuhlmann. Alljährlich ver- 
anstaltet dieser Verein, und zwar in der vorletzten 
Woche des Mai, einen Concours hippique auf der 
Traberb^^iii zu Westend. Pferde, Wagen und die 
Handhabung beider durch die Besitzer („Herren- 



Fahrsport. ^§7 

fahrer") werden in diesem Schau wettkampf mit 
Preisen dekoriert. Vor zwei Jahren hat der Deutsche 
Sportverein auch durch Veranstaltung von Korso- 
fahrten in der Siegesallee auf den Berliner Wagen- 
und Pferdeluxus bessernd einzuwirken versucht; 
aber der Korso ging wegen Mangel an Beteiligung 
sehr bald wieder ein. 

Das Automobil. 

Alles Nähere besagt der Deutsche Automobilklub, 
Leipziger Platz i6, Präsident : Herzog von Ratibor. 
Sekretär: Freiherr von Brandenstein. Fernsprecher 
des Sekretariats: I, 1598. 

Ist das Radfahren noch ein Sport? 

Vielleicht gibt darauf einer der unendlich vielen 
Berliner Radfahrervereine Auskunft. Der bedeu- 
tendste, größte und rührigste dieser Vereine nennt 
sich kurz „Gau 20** oder offiziell: „Deutscher Rad- 
fahrer-Bund Gau 20 Berlin", Zimmer sir, 3/4. 

Geschäftsstunden 9 — 6. Kostenlose Auskunft 
in allen Radfahrangelegenheiten, wie Radfahrwege- 
kunde, zollfreie Grenzüberschreitung, Rechtsschutz, 
Literatur für Radfahrer, kostenfreie Haftpflichtver- 
sicherung für das Mitglied usw. (Radfahren auf der 
Straße ist nur den Besitzern von Radfahrkarten, 
die das Polizeirevier ausstellt, und mit Ausschluß 
der Straße Unter den Linden und anderer allzu- 
belebter Straßen gestattet.) 

Der Gau 20 sorgt in wirklich überraschender 
Weise für die Gaukameraden und hat für diesen 
Winter u. a. das Abkommen getroffen, daß die ge- 
heizte Fahrradhalle Zoologischer Garten, KurfürsUn- 
dämm 9, aUen Mitgliedern an drei Tagen der Woche 
in bestimmten Stunden kostenlos zur Verfügung 
steht. Die Fahrräder werden gegen eine monatliche 
Entschädigung von 3 M. in der Halle aufbewahrt 
und geresoigt. Gau 20 veranstaltet auch Konkur- 



^Sg Sport-Katediismus. 

renzeo; am bekanntesten ist die Femfahrt „Rund 
um Berlin" über 240 Kilometer. 

Den Fahrradrennen beider Arten, den Dauer- 
rennen (Steherkonkurrenzen) und Schnellrennen 
(Fliegerkonkurrenzen), sind die Radrennbahnen in 
Friedenau, Steglitz und Treptow gewidmet; sie sind 
in privatem Besitz und sehen an Sommersonntagen 
ein riesiges Publikum aus den breiteren Klassen, 
das die Kämpfe der engagierten Professionals leiden- 
schaftlich verfolgt. Am berühmtesten ist der Tag 
des Goldenen Rads in Friedenau imd der Große 
Preis von Berlin auf der Steglitzer Bahn. 

Welche Ball- und Rasenspiele sind in Mode? 

a) Lawn Tennis. 

Man ist Mitglied des Berliner Lawn Tennis- 
Tumierklubs und spielt auf einem der Plätze an der 
Barbarossastraße oder am Kuriürstendamm. 

Man sagt Schläger für Rakett und fünfzehn 
für fifteen und bevorzugt ganz weiße Tennis-Dreß; 
man sagt nämlich im Deutschen „die" Dreß. Da- 
men tragen fußfreies Kleid und englischen Hut. 

Die Klubturniere finden in der Barbarossastraße 
regelmäßig im Juni und September statt. 

Ein Ping-Pong-Tumier findet manchmal im Caf^ 
des Westens, Kurfürstendamm iS/ig, statt. 

b) Cricket und Fußball. 

Cricket und Fußball spielt in Berlin das Volk, 
nicht die Gesellschaft; die paar Akademiker, die 
über die erste Zeit dieses Sports hinaus noch „Fuß- 
baller" geblieben sind, haben ihren eigenen akademi- 
schen Ballspielklub, CharhUenburg, SchUiterstr. ga, 
und halten sich von den zumeist aus Arbeitern oder 
jungen Kaufleuten bestehenden zahlreichen anderen 
Ballspielvereinen fem, die sich auf dem Tempelhofer 
Feld an den Sonntagen zusammenzufinden pflegen. 



WaiMnpart. 3i(^ 

c) Golf. 

Von der englischen Kolonie propagiert. Lange 
Zeit mit großem Bemühen und geringem Erfolg. 
Jetzt endlich modern. Der Berliner Golfklub hat 
seinen Spielplatz in der Ulmenallee am Spandauer 
Berg und wird am i. April einen neuen größeren 
Platz, gleichfalls in Spandau, eröffnen. Die Auf- 
nahme in den Ellub findet nach Einführung durch 
ein Mitglied und ein Komiteemitglied statt; der 
Jahresbeitrag beträgt 50 M. Ein Berufsspieler gibt 
Stunden. Man spielt im Straßenanzug mit Sportmütze. 

Wettschwimmen. 

Man wende sich an einen der 25 Schwimmer- 
vereine, über die der Kreis I des deutschen Schwinmi- 
verbandes (Willy Heiser, KoUbuser Damm 6) Aus- 
kunft gibt. 

Rudern und Segeln. 

Alle Berliner Ruderklubs, es sind ihrer nicht 
wenige, gipfeln im Berliner Regattaverein. Obmann 
G. W. Büxenstein, Friedrichsir. 241. S. Tout Berlin. 
Alles Berliner Training imd Wettrudem zielt auf die 
Grünauer Regatta, die im Juni auf dem Langensee 
bei Grünau stattfindet; es ist die sogenannte Kaiser- 
regatta, denn der Kaiser wohnt ihr alljährlich bei 
und verteilt ihre Preise. 

Der Segelsport blüht im Osten und Westen, 
an der Oberspree und an der Havel; dort ist es der 
stürmereiche Müggelsee, hier der allzufreundliche 
Wannsee, an deren Ufern die Klubhäuser und die 
Bojen zum Anbinden der Boote sich aneinander- 
reihen. Der modernste imd eleganteste Klub ist 
der Verein Seglerhaus am Wannsee, ihm gehört die 
Elite des K£4>italismus und der Großindustrie an 
(s. Leute), die sich alljährlich zur Kieler Woche mit 
besonderem Applomb im Kaiserlichen Jachtklub-Ge- 
bäude im Kreis der Seeoffiziere versammelt 



390 ^^ Berliner attf Rdsen. 

Auch in Berlin haben die Segler, und zwar die 
des Westens und die des Ostens, in brüderlichem 
Verein ihre „Woche". Aber sie ist freilich nach 
den beiden vielsagenden Weltgegenden geteilt. Die 
Hälfte der Regatten spielt sich auf dem Wannsee, 
die andere Hälfte auf der Müggel ab. Die Berliner 
Woche, zu der übrigens der Kaiser nie erscheint, 
wird im Oktober abgehalten. 

13. Der Berliner auf Reisen. 

Der Berliner reist mehr, als für seinen Ruf gut ist ; 
er setzt Geld in den Umlauf und wird doch nicht nach 
seinem Wert anerkannt. 

Der Berliner hat außerordentlich große Neigung 
zum Reisen, wobei er von der sehr richtigen Ansicht 
ausgeht: In seiner eigenen Stadt zu sein, ist für nie- 
manden eine Kunst; nach Freienwalde zu fahren, ist 
schon eine Leistung. 

Der Berliner imponiert sich um so mehr, in je 
mehr Gegenden er sich ins Fremdenbuch geschrieben 
hat; Berlin selbst ist für ihn keine Gegend. 

Der Berliner findet sich mit dem Stolz der Re- 
signation darein, daß er überall erkannt wird; er grüßt 
auf dem Vesuv mit „Mahlzeit!'*, denn es ist doch egal. 

Der Berliner reist nicht ausnahmslos im Sommer 
nach Heringsdorf, da man ihn dann in Norderney oder 
im Harz vermissen würde. 

Der Berliner reist fernerhin nach Rügen, Born- 
holm und Warnemünde; an das Nordkap und nach 
Helgoland; nach Thüringen, Bayern, Tirol und der 
Schweiz; nach Spanien, an die Riviera und durch ganz 
Italien; nadh Ag3^ten. Wohin reist er nicht? In die 
deutschen Kolonien. 



Der Berliner auf Reiten« 



391 



Der Berliner fährt im Speziellen : Zu Ostern mit 
dem L-Zug nach Monte Carlo, zu Pfingsten mit dem 
D-Zug nach Baden-Baden, im Sommer mit dem L- 
imd D-Zug nach dem Brenner und Madonna di Cam- 
piglio, im Spätsommer nach Pontresina und im Winter 
nach Assuan. Es gibt darüber ein imgeschriebenes 
Gesetz, das man in einem gewissen Alter auswendig 
gelernt haben muß. 

Der Berliner fährt überhaupt nur mit dem D- 
oder L-Zug. 

^ Der Berliner demonstriert gegen gewisse Ostsee- 
bäder, indem er in andere geht; auf diese Weise wird 
keines von ihm vernachlässigt. Heringsdorf ist 
immerhin das prononcierteste. 

Der Berliner demonstriert gegen dies letztere am 
vornehmsten in Borkum. 

Der Berliner sucht sich in fremden Landstrichen 
dadurch besser verständUch zu machen, daß er mög- 
lichst laut spricht. 

Der Berliner interpretiert die Natur. 

Der Berliner tritt familien- und herdenweise nur 
in den großen Ferien, Mitte Juli bis Mitte August, auf; 
zu anderen freien Zeiten verteilt er sich mit seinen 
Kindern über die Mark und das mecklenburgische 
Seengebiet. 

Der Berliner ist kein Neuling im Land der Berge; 
er kennt es auf alle Fälle vom Alpenfest und aus dem 
Weißen Rößl. Bayrisch ist ihm dasselbe wie Blumen- 
thalisch. 

Der Berliner trägt ein tadelloses und stilgerechtes 
Touristenkostüm; er ist erstaunt und indigniert, 
wenn der Bergführer keine kurzen Ledernen trägt. 



392 



Der Berliner auf Reisen. 



Der Berliner kritisiert gern die Einrichtungen in 
fremden Ländern und rechnet mit KeUnern, Geld- 
wechslern und Beamten um die Wette; wenn er sie 
auf einem Fehler ertappt (was nicht selten vorkommt), 
korrigiert er sie laut und ironisch, und dann berlinert 
er am stärksten. 

Der Berliner ist nie so angeregt, wie wenn er sich 
im Eisenbahnzug seiner Heimatstadt wieder nähert. 
Hier sieht er doch das Zentrum und das Maß aller 
Dinge, und er ist vor allem darauf gespannt, ob nicht 
in seiner Abwesenheit eine neue Linie der Straßenbahn 
eröffnet worden ist. 

Der Berliner ist trotz alledem kein Geck, sondern 
eher der Typus des ehrlichen, jovialen und tüchtigen 
Menschen par excellence, den man nur beurteilen kann, 
wenn man ihn in Berlin kennen gelernt hat. 



IV. 

Winke. 



Studtoren geht über probioron! 



I. Polizei und Meldewesen. 

Die Geheiminstruktioii der Londoner 
Polizei besagt: Tbe protection of lue 
and property, the preservation of pu- 
blle tranquülity, and the abaence of 
crime, wUl alone prove whether the 
objeeta for whicb the Police were 
appointod. have beeD attained. InBer- 
Un scheint die Polizei nodi andere Auf- 
gaben für (^chwtrtig zu halten. 

Polixei-Berlin. 

Nichts fälscht so sehr den Eindruck, den man von 
Berlin erhält, nichts gibt dem romanisch-angelsäch- 
sischen Vorurteil vom deutschen Polizeistaat so viel 
Nahrung, als die Art und Weise, wie in der Reichs- 
hauptstadt die Polizei in die Erscheinung tritt und 
sich dem Auge fortgesetzt aufdrängt. Denn sieht 
man erst genauer zu, so wird man erkennen, daß in 
wichtigen Dingen die Unterschiede nicht groß sind, 
daß hier die Bureaukratie im allgemeinen nicht 
schlimmer ist, als im Ausland, daß die Freiheit nicht 
stärker, sondern nur in anderen mehr oder minder 
kleinlichen Punkten beschränkt ist, als dort; vor 
allem, daß in Berlin vieles nach Polizei aussieht, was 
gar keine Polizei ist. Die Ursachen dieser Irrtümer 
sind leicht zu finden: die Organisation des Polizei- 
präsidiums, die Rekrutierung der Schutzmannschaft, 
die . Mangelhaftigkeit der Verkehrspolizei, die Vor- 
trefflichkeit des Meldewesens. Dabei soll nicht ver- 
kannt werden, daß es tatsächlich und gerade in den 
tausend Kleinigkeiten des Alltagslebens zu viel Poli- 
zeitätigkeit, ängsthche Bevormundung und unnötige 
Reglementierung, zu viel Verbotstafeln und Schutz* 
mannshelme und zu wenig städtische Selbstverwal- 



396 Politei und Meklewesen« 

tung gibt. Auch daß die Verordnungen der Exe- 
kutivgewalt öfters von den Gerichten in die Schranken 
der Gesetzmäßigkeit ztirückgewiesen werden müssen, 
ist nicht erfreulich, aber auch nicht häufiger als etwa 
in Nordamerika. 

Polizeipräsidium. 

Die Organisation boniht auf dem 
Polizeiie^iement vom 18. Sept. iSaa. 

Das ist vielleicht die Hauptursache, weshalb man 
überall die Polizei verspürt: die untere und mittlere 
Staatsverwaltungsbehörde für Berlin, deren verwal- 
tende Tätigkeit weit umfangreicher ist, als ihre rein 
polizeiliche, heißt Polizeipräsidium. Ihre sichtbaren 
Organe sind die Schutzleute. Die Trennimg ihrer 
Funktionen ist dem Publikum nicht möglich. 

Man hat einen eigenen Landespolizeibezirk Ber- 
lin gebildet, der sich aus den Stadtkreisen Berlin, 
Charlottenburg, Rixdorf und Schöneberg zusammen- 
setzt. Dies ist im allgemeinen der Verwaltungsbezirk 
des Polizeipräsidiums, dem die Polizeidirektionen in 
den drei genannten Vororten imterstehen, während 
die anderen Vororte zu den benachbarten Landrats- 
ämtem gehören, bis sie sich auch wieder zu Polizei- 
direktionen auswachsen. Zeigt schon diese Organi- 
sation, wie verfehlt das Bemühen ist, dieDreimiUionen- 
stadt verwaltimgsrechtlich zu zerreißen, so hat man 
vor dem Verbrechen vöUig kapituUeren müssen und 
alle Vororte der Kriminalabteüung des Polizeipräsi- 
diums unterstellt. Und es entbehrt sicherlich nicht 
eines pikanten Reizes, daß der Verwaltimgsbericht 
dieser hohen Behörde, die dem Zusammenschlüsse der 
Metropolis so zäh entgegenarbeitet, hierin offiziell 
selbst ein „Groß-Berlin" kennt. ti . 

Polizeipräsidiimi, Am AlexanderplcUz. 

Polizeipräsident Dr. v. Borries, Eingang III, Zim- 
mer 158. 

Abteilung V. Paß- und Fremdenwesen, Ein- 
gang IV, Fundbureau Eingang IL 



Sdratemanosdiaft. y^-j 

Politische Abteilung VII, Eingang III. 

Dirigent Geh. Regierungsrat Muhl. 

Man denke nicht an Fouch^ und Pietri! Nicht 
einmal an Hinkeldey und Puttkamer. Die poUtische 
Tätigkeit ist hierzulande eine recht geringe und meist 
wenig interessante und wertvolle: auch eine Illustra- 
tion zum Polizeistaat. Die 200 Beamten haben fast 
nichts mit Romantik und Staatsgeheimnissen, umso- 
mehr mit der undankbaren Aufsicht über die Preß- 
erzeugnisse, Vereine und Versammlungen zu tun. 
Auch die beinahe komische Gesinnungsstatistik ist 
ihre Aufgabe. 

Reviere und Schutemannschaft 

Hdmsler: „In Tbeoe festP« 

Im allgemeinen erledigen sich alle Beziehungen 
des Publikums zur Polizei auf den Revieren. Es gibt 
deren 105 und man ersieht die Adresse des zuständigen 
jeweils am Sockel der nächsten Plakatsäule. 

Den Revieren, die von PoUzeileutnants kom- 
mandiert werden und als nächstwichtige Beamten 
den Revierwachtmeister und den Kriminalwacht- 
meister zählen» sind 12 Bezirkshauptmannschaften 
unter Polizeihauptleuten, diesen 3 Polizeibrigaden 
unter Polizeimajoren übergeordnet. Die gesamte 
Schutzmannschaft, zu der außerdem die berittene Ab- 
teilung und die Fachhauptmannschaften — gerade 
diese sind ein schönes Beispiel von Verwaltungsper- 
sonal im Polizeistaat — gehören, konunandiert Oberst 
Krause, Alexanderplatz 5 77, ein allseitig bekannter 
und beliebter Herr: eine Popularität, die auch wieder 
den Polizeidruck des patemal govemment charakte- 
risiert. Die 200 Offiziere der Schutzmannschaft 
rekrutieren sich aus dem Offizierkorps der Armee, 
die 6000 Wachtmeister und Schutzleute aus dem 
Unteroffizierstand. Es ist dies eine notwendige Folge 
der allgemeinen Wehrpflicht und der geschichtlichen 
Entwicklung des preußischen Staates, die neben zahl- 



398 Polkei und Mddewesen. 

reichen äußerst wertvollen Eigenschaften des Per- 
sonals auch einige fast unüberwindliche Schattenseiten 
zur Folge hat: den oft unangenehm empfundenen 
Vorgesetztenton gegenüber dem Publikum, das allzu 
häufige und nicht immer ruhige und sachgemäße Ein- 
schreiten, das Überwiegen der militärischen über die 
fachmännische Schulung. Im übrigen ist der Ber- 
liner Schutzmann tüchtig, meist gutmütig tmd ge- 
mütlich, höflich und nicht unbeliebt, wenn auch die 
Erinnerung an frühere Zeiten deutscher Geschichte 
und der Ärger über die Vielgeschäftigkeit der Polizei 
dem Publikum leider noch nicht zur Gewohnheit ge- 
macht haben, ihm überall seine tatkräftige Unter- 
stützung zukonunen zu lassen. Die im Verhältnis zu 
anderen Großstädten und dem ausgedehnten Dienst 
geringe Stärke des Korps ist ein gutes Zeichen für 
Polizei und Bevölkerung der Reichshauptstadt. 

Verkehrspolizei. 

Kieme Obertrdbungen sind gestattet; 
der Zweck heiligt das Mittel. 

Die partie honteuse der stattlichen Organisation 
des Berliner öffentlichen Lebens ! Es gibt kaum eine 
andere Großstadt mit so unglücklich geregeltem 
Straßenverkehr, mit so ängstlich-ungeübten Fuß- 
gängern und so schlechten Kutschern. Das Polizei- 
präsidium macht hierfür noch die unschuldigen Opfer 
seiner Vormundschaft und Erziehung, Rosselenker 
und Pflastertreter, verantwortlich. Ein rührender 
Anblick, wie an der Ecke Friedrichstraße -^ Unter den 
Linden ein zahlreiches Polizeipersonal mit Zuruf und 
Gestikulation die vier dünnen, im Schritt oder Hunde- 
trab sich bewegenden Wagenreihen ' und die kopf- 
scheuen Passanten regiert. Es ist kein Wunder, daß 
Zusammenstöße und Unglücksfälle viel häufiger sind, 
als in London, wo die Schwierigkeit der Aufgabe in 
dem Riesenverkehr Kutscher, Fußgänger und Schutz- 
leute geschult und ruhig gemacht hat. 



Verkebrspolixei« 399 

Den Gipfel der Leistungen der Berliner Verkehrs- 
polizei bilden die zahlreichen Absperrungen bei allen 
möglichen Gelegenheiten. Es wird dem Beobachter 
schwer fallen, andere Grundsätze bei der Durchführung 
des S3^tems herauszufinden, als etwa die, daß die 
Hauptverkehrsadern nicht zur geregelten Zirkulation 
dienen, sondern leer zu halten sind, daß man den 
flutenden Strom der Meoge zum Stauen bringen muß, 
daß die Linden und zahllose andere Straßen nicht 
überschritten werden dürfen, daß man auf die Ver- 
kehrsbedürfnisse des Publikums keine Rücksicht zu 
nehmen braucht. Der Ärger, der sich bei all dem 
Zeitverlust, der unverständlichen Schikane, der auf- 
reizenden Bevorzugung ein^lner Personen, besonders 
der Offiziere, ansammelt, brächte ein weniger loyales 
Volk zur Revolution. Der Berliner hat sich gutmütig 
hineingefimden und begnügt sich mit gelegentlichen 
Ausbrüchen von Ungeduld und Rohheit, die anderwärts, 
z.B. bei den heißblütigen, aber mit einsichtiger Straßen- 
polizei bevorzugten Italienern nicht vorkonunen, 
und auf welche die gleichfjadls schwer geprüfte Schutz- 
mannschaft kräftig reagiert. Fremde seien dringend 
gewarnt, einen Durchbrucbsversuch zu machen; auf 
tätlichen Angriff gegen die Sperrposten, der stets zu 
konstruieren ist, stehen mindestens 14 Tage Gefäng- 
nis. Mit Vernunftgründen ist freilich auch nichts zu 
machen; alles prallt ab an den Worten: Es ist Befehl. 
Man wird an den nächsten Polizeileutnant gewiesen, 
aber wenn er überhaupt sichtbar ist, meist nicht zu 
ihm durchgelassen. Ist man glücklich so weit, so be- 
dauert der Herr, nichts machen zu können. Kurz und 
gut: Berliner Straßensperrungen sind Gottes Fügung, 
wie Hagelwetter oder Cholera. Man ergibt sich darein 
und erhofft für die Enkel ein besseres Los. 

Auskünfte und Beschwerden. 
S. Wo finden Sie Rat und Hilfe, 



^00 Polizei und Meldewesen. 

Das kriminelle Berlin. 

The primary object of an ef£cient 
Police is the prevention of crime, the 
nezt, that of detection and punish- 
ment of c^enders, if crime is com- 
nütted. 

Die Sicherheits- und Kriminalpolizei, Abteiig. IV 
Eingang V, wird vom Oberregierungsrat Dieterici, die 
letztere, welche etwa 600 Beamte zählt, im besonderen 
vom Polizeirat Liss geleitet« Sie ist in praktischer 
Weise zugleich lokal und fachlich eingeteilt. Die 
Kriminalschutzleute und -Wachtmeister gehen fast 
durchweg aus der Schutzmannschaft hervor, die 
Kriminalkommissare und -Inspektoren dagegen aus 
verschiedenen Berufsständen, wenn auch das Offi- 
zierkorps hierbei den größten Anteil hat. Hier haben 
die Verhältnisse es erzwungen, daß man sich von den 
Wirkungen der allgemeinen Wehrpflicht etwas eman- 
zipiert hat, und die Folge der Ausbildung tüchtiger 
Spezialisten ist auch eingetreten. Einzelne Kom- 
missare wie die Herren v. Manteuffel und v. Tresckow 
u. a. haben sich in ihren Zweigen, seien es Hochstapler, 
Spieler, Buchmacher, Sittlichkeitsverbrecher oder was 
sonst. Ruf imd Anerkennung verschafft. Die Krimi- 
nalpolizei arbeitet in London vorzugsweise mit Geld, 
in Paris mit Weibern, Hausmeistern und Spitzeln; in 
Berlin macht sie von diesen Mitteln nicht viel Gebrauch, 
sondern ist selbst dem Verbrechertum gegenüber 
loyal. Trotzdem sind ihre Erfolge nicht geringer, und 
die Ellage, daß so viele schwere Straftaten unentdeckt 
bleiben, wird beim Vergleich mit anderen Groß- 
städten hinfällig. Sie hat ihre Ursache wohl über- 
haupt nur in der Verstimmung über das energische 
Eingreifen der Polizei bei harmlosen Übertretungen. 
Verbrecher- und Detektiveromantik ist übrigens dem 
Berliner nicht eigen. 

Slumming gibt es in Berlin nicht, dagegen kann 
der Fachmann oder eingeführte Interessent unter 
sachverständiger Führung sich über alle Einrich- 
tungen der Strafverfolgung, des sehr guten Nach- 



Kriminal- Berlin. ^qx 

richtenwesens, den anthropometrischen, daktylogra- 
phischen und photographischen Apparat, das Ver- 
brecheralbum mit seinen 25 000 gültigen Nummern, 
das Kriminalmuseum, die Stätten des Verbrechens und 
des Pauperismus leicht unterrichten. Er wird von 
den Verhältnissen einen vergleichsweise günstigen Ein- 
druck empfangen. Man wende sich mit Empfehlung 
am besten an den Minister des Innern, denn der In- 
stanzengang hinauf und herunter ist langwierig, ge- 
fahrvoll und unerquickhch. 

Die Kriminalität Berhns ist eine geringere, die 
Sicherheit für Leib und Leben eine weit höhere 
als in anderen Großstädten. Auch Raubanfälle sind 
selten, und selbst auf dem Gebiet des Taschendieb- 
stahls bleibt Berlin verhältnismäßig zurück. Die 
Eigentumsvergehen stehen in besonders engem Zu- 
sammenhang mit der wirtschaftlichen Lage. Ist im 
allgemeinen das Strafmaß bei Verurteilungen höher 
als in Süddeutschland, so steht es doch weit hinter 
dem engUschen Durchschnitt zurück. Kurz, die Ber- 
liner Bevölkerung erweist sich auch hier gutmütig 
und tüchtig, wenn auch nicht in höherem Maße als 
die meisten anderen Deutschen. Charakteristisch ist 
der ständige starke Rückgang der Majestätsbeleidig- 
ungen und der Umstand, daß das Steigen der Krimi- 
nalität, abgesehen von Schwankungen infolge der 
Wirtschaftslage, geringer ist, als die Bevölkerungs- 
zunahme. Immerhin hat die Kriminalpolizei zu tun : 
über 80000 Anzeigen von Verbrechen und Ver- 
gehen laufen alljährlich ein, fast 6000 Verhaftungen 
sind hierbei anzunehmen. Erfreulich ist die Ab- 
nahme der ohnehin verhältnismäßig nicht zahlreichen 
Sistierungen wegen Trunkenheit. Dagegen wäre es 
eine schwere Täuschimg, aus dem Rückgang der 
3 — ^4000 unter Sittenkontrolle stehenden Frauen — 
Kasernierung besteht nicht — auf eine ebenso große 
Abnahme der hier unangenehm roh auftretenden 
Prostitution zu schließen; auch die Statistik der Sitt- 

Berlin und dia B«rliiier. 26 



402 



Polizei und Mddeweseii. 



lichkeitsverbrechen, Sittenkontraventionen und sexu- 
ellen Gesundheitsverhältnisse bietet kein richtiges 
Bild. Die Praxis der Sittenpolizei, die mit unserer 
unbrauchbaren Gesetzgebung auf diesem Gebiet sehr 
frei umgeht, hat sich gemildert; „Die Sitte!'' ist viel- 
leicht nicht mehr so häufig der Schreckensruf auf 
nächtlicher Straße. Die Prostitution hat unaufdring- 
lichere Formen angenommen und wird mit mehr 
Menschlichkeit und Verständnis behandelt; auch die 
soziale Fürsorge macht sich geltend. Alles in allem sind 
diese Verhältnisse schwer zu beurteilen, doch spricht 
der Anschein und der Vergleich mit anderen Groß- 
städten für eine einigermaßen günstige Entwicklung. 

Meldewesen. 

Measdi, Stgwe dich nicht! 

Über die Scherereien des Meldewesens muß man 
sich mit der Erkenntnis wegsetzen, daß es eine not- 
wendige Einrichtung ist in einem Land mit richtig 
durchgeführtem allgemeinen Wahlrecht, mit kriegs- 
tüchtiger Organisation der allgemeinen Wehrpflicht, 
mit einer Post von höchster Leistungsfähigkeit und 
mit brauchbaren Adreßbüchern. Man kann sich 
auch daran erheben, daß einem der Meldezettel zum 
Bewußtsein bringt, man sei eines der vielen Millionen 
Rädchen im Mechanismus einer Großmacht. 

Wer in Berlin ansässig ist und seine Wohnung 
wechselt, muß dafür sorgen, daß der Auszug aus der 
früheren Wohnung und der Einzug in die neue binnen 
6 Tagen schriftlich an das Bureau des oder der Poh- 
zeireviere, in dem die beiden Wohnungen gelegen sind, 
gemeldet wird. Zur Meldung verpflichtet ist der 
Hauseigentümer oder -Verwalter. Die Meldungen sind 
in je 3 Ausfertigungen, deren Formulare man auf dem 
Polizeibureau erhält und wovon eine als Nachweis 
gestempelt zurückgegeben wird, zu erstatten. Die 
weißen Zettel wandern an das Bureau des Reviers, 
in dem die neue, die grünen an dasjenige, in dem die 
alte Wohnung hegt. 



Meldeweseo. 



403 



Wer von auswärts nach Berlin zieht, hat sich 
außerdem binnen 8 Tagen nach Beziehen seiner Woh- 
nung bei dem zuständigen Polizeirevier persönlich 
oder schriftlich unter Angabe aller möglichen Verhält- 
nisse und Vorlage seiner MiUtär- und Legitimations- 
papiere, sowie seines Abmeldescheins, falls er aus 
einer andern preußischen Gemeinde kommt, zu melden. 

Reisende sind von dem Gastwirt, dem Vermieter, 
aber auch ihrem Gastgeber, wenn sie mit letzterem 
nicht verwandt oder verschwägert sind, an- und ab- 
zumelden und zwar innerhalb 24 Stunden nach An- 
kunft oder Abreise. 

Zur Sicherung dieses Verfahrens besteht außer- 
dem die Vorschrift, daß die Gastwirte Fremden- 
bücher zu führen haben, in welche die Polizei Ein- 
sicht nehmen kann, und daß jeder Mieter alle einer 
Meldung bedürfenden Veränderungen, die ihm selbst 
imd die zu seinem Hausstand gehörigen Personen, wie 
Dienstboten betreffen, innerhalb dreier Tage dem 
Hauseigentümer oder Hausverwalter anzeigen muß. 

Daß man sich stets der vorgeschriebenen Formu- 
lare zu bedienen hat, daß diese eine Fülle interessanter 
und unbefangener Fragen enthalten, daß man über 
alle Punkte Auskunft geben muß, daß man hinterher 
wegen irgend einer kleinen Unterlassungssünde häufig 
noch persönlich auf die Polizei vorgeladen wird, daß 
man für Zuwiderhandlungen mit Geld oder Haft be- 
straft wird, und daß man bei alledem manchmal das 
Motto dieses Abschnitts doch nicht beherzigt, alles 
das versteht sich ganz von selbst. 

2. Wohnung, Miete, Steuern. 

„Sie MftzmekeQ, Sie haben oocii noch 
keene Miete jezahlt!" 

,,Miete? Wenn ick Miete bezahlen 
wiÜ, kann ick unter de Linden wohnen !" 

Wohnungsnot. ^*^*>« ^ ^^ N- 

Wenn man von einer Berliner Wohnungsnot 
spricht, so meint man damit den Mangel an gesund- 

26* 



4o4 Wohnung, Miete^ Steuern« 

heitlich gebauten kleinen und genügend billigen Woh- 
nungen für die ärmeren Klassen; unter diesem Mangel 
leidet Berlin vor allem wegen seiner verhältnismäßig 
geringen räumlichen Ausdehung und der außerordent- 
lich angewachsenen Grund- und Bodenpreise. 

Die Übervölkerung der Mietskasernen (groß- 
städtischen Riesenhäuser mit zahlreichen Wohnungen 
auf allen Stockwerken), ergibt sich in erschreckender 
Weise aus den Zahlen der Berliner Statistik; darnach 
gibt es im Norden und Osten der Stadt Bezirke, in 
denen auf ein Haus weit mehr als hundert Bewohner 
kommen. Im Dezember 1900 zählte man im ganzen 
rund 470000 Wohnungen und ebensoviel Haushal- 
tungen; darunter gab es 567, in denen mehr als fünf 
Menschen nur einen einzigen Wohnraum zur Verfüg- 
ung hatten. 

Ein Wohnungsgesetz. 

Diesem Mangel sucht ein neuer preußischer Ge- 
setzentwurf zur Verbesserung der Wohnungsverhält- 
nisse abzuhelfen; aber die Gefahr solcher Verbesserung 
liegt wieder darin, daß damit zu den zahlreichen 
Machtbefugnissen der Polizei noch eine neue, die An- 
lage von Wohnungen betreffend, treten würde. 

Polizei und Gemeinde. 

Wie es jetzt eine Baupolizei gibt, die die Neubauten 
„abnimmt" (auf gesetzliche Vorschriften prüft), ehe 
sie der Benützung erschlossen werden dürfen, würde 
es nach dem neuen Gesetz auch eine Wohnungspolizei 
geben. 

Bisher ist das Angebot von Wohnungen privater 
Natur. Die Gemeinde setzt die Baufluchtlinien (neuen 
Straßenzüge) fest und ermöglicht dadurch die Ab- 
grenzung der Baugrundstücke, die von der Spekulation 
aufgekauft und in den Preisen hochgetrieben werden. 
Diese Grundstücke werden von Baumeistern zumeist 
auch wieder „auf Spekulation" und zwar nach der 
Lage des betreffenden Stadtviertels in verschiedener 



WohDUngen. 405 

Ausstattung und Wohnungsgröße bebaut. Vom Bäu- 
nieister oder Besitzer des Hauses, dem Wirt, oder vom 
Vertreter des Eigentümers, dem Vizewirt, mietet der 
Wohnungsuchende dann zu einem nach Übereinkunft 
festgesetzten Preis. 

Wirt und Vizewirt. 

Der Wohnungsuchende zieht ein, und der Wirt 
oder Vizewirt bleibt eine Art allmächtiger Hauspolizei 
für ihn; das ist der typische Berliner Zustand, der der 
Wohnungsnot in der Regel die Krone aufsetzt. In 
den älteren und namentlich in den kleinbürgerlichen 
Vierteln Berlins fehlt die Einrichtung des Portiers, 
der sich zugleich als Diener des Hauses behandeln 
ließe; wenn der Wirt nicht selbst eine Wohnung im 
Hause inne hat und von dort aus das Regiment führt, 
so ist ein anderer Bewohner des Hauses, ein Schuster 
oder anderer Handwerker, unter dem Titel Vizewirt 
mit der ehrenvollen Aufgabe der Oberaufsicht betraut. 
Er wohnt nicht in der Nähe der Haustür, sondern sehr 
oft in einem entlegenen Trakt auf höherem Stockwerk 
und ist schon deshalb zu Auskünften oder kleinen 
Diensten kaum zu haben. Zum Ersatz dafür findet 
man im Flur solcher Häuser eine Tafel mit nicht immer 
lesbarem Verzeichnis aller Bewohner. Übrigens er- 
spart man sich die Mühe der Haussuchungen oft durch 
das Berliner Adreßbuch, das in seinem 2. Teile sämt- 
liche Berliner Häuser nach Straßen und Nummern mit 
sämtlichen Bewohnern aufzählt. 

Hausdienst; der Nachtwächter. 

In derartigen Häusern wird auch die Reinigung 
der Treppen und andern gemeinsamen Räume nicht 
vom Hausverwalter, sondern von den Parteien be- 
sorgt, die sich bezüglich der Reihenfolge untereinander 
abfinden müssen. Das Schließen und Offnen der 
Haustüren versieht der Nachtwächter, der von 10 Uhr 
abend bis zum Morgen mit großem Schlüsselbund 
seinen Straßenkomplex durchwandert; wer um diese 



4o6 Wc^nung, Miete» Steuern. 

Zeit ohne Hausschlüssel sein Haus betreten will, ist 
darauf angewiesen, daß er den Nachtwächter findet 
und daß dieser ihn kennt oder ihm glaubt. Sonst mag 
er zusehen, ob und wie er in einem Hotel Unterkunft 
bekommt; wenn er keinen Koffer bei sich hat, was ja 
bei Spaziergängern die Regel ist, wird er möglicher- 
weise zurückgewiesen. 

Häuser im Westen. 

Anders steht es in dem mit neuen und vornehmen 
Häusern bebauten Westen der Stadt, zu dem auch das 
im Nordwesten, zwischen Tiergarten und Moabit ge- 
legene Hansaviertel gehört. 

Hier ist zum Teil auf Charlottenburger, Wilmers- 
dorfer und Schöneberger, also vorortlichem Gebiet 
eine Villen- und Wohnhäuserkolonie modernerer Art 
im Laufe der letzten zehn Jahre entstanden; für den 
wohlhabenderen und namentlich für den neuzugezo- 
genen Berliner kommt heute fast nur noch diese jüngste 
Wohngegend Großberlins in Betracht. 

Hier fehlt selbstverständlich nach dem Muster 
des Pariser Concierge auch der Hauswächter nicht, 
der in der Nähe der Tür und zwar zumeist in der Mitte 
zwischen dem der „Herrschaft'' vorbehaltenen Haupt- 
eingang und dem für Dienstboten und Lieferanten 
bestimmten Nebeneingang seine Wohnung oder seine 
Loge hat und allen bei Tage Einlaß Heischenden durch 
einen Druckballon die verschlossene Tür öffnet. 
Nachts ist er, wenn man den Hausschlüssel vergessen 
hat, immerhin ein Rettungsanker; man kann ihn her- 
ausklingeln und entlohnt ihn mit einer halben Mark. 
Durch Trinkgeld bricht man ein Teil seines Macht- 
bewußtseins. 

Durch ein schweres Gittertor aus Schmiedeeisen 
oder einer Eichentür betritt man das palastartige 
Berliner Wohnhaus neuen Stils, für das die Gegend 
des Kurfürstendammes die vollendetsten Beispiele 
bietet. 



HerrschaftswohnuDgen. 40^ 

Auf den hellen Steinfliesen des Vestibüls liegt ein 
dicker roter Läufer; ein zweiter bedeckt die Treppe, 
die mit marmornen Stufen und marmornem Geländer 
bis zum Hochparterre hinaufläuft; dort findet sie in 
einer elegant polierten, echten und gleichfalls mit 
Teppichen belegten Holztreppe ihre Fortsetzung. 
Selbstverständlich fehlt daneben auch der Fahrstuhl 
nicht. In manchen Häusern sind die Vorräume mit 
einem Spiegel, einem marmornen Kamin und ein paar 
Stühlen ähnlich wie eine englische Halle eingerichtet. 
Einen überraschenden Eindruck macht des Abends 
das starke Licht von Glühlampen, die in geschmack- 
voller modemer Bronzefassung angebracht sind. 

Herr Schaftswohnungen. 

Die Wohnungen in diesen Häusern sind groß und 
nicht billig. Man nuetet entweder ganze oder halbe 
Etagen, im ersten Fall sechzehn bis zwanzig, im letzten 
elf bis acht Zimmer mit den entsprechenden Neben- 
räumen. In den älteren, d. h. länger als etwa 6 Jahre 
stehenden Häusern findet man meistens Gas und 
kaminartige Ofen, in den neuesten durchweg elek- 
trisches Licht, Zentralheizung und zumeist auch 
Warmwasserbereitung in der Küche und gelegentlich 
im Schlafzimmer. Ein Badezimmer mit selbständiger 
Warmwasserleitung oder Badeofen fehlt nirgends. 

Das Berliner Zimmer. 

So regelmäßig wie dieser Komfort kehrt auch die 
traditionell feststehende Einteilung der Berliner Woh- 
nungen wieder; die ist von den älteren, im Zentrum 
der Stadt gelegenen Wohnhäusern übernommen wor- 
den. Sie beruht in der Zweiteilung der Wohnung in 
eine Reihe von Front- und von Hofzimmem, die 
durch einen großen und halbdunklen, mit einem 
einzigen Hoffenster versehenen, trapezförmigen Über- 
gangsraum mit einander verbunden sind; dieser Raum 
ist Berlins Eigentümlichkeit xmd wird Berliner Zimmer 
genannt; man richtet ihn, da er immer sehr geräumig 



AoS Wohnung, Miete, Steuern. 

ist, regelmäßig als Speisesaal ein. Zur Straße hin 
liegen Salon, Herrenzimmer, Boudoir, rückwärts, an 
einem geraden, langen und schmalen Hinterkorridor 
aufgereiht, die Schlaf- und Kinderzimmer. Küche 
und Mädchenzimmer hegen an der Hintertreppe. 

Neuere Verfeinerungen sind der automatisch und 
infolgedessen Tag und Nacht benutzbare Fahrstuhl, 
in die Korridorwände eingebaute Garderobeschränke, 
eine feuersichere Kassette in der Wand des Schlaf- 
zimmers und Müll- oder Mistschächte von der Küche 
bis zum Kompostraum zu ebener Erde. 

Im Dachboden, in dem nur noch selten Diener- 
zimmer vorgesehen sind, hegt die Waschküche, über 
deren Benützung man sich mit dem Hausverwalter 
einigt; im Kellergeschoß gibt es neuerdings asphal- 
tierte Spiel- und Arbeitsräume für Kinder. 

Der Hängeboden in der Küche, eine barbarische 
Schlafstelle für Dienstboten, ist im Verschwinden. 

Das Einfamilienhaus. 

All dies gilt von der im ganzen gleichförmigen, 
beinahe schablonemäßigen Etagenwohnung; im Privat- 
oder Einfamilienhaus, das sich die Berliner MiUionäre 
im berühmten Tiergartenviertel und seit wenigen 
Jahren in der Kolonie Grunewald erbaut haben, ist 
natürlich auch allem persönlichen Luxus Platz ein- 
geräumt. Man findet riesige Halls oder Dielen mit 
Galerien in halber Höhe, Diener- und Kochräume 
unter der Erde mit Speisenaufzügen zu den oberen 
Stockwerken, Wintergärten und außer den in allen 
Berliner Häusern, bei reich und arm übüchen Erkern 
und Baikonen auch gartenartige Altane auf flach ge- 
bauten Dächern, sogenannte Dachgärten. 

Die Ausstattung und Einrichtung. 

Was das äußere Bild solcher Privatpaläste be- 
trifft, so war davon unter Straßen und Quartiere oder 
Gebäude die Rede; hier nur noch ein Wort über die 
innere Ausstattung. 



Einrichtung. ^OQ 

In den teureren Wohnungen ist das Handwerk- 
liche der Ausstattung zumeist gediegen und auch ge- 
schmackvoll, nur die überladenen Stukkaturgesimse 
und Reliefverzierungen an den Decken, mit über- 
reicher Vergoldung und Bemalung, sind eine untilg- 
bare Schwäche der Berliner Maurerkunst. Man ent- 
geht ihr, indem man sich echte Holzplafonds oder 
künstlerische Deckenbemalung oder — was sehr mo- 
dern ist — einfache weiße Decken mit eingemauerten 
und durch matte oder fassettierte Scheiben verhüllten 
Glühlichtern anlegen läßt. Die Wände haben im 
Speisesaal in der untern Hälfte zumeist Holzverklei- 
dung, im übrigen Stoff- oder Papiertapete; modern 
ist die einfarbig überstrichene Tapete. 

Sehr beliebt ist in Berlin die Einrichtung der 
Zimmer in verschiedenen historischen Stilen, während 
der moderne Stil, wie ihn Süddeutschland, vor allem 
Darmstadt, München und Wien aufgebracht haben, 
bisher noch nicht für ganz „fein'' gilt. Nur langsam 
vollzieht sich die von Berliner Kunstgewerblern wie 
vor allem Alfred Grenander und dem Atelier Keller 
und Reiner betriebene Umwandlung im sezessionisti- 
schen oder im englischen Geschmack. Die augenblick- 
liche Mode ist durch die Leidenschaft der reichen Ber- 
liner für antike Möbel, die in zahlreichen kleinen Spe- 
zialgeschäften mehr oder weniger echt zu finden sind, 
beherrscht. 

Man stellt in den Salon französische Kommoden 
und Konsolen im Stile Boules, hängt an die Wand 
alte und antike gerahmte Stiche und läßt diesem Stil 
entsprechende Sessel machen, wenn man sich nicht 
mit ungefähr ähnlichen oder gar modernen Stühlen 
begnügt; die Mischung macht sich im letztern Fall 
gar nicht schlecht. 

In das Speisezimmer stellt man statt des Büfetts 
große Danziger Barockschränke, einen Renaissance- 
tisch, eine Truhe, dazu aber auch ein englisches Tee- 
tischchen, Stühle von Vandevelde. _ 



^to Wohnung, Miete, Steuern. 

Das Herrenzimmer läßt man, um aus der Woh- 
nung ein vollständiges Museum zu machen, bis ins 
kleinste Möbel etwa im Stile strenger Kirchengotik 
dekorieren. 

Das Ganze erzeugt^dann manchmal einen etwas 
parvenuhaften Eindruck und trägt sicherlich dazu bei, 
daß die Reichshauptstadt in diesem Sinne bei der 
Provinz und dem Auslande verrufen ist; aber mit eben 
diesen Mitteln bestreitet der geschmackvolle Berliner 
oder sein Dekorateur oft die reizvollsten Gesamt- 
wirkungen. 

Fensterdekoration. 

Ganz besondere Sorgfalt wird neuerdings auf die 
Dekoration der Fenster gelegt, denen man außer den 
Plüschvorhängen und Stores noch eine Garnitur von 
Cr^pe de Chine- Gardinen (die Brise-bise und darüber 
die schürzenartig abgerundete und gestickte Bonne 
femme) anpassen läßt. 

Das Gartenhaus. 

Neben dieser streng durchgeführten Vornehm- 
heit gibt es natürlich auch eine Vornehmheit zu 
billigeren Preisen, die vor allem in den Rückgebäuden, 
sogenannten Gartenhäusern der westlichen Wohnhaus- 
paläste, zu finden ist. Das Gartenhaus, das mit dem 
Vorderhaus alle Vorteüe der Lage und des Komforts 
teilt, und in dem der Mittelstand kleine Wohnungen 
zu 3 — 6 Zimmern findet, ist eine der dankenswertesten 
Errungenschaften Neu-Berlins; da es entweder wirk- 
lich in einem Garten oder in einem vornehm-stillen 
Hofraum liegt, bietet es zugleich Ruhe zu geistiger 
Arbeit. Demzufolge ist Charlottenburg nicht nur eine 
Kolonie der Wohlhabenden, sondern auch der Ge- 
lehrten, Schriftsteller und Künstler geworden. 

Man findet diese Gartenhäuser namentlich in den 
Seitenstraßen des Kurfürstendamms und zieht sie 
vielfach den mittelmäßigen und schein-eleganten 
Vorderhauswohnungen anderer Vorortstraßen (Wil- 



Mietsvertrag. 4II 

mersdorf, Schöneberg) vor, denn in diesen ist der 
falsche Prunk mit seinem künstlichen und abbröckeln- 
den Stuckmarmor, den „auf echt" gestrichenen Holz- 
türen und den schlechten Stiegenteppichen (auch eine 
Berliner Spezialität) nicht nach jedermanns Geschmack. 
Übrigens werden gerade jetzt zwischen den Stadt- 
bahnhöfen Savignyplatz und Charlottenburg auch 
bessere Häuser mit mittelgroßen Wohnungen gebaut. 

Damitwird eine gleichfalls fühlbare Wohnungsnot, 
nämlich die des Mittelstandes, behoben werden. 

Die weite Entfernung aus dem Zentrum der Stadt 
nimmt der moderne Berliner, der an Gebrauch von 
Stadt-, Hoch-* und Straßenbahn gewöhnt ist, leicht in 
den Kauf. 

Der Mietsrertrag. 

Man mietet die billigeren Wohnungen mit viertel- 
jähriger oder nur einmonatiger, die größeren zumeist 
mit halbjähriger Kündigungsfrist; für die entsprechen- 
den Zeiträume wird die Miete immer im voraus bezahlt. 

In vielen Fällen, vor allem wenn man Wohnungen 
in Neubauten nach eigenem Geschmack fertigstellen 
läßt, wird ein schriftlicher Mietsvertrag für mehrere 
Jahre geschlossen; darin wird gewöhnlich auch die 
übliche Hausordnung, deren Anerkennung der Ver- 
nüeter verlangt, aufgenommen. Die Formulare solcher 
Mietsverträge sind ganz verschieden, teüs von Grund- 
besitzervereinen, teüs von der Privatindustrie abge- 
faßt und nicht so beängstigend gemeint, wie sie zu- 
meist für den Mieter lauten. Die Hauswirte sagen 
bei diesbezüglichen Fragen oft, daß sie diese Verträge 
nur in Ermangelung besserer Formulare benützen; 
immerhin ist es zu empfehlen, daß man Punkte, die 
Einem allzu einseitig im Interesse des Besitzers ab- 
gefaßt scheinen, beanstande und richtig stellen lasse. 

Am besten sichert man sich derart, daß man 
durch Briefwechsel Mietsräumlichkeiten, Vertrags- 
dauer, Preis und Kündigungsfrist feststellt und den 



>j.X2 Wohnung, Miete, Steuern. 

förmlichen Abschluß eines weitergehenden, nicht voll- 
ständig harmlosen Vertrags ablehnt. Denn die sub- 
sidiär eintretenden Bestimmungen des Bürgerlichen 
Gesetzbuchs sind ausreichend und dem Mieter günstig. 

Die Polizei verweist bei Streitfällen auf den 
Mietskontrakt oder die Hausordnung; dagegen kann 
man manchmal mit Erfolg das Amtsgericht anrufen. 

Gegen herrschsüchtige Überhebung der Haus- 
besitzer haben sich in Berlin Mietervereine gebildet; 
bisher ist von ihnen nicht viel bekannt geworden. 

Mietspreise. 

Für Berliner Wohnungsmietpreise gibt es kaum 
eine Norm. Man rechnet bei Herrschaftswohnungen 
im Durchschnitt pro Zimmer und Jahr 250 M., bei 
Zentralheizung und Warmwasser um 100 M. mehr. 
Für 1500 — 2000 M. bekommt man eine herrschaft- 
liche, bei höherem Mietspreis eine nach Berliner Sprach- 
gebrauch hochherrschaftliche Wohnung. S. Vororte. 

Das möblierte Zimmer. 

Ein eigenes Kapitel bildet, wie in jeder Großstadt, 
auch in Berlin das möbherte Zimmer für alleinstehende 
Herren oder Frauen. Soweit es sich um Pensionen 
handelt, vergleiche Hotels und Pensionen; im übrigen 
findet man vermietbare Zimmer in den Zeitungen 
oder durch Anschläge an den Haustüren bekannt 
gemacht. Sie sind über die ganze Stadt und spe- 
ziell auch Charlottenburg, das im ganzen Städte- 
komplex Großberlin den größten Prozentsatz an „Ein- 
mieten!" aufweist, verbreitet. Im Studentenviertel, 
Berlin NW., findet man fast in jedem Haus zahlreiche 
möblierte Zimmer zum Preis von 25 — ^45 M., in den 
Fremdenvierteln, Friedrichstraße und Potsdamer- 
straße, und im Westen zahlt man entsprechend mehr, 
aber kaum mehr als 70 M. pro Zinmier. Der dünne 
Frühstückskaffee mit einem Näpfchen Sahne und 
etwas Butter ist im Preis immer schon miteinbegriffen. 
An, die schablonenmäßige und manchmal triste Aus- 



Steuern. 



413 



stattung dieser Räume, in denen ein billiges Möbel, 
das für Wäsche oder Bücher oder beides bestimmte 
Vertiko, eine ständige Rolle spielt, muß man sich 
oft erst gewöhnen. 

Die übliche Mietszeit, für die der Preis im voraus 
bezahlt wird, beträgt einen Monat, die Kündigungs- 
frist vierzehn Tage ; gekündigt wird immer am Fünf- 
zehnten zum Ersten. 

Vorsicht gegen Vermieterinnen ! * 

Zur Vorsicht ist man den Vermietern oder Ver- 
mieterinnen gegenüber gezwungen. Sie nehmen für 
sich das Recht in Anspruch, die Schlußrechnung durch 
Schadensansprüche für wirklich oder angeblich be- 
schädigte Möbel zu erhöhen, und benützen, wenn sie 
böswillig sind, ihre Hausmacht dazu, den Mieter zu 
schikanieren und ihm sein Gepäck vorzuenthalten. 
Die Polizei erklärt sich bei Beschwerden darüber für 
nicht zuständig. Es bleibt nichts anderes übrig, als 
den geforderten Betrag zu bezahlen und, gegebenen- 
falls mit Hilfe eines Anwalts, einen Prozeß anzu- 
strengen. Man schützt sich dagegen nur durch die 
Wahl verträglicher Leute, mit denen man gut aus- 
zukonunen sich bemühe. 

Einkommensteuer. 

Der Mietswert der Wohnung, die man inne hat, 
ist einer der Hilfsmaßstäbe bei der Veranlagung zur 
Einkonunensteuer, die jedermann, bei einem Mindest- 
einkommen von 900 M. jährUch, zu leisten hat; dabei 
sei zur Illustrierung der Berliner Einkommenverhält- 
nisse nach der Statistik des Jahres 1903 gleich be- 
merkt, daß die Stadt ohne Vororte unter rund 2 Mil- 
lionen Einwohnern ungefähr 1200000 Steuerpfüchtige 
und ein steuerpflichtiges Gesamteinkommen von 
1175 Millionen M. aufweist. 

Von der Besteuerung ausgeschlossen sind außer 
den geringen Einkonunen die Mitglieder königlicher 
Häuser upd des HohenzoUemschen Fürstenhauses, 



^I^ Wohnung, Miete, Steuern.' 

die Vertreter fremder Mächte und die Bevollmächtig- 
ten zum Bundesrat, ferner Preußen, die seit mehr als 
2 Jahren im Auslande leben, und Ausländer, sofern 
sie nicht des Erwerbes wegen oder nicht ein volles 
Jahr lang im Lande wohnen. 

Die Besteuerung beruht in Preußen auf dem vom 
Finanzminister Miquel geschaffenen System der Selbst- 
einschätzung; darnach sind alle Steuerpflichtigen mit 
mehr als 3000 M. jährlichem Einkommen gehalten, im 
Januar eines jeden Jahres — das Steuerjahr beginnt am 
I.April — eine genaue Angabe ihres jährlichen Einkom- 
mens an die Steuer -Veranlagungskommission abzu- 
liefern, und zwar getrennt nach vier Einnahmequellen : 

Kapitalvermögen, 

Grundvermögen, 

Handel und Gewerbe, 

Gewinn bringende Beschäftigung, bezw. Rechte 
auf periodische Hebungen. 

Die Nebensteuern. 

Je nach der Art der Einnahmequelle tritt näm- 
lich bei den drei erstgenannten noch eine weitere 
Staatssteuer hinzu: die Ergänzungssteuer; die Grund- 
steuer; die Gewerbesteuer. 

Steuertarif. 

Mit den Angaben der Selbsteinschätzung verbindet 
die Kommission anderweitige Angaben, die sie durch Er- 
kundigungen einholt, und sie setzt schließlich die Stufe 
der Steuern fest, deren Aufeinanderfolge und Tarif in 
der nebenstehenden Tabelle kenntlich gemacht sind. 

Steuerbehörden. 

Die Steuerverwaltung gehört zu den Geschäften 
und zwar Hauptgeschäften des Finanzministeriums, 
die Einziehung der Steuern zu den Obliegenheiten der 
Gemeinden Berlin, Charlottenburg usw., die jqde eine 
Reihe von städtischen Steuerkassen unterhalten. Sie 
tun dies imd ziehen zugleich mit der Staats- die Ge- 
meinde-Einkommensteuer ein, die unter genau den- 



steuern. 



4.IS 





Einkommen 


Jähr- 


1 


Einkommen 


Jähr- 


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Mark 


Mark 


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6 


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34000 


36000 


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X 300 


9 


50 


36000 


38000 


X300 


3 


I 300 


X 330 


X3 


51 


38000 


40000 


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4 


1350 


I 500 


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53 


40000 


43000 


X360 


5 


X 500 


X 650 


3X 


53 


43000 


44000 


1440 


6 


I 650 


X 800 


36 


54 


44000 


46000 


1530 


7 


X 800 


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31 


55 


46000 


48000 


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8 


3 XOO 


3 400 


36 


56 


48000 


50000 


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3400 


3 700 


44 


57 


30000 


53000 


X760 


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3 700 


3 000 


53 


58 


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54000 


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3000 


3300 


60 


59 


54000 


56000 


X930 


12 


3300 


3 600 


70 


60 


56000 


58000 


3000 


13 


3 600 


3900 


80 


61 


38000 


60000 


3x80 


14 


3900 


4300 


93 


63 


60000 


63 000 


3x60 


15 


4300 


4500 


104 


63 


63000 


64000 


3340 


x6 


4500 


5 000 


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64 


64 000 


66000 


3330 


17 


5 000 


5500 


133 


65 


66000 


68000 


3400 


x8 


5500 


6000 


146 


66 


68000 


70000 


3480 


19 


6000 


6300 


160 


67 


70000 


73000 


3360 


30 


6300 


7000 


176 


68 


73000 


74000 


3640 


3X 


7000 


7500 


X93 


69 


74000 


76000 


3730 


32 


7500 


8000 


3X3 


70 


76000 


78000 


3800 


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8000 


8300 


333 


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78000 


80000 


3900 


34 


8300 


9 000 


333 


73 


80000 


83000 


3000 


25 


9 000 


9500 


376 


73 


83 000 


84000 


3x00 


36 


9500 


X0500 


300 


74 


84000 


86000 


3300 


37 


X0300 


XX 500 


330 


75 


86000 


88000 


3300 


38 


XX 500 


X3 500 


360 


76 


88000 


90000 


3400 


39 


X3 300 


13500 


390 


77 


90000 


93 000 


3500 


30 


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14500 


430 


78 


93 000 


94000 


3600 


31 


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15500 


450 


79 


94000 


96000 


3700 


33 


X3 300 


X63OO 


480 


80 


96000 


98000 


3800 


33 


X6300 


17500 


510 


8x 


98000 


XOO 000 


3900 


34 


17500 


X85OO 


540 


83 


XOO 000 


X05000 


4000 


35 


X8300 


19500 


370 


83 


105000 


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4300 


36 


19500 


30300 


600 


84 


xxoooo 


XX3 000 


4400 


37 


30300 


3X 300 


630 


85 


XX5 000 


X30 000 


4600 


38 


31 300 


33 300 


660 


86 


130 000 


X35000 


4800 


39 


33 300 


33300 


690 


87 


X33 000 


X30000 


5000 


40 


33 500 


34500 


730 


88 


130000 


X33O0O 


5300 


4X 


34 300 


35500 


750 


89 


135 000 


X40000 


5400 


43 


33300 


36300 


780 


90 


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145000 


5600 


43 


36300 


37300 


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91 


145000 


X30000 


5800 


44 


37500 


38300 


840 


93 


X30000 


155000 


6000 


45 


38300 


39 300 


870 


93 


X33 000 


X60000 


6300 


46 


39300 


30500 


900 


94 


X60000 


X65 000 


6400 


47 


30500 


33 500 


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. s. w. in ! 


Stufen von 


i je 


48 


33 000 


34500 


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5 


000 Mk. u 


m je 300 


Mk. 



selben Vorbedingungen wie die staatliche und ohne 
eigene neuere Veranlagung in den Säckel der Stadt 
gezahlt werden muß. 



^.1.6 Bedienung in und -außer dem Hause. 

Die Gemeindesteuer. 

Es ist den Gemeinden überlassen, sich mit einem 
niedrigeren Steuersatz als dem für den Staat vorge- 
schriebenen zu begnügen; von diesem Recht aber 
macht weder Berlin, noch Charlottenburg Gebrauch; 
beide Städte erheben vielmehr, wie man steuertech- 
nisch sagt, 100 Prozent der Staatseinkommensteuer, 
d. h. genau so viel. 

Andere reichere Vororte Berlins, die auch nur 
geringe oder gar keine Armenlasten zu tragen haben, 
begnügen sich mit geringeren Sätzen; so erhebt die 
Kolonie Grunewald nur 45 Prozent der Staatsein- 
kommensteuer. Man lebt dort also in dem einen 
Pimkte billiger als in Berlin, und die Reichen, die zur 
Kolonie gehören, steuern verhältnismäßig weniger als 
die Ärmeren in der Hauptstadt. 5. Vororte, 

Indirekte Steuern. 

Die sogenannten indirekten Steuern, als deren 
neueste in Berlin eine Theaterbillettsteuer eingeführt 
werden soll, zahlt der Privatmann schmerzlos insofern, 
als er sich weiter nicht darum bekümmern muß; da 
begnügt man sich mit seinem Gelde und verzichtet 
auf die Formalitäten. Wohl aber machen sie sich 
durch die bedenklich steigenden Preise der Lebens- 
mittel fühlbar. 

Kirchensteuern. 

Kirchensteuern aller Bekenntnisse zahlt man 
nach vielfachen Zustellungen und Aufforderungen, 
wenn man nicht mehr anders kann. 

3. Bedienung in und außer dem Hause. 

„Laß der nischt vormachen, Mine, 
laß der nich die Butter von't Brot neh- 
men, ooch von de Herrschaft nidi!" 

Clara Viebig. 

Dienstbotenmistee; Gesindeordnung; Sozialdemokratie. 

Eine Dienstbotenmis^re gibt es, wie überall in 
Kulturländern, auch in Berlin; viele Hausfrauen 



Bedienung in und außer dem Hause. ai7 

werden sogar behaupten (und die Frauenrechtlerinnen 
unter ihnen mit einem gewissen Stolz auf dieses Kultur- 
symptom), daß die Misere hier stärker als sonst 
irgendwo ist. Auch an der dienenden Frau ist die 
moderne Zeit hier nicht spurlos vorübergegangen. 

Man mache sich im Verkehr mit Dienstboten auf 
den strengen Rechtsstandpunkt, als das letzte Mittel, 
durchaus gefaßt. 

Obwohl dem dafür geltenden preußischen Ge- 
sinderecht noch die „Gesindeordnung*' vom Jahre 
1810 zugrunde hegt, ist das Verhältnis zwischen Herrn 
und Diener in Berlin längst nicht mehr patriarchaüsch 
zu erledigen; außer zahlreichen zeitgemäßen Zusätzen 
zu jener Verordnung ist es der sozialpohtische Zug der 
Behörden, die Parole : Schutz der wirtschaftlich Schwä- 
cheren, und ein gewisses Berliner Gewohnheitsrecht, 
die den weiblichen, ebenso wie den männlichen Dienst- 
boten stärker als früher zu Hilfe kommen. Vor allem 
aber ist für diese Änderung der Anschluß oder zu- 
mindest die Annäherung an die Sozialdemokratie, die 
auch dem Hausgesinde ein höheres Klassenbewußtsein 
einimpft, entscheidend geworden. 

Vor wenigen Jahren waren in diesem Sinn Dienst- 
botenversammlungen mit dem Versuch, Organisatio- 
nen zu schaffen, auf der Tagesordnung; die Versuche 
sind gescheitert, aber die Gesinnung und eine gewisse 
gereizte Grundstimmung sind geblieben. Wenn die 
Dienstboten sich auch nicht selber organisieren, so 
haben sie doch in der überwiegenden Mehrzahl ihre 
organisierten Bräutigame oder Freunde. Der Sonntag, 
an dem sie tanzen, ist für sie zugleich ein politischer 
Aufklärungstag. 

Zu Hilfe kommt ihnen endlich der Umstand, daß 
das Angebot an guten Dienstmädchen in BerUn keines- 
wegs groß ist; für das letzte Jahrzehnt konstatierte 
der polizeiliche Verwaltungsbericht sogar eine auf- 
fallende Abnahme in der Anzahl der von den Polizei- 
revieren ausgefertigten Gesindedienstbücher. Das 

Berlin und die Berliner. 27 



4X8 Bedienung in und außer dem Hause. 

Berliner Dienstmädchen klebt infolgedessen nicht 
ängstlich an seinem Platz; es ergreift leichtherzig und 
oft sogar gern die Gelegenheit, sich eine neue Dienst- 
stelle zu suchen. Im Volksmund nennt man das 
Ziehen. Der Typus der alten treuen Jette (typischer 
Name für Berliner Dienstmädchen) ist im Verschwin- 
den: sie, die früher eine ,, Perle** war, „zieht** jetzt 
jeden Monat. 

Ein Wink. 

Wenn nach alledem der Hausfrau überhaupt ein 
Wink gegeben werden kann, so ist es der, daß sie 
über ihre Rechte und Pflichten Bescheid wisse; wenn 
das Berliner Dienstmädchen darin eine Unsicherheit 
bei der Herrschaft entdeckt, so wird es das gern und, 
da es im Durchschnitt ziemlich intelligent ist, mit 
Erfolg für sich auszunützen suchen. 

Durch Genauigkeit und Bestimmtheit in den 
ersten Tagen des Dienstverhältnisses gewinnt man 
die Macht über den Dienstboten; wenn man dabei 
zugleich das Wohlwollen aus freien Stücken, das 
selbstverständlich nicht fehlen darf, mitspielen läßt, 
so hat man am Ende Aussicht, gute Dienstboten in 
seinem Hause festzuhalten. 

Natürlich sind dabei auch materielle Fragen ent- 
scheidend: das Essen, der Ausgeh-Sonntag, der freie 
Abend, den das Berliner Mädchen gelegentlich einmal 
in der Woche beansprucht, Trinkgelder und Ähnliches. 

Das ist der Versuch eines Rezeptes, das keineswegs 
Anspruch auf AUgemeingiltigkeit machen kann; in 
Wirklichkeit steht es mit der Treue der Dienstmädchen 
wie mit der des ganzen weiblichen Geschlechts: man 
kann sie nicht erzwingen. 

Zur Charakterisierung des früheren BerUner 
Dienstverhältnisses, das tatsächlich für den Arbeit- 
nehmer unwürdig gewesen ist und den heutigen Rück- 
schlag verursacht hat, sei aus einem Berliner Blatt 
die auch sonst bezeichnende Zuschrift eines Mädchens 
hier nutgeteüt. 



Huldas Brief. 419 

Brief eines Berliner Dienstmädchens. 

,,Herzlich danke ich Ihnen, daß Sie zu dem Artikel 
„Moderne Dienstboten" in Ihrer „Öffentlichen Meinung'' 
am Sonntag auch uns armen Dienstmädchen einiges Recht 
einräumten. Die betreffende Dame klagt über die uner- 
hörten Ansprüche der jetzigen Dienstboten. Ja, ist es denn 
ein Wunder, daß mit der Zeit auch die Dienstmädchen ein 
menschenwürdiges Dasein beanspruchen t Jede Fabrik- 
arbeiterin hat ihre geregelte Arbeitszeit, die Dame findet es 
aber ungeheuerlich, daß ein Mädchen, das sich von morgens 
früh bis in die Nacht hinein für das Wohl ihrer Herrschaft 
abplagt, anßer ihrem Ausgehsonntag auch noch einen Abend 
in der Woche freihaben möchte. Welchen Kränkungen und 
Demütigungen ist man aber auch in mancher Stellung aus- 
gesetzt. Die schlechte Laune des Hausherrn, die Nervosität 
der gnädigen Frau, die Spottlust der Herren Söhne, alles 
hat das Mädchen auszubaden, und da ist es geradezu ein 
Bedürfnis, mal raus zu können, mal unter Menschen zu sein, 
denen man sich gleichberechtigt fühlt. Warum soll das 
Mädchen sich nicht bei ihrer Vermietung nach der Art und 
Menge der Arbeiten, die sie zu verrichten hat, erkundigen t 
Ist sie doch nachher gezwungen, die Befehle ihrer Herr- 
schaft widerstandslos auszuführen. Wie aber ein älteres 
Mädchen mit den besten Zeugnissen manchmal seitens der 
Herrschaft bis aufs Blut gefragt wird, das habe ich an mir 
erfahren. Natürlich kommt in erster Linie die Frage, ob 
man einen Bräutigam hat. Aus solchen, bis ins kleinste 
gehenden Fragen der gnädigen Frau kann ich mir nur die 
Antwort jenes Mädchens erklären, die, wohl um die Verhand- 
lungen schnell abzubrechen, angab, sie hätte einen Bem- 
hardinerhund. Denn das ist doch kaum auszudenken, daß 
ein Mädchen auf die Idee kommen könnte, sich in Stellung 
einen Hund zu halten ; weiß sie doch meist aus eigener Er- 
fahrung, daß sie für sich und ihre paar Habseligkeiten kaum 
einen Unterschlupf finden wird, geschweige denn für einen 
Hund. Die Dame würde, wenn sie aufhörte, das Mädchen 
als Arbeitsmaschine zu betrachten, auch noch solche Perle 
finden, die ihr wiederum zehn Jahre diente; denn ich war, 
so wie ich hier bin, sechs Jahre bei einer Herrschaft, aller- 
dings einer sehr vornehmen, die sich nicht über die Un- 
wissenheit des Dienstmädchens lustig machte, sondern es auf 
allen Gebieten zu belehren suchte. Die Herrschaft versteckte 
nicht, wie es sonst üblich, die Zeitung vor dem Mädchen, 
sondern gab ihm gute Bücher und schickte es auch mal in 
ein Theater. Für eine solche Herrschaft geht man auch 
durchs Feuer, die gewinnt man lieb, da ist einem keine 
Arbeit zu vieL Doch die meisten Herrschaften sind der 

27* ^ 



^20 Bedienung in und aufier dem Hause. 

Ansicht, je dümmer das Mädchen ist, desto gewissenhafter 
verrichtet sie ihre Arbeit; das ist aber lange nicht immer 
der FaU. HULDA." 

Noch ein Wink. 

Wer es machen kann, bringe sich Personal von 
auswärts mit, denn auch Hulda unterliegt der 
Schwäche des Verallgemeinems. Zur Steuer der Ge- 
rechtigkeit sei übrigens bemerkt, daß der Abdruck 
entsprechender Zuschriften über dieHausfrauen-Tragi- 
komik nur deswegen unterbleibt, weil die Presse 
deren allzu viele und der Wiedergabe würdige ent- 
hält. Wegen des Bezuges in Berlin s. Dienstboten- 
Vermittlung imd Soziale Leistungen. 

Ktkndigung und Neueintritt. 

Wenn ein Dienstverhältnis nicht aufrechtzu- 
erhalten ist und denn also geschieden sein muß, so 
sei beachtet, daß nach Berliner Ortsgebrauch die 
Dienstboten, was aber bei jedem neuen Abschluß von 
vornherein ausgesprochen werden muß, monatsweise 
und mit vierzehntägiger Kündigung gemietet werden. 
Die Aufkündigung kann nicht an jedem beliebigen 
Tag, sondern nur am Fünfzehnten des Monats zum 
nächsten Ersten vorgenommen werden. 

Die austretenden Dienstboten verlassen das Haus 
am Abend des Ersten, die neu eintretenden „ziehen" 
um dieselbe Zeit „zu". 

Das ändert sich für die Haupttermine des Dienst- 
botenwechsels im Jahr, Januar, April, Juli und Ok- 
tober; da vollzieht sich der Leutewechsel am Morgen 
nach dem Ersten,* und wenn der Zweite ein Sonntag 
ist, erst am Dritten. 

Selbstverständlich können auf gütlichem Weg 
auch beliebige andere Abmachungen getroffen werden. 

Löhne; die Köchin. 

Von weiblichem Dienstpersonal unterscheidet 
mau nach Berliner Gebrauch : Mädchen für alles 
(Alleinmädchen), Köchinnen, Haus- oder Stuben- 



Die Ködün. 



421 



mädchen, dann die Dienstboten für spezielle Ver- 
richtungen, wie Ammen, Zofen, Kindermädchen. Der 
Monatslohn schwankt nach den Anforderungen und 
den Gegenden der Stadt. Bei etwas verwöhnteren 
Bedürfnissen zahlt man im Westen dem Hausmädchen 
20 bis 25, der Köchin 30 bis 40 Mark. Die Köchin, 
die man sich erhalten will, ist natürlich mit Vorsicht 
zu behandeln; sie ist zumeist empfindlich, will nach 
Verdienst gelobt sein und gewisse kleine Schwächen, 
so vor allem das Festhalten an ihren eigenen, von 
ihr bevorzugten Lieferanten, die ihr kleine Vorteile 
zugestehen, gewahrt wissen. Dadurch darf man sich 
aber nicht abhalten lassen, gelegentlich auch, wenn 
es nottut, ein offenes Wort mit ihr zu sprechen. 

Die Stärke der besseren Berliner Köchin besteht 
vor allem in der Zubereitung ausgewählter Speisen 
im Diner- Geschmack: Fisch-Schüsseln, Schalentiere, 
Braten mit feinem Gemüse; für das letztere benützt 
sie mit Vorliebe und Geschick die in ganz Norddeutsch* 
land so beliebten und im Großhandel stark vertretenen 
Konserven. Ebenso zieht sie für den Nachtisch lieber 
einen guten Konditor als ihre eigenen Kenntnisse in 
der Zubereitung von Torten zu Rate. 

Die Berliner Köchin ist für Arbeitsteilung und 
überhaupt für das Moderne. Sie bestellt ihre Waren 
durch das Telephon und kocht an einem Gasherd, 
den sie Maschine nennt. Im Vergleich zur süddeut- 
schen Köchin kocht sie unpersönlich und mit mehr 
Verstand als Liebe; aber sie stellt doch einen der 
fühlbarsten Fortschritte Berlins gegen früher dar und 
hat es zuwege gebracht, daß man in Privathäusern 
jetzt nicht mehr bloß dann gut ißt, wenn eine große 
Gesellschaft und ein gemieteter Aushilfskoch sich für 
einen Abend ein Rendez-vous geben. 

Die Amme und das Hausmädchen. 

Ungefähr so teuer wie die Köchin wird in Berlin 
die Amme bezahlt, die man in der Regel aus dem 
Spreewald bezieht und in ihrer heimatlichen Tracht 



A22 Bodienung iu und außer dem Hause. 

mit dem Baby im Tiergarten spazieren gehen oder an 
der Seite der Herrschaft in der Droschke oder Kutsche 
fahren läßt. Das Hausmädchen ist durch schwarzes 
Kleid und weißes Häubchen kenntlich gemacht. 

Die Wirtschafterin; das Zeugnis. 

Mädchen und Frauen, die sich als Wirtschafterin- 
nen vermieten, haben kein Gesindedienstbuch, bean- 
spruchen aber Abgangszeugnisse; in den Zeugnissen 
der Dienstboten muß, wenn man nicht das Gegenteil 
beweisen kann, die Ehrlichkeit bestätigt werden; im 
letzteren Fall darf man sie nicht bestätigen. 

Dienstboten- Vermittlung. 

Zum Bezug von Dienstboten empfiehlt sich in 
Berlin eine große Anzahl von Gesinde- Vermittlungs- 
Geschäften, die einer gewissen staatlichen Ober- 
aufsicht unterliegen, sodaß Betrügereien ziemlich aus- 
geschlossen sind; überdies annoncieren die größten 
dieser Kontore, so vor allem das . bekannteste und 
überaus stark besetzte von Frau Heuer, Linkstr. 6, 
daß sie keinerlei Vorauszahlung verlangen. Erst 
nach erfolgtem Abschluß wird eine Gebühr bis zu 
zehn Mark, nach fester Taxe im Verhältnis zum 
Dienstbotenlohn, eingehoben. Neben den geschäft- 
lichen gibt es aber auch vereinsmäßige Nachweise, 
Bureaus, die entweder für mäßigen Preis oder kosten- 
los (Heimat für Mädchen und Frauen, Köthenerstr, 42, 
Verein zur Hebung der Hausmädchenschule, Wühelnt- 
Straße 10, Verein Volkswohl Cidmstr, jj) Dienst- 
kräfte empfehlen. Die gute Gesinnung dieser In- 
stitute ist sehr zu loben. Indessen, man findet in 
ihnen nicht immer die tüchtigsten Kräfte und bedient 
sich oft am zweckmäßigsten des Zeitungsinserats. 
Beim Abschluß eines Dienstvertrags gibt man dem 
Dienstboten einen sog. Mietstaler k fond perdu. 

Streitfälle. 

In welchen Fällen man einen Dienstboten vor- 
zeitig entlassen oder anderseits zur Einhaltung der 



Versicherung. 423 

Vertragsfrist zwingen kann, sagt die Gesindeordnung; 
ebenso, daß man berechtigte Schadenersatzansprüche 
und unter gewissen Umständen auch geleistete Neu- 
jahrs- und Weihnachtsgeschenke vom Lohn wieder 
abziehen kann. In Streitfällen wendet man sich an 
das für den Wohnungsbezirk zuständige Polizeirevier, 
das die Dienstbücher ausfertigt, und dem die Ab- 
teilung des Polizeipräsidiums für Gesindesachen über- 
geordnet ist; wenn man auch dort Ruhe nicht Beruhi- 
gung findet, wendet man sich durch einen Anwalt 
an das Gericht. 

Klebemarken für Invaliden- und Altersversicherung. 

Dienstbote sein ist eine versicherungspflichtige 
Beschäftigung, und die Leistung der Versicherungs- 
beiträge für Invaliden- und Altersversicherung ist die 
wichtigste soziale Pflicht, die das Gesetz dem Mieter 
des Dienstpersonals auferlegt. Für jeden Dienst- 
boten sind pro Woche 20 Pfg. zu zahlen in der Form 
einer Versicherungsmarke, die man in die entsprechende 
Quittungskarte der Landesversicherungsanstalt Bran- 
denburg oder Berlin einklebt; daher der Name Klebe- 
marken. Sie büden heutzutage in Berlin einen wich- 
tigen Bestandteil des Haushalts und sind in allen Post- 
ämtern zu haben. Es ist gesetzlich zulässig, aber in vor- 
nehmeren Haushaltungen nicht üblich, dem Dienst- 
boten die Hälfte des Versicherungsbeitrags abzuziehen. 

Krankenkasse. 

Mit der Pflege erkrankter Dienstboten hat diese 
Invaliditätsversicherung nichts zu tun; dafür empfiehlt 
sich die Einzahlung in eine Krankenkasse, die aber 
gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. Andernfalls ist 
die Dienstherrschaft selbst zur Sorge für den er- 
krankten Dienstboten nach Maßgabe des Bürgerlichen 
Gesetzbuchs und der Gesindeordnung verpflichtet. 

Aushilfspersonal; das Trinkgeld. 

Eine mittlere Stellung zwischen den dienstbaren 
Geistern in und jenen außer dem Hause nimmt das 



A2A. Bedienung in und außer dem Hause. 

Aushilf s-Dienstpersonal ein, das in Berlin eine ziemlich 
wichtige Rolle spielt. Man mietet die Aushilfsfrauen 
pro Tag mit dem übüchen Lohn von Mk. 1,50 und 
Beköstigung; dagegen wechseln nach Übereinkommen 
die Bedingungen, unter denen man weibliches oder 
männUches Dienstpersonal zu Gesellschaftsabenden 
aushilfsweise mietet. Man unterscheidet darin Servier^ 
frauen, Kellner und Arrangeure; außer den Vermitt- 
lungsbureaus empfiehlt sich dafür der Berliner Kellner- 
verein, GofUardstr, 4, In der Saison ist derartiges 
Personal, das man dann oft abwechselnd in den ver- 
schiedenen Häusern seines Bekanntenkreises wieder- 
findet, stark gesucht; bei seiner Bestellimg ist es rat- 
sam, sich nicht nur über den Lohn, sondern auch über 
eine Abfindung bezügUch der Trinkgelder strikt zu 
einigen. Denn es ist selbstverständhch, daß man die 
servierenden Diener seines Hauses nicht zum Schluß 
an der Tür Trinkgelder einkassieren lassen darf. Diese 
einfache Forderung des Takts, gegen die so lange ge- 
sündigt wurde, hat sich endlich durchgesetzt. Ganz 
aus der Welt geschafft ist aber das Trinkgelder-Un- 
wesen in Privatgesellschaften noch nicht; denn wenn 
auch in den modernen BerHner Häusern die Treppen- 
beleuchtung des Nachts automatisch elektrisch her- 
gestellt werden kann, so muß doch ein Hausmädchen 
oder ein Hausdiener dem Gast die Tür zur Straße 
öffnen. Das ist die einzige noch erlaubte Gelegenheit, 
dem Besucher einer Soiree ein Zweimarkstück abzu- 
knöpfen. 

Wie man bei Tisch servieren läßt, erfahren die 
Gastgeber, die es selbst noch nicht wissen, von dem 
oft sehr gravitätischen, ordengeschmückten Altesten 
der Mietskellner, der sich gewissermaßen als Arrangeur 
zur Verfügung stellt. 

In Hotels, Restaurants und Kaffeehäusern. 

Was die Bedienung außerhalb des Hauses, vor 
allem in Hotels und Restaurants betrifft, so steht es 
in Berlin damit nicht anders als in ajlen andern Groß- 



I>er Dienstmann. ^25 

Städten der ganzen Welt : man befiehlt nach Herzens- 
lust und zahlt die entsprechenden Trinkgelder; als 
Norm läßt sich dafür in Restaurants ein Zehntel der 
Zeche, mindestens ein Groschen (lo Pfg.), annehmen. 
In Hotels gibt man dem Portier, dem Hausdiener und 
dem Zimmerkellner durchschnittlich je 2 bis 3 Mark 
und andern Erscheinungen nach Belieben kleinere 
Münzen. 

Der berlinische Kellner ist gewöhnt, daß man mit 
ihm kurz und bestimmt verhandelt und weder grob, 
noch intim wird; wenn man Gourmand ist und Aus- 
künfte über die Speisekarte von ihm haben will, 
versagt er in der Regel. Man nennt ihn, ijach einer 
seltsamen, neueren Volkssitte „Ober**. In den Kaffee- 
häusern der Friedrichstadt gibt es viele Wiener Kellner, 
die wieder andere Eigenschaften haben; aber man 
kann vom Gast füglich nicht verlangen, daß er diese 
feineren Nationalitätsunterschiede studiert und be- 
rücksichtigt. 

In vielen Berüner Kaffeehäusern vermitteln die 
Kellner Rennwetten und Buchmachergeschäfte, was 
aber nicht als empfehlender Wink hier mitgeteilt ist. 

Vergleiche das Kapitel Cafes, Konditoreien, Bars. 

Der Dienstmann; die Paketfahrtgesellschaft. 

Eine Einrichtung, die in Berlin sich stark im 
Rückgang befindet, ist die des uniformierten Ecken- 
stehers, des Dienstmannes. Einstmals war er populär 
und bekam in der bekannten Altberliner Possenszene 
,, Eckensteher Nante" von Beckmann, dem beliebten 
Komiker, sein hterarisches Denkmal. Jetzt findet 
man ihn noch vereinzelt im Zentrum der Stadt, vor 
allem an den Bahnhöfen, und zum Teil sogar moderni- 
siert durch den Gebrauch des Zwei- und Dreirades; 
aber viele Bezirke, vor allem der neue Westen, kennen 
ihn gar nicht mehr. Er wurde unzeitgemäß durch das 
Überhandnehmen des Telephons, der Rohrpost, der 
Paketpost und vor allem auch der Paketfahrgesell- 
Schaft, die ihre Wagen und Boten durch die ganze 



^26 Hotels und Pensionen. 

Stadt samt Vororten zirkulieren läßt und sehr stark 
benützt wird; sie hat mehrere Bureaus, an die man sich 
mit einer Karte oder telephonisch wendet. Sie über- 
nimmt neben Speditionsgeschäften auch die Zustellung 
von Geld- und Briefsendungen. 5. Bezugsquellen, 

Blumenboten. 

Blimiensträuße werden von den Geschäften aus, 
in denen man sie kauft, ohne weitere Vergütung und 
zuverlässig an die Adresse, der sie zugedacht sind, 
abgeliefert; zu eiligen Botengängen lassen sich in den 
Häusern des Westens in der Regel auch die Portiers 
gewinnen. In den Hotels und Restaurants stehen 
„Stifte" zur Verfügung; allgemein ist aber die Ein- 
richtung der messenger-boys in Berlin nicht, abge- 
sehen von den flinken hübschen Burschen des Tele- 
graphendienstes auf ihrem gelben Fahrrad. 

Bei alledem aber übersehe man den Dienstmann, 
wenn er gerade am Platze ist, nicht absichtlich. Auch 
er ist ein Kind des Herrn. 



4. Hotels und Pensionen. 

Die Zahl der fremden, die sich in 
Berlin besuchsweise aufhalten, beträgt 
im Durchschnitt für den Monat 6o- bis 
70 000. Am stärksten wird diese Zifier 
gewöhnlich im August und September 
überschritten. Das ansehnlichste Kon- 
tingent stellen die Russen. 

Etwas über Hotels. 

Die renommierten Berliner Hotels sind gut und 
haben vor allem den Vorzug, daß sie zumeist auch 
für mittlere Ansprüche und Geldbörsen erschwing- 
Uche Zimmer vermieten. Man hat es also kaum nötig, 
sich der Sparsamkeit wegen in unbekannte Gasthöfe 
zurückzuziehen. Freihch empfiehlt es sich, in den 
stark besuchten Hotels Zimmer mit ungefährer Preis- 
angabe zeitig vorauszubestellen und bezahlte Antwort j 
beizufügen. v 



Hotels und Pensionen. 



427 



Selbstverständlich gibt es aber außer den erst- 
rangigen auch eine große Anzahl bescheidener Hotels, 
in denen man zu voller Zufriedenheit Unterkunft 
finden kann. Nur weil die Vollständigkeit an dieser 
Stelle viel zu weit führen würde, sind dieselben hier 
nicht namhaft gemacht. Offizielle und zuverlässige 
Auskunft über Unterkommen findet man seit kurzem 
auch an den eigens dafür eingerichteten Schaltern der 
Berliner Hauptbahnhöfe. 

Die großen Hotels liegen alle in dem speziellen 
Fremdenviertel Berlins, zwischen Potsdamer und 
Friedrichstraßen-Bahnhof. Nach dem Westen zu, der 
sonst eine so starke Anziehungskraft auf das gut- 
situierte Berhn ausübt, verschwinden sie, und im 
Viertel des Tiergartens und der Station Zoologischer 
Garten gibt es nicht ein einziges nennenswertes Hotel. 
Diese Merkwürdigkeit, die dem Geschäftssinn Berlins 
widerspricht, sei auch an dieser Stelle mit einem 
Fragezeichen versehen. 

Hotel Bauer, Unter den Linden 26, 

Wurde bekannt durch das Caf6 Bauer, das erste aller 
Wiener Caf^s in Berlin. Zentralste Lage. Lebemänni- 
scher Zug. Kaffeegeruch. Technisch halbmodem. 

Grand Hotel Bellevue, Potsdamer Platz i. 
Für mittlere Ansprüche. 

Hotel Bristol, Unter den Linden 5. 

Das internationalste. Der stärkste gesellschaftliche 
Finish. Preise ersten Ranges. Technisch noch nicht 
sehr überholt. Amerikanisch-englische Vorherrschaft. 
Niedrigster Preis für das Zimmer M. 4.50, 

Carlton-Hotel (Restaurant Kons), Unter den Linden 32, 
Das jüngste, aber noch nicht ganz konsolidiert. 

Central-Hotel, Friedrichstr. 143, 

Das für Berlin charakteristischste und größte. 500 
Zimmer für Ansprüche der verschiedensten Grade. 
Durch die Lage am Friedrichstraßen-Bahnhof mitten 
in das weltstädtische Getriebe versetzt. Amerikanische 
Bar im Hause. Technisch auf der Höhe. Stark be- 
sucht auch von reisenden Kauflcuten. Niedrigster Preis 
für das Zimmer M. 3.50. 



428 



Hotels und Pensionen. 



Continental-Hotely Neustädtische Kirchstr. 6/7. 

Älteren und ruhigeren Stils. Ersten Ranges und beliebt 
beim Land- und Militäradel. Küche und Weine wie 
bei Hiller. 5. Restaurants, 

Hotel zum deutschen OiiizitrYeTein,Dorotheenstr. 33/34, 
Vertrauenerweckend, wie schon der Name besagt. 
Militärisches Publikum, zivile Preise. 

Hospiz am Brandenburger Tor, Königgrätzerstr. 5. 

Benutzbar und empfehlenswert für alle Bekenntnisse. 
5. Pensionen, 

Der Kaiserhof, Mohrenstr, i — 5, 

Noch immer, wenn auch die erste Blüte vorbei, eines 
der größten und komfortabelsten. Große Fürsten-, 
aber auch bürgerliche Appartements mit zusammen- 
hängenden Räumen, über die man ein Abkommen für 
längeren Aufenthalt treffen kann. Zimmer von M. 4. — an. 

Monopol-Hotel, Friedrichstr, 100, 

Privates Hotel ersten Ranges. Ganz zentral. 

Palast - Hotel, Leipziger Platz 18/19, Königgrätzer- 
Str. 130/13I' 

Ersten Ranges wie Hotel Bristol. Nicht so amerika- 
nisch und weniger lebhaft. 

Hotel Prinz Albrecht, vorm. Vier Jahreszeiten, Prinz 
Albrechtstr, 9. 

Stiller als die erstrangigen. 5. Wo trifft man sich? 

Der Reichshof, Wilhelmstr, yoa. 

Still und vor allem bei Familien oder alleinstehenden 
Damen, die für einige Zeit mieten wollen, beliebt. 

Grand Hotel de Rome und du Nord, Unter den Linden3g. 
Älteres Haus mit vornehmem Stammpublikum. Mo- 
dernisiert. Preise ersten Ranges. 

Grand Hotel de Russie, Georgenstr, 21/22, 

Für Liebhaber russischer Nachbarschaft, die durch den 
Titel tatsächlich angelockt wird. 

Savoy-Hotel, Friedrichstr, 103, 

Im Rang und von der Art des Hotel Bristol. Jünger 
und koketter im Bau. 

Hotel Saxonia, Königgrätzerstr. 10, 

Reichstagsabgeordneten-Hotel. Beliebt auch bei an- 
deren Einzelherren. 



Pensionen. 429 

Splendid-Hotel, Dorotheenstr. 92/93, 
Neueste berlinische ,, Aufmachung' ^ 

Victoria-Hotel, Unter den Linden 46, 
Kleinere Filiale des Central-Hotels. 

Hotel Westminster, Unter den Linden. 

Louis Quinze-StU. Beliebt bei reisenden Pompadours. 
Komfort und Preise ersten Ranges. 

Etwas über Pensionen. 

Berlin ist nicht nur die Stadt der Kasernen 
(s. Kasernen), sondern auch der Pensionen, deren An- 
zahl man nach einem Blick ins Adreßbuch mit sechs- 
hundert beziffern mag; die Einrichtung natürlich im 
weitesten Sinne genommen. Während auf den nie- 
drigeren Stufen, etwa im Norden der Stadt, solche 
Zimmer mit Verpflegung sich an den kleinbürgerlichen 
Haushalt einer Witwe oder wackeren Frau anschließen, 
deren Mann hier wie in jeder Berliner Pension sich 
bescheiden im Hintergrund hält, entfaltet sich in den 
Fremdenvierteln der Friedrichstadt und vor allem 
der Charlottenburg-Schöneberger Villenstadt, da es 
dort fast gar keine Hotels gibt, das Pensionsleben zu 
tippiger Vielfältigkeit. Da gibt es alle möglichen Ab- 
arten mit allen möghchen Chikanen für alle möglichen 
Ansprüche. Da blüht, hinter Glasfenstem mit ele- 
ganten Crepe de Chine- Gardinen, unter anderem auch 
jene Romantik, in der die „zweideutige Pension'* 
einen durchaus zugehörigen Platz hat. Im lebens- 
lustigen und abenteuerreichen Berlin würde etwas 
fehlen, wenn es nicht auch solche allzu romantischen 
Pensionen gäbe. 

Die extremen Fälle sind indessen doch noch Aus- 
nahmen, und statt der zweideutigen findet man viel 
häufiger jene andere Art der Berliner Pension, die 
man die amüsante nennt. Das ist die speziell unter 
Fremden weitaus am meisten gekannte und geschätzte 
Art. Sie lebt hauptsächhch von dem Ruf der lustigen 
Gesellschaft, die man dort findet, und wenn man 
dem zuliebe etwas mehr Geld lassen muß, statt der 



430 Motels und Pensionen. 

sonst Üblichen vier bis sieben etwa sechs bis neun 
Mark für den Tag, so hat man dafür das Vergnügen, 
das elektrische Licht und den Komfort, der sich aller- 
dings in solchen Häusern reichlicher als sonst findet, 
noch besonders zu bezahlen. Die amüsante Pension 
hat in der Regel eine sehr geschickte und gewiegte 
Hausfrau, die bei der gemeinsamen Mittags- und 
Abendtafel die Gäste in der richtigen bunten Reihe 
zu setzen versteht, angenehm vermittelnd und doch 
auch diskret; z. B. wird sie wohl darauf achten, junge 
Frauen, die gerade in der Scheidung befindlich sind 
— ein ständiger Prozentsatz solcher Berliner Pensions- 
bewohner — nicht zwischen zwei als Schwerenöter 
verschrieene Herren zu petzen. Damit muß man 
warten, bis die Scheidung vollzogen ist. 

Fem sei es uns, den Damen nahezutreten, die 
in solche lustige Pensionen einziehen, nur darf man 
nicht glauben, daß sie diese Art von Quartier der 
größeren Schicklichkeit wegen den Hotels vorziehen; 
denn streng genommen ist in den guten Berliner Hotels 
gerade^ dieser Punkt etwas stärker ausgebildet. In 
Wirklichkeit ist das Hotelsystem der abgeschlossenen 
Zellen langweiliger und das mehr oder weniger fami- 
liäre Zusammenwohnen in einer großen Wohnung mit 
gemeinsamem Salon und Speisezimmer interessanter. 
Denn die Berliner Pensionen sind ihrer Anlage nach 
nichts anderes als größere oder kleinere Privatwoh- 
nungen, manchmal auch die Zusammenfassung meh- 
rerer Etagen, die man mit Hilfe von Tapetenwänden, 
ausgehobenen Korridortüren und verschiedener kleiner 
Einrichtungskoketterien eben zu Pensionen herrichtet. 
Man lebt wie eine große Familie, und wenn man etwa 
von den christlichen Hospizen, den Pensionaten, die 
von Pastorsfrauen geführt werden, und den „Damen- 
heimen' ' absieht, die es ja in Berlin auch schon gibt, 
kann man von den Berliner Boarding-Houses sagen : 
Die Gefahr — oder die Hoffnung — eines Flirts liegt 
meistens nicht zu weit. 



Pensionen. 



431 



Natürlich gibt es auch viele Pensionen mit 
jener harmlosen Geselligkeit, für die man in Berlin 
den schönen Ausdruck spießig oder „Bise" hat; für 
die sind auch die molligsten und kokettesten Eck- 
zimmer gefahrlos. Ein blonder Jüngling, der in 
einer solchen eine Zeitlang zu Mittag aß, hat aus- 
gerechnet, daß er mit seinem wechselnden Gegenüber 
in der Woche fünfunddreißigmal über die Siegesallee 
sich unterhalten mußte. Unter den Bewohnern waren 
viele ältere Ehepaare aus der Provinz, die sich mit 
den Tassen schwarzen Kaffees in der Hand immer 
alle gleichzeitig höflich nach rückwärts gehend von- 
einander empfahlen, um sich hinter ihre verschiedenen 
Tapetentüren zurückzuziehen. Nur eine sehr ver- 
spätete Engländerin — sie hatte ein weiß gepudertes 
Klowngesicht — saß immer noch bis zum letzten 
Augenblick in der Erwartung, daß irgend etwas 
gesagt werden würde: denn sie hatte es sich in den 
Kopf gesetzt, durch Zuhören unentgeltlich das 
Deutsche zu erlernen. „Ao jah!*' sagte sie, wenn sie 
verstanden hatte ; im anderen Fall rief sie unglücklich : 
„Ao, uas ist daas?" Solche Erscheinungen gehören 
mit zum Berliner Pensionsleben. 

Oder man wohnt in einer Pension, die sich äußer- 
lieh auch wie ein muffiges Familienpensionat an- 
sieht; die Zimmer sind altmodisch, niedrig und stül, 
und die brave, bejahrte Dame, die schwerhörig und 
kurzsichtig, aber recht Uebenswürdig das Regiment 
führt, hat seltsame kleine Eigenheiten; so kündigt 
sie sich in allen ihren Anzeigen als „international** 
an, gerät aber in Verlegenheit, wenn jemand in fran- 
zösischer oder englischer Sprache den Preis eines 
Zimmers wissen will. Dann steht sie samt ihren drei 
Stubenmädchen, blonden, blitzblanken mecklenbur- 
gischen Riesinnen, hilflos da und versucht es mit der 
Fingersprache. Auch unter solcher biderb-deutschen 
Oberfläche sprudelt in Berlin recht großstädtisches 
Leben. Man amüsiert sich auch hier. Die Familien- 



432 



Hotels und Pensionen. 



mitglieder wechseln, aber der Hang zum Familiären 
bleibt, und die Naturtöchter aus dem Mecklenbur- 
gischen, die Zimmermädchen, nehmen dann oft, wenn 
sie zu den Kuhställen der Heimat zurückkehren, 
eigenartige Vorstellungen von dem mit, was man in 
Berlin eine Pension nennt. 

Von all den unten angeführten Pensionen gilt all 
das Gesagte natürlich nicht; sie bieten das, was man 
sonst an solchen Plätzen sucht. 

WESTEN. 

V. Finck, Potsdamerstr. 123 a. 
Pension 4 — 9 M. (Fahrstuhl). 

Herzberg, Potsdamerstr. 121b. 

Pension 5 — 12 M. (elektr. Licht, Zentralheizung). 

Hoeltzl- Sheridan, Potsdamerstr, 31, 

Pension 4 — 8 M. (Fahrstuhl, elektr. Licht, englisch)« 

Volckmann, Potsdamerstr. 39a. 

Pension 5 — 10 M. (elektr, Licht, Garten). 

Hospiz des Westens, Marburgerstr. 4. 
S. Soziale Leistungen, 

Hospiz am Brandenburger Tor, Königgrätzerstr. 5. 
S. Hotels. 

Frau Prof. Krause, Friedrich Wilhelmstr. 4. 
Pension von 7 M. an (englisch). 

Starkmann, Kleiststr. 27. 
Pension 6 — 15 M. 

Brandeis, Bayreutherstr. 2g. 
Pension 5 — 12 M. 

Geschwister Schmidt, Tauentzienstr. 6. 
Pension 4 — 10 M. (Fahrstuhl). 

Pension des Westens, Rankestr, 8, 
Pension 5 — 8 M. 

Recke, In den Zelten 18. 

Pension von 6 M. an. 
UNTER DEN LINDEN UND FRIEDRICHSTADT. 

Ida Schmidt, Daheim, Unter den Linden yo. 
Pension 5 — 8 M. 



Restaurants. ^^^ 

Fritz, Unter den Linden 62/63. 
Pension 5 — 8^/2 M. 

Frau Dr. Müller v. d. Werra, Albrechtstr. 11. 
Pension 4 — 7 M. 

Hospiz der Berliner Stadtmission, Mohrenstr, 2y, 
Zimmer von 2.50 bis 8.50 M. 

Pension und Hospiz St. Michael, Wilhelmstr, 34. 
Zimmer von 2 — 7 M. 

POTSDAMER UND ANHALTER BAHNHOF. 

Frau Sanitätsrat Schultze, Kölhenerstr, 32, 
Pension 4 — 8 M. 

Kirstein, Potsdamerstr, 13. 

Pension von 4.50 M. an (Fahrstuhl, elektr. Licht). 

Internationales Damenpensionat (Frau Spranger), Halle- 

schestr, 17, 

Pension 2.50 bis 4.50 M. 

Hospiz in der Heimat für Mädchen und Frauen gebil- 
deter Stände, Kölhenerstr, 43. 

Zimmer zu 2 M. und 3 M. Mit tags tisch 40 Pfg. 

5. Restaurants. 

Eia Idyll vor der Reichsfinanz» 
reform. 

Eine so liebenswürdige Erfindung der Wein ist, 
eine so häßliche ist der Weinzwang, und es wirkt 
betrüblich genug, daß zur Kennzeichnung der Ber- 
liner Restaurants gleich an der Spitze die Einrich- 
tung des Weinrestaurants gebrandmarkt werden 
muß. Es ist aber wirklich schon zu weit damit ge- 
kommen. Berlin ist ja trotz der sagenhaften Ge- 
schichten von ehemaligen Rebenhügeln (daher die 
Straße Weinbergsweg) keine Weinstadt, und wenn 
sich unsere Altvordern die braungetäfelten Stuben 
und die unansehnlichen Keller, in denen Rotspon 
und Rheinblume herrschten, gern gefallen lassen 
konnten, so ist das „Nichts -als -Weinrestaurant" 
von heute dagegen eine Barbarei, weil es in seiner 

Berlin und die Berliner. 28 



434 Restaurants. 

maßlosen Ausdehnung ein der Stadt künstlich auf- 
gepfropftes und aufgezwungenes Reis darstellt, dazu 
bestimmt, das reich gewordene Berlin zu einem 
lohnenden Absatzmarkt zu machen. Die Weinindustrie 
hat sich einfach der ganzen vornehmen Restaurant- 
küche in Berlin bemächtigt und kann jetzt dekre- 
tieren : Speisekarte ohne Weinkarte gibt's nicht ! Die 
Speisekarte ist nur ein Anhang zur Weinkarte und 
die Speisewirtschaft nur der Nebenbetrieb eines 
Hauses, in dem vor allem ein vom Rhein oder von 
Frankreich her unterhaltener Keller sich rentieren 
soll. Dadurch stellt sich ein Zwang für die Gäste 
ein, der dem Berliner oft nicht mehr fühlbar 
wird, dem aufgeklärten Reisenden aber, der an 
größere Freiheit gewöhnt ist, sehr ungerecht erscheint. 
Daß er mit der teuren Flasche Wein zusammen ein 
preiswertes oder gar auffallend billiges Fleischgericht 
bekommt, tröstet ihn nicht, da die Frage für ihn 
nicht eine Geldfrage, sondern eine Prinzipfrage ist. 
Er wül selber, und ohne scheel angesehen zu werden, 
entscheiden können, ob er auf Wein, Bier oder 
Gießhübler gestimmt ist; wenn er auf die Frage: 
„Kann ich ein Glas Pilsner bekommen?" die Ant- 
wort erhält: „Erst nachdem Sie eine Flasche Wein 
bestellt haben!", so findet er das eher widerwärtig 
als schön. 

Das Weinrestaurant ist eben auf Wein und das 
Bierrestaurant, das in Berlin durchweg als zweit- 
rangig gut, auf Bier zugeschnitten, auf den Trink- 
zwang also beide; da aber die sogenannten echten 
Biere, Pilsner und bayrisches, in Berlin nicht unter 
einem recht teuren Einheitspreis (30 Pf. der halbe 
Liter) verkauft werden, tritt auch zu diesem Getränk 
das nicht ganz ehrliche Lockmittel der büligen Speisen 
und der fast schon geschenkten Menüs, welche zu 
Preisen von i M. bis 1,50 M. angekündigt werden. 
Hier kommt es wieder vor allem auf das Geschäft 
der Bräuerei an, und diese verhüllt ihren Neben- 



Restaurants. 



435 



zweck auch nicht gerade sehr vornehm, wenn sie 
auf die Karte den Vermerk setzen läßt: „Ohne Ge- 
tränke kostet das Menü 20 Pfennige mehr**. Am 
Ende kommt es ja vielen Nichttrinkem auf diese 
Steuer nicht an, aber erschreckend deutlich wird 
ihnen dadurch, daß sie eine zur Unterlage für den 
Bierkonsum gerade gut genug fabrizierte Fisch-, 
Fleisch- und Pudding- Folge trotz ihrer Billigkeit am 
Ende doch noch überzahlen. Bei reinlicherer Rech- 
nung käme einem auch das Essen reinlicher vor! 
Warum nicht ein natürlicher Preis für einen Braten, 
den man um seiner selbst willen bestellt? Warum 
nicht Trinkfreiheit? Warum nur Weinhandlungen 
und nicht Speiseanstalten ersten Ranges? 

Aber das sind heute noch Fragen in den Wind, 
und man muß schon damit zufrieden sein, daß die 
Bierrestaurants sich wenigstens für die Abende eine 
reichhaltige und auch höheren Ansprüchen genügende 
Speisenauswahl zu sichern angefangen haben. Zum 
Mittagessen können wir das durchschnittliche Ber- 
liner Bierlokal nicht ohne Angst empfehlen — da 
ist die Auswahl einer besseren Frühstücks- oder 
Weinstube wirklich nicht zu vermeiden; zum Abend- 
essen jedoch kann man den Gang in ein Bräu oder 
ein Pilsner oder ähnliches Gasthaus ganz gut wagen. 
Bei richtiger Wahl der Restaurants, zu der das 
folgende Verzeichnis die nötigen Anhaltspunkte gibt, 
wird man sogar finden, daß die Berliner Küche weit 
besser als der Ruf ist, den die bösen Reichsnörgler 
ihr machen. 

WEINRESTAURANTS. 

Die französischen. 

Die Namea sprechen. 

Carl Hiller (Inh. Louis Adlon), Unter den Linden 62/63. 
Hotel Bristol (Inh. Conrad Uhl), Unter den Linden 5. 
Palast-Hotel (Ed. Gutscher), Leipziger Platz i8/ig. 

28* 



^^6 Restaurants. 

Continental-Hotel (Louis Adlon), Neustädtische Kirch- 
str. 6/7. 

Hotel de Romc et du Nord, Unter den Linden 3g. 

Hotel Kaiserhof y Mauer str. 56 — 58. 

Restaurant Kons (Carlton-Hotel), Unter den Linden 32, 

Zoologischer Garten, gedeckte Terrasse (Lorenz Adlon). 

Die guten alten. 

Fast lauter Hoflieferanten. 

Julius Ewest, Behrenstr, 26 a. 
Ersten Ranges. 

Gebrüder Habel, Unter den Linden 30, 

Außerdienstliches Rendezvous des Generalstabs. 

A. Huster (Englisches Haus), Mohrenstr. 4g. 

Renommiertester Stadtkoch. S. Gesellschaftsformen, 

Jean Hupka, Markgrafenstr. 52 a. 
Kleine altmodische Zimmer. 

F. W. Borchardt, Französischestr. 47/48. 
Berühmte Delikatessen. 

Beckers Söhne, Krausenstr. 41. 

Fritz Wendeborn, Französischestr. 52. 

Fritz Riebenstahl, Unter den Linden 33. 
Standesgemäße Gesellschaftszimmer. 

Ludwig Mitscher, Französischestr. 18. 

Austernmeyer (Georg Meyer), Kurfürstendamm 237. 

Die mit Musik und Betrieb. 

Es ist nicht gut, daß der Mensch 
allein sei. 

Central-Hotel, Georgenstr. 
Auch Bier in Kannen. 

Monopol-Hotel (Louis Schaurig), Friedrichstr. 100. 
Große Aufmachung. 

Der Reichshof (Leopold Schwarz), Wilhelmstr. 70 a. 
Nachmittags Kabarett, abends Zigeunerkonzert. 

H. Laugsch, Behrenstr. 16. 
Hamburger Küche. 



Restaurants. 



437 



Restaurant Riche, Unter den Linden 27. 
A la parisienne. 

Zur Stadt Berlin (Emil Wuerst), Dorotheenstr. 84, 
Nischen. 

Casino (Weißbach & Heßler), Taubenstr, 34, 

Zugleich American Bar. 

The English Büffet, Unter den Linden 22/23, 

Unten American Bar, oben Grill-Room mit Wiener 
Schrammein. 

Kempinski. 

Was sind Worte! 

Kempinski & Co., Leipzigerstr. 25. 

Und schließlich kostet ein Gericht nur 75 Pfennige I 

Die anderen Fremden- und Riesenlokale. 

Im Gasthaus liegt da Stück deutscher 
Weltanschauung. O. M. 

Zum Treppchen (Mathias Beckmann), Unter den 
Linden 56, 

Zwischen Hiller und Dressel. 

Rudolf Dressel (Karl Fehr), Unter den Linden 50. 

Hiller von gestern. 

Ernst Traube, Leipzigerstr. iiy/ii8. 

Ahnlich wie Kempinski. Dieselben Preise, geräumigere 
Plätze. 

J. P. Trarbach, Französischestr. 28. 

Der vorläufig prunkvollste Weinpalast. Neues Haus, 
von dem Münchener Maler Richard Riemerschmied 
modern dekoriert. Ungefähr Jugendstil. 

Kaiser- Keller, Friedrichstr. iy8. 

Mehrere Stockwerke. Unten Ratskellerstil, oben Kaiser- 
saal in der Art des Frankfurter Römers. Zum Balkon 
hin moderne Salons. 

Die historischen und volkstümlichen. 

Kellner, eine halbe Mosel! 

A. Frederich, Potsdamerstr, 12. 
Menzels Stammlokal. 

J. C. Lutter (vorm. Lutter & Wegener), Charlottenstr.4g. 

Die Bank der Spötter E. Th. A. Hoffmann und Döring 
wird noch gezeigt. 



^^g Restaurants. 

Steinert Sc Hansen, Leipzigersir. 33, AlbreMstr.42 und 
Kurfürstendamm 235. 

Weinstuben mit mittleren Preisen. 

Rheinische Winzerstuben, Leipzigerstr. 31/32. 
Ewiger Karneval. 

Die italienischen. 

„Buona sera, Sigaore ! Bistecke oder 

Kalbs'ax oder . . . Risotto? 

Va bene, subito, Signore!*' 

Restaurant Unione Cooperativa, Taubenstr. 16 — 18. 
National und doch sauber. 

AI Bersagliere, Dorotheenstr. 66. 

Leichte Menüs. Ofiener Tischwein. Abends Musik. 

Frühstückslokale. 

Man kann in Berlin nie genau sagen, 
wann man frühstückt und wann man 
diniert. 

Fritz Töpfer (Hotel Prinz Friedrich Karl), Dorotheen- 
str. 80/81. 

Hoftraiteur weiland S. K. H. des Prinzen Friedrich 
Karl. Aber auch Pilsner Bier. Kaltes Büfett und 
warme Küche. 

F. Niquet, Jägerstr. 41. 

Hoflieferant. Bier. Berühmte Würste. Beefsteaks. 

Ausflugslokale. 

Mit dem Auto ist es noch einmal 
so chic. 

Onkel Toms Hütte, bei Zehlendorf, Spandauerstraße, 
Cafe Grunewald, Grunewald, Paulsborner Straße. 
Restaurant Hundekehle, Grunewald, Königsallee. 
Hotel Stadt Königsberg, Potsdam. 

BIERRESTAURANTS. 
Aschinger. 

5. Modems PtUriMur. 

Vierzig Filialen, „Bierquellen'S in allen Stadtteilen. 
Belegte Brötchen k 10 Pf., Caviarbrötchen k 1$ Pf., 
Wurst mit Salat 30 Pf., Bier k 10 und 15 Pf. 



Bieirestaurants. 



439 



Spezialausschank des Münchener Hofbräuhauses, Leip- 
zigerstr, 85, 

Bier- und Weinrestaurant, Friedrichstr, gy (Ecke 
Georgenstraße), 

Parterre und erste Etage Bierquelle (s. oben), zweiter 
Stock Bierrestaurant, dritter Stock Weinrestaurant 

Schultheiß, Patzenhofer und die anderen Hiesigen. 

Leicht, billig, bekömmlich. 

Zum Schultheiß (Fritz Urban), Potsdamer Platz i. 

Im ganzen zehn Restaurants dieses Namens und von 
ungefähr gleichem Rang. 

Patzenhofer Bierhallen (Emil Müller), Friedrichstr. yi, 

Hilsebein- Ausschank, Königgrätzerstr. 15. 
Das volkstümlichste Berliner Lagerbier. 

Linden-Restaurant, Unter den Linden 44. 

Mittagstisch ä i M. Studenten- und Kaufmanns- 
publikum. 

Pichelsteiner Krug (Franz Dolinski), Friedrichstr. 9^. 
Sonntagspublikum. 

Hopfenblüte (Hermann Rieprich), Unter den Linden 2y. 

Schneidig. 

Weißbier. 

Unsere einzige Sentimentalität. 

Weißbierhaus Haase (Ed. Gebhardt A.-G.), Fran- 
zösischestr. 10. 

Berühmte alte Frühstückskneipe. Erinnerungen an 
Schauspieler, Künstler und andere Stammgäste des 
vorbismarckschen Berlin. Die Wände mit historischen 
Bildern bedeckt. Die große oder kleine Weiße trinkt 
man „mit" (Himbeersaft) oder „ohne". 

Die bayrischen Bräus. 

,,Die faulige Gärung süddeutscher 
Zuchtlosigkeit." Bismarck. 

Franz Siechen, Behrenstr. 24, 

Echte Biere. Beliebte Beefsteaks. Zahlreiche unge- 
deckte Stammtische. 

Pschorrbräu (Paul Wehlisch), Friedrichstr. 165. 
Tucherbräu (Fritz Otto), Friedrichstr. 180. 



j^j^ck CaUs, Koaditoreien, Bars. 

Spatenbräu (Ludwig Vogel), Friedrichstr. iy2, 

Altbayem, Potsdamer str, lo/ii. 

Weihenstephan (Aug. Pause), Schöneberger Ufer 23. 

Weihenstephan (Herrn. Wendel), Friedrichstr. 1^6/177, 

Haase-Bier (Paul Grimm), Friedrichsir, 134. 
Breslauer Dunkles k la München. 

Die Pilsner und Wiener Lokale. 

Bitte sehr, bitte gleich! 

Zur Hütte (Heinrich Wendt), Tauhenstr, 7. 

Berliner Küche. 

Künstlerklause (Carl Stallmann), Jägerstr. 6y, 

Bekannte Schauspielertische. 

Restaurant Krziwanek (Josef Jenisch), Mittelstr. 57/58. 
Gulasch. Wiener Schnitzel. Mehlspeisen, österrei- 
chische Stammgäste. Pilsner Bier. 

Zur Stadt Pilsen (C^rl Hummer), Unter den Linden 13. 

Wiener Küche, Keller und Kellner. Osterreichische 
Kolonie. Beliebter Sommergarten. 

Russisch-polnisch. 

Nidit so schlimm. 

Neue Eremitage (Theod. Feilbach), Französischestr,2ia, 
Großes Büfett mit kalten Vorgerichten (Sakuska) 
und Schnapsen. Russische Nationalgerichte. Wein- 
restaurant-Preise. Pilsner Bier. 

Schwedisch. 

Aschinger utan svafel och fosfor. 

Skandinavia, Friedrichstr. g5. 

SmörrebrÖtchen. Schwedische Sexa. Schwedischer 
Punsch. Pilsner Bier. Musik. 

6. Caf6s, Konditoreien, Bars. 

Man unterscheidet Wiener Cafis, 
Berliner Konditoreien, American Bars. 

Das Wiener Caf6 hat seit seiner Begründung 
durch Herrn Oskar Bauer Unter den Linden mancherlei 
Wandlungen durchgemacht und seine gemütlich 
österreichische Gestalt hat auf dem Boden der Groß- 



Caf6s, Konditoreien, Bars. aax 

Industrie, des stärkeren Bierkonsums, der schlechteren 
Zichorie und der Friedrichstraßen-Lustigkeit sich 
neuen Bedingungen angepaßt. Die palastartig hohen 
und halbdunklen Räume, die Zahlkellner im Frack, 
der Zeitungsreichtum und schließlich die Melange, 
die Schale Braun und die Schale mit Haut konnten 
allein den Zauber des Bummels nicht bewahren, und 
einzelne neue Nuancen wie die Münchner und Pilsner 
Bierhähne am Büfett, die reichhaltige kalte Küche 
und — vor allem — die Fruchtkuchen mit Schlag- 
sahne traten bald genug zur Berliner Ausgabe des 
Wiener Caf6 ergänzend hinzu. Langsam bürgerte 
sich eine noch weitere Annäherung an die Berliner 
Konditorei ein; die augenblicklich modernste Fasson 
dessen, was Wiener Caf6 genannt wird, ist das zwei- 
stöckige, zierliche, knallweiß beleuchtete Lokal mit 
warmer Küche und feuriger Operettenmusik. 

Die Berliner Konditorei mit anschheßendem 
kleinem Lesezimmer ist unsere ureigenste Erfindung 
und von einer steten Gleichmäßigkeit, die dem kon- 
servativen Bürgersinn, der diese Konditoreien be- 
vorzugt, alle Ehre macht. Kleine niedrige Räume 
empfangen uns; auf einem langen Marmor- oder 
weißgedeckten Holztisch sind alle Vorräte der Kuchen- 
küche in fertigen Portionen auf Tellern nebenein- 
ander aufgereiht; man sieht Sand-, Napf-, Alt- 
deutschen, Streusel-, Butter-, Kranz- und Apfel- 
kuchen; ein Fräulein fragt, was wir davon wählen; 
ein großer Eimer mit Schlagsahne steht daneben, 
um jedem Kuchen, den man „mit" bestellt, den 
flaumig-süßen Aufputz zu liefern; ein Kellner in 
schlichtem Röckchen oder weißem Drüch setzt uns 
das Gewünschte auf den Tisch. Kaffee, Tee und 
Schokolade sind immer zu haben, Bier nur in manchen 
Konditoreien. Die Auswahl an Zeitungen ist so 
klein wie der Raum; man spricht im Flüsterton. 

Die American Bar, auch Zylinderdestille ge- 
nannt, ist zweideutig oder langweüig oder beides 



AA2 Cai€s, Konditoreien, Bars. 

Caf6 Austria, Potsdamerstr. 28. 

Osterreichische Wirtschaft. Zeitungen. Schriftsteller- 
klub-Zusammenkünfte. 

Caf6 Bauer, Unter den Linden 26, 

Das älteste und bestgelegene Wiener Caf6 in Berlin. 
Große auffallende Lichterreklame. Alle Zeitungen und 
alle Fremden. Angeräucherte Wandbilder von Anton 
V. Werner und Albert Hertel. Balkons. 

Cafe Central-Hotel, Friedrichstr. 143 — 14g. 
Das eleganteste. 

Caf6 Fürst, Potsdamerstr, iii. 

Das Wiener Caf6 der neuesten Richtung. Abend- und 
Nachtkonzerte. Zeitungen auf der ersten Etage. 

Konditorei Hilbrich, Leipzigerstr. 24, 

Beliebte Fünf-Uhr-Schokolade für Herren, Damen und 
Paare. Berühmtes Kuchen-Büfett. 

Konditorei Josty, Bellevuestr. 21/22. 

Historisch. Die Sehenswürdigkeit des Potsdamer Platzes. 
Im Sommer große ofiene Terrasse, dahinter eine ge- 
deckte Veranda und der lange schmale Konditorei- und 
Kaffee-Salon. Oben Spielräume. 

Caf6 Kaiserhof, Mohrenstr, i — 5. 

Jahrzehnte alte Nachmittags-Stammtische von Schach-, 
Karten- und Turfspielem. Abends ein politisch-demo- 
kratisch-joumalistischer Stammtisch. Geschäftsführung 
auf Wiener Art. 

Konditorei Kranzler, Unter den Linden 25. 

Kranzlers Eck! Eine gelungene Mischung aus Hof- 
lieferanten- und Halbwelt-Stimmung. Wenig Tische, 
wenig Zeitungen, viel wechselnde Fenstergäste. Großes 
Kuchengeschäft. 

Caf6 Kerkau, Friedrichstr, 59/60. 
Billard-Salons. 

Caf6 Mandl, Kantstr. 165/166. 

Ein stilles Wiener Caf6 in der stillen Kantstraße. 

Konditorei Miericke, Tauenzienstr. 13. 

Renommierte Konditorei; Sitzplätze auf der i. Etage. 

Caf6 Monopol, Friedrichstr. 100. 

Lärmender Wiener Nachmittags-Vesper- Verkehr. 

Caf6 National, Friedrichstr. y6. 

Lärmender Berliner Abend- und Nachtverkehr. Ein« 
tritt nicht für Damen. 



Caffe, Konditoreien, Bars. aa^ 

Caf6 zum Roland von Berlin, Potsdamerstr. 127/128. 
Geschmackvolle neue Räume mit Konzerten auf der 
ersten Etage. 

Konditorei Schilling, Friedrichstr. 20g. 

Gutes altes Kuchen-, Schlagsahne- und Lesekabinett. 

Konditorei Schilling, Kurfürstendamm 234, 

Renommiert als Konditorei des Westens. Schöne Aus- 
stattung. Um iiUhr abends wird man vor die Tür gesetzt. 

Konditorei Telschow, Königgrätzerstr, 126, 
Damen-Caf6. 

Caf6 des Westens, Kurfürstendamm i8/ig. 

Erste und echteste Brutstätte der Berliner Boheme. 

Caf6 Casino Nollendorfplatz, Kleiststr, 41. 

Das Zeitungs-Caf6 für Schöneberg. Modern-literarische 
Färbung. 

Grand Büffet, Jägerstr. 63, 

Jede Bar hat die Weiblichkeit, die sie verdient. 
Grand-Cafe Imperial, Potsdamer str, 105 a. 

Abends Konzerte und lebenslustige Paare. 

Cafe Klose, Leipzigerstr, ig. 

Nachmittags-Kafiee- Kränzchen. 

Kaiser-Cafe, Friedrichstr, iy6 — lyS. 

Station auf dem Friedrichstraßen-Bummel. Immer 
überfüllt. 5. Restaurants, 

Kaiser-Biiffet, Friedrichstr. iy6 — iy8. 

American Drinks ohne weitere Pikanterie. 

Romanisches Cafe, Kurfürstendamm 238. 

Große beliebte Sommerterrasse hinter der Kaiser Wil 
helm-Gedächnis-Kirche. Filiale und Konditorei des 
Kaiserhofs. 

Union Bar, Französischestr. 50. 

Man schließt Unionen. Man zahlt bar. 

Viktoria-Caf6, Unter den Linden 46. 

Marmor- Hurra-Stil. Artisten- und Literaten - Stamm- 
tische. Kaltes Dejeuner. Durchgang von der Friedrich- 
straße nach den Linden bei Absperrungen. S. Polizei. 

Cafe Westminster, Unter den Linden 2y. 

Halb und Halb. Halb ist es Welt, halb ist es nicht. 
Stammgäste aus dem Damenchor des Metropol theaters. 
Stärkster und prononciertester Verkehr nachmittags 
zwischen 3 und 7 Uhr. Abends Zigeuner. Warme Küche. 



4.44 Post, Telegraph, Telephon. 

7. Post, Telegraph, Telephon. 

Mir geht jedesmal das Herz auf, wenn 
ich wieder das Schild lese: Kaiserlidies 
Postamt. Das heißt eben doch: Vater- 
land, Ordnung, anständiges Bier! 

Ein vielgereister Deutscher. 

Behörden, Beamte, Postämter. 

Wer über alle Ankunfts- und Abgangszeiten der 
Posten, über alle Tarife, über die Einteilung Berlins 
und seiner Vororte nach Postbezirken (den Nummern 
der Postämter), über die inneren Bestimmungen im 
Rohrpost- und Telegraphendienst und ähnliches so 
gewissenhaft unterrichtet sein will, daß er genau weiß, 
wann und wo er die Sendungen am besten aufgibt, 
was er zu beanspruchen und was er zum Zwecke mög- 
lichst glatter Erledigung zu erfüllen hat, studiere das 
von der Oberpostdirektion in Berlin herausgegebene 
kleine Postbuch; jeder Deutsche wird das bei seinem 
angeborenen Interesse für diensthche Bestimmungen 
leicht bewältigen. 

Wer die Namen aller dem Staatssekretär des 
Reichspostamtes {Leipziger str, 14 — 18) unterstellten 
AbteUungsleiter, Bureauvorsteher, Postdirektoren und 
ihrer Unterbeamten kennen lernen will, schlage die 
betreffenden Seiten des Berliner Adreßbuchs auf; für 
das praktische Leben wird damit nichts gewonnen, 
wohl aber für das gesellschaftliche. 5. Titulaturen, 

Die Post mit allen ihren Abzweigungen ist in 
Berlin so gut, wie seit dem Wirken des unvergessenen 
preußischen Generalpostmeisters, späteren Staats- 
sekretärs Heinrich von Stephan, im ganzen deutschen 
Reiche, d. h. ausgezeichnet. Es gibt Staatsbürger, 
die in den mit ihren roten Litzen so schmuck uni- 
formierten Beamten, die die Briefe und — das Geld 
ins Haus bringen, die erfreuHchsten Vertreter der 
Bureaukratie erblicken. Es kommt dazu, daß die 
Briefträger in Berlin wegen ihrer niedrigen Bezüge 
besondere Sympathie genießen; nichts Seltenes soll 
es sein, daß diese volkstümlichen Männer zwischen 



Postämter. 44.5 

Tür und Angel von mitleidigen Köchinnen gespeist 
werden. 

Aber auch die Postämter — Berlin hat deren 
mehr als hundert — sind, von wenigen veralteten 
Ausnahmen mit unzulänglichen Räumen abgesehen, 
schmuck und von beinahe heiterem Aussehen. Für 
Gelegenheit zum Schreiben ist reichlich und gut 
gesorgt, und Stelldicheins, wenn sie nicht zu lärmend 
sich abspielen, werden nicht gestört. Auffallend be- 
merkbar macht sich nur ein einziger Mangel: der an 
Auskunftsstellen; damit muß der Fremde sich bald 
auf andere Weise abfinden. Wer zu schwach begabt 
ist, um das Postbuch (siehe oben) im Kopf zu behalten, 
wird durch Schaden klug werden oder die an den 
Schaltern zu anderen Zwecken sitzenden Beamten so 
oft mit seinem Wissensdurst quälen müssen, bis er 
Bescheid weiß; meist wird er ihn in freundlichem Ton 
erhalten, bei abweisender Antwort verlange man, der 
kompetenten Stelle vorgeführt zu werden. Wer Zeit 
hat, kann sich in diesem Fall mit der einzigen offiziellen 
Auskunftsstelle des Berliner Postbezirks, Briefpost- 
amt Königstr. 6i, in Verbindung setzen. Die Dienst- 
räume der Postämter haben natürlich auch ihre eigenen 
Fernsprech-Apparate, die gut dazu dienen könnten, 
anfragenden Parteien Auskünfte zu geben; das ist 
aber in Berlin vorläufig noch nicht zu erreichen, das 
bleibt einer späteren Zeit vorbehalten. 

Dienststunden. 

Die Schalterdienststunden der Postämter be- 
ginnen im Sommer um 7, im Winter um 8 Uhr vor- 
mittags und enden um 8, an den Bahnpostämtern 
um Q Uhr nachmittags. Postwertzeichen sind nach 
Schluß der Dienststunden an den meist bis 10 Uhr 
geöffneten Telegrammschaltern zu haben. Auch Ein- 
schreibebriefe können da noch aufgegeben werden, 
aber gegen doppelte Gebühr. 

An Sonn- und Feiertagen und am 27. Januar, 
Geburtstag des Kaisers, beschränken sich diese Dienst- 



^6 Post, Telegraph, Telephon. 

stunden auf die Zeit von 7 (im Winter 8) bis 9 Uhr 
vormittags und 12 — i nachmittags. Aber auch da ist 
die Anbringung von Postanweisungen, Paketen usw. 
nicht immer möglich. Stark belagert sind die Schalter 
im allgemeinen kurz vor Tagesschluß — eine Zeit, 
die man darum am besten vermeidet. 

Stadtpostverkehr. 

Besonders beliebt ist die blaue Stadtpostkarte 
zu 2 Pf., die für den Ortsbezirk und den Nach- 
barortsverkehr Geltung hat; 80 bis 90 Millionen 
solcher Karten werden in Berlin und Vororten im 
Jahr aufgegeben. Das Bild des Postverkehrs in der 
Riesenstadt wird ergänzt, wenn wir hinzufügen, daß 
im ganzen an eingegangenen brieflichen Sendungen 
im Jahr 400 bis 500 Millionen und an aufgegebenen 
500 bis 600 gezählt werden. 

Der Kartenbrief, der eine so zweckmäßige Ein- 
richtung ist und es noch mehr wäre, wenn er auch 
in einer 5 Pf.-Ausgabe für den Ortsbezirk existierte, 
wird in Berlin auffallend wenig benützt. Der Tarif 
im Orts- und Nachbarortsbezirk Berlins für gewöhn- 
liche Briefe beträgt bei Sendungen bis 250 Gramm 
5 Pf. Der Doppelbrief (mehr als 20 Gramm), der nach 
auswärts doppeltes Porto braucht, fällt hier also weg. 

Den Geltungsbereich des Orts- und Nachbarorts- 
Portos muß man kennen, wenn man nicht Irrtümer 
begehen und dem Empfänger unter Umständen die 
freudige Überraschung des Strafportos bereiten will; 
Potsdam gehört nicht mehr hinein, Grunewald ist die 
westliche Grenze. Femer sind von den Nachbarorten 
die einander nächstliegenden zu Ortsgruppen mit 
ermäßigtem Stadtporto verbunden. Das Beginnen, 
sich auch noch diese zahllosen Kombinationen zu 
merken, ist für den normalen Menschen aussichtslos. 

SchlieBfächer und postlagernde Sendungen. 

Wer die Postsendungen nicht durch die Brief- 
träger empfangen, sondern von der Post abholen will, 



Adressierung. ^y 

muß dem zuständigen Postamt (in dessen Bezirk seine 
Wohnung fällt) davon Mitteilung machen; gegen eine 
Gebühr von 12 oder 18 M. jährlich kann man ein 
eigenes Schließfach bekommen. 

Als „postlagernd** können Briefsendungen an 
alle Berliner Postämter außer dem Hofpostamt (C i 
Königstr. 60) und dem Paketpostamt (N 3 Oranien- 
burgerstr. 70/73) gerichtet und dort behoben werden. 
Einschreibebriefe, Postanweisungen und Geldbriefe 
nur an bestimmte. Zur Behebung der letzteren 
braucht es einer Legitimation. Auf Wunsch fertigt die 
Post eine eigene Art Legimitation (Postausweiskarten) 
aus — eine jener amtlichen Bescheinigungen seines 
Ich, die der gewissenhafte Staatsbürger neben andern 
ähnlichen Dokumenten (Radfahrlegitimation, Tauf- 
schein, Heimatschein, Reisepaß) in seiner Brieftasche 
zu bergen nicht verabsäumen wird. 

Ober Siedlungen. 

Bei Übersiedlungen stellt man, um alle Postsen- 
dungen in die neue Wohnung nachgeschickt zu be- 
kommen, ein an den Schaltern erhältliches Formular aus. 
Diese Anordnung kann auch auf bestimmte Zeit ge- 
troffen werden, was sich bei Reisen empfiehlt; sie 
kann ferner auf bestimmte Sendungen beschränkt 
werden. 

Adressierung. 

«c Da die Zustellung aller eingehenden ebenso wie 
die Sichtung der abgehenden Postsendungen in jedem 
Rayon der Stadt, wie schon oben angedeutet, von 
einem dazu gehörigen und durch eine Nummer kennt- 
lich gemachten Postamt aus geschieht, trägt es zu 
Beschleunigungen im Postverkehr bei, wenn auf den 
Adressen diese Postamtsnummern angegeben sind. 
Außerdem wünscht die Post die Angabe des geo- 
graphischen Bezirks der Stadt, in den die Adresse 
fällt, so daß die normale Musteradresse nach fol- 
gendem Schema zu lauten hat : Berlin NW. 6, Albreckt- 



448 Post, Telegraph, Telephon. 

Straße 8, III Tr, Die Kaiserliche Ober-Postdirektion 
wird nicht müde, solche Musterhaftigkeit mit Hilfe 
eines erfundenen Herrn Adolf Müller, dem man die 
genannte Wohnung zuschreibt, einzuprägen. In un- 
serem Buch sind der Kürze halber alle Adressen nur 
mit Straßen und Hausnummern angegeben. 

Paketpost. 

Der Erledigung aller Paketsendungen ist in 
Berlin das Paketpostamt in der Oranienburgerstraße 
gewidmet; es kann sowohl um der Größe seiner Aus- 
dehnung und des Verkehrs willen, als auch im tech- 
nischen Sinn als Sehenswürdigkeit bezeichnet werden. 
Es ist die Smnme von ungefähr 12 Millionen Paketen, 
die im Jahr zur Zustellung und eine doppelt so große 
Anzahl, die zur Absendung angenommen wird. Die 
Ausfuhr in dieser Beförderungsart ist also doppelt 
so groß wie die Einfuhr. Die zur Bewältigung solchen 
Betriebs notwendigen Bestellpackkammem wurden 
teilweise in den Zwischenstock verlegt, der durch eine 
Kettenbahn auf schiefer Ebene mit auf- und ab- 
fahrenden Waggons zugänglich gemacht ist. 

Pakete können nicht nur an allen Postämtern, 
sondern auch bei den Paketbriefträgem, wenn sie 
mit ihren Wagen unterwegs sind, abgegeben oder, 
wie das Amtsdeutsch sagt, „aufgeliefert" werden. 
Außerdem werden Pakete, nach schriftlicher Meldimg 
im Paketpostamt, aus dem Hause abgeholt. 

Rohrpost« 

Berlin hat, wie andere Großstädte, die Ein- 
richtung der Rohrpost, die (nach Angaben aus dem 
Jahre 1894) durch ein System unterirdischer Röhren 
von 60 km Länge Briefe und Postkarten durch die 
Stadt und ihre Nachbarorte befördert; die Beför- 
derungsmittel dieser Post sind kleine Aluminium- 
zylinder, die befördernde Kraft ist verdichtete oder 
verdünnte Luft, die Geschwindigkeit beläuft sich auf 
lopo m in der Minute. Die Zentrale der pneuma- 



Rohrpost. 4^9 

tischen Post liegt Jägerstr, 42/44, Außer dieser 
gibt es noch 60, den Post- oder Telegraphenämtem 
angegliederte Rohrpostanstalten in Berlin. — Bei 
älteren Berliner Brücken, z. B. an der Kanalbrücke 
im Zug der Museumstraße, kann man die Röhren 
des pneumatischen Postverkehrs in großen Kurven 
über den Fluß hinweggeführt sehen. 

Die Rohrpost vertritt für Groß-Berlin die tele- 
graphische Depesche; die Beförderungszeit von der 
Aufgabe bis zur Zustellung beträgt bei ihr ungefähr 
I Stunde. 

Annahmestellen für die Rohrpost gibt es merk- 
würdigerweise nur in den Rohrpostämtern; man kann 
allerdings auch Rohrpost- oder Telegraphenboten, 
die auf ihren Bestellgängen sind, mit diesen Sen- 
dungen betrauen, aber es kommt verhältnismäßig 
selten vor, daß man einen Rohrpostbrief gerade fertig 
in der Tasche hat, wenn man einen uniformierten 
Boten zu Rad auf der Straße vorübersausen sieht. 
Es ist auch kaum anzunehmen, daß er auf Zuruf ab- 
sitzen würde. Wenn man den Weg zum Amte scheut, 
kann man die Rohrpostsendung auch in den Straßen- 
briefkasten hinterlegen. Es ist nicht verboten. Aber 
das Reichspostamt übernimmt leider nicht die Ver- 
pflichtung, solche Sendungen umgehend zu befördern. 

Die Berliner Rohrpost müßte das Aufgeben der 
Sendungen für das Pubükum leichter und bequemer 
gestalten. 

Der Rohrpostbetrieb beginnt täglich — auch an 
Sonn- und Feiertagen (also auch am Geburtstag des 
Kaisers) — um 7 Uhr (im Winterhalbjahr 8 Uhr) 
morgens und endet 10 Uhr abends. 

Rohrpost zu den Eisenbahnzügen. 

Die Rohrpost ist in denjenigen Fällen zweckmäßig 
zu benützen, in denen der Abgang der Eisenbahnzüge 
so nahe bevorsteht, daß ein Anschluß mittels der 
gewöhnlichen Stadtpostbeförderung nicht mehr er- 

Berlin und die Berliner. 29 



^^O I^^t Telegraph, Telephon. 

reicht werden kann. Die Sendungen werden bis zu 
derjenigen Rohrpostbetriebsstelle, die dem betreffen- 
den Bahnhofe zunächst liegt, mittels der Rohrpost 
befördert und von da durch besondere Boten nach 
dem Bahnhofe gebracht. 

Ebenso kann die Rohrpost zur eiligen Beför- 
derung für Briefe und Postkarten von außerhalb 
benutzt werden. Dem gewöhnüchen Porto muß das 
für die Rohrpost notwendige beigefügt werden. Es 
beträgt bei Karten 25, bei Briefen 30 Pf. Rohrpost- 
briefe dürfen das Gewicht von 20 Gramm nicht über- 
steigen, dürfen nicht außergewöhnlich groß und 
müssen zum Einrollen geeignet sein. 

Der Vermerk „Rohrpost" soll immer deutlich 
auf der Adreßseite sichtbar gemacht sein. 

Rohrpostkarten kann man auf den Postämtern 
schreiben, Rohrpostbriefe nur dann, wenn man 
Schreibpapier bei sich hat oder sich mit einem um- 
gekehrten Telegrammformular begnügen will. Die 
Umschläge, die man an den Schaltern bekommt, 
enthalten kein Papier. Man sei darauf vorbereitet, 
um sich nicht zu ärgern. 

Telegraphie. 

Das Zentralamt für den telegraphischen De- 
peschendienst (Haupt-Telegraphenamt) liegt gleich- 
falls Jäger stf. 42/44, in dem großen Komplex, der 
sich über die Oberwallstraße in die Französische- 
straße erstreckt; um Telegramme aufzugeben, betritt 
man den Eingang in der Oberwallstraße. 

Das Haupt-Telegraphenamt, ferner die Tele- 
gramm-Annahme im Briefpostamt, Königsir. 6iy und 
in allen Bahnhof-Postämtern ist ununterbrochen 
Tag und Nacht, an Wochen- und Feiertagen, geöffnet. 
Das Zweigtelegraphenamt am Leipziger Platz J, in 
dem originellen alten Potsdamer Tor-Häuschen, ist 
an Werk- und Feiertagen bis Mitternacht geöffnet. 
Die Telegramm-Schalter in den Postämtern sind mit 



Telegraph. 45 1 

verschwindenden Ausnahmen an Werk- und Feier- 
tagen bis 10 Uhr abends geöffnet. Ein kleines Zweig- 
amt hegt im nördlichen Torhäuschen des Branden- 
burger Tores. Dieses wird, vermutlich seiner bevor- 
zugten Lage wegen, an Wochentagen schon um 9 Uhr 
geschlossen, an Sonn- und Feiertagen und dem Ge- 
burtstag des Kaisers gar nicht aufgemacht. 

Im ganzen hat Berhn (im Jahre 1903) 97 Tele- 
graphenanstalten, bei denen, nach der Zählung aus 
demselben Jahr, mehr als 4 Millionen Depeschen auf- 
gegeben wurden ; auf gleicher Höhe hält sich die Zahl 
der in Berlin im Jahr einlaufenden Telegramme. 

Die ersten großen Anlagen samt dem Bau des 
Haupt-Telegraphenamts rühren aus dem Jahr 1877 
her; sie umfassen heute mehr als 375 Leitungen und 
52 Auslandleitungen. 

Telegrammaufgabe durch den Briefkasten. 

Das Aufgeben von Telegrammen kann nicht nur 
an den entsprechenden Schalterfenstern aller Post- 
ämter, sondern auch durch Hinterlegen genügend 
frankierter und als Telegramme bezeichneter Papier- 
scheine oder Postkarten in den Briefkasten erfolgen. 
Bei nicht genügender Frankierung werden die rest- 
lichen Gebühren vom Empfänger gefordert. Eine 
wohltätige Einrichtung, die man nicht zum Schaden 
für unschuldige Nebenmenschen mißbrauchen sollte. 

Durch den Fernsprecher. 

Schließlich können Telegramme auch mit Hilfe 
des Femsprechers aufgegeben und entgegengenommen 
werden. Im letzten Fall ist ein dahingehender Antrag 
an das Haupttelegraphenamt zu richten, im ersten 
spricht man den Text dem Haupttelegraphenamt zu. 

Der Fernsprecher. 

Das Berliner Telephon hat, wie viele andere 
Dinge im Leben, seine Vorzüge und seine Fehler. 
Zu seinen Vorzügen gehört die leichte Abwicklung 
der Geschäfte bei der Anschaffung oder Verlegung 

29* 



452 Post, Telegraph, Telephon. 

eines Fernsprech-Anschlusses, oder andern ähnlichen 
Wünschen; vorausgesetzt, daß man sich an die richtige 
Adresse, und zwar schriftUch, wendet. 

Berlin zerfällt, ebenso wie in Postamts-Bezirke, 
auch in Fernsprech-Amtsbezirke, entsprechend der 
Lage der Vermittlungsanstalten, die in 7 verschiedenen 
Stadt- Fernsprechämtern betrieben werden. Will man 
in die Gemeinde der Fernsprech-Teilnehmer aufge- 
nommen werden, so wendet man sich also an das 
geographisch zuständige Amt. In der Regel weiß 
man nicht, welches dies ist; dann schreibt man aufs 
Geratewohl eine Postkarte an das Haupt-Fernsprech- 
amt Französischestr, jjft. 

Technische Sehenswürdigkeiten. 

Die Vermittlimgsanstalten, beim Telephonieren 
kurzweg Amtl, Amt II und fortlaufend genannt, 
sind technische Sehenswürdigkeiten ersten Ranges; 
es sind die folgenden: 

Vermittlungsanstalt I: Französischestr, 33b/Cy zuge- 
teilt dem Haupt-Fernsprechamt. 

Vermittlungsanstalt II: Turmstr. 23, zugeteilt dem 
Fernsprechamt 2. 

Vermittlungsanstalt III: Oranienburgerstr, 71/72, zu- 
geteilt dem Fernsprechamt 3. 

Vermittlungsanstalt IV: Prinzessinnenstr, 25, zugeteilt 
dem Fernsprechamt 4. 

Vermittlungsanstalt VI und Via: Lützowstr, gs, zu- 
geteilt dem Fernsprechamt 6. 

Vermittlungsamt VII und VII a: Blankenf eider str, 9, 
zugeteüt dem Fernsprechamt 7. 

Vermittlungsanstalt IX: Lützowstr, gs, zugeteilt dem 
Fernsprechamt 6. 

Der Berliner Fernsprechverkehr, im Jahre 1881 
auf einem gemischten System von Kabeln und Ober- 
leitungen begründet, hat jetzt ein Betriebsnetz von 
mehr als 200 000 Kilometern Länge und die respek- 
table Anzahl von ca. 90000 Anschlüssen. Deren Num- 



N 



Telephon. 4^^ 

mem sind auf die verschiedenen Ämter verteilt. Beim 
Anruf muß man immer zuerst dieses nennen und, 
wenn das gewünschte Amt sich gemeldet hat, die 
betreffende Nummer verlangen. Es ist also bei 
jedem Gespräch ein Verkehr mit zwei Telephon- 
fräulein notwendig. Die Gelegenheit zu Verzögerungen, 
Ärgernissen und Austausch kleiner Liebenswürdig- 
keiten ist dadurch verdoppelt. Es gibt Leute, die 
das Berliner Telephon deshalb verwünschen. 

Jeder Fernsprecher-Abonnent kann zu seinem 
Apparat Nebenstellen einrichten und entweder vom 
Fernsprechamt oder von einer zu diesem Zweck in 
Berlin allgemein empfohlenen privaten Telephon- 
Gesellschaft konstruieren und legen lassen* 

Telephonregeln. 

Sehr zu beachten ist die Regel, daß nach Schluß 
eines telephonischen Gesprächs ein neues nicht be- 
gonnen werden kann, ehe mindestens 3, manchmal 
auch 5 Minuten zum Zwecke der Trennung der früheren 
Gespräch-Teilnehmer verstrichen sind. Auf die Nicht- 
beachtung dieser Regel ist nach der Überzeugung des 
Verfassers (der es wissen muß) ein Teil der Berliner 
Großstadt-Nervosität zurückzuführen. Es hat keinen 
Sinn; immer wieder sagen zu müssen: „Ach, wir sind 
noch verbunden; bitte, klingeln Sie ab". Es ist auch 
langweilig, und man wird auf diese Weise niemals 
„getrennt". Das Telephonfräulein ist allwissend und 
gerecht wie das Schicksal. 

Es gibt in den Postämtern öffentliche Fernsprech- 
stellen und Fernsprechautomaten, diese hängen in 
belebten Räumen frei an der Wand und bieten eine 
passende Gelegenheit, fremde Leute in Geheimnisse 
des Geschäfts oder des Herzens einzuweihen. Wer 
daian nicht gewöhnt ist, erschrickt anfangs über die 
Zumutung, mit gegen die Wand gerichtetem Gesicht 
den Umstehenden zu erzählen, daß man „der gnädigen 
Frau gern die Aufwartung machen möchte und die 



454 



Pembahaen und Reisen. 



Stunde vorziehe, wo der Herr Doktor nicht zu Hause 
ist." Später findet man sich darein. 

Der Ferndrucker. 

Diskreter als der Fernspiecher ist der Fern- 
drucker. Seit kurzem und vorläufig noch in bescheide- 
nem Maß ist in Berlin auch diese technische Neuerung 
eingerichtet, welche durch dauerhafte und zuver- 
lässigere Wiedergabe dem Fernsprecher vorzuziehen 
ist, wenn man Zeit, Geld und Geduld hat. 

Mit dem Ferndrucker läßt sich die Anlage beson- 
derer Telegraphenanlagen in Privaträumen kom- 
binieren. 

Man kann also sowohl Nachrichten von privaten 
Teilnehmern, als auch alle Telegramme ins Haus 
telegraphiert bekommen. In den Redaktionen der 
großen Berliner Zeitungen, in den großen Banken und 
ähnlichen Bureaus besteht diese Einrichtung. 

Reichspost-Museum. 

Über das Reichspost - Museum, Leipzigerstr. ij, 
vergleiche Sammlungen. 

8. Fernbahnen und Reisen. 

„Schaffner, ich finde keinen Platz; 
was mach' ich denn da?" 

„Haben Se 'ne Platzkarte? — Das 
jeniecht!" 

Behörden. 

Die preußischen Eisenbahnen sind, nachdem in 
den siebziger Jahren mit der Verstaatlichung einzelner 
Linien begonnen worden ist, heute alle im Besitz des 
Staates, und ihre Verwaltung untersteht dem Mi- 
nisterium der öffentUchen Arbeiten, Wilhelmstr. ^g. 
Mit diesem Ministerium ist zugleich nach dem Grund- 
satz „Preußen in Deutschland voran!** das Amt für 
die Reichseisenbahnen, nämlich die Eisenbahnen in 
Elsaß-Lothringen, verbunden. Davon unabhängig 
ist das Reichs-Eisenbahnamt, das nach der Reichs- 
verfassung über q.llen Eisenbahnen des Reichs stehen 



Auskunftsbureaus. 



455 



soll, aber bei keiner Eisenbahn etwas zu sagen hat 
und sich Linkstr. 44 befindet. 

(Die Bahn-Zoll- Abfertigungsstellen Schlesischer 
Bahnhof, Anhalter Bahnhof, Lehrter Bahnhof unter- 
stehen dem preußischen Finanzministerium, Am 
Festungsgraben i). 

Für Berlin ist als Organ des Ministeriimis der 
öffentlichen Arbeiten die Kgl. Eisenbahn-Direktion, 
Schöneberger Ufer i — 4, eingerichtet. Dieser sind alle 
die Bureaus unterordnet, mit denen das reisende 
Publikum in Verbindung zu treten Gelegenheit hat. 

Auskunfts- und Reisebureaus. 

Ein Reichs- Auskunftsbureau im Bahnhof Alexan- 
derplatz; 

ein amtliches Reisebureau im Potsdamer Bahnhof, 
wo Auskünfte erteilt, Fahr- und Bettkarten und zu- 
sammenstellbare Fahrscheinhefte etc. verkauft werden; 

ferner eine Auskunftsstelle im Bahnhof Friedrich- 
straße und eine Ausgabestelle für zusammenstellbare 
Fahrscheinhefte im Bahnhof Alexanderplatz. 

Als letztes, aber nicht unwichtigstes, sei das 
Fundbureau, Schlesischer Bahnhof, genannt. 

Neben den amtlichen gibt es in Berlin eine An- 
zahl privater Reisebureaus, von denen eines, das 
Internationale Reisebureau Unter den Linden 6g, 
zum Verkauf aller Arten von Fahrkarten berechtigt 
und nach amtlichem Muster zuverlässig eingerichtet ist. 

Bekannt vor allem wegen seiner Rundreisehefte 
für das Ausland ist Carl Stangens Reisebureau, 
Friedrichstr. y2, das Thomas Cook & Son vertritt. 

Ein neues und großes Reisebureau hat die Ham- 
burg-Amerika-Linie in ihrem eigenen Haus, Unter 
den Linden 8, eingerichtet. 

Auch im Centralhotel, Hotel Bristol, Kaiserhof 
und Hotel de Rome sind Fahrkarten (mit Gepäck- 
Abfertigung) zu haben, ähnlich in einzelnen großer^ 
Warenhäusern, bei Wertheim, Tietz us^. 



Acß Fembahnea und Reisen. 

Im Hause des Hotel Bristol sind Agenturen des 
Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika- 
Linie etabliert. Für den Verkehr nach den Nord- 
und Ostseebädern empfiehlt sich die Allgemeine 
Bäder- Verkehrsanstalt, Netistädtische Kirchstr. 15, 

Bei der Wahl anderer Reisebureaus ist Vorsicht 
geboten. 

Berlin als Knotenpunkt. 

Berlin ist ein geographisch günstig gelegener 
Knotenpunkt des Eisenbahnverkehrs, und dies ebenso 
wie die zunehmende politische Bedeutung der Stadt 
hat es ermöglicht, daß schon im zweiten Drittel des 
vorigen Jahrhunderts zwölf in BerUn mündende Eisen- 
bahnen entstehen konnten. Diese Bahnen wurden 
nach ihren Endzielen Potsdamer, Anhaltische, Stet- 
tiner Bahn usw. genannt, und diese Bezeichnungen 
haben sich noch heute für die mittlerweile groß, aber 
keineswegs schön umgebauten Bahnhöfe erhalten. 
Der Hamburger Bahnhof ist mit dem Lehrter (nach 
Lehrte, der Vorstation Hannovers benannten) Bahn- 
hof, die Dresdener mit der Anhaltischen Bahn ver- 
einigt worden. Eine weitere Veränderung in den 
Bahnhöfen des Femverkehrs ist durch die Anlage 
der die Stadt durchquerenden Transversal-(Stadt-) 
Bahn herbeigeführt worden; die Bahnhöfe der nach 
Osten und Westen ausgehenden Linien wurden an 
die Vorortgleise der Stadtbahn angeschlossen. 

Stadtbahn. 

Über die Stadtbahn selbst ist das Notwendige 
unter Verkehrszentren und Verkehrsmittel gesagt-. 
S. auch Technische Anlagen und Spaziergänge, 

Im ganzen kommen für den Fernverkehr fünf End- 
bahnhöfe und ebensoviel Stadtbahnhöfe in Betracht. 

Bahnhöfe. 

Der Anhalter Bahnhof am Askanischen Platz, 
ein großer, aber nicht sehr monumentaler Bau in 
Terrakotta- Architektur, mit einer Halle, die an Breite 



Bahnhöfe. 



457 



der Straße Unter den Linden gleichkommt : für Dres- 
den, Leipzig, Halle, Frankfurt imd den Anschluß 
nach Österreich, Bayern, Thüringen; 

der Potsdamer Bahnhof, imposant bloß durch 
seine Lage nahe dem Potsdamer Platz : für Potsdam, 
Magdeburg, Köln und den Anschluß nach Frankreich 
und den Niederlanden; 

der Lehrter Bahnhof an der Straße Alt-Moabit : 
für Schnellzüge nach Hamburg und Personenzüge 
nach Hannover; 

der Stettiner Bahnhof, der imposanteste und im 
Sommerverkehr sehenswerteste, der einzige in mo- 
dernem Sinn neu gestaltete Berliner Bahnhof: für die 
Ostsee und Dänemark; 

der Görlitzer Bahnhof: für Hirschberg, Görlitz; 

endlich die folgenden Stadtbahnhöfe : Charlotten- 
burg, Zoologischer Garten, Friedrichstraße, Alexander- 
platz, Schlesischer Bahnhof. 

Durchgangsverkehr. 

Durch die Stadtbahnhnie ist eine direkte Durch- 
fahrt durch Berlin in westöstlicher Richtung, zwischen 
Schlesien, Rußland, Österreich- Ungarn und dem Rhein- 
land, Frankreich, Holland, England möglich; auf allen 
andern Linien ist der Durchgangsverkehr unmöglich 
und der Übergang des Reisenden von einem End- 
bahnhof zum andern auf eigene Rechnung und Gefahr 
nicht zu vermeiden. Ein Auskunftsmittel bildet da 
bei einzelnen Bahnen ein Übersteigen auf die Stadt- 
bahnlinie kurz vor Einfahrt in die Stadt; die Ein- 
richtung dazu ist getroffen in Potsdam, Spandau 
und Nieder-Schöneweide. 

Berliner Schnellzüge; Zentralbahnhof. 

Im ganzen laufen im Tag 5 D-Züge und 11 ge- 
wöhnliche Schnellzüge über die Fem- und Vorort- 
gleise der Stadtbahn, und der durch den stärksten 
Personenverkehr ausgezeichnete Bahnhof ist der 
Stadtbahnhof Friedrichstraße. Er liegt am Kreu-^ 



^eg Fernbahnen und Reisen. 

zungspunkt der Friedrich- und Georgenstraße, im 
Mittelpunkte der größten Hotels, und ist mit seiner 
großen, auf einem Backstein- und Terrakottenbau 
ruhenden Halle, die sich an den die Friedrichstraße 
übersetzenden Viadukt anschließt und in leiser Krüm- 
mung bis zum Flusse hinzieht, ein Wahrzeichen der 
Stadt. Im Sinn der modernen Großstadt- Ästhetik 
mag man ihn sogar schön nennen. In Berlin wird 
er manchmal, ohne daß der Ausdruck wörtüch zu- 
trifft, als Zentralbahnhof bezeichnet. 

Auf der Durchreise. 

Beim Übergang vom Ankunfts- nach dem An- 
schlußbahnhof in BerUn bedarf es für den Reisenden 
mit direkter Fahrkarte nicht der üblichen Bescheini- 
gung der Fahrtunterbrechung, vorausgesetzt daß die 
Fahrt an demselben oder dem nächsten Tag fort- 
gesetzt wird. Den Transport des Gepäcks besorgt in 
diesem Fall die Eisenbahn, aber sie verfehlt dann 
freilich nicht, eine entsprechende Gebühr einzuheben. 

Als Durchgangsstation zeigt sich das große Berhn 
kaum von seiner vorteilhaftesten Seite. Die Omni- 
busse, die früher den sogenannten Schnellverkehr von 
dem einen Bahnhof zum andern fahrplanmäßig be- 
sorgten, gibt es nicht mehr. Man bleibt auf die 
Straßenbahnen oder Droschken angewiesen. Hat 
man wenig Zeit, so wird man ängstlich, hat man Zeit 
übrig, so kommt man leicht in Verlegenheit. Man 
sucht in der Nähe des Bahnhofs, von dem die Fahrt 
weiter gehen soll, nach Sehenswürdigkeiten ; so kommt 
es vor, daß der Passagier des Lehrter Bahnhofs von 
der Stadt nur das ihm benachbarte Orient-Handels- 
oder Kolonialmuseum, der des Anhalter oder Pots- 
damer Bahnhofs nur das Völker- oder Kunstgewerbe- 
museum kennen lernt. Beim Stettiner und Görhtzer 
Bahnhof muß man sich mit dem Straßenleben eines 
volkstümlichen Bezirks begnügen. Es ist ein Berlin 
k la minute, das man da nach Hause trägt, und zu 
RücHschliissen auf die ^anze Stadt nicht gut geeignet. 



Allerlei Karten. 



459 



Wer weder für Museen, noch das Straßenleben 
und nicht einmal für eine Droschkenfahrt durch die 
Siegesallee Interesse hat, der mag in des Schicksals 
Namen seine Wartezeit bei dem (amthchen) Merkbuch 
für Reisende verbringen, das für lo Pf. sehr nützliche 
Kenntnisse darbietet, und aus dem wir im folgenden 
nur ein paar kurze Bemerkungen mitteilen können. 

Kleines Merkbuch. 

Fahrkarten können vor Antritt der Reise um- 
getauscht, zurückgegeben und andererseits, wenn zur 
Lösung am Schalter keine Zeit mehr vorhanden war, 
nachgelöst werden; im letzteren Falle muß man sich 
beim Schaffner melden; wer erst die Kontrolle ab- 
wartet und sich ohne Fahrkarte antreffen läßt, ge- 
winnt dabei weder an Ansehen, noch an Bequemlichkeit. 

Für die D-Züge, die durchgehende Wagen mit 
numerierten Plätzen haben, werden die unvermeid- 
lichen Platzkarten im Vorverkauf oder durch den 
Schaffner abgegeben. Sie kosten nach der Länge der 
Fahrt i — 2 M. und sind, je weiter man sicL von 
Berlin entfernt, desto weniger behebt. Naive Ge- 
müter glauben, das selbstverständliche Recht auf einen 
Sitzplatz nicht noch besonders bezahlen zu müssen, 
und geraten vollends in Aufregung, wenn sie trotz 
ihrer Platzkarte keinen Platz finden, sondern im 
Seitengang, angenehm gewiegt, stehen müssen. In 
diesem Fall lasse man sich die Nichtbenutzung der 
Platzkarte vom Zugführer bestätigen und verlange 
an der Zielstation die Gebühr zurück. Das ist ein 
kleiner Trost. 

Mit Fahrscheinheften kann man die Reise an 
jedem beliebigen Tag der Geltimgsdauer des Hefts 
antreten, mit Fahrkarten spätestens an dem der 
Abstempelung folgenden Tag. Bei Rückfahrkarten 
wird dieser Tag aber nicht zugezählt. 

Bettkarten für die Schlafwagen der preußisch- 
hessischen Staatsbahnen werden auf 4er Abgangs- 



^6o Fernbahnen und Reisen. 

Station ausgegeben und können auch schriftlich oder 
telegraphisch bestellt werden. In der letzten Stunde 
vor Abgang des Zuges und auf den Zwischenstationen 
sind sie beim Schlafwagen-Schaffner zu lösen. Wer 
sich darauf verläßt, wird höchstwahrscheinlich in 
keinem Bett reisen. 

Zur Besorgung des Gepäcks, das mit Gepäck- 
schein aufgegeben ist, empfiehlt sich in Berlin die 
Paketfahrt- Gesellschaft, die hier großartiger als in 
anderen Städten eingerichtet ist. Man kann entweder 
vor der Einfahrt in Berlin einen vom Schaffner er- 
hältlichen Anmeldeschein ausfüllen oder im Bahnhof 
selbst dem diensttuenden Beamten der Gesellschaft 
Gepäckschein und Adresse übergeben und erhält 
gegen geringe Gebühr das Gepäck ins Haus geliefert. 
Wenn man in der Nähe des Bahnhofs wohnt, wird 
man freilich einen Träger und in vielen andern FäUen 
die Benutzung einer Droschke, die zugleich das Gepäck 
mitnimmt, vorziehen. Wer sehr viel Gepäck hat, 
verlange eine (mit einem zweckmäßigen Dach ver- 
sehene) Gepäckdroschke. 

Die Bahnhofsdroschken bestellt man bei dem 
am Ausgang stehenden Schutzmann, der je nach 
Wunsch für Gepäckdroschke, Taxameterdroschke, 
Droschke erster oder zweiter Güte eine Blechmarke 
ausfolgt; den Wagen mit der darauf angegebenen 
Nummer läßt man vom Gepäckträger heraussuchen. 
Ohne diese Marke findet man in der Nähe der Bahn- 
höfe kaum einen Wagen. 

Den Angestellten der Eisenbahn ist es untersagt, 
Geschenke für dienstliche Verrichtungen anzunehmen 
— sagt die Verkehrsordnung; der Taktvolle aber findet 
leicht die richtige Form, in welcher er den Schaffner, 
wenn er aus irgend einem Grunde das Bedürfnis hat, 
als Menschen und nicht als „Angestellten" beschenkt. 
Man hat ein Recht zur Annahme, daß im Eisenbahn- 
bezirk Berlin täglich hunderte diese Form finden. 



VcMTortvericehr. 46 1 

Vorortverkehr. 

Ein eigenes Kapitel im Berliner Eisenbahnwesen 
bildet der Vorortverkehr. Er gliedert sich den Fem- 
bahnhöfen in der Weise an, daß von diesen aus auf 
denselben oder benachbarten Gleisen zahlreiche Züge 
nur zu den Vor- und Nachbarorten Berlins fahren. 
Von den Stadtbahnhöfen gehen die Vorortzüge teils 
über das Stadt-, teils über das diesem parallele Fem- 
bahngleis; die letzteren haben etwas (nicht viel) 
Zeitersparnis voraus. Am Potsdamer und Stettiner 
Bahnhof sind eigene Vorortbahnhöfe eingerichtet, 
die zum Teü mit der die Stadtbahn ergänzenden Ring- 
bahn sich verbinden lassen. Ein eigener Strang führt 
von dem hinter dem Potsdamer Bahnhof liegenden 
Wannsee-Bahnhof nach Wannsee und Potsdam. 

Dieser Vorortverkehr ist vor allem durch die 
Zunahme der Wohnhauskolonien außerhalb Berlins 
entstanden und zu starker Höhe angestiegen. Noch 
viel stärker werden die Zahlen in der warmen Jahres- 
zeit, wo vor allem an Sonn- und Feiertagen ein 
ins Riesenhafte gewachsener Verkehr sich entwickelt. 
Eine eigenartige und nicht die schlechteste Seite 
Berlins lernt man erst an solchen Tagen kennen, wo 
Pilgerscharen von Männern, Frauen imd Kindern, 
jungen Herren in Glanzhüten und Mädchen in hellen 
Kleidern zur Mittagszeit die abfahrenden Vorortzüge 
belagern und abends schlaftrunken oder erhitzt wieder 
zur Stadt strömen. 

Schiffahrt 

S. Ackerbau, Viehzucht und Schiffahrt 

Eisenbahn-Museum. 

Die Anlage eines Berliner Eisenbahn-Museums 
in den Räimien des ehemaligen Hamburger Bahnhofs, 
hinter dem Lehrter Bahnhof, ist in Vorbereitung. 



462 Verkehrszentren und Verkehrsmittel. 

9. Verkehrszentren und Verkehrsmittel. 

66s flOl 710V CfTÜJ. 

(Und einen Kompaß!) 
VERKEHRSZENTREN. 

Man ist in Berlin immer in der Nähe irgend 
eines der folgenden Verkehrszentren und dadurch in 
der Lage, die beste Auswahl an Verkehrsmitteln zu 
finden. S. Auskunftsstellen. 

I. Bahnhof Friedrichstraße. 

Sie stehen unter dem breiten dunklen, im Lärm 
der Straße und der Bahnen erbrausenden Stadt- 
bahnbogen. Wohin wollen Sie? Nach dem Westen, 
Zoologischen Garten, Charlottenburg? Die Stadt- 
bahn, deren einzelne Stationen Lehrter Bahnhof, 
Bellevue, Tiergarten, Zoologischer Garten, Savigny- 
platz heißen, fährt Sie in 13 bis 18 Minuten dahin. 
Um 5 bis 10 Minuten länger fahren die beiden 
Straßenbahnen durch den Tiergarten, die Sie Ecke 
Dorotheenstraße in Zwischenräumen von 5 bis 7 
Minuten finden : Linie N nach Charlottenburg-Schloß, 
Linie O Zoologischer Garten - Wilmersdorf. Die 
Droschke braucht 20 bis 30, die Automobildroschke 
(in dieser Gegend aber kein Halteplatz!) 10 bis 15 
Minuten. 

Sie wollen südwärts durch die Friedrich- oder 
in das Viertel der Potsdamerstraße? Da bleibt Ihnen 
vomächst nur Omnibus oder Droschke, da es an 
einer Nord -Süd -Verbindung durch öffentliche Ver- 
kehrsmittel in Berlin zurzeit noch fehlt. Die Über- 
querung der Linden durch Bahnen ist verboten, 
das Projekt einer Nord-Süd-Schwebebahn noch all- 
zusehr in Schwebe. Wenn Sie die Linden zu Fuß 
überqueren, finden Sie in der Französischen Straße 
die Bahnlinien mit den Dreißiger- und Achtziger- 
Nummern, die zum Potsdamer Platz fahren. Dort 
erreichen Sie die zweite Schnellverbindung nach 
dem Westen, die Untergrundbahn. 



Verkehrszeatren. 



463 



Ebenso wie nach dem Süden zur Leipzigerstraße 
wird nordwärts zur Karlstraße und zum Oranien- 
burger Tor von öffentlichen Verkehrsmitteln vor 
allem der Omnibus benutzt. Man bezahlt für die 
Teilstrecke 5, für die ganze Fahrt 10 Pfennige. Im 
Norden dieses Quartiers liegen Lessing-, Neues und 
Deutsches Theater, die aber von hier aus zweck- 
mäßig nur zu Fuß oder mit der Droschke aufzu- 
suchen sind. 

Nach dem Osten fährt Sie wieder am besten 
die Stadtbahn. S. Alexanderplatz, 

2. Ecke Linden und Friedrichstraße. 

Sie stehen an der Kreuzung, etwa vor dem 
Viktoria-Caf6, und zählen vier Straßenarme, vier 
Omnibuslinien. Der Linden -Omnibus bringt Sie 
ostwärts zum Schloß und in die Nähe der Museen, 
westwärts in den Tiergarten, an das Reichstags- 
gebäude, nach Moabit (wohin Sie aber wahrschein- 
hch gar nicht gebracht werden wollen). Der Friedrich- 
straßen-Omnibus bringt Sie zur Leipziger- und 
Potsdamerstraße oder über die Leipzigerstraße hin- 
aus südwärts zum Halleschen Tor. Nordwärts fahrend 
setzt er Sie in zwei Minuten am Bahnhof Friedrich- 
straße ab, wo Sie sich schon auskennen. Sie schlagen 
dann einfach den i. Abschnitt in diesem Kapitel 
auf. Indessen, Sie finden auch noch Ecke Behren- 
straße (zu Fuß kaum zwei Minuten) Straßenbahnen, 
die Sie gleichfalls nach der Leipzigerstraße oder nach 
dem Süden bis zur Hasenheide fahren. 

3. Ecke Friedrich- und Leipzigerstraße. 

Sie stehen nicht nur an der berüchtigtesten, 
sondern auch der belebtesten Straßenecke der Stadt. 
An öffentlichen Verkehrsmitteln bleibt Ihnen indessen 
keine große Wahl. Der Omnibus ladet Sie in allen 
vier Weltrichtungen, nach dem Bahnhof Friedrich- 
straße, dem Halleschen Tor, dem Potsdamer Platz 
oder Spittelmarkt, den vier Verkehrszentren, über 



^64 Verkehrsxentrea und Verkehrsmittel« 

die Sie in eigenen Abschnitten dieses Kapitels Auf- 
klärung finden, ein. Die Straßenbahn fährt von 
hier nur in der Richtung der beiden letztgenannten 
Punkte, immerhin also in alle westlichen Vororte 
(s. Potsdamer Platz). Zu Fuß erreichen Sie in zwei 
Minuten die Ecke Leipziger- und Charlottenstraße, 
von wo aus die Straßenbahn Ihnen auch nordwärts 
und südwärts zur Verfügung steht. 

4. Spittelmarkt. 

Sie haben das Ende der endlosen Leipziger- 
straße erreicht und stehen an der Einbruchsstation 
nach Alt-Kölln (Gertraudtenstraße), Neu-Kölln (Wall- 
straße), Luisenstadt (Beuth-, Kommandanten- und 
Oranienstraße). In der ersten und letzten Richtung 
führen Sie Straßenbahn- und Omnibuslinien weiter; 
in jener bildet das Rathaus, in dieser der Moritz- 
platz das nächstgelegene kleinere Zentrum. In der 
Richtung der Leipzigerstraße endlich, nach Westen, 
finden Sie die im vorhergehenden Abschnitt genannten 
Verkehrsmittel. In wenigen Jahren wird der Spittel- 
markt Untergrundbahnstation sein. 

5. Hausvogteiplatz. 

Sie sind abseits und zwar in das stillere Kon- 
fektionsviertel geraten, auf den Hausvogteiplatz, der 
in seiner Form noch an die Bastion der alten Stadt- 
mauer, die hier durchging, erinnert. Auch er wird 
in die Erweiterungsanlage der Untergrundbahn als 
Haltestelle einbezogen werden; vorläufig passieren 
ihn in nordsüdlicher Richtung Straßenbahn und 
Omnibus. Die Kaufherren und Angestellten dieser 
Gegend, die im Westen wohnen, nehmen Monats- 
karten auf jener Straßenbahnlinie, die durch die 
Jerusalemer- und die Leipzigerstraße eine Schnell- 
verbindung höchst langsamer Art vermittelt. 

6. Ale3canderplatz. 

Sie sind aus dem Westen mit der Stadtbahn, 
nachdem Sie hinter dem Bahnhof Friedrichstraße 



Verkehrszentren. 



465 



den Bahnhof Börse passiert haben, angekommen 
und sind überrascht und betäubt durch das geräusch- 
voll flutende, hastige, wildbewegte Leben unter dem 
Viadukt, wo Straßenbahn und Omnibus ihre Halte- 
stellen haben. Beide Verkehrsmittel fahren Sie 
entweder in die Friedrichstadt zurück oder hinaus 
in die nordöstlichen Außenbezirke der Stadt. In 
dieser Richtung folgen Sie bloß ein p^ar Schritte zu 
Fuß und stehen auf dem imposanten Alexanderplatz, 
zwischen Polizeipräsidium und Berolina. In der 
Friedrichstadt glaubten Sie, daß das Leben der Stadt 
sich in deren bekanntesten Zentren erschöpft, und 
erkennen nun hier, daß es mittlerweile auf einem 
Platz, der nicht nur volkstümlicher anmutet, son- 
dern auch größer und besser angelegt ist als der 
Potsdamer Square, noch lebhafter pulsiert. Die 
Straßenbahn geht von hier durch die Alexanderstraße 
nach dem Süden, durch die große Frankfurter und 
Landsberger Straße nach dem Osten, durch die Neue 
König- und Prenzlauerstraße nach Norden und durch 
die westliche Alexander- und Münzstraße in das 
Rosentaler Viertel. Und schließlich läuft der Ost- 
strang der Stadtbahn vom Alexanderplatz weiter zu 
den Stationen Jannowitzbrücke und Schlesischer 
Bahnhof. Auch die erweiterte Untergrundbahn wird 
diesen Platz berücksichtigen und von hier nordwärts 
weiterfahrend am Schönhauser Tor enden. 

Vorläufig aber ist dieses Tor wie die meisten 
Berliner Straßenkreuzungen, die durch die Namen 
„Tore" sich als Punkte der ehemaligen Stadtmauer 
zu erkennen geben, eines der vorstädtischen Ver- 
kehrszentren, die zum größten Teil bloß in ihrer 
Aufeinanderfolge genannt seien. Bauliche Reste der 
alten Torform sind zumeist erhalten; an Straßen- 
bahnen fehlt es auf keinem dieser Plätze. 
7. Schönhauser Tor. 

Ecke Lothringer und Schönhauser Straße. Nord- 
ende der City. 

Berlin und die Berliner. 30 



>56 Verkehrszentren und Verkehrsmittel. 

8. Rosenthaler Tor. 

Nicht weit davon in westlicher Richtung. Ecke 
Rosenthaler und Elsaßer Straße. 

9. Oranienburger Tor. 

Im gleichen Straßenzuge wie die beiden vorigen; 
Nordende der Friedrichstraße. Ecke Friedrich- und 
Elsaßer Straße. 
IG. Neues Tor. 

Ecke Luisen- und Invalidenstraße. Nordwest- 
lich im Medizinerviertel. 

11. Brandenburger Tor. 

Das klassischste aller Berliner Tore. Straßen- 
bahnen fahren nach dem Potsdamer Platz, durch 
den Tiergarten nach Charlottenburg, durch die Doro- 
theenstraße zum Kaiser Friedrich-Museum, über den 
Königsplatz nach Moabit. 

12. Potsdamer Platz (Potsdamer Tor). 

Sie stehen auf einer kleinen Schutzinsel inmitten 
jenes Platzes, der die am stärksten angeschwollene 
Verkehrsader der Stadt, ein Krankheitszeichen ihrer 
Anlage, enthält. Fünf Hauptstraßen strahlen hier 
aus, von denen vier mit zweigleisigen Straßenbahnen 
belastet sind. Auf diesen acht Gleisen, zu denen 
noch die Schleifenverbindungen zwischen der Pots- 
damerstraße und den beiden Armen der Königgrätzer- 
straße kommen, im ganzen also in zwölf Richtungen, 
passieren, ohne daß auch nur die Pause von wenigen 
Sekunden eintritt, die Straßenbahnen den Platz. 
Der Omnibus überquert ihn in vier, die Droschke 
und das Fahrrad in unzähligen Richtungen. Sie 
müssen als Fußgänger ganz gewaltig auf der Hut 
sein, damit Sie von Ihrer kleinen Insel ungefährdet 
den nächsten Bürgersteig erreichen. 

Unschwer ist dagegen auch hier die Orientierung 
für den, der ein öffentliches Verkehrsmittel benutzen 
will. Nach dem Westen steht Ihnen vor allem die 
Untergrundbahn, deren Bahnhof in der Nähe hegt. 



Verkehrszentren. ^5^ 

zur Verfügung; sie durchfährt die Stationen Bülow- 
straße, Nollendorfplatz, Wittenbergplatz, Zoologischer 
Garten, Knie und beansprucht zur Fahrt lo Minuten. 
Andere Schnellverbindungen nach den verschiedenen 
westlichen Vororten finden Sie in den mit A, B, C 
bezeichneten Straßenbahnlinien, die von der benach- 
barten Ecke der Linkstraße abgehen. Und endlich 
fahren durch die Potsdamerstraße selbst zahlreiche 
Bahnen nach Schöneberg, Wilmersdorf und Char- 
lottenburg. 

Nach dem Innern der Stadt und dem Osten 
fährt Sie durch die Leipzigerstraße gleichfalls Bahn 
oder Omnibus, nach dem Bahnhof Friedrichstraße 
und dem Norden der Omnibus mit der Aufschrift 
,, Stettiner Bahnhof", der etwa 20 Minuten braucht, 
oder die Straßenbahn, die in die Königgrätzerstraße 
abbiegt. Die Oststrecke der Untergrundbahn bringt 
Sie südwärts zum Halleschen Tor und weiter gen 
Osten bis zur Warschauer Brücke. Die weitere 
Unterführung des Potsdamer Platzes durch die Unter- 
grundbahn, die sich über Wühelmsplatz und Spittel- 
markt bis zum Alexanderplatz und darüber hinaus 
ausdehnen soll, ist im Bau. 

13. Hallesches Tor. 

SüdUches Ende der Friedrichstraße, hinter dem 
Belle - Alliance - Platz. Straßenbahnen ; Omnibusse ; 
Hochbahnstation. 

14. Kottbuser Tor. 

Hochbahnstation im Südosten. Kreuzung der 
Adalbert- und der Reichenberger Straße. 

15. Frankfurter Tor. 

Straßenbahnhaltestelle im Osten. Beginn der 
Frankfurter Allee, die in Frankfurt a. O. endet. 

VERKEHRSSTUFEN. 

Der Automobilomnibus, der statt der über- 
lasteten auch die stilleren Seitenstraßen benutzen 

30* 



^58 Verkehiszentren und VerkdirsmitteL 

kann, wird sicher in nicht zu ferner Zeit einen neuen 
Abschnitt ins Berliner Verkehrsleben bringen, dem 
er voriäufig noch nichts bedeutet als die Verbindung 
zweier recht weit voneinander entfernter BegrifEe. 
Automobil und Omnibus: zwei Gegensätze! Alle 
sozialen Abstufungen des Straßenlebens liegen da- 
zwischen. 

Der Omnibus ist die älteste und billigste. Man 
benutzt diese rollenden Häuschen mit den niedrigen 
Dächern, weil sie in der Leipzigerstraße rascher voran 
gelangen als die zwangläufigen Kolosse, und weil 
sie in der schmalen Friedrichstraße und bei der 
Überquerung der Linden allein in Betracht kommen; 
man benützt sie als Aushilfsmittel. Sie sind un- 
entbehrlich. Und sie gelten in Berlin, der Stadt 
der Einfachheit, wenn man etwa von den allerhöchsten 
Zehntausend und von den Offizieren absieht, durch- 
aus nicht für zu armselig; sie sind es in ihrer Aus- 
stattung auch nicht. Ihre Imperialen, namentlich 
seitdem es auf den Straßenbahnen keine mehr gibt, 
sind im Sommer sogar gesucht. Nur ihre Abart, 
die Nachtomnibusse, die von ii Uhr abends durch 
die genannten beiden Straßen wie müde Tiere mit 
langen hohen Rücken sich schleppend hinziehen, sind 
nicht jedermanns Sache. Ihre Fahrpreise sind höher 
als die bei Tage, aber die peinliche Ordnung des 
Tagverkehrs, in der auch die einzelne Dame ihren 
Schutz findet, ist dahin. Eine Stimmung von Über- 
nächtigkeit, Unausgeschlafenheit verbindet sich mit 
dem gelblichen Helldunkel, das die duftende Öllampe 
spendet. Zwei Lebefräuleins sitzen flüsternd auf 
der einen Sammetbank, ein Mann mit aufgeklapptem 
Rockkragen, der sie lächelnd fixiert, auf der andern; 
einer, der in unsicherer Haltung Selbstgespräche 
führt, steht auf der Plattform und beginnt Zank 
wegen eines abgelaufenen Fahrscheines imd torkelt 
erst beim Wort „Schutzmann" vom gefährlichen 
Trittbrett hinunter. 



Verkehrsstufen. Aßg 

Straßenbahn fährt in Berlin alles. Weder Steuer- 
stufen, noch soziale Vorurteile, noch auch der zeit- 
weise aufflackernde Zorn des Bürgertums gegen die 
mit ihm verfeindete Aktiengesellschaft können je- 
manden bewegen, auf sie zu verzichten, und nur 
nach der Art der Stadtviertel und teilweise nach 
Tageszeiten läßt sich eine Einschränkung auf ge- 
wisse Bevölkerungskreise machen, die gewisse Wagen 
benützen. Nichts ist dafür lehrreicher als eine 
Stunde, die man ausdauernd auf einer der zahlreichen 
Linien vom äußersten Osten zum äußersten Westen 
Groß-Berlins verbringt. Der lange schmale Glas- 
waggon mit den zwei teppichgedeckten Sitzbänken 
wechselt auf solcher Fahrt mit unfehlbarer Gleich- 
mäßigkeit die Art seiner Gesellschaft. Arbeiter, ein- 
fache Frauen, auf dem Schoß manchmal ein Kind 
mit rotem Wollmützchen : das ist die östUche Schicht, 
Knaben und Mädchen fehlen darin. Der modisch 
gekleidete Fahrgast, der aufsteigt, wird angesehen. 
Der Schaffner nimmt den „Sechser", den man ihm 
(in Berlin immer nur ausnahmsweise) als Trinkgeld 
gibt, hier doppelt überrascht an. Westwärts ändert 
sich das Bild. Im Stadtinnern steigen Kaufleute, 
Damen, die von Einkäufen kommen, Boten größerer 
Geschäfte auf, und im richtigen Berlin W., im 
„neuen Westen", ist solch ein Waggon oft mit einem- 
mal gar hochherrschaftliches Vorderhaus. Damen, 
Babies mit ihren Bonnen, Schulkinder in kostspielig 
einfachen Kleidern, die sich im Mittelgang aufstellen 
und ihre Monatskarten vorzeigen, sind die herrschende 
Mehrheit; aber es gibt auch auf diesen Linien noch 
Nuancen nach Straßenvierteln. Die Wilmersdorfer 
und Schöneberger sind Mittelstand, die Charlotten- 
burger reich, die Grunewalder Millionäre. Auch 
diese haben ihre Straßenbahn (sie trägt die führende 
Marke A), und nicht selten, zumal an sonnigen 
Wintervormittagen, ist das Bild: ein durch Heiz- 
körper unter der einen Bank wohlig durchwärmtes 



4^0 Verkehrszentreii und Verkehrsmittd. 

Wageninnere, eine starke Welle von Patchouli, ein 
paar lachende und konversierende Gruppen der ele- 
gantesten Frauen . . . Man fährt mit dieser Bahn 
bis zum Potsdamer Platz imd besteigt dort die 
Droschke. 

Einen ähnlichen Anblick bieten in ihren west- 
lichen Hälften die Hoch- und Untergrundbahn und 
auch die Stadtbahn; durch die Zwei-Klassen-Teilung 
ist das fast sogar verbürgt. In der teurem Klasse 
haben die breiten und behäbigen Abteile der Stadt- 
bahn mit ihren kleinen, zierlichen, verbindenden 
Durchgängen an der Seite etwas vom gemütlichen 
Herrenzinmier mit Polstergarnitur, aber der Gemüt- 
Uchkeit wird man nicht recht froh, wenn in den 
Mittags- und Abendstunden die Coup6s regelmäßig 
überfüllt sind imd die stehenden Fahrgäste mehr 
auf den Füßen der Sitzenden als ihren eigenen stehen. 
An großstädtischem Eindruck gibt in Berlin die 
Stadtbahn, so etwa wenn man um Mitternacht unter 
dem hell erleuchteten mächtigen Tonnengewölbe des 
Bahnhofs Friedrichstraße steht und schließlich in 
einen mit lauter verspäteten Nachtbummlern voll- 
besetzten Zug einsteigt, zweifellos das stärkste. Die 
Untergrundbahn ist daneben unansehnlich. Ihre 
Wagen sind schlank und niedrig und nicht in Coupes, 
sondern salonartig eingeteüt, aber in ihrer Innen- 
architektur, und zwar in beiden Klassen, sehr 
modern und sehr schmuck. Man sieht in ihr immer 
viele Offiziere, weü sie in ihrer geschickten Kurven- 
linie, in der sie dahinflitzt, auch die biUigeren Viertel 
des Westens berührt, und vor allem viele Frauen. 
Die scheinen herausgefunden zu haben, daß die 
moderne Innenausstattung gut kleidet, und wie man 
in anderen Großstädten für den Korso Toüette macht, 
so macht man's hier, in der Stadt der Bescheiden- 
heit und der Elektrizität, für die Untergrundbahn. 

Mit ihr verglichen ist die Berliner Droschke ein 
einfaches, nichtssagendes, farbloses Ding, das auf 



Verkehrsziffern. 



471 



Eleganz — wenn man in ihr auch fünf- bis zehn- 
mal so viel wie für die Bahnfahrt bezalüt — keinen 
Anspruch macht. Aber an Bequemlichkeit und 
schließlich auch an Geschwindigkeit ist sie doch 
besser als ihr Ruf, und die Liebe aller korrekten 
Menschen zum Taxameter hat ihr ja eine neue Mode 
verschafft. Neben den vertrauenerweckenden weißen 
sind die schwarzen Lackhüte der „ersten Güte" in 
Ungnade gefallen und seit kurzem sogar laut polizei- 
licher Verordnung verschwunden. Der Taxameter 
herrscht nun so gut wie autokratisch. Durch ihn 
ist die Willkür in der Preisbestimmung ausgeschlossen, 
und nur im Gepäckstaxameter, den man bei Fahrten 
von und zu dem Bahnhof zu benutzen pflegt, ebenso 
wie nach Mittemacht (Nachttaxe) kann man auch 
bei der gerühmten Berliner Droschkenbilligkeit seine 
Überraschungen erleben. S, Rat und Hilfe, 

Wie großartig aber und überlegen endlich über 
allen andern öffentlichen Verkehrsmitteln stehst 
du, o herrUche Automobildroschke ! Der Ängsthche 
weicht dir zitternd aus, der Unerfahrene macht 
scheu und bewundernd, die Hand auf seinem magern 
Portemonnaie, einen weiten Bogen um dich, der 
Mutige steigt ein. Die AutomobUdroschke ist jetzt 
in BerUn, nachdem sie jahrelang in wenigen unele- 
ganten Proben vertreten war, durch starke Ver- 
mehrung, durch vielfältigere Wagenformen und ledern 
bekleidete Chauffeure (an Stelle der flatternden 
blauen Kutscherpelerinen) in ein zweites Stadium 
getreten, und sie soll nach polizeilicher Ankündigung 
in nächster Zeit schon ihr drittes erleben; man wird 
nämlich alsbald eine größere Anzahl von Elektro- 
mobüen, freilich mit etwas erhöhter Grundtaxe, in 
Verkehr bringen. 

VERKEHRSZIFFERN. • 

Die Stadtbahn beförderte im Rechnungsjahr 
1903/1904 60 Millionen Personen. 



^^2 ^^ Kapitel, von dem man nicht spricht. 

Die Große Berliner Straßenbahn beförderte 1903 
mehr als 300 Millionen Personen. 

Durch Omnibus, Straßenbahn, Stadt- und Ring- 
bahn wurden 1903 befördert nahezu 581 Millionen 
Personen. 

Das ergibt für den Tag eine Benutzungsziffer 
der öffentlichen Verkehrsmittel, außer Hochbahn, 
die ungefähr der Hälfte der Einwohnerzahl Groß- 
Berlins (3 Millionen) entspricht. 

Der Omnibus allein, dessen Betrieb sich auf 
zwei große und vier kleinere Gesellschaften verteilt, 
beförderte im Jahr 1903 über 80 Millionen Personen. 

Berlin verfügt über etwa 800 Omnibuswagen, 
7000 Taxameterdroschken, 100 Automobildroschken 
und 3500 Straßenbahnwagen. 

Die Hoch- und Untergrundbahn befördert ca. 
25 Millionen Personen im Jahr; die Berliner Droschke 
überfährt alljährlich ungefähr 500 Personen. 

10. Ein Kapitel, von dem man nicht spricht. 

Les secrets de Polichinelle. 

Man gesteht niemals ein, daß man Karriere 
machen will, aber man will. 

Man sagt nicht „berlinerisch**, sondern „ber- 
linisch", und man ist es. 

Man grüßt mit möglichst kurzgesprochenem 
„Tach**, was einen frisch-fröhlichen Eindruck erweckt, 
und küßt den Frauen nur, wenn's einem Freude macht, 
die Hand. 

Man findet Berlin jüdisch oder ostelbisch (je 
nach dem Gesprächsgegenüber), aber doch so, daß 
man darin leben kann. 

Man ist von Adel oder mindestens damit verwandt. 

Man speist zu Mittag um i oder 8 oder zu irgend 
einer dazwischen liegenden Stunde. 



Ein Kapitel, von dem man nicht spricht. ^.^^ 

Man besucht eine Dame nur dann an jedem 
ihrer Jours, wenn sie es gestattet. 

Man haßt die Friedrichstraße und die großen 
Restaurants. 

Man spielt im Sommer Tennis, im Winter Bridge, 
nicht Skat. Piket und Whist sind originell, Poker 
und Mauscheln (als Spiel) gestattet. 

Man beteiligt sich an Gesprächen über Leute, 
die man nicht kennt, genau so, als ob man sie kennte. 

Man schwärmt nicht von Paris. 

Man war in Italien, in der Schweiz und an der 
Riviera; in einem dieser Länder hat man einen Ort, 
an dem man immer leben möchte. 

Man trägt keine Reformkleider. 

Man läuft nicht in alle Premieren, aber man läßt 
sich von ihnen erzählen. 

Man ist kirchlich. 

Man hat ein paar hübsche Schmisse (Schläger- 
narben) im Gesicht und ist im Gespräch ein Gegner 
des Duells. 

Man schwärmt, wenn man das Glück hat, junges 
Mädchen zu sein, für Tennis, Automobile und Herren, 
die originell sind; man erzählt dann in jeder Gesell- 
schaft, daß man in einer vorhergegangenen einen 
solchen Herrn gefunden habe. 

Man ärgert sich über die polizeüiche Bevor- 
mundung, möchte sie aber nicht entbehren. 

Man hat leider keine Zeit gehabt, die Ausstellung, 
von der die Zeitungen so viel schreiben, zu besuchen. 

Man trägt nicht mehr: „Es ist erreicht!" 

Man trägt auch nicht mehr die niedrigen Hemd- 
leistchen, sondern bei Tage einen hohen Klappkragen 



474 ^^ Kapitd, von dem man nicht spricht. 

und zum Frack einen noch höhern Stehkragen; 
Kragen sowie Manschetten müssen mit dem Hemd 
verwachsen sein. 

Man wechselt demzufolge mindestens einmal im 
Tag das intimste Kleidimgsstück. 

Man trägt, was noch einmal gesagt sei, keine 
Reformkleider. 

Man trägt selbstgebundene Krawatten. 

Man geht nicht als letzter aus der Gesellschaft; 
kurz nach 12 Uhr sagt man: „Es ist schon furchtbar 
spät." 

Man findet Süddeutschland und Österreich furcht- 
bar nett und lächelt dabei. Man kennt sie vom Durch- 
reisen; ein Semester hat man in Heidelberg studiert. 

Man findet den Ausländer furchtbar interessant, 
auch wenn er nach Tisch den Hausherrn anpumpt. 

Man hat ein Segelboot, das man Yacht — sprich : 
Jott — nennt. 

Man nennt seinen Teckel Waldmann (sprich 
Manne) und fährt ihn bei seinen Vormittagsbesuchen 
im Wagen spazieren. 

Man trifft sich bei Shepherd's und reist nach 
Assuan. 

Man weiß immer, wo der Kaiser augenblickhch 
auf Reisen ist. 

Man schweigt von Sozialreform und spricht von 
Wohltätigkeit. 

Man versteht entweder sofort oder garnicht; man 
fragt nicht zweimal. 

Man läßt sich als junge Frau von allen Herren, 
als junges Mädchen aber nur von einigen Auserwählten 
den Hof machen : das ist der wesentüche Unterschied 
zwischen dem einen und dem andern Lebensstand. 

Man macht als ältere Frau selber den Hof. 



Ein Kapitel, von dem man nicht spricht. ^^^ 

Man ist als Regieningsbeamter nicht zn korrekt 
und als Kaufmann nicht zu leger. 

Man gehört in der Jugend zum weißen, später 
zum schwarzen Kartell. 

Man badet mindestens einmal täglich und scherzt, 
wenn davon die Rede ist, lachend über die Vorstellung, 
daß es anders sein könnte. 

Man weiß in der RangUste des Gardekorps 
Bescheid. 

Man hat „Götz Krafft" nicht gelesen. 

Man ist orientiert über Gerhart Hauptmann und 
die Freie Bühnen-Bewegung, von der man als einer 
interessanten Zeit spricht; man war schon furchtbar 
lange nicht im Königlichen Schauspielhaus. 

Man hat eine einzige große Leidenschaft : Musik. 
Davon darf man immer und ohne Abwechslung 
sprechen; man schwärmt von Nikisch, Richard Strauß 
und Ernst Kraus. 

Man fehlt bei keinem Philharmonischen Konzert, 
zumindest aber hat man das Programm gelesen. 
MusikaHsche Leute gehen nur in die Hauptprobe. 

Man wäre glücklich, jeden Abend „Tristan" 
hören zu können; man studiert Beethoven und Bach, 
kennt nichts oder nur wenig von leichterer Musik. 

Man simpelt Dienst. 

Man liest den Lokalanzeiger, „weil es kein an- 
ständiges Blatt in Berlin gibt.*' 

Man trägt als elegante Frau (damit das nicht 
vergessen werde) keine Reformkleider. 

Man setzt sich in Gesellschaft nicht ans Klavier, 
wenn man nicht bezahlt wird. 

Man spricht von der Sezession in der Malerei 
und läßt sich von der alten Schule porträtieren. 



4/6 Wo finden Sie Rat und HUfe? 

Man kauft Danziger alte Schränke und „hat 
kein Geld" für gute Bilder. 

Man gesteht ein, daß man im Taxameter fährt, 
und erwähnt stolz, daß man die Straßenbahn benützt. 

Man erwartet als Dame des Hauses von Jung- 
gesellen keinerlei Revanche für die Einladungen. 

Man darf auch bei Hof keine Reformkleider 
tragen. ^ 

Man nimmt „Berlin und die Berliner'* nicht in 
allen Teüen ernst. 

II. Wo finden Sie Rat und Hilfe? 

Und so stand ich denn ratlos und 
hilflos den Gefahren und Gdieimnissen 
der ungeheuren Stadt g^enüber. 
Autobiographisches vor 1905. 

a) FEUERWEHR. 

In jeder Not dich rettend und Gefahr 1 

Man wendet sich bei allen physischen Schwierig- 
keiten im Zweifel zunächst an die Feuerwehr. 

Zu Hilferufen an die Feuerwehr benutzt man die 
an den Straßen errichteten Apparate, die Feuermelder 
heißen und die eine deutlich lesbare Gebrauchsan- 
weisung tragen. An jeder Anschlagsäule und in den 
Fluren der meisten Häuser ersieht man, wo der nächste 
Feuermelder steht. 

Auch jeder Schutzmann, den man antrifft, über- 
nimmt es, den Feuermelder zu betätigen. 

Die Feuermeldungen aus ganz Berlin gehen an 
die Hauptwache Lindenstr, 41, für Charlottenburg 
und Schöneberg an deren eigene Feuerwachen. Tele- 
phonischer Anschluß ist überall vorhanden und zum 
Zweck der raschesten Nachricht unbedingt zu be- 
nützen. Die Femsprech-Teünehmerverzeichnisse ent- 
halten auf einem eingelegten roten Blatt und außerdem 
unter dem Schlagwort „Feuerwehr" alles Wissens- 
werte darüber. 



Feuerwehr. 



477 



Die Wagen der Berliner Feuerwehr, die eine der 
besten und berühmtesten Wehren ist, fahren mit 
Glockenläuten und brennenden Fackeln durch die 
Straßen; wer sie als erster alarmiert, bekommt bei 
genügendem Anlaß die Belohnung von einem Taler, bei 
mangelndem Grund eine empfindliche Ordnungsstrafe. 

Als genügender Grund zur Alarmierung der Feuer- 
wehr gilt aber nicht bloß Feuer, sondern nach einer in 
Berlin Gewohnheitsrecht gewordenen Sitte auch eine 
Reihe anderer großer Unfälle, da es eine ambulante 
Rettungswache (s. Unfallstationen) hier nur in be- 
schränktem Maße gibt. Die wackere Feuerwehr löscht 
und photographiert Brände, pumpt Wasser aus den 
Kellern, holt verirrte Papageien von Telegraphen- 
drähten herunter und erweckt Betäubte mit Sauer- 
stoff wieder zum Leben. Sie tritt ein bei Gasrohr- 
brüchen, Hauseinsturz, Explosionen, beseitigt Straßen- 
verkehrshindemisse, gefährliche Bäume und Drähte 
elektrischer Leitungen. Sie tut auch sonst mancherlei 
und ist stets hilfsbereit. Selbstverständlich macht sie 
in gewissen Fällen Entschädigungsansprüche geltend. 

Die militärisch organisierte Feuerwehr untersteht 
dem Polizeipräsidium, wurde von dem bekannten 
Branddirektor Giersberg ("J") modernisiert, ist mit 
vortrefflichem Material ausgerüstet und zählt in 5 
Kompagnien mit 20 Löschzügen etwa 25 Offiziere, 
800 Mann und 150 Pferde. Das Personal rekrutiert 
sich aus der Armee; die Mannschaften sind durchweg 
ausgebildete Bauhandwerker oder Artillerie-Stangen- 
reiter. 

b) DIPLOMATISCHE MISSIONEN. 

»Jeder von uns stellt sich, als glaube 
er vom andern, daß er voller Ge- 
danken stecke/* 

Bismarck 1851. 

Gesandtschaften der deutschen Bundesstaaten 
am preußischen Hof. 

Baden: LennSstr.g. 
Bayern: Voßstr. j. 



^jS Wo finden Sie Rat und HUfe? 

Braunschweig: Bayreiäherstr. 14. 

Hessen: Magdeburger stf. 8. 

Lübeck, Bremen, Hamburg: Tiergartenstr. lya, 

Mecklenburg-Schwerin u. Strelitz: Bendlerstr. 18. 
Dienststunden: 10 — 12. 

Sachsen: Voßstr. ig. 
Württemberg: Voßstr. 10. 

Dienststunden: 10—12, 4 — 6. 

Die Haupttätigkeit dieser Missionen besteht in 
den Verwaltungsarbeiten des Bundesrats, allerlei Re- 
gierungskleinigkeiten und der Repräsentation be- 
sonders im landsmannschaftlichen Verein. Die Herren 
sind daher froh, wenn ihnen distinguierte Schutzbe- 
fohlene etwas diplomatische Bewegung verschaffen, 
und überbieten sich an Liebenswürdigkeit. Man 
möge diese umso unbefangener in Anspruch nehmen, 
als es keinen wirksameren Weg gibt, bei den hohen 
Reichsstellen etwas zu erreichen, als die Vermitte- 
lung der bundesstaatlichen Exzellenzen. 

Ausländische Missionen. 

Die mit * bezeichneten Missionen 
sind Botschaften. 

Argentinische Republik: Augsburgerstr. 57. 

Belgien: Roonstr.12. 

Dienststunden: 10—12, i — 3. 
Brasilien: Zietenstr. 25. 

Dienststunden: .2 — 4. 
Chile: Kurfürstendamm 10. 
China: Kurfürstendamm 218. 

Dänemark: Voßstr. 17. 

Dienststunden: 10 — 12. 
Dominikanische Republik: Eichhornstr. 6. 

* Frankreich: Pariser Platz 5, 
Griechenland: Rankestr. i. 

* Großbritannien u. Irland: Wilhelmstr. 70. 

Dienststunden: 11 — i. 

Haiti: Achenbachstr. 3. 

♦Japan: Magdeburgerstr. 36, 
Dienststunden: 10 — i^. 



Ausländische Missionen. a^q 

Italien: Wilhelmstr. 66. 
Korea: Meineckestr. i8. 

Dienststunden: lo — 2. 
Mexiko: Dorotheenstr. 32. 

Dienststunden: 3 — 5. 
Niederlande: Voßstr. 16. 

Dienststunden: 10 — i. 
♦Österreich- Ungarn: Kronprinzenufer 14, 

Dienststunden: 11 — i. 
♦ottomanische Pforte: Alsenstr. i. 
Paraguay: Kochstr, j. 
Persien: Kurfürstendamm 213. 
Portugal: Potsdam^str. Ii8a, 
Rumänien: Moltkestr. 2, 

Dienststunden: 11 — i. 

♦ Rußland: Unter den Linden 7. 

Schweden: Bellevuestr, 7. 

Dienststunden: 11 — i. 
Schweiz: Friedrich Wilhelmstr. jo. 

Dienststunden: 12 — 3. 
Serbien: Viktoriastr, 30. 

Dienststunden: 11 — i. 

Siam: Herwarthstr. 3a, 

Dienststunden: 11 — 4. 

* Spanien: Regentenstr. J5. 

Dienststunden: i — 4. 

Uruguay: Kronprinzenufer 25. 

♦Vereinigte Staaten von Amerika: Unter den Linden 68. 
Dienststunden: 10 — i. 

Ausländem Ratschläge über den Verkehr mit 
ihren Vertretern zu geben, wäre unnötig, ungastlich, 
ungeschickt. Deutsche wenden sich vorsichtiger an 
unser Auswärtiges Amt, ehe sie die exterritorialen 
Herrschaften bemühen. Ist letzteres unumgänglich, 
so erkundige man sich vorher über nationale Eigen- 
heiten und die maßgebende Persönlichkeit. Es gibt 
keine allgemeine Regel für die Behandlung des diplo- 
matischen Korps; nicht überall ist der Geschäftsgang 
von rasend machender Langsamkeit, nicht überall be- 
kommt man Zigaretten angeboten. 



48o Wo finden Sie Rat und Hille? 

c) KONSULATE. 

* bedeutet Berufskonsulat. 

Argentinische Republik: Behrenstr. 8 — 13, 
Dienststunden: 10—12, 3 — 6. 

Belgien: Jägerstr. 27. 

Dienststunden: 10 — 12. 

Bolivia: Netie Grünstr. 11. 

Dienststunden: 11 — i, 6 — 7. 
Brasilien: Linkstr. 33. 

Dienststunden: 10 — i. 
Chile: Kurfürstendamm 10. 

Dienststunden: 9 — 12. 
Costarica: Wühdmstr. 20, 

Dienststunden: 8 — 9, 4 — 7. 
Cuba: Alexanderstr. 72a, 

Dänemark: Jägerstr, 49I50. 

Dienststunden: 10 — 12. 
Dominikanische Republik: Landshuterstr, 4. 

Dienststunden: 8 — 10, 4 — 6. 
* Frankreich: Pariser Platz 5. 

Dienststunden: 10—12, 2*4 — 4?^. 
Griechenland: Unter den Linden 71. 

Dienststunden: 9% — i, 4 — 6. Sonnabend 9% — 2. 
Großbritannien u. Irland: Behrenstr. 63. 

Dienststunden: 10—12, 4 — 5. 

Guatemala: Schönhauser Allee 34. 

Dienststunden: 9*4 — 12*4. 
Haiti: Tiergartenstr. 34. 

Dienststunden: 11 — 12. 
Honduras: Lindenstr. 80/81. 
Japan: Eichhornstr, 8. 

Dienststunden: 10—12, 4 — 6. 

Italien: Taubenstr. 44/45. 

Dienststunden: 11 14 — 2. 

Mexiko: Unter den Linden 33. 

Dienststunden: 9 — 11, 2 — 6. 

Nicaragua: Neuenbergerstr. 24. 

Dienststunden: 10—12. 

Niederlande: Potsdamerstr. 121c. 

Dienststunden: 10— i. 
♦Österreich- Ungarn: Schöneberger Ufer 40. 

Dienststunden: 10 — i. 



Konsulate. 48 1 

Paraguay: Kochstr, 3. 

Dienststunden : i o— 1 2 . 

Persien, Kurfürstendamm 22 , 

Dienststunden: 3 — 5. 

Peru: Keithstr, 18, 

Dienststunden: 10 — i. 

Portugal: Mühlenstr, 6/7, 

Dienststunden: 11 — i. 

Rumänien: Unter den Linden 35. 

Dienststunden: 11 — i. 

Rußland: Hedemannstr, 3. 

Dienststunden: 10 — 2. 
£1 Salvador: Dircksenstr, 47. 

Dienststunden: 3 — 5. 

Schweden: Jägerstr, 49/50, 

Dienststunden: 11 — i. 

Serbien: Jägerstr, 11, 

Dienststunden: 3 — 4. 
Siam: StiUerstr, 7. 
Spanien: Wilhelmstr, 70h. 

Dienststunden: 9 — 11, 4 — 5. 

Türkei: Gertraudtenstr, j6. 
Dienststunden: 9 — i. 

Uruguay: Königgrätzerstr, 6, 

Dienststunden: 9 — 12. 
Venezuela: Charloüenstr, 49, 

* Vereinigte Staaten von Amerika: Friedrichstr, 59/60, 
Dienststunden: 10 — 3. 

Die Honorarkonsuln sind meist vielbeschäftigte 
Größen des Berliner Handels und daher nur schwer 
auf dem Konsulat zu sprechen. Fremde wenden sich 
im Zweifel lieber an ihre Gesandtschaft, als an das 
Konsulat. Deutsche erhalten dagegen hier leicht 
wohlwollende Aufklärung, die ihnen auf den Gesandt- 
schaften weislich vorenthalten wird. 

d) AUSKUNFTS- UND BESCHWERDESTELLEN. 

Kein Berliner ist um Auskunft ver- 
legen, der Fremde, der etwas damit 
anfangen soll, um so eher. 

Alles weiß der Lokalanzeiger, Zimmerstr, 37 — 41, 
aber nur gegen Lösung eines Monatsabonnements. 

Berlin und die Berliner. 31 



482 Wo finden Sie Rat und Hilfe? 

Wegen allgemeiner Straßen -Auskünfte wende 
man sich höflich an den nächsten Schutzmann, dessen 
Antworten bei aller Kürze höflich und praktisch zu 
sein pflegen. 

Nötigenfalls wende man sich an das nächste Po- 
lizeirevier, dessen Adresse ebenso wie die der nächsten 
Unfallstation, Apotheke, Feuerwache usw. am Sockel 
jeder Anschlagsäule verzeichnet ist. 

Bei Schwierigkeiten mit Kutschern schafft der 
nächste Schutzmann sofort Ordnung. 

Bei Schwierigkeiten mit Schutzleuten folge man 
ruhig zum Revier und stelle sich so schnell wie mög- 
lich beim Personalreferenten im Polizeipräsidium per- 
sönlich vor. 

Man beschwert sich grundsätzlich bei der höchsten 
Instanz. 

Man telegraphiert an den Reichskanzler, ehe man 
der Redaktion des Vorwärts schreibt. 

In Eisenbahnfragen wirkt ein Eingesandt an die 
Frankfurter Zeitung, Frankfurt {Main), rascher als die 
Dienstbeschwerde. > 

In Restaurants verlangt man nach dem Herrn 
Direktor, den man liebenswürdig- vorwurfsvoll fragt: 
„Was für einen Eindruck muß das machen?*' 

In schwierigen Fragen der Berliner Stadt- und 
Kunstgeschichte wendet man sich mit der Bitte um 
Aufklärung entweder an „Berlin und die Berliner" 
oder persönlich an einen der genauesten Kenner 
der Stadt: 

Landgerichtsrat D. B^ringuier, Nettelbeckstr. 21. 

Geheimrat Ernst Friedel, Rathaus (12 — i Uhr). 

Fundbureaux. 

Polizeiliches Bureau für gefundene Sachen (auch 
in Droschken liegen gelassene), Alexanderplatz 5 — 6, 
Eingang II, Zimmer yg, Werktags J9 — i. 



Rechtsanwälte. 483 

Für Eisenbahn, Stadtbahn, große Berliner- und 
Charlottenburger Straßenbahn, Leipziger Platz 14, 

Für Omnibusse, Wilhelmstr. 9. Werktags 9 — 4. 

Für Hoch- und Untergrundbahn, Köthenerstr. 12. 
10 — 4. 

Für Berliner elektrische Straßenbahn (Siemens 
& Halske), HoUmannstr, 34, 

General-Fundbureau Berlins und der Vororte 
Charlottenstr. 46, 

Hunde, die vom Hundefänger aufgegriffen wor- 
den sind, reklamiert man im Berliner Tierasyl des 
Tierschutzvereins, An der Jannowitzbrücke, Stadtbahn- 
bogen 79/80, 

Auskunfteien. 

Auskunftei Bürgel, Leipzigerstr, iii. 
Auskunftei W. Schimmelpfeng, Charlottenstr. 23. 
Verein Kreditreform, Taubenstr. 46, nur für Mit- 
glieder. 

Detektiv-Institute. 

Obgleich es in Berlin vielleicht auch einwandfreie 
gibt, kann vor Benützung dieser Einrichtung, deren 
englisch-amerikanische Romantik bei näherem Zu- 
sehen verschwindet, nicht dringend genug gewarnt 
werden. Wer mit weißer Weste durchs Leben wandelt, 
bedarf ihrer nicht bei unserem Meldewesen, der Dienst- 
eifrigkeit der Polizei, der Off izialverfolgung aller Straf- 
taten, der guten Information durch Presse, Banken 
und Auskunfteien. Wer sich beobachtet fühlt, wende 
sich persönlich an den Staatsanwalt oder Amtsrichter 
um Rat. 



e) RECHTSANWÄLTE UND NOTARE. 

Die atvokatten sollen schwartz gehn 
mit ein Mentelchen bis an die Knie, 
damit man die Spitzbuben schon von 
weittem erkennen undt sich vor sie 
inn Acht nemen kann. 

Friedrich WUhelm I. 

Dr. Hugo Alexander- Katz, Mohrenstr. 7. 
Justizrat, Notar, Landgericht I. 

31* 



^g^ Wo finden Sie Rat und Hilfe? 

Dr. Richard Alexander- Katz, Leipzigerstr, ig, 
Kammergericht. 

Dr. V. Gordon, Charlottenstr, $y. 

Justizrat, Notar, Verteidiger. Landgericht I. 

Dr. Heinitz, Mohrenstr, 56. 

Justizrat, Notar. Landgericht L 

Dr. Max Kempner, Französischestr. 9. 

Justizrat, Notar. Landgericht L 
Karl Liebknecht, Kaiser Wilhelmstr, 46, 

Verteidiger, Sozialdemokrat. Landgericht L 

Dr. Meyssner, Kronenstr, 73/74^ 

Justizrat, Notar. Landgericht L 

Dr. Otto Müller, Potsdamer str, 97, 

Justizrat, Notar. Land- und Amtsgericht IL 

Dr. Fritz Neumann, Linkstr. 12. 

Justizrat, Notar. Land- und Amtsgericht IL 

Dr. Erich Sello, Leipzigerstr. 6. 

Justizrat, Notar, Verteidiger. Landgericht I. 

Dr. Josef Strantz, Leipzigerstr, 34. 
Justizrat, Notar. Landgericht I. 

Man frage vor der Konsultation nach dem Preis 
derselben. Vor Einleitung eines Prozesses wird ge- 
legentlich die Unterzeichnung eines Reverses ver- 
langt, der zur Zahlung bestimmter besonderer Ver- 
gütungen verpflichtet. Bei Verteidigern sind solche 
Reverse auf beträchtliche Summen üblich. In Er- 
mangelung und neben diesen Reversen gelten die Be- 
stimmungen der Gebührenordnung, die angemessene 
Kosten festsetzen. Übervorteilung kommt kaum vor; 
bei Überraschungen frage man die Gerichtsschreiberei 
des Prozeßgerichts um Rat. Wirksame Beschwerde- 
instanz ist die Anwaltskammer. Kleinere Sachen 
übertrage man jüngeren Rechtsanwälten, nicht aber 
Prozeßagenten. Die örtliche Zuständigkeit der Ge- 
richte ist aus den römischen Zahlen ersichtlich. 
I bedeutet Stadtbezirk, II Landbezirk. 



Arzte. 485 

f) GERICHTSVOLLZIEHER. 

Und was das Schlimniste ist, sie 
haben ihre eigene Uniform! 

Man sendet den Auftrag an die Verteilungsstellen 
für Gerichtsvollzieheraufträge : 

beim Amtsgericht I, Jüdenstr, 58/1, Zimmer y2 ; 
beim Amtsgericht II, Hallesches Ufer 2g/3i, Zim- 
m^r 21, 

Soweit man keinen Rechtsanwalt aufgestellt hat, 
wende man sich wegen Auskunft in Vollstreckungs- 
sachen an die Gerichtsschreiberei des betreffenden 
Amtsgerichts. 

g) ÄRZTE. 

Ach wat, Madameken, Bauchweh 
hat Eva ooch schon jehabt; trinken 
Se Kamillentee! 

Der alte Heim. 

Dr. Adolf Baginsky, Potsdamersfr, 5. 

Universitätsprofessor, Krankenhausdirektor, Kin- 
derarzt. Sprechst. 8 — 9, 4 — 5. 

Dr. Ernst v. Bergmann, Alexanderufer i, 

Prof., Chirurgie. Sprechst. Montag, Dienstag, 
Donnerstag, Freitag 4% — 6. 5. Totä Berlin. 

Dr. J. Boas, Alexanderufer 6. 

Magen- u. Darmleiden. Sprechst. 8^ — 10, 434 — 6. 
Dr. Ludwig Brieger, Brückenallee 34, 

Universitätsprofessor. Wasser heilverfahren . 

Sprechst. 2 — 4. 

Dr. Leopold Casper, Friedrichstr, 125. 

Professor. Nieren- und Blasenleiden. Sprech- 
stunden 12 — 4. 

Dr. Alfred Dührssen, Lessingstr, 35, 

Universitätsdozent, Professor. Frauenarzt. 
Sprechst. 2 — 3, außer Sonnabend und Sonntag. 

Dr. A. Eulenberg, Lichtensteinallee 3. 

Professor. Nervenarzt. Sprechst. 3 — ^4. 
Dr. Bernhard Franke!, Bellevuestr. 4, 

Geh. Medizinalrat, Professor. Halsleiden. 3 — 5^2- 



486 Wo finden Sie Rat und Hilfe? 

Dr. Paul Fürbringer, Klopstockstr, Sg, 

Geh. Medizinalrat, Professor. Sprechst. 4 — 5, 
außer Donnerstag und Sonntag. 

Dr. A. Gusserow, Roonstr. 4, 

Geh. Medizinalrat, Professor. Frauenarzt. 12 — i. 

Dr. Arthur Hartmann, Roonstr, 8. 

Professor. Ohren- und Nasenleiden. 3% — 5- 

Dr. Otto Heubner, Kronprinzenufer 12, 
Professor. Kinderkrankheiten. 3 — 4. 

Dr. Paul Heymann, Lützowstr, 60, 

Professor, Halsleiden. Sprechst. 8 — 10, 4 — 5. 

Dr. Julius Hirschberg, Schiffbauerdamm 26, 

Universitätsprofessor, Geh. Medizinalrat. Augen- 
arzt. Sprechst. 3 — 5. 

Dr. Albert Hoffa, Meinekestr, 21, 

Univers.-Professor, Geh. Medizinalrat, Direktor d. 
Universitäts-Poliklinik f. orthopädische Chirurgie. 

Dr. M. Immelmann, Lützowstr. y2, 

Heilgymnastik. Inhalatorium. Sprechst. 9—2, 4—7. 

Dr. Franz König, Brücken-Allee 35, 

Direktor der Chirurg. Klinik in der Charit6. 

Dr. Robby Koßmann, Bellealliancestr, 23, 

Professor. Frauenarzt. Sprechst. 4 — 5. 

Dr. Fritz Kraus, Brückenallee 7, 

Professor. Innere Medizin. Sprechst. 3% — 5. 

Dr. Leopold Landau, Sonnenstr, 2, 

Professor. Frauenarzt. Sprechst. 3^4 — ^5- 

Dr. Oskar Lassar, Reichstagsufer i. 

Univers.-Professor. Dermatologe. Sprechst. 2 — 5. 
5. Tout Berlin. 

Dr. E. Lesser, Roonstr. 12. 

Univ.-Professor. Dermatologe. Sprechst. 2 — 3. 

Dr. Moritz Litten, Lützowplatz 6. 

Univers.-Professor, dirig. Arzt am Stadt. Kranken- 
haus, Gitschinerstraße. Sprechst. 4 — ^5. 



Ärzte. 487 

Dr. Emanuel Mendel, Breitestr, 44. 

Univers.-Professor. Psychiater. Sprechst.io — 11. 

Dr. Robert Olshausen, Artilleriestr , ig, 

Univers.-Professor, Geh. Medizinalrat, Direktor 
der Kgl. Frauenklinik. 

Dr. Adolf Passow, Lichtenstetnallee 2a, 

Univers.-Professor, Geh. Medizinalrat. Nasen-, 
Hals- und Ohrenleiden. 

Dr. Eugen Pissin, Derfflingerstr, 2g, 

Geh. Sanitätsrat. Spezialarzt für Impfungen. 
Sprechst. 12 — 2. 

Dr. Moritz Pistor, Pariserstr. 5. 

Geh. Obermedizinalrat. Innere Medizin. 8 — 10, 

Dr. R. Renvers, Nollendorfplatz 4, 

Professor, Geh. Medizinalrat, Direktor des Stadt. 
Krankenhauses Moabit. Innere Medizin. 5 — 6. 

Dr. Th. Rosenheim, Viktoriasfr 10. 

Magen- und Darmleiden. Sprechst. 4 — 5. 

Dr. Ernst Schweninger, Großlichterfelde, Potsdamer 
Chaussee, Professor. Entfettungskuren. Bis- 
marckerinnerungen. 

Dr. Hermann Senator, Bauhof str, 7. 

Univers.-Professor, Geh. Medizinalrat, Direktor 
der 3. Med. Klinik in der Charit6 und der Med. 
Poliklinik. Sprechst. 4 — ^5%. 

Dr. Eduard Sonnenburg, Hitzigstr, 3. 

Univers.-Professor, Geh. Medizinalrat, Direktor 
der Chirurg. Abteil, des Stadt. Krankenhauses 
Moabit. Blinddarmoperationen. Sprechst. Mon- 
tag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 4 — 5. 

Dr. E. Zenker, Fasanenstr, gi. 

Geh. Medizinalrat, Leibarzt I. M. der Kaiserin. 
Sprechst. 4% — 6, außer Sonnabend und Sonntag. 

In ärztlicher Hinsicht ist man in keiner Groß- 
stadt so vortrefflich versorgt und trotz gelegentlich 
hoher Liquidation so billig bedient wie in Berlin. 



488 .Wo finden Sie Rat und Hilfe? 

Telephonische Anfrage wegen Ort und Zeit der Kon- 
sultation meist erforderlich. Für längere Behandlung 
sind oft die jüngeren Professoren den ersten Größen 
vorzuziehen. Wegen der Wahl eines Hausarztes hole 
man den Rat einer Autorität ein. 

h) ZAHNÄRZTE. 

Der Zahnarzt kommt zwischen 
Henker und I%otograph. 

Quintaner O. B. 

Prof. C. F. W. Bödecker, Unter den Linden 54/55* 
Sprechst. lo — 2. 

O. ▼. Gadkowsky, Kurfürstenstr. 102. 
Sprechst. 9—6. 

Prof. Dr. Wamekros, Unter den Linden 54/55- 
Sprechst. 11 — 2. 

Flora Bondi, Potsdamerstr, 134c, 
Sprechst. 9 — i, 3 — 6. 

Die Verhältnisse liegen hier ungefähr wie überall. 
Ein zweifelhaftes, aber kostspieliges Vergnügen. Die 
Ausübung der Zahnheilkunde ist frei, doch garantiert 
der Titel Zahnarzt wenigstens für ein deutsches Staats- 
examen. 

i) HEBAMMEN. 

Madame par ezoellenoe! 

Doch haben auch Damen diesen Beruf erfreu- 
licherweise ergriffen; man wende sich an die be- 
kannten Frauenärzte um Vermittelung. 

k) APOTHEKEN. 

Berlin hat ungefähr aoo Apotheken. 
In einigen wird sogar „verordnet". 
Aber nicht in den besten. 

Die Berliner Apotheken mit ihrer großen Zuver- 
lässigkeit, ihren vielseitigen Leistungen, der Gleich- 
heit und relativen Billigkeit der Preise sind eine Haupt- 
lichtseite unseres Polizeistaates gegenüber dem Ideal- 
zustande ausländischer Freiheit. Nur bei patentierten 
Geheimmitteln und exotischen Spezialitäten kommen 



Unfallstatioaen. ^gp 

Überforderungen vor, umsomehr als man oft ein 
gleichwertiges Medikament auf spezielles Rezept des 
Arztes zu einem Bruchteil des Preises besonders her- 
gestellt bekommt. 

Elephantenapotheke, Leipzigerstr. 73/74- 
Johanniterapotheke, Planufer 11. 
Lucafes Apotheke, Unter den Linden 53, 
Polnische Apotheke, MiUelsir. 56. 
Westendapotheke, Kurfürstenstr. 80. 
Homöopathische Zentralapotheke, Kanonier str, 46, 

1) TIERARZTE. 

Die Begriffe Humanität und Bestia- 
lität bedürfen entschieden der Um- 
wertung; sind sie nicht fest identisch 
geworden? 

Obertierarzt Reißmann, Schlachthof, Eldenaerstr. 
Direktor der Städtischen Fleischbeschau. 

Polizeitierarzt Dr. Hoffmann, Friedrichsfelde, Schloß- 
straße 5. 

Conrad Klingner, Charlottenburg, Joachimsthalerstr, 44, 
Städtischer Tierarzt. 

Stabsyeterinär Voß im 2. Garde-Dragonerregiment, 
Blücherstr, 26, 

In erster Reihe wende man sich an die Tierärzt- 
liche Hochschule, Luisenstr. 56 und Philippstr, 13. 
S. Tierspital. 

m) UNFALLSTATIONEN. 

Nächste Anschlagsäule I 

23 Unfallstationen vom Roten Kreuz. 

14 Hauptwachen d. Berliner Rettungsgesellschaft. 

19 Sanitätswachen. 

Sämtliche Stellen haben Telephonverbindung mit 
den Polizeirevieren. Tags und nachts Arzt und Heil- 
gehilfen, sowie Transportmaterial, aber nicht immer 
eigene Krankenwagen zur Verfügung. 

Bemittelte zahlen für die Behandlung. 



490 ^o Andea Sie Rat und Hilfe? 

n) KRANKENPFLEGE. 

Man wählt die Adresse, an die man 
sich wendet, nach dem Vertrauen, 
das der Titel einflößt 

Berliner Verein für häusliche Gesundheitspflege, Stein- 
meizstr, j6. Vorsitzender : Geh. Medizinalrat Prof. 
Dr. Ewald. 

Deutscher Samariterverband vom Roten Kreuz, Kö- 
nigin Augustastr. 25/27. Vorsitzender : Präsident 
des Reichsversicherungsamtes Gaebel. 

Diakonenheim, Kurfürstenstr. 14g. 
Männliche Krankenpflege. 

Krankenpflegestationen des Evangelisch-kirchlichen 
Hilfsvereins, Lützowstr, jj usw. Unentgeltlich. 

Niederlassung der Grauen Schwestern für ambulante 
Krankenpflege, Schönhauser Allee 182, Katholisch. 

Schwesternheim „Viktoria-Stift", Lützowstr. 105. 

Schwesternverband „Agnesverein", Würzhurgerstr. 22, 

o) HEILANSTALTEN. 

Die eingeklammerten Namen be- 
deuten die leitenden Arzte. S. Wissen- 
Schaft und Aerxte, 

In erster Reihe kommen hier die klinischen An- 
stalten und Polikliniken der Universität in Betracht, 
die teilweise der Charit6 angegliedert sind. 

Kgl. Kliniken, Ziegelstr. 5/g, Chirurgie (Bergmann), 

Augen (v. Michel), Ohren (Lucae). 
Institut für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe 

(Olshausen), Artilleriestr, 20, 
Medizinische Poliklinik (Senator), Luisenstr. 18. 
Poliklinik für Hals- und Nasenleiden (B. Fränkel) 

und Ohrenleiden (Passow), Luisenstr, 13a. 
Poliklinik für orthopädische Chirurgie (Hoffa), Am 

Zirkus 9. 
Poliklinik für Augenleiden (Wolff), Luisenstr, 8, 
Medizinische Kliniken und Polikliniken an der 

Charit^ (v. Leyden, Kraus, Senator), Schumann- 

straße 21/22, 



Gesundheitspflege. ^g I 

Chirurgische Klinik (Hildebrand), Luisenstr. 2. 
Gynäkologische Klinik (Bumm), Luisenstr. 51. 
Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten 

(Lesser), Luisenstr. ig. 
Klinik für Kinderkrankheiten (Heubner). 
Klinik für Nerven- und psychische Krankheiten 

(Tichen). 
Zahnärztliches Institut (Busch), Dorotheenstr. 40. 

Neben den drei großen städtischen allgemeinen 
Krankenhäusern mit durchschnittlich je 800 Kranken 
bestehen noch zahlreiche öffentUche und Privatan- 
stalten. Einzelne herauszugreifen wäre unangebracht. 
Soweit man nicht von seinem Arzt Direktiven er- 
langen kann, wendet man sich ak Fremder besser an 
die Universitätsinstitute und lasse sich geeigneten- 
falls dort eine Privatanstalt empfehlen. S. auch So- 
ziale Leistungen. 

Naturheilanstalten gibt es zahlreiche. Ein guter 
Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten 
Weges nicht bewußt. 

Tierspital. 

Man seige grunds&tdich jede Tier- 
quälerei der Polizei an. 

Tierärztliche Hochschule, Luisenstr. 56 und Philipp- 
Straße 13, 

Klinik für große Haustiere 10 — 12, Sommer 4 — ^5, 
Winter 3 — 4, Poliklinik 10 — 12. 

Klinik für kleinere Haustiere, Hunde, Katzen, Ge- 
flügel usw. ebenso, Poliklinik 10 — 11. 

Tierasyl des deutschen Tierschutzvereins, Lankwitz, 
Dessauerstr. 21/23, 

p) KÖRPER- UND GESUNDHEITSPFLEGE. 

S. Em Kapitelf mm dem man nicht sprichi. 

Das Berliner Klima ist im Vergleich zu dem 
vieler anderer Großstädte mild und gleichmäßig; es 
fordert weder durch Stürme, noch starke Nebel den 
Bewohner zur Vorsicht heraus. Die Stadt liegt 30 m 



492 



Wo finden Sie Rat und Hflie? 



Über dem Spiegel der Ostsee. Ihre Durchschnitts- 
temperatur beträgt 9,8®. Die Gesundheitsverhält- 
nisse sind günstige; die Sterbeziffer schwankt zwischen 
16 und 17^1^. 

Zu großem Teü steht Berlin auf Sumpfboden, 
was zur Hebung des Gesundheitsstandes allerdings 
nicht beiträgt. Der T5q)hus tritt zeitweise, aber nie- 
mals in erschreckendem Maß, als Seuche auf. Das 
Trinkwasser ist absolut unschädlich, dagegen ist 
Spreewasser auch zu Bade- und Waschzwecken nach 
ärztlicher Warnung nicht zu benützen. 

Unter den Schwimmbädern (s. Technische An- 
lagen) sind die neuen Volksbadeanstalten allen anderen, 
auch den Luxusbädern vorzuziehen. In seuchenfreier 
Zeit sind sie völlig unbedenklich. Die Reinlichkeit 
ist in ihnen durch strenge Vorschriften garantiert. 

In den neueren Häusern sind nicht nur die großen, 
sondern auch die mittleren und oft sogar ganz kleine 
Wohnungen mit Badezimmern versehen. 

Zu einer Körperpflege, die sich mit Reinlichkeit 
und Gesundheit nicht begnügt, empfehlen sich in Ber- 
lin speziell für Damen mehrere Institute, die wir aber 
nicht auf eigene Rechnung und Gefahr empfehlen 
möchten. Die Spezialärzte und allenfalls die Winke, 
die man in großen Parfümeriegeschäften bekommt, 
sind vertrauenerweckender. Manicure imd Pedicure 
kann man in den größeren Friseurgeschäften finden 
oder erfragen. 5. Bezugsquellen. 

q) UNTERRICHT. 

S, zuerst L^uwuküim. 

Adolf Borsch» Tempelhofer Ufer 75. 

Kgl. Tänzer und Tanzlehrer am Kgl. Kadetten- 
korps. 

The Berlitz School of Languages» Leipzigerstr. 131. 
Sprachunterricht. 

Louis Corinth, Siegmundshof 11. 

Modernster Malunterricht für junge Damen. 



Standesämter. 



493 



Frl. V. von Fadus, Potsdamerstr. 4g, 

Gesangslehrerin. Konzertgesang. 
Gustav Friedrich, Königgrätzerstr. 45. 

Gesangsunterricht für Bühne und Konzert. 
Hirschsche Schneiderakademie, An der Siechbahn 2. 
Königin Augusta-Tattersall, Königin Augustastr. 42. 

Reit- und Fahrinstitut. 
Mme. Marignac, Kantstr. 8, 

Französischer Tanzunterricht für junge Mädchen. 
Frau Prof. S. Nicklass-Kempner, Martin Lutherstr, 13, 

Gesang. 
Rackows Handelsakademie, Leipziger str. 3g. 
Schauspielschule des Deutschen Theaters, In den Zel- 
ten 11, Direktor: Max Reinhardt. 
Stern'sches Konservatoriiun, Bernburger str. 22a, 

Musik und Gesang. Direktor : Gustav Holländer. 

r) STANDESÄMTER. 

Nur Eines fehlte mir jederzeit: 
Das ist der Sinn fUr die Feierlichkeit. 

Fontane. 

Anmeldung von Geburtsfällen binnen 3 Wochen- 
tagen, von Todesfällen am gleichen oder folgenden 
Tage. Aufgebotsanträge vor Verheiratung. Aus- 
künfte und Bescheinigungen. 

Dienststunden Wochentags 9—2, Sonntags (nur [für 
Todesfälle) 12 — i. 

s) KINDTAUFE. 

Lassalline Bebeline darf man seine 
Tochter nicht tauJen. 

Entscheidung des Kanunergerichts. 

Wer sich mit der Anmeldung am Standesamt 
nicht begnügt, geht zum Geistlichen seines Kirchen- 
sprengels und bittet ihn um seine Anerkennung der 
neugeborenen Existenz. Vor allem aber setze er in 
eines der am meisten gelesenen Berliner Blätter die 
berlinische Anzeige: „Hiura! Ein strammer Junge 
angekommen." Damit nicht nur die Kirche, sondern 
auch der Staat über die gute Gresinnung völlig be- 
ruhigt sei. 



^g^ Wo finden Sie Rat und Hilfe? 

t) TODESFALL. 

Friedhöfe s. Kirchen. 

• Die Beerdigung muß, wenn nicht eine besondere 
Ausnahme gestattet ist, am dritten Tage nach er- 
folgtem Ableben stattfinden. Sie geschieht in der 
Regel von der Leichenhalle des Kirchhofs aus, in die 
der Tote gleich in der ersten Nacht verbracht wird. 
Den Transport besorgt eines der Beerdigungsinstitute, 
an das man sich sofort wendet. Der Kirchhof und 
die Person des Predigers bestimmen sich nach der 
Konfession und dem Wohnungs-Kirchensprengel des 
Verstorbenen. 

EinFeuerbestattungs-Untemehmen gibt es in Ber- 
lin nicht. Man bringt den Leichnam nach Hamburg 
oder Gotha und wendet sich vorher am besten an 
den Berliner Verein „Die Flamme". Zur Beisetzung 
der Aschenumen ist ein Friedhof in Treptow einge- 
richtet. S. Kirchen und Sekten, 

Ti) UNSTERBLICHKEIT. 

M. w., machen wirl 

Den Weg zur Unsterblichkeit öffnen in Berlin 
die großen Theater- und Konzertagenten und die 
smarten Verleger sowie die Mäcene. Die wichtigsten 
von den Namen dieses Gebiets stehen darum passend 
am Ausgang eines Kapitels, das allen Kulturmenschen, 
auch den ehrgeizigen, Rat und Hilfe auf dem Pflaster 
der Reichshauptstadt bieten will. S. ferner Mäcene. 

Rieh. Bong, Potsdamerstr. 88. 

Moderne Kunst. Götz Krafft. 

J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nach!., Kochstr. 55. 
Berliner Filiale. Richtung Hermann Sudermann, 
Ludwig Fulda. Goethe-Schiller-KoUegiahtät. 

S. Fischer Verlag, Bülowstr. go. 

Verlag der modernen Schule. Richtung Ger- 
hart Hauptmann, Henrik Ibsen. 

Egon Fleischel & Co., Lützowstr, j. 
Romanverlag jeder Richtung. 



Bezugsquellen . aq c 

G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, Dessauer stf. i8, 

Romanverlag. Jörn Uhl. 
Emil Ledner, Taubenstr. 44/45- 

Theateragent. S. Dramatische Kunst, 
Vita, deutsches Verlagshaus G. m. b. H., Helgoländer 

Ufer 5. Romane wie Jena oder Sedan? 
Anton von Werner, Potsdamer str. 113. 

Die maßgebende Persönlichkeit für Aspiranten 

der bildenden Kunst. 
Hermann Wolff, Flottwellstr, i. 

Konzertdirektion von Weltruf. 

12. Bezugsquellen. 

Nicht mit Inseraten zu verwecheln! 

Agenturen. 

Annoncen- und Anschlagwesen: 

Haasens tein & Vogler, Leipziger str. 31/32, Zeitungs- 
annoncen. 
Rudolf Mosse, Jerusalemer str. 46/4^. Zeitungsannoncen. 
Nauck & Hartmann, Kurstr. 4g. Säulenanschlag. 

Billethandel : 

Vorverkauf an den Theaterkassen. Von 10 — %2, aus- 
nahmsweise 2 Uhr. Zuschlag in der Regel 50 — 30 Pf. 

Ed. Bote u. G. Bock, Leipziger str. 37. Konzerte. 

Invalidendank, Unter den Linden 24. Theater. Auf- 
schlag 50 Pf. 

Künstlerdank, Unter den Linden ig. Theater. Aufschlag 
SO Pf. 

Wertheim, Leipzigerstr. 132/135. Theater u. Konzerte. 
Kein Aufschlag. 

Bestimmungen über die Kgl. Theater: Vorverkauf 9 — 10 
und %ii — I Uhr, Sonn- und Feiertag 9 — 10 und 12 
bis 11/2 Uhr. Schriftlich. 

Grundstücks- und Hypothekenvermittler: 
Angress & Co., Leipzigerstr. 84. 
Julius M. Bier, Leipzigerstr. iii. 
Israel Schmidt Söhne, Leipzigerstr. 86. 
Wiener & Co., Königgrätzerstr. 9. 

Theater- und Konzertagenturen: 

Dora Bauer-Sachse, Unter den Linden 13. Für Künstler. 
FeUx Bloch Erben, Dorotheenstr, 61. Für Autoren und 
Künstler. 



496 

A. Entflch, Neue Wilhelmstr, i. Für Autoren. 
Emil Ledner, Taübenstr, 44/45. Für Künstler. 

WohnnngBnachweis : 

Israel Schmidt Söhne, Leipzigerstr, 86, 

Auktionshaus. 
Rudolph Lepke, Kochstr. 28/29. Berliner Hotel Drouot. 

Antiquitätenhandlungen. 

Adolph Fröscheis, Hessischer Hof- Antiquar, Wilhelmstr. 88. 
Max Heilbronner, Hoflieferant des Kaisers, Mohrenstr. 61. 
Friedrich Nolda, Kurfürstenstr. 106. Wohnungseinrichtungen. 
Warenhaus Wertheim, Leipzigerstr. 132/135. 

Automobilhandlungen und Reparaturwerkstätten. 

Allgemeine Elektrizitatsgesellschaf t, Schiffbauerdamm 22. 
Benz & Co., Mannheim, Grünstr. 5/6. 
Daimler-Motorengesellschaft, Cannstatt, Marienfelde. 
De Dion-Bouton, Charlottenburg, Wallstr. 13. 
Mercedes, Flinsch & Co., Behrenstr. 64. 
Opel-Darracq, Paulstr. 2of. 

Bier für den Hausbedarf. 

Aktiengesellschaft für Biervertrieb, Verlängerte Schöneberger- 
straße 15b. Echtes Pilsner, Münchner, Erlanger, Nürn- 
berger, Kulmbacher. 

F. & M. Camphausen, Möchernstr. 118. Pilsener Urquell. 

Patzenhofer, Taübenstr. 5. 

Schultheiß-Brauerei, Roonstr. 6. 

Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei, Seestraße. Leichtes 
Hiesiges. 

Buchbinder. 

W. CoUin, Hofbuchbinder, Leipzigerstr. ig. 
Karl Detzel, Potsdamerstr. iio. Für Amateure. 
Lüderitz & Bauer, Mauerstr. 80. Großbuchbinderei und 
Einzelarbeit. 

Buchhandlungen. 

Akademische Buchhandlung von Konrad Skopnik, Prinz 

Louis Ferdinandstr. i. Sortiment. Antiquariat. 
Amelangsche Buch- und Kunsthandlung, Charlottenburg, 

Kantstr. 64. Lesesaal. 
Asher & Co., Unter den Linden 13. Englisches Sortiment. 
S. Calvary & Co., Neue Wilhelmstr. i. Wissenschaftliches 

Antiquariat. 
Ferdinand Dümmler's Buchhandlung (Edm. Stein), Charlotten- 

Straße 61. Sortiment. 



Bezugsquellen. Any 

Gropius'sche Buch- und Kunsthandlung, Wilhelmstr. go. Sor- 
timent. 

Gsellius'sche Buchhandlung (F. W. Linde), Mohrenstr. 52, Sor- 
timent. Antiquariat. 

Hirschwald'sche Buchhandlung, Unter den Linden 68. Medizin. 

Mitscher & Röstell, Wilhelmstr. 4g. Sortiment. 

Mittler's Sortimentsbuchhandlung (A. Bath), Mohrenstr. ig 
und Neue Wilhelmstr. 2. Militaria. 

Nicolaische Buchhandlung Borstell & Reimarus, Dorotheen- 
str. T$. Berühmter Lesezirkel im ganzen Reich. 

Plahn'sche Buchhandlung (A. Schnitze), Französischestr. 33 d. 

Puttkammer & Mühlbrecht, Französischestr^ 28, Staats- und 
Rechtswissenschaften. 

F. Schneider & Co., Potsdamer str. jojii. Militaria. 

Speyer & Peters, Unter den Linden 43. Sortiment. Antiquariat. 

Struppe & Winkler, Potsdamerstr. 108. Juristisches Sortiment. 
Antiquariat. Mietbücherei. 

Ernst Wasmut, G. m. b. H., Markgraf enstr. 33. Architektur. 

W. Weber, Charlottenstr. 48. Sortiment. 

Chokoladehandlungen. 

Theodor Hildebrand & Sohn, Hoflieferant S. AI. des Königs, 

Leipzigerstr. 100. 
H. V. Hövell, Unter den Linden 12. 
„Sarotti" (Felix & Sarotti), Leipzigerstr. iig/120. 
Sawad6, Unter den Linden ig, 

Damenschneider und -Salons. 

Jules Bister, Unter den Linden 8. Pariser Salon. 

Herrmann Gerson, Werderscher Markt s/6. Berliner Salon. 

Siegfried Hertz, Mauerstr. 3y. 

Hermann Hoffmann, Friedrichstr. 50. Englischer Salon. 

August Lüders, Friedrichstr. 66. 

Bertha Pechstein, Friedrichstr. 203, 

Wilhelm N. Spitzer, K. u. K. Hoflieferant, Mohrenstr. 60. 

Wiener Salon. 
Otto Webers Trauermagazin, Mohrenstr. 35. 

Delikatessenhandlungen. 

T. W. Borchardt, Königl. Hoflieferant, Französischestr. 47/48. 

Carlo Dalbelli, italienische Delikatessenhandlung, Potsdamer- 
Straße 13. 

Lindstedt & Säuberlich, Königl. Hoflieferanten, Leipziger- 
straße 13. 

Eishandlungen. 
Norddeutsche Eiswerke, Aktiengesellschaft, Schützenstr. 68. 

Ber'.iii und die Berliner. ^2 



^pg Bezugsquellen. 

Eisenwaren. 
J. A. Henckels, Solingen, Leipzigerstr. ii8. 

Elektrotechnische Installation. 

Allgemeine Elektrizitäts- Gesellschaft, Schiffbauerdamm 22, 

Paul Hardegen & Co., Luisenufer 44. 

Elektrizitäts- Aktiengesellschaft (vorm. W. Lahmeyer & Co.), 

Kronprinzen- Ufer 4. Für Charlottenburg. 
Siemens & Halke A.-G., Askanischer Platz 3. 

Färbereien und chemische Waschanstalten. 
W. Cound6, Rungestr. 21. 
W. Spindler, Wallstr. gjJS. Filialen in allen Stadtteilen. 

Festungsbau. 

Schot tle & Schuster, Uhlandstr. 43. Filialen überaU da, wo 
der Reichstag die Mittel bewilligt. 

Fischhandlungen. 

Deutsche Dampf f ischerei - Gesellschaf t „Nordsee", Bahnhof 

Börse, Bogen 8jio. 
Franz Kahl, Hoffischermeister, Dresdenersir, 2y, 
E. Pflug, Joachimsthalerstr. 6. 

Friseure. 

Fran9ois Haby, Mittelstr. y/S. Hoffriseur des Kaisers. ,,Es 
ist erreicht." Einrichtung von Van de Velde. 

Albert Knöffler, Hotel Kaiserhof, Mauerstr, 56/ $8. Emp- 
fohlen auch für Damen. 

Eugene G6rard, Unter den Linden $g, Modes de Paris. Hof- 
friseur der Kaiserin. 

Gärtner. 

Gustav Bock, Hoflieferant des Kaisers und der Kaiserin, 

Unter den Linden S9- 
Otto Möhrke, Schillersir, 25. Moderne Spezialitäten. 
J. C. W. Schmidt, Hoflieferant des Königs, Unier den Linden 16, 

Gasinstallation, 

Auergesellschaft, Alte Jakobsir, 1391143. Gasherde. 
Wilhelm HÖppner, Neiielbecksir, 2, Profe.^sor Junkers Gas- 
badeöfen. 

Geflügel- und Wildprethandlungen. 

Lindstedt & Säuberlich, Kgl. Hoflieferanten, Leipzigerstr, 84, 
E. Pflug, Joachimsthalerstr, 6. 



Bezugsquellen. Agg 

Handschuhe. 

Carl Scheil, Leipzigerstr. 6 und Friedrichstr. i^y. 

Ausländische Handschuhe werden in Warenhäusern und 
Modewarengeschäften gekauft. 

Haushaltungsgeschäfte. 

E. Cohn, Leipzigerstr. 88. 

P. Raddatz & Co., Leipzigerstr.^ 123. 

Herrenmoden. 

Ernst Ebenstein, Behrenstr. 53. Wiener Moden. 
Faßkessel & Müntmann, Hofkleidermacher, Unter d. Linden 12. 
Hermann Hoffmann, Hoflieferant, Friedrichstr. 50/51. Sport- 
und Jagdkostüme. 

Hutgeschäfte. 

C. W. Borchert, Hoflieferant, Friedrichstr. 157. 

P. C. Habig, K. u. K. Österreich. Hofhutfabrikant, Friedrich- 

Straße 82 a. 
J. F. Reiser, Unter den Linden 2y. 

Juweliere. 

Gebr. Friedländer, Hof Juweliere des Kaisers, Unter den Lin- 
den 28. 

J. H. Werner, Hof Juwelier des Kaisers und der Kaiserin, 
Friedrichstr. 173. 

Kassenschränke. 
S. J. Arnheim, Leipzigerstr. 126. 

Keramik. 

C. Harsch & Co., Unter den Linden 66. 
Kgl. Porzellan - Manufaktur, Leipzigerstr. 2. Historisches 
und Modernes. 5. Technische Anlagen. 

Klaviere. 

C. Bechstein, Hoflieferant des Kaisers, Johannisstr. sjy. 
Julius Blüthner, Hof- Pianofortefabrikant, Potsdamerstr. 2yh. 
J. G. Irmler, Kgl. Hof piano- und Flügelfabrikant, Kleiststr.36. 
Schiedmayer & Co., Hoflieferanten, Bülowstr. 46. 

Kohlenhandlungen. 

Gustav Baerwald, Behrenstr. 30. 

Braunkohlen- und Brikett-Industrie, Unter den Linden 8. 

Konfektionsgeschäfte. 

Hermann Gerson, Werderscher Markt 5/6. Warenhaus. 
V. Manheimer, Oherwallstr. 6/7. Damenmäntel. 



CQQ Bezugsquellen. 

Rudolph Hertzog, Breitestr 15. Warenhaus iür Damen. 
Arnold Müller, Leipzigerstr. $9, Kindergarderobe. 

Korsetthan dlungen.^ 

Birgithe Monssen, Unter den Linden 54/55- Atelier. 
W. & G. Neumann, Blumenstr. 62. Fabrik. 
,,Palerma", Behrenstr. 5. Wiener Korsetts nach Maß. 

Krankenpflegeartikel.^ 

Bernhard Baudekow, Sanitäts-Bazar zum Roten Kreuz, Pols- 

damerstr. 57/58, 
M. Pech, Am Karlsbad 15. Mehrere Filialen. 

Kunstgewerbliche Magazine. 

Gladenbeck, A.-G., leipzigerstr. iii. Bronzen. 

HohenzoUern - Kunstgewerbehaus , Leipzigerstr, 13, Inter- 
national. 

E. Kayser, Leipzigerstr. 124. Kayserzinn. Kopenhagener 
Porzellan. 

Keller & Reiner, Potsdamer str. 122. Sezession. 

Adolph N^vir, Hoflieferant des Kaisers, Unter den Linden 14, 
Ältere Stile. 

Kunsthandlungen. 

Amsler & Ruthardt, Kgl. Hofkunsthändler, Behrenstr. 2g a. 

Stiche. Radierungen. 
Jacques Casper, Behrenstr, ly. Stiche. Radierungen. 
Paul Cassirer, Viktoriastr. 35. Sezession. 
Eduard Schulte, Unter den Linden i. Bilder aller Richtungen. 

Kürschner. 

C. A. Herpich Söhne, Leipzigerstr, g\ii. 

George Salbach, Kgl. Hofkürschnermeister, Unter den Lin- 
den 66. 

Lederwaren. 

J. Demuth, Unter den Linden 3 a. 

Moritz Mädler, Leipzigerstr. 101/ 102. Koffer. 

B. Sörensen, Mauerstr. 63 — 65. 

Milchhandlungen. 

C. Bolle, Alt-Moabit g8\i03. Berliner Milch - Großindustrie. 

Klingel-Bolle. S. Technische Anlagen. 

Militär-Effektengeschäfte. 

L. H. Berger, CoUani & Co., Lindenstr, 25. Hofüeferanten. 
P. Besser t-Nettelbeck, MarAgra/ens^r. 27a, Uniformstickereien. 
Gustav Damm, Mauerstr. 23. Tropen-Uniformen. 



Bezugsquellen. ^OI 

[Mineralwasser. 

Johannes Gerold, Unter den Linden 24. 
Wolff & Calmberg, Kleiststr. 39. 

Modistinnen. 

V. Altmann^ Jerusalemerstr. 15. 
M. Gerstel, Jägerstr. 2g — 31. 
Ciaire Kluge, Potsdamersir. 7. 

Möbelhandlungen. 

Gebrüder Bauer, Unter den Linden 2. 
Alfred Dunstry, Krausenstr. Ji. 
Flatow & Priemer, Charlottenstr. 18. 

Musikalienhandlungen. 

Ed. Bote & G. Bock, Hofmusikalienhandlung, Leipzigerstr. 37. 
Challiers Musikalienhandlung, Beuthstr. 10. 
Raabe & Plothow, Courbiirestr. 5. 

Obstgeschäfte. 

F. W. Borchardt, Französischestr. 47/48. 

E. Nollenberg, Hoflieferant, Unter den Linden 48/49. 

Strohkorb, Königgrdtzerstr. 71. 

Optiker. 

Eduard Meßter, Schiffbauerdamm 18. 

E. Petitpierre, Optiker des Kaisers, Charlottenstr. 33 a. 

Josef Rodenstock, Hoflieferant, Leipzigerstr. 101/ 102. 

Papierwarenhandlungen. 

Eugen Hahn, Friedrichstr. 78. 

M. Kimmelstiel & Co., Leipzigerstr. 34. 

A. Liebmann, Friedrichstr. 74. Karten und Gravuren. 

Parfümerien. 

L. Leichner, Schützenstr. 31. Theaterartikel. 
Gustav Lohse, HofUeferant, Unter den Linden 16. 

Photographische Ateliers. 

E. Bieber, Hofphotograph, Leipzigerstr. 128. Aristokratie. 

Aura Hertwig, Charlottenburg , Berlinerstr. 100. Künstlerische 
Aufnahmen. 

J. C. Scharwächter, Hofphotograph, Leipzigerstr. 130. Auch 
Aristokratie. 

Erich Seilin, Hofphotograph, Unter den Linden ig. Kaiser- 
bilder. 



C02 Bezugsqudlen. 

Photographische Bedarfsartikel. 

Ottomar Anschütz, Leipzigerstr. 115/116. 
Dr. Adolf Hesekiel & Co., Lützowstr. 2. 
Kodak- Gesellschaft, Leipzigerstr. 114. 

Sattler. 

Julius Erb, Kgl. Hofsattler, Jägerstr. 54. 
Fr. Hartmann, Hofsattler, Mohrenstr. 57. 

Schirme. 

Theodor Bode, Leipzigerstr. I2y. 

M. Wigdor & Sohn, Leipzigerstr. y2. 

Schuhmacher. 

Wilhelm Breitsprecher, Hofschuhmachermeister, Neue WH- 

helmstr. Jj. 
S. Dearneborg, Hofschuhmacher, Mohrenstr. 58. 
Aug. Müller, Friedrichstr, y8. 

Schuhwarenhandlungen. 

Adolf Barthmann, Friedrichstr. 60. Amerikanische Schuhe. 
Emil Jacoby, Friedrichstr. yo. Kinderschuhe. 
Carl Stiller, Friedrichstr. 73. Berliner Schuhe. 

Spediteure. 

Berliner Transport- Gesellschaft, Yorkstr. 35. 
Jacob & Valentin, Holzmarhtstr. 65. 
Gustav Knauer, Wichmannstr. 5. 

Paketfahrt-Gesellschaft Starke & Co., Ritterstr. 98/99. An- 
nahmestellen in den Bahnhöfen und Filialen. 

Tapezierer. , 

Krieg & Goerke, Jägerstr. 20. 

E. Ernst Seidel, Schellingstr. 16. 

Teppichhandlungen. 

Adutt, Mohrenstr. 63/64. 

Daci Amar, Kronenstr. i9/i9a. 

Gebhardt & Roessel, Hoflieferanten des Kaisers, Markgrafen- 

stf. 53/54- 

Uhrmacher. 

Joh. Hartmann vorm. W. Nevir, Hof Uhrmacher, Untet den 

Linden 48/49. 
C. Jupitz, Potsdamerstr. lo/ii. 

F. Zacher & Co., Unter den Linden 15. 



Bezugsquellen. 5 03 

Warenhäuser. 

Hermann Tietz, Leipzigerstr. 46J4g. Das östliche Louvre. | 
Warenhaus für deutsche Beamte, Bunsenstr. 2, 
A. Wertheim, Leipzigerstr, 132I136 und Rosenthalerstraße. Das 
westUche Louvre. S. Gebäude, 

Wäschehandlungen. 

E. Braun & Co., Unter den Linden 2. Wiener Damenwäsche. 

H. Königshausen & Co., Unter den Linden 53. Pariser Damen- 
wäsche. 

Au Camaval de Venise, Richard & Borkmann, Unter den 
Linden 57. Englische Herrenwäsche. 

Wasch- und Bügelanstalten. 

Darin übernimmt „Berlin und die Berliner" keine Verant- 
wortung. 

Waffenhandlungen. 

Otto Bock, Hoflieferant des Kaisers, Kronenstr. 9. 
Julius Heßmer, Hoflieferant des Fürsten zu Lippe, Mark- 
grafenstr. 42, 

Wagenhandlungen. 

Karl Wensky, Cuvrystr. 15, 

E. Zimmermann, Neue Wilhelmstr, i. Hof, Unionklub, 

Deutscher Sportverein. 

Weinhandlungen. 

Lorenz Adlon, Neustädtische Kirchstr. 15. Weinproben bei Hiller. 

F. W. Borchardt, Hoflieferant, Französischestr. 47I48. 
Julius Ewest, Hoflieferant, Behrenstr, 26 a, 

J. Langenbach & Söhne, Worms, Markgrafenstr. 22/23. Lieb- 
frauenmilch. Hoflieferanten des hochseligen Prinzen 
Friedrich Karl. 

A. Morschinski, Kurfürstenstr. 12, Nur Freyeisens Apfelwein. 

J. F. Menzer, Wilhelmstr, log/iio. Griechische Weine. 

Oswald Nier, Linienstr, 130. Filialen in allen Stadtgegenden. 
Bordeaux. 

W. Schlieben & Co., Lehrterstr, 38. 

Johann Baptist Sturm, Leipzigerstr. 67. Rheinweine. 

Zigarren. 

Boenicke & Eichner, Hoflieferanten, Französischestr. 21. Im- 
porten. 

Carl August Gerold, Unter den Linden 24. 

R. F. Liedtke, Unter den Linden 12. 

Loeser & Wolff, Sechsundsiebzig Straßenecken. Nicht zu ver- 
fehlen. 



504 



Warum wir Berlin lieben» 



Warum wir Berlin lieben. 

. . . grand bureau des merveilles! 
I. 

„Warum lieben wir Berlin? Man könnte eine 
exakte Untersuchung darüber anstellen. Mit A, B 
und C. Als Rechenexempel, wahrhaftig. Du mußt 
nur bedenken, was ein Globetrotter deiner Art überall 
auszusetzen weiß, und daß in Berlin ein Überschuß 
von Gründen da sein muß, der dich festhält. For- 
muliere diesen Überschuß. Daß du zufällig hier 
geboren bist, bedeutet dir nichts. Zieh' ab, was dir 
mißfällt, es wird dasjenige bleiben, was dem Gleich- 
gewichte deiner Gefühle hier dienlich ist. Befrage 
diese Gefühle und verbreite das Allgemeingültige. 
Phantasiere zur Not. Nur laß endlich die Maske 
fallen . . . Kein Ausbruch meiner süddeutschen Nör- 
gelei soll dich unterbrechen." 

II. 

,, Berlin . . . Berlin ist die Großstadt ohne un- 
lösbare Konflikte. Äußerlich wie innerlich. Nach 
den Gesetzen der natürlichen Windrose zerfällt es, 
und an dem Kompaß, der den geradesten Weg zeigt, 
fehlt es seinen Menschen nicht. Weil hier die Orien- 
tierung leicht ist, ist die Arbeit leicht. An einer 
Tätigkeit, die die Kosten ihrer Organisation lohnt, 
hat man Lust, und man ist mit Vergnügen tüchtig, 
wenn Plätze da sind, auf denen man es sein kann. 
Fleiß erzeugt wieder Fleiß, und „was geschehen kann, 
geschieht*' ist die Devise, die mich durch die Straßen, 
die Tagesgeschichte, die Verwaltung der Stadt be- 
gleitet. Berlin hat etwas Aufgelöstes. Weder mit 
eitlen Problemen, noch mit kraftloser Sehnsucht quält 
man sich hier. Die Wirklichkeit herrscht und die 
Siegesgewißheit. 



Warum wir Berlin lieben. cq^ 

Hier sind die großen Gegensätze nicht in sumpfi- 
gem Fließen, nicht bedrohlich, sondern in Wege ge- 
bahnt. Der Reiche ist reich, der Arme arm. Man 
findet sich in rüstigem Streben damit ab. Die 
Polizei hat ihre Akten darüber. Lautlos trotz allem 
natürlichen, unvermeidlichen, gesunden Lärm der 
Konkurrenz gleicht das freie Spiel der Kräfte sich 
aus. Behörden und Zeitungen machen am Ende eine 
schöne Statistik über den Wechsel der Existenzen, 
und im Warenhaus lebt ein Teil von jener Energie, 
die im Geschäftsleben einer Großstadt täglich irgend- 
wo stirbt, immer wieder und mit einem Schimmer von 
Unvergänglichkeit auf. Ein winziger Bruchteil mag 
zugrunde gehen. Non omnis moriatur . . . Die Lebens- 
kraft ist es, die wir lieben. 

Ein gemeinsamer Grundton, das A der großen 
sozialen Stimmgabel, ist hier angeschlagen; tief, breit 
und derb. Die zupackende Grobheit als die primitivste 
und darum der Verallgemeinenmg fähigste Lebens- 
form versteht sich von selbst. Sie ist das Berlinische, 
das Natürliche und darum das Gesunde. Jeder geht 
in seinen Ansprüchen an den andern so weit, wie er 
nur irgend kann; der andere, das weiß er, kennt ja 
die Grenzen seiner Pflicht und sieht sich schon vor. 
Aug* in Auge stehen sie einander gegenüber . . . 
„Mensch, du hast mir ja meine Rabatten zertreten, 
da krieg ich 'ne Entschädigung für!" — „Mensch, du 
kohlst, ich denk' j a nicht dran ! * * Wenn es nicht gerade 
Kerle mit bösen Instinkten sind, kommen sie bei 
solcher Deutlichkeit ganz brillant miteinander aus. 

Die berlinische Derbheit, der Grundton, ist Sache 
der Ordnung ; man will vor allem von einander wissen, 
woran man ist. Aber die Obertöne sind das Mildernde, 
die Ausnahme, auf die sich unser verweichlichtes 
Leben selbst hier gelegentlich abstimmen muß. Druck 
erzeugt Gegendruck, aber Zuvorkommenheit wieder 
Zuvorkommenheit, und der Berliner wird höflich, 
wenn man ihm selber unberlinisch kommt. Rührend 



^o6 Warum wir Berlin lieben. 

und beinahe graziös ist seine Rücksicht auf den schüch- 
ternen Fremden. Er reißt den Kneifer von der Nase; 
mit schalkhaftem Lächehi im Auge unterdrückt er 
das Kraftwort, das ihm auf jeden Fall sofort in der 
Kehle saß; von Natur ein wenig linkisch, zeigt er, 
daß er als Großstädter auch anders sein kann. Und 
das kleidet ihn gar nicht schlecht. Wenn die Grobheit 
der Mantel ist, in dem er des Alltags, ein Feldwebel 
des Lebens, ausrückt, so ist die Courtoisie ihm ein 
zu spärUchem Schmuck aufgenähter Besatz. Man ist 
überrascht, wenn man ihn findet; man ist entzückt. 
Um seines plumpen Zugs von Gutmütigkeit willen 
liebt man Berün. 

Der Ordnungssinn verlangt ein niedrig gegriffenes 
volkstümliches Gesamtreglement, aber eben dieser 
Sinn verfeinert sich auch und treibt eine wundervolle 
menschliche Blüte, und das ist die Vorurteilslosigkeit. . . 
Berlin ist heute in Europa und vielleicht auch dem 
gesellschaftlichen Cant Neuamerikas gegenüber die 
beweglichste Großstadt. Urväter Hausrat ist hier 
nicht aufgestapelt. Keine pietätvoll gehütete Extra- 
vaganz versperrt der Neuerung den Weg. In diesem 
Wunderladen ist für alles Platz, nur eben nicht für 
Vorurteüe, und wenn irgendwo, so zeigt sich grade 
am Beispiel Berlins, daß die dunklen Spinnweben- 
ecken einer mangelhaften, nicht die Systeme einer 
übertriebenen Ordnungssucht es sind, die uns schwer- 
blütig in der Entwicklung machen. Wo mit den un- 
sauberen Winkeln aufgeräumt ist, ist die Toleranz 
das Selbstverständliche. Auch um dieser Entdeckung 
willen lieben wir Berlin . . . Wir nehmen dafür in 
den Kauf, daß man unseren Ordnungssinn anderswo 
Polizeigeist nennt; nicht einmal vor der Schluß- 
folgerung schrecken wir zurück, daß man diesen 
Polizeigeist nun als Träger des Fortschritts bezeichne. 
Denn wahrhaftig, manchmal ist er es. Er weiß bloß 
nichts davon. Er sollte es eigentlich auch nie erfahren. 

Berlin hat etwas Aufgelöstes und Befreiendes . . . 



Warum wir Berlin lieben. 



507 



in seiner Sachlichkeit, seiner Nüchternheit, seinen 
Straßen. Sein Blutkreislauf liegt sauber und sichtbar, 
wie in einem wundervollen anatomischen Präparat, 
zutage; seine Größe, so drückend geheimnisvoll auch 
die Vorstellung davon den einzelnen erfassen mag, ist 
gegliedert; die Friedlichkeit, mit der seine grauen 
Häusermassen sich lichtvoll verteilen, wirkt mit der 
Kraft eines Symbols . . . Übersichtliche Dimensionen 
begünstigen übersichtliches Denken, und wenn auch 
ein kräftiger Schuß Romantik in der steinernen Ge- 
schichte unserer Spreeinsel nicht fehlt, durchaus nicht 
fehlt, so ist es doch niemals Romantik, in der man 
ertrinkt. An der nächsten Straßenecke glättet sie 
sich wieder. Krauses Gewirr klärt sich sofort wieder 
auf. In dem beglückenden Gefühl der Freiheit trium- 
phiert man über das tändelnde Nebeneinander von 
alt und neu. Menschliche Selbstbestimmung steht 
beruhigend hinter beidem. Man bleibt Herr seiner 
Stimmungen . . . Beachte die grünen Naturanlagen 
in Berlin. Worin liegt ihre beste Wirkung? Nicht 
eigenthch in der Fülle, nicht in den üppigen Aus- 
läufern des Tiergartens; am ehesten, scheint mir, in 
der Sauberkeit und der Gerechtigkeit ihrer Verteilung. 
Die meisten Straßen haben ihre Alleen und unzähhge 
Häuser ihr kleines grünes Vorland. Bei den Reichsten 
und bei den Ärmsten. Hier und da ist sogar noch 
ein alter Ahombaum hinter dem Gitter stehen ge- 
blieben. Das Liebevolle dieser Ordnung, so äußerlich 
sie auch sei, ergreift uns; daß hinter solchen vom 
Gesetz bewachten Gartenfassaden den Menschen der 
letzte Halt nicht fehlen könne, ist die Illusion des 
Spaziergängers . . . Ein Polizeikönigtum hat auch 
dies und hat es sicher nicht um unserer Illusionen 
wülen angebahnt. Aber was schadet's: Wir Enkel 
der Freiheit genießen es heute auf unsere Weise und 
empfinden, daß selbst die wenigen alten Formen 
Berlins, die ihm geblieben, der bürgerüchen Moderne 
Vorarbeit waren. Die alten Schläuche bergen neuen 



cqS Warum wir Berlin lieben. . 

Wein. Um unserer Pietätlosigkeit willen lieben wir 
Berlin. 

Was ist denn Freiheit, was Ordnung! Ohne ein- 
ander wären beide nicht denkbar. Die Freiheit des 
einen schützt sich vor der Freiheit des andern, und 
wenn die Herrschaft der Obrigkeit sich geschichtlich 
als der letzte Rest eines Machtvorurteils darstellt, 
praktisch ist sie uns als die chemische Verbindung 
unvermeidücher Gegensätze selbstverständlich. In 
dem großen Laboratorium Berlin sehe ich das so 
musterhaft veranschaulicht. Vielleicht leiten mich 
Trugbilder, aber nur auf den Eindruck kommt es 
hier ja an . . . Wo alle Verhältnisse auf Zweckmäßig- 
keit gebaut sind, da sind sie auch zu durchschauen; 
da sind sie typisch und bereiten den Genuß des 
Typischen. Ist dies nicht am Ende unser letztes Ge- 
heimnis? Berlin ist eine so logisch-lehrreiche Stadt. 
Weil es unser Interesse nicht bloß reizt, nicht aus- 
schheßlich reizt wie die eigenthch interessanten Städte, 
sondern erfüllt und befriedigt wie ein frei sichtbares 
Experiment, auch darum lieben wir es. Aus Freude 
an der Klarheit Heben wir es. 

Berlin ist der Ort, der die wertlosen Einseitig- 
keiten abschleift, deshalb ist es denen so lieb, die ihre 
wertvolleren ungefährdet bewahren wollen. Das will- 
kommene Medium, das den einzelnen schützt, ist hier 
die große, gegliederte, unzerklüftete Masse. Hier lebt 
der Mittelstand in Tausenden von Vereinen und doch 
nicht unter dem Vorurteil einer Kaste. Hier ist 
jeder so selbständig und auch so einsam wie er mag. 
Hier prallen die Wellen eigensinniger Kultur- Gegen- 
sätze, die von Osten und Westen herankommen, in 
schäumender Brandung ab und verrinnen . . . Zwei 
Welten stehen einander in Preußen gegenüber. Der 
Westen als die heitere, oberflächlich und festlich 
herausfordernde Hälfte, stolz auf unseren Rhein, 
dekoriert mit den Farben der Studenten, froh seiner 
Bildwerke und Lieder; der Osten stiller, schlauer. 



Warum vdr Berlin lieben. 



509 



innerlicher, aber herb und bedrohlich in seinem Ernst. 
Dort der moderne, hier der patriarchalische Nationalis- 
mus. In Berlin treffen sie sich. Die eine Übertreibung 
muß sich vor der anderen beugen, beide werden 
staatsbürgerlich, ein neutrales Ganzes kommt zu- 
stande . . . Die große Maschine Berlin nützt die 
Kräfte und verwirft die Privilegien, und wenn auch 
die Widersprüche sich stark genug hier erhalten, um 
den auf Kulturverhältnisse gerichteten Blick mit 
ihrer lebensvollen Zeichnung zu fesseln, auch ernst 
genug, um alljährlich tausende in die Löcher der 
Weltordnung hinunter zu stoßen : der unpersönlichste 
und gerechteste Menschenausgleich findet doch grade 
nur beim größten Menschenverbrauch statt. Und 
auch um dieser Gewißheit willen lieben wir Berlin. 
Und schließlich: Aus Gegensätzen besteht alles 
Leben und alle Geschichte. Daß jede Erscheinung 
zwei Seiten hat, versöhnt uns mit ihrer UnvoU- 
kommenheit, und es ist wundervoll, daß aus der 
Mitte desselben Preußentums, das man in der Ver- 
körperung seiner Hauptstadt manchmal fürchten zu 
sollen glaubt, der taghell heitere Freigeist von Sans- 
souci uns über ein Jahrhundert hinweg grüßt. Auch 
er ist Berlin . . .'* 



Als Seitenstück zu Berlin und die Berliner 
ist erschienen: 



Preis in Leinwandband 4 Mark. 
J. Bielefelds Verlag in Karlsruhe (Baden). 

Ein modemer Führer mit ausführlichen Katalogen 
und wertvollen Winken, ein treffendes, vielfach hu- 
moristisches Bild der Münchener Gesellschaft und 
Sitten, eine vorzügliche Charakteristik der politischen, 
literarischen und künstlerischen Persönlichkeiten, die 
lebhafte Erörterungen hervorgerufen hat. 



5" 



Was will dies Buch? 

Wer etwas ist, findet in diesem 
Buch ein Brevier; wer etwas sein 
will in München, legt es wenigstens 
auf seinen Tisch. 

München und die Münchener 1 Der Titel sagt 
alles. Dies Buch soll ein Kulturbild sein: Deutsch- 
lands künstlerische Hauptstadt, ihr Anblick, ihr In- 
halt, ihre Bevölkerung am Anfang des 20. Jahr- 
hunderts. 

Dies Buch soll ein Nachschlagewerk sein. Es 
enthält alles Sehenswürdige, alles Wissenswerte über 
das heutige Isar-Athen und die vielen interessanten 
Menschen, welche dem äußerlichen und geistigen, 
dem politischen und gesellschaftlichen Münchener 
Leben seinen eigenartigen Charakter verleihen. 

Dies Buch soll ein Führer sein für Einheimische 
und Fremde an allen Orten, in allen Lagen, bei allen 
Fragen. Ein Führer durch Natur und Kunstwelt, 
in der Münchener Gesfellschaft und auch außerhalb 
derselben. 

Leute! Wer ist wer? Die Frage wird beantwortet 
für jede Persönlichkeit, bei der sie sich erheben mag, 
kurz, bezeichnend, mit gutmütigem Humor, wo nicht 
Ernst geboten ist. 

Kein Kluger wird den Scherz verübeln. Wer 
Geist hat, lacht am liebsten über sich selbst. Und 
sollten sich doch in der ba3nischen Großstadt mit 
ihrem ausgeprägt kleinstädtisch-gemütlichen Charak- 
ter unter der halben Million Einwohner einige Menschen 
finden, die sich tumötigerweise ärgern, so mögen sie 
schweigen und über den Spruch nachdenken: 

Wer sich nicht selbst zum Besten haben kann, 

Gehört gewiß nicht zu den Besten. 



1*12 ^^a^ \\U'' <^Ho-. üuch ? 

Dinge 1 Freilich haben wir vortreffliche Führer 
durch München, die uns über Gebäude, Sammlungen, 
Behörden und vieles andere Aufschluß geben; dies 
Buch will auch nicht mit den Baedeker, Meyer, Traut- 
wein konkurrieren: es will mehr. 

Der Genuß der Dinge, die Benützung der Ein- 
richtungen, die Gestaltung des Lebens, die Befrie- 
digung künstlerischen und wissenschaftlichen Stre- 
bens, die ernsten und auch die so charakteristischen 
heiteren Vergnügungen sind in einer Form darge- 
stellt, daß die Kapitel dem frohgesinnten Besucher 
der einzigen Stadt, dem Glücklichen, der sich dauernd 
hier niederläßt, und dem eingeborenen Münchener 
Kind, das ja seine Heimat meist nur zu wenig kennt, 
tausend Anregungen bieten und den Wunsch er- 
wecken, München, das unvergleichliche, zu allen 
Jahreszeiten gründüch zu studieren. 

Wer dies Buch benützt, gilt bis zum Beweise des 
Gegenteils für einen Menschen von Geschmack und 
eigenem Urteü; es wird ihm also nicht vorgeschrieben, 
was ihm zu gefallen hat. Wohl aber fehlt nichts, das 
zur Erklärung nötig wäre. 

Wer dies Buch bei sich trägt, wird nicht achtlos 
an Werken vorübergehen, die ihm in seiner indivi- 
duellen Empfindung Freude bereiten können. Es ist 
kein Buch von kunstgeschichtlicher Prätension, aber 
auch keine Dienstvorschrift für das stumpfsinnig 
dahinrennende Herdenvieh der Gesellschaftsreisen. 

Sitten! Nicht bloß das höfische Parkett ist glatt, 
auch über die örtlichen Eigentümlichkeiten des Ge- 
sellschaftslebens strauchelt leicht der Fremde, der 
Neuling, das Naturkind. 

Die Gesellschaft hält gern Heerschau über ihre 
Angehörigen. Mit geteilten Gefühlen bewundert der 
noch außerhalb stehende Zeitgenosse den Klang der 
Namen, die Pracht der Titel und Orden, die Schön- 
heit der Damen und ihrer Toiletten. Dies Buch um- 
grenzt die Gesellschaft. 



Was wiU dios Buch? 513 

• 

Ein frisch und derb gezeichnetes Bild des farben- 
frohen Münchener Lebens im Salon, an den Zentren 
des öffentlichen Verkehrs, mit seinen Volksgebräu- 
chen, mit Spiel und Sport, mit seiner bajuvarisch- 
bierschweren Gemütlichkeit und seinem selbstironi- 
schen Partikularismus, seiner goldigen Mundart und 
seiner südostmärkischen Anmut, der Patina seiner 
völkervermengenden Vergangenheit, dem gesunden 
Zuge seiner kunstfrohen Gegenwart, dem mächtigen 
geistigen und wissenschaftlichen Aufschwung kraft 
seiner Eigenschaft als eines der wichtigsten und 
kräftigsten kulturellen Mittelpunkte des einigen 
Deutschen Reiches. 

Winke! Wie lerne ich München keimen? Wie 
lebe ich gut und billig? Wie führe ich bequem 
Haushalt? Wie reise ich am angenehmsten? Welche 
öffentlichen Einrichtungen stehen mir zu Gebote? 
Wo kaufe ich ein? Wie vermeide ich die Unannehm- 
lichkeiten unserer deutschen Vielregiererei? Wie 
helfe ich mir in allen mögUchen Zwischenfällen des 
Alltagsdaseins und des Reiselebens? Wie komme ich 
zu Hof? 

Alles beantwortet dies Buch. 



Urteüe 

über München und die Münchener 
siehe Seite 515, 519, 523, 529. 



Berlin und die Berliner. 33 



514 



Inhalt von „München und die Münchener". 



Was will dies Buch? 

I. Leute. 

1. Gesellschaft. 

A. Hof. 

B. Einheimische Kreise. 

C. Fremde. 

2. Politik. 

3. Literatur und Journa- 

listik. 

4. Musik und Theater. 

5. Bildende Kunst. 

6. Wissenschaft. 

7. Wer sonst noch be- 

kannt ist. 

8. Lebende Schönheits- 

galerie. 

9. Wer ist das eigentlich? 

II. Dinge. 

1. Gebäude. 

2. Denkmäler. 

3. Sammlungen. 

4. Bibliotheken. 

5. Behörden und Geist- 

Uchkeit. 

6. Garnison und militäri- 

sche Behörden. 

7. Lehranstalten. 

8. Klubs, Vereine, Stu- 

dentenschaft. 

9. Presse. 

IG. Ausstellungen. 

11. Vergnügungen. 

a) Theater. 

b) Konzo-te. 

c) Tingeltangel. 

d) Bälle. 

e) Redouten. 

12. Spaziergänge. 

13. Landleben. 

14. Ausflüge. 



III. Sitten. 

1. Bei Hofe. 

a) Hofrangordnimg. 

b) Zeremoniell. 

c) Bayrische Orden. 

d) Geburts- und Namensfeste 
im Königlichen Hause. 

e) Pagerie. 

2. Besuche und Einladun- 

gen. 

3. Wo verkehrt man? 

4. Wo trifft man sich? 

5. Selbstverständliches — 

Allzuselbstverständ- 
Uches. 
'6. Blamier' dich nicht! 

7. Dialekt und Redens- 

arten. 

8. Festtage. 
• 9. Sport. 

IV. Winke. 

1. Klima. 

2. Wohnung, Miete, 

Steuern. 

3. Dienstboten. 

4. Polizei- u. Meldewesen, 

5. Post, Telegraph und 

Telephon. 

6. Eisenbahn und Reise. 

7. Verkehrsmittel. 

8. Hotels und Pensionen. 

9. Restaurants, Caf6s. 
IG. Bier und abermals Bier. 

11. Trinkgeld. 

12. Wo finden Sie Rat und 

Hilfe? 

13. Bezugsquellen. 

14. Andenken und Ge- 

schenke. 

15. Ein paar Zahlen. 



515 

Die Meinung des Weltblatts über 
München und die Münchener. 



Frankfurter Zeitung: Ein sehr praktisches Nach- 
schlagewerk für alles Sehenswürdige, alles Wissenswerte 
über das heutige Isar-Athen. Das originelle, in knappster^ 
oft impressionistischer Form mit Witz und Laune geschrie- 
bene Buch bedeutet den üblichen farblosen Reiseführern 
gegenüber einen Fortschritt. 

Neue freie Presse: Ein eigenartiges Buch. Es wird 
Schule machen. Die üblichen Reisebücher führen uns durch 
die Strafien, sie zeigen uns die Gebäude, die Plätze, die 
Monumente. Dieses Werk bietet ims das Kulturbild einer 
Stadt. Es enthält alles Wissenswerte über das gesell« 
schaftliche Leben Münchens. Es führt uns die charakte- 
ristischen Persönlichkeiten yor, die der Stadt ihr Gepräge 
aufdrücken. Es schildert die Sitten und die Besonderheit 
Münchener Leute. Der Autor, der sich nicht genannt hat, 
ist ohne Zweifel ein Mann von Begabung. Er sagt im 
Vorworte, er habe ein frisch und derb gezeichnetes Bild 
der bayrischen Hauptstadt entwerfen wollen. In der Tat: 
es ist frisch. Und in der Tat: es ist derb. 



Die Meinung der unparteiischen Presse. 

Tägliche Rundschau: Ein drolliges und unterhal- 
tendes Auskunftsbuch ist es, das vor uns auf dem Tisch 
liegt. Es ist ein lustiger Cicerone, der um brauchbar zu 
sein, natürlich gründlich sein muß, im Übrigen aber seine 
Mitteilungen, wo es nur der Stoff zuläßt, im scherzhaften 
Tone eines munteren und vielwissenden Reisebegleiters macht. 
Der gutmütige, manchmal auch etwas sarkastische Humor 
steht gerade einem Buch über das lebenslustige München 
wohl an. Aus der Überschrift einiger Untertitel ersieht der 
Leser, daß der ungenannte Herausgeber es für seine Pflicht 
hält, gewissermaßen spielend zu belehren. Somit bildet das 
ganze Buch, das eine eigenartige Vermischung von Adreß- 
buch und Reiseführer darstellt, einen neuen Typus, der im 
übrigen mit den bisher bekannten trefflichen Werken dieser 
Art nicht in Wettbewerb treten will. Es ist ebensowohl 
ein Brevier für den Salon, als ein Buch für die Tasche, ein 
eiliger Führer, wie ein ruhiges Nachschlagebuch, oft auch 
ein ungalanter Ausplauderer, der Pseudonyme lüftet und 
allerlei kleine Schwächen aufdeckt. Es charakterisiert im 
übrigen die Personen und Dinge kurz und bündig, ohne 
vorzuschreiben, was einem gefallen soll oder nicht. 

33* 



517 



Verlag von Philipp Beclam Jan., Leipzig. 



In Reclams Universal-Bibliothek 

erschien von 

Paul Lindenberg:: 

Berliner Polizei 
und Verbrechertum 

(Nr. 2996/97) 40 Pf. 

Aus dem Berlin 
Kaiser Wilhelms I. 

(Nr. 2779/80) 40 Pf. 

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6 Bände ä 20 Pf. 

Bilder und Skizzen (Nr. 1841). 
Die Nationalgalerie (Nr. 1870). 
Umgebung Berlins. 4.vermehrte 

Auflage (Nr. 1919). 

Stimmungsbilder (Nr. 2004). 

Neu -Berlin. Skizzen und Schü- 
derungen (Nr. 2131). 

Potsdam und der Spreewald 

(Nr. 2553). 



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2. Band 

3. Band 

4. Band 

5. Band 

6. Band 



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HDie Meisterwerke der Iji 

bedeutendsten Galerien Europas ■■ 

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Band II. Kgl. Galerie Dresden. 223 Kunstdrucke 

Bändln. National Galler y London. 222 Kunst- 
drucke 

Band IV. Rijks- Museum Amsterdam 
208 Kunstdrucke 
Preis eines jeden Bandes 12 Mark 

Band V. Kgl. Galerie im Haag und Galerie 
der Stadt Haarlem. 125 Kunstdrucke 
Preis 9 Mark 

Band VI. Kgl. Galerie Cassel. 209 Kunst- 
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Band II mit einleitendem Text von 
Dr. Herbert Hirth, Band III/VI mit einleiten- 
dem Text von Dr. Karl Voll, Konservator an 
der Münchener Alten Pinakothek. 



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Illustrierter Prospekt kostenlos vom Verleger. 



Zu beziehen durch jede Buch- und Kunst- 
handlung oder unmittelbar von 

Franz HanfstaeogI, Kunstverlag 

====^ Mfinchen ===== 



519 

Die Meinung des ultramontanen Lokalblatts 
über München und die Münchener. 



Bayerischer Kurier und Münchener Fremden- 
blatt: Unter dem Einflufi der sommerlichen Hitze hat ein, 
glücklicherweise nicht genannter, Autor ein Produkt auf 
den Büchermarkt geworfen, dessen charakteristische Merk- 
male: Unverfrorenheit und von keinerlei Sachkenntnis ge- 
trübter Blick sind. Da£ man nach Karlsruhe gehen mufi, 
um zu wissen, was in München los ist, bildet die geringste 
Sonderbarkeit des in seiner Art originellen Opus. In der 
Einleitung wird gesagt: Das Buch soll ein Kulturbild ^sein" 
(„bieten" wäre wohl logischer gewesen); es soll ferner ein 
Nachschlagewerk und ein Führer sein. Der Inhalt ist in 
vier Abschnitte eingeteilt: Leute, Dinge, Sitten, Winke. 
Der erste Abschnitt enthält ein einfaches Adreßbuch be- 
kannter Münchener Persönlichkeiten. Bedenklich ist das 
Kapitel „Lebende Schönheitsgalerie". Es sind da ein paar 
allgemein bekannte Damen, Gattinnen von Münchener Künst- 
lern, genannt, die sich bedanken werden, wie die „Sehens- 
würdigkeiten^^ aufgeführt zu sein. Und die nicht Genann- 
ten werden womöglich Beleidigungsklage stellen. Der 
zweite Abschnitt bringt einen Abklatsch aus irgend einem 
Münchener Führer, den man in jedem Hotel gratis erhält. 
Sehr amüsant ist der Teil, der sich mit den „Sitten^^ be- 
schäftigt. Man erfährt da, wie man sich bei Hof zu be- 
nehmen hat (für Passanten besonders wichtig!); daß man 
Besuche „kurz und anständig" erledigen muß; daß „Ein- 
ladungen zu den verschiedenen Gelegenheiten" versandt 
werden; daß man zum Frühstück um i Uhr im Straßen- 
anzug geht (was werden die an Hemdärmel gewöhnten 
Weißwürste im Hofbräuhaus dazu sagen) ; daß Trinksprüche 
nicht mehr üblich sind usw. usw. Nachher kommt das be- 
kannte Kapitel: „Wo trifft man sich?**; dann etwas von der 
Toilette (bitte, keine Nebengedanken); dann ein paar auf- 
geschnappte Dialektredensarten (die besten fehlen, wie: 
G'scherter Rammel; Mistiger Bazi; Spinnata Tropf. Den 
„Trottel" hat der Verfasser zum Glück nicht vergessen). 
Unter „Verkehrsmittel" figurieren u. a. drei Münchener 
Hebammen, deren Kenntnis offenbar gerade in München 
sehr wichtig erscheint. Kurz: ein Sammelsurium von teils 
Unwesentlichem und jedermann Bekanntem, teils Falschem 
und Albernem. Und dafür soll einer 4M. bezahlen 1 

Zum Verständnis dieser Kritik vergleiche man die Ab- 
schnitte: Literatur und Journalistik, Bildende Kunst, und vor 
allem Politik und Presse im Buche. 



520 



r 





Ein Beitrag zur Kulturgeschichte 
des neunzehnten Jahrhunderts. 

Porträt-Skizzen 

berühmter und bekannter Persönlichkeiten, 
vornehmlich aus dem alten Berlin 

von 

Franz Krüger. 

statt M. 28. — M. 12. — . 



i 



1 



Einzelne Blätter — soweit der Vorrat reicht — 

M. —.50. 

Alexander Duncker 

Königliche Hofbuchhandlung 
Berlin W. 35, Lützowstraße 43. 



I 




J 



Inhalt des Werkes : 



S2I 



I. 

2. 

3. 
4. 
5. 

6. 

7. 
8. 

9* 
10. 



U II. 
12. 

13. 
14. 

16. 

17- 
18. 

19. 

20. 



1 



FriedrichWilhelmlll. 
Alexander von Hum- 
boldt. 

Christian Rauch. 
General v.Neumann. 
Joseph Mendelssohn. 
Jakob Grimm. 
Wilhelm Grimm, 
Gruppenbild(6Künst- 
1er). 

Prinz Wilhelm von 
Preußen. 

Hermann Graf von 
Pückler. 
Major Blesson. 
Heinrich Wilhelm 
Krausnick. 
Johann Gottfried 
Schadow. 

Friedrich Carl von 
Savigny. 
Carl Friedrich 
Kurschmann. 
Charlotte von Hagn. 
Fürst Wilhelm zu 
Sayn -Wittgenstein. 
Graf Arnim-Boitzen- 
burg. 

Karl Friedrich Schin- 
kel. 

Martin Heinrich Carl 
Lichtenstein. 



21. Philipp Konrad Mar- 
heineke. 

22. Dr. Stephan Friedrich 
Barez. 

23. JohannGottfriedKarl 
Wauer. JohannFried- 
rich Ferd. Rüthling. 

24. Auguste Crelinger, 
Bertha u. Clara Stich. 

25. Christian Friedrich 
Tieck. 

26. Peter Christian WU- 
helm Beuth. 

27. Johann Friedrich 
Dieffenbach. 

28. Carl Begas. 

29. Ferdinand von Lam- 
precht. 

30. Wilhelm Wach. 
31.. Friedrich August 

Stüler. 

32. Pauline von Decker. 

33. Peter von Cornelius. 

34. Adolph Henning. 

35. Auguste Fürstin von 
Liegnitz. 

36. Friedrich Wilh. Jos. 
V. Schelling. 

37. Henriette v.Paalzow. 

38. Johann LudwigTieck. 

39. Auguste v.Fassmann. 

40. Wamick. 





522 



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interessanten Aufsätzen über die Bergwelt, Schil- 
derungen fesselnder Fels- und Eistouren, von 
reizvollen alpinen Spaziergängen und herrlichen 
Talwanderungen mit zaidreichen instruktiven 
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photographie, Verkehrswesen etc. geschmückt 
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nur H. 8.50, K. 4.20, fr. 4.50. 

Verlag der 



DeiitscMAliiiMeitiiiliiiiitLiiii 




Wien. 



München. 



Zürich. 



Man verUmge Probeheft mit Prospekt 



„Man besehe sich nur diese prächtigen Bilder, die dnem 
die Bergwelt in ihrer Größe, ihrer Wucht, ihrem Adel, ihrer Fülle 
der Gestalten leibhaftig ins Zimmer zaubern." 

(Tagblatt, St Gallen.) 
. . . „der Verlag hat mit deren splendider Ausstattung ohne- 
hhi schon aUe IbnUdMi PabUkattoiiai fibeififigett.«« 

(Die Kunst-München.) 



523 

Die Meinung des liberalen Provinzblatts 
über München und die Münchener. 

Regensburger Tagblatt: Wenn ich jemals ein ganz 
eigenartiges Adrefibuch in den Händen hatte, so liegt es 
jetzt vor mir. In einem elegant gebundenen Halbfränzchen 
werden uns in der Anordnung einer Galerie alle Sehens- 
würdigkeiten der deutschen Kunstmetropole, ihre Politiker, 
Künstler, von denen jeder eine Fußnote mit den charakte- 
ristischen Merkmalen, wie sie der Verfasser mit treffendem 
Witz destilliert hat, zur Revue eines behaglichen Beschauens 
vorübergeführt. Und selbst der stärkste Hypochonder ver- 
spürt es immer mächtiger, wie die Fäuste dieses robusten 
Humors ihm das Zwerchfell grault, sodaß er aus dem Lachen 
gar nicht herauskommt, (siel) 

Das 400 Seiten starke Buch ist ein lokaler Büchmann, 
das den feierlichen Ernst dieses Zitatennamens beiseite läßt 
und besonders Leute und Sitten durch die Brille des Hu- 
mors, eines nirgends versagenden, geistreichen Witzes sieht. 
Was will das Buch? Die erste Seite sucht uns auf diese 
berechtigte Frage eine Antwort zu geben. 

Dies Versprechen erfüllt das Werk vollständig. Ziehen 
wir einige Quintessenz heraus : Dr. Max Graf von Feilitzsch, 
Staatsminister des Innern. Noch im Amte. — Ernst Graf 
von Moy, Kunstmäcen. Pflegt 100 000 M. zu schenken, 
wenn der zweiten Kammer das nötige Verständnis fehlt. — 
Georg Edler von Vollmar, Landtag, Reichstag, Herzog der 
Sozialdemokraten. — Dr. Leopold Casselmann, Mitursache 
des liberalen Aufschwungs. (Zu beachten, daß das Buch vor den 
Wahlen erschienen ist. D. Red.) — Und wie alle die Herren 
aus der politischen Ära, so wird in launiger Weise auch 
die jenseitige Welt der Dichter, Künstler, Schriftsteller, 

Journalisten apostrophiert, z. B. Und so wird jeder 

einigermaßen in den Vordergrund tretende Mensch mit 
dem an ihm hervortretenden Charakteristikum angesprochen, 
und das offene Auge vermittelt das treffende Sprüchlein 
dem Lachmuskel, der in steter Tätigkeit bleibt. Und wie 
es den Personen unter der Lupe des gutmütigen Kritikers, 
der sich selbst nicht preisgibt, ergeht, so streift sein Kari- 
katurenstift auch die Sachen — immer geschmeidig — nir- 
gends verletzend — wir sehen ihn mit verständnisinnigem 
Augenzwinkern den ganzen Humor, den ihm ein Gegen- 
stand zu bieten vermag, erfassen. Und wer täglich seine 
Ration Humor haben mvJ, wie seine Maß Bier — der hänge 
die 4 Mark dran — er wirds nicht gereuen. 



524 




SoziaUstische Wocbenschrift 

Heraussreber: 
Dr. Heinrich Braun und Llly Braun. 

Die neue Gesellschaft 

steht als durchaus unabhängiges Organ 
im Dienste der sozialistischen Partei. 
Sie behandelt die gesamten Kulturfragen 
der Gegenwart vom sozialistischen Stand- 
punkt, um so die sozialistisch gesinnten, 
wie die dem Sozialismus femstehenden 
Kreise mit den Problemen des Sozialismus 

bekannt zu machen. 
Daneben finden Kunst, Literatur und 
Wissenschaft in derselben eifrige Pflege. 

Die neue Gesellschaft 

zählt die hervorragendsten sozialdemo- 
kratischen Schriftsteller des In- und Aus- 
landes, sowie bedeutende Künstler und 
Gelehrte zu ihren Mitarbeitern. 

Jedes Heft amtasst 16 Selten Großquart in 
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Abonnementspreis vierteljährlich 

(13 Hefte) 1,20 Hark, monatUch 40 Pf., 

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porteure, Zeltungsspediteure, Postanstalten oder 
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Probehefte gratis und franko vom Verlag. 



Verlag der Neuen Gesellschaft, 

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Studien und Erlebnisse 

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GUSTAV JENNER. 

M. 1.50. 



$27 

Freie Deutsche Presse« 

In diesem Quartal 

begitmt wieder die parbuncntaiiBehe Saison. Der 

Reichstag: 

wird sich gleich nach seinem Zusammentritt außer mit dem Etat auch mit 

der sogenannten Reichsfinanzreform 

zu beschäftigen haben, deren praktisches Schwergewicht in einer Erhöhung der 

Bier-* und Tabaksteuer 

besteht. Da weder die beteiligten Industrien noch auch die Konsumenten 
geneigt sind, diese Steuerprojekte ruhig hinzimehmen imd die Parteien des 
Reichstages, die für die Interessen der Allgemeinheit eintreten, das Ihrige 
tun werden, um eine weRere Belastung des Volkes zugunsten erhöhter 
Ausgaben für Militär, Marine imd Kolonien zu verhindern, so muß man sich 
schon in dem ersten Abschnitt der Session auf bewegte parlamentarische 
Sitzimgen gefaßt machen. 

Ob der Preußische Landtag 

noch im alten Jahre zusammenberufen wird, steht noch dahin und hängt davon 
ab, ob der die wichtige Frage der fteg^nng der Seholanterhaltiiiigspfficht be- 
handelnde Gesetzentwurf rechtzeitig fertiggestellt wird. Sollte dies der Fall sein, 
so wird man auch im Abgeordnetenhause interessanten Debatten entgegengehen. 

Die-Lage in den deutscheu Schutzgebieten, 

namentlich in Südwest- und Ostafrika ist andauernd ernst, und wie es 
scheint, ist leider eine alsbaldige Beendigung des Aufstandes in diesen Kolonien 
noch nicht zu erwarten. 

Auf dem Gebiete der äußereU PoHtlk 
sind es besonders die revolutionären Vorgänge in Rußland, die die 
allgemeine Aufmerksamkeit erregen. Außerdem ist auch für nicht zu ferne 
Zeit der Zusammentritt der Marokkokonferenz, deren Ergebnisse 'für 
Deutschland von höchster Wichtigkeit sind, zu erwarten. 

Ober alle Fragen im In- und Ausland, welche von Interesse sind für 
deutsche Leser, wird die ,JMe Dentsche Fresse" wie bisher, so auch in Zu- 
kunft schnellstens und bestens informieren. Von keiner deutschen Tages- 
zeitung wird die »JIMe Deutsche Presse**, Freisinnige Zeitnng XXI. Jahrgang, 
an Reichhaltigkeit des übersichflißh geordneten politischen Stoffes übertroffen. 

Die Erweiterung des Handelsteils, namentlich auch seine Be- 
reicherimg durch eine ausführliche Wochenübersicht hat den allgemeinen Bei- 
fall der Leser gefunden. Das Unterhaltungsblatt bietet neben fesselnden 
Romanen kürzere Aufsätze belletristischen und wissenschaftlichen Charakters. 

Die ,JMe Dentsehe Fresse**, die für Berlin und die Vororte tftglioh 
Bweimal in einer Mocgen- und Abendnummer, außer an Soim- und Feiertagen, 
erscheint, wird auch den auswftrtigen Abonnenten an solchen Orten, deren 
Postverbindung mit Berlin eine zeitigere Auslieferung der Abendnummer zuläßt, 
Bweimal tft|^<^ ausgetragen. 

Alle auswärtigen Abonnenten. 

finden in der Morgennummer, die in Berlin zu den Abendzügen aufgegeben 
wird, schon einen vollständigen Berieht über die Verhandlungen der Farlamente. 
sowie über alle Neuigkeiten des Tages. 

Alle Postanstadten übernehmen Abonnements zu 8^ Mk. pro Quartal. 
An solchen Postorten, an denen die „Freie Deutsche Presse** nicht täglictx 
zweimal bestellt wird, braucht auch nur das Bestellgeld für einmalige Be- 
stellung entrichtet zu werden. Die etwa zuviel erhobene Bestellgebühr können 
die Abonnenten bei ihrem Postamt sich sofort zurückzahlen lassen. 

Die Einziehung von Abonnementsgeldern kann jetzt auch 
durch die Briefträger erfolgen. Diese im Interesse des Publikiuns ein- 
geführte Art der Einziehung der Zeitungsgelder kann durch ein kosten- 
loses Schreiben bei der zuständigen Postanstalt beantragt werden. Die 
Quittungen der Briefträger besitzen Rechtsgültigkeit. 

Für Berlin und seinen Vorartrerkehr liefern alle Spediteure die „Freie 
Dentsehe Presse** iweimal tiglieb frei Hans zum Preise von 8 Kark pro Quartal. 

Berlin sw. xa. Verlas^sanstalt „Deutsche Presse** 

Gesellschaft mit beschränkter Haftung. 



528 

r 




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machen will, muss annoncieren 

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buch für Württemberg 

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Inhaber: Wilh. Birkenmaier, 
■ Gegr. 1873. Telephon 4. ■ 



529 

Die Meinung des deutschen Offiziers 
über München und die Münchener. 



Deutsches Offiziersblatt: Der eigenartige Titel 
dieses eigenartigen Buches ist gut gewählt, wenngleich auch 
er nicht erschöpfend den vielseitigen Inhalt dieses Vademe- 
kums für einen kurzen oder längeren oder dauernden Auf- 
enthalt in München, für den flüchtigen Touristen, den ernst- 
haften Reisenden, den nach München Übersiedelnden, den 
Münchener selbst zu umschreiben vermag. Eine solche 
Aufgabe dagegen stellt sich das Vorwort, und so sei aus 
ihm eine Definition herausgegriffen. — -^ Und nnn auch 
aus dem mit Laune, Witz und stellenweise mit Geist ge- 
schriebenen Inhalt eine Probe: Die Wahl ist schwer, 

aber sie sei getroffen! Das Buch wird seinen Weg 

machen. 



Das Buch als Reiseführer. 

Journal der Goldschmiedekunst (Münchener Konr 
grefi-Nr.): Ein seltsamer Filhrer durch München, wie esi 
wohl noch keinen gegeben hat. Er führt uns nicht nur 
Straßauf und straßab, nicht nur zu den Sehenswürdigkeiten 
und mit dem Fremdenstrom, nein, er geht seine eigenen 
Wege und besonders zu den Lebenden. Dieses umfang? 
reiche Buch schildert uns zunächst die hervorragenden Perr 
sonen, Männlein und Weiblein, hoch und niedrig Münchens, 
dann alles das, was andere Führer auch enthalten, nur in 
knapperer, geistreicherer Form, dann macht es uns mit den 
in der Isarstadt herrschenden Sitten vertraut, lehrt uns, wie 
man sich den Gebräuchen anzupassen hat, damit man nicht 
unliebsam auffällt, es informiert uns über die Verkehrs^ 
mittel, Trinkgelderfrage und zahlreiche andere Wissens-» 
werte Dinge. Wer nach München reist, kann sich nicht 
besser für den Aufenthalt unterrichten, als durch dieses ia* 
teressante Buch. 

Strafiburger Post: . . . Dem Personenverzeichnis folgt 
eine Aufzählung und kurze Beschreibung der Münchener 
Sehenswürdigkeiten, die wir vorzüglich finden. Namentlich 
der Katalog zu den Gemäldesammlungen ersetzt ein spezi- 
elles Hilfsbuch. Gute Winke gibt das Buch für Ausflüge 
und Sommerfrischen. Abgesehen von einigen aufdringlichen 
Absonderlichkeiten darf das Buch als ein praktischer Führer 
durch München empfohlen werden. 

Bedin tiod die Borlioer. 34 



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Sprache. Eine Darstellung des modernen 
französischen Sprachgebrauchs mit Berück- 
sichtigung der Volkssprache. Von Ph- Piatbier. 

I. Teil: Grammatik der französischen Sprache für den 
Unterricht. Lwdbd. M. 5.20. 

II. Teil. I. Heft: Wörterbuch der Schwierigkeiten der 
französischen Aussprache und Rechtschreibung. 
Lwdbd. M. 2.80. 

II. Teil. 2. Heft: Formenbildung und Formenwechsel des 
französischen Verbums. Lwdbd. M. 3.60. 

IL Teil. 3. Heft: Das Verbum in syntaktischer Hinsicht. 
Lwdbd. M. 3. — . 

HL Teil. X. Heft: Das Nomen und der Gebrauch des 
Artikels in der französischen Sprache. Lwdbd. M. 4. — . 

Im Jahre X906 erscheinen: 

HL Teil. 2. Heft: Das Pronomen und die Zahlwörter. 
IV. Teil: Das Adverb und die Präposition. 

Jedes Heft ist in sich abgeschlossen und einzeln käuflich. 



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THE LITTLE LONDONER. A Concise Account of the 
Life and Ways of the Enf^lish, with Special Reference 
to London. Supplyingf the Means of Acquiring an Ade- 
quate Command of the Spoken Language in All Depart- 
ments of Daily Life. By R. KRÖN, Ph. D. ;& Edition. 
(31. — 46. Thousand.) With a Map of London. Cloth. 

M. 2.50. 
Hints for conversation. M. — .20. 

ENGLISH DAILY LIFE. A Manual for Reading and 
Conversation. Based upon the Life and Ways of the 
English, with Special Reference to London. Supplying 
the Means of Acquiring an Adequate Command of the 
Spoken Language in All Departments of Daily Life. 
Specially Prepared for Ladiei Colleges and Girls* Schools, By 
R.KRON,Ph. D. 3d Edition. (5.— 10. Thousand.) With 
a Map of London. Cloth. M. 2.40. 

A VOCABULARY. With Explanations in Simple English 
of Words in the Text of The Little Londoner and English 
Daily Life. By R. KRÖN, Ph. D. Cloth. M. i.-. 

VERDEUTSCHUNGSWÖRTERBUCH DER ENG- 
LISCHEN UMGANGSSPRACHE. Für die Reise 
und zum Gebrauch bei der Lektüre, sowie beim Studium 
von The Little Londoner und English Daily Life, be- 
arbeitet von Dr. R. EIRON. Mit Anhang: Axnerika- 
nismen. Lwdbd. M. 2.—. 

ENGLISH LETTER WRITER. Anleitung zum Abfassen 
englischer Privat- und Handelsbriefe. Von Dr. R.KRON. 
2. Auflage. (4. — 6. Tausend.) Lwdbd. M. 1.50. 

THE LITTLE SEAMAN. Englischer Sprachstoff über 
einige wichtigere Einrichtungen und Vorkommnisse aus 
dem Gebiete des Seewesens. Von Dr. R. KRÖN. Lwdbd. 

M. — .50. 

ENGLISH SPOKEN oder Der englisch sprechende 
Geschäftsmann. Ein Konversationsbuch zum Gebrauch 
in kaufmännischen Schulen, beim Privat- und Selbst- 
unterricht, sowie im praktischen Geschäftsleben. Mit 
Angabe der Aussprache und ausführlichen ^Varen Ver- 
zeichnissen. Bearbeitet von Dr. M. SCHWEIGEL. 
Lwdbd. M. 2.50. 

DER DEUTSCHE KAUFMANN IN ENGLAND. Er- 
gänzung zu English spoken oder Der englisch sprechende 
Geschäftsmann. Mit Ang abe der Aussprache. Bearbeitet 
von Dr. M. SCHWEIGEL. Mit einem Plan von 
London. Lwdbd. M. — .90. 

34* 



53^ 

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METHODE HAEUSSER. Selbstunterrichtsbriefe zur Er* 
lernung der englischen Sprache. Verfaßt von Professor 
E. HAEUSSER und Professor Dr. R. KRÖN, unter 
Mitwirkung von CHRISTOPHER DARLING, B. A. 

(London). 27 Briefe. In Mappe. M. 18. — . 

THE LIFE OF Dr. BENJAMIN FRANKLIN written 
by himself ; to which are added essays and some anec- 
dotes of or by the same author. Mit einem Wörterbuche. 
Zum Schul- und Priyatgebrauch. Zweite Auflage, durch- 
gesehen, vermehrt und mit Anmerkungen versehen von 
Dr. D. JÜNGLING, Rektor in Dorum bei Bremer- 
haven. M. I. — . 

LE PETIT PARISIEN. Lectures et conversations fran- 
9aises sur tous les sujets de la vie pratique. A l'usage 
de ceuz qui d^sirent connattre la langue courante. Par 
R. KRÖN. II me Edition. (43.— 58. Mille). AvecunPlan 
de Paris, i vol. in- 12, reli^. M. 2.50. 

Mode d'emploi. M. —^.20. 

EN FRANCE. Sujets de conversation et de lecture fran^ 
^aises sur la vie pratique. Ouvrage destin^ k l'^tude de 
la langue courante, des institutions, moeurs et coutumes 
de la France et surtout de Paris. Edition spScidU p^ur dames 
etjeunesfilUs, Par R. KRÖN. 3mc Edition. (5.^10. Mille.) 
Avec un Plan de Paris, i vol. in-12, reli^. M. 240. 

PETIT VOCABULAIRE EXPLICATIF des mots et 
locutions contenus dans Le Petit Parisien et dansEn France. 
Par R. KRÖN, i vol. in-12, reli6. M. i.— . 

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ZÖSISCHEN UMGANGSSPRACHE. Zum Studium 
von Le Petit Parisien und En France, sowie für allgemeinen 
Gebrauch, bearbeitet von Dr. R. KRÖN. Lwdbd. M. 1.50. 

GUIDE ]£PISTOLAIRE. Anleitung zum Abfassen fran- 
zösischer Privat- und Handelsbriefe. Von Dr. R. KRÖN. 
Erweiterte Neubearbeitung. 2. Auflage. (5. — 7. Tausend.) 
Lwdbd. M. 1.50. 

LE PETIT SOLDAT. Manuel des principales institutions 
militaires et guide pratique en pays ennemi. Par 
R. KRÖN. I vol. in-12, reli€. M. i.— . 

LE PETIT MARIN. Französischer Sprachstoff über die 
wichtigeren Einrichtungen und Vorkommnisse auf dem 
Gebiete des Seewesens. Von Dr. R. EIRON. Lwdbd. 

M. I. — . 



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PRjgCIS DE LA LITT^RATURE FSAN^AISS. Par 
B. SCHMIDT. I TOl. m-i2, reU6. M. 2.~. 

ON PARLE FRANQAIS. Ein Konversationsbuch zum 
Gebrauch in kaufmännischen Schulen, beim Privat- und 
Selbstunterricht, sowie ein Hilfsbuch im praktischen Ge- 
schäftsleben. Mit Aussprachehilfen und ausfü hrlich en 
Warenverzeichnissen. Bearbeitet von Dr. M. SCHWEL 
GEL. Lwdbd. M. 2.50. 

METHODE HAEUSSER. Selbstunterrichtsbriefe zur Er- 
lernung der französischen Sprache. Verfafit von Pro- 
fessor E. HAEUSSER und Professor t>r. R. KRÖN. 
32 Briefe tmd 2 Supplemente. In Mappe. M. 22. — . 

DIE LEYGUESSCHE REFORM der französischen Syn- 
tax und Orthographie und ihre Berechtigung. Eine histo- 
risch-grammatische Skizze von Dr. KARL ORGANS. 

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IL PICCOLO ITALlANO. Ein Handbuch zur Fortbildung 
in der italienischen Umgangssprache und zur Einftlhrung 
in italienische Verhältnisse und Gebräuche. Verfafit und 
mit Außsprachehilfen versehen von Dr. O. HECKER. 
2. Auflage. Lwdbd. M. 2.50. 

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CORRISPONDENZA ITAUANA. Anleitung zum Ab- 
fassen italienischer Privat- und Handelsbriefe. Auf Grund- 
lage von R. Krons Guide Epistolairb und English 
Letter Writbr fürs Italienische bearbeitet von B. FA- 
RUFFINI und A. CIARDINL Lwdbd. M. 1.50. 

METHODE HAEUSSER. Selbstunterrichtsbriefe ^ur 
Erlernung der italienischen Sprache. Verfafit von Pro- 
fessor E. HAEUSSER unter Mitwirkung von Professor 
C. V. GIUSTL 24 Briefe. In Mappe. M. 16.—. 

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PETIT RUSSE. THE LITTLE RUSSIANJ Iloco6ie 
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XJJi MBu.'hf sejaDmHxi cbo6oabo Bjax^Ti» shbod pasroBop- 

HOD pt^BD BD BCixi CJyHftflXl OÖHXOXBOft SB3HB. UO 

coiHHeniflMi Kpona »LE PETIT PARISIEN« h ^EN 

FRANCE« cocTaBHii O. ITBtPCTb. Vcrfafct von O. PIRRSS. 

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Anleitung zam Abfassen russischer Privat- und Handels- 
briefe. Auf Grundlage von R. Krons Guids Epistolaike 
und English Letter Weiter fürs Russische bearbeitet 
von O. PIRRSS. Lwdbd. M. 2.25. 

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lernung der russischen Sprache. Bearbeitet von Pro- 
fessor E. HAEUSSER und Dr. J. RAIKIN. 32 Briefe 
und 3 Supplemente. In Mappe. M. 25. — . 

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. castellanas sobre la vida diaria en EspaSa y en los paises 
de lengua espanola. Para uso de los que desean conocer 
la lengua corriente. Por DON CONSTANTINO RO- 
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spanischer Privat- und Handelsbriefe. Auf Grundlage von 

• R. Krons Guide Epistolaire und English Letter Wei- 
ter ftirs Spanische bearbeitet von DON CONSTAN- 
TINO ROMAN Y SALAMERO. Lwdbd. M. 1.50. 

METHODE HAEUSSER. Selbstunterrichtsbriefe zur Er- 
lernung der spanischen Sprache. Bearbeitet von Pro- 
fessor E. HAEUSSER unter Mitwirkung von Professor 
EDUARDO KIRCHNER. 25 Briefe. In Mappe. 

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