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Full text of "Berossos und die Babylonisch- Hellenistische Literatur"

BEROSSOS 

UND DIE 

BABYLONISCH-HELLENISTISCHE 
LITERATUR 



VON 



PAUL SCH¥ABEL 




VRRLAG UND DRUCK VON B. G.TEUBNRR. LEIPZIG • BERLIN 1923 



VORWORT 

Vorliegende Arbeit verdankt ihre Entstehung einer Anregung 
meines lieben Lehrers Prof. Dr. F. H. Weißbach, dem ich, sowie Herrn 
Geh. Hofrat Prof. Dr. Walther Judeich, Herrn Geh. Reg. Rat 0. Kern 
und allen anderen, die mich bei der Arbeit unterstützt haben, für seine 
stets bereitwillige Hilfsbereitschaft und mannigfachen Ratschläge meinen 
herzlichsten Dank auch hier sage. 

S. 1 — 183 sind im Oktober bis Dezember 1912 gedruckt und an 
eine Anzahl deutscher Gelehrter versandt, von A. Jeremias, Handbuch 
der altorient. Geisteskultur 1913 passim auch benutzt worden. Der Rest 
ist im September 1922 bis Juli 1923 gesetzt worden. Infolge der Not 
der Zeit mußte auf den Kommentar verzichtet — vor allem, da ich die 
nötigsten amerikanischen Publikationen von Keilschrifttexten mir der 
Valuta halber nicht beschaffen kann — , der Text der Fragmente in 
Petit gesetzt, die Berichtigungen und Nachträge zu Kap. I — VHI auf 
2 Seiten reduziert werden, die Kapitel der Prolegomena: „Geschichte der 
literarischen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Babylon ien 
und Hellas" und „Zur Textgeschichte und Textkonstituierung der Frag- 
mente der Babyloniaka" und die Register ungedruckt bleiben im gegen- 
seitigen Einverständnis von Verfasser und Verlag. 

Die Arbeit an dem Werk ist 1914 — 8 durch den Weltkrieg, 1919 
durch Krankheit infolge des Krieges, 1920 durch die Habilitation des 
Verfassers als Privatdozent der Alten Geschichte an der Universität 
Halle unterbrochen gewesen. 

Die Herren Kritiker bitte ich, das Buch als Ganzes und nicht nach 
Einzelheiten zu beurteilen. Man möge bedenken, daß ich, um das Werk 
schreiben zu können, klassischer Philologe, Assyriologe, Alttestamentier, 
Chronologe, Astronom und Althistoriker in einer Person zu sein ver- 
suchen mußte, und daß solche Arbeit auf Grenzgebieten stets undank- 
bar ist. 

Kerspleben, den 22. Juli 1923. 

DER VERFASSER. 



ALLE RECHTS, EINSCHLIESSLICH DES ÜBERSETZUNGSBECHTS. VORBEHALTEN 



Qvmm 



MEINEN LEHBERN 



WALTHER JUDEICH 
FRANZ HEINRICH WEISSBACH 



INHALTSYEßZEICHNIS 

Seite 

I. Teil. Prolegomena l 

L Kap. Persönliclikeit und Leben des Berossoa 3 

II. Kap. Das Werk des Berossoa 16 

III. Kap. Berossos und Kleitarchos 33 

IV. Kap. Berossos und die jüdisch-hellenistische Literatur . . 67 
V. Kap. Berossos und Poseidonios 94 

Exkurs: Epigenes und Apollonios S. 109—118. Krito- 
demos S. 118—120. Kidenas S. 121—130. SudineB 
S. 130-132. Naburianos S. 132. Mtvdadohaa S. 138 

"VI. Kap. Berossos und Alexander Polyhistor 134 

Vir. Kap. Berossos und Juba von Mauretanien 169 

VIII. Kap. Die Quellen der Babyloniaka 172 

IX. Kap. Die babylonische Chronologie in Berossos' Babyloniaka 185 

X, Kap. Die babylonische Astronomie zur Zeit des Berossos . 211 
Anlage I. Die Berliner astron. Keilschrifttafel VAT 7809 für die 

Jahre 118 u. 119 Sei. -Ära. 212 
Anlage II. Die Berliner astron. Keilschrifttafel VAT 209 vom 

Jahre 263 Sel.-Ära. 244 

Berichtigungen und Nachträge zu Kap. I— VIII 246 

n. Teil. BriQmacov BaßvXaviaxd 249 

Testimonia 250 

Liber I 251 

Liber II 260 

Liber III 268 



ERSTER TEIL 

PROLEGOMENA 



I. KAPITEL 

PEESÖNLICHKEIT UND LEBEN DES BEEOSSOS 

Berossos ist eine eigenartige Erscheinung in der Weltliteratur. Ist 
er doch einer jener Schriftsteller, die zwei Literaturen angehören und 
deshalb in ihrer Bedeutung nur von dem gewürdigt werden können, 
der sich gleicherweise mit dem Studium beider Literaturen beschäftigt, 
die aber gerade aus diesem Grunde nicht die gebührende Würdigung 
finden, da dies eben nur selten geschieht. Bei einem Manne nun gar, 
der sich der Aufgabe unterzogen hat, das gesamte Wissen des babylo- 
nischen Volkes den Griechen literarisch zugänglich zu machen, indem 
er den Inhalt der schwer les- und übersetzbaren Urkunden seines Volkes 
in die Form und Sprache der griechischen Literatur umgoß, darf man 
sich vollends nicht wundern, daß er von der modernen Philologie und 
Geschichtschreibung zwar gerne gelegentlich besprochen und gestreift, 
aber seit Entzifferung der Keilschrift noch nie um seiner selbst willen 
bearbeitet worden ist. 

Leider ist auch das Werk des Berossos dem gleichen Schicksal wie 
der weitaus größte Teil der hellenistischen Literatur, zu der es ja ge- 
hört, verfallen, daß es uns nämlich nur durch Zitate und Exzerpte be- 
kannt ist. Indessen genügt das Erhaltene vollauf, um über den Inhalt 
des Werkes und die literarische Persönlichkeit des Verfassers hinrei- 
chenden Aufschluß erhalten zu können. 

Wir können noch nicht einmal mit völliger Sicherheit sagen, wie 
eigentlich die griechische Namens form unseres Schriftstellers gelautet 
hat. In den griechischen Handschriften erscheint der Name unter den 
Formen BrjQcaööög, B7]Qa)66og, BrjQcoGÖg, BrJQcoöos, vereinzelt auch Brj- 
QG)(3og, B^Qo6og, BiqöoQog. Die Lateiner nennen ihn fast durchgängig 
Berosus, nur eine mittelalterliche barbarische Übersetzung einer Arat- 
Eisagoge und gelegentlich auch die lateinische Übersetzung des Josephos 
gebrauchen die Form Berossus. Bei Seneca treffen wir die griechische 
Form Berosos. 

Was die Schreibung mit 66 oder 6 anbetrifft, so scheint die mit 66 

1* 



4 Namensform 

die bessere zu sein, deren sich auch Berossos selbst bedient hat. Denn 
einesteils gibt es im Griechischen analog gebildete Worte wie ocsqcoööoq 
(Arcadius p. 78, 3: tä sCg aöog vneQ ovo övXXaßäg tä co naQakrjyo^sva 
d^vverai, xEQcoööög. G. Dindorf in Steph. Thes. tom. II p. 232 D; worauf 
C. Müller in FHG II, p. 495 n. 1 aufmerksam gemacht hat); andernteils 
ist diese Schreibung auch viel besser bezeugt : der wichtigste Berossos- 
exzerptor, Alexander Polyhistor, bei fast allen seinen Benutzern, näm- 
lich bei Josephos (dessen besseren und älteren Handschriften — MSPLV 
bei Niese, der sie leider falsch beurteilt — stets BtjQcsööög schreiben) 
und bei Eusebios ständig in der Praeparatio evangelica und der Chronik, 
aus der wieder der Synkellos geschöpft hat; ferner Tatian, Kleomedes, 
Aetios schreiben den Namen mit 66. Die Schreibung mit 6 findet sich 
nur bei Hesychios und Athenaios, sowie vereinzelt als schlechtere Lesung 
bei den sonst 6ö schreibenden Autoren. Daß die Lateiner fast stets die 
Schreibung mit einfachem s haben, dürfte sich aus sprachlichen Gründen 
erklären, da meines Wissens in gutem Latein nach langem Vokal nie 
SS vorkommt, und außerdem die vielen Adjektiva auf -osus auf die la- 
teinische Gestaltung des Namens wohl von Einfluß gewesen sein dürften. 
Schwieriger ist die Beantwortung der Frage nach der Stellung des 
Akzents. Aber auch hier sind weitaus die meisten und besten Zeugen, 
vor allem wieder die Benutzer des Alexander Polyhistor, darin einig, 
daß der Name ein Oxytonon ist. Darauf weist ja auch die oben zitierte 
Grammatikerregel hin. Als Proparoxytonon oder gar Properispomenon 
findet sich der Name fast nur als Handschriftenvariante. 

Der Name des Berossos dürfte also von ihm selbst BrjQoGöög ge- 
schrieben worden sein. 

Mit dem jetzt der babylonischen Philologie zur Verfügung stehen- 
den Eigennamenmaterial ist meines Erachtens noch nicht lösbar die 
Frage, welches die babylonische Urform des Namens JS?j()ö(?ödg ist. 
Von den älteren Deutungsversuchen, die man in J. D. G. Richters 
Berossosausgabe S. 1 — 2 nachlesen mag, verdient nur der Richters selbst 
auch heute noch Erwähnung. Er vergleicht a. a. O.p. 2, n. b den Namen 
BrjQG)666g mit hebr. ri"i3, aram. rnz abies. Wie wir jetzt wissen, ent- 
spricht diesem Wort babyl. buragu Tinie'. Jedoch ist meines Wissens 
wenigstens dieses Wort im Babylonischen als Eigenname noch nicht 
belegt. 

B. Meißner vergleicht BA IV, S. 421 BrjQoaööög mit Murasu, dem 
Namen des Inhabers der Großkaufmannsfirma Murasu und Söhne in 
Nippur, die uns durch Hunderte von KontrakttafeLn aus den amerika- 
nischen Ausgrabungen in Nippur bekannt geworden ist. Jedoch kann 



Namensform. — Nachrichten über sein Leben 5 

babylonisches M nur dann durch griechisches B wiedergegeben werden, 
wenn es vor Konsonanten steht, es wird im Gegenteil sonst stets durch 
M wiedergegeben. Außerdem müßte noch erklärt werden, wie das erste 
u von Murasu zu ?; im Griechischen werden konnte. 

Eher könnte man an eine Wiedergabe des neubabylonischen, z. B, 
im Kudurru des Nabumukinapli (1006/5 — 971/0 v. Chr.) vorkommenden 
Personennamens Burusa denken, nur macht auch hier die Wiedergabe 
des ersten u durch rj Schwierigkeiten. 

Da Berossos ein Priester des Bei von Babylon, des Mardak, war, 
dürfte sein Name, wie F. H. Weißbach (mündl. Mitt.) vermutet, ein Bel- 
ussur (Bei schützt) darstellen, einen im Neubabylonischen ganz gewöhn- 
lichen Personennamen. Die Wiedergabe des l durch q dürfte auf per- 
sischen Einfluß zurückgehen. So lautet z. B. der Name des Rebellen 
Nidintu-Bel in altpersischer Wiedergabe Nadita-Bera (Darius I., Behistun- 
inschrift §§ 16ff. bei F. H. Weißbach, VAB III, S. 22 S.). Immerhin 
macht aber der Wegfall des Schluß-r von -ussur ziemliche Schwierig- 
keit, und dazu hat Berossos selbst die auf babyl. -ussur ausgehenden 
Namen stets durch -ööüogog, nie -Gjfföogog oder gar, wie wir hier an- 
nehmen müßten, -aö^ög wiedergegeben, vgl. Naßov7iaX666oQog, Naßov- 
xoÖQÖööoQog und NrjQtyhoaQÖööoQog. 

Über das Leben des Berossos werden wir zunächst durch fol- 
gende zwei Zeugnisse unterrichtet, die auf sein Werk selbst zurück- 
gehen. 

Das eine verdanken wir dem wichtigsten Exzerptor des Berossos, 
Alexander Polyhistor (vgl. Testimonium 1 = Fragment 1, Eus. chron. 
ed. Karst, S. 6, Z. Uff. = Sync. ed. Dind. p. 50, 1. 1 sqq.): 

BrjQcaööbg de ev tfj TtQarri tcav BaßvXcaviaxäv (prj6i ysvaöd'cct [liv 
ccvTOv xarti ^Xs^avdgov xov OiXin%ov tijv ijlLxtav. kxX. 

Das andere stammt aus dem zweiten Exzerptor des Berossos, König 
Juba von Mauretanien (vgl. Testimonium 3 bei Tatian, adv. Graecos, 
c. 37, p. 38 Schwartz): 

BriQco666g., dv^Q BaßvXcbviog^ hQEvg tov jtuQ avrotg Brjlov, jcat' 
yHs^avÖQOv ysyovag^ ^vtlöxg) rw {ist avrbv tQtra) xriv^ XaX8aiav'l6to- 
QCav hv XQiGi ßißlCoig naxard^ag nxX. 

Wenn wir das erste Zeugnis richtig verstehen wollen, müssen wir 
es zunächst ganz wörtlich interpretieren: 

'Berossos sagt im ersten Buch der BdbyloniaJca, (er habe gelebt seiner 
■tiXiTtia nach zur Zeit Alexanders des Sohnes Philipps, d. i.) seine ^XlxCu 
falle in die Zeit Alexanders, des Sohnes Philijyps.' 

Hiermit könnten wir die Lebenszeit des Berossos genauer bestimmen, 



6 Ungefähres Geburtsjahr 

wenn das Wort 'fjhxia im Griechischen eindeutig wäre. Gewöhnlich ist 
es gleich i]ßri, d. h. das kräftige Mannesalter vom 18. — 50. Jahre. Je- 
doch kann ^Xt,xCa auch für 'Jugend' gebraucht werden und schließlich 
ganz allgemein 'Lebensalter' bedeuten. Hier kommen natürlich nur 
die Deutungen 'Jugend' und 'Mannesalter', d. h. da Berossos noch zur 
Zeit des Antiochos I. lebte, dem er nach dem bereits angeführten Zeugnis 
Jubas sein Werk widmete, genauer 'Eintritt in das Mannesalter' in Be- 
tracht. Die Angabe Jubas : xar yiU^avÖQOv ysyovag leitet an derselben 
Doppeldeutigkeit, da man nicht weiß, ob man 'qui Alexandri temporis 
vixit' oder 'natus erat' übersetzen soll. 

Wir müssen also uns an Berossos selbst wenden, in welchem Sinne 
er das Wort i^UxCa gebraucht. In Fragment 54 finden wir nun folgende 
SteUe (Josephos, c. Ap. I, § 135 = Ant. X, § 220): 

!4xov6ag dh 6 ütatijQ avxov NaßovxaXöööoQog^ ort 6 xErayfievog 6a- 
XQanrig iv xi] AiyvTCXip . . . ocTtoöxdxtjg avxov ysyovsv, .... övdxijöag xa 
NaßovxoÖQoeöÖQG) övTt ^v iilixla fisQTi XLvä xfig övvcniBcog i^sneii^av 
in avx6v. 

Da Nabukodrossor, wenn er ein Heer zu kommandieren erhält, schon 
im Mannesalter stehen muß, andererseits später noch 43 Jahre regiert 
hat, werden wir hier rjXLxCa nur mit 'Beginn des Mannesalters' über- 
setzen dürfen. Berossos hat also hier T]XixCa in der gewöhnlichen Be- 
deutung = rißt] gebraucht. Sie paßt auch hier am besten. 

Wenden wir diese Übersetzung in unserem ersten Zeugnis über 
Berossos' Leben an, so erhalten wir das Ergebnis, daß der Beginn von 
Berossos' Mannesalter in die Zeit Alexanders des Großen nach seinem 
eigenen Zeugnis fällt. 

Dann können wir aber mit einer Fehlergrenze von 10 Jahren das 
Geburtsjahr des Berossos bestimmen. Der Eintritt ins Mannesalter er- 
folgt, wie oben schon bemerkt, nach griechischer Anschauung etwa im 
18. Lebensjahr. Berossos ist also, wenn seine rjXtxCa im letzten Regie- 
rungsjahr Alexanders des Großen, 32'^3 v. Chr., begann, spätestens 
340 V. Chr. geboren, wenn sie im Beginn der Herrschaft Alexanders 
über Babylon, 331 v. Chr. anfing, frühestens 350 v. Chr. 

Das Geburtsjahr des Berossos fällt somit ungefähr zwischen 
350 und 340 v. Chr. 

Aus Jubas Zeugnis erfahren wir nun weiter, daß Berossos Priester 
am Tempel des Bei zu Babylon war und seine Babyloniaka dem Anti- 
ochos, dem dritten Nachfolger Alexanders des Großen, gewidmet hat. 
Offenbar stammen diese Angaben ebenfalls wie die des Polyhistor aus 
der Einleitung der BaßvXaviaxd und sind von Polyhistor beim Exzer- 



Widmung der Babyloniaka an Antiochos I. 7 

pieren des Berossos (oder Eusebios beim Exzerpieren des Polyhistor) 
beiseite gelassen worden. 

Antiochos, der dritte Nachfolger Alexanders des Großen, ist Anti- 
ochos I. Soter, Sohn Seleukos' I. Nikator. Wenn er hier als dritter 
Nachfolger Alexanders bezeichnet wird, kann die Königsreihe nur fol- 
gende sein: 

Daten aus sein. 6.— 12. Jahre 
in babyl. Texten. Sein 6. Jahr 
astronomisch = 6. Jahr des 
Dareios III. = 331/0. Seine 
Jahre in Babylon nach ma- 
kedonischer Regierungszeit 
.also weitergezählt! 

I Babyl. Pilipsu. Nach dem 
astron. Text Sp. II, 71 (ZA 
Vm,149 ff. u.X, 64ff.) ßJahre. 

I Babyl. Antigu(nu). NachSp. 
II, 71 6 Jahre. Sein 6. Jahr 
auch in einem Kontrakt. 



Alexander I. 



reg, 
Babylon 



in 7 Jahre = 330/29-^324/3 



Philippos III. 
Arrhidaios 

• Antigonos 

Alexander II. 

Seleukos I. 
Nikator 



I Babyl Aliksandar, Sohn des 
Aliksandar. Sein 10. Jahr 
in einem Kontrakt. 



32 Jahre 



«tll/n 980/79 I (^^^^'^ ^^^ Kontrakte von 
3ll/0-i»u/79|^^ ab nach Seleukidenära.) 

3. 1 Antiochos I. ^^^^ , y^ter (14 Jahre) = 293/2—280/79 ( Im Jahre 293 Mitkönig sei- 
Soter '■ *"^"^ (19 Jahre) = 279/8—261/0 Ines Vaters. 



Philippos Arrhidaios und Antigonos, die nacheinander gemeinschaft- 
lich mit dem unmündigen Alexander IL, dem Sohne Alexanders des 
Großen, regierten, sind also hier nicht mitgezählt. Berossos hat dem- 
nach diese Könige als illegitim betrachtet. Alexanders des Großen legi- 
timer Nachfolger ist ihm nur dessen unmündiger Sohn Alexander, und 
dessen legitimer Nachfolger ist Seleukos! 

Antiochos I. hat die Babylon freundliche Politik Alexanders des 
Großen wieder aufgenommen. Wir besitzen von ihm eine Inschrift, die 
letzte uns erhaltene babylonische Königsinschrift (zuletzt transkribiert 
und übersetzt von F. H. Weißbach, Die Keilinschr. der Achämeniden 
[= VAB III], 1911, S. 132—135), in der er sich die Titulatur der alten 
babylonischen Könige zulegt und von der Restaurierung des Nebo- 
tempels von Borsippa berichtet. Die Inschrift ist datiert vom 20. Adar 
des Jahres 43 der Seleukidenära (269/8 v. Chr.), d. i. vom 28. März 268 
V. Chr. (Weißbach a. a. 0. S. 133, Anm. h). In derselben Inschrift erzählt 
Antiochos, daß er auch den Tempel Esagila restauriert hat, d. i. den 
Tempel des Marduk von Babylon, der den Griechen unter dem Beinamen 



8 Abfassungazeit der Babjloniaka 

Bei = Herr, BilXog bekannt war. Ebendenselben Tempel hatte auch 
Alexander der Große nach dem Zeugnis der Alexanderhistoriker wieder- 
herzustellen begonnen (vgl. Arrian III, 16, 4, VII, 17, 2; Diodor XVII, 
112, 3; Strabon XVI, 5 p. 738; vgl. den Keilschriftkontrakt, der den 
Neubau von Esagila durch Alexander bezeugt, auf den J. Oppert 1898 
in seiner Abhandlung 'Alexandre ä Babylone' in den Comptes rendus de 
l'academie des inscriptions et belies lettres, Paris, p. 413 — 416, bes. 
p. 415 hingewiesen hat). Für diese Babylon und seiner einheimischen 
Überlieferung freundliche Politik des Antiochos dankte der Beipriester 
Berossos durch Widmung eines Werkes an den König, das die babylo- 
nische Überlieferung, sei es wissenschaftlicher, sei es geschichtlicher Art, 
den Hellenen erschloß, zeigte also ein hohes Verständnis für die Politik 
des Königs, der die einheimische Tradition schonte und zugleich die 
Babylonier der hellenischen Kultur zuführen wollte. Der Widmung der 
Baßvlovittnd des Berossos an Antiochos wohnt also eine hohe histo- 
rische Bedeutung inne! 

Berossos widmete sein Werk dem König Antiochos. Damit können 
wir die Abfassungszeit seines Werkes festlegen. 

Gewöhnlich zieht man dabei nur die Zeit in Betracht, in der An- 
tiochos I. allein regierte, nämlich 280 — 261 v. Chr., und vergißt ganz, 
daß er schon seit 293 v. Chr. Mitkönig seines Vaters war. (Daß der 
Beginn seines Mitkönigtums ins Jahr 293 v. Chr. fällt, nehmen B. Niese 
Gesch. d. griech. u. maked. Staaten I, S. 391, 1893; U. Wilcken in Pauly- 
Wissowa, RE2I,2Kol.2450, 1894; J.Beloch, Griech. Gesch.III, 1, S.227, 
1904; nach Vorgang von E. Rohde, Gr. Roman 52, 4, auf Grund von 
Plutarch, Demetrius c. 38 übereinstimmend an. Wir besitzen aus dieser 
Zeit Münzen, auf denen des Antiochos Name neben dem des Seleukos 
erscheint [Babelon, Les rois de Syrie XXXIX, XL], als auch Keilschrift- 
texte, die datiert sind nach 'Siluku u Antiuksu sarrani', '[da] Seleukos 
und Antiochos Könige [sind]', aus den Jahren 23, 27 und 28 der Se- 
leukidenära, d. i. 289/8, 285/4', 284/3 v. Chr. [vgl. J. Straßmaier in ZA 
VUI (1893), S. 108].) 

Die Abfassungszeit der Baßvlaviaxd liegt also zwischen 293/2 und 
261/0 V. Chr. Versuchen wir, sie näher zu bestimmen! 

H. Diels hat 1899 in seinem Elementum, S. 9 — 10 die Vermutung 
geäußert, daß Berossos die BaßvXcovLaxcc dem Antiochos 268 v. Chr. bei 
Gelegenheit des Neubaues des Tempels in Borsippa (vgl. oben) gewidmet 
habe. Indessen heißt das, die beiden uns bezeugten Tatsachen über die 
Babylon freundliche Politik dieses Königs in einen kausalen Zusammen- 
hang zu bringen, ohne sonst einen Beweis dafür zu haben! Im Gegen- 



Abfassungszeit der Babyloniaka 9 

teil ist es sehr unwahrscheinlich, daß der Priester des Marduk von Ba- 
bylon den Neubau des Nebo-Tempels von Borsippa zum Anlaß der Wid- 
mung seines Werkes nahm. Die verschiedenen Priesterschaften der ba- 
bylonischen Tempel standen einander ziemlich eifersüchtig gegenüber, 
sie bildeten sogar verschiedene wissenschaftliche, speziell astronomische 
Schulen; vgl. Strabon XVI, p- 739: ^tpagiöTO d' iv rrj BaßvXävi aaroijcCa 
totg inL%(x)QCoLg (piXoeocpoig rotg XaköaCoig TtQoöayoQSvoiiBVOig , o'C tisqI 
äötQOvo^Cav siöl tö nkiov. . . 86ri de xal t&v XaXdaCcav tcbv ccGtqovo- 
[iMcbv ysvrj ^tlsLG)' nah yccQ 'ÖQxrjvoC (Bewohner, hier Priesterschaft und 
Astronomenschule von 'Ogxorj, ^ns« Gen. 10, 10, üruk der Keilinschriften) 
tLveg TtQOöayoQBvovtat xccC BoQöinjirjvol (Priesterschule von BögöiJtTicc, 
die also hier der von Babylon gegenübergestellt wird I) xal aXXoL nXsCovg 
cog äv xarä aiQEösig «AAa xai «AAa vsfiovtsg otegl rav avtäv doy^ata' 
und Plinius, Nat. Hist. VI, 26, §§ 120—123: Babylon, Chaldaicarum 
gentium caput . . . durat adhuc ibi Jovis Bell templum ; inventor hie fuit 
sideralis scientiae . . . sunt etiamnum in Mesopotamia oppida Hippareno- 
rum (Hipparenum codd., correxi, nomen oppidi UiTiTCccQa, incolae Ulx- 
jtaQTjvoL'^ Sippar der Keilinschr.) Chaldaeorum doctrina et hoc, sicut Ba- 
bylon . . . muros Hipparenorum (sie! codd.) Persae diruere. Orcheni quo- 
que, tertia Chaldaeorum doctrina, in eodem situ locantur ad meridiem versi. 

In der schon mehrfach erwähnten Inschrift nennt sich Antiochos I. 
nun auch 'zanin Esagila' (Kol, I, Z. 3-, vgl. Weißbach a. a. 0. S. 132) 'Aus- 
schmücker (d. i. Wiederhersteller) von Esagila', dem Marduktempel von 
Babylon. Da Autiochos in seiner Inschrift sonst nur von der Wieder- 
herstellung des Nebotempels Ezida von Borsippa berichtet, muß die 
Wiederherstellung des viel wichtigeren Tempels Esagila von Babylon 
vorangegangen sein, wenn der König sich in dieser Inschrift schon 
'Wiederhersteller von Esagila' nennt. Dieser Neubau von Esagila, bei 
welcher Gelegenheit man viel eher die Widmung der BaßvXcjvLccxd durch 
Berossos ansetzen könnte, fällt also vor 268 v. Chr., der Zeit der Wieder- 
herstellung des Tempels von Borsippa. Wann aber Esagila von An- 
tiochos restauriert worden ist, erfahren wir sonst nicht genauer. 

Wir können also die Abfassungszeit der Babyloniaka nur durch an- 
dere, indirekte Momente festlegen. 

Da führt uns nun schon das Lebensalter des Berossos darauf, daß 
wir die Abfassungszeit der BaßvXavLccxd in die ersten zehn Regierungs- 
jahre des Antiochos, etwa 293 — 280 v. Chr. legen. Denn Berosssos ist, 
wie wir sahen, zwischen 350 und 340 v. Chr. geboren, war somit ca. 
290 V. Chr. etwa 50 — 60 Jahre alt. Ohne Not wird man die Abfassung 
seines Werkes wohl kaum in ein höheres Lebensalter legen. 



10 BeroBsos' Übersiedelung nach Kos 

Dazu kommt noch ein weiteres Moment, das unseren Ansatz für die 
Abfassungszeit der BaßvXcoviaxci bestätigt. 

Bei Vitruvius, De Architectura IX c. VI, 2 finden wir folgendes 
weiteres Zeugnis für Berossos' Leben (vgl. Testimonium 4): 

Ceterum ex astrologia quos effectus hdbeant signa XII, stellae V, sol, 
luna ad humanae vitae rationem, Chaldaeorum ratiocinationibus est con- 
cedendum, quod propria est eoruni genethlialogiae ratio, ut possint ante- 
facta et futura ratiocinationilms astrorum explicare. Eorum autem in- 
ventiones reliquerunt inque sollertiae acuminihusque fuerunt magnis, qui 
ah ipsa notione Chaldaeorum profluxerunt. Primusque Berosus in in- 
sula et civitate Goo consedit ihique aperuit discipUnam. 

Die Widmung der Baßv^cjvLuxd an Antiocbos I. hat doch nur dann 
einen Sinn, wenn Berossos zu ihrer Abfassungszeit in Babylon wohnt. 
In Kos befand sich Berossos aber im Machtbereich der Ptolemäer (vgl. 
B. Niese, Gesch. d. griech. u. maked. Staaten, Bd. II, S. 101) und dürfte 
80 aus rein politischen Gründen dem Seleukiden Antiochos kaum sein 
Werk gewidmet haben. Da nun Berossos in Kos eine Schule gründete 
und also dort dauernd seinen Wohnsitz nahm, fäUt dieser Aufenthalt 
in Kos nach seinem Aufenthalt in Babylon, also nach der Abfassungs- 
zeit der BaßvXcovLaxd. Die Übersiedlung versteht sich auch besser, wenn 
Berossos den Griechen durch seine BaßvXavLccxd bekannt war. Für 
deren Abfassung dürfte er wohl kaum nach Kos so reiches keilinschrift- 
liches Material mitgenommen haben, wie er es tatsächlich benutzt 
hat, und wie es ihm nur in Babylon selbst in diesem Maße zur Verfü- 
gimg stand. 

Nun dürfte die Übersiedelung nach Kos kaum nach 280 v. Chr. er- 
folgt sein. Denn in diesem Jahre war Berossos, da zwischen 350 und 
340 V. Chr. geboren, ungefähr 60 — 70 Jahre alt. Ohne Not ist also 
ein späteres Datum nicht anzunehmen. Indes darf man dies sein Alter 
nicht als Grund benutzen, die Übersiedelung nach Kos für unhistorisch 
zu erklären. Plato war bei seiner dritten Reise nach Sizilien 361 v. Chr. 
66 Jahre alt, und Euripides siedelte 408 v, Chr. im Alter von mindestens 
72 Jahren noch an den Hof des Makedonerkönigs Archelaos über. 

Die Abfassungszeit der Baßvlaviaxd fällt also auch aus 
diesem Grunde vor 280 v. Chr. 

Freilich könnten wir Vitruvs Zeugnis für die Übersiedelung des Be- 
rossos nach Kos nicht für die Datierung seiner Baßvkavtaxd verwenden, 
wenn diese, wie viele neuere Philologen und Historiker annehmen, un- 
historisch wäre. 

Die Gründe, die man dagegen ins Feld führt, sind hauptsächlich 




Berossos' Übersiedelung nach Kos 11 

folgende (vgl. Richter, Berosus p. 17; E. Sehwartz, Pauly-Wissowa RE^, 
Bd. in, Kol 316): 

a) Die Überlieferung bei Vitruv sei keine Gewähr für die Richtig- 
keit der Angabe, da sie zu jung sei und kein anderer griechischer Schrift- 
steller diese Tatsache erw'ahne. 

b) In diesem Zitat werde Berossos noch dazu nur als Astrolog, nicht 
als babylonischer Priester und Verfasser der BaßvXcavLaxd bezeichnet, 
und so sei es wahrscheinlich, daß diese Nachricht sich erst aus den astro- 
nomisch-astrologischen Kapiteln der BaßvXavLaxd entwickelt habe. 

c) Schließlich sei es aber unwahrscheinlich, daß der Beipriester seine 
gute Pfründe in Babylon verließ, um eine Astrologenschule in Kos zu 
gründen. 

Hierzu ist folgendes zu bemerken: 

Die Überlieferung bei Vitruv stammt jedenfalls nicht von ihm selbst 
her, sondern aus seiner Quelle. In letzter Linie gehen nun aber fast 
alle astronomisch-astrologischen Fragmente des Berossos, wie wir noch 
unten (Kap. V) näher sehen werden, auf Poseidonios (135 — 45 v. Chr.) 
zurück, der in seinen naturwissenschaftlichen Schriften die astronomi- 
schen Kapitel der BaßvXcoviaxd eingehend exzerpiert haben muß, und 
der wohl auch nähere Angaben über Berossos' Leben geboten haben 
wird. Die Überlieferung des Vitruv ist somit nicht so schlecht, wie sie 
dargestellt wird. 

Wenn weiter Berossos von Vitruv nur als Astrolog bezeichnet wird, 
so ist dies eben lediglich ein Beweis dafür, daß er die BaßvkavLaxd 
nicht mehr selbst in Händen hatte, sondern sie nur durch eine Mittel- 
quelle benutzte und infolgedessen nur astronomisch-astrologische Zitate 
aus Berossos' Werk kannte. Andererseits hat doch Vitruv in dem Zu- 
sammenhang, in dem er von der Übersiedelung des Berossos nach Kos 
spricht, auch nicht die geringste Veranlassung, weitläufig zu erzählen, 
daß Berossos Beipriester in Babylon gewesen war und ein Werk Baßv- 
Xcoviaxd geschrieben hatte. 

Wenn kein anderer griechischer oder lateinischer Schriftsteller diese 
Tatsache erwähnt, so muß man sich immer vor Augen halten, daß uns 
doch der weitaus größte Teil der hellenistischen Literatur verloren ge- 
gaYigen ist, wir also nicht wissen, ob nicht doch andere Schriftsteller 
auch davon in ihren Werken erzählt haben, und daß außerdem Berossos 
direkt nur von wenigen Schriftstellern benutzt worden ist. Wie man- 
gelhaft sind wir außerdem über das Leben weitaus der meisten helle- 
nistischen Autoren unterrichtet! 

Wenn man gar mit dem Wahrscheinlichkeitsgrund operiert, daß Be- 



12 BerosBOs' Übersiedelung nach Kos 

rossos kaum seine gute Pfründe in Babylon aufgegeben hätte, so er- 
scheint mir dies sehr gefährlich, denn wir wissen absolut nicht, welche 
Gründe Berossos veranlaßt haben, sein Vaterland zu verlassen. Er kann 
ja durch uns unbekannte Ereignisse oder Verhältnisse in Babylon ge- 
zwungen worden sein, das Reich der Seleukiden zu verlassen und sich 
nach Kos in den Machtbereich der Ptolemäer (siehe oben) zu begeben, 
um dort Schutz zu finden. Im übrigen ist die Übersiedelung babylo- 
nischer Priester nach Griechenland nichts Ungewöhnliches. Ist doch 
z. B. der chaldäische Astronom und Astrolog Sudines nach Polyän IV, 
20 am Hofe des Attalos ansässig, also von Babylon nach Pergamon über- 
gesiedelt. (Zu Sudines vgl. Kap. V.) 

König AntiochosI, dem Berossos sein Werk widmete, war nun zwar, 
wie wir gesehen haben, ein hellenistischer Fürst, der die alte Überliefe- 
rung seiner orientalischen Untertanen ehrte, sie den Griechen zugäng- 
lich zu machen suchte und auch materiell durch Restaurierung der 
Tempel für ihre Erhaltung sorgte. Trotz dieser Fürstengunst dürfte die 
Pfründe des Tempels von Babylon nicht mehr sehr groß gewesen sein. 
Denn Babylon selbst war von Seleukos I. Nikator entvölkert worden, 
und seine Einwohner hatten die neue Hauptstadt Seleukeia am Tigris 
gründen helfen müssen. Nur die Priester mit ihren Angehörigen waren im 
Beltempel und dessen Umgebung noch wohnen gebieben, für dessen Unter- 
haltung weiter gesorgt wurde. Dafür vergleiche man folgende Zeugnisse 
(vgl. B. Niese, Gesch. d. griech. u. maked. Staaten, Bd. I, S. 393, Anm. 2): 

Plinius, Nat. Hist. VI, 26 (30), §§ 121—122 (vgl. schon oben): 

Babylon, Clialdaicarum gentium caput, diu summam claritatem inter 
urhes ohtinuit toto urhe, propter quod reliqua pars Mesopotamiae Ässy- 
riaeque Babylonia appellata est . . . Durat adJmc ibi Jovis Beli templum; 
inventor hie fuit sideralis scientiae [confer Achilles, Isagoga, apud E. Maaß, 
Comment. in Aratum rell.p. 27; c. 1: XaXöccioL dh sig iavtovg iiexdyovöi 
BriXov f^v £vq£6lv ävad'Evtsg (seil, t-^cj iyncsLQCag tceqI rav iv ovQava)\ 
die gemeinsame Quelle für Plinius und AchiUes kann nur Poseidonios 
sein]. Cetero ad solitudinem rediit exhausta vicinitate Sdeudae, oh id con- 
ditae a Nicatore. 

Strabon XVI, p. 738: 

jiXXä xal TU lomä (ohycoQijd-rj (seil. i] Baßvläv) xal xariJQeLtl^av rfjg 
TiöXscog xa fihv ol ÜBQöaL, rä (5' 6 XQ^^^S J««^ "^ i^öv Maxeöövav öliyco- 
QLU xeqX rä TotavT«, xal fiaAttfra iTteidfj t^v ZleXBvxeiav hnl ta TlyQEt 
jcXrjöiov r^g BaßvXüvog iv rQtuxoeCoig nov öxadCoig ktsCxLas UeXsvxog 
6 NixdraQ . . . xul dl xal vvv ii (isv yiyovs BaßvXavog fiSL^ov, i^ d^sQTj- 
fiog ij noXXt^. 



Übersiedelung nach Kos. — Erfinder des Hemicyclium 13 

Pausanias I, 16, 3: 

Tovto de ZsXsvxetav ocaCöag (seil. UsXsvxog 6 NixcitcDQ) ijcl TCyQrjti 
noxa^a xal Baßvlcoviovq ovtog STiayö^svog ig avtriv övvoCxovg. ^TtieIbC- 
Ttexo [ilv xo xst^og Baßvlävog^ vjtsXsCnsxo dh xov B^X xb uqov xal nsQL 
avxb xovg XccXöaCovg oixslv. 

Wenn so die Seleukiden den Beitempel noch bestehen ließen und 
gelegentlich, wie Antiochos I., auch für seine Wiederherstellung sorgten, 
so kann man doch angesichts der Tatsache, daß Babylon verödet war 
und sein ehemaliger Handel sich nunmehr in Seleukeia konzentrierte, 
nicht mehr von einer reichen Pfründe des Tempels sprechen. Außerdem 
können wir schließlich absolut kein Urteil darüber fällen, wo die peku- 
niären Einkünfte des Berossos größer waren, ob in Babylon als ein- 
fachen Beipriesters oder in Kos als Leiters einer Astrologenschule, die 
doch sicher keinen geringen Zulauf hatte. Umsonst hat ja auch fast 
kein griechischer Philosoph doziert. 

Wir können somit über die Stichhaltigkeit der gegen die Angabe 
des Vitruv vorgebrachten Gründe nur dem sonst ja nicht weiter begrün- 
deten Urteil von E. Maaß, Aratea, S. 226—227 (1892), zustimmen: 

Summa iniuria suspectum reddere Berosi apud Coos mansionem, 
quotquot de loco Vitruviano verba fecerunt, conati sunt; qui causam 
proferret, non dicimus verisimilem, sed omnino causam vel e longinquo 
speciosam nemodum exstitit. 

So haben denn auch gleich Maaß sämtliche neuern Erforscher der 
griechischen Astrologie: Bouche-Leclercq, Cumont, Rieß, Kroll, Boll, sich 
für die Geschichtlichkeit der Nachricht des Vitruy ausgesprochen, und 
ebenso der Historiker Ed. Meyer (in der 2. Auflage seiner Geschichte 
des Altertums, Bd. I, 2 S. 324.) 

Sonst haben wir über die wissenschaftliche Wirksamkeit des Berossos 
nur noch eine Nachricht, die uns ebenfalls bei Vitruv überliefert ist 
(vgl. Testimonium 5): 

Hemicyclium excavatum ex quadrato ad enclimaque sucdsum Berosus 
Chdldaeus dicitur invenisse. Scaphen sive hemisphaerium ÄristarcJius Sa- 
mius, idem etiam discum in planitia. 

Ob das hemicyclium eigene Erfindung des Berossos ist oder ob er 
es in Babylon schon kennen gelernt und die Griechen nur mit ihm be- 
kannt gemacht hat, vermögen wir bei dem trümmerhaften Zustand un- 
serer Überlieferung über die Geschichte der babylonischen und griechi- 
schen Astronomie nicht zu entscheiden. — 

Über das Maß der Wertschätzung, die des Berossos astrologische 
Wirksamkeit zum mindesten im ersten nachchristlichen Jahrhundert 



14 Angebliche goldene Ehrenstatue. — Wertschätzung 

genoß, kann uns — allerdings, wie wir sehen werden, nur indirekt — 
folgende Nachricht des Plinius aufklären (= Testimonium 6) Nat. Hist. 
VU, § 123: 

Variarum artium scientia innumerahües enituere, quos tarnen attingi 
par sit florem Jiominihus lihanühus. Astrologia Berosus, cui oh divinas 
praedictiones Äthenienses publice in gymnasio statuam inaurata lingua 
statuere. 

Von dieser Nachricht kann man meines Erachtens allerdings mit 
Recht behaupten — und man hat es von jeher getan — , daß sie eine 
der Fabeleien hellenistischer Literaten ist, wie wir sie sonst noch zu 
Dutzenden haben. Allerdings hat Plinius sie wohl kaum selbst erfunden, 
sondern nur irgendwo vorgefunden und gläubig abgeschrieben. Sie sieht 
in Berossos lediglich den Astrologen, der er allerdings war, wie wir ge- 
sehen haben. Daß die Athener aber dem Fremden (worauf Richter, Be- 
rosus p. 40 mit Recht hinweist) eine derartig eigenartige Ehrung er- 
wiesen hätten, ist doch zu unwahrscheinlich. Von dieser Nachricht kann 
man wohl eher mit E. Schwartz (Pauly-Wissowa, RE^, III, Kol. 316) 
mit Recht behaupten, daß sie erst auf Grund der astronomisch -astro- 
logischen Kapitel der BaßvXcoviccxd entstanden ist. Immerhin/ ist sie 
indirekt von VS^ert, da sie ein Zeugnis für den Astrologen Berossos 
und seine Wertschätzung, auf Grund deren man doch nur eine solche 
Fabel erfinden konnte, bildet. 

Eine ähnliche Legende erzählt übrigens, daß die Athener von der 
neuen, auf dem neunzehnjährigen Schaltzyklus beruhenden Kalender- 
ordnung des Meton derart entzückt waren, daß sie diese in goldenen 
Buchstaben auf einer Tafel auf dem Markte aufstellen ließen. (Vgl. 
P. Tannery, Recherches sur Fhistoire de l'astronomie ancienne, 1893, 
p. 12, besonders n. 1; ich bin auf diese Legende durch F. Cumont in 
Neue Jahrbb. f. klass. Altert., XXVII, 1, 1911, S. 1—2 aufmerksam ge- 
worden.) — 

Schließlich haben wir über die Wertschätzung, die Berossos in der 
griechischen und lateinischen gebildeten Welt des ersten nachchrist- 
lichen Jahrhunderts besaß, noch folgendes Zeugnis des Josephos (c. Ap. I, 
§ 128 = vgl. Testimonium 2): 

MccQTvg öh xovTcov BrjQcaiSeög, avr}Q Xaldatog fihv tb yivog^ yv&Qi- 
liog dh tolg tieq! naidsCav ävaöTQScpofiivoig, ijteidij tcsqC ts äorgovo^Cag 
aal Ttegl r&v nugä XaXdaCoig (fLkodocpov^Bvav avrbg slg rovg "EXXrjvag 
ii,7lv£yx6 rag övyygafpdg. 

Wichtig ist hier für uns nur der Ausdruck yvcoQifiog dh tolg Ttegl 
jcaideCav äva6rQ£(po(i6voig. Jedoch ist die Interpretation dieses Aus- 



Wertschätzung in der gebildeten Welt des 1. Jahrh. n. Chr. 15 

drucks umstritten. A. v. Gutsclimid bemerkt nun in seinem Kommentar 
zu Josephos' Bücliern gegen Apion (Kleine Schriften IV, S. 491) folgen- 
des zu unserer Stelle: 

'yva}QL[ios] Cf. I, 14, § 73 von Manetho: tb yevog ccvyjq Alyvnxiog^ 
tfig 'EXXrjVLxrjg ^stsö^V^^S naidilag. Der Hinweis auf die gTiecliisclie 
Bildung der beiden barbarischen Historiker ist auf diejenigen Leser be- 
rechnet, von denen er I, 22, § 161 sagt: x&v anLötovvrcov tals [i£v iv 
roig ßaQßaQoig avayQatpalg^ ^ovoig 8e xolg "EXXiqöi TCiötsvstv a^iovvrcov.' 

Dieser Interpretation, daß in yvcoQLfiog totg tcsql ti]v TtaidsCav ava- 
6tQ£q)o^Evoig ein Hinweis auf die griechische Bildung des Berossos 
steckt, kann ich mich aus rein philologischen Gründen nicht anschlie- 
ßen. Josephos sagt in obigem: '(er war) yvcÖQi^og . . ., iTtsidtj ... avxbg 
sCg xovg 'EXktjvag e^'^vsyxE xäg övyyQUfpdg.' ei,7lvEyxs xäg 0vyyQCc<pccg ist 
nun, wie A. v. Gutschmid a. a, 0. S. 491 sehr schön ausführt, zu über- 
setzen: 'er machte sie unter den Griechen bekannt' ^Jisidi} ist dann 
kausal, 'da', nicht temporal, 'nachdem', das ja keinen Sinn ergäbe, zu 
fassen, und eTteidtj . . . sig xovg "EkXiqvag i^ijvsyxs xäg övyyQcccpdg = 'da 
er die Schriften (der Chaldäer) unter den Griechen bekannt gemacht 
hat', ist die Begründung, weshalb er yvaQifiog war. Dann kann man 
aber yvcaQi^og xolg ... nur übersetzen 'bekannt denen, die . . .', nicht 
aber 'bekannt mit denen, die . . .', wie A. v. Gutschmid interpretieren 
muß, wenn er seine oben angeführte Deutung rechtfertigen will. Der 
einschlägige Passus ist somit folgendermaßen zu übersetzen: 

'Zeuge hierfür ist Berossos, von Geschlecht ein Chaldäer, (der) be- 
kannt (ist) denen, die [bei der TtacösCa (= wissenschaftliche Bildung) 
verweilen; jisqI naiddav dvccöxQscpBö^at ungewöhnlicher Ausdruck für 
TCSQL ri}v TCcciöaCav diaxgCßsiv oder iv xfj TcaidsCa avaöxgscpsöd-cci, (A. v. Gut- 
schmid a. a. 0. S. 491)] sich wissenschaftlich ausbilden, da er (avtbg) die 
Schriften über Astronomie und Philosophie der Chaldäer unter den Grie- 
chen bekannt gemacht hat' 

Dann bildet aber, wie schon bemerkt, diese Stelle ein wertvolles 
Zeugnis dafür, wie bekannt Berossos im ersten nachchristlichen Jahr- 
hundert war, da die Kenntnis seines Werkes mit zu den Elementen der 
TCaLÖsCa gehört. 

Über die Art endlich, wie Berossos von den Alten mit der babylo- 
nischen Sibylle verquickt und schließlich gar zu ihrem Vater gemacht 
worden ist, vergleiche man die Ausführungen unten in Kapitel IV, § 2. 



IL KAPITEL 
MS WERK DES BEROSSOS 

Das Werk des Berossos wird bei den alten Schriftstellern unter ver- 
schiedenen Namen zitiert. Alexander Polyhistor bei Eusebios und Athe- 
naios nennt es BaßvXcoviaxd; Josephos zitiert es gewöhnlich als XaX- 
datxä^ je einmal bezeichnet er es auch als XaXöalxal löxogCai (Ant. X, 
§219, vgl. Fragm. 54) und i] rijg äQ%aL6rrixo(s l6toQLoyQag)Ccc (c. Ap. 1, 19, 
§ 134, vgl. Fragment 54); Justinus, Tatian und Clemens Alexandrinus 
(frgm. 58 a) nennen es ebenfalls XaXSalxi} lötoQia bez. (Tatian) XaX- 
daCa lötoQia, Clemens Alexandrinus außerdem auch einmal (in frgm. 65) 
XttXdatxd. Ich möchte mich dafür entscheiden, daß der Name des 
Werkes BaßvXcjviaxä gelautet hat. Denn der Schriftsteller, der ihn 
vor aUem bezeugt, Polyhistor, ist der einzige von den Genannten, der 
das Werk des Berossos selbst in Händen gehabt hat. Die Autorität des 
Josephos, die etwa noch in Betracht käme, ist Polyhistor gegenüber 
eine sehr geringe. Denn er kennt das Werk des Berossos, wie wir unten 
(Kap. VI) näher darlegen werden, selbst erst durch Polyhistor. Außer- 
dem ist Josephos beim Zitieren von Büchertiteln ohnehin sehr ungenau. 
Daß er für BccßvXaviaxd XaXdalxd oder anderes einsetzt, erklärt sich 
daraus, daß für ihn die Begrijffe XaXdalog und BaßvXaviog synonym 
sind, und daß er überhaupt sonst dem Sprachgebrauch seiner Zeit nach- 
gebend XaXdalog lieber verwandt hat als BaßvXäviog. Die anderen Zeu- 
gen, die ja alle das Buch des Berossos nicht selbst eingesehen haben, 
sind ebenso zu beurteilen. Für Berossos selbst aber sind XaXdalog und 
BaßvXaviog keine identischen Bezeichnungen. Er selbst kann sein Werk 
somit nur BaßvXavtaxd betitelt haben. Mit Recht ist also Ed. Schwartz 
(Pauly-Wissowa, RE^, Bd. III, Kol. 310) der Ansicht, daß 'der von Jo- 
sephos usw. gebotene Titel einem inkorrekten Sprachgebrauch angehört, 
der zwar bei den Griechen ganz gewöhnlich ist, einem babylonischen 
Gelehrten aber übel anstehen würde'. 

Daß das Werk des Berossos drei Bücher umfaßte, bezeugt Juba 
von Mauretanien bei Tatian (Testimonium 3): t^v ' XaXdaCav 'IdroQCav' 



Bücherzahl. — Noch andere Werke ? 17 

iv XQiöl ßißXCoig xatard^ag. Dazu stimmt, daß nie ein höheres Buch 
als das dritte (in den Fragmenten 54, 61, 65) zitiert wird. 

Ehe wir aber auf die BaßvlcovLaxd selbst näher eingehen, müssen 
wir erst die Frage beantworten, ob Berossos außer diesem noch andere 
Werke verfaßt hat. 

Da kommt nun lediglich die Vermutung in Frage, ob die zahlrei- 
chen astronomischen Fragmente, die uns überliefert sind, einem 
oder mehreren besonderen astronomischen Werken angehört haben. Die 
früheren Fragmentensammler des Berossos, J. D. G. Richter und C. Müller, 
haben sie auch nie in eines der drei Bücher der Baßvkcaviaxd eingereiht, 
sondern für sich geboten. 

Wir besitzen jedoch keine Nachricht darüber, daß Berossos ein be- 
sonderes astronomisches Werk verfaßt hat. Wenn wir nun die astrono- 
mischen Fragmente in eines der drei Bücher der BaßvXcoviuxd einzu- 
reihen versuchen, so ist dies nur beim ersten Buche möglich, wie schon 
1899 Ed. Schwartz (Pauly-Wissowa, RE^, Kol. 316) mit Recht bemerkt. 
Denn das zweite und dritte Buch behandeln, wie wir aus dem Alexander- 
Polyhistor- Exzerpt ersehen (vgl. das Ende von Fragment 12 mit Frag- 
ment 27 und 28), die Geschichte Babyloniens vom ersten mythischen 
Urkönig Aloros an bis auf Alexander den Großen (vgl. Fragment 66), 
während im ersten Buche über die öocpCt] der Babylonier gehandelt wird, 
vgl. Abydenos (Beginn von Fragment 30a = 30): 

XaX8alc3v ^hv tilg öocpCrjg Ttigi roöavta. 

Das Ende der eusebischen Epitome des Alexander -Polyhistor -Ex- 
zerpts des ersten Buches lautet nun folgendermaßen: 

^jcotsXsöat ÖS xhv BfjXov xal ccötqu xal i]hov xal ösXr^vriv xal tovg 
scsvtE TtXccviqtag. 

Die Schöpfung der Sterne erfolgt also wie im babylonischen keil- 
inschriftlichen Weltschöpfungsepos (Tafel V; siehe die Übersetzung 
A. Ungnads in H. Greßmann, Altorientalische Texte und Bilder z. Alt. 
Test., Bd. I, S. 20 — 21) auch bei Berossos durch Bei, das ist Marduk. 
Der ganze Weltschöpfungsbericht wird nun von Berossos dem Fabel- 
weser^ Oannes in den Mund gelegt (vgl. Fragment 8 — 12), der die alten 
Schöpfungsmythen mit einer allegorisch-rationalistischen Erklärung ver- 
sieht (Fragment 12): 

ÜXXrjyoQtx&g ds (pri6i (seil. 6 'ißaw^g) ravta TtstpvöLoXoyriöd'ai. 

Wenn wir dies berücksichtigen, verstehen wir auch die Bemerkung 
des Seneca in Berossos' Fragment 39: 

Berosos, qui Belum interpretatus est. 

Schsabel: Froleg. u. Kommentar z. d. Babyloniaka d. Berossos 2 



18 Astronom. Fragm. gehören in Buch I 

Wollten wir dies genau erklärend wiedergeben, müßten wir nach 
Obigem sagen: 

*Berossos, der (die Taten des) Bei (berichtet) hat, (wie sie von Oannes) 
ausgelegt (worden sind).' 

Endgültige Entscheidung können wir nun über die Frage nach der 
Stellung der astronomischen Fragmente in den Baßvkcoviaxd fällen auf 
Grund des neuen Fragments 17, das wir einer anonymen Arat-Eisagoge 
verdanken, die uns aber leider nur durch eine mittelalterliche barbari- 
sche lateinische Übersetzung erhalten ist: 

De tali constitutione stellarum honiines committunt, non qualem Jup- 
piter praecipit. Istas enim appellationes et significationes stellarum postea 
aliquando Berossus ait in ' Procreatione' ita significans exposuit nihil ad 
constitutionem mundi ah eo factam. Talia quippe aliqua Eudorus dicit. 

Berossos ait in ' Procreatione' ist offenbar Wiedergabe eines griechi- 
schen BtjQoaööög (priöi hv tri 'Koö^oyovLa'. Der Verfasser des griechi- 
schen Urtextes der Eisagoge hat demnach sichtlich die Ansicht gehabt, 
daß dieses astronomische Fragment des Berossos aus seinem Werke Koß- 
lioyovCa herstamme. Zu dieser Meinung konnte er aber nur dadurch 
kommen, daß er das Werk des Berossos selbst nie in Händen gehabt 
hat. Denn die Angabe 'Talia quippe aliqua Eudorus dicit', das ist grie- 
chisch zurückübersetzt etwa Tota ^svtoi <^xat aXXa} nvä Eijöagög (pr}- 
ötv, sind ein offenes Zugeständnis, daß das Berossoszitat aus Eudoros 
stammt, der aber durch Vermittelung des Diodoros von Alexandria den 
Poseidonios benutzte (worüber wir unten in Kap. V des näheren noch 
sprechen werden). Dazu ist ferner die Erzählung der babylonischen 
xoö^oyovCa gerade einer der wichtigsten Bestandteile des erstes Buches 
der BaßvXcoviaxd, wie wir aus dem Polyhistorexzerpt des ersten Buches 
(Fragm. 12) ersehen, so daß die Annahme, Berossos habe ein besonderes 
Werk KoG^oyovCa oder IIsqI Koö^oyoviag verfaßt (so E. Maaß, Comm. 
in Aratum rell., 1898, p. 143), sich von selbst richtet, wir vielmehr durch 
das obige Fragment einen Beweis dafür erhalten, daß Berossos in der 
Erzählung der xoöiioyovLa, — woraus ein Späterer ein Werk Ko6- 
yioyovia (vielleicht sogar erst der moderne Herausgeber der Arateisa- 
goge E. Maaß, wenn er Trocreatione' druckt, in den codd. steht doch 
wohl einfach procreatione?) machte, — eben sich über Astronomie des 
näheren verbreitet hat. 

In dem angeführten Fragment spielt übrigens die Namengebung der 
Sterne durch Juppiter, d. i. der babylonische Bei = Marduk, eine RoUe. 
Dasselbe ist aber auch der Fall in einer der keilinschriftlichen Vorlagen 
des Berossos, nämlich in dem schon erwähnten babylonischen Welt- 



■P 

' scüopfun! 



Astronom. Fragm. gehören in Buch I 19 



scnopfungsepos Tafel V, Z. 70fiF. (A. Ungnad a. a. 0. S. 21). Dieses 
Vorbild des babylonischen Epos, das die ganze fünfte von seinen sie- 
ben Tafeln der Schöpfung der Gestirne widmet, die auch hier Mar- 
duk = Bei vollzieht, ist aber ein weiterer indirekter Beweis, daß Be- 
rossos bei der Erzählung der aoöiioyovCa sich weit ausführlicher über 
Astronomie verbreitet haben muß, als wir aus der kurzen Notiz am 
Ende der eusebischen Epitome des Polyhistorexzerpts des ersten Bu- 
ches der BaßvX&vLuxd, die wir oben zitiert haben, etwa schließen könn- 
ten, daß eben die astronomischen Fragmente des Berossos ins 
erste Buch der Baßvlayviaxd, in die Erzählung der aoGfioyorta 
gehören. 

Lediglich die Fragmente 39 — 41, die über Verquickung astronomisch- 
kalendarischer Vorstellungen mit ijcnvQcoöig und xarajclvöiiög handeln, 
dürften in das zweite Buch, nach der Erzählung des aataxlvöfiög, ein- 
zureihen sein und ebenso nach Ausweis von Fragment 31 bei Josephos 
die Fragmente 32 und 33. 

Mit dem Nachweis aber, daß die uns erhaltenen astronomischen Frag- 
mente des Berossos in seinen Bccßv^ovLaiccc standen, fällt jedoch auch 
die auf diese Fragmente sich stützende Annahme besonderer astro- 
nomischer und astrologischer Werke des Berossos! 

Dann haben wir aber noch eine Erklärung dafür zu suchen, warum 
in dem Polyhistorexzerpt bei Eusebios nichts außer dem einen Hinweis, 
den wir besprochen haben, von diesen astronomischen Fragmenten des 
Berossos erhalten ist. Da müssen wir nun bedenken, daß wir dieses 
Polyhistorexzerpt eben erst wieder in der Epitome des Eusebios besitzen, 
der die ihm überflüssig scheinenden Teile desselben einfach wegließ. Daß 
er dies auch mit den astronomischen Ausführungen des Berossos tat, er- 
klärt sich aus zwei Gründen. Einerseits paßten sie doch absolut nicht 
in seine Chronographie, in die er das Berossosexzerpt des Polyhistor stück- 
weise einverleibt hat. Andererseits konnte er ja zu ihnen keine Parallele 
aus der Bibel bringen. Sie waren also für ihn überflüssig. Außerdem 
besteht ebensogut die Möglichkeit, daß schon Polyhistor selbst beim 
Exzerpieren des Berossos diese astronomischen Abschnitte wegließ. 

Zu der Annahme, daß Berossos ein eigenes astronomisch-astrolo- 
gisches Werk verfaßt hat, ist übrigens auch A. v. Gutschmid auf Grund 
einer unrichtigen Interpretation des Testimonium 3 bei Josephos gelangt: 

Mdgxvg dh rovtav BrjQaGöög^ ävriQ Xccldalog ^ev t6 ysvog, yvÜQL- 
fiog ds roig mgl nauddav dvaergscpo^evoLg, ijisidrj tieqC xb döxQovo^Cag 
y.at oiSQL xcbv JtaQu XaXdaCoig (piXoßocpov^evcjv avxbg eig xovg"EXkrivag 
i^t^vsyxs xäg 0vyyQcc(pdg. 



■ 



20 Astronom. Fragm. gehören in Buch I 

A.v.Gutschmid bemerkt hierzu in seinem Kommentar zu Josephos' 
Büchern gegen Apion (Kleine Schriften IV, S 491) folgendes: 

'i^tsLÖ)] tcsqL xe äöTQOvo^Cag xai neQl xäv nagä Xakdaioig (piloöo- 
(povfisvav avtbg Big TOvg"Elkrjvag i^i]V£yx6 tag övyyQacpdg] . . . ECg tovg 
"EXXtjvccg iirjveyxe heißt *er machte sie unter den Griechen bekannt,' 
rag övyygatpdg sind aber nicht seine eigenen, sondern 'die vorhandenen 
Schriften', nämlich, was nach dem vorausgegangenen TiagäKakduCoig nicht 
besonders gesagt zu werden brauchte, die der Chaldäer (sonst könnte 
der Artikel nicht stehen, auch hätte avxog dann keinen rechten Sinn, 
während es sich durch den Nachdruck, der darauf gelegt wird, daß er 
es war, der die Bekanntschaft der Griechen mit der Weisheit der Chal- 
däer vermittelte, erkläi-t). Man könnte fragen, warum Josephos nicht 
sagte oial tcsqI xgjv (piXo6o(povuev(ov . . .xäg nagä XaXdaCoig övyygacpdg? 
Offenbar wollte er damit die Eigenart dieser philosophischen Lehren be- 
sonders hervorheben: es waren wesentlich mit der Astrologie eng zu- 
sammenhängende physikalische Spekulationen, z. B. über Kataklysmos 
und Ekpyrosis. Die Stelle des Josephos sagt also aus, daß Berossos ein- 
heimische Schriften über Astronomie und über die Weisheit der Chal- 
däer griechisch bearbeitete. Dies bestätigt Seneca N. Q. III, 29, der 
Astrologisches aus 'Berosus, qui Belum interpretatus est', anführt. Aus 
diesem astronomischen und astrologischen Werke sind viele Fragmente 
erhalten (17—25 bei MüUer, II p. 509 f.).' 

Gutschmids Ausführungen sind zu Anfang lichtvoll und gedanken- 
klar wie immer. Sehr schön faßt er das Resultat seiner Ausführungen 
zusammen in dem Satze: 'Die SteUe des Josephos sagt also aus, daß 
Berossos einheimische Schriften über Astronomie und die Weisheit der 
Chaldäer griechisch bearbeitete', dem man nur zustimmen kann. Aber 
durch nichts ist es gerechtfertigt, wenn er dann fortfährt: 'Aus diesem 
astronomischen und astrologischen Werke sind viele Fragmente er- 
halten.' 

Mit keinem Worte deutet Josephos an, daß Berossos die verschie- 
denen dvyygacpaC der Chaldäer in verschiedenen Werken behandelt 
hat. Josephos kennt, wie wir aus seinen Zitaten sehen, nur ein Werk 
Berossos', eben die Bccßvlc3vt,axd. 

Zu einer richtigeren Beurteilung der Worte des Josephos wäre Gut- 
schmid gelangt, wenn er erkannt hätte, daß Josephos in der einschlä- 
gigen Stelle nichts weiter bietet als eine Paraphrase des Berossos selbst, 
dessen Ausführungen uns im Beginn des Polyhistorexzerpts der Baßvk(o- 
VLaxd — und aus Polyhistor schöpfte ja auch Josephos (vgl. unten Kap. VI, 
— erhalten sind (Testimonium 1): 



Inhalt und Disposition des Gesamtwerks 21 

BrjQOööbs ds iv rfj TCQatri xcbv Baßvlcoviaxav (prjöt ysveöd^ai [lev 
ai)TOV %axa jiXi%av8qov thv ^cXltitcov triv tjXixCav. 

!dvayQa(päg d\ TtoXX&v iv Baßvk&vi (pvXdßösöd-aL ilstcc jtoXlrig km- 
fisXsCag ano sr&v Ttov ,vn^ vtcIq ^vQLcid&tv "gis n8QiE%ov6ag xqovov 
TtEQiiisLV ÖS tag avayQa(päg IßroQuag %sqI xov ovqavov xal d'ccXdöörjg 
xal TtQotoyovCccg xal ßaeiXscov xal rav xat avxovg 7iQdi,ECiv. 

Die Worte des Josephos: inndri tcsqC ts aötgovo^lag xal jcsqI t&v 
naga XaXdaCoig g)tXo6o(povfiEV(ov avtbg elg Tovg'''EXXrjvccg eh,rlv£yx£ tag 
övyygacpdg sind nun (selbstverständlich mit Ausnahme von ^Ttsidij . . . 
avxbg sig rovg "EXXrjvag ei,'t]vsyxf, vgl. hierzu das Folgende) nichts als 
eine Paraphrase der Worte des Berossos bei Polyhistor: dvaygaq^ag dh 
TCoXXCbv iv BaßvX&vL g)vXdö6E6d'aL . . . Ttegiexovöag . . . lötogCag Tiegl tov 
ovQavov xal &aXd66rjg xal TCQGjxoyoviag. Die lörogCag Ttsgl ßaöiXeav 
xal rcbv xax* avxovg 7CQdi,ec3v läßt Josephos sogar weg. 

Bei diesem Tatbestande werden wir nun umgekehrt die Vermutung 
wagen dürfen, daß in dem Berossosexzerpt des Polyhistor, das wir nur 
in der Epitome des Eusebios besitzen, das aber auch von Josephos be- 
nutzt worden ist, etwas gestanden hat, was dem ETtsiäri . . . avxbg elg 
xov^"EXXrjvag i^Vjveyxf xdg övyygacpdg entspricht, das ist aber eine An- 
kündigung des Berossos, daß er nun diese dvayQatpdg . . . 7iEQiE%ov6ag 
. . . löxoQi'ag tceqI ovgavov xal d-aXd66i]g xal TCQcaxoyoviag xal ßaöiXecav 
xal xcbv xax' avxovg 7tQdi,scov durch seine BaßvXaviaxd den Griechen 
zugänglich machen werde, eine Ankündigung, die die logische Über- 
leitung von der Erwähnung der dvaygacpai zu dem dann beginnenden 
eigentlicben Inhalt der BaßvXaviaxd bildet, und die bei Berossos un- 
möglich gefehlt haben kann, da ja sonst die Erwähnung der dvaygafpaC 
völlig in der Luft stünde. 

Die dvayQa(pai . . . tceqI ßaöiXecov xal x&v xar' avxovg Ttgdi^sciv hat 
nun Berossos, wie wir aus den Fragmenten ersehen, im zweiten und 
dritten Buche seiner BaßvXcDviaxd mitgeteilt. Die dvaygacpaC . . . nsgl 
ovQavov xal &aXd66r}g xal jiQaxoyoviag bilden, wie wir aus dem Alexander- 
Polyhistorexzerpt sehen, den Inhalt des ersten Buches. Mit ihnen sind 
aber, wie wir sahen, identisch die 6vyyQaq)al . . . tceqC xe dßXQovo^Cag 
nal TtEQi x6)v Ttagd XaXdaioig cptXoöocpovii&vcjv des Josephos. Man kann 
also auf Grund der letzteren nicht mit A. v. Gutschmid behaupten, daß 
Berossos ein besonderes astronomisch-astrologisches Werk verfaßt habe. 

Wir haben bei den letzten Ausführungen gleich kurz den Inhalt 
und die Disposition der BaßvXaviaxd kennen gelernt. Es dürfte 
von Nutzen sein, wenn wir uns beide näher vor die Augen führen. 

Die schon erwähnten avaygacpaC, die Berossos benutzt, enthielten 



22 Inhalt von Buch I; Grenze zw. Buch I u. 11, 11 u. III 

löTOQiag ^ieqI tov ovqccvov xal d-akdtsörjg xal nQaxoyovCag xal ßaöikiav 
xaX x&v xaz' avrovg Tigä^ecsv. Die Berichte nun über Meer, Schöpfung, 
Himmel, d. i. Astronomie, vor die man gemäß Fragment 7 Berichte über 
die yt}, das Land der Babylonier und seine Bewohner, stellen könnte, 
bilden, wie wir schon oben aus dem Polyhistorexzerpt ersehen haben, 
den Inhalt des ersten Buches der Baßvkcoviaxcc. Kurz bezeichnet Aby- 
denos in dem schon oben zitierten Fragment 30 a den Inhalt dieses 
Buches als die öocpir] xäv XaXdaicov. 

Die iöxogCcci TceQl ßaöikecov xal xav xax avxovg ^Qa^sav, das ist die 
Königsgeschichte, füllen das zweite und dritte Buch. Zu dieser Abgren- 
zung des Inhalts vergleiche man Fragment 28 bei Eusebios aus Polyhistor: 

Dieses (d. i. die vorhergegangenen Erzählungen über yij, ^dlaööa, TtQo- 
xoyovia, ovQuvög der Chaldäer, vgl. Fragment 1, 7, 8, 12) hat Berossos 
im ersten Buche erzählt. Und im zweiten hat er die Könige, einen nach 
dem anderen, darstdlend, beschrieben. 

Gleich darauf folgt in Fragment 29 (= Fragm. 29 b), das bei Euse- 
bios die Fortsetzung von Fragment 28 bildet, der Anfang des zweiten 
Buches der Baßvlavtaxd: 

Uq&xov ysvEö&ui ßaöiUa "Alagov (d. i. der erste mythische Ur- 
könig!). 

Hiermit ist die Grenze zwischen Buch I und II in dem Polyhistor- 
exzerpt scharf gekennzeichnet. 

Schwieriger ist die Beantwortung der Frage, wo die Grenze zwischen 
Buch II und IH liegt. Denn beide Bücher umfassen die Königsgeschichte. 
Eusebios deutet dazu in seiner Epitome des Alexander-Polyhistorexzerpts 
nirgends an, wo sich die Grenze zwischen beiden Büchern befindet. 
Einen gewissen Anhalt gewinnen wir indes dadurch, daß Josephos (vgl. 
Fragment 54) uns bezeugt, daß die Geschichte des Nabupalossor (625/4 
—605/4 V. Chr.) und Nabukodrossor (604/3—562/1 v. Chr.) im dritten 
Buche behandelt worden ist. 

Wir können jedoch die Grenze zwischen Buch II und III genau ge- 
winnen, wenn wir die griechische Rückübersetzung des Fragments 28 
aus Polyhistor, das uns nur im armenischen Text von Eusebios' Chronik 
erhalten ist, wie sie A. v. Gutschmid versucht hat, annehmen: 

Armen. Text bei Eusebios, chron. [ A.v.Gutschmids Rückübersetzung 
ed. Karst, S. 4, Z. 11 — 17 (Frag- in Schoene, Eusebius, chron. lib. I, 
ment 28). p. 240 (appendix). 

Dieses hat Berosos im ersten Buche Tavxa filv 6 Brjgaööbg iv xfi 
erzählt. Und im zweiten hat er die > tiq^xj} l6x6Qr]0€v, iv dh xy öevxEQcc 
Könige, einen nach dem anderen \ xovg ßaeiletg akkov kx' äXla xccxa- 



Grenze zwischen Buch II und IH 



23 



darstellend, leschrieben; wie er sagt: \lEyc3v avayQacpsi, sag ov %q6vov 
Ndbonassaros war zu jener Zeit NaßovaööaQog, q)7]6Lv, ißaöClsvösv 
König. Der Könige Namen nur tut : tä d' övöfiata tav ßa^iliav övv- 
er sammelnd aufschichten; ihre et- dycov övvdyei ^ovov, rag 81 TCQalsig 
waigen Taten jedoch erzählt er keines-] ovdaii&g axQißeötsQov ^ve^ovsvst^ 



G3ÖX ovde ^VTjfirjg ä^iov Soxslv tb 
hvT8v%'Ev thv oiQid'uov tcbv ßaöLXscov 
y.axaXiyEiv. 



wegs genau, oder auch erachtet sie 
gar nicht einmal der Erwähnung wür- 
dig, wenn nur dabei die Zahl der 
Könige aufgestellt werde. 

Wenn man den Text der armenischen Übersetzung des Eusebios 
liest, wird einem durchaus nicht klar, was die unvermittelte und unbe- 
gründete Erwähnung des Nabonassar allein hier bedeuten soll. Des- 
wegen haben auch frühere Fragmentensammler des Berossos, wie C.Müller 
in FHGII, p. 499 den Satz für ein Einschiebsel erklärt. Das ist je- 
doch Hyperkritik. Zum mindesten in Eusebios' Text muß Nabonassar 
erwähnt worden sein. Denn das wenigstens — aber auch nicht mehr, 
vgl. Note 13 zu dem gleich zu zitierenden Fragment — geht aus der 
Erwähnung des NccßovdööaQog bei SynkeUos in Fragment 48 a hervor, 
wenn, er Berossos und Alexander Polyhistor als Zeugen für Nabonassar 
anführt. 

Der armenische Satz 'Wie er sagt: Näbonassaros war zu jener 
Zeit König' ist somit einfach unverständlich; sofort verständlich wird 
er jedoch, wenn wir annehmen, wie es A. v. Gutschmid getan hat, daß 
der Armenier falsch interpungiert hat, und daß der betreffende Satz, in 
griechischer Rückübersetzung: scog ov xqövov NaßovdööUQÖg cpr^öLv 
ißaöCXsvösv, — unter Annahme einer Verwechslung von cjg und sag 
durch den armenischen Übersetzer — den letzten Teil des vorhergehen- 
den Satzes bildet. Dann lautet aber der Eingang der eusebianischen 
Epitome des Polyhistorexzerptes des zweiten Buchs der BaßvXcoviaxd 
folgendermaßen: 



L 



Dies hat Berossos im ersten Buche 
berichtet, im ziveiten aber zählt er die 
Könige einen nach dem andern auf, 
indem er die Erzählung bis zu der 
Zeit herabführt, da — wie er sagt 
— Nabonassar regierte. 
Danach ist Nabonassar der letzte, zum mindesten der letzte bedeu- 
tende König, den Berossos im zweiten Buche der BaßvXcovtaxd er- 
wähnt hat. 

Dasselbe Resultat gewinnen wir aber auch indirekt, wenn wir den 



Tavra ^hv 6 BrjQco66bg iv tri 
nQd)xrj iörÖQrjösv, iv dh xfj öevxsqk 
xovg ßaßiXslg dXXov kn aXla ;(;arcc- 
Xsycov dvayQd(pBi.,£ag oi) iqdvov Na- 
ßovdööaQog, (pri6t,v, ißaöCXsvösv. 



24 Inhalt von Buch 11 

Inhalt des zweiten und dritten Buches, wie wir ihn durch das Polyhistor- 
exzerpt bei Eusebios kennen, annähernd gleichmäßig auf die beiden 
Bücher zu verteilen suchen. 

Wenn wir nämlich das Polyhistorexzerpt dieser Bücher durchsehen, 
erhalten wir auf Grund der Chronologie des Berossos (vgl. Ed. Meyer, 
Das chronologische System des Berossos, Klio III, 1903, S. 131 — 134 
und meine Arbeit: Die babylonische Chronologie in Berossos' Babylo 
niaka=MVAG 1908, 5, S. 1—3) folgende Einteilung von Buch II: 

1. Die zehn Urväter vor der Flut. 

2. Der Flutbericht des Berossos. 

3. Die 86 mythischen Könige nach der Flut. 

4. Die fünf historischen Dynastien von 2232/1—732/1 v. Chr. 
Das zum mindesten alles dieses dem zweiten Buche angehört hat, 

dürfte sicher sein — wenn auch die Königsreihen so endlos lang waren, 
daß Eusebios es aufgibt, für die Könige nach der Flut die Namen an- 
zugeben, die der Polyhistor noch bot, vgl. Fragment 43 und 47 — denn 
Polyhistor bemerkt ausdrücklich (vgl. das oben zitierte Fragment 28): 
Der Könige Namen nur tut er sammelnd aufschichten (seil. Berossos); 
ihre ettvaigen Taten erzählt er Iceineswegs genau; oder auch erachtet sie gar 
nicht einmal der Erwähnung würdig, wenn nur dabei die Zahl der Könige 
aufgestellt werde (d. h., daß die einzelnen Könige gezählt, d. i. zu Dy- 
nastien zusammengefaßt würden). Das zweite Buch würde wohl un- 
verhältnismäßig kleiner als das dritte Buch werden, von dessen viel 
reicherem Inhalt uns die Fragmente 54 und 58 bei Josephos einen Be- 
griff geben können, wenn wir etwa die fünf historischen Dynastien von 
2232 — 732 v. Chr. schon zum dritten Buche beziehen woUten. 

Nach der Aufzählung dieser fünf historischen Dynastien fährt nun 
Polyhistor bei Eusebios (vgl. Fragment 49) mit den Worten fort: Na^h 
welchen (seil, den Königen der vorhergehenden V. historischen Dynastie),. 
sagt er, gewesen sei der König der Chaldäer, dessen Name ist Phulos. 
Von da an berichtet nun Berossos, wie wir aus den Fragmenten 49, 50 
und ff. sehen, nur noch über die einzelnen Könige und faßt sie nicht mehr 
zu Dynastien zusammen. Wenn aber Berossos von der Zeit des Phulos 
an — , d. i., wie jetzt wohl allgemein anerkannt sein dürfte, König 
Tukultiapalesarra III. von Assyrien (745/4 — 727/6 v. Chr.), der b^B und 
iCSbB nbar der Bibel (IL Reg. XV, 19 und 29) der von 728/7—726/6 
unter dem Namen Pulu (d. i. eben biB) in Babylonien zugleich regierte, 
— die babylonischen Könige nicht mehr zu Dynastien zusammenfaßte, 
80 folgte er damit dem Vorbild der babylonischen keilinschriftlichen 
Königslisten, ein Beweis, daß er eine solche als Vorlage benutzt hat. 



I 



Inhalt von Buch III 25 

(Vgl. im übrigen meine Konkordanz der babylonischen Königsliste A, 
der babylonischen Chronik, der Angaben des Berossos und des Kanon 
des Ptolemaios für die Zeit von 747 — 539 v. Chr. auf S. 99 meiner 
Arbeit 'Studien zur babylonisch- assyrischen Chronologie', =MVAGr 
1908, 1.) 

Es fragt sich somit nur noch, ob das dritte Buch schon mit Nabo- 
nassar (747 — 734 v. Chr.), der schon ein Zeitgenosse des Phul=Tiglat- 
pileser III. (745 — 727 v. Chr.) war, begann, oder ob seine Regierung noch 
am Ende von Buch II behandelt war. Wenn man bedenkt, daß der pto- 
leraäische Kanon mit Nabonassars Regierung beginnt, könnte man der 
Ansicht sein — und frühere Historiker, vor aUem A. v. Gutschmid, haben 
sich dafür erklärt — , daß Berossos sein drittes Buch mit Nabonassar 
begonnen hat. Demgegenüber können wir jetzt feststellen, daß die Re- 
gierung des Nabonassar bei Berossos nach Ed. Meyers Nachweis (Klio 
III, 1903, S. 131 — 134) noch in die letzte vorassyrische Dynastie genau 
wie in der keilinschriftlichen Königsliste A eingereiht war. Diese Dy- 
nastie schließt aber mit dem Jahre 732/1 v. Chr., dem Regierungsende 
von Nabonassars Sohn Nabunadinzer (733/2 — 732/1 v. Chr.). Nabonassar 
war also der letzte bedeutende König, der in Buch II der Baßv- 
XcovLaxd erwähnt worden ist. 

Buch III beginnt demnach mit dem Jahre 731/0 v. Chr., das heißt, 
mit dem Regierungsantritt des Ukinzer (731/0 — 729/8 v. Chr.), des Xlv- 
^rjQog des ptolemäischen Kanons, des letzten Vorgängers des Phul = Ti- 
glatpileser III. auf dem babylonischen Königsthron. Das würde dem 
Wortlaut des Polyhistor bei Eusebios (Fragment 49) widersprechen: 
Nach welchen gewesen sei . . . Fhulos. Diese Differenz ist jedoch nur ge- 
ringfügig und scheinbar. Denn Ukinzer ist eben der Rivale des Tiglat- 
pileserllL in dem Kampf um den Thron von Babylon gewesen, der nach 
dem Ende der Dynastie des Nabonassar, der gegenüber sich Tiglatpi- 
leser III. friedlich verhalten hatte, erledigt worden war. Der ptolemä- 
ische Kanon faßt demgemäß sogar die Regierungen des Ukinzer und 
Pulu=Tukultiapalesarra (ersterer, wie schon bemerkt, 3 Jahre von 731/0 
—729/8, letzterer als Babylonierkönig 2 Jahre, 728/7—727/6 v. Chr.) 
zu einer einzigen von 5 Jahren zusammen: 

Xivt^riQov xal TIcoqov errj «'. 

Das dritte Buch der Baßv^-coviaxd umfaßt somit folgende Perioden 
der babylonischen Geschichte: 

1. Die Zeit der Assyrerherrschaft, 731—626 v. Chr. 

2. Das neubaby Ionische Chaldäerreich , 625 — 539 v. Chr. 

3. Die Herrschaft der Perserkönige über Babylon, 538 — 331 v Chr. 



26 Da,8 Werk endet mit Alexander dem Großen 

Daß Berossos die Perserkönige sämtlich, und zwar im dritten Buche 
und nicht etwa einem hypothetischen vierten behandelt hat, ersehen 
wir einerseits aus Fragment 65, das uns ein in die Regierung des Arta- 
xerxes II. (404/3 — 359/8 v. Chr.) fallendes Ereignis als im dritten Buch 
der BaßvXaviaxd behandelt bezeugt, andererseits aus dem Schluß des 
Polyhistorexzerpts bei Eusebios, das uns sämtliche Perserkönige als von 
Berossos erwähnt bezeugt (Fragment 65): 

'Und es herrschte über Bahdon Kyros 9 Jahre. Bar auf , als er in 
der Ebene Baas sich in einen anderen Kampf eingelassen, kam er um. 
Nach ihm Kambyses: herrscht 8 Jahre. Und darauf Bar eh 36 Jahre. 
Nach diesem Xerxes und weiter die übrigen Perserkönige.' 

Also, gleich wie Berosos in betreff des chaldäisclien Königtums kurz- 
gefaßt im einzelnen überliefert, ebenso berichtet dasselbe auch der Poly- 
histor. 

Daß ferner Buch III und damit die ganzen BaßvXcaviaxä mit der 
Regierung Alexanders des Großen, dessen Zeitgenosse schon Berossos 
war (vgl. Kapitel I), geschlossen hat, ersehen wir aus Fragment 66 bei 
Abydenos, der ja auch den Polyhistor benutzt hat (vgl. Kapitel VI): 

Bes Äbidenos (BericMy über das Königtum der Assyrer. 

Bieserweise stellen sich die Chaldäer (das ist eben Berossos) ihres 
Landes Könige von Aloros bis auf Älexandros vor. 

Damit stimmt überein die Notiz in Fragment 4, das auch auf Be- 
rossos zurückgeht, wie die Zahl von 473 000 Jahren erweist (vgl. meine 
Ausführungen in MVAG 1908, 5, S. 4—5): 

ktav yäg intä nal tsrtaQccxovra ^vQidöag xal tQSlg int tavtcaq %i- 
Xittdag slgti]v^Xs^oivdQovdidßa(iiV'ysyovEvca}iatttQL&^ovöLv(8VLTp]p\. 
Ol XaXdatoi). 

Daß schließlich die Regierung ,des Alexander (von Berossos mit 
8 Jahren angesetzt, 330/29 — 323/2 v.Chr.) noch in den BaßvXcoviaxd mit- 
behandelt war, erweist das chronologische System des Berossos, wie 
Ed. Meyer (Klio III, 1903, S. 131—134, vgl. meine Ausführungen in 
MVAG 1908, 5, S. 3) bewiesen hat. 

Nachdem wir so Inhalt und Disposition der BaßvXavLaxd als Ge- 
samtwerk kennen gelernt haben, dürfte es wohl an der Zeit sein, In- 
halt und Disposition der einzelnen Bücher zu erörtern. 

Für das erste Buch der BaßvXcaviaxd besitzen wir nun eine sehr 
hübsche Beurteilung, die H. Geizer in seinem Buche 'Sextus Julius Afri- 
canus und die byzantinische Chronographie', Teil II, 1. Abtlg., 1885, 
S.25 — 26 gelegentlich seiner Analyse des Inhalts der Chronik des Eusebios 
gegeben hat: 



Inhalt und Disposition von Buch I und 11 27 

'S. 11, 21 — 18, 27 folgt nun ein zusammenhangendes Exzerpt aus 
Polyhistor. Es zeigt, daß der chaldäische Belospriester mit vielem Ge- 
schick seinen barbarischen Stoff anordnete und denGrriechen mundgerecht 
machte. Nachdem er über seine Person sowie seine Befähigung zur 
Schriftstellerei gerade über Chaldaeas origines Auskunft gegeben, ent- 
wirft er eine geographische Skizze des Bodens, auf dem sich seine Er- 
zählung bewegt, in knapper Kürze alles Bedeutsame treffend hervor- 
hebend. 

Nun kommen die Anfänge der Kultur, welche der Fischmensch Oannes 
den tierisch lebenden Bewohnern des Landes übermittelt. Movers hat 
zuerst gesehen, daß dieser hochweise Kulturbringer ein Offenbarungs- 
buch sei rbv dh 'Sldvvrjv nsQl yevsäg xal TColirdag yQatl-'ai. Die der 
Königszeit angehörigen Ungetüme, die Tetras der 'JvvtjdatoL und 
'Slddxcov, sind die priesterlichen Kommentare des alten heiligen Buchs: 
tovtovg ÖS g)r]6i ndvtag xä vtco 'Sldvvov xscpalaLcoöayg qti]%bvtCc xatä (is- 
Qog i^rjyrjöccöd^ai. Die absolut sterile Phantasie dieser Legende erinnert 
an ähnliche Ausgeburten brahmanischer Priestergehirne. 

Dem Oannes wird dann auch der Schöpfungsmythus in den Mund 
gelegt. Hätte Berossos nach Orientalenmanier sein Werk mit der Welt- 
schöpfung begonnen, so würden die hellenistisch gebildeten Zeitge- 
nossen dasselbe voll Verachtung als xaQaxädri xal cplvaQCui beiseite 
gelegt habeli. Durch seine geschickte rhetorische Wendung wird der 
Schöpfungsmythus in einer auch kritischen Geistern einigermaßen ak- 
zeptabeln Weise verwertet. Auch seine allegorischen Erklärungen der 
kosmogonischen und anthropogonischen Mythen zeigen das Bestreben, 
den gebildeten Hellenen sich gleichzustellen.' 

Es hieße nur den Wert der Ausführungen Geizers vermindern, woUte 
man ihnen ein Wort hinzufügen. 

In einer wesentlich anderen Lage als bei der Disposition des ersten 
Buches befand sich Berossos im zweiten und dritten Buche. Vor allem 
im zweiten Buche war ihm die Disposition durch die Chronologie ge- 
geben. Die endlos langen Königslisten mit ihren leeren Namen und 
Zahlen konnte er nur ab und zu durch kurze Notizen ausfüllen, ihre Taten 
erzählt er Jceineswegs genau, sagt Polyhistor. Einen Begriff davon kann 
uns leider nur noch die Liste der Urväter geben. Eine Unterbrechung 
brachte in das Einerlei der Königsreihen die Erzählung des Kataklys- 
mos mit daran sich anschließenden Reflexionen über die Wiederkehr 
von ixTCvQcoöLg und xaxaxlv6^6g, die den Sommer und Winter der Wel- 
tenjahre bezeichnen und durch astrale Konstellationen herbeigeführt 
werden (Fragment 38 — 41), sowie über die Langlebigkeit der Menschen 



28 Inhalt und Disposition von Buch II und HI 

(Fragment 31 — 33). In die langen Königslisten der Könige nach der 
Flut geliören wohl solche Erzählungen wie die Geburt des Gilgamos — 
Fragment 45 bei Ailianos, De nat. aiiim., wenn es auch nicht direkt 
als berossisch bezeugt ist, denn die Heldengestalt des bedeutendsten 
babylonischen Epos, des heute so viel genannten Gilgames-Epos, kann 
der Babylonier Berossos nicht übergangen haben, außerdem ist eine 
Quelle des Ailianos Juba, der ja Berossos benutzt hat (Kap. VII) — 
und die von Polyhistor bei Agathias (s. Berossos, Fragment 46) über- 
lieferte Geschichte von Beleous und Beletaras — , vgl. jetzt die keil- 
inschriftliche Parallele der Könige Uraimitti und Enlilbani von Isin in 
L. King, Chronicles of early Babylonian kings, 1907, vol. II: Texts, 
p. 11 — 12 und 15 — 16 — . Auch letztere kann von Polyhistor kaum 
einer anderen Quelle entnommen sein als Berossos, wenn dies auch nicht 
direkt bezeugt wird (vgl. unten Kapitel VI). Sonst unterbrechen eben 
nur chronikalische Notizen über Kriege der Könige usw. das ewige 
Einerlei von Namen, Zahlen und Dynastiesummieruncren. Man ver- 
gleiche nur die uns erhaltenen keilinschriftlichen Chroniken über die 
Zeit vor Nabonassar. 

Besser war Berossos wieder im dritten Buche daran. Hier konnte 
er, da nun das Chronikenmaterial reicher und ausführlicher floß, eine 
ausführliche und fortlaufende Geschichtserzählung geben, die er bei 
Nabukodrossor sehr angenehm durch den Bericht über den Neubau von 
Babylon durch diesen König unterbrechen konnte, der auch für die 
Griechen von größtem Interesse sein mußte. Für uns heutzutage hat er den 
Wert eines Keilschriftberichts. Wenn von den griechischen Historikern 
ihn nur Kleitarchos und auch dieser lediglich das pikante Motiv ver- 
wendet hat, daß Nabukodrossor die xgefiaötovs xrinovs seiner raedischen 
Gattin zuliebe erbaut hat, so ist das ihre Schuld. 

Wenn nun — abgesehen von der Benutzung des astronomischen 
Teiles von Buch I durch Poseidonios (vgl. Kap. V) — Berossos mit 
Ausnahme einer kleinen Notiz bei Kleitarchos auf die griechischen Hi- 
storiker bis auf Polyhistor und Juba, die aber beide auch nur, um einen 
Ausdruck von Ed. Schwartz zu gebrauchen, 'gelehrte Kuriositätenkrämer* 
gewesen sind, gänzlich einflußlos geblieben ist und nur die Juden, zuerst 
Pseudo-Eupolemos (Kap. IV, § 1) direkt, später und ebenso die Christen 
indirekt durch Vermittelung von Polyhistor und Juba das Werk des 
Berossos wegen seiner Parallelen zu alttestam entlichen Erzählungen aus- 
gebeutet haben, so hat diese Tatsache mehrere Gründe. 

Einmal entsprach das doch im ganzen nüchterne und sachliche, 
durch seine Königslisten immerhin langweilige Werk nicht dem nach 



Geringe Benutzung des Berossos durch griech. Historiker 29 

Wunderbarem haschenden Geschmack der hellenistischen Zeit, dem das 
ältere an Wundererzählungen so reiche Werk des Ktesias viel mehr 
zusagte. 

Auch war der historische Sinn und die historische Kritik der Hel- 
lenen in dieser Zeit nicht mehr auf der einsamen Höhe eines Thuky- 
dides, so daß sie nicht erkannten, welch wertvolles Material ihnen ge- 
boten wurde und welche Kritik sie an Ktesias' Lügenerzählungen hätten 
üben können, wie es ja auch Berossos selbst gewoUt hat (vgl. Frag- 
ment 54, § 142). 

Wenn nun schließlich bei den hellenistischen Chronographen, wie 
Kastor — denn Eratosthenes und ApoUodor selbst schlössen nichtgrie- 
chische Chronographie bekanntlich grundsätzlich aus — , auch die chro- 
nologischen Angaben des Berossos unbenutzt blieben, so hat dabei, wie 
Ed. Schwartz (Pauly-Wissowa, RE^, UI, Kol. 314) richtig ausführt, 'mit- 
gewirkt, daß Berossos babylonische und nicht assyrische Geschichte 
schrieb; doch war viel verhängnisvoller, daß der Chronikenstil und die 
endlosen Reihen barbarischer, unaussprechbarer Namen den Griechen 
diesen Teil des Werkes als eine ungenießbare Kuriosität erscheinen lie- 
ßen'. Dazu kommt noch ein Grund, aus dem auch die jüdischen und 
christlichen Chronographen vor Panodoros die Verwertung der chrono- 
logischen Angaben des Berossos — und ebenso des Manetho — abge- 
lehnt haben, wenn sie sie auch darboten. Die Riesenzahl von 468000 
Jahren für die Könige von Aloros bis Alexander ließ sich in kein chro- 
nologisches System einzwängen. Wenn übrigens Ed. Schwartz a. a. 0. 
Kol, 314 — 315 annimmt, daß der Verfasser der pseudo-apollodorischen 
Fortsetzung von Apollodors Chronik den Berossos benutzt habe (vgl. 
die Nennung des Apollodor in Fragment 8 und 29), so hat zunächst 
F. Jacoby, 'ApoUodors Chronik', 1902, S. 20—25, die Annahme einer 
prosaischen, schon von Polyhistor benutzten Fortsetzung der echten in 
lamben verfaßten Chronik des Apollodor als falsch erwiesen; im übrigen 
vergleiche man für die Erklärung der anscheinend bezeugten Benutzung 
des ApoUodor durch Polyhistor bei Eusebios die Ausführungen unten 
in Kapitel VI. 

Wenn das Werk des Berossos als solches in seiner Gesamtheit — 
denn die durch Mittelsmänner überlieferten Zitate kommen hierbei nicht 
in Betracht — nur von sehr wenigen Griechen, wie wir in Kapitel III 
noch sehen werden, nur von fünf Schriftstellern benutzt worden ist, so 
ist nicht zum mindesten noch ein sehr wichtiger Umstand daran mit 
schuld gewesen, daß nämlich Berossos ein sehr schlechter Stilist 
war, der das Griechische nicht mit der nötigen Fertigkeit gebrauchte. 



30 Bero8808 ein schlechter Stilist 

Zur Begründung dieses Urteils vergleiche man folgende Bemer- 
kungen, die A. V. Gutschmid in seinem Kommentar zu Josephos' Bü- 
chern gegen Apion (Kleine Schriften IV, S. 336 — 589, veröffentlicht 
1893) zu den beiden in diesen erhaltenen Berossosfragmenten 54 und 
58 nacheinander gemacht hat (Sperrungen von mir): 

S. 499, § 136. ixvQC£v66v] So Flor und Euseb. Praep. ev. Da- 
gegen ixQccrrjffev haben Euseb. Chron. Armen, (vicitque) und SynkeUos 
{xQccret) vorgefunden, und so liest Jos. A. J. Dem Sinne nach ist dies 
gewiß das Richtigere, da der nur sein kann 'er überwand ihn'. Aber 
die Überlieferung spricht hier für ixvQCsvßsv, Euseb. Chron. mag, wie 
oft, die Stelle nach der Archäologie berichtigt haben. Es ist wohl mög- 
lich, daß Berossos, der das Griechische lange nicht mit der 
Sicherheit handhabt wie Manetho, das ixvQCevösv in einem allge- 
meineren Sinne als dem des wirklichen In- seine- Hände- Fallens ge- 
braucht hat. 

S. 501, § 137. xatadT'^öas] So Flor., Euseb. Chron. Armen., Synk. 
und Eus. Praep.; xal xaraer^öag die Parallelstelle der Arch., was durch 
'et' des Int. Lat. für unsere Stelle nur scheinbar bestätigt wird. So 
unschön die vielen nebeneinandergestellten, unverbundenen 
Partizipien auch sind, so ist doch dieses xat unzweifelhaft falsch, 
da es sehr deutlich zum Nachsatz gehört, diesen eröffnet. 

S. 504, § 138. övvixa^sv — ä7CodBll,ai\ wie kurz vorher öwTcc^ag 
— ävaxo^Ct,ELv. In dieser geringen Abwechselung verrät sich 
der des Griechischen wenig mächtige Fremde. Eus. Arm. und 
Synk. lassen ccnodei^ai ganz aus, das in der Arch. in änodEL^ag ver- 
schrieben ist: man sieht, die Konstruktion war den Späteren keine ge- 
läufige. 

S. 509, § 139. vnsQsßdXExo] vntQeßdXkaxo Synk., aber der allein 
statthafte Aorist wird durch Arch. bestätigt. V7CEQßdXkE6%-ca heißt aber 
nie soviel wie 'zu seinem Schutze ringsum aufführen', das allein Rich- 
tige wäre jtSQiEßdXsto, wie die Vulgata in der Arch. geändert hat. Die 
Übereinstimmung beider Stellen beweist jedoch, daß Josephos wirklich 
vxsQsßdXaro geschrieben und den Fehler bei Berossos vorgefunden 
hat, wenn es ein Fehler ist; bei einem korrekteren Schriftsteller wäre 
das sicher anzunehmen, es ist aber wohl möglich, daß Berossos wegen 
des unmittelbar folgenden TiSQißölovg abwechseln wollte und nach der 
Analogie anderer Komposita, in denen vtieq 'zum Schutze von etwas' 
bedeutet, und von ßdXksöd^cci xdgccxa ein vTCSQeßdXsTo im Sinne von 'er 
führte zum Schutze auf gebrauchte. 

S. 516, § 140. TtoXXijv'] Der Int läßt es unüb^rsetzt, aber Synk. hat 



Berossos ein schlechter Stilist 31 

XoiTtriv ('diversique generis magnificentiam' Euseb. Arm.), und ebenso 
Arch. Dies verdient als besser beglaubigt den Vorzug, um so mehr, da 
es ein Lieblingswort des Berossos ist. 

S. 517. vmgßoXiiv hg iisydXu] . . . slg vnsQßok'^v ag ist ein Hapax 
legomenon, welches sich Berossos nach der Analogie von vnBQtpväg 
ag gestattet hat. 

S. 519, § 141. anodovg — y.axatpvtsvöag — J|£i^yaWro] d. i. 'als 
er so ein bergähnliches Aussehen geschaffen hatte, bearbeitete er sie, 
nachdem er sie mit allerlei Bäumen bepflanzt hatte', — abscheulich, 
und man könnte leicht durch Einschaltung eines ob vor divÖQaöi ab- 
helfen. Allein wir haben kein Recht, so zu glätten, dem Berossos ist 
als etwas für ihn Charakteristisches die unbeholfene Agglu- 
tinierung von gehäuften Partizipien zu belassen. Sicher ist 
durch die Arch., daß Josephos so gelesen hat. 

S. 537, § 148. diä TÖ noXkä hiKpaCveiv xaxo7]d-r[] s^cpaCveiv == 'er- 
kennen lassen'. Eus. Praep. ev. liest ixcpat'vBtv^ aber jenes . . . ist . . . 
das übliche. Ein gewandterer Stilist als Berossos würde ge- 
sagt haben diä tö JtoXv l^q)aiVELV xo xaxörjd'eg. 

S. 540, § 150. ocal ocaTaötQ£xpDC(i£vog^ xal fehlt bei Eus. Praep. ev., 
und auch Eus. Chron. Arm. und Int. Lat. scheinen es nicht vorgefunden 
zu haben. Es ist ganz dem sonstigen Stile des Berossos ent- 
sprechend, die verschiedenen Partizipien ohne eine solche 
Verbindung nebeneinander zu stellen, und würde hier, wo erst ein 
Part. Perf.^ dann ein Part. Aor. steht, selbst bei einem besseren Schrift- 
steller entbehrt werden können. Es konnte leicht vor folgendem KAT- 
in den Text geraten und ist zu tilgen. 

S. 541, § 151. aiö&o^evog — ccTtavrijöag . . , xal TcaQatu^d^svog — 
iieöri&slg . . . xal q)V'ya}v] Wiederum die dem Berossos eigene 
Häufung von unvermittelt nebeneinander gestellten Parti- 
zipien. 

S. 541 — 542, § 152. snl Boqömtiov] . . . Dagegen scheint knl Böq- 
öiitTCov in ijtl BoQöLjtTtcov verbessert werden zu müssen; diese Ände- 
rung hat auch den Sprachgebrauch des Berossos für sich; vgl. 
oben caQ^r^öev inl t7}g BaßvXcovCag. 

S. 542, § 153. dXX' iyxELQLöavrog avtbv TtQÖtBQOv, %Qri6diLEvog Kv- 
Qog (piXav%'Q(xi7t(og\ Beidemal ist ein a-hre) zu ergänzen, dessen Aus- 
lassung sehr hart und ein Beweis ist, daß dem Berossos die 
fremde Sprache wenig geläufig war. 

In den fünfzehn Paragraphen, die beide Fragmente zusammenge- 
nommen umfassen, soweit sie aus Berossos stammen (c. Ap. I, §§ 135 



32 BerosBOB scblechter StiÜBt 

bis 141 nnd 146 — 153), hat also A. v. Gutschmid nicht weniger als ein 
Dutzend Verstöße desBerossos gegen den regulären griechischen Sprach- 
gebrauch nachgewiesen. Sein Urteil, daß Berossos ein schlechter 
Stilist und des Griechischen nur wenig mächtig war, besteht 
demnach völlig zu Recht. Allerdings müssen wir bedenken, daß 
jene beiden Fragmente nicht direkt aus Berossos stammen, sondern — 
wie wir in Kap. V noch sehen werden — von Josephos aus der indi- 
rekten Rede des Polyhistor in direkte zurückverwandelt worden sind. 

Nachdem wir so Berossos als Schriftsteller beurteilt haben, liegt 
es uns noch ob, sein Verhältnis zu den von ihm benutzten Quel- 
len zu beurteilen. Bevor uns dies jedoch möglich ist, müssen wir erst 
die Überlieferungsgeschichte der uns überkommenen Fragmente 
des Berossos eingehend analysieren. 



III. KAPITEL 
BEROSSOS UND KLEITARCHOS 

Wenn wir die Berossosfragmente durchblättern und die uns — sei 
es vollständig, sei es in Exzerpten — erhaltenen Schriftsteller zählen, 
aus denen sie stammen, so erhalten wir eine stattliche Anzahl von 
Autoren, die den Berossos zu zitieren scheinen, nämlich etwa zwanzig. 
Dazu treten noch ungefähr zwölf erhaltene Schriftsteller, die den Be- 
rossos zwar nicht zitieren, von denen wir aber dennoch nachweisen 
können, daß in ihren Werken Berossosfragmente enthalten sind. Suchen 
wir jedoch dann diejenigen Schriftsteller festzustellen, die das Werk 
des Berossos selbst eingesehen haben und ihre Berossosfragmente nicht 
einer MittelqueUe verdanken, so bleiben uns zuletzt nur fünf, dazu 
sämtlich nicht direkt erhaltene Autoren, nämlich der Alexanderhisto- 
riker Kleitarchos, weiter ein anon^'mer samaritanischer Schriftsteller, 
den man, da bei Eusebios seine Fragmente unter die des jüdischen 
Historikers Eupolemos geraten sind, als Pseudo-Eupolemos bezeichnet, 
dann der Stoiker Poseidonios, ferner Alexander Polyhistor und schließ- 
lich König Juba von Mauretanien. Dazu tritt vielleicht noch der Autor 
der von der jüdischen Sibylle benutzten chaldäischen Sibylle. Dabei 
ist es uns nur von Polyhistor und Juba direkt bezeugt, daß sie Be- 
rossos benutzt, ja sogar ausgezogen haben, bei den anderen können wir 
die Benutzung des Berossos nur auf indirektem Wege ermitteln. 

Betrachten wir nun im folgenden die Wirksamkeit dieser fünf Schrift- 
steller und ihrer Ausschreiber. 

Der erste und literarisch älteste von ihnen ist der Alexanderhisto- 
riker Kleitarchos. Er hat in seine Alexandergeschichte eine Beschrei- 
bung der Stadt Babylon aufgenommen, wie aus dem Fragment 4 (nach 
der Zählung von C. Müller, SHA, p. 77), das bei Diodor, Bibl. bist. 11, 
c. 7, § 3 erhalten ist, hervorgeht. Dieses Fragment beweist gleichzeitig, 
daß Diodor in der von ihm in capp. 7 — 10 gebotenen Schilderung des 
Baues von Babylon mindestens zwei Autoren kontaminiert hat, nämlich 
den Ktesias und Kleitarchos. Dabei ist es für unseren Zweck gleich- 

Schnabel: Proleg. u. Kommentar z. d. Babyloniaka d. Berossos 3 



34 Kleitarchos und Ktesias von Diod. II, c. 7 — 10 benutzt 

gültig, ob wir mit P. Krumbholz (Rh. Mas. XXXXI [1886], S. 321—341; 
ebendas. L [1895], S. 205—240 und LH [1897], S. 237—285) anneh- 
men, daß Diodor — wie überhaupt in dem ganzen Abschnitt über j^tf- 
evQtaxcc und Mrjdixu in lib. II, cc. 1 — 34 — selbst die Zusammenarbei- 
tung des Ktesias mit den anderen Autoren vorgenommen hat, wie auch 
Ed. Schwartz (RE^ V, 1 [1903], Kol. 672) glaubt feststellen zu müssen, 
oder ob wir mit C. Jacoby (Rh. Mus. XXX [1875], S. 555—615) und 
J. Marquart (Die Assyriaka des Ktesias; Philologus Suppl. Bd. VI, 2 
[1893], S. 501 — 658) diese Kontamination einer MittelqueUe zuschrei- 
ben. Eine Entscheidung ist meines Erachtens unmöglich. Gänzlich un- 
erwiesen ist es jedoch, daß diese eventuelle MittelqueUe Kleitarchos 
selbst (so C. Jacoby) oder Agatharchides (so Marquart) gewesen sei. 

Die oben zitierte Diodorstelle lib. 11 c. 7, § 3 lautet nun: 

läxoXaßovöa de (seil, rj IJs^Cga^ig) rbv EvqyQccrrjv Tiora^bv dg ^e6ov 
nsQießdXsto tstxos T^f] ^6^sl eraöCcov i^rlxovrcc xccl rQiaxo6ic3V, ÖLStki^fi- 
lisvov TCVQyoig otvKvolg xai ^isyakoLg, &g g)rj6i KrrjöLag 6 Kvtöiog, djg 
ds KXsCtaQxog xal xcbv vötsqov fift' ^X£i,dvdQOv diccßccvtav elg 
ri)v 146 Lav tivhg ccvByQcc^av^ tQiaxoöCcov i^tjxovra nivTE 6taö Cg3V aal 
nQoörid'saßiv ort täv töcov tj^sq&v Big rov hvLUVthv ovö&v htpiXon- 
fiijd'rj tbv löov aQid-^bv xcbv 0taöC(ov vn:o0t7]6a6d'aL. 

Man sieht, die Grundlage des Berichtes bildet Ktesias, während aus 
Kleitarchos lediglich eine Abweichung vom ktesianischen Text geboten 
wird. Wenn nun im daran anschließenden § 4 für die Angabe der Höhe 
der Mauer von Babylon dem Ktesias gegenübergestellt werden die svloi 
T&v v£cot£QC3v: tstxog xars6x£va6£ tb ^ev vifog, dyg ^£v Kr rj 6 Lag g)'i]6C, 
nsvrtjxovTa ÖQyvi&v, ag d' svlol xav vscjxeqcjv eyQaijjav, Tcrjxav 
scsvrtjxovxa, so wird darunter wieder Kleitarch mitinbegriffen sein (so 
Jacoby a. a. 0. S. 584, Krumbholz a. a. 0. L, S. 223). 

Während nun in capp. 7 — 9 Ktesias zugrunde gelegt ist und Kleit- 
archos nur für abweichende Angaben zitiert wird, geht cap. 10 ganz 
auf Kleitarchos zurück nach Ansicht sämtlicher neueren Forscher (Th. 
Nöldeke, Art. ^öövQiog, ZvQiog, UvQog, in Hermes Bd. V [1871], 
S. 443 ff.; C. Jacoby a. a. 0. S. 590 ff [1876]; J. Marquart a. a. 0. S. 535 
u. 554ff [1893]; A. v. Gutschmid, Kleine Schriften IV [1893], S. 518, 
519, 524; P. Krumbholz a. a. 0. L [1895], S. 223 f., vgl. a.a.O. XXXXI, 
S. 335ff [1886] und a. a. 0. LH [1897], S. 264 f ; F. Reuß, Rh. Mus. LVII 
[1902], S. 587; Ed. Schwartz a. a. 0. [1903], Kol. 672. Abweichend ohne 
nähere Begründung nur C. F. Lehmann-Haupt, Semiramis [1910] S. 73, 
Anm. zu S. 64). Die Gründe für diese Annahme sind folgende 

Wenn Diodor c. 10, 1 sagt, daß der XQEfiaötbg xfinog nicht von Se- 



Diod. n, c. 10 geht auf Kleitarchos zurück 35 

miramis, sondern V7f6 tivog vötsQov ZIvqov ßaCiXsmg erbaut sei, so hat 
dies doch nur einen Sinn, wenn eben Ktesias die Erbauung dieses Gar- 
tens durch Semiramis erzählt hatte, dem nun eine Nebenquelle des 
Diodor opponiert (J. Marquart a. a. 0. S. 535, A. v. Gutschmid S. 524). 
Diodors Nebenquelle war aber der von ihm selbst zitierte Kleitarchos, 
wie wir eben sahen. 

Wenn ferner hier EvQog ßaGiXsvg im Sinne von !d66vQiog ßaöiXsvg 
gebraucht wird, so hat schon Th. Nöldeke, 1871 (a.a.O. S. 453) mit 
Recht hierin den Sprachgebrauch des Kleitarch erkannt, der !d66vQiog 
und EvQiog gleichmäßig durch HvQog ausdrückt (vgl. Kleitarch fr. 2 
Müller bei Athen. XII, 39: (^ZlaQdavdnaXXov) . . . yriQa tsXsvrfjöai ^etä 
tijv &7c6nx(o6iv xfig Uvqcov aQ^rig, wo die dTtoTCtaßLg rrjg 2Jvq(ov äQx^g 
den Sturz der As Syrerherrschaft unter Sardanapal bedeutet). Ktesias 
unterscheidet aber genau zwischen 'Aöövgtog und UvQog. Für BaßvXa- 
viog gebraucht übrigens Kleitarch die interessante Modifikation 'Syrer 
aus Babylon' (bei Curt. Ruf V, 1, § 35 vgl. das Nähere unten), wofür 
UvQog in unserem Falle eine sichtliche Abkürzung darstellt. 

Ein drittes unwiderlegliches Beweismoment hat schließlich Krumb- 
holz a. a. 0. L, S. 223 herbeigebracht. In § 3 von c. lö werden die 0v- 
Qiyysg^ die die xQS^a0tol xf^TCOi tragen, und deren verschiedene Größe 
besprochen: i^ d' ävcardxco ßvQiyi, ovöa TtsvtrjxovTa TnqiCbv xb vijjog 
Bi%sv en avrfj rov ^tUQadstöov rijv dvcotdrriv ijticpdvsiav Gvvs^idov- 
[isvTjv x(p TCEQißoXfp tcov £ndXi,£cov. Das heißt, daß der oberste Teil der 
Gärten in gleicher Höhe mit den Zinnen der Stadtmauer lag. Da nun 
die oberste övQty^ 50 Ellen hoch ist, ist somit die Stadtmauer auch 
50 Ellen hoch. Vergleicht man nun damit die schon oben erwähnte 
Angabe cap. 7, § 4: rslxog xatEöxsvaße tb fihv v^og, ag ^£v KrrjöLag 
cprjiSC, JtsvTiqxovta OQyviäv^ ag de £vlol täv vscotsqcov eyQaif^av, 
jisvTTJxovta jtTjx&v, so ist erwiesen, daß die Angabe in c. 10, 3 nicht 
von Ktesias herrühren kann, wohl aber mit der der bvlol t&v vecatsQcav 
übereinstimmt. Unter diesen ist aber, wie schon oben bemerkt, Kleitar- 
chos zu verstehen. 

Die Schilderung Babylons durch Kleitarchos, von der wir so be- 
deutende Stücke wiedergewonnen haben, ist uns nun noch in Zusam- 
menhang bei Curtius Rufus, Historiarum Alexandri lib. V, c. 1, §§ 24 
bis 35 erhalten. Curtius gibt zwar nicht direkt an, daß er Kleitarch 
benutzt habe. Indes läßt sich auf indirektem Wege durch Vergleich 
mit den besprochenen Angaben des Kleitarch bei Diodor erweisen, daß 
Curtius dieses Stück dem Kleitarch verdankt. Daß Kleitarch eine der 
Quellen — nach moderner Annahme ja sogar die HauptqueUe, sei es 



36 Curt. V, 1, 24 — 36 geht auch auf Kleitarchos zurück 

nun direkt oder indirekt — des Curtius ist, steht ja durch die beiden 
Kleitarchzitate IX, 5, 21 und IX, 8, 15 fest. 

Zunächst können wir, wie P. Krumbholz a. a. 0. L, S. 224 gezeigt hat, 
auf Grund zweier Übereinstimmungen stilistischer und einer sachlicher 
Art den Nachweis führen, daß Diod. II, c. 10 und Curt. V, 1, 24 — 35 
auf ein und dieselbe von Ktesias abweichende literarische Quelle zu- 
rückgehen. 

Diodor bedient sich in capp. 7 — 9, deren Grundlage, wie wir sahen, 
Ktesias bildet, durchweg des Präteritums. Erst in cap. 10, § 1 : vndgxai 
(so richtig codd. DF nach Yogel) und § 2: «tfrt <J' 6 TcaQccdeiöog geht 
er zum Gebrauch des Präsens (und Imperfekts) über. Mit dem Schluß- 
satz von cap. 10 beginnt jedoch wieder der Gebrauch des Aoristos, der 
dann in capp. 11 ff, wo von neuem Ktesias die Grundlage bildet, wieder 
herrscht. Das ist ein deutlicher stilistischer Beweis dafür, daß c. 10 aus 
einer anderen Quelle stammt als die umgebenden aus Ktesias exzer- 
pierten Kapitel. Ebenfalls im Präsens erfolgt aber auch die Beschrei- 
bung Babylons bei Curtius a. a. 0. durchgängig. Curtius stimmt somit 
mit der in cap. 10 vorliegenden Nebenquelle des Diodor überein und 
steht im Gegensatz zu dem in capp. 7 — 9 von Diodor zugrunde gelegten 
Ktesias. (Im übrigen ist diese feine sprachliche Beobachtung von 
Krumbholz ein neuer wichtiger Beweis dafür, wie sklavisch eng sich 
Diodor an seine Vorlagen anlehnt, wenn er diesen Unterschied des 
Sprachgebrauchs zweier Autoren nicht bemerkt und nicht verwischt.) 

Dazu kommt noch eine zweite sprachliche Übereinstimmung zwi- 
schen Diodor cap. 10 und Curtius. Während Ktesias bei Diodor capp.7,2; 
8, 3. 4. 7; 9, 2; 20, 4; 21, 2; 27, 2 die assyrischen Königspaläste in Ba- 
bylon und Ninos als ßaölXsia bezeichnet und nur in 8, 6 den Ausdruck 
axQÖnoXis für sie verwendet, wendet er in cap. 10 den Ausdruck axQ6- 
jioXis an. Hiermit stimmt nun Curtius a. a. 0. § 32 überein, wenn er 
arcem sagt, denn ßaöCXEia würde er doch wohl durch aedes regiae wie- 
dergegeben haben. ay,Q6TCoXis ist also der von der gemeinsamen Quelle 
von Diodor c. 10 und Curtius benutzte Ausdruck, der dem Diodor 
auch 8, 6 infolge der Mitbenutzung dieses Autors in die Feder ge- 
flossen ist. 

Dazu tritt nun noch eine sachliche Übereinstimmung. Wir haben 
oben im Anschluß an Krumbholz gezeigt, daß die Angabe des Diodor 
cap. 10, 3, die oberste övqiyi, der otQByittötol xfJTCot, die 50 EUen hoch 
sei, habe die gleiche Höhe mit der Stadtmauer, die folglich auch 50 Ellen 
hoch war, in Übereinstimmung mit der Angabe der evioi xäv veoir^QOJv 
in c. 7, 4 stehe, daß die Stadtmauer 50 EUen hoch sei, hingegen ab- 



Curt. V, 1, 24 — 36 geht auch auf Kleitarchos zurück 37 

weiche von Ktesias, der ebendaselbst die Höhe der Stadtmauer auf 
50 Klafter (ÖQyvLat) bemißt. Mit dem svioi täv vscjtsqcov steht aber 
Curtius in Übereinstimmung, wenn er einerseits § 32 sagt: pensiles 
horti, summam murorum dltUudinem aequantes und anderseits § 26 an- 
gibt: altitudo muri L cuhüoruni eminet spatio. 

Damit ist meines Erachtens wenigstens schlagend erwiesen, daß 
Diodor c. 10 und Curtius a. a. 0. auf dieselbe Quelle zurückgehen, und 
daß ferner diese nicht Ktesias sein kann, vielmehr mit den von Diodor 
c. 7, 4 zitierten evtot tcov vscjt^qcov identisch ist. Wir hatten nun schon 
wahrscheinlich zu machen gesucht, daß in cap. 10 des Diodor Kleitar- 
chos vorliegt, und hatten ohne weiteres angenommen, daß die in c. 7, 4 
von Diodor ungenannten svlol räv vsojtsqcoi^ mit dem im vorhergehen- 
den Paragraphen (c. 7, § 3) zitierten Kleitarchos identisch seien. Wir 
können nun aber den Nachweis führen, daß die Quelle des Curtius 
a. a. 0. eben Kleitarchos war. Denn die Angabe des Kleitarchos bei 
Diodor in cap. 7, 3, die wir oben schon besprachen: ... ög dh KlsCtaQ- 
log 'aal r&v vöteqov ^st' ^^Xs^uvöqov diaßdvrav sig f^v ^AöCav ttvsg 
ScvsyQa^av tQiaxoöCcov s^rjxovra dradCcov (seil. xslxogY xal 7iQo6xi^ia- 
6iv ort t&v i'öav 'fj^SQÖv sig rbv sviavxov ovöav i(piXoTi^'^d-r] xhv i'6ov 
uQL&^bv x&v 6xa8icov vn:o6xi]0a0d'ai. — kehrt wieder bei Curtius a. a. 0. 
§26: Totius operis amhitus CCCLXV stadia complectitur : singulorum 
stadiorum struduram singulis diehus perfedam esse memoriae proditum 
est. (Die Codices des Curtius bieten allerdings CCCLXIII oder CCCLXVHI, 
die Emendation in CCCLXV, die schon der alte Brissonius vornahm, 
wird jedoch durch den bei Diodor a. a. 0. wiederkehrenden Zusatz, daß 
ein Stadion an je einem Tage vollendet wurde, gesichert, der nur dann einen 
Sinn ergibt — wie Krumbholz a. a. 0. LH, S. 261 mit Recht bemerkt 
— , wenn die Zahl der Stadien mit der Zahl der Tage des Jahres gleich 
ist und so das Werk in einem Jahre vollendet wurde.) 

War jedoch Kleitarch die Quelle von Curtius a. a. 0., so ist auch 
der Nachweis geliefert, daß er mit den svlol xäv vscorsgav Diodors, 
also auch mit der Quelle von Diodor in cap. 10 identisch ist. 

Wenn wir nun die so wiedergewonnene Beschreibung Babylons 
durch Kleitarchos mit der des Ktesias in Diodor a. a. 0. capp. 7 — 9 ver- 
gleichen, so finden wir, daß Kleitarch im großen und ganzen dasselbe 
bietet wie Ktesias. Seine Abweichungen beziehen sich nur auf Einzel- 
heiten. Ktesias ist somit von Kleitarchos benutzt. Auch die Differenzen 
zeigen nur noch mehr die Abhängigkeit, anstatt sie zu verhüllen. So 
die abweichenden Angaben über den Mauerumfang, 365 statt 360 Sta- 
dien. Die Änderung beruht nicht etwa auf besserem, durch Autopsie 



38 Ktesias' und Kleitarchos' Berichte über Babylon 

gewonnenem Wissen, denn die heutigen deutschen Ausgrabungen in Ba- 
bylon haben uns zur Genüge gelehrt, daß sämtliche Zahlenangaben der 
Alten gleichmäßig aus der Luft gegriffen und viel zu hoch sind, wie 
F. H. Weißbach (AO 5, 4, S. 11 u. 30) zeigt. Babylon bedeckte nur ein 
Fünfzigstel der Fläche, die es nach J. Opperts auf Grund der Angaben 
der griechischen Historiker vorgenommener Rekonstruktion bedeckt 
haben soU. Ganz sonderbar ist somit die Annahme von A. Rüegg in 
seiner Diss. 'Beitr. z. Erforsch, d. Quellenverhältnisse i. d. Alexander- 
gesch. des Curtius', Basel 1906, S. 8, Anm. 13, der über die Notiz von 
Diodor c. 7, § 3 folgendes sagt: 'Die Stelle sagt meiner Meinung nach 
aus, daß Kleitarch den Zug Alexanders mitmachte. Wenn man dies be- 
zweifelt, so ist SU beachten, daß an der genannten Diodorstelle Kleitarch 
als Korrektor des Ktesias auftritt; die Maßangaben des Ktesias über Ba- 
bylon kannte Kleitarch wohl durch seinen Vater Deinon, wenn nicht aus 
eigenem Studium; wenn er nun die Zahlen des Ktesias zu korrigieren 
vermag und gerade er für diese Korrektur bei Diodor zitiert ist, so ist 
damit ziemlich sicher bewiesen, daß Kleitarch Babylon gesellen haf 
Wenn die Zahlenangaben des Ktesias und Kleitarch gleichmäßig falsch 
sind, fäUt jeder Grund für die Annahme Rüeggs, daß Kleitarch auf 
Grund besseren Wissens den Kleitarch korrigierte. (Vgl. noch unten.) 
Vielmehr liegt die Sache so, daß Kleitarch die von Ktesias gebotene 
runde Zahl der Tage des Sonnenjahres, 360, durch die genaue, 365, 
ersetzte. Ebenso ist die dazu gehörige Angabe des Kleitarch (Diod. 
c. 7, 3 = Gurt. § 26) : xcov löav ijiisQ&v slg rbv iviavxov ovöüv icpt,Xo- 
Ttftrj'ö"»^ rbv l6ov agid-ybov tüv ötadicav v:to6Tr]6a6d-aL sichtlich nur 
herausgesponnen aus der Bemerkung des Ktesias (Diod. c. 8, 1): ÜQbg 
dh rrjv ö^vtrjta Tfjg rovrav (seil, t&v xevi&v) OixoöofiCag ixdöxG) rmv 
giiXcov örddiov ÖLS^hgi^os (seil, rj I^s^iQa^Ls), dovöa trjv [xavijv slg 
tovto yoQy\yiav xal dtaxsXsvöufiEvrj tdXog ixid-atvai tolg eQyoig iv ivi- 
avrw. Wenn ferner die Angabe der Mauerhöhe, 50 Klafter, bei Ktesias 
von Kleitarch in 50 Ellen geändert wird, so bezeugt die Gleichheit der 
Zahl, daß Kleitarch lediglich das Maß geändert hat. (Daß bei Curtius 
in § 31 nur eine arx statt der zwei ßaGileia des Ktesias in Diod. 
capp. 8. 9 bietet und für diese arx nur eine Mauer von 20 Stadien 
Umfang erwähnt, während Ktesias a. a. 0. 8, §§ 4 — 6 drei Mauern von 
60, 40 und 20 Stadien Umfang anführt, kann sowohl auf Kürzung des 
ktesianischen Berichts durch Kleitarch als auch auf Kürzung des kleit- 
archischen Berichts durch Curtius beruhen. Jedenfalls hat Kleitarch 
seine Angabe des Mauerumfangs der der innersten Mauer bei Ktesias 
entlehnt.) 



Kleitarchos berührt sicii mit Berossos 39 

Nur in einem Punkte weicht Kleitarcli von Ktesias stärker ab. 
Denn wenn er Diod. c. 10, 1 sagt, daß die hängenden Gärten nicht von 
Semiramis, sondern einem späteren Babylonierkönig {ßyriae rex Bahy- 
lone regnans Curt. § 35, vTtö tivog vöteqov Uvqov ßaöilecog Diod. a. a. 0.) 
erbaut worden sind, so polemisiert er hier (wie J. Marquart und A. 
V. Gutschmid mit Recht bemerken), gegen eine Quelle, die eben die 
hängenden Gärten von Semiramis ebenfalls erbaut sein läßt, was ja 
schon daraus hervorgeht, daß die sonstige Tradition des Altertums (vgl. 
z. B. Strabo XVI, 1, 2 p. 737) die Erbauung dieser Gärten eben Semi- 
ramis zuschreibt. Der Urheber dieser Tradition kann aber nur Ktesias 
sein, denn er muß älter sein als Kleitarch und jünger als Herodot, der 
die xQE^aötOi •ariitoi noch nicht kennt. Ktesias ist ja auch erst der lite- 
rarische Schöpfer der Semiramisgestalt bei den Griechen. 

Die Geschichte nun, die Kleitarchos von der Erbauung der hän- 
genden Gärten erzählt, ist folgende: 



Curtius V, 1, 35 

Syriae regem Babylone regnantem 
hoc opus (seil, hortos pensiles) esse 
molitum memoriae proditum est, 
amore coniugis victum, quae deside- 
rio nemorum silvarumque in cam- 
pestrihus locis virum compulit amoe- 
nitatem naturae genere huius operis 
imitari. 



Diod. II, 10, 1 

'TnccQx^t' ^^ Jf«^ ^ XQ€(ia6tbg xa- 
Xov[i6vos otTiTiog TtaQCi trjv dxQÖTto- 
Atv, ov Ue^iQcc^idog, akXd xtvog 
vöxEQOv Hvqov ßa6iXicag zaraöxsvcc- 
(javTog xccQiv yvvcaoibg •jiaXXa'x.Yig' 
ravTTjv yaQ cpaöLV ovöav t6 yivog 
ÜSQöCda xal tovg ev totg oqsöl Xsl- 
(lävag 8%it,ritov6av a:|tö(?at rbv ßa- 
öiXsa fiifi'^öaöd-ai duä TÖJg rov (pv- 
xovQyeCov (pLXoxs%viag xrjv Tijg IlaQ- 
öidog X(hQag lÖLOxtjxa. 

Als gemeinsame Grundlage beider Zeugnisse ergibt sich folgende 
Erzählung des Kleitarchos: 

'Die hängenden Gärten hat ein BäbylonierVönig, der später als Semi- 
ramis lebte, erbaut aus Liebe zu seiner persischen (es könnte auch, da 
Kleitarch, wie alle Griechen, Mijdog und üeQöTjg synonym gebraucht, 
eine medische sein) Gemahlin (naXXaxi] bei Diodor ergibt sich durch 
das Fehlen bei Curtius als eigener diodorischer Zusatz), die in den 
Ebenen Babyloniens sich nach den Bergen und Wiesen ihrer Heimat zu- 
rücksehnte.' 

Diese Geschichte ist aber, wenn man vom Fehlen der Namen bei 
Kleitarchos absieht, völlig identisch mit einer Erzählung des 
Berossos (Fragment 54 bei Josephos, c. Ap. I, § 141 = Ant. X, § 226), 
wie schon 1869 A. v. Gutschmid in seinen Vorlesungen über Josephos' 



40 Kleitarch berührt sich mit Berossos 

Bücher gegen Apion (veröffentlicht erst 1893 in Kl. Schriften IV, S. 519) 
und unabhängig von ihm J. Marquart (a. a. 0.) erkannte: 

'Ev Ö£ tolg ßaöiXsLOig tovtoig dvakij^fiara Xi&iva viprjXä ävoixodo- 
firlöccg (seil. 6 NaßovxodQOööoQog) xal x'^v bij^vv änoöovg bfioLotärrjv totg 
OQSöL^ xata(pvt£v6ag dsvÖQSöi navrodanolg i^SLQyccöaro xal xateöxsvaöe 
rbv xaXov^Evov XQSfiaörbv naQcUdsiöov dm ro ti}v yvvaixa avrov hni- 
^v^Elv xfig bgeCag dia^sösag cog red^Qa^fiEvrjv iv totg xarä t^v Mijdsiav 
TÖJCoig. 

Wer diese Mederin, die Gattin des Nabukodrossor, ist, erfahren wir 
des näheren aus Fragment 50 des Berossos (bei Eusebios, chron. ed. 
Karst, S. 14, Z. 33—36; vgl. Fragm. 50a bei Synkellos): 

'Dieser (seil. Nabupalossor, der Vater des Nabukodrossor) schickte 
zu Azdahak (Korruption des Armeniers für das richtige vom SynkeU 
gebotene '^örvdyrjg), dem Stammhäuptling und Satrapen der Meder, 
Heerestruppen zu Hilfe, um als Gattin zu erhalten für seinen Sohn Nahu- 
kodrossoros eine Tochter des Azdahak, die Ämuhidin (jifivttrjv Sync.).' 

Daß der Bericht des Berossos und Kleitarchos identisch 
sind, liegt auf der Hand. Ebenso klar ist es aber auch, daß 
der Babylonier Berossos, der übrigens aUein die genauere, die 
Namen bietende Fassung hat, nicht den Kleitarchos zu benutzen 
nötig hatte. 

Hat nun Kleitarchos den Berossos benutzt? 

A. V. Gutschmid glaubte a. a. 0. S. 519 daraus, daß Kleitarch die Ge- 
mahlin des Babyloniers eine Perserin nennt, folgern zu müssen, daß 
Kleitarchos diese Geschichte anscheinend bei einem Logographen vor- 
fand und dort unter 'Meder' nach älterem Sprachgebrauch Perser ge- 
meint glaubte. Indes hat v. Gutschmid diese Annahme nur gemacht, 
da er Kleitarchos für älter als Berossos hielt und somit eine Benutzung 
des Berossos durch Kleitarchos nicht annehmen zu können glaubte. Da 
jedoch — wie wir unten sehen werden — diese Annahme v. Gutschmids 
irrig ist, fällt für die Annahme eines Logographen als Quelle des Kleit- 
archos jeder Schatten eines Beweises weg. 

J. Marquart, der ebenfalls, und zwar unabhängig von A.v. Gutschmid, 
die Identität der Erzählungen des Berossos und Kleitarchos erkannte, 
hat indessen den strikten Beweis dafür erbracht, daß Kleitarchos auch 
noch anderweitig den Berossos benutzt hat. 

Kleitarchos sagt nämlich bei Curtius a. a. 0. § 35: 

Samiramis eam condiderat (seil. Bdbylonem), non, utplerique credidere, 
Belus. 

Kleitarchos verteidigt also hier die ktesianische Erzählung von der 



Berossoe' Bericht über erste Erbauung Babylons 41 

Erbauung Babylons durch Semiramis gegen eine andere Version der 
plerique, die Babylon von Bei erbaut sein läßt. Diese muß nun (was 
übrigens Marquart a. a. 0. nicht betont) unbedingt eine schriftliche, 
literarische sein, denn eine andere Deutung läßt der Ausdruck ut pleri- 
que credidere nicht zu. 

Derjenige Schriftsteller nun, der die Erbauung Babylons durch Se- 
miramis als griechische Fabelei nachwies und die alte einheimische Über- 
lieferung von der Erbauung Babylons zur Zeit der Schöpfung durch 
Bel=Marduk den Griechen übermittelte, ist eben Berossos, wie Marquart 
a. a. 0. S. 535 auf Grund von Fragment 54 des Berossos (bei Joseph, 
c. Ap. I, § 142) beweist: 

Tavta fiev ovrcog lörÖQrjTisv (seil. 6 BrjQcoööbg) :tEQi tov jtQoeiQrj- 
fiävov ßccöiXdcag (seil. NaßovxoÖQOööÖQov) xal TCoXXä tcqos rovroig iv xfi 
tQLtri ßCßXoi rav XaXdai'icäv, iv fj ^d^cpstai totg 'EXXrjvLXolg övyyQcc- 
tpevöLv cag iidrrjv olo^svoig v%o Z!£(iiQä}is(DS 'KtiGQ'fivai tyjv Ba- 
ßvXava xal rä d'av^döia itata6xeva0d'r}vaL msQL avrrjv vtc ixstvrjg sgycc 
ipsvdüg yeyQatpoöi. 

Die 'EXXrjVLXol övyyQacpstg, die die Erbauung Babylons durch Semi- 
ramis und deren Wunderwerke berichtet haben, sind, wie wir wissen, 
Ktesias und seine Nachtreter. Gegen sie richtet hier Berossos seine 
Polemik. Indes erfahren wir aus dieser Stelle direkt nur, daß Berossos 
den Glauben der griechischen Schriftsteller, daß Semiramis Babylon ge- 
gründet habe, als falsch erwies. Wem er die Gründung Babylons zu- 
schrieb, müssen wir anderweitig zu ermitteln suchen. 

Nun berichtet ein anderer Benutzer des Berossos, Abydenos, der, wie 
wir in Kap. VI sehen werden, seine babylonische Weisheit lediglich Alex- 
ander Polyhistor und damit Berossos verdankt, bei Eusebios (vgl. Berossos, 
Fragm. 13) folgendes, worauf wiederum Marquart a. a. 0. S. 535 hinweist: 

Asyovöi Ö€ :jfdvta ^ev J| dgx^g vdcoQ stvac (vgl. Berossos, Fragm. 1 2 
bei Polyhistor), &ccXa6öav xaXeofievrjv (vgl. ebenda). Billov ds öcps 
jtavöaL (vgl. ebenda), xaQTqv sxd0T<p ccjiovsC^avra xal BccßvX&va tslxsl 
TCEQißaXslv tbj XQOvcp ÖS XG) lxv8vfisvc} d(favi6d^YivaL (seil. TÖ tsliogy 
tSLXiöaL dh avd'Lg NaßovxoÖQÖößOQOv (vgl. Berossos, BVagm. 58) t6 fidxQL 
rfjg Maxsd6vc3v ccqx^S dLccfieivav ibv xc^^^ojivXov. 

Wer indes daran zweifelt, daß trotz der in diesem Fragmente ent- 
haltenen Berossosstücke Abydenos auch die Angabe, Bei habe Babylon 
erbaut und mit einer Mauer umgeben (d. h. gegründet), und zwar in 
den Schöpfungszeiten, aus Berossos entlehnt habe, dem können wir, was 
Marquart a, a. 0. übersehen hat, auf indirektem Wege beweisen, daß nach 
Berossos Bei Babylon gegründet hat. 



42 Berossos' Bericht über erste Erbauung Babylons 

Nach Polyhistor (Berossos, Fragm. 34) hat Berossos berichtet, daß 
die aus dem xaraxkvö^ög Erretteten Babylon neu gegründet hätten (stcl- 
xtCöai T^v BccßvX&va). Also muß vor dem xataxlvö^ög schon eine erste 
Gründung Babylons erfolgt sein. Nun stammt schon der erste mythische 
Urkönig aus Babylon (vgl. Berossos, Fragm. 29=29 b). Also muß Ba- 
bylon schon vor ihm, also in den Schöpfungszeiten, gegründet sein. Die 
Schöpfung erfolgt aber nach Berossos durch Belos, der also entsprechend 
obigem Bericht des Abydenos, der damit als berossisch erwiesen wird — 
auch Babylon gegründet haben muß. Ein anderer Gott als Belos kann 
aber nach Berossos — der selbst Priester des Belos war — die Grün- 
dung der ihm heiligen Stadt Babylon unmöglich vollzogen haben. 

Daß Babylon schon zur Zeit der Schöpfung gegründet worden ist, 
wissen wir aber jetzt auch aus keilinschriftlichem Berichte. Zwar ist 
der betreffende Passus des babylonischen Weltschöpfungsepos nicht er- 
halten, wie wir ja überhaupt leider nur die Hälfte dieses Gedichts zur- 
zeit besitzen (vgl. die Übersetzung A. Ungnads bei H. Greßmann, Alt- 
oriental Bilder u. Texte z. Alt. Testam., Bd. I, 1909, S. 4—25), sodaß 
wir nicht mit Sicherheit sagen können, ob die Schöpfung Babylons in 
ihm erwähnt war. Jedoch wird in Tafel V, Z. 64 Esagila, der Tempel 
Babylons, erwähnt! Ergänzend tritt jedoch ein anderer vom Weltschöp- 
fungsepos ziemlich abweichender babylonischer Text hier ein. In ihm 
heißt es (Ungnad a. a. 0. S. 27) Z. llff : 

11 Zur Zeit, da die Mitte des Meeres ein Rinnsal war (?), 

Da wurde Eridu gemacht, Esagila erschaffen, 

Esagila, das mitten im Ozean Lugal-dul-azagga zum Wohnsitz 

nahm. 

Babel wurde gemacht, Esagila vollendet. 
15 Die Götter (und) {?) die Ännunahi machte er allzumal. 

Die reine Stadt, die Städte ihrer Herzensfreude benannten sie mit 

hohen Namen. 

Marduk fügte auf der Oberfläche des Wassers ein liohrgeflecht (?) 

zusammen, 

Erschuf Erde und schüttete sie bei dem Rohrgeflecht hin. 
Wenn auch, wie M. Jastrow (Religion of Babylonia and Assyria 
S. 447) vermutet, Z. 14 u. 16 vielleicht als späteres Einschiebsel in den 
uralten Text zu betrachten sind, so beweisen sie doch immerhin, daß es 
eine babylonische Überlieferung gab, nach der Babylon und sein Tempel 
Esagila zur Zeit der Schöpfung durch Marduk=Bel erbaut wurden. Einer 
anderen Version kann aber der Priester des Bei Berossos nicht ge- 
folgt sein. 



Kann Kleitarch chronologisch den Berossos benutzt haben? 43 

Da somit Berossos derjenige war und nur derjenige gewesen sein 
kann, der gegenüber der Erzählung der Erbauung Babylons durch Se- 
miramis, wie sie Ktesias in Hellas literarisch verbreitet hatte, die ein- 
heimische Überlieferung von der Erbauung Babylons durch Bel=Marduk 
zu Ehren brachte, kann er es auch nur sein, gegen den Kleitarchos bei 
Curtius a. a. 0. polemisiert. Wir haben damit einen zweiten Punkt fest- 
gestellt, wo Kleitarchos sich als mit den Erzählungen des Berossos be- 
kannt erweist. 

Ist es denn überhaupt chronologisch möglich, daß Be- 
rossos von Kleitarchos benutzt worden ist? Wir haben im Ka- 
pitel I gesehen, daß Berossos nicht vor 293 v. Chr. geschrieben haben 
kann. Wir haben ebenfalls schon darauf hingewiesen, daß A. v. Gut- 
schmid a. a. 0. S. 519 — 520, als er die Identität der Erzählungen des 
Berossos und Kleitarchos über den Anlaß zur Erbauung der hängenden 
Gärten feststellte, die Konsequenz, daß Berossos von Kleitarchos benutzt 
ist, nur deswegen nicht gezogen haben kann, da er Kleitarchos für lite- 
rarisch älter hielt als Berossos. Die Begründung dieser älteren Ansicht 
findet man bei Geier, Alexandri Magni historiarum scriptores aetate 
suppares, Leipzig 1844, S.lölff.; C.MüUer, SHA(1846) p.74sq.; Campe, 
Klitarchus (Philologus IV, 1849, S. 130—134); Droysen, HeUenismus, 
Bd. P, S. 388 ff.; Fränkel, Quellen der Alexanderhistoriker (1883) S. 82; 
F. Susemihl GLAZ, I (1891), S. 537—539; E. Schwartz, Art. Aristo- 
bulos in RE^ (1895). Demgegenüber hat als erster eine Ansetzung des 
Kleitarchos nach Berossos eben auf Grund seiner oben mitgeteilten Nach- 
weise der Berührungen des Berossos mit Kleitarchos J. Marquart (1893) 
a. a. 0. S. 555 — 556 behauptet. Sein Nachweis blieb jedoch unbenutzt. 
Ohne ihn zu kennen, behauptete aus anderem Grunde B. Niese (Hist. 
Zeitschr. Bd. 70, S. 2, A. 1) eine Ansetzung des Kleitarchos nach 261 
V. Chr. Dann zeigte Fr. Reuß in einer zusammenfassenden Untersuchung 
'Aristobul und Klitarch', Rh. Mus. LVII (1902), S. 581-598, daß Kleit- 
archos in die Zeit um 260 v. Chr. gehört. Demgegenüber hielt aber 
J. Beloch, Griech. Gesch. 111, 1; (1904) S. 490 an dem alten Ansatz des 
Kleitarchos ohne jede Begründung fest, und A. Rüegg suchte in seiner 
schon oben erwähnten Dissertation 1906 S. 7 — 8 (Anm. 13), dazu S. 83, die 
Gründe Reuß' als nicht stichhaltig zu erweisen. Demgegenüber hat Reuß 
a. a. 0. LXIII (1908), S. 58 — 78 seine frühere Ansicht siegreich vertei- 
digt und Zustimmung gefunden bei R.v.Pöhlmann (HKAWIII, 4*, 1909, 
S. 249). Ebenso vertritt W. Jadeich die Ansicht, daß Kleitarchos nicht 
zu den primären Alexanderhistorikern gehört. Da jedoch Ed. Meyer 
(nach mündl. Mitt. vom Dez. 1911) an dem alten Ansatz des Kleitarchos 



44 Eleitarch angeblich Zeitgenosse Alexanders 

lesthält und W. Schmid (HKAW VIP, II, 1 [1. Abt. 1909], S. 159, 
Anra. 1) die Frage anscheinend für nicht gelöst hält, andererseits F, Reuß, 
wenn er a. a. 0. LXIII, S. 73 ff. 1908 den Kleitarchos sogar für jünger als 
Eratosthenes hält, mir über das beweisbare Ziel hinauszuschießen 
scheint, möchte ich hier die Frage nach der zeitlichen Ansetzung des 
Kleitarchos einer neuen Untersuchung unterziehen. 

Das erste Argument dafür, daß Kleitarch ein Zeitgenosse Alexan- 
ders gewesen sei und sogar dessen Zug mitgemacht habe, entnimmt 
man dem schon mehrfach von uns besprochenen Kleitarchfragment bei 

Diodor II, 7, 3: tslxog .... öradCcov i^rlxovra %ai tqlccxoöCcov , aig 

tprjöL KvTjöLag 6 KvCdiog, dyg ds KXsixaQiog xal rüv vöteqov iht ÜXsh,- 
dvÖQOv ÖLaßdvTcov sig xijv ^AöCav XLvlg aviyQaipav^ XQiaoioölccv i^rjxovtu 
jcsvxe. Daraus, daß Kleitarchos hier mit den [lex' läXs^dvdQOv diaßdvtcov 
Big xijv 'AaCav xivsg dem Ktesias gegenübergestellt wird, schließt man 
(so zuletzt A. Rüegg a. a. 0. S. 8, Anm. 13), daß Kleitarchos selbst ein 
solcher diaßäg ^ex läXsh,dvÖQov sig xi]v ^ölccv gewesen sei, also zu den 
primären Alexanderhistorikern gehöre, die den Zug Alexanders aus 
eigener Anschauung schilderten. Grammatisch begründet Rüegg a. a. 0. 
diese Interpretation folgendermaßen: ^Das ganze zweite, dem KXsLtaQxog 
koordinierte Subjekt führt nur den schriftstellerischen Begriff des Kleitarch 
nach Zeit und Kompetenz näher aus, ist also nur eine verallgemeinernde 
Apposition.' Indes ist diese Art Beweisführung nichts als Phrase und 
grammatisch vöUig falsch. Schon C. MüUer sagt SHA p. 74 (1846), 
trotzdem auch nach seiner Überzeugung Kleitarch ein Zeitgenosse Alex- 
anders war: 'Inter comites regis niisquam memoratur, immo eximi ex 
eorum numero videtur ap. Diodorum II, 7, 3.' Dieselbe Ansicht vertreten 
mit Recht J. Marquart a. a. 0. S. 555 und F. Reuß a. a. 0. LVII, S. 594 
und LXIII, S. 60. Hätte Diodor an dieser Stelle den Kleitarchos unter 
die dittßdvxsg fiex' !4Xe^dvdQov xtvig miteinbeziehen wollen, so hätte er 
nicht sagen dürfen: 'Kleitarch und einige von denen, die Alexanders Zug 
nach Asien mitgemacht haben', sondern hätte mindestens hinter XLvig ein 
aXkoi einschieben oder, wie Marquart a. a. 0. bemerkt, dem Neben- 
satz die Fassung hg 81 tav ft. A. e. x. A. d. XLVsg dvayQatlJUv, av iöxL 
xal KlsCxaQxog geben müssen. Wenn hier Kleitarch und die fi. A. dia- 
ßdvxsg als Einheit dem Ktesias gegenübergestellt werden, so geschieht 
es doch nur deshalb, weil sie dieselbe von Ktesias abweichende Zahlen- 
angabe haben. Im übrigen verbindet Diodor beide Subjekte nur durch 
xaC, zeigt also, daß er Kleitarch nicht zu den fi. A. ÖLußdvxeg rechnet. 
Der Zusatz vöxeqov zu xäv pu. A. diaßdvxav sig xijv jiöCav bezieht sich, 
wie Krumbholz gegenüber Marquart, der a. a. 0. den Satz deswegen für 



Kleitarch kann Babylon nicht gesehen haben 45 

ein Monstrum erklärt, mit Recht betont (a. a. 0. L, S. 223, Anm. 1) 
darauf, daß auch Ktesias ein diaßäg slg r^v 'JöCav war (wie übrigens 
schon C. Müller a. a. 0. S. 74 gefunden und auch Rüegg a. a. 0. und 
Reuß a. a, 0. LVII, S. 594 und LXIII, S. 60 betonen, da ja die Beziehung 
des V6XEQ0V auf Kleitarch den Nonsens ergäbe, daß Kleitarch vor den 
diaßdvxsg [ist yiXs^dvÖQov gelebt habe). Wir können somit dieser An- 
gabe des Diödor nur das eine entnehmen, daß Diodor den Kleitarch 
nicht zu den diaßavxeg [iex 'AXstdvÖQOv slg xijv ^öCav tivsg rechnete. 
Daß Diodor hiermit im Recht ist, können wir aber noch ander- 
weitig erweisen. Wir haben schon oben die Annahme Rüeggs als wider- 
sinnig zurückgewiesen, daß Kleitarchos die Maßangaben des Ktesias für 
die Mauern von Babylon auf Grund von Autopsie korrigiert habe, da 
seine Angaben, wie uns eben die neuen deutschen Ausgrabungen ge- 
lehrt haben, genau so übertrieben und damit genau so falsch sind wie 
die des Ktesias. Wäre nun Kleitarchos ein Begleiter Alexanders ge- 
wesen, so hätte er die falschen Angaben des Ktesias auf Grund seiner 
in Babylon gewonnenen Kenntnis auf ihr richtiges Maß zurückführen 
müssen. Im übrigen hätte er es dann wohl nicht nötig gehabt, lediglich 
die phantastische Schilderung des Ktesias ein wenig zu retouchieren, 
wie wir oben zeigten, sondern hätte wohl eine neue selbständige ge- 
boten. Denn die Beschreibung Babylons durch Ktesias enthält Fehler, 
die jeder, der Babylon selbst kannte, sofort korrigieren mußte und die 
uns beweisen, daß Ktesias Babylon nur vom Hörensagen kannte. Kte- 
sias verlegt bei Diodor II, 8, 4 von den beiden ihm bekannten Königs- 
palästen den einen auf das West-, den andern auf das Ostufer des Eu- 
phrat. Beide sind durch eine Brücke verbunden. Die Ausgrabungen 
haben uns aber gelehrt, daß von den zwei — hierin wenigstens hat 
Ktesias richtige Kunde — Palästen Babylons, sich keiner auf dem West- 
ufer des Euphrat befand! Der eine — nach Ktesias liegt der eine im 
Westen, der andere im Osten — liegt an der Nordecke Babylons unter 
dem heutigen Hügel Babil (er hat allein den Namen der Stadt Babel 
bewahrt) vergraben, der andere liegt im Zentrum der Stadt unter dem 
Ruinenhügel Qasr (d. i. Schloß, die arabische Tradition weiß also noch, 
welches Gebäude der Hügel enthält) und zerfällt genauer in zwei Paläste, 
einen südlichen, an den Tempel Esagila wiederum im Süden angrenzen- 
den, den alten Königspalast und einen nördlichen, ebenso wie der unter 
Babil liegende erst von Nabukodrossor neuerbauten Palast. (Vgl. zu 
den topographischen Ergebnissen der deutschen Ausgrabungen vorläufig 
die populären Darstellungen von F. H. Weißbach, Das Stadtbild von 
Babylon (1904) in AO 5, 4 und von F. Delitzsch, Artikel 'Babylon' in 



46 Eleitarch Sohn des Deinon 

'Über Land und Meer', Jahrg. 1907, S. 1221—1226). Kleitarchos kennt 
dagegen nur eine arx (wir haben indessen schon oben bemerkt, daß 
die Weglassung der Schilderung des anderen Palastes ebensowohl auf 
Kürzung des ktesianischen Berichtes durch Kleitarch als auch des klei- 
tarchischen durch Curtius beruhen kann), vgl. Curt. a. a. 0. §§ 31 — 36. 
Die Schilderung dieser Burg hat Kleitarchos aber aus Ktesias entnommen. 
Dies wird bewiesen durch die Angabe, daß der Umfang der Burg 20 Stadien 
betrug (a.a.O. §31), die er der Angabe der Länge des innersten Mauer- 
ringes des Westpalastes (Diod. II, 8, 4) bei Ktesias (a. a. 0. c. 8, 6) ent- 
nommen hat, sowie die Erwähnung der yicpvQu, Curt. a. a. 0. § 29, die 
er Ktesias (bei Diod. 8, 1, 3) ebenfalls entlehnt hat. 20 Stadien ergeben 
aber 20 X ca. 185 m, d. i. 3,7 km. Der wirkliche Umfang des größeren 
südlichen Doppelpalastes beträgt aber nur etwa (vgl. die Rekonstruktion 
bei Weißbach a. a. 0. S. 13) 1,7 km. Kleitarchos' Angabe widerspricht 
also auch hier der Wirklichkeit um mehr als das Doppelte, beruht also 
nicht auf Autopsie. 

Aus alledem ergibt sich zur Evidenz, daß Kleitarch nie Babylon 
gesehen haben kann. Das widerspricht doch aufs äußerste der Annahme, 
daß Kleitarch den Zug Alexanders mitmachte, beweist also die Richtig- 
keit unserer Interpretation der Diodorstelle Die Ausflucht, daß Kleit- 
archos zwar den Zug Alexanders mitgemacht, aber Babylon nicht ge- 
sehen habe, ist nichts als eine verzweifelte Hilfshypothese, die erst dann 
angängig wäre, wenn uns direkt bezeugt wäre, daß Kleitarch den Alexan- 
derzug mitmachte, was ja eben nicht der Fall ist, und wird noch dazu 
äußerst unwahrscheinlich dadurch, daß Alexander zweimal, einmal im 
Jahre 331 nach der Schlacht bei Gaugamela und nochmals im Jahre 
324 bis 323 vor seinem Tode, sein gesamtes Heer in Babylon konzen- 
trierte. 

Einen zweiten Beweis wenigstens dafür, daß Kleitarchos Zeitge- 
nosse Alexanders war, entnimmt man der Tatsache, daß er Sohn des 
Kolophoniers Deinon war (nach Plin., Nat. Hist. X, § 136: Dinon, Clit- 
archi celebrati auctoris pater), der IlsQöLJid (Fragmente bei C. Müller, 
FHG II, pp. 88 — 95) schrieb. Leider besitzen wir keine Angabe über 
Deinons Lebenszeit. Wir wissen nur, daß in seinem Werke die Erobe- 
rung Ägyptens durch Ochos noch erwähnt war (Fragm. 30 Müller). 
Diese erfolgte mindestens nach 346 v. Chr., da Isokrates in seinem in 
diesem Jahre geschriebenen Philippos Ägypten noch als nicht unter- 
jocht voraussetzt. Außerdem erfolgt sie nach dem Bericht Diodors — 
der freilich selbst die Unterjochung Ägyptens ganz irrig ins Jahr 350/49 
setzt — nach der Unterwerfung Phöniziens (vgl. Diodor XVI, 41 — 45, 



Deinon nicht datierbar 47 

46 — 51, 52). Letztere wird aber jetzt durch eine Keilschrifttafel (veröffent- 
licht von Straßmaier, Actes du 8 congres des Orient. [Stockholm 1889], 
Sect. 1, Semitique B, 1893, Nr. 28, vgl. Ed. Meyer, Forschungen II, S. 466) 
als im 14. Jahre des Ochos, also 345/4 erfolgt fixiert. Somit wird die An- 
gabe des Manetho in den Epitomai des Afrikanos und Eusebios (Synk. 
p. 145, 6—7-, Euseb. chron. ed. Karst S. 69, 25—26 = Synk. 146, 4—5): 
^SiX^S si^oöra erst TTjg savtov ßa6ikUag IIsqö&v eßaöCXsvoev Alyvictov 
hrj ß' historisch richtig sein. Die Unterwerfung Ägyptens fällt also ins 
20. Jahr des Ochos, d. i. 339/8 v. Chr. Nach diesem Termin muß also 
Deinon geschrieben haben. Nun hat die neueste Forschung auf dem 
Gebiete der Geschichte der griechischen Historiographie den Satz auf- 
gestellt, daß nach dem Sturz des Ferserreiches persische Geschichte die 
Historiker nicht mehr interessiert (W. Schmid in HKAW VIP, I, 1 
S. 172 auf Grund von F. Jacobys Ausführungen in Klio IX, 1909 S. 93 ff., 
bes. S. 95). Dies Argument hielt mir Ed. Meyer (mündl. Mitt. vom Dez. 
1911) entgegen und betonte, daß man demgemäß Deinon und somit 
seinen Sohn Kleitarchos als Zeitgenossen Alexanders ansehen müsse. 
Immerhin müssen die Vertreter dieser Ansicht einräumen, daß nach 
Aratos und vor Strabon Baton von Sinope (Fragmente bei MüUer FHG 
IV, p. 347 sqq., Zeitansatz nach Fragm. 1 und 6) noch JlsgöLOid ge- 
schrieben hat. Nun sagt freilich F. Jacoby a. a. 0. S. 95: ' Wo in spä- 
terer Zeit (seil, nach Sturz des Perserreichs) der Titel TlEQGwä noch er- 
scheint, Jcönnen wir a priori sicher sein, daß wir es mit rein rhetorischere 
Wericen zu tun hohen, deren Zweck ollein in der stilistischen Umformung 
des von Früheren gesammelten Materials besteht ohne jede selbständige 
Forschimg bis auf die eigene Zeit.'' Darauf ist nur zu erwidern, daß nichts 
uns hindert, Deinon unter die von Jacoby so gekennzeichneten Histo- 
riker einzureihen. Trotz Jacobys Einspruch (a. a. 0. S. 95, Anm. 1) 
scheinen mir die von Reuß a. a, 0. LXIII, S. 62 — 63 angeführten Indizien, 
die für eine Berücksichtigung der Überlieferung der Alexanderschrift- 
steller sprechen, doch sehr beachtenswert zu sein. Jedenfalls möchte 
ich betonen, daß wir über Deinons Lebenszeit absolut nichts wissen, 
und daß sein Zeitansatz von der chronologischen Fixierung der Lebens- 
zeit seines Sohnes nach wie vor abhängig bleibt und somit für letztere 
ohne jeden Wert ist. 

Ein drittes Argument für die Ansetzung Kleitarchs zur Zeit Alex- 
anders entnimmt man folgender Angabe bei Laert. Diog. II, 113: 

IIsqI TovTOf (seil. ZltCXnaivog MsyaQsag) (pTjöl ^Ckninos 6 Msycc- 
QLxbs xatä Xb^iv ovtcog' 

TlaQcc ^hv yäQ ®£0(pQd6xov MrjtQÖdojQov tbv ^■scaQrjiiciTLxbv xal 



48 Kleitarch Schüler des Stilpon? — Schreibt vor Theophraat? 

TifiayÖQav xov Fakatov ccneönaös, jtuQa ^QiörotdXovg d^ rov KvQrjva'Cxov 
KkUxuQxov xccl Z!i[i^Cav. 

Danach war ein Kleitarchos erst Schüler des Kyrenaikers Aristo- 
teles, dann des Stilpon von Megara. Der Kyrenaiker Aristoteles war 
nach Laert. Diog. ^ , 35 Zeitgenosse des Theodoros von Kyrene, der 
etwa 320—300 v. Chr. blühte (Susemihl, GLAZ I, S. 12ff.). Stilpon 
blühte zur selben Zeit, vielleicht noch bis ins erste Viertel des 3. Jahr- 
hunderts V. Chr. hinein, da nach Laert. Diog. II, 113f. 120 (Susemihl 
a. a. 0. I, S. 18) seine Lehrtätigkeit etwa gleichzeitig mit der des Theo- 
phrastos (etwa 372 — 287 v. Chr. nach F. Jacoby, Apollodors Chronik, 
Philol. Unters. XVI, 1902, S. 352) war. Das letzte sicher bezeugte Datum 
aus Stilpons Leben ist olymp. 118, 2 = 307/6 v. Chr. (vgl. Susemihl a. 
a. 0. 1, S. 17, dazu Anm. 44). Ihr gemeinsamer Schüler Kleitarchos ist 
somit etwa 300 v. Chr. anzusetzen. Leider läßt sich absolut nicht nach- 
weisen, ob der hier in keiner Weise näher bezeichnete Kleitarchos mit 
dem Alexanderhistoriker Kleitarchos identisch war, wie schon Campe, 
Kleitarchus a. a. 0. S. 120 mit Recht erinnert. Auch Natorp (Art. Ari- 
stoteles Nr. 20 in RE^) hält beide Kleitarchos nicht für identisch. Einen 
Beweis für die Lebenszeit des Alexanderhistorikers Kleitarchos kann 
man demnach dieser Angabe nicht entnehmen. 

Als viertes Beweisstück für die Ansetzung des Kleitarchos um etwa 
300 V. Chr. pflegt man folgendes Kleitarchfragment bei Plinius, Nat. 
Hist. III, § 57 zu benutzen: 

Theophrastus, qui primus externorum aliqua de Romanis diligentiiis 
scripsit — nam Theopompus, ante quem nemo mentionem habuit, urhem 
dumtaxat a Gallis captam dixit, Clitarchus, ah eo proximus, legationem 
tantum ad Alexandrum missam — hie iani plus quam ex fama Cereei- 
orum insulae et mensuram posuit stadia LXXX in eo volumine, quod 
scripsit Nicodoro Ätheniensium magistraiu, qui fuit ilrbis nostrae CCCCXL 
anno. 

Danach habe als erster griechischer Schriftsteller Theopompos (ge- 
boren 376, erlebte noch die Regierung des Ptolemaios L, vgl. Schmid, 
HKAW VIP, I, S. 501) Rom, aber nur seine Einnahme durch die Gal- 
lier, erwähnt, dann erzähle Kleitarch, daß die Römer eine Gesandtschaft 
an Alexander schickten, bis dann Theophrast als erster Genaueres über 
die Römer mitteilt, und zwar in einem Buche, das er im Jahre des Archon 
NikodoroB von Athen (ol. 116, 3 = 314/3 v. Chr.) abfaßte. Danach fällt 
die Abfassung von Kleitarchos' Werk nach Plinius' Meinung entschieden 
zwischen Theopompos' SchriftsteUerei und das Jahr 314/3 v. Chr. Leider 
ist nun die hier entwickelte Ansicht des Plinius, daß Theopompos als 



Kleitarch muß nach Pyrrhos geschrieben haben 49 

erster griecliischer Schriftsteller Rom erwähnt habe, völlig falsch (ob 
wir es hier mit der eigenen Ansicht des Plinius zu tun haben, oder ob 
er diese Zitate einer Mittelquelle entnahm, kann uns hier gleichgültig 
sein). Denn schon Antiochos von Syrakus (ca. 420 v. Chr.) hat nach 
Fragm. 7 Müller bei Dionys. Halik., Ant. Rom. I, 73, 4 die Stadt Rom 
erwähnt, ferner haben (worauf schon Reuß a. a. 0. LXIII, S. 63 hin- 
wies) Hellanikos (Frg. 127 MüUer) und Damastes (Frg. 8 MüUer) nach 
Dion. Halik., Ant. Rom. I, 72, 2 berichtet, daß Aineias mit Odysseus 
Rom gegründet habe, beides Schriftsteller vom Ende des 5. vorchrist- 
lichen Jahrhunderts. Ferner hat Aristoteles (vgl. ebenfalls Reuß a. a. 0.), 
und zwar sichtlich in seinen von Varro, de ling. lat. VII, § 70 zitierten 
Nö^ifia ßaQßaQixd (vgl. die Fragmente bei MüUer, FHG II, p. 178) über 
Rom und sogar seine Gesetze gehandelt, wie die Fragmente bei Dion. 
a. a. 0. I, 72, 3 — 4; Plutarch, Cam. c. 22 und Plutarch, Qu. Rom. c. 6 
beweisen. Dann kommt aber Aristoteles und nicht seinem Schüler Theo- 
phrast der Ruhm zu, als erster diligentius über die Römer geschrieben 
zu haben. Angesichts dieser groben Irrtümer des Plinius kann man 
kaum den Verdacht unterdrücken, daß Plinius nur deshalb den Kleitarch 
vor Theophrast erwähnt, weil er eben über Alexander schrieb, und selbst 
nichts über Kleitarchs Lebenszeit wußte. 

Im Gegenteil scheint mir der Inhalt des obigen Kleitarchfragmentes 
einen späten Ansatz des Kleitarchos zu erweisen. Ihm zufolge hat Kleit- 
arch berichtet, daß die Römer eine Gesandtschaft an Alexander schickten. 
(AUerdings sucht Ed. Schwartz, RE^, Art. Aristobulos, Kol. 683—684, 
dieses Kleitarchfragment wegen der Übergebung bei dem von Kleitarch 
abhängigen Diodor in lib. XVII zu korrigieren; indes kann man dem 
nur den Grundsatz, den meines Erachtens eine gesunde Quellenkritik 
aufrechterhalten muß, entgegenstellen, daß man direkt bezeugte Frag- 
mente eines Schriftstellers nie durch indirekte korrigieren darf.) Nun 
bezeugt uns Aman, Anab. VII, 15, 4 — 6, daß diese Römergesandtschaft 
an Alexander nur von zwei chronologisch leider nicht näher datierbaren 
Alexanderhistorikern, Aristos und Asklepiades (nur von Aristos bezeugt 
Strabon XII, p. 730, daß er jtokv vsdtrsQog war als Aristobulos und One- 
sikritos), erwähnt werde, die älteren Alexanderhistoriker, vor allem Ari- 
stobulos und Ptolemaios aber nichts von ihr wissen. Das Schweigen 
dieser ältesten und besten Zeugen über Alexanders Zug, vor allem aber 
des in politischen Dingen als 6G)iiaT0(pvXcci des Alexander so genau 
orientierten späteren Königs Ptolemaios beweist aber m. E. unwiderleg- 
lich, daß diese Römergesandtschaft an Alexander erst von späteren Alex- 
anderhistorikem erfunden worden ist, nachdem Rom politisch als Groß- 

Schnabel: Pro leg. u. Kommentar z. d. Babyloniaka d. BcroBsos 4 



50 Die bisherigen Argumente für früheren Ansatz Kleitarchs hinfällig 

macht in den Gesichtskreis der Hellenen getreten war, und zwar durch 
die Kämpfe mit Tarent und Pyrrhos seit 280 v. Chr. Schriftsteller aber, 
die diese Angabe enthalten und deren Lebenszeit unbekannt ist, sind 
folglich nach genanntem Zeitpunkt anzusetzen, also auch Kleitarchos! 
(Daß Arrian ihn in der oben erwähnten Stelle nicht neben Aristos und 
Asklepiades nennt, dürfte damit zusammenhängen, daß er ihn — oflfen- 
bar geflissentlich! — nie zitiert.) Wir haben also gerade das umgekehrte 
Schlußverfahren einzuschlagen als J. Kaerst, Gesch. des Hellenismus I 
(1901), S. 415, Anm. 2, wenn er sagt: 

*I)ie römische Gesandtschaft wird durch einen wesentlich zeitgenössi- 
schen Historiker, Kleitarch, hei Flinius n. h. III 57 (Kleit. Fragm. 23 M.) 
bezeugt. Obgleich sonst kein unbedingt glaubwürdiger Zeuge, verdient er 
hier Glauben^ weil wir uns nicht vorzustellen vermögen, wie schon vor dem 
Pyrrhuskriege ein griechischer Historiker dazu gekommen sein sollte, eine 
Gesandtschaft der Römer zu erfinden. Bas einzige Motiv hierfür könnte 
doch nur eine machtvolle Stellung Roms gewesen sein, wie sie damals noch 
nicht existierte, jedenfalls im eigentlichen Griechenland noch nicht be- 
kannt war.' 

Die Voraussetzung von Kaerst — der im übrigen scharfsinnig die 
einzelnen für die Lösung des Problems in Betracht kommenden Momente 
klarlegt — , daß Kleitarch ein Zeitgenosse Alexanders war, ist eben 
falsch, und wir sind vielmehr bei dem nachgewiesenen Fehlen direkter 
Zeugnisse über Kleitarchs Lebenszeit darauf au gewiesen, aus inneren 
Indizien das Alter von Kleitarchs Werk zu ermitteln. Wenn es also 
eine Nachricht bringt, die bei den Zeugen fehlt, die Alexanders Zug 
mitgemacht haben, die aber erst nach Pyrrhos' Zeit entstanden sein kann, 
BD ist es eben nach dieser Zeit anzusetzen. 

Von den vier bisher besprochenen Zeugnissen, die man zur Be- 
stimmung von Kleitarchs Lebenszeit benutzte, haben sich somit das 
zweite und dritte als unbrauchbar erwiesen, auf Grund des ersten muß- 
ten wir umgekehrt folgern, daß Kleitarchos den Zug Alexanders selbst 
nicht mitgemacht haben kann, und auf Grund des vierten kamen wir so- 
gar zu dem Schluß, daß Kleitarchos nach Pyrrhos' Zeit geschrieben haben 
müsse. Die Verteidiger der Ansicht, daß Kleitarchos zu den älteren Alex- 
anderhistorikern gehöre, glauben jedoch aus dem literarischen Verhält- 
nis des Kleitarchos zu den beiden primären Alexanderhistorikern Aristo- 
bulos und Ptolemaios Beweise zu ihren Gunsten entnehmen zu können. 

Von diesen beiden schrieb der erstere (vgl. über ihn Susemihl, 
GLAZ I, S. 540 — 541) nach eigener Aussage (Fragm. 1 Müller bei Ps. 
Lukian, Makr. 12) seine Alexandergeschichte im Alter von 84 Jahren. 



Kleitarchos und Aristobulos 51 

Da wir aber nicht wissen, in welchem Alter er den Alexanderzug mit- 
machte, bleibt diese Angabe für uns wertlos. Jedenfalls hat er sein 
Werk erst nach der Schlacht von Ipsos (301 v. Chr.) abgefaßt, da er 
diese in seiner Erzählung beiläufig erwähnte (Frgm. 39 bei Arrian, Anab. 
VII, 18, 5). Gewöhnlich nahm man nun nach Vorgang von Schoene in 
Anal. phil. hist. I (1870), p. 19 und Neumann in Hermes XIX (1884), 
S, 185 auf Grund von Aristobulos' Fragm. 17 bei Strabon XI, p. 509: 
^QiörößovXos ÖS HOL iiByiOtov ccTCotpaCvsi xhv !ß|ov täv iajQa^ivcov vtp 
savtov xcctä trjv !A<jiav %Xi]v t&v 'Ivdtx&V cptjöl dh xal svjclovv slvai 
xal ot'Tog xal ^EQaroöd^evrjg naQa UatQoxlsovg Xaßäv an, Aristobulos 
habe den Patrokles, der zwischen 284 und 280 v. Chr. eine Beschreibung 
seiner Reise auf dem Kaspischen Meer veröffentlichte, benutzt (vgl. Suse- 
mihl, GLAZ I, S. 540 n. 56 und S. 657—659, bes. S. 658, n. 70"). Diese 
Textinterpretation ist aber unrichtig, wie C. Wachsmuth (Einl. i. d. Stu- 
dium d. Alt. Gesch., 1895, S. 571, Anm. 1) und Reuß (a. a. 0. LVII 
[1902], S. 583, Anm. 1) erkannt haben. Grammatisch kann sich die Aus- 
sage nagä IlaTQOxXeovg Xaßcov nur auf 'JSJparoö^eV?;^ beziehen, wie Wachs- 
muth a. a. 0. mit Recht betont. Bezöge sie sich auf ovtog, d. i. Aristo- 
bulos, mit, so müßte Strabon sagen: ovxog xal 'EQaroöd-evrjg tckqcc IJa- 
TQOxlaovg Xaßövteg. Ed. Schwartz weist nun in seinem Artikel 'Aristo- 
bulos' in RE2 II, 1 (1895), Kol. 915—917 auf eine Reihe von literari- 
schen Berührungen des Aristobulos mit Kleitarchos hin und behauptet 
auf Grund dieser, daß Aristobulos zwar Einzelheiten der romanhaften 
Tradition über Alexander, deren Hauptvertreter Kleitarchos sei, geräusch- 
voll korrigiere, im übrigen keineswegs aber unabhängig von ihr sei, also 
auch von Kleitarch. Nun ist unbedingt zuzugeben, daß zwischen Ari- 
stobulos und Kleitarchos eine Unmenge Übereinstimmungen in der 
Überlieferung bestehen, die F. Reuß a. a. 0. LVH S. 582 ff. noch um 
zahlreiche Beispiele vermehrt hat, und daß ferner auch schon bei Ari- 
stobulos Ansätze der bei Kleitarchos im voUen Schwange stehenden 
romanhaften Ausschmückung des Berichts über den Alexanderzug sich 
finden. Trotzdem brauchen wir aber nicht Schwartz zu folgen, wenn er 
daraus eine Benutzung des Kleitarchos durch Aristobulos folgert. Denn 
er vergißt dabei zum mindesten, daß vor Aristobulos auch schon One- 
sikritos die romanhafte Ausschmückung des Alexanderzuges zur vollen 
Blüte gebracht hatte, wir also Kleitarch nicht als QueUe des Aristobu- 
los für die bei ihm sich findenden romanhaften Züge anzusehen brauchen. 
Außerdem ist auf Grund des von A. Rüegg a. a. 0. S. 8, Anm. 13 mit 
Recht aufgestellten Satzes ^ TatscLchenkongruenzen beweisen eben nur selten 
und dann ohne Entscheidung über Priorität die Abhängigkeit einer Quelle 

4* 



52 Eleitarchos und Ptoletnaios 

von einer andern* für die Erklärung des zwischen Aristobulos und Kleit- 
archos bestehenden literarischen Verhältnisses ebensogut die Möglich- 
keit herbeizuziehen, daß erst Kleitarchos die bei Aristobulos vorhandenen 
Keime der Verschlechterung der Alexandertradition zur voUen Blüte 
gebracht habe. Eine literarische Priorität des Kleitarchos gegenüber 
Aristobulos bleibt somit unbeweisbar. 

Schließlich glaubt man noch beweisen zu können, daß Kleitarchos 
vor der Alexandergeschichte des Königs Ptolemaios sein Werk veröffent- 
licht habe. Dieser hat nun sein Werk erst, als er König geworden war, 
geschrieben (Arrian, Anab. Prooem. § 2: ßaOiXel övrt), also nach dem 
Jahre 305/4, in dem er den Königstitel annahm (vgl. Kaerst a. a. 0. 
II, 1 S. 71, Anm. 2), und wohl auch erst in den ruhigeren Zeiten seiner 
Regierung nach 301, nach der Schlacht von Ipsos (vgl. Susemihl GLAZ 
I, S. 539). Die Annahme, daß er erst nach Kleitarchos geschrieben haben 
könne, stützt sich nun auf folgende beiden identischen Notizen: 
Curt. Ruf. a. a. 0. IX, 5, 21 (Kleitarch, Fragm. 11 MüUer): 
Ptolemaeum, qui postea regnavit, huic pugnae adfuisse auctor est Clit- 
archus et Timagenes. Sed ipse, scilicet gloriae suae non refragatus, afuisse 
se missum in expeditionem memoriae tradidit. 

Arrian. a. a. 0. VI, 11, 7—8 (Ptolemaios, Fragm. 2^ Müller): 
Kai fiijv VTieQ täv v7tEQa6%i6dvxav iv reo Tiivdvvai IdXe^dvÖQOV^ 
JJsvxsötav ^£v yevEöd^ai ^v^jtavteg b^oXoyovöiv^ vxeq Asowatov 6% 
ovxsti ^v[i(psQovrat ovde VTtsQldßQBov tov difioLgCrov. Kai oi ^ev ^vX<p 
Tckrjyivrcc xcctä tov ZQcivovg lAXe^avdQOV otccl ilLyyidöavra Tceöetv, avd-ig 
de ävaöxdvta ßkrjd'fjvat, ßaXsL diä tov d^coQaxog ig tö ötrjd^og' üroXs^Kiog 
de 6 Adyov ravTtjv fiövr^v rijv nXrjy^v Jtli^yfjVttL Xiyai tijv ig tö ötfjd-og. 
Tb de dij fisyLötov TtXrj^^sXrj^a räv ^vyyQaifdvrcjv rä dficpl AXi^avÖQov 
ixslvo tCd-e[ittv eycoys. ÜToXe^atov yocQ rbv Adyov ißnv ol äv£yQail>av 
^vvavaßflvcci ts 'AXs^dvÖQG) xatä ri^v xXiiiaxa 6fiov Üsvxsöta xal 'bnsQ- 
a6nC6av xsifiEvov, xal ijtl t&ds 2otfiQa ijiixXrjd-fjvaL rbv UroXsiialov 
xaCroi avxbg IltoXs^alog dvaydygacpev ovdh JtaQaysvEöd^ai rovra xg) 
SQyci' dXXä öxQuxLüg yäg avxbg 't]yov[iEvog äXXag fidxsöd^ai [idxag xal 
TCQbg aXXovg ßagßdgovg. 

Aus Curtius ersehen wir, daß mit dem verächtlichen Ausdruck des 
Arrian eöxiv oX dvsyQaijjav Kleitarch gemeint ist. Kleitarchos hat also 
erzählt, daß Ptolemaios den Alexander, als dieser bei der Erstürmung 
einer indischen Burg verwundet wurde, zusammen mit Peukestas mit 
seinem Schilde beschirmt und so den König errettet habe. Deswegen 
habe Ptolemaios den Namen I^cjxi'jq erhalten. Dieser selbst aber hat be- 
richtet, er habe selbst an dieser Schlacht nicht teilgenommen, son- 



Hat Kleitarch vor Ptolemaios geschrieben? 53 

dern zur selben Zeit die Führung in einem anderen Feldzug gehabt und 
andere Schlachten geschlagen. 

Es ist nun zunächst mit Reuß a. a, 0. LXIII, S. 61 zu betonen, 
daß der Schriftsteller, der diese selbst im Wortlaut bei Curtius und Ar- 
rian übereinstimmende Korrektur des Kleitarchos vornimmt, nicht Pto- 
lemaios selbst ist, sondern ein anderer, der die Lügenhaftigkeit der von 
Kleitarch berichteten Version aus dem eigenen Berichte des Lagiden 
nachweist. Es ist also sichtlich falsch, wenn A. Rüegg a. a. 0. S. 8, 
Anm. 13 schreibt: "^Daß Ptolemaios überhaupt von seiner Abwesenheit 
sprach (während der Erstürmung der Mallerstadt), ist schon ein indirekter 
Beweis seiner Bücksichtnahme auf die kleitarchische Version: er korri- 
giert offenbar; nur dann hat es Sinn, von seiner Abwesenheit zu sprechen.* 
Meines Erachtens mußte Ptolemaios schon deswegen, weil er von seinem 
mit der Erstürmung der Mallerfeste gleichzeitigen Feldzuge erzählte, 
ohne weiteres angeben, daß er an jener Tat Alexanders nicht teilnahm. 
Es ist reine WiUkür, zu behaupten, daß hierin Rücksichtnahme auf die 
kleitarchische Version liege. 

Man hat aber auch den umgekehrten Schluß gezogen: Da aus dem 
widersprechenden Zeugnisse des Ptolemaios hervorgehe, daß Kleitarch 
die obige Geschichte erfunden habe, und zwar in majorem gloriam Pto- 
lemaei regis, so müsse er dies vor der Veröffentlichung des Werkes 
dieses Königs geschrieben haben, sei also literarisch älter als dieser 
(C. Müller, SHA p. 75: 'Commentarios de rebus Alexandri Clitarchus 
absolvit, antequam suos edidisset Ptolemaeus. Si aliter res se haberet, 
haud scripsisset noster quae leguntur in fr. 11'; ferner Droysen a. a. 0. 
391 ff.; vgl. Susemihl a. a. 0. I, S. 537). Ja, man hat sogar hiermit die 
im vorigen Absatz als falsch zurückgewiesene Ansicht verbunden und 
gefolgert, Ptolemaios habe gegen die Darstellung des Kleitarch polemi- 
siert (Campe, Klitarchus a. a. 0. S. 192; Droysen a. a. 0. S. 391 ff. und 
im Hermes XI (1875), S. 465; Fränkel, Quellen der Alexanderhistoriker 
[1883], S. 247 [Zitat nach Reuß a. a. 0. LVII, S. 592]; Susemihl a. a. 0. 
S. 537 und 539; zuletzt Rüegg a. a. 0., vgl. oben). Nun muß ich im 
Gegensatz zu Reuß a. a. 0. LVII, S. 592 und LXIII, S. 62 den Vertre- 
tern dieser Ansicht unbedingt zugeben, daß Kleitarchos diese Geschichte 
nur erfunden haben kann, um der Dynastie der Ptolemäer zu schmei- 
cheln. Dafür sprechen auch noch andere Anzeichen in seinen Fragmenten 
und der auf ihn indirekt zurückgehenden Überlieferung (vgl. die Zusam- 
mensteRung der Stellen bei Susemihl a. a. 0. S. 537, Anm. 37). Dafür 
spricht noch, daß Kleitarch in Alexandria gelebt hat, nach dem Zeugnis 
des Philodemos de rhet.IV 1 col. 21 p. 180 Sudhaus, worauf Ed. Seh wartz 



54 Kleitarchos schrieb nach 261 v. Chr. 

in RE' 2, Kol. 916 zuerst hingewiesen hat: dXXä xal Ttokv iyyBiov t&v 
QTjtoQLxäv 6oq)i6xcjv iv xalg fi£rccg)OQaig dvsötQccgirjöav sl [i"^ rtg ccqk 
T&v änävxGiv ag lAXxiddfiag^ 'HyrjöCag, KXdxaQxog ^AXei^avÖQSvg^ /dr^fii]- 
TQLOS. Wenn Reuß a. a. 0. LXIII, S. 62 vorschlägt, an Stelle der hier 
im Anschluß an Sudhaus gebotenen Interpunktion abzuteilen: . . . KXsit- 
ccQxog,, l4Xsi,avdQevg ^rj^rjxQiog und darauf hinweist, daß ein alexandri- 
nischer Rhetor Demetrios aus Diog. Laert. V 84 bekannt und ein unter- 
scheidender Zusatz beim Namen /JrnirixQiog eher am Platze als bei Kleit- 
arch sei, so kann ich mich dem nicht anschließen, da dem nach meiner 
Meinung der griechische Sprachgebrauch — zum mindesten der gewöhn- 
liche — widerspricht, wonach ^Demetrios aus Alexandria' ausgedrückt 
wird durch ^rj^t^xQiog Aks^avdgsvg und nicht durch lile^avÖQavg Arj- 
fiijxQLog. Das DistinktiT 'AXslccvÖQSvg gehört also zu Kleitarchos und 
es bleibt nach wie vor die Wahrscheinlichkeit bestehen, daß Kleitarchos 
zu den oben erwähnten Schmeicheleien gegenüber dem Ptolemäerhof 
gerade dadurch veranlaßt worden ist, daß er in Alexandria lebte. Etwas 
anderes ist aber, ob man auf Grund dieser Schmeicheleien schließen 
darf, daß Kleitarchos insbesondere dem ersten Ptolemaios eine litera- 
rische Huldigung habe erweisen wollen. Neben der Schlußfolgerung, 
daß Kleitarchos jene Erzählung von der Errettung Alexanders durch 
Ptolemaios nicht habe erfinden können, nachdem Ptolemaios sein Werk 
veröffentlicht habe, steht völlig gleichberechtigt die andere, daß Kleit- 
archos das Werk des Ptolemaios überhaupt nicht benutzt habe. Denn 
dieses nüchtern sachliche, vor allem auf die militärischen Operationen 
Rücksicht nehmende Werk bot dem nach effektvollen Erzählungen 
haschenden Kleitarch absolut keine Ausbeute. 

Dafür, daß wir die zweite Schlußfolgerung bevorzugen, daß Kleit- 
archos den Ptolemaios überhaupt nicht benutzt habe, läßt sich auch 
noch aus dem Inhalt des Fragments ein Beweis erbringen, wie zuerst 
B. Niese (Sybels Histor. Zeitschr. 79, S. 2, Anm. 1) erkannte. Nach Ar- 
rian a. a. 0. haben die eörtv, ol' dveygail^av, wie der Parallelbericht des 
Curtius erweist, also Kleitarchos, berichtet, daß Ptolemaios deshalb, weil 
er hier Alexander gerettet habe, Soter zubenannt worden sei {eTil xaSs 
ZaxTJQa i7tixXr]&JivaL xbv IlxoXs^aiov). Hierzu bemerkt B. Niese a. a. 0.: 
'Klitarch gab für den Namen Soter des Ptolemaios Lagi die bekannte 
Erklärung. Nun ist aber als festgestellt anzusehen, daß dem Ptolemaios 
erst nach seinem Tode die Apotheose und der Beiname Soter zuerkannt 
worden ist; dieser läßt sich erst im 25. Jahre des Ptolemaios II. zuerst 
nachweisen, d. h. 261 v. Chr. . . Also wird Klitarch nicht vor 260 v. Chr. 
geschrieben haben.' Man hat sich (Rüegg a. a. 0. S. 8, Anm. 13) der 



Kleitarchos schrieb nach 261 v. Chr. 55 

Wucht dieser Argumentation dadurch zu entziehen gesucht, daß dieser 
Titel des ersten Ptolemaios sichtlich aus dem kultischen Epitheton, mit 
dem allem Anschein nach zuerst die Nesioten des Agäischen Meeres den 
ersten Ptolemaios begrüßten: 6 ßaöiXsvg xal öotrjQ Utokepialog, entstan- 
den ist. Aber selbst wenn Ptolemaios diesen Titel im Kultus geführt 
haben sollte, wie nach den Ausführungen von Kaerst a. a, 0. II, 1; 
S. 399 — 404 sehr wahrscheinlich ist, so ist doch andererseits ebenso 
sicher, daß der Beiname ZatT/]Q in Ägypten erst zur Zeit des Ptolemaios 
Philadelphos in Gebrauch gekommen ist (Kaerst ebenda S. 412 — 414), 
wenn auch schon vor 261, in Aktpräskripten und phönizischen Münzen 
jedenfalls erst von diesem Zeitpunkt ab. Wenn die Inselgriechen als 
erste den Ptolemaios als ßcof^Q begrüßt haben, so hatten sie doch dafür 
eine ganz andere Veranlassung: Ptolemaios hatte sie vom Joch des De- 
metrios befreit (vgl. die Inschrift der Nesioten bei Dittenberger, SyUoge^ 
202). Sie bezeichnen den Ptolemaios tag te TCÖXsig ilavd-EQäöag xal tovg 
vö^ovg dnodovg aal x^iyu tccctqlo^ TtoXiXEia^ naöty xarccötrjöag xal xav eiö- 
(poQäv %ov(pl6ag. Diese Begründung für die Begrüßung des Ptolemaios 
als 6axriQ mußte doch sämtlichen Griechen, die zur Zeit des Ptolemaios I. 
lebteD, bekannt sein. Wenn Kleitarch berichtet, Ptolemaios habe den 
Beinamen I^axriQ erhalten, weil er den Alexander errettet habe, so setzt 
dies zunächst voraus, daß aas der kultischen Begrüßung ein stehender 
Titel geworden war, daß also aus dem ßccöikevg aal öaxtjQ UxoXs^atog 
der Name UxoXsyialog UcsrrJQ geworden war. Dies ist jedoch in Ägypten, 
wie wir sahen, unzweifelhaft erst zur Zeit von Ptolemaios' L Sohn der 
Fall gewesen. Nieses Schluß, daß Kleitarch frühestens zu dessen Zeit 
schrieb, bleibt also schon aus diesem Grunde aufrecht. Dazu kommt, 
daß Kleitarch, als er diese Geschichte erfand, doch offenbar voraussetzte, 
daß dieser Titel dem Ptolemaios schon zur Lebenszeit des Alexander 
eben bei jener Gelegenheit beigelegt wurde. Er weiß also nicht mehr, 
welches der oben besprochene Anlaß zur Entstehung dieses Beinamens 
war, und weiß auch nichts mehr über dessen Entstehungszeit. Wegen 
dieser Tatsachen kann somit Kleitarchos kein Zeitgenosse des ersten Pto- 
lemaios gewesen sein, sondern ist mindestens eine Generation nach ihm 
anzusetzen. 

Damit sind auch die beiden letzten Argumente, die man für eine 
Ansetzung der schriftstellerischen Tätigkeit des Kleitarchos vor 300 
V. Chr. herbeibrachte, als hinfällig erwiesen. Fassen wir nun die bis- 
herigen- Ergebnisse zusammen, so sehen wir, daß von den sechs für 
die frühe Ansetzung des Kleitarchos vorgebrachten Beweisen drei sich 
als nicht verwertbar erwiesen; daß ferner wir auf Grund der Diodor- 



56 Benutzung des Eratosthenes durch Kl. nicht beweisbar 

stelle im Gegensatz zur herrschenden Auffassung folgern mußten, 
daß Diodor den Kleitarchos nicht zu den Begleitern Alexanders ge- 
rechnet haben kann, daß dieses Zeugnis Diodors dadurch unterstützt 
wird, daß Kleitarchos Babylon nicht gesehen haben kann, da er bei der 
Beschreibung dieser Stadt einfach die von Ktesias gebotene etwas zu- 
rechtrückte, ohne ihre augenfälligen Fehler zu korrigieren; daß weiter- 
hin aus der Tatsache, daß er im Gegensatz zur älteren Tradition eine 
Gesandtschaft der Römer an Alexander berichtete, also erfand, zu fol- 
gern ist, daß er erst nach Pyrrhos' Römerkämpfen geschrieben haben 
kann, also frühestens zur Zeit der Generation nach den Diadochen, und 
daß schließlich dasselbe Ergebnis daraus folgte, daß er über Entstehungs- 
zeit und Anlaß des späteren Beinamens der ersten Lagiden keine Kunde 
mehr besaß. Wir sind aber auch noch imstande, dieses Ergebnis durch 
den Nachweis zu stützen, daß er drei Autoren benutzt haben muß, die 
sämtlich in der Zeit von 290 — 260 v. Chr. schrieben und die alle den 
Griechen neue Reise- bezüglich Forschungsergebnisse vermittelten, folg- 
lich nicht den Kleitarch zu benutzen nötig hatten, deren Übereinstim- 
mungen mit Kleitarch also nur dadurch erklärt werden können, daß 
Kleitarch sie ausschrieb und nicht umgekehrt. 

Zuvor sei es mir jedoch gestattet, einige der von Reuß a. a. 0. 
für die späte Ansetzung des Kleitarch vorgebrachten Argumente auf 
ihr richtiges Maß zurückzuführen. Wenn Reuß a. a. 0. LXIII, S. 73 — 77 
erweisen zu können glaubt, daß aus den von ihm zwischen Kleitarch 
— , meist aber nur der auf Kleitarch zurückgehenden Tradition, und Reuß' 
Ansicht, daß Diodor, Justin und Curtius direkt aus Kleitarch geschöpft 
haben, ist meines Erachtens gänzlich irrig, hier hat Rüegg in seiner 
schon oft zitierten Arbeit viel richtiger geurteilt, — und Eratosthenes 
beobachteten Tatsachenkongruenzen sich erweisen lasse, daß Kleitarch 
nach Eratosthenes geschrieben habe, so reichen seine dafür vorgebrach- 
ten Gründe bei weitem nicht aus, und ich möchte diese Frage zum min- 
desten unentschieden lassen. Ebenso irrt Reuß a. a. 0. LVII, S. 590, 
wenn er aus der Stelle Plin., Hist, Nat. VII, § 29: Mandorum nomen iis 
dedit Clitarchus et Megasthenes, trecentosque eorum vicos admimerat, Be- 
nutzung des Megasthenes durch Kleitarch erschließen zu müssen glaubt. 
Denn der neueste Pliniusherausgeber C. May hoff (in der Teubneraus- 
gabe, vol. II, 1909) setzt in diesem Satz das Komma vor et Megasthenes 
und schreibt mit Detlefsen trecentos quoque statt trecentosque. Bei der so 
hergestellten Lesung fällt aber die Übereinstimmung zwischen Kleitarch 
und Megasthenes weg. Außerdem hatte schon Ktesias das hier gemeinte 
indische Pandavolk in die griechische Literatur eingeführt (vgl. Plinius 



Kleitarch benutzt den Patrokles 57 

VII, § 28 — 29), kann also gemeinsame Quelle des Kleitarch und Mega- 
sthenes sein, wenn sie hier von demselben Volke erzählen. Ebensowenig 
entscheiden die von Reuß beobachteten Übereinstimmungen des Kleit- 
arch mit Nearch, die er a. a. 0. LVII, S. 589, aufweist, für die Priorität 
des einen Schriftstellers vor dem anderen. Gar nichts nützt es uns auch 
für die Datierung Kleitarchs, daß er — wie wohl allgemein zugestanden 
wird — die ältesten Alexanderschriftsteller, einen KaUisthenes (vgl. die 
schönen Ausführungen von A. Rüegg a. a. 0. S. 6 — 11) und Onesikritos 
(vgl. z. B. Susemihl, GLAZ 1, S. 538, Anm. 39) vor Augen gehabt hat. 

Der erste Schriftsteller, von dem sich mit Sicherheit erweisen 
läßt, daß er von Kleitarch benutzt worden ist, ist Patrokles (vgl. seine 
Fragmente bei Müller, FHG II, p. 442—444 und über ihn Susemihl, GLAZ 
I, S. 657 — 659). Er unternahm im Auftrag des Seleukos I. eine Fahrt 
auf dem Kaspischen Meer und hinterließ hierüber eine Reisebeschrei- 
bung, die er zwischen 282, dem spätesten Termin seiner Reise, und 
280 V. Chr., da er kurz nach diesem Jahre starb, verfaßt haben muß. 
Um jedoch die Abhängigkeit des Kleitarch von Patrokles zu erweisen, 
müssen wir kurz auf die in der Zeit zwischen 450 und 200 v. Chr. bei den 
Griechen über das Kaspische Meer und die Flüsse Tanais und Jaxartes 
herrschenden Ansichten eingehen: 

a) Herodot bezeichnet I, 202 das Kaspische Meer als d-äkcc66a in' 
iovrilg, ov öv^^CöyovGa tfi irsgr} d^ccXdöör], also als großes, nicht mit 
dem Okeanos zusammenhängendes Binnenmeer. In dasselbe fließt der 
Araxes, der 40 Mündungen hat, von denen alle bis auf eine in Sümpfen 
verschwinden und nur eine ins Kaspische Meer mündet. Den Araxes 
muß Kyros überschreiten, um die Massageten zu bekriegen, die nach 

I, 201 nach Sonnenaufgang wohnen. In dem Flusse Araxes haben also 
die Griechen die erste Kunde von den großen Strömen der turkmeni- 
schen Steppe erhalten. 

b) Neue Kunde über das Kaspische Meer drang zu den Griechen, als 
Alexander im Hochsommer 330 v. Chr. nach Hyrkanien, der Landschaft 
am Südufer dieses Meeres, vordrang. Die Begleiter Alexanders erkannten 
sichtlich die Identität des Meeres, das sie da vor sich liegen sahen, mit dem 
Kaspischen Meere nicht, sondern benannten es nach der Landschaft 'Tq- 
ocavCa d-ccXa60a. Den Beweis dafür bildet Aristoteles, der Meteorologika 

II, I, 10 Kaspisches und Hyrkanisches Meer als zwei selbständige Binnen- 
meere erwähnt. Daß Aristoteles hier auf Mitteilungen der Begleiter 
Alexanders, also wohl auf denen seines Schülers KaUisthenes fußte, be- 
weist die Tatsache, daß die Unterscheidung zwischen Kaspischem und 
Hyrkanischem Meer in der Alexanderliteratur noch eine Spur hinterlassen 



58 Kleitarch benutzt Patrokles 

bat bei Curtius VII, 3, 21: dorsum, ex quo Äsiae omnia fere flumina alia 
in Rubrum, alia in Caspium mare, alia in Hyrcanium et Ponticiim de- 
cidunt. Für den Jaxartes gebraucht nun Kallisthenes die Bezeichnung 
Araxes in Fragm.38 Müller bei Strabon XI, p, 531: Ovxogfilv ovv 6 Xöyog 
cisqI tov ^qcc^ov Tfota^ov ii£i TL TCid'avov, 6 d\ 'HQodöretog ov Ttdvv. 0rj6l 
yccQ ex Manriv&v avxhv Qtovta elg rsödccQccxovTa Tcota^ovg 6'iCt,E0%^ai^ 
(i£QC^SLV de Uxvd-ccg xal BaxtQLavovg, xal Kulkio^ivrig 8\ rjxoXovd^yjaev 
cebxä. Wenn Strabon hier gegen Herodot und Kallisthenes polemisiert, 
so vergißt er, daß beide hier nicht den von Westen her ins Kaspische 
Meer fließenden Araxes im Auge haben, den übrigens Herodot (V, 52, 
wo er nur sagt, daß beide Flüsse gleichen Namen haben, den er aber 
nicht nennt) scharf von dem östlichen im Matienerland entspringenden 
scheidet. Wenn nun Kallisthenes hier den von den anderen Autoren 
Jaxartes genannten Fluß Araxes nennt und mit jenem herodoteischen 
Araxes identifiziert, so nauß der einheimische Name dieses Flusses, der 
von Plut. Alex. 45 genauer durch 'O^f^a^TT^j als sonst 'laidQxiqg wieder- 
gegeben wird, ähnlich gelautet haben. Die Bezeichnung des Jaxartes 
als Araxes hat auch in der Alexanderliteratur Spuren hinterlassen bei 
Curt. VII, 3, 19 und IV, 5, 4 (an letzterer SteUe ist selbstverständlich 
nicht der persische Fluß Araxes, sondern der Araxes -Jaxartes gemeint, 
dementsprechend ist das Hydaspen der codd. nicht in Choaspen zu 'emen- 
dieren'; es werden an dieser Stelle die vier größten Flüsse zusammen- 
gestellt, die Alexander überschritt: Euphrat, Tigris, Araxes - Jaxartes, 
Hjdaspes). Ferner liegt wiederum Kallisthenes zugrunde in Aristoteles' 
Meteorologika I, XIII, 15—16: 'Ev ^hv filv ovv xf] üdGla nXelöToi fjihv 
ix xov üaQvaöov xaXovfievov tpaCvovxat Qtovxsg 'ÖQOvg xal (isyiöxoi tco- 
xa^oC^ xovxo d'öiioXoyElxai ■jtävxcov slvai niyiöxov OQog xav Ttgog xrjv 
€co xijv %H^EQivr^v vTCeQßdvxi yaQ ijÖTj xovxo (paCvtxai rj e^co d-dXaxxa^ 
^g xb JcsQag ov drjXov xolg evxsvdsv. 'Ex filv ovv xovxov qsovöiv aXXot 
xs noxafiol xal 6 ßdxxQog xal 6 XodöTtrjg xal 6 ^Qdi,rig' xovxov d' 6 
Tdva'Cg aTCoßxllsxai ^8Qog av elg xijv Maiäxiv XC^vrjv. 'Pst dh xal 6 
'Ivdbg i^ avxov, Tcdvxov x&v jcoxafiav ^sv^a nXslöxov. Die Stelle ist 
sehr instruktiv. Einmal lehrt sie, daß schon Kallisthenes den Tanais 
als Seitenarm des Araxes-Jaxartes ansah, eine Annahme, die nach ihm 
zur völligen Identifikation des Jaxartes und Tanais führte, wie wir im 
nächsten Absatz sehen werden. Die von Kallisthenes aufgestellte An- 
sicht über das Verhältnis des Tanais zum Araxes-Jaxartes teilte auch 
der Alexanderhistoriker (Plut. Alex. c. 46) Hekataios von Eretria (vgl. 
Ephoros Fragm. 78 Müller bei Pseudo-Skymnos v.869, FHG I p. 258), der 
somit vor Entstehung der Ansicht, daß Jaxartes und Tanais direkt 



Kleitarch benutzt Patrokles 59 

identiscli seien, geschrieben haben muß (mit Unrecht emendiert also 
Diels, Vorsokratiker P, S. 458 nach Röper die handschriftliche Lesung 'Excc- 
t€og scpotiEig in 'Exaralos dcp' 6 Ti]Log statt der älteren Emendation 
Letronnes 'Exaralog sltp ovQEtQUvg) Zum andern können wir aber diese 
Stelle des Aristoteles-Kallisthenes in ihrem Werte nicht hoch genug ein- 
schätzen, da sie die einzige Stelle ist, die unbeeinflußt von späteren An- 
schauungen — denn Aristoteles starb ja fast gleichzeitig mit Alexander 
— uns Auskunft gibt über die zur Zeit Alexanders herrschenden An- 
schauungen über die Gegenden östlich vom Paropanisos. In dem Ge- 
birge Parnasos steckt nämlich, wie längst erkannt, nichts als eine grie- 
chische Zurechtmachung des einheimischen Namens Paropanisos, die 
Stelle beweist also gegen Reuß a. a. 0. LXIII, S. 75, daß die Griechen 
schon vor Eratosthenes mit dieser einheimischen Bezeichnung des Hindu- 
kusch bekannt geworden sind. Außerdem weiß Aristoteles noch nichts 
von der Bezeichnung dieses Gebirges als Kaukasos. Mit dem Flusse 
Baktros kann er nur den Oxos meinen. Er kennt also letzteren Fluß, 
aber noch nicht seinen einheimischen Namen. Am wertvollsten ist aber 
die Stelle durch die Bemerkung, daß man beim Überschreiten des Par- 
nasos-Paropanisos das Ostmeer sehen könne. Man hielt es also zu Alex- 
anders Zeit — also sichtlich vor seinem indischen Feldzug, der eine 
andere bessere Kenntnis vermittelte, hat Aristoteles' Quelle geschrieben, 
ein neuer Beweis dafür, daß sie mit Kallisthenes identisch ist — für 
möglich, an das Ostmeer zu gelangen. Das wirft aber ein grelles Schlag- 
licht auf die verkehrten geographischen Anschauungen, unter denen Alex- 
ander seinen Zug nach Indien antrat, beweist aber, daß er es für mög- 
lich hielt, sich zum Herrn der Ohov^evr] zu machen! 

c) Sehr bald bemerkten die Alexanderhistoriker, daß Hyrkanisches 
und Kaspisches Meer identisch sind. Man identifizierte aber nunmehr 
das Kaspische Meer, das man nach wie vor für einen Binnensee hielt, 
wofür man auch Beweise erbrachte, mit der Maiotis. (Polykleitos bei 
Strabo XI, p. 509— 510.) Den Anlaß dazu gab die Identifikation des Ja- 
xartes mit dem Tanais (Polykleitos a. a. 0.; Aristobulos Fragm. 19 bei 
Arrian, Anab.III, 30, 1: ra dh TavaCdi xovxg)^ ov dri xal ^la^aQtr^v a2.Xa 
ovö^ian TtQog rav ijtiicoQi(ov ßagßccQCOV xaXalöQ^ai kiyai '^QiörößovXog). 
Infolgedessen heißt in der uns erhaltenen Alexanderliteratur der Jaxartes 
fast stets Tanais. 

d) Zu ganz anderen Ergebnissen gelangte nun Patrokles auf Grund 
seiner Fahrt auf dem Kaspischen Meer. Er erkannte zunächst, daß die 
Maiotis und Kaspisches Meer fälschlich identifiziert worden seien, kam 
aber dann zu der irrigen Ansicht, das Kaspische Meer münde in den 



60 Kleitarch benutzt Patrokles 

Okeanos, und man könne von ihm aus nach Indien fahren (Patrokles 
Fragm. 3 u. 4 Müller bei Strabo II, p. 74 u.XI, p.518). Ja die Stadt Baktra 
liege nördlicher als die Einmündung des Kaspischen Meeres in den Okea- 
nos (Fragm. 3). Oxos und Jaxartes seien zwei verschiedene Flüsse — wor- 
über man also vorher keine Klarheit gehabt zu haben scheint — und 
mündeten beide ins Kaspische Meer (Fragm. 6 bei Strabon XI, 518 und 
Fragm. 5 ibid. XI, 509, vgl. hierzu den Aufsatz von K. J. Neumann, Her- 
mes XIX, 1884, S. 165 — 185). Er muß somit die irrige Ansicht, daß 
Tanais und Jaxartes eins waren, aufgegeben haben, was uns zwar nicht 
direkt bezeugt ist, aber aus der im nächsten Absatz zu besprechenden 
Polemik des Eratosthenes gegen die falschen geographischen Anschau- 
ungen der Alexanderhistoriker, für die sich Eratosthenes durchweg auf 
Patrokles stützt, hervorgeht. Aus alledem erkennen wir jedenfalls, daß 
Patrokles das Kaspische Meer nicht im ganzen Umfange befahren haben 
kann. Über die Entfernung des Kaspischen Meeres von der Maiotis, 
wie sie Patrokles schätzte, ist direkt kein Zeugnis erhalten. Er muß sie 
jedoch für sehr gering gehalten haben. Denn nach Plin. Hist. Nat. VI, 
§ 31 hat Seleukos kurz vor seiner Ermordung durch Ptolemaios Keraunos 
sich mit der Absicht getragen, den Isthmos zwischen dem Kimmerischen 
Bosporos (der Verbindungsstraße des Pontos Euxeinos und der Maiotis) 
und Kaspischen Meer zu durchstechen. Er muß die Entfernung zwi- 
schen der Maiotis und Kaspischem Meer für sehr gering gehalten haben, 
wenn er diese Durchstechung für möglich hielt, und hierfür das Gut- 
achten des Patrokles, den er zur Erforschung jener Gegenden entsandt 
hatte, eingeholt haben, der folglich die gleiche Ansicht hegte (Neu- 
mann a. a. 0. S. 180 ff.). Schließlich hielt Patrokles (Frgm. 7 bei Strabon 
XI, p. 508) das Kaspische Meer für gleichgroß mit dem Pontos Euxeinos. 
e) Den — leider eben teilweise irrigen — Forschungsergebnissen 
des Patrokles half zur Anerkennung Eratosthenes in seiner Geographie 
(vgl. deren Fragmentsammlung von H.Berger, 1880). Seine Ausführungen 
sind uns erhalten im zweiten Buche des Strabon. Er warf den Alexander- 
historikem vor, daß sie vieles zum Ruhme Alexanders erfunden hätten, 
vor allem den Tanais ganz irrig mit dem Jaxartes identifiziert hätten, 
worin er allerdings vöUig recht hatte. Weiterhin stellte er dann die 
Theorie auf, daß der die Olnoviiavt] rings umgebende Okeanos vier xöl- 
aoL in diese hineinsende (vgl. Strabon II, p. 121), von Westen das Mittel- 
meer, von Südosten das Rote Meer und den Persischen Golf und von 
Norden eben das Kaspische Meer. Diese Vier-Golf-Theorie des Erato- 
sthenes hat nun sämtliche uns erhaltenen Alexanderhistoriker beeinflußt, 
wie F. Reuß a. a. 0. LVU, S. 582 ff. und LXHI, S. 72 nachgewiesen hat. 



Kleitarch benutzt Patrokles 61 

und auch Rüegg a. a. 0. S. 82 — 83 einräumt. Wenn es nun bei Plut. 
Alex. c. 44 heißt: ^vtbg ds (seil. 6 kXsi,avdQog) fistä rfig aTi^aiordtTjg 
dvvd^scog stg 'TQxavCav xccteßaivs' xal jiskdyovg Idav icölnov ovx hk&r- 
tova [isv rov TIovxov (pavEvra^ ylvxvtsQov öe tilg dXXrjg d-aldtttjg^ 6a- 
g)hg fisv ovdhv s6xe nvd'söd-ai nsgl avtov, fidktöta de bIkuGe ttJ? Mcclg)- 
tidog XC^vrjg dvaxoTtijv slvcci. Kaixoi xovg ys cpvöixovg dvögag ovx 
eXaQ-s rdlrjd-sg, dlXä %okloig exeöiv sfiTtgoad-EV xfig'Aleidv- 
ÖQOV öXQKXECag LßxoQrjxaöLV, oxi xEöödQov üöXtccov eIöexövxov dnb 
xfig £h,G)ßaXd60rjg ßoQSLOxaxog ovxög ^öxl, xb 'llaxdvLov TciXayog xal Kdö- 
7C10V öfiov 7tQ06ayoQEv6(iEvov , so haben nach Plutarchs Annahme (bez. 
seiner QueUe) schon viele Jahre vor Alexander g)v6ixoi ccvÖQEg die Vier- 
Golf-Theorie entwickelt. Indessen ist diese Angabe zweifellos falsch und 
nichts als eine Wiedergabe der Theorie des Eratosthenes. Denn vor 
Alexander konnte man von vier Golfen des Weltmeeres einfach deshalb 
nicht reden, weil die Golfnatur des TlEQßiyibg xoXnog, wie überhaupt 
dieser selbst, erst durch die Fahrt von Alexanders Admiral Nearchos den 
Griechen bekannt wurde. Berger sucht nun von der Angabe des Plut- 
arch wenigstens so viel zu retten (vgl. seine Gesch. d. wissensch. Erdkunde 
d. Griech.^ [1903], S. 56 ff.), daß die Lehre von der Golfnatur des Kaspi- 
schen Meeres auf die alten g)v0ixol ävÖQEg zurückgehe, nach seiner Meinung 
die ältesten ionischen Geographen. Indessen kann er einen Beweis für 
diese seine Hilfshypothese nicht herbeibringen, ihr steht vielmehr schroff 
die Tatsache gegenüber, daß Herodot (s. oben) und Aristoteles (s. oben) 
das Kaspische Meer richtig für einen Binnensee erklären, und daß die 
SteUe eben — wie die Erwähnung der Vierzahl der Golfe zeigt — von 
der eratosthenischen Theorie abhängig ist. Ferner berichtet Arrian VII, 
16, 1 — 4, Alexander habe den Herakleides nach Hyrkanien gesandt mit 
dem Auftrag, dort Schiffe zu bauen und das Kaspische Meer zu erforschen. 
Wenn er aber dann als Motiv Alexanders angibt: 7c6d-og yaQ d%Ev avtbv 
(scil.'JlXE^avdQov) xal xavxi^v ix^a&Etv xrjv d'dXa66av xijv KaöTtiav xe 
xal 'TQxavCav xaXovfiEvrjv noia xlvI ^v^ßdXXEL d-aXdäör}, nöxEQa xf} xov 
növxov Evi^ECvov r) anb xrjg iaiag T-^g xax' ^Ivdovg ExnEQiEQ%o^ivri 'fj 
fiEydXrj d-dXa66a dvaiElxai Eig xöXjtov xbv ^TQxdviov^ xa&dTtEQ xal xbv 
ÜEQöLxbv E^EVQE, XYjv EQvd'Qav ötj xaXovfiEvrjv &dXa66av, xoXnov Evöav 
xrig ^sydXrjg d'aXdöörjg. Ov ydQ tco ^^evqtjvxo al aQ^^^^ ''^VS Ka6- 
%Cag Q'aXdöörjg, so beweisen die letzten Worte deutlich, daß hier ein 
späterer Schriftsteller, der schon dieReiseergebnisse des Patrokles kannte, 
dem Alexander seine eigene geographische Weisheit unterschiebt, wie 
Reuß a. a. 0. LVII, S. 582 erkannt hat. (Die Ausführungen von Kaerst 
a. a. 0. 1, S. 396 — 397 sind also zu modifizieren.) Wir haben also kein 



62 Kleitarchoa benutzt Patrokles 

Zeugnis dafür, daß schon vor Patrokles die Golfnatur des Kaspischen 
Meeres vermutet worden wäre. 

Es ist nun das bleibende Verdienst von F. Reuß, a. a. 0. LVII, S. 582 
— 583 und LXIII, S. 71, auf Grund zweier direkter Fragmente des Kleit- 
arch erwiesen zu haben, daß Kleitarch in mindestens drei Punkten mit 
Patrokles' Ansichten über das Kaspische Meer übereinstimmt. Da aber 
Patrokles auf Grund seiner Reise auf diesem Meer und nicht auf Grund 
der Lektüre des Kleitarch zu seinen Anschauungen gekommen war, die 
außerdem teilweise falsch waren, ist es völlig ausgeschlossen, hier von Tat- 
sachenkongruenzen zu reden, die über Priorität nicht entscheiden, sondern 
es bleibt nur der Schluß, daß Kleitarch den Patrokles benutzt, also 
nach ihm geschrieben hat. Der Nachweis von Reuß stützt sich nun 
auf folgende beiden Kleitarchfragmente: 

Plinius, Nat. Hist. VI, §36 (= Kleitarch Fragm. 6 MüUer.): Nam et in- 
rumpit e Scythico oceano in aversa Äsiae; pluribus nominihus accolarum 
appellatum celeberrimum est duohus, Caspium et Hyrcanium. Non minus 
hoc esse quam Pontum Euxinum Clitarchus putat. 

Strabo XI, p. 491 (Kleitarch Fragm. 7 MüUer). OC d' snl to6ovxov 
ßvvayayövTsg rbv iöd^^bv (seil, zwischen Pontos Euxeinos und Maiotis 
einerseits und Kaspischem Meere andererseits) f(p' o6ov KXeitaoxog, h%i- 
xXvötov q)7j6ccs s^ ixarsgov zov neläyovg^ ovx av löyov d^Lotvto. 

Kleitarchos hat somit wie Patrokles das Kaspische Meer für einen 
Golf des Weltmeeres gehalten. Wäre diese Übereinstimmung allein vor- 
handen, so könnte man ja allenfalls die Ausrede gebrauchen, daß doch 
die beiden oben besprochenen Stellen Arr. VII, 16, 1 — 4 und Plut. 
Alex. c. 44 für das Vorhandensein der Annahme der Golfnatur des Kaa- 
pischen Meeres vor Patrokles sprächen. Aber Kleitarch beweist durch 
zwei weitere Übereinstimmungen in Einzelheiten schlagend, daß er eben 
von Patrokles abhängig ist und dessen Theorien kennt: Wie Patrokles 
hält er das Kaspische Meer für gleichgroß mit dem Pontos Euxeinos, 
und wie Patrokles — auf Grund von dessen Gutachten Seleukos die 
Durchstechung für möglich hielt, wie wir sahen — hält er den Isthmos 
zwischen Maiotis und Pontos Euxeinos einerseits und Kaspischem Meer 
andererseits im Gegensatz zur Wirklichkeit und im Gegensatz zu der 
Anschauung anderer Gelehrter des Altertums (vgl. Strabon a. a. 0.) für 
sehr schmal, ja sogar für so schmal, daß er von beiden Meeren her über- 
schwemmt werden konnte. 

Reuß' Nachweis einer Benutzung des Patrokles durch Kleitarchos 
und damit der Nachweis, daß Kleitarch also nach 280 v. Chr. schrieb, 
ist hierdurch und zwar auf Grund der eigenen Fragmente Kleitarchs unum- 



Kleitarclios benutzt Timaios 63 

stößlicli erbracht. Es ist nur bedauerlich, daß Reuß, obwohl er den wahren 
Sachverhalt schon 1902 a. a. 0. LVII, S. 582—583 dargelegt hatte, sich 
genötigt sah, dies 1908 a. a. 0. LXIIl S. 67 — 7 1 nochmals zu tun, da A. Rüegg 
seine Ausführungen von 1902 so flüchtig gelesen hatte, daß er in seiner 
Dissertation S. 83, Anm. 257 schrieb: "^Es ist ganz deutlich, daß nur 
Curtius und Plutarch, aber weder Diodor noch Kleitarch unter dem Einfluß 
des Patrokles stehen; es ist deshalb nicht richtig, mit Beuß, Bhein. Mu- 
seum 57, pag. 582 ff. zu schließen, Kleitarch habe erst noch Patrokles ge- 
schrieben F 

Der zweite Autor, von dem sich erweisen läßt, daß er von Kleitar- 
chos ausgeschrieben worden ist und nicht umgekehrt, ist der Sikeliote 
Timaios (Fragmente bei MüUer FHG I, p. 193—233; IV, 625 sq. 640 sq. 
Vergleiche über ihn Susemihl a. a. 0. I, S. 563 — 583). Daß zwischen 
den aus seinen Werken erhaltenen Fragmenten und denen des Kleitar- 
chos zahlreiche inhaltliche Berührungen bestehen, hat Reuß a. a. 0. LXIII, 
S. 64 — 67 erwiesen. Den Nachweis, daß er von Kleitarchos benutzt wurde, 
also der literarisch Altere ist, vermögen wir auf Grund folgenden Frag- 
mentes zu führen: 

Clemens Alex. Strom. I p. 337 A. (= Timaios Fragm.153 MüUer, FHG 
I p. 232 = Kleitarch Fragm. 1 Müller, SHA p. 76): 

^Ano TQoiag alaösog b%1 ri}V ^HQaxkeidcbv xd&odov srrj ixarbv 
eLXOöL, 7] exarbv oydoijxovta. ^Anh xovtov enl EvaCvstov agiovra^ 
E(p ov (fa6Lv^Alii,av8Qov slg rrivAöCav dvaßfivai^ ag ^hv 0a- 
viag^ errj STcraxößLa dexccTtdvrs' cog de"E(poQog, iTtraxoöLcctQiccxovraTtavrs' 
cjg de TC^aiog aal Kksi'taQxog^ öxtaxööLa ei'xoöi' ag de ^Ega- 
to6d-8vr}g, antayAöLa sßdofi^xovta (^sßdofirjxovtaTEööaQa codd.) 

Danach haben Timaios und Kleitarchos vom Jahr der Herakliden- 
rückkehr bis zum Jahr des Archon Euainetos (335/4 v. Chr.) 820 Jahre 
gerechnet. Es fragt sich nun, ist diese Angabe inklusiv (d. h. unter Ein- 
rechnung von Anfangs- und Endjahr) gerechnet, so daß das Jahr 335/4 
gleich dem 820. Jahre wäre, das erste also gleich 1154/3 v. Chr., oder ex- 
klusiv, unter Vernachlässigung eines der beiden Endtermine, wonach die 
Heraklidenrückkehr 820 Jahre vor 335/4 fällt, also 1155/4 v. Chr. Indes 
haben wir uns hier für inklusive Rechnung zu entscheiden, also für das 
Jahr 1154/3 der Heraklidenrückkehr nach Timaios und Kleitarchos. Denn 
die Angabe, daß Eratosthenes 770 Jahre -vom 'HQaxleid&v xäd^odog bis 
335/4 gerechnet habe (die Emendation von sßSofit^icovtccrsööaQa in iß- 
do^TJocovta steht absolut fest durch die anderweitigen Zeugnisse für Era- 
tosthenes' Chronologie, die man bei Jacoby, ' ApoUodors Chronik' = Philol. 
Unters. XVI, S. 75 ff. nachlesen möge) erweist sich als inklusiv gerech- 



04 Kleitarch benutzt Timaios 

net, da von 1104/3 v. Chr., dem absolut feststehenden Datum des Era- 
tosthenes, für die Heraklidenrückkehr bis 335/4 v. Chr. 770 Jahre sich 
nur bei inklusiver Rechnung ergeben. Das gleiche haben wir aber für 
die Distanzangabe des Timaios und Kleitarchos anzunehmen. 

Kothe hat in seiner Dissertation 'De Timaei Tauromenitae vita et 
scriptis', Breslau 1874, S. 47 angenommen, Timaios habe diese Distanz- 
angabe dem Kleitarchos entlehnt. Reuß a. a. 0. LXIII, S. G4 trat für 
das umgekehrte Verhältnis ein unter richtiger Betonung der Tatsache, 
daß sich Timaios ein eigenes chronologisches System geschaffen hat, und 
verweist auf die kurzen Darlegungen von R. Laqueur, im Hermes 42 
(1907) S. 529, Anm. 1 über Timaios' chronologisches System. Ich halte 
nun zwar Laqueurs dortige Bemerkungen für falsch, vor allem hält er — 
wie wir eben sahen, irrig — das Jahr 1155/4 und nicht 1154/3 für das 
Epochenjahr des 'HQaxXsidäv xdd-odog bei Timaios — glaube jedoch 
imstande zu sein, auf anderem Wege erweisen zu können, daß Timaios 
vöUig selbständig sein chronologisches System aufgestellt und nicht er 
also den Kleitarch benutzt hat, sondern umgekehrt. 

Daß Timaios auf Feststellung einer richtigen Chronologie den größten 
Wert legte und die feinste Akribie verwandte, ist genügend bekannt und 
wird ja selbst von seinem größten literarischen Gegner im Altertum, 
Polybios (vgl. die Fragmente von dessen Buch XII), widerwillig genug 
zugegeben. Dieser bezeichnet nun IIb. XII, c. 11, § 1 den Timaios als 
den tag övyxQCöeig TCOLOv^svog avexad-ev r&v icpÖQcov Ttgbg rovg ßaöi- 
Xetg kv Aaxeöai^ovi. Das heißt, Timaios habe die (chronologischen) 
Angleichungen der Ephoren(jahre) von ihrem Beginn an (av- 
axad-sv, also vom Beginn der dem Timaios vorliegenden Liste der ep- 
onymen Ephoren von Sparta) mit den (Regierungsjahren der) Könige 
inLakedaimon vollzogen. Das Anfangsjahr der spartanischen Ephoren- 
liste ist nun das Jahr 754/3 v. Chr., wie F. Jacoby a. a. 0. S. 122—127 
endgültig erwiesen hat. 

Ist es da noch als Zufall zu betrachten, — angesichts der von Poly- 
bios bezeugten Tatsache, daß eben Timaios den chronologischen Aus- 
gleich zwischen den Ephorenfasten und den spartanischen Königslisten 
vollzogen hat, — daß zwischen dem Jahr des Beginns der Ephorenliste, 
754/3 V. Chr., und dem oben festgestellten Datum des ' HQUxkHÖav xd%-- 
odog 1154/3 V. Chr., also dem 1. Jahr der beiden spartanischen Königs- 
listen, gerade 400 Jahre liegen? 

Die chronologische Mache des Timaios liegt klar zutage! 4(X) Jahre, 
das heißt 10 yevaaC zu 40 Jahren, vor Beginn des spartanischen Ephorats, 
setzt er den Beginn der spartanischen Königslisten, den Heraklidenzug! 



Kleitarch benutzt Berossos 65 

Die 10 yBvsai sind nun offenbar die zehn Geschlechter des Agiadenhauses 
von Eurysthenes bis Alkamenes, wie sie Eratosthenes (vgl. Jacoby a. a. 0. 
S. 84 — 87, der in den sonstigen Stammbäumen des Agiadenhauses feh- 
lende Menelaos ist nunmehr schon bei Timaios nachweisbar!) auch bietet. 

Wir haben so nachgewiesen, wie Timaios das Datum des Herakliden- 
zuges gewonnen hat. Daß er und nicht der Verfasser einer Alexander- 
geschichte dieses System aufgestellt hat, ist durch das angeführte Zeugnis 
seines literarischen Gregners erwiesen. Also hat Kleitarchos ihm das 
Datum des Heraklidenzugs entlehnt, nicht umgekehrt. 

Timaios schrieb nun sein Hauptwerk, und nur in diesem kann er das 
Datum des Archon Euainetos erwähnt haben, nach seinem eigenen Zeugnis 
im 34. Buch (Fragm. 139 MüUer), nachdem er 50 Jahre andauernd in 
Athen gelebt hatte. Da er nicht vor 317 v.Chr. nach Athen kam (vgl. 
Susemihl a. a. 0. S. 563 — 564, besonders Anm. 232), kann er nicht vor 
267 V. Chr. sein Werk veröffentlicht haben. Kleitarchos kann also un- 
möglich vor 267 V. Chr. geschrieben haben! 

Der dritte Schriftsteller nun, von dem wir dartun können, daß 
er von Kleitarchos benutzt worden ist, ist eben Berossos. Wir haben 
oben darauf hingewiesen, daß Kleitarchos über den Anlaß der Erbauung 
der hängenden Gärten in Babylon dasselbe berichtete wie Berossos. Femer 
hat er gegen die Erzählung des Berossos, Bei und nicht Semiramis habe 
Babylon gegründet, polemisiert. Da nun Berossos gegenüber den Fabe- 
leien der Griechen die einheimische Überlieferung zu Ehren brachte, ist 
die Annahme einer Benutzung des Kleitarchos durch Berossos absurd. 
Da auch die Hilfshypothese, Kleitarch habe eine vor Berossos lebende 
und genau dasselbe wie Berossos berichtende QueUe vor Augen gehabt, 
absolut jedes Beweises ermangelt, bleibt nur der Schluß, Kleitarch habe 
den Berossos benutzt. 

Wir haben so nachgewiesen, daß Kleitarch kein Begleiter Alexanders 
war, und fünf Beweise dafür erbracht, daß Kleitarchos frühestens in der 
Generation nach den Diadochen, nicht vor 260 v. Chr. geschrieben haben 
kann. Der älteste Benutzer des Kleitarch ist nun der Römer Sisenna 
nach Zeugnis von Cicero, De legibus I, 2, der in der ersten Hälfte des 
1. Jahrhunderts vor Christus schrieb (vgl. Schanz, HKAW VIII, l'', II, 
S. 115—117). Zwischen 260 und 100 v. Chr. schrieb also Kleitarch. 
Näher läßt sich seine Lebenszeit leider nicht fixieren, da wir im Gegen- 
satz zu Reuß' Annahme (s. oben) den Nachweis, daß Kleitarch nach Era- 
tosthenes schrieb, als nicht erbracht ansehen können. 

Der Nachweis aber, daß ein im Altertum so gelesener Autor wie 
Kleitarchos es nicht für unter seiner Würde hielt, für seine Alexander- 

Schnabel: Proleg. u. Kommentar z. d. Babyloniaka d. Berossos 6 



66 BerossoB in der griechischen Literatur 

geschichte ein pikantes Motiv (so sehr fein Marquart a. a. 0. S. 555) aus 
Berossos zu entlehnen, anderwärts sogar gegen ihn zu polemisieren, er- 
gibt, daß Berossos im Altertum nicht so unbeachtet und ungelesen ge- 
blieben ist, wie es die heute herrschende, am schärfsten von Ed. Schwartz 
in seinem Artikel 'Berossos' in RE^ formulierte Ansicht ist, nach der 
Berossos lediglich von Antiquaren wie Alexander und Juba benutzt 
worden sei und dann nur noch von Juden und Christen zum Zweck ihrer 
Polemik gegen das Heidentum noch dazu lediglich durch Vermittelung 
dieser beiden letztgenannten Autoren, Vollends als verfehlt wird diese An- 
sicht durch den weiteren Nachweis dargetan werden, daß auch ein Mann 
von der Bedeutung des Stoikers Poseidonios, einer der universalsten Köpfe 
des Altertums, in seinen Werken Berossos ausgiebig ausgeschrieben hat. 
Doch bevor wir das Verhältnis des Berossos und seiner Fragmente zu 
den Schriften dieses Mannes erörtern, müssen wir erst den Spuren des 
Berossos in der jüdisch-hellenistischen Literatur nachgehen, um die chro- 
nologische Reihenfolge der den Berossos benutzenden Autoren zu wahren. 



IV. KAPITEL. 

BEEOSSOS UND DIE JÜDISCH- HELLENISTISCHE 
LITEEATÜE 

§ 1. BEROSSOS UND PSEUDO-EUPOLEMOS 

Unter den Eupolemosfragmenten, die uns Eusebios in seiner Prae- 
paratio evangelica lib. IX aus dem Werke des Alexander Polyhistor über 
die Juden bewahrt hat, befindet sich eines (Praep. ev. IX, 17, p.418c. sqq.), 
das merkwürdig von den anderen absticht. Während die anderen Frag- 
mente (vgl. J. Freudenthal, Hellenistische Studien I, 1874, S. 82—87, 
spez. S. 86 — 87) beweisen, daß dieser Eupolemos ein Jude gewesen ist, 
müßte er nach diesem Fragmente, in dem er (vgl. den Text in Frag- 
ment 44 a des Berossos) den Berg 'jQyccQL^LV als den „Berg des Höchsten" 
bezeichnet, ein Samaritaner gewesen sein. Denn bekanntlich war der 
Berg Garizim, a"'T"^5 irt, d. i. 'AQ'yaQLt,iv, den sie Deut. 27, 4 in ihrem 
Pentateuch für den Berg by^y einsetzten, auf den die Steine mit dem 
Gesetz Mosis zu stehen kamen (H. Cornill, Einl. i. d. Alt. Test., 5. Aufl., 
Tübingen 1905, S. 319), der heilige Berg der Samaritaner. 

Auf Grund dieser Tatsache und wegen der Übereinstimmung dieses 
Fragments mit dem von Polyhistor selbst unter den sog. ocdsönorcc ge- 
fundenen Exzerpt Eus. Praep. ev. IX, 18, p. 420b (Fragment 44b des 
Berossos) hat J. Freudenthal a. a. 0. S. 89 — 91 den Nachweis geliefert, daß 
dieses Eupolemosfragment und ebenso das eben genannte Stück der 
ccdeöJtota einem anonymen Schriftsteller samaritanischer Herkunft, einem 
Pseudo-Eupolemos angehören, daß also Polyhistor das obige Fragment 
zu Unrecht dem Juden Eupolemos zugeschrieben hat. Über die Zeit 
dieses anonymen Samaritaners wissen wir lediglich, daß er vor Poly- 
histor schrieb, also wohl in das 2. vorchristliche Jahrhundert gehört. 
(Vgl. zu diesen Ausführungen auch E. Schürer, Gesch. d. jüd. Volkes im 
Zeitalter Jesu Christi, Bd. IIP, 1909, S. 482 und Susemihl, GLAZ II, 
1892, S. 652, bes. n. 87.) 

Freudenthal hat nun bei der Analyse des Inhalts dieser Fragmente 

5* 



68 



Berossos und Pseudo-Eupolemos 



(a. a. 0. S. 92—99) selbst schon gezeigt (S. 94), daß in ihnen Berossos 
benutzt ist. Allerdings ist ihm nur eine Parallele aufgefallen. 

Pseudo-Eupolemos (Berossos- Berossos (Fragm. 44 bei Josephus, 



Fragm. 44 a) 



iv TtöXsi rfis 



Ant. I, VII, 2, § 158) 

Metoc rbv xaraxlvö^bv dsxaTri 



BaßvXavLag Kafiagivri . . . yereöd-aL I ysvsä nagä XaXöatoig ttg ^v di- 
AßQaäa svysvsCa xal 6o(pla tcccv- xuloq avijQ xal [isyas xal xä ovqu- 
tag "bjcsQßsßrjxöta, bv di) xal xyjv via e(nisiQog. 
äöXQoXoyiav xal xrjv XaXdatxriv £i>- 
Q£iv, xxl. 

Schon M. V. Niebuhr (Geschichte Assurs u. Babels seit Phul, 1857, 
S. 262, Anm. 2) hat bemerkt, daß der Name Xav^i "Aößolog, den ein 
Sohn des Xavaäv in FragmeDt 44a führt: Xov^i ... ov vtio xäv 'EXXi]- 
vov Xeysöd'at, '!Ä6ßoXov^ Ttaxsga dh Aid-iÖTCcov., das ist aber „Xovg (so 
LXX Gen. 10, 6, hebr. TÖ13, Kus, der Stammvater der Kuschiten, d. i. 
eben der Athiopen) der Schwarze" identisch ist mit XofidßßrjXog^ dem 
zweiten nachflutigen König bei Berossos (vgl. Fragment 43 und 43a). 
Pseudo-Eupolemos hat also den von Berossos überlieferten Namen in 
nicht übler Weise nach hellenistischer Manier zurechtgestutzt. 

Auf Berossos geht schließlich noch folgende Angabe beider Frag- 
mente (44a und 44b) zurück: 

Fragment 44a. Fragment 44b. 

. . . n6Xiv'JSaßvXG}va tiq&xov xxi- 
(jO'^vat V7C0 xäv diaöoid'ivxcov ix 
xov xaxaxXvöfiov. 

slvav de avtovg yCyavxag, oixo- ... yCy avxag ... olxovvxag iv xf] 
dofiSLv $h xbv CöxoQov^avov nvQyov BaßvXcovla . . . &>v evcc BfjXov . . . iv 
xxX. BaßvXcbvi xaxoixfißai, nvQyov öh 

xaxttöxevdöavxK iv avrm öiatxü- 
6d-ai xxX. 

Hier sind zwei Angaben des Berossos ineinander verarbeitet, näm- 
lich die xrCöig Babylons durch Bei in den Schöpfungszeiten (Fragm. 13 
bei Abydenos, vgl. die Ausführungen in Kap. III) und die inCxriöig Ba- 
bylons durch die aus der Flut Geretteten (vgl. Fragm. 34, Ende). 

Wenn nun hier die Erbauung des %vQyog von Babylon, des Stu- 
fenturms Etemenanki, auf Belos zurückgeführt wird, so muß Berossos 
dies auch berichtet haben. Denn nach babylonischer Sage wurde der 
Tempel Esagila, und damit der zugehörige Stufenturm Etemenanki, in 
den Schöpfungszeiten erbaut, wie das in Kap. III zitierte Lehrgedicht von 
der Weltschöpfung, Z. 17, lehrt: 



I 



BeroBsos und Ps. Eupolemos. — Das Sibyllenexzerpt des Polyhistor 69 

Babel wurde gemacht, Esagila vollendet. 

Im übrigen vergleiclie man die weiteren Ausführungen im § 2 
dieses Kapitels. 

Wenn nun in diesem Fragment 44 a die Stadt OvQCrj, — d. i. 
D'^'lTp? "i^i? Gen. 11, 28, die babylonische Stadt Ur, Kultstätte des Mond- 
gottes Sin oder Nanja, — Ka^aQLvrj genannt wird (vgl. das Zitat oben), 
d. i. aber „Mondstadt" (von arabisch hamar „Mond" nach F. Hommel, 
Grundriß der Geogr. u. Gesch. d. alt. Orients = HKAW IE, 1^, 1, 1904, 
S. 383. Araber bewohnten Babylonien schon zu Berossos' Zeiten), so 
dürfte diese Angabe auch aus Berossos geschöpft sein. 

Die mehrfache Benutzung des Berossos durch Pseudo-Eupolemos 
dürfte zur Genüge erwiesen sein. Ob hier Berossos durch eine Mittel- 
quelle benutzt ist, vermögen wir nicht zu entscheiden. Liegt indirekte 
Benutzung vor, so kann doch Pseudo-Eupolemos keinen der uns sonst 
bekannten Exzerptoren des Berossos (vgl. Kapp. V — VII), den Poseidonios, 
Polyhistor oder Juba benutzt haben, da er älter ist als alle diese und 
dazu ja selbst von Polyhistor benutzt wird. An Kleitarchos als Mittel- 
quelle ist natürlich nicht zu denken, — was wohl kaum bemerkt zu 
werden braucht, — denn dieser dürfte den Berossos an einer anderen 
Stelle nicht benutzt haben, da sein Geschichtswerk ihm sonst keinen 
Anlaß dazu geben konnte. 



§ 2. BEROSSOS UND DIE SIBYLLE. 



Bekanntlich hat Polyhistor in sein Berossosexzerpt ein Stück aus 
einer Sibyllensammlung eingeschoben, das uns Eusebios in seiner Chro- 
nik erhalten hat. Wir besitzen dieses Zitat vollständig nur in der ar- 
menischen Übersetzung des Eusebios (Euseb. chron. ed. Karst, S. 12, 
Z. 9 — 12), der griechische Text ist uns unter Weglassung des letzten 
Satzes bei Synkellos (ed. Dind. p. 81, 1. 1 — 7; ich benutze |von Prof. 
H. Lebegue angefertigte Kollationen) und unter Weglassung der zwei 
letzten Sätze bei Kyrillos von Alexandria, Contra Julianum lib. I (p. 9C 
ed. Spanhem), die beide den Eusebios ausschreiben (vgl. Kap, VI) un- 
vollständig erhalten: 

!dXei,dv8Qov tov IIoXviGtOQog tisqI tfig JivQyoxouag}) 
UCßvlXcc ÖS (prjöiV^) 

1) kXs^ävSgov — TivQyoTtoitag] Sic Sync, Eus. Armen. (AUxandros des Poly- 
histor über den Turvibau); mutat Cyrillus: jiXi^avSgoe (ihv yccQ mSi qpTjffi* — 
2) Si qprjffiv] Cyrillus, dt g)T]<(ötr)> solus Syncelli cod. A; spricht Arm. 



70 Das Sibyllenexzerpt des Polyhistor bei Eusebioe u. Josephos 

'Ofioipcbvav^) 'övTov 7tccvt(ov ävd^Qcojiav^) nväg rovtav^) nvQyov^) 
'bTCBQlieysd'ri'') olxodofiflöaL, OTiag slg rbv ovQavhv ävaßaßiv.^) Tov dh 
&eov^) avE^ovg xö TtvQyo) i^(pv6^6avtog ävaxQstpai avrhv^^) xal IdCav 
sjcdörtp (poaviiv dovvai^^)' dib dij BaßvXatva tijv %6Xlv xXrjd-rlvaL}^) 

Meto, Sh rbv xaraxXvö iJ,bv Titava^^) xal IlQo^rjd^scc yav£6%'aL^^\ 
weMier Titan auch den Kriegskampf mit Kronos entfachte. ^^) 

3) qoTjffM'' o^iocpmvcov^ tlyr., Arm.; cpri^aivy o^ocpöavcov Sync. A (sine inter- 
punctione). — 4) ofiocpöavcov Svtcov Ttccvrcov ävQ'Qwxcov] Sync, ofiocpmvav övtcov anäv- 
x(ov t&v &vd-Qw7C(av Cyr., Einstimmig alle Menschen Arm. — 6) nväg TovTtov] Sync, 
Cyr.; omisit Arm. — 6) itvQyov] Cyr., nvQyov (sie!) Sync. A. — 7) vjtsQusyi&r]] Sync. 
Cyr.; Arm.: hochragenden. — 8) &vaßüaai,v] Sync. A (sie!), avaßmai Cyr. — 9) Tov 
^h d-sov] sie Sync, Cyr.; allgewaltige Gott Arm. — 10) row Sh &sov ävinovs ro5 
nvQyo) ititpvarjßavTog ScvargiTpcci, aitov] sie Cyr.; Und der allgeicaltige Gott blies 
einen Wind an, stürzte den Turm um und Arm.; xov Ss Q'iov aveiiovg ificfvaij- 
oavtog ScvocTQ^ipai ccvtovg Sync. — 10) löiav kyiäetfo (pcovr]v dovvai] sie Sync. et 
Arm. (teilte einem jeden seine Sprache zu); iSiav dovvai cpavi^v h-daroig Cyr. — 
12) xirj'ö'^vat] Hue usque Cyrillus. — 13) Titäval xituvu Sync A, corr. editores. 
— 14) yevied'm'] Hue usqae Syncellas. — 15) loelcher — entfachte'] Quae in sola 
versione Eusebi armeniaca praebentur, — 

Nach allgemeiner Annahme (vgl. Kap. VI) schöpft aus Polyhistor 
ebenfalls Josephos, Ant. 1, 1, c. IV, I, § 118, der allerdings die indirekte 
Rede des Polyhistor in die direkte umsetzt. Ihn haben wiederum aus- 
geschrieben Eusebios in der Praeparatio evangelica 1. IX, c. 15, p. 416 a 
bis 417 a und im Onomastikon, p. 230 (ed. Lagarde) sowie Synkellos 
p. 80 (Bind.): 

UaQl 8^ xov nvQyov xovxov 'Kai xfig äXko(pa)viag xav dvd'Qaitiov 
lis^vrjxai xal UCßvXXa^) Xeyovda^) ovxcog' 

ndvxGiv 6fiO(pd)VG)v bvxav xav avd-QcoTtcjv^) Ttvgyov axoSo^rjöäv 
TLVsg^) vtlftjXöxaxov d)g ixt xov ovgavbv avaßrjöö^evoi öl avxov. OC öe 
^sol ocvE^pvg i7Cnt£(i^c(vxsg avixQE^av xbv nvgyov xal idiav ixäöxa 
(pavrjv Maxav xal 8iä xovxo BaßvXäva^) 6 wißt] xXrjd-'^vai xrjv 7i6Xiv. 

1) I^ißvXXa] aißvXla Ant. codd. RM, epitome Joseph!, sybilla vers. Lat. Jo- 
sephi. — 2) Xiyov6cc] ygäcpovaa Euseb. Onom. — 3) bybocpmvav ovtcov t&v &v- 
9'Qä)it(ov] &v9'Qa}7f(ov övrav ofiocpwvcov Ant. cod. 0, o^ocpmvcov övrcav Scv&Qmncov 
Ant. codd. S P, öiiocpmvcov xwv Scv^göancov övriov epit. Jos. — 4) tivsg] tivsg rätv 

&v9'Qwitcov Eus. Onom. — 5) Baßvlrnvcc] ßaßvXiov., Ant. cod. P s. m. 2. 

Auch bei Abydenos, der durch Vermittelung des Polyhistor den 
Berossos benutzte, wie ebendieses Zitat zeigt (vgl. Kap. VI), findet es sich 
wieder, aber in den Kontext ohne Nennung der Sibylle eingearbeitet, 
Erhalten ist uns dieses Abydenosstück bei Eusebios in der Praeparatio 
Evangelica IX, c. 14, p. 416 b und in der Chronik (armen. Übers, bei 



Das Sibyllenexzerpt des Polyhistor bei Abydenos 71 

Karst, Euseb. chron. S. 17, Z. 11—23), aus welch letzterer Kyrillos, 
Contra Julianum lib. I (p. 9D ed. Spanhem) und Synkellos (p. 81, 11 
bis 82, 2 ed. Dind.) wiederum schöpften: 

läßvdrjvov nsQl t^? :tvQyo:zouag}) 

'Ev rfjds^) Isyovöi tovs nQarovg ex yrjg^) ava6i6vtag^) Qcbfiri ts 
xal ^sysd-SL lawa^^evrag^)^ aal di)^) ^s&v'') xaTacpQOVTjöavtag äfisC- 
vovag slvat^), tvQöiv^) rjUßatov^^) asCQSiv^^), tva^^) vvv^^) Baßvlcbv 
s6tLV^^), ijÖT] t£^^) aööov elvui tov ovquvov}^) Kai tovg avsfiovg 
d-solöi ßcod'sovtag^'') avaxQB^ai nsgl avtolöL t6 ^rjxdvrj^a^^)' tov öij 
rä^-') EQsCTCia^^) Uysöd-at BaßvX&va.^^) Tscog ds ovtag 6^oyla66ovg ix 
&€cbv^^) TCokv&QOOv^^) (pcovijv ivECxaöd-ai}^)^) 

1) kßvSrivov TtSQl rfjg TCVQyonoitccs] Sic. Eus. chron. [arm : des Ahidenos vom 
Turmbau], sed. Sync: 'Aßv8r\vov nsql r&v ccvtcöv, Cyr. 'AßvSr\vbs 8b näXiv. Eus. 
praep. 'JßvSrivov (in marg.). — 2) it> f^äs] sie Praep. ev. (cod. 0); Chron. Armen. 
damals, iv rjj drj Eus, Praep. ev. cod. I, iv rf] Sjj (sie!) Sync. cod. A. Correxe- 
runt Evtl S' ol Scaliger, iv rfj 8' (= iv rjj TSvccQTr] suppl. ysvsä) A. v. Gut- 
schmid. Quod non opus est. — 3) iy. yfjg] Praep. ev. — Om. chron. apud omnes testes 
(Vers, arm., Sync, Cyr.)! — 4) &va6x6vtag] om. Chron. vers. arm. ut quae non 
intelligeret omissis ab ipso Eusebio (confer n. 3) verbis iy. yfjg. — 5) Qm^Lj] ts xai 
^isys'&Ei, xo^vvcad-svras] sie Praep. ev., Sync, Cyr., üppig strotzend durch Stärke 
und riesige Leibesgröße Chron. arm. — 6) kccI St]] non praebet Chron. arm. — 
7) d-swv] Praep. ev. et Chron. [vers. Arm. et Cyr.] Falso praebet ■9'srä Syncelli 
codex solus A, qui ipse infra 9solai praebet. — 8) xai 8r} dsmv xata(pQovi]6avtag 
&lisivovag slvcci] Sic Praep. ev. et Chron. apud Sync. et Cyr. Praebet versio 
arm. chroniconrm quae non intellexit textum graecum: bis <^zu dem Ghradey sogar, 
die Götter zu verachten und in Ruchlosigkeit zu verfallen. — 9) tvQOiv] Praep. 
ev. cod. 0. et Cyr., xvqölv quoque Sync. solus cod. A a manu prima, sed ab 
ipsa prima manu ut videtur correctum in zvqgIv ; Turm chron. arm. ; pr. nvgyoDV 
Praep. ev. cod. I. — 10) rjXlßatov] hochzinnigen chron. arm. — 11) ScslgeLv] sie! 
Praep. ev., Cyr. et Sync. [sie cod. A, falso Scsigysiv Goar]; begannen zu erbaicen 
chron. arm. — 12) tva] Praep. ev. et Chron. apud Cyr., ^ Sync. et chron. arm. 
der. — 13) vvv] Praep. ev. cod. I et chron. [jetzt arm.], Si] Praep. ev. cod. 0. — 
14) ißtiv] heißt chron. arm. — 15) t/'^tj rs] rj'd^ ts Sync. cod. A (sie!), und wie 
sie chron. arm. — 16) ijSr] ts aacov slvai tov ovqccvov\ und wie sie (ihn^ bis 
nächst den Himmeln der Götter aufgeführt hatten chron. arm. — 17) &sot6i ßa- 
i)-eovrag] Praep. ev. et chron. [arm.: den Göttern zu Hilfe kommend]; &eol. slßo- 
^sovrag Sync. cod. A, corr. Scaliger; siaoißL^icoQ-iovTccg sive siöoißsi ßcod-iovrccg 
sive slad'sovrag codd. Cyrilli. — 18) xai tovg avsiiovg — [Lrixävtiiia] chron. armen. : 
da stürmten, den Göttern zu Hilfe kommend, die Winde hervor und stürzten zur 
Erde nieder das mechanische Werk der ungeschlachten Riesen. — 19) Si] tu\ Sfixcc 
Praep. ev. cod. I. — 20) igslnia] iglma Sync. A. — 21) tov Si] tu igsinia Xi- 
ys69-ai BaßvX&va] und zu Boden gestürzt, ward es Babilon genannt chron. arm. 
— 22) Q-ediv] 9i(ov Sync. cod. A, corr. Scaliger. — 23) noXv^'QOOv] sie Praep. 
ev. cod. 0, Cyr. et Sync. (sed noXvQ'Q(oov eins codex A), noXvQ^qa Praep. ev. 
cod. I. — 24) ivsi%a6%'ai\ Praep. ev. et Cyr., iviyv.occQ'ai Sync. — 25) tiag — ivai- 
xaffö-at] chron. armen.: Jene waren bis dahin einlippig, einsprachig gewesen; und 
von den Göttern herkommend trat eine vielfache Bedeverwirrung bei den Einhel- 
ligen ein. — 26) Titiivi] titivi Sync. A, corr. Scaliger. 



72 Das Sibyllenexzerpt d. Polyhistor bei Josephos, Abydenos u. Eusebios 

Msxä 8h Kqövo) xal Ttr-^vt^^) övotrlvai vcoks^ov}'') 

27) ftfta — noXenov] ehren, armen.: Und hierauf gerieten Kronos und Titan 
in Kriegskampf miteinander; cm. Cyrillus. 

Vergleichen wir nun die beiden Exzerptoren des Polyhistor mit 
dessen eigenem Text bei Eusebios, so ergibt sich zunächst, daß Jo- 
sephos sich sklavisch an Polyhistor anhält und lediglich die indirekte 
Rede in die direkte umsetzt. Außerdem ersetzt er den Ausdruck des 
Polyhistor ävs^ovg i^icpvötjöavtsg durch dvE^ovg kninipLipavTag. Aby- 
denos springt freier mit dem Zitat um. Er verarbeitet es in den Kontext 
des Berossosexzerptes, läßt die Quellenangabe des Polyhistor kic ZißvXli^g 
weg und ersetzt den Wortschatz des Polyhistor durch andere Ausdrücke 
seiner Pseudo-Ias. Nur eine Angabe hat er mehr als die Sibylle, daß näm- 
lich die Menschen, die den Turm bauten, die TtQ&xoi ix tijg yrjg ava6%6vxBg 
waren. Diese Angabe wird uns unten noch des näheren beschäftigen. 

In einem Punkte weichen jedoch Josephos und Abydenos vom 
Polyhistor bei Eusebios ab. Während Polyhistor bei Eusebios sagt: 
xov 8b 'O'fO'O avs^ovg xä nvQyc) i^cpvö'rjöavxog avaxQSiput avxöv, sind 
es bei Josephos und Abydenos die Götter. Durch die Übereinstimmimg 
dieser beiden unabhängigen Benutzer des Polyhistor und durch die Tat- 
sache, daß der eben angeführte Satz eine grammatische Konstruktion 
nicht zuläßt, werden wir nun gezwungen, mit Goar (1652 in seiner 
Pariser Synkellos -Ausgabe p. 44) als ursprüngliche Lesart des Poly- 
histor herzustellen mit nur ganz leichter Emendation des Textes xovg 
dh d'sovg avE[iovg xg> nvQyG) i(iq)v0YJ0ccvxag ävaxQB%>aL avxbv. Mit A. 
V. Gutschmid noch weitergehend i[iq)v67J6avxug in aficpLöeCGavxag zu 
ändern ist meines Erachtens überflüssig. 

Da es nun durch drei voneinander unabhängige Zeugen, die sehr 
alt sind — Kyrillos schrieb nur hundert Jahre nach Eusebios — , ab- 
solut feststeht, daß Eusebios geschrieben hat xov ds d-sov . . ifi^ivötj- 
öavxog und man dem Eusebios bei seiner sonstigen Akribie eine Text- 
änderung nicht zutrauen darf — er würde dann wohl auch bei Aby- 
denos den Singular statt des Plural eingesetzt haben — , ergibt sich, 
daß Eusebios diese Lesung in seinem Polyhistortext schon vorfand. Da 
nun eine solche Lesart nicht nach Textkorruptel aussieht, vielmehr 
offensichtlich eine monotheistische Korrektur ist, hat Eusebios nicht 
einen echten, sondern einen von einem Juden oder Christen interpo- 
lierten Polyhistortext in Händen gehabt, worauf noch mehr im Kon- 
text des Eusebios hinweist, wie wir in Kap. VI des näheren noch nach- 
weisen werden (vgl. u. S. 155—162). 



Woher hat Polyhistor sein Sybillenexzerpt? 73- 

Nach, dieser Herstellung des echten Polyhistortextes müssen wir 
nun sofort die Frage stellen: Woher hat Polyhistor dies Sibyllen- 
zitat genommen? 

Von vornherein sei nun darauf hingewiesen um die Untersuchung 
nicht irrezuführen, daß die Annahme, die immer wieder von neuem 
auftaucht (so zuletzt W. Bousset, Die Beziehungen der ältesten jüdi- 
schen Sibylle zur chaldäischen Sibylle usw., Zeitschr. f. d. neutestam. 
Wissensch. 1902, S. 23—49, bes. S. 26—29), daß dies Zitat aus Be- 
rossos »elbst stamme, dem klaren Zeugnis des Polyhistor bei 
Busebios (und Josephos), daß er es aus der Sibylle genommen und 
somit in sein Berossosexzerpt selbst eingeschoben habe, widerspricht 
und lediglich — anders kann man es nicht bezeichnen — ein Beweis 
dafür ist, daß man entweder den Kontext des Eusebios schlecht gelesen 
hat oder in völlig unmethodischer Weise mit den Tatsachen leichtsinnig 
umspringt. 

Wir haben uns vielmehr an die Quellenangabe des Polyhistor selbst 
zu halten, daß er das Zitat aus der Sibylle entnommen habe. Bekannt- 
lich ist nun seine Quelle noch in den jüdisch-christlichen Oracula Si- 
byllina, lib. III, v. 97 — 154 (ed. Job. Geffcken in: Die griech.-christl. 
Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte, herausgeg. v. d. Kgl. Preuß. 
Akad. d. Wissensch., 1902) uns aufbewahrt: 

'AkV OTtötav ^sydXoio d'sov tsX^Givxai ccTCsiXaC^ 
ag not 87tr]7tSLkrj6s ßgotolg, öts TivQyov ixEvl^av 
%G)Qri kv ^öövQLjj' o^öipcovoL ö* ^6av äjcavtsg 

100 xccl ßovkovt avaßriv elg ovgavbv aözsQosvta' 

avtCxa d' dd'ävarog ^sydlrjv ensd'rjTCEv dvdyxrjv 
nvtv^aöLV avtaQ snut ävs^ot ^syav vipod^L nvQyov 
QCtl^av xal d'vrjtolöLV hn dkXriXovg sqiv agöav 
tovvEna xoL BaßvXcbva ßQorol tioXel ovvoy,' ed^evxo. 

105 AvtaQ hnsl nvQyog r' B7ce6EV yXä&öai r dvd-Qco:tG)v 

TcavTodttJtatg (pavalöi öiiöXQEtpov, avtaQ ccTCaöa 
yaia ßQotcäv TtXrjQovto fiEQi^ofiEvav ßaöiXsLäv^ 
xal tötE öij ÖExdti] yEVEt} ^EQÖnav dvd-QcoTtcov^ 
i^ ov JiEQ zataxXvö^abg enl TCQotEQovg yEVEx dvÖQug. 

110 Kai ßaöCXsvßE KQÖvog xai Titäv ^IdTCExog ts, 

raCtjg xEKva cpeQLöta aal OvQavov, oDj sxdXEööav 
dvd'QCOTiOi yaldv ts xai ovQavöv^ ovvo^a d'EvtEg, 

OVVSXa tOL JCQG)TL6t0l E6aV (lEQÖTlCOV dvd-QGi7l(OV. 

TQLdöal dij iisQCdsg yairjg xatä hXtjqov ixdötov, 



74 Das entsprechende Stück der jüdischen Sibylle 

116 xal ßaöCXsvßsv sxa0Tog ^xcav ^eqos ovo' ifidxovto' 

OQxoL yccQ X iyivovto ^targos ^sgCösg xs dCxcaai. 
Ti]vlKa dii TcatQog xik^og %pdvoff ixbxo yr^Qag 
xaX Q ^d'avev xal Tcaideg vjtsQßaoCrjv oqxolölv 
dsLvriv Tcoiijöccvxsg kn akXrikovg i'ptv gjqökv, 

120 oj ndvx£66L ßQoxoiöiv ifciv ßaöLXrjCda xl^tjv 

ccQ^SL' aal iiax^ßcivxo Kgövog Tixdv xe %Qog avxovg. 
Tovg dh 'Per] xal Fala (pikoöxscpavog x ^cpQodixtj 
zlrjfi'^xrjQ ^EöxCtj xe iv:il6xa^6g xe ^tcbvrj 
^yayov kg cpiXCrjv öwaysigaöui ßaöLXfiag 

126 ndvxag ddsXcpsiovg xs 6vvaC[iovg rjdh xal aXXovg 

dvQ'QcoJtovg^ o'i t' riGav dtp' a'i^axog rjdh xoxrjcav' 
xal XQlvav ßaöuXria Kqövov Ttdvxav ßaGikaveiv^ 
ovvsxa xoL nQBößiötog sr]v xal sidog aQLöxog. 
"OQXovg d' avte Kgova ^isydkovg Tixdv ETie&rjxsv 

180 (li) d-QSxl;' aQöevLX&v naCdcov ysvog^ (bg ßaöiXevöri 

avxög, oxav yrJQdg xs Kgova xal ^olga 7CEh]xai. 
'0%7t6xs XEV df ^Piri xCxxr}, nagd xi^vS* ixd&rjvxo 
TCxif]V£g xal xdxva ölsötccjv dgcSava ndvxa, 
%-riXEa d\ ^(oovt' eI'ov Tcagä ^rjxgl xgE(ps6%'ai. 

135 !4XX^ oxE xYjv xgixdxTjv ysvsrjv xexe noxvia 'Psrj, 

xCx^-' "Hgriv 7cgd)tr}V' xal ijcsl i'dov 6cp&aXfiol6iv 
d'i}Xv yEVog^ S^ovro Ttgbg avxovg dyguoi ävdgEg 
TCxrjvEg. Kai sTtEixa 'Perj xixsv ixgöEva xalda, 
xbv xaxdcag dUnsfiips Xdd-grj tdirj xe xgi(pE0%^ai 

140 hg Qgvyiiqv xgElg avdgag ivogxovg Kgf^xag iXov^a' 

xovvExd xoi z/t' i7tc)v6(ia6avd'\ 6xirj diE:tE^(pd"rj. 
'^g d' avx(og öibtieiiiI^b TIo6Ei8dava Xad-gaCcog. 
Tb xglxov av nXovxcova 'Piri xexe öla ywamäv 
zia)öd)vrjv Tcagiovöa, ödsv ghv vygd xsXEvd-a 

145 EvgcoTCov Ttoxapioto xal aig aXa ^vgaxo vdag 

afi^iya ÜrjvELa, xaC fiiv 6xvyiov xaXiovöiv. 
'HvCxa d' ^xovGav TCxrjvsg naldag iovxag 
Xdd-gLov, ovg sönEigs Kgövog 'Peltj xe övvEvvog, 
s^rlxovxa da xol 7tal8ag övvayaCgaxo Ttxdv 

160 xal g eI% iv 8E6^ol6i Kgövov 'PeCtjv xe övvevvov^ 

xgv^EV d' EV yaCri xal hv ^coö^otg icpvXaööEv. 
Kai xoxE dtj fiLV dxovöav viol xgaxEgoto Kgövoio 
xaC ot ijf^yaigav nöXa^ov (layav rjdh xvdoifiöv. 
Avxr] d' £(?t' dgxr] ütoXe^ov ndvxE66i ßgoxol6iv. 



Polyhistor hat a. a. 0. die jüdische Sibylle exzerpiert 75 

Vergleichen wir die Sibylle mit Polyhistor, so finden wir, daß 
Polyhistor sie einfach erzerpiert hat, und zwar erst ausführlicher, die 
Verse 109 — 154 tut er aber dann lediglich mit den Worten ab: 'Mstä 
df rbv xatDCJikvö^bv Tiräva %al ÜQo^rjd'Ea ysvsöd-m' welcher Titan 
auch den KriegsJcampf mit Kronos entfachte.' Gelegentlich übernimmt 
er sogar die Worte der Sibylle: 6}io(pd)vcov bvrcov andvtcjv t&v av- 

Nur zwei Differenzen finden sich bei Polyhistor gegenüber der Si- 
bylle. Für 'IccTtstog (v. 110) setzt er nämlich dessen Sohn nQOfirjd-evg 
ein, woran sich die ändernde Hand des Graeculus verrät. (So sehr schön 
J. Freudenthal, a. a. 0. I, S. 26. Wenn übrigens J. Geffcken, Die ba- 
bylonische Sibylle [in Nachr. v. d. Kgl. GeseUsch. d. Wissensch. zu 
Göttingen, Phil.- bist. Klasse 1900, S. 88—102] S. 91 ihm deswegen 
Flüchtigkeit vorwirft, so kann man ihm eine noch größere eigene nach- 
weisen. A. a. 0. S. 92 — 93 ergänzt er den Polyhistor aus Abydenos: 
Mstä de Kq6vg) te xal Turivi övörfivai TCÖXsfiov. Hätte er S. 90 den 
Polyhistor bei Euseb genauer und nicht nur nach Synkellos exzerpiert, 
so müßte er bemerkt haben, daß dies ja tatsächlich im Polyhistor bei 
Euseb steht, allerdings nur beim Armenier erhalten und bei Synkell 
und Kyrill weggelassen ist: Welcher Titan auch den Kriegskampf mit 
Kronos entfachte. Geffckens Mühe war also umsonst!) Außerdem setzt 
Polyhistor an Stelle des dd-dvccTog der Sibylle (v. 101) die d'sol ein. 
Ob dies eine eigenmächtige Korrektur des Heiden Polyhistor oder ältere 
Überlieferung des Sibyllentextes darstellt, können wir jetzt nicht ent- 
scheiden. 

Vorher haben wir vielmehr erst die Frage zu beantworten, an 
welcher Stelle des BerossosexzerptesPolyhistor dasSibyllen- 
zitat eingeschoben hat. Eusebios bietet es nach der Sintfluterzäh- 
lung. Aber er ändert mehrfach die Reihenfolge der einzelnen Stücke 
des Berossosexzerptes und bringt z. B. den Anfang des Exzerptes dep 
zweiten Buches vor dem Exzerpt des ersten Buches der BccßvXcoviaxcc. 
Er bietet eben die einzelnen Stücke des Berossosexzerptes in der Reihen- 
folge, die ihm durch die Erzählungen der Bibel in der Genesis an die 
Hand gegeben wird. Da nun in der Genesis die Erzählung vom Turm- 
bau zu Babel nach der Fluterzählung geboten wird, bringt auch Euse- 
bios das parallele SibyUenexzerpt des Polyhistor nach der Fluterzählung 
des Berossos. Für die Stellung, die Polyhistor dem SibyUenzitat in 
seinem Berossosexzerpt gegeben hatte, beweist also Eusebios nichts. 
(So weit ganz richtig 0. Gruppe a. a. 0. S. 319f. und 682. Wenn er 
aber a. a. 0. auf Grund einer falschen Interpretation der Worte (isrcc 



76 Polyhistor hat d. Sibyllenexzerpt in Buch I d. Berossos eingeschoben 

dh xov xataxlvö^bv Titäva xal ÜQOiirj&acc ytvte^ccL vermutet, daß diese 
Worte besagen sollen, die Turmbaugeschichte falle vor die Flut, so irrt 
er, denn diese Worte sind nur zu verstehen aus dem Kontext der Sibylle 
(Vers 105 — 110) und sind nichts als eine Paraphrase der beiden Sibyllen- 
verse 109 und 110: 

il^ orj %EQ xcctccxXvöfibg im, nQottQovg yivix* ävögag. 
Kai ßaöCkavas Kqövoq xal Tkccv 'Idnerös te, 

nur daß Polyhistor, wie oben gesehen, den bekannteren Prometheus an 
Stelle seines Vaters lapetos setzte.) 

Einen Wink, wo Polyhistor dies Sibyllenzitat eingeschoben hat, er- 
halten wir durch Abydenos. Dieser hat, worauf wir oben schon hinge- 
wiesen haben, das SibyUenzitat in den Kontext des Berossosexzerptes 
eingearbeitet und läßt die Angabe, daß dieses Zitat aus der Sibylle 
stamme, ganz weg. Nun sagt er, daß die TtQ&tot ix y^g ava(?;fdvr€g den 
Turm von Babylon gebaut hätten. Davon steht aber im SibyUenzitat 
des Polyhistor nichts. Also kann er diese Angabe nur aus dem Wort- 
laute des Berossosexzerptes bei Polyhistor haben. 

Die otQütoL ix yrjg avaöxövxsg haben somit den Turm von Babylon 
gebaut. Das sind aber die ersten Menschen. Denn nach Berossos (Frag- 
ment 12) hat Belos die ersten Menschen aus der mit seinem Blute be- 
netzten Erde erschaffen: 

^Idövra de xov Brjlov xä^av SQrjfiov xcci xccQ:t6g)0Q0v xslsvöai ivl 
täv d-Eäv tijv xEq>aXi]v cctpskövti iavtov tä äno^Qvevti ai^axi (pvQä- 
6ai xriv yfjv xal diaTcXaGai ävd^QcoTCovg xal ^rjQia tcc dvvd[i£va xov äsga 
(pigsiv. 

Das ist aber alte babylonische Überlieferung. Im babylonischen 
Weltschöpfungsepos (siehe Ungnad bei Greßmann, Altorientalische Texte 
u. Bilder zum Alten Testam., Bd. I. Texte, 1909, S. 21) Tafel VI, Z. 1—8 
heißt es: 

Als Marduk das Wort der Götter nun hörte, 
Trieb ihn sein Herz, [Kluges'] zu schaffen; 
Seinen Mund auftu£nd, [sagt] er zu Ea, 
[Was] in seinem Herzen ist, gibt er [ihm liund?]: 

6 *Mein (?) Blut will ich sammeln, Bein (?) will ich [hinzufügen?], 
' Will hinstellen Menschen, fürwahr Menschen [...•]• 
'Ich will Menschen erschaffen, die [die Erde] bewohnen; 
^Binen sei der Kult der Götter auferlegt, sie seien [. . . .]/' 



Berossos' Bericht über Mensch enschöpfung u. Gründung von Babylon 77 

In einem altbabylonischen Texte, wo indes nicht von einer erst- 
maligen, sondern einer Neuschöpfung von Menschen die Rede ist, spielt 
Götterblut eine Rolle. Der Text findet sich im VI. Bande der Cunei- 
form Inscriptions, Tafel 5 (vgl. Zimmern, KAT^, S. 497). Hier heißt es 
(Ungnad a. a. 0. S. 21, Anm. 5) in Kol. II: 

'Einen Gott sollen sie schlachten; . . . 
mit seinem Fleisch und Blute . . .* 

Im babylonischen Grilgames-Epos (Ungnad u. Greßmann, Das Gilga- 
mesch-Epos, 1910, S. 8) heißt es bei der Schöpfung des Engidu, des Ge- 
fährten des Gilgames, Taf. I, Z. 83 — 85: 

83 Als Äruru dieses hörte, 

schuf sie in ihrem Herzen ein Ebenbild (?) Anus; 

84 Aruru wusch ihre Hände, 

Lehm Inijf sie ab spie (?) darauf. 

86 [. . .] Engidu, schuf einen Helden, 

einen erhabenen Sproß, eine Heerschar Ninibs. 

Damit dürften die :tQ&toL ix xrig y^ff avaöxovtsg als die ersten von 
Bei aus seinem Blut und Erde erschaffenen Menschen bei Berossos ge- 
nügend erklärt sein. 

Dann muß aber Polyhistor das Turmbauexzerpt aus der Sibylle 
nach der Erzählung der Erschaffung der ersten Menschen, also in die 
Schöpfungsgeschichte bei Berossos eingeschoben haben! Wie kommt 
er nun dazu? 

Wir haben schon in Kap. III und IV, § 1 gesehen, daß nach Be- 
rossos Babylon von Belos erbaut worden ist. Denn einerseits können 
wir dies, wie wir in Kap. III sahen, daraus erschließen, daß nach Be- 
rossos eine BJtCxrLöLs, Wiedergründung, Babylons durch die aus der Flut 
Geretteten erfolgt, und daß der erste Urkönig nach der Schöpfung, 
Aloros, aus Babylon stammt, die xtCöig Babylons also vor ihm, das ist 
aber in den Zeiten der Schöpfung, die durch Belos vollzogen wird, statt- 
gefunden hat. Andererseits bezeugt es direkt Abydenos in Fragm. 13: 
BilXov .... BaßvX&va xdisi nsQißalslv. Daß aber Berossos hierin der 
babylonischen Überlieferung folgt, haben wir in Kap. III gesehen. 

Nun ist aber nach altorientalischer Anschauung mit der Gründung 
einer Stadt stets die Erbauung ihres Tempels verbunden. So heißt es 
denn in dem in § 1 zitierten Lehrgedichte Z. 14: 

Babel wurde gemacht, Esagila vollendet. 



78 Gründungslegende von Babylon nach Berossoa 

Gleichzeitig mit Babylon wurde also sein Tempel Esagila, der 
Tempel des Marduk, d. i. Bei, erschaffen. Das gleiche dürfen wir aber 
auch ohne Bedenken als von Berossos berichtet voraussetzen. Nun ge- 
hört aber untrennbar zu einem babylonischen Tempel und bildet sogar 
seinen Hauptbestandteil die zikkurat, der Stufenturm. Der Stufenturm 
des Tempels Esagila ist aber Etemenanki, der 'Turm von Babel' der 
Bibel. 

Wir haben schon in Kap. IV, § 1 die Angabe des Pseudo-Eupolemos 
(vgl. Fragment 44 a und 44 b des Berossos), daß JSijAog den :;ivQ'yog von 
Babylon erbaut, unbedenklich auf Berossos zurückführen können. Nun 
gewinnen wir auch eine Erklärung dafür, weshalb Pseudo-Eupolemos 
in Fragment 44 a erzählt, die yCyaviss, von denen nach Fragment 44 b 
BiiXog einer war, hätten den Turm erbaut. Die yCyavreg sind nach grie- 
chischem Mythos (so schon Hesiod, Theogonie Vers 183 — 185) Söhne 
der Fala. Sie sind also weiter nichts als die nQätOL ix yfjg ava6%6vxhgj 
die Abydenos am Anfang seiner Paraphrase des Sibyllenzitats des Poly- 
histor erwähnt, wie wir oben sahen, und die er aus Berossos hat, wie 
wir ebenfalls festgestellt haben. Dann werden wir aber auf Grund einer 
Rückübersetzung der Worte des Pseudo-Eupolemos in die Worte des 
Berossos folgern dürfen, daß nach Berossos Bei gemeinschaftlich mit 
den von ihm geschaffenen ersten Menschen, den TiQcbtOL ix yijg dva- 
Gxovxsg, Babylon, seinen Tempel und dessen Stufenturm, sowie seine 
Mauer (Abydenos in dem zitierten Fragment 13 des Berossos) erbaut hat. 

Damit haben wir aber einerseits die Gründungslegende von 
Babylon bei Berossos, also ein schönes neues Stück berossischer 
Überlieferung, wiedergewonnen, andererseits aber auch den Grund 
und die Stelle, weshalb und wo Polyhistor das Sibyllenzitat 
in das Berossosexzerpt einschob, nachgewiesen! 

Nachdem wir so die babylonische Überlieferung über die Erbauung 
des Turmes von Babylon bei Berossos wiederhergestellt haben, können 
wir an die Beantwortung der Frage herantreten: Hat der Verfasser 
des in. Buches unserer Oracula Sibyllina berossisches Gut 
benutzt? 

Wir können diese Frage nur im Zusammenhang mit einer Analyse 
des Inhalts der obigen SibyUenverse beantworten. 

Wie man schon längst erkannt hat, sind in diesem Abschnitt 
zwei disparate Stücke ziemlich lose miteinander verbunden, eine 
jüdische Sage, nämlich die vom Turmbau und der Sprachenverwirrung 
und eine euhemeristische heidnische, aber, gerade weil euheme- 
ristisch, auch für den Juden, der beide Stücke miteinander verschmolz, 



Ist in Or. Sibyll. III, 97—826 Berossos benutzt? 79 

brauchbare Erzählung vom Kampfe des Kronos und Titan. Wie Euhe- 
meros selbst diese Erzählung gestaltet hat, wissen wir nicht, wir be- 
sitzen aus heidnischen Quellen nur noch die Gestalt, die der römische 
Dichter Ennius ihr gegeben hat und auch diese nur in prosaischer 
Wiedergabe durch den Kirchenvater Lactantius (Div, inst. I, 13, 14), die 
nur unwesentlich von der Erzählung des SibyUinisten abweicht (vgL 
Geffcken a. a. 0. S. 95 — 96). Die kleine Abweichung des Berichtes des 
Ennius von der Sibylle, daß lapetos nicht erwähnt wird, dürfte einfach 
darauf beruhen, daß Ennius ihn, der ja in der Erzählung keine Rollfr 
spielt, deswegen ausgelassen hat und ist ebenso wie die kleinen anderen 
Differenzen, die Geffcken a. a. 0. S. 96, Anm. 2 aufzählt, lediglich lite- 
rarischer Art, da zwei Benutzer derselben Quelle diese bekanntlich nie 
gleich wiedergeben. 

Außerdem besitzen wir einen summarischen Auszug aus Euhemero» 
selbst — der Bericht bei Ennius und der Sibylle ist immerhin über- 
arbeitet — bei Diodor VI, Fragment I. In § 1 gibt Diodor selbst an, 
daß er Euhemeros benutzt habe: a:zb rfig EvrjfiBQOv tov Me66if}vCon 
ygaipflg. Interessant ist nun die Nachricht, mit der in § 10 Euhemeros 
die Geschichte weiterführt: z/t« .... iX&övta sig BaßvX&va stcl^svo- 
d-fivaL BTJXß). Der religiöse Synkretismus des Hellenismus setzt 
also schon bei ihm ein. Leider wird in diesem Exzerpt, — ja sogar 
der Text des Diodor selbst a. a. 0. ist uns erst wieder im Auszug er- 
halten — nicht gesagt, auf welche Weise die Herrschaft von Kq6vo§ 
auf Zsvg überging. 

Nachdem wir so die eine Quelle der Sibylle im Anschluß an Geff- 
cken a. a. 0. als in letzter Linie auf Euhemeros zurückgehend erkannt 
haben, bleibt uns nun noch die Bestimmung der Herkunft der anderen 
übrig. 

Man hat vielfach behauptet, daß die Turmbaugeschicht© 
und die Erzählung der Sprachenverwirrung, die die Sibylle 
hier bietet, nicht auf die jüdische uns in der Bibel erhaltene, son- 
dern eine babylonische Erzählung zurückgehe, speziell auf 
eine von Berossos gebotene (0. Gruppe a. a. 0. S. 677 — 683, etwas 
anders J. Geffcken, a. a. 0. S. 89 — 101, der speziell Berossos als Quelle 
annimmt), die einer chaldäischen Sibylle entstamme, die voa 
der jüdischen nur leicht überarbeitet worden sei, und auf die 
die Zusammenschweißung der Euhemeroslegende mit der Ge- 
schichte vom Turmbau und der Sprachenverwirrung schon 
zurückgehe. 

Diese ganze Hypothese steht und fällt aber — wenigstens 



so Die jüdische Sibylle hat nur jüdische Traditionen benutzt 

wie sie bisher begündet worden ist — mit der Annahme, daß die 
Turmbaugeschichte, wie sie die Sibylle in der uns erhaltenen 
Sammlung und dem oben besprochenen Polyhistorfragment 
bietet, babylonisch ist. 

Und diese Annahme wird durch vier Tatsachen zu Fall 
gebracht. 

Einmal ist die Fassung der Turmbaulegende in der Sibylle unbe- 
fltrittenermaßen spezifisch jüdisch. Der Autor, der sie in die euheme- 
ristische Erzählung vom Kampf des Kronos und Titan eingearbeitet hat, 
war also ein Jude. Mit Recht weisen Schürer (Gesch. des jüd. Volkes 
im Zeitalter Jesu Christi IIl*, 1909, S. 584) und H. Gunkel (Genesis 
S. 92 — 101, spez. S. 100) darauf hin, daß alle spezifischen Züge unserer 
•erhaltenen Sibylle von Alexander Polyhistor wiederholt werden, die von 
ihm benutze Sibylle also unsere jüdische war. 

Zum anderen müssen wir — wiederum mit beiden genannten Autoren 
— gegenüber der Annahme, daß in unserer Sibylle nicht die jüdische, 
•sondern — im übrigen eine uns nicht erhaltene — babylonische Turm- 
baulegende benutzt sei, auf die Tatsache hinweisen, daß unsere Sibylle 
alle charakteristischen Züge der biblischen Turmbaulegende [alle 
Menschen haben erst eine Sprache — bauen eine Stadt und einen Turm, 
der bis zum Himmel reicht — Gott verwirrt die Sprachen, so daß sie 
vielsprachig werden — die Stadt wird Babel genannt] in Genesis 11, 
1 — 9 wiederholt, einer Erzählung, die der jahvistischen Quelle des Hexa- 
teuchs angehört, die aber nicht später als das 9., spätestens 8. Jahrhun- 
dert V. Chr. angesetzt werden kann (vgl. H. Cornill, Einl. in d. Alte 
Testam., 5. Aufl. 1905 S. 57, dazu H. Gunkel, Genesis [HKAT 1, 1, 3. Aufl. 
1909, S. LXXXVIII— XCI]), also viel älter als Berossos ist. Nur ein 
Zug der sibyllinistischen Erzählung kehrt in dem biblischen Bericht nicht 
wieder: das Einstürzen des Turmes durch Winde. Nun ist dies aber 
sichtlich ein späterer Zusatz zu der alten Sage, der erst in persisch- 
heUenistischer Zeit entstanden sein kann, als nach der Zerstörung des 
Tempels von Babylon durch Xerxes (vgl. Ed. Meyer, Gesch. d. Altert., 
Bd. ni 1901, S. 131) dieser in Trümmern lag. Aber auch dieser Zusatz 
ist, wie Schürer a. a. 0. S. 584 mit Recht betont hat, jüdisch! Denn 
wir finden ihn in dem in hellenistischer Zeit entstandenen Buch der 
Jubiläen, Kap. 10, v. 26: 'Und Gott schickte einen heftigen Wind gegen 
den Turm und zerstörte ihn auf der Erde, und siehe, er [war] zwischen 
Assur und Babilon im Lande Sinear; und man nannte seinen Namen 
Trümmer.' Dieser Zusatz ist also lediglich ein Beweis dafür, daß unser 
SibyUinist nicht die kanonisch-biblische Turmbausage, sondern eine jü- 



Die jüdische Sibylle hat nur jüdische Traditionen benutzt 81 

disch-helleriistische Bearbeitung derselben benutzt hat. In dieser Zeit, 
etwa 140 v. Chr., schrieb er aber — seil, nur der Autor von unserem 
dritten SibyUenbuch, Vers 97 — 826 — nach jetzt wohl allgemeiner An- 
nahme, vgl. Schürer a. a. 0. S. 571 — 576. 

Der dritte Grund, der die Hypothese eines babylonischen Ursprungs 
der hier vorliegenden Legende vom Turmbau und Sprachenverwirrung 
zu Fall bringt, ist aber, daß die Legende vom Turmbau zu Babel gar 
nicht von einem Babylonier erfunden sein kann. Denn die Spitze dieser 
Legende, daß der Turm durch Göttergewalt umgestürzt sei, ist entschieden 
babylonfeindlich, wie man von jeher bemerkt hat. Außerdem ist die Ab- 
leitung des Namens ^53 von hebr. bb3 = verwirren, — wenn sie auch falsch 
ist wie fast aUe Volksetymologien und wie auch die sonst im Alten Testa- 
ment sich übrigens ziemlich zahlreich findenden derartigen Namenser- 
klärungen, — doch spezifisch hebräisch. Denn ein Babylonier konnte 
einerseits diese Etymologie, die doch direkt beleidigend für ihn wirken 
mußte, nicht erfinden, und andererseits war ihm die Bedeutung des Na- 
mens Bab-ili Tforte Gottes' doch wohl jederzeit geläufig! Kann somit 
die Turmbaulegende nicht auf babylonischen Urprung zurückblicken, 
so muß sie jedoch von jemand — denn ein Mann ist logischerweise in 
letzter Linie auch der Erfinder oder besser Dichter jeder Sage, wenn er 
auch für uns unbekannt ist — erfunden sein, der Babylon gut kannte. 
Denn in der Bemerkung in Gen. 11, 4: 'Wohlan, wir wollen uns eine 
Stadt bauen und einen Turm, dessen Spitze bis an den Himmel reicht', 
woher das xal ßovlovt avccßfjv sig ovQavhv ccßtSQOsvtcc der Sibylle 
V. 100 und daraus wieder das ÖTCcag slg tbv o-ÖQavbv avaßaöL des Poly- 
histor stammt, steckt eine unverhüllte Anspielung auf den sumerischen 
(nichtsemitischen, aber nie durch einen semitischen ersetzten) Namen 
des durch Br. Meißner und F. H. Weißbach unter dem Ruinenhügel 
Sachn nachgewiesenen (vgl. Weißbach, Stadtbild von Babylon, AO 5, 
S. 22 — 24) und jetzt auch in seinen spärlichen Resten von der deutschen 
Expedition in Babylon endlich ausgegrabenen Stufenturms E-temen-an- 
ki, d. i. 'Haus des Grundsteins von Himmel und Erde.' Die babyloni- 
schen Könige Nabupalossor (625 — 605 v. Chr.) und Nabukodrossor II. 
(604 — 562 V. Chr.) gebrauchen übrigens in ihren Urkunden über die 
Erneuerung dieses Turmes die Worte: 'Etemenanki . . . dessen Spitze bis 
an den Himmel reichen sollte/' (Weißbach ebendas.) 

Vollständig hinfällig wird aber die Hypothese, daß die Turmbau- 
iegende der Sibylle auf Berossos zurückgehe, viertens schließlich da- 
durch, daß die genuine Schöpfungslegende von Babylon bei Berossos, 
wie wir sie oben zurückgewonnen haben, ganz anders lautete. 

Schnabel: Proleg. u. Kommentar z. d. Babyloniaka d. BerossoB 6 



82 Spuren von Berossos in den jüdischen Sibyllinen nicht nachweisbar 

Diejenigen Punkte, an die sich die Verteidiger einer chal- 
däischen Quelle derTurmbaugeschichte der jüdischen Sibylle 
noch anklammern, sind nun noch folgende: 

Einmal die Erwähnung der dexcctr] ysvsd nach der Sintflut, v. 108 
[Geffcken a. a. 0. S. 93]. Indessen berichtet Berossos, auf den sie zu- 
rückgehen soll, in Fragment 44 über die 10. Generation nach der Flut 
etwas ganz anderes als unser Sibyllen buch. Außerdem gehört sie in den 
Zusammenhang der Kronos-Titan-Legende. Wie der Siby Hinist zu dieser 
Erwähnung kam, kann uns also gleichgültig sein. 

Zum anderen die bereits erläuterte Tatsache, daß Alexander Poly- 
histor in seinem Sibyllenzitat d^sol als Zerstörer des Turms anstatt des 
^sög unserer Sibylle bietet. Daß dieser Faden aber viel zu schwach 
ist, und daß hier eben dem Heiden Polyhistor ein Fehler beim schnellen 
Exzerpieren unterlaufen ist, haben wir schon oben gezeigt. Übrigens 
würde dieses d'sol für d-ebg doch nur im allgemeinen für eine heidnische, 
nicht spezifisch für eine chaldäische Sibylle als Quelle des Polyhistor 
sprechen. 

J. Geffcken hat nun schließlich in seinem schon mehrfach zitierten 
Aufsatz geglaubt, zwei Anklänge im V. Buch unserer Oracula 
Sibyllina an Berossos nachweisen zu können. Von vornherein sei 
aber hier betont, daß dieses Buch sicher jünger ist und einen anderen 
bzw. andere Verfasser hat als Buch III! (Vgl. E. Schürer a. a. 0. S. 581 
bis 582.) Die Benutzung in diesem Buche würde also nichts für Buch III 
beweisen. 

Die beiden Stellen, die Geffcken anführt, sind folgende (Geffcken 
a. a. 0. S. 99-100). 

In Buch V, V. 242 — 256 wird von der Sibylle die Aussendung der 
Vögel durch Noah während der Flut in folgender Reihenfolge erzählt: 
Taube, Taube, Rabe, während im biblischen Sintflutbericht (Genesis 
Kap. 7) der Rabe an erster Stelle genannt wird. Darin, daß der Rabe an 
dritter Stelle genannt wird, erblickt Geffcken eine Reminiszenz an den 
keilinschriftlichen Sintflutbericht (Gilgames-Epos, Tafel XI, Z. 146—155), 
nach dem die Vögel in folgender Reihenfolge ausgesandt werden : Taube, 
Schwalbe, Rabe, der Rabe also auch an dritter Stelle steht. Indes ist 
diese Übereinstimmung tatsächlich unwesentlich, trotz Geffckens Ein- 
spruch a. a. 0. S. 99. Eine Entlehnung aus dem Sintflutbericht anzu- 
nehmen, würde ich erst bereit sein, wenn die im biblischen Bericht nicht 
erwähnte Schwalbe vom SibyUinisten mitgenannt würde. Berossos, der 
der Mittelsmann zwischen dem Keilschriftbericht und dem SibyUinisten 
nach Geffcken sein soll, berichtet außerdem nur im allgemeinen von der 



Die 'berosische Sibylle' 83 

AuBsendung dreier Vögel, und im Flutbericht scheint der Polyhistor ihn 
sehr genau ausgeschrieben zu haben. Der SibyUinist hat eben lediglich 
die biblische Reihenfolge der Vögel umgekehrt. 

Außerdem führt Geffcken für eine Entlehnung des Sibyllinisten 
aus dem Keilinschriftbericht durch Vermittelung des Berossos die Tat- 
sache an, daß in beiden (Sibyll. lib. V, v. 230 — 241 und Gilgames-Epos, 
Tafel XI, Vers 136—139) Flutbeschreibungen das Entsetzen des Flut- 
helden geschildert wird, das er beim Ausblick aus der Luke seines Fahr- 
zeuges auf den Umfang der Überschwemmung empfindet. Das ist aber 
auch das einzige Gemeinsame! Tatsächlich stimmen die beiden Berichte, 
wenn man sie bei GeflPcken a. a. 0. S. 100 miteinander vergleicht, absolut 
nicht überein. Übrigens fehlt bei dem Mittelsmann Berossos gerade 
wieder das entsprechende Stück, ohne daß wir einen Schatten des Be- 
weises dafür hätten, daß der Polyhistor hier den Bericht des Berossos 
gekürzt habe. Man wird sich also mit der gewiß nicht unwahrschein- 
lichen Annahme beruhigen können, daß der Verfasser des keilinschrift- 
lichen Sintflutberichts und der Verfasser des V. Buches der Oracula 
Sibyllina unabhängig voneinander auf die durch den Stoff sehr nahe- 
gelegte Idee gekommen sind, das Entsetzen des Geretteten zu schildern. 

Wir haben so gezeigt, daß die Annahme, daß der jüdische 
SibyUinist die Turmbaulegende einer nichtjüdischen, speziell 
chaldäischen Sibylle verdankt, haltlos ist. Ebenso war Geffckens 
Versuch, in dem viel jüngeren V. Buch der Oracula Sibyllina eine Be- 
nutzung des Berossos zu erweisen, als verfehlt zu bezeichnen. 

Gänzlich unabhängig hiervon ist jedoch meines Erachtens die 
Annahme, daß der jüdische SibyUinist eine ältere chaldäische 
Sibylle benutzt habe, auf anderem Wege beweisbar. 

Prüfen wir zunächst das bisher für diese Annahme vorgebrachte 
weitere Beweismaterial. 

Bei Moses von Khoren, im ersten Buch seiner armenischen Ge- 
schichte, Kap. 6 — die Frage, ob er oder ein Späterer dieses Geschichts- 
werk verfaßte, ist für unsere Untersuchungen ohne Bedeutung — lesen 
wir folgendes (ich benutze die Übersetzung Vetters in Theologische 
Quartalschrift 1892 S. 465 ff.): 

'Aber ich will jetzt mich freuen, indem ich den Anfang meiner vor- 
liegenden Erzählung mit meiner teuren und über viele hinaus wahrhaftig 
redenden herosischen Sibylle mache. Ehe der Turm war, sagt sie, und 
ehe die Bede des Menschengeschlechts vielsprachig war, und nach der Fahrt 
des Xisuthros nach Armenien, waren Zrwan und Titan und Japetosthe 
die Fürsten der Erde. [Biese scheinen mir Sem, Cham und Japheth zu 



84 Die 'berosiache Sibylle' 

sein.] Und da dieselben, sagt sie, die ganze Wdt unter ihre Herrschaß 
verteilen, so gewinnt die Oberhand und Herrschaft sogar über beide Zrwan. 
[Von diesem Jiat irgendwo der Magier Zradascht, der König der Baktrer, 
d. i. der Meder, gesagt, daß er der Anfang und Vater der Götter sei. 
Und noch vieles andere hat er über ihn gefabelt, was zu wiederholen mir 
jetzt ungelegen ist.] Da nun Zrwan, sagt sie, gewalttätig wurde, traten 
ihm entgegen Titan und Japetosthe, zum kriegerischen Kampf gegen ihn 
reizend, weil er seine Söhne zu Königen über alle zu tna^hen gedachte. 
Und in dieser Verwirrung raubte, sagt sie, Titan einen Teil vom Erb- 
gebiete Zrwans. Nun tritt ihre Schwester Astlik daztviscJwn und beredet 
sie, die Empörung aufzugehen, und sie nehmen es an, daß Zrwan König 
Heibe, schließen aber einen Vertrag mit Bündnis und Eid untereinander: 
jedes männliche Kind, das dem Zrwan geboren würde, zu töten, damit er 
nicht durch sein Haus über sie herrsche. Darum beorderten sie starke 
Männer aus den Titanen über die Geburten seiner Frauen. Und nachdem 
sie zwei getötet hatten, weil das eidliche Bündnis zurecht bestand, so kommt 
von da an ihre Schwester Astlik mitsamt den Frauen Zrwans auf den 
Gedanken, einige aus den Titanen zu bereden, daß sie die anderen Kinder 
am Leben lassen und nach Westen geleiten sollen, auf einen Berg, den sie 
fGötterwurf mit Namen nannten, der aber jetzt Olympos heißt.' 

Moses hat bekanntlich sehr trübe Quellen benutzt, die wir nicht 
zu kontrollieren vermögen. Vetter sieht seine Quelle (Geffcken a. a. 0. 
S. 97, Anm. 2) für dieses Kapitel in einem syrischen Anonymus, den Moses 
in Kap. 5 anführt. Indes mögen nun die obigen Abweichungen der 
Sibylle des Moses von unserer erhaltenen durch die Benutzung von 
Mittelquellen zu erklären sein, auf die z. B. der Name Japetosthe auch 
zurückzuführen wäre, der, wie 0. Gruppe a. a. 0. S. 681 gesehen hat, 
auf ein lächerliches Mißverständnis von v. 110 des III. Buches unserer 

SibyUe: 

xal ßccöCXsvös Kgövog not Tiräv 'IdnBtög xs 

zurückgeführt werden muß, in letzter Linie liegt doch wohl eine echte 
SibyUinensammlung zugrunde, die, wenn auch eng verwandt mit der 
unsrigen , so doch mehr bot als die uns erhaltene, so z. B. den Berg 
^Götterwurf, d. i. Olymp (vgl. Geffcken a. a. 0.). 

Vor allem bleibt unerklärt, wie Moses dazu kam, seine Sibylle als 
*berosische Sibylle' zu bezeichnen. Man konnte dies so erklären, daß 
er in Eusebs Chronik — die er fleißig benutzt und überarbeitet hat, 
auf sie dürfte wohl auch die Erwähnung des Xisuthros zurückgehen — 
sah, daß sich mitten unter den dortigen Berossosexzerpten ein Sibyllen- 



BeroBSOB und die chaldäische Sibylle 85 

zitat fand, das er infolge ungenauer Lektüre für berossisch hielt und 
daraus eine berossische Sibylle konstruierte. 

Indes diese Erklärung ist unmöglieli, denn wir finden die 'berosi- 
sclie Sibylle' noch anderweitig. 

Pausanias überliefert uns in Buch X, c. 12, 9 folgende Nachricht: 

^EnEXQKcpri de xal vötsqov XT]g /drj^övg nagä 'EßQuCoLg totg vtisq 
XTJg TlaXaiörCvrig yvvr] igriöiioXoyog^ bvo^cc de avtfj ZIccßßrj. BrjQcoäov öh 
elvuL TtaxQog xal ^EQV^ccvd-rjg ^rjXQÖg cpccöi Uäßßrjv ol de ccvx^v Baßv- 
kcavCccv^ exeQOi de ECßvXXav xaXovöi Aiyvjcxiav. 

Zwar bieten die Codices des Pausanias statt Btjqcööov die Form 
Btjqööov. Dies ist indes lediglich handschriftliche Variante des Na- 
mens, die sich in unseren Berossosfragmenten 20 (vgl. n. 1), 21 (vgl. n. 1), 
53 (vgl. n. 2), 58 (vgl. n. 19) auch findet. Daß indes hier wirklich 
unser Historiker Berossos gemeint ist und man nicht mit Tümpel (Art. 
BrjQoöog bei Pauly-Wissowa, RE*, Bd. III, 1. Hälfte, 1899, Kol. 309) aus 
der Form BriQoöog auf eine von unserem BrjQcsGöög verschiedene Persön- 
lichkeit schließen darf, zeigt folgendes Zitat aus der pseudojustinischen 
— vielleicht mit Draeseke (vgl. jedoch Jülicher in Pauly-Wissowa, RE* 
I. Bd., 2. Hälfte, 1894, Kol. 2843, Art. ApoUinarios von Laodikeia) dem 
ApoUinarios von Laodikeia (4. Jahrh. n. Chr.) zuzuschreibenden — Co- 
hortatio ad Graecos, c. 37, 3: 

TavxTjv (seil, xyjv ElßvXXav) d\ itc BaßvXävog aQfiijöd'aL (pct6i^ 
BrjQioööov xov xijv XaXdatariv 'löxoQi'av yQcciljavxog %'vyaxeQa ovöav. 

Pausanias hat nun seinen Sibyllenkatalog, dem das obige Zitat 
entstammt, gelegentlich seiner Beschreibung von Delphi in Buch X 
eingeschoben. Dies führt darauf — wie Ed. Maaß in seiner Disserta- 
tion De Sibyllarum indicibus, Greifswald 1879, S. 20 ff. näher begründet 
hat — , daß Pausanias — und auch wohl der mit ihm indirekt zuletzt 
doch aus derselben Quelle schöpfende Pseudo -Justin — das von Ste- 
phanus Byz. s. v. üaQvaeGog erwähnte Buch des Alexander Polyhistor 
neQi xov ev ^eXcpotg xqyiöxtiqCov benutzt hat, in welchem also der, wie 
wir oben sahen, mit der Sibylle vertraute Polyhistor einen Sibyllen- 
katalog gegeben hat. Wenn Gruppe a.a.O. S. 685, n. 14 gegen die Be- 
weisführung von Maaß, daß diese Schrift des Polyhistor die Quelle des 
Pausanias war, einwendet, daß gerade die von Alexander gelesene Si- 
bylle nicht bei Pausanias vorkommt, nämlich die babylonische, so geht 
er von der irrigen Anschauung aus, daß Polyhistor in dem zu Anfang 
dieses Kapitels eingehend behandelten Fragment bei Eusebios die baby- 
lonische Sibylle (vgl. Gruppe a. a. 0. S. 677—683, spez. S. 683) be- 
nutzte. Daß aber Polyhistor nicht diese, sondern die uns noch erhaltene 



86 Märchen, daß Berossos Vater der Sabbe, der chaldJiischen Sibylle 

jüdische Sibylle benutzte, haben wir oben nachgewiesen. Damit wird 
der von Gruppe erhobene Einwand hinfällig, ganz abgesehen davon, daß 
er falsch ist, denn Pausanias erwähnt ja in unserem obigen Zitat bei 
Pausanias die babylonische Sibylle und identifiziert sie mit der hebräi- 
schen: OL Sl avtijv BaßvXavCav . . . xalovöi. 

Nach dieser Überlieferung des Polyhistor bei Pausanias 
und bei Pseudo-Justin war also Berossos, unser Verfasser der 
BaßvXcjVLuxcc, Gemahl der 'EQv^dvd-rj und Vater der ZJdßßrj. 
Diese war nach einigen die hebräische, nach anderen die babylo- 
nische, noch nach anderen die ägyptische Sibylle. 

Daß das ein Märchen oder vielmehr eine der vielen in hellenisti- 
scher Zeit erfundenen Fabeleien ist, muß man Ed. Schwartz (Pauly- 
Wissowa, RE*, III, 1, Kol. 316) unbedingt zugestehen, und es zeugt 
von zu großem Vertrauen zur Überlieferung, daß E. Maaß die Angabe, 
die Frau des Berossos habe 'EQV[idvd-7] geheißen, für geschichtlich hält, 
indem er diese eine Notiz aus dem Zusammenhang willkürlich heraus- 
reißt, die doch sichtlich nicht mit der Überlieferung über Berossos, son- 
dern mit der Sibyllensage zusammenhängt! 

Wie ist aber seine Entstehung zu erklären? 

Ed. Schwartz meint a.a.O. Kol. 316, dieses Märchen sei aus den kos- 
mologischen Kapiteln der BaßvXaviaxd herausgewachsen. Diese Er- 
klärung ist nicht hinreichend. Man könnte sich vielleicht denken, daß 
Berossos um seiner kosmologischen Kapitel willen vom Verfasser einer 
Sibylle zitiert oder besser ausgenutzt worden ist; wie aber Berossos 
wegen seiner kosmologischen Kapitel zum Vater einer Sibylle geworden 
sei, das läßt sich offenbar doch erst durch verschiedene Mittelstationen 
der Entwickelung der Legende erklären. Denn Berossos selbst hat die 
Sibylle nicht erwähnt, das geht, wie wir bereits zeigten und auch E. 
Schürer a.a.O. S. 584 mit Recht betont, unzweifelhaft daraus hervor, daß 
Polyhistor das Zitat aus der jüdischen Sibylle in ihn einschiebt, was er 
nicht nötig hatte, wenn Berossos selbst die Sibylle erwähnte oder zitierte. 

Man könnte die Deutung versuchen, die wir bereits oben zur Er- 
klärung der Zitierung der berossischen Sibylle durch Moses von Kho- 
ren als möglich erwähnt hatten, daß ein unachtsamer Leser das von 
Polyhistor in sein Berossosexzerpt eingeschobene Sibyllenzitat für dem 
Berossos angehörig hielt — was durchaus nicht unmöglich ist — und 
daraufhin Berossos in Verbindung mit der hebräischen oder babyloni- 
schen Sibylle brachte, also die obige Fabel erfand. Indes scheitert diese 
Erklärung daran, daß Polyhistor selbst die Quelle des Pausanias allem 
Anscheine nach ist. 



Hat eine chaldäische Sibylle Berossos benutzt? 87 

Dann bleibt nur noch die Erklärung übrig, die im Prinzip 
richtig, in der Beweisführung jedoch falsch, wie wir sahen, unter den 
neueren Gelehrten O.Gruppe (a.a.O. S. 696, Anm. 23), A. v. Gutschmid, 
J. Geffcken, Ed. Schwartz aufgestellt haben, daß die Bezeichnung 
des Berossos als Vaters der Sibylle daraus entstanden ist, daß 
der Autor derselben — Pausanias läßt uns die Wahl zwischen 
der hebräischen, babylonischen und ägyptischen — die Tra- 
ditionen des Berossos benutzte und somit aus dieser Tatsache, 
daß also Berossos literarisch quasi der Vater der Sibylle war, dies Mär- 
chen herausgesponnen worden ist. 

Indes haben wir aber bereits dargelegt, daß in den uns erhaltenen 
Resten der jüdischen Sibyllinen nichts von einer Benutzung des Be- 
rossos nachzuweisen ist. Nun benutzte der Polyhistor eben unsere 
hebräische Sibylle. Daraus geht jedoch hervor, daß er nicht der Erfinder 
des obigen Märchens war, sondern es schon vorfand. 

Hat aber die jüdische Sibylle den Berossos nicht benutzt, 
BD bleibt uns nur die Annahme übrig, daß eine babylonische, 
chaldäische Sibylle den Berossos benutzte, die also von unserer 
erhaltenen hebräischen verschieden war, aber — da sie, wie oben von 
Polyhistor bei Pausanias mit ihr identifiziert wurde — literarisch eng 
mit ihr verwandt gewesen sein muß. 

Können wir nun nachweisen, daß eine chaldäische mit unserer er- 
haltenen hebräischen literarisch eng in Beziehung stehende chaldäische 
Sibylle existiert hat, die den Berossos benutzte? Ich glaube die 
Frage trotz meiner negativen Kritik an den Gründen, die bisher vor- 
gelegt worden sind, bejahen zu können, möchte indes von vorn- 
herein betonen, daß ich die folgenden Ausführungen bei dem gewissen 
hypothetischen Charakter, der ihnen bei der Menge von Fehlerquellen 
anhaftet, die es bei der Rekonstruierang nicht erhaltener Quellen gibt, 
nur mit allem Vorbehalt aufgefaßt wissen möchte. 

Wir haben eben die Forderung aufgestellt, daß eine chaldäische 
Sibylle existiert hat, die von der jüdischen erhaltenen verschieden war 
und den Berossos benutzte. Es ist nun allgemein zugestanden, daß die 
jüdischen SibyUinen entstanden sind in Anlehnung an die heidnischen, 
daß die jüdische Propaganda sich der Form der heidnischen Sibyllinen 
bediente, um sie für ihre Zwecke zu verwerten. Daß aber das älteste 
uns erhaltene Stück jüdischer Sibyllinendichtung, nämlich Buch III, v. 97 
bis 829, das, wenn auch überarbeitet, so doch im Grundstock einheitlich 
ist, in Anlehnung an eine babylonische Sibylle entstanden ist, bezeugt sie 
selbst ganz deutlich, wie Geffcken (a. a. 0. S. 19) erkannt hat, v. 809 — 811: 



88 Heidnische Reste in Orac. Sibyll. III, 97—826 

Tavtd 0OL ^AöövQLTjs BaßvXoiVia rUxea fiaxQcc 
810 oioTQOfiav^g JtQoliTCovöa, ig 'Ekldda 7iE}i:t6[isvov tivq 

xäöi stQO(prjrevov0cc dsöv ^rjviiiara d^vrjTolg xrX. 

Wenn man diese Verse allein liest, würde man sie für einer chal- 
däischen Sibylle entnommen halten. Im Zusammenhang der hebräi- 
schen Sibylle können sie aber nur den Zweck haben, die neuen jüdi- 
schen Sibyllensprüche unter dem Deckmantel der bekannten chaldäi- 
schen-babylonischen in Kurs zu setzen. Daher die Identifikation der 
hebräischen mit der chaldäischen Sibylle bei Pausanias-Polyhistor! 

Können wir nun wenigstens den Wahrscheinlichkeitsbeweis er- 
bringen, daß in dem uns erhaltenen ältesten Stück jüdischer Sibyllen- 
dichtung sich Spuren der Benutzung einer älteren heidnischen, speziell 
chaldäischen, babylonischen Sibylle finden? 

Wenn in dem Stück Oracula SibyUina III, v. 97 — 826 etwas nicht 
jüdischen, sondern heidnischen Ursprungs ist, so ist das der Kampf des 
Kronos und Titan und ihrer Söhne. Wie der jüdische Sibyllinist das 
in seine oracula aufzunehmen Anlaß gehabt hätte, wenn er es nicht 
schon in einer von ihm benutzten heidnischen Sibylle vorfand, würde 
wohl niemand erklären können. Aber da könnte man den Einwand er- 
heben, daß dies Stück, wenn es nicht in eine jüdische Sibylle paßt, 
doch auch nicht in eine babylonische Sibylle passe. Demgegenüber ist 
jedoch zu betonen, daß die Sibyllendichtung doch nur eben eine dich- 
terische Einkleidungsform des Inhalts ist, und daß der Dichter der ba- 
bylonischen Sibylle sehr wohl ein Grieche gewesen sein kann, der baby- 
lonische Traditionen des Berossos benutzte, mit hellenistischen ver- 
mengte, den neuen Namen, der in der damaligen Zeit sicher gegenüber 
den älteren einheimischen erythräischen usw. Sibyllen Aufsehen erregen 
mußte, auf Grund des benutzten babylonischen Materials erfand — 
und wohl auch schon selbst das schöne Märchen von der Vaterschaft 
des Berossos zu seiner Sibylle. Doch dies ist selbstverständlich nur ein 
Erklärungsversuch ! 

Wenn aber die Geschichte von Kronos und Titan einer babyloni- 
schen Sibylle entstammt, die babylonische Sagen mit derartigen helle- 
nistischen euhemeristischen Geschichten mengte, wie kam dann der jü- 
dische Sibyllinist dazu, diese Geschichte mit der Erzählung seiner Lite- 
ratur vom Turmbau zu Babel und der Sprachenverwirrung zu verbinden? 
Doch ofienbar weil in seiner Vorlage, der babylonischen Sibylle, diese 
hellenistische Geschichte mit einer der jüdischen analogen babyloni- 
schen Sage verbunden war! 



Analyse der Sage vom Turmbau und Sprachenverwirrung 89" 

Nun kennen wir nach den obigen Ausführungen die Form der ba- 
bylonischen Turmbaulegende bei Berossos und wissen, wie gänzlich 
verschieden sie von der jüdischen war! Wollten wir aber annehmen, 
daß sie durch die biblische Turmbaulegende verdrängt worden sei, so 
müssen wir sofort fragen: In welcher Verbindung könnte denn diese 
babylonische Turmbaulegende von dem babylonischen Sibyllinisten mit 
der hellenistischen euhemeristi sehen Erzählung vom Kampf des Kronos^ 
und Titan und ihres Geschlechts gebracht worden sein? Ich wüßte 
keine logische Verbindung beider Erzählungen, wenn nicht zwischen 
beiden eine andere verbindende Sage ausgefallen ist! 

Bekanntlich zerfällt die jüdische Erzählung vom Turmbau zu Babel 
in zwei Sagenmotive: in die Erzählung vom Turmbau selbst und in die 
Erzählung von der Entstehung der verschiedenen Sprachen,, 
der diaCQSöLg rav yXoßöav. Letztere kann sehr wohl eine ursprüng- 
lich selbständige Sage gewesen sein und ist allgemein menschlichea 
Charakters, nicht genuin hebräisch wie die mit ihr im israelitisch-jüdi-^ 
sehen Sagenkreis verbundene Sage vom Turmbau zu Babel. Läßt sich 
nun die Sage von der diaLQs6ig räv yXaööav außerhalb des israelitisch- 
jüdischen Sagenkreises nachweisen ohne Verbindung mit der Turmbau- 
legende, etwa gar bei Berossos? 

Bevor wir diese Frage beantworten, müssen wir darauf hinweisen, 
daß die diaiQSöLg t&v yXaööiöv in der Sibyllentradition eine große Rolle 
spielt, wie wir aus der nachfolgenden Angabe ersehen, die ein Scholion 
zu Piatons Phaidros (p. 315 Bekker) aufbewahrt hat: 

UCßvXXaL fisv yeyövaöL dexa, av ^Qarrj ovofia Z!a(ißr]d-rj. XaXdaCav ds 
fpaOiv avxriv ol tcccXkloI Xöyoi^ ol 8a ^äXXov 'Eßgaiav xal di) xal svl rav 
TiaCdcov xov JSäs sig yvvalica o:()^oc>'9"^vai, xccl övvsLöeXd'SiV avta xs xal 
xoig aXXoig iv xi] xtßaxa. Tavxrjv xal xä 71£qI xfjg TtvQyonouag 'iQ^^ii(p8fi6aC 
(paöi xal 00a xolg xovxcov övvsßrj xüXiiT^y^öt dh TtQo rijs ÖLaiQBöecog xg>v 
yXc366G)v ysvo^evrjv yXchöör} (paöi xä xQV^f^ojörjd-svxa xfj 'EßgatÖL xxX. 

Der Kernpunkt dieser ganzen Erzählung ist die Angabe, daß die 
Sibylle — die nach den naXaiol Xöyoi, nach den älteren Nachrichten 
chaldäische, also erst später die hebräische genannt wurde — mit 
ihren Weissagungen schon vor der Zeit der diaCQSöig xCbv yXaöaäv be- 
gonnen habe. Diese Angabe dürfte wohl die älteste sein, die aber schon 
von einer nichthebräischen Sibylle, also der chaldäischen, ausgesagt 
worden sein kann, und aus ihr haben sich dann die weiteren Angaben, 
die sich natürlich alle als durch die spätere Identifizierung mit der he- 
bräischen Sibylle entstanden erklären lassen, herausentwickelt, daß die- 
Sibylle schon zur Zeit der Sintflut lebte usw. 



90 Sprachenverwirrung und erster Streit der Menschen 

Als ältesten Kern obiger Notiz erkennen wir somit folgendes: 

2JCßvXXa . . . ri ovo^a 2Ja^ßi]d-i^. XaXdaCav öi (paöiv avt^v oi 7t a- 
Xaiol koyoi. iQriö^adfiöai d\ tcqo r^g diaiQEöecog xav yXaöö&v. 

Wir erkennen so die Wichtigkeit der dia(Q£0ig tav yXaöaäv für 
die Sibyllendichtung ! 

0. Gruppe hat (a.a.O. S.679 — 680) darauf aufmerksam gemacht, daß 
«in Zug der sibyllinischen Erzählung vom Turmbau und der Sprachen- 
verwirrung sich nicht in der jüdischen Gestalt dieser Erzählung wieder- 
findet, weder in der altisraelitischen in Genesis c. 11, noch in der jü- 
disch-hellenistischen im Buch der Jubiläen c. 10, daß nämlich die 
^lalQsöig täv yXcaööciv entstanden sei auf Veranlassung der Winde, die 
Streit zwischen den Sterblichen verursachten: 

. . . avxaQ sjteiT ava^oi fisyav vifjöd'L nvgyov 
lOS QCrpav xal d^vrjtolöiv hii aXXriXovg sqlv GjQöav. 

Dieser Streit bildet aber, wie 0. Gruppe (a. a. 0. S. 679 — 680) ge- 
sehen hat, das Bindeglied mit der dann folgenden Erzählung vom 
Kampfe des Kronos und Titan, denn dieser war der erste Krieg der 
Menschen, v. 154: 

Avtrj d' 66t' aQxrj noXi^iöv Jtdvtsööi, ßgorotöiv. 

Diese Angabe in^ aXXriXoig sqiv wgöav kann aber der jüdische Si- 
byllinist, da er sie in seiner eigenen Literatur nicht vorfand, und sie 
andererseits mit der bei der babylonischen Sibylle, wie wir gesehen 
haben, vorauszusetzenden Geschichte von Kronos und Titan derart eng 
verbunden ist, ebenfalls nur der babylonischen Sibylle entnommen haben. 
Dann stand aber eine Version der Sage von der Sprachenverwirrung 
ebenfalls in der babylonischen Sibylle, da ja die Angabe in* äXXi^Xovg 
■€Q(,v G)Q6av auch zu ihr gehört. 

Da ist es nun kein Zufall, wie 0. Gruppe a.a.O. (bes. n. 8) gesehen 
hat, daß diese Verbindung des ersten Streits der Menschen mit der 
diaCgsöLg r&v yXc366a)v sich in dem einzigen aus dem klassischen Alter- 
tum erhaltenen Bericht über die Entstehung der Vielsprachigkeit und 
des ersten Streites der Menschen wiederfindet, nämlich bei dem Gram- 
matiker Hyginus, Fabula 143: 

Homines ante secula multa sine oppidis legibusque vitam exegerunt 
mfia lingua loquentes suh Jovis imperio. Sed postquam Mercurius sermones 
hominum interpretatus est, unde hermeneutes dicitur, [id est] interpres 
(Mercurius enim graece Hermes vocatur), [et] idem nationes distrihuit, tum 
discordia inter mortales esse coepit. 



Hygin benutzt Berossos 91 

Woher hat Hygin dies Fragment? (Gruppe geht leider auf diese 
Frage nicht ein.) 

Es mutet uns ganz ungriechisch an. Der Gedanke, daß die Men- 
schen einmal in einem Zustand lebten, da es noch keine Städte und 
Gesetze gab, findet sich in der doch so reichen Literatur der griechi- 
schen Sagen und speziell Mythographen in ihren Schilderungen des 
Urzustandes der Menschheit nicht wieder. Aber auch der Gedanke, daß 
die Menschen ursprünglich einsprachig waren und nur durch Eingreifen 
eines Gottes in verschiedene Sprachen und Völker geteilt wurden, ist 
sonst der griechischen Mythologie und Sagenliteratur fremd. 

Die hier gegebene Schilderung des Urzustandes der Menschheit 
findet sich nun bei Berossos wieder. Zunächst in Fragment 7 Ende und 
8 Anfang, einem Stück der Polyhistorepitome von Buch I der Baßv- 
Xcaviaxd: 

'Ev dh tfj BccßvXävL tcoXv i/tAijO-og ävQ-QaTtcav ysvsöd-ai äXXosd^v&v 
xaTOLXtjödvtcov tijv XaXdaCaV t,'Yiv de avtovg dtccxrcsg coötcsq xd d-rjQia. 

'Ev ÖS ra jtQcbtai iviccvra q^avfivai ix, xfig iQv&Qßg d-aXd66i]g 
xarä tbv diiOQOvvta x6nov xfj BaßvXavCa ^aov B^cpQov 6v6(iaxt 'Sldv- 
vrjv. xxX. 

Zwischen beiden Sätzen klafft eine vom Polyhistor oder Eusebios 
beim Exzerpieren veranlaßte Lücke. Vor allem müssen wir feststellen, 
in wessen erstem Jahre erscheint Oannes? Das ersehen wir aus folgen- 
der Angabe in Fragment 8: 

Tovxo dfi, (pr)(3LV^ xb ^cöov xr}v ^hv ri^sgav diaxgCßeiv ^Exä täv 
dvd'Q(D7tG}v, ovds^tav XQO(p^v 7CQo6(psQÖfisvov, ^tccQadidövaL X£ xolg dv- 
d'Qajcoig yQa^fidtav xal ^ccd-rjiidxcov xal xsxväv navxodajtav e^TtsigCav, 
xttl TtoXsav övvoiXLö^ovg xal Cegäv iögvöeig xal vö^cov elörjyTjöSLg xal 
yeofisxQlav diddöxsiv xxX. 

Oannes verkehrt mit den Menschen in ihrem Urzustände, also den 
ersten Menschen. Der erste Urkönig war aber (vgl. Fragment 30) 
Aloros. Dessen erstes Jahr ist also gemeint. Man vergleiche übrigens 
die anderen, dem Oannes ähnlichen Erscheinungen unter den ürkönigen 
in diesem Fragment. 

Oannes lehrt nun den Menschen :jrdA£cov övvoixLö^ovg xal CsQäv 
ldQv6£ig xal vo^cov SiörjyT^ösig. Vorher, als sie dxdxxcag coöTteQ xd d'rjgCa 
lebten, haben sie das nicht gehabt! Da haben wir aber die homines ante 
multa secula (Aloros, der erste König, lebte nach Berossos 468 000 Jahre 
vor Alexander dem Großen, vgl. meinen Aufsatz 'Die babylonische Chro- 
nologie in Berossos' Babyloniaka', MVAG 1908, 5, S. 1 — 10) sine oppi- 
dis legibusque vitam exegentes des Hygin. 



92 Babylonische Sagen über Urzustand der Menschheit bei Berossos 

Eines sind die Menschen in ihrem Urzustände doch schon bei Be- 
rossos, sie sind dXXösd'voi, also auch cck^6yXc3660i. Darin dürfte doch 
wohl eine Anspielung darauf stecken, daß die Menschen, bevor Oannes 
ihnen erschien, einstmals nicht akXöed-voL waren, sondern dies erst ge- 
worden sind. Mit dem dXXösd^voi des Berossos vergleiche man nun die 
Angabe bei Hygin: postquam Mercurins sermones interpretaius est . . . 
idem nationes distrihuit. 

Nach dem Nachweis dieser Übereinstimmungen trage ich kein Be- 
denken mehr, den Bericht des Hygin auf Berossos zurückzuführen. 

Hyginus war aber bekanntlich Schüler des Alexander Polyhistor 
und Bibliothekar zur Zeit des Augustus. Daß er das Berossosexzerpt 
seines Lehrers benutzte, ist somit äußerst naheliegend. Aber wir können 
direkt nachweisen, daß er es benutzt hat. In Fabula 274 finden wir 
folgenden Satz (Fragment 10 A des Berossos): 

Euhadnes, qui in Chaldaea de mari exisse dicitur, astrologiam inter- 
pretatus est. 

Schon Salmasius (vgl. Fragment 10 A, n. 1) hat erkannt, daß 
Euhadnes korrumpiert ist aus Oannes. Hygin las einfach 6YAANHZ 
statt QANNHZ. Bewiesen wird das durch den Zusatz de mari exisse, 
womit man den oben zitierten Anfang von Fragment 8 vergleiche: 
(pavfivai i'/c tilg iQvd-Qäg ^aXdöörjg. Daß schließlich Oannes den Men- 
schen, wie Hygin berichtet, auch astrologiam offenbart hat, haben wir 
oben in Kapitel II gesehen. 

(Die Ausführungen von M. Schanz, HKAW VUI, II, V, S. 525—526, 
[1911],. — die ich erst nachträglich kennen lernte, — daß der Mytho- 
graph von dem zu Augustus' Zeit lebenden Bibliothekar verschieden 
sei, kann ich nicht als durchschlagend ansehen. Die grammatischen 
Mißverständnisse des Hygin beweisen lediglich, daß das Prädikat non 
hercle ignobilis eine unverdient gute Zensur dieses Grammatikers ist.) 

Wir haben somit eine weitere babylonische Sage, die von der Ent- 
stehung der Sprachen, für Berossos zurückgewonnen. Juppiter ist bei 
Polyhistor bekanntlich Bei, d. i. Marduk, und Hermes ist der babylonische 
Gott Nabu, Sohn des Marduk, sowohl als Planeten- als auch als Händ- 
lergottheit. Die hier von 'Egfifig gebotene Etymologie ist selbstverständ- 
lich Einschub des Polyhistor. 

Die babylonischen Sagen über den Urzustand der Mensch- 
heit bei Berossos sind also folgende: 

1. Erschaffen sind die Menschen durch Bei, der sich das Haupt 
abschlagen läßt, sein Blut mit der Erde mischt und hieraus die Menschen 
und anderen Lebewesen schafft (Fragment 12). 



Möglichkeit der Benutzung dea Berossos durch eine chaldäische Sibylle 93 

2. Gremeinschaftlicli mit den ersten Menschen erbaut nun Bei die 
Mauer von Babylon (Fragment 13 u. 60) und den Tempel (Esagila), 
sowie seinen Stufenturm (Etemenanki) (Fragment 44 a und b). 

3. Die Menschen leben nun unter seiner Herrschaft ohne Städte 
und Gesetze und einsprachig. Da lehrt ihnen Nabu-Herraes verschie- 
dene Sprachen und trennt die Völker. Da entstand der erste Streit 
(Hygin, Fragment 10 B des Berossos). 

Bis hierher reichen offenbar die Erzählungen des Oannes. 

4. Wie nun die Menschen so zwar noch äraxtiog, d. i. ohne Städte 
und ohne Gesetze leben, aber schon a^Xöed-voL sind, erscheint ihnen im 
ersten Jahre des ersten Urkönigs — der, wie aus der Datumsangabe 
*erstes Jahr' zu erschließen ist, auf Veranlassung des Oannes eingesetzt 
wird, der ja die Menschen mit den vö^cov slörjy^öSLg erst bekannt macht, 
stSQL TCohtsCas schreibt und diese Bücher den Menschen übergibt, also 
eine geregelte Verfassung erst einführt — Aloros das Fabelwesen Oannes, 
lehrt die Menschen Kultur und Zivilisation und erzählt die Geschichte 
der Schöpfung. 

Haben wir aber die Legende von der diaCgsöig täv yXcoööav bei 
Berossos nachgewiesen, so steht nichts mehr der Annahme entgegen, 
daß der Verfasser der Offenbarungen der babylonischen Sibylle auch 
diese Erzählung verwertete und als Mittel- und Bindeglied zwischen 
der von uns zurückgewonnenen babylonischen Turmbausage des Be- 
rossos und der Erzählung vom Kampf des Kronos und Titan be- 
nutzt hat. 

Daß aber tatsächlich Bei, der babylonische Gott und Erbauer sei- 
nes :tvQyog in Babylon mit der Sage von Kj-onos und Titan in Zusam- 
menhang gebracht worden ist, das beweist bekanntlich Fragment 2 des 
samaritanischen Chronographen Thallos (vgl. MüUer FHG HI, S. 517) 
bei Theophilos, Ad Autolycum III, 29: 

Bi]Xov tov 'A60vqC(ov ßaöiXEvöavrog xal Kqovov tov Tixävog ®kX- 
Xog fis^vrjtac, (pdöxav tov Bi]Xov jtSTtoXsy^rjXEvaL 6vv xolg Tvtääv Ttgbg 
tov ^Ca aal tovg övv aurcä d'sovg Xayoiiivovg. 



V. KAPITEL 
BEROSSOS UND POSEIDONIOS 

In den Quaestiones naturales des Seneca lib. III, c. 29, 1 finden 
wir folgendes vielerörtertes Berossosfragment (vgl. Fragment 39) : 

Quidam existimant terram quoque concuti et dirupto solo nova flu- 
minum capita detegere, quae amplius ut e pleno p'ofundant. 

Berosos, qui Belum interpretatus est, ait ista cursu siderum fieri; 
adeo quidem affirmat, ut conflagrationi atque diluvio tempus assignet: 
arsura enim terrena contendit, quandoque omnia sidera, quae nunc diver- 
sos agunt cursus, in Cancrum convenerint (sie suh eodem posita vestigio, 
ut recta linea exire per orbes omnium possitj ; inundationem futuram, cum 
eadem siderum turha in Capricornum convenerit. Illic solstitium, hie 
hruma efficitur; magnae potentiae signa, quando in ipsa mutatione anni 
momoita sunt. 

In meinem Aufsatz 'Apokalyptische Berechnung der Endzeiten bei 
Berossos', OLZ 1910, Nr. 9, Kol. 401—402 hatte ich nun die Ansicht 
geäußert, daß Seneca den Berossos nicht genau gelesen zu haben scheine, 
wenn er ihn sagen läßt inundationem futuram, denn Berossos deute 
nie an, daß er zwei Sintfluten kenne, die eine bekannte, in der Vergan- 
genheit liegende und eine zukünftige. 

Indes habe ich damals Seneca unrecht getan. Denn es gibt im Po- 
lyhistorexzerpt des Berossos tatsächlich einen Hinweis darauf, daß er 
mehrere Sintfluten kennt. In Fragm. 38 (aus der Berossosepitome des 
IL Buchs der BccßvkcovLccxa) sagt Eusebios über Polyhistor folgendes: 

Dies berichtet er und weiter vorwärtsschreitend zählt er im einzelnen 
der Reihe nach (seil, der Polyhistor beim Exzerpieren des Berossos) 
die Könige der Assyrer auf, zehn Könige, von Aloros, dem ersten König, 
bis zu Xisuthros, unter welchem, sagt er, die große und erste Sintflut ge- 
wesen sei. 

Nach Berossos fand also unter Xisuthros die große und erste Sint- 
flut, der }iByas aal :iQG)tog xaraxXvö^ög statt. Ist aber dieser xara- 
xkvöfiös der TfQaxog, so hat es auch einen dfVTf^off gegeben, nach Ansicht 



Weltperioden und Weltenjahre bei Berossos Q^ 

des Berossos, denn der Ausdruck TiQatog xaraxXvGnög involviert doch 
die Annahme mehrerer xcctaxXv6(i0L bei Berossos unwiderleglich. Der 
dsvTSQos usw. xarccxlvö^ög liegt aber ebenso wie das von Seneca er- 
wähnte incendium, die ixTCVQcjöig, in der Zukunft. Da haben wir aber das 
Äquivalent des Ausdrucks inundationem futuram des Berossos bei Seneca. 

Nun bezeichnet nach Berossos bei Seneca die ixTtvQcoßig den Som- 
mer, der JcaxraxAf ^liidff den Winter, selbstverständlich des Weltenjahres. 
Wenn aber Berossos mehrere xccraxXvö^oC kennt, muß er eine babylo- 
nische Lehre von sich abwechselnden Weltenjahren, nsQiööol xvxXoi^ 
gekannt haben. Damit vergleiche man aber Fragm. 31 des Berossos bei 
Josephos, Ant. I, c. III, 9, §§ 105—107: 

Mrjdslg de TtQog rbv vvv ßCov xal trjv ßQaxvtrjta tav itav et ^&fi£V 
ßvußaXcov rbv räv nraAaiöv tl^evdrj vofii^Etcj tä TtsQl hxdvav Isyöfisvcc 
TW [irjÖEvcc vvv Toöovrov iv t<p ßica naguTsCveLv %q6vov tsxiiaLQÖfievos 
firjö' ixsLvovg slg ixstvo tb fifjxog r^j ^o^? acptx&uL. Ol fihv yccQ dso- 
(piXslg bvtsg xal vtc avToi) tov d^sov yevö^evoL xal diä tag rgocpäg ijtt^ 
trjdsiotSQag TCQog jtXsCova %q6vov ov6ag slxötog s^cov nXfi&og xoöovxov 
itcöv £7tEixa xal dl aQSt^v xal rriv svxQrjörCav hv STtsvöovv a6tQOvo~ 
fiLag xal ysa^exQLag nXslov t/fiv rbv dsbv avtotg ütaQa6%slv, ajtSQ ovx 
^v aög^aXäg avtotg TtQosLTtslv ^rj ^nj^aöLv e^axoöLovg iviavtovg' diä to- 
6ovt(ov yäg 6 ^syag svuavtbg jtXtjQovtai. MaQtvQovöt de [lov ta X6y^ 
ndvtsg oC naQ^ "EXXi]6i xal ßaQßdgoig övyyQa^pd^svoi tag ccQxaioXoyCag. 
Kai yaQ xal Mavsd-av .... xal Br}QC366bg 6 tä XaXda'Cxä avvayaycav 
. . . xtX. 

Josephos zitiert hier als Autoren, die er für die Langlebigkeit der 
Vorväter und den ^liyag iviavtög — die spezielle Angabe, daß der ^6- 
yag iviavtög 600 Jahre beträgt, geht selbstverständlich nicht auf Be- 
rossos zurück, der für seine Vorväter (vgl. Fragm. 29) viel größere 
Zahlen angibt — kennt, unter anderen den Berossos, der also auch 
vom (isyag iviavtög gesprochen hat. Auf Berossos speziell, den chaldäi- 
schen Astronomen und Astrologen (vgl. Kapitel I und II), möchte ich 
die Angabe des Josephos zurückführen e^av nXild^og todovtov it&v, 
sjtsita dl dQStijv xal trjv svxQr]6tiav mv insvöovv aötgovo^Cag xal ysa- 
^stQiag ixXslov ^ijv tbv &sbv avtotg TcaQaöxslv, ansQ ovx ^v aötpaX&g 
avtotg %Qosi%stv xxX. 

Wir haben also gesehen, daß Berossos in dem obigen Fragment 
bei Seneca auf einander abwechselnde Weltenjahre anspielt, und daß diese 
Lehre auch in anderen Fragmenten von ihm bei Polyhistor — denn 
aus ihm hat auch Josephos geschöpft, vgl. Kap. VI — sich findet. Woher 
hat nun Seneca dieses Berossosfragment? 



'96 Seueca benutzt Papirius Fabianus 

Bei der ganzen sonstigen schriftstellerischen Art des Seneca ist 
nicht daran zu denken, daß er den Berossos selbst benutzt hat. Die von 
ihm benutzte Mittelquelle hat nun E. Oder in seiner Abhandlung 'Quellen- 
sucher im Altertum' (Philologus, Suppl. Bd. VII, 1899, S. 229—384), 
in der er S. 283 — 304 eine treffliche Quellenanalyse von Senecas III. Buch 
<ier Quaestiones Naturales gibt, dem unser Fragment entstammt, durch 
eine vorzügliche Kombination (a. a. 0. S. 292 — 294) folgendermaßen er- 
schlossen. 

In Kap. 27, § 3 des III. Buches diskutiert Seneca die Gründe für 
die kommende Flut und macht folgende Angabe: 

Ergo cum affuerit illa necessitas teniporis, multas simul fata causas 
movent Neque enim sine concussione mundi tanta mutatio est, ut quU 
dam putant, inter quos Fabianus est. 

Trotzdem läßt Seneca in der folgenden Schilderung Kap. 27 die 
Sintflut nur durch Regengüsse entstehen: eine für seinen Standpunkt 
unerklärliche Annahme, da der Regen, wie er glaubt, nicht einmal aus- 
reicht, um die gewöhnlichen Quellen und Flußläufe zu füllen. Dann 
kommen in Kap. 28 andere zu Wort, die das Meer über seine Ufer treten 
lassen, um die sündige Welt zu vertilgen. Erst in Kap. 29 kehrt er zu 
der Meinung der quidam, inter quos Fabianus, daß die Sintflut von einer 
concussio mundi begleitet sei, zurück mit den Worten: Quidam existi- 
mant terram quoque concuti et dirupto solo nova fluminum capita dete- 
gere, quae amplius.ut e pleno profundant. Berosos, qui Belum interpre- 
tatus est, ait ista cursu siderum fieri usw. (vgl. oben). Diese hier genann- 
ten quidam, zu denen Berossos gehört, sind also identisch mit den oben- 
genannten quidam, inter quos Fabianus est. Nun war Papirius Fabianus 
Senecas Lehrer und nach römischen Begrifi'en ein philosophischer Schrift- 
steller ersten Ranges. (Vgl. Hoefig, De Papirii Fabiani philosophi vita 
et scriptis, Breslau 1852; Oder a. a. 0. S. 293, Anm. 86.) Er hatte ein 
umfassendes Werk 'Causae naturales' — der Name ist, wie Senecas 
Quaestiones naturales, eine Übersetzung des griechischen AitCai cpiyöLxaC, 
worauf Oder a. a. 0. S. 293, n. 86 hinweist — geschrieben, in dem er 
nicht nur Fragen der beschreibenden Naturwissenschaften und der Heil- 
mittellehre, sondern auch solche der physikalischen Geographie und des 
Menschenlebens besprach (Oder a. a. 0. S. 293). Es ist also mit Oder 
nicht daran zu zweifeln, daß Seneca den Fabianus ausschrieb. Damit 
liaben wir aber den Mittelsmann für Berossos gefunden. Fabianus hatte, 
der damaligen Mode folgend, eine Schilderung der am Ende aller Tage 
eintretenden großen Flut gegeben. Wieviel Seneca ihm nun entlehnte, 
können wir freilich nicht sagen, da er den in Kap. 27, 3 und 29, 1 im 



Plinius der Ältere benutzt Papirius Fabianus 97 

Anschluß an Berossos von Fabianus entwickelten Gedanken nicht zu 
seinem eigenen macht. Die Wendung quidam, inter quos Fabianus est, 
darf uns nicht irreführen, denn sie kehrt öfters bei Seneca wieder, auch 
wo er bloß eine Quelle benutzt. Wenn sie einen Sinn haben soll, kann 
sie hier nur besagen, daß Fabianus hier andere — nämlich griechische — 
Gewährsmänner benutzt, eben den Berossos (so sehr richtig Oder a. a. 0. 
S. 294). 

Das obige Berossoszitat kehrt nun — was Oder a. a. 0. entgangen 
ist — wieder bei Plinius, Nat. bist. II, 79 (81), § 191, und zwar eben- 
falls durch Vermittelung des Fabianus (Berossos, Fragm. 40): 

Bahyloniorum placita et motus terrae Jiiatusque, qua cetera omnia, 
sidermn vi existimant fieri, sed illorum trium, quibus fulmina adsignant, 
fieri autem meantium cum sole aut congruentium et maxime circa quadrata 
mundi. 

Daß mit den Babyloniorum placita ein placitum des Babyloniers 
Berossos gemeint ist, lehrt der Inhalt des Fragmentes, wenn man ihn 
mit dem obigen Berossosfragment vergleicht: auch hier werden die Erd- 
beben auf siderische Einflüsse zurückgeführt. Daß aber auch Fabianus 
hier der Mittelsmann ist, lehrt die Entdeckung von Brunn, daß Plinius 
die Quellen in seinen Indices in Buch I in der Reihenfolge angibt, wie 
er sie in seinen Büchern benutzt, daß also ein im Index genannter, im 
Text aber nicht erwähnter Autor im Texte tatsächlich ohne Namens- 
nennung zwischen den im Text zitierten Schriftstellern benutzt ist, zwischen 
denen er im Texte des betreffenden Buches genannt wird. Plinius zählt 
aber im Index zu Buch I folgende lateinischen Autoren nacheinander 
auf: Cadius Antipater, Fabianus, (Valerius) Äntias. Mucianus. Caecina 
qui de Etrusca disciplina. Den Antipater zitiert Plinius in § 169, die 
Etruscae disciplinae volumina in § 199. Den Fabianus nennt er erst im 
§ 224, durch die Reihenfolge des Index wird aber gefordert, daß er ihn 
schon vorher einmal zwischen § 169 und 199 ohne Namensnennung 
zitiert hat. Zwischen beiden Paragraphen liegt aber § 191, dessen Äqui- 
valent bei Seneca aus Fabianus stammt, wie wir sahen, dessen Inhalt 
also auch bei Plinius dem Fabianus enstammen dürfte. 

Fabianus war aber, wie Oder a. a. 0. S. 293, n. 86 gesehen hat, der 
Mittelsmann noch eines weiteren Berossosfragmentes bei Plinius. In 
Buch Vn, § 160 finden wir folgendes Berossosfragment (Fragm. 33): 

Poscere videtur locus ipse sideralis scientiae sententiam. Epigenes CX.II 
annos inpleri negat posse, Berosus excedi CXVI. 

Im Index zu Buch VII erscheint nun Fabianus zwischen Asconius 
(der VU, § 159 zitiert wird) und Cato (der in VII, § 171 angeführt wird). 

Schnabel: Proleg. u. Kommentar z. d. Babyloniaka d. Berossos 7 



98 Papirius Fabianus und Censorinus benutzen Varro 

Also war er die Quelle eines der zwischenliegenden Paragraphen. Da er 
ja Berossos benutzte, dürfte er die Quelle von § 160 sein. 

Dann dürfte das andere Berossosfragment in Buch VII, § 193 (vgL 
Fragm. 6) ebenso wie Fragm. 40 und 32 aber ebenfalls durch Fabianus 
dem Plinius übermittelt worden sein. 

Hat nun Fabianus den Berossos selbst benutzt, oder kennt auch er 
ihn erst wieder durch Mittelsmänner? Diese letztere Frage ist unbedingt 
zu bejahen. 

Das eine durch Fabianus dem Plinius vermittelte Berossosfragment 
kehrt nämlich wieder bei Censorinus, De die natali, Kap. XVII, 4 (Frag- 
ment 32): 

Epigenes in centum duodecim annis longissimam vitam constHuity. 
Berossos autem centum sedecim. 

Diese Angabe ist völlig identisch mit der des Fabianus bei Plinius- 
in Fragm. 33. Aber auch das erste von Fabianus herrührende und bei 
Seneca (Fragm. 39) und Plinius (Fragm. 40) überlieferte Fragment des 
Berossos trefferi wir bei Censorinus wieder. De die natali, c. XVIII, 11 
(Fragm. 41): 

Est praeter ea annus quem Aristoteles maximum potius quam ma.' 
gnum appdlat, quem solis et lunae vagarumque quinque stella- 
rum orhes conficiunt, cum ad idem Signum, uhi quondam simul 
fuerunt, una referuntur; cuius anni hiemps est cataclysmos,. 
quam nostri diluvionem vocant, aestas autem ecpyrosis, quod est mundi 
incendium. Nam his alternis temporihus mundus tum exignescerSf. 
tum exaquescere videtur. 

Daß Censorinus das gesperrt Gedruckte, auch wenn er seine Quelle- 
selbst nicht nennt, aus Berossos geschöpft hat, lehrt sofort ein Vergleich, 
mit Fragm. 39 bei Seneca, das wir oben besprachen. Nur die Erwähnung^ 
des annus mundi durch Berossos, die sich uns erst aus einer Kombina- 
tion von Fragm. 39 bei Seneca mit der berossischen Überlieferung des 
Polyhistor bei Eusebios in Fragm. 38 und bei Josephos in Fragm. 31 
ergab, finden wir hier direkt bezeugt. 

Woher hat Censorinus diese beiden Berossosfragmente? Censo- 
rinus ist nun, wie schon längst feststeht (vgl. M. Schanz, HKAW VIII, 
3», 1905, S. 232; H. Diels, Doxographi Graeci 1879, p. 186—200, bes. 
S. 196) ein eifriger Ausschreiber des Varro. 

Hat aber Censorinus seine Berossosfragmente aus Varro, so hat 
sie Fabianus, da er ja dieselben Fragmente bietet, ebendaher genommen^ 
So haben wir schon zwei römische Autoren, für die Varro Quelle der 
Berossosfragmente ist 



Hat Varro Berossos direkt benutzt? Varro und Poseidonios 99 

Yarro hat aber mehr Römern Berossosstücke vermittelt. Ein eifriger 
Benutzer Varros ist bekanntlich der Kirchenvater Augustinus. Dieser bietet 
nun in seiner EnaiTatio in psalmos X, 3 ein anonymes Stück (vgl. den 
Text in Fragm. 23), das bei Isidorus, De nat. rer. 18 unter Nennung 
von Augustins Namen exzerpiert ist, aus welch letzterem wieder der 
Scholiast zu den Aratea des Germanicus, ed. Breysig, p. 197, 8 — 198, 4 
schöpfte. In diesem Stück benutzt aber Augustinus fast wörtlich die 
Lehre des Berossos von den Mondphasen, wie sie in den gleich zu be- 
sprechenden Fragmenten des Berossos bei Vitruv, den Placita Philoso- 
phoruni und — was Diels a. a. 0. unbekannt war • — bei Kleomedes 
wiederkehrt. Der berossische Ursprung dieses Stückes wird durch den 
Vergleich des Inhalts mit dem erwähnten Fragmenten des Berossos voll- 
ständig sichergestellt. Ja, noch mehr, es muß von Augustinus der gleiche 
lateinische Autor als Mittelsmann benutzt worden sein wie von Vitruv, 
denn sogar die gleichen lateinischen Worte kehren wieder, wie Diels, 
der den berossischen Ursprung dieses Stückes erwiesen hat, a. a. 0. S. 200 
nachweist: pilam ex dimidia parte candidam bei Augustin, pilam ex di- 
midia parte candentem bei Vitruv (Fragm. 22, also Varro). 

Wir haben hier erwähnt, daß Vitruv — in seiner Schrift De archi- 
tectura lib. IX, I, 16—11, 2, p. 224—225 (vgl. den Text in Fragm. 22) 
— die Lehre des Berossos über den Mond unter ausdrücklicher Nennung 
seines Namens uns überliefert hat. Vitruv ist nun ebenfalls ein eifriger 
Benutzer des Varro, den er selbst zitiert, und der ja selbst De architec- 
tura geschrieben hat (vgl. M. Schanz a. a. 0. Bd. VIII, I. Teil, 2. Hälfte, 
3. Aufl. 1909, S. 438). So ist es denn heute allgemein anerkannt, daß 
Vitruv dies Berossosfragment auch durch Vermittelung des Varro über- 
kommen hat (vgl. Diels a. a. 0. S. 200; Oder a. a. 0. S. 366, n. 186). 
Dann dürften aber die aus Vitruv ebenfalls stammenden Testimonia 4 
und 5 auch aus Varro stammen. 

Hat aber etwa Varro selbst den Berossos eingesehen? Er war ja 
eine enzyklopädische Natur, und Enzyklopädisten schöpfen ihr Wissen 
bekanntlich meist aus Mittelquellen. Insbesondere hat aber Varro sein 
Wissen in der griechischen Literatur griechischen Sammelwerken ent- 
lehnt, besonders den Speichern des Poseidonios (135 — 45 v. Chr.) von 
Apamea. (Vgl. Schanz a. a. 0. Teil I, 2» S. 435, 436, 438, bes. 447.) Ver- 
dankt ihm vielleicht Varro auch seine Berossosstücke? 

In Fragment 31 bei Plinius, der es aus Fabianus nahm, = Frag- 
ment 32 bei Censorinus, das, wie wir sahen, sowohl Fabianus als Cen- 
sorinus aus Varro schöpften, wird Berossos zusammen mit Epigenes 
zitiert. Epigenes, nach Censorinus c. VH, 6 aus Byzanz stammend, 

7* 



100 Poaeidonios benutzt Epigenes und Apollonios von Myndos 

hat nach Seneca, Nat. quaest. VII, 4, 1 ebenso wie Apollonios von Myn- 
dos bei den Chaldäern studiert. Die Hellenen sind also doch nicht so 
uninteressiert für die babylonische Kultur gewesen wie J. Beloch in 
seiner Griech. Gesch. III, 1 (1904), S. 488 und ihm folgend W. Schmid 
in der 5. Auflage von Christs Griechischer Literaturgeschichte (Teil II, 
1. Hälfte, 1909), S. 171 meinen: „Das spontane Interesse der Griechen 
für die Barbaren, mit denen sie jetzt zusammenwohnten, geht freilich 
nicht so weit, daß sie die fremden Sprachen lernen und selbständig for- 
schend tiefer in die fremden Kulturen eindringen; sonst wären die Ägyp- 
tologie und Assyriologie als Wissenschaften schon im 3. Jahrhundert 
V. Chr. begründet worden." Epigenes und Apollonios zeigen uns das 
Interesse der hellenistischen Zeit für Babylon. Erst in der reaktionären 
Zeit des Klassizismus sind Werke wie des Berossos, Kidenas, Sudines, 
Naburianos, genuiner griechisch schreibender Babylonier, und die des 
Epigenes und Apollonios, die das Wissen der Chaldäer durch eigenes 
Studium an der Quelle kennen lernten, verloren gegangen! 

Epigenes und Apollonios sind uns nun lediglich durch Poseidonios 
in ihren Fragmenten erhalten geblieben. Von ApoUonios von Myndos 
ist uns lediglich seine von den Chaldäern entlehnte Theorie über die 
Kometen eben in Senecas Naturales Quaestiones lib. VII (c. IV, 1, 
XVn, 1, 3) aufbewahrt worden, ebenso wie die des Epigenes über das- 
selbe Thema (ibidem c. IV, 1, 2—3; VI, 1—2; VII, 2; VIII, 1). Kurz 
referiert wird des Epigenes Lehre in des Aetios Placita Philosophorum 
lib. III, c. 2, 6 (Diels, Doxographi Graeci p. 367). Beidemal liegt aber 
Poseidonios als MittelqueUe vor, bei Seneca wohl durch Vermittelung 
des Asklepiodotos (Diels a. a. 0. p. 19 und Oder a. a. 0. S. 290, 295 ff.). 
Apollonios wird sonst auch noch zusammen mit Berossos in dessen 
Fragment 16 bei Palchos zitiert, ebenso wie Epigenes (denn so glaube 
ich, ist in diesem Fragment für 'Ecpilg herzustellen), wozu man die nähe- 
ren Ausführungen unten vergleiche; und außerdem zusammen mit Kide- 
nas (vgl. zu diesem jetzt die vorzüglichen Ausführungen von F. Cumont 
in seinen Aufsätzen 'Comment les Grecs connurent les tables lunaires 
des Chaldeens' im Florilegium Melchior de Vogüe, Paris 1909, p. 159 
bis 165 und 'Babylon und die griechische Astronomie' in Neue Jahrb. 
f. d. klass. Altert, usw., Bd. XXVII, 1911, S. 1—10), Sudines und Hipp- 
arch von dem griechischen Astrologen Vettius Valens in seinen Antho- 
logiae (primum ed. W. Kroll, 1908) lib. IX, c. XI (p. 354 ed. KroU, 
vgl. Cumont, Flor, de Vogüe p. 162). Von Epigenes sind uns nun nur 
noch Fragmente bei Censorinus und Plinius erhalten, nämlich Censori- 
nus c. Vn, 5, sowie die schon oben genannten Fragmente, in denen 



Hat Poseidonios Berossos benutzt? Die Stoa und Babylon 101 

er zusammen mit Berossos genannt wird, nämlich Cens., c. XVII, 4 
(Berossos, Fragm. 32) = Plinins VII, § 160 (Berossos, Fragm. 31) und 
Plinius VII, § 193 (Berossos, Fragm. 6). Diese Fragmente sind nun, wie 
wir sahen, durch Varro vermittelt. Dieser hat sie aber ebenfalls aus Po- 
seidonios entnommen, wie Rehm (Art. Epigenes von Byzanz, Pauly-Wis- 
sowa RE2, VI. Bd., 1. Hälfte, 1907) meint (ebendas. Kol. 65—66). Nach 
dessen Anschauung stammt alles uns von Epigenes Erhaltene aus Po- 
seidonios, auf den also auch die Berossos und Epigenes gemeinsamen 
Fragmente bei Varro zurückgehen. (Über weitere anonyme Fragmente 
des Epigenes und ApoUonios vgl. meinen Nachweis in dem Exkurs am 
Ende dieses Kapitels.) 

Die Analogie, daß alles von Epigenes und Apollonios bei Seneca, 
den Vetusta Placita (der Quelle von Aetios' Placita, vgl. Diels a. a. 0. 
S. 178 — 185) und Varro erhaltene auf Poseidonios zurückgehe, führt 
nun ohne weiteres zu dem Schluß, daß die uns von Berossos erhaltenen 
im wesentlichen auch auf diese Autoren zurückgehenden Fragmente 
astronomischen und astrologischen Inhalts ebenfalls aus Poseidonios 
stammen. ^) 

Können wir nun einen exakten Nachweis führen, daß Berossos 
von Poseidonios benutzt worden ist? 

Poseidonios ist bekanntlich eine der glänzendsten Gestalten der 
Stoa. Diese hat aber in engen Beziehungen zu Babylon gestanden. Das 
fünfte Schulhaupt der Stoa, Diogenes, stammte aus der neuen Haupt- 
stadt Babyloniens, Seleukeia am Tigris, und wird daher BaßvkavLog ge- 
nannt. Ich glaube in seinen Lehren auch Beeinflussungen durch chal- 
däische Doktrinen nachweisen zu können. In Aetios' Placita lib. III, 
c. 2, 8 finden wir folgendes Placitum (Diels, Doxographi Graeci, 
p. 36, 7): ^ioyEVTjg dörsQag slvai rovg xofi7]rttg (seil. cptjöCv). Das ist 
aber babylonische Lehre, wie wir durch Seneca, Nat. Quaest. lib. VII, 
c. 4, 1 aus Apollonios von Myndos erfahren: Duo certe qui apud Chal- 
daeos studuisse se dicunt, Epigenes et Apolloniits Myndius, peritissimus 
inspiciendorum natalium, inter se dissident. Hie enim ait cometas in 



1) Diesen Schluß hatte ich schon längst gezogen, und meine in diesem 
Kapitel vorliegenden Ausführungen waren im wesentlichen bereits abgeschlossen, 
als ich am 29. März dieses Jahres (1911) aus dem Aufsatze von W. Kroll, Aus 
der Geschichte der Astrologie (Neue Jahrb. f. d. klass. Altert., Bd. VII, 1901, 
S. 559—577), S. 561, Anm. 3 sah, daß Diels, Elementum, S. 11, schon die An- 
sicht, daß Berossos von Poseidonios benutzt worden ist, ausgesprochen hat. Diels 
gibt jedoch a. a. 0. keinen Beweis für seine Ansicht, weist aber einen neuen, 
uns bei Pseudo-Epikur und Lukrez erhaltenen Benutzer des Berossos nach. Vgl. 
unten. 



102 Babylon und die Stoa. Berossos' Lehre über den Mond 

numero stellarum errantimn poni a Chaldaeis tenerique cursus 
eorum. Epigenes contra ait se a Chaldaeis nihil de cometis habere com- 
prensi, sed videri illos accendi turbine quodam ai'ris concitati et intorti. 
Gewöhnlich zwar wird dies Fragment in den Placita des Aetios auf Dio- 
genes von Apollonia zurückgeführt (Diels, Doxographi p. 675), ich 
möchte es jedoch wegen dieses Anklangs an babylonische Lehren lieber 
auf Diogenes den Babylonier zurückführen. Diogenes schrieb ferner, 
wie wir aus Cicero, De divinatione 1, 6 ersehen, IIsqI Mavxixrig. Hierin 
folgte ihm sein Schüler Antipatros von Tarsos, wie wir aus Cicero, de 
divinatione I, 3, 6 erfahren. Wegen dieser Beschäftigung mit der Man- 
tik möchte ich ihn aber identifizieren mit dem uns aus Berossos, Testi- 
monium 4 bekannten Astrologen: Primusque Berosus in insula et civi- 
tate Coo consedit ibique aperuit disciplinam. Postea ei studens Antipater 
iterumque Ächinapolus, qui etiam non e nascentia, sed ex conceptione geneth- 
lialogiae rationes explicatas reliquit. Aus dem Ausdruck ei studens schließt 
man gewöhnlich, daß Antipater direkter Schüler des Berossos in der 
Astrologenschule zu Kos (vgl. Kapitel I) gewesen sei. Indessen würde 
das wohl heißen apud eum studere (vgl. oben qui apud Chaldaeos se 
studuisse dicunt). Ei studens möchte ich lieber deuten, Mer sich mit 
ihm, d. i. seinem Werke, beschäftigte, ihn studierte'. Dann steht zeit- 
lich der Identifizierung dieser beiden Antipatroi nichts mehr im Wege. 
Damit ist uns aber literarische Benutzung des Berossos durch die Stoa 
bezeugt. Ein anderer Schüler des Diogenes (nach Philodem, Ind. Stoic. 
Hercul. Col. 48), Archedemos, ebenfalls aus Tarsos gebürtig, gründete 
sogar eine Schule der Stoa zu Babylon (Flut. De exil. 14. 605 B)! 

Nachdem wir so die engen Beziehungen der Stoa zu Babylon ken- 
nen gelernt und erkannt haben, daß Poseidonios selbst die Schriften 
zweier Männer, die bei den Chaldäem nach eigener Aussage studiert 
haben, exzerpiert hat, bleibt uns nur noch der Beweis übrig, daß Posei- 
donios auch den Babylonier Berossos ausgeschrieben hat. 

Wir haben oben gesehen, daß Vitruv und Augustinus aus Varro 
ein umfangreiches Fragment des Berossos schöpften, in dem uns seine 
Lehre über den Mond dargeboten wird. Varro hat nun sonst, worauf 
wir ebenfalls schon hinwiesen, den Poseidonios sehr eifrig benutzt. 
Dies Fragment über den Mond treffen wir aber bei noch drei anderen 
Benutzern des Poseidonios! 

Unter ausdrücklicher Namensnennung des Berossos hat uns zu- 
nächst Kleomedes, De motu circulari corporum caelestium, lib. II, c. 4 
ebenfalls dieses Fragment überliefert (Berossos, Fragm. 18, das 
Fragment ist von den früheren Fragmentsammlern des Berossos, auch 



Varro, Kleomedes, die Vetusta Placita u. Ps. Epikur benutzen Poseidonios 103 

noch von Richter und C. Müller, übersehen worden). Kleomedes hat nun 
fast nichts getan, als den Poseidonios exzerpiert. Dies bezeugt uns die 
Notiz seines Buches lib. II, c. 7 : Eiöl ds al 6iokal axjtai ov tov yQa- 
i^avtog avrov dd^ag 7tEQii%ov6aL, aXX^ ix övyyQa^^dtcav xlv&v yjQ-qolö- 
jiBvai xal naXai&v xccl vscjtsqcjv. Tä aioXXä ds r&v eiQrjfisvav ex x&v 
IloösidcovCov dXrjTCtaf mag sie nun echt — womit sich Kleomedes 
denn doch ein zu großes Armutszeugnis ausstellen würde — oder, wie 
man jetzt annimmt, von einem aufmerksamen alten Leser hinzugefügt 
sein. Die neuere Quellenforschung hat denn auch die eingehende Be- 
nutzung des Poseidonios erwiesen (vor allem Oder a. a. 0. S. 293 Anm. 86 
S. 321; Diels, Doxographi p. 21; Susemihl a. a. 0. II, S. 138, Anm. 190). 
Daß Kleomedes den Berossos etwa selbst eingesehen habe, ist bei seiner 
notorischen Unselbständigkeit sozusagen direkt ausgeschlossen. Er dürfte 
ihn somit eben durch Poseidonios kennen, wie schon F. Boll (Art. „Fin- 
sternisse" in RW VI, 2 (1909), 2338) andeutet. 

Berossos wird ferner genannt in drei Placita in Buch II, c. 25, 12; 
c. 28, 1; c. 29, 2 (Berossos, Fragm. 19 — 21) des Aetios, De placitis 
philosophorum (Diels, Doxogr. Graeci, p. 356, 358, 359), in denen 
wiederum die Mondtheorie des Berossos geboten wird. Nun hat 
Aetios nach dem Nachweis von H. Diels a. a. 0. p. 178 — 185 nichts 
gemacht, als eine ältere Sammlung von Placita Philosophorum, die von 
Diels so genannten Vetusta Placita, überarbeitet, die etwa 50 v. Chr. 
(Diels a. a. 0. p. 201) verfaßt worden sind. Der Verfasser dieses Werks 
hat indessen nicht etwa die sämtlichen von ihm genannten Schriftsteller 
«elbst benutzt, sondern stützt sich auf die doxographischen Materialien 
älterer Schriftsteller (Diels a. a. 0. p. 214 — 233). Einer der jüngsten 
von ihm benutzen Schriftsteller (Diels p. 100) ist aber Poseidonios, aus 
dessen reichen Materialsammlungen er sehr eifrig schöpfte (vgl. Diels 
p. 224 — 231), ja aus dessen Schule der Verfasser dieser Vetusta Placita 
hervorgegangen sein muß (Diels p. 232). Daß also der Verfasser der 
Vetusta Placita diese Berossosfragmente dem Poseidonios verdankt, dürfte 
äußerst wahrscheinlich sein. 

Daß in dem dem Epikur zugeschriebenen Brief an Pythok- 
les in § 94 die Lehre des Berossos über den Mond vorliegt, wenn 
auch Berossos' Name nicht genannt ist, (Berossos, Fragm. 24), hat 
schon 1813 Joh. Gottlieb Schneider in seiner Ausgabe der Epikurbriefe, 
p. 111 erkannt und neuerdings unabhängig von ihm H. Diels, (H. Usener, 
Epicurea, 1887, p. 384; Diels, Elementum, 1899, S. 10, Anm. 4). Das- 
selbe Berossos-Fragment kehrt bei dem dichterischen Interpreten des 
Epikuros, dem Römer Lucretius Carus (vgl. M. Schanz, HKAW VIII, 



104 Die jungepikureische Schule und Poseidonios 

1,2, 1909, 3. Aufl., S. 43 — 47) in seinem Gedicht De rerum natura^ 
lib. V, verss. 715 — 730 unter ausdrücklicher Berufung auf die Babylo- 
nica doctrina (727), wenn auch Berossos' Name wieder nicht genannt wird, 
weit ausführlicher wieder, und eine Vergleichung mit denBe- 
rossos-Fragmenten 19 — 23 lehrt sofort die Benutzung der 
Mondlehre des Berossos (Berossos, Fragm. 25). Die gemeinsame 
Quelle für Lucrez und Epikurs Brief an Pythokles kann nicht die 
große Physik des Epikur gewesen sein, da in dieser aus chronologischen 
Gründen Berossos nicht benutzt sein kann (Diels, Elementum p. 11, da 
Epikur das 15. Buch seines Werkes Tlegl ^veeog schon im Jahre 300/299 
unter Archon Hegemachos und das 28. Buch im Jahre 296/5 unter Archon 
Nikias [zur Archontenliste vgl. J. Beloch, Griech. Geschichte Bd. III, 2, 
1904, S.53] nach Zeugnis des pap. Herculanensis 1151, VH^ VI, 24—36 
und 1479, VH* VI, 37—54 [Usener a. a. 0. S. 128], das letzte 37. Buch 
also jedenfalls vor Berossos geschrieben hat, der nicht vor 293 v. Chr. 
sein Werk verfaßt haben kann [s. Kap. I]). Andererseits finden sich bei 
Lucrez zahlreiche Spuren der Benutzung des Poseidonios (vgl. Rusch, 
De Posidonio Lucreti auctore in 1. d. rer. nat. VI, Greifswald 1882), und 
die Terminologie des Briefes des Epikur an Pythokles für das Wort 
6toi%slov stimmt mit Lucrez gegen die sonstigen Reste des Epikur, wie 
Diels, Elem. p. 4 — 10 zeigt. Außerdem wird in diesem Brief die gleiche 
doxographische Literatur benutzt wie in den Vetusta Placita, — die 
wie oben bemerkt aus des Poseidonios Schule hervorgegangen sind, — 
wie Diels, Elementum p. 11, Anm. 4 gesehen hat, und wir unten an 
einem weiteren Beispiel erläutern können. Der Brief an Pythokles ist 
also [unecht, zwar wie Usener a. a. 0. S. 38 darlegt unter eingehender 
Benutzung echten Materials aus dem Werke des Epikur IlEQi ^v66a>g, 
aber unter ständiger Polemik gegen Poseidonios, gleichwohl aber unter 
Benutzung von dessen Material abgefaßt. Dazu kommt, daß schon im 
Altertum an der Verfasserschaft dieses Briefes durch Epikur gezweifelt 
wurde, wie Philodem in VH^ 152, 4 (vgl. Usener a. a. 0. S. 54, Diels, 
Elem. S. 10) bezeugt (denn dies bleibt die natürliche Auffassung von 
Philodems Worten trotz der Ausführungen von v. Arnim, Art. Epikuros, 
Kol. 133—135 in Pauly-Wissowa, RE^, Bd. VI, 2. Hälfte, 1909, Kol. 138, 
der auf die Ausführungen von Diels im Elementum überhaupt nicht 
eingeht). Diels hat nun darauf hingewiesen (a. a. 0. p. 1 1 — 12), daß der 
Verfasser des Briefes an Pythokles — also Pseudo-Epikur — und Lucrez, 
bzw. dessen epikureischer Lehrer, demselben Kreise der damaligen Epi- 
kureer angehören, der durch den Angriff des Poseidonios gezwungen, 
unter Aufgabe der Nonchalance des Epikur sich zu einem mehr philo- 



Beweis der Benutzung des Berossos durch Poseidonios 105 

logisch-gelehrten Betrieb des Unterrichts bequemte und unter Benutzung 
des von dem Gegner gebotenen Materials eine gelehrte Physik darbieten 
mußte. 

Wir sehen also, daß ein und das selbe Stück des Berossos, seine 
Lehre über den Mond, von vier vollständig voneinander unab- 
hängigenQuellen, VarrobeiVitruv und Augustin, dann Kleomedes^ 
dem Verfasser der Vetusta Placita uod schließlich der jungepiku- 
reischen Schule, aus der der Verfasser des Briefes an Pythokles und 
Lucrez hervorgegangen sind, dargeboten wird. Alle diese vier sind 
literarisch sehr wenig selbständig und notorische Benutzer 
des Poseidonios! Da kann man nun mit aller erreichbaren 
Sicherheit den Schluß ziehen, daß diese Lehre des Berossos 
ihnen eben durch Poseidonios vermittelt worden ist. 

Dasjenige Werk nun, in das Poseidonios diese Berossos-Exzerpte vor 
allem eingearbeitet haben muß, war wohl seine MsTicoQoloyix'^ StOL- 
%sl(o6ig. Damit soll aber eine gelegentliche Benutzung des Berossos in 
seinen anderen Werken, so in TIsqI 'Sixsavov, vielleicht auch in seinen 
'JötoQtai nicht ausgeschlossen werden! 

Auf Poseidonios gehen dann selbstverständlich auch die anderen von 
Varro durch Fabianus bei Plinius und Seneca und durch Censorinus uns 
überlieferten Berossos-Fragmente zurück. Wir können aber, nachdem wir 
Poseidonios einmal als Vermittler von astronomisch-astrologischen Frag- 
menten des Berossos erkannt haben, noch eine Reihe weiterer Berossos- 
fragmente auf ihn zurückführen. 

Berossos wird für die Namengebung von Fixsternen zitiert in einer 
zum erstenmal vollständig und kritisch von E. Maaß 1898 in seinen 
Commentariorum in Aratum reliquiae pp. 99 — 306 herausgegebenen 
anonymen Eisagoge zu den Oaivo^isva des Aratos (vgl. Berossos, 
Fragm. 17). In dieser heißt es nun (die einschlägige Stelle ist uns nur 
in einer barbarischen mittelalterlichen "Übersetzung bei £. Maaß, a. a. 0. S. 
142, 13 — 143, 7 erhalten) p. 143, 4 — 7: latas enim appellationes et signi- 
ficationes stellarum postea aliquando Berossus ait in ' Procreatione^ ita 
significans exposuit nihil ad constiiutionem mundi ab eo (seil. Jove) factam 
Talia quippe aliqua Eudorus dicit. (Vgl. zur SteUe schon Kap. II.) 
Die Angabe Talia quippe aliqua Eudorus dicit kann doch nun nichts 
anderes bedeuten als ein Zugeständnis, daß der Verfasser — an eine 
selbständige Benutzung des Berossos ist bei der Kategorie von Schrift- 
stellern, zu der er gehört, natürlich nicht zu denken — die vorhergehende 
Berossosstelle eben aus Eudoros hat. Nun lebte Eudoros aus Alexandria 
zur Zeit des Augustus und hat eine Arat-Eisagoge geschrieben, die auch. 



106 Andere durch Poseidonios vermittelte Berossosfragmente 

von Achilles in seiner uns erhaltenen Arat-Eisagoge exzerpiert worden 
ist (neu publiziert von E. Maaß, a. a. 0. S. 25 — 98). Letzterer bezeugt dann 
in Kap. 2 (p. 30 Maaß), worauf schon Diels, Doxographi p. 22 hinge- 
wiesen hat, daß Eudoros den Diodoros von Alexandria exzerpiert hat. 
Dieser letztere war aber ein Schüler des Poseidonios und hat ihn eifrig 
benutzt (Diels, Doxographi p. 19 — 21). Auf Poseidonios geht also in 
letzter Linie auch dieses Berossosfragment zurück. 

Ein weiteres über Fixsterne handelndes Fragment hat uns aus einem 
Anonymus des Jahres 379 Palchos aufbewahrt (Fragm. 16; vgl. BoU, 
"Sphaera, 1903, S. 367 — 369; Palchos ist teilweise publiziert von F. Cu- 
mont und F. Boll in Catalogus codicum astrologorum Graecorum V, 
|)ars I, 1904, p. 171—226, die einschlägige Stelle p. 204, 1. 9—17). In 
diesem Fragment werden als die Gewährsmänner für chaldäische Astro- 
nomie angeführt Berossos, ApoUonios Myndios, Artemidor und 6 ((f^g, 
was aber, wie ich vermuten möchte (Fragm. 16, n. 10), zu korrigieren 
«ein wird in 6 'ETayevrjg. Der hier genannte Artemidor ist nun, wie 
Boll, Sphaera S. 368 annimmt, der von Parion, der ebenfalls wie die 
drei anderen uns durch Seneca bekannt ist, (vgl. Nat. Quaest. I, 4 und 
Vn, 13) und über Himmelskörper, auch über Kometen, wie Epigenes und 
ApoUonios geschrieben hat. Wie Bidez im Cat. cod. astr. Graec. V, 1, 
p. 204, n. 3 vermutet, ist er derselbe Artemidor, der nach der Vita Arati 
^Maaß, a.a.O.S.324, 13) ^atvo/Afva geschrieben hat. Kauffmann in seinem 
Artikel „Artemidoros von Parion" (Pauly-Wissowa, RE^, II.Bd, 1 Hälfte, 
1895, Kol. 1332 — 1334) führt aUe seine allein bei Seneca erhaltenen Frag- 
mente ebenfalls auf Poseidonios zurück. In dem obigen Fragment bei 
Palchos werden also gerade nur die vier Schriftsteller als Autoren für 
<;haldäische Astronomie angeführt, die Poseidonios benutzt hat, nämlich 
Berossos, ApoUonios von Myndos, Epigenes und Artemidor. Daraus er- 
gibt sich aber deutlich, daß dies Fragment in letzter Linie ebenfaUs auf 
Poseidonios zurückgeht. 

Cicero bietet in seiner Schrift De divinatione I, 19 § 36 folgende An- 
■gabe (Berossos, Fragm. 3): 

Condemnemus etiam Bdbylonios et eos qui e Caucaso caeli signa ser- 
■vantes numeris et modis stellarum cursus prosequuntur ; condemnemus, in- 
quam, hos aut stultitiae aut vanitatis aut impudentiae, qui quadraginta 
septuaginta milia annorum, ut ipsi dicimt, monumentis comprehensa con- 
iinent. 

Daß diese Angabe der Babylonier auf die Chronologie des Berossos 
zurückgeht, habe ich in meiner Schrift „Die babylonische Chronologie 
in Berossos' Babyloniaka" (MVAG 1908, 5, erschien Juli 1909) S. 4 dar- 



Cicero und Diodor benutzen Poseidonios 107 

gelegt. (Nur möchte ich jetzt annehmen, und zwar wegen des Quellen- 
verhältnisses zu der gleich zu besprechenden Angabe des Diodor, daß 
die runde Zahl 470000 nicht aus 468000 = 432000 + 36000, sondern 
aus 473000 Jahren verkürzt ist.) Nun ist aber das I. Buch von Cicero, 
De divinatione, in dem sich diese Angabe findet, nichts als ein Auszug 
aus den fünf Büchern des Poseidonios IIsqI MavtLxfig, wie Schiebe (De 
fontibus libr. Ciceronis qui sunt de divin., Jena 1875, S. 26 ff.) und Hart- 
felder (Die Quellen von Ciceros zwei Büchern de divin., Freiburg i. Br. 
1878, S. 13—20) erwiesen haben (vgl. Susemihl, a. a. 0. 1, S. 131, n. 651; 
II, S. 145, n. 204 und S. 132, n. 166). Auf Poseidonios geht also auch 
■dies Berossosfragment zurück. 

Dieselbe chronologische Angabe findet sich aber wieder in Diodor, 
lib. n, c. 31, § 9 (Berossos, Fragm. 4): 

IIeqI ds rov TilTjd'ovg räv itäv, kv olg (faöi f^v dscoQiav tav xatä 
xbv nööfiov jcsjtOLrjöd'aL tb 6v6trjficc r&v Xaköaicov^ ovx av ng QccöCcog 
möTEvOsiBV stcbv yccQ ijträ y.aX TSttaQaxovra fivQLccdag xal rgstg iTcl 
ravtaig xikiddag slg tijv '^Is^dvÖQOv didßaöiv ysyovivai ocaraQid-fiov- 
^iv, ccq) ' otov tb TCaXaibv iqQi^avxo täv dötQoov rag TtaQarrjQyjöSLg 7Coi£l6%'ai. 

Daß hier Benutzung des Berossos vorliegt, zeigt schon die Angabe 
■Big TYjv ^le^dvÖQov dCaßaöiv, denn bis dahin reichten eben die Baßv- 
XavLccxd des Berossos, wie wir in Kapitel II sahen. Andererseits wird 
(vgl. meinen oben zitierten Aufsatz, S. 4 — 5) die Benutzung des Berossos 
auch durch die Zahl 473000 Jahre selbst erwiesen, die aus den Einzel- 
posten des Berossos, wenn auch flüchtig (a. a. 0. S. 5) berechnet ist. 

Daß dabei Berossos von Diodor nicht selbst benutzt ist, braucht nicht 
«rwiesen zu werden. Daß er eine Mittelquelle benutzte, gibt er außer- 
dem selbst zu: 'Sie sagen (cpccöi), die Priesterschaft der Chaldäer (tö 
övörrj^a t&v XaXdaCav) habe seine %-EcaQia täv y.axd. xbv xöö^ov in 
473000 Jahren sich gemacht (rcsTtoifiöd-aiy . Wer sind nun diese Ge- 
währsmänner, weiche cpaöi? 

Der Abschnitt über die Chaldäer lib. II, c. 29 — 31, zu dem dies 
Zitat gehört, ist, wie allgemein anerkannt wird (F. Jacoby, Rhein. Mus. 
N. F. XXX, 1875, S. 612—613; P. Krumbholz, Rhein. Mus. XLI, 1886, 
S. 324—325; J. Marquart, Philologus, Suppl. Bd. VI, 2, 1893, S. 554; 
Ed. Schwartz, Pauly-Wissowa, RE^, Bd. V. 1. Hälfte, 1905, Kol. 672) 
«in Einschub, den Diodor aus einer fremden Quelle in das Exzerpt von 
Ktesias' Assyriaka in Buch II, c. 1 — 34 eingefügt hat. Freilich ist in 
diesem Abschnitt über die Chaldäer nicht Berossos allein benutzt. Denn 
die Angabe c. 31, 6 ort de q)G>g dlloxQiov siei (seil, i] öslijvrj) xal 
diöti, xäg ixXd^ug Ttoislxai diä tb 6xCa6^a xr^g yfig nuQankiqaLa Xiyovöi 



108 Diodor benutzt Poseidonios 

roig "'EXltföi, (seil, ol Xakdatoi) muß einem anderen Schriftsteller über 
babylonische Lehren entstammen als Berossos, der ja gerade gelehrt hat, 
ort idiov q)G)g i%ei, i] öeXi^vr]^ otl rj^invQcoxog eqiulQcc iöriv i] es^rivrj und 
Stt xarä trjv ngog il^ccs iniöxQocp'^v tov ccnvgäzov ^SQovg rag ix^si^-'eig 
noisltai 7] öslr^vr], wie wir aus den nach unserem Nachweis aus Posei- 
donios stammenden vier Berossosfragmenten 18 bei Kleomedes, 19 — 21 
aus den Vetusta Placita, 22 — 23 aus Varro und 24 — 25 aus der jung- 
epikureischen Schule ersehen, und schon F. Krumbholz a.a.O.S. 325 be- 
merkt hat. Ebenso muß die Angabe Kap. 30, 3, daß der Planet des Kqö- 
vog bei den Babyloniern a6ti]Q rjXCov geheißen hat, auf einen Schrift- 
steller über BttßvXavLccxK zurückgehen, der älter war als Berossos, und 
kann nicht aus diesem selbst geschöpft sein. Das beweist die in der 
Epinomis (ed. J. Burnet in Piatonis opera, tom. V, Oxford 1906), die 
zwar wohl mit Unrecht von der handschriflichen Überlieferung dem 
Piaton zurückgeschrieben wird, sondern vielmehr aus seinem Schüler- 
kreise stammt (W. Schmid in Christs Griech. Lit. Gesch., 5. Aufl., I. Teil, 
1908, S. 658), und von einer antiken Tradition bei Diog. Laert. III, 37 
dem Schüler Piatons, Philippos von Opus, dem Herausgeber von Piatons 
NöfiOL zugeschrieben wird, also jedenfalls lange vor den BaßvXcaviaxd 
des Berossos verfaßt ist — vorkommende Erwähnung des 'HUov aCxriQy 
p. 987 c: Aomol 8b xQslg äötagsg, cov aig (isv ßQccdvrf^ri diacptgcov avräv 
iffw, 'HXCoi) S'avröv tivag cp&syyovTUf tbv dh [istcc xovxov ßQadvxfjxi, 
Xsyeiv ji^QTj ^i6g, "^Qscog dh 6 ^lexä xovxov^ ndvxcov ds ovxog igv&Qaxa- 
tov i^SL xQ&^a. Zwar wird die Lesart 'HXlov nur von einem Teil der 
Handschriften, A und 0^ geboten, L und die zweite Hand in bieten 
Kq6vov. Daß Kqovov aber iri-tümlich statt 'HXCov in den Text geraten 
ist — noch Bumet bietet es irrigerweise in seinem Text, — hat Bidez 
dargelegt (vgl. F. Cumont, Babylon und die griechische Astronomie, 
Neue Jahrbb. f. d. klass. Altert, usw. XXVII, 1911, S. 1—10, bes. S. 4). 
Wir finden somit in diesem Abschnitt berossische und nichtberossische 
Angaben. Es sind also mehrere Schriftsteller über BaßvXaviaxd in eins 
ineinandergearbeitet worden. Daß dies nicht Diodor selbst getan hat,, 
liegt auf der Hand. Als einen Schriftsteller, der in seinen Werken eine 
ganze Anzahl von Verfassern von BccßvXoviaxd oder XaXdcclxd ausschrieb, 
kennen wir aber Poseidonios. So hat denn schon Ed. Schwartz (Pauly- 
Wissowa, RE*, V, 1 Kol. 672) aus der Identität unseres Berossos-Zitates 
Kap. 31, 9 mit dem vorher von uns behandelten bei Cicero de divin. lib. 
Ij § 36 geschlossen, daß dem Poseidonios dieser Abschnitt des Diodor 
zuzusprechen sei. Für einen Kenner der babylonischen Wissenschaft 
wie Poseidonios paßt auch sehr hübsch die Bemerkung c. 31, 6: UsqI 



Exkurs: Epigenes und ApoUonios von Myndos 109 

dh tilg ocatä xbv ijhov ixkstijjECjg död'svsfftcitag ccütoöeC^eig cpsQOVtsg ov 
toXa&öL TCgoleyELV ovo' axQißag VTtsQ tavrrjg TCSQiyQcccpsLV tovg XQOVOvg, 
wie Ed. Schwartz a. a.O. mit Recht bemerkt. Auf Poseidonios führt auch 
eine Vergleichung von Kap. 29, 2 mit Manilius I, 40 sqq. (Schwartz 
ebenda). 

Wir haben so gesehen, auf wie vielen Wegen uns durch Poseidonios 
die Fragmente des Berossos vermittelt sind. Es dürfte von Nutzen sein, 
uns durch ein Schema die Benutzung des Berossos durch Poseidonios' 
Auschreiber vor Augen zu führen (erhaltene Autoren sind unterstrichen; 
siehe die Tafel auf der nächsten Seite). 

Es sei mir gestattet, in einem Exkurs auch einige neue Fragmente 
des Epigenes von Byzanz und ApoUonios von Myndos nachzuweisen, die 
ebenfalls durch Poseidonios vermittelt sind. 

Bei Stobaios, Eclog. Phys. lib. I, Cap. XXVIII, 1, S. 582 wird uns im 
Anschluß an Aetios, Placita Philos. lib. III, c. 2 (Diels, Doxographi, 
366 — 367) folgendes Stück überliefert: 

XaldaCovg fisv dij köyog Ttegl xofirjt&v code yiyvcböxELV 

ort eiöC TivEg jcal akXoi e|ca xäv cpaivo^Bvav TcXavrjxäv ccötSQEg, o'C 
XEC3g ^Iv acpttVEig slöiv, ox8 hnl noXv uv(d tcov a(p rjiiäv (pEQovxac, i^drj 
dh xal xansivcDd-EvxEg a)q)d-rj0av ovxcog cog i^ivoi ivEx^EVtsg ftg xä ola' 
xal xovxovg xo^iijtag kuIeIv (pCXov xolg ov yiyvcböxovöLV, oxl xal avxol 
ix xcjv Ttolk&v döxEQCov ELöCv. ^AcpavCt,E6^ai 8e doxovötv, STCEidäv avs- 
VEixtaöLV Elg xijv 6cpS)v i^^quv^ dvvxEg slg xb ßdd-og xov ald'SQog^ &6JtEQ 
etg xbv xov Tcsldyovg ßvd-bv ol Ix^vg. 

Ol ÖS V7t' dvE[ic)v 1] %'vikXrig dva(pEQE6d^ai xLva yEcodr] ig xbv ävo 
dsQU idö^aöav xal xavxcc ixTtvQod'Evxa xal slg xrjv dCvrjv i^nEöövxaxov 
ald-EQog lvfi:t£Qi.vo6XElv TÖ Ttuvxl ETtl XQOvov, STCELxa djiava lad" Evxa TtQog 
xov TtvQbg dg)avT] xa&Cöxaöd'ai, xal xovg xo^y]xag dtj xaXov^avovg döxE- 
Qag xavxa Elvau. 

Daß das erste Stück von XakdaCovg — ol Ix^vg aus ApoUonios von 
Myndos stammt, lehrt sofort ein Vergleich mit dessen Fragmenten bei 
Seneca: 

Seneca, Nat. Quaest. lib. VII, c. IV, § 1: 

Duo certe, qui apud Chaldaeos studuisse se dicunt, Epigenes et Äpol- 
lonius Myndius, peritissimus inspiciendorum natdlium, inter se dissident. 
-Hie enim ait 'cometas in numero stellarum errantium poni a Chaldaeis 
tenerique cursus eorum.' 

Ibidem c. XVII: 



110 



Schema der Benutzung des Beiossos durch Poseidonios 







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Epigenes und Apollonios von Myndos 111 

Äpollonius Myndius in diver sa opinione est: ait enim 'cometen non 
unum ex multis erraticis effici, sed multos cometas erraticos esse.' 

^Non est', inquit, 'species falsa nee duarum stellarum confinio igni& 
extentus, sed proprium sidus cometae est sicut solis ac lunae: talis Uli forma 
est, non in rotundum restricta sed procerior et in longum producta. Cete- 
rum non est Uli palam cursus: altiora mundi secat et tunc demum apparet, 
cum in imum cursus sui venit* 

Nee est, quod putemus eundem visum esse sub Claudio, quem sub Au- 
gusto vidimus, nee hunc, qui sub Nerone Caesar e apparuit et cometis de- 
traxit infamiam, Uli similem fuisse, qui post divi Julii obitum ludis Ve- 
neris Genetricis circa undecimam Jioram dici emersit. 

^Multi variique sunt, dispares magnitudine, dissimiles colore: aliis- 
rubor est sine ulla luce, aliis candor et purum liquidumque lumen, aliis 
flamma et haec non sincera nee tenuis sed multum circa se volvens fumidt 
ardoris; cruenti quidam minacesque omen post se futuri sanguinis ferunt. 
Hi minuunt augentque lumen suum quemadmodum alia sidera, quae cla- 
riora cum descendunt sunt maioraque, quia ex loco propiore visuntur, mi- 
nora cum redeunt et obscuriora, quia abducunt se longius.' 

(Das mittlere Stück Nee est, quod — dici emersit ist selbstverständ- 
lich , wie der Inhalt zeigt, ein Einschub des Seneca selbst.) 

Damit dürfte der Ursprung des ersten Teiles dieses Citats des Sto- 
baios aus ApoUonios erhärtet sein. 

Die zweite Hälfte des Stobaiosstückes von Ol dh — ravta slvcci re- 
produziert aber die Lehre des Epigenes, wie wir aus dessen Fragmenten 
sehen. 

Aetii Plac. Philos. lib. III, c. 2, 6 (Diels, Doxogr. p. 367): 

^Eniysvrjg Tcvevfiatog ävatpoQccv ysco^Lyovg nanvQco^ivov (seil, tov 
xo^iTjTTfjv sivaC q)rj0iv). 

Seneca Nat. Quaest, lib. VII, c. 4: 

Dwo certe, qui apud Chaldaeos studuisse se dicunt, Epigenes et 
Äpollonius Myndius, peritissimus inspiciendorum natalium, inter se dis- 
sident. 

Hie enim ait cometas in numero stellarum errantium poni a Chal- 
daeis tenerique cursus eoruni. 

Epigenes contra ait ^se a Chaldaeis nihil de cometis habere com- 
prensi, sed videri illos accendi turbine quodam a'eris concitati intorti.' 

Primum ergo, si tibi videtur, opiniones huius ponamus ac refellamus. 

Huic videtur 'pl/urimum virium habere ad omnes sublimium motus^ 
Stella Saturni: 

Haec, cum proxima signa Marti premit aut in hinae vidniam transit 



112 Epigenes und ApoUonios von Myndos 

/lut in solis incidit radios, natura ventosa et frigida contrahit plurihus lo- 
cis a'era conglohatque; deinde si radios solis assumpsit, tonat fulguratque ; 
si Martern qiioque consentientem habet, fulminat. 

Praeterea,' inquit, 'aliam materiam habent fuhnina, aliam fulgura- 
tiones. 

Äquarum enim et omnis umidi evaporatio splendores tantum caeli 
ciiora ictum minaces movet, Uta autem caUdior sicciorque terrarum exha- 
latio fulmina extundit. 

Trabes vero et faces, quae nvälo alio inter se quam magnitudine distant, 
hoc modo fiunt: Cum umida terrenaque in se globus aliquis a'eris clausit, 
quem turbinem dicimus, quacumque fertur, praebet speciem ignis extenti, 
quae tarn diu dural, quam diu mansit a'eris illa complexio umidi intra se 
terrenique midtum vehens.' 

Ibidem c. VI, §§ 1—2: 

'Duo', inquit Epigenes, 'cometarum genera sunt: 

Älii ardorem undique effundunt neclocum mutant, aliiin unampartem 
ignem vagum in modum comae porrigunt et Stellas praetermeant' (quales 
duo aetate nostra visi sunt). 

'Uli priores criniti undique et immoti humiles fere sunt et isdem causis 
quibus trabes facesque conflantur ex intemperie a'eris turbidi multa secum 
arida umidaque terris exhcdata versantis. Potest enim spiritus per angusta 
£lisus accendere supra se positum a'era plenum alimentis idoneis igni, deinde 
propellere eum niti, donec ex aliqua causa refluat cursus a^ remittatur, 
deinde Herum jyroximo die ac sequentibus consurgere et eundem locum in- 
flammare: videmus enim ventos per complures dies ad constitutum redire; 
pluviae quoque et alia tempestatum genera ad praescriptum revertuntur.' 

Ibidem c. VII, §2: 

Transit deinde ad Hllos, quos' ait 'certiorem habere stellarum speciem, 
qui et procedunt et signa praetereunt. Hos' ait 'ex isdem causis fieri, qui- 
bus illos' quos dixit 'humiliores, hoc tarnen interesse, quod terrarum exha- 
lationes multa secum arida ferentes celsiorem petant partem et in editiora 
cadi aquilone pellantur.' 

Ibidem cVm, §1: 

Illam nunc rationem eins (utraque enim utitur) refellamus: 

'Quicquid umidi aridique terra efflavit, cum in unum coit, ipsa dis- 
cordia corporum spiritum versat in turbinem; tunc illa vis venti circum- 
euntis quicquid intra se comprehendit, cursu suo accendit et levat in odtum, 
ac tarn diu manet splendor ignis expressi, quamdiu alimenta sufficiunt, 
quibus desinentibus et ipse subsidif 

Hierdurch dürften ApoUonios und Epigenes als die von Stobaios 



Epigenes und Appollonios von Myndos 113 

benutzten Autoren erwiesen sein. (Wie ich nachträglich sehe, hat diese 
Erkenntnis schon J. L. Ideler 1834 in seiner Ausgabe von Aristoteles' 
Meteorologika vol. 1, p. 394 vor mir gewonnen.) 

Woher hat nun Stobaios dieses Fragment? Diels hat es Doxographi 
p. 367 unter die Placita des Aetios nicht aufgenommen, jedoch, wie ich 
glaube, ohne ausreichenden Grund. Es steht mitten zwischen zwei Stücken 
aus den Placita des Aetios, c. 2 und 3 von Buch III des Aetios bei 
Stobaios, dürfte also aus diesen stammen. Jedenfalls dürfte es zweifel- 
los sein, daß es ebenso wie alles andere uns von Epigenes und ApoUonios 
Überlieferte durch Poseidonios vermittelt ist, was meines Erachtens schon 
durch die Zusammenstellung der beiden Autoren erwiesen wird. In den 
Placita finden sich auch sonst noch, so V, 18, 6, anonyme auf die Chal- 
däer zurückgehende Stücke (vgl. Diels, p. 195 — 196), die gewöhnlich als 
(lad-rifiarLKoC in ihnen zitiert werden, (Diels, Elementum p. 11, Anm. 3) 
mit einem Ausdruck, den Poseidonios vornehmlich nur für sie gebraucht. 
Vgl. auch die anderen Fragmente der ^ad-rjfiaTLXoC, Aetios II, 15,5 (p. 345) ; 
II, 16, 2 (p. 345); ü, 16, 7 (p. 346); II, 31, 2 (p. 362); E, 29, 6 (p. 360); 
II, 30, 7 (p. 362); IV, 14, 3 (p. 405), die also auch auf Chaldäer zurück- 
gehen. Im Sinne von Chaldäer findet sich (lad-tj^atLocoC auch von Strabon 
— auch aus Poseidonios! vgl. unten — gebraucht lib. XV, c. 6, p. 739 
gebraucht. 

Die Lehre des ApoUonios und Epigenes über die Kometen wird 
aber auch benutzt von Pseudo-Epikur, Ad Pythoclem, § 111, p. 52, 
4 — 8 Usener: 

Ko[ifitai aöTSQSs yCvovrai ijroi Tcvgbg ev tönoig tiöl diä xq6v(ov 
tiväbv SV rotg ^EtsaQOig 0vvtQeq)O^Evov TtSQLötdöecag ysvofisvrjg, 

Yj idCav xivä ZLvrjöLV dtä xqövcov rov ovquvov t6%ovtog vtisq rjfiäg, 
SöTS rä Toiavra ccötga avafpavfivai. 

Daß das erste Lemma die Lehre des Epigenes wiedergibt, hat schon 
Usener, Epicurea p. 389, auf Grund von Seneca Nat. Quaest. VII, c. IV 
(vgl. 0.) erkannt. Das zweite Lemma vergleicht er mit den Chaldäern bei 
Stobaios Ecl. Phys. 28, 1 und bei Seneca Nat. Quaest. VII, 4, 1 und 17, 
das ist aber eben mit ApoUonios, der ihre Lehre überliefert (vgl. oben). 

Daß Pseudo-Epikur auch hier Poseidonios benutzt hat, bedarf nach 
den obigen Ausführungen wohl keines Beweises. 

Durch Varro geht auf Poseidonios zurück auch das von Censorinus 
cap. VII, 5 und 6 überlieferte Fragment des Epigenes (vgl. Rehm, Pauly- 
Wissowa, RE^, Bd. VI, 1. Hälfte, 1907, Kol. 65): 

Nam septimo mense parere mulierem posse plurimi adfirmant, ut 
Theano Pythagorica , Aristoteles peripateticus , Diocles, Euenor, Straton, 

Schnabel: Proleg. u. Kommeutar z. d. Babyloniaka d. Bexossos 8 



X14 Epigenes 

Empedodes, Epigenes multique praeterea, quorum omnium consensus 
Euryphotiem Cnidium non deterret id ipsum intrepide pernegantem. Con- 
tra eum ferme omnes Epicharmo secuti octavo mense nasci negaverunt: 
Diocles tarnen Carystius et Aristoteles Stagirites äliter senserunt. Nono 
autem et decimo mense cum Chaldaei plurimi et idem supra mihi nomi- 
natus Aristoteles edi posse partum putaverint, neque Epigenes Byzan- 
tius nono fieri posse mense contendit, nee Hippocrates Cous decimo. 

Nach einer Korrektur von Lobeck, Aglaophamus p. 341, wird 
'EmyBvi^g und als Titel seines Werkes Xalöal'xä zitiert in dem Scholion 
zu V. 1377 von Buch III der Argonautica des ApoUonios Rhodios: 

V. 1377. Olog d' oi)Qav6%-EV nvQÖsig avandXXsrav: 

ygcitpst at xal ccTCokccfiTcetai. IIeqI t&v diatQSXovrcov aötEQOv xccl 
gq^dCcog ätpuvitßiiBvav xov Xoyov noisltai, o'C tf] xfig ö|wTjTog (poQÜ ncc- 
QatxX'^ötöv TL eiovöiv vnoßovXrjficc. 

6k)cbv dl Xsysi rö dtä rijv öi,vTrjra TCccQaGvQÖiievov^) avtä cpiyyog. 
Tag 06 Toiavtag (pavxaöiag 6 Movöalog ävaipsQOfisvag cprjölv ix tov 
axsavov xaxa xov aid^EQa anoößivvvöd^ai. Tovg de vno MovöaCov äöxs- 
Qag siQTj^svovg ^TCoXXcaviog md-av&g ^ag^aqvyäg etQrjxe. Tag yaQ yv- 
vo[isvag axaraXriTCxovg diä xi]v ö^vxrjxa a%o6xCX'4)ng i(p' ovxivog fiag- 
[ittQvyäg xaXovöLV. 'Ani&avov dl xa xoiovxco ocöxsql naQaßaXslv xhv 
Iccöova TtQog imxCvdvvov dd'Xov TtoQSvöfiEvov, x(p a^a xä cpavfjvccL sx)- 

d'BOg ößsVVVflEVC). 

El de xig Xsyot tö IIvQoevxi ccvxbv cofiOLOXBvaL, jcsqI ov Usql- 
ysvrjg^) hv xä tcsqI xfjg XaXxidix'iig^) x&v ^ad^tj^axixcjv TtQosmeyv 
nsQl xcbv nXaviqxGiv^ Xiyav xxp' sv slvai xov IJvQodvxcc, TtQoöayoQsvö- 
{levov dl V7C0 'EXXrivcov "ägeag^ vno dl XaXdaCcov^) 'HQaxXi'ovg {(prjöl 
yuQ xal STtiövQoiievov avxov ^agfiaQvyäg xal özivd'rlQag ylveöd-ai). 'O 
dh IlvQÖSLg dvöxCvTfjxög s6xlv. 

1) 8ia — naQaavQ6iLBvov\ Keil, vno — naQavQOiitvov cod. L, — 2) JJsql- 
yivris] sie cod. L, correxit Lobeck, Aglaophamus p. 341 : 'Eniyiv7\?. — 3) XccXki- 
dtxTjg] sie L, correxit Lobeck 1. c. XaXSa'ixiig. Keil proponit x&v XaXSaC-Aiäv. — 
4) XaX6aicav\ sie Etymologicum magnum p. 697, 63, %aX%iSi(ov L. 

Daß zunächst das Etymologicum magnum mit seiner Lesart %aX- 
daCov gegenüber xaXxidiav des Codex L, des einzigen Codex der Scho- 
lien, im Recht ist, beweist schon der Gegensatz vno '^EXXrjvcov — vxb 
XaXdaicDv. Den "EXXijveg kann man die XaXxLdsig doch nicht gegen- 
überstellen! Dann ist aber auch mit Lobeck weiterhin XaXxLdLxfjg in 
XaXdal'xrjg zu ändern oder noch besser mit Keil (in seiner der Merkei- 
schen ApoUoniosausgabe angehängten Edition dieser Scbolien) in t&v 
XaXdalx&v. T&v (iad^7}[iaxix&v möchte ich unter Streichung des xav 



Epigenes 115 

in iiccd^Tj^dtcov ändern. Nun kennen wir aber keinen nsQiyEvrjg, der 
bei den Chaldäern studierte und über XaXda'Cxd schrieb, sondern nur 
einen 'E^iysviqg. Diese Korrektur [von Lobeck ist also auch anzu- 
nehmen. 

Freilieh könnten wir diese Stelle nicht für ein Epigenes-Fragment 
ansehen, wenn die von Rehm (Artikel Epigenes von Byzanz, Pauly- 
Wissowa, UW, VI. Bd., I.Hälfte, 1907, Kol. 66) angegebenen Einwände 
zu Recht bestehen würden. Er sagt a. a. 0.: „Aber die dort (seil, in dem 
Scholion) über den Ursprung der Sternschnuppen vorgetragene Lehre 
läßt sich nicht wohl mit dem bei Seneca Überlieferten vereinigen, und 
die Bezeichnung des Planeten Mars als Stern des Herakles scheint viel- 
mehr auf Ägypten zu weisen (vgl. Achill, isagog. 17, p. 43, 21), so daß 
die Identität dieses Autors mit dem unseren (seil. Epigenes von Byzanz) 
zu bezweifeln ist." 

Was den Einwand anbetrifft, daß die hier über den Ursprung der 
Sternschnuppen vorgetragene Lehre sich nicht mit dem von Epigenes 
bei Seneca — Nat. Quaest. VII, c. 4, 3 — Überlieferten vereinigen ließe, 
so verstehe ich nicht, wie ihn Rehm überhaupt hat erheben könuenl 
Wo steht denn überhaupt in unserem Scholion etwas über den Ursprung 
der Sternschnuppen? Rehm meint offenbar den Passus (prjöl yäQ (seil. 
6 IIsQL- bzw. 'E:tiy8vrjg) xal iniövQoiiivov (seil, xov IlvQoivtog) avxov 
^aQ^iaQvyäg xal öniv^figag ysvsGd^ai. Das heißt: „Denn er sagt: Und 
wenn er so dahinkriecht (vgl. 'O öe UvQÖSLg övöxCvrjtog iörivl)^ ent- 
stehen Geflimmer und Funken." Es soll offenbar der helle Glanz des 
Mars geschildert werden. Von Sternschnuppen kann ich nichts ent- 
decken und ebenso nichts von einem Widerspruch mit Epigenes. 

Wichtiger ist der zweite Einwand, daß die Bezeichnung des Mars 
als Stern des 'HQuxXfjg auf Ägypten weise. Denn in der von Rehm zi- 
tierten Stelle bei AchiUes, Isagoga in Aratum c. 17 (p. 43, 21 ed. 
Maaß in Comment. in Aratum reU., 1898) steht tatsächlich folgendes: 

TgCrog 6 tov ZäQsog nagä ^sv "EXXt^öl Ilvgösig^ xagä ös AiyvnxCoig 
'HgwKXiovg a6rriQ. 

In diesem Achilleskapitel werden sämtliche fünf Planeten zunächst 
mit ihren gebräuchlichen (bekanntlich aus Babylonien stammenden) 
Namen 'Eq^iov, 'AcpQoditrjg, "ÄQSog, z/tdg, Kq6vov aßxriQ aufgeführt, 
dann mit den (alten) hellenischen ZxiXßav, 'E(o6(p6Qog^ Ilvgösig^ ^as- 
%'G)v, 0aCv(ov, dann mit den 'ägyptischen', 'AnöXXeovog (d. i. Merkur), 
die ägyptische Bezeichnung der Venus ist ausgefallen, 'HgaxXeovg (Mars), 
^OöCQidog (Jupiter), Nsfiiöecog (Saturn) ccöx'^q. Wie alt diese ägyptischen 
Bezeichnungen sind, wissen wir nicht. Aber daß bei den Ägyptern der 

8* ^ 



116 Epigenes 

Mars 'HQuxksovg kött^q genannt wurde, ist für unsere Frage ganz irre- 
levant, denn die obige Überlieferung des Scholion zu ApoUonios, daß 
(nach der, wie wir sahen, aUein nur möglichen Lesart des Etymologi- 
cum magnum) der üvqösls von den Hellenen "kgEog, von den Chaldäern 
aber 'HQaxXsovg acfti]Q genannt werde, wird bewiesen durch folgendes 
Zitat aus Macrobius, Satur. lib. 111, 12, 5 — 6: 

Salios quoque Herculi uhertate doctrinae altioris adsignat quia is 
deus ei apud pontifices idem qui et Mars habetur. Et sane ita Menippea 
Varronis adfirmat, quae inscribitur "AXlog ovrog 'HQaxlfig, in qua, cum 
de Invicto Hercule loqueretur, eundem esse ac Martern prohavit. 
Chaldaei quoque stellam Herculis vocant quam reliqui omnes Martis 
appellant. 

Macrobius hat uns seine Quelle selbst angegeben, Varro. Dieser 
schöpfte aber, wie wir oben sahen, sein Wissen über XaXda'Cxd aus den 
Speichern des Poseidonios. 

Dafür, daß Mars Stern des 'Hgayclrig hieß, haben wir noch ein an- 
deres Zeugnis. In der pseudoaristotelischen Schrift IIbqI K6<3^ov^ in 
der massenhafte Entlehnungen aus der Meteorologie des Poseidonios 
sich finden (vgl. Susemihl a.a.O. II, S. 326 — 328), steht folgendes Zeug- 
nis, Kap. 2: 

To filv ovv rG)v anXavciv %Xfid-6g iötiv avsi,8VQ£tov avd'QcoTtoig., 
xainsQ int ynag xtvovfiEvcov kTtKpavslag trig xov övfiJtavrog ovQavov. 
Tb dh tS)v jtlaviJTcav eig STttä ^SQr] xscpccXatovßsvov iv toöovroig iöri 
xvxkotg iqjsiirig xsL^isvoig^ &0ts ael tbv ävotSQco ^Si^a tov vTtoxdrcj 
elvai^ tovg ts ijträ iv dXXrjXovg 7CEQii%E0Q'a,i^ TCavxag ys (liiv vnb xfig 
tcöv änXav&v 6(paCQccg nsQisiXrifpd-ai. Evvs%ri 8s eist dal f^v d'söiv 
ravtr} b xov ^aCvovxog a^a xal Kqövov xalov^iEvog xvxXog, i(pE^'fjg ds 
6 xov ^asd'ovxog /libg XEyo^svog, eIO"^ ö üvQÖEig ^HQaxXiovg xs xal 
"Agsog JtQoöayoQEvo^svog, £|^g da b UxiXßav, bv Isqov'Eq^ov xccXovötv 
EvtoL, xiVEg dh AjtöXXavog' ^sd"* bv b xov ^aöcpÖQov, bv AcpQodCxrjg, ol 
Ss 'Hqag TtQOßccyoQEVovßLV, eIxu b 'HXlov, xal XEXEvralog b xfig UsXT^vrjg 
liEXQi yfjg bQit,sxaL. 'O dh aid-ijQ xd xs d'sla i^TiEQiSXEi öayLuxa xal xijv 
rfjg XLVTjßEog xd^iv. 

Wir wissen so aus zwei Zeugnissen, daß Poseidonios einen Autor 
über XaXda'Cxd benutzt haben muß, der den Mars 'HgaxXsovg döxiJQ 
nannte. Andererseits wissen wir, daß Poseidonios den Epigenes benutzt 
hat, der bei den Chaldäern studiert hat. Wenn wir nun bei einem IIe- 
Qiyevrig dieselbe auf die Chaldäer zurückgeführte Lehre, daß Mars de^ 
Stern des Herakles genannt wurde, vorfinden, so wird man wohl nicht 
mehr zu zögern brauchen, einerseits den Epigenes und IlEQLysvrjg für 



Epigenes. — Kritodemos 117 

einen Mann zu halten, in dem Scholion also UEPirENHZ in EJUI- 
FENHU mit Lobeck zu emendieren, andererseits die beiden durch Po- 
seidonios vermittelten Zitate aus Varro bei Macrobius und aus der 
Schrift IIsqI Köö^ov für Fragmente des Epigenes zu erklären. 

Wenn in dem Fragment des Epigenes bei Seneca Nat. Quaest.VII, 4 
die Stella Martis statt der Stella Herculis erwähnt wird, so liegt wohl 
ein stiller Ausgleich eines der Vermittler, des Poseidonios, des As- 
klepiodot oder des Seneca selbst, mit dem gewöhnlichen Sprachge- 
brauch vor. 

Da wir nun wissen, daß Poseidonios die Angabe, der Planet Mars 
heiße auch ccötrjQ 'HQaxXeovg^ aus Epigenes entlehnt hat, werden wir 
auch kein Bedenken zu hegen brauchen, die Angabe des Scholions eben- 
falls als durch — in letzter Linie wenigstens — Poseidonios vermittelt 
anzusehen. 

Nachdem wir so drei Autoren kennen gelernt haben, aus denen 
Poseidonios seine Kenntnis über babylonische Dinge schöpfte, Berossos^ 
Epigenes von Byzanz und Apollonios von Myndos, liegt es nahe, die 
noch auf Poseidonios zurückführbaren Nachrichten über Babyloniaka 
zu sammeln und das Material über die in ihnen noch genannten Autoren, 
die über chaldäische Dinge geschrieben haben, zusammenzustellen. 

Zunächst ist da für uns Berossos' Fragment 6 bei Plinius Nat. 
bist. VII, § 193, das, wie wir oben bemerkten, Plinius durch Vermit- 
telung des Fabianus aus Varro — indes kann es Plinius auch direkt 
aus Varro, den er selbst benutzte, genommen haben, die erstere Mög- 
lichkeit liegt indes durch die Analogie der Überlieferung der beiden 
anderen Berossosfragmente 33 und 40 näher — und das Varro wieder 
aus Poseidonios geschöpft hat, von Wichtigkeit: 

E diver so Epigenes apud Bdbylonios DCCXX annorum ohserva- 
tiones siderum coctilihus laterculis inscriptas docet, gravis audor inprimis; 
qui minimum, Berosus et Critodemus, CCCCLXXX. Ex quo apparet 
aeternus Utterarum usus. 

(Zu der Überlieferung der Zahlen ist meine Note 20 zu diesem 
Fragment zu vergleichen.) 

Wenn dieses Fragment für Berossos die Zahl 480000 Jahre bietet, 
während, wie wir oben sahen, Fragment 4 bei Diodor 473000 Jahre 
und Fragment 3 bei Cicero die daraus abgerundete Zahl 470000 Jahre 
bieten, die aber ebenfalls auf Poseidonios zurückgehen, so entsteht ein 
scheinbarer Widerspruch. Indes, nur ein scheinbarer! Denn Fragment 6 
einerseits und Fragment 3 und 4 andererseits gehen auf verschiedene 
Stellen von Poseidonios' W^erken zurück, wie der Zusammenhang, in 



118 Kritodemos 

dem sie bei Plinius einerseits, Cicero and Diodor andererseits stehen, 
beweist. Die Pliniusstelle entstammt nun einem Werke des Poseidonios, 
für das er einfach die ihm von Berossos selbst gebotene Summe aus 
diesem entlehnte, während er für die Stelle, aus der Fragment 3 und 4 
herrühren, die Einzelposten des Berossos addierte, aber durch Flüchtig- 
keit zu einem unrichtigen Resultat gelangte. (Vgl. meine Darlegungen 
in meinem Aufsatz 'Die babylonische Chronologie in Berossos' Babylo- 
niaka', MVAG 1908, 5, S. 4 — 7.) Jedenfalls darf man nicht gegen den 
Text bei Plinius die Angabe 480000 Jahre dem mit Berossos zusammen 
genannten Kritodemos allein vindizieren, wie es Ed. Schwartz (Art. Be- 
rossos in Pauly-Wissowa, RE^ Bd. III, 1. Hälfte, Kol. 315) tut. 

Mit Bpigenes und Berossos zusammen wird hier ein gewisser Kql- 
T6dr}[iog als Gewährsmann für babylonische Chronologie genannt. 
Über seine Herkunft und Lebenszeit wissen wir sonst nichts; da unser 
Fragment aus Poseidonios stammt, muß er älter als dieser sein. 

Als Titel seiner Werke begegnen uns in Fragment 5 und 9 bei 
Vettius Valens "ÖQCcöig, in Fragment 13 bei dem Perser Achmet ^no- 
rsXs6[iaTa ÖQiav. Da sämtliche Fragmente astrologischen Inhalts sind, 
dürften beide Titel ein und dasselbe große astrologische Werk bezeich- 
nen, als dessen echten, weil von dem weit älteren Autor bezeugten Titel 
ich."OQa6Lg vermute. 

Da noch absolut jede Zusammenstellung der Fragmente — 5 Frag- 
mente brachte Harles in der 4. Aufl. von Fabricius, Bibliotheca Graeca, 
tom. II, p. 152, woher die Notiz bei C. Müller, FHG II, p. 510 mitsamt 
einem Druckfehler stammt — fehlt, möchte ich eine Bearbeitung der 
Fragmente dieses, weil so alten, sehr wichtigen Astrologen dadurch er- 
leichtern, daß ich eine Liste der von mir notierten Kritodemos- Frag- 
mente hier einfüge: 

1. Plinius, Nat. Hist., VII, § 193. 

2. Julius Firmicus, Matheseos lib. IV, praef § 4 — 5, p. 196, 1. 21—31 

ed. W. KroU et F. Skutsch. 

3. Vettius Valens, Anthologiarum lib. III, c. 7; p. 142,21—143,4 

ed. W. Kroll. 

4. „ „ „ lib. III, c. 8; p. 143, 5—144, 12 

ed. W. KroU. 

5. „ „ „ lib. m, c. 12; p. 150, 11—27 

ed. W. KrolL 

6. „ „ „ lib.; V, c. 11; p. 233, 18— 22 

ed. W. Kroll. 



Kritodemos 119 

7. Vettius Valens, Anthologiarum lib. V, c. 12; p. 234, 31—236, 2 

ed. W. KroU. 

8. „ „ „ lib.VIII, c. 5;p. 301,25— 34 

ed. W.KroU(==CCAGV,2;p.46,17— 26). 

9. „ „ „ lib. IX,praef.-, p.329, 18— 330, 12 

ed. W.KroU (=CCAG V,2-, p. 48, 30— 49,17). 

10. „ „ „ lib. IX, c. 8;p.348, 8-11 

ed. W.KroU (=CCAG V,2; p. 124,23-26). 

11. „ „ „ lib. IX, c. 8; p. 350, 31— 32 

ed. W.KroU (=CCAG V,2; p. 126,34—36). 

12. Anonymi in Valentis lib. IX. appendix (CCAG V, 2; p. 10). 

E codice Vaticano 191, f. 106*^. Text publiziert CCAG V, 2, p. 120, 

1. 28 — 121, 31 und p. 52, 1. 22—53, 18 

(p. 121, 27—31 = 52, 24—28). 

Lemma: nagadoöig iqovcov dörsgav ß' i7Ct,fiSQt6^ol ix x&v 

Kgitodri^ov ('HXiog 'EQfifjg Asovri, IJsXrjvr] UxoQjtiO) — xsqI tbv 

ßCov ysvTJöovrai). 

13. Ex Achmata Persa (CCAG E, p. 6; CCAG V, 1, p. 40; CCAG V, 1, 

p. 45). Text unpubliziert. 

Traditum hoc lemma in codicibus Marciano 324, fol. 205 ; An- 
gelico 29, fol. 160"^; ibidem f. 184^^; et in Parisino 2420, fol. 166" sq. 
(olim Colbertino 2079, falso Harles bei Fabricius 1. c. MMLXIX pro 
MMLXXIX, unde C. MüUer I.e.). 

Lemma: Ehccycoyi) xal %-siisXlov elg rrjv aöxQoloylav noCrjficc 
!4%iidT0v tov Ueqöov. cap. rj'. ^TtorsXsöficcra dgCav KqltoScc- 
(lovg [KQLog dnb jtQcörrig fioCQccg eiog (^rjg' — 6o(povg xal ocQXLXovg^ 
(sie Marcianus 324; — rdööovtai Angelicus 29). 

Die Form KQitodd^ovg dürfte wohl darauf zurückzuführen sein, 
daß wir hier eine griechische Rückübersetzung des Fragments aus 
dem persischen Werk des Achmet vor uns haben. 

14. Ex Hephaestione lib. III. Text unpubliziert. 

Codex Vindobonensis phü. gr. 108, fol. 302«^ (CCAG VI, p. 14) 
= ibidem, fol. 344^^ (CCAG VI, p. 15). 

Lemma: 'Etsqov de 6vis^(iatog xaxd tö i|ijff 6[ioC(ag dQ^öfisd'cc 
{Kccl 6 KQitödrj^og xavtd (pri6i — [fol. 103] t,a8Lov xal xXC(ia). 

15. Ex Hephaestione Hb. II, c. 10. Text publiziert CCAG VL p. 72, 

1. 19-25 und CCAG VÜI, 2, p. 64, 1. 24 
bis 65, 4. 
Codex Vindobonensis phil. gr. 108, fol. 340"— 341 (CCAG VI, 



120 Eritodemoä 

p. 14) = Parisinus 2417 und Parisinus 2501, fol. 124^—125'- 
(CCAG Vni, 2, p. 17). 

Lemma: 'EvtavQ'a xal 6 KQLtödrjfiög tprjöiv ol fpcaörfiQsg iv 
raig iöxaraig — tä Tixr6(i6vcc jtOLSl. 

16. E Theophilo, 'ETttevvaycoyrj tcsqI xoOfiix&v xaraQx&v, c. 1. 

Text publiziert von W. Kroll in CCAG I, p. 130 nach cod. Laur. 
28, 34, fol. b8" und Laur. 28, 13, fol. 143'', aus dem Marcianus 335 
abgeschrieben zu sein scheint. 

Lemma: OC Se xcctä f^v icoav . . . xa^dnsQ KgitöÖTj^og . . . 
xal ol tvsqI avtovg, 

17. Ex anonymo. Text unpubliziert.- 

Codex Marcianus 335, fol. 103'" (CCAG II, p. 43) = Parisinus 

2506, p. 12«^— 15. 

Lemma: KaQ^oXixä ßiaioQ^avdxcov öxriiiara — "AkXcag xccrä 

KQLxödr^uov fO ÖQLOXQccraQ xov t^codCov xaxojioibg av — ßiaio- 

%-avdTovg noiEi). 

Da der Catalogus codicum astrologorum Graecorum noch nicht 
abgeschlossen ist, kann man noch auf das Neuauftauchen einiger Kri- 
todemosfragmente gespannt sein. 

Auf Poseidonios geht ferner zurück ein anonymes Fragment chal- 
däischer Astronomie, das uns in verschiedener Form bei drei Benutzern 
des Poseidonios vorliegt (vgl. Diels, Doxographi p. 196): In den Pla- 
cita des Aetios, lib. V, c. 18, 6 (p. 429 Diels a. a. 0., vgl. p. 196), bei 
Censorinus c. 8 (ganz) und bei Geminos, Elementa astronomiae c. 2 
passim. Geminos ist auch ein sehr eifriger Benutzer des Poseidonios, 
nur ist sein Abhängigkeitsgrad von ihm zu umstritten (vgl. die Aus- 
gabe des Geminos von C. Manitius, 1898, S. 239—247). 

Bei einem anderen Benutzer des Poseidonios, dem Achilles, Is- 
agoga in Arati Phaenomena (publ. von E. Maaß in Comment. in Aratum 
rell. 1898, p. 25 — 86) finden sich auch verschiedene Fragmente chal- 
däischer Astronomen, so a. a. 0. S. 45, 1 — 8 und 75, 7 — 15. Wichtig 
ist für uns besonders folgendes Fragment, Achilles c. 1, p. 27, 1. 5 — 9: 

AlyvTCtCovg kdyog s%sv TtQcötovg xbv ovgavov cog xal xriv yfjv xata- 
^sxQfiöat, xal tijv i^jieiQCav xotg ilijg iv cxi^Xaig ävayQa^ai^ XaXdatOL 
dh stg iavxovg ^Bxdyovöi BtjXc) trjv svqbölv dvad-svxsg, ol öh 'EX- 
Xr^vav 6o(po\ oxs. ^ev ^eotg^ öxa de tiqcoölv, oxs ds xolg ^sxä xavxa 6o- 
fpolg dvxixiQ-saöiv. 

Die hier gebotene Nachricht, daß die Chaldäer dem Belos die Er- 
findung der Astronomie zuschreiben, kehrt nämlich in § 121 (Ende) 



Babylonische Astronomen 121 

des Abschnittes über Babylon bei Plinius, Nat. Hist. VI, §§ 121—123^ 
wieder, den wir schon in Kap. I in anderer Hinsicht besprochen haben: 

Durat adhuc ibi (seil. Babylone) Jovis Beli templum; inventor hie 
fuit sideralis scientiae. 

Die gemeinsame Quelle kann aber für Achilles und Plinius eben 
nur Poseidonios gewesen sein. 

Der eben genannte Abschnitt des Plinius kehrt nun (vgl. Kap. I) 
fast ebenso wieder bei Strabon, lib. XVI, c. 5 — 6, p. 738 — 739, wenn 
auch teilweise ausführlicher. Die eingehende Benutzung des Poseido- 
nios, speziell seines Werkes IIeqI 'Slxsavov, steht schon längst fest (vgl. 
Susemihl a. a. 0. II, S. 137). In diesem also auf Poseidonios zurück- 
gehenden Abschnitt interessiert uns nun vor allem folgende Stelle aus- 
Kap. 6: 

^(pGjQLöto d' ev tfj BaßvXavi xatoixCa totg im%(OQloig q)iXo0Ö(poig 
tois XakdaCoig TCQOöayoQsvo^tvoig , ot 7C8qI aötQovofitav slöl t6 nksov 
%Q06%oiovvTai de nveg %al yevsd-hakoyslv ., ovg ovjc ccjtodsxovtaL oC 
etSQOi. "Eon da xal cpvköv n xb räv Xaköaltov xal X^Qd t-^s? Baßvkc3- 
vCag v% ixsCvcov oixov^dvr}, 7cXr]öicct,ov6a xal tolg "äQu^i xal tfj xarä 
IIsQöag Xsyo^BVT] d-aXatriJ. "Eßn ds xal tcav XaXdaCcov x&v ccöxqovo- 
liLX&v yavr} jtXsLCO ' xal yaQ 'Oqx'tjvoC xivsg TtQoöayoQSVovxat xal Boqöctc- 
Tirjvol xal äXXoL nXaCovg d)g av xaxä aiQSOsig aXXa xal aXXa vsfiovxag 
JCSQV x&v avxGiv öoypLaxa. MsfivrjvxaL da xal tav ävdQ&v ivLcav oC na- 
d-Tj^axixoC, xaiydjieQ Kidrjvä xal NaßovQiavov xal 2JovdCvov xal 
Z^iXavxog d' 6 ajib xrjg EaXavxaiag XaXdalog iöxi xal äXXov TtXaiovg 
di,LÖXoyoL ardgag. 

Hier treten uns durch Vermittelung des Poseidonios drei weitere 
Babylonier vor die Augen, die den Griechen außer Berossos babyloni- 
sches Wissen, speziell Astronomie, übermittelt haben, nämlich KLdrjväg,. 
NaßovQiavög, UovdCvrjg. Zwei derselben, Sudines und Kidenas, sind 
uns in den letzten Jahren durch zwei neuentdeckte Zitate griechischer 
Astronomen und Astrologen literarisch wiedergeschenkt worden, ja den 
Kidfjväg hat man als Astronomen in den babylonischen Keilschrifttafeln 
wiedergefunden! Ein schönes neues Zeugnis für den regen geistigen 
Austausch zwischen Griechenland und Babylonien in der hellenistischen 
Zeit, von dem Berossos also nur eine, wenn auch sehr wichtige Etappe 
darstellt, und somit nicht mehr als der einzige Vermittler, der ganz 
singulär dastand und ein Unikum in der griechischen Literatur bildete,, 
zwischen beiden Ländern gelten darf. 

Führen wir uns nun zunächst die von Kcdi^vag erhaltenen Zeug- 
nisse vor die Augen. 



122 Kidenas 

Von ihm war uns zunächst schon längst ein astronomisches Frag- 
ment bei Plinius — also wohl durch Poseidonios vermittelt — Nat. 
Hist. II, § 39 bekannt: 

Simili ratione, sed nequaquam magnitudine aut vi, proximum Uli 

Mercurii sidus, a quihusdam appellatum Apollinis, inferiore circido fertur 

VIII diebus ociore amhitu, modo ante solis exortum, modo post occasum 

^plendens, numquam ab eo XXII partibus remotior, ut Cidenas et 

Sosigenes docent. 

Die hier auch vorkommende Schwankung zwischen der Bezeich- 
nung des Planeten Merkur als Stern des Merkur oder Apollon fand sich 
schon in dem oben zitierten Zitat aus c. 2 von Pseudo-Aristoteles TIepl 
Köö^ov. Der babylonische Gott, dem der Merkur heilig war, Nabu, 
hatte nun seinen Sitz in Borsippa. Damit vergleiche man Strabo 
XVI, c. 7: 

Tä dh BÖQöLJtJta IsQä Ttökig iötlv ^Qts^idog zal 'AjcöXXmvos-) 
JLtvovgyslov fisya. 

Der babylonische Gott Nabu wurde also sowohl durch 'EQfiijg als 
^uch durch 'AnöXXcov wiedergegeben. Er hat in seinem Wesen Züge, 
"die an jeden der beiden griechischen Götter erinnern. 

Die beiden neuen Fragmente des Kidenas sind folgende. 

Das eine steht in dem 1908 zum erstenmal von W. Kroll heraus- 
gegebenen Vettius Valens (vgl. schon oben die Besprechung des Krito- 
•demos), Anth. IX, c. 11, p. 352, 22—353, 7 ed. KroU: 

'EnsLQccd-rjv }iev ovv xal avrhg xavöva öv^Ttrj^ai 'HXiov xal UeXi^- 
vrjg TCQog tag hXsC'^sig' ijtsl de fis 6 xQ^vog nsQiexXsis xb tsXog ijc- 
€cy(Dv, Yjvsx^rjv xarä tbv ßaöiXsa^) slg rö*) slgr^xivai' sxsqoi ^£v ovv 
xatrjfid^eviSav räöds rag tQCßovg, ölÖtcsq TiaqCiq^i^) xov vTchg vo^- 
tav Xöyov. 

"Edo^av ovv fiot xQiIßd'ai 'I%71kq%g) fiev TCQog tjXlov^ HovdCvr} (ihv 
Jiud KLÖrjvä^) xal ^AnoXXavCG)^) TCQog xi}v UsXt^vrjV, bxl 8\ xal *AjcoX- 
kcavCa) TtQog ccfKporsQa xä EL'drj, idvmsQ xig xfj TCQOöd^söSL täv fj (iolq&v 
2Qrjxai, xad^cag i^ol doxet. 

1) ßaaiXicc] i. e. Nechepsonem regem. Nechepsoni et Petosiridi über astro- 
logicus tribuitur, cuius fragmenta coUegit E. Rieß, Nechepsonis et Petosiridis 
fragmenta, Philologus Suppl. Bd. VI, 1. Hälfte, S. 325—394. — 2) dg rb] em. 
Kroll, ix Tov solus codex S. — 3) naglrj^ii] Kroll, nagisi^i S — 4) Kidrjvä] 
Kidvvä S, corr. Cumont in Neue Jakrbb. f. d. klass. Altert. XXVII, 1911, S. 8, 
Anm. 6. T pro H per itacismum scribae. — 5) 'AjtoXXcavlw] Quem Apollonium 
Pergaeum esse putat Kroll 1. c. p. 373, sed Myndium Cumont in Florilegio Mel- 
•chior de Vogü^, 1909, p. 162, cui assentier. 



Kidenas 123 

Das zweite steht in einem Fragment eines anonymen Kommentars 
zu Ptolemaios (Nach Tannery und Heiberg bei Ruelle CCAGr YIII, 2, 
p. 125 und 126 ist der Verfasser vielleicht Theon von Alexandria), der 
uns in zwei Pariser griechischen Handschriften, Ancien fonds Nr. 2841 
(saec. XIII) und Nr. 2415 (saec. XVI) überliefert wird. Ich gebe die 
Stelle nach Kollationen beider Handschriften, die ich Prof. H. Lebegue 
verdanke, unter Vergleichung von Cumont, Flor, Melchior de Vogüe 
p. 163, n. 6 und Neue Jahrbb. a. a, 0. S. 8, Anm. 6 und der Textausgabe 
von C. A. RueUe in CCAG VHI, 2 p. 126, 1. 9—16: 

"'OXog Sh, sl ^7] ttg jtoXvTtQccy^ovoir]^) rbv^) ccTtb sxksLil^scog stcI ex- 
Xatipiv ccQtd'fiöv^)^ ccXXcc xov ccTth änXcbg öv^vyCag iitl tijv öfiot'av, svqol 
ccv tbv aTtoxataötatixbv iqovov t&v xs firjväv xccl xfig ava^aklag , xb 
(ilv xoivbv fiEXQov Xaßav djfb x&v t|*), o övvdysi ^Tjvag (ihv öva, ai'co- 
^aXCag d\ ditoxaxaöxdösig^) ^l-O", ovxexl ^bvxol xal xrjv xccxä TcXdxog 
ccjtTjQXLöiisvrjv aTtoxaxdöxaöiv. Trjv de xoiavxr]v naQlodov svQilöd-aL^) 
(ihv vnb Kidr^vä^) Xiyaxai' (paCvovxai 8s %oXXol amfl^) xexQrjfisvoL xal 
6 UxoXs^alog dXXä [isxä diOQ&cbßscag. 

1) itoXvTtQccyfiovolri] 2415, -sir] 2841. — 2) rbv] 2415; rov corrige de tööv 
2841. — 3) ccQi&tiov] 2415, ccQi&^bv corrigä de ügiO-fiäv 2841. — 4) tf] 2415, 
i7Cxav,aidiv.atov 2841. — 5) &Ttov,cita6xä6Big\ 2415, aTtov,axä6xoc6ig 2841. — 6) evQfl- 
ßd'ai] 2415, sed correctum in evQfjß&co; evQiie&oi (sie!) 2841. — 7) vnb KiSrivä] 
4}7tb '>iri8f]va 2415, v7toiir}öriva 2841 ; correxi. xtj- pro xt- per itacismum scribae. 
— 8) airfj] 2415, avxi] corrige de uvxr} ä ce qu'il semble 2841. 

Ptolemaios berichtet nun in seiner MsydXr] I^vvxa^Lg, üb. IV, c. 2, 
p. 269 — 272 vol. I ed. Heiberg folgendes: 

Tbv de XQÖJiov, xad-' ov ol naXcciol xaig xcbv aTtodeC^ecav imßo- 
Xalg e%Qri6avxo^ xal xad'' bv av r}^slg x^v xav ^Qbg xd cpatvö^eva ^vfir- 
<p(bv(ov v7iod'e6e<j3v dtdxQLöLV £vxQr}0x6x£Qov 7CotOL[i€d'a, neLQaööfied-a 
dcs^eXd^stv. 

'ETtel xoCvvv dvcafidXcog fiev i} öeXi^vr} (palvexai XLVOv^svr] xccxd xs (i7\xog 
xal TcXdxog xal ^rj ieoiQovlcog ^'i]xs xbv diä ^aöav x&v ^codtcav xvxXov dsl 
öveQio^ivri ^tjxs TCQbg X'^v xaxä xb itXdxog avxov Ttdgodov djtoxad'Löxa- 
pLevr], x^Q'^? '^^ '^VS £i)Q£^£cog xov rfjg dvm^aXtag avxfig aTtoxaxaöxaxLXov 
%q6vov xaxd xb dvayxaiov ovdh xäg x&v dXXcav TiSQiodovg Xaßstv olov 
X av yivoixo^ xaxd %dvxa }isvxot xd ^isQrj xov ^cjöiaxov xd xa fiaöa xal 
xd (isyiöxa xal xd aXd^Löxa did xmv xaxd ^SQog X7]Qt]d£C3v cpaCvaxat xt- 
vovfievrj xal xaxd Ttdvxa xd }i£Qr] ßoQeioxdxrj xal voxLcoxdxrj xal xax 
avxbv xbv did fisöciv xav ^ojdCmv xvxXov yuvo^Evr], i^i^xovv elxöxag ol 
TCaXaiol ^ad'Tj^axixol xQ^^ov xivd^ dt ööov ndvxoxa r] öaXTJvrj xb 



124 Kidenas 

tdov xLVTjd^'^öatcci xarä [ii}xog t&g rovtov (lovov x^v ävco^aXCav anoxa%- 
löTavsiv dvva^evov. IlaQcctLd-Sfievoi Sij TYjQfjöeLs ßeXrjviax&v ixlsCxpscov, 
di ctg sinofiEv altCag^ iöxönovv, xCg av TcXri^ovg ^rjvav diäöraöig l6o- 
XQOvidg XE yCvoLxo Jidvxoxs talg xov IcSov nXrjd^ovg diaöxaßsöt xal löovg 
xvxAof ff nsQiBXOL xaxcc ^fjxog ^xol oXovg r) [lexd xlvov i'öav ytSQKpsQSiav. 

'OXoiBöxsQov fihv ovv oi §xc nalaiöxsQOL xov xQOvov xovxov vn- 
eXdfißccvov dvat ruisgav J5(p7t£ xal y' öiu xoöovxov yaQ iyyiöxa sg}Q(di/ 
^fjvag fihv dnoxsXov^evovg öxy, dnoxaxaöxdßeig Sh dva^aXCag ^sv öX&y 
oiXdxovg ÖB Ö/X./3, jcsQiÖQO^ds ds fii'jxovg ejicc xal Irt, beag xal 6 ^Xiog 
iniXa^ßdrsi xoig Tri ^vxXotg iv xa nQOEiQrniivG) iqovo), (loCgag l V, ag 
xfig dnoxaxaöxdöEcog avx5>v TtQog xovg diiXavElg döxsQag d-EcoQov^Evi^g. 
'ExdXE6av öh xov iqövov xovxov tceqioölxov cog tiqGjxov Eig ^Cav dnoxa- 
xdöxaöiv ayovxa syyiöxa xdg ötacpoQdg xcöv xiVT/jöEav. Kai Iva e%, oXiav 
riiiEQ&v avxbv övöxriOcovxai^ EXQmXaGiaöav xäg ß(pnE y rjfiSQag xal eö^ov 
YjfiEQcöv aQid-^bv /i p^i>v^^ ov ixdXEöav i^EXLy^öv xal xa aXXa öe 6[iotC3g 
XQiTcXcoßavxEg eö^ov fifjvag ^ev x^^, aTtoxaxaöxdöEig dh dvco^aXCag iihv 
ilfL^, TtXdxovg ÖE ^/Jts', JtEQLÖQO^dg dh ^tttjjcovg ipxy xal bxl, (\6ag xal 6 Vikiog 
ETiLXafißdvEL xolg vd xvxXoig, iioCgag Xß. 

"Hdrj (lEvxoi b"IjtnaQxog ijXEy^EV dno xe x&v XaXdatx&v xal x&v 
xad-' iavxbv xrjQ't]öEG)v ETtLXoyL^öfisvog fiij Eyovxa xavxa axgißcbg. uino- 
ÖEiXvvöi yaQ^ dl C3v e^bQ^exo xrjQTJöEOV, oxi 6 TCQCixog dgid-^bg xäv iifiE- 
Q&v^ di o0G)v TcdvxoxE 6 ExXEinxLxbg XQÖvog iv l'öoig ^rjölv xal ev teoig 

li — 

xivri^a6Lv dvaxvxXEixai, (i ißxiv xal exl j^t, -^(lEQav xal (liäg &Qag löt]- 
^£QLvf}g, iv alg ff^vag ^hv aTCaQXi^ofiEvovg evqCgxei ßd^t,-, oXag 8\ dvca- 
fiaXiag dnoxaxaßxdöEig ßcpoy, t^codiaxovg dh xvxXovg ßx^ß XsCnovxag [iol- 
QOf'g tL Eyyiöra, Ö6ag xal 6 ijXiog Elg xovg x^ie xvxXovg XECTtEL, TcdXiv hg 
xfig djtoxaxaöxdöEcog avxcbv ^Qbg xovg ditXavElg döxEQag &EC3Qov(iEvrig. 
"Od^EV evqCöxev xal xbv firjvtalov (lidov XQ^vov i7iifiEQit,o(iEvov xov ngo- 
XELfiEVOV xäv rjfiEQcöv ^Xtjd-ovg Big xovg 86^1 ^i]vag ij^Egav övvayö^BVOV 
xd- Xa' v" ri" x'" syyiöxa. '^Ev fihv ovv reo xoäovxG) XQ^'^9^ '''^S ^^b exXel- 
tl^B(og öEXrjviaxilg inl exXel-^lv dnXcag dvxanodidoiiEvag Xöag dtaöxdöEig 
aTtoÖELXvvEL, Sg drjXov yiyvE6%'ai xb dnoxaxtCßxaöd^ai x'^v dva^iaXCav ix 
xov ndvxoxE dtä xov xoßovxov xQbvov xovg xe xoöovxovg fir^vag tceql- 
sxEßd'ai xal xatg Xöaig xaxä ^ijxog TtEQLÖdoig ßx^^ läag ijiiXafißdvEö&ac 
iioiQag xvß L' dxoXovd^Gig xatg ngbg xbv ViXlov öv^vyCaig. 

El di xtg ^Yj xbv aTtb ixXEiil^Eog 6EXrivLaxfig iTcl ExXELiffLv 
uQid'fibv x&v firjvdjv im^rjxoCt]^ ^6vov dh xbv anb övvööov rj 
7iav6EXTfivov inl xijv bfioCav öv^vyCav, evqol av exl i^xxova xbv 
dxoxaxadxaxixbv xfjg xe dvco^aXlag xal x&v firjvav aQL&fibv 



Kidenas 125 

Xaßavtb ^ovov avtav xolvov ^btqov t^, o övvdysi ^rivag ^sv 
6v£^ avoiialCag d\ ccTtoxaraörccösig ö^O". Ovxati [isvtoi 6 TtQO- 
xsLfisvog XQOvog evQCöxero %al triv xccra nkdxog ccnaQXL^av 
axoxaxdöxaöiv. (Dies gesperrt gedruckte Stück ist also das obige 
Stück, das kommentiert wird.) 'H yaQ ävxa7t68o6ig x&v izksCiJ^sav JCQog 
xag diaöraöaig ^övov xov xs %q6vov xal xobv xaxä ^Tjy.og neQtodcov e(paC- 
V6X0 äc3t,ovsa xäg iaöxrjxag^ ovuext de TiQog xä ^sys^rj xal xäg b^oioxrj- 
xag xcbv ^7Ciöxoxy]6SG}v, &(p' cov xal xb Tcldxog xaxaXa^ßdverai. 

"Hdrj iiEvxoL ^iQoxatSilrja^Evov xov xr^g dvcoyialiag djtoxaxaöxaxtxov 
XQÖvov TiaQU&Bfievog ndliv 6 "l7tnaQ%og diaßxdöng ^rjväv bfiotag zaxä 
Ttdvxa xag äxQag ixlsCi/stg iyßvxoav xal xotg ^sydd^aöt xccl xotg xQÖvotg 
xcbv i7tL6xox7]6eG)v, kv cclg ovdev eylyvsxo didcpoQov TtaQa x^v dvca^aXtav, 
63g diä xovxo xal xtjv xaxä %ldxog jcdQodov dTCoxad-Löxa^svrjV (paCvsöd-ai, 
8aixvv6iv xal xr)v xoLavxrjv tcsqCoSov djiaQvi^o^avrjv iv ^7]6lv (ihv svvri^ 
naQiodoig 8s nXaxixalg ^s%xy. 

Vergegenwärtigen wir uns den Inhalt dieses Stückes kurz. (Ich be- 
nutze die Analyse dieses Textes, die F. X. Kugler 1900 in seiner „Ba- 
bylonischen Mondrechnung", S. 5 — 8 gegeben hat.) 

Ptolemaios weist auf die Notwendigkeit hin, die Ungleichheiten 
der Mondbewegung und die Zeit, wo dieselben wiederkehren, kennen zu 
lernen, ehe man die übrigen Mondperioden bestimmen wolle. Eine Reihe 
von Beobachtungen habe nun gelehrt, daß die Punkte, in denen der 
Mond seine größte und seine kleinste Geschwindigkeit habe, allmählich 
den ganzen Tierkreis durchlaufen und somit auch alle möglichen nörd- 
lichen und südlichen Breiten der Mondbahn einnehmen können. So sei 
es denn möglich gewesen, daß die ufaXacol ^ad-rjuaxLXOt die Zeit zu be- 
stimmen suchten, in der der ganze in Länge zurückgelegte Weg des 
Mondes eine konstante Größe ergebe, da nur hieraus der anomalistische 
Monat erschlossen werden könne. Dies erreichten sie dadurch, daß sie 
die Anzahl von Tagen und Stunden, die zwischen je zwei Mondfinster- 
nissen verflossen, bestimmten und untersuchten, wie groß das Zeitinter- 
vaU werden könne, damit auf eine bestimmte Zahl von Konjunktionen 
eine bestimmte Länge der Mondbahn komme. 

Die noch älteren Mathematiker (ol sxi -jialaiöxsQoC) waren nun der 
Ansicht, daß diese Zeit ungefähr 6585 Y3 Tage betrage; denn sie sahen, 
wie in diesem Zeitraum ungefähr 223 Lunationen, 239 Restitutionen 
der Anomalie, eine 242 malige Rückkehr zur selben Breite stattfinde, 
und der Mond in Längenbewegung 241 mal seinen Rundlauf und oben- 
drein die lO^j Bogengrade vollende, welche die Sonne in demselben 
Zeiträume nach 18 Umläufen noch außerdem zurücklege. Als eine solche 



126 Kidenas 

Umwälzung galt ihnen die Rückkehr zum selben Fixstern. Um nun 
nicht mit Bruchteilen von Tagen rechnen zu müssen, verdreifachten sie 
sämtliche Zahlen und kamen so auf die Periode von 19756 Tagen, die 
sie i^eXiyfiög nannten. Auf diese Zeit entfielen folglich 669 Lunationen, 
717 Restitutionen der Anomalie, eine 726 malige Rückkehr zur selben 
Breite, der Mond machte in ihr 723 mal in Längenbewegung seinen 
Rimdlauf und legte dazu die 32 Bogengrade zurück, die die Sonne in 
54 Umläufen noch außerdem zurücklegt. 

Wer sind nun diese eti TcaXaiötEQOL? Ihre zuletzt angegebenen 
mit 3 multiplizierten Werte kehren nun wieder bei Geminos, Eiöayayij 
SLQ xä ^ULvöiisva, Kap. XVIII, der, wie wir oben sahen, Poseidonios 
sehr eifrig benutzt hat: 

'E^sltyfiög ^öTL XQ^'^og hXdxiGxog tceqlbxcov oXovg (irjvag xal oXccg 
•fj^BQag xal oXccg d^oxatccördöeig xfig ösX'^vrjg .... naQaxsxtjQrjxai dh 
6 i^sXiy^bg TtSQiexcov olovg jwijvag ;u|'0', rjiisQccg dh [i ß'tlfvg. ^Ev dh rc5 
XQ^vG) xovxo) TtOLStxcci XT^g xccxcc /ttijxog äva^ccXCag i] ßsXijvi^ dnoxaxciöxcc- 
0£ig ^i^, xvxXovg t,a)diaxovg diaxoQevo^svr] ev xS) nQOEiQYniivGi XQ*^"^^ 

tl^xy xal TCQoöSTiiXafißdvovöa [lOLQag Xß 'EtisI xoCvvv 7i()CQax£xt]QrfXai i} 

esXrlvTj SV rj^eQccig ^ %il)v^ ÖLKTtoQevofiEvr] ^adiaxovg xvxXovg -^xy xal sxl 
^oigag Xß^ exaöxog öe xav xvxXcav ex^i iioigag r^, dviXvöa xb xäv xvx- 
Xcov TcXiid^og scg pioi^ag xal TtQoösd'rjxa xdg Xß. rCvsxai 6 nag dQid-^bg 

fioLQ&v ^ xiß. ^Ev dga r^iigaig ^ ^d-tl^v? dianoQSvexaL ij GsXrivri xb ngo- 
acQYi^ivov %Xfi&og x&v ^olqcöv. MaQiöavxsg ovv xb xcov ^oiq&v nXiid'og 
slg xb x&v iiiiEQ&v nXri^og svQtjöo^Ev xyjv ^sörjv rifisQ'^öiov xCvtjölv xfjg 
öeXt^vrjg. "Oxav ydq ^ijxs xijv knCxaöiv xfig xiV7]6e(og ^irixs xyjv uvsölv vno- 
XoyLödfiEvoi ^l ö^aAc-ö fiEQLöco^Ev xb x&v ^loiQcbv nXfjd^og slg xb x&v 
rinEQ&v TtXfid'og, xöxs r] E-bQrj&Elöa xCvrjöLg ^sörj xaXEixai. EvQCöxExac dh 
avxTj yivoiiEvr) fioiQ&v Ty, jtQäxcav i^rjxoöx&v l xal dEvxEQcav Xa. Tot- 
avxrjg öe XTjg diaxdi,EC3g {fTCaQxovörjg x&v dQi^^&v^ vnb x&v XaX8aCc3V 
EVQrjxaL rj [i£0r] Xivi^öig xrig öEXr'jvrjg (lOiQ&v ty, i^rjxoöx&v TCQaxav ?, 
devxEQcov Xe. 

Das von Geminos angestellte Rechen exempel geht nach seinem 
eigenen Zugeständnis auf die XaXdaloi zurück, damit aber auch selbst- 
verständlich die ihm zugrunde liegenden astronomischen sonstigen An- 
gaben! (Kugler a. a. 0. S. 4 — 6.) 

Setzen wir die Analyse des Inhalts des obigen Ptolemaioskapitels 
in Anschluß an Kugler a. a. 0. weiter fort: 

Hipparchos habe nun auf Grund von Berechnungen, die er auf chal- 
däischen und eigenen Beobachtungen fußend anstellte, gefunden, daß 



Kidenas 127 

die Werte der hi ^alaiötEQOi, also der Chaldäer, ungenau seien. Er 
zeigte nämlich, daß der kleinste von zwei Finsternissen eingeschlossene 
Zeitraum, der eine gleiche Anzahl Monate einschließe, und in dem Mond 
und Sonne die Bewegung ausführen (= h I'öolq xLvtj^aöiv) I26OO7V24 
Tage umfasse. Er fand, daß diese Periode 4267 synodische und 4573^ 
anomalistische Monate (dvaiiaXLag ccTCOTcaraördösug) umfasse, und daß. 
der Mond in diesem Zeitraum 4612 Rundläufe weniger ly^ ^^^^ zurück- 
lege, welch letztere auch der Sonne zur Vollendung von 345 Umläufen 
noch fehlen. Die Messung heziehe sich auch hier auf die Fixsterne. 

Hierauf bestimmte Hipparch zunächst die Dauer des mittleren syn- 
odischen Monats. Da 4267 synodische Monate auf I26OO7V24 Tage 
kommen, so ist der Mittelwert nahezu gleich 29 Tage 31' 50' 8'" 20"". 
— In moderne Maße umgesetzt ergibt das folgenden Wert für den mitt- 
leren synodischen Monat: 29 Tage 12 Stunden 44 Minuten ^% 
Sekunden. 

Nun werden der anomalistische und synodische Monat in bezug auf 
ihre Größe verglichen. 

Die obige große, von Hipparch gefundene Periode umfaßte 4267 
synodische und 4573 anomalistische Monate. Das Verhältnis beider 
Zahlen gestaltete er nun einfacher, indem er beide durch 17 dividierte 
und so das Resultat erhielt: 

251 synodische Monate = 269 anomalistische Monate. 

Aber auch nach diesem Zeitraum kehre nicht auch dieselbe Mond- 
breite wieder. Zwar werde durch die dann wiederkehrenden Finsternisse 
ein konstanter Zeitabschnitt und eine konstante Periode der Längen- 
bewegung bezeichnet, aber die Größe und die Formen des Schattens, 
aus denen man die Breite erkenne, bleiben nicht die gleichen. 

Dann wird die Dauer der periodischen Breitenbewegung (des dra- 
konitischen Monats) bestimmt, und zwar wieder durch Vergleich mit 
dem synodischen Monat. 

Nachdem Hipparch die Zeit der Wiederkehr der Anomalie (d. i. 
den anomalistischen Monat) ermittelt hatte, verglich er noch die Zeit- 
räume von Monaten innerhalb zweier weit auseinander liegender Finster- 
nisse, welche in Größe und Dauer der Beschattung vollkommen überein- 
stimmten und bei denen kein Unterschied bezüglich der Anomalie statt- 
fand, so daß hierdurch auch augenscheinlich eine Wiederkehr der näm- 
lichen Breite (ij jcara jcldrog TtäQodog) stattfand. Gleichzeitig wies er 
nach, daß sich diese Periode in 5458 (synodischen) Monaten oder in 
5923 Breitengraden (ptsQCodoi TtXatvKoC, den sogenannten drakonitischen 
Monaten) vollziehe. Also fand er: 



128 Kidenas 

5458 synodische Monate = 5923 drakonitisctie Monate. 
Wir erhalten hieraus folgende von Hipparch ermittelten Werte: 

1. Mittlerer synodischer Monat = 29<^ 12^44'"3V3«, 

2. 251 synodische Monate = 269 anomalistische Monate, 

3. 5458 synodische Monate = 5923 drakonitische Monate. 

Aus der Kombination von 1. und 2. ergibt sich weiter (Kugler a. a. 0. 
S. 24): 

4. Mittlerer anomalistischer Monat = 27*^ 13^ 18'^34,9^ 

Aus der Kombination von 1. und 3. ergibt sich ferner (Kugler 
a. a. 0. S. 40): 

5. Mittlerer drakonitischer Monat = 27*^5^5^35,81*. 

Aus der Angabe des Hipparch, daß der Mond in 126007 Tagen 
1 Stunde 4612 Rundläufe weniger l'^l^ Grad zurücklege, ergibt sich 
(Kugler a. a. 0. S. 46): 

6. Mittlerer siderischer Monat = 27*^ 7^43«" 14«. 

Aus Kombination von 1. und 6. erhalten wir dann (Kugler, Im 
Bannkreis Babels, 1910, S. 121; m. e. Druckfehler!): 

7. 2783 synodische Monate = 3008 siderische Monate. 

Merkwürdigerweise kann man nun aus den Zahlenkolum- 
nen mehrerer babylonischer keilschriftlicher Neumond- bzw. 
Neulichttafeln des 2. Jahrhunderts v. Chr. dieselben Werte 
ableiten, wie bekanntlich Kugler, Babylonische Mondrechnung, S. 9 — 
50 nachgewiesen hat! 

Wem gehört nun die Priorität, den Chaldäern oder Hipparch? 
Kugler suchte a. a. 0. S. 50 — 58 diese Prioritätsfrage zugunsten der 
Chaldäer zu entscheiden. Leider sind aber die datierten Tafeln des Sy- 
stems, dem Kugler diese Daten entnommen hat, nicht älter als das Jahr 
133 V. Chr., dem die Tafel Sp. I, 162 (aus dem Jahre 179 der Seleu- 
kiden-Ära, Kugler a. a. 0. S.'49) entstammt, und Hipparchs Wirksamkeit 
begann spätestens 146 v. Chr. (Kugler a. a. 0. S. 50 — 51). So konnte 
es kommen, daß F. BoU 1909 in seinem Artikel 'Finsternisse' (Pauly- 
Wissowa, RE2, VI. Bd., 2. Hälfte, Kol. 2329—64) Kol. 2340 und 2347 
die Frage, ob Hipparch oder den Chaldäern die Priorität gebühre, für 
ungelöst erklären konnte! 

Der eine Grund, den Kugler a. a. 0. S. 52 für die Priorität der 
Chaldäer geltend macht, daß nämlich auch Geminos in Isagog. cap. VHI, 
§ 43 ed. Manitius die Angabe 1. für den synodischen Monat kennt, 
ist übrigens nicht stichhaltig. Denn Geminos — der übrigens die Angabe 
aus Poseidonios entlehnt haben wird, vgl. oben — lebte nach Hipparch 
und kann sie diesem entnommen haben, auch wenn er ihn nicht nennt. 



Kidriväg gleich Kidinnu 129 

Entschieden wird die Frage aber, wie Kugler, Im Bannkreis Babels, 
1910, S. 122 nach der Veröffentlichung des obigen Zitats aus dem an- 
onymen Ptolemaioskommentar, das erstmalig 1909 durch F. Cumont in 
seinem Aufsatz "^Comment les Grecs connurent les tables lunaires des 
€haldeens' (im Florilegium Melchior de Vogüe p. 159 — 66) p. 163 n. 6 
publiziert wurde, erweisen konnte, zuungunsten des Hipparch durch 
•die Angabe in diesem Zitat: 

Tijv de roLavtriv nsQCodov (seil, die Periode: 251 synodische Mo- 
nate = 269 anomalistische Monate) svQrjöd^ca fihv vjtb KLÖrjvä XsystaL. 

Wir haben Kidenas schon oben aus Strabon als chaldäischen Astro- 
nomen kennen gelernt. Sein Name ist uns aber auch in den keilinschrift- 
lichen astronomischen Texten erhalten, wie Kugler, Im Bannkreis, S. 122 
nachgewiesen hat. 

Eine der Tafeln des Systems, dem die obigen, bei Hipparch sich 
wiederfindenden Werte angehören, und zwar eine der größten uns er- 
haltenen, ist die von Kugler, Babyl. Mondrechnung, S. 9 — 16 beschrie- 
bene und S. 12 — 13 teilweise (11 von den 18 Kolumnen) transkribierte 
Tafel Nr. 272 (81—7—6). Der Randtitel dieser Tafel lautet nun (Kugler, 
Mondr., S. 9 u. 10): 

tersitum sa Kidin(nu) sa ultu 3.28 adi 3.30 .... (Bania?) . . . Nabü- 

halat-su-ikhi . . . Marduli-tabik-ziru?) usw. 
Rechnungstabelle des Kidinnu, welche vom Jahre 208 (der Seleukiden- 

Ära) bis 210 [reicht und ausgefertigt ist von] Bania [dem Sohne 

des] Nahu-halatsu-ikbi [. und] Mardu'ktabikziru(?), Sohn des 

Priesters Bei in Sippar [. . . ] im Monat Kislev, 18. Tag, im Jähre 

145 (der Arsakiden-Ära), welches gleich ist dem Jahre 209 (der Se- 

leukiden-Ära). 

Der Text, der die Namen der Schreiber bietet, ist von den Worten 
adi 3.30 (schon die Zahl 30 ist lädiert, Kugler, a. a. 0. S, 9) an sehr 
beschädigt (außerdem scheint mir S. 9, wo Kugler die Transkription 
des Keilschrifttextes bietet, zwischen den Worten Marduktabikziru(?) 
und arah kislimu eine Zeile im Druck ausgefallen zu sein, da ich sonst 
die Übersetzung und die Ausführungen S. 10 oben nicht verstehen kannl). 
Erwähnt wird aber sicher die Stadt Sippar, Das erinnert uns, wie Kugler 
a. a. 0. S. 10 schon bemerkt hat, an die (von uns in Kapitel I behan- 
delte) Stelle bei Plinius, Nat. Hist. lib. 11, § 123: oppida Hipparenorum, 
Chaldaeorum doctrina et hoc, sicut Babylon. Wir lernen Sippar so auch 
keilinschriftlich als Stadt babylonischer Astronomen kennen. 

Was soll aber der Eingang der Notias: tersitum sa Kidinnu = Mond- 
rechnungstabelle des Kidinnu bedeuten? Während die gleichfalls unter- 

Schnabel: Froleg. u. Kommeutar z. d. Babyloniaka d. Eerossos 9 



130 KtSriv&e gleich Kidinnu. — Sudines 

zeichneten Schreiber der Tafel durch Beifügung des Namens ihrer Väter 
näher bezeichnet werden, fehlt bei Kidinnu jeder Zusatz. Er ist eben 
der allbekannte Astronom, wie Kugler, Bannkreis, S. 122, sehr richtig 
bemerkt. Die Notiz ist also wohl richtiger zu übersetzen „Mondrech- 
nungstabelle (nach Muster derer) des Kidinnu''! 

Kidinnu ist nun identisch, wie schon der Name angibt, mit 
Kidr/väg. (Dies hatte 190d schon Schiaparelli, der damals nur die Stra- 
bon- und Pliniusstelle kennen konnte, nach brieflichem Bericht an Kugler,. 
vgl. dessen Bannkreis, S. 122, vermutet.) 

Erwiesen wird die Identität das Kidtjvccs mit Kidinnu, wie Kugler, 
a. a. 0. S. 122 darlegt, dadurch, daß eben, wie schon gesehen, die Glei- 
chung 251 synodische = 269 anomalistische Monate, die nach dem Pto- 
lemaioskommentar auf Kidenas zurückgeht, sich auch in „der Mond- 
rechnungstabeUe nach Muster derer des Kidinnu" wiederfindet (vgl. 
Kugler, Babyl. Mondrechnung, S. 24). In dieser Tafel werden ferner — 
worauf Kugler, Bannkreis, S. 122 aufmerksam macht — die Äquinoktien 
und Solstitien auf den 8. Grad der betreffenden Zeichen gesetzt. Das- 
selbe tut aber, wie wir oben sahen, Vettius Valens (vgl. das Zitat oben 
aus Buch IX, c. 11, p. 352,22 — 353,7 ed. KroU), der sich bezüglich des 
Mondes nach Sudines, Apollonios und Kidenas richtete, sccvtisq rig tTj 
%qo6^b6el r&v ri ilolq&v i^firai, jta-O'OJg i^ol doxet, wie er sagt. 

In der eben wieder erwähnten Stelle aus Valens wird als Astronom, 
der speziell über den Mond schrieb, UovdCvrjg erwähnt, der nach der 
obigen Stelle aus Strabon XVI, 6 ebenalls ein Babylonier war. Über 
sein Leben besitzen wir nun folgende Zeugnisse: 

Polyainos, Strateg. IV, 20. 

'ArraXog^ FaXaruig ^sydXr^v dvvafiiv s^ovöi TKXQatdttsöd'aL fieXXav, 
6q&v tovg 6XQarL(bTccg 'aaxu7i£7cX7]'y6tag, svd^v^cjg TCoifjöaL ßovXöfisvog 
TtQog xhv xCvövvov rfjg ticixi]g, UQela na^tßzEvaßs^ Hovdlvov XaX- 
daCov iidvtscog ^vöCav ßQaßsvovtog. 'O fisv evh,d^£vog xal 6nei6ag dvi- 
tsfis rb Ieqsiov. 'O ös ßaöiXsvg xrjxCda xQtipag BTCtyQaipev inl xriv xhqk 
xijv ds^iäv 'ßaCiXiag vCxtf TCoirjöd^evog xijv i^iyQcc(prjv ovx dnb xäv 
ds^iä>v inl xa aQiGXEQd' xai xav öTtXdyxvcov s^kiqov^svcjv i)%B6xe x^ir 
X^^Qf^') '^'H? xrjxCdog slg d^EQfibv xcd dgccLOv Xoßbv djto^a^d^svog xr^v ini- 
ygacpriv 6 fidvxig i:is^ia)v xovg Xoßovg xal xrjv X^^^l'^t JJ^t^^c^S t£ dr) xal 
XQdTist,av xal Ö6a dXXa örjusla xccxavoäv dvaöXQSips xbv Xoßbv xbv ixovxa 
xijv inLyQag)')]v, dt' '^g iÖrjXovxo ßaeiXtmg vlxt]. Avxog xs ovv vtieqx^QVS 
iysvsTO xal xG)7tXr]d^si x&v öxQaxiax&v edsL^s xb örj^slov ol de iX&ovxag xal 
ccvayvovxsg Q-aQöovg iv87cXr]6Q-ri6av xal ndvxsg dvsßörjöav xsXsvovxegäyeiv 
istl xovg ßagßdQovg xal siQO&vficog dyavLödfiBvoi xovg FaXdxag ivCxriGav. 



Sudines 131 

FrontinuB I, c. 11, 14 — 15. 

Alexander Macedo sacrificaturus inscripsit medicamento haruspicis 
manum, quam ille extis erat suppositurus. Litterae significdbant victoriam 
Älexandro dari. Quas cum iecur calidum rapuisset et a rege militi esset 
ostensum, auxit animum tamquam deo spondente victoriam. Idem fecit 
Sudines haruspex proelium Eumene cum Gallis commissuro. 

Demnach war Sudines ^dvtLs am Hofe des Attalos (Eumenes dürfte 
Versehen des Frontinus sein) von Pergamon zur Zeit der Galaterkriege, 
also im 3. Jahrhundert v. Chr. Kidenas, der von Hipparch benutzt ist, 
und dessen astronomisches System in den Keilschrifttafeln erst nach 
133 V. Chr. benutzt wird, dürfte wohl in die Zeit von 200—150 v. Chr. 
gehören, also jünger sein als Sudines, der somit zu den nuXaLÖreQoi des 
Ptolemaios gehört. 

Wenn wir bedenken, daß nach Plinius VII, § 100 und 181 die Chal- 
däer sich auch mit der Kunde der Steine beschäftigen, werden wir wohl 
ohne Bedenken die einem Werke eines Sudines über Steine angehörigen 
nachfolgenden Fragmente aus Plinius, Nat. Hist. auf ihn zurückführen 
dürfen (vgl. über Sudines als Autor über Steine E. Oder in Kap. 25 von 
Susemihl, a. a. 0. Bd. I, S. 861—862): 

Nat. Hist. XXXVI, § 59. Onychem in Ardbiae tantum montibus nee 
usquam alicubi nasci putavere nostri veteres, Sudines in Carmania. 

XXXVII, § 25, Sudines negat nisi ad meridiem speciantihus loci 
nasci fscil. crystallum). 

XXXVII, § 34. Sudines arhorem quae gignat (seil, electrum) in Li- 
guria vocari lynca (seil, dicit). 

XXXVII, § 90. Sudines dicit in gemma esse candorem unguis hu- 
mani similitudine, item chrysolithi colorem et sardae et iaspidis ('seil. 
onychem). 

XXXVII, § 114. India et has generat et nilion. Fulgore ah ea di- 
stantem hrevi et, cum intueare, fallaci Sudines dicit et in Sibero Atticae 
flumine nasci. 

XXXVII, § 133. Astolon Sudines dicit oculis pisdum similem esse, 
radiäre fulgure candido ut solem. 

Als Autor wird Sudines von Plinius im Index zu Buch IX, XXXVI 
und XXXVII zitiert. 

Mit E. Oder (bei Susemihl a. a. 0. S. 862, Anm. 135) wird man 
die beiden erwähnten Fragmente Plinius XXXVII, § 100 und 181 so- 
wie 105 wohl auch dem Chaldäer Sudines zuschreiben dürfen. 

XXXVII, § 100. Cognata est et sandastros quam alii Garamanticam 
vocant. Nascitur in Indis loco eiusdem nominis. Gignitur et in Arabia 



132 Sudines. — Naburianos 

ad meridiem versa. Commendatio summa, quod veluti in tralucido ignis 
optentus sidlanübtis fulget intus aureis guttis, semper in corpore, numquam 
in cute. Accedit et religio narrata siderum cognatione, quoniam fere hya- 
dum dispositione ac numero stellantur, oh id Chaldaeis in caerimoniis 
habitae. 

XXXVII, § 105. E diverso ad haec sarda utilissima quae nomen 
cum sardonyche communicavit. Ipsa volgaris et primum Sardibus reperta, 
sed laudatissima circa Bahylona, cum lapididnae quaedam appellantur, 
haerentes in saxo cordis modo reperiuntur. 

XXXVII, § 181. Solis gemma Candida est ad spedem sideris in or- 
hem fidgentis spargens radios. Sagdam Chaldaei vocant et adhaerentem, 
ut ferunt, navibus inveniunt, prasini coloris. 

Daß also Chaldäer über Steine geschrieben haben, wird in diesem 
Zitat bezeugt! 

Der Name des Sudines kommt noch in einer etwas korrumpierten 
Gestalt vor in einem schlecht überlieferten Katalog von Arati interpre- 
tes, den E. Maaß erst Hermes XVI, S. 389 und dann Aratea p. 140 und 
143 aus einem Codex Vaticanus herausgegeben hat, und zwar in folgen- 
dem Passus: 

KavovoyQaipoL. 

rif' %'l' EvXt7]fl(OV ^CllTtTtOS ^7C0X(J.yLvdQl0g. t^s' öl' Ö' jiQiOtttQ- 

%og Ud^iog (corr. Maaß, cod. Uaßtvog). t^s ds' %' Baßvlaviog. t^s 8y 
s' UcodCvav. d^s' öq' g . 

Daß hier BccßvXaviog und ZladCvcov trotz des Einspruches von 
E. Maaß, Aratea a. a. 0. zusammengehören, dürfte klar sein. E. Maaß 
hat auch schon a. a. 0. UadCvcov mit IJovdCvrjg kombiniert. 

Es gilt noch das babylonische Äquivalent des Namens Uovdlvi^g 
zu bestimmen. Es ist dies meines Erachtens der häufig als Hypokori- 
stikon theophorer Namen vorkommende Personennamen Sum-iddin, der 
in späterer Aussprache zu Suv-iddin, kontrahiert Südin wurde. Analog 
wurde aus dem Hypokristikon Sum-ukin (vgl. Babyl. Chronik, die Sum- 
ukin für Nabu-sum-ukin bietet] in aramäischer Transkription :d1TD, Sü- 
kin (vgl. Th. Pinches im schon zitierten Florilegium Melchior de Vo- 
güe, p. 487). 

Der von Strabon a, a. 0. neben Kidrjväg und UovdCvrjg genannte 
NaßovQtavög ist sonst nicht weiter bekannt. Sein Name ist das Äqui- 
valent des neubabylonischen, sehr häufigen Personennamens Ndbu-rimanni, 
in späterer Aussprache Nahu-rivanni, wie F. H. Weißbach (mündliche 
Mitteilung) gesehen hat. 

Auf Astronomen wie Kidenas, Sudines und Naburianos gehen nun 



Sonstige Reste der Werke babylonischer Astronomen 133 

selbstverständlich zurück die zehn babylonischen Beobachtungen von 
Mondfinsternissen im Almagest des Ptolemaios (vom Jahre 721/0 lib. 
IV, c. 6; 720/19 ibidem; nochmals 720/19 ibidem; 620/19 lib. V, c. 14; 
523/22 ibidem; 502/1 lib. IV, c. 9; 491/90 ibidem; 382/1 1. IV, c. 7; noch- 
mals 382/1 ibidem; 381/80 ibidem) und die drei babylonischen Planeten- 
beobachtungen, zweier des Merkur aus den Jahren 67 und 75 seleuki- 
discher Ära (d. i. die daselbst erwähnte Ära xcctä XaWalovs] Ed. Meyer 
in ZA IX, S. 325 — 328), in lib. IX, c. 7 und eine des Saturn im Jahre 
xara XaXduCovg nß, d. i. 82 seleukidischer Ära, das ist aber aus den Jahren 
245/4, 237/6 und 230/29 v. Chr. Das wäre die Zeit des Sudines, vgl. oben. 

Auf einen von diesen geht selbstverständlich der die babylonischen 
und persischen Könige umfassende Teil des Königskanon des Ptolemaios 
zurück, und damit auch die davon abhängige Schöpfung der Ära des 
Nabonassar. 

Schließlich sei darauf hingewiesen, daß uns noch der Name des 
Werkes einer dieser babylonischen Astronomen erhalten ist. Bei He- 
sychios (vgl. Berossos, Fragm. 26) finden wir folgende Glosse: 

McvdaXos66a. KQid-^d. xal !JC£qI rä O'^Qocvia övvra^ig. BaßvXcovioi. 

Statt ^ivdccXoEööa kann man infolge der bekannten Verwechselung 
von z/ und yl konjizieren ^ivdadoiööa. Das entspricht — wie F. H. Weiß- 
bach auf mein Befragen mir mitteilte — einem babylonischen mindatu 
sa save = Berechnung des Himmels, das ist aber = tcsqI tä ovqccvlu 
övvta^vg. 

Daß aber dann MivdadoEööa. II£qI tä ovqccvicc dvvta^Lg nur der 
babylonisch-hellenische Doppeltitel des Werkes eines jener babylonisch- 
griechischen Astronomen war, brauche ich wohl kaum zu beweisen! 



VI. KAPITEL 
BEßOSSOS UND ALEXANDEE POLYHISTOR 

Bekanntlich verdanken wir weitaus das meiste, was aus Berossos 
uns erhalten ist, einem Exzerpte der BaßvXavLccxd, das Alexander 
Polyhistor angefertigt hat. Bei der Wichtigkeit, die dieser Schrift- 
steller somit für uns besitzt, müssen wir etwas näher auf sein Leben 
und seine Schriftstellerei eingehen. 

Der Grieche Alexandros aus Milet wurde zur Zeit SuUas kriegs- 
gefangen nach Rom gebracht und von Cornelius Lentulus, von dem er 
den Gentünamen Cornelius erhielt, gekauft. Er wurde von ihm zum 
jcaLdayayog seiner Kinder gemacht und schließlich freigelassen. Hoch- 
betagt starb er bei einer Feuersbrunst in Laurentum (Suidas s. v., vgl. 
Servius in Verg. Aen. X, 388). Ein Schüler von ihm und zugleich Nach 
ahmer war Hyginus (Suetonius, de illustr. gramm. c. 20). 

Alexandros war nun ein ungewöhnlich fruchtbarer und vielseitiger 
Schriftsteller. Nach Suidas a. a. 0. soll er mehr Bücher geschrieben 
haben, als man zählen könnte. Wegen seiner Kenntnis des Altertums 
erhielt er den Beinamen Polyhistor (Sueton a. a. 0.), ja er wurde sogar 
seihst' Ißt oqCu genannt (ebendas.). Sueton und Suidas nennen ihn yQafifia- 
TLxög, und zwar war er nach Suidas Schüler des Krates. Seine Schrift- 
stellerei war wirklich äußerst ausgedehnt, wie wir aus den erhaltenen 
Fragmenten ersehen. Wir haben von ihm Schriften historischen, geo- 
gi'aphischen, archäologischen, mythologischen, philosophischen, rheto- 
rischen und grammatischen Inhaltes. Indes waren sie aUe im wesent- 
lichen nur Notizen- uud Exzerptensammlungen ohne wissenschaftlichen 
Charakter. Das Höchste, zu dem er sich aufschwingt, ist Kompilation 
zweier oder mehrerer Quellen oder Einfügung von Notizen, die Lese- 
früchte aus anderen SchriftsteUem darstellen, in das laufende Exzerpt. 
Eigene Gedanken entwickelt er nie, er scheint völlig im Stoif ertrunken 
zu sein, wie C. Wachsmuth in seiner Einl. i. d. Quellenstudium d. alt. 
Gesch. 1895, S. 239 treflFend sagt. Eine Tugend besaß er jedoch, die 
man im Altertum eben nur bei Grammatikern findet; er gab nämlich 



Polyhistors Leben und Schriftstellerei. Berossosexzerpt 135 

«tets genau die von ihm benutzten Quellen an. Dadurch ist es uns mög- 
lich, über viele von ihm vermittelte SchriftsteUer Klarheit zu gewinnen, 
die sonst für uns völlig verloren wären, wenigstens in ihrer wissenschaft- 
lichen Eigenart. Man kann somit mit Wachsmuth a. a. 0. das Wort 
des Lambinus über Suidas auf ihn anwenden: pecus est, sed pecus aurei 

velleris. 

Die meisten der uns von ihm im Titel erhaltenen Schriften ge- 
hören dem Gebiete der geographisch- historischen Periegese an. Hierzu 
gehören AiyvntLaxd, Usgl Bi^vvCag, nsQi Ev^eCvov növtov, KaQixd, 
JleQL Kihxiag, UsqI Kvtiqov, Jißvxd, Jvxtaxd, IIsqI JJatpkayovCag, 
JIeqI EvQlag, Uegl ^QvyCag. Sie enthalten nicht nur rein geographische, 
-sondern auch historische Daten, Mythen und Wundergeschichten, wie 
«r ja auch eine Sav^aöCav övvaycoyr] schrieb. Historische Werke von 
ihm sind die beiden philosophiegeschichtlichen Schriften UsqI Ilv&a- 
yoQLxäv öviißöüav und OiXoöoipav diaöoiaC, ferner 'Itahxa oder IlEQi 
'P(öiir}g, üsqI 'lovdaCav und die Schrift, in die er sein Berossosexzerpt 
hineingearbeitet hat, deren Namen — eventuell XaköaCxd oder kdöv- 
^^ccxd — wir nicht kennen (s. unten). Alle diese letzteren historischen 
Schriften enthalten aber auch Stadtbeschreibungen, Mythologisches und 
Wundergeschichten, unterscheiden sieh also von den geographischen le- 
diglich dadurch, daß bei ihnen das historische, bei jenen das geographische 
Interesse mehr in den Vordergrund tritt. Hochwichtig ist für uns die 
Schrift IIsqI 'lovdccCcav, ohne deren Benutzung durch Clemens Alexan- 
drinus und Eusebios die jüdisch-hellenistische Literatur fast vöUig ver- 
loren wäre. 

Für uns im Vordergrunde des Interesses steht natürlich diejenige 
Schrift, in die er sein Berossosexzerpt eingefügt hat. Leider nennt 
uns Eusebios — der einzige von ihren Benutzern, der überhaupt ein- 
gesteht, daß er denBerossos durch Vermittelung des Polyhistor kennt! — 
nicht ihren Namen. Weit wesentlicher ist noch die Beantwortung der 
Frage, welchen Umfang diese Schrift des Polyhistor besaß. Ehe wir 
jedoch auf diese Frage näher eingehen, müssen wir uns erst mit dem 
Inhalt dieses Berossosexzerptes und der von Polyhistor dabei befolgten 
Arbeitsmethode näher befassen. 

Leider ist uns das Berossosexzerpt des Polyhistor nicht in 
seiner Urform erhalten, sondern erst wieder in einer Epitome, 
die Eusebios seiner Chronik einverleibt hat. Eusebios sprmgt 
nun mit dem Texte des Polyhistor ziemlich frei um. Das Berossosexzerpt 
des ersten Buches (in der Karstschen Ausgabe der armenischen Über- 
setzung der Chronik S. 6, 14—9, 4) bringt er erst nach dem die Urväter 



136 Das Bero880sexzerpt des Polyhistor von Eusebios verkürzt 

behandelnden, aus dem Anfang des zweiten Buches stammenden Stück 
(a. a. 0. S. 4, 9 — 6, 4). Jedoch markiert er durch die Fugen a. a. 0. 
S. 4, H-31 = S. 9, 1—4 und 5, 20—22 = 10, 19—20, die er beidemal 
doppelt setzt, genau die Unterbrechung der ursprünglichen Reihenfolge. 
Nochmals unterbricht er die Reihenfolge des Polyhistorberichts dadurch,, 
daß er das Sibyllenexzerpt, veranlaßt durch den Bericht der Bibel, Ge- 
nesis Kap. 11, die den Turmbaubericht nach der Flut erzählt, zwischen 
den Flutbericht und die Aufzählung der Könige nach der Flut ein- 
schiebt, a. a. 0. S. 12, 9 — 16, während der Polyhistor, wie wir in Kap. IV,. 
§ 2 sahen, dieses Sibyllenzitat in Buch I der Babyloniaka, nach dem 
Berichte der Gründung Babylons und der Erbauung seines Tempels und 
Tempelturmes, in der Schöpfungsgeschichte des Berossos also, geboten 
hat. Auch verfährt Eusebios bei dem Exzerpieren ungleichmäßig. Bis 
zum Sintflutbericht einschließlich bietet er sichtlich den Wortlaut de» 
Polyhistor, nur daß er dessen ihm überflüssig scheinende Berossos- 
stücke wegläßt, nach dem Sintflutbericht wird es ihm aber zu lang- 
weilig, die langen Königsreihen zu reproduzieren, die Alexander noch 
geboten hat: und mit Namen erwähnt er einen jeden au$ des Berossos 
Buche (seil. Polyhistor). Er bietet von da an nur noch die Dynastie- 
summen. Dann wird er aber schließlich so eilig beim Exzerpieren, daß 
er ganz vergißt, das Ende des zweiten Buches der BaßvXaviaxd, daa 
Alexander doch sicher ebensogenau wie das des ersten markiert haben 
wird, anzugeben. (Vgl. Kapitel IL) Von Phul an notiert er nur noch 
die Könige, die ihm aus der Bibel bekannt sind. Auch Nabukodrossor 
wird kurz abgetan, er hatte ja hierfür das Berossosexzerpt des Josephos, 
das er offenbar für wichtiger hielt als das des Polyhistor, weil Josephos 
direkte Rede bot. Daß er aber damit nichts weiter bot als Polyhistor^ 
den Josephos benutzt und lediglich die indirekte Rede in direkte zurück- 
verwandelt hatte, werden wir noch sehen. Das Ende des Polyhistorex- 
zerptes tut Eusebios so summarisch ab, daß er nicht einmal Alexan- 
der den Großen, dessen Regierung den Schluß der BaßvXcoviaxd bil- 
dete (Kap. II), erwähnt: ^Nach diesem Xerxes, und weiter die übrigen^ 
Ferserkönige' (a. a. 0. S. 15, Z. 14) lautet der Schluß des Polyhistor- 
exzerptes bei Eusebios. 

Für die Rekonstruktion des Berossosexzerptes des Polyhistor treten 
für das dritte Buch indes ergänzend zwei andere Ausschreiber des Poly- 
histor, Abydenos und Josephos, hinzu. Den Beweis indessen, daß sie 
ihn benutzt haben, müssen wir jetzt uns noch versagen und uns der 
Rekonstruktion des Berossosexzerptes des Polyhistor end- 
gültig zuwenden und gleichzeitig sein Verhältnis zu seinen Benutzem. 



Inhalt des Berossosexzerpts des Polyhistor von Buch I 137 

Eusebios, Abydenos, Josephos einerseits, der Vorlage des Berossos an- 
dererseits besprechen. 

Polyhistor leitet das Exzerpt mit den Worten ein: Brjgcaößbg dh 
iv rfi 7CQ(btri tav Baßvkaviax&v cpri6i ysvEöd-cci ^hv avrhv xnxä ^dki^av- 
ÖQOv Tov ^iUTCTCoxy Tfjv rjXixCav. Damit kann Berossos sein Werk nicht 
begonnen haben. Wir wissen aus Juba, daß Berossos sein Werk dem 
Antiochos I. widmete (Fragm. 58 bei Tatian, vgl. Kap. I). Diese Wid- 
mung muß am Anfang des ganzen Werkes als tiqooC^lov gestanden 
haben. In ihr fand sich jene Altersnotiz, die ja auch Juba: xar 'AXih,- 
avÖQov ysyovag reproduziert. In diesem TtQooC^iov stand aber weiter 
die Angabe, die bei Polyhistor auf den zitierten Satz folgt: ccvayQacpäs 
de TtolXäv SV Baßvkavt (fvkd66E6%'ai ^stk noXXfig STii^sXsiccg ä:tb axäv 
Ttov V7C, v7t6Q ^vQLadav 6iB TtsQLSxovöag xQovov TCSQiixsiv dh rag 
avayQacpäg lötoQLug ^sqI tov ovgavov nccl d^akdöörjg xal ngatoyovCag. 
Berossos gibt seine Quellen an, die heimischen avaygacpal, die seit Oannes, 
also seit 468000 Jahren, in Babylon aufbewahrt werden, und berichtet 
über ihren Inhalt. Damit verknüpft er ein ausführliches chronologisches 
Raisonnement, das der Polyhistor auch nur sehr mangelhaft und miß- 
verständlich exzerpiert hat. (Zu dem chronologischen System des Be- 
rossos vergleiche man die Ausführungen auf S. 1 — 10 meiner Schrift 
'Die babylonische Chronologie in Berossos' Babyloniaka', MVAG 1908, 5.) 

Die eigentliche Eröffnung des ersten Buches — xal agatov [ihv ti}v 
BaßvlcovCav yriv cprjGL (seil. 6 BrjQcoööbg) xetöd-ai xtX. sagt Polyhistor, 
durch den Ausdruck TtQcbtov selbst andeutend, daß das Vorhergegangene 
im TiQooC^LOv stand und erst das nun Folgende den Beginn von Buch I 
bildet — bildet eine geographisch-ethnologische Schilderung von Baby- 
lonien, die Alexander als Verfasser von ^tsQirjy^Gsig natürlich des Ex- 
zerpierens für wert hielt. 

Ziemlich abrupt — wie die Verbindung mit dem vorhergehenden 
Abschnitt bei Berossos herzustellen ist, haben wir in Kap. IV § 2 gesehen 

— springt Polyhistor dann zu der Erscheinung des Fabelwesens Oannes 
über, dessen Auftreten er, der Verfasser der ©av^ccöCcov övvccyayt], in 
engem Anschluß an Berossos schildert. Der Anschluß ist so eng, daß 
er diesmal sogar eine Verweisung des Berossos auf Buch II: vötsqoi/ 
d£(pavrivaL xccl s'xsQa ^äa ofioia tcvtco, tisqI cav iv xfi ßaöLXicov avayQcccpri 
cprj6i SrjXaöSLV (seil. 6 BrjQcoööög), mitexzerpiert. 

Tbv dh^Sldvvrjv tcsqI ysvsäg xal TtoXixdag yQuipat aal xagadovrai, 
xovSs xbv Xöyov tolg avd-QG)7C0ig. Es folgt nun der Xoyog über die ysvsd,. 

— ysvEu kann hier nur im Sinne 'Geburt' d. h. der Welt von Berossos 
gebraucht sein, — den Oannes den ersten Mensehen erzählt. Am Anfang 



138 Inhalt des BerosBOsexzerpts des Polyhistor von Buch I 

kürzt aber Polyhistor den Berossos sehr erheblich. Fevsöd-aL (prj6L (seil. 
6 Br]Q(D66bg) xqövov iv o5 ro nav (öxörog xal) vöcoq slvai. (öxorog xal 
ist Interpolation in den Text des Polyhistor, wie wir unten noch sehen 
werden.) Daß das die ganze Schilderung des Urzustands bei Berossos 
gewesen ist, mag glauben wer da wiU. Wenn nachher die Tiere, die die 
Begleiter der Tihämat, der 0AMTG (so ist mit R. Smith für 0AAAT0 
zu korrigieren) des Berossos, bilden im Kampfe gegen Bel-Marduk, so 
eingehend geschildert werden, muß Berossos auch vorher eine Schilde- 
rung der Theogonie gegeben haben, die der Polyhistor wegließ. Die 
Fabeltiere, die Begleiter der Tihämat, interessieren den Verfasser der 
©avfittöCov öwaycnyrl mehr! Man sieht auch hier, wie Polyhistor am 
Nebensächlichen haften bleibt und die Hauptsachen mit der Papierschere 
wegschneidet, wie er dies auch beim Exzerpieren der jüdisch-hellenistischen 
Schriftsteller für sein Buch ITsq! 'lovöatav getan hat, nach den überzeugen- 
den Darlegungen von J. Freudenthal, (Hellenistische Studien I,S. 28 — 31). 

Auf die Schilderung der Fabelwesen folgt die Tötung der 9AMT6 
•durch Bel-Marduk. Daran knüpft Berossos, der hier seinen griechischen 
Lesern eine Konzession macht, eine naturwissenschaftliche Erklärung 
des erzählten Mythos: äXXrjyoQix&s Sd q)r]6t ravta nscfvGioXoyfiö^av 
vyQov yaQ ovtog tov Ttavrbg xal ^acav iv avtä yayevvrj^Evcov — das 
Folgende ist leider durch einen falschen Schnitt der Papierschere des 
Polyhistor weggefallen, der hier ein Stück der Geschichte von der Men- 
schenschöpfung durch Bei einfügt, das er nachher am richtigen Ort 
nochmals bringt. Man möchte beinahe behaupten, daß auch die Alten 
schon mit Zettelexzerpten arbeiteten! 

Es folgt der schon im vorhergehenden Abschnitt begonnene Be- 
richt über die Weltschöpfung durch Bei. Tbv dl Bi^Xov . . . ^söov rs- 
^ovta xh 6x6rog %c3QL6ai yr^v xal ovQavöv. Vorher hatte er gesagt 5ij- 
Xov 6xt6ai TYjv yvvalxa ^sörjv. Die yvvrj ist aber @afiT£, d. i. tihämat, 
die weibliche Personifikation des Meeres (babyl. tihamtu, tiamtu, tämtu 
heißt eben Meer). Also ist die Interpretation t6 6x6tog falsch und 
«tammt auch hier von einem Interpolator des Polyhistor her, wie wir 
unten noch sehen werden. Statt rö öxötog ist rö vdcoQ zu lesen, wie 
schon oben t6 {pxoxog xal) vdoQ^ wo wenigstens beides nebeneinander 
stand. Vgl. Abydenos (Fragm. 13 des Berossos) ksyetai öl Jidvxa ^hv 
i| KQxfjg vSoQ elvai ®dXa66av xalsoy^evrjv (vgl. Polyhistor: yvvalxa rj 
i'wofia 'OfiÖQxa' xovxo dl XaXöal'öxl (ihv &a^xe, 'EXlrjviöxl dl fisd^sQiis- 
vBVExai %^dXtt6Qa). BrjXov de 0(pe xavöai x<OQr)v ixdöxo} dnovsC^avxa. 
Abydenos ist Benutzer des Polyhistor, weiß aber nur vom vdaQ als Ur- 
-element, nichts vom axöxogl 



Inhalt des Beroseosexzerpts des Polyhistor von Buch I und 11 139 

Über die Schöpfung der Menschen durch Bei haben wir schon in 
Kap. IV", § 1 gehandelt. Ebenso haben wir in Kapitel II gesehen, daß 
Berossos an die Erzählung von der Schöpfung der Tiere und der Ge- 
stirne, die sich an die Erzählung der Menschenschöpfung anschließt und 
mit derEusebios sein Polyhistorexzerpt des ersten Buches abbricht :'^;toT£- 
Xiöav de tov Brikov xal aötQa xal i]hov xal 66X7]vrjv xal tovg nsvxs iiXa- 
v^rag. Tavrd (pri<5iv 6 lIoXvtßtaQ '^Af'lavdpog röv Btjqgjööov ev tfj 
TiQGixt] cpccöxsLV sich näher über babylonische Astronomie ausgelassen 
hat. Ob Polyhistor diese Stücke des Berossos geboten hat, wissen wir 
nicht. Wenn er sie geboten hat, so haben wir die Gründe für die Aus- 
lassung derselben durch Eusebios in Kap. II, S. 19 schon dargelegt. Jeden- 
falls hat Alexander aber sein Berossosexzerpt nicht in der von Eusebios 
angegebenen Weise geschlossen. Er bot, wie wir in Kapp. III und IV 
gesehen haben, noch einen Bericht über die Erbauung Babylons durch 
Bei und die ersten Menschen, die jtQarot ix yfis ava6%6vTBg des Euse- 
bios, und über den Tempel in Babylon nebst dessen Stufenturm. Hier- 
bei sah sich Polyhistor gemüßigt, ein Exzerpt aus der jüdischen Sibylle 
über den Turmbau von Babel in den Kontext des Berossos einzufügen, 
um seine Belesenheit zu zeigen. Auf die Erzählung von der Erbauung 
Babylons und seines Tempels folgte nun — offenbar als Schluß der 
Oanneserzählungen und damit von Buch I der Babyloniaka, wie wir Kap. 
IV § 2 sahen, bei Berossos und Polyhistor eine von der jüdischen stark 
abweichende Erzählung der Sprachenverwirrung, wie wir ebd. aus 
Hygin erschließen konnten. Eusebios ließ alle diese Berossosstücke 
Polyhistors weg, offenbar, weil sie sehr wenig mit dem biblischen Be- 
richt vom Turmbau und der Sprachenverwirrung harmonierten, sondern 
begnügte sich damit, das von Polyhistor hier am Ende von Buch I 
eingeschobene Sibyllenzitat, das so trefflich mit der Bibel überein- 
stimmte, in das Berossosexzerpt von Buch II, nach dem Sintflutbericht 
an dem von der Bibel der Turmbauerzählung angewiesenen Platz ein- 
zuschieben. 

Es folgt zu Beginn des Exzerpts des zweiten Buches die Erzäh- 
lung von den zehn vorflutigen Urkönigen. Daß Eusebios dies Stück 
vor dem Exzerpt des ersten Buches bietet, haben wir schon gesehen. 
Der Grund dafür dürfte sein, daß den Cäsareer zunächst nur die Chro- 
nologie der Babylonier wegen der Parallele zu der jüdischen — beider- 
seits je zehn Generationen von der Flut — interessierte. Im übrigen 
dürfte Eusebios dies Stück so, wie er es bei Polyhistor fand, kopiert 
haben. Das ApoUodoroszitat stammt weder von ihm, noch von Poly- 
histor, das Nähere hierüber vergleiche man S. 160 ff. Die Erwähnung des 



140 Inhalt des Berossosexzerpts des Polyhistor von Buch n 

Nabonassar berechtigt uns auch nicht mit Gruppe, Griech. Kulte und 
Mythen I, S. 321 den Inhalt des Fragments 48 a bei Synkellos dem Eu- 
sebios zu vindizieren. In dies Fragment ist die Erwähnung des Poly- 
histor und Berossos nur hineingekommen, weil sie eben an unserer Stelle 
den Nabonassar nannten. Über den Ursprung dieses Synkelloszitats vgl. 
man unten. Nicht auf Polyhistor zurückzuführen sind scheinbar in diesem 
Abschnitt die Worte: deren auch Moses Erwähnung tut, wie Geizer, 
Africanus II, 1 p. 25 wiU, doch möchte ich zu bedenken geben, daß wir 
in Polyhistor einen Kenner der jüdisch-heUenistischen Literatur vor uns 
haben, es also absolut nicht nötig ist, diese Bemerkung ihm abzusprechen. 
Schließlich wiU Geizer a. a. 0. S. 25 trotz des klaren Zeugnisses des 
Eusebios a. a. 0. S. 6, 3: Dieses berichtet des Polyhistor Alexandras 
Buch, den kurz vorhergehenden Computus der zehn Könige am Schluß 
dieses Stückes für ein Werk des Eusebios ansehen 'Er (Eusehios) he- 
oiachtet hier ein Verfahren, das nachher hei den Ptolemüern, den Kö- 
nigen von Sparta und Korinth, wiederTichrt Nachdem er in seiner ge- 
wissenhaften Manier das Material in wortgetreuem Auszug zur Prü- 
fung vorgelegt hat, reproduziert er den Quelleninhalt in Kürze vom 
rein chronologischen Gesichtspunkt aus, d. h. die Erzählung erscheint 
als Series regum umgearbeitet zum künftigen Gebrauch für den zu ent- 
werfenden canon temporum.^ Nur schade, daß wir wissen, daß Eusebios 
diese Arbeit in diesem Falle nicht nötig hatte, da er die Chronologie 
der Chaldäerkönige nicht in sein chronologisches System aufnahm. Wir 
brauchen also nicht sein eigenes Zeugnis anzufechten. 

Auf die Erzählung von den Urkönigen folgt unmittelbar bei Be- 
rossos und Polyhistor — wie schon mehrfach bemerkt, schob Eusebios 
zwischen beide Erzählungen das Exzerpt des I. Buches der BaßvXcaviaxcc 
ein, die Fuge S. 5, 20—22 = S. 10, 19—21 hat er jedoch zur Vermei- 
dung jedes Mißverständnisses doppelt gesetzt — die Flutgeschichte. Sie 
ist uns sichtlich in engstem Anschluß an Polyhistor unverändert von 
Eusebios abgeschrieben worden, und auch Alexander scheint hier Berossos 
ad verbum ausgeschrieben zu haben. Ich halte es deshalb für unrichtig, 
mit Gruppe (vgl. Kap. IV, § 2) anzunehmen, daß Berossos die drei 
Arten der vom Xisuthros ausgesandten Vögel unterschieden und erst 
Polyhistor hier die Unterschiede verwischt habe. 

Auf den Flutbericht folgt unmittelbar — das Sibyllenzitat ist 
erst von Eusebios hierher versetzt, wie wir sahen — die Aufzählung der 
nachflutigen Könige, wie der Beginn dieses Stückes beweist: Nach wel- 
chen, sagt er, gewesen der König der Chaldäer usw. Zunächst kamen 
Euechoios und Chomasbelos, dann aber holt Berossos selbst — denn 



Inhalt des Berossosexzerpts des Polyhistor von Buch II 141 

nur so kann man erklären, daß Poseidonios sich hier in der Addierung 
der chronologischen Posten des Berossos irrte, vgl. meine Darlegungen 
oben Kap. Y und S. 5 meiner Arbeit 'Die babyl. Chronologie in Berossos' 
Babyloniaka — und ihm sich anschließend Polyhistor die Summierung der 
ersten nachflutigen Könige nach: 86 Könige mit 34090 Jahren (so richtig 
Eusebios bei Synkellos, vgl. Fragm. 43 und 43 a). Noch Polyhistor bot 
hier die vollzähligen Namen des Berossos: zählt Polyhistor im ganzen 
S6 Könige und mit Namen erwähnt er einen jeden aus des Berossos 
Buche und hat auch gelegentlich — einmal können wir es noch nach- 
weisen, vgl. das noch zu besprechende Fragment 46 des Polyhistor bei 
Asathias — eine der kurzen charakteristischen Notizen des Berossos, 
vgl. Kap. II — in sein Exzerpt übernommen. 

Es folgt die Aufzählung der fünf historischen Dynastien von 2232 
bis 732 V. Chr. Die Gesamtsumme stimmt mit den neubabylonischen 
Listen, 1501 Jahre, wie ich in 'Die babyl. Chronologie in Berossos' Ba- 
byloniaka', S. 11—22 im Anschluß an A. Ungnad und F. Thureau-Dangin 
nachgewiesen habe. Im einzelnen ist dieses Stück das uns am heillose- 
sten überlieferte. Wir besitzen es nur in der armenischen Übersetzung 
der Chronik des Eusebios. Die Verwirrung kann jedoch erst auf die 
Benutzer nach Polyhistor zurückgehen, denn dieser bot noch die ein- 
zelnen Könige mit Namen, wie Eusebios bezeugt. Nach Polyhistor ist 
aber dies Stück interpoliert worden: die Notiz Na^h welchen Jahren er 
auch der Samiram Herrschaft über Assyrien berichtet ist eine Interpola- 
tion, die nach Abydenos, aber vor Eusebios in den Text des Polyhistor 
geriet, wie ich schon 1909 in MVAG 1908, 5 (Die babyl. Chronol. in 
Berossos' Babyloniaka) S. 37 aussprach und S. 159 f. des näheren beweisen 
werde. Sodann hat Eusebios das Stück sehr flüchtig exzerpiert, und 
schließlich sind durch Marginallesungen in der armenischen Übersetzung 
Vertauschungen von Dynastiesummen vorgekommen. Auch scheint der 
Eusebiostext, den der Armenier benutzte — nach Petermann hat der 
Armenier sogar nur eine syrische Übersetzung des griechischen Textes 
der Chronik übersetzt — nicht mehr in Ordnung gewesen zu sein. So 
erklärt sich der desolate Zustand dieses — wäre es vollständig erhalten, 
für die Herstellung der babylonischen Chronologie unschätzbar wert- 
vollen — Stückes. Hätte der sonst so genaue Bischof von Cäsarea hier 
den Polyhistor einfach abgeschrieben, hätte er manche moderne Unter- 
suchung über babylonische Chronologie verhindert. — Eine Wieder- 
herstellung der ursprünglichen Dynastienliste des Berossos habe ich 
a. a. 0. S. 34 — 43 versucht. 

Mit Beginn von Buch III reißt dem Eusebios vollends der Gedulds- 

/ 



142 Inhalt des BerosBOsexzerpts des Polyhistor von Buch III 

faden. Er gibt von nun an nur noch die Könige an, die auch in der Bibel 
sich finden. Zuerst Phul. Wdchenwiederum auch die Geschic/de der Hebräer 
ertvähnt und Phulos nennt, sagt Eusebios. Man sollte denken, das sei 
eine Bemerkung des Eusebios. Sie geht jedoch schon auf Polyhistor 
zurück, der diese Notiz in den Kontext des Berossos einschob. Dies hat 
J. Marquart ('Chronologische Untersuchungen' in Philologus Suppl. 
Bd. VII, S. 635—720, 1899) S. 638 erwiesen. Denn hier wird vom Ar- 
menier die Form Phulos, d. i. aber griechisches 0ovXog gebraucht. Die 
LXX, die Eusebios aber allein benutzen konnte, boten die Form ^ovä 
(so alle uns erhaltenen codd., OOYA aus OOYA, d. i. b'^E), also die nicht 
gräzisierte Form. Diese gräzisierte Form ^ovXos stammt aber nicht, 
wie J. Marquart feinsinnig bemerkt, von Eusebios, sondern einem der 
von Polyhistor benutzten jüdisch-heUenistischen Schriftsteller, der mit 
der 'Geschichte der Hebräer^ gemeint ist. Diese Form hat aber nun leider 
Polyhistor auch dem Berossos substituiert — oder hat dies erst Euse- 
bios in der Eile des Epitomierens getan? — , so daß wir dessen Namens- 
form nicht mehr kennen. Wie die Formen in der babylonischen Königs- 
liste — Pulu und im Kanon des Ptolemaios, IläQog, beweisen, kann sie 
nur mit 77, nicht mit beginnen, also etwa IlovXog gelautet haben. 

Von Phul springt Eusebios zu Senacherib über. Zunächst gibt er 
erst einen Auszug der biblischen Notizen über diesen König und Me- 
rodachbaladan, seinen babylonischen Gegner. Marquart nimmt a. a. 0. 
an, daß die gesamten Gegenüberstellungen hebräischer und babylonischer 
Stellen dem Polyhistor entstammen. In diesem Falle muß ich energisch 
widersprechen. Die Hand des Christen Eusebios verrät sich schon in 
der Bezeichnung Göttliche Schriften. Außerdem wiU es mir unwahrschein- 
lich dünken, daß Polyhistor, der sonst (vgl. oben und noch zweimal unten) 
einen jüdischen Hellenisten benutzt, seine Quelle wechselte und das hei- 
lige Buch der Hebräer aufschlug. Schließlich erhielten wir eine Dublette 
zu einem am Ende des Senacheribstückes des Berossos von Polyhistor 
eingeschobenen Zitat aus einem jüdischen Hellenisten, wie wir noch 
sehen werden. 

Auf das Bibelzitat, das er, wie wir sahen, selbst eingeschoben hat^ 
läßt Eusebios endlich wieder unter ausdrücklicher Betonung des Um- 
standes, daß er sich nun wieder dem Polyhistor zuwende S. 6, Z. 18: 
Den Senecherih jedoch und seinen Sohn Asordan und den Marodach Bai- 
dan erwähnt auch der chaldäische Geschichtschreiber, ein Exzerpt aus 
Polyhistor-Berossos über Senacherib folgen. Wenn er jedoch die Na- 
mensform Marodach Baidan gebraucht, so substituiert er dem Poly- 
histor-Berossos die biblische Form der LXX. Berossos-Polyhistor hat. 



Inhalt des Berossosexzerpts des Polyhistor von Buch III 143 

wie wir aus Fragm. 52 bei Josephos, der ebenfalls Polyhistor benutzte (vgL 
unten), sehen, die Form BalaÖäg, ein Hypokoristikon — der Gottesname 
Marduk der babylonischen Form Mardiik-apal-iddina ist weggelassen — , 
für diesen König gebraucht. Mitten im Exzerpt wird aber Eusebios 
schon wieder des wörtlichen Ausschreibens müde. Kurz entschlossen 
bricht er mitten im Stück ab und berichtet nach der Überleitung und 
nach allen den uhrigen Taten des Sinecherim — wieder ist die biblische 
Form UsvvccxrjQC^ der Form ZsvaxriQißog, die Polyhistor-Berossos sonst 
bietet, der genuinen Form also, substituiert — kurz den Tod des 
Senacherib. 

Das Exzerpt des Eusebios aus Polyhistor-Berossos umfaßt, soweit 
es Eusebios wörtlich mitteilt, die Jahre 704— 694 v.Chr., vom Regierungs- 
antritt des Senacherib als König vonBabylon an bis zum Ende seinesSohnes 
Asurnadinsum (= Asordan<(ioB> bei Polyhistor, zu korrigieren in Asorna- 
dios, wie schon A. v. Gutschmid gesehen hat). Parallel läuft das Stück 
des Abydenos, das Eusebios (vgl. Fragm. 51) ebenfalls mitteilt. Besonders 
hebt Polyhistor die Erwähnung eines Aufstandes in Kilikien hervor, an 
dem 'loner', also Griechen, beteiligt waren. Einen Aufstand Kilikiens 
unter Senacherib, der auch in die Regierungszeit seines Sohnes Asurna- 
dinsum in Babylonien (699/8 — 694/3), nämlich ins Jahr 698/7, das Ep- 
onymat des Sulmu-Bel, fällt, kennen wir jetzt aus einem von L. W. King 
in den Cuneiform Texts from Babylonian Tablets vol. XXVI neu ver- 
öffentlichten Senacheribprisma. Jedoch geschieht in demselben der Griechen 
keine Erwähnung. (Vgl. H. Winckler in OLZ 1910, Kol. 145—150.) 
Indes kann Berossos diese Notiz nur aus babylonischen Quellen kenne% 
nicht assyrischen Königsinschriften, die ihnen Ungünstiges trefflich 
zu verschweigen wissen — man vergleiche nur den Bericht über die 
Schlacht von Halule 691 in den Inschriften Senacheribs mit dem der 
babylonischen Chronik — , so daß ich keine Differenz zwischen Berossos 
und den Keilinschriften konstatiert wissen möchte. Außerdem wird Be- 
rossos keine ihm bekannte Erwähnung der Griechen in den babylonischen 
Berichten in seine BaßvXcDviaxd aufzunehmen unterlassen haben, denn 
das ist schon in Rücksicht auf sein Leserpublikum selbstverständlich. 

Die dann folgende Aufzählung der Babylonierkönige von Senacherib 
bis Nabukodrossor, die 88 Jahre umfaßt, und den damit verbundenen 
chronologischen Vergleich mit den ebenfalls 88 Jahre ergebenden Re- 
gierungszahlen der jüdischen Könige von Manasse bis Josias hat Euse- 
bios meines Erachtens schon vorgefunden, natürlich nicht im echten, 
sondern im interpolierten Polyhistor, vgl. S. 157 ff. 

Hierauf fährt er fort: Und nach all diesem erzählt wiederum Poly- 



144 Inhalt des Berossosexzerpts des Polyhistor von Buch III 

liistor etliche Werke und Taten des Senecheribf Er hat also sichtlich ver- 
gessen, daß er den Tod des Senacherib schon berichtet hat. Dann geht 
es weiter: und er gedenkt dessen Sohnes in Gemäßheit mit der Hehräer- 
schriß. Der Sohn des Senacherib (704/3 — 681/0 ist bekanntlich Asar- 
haddon (680/79 — 669/8 v. Chr.). Er wird im alten Testament aber nur 
an einer Stelle erwähnt (IL Könige 19, 36 — 37 = Jesaias 37, 37 — 38): 
j,Da brach Senacherib, der König von Assyrien, auf und zog ab, kehrte um 
und blieb zu Ninive. Und während er einst im Tempel seines Gottes Nis- 
roch anbetete, ermordeten ihn seine Söhne Adranimelech und Sareser. Sie 
flüchteten sich aber ins Land Ararat, und sein Sohn Asarhaddon [r"^n~"iDS 
hebr., ^döogödv LXX] ward König an seiner Statt." Damit vergleiche 
man den vorhin schon erwähnten Bericht des Polyhistor-Berossos über 
den Tod desSenacherih: und indem ihm (sci\. dem Senacherib). . . ein Hinter- 
halt bereitet ward von seinem Sohne Ardumuzan, endete er. Also nur 
ein Sohn namens Ardumuzan war es, der den Senacherib tötete! In 
diesem Punkte, daß Senacherib nur von einem seiner Söhne ermordet 
worden ist, wird nun dem Polyhistor-Berossos gegenüber dem Alten 
Testament Recht gegeben bereits von zwei voneinander unabhängigen 
keilinschriftlichen Zeugnissen, der sog. Babyl. Chronik Kol. III, Z. 34 ff. 
(vgl. H. Winckler, Textbuch zum Alt. Testam., 2. Aufl. 1903, S. 65) und 
der von L. Messerschmidt in MVAG 1896, 1 veröffentlichten Inschrift des 
Nabu-na'id, Kol. I, Z. 39. Da Polyhistor-Berossos in diesem Punkt durch 
die heimischen Angaben als die bessere Quelle erwiesen wird, dürfte 
auch die von ihm gebotene Namensform des Mörders: Ardumuzan die 
echte sein. Weiter sagt Polyhistor, wie wir oben sahen: und er gedenkt 
dessen Sohnes in Gemäßheit mit der Hebräerschrift. Eusebios hat hier 
geradezu fürchterlich gekürzt! Sogar den Namen des Asarhaddon läßt 
er aus, so daß wir die berossische Form dieses Namens gar nicht kennen. 
Und — was äußerst eigenartig wirkt, auch das Zitat aus der Hebräer- 
schrift über den Tod des Senacherib durch seine Söhne und die Thron- 
besteigung des Asarhaddon, auf das sich die Notiz bezieht in Gemäß- 
heit mit der Hebräerschrift, wie wir schon sahen, hat er ausgelassen. 
Nun wird ja zwar jedermann sagen, diese Bemerkung stamme von dem 
bibelkundigen Eusebios her. Indessen können wir beweisen, daß schon 
Polyhistor ein Zitat aus der Hebräerschrift an dieser SteUe gegeben hat, 
das dann von Eusebios weggelassen wurde! Bei Abydenos nämlich, der 
dem Polyhistor seine Kenntnis des Berossos verdankt (s. unten), lautet 
die Notiz über den Tod des Senacherib wie folgt (vgl. Fragm. 51): Der 
(der Exzerptor bezieht dies fälschlich auf Nergilos, dessen Satz an falsche 
Stelle geraten ist) von seinem Sohne Adramelos beseitigt wurde; und diesen 



Inhalt des Berossosexzerpts des Polyhistor von Buch III 145 

tötete dessen Bruder Axerdis (d. i. Asarhaddon, vgl. gleich unten) von 
demselben Vater, nicht aber von derselben Mutter. Als Namen des Sohnes, 
der Senacherib mordete, ist hier Adramelos angegeben. Nun hat diesen 
Polyhistor aber, wie wir oben sahen, Ardumuzan genannt. Adramelos ist 
aber sichtlich identisch mit der Namensform eines der beiden Vater- 
mörder im Alten Testament, Adrammelech, wenn auch gräzisiert. Die 
Lösung dieser Aporie ist sehr einfach: Polyhistor hat nach dem Bericht 
des Berossos ein Exzerpt aus einem jüdisch-hellenistischen Schriftsteller, 
das die biblische Form Adrammelech in 'AÖQKfisXog oder 'Adgd^rjlog 
gräzisiert darbot, eingeschoben. Abydenos vereinigte beide Berichte da- 
durch, daß er diese Namensform der echten berossischen Ardumuzan 
substituierte. Eusebios in seiner Eile bietet aber nicht einmal den In- 
halt dieses Zitats aus der 'Hebräerschrift'! 

Von Asarhaddon weiß Eusebios aus Polyhistor nur noch folgendes 
zu erzählen: Auch wird berichtet, daß Pythagoras der Weise unter diesem 
<^Regenteny gewesen sei. Dazu ist Abydenos (s. Berossos, Fragm. 51) zu 
vergleichen: . . . Axerdis (d. i. Asarhaddon, s. oben), verfolgend warf er 
die Streitmacht desselben in die Stadt der Byzantier, welche zuvor Sold- 
truppen ihm zu Hilfe gesammelt hatte, aus welchen einer war Pythagoras, 
der chaldäischen Weisheit Schüler. Wir werden wohl kaum diese Nach- 
richt auf Berossos zurückführen können. Vielmehr bleibt die Verant- 
wortlichkeit für sie auf Polyhistor, bis zu dem wir sie ja nur zurück- 
verfolgen können, haften, wofür sich schon J. Freudenthal, Hellenistische 
Studien I, S. 28 ausgesprochen hat. Denn der Polyhistor war Verfasser 
von IIsqI nv&ccyoQLxG)v Uv^ßöXcov. Das einzige hieraus uns noch er- 
haltene Zitat bei Clemens Alex., Strom. I, cap. XV, 69, 6 lautet nun 
folgendermaßen: 'AXslavdQog de iv tc3 ' IlEQi nvQ-ayoQixäv UvfißöXav' 
Nat,aQdtc!) r& 'Aöövqlcj ^ad"rjTsv6aL LöroQsl rbv üvd^ayÖQav. Die Form 
Na^aQccrc), die der einzige Clemenskodex L bietet, ist, wie längst er- 
kannt, korrupt und durch den Anklang an Na^aQatog sichtlich beeinflußt. 
Glücklicherweise hat Kyrillos, Adv. Julianum IV, p. 133 ed. Spanhem 
dies Zitat — offenbar aus Clemens — übernommen: 'lötogsl yovv'Als^- 
avdQog 6 snCxkriv IIokvlötaQ iv xä UsqI üvd-ayoQLxav UviißöXGjv, 'A6- 
övqCg) xg) ysvog ovxl xiß Zaga (poixf}6aL xbv Ilvd-ayogav. Aus den Formen 
Na^agdro) und Zdga ergäbe sich ZaQdxa^ wie auch der neueste Clemens- 
editor, Stählin, bietet. Indes, da wir einmal beim Emendieren sind, sei 
noch weitere Emendation erlaubt! Agathias, der nach eigenem Zeugnis 
(vgl. Fragm. 46 und 46 a des Berossos und dazu unten) den Polyhistor 
benutzt hat, bietet in seinen Hist. Just. lib. II, c. 24, p. 117, 1. 6 ed. Nie- 
buhr folgendes: ZcoQoaöxgog ijxoi Zagddrjg. Plutarch, Mor. p. 1012 

Schnabel: Proleg. u. Kommentar z. d. Babyloniaka d. Berossos 10 



146 Inhalt des Berossosexzerpts des Polyhistor von Buch lU 

bietet die Form Zagdtrig. (Vgl. Stephanus, Thes. Graec. Ling. s. v, Za- 
QodötQtjg.) ZaQarog, ZdQccrag, ZocQccrijg sind alles Nebenformen einer 
Namensform des ZoQoaöxQog, für deren genuine auch bei Alexander 
oben wohl zu substituierende Nebenform ich Zagadrig halte. Sogar die 
Quellen des Alexander für obige Nachricht können wir noch feststellen 
aus Hippolytos, Ref. omn. haer. I, 2, 12 (Diels, Doxographi p. 557): 
ziiödcoQog de 6 ^EQStQUvg xal '^Qiöro^svog 6 fiovöLxög (2. Hälfte des 
4. Jahrh. t. Chr., Schüler des Aristoteles, schrieb auch einen BCog IIvQ-a- 
ydQOv) (paöi ngog ZaQatav rov XaXdalov ilrjlvd-svai Uv^ayögav. Damit 
haben wir sogar die Quellen des Polyhistor ermittelt und als wahrschein- 
lichste Namensform Zagdörig. Wie kam aber der Polyhistor dazu, diese 
bei den Griechen schon vorhandene — wie Aristoxenos beweist — Tradition 
über Pythagoras mit der Regierung des Asarhaddon zu verquicken? 
Ich glaube, Polyhistor ist durch die Namensform des Asarhaddon bei 
Berossos dazugekommen, ihn mit ZaQcidrjg gleichzusetzen. Bei Abydenos 
lautet diese Axerdis, wie wir sahen; Eusebios läßt sie in seinem Polyhistor- 
exzerpt leider aus. Axerdis entspricht griechisch einem AlEPAlZ oder 
AiEPAHX. Dies halte ich für verderbt aus ursprünglichem AXEPAIZ 
oder AIEPAHZ. Damit haben wir aber erst die Namensform des Aby- 
denos hergestellt. Dieser verändert aber die barbarischen Formen des 
Berossos bei Polyhistor fast ständig, wie wir unten noch näher sehen 
werden. Wie hat dann Berossos-Polyhistor geschrieben? Der Kanon 
des Ptolemaios gibt die Namensform 'AöccQLÖivog, das ist das genuine 
Äsur-ah-iddin (Gott Asur, einen Bruder gib doch!) verkürzt in Asur-iddin. 
Nun wechselt t„ das stimmhafte s, mit 6 häufig in griechischen Wieder- 
gaben babylonischer Namen. NccßovdeaQog erscheint bei (Poseidonios- 
Varro) Censorinus, De die natali in der Form Naßovvd^aQog: cap. 21,9: 
anni . . ., qiios Ndbonnazaru (d. i. Naßovva^ccQov) vocant. So vermute ich 
nach Analogie von BukaÖäg für Merodoch-Baladan (babyl. Marduk-apal- 
iddin, hypokoristisch (a-)pal-iddin=ßaAadä5) für Asur-iddin auf Grund 
von Abydenos' Form KxerdäQ-At,iQdrig bei Berossos-Polyhistor ein 'At,a- 
Qttdäg oder ganz ähnlich! Das ist aber dem ZaQccdrjg für ZojQÖaOtQog 
bei Polyhistor äußerst ähnlich. Die Erklärung für den Einschub ist 
also folgende: Alexander fand bei Berossos die Nachricht vor, daß unter 
König 'A^tQÖi^g-A^aQadßg Söldner angeworben wurden (das haben wir 
aus Abydenos zu schließen). In der Namensform dieses Königs fand nun 
der Polyhistor die Namensform jenes Chaldäers ZaQccörjg wieder, zu dem 
nach dem Bericht des Aristoxenos Pythagoras gekommen war, nur daß 
dieser leider den persischen Religionstifter Zoroaster meinte, wie sich 
einerseits aus Agathias a. a. 0. und andererseits aus dem, was nach 



Inhalt des BerossoBexzerpts des Polyhistor von Buch III 147 

Hippolytos a. a. 0. (p. 557 Diels, Doxographi) Pythagoras bei ZaQarag. 
an orientalisclien Lehren erfuhr, ergibt. Schleunigst brachte er eine dem- 
entsprechende Notiz in sein Berossosexzerpt, in der er Asarhaddon und 
ZccQccdTjg-Zoroaster identifizierte. Diese Notiz verwob dann Abydenos mit 
dem Kontext des Berossos-Polyhistor. 

Nach der Erwähnung des Pythagoras fährt Ensebios fort: Und nach 
Sammoges gelangte Sardanapallos ^ur Regierung über die Chaldäer, 30 Jahre. 
Dieser sandte zu ÄMahaJc, dem Stammhäuptling und Satrapen der Meder^. 
Heerestruppen zur Hilfe, um als Gattin zu erhalten für seinen Sohn Nabu- 
Jcodrossoros eine Tochter des Äzdahah, die hieß Amuhidin. Wenn man 
das liest, kann man dieser nur auf Sardanapallos beziehen. Sardanapal 
war aber nicht Nabukodrossors Vater, sondern Nabupalossor, der sich 
mit Medien gegen Assyrien verband und zwischen Sardanapal (647/& 
— 626/5) und Nabukodrossor (604/3 — 562/1) über Babylonien regierte 
(625/4 — 605/4). Es ist also eine Zeile ausgefallen etwa des Inhalts: Nach 
ihm (selbst. wacA Sardanapallos) regierte Ndbupalossoros über die Chaldäer 
21 Jahre. Indessen sind wir zum Einschub dieser Zeile in den Eusebios- 
text nicht berechtigt, denn nicht nur beim armenischen Eusebios, sondern 
auch beim SynkeUos (Berossos, Fragm. 50 a) findet sich das Versehen^ 
der es aber noch weiterspinnt und Sardanapal und Nabupalossor iden- 
tifiziert: Tovtov (seil. NccßovTtaXccöttQov) 6 nokvtötcoQ HaQÖavdnaXkov 
xccXst, Ttsfitlfavra ngbg ^ötvdyrjv eaxQdnrjv MtjöeCag, xccl xriv ^vyatSQa 
ccvtov !A^VLtrjv Xaßövta vvii(prjv eig tbv vlbv avxov NaßovxodovööojQ. 
Einerseits ein strikter Beweis dafür, daß SynkeUos seine Berossosfrag- 
mente eben aus Eusebios hat, andererseits ein bedauernswertes Zeichen 
dafür, wie flüchtig Eusebios das III. Buch der Baßvkcoviaxd im Exzerpt 
des Polyhistor epitomiert hat. 

Nach Nabupalossor kommt sein Sohn Nabukodrossor an die Reihe. 
Eusebios tut ihn mit den Worten ab: Und darauf regierte Nabukodros- 
soros 43 Jahre; und ein Heer zusammenziehend, zog er aus, nahm gefangen 
die Juden und Phöniker und Syrer. War das das einzige, was Polyhistor 
über diesen König bot? Schon Abydenos beweist (vgl. Berossos, Fragm. 
56), daß Polyhistor — durch den eben Abydenos den Berossos be- 
nutzte — auch die Bauten des Nabukodrossor geschildert hat. Noch 
mehr bietet Josephos, der allerdings die indirekte Rede des Polyhistor 
in die direkte zurückverwandelt hat. Daß auch er den Polyhistor be- 
nutzt hat, werden wir unten noch nachweisen. In die Geschichte des 
Nabukodrossor hat nun der Polyhistor, wie wir aus Abydenos und Jose- 
phos ersehen, wieder Zitate aus anderen Schriftstellern eingelegt. Zu- 
nächst ein Zitat aus Megasthenes über Nabukodrossor aus dessen 'Jvdtxcc 

10* 



148 Inhalt des Berossosexzerpts des Polyhistor von Buch III 

das Abydenos und Josephos gemeinsam haben. Dann werden wir aber 
auch die Zitate bei Josephos (vgl. Fragm. 54 des Berossos) aus den phö- 
nizischen Historikern Diokles und Philostratos, die des Nabukodrossor 
Erwähnung tun, mit A. v. Gutschmid (Kl. Schriften IV, S. 526) auf Poly- 
histor zurückführen dürfen. 

Auf Nabukodrossor folgt sein Sohn Amilraamdochos: Und nach 
Nabukodrossoros regierte sein Sohn Ämilmarudochos 12 Jahre, den die 
Hebräergeschichte Umarudochos nennt. Dieser Zusatz aus der „Hehräer- 
geschichte" ist kein Einschub des Eusebios, sondern stand schon beim 
Polyhistor. Dies wird bewiesen durch die Form Umarudochos, die un- 
möglich der biblischen Form EvsiXäö Magcadäx bei den LXX, die Euse- 
bios allein hier hätte einsetzen können, entstammen kann, sondern ist 
wieder ein Zitat des Polyhistor aus derselben Quelle wie bei Phul und Se- 
nacherib, nämlich aus einem jüdisch-hellenistischen Schriftsteller. 

Die Schilderung der Geschichte der Könige von Ämilmarudochos 
bis Nabonnedos finden wir viel reichhaltiger als bei dem zum Ende 
eilenden Eusebios bei den beiden anderen Polyhistorexzerptoren, Aby- 
denos und in authentischer Form des Polyhistor — nur in direktie Rede 
zurück verwandelt, bei Josephos. Hat nun aber Josephos hier und bei 
Nabukodrossor den Polyhistor — mit Ausnahme dessen, was von den 
Bauten des Nabukodrossor von Josephos zwischen Fragment 54 und 61 
weggelassen wurde, teilweise können wir es jedoch aus Abydenos in 
Fragment 56 ergänzen, — offenbar getreulich reproduziert, so entsteht 
doch die Frage: Hat Polyhistor- Josephos den Berossos hier wörtlich aus- 
geschrieben? Zwar bin ich der Überzeugung, daß die Rückversetzung 
der indirekten Rede des Polyhistor in die direkte Rede durch Josephos 
uns den Wortlaut der Vorlage des Polyhistor getreulich wiedergibt, denn 
Polyhistor folgte sklavisch dem Sprachgebrauch seiner Vorbilder, aber 
Kürzungen des Berossos durch Polyhistor glaube ich doch nachweisen 
zu können. Der Bericht des Berossos über die Bauten des Nabukodrossor 
in Babylon interessierte den Periegeten Alexander sichtlich auf das 
höchste. Aber er hat auch hier nachweisbar gekürzt. Die Erneuerung 
der babylonischen Tempel, vor allem des Marduktempels Esagila, tut 
Josephos-Polyhistor in Fragment 54 (c. Ap. I, § 139 = Ant. X, § 224) 
mit den Worten ab: äno täv ix tov noXs^ov kacpvQav x6 re tov BrjXov 
isQov xal xa Xomä xoöfitlöag q)iXoTifia)s (seil. 6 NaßovxoÖQÖööoQog). 
Sollte nun die Erneuerung des Tempels Esagila durch Nabukodrossor, 
der diesem König überhaupt erst seine endgültige Gestalt verdankt, und 
deren eich Nabukodrossor in jeder seiner Inschriften rühmt, — auf jedem 
Backstein nennt er sich 'Ausschmücker von Esagila und Ezida', eingehend 



Inhalt des Berossosexzerpts des Polyhistor von Buch III 149 

beschreibt er die Erneuerung von Esagila und seines Stufenturmes Ete- 
menanki in jeder seiner größeren Inschriften, — von dem Priester dieses 
Tempels, der Berossos doch war, mit dieser dürftigen Angabe abgetan 
vrorden sein, wo er doch die Erbauung der Paläste des Nabukodrossor 
mit so eingehenden Worten schildert? 

Auf die letzten Babjlonierkönige folgten Kyros und die Perser- 
könige. Leider ist hier abgesehen von einem aus Juba, wie wir in Kap.VII 
sehen werden, stammenden Zitat über Artaxerxes IL — Eusebios unsere 
einzige Quelle für das, was Berossos von ihnen zu erzählen wußte. Es 
ist auch dürftig genug: Und es herrschte über Babelon Kyros 9 Jahre. 
Darauf, als er in der Ebene Baas sich in einen andern Kampf eingelassen 
hatte, kam er um. Nach ihm Kambyses, herrscht 8 Jahre. Und darauf 
Dareh 36 Jahre. Nach diesem Xerxes und weiter die übrigen PerserJcönige. 
Daran schließt sich gleich der Schluß des Polyhistorexzerptes durch 
Eusebios: Also, gleichwie Berosos in betreff des chaldäischen Königtums 
kurzgefaßt im einzelnen überliefert, ebenso berichtet dasselbe auch der Poly- 
histor. Berossos war auch für diese seiner Zeit am nächsten liegende 
Epoche gut informiert. So ersehen wir aus Abydenos, Fragment 63 
Schluß, daß zur Zeit des Dareios I. Nabuna'id aus seinem ihm von Kyros 
angewiesenen Bezirke Karmanien zeitweise flüchten mußte, und eine 
wertvoUe Notiz aus der Regierung des Artaxerxes IL hat, wie schon ge- 
sagt, Clemens Alexandrinus uns bewahrt. Das ist aber auch aUesl Wir 
haben absolut keinen Anhalt dafür, wie das Exzerpt des Polyhistor für 
diesen Zeitraum sich zu Berossos verhielt. Wäre uns Berossos für diese 
Zeit erhalten, so besäßen wir eine auf authentischem Chronikenmaterial 
beruhende Schilderung der Perserzeit mit absolut sicheren chronologi- 
schen Daten aus nichtgriechischer Quelle. 

Nicht einmal das Ende des Polyhistorexzerpts des Berossos und 
damit das Ende von Buch III und somit der ganzen BaßvXavLccxä hat 
Eusebios für der Erwähnung gut befunden (vgl. Kap. II), die Regierung 
des Alexandros von Makedonien. Daß sie den Schluß bildete, ersehen 
wir nur aus einem anderen Polyhistorbenutzer, Abydenos in Fragment 
Q6 : Bieserweise stellen sich die Chaldäer ihres Landes Könige von Äloros 
bis auf Alexandros vor. 

Wir haben so das Polyhistorexzerpt des Berossos inhaltlich so weit 
wie möglich rekonstruiert und dabei gelernt, wie durchaus verkehrt es 
ist, Eusebios allein zur Grundlage der Herstellung dieses Berossos- 
exzerptes zu machen und etwa daraus, daß Eusebios vor allem in Buch III 
weniger bietet als Abydenos und Josephos, zu schließen, daß diese Au- 
toren den Berossos nicht durch Vermittelung des Polyhistor kennen 



150 Das BeroBsosexzerpt von Polyhistor in *Assyriaka' einverleibt? 

Denn Eusebios tut in der Chronik den Polyhistor da, wo er ihn 
durch Abydenos und Josephos ersetzen kann, prinzipiell kurz 
ab. Den Beweis für diese These bildet die Tatsache, daß Eusebios 
in der später als dieChronik verfaßten Praeparatio Evangelica 
(vgl. Ed. Schwartz, Art. Eusebios in Bd. VI, 1. Hälfte, 1907, Kol. 1370 
—1439, speziell Kol. 1376—1384 und 1388—1392) den Polyhistor 
überhaupt nicht für Babylonisches, sondern nurden Abydenos 
und die Berossoszitate des Josephos anführt! 

Nachdem wir so das Berossosexzerpt des Polyhistor inhaltlich kennen 
gelernt haben und uns somit auch ein Bild von ihrem Umfang einiger- 
maßen haben herstellen können, dürfen wir wieder der Frage näher- 
treten: In welcher literarischen Form hat Polyhistor dies Be- 
rossosexzerpt veröffentlicht, allein oder in einem größeren 
Zusammenhang? Ich glaube nun doch, daß man nicht annehmen 
darf, daß Polyhistor ein Berossosexzerpt mit einigen anderswoher ent- 
Dommenen eingestreuten literarischen Notizen als selbständiges Werk, 
dessen Quelle er noch dazu ehrlicherweise angibt — etwa unter dem 
Titel XaXdaVxd habe erscheinen lassen. Ein derartiges Armutszeugnis 
dürfen wir ihm, wie gesagt, nun doch nicht ausstellen. 

Dann bleibt nur die Annahme, daß Alexander dies Exzerpt in einen 
größeren Zusammenhang eingearbeitet hat. Das wäre aber nur möglich 
in ein etwaiges Werk Assyriaka. 

Hat aber Polyhistor über '466vQiaxd geschrieben? Kenntnis von 
einem derartigen Werk von ihm — aber nicht von dessen Titel — be- 
sitzen wir bekanntlich nur durch das Fragment 2 des Polyhistor in 
FHG m, p. 210 (Berossos, Fragm. 46) bei Agathias, Hist. II, c. 25, 
p. 119 ed. Nieb., aus dem Synkellos p. 359 ed. Dind. (= Fragment 1 des 
Polyhistor bei C. MüUer, FHG III, p. 210 = Fragm. 46 a des Berossos) 
wiederum geschöpft hat. Wir ersehen aus diesem Fragment, daß Alex- 
ander die Geschichte der Assyrer und Meder (lediglich auf letztere be- 
zieht sich die Angabe des Agathias: TolyuQtoL äglavtsg [seil, ol Maxs- 
Ö6v£g] ov XCav iXaTtova xqövov t&v Mijdcov ort ^ij STttä etsGi dsovxa 
• — xei<frsov yaQ xavtavd-a ta JIoXvlötoql — ig toöovtov xrk.), und 
zwar im Anschluß an Ktesias, wie schon die chronologischen Daten aber 
auch das direkte Zitat des Ktesias, den Agathias eben nur aus Polyhistor 
kannte, beweisen. Die Überlieferung des Ktesias ist aber hier sichtlich 
interpoliert. Der Anfang dieses Fragmentes lautet: 

JlgätoL filv yäg av ccxofj i'ötisv'AöövgiOL Xeyovrai ocnaöav Ti)v'AöCav 
Xetgadaöd'aL^ nXijv 'Ivdav räv VTthg rdyyrjv nora^bv Idgvfisvav. Nivög 
XB ngötegov (paCvExat xaX ßaöiXsCav ivtccv&a ßeßaCav xaraottjöd^evog. 




Die 'Assyriaka' des Polyhistor 151 

2Js^LQcc^Cg XE ai) ^sr ^xstvov, %al il^g anavxsg oC tovtov ccTtoyovoi ^e- 
j(^Qi, xal eg BeXeovv xov zJsQXSxccdov. 'Eg xovxov yäQ örj tbv BbXeovv xfig 
xov EYiiiiQa^isiov (pvXov diadoifig Tcavöa^dvrjg^ BEXrjxaQag xtg 6vo(ia, 
(pvxovQybg dvijQ xal x&v sv xolg ßaöiXsCoig X7]7tcav ^Elsdcovbg xal etcv- 
6xdx^]g, Exagnciöaxo %aQak6yc3g xrjv ßaöiXECav, xal xa oIxeCco ivEcpvxEvös 
ydvEi^ cag aov BCcavi yEyQaTtxat xal yiXs^dvdQC) xg) IIoXviöxoQi, sag ig 
ZlaQÖavdTtaXXov ^ cog kxElvoC (paiSi, xfig dg^fig dTto^aQavdsCörjg ^ xxX. 

Wir erhalten hieraus folgende Königsreihe: ^EQxsxddrjg, BsXEovg, 
BsXrjxdQug. (Die Identifikation dieses BEXtjxdQag mit dem BEXuxavag aus 
der Ktesias-Epitome desPhotios, § 21, die J.Marquart, Philologus. Suppl. 
Bd. VI, 2, 1893, S. 574— 575 versucht hat, hat Lehmann- Haupt in Bd. II 
der „Orientalischen Studien, Th. Nöldeke zum 70. Geburtstage gew.", 
1906, S. 997 — 1014 als falsch nachgewiesen.) Die uns erhaltenen Listen 
der Assyrerkönige, die in letzter Linie zwar auf Ktesias zurückgehen, 
sind nun leider aUe mehr oder weniger interpoliert. Eusebios zählt in 
seiner Chronik — wem er die Liste, ob Abydenos, Kastor oder Pseudo- 
kephalion, Phlegon, Thallos oder Kassios Longinos, entnommen hat, sagt 
er nicht — S. 30, Z. 29—32, Z. 19 ed. Karst 36 Assyrerkönige von NCvog 
bis UaQÖavdTtaXXog auf. Diese Liste ist aber interpoliert, wie sich aus 
dem Vergleich mit den drei echten Angaben des Ktesias bei Diodor in 
lib. II ergibt, nämlich c. 21, § 8 üaQanXriäCiag dl xovxa (seil, xa Nivva) 
xal OL Xomol ßaöiXEtg, nalg TCagd naxQog diaÖEx,6n,Evog t^v aQx^v, hnl 
yEVEag XQidxovra ißaöCXEvöav (lEXQt 2JaQÖava7tdXXov , c. 22, §2. Tevxd- 
^ov y&Q ßaötXEvovxog xTJg 'AöCag^ bg i]v slxoöxbg djtb Nivvov xov ZlsfiL- 
gdfiiSog; c. 23, § 1: IJaQÖavdjiaXXog ds^ xQiaxoöxbg ^hv cbv dnb Nivov 
xov övöxrjöa^Evov xrjv ijyE^ovLav, iöiaxog dh yEvöiiEvog Aöövqlcov ßa- 
(JiXsvg. Danach haben von Ninos bis Sardanapal 30 Assyrerkönige von 
Ninos bis Sardanapal in 30 Geschlechtern, Ttalg Ttagd Jtaxgbg dcadsxo- 
fisvog xfjv aQx^v, also in einem Herrschergeschlecht von Ninos bis Sar- 
danapal geherrscht. Teutamos war der 20. seit dem (3.) König Ninyas, 
also der 22. König seit dem ersten König Ninos. In der Liste des Euse- 
bios sind nun 36 Könige aufgezählt, somit sind 6 Könige in die ursprüng- 
liche Liste des Ktesias interpoliert. Teutamos ist in dieser Liste der 
26. König, also sind 4 Könige vor und 2 nach ihm zu eliminieren. Nach 
ihm sind nun Tevxalog, der aus Tsvxa^og und 'Oq)Qaxatog, der aus'Ogj^a- 
xdvrjg heraus erschlossen worden ist, zu streichen. Von den Königen 
vor TEvtafiog sind nun je einer der zwei Könige Aa{i7tdQ7]g und Aa^- 
TtQCdrjg, Mdfivd-og und MdfivXog^ Ucoödgr^g und Um6aQ[iog, die Doppel- 
formen einen und desselben Namens bilden, — ich lasse es dabei in suspenso, 
welcher der betreffenden Namen der jeweilig zu streichende ist — zu 



152 JDie 'Assyriaka' des Polyhistor 

eliminieren, wie man schon längst erkannt hat. Der vierte dürfte doch 
wohl einer der beiden BrjXoxos sein. Denn dies bleibt die für mich 
wahrscheinlichste Annahme, da sonst ein nachweisbarer Doppelname in 
dieser Liste nicht vorkommt und sie eben interpoliert ist. 

Wenn wir nun die Könige ^SQxetddrjg (es wäre auch der Nominativ 
jJsxQStcidag möglich) in der Liste des Eusebios suchen, so ist BBXritaQac; 
offenbar identisch mit BalaxoQrig^ Beksovg mit Bt'ßoxos II. Den z/fp- 
xstädag kann man zur Not in dem Jdöxarddag, dem zweiten Vorgänger 
von Brikoxog II. wiederfinden. Eusebios' Liste hat also diese Könige 
sichtlich gekannt, ob auch Ktesias? Ich glaube kaum. 

Denn das, was hier Polyhistor und Bion bei Agathias erzählen, daß 
mit Bekeovg das Geschlecht der Semiramis ausstarb und mit BeXrjtccQag ein 
neues Geschlecht auf den Thron kam, widerspricht direkt der echt ktesia- 
nischen Überlieferung bei Diodor, wonach die dreißig Assyrerkönige 
xatg nagä jtatQog diads%6iisvog rrjv ocQ^riv regiert haben, also in einem 
Geschlecht, wie schon P. Krumbholz, Rhein. Mus. 52, 1897, S. 249 er- 
kannt hat. 

Polyhistor und Bion haben also die Geschichte, wie Beletaräs, ein 
fpvtovQyhg avt]Q und ^sXsdavbg xal ETCiöxdxrig rav iv tolg ßaöiXsCoig 
iCYiTKOv^ sich naQaX6y(og auf den Thron des BsXsovg setzte, anderswoher 
entnommen. Nun liegt aber dieser Geschichte, wie wir jetzt wissen, ein 
altes babylonisches Sagenmotiv zugrunde. In einer in zwei Exemplaren 
uns erhaltenen babylonischen Chronik, die 1907 von L.W. King in vol. II, 
p. 12 — 13 und 15 — 16 seiner Chronicles concerning early Babylonian 
kings (=Studies inEastern history vol. II) erstmals veröffentlicht wurden, 
heißt es (nach der Übersetzung von A. Ungnad in H. Greßmann, Alt- 
orientalische Bilder u. Texte, Bd. I, Texte, 1909, S. 106—107): 

Ura-im itti [der 8. König der 1. Dynastie von Isin, die zuletzt gleich- 
zeitig mit der I. Dynastie von Babylon (ca 2225 — 1926 v. Chr.), also 
etwa 2350 — 2126 v. Chr. regierte, wie jetzt F. Thureau-Dangin in der 
Revue d'Assyriologie, Vlir*™® volume, 1911, p. 81 — 84 auf Grund eines 
neuen Datums definitiv erwiesen hat] hatte seinen Gärtner Ellil-hani als 
„MasJcenfigur*' (? so Ungnad) auf seinen Thron gesetzt und hatte die könig- 
liche Krone auf sein Haupt gesetzt. Da wurde Ura-imitti in seinem Pa- 
laste vom Schlage getroffen (?) und starb durch seine Schere (? die Deutung 
dieses Satzes ist noch strittig). Ellilhani, der auf dem Throne saß, stand 
(nun) nicht auf, sondern machte sich zum König. 

Nun ist das hier Erzählte Sage. Das wird bewiesen dadurch, daß 
nach einer babylonischen Königsliste aus Nippur, die H. V. Hilprecht 
1906 in vol. XX, 1 der series A der Veröffentlichungen der Expedition 



Die 'Assyriaka' des Polyhistor lÖS' 

of the University of Pennsylvania, Tafel 30 und XV publiziert hat, 
EUilbani nicht der unmittelbare Nachfolger des üraimitti war, sondern 
ihm erst nach einer Zwischenregierung von 6 Monaten folgte. 

Diese Sage in der Chronik ist offensichtlich identisch mit der, die 
uns Polyhistor von BsXsovg und BslrjxccQag erzählt. Der Herausgeber 
jener Chronik, L.W. King, hat dies erkannt und suchte sogar die Na- 
men Belbani (so las er irrig für EUilbani, Ellil und Bei [= Marduk] 
sind, wie seither nachgewiesen wurde, in der Lesung scharf zu trennen) 
und BslEovg zu identifizieren. Das ist freilich durch die Lesung El- 
lilbani unmöglich geworden, und so müssen wir uns mit der Gleich- 
heit des Sagenmotivs bescheiden, wenn auch die Namen nicht iden- 
tisch sind. 

Dieses babylonische Sagenmotiv wird uns nun von Polyhistor über- 
liefert. Aus Ktesias kann er es nicht haben, wie wir sahen. Also bleibt 
für Polyhistor nur der Schluß übrig, daß er diese Erzählung von Bb- 
Xsovg und BsXrjrdQag^ deren Motiv wir als echt babylonisch erwiesen 
haben, ebendaher entlehnt hat, woher er sonst seine Kunde von Echt- 
babylonischem hatte, nämlich aus Berossos. Sie in die Erzählung de» 
Ktesias einzuschieben, wurde er meines Erachtens durch den Anklang 
des Namens BsXrjtäQag, der echt babylonisch ist (nach Lehmann-Haupt 
a. a. 0. Bel-etir) an den ktesianischen König BakarÖQrjg veranlaßt. Den 
BeXsovg fand er in Bi]2.oxog (I) wieder und schob dann einen Bt]- 
Xoxog (H) vor BccXatoQTjg — BsXrjtccQccg ein. Meines Erachtens geht 
überhaupt die interpolierte Liste der ktesianischen Könige auf Poly- 
histor zurück. 

InBion haben wir nunmehr einen Benutzer des Polyhistor — vielleicht 
den Mittelsmann zwischen Agathias und Polyhistor? — zu sehen, den 
Agathias ebenfalls kannte. Marquart sieht meines Erachtens mit Recht 
in Bicav den wahren Namen des Pseudo-Kephalion (Philologus VI, 2, 
S. 581), denn, wie Marquart a. a. 0. mit Recht bemerkt, dieser Schrift- 
steller hat nach Eusebios, Chron. ed. Karst S. 125, Z. 12 sein Werk 
über assyrische Geschichte 'Neun Bücher der Musen' betitelt, nach Laert. 
Diogenes IV, 58 hat aber ein Rhetoriker Bion ivvea ßißlCa MovßCbv im- 
yQaqjö^eva geschrieben. 

Wir sehen so, daß Polyhistor seinen 'AGövQiaxd und Mrjdixcc den 
Bericht des Ktesias zugrunde legte, ihn aber gelegentlich durch eine 
Einlage aus Berossos ergänzte, ebenso wie er in sein Berossosexzerpt 
Einlagen aus anderen Schriftstellern machte. Jedenfalls haben wir aber 
damit erkannt, daß Polyhistor sich nicht nur mit dem Berossosexzerpt 
als Quelle seiner Kunde assyrischer Geschichte begnügt hat. 



154 Das Berossosexzerpt d. Polyhistor v. Eusebios benutzt u. v. Africauus 

Daß aber der Polyhistor sein Berossos- und sein Ktesiasexzerpt zu- 
sammen als ein Werk, etwa unter dem Titel liöövQiaxd xal Mtjdixd 
zusammengefaßt hat erscheinen lassen, scheint mir durch die Analogie 
von Abydenos' HöövQiaxä xal Mrjdixa nahegelegt zu werden. Denn 
dieser Schriftsteller hat das Berossosexzerpt des Alexander in diesem 
Werke überarbeitet. Dann wird er aber auch seine Kenntnis der assy- 
rischen und medischen Geschichte nicht direkt aus Ktesias, sondern 
auch aus Polyhistor, der ja, wie wir sahen, ebenfalls die 'AöövQcaxK 
und Mrjdixd des Ktesias exzerpierte, geschöpft haben. Das Werk des 
Abydenos stellt also nichts dar als eine Umformung des Werkes des 
Polyhistor in eine feinere literarische Gestalt, die den Exzerpten- 
charakter des Polyhistor dadurch verwischt, daß sämtliche Quellen- 
belege, die der Polyhistor bot, weggelassen, die eingestreuten Notizen 
in den Text eingearbeitet und schließlich das Ganze in der Pseudo-Ias 
niedergeschrieben wird. 

Nachdem wir so den Inhalt und den Umfang des Berossosex- 
zerptes des Polyhistor kennen gelernt haben, haben wir nunmehr 
die Überlieferung dieses Polyhistorwerkes näher ins Auge zu fassen. 
Der für uns wichtigste Benutzer, der vor allem uns einen einiger- 
maßen zusammenhängenden fortlaufenden Auszug aus diesem Exzerpte 
überliefert hat, ist nun, wie schon mehrfach bemerkt wurde, Eusebios 
im I. Teile seiner Chronik. Das Verhältnis des Eusebios zu Poly- 
histor haben wir schon besprochen, es liegt uns nur noch ob zu unter- 
suchen, ob Eusebios den Polyhistor direkt benutzt hat oder nicht. 

Die frühere allgemeine Annahme, der noch C. Müller in den FHG 
II, p. 496 huldigt, war die, daß Eusebios seine Berossosexzerpte nicht 
direkt aus Polyhistor, sondern aus der Chronographie des Africanus 
geschöpft hat. 

Nun läßt sich allerdings Benutzung des Berossos durch Africanus 
nachweisen. Fragment 57, das dem großen Africanusfragment in c. 10 
von Buch X der Praeparatio Evangelica des Eusebios entstammt, lau- 
tet: Tov öij NaßovxodovoöoQ fivT^^vsv£L BrjQCoööbg 6 Baßvkavvog. 
Dieses Africanusfragment ist jedoch wörtlich erhalten. Dadurch ist aber 
ausgeschlossen, daß etwa Africanus noch mehr aus Polyhistor-Berossos 
über Nabukodrossor geschöpft hat. Mit Africanus vergleiche man nur 
das, wenn auch noch so dürftige Exzerpt des Eusebios aus Polyhistor 
über Nabukodrossor in Fragment 55. Sofort erkennt man, daß Eusebios 
mehr Material bietet als Africanus, diesen also nicht benutzt haben kann. 

Auf Berossos geht ferner zurück, wie uns die Tatsache lehrt, daß 
Africanus eben Berossos kennt, folgende Äußerung des Africanus (in 



Eusebios benutzt d. Berossosexz. d. Polyhistor nicht durch Africanus 155 

Fragment 5 des Berossos), die uns ebenfalls wörtlich beim SynkeUos 
(p. 31, l. 1—12 ed. Bind.) erhalten ist: 

Tä yccQ ^OLvCxov TQiö^vQia ertj tj xbv t&v Xaldaiav Arjpov, tb 
täv TSööaQccxovta oxro) ^vQiddcov, xl dsl xal Xsysiv^ 

Man sieht, Africanus kennt die hohen Zahlen des Berossos. Er 
tut sie aber mit einer wohlfeilen Redensart vom Zahlenschwindel der 
Chaldäer ab. (So sehr gut H. Geizer in seinem Sextus Julius Africanus 
II, 1, S. 31.) 

Zwar bin ich ebenfalls der Ansicht, daß Africanus diese beiden 
Fragmente des Berossos auch aus Polyhistor hat. Denn Benutzung des 
Polyhistor durch Africanus ist uns in demselben Fragment, aus dem 
das erste Fragment des Berossos bei Africanus stammt, in Euseb. 
Praep. ev. X, 10 bezeugt, p. 489a: Tavxa yccQ . . . ^4Xs^avdQos 6 Uo- 
Xvi'öxcoQ . . . s^vriöd-rjoav. Man wird also Benutzung des Berossos durch 
Vermittelung des Polyhistor auch bei Africanus anzunehmen haben. 

Dafür jedoch, daß Eusebios sein Polyhistorexzerpt aus Africanus 
hat, fehlt uns jeder Anhalt. Africanus hatte den Berossos, wie schon 
bemerkt, mit ein paar wohlfeilen Redensarten vom Zahlenschwindel der 
Chaldäer abgetan und sonst nur wenig und Unbedeutendes aus der alfc- 
babylonischen Geschichte mitgeteilt, wie Geizer a. a. 0. dartut. Nun 
zeigt aber, wie Geizer a. a. 0. ebenfalls gesehen hat, die Praeparatio 
Evangelica des Eusebios, daß dieser die Schrift des Polyhistor UsqI 
^lovöaiav direkt eingesehen hat, denn aus Africanus' Chronographie 
kann er unmöglich hier geschöpft haben. Also werden wir auch hier 
für die Chronik direkte Benutzung der Assyriaka, also des Berossos- 
exzerptes des Polyhistor zu statuieren haben und können der Versiche- 
rung des Eusebios im Quellenkatalog von Teil I der Chronik, S. 125, Z. 8 
ed. Karst, daß er aus dem Polyhistor Älexandros geschöpft habe, ruhig 
Glauben schenken. 

Wenn wir somit auch die direkte Benutzung des Polyhistor durch 
Eusebios anzunehmen haben, so ist damit jedoch noch keinesfalls die 
Frage entschieden, die überhaupt noch nicht m. W. aufgeworfen worden 
ist: Hat Eusebios den echten oder einen interpolierten Poly- 
histortext benutzt? Ich glaube im folgenden eine Reihe jüdischer 
oder altchristlicher Interpolationen in dem von Eusebios benutzten 
Text des Berossosexzerptes des Polyhistor nachweisen zu können. 

Zunächst einige textliche Änderungen, die weder auf Polyhistor 
noch auf Eusebios zurückgehen können. 

1. Kap. IV § 2 haben wir gesehen, daß nach Ausweis des Josephos 
und Abydenos der Polyhistor in dem Turmbauzitat aus der Sibylle ge- 



156 EusebioB benutzt interpolierten Text d. Beroseosexzerpts Polyhistors 

lesen haben muß: tovg de dsovg ävt^ovg xa nvQya kiKpvG^Cavtag icva- 
tQ£tl>ca avtbv (seil, rbv Tcvgyov). Eusebios hat aber nach dem vereinten 
Zeugnis des armenischen Übersetzers, des Kyrillos und des Synkellos 
die grammatisch völlig unmögliche Lesart gehabt: rov öh Q^eov ävsiiovs 
ta TivQyc) e^q)v67]6avTog dvatQSijjaL avtov. Nun dürfen wir dem Euse- 
bios bei seiner sonstigen Akribie keine Textänderung, vor allem keine 
BD schwerwiegende, zutrauen. Auch würde er, wenn er geändert hätte, 
sicher grammatisch richtig korrigiert haben. Es bleibt also nur die 
Annahme, daß irgendein Jude oder Ohrist die Lesart dsov statt &sovs 
in den Text des Polyhistor selbst eingeschwärzt hat. 

2. In der Schöpfungsgeschichte, die Oannes erzählt (Fragment 12), 
finden wir folgende Stellen, die wir schon oben gekennzeichnet haben: 
Fsviöd^aL (prjöi (^scil. 6 'Sldvvrjg) ;u()di/ov iv cü t6 Ttäv öKÖtog zal vöcjq^ 
Eivai und tov de BfiXov ^söov rs^övra tö öxötog. Nun spaltet Bei, 
wie kurz vorher erzählt wird, die @u^re, das ist aber, wie Berossos be- 
merkt, auf griechisch d^dXaßöa (babyl. tihamtu, tiamtu, tamtu = Meer, 
hebr. ainn Gen. 1, 2); dann kann man aber nicht die Folgerung zu- 
lassen, daß der Bei tö öxötog gespalten habe, sondern nur tö vöcoq. 
Der Ausdruck ev d> tö Tcäv Gxörog xccl vöodq alvai steht in Differenz 
mit der Schilderung des Urzustandes in der allegorisch-physiologischen 
Erklärung des Mythos: dXXifiyoQixGig 8b cpriöi xovto %Etpv6ioXoyfi6d^ai' 
vyQov yaQ ovtog tov navTog xtX. und mit Abydenos, der auch wie Euse- 
bios den Polyhistor benutzt (vgl Fragment 13 des Berossos): Aeystau dh 
%dvxa yuv ei, aQxfig vdaq alvai, ®dXa60av xaXevfievrjv. Das Wort tö 
öxÖTog hat also einmal den Ausdruck tö vöcoq oder tö vyQÖv direkt 
verdrängt, das andere Mal ist er neben tö vöcoq in den Text geraten. 
Das babylonische Schöpfungsepos weiß auch nichts von dem öxöxog als 
Urprinzip. Die Lösung dieser Aporie gibt uns aber Gen. c. 1, v. 2: 'Es 
war aber die Erde wüst und leer und Finsternis schwebte über dem 
Meer (ainn, d. i. tiämat) und der Geist Gottes schwebte über dem Ge- 
wässer.' Ein Jude oder Christ — sicher nicht Eusebios, dem dergleichen 
fernlag — hat tö öxoxog in das Polyhistorexzerpt aus Berossos einge- 
ßchmuggelt. 

3. Die Schilderung des Auftreten des Oannes erfolgt mit den Wor- 
ten: iv de TüS nQoaxGi iviavra (puvTJvai ex xf^g iQvd-Qäg &ttXd66rjg . . . 
^äov atpgevov övouaxi ^Sldvvrjv xxX. Das Wort aqp()£j/ov existiert nicht 
im Griechischen. Es soll offenbar heißen 'unvernünftig' (« -f (pQ't^v). 
Schon der armenische Übersetzer hat es nicht verstanden: ein furcht- 
bares Untier sagt er, was nur ein Erklärungsversuch für das ihm un- 
verständliche 'dtpQevov sein kann, denn ein griechisches Wort für 'schreck- 



Eusebios benutzt interpolierten Text d. Berossosexzerpts Polyhistors 157 

lieh' oder ähnliches, das acpQSVov nur entfernt ähnlich sähe, aus dem 
also ccipQEvov korrumpiert sein könnte, existiert nicht. Nun hat A. v. 
Gutschmid (Euseb. lib. I ed. Schoene p. 14, n. 3) gezeigt, daß acpQSvov 
(wahrscheinlich durch die Aussprache) verderbt ist aus cccpQalvov 'un- 
Ternünftig seiend' {acp^aCva). Das kann aber nur eine gehässige Ände- 
rung für ursprüngliches e^q)QOv 'vernunftbegabt' sein, wie A. v. Gut- 
schmid erkannt hat und heute wohl allgemein zugegeben wird. Da aber 
Polyhistor wohl kaum ein Interesse an dieser Änderung hatte, Eusebios 
aber schon ätpQoivov oder acpQSVov las, man ihm eine derartige kind- 
liche Korrektur auch kaum zutrauen darf, kann sie nur zwischen Poly- 
histor und Eusebios in den Text interpretiert worden sein, selbstver- 
ständlich nur von einem Juden oder Christen, die allein Interesse an 
einer derartigen kleinlichen Entstellung der babylonischen Mythen 
hatten. 

4. Nach der Regierung des Senacherib gibt Eusebios folgende An- 
gaben aus Polyhistor: 

Aher auch die Zeiten fürwahr sind übereinstimmend mit den von 
den Göttlichen Schriften gesprochenen Worten. Denn unter Ezehia 're- 
gierte Sinecherim', wie der Polyhistor darstellt, '18 Jahre; und nach ihm 
sein Sohn 8 Jahre; und darauf Sammuges 21 Jahre; und dessen Bruder 
21 Jahre; und darauf Ndbupalsar 20 Jahre; und nach ihm Nahukodros- 
soros 43 Jahre\ Und im ganzen werden zusammengefaßt von Sinecherim 
bis zum Nabukodrossoros 88 Jahre. 

Auch nach den Hebräerschriften findet man es, wenn man es genau 
betrachtet, diesem entsprechend: denn nach Ezehia regiert über die zurück- 
gebliebenen Juden Manasse, der Sohn des Ezekia, 55 Jahre; darauf Arnos 
12 Jahre, und nach diesem Josia 31 Jahre; und darauf Joakim ; zu dessen 
liegierungsbeginn Nabuchodonosor heranzog, Jerusalem belagerte und die 
Gefangenschaft der Juden nach Babelon wegführte. Es ergäben sich aber 
von Ezekia bis auf Nabuchodonosor 88 Jahre, ebensoviel wie auch Poly- 
histor aus dem chaldäischen Schriftberichte herausgerechnet hat. 

Es ergibt sich also folgende Gegenüberstellung: 



Senacberib 


18 Jahre 


Manasses 


55 Jahre 


dessen Sohn 


8 


11 


AmoB 


12 „ 


Sammuges 


21 


11 


Josias 


31 „ 


dessen Bruder 


21 


11 






Nabupalossor 


20 










88 


Jahre = 


88 Jahre 



Die hebräischen Zahlen sind korrekt. Zwar ist die Zahl des Arnos = 
Amon im hebräischen Text und den LXX 2 Jahre, aber die erste Hand 



158 Eusebios benutzt interpolierten Text d. Berossoaexzerpts Polyhistors 

des Codex A(lexandrinus) der LXX bietet auch dädsxa «ttj an der be- 
treffenden Bibelstelle (2. Kön. [= LXX 4. Kön.] XXI, 19). 

Merkwürdigerweise sind aber bekanntlich die Zahlen der babylo- 
nischen Könige verderbt. Zwar die erste und vorletzte werden durch 
Eusebios— Polyhistor selbst geschützt; S. 14, Z. 11—12 Karst: '18 Jahre 
war er (Senecherib) Kan der Herrschafty; und indem ihm ein Hinterhalt 
bereitet wurde von seinem Sohne Ardumuzan, endete er', und S. 14, Z. 32 
bis 33: 'Nach Sammoges gelangte Sardanapallos zur Herrschaft Ober die 
Clialdäer, 21 Jahre\ Sardanapal war also der Bruder des Sammuges, 
der nach ihm in Babylonien regierte, Assurbanipal und Samassumukin 
bekanntlich in den Keilinschriften. 

Vergleichen wir nun einmal die Zahlen des Eusebios für diese ba- 
bylonischen Könige mit den historischen: 

Eusebios : : Historisch : 

Senacherib 18 Jahre = | 2. Herrschaft des Senacherib 



Sein Sohn (Asarhaddon) 8 
Sammages 21 

Sardanapal, s. Br. 21 



in Babel 8 Jahre 

Asarhaddon 13 „ 

Samassumukin (nach ptolem. 

Kanon) 20 „ 

Assurbanipal (= Kandalanu, 
dessen 22. Jahr auch keil- 
inschriftlich bezeugt ist, 
8. Oppert 1898 in den 
Comptes rendus de l'aca- 
demie des inscriptions et 
helles lettres, p. 418) 22 „ 

Nabupalossor 20 „ ■« j Nabupalossor 21 „ 

Sämtliche fünf Zahlen stimmen nicht. Nun können wir für Poly- 
histor aus Josephos (Fragm. 54 des Berossos) erweisen, daß Nabupa- 
lossor von ihm noch mit 21 Jahren bezeugt worden ist. Aber diese 
Zahl dürfen wir nicht ändern, da dann die Summierung 88 Jahre nicht 
mehr stimmt. Ebenso halte ich es für unmöglich, daß Berossos gegen das 
Zeugnis der Keilinschriften dem Sammuges und Sardanapal 21 + 21 
anstatt 20 -f- 22 Jahre zugeteilt hat. Die Zahl des Asarhaddon, 8 Jahre, 
sieht zwar Ed. Schwartz (Art. Berossos in Bd. III, 1. Hälfte von Pauly- 
Wissowa, RE», Kol. 309—316) Kol. 310 für verderbt aus 13 — {H zu 
korrigieren in IF, was ja nicht unmöglich wäre) — an. An Stelle der 
18 Jahre des Senacherib nimmt Schwartz a. a. 0. für Senacherib 12 Jahre 
an, /if verwechselt mit Iß, indem er die 4 Jahre des vor Senacherib re- 
gierenden Königs Musezib-Marduk mit einbezieht. Aber haben wir 
dafür historisch und in unserer Textstelle einen Anhalt? Schwartz muß 
a. a. 0. sämtliche fünf Zahlen ändern! 



Eusebios benutzt interpolierten Text d. Berossosexzerpts Polyhistors 159 

Das kann nicht Textverderbnis, sondern muß willkürliche Ände- 
rung des Polyhistortextes sein. (Schwartz nimmt übrigens im Gegen- 
satz zu meiner obigen Bemerkung selbst an, daß die Tj hr} des Assarhaddon 
für T^ willkürlich geändert seien.) Dürfen wir aber eine solche dem 
Eusebios zutrauen? Ich glaube, wir kommen hier auch nur mit der 
Annahme eines zwischen Polyhistor und Eusebios den Polyhistortext 
interpolierenden Juden oder Christen - denn nur ein solcher hatte 
Interesse an diesem Synchronismus — aus. 

5. In der Dynastienliste der historischen Könige von 2232—73^ 
V. Chr. (Berossos, Fragm. 47), vgl. Eusebios lib. I, p. 25, 6—17 ed. Schoene, 
findet sich nach der Erwähnung der Dynastie der neun Araber mit 245 
Jahren folgender Satz: Post quos annos etiam ipsam Samiramidem in 
Assyrios dominatam esse tradit. Diesen Satz haben J. Marquart (Philo- 
logus Suppl. Bd. VII, 1899, S. 642) und im Anschluß an ihn C.F. Leh- 
mann-Haupt (Klio I, S. 259, 1900; ibid. S. 481; Klio III, S. 149 und 
Klio VIII, S. 230) als ein Zeugnis des Berossos für die historische 
Semiramis aufgefaßt. Ich gebe gern zu, daß sich das mit Polyhistor 
bei Josephos (Fragm. 54 des Berossos), c. Ap. I, § 142, vertragen würde: 
Tavta iCsv ovxmq lötoQrixav (seil. 6 BrjQoööbg) ^eqI tov ^QosLQrjusvov 
ßccöiUag (seil. NaßovxoÖQoööoQov) xccl noUä ngog xovtoig sv tfi xQixri 
ßCßkG) XG)v XccXdaix&v, ev fi ^entpsxca xolg 'EXkrjvLXolg övyyQa(psv6tv 
&g ildxriv OLO^evoig vno 2]s^iQcc^e(og xfig 'JöövQLCcg icxiöd'fivai xfiv Ba- 
ßvläva xal xcc »av^iccöia xaxa6x£va6&fivaL nsQl ccvxijv v%' ixeCvrjg egycc 
xl,svdcog ysyQacpööL. Denn hier polemisiert Berossos gegen die sagen- 
hafte Semiramis des Ktesias. Immerhin steht von einer Bezeugung- 
der historischen Semiramis nichts bei Josephos! Nicht verständlich ist 
mir jedoch, wie Lehmann-Haupt die obige Notiz zusammenreimen will 
mit der Nachricht des Abydenos (Fragm. 66 des Berossos) in der Über- 
setzung Petermanns bei Eusebios, chron. I ed. Schoene p. 53, 1. 20—21 : 
Hoc pacto Khaldaei sme regionis reges ah Äloro usque ad Alexandrum 
recensent; de Nim et Schamirama nulla ipsis cura est. Aber wenn man 
an SteUe dieser lateinischen Rückübersetzung Petermanns lieber seine 
deutsche (bei Marcus v. Niebuhr, Gesch. Assurs und Babels seit Phul, 
1857, S. 505) hören wiU: 'So denJcen sich die Chaldäer die Könige des 
Landes von Aloros Us Alexander, um Ninos und Scliami/ram Mmmern 
sie sich nicht: (Karst in seiner neuesten Übersetzung S. 25, Z. 31 bis 
26, 1, vgl. ZB 72 gibt den Satz zu frei wieder.) Das heißt doch nur,, 
daß Polyhistor, den Eusebios wie Abydenos benutzten, nichts von einer 
Semiramis, weder von einer geschichtlichen noch einer sagenhaften, ge- 
wußt hat! Ich sehe mich also nicht in der Lage, trotz Lehmann-Haupts- 



160 Eusebioa benutzt interpolierten Text d. Berossosexzerpts Polyhistors 

Belehrung in Klio X, S. 486, n. 3, von meiner in 'Die babylonische 
Chronologie in Berossos' Babyloniaka' (MVAGr 1908, 5, niedergeschrie- 
ben April, erschienen Juli 1909) S. 37 ausgesprochenen Ansicht, daß 
■die besprochene Notiz in der Dynastienliste des Berossos Interpolation 
sei, abzugehen. Polyhistor hat sie aber — wie eben Abydenos beweist 
— nicht gehabt, Eusebios sie jedoch schon vorgefunden, denn weder ihm 
noch seinem armenischen Übersetzer diese Interpolation zuzutrauen 
haben wir Grund. Also haben wir wieder ein Zeugnis für Interpolation 
■des Polyhistortextes vor Eusebios! 

Wenn wir so gesehen haben, daß diese Dynastienliste interpoliert 
worden ist, werden wir wohl den desolaten Zustand, in dem sie sich 
jetzt befindet (vgl. meine Schrift 'Die babylonische Chronologie in Be- 
rossos' Babyloniaka' a. a. 0. S. 34 — 43; sowie die Besprechung dieses 
Abschnittes bei der Herstellung des Inhaltes des Polyhistorexzerpts 
aus Berossos oben S. 141), nicht völlig auf die schlechte Überlieferung 
in der armenischen Übersetzung, sondern teilweise auf Rechnung dieses 
Interpolators des Polyhistor, der vielleicht für seine Semiramis einen 
Synchronismus herzustellen suchte, zu setzen haben, 

6. Die wichtigste Interpolation findet sich nun im Eingang des 
Polyhistorexzerpts von Buch IL Die armenische Übersetzung lautet 
folgendermaßen (S. 4, Z. 11—18 Karst): 

Dieses hat Berossos im ersten Buch berichtet. Und im zweiten hat 
er die Könige, einen nach dem andern darstellatd, beschrieben; ivie er 
sagt: Nabonassoros ivar zu jener Zeit König. Der Könige Namen nur 
tut er sammelnd aufschichten; ihre etwaigen Taten jedoch erzählt er kei- 
neswegs genau; oder auch erachtet sie gar nicht einmal der Erwähnung 
würdig, wenn nur dabei die Zahl der Könige aufgestellt werde. 

Und er beginnt zu schreiben nach folgender Art der Darstellung: 
Apollodoros berichtet, daß zuerst König gewesen sei Äloros usw. 

Wie A. V. Gutschmid im Appendix zu Schoenes Eusebios p. 240 
den Anfang dieses Stückes in das Griechische zurückübersetzt hat, 
haben wir in Kap. II S. 22 f. besprochen. Wenden wir uns nunmehr der 
Rückübersetzung des zweiten Teiles von Und er beginnt zu schreiben 
an zu! 

Wenn wir den Text nur, wie er dasteht, zurückübersetzen, kann er 
lauten: '^();|j£Tat (seil. 6 BrjQoßöbs) de ovtg) ygacpsiv. ^AnoXk6öciQ6s 
KpTjöiv TCQärov ysvBßd^uL ßa6ikia 'AXcoqov. Dann würde der Text aber 
besagen, daß Berossos — denn er ist nach dem Vorhergehenden das 
Subjekt zu aQ%6tai = und er beginnt — Apollodor zitiert habe. Da nach 
allgemeiner moderner Auffassung mit ^TColXödcnQog nur der Verfasser 



Berossos, Polyhistor und Ps. Apollodor 161 

der berühmten poetischen iQovmd gemeint sein kann (vgl. F. Jacoby, 
Apollodors Chronik = Philol. Unters. XYI; 1902, S. 19 ff.), kann na- 
türlich der Text nicht in Ordnung sein, da Berossos den Apollodor mit 
Rücksicht auf ihre Lebenszeit nicht zitiert haben kann, noch dazu für 
babylonische Chronologie, was ohnehin undenkbar wäre. So schlug 
denn A. v. Gutschmid a. a. 0. folgende Restitution oder eigentlich nur 
Änderung der Interpun gierung vor: "AQ%etai 8' ovtco yQdfpEiv AitoXXo- 
ÖcoQos' TCQarov XsysL (seil. 6 BrjQOööbg) ysvsö&ai ßaöiXea'kkcoQov. Da- 
nach hat also Polyhistor das Berossosstück aus ApoUodors Chronik ge- 
schöpft. Aber auch diese Annahme unterlag sofort den schwersten Be- 
denken. Denn, wie Ed. Schwartz (Art. ApoUodoros von Athen, in Pauly- 
Wissowa, RE2, Bd. I, 2. Hälfte, 1894, Kol. 2855-2886) Kol. 2862 mit 
Recht einwendet, ist es äußerst unwahrscheinlich, daß Polyhistor den 
Berossos durch Vermittelung des Apollodor benutzte. Denn einerseits 
kann ApoRodor in seiner poetischen Chronik die babylonischen schwer- 
fälligen Namen des Berossos unmöglich untergebracht haben, ganz ab- 
gesehen davon, daß wir neben der Benutzung durch Vermittelung des 
Apollodor unbedingt auch eine direkte des Berossos durch Polyhistor 
feststellen müssen, da unmöglich alle Berossosstücke des Polyhistor bei 
ApoUodoros gestanden haben können. Andererseits ist eine Benutzung 
des Berossos für diese Urzeiten durch ApoUodoros dadurch ausge- 
schlossen, daß nach den Zeugnissen der Alten der Trojanische Krieg 
nach der Ära des Eratosthenes 1184/3 v. Chr. der Anfangspunkt der 
Chronik des Apollodor war (vgl. F. Jacoby a. a. 0. S. 19). Aber, wie 
Schwartz a. a. 0. ausführt, es wäre auch ausgeschlossen, daß Alexander 
den Apollodor in der sonderbaren Art, die sich aus der Rekonstruktion 
des Textes durch A. v. Gutschmid ergeben würde, eingeführt habe; er 
würde sein sonderbares Verfahren ausführlich gerechtfertigt haben. Nun 
finden wir eine Zitierung des Apollodor in den Berossosexzerpten des 
Polyhistor nochmals (in Berossos, Fragm. 8) bei Eusebios, ed. Karst 
S. 7, Z. 7 = Synkellos p. 51, 4: iv de xg) ngaro) sviavtci (pavfivai ix 
tfis igvd-Qäs ^ccXdöötjg %axdi xov ö^oqovvxcc xotcov xf} BaßvXcovia ^äov 
€^(pQov övo^axi ^Sldvvriv, xa&cog xcci '^TCoXXoöaQog föxoQrjöe. Hier wird 
also Apollodor von Polyhistor anscheinend neben Berossos zitiert. Diese 
Form der Zitierung legt, wie Ed. Schwartz a. a. 0. sah, nahe, daß im 
armenischen Text oder vielmehr dessen griechischer Vorlage einige 
Worte ausgefallen waren, und wir also zu restituieren haben: aQ^Exai 
ÖS yQdcpsLv ovrcog <(^a)6avx(og ös xaV) ^noXXodcoQog Xiysi xtX. 

Nun schließt aber Schwartz a. a. 0., — unter der ausdrücklich aus- 
gesprochenen Annahme, daß Eusebios dieses Zitat nicht in den Poly- 

Sclinabel: Proleg. u. Kommentar z. d. Babyloniaka d. Berossos 11 



162 BeroBSOS, Polyhistor und Pb. ApoUodor 

histortext hineingesetzt haben könne, da er die Chronik des ApoUodor 
nicht benutzt hat, sonst würde er sie in seinem Quellenkatalog S. 125 
ed. Karst erwähnen, sondern bei Polyhistor vorgefunden habe, — daß 
aus diesen beiden Zitaten des Apollodoros bei Eusebios- Polyhistor 
hervorgehe, daß schon vor Polyhistor die echte poetische Chronik 
des ApoUodor eine prosaische Fortsetzung für die Zeit vor 1184 er- 
fahren habe, aus der die Fragmente über die Apotheosen griechischer 
Heroen (Clem. Alex. Strom. I, 105 = Fragm. 119 [des Pseudo- ApoUo- 
dor] bei F. Jacoby a. a. 0.), über die sikyonischen Könige (Synkell. 
p. 181, 20 sq. Dind. = Fragm. 118 [des Pseudo-ApoUodor] bei F. Jacoby 
a. a. 0.), eine vom Synkell uns übermittelte, allerdings auf echte ägyp- 
tische Aufzeichnungen zurückgehende (Ed. Meyer, Ägyptische Chrono- 
logie 1904, S. 99 — 103) ägyptische Königsliste ([Pseudo-] ApoUodor 
Fragm. 117 Jacoby a. a. 0.), die vom Synkellos auf Eratosthenes und 
ApoUodor zurückgeführt wird, und schUeßlich auch unsere beiden Zitate 
zurückgehen soUen. 

Zwar ist die Annahme dieser pseudo-apoUodorischen Chronik nun 
unvermeidlich. Aber F. Jacoby hat a. a. 0. S. 23 gezeigt, daß wir zwar 
die vorgeschlagene Restitution des Textes des Eusebios annehmen müs- 
sen, aber die Folgerung, schon Polyhistor habe den Pseudo-ApoUodor 
gekannt, deshalb unmöglich ist, weil der viel jüngere Diodor, der in 
seiner Bißhod"t]xr] LöroQLXt] die Chronik des ApoUodor benutzt, diese 
prosaische Fortsetzung nicht kennt. Der erste Zeuge dieser pseudo- 
apoUodorischen Chronik ist dann Clemens Alexaudrinus, vor dem sie 
also verfaßt sein muß. Wenn nun aber F. Jacoby a. a. 0. weiter fol- 
gert, daß Eusebios diese beiden Zitate des ApoUodor in den Text des- 
Polyhistor -Berossos eingeschoben habe, kann ich mich ihm aus den 
oben entwickelten Gründen nicht anschließen. Vielmehr hilft uns hier 
aus aUer Verlegenheit auch wieder die Annahme, daß der Polyhistor- 
text vor Eusebios von jemandem, der die pseudo -apollodorische Fort- 
setzung der Chronik schon kannte, an beiden SteUen interpoliert wor- 
den ist.^) 

Wir haben so das Berossosexzerpt des Polyhistor bei Eusebios zur 
Genüge kennen gelernt. Eusebios' Chronik, deren Text uns bekanntlich 



1) Die AuBfühningen von C. F. Lehmann-Haupt in Klio IV (1904), S. 123 
bis 124, daß man trotz Diodors Zeugnis einen vor Mitte des 1. Jahrhundert» 
schreibenden Pseudo-ApoUodor annehmen könne, den also Polyhistor schon be- 
nutzt habe, kann ich nicht für überzeugend halten, da m. E. die Worte Diodor» 
duc zb (iriSiv naganfifiia TCUQBiXrjfpivai nsgl rovrav mazEvofisvov nur in dem von. 
Jacoby a. a. 0. S. 23 entwickelten Sinn gedeutet werden können. 



Eusebios und Kyrillos, Synkellos und Panodoros 163 

nur in armenischer Übersetzung erhalten ist, ist aber wieder von anderen 
Schriftstellern ausgeschrieben worden. So entlehnte der Chronik des 
Eusebios seine Berossosfragmente der Bischof Kyrillos. 

Sehr yiele Berossosstücke verdanken wir noch dem Chronographen 
Georgios Synkellos (800 n. Chr.). Ein Vergleich mit Eusebios' Chronik 
lehrt uns sofort, daß seine sämtlichen Berossoszitate auch aus Eusebios' 
Chronik stammen. Jedoch hat er diese nicht direkt benutzt, sondern 
durch Vermittelung des Chronographen Panodoros (400 n. Chr.), Dies 
beweisen die Fragmente 29 c = Sync. p. 31, 19 — 32, 8 und 43 a = Sync. 
p. 147,9—148,10. (Vgl. H. Geizer, Sextus Julius Africanus II, 1, 1885, 
S. 198 — 204). Ein einziges Fragment des Synkellos kehrt nun bei Euse- 
bios nicht wieder. Diese vielerörterte Notiz (Fragm. 48 a des Berossos) 
bei Synkellos, p. 389,20—390,5 ed. Dindorf lautet folgendermaßen: 

^7cb ds NaßovttöccQov tovg XQÖvovg xr^g tav äötegcov xlvi]6ecos XaX- 
daloL rjXQCßcoiSav xal ajtb XalduCav ol naq "EXhriQi iiad^Tjuatizol Xaßöv- 
xsg, insidt], ag 6 ^Xa^avÖQog xal BrjQcoßöög (pccöiv ol rag XaXdalotäg äg- 
laiokoyiag TtsQutXrjipotsg, Naßovdöagog Gvvayaycov rag ngd^sig tav 
XQO avtov ßaöLXscov rjcpdvLöev, OTCcog d% avrov i] xaragCd-^r^öig yCverai 
rcbv XaXdaCav ßaöiXiav. 

SynkeUos hat dieses Zitat selbstverständlich aus Panodoros. Denn 
dieser hat den Kanon des Ptolemaios, der ja mit Nabonassar beginnt, 
in die christliche Chronographie eingeführt (H. Geizer, Sextus Julius 
Africanus I, S. 209; II, 1 S. 215 und 226—228). 

Nun zitiert Panodoros-Synkellos als Autoren für die Nachricht, daß 
Nabonassar evvayayhv rag ngd^ag räv jcqo avrov ßaöiXscov r}q)dvi0£v, 
OTtcog an avrov rj xaragCQ-^rißig ylvsrat r&v XaXdaCav ßaöLXscov Be- 
rossos und Polyhistor. Diese nennen allerdings den Nabonassar in Buch II, 
Eusebios erwähnt ihn infolgedessen (Fragm. 28) in der Einleitung zum 
Exzerpt des II. Buchs als denjenigen letzten bedeutenden König, bis zu 
dem Berossos-Polyhistor die Aufzählung der babylonischen Könige in 
diesem Buche herabgeführt habe. (Siehe Kapitel II.) 

Mit Gruppe, Griech. Kulte u. Mythen I, 1887, S. 321 anzunehmen, 
daß in dem eben erwähnten Fragment des Eusebios, das nur in der ar- 
menischen Übersetzung erhalten ist, die dem SynkeUosstück entsprechende 
Notiz über Nabonassar ausgefallen sei, ist nun deshalb unmöglich, weil 
der Inhalt dieser Notiz dem sonst von Berossos Überlieferten geradezu 
ins Gesicht schlägt. Gerade Berossos berichtete die Taten der vor Nabo- 
nassar lebenden Könige und hat selbst die vollständige Liste derselben 
gegeben, wie Ed. Meyer, Gesch. d. Altert., 2. Aufl., Bd. I, 2 S. 326 
mit Recht betont. Auch bedeutet Nabonassar durchaus keinen chrono- 

11* 



164 Berossos Fragm. 48 a Fälschung des Panodoros. — Abydenos 

logischen Abschnitt in dem Abriß der babylonischen Chronologie des 
Berossos, sondern ist der drittletzte, allerdings letzte bedeutende König 
der letzten babylonischen Dynastie vor Phul=Tiglatpileser UI. von Assy- 
rien als Herrscher in Babylonien, wie Ed. Meyer in seiner grundlegenden 
Abhandlung „Das chronologische System des Berossos", Klio III, 1903, 
S. 131 — 134, nachgewiesen hat, dem ich mich schon in „Die babyl. 
Chronologie in Berossos' Babyloniaka", MV AG 1908, 5 S. 3 angeschlos- 
sen habe. 

Da wir nun den Inhalt dieser Notiz nicht über Panodoros hin- 
aus verfolgen können, die Berufung auf Berossos und Polyhistor als 
Autoritäten aber erlogen ist und sich lediglich auf die Erwähnung 
des Nabonassar bei Eusebios aus Berossos-Polyhistor stützt, so werden 
wir wohl am besten tun, wenn wir den Inhalt dieser Notiz als eine von 
Panodoros erfundene absolute Fabel bezeichnen, wie es schon Ed. Meyer, 
Gesch. d. Altert., 2. Aufl., Bd. I, 2, S. 326 getan hat! 

Neben Eusebios haben auch noch zwei andere Autoren das Be- 
rossosexzerpt des Polyhistorexzerpt benutzt, Abydenos und Josephos. 

Abydenos kennen wir nur durch Eusebios, der ihn in der Praepa- 
ratio evangelica und der Chronik ausschrieb. Über seine Lebensum- 
stände sowie überhaupt die Zeit, in der er lebte, wissen wir überhaupt 
nichts. Da er Polyhistor benutzt hat, muß er jünger als dieser und an- 
dererseits älter als Eusebios sein. Die wahrscheinlichste Vermutung für 
seine Lebenszeit bleibt die von Ed. Schwartz (Pauly-Wissowa, RE^, I. Bd., 
1. Hälfte, Kol. 129; 1894), daß er wegen der Pseudo-Ias, in der er sein 
W^erk schrieb, in die Zeit der Antonine, also in das 2. nachchristliche 
Jahrhundert, zu setzen sei, in der diese Mode war. 

Sein Werk hieß nach Eusebios, Praep. ev. IX, c. 14 p. 416b und 
cap. 41, p. 456 d Ilegl ^öövqiov, umfaßte aber noch die Bemerkung 
des Eusebios a. a. 0. c. 12, p. 414d: iya (seil. 6 Evöeßiog) de doL tä 
MTjdixä xal ^(SövQia disX%-G3v ix tfjg ^ßvdrjvov ygacpfjg xtL auch die 
Medergeschichte mit. Es setzt sich zusammen im ersten Teil aus einer 
in der Pseudo-Ias abgefaßten Paraphrase von Berossos' Babyloniaka und 
der Assyriaka (inkl. Medika) des Ktesias im zweiten. 

Das Material hierzu hat jedoch Abydenos nicht diesen Schriftsteilem 
selbst, sondern den von Polyhistor aus ihnen angefertigten Exzerpten 
entnommen, in die der Polyhistor Zitate aus anderen Schriftstellern hin- 
eingeschoben hatte. Für Berossos können wir dies beweisen, und so 
wird es auch mit Etesias ebenfalls sich so verhalten, wie wir schon oben 
erörtert haben. 

Daß Abydenos nun den Berossos durch das Exzerpt des Polyhistor 



Abydenos benutzt Berossos nur durch Polyhistor 165 

benutzte, wird, wie man schon längst erkannt hat, dadurch bewiesen, 
daß er das Sibyllenzitat mit übernommen hat. Andererseits ist nicht 
daran zu denken, daß etwa umgekehrt Polyhistor den Abydenos benutzt 
hat. Denn Abydenos hat das Sibyllenzitat unter Weglassung der Quellen- 
bezeichnung 8% ZißvXXrjg in den Text der Erzählung mit hineinverwebt, 
so daß es uns unerklärlich wäre, wie Polyhistor aus ihm hätte erfahren 
können, daß er ein Sibyllenzitat vor sich habe. Andererseits wäre es 
auch unmöglich, daß Alexander aus den Worten des Abydenos heraus 
die echten Worte der Sibylle, z. B. bfioqxhvav ovxcov aitavtcov täv av- 
d^QG}ji(ov hätte wiedergewinnen können. 

Ebenso hat Abydenos die anderen von Polyhistor in den Berossos- 
text eingeschobenen Notizen, so z. B. über Pythagoras und das Zitat 
des jüdischen Hellenisten über die Ermordung des Senacherib durch 
Adramelos, in den Text verwoben. Nur das Zitat aus Megasthenes kenn- 
zeichnet er als solches. 

Neben der Benutzung des Berossos durch Abydenos noch eine di- 
rekte Benutzung des Berossos durch Abydenos anzunehmen, ist metho- 
disch unstatthaft. Die allerdings unleugbaren Differenzen mit Berossos- 
Polyhistor erklären sich durch Flüchtigkeiten oder teilweise bewußte 
Änderungen des Abydenos. Vor allem hat Abydenos die babylonischen 
Namensformen noch sehr geändert, um sie einesteils der griechischen 
Sprache als solcher und speziell seiner Pseudo-Ias mehr anzupassen. 

Noch unstatthafter ist es aber, mit H. Geizer, Sextus Julius Afri- 
canus II, 1 S. 28—29, den Geffcken, ZNTW III, S. 27—28 ausschreibt, 
eine Benutzung von Berossos unabhängiger babylonischer Quellen an- 
zunehmen, denn sein Beweismaterial ist völlig unzureichend. Wenn er 
behauptet, daß nur Abydenos von einer Verbergung der Schriften der 
Meerungeheuer durch iH^iGovd^Qog in 'HlCov nöksi xfi iv ULJtnccQOiöiv 
weiß, während der Polyhistor nur von UiTiTcaga allein spreche und die 
beiden Städte Sippar sa Samas (Sippar des Samas, des Sonnengottes, 
"Hliog) und Sippar sa Anunitum (Sippar der Anunit) nicht unterscheide 
wie Abydenos, so hat er den Polyhistortext über die Sintflut zu flüchtig 
durchgelesen, denn Polyhistor sagt auch iv %6X£i 'HUov UiTCTtccQois. 
Auf das vetus mendum bei Abydenos, daß Senacherib der vicesimus 
quintus ex regibus war, hin möchte ich doch lieber nicht eine Benut- 
zung von Berossos' unabhängiger babylonischer Quellen aussprechen. 
Denn die Ausführungen von Eb. Schrader in „Zur Kritik der chrono- 
logischen Angaben des Alexander Polyhistor und des Abydenus" (Ber. 
d. Kgl. Sachs. GeseUsch. d. Wissensch. 1880, S. 1—32) S. 15—32 sind 
durch unser heutiges chronologisches Material längst antiquiert. Daß femer 



166 Josephos benutzt Berossos nur durch Polyhistor 

die Namensform des Flutmannes bei Abydenos, ZCöid'Qog (einmal aber 
auch Z:{6ovd-Qogl) näher an das keilinschriftliche Hasis-atra anklinge 
als die Form des Polyhistor-Berossos ^C6ov%-qos, möchte ich auch nicht 
behaupten. Die Differenzen in den Namensformen sowie die sonstigen 
geringfügigen Abweichungen des Abydenos von Polyhistor-Berossos for- 
dern schließlich absolut nicht die Annahme einer anderen Quelle. 

Ein sehr wichtiger Benutzer des Berossos ist bekanntlich Jose- 
phos. In Buch I seiner Antiquitates bietet er drei und in Buch X eben- 
falls drei Fragmente aus Berossos. Das letzte größte dieser Fragmente 
in Ant. X über Nabukodrossor kehrt, um eine Einleitung über das Werk 
des Berossos bereichert, in lib. I der Schrift gegen Apion wieder. Eben- 
daselbst steht noch ein umfangreiches Fragment über die neubaby- 
lonischen Könige. 

Da nun Josephos den Berossos selbst und in direkter Rede zitiert, 
war man früher fast ausnahmslos der Ansicht, Josephos habe den Be- 
rossos selbst ausgeschrieben. 

Nun hat aber Josephos den Polyhistor gekannt. Denn er nennt und 
zitiert ihn, und zwar seine Schrift IIeqI lovdaiav in Ant. I, 15, §§ 240 
bis 241. Aber auch seine Schrift, in die er das Berossosexzerpt einge- 
arbeitet hatte, hat Josephos gekannt! Denn das in ihr enthaltene Si- 
byUenzitat hat er benutzt, wie wir in Kap. IV, § 2 gesehen haben und 
heute wohl allgemein zugegeben wird. 

Einer der triftigsten Gründe, die für die direkte Benutzung des 
Berossos durch Josephos ins Feld geführt werden, ist der, daß Alexan- 
der in seinem Berossosexzerpt indirekte Rede angewandt hat, Josephos 
aber die direkte bietet. Gerade in diesem Sibyllenzitat hat aber Jose- 
phos die indirekte Rede des Polyhistor in direkte umgewandelt. Damit 
wird dieser Einwand auch für die Berossosfragmente hinfällig. 

Selbst der energischste Vertreter der Annahme, J. Freudenthal 
(Hellenist. Studien I, 1874, S. 27 — 28), muß bei der Vergleichung des 
Sintflutfragments des Josephos, Ant. I, 3 § 93 mit dem entsprechenden 
Stück des Polyhistor zugeben, daß Josephos weniger bietet als Poly- 
histor. Das sieht aber nicht nach direkter Benutzung des Berossos aus. 
Doch gerade für das größte Fragment des Berossos bei Josephos, 
das uns Nabukodrossos erzählt (Berossos, Fragm. 54), läßt sich Benut- 
zung des Polyhistor erweisen. Zwar nimmt man fast allgemein an, wenn 
man dies Fragment mit den eusebischen Polyhistor vergleicht, daß es 
nicht aus Polyhistor stammen könne. Dabei vergißt man aber einer- 
seits, daß Eusebios den Polyhistor kürzt, wo es nur möglich ist, da er 
zum Ende eilt, wie wir oben sahen, und daß wir andererseits aus dem 



Josephos und Polyhistor. Hippolytos. Helladios ]67 

anderen Polyhistorbenutzer Abydenos erweisen können, daß Polyhistor 
die bei Eusebios fehlenden Berichte über die Bauten des Nabukodrossor 
aus Berossos auch ausgezogen hat. Nun bietet aber — worauf hinge- 
wiesen zu haben das Verdienst von A. v. Gutschmid ist, Kl. Schriften IV, 
S. 527 — Abydenos an der gleichen Stelle wie Josephos ein Fragment 
aus Megasthenes über Nabukodrossor. Wenn aber zwei voneinander un- 
abhängige, literarisch sonst nicht gerade selbständige Schriftsteller wie 
Abydenos und Josephos an derselben Stelle der entlegenen Erwähnung 
des Nabukodrossor bei einem gar nicht über Babylonien schreibenden 
Schriftsteller wie Megasthenes sich erinnern, so bleibt nur Benutzung 
derselben Quelle als Erklärung übrig. Die des Abydenos aber war Poly- 
histor, den Josephos sonst auch benutzt hat, wie wir sahen. (Derselben 
Argumentation wie Gutschmid bedient sich Ed. Schwartz in Pauly-Wis- 
sowa, RE^, I, 1, 1894, Kol. 129; I, 2, 1894, Kol. 1451; III, 1, 1899, 
Kol. 315. Leider gibt er nicht an, ob er unabhängig von A. v. Gut- 
schmid ist.) 

Damit ist jedoch die Benutzung des Polyhistor für Berossos durch 
Josephos erwiesen. 

Von sonstigen Benutzern des Polyhistor für Berossosstücke haben 
wir seinen Schüler Hyginus in Kap. IV, § 2, Agathias und Africanus 
in diesem Kapitel schon kennen gelernt. 

Ebenfalls auf Polyhistor und damit auf Berossos möchte ich schließ- 
lich — denn eine andere Quelle kann ich mir für so späte Schriftsteller 
nicht denken — die Erwähnungen des Oannes bei Hippolytos (Fragm. 
1 1 des Berossos) und dem nur in einem Exzerpt von Photios erhaltenen 
Helladios, einem ca. 450 n.Chr. lebenden Lexikographen (Fragm. 9 des 
Berossos) zurückweisen. Beide Fragmente enthalten inhaltlich nichts, was 
über Polyhistor-Berossos hinausgeht. "Slr]v bei Helladios dürfte einfach 
aus '^(avv}7iv handschriftlich korrumpiert sein. Die Erwähnung des 
Welteis — £>c tov TtQxoxoyövov aov (seil. TtEtpTjvevat ^Sl<^dvvi]vy- vgl. 
xccl ficcQtvQSiv tovvo^a) führe ich auf die Erwähnung des Oannes in 
einer anderen Schrift des Polyhistor zurück, wo Polyhistor diese Ety- 
mologie brachte, etwa in einem Werk über 0oiVi7tixcc. Denn phönizische 
Historiker hat Josephos-Polyhistor in dem Berossosexzerpt bei Erwäh- 
nung des Nabukodrossor exzerpiert, und das Weltei gehört sonst der 
phönizischen Kosmogonie an, vgl. Eudemos, Fragm. 117, Spengel bei 
Damaskios, De primis principiis p. 385 Kopp, wo 'Slöv mit Gruppe 
(Griech. Kulte u. Mythen I, 1887, S. 349) jzu korrigieren sein wird. 

Für die Benutzung des Berossos durch Polyhistor ergibt sich also 
folgendes Schema: 



168 



Benutzer des Polyhistor 



Berossos 

Alexander 
Polyhistor 



60 V. Chr. - Hyginus 
0—100 n. Chr. 



100—200 n. Chr. 
200—300 n. Chr. 

300—400 n. Chr. 
400 -öOO n. Chr. 



Polyhistor Josephos 
interpolatus . 



Abydenos 



Theophilos 



Africanus 



Eusebios 



Kyrillos Panodoros 



HippolytoB 



Helladios 



Nach 500 n. Chr. Versio armeniaca 



i 



Synkellos Agathias Photios 



VII. KAPITEL 
BEROSSOS UND JLBA VON MAL'RETAMEN 

Daß König Juba von Mauretanien ebenfalls ein Exzerpt aus des 
Berossos' Babyloniaka angefertigt hat, bezeugt uns bekanntlich Tatian, 
Oratio ad Graecos, c. 37 p. 38 ed. Schwartz (Berossos, Testimonium 3 == 
Fragm. 58): 

Bi]QC366bg ds iöriv ccvriQ Ixavätcctog' xal tovrov t£X(ii!]Qt,ov, ^lößag 
'UeQi A66vqIc3v' yQatfav Tiagä BrjQ(o66ov (prjöi ^E^cc&rjxdvai, rrjv löto- 
qCuv slöl de avTG) ßCßXoL 'IIsqI !46<5vQCuiv^ ovo. 

Das eben zitierte Fragment aus Tatian reproduziert Clemens Alex- 
andrinus (Fragm. 58a) in Stromata lib. I, c. XXI, 112, 1 — 2 p. 391 sq. P.: 

(ög cpYjijL B7]QG)66og SV TKig XaXSa'ixalg laxoQiaig. 'loßug ds 'UsqI 
!466vQLC3v^ yQccipav o^oloyet trjv lötogiav Ttagä Br^QCiößov sllrj^evaiy 
fiaQtvQ&v ti}v äXrjd'eiccv xavÖQC. 

Juba hat also die drei Bücher BccßvXcaviaxd des Berossos in zwei 
Bücher IIsqI ^öövqlov zusammengezogen. Ob er Berossos direkt oder 
etwa durch Polyhistor benutzte, wissen wir nicht, unmöglich wäre es 
ja nicht. Da aber indirekte Benutzung nicht bezeugt ist, werden wir für 
den belesenen Mauretanierkönig wohl direkte Benutzung anzunehmen 
haben. 

Ich glaube auf ihn auch noch einige andere Berossosfragmente zu- 
rückführen zu können. 

Hesychios überliefert uns in seinem Lexikon eine Reihe babyloni- 
scher Worte mit griechischer Bedeutung, von denen ein Teil zum min- 
desten auf Berossos zurückgehen muß, da er für ein Wort wenigstens 
den Ursprung aus Berossos bezeugt (vgl. Fragm. 26): 

2JaQaxr}Q(o. TCaQa Btjqcoög). i] xoö^rirQLa T^g "Hqag. 

Hesychios gibt nun in dem seinem Lexikon vorausgeschickten 
Briefe an Eulogios an, daß sein Werk nur eine Bearbeitung, d. h. Aus- 
zug mit einigen wenigen neuen Einschiebseln, aus dem Lexikon Usqisq- 
yoTtsvrjtsg des Diogenianos war. Dieser hat jedoch nach Suidas s. v. Dio- 
genianos, dem ein Zitat im Scholion B zu Hom. II. V 576 und SchoL 



170 Pamphilos benutzt Juba 

Oregor. Naz. bei Montfaucon Diar. Ital. p. 214 (vgl. zu Diogenianos den 
Artikel von Cohn in Pauly-Wissowa, RE^, Bd. V, 1. Hälfte, 1905, Kol. 
778 — 783) ergänzend zur Seite tritt, ein Lexikon jis^ug Ttuvrodum^ in 
5 Büchern geschrieben, das aus dem 30 Bücher umfassenden Lexikon 
des Vestinos und dieses wieder aus dem 95 Bücher umfassenden Lexikon 
nsQi yXüjööCiv xat ovo^dtcov in 95 Büchern des Pamphilos exzerpiert 
hat. Weiter hat M. Schmidt, der Herausgeber des Hesychios, den Beweis 
erbracht, den er durch Vergleichung der bei dem gleich zu besprechen- 
den Athenaios sich findenden Stücke des Pamphilos mit dem Lexikon 
des Hesychios führen konnte, daß auch dieses ein Auszug aus Pamphi- 
los ist, das Lexikon nsQLSQyoTtsvrjtsg mit dem Lexikon navtodanrj Xs^ig, 
die beide auf Diogenianos zurückgeführt werden, also identisch ist. Mag 
man daran auch zweifeln, die Benutzung des Pamphiloslexikons als letzter 
Quelle durcli Hesychios steht fest. 

Ferner findet sich auch bei dem schon genannten Athenaios ein Be- 
rossosfragment (Fragm. 15). Da aber Athenaios auch Benutzer des Pam- 
philos ist, kann nur dieser die gemeinsame Quelle des Berossos für He- 
sychios und Athenaios sein. 

Woher hat aber Pamphilos seine Kenntnis des Berossos? Bei Cle- 
mens Alexandrinus findet sich ein Fragment aus Buch III der Babylo- 
niaka des Berossos (Fragm. 65, aus Protrepticus cap. IV, 65, 1 — 5). An 
direkte Benutzung des Berossos ist bei Clemens nicht zu denken, hat er 
doch sein anderes Berossosfragment (58 a) erst aus Tatian, wie wir oben 
sahen. Nun ist Clemens ein eifriger Benutzer der lexikographischen Ar- 
beiten des Grammatikers Didymos Chalkenteros, den er öfters zitiert, 
noch öfters aber ohne Angabe seines Namens für andere Zitate benutzt 
haben wird. Gleicherweise ist Pamphilos ein eifriger Benutzer der Ar- 
beiten des Didymos (vgl. Athenaios XI, p. 487 c und dazu Mor. Schmidt, Di- 
dymi^Chalcenteri grammatici Alexandrini fragmenta, Leipzig 1854, p. 75flF.; 
Suseiihl, GLAZ II, 1892, S. 195—210; Artikel ^Didymos' von Cohn in 
Pauly-Wissowa, RE^, Bd. V, 1., 1905, Kol. 445—472). Wir werden also 
wohl Didymos als gemeinsame Quelle des Berossos für Clemens und Pam- 
philos anzunehmen haben. 

Hat nun Didymos den Berossos direkt eingesehen? Bei dem viel- 
belesenen Xakx£VT£Qog wäre das sehr möglich. Aber Didymos lebte zur 
Zeit des* Juba, benutzte dessen Werke und schrieb sogar viel gegen ihn, 
wie Suidas s. v. 'lößag bezeugt: övviixfia^s d' avta ziCdv^og 6 Xakxev- 
tSQog 6 ocal nokkä yQccipag xax avtov. Wir werden also lieber Benut- 
zung des Berossos durch Vermittelung des Juba bei Didymos zu ver- 
muten haben. 



Benutzer des Juba 



171 



H. Geizer hat in Sextus Julius Africanus T, S. 20 angenommen, daß 
Africanus den Berossos durch Vermittelung Jubas benutzte, da Tatian 
den Berossos ebendaher kenne. Da wir indes keinen Beweis für Be- 
nutzung des Juba durch Africanus haben, dieser aber Polyhistor zitiert, 
werden wir, wie Kap. VI schon ausgeführt wurde, vielmehr Benutzung 
des Berossos durch Polyhistor bei Africanus anzunehmen haben. 

Bei Ailianos, De natura animalium üb. XII, c. 21 finden wir die 
Geburtsgeschichte des babylonischen Helden Gilgamos (Berossos, Frag- 
ment 45). Die Quelle wird nicht genannt. Nun kann Ailianos Babyloni- 
sches unter den von ihm zitierten Schriftstellern nur aus Juba (vgl. 
Fragm. 30 u. 66 bei Müller, FHG III, p. 474 u. 480) haben. Auf diesen 
und also auf Berossos dürfte somit das Fragment zurückgehen. 

Für die Benutzung des Berossos durch Juba erhalten wir somit fol- 
gendes Schema: 



50 V. Chr. —0 
0—100 n. Chr. 

100—200 D. Chr. 

200—300 n. Chr. 
Nach 300 n. Chr. 


Berossos 
Juba 






Didymos 




Ailianos 


anos 


4- 
Pamphilos 


Ta 
Eus 


■ 
ti 




Dioger 

naios 

Hesj 


lianos 
chios 


el 


Clemens Alexandrinus Athe 
Dies 







Vm. KAPITEL 
DIE aUELLEN DER BABYLONIAKA 

Bei einem Schriftsteller, der in seinem Werke das Wissen und die 
Überlieferung des babylonischen Volkes den Griechen zu übermitteln 
suchte, teilt sich die Frage nach den von ihm benutzten Quellen sofort in 
zwei andere: Wie stellt sich Berossos zu seiner einheimischen Überliefe- 
rung? Inwieweit kennt und benutzt er die damalige griechische Literatur^ 
und lassen sich Spuren von Einwirkung derselben auf die von ihm re- 
produzierte heimische Überlieferung nachweisen? 

Daß Berossos die einheimische Überlieferung seines Volkes kennt,, 
bezeugt er bekanntlich in der Einleitung seines Werkes. Die Stelle 
lautet in dem Exzerpt des Polyhistor bei Eusebios (Berossos, Fragm. 1) 
folgendermaßen : 

^AvayQacpäg ö\ nollSiv iv BaßvXßtvL (pvXdööaöd^at, ,u«t« noXlfis 
ijtLfislsLas äjtb it&v nov jv:i^ vtzsq hvqlccöcov öie nsQiExovöug ;i;()öx'ov. 
7iEQLi%tLV 8a rag avuyQatpäs löroQLccg nsgl rov ovquvov xai d^ccldGörjS 
xal TtQCJtoyovLag xal ßaöiXscov xccl täv xat avrovg stQu^scov. 

Wir haben schon in Kapitel II auf Grund der Paraphrase dieser 
Stelle bei dem anderen Polyhistorbenutzer Josephos (in Fragm. 2 des 
Berossos): inaidij nsgi ra aötQovo^Cccg xal nagl tav nagu XukÖaloLg 
(pilo0O(pov{isvc3v avxog (seil. 6 BtjQcaööbg) alg xo'bg "ElXrjvag i^tlvayxa 
rag 6vyyQa(f)dg festgestellt, daß noch bei Polyhistor eine Notiz des Be- 
rossos gestanden haben muß, die dem inaidi] . . . avxog aig xovg "EXXrjvag 
i^i]vayxa xäg 6vyyQa(pdg entsprach, die also besagt haben muß, daß er 
die von ihm genannten ävayQaq)al jiagi xov ovQavov xal ^aläoörjg xal 
TTQoxoyovCag xal ßaöikaav xal räv xax avxovg jtQa^aav in seinem Werke 
BaßvXcoviaxd den Griechen zugänglich machen wolle, die aber vom Eu- 
sebios beim Epitomieren des Polyhistor weggelassen worden ist. 

Ebenfalls in Kapitel II haben wir schon festgestellt, daß diese 
ävayQacpaL, die Berossos benutzt, in zwei Klassen zerfallen, die dva- 
ygatpal Tcegl xov ovQavov xal d^aXdöörjg xal TCQoxoyovCag, oder wie Aby- 
denos kurz sagt, die 6og:Crj der Chaldäer, die Berossos im ersten Buche 




Babyloaische &vayQa(pcci Quellen des Berossos 173 

l)ehandelte, und die dvayQKcpal ^sqI ßaöilicov xal xcav %ax avrovs ^Qcc- 
|£öf, die Königsgeschichte der Babylonier, die den Inhalt von Buch U 
und III der Baßv^owaxd bildet. 

Untersuchen wir nun das Verhältnis des Berossos zu seinen baby- 
lonischen Quellenschriften des näheren! 

Wir haben gesehen, daß die dvayQafpal nsqX reu ovQavov xal 0-«- 
Idö^rjg zai nQcoroyovCag von Berossos im ersten Buche benutzt sind. 
Sie bilden aber eine noch engere Einheit innerhalb des ersten Buches. 
Die Berichte über den ovQavög, d. i. über die dexQovo^ia, sind, wie wir 
in Kapitel II sahen, von Berossos innerhalb der Erzählung der Schöpfung 
gebracht worden. Ebenso kann man mit dem Bericht über d-dXa66a 
nur die Erzählung von &a{it£-&dXa66a gemeint sein, die den Eingang 
der Schöpfungslegende bildet. An Stelle der dvccyQucpccL izsql rov ovqu- 
vov xal Q^aldööTig xal ütQcoroyovCag haben wir vielmehr einen einheit- 
lichen Bericht über die ngaroyorCa bei Berossos anzunehmen, in den 
die dvaygacpal ^sqI rov ovgavov xal ^aXd66iqg eingearbeitet waren. 

Dieser Schöpfungsbericht wird nun von Berossos dem Oannes, einem 
fabelhaften Wesen, das im ersten Jahre (des Aloros, des ersten Ur- 
königs, vgl. Kap. IV, § 2) aus dem roten Meere ans Land steigt und 
dessen Erscheinung von Berossos eingehend geschildert wird. Charak- 
teristisch für den Priester des Beltempels von Babylon ist die Bemer- 
kung: xriv 8e elxöva avxov (seil. 'ißaWov) exL xal vvv (pvkd6686^ai. Eine 
ähnliche Bemerkung macht er über die &a[ix£ und ihr Gefolge. Leider 
hat man in Babylon selbst noch nichts gefunden, was diesen (vgl. 
unten) Bericht des Berossos bestätigt. Wohl aber hat sich in Kujund- 
schik, dem alten Dur-Sarru-ken, der Residenz des Königs Sargon II. 
(721/0 — 705/4 V. Chr.) ein Relief gefunden, das vollständig der von Be- 
rossos überlieferten Schilderung des Oannes entspricht. 

Von Oannes aber sagt Berossos: 

Tbv de ^Sldvvrjv Ttsgl ysvsdg xal noXLxsCag yqd^au xal naQadovvai 
xövÖe xhv Xoyov xolg dvd-QcojtOLg. 

Oannes lehrt den Menschen die ygd^iiaxa, d. h. die Schrift, wie 
Berossos kurz vorher sagt, und ist selbst der erste Schriftsteller! Den 
Inhalt seiner Schrift bilden einerseits Lehren über noXixBia^ d. i. Staaten- 
bildung, — Oannes erscheint den Menschen, als sie noch dxdxxag aß- 
stsQ xd d-r]QCa lebten, und lehrt ihnen die Staatenbildung und Städte- 
gründung: xovxb Ö£ . . x6 ^öov (seil. 'Sldvvrjv) . . . uiagadidövai . . xolg 
dv^QtoTioLg yQa^^dxcov xal ^ad-i]^uxa)v xal xs^vär TCavxodanav e^nsL- 
qCav xal st6ls(ov 6vvoixi6^ovg xal Isq&v lÖQvöELg xal vö^av 
slffTjytjöSLg xal ysa^sxQtav diödöxEiv^ xal öTtSQ^axa xal xaQjtav 6vv- 



174 Berossos und Oannes 

ayayäg 'UTCodsLxvvvai, xal övvöXag nccvta rä TCQog ii^sQaöLv dv^novra 
ßCov TCagadidövai totg dvd'QcoTioig. !4no 8s xov iq6vov xovtov ovdev 

älko 71EQL660V SVQSd^fjVai. 

Andererseits bildet den Inhalt des köyog des 'Sldvvrjg die Lehre 
jcsqI ysvsäg. Damit kann, da sich in dem Vorhergehenden nichts findet, 
worauf man es beziehen könnte, nur der gleichfolgende Bericht des 
Oannes über die TiQaroyovCa gemeint sein. 

Also die Schrift des Oannes über die TiQcaroyovia. hat Berossos für 
seinen Schöpfungsbericht benutzt. Er verrät uns aber noch mehr Kurz 
vor der Erwähnung des Xöyog des Oannes sagt Berossos: 

"TetEQOv ÖS q)avf}vai xccl ersQa ^(oä ofiotcc tovtcj, tcsqI av iv dh tf) 
r&v ßaäikicav ävayQacpr] cprjöi drjXioöELV (seil. 6 BrjQCJööög). 

Dieses Versprechen löst Berossos in der ßaöikecov dvKygaipi]^ die, wie 
wir sahen, Buch 11 und III umfaßt, auch getreulich ein. Gleich zu An- 
fang von Buch II erfahren wir in dem Bericht über die zehn Könige 
vor der Flut folgendes (vgl. Fragm. 29 mit 29 b, ich erlaube mir, hier 
unter Benutzung des Synkellos in Fragm. 29 b eine griechische Retro- 
version von Fragm. 29 zu geben): 

jikiDQov (des ersten Urkönigs, unter dem, wie wir sahen, Oannes 
erschienen war) öl tsXsvtTjöavtög cprjöt (seil. 6 BrjQoööbg) ßaöiXsvöai, 
xhv vlov avxov !dXdnaQOv ßccQOvg y. Kai (iex ^AXanagov ^^iiifiXcova 
XaXdalov ix navxißCßXcov nöXecog ßaöiXsvöcci öccQovg Ty. Maxä dh xbv 
^JtfitjXova ^Afifiavcova XccXdatov ix TlavxißißXciv ßaGiXsvöat ßdgovg iß' 
i<p ov cpavrivai ix xrig iQV&Qäg d-aXdöörjg ^äöv xl övö^ati, ^vvrjdoxov 
xriv XE [lOQcpijv sxov ix&vog Ttgbg av&QG)7tov fiLi,LV. Kai (isxä xovxov 
^A^iEXdyaQov ix navxißißXcov TiöXscDg ßaciXEvGai ödgovg i^. Mexcc dh 
xovxov ^davov jcoL^sva ix UavxLßCßXcov jcöXEcag ßu^iXavöai ödgovg i. 
Kaxa xovxov tckXlv (pavfivai ix xfig igvd-Qäg ^aXdöörjg ^vvrjdcoxav d 
(i. e. XEXQuda, non xixagxov ut legit Armenus) ti)v avxijv xolg dvo 
sxovxag dtdd-EöLV xal xijv ixd'vog TtQog dvd-QCjTCov ^Ci,LV. Elxa oig^ac 
EvEÖdyQayxov ix JJavxLßtßXcov noXEag^ xal ßaöiXEvöai ödgovg iri. 'Eni 
xovxov TcdXiv äXXov (pavfivai ix xfig iQv&Qccg Q-aXdöörjg ofioiov xaxä x^v 
iX^vog TCQog clvQ-qotcov fiC^LV, a 'övofia 'Slddxav. 

Tovxovg da cprjöi (seil. 6 BrjQoööbg) xdvxag xä vnb 'Sldvvov XE<pa- 
Xaiwdcäg QrjQ^ivxa xaxä fiagog i^rjytiöad-aL. 

Es erscheinen also sechs weise Fabelwesen, die das von Oannes 
xEcpaXaicod&g Überlieferte xaxä fiigog kommentieren. 

Wie werden aber die Schriften dieser Weisen vor der Flut in der 
Flut für die Menschheit, die nach dem xaxaxXv6yL6g lebt, gerettet? Auch 
das erfahren wir aus Berossos (Fragm. 34): 



Oannes usw. sind Offenbarungsbüclier der Babylonier 176 

Wie Ea (= Kronos, Vater des Bei = Ztvq) dem Xisuthros im Traume 
den xaraxkvöfiög ankündigt, befiehlt er ihm unter anderem diä yQa(i(idra)V 
ndvtcov dQX^S J^^^t ^s6a xal tsXevrug bQvh,avTa d-elvai iv 'HXiov noXsi, 
Ht7C7cd.Q0ig^ d. i. Sippar sa Samas (ygl. Kap, VI, S. 165), 

Wie dann Xisuthros aus der Flut gerettet und von den Göttera 
entrückt ist, steigen die mit ihm im Schiff sich Befindlichen ans Land 
und erhalten von einer (pcavi] ix tov dsQog den Bescheid, daß Xisuthros 
zu den Göttern entrückt sei, und folgenden Befehl: sind (seil, rj (pcovii} 
ts avtolg Ott sXsvöovrai ndXiv inl BaßvX&va^ xal ag si^agtai avtot^ 
ix Zlinndgcav ävsXo^svovg tcc yQa^^axu diaöovvui xolg dvd^QcoTtoLg. 

Dies führen sie auch aus: 'EXd-ovtag ovv tovtovg eig BaßvXcJva ra 
ts ex UmTtuQcov y^d^^ccta dvoQv^ccL xccl TCÖXeLg TtoXXäg xtL^ovrccg xal 
Isgä dvi8Qvo[i8vovg TtdXiv EitixxCßai rrjv BaßvXava. 

Was haben wir nun von diesen Fabelwesen, die den Menschen die 
Kultur lehren, zu halten? Was haben wir unter ihnen zu verstehen? 

Schon Movers (vgl. S. 26 bei H, Geizer, Sextus Julius Africanus II,. 
S. 25 — 26, das Zitat habe ich schon in Kap. II S, 27 wiedergegeben) hat 
gesehen, daß diese Fabelwesen nichts sind als Offenbarungsbücher. Das 
des Oannes ist das älteste, die der anderen sind die Kommentare dazu. 
Läßt sich nun hierzu aus den Keilschriftberichten ein Analogon bieten? 

Oannes, Annedotos, die vier Annedotoi, deren Namen Abydenos 
allein überliefert, — wieder ein Beweis von Kürzung des Polyhistor 
durch Eusebios, vgl. Kap. VI — und Odakon sind als solche in den Keil- 
schriftberichten noch nicht wiedergefunden. Ich habe aber schon oben 
erwähnt, daß man bereits aus assyrischer Zeit, vier Jahrhunderte vor Be- 
rossos, ein Relief hat, daß der von ihnen gebotenen Schilderung ent- 
spricht. Der Name Oannes entspricht, wie P. Jensen gesehen hat, dem 
babyl. ummanu, in später Aussprache uwanu 'Werkmeister'. Die Namen 
der anderen lassen sich noch nicht identifizieren. 

Die schriftliche Tradition reicht aber auch nach den keilinschrift- 
lichen Berichten in die 'Zeit vor der Flut'. Der König Asurbanipal von 
Assyrien (668/7 — 626/5 v. Chr.), der Sardanapal des Berossos, erzählt 
(Tontafelinschrift L^ [K 3050 u. K 2694] Vs, Z. 18; jetzt bei Streck,. 
Asurbanipal = VAB V, S. 256 u. 257, Z. 3f.), er habe 'Steine aus der 
Zeit vor der Flut' gelesen. In dem Text K 4023 werden magische An- 
weisungen auf 'Aussprüche der alten Weisen vor der Flut' = sa pi ab- 
kalle labirüti sa lam abübi zurückgeführt (H. Zimmern in KAT^, S. 537). 

Besprechen wir jetzt den Inhalt des ersten Buches der BaßvXcoviaxd 
näher. 

Wenn Berossos sagt, daß er Aufzeichnungen benutze, die 480000» 



176 Zeiten 'vor' und 'nach' der Flut 

Jahre alt seien und 2150000 Jalire umfaßten, so liegt folgendes chro- 
nologisches System zugrunde, wie ich in 'Die babylonische Chronologie 
in Berossos' Babyloniaka', MV AG 1908, 5 S. 1—10 (vgl. OLZ 1910, 
Kol. 401—402) dargelegt habe: 

1. 1680000 Jahre = 466 6ccqol 4 vfjQOL = Zeiten der Schöpfung vor 

den ersten ürkönigen. 

2. 432000 „ = 120 0CCQOI = Zeiten der lOUrkönige vor 

der Flut. 

3. 36000 „ = 10 öccQOL == Zeiten derKönige nach der 

Flut bis zum Tode Alex- 
anders des Großen. 

4. 12000 „ = 3 (Ja^ot 2 v^pot = Zeiten, die nach Alexan- 

der bis zur ixTCVQcoötg ver- 
fließen. 
2160000 Jahre = 600 (yfjQog) öccqol der Weltendauer. 

So wie es jetzt vorliegt, kann wegen des Endtermins von Posten 3 
dieses System nur nach der Zeit Alexanders des Großen verfertigt sein, 
also doch wohl von Berossos selbst. Dabei hat er jedoch lediglich älteres 
Material umgearbeitet. Die Babylonier diiferieren ja in solchen Sche- 
mata. Nach Epigenes (vgl. Berossos, Fragm. 6) beträgt der Zeitraum 
der Posten 2 — 4, d. h. die Zeit vom ersten Urkönig Aloros an, unter 
dem den Menschen die Schrift und die Astronomie offenbart wurden, 
720000 Jahre anstatt 480000 bei Berossos. 

Aber schon die Keilschrifttexte kennen Könige 'vor' und 'nach' 
der Flut. Im übrigen vgl. man unten die Besprechung des Abschnittes 
über die Urkönige vor und nach der Flut sowie die Besprechung der 
Lehre des Berossos von den sich abwechselnden Weltzeitaltem bei der 
Erörterung der griechischen Einflüsse auf Berossos' Werk. 

Berossos beginnt die Babyloniaka nach dem TCQOoifiiov (vgl. Kap. VI), 
in dem er die Widmung an Antiochos, seine Lebensumstände und seine 
Quellen erwähnte, mit einer Schilderung des Landes von Babylonien. 
Schriftliche Quellen braucht man hierfür wohl nicht anzunehmen. Er 
wird sich zwar hierbei durch griechische Vorbilder in griechischen 
Geschichtswerken haben beeinflussen lassen, um dies gleich vorweg zu 
bemerken. Aber die Babylonier und Assyrer besaßen von jeher ein reges 
geographisches Interesse. Von ihnen rührt auch die älteste überhaupt 
erhaltene, allerdings sehr schematisch roh gezeichnete Weltkarte her, 
die Peiser in ZA IV, 1889, S. 361—370 publiziert und behandelt hat. 

Über die Erscheinung des Oannes haben wir schon gesprochen. Gehen 




BeroBSOs und der keilachr. Schöpfungsberichc 177 

wir nun auf den Inhalt seines Offenbarungsbuches, den Bericht von der 
Schöpfung näher ein. 

So wie er uns vorliegt, ist er ein Exzerpt. Man darf nie vergessen, 
daß der Bericht des Berossos von Polyhistor epitomiert worden ist. Aus 
diesem Grunde darf man nicht annehmen, daß bei Berossos etwa die 
Theogonie gefehlt habe (Kap. VI S. 138). Wenn die Begleiter der Occ^ti- 
Tihämat zum Kampf gegen Bei so ausführlich wie im babylonischen 
Schöpfungsepos geschildert werden (vgl. Tafel I, Z. 113 — 142 = Tafel II, 
Z. 19—48 = Tafel III, Z. 23-52 = Tafel III, Z. 81—110, A. Ungnad 
in H. Greßmann, 'Texte und Bilder zum Alten Testament, Teil I, Texte' 
S. 5 — 25), so muß der Kampf des Bei mit Tiamat-0a/iT£ wohl auch 
etwas ausführlicher von Berossos geschildert worden sein, als Polyhistor 
sagt, der nur erwähnt, sie sei mitten auseinandergespalten worden. Auch 
ist die Schöpfungsgeschichte, die sich daran schließt, von Polyhistor 
und dieser vielleicht noch von Eusebios, gegenüber dem Original stark 
zusammengeschnitten. 

Eine Vergleichung des Berossosexzerptes mit dem keilinschrift- 
lichen Schöpfungsbericht hat somit wegen der Lücken beider (auch der 
keilinschriftliche Bericht ist uns nur mit großen Lücken erhalten, die ca. 
die Hälfte umfassen, vgl. A. Ungnad a. a. 0.) stets etwas sehr Mißliches. 
Dennoch können wir an verschiedeneu Einzelheiten erkennen, daß Be- 
rossos — wie natürlich ist — eine jüngere Rezension der Schöpfungssage 
benützt hat als die uns erhaltene, die spätestens im T.Jahrhundert v. Chr. — 
die Mehrzahl der Bruchstücke stammt bekanntlich aus der Bibliothek 
des Asurbanipal — fixiert worden ist. So urteilt H. Winckler (Die 
babylonische Weltschöpfung, AO VIII, 1, 1907, S. 22) über das Ver- 
hältnis der Schilderung der Begleiter der 6)a/[iT£-Tihamat bei Berossos 
zu der erwähnten im babylonischen Schöpfungsepos: 

'Eigentümlich ist diesem Berichte (seil, des Berossos) die Schilde- 
rung der Urwesen,. welche in der noch nicht in Himmel und Erde ge- 
schiedenen Vorwelt, die einen chaotischen Charakter trägt, leben. Sie 
entsprechen den elf Ungeheuern, welche im Schöpfungsepos Tiamat als 
Hilfstruppen hat, aber sie werden dort nur namentlich aufgeführt, und 
Berossus scheint ihrer mehr gekannt zu haben. Auch sind dort manche 
genannt (so Skorpionmenschen), die hier nicht genannt werden.' 

Für die Schilderung dieser Ungeheuer gibt uns Berossos seine 
Quelle an: av (seil, xovxcov tcbv ^(6cov, der geschilderten Ungeheuer) xccl 
rag elMvag sv xG) xov BtjIov vaa dvaxsiä&at. Also im Tempel des 
Marduk-Bel in Babylon, Esagila, befanden sich Abbildungen solcher Un- 
geheuer. Leider hat ihn die in Babel wirkende deutsche Expedition " 

Schnabel: Berossos und die babylonisch-hellenistische Literatur 12 



178 AUegonBcbe Mythendeutung des Berossos 

noch nicht ausgegraben. Abbildungen von Drachen und anderen Fabel- 
wesen der Vorzeit besitzen wir jedoch genug auf babylonischen und assy- 
rischen Emaille-Reliefs und Siegelzylindern (vgl. die Abbildungen 53—59 
in Alfred Jeremias, Das Alte Testament im Lichte des Alten Orients, 
2. Aufl. 1906). 

In den Schöpfungsbericht hat nun ßerossos folgende Angabe hinein- 
verwoben: ^j4XkrjyoQixäg de (priöiv xavxa nstpvöLoXoyfid'aL. 'Dies (d. h. 
eben die Erzählung der Schöpfung nach der Tötung der ®aaxi durch 
Belos) sei eine allegorische Darstellung von Naturvorgängen.' Gewiß 
ist dieser Satz eine Konzession an die griechischen Leser. Aber beein- 
flußt durch griechische Philosophie war Berossos noch lange nicht, wenn 
ej das sagt! Schon in Babylon kannte man die Form des Lehrgedichts 
für die Schöpfungssage (vgl. den Text bei üngnad, in H. Greßmann 
a. a. 0. 1, S. 27 — 28), und jeder babylonische Priester war sich wohl be- 
wußt, daß Tihämat eine Personifikation des Urmeers war, denn tiamtu, 
tamtu heißt eben 'Meer' = D^nri hebr., aus dem alles nach babylonischer 
Anschauung entstand. 

Interessant ist es, daß diese allegorische Art der Mythenerklärung 
sich auch findet bei dem aus Babylonien stammenden Stoiker Dio- 
genes (2. Jahrh. V. Chr. ; vgl. Kap. V, S. 101). Über ihn vergleiche man 
folgendes Zeugnis des Cicero, De natura deorum I, 15, 41: 

Quem (seil. Chrysippum Stoicum) Diogenes Babylonius conse- 
qtiens in eo lihro, qui inscribitur de Minerva, partum Jovis ortumque 
virginis (seil. Minervae) ad physiologiam traducens diiungit a fabula. 

Interessant ist es zu beobachten, wie in den babylonischen Texten 
über Astronomie, die in der Zeit Aäurbanipals rein astrologischen Cha- 
rakters waren, und in denen damals die in ihnen sich findenden astro- 
nomischen Angaben lediglich astrologischen Zwecken dienen, mehr und 
mehr der astrologische Charakter abgestreift wird, bis sie schon im 
6. Jahrhundert rein wissenschaftlich astronomischen Charakter annehmen, 
wie F. X. Kugler, Sternkunde und Sterndienst in Babel, U. Buch, 1. Teil, 
1909, S. 7 — 24 so schön dargelegt hat. Ja später gab es babylonische 
Astronomen, zu denen allerdings, wie wir sahen (Kap. I und II), Be- 
rossos nicht gehört, die die Astrologie verwarfen, wie Strabon (aus Po- 
seidonios, vgl. Kap. V) lib. XV, c. 6 p. 739 bezeugt: 

l4(ptbQi6ro S'iv BaßvXcövL xatoixCa rolg imioQloig ^ikoööcpoig totg 
XaXdaioig TtgoGayoQSvoiiivoig^ ot xegl aöxgovo^iCa slöl to nkioV ngoö- 
xoLovvzai da tiveg xal ysved-haXoyilv, ovg ovx anoöi%ovTai ot 

iX£QOL. 

Auch Berossos hat die Erzählung des Schöpfungsepos von der Er- 



Beroesos' Mondtheorie. Die Liste der Könige vor der Flut 179 

Schaffung der Sterne und ihrer Namengebung zwar beibehalten — vgl. 
Fragm. 17 — , aber in sie eine Darstellung des damaligen Standes der 
babylonischen Astronomie eingefügt. Erhalten .ist uns leider nur seine 
Darstellung der Lehre vom Mond, die Poseidonios aus ihm exzerpiert 
hatj aus dem die uns erhaltenen Fragmente 18 — 25 stammen, wie wir 
in Kap. V sahen. F. Boll (Art. 'Finsternisse' in Pauly-Wissowa, RE^, 
VI, 2, 1909, Kol. 2329—2364) Kol. 2338 bemerkt zu der Lehre des 
Berossos über den Mond folgendes: 

'Darnach ist der Mond halb feurig (jj^CjtVQog) , halb dunkel, hat 
eine Drehung um seine Achse und wendet abwechselnd immer andere 
Teile der Sonne zu, beleuchtete oder unbeleuchtete. Gegen diese Er- 
klärung der Mondphasen hat Kleomedes, d. h. wohl Poseidonios, aus- 
drücklich bemerkt, daß Berossos dabei nicht in der Lage gewesen sei, 
zu zeigen, wie die Monfinsternis geschehe; denn ein Mond mit eigenem 
Licht müsse natürlich im Schatten der Erde noch leuchtender statt ver- 
dunkelt werden. Wir lernen daraus, daß auch nach Berossos die Mond- 
finsternis durch den Erdschatten verursacht werde; wie weit wir aber 
hier Beeinflussung durch die griechische Philosophie ausschließen können, 
bleibt ungewiß.' 

Ich möchte auf eine derart unsichere Parallele hin doch lieber nicht 
griechische Beeinflussung des Berossos annehmen. Die chaldäischen 
Astronomen waren damals den Griechen in der Astronomie noch sehr 
voraus. 

Es folgt der zweite Teil der ccvayQutpaC, die Berossos benutzt, die 
avayQcc(pal xsqI t&v ßaöiXdcov xal rav xar' avTovg jcqk^scov, die ßcc6L- 
Xecov avayQacprj, wie Berossos (vgl. oben) sie selbst einmal zitiert, die 
Buch II und III der BaßvXcjvLaxd füllen. 

Die Liste der Urväter hat sich in den keilin schriftlichen Berichten 
noch nicht wieder gefunden. Die einzelnen Namen lassen sich jedoch 
sämtlich identifizieren. Das Nähere lese man in der neuesten Zusammen- 
steUung von A. Jeremias in ATAO^ 1906, S. 221 -122 u. S. 47 nach. 
Hier nur einige Nachträge zu dem dort Ausgeführten. Ammenon (^Afi^is- 
vcov) scheint mir sprachlich kaum — trotz der gleichen Bedeutung von 
ummanu 'Werkmeister' mit dem entsprechenden "Jp]:, bzw. X^^ ^Schmied' 
— mit Hommel, PSBA 1893, p. 243 ff. mit babylonischen umraänu iden- 
tifiziert werden zu dürfen, da ummanu griechisch bestenfalls zu a^ävrjs, 
a)fiävvr]s oder o^iiccvrjs, ö^dvvrjg werden konnte, bzw. in der Aussprache 
uvvannu zu 'Slävvrjg (vgl. oben). F. H. Weißbach denkt an den König 
Enmenunna der Chronik S, Obv. Kol. II, Z. 3 (King, Chronicles concer- 
ning early Babylonian kings, vol. IT p. 47 ). Aber En-me- wird zu Ei>£ 

12* 



180 Flutbericht des Berossoa 

— vgl. Enmeduranki = EvEÖG)Qay%og. In Amegalaros, Megalaros steckt 
ursprüngliches Amelagaros, wie nach Mai (vgl. n. 18 zu Fragra. 29) der 
Armenier einmal schreibt. Darin steckt aber der neubabylonische Per- 
sonennamen Amel-Ekur, Mann des (Tempels) Ekur von Nippur. In 
z/acjvos steckt babylonisches daianu 'Richter', worauf auch die Bezeich- 
nung des ^dcovog als notfirlv mir zu weisen scheint. 

Wichtig ist vor allem, daß auch die Keilsclirifttafeln, wie wir oben 
sahen, Zeiten 'vor' und 'nach der Flut' kennen. Eine babylonische Liste 
von Königsnamen (V Rawl 44) nennt babylonische 'Könige nach der 
Flut', kennt also auch Könige vor der Flut. Chronologische Listen, in 
denen diese mythischen vor-, sowie einige der mythischen — nach Be- 
rossos 86 — nachflutigen Könige aufgezeichnet wären, sind uns nicht 
erhalten. 

Es folgt der Bericht des Berossos über die Flut. Dieser ist von 
außerordentlicher Wichtigkeit für die Beurteilung des Verhältnisses des 
Berossos zu seinen Quellen. In feinsinnigster Weise hat ihn H. Greß- 
mann in 'Das Gilgamesch-Epos, übersetzt von A. Ungnad, erklärt von 
H. Greßmann', 1911, S. 213—216 mit den übrigen erhaltenen Keilschrift- 
berichten über die Flut verglichen. Ich glaube, dem wissenschaftlichen 
Interesse am besten zu dienen, wenn ich seine Worte unverändert hier 
folgen lasse: 

'Der Bericht des Berossos, eines babylonischen Priesters in der 
Zeit Alexanders des Großen, in griechischer Sprache geschrieben, weicht 
von den Keilschriftberichten in mancher Beziehung ab. 

1. Die Flut hat nicht mehr irgendwann in grauer Vorzeit stattge- 
funden, sondern ist in den Zusammenhang der babylonischen Urgeschichte 
eingereiht und chronologisch genau fixiert worden. (Das kann indes 
lange vor Berossos schon geschehen sein. Sehn.) Über die der Kata- 
strophe vorangehende Zeit, die als ein vollständiger Aion mit 'Anfang, 
Mitte und Ende' aufgefaßt wird, glaubte man Kunde zu haben aus Tou- 
tafeln, die vor der Flut in Sippar vergraben und nachher wieder aus- 
gegraben worden seien. (Vgl. dazu oben. Sehn.) Schon die Keilschrift- 
texte unterscheiden die 'Zeit vor der Flut' und die 'Zeit nach der Flut'. 
(Vgl. oben. Sehn.) 

2. Von den Götterversammlungen ist keine Rede; es fehlen folg- 
lich auch die Gegensätze unter den Göttern, die wohl schon dem spä- 
teren Empfinden der Babylonier anstößig waren. Vor allem ist der 
Verrat des göttlichen Geheimnisses ausgemerzt worden, da 'Kronos' dem 
Xisuthros die Vernichtung der Menschheit 'im Schlafe' ofi'enbart. Die 
Antwort auf die Frage, wohin der Held mit seinem Schiflfe fahren wolle, 



Flutbericht des BeroBBOs 181 

lautet hier viel feiner als im Gilgames-Epos: 'Zu den Göttern, um für 
die Menschen Gutes zu erflehen.' Diese Aussage ist keine Lüge mehr, 
sondern nur noch eine Ausflucht; denn sie entspricht den folgenden Tat- 
sachen: Am Ende seiner Fahrt gelangt Xisuthros ja wirklich zu den 
Göttern; fortan tritt er im Himmel für die Menschen ein, wie bisher 
hier auf Erden. So ist das Pantheon zwar noch vorhanden, aber die 
vielen Götter handeln wie eine Einheit, und das sittlich Bedenkliche ist 
ihnen völlig abgestreift worden. 

3. Dazu stimmt die Betonung der Frömmigkeit. Xisuthros ist nur 
wegen seiner Gottesfurcht gerettet worden; er wird ebendeshalb der 
Ehre gewürdigt, bei den Göttern zu wohnen. Die Zurückbleibenden 
werden zu derselben Tugend ermahnt, *wie es sich gehöre'. Die Flut 
ist demnach eine Strafe für die Gottlosigkeit der Menschen gewesen, 
die Bewahrung des Xisuthros aber der Lohn für seinen Glaubensgehor- 
sam. Die Klugheit des Helden wird zwar noch an der Aussendung der 
Vögel illustriert^ wird indessen niemals ausdrücklich hervorgehoben; die 
religiösen Gedanken haben die profanen überwuchert. 

4. Die Szene, in der die Vögel aufgelassen werden, ist um einen 
reizenden Zug bereichert worden. Die an zweiter Stelle ausgeschickten 
Vögel kehren mit lehmbeschmutzten Füßen zurück, ein Zeichen, daß die 
Erde eben anfängt, trocken zu werden. Durch diese Neuerung ist die 
Wiederholung zugleich eine schöne Steigerung geworden, durch die das 
Interesse des Hörers noch mehr gefesselt wird.^) 

5. Die Entrückung des Xisuthros erfolgt nicht mehr an die Mün- 
dung der Ströme oder in das Land der Seligen, sondern in den Himmel 
zu den Göttern. Die Vorstellungen der primitiven, mythischen Topo- 
graphie sind durch höhere ersetzt worden. Zu dem Helden haben sich 
außer seinem Weibe noch die Tochter und der Steuermann gesellt. 

6. Der Berg der Landung ist nicht mehr der Berg Nisir in der 
Nähe des unterem Zab, sondern ein Berg in dem weiter entfernten Ar- 
menien, genauer in der Landschaft Kordyene; man identifiziert ihn ge- 

1) Es sei mir gestattet, hier folgende Bemerkung einzuschieben : Ich glaube 
jetzt doch im Gegensatz zu Kap. IV, § 2, S. 82, daß Berossos die Namen der 
ausgesandten Yögel genannt hat. Denn in den Worten, die Berossos von den 
an zweiter Stelle ausgesandten Vögeln macht, tccvta ik ndXiv (seil, ta öqvso) 
tlg tr}v vccvv iX9siv tovg nodag nsmqla^ivovg ^x^vta steckt ein schönes Wort- 
spiel mit TtiXsia, nriUr] Taube, das Eusebios oder Polyhistor dann beim Exzer- 
pieren durch Nichtnennung der Vogelnamen verwischt haben. Allerdings wird 
nach dem Keilschriftbericht [Gilgames-Epos, Tafel XI, Z. 146—149] die Taube 
als an erster Stelle ausgesandt erwähnt. Indes differiert hier im Flutbericht 
Berossos ja auch sonst, wie wir sahen, mit der keilschriftlichen Rezension. Sehn. 



182 Flatbericbt des Berossos 

wohnlich nach der muslimischen Tradition mit dem gebel gudi, süd- 
westlich vom Van-See. Einer o£Fenkundigen Reflexion ist die Mitteilung 
entsprungen, die eine göttliche Stimme den Geretteten über den Ort der 
Landung macht. Woher sonst sollten sie nach dem Untergang aller 
Menschen den Namen des unbekannten Gebirges erfahren? Eine geo- 
logische Ortssage, die nur aus jener Gegend selbst stammen kann und 
auf einen regen Verkehr der Babjlonier (Assyrer) mit Armenien schließen 
läßt, erklärt ätiologisch die Herkunft des dort gefundenen Asphalts: er 
gilt als Überrest des mit Asphalt verpichten FlutschiflFes und ist eben- 
darum wunderkräftig, viele Leute brachen sich ein Stück davon ab und 
verwenden es als Abwehr gegen Krankheiten. 

7. Die Angehörigen des Xisuthros kehren nach Babylonien zurück, 
gründen Städte, bauen Häuser und pflanzen die Menschheit fort. 

Leider fehlen alle Mittel, um das Alter der von Berossos mitgeteilten 
Rezension festzustellen. Im aügemeinen wird man sie, wegen der fort- 
geschrittenen Reflexion, wegen der erhabenen sittlichen und religiösen 
Anschauungen für die jüngste aller bekannten babylonischen Fassungen 
halten dürfen, doch hat sie wohl in einzelnen Fällen älteres (Nr. 4. 6) 
oder gar uraltes Gut (Nr. 7) bewahrt.' 

So Greßmaun. — Ich habe über den Flutbericht des Berossos nur 
noch zu bemerken, daß dieser auch hier vor dem Beginn der Erzählung 
ausdrücklich daraufhinweist, daß er eine schriftliche Quelle benutzt: 
äva'y£'yQd(p%^aL 8\ tbv Xöyov ovrog- 

Mit dem Flutbericht in Zusammenhang stehen die Fragmente (38 
bis 41), in denen uns bezeugt wird, daß Berossos periodisch abwech- 
selnde xcctaxlvö^oC und ixTivQcoösig, die jeweilig den Weltenwinter und 
Weltensommer bezeichnen und durch siderische Konstellationen herbei- 
geführt werden, gekannt hat. 

Weil nun Berossos hierbei den Weltenbrand, die ixjcvQaöis, er- 
wähnt, hat man, da dieser in der griechischen Philosophie eine so große 
Rolle spielt, besonders bei Heraklit und der Stoa, behauptet, hier sei 
ein Einfluß griechischer Philosophie zu spüren. Ed. Schwartz (Art. Be- 
rossos in Pauly-Wissowa, RE^, Bd. III, Kol. 316) sagt: 

'Für die Mischung der Gedanken (seil, hellenischer und babyloni- 
scher bei Berossos) ist bezeichnend, daß Berossos die ixxvQoöig der grie- 
chischen Philosophie — an die Stoa speziell zu denken ist nicht ratsam 
(schon aus chronologischen Gründen I Sehn.) — auf astrologischetn Wege 
berechnete.* 

Eine derartige Betrachtung der Lehren des Berossos kann nur zu 
schiefen Ergebnissen führen. Schwartz greift den Begriff ixjtvQaöig bei 



Berossoa hat Lehre über iKnvQtoaig nicht Griechen entlehnt 183 

Berossos heraus. Nun haben wir unglücklicherweise kein babylonisches 
Zeutrnis. das älter ist als Berossos und beweist, daß der Gedanke der 
Weltzerstörung durch Feuer in Babylon älter ist als jeder hellenische 
Philosoph. Indessen ist ein derartiges argumentum e silentio bei dem 
lückenhaften Zustand unserer keilinschriftlichen Überlieferung völlig 
unstatthaft. 

Außerdem spielt doch die ixnvQ(o0Lg in der Berossosstelle nicht die 
Hauptrolle. Der Grundgedanke ist das Weltenjahr mit Weltensommer 
und Weltenwinter. Beide werden durch astrale Vorgänge herbeigeführt. 
Kommen alle Planeten (darunter auch Mond und Sonne) im Sternbild 
des alyöxsQCJs so zusammen, daß eine gerade Linie durch alle hindurch- 
gehen kann, so ist der Weltenwinter eingetreten — das Sternbild des 
alyöxsQCJS ist bekanntlich in der damaligen Zeit, wo gemäß unserer heu- 
tigen Tierkreisaufzählung wirklich der Tierkreis noch mit dem Widder 
begann, das Zeichen des Winters. Der Welten winter muß notwendig 
mit einer Katastrophe verbunden sein. Nun ist der Winter in Baby- 
lonien die Regenzeit, die Zeit des Wassers. Lag es nun nicht sehr nahe, 
die allbekannte Flutsage mit dem Welten winter zu kombinieren? Ent- 
sprechend mußte man aber dann mit dem Weltensommer — im Sommer 
brennt in Babylonien die Sonne bekanntlich fast buchstäblich alles Gras 
weg — einen Weltbrand als Gegenstück zur Weltenflut verbinden. Daß 
Berossos hierfür den technischen Ausdruck der Griechen, den Heraklit 
geprägt hatte, gebrauchte, nämlich ix7CVQC06ig, ist selbstverständlich 
kein Beweis für Beniitzung griechischer Gedanken. 

Immerhin könnte man einen Beweis für Entlehnung aus den grie- 
chischen Vorstellungen mit einiger Wahrscheinlichkeit führen, wenn 
man nachweisen könnte, daß die Lehre von den Weltzeitaltern mit ab- 
wechselnden Weltensommern und Weltenwintern nicht genuin babylo- 
nisch wäre. Nun ist bekanntlich die Lehre vom Weltenjahr in Griechen- 
land sichtlich nicht ursprünglich. Der älteste griechische Philosoph, 
der des ^iByccg iviavrdg Erwähnung tut, ist Heraklit in Fragmentum 13 
bei Aetios und Censorinus (Diels, Vorsokratiker, 2. Aufl., Bd. 1, 1906, 
S. 59). Nach ihm beträgt das Weltenjahr 10800000 (=50x60x60) 
Jahre. Dieser Angabe sieht man aber den Ursprung aus dem babylo- 
nischen Sexagesimalsystem sofort an. Wenn von Pythagoras bei Aetios, 
Placit. Philos. II, c. 32, 2 (p. 363 Diels, Doxographi) behauptet wird, 
er habe mit Oinopides das Weltenjahr anf 59 Jahre angegeben, so ist 
der Ursprung des Fragmentes als eines von Pythagoras selbst herrüh- 
renden bekanntlich fraglich, andererseits sind die Beziehungen des Py- 
thagoras und seiner Schule zum Orient allbekannt. 



184 Beroseos und die historiBchen Keilschrift texte 

Wir werden die Frage, ob Berossos die ixTcvQcoöis der griechischen 
Philosophie verdankt, am besten mit einem non liquet beantworten und 
datierbare keilschriftliche Zeugnisse abwarten. 

Es dürfte noch das Verhältnis des Berossos zu seinen baby- 
lonischen Geschichtsquellen zu besprechen sein. Daß er überall 
Keilschriftberichte, yor allem Chroniken, benutzt hat, merkt man auf 
Schritt und Tritt. Einzelheiten zu besprechen, würde hier zu weit führen, 
das ist Aufgabe des Kommentars der Fragmente. 

Inwieweit seine Chronologie mit der der neubabylonischen keil- 
schriftlichen Königslisten in Übereinstimmung steht, dafür lese man 
meine Ausführungen in 'Die babylonische Chronologie in Berossos' 
Babyloniaka' (Mitt. d. Vorderasiat. GeseUsch. 1908, 5) und das die dor- 
tigen Ausführungen ergänzende IX. Kapitel der vorliegenden Arbeit nach. 

Eines der größten Verdienste des Berossos bleibt es für immer, daß 
er den Lügenberichten des Ktesias und seiner Nachtreter die einheimische 
genuine Überlieferung gegenübergestellt und den Griechen zugänglich ge- 
macht hat. Daß dies seine Absicht war, sagt er uns selbst (fragmen- 
tum 54 bei Josephos): 

Tavta ^hv ovrcog lörÖQriiisv (seil. 6 Br}Q(oö6bg) 7C£qI xov nQosiQti- 
fisvov ßaGiXecog xal xoXXä XQbg tovtoLg iv tfi rgCtri ßCßkca täv Xak- 
dtttx&v, iv fi fi£fiq)EtaL rotg'EXXrjVixotg övyyQUtpEvöiv ag (idrrjv 
olo^Bvoig vnb 2J£(iiQd[i€(og rijg l466vQCag xriöd^rivai rijv BaßvX&va xccl 
tä d-aviidßia xccTtt6x£va6d^i}vai negl a'dr'^v vst' ixaivrjg egya i^svd&g 
ysyQatpööt. 



IX. KAPITEL 

DIE BABYLOISISCHE CHKONOLOGIE IN BEROSSOS' 
BABYLONIAKA 

Das Material, das wir heute zum Vergleich der babylonischen Chro- 
nologie in Berossos' Babyloniaka mit der der keilschriftlichen Listen 
besitzen, hat sich seit 1909, als ich das in diesem Kapitel besprochene 
Thema in den Mitt. d. Vorderasiat. Gesellsch. 1908, Heft 5 zum ersten 
Male behandelte, derartig vermehrt, daß eine erneute Bearbeitung des 
Themas erforderlich wird. 

§ 1. DIE DYNASTIENLISTE DES BEROSSOS 
Ich scheide hier grundsätzlich die Frage nach dem chronologischen 
System des Berossos und den vorflutigen Königen, da sich hierfür aus 
dem neuen Material nichts ergibt, aus und beschränke mich auf die 
nachflutigen Könige. 

Eusebios gibt uns bekanntlich im ersten Teile seiner Chronik einen 
Auszug aus dem Berossosexzerpt des Alexander Polyhistor. Bis 1910 
kannten wir hiervon nur eine armenische Übersetzung. Der betreffende 
Passus lautet in der neuen deutschen Übersetzung von Josef Karst 
(Griech. christl. Schriftsteller d. ersten drei Jahrhunderte, herausgeg. v. 
d. Kgl. preuß. Akad. d. Wiss., Eusebius' Werke, 5. Bd.: Die Chronik 
1911, S. 12, Z. 17— S. 13, Z. 4): 

'Zu demselben jedoch fügt der Polyhistor noch dieses bei, indem 
er schreibt: 

Nach der Sintflut herrschte über das Chaldäerland Eve¥sios, 4 Neren 
Und nach ihm übernahm die Herrschaft dessen Sohn Chomasbelos 
4 Neren und 5 Sossen. 

Von Xisuthros aber und von der Sintflut, bis die Marer (Meder) Ba- 
bylon nahmen, zählt Polyhistor im ganzen 86 Könige: und mit Namen 
erwähnt er einen jeden aus des Berossos Buche; und die Zeit der sämt- 
lichen faßt er zusammen in die Zahl von drei Myriaden Jahren und drei- 
tausend und einundneunzig. 



186 Die Dynastienliste des Beroesos beim Armenier und beim Synkelloa 

Und nach ihnen, auf ihre so gewaltige Dynastie, haben die Marer 
{Meder), nachdem sie ein Heer gegen Bahelon zusammengezogen, es ein- 
genommen und daselbst Gewalthaber aus ihnen selbst eingesetzt. Hiernach 
führt er auch die Namen der Gewalthaber der Marer (Meder) an, 8 an 
der Zahl und ihre Jahre 224.^) 

Und wiederum 11 Könige und Jahre 28}) 

Dann audi die chaldäisdien, 49 Könige und 458 Jahre. 

Darauf auch die der arabischen, 9 Könige und 245 Jahre. 

Nach welchen Jahren er au^h der Samiram Herrschaft über Assyrien 
berichtet. 

Dann wiederum zählt er einzeln auf die Namen, von 45 Königen und 
setzt deren Jahre an auf 520. 

Nach welchen, sagt er, gewesen sei der König der Chaldäer., dessen 
Name ist Phulos, welchen wiederum auch die Geschichte der Hebräer 
erwähnt und Phulos nennt.' 

Georgios Synkellos (ed. Dindorf, pag. 147, Z. 9—148, Z. 10, ich be- 
nutze durch Herrn Prof. H. Lebegue in Paris angefertigte Kollationen 
der Codices AB) gibt die obige Eusebiosstelle folgendermaßen wieder: 

läXe^avögog 6 IIoXviötcoQ kn rovds rov ßv8 xod^ixov srovg ßovks- 
tai ndXiv tijv ^sra rov xaraxlvö^bv täv Xakdalcov ßaöiXsCav y.ardg- 
|a<y#afc (ivd'oXoyäv dicc öccgav xal vr]Qcov xaX öaööov ßsßaöLXsvxsvai. 
XttXdaCcav xal M'^dov ßcc6iXslg n's' iv xQiö^vQioig 8xe6iv xal 
^dg'') TOVT iötiv iv öccQOLg d^' xal vrjQOig ß' xal öaööoLg rj\ amg riveg 
r&v ixxXrj0ia6tvxG)v ri^&v lötoQLxäv^) ov xaXäg ii,sXdßovto slg err} 
ilXiaxä qd' xal fiilvag r}\ ajtSQ, &g tpaöiv, slg rb ßvt^d"' stog xo6(iixbv 
övvtQEX^i. Idnb ÖS Tovtov rov iqovov rS>v Tig' ovo fisv XaXdaiov ßaöi- 
Xsav, EvrjxoCov^) xal X(a^a6ßr]Xov^), nS' Sl Mi^dcov, Z(OQodötQr}v^) 
xal rovg fisr' avrbv ^' XaXdaCcov ßaätXeig slßdysi, srt] xQarrjöavrag 
ijXiaxä Qq\ 6 avrbg HoXvtörcoQ^ ovx hi^) diä ödgav xal vi^Qcav xal 
6G)66a)v xal rijg XoiJtfjg fivd^ixfig lörogCag^ dXXä dt iiXiaxav it&v. Tovg 
yaQ nQoysvsoriQOvg ag %sovg r) ij^L&sovg vo^L^ovzag xal rovg fis"^ 
avrovg x^v nXdvr]v siörjyov^svoL tc5 övrt*) ;i;()övovff ditsiQovg ßEßa6i- 



1) Eine Randnotiz in den armenischen Mss. GE korrigiert die Zehner und 
Einer in 84, so daß sich als Gesamtzahl 284 ergäbe. 

2) Randnotiz in GE korrigiert 48. 3) Sic. codd. AB. 

4) Das ist, wie sich aus dem folgenden ergibt, Panodoros. Vgl. H. Geizer, 
Sextus Julius Afrikanus II, 1 (1886), S. 198—204. 

6) s^r\xoi' ov A, eirrixoi. o^ B. 6) XayMe^T^Xov] A, xoyt,ttaßif^Xov B. 

7) ZcDQodatQTiv] B, ^(üQ6aaT(fi.v A. 8) oix Irt] A, oix^rt B. 
9) rat 6vTi] B, t6 6v A. 




Die Dynastienliste des Beroasos bei Mar Michael 187 

XevxEvai 6vveyQailfccv, ätdtov eIvui xov xößfiov doi,dt,ovtsg svccvtLCJs talg 
<d-eo7Cvsv6toig yQatpaZg' tovg dh ^etayeveörsQovg tcocl näöi tpccvsQovg öi 
rjXiax&v kx&v hg d^vrjtovg, xccl ov% ag ttp Uttvodagc) doxel xccl its- 
QOig TLöi, diä tb iö^^^^S "^^^ Zcjqoccötqov tav rjhaxav iviavtav ix 
x&v xov 'Evax eyvaöfiBvov sxxoxe TiXiaxoig sxsöiv iTtifisxQslöd-cci xä x&v 
ßaöiXiav sxrj}) 

Schließlich besitzen wir aber seit 1910 auch ein Exzerpt der 
syrischen Übersetzung der obigen Textstelle aus Eusebios' Chronik, 
das der Patriarch Mar Michael (1166 — 99 n. Chr.) von Antiochien seiner 
Chronik (Chronique de Michel le Syrien, ed. pour la premiere fois par 
F. B. Chabot, 4 voU. 1900—1910, Textband [= vol. IV] p. 748, ich be- 
nutze nicht die französische Übersetzung Chabots, sondern eine deutsche, 
durch meinen KoUegen Prof. Dr. H. Bauer liebenswürdigerweise angefer- 
tigte, für die ich ihm auch hier meinen Dank sage) einverleibt hat: 

"Der in solchen Dingen hervorragende Eusebios, der aus den alten 
Schriften von Alexander Polyhistor, Abydenos und anderen Chaldäem 
die Geschlechterfolge von Adam bis zur Sintflut in den Tagen Noas 
darlegt, zählt hintereinander zehn Könige auf, deren Namen und Jahre 
so aufgezeichnet sind, wie wir sie in diesem Buche gebracht haben: 

Odonrakos 10 Saren 
Amamon 8 „ 

Amampasinos 8 „ 
Otartios 10 „ 

Khsisuthros 8 „ 

Auch hier nennt er dieselben von den Chaldäern und er berichtet, daß 

'nach der Sintflut ein Chaldäer Eveöklios regierte und nach ihm Kho- 
masbelos' 

und daß es ^von der Zeit des Khsisuthros, da die Sintflut war, bis zur 
Zeit, da die Mederkönige Babel einnahmen, 86 Könige gab', nach den Zeug- 
nissen der Schriften von Polyhistor und Abydenos. 

Er sagt, daß Polyhistor jeden mit Namen nennt, dann fährt er fort: 

'Nachdem die Herrschaft der Chaldäer m Ende war, regierten die 
Meder, 21 Könige.'' 

Ferner sagt er: 

'Es herrschten die ChaldäerJcönige, 40 Könige', und er erwähnt auch 
die Namen und Jahre derselben. 



Aloros 


10 Saren 


Alomparos 


3 


'7 


Almelon 


13 


ff 


Amegalaros 


8 


ff 


Donobos 


12 





1) Der Kritiker, der gegen Panodoros polemisiert und den der Synkellos 
ausschreibt, ist Annianos. 



188 Die keilechriftlichen Königelieten 

'Danach wurde der Herrschaft der Chaldäer ein Ende gemacht durch 
die Assyro' zur Zeit der Samiram, es umfaßt dieser Zeitraum 46 Könige. 

Danach gab es einen Chaldäerkönig mit Namen Phulos, den die 
hebräischen Schriften Phul nennen," 

Der neue Textzeuge zeigt uns, auf welch unsicherem Boden wir uns 
stets befinden, wenn wir auf die armenische Übersetzung allein für den 
Text der Chronik des Eusebios angewiesen sind. Es ist schade, daß 
Michael die Jahre der Dynastien nicht notiert hat, sondern nur die Zahlen 
der Könige. 

Für die Herstellung der Dynastienliste der nachflutigen Könige bei 
Berossos haben wir also folgendes Uberlieferungsmaterial: 

a) 86 (Armenier, Syrer, Synkell) Chaldäerkönige mit 33091 (Arm.) 
oder 34090 (Synk.) Jahren. 

b) 21 (Syrer) oder 8 (Arm.) Meder mit 224 (oder 234) Jahren. 

c) 11 Könige mit 28 oder 48 Jahren (nur Armen., fehlt beim Syr.), 

d) 49 (Armen.) oder 40 (Syr.) Chaldäerkönige mit 458 Jahren. 

e) 9 Araberkönige (nur Armen., fehlt beim Syr., jedoch haben auch 
Panodoros und Annianos bei Synkellos p. 172 Dind. Q'jQccßav ßaetXsls 
mit von ihnen frei erfundenen Namen und Zahlen) mit 245 Jahren. 

f) Semiramis und nach ihr 45 (so Armen., die 46 des Syrers sind 
offensichtlich durch Addition der Semiramis zu den 45 entstanden) 
Könige mit 526 Jahren. 

g) Nach ihnen Phulos. 

§ 2. DIE BABYLONISCHEN DYNASTIEN IN DEN 
KEILSCHRIFTLICHEN LISTEN 

Das Material an keilschriftlichen Dynastienlisten, das wir 1909 be- 
saßen, war folgendes: 

1 a. Chronik S, mehrere Bruchstücke einer großen 6 Kolumnen 
(3 Obvers, 3 Revers) umfassenden, neubabylonischen, alle nachflutigen 
Könige umfassenden, erstmalig 1874 von G. Smith, abschließend (jedoch 
siehe unten unter 1 b) von L. W. King 1906 in Studies in Eastem 
History vol. III (= Chronicles conceming early Babylonian kings vol. H) 
London 1907, pp. 46 — 56, 143, 145 veröffentlicht. Erhalten sind auf 
dem Obvers Reste von Col. I und II, auf dem Revers Reste von Col. IV 
und V. 

2. Liste A, erstmalig in den Proceedings of the Society of Biblical 
Archeology 1880/81, p. 21 ff. von Th. G. Pinches publiziert, umfaßt auf 



Die keilschriftlichen Königslisten • 189 

Obvers und Revers je 1 Kolumne mit der 1. Dynastie von Babel und 
der 1. Dynastie des Meerlandes, neubabylonische Schrift. 

3. Liste B, erstmalig von Th. G. Pinches in den Proc. of the Soc. 
of Bibl. Arch. 1883/4, p. 193—204 veröffentlicht, umfaßt auf Obvers 
und Revers 2 -|- 2 = 4 Kolumnen mit den Dynastien von der 1 Dynastie 
von Babel an bis mindestens Kandalanu, neubabylonische Schrift. 

Zu diesen drei neubabylonischen Listen kam 1906 das erste Frag- 
ment einer altbabylonischen. 

4 a. 1906 pubhzierte H. V. Hilprecht in The Babylonian Expedi- 
tion of the University of Pennsylvania Ser. A. Cuneiform texts vol. XX, 
1: Historical, mathematical and chronological texts den oberen Teil der 
linken Kolumne des Reverses einer mindestens 2 + 2 = 4 Kolumnen 
umfassenden Tafel, der die 3. Dynastie von Ur und die 1. Dynastie von 
Isin enthielt. 

Hierzu gesellte sich nun seit 1911 folgendes neue Material: 

5. 1911 veröffentlichte Pater V. Scheil in den Comptes rendus de 
FAcademie des inscriptions et beUes lettres p. 606 — 620 Obvers und 
Revers = 2 Kolumnen einer altbabylonischen, die Dynastien von Akschak 
bis Gutium aufzählenden Liste. 

1914 publizierte A. Poebel in seinen Historical and Grammatical 
texts (University of Pennsylvania, the University Museum, Publications 
of the Babylonian Section, vol. IV 1, Historical texts (Übersetzung und 
Umschrift), vol. V Historical and grammatical texts (Textkopien und 
Phototypien) folgende Listen aus altbabylonischer Zeit: 

4 b. Obvers und erneut Revers der bereits 1906 von Hilprecht 
publizierten Liste (vol. IV, 1 p. 82—83, vol. V, pl. IV.) Der Obvers um- 
faßte in Kol. I die 1. Dynastie von Kisch. 

6. Col. 1 — 3 des Obverses und 10 — 12 des Reverses einer 6 + 6= 12 Ko- 
lumnen umfassenden Liste, die mit der 1. Dynastie von Kisch begann 
und mit dem 11. König der 1. Dynastie von Isin endigte, (vol. IV, 1 
p. 73—78, vol. V, pl. II und XC). 

7 a. Col. 1 — 2 des Obverses und 7 und 8 des Reverses einer Tafel, 
die in 4 -f- 4 = 8 Kolumnen die Dynastien von der 1. Dynastie von Kisch 
bis zur Dynastie von Akkad umfaßte, (vol. IV, 1 p. 79—80, vol. V, pl. III 
u. XCI)- 

7 b. Col. 1 des Obverses und 8 des Reverses einer Tafel, die in 
4 -|- 4 = 8 Kolumnen die Dynastien von der 5. Dynastie von Uruk bis 
zum 16. König der 1. Dynastie von Isin aufzählte, also die Fortsetzung 
von Nr. 7 a unserer Liste bildete, (vol. IV, p. 80—81 und V, pl. IV und 
XCI). 



190 ■ I^ie keilBchriftlichen KönigsliBten 

8. Col. 1 und 2 einer allzu fragmentarischen, chronologisch nicht 
Ter wendbaren Liste. (IV, p. 81). 

1915 publizierte Clay in 'Miscellaneous inscriptions in the Yale 
Babylonian Collection' 

9. unter Nr. 32 eine Liste, die auf Obvers und Revers beidemale 
die Dynastie von Larsa aufzählte. 

1916 publizierte E. F. Weidner in Mitt. d. Vorderasiat. Gesellsch. 
1915, 4: 'Studien z. assyr.-babyl. Gesch. auf Grund neuer Funde' 

10. — 16. auf S. 2 — 5 Transkription und Übersetzung von 7 Fragmen- 
ten assyrischer aus den deutschen Ausgrabungen in Assur herrührender 
Königslisten, die sich teilweise als synchronistische Listen assyrischer 
und babylonischer Könige erwiesen. 

1918 wies Johns in Proceed. of the Soc. of. Bibl. Archeol. p. 125 — 130 
nach, daß 

1 b. das von ihm in Assyrian Deeds and Documents unter Nr. 888 
publizierte Fragment ein Stück der Col. VI der Chronik S sei (s. o. 1 a.). 

1920 publizierte 0. Schröder in 'Keilschrifttexte aus Assur ver- 
schiedenen Inhalts' S. 24 unter Nr. 15, 14, 11, 12, 10, 13, 9 den Keil- 
schrifttext der obigen Nummern 10 — 16, sowie 

17. unter Nr. 18 eine weitere Liste assyrischer Könige, 

18. unter Nr. 182 eine weitere synchronistische assyrisch-babylo- 
nische Liste, 

19 a.) unter Nr. 216 den Revers einer großen synchronistischen 
assyr.-babylonischen Liste. 

1920 und 1921 publizierte Legrain im Museum Journal of the Uni- 
versity of Pennsylvania 1920 (p. 179ff u. 1921, p. 75ff.) 2 zusammen- 
passende Fragmente einer 

20. altbabylonischen Liste, die auf Obvers Reste von col. 3 — 6 und 
auf dem Revers Reste von col. 7 — 10 eines Duplikates unserer Nr. 5 
darstellt und sie wesentlich ergänzt. Vgl. A. üngnad in Zeitschr. 
f. AssyrioL, Bd. 34, 1922, S. 1—14 und A. Poebel, ebendaselbst 
S. 39—53. 

19 b. Schließlich veröflfentlichte E. F. Weidner 1921 in Mitt. d. Vorder- 
asiat. Gesellsch. 1921, 1: 'Die Könige von Assyrien' den Obvers und er- 
neut den bereits von Schröder (s. o. Nr. 19 a) veröffentlichten Revers 
einer assyrisch-babylonischen synchronistischen Liste. 

Auf Grund dieser 20 Listen stellt sich das babylonische chrono- 
logische Schema der Königsdynastien folgendermaßen dar (vgl. A. Un- 



Die keilBchriftlichen Dynastien 191 

gnad, Zeitschr. f. Assyriol. 34, S. 11 f., E. F. Weidner, Mitt. d. Vorderasiat. 
GeseUsch. 1921, 2, S. 61—64): 



1. 


1. 


Dynastie 


vor 


1 Kisch 


23 


Könige 


mit 


24 000 (?) Jahren. 






2. 


1. 


r> 


n 


Uruk 


11(?) 


n 


n 


2 480 (?) 


r> 






3. 


1. 


V 


n 


Ur 


4 


V 


n 


171 


n 






4. 




r> 


» 


Awan 


3 


n 


n 


356 


n 






5. 


2. 


n 


n 


Kisch 


6(?) 


» 


n 


3 792 


n 






6. 




v 


n 


Chamazi 


1 


König 


n 


7 


n 






7. 


[3. 


n 


n 


Kisch 


4(?) 


Könige 


» 


111(?) 




Nur 
in 


vermutungB-weise 
einer Lücke der 


8. 


[2. 


V 


n 


ür 


4(?) 


n 


•n 


108 


Listen hier angesetzt 


9. 




n 


n 


Adab 


1 


n 


n 


90 


n 






10. 




» 


n 


Mari 


4(3) 


Könige 


n 


68(?) 


n 






11. 


[2. 


n 


n 


Uruk 


2(?) 


?) 


•n 


40(?) 


.3 




ji 


12. 




n 


n 


Akschali 


: 6 


V 


n 


99 


1) 






13. 


4. 


;; 


n 


Kisch 


8(7) 


„ 


n 


166(?) 


n 






14. 


3. 


n 


n 


Uruk 


1 


König 


•n 


25 


■n 






15. 




n 


r> 


Akkad 


11 (12) Könige 


rt 


197 


n 






16. 


4. 


n 


V 


üruk 


5 


V 


n 


26 


» 






17. 




n 


n 


Gutium 


21 


n 


n 


124(126) 


» 






18. 


5. 


V 


n 


Uruk 


3(?) 


n 


n 


40(?) 


n 






19. 


3. 


n 


n 


Ur 


5 


n 


n 


117 


n 






20. 


1. 


n 


n 


IsiD 


16 


n 


r> 


226 


» 







Bis zum Ende dieser Dynastie summieren die Listen 6 und 7 unseres 
Verzeichnisses folgendermaßen: 



1. 


4 


Dynastien 


von 


Kisch 


41 Könige 


10 800 -\- X Jahre 


2. 


5 


n 


•n 


Uruk 


^2 


2610 4- X „ 


3. 


3 


n 


V 


Ur 


13 


396 


4. 




Dynastie 


n 


Awan 


3 


356 


0. 




» 


n 


Chamazi 


1 König 


7 


6. 




n 


V 


Adab 


1 


90 


7. 




n 


n 


Mari 


4(3) Könige 


(?) 


8. 




n 


n 


Akschak 


6 


99 


9. 




n 


n 


Akkad 


11 (12) „ 


197 


10. 




n 


n 


Gutium 


21 


124 


11. 




•n 


V 


Isin 


16 


225 



11 Königsstädte [20 Dynastien] 139 Könige 32 243 Jahre 

(so Liste 7 b., Liste 6, die nur bis zum 11. König der 1. Dynastie von 
Isin rechnet, bietet: 134 Könige, 28 800 + x + 76 Jahre). 

Es folgt eine 

21. Dynastie von Larsa. 14 Könige, 263 Jahre. Der erste König dieser 
Dynastie (vgl. Fr. Thureau- Dangin, La Chronologie des dynasties de Sumer et 
d'Accad, Paris 1918, p. 47 — 50) war gleichzeitig mit dem 1. König der 1. Dynastie 
von Isin, der letzte König, Rimsin stürzte in seinem 24. Jahre den letzten König 



192 Die keilschriftlichen Dynastien 

von Isin, wurde aber in seinem 60. Jahre vom 6. König der folgenden Dynatie, 
Hammurabi, in dessen 30. Regierungsjahr gestürzt. 

22. 1. Dynastie von Babel. 11 Könige, 300 Jahre. Nach F. X. Kugler 
astronomisch festgelegt auf 2225—1926 v. Chr., nach E. F. Weidner auf 2057 
bis 1758 V. Chr. 

23. 1. Dynastie vom Meerland. 11 Könige mit 368 Jahren. Die Zahlen 
Bind sicher falsch. (Vgl. meine Ausführungen in Mitt. d. Vorderasiat. Gesellsch. 
1908, 5, S. 22—30; E.Meyer, Gesch. d. Altertums 1, 2, 3. Aufl. S. 370— 72; 
C. F. Lehmann -Haupt in Klio XVI, S. 264 if.) Der erste König der Dynastie, 
Ilimailu, war Zeitgenosse des 7. und 8. Königs der vorhergehenden Dynastie, 
Samsuiluna und Abeschuch; der letzte König dieser Dynastie, Eagamil, regierte 
gleichzeitig mit dem 3. König der folgenden, Kaschtilijaschu I. 

24. Dynastie der Kaschschu. 36 Könige mit 576 Jahren. 

25. 2. Dynastie von Isin. 11 Könige mit 132 Jahren. 

26. 2. Dynastie vom Meerland. 3 Könige mit 21 Jahren. 

27. Dynastie von Bazi 3 Könige mit 20 Jahren. 

28. Dynastie von Elam. 1 König mit 6 Jahren. 

29. 2. Dynastie von Babel. 22 Könige mit ? Jahren. 

30. Assyrerzeit. 16 Könige von 731/0—626/5. 

31. Neubabylonische Zeit. 6 Könige von 625/24—539/8. 

32. Perserzeit. 538/7—331/0. 

33. Alexander 330/29—324/3. 



§. 3. DIE DYNASTIE DER MEDER UND IHRE VORGÄNGER 
IN DEN KEILSCHRIFTLICHEN LISTEN UND BEI BEROSSOS. 

Man darf es wohl als heutige communis opinio der Assyriologen 
und Historiker bezeichnen, die ich ebenfalls früher geteilt und vertreten 
habe, daß man bei der Vergleichung der keilschriftlichen Dynastien mit 
denen des Berossos von der Gleichung auszugehen habe: 

1. Dynastie von Babel, 2225—1926 (so Kugler) = Dynastie der 
Meder, 2232 — x bei Berossos 

Die neuen Listen zwingen uns indessen, diese Gleichung auf- 
zugeben. 

Seit 1911 wissen wir durch Scheu, daß das Volk von Gutium Baby- 
lonien beherrscht hat (s. unsere Liste der Dynastien unter Nr. 17 im 
vorigen §). Gutium war aber im 3. Jahrtausend in altbabylonischer Zeit 
der Name des Landes, das seit etwa 900 v. Chr. in den Keilinschriften 
Madai, von den Griechen Mrjdia genannt wurde! 

Über diese Dynastie, die Berossos nur als 'Meder' bezeichnen konnte, 
machen unsere neuen Listen folgende Angaben: 

a) Nr. 6 unseres Verzeichnisses, von Poebel publiziert, Revers, Col. 12, 
Z.6— 11: 



Die Dynastie der Meder 193 

Summe: 21 Könige 
herrschten 125 Jahre 
und 40 Tage 
eine (Dynastie) 
des Volkes 

von Gutium. 

Die Zahl 21 (Transkription bei Poebel 1. c. IV, 1, S. 78, Keilschrift- 
kopie 1. c. V, pl. II, Phototypie pl. XC) ist absolut sicher, Pöbels An- 
gabe: 11 Könige (1. c. IV, 1, S. 93) ein Versehen. 

b) Nr. 20 unseres Verzeichnisses, von Legrain publiziert, Revers IX, 
Z. 2—6: 

21 Könige 
124 Jahre 40 Tage 

herrschten sie. 
Das Volk von Gutium 
wurde mit der Waffe besiegt. 

Es ergibt sich also folgende Gleichung, die die Grundlage 
unserer Gleichungen der keilschriftlichen Dynastien mit 
denen des Berossos abgibt: 

21 Könige mit 124 oder 125 Jahren, 40 Tagen der Dynastie 
von Gutium-Medien der keilschriftlichen Listen gleich 

21 Könige (Syr.!) oder 8 Könige mit 224 oder 234 Jahren der 
Dynastie der Meder bei Berossos. 

Die Überlieferung des Syrers bei Eusebios erweist sich also der des 
Armeniers überlegen! 

Vergleichen wir die Zahlen der vor der Dynastie der Meder re- 
gierenden Könige in den keilschriftlichen Listen und bei Berossos. 

Bis zum Ende der 1. Dynastie von Isin sind es nach Angabe von 
Nr. 7 unserer Listen : 139 Könige, 32 243 Jahre. 

Hiervon sind zu subtrahieren: 

21 Könige, 124 Jahre der Dynastie von Gutium-Medien. 



1 + x 


}) 


X 


7> 


„ 5. 


>? 


„ üruk. 


5 


}■> 


117 


» 


„ 3. 


r 


„ Ur. 


16 


V 


225 


») 


. 1- 


); 


„ Isin. 



43 -f- X Könige, 466 + x Jahre. 

Für die 5. Dynastie von Uruk haben wir (vgl. Ungnad, Zeitschr. f. 
Assyriol. XXXIV, S. 6/7 und 11/12 und Poebel ebendas. XXXIV, S. 50, 
52 — 53) mindestens 1, höchstens 4 Könige, mehr läßt der in Kol. IX 

Schnabel: Beroasos and die babylouisoh-hellenigtische Literatur 13 



194 Die 86 nachflutigen Könige 

der Listen 7 und 20 unseres Verzeichnisses zur Ergänzung verfügbare 
Baum nicht zu, anzusetzen. Die Anzahl der Jahre ist völlig ungewiß, 
jedoch kaum über 50. 
Wir haben also: 

139 Könige 32243 Jahre 

- 43 bis 46 „ - 466 bis 516 ., 



93 bis 96 Könige mit 81 727 bis 31 777 Jahren. 

Nach Berossos sind es 86 Könige (Syr. Armen., Synkell) mit 
33091 (Armen.) oder 34090 Jahren (SynkeU). 

Die Differenz in den Zahlen der Jahre erklärt sich durch Abänderung 
in den Zahlen der mythischen ersten nachflutigen Dynastien. Wie wir 
oben sahen, hat Liste 7 eine andere Schlußsummierung als Liste 20. 
Sie bot wahrscheinlich 3300 Jahre weniger (vgl. Poebel Hist. Texts 
IV, 1 S. 103). Aber auch in den Einzelzahlen finden sich Differenzen 
(vgl. üngnad, Zeitschr. f. Assyriol. XXXIV, S. 13). 

Daß Berossos etwa 7 — 10 Könige weniger bot, ist ebenfalls nicht 
auffällig. Schon die altbabylonischen Listen differieren. Königin Ku-Bau 
von Kisch, die in Nr. 5 unserer Listen als 1. König der 4. Dynastie von 
Kisch aufgeführt wird, ist in Nr. 20 unserer Listen gestrichen (üngnad 
a. a. 0., S. 13). Die neubabylonische Chronik S (Nr. 1 unserer Listen, 
vgl. Poebel, Hist. Texts IV, 1, S. 84) führt als Vorgänger des Königs 
Enmennunna der 1. Dynastie von Kisch einen DINGIR-ILLA(D) auf, 
die altbabylonischen Nr. 4 und 6 unserer Listen einen wi(?)-li-SA'R 
oder ba(?) li-ih. 

§ 4. SEMIRAMIS UND DIE DYNASTIE H 
DER KEILSCHRIFTLICHEN KÖNIGLISTE B. 

In den Mitt. d. Vorderas. GeseUsch. 1908, 5, S. 37 im Jahre 1909 
und erneut 1911 bei der Niederschrift von S. 141 und 159 — 160 der 
vorliegenden Arbeit habe ich den Satz in der Dynastienliste des Berossos: 

'Nach welchen Jahren er auch der Samiram Herrschaft über Assy- 
rien berichtet.' 

für eine von Eusebios schon vorgefundene Interpolation in den Text 
des Polyhistor erklärt. Demgegenüber hat C. F. Lehmann-Haupt 1910 
in Klio X, S. 486 und erneut 1918 in Klio XV, 255 und 1920 in Klio 
XVI, 251 die Authentizität dieses Satzes für Berossos und Polyhistor 
behauptet und ihn auf die historische Semiramis bezogen. 

Ich stützte mich dabei (vgl. diese Arbeit oben S. 159) auf folgende 
Angabe des Abydenos, die in der lateinischen Übersetzung des arme- 



Semiramis 195 

nischen Textes von Eusebs Chronik (bei Eusebi chronica ed. A. Schoene, 
lib. I, p. 53, 1. 20—21) lautet: 

Hoc pacto Khaldaei suae regionis reges ab Aloro usque ad Alexan- 
drum recensent; de Nino et Schamirama nulla ipsis cura est. 

In deutscher Übersetzung hat Petermann (bei Marcus v. Niebuhr, 
Gesch. Assurs und Babels seit Phul, 1857, S. 505) den Satz wiederge- 
geben: 

'So denken sich die Chaldäer die Könige des Landes von Aloros 
bis Alexander; um Ninos und Schamiram kümmern sie sich nicht/ 

Der Wortlaut dieses Textes schloß eine Erwähnung der Semiramis 
bei den Chaldäern, d. i. bei Berossos, aus. In der Übersetzung von Josef 
Karst (Eusebios' Chronik, S. 25, Z. 31, S. 26, Z. 1) lautet der Satz jedoch: 

'Dieserweise stellen sich die Chaldäer ihres Landes Könige von 
Aloros bis Alexander dar. Des Ninos und der 8amiram haben sie 
nicht sonderlich acht.' 

Bei dem letzteren Wortlaut ist eine gelegentliche Notiz, daß die 
historische Semiramis und ihre Herrschaft über Assyrien bei Berossos 
erwähnt worden ist, für Berossos nicht ausgeschlossen, und meine Be- 
denken gegen die Authentizität der obigen Notiz in der Dynastienliste 
des Berossos sind hinfällig. 

Wir wissen nun durch zwei neue Inschriften, eine von Semiramis 
selbst (vgl. 'Die Stelenreihen in Assur' von W.Andrae, 1910 =Wiss. Ver- 
öffentl. (]. Deutsch. Orient- GeseUsch. Bd. 24, S. 10 f., Abb. 11 u. 12, Ta- 
fel XI, Nr. 2), daß Semiramis 'Palastfrau des Samsi-Adad (V., 823—810 
nach der durch E. Forrer in Mitt. d.Vorderas.Gesellsch. 1915, 3. S. 5 — 9 
berichtigten Chronologie, die Richtigkeit der Korrektur Forrers wird 
durch die neue von Otto Schröder in 'Keilschrifttexte aus Assur ver- 
schiedenen Inhalts', 1920 =Wiss. Veröffentl. d.Deutsch.-Orient-Gesellsch. 
Bd. 35, S. 28, Nr. 21 veröffentlichte Eponymenliste Kol. VI endgültig 
erwiesen!), Königs der Welt, Königs von Assyrien, Mutter des Ädadnirari 
(III., 809 — 782 nach Forrers Korrektur), Königs der Weif, Königs von 
Assyrien, Schwiegertochter des Salmana>ssar (III., 857 — 824), Königs der 
vier Weltgegenden' war und eine ihres Sohnes Ädadnirari III., daß (vgl. 
E. Unger, Reliefstele Adadniraris III. aus Saba'a und Semiramis = Publi- 
kationen der Kais. Ottoman. Museen II, Konstantinopel 1916, S. 8 u. 9, 
Z. 11) dieser erst Hm 5. Jahre seiner Herrschaft auf den Thron seiner 
Majestät erhaben sich setzte,' daß also Semiramis während der ersten 
4 Jahre ihres Sohnes Vormünderin, also zwar nicht de iure, sondern de 
facto Königin von Assyrien war, von 809 — 6 v. Chr.! 

Nach Polyhistor-Berossos herrschten nun nach Semiramis über 

13* 



196 I^i^ ^^ Könige nach Semiramis 

Babylonien 45 Könige mit 526 Jahren. Die Zahl der Könige beim Ar- 
menier wird jetzt durch den Syrer geschützt, denn dessen 46 Könige 
stellen eine falsche — denn Semiramis war nach dem historisch richtigen 
Wortlaut des Berossos nur Herrscherin von Assyrien, nicht von Baby- 
lonien — Addition von 45 -f- 1 [= Semiramis] = 46 dar. 

Nach diesen 45 Königen herrschte dann Phulos über Babylonien. 

Nun herrschte Pulu-Tiglatpileser III. von 728 — 727 v. Chr. über 
Babylonien (über Assyrien von 745 — 727 v. Chr.). Zwischen ihm und 
Semiramis sind nur 809 — 729 = 81 Jahre. Nach den Keilinschriften 
lassen sich zwischen beiden, wie wir noch sehen werden, bestenfalls 15 
Könige für diese Zeit nachweisen. 

Daß 13 Könige mit 81 Jahren in 45 Könige mit 526 Jahren hand- 
schriftlich verderbt worden sind, ist völlig unmöglich. Zwar können 
wir für die Zahl von 526 beim Armenier nicht garantieren angesichts 
der Tatsache, daß bei der Dynastie der Meder seine 8 Könige sich nach 
dem Zeugnis des Syrers und der Keilschriftlisten als Korruptel für 21 
herausgestellt haben, aber dreistellig war die Zahl der Königsjahre, das 
beweist die Zahl der Könige, 45. 

Es bleibt also nur der seit 1903 von C. F. Lehmann-Haupt in 
Klio III, 151 und 154, erneut 1920 in Klio XVI, S. 249-251 vorge- 
schlagene Ausweg, daß diese 45 Könige alle Könige von Semiramis bis 
Alexander umfassen! Mit Alexander schloß ja Berossos sein Werk (vgl. 
oben S. 26 dieser Arbeit). Eusebios hat also, als er Polyhistor exzerpierte, 
sich ungenau ausgedrückt, wenn er sagt: 'Nach diesen regierte Phulos.' 
Oder ist M60 OYC aus KA0 OYC verderbt? 

Freilich von 809/8—324/3 v. Chr. sind nur 486, nicht 526 Jahre. 
Indessen, ob wir OKC als aus YT7C verderbt ansehen oder die Ver- 
derbnis erst in den armenischen Handschriften erfolgt ist, können wir 
bei unserer schlechten Überlieferung nicht mehr ausmachen. 

Floigl, Marquart und Lehmann-Haupt (Klio III, S. 154; XVI, 
S. 250) haben nun erkannt, daß folgende Angabe des Abydenos (Eusebs 
Chronik ed. J. Karst, S. 17,26 — 18,1) hier heranzuziehen ist: 

'Zu jener Zeit wurde als der fünfundzwanzigste endlich auch Seneche- 
rib gefunden von den Königsherrschern, der Bdbelon seiner Botmäßigkeit 
u/nterwerfend bezwang.' 

Die 25 Könige lassen sich nun von Semiramis bis Senacherib 
folgendermaßen nachweisen (vgl. meine Konkordanz der Liste A, der 
oabylonischen Chronik, des Berossos und des ptolemäischen Kanons in 
Mitt. d. Vorderas. Gesellsch. 1908, 1 S. 99): 



Die 26 Könige von Semiramis biß Senacherib 197 

1. — 12. Könige der Dynastie H von 

Semiramis bis Nabusumukin IL 809 — 732 

13. Ukinzer 731—729 

14. Pulu 728—727 

15. Ululai 726—722 

16. Mardukapaliddin III. 721—710 

17. Sarruken 709—705 

18. Sinaheriba 704—703 

19. Mardukzakirsum IL (703) 

20. Mardukapaliddin III. (703) 

21. Belibni 702—700 

22. Asurnadinsum 699 — 694 

23. Nergalusezib 693 

24. Musezib-Marduk 692—689 

25. Sinaheriba 688—681. 

Danach hätte also Berossos zwischen 809 und 731 vor Chr. 
12 Könige gekannt, die in die Zeit der 2. Dynastie von Babel, der so- 
genannten Dynastie H oder VIII. Dynastie der babylonischen Königs- 
liste B (Nr. 3 unserer Aufzählung), gehören. 

Mit Lehmann-Haupt (a. a. 0. III, S. 149 und öfter) die 45 Könige 
des Berossos 80 Jahre vor Semiramis mit dem 3. König der Dyna- 
stie H der Königsliste B beginnen zu lassen, widerspricht dem 
klaren Wortlaut des Polyhistor bei Eusebios: 

'Darauf auch die der ardbischen, 9 Könige und 345 Jahre. 

Nach welchen Jahren er au^h der Samiram Herrschaft über 
Assyrien berichtet. 

Dann wiederum zählt er einzeln auf die Namen von 45 Königen, etc. 

Konnte sich Eusebios-Folyhistor-Berossos klarer ausdrücken, daß 
er mit Semiramis einen Dynastieeinschnitt macht? 

Auch Lehmann-Haupt sieht sich gezwungen, die 526 Jahre der 
45 Könige zu korrigieren, und zwar in 576. Auch haben wir keinen 
Grund, in dem Nachfolger des Samasmudammik mit Lehmann-Haupt 
den Begründer einer neuen Dynastie zu sehen. Er kann sehr wohl der 
Sohn oder Bruder seines Vorgängers gewesen sein. Mardukbelusati 
empörte sich gegen seinen Vater Nabuapaliddin, ferner Mardukzakirsum 
gegen seinen Bruder Mardukbelusati, Asurdaninpal gegen seinen Vater 
Salmanassar III, Senacherib wurde von seinen Söhnen ermordet usf. ! 

Die Dynastie H vermögen wir nun auf Grund des älteren von mir 
1908 in Mitt. d. Vorderas. Gesellsch. 1908, 1 S. 82—88 benutzten und 



I 




X » 




31 + x „ 


X— 850 V. Chr. 


1 Jahr 


849 V. Chr. 


1 1 -f X Jahre 


848— X 


X 





198 Dynastie H der Keilschriftlistea 

des neueren 1916, 1920 und 1921 von Weidner und Schröder publizier- 
ten Materials jetzt folgendermaßen herzustellen. 

1. Nabu-mukin-apli 36 Jahre 

2. Ninurta-kudurri-usurll. sein Sohn 8 Monate 11(?) Tage 

3. Marbiti-ahe-iddin, sein Bruder 12(?) Jahre 

4. Samas-mudammik 

5. Nabu-sum-ukin I. 

6. Nabu-apal-iddin, sein Sohn 

7. Marduk-bel-usati, sein Sohn 

8. Marduk-zakir-sum, sein Bruder 

9. Marduk-balatsu-ikbi, sein Sohn 

10. Bau-ahi-iddin x „ 

11. 1 r In diese Zeit gehören, Reihenfolge unsicher: 

12. ein Interregnum 4 + i Jahre 

13. X \ Adadsumibni x „ 

14. Nabumukinzer 4 + x „ 

15. j l und 2 unbekannte Könige x „ • 

16. Marduk-bel-zeri x „ 

17. Marduk-apa-liddin II. x „ 

18. Eriba-Marduk x „ 

19. Nabu-sum-iskun 13 + x „ x— 748 v. Chr. 

20. Nabu-na§ir 14 „ 747—734 „ „ 

21. Nabu-nadin-zer 2 „ 733—732 „ „ 

22. Nabu-sum-ukin 11. 1 Monat 12 Tage (732 v. Chr.) 

Von den postulierten 22 Königen fehlen also nur noch 2. 

Zu den einzelnen Königen ist zu dem von Lehmann-Haupt, in Klio 
XVI, 1 S. 178 — 181 gesammelten Material folgendes zu ergänzen und 
zu verbessern: 

Zu 4. Zwischen Samasmudammik und Nabuapaliddin erwähnt die 
assyrische synchronistische Geschichte einen Nabu-sum-iskun, der den 
Samasmudammik stürzte, die babyl. Chronik K 3 (King, Chronicles 
conceming early Babylonian kings, 1907, vol. II, p. 64, Rev. Z. 2 und 3) 
einen Nabusumukin. Daß beide identisch sind, erweisen die drei assy- 
rischen synchronistischen Listen Nr. 14 meiner obigen Liste (Schröder, 
Keilschr. aus Assur verm. Inh., S. 24, Nr. 10, col. II), Nr. 19 (Schröder, 
ebendas. Nr. 216) und Nr. 18 (ebendas. Nr. 182), die alle drei zwischen 
Samasmudammik und Nabuapaliddin nur einen König nennen, von 
dessen Namen in Nr, 14 und Nr. 19 meiner Liste beidemal nur Nabu- 
sum-. . . erhalten, der dritte Namensbestandteil aber leider abgebrochen 



Dynastie H der Keilachriftlisten 199 

ist. Nr. 18 meiner Liste bietet aber (Schröder, ebendas. S. 101, Nr. 182, 
col. III, Z. 10) woblerhalten: 

°* '^"^ Nabu-sum-ü-kin. 

Danach ist Nabu-sum-iskun I. endgültig- zu streichen und 
Lehmann-Haupts Ausführungen in Klio XVI, S. 179 fallen in sich zu- 
sammen. 

Zu 7. Mardukbelusati wird nur in Nr. 14 meiner Liste aufgeführt, 
in Nr. 18 und 19 übergangen. 

Zu 11 — 15. Da die Könige der 4. Dynastie jetzt vollständig be- 
kannt sind, vor allem dank unserer neuen Liste Nr. 19, wie aus E. F. Weid- 
ner, Mitt. d. Vorderasiat. Gesellsch. 1921, 2 S. 15, 52 — 53, 63 zu ersehen 
ist, gehören Adadsumibni (vgl. H. Winckler, Unters, z. altorient. Gesch., 
1889, S. 46) und Nabu-mukin-zer, von dessen Namen Ukinzer kein 
Hypokoristikon ist, da letzterer nur 3, ersterer 4 + x Jahre regierte, in 
diese Lücke. 

Zu 16. Der in Nr. 14 unserer Liste nur unvollständig erhaltene 
Name ist nach einem von A. T. Clav im Journ. of Americ. Orient. Soc. 
1921, Oktober, S. 313 publizierten, vom Anfangsjahr, 9. Tebet des Mar- 
duk-bel-zeri datierten Kaufkontrakt zu ergänzen, dessen Schrift nach Clays 
Urteil dem 9. oder 8. Jahrhundert angehört. 

Zu 17. Der in Nr. 14 unserer Liste nur unvollständig erhaltene 
Name ist nach dem von Johns (vgl. oben unter 1 b unserer Liste) publi- 
zierten neuen Fragment der Chronik S, das diesen und den folgenden 
König nennt, zu ergänzen. 

Zu Nr. 19. Nabusumiskun Er ist nach den Ausführungen unter 
Nr. 4 nunmehr der einzige seines Namens und auf ihn die Urkunden 
VAT 3031, die das 8. Jahr und Clay, Babylonian Records in the library 
of Pierpont Morgan I, pl. 1 Nr. 3, die das 13. Jahr eines Nabusumiskun 
nennen, zu beziehen. 

Zu 11 bis 15 sei schließlich noch nachgetragen, daß unter den von 
Clay in Pierpont Morgan I veröffentlichten, der Schrift nach eng zu- 
sammengehörigen, aus der Zeit des Interregnum, Nabumukinzer, Nabu- 
sumiskun und Nabunasir datierten Urkunden sich auch eine nach einem 
Nabukudurriusur datierte findet, der nach einer brieflichen Vermutung 
F. H. Weißbachs in diese Zeit anzusetzen, also nicht mit Nabukudur- 
riusur I. zu identifizieren ist und einer der beiden unbekannten Könige 
der Dynastie H wäre. Da mir Clays Publikation zur Zeit nicht zugäng- 
lich ist, kann ich diese Vermutung nicht nachprüfen. 

Als Suramierung ist uns in Col. IV, Z. 6 der Königsliste für 
Dynastie H nur erhalten: 



200 Ist Dynastie H in 2 Dynastien zu zerlegen? 

22 pal E 

22 (Könige oder Jahre?) der Dynastie von Babel. 

Entweder die Anzahl der Könige oder Jahre ist vom Schreiber der 
Tafel, weil in der Vorlage verwischt, ausgelassen worden. 

Ich hatte 1908 in den 'Studien zur babyl.-assyr. Chronologie' (Mitt. 
der Vorderas. Gesellsch. 1909, 1) S. 74—79, 82—83, 87—88 u. S. 73 
mich dafür entschieden, daß die Zahl 22 bedeutete 22 Könige, und zwar 
aus zwei positiven Gründen: 

a) (S. 74.) Die Zahl 22 steht nicht unter den Jahren, — vor ihr 
ist ein freier Raum am Beginn der Zeile gelassen, in dem in den anderen 
in Liste B enthaltenen Dynastiesummierungen die Zahl der Jahre steht, 

. die überall der Zahl der Könige vorangeht, — sondern bildet der Stellung 
nach die Summierung der die Zahl 1 bedeutenden Personendeterminativ- 
keile. 

b) (S. 73.) Mit Lehmann-Haupt die 22 als Anzahl der Jahre zu 
fassen und demgemäß die Dynastie in eine Dynastie Hg mit 5 Königen 
und 22 Jahren in Col. IV, Z. 1 — 6 der Liste und H^ mit 12 Königen, 
X Jahren, also 13 Zeilen in CoL III, Z. 19 — 31 der Liste zu zerlegen, 
ist schon deshalb unmöglich, weil für Nabusumiskun, den 2. König von 
Lehmann-Haupts Dynastie Hg mindestens 8 Jahre bezeugt sind, wir 
also für die 5 Könige seiner Dynastie H2X + 8-{-x-f-14-t-2-fl Monat 
12 Tage = 24 + X Jahre, 1 Monat 12 Tage erhielten, nicht 22 Jahre, 
wie er postuliert. 

Dazu geselle ich jetzt noch folgende beiden Gründe: 

c) Warum der Schreiber die Zahl der Könige, die er durch Nach- 
zählen der Zeilen stets leicht finden konnte, — und aus Versehen hat 
er sie nicht ausgelassen, das beweist der am Anfang der Zeile stehende 
freie Raum, — ausgelassen haben soll, ist nicht abzusehen, zumal wenn 
es sich wie in Lehmann-Haupts Dynastie Hj nur um 5 Könige handelte. 
Wenn jedoch in seiner Vorlage nur eine Einzelzahl und die Gesamt- 
summierung der Jahre beschädigt waren, war er außerstande, die Jahr- 
zahl der Dynastie zu ergänzen. 

d) Es ist unwahrscheinlich, daß er die durch die Zahl des 5. Königs 
der supponierten Dynastie H^ geforderten 1 Monat 12 Tage entgegen 
seinem Verfahren bei allen anderen Dynastiesummierungen weggelassen 
haben sollte. Daß sie sich mit der unbekannten Zahl des Eriba-Marduk 
— der doch sicher mehr als ein Jahr regiert hat, dessen Zahl also gar 
keine Monate und Tage bot — , des 1. Königs der supponierten Dynastie 
Hj zu 1 Jahr gerade ergänzt haben sollten, ist wohl ausgeschlossen. 

Diesen Gründen und unserer in Mitt. d. Vorderasiat. Gesellsch. 1908, 



Dynastie H zählte 22 Könige 201 

S. 74 — 79 als möglich dargelegten Annahme^ daß für Dynastie H in 
Cül. m der Liste B 22 — 5 = 17 Zeilen zu ergänzen sind, setzt Leh 
mann-Haupt seit 1898 in seinen 'Zwei Hauptprobleme der altorientali 
sehen Chronologie und ihre Lösung' S. 24 folgenden Gegengrund ent- 
gegen: 

'Indessen — und damit kommen wir zur Hauptsache — es ist 
absolut unmöglich, in dem auf der Königsliste zwischen der 
Dynastie G (dem Elamiten [Col. III]) und der Summierung der Dynastie 
von Babel (Col. IV) verfügbaren Räume auch nur annähernd 
22 Zeilen unterzubringen.' 

Den Hauptnerv für die dann folgende Beweisführung bildet dann 
folgende Voraussetzung (S. 24 Ende): 

'Die Schrift ist in den erhaltenen Teilen der Königsliste 
durchweg gleichmäßig; wir sind daher in keiner Weise berechtigt, 
für die weggebrochenen Teile eine andere, etwa kleinere Schrift und 
engere Stellung der Zeilen vorauszusetzen. Das wäre ein Fehler in 
der paläographischen Untersuchungsmethode.' 

Ich habe nun auf S. 75 bis 76 a. a. 0. nachgewiesen, daß die 
VoraussetzungLehmann-Haupts, daß dieSchrift in derListeB 
durchweg gleichmäßig sei, den Tatsachen durchaus nicht ent- 
spricht. Der Kürze halber verweise ich auf meine Ausführungen da- 
selbst und führe hier nur folgendes an: 

Für 5 Zeilen haben wir IIL Dyn., Nr. 24—28 und IL Dyn., 
Nr. 7 — 11 beidemal 13,5 mm, in Dyn. IX, 1 — 5 16,5 mm, in Dyn. IX, 
6—10 18 mm, Dyn. II, 1—5 20 mm Höhe! 

Für 17 Zeilen können wir also ebenso gut 

5 : 13,5 mm = 17 : x mm Höhe, also x == — '— == 46 mm Höhe, 

als auch 

•- 20 • 17 

5 : 20 mm = 17 : x mm, also x = —z — = 68 mm Höhe 

' ö 

ansetzen. 

Bei einem Rekonstruktionsversuch, den ich a. a. 0. S. 77 — 79 an- 
stellte, stellte es sich heraus, daß wir für die 17 Zeilen am Ende von 
Col. III 49 mm Höhe annehmen müssen, also innerhalb des von uns 
oben berechneten Spielraums bleiben. 

Damit ist die Möglichkeit der Ergänzung von 17 Zeilen 
erwiesen. 

Wenn Lehmann-Haupt 1910 in Klio X, S. 482 gegen mich ein 
wandte: 



In Eol. lü der Liste A sind 17 Zeilen ergänzbar 

'Schnabel gelangt dazu, indem er für die Zeilenhöhen der Königs- 
liste mit einer Durchschnittsberechnung, bekanntlich immer einem sehr 
trügerischen Mittel, operiert, wobei er dann doch noch genötigt ist, mit 
der Annahme, der Schreiber habe zu Ende von Kolumne III erheblich 
enger geschrieben, den oben gekennzeichneten Fehler in der paläo- 
graphischen üntersuchungsmethode zu begehen', 

so ist darauf folgendes zu erwidern: 

a) Die Durchschnittsberechnung ist das einzige für uns zur Ver- 
fügung stehende Mittel, wenn wir paläographische Ergänzungen yor- 
nehmen. Wenn wir zweimal auf Liste B für 5 Zeilen 1 3,5 m m Höhe finden, 
kann ich logischerweise für 17 Zeilen auf Grund der obigen Proportion 
46 mm annehmen. Wenn ich dann finde, daß ich für 17 Zeilen sogar 
49 mm Raum habe, ist das noch günstiger. 

b) Daß ich den Fehler gegen die paläographische Untersuchungs- 
methode begangen hätte, ich hätte angenommen, die Schrift sei in 
Kol. III enger gewesen als in den sonst erhaltenen Partien der Liste, 
entspricht nicht den Tatsachen. Ich habe nur angenommen, daß 
die 17 Zeilen zu den enger beschriebenen Teilen der Liste gehören, 
also fast, — aber immer noch etwas weiter! — ebenso eng beschrieben 
wie die 5 Zeilen III. Dyn., Nr. 24—28 und II. Dyn., Nr. 7— 11. Ein 
Fehler gegen die paläographische Untersuchungsmethode läge erst dann 
vor, wenn ich für die 17 Zeilen eine Höhe ansetzen würde, die kleiner 
wäre als 46 mm, ich nehme aber sogar 49 mm an. 

Jedenfalls entspricht die Behauptung Lehmann-Haupts, die Er- 
^nzung von 17 Zeilen in Col. III sei unmöglich, nicht den Tat- 
sachen. 

Zum Überfluß läßt sich noch der Nachweis erbringen, 
daß Berossos für DynastieH der Königsliste 21 oder 22Könige 
verrechnet hat. 

Wir haben oben mit Lehmann-Haupt und anderen die Notiz des 
Abydenos, daß Senacherib der 25. König war, dahingehend gedeutet, daß 
er der 25. König unter den 45 Königen war, die nach Semiramis regier- 
ten, und sind dabei zu dem Resultat gekommen, daß Berossos- Abydenos 
nach Semiramis und vor Ukinzer 12 Könige aufgezählt haben muß, 
die in unsere Dynastie H fallen. 

Gehen wir nun unsere obige Liste der der Dynastie H angehörigen 
Könige durch, so finden wir, daß Nr. 9 und 10 dieser Liste, Mar- 
dukbalatsuikbi und Bauahiddin, Zeitgenossen des Samsi- 
Adad V., des Gemahls der Semiramis, waren. Semiramis' Herr- 



Dynastie H bei Berosaog 203 

Schaft über Assyrien fallt also frühestens in die Zeit des unbe- 
kannten 11. Königs der Dynastie H. Nur unter der Voraussetzung, daß 
Berossos den 7. König Mardukbelusati ebenso wie zwei unserer 
assyrisch-babylonischen Listen als illegitim nicht aufgeführt hat, läßt 
sich die Zahl der Könige, die vor Semiramis regiert haben, für Berossos 
auf 9 herabsetzen. 

Es ist also klar, daß Polyhistor unsere Dynastie H in entweder 
10 -f 12 oder 9 -f 13 Könige zerlegt hat. Da nun nach Abydenos 
12 Könige der Dynastie H nach Semiramis regiert haben, es nach 
obigem aber ungewiß ist, ob Berossos vor Semiramis 9 oder 10 Könige 
genannt hat, müssen wir die Frage, ob Berossos für Dynastie H 
9 -f 12 = 21 oder 10 + 12 -= 22 Könige gehabt hat, vorläufig offen 
lassen. 

Das eine ist jedoch sicher, daß die Zahl der nach Semiramis 
regierenden Könige in Liste B und Berossos dieselbe war, nämlich 12 
und daß der König, der möglicherweise nicht erwähnt war, zu den 10 
vor Semiramis regierenden uns bekannten Königen gehört. 



§ 5. DIE DYNASTIE DER ARABER BEI BEROSSOS 
UND DAS BAVIANDATUM 

Vor Semiramis kennt Berossos nach dem Armenier 9 Araberkönige 
mit 245 Jahren. Zwar fehlen sie beim Syrer, doch wird ihre Authen- 
tizität für Eusebios-Polyhistor durch Panodoros-Annianos beim Synkell 
gesichert, wie wir oben sahen. 

Sie müssen den 9 oder 10 Königen der Dynastie H, die nach 
Berossos vor Semiramis regierten, entsprechen. Berossos hat also 
Mardukbelusati übergangen, für Dynastie H nur 21 Könige gehabt. 

Ob die Könige dieser Dynastie aus Arabien stammten — denn 
mehr besagt der Ausdruck (vgl. Lehmann- Haupt, Klio III, S. 147/8) 
nicht! — läßt sich nicht erweisen. Die Wirren, die vor und nach dem 
Regierungsbeginn dieser Dynastie durch die aus Arabien stammenden 
Sutu, Kaldu und Aramu in Babylonien verursacht wurden, lassen es 
als nicht unwahrscheinlich erscheinen. Die Bezeichnung der Dynastie 
H in Liste B als (2.) 'Dynastie von Babel' spricht nicht dagegen, 
denn auch die erste Dynastie von Babel, die der Herkunft nach eine 
Amoriterdynastie war, wird in Liste A 'Dynastie von Babel' genannt, 
während die Babylonier anderwärts (vgl. E. Weidner, Mitt. d. Vorderas. 
Gesellsch. 1921, 2, S. 40) sie korrekter selbst als 'Dynastie von Amurru 
bezeichneten. 



204 Die 9 Araber gleich 1.— 9. König der Dynastie H 

Die Zahl der Regierungsjahre der 9 Könige, 245 Jahre, die der 
Armenier nennt, ist allerdings sicher falsch. Zwar ist die Anzahl der 
Jahre der Dynastie H abgebrochen, indessen ist es sicher (vgl. meine 
Ausführungen in Mitt. d. Vorder asiat. GeseUsch, 1908, 1 S. 62 — 67, be- 
sonders S. 64), daß die Dynastie III frühestens 1186/5 v. Chr. ihre 
Dauer beendet hat. Nach ihr und vor dem Beginn der Dynastie VIII 
(== H) regierten aber: 



Dynastie IV 


132 Jahre 


. V 


21 „ 


„ VI 


20 „ 


„ VII 


6 » 



179 Jahre(= 1185-1007 v. Chr.), 
ergibt als frühesten Antrittstermin für Dynastie VIII (H) 1006 v. Chr. 
Da nun Semiramis 809 ihre Herrschaft über Assyrien begonnen hat, 
wie wir oben sahen, haben die 9 Araber des Berossos = König 1 — 9(10) 
der Dynastie VIII (H) günstigstenfalls von 1006—810 v. Chr., also 
197 Jahre regiert. Die Zahl ist aber noch erheblich zu reduzieren. 
Schon jetzt sehen wir aber, daß die Hunderter der Zahl beim Armenier 
verderbt sind! 

Als Grundlage zur Rekonstraktion der babylonischen Chronologie 
vor 747 V. Chr. und der assyrischen vor 890 v. Chr. dient uns nun das 
sogenannte Baviandatum des Senacherib, wonach von Tiglatpilesar I. 
bis zur Zerstörung Babels durch Senacherib 418 Jahre verflossen sind 
(vgl. Mitt. d. Vorderas. GeseUsch. 1908, 1 S. 61), Tiglatpilesar und sein 
von Senacherib ebenda genannter babylonischer Zeitgenosse Marduk- 
nadinahe regierten also 689 + 418 = 1107 v. Chr. 

Marduknadinahe ist nun, wie wir jetzt endgültig wissen (vgl. 
E. F. Weidner, Mitt^d. Vorderas. GeseUsch. 1921, 2 S. 15, 52—53, 63), 
der fünfte König der 2. Dynastie von Isin, der IV. Dynastie der Liste B. 
Der Kampf mit Tiglatpilesar I. fäUt in sein 10. Jahr (Mitt. Vorderas. 
GeseUsch. 1908, 1 S. 61), Als Anfangsjahr dieser Dynastie erhalten wir 
nun, wenn wir die 5 ersten Regierungen bis zum 10. Jahr des Marduk- 
nadinahe addieren (vgl. Mitt. d. Vorderas. GeseUsch. 1908, 1 S. 63; 
ebendas. 1921, 2 S. 15): 

1. Marduksapikzeri 

2. Ninurtanadinsum 

3. Nabukudurriusur I. 

4. EUilnadinapli 

5. Marduknadinahe 



17 (18?) 


Jahre 


6 


f} 


16-fx 


y> 


4-fx 


>f 


10 


» 


53 -h X Jahre. 



V 


21 


VI 


20 


vn 


6 


VIII (bis Semiramis) 


[171 



Daa Baviandatum etwas zu hoch 205 

Da 1107 = dem 53. dieser Jahre, ist das 1. von ihnen 1159 v. Chr. 
Auf Grund dieses Minimaldatums erhielten wir folgende Chronologie 
für die Dynastien IV — VIII der Liste B: 

Dynastie IV (2. Dynastie von Isin) 132 Jahre 1159—1028 v. Chr. 

1027-1007 „ „ 

„ 1006— 987 „ „ 

986- 981 „ „ 

„] 980- 810 „ „ 

Danach hätten die 9 Araber des Berossos mindestens 171 Jahre 
regiert. 

Indessen müssen wir heute das Anfangsdatum der 9 Araber noch 
weiter herabsetzen, das Baviandatum als um einige Jahrzehnte zu hoch 
ansehen. 

Schon Walter del Negro in Klio XVI, S. 292- 293, dem sich 
Lehmann-Haupt ebendaselbst S. 252 — 4 u. 299 anschloß, hatten für eine 
Korrektur des Baviandatums folgende beiden erwägenswerten Gründe 
vorgebracht : 

a) Wir geraten mit der Chronologie des Assyrerkönigs Assurdaian I. 
bezüglich der Datierung der beiden aus seiner Regierung bekannten 
Ereignisse, der Niederreißung des Tempels des Anu und Adad (vgl. 
Mitt. d. Vorderas. GeseUsch. 1908, 1 S. 64 — 5) und des Kampfs mit dem 
Babylonierkönig Zamamasumiddin und den ägyptischen Synchronismen 
andererseits ins Gedränge (vgl. Walter del Negro a. a. 0. S. 290 — 3). 

b) Wenn wir die Regierungen der ersten Könige der VIII. Dynastie 
auf Grund der assyrischen Synchronismen und der für sie erhaltenen chrono- 
logischen Angaben unabhängig von anderen Angaben zu fixieren suchen, 
erhalten wir folgendes Bild (chronologische Ansätze von mir, nicht von 
Lehmann-Haupt !) : 

ca. 958—923 

ca. 923 

ca. 922—911 

I Zeitgenossen von ca. 910 — 900 
/ Adadnirari II. von „^^ oon 

j A88yrien(909— 888v,Chr.) ^^- y^JU— »»2? 

ca. 882—850 
wird von Salmanassar II. Q.AQ 

V. Assyrien (857—824 vor ^*" 

Chr.) in dessen 9. Jahr = 
849 V. Chr. besiegt.*) 

1) Zwischen dem 2. palu, dem 1. Eponymat und dem 31. palu, dem 2. Epony- 
mat des Salmanassar III. nach seinen Inschriften sind nicht, wie E. Forrer will, 



1. 


Nabumukinapli 36 Jahre 


2. 


Ninurtakudurriusur 8 Monate 


3. 


Marbitiahiddin 12 Jahre 


4. 


Samasmudammik x „ 


5. 


Nabusumukin I. x „ 


6. 


Nabuapaliddin 31 + x „ 


7. 


Mardukbelusati 1 Jahr 


8. 


Mardukzakirsum 1 1 -f- x Jahre 



206 I^ie Eponymenliste von Aseur 

Wollten wir die Ansätze der ersten vier Könige und damit das 
Anfangsdatum der Dynastie weiter hinaufschieben, um das vom Bavian- 
datum geforderte Minimaldatum 980 zu erreichen, so müßten wir gegen 
alle Wahrscheinliclikeit die Regierungszeit des durch seinen Nachfolger 
gewaltsam gestürzten Samasmudammik auf mindestens 32, wahrschein- 
lich aber 40 Jahre erhöhen. 

Daß Lehmann- Haupt uud del Negi-o mit diesen Bedenken im Rechte 
waren, zeigt nun die neue, von Otto Schröder in 'Keilschrifttexte aus 
Assur verschiedenen Inhalts' 1921, S. 28—30, Nr. 21—24 bruchstück- 
weise veröffentlichte Eponymenliste. Für sie hat bereits E. F. Weidner 
in Mitt. d. Vorderasiat. Gesellsch. 1921, 2 S. 24 — 21 einen Rekonstruk- 
tion sversuch gemacht, der jedoch einzelne Irrtümer enthält. Ich schlage 
folgende Rekonstruktion vor auf Grund folgender Tatsachen: 

a) Für Kolumne VII (Revers) haben wir 64 Zeilen anzusetzen. Die 
Endzeile von Kol. VI nennt den Kurdi-Asur, Eponym von 836 (so 
richtig Forrer), die Endzeile von Kol. VII den UrigaUu-eres, Eponym 
von 775. Also waren in Kol. VI 61 Eponymen für 835 — 775 genannt 
mit 61 Zeilen, dazu 3 Summierungszeilen für Salmanassar III., Samsi- 
Adad V, Adadnirari III. = 64 Zeilen (so auch Weidner). 

b) Der letzte in Kol. VIII erhaltene Eponym ist der von 719 [Sarru- 
ke]nu sarru. Der Vergleich mit der parallelen Kol. VII zeigt, daß unter 
ihm 3 Zeilen fehlen, der letzte in Kol. VIII genannte Eponym der des 
Jahres 716 war. Da, wie wir eben sahen, der letzte in Kol. VII genannte 
Eponym der des Jahres 775 war, haben wir in Kol. VII 59 Eponymen- 
zeilen für die Jahre 774 — 716 v. Chr. Dazu 5 Summierungszeilen für 
Salmanassar IV., Asurdajan III., Asurnirari V., Tiglatpilesar III., Sal- 
manassar V, ergibt 59 -f 5 = wiederum 64 Zeilen (Weidner ver- 
sehentlich 60 + 6 == 66 Zeilen). 

Weidners Ausmessungen am Original sind mir nicht tragfähig ge- 
nug, um die aus 2 Kolumnen ermittelte Zahl von 64 Zeilen pro Kolumne 
zu überschreiten. Für Kolumne VI haben wir 



nach den Eponymenlisten 30, sondern nach der Zählung der pale 29 Eponymen 
anzusetzen. Auch bei Tiglatpilesar II. sind nach der neuen Eponymenliste aus 
Aßsur (Schröder, Keilschrift aus Assur versch. Inhalts, S. 28 u. 29, Col. V) zwi- 
schen dem 1. und 2. Eponymat dieses Königs 29, nicht 30 Jahre verflossen. Von 
den Eponymen des Salmanassar ist der nach F. Delitzsch (Schrader, Keilinschr. 
u. Altes Testament, 2. Aufl. 1878, S. 470 Anm.) in der Liste Rassam 680, Kol. I 
übergangene Ninurtanadinsum zu streichen, d. h. mit Ninurtamukinnise in ein 
Jahr zu setzen. Salmanassar hat also nicht, wie E. Forrer (Mitt. Vorderaa. Gesellsch. 
1916, 3, 8. 9—16, 27—28) will, von 858—824, sondern 867—824 regiert, sein 
9. palu = Eponymat des Belu-banaia, ist = 849 v. Chr.I 



Die Eponymenliete von Assur 207 

c) 64 Zeilen anzusetzen. Da in dieser Kolumne 3 Summierungs- 
zeilen (Adadnirari IL, Tukulti-Ninurta IL, Asurnasirapli IL) gestanden 
haben, der letzte Eponym, wie oben erwähnt, der von 836 war, haben 
wir in dieser Kolumne die 61 Eponymenjahre von 896 — 836 v. Chr. 
unterzubringen. 

d) In Kolumne V sind 3 Summierungszeilen für Asurresisi IL (er- 
halten, 3. Zeile nach oberem Rand!), Tiglatpileser IL (erhalten), Asur- 
damn IL anzusetzen, also 61 Eponymenjahre von 957— *897. Das letzte 
Eponymenjahr des Asurresisi IL (2. Zeile nach oberem Rand) war also 
956 V. Chr., die 33 Eponymenjahre des Tiglatipilesar IL sind von 
955 — 922 V. Chr. anzusetzen. Daraus ergibt sich weiter: 921 — 910 
Asurdaian IL, 909—888 Adadnirari IL, 887—882 Tukulti-Ninurta IL, 
881- -858 Asurnasirapli IL 

e) In Kolumne IV sind 4 Summierungszeilen für Asurnasirapli I. 
(erhalten, 4. Zeile nach oberem Rand), Salmanassar II, (erhalten) Asurni- 
rari IV. (erhalten), Asurrabi IL anzusetzen. Es bleiben also 60 Zeilen für 
Eponymen. Da aber nach Zeile 20 und 21 je 2 Jahre des Asurnirari IV. auf 
einer Zeile infolge Unterbrechuog des Eponymats untergebracht waren, 
sind diese 60 Zeilen = Q2 Jahren = 1019 — 958 v. Chr. Die 19 Eponymen- 
jahre des Asurnasirapli I. laufen also von 1035 — 1017 v. Chr., die 12 des 
Salnianassar IL von 1016 — 1005, die 6 des Asurnirari IV von 1004 — 999. 
Asurrabi IL ist von 998 — x, Asurresisi von x — 955 anzusetzen. 

f) In Kolumne III sind die 5 ersten erhaltenen Zeilen parallel mit 
Zeile 12 — 16 der Kolumne IV, wir haben also die erhaltene Zeile 1 als 
Zeile 12 zu numerieren. Ziehen wir die abgebrochenen 11 Zeilen von 
64 ab, so verbleiben 53 Zeilen. Auf diese fallen 7 Summierungen 
für Tiglatpileser L, Ninurta-apal-ekur IL, dessen Name in der erhal- 
tenen Zeile 13 steht, Asurbelkala, Enlilrabi, Asurbelkala, Eriba . . ., 
Samsi-Adad IV.! Es bleiben also 53 — 7 =-= 46 Zeilen. Ziehen wir 
davon die 11 erhaltenen Eponymenzeilen des Tiglatpilesar I. und die 
19 — 3 = 16 auf dieser Kolumne stehenden Zeilen des Asurnasirapli I. 
ab, so verbleiben für die 6 (oder 5, da die beiden Asurbelkala identisch 
sind) Könige von Ninurtaapalekur IL bis Samsi-Adad IV. (19 oder faUs 
Asurbelkala nur einmal Eponym war, eine Summierung also zu streichen 
ist) 20 Jahre. Das erweist sich als richtig dadurch, daß Asurnasirapli 
nach seiner jetzt von 0. Schröder in 'Keilschrifttexte aus Assur histor. 
Inhalts' II, S. 47, Nr. 80 veröffentlichten Inschrift Sohn des Samsi- 
Adad IV. (vgl. auch die von mir in Orient. Lit.-Ztg. 1909, Sp. 528 be- 
sprochene Genealogie seines Sohnes Salmanassar IL, Sohnes des Asur- 
nasirapli L, Sohnes des Samsi-Adad IV.), Samsi-Adad IV. aber nach der 



208 Eponymenliste im Widerspruch mit Baviandatum 

von Schröder ebendas. Nr. 14 veröffentlichten Inschrift Sohn des Tiglat- 
pilesar L, Enkel des Asuresisi I. war. Dann ergibt sich aber, da wir 
eben sahen, daß die 19 Eponymenjahre des Asurnasirapli von 1035 — 1017 
V. Chr. laufen, daß die 20 Jahre seiner Vorgänger von 1055 — 1036 
sich erstrecken, das letzte Eponjmenjahr des Tiglatpilesar I. also das 
Jahr 1156 v. Chr. war. 

Selbst unter der Voraussetzung, daß Col. IV — VI mehr Zeilen 
hatten wie CoK VII und VIÜ und bei der Annahme, daß noch öfters 
wie unter Asurnirari IV. die Eponymenreihe unterbrochen war, werden 
wir das letzte Jahr des Tiglatpilesar I. kaum mehr als 10 Jahre früher 
ansetzen dürfen, jene 20 Jahre also nicht früher als 1065 — 1046 an- 
zusetzen haben. 

Jedenfalls steht fest — was Weidner in Mitt. d. Vorderas. Gesellsch. 
1921, 2 S. 26 — 21 erkannt hat, ohne jedoch den Mut zu haben, die 
nötigen Konsequenzen zu ziehen, daß das Baviandatum zu dem hier 
ermittelten Enddatum der Regierung des Tiglatpilesar I. nicht stimmt! 

Aus dem Baviandatum ergibt sich (vgl. Mitt. d. Vorderas. Gesellsch. 
1908, 1 S. 64 — 65), daß Tiglatpilesar L, da er frühestens in seinem 
7. Jahre von Mardukuadinahe besiegt wurde, spätestens 1113 v. Chr. zu 
regieren begonnen hat. Seine Regierung wäre also von 1113 — 1056 
(1066) V. Chr., also auf mindestens 38 — 48 Jahre anzusetzen. Das ist 
an und für sich nicht unmöglich, wird es aber durch die bezeugten 
assyrisch-babylonischen Synchronismen : 

Tiglatpilesar I. ... 5. Marduknadinahe 
Ninurtaapalekur IL 6. Itti-Marduk-balatu 
Asurbelkala ... 7. Marduksapikzermati 

• Enlilrabi 
Asurbelkala ... 8. Adadapaliddin 

Eriba-. . . 
Samsi-Adad IV. 

Aus dem Synchronismus Asurbelkala . . . Adadapaliddin ergibt sich, 
daß der Regierungsbeginn dieses letzteren Babylonierkönigs auf Grund 
der obigen Chronologie der Eponymenlisten nicht vor 1065 v. Chr. an- 
gesetzt werden kann. Daraus ergibt sich: 

8. Adadapaliddin 22 Jahre 1065—1044 

9. Marduk". . . 1 Jahr 1043 

10. Marduk-. . . 12 (od. 13 Jahre) 1042—1030 

11. Nabusumlibur 8 Jahre 1029—1022 



Ägyptische Synchronismen und III. Dynastie 209 

Das Endjahr der IV. Dynastie ist somit frühestens 1022, das An- 
fangsjahr somit 1154 V. Chr. Damit erhalten wir folgende nur um 
10 Jahre unsichere Ansätze für die babylonischen Dynastien 111 — VIII. 
Dynastie III 576 Jahre 1729—1154 

„ IV 132 „ 1153—1022 

V 21 „ 102X— 1001 

„ VI 20 „ 1000—981 

VII 6 „ 980—975 

„ VIII (die ersten 9 'Araber') [165 „ 974—810 

Das so gewonnene Datum für die 9 Araber stimmt vollständig zu 
den oben aus den für Dynastie VIII erhaltenen Angaben im Anschluß 
an Lehmann-Haupt errechneten Daten. Eine Unsicherheit von ca 10 Jahren 
bleibt freilich bestehen, und ob wir die 245 Jahre der Araber in 155 
oder 165 zu korrigieren haben werden, können wir vorläufig nicht aus- 
machen. 

Das eine ist jedoch sicher, das Baviandatum ist um rund 10 — 20 
Jahre zu hoch! 

Die ägyptischen Synchronismen stimmen zu dem Ende der Dyna- 
stie III sehr wohl, wie folgende Liste der letzten Könige dieser Dynastie 
zeigen mag: 

21. Burna-Burias IL 

22. Kurigalzu III. 

23. Nazi-Maruttas 

24. Kadasman-Targu 

25. Kadasman-Enlil IL 

26. Kudurri-Enlil 

27. Sagarakti-Öurias 

28. Kastiliiasu III. 

29. Enlilnadinsum 
80. Kadasman-Harbe IL 

31. Adadsumiddin 

32. Adadsumlissir ^) 

33. Meli-SipaklL 

34. Mardukapaliddin I. 

35. Zamamasumiddin 

36. Enlilnadinahe 
Mit der Angabe des Asarhaddon (vgl. Mitt. Vorderas. Gesellsch. 1908, 

1, S. 67, 1915, 4 S. 18), daß Salmanassar I. 580 Jahre vor ihm den 

1) Zur Lesung: Adad-sum-lissir für den Namen ""IM-MÜ-SES" vgl. Delitzsch, 
Assyr. Grammatik, 2. Aufl. S. 257 die Form li-is-si-ru für sonstiges lissuru. 

Scbn»bel: Beroäsos und die babylonisch-hellenistische Literatur 14 



-f X Jahre 


1371—1342 


+ x 


V 


1341—1310 


26 


)? 


1309—1284 


17 


V 


1283—1267 


14 


V 


1266- 1253 


+ x 


V 


1252—1245 


13 


yi 


1244-1232 


8 


V 


1231—1224 


IV, 


?' 


1223 


1% 


7? 


1222 


6 


V 


1221—1216 


30 


jy 


1215 1186 


15 


V 


1185 1171 


13 


» 


1170—1158 


1 


yy 


1157 


3 


»» 


1156-1154 



210 DI. und IV. Dynastie des Berossos 

Asurtempel in Assur wiedergebaut habe, steht diese Berechnung nicht im 
Widerspruch. Die Angabe ist — da wir jetzt wissen, daß die Assyrier 
im 7. Jahrhundert Eponymenlisten besaßen, die mindestens bis 1200 v. Chr. 
zurückreichten, — vom Eponymen des Aufbaus, — den Asarhaddon 
in der Bauurkunde des Salmanassar fand und danach chronologisch an 
Hand der Eponymenliste feststellen lassen konnte, — bis zum Baujahr 
Asarhaddons gerechnet. Setzen wir das Jahr Asarhaddons = 675, so ist 
Salmanassar I. auf ca 1255 festgelegt. Setzen wir nun ferner Salmanassar 
auf ca 1270—1240, seinen Sohn Tukulti-Ninurta I. auf 1240—1216 
fest, so starb letzterer gleichzeitig mit dem Regierungsantritt des Baby- 
lonierkönigs Adadsumlis§ir, wie die babylonische Chronik P berichtet. 



§ 6. DIE III. UND IV. DYNASTIE DES BEROSSOS 

Es bleibt uns nun noch übrig, die von Berossos an dritter SteUe 
nach den Medera genannte Dynastie 

von 11 Königen mit 28 oder 48 Jahren (nur beim Armen., fehlt 
beim Syr.) 

und seine vierte Dynastie der 

49 Chaldäer (40 Syr.) mit 458 Jahren 

mit den entsprechenden keilinschriftlichen Dynastien zu identi- 
fizieren. 

Blicken wir nun z. B. bei Weidner in die von ihm auf Grund des 
neuen Materials Mitt. Vorderas. Gesellsch. 1921, 2 S. 61 — 64 auf- 
gestellte babylonische Königsliste, so sehen wir, daß Berossos' 2. Dyna- 
stie, die 21 Könige der Meder, 124 Jahre von (spätestens!) 2461 — 2337 
regiert hat. Berossos' 5. Dynastie der 9 Araber haben wir aber auf 
954 — 810 V. Chr. fixiert. Zwischen beiden Dynastien liegen mindestens 
2337 - 954 == 1383 Jahre, nach Berossos aber 458 + 28 (od. 48) = 486 
(506) Jahre. Dabei findet sich unter den keilschriftlichen in § 2 von uns 
aufgezählten Dynastien keine, die über 36 Könige zählte. 

Eusebios hat also beim Exzerpieren des Polyhistor mehrere Dyna- 
stien übersprungen. Dazu ist die Überlieferung des Textes von Eusebios' 
Chronik zu unsicher, um die Identifikation der beiden Dynastien zu 
wagen. 

Auch ob wir als Gesamtsumme der nachflutigen Könige mit 
A. V. Gutschmid (vgl. Mitt. Vorderas. Gesellsch. 1908, 5, S. 1—10) 
36000 Jahre anzusetzen haben, können wir heute zwar noch immer 
vermuten, vermögen es aber bei der erwiesenen Verderbtheit der Zahlen 
in Eusebios' Chronik nicht mehr zu erweisen. 



X. KAPITEL 

DIE BABYLONISCHE ASTRONOMIE ZUR ZEIT 
DES BEROSSOS 

Aus den astronomischen Fragmenten des Berossos aus Buch I er- 
fahren wir, daß Berossos folgendes über den Mond lehrte: 

1. Der Mond sei eine Kugel (etpaiQa^ pila). 

2. Diese Kugel habe zur Hälfte eigenes Licht (ij^iLJtvgog, rj^iJivQorog, 
ex dimidia parte Candida), zur Hälfte sei sie dunkel, bläulich (äjtvQOTog, 
obscura, caeruleo colore). 

3. Der Mond habe drei Arten von Bewegungen: 

a) Die Längsbewegung, die er mit dem Universum (xööfiog) teile. 

b) Die Breitenbewegung, die ihm wie den übrigen Planeten eigne. 

c) Die Drehung um die eigene Achse, die dieselbe Zeit daure 
wie ein sjnodischer Monat. 

4. Die Mondphasen entstehen durch die Drehung um die eigene 
Achse und die dadurch bedingte Änderung des für uns sichtbaren Teils 
der Lichthalbkugel. 

5. Die Finsternisse des Mondes werden durch den Erdschatten ver- 
ursacht, wenn die ganze Lichthalbkugel der Erde zugewandt sei. 

Von den Lehren des Berossos über die Sonne, die fünf übrigen 
Planeten und die Fixsterne ist uns nichts erhalten. 

Von höchstem historischen und wissenschaftlichen Interesse ist nun 
für uns die Beantwortung der Frage: 

Hatte die Entwicklung der babylonischen Astronomie zur 
Zeit, als Berossos schrieb — Beginn des hellenistischen Zeitalters — 
ihren Höhepunkt erreicht oder nicht? 

Die Beantwortung dieser Frage ist sehr wichtig für die Lösung des 
Problems, ob die obigen Lehren des Berossos über den Mond teilweise — 
in Punkt 5, wie F.Boll (Art. Finsternisse in Pauly-Wissowa, RE^, Bd. VI 
2338) meint — eventuell durch die griechische Philosophie beein- 
flußt sind. 

14* 



212 Die drei Astronomenschulen der ßabylonicr 

§ 1. DIE VERSCHIEDENEN ASTRONOMISCHEN SCHULEN 
DER BABYLONIER 

Wir haben bereits oben (S. 9) die Stelle des Plinius Nat. Hist. VI, 
§§ 120 — 23 zitiert, in der er von den drei doctrinae sideralis scientiae der 
Chaldäer, den Babylonii, Hippareui und Orcheni, d. h. den Gelehrten 
aus Babylon, Sippar und '0();(^dij=Uruk der Keilinschriften spricht. Eben- 
daselbst zitierten wir Strabon XVI, p.739, wo dieser Grieche als XakdaCcov 
ccGTQOvoyLL^av ysvT] die BaßvXibvioi^ BoQötTcnr^voC^ ^OQ^r/voi xal äXkoi 
TcXeCovg, cos «^^ xcctä algsöstg uXXcc xal aXka v8[iovT£g tcsqI räv ccvrav 
döy^ata nennt. Strabon bezeugt also hier ausdrücklich, daß es in Baby- 
lonien in Babylon, Borsippa, Uruk und anderwärts (Sippar, das Plinius 
nannte, ist hier übergangen) Astronomenschulen gab, die verschiedene 
Systeme vertraten. 

In seinem grundlegenden Werke 'Die babylonische Mondrechnung' 
hat nun F. X. Kugler uns 1900 mit der Tatsache bekannt gemacht, daß 
die Babylonier in ihren astronomischen Keilschrifttafeln zwei ganz ver- 
schiedene Systeme zur Berechnung des Laufes von Mond und Sonne besaßen, 
und hat ebendaselbst S. 208—210 (vgl. auch Kuglers Werk: 'Sternkunde 
und Sterndienst in Babel'. Bd. I, 1907: 'Entwicklung der babylonischen 
Planetenkunde', S. 117 — 206) auf die Tatsache hingewiesen, daß sie drei 
verschiedene Systeme der Berechnung der Planetenbahnen besaßen, von 
denen System A das primitivste ist und in der Darstellung des anoma- 
listischen Laufes der Planeten ganz ähnlich wie das primitivere System II 
bei der Berechnung des Laufes der Sonne verfährt, ferner ein etwas fortge- 
schritteneres System B und schließlich ein weit feineres System C, das 
dieselbe arithmetische Diflerenzenreihe verwendet wie das System I zur 
Berechnung des Mondlaufes. Wenn wir nun die Tatsache heranziehen, 
daß uns die Griechen mit einem dritten System zur Berechnung des Laufes 
des Mondes bekannt machen, das wir oben S. 125 — 26 aus Ptolemaios 
und Geminos im Anschluß an Kugler kennen lernten, und es (Geminos 
Kap. XVIII, s. o. S. 126) ausdrücklich als chaldäisch bezeichnen, daß wir 
aber im folgenden sehen werden, daß es zwar einfacher ist als System I der 
Keilschrifttafeln, aber fortgeschrittener als System H, so erkennen wir unter 
Erweiterung der Folgerung Kuglers (Mondr.S.209), der zwei Astronomen- 
schulen in Babylonien unterscheidet, daß wir inBaby Ion i en entsprechend 
der obigen Angabe des Plinius drei verschiedene Astronomen- 
schulen anzunehmen haben, und zwar die erste, die das primitivste 
System vertrat, in Babylon und Borsippa, die zweite wahrscheinlich in 
Uruk, die dritte, fortgeschrittenste in Sippar. Die Priesterschaft der 



Die Astronomenschule in Sippar 213 

bekanntlich kultisch zusammengehörigen Nachbarstädte Babylon und 
Borsippa wird dasselbe System vertreten haben. Das wird dadurch be- 
stätigt, daß einerseits die das System II vertretende Lehrtafel der Mond- 
Sonnen-Berechnung S + 2418 nach Kugler, Mondrechnung S. 204 in 
Babylon geschrieben ist, andererseits die dem einfachsten System A — 
das, wie wir eben sahen, System II der Mond-Sonnen-Berechnung ent- 
spricht — der Plauetentafeln angehörigen Tablette Sp. II 43 nach Kug- 
ler, Sternkunde I, S. 124 aus Borsippa stammt. 

Besprechen wir im nachfolgenden kurz die drei Systeme. 

§ 2. DIE BABYLONISCHE ASTRONOMENSCHULE 
DES KIDENAS-KIDINNU IN SIPPAR. 

Das System I der babylonischen Mond-Sonnen-Berecbnung haben 
wir oben S. 127 — 128 besprochen, S. 129 auf Grund der von Kugler, 
Mondrechnuug S. 9 — 10 mitgeteilten Notiz in der Neulichttafel SH 272 
(81 — 7 — 6) festgestellt, daß es in Sippar zu Hause war, und mit Kugler 
auf Grund der Bemerkung in dieser Notiz: tersitum sa Kidinnu 'Rech- 
nungstabeUe des Kidinnu' und der Tatsache, daß der Verfasser der Tafel 
nach eben dieser Notiz ein ganz anderer Mann war (oben S. 129 — 130), 
im Anschluß an Kugler (Im Bannkreis Babels 1910, S. 122) erkannt, 
daß Kidinnu eben der Verfasser dieses Systems war, was uns durch die 
griechische, von uns S. 124 zitierte Notiz rrjv de Toiavrrjv tcsqCoöov "bitb 
Kidrjvä EVQfjöd'ai XsystaL zum Überfluß direkt bezeugt wird. Ebendaselbst 
S. 129 — 130 haben wir, Kugler (Bannkreis S. 122) folgend, gezeigt, daß 
Kidinnu mit dem von den Griechen (vgl. o. S. 121—123) erwähnten 
babylonischen Astronomen Kiörjväg identisch ist. Gleichzeitig haben 
wir, Kugler (Mondrechnung S. 5—8, 50—53, Bannkreis S. 120—122) 
uns anschließend, erkannt, daß die von Ptolemaios, Almagest IV, c. 2 
dem Hipparch zugeschriebenen Mondperioden von Kidenas und nicht 
von Hipparch aufgestellt sind. Hier ist nur noch nachzutragen, daß nach 
Kugler (Sternkunde I, S. 165) Hipparch auch für die Jupiterberechnung 
den babylonischen Tafeln dritter Gattung, System C), die, wie wir oben 
sahen, dem System I der Mond-Sonnen- Berechnung gleichartig sind, ge- 
folgt ist, also auch für die Planetenberechnung sich Kidenas angeschlos- 
sen hat. 

Kugler hat uns nun auch den Weg gezeigt, auf dem wir 
finden können, wann dieses System entstanden ist, d. h. wann 
Kidinnu-Kidenas gelebt hat. 

An positiven Zeugnissen besitzen wir für das Alter dieses Systems 
folgende: 



214 Die ältesten Texte dieser Astronomenschule 

a) Die Saturntafel Sp. II, 62 stammt nach Kugler (Sternkunde I, 
S. 176 — 78, Mondrechnung S. 209) laut der ersten Zeile aus dem Jahr 
155 der Seleukidenärä = 157 v. Chr. 

b) Die Mondrechnungstafel (Syzygientafel) Sp I, 162 stammt nach 
Kuglers Nachweis (Mondrechnung S.47 — 49) aus dem Jahre 179 Sel.-Ära 
= 133 V. Chr. 

Kugler hat das Datum dieses Textes a. a. 0. durch Rückrechnung mit den 
Werten der Kolumne G gefunden. Das gleiche Resultat lieferte mir eine Rück- 
rechnung mit den Werten der Kolumne F. Kuglers Resultat ist nun deshalb 
unumstößlich, weil — da uns durch Kuglers Nachweis in Sternkunde I, S. 208 
bis 212 das Schaltungssystem der Babylonier von 381 — 1 v. Chr. völlig bekannt 
ist — bei der Rückberechnung sich mir ergab, daß in der Zeit von 320 — l v. Chr. 
nur im Jahre 179 v. Chr. die 13 Werte der Kolumne F und G auf einen Adar II 
bis Adar fallen. In allen anderen Fällen fallen sie auf andere Monate. 

Diesem Resultat widerspricht allerdings die Rückrechnung mit den Werten 
der Kolumne H. Rechnen wir von den Werten dieser Kolumne in der Tafel 
SH272, die die Werte der Jahre 208—210 Sel.-Ära enthält, rückwärts, so fallen 
die Werte von Kol. H von Sp. I, 162 auf Adar II 107— Adar 108. Kolumne H ist 
also in Sp. 1,162 gegenüber SH272 verschoben. 

Indessen läßt sich erweisen, daß das aus Kol. F und G, nicht das aus H 
entwickelte Datum das richtige ist. 

Rechnen wir nämlich von den letzten Werten der Kolumnen F, G und H 
von Sp. 1, 162 (Obvers) um 13 Werte weiter, so stoßen wir auf die Werte der 
ersten Zeile dieser Kolumnen in Sp. I, 143 (Obvers). Zwischen beiden Tafeln 
fehlen also nur 12 Werte = 1 Jahr. Dieses Jahr muß also, da der letzte Monat 
dieses Jahres auf Sp. I, 143 stehen müßte, ein Schaltjahr mit 13 Monaten sein, 
dessen letzter Monat, ein Adar II, auf Sp. I, 143, Obvers, Z. 1 steht. Diese Be- 
dingung erfüllt nun das Jahr 180 der Seleukidenärä, wenn wir für Sp. I, 162 aus 
Kol. F und G das Datum 179 Sel.-Ära wählen, nicht jedoch das Jahr 109 Sel.-Ära, 
wenn wir für Sp. I, 162 aus Kol. H das Datum 108 Sel.-Ära ansetzen, denn 108 
Sel.-Ära ist ein Schaltjahr, 109 ein Gemeinjahr. 

Sp. I, 162 stammt also aus dem Jabr 179 und Sp. I, 143 aus dem Jahre 
181 der Seleukidenärä. 

Eine Entscheidung der Frage, ob in Kolumne H die Werte von Sp. I, 162 
und Sp. I, 143 einerseits oder SH 272 andererseits der ursprünglichen Ordnung 
entsprechen, ist damit natürlich noch nicht gewonnen. 

c) Die Berliner Tafel VAT 7852 enthält auf Obvers Col. I— VI und 
Revers Coli— V (Revers Col. VI enthält Unterschrift), wie E. F. Weidner, 
der mir den Keilschrifttext zur Benutzung freundlichst überließ, wofür 
ich ihm auch hier danke, an der regelmäßig wiederkehrenden Differenz 
6" 47' 30" erkannt hat, die Kolumne H unseres Systems I (vgl. Kugler, 
Mondrechnung S. 25) für die Jahre 124, Nisan (zwar abgebrochen, da 
aber die erhaltenen 26 Zeilen = Tammuz 125 — Tammuz 127, Zeile 26 
= letzter Zeile von Kol. I, der untere Rand erhalten, in Kol. II die er- 
haltenen 26 Zeilen bis zum unteren Rand = Ab 128 — Ab 130 sind, in 



VAT 7852 und VAX 7809 215 

Kol. II Anfang also 12 Zeilen = Ab 127 — Tammuz 128 und folglich 
in Kol. I dem verfügbaren Räume nach 15 Zeilen = Nisan 124 — Si- 
van 125 zu ergänzen sind, völlig sicher) bis 156 Adar II der Seleuki- 
denära. Kol. II, Zeile 8 — 22 lauten z. B. 



8. Adar 17no' 

129. Nisan 18" 2' 30" 

10. Ijjar 11 »15' 

Sivan 40 27' 30" 

Tammuz 2" 20' 

Ab 907' 30" 

Elul 15" 55' 



16. 



20. 



Tischri 


19»17'30" 


Marchesclivan 


12«>30' 


Kislev 


5»42'30" 


Tebet 


1'5' 


Schebat 


7''52'30" 


Adar I 


14»40' 


Adar II 


20«32'30" 


130. Nisan 


13Hb' 



Da die Tafel Vorausberechnunffen, nicht Beobachtungsresultate 
enthält, stammt sie aus dem Jahre 124 Sei. Ära = 188 v. Chr., ist also 
weit älter als Hipparch. (Hierauf bezog sich, also auf VAT 7852 
und nicht auf die im folgenden § 4 zu besprechende Tafel VAT 209 
die Bemerkung von A. Jeremias im 'Handbuch der Altorient. Geistes- 
kultur' S. 136, Anm. 5. A. Jeremias hat Weidners Mitteilungen über 
beide Tafeln konfundiert.) 

Die Tafel, die ich inzwischen mit gütiger Erlaubnis der Verwaltung der 
Berliner Museen, — die mir auch die Erlaubnis zur öffentlichen Benutzung gab, wo- 
für ich Herrn Prof. 0. Weber und E. F. Weidner, der die Veröffentlichung des 
Keilschrifttextes dieser Tafeln übernommen hat, herzlichst auch an dieser Stelle 
danke — , ebenso wie die anderen iu diesem Kapitel behandelten Berliner astro- 
nomischen Keilschrifttexte iu Berlin selbst eingesehen habe, enthält nun die 
Werte der Kolumne H für die Vollmonde. Berechnen wir auf Grund der 
Tafel SH 272 die Neumondwerte für die Jahre 124— 156 Sei. -Ära, und aus diesen 
mit Hilfe der Tafel Sp. I, 162, die auf dem Obvers die Neumondwerte der Ko- 
lumne H, auf dem Revers die Vollmondwerte enthält, die Vollmondwerte der 
Kol. H für diese Jahre, so erhalten wir die Werte von VAT 7852. 

d) Die Berliner Tafel VAT 7809 ist eine sehr gut erhaltener Text, 
der auf 26 Zeilen des Obverses (Z. 1 — 16) und Reverses (Z. 17 —26) die 
Kolumnen B, F', I, D (Angaben für die ganze Nacht), E, L, sowie von 
den zwar nicht von Kugler, aber von Epping, Astronomisches aus Ba- 
bylon, 1899, Kap. II ff. bearbeiteten Kolumnen die Nummern f, g, h, 1, 
n, i des Systems des Kidinnu enthält. Sie ist eine Neulichttafel, und 
zwar, wie sich aus Kol. i, Z. 14 und 2ö, sowie dem Rand ergibt, für die 
beiden Jahre 118 und 119 der Sel.-Ara. 

Das in der Unterschrift (Revers, Z. 28) lädierte Datum lautet 

uruk^^ "'""- iehetu umu 7 ['"^"^ sanat 117"^ an-ti-'ti-JcJu-su u ""an-ti-'u-ku-su 
mari-su sarrnni""'^' 

Uruk, Monat Tehet, 7. Tag, Jahr 117 (der Sel.-Ära), (als) Antiochos 
(III) und Antiochos, sein Sohn, Könige (waren). 



216 SH 99 

Die Tafel ist also im Januar 194 v. Chr. abgefaßt worden, als An- 
tiochos III. regierte und als Mitregenten seinen im Herbst 193 verstor- 
benen ältesten Solin Antiochos, den älteren Bruder des Antiochos IV. 
Epiphanes, hatte. 

e) Die von Kugler in seiner „Mondrechnung" bearbeitete Tafel 
SH 99 (81—7—6), transkribiert S. 42, Keilschrifttext Tafel IV, S. 42 
nicht vollständig transkribiert, deren Datum abgebrochen ist, enthält 
auf ihren 14 Zeilen des Obverses die Neumondangaben für Adar 22 bis 
Adar II 23 Sel.-Ara, stammt also aus dem Jahre 290/89 v. Chr., wie eine 
Rückrechnung der Kol. F von SH 272 ergibt, denn die 14 Werte des 
Obverses von SH 99 fallen innerhalb der Jahre 330 bis v. Chr. auf 
einen Adar bis Adar II nur vom Adar 22 bis Adar II 23 Sel.-Ära. 

Alle anderen Kolumnen gestatten eine Rückberechnung von SH 272 aus- 
gehend, da in ihnen die Werte von SH99 und SH272 gegenseitige Verschie- 
bungen erlitten haben, nicht. 

Gehen wir jedoch von den Werten der Kol. H in Sp. I, 162 von 179 Sel.- 
Ära aufwärts, so erhalten wir für 23 Sel.-Ära die in Kol. H Obvers (Keilschrift- 
teit) von SH 99 angegebenen Werte. Daraus ergibt sich, daß Sp. I, 162 (und 
Sp. I, 148) die ursprünglichen Werte für Kol. H haben, nicht SH 272. 

In Kol. A ist eine ganz andere Berechnung in SH 99 angewendet als in 
SH 272 (vgl. Kugler, Mondr. S. 89). Während nach Kuglers Nachweis folgende 
Werte in SH 272 gelten: 

d = 00 18', M = 30" 1' 59" 0"', tn = 28° 10' 39" 40'", ;i = 29" 6' 19" 20" 

und die Periode zugrunde gelegt ist: 

2783 synodische Monate = 3008 siderischen Monaten = 225 siderischen Sonnenjahren 

sind in 8 H 99 die Werte verwendet: 

d = 0''18', M=30»2', m == 28° 10' 30", fi = 29"6'lö" 

und als Periode ist zugrunde gelegt: 

223 synodische Monate = 241 siderischen Monaten = 18 siderischen Sonnenjahren. 

Indessen ergibt sich aus Kol. J (Kugler, Mondr. S. 46), daß SH99 die ge- 
nauere Periode 2783 synod. Monate = 3008 sider. Mon. = 226 sider. Sonnenjahren 
auch kannte. 

Auch Kol. E' in SH 99, die Kol. E in SH 272 entspricht — e. Kugler 
a. a. 0. S. 41—46, durch Multiplikation mit § erhält man aus E' die Werte von 
E — , ist gegenüber E verschoben Auf den Monat Duzu-Tammuz entßllt in 
Kol. E' von SH 99, Obvers Z. 6 der Wert 0" 7' bar. Diu:ch Multiplikation mit 
I entspricht dieser Wert einem entsprechenden von 0" 10' 30" bar in Kol. E von 
SH 272. Rechnen wir nun von 0» 0' 30" bar in SH 272, Z. 28, Airu-Ijjar 210 
Sel.-Ära rückwärts, so finden wir, daß der Wert von 0" 10' 30" bar auf den Ni- 
sannu-Nisan 127 Sel.-Ära fällt, also nicht auf einen Tammuz, die Werte von E 
in SH 99 und SH 272 sind also gegeneinander verschoben. 

Schließlich gestattet uns SH 99, die von Kugler a. a. O. S. 29—80 bespro- 
chene arithmetische Verschiebung der Werte der Kolumnen F und 6 in SH 272 



SH 'jy 



217 



ala auf einer Störung in SH 272 beruhend, die in Kol. G Torgefallen ist, nach- 
zuweisen. 

Den beiden Kolumnen liegen in SH 272 und SH 9'J folgende Werte zu- 
grunde : 



SH 99 
Kol. F d--= 00 36' 
üf =150 16' 
w = ll»5' 
u = 13"» 10' 30" 
Das ideale Maximum wird erreicht. 

Kol. Ct ^=22" 30' 

M = (29'') 4^ 29" 27' 5" 
m = (29"^) 1" 52» 34' 35" 
(t = (29'')3Ml'' 0'50" 
Das ideale Minimum wird erreicht! 



SH 272 

Kol. F d= cae" 

M= 15" 16' 5" 
»» = 11<'5'6" 
fi = 13" 10' 35" 
Maximum und Minimum bleiben ideal. 
Kol. G d = 22''30' 

3/ = (29'') 4" 29« 27' 5" 
m = (29"») 1" 52" 34' 35" 
fi = (29'')3Ml« 0'50" 
Das ideale Maximum und Minimum 
werden nicht erreicht. 



Rechnen wir von den Werten der Kolumnen F und G in SH 99 auf Grund 
der Tatsache, daß sie nach 251 synodischen Monaten sich wiederholen, die 
sich in 36 x 7 und 1x6 Monate gruppieren, rückwärts, so kommen wir schließ- 
lich zu folgenden Werten: 

Kol. F I Kol. G 

11" 6' i 4« 28" 49' 35" 



id. Max. 



10 



15 



11"40' 
12" 16' 
12"52' 
13"28' 
14" 4' 
14"40' 
15"16' 
14"40' 
14" 4' 
13"28' 
12"16' 
12"52' 
11"40' 
11" 6' 



4» 7" 34' 35" 
3" 46" 4' 35" 
3« 22" 34' 85" 
3" 0" 4' 35" 
2« 37" 34' 36" 
2M5" 4' 35" 



1^ 52" 34' 35" = id. Min. 

2M6" 4' 35" 

2» 37" 34' 35" 

3» 0" 4' 35" 

3« 22" 34' 35" 

3=* 45" 4' 35" 

4« 7" 34' 35" 



4^ 28" 49' 35' 



Der ideale Wert des Maximums in Kolumne F, der in Z. 8 erreicht wird, 
entspricht dem idealen Wert des Minimums der Kolume G in Z. 8. Das ist 
astronomisch völlig einwandfrei: Dem kleinsten Betrag der Dauer des 
synodischen Monats (inKol. G) entspricht die größte tägliche Winkel- 
bewegung des Mondes in Kol. F. 

In SH99 stehen also Kol.F undG in einem festen arithmetischen 
Zusammenhang! Es findet in dieser Tafel niemals (wie in SH 272, Kugler 
a. a. 0., S. 29—30) eine gegenseitige Verschiebung der Striche statt. 

Kugler hat nun ebendaselbst (S. 30—31) darauf hingewiesen, daß Kol. G in 
SH 99 und SH 272 um ip 13" 57' 6" gegeneinander verschoben sind. Da nun 



218 Alter des Systems des Kidinnu 

Kol. F und 6 in SH 99 in einem festen astronomischen und arithmetischen Zu- 
sammenhang stehen, in SH 272 jedoch nicht (Kugler a. a. 0. S. 27—29), so ist 
es klar, daß inSH272 die ursprüngliche Anlage eine Störung erlitten hat. Diese 
Störung könnte nun ebensowohl in Kol. F wie in Kol. G von SH 272 vorgekommen 
sein. Daß indessen Kol. F in SH 272 in Ordnung, Kol. G gestört ist, d. h. ein- 
mal eine empirische Korrektur vorgenommen worden ist, die auch schon in 
Kol. G von Sp. I, 162 und Sp. I, 143 vorliegt, beweist die Tatsache, daß wir auf 
Grund von Kol. F von SH 272 rückwärts rechnend ein brauchbares Datum für 
SH 99 erhalten. Rechnen wir jedoch von Kol.G von SH 272 rückwärts, so fällt 
SH 99, Obvers Z. 14, Kol. G der dort angegebene Wert in der ganzen Zeit von 
320 bis 1 V. Chr. niemals auf einen Adar II, wie mir eine Rückrechnung zeigte. 

Die unter c) und d) erwähnten Tafeln zeigten, daß das System des 
Kidinnu schon in den Jahren 188 bzw. 194 v, Chr., also lange vor Hip- 
parch existierte, SH 99 bewies, daß es schon im Jahre 290, also am Be- 
ginn des 3. Jahrhunderts v, Chr., vorhanden war. 

Kugler hat nun in seiner Mondrechnung S. 103 das Alter des 
Systems folgendermaßen bestimmt: 

'Zunächst stellt sich heraus, daß die cbaldäischen Angaben durch- 
schnittlich um 3° 14' die Ergebnisse der Berechnung übersteigen. Wenn 
nun, wie andererseits aus Nr. 58 erhellte, die Jahrcspnnkte auf 8" 15' 
arietis, cancri, librae, capricornii gesetzt sind, so entsprechen diese Po- 
sitionen dem 5. Grad der gleichnamigen Zeichen der beweglichen Eklip- 
tik. So trifft z. B. der chaldäische Frühlingspunkt auf 5" arietis statt — 
wie es sein sollte — auf 0*^ arietis. Der Fehler ist hier um P geringer 
als in System II, aber er ist immer noch groß genug.' . . . 

'Nehmen wir einmal an, man habe in den Tablets beider Systeme 
die Präzession ganz vernachlässigt. Auf welche Zeit muß dann die 
Feststellung des Systems bzw. die Bestimmung der Jahrespunkte 
angesetzt werden?' 

'Zur richtigen Beantwortung dieser Frage ist es notwendig, darauf 
zu achten, daß nicht allein die Vernachlässigung der Präzession an der 
fehlerhaften Lage des babylonischen Frühlingspunktes schuld sein kann, 
sondern daß auch der zu klein angenommene Betrag der Sonnenge- 
schwindigkeit notwendig dabei beteiligt ist. Infolge der letzteren bleibt 
ja die Sonne des babylonischen Systems nach Ablauf von mehreren 
Jahrhunderten um einige Grade zurück. Die hierdurch entstehende Ver- 
schiebung der Länge des wahren Frühlingspunktes ist gleich gerichtet 
mit der, welche durch die Vernachlässigung der Präzession erzeugt wird; 
sie beträgt gemäß Nr. 272 in 321 Jahren ... 1®, während durch die 
Nichtbeachtung der Präzession allein schon nach etwa 70 Jahren ein 
Fehler von 1° entsteht. Nennen wir die Anzahl der Jahre, innerhalb 



Kidinnu ca. 314 v. Chr. 219 

welcher sich in SH 272 der Fehler von 5° herausgebildet hat, f, so gilt 
zufolge einfacher Überlegung die Gleichung 

1^^ -f -^j^ = 5, woraus folgt: t = 287 Jahre'. 

'Da unser Tablet vom Jahre 103 v. Chr. ist, so fiele die Bestimmung 
des darin geltenden Frühlingspunktes auf 390 v. Chr. + mehrere Jahre/ 
Das so gewonnene Resultat Kuglers ist aber auf Grund seiner Aus- 
führungen in Sternkunde I, S. 172 — 173, bes. 173 Ende, wonach der 
Fehler in Tablet SH 272 nicht 5°, sondern nur 30 40' beträgt, zu ver- 
bessern. Es gilt jetzt die Gleichung: 

JL^ ^ ^t_^ = 3040' _ u vroraus folgt: t = 211 Jahre. 

Kidenas-Kidinnu hat also seiu System der Berechnung des Laufes 
von Sonne und Mond um 314 v. Chr. ausgearbeitet, war also älterer 

Zeitgenosse des Berossos! 

Das System des Kidinnu, wie es uns unverändert in der Tafel 
SH 272 unter Nennung seines Namens erhalten ist, liegt in anderen 
Keilschrifttafeln, so z. B. in SH 99 (81—7—6) und Sp. I, 143 in modi- 
fizierter Form vor (vgl. Kugler, Mondr. S. 41—46 und 109—113). An 
Stelle der Kolumne E in SH 272 treten hier die drei Kolumnen E', 
^, E". Die Überschrift lautet in Sil 99 einfach tersitum sa umu 1-tu: 
"^Rechnuugstabelle für den 1. Tag' ohne Nennung des Namens des Ki- 
dinnu, (Kugler, Mondr. S. 41). 

Demselben System, das Kidenas aufgestellt hat, ist nun auch der 
Chaldäer Sudines gefolgt (vgl. über ihn oben S. 121 — 22, 130 — 32). Das 
ergibt sich aus der Tatsache, daß er ebenso wie Kidenas in der Keil- 
schrifttafel SH 272 und nach Yettius Valens (IX, p. 352, 22-353, 7 
ed. Kroll, s. o. S. 122) nach dem eben zitierten Zeugnis des Valens eben- 
falls die Jahrespunkte auf den 8. Grad der Tierkreisbilder setzte. Da er, 
wie wir oben S. 130 — 31 sahen, Zeitgenosse der ersten Könige von Per- 
gamon war, ist er jünger wie Kidenas, dessen Alter wir eben festgestellt 
haben. 

Für beide, Kidenas und Sudines, steht es aber durch das eben zi- 
tierte Zeugnis des Vettius Valens fest, daß sie auch griechisch geschrie- 
bene astronomische Werke hinterlassen haben. Das des Kidenas haben 
unseres Wissens Hipparch, Poseidonios (bei Strabo), Sosigenes (bei 
Plinius), und Valens, das des Sudines Poseidonios (bei Strabo) und Va- 
lens benutzt. 



220 I^ie Astronomcnschule in Uruk 

§ 3. DIE BABYLONISCHE ASTKONOMENSCHULE IN URUK 

Wenn wir diese Astronomenschule als Schule von Uruk hezeichnen, 
80 bleibt noch eine Unsicherheit. Während wir für die erste Schule den 
Beweis erbringen können, daß System I der Mond- Sonnenberechnung 
mathematisch mit den Planeteutafeln dritter Gattung (System C) zu- 
sammengehört, und es inschriftlich bezeugt ist, daß es aus Sippar stammt, 
ja seinen Urheber, Kidinnu-Kidenas kennen, wir ferner ebenso gesehen 
haben, daß das keilschriftliche System II der Mond-Sonnenberechnung 
mit den Planetentafeln erster Gattung (System A) mathematisch zusammen- 
gehört, wir ferner die Herkunft der Tafeln aus Babylon und Borsippa 
keilschriftlich bezeugt fanden, wir schließlich im folgenden Paragraphen 
den Urheber dieses Systems sowohl als keilschriftlich bezeugt als auch 
den Griechen bekannt kennen lernen werden, müssen wir für die Plane- 
tentafeln zweiter Gattung (System B) den Beweis dafür mangels keil- 
schriftlicher Tafeln schuldig bleiben, daß sie mathematisch mit dem nur 
den Griechen bekannten dritten System der Mond-Sonnenberechnung 
zusammengehören, und ebenso fehlt ein Zeugnis dafür, daß diese beiden 
Systeme aus Uruk-Orchoe stammen. Da uns jedoch nur drei Systeme 
der Planetenberechnung und drei Astronomenschulen der Chaldäer, 
eine in Babylon und Borsippa, eine in Sippar und eine in Uruk bekannt 
sind, dürfte die Gleichsetzung wohl nicht als allzu gewagt und unbe- 
gründet erscheinen. 

Wir sind nun imstande, wenigstens das zu erweisen, daß ebenso 
wie die Planetentafeln zweiter Gattung (System B) das Mittelglied bil- 
den zwischen den primitiven Tafeln erster Gattung (System A) und den 
komplizierten Tafeln dritter Gattung (System C), das uns nur durch 
die Griechen Geminos und Ptolemaios bekannte dritte System der Mond- 
Sonnenberechnung den Übergang vom primitiven System II zum kom- 
plizierten System I darstellt! 

Daß dieses System ebenso wie System II der Keilschrifttafeln in 
seinen Werten roher war als System I, lehrt ein Vergleich seiner Mond- 
perioden, die wir oben S. 125 — 26 nach Ptolemaios und Geminos mit- 
geteilt haben, mit den nach Ptolemaios von Hipparch, tatsächlich aber, 
wie wir oben sahen, von Kidenas, dem Urheber von System I, verbesser- 
ten Werten dieses letzteren Systems. 

Es fragt sich nun bloß, ist das von den Griechen uns überlieferte 
oder das keilschriftliche System II das weiter entwickelte? 

Dies können wir sofort entscheiden durch die Angabe des Geminos 
Kap. XVIII (o. S. 126), daß in diesem System die mittlere tägliche 



Schule von üruk Mittelglied zwischen Sippar und Babylon 221 

Mondbewegung auf 13" 10' 85 " {^olqcöv ty, TtQaxav i^rfxootcöv l, dsvtsQcov 
Xs) bestimmt war. Denselben Wert hat aber Kugler (Mondr. S. 16) für 
das fortgeschrittenere System I der Keilschrifttafeln gefunden, während 
er für das primitive System II S. 157, 165, 198 den äußerst rohen Wert 
13» 30' 30" ermittelt. 

Das uns durch die Griechen bekannte System ist also fortgeschritte- 
ner als das keilschriftliche System II, steht also in der Mitte zwischen 
System I und 11 der Keilschrifttexte. 

Nach dem griechischerseits bekannten System waren ferner (o.S. 125) 
223 synodische Monate == 242 drakonitischen. 

Nach dem keilschriftlichen System II verhält sich nach Kugler 
(Mondrechnung S. 133) der synodische Monat zum drakonitischen wie 
11,83829 : 12,83829, darnach wären 223 synodische Monate = 241,84 
drakonitischen Monaten, eine Bestimmung, die ebenfalls viel roher ist 
als die in dem uns griechischerseits bekannten System. 

Nach Ptolemaios waren nach unserem chaldäischen System: 

223 synodische Monate = 239 anomalistischen. 

Nach dem keilsehriftlichen System II waren nach Kugler, Mondr. 
S. 124: 

6247 synodische Monate = 6695 anomalistischen. Kürzen wir dies 
beidemal durch 28, so sind 

223^^^ synodische Monate = 2391^ anomalistischen, wobei wir die 
Brüche beiderseits unbedenklich ignorieren dürfen. 

Schließlich ist es für die folgenden Ausführungen von Wert, die 
Dauer des synodischen Monats in diesem System zu fixieren. 

Nach Geminos und Ptolemaios sind 

669 synodische Monate = 19756 Tage, 

ein synodischer Monat also = 29'*, 53064275 = 2^'^\2^A4:'^'l^% 

Für das kompliziertere System I hatte Kugler (Mondr. S. 24) den 
Wert gefunden 

synodischer Monat = 29^,530594136 = 29^» 12»» 44"" 3^73, 

also nur 4^yß genauer. 

Gegen die Lokalisierung dieser Astronomenschule in Uruk könnte der Um- 
stand sprechen, daß unter den ans Uruk stammenden astronomischen Tafeln des 
Berliner Museums der Serie VAT 7800 ff. die Tafeln VAT 7809 und VAT 7852 
dem System des Kidinnu angehören. Indessen zeigte mir die Bearbeitung der 
Tafel VAT 7809, deren Resultate hier zu veröffentlichen nicht der Ort ist, daß 
diese Tafel mit so eigenartigen Fehlern behaftet ist, daß man den Schluß ziehen 
muß, daß diese Tafel von jemand hergestellt ist, der mit dem System des Ki- 
dinnu nicht vertraut war. Das spricht dagegen, daß das System des Kidinnu 
auch in Uruk zu Hause war, und die Tafel SH 272 sichert für dieses System die 



222 Naburi'annu = Naßovgiavog 

Lokalisierung in Sippar. Außerdem finden sich unter den Uruktexten Fragmente 
eines Mondrechnungssystems, das jedenfalls von den beiden anderen verschieden 
war. Leider sind sie sehr klein und mir erst vier Tage, bevor ich dies niederschreibe 
(31. X., bzw. 4. XI. 1922), zu Gesicht gekommen, so daß ich mit der Bearbeitung 
erst in den Anfängen stehe. 



§ 4. DIE BABYLONISCHE ASTRONOMENSCHÜLE DES 
NABÜRlANOS-NABURrANNÜ IN BABYLON UND BORSIPPA 

Wir haben oben (S. 213) schon festgestellt, daß die dieser Schule 
entstammenden Tafeln des Systems II der Mond- Sonnen- Berechnung 
und der Planetentafeln erster Gattung (System A) aus Babylon, bezüg- 
lich Borsippa herrühren. 

Wir sind heute genau wie seit 1910 für die Astronomenschule in 
Sippar auch für das von der Astronomenschule in Babylon und Borsippa 
vertretene System in der Lage, den Verfasser nennen zu können. 

Oben S. 121 und 132 hatte ich darauf hingewiesen, daß nach dem 
Bericht des Poseidonios bei Strabon die griechischen iia&r][iatixoC außer 
(den Werken des) Ktdrjväg und UovdLvtjg noch (das eines dritten baby- 
lonischen Astronomen, des) NaßovQLavög kannten. Als babylonische 
Urform des Namens hatte ich oben S. 132 nach Vorschlag meines Lehrers 
F. H. Weißbach Nabu-rimanni, in neubabylonischer Aussprache Nabu- 
rivanni, Nabu-ri'anni festgestellt. 

Kaum, daß diese Mitteilung gedruckt war, fand E. F. Weidner, dem 
ich im Frühjahr 1913 die Druckbogen S. 1 — 183 dieses Werkes zu- 
gänglich gemacht hatte, diesen Namen in einem astronomischen Text 
der Berliner Museen, VAT 209 und teilte diese Entdeckung bei A. Je- 
remias, Handbuch der altorientalischen Geisteskultur (1913), S. 136 der 
Öffentlichkeit mit. Seiner Liebenswürdigkeit verdanke ich auch die Kopie 
des Obverses und des Randes der Tafel. 

Rand Z. 1 lautet nach meiner Kollation: 

[ter-si]-tum™"" Nabu-ri-man-nu(sic!) sa satti 199 (siel) sa si-i satti 
263 (sic!)^«^. 

Rechnungstabelle des Nabu-ri'annu vom Jahre 199 (der Arsakiden- 
ära) gleich dem Jahre 263 (der Seleukidenära). 

Die Tafel enthält also Vorausberechnungen für das Jahr 263 der 
Seleukidenära =199 der Arsakidenära = — 48/7 = 49/8 v. Chr. 

Z. 2 und 3 des Randes enthalten den Namen und die Genealogie 
des Schreibers der Tafel. 

Also genau wie in SH272 Kidinnu = KLÖrjväg ist hier Naburi'annu 
-« NaßovQiavög der babylonische Gelehrte, nach Muster von dessen Be- 



VAX 209 223 

rechnungen der Schreiber dieser Tafel die vorliegenden Berechnungen 
entwarf. 

Sehen wir nun die 13 Zeilen des Obverses an! 

Sie enthalten, wie sofort der erste Augenschein mich lehrte, 
Kol. F (für jeden Monat berechnet, in Z. 5 steht rim, in Zeile 10 bat!), 
G (Minimum in Z. 4: IP 5' 45" 36'" 15"", Maximum Z. 11: 15«41'2" 
48"' 45""), H(Maximum inZ.4: 4^520 50(-|-x)'47"24"' 26""40'"", Mi- 
nimum Z. 11 und 12: 22 40°), 1 (Z. 0—12 unbeschrieben, Z. 2—5: 
57»3'45LAL), K (etwas lädiert) (Maximum Z. 12: 9'>39'36"LAL, Mi- 
nimum Z. 10: 1» 33' 20" tab), L Maximum Z. 4: 4'' 54*^ 32', Minimum 
Z. 13: 2^ 4". . .'), M (beginnend Addaru II (sie!): 29^3^ 32» 57' -su, schließend 
Addaru: 29^5^ 45»56'-8u, für Kislev: 2S''x^x + 3«53'-8u, 28 wird «^, 
29 « "V^^ geschrieben, 28^ auch für Nisan, Tammuz, Ab), N (beginnend 
Nisannu 1, Aj^aru 30, . . . schließend Addaru 1, Nisannu 30, also die be- 
kannten Angaben, ob der Monat voll oder hohl war), (entspricht Kol. i 
in System I, die von Epping, Astronomisches aus Babylon S. 43ff. er- 
klärt worden ist) einer dem System II Kuglers der Mond -Sonnen- 
Berechnung angehörigen Tafel! 

Hoffentlich bewirkt die Verwaltung der Vorderasiatischen Abtei- 
lung der Berliner Museen bald die vor dem Krieg begonnene Publika- 
tion ihrer astronomischen Keilschrifttafeln und damit auch dieses Textes, 
der, wie ein Vergleich mit den anderen Tafeln dieses Systems (Kugler, 
Mondr. S. 115 — 121) lehrt, der besterhaltene unter allen Texten dieser 
Schule ist. Die Vorderseite dieses bot, wie Kol. L usw. zeigt, die Neu- 
lichtangaben, der Revers enthielt die Vollmonde, wie ich bei der Kolla- 
tion der Tafel feststellte. Der Revers ist noch besser erhalten als der 
Obvers. Die Tafel ist also die besterhaltene aller bekannten Tafeln 
dieses Systems. (Vgl. Kugler, Mondr. S. 3 und 116—121.) 

Damit ist aber erwiesen, daß Nabu-ri'annu = NaßovQiccvög der Ver- 
fasser des von der Astronomenschule in Babylon und Borsippa gebrauch- 
ten Systems (System II der Mond -Sonnen -Berechnung, Planetentafeln 
erster Gattung = System A) der Berechnung der Bewegungen der Him- 
melskörper war. 

Wann hat nun Naburi'annu gelebt? 

Durch ein ähnliches Schluß verfahren, wie es Kugler (vgl. oben § 2) 
für System I angewandt hat, finden wir, wenn wir berücksichtigen, daß 
nach diesem System II (Kugler, Mondr. S. 93, 103) die zu langsam an- 
gesetzte Sonnengeschwindigkeit schon in 236 Jahren eine Verschiebung 
um V bewirkt, daß andererseits nach Kugler, Sternkunde I, S. 173, für 



224 Naburi'annu ca. 427 v. Chr. 

die Tafel SH 93 (81—7—6) für das Jahr 174 v. Chr. die Abweichung 
der Jahrespunkte, die in diesem System auf den 10. Grad der Bilder ge- 
setzt waren (Kugler, Mondr. S. 79), 4** 41' beträgt, folgende Gleichung: 

fo^+2k^ = 4Hl' = l^; ^ = 253 Jahre. 

Naburi'annu hat also sein astronomisches System ungefähr 
im Jahre 174 + 253 = ± 427 v. Chr. ausgearbeitet. 

Dazu stimmt es, daß die von Kugler in seiner Mondr. S. 67flP'., 72f., 
76f., 142f., IGOf., 169ff., 180f., 192f. bearbeitete Lehrtafel Ä -}- 2418, 
die eine Anleitung zur Ausarbeitung der Berechnungen der Tafeln 
dieses Systems gibt, nach dem Urteil Straßmaiers bei Kugler, Mondr. 
S. 79, Anm. 1 der Schrift nach in das 4. oder 3. Jahrhundert v. Chr. 
gehört. 

Es sei mir gestattet, hier eine Bemerkung zur Bearbeitung unseres 
Systems durch Kugler, Mondr. S. 55—88, 115 — 206 einzuschalten. 

Es sei hier nachdrücklichst daraufhingewiesen, daß der von 
Kugler für dieses System S. 72, 124, 133 und anderwärts ange- 
nommene Betrag der Dauer des synodischen Monats nicht auf 
Grund der Angaben dieses Systems gewonnen ist, sondern ohne 
Beweis aus dem komplizierteren System des Kidinnu in das 
primitive des Naburi'annu von Kugler herübergenommen ist. 

Den Wert des Naburi'annu linden wir, wenn wir den Mittelwert 
der von Kugler (Mondr. S, 167 — 179) besprochenen Kol. H seines Systems 
berechnen und davon den auf Grund von Kol. I (Kugler S. 179 — 181) 
nötigen Abzug (Kugler a. a. 0. S. 188) machen. 

Bei der Aufstellung des Systems der Berechnung der Werte von Kol. H aus 
denen der Kol. B ist nun Kugler (a. a. 0. S. 174 u. 178) ein Rechenfehler unter- 
gelaufen, der auch mich gefoi^pt hat. A beträgt nicht 4°^ 20^^, sondern 

1^68"37l"2^^'l3^20^^-ll68"33^"42l^l8^20^I = 3l°20l^ = | (171^46^^0^). 

A" ist dann == 16j| • (17^-"46^^40'^). Von den 6247 verschiedenen Werten von 
Kol. H entfallen also je 9 x 48 = 43'2 auf Gruppe I— II und XVIII— XIX; je 
41x48= 1968 auf Gruppe II— III und XVII— XVIII; je 48 auf Gruppe lU-IV, 

IV— V, V— vr, VI- VII, VII- VIII, IX— X, x-xi, xi-xii, xii-xiii, xiii-xiv, 

XIV— XV, XV— XVI, XVI— XVII; 9 auf Gruppe VIII— IX; 16x48 + 46 = 814 
auf Gruppe XIX — I. Ich habe nun sämtliche Einzelwerte gruppenweise berechnet 
und gruppenweise addiert, zur gegenseitigen Probe sowohl för Vollmonde wie 
für Neumonde. Als Summe ergab eich 

(6247 X 29)«' 22723' 30» 40'. 

Dividieren wir durch 6247, so erhalten wir als Betrag des mittleren aynodi- 
schen Monat« von Kol H: 29"" 3' 38» 16' 1" 40'" ^ . 



Woher kannten die Griechen den Nabnri'annu? 225 

Hiervon ist auf Grund von Kol. I zu subtrahieren 



28"?' 30" 2783 2783 

Das ergibt als mittleren Wert des synodi sehen Monats des 
Nabnri'annu: 

29^3Min'16"22"',5, 

in moderne Maße umgerechnet: 

Es stellen sich dann 

das (siderische) Sonnenjahr auf 365'' 6»^ 15°'40'',8; 

der anomalistische Monat auf 27'' 13^ 18"35V3-, 

der drakonitische Monat auf 27^ 5'' 5"»36'',7 (8.S.240ff.); 

der siderische Monat auf 27'' 7^43°» 16«. 

Der Wert des synodischen Monats ist also um 2* ungenauer als der 
des Kidinnu (s. o. S. 221). Der Betrag der Schule von Unik ist ebenso 
genau wie der des Kidinnu, wie wir (S. 240) noch sehen werden. 

Es fragt sich nun, woher kannten die Griechen den NaßovQtccvög? 

Wir haben oben (S. 121) gesehen, daß Strabon sagt: Md^v^^vrcci 
de xai rav ccvöq&v svi'cov of fia&rj^atixoL^ xad^ccTtSQ Kidtjvä xal Naßov- 
Qittvov xai ZovdCvov. Ob er damit seine Quelle, den Poseidonios selbst, 
meint oder erst dieser sein Wissen den ^ad-r/fiaTixoC verdankte, können 
■wir nicht feststellen. Jedenfalls hat aber noch Vettius Valens (oben 
S. 122) die Werke des Uovdtvrjg und Kiörjvdtg selbst gekannt und be- 
nutzt. Wir können also auch annehmen, daß Naßovgiavög ein grie- 
chisches Werk geschrieben hat, also um 427 v. Chr. 

Läßt sich nun schon vor Berossos, vor dem hellenistischen Zeit- 
alter die Benutzung eines griechisch geschriebenen Werkes über baby- 
lonische Astronomie, wie über BaßvXwviaxcc überhaupt nachweisen? 

Schon Herodot sagt bekanntlich 11,209, daß die Griechen den milog 
(Himmelskugel) und den yvänav von den Babyloniern entlehnt haben. 
Das beweist Beeinflussung der griechischen Astronomie durch die ba- 
bylonische, aber natürlich nicht literarische. 

Viel wichtiger ist der Umstand, daß seit Piaton (Timaios 38 C— D) 
die genuinen griechischen Bezeichnungen eöjrsQog, (paäd-cov usw. ver- 
drängt werden durch die Bezeichnungen nach Göttern. Hierüber lesen 
wir in der Epinomis des Philippos von Opus (oben S. 108, Piatonis opera 
ed. Burnet, vol. V, g. 986 a — 987 c, dazu Cumont in Neue Jahrb. f. d. 
klass. Altert. 1911, XXVII, S. 4): 

l""" -■— ■• 



226 Griechiache Babyloniaka vor Berossos 

late ÖXTO) övvaiuis r&v ntgl 8Xov oigavbv ysyovviccg &SsXq>äe &XXi^Xoav . . . 
Tovttav d' siel zQsTe avtai, jii'a ^kv ^At'or, fit« 8k aslrivr}e, fiia 6h täv äatgav a>v 
i(ivi^a9'r}V dXlyov ^tncQoad'tv, -nivre Sh trsgai. ravtctq Si] ndeag xal rovvovg rove 
iv ravraiaip ttxe ccvrove lövzag sl'rs tpsQOfisvovg iv 6xri(iaat JtoQSvee&at raihrj;, 

(irjStlg aXXtog nozh vo^iiari ■nävxtav iniöbv mg ol fx^v d'soi siötv avx&v lij 

Sh xsxäqxri Sk qpo^a xal Sie^odog a^a xal «ejuäi?] Taj;«i (isv r]Xioi o^säbv iar] . . 
Xiy(0(ifv Si] xavxccg r]Xiov x slvai xcci kaecpogov, xal xgixov-mg fikv dvo^axi cpQÜ- 
^siv ovx ?ffTtv diu xb {lij yiyv<laoxsc9ai, xovxov ö' al'xtog 6 Ttg&xog xavxa xu- 
xtäoiv ßägßuQog cäv nuXai.bg yccQ äij xgonog S^gsipsv xovg TCQmxovg xavtu iv- 
voi^auvxug diu x6 xäXXog rijs d'tQiv^g mgag, ^v Aiyvnx6g xs JJvgiu 9-' Ixavmg 
xixxrjxai, cpavsQOvg (ihv mg ^nog elntiv äazigag &sl ovfinavxag xa^^oquivxag, axs 
vs(päiv xal vSäxcav Scnöngoad'sv &sl rot; x6ofiov xsKXtjfiivovg, o9sv xal navxa^oas 
xal dtvQ i^i]xsi, ßsßaauvicii^va ;upöva) iivQiexsl xs xal änsigco. Sib &aQQovvxa XQV 
xavxa sig voiiovg &ia&ai-xb yag fii} rtfiia xa &sla slvui, xä Sh xifiia, cacp&g ovx 
ifitpQÖvcov — ort Sk ovx 6v6(iuxa ^öjjtjxsi', ttjv ys aixiav xqt] Xfyso&ai xavxiiv. ScXXu 
yuQ incovviiiuv £iXi](paGiv d'E&v ' o fihv yuQ kwatpögog ionSQog xs a>v uvxbg jicpgo- 
Sixrig slvai o%s8ov txsi Xoyov xal fiäXa ^vglm vofio&ixTj ngsnov, 6 S' ouoSqo- 
/iOff r}Xi(p xs a[La xal xovxm axsSbv 'Eq^ov. XQsig S' ht tpogag Xiycoiisv inl Ss^lu 

aoQSVOiisvoav iisxä asX'^vrjg xal j]Xiov XoitcoI 8s xgstg acxigsg, oav tlg (ikv 

ßgaSvxfixi Siaqjtgwv avx&v ißxi, 'HXiov (sicl!) S* aiixöv xivsg incow^iiav (p^syyov- 
Tur tbv Si ftera xovxov ßgaSvx'qxi Xtysiv XQV ^i-^Si "Agscag 8k 6 fisza xovxov, ndv- 
xcov 8s ovxog igv^goaxarov i%si %gäm,a. 

Schon oben haben wir (s. S. 108) erkannt, daß hier — da die Epinomis 
lange vor Berossos verfaßt ist — die Benutzung eines Schriftstellerg 
vorliegt, der vor Berossos üher Baßvlavtaxd geschrieben hat. Denn nur 
bei den Babyloniern wird der Planet Saturn sowohl als Stern des Ninurta- 
Kqovos^ als auch des Sonnengottes Samas^i/Atog betrachtet (H.Rawlinson, 
Cuneiform Inscriptions of Western Asia, Vol. II, p. 49, n. 3, 1. 19): 

kakkab MI^ « sahne = " kaivanu = '' Samas 

'Der schwarze Stern — der schwarze Gott = Saturn = Sonne.' 

Auch der Schüler des Aristoteles, Eudemos von Rhodos, hat in 
seiner Schrift IltQl zb d-elov iöroQÜc (vgl. v. Arnim, Art. Eudemos von 
Rhodos, Pauly-Wissowa, RE^ VI, 898) ein Fragment der babylonischen 
Kosmogonie, nämlich die genau mit dem Anfang des keilschriftliehen 
Schöpfuugsepos Enuma elis übereinstimmende Theogonie (Fragment 117 
beiEudemi fragmenta ed.Spengel beiDamaskios ed. Kopp, p. 382,19, diesen 
meinen Hinweis hat A. Jeremias in seinem Handbuch der altoriental. 
Geisteskultur 1913, S.22, Anm.2, die dort zitierte Seitenzahl meiner Proleg. 
ist zu ändern, benutzt) überliefert. Auch er hat also eine babylonische 
Quelle benutzt, die, da er älter ist als Berossos, vor diesem abgefaßt war. 

Ob freilich die von Eudemos und der Epinomis benutzten Quellen 
von Babyloniern abgefaßt waren, bleibt fraglich. 



Die Frage der Entdeckung der Präzeßsion durch die Babylonier 227 

Wir müssen somit die Frage, ob NaßovQiavög ein griechisches Werk 
abgefaßt oder ob ein anderer, sei es KLÖrjvüg oder Uovdivrjg oder ein 
Grieche sein astronomisches System den Griechen übermittelt hat, ebenso 
wie die Frage, ob wir die Kenntnis des Systems der Schule von Umk 
dieser direkt oder einer Mittelquelle verdauken, vorläufig, bis neue Funde 
Licht bringen, ungelöst lassen. 



§ 5. WER WAR DER ENTDECKER DER PRÄZESSION DER 
TAG- UND NACHTGLEICHEN, KIDENAS ODER HIPPARCHOS? 

Die Frage, ob die Babylonier die Präzession der Tag- und Nacht- 
gleichen erkannt haben, hat erstmalig 1900 Kugler in seiner Mondr, 
S. 103 — 4 aufgeworfen und dabei geäußert: 'es sei nicht gut denkbar, 
daß man nach Ablauf mehrerer Jahrhunderte zwar die notwendigen Kor- 
rekturen vornahm, ohne jedoch deren Ursachen wo anders zu suchen als 
in der Ungeschicklichkeit der Vorfahren, die sich um mehrere Sonnen- 
durchmesser bei ihren Messungen geirrt haben sollen.' Immerhin hielt 
er damals die endgültige Lösung der Frage erst nach Hinzukommen 
weiteren Materials für möglich. 

In Sternkunde II, 1. Teil (1909, S. 24 — 32) erörterte er von neuem 
die Präzessionsfrage und kam zu dem Schluß, daß die Babylonier 'es 
niemals zur Kenntnis der Präzession der Äquinoktien gebracht haben'. 
1913 im Ergänzungsheft 1 zu 'Sternkunde und Sterndienst', S. 134 — 5 
und 1914 im Ergänzungsheft 2, S. 230 — 2 erneuerte er dies Verdikt. 

Es ist nun Kugler unbedingt zuzugestehen, daß alle Gründe, die 
die Panbabylonisten — ich teilte dem Panbabylonismus gegenüber stets 
den Standpunkt meines Lehrers F. H. Weißbach, vgl. vor aUem dessen 
Ausführungen in Histor. Vierteljahrsschrift 1911, S. 58 — 65, bes. S. 63 
— für die Kenntnis der Präzession bei den Babyloniern sogar schon in 
grauester Urzeit vorgebracht haben, samt und sonders wissenschaftlich 
wertlos sind. 

Ebenso gebe ich auch Kugler zu, daß noch im Jahre 427, als Na- 
buri'annu sein System der Mond-Sonnen-Berechnung aufstellte und er 
die Jahrespunkte auf den 10. Grad der Bilder setzte, dieser Babylonier 
keine Kenntnis der Präzession besaß, wenngleich Kugler, wenn er be- 
tont (Sternkunde II, 1, S. 30), daß in der die Lehren dieses Systems dar- 
bietenden Tafel S -\- 2418 keine Berücksichtigung der Präzession sich 
findet, bei dem beschädigten und lückenhaften Zustand der Tafel das 
argumentum e silentio überspannt. 

15* 



228 Hat Kidinnu die Präzession entdeckt? 

Etwas anderes ist aber die Beantwortung der Frage: IstKidenas, 
als er das System des Naburianos ca. 115 Jahre später durch sein um 
so vieles feineres zu ersetzen suchte, die Tatsache der Präzession 
der Jahrespunkte verborgen geblieben? 

Die Beantwortung dieser Frage hängt untrennbar mit der Beant- 
wortung der anderen zusammen: 

Warum hat Kidenas die Jahrespunkte, die Naburianos auf den 
10. Grad der Bilder setzte, auf den 8. Grad der Bilder verlegt? 

Die Antwort ist zunächst sehr einfach: 

Weil die Jahrespunkte zur Zeit des Naburianos im Jahre 427 auf 
dem 10., im Jahre 314, zur Zeit des Kidenas, auf dem 8. Grad der Bilder 
lagen. 

Der Unterschied von ca. 115 Jahren ergibt sich haarscharf aus 
den Ansätzen des Naburianos. 

Um P verschoben sich nach der Formel 

7y+8li< = l. ^ = 54 

die Frühlingspunkte in 54, um 2° in 108 Jahren, also wichen zur 
Zeit des Kidenas 427 - 108 = 319 v. Chr. die Tafeln des Naburianos 
um 2" von der Wirklichkeit ab, die Jahrespunkte lagen statt auf dem 
10. auf dem 8. Grad der Bilder. 

Hat nun Kidenas, als er die Jahrespunkte vom 10. auf den 8. Grad 
verlegte, den Fehler in der Fehlerhaftigkeit der dem Naburianos vor- 
liegenden Beobachtungen der Jahrespunkte gesucht, oder hat er die Prä 
Zession entdeckt? 

Aus den von Kugler bearbeiteten 12 Kolumnen seines 18 Kolumnen 
umfassenden Systems der Mond- Sonnen-Berechnungen ergibt sich mit 
Sicherheit (Kugler, Mondr., S. 100 — 3), daß er nicht wie Hipparch die 
Ekliptik in eine bewegliche verwandelt hat, sondern daß seine Ekliptik 
eine feste war. Indessen ist uns Kugler noch heute die Bearbeitung von 
7 Kolumnen des Systems des Kidenas schuldig geblieben, außerdem be- 
sitzen wir für sein System keinen Lehrtext wie S -f 2418 für das System 
des Naburianos, so daß wir nicht wissen, ob nicht Kidenas doch in 
seinem astronomischen System Anweisungen gegeben hat, durch die 
die für die feste Ekliptik gültigen Angaben jederzeit in solche der be 
weglichen Ekliptik umgewandelt werden konnten. Solche Angaben waren 
besonders nötig für Angaben zur Berechnung der Jahrespunkte. 

Eine Antwort geben uns darauf die babylonischen Ephemeriden. 

E. F. Weidner hat in 'Alter u. Bedeutung der babylonischen Astro 
nomie' 1914, S. 33 — 38 auf Grund einer Anzahl Texte, von denen der 



Die Jahrespunkte in den babylonischen Ephemeriden 



229 



erste uach Kuglers elegantem Nachweis 'Sternkunde', Erg.-Heft2, 1914, 
S. 233 — 242 freilich nicht aus der Zeit 1500 v. Chr., sondern aus dem 
Jahre — 424 v. Chr. stammt, auf die Tatsache hingewiesen, daß in den 
Ephemeriden und Beobachtuugstexten der Babylonier des 3. bis 1. Jahr- 
hunderts stets das Herbstäquinoktium genau bestimmt ist. Man vgl. die 
Tabelle, die unter Berichtigung irriger Angaben Weidners Kugler, 
Sternk., Erg.-Heft 2, S. 231 gegeben hat: 



j I 


11. !' in. IV. 


FrühlingB- 


Sommer- Herbst- | j Winter- , 


Äquinokt. , X 


Solstitium j l ; Äquinokt. | l \\ Solstitium i l 


— 272III.28 


30,84 


—191 VI. 27 


1 
910,27 


1 . 

1 


— 282Xn.27 2730,37 


—182111.27 


30,08 


—182 VI. 26 


900,14 


1 




—181111.27 


20,84 






1 




— 132111.28 


40,91 


—133 VI. 26 


900,29 —133 IX. 26 179»,93 


—133X11.27 2730,32 


— 121111.29 


50,24 


— 122 VI. 26 


910,68 —122 IX. 26| 1800,26 ' 


—122X11.271 2730,66 


-117111.29 


50,27 




1 ■•11 1 li 


— 109III.28 


40,35 


— 110VI.26 


900,71 


— 110 IX. 26! 1790,36 1— 110XII.27i 2730,74 


_ 




— 10 VI. 25 


900,56 — 10 IX. 25 i 1800,11 ! || 



Am besten stimmen die Werte für die Herbstäquinoktien, fast ebenso 
gut die für die Sommersolstitien, die Angaben für die Wintersolstitien 
weichen um 3", die für die Frühlingsäquinoktien um 4 — 5" von der 
Wirklichkeit ab 

Aus obiger Tabelle gewinnen wir folgende Werte für die Jahres- 
zeiten : 



Frühling 



Sommer 



Herbst 



Winter 



182 V. Chr. 91 Tage i 133 v. Chr. 92 Tage j 133 v. Chr. 92 Tage 133/2 v.Chr. 91 Tage 
122 V. Chr. 91 „ 1 122 v. Chr. 92 ,. 1122/1 v.Chr. 92 



HO V. Chr. 92 
10 V. Chr. 92 



110 v.Chr. 92 



|110/09v.Chr.91 



In dem Jahr Sommersolstitium 133 — Sommersolstitium 132 war 
also das Jahr in 92 -f- 92 + 91 -f [90], in dem Jahr Sommersolstitium 122 
— Sommersolstitium 121 in 91 -f 92 + 92 + [90], im Jahr Sommer- 
solstitium 110 Sommersolstitium 109 wiederum wie 133/2 in 92 + 92 
+ 91 -f- |90] Tage eingeteilt. So hat schon Kugler, Mondr., S. 85 die 
Tatsache festgestellt, daß die Babj-lonier in ihren Ephemeriden sich da- 
mit begnügt haben, trotzdem sie, wie schon aus den Mondtafeln des 
Naburi'annn hervorgeht (vgl. oben Ende von § 4), die Ungleichheit der 
Jahresabschnitte sehr wohl kannten und sie, mit dem Frühling beginnend, 
folgendermaßen bestimmt hatten (zum Vergleich sind die modernen 
Werte für 425 und 200 v. Chr. dazugesetzt, vgl. Kugler, Mondr., S. 84— ö^i: 



230 



Die Jahrespunkte in den babylonischen Ephemeriden 



1 Jahreszeit 


Dauer nach Naburi'annu 
427 V. Chr. 


Modemer Wert für 
425 V. Chr. 


Moderner Wert für 
200 V. Chr. 


Frühling 
Sommer 
; Herbst 
i Winter 


94'^,60 
92<>,73 
88'>,59 
89'»,44 


94^10 
92^,15 
88'»,55 
901,45 


94'',04 
92<»,3l 
881,22 
901,28 



für ihre Ephemeriden das Jahr in vier möglichst gleiche Abschnitte ein- 
zuteilen. 

Dabei müssen sie jedoch einen der 4 Jahrespunkte astronomisch 
genau bestimmt haben und von da ausgehend ihre schematische Ein- 
teilung vorgenommen haben. 

E. F. Weidner hat nun (Alter und Bedeutung der babyl. Astronomie, 
S. 37 u. 40) im Anschluß an Epping aus der oben festgestellten Tat- 
sache, daß, wie wir oben gesehen haben, das Herbstäquinoktium in den 
Ephemeriden stets genau bestimmt war, den Schluß gezogen, daß die 
Babylonier diesen Jahrespunkt in den Ephemeriden zum Ausgangs- 
punkt genommen haben. Da nun die Babylonier dies Jahrhunderte hin- 
durch getan haben und die richtige Bestimmung des Herbstäquinoktiums 
durch Jahrhunderte hindurch ohne Kenntnis der Präzession unmöglich 
war, hat er weiter gefolgert, daß die Babylonier die Präzession gekannt 
haben. 

Demgegenüber hat Kugler in 'Sternkunde und Sterndienst, Erg.- 
Heft 2', 1914, S. 231 folgenden Erklärungsversuch gegeben: 

'Anscheinend . . . am schlechtesten stimmen die Werte sub. I. Hier 
sind die vier Werte aus dem letzten Drittel des H. Jahrhunderts v. Chr. 
um rund 5" zu groß. Und gerade dieser Umstand läßt klar er- 
kennen, daß die künstliche Vierteilung des Jahres vom Frflhlings- 
äquinoktium ausging.' 

'Gerade damit steht nämlich die aus mehreren Mond- und Planeten- 
tafeln auf verschiedenen Wegen erkannte Tatsache im Einklang, daß die 
Babylonier der gleichen Zeit nicht nur die Länge des Frühlingspuuk- 
tes, sondern auch die der anderen drei Jahrespunkte um 4 — 5° zu 
groß angenommen. Denn es steht dokumentarisch fest, 1. daß sie um 
diese Zeit die vier Jahrespunkte auf den 8. Grad von Aries, Cancer, Libra 
und Capricornus gesetzt; 2. daß dieser um 4 — 5° zu weit nach Osten liegt 
(Babyl. Mondr. S. 76f., 87f., 103f.; Sternk. I, 172ff.).' 

'Dazu kommt, daß gerade in den Mondtafeln, die in dieser Weise 
aUe vier Jahrespunkte irrig ansetzen, der Ungleichheit der Jahreszeit 
Rechnung getragen wird (Babyl. Mondr. 83 ff.), was in den Ephemeriden 
nicht geschieht. Der Stand der astronomischen Kenntnisse der Baby- 



Die Jahrespunkte in den babylonischen Ephemeriden 



231 



lonier des II. Jahrhunderts erhellt also in seinem voUen Umfang nicht 
aus den Ephemeriden, sondern aus den systematischen Mond- 
(und Planeten-)Berechnungen jener Zeit. In den Ephemeriden ent- 
spricht nur der Ansatz des Frühlingsäquinoktiums der wirklichen 
Annahme; derjenige des Herbstäquinoktiums dagegen ist das zufällig 
richtige Ergebnis der vom Frühlingsäquinoktium ausgehenden künst- 
lichen Vierteilung des Jahres. Die Dauer von Frühling und Sommer 
betrug damals 186'^,3 (nach den Babyloniern IS?**,!); geht man nun 
von dem um 4 — 5 Tage verspäteten vermeintlichen Äquinoktium um 
zwei Jahresviertel ( 182*^,6) weiter, so kommt man natürlich zum wahren 
Datum des Herbstäquinoktiums.' 

Hierzu ist zunächst zu bemerken, daß die Dauer von Frühling und 
Sommer in den obigen Ephemeriden nur einmal auf ISS**, zweimal auf 
184'* angesetzt wird. 

Eine Vergleichung der modernen Werte für das Frühlingsäquinok- 
tium und ihrer Abweichung mit den Beträgen, um die nach Na- 
buri'annu und Kidinnu die babylonischen Frühlingspunkte von den 
wahren abwichen, ergibt folgendes Bild: 



r^ 






Abweichung nach Abweichung nach 


1 


Frühlings- 


Moderner Wert 


Naburi'annu Kidinna 




äquinoktialdatum 


für l 


(—426 = 00, (—313 = 0°, 








—174 = 4*41') 


—103 = 3040') 


1 


—272 111,28 


30,84 


20,85 


00,74 


2 


—182 ni, 27 


3»,08 


40,52 


2»28 


12a 


-181 111,27 


2 ",84 


40,54 I 20,30 II 


3 


—132 III, 28 


40,91 


50,44 


30,14 


; 4 


—121 111,29 


50,24 


50,65 


30,34 


5 


—117 III, 29 


50,27 


50,72 


30,41 


6 


—109 III, 28 


40,35 


50,87 


30,64 



Man sieht, genau stimmt Kuglers Erklärung nur für Angabe 4 und 
5 nach dem System des Naburi'annu, sowie für Fall 2 a nach dem System 
des Kidinnu. Da aber Angabe 2 und 2 a der gleichen Tafel entstammen, 
wird auch hier die Erklärung fraglich. 

Aber Kuglers Erklärung wird durch eine andere Erwägung zu Fall 
gebracht. 

In 'Sternkunde, Erg.-Heft 2', S. 233—242, hat er den ebenso raschen 
wie eleganten als auch absolut einwandfreien Nachweis erbracht, daß 
der von Weidner der Kassitenzeit zugeschriebene astronomische Text 
CBS 11901 des Museums der Universität von Pennsylvania tatsächlich 
eine Ephemeride aus dem Jahr — 424/3 v. Chr. ist. 



232 Die Jahreepnnkte in den babylonischen Ephemeriden 

S. 237 weist nun Kugler aus diesem Text das Sommersolstitium und 
Herbstäquinoktium nach: 

1. Sommersolstitium: Düzu 1 = — 424 Juni 29, Länge der Sonne 
9P,55. 

2. Herbstäquinoktium: Tisritu 3 = — 424 September 27, Länge 
der Sonue 1790,G1. 

Das Herbstäquinoktium ist also genau, das Sommersolstitium um 
2 Tage verspätet. Die Dauer des Sommers ist auf 90 statt astronomisch 
genau auf 92 Tage angesetzt, also schematisch berechnet. 

Die Tatsache, daß auch in diesem Text, der ja genau zur Zeit des 
Naburi'annu abgefaßt wurde, das Herbstäquinoktium richtig angesetzt 
ist, macht aber Kuglers Ausflucht, daß der richtige Ansatz des Herbst- 
äquinoktiums das zufällige Ergebnis des um 4 — 5 Tage verspätet an- 
genommenen Datums des Frühlingsäquinoktiums sei, zu schänden. 

Denn jene Erklärung stimmt nur für das 2. Jahrhundert 
V. Chr. Um — 424 v. Chr. müßten wir erwarten — wenn das 
Frühlingsäquinoktium wirklich der Ausgangspunkt der Rechnung war 
— daß entsprechend den Tafeln des damals gerade wirkenden Naburi'- 
annu das Frühlingsäquinoktium in den Ephemeriden richtig 
bestimmt, das Sommersolstitium ca. 2 — 3, das Herbstäquinok- 
tium 4 — 5 Tage zu früh angesetzt wäre. 

Statt dessen ist genau wie in den Ephemeriden des 2. Jahrhunderts 
V. Chr. das Herbstäquinoktium richtig, das Sommersolstitium 
um 2, das nicht erhaltene Frühlingsäquinoktium um sicher 
4 Tage zu spät angesetzt. 

Kuglers Behauptung, das Frühlingsäquinoktium sei der astronomisch 
bestimmte Ausgangspunkt für den Ansatz der Jahrespunkte in den Ephe- 
meriden gewesen, ist angesichts dieses Tatbestandes als irrig zurückzu- 
weisen, und Weidners Behauptung, daß das Herbstäquinoktium der astro- 
nomisch bestimmte Jahrespunkt der Ephemeriden war, erweist sich als 
richtig. 

Waren die Babylonier von — 424 bis — 10 v. Chr. in der Lage, 
das Herbstäquinoktium astronomisch genau zu bestimmen, so konnten 
sie dies nur, wenn sie die Präzession der Jahrespunkte erkannt hatten. 

Für 424 als Ausgangspunkt brauchen wir diese Kenntnis nicht an- 
zunehmen. Für dieses Jahr wichen ja die eben berechneten Tafeln des 
Naburi'annu von der Wirklichkeit noch nicht ab. 

Wohl aber müssen wir jetzt auf Grund der Tatsache, daß einerseits 
die Babylonier ein über Kidenas hinausgehendes System der Mond- 
Sonnen-Berechnung nicht gehabt haben, sie aber in den Ephemeriden 



Das tropische Jahr in Kol. H des Systems des Kidinnu 233 

des 2. Jahrhunderts v. Chr. das Herbstäquinoktium richtig ansetzen, jetzt 
den Schluß ziehen, daß Kidinnu = Kidr^väs, als er die Jahrespunkte 
vom 10. auf den 8. Grad der Zeichen verlegte, die Präzession ent- 
deckt hat. 

Nun könnte man den Einwand erheben, daß in den babylonischen 
Ephemeriden des 2. Jahrhunderts bereits die Entdeckung der Präzession 
durch Hipparch, der sie sich selbst zuschrieb, benutzt sei. 

Das scheitert an folgender Tatsache: 

Die babylonische Ephemeride, der wir die Angaben für die Jahres- 
punkte für — 133 bis — 132 v. Chr. verdanken, stammt spätestens aus 
dem März 134 v. Chr. ( 133). 

Hipparch hat aber in seiner Schrift: Utgl rris ^£ta3tT(h0sc3s tmv 
TQOTCixäv xal iariiiEQLVcbv örj^SLCov nach Zeugnis von Ptolemaios, Alma- 
gest lib. III e. 1 (p. 19G ed. Heiberg, vol. 1) eine Frühlingsäquinoktial- 
beobachtung vom 50. Jahr der dritten kalippischen Periode (23. März 
128 V. Chr.) benutzt. 

Obige Ephemeride ist also mindestens 6 Jahre älter als die Publi- 
kation von Hipparchs Schrift. 

Inzwischen ist es mir gelungen nachzuweisen, daß Kidinnu, wie 
aus der Tafel SH 272 und den anderen Tafehi seines Systems hervor- 
geht, das siderische vom tropischen Jahr unterschieden, .ilso die Prä- 
zession der Jahrespunkte entdeckt hat. 

Kugler hat, Mondr. S. 25—26, Epping folgend, den Nachweis ge- 
führt, daß Kolumne H und I seines Systems den Zweck haben, eine 
Korrektion des synodischen Monats im Sinne der anomalistischen Be- 
wegung der Sonne zu geben. Er hat dabei den Beweis erbracht, daß 
die Babylonier sich dabei in Kolumne H der Periode 

2016 synodische Monate == 163 Sonnenjahren (ein Jahr also 
= 12^ synodische Monate) 

bedienten und aus dem bekannten Wert des sjoiodischen Monats im 
System des Kidinnu 29** 12^44°^ 3y* für dieses Sonnenjahr den babylo- 
nischen Wert 

365'^5'»41">41« 
ermittelt. 

Zu rasch m. E. hat er aber den Schluß gezogen, daß dieser Betrag 
des Sonnenjahres der Betrag des anomalistischen Jahres sei. Er selbst 
weist a. a. 0., S. 91 nach, daß aus Kolumne A des Systems des Kidinnu 

das siderische Jahr sich zu 365*^6'' 13'"43»,4 



234 



Anomalistisches Jabr in Kol. H? 



und a. a. 0. S. 95, daß 

das anomalistische Jahr sich zu Söö** ß'' 25"' 46' ergibt. 

Dieser Betrag des anomalistischen Jahres weicht nun von 
dem angeblichen obigen um 44'"5' ab. 

Diese Abweichung zwingt uns m. E. zu der Annahme, daß in Ko- 
lumne H die Beträge für die anomalistische Bewegung der Sonne nicht 
auf das anomalistische, sondern auf eine dritte Form des Sonnenjahrs 
bezogen sind, die dann nur das tropische sein kann. 

Stellen wir die babylonischen Werte des Kidinnu und die modernen 
Werte für 300 v. Chr. gegenüber: 





Kidinnu 


modern Abweichung 


Tropisches Sonnenjahr j seö"* ö"» 41'" 41' 
Siderisches „ 366' ö** IS" 43'',4 
Anomalistisches „ SGö"» &^ 25"» 46" 


365" 5'' 48"" 57",7 
365'' e" 9» 9%3 
365'! 6" IS»» 47%4 


+ 7™ 16%7 1 

— 4" 34» 

— 11™58»,6 



Man sieht, die Abweichung des tropischen Jahres des Kidinnu vom 
modernen Wert ist zwar höher als beim siderischen, aber niedriger als 
beim anomalistischen Jahr. 

Man könnte nun einwenden, daß die Differenz von 44"* 5' zwischen 
den beiden von Kugler angenommenen Beträgen des anomalistischen 
Jahres an und für sich nicht groß genug sei, um den Beweis zu liefern, 
daß nicht beide Beträge sich auf das anomalistische Jahr beziehen. 

In Kolumne H könnte z. B. der niedrigere Betrag des anomalisti- 
schen Jahres um der bequemeren Rechnung willen eingeführt worden 
sein. Gegen diese Erklärung spräche schon der Umstand, daß in Ko- 
lumne H die Periode zugrunde liegt: 

163 Jahre = 2016 (synodischen) Monaten. 

In 163 Jahren wächst die Differenz des anomalistischen Jahres von 
Kol. H mit dem von Kol. A auf 163 mal 44"" 5« = 4^* 23*» 45"° 35', d. h. ein 
volles Sechstel des synodischen Monats, an. Ein Fehlbetrag von 5 Tagen 
im Lauf dieser Periode ist außer jeder Wahrscheinlichkeit und macht 
ihre praktische Brauchbarkeit völlig illusorisch. 

Entscheidend ist indessen eine andere Erwägung. 

Die Unterscheidung des anomalistischen vom siderischen Jahr^) be- 

1) Die Worte „anomalistisches", „siderisches" und „tropisches" Jahr sind 
modern. Für die Alten, auch für Hipparch (vgl. Ptolemaioa, Almagest III, 1 
ed. Heib. vol. I, p. 207: qpTjfflv ovxmg (seil. 6 ""InnaQxos)' awreraxcc Sh xal nsgl tov 
ivuxvaiov %q6vov iv ßißXim kvi, iv m &ito8eiKvvto, ort 6 xad'' ijXiov iviuvrof tovto 
Sk ylvtxai h XQ^'f'OS, iv at 6 ^Xiog &nb XQonfii inl rijv aitijv rgoniiv yivstai i) &7ib 



Anomalistieches Jahr in Kol. H? 235 

ruht darauf, daß man erkannt hat^), daß die Apsiden der Sonnenbahn 
(Apogäum und Perigäum der Sonne = Aphel und Perihel der Erde im 
kopernikanischen System) nicht auf der Ekliptik festliegen, sondern — 
im Gegensatz zu den Jahrespunkten, die sich im den Zeichen entgegen- 
gesetzten Sinne bewegen, so daß das tropische Jahr kürzer ist als das 
siderische — im Sinne der Zeichen fortrücken, das anomalistische Jahr 
also länger ist als das siderische. Solange man die Bewegung der Apsi- 
den nicht erkannt hatte, war die Unterscheidung des anomalistischen 
Jahres vom siderischen überflüssig. 



ißruiSQtag inl ttjv avTTjv l6ri(i8()t,av), der die Entdeckung der Präzession weiter- 
verbreitete, und die mittelalterlichen Astronomen gibt es nur ein Jahr, eben das 
tropische. Erst Kepler gebraucht (Epitome astronomiae 1. IV, ed. Frisch, Frank- 
furt 1866, p. 273, 435) die Worte annus sidereus und annus tropicus, soviel ich 
sehe, als erster. Copernicus in De revolatione orbium caelestium (Neuausgabe 
Thovn 1873) kennt sie noch nicht. Den Ausdruck „anomalistisches Jahr" ge- 
brauchen Kepler, Riccioli (1651) und Newton (op. ed. Horsley tom. III: Theoria 
lunae p. 245) noch nicht, sie reden nur vom ,,motus apogaei". Erstmalig finde 
ich revolution anomalistique und annäe anomalistique bei de la Caille, Le9ons 
älömentaires d'astronomie, 2''* ed., Paris 1755, p. 223. 369 und dann bei Lalande. 
1) Außer Kidinnu, für den Kugler^ Mondr. S. 95, die Annahme einer Be- 
vpegung der Apsiden im Sinne der Zeichen nachgewiesen hat, haben wir im 
Altertum niemand, der diese Annahme vertreten hätte. Nach Ptolemaios, Alma- 
gest III, c. 4 (ed. Heiberg vol I, p. 233) rrjv avxr\v &bI &i6iv o ^-nyisvrQog rov 
ijliov xvyiXog GvvrriQsl Tcgog rä xQoxiMa v.al IcruiEQivci 6i]\iBla. Der Araber AI 
Battäni (Albategnius), der Hipparchs Präzessionsbetrag verbesserte (in 66 Jahren 
1"), hat seine Beobachtungen des Apogäums (De motu stellarum, Nürnberg 1537, 
cap. 28, p. 27 — 29) vom Jahre 1194 der Seleukidenära = 883 p. Chr., in der er 
das Apogäum in 22** 17' geminorum fand, während es nach Hipparch bei Ptolemaios, 
Almagestlll, c. 4 (I, p. 233 Heib.) 24 y^" vor dem Sonnensolstiz, also in 5^30' ge- 
minorum lag, mit dieser Angabe des Ptolemaios nicht verglichen, wird also mit 
Unrecht von einer Anzahl moderner Gelehrter als Entdecker der Apsidenbewe- 
gung angesehen. Erst der Araber Arzachel (in den Libros del Saber de Astro- 
logia del Rey D. Alfonso de Castilia, herausgegeben Madrid 1863, genannt Abuizac 
el Zarquiel) hat auf Grund einer Vergleichung seiner Beobachtungen mit der des 
Albategnius und der Angabe des Ptolemaios im Jahr 1076 p. Chr. eine Bewegung 
der Apsiden angenommen, die er aber als bald rückwärts, bald vorwärts gerichtet 
ansah. Dann hat Copernicus in De revolutione orbium caelestium lib. III, cap. XX 
(p. 216 der Thorner Neuausgabe von 1873) den Nachweis erbracht, daß die 
Apsiden sich nur im Sinne der Zeichen bewegen, setzte aber den jährlichen 
Betrag des motus apogaei zu gering, auf 0" 0' 24" 20'" 14"" an (1. c. 1. III, 
c. 22, p. 222). Kepler bestimmte nach Erfindung des Fernrohrs im Jahre 1627 
in den tabulae Rudolphinae den Betrag der jährlichen Apsidenbewegung auf 
1' 2" 0'" "", also fast korrekt (der moderne oben angegebene Wert ist 1' 1", 
89 für 1900), in der Epitome astronomiae merkwürdigerweise schlechter auf 
1' 3" 0'" 0"". 



236 Betrag der PräzeBsioQ nach Eidinnu 

xMan vergleiche folgende Daten für 1900 n. Chr.: 



Dauer des Jahres im 



Bahn der Sonne 
(Ekliptik beweglich) im 



anotualistischen Umlauf 
siderischen „ 

tropischen „ 



366* 6" 13" 48^6 
365* C 0'° y",6 
365* 5'' 48"» 46» 



360» 1' 1",89 
360» 0' 50",2 
360» 



Vergleichen wir mit dieser Tabelle der modernen Werte die Be- 
träge der drei im System des Kidinnu vorkommenden Jahre und der 
ihnen entsprechenden Länge der Sonnenbahn: 





Dauer des Jahres im | JjS".-!® 'f ^?^^ 
(Ekliptik fest) im 

1 


anomalistisch. Umlauf nach Kol. A 
siderischen Umlauf 
„anomalistisch." Umlauf n. Kol. H 


365* e»" 25" 46" 360» 0' 29",8 

365*6''13'"43»,4 360» 

366* ö»» 41'" 41",6 369» 58' 4l",625 



Demnach war nach Kol. A der anomalistische Umlauf um 29",H 
größer, nach Kol. H um 1' 18",475 kleiner als der siderische. Nach 
Kol. A bewegen sich die Apsiden entsprechend den modernen Beobach- 
tungen seit Kopernikus im Sinne der Zeichen, nach Kol. H den Zeichen 
entgegengesetzt genau wie die Jahrespunkte. 

Daß aberKidinnu einen derartigen astronomischen Unfug 
begangen habensoll, daßerindereinenKolumnedieApsiden- 
bewegung im Sinne der Zeichen ansetzte, in der anderen die 
Apsiden den Zeichen entgegengesetzt sich bewegen ließ, ist 
völlig ausgeschlossen. 

Dann kann eben das „anomalistische" Jahr von Kol. H kein anoma- 
listisches sein, sondern ist das tropische. Der jährliche Betrag der 
Präzessiou ist dann 1' 18", 476, also etwas mehr als doppelt so groß 
wie bei Hipparch, der in 100 Jahren einen Präzessionsbetrag von 1° an- 
nahm, während nach Kidenas die Präzession der Jahrespunkte 1° schon 
nach 45,8 Jahren betrug. 

Zwischen Kol. H und I einerseits und A und B andererseits besteht noch 
eine andere wichtige Differenz. 

Nach Kol. I (Kugler S. 25) ist das Maximum, um das die Beträge der Kol. G 
erhöht oder erniedrigt Averden können: 32» 28' (2'' 9'° 52»). Der synodische Monat, 
der nach Kol. G (Kugler S. 24) im Maximum 29* 4« 29» 27' 5" beträgt, kann also 
bis zu 29* 5» 1» 56' 6" (29* 20'' 7'" 40" 20') anwachsen, und da nach Kol. G sein 
Minimum 29* 1" 62» 34' 36" ist, kann er bis 29* 1* 20» 6' 36" (29* 6"' 20"» 26' 20') 
sinken. Nun beträgt der mittlere synodische Monat nach Kol. G 29* 3" 11 »0' 60" 
(29* 12'' 44'° 3'' 20'). In ihm legt nach Kol. A die Sonne (Kugler S. 89) 29»6'19"20". 



Babylonische und griechische Astronomie 237 

zurück, der Mond also 389" 6' 19" 20'". Nun beträgt nach Kol. A der kleinste 
Weg der Sonne im Monat 28" 10' 39" 40'", der des Mondes also 388» 10' 39" 40'", 
Es ergibt sich also als kleinster Betrag des Monats infolge der Anomalie der 
Sonne aus der Proportion 29'' SM 1» 0' 50" : 380» (;' 19" 20'" = x -. 388» 10' 39" 40"'; 
a;= 29'*2''45»40'4",7. Die Differenz zwischen diesem Betrag (und analog 
zwischen dem größten Betrag des synodischen Monats infolge der Anomalie der 
Sonne) und dem mittleren synodischen Monat ist 

29" 3M1» 0' 50" — 29"» 2« 45» 40' 4",7 = 25» 20' 45",3. 

Nach Kol. 1 wären es 32» 28'. Das sind 7»8'14",7 (rund 28" 38") zu wenig. 

Es ergibt sich hieraus, daß Kidinnu das Maximum der Kol. I 
überhaupt nicht aus den vou ihm in Kol. A verwerteten Beträgen 
der Anomalie der Sonne abgeleitet, sondern offensichtlich empirisch 
aus den von ihm aus Beobachtungen und Berechnungen abgeleiteten kleinsten 
und größten theoretisch möglichen Beträgen des synodischen Monats gewonnen 
hat. Er hat also für die Daten der Kol. H und I die Anomalie der Sonne 
nicht allein als Ursache angenommen. Dann fällt aber jeder Grund 
für die Annahme, daß in Kol. H und I das anomalistische Jahr ver- 
wertet ist. 

Kidenas hat also das tropische Jahr vom siderischen un- 
terschieden und die Präzession der Jahrespunkte in seinem 
System erkannt und berücksichtigt. 

Hipparch hat also nicht nur seine Mondperioden und Angaben über 
den Jupiter, sondern auch die Entdeckung der Präzession dem Kidenas 
ohne Namensnennung entlehnt. 

Nicht Hipparch, sondern Kidenas ist der Entdecker der Prä- 
zession der Jahrespunkte und der größte Astronom des Al- 
tertums. 



§ 6. DIE BABYLONISCHE UND GRIECHISCHE ASTRONOMIE 
DER PERSER- UND HELLENISTISCHEN ZEIT 

F. Boll hat 1913 in seinem sonst äußerst dankenswerten und tief- 
gründigen Aufsatz 'Die Entwicklung des astronomischen Weltbildes im 
Zusammenhang mit Religion und Philosophie' in dem erst 1921 er- 
schienenen Bande 'Astronomie' des Sammelwerkes des Teubnerschen 
Verlags 'Die Kultur der Gegenwart' (3. Abtlg., 3. Bd.) das Verhältnis 
zwischen griechischer und babylonischer Astronomie folgendermaßen 
charakterisiert (S. 29): 

'Vielmehr wird sich das Verhältnis wohl so herausstellen, daß die 
Babylonier als sorgsame Beobachter und Rechner vielfach von hoher 
Bedeutung sind, während sie die systematische Verwertung ihrer Ergeb- 
nisse und die Ausbildung eines philosophisch begründeten rationellen 



238 Berossos nur Literat, nicht Astronom 

Weltbildes an Stelle ihrer primitiven Vorstellungen dem freien Greiste 
der Griechen überlassen mußten.' 

Ich glaube, daß sich das Verhältnis der babylonischen und grie- 
chischen Astronomie doch nicht ganz so herausstellen wird. Die Frage 
nach der Ausbildung eines philosophisch begründeten Weltbildes können 
wir hier beiseite lassen. Hierin waren die Babylonier zu sehr durch ihre 
theologisch-mythologisch-astrologischeTraditioiismasse und deren Wucht 
behindert. Daß ein großer Teil ihrer Astronomen nach dem Zeugnis 
des Strabo XVI^, 1, § 6 der Astrologie gegenüber sich ablehnend ver- 
hielt: TCQoenoLovvtui ÖS TLVsg xal ysvsd-kiaXoyslv, ovg ovx anodi- 
Xovtai ol hsQoi (also nur einige, wie Kugler, Mondr., S. 205 sehr 
schön betont, trieben Astrologie, die anderen, die Mehrzahl, woUte von 
ihr nichts wissen), zeigt uns aber, welch freie Stellung gegenüber der 
Überlieferung die babylonischen Astronomen schließlich doch einge- 
nommen haben. 

Etwas anderes ist die Frage, ob die Babylonier zu einer systema- 
tischen Verwertung ihrer Ergebnisse gekommen sind. Meines Erachtens 
strafen da die beiden großen Systeme des Naburi'annu und Kidinnu 
diese These Bolls Lügen. Sie sind meisterhafte systematische Zusammen- 
fassungen des mathematisch -astronomischen Könnens der Babylonier. 
Die Ausarbeitung dieser beiden Systeme fäUt aber in die Mitte und an 
den Ausgang der Perserzeit. Für Naburi'annu ist griechischer Einfluß 
ganz ausgeschlossen. Und gerade für sein System besitzen wir einen 
Lehrtext in der Tafel S -\- 2418. Von den Lehren der Babylonier über 
die Himmelskörper ist uns keilschriftlich nichts erhalten. Aber dürfen 
wir das argumentum e silentio überspannen? 

Der einzige Babylonier, von dem uns Lehren über die Himmels- 
körper erhalten sind, ist Berossos, wie wir im Eingang dieses Kapitels 
gesehen haben. 

Aber Berossos war nur Literat, dazu Astrolog, kein Astronom, kein 
schöpferisches Genie wie sein älterer Zeitgenosse Kidinnu aus Sippar. 
Die Astronomie erwähnt er in seinem Werke nur berührungsweise, wie 
wir in Kap. II gesehen haben. Als Priester von Babylon hat er zudem 
die Lehren der Schule von Babylon, also das System des Naburi'annu, 
des damals ältesten und rückständigsten aller drei astronomischen 
Systeme der Babylonier, vertreten. Daß er dieses System mit griechi- 
schen astronomischen Theorien verquickt habe, erscheint mir wenig wahr- 
scheinlich. 

Berossos schrieb zu einer Zeit, als die babylonische Astronomie mit 
Kidinnu ihren Höhepunkt schon erreicht hatte und ihre Schöpferkraft 



Blüte der babylonischen Astronomie fällt in die Perserzeit 239 

fast erloschen war. Wohl hat ein Späterer eine Kolumne der Mond- 
Sonnen-Berechnungs-Tafeln des Kidinnu durch drei feinere ersetzt. Das 
ist aber auch alles, was wir über Neuerungen der babylonischen Astro- 
nomen der Seleukiden- und Arsakidenzeit wissen. Sie waren Epigonen. 
Ruhig gebrauchten sie die in ihrer Schule jeweils üblichen Systeme 
weiter, ohne daß eines der drei die beiden anderen zu verdrängen ver- 
mochte. 

Die große schöpferische Zeit der babylonischen Astro- 
nomen, in der sie die seit Nabonassar angestellten Beobach- 
tungen zu drei großen einander verbessernden Systemen 
rasch nacheinander verarbeiteten, ist die zweite Hälfte der 
Perserzeit bis in den beginnenden Hellenismus hinein, die 
Zeit von 427 bis 314 v.Chr. 

Während Naburi'annu schon 427 v. Chr. in seinem System die Un- 
gleichheit der Jahreszeiten verwertet und sie mit rund 94j, 92|, 88^, 
89|(, Tagen ansetzt, setzte sein Zeitgenosse, der Grieche Euktemou, nach 
dem Zeugnis des Eudoxos-Papyrus sie zu 93, 90, 90, 92, Demokritos zu 
91, 91, 92, 91, Eudoxos zu 92, 91, 91, 91 Tagen an. Letztere beiden 
betrachteten also die Jahreszeiten noch als gleich. Erst Kalippos 
330 V. Chr. setzte sie zu 95, 92, 89, 90 Tagen richtig au. 

Aber die Methode der Berechnung der Jahrespunkte (Kugler, Mondr. 
S. 95 — 102), die Kidinnu darbot, war gegenüber der des Naburi'annu 
wieder bedeutend verfeinert, wenngleich sich die absolute Länge der 
Jahreszeiten, da uns die genaue Lage der Apsiden in seinem System 
nicht bekannt ist, nicht bestimmen läßt. Hipparch bot (vgl. Kugler, 
S. 93) in der Mond-Sonnen-Berechnung nichts Besseres. Er hat in ihr 
einfach die Werte des Kidinnu abgeschrieben. Lediglich den Betrag des 
tropischen Jahres hat er abgeändert (s. oben S. 236). Während Kidinnu 
ihn mit 365*^ 5^ 41»" 41 »,6 ansetzte, der moderne Wert für 300 v. Chr. 
sich auf S6b^ b^ 48"^ bV,l beläuft, das Jahr des Kidinnu also um 7"^ 16« 
zu klein ist, hat es Hipparch zu Söö'^ö'^öö" 12", also 6"^ 14^,3 zu groß 
angenommen, also keineswegs verbessert. 

Sehr interessant ist noch, zwecks V^ergleichung der Werte der Babylonier 
und der Griechen auch die Werte der Schule von Uruk zu berechnen. 

Wir haben oben (S. 221) auf Grund der Angaben des Geminos und Ptole- 
maios (s. oben S, 124—127) erwähnt, daß die „Chaldäer" 669 synodische Monate 
= 19 756 Tagen setzten, und daraus den Wert des synodischen Monats zu 
29^ 12'' 44™ 7'',5 bestimmt. Dabei haben wir die Angaben des Ptolemaios (s. o. 
S. 124) außer acht gelassen, daß diese Bestimmung der Gleichheit der Perioden 
des synodischen, anomalistischen, drakonitischen und siderischen Monats und des 
Sonnenlaufes nur i'yyiöTo; gilt, also fast ganz genau, aber nicht absolut genau. 



240 



Resultate der babylonischen und griechischen Astronomen 



Betrag des 



Jahres 



siderischen 
tropischen 

Frühling 

Sommer 

Herbst 

Winter 

synodischer Monat 
siderischer „ 

anomalistischer „ 
drakonitischer ') „ 
tägliche Geschwindig- 
keit des Mondes . . 
monatliche Geschwin- 
digkeit der Sonne bei 
fester Ekliptik . . 



Naburianoa 
ca. 426 V. Chr. 



} 365'' 



6" 16» 40«,8 
94<»,50 

89<»,54 
29" 12»' 44"' 5%1 
2^d 7«. 43m 16» 
27<» IS*« IS-" 35",3 
27«' 5'' ö"» 36",7 

13° 30' 30" 



Schule von Uruk 
ca. 860 V. Chr. 



365"' 6' 



29«* 12'' 44'" 8%2 
27d 7h 43» 3«^8 

27^13" 17«" 16%3 
27a 5h 5m28»^8 

IS" 10' 35" 



Kidenas 
ca. 316 V. Chr. 



3 er)" 6** 13"" 

365" 5" 41"' 
? 



29" 12»' 44'° 
27" 7»' 43-" 
27" 13'' 18"° 
27" 6^ 5"» 



43",4 
W,6 



3",8 
14" 
34%9 
35",8 



rd. 130 10' 86' 



29'>6'19"1"',2 I 29»6'28"4"',7 j 29» 6' 19" 20'" j 



Nun sind 19756 Tage = 54 Sonnenumläufe plus 32", also 19766" = 19742». 

Dann können wir die Länge des Sonnenjahres aus der Proportion ableiten: 

19472" 
360" : ----- = «' : 1" ; x = 365" 6" 0'" 53%3. 

Dieser Wert grenzt aber so nahe an 365" 6^ =^ 365^ Tag, daß wir annehmen 
dürfen, daß die Chaldäer in diesem System das Sonnenjahr auf 

365^- Tag 
bestimmten. Dann beläuft sich aber der Betrag, in dem die Sonne 19472" zu- 
rücklegt, auf 19 755" 23'' 12"', einen iisliy^iog, das Drittel davon also auf 6585" 7'' 44". 

Qß/\0 

Die tägliche Sonnengeschwindigkeit ist dann —— - =0"59'8"15"'16"",6; die 

19472" 
monatliche = _. = 29" 6' 22" 4"',7. 

19756" 23'' li"» .„, ... 61 

669 



669 



29'' 12'' 44° 3" ^ - , also 
223 ' 



Der synodische Monat ist gleich 

gleich dem Wert des Kidinnu. 

Der anomalistische Monat belauft sich auf 27" 13'' 17'"15'',3; 

der drakonitische Monat auf 27" 5»' 5"" 23%3; 

der siderische Monat auf 27" 7'' 43"» 8*,8. 

In der obigen Tabelle sind nun die Werte des Naburianos, der 
Schule von Uruk, des Kidenas, der griechischen Astronomen Euktemon 
(zirka 430 v. Chr.), Kalippos (330 v. Chr.), Hipparchos (150 v. Chr.) 
und schließlich die modernen Werte (Sonnenjahr für 300 v. Chr., Jahres- 
zeiten für 200 V. Chr., Werte der Monate für 1900 n. Chr.) zusammen- 
gestellt. 



1) Der drakonitische Monat des Naburi'annu ist von Kugler 
(Mondr. S. 133) durch ein astronomisches Versehen völlig falsch be- 
stimmt worden. 

Kugler nimmt dort bei der Ansetzung der Formel 11^68268-1-13^608204-4^8 
an, daß der Mond im Jahr zweimal den Knoten in der Breitenbewegung pas- 



Drakonitischer Monat des Naburianos 



241 





Euktemon 


Kalippos 


Hipparchos 


modern 




ca. 430 V. Chr. 


ca. 330 V. Chr. 


ca. 150 V. Chr. 




j 366'' 6'' 18" 56%8 


1 S&6^ 6" 


= Kidenas 
365^ 5" öS"" 12« 


365'* 6" 9" 9%3 
365'*5"48'°57«,7 




93 


95 


94'» 13" 


94<»,64 




90 


92 


92^ 13" 


92^,31 




90 


89 


SS-» 2" 


88'»,22 




92 


90 


90'! 2" 


90^28 




29'ä 12" 45'» 57»,4 


29<i 12" 44™ 26',5 


= Kidenas 


29<*12"44'" 2%68 




— 


— 


= Kidenas 


27d 7h43.uiiB55 




— 


— 


= Kidenas 


271 13" 18™ 33»,1 




— 


— 


== Kidenas 


27'! 5" 5™ 36» 




— 


— 


= Kidenas 


13" 10' 35",0S 




— 


— 


i 


29» 6' 20" 20"',04 



siert. Das wäre richtig, wenn der drakonitische Monat gleich dem 
siderischen wäre. Da er aber kleiner ist als der siderische, passiert nach 
einer bestimmten Anzahl Monaten der Mond im Jahre dreimal den Knoten. 

Kol. C, an die Kol. E im rechnerischen Aufbau sich anlehnt, ist (Kugler, 
Sternkunde II 1, S. XIII) auf der Periode aufgebaut: 225 Sonnenjahre = 2783 syno- 
dische Monaten. Nach Kol. E fallen auf diese Periode 2783 -}-a; drakonitische 
Monate. In x drak. Monaten passiert der Mond 2 x mal den Knoten , anderer- 
seits legt der Mond in einem drakonitischen Monat 4 • 7^ 12^^ = 28 48^^ in Breite 
zurück. Es ist also (vgl. Kugler, Mondr. S. 133) die Gleichung anzusetzen: 

166 



225 



1^ 58" 45™ 42 



.IV ^225- ^,^-2^ 6 
' 30 



I aU -i cIII t oIV 



15™42^^-fa;.2-2^24" = a;- 28^48° 



Rechnen wir die Werte aus und vereinigen die x auf einer Seite, so er- 
halten wir: 
2628^ 35" 29^" 36^''^ + 3061^ 50" 43^^ 30^^ = x • (28^ 48" — 2-2^ 24") = r • 24^ 

5690^ 26" 13"^ 6^^ 
= X 

24^ 

.1 ocll 



a; = 237 -f 



2^ 26" 13"^ 6* 
24? 



In 2783 synodischen Monaten legt also der Mond 2783 + 237 == 3020 dra- 
konitische Umläufe und außerdem 2^26" 13"^ 6^"^ in Breite zurück. 2783 synod. 



Monate sind also gleich 3020 -|- 



2^26"l3"l6^^ 



3020 



87731 



drak. Monaten. 



24'- 864000 

Verwandeln wir den Bruch in eine ganze Zahl, so erhalten wir die Periode: 

194 400 000 Sonnenjahre = 2404512000 synod.Monaten = 2609367731 drakon.Mon. 

Da nun der synodische Monat des Naburi'annu = 29"^ 12" 44™ 5» 5* 30"", so 
, ^, . , 2404512 000 •29<i 12" 44™ 5" 5*30"" , , 

erhalten wir aus der Gleichung r --.,„, .=-;^^ = x den ara- 

'i dUj' ob V <o1 

konitischen Monat des Naburi'annu zu 27* o'' 5™36%7. Der Unterschied 
von 26 Minuten, den Kuglera. a. 0. S. 133 zwischen dem drakonitischen Monat 
des Naburi'annu und dem modernen Wert findet, reduziert sich also auf 0,7 Sekunden. 

Schnabel; Berossos und die babylonigch-helleniatische Literatur 16 



242 Die Berliner astronomische Keilschrifttafel TAT 7809 fü 

(Neulicht 





KoL B 

' 


Kol. F'. 
I nill IV 


Kol. F. 
(ber.) 

' /' 


K0I.H 
' " 


Kol. I. 
' " 


Kol. D'. 
z 


Ob- 
Vers 

8. 


[118 Addaru 

[119 Nisannu 

[ Ajijaru 

Sivannu 


arietis] 
tauri] 
[ ] 10 gemin. 
2 50 cancri 


[1 59 31 40] 11 67 10 
[2 5 31 40] 12 33 10 
2 1131 40 13 9 10 
2 17 31 40 il3 46 10 


20 42 30 
14 30 

7 42 30 

55 


[11 61 24 lal] 
[26 21 24 lal] 

30 62 6 lal 

31 47 6 lal 


[ musi 
[ ] musi 
2 30 musi 
2 27 musi 




Du'zu 


1 Iconis 2 23 31 40 


14 21 10 


5 52 30 


27 16 36 lal 


2 31 musi 


6. 


Abu 


29 SOleonis ' 2 29 31 40 


14 57 10 


12 40 


14 36 36 lal 


2 42 musi 




Ululu 


28 virginis 2 29 60 


14 59 


19 27 30 


4 60 54 tab 


2 56 musi 




Tisritu 


27 librae , 2 23 50 


14 23 


16 46 


20 36 64 tab 


3 16 musi 


9. 


Arahsavna 26 scorpii 


2 17 50 


13 47 


8 57 30 


29 33 24 tab 


3 27 musi 




Kisilivu 


25 ! arcit. 


2 1160 


13 11 


2 10 


31 43 24 tab 


3 32 musi 




Tebetu 


26 50 capri 2 5 50 


12 36 


4 37 30 


28 35 18 tab 


3 30 musi 


12. 


Sabatu 


25 40 amph. 1 59 60 


11 69 


11 26 


17 10 18 tab 


3 20 muäi 




Addaru 


25 20 pisc. 1 53 50 


11 23 


18 12 30 


1 2 12 lal 


3 4 musi 




Addaru II 


24 30 arietis 1 53 51 40 


11 23 10 


17 


18 2 12 lal 


2 46 musi 


15. 


[120 Nisajnnu 


23 30 tauri 169 51 40 


11 59 10,10 12 30 


28 14 42 lal 


2 34 musi 


1 
i 

1 "Ö 

a 


[ Ai^aru 


22] 10 gemin. 


2 5 51 40 


12 35 10 


3 26 


31 39 42 lal 


2 28 musi 


Ee- 


[ Sivannu 


cancri] 


[2 11 51 40] 


13 11 10 


3 22 30 


[29] 54 lal 


2 28 musi 


vers 


[ Du'zu 


leonis] 


[2 17 51 40] 


13 47 10 


10 10 


19 44 lal 


2 37 musi 


3. 


[ Abu 
[ Ululu 


virginis] 
librae] 


[2 23 61 40] 
[2 29 6] 140 


14 23 10 
14 59 10 


16 67 30 

18 16 


2 46 30 lal 
15 28 30 tab 


2 52 musi 

3 10 musi 




[ Tisritu 


scorpii] 


2 29 30 


14 57 11 27 30 


26 66 tab 


3 23 musi 


6. 


[ Arahsavna 


arcit.] 


2 23 30 


14 21 1 4 40 


31 36 tab 


3 31 muii 




[ Kisilivu 


] 40 capri 


2 17 30 


13 45 2 7 30 


31 12 42 tab 


3 33 musi 




[ Tebetu 


14 40 amph. 


2 1130 


13 9 


8 66 


22 17 42 tab 


3 24 musi 


i ^• 


[ Sa]batu 


14 30 pisc. 


2 5 30 


12 33 


16 42 30 


6 35 12 tab 


3 10 musi 




Addaru 


13 60 arietis 


169 30 


11 57 


19 30 


12 64 48 lal 2 53 musi 

1 


I 

I 


levers Zeile 11 
ievers Zeile 12 


: Enthält Namen und Genealogie des Besitzers der Tafel. 

: Uruk" "■*- Tebetu amu ?[''*" sanat 117"^ an-ti-'u-k]u-8u u" an-ti-'u 


i 

i- 


[ol. F ist von 
Lus den bisher 


ku-su mari-su sarrani™*'*. 

Uruk, Monat Tebet, 7. Tag, Jahr 117 (der Sel.-Ära), (als) Antiochos (III. 
und Antiochos (älterer, Herbst 193 verstorbener Bruder des Antiochos IV. 
Epiphanoa Könige (waren). 

mir durch Multiplikation der Werte von F' (Kugler, Mondr. S. 111) mi 
6 berechnet. Sie beweist die Existenz der Gleichung 251 synodischi 
= 269 anomal istischen Monaten für das Jahr 194 v. Chr., Kol. H is 
von mir aus den DiflFerenzen von I (Kugler, Mondr., S. 25) gewonnen 
Der zweite Teil der am Hand stehenden Kol. i ist, da zu beschädigt 
nicht reproduziert, ebenso wegen Platzmangels Kol. f, g und h. 

publizierten Tafeln des Systems des Kidinnu nicht bekannt ist Kol. n 



















lie Jahre 118 und 119 Sel.-lra = 194 3 und 193/2 v. Chr. 

afel.) 



243 



Kol. E 
' 



Kol. L'. 



jKol.L. 

j d z 



Kol. 1. 



Kol. n. 



Kol i. 



L 

2!50 

J 30 

r 20 

) 30 

l 40 

50 

10 

t 10 

! 10 

'!40! 

( 40 

10 

60 

40 



sik] 
Bik 



Addaru 
Nisannu 
bar 'A^aru 
lal Sivannu 
lal IDu'zu 
lal 'Abu 
lal iUlulu 
lal [Tisritu 
sikl'Arahsavna 
sik Kisilivu 
sik iTebetu 
sik ISabatu 
sik Addaru 
bar jAddaru II 
lal jNisannu 
lal Ajiaru 



30128 5 25 

l|28 2 41 
30.28 5 26 

1:28 1 49 
30:28 3 53 
30 28 6 47 

1I28 1 51 
30'28 4 33 

lj28 146 
30|28 5 24 

128 3 21 

128 130 
30 28 5 52 

128 3 47 
30 29 1 19 

l'28 4 25 



sa LU- 
sa LU- 
saLÜ- 
saLÜ- 
saLU- 
saLU- 
saLÜ- 



BAR 10 
BARI 
BAR 4 60 
BAR 6 10 
BAR 8 20 
BAR 3 40 
BAR 1 40 



lal 
lal 
lal 
lal 
lal 
lal 
lal 



sa SIK-s[u 
sa SIK- SU 
BAR- 
sa LAL-su 
sa LAL-su 
sa LAL-su 
sa LAL-8U 
sa LAL-su 
sa SIK-su 
sa SlK-su 
sa SIK-su 
sa SIK-su 
sa SIK-su 
BAR- 
sa LAL-§n 
sa LAL-su 



] 
10 [ ] 
ma 

1 40tab 

2 50tab 
5 40tab 
2 20tab 

SOtab 

[ ] 

2 10 lal 
5 40 lal 

3 10 lal 
1 40 lal 

ma 

20tab 

1 aotab 



[118 Nisannu 1] 

[ A^aru 30] 

Siva[imu 1] 

Du'zu 30 

Abu 30 

ülulu 1 

Tisritu 30 
Arahsavna 1] 

Kisilivu 80 

Tebetu 1 

Sabatu 1 

Addaru 30 

Addaru II 1 

119 Nisannu 30 

Sivannu 30 



119 



20 
30 
40 
20 
10 
10 
10 
40 
40 
10 



lal Sivannu 
lal iDu'zu 

lal Abu 

I 
bar Ululu 

sik Tisritu 

sik Arahsavna 

sik Kisilivu 

sik jTebetu 

sik Sabatu 

bar Addaru 



[ ][8a LAL-su 

[ ][Ba LAL-su 

[ ' ] [sa LAL-su 

[ jtBAR- 

8[a]L[D]-BAR330lall8a SIK-su [ 



30 29 1 10 

i;28 3 43 

lJ29 10 

ll28 2 34 
30l28 5 

1128 1641 saLU-BAR 
3o|28 5 1oj 

li28 2 40' 
30'29 16 

128 3 55 



tab]| [ 
tab]i[ 
tab]! [ 
ma]![ 
lalj ![ 



2 10 lallsa SIK-su 

isa SIK-su 
jsa SIK-su 
jsa SIK-su 
BAR- 



2 30 lal 
4 50 lal 
2 20 lal 
1 10 lal 
ma 



120 



Du'zu 1] 

Abu 1] 

Ululu 1] 

Tisritu 30] 
Arahsavna 1] 

Kisilivu 30 

Tebetu 1 

Sabatu 30 

Addaru 1 

Nisannu 1 



Sie beweist, daß Kuglers Vermutung (Mondr. S. 113), daß Kol. E ihre 
Verwertung in einer späteren Kolumne fand, richtig war. 

ie Auslassung von Kol. A, C, H, k und m, insbesondere die ganz sinnlose von Kol. G, 
die Verkürzung der Werte in fast allen Kolumnen bis zur Unbrauch- 
barkeit zeigen, daß die Tafel ein Auszug aus einer genauer gearbei- 
teten ist. Dazu treten Flüchtigkeiten (Obvers. Zeile 9, Kol. E: sik statt 
bar, der Fehler in Kol. n wiederholt!). 

»er auch so zeigt die Tafel (vgl. Kugler, Mondrechnung; Epping, Astronomisches aus 
Babylon 1889; Sidersky, Le calcul chaldeen des nöomönies in Revue 
d'Assyriologie XVI S. 21 — 36, mir nicht zugänglich), daß das System 
des Kidinnu schon im Jahre 194 v. Chr. verbanden war. 

IS in der Unterschrift abgebrochene Datum der Seleukidenära ist erhalten in Kol. i, 
Obvers 14 und Revers 10 sowie Kol. L Rand. 

;1. im Text S. 216 — 6 und 221. 



16' 



244 



Die Berliner astronomische Keilschrifttaf 

Obve 





Kol. A (erg.) ^^^' ^^^^'S-) 


Kol. C (erg.) 


Kol. D (erg.) 




Kol. G. 




^ '^■l II III IV V VI 


' " 


z ' " 











1 


262 Addaru II 


2 5 59 4 26 40 


22 41 16 arietis 


3 8 27 30 


13 


8 


[23 


26 15 




263 Nisannu 


2 3 13 8 63 20 


20 48 46tauri 


3 24 19 30 


12 


26 


23 


26 15 


3. 


Aijaru 


2 27 13 20 


18 66 16 gemin. 


8 33 11 30 


11 


44 


23 


26 15 




Sivannu 


1 57 54 37 46 40 


17 3 45 cancri 


3 35 18 30 


11 


5 


45 


56 15 




Du'zu 


2 40 33 20 


15 11 15 leonis 


3 29 55 30 


11 


47 


45 


66 16 


6. 


Abu 


2 3 26 28 53 20 


13 20 virginis 


3 17 46 40 


12 


29 


45 


56 15 




Ululu 


2 6 12 24 46 40 


13 20 librae 


2 67 46 40 


13 


11 


45 


56 15 




Tisritu 


2 8 58 20 


13 20 scorpii 


2 38 40 


13 


53 


45 


56 16 


9. 


Arahsavna 


2 11 44 15 33 20 


13 20 arcit. 


2 27 33 20 


1[4 


35 


46 


66] 16 


1 


Kisilivu 


2 14 30 11 6 40 


13 20 capri 


2 24 26 40 


1[5 


17 


46 


56J 16 




Tebetu 


2 16 53 31 6 40 


13 20 amph. 


2 29 20 


15 


[64] 


2 


48 46 


12. 


Sabatu 


2 14 7 36 33 20 


13 20 pisc. 


2 42 13 20 


15 


12 


2 


48 45 




Addaru 


2 11 21 40 


12 18 45 arietis 


8 1 32 30 


14 


SO 


2 


48 46 


Reve 




Kol. A (erg.) 


Kol. B (erg.) 


Kol. C (erg.) 


KoLD (erg.) 




Kol. G. 


I 


I II ni IV V VI 


' " 


z ' " 











i 

263 Nisannu 


2 10 17 40 


6 46 scorpii 


3 17 50 


[14] 


13 


36 


37 30 


i Aij^ru 


2 13 3 35 33 20 


4 52 20 arcit. 


3 29 57 


[14] 


56 


35 


37 30 


3.1 Sivannu 


2 16 49 31 6 40 


3 capri 


3 86 4 


[15] 


37 


36 


87 30 


Uu zu 


2 15 35 11 6 40 


1 7 30 amph. 


3 33 11 


[15] 


34 


13 


7 30 


Abu 


2 12 49 16 33 20 


29 15 amph. 


3 24 18 


[14] 


52 


13 


7 30 


! 6. 


Ululu 


2 10 3 20 


28 20 pisc. 


3 7 46 40 


14 


10 


13 


7 30 




Tisritu 


2 7 17 24 26 40 


28 20 arietis 


2 47 46 40 


13 


28 


13 


7 30 




Arahsavna 


2 4 31 28 63 20 


28 20 tauri 


2 32 40 


12 


46 


18 


7 30 


9. 


Kisilivu 


2 14 6 33 20 


28 20 gemin. 


2 25 33 20 


12 


4 


13 


7 30 




Tebetu 


1 58 59 87 46 40 


28 20 cancri 


2 26 26 40 


11 


22 


13 


7 30 


j 


Sabatu 


1 59 22 13 20 


28 20 leonis 


2 35 20 


11 


27 


66 


15 


12. 


Addaru 


2 2 8 8 53 20 


28 15 virginis 


2 62 10 


12 


9 


56 


15 


264 Nisannu 


2 4 54 4 46 40 26 22 30 librae 

1 


3 10 55 


12 


51 


56 


15 






Rand 








Zeile 1 : [ter-si-Jtum" "" Nabu-ri-man-nu sa satti (3. 


19 =) 199 8[a> 


>i-i satti [4. 23 


=.] 263^ 


Mondrechnungstabelle des Naburi'annu vo 


m Jahre 199 


(der . 


^rsakidenära), d 


gleich ist dem Jahre 268 (der Seleukidenä 


ra). 










Zeile 2 u. 3 (sehr beschädigt) enthalten Namen v 


ind Genealog 


e des Schreibers. D 


Name des Ausfertigvmgsortes der Tafel isl 


nicht erhalte 


n. 








! Kol. A ist auf Grund von Kol. M und N und Ran 


d Zeile 1 erg 


änzt. 


Kol 


. B 


ist aus 


und H berechnet, Kol. C (zunächst Revers 


am Kol. I. 


Kol. 


D aus Kol. C Ol 



iT 209 TOm Jahre 263 SeL-Ära « 49/8 v. Chr. 

eumondeX 



245 



Kol. H. 



Kol. I. 



Kol. K. 















Kol L. 

z ' 



Kol. M. 
d z 



K0I.N. 



37 1 58 

2 50 37 

28 39 15 

52 5[1] 47 
;4]9 [17] 5[4 

23 48] 53 

58 [0 1]4 

32 11 3[6] 

6 22 5[7 

43 32 2 
40 
40 

47 35 



6 
13 
20 
26 
26 



40 
40] 



31 

2 
33 
24 

4 
20 

48 [5]3[20J 
1[7] 46 [40] 
46 40] 
[18 20] 



6[2 7] 1 
57 3 45 
57 4 46 
57 3 [45 

57] 3 [45 



5[6 25 42] 30 l[al] 



SOlal 
lal 
lal 
lal] 
lal] 



[3]1 4 2 SOlal 



9 25 45 lal 2 

7[5]6 lal 2 
[4 2]6 lal 3 
[0 66] lal 4! 
2 [34] tab 3 
6 4 [25 tab] [3 
10[u]8 [tab][ 
9 [33 20 tab] [ 
6 33 20 tab 3[ 
1 33 20 tab 12 45 



35 29 
57 51 
23!54! 
64 52 



52! 17! Du 



Ad. 

Ni. 
AI 
Si? 



SüNi 



33 



2 26 40 lal 
6 26 40 lal 
9 30 36 lal 



8j 
] 
] 
] 
5 
37 33 
3[3 33] Sa 
[7 5]lAd. 



Ab. 
ül. 
Ti. 
Ar. 
Ki. 
Te. 



II 29 3 32 58 
28! 35 7SÜ 

3 11 13 Sü 

4 16 21 SU 
24 4 Sü 
2 5[0 56 Sü 

SU 
SU 
29! [8 48 68]SÜ 

28 [1] 3 53 SU 
2[8]4 26 20 Sü 

29 1 62 47 SU 
29! 5 46 56 



29 
29 
28 
28 

29[ 



SUM 



1 

Ai. 30 
SL 1 
Du. 1 
A. 1 
Ul. 30 
Ti. 30] 
Ar. 1 
Ki. 1 
Te. 30 
Sa. 30 
Ad. 1 
30 



ollmonde). 



Kol. H. 







Kol. I. 







Kol. K. 







Kol. L. 

z ' 



Kol. M. 
d z 



K0I.N. 



20! 0! 29! 

54 11! 52! 

40 

40 

40 4]3 48! 

6]8!52! 13 

24 50 51 

50 39 30 

16 28 8 

42 16 47 

56 16 17 

36 

10 11 21 



87 [6 40] 
6 40 



13 20 

20 

61 6 40 

22 13 20 

53 20 

24 26 40 

46 40 

28 53 20 



[57 3 4]5 

57 3 45 

57 3 45 

57 3 45 

27 63 60 



2 32 10 
57 3 45 



lal 
lal 
lal 
lal 

[lal] 



lal 
lal 



9 22 

6 3 
2 33 
26 
4 26 
8 15 

10 US 

7 33 
2! 33 
26 
4 26 

8 26 

9 22 



! 30 lal 

SOlal 
SOlal 
30 tab 
30 tab 
60t[a 

tab 
20 tab 
20 tab 
40 [lal] 
40 lal 

lal 
3[0]lal 



,b][2] 



2 18 34! Ni. 

1 54! 4 Ai. 
1 40 24 Si. 
1 42! 67! Du. 
1 58! 7 Ab. 

39 14 
[3] 34 51 

3 68 13 

4 20 1 
4 41 50 
4 61 50 
4 26 3 
3 3 46 



Ul. 
Ti. 
Ar. 
Ki. 
Te. 
Sa. 
Ad. 
Ni. 



[1]5 6 
16 2 
13 3 40 
13 6 23 
18 1 11 
1]3 3 50 
14] 1 25 
13 6 28! 
3 43 
2 25 
1[1]7 
5 42 



13 
14 
14 
14 



14? 2 46 



[3] DU 

7 DU 

31 DU 

28 DU 

36 DU 

49 DU 

50 DU 
[ JDÜ 

54! DU 
44 DU 
34 DU 

37 DU 
22 DU 



fehlt 



Kol. K nachgeprüft. Schreib- und Rechenfehler des babylonischen Schreibers sind durch 
! gekennzeichnet. Kol. F und wurden, da zu stark beschädigt, nicht repro- 
duziert. Durch die zu starke Beschädigung von F war die Ergänzung von 
Kol. E nicht möglich. Kol. F vrar für alle Monate berechnet. 

I Ergänzungen der Kolumnen B, C und D erfolgte selbstverständlich unter Benutzung 
von F. X. Kugler, Babylonische Mondrechnung (1900). Vgl. im Text S. 222—3. 



ßERICHTlGÜNGEN UND NACHTEÄGE ZU KAP. I— YlII 

Kap. I, S. 10, Z. 9 V. 0. lies soUertia. 

S. 12, Z. 15 V. u. lies obtinuit in toto. 

Kap. n, S. 18, Z. 10 V. 0. lies Et talem für De tali. 

S. 18, Z. 21 V. o. lies Toiccvra für Tota. 

S. 23, Z. 5 V. o. lies (ivrniovsvei. 

S. 24, Z. 13 V. 0. lies Daß für Das. 

Zu Kap. IIl: Daß Kleitarchos den Berossos benutzt hat, möchte ich nach den 
Ausführungen von F. Jacoby in Pauly-Wissowa-Kroll, RE'' XI, 622—654, bes. 
S. 663 nicht mehr behaupten. Die Benutzung des Pätrokles durch Kleitarchos 
ist mir nach Jacobys Ausführungen 627—8 sehr zweifelhaft geworden. Die Be- 
rührungen des Kleitarchos mit Berossos sind dann aber nicht mit v. Gutschmids 
ionischen Logographen (Kl. Sehr. IV, 519, dazu oben S. 40), den Jacoby a. a. 0. 
663 wieder hervorholt, zu erklären, sondern wir werden auf jene unbekannten 
vorberossischen BaßvXcoviuxä hinweisen müssen, die auch Eudemos von Rho- 
dos benutzt hat und auf deren Existenz ich S. 108 und 226 dieser Arbeit hin- 
gewiesen habe. 

S. 38, Z. 20 V. 0. lies: den Ktesias korrigierte. 

S. 38, Z. 9 V. u. lies: Daß aber Curtius. 

S. 42. Die Tafel des Weltachöpfungsepos , die den Bau von Babel be- 
richtet, ist inzwischen bei den deutschen Ausgrabungen in Assur gefunden und 
von Ebeling publiziert worden. 

S. 44, Z. 12 V. 0. lies Tgiccxocicav. 

S. 46, Z. 13 u. 14 V. u. lies: und nochmals im Frühjahr 323 vor seinem Tode. 

Kap. IV § 1. Die Benutzung babylonischer Mythen bei dem Samaritaner 
glaube ich heute nicht mehr durch literarische Benutzung des Berossos, son- 
dern durch mündliche Tradition — die Samaritaner sind bekanntlich durch Ver- 
schmelzung babylonischer Kolonisten mit den Resten der israelitischen Stämme 
des Nordreichs entstanden — erklären zu müssen. 

S. 90—91. Die Herleitung von Hyginus, Fabula 148 aus Berossos halte ich 
heute nicht mehr aufrecht. 

S. 91, Z. 3—10 sind auf Grund von E. Karst, Gesch. d. hell. Zeit. II, S. 197* 
zu streichen. 

Kap. V, S. 98, Z. 13 lies Berosus. 

S. 108, Z. 16 lies zugeschrieben. 

S. 112, Z. 7 lies citra für citora. 

S. 113, Z. 20 lies: vgl. unten — z. B. in lib. XV, c. 6. 

S. 116, Mitte. Ich bedaure heute die ungeschickte Form der Kritik der 
Aasführungen eines Gelehrten von den Verdiensten von Rehm, habe aber sach- 
lich nichts zu ändern. 



Berichtigungen und Nachträge zu Kap. I — VIII 247 

S. 120 ist zu den Kritodemosfragmenten hinzuzufügen: 18. Ex anonymo. 
Text publiziert von P. Boudreaux in CCAG VIII, p. 102, 1. 1—16. (Codex Pari- 
sinus 2425, describetur in CCAG VIII, 4). 

Lemma: KQixoSrmov 6vyv.s(f>aXciia)(Sig. Inhaltsangabe von Kritodemos' 
Werk, aus der sich ergibt (nach Boudreaux 1. c. p. 102 n. 1): Vettius Valens 
multa ex Critodemi libris se excerpsisse fatetur (cf. p. 374 ed. Kroll); plura ex 
eodem fönte eum hausisse ex hoc summario apparet, nam quae hie enumeran- 
tur usque ad v. 12, capita sunt i^' — kS' libri IV Anthologiarum (p. 189—200 
Kroll). Sequentia omisit Valens aut librarius. 

S. 133, Z. 3 lies IV, c. 9; 720/19 ibidem und c. 7; nochmals 720/19 ibidem; 
621/0 Hb. V, c. 14. 

S. 133, Z. 4 lies 382/1 1. IV, c. 11. 

Kap. VI, S. 143, Z. 20 lies 696/ö. 

S. 146, Z. 17 lies: (Gott Asur gab einen Bruder). 

S. 147, Z. 16 lies: (selbstverst. nach Sardanapallos). 

S. 151 flf. Die Benutzung des Berossos in diesem Fragment ist mir jetzt 
zweifelhaft. 

S. 157, Z. 11 lies: in den Text interpoliert. 

S. 157, Z. 7 V. u. lies: Arnos 2 Jahre. (Der Text des Eusebios bietet irrig 
12 Jahre). 

S. 159, Z, 8 ff.— 160 Mitte. Zu streichen, vgl. S. 194ff. 

S. 164, Z. 17 v. b. lies: das Berossosexzerpt des Polyhistor benutzt. 

S. 164, Z. 13 v. u. lies: umfaßte nach der Bemerkung. 

S. 165, Z. 17 V. u. lies: den Bousset, ZNTW III, S. 27—28 ausschreibt. 

S. 166, Z. 6 V. u. lies: das uns von Nabukodrossoros erzählt. 

S. 167, Z. 14 V. u. lies: Berossos) zurückführen. 

Kap. VIII, S. 173, Z. 17 v. o. lies: dem Oannes beigelegt, einem. 

S. 173, Z. 16 V. u. lies: „Khorsabad" für „Kujundschik". 

S. 175, Z. 6 V. 0. lies: die mit ihm im Schiff Befindlichen. 

S. 175, Z. 6 V. u. lies: = VAB VH, S. 256. 

Die Numerierung der Fragmente und Testimonia, die im Text der Pro- 
legomena befolgt war, ist in der Ausgabe des Textes der Fragmente infolge Fort- 
lassung aller unwichtigen oder zweifelhaften Fragmente geändert worden. 



YEßZEICflNIS DER IN DEN PROLEGOMENA VERWENDETEN 

ABKÜRZUNGEN 

A0 = Alter Orient, Leipzig 1900flF. 
ATAO = Alfr. Jeremias, Das Alte Testament im Lichte des Alten Orients. 

BA = Beiträge zur Assyriologie. 
CCAG = Catalogus codicum astrologorum Graecorum. 
FHG = Fragmenta historicorum Graecorum ed. Müller, Paris, Didot 
GLAZ = Susemihl, Griechische Geschichte der Alexandrinerzeit. 
HKAT = (Göttinger) Handkommentar zum Alten Testament. 
HKAW = Handbuch der klassischen Altertumswissenschaft, München. 
KAT' = Keilinschriften und Altes Testament, von Eb. Schrader, 3. Aufl. be- 
sorgt von H. Winckler und H. Zimmern. 
KB = Keilinschriftliche Bibliothek. 
MVAG = Mitteilungen der Vorderasiatischen Gesellschaft. 

OLZ = Orientalistische Literaturzeitung. 
VRawl*== H. Rawlinson, Cuneiform Inscriptions of Western Ajia vol. V, 2. Aufl., 
London. 
Pauly-Wi880wa-(Kroll), RE* = Realenzyklopädie der klassischen Altertumswissen- 
schaft, 2. Aufl. 
Rh. Mus. = Rheinisches Muieum. 

SHA = Scriptores historiae Alexandri ed. Müller, im Anhang zum Arrian, 

Didot, Paris. 
VAB = Vorderasiatische Bibliothek. 
ZA = Zeitschrift für Assyriologie. 
ZNTW = Zeitschrift für neutestamentliche Wissenschaft. 



St 
Sp. I 

Sp. n 

8H 



VAX = Vorderasiatische Tontafelsammlung (der Vorderasiatischen Abteilung 
der Staatlichen Museen, Berlin). 

Smith t 



Sammlong 



Spartoli I 
Spartoli 11 
Shemtob 



K Kujundschicksammlung 



von Keilichrifttafeln des Britischen Mu- 
seums, London. 



ZWEITER TEIL 

BHPi2220Y BABYAßNIAKA 



TE8TIM0NIA 

1. Alexander Polyhistor in Eusebi chronico (Confer fragm. 1): Br]pujc- 
cöc bk iv Ti\ Trpii)Ti] Tüjv 'BaßuXujviaKÜiv' <prici ysvso9ai (lev ainov xam 
Ald^ccvÖQOv xhv ^iXiTtTtov ri]v ijXixiav. . 

5 2. losephus, Contra Apionem lib. I, § 12f (Confer fragm. 2). MclpTUC bi 

TouTUiv Bripujccöc, d.vf]p XaXbaioc lu^v tö y^voc, yviüpiiuoc bi toTc ircpl iraibefav 
dvacTpeqpoiu^voic, ^ireibi^ rtepi xe dcTpovo|u(ac Kai trepl tOüv irapä XaXbaioic qpiXoco- 
q)ou|u^vuuv oOtöc elc touc "EXXr|vac ^EriveTKe töc cvyypacp&c. 

3. Tatianus, Oratio ad Graecos, c. 37, p. 38 Schwartz ^Confer fragm 51). 
10 Bripuüccöc, dvi^p BaßuXiüvioc, lepeOc toO irap' aOxoic BriXou, kot* 'AX^Eavbpov ye- 

Yovtüc, 'AvTiöxuj TU) |U6t' auTÖv xpiTtu TT]v 'XaXbatav 'Icxopiav' tv xpicl ßißXioic koxo- 

xdEac Kolxoüxou xeK|ur)piov 'lößac, 'TTepl 'Accupiuuv' Ypdqpujv, trapä Br|pu)ccoö 

q>Y]c\ |U€|na.9riK^vai xriv Icxopiav eici 6d aüxu) ßißXoi 'TTepl 'Accupituv' bvo. 

4. V^itruvius, De Architectura IX, 6,2 p. 232. Ceterum ex astrologia 
15 quos effectus habeant signa XIT, stellae V, sol, luna, ad humanae vitae rationem, 

Chaldaeornm ratiocinationibus est concedendum, quod propria est eorum ge- 
nethlialogiae ratio, ut possint antefacta et futura ex ratiocinationibus astrorum 
explicare. Eorum autem inventiones reliquerunt inque sollertia acuminibusque 
fuerunt niagnis qui ab ipsa natione Chäldaeorum profluxeruut primusque ße- 

20 rosus in insula et civitate Coo consedit ibique aperuit disciplinam; post ei 
studens Antipater iterumque Achinapolus, qui etiam non e naecentia, sed ex con- 
ceptione genethialogiae rationes explicatas reliquit. 

4a. VitruviuB, De Architectura, lib. IX 2, 1; p. 224—225 (Confer fragm. 22). 
Berosus qui ab Chäldaeorum civitate sive natione progressus in Asia etiam 

25 disciplinam Chaldaicam patefeeit, etc. 

5. Vitruvius, De Architectura, lib. IX, 8, 1, p. 2:;6. Hemicyclium exca- 
vatam ex quadrato ad enclimaque succisum Berosus Chaldaeus dicitur inve- 
nisse. Scaphen sive hemisphaerium Aristarchus Samius, idem etiam discum in 
planitie. 

30 6. Plinius, Nat. Hist. VII, §123. Variarum artium scientia inuumerabiles 

enituere, quos tamen attingi par sit florem hominum libantibus: astrologia Be- 
rosus, cui ob divinas praedictiones Athenienses publice in gymnasio statuam 
inaurata lingua statuere. 

7. Moses Chorenensis, Hist. Armen., lib. I cap. VI. (Transtulit in lin- 
35 guam Germanam P. Vetter in Theol. Quartalschr., Jahrg. 74, 1892, S. 4G5— 471.) 

Aber ich will mich freuen, indem ich den Anfang meiner vorliegenden Erzäh- 
lung mit meiner teuren und über viele hinaus wahrhaftig redenden berosischen 
Sibylle mache. 

8. Pausanias, Dcscr. Graec. X, 12, 9. '€Tr6xpdq)r| be koI iicxepov rf\c At]- 
40 |noöc -rrapd '€ßpaioic xoic ütrdp xf^c TTaXaicxivric yvvi] xpicmoXöyoc, 6vo|aa bi auxfl 

Zdßßri. Bnput'cou bi elvai iraxp6c koI '€pu|Lidvöric lurixpöc qpaci Zdßßriv ol bi 
aüxfiv BaßuXujviav, ^xepoi bi ZißuXXav koXoöci AlfuTTriav. 

9. Suidas s. v. KßuXXa (vol. II, p. 739 ed. ßernhardy). "Oxi b traxi^ip 
ZißOXXr]c xf^c XaXbaiac Bripu^ccöc ^KaXelxo, t\ bi Mnxnp aOxf]c '€pu)Lidv9ii. 

^5 10. (Ps.-) Justinus, Cohortatio ad Gentües cap. 37. Tauxriv (seil. ZfßuX- 

Xav) bi. iK niv BaßuXiuvoc lJÜp^f^c6a( qiaci, B^pdiccou xoO Tf\v XaXöaiKi^v Icxopiav 
Tpdiiiavxoc SuTOx^pa oucav. 

41 BripiOcou] Biipöcou codd. 



BEROSI BABYLONIACORVM 

LIBßOßVM III ÜVAE EXSTANT 

FRAGMENTA LIBRI I 

I. EX PBOOEMIO 1 

1. Alexander Polyhistor in Eusebi chronico. Eusebinm excerpsit Syn- 1 
cellus. 

Eusebius, Chronik, ed. J. Karst Syncellus ed. Dind. p. 60, 1 — 11. 
p. 6, 13—23. 

Über die chaldäische unverbürgte Ge- 'Ek tOuv 'AXeSdvöpou toO TTo- 

schichte: Xuicxopoc irepi tAv -rrpö toö KoxaKXuc- lo 

Aus des Polyhistor Alexandros |uoö ßaciXeucdvrujv i ßaciX^ujv tujv XaX- 

dieselben Chaldäer betreffendem Buclie. baioiv xai aOxoö toO KaTaKXucjnoO koi 

irepl ToO NOüe koI tt^c KißujToO, iv otc 
Kai Tiva bxä ju^cou xepaTLÜbri q)dcK€i, U)c 
TLu Bripujcciu yefpafx^iva. i5 

Berosos fürwahr berichtet im ersten Bripuuccöc bi kv tt) TrpuOxri tujv 

babylonischen Buche, daß er ge- BaßuXuuviaKUJv qprici yBvisQ'ai ^ihv 

wesen ein Zeitgenosse des Alexandros, avTov xara kXi^m-dgov xbv ^iXiTinov 

(^Sohnesy von Philippos, und die Bücher ri]v i]Xi%iav. kvayQacpag Ss noXXmv iv 

vieler ausgeschrieben habe, die mit großer BaßvX&vi (pvXdaasßd-ai (isrä 7toXXf]g im- 20 

Sorgfalt zu Babelon aufheivdhrt ivürden ^sXsiag &nb itätv nov ,v,it, inhq (ivgid- 

seit zweihundert und fünfzehn Myriaden ö<ov ais nsgi^x^vaccs xQ^'^ov TfhQii%siv 

von Jahren, worin die Berechnungen der dh tag uvaYQCKpccg iarogiag nsgl tov oi- 

Zeiten und die Schrift der Geschichten quvov xal d'aXdcGßrig yiccl Ttgaxoyoviccg 

^dasjenigey von dem Himmel und von val ßactX^cov xai rmv v.az' ocvtovg ngd- 25 

der Erde und vom Meer und von der ^soav. 
ürschöpfung und von den Königen und 
von ihren Werken und Taten erzähle. 

2. losephus. Contra Apionem Hb. I, § 128. (Excerpsit Eusebius in chro- 2 
nico, p. 21 ed. Karst ) A^Huj bl vöv i\br] t6 Trapä XaXöaioic dva^eTpaiuiiteva kcI so 
icTopoO|Lt€va irepl i^inOüv, direp Ix^» iroXXriv ö|uoXoYiav koi uepl tujv öXXujv Totc i^jue- 
T^poic fpA\x}jiac\. MdpTuc bi toütujv Bripujccöc, dvrip XaX&aioc ludv tö y^voc, 
Yvt(jpi|ioc bi Toic irepi -rraibeiav dvacTpeqpoiu^voic, 4trei5ri nsgi rs äergovouLccg xal 
itsgl x&v Ttccga XccXSccioig cpi?.o60(poviievcov avtog sig rovg '"'EXlrjvag i^rirey-As rüg 
evyygacpäg. 35 

♦ ♦♦3. Cicero, De Divinatione lib. 1, 19, § 36. (Repetit Lactantius VIII, 14.) 3 
Inrideamus haruspices, vanos, futiles esse dicamus, quorumque disciplinam et sa- 

10 tOljv] sie A 15 Bripujccuj] sie A! et semper infra. 21 ,u,Tr] inseruit A. 
V. Gutschmid. 22 cie] ie. Correctum ex Armeno. 32 Bripujccöc] BripOucoc L. 



252 Fragm. lib. I: I. Ex prooemio. II. De situ et ine. Bab. 

pientissimue vir et eventus ac res conprobavit, contemnamus; condemnemuB etiam 

Babylonios et eos, qui e Caucaso caeli signa servantes numeris et motibuB stel- 

laram cursus persequuntor. Condemnemus, inquam, hos aut stnltitiae aut vani- 

tatis aut impudentiae, qui quadringenta septingenta milia annorum, ut ipsi di- 

6 cunt, motmmentis conprehensa continent, et mentiri iudicemus nee saeculoriim re- 

liquorum indicium, quod de ipsis futurum sit, pertimescere. 

3a *>f*3a. Cicero, De Divinatione 11,46, § 97. Ex quo intellegitur plus ter- 

rarum situs quam lunae tactus ad naacendum valere. Nam quod aiunt qtiadrin- 

genta septuagiida milia annorum in periclitandis experiundisque pueris, quicum- 

10 que essent nati, Babylonios posuisse, fallunt. Si enim esset factitatum, non esset 

desitum; neminem autem habemus auctorem, qui id aut fieri dicat aut factum 

sciat. 

4 ♦♦*4. Diodorus Siculus, Bibliotheca Historica, lib. II, 31, §9. TTepl bi 
Toö irXrjBouc tOjv ^tüjv, dv oic qpaci t>iv Qewpiav t&v Kord töv köc|liov TreTTOif|- 

15 c6ai TÖ cOcTrma tujv XaXbaiuJV, oük öv tic ^abiujc mCTCÜceiev irmv yäg iitxu xal 
xsxtaQäyi.ovta ft,VQiäSas xat rgslg inl ravTaig jjtitddag sig triv kXf^dvSgov Sitkßa- 
eiv ysyovivai KOTapiGiaoOciv, cc(p otov ro Ttalatov r]Q^avTO rmv aargmv rag naqu- 
TTjp^fffiS Ttoislß^at. 

5 ♦♦*5. Africanus apud Syncellum, p. 31,11 — 12 Dind. rct yäp 0oiviku)v 
80 xpiciLiOpia Itvi f\ TÖV tüjv XaXbaiujv X.f|pov, tö t&v lirj iivgiädoav, xi bei Koi \ifeiv', 

6 6. Plinius, Naturalis Historia, lib. VIII, § 193. E diverso Epigenee 
apud Babylonios DCCXX annorum observationes siderum coctilibus latercu- 
lia inscriptas docet, gravis auctor in primis; qui minimum, Berosus et Cri- 
todemus, CCCJCLXXX. Ex quo apparet aetemus litterarum usus. 

>6 IL DE SITV ET INCOLIS BABYLONIAE 

7 7. Polyhistor apud Eusebium in chronico. Pergitur fragmentum 1. 
EusebiuB Chron. ed. Karst p. 6, 23— Syncellus ed. Dind. p. 50,12—51,2. 

7,4. 

Und zuerst [setzt es], sagt er, daß Kai irpiÖTOv |li^v r^v Baßvlaviav y^v 

80 das Land der Bdbylonier gelegen sei an q)r)ci xeicO-ai inl xov TiyqiSos xai JBi- 
dem Flusse Deklatli <^Tigrisy, und daß qpparov noranov ^ißriv. 
der Aratzani (^Euphraiy mitten hindurch 
fließe. 

Und von selbst, wild, bringe das Land ^vsiv dh avtrjv «vqovs Scygiovg xal 

Z6 hervor: Weizen, Gerste, Linse, Hirse und yigi&äg xal M^gov xai CTjaa^ov xal rag 
Sesam. Und in den Sumpfniederungen iv totg iltct qivoiievag gitag ied'iBad'ai,' 
und Röhrichten des Flusses fänden sich 6vo(iMtta&ai, dk avtäg ydyyag- leoSvva- 
gewisse eßbare Wurzeln, welche mit dem (islv äk rag gl^txg xavrag Kgid-alf yi- 
Namen Gong bezeichnet tcürden ; es hätten vta&ai di (poivi%ag xal fiijXa xal ra 

40 diese Wurzeln die Kraft des Gersten- Xomu &iig6SQva xal ix9-vag Kai bgvta 
brotes. Erzeugt würden daselbst auch j^tgcalä xb xal i.i,(ivata. 
Datteln und Äpfel und noch allerlei an- 
deres Obst ; auch Fische und Geflügel, so- 
wohl Feld- als Sumpf- (^ Vögel}. 

1 contemnamus; candemnemus] contemnamus codd. correxit Müller. 2 Ba 
bylonios] Babylonem, correxit VictoriuB. 4 impudentiae] imprudentiae correxit 
Lambinus. 22 DCCXX] DCCXX codd. 24 CCCCLXXXJ CCCCXC codd. CCCCLXXX 
codd. Dalekampii 29 setzt es] G, om. EN. Delendum sec. tcxt. Graec. 

36 iceitcBai] keicceov A, correxit Scaliger. 



in. De Oanne 253 

Es habe dasselbe <^Land) auch tvas- Elvat, Sh uvtfjg ra {isv kcctoc rrjv kga- 

serlose und unfruchtbare Gegenden, (^näm- ßiav ^isgri awigci te xal aüagnoc, xcc 8h 

lichy die arabischen; und gegenüber dem uvtiKsifisva t^ kgaßia ögeivcc xai svcpoga. 
Araberlande gebirgige und fruchtbare. 

In Babelon aber sei eine ungeheure 'Ev Sh xfi BaßvX&vi noXv ■nX'^&og &v- 

Masse fremden Volkes angesiedelt gewe- &Qwnü3v ysvie^ai äXXof%^vä>v xarotxTjffav- 

sen, im Lande der Chaldäer, und sie rav t^v XaXSaiav ^■qv Sh aivovg ccxä- 

lebten in Ungebundenheit wie die ver- xtcog, mansg xcc 9rigicc. 
nunftlosen Tiere und das toilde Vieh. 



lU. DE OANNE lo 

8. Polyhistor apud Eusebium in chronico. Pergitur fragmentum 7. 8 

Eusebius chron. ed. Karstp. 7, ö — 28. Syncellus ed. Dind. p. 51,2 — 2w: 

Und im ersten Jahre sei erschienen aus 'Ev Ss xw ngmxm iviavxm cpccvf]vai ix 

dem Boten Meere eben dort inmitten des ttjs igvO-gäg d-aldaarig -naxcc xhv o^o- 

Gebietes der Babylonier ein furchtbares govvxcc xönov xy BccßvXoavLa ^äov äqppe- i5 

Untier, dessen Name Oan heiße ; vfie denn vov ovoncxxi 'Slävvriv, KoBibc koI 'AttoX- 

auch Apol<^l^odoro8 berichtet in sei- Xöbuupoc icTÖpr|cev, x6 (ihv iiXov aw^cc 

nem Buche: daß sein ganzer Körper der i%ov i^^vog, vnb 8t xriv xsqporljjv Ttagcc- 

eines Fisches war, und unter dem Kopf xecpvKvlav aXXriv xscpaXiiv vTtoyidx(o xi^g 

des Fisches ein anderer Kopf an jenen xov Ix^vog xfqpaX;}?, xai nöSocg b^oiag 20 

angefügt; und am Schtceife Füße nie die äv&gmTCov, nagaitscpvxoxag de ix xfjg 

eines Menschen; dessen Bild noch bis ovQäg xov Ix&vog' slvai 8h ccvxoj qxovrjv 

jetzt in Zeichnung aufbewahrt tverde. Kv&gänov xrjv 8h it^iova avxov Ixi v.al 

vvv 8icc(pvXd6ae6Q'<xi. 

Und von demselben Tier sagt er, daß Tovxo 8i, q)r|civ, tö t^ov xt\v nhv ruii- 25 

es tagsüber mit den Menschen verkehre gav diaxgißsiv usrd xäv ccv&gwTtoiv, 

und irgendivelcher Speise sich durchaus oi>8eiU(xv xgocpr}v Ttgoacpsgofisvov, naga- 

nicht naJte; und es lehre die Menschen 8i86vai xs xolg ccv&gÜTtoig yguntiäxav 

die Schriftkunde und die mannigfaltigen xal (la&riiidxav kccI xsxväv navxo8anäiv 

Ver fdhrungsic eisen der Künste, die Bil- i^nsiglav, xccl TtoXecov avvoiKiOfiovg xai so 

düngen von Städten und die Gründungen hgwv l8g'vaBig xccl v6[l(ov siarjyijoeig xul 

von Tempeln; auch der Gesetze Hand- yscufistgiav 8L8d6xFt.v, xai anig^axa xa.1 

habung sowie der Grenzen und der Tei- xagn&v evvaycoydg vTtoSsi-Avvvai, xccl 

lungen Bedingungen lehre dasselbe; auch avvoXmg ndvxa xd itgbg i]^ig<ü6iv &vrj- 

der Getreide und der Früchte Ernten xovxu ßiov nagu8i86vaL xolg äv9gwnoig. 35 

zeige dasselbe; und überhaupt alles, u-as 'Ajto 8s xov xQOvov ixeivov ov8ev dXXo 

nur immer der Häuslichkeit des Lehens negioabv svgs&fjvai. 
der Welt zustatten kommt, überliefere 
es den Menschen; und seit jener Zeit 

icerde von keinem anderen mehr etwas *o 
erfunden. 

Und bei Sonnenuntergang tauche das Tov Sh riXiov Svvavxog xb ^äov xov- 

Untier Oan wieder zurückkehrend in das xovl 'Sldvvr}v 8vvai ndXiv sig tijv &d- 

Meer unter und gehe nachts über in der Xccaeav, xai xdg vvxxag iv tä nsXdyst 

hohen See zur Büste; so daß es geioisser- diaix&o&cxf slvai ydg ccvxb diicpißiov. 45 
maßen ein doppellebiges Lehen lebe. 



3 öpeiva Kaij sie A. 3 euq)opa] correxit Goar äqpopa sed falao. 

16 äcppevov] sie A. 18 l%ov] ^x^v A. 



254 IV. Oannis de reram principiis et origine 

AucJi später seien noch andere diesem "Tgvsqov Sh cpavf]vai xai hsQa f röa 3(ioia 

ähnliche Untiere erschienen: über welche, rovtrp nsgl 5>v iv zfi x&v ßaaiXicov ava- 

sagt er, »/» Buch der Könige Meldung ygatp^ qprici SriXöaastv. 
geschehe. 

5 Und vom Oan sagt er, es habe dieser Töv Sh 'Slävvriv qprici tcsqi ysvsäe xccl 

über die Schöpfung und das Staatswesen TCoXirsiag YQuipai. Aal nagaSovvai xovds 

geschrieben und habe verliehen Sprache rov Xoyov rolg äv^gcanoie. 
und Kunstfertigkeit den Menschen. 

{) ♦+*9. Helladius apud Photium, ed. Bekker p. 635a. "Oti luueoXoyei- 

w'^vöga xiva &voiLaGyiivov "ßTjv xfis igv&Qäg ^aXäaGrjg &vsX&stv, xaXXcx ^isv x&v fis- 

X&v ix&vog ixovxa, KscpaXijv ds xai TtöSag kccI ^fr^ag ävÖQÖg, Kai xaxadsl^ai x^v 

x£ ccaxQovofiiav xal xä ygämLtxxa. Ot 6e aÜTÖv ^k toO TrpuuTOTÖvou Tieqpriv^vai \i- 

Touciv djoO, Kai juaprupelv Touvoiua • öveptUTrov 6^ övra xä irdvTa ixSuv 6öHai, biöri 

14 irep ri|nq)i€CTO KtiTiOör] öopdv. 

10 • ^*^\(i, Hyginuij, Fabula 274. Euhadnes, qui in Ghaldaea de mari exisse 
dicitur, a^trologiam interpretatus est. 

11 **♦ 11. Hippolytus, Refutationes omniura haeresium, lib. V, 7, p. 97. 
'AccOptoi hk 'Slävvijv Ix^votpdyov Tev^cSai irap' aOroic, XaXbaioi 6^ töv 'A6d|Li. 



19 IV. OANNIS DE RERVM PRINCIPIIS ET ORIGINE. 

12 12. Polyhistor apud Eu.?ebiuin in chronico. Pergitur fragmentum 8. Per- 
gitur et explicit Polyhistoris primi Berosi libri epitome ab Eusebio excerpta. 

Eusebius Chron. ed. Karst, p. 7,29— Syncellus ed. Dindorf, p.5'2,1— 53,15. 
9,2. 

Es war, sagt er, einstens eine Zeit, Fav^e&ai qprjffi XQ^'"'*'" ^^ ^ '^^ "^^^ 

86 da durch das ^ Welt-yAll hin Finsternis ckotoc koi vStog shai, xai iv xovxoig 

und Wasser war. Und es waren daselbst ge- t^a xsgaxaiSr} xai iSiocprslg xag Idiag 

wisse Untiere, von denen ein l'eil selbst- icxovxa ^aoyovnad'af &v&Qm«ovg yäg Si- 

erzeugte tcaren und mit lebenerzeugenden nxiqovg ysvvrj&iivai, iviovg dh xal xsxga- 

Formen ausgestattete ; und sie hätten er- nv^Qovg xai SntQoc&Ttovg v.al aib^a (ihv 

30 zeugt Menschen, doppeltbeflügelte ; dazu ?;i;orraff fr, xsfpaXäg is 3vo, avSQsCav 

auch andere mit vier Flügeln und ztvei xai ywamtiav, -nal alSoia 8s Stacä &^- 

Gesichtern und einem Leib und zwei qsv kuI ■9'^iv xai ixigovg &v&Qä7tovg 

Köpfen, Frauen- und Männer- (Tcöpfeny , xovg [ihv aiy&v gx^Xt] xai xigara 'ixovxag, 

und zwei Naturen, männlichen und weib- xovg Sh innov itöSag , xovg Ss xa hnieco 

85 liehen; weiter noch andere Menschen, mit /ifv y^igri i^nncov, xä öh IfiTcgoa&sv Scvd'Qm- 

Schenkeln von Ziegen und Hörnern am ncav, ovg iTtnoKtvxuvQOvg xrjv ISiav slvai. 

Kopfe; noch andere, pferdefüßige; und Zaoyovri&fjvai, Sh xai xavgovg ivd-gaTtcov 

andere von Pferdegestalt an der Hinter- xscpaXäg i'jjovrag xai xvi'as xixgaocofiä- 

seite und Menschen<^gestalty an der Vor- xovg, oüpag Ix&vog ix x&v ötcio&bv (le- 

^ derseite, weiche der Hippokentauren [Jus- q&v Hxovxag, xai tnnovg xvvoxsq)äXovg 

kuparikj Formen haben; erzeugt hätten xai &v&gmnovg xai ixtga ^cöa xscpaXag 

sie aüih Stiere, menschenköpfige , und (isv xai ß&fiara tnnav Ix^vxa, oigug Sh 

Htmde, vierleibige, deren Schweife nach Ix^voov xai aXXa Sh ^äa navxoSan&v 

2 TOUTiu] sie A, toütiuv Goar. 5 (pr\c{] adieci ex Armeno. 9 luueo- 

XoTcl] seil, ö '6\Xd6ioc. 18 'ßdvvriv] 'lavvi^v cod. 26 löioqpueic] et6iq)ueic A. 
Ck)rrexit Richter. 27 ^xovto] fxovxac A, corr. Goar. 31 bh] t^ A, corr., A. 

V. Gutschmid. 34 Vtittou ttööcc] {■nnonöbac A, corr. A. v. Gutschmid. 39 txöüoc] 
Ixöüac A, corr. Dindorf. 42 ^xovra] i%ovrac A. 



IV. Oannis de rerum principiis et origine 



255 



Art der Fischschwänze rückseits aus den Q^rigicov ^logcpag ^%ovta. Ilgog dk Tovtoig 
Hinterteilen hervorliefen; auch Pferde l%&v(x<s v-al fQTtsrä kuI öcpstg kccI aXXu 
mit Hundeköpfen ; und Menschen soivie ^ma TcXsiova d-aviiaeta ^al jtagi^XXay- 
noch andere Ungeheuer, pferdeköpßge und ftivccg rag öipSLg &XXi]Xmv ^xovxw cor xal 
menschenleibige und nach Art der Fische ras si^ovag iv rmtov BriXov vaä &vav,sT- 5 
hescliwänzte ; dazu weiter auch allerlei 6&ai 
drachenförmige Unwesen; und Fische 
fJuskapariks] und Beptilien und Schlan- 
gen und eine Menge von Wunderwesen, 

mannigfaltig gearteten und untereinander 10 

verschieden geformten, deren Bilder sie 
im Tempel des JSelos eins neben dem 
andern dargestellt aufbewahrten. 

Und es habe über alle diese ein Weib 
geherrscht, dessen Name Markaye heiße, 
das auf chaldäisch Thalattha genannt 
werde und auf griechisch verdolmetscht 
werde Thalattha [das ist Meer]. 

Während nun dieses Sämtliche aufge- 
regt stand zu einer chaotischen Masse, 
sei Belos dagegen angestürmt und habe 
das Weib mitten entzwei gespalten: aus 
der einen Hälfte habe er gemacht die 
Erde, aus der andern Hälfte den Him- 
mel ; und auch die andern Tiere, die in M 
ihr waren, habe er vernichtet. 

Sinnbildlichcrweise aber, sagt er, und 
in übertragener Bedeutung sei solches 
mythologisiert worden über die Naturen. 

Daß nämlich, als noch überall Feuch- 
tigkeit und Wasser war und allein die 
Ungeheuer in demselben waren, 

jener Gott sich das Haupt abgeschla- 
gen habe, und das Blut, das von ihm 
herabrann, die andern Götter aufgefan- 
gen, mit Erde verknetet und Menschest 
daraus gebildet hätten ; tveshalb diese auch 
weise und des Geistes des GöttesgescMech- 
tes teilhaftig würden. 

Und von Belos sagt man, der auf 
griechisch Dios übersetzt wird und auf 
armenisch Aramazd, er habe die Finster- 
nis mitten durchschnitten und habe ge- 
trennt voneinander den Himmel und die 
Erde, und habe ordnend eingerichtet die 46 

Welt; die Untiere aber hätten nicht er- 
tragen des Lichtes Kraft und seien unter- 
gegangen. 

4 irapriXXaTiLi^vac] TrapriWayiu^va A, corr. A. v. Gutschmid. 14 i^] t^ A. 

15 'OjLiöpKa] '0|uopu)Ka cod. A, correxit Scaliger. 15 toöto] toOtuj A. 16 Qa- 
XdT0] sie A; 0\MT€ W. R. Smith proponit. 16 |Lieeep|üir|V6Üeceai] iueöepiariveiieTai 
A, emendavit Scalijjer. 



"Agx^f'i' ^^ xovtüiv TfdvTcov y'^^'^'^^'^^f'^j V 
övonu O^OQTca' slvai Ss Tovto XaXSa'CCtl 16 
(isv 0ccXdTd'^EXX7iviaTi dh fis&SQy,T]vsvsGd'ai 
d'dXaaaa, xara df rö i<JÖi/>7]qpov esXi^vr}. 

OvTcog Ss T&v oXcov ßvvsGrriKorcov, 
inavsXQ'ovtcc Bf]Xov axiaai ri]v yvvcciv,a 20 
^ißriv, v.ccl xo yi,\v ij^ißv ccvxiig noifißaL 
yi)v , xb Ss aXXo 7]^itov ovgavöv, kccI xa 
iv avxfj fräa äcpccviocci. 



'AXXr]yoQi7(,&g 8s qprjöt xavxa JcscpvßioXo- 
yfje&at. 

'Tygov yag uvxog xov navxbg xori ^mtov 30 
iv avxcö ysysvvrjiiivmv, 

xovxov xov d-sov acpsXstv xr]v iavxov 
v,((faXr\v, xal xo gvhv alfia xovg aXXovg 
d'sovg cpvgäecct xfj yjj, xal SianXäacci xovg 36 
av&gcoTtovg' Slo vosgovg xs slvai v.al 
(pgovTJßEcog &siag ft6Ts';u6tv. 



Tbv Sh BfjXov, ov ^icc iiEd'sg^rivBvovßiv, 40 
(lißov xsiLovxa tö ckötoc %(agLßai yfjv 
xal ovgccvbv an* dXXi^Xcov, Kai Siaxä^ai 
xov xoßiiov. Ta de ^c5oc ovn ivsyxovxa 
xr]v xov cpmxbg Svvaiiiv cp^agf^vai. 



256 



V. De Bab. diebus festis. VI. De Bab. astron. 



Belos aber, als er eine öde und frucht- 'läovzcc Sh tbv B^lov xm^av igrinov 

bare Gegend sah, habe einem von den xai xagnotpögov xslsvaat hl r&v 9eä>v 

Göttern Befehl gegeben, von dem Blute, rr\v KscpaXrjv &(psX6vti iavro^ rm &noQQv- 

das von seinem abgetrennten Haupte svti cci^azi tpvg&ßai rijv yfiv xal dux- 

5 herabfließe, mit Erde zu vermischen und nXäacci ccvd-gmnovg xal d^rigia rä dvvd- 

Menschen zu bilden, sowie andere Tiere (iBva tov ccigoc cpigsiv 
und wildes Vieh, die diese Luft ertragen 
könnten. 

Gegründet habe Belos die Gestirne und knottXiecci 81 tov Bi}lov xal uaxga. 

10 die Sonne und den Mond und die fünf xal rjXiov v.al ßsXi^vr,v xal tove nivts 

Wandelsterne. nXccvrjrag. 

Dieses erzählt, nach des Polyhistors Toörd qp^civ ö TToXuicTiup 'AX^Eav- 

<(Zeugnis>, Berosos im ersten Buche, öpoc töv Bripiwccöv ^v xfi irptÜTr) qpd- 

W CKCIV. 

18 13. Abydenus apud Eusebium in Chronico et in Praeparatione 

Evangelica. 

Eusebius, Chron. ed. Karst, p. 19, 
18—25. 
Und wiederum an anderer Stelle er- 
20 zählt er in demselben BetrefiFe nach die- 
ser Art und Weise: 

'Alles\ sagt er, hvar von Anbeginn 
an Wasser, das mit Namen Meer ge- 
nannt umrde. Und Belos schränkte sie aqis navcai, iä)gr\v Hdezm &7tovsi^ccvTa, 
25 <^die Gewässer einy,- und an jegliche ver- Kai BaßvXöbvarsixsi'^^QißocXsiv rä xQÖvco 
teilte, vergab er ihre Länder; und Babe- dt rc5 Ixvsvn^vcp acpavie&rivai- rstj^iffat 
Ion mit Mauer umschließend befestigte Ss av&ig Naßovxod göaaogov tb fi^^pi t/Jj 
er; und als hinreichend lange Zeiten MaKsSovcov ägxfjs äiafiBtvav ibv xocXy.oTtv- 
darüberhin gegangen., verstrichen waren, Xov. 
30 verfiel sie. Dasselbe umgab abermals Na- 
bukodrossoros mit Mauer ; und sie dauerte, 
hielt aus bis zu den Zeiten der make- 
donischen Herrschaft mit ehernen Toren.'' 
14 14. Agathias, De rebus Justin., c. 24. p. 62 C ed. Paris. 'AWä BfjXov [xk\ 

85 tbv Jioc Tuxöv, Idvöriv bi töv 'HpoKX^a; koI 'Ava.ixt.8a xi]v k(pgo8ixriv, xal äXXujc 
Touc äXXouc ^KdXouv, lijc uou BripuuccOü xe xdi BaßuXiuviuj, koi 'ABrivoKXei, Kai 
IijLidKuj, ToTc Td dpxaiÖTOTa xiüv 'Accupiuuv xe koI Mnbujv dvoTpav^ain^voic icxöprixai. 



Eusebius, Praep. Evang., lib. IX, 
41, p. 467, c. d. 

Kai Tiepi xoö Kxicai xöv Naßouxobovö- 
cop Ti'iv BaßuXOüva ö aüxöc xaöxa ypdqpei. 

Aiyovßi 8s Ttävxa uhv i^ &QXVS v8<aQ 
slvat, &dXa66av yiaXsoiiivriv BriXov 8i 



Y. DE BABYLONIORVM DIEBVS FESTIS. 

16 15. Athenaeus, Deipnosophist. lib. XIV, c. 44. p. 639 C. Bripuucoc 6' dv 

40 irpujXLU BaßuXujviOKÖJV xä Amm q)rici ^r)vl ixxatdfxatjj aysad-ai kogxijv ZuKiav 

ngoGayogtvoyLivriv iv BaßvXävi inl ij^igag nivxB, iv alg l^og slvat dgxsad-ai xovg 

8san6xag vnb xäv oixsxwv, ätpriyslo^ai xs xfjg oinlag iva aix&v iv8sSv*6xa oxo- 

Xi]v öfLoiav x^ ßaciXLxy, ov xal aaXsla&aL ^oydvriv. 

Mvrmov€Ü€i xfjc ^opxf^c xal Kxriciac dv öeuxdpiu TTepciKUJV. 



46 VI. DE BABYLONIORVM ASTRONOMIA. 

16 16. Palchus, cap. 136. Excerpsit Palchus, astrologum anni 379 p. Chr. n. 

(Catalogus codicum astrologorum Graecorum V, 1 , edd. F. Cumont et F. Boll, 
p. 204). 'H|i€lc |ndv ouv xf| xoO Oeioxdxou TTxoXeiuaiou öiöacKaXia dKoXouBricavxec 

2 Kapiro(pöpov] Berosum dKapiröcpopov scripsiase recte suspicatur Gonkel. 



"VI. De Babyloniorum astronomia 26T 

lTo\|Lirica|Liev diroTpdqpecöai |aev Trepi xfic ivep^eiac kci xf\c TroiÖTriTOC tOüv xpidKovra 
XaiLiirpOüv dcT^puuv • iva 6^ |Livr|c9uj|uev koI tujv irpö aiiToö -fpa\\iävTiuv nsgl tfig tmv 
anXcevwv ccGxiQoav cpäaswg xal nsgl ri]g xmv itaQccvctxiXkövrtov dvv(iy,sag raOra 
TrapeKTie^|Li€0a • 

BaßuXtüvioi |Li^v oöv koI XaX6aToi c^eböv irpArov fcpeöpov ty]v tujv <paivo|Li^vujv 5 
Yvdiciv, KoGibc €Tvuj|uev ^k tOüv irpoTevecT^puuv i^nniijv icxopoOci yöp outoi koI 'AiroX- 
Xiiiviov TÖv Müv&iov Kol 'ApT€|Lii6iupov . . . cvviypa\\i€ b^ koI irepl aOruiv ö 
Bripuuccöc Kol ö '6iriTevr|c. 

17. Anonymi in Arati Phaenomena isagogae versio latina barbara. (Edd. 17 
E. Maass, Comment. in Aratum rell. p. 102 — 306. Lemma nostrum invenitur 1. c. lo 
p. 142, 13—143, 7.) 

Stellas enim constituit et fundavit deus, nomina vero et signa postea et 
astrologiam peritissimi addiderunt eis et fabulas condiderunt proprias. Nibil 
tarnen prohibet conditorem et factorem dicere deum. Dicionem autem quidam 
ab ipsis nuncupari, quibus stellarum rationem dixemnt, quia sicut fabulas hoc 15 
dicit Aratus 

'verbum quidem currit, sed humanua'. 

Simili modo et de Corona Ariadnes. Hanc enim per Dionysum quasi exor- 
natam in carmine suo et ille Coroiiam manifeste, quod fabulationem primus red- 
didit. 20 

Et talem constitutionem stellarum homines committunt, non qualem lup- 
piter praecipit. Istas enim appellationes et significationes stellarum postea ali- 
quando Berossus ait in Procreatione ita significana exposuit nihil ad con- 
stitutionem mundi ab eo factum. Talia quippe aliqua Eudorus dicit. 24 

18. Cleomedes, De motu circulari corporum caelestium, Hb. II, c. 4, 18 
p. 100 Balf. Bripujccöc |li4v y^P rifiiitvQov ovaccv (xvti]v (seil, xr^v ceXrivr|v) nXsiovag 
■Kiv^asig Kivstßd'aL ÖTteqprivaxo, fit'av (isv ttjv tiarcc fifJKog, ^v 6vv xm xdtr/wi) xivsl- 
xai, ixigav Sh xrjv xara nldrog xai vtpog kccI xansiva^ia, onsg xal inl xmv nivxa 
nXttvijxcov OQärcci yivö^svov, aXXr]v db xtjv tisqI x6 kavxijg yisvxgov , yiad"' fjv mvri- 
aiv ßXQE(po[i,ivriv avxr}v vnoXa^ißdvii xai aXXoxs aXXcc fiegr} avxiig inißrgdcpovaav 30 
jCQog TjXiov av^sa&ai kuI ^isiovad'cci., xai xuvxiiv xrjv argo(pi]v lao^goviov avxfj 
Tigbg xriv evvodov xov riXiov yevicd'cci. 

'€cxl bä eö^XcYKxoc i^ böSa auxoö. , 

TTpOuxov |Li^v fäp äöOvaxöv ^cxi xi^v ceXrjvr|v 4v xCb alö^pi oöcav r^iiiirupov 
€lvai, äXXct |ai^ 61' öXou 6)Lioiav xrj oücici, TrapairXriciuJC xoic äXXoic xiuv äcxpmv. 35 

7 lacanam indicat BoU. 8 '€iTiT^vr|c] ego, ö ^qpfjc cod., ol k(peif\c BoII. 

17 verbum — humanusj vers. 100 Arati Phaenomenorum: Xöyoc ye fx^v dvxp^x^i 
dXXoc dvOpuÜTtoic. 20 Et talem constitutionem — Eudorus dicit] Quae Graeca 

verba fuisse suspicatur F. BoU per litteras (28. I. 13): Kai xoioOxov Kaxacxepic,uöv 
oi ävOpumoi cuvxiö^aciv oOx olov Zeuc biaxdxxei. ^Keivac y^P tAc xujv dcx^pujv 
6vo|Liaciac Koi CTiinaciac iJcxepöv iroxe Bripujccöc Ki.f€i kv xfj KOC|uoYovia oöxujc br\- 
XOüv iir\vefKe larib^v itil xf) xoO köc|uou Koxacxdcei ött' auxoO Tr€TTOir||u^vr|v. xoiaöxa 
Ydp xiva Eööujpoc X^yei- Darin ist nun im Griechischen schon verdorben gewesen 
^1^6^v statt larjbe^iav, das durch factam = ireTTOiriia^vTiv bewiesen wird; und ferner 
llr\v€-fKe eine an falsche Stelle {\iyei ist erst eingesetzt, da ^ErivcYKe falsch nach 
oüxujc öriXOuv gesetzt war) geratene bessere Variante statt B. X^Yei. Also heißt 
der Satz deutsch: „und derartige Katasterismen machen die Menschen zurecht, 
nicht nach Zeus' Anordnung. Denn jene Sternnamen und Bezeichnungen hat 
Berossos erst später irgendwo in seiner Erzählung der Weltschöpfung [also nicht 
am Anfang] auseinandergesetzt (erzählt), womit er zeigt, daß keiner jener Namen 
zur Einrichtung der Welt von Zeus gemacht worden ist. Das ungefähr sagt Eu- 
doros." BoUio etiam hie gratias ago maximas. 

Schnabel: Beiossos und die babylonisch-hellenistische Literatur 17 



258 ^1- ^^ Babyloniorum astronomia 

"€iT€iTa Kai tA KOTCt ti?iv JkXcivijiv irpobriXuuc dvTi|aapTupei tuj Xöyiu toutuj. TTAc 
fäp &(pccvl^stai avtfjg tb tpöbg i(ini7iTov6r]s slg tijv 6xiccv r^g y^g o/Lov zb ngog 
■fjfi&g TBXQaiHLevov, ouk ^vecxiv auru» ^inbeiEai. 'Expnv ydp, el oöxuuc elxe, Xaiunpö- 
4 repov aÜTÖv fewicQax uepnriirTOv tt) ckiQ, äXX ' oOxi, M« ^io, äqpaviZecGai. 

19 19. AStins, De placitis Philosophonim, 11,25,12 Diels Doxogr. (=Stobaeus, 
Eclog. phys., 1, 26 p. 552). Bripiuccöc fjfiinvQcorov etpatgav zrjv ceXrjvriv (seil. 
€Tvai qpTiciv. 

20 20. A&tiuB,De placitis Philosophorum, 11,28,1 Diels, Doxogr. (= Stob aeus, 
9 Ecl. pbys., 1,26, p. 566). Briptjuccöc i'diov ccirr,v fc'j;«/!' tpmg (seil. Tt*iv ceXf^vriv). 

21 21. AetiuB, De placitis Philosophorum, 11,29,2 Diels, Doxogr.(= Stob aeus, 
Ecl. Phys. 1,26, p. 658 == Ps. Plutarchus, De plac. Philos., II, 29; unde Euse- 
biuB, Praep. Evang. XV, 51, p. 848). Bripujccöc yiarä xr]v iigög fjuäg inietqotpr^v 
xov nvQÖadovg iiigovg. (seil, xi^iv ceXrivriv ^KXemeiv qpriciv). 

22 22. Vitra vius. De Archiiectura, lib. IX, c. 1, 16—2, 2; p. 224—225. Nunc 
X6 de crescenti lumine lunae deminutioneque uti traditum est nobis a maioribus, 

dicam. Berosus qui ab Chaldaeomm civitate sive natione progressus in Asia 
etiam disciplinam Chaldaicam patefecit, ita est professus: pilam esse ex dimidia 
parte candentem, reliqua habere caeruleo colore. Cum autem cursum itineris sui 
peragens subierit sub orbem solis, tunc eam radiis et impetu caloris corripi con- 

20 vertique candentem propter eius proprietatem luminis ad lumen. Cum autem ea vo- 
cata ab solis orbi superiora spectet, tunc inferiorem partem eitis, quod candens non 
Sit, propter aeris simiUtudinem obscuram videri. Cum ad perpendiculum ea sit ad 
eius radios, totum lumen ad superiorem speciem retineri et tunc eam vocari pri- 
mam. Cum praeteriens vadat ad orientis caeli partes, relaxari ab impetu solis ex- 

85 tremamque eius partem candentiae oppido quam tenui linea ad teiram mittere 
splendorem, et ita ex eo secundam vocari. Cotidiana autem versationis remissione 
tertiam, quartam in dies numerari. Septimo die cum sol sit ad occidentem, luna 
autem inter orientem et occidentem medias caeli teneat regiones, quod dimidiam 
partem caeli spatio distet a sole, item dimidiam candentiae conversam habere ad 

80 terram. Inter solem vero et lunam cum distet totum mundi spatium et lunae orienti 
sol Irans contra sit ad occidentem, eam quo longius absit a radiis remissam, XIIIl 
die plena rota iotius orbis mittere splendorem, reliquosque dies decrescentia cotidiana 
ad perfectionem lunaris mensis versationibus et cursu a sole revocationibus subire 

84 sub rotam radiosque etus, et ita menstruas dierum effica-e rationes. 
2BA 23 A. Augustinus, Enarratio in psalmojj X, 3. (Excerpsit Augastinum 

nominatim Isidorus Hispal., De nat. rer. c. XVIII, 1 — 3; unde Scholiasta Ger- 
manici p. 197,8 — 198, 4 ed. Breysig). Duae sunt de hina opiniones probabiles: 
harum autem quae vera sit, aut non omnino aut difficillime arbitror poase ho- 
minem scire. Cum enim quaeritur unde lumen habeat, alii dicunt suum habere, 

40 sed globum eius dimidium lucere, dimidium autem obscurum esse; dum autem mo- 
vetur in circulo suo, eamdem partem qua lucet, paulatim ad terrae converti, ut 
videri a nobis possit, et ideo prius quasi corniculatam apparerc. Nam et si facias 



13 Tmpinbouc] Eus. ÖTTupinTou Stob. Plut. 19 subierit] subiret codd., corr. 

Rose. 21 Cum autem — spectet] cü aü (aut G) ea vocata ad solis orbis su- 

periora Kpectent codd., corr. Rose. 22 ea sit] esset ((et GS^ codd., corr. Rose. 

25 oppido quam] oppido quaquam (H, quamquä S, quäquä EG) codd., corr. Rose. 
27 cum] inseruit Rose. 28 dimidiam partem] dimidia parte codd., corr. Rose. 
29 distet] Rose; distaret codd. 31 sol trans contra sit] sol trans cü (cum S^ 

transit HS, sol cit trarisit (sed cü in ras.) G; sol transit E, correxit Rose. 
31 absit] EG, arsit HS. 34 et ita] & iä (IIS, li- iam E, etiam G) codd., corr, 
OehmicbcD. 



VI. De Baljyloniorum astronomia 259 

pilam ex dimidia parte candidam, et ex dimidia obscuram; si eam partem quae 
obscura est ante oculos habeas, nihil candoris vides, et cum coeperis illam candi- 
dam partem ad oculos convertere, si paulatim facias, primo cornua candoris vide- 
bis, deinde paulatim crescit, donec tota pars candens opponatur oculis^ et nihil ob- 
scurae alterius partis videatur: quod si perseveres adhuc paulatim convertere, in- 5 
cipit öbscuritas apparere, et candor minui, donec iterum ad cornua redeat, et post- 
remo totus ab oculis avertatur, ac rursus obscura illa pars sola possit videri: quod 
fieri dicunt, cum Jumen lunae videtur crescere usque ad quintam decimam lunam, 
et rursus usque ad tricesimam minui, et redire ad cornua, donec penitus nihil in 
ea lu^is appareat. lO 

23 B. Augustinus, De Genesi lib. II, c, 15 (p. 56—57 Zycha). Qui ergo de 28B 
terra non queruntur, quam fecit deus, cum in principio fecit caelum et terram, quia 
invisibilis erat et inconposita et postea tertia die conspicua redditur atque con- 
ponitur, quid sibi de luna tenebras faciunt quaestionum? Aut si, quod de 
terra dictum est, non temporis intervallo, cum simul deus materiam rebus con- 16 
creaverit, sed narrationis distributione intellegunt dictum, cur in hoc, quod etiam 
oculis videri potest, non intuentur integrum corpus habere lunam et tota sua 
rotunditate perfectum, etiam cum lumine corniculato sive incipiens ad terras 
lucere sive desinens fulget? Si ergo lumen in ea crescit vel perficitur vel minui- 
tur, non luminare ipsum, sed illud, quod accenditur, variatur; si autem ex una 20 
sphaerulae sua parte semper lucet, sed, dum eam partem convertit ad terram, donec 
totam convertat, quod a prima usque ad quartam decimam fit, crescere videtur, 
semper est plena, sed terrae habitatoribus non semper adparet. 

***24r. (Ps.-)Epicuru8, Ad Pythoclem epistula, § 94. (Usener, Epicurea, 24 
p. 40 — 41). Kivaeig xs csXrjvrig xocl ndXiv 7tXi]Qcoei,s xai xarä 6TQoq)r}v xov aöa^iarog. 25 
toitov Svccit &v ylvscQ^ai koI KOTCt cxTi|naTic)aouc d^poc öjiioiujc, ?ti re koI Kar' 
^'rrmpoc66TriC€ic koI Kaxä irdvxac xpö-rrouc, koö' oöc koI to irap' i\[Av q)aiv6|i€va 
^KKaXdxai eic xäc xoüxou xoO ei&ouc ditoböceic, ^civ |nrj xic xöv inovaxxl Tpöuov 
KaxTifOTTriKuic xoüc äWouc kcvOjc diTo6oKi|id2[>;), ou xeBeujpriKdic xi öuvaxöv dvGpUiTTUj 
Gewpf^cai koI xv d&üvaxov, Kai biet xoöxo d&Ovaxa Geiupeiv ^TnGuiaujv. "Gxi hk. ivbi\(.- so 
xai xriv 6sXrivr\v i^ ^avxrig ^ftv "^^o cpäg, Ivb^x^TOi be dirö xoO /|X(ou. 

*-**2h. Lucretius, De rerum natura, lib. V, verss. 715—730. 26 

715 Est etiam quare proprio cum lumine possit 

volvie)' et varias splendoris reddere formas: 

Corpus enim licet esse aliud, quod fertur et una 35 

labitur omnimodis occursans officiensque, 

nee potis est cerni, quia casmm lumine fertur. 
720 Versarique potest, globus ut, si forte, pilai 

dimidia ex parti candenti lumine tinctus, 

versandoque globum variantis edere formas, 40 

donique eam partem, quae cumquest ignibus aucta, 

ad speciem vertit nobis oculosque patentis: 
725 inde minutatim retro contorquet et aufert 

luciferam partem glomeraminis atque pilai; 

ut Babylonica Chaldaeum doctrina refutans 45 

astrologorum artem contra convincere tendit, 

proinde quasi id fieri nequeat quod pugnat uterque, 
730 aut minus hoc illo sit cur amplectier ausis. 

26 Kdvujcic] Usener, Kcvi/jceic codd. 25 irXripujcic] Usener, irXripuiceic (^inTrXri- 
pubceicF) codd. 25 Koxd cxpoqpVjv] Kaxacxpoqpriv codd., corr. Gasaendus. 27 Kaxä 
iTTiirpocecxriccic] Usener, Kaxd irpocxeOrjceic codd. 29 oö xeöeuipriKdJc] oöx€ 

ecujprixiKÜJC (sed GeujprixiKdiC B') codd., corr. Cobet. 29 x{] xi libri utroque loco. 

17* 



260 Fragm. üb. II: I Qoae in secundo libro insint 

26 26. Vocabula Babyloniaca ex Hesychii lexico hausta, qaoram partem er 

Berosi libris esse excerptam, vide snb Zapaxnpiw. 

A. 968. "Abd. T^bovn. 'nr\^i\. Ka( öirö BaßuXujviujv f\ "Hpa. Trapd Tupioic i*i Wo. 
971. 'Aöapei. lai^v irapö XaX6a(oic. 

6 1798. Aiftiu. •(] ceXt'ivri, Trapöt XaXbaioic. 

B. 486. BeX^ßoToc. ö toö -rrupöc dcxrip. BaßuXiüvioi. 
566. Br^Xoc. oupavöc. koI ZeOc. TToceibujvoc ui6c. 

r. 114. faiadiXti. KäjuriXoc. uapd XaXbdoic. 
A. 4. AaßoOX. i^ öpKToc. XaXbaiot. 
10 658. AeX^qpoT. 6 rflc 'AqppobiTTic dcTr)p. XaXbatoi. 

1107. AidX. Ti\v fXa(pov. XaXbatoi. 
M. 1890. Mivbabokca. dpiöind. Kai ucpi rd oüpdvia cOvraHic. BoßuXiüvioi. 
1466. MiccuviV f| öSuTTic. irapd XaXbaioic. 
1567. MoXoßdßap. 6 xoO Aiöc dcrrjp. irapd XaXbaioic. 
16 TT. 2278. TTiKÖv. iriKpöv, XaXbaioi. 

I. 102. laXaiußub. i*| 'Aqppobi-ni. irapd BoßuXuuvioic. 

196. lapaxripuJ- irapd Bripujcuj. f\ Kociafixpia xfic "Hpac. 
226. Zapöc. dpiSiuöc Tic irapd BaßuXiuvioic. 
260. ZaOri. ö KÖc|ioc. BaßuXuüvioi. 
«0 302. laijüc. fiXioc. BaßuXiüviot. 

469. lex^c. TOÖ '6p|io0 dcrrip. BaßuXuOvioi. 

701. Ziöav. ouTo» KaXoöci oi BaßuXdivioi töv TTdv€|iov nf\ya. 



FMGMENTA LIBRI II 
u I. QVAE IN SECVNDO LIBRO INSINT 

27 27. Polyhistor apud Eusebium, chron. ed. Karst p. 9,1 — 4. Pergitur 

et conficitur fragmentam 12. 

Dieses erzählt, nach des Polyhistors <( Zeugnis^, Berosos im ersten 
Buche; im zweiten aber beschreibt derselbe die Könige, einen nach dem an- 
deren, und läßt die Zeit der zehn Könige, worüber wir vorhin gesprochen, über 
50 mehr als 40 Myriaden von Jahren sich erstrecken. 
27a 27a. Eusebii locum excerpsit sed mntavit Syncellus p. 63,14 — 19 Dind. 

Pergitur apud Syncellum Berosi fragmentum 12. 

4 'Abapei] codd. 'Abaei. Correxi. 6 'Albin] sumeriace Itu = mensis et luna. 
Jensen, Kosmologie (1891) p. 102—103. 10 AeX^qpar] Sumeriace Dilbat stelia 
deae Veneris. 12 Mivbaboecca] codd. MivbaXo^cca. Correxi. Babylonice mindatusa 
save = Berechnung des Himmels = irepl xd oüpdvia cüvraEic. 14 MoXoßdßapJ 

codd. MoXoßößap. Correxi. Sumeriace MulrA-Babbar, Jovis plauetae nomen. 15 XaX- 
baioi] Pro hac nominis fonna vereor ne scribendum sit XaXKibeic, nam iriKÖv for- 
mam dialecti cuiusdam Graecae pro attico iriKpöv esse apertum est. 17 Zapaxnpuj] 
codd. 18 Zapöc] babyloniace sar = 3600. 19 Zaüri] cdvr| codd., correxit 

iam ex ordine vocabulorum in Hesychii lexico Albertus, nam antecedunt et se- 
quuntur verba u tertiam litteram habentia. Zaür| = babyl. mme, sive $ave = coelum. 
19 BaßuXtüvioi] codd. BaßuXuüvioc. Correxit Salmasius. 20 Zadic] babyloniace 

Sam^, postea Sawas, Saus, transcriptione aramaica j^-^j^ = Sol, deus et sidus. 
21 Zex^c] Mercurii sidus a Babyloniis ideogrammatice scribitur ^ul GUD-UD. 
Cum yero GUD-UD. legatur sahatu = springen, mul GUD-UD legi potest kakkdbu 
iodii^u = Zex^c. Confer F. X. Kugler, 'Sternkunde und Sterndienst in Babel', 
Bdl n, 1 (1909), S. 128, Anm. 1. 22 Ziöav] babylonice Simannu vel Sivannu. 



II. De decem regibua Bab. antediluvianis 261 

Taöxd (pr\c\v 6 TToXmcTUJp 'AX^Havöpoc töv Bripiuccöv ^v xrj irpuÜTr) <p&- 
CKCiv. 'Ev 64 Tri bevtipq. touc T ßaciXeic tujv XaXbaiuiv koi töv xp^vov Tf|c ßa- 
ctXeiac av)TU»v, cdpouc plc, ^toi ItOjv inupidbac Jrf Kai ,ß, ^ujc toö KaxaKXucinoö. 

28. Polyhistor apud Eusebium, chron. ed. Karst, p. 4,8 — 17. 28 

Wie die Chaldäer die Chronik schreiben. 6 

Aus dem Polyhistor Alexandros über die Schriften der Chaldäer und 
über das erste Königtum derselben 

Dieses hat Berosos im ersten Buch erzählt. Und im zweiten hat er 
die Könige, einen nach dem andern darstellend, beschrieben; wie er sagt: j\^o- 
honassaros war zu jener Zeit König. Der Könige Namen nur tut er sammelnd lo 
aufschichten; ihre etwaigen Taten jedoch erzählt er keineswegs genau, oder auch 
erachtet sie gar nicht einmal der Erwähnung würdig, wenn <(niir^ dabei die 
Zahl der Könige aufgestellt werde. 



IL DE DECEM KEGIBVS BABYLONIIS ANTEDILVVIANIS 14 

29. Polyhistor apud Eusebium, chron. ed. Karst p. 4,17 — 6,4. Pergi- 29 
tur et conficitur fragm. 28. 

Und er beginnt zu schreiben nach folgender Art der Darstellung: 

Apol^l^odoros berichtet, 

daß zuerst König gewesen sei Aloros zu Babelon — er icar aber ein Chal- 
däer — regierend zehn Saren, ein Sar geteilt in die Zahl von dreitausend und 20 
sechshundert Jahren, wobei er zugleich auch die Neren und Sosseu beschreibt: 
ein Ner, sagt er, von den Neren ist 600 Jahre, und ein Soß von den Sossen 
60 Jahre, unter Zählung solcher Jahre nach irgendeiner uranfänglichen Weise 
der Alten. 

Dieses berichtet er und weiter vorwärtsschreitend zählt er im einzelnen der ^5 
Reihe nach die Könige der Assyrer auf, 10 Könige, von Aloros dem ersten König 
bis zu Xisuthron, unter icelchem, sagt er, die große und erste Sintflut gewesen sei, 
deren auch Moses Erwähnung tut. Und die Zeiten der Herrschaft dieser Könige 
gibt er auf 100 und 200 Saren an, welches im ganzen 43 Myriaden von Jahren sind. 

Und er schreibt im einzelnen dieserweise. 30 

Nach dem Tode des Aloros, sagt er, regierte dessen Sohn Alaparos, 3 Saren; 
und nach Alaparos Amelon von den Cfialdäern aus der Stadt Pautibiblon : er re- 
gierte 13 Saren; und nach Amelon Ammenon von den Chaldäern aus der Stadt 
Pautibiblon: er habe regiert 12 Saren; zu dessen Tagen sei ein Untier erschienen, 
welches sie Idötiön nennen, aus dem Boten Meere, das die Formen des Menschen 35 
und des Fisches hatte. Und nach diesem <^sei geweseny des Amegalaros aus der 
Stadt Pautibiblon Begierung, 18 Saren; und nach diesem sei die des Daonos, des 



25 Dieses hat Berosos — aufgestellt werde], teitum Graecum huius lemma- 
tis constituit A. v. Gutschmid apud Schoene, Euseb. chron. I, app. p. 240 
hoc modo: 

TcOto jJi^v 6 Bripmccöc äv Trj irpiÜTri icTÖpricev, 4v bi Trj 6euTep(jt touc ßaci- 
Xetc dXXov tn dXXtu kotoX^yujv, dvoYpöqpei, ^u)c oö xpövou Naßovdccapöc, cpr^civ, 
^ßaciXeucev tu b' övöjLiaTa tiuv ßaciX^ujv cuvä^uiv cuvö^ei növov, tAc bä irpdEeic 
oubaiuAc dKpißdcTepov juvTmoveiiei, öict' ouö4 |uvri|uric dHiov ÖOKeTv tö ^VTcOöev töv 
dpiOinöv TiJüv ßaciX^uiv KOTaX^Y^iv. 

32 Amelon] Almelon Armen., correxi. 34 Pautibiblon] sie E, NG Parmi- 

hiblon. 36 Amegalaros] Sic codd. Armen. Sed secundum Zohrabi apographum 
codicia G Amelagaros, ut notat Mai in editione Eusebi chronici pag. 6 n. 3 Am£ 
lagaros. Confer nomen babylonicum Amel-Ekur. 



262 ^- ^^ decem regibus Bab. antediluyianis 

Hirten atts der Stadt Pautibiblon: regiert habe auch dieser 10 Saren. Unter ihm 
seien abermals erschienen aus dem Roten Meere, mit ebendenselben Gestalten des 
Menschen und des Fisches behaftet, vier Ungeheuer- Tiere. 

Darauf habe regiert Evedoranchos aus der Stadt Pautibiblon 18 Saren; und 
5 unter ihm sei wiederum erschienen aus dem Boten Meere ein anderes Fisch- und 
Menschen- ähnliches, dessen Name Odakön genannt wurde. 

Diese sämtliche gibt er vor aus dem Oan auszugsiveise eins nach dem aridem 
berichtet zu haben. 

Danach die Herrschaft des Ämempsinos, des Chaldäers aus Lanchara; regiert 
10 habe auch er 10 Saren. Und hierauf die Herrschaft des Otiartes, des Chaldäers, 
aus Lanchara; regiert habe auch er 8 Saren. 

Dann; nach dem Tode des Otiartes, dessen Sohn Xisuthros Regierung 18 Saren. 
Unter diesem sei gewesen die große Sintflut. 

Alle zasammen sind es: 10 Könige, 120 Saien. 
16 Berechnet werden sie aber folgenderweise: 



1. Aloros Saren 10 

2. Alaparos Saren 3 

3. Amelon Saren 13 

4. Ammenon Saren 12 
90 5. Amegalaros Saren 18 



6. Doanos Saren 10 

7. E<v)>edo<^r)>ancho8 Saren 18 

8. Ämempsinos Saren 10 

9. Otiartes Saren 8 
10. Xisuthros Saren 18. 



Im ganzen 10 Könige, 120 Saren. Und 120 Saren sollen 43 Myriaden von 
Jahren ausmachen , wenn ein Sar 3 Tausend und sechshundert Jahre bedeutet. 
Dieses berichtet des Polyhistor Alexandros Buch. 
29« 29a. Ex fragmento snperiore ab Eusebio servato hausit Syncellus p. 29,21 

85 —80, 20 Dind. 

'AXX' ö )Li^v Bripuiccöc Stä adgmv xccl vT^gav kuI ßäaeav ÖLvefpä^iaro, div 6 
adcQos, YX ^TUJv xP^vov cr||uct(v€i, 6 b^ vfjQog dxujv x, 6 bt a&aeog E. Kai cuveEnc 
cdpouc pl< biet ßaciX^ujv biKa, fJTOi xP<^"vov ^tAv |uupi(i6iuv jlTy kcI ,ß. 
29b 29b. Syncellus p. 71,3—72,8 Dind. 

30 TTpöc ToOxoic Kol *ATroX\öf>u)poc ö|ao(ujc toOtoic Tepareuöiuevoc outiu X^yer 

TcOra |li^v ö Bripujccöc icTÖpnce 

ngcbtov ysvieO'cci ßaHiX^a "AXcagot' ix BaßvXwvog XccXdaiov ßccailsfiaai dh adt- 
Qovs I, Kol KaGeEfic kidnagov Kai k^i]Xcova xbv ix TlavrißißXfüV slta knnivtova 
rbv XaXScclov, i(p ov (pr\c\ cpuvfivai töv |uucapöv ' ßdvvr|v, zov 'AvvqSaizov., ix t^s 
35 igvd-Q&e- ÖTiep 'AX^Eav6poc irpoXaßübv eipriKe q)avnvai tuj irpdjTiu Ixer oötoc bi 
yietö. c(ipouc jS ö bä 'Aßubrivöc tö öeOrepov 'AvvriöuJTOv ^crä cdpouc k^- tira 
Msyälccgov ix UavtißißXcav ndXsoag, ßccßiXsvaai S^ avtbv edgovg Tri' y.al usrä rov- 
xov Jäcovov Ttoifiivoc ix IlccvrißißXmv ßaaiXevaat, accQovg l' xaxu zovrov näXiv qpa- 
vf^vui kvvi]diorov ä rrjv airriv totg avco f;i;oyra diäd'Baiv xal zt\v i^^vog ngog 
40 &v9Q6)'Kovg (li^iv. 

Elza ag^ai EisSmgayxov ix TlavTißißXcov , xal ßaßiXsveai adgovg Tri- Eni 
tovzov qpriciv aXXov (pavT^vai ix xf]g igvd'g&g &aXda6rig öfioiov xuzd ztjv l%d^vog 
*ghg avQ'Qanov {li^iv, m övofia 'Slödxtov. 

Tovxovg 6i (pr\ci itdvzag zcc ino 'Hdvvov xstpalauaSäg griQ'ivza xazd fiigog 
45 i^riYrioaa9ai. TTepl toütou 'Aßubri^öc oi)b^v elircv. 



1 au^h] falso inseruit int. Armen, hie et infra. 11 Lanchara] G, Hanchara 
E, Chanchara N. AdpaTxa text. Graec. 1 XaX&aiov] xa^öaüuv A, corr. Sca- 

liger. 32 TTauTißlßXujv] sie A! Confer fragm. 29, n. 18. 38 xöv] tö A. 

84 'Avviiöun-Qv 6] sie A. 89 dvOpujTTOuc] sie A. 41 EöebiüpaTXOvJ €ö€Öcl)- 

paxov A, correxi. — Babyloniace Enmeduranki. 



IL De decem regibus Bab. antediluvianis 263 

Elta äg^oci jiiisfitpivov XaXdulov ix ÄocQayxiav ßccaiXBvßai Sh avtbv öyöoov 
eÜQOvq i. Elra ag^ai 'Sltiägtriv XaXdcctov iyi Aagäyiatv, ßaeiXsüßcci Sh ßdgovg tj. 

'SlriccQtov ds TsXsvr'i]aavTog tbv vibv avtov Sißovd'QOv ßaaiXsveai accgovs tij. 
Eni TovTov xov fieyav nataxXvafiov (pnci ytysvfja&ai. 

'Qc Tiv€c9ai öjLioij ßaciXeic i, cdpouc &^ plc. 5 

30. Abydenus apud Eusebium, chron. ed. Karst, p. 15,24 — 16,8. BO 
Dasselbe macht auch Abidenos übereinstimuiend mit diesen in der 'Ge- 
schichte der Chaldäer' offenbar; denn auch er erzählt gleich dem Polyhistor 
folgendes : 

Des Abidenos <^Bericht^ von dem ersten Königtum der Chal- lo 
däer. 

Über die Weisheit der Chaldäer nun so viel. 

Begiert aber habe über das Land zuerst Äloros, sagen sie; in betreff seiner 
Person aber ist so viel an Worten zu berichten: daß ihn dem Volke der all sorgende 
Gott als Hirten angeioiesen habe. Welcher regierte 10 Saren — und ein Sar ist 15 
3000 und 600 Jahre, und ein Ner 600, und ein Soß 60. Nach ihm regierte Äla- 
paros. Nach diesem Ämelon aus der Stadt Pautibiblon; unter xvelchem der zweite 
Anidotos hervorstieg aus dem Meere, ähnlich dem Oan, dessen Formen die Halb- 
götter [Göttersprößlinge] waren. Nach welchem Ammenon. Nach welchem Ame- 
galaros. Darauf Daonos der Hirte; unter tcelchem die vier Doppelwesen aws dem 20 
Meer auf das Festland hervorbrachen: der lodokos, der Eneugamos, der Eneubo- 
los und der Anementos. Und unter E<^veydoreschos, der nach jenem regierte, der 
Anodaphos. Nach welchem regierten andere und Xisuthros. — 

30a. AbydenuB apud Syncellum p. 69,1 — 70,2 (ex Eusebi chronicorum 80« 
loco antecedente). '€k tOuv 'Aßubrivoö* irepl Tf\c XaXbaiuiv ßaciXeiac. ** 

XaXSaicov ^sr t?)s Goq)irig tc^ql xogccvxk. 

BaaiXsvßcci dh xfjg xcnQag ngiätov Xiyovaiv "AXcoqov xov 8s i)7tSQ iavxov X6- 
yov diccSovvai ort (iiv xov Xsä) noi^Uva b &sbg &noSsl^cci. BaaiXsvßai Sh oägovg 
l. Zägog 3h ißtiv x xal, y hsoc, v^gog 8h %, c&aaog dh |. Msxa 8h xovxov kXd- 
TtccQov aQi,cci cdpouc Y, ^cO'' ov 'AiiilXagog iy. itoXscog Ilavxt-ßißXcov feßaciXeuc€ cd- '<> 
pouc i Y. 'Ecp Ol) Ssixegov kvv^Saxov xr}v 9'ccXa6<sccv &va8vvai nagccTtX'^aiov 
'Slävvr] xr}v Idiav ijiiiScciiiova. Ms&' ov 'A^iihcov Ik TTauTißißXiuv fjpSe cdpouc 
iß. Med-' ov MbyccXccQog ^k TTauTißißXuuv fjpEe cdpouc rrj. Elxcc ^amg ttoijxi^v ^k 
TTauTißißXiuv eßaciXeuce cdpouc i, ^qp' ov 8 Sicpvslg yfiv iv. %uXcc6ar,g avi8v6ccv, div 
xd övöiLiara raOra, EviScoyiog, 'Evsvya(iog, 'EvsvßovXog, 'Avrjiisvrog. 'Eni 8k xov '5 
(isrä xovxov EvsSagdcx^^i kvöaSa^pog. Med-' iv aXXoi xe tjq^ocv kuI I^iaov&QOg 
inl xovxoig. 

31. losephus, Antiqu. I, c. III, 9 §§ 105—7. Mrj&eic 6e -rrpöc töv vöv ßiov 81 
Kai TT^v ßpaxÜTTiTa tAv ^tujv ä tiLincv cujußaXujv töv tujv iraXaiOüv vj;€ubf^ voiuiZ^tuj 
Td irepl ^Keivuuv XeYÖ|aeva tCü ^rtbk^ vOv tocoötov iv tiu ßiiu irapareiveiv xP^vov *•• 
TeK|Liaipö|nevoc jliti6* ^keivouc elc ^kcivo tö lafiKOC rfic lvjf\c dqptxOai. Oi ^^v Ydp 
OeoqpiXetc övxec Kai öu' aöxoO xoO OeoO Yev6|aevoi Koi 6id xdc xpoqpdc ^•inxr|6eiox^- 
pac upöc TTXeiova xpövov oucac eIköxujc I'^cov nXrj&og xoeovxov ixöav ?Treixa Koi di 
uffsxrjv nal xrjv svxQTjaxsiccv mv ijtsvoovv aaxQOvofilag iial ysfOfisxQiag rrXeiov ti\v 
TÖV eeöv aÖToIc trapacx^v, äirep ouk fjv dcqpaXOüc auxolc irpoeiireiv |ni^ Zr^caciv *5 
^EoKOCiouc ^viauxoOc 6id xocouxmv y^P ö ßsyag iviccvxbg irXripouTai. MapTupoOci 

bi jitou TU) XÖYtp ..... Kai Bripujccöc ö tö XaX&aiKd cuvaYOYiüv ktX. 

1 AapdYXUJv] sie A. 27 X^Youci] X^ywjv A, corr, A. v. Gutschmid ex Ar- 

meno. 28 niv] n^v A. 30 TTauTißißXujv] TTaurißißXioc A. Correxit ex Armeno 
A. Schoene. 32, 33 TTauTißißXuuv] Sic hie A. 36 toöxov] xaOTa A, correxi ex 
Armeno. 



264 



III. De diluvio 



82 32. CensorinuB, De die nat. XVII, 4. Epigenes in centum dnodecim annis 

longissimam vitam constituit, Berosos antem centum sedecim. 

88 33. Plinius, Nat. Eist. VII, 49 (60), § 160. Poscere videtur locus ipse gi- 

deralis ecientiae sententiam. Epigenes CXII annorum inpleri negat posse, Bero- 
5 suB excedi CXVI. 



III. DE DILVVIO 



34 



10 



34. Alexander Polyhistor apud 
Eusebium, Chronic. 1. I., ed. Karst, 
p. 10,19 — 12,6. 

Alexandros des Polyhistors <[Bericht)> 
von der Sintflut: aus derselben Schrift, 
von welcher gesprochen ist. 

Nach dem Ende des Otiartes, sagt er, 
habe dessen Sohn Xisuthros regiert 

15 8 Saren, und unter diesem sei gewesen 
die große Wasserflut. Und das Einzelne 
in die Schrift einschlagend, erzählt er 
dieserweise : 

Krön, sagt er, habe ihm im Schlafe ge- 

20 Offenbart [derselbe, den sie 'Vater des 
Aramazd' nennen und andere 'Zeit'], daß 
am fünfzehnten des Monats Daisios [d. i. 
Mareri] die Menschheit durch die Sint- 
flut untergehen tcerde; Befehl habe er ge- 

85 geben: sämtliche, sowohl die ersten als die 
mittleren und die letzten Schriftwerke zu 
vergraben und in das Innere einzugehen 
mit seinen Geschlechtsgenossen und nötigen 
Freunden; aufzuspeichern darinnen 

so Mundvorräte und Getränke; hineinzu- 
führen auch wilde Tiere und Vögd und 
Vierfüßler ; und mit allen Zurüstungen 
sich bereitzuhalten zur Schiffahrt. Ge- 
fragt habe er, wohin er denn nun schif- 

S6 fen werde; Antwort sei ihm geworden: 
zu den Göttern, Gebete zu verrichten, da- 
mit Heil den Menschen werde, und nicht 
unterließ er zu wirken das Werk des 
Schiffswerkes: dessen Länge war fünf- 

40 zehn Pfeilschüsse und seine Breite zwei 
Pfeilschüsse. 

Fertig ausgerüstet nach allem, wie er 
auch Befehl erhalten hatte, habe er Frau 
und Kinder und die nötigen Freunde in 

46 das Innere eingeführt. 

Als nun die Sintßut hereingebrochen 
und eilends wieder abgenommen, entlasse 



Eusebium excerpsit SyncrtluB, p. 53, 
19 — 66, 3. Pergitur fragm. 27 a. 

A^yei Y^P ö aOröc 'AX^Eavöpoc ibc dirö 
Tfic fpacpf\c tOuv XaXfeaiujv ktX. 

'Apödrou bi xeXeurricavToc töv ulöv 
aiiToö EicouGpov ßaciXeucai cdpouc rfi' 
^ttI toOtou fiifav kotokXuciuöv xev^cGai. 
ävaT€Tp6q)6ai bk töv Xötov oötujc. 



Tov Kqovov aizä hutcc tbv iitvov im- 
cxävta (pdvai (irjvog ^aieiov is xovs &v- 
Q'qmTiovg vnb xaraxiutff/oü qp'ö'apTjfffed'ai. 
KiXsvaoLi ovv dto; ygaiificctcov nävTcov a^- 
jjag xal {lißa xal xEXsvzas 6Qvi,avxa &£l- 
Xcci iv nöXsL 'HXiov ZimtäQOig xal vav- 
Ttriyr\6ä^svov ffxaqpos i^ißi^vat fiixa xwv 
avyysvwv xal &vayx,ai(ov (piXav iv9^- 
e&ai dh ßgwiicixa xal nöfiaxa, i^ßaXslv Si 
Kul fwa Ttxrjva xal xsxgänoSa, xal ndvxa 
siTQSitiadfisvov TtXslv iQwxm^svov äs tiov 
TtXsl; (pdvai, ngbg tovg &sovg, sv^oiisvov 
&v&QÖ)noi.g &ya&cc ysviad'ai. Tov d'oi 
nuQanovaavxa vavnriyiijßcce&ai, exdcpog, 
x6 fi^v ft^xoff GxaSicov Ts, TÖ dh nXdxog 
ßxaSLav ß. 



Tä ih evvvajf9svxa ndvxa avv9ia&ai, 
xal yvvatxa xal xixva xal xovg &vay- 
xalovg (plXovg iiißißdaai. 

rsvofiivov ik xov xaxaxXvefLOv xal 
ti&^icog Xij^avxog xwv ögveaiv xiva. rbv 



21 derselbe | 'Zeit'] additamentam interpretis Armeni. 23 d. i. Mareri] 

addit. int. Armen. 8 'Apbdxou] sie A. 24 Ziimdpoic] Iicudpoic A. 82 vau- 
inipicaceai] vauirnTilcavTa A, corr. A. r. Gutschmid. 33 Fe] € A, corr. v. Gut- 
Bchmid. 



in. De diluvio 



265 



Xisuthros etliche Vögel, und sie finden Staov9^Qov ictpiivai. Ta 8s oi xQOcp^v 

keine Nahrung und weder Stelle noch bvqovtu ciits tönov onov xcc&iacci nciXiv 

Standort, sieh niederzulassen ; zurückge- iX&siv ttg xo nXolov, Tov äs ^lißov&Qov 

kehrt, nehme er sie icieder in das Schiff TtäXiv (itrd tivag r}(iSQag äcpiivai rä oq- 

auf. und nach einigen inenigen Tagen vsa- tavrcc dh itäXiv slg xi]v vavv iX&slv 5 

entlasse er wieder andere Vögel; auch Toüg noäag nsnriXwfiivovg ^^ovta. Tä 

diese kehren abermals in das Schiff' zu- Ss to rgitov &q>s&ivra ovx hi iXO-siv slg 

rück, von Lehm schlammige Krallen tb nXotov. 
führend. Darauf lasse er ein drittes Mal 

welche los, und sie kehren nicht nieder lo 

in das Schiff zurück. 

Da erkenne Xisutfiros, daß die Erde Tov Sb isHaovd-gov ivvori9"fjvai y^v ava- 

zum Vorschein gekommen und oß'en nscprivsvai-, SisXövtcc xs xmv xov nXoiov 

liege; er erbreche eine Seite des Schiffs- Qaq>mv ^igog xi ■neu ISovxa nQoaoxstXav 

deekes tmd sehe das Schiff aufgefahren, x6 nXolov öqsi xivl iv.ßfivai (isxcc xfjg yv- i5 

an einen Berg angelehnt. Er steige heraus, vaitiog %al xfjg d'vyaxQog xal xov xvßsg- 

begleitet von Frau und einer Tochter, vi]xov ngoaxvv^eavxa xr]v yfiv xal ßmyibv 

mitsamt dem Schiff'smeister und bete an lÖQvaäfisvov xal d-vaidcavxa xolg d'eotg 

auf der Erde, errichte einen Altar und ysvicd-at [isxä xmv ixßävxmv xov nXoiov 

bringe den Göttern Opfer dar. Und seit- ätpavfi. so 

her sei er aus den Augen entschwunden 
geivesen samt jenen, die mit ihm aus dem 
Schiffe herausgestiegen waren. 

Und die dort im Schiffe geblieben waren, Tovg äh vno(uivavxag iv xä nXoim iirj 

und mit den XisutJiriden nicht herausge- slcnoQBVo^ievav x&v nsgl xhv SieovQ-Qov 85 

gangen ivaren, als sie nachher hinausge- ixßävxag ^rjxsiv aixbv inl ovöuaxog ßo- 

treten, suchten sie ihn iind umherirrend iövxag. Tov Ss SieovO-gov avxbv (ihv 

riefen sie ihn laut an, mit Namen nen- avxoig ovx ^xi dq)&i)vcci, (pavrjv ds in xov 

nend. Xisuthros ist ihnen färderhin nicht &^Qog ysviaQ-ai xsXsvovßccv oig dsov ccvxovg 

mehr erschienen; der Schall einer Stimme slvai d-soasßslg- Kai yag avxbv Siä x-qv 30 

jedoch, die aus den Lüften kam, gab Vor- evcsßsiav 7toQSvsa9cci (isxä xmv %^s&v 

Schrift: daß es ihnen Pflicht sei, Götter- olxr^aovxa. Tfjg Ss~«vxf]g xiyifjg xal xr\v 

Verehrer zu werden; und daß er selbst, yvvaixa avxov xal xr\v d-vyaxega xal xbv 

wegen seiner Götterverehrung hingefahren, xvßsQvrixr\v (isxsexrixivai. Eins xs avxotg 

in der Wohnung der Götter wohne; und oxi iXsvöovxai näXiv sig BaßvX&va, xal 35 

daß seine Gattin und Tochter und der mg si^agxai avxotg in I^innägav &vsXo- 

Schiffsmeister ebendiese Ehre genössen; (livoig xä yga^tiaxa SiaSovvai. xoig av- 

und er gebe ihnen Weisung und Vor- d'Qmnotg, xal oxi onov slalv rj ^cbpo: 'Aq- 

schrift, loiederum nach Babylon zugehen; ^isviag iaxiv. Tovg dh axovaavxag xavxa 

so nämlich laute für sie der Schicksals- 9'vaai xs xolg 9eolg xal nsifj nogsvd-fjvai 40 

Spruch der Götter: zu gehen, aus der Stadt sig BaßvXäva. 
der Siparer ausgrabend die Bücher zu 
holen, die dort geborgen lägen, und sie 
der Menschheit zu übergeben; und daß 

der Ort, woselbst sie gelandet sich befän- 46 

den, das Land Armenien sei. Und jene, 
als sie alles dies vernommen, hätten den 
Göttern Opfer dargebracht und seien zu 
Fuß nach Babylon gezogen. 



Von dem S chiffe aber soll dort, wo es Tov Ss nXoiov xovxov xaxaxXi9^vxog 50 

7 Tct b^ TÖ] TÖ be A, correxi. 27 ßoiüvrac] ßoOüvTOC A. 30 koI fäp] 

Kai irap' A, corr. v. Gutßchmid. 36 Im-rrdpujv] Iicirdpiuv A. ßO kuto- 

KXi9evToc] KaTOKXTie^vToc A, corr. Scaliger. 



266 ^y- De dilavüs et incendiis faturis 

landend sich niedergelassen in Armenien, iv rfi kgiisvia hi, fiigog ti iv totg Koq- 
noch bis auf heute ein kleiner Teil auf Svaicov öqsol Tfjg 'Agiisviocg Siafiiveiv, xat 
dem Korduäergebirge im Armenierlande nvag &no^vovxag rot) nloiov xofil^siv 
als Überrest geblieben sein; und etliche äecpaXtov, ^upäö'ö'ai öh cciry itQog rovg 
5 sollen von der Na2)hthatünch€ des Schiffes &7totQOJticcaiiovg. 
Abschabsei mitnehmen zu Heilzwecken 
und als Schutzmittel zur Abwehr von 
Krankheiten. 

Und jene seien abgereist, angelangt zu 'EXd'övTag ovv tovrovg sig BaßvX&va 

10 Babelon; hätten nachgegraben und die rä rs in Untjcdgav ygäiniuru avoQv^ai 
Bücher hervorgezogen; und viele Städte nal nölsig TcoiXag Kti^ovrag tial iegä an- 
gebaut, und Tempel den Göttern errich- SQvo(ievovg näXiv inmxiaui xr\v Baßv- 
tet und abermals Babelon erneuert. Xmva. 

84a 34a. Ex Eusebio hausit Cyrillus Alex., In lulianam 1. 1, p. 8 ed. Span- 

15 heim. Kai 6 in^v 'AX^Eavbpöc qprjciv oötuuc 'SIticcqtov äs TsifuTTjffavros rbv viov 
awov Sißov&Qov ßaailsvaai ßaQovg Ssxaoytrw' inl tovtou rbv ^iyav q>aal yfvi- 
eO'ai xaTaKXv6[i6v' Cetera non verbotenus exscripsit, sed excerpsit modo Cyrillus. 

86 35. Abydenus apud Eusebium, Praep. evang. IX, 12 p. 414 — 5 et in 
Chronic. 1. I ed. Karst 16, 11 — 17,8, Chronica excerpserunt Cyrillus c. lul. I, p. 8 

80 et Syncellus p. 70, 1 — 15. 

'AßubrjvoO. MeG' öv äXXoi re f^pEav koI 2siei9-gog, m Sr} Kgovog TtQoainiaivsi. 
(ihv ^atad-at- nli^^og oiißgav dsßlov Te, ksXsvbl dh näv 6 rt, YQafi^urav rjv ixö(it- 
vov iv HXiov nöXsi ry iv Uin^dgoiatv anoxgvtpai. 2!£L6i&go$ öh ravra initsXia 
TtoiT^aag, sv&icag in' kgiisvir\g avinXcos, xccl nagavTiKu (iiv KarsXcc^ßccvs rä in 9sov. 

25 Tgirtj dh ijiisgr] iicsi re vcov ixoncces, figr/fi röäv ogvi^av nsigijv noisv^isvog, st 
xov yf^v L'fioiEv rov vSarog ixdvßav. Ai 81 ixäsxofi-ivov Gcpiag nsXäyeog Scficpi- 
j^ccviog anogiovecci ox|j na&OQfiißovrai, itaga rov ^sieiQ^gov ÖTiißa aofii^ovrai, xal 
in' ccbrfjaiv tzsgai. 'Slg Sh rfjßi rgirrjßiv svtvxbev, anixctro yag ärj nrjXov -narcc- 
nXsoi rovg ragßovg, 9£oi (iiv i^ ccv&gmnmv Sccpavi^ovßiv rb Sh nXolov iv kQfisvij] 

80 ntgiccnta i,vX(üv &Xt^i(päg^ay,a roißiv inL%agioLßi nagsixero. 

36 36. losephus, Ant. I, 111,6 § 93. Toö hi KaTaKXucjLioö toutou koi tt^c Xdp- 

vaxoc la^iuvTivTai irdvTec oi rdc ßapßapiKOC icTopiac dvafeTpacpÖTec, drv kxi Kai 
Bripmccöc 6 XaXbatoc- 6iiiYoiJ|nevoc yctp xd uepl töv KaraKXucjLiöv oötu) ttou h\- 
^EeiCf Xiysrai dk tial rov nXoiov iv r^ kg^iivla ngog tä> ogsi räv Kogävaicov hi 

85 (isgog XL slvai Kai koiil^siv riväg xfjg ccßcpäXxov äcpatgovvrag- xQ^vxai öh fiäXtßxa 
oi avQ-gconoi xm xojxt^o^s'ro) ngbg rovg &norgoniaß(iovg. 

IV. DE DILVVIIS ET INCENDIIS FVTVRIS 

Confer ex fragm. 29 hoc lemma: von Aloros dem ersten König bis Xisu- 
89 thron, unter welchem, sagt er, die große und erste Sintflut gewesen sei usw. 

87 37. Seneca, Nat. Quaest. 111,29,1. Quidam existimant terram quoque con- 
cuti -et dirupto solo nova fluminum capita detegere, quae amplius ut e pleno pro- 
fwndant. Berosos, qui Belum interpretatus est, ait ista cursu siderum fieri-, adeo 
quidem affirmat, ut conflagrationi atque diluvio tempus assignet: arsura enim 

1 Kopbuaiujv] KopKupaiujv A, corr. v. Gutschmid. 4 aürr)] ai)rt[V A, corr. 

V. Gutschmid. 10 Iiinräpujv] Iicirdpujv A. 11 KriZcvrac] CKCTiJIovTac A, corr. 
Scaliger. 12 dvi6puo|i^vouc] dvi&puca)i^vouc A, corr. v. Gutschmid. 15 'ßridprou] 
sie. 21 l€{ci0poc] sie. Praep. evang., KciOpoc Syncell., Ekouepoc Cyrillus, Xiau- 

throB Eu8. Chron. armen.; ZfcouBpoc Abydenus supra (fragm. 30 a) eodem loco. 
22 16] Praep. evang., Sync, Cyrill., fünften Eus. chron. armen. 27 dinqpixav^oc] 
Syncell., Eus. chron. aimen., dxav^oc Eus. Praep. evang., dqiav^oc Cyrillus. 



Y. De regibus poatdiluvianis usque ad Nabonassarum 267 

terrena contendit, quandoquc omnia sidera, quae nunc diversos agunt cursus, in 
Canerum convenerint {sie sub eodem posita vesHgio, ut recta linea exire per orbes 
omnium possit); inundationem futuram, cum eadem siderum turba in Capricomum 
convenerit. HUc solstitium, hie bruma conficihir: magnae potentiae signa, quando 
in ipsa mutatione anni momenta sunt. 5 

38. Plinius, Nat. Hist. II 79 (81), § 191. ßabyloniorum placita et motus fiS 
terrae hiatusque, qua cetera omnia, siderum vi existimant fieri, sed illorum trium, 
quibus fulmina adsignant, fieri autem meantium cum sole aut congruentium et 
maxime circa quadrata mundi. 

V. DE REÖIBVS POSTDILVVIANIS VSQVE AD NABONAS- ,o 

SARVM 

89. Eusebius, Chronic. I, ed. Karst, p. 12, 17—13,4 ex Polyhistore. Zu 39 
demselben fügt jedoch der Polyhistor noch dieses bei, indem er schreibt: Nach 
der Sintflut herrscht über das Chaldäerland Evek'sios, 4 Neren. Und nach ihm 
übernahm die Herrschaft dessen Sohn Chomasbelos, 4 Neren und 5 Sossen. Von 15 
Xisuthros aber und von der Sintflut, bis die Marer {Meder) Babylon nahmen, Ȋhlt 
Polyhistor im ganzen 86 Könige: ixnd mit Namen erwähnt er einen jeden aus 
des Berossos Buche; und die Zeit der sämtlichen faßt er zusammen in die Zahl 
von drei Myriaden Jahren und dreitausend und einundneunzig. Und nach ihnen, 
auf ihre so gewaltige Dynastie, haben die Marer (Meder), nachdem sie ein Heer 20 
gegen Babelon zusammengezogen, es eingenommen und daselbst Gewalthaber aus 
tlinen selbst eingesetzt. Hiernach führt er auch die Namen der Gewalthaber der 
Marer {Meder) an, 8 an der Zahl und ihre Jahre 224. Und wiederum 11 Könige 
und Jahre 28. Dann auch die chaldäischen, 49 Könige und 458 Jahre. Darauf 
auch die arabischen, 9 Könige und 245 Jahre. Nach welchen Jahren er auch 25 
der Samiram Herrschaft über Assyrien berichtet. Dann wiederum zählt er einzeln 
auf die Namen von 45 Königen und setzt deren Jahre an auf 526. Nach welchen, 
sagt er, gewesen sei der König der Chaldäer , dessen Namen ist Phulos, welchen 
wiederum auch die Geschichte der Hebräer erwähnt und Phulos nennt. 29 

39a. Eusebi locum excerpsit ex syriaca versione Mar Michael, Chronic, ed. 39 a 
Chabot t. IV (textus syriacus) p. 748, quem hoc modo vertit H. Bauer: Der in solchen 
Dingen hervorragende Eusebios, der aus den alten Schriften von Alexander Polyhistor, 
Abydenos und anderen Chaldäern die Geschlechterfolge von Adam bis zur Sint- 
flut in den Tagen Noahs darlegt, zählt hintereinander zehn Könige auf, deren 
Namen und Jahre so aufgezeichnet sind, wie wir sie in diesem Buche gebracht 35 
haben. Auch hier nennt er dieselben von den Chaldäern und er berichtet, daß 
'nach der Sintflut ein Chaldäer Eveokhos regierte und nach ihm Khomasbelos' und 
daß CS 'von der Zeit des Khsisuthros, da die Sintflut icar , bis zur Zeit, da die 
Mederkönige Babel einnahmen, 86 Könige gab^ nach dem Zeugnis der Schriften 
von Polyhistor und Abydenos. Er sagt, daß Polyhistor jeden mit Namen nennt, 40 
dann fährt er fort: 'Nachdem die Herrschaft der Clialdäer zu Ende war, regier- 
ten die Meder, 21 Könige'. Ferner sagt er: 'Es herrschten die Chaldäerkönige, 
40 Könige' und er erwähnt auch die Namen und Jahre derselben. 'Danach 
wurde der Herrschaft der Chaldäer ein Ende gemacht durch die Assyrer zur Zeit 
der Samiram, es umfaßt dieser Zeitraum 46 Könige. Danach gab es einen Chol- 45 
däerkönig mit Namen Phulos', den die hebräischen Schriften Phul nennen. 

39b. Eusebi loco a Panodoro perperam mutato usus est Syncellus,39b 
p. 147, 9 sq. 

23 224] in margine corr. 234. 24 28J in margine corr. 48. 36 Se- 

quuntur hie in margine nomina X regum ab Aloro usque ad Xisuthrum. 



268 Fragm. lib. lü: I. De regibuB Aesjr. Bab. regnantibns 

'AXfctavbpoc 6 TToXuicTUjp ^k Toöbe toö ßtJF KocfaiKOö ^touc ßoüXcTai träXiv 
ni^v juexct töv KaxaKAuciuöv tüüv XaXöaiuuv ßaciXeiav xardpSacöai iudöcXotiüv 6ici 
cdpujv Kai vi^piuv Kai ciüccujv ßcßaciXeuK^vai XaXiaiav koI Mribiuv ßadiXstg «5 iv 
rQteiivgiois hsßiv kuI ,dq, toOt' ^ctiv iv cdpoic •8' Kai vripojc ß Koi cuOccoic tj, 
5 äTT€p Tivec Tluv ^KKXr|CiacTiKU)v i^iuiDv icTopiKÜJV oO KaXujc ^teXdßovxo cic Ity] fjXt- 
OKÖ qb Kai jnfjvac fj, äirep, üic qpaciv, eic tö ,ßüq6 ^xoc kocjliiköv cuvrp^x^i- 'Airö 
bi toOtou toö xP'^'vou tOuv ä? bvo yxiv XccXöaiav ßueiXitav, Evrixoiov Kai Xaiiaa- 
ßi]Xov, ff& 6^ Mri&ujv, ZiupodcTpriv koI toüc juex' aöxöv Z XaXbaiiwv ßactXelc cicd- 
Y6i, (.TT] KpaxricavTac i^XiaKo pq, 6 aüxöc TToXuTcxujp, oOk fxi öiö cdputv koI vr^puuv 
10 Kai cuücciuv Kai Tf\c Xonrfjc |iuGiKfi€ icxopiac, dXXd bi' i^Xiokujv ^xAv. 

40 40. losephus, Ant. I, VII, 2 § 158: MvrmoveOei bä xoö iraxpöc i*||uüjv 'Aß- 
pd|iiou Bripoiccöc, oük övo^idZvjv, X^yujv b^ oiixuJC" Msrä dh xbv yiaraxlvafiöv dsnätr] 
YSveä Ttagcc XaXdaioig tig Tjr diKaiog &vi](i xat ^iyag y.ccl rä oigävia lansigog. 

41 41. Aelianus, De natura animal. XII, 21. BaßuXtuviouv ßaciXeüovxoc Evt}xö- 
15 gov XaXSatoi Xiyovai xbv ysvö^svov ix rf/S ixslpov ^ryargog ttjv ßaaiXsiav &(pai- 

grißseO'ai xöv TtärtTtov. Tovxo itistvog nicpgixs, Kai \'va €iiTuu xi koI ÖTroirakac 'Ak- 
picioc Yivexai ^c xtjv naiSw icpgovgsi, yap TtLxgoxaxa. Ad&gcc äi 7} natg (i^v ydp 
xoö BaßuXuuviou coq)u()xepov xö xpi.wv) xixttL vnonXrie&staa i'x xivog &v&gbg cccpa- 
vovg. Tovxo ovv oi cpvXdxxovTsg Shi xov ßaöiXiag iggixpav i^ xfjg äxgonoXscog' 

20 Tjv yccg ivxav&cc acpsigyfiivr] i] ngofigri^ivri- Owovv öcsxbg xt]v ?rt xov naiSog xuxa- 
cpogccv ö^vxaxa idmv, nglv rj xf/ yy Ttgoßccga^^'fjvai xb ßgi(pog, vnfjX&sv avxb xal 
xä v&xa vnißaXs, xal yiofii^si ig xfinöv riva, xal xid-r\6i nscpstc^ivag si fiäXa. 
'O xoLvvv xov xmgov fi,sXT]Scovog xb xaXbv naidiov &aa6d(ii:vog ige) avxov xal xgi- 

24 qpfi • xal xaXelxai FiXyafiog xal ßaßiXsvfi BaßvXaviav. 

42 42. Locum in fragmento 28: Dieses hat JBerossos im ersten Buch erzählt. 
Und im zweiten hat er die Könige, einen nach den anderen darstellend beschrieben ; 
<^bisy, wie er sagt, Nabonassaros ivar zu jener Zeit König Panodorus apud Syn- 
cellum p. 389, 20 — 390,5 perperam mutavit hoc modo: 'Airö bk Naßovaadgov 
xoüc xpövouc xiuv dcx^poiv XaXbaioi riKpißuucav koI dirö XaXöaiuuv oi irap' "€XXr|ci 

30 luaeriiLiaxiKol Xaßövxcc, direibi^, Oüc 6 'AX^Eavbpoc koi Bripuuccöc q)aciv oi xdc XaXöai- 
Kdc dpxaioXoYiac TrepieiXriqpöxec, Naßovdcapoc cuvoTaTuJv xdc -rrpdEeic xüüv upö 
aöxoö ßaciX^iuv riqpdvicev, ötiuuc äti' aöxoö ri Kaxapi6|Lir]cic yivexai x&v XaXbaliuv 
ßaciX^ujv. 



FRAGMENTA LIBRI III 

35 I. DE REGIBVS ASSYRIORVM BABYLONE REGNANTIBVS 

48 43. Polyhistor apud Eusebium, Chron. ed. Karst, p. 13, 2— 14, 32. Per- 

gitur fragmentum 39. Nach welchen, sagt er, gewesen sei der König der Chaldäer, 
dessen Name ist Fhulos, welchen wiederum auch die Geschichte der Hebräer er- 
wähnt und PhuloB nennt, von welchen sie sagen, daß er gegen das Land Juda 

40 gezogen sei. Und nach ihm, so berichtet der Polyhistor, ,set Senecherib König ge- 
wesen, den die hebräischen Bücher erwähnen als geherrscht habend unter König 
Ezekia. (Sequnntur hie ezcerpta ab Ensebio addita ex Scriptora Sacra.) Soviel 

16 6ör]xöpou] ZeuJixöpou codd. correxi. 33 Confer quae tradit Ptolemaeus, 
Syntaxis III, 7 p. 254 Heiberg . . . dvaßißdZovxec bi dir ' aöxüüv xdc xOuv ^iroxiwv 
cucxdceic elc xfjv dpxi^v xf|c Naßovaccdpou ßaciXeiac biä xöiv dirobciKvuin^vujv nicwv 
K\vi\c€iuv, dqp* oö xpövou koI xdc naXaidc xrjpriccic i%otJLev uüc ^triirav M^XPi toö 
bcöpo blacw2Io^^vac. 



I. De regibug Aesyr. ßab. regnantibus 269 

die Hebräerschriften. Den Senecherib jedoch und seinen Sohn Asordan und den 
Marodach Baidan erwähnt auch der chaldäische Geachichtschreiber, nebst diesen 
auch den Nabuchodonosor, wie die erwähnte Abhandlung ist, geschrieben in 
ihrem Betreife mit folgenden Worten : 

Nach der Begierung des Bruderff des Senecherib und nach der Herrschaft 5 
des AJcises über die Babylonier, bevor er noch 30 Tage die Herrschaft innegehabt 
hatte, ward er getötet von Marudach Baidan. Und Marudach Baidan behauptete 
hich als Gewaltherrscher sechs Monate; und es tötete ihn einer, dessen Name ivar 
Elibos, und er tvurde König. Und im dritten Jahre der Regierung desselben sam- 
melte Senecheribos, König der Assyrer, ein Heer gegen die Babylonier, bot Stirne lO 
gegen sie und siegte; und gefangennehmend ihn samt seinen Kreunden, ließ er 
{^siey fuhren in das Land der Assyrer. Er herrschte über die Babylonier und setzte 
als König über sie seinen Sohn, den Asordanios; und er selbst zog hin in das 
Land der Assyrer. 

Wie ihm das Gerücht geworden, daß angerückt seien Griechen in das Land 15 
der Kilikier, Krieg zu führen, eilte er gegen sie: Front gegen Front stellte er auf 
und, nachdem viele von seinen eigenen Truppen durch die Feinde niedergehauen 
waren, siegte er in der Schlacht; und als Denkmal des Sieges ließ er sein auf 
der Stätte errichtetes Bildnis zurück; und befahl, in chaldäischer Schrift seine 
Tapferkeit und Heldentat (^darauf} einzugraben zum Gedächtnisse für die künf- 20 
tigen Zeiten. Und die Stadt Tarson, so berichtet er, erbaute derselbe, nach dem 
Ebenhilde Babelons, und er legte der Stadt den Namen Tharsin bei. L'nd nach 
allen den übrigen Taten des Sinecherim bemerkt er noch dieses hinzusetzend: 
„18 Jahre tvar er <^an der Herrschaft^; und indem ihm ein Hinterhalt bereitet 
wurde von seinem Sohn Ardumuzan, endete er." So weit der Polyhistor. 85 

Aber auch die Zeiten fürwahr sind übereinstimmend mit den von den Gött- 
lichen Schriften gesprochenen Worten. Denn „unter Ezekia regierte Sinecherim", 
wie der Polyhistor darstellt, „18 Jahre; und nach ihm sein Sohn 8 Jahre; und 
darauf Samviuges, 21 Jahre; und dessen Bruder 21 Jahre; und darauf Nabu- 
palsar 20 Jahre, und nach ihm Nabukodrossoros 43 Jahre." Und im ganzen so 
werden zusammengefaßt von Sinecherim bis zum Nabukodrossoros 88 Jahre. 
Auch nach den Hebräerschriften findet man es, wenn man genau es be- 
trachtet, diesem entsprechend, denn nach Ezekia regierte über die zurückge- 
bliebenen Juden Manasse, Sohn des Ezekia, 55 Jahre; darauf Amos 2 Jahre 
und nach diesem Josia 31 Jahre; und darnach Joakim; zu dessen ßegierungs- 35 
zeit Nabuchodonosor heranzog, Jerusalem belagerte und die Gefangenschaft der 
Juden nach Babelon wegführte. Es ergeben sich aber von Ezekia bis auf Na- 
buchodonosor 88 Jahre, ebensoviel wie auch Polyhistor aus dem chaldäischen 
Schriftberichte herausgerechnet hat. 

Und nach all diesem erzählt wiederum Polyhistor etliche Werke und Taten des 4o 
Senecherib, und er gedenkt dessen Sohnes in Gemäßheit mit der Hebräerschrift, 
und zählt im einzelnen alles auf. Auch wird berichtet, daß Pythagoras der Weise 
um diese Zeit unter diesen <^Regenten)> gewesen sei. 

43a. Eusebi locum excerpsit Mar Michael, Chron. t. IV, p. 749. Pergitur 43 
fragmentum 39 a. 45 

Alexander Polyhistor sagt in seinem Beriebt über Senacherib und Nabuchod- 
noaor : 

„Nach Phul regierte sein Bruder Senacherib. Er zog mit einem Heere gegen 
Babel. Er war siegreich, nahm Sarnelibos lebendig gefangen und schickte ihn nach 
Assur. Nachdem er über Babylonia Herr geivorden, setzte er seinen Sohn Asor- so 



34 Eusebius 12. Sed corrigendum propter summam annorum55-(-2+31=888e- 
cundum Sacram Scripturam. 



270 II- D* NabupaloBsoro et NabucodrosBoro 

danisos als König über Babel und zog selbst nach Assur. Als er erfuhr, daß die 
lonier in KUikien eingefallen seien, sog er eilig gegen sie und vernichtete viele von 
ihnen. Er ließ ein Siegeszeugnis zurück, indem er seine Bildsäule an dem Orte 
aufstellte und die Ereignisse mit chaldäischen Schriftzeichen darauf schrieb. Er 

6 erbaute die Stadt Tarsos und nannte sie Tarsis. Dann kehrte er, sagt er, in sein 
Land zurück. Er lebte 18 Jahre und wurde von seinem Sohne getötet. Derselbe 
regierte S Jahre und nach ihm Hamugios 21 Jahre und dessen Bruder 21. Nach 
ihnen Nabupalassoros 20 Jahre und nach diesem Nabuchodonosoros, so daß man 

9 zählt von Senacherib bis <^Naybuchodnosor 88. 

44 ^^' Abydenos apud Eusebium, Cbron. ed. Karst p. 17,25 — 18,16. „Zu 
jener Zeit wurde als der fünfundzwanzigste endlich auch Senecherib gefunden unter 
den Königsherrschern, der Babelon seiner Botmäßigkeit unterwerfend bezwang und 
an der Seeküste des kilikischen Landes das Ge.schwader der seekämpfenden Schiffe 
der lonier besiegte und in die Flucht schlug. Und er baute auch den Tempel der 

15 Athener, errichtete eherne Säulen und inschriftlich fürwahr, sagt er, ließ er seine 
Großtaten einhauen. Auch Tarson erbaute er, nach Plan und Muster Babilons, 
so daß ebenso durch Tarson der Fluß Kydnos hindurchflösse, wie der Aratzani 
(Euphrat) durch Babelon. 

Auf ihn und nach ihm regierte Nergilos, der von seinem Sohne Adramelos 

80 beseitigt tcurde. Und diesen tötete dessen Bruder Axerdis von demselben Vater, nicht 
aber von derselben Mutter: und verfolgend warf er die Streitmacht desselben in die 
Stadt der Byzantier, welche zuvor Söldnertruppen ihm zu Hilfe gesammelt hatte, 
aus welchen einer war Pythagoras, der chaldäischen Weisheit Schüler. Weiter 
nahm Axerdis Egiptos und die Gegenden des Hohlen Syriens erobernd in Besitz; 

SB aus icelchem auch Sardanapalhs war. 

45 45. Josephus, Ant. X, 11,2 §34. Mvrmoveuei bä toO Baßvkavicov ßaciXeoig 
BaXdba 6 Bripujccöc. 

46 46. Josephus, Ant. X, I, 4, § 20. Kai 'Hpöboroc n^v oötiuc IcTopei, äXXä Kai 
Bripujccöc ö TÄ XaX&aiKd cvjfpa\\iä^evoc lavrmoveOci toö ßaciXduiC toO üsvaxrigißov, 

so Kai ort t&v keavQlcov TiQxs >ioil ort Jtcccrj insCTgaTSvcaro tt) 'Acia Kai t^ AItüittiu 

II. DE NABVPALOSSORO ET NABVCODROSSORO. 

47 47. Polyhistor apud Eusebium ed. Karat p. 14,32—15,4. Pergitur frag- 
mentum 43. 

S5 „Und nach Samoges gelangte Sardanapallos zur Begierung über die Chal- 

däer, 21 Jahre. Dieser sandte zu Azdahak, dem Stammhäuptling und Satrapen 
der Mar er (Meder), Heerestruppen zu Hilfe, um als Gattin zu erhalten für seinen 
Sohn Nabukodrossoros eine Tochter des AzdaJidk, die Amuhidin. Und darauf regierte 
Nabukodrossoros 43 Jahre; und ein Heer zusammenziehend, zog er aus, nahm ge- 

40 fangen die Juden und Phöniker und Syrer."' Daß nun auch in diesem mit den 

hebräischen Schriften übereinstimmend sei der Polyhistor, darüber bedarf es nicht 

vieler Worte. 

47a 47a. Eusebi locum excerpsit Syncellus p. 396, 1 — 4. Toötov ö TToXutcTiup 

ZapbavdiraXXov KaXcT nifiipavta itgbg katvdyriv ßatgdjcrjv Mr)8lag xai ttjv ^vya- 

45 ziga airov kfivirrjv Xaß6vta vv(iq}riv ilg tov vibv airov Naßouxobovöcujp. 

48 48. Abydenus apud Eusebium, Chron. I ed. Karst p. 18, 15—19, 17 et par- 
tim in Praep. evang. IX, 41 p. 457 c — d. Pergitur fragm. 44. 

81 Qaae Berosus dixit, aut in lacuna teztus ezciderunt aut Josephus dicere 
Tel potius excerpere oblitus est. 



II. De Nabupalossoro et Nabucodrossoro 271 

Nach ihm regierte Sardkos über die Ässyrer. Als er erfahren, daß ein aus 
gemischten Scharen zusuminengerottetes Heervolk vom Meere herauf gegen ihn an- 
gestürmt komme, entsandte er schleunig den Bupalossoros als Heerführer nach Ba- 
belon. Und dieser, im Entschlüsse der Empörung entschlossen, verlobte die Amuhi- 
din, die Tochter des Azdahak, des Häuptlings der Marer (Meder), seinem Sohne 5 
Nabukodrossoros zur Gattin; und hierauf eilends aufbrechend zog er hin zum An- 
griffe gegen Ninos, das ist die Stadt Ninive Kunde ward von allevi diesem dem 
König Sarakos; im Feuer ließ er aufßammen die Königsburg Evoritah. Nabu- 
kodrossoros aber, nachdem er übernommen die Herrschaft des Königtums, umgab 
Babelon mit einer festen Mauer. lO 

Und nach diesen Woiten stellt Abidenos auch was nur immer für Berichte 
über Nabuchodonosoros sind, übereinstimmend mit den hebräischen Schriften an- 
ordnend dar in folgender Weise. 

Nabukodrossoros, nachdem er über- Naßovxoäovoeogoe Sk diaSs^cciiEvos xr]v 

nommen die Herrschaft, ummauerte Ba- ^qx^'" BaßvXmva fisv sTsix^os tgmXm 16 

belon mit Mauer und dreifachem Walle nsQißöXm iv nivTs xai Sixa rifiiQißßi, 

innerhalb einer Zeit von nahezu fünf- tov xs kQfiaxäXriv itotccyibv i^riyaysv, 

zehn Tagen. Und den Fluß Armakales iövta xtgag EvcpQTJrso) , xov xs ^jtpccxa- 

leitete er aus dem Aratzani (Euphrat) vov. ' Trthg 6h rf^g StTtJcagrivwv TtdXewg 

herführend ab. Und das Wasserbecken Xdxxuv ogv^diLsvog, TisgL^etgov nkv xecaa- 20 

der Hochfläche, dasjenige bei der Stadt gdyiovxa nagaaäyyav, ßd^og S' ogyvisav 

der Siparener, umgrub er ringsum 40 Pa- sfxoet, itvXag iniexriasv, xäg dvoiyovxsg 

rasangen <^weity und auf eine Tiefe von agSsexov xb Ttsäiov xaXsovci ö' avxäg 

20 Ellen; und er errichtete ^Schleusen-y ixsxoyvm^ovag. 

Pforten daran, die sich öffneten und die >8 
ganze Ebene beuässerten ; und der Name 
der Pforten heißt Echetognomonas, gleich 
als ob sie Willen oder Willfährigkeit 
aus sich selbst hätten. 

Er bemauerte auch die Küste des Boten 'ATtsxsixias dl xori xfig 'Egv&gfjg d-aXdß- so 

Meeres gegen die Wogenbrandung. Und 6t]g tijv inlxXvatv, xal TsgriSövcc tcöXiv 

er erbaute die Stadt Teredon an den Zu- ^ktigs Y.axd xäg 'Agdßcav siaßoXdg. 
gangen des Landes der Araber. 

Und die Königsburg schmückte er aus Td re ßaeiXriia Sivdgoig i]aKr,af, -ngs- 

mit zartgewachtenen Baumpflanzen und ^ccaxovg nagadsleovg övondeag. 85 
nannte dieses „Hängende Gärten." 

Hierauf bietet er im einzelnen die Erklärung der genannten „Hängenden 
Gärten", welche, sagt er, auch die Griechen unter die sogenannten „Außerordent- 
lichen Wunderwerke" rechnen. 39 

48a. Abydeno ab Eusebio excerpto usus est Syncellus p. 396,5—8. Per-48a 
gitur fragmentum 47 a. 

OÖTOc CTpaxiiYÖc Oirö ZäpoKOC xoO XaXöaiuJV ßaciX^ujc ciaXeic, v-axu xov av- 
xov Eccguv.og slg Nivov iniaxgaxsvsL- ov xrjv ^(po8ov Jtxorid'Blg 6 XdgccvLog kavxbv 
evv xolg ßaeiXiioig iviitgr\6E, xßi ttjv dg^r^v XaXdcciai' tial BaßvXmvog TCccgsXaßev 
6 ccvxbg NaßoTtoldßagog, ö xoö Naßouxobovöcujp iraTrip. 45 

49. Josephus Contra Apionem 1, 19, §§ 129—20, § 142. §§ 136—141 repetit49 
in Ant. X, XI, 1 §§ 220—6. Pergitur fragmentum 2. 



8 Evoritah] Abydenum ^ujütöv scripsisse A.v.Gutschmid suspicatur. 2 gleich 
als — hätten] additamentum Armeni interpretiß 24 IxtTOfvuüiaovac] sie Euse- 

bius in Praep. ev. et Chronico. Sed Berosum öx€TO-fvu)|iovac „Schleusen" scripsisse 
recte A. v. Gutschmid monet. 



212 II- De Nabupalossoro et Nabacodrossoro 

OÖTOC Totvuv ö Bripuuccöc raic äpxaioTdraic ^ttokoXouGujv dvaYpaqpaic irepi 
TE Toö Tevo|i^vou KaTaK\uc|Lioö koI rrjc iv aviTiu <p9opäc tüjv dvSpiwinuv KoOdtrep 
Muucf^c oÖTuuc lcTÖpriK€v Koi irepl xfic XdpvoKOC, ^v fj NAxoc ö toö y^vouc i^iliOüv 
dpxiT^c biecuüeti irpocevexöefcric aÜTfjc toic dKpiupeiaic tujv 'Apiieviuuv öpüjv. €TTa 
5 Touc duö NtOxou KaxaX^Twv koI touc xpövouc aurolc TrpocxiBeic, ^tti NaßouTraXdcca- 
pov irapaTivexai xöv BaßuXiövoc Kai XaXbaiuuv ßaciX^a koI xdc xoüxou irpdSeic 
dqpr|YOU|Lievoc X^y^^ Tiva xpöirov ir^myac ^ttI ti^v Aiyutttov koi ^ttI xi^v i'meT^jiav 
Yfjv xöv uiöv xöv ^auxoö NaßouKOÖpöccopoc |iexd iroXXfjc öuvdneuuc, iiiiibf\jrep 
dqpecxOüxac aüxouc diTÜOexo, ■nrdvxujv dKpdxrjcev, öc koi xöv vaöv ^v^TTpr^ce xöv €v 

10 'kpocoXOjLioic öXuuc xe xd Trdvxa xöv -rrap' j^mliv Xaöv dvacx^cac eic BaßuXiIiva 
ILiexibKicev , cuv^ßr) bä Kai xi^v ttöXiv Ipr||aai9fivai xP^vov ^xüüv ^ß6o|Lit^Kovxa lu^xP' 
Küpou xoö TTepcOuv ßaciXduic. Kpaxf|cai bl (pr|ci xöv BaßuXiüviov AItOttxou Zupiac 
0OIVIKT1C 'Apaßiac irdvxac ötrepßaXöinevov xaic irpdSeci xouc trpö aüxoö XaXbaiaiv 
Kai BaßuXtuviiuv ßeßaciXeuKÖxac. 

15 616' ^Efic OTTOKOxaßäc öXi^ov ö Btipuuc- 'Oö^ßaciXeücNaßouxobovöcopocfe'xtixpia 
cöc irdXiv Trapoxiöexai iv xr) xfjc dpxaiö- koI xeccapdKOvxa ßaciXeOcac xeXeux^ xöv 
xrixoc icxopiOYpaq)ia. AOxd bi Trapaej^co- ßiov dvrip fepacxripioc koi xujv irpö aüxoö 
|iai xd xoö Bripuiccoö xoöxov ^xovxa xöv ßaciX^uuveOxux^cxepocYevöiuevoc.Mdfivrixai 
xpöuov b' aüxoö Kai Bripuuccöc ^v xrj xpixTj xOüv 

20 XaX&aiKUJv icxopiAv X^y^v oüxujc 

^xoveccg d 6 nocrriQ avrov NaßovnaXdßßciQog , ort 6 Tstay(iivog ßuxQäitrig 
iv ty Alyvm(p %al xovg ttsqX Trjv UvQiav rrjv xoiirji' xal trjv ^oivixriv rd^ro^s 
&yto6Tcctr}g avTOv yiyovsv, ov dvvd^svog ccitog Eti xaxoTia&siv avetylaag tä viä 
NaßovKodQoacÖQcp bvxi iv rjXiKiu {ligri xiva xfjg Svvä^scog i^iitBuiptv in' avxov. 

85 I^vniii^ccg dh Naßovy.oSgöaßoQog rrä äitoaxccrr] xoil Ttagccxa^ä^svog avxov x' ixv- 
Qisvßs xal xi]v j^mgav i^ dQ^fjg vnh xr\v avxwv ßaaiXEiav inoi'^Gcexo. 

Tä Sh nccxgl airov ßvvißr] NaßovTCaXaßßögoy yiaxcc avxov xöv xaiQOV agga- 
ßxrjßavxL iv xjj BaßvXaviav n6Xsi iisxaXXa^ai xbv ßiov Ixr] ßsßaßiXevMti %ä. Al- 
ßd'Oiisvog Ss fisx' ov noXvv %g6vov xj]v xov naxgbg xsXsvxr/V NaßovxoSgößßogog xal 

SO xaxaßx'^ßag xa Kaxä xrjv Ai'yvitxov Ttgäy^axa y.al xr]v Xomijv xmgav xal xovg al%- 
liaXmxovg 'lovSaioav xs ^oivixcav xal Svgcov xal x&v xaxa xi,v Al'yvnxov i&vcov 
ßvvxä^ag kvl xäv tpiXcav fiexä ttjs ßagvxccrrig dvvä^scug xal t^s Xoiniig mcpsXsiag 
&vaxo(il^siv slg xi]v BaßvXcoviav, aixbg ogfirißag öXiyoßrbg Ttagaysvsxo &ia xf]g 
igi](i,ov £ig BaßvXtbva. 

35 KaxaXaßüiv 8h xa ngäyfiaxa Sioixovfisva vnb XaX8ai(ov xal Siaxrigov^ivriv 

xr\v ßaßiXsiav vnb xov ßsXxißxov avxwv, xvgisvßag oXoxXrlgov xi)g naxgixfjg &gx'i)9 
xolg fifv alxiiaXmxoig nagaysvoy,ivoig ßvvixa^Bv &noLxias iv xotg inixr\8sioxätoig 
tjjg BaßvXaviag änodst^ai, avxbg Sh &nb x&v ix xov noXi^ov Xatpvgcov x6 xs xov 
BrjXov Ifgbv xal xä Xoma xoßfii^ßag (piXoTiiioog xrjv xa vnägxovßav i^ &gxf]g n6Xtv, 

o NaßouitaXdccapov] NaßoXdccapov L et vers. Lat. hie et infra, 'Aßoßdccapov 
Theophilus, Nabupalsaros Eusebius, armen., NaßouiraXdcapoc Syncellue infra ex 
Eusebio. 8 NaßouKOÖpöccopoc] sie Eusebius, Naßouxoöovöcop losphi codex L, 

vers. lat. et Theophilus. 9 ^irüBexo] ött^Bexo L, corr. Lambertus. Eus. Armen.: 
Nachricht wurde. 9 öc] inseruit A. v. Gutschmid. 11 |h€xiIjkic€v] juexdiKTicev 
L et vers. lat.; siedelte es an Euseb. Armen. 13 el9-^Efic lcxopioYpa(p((ji] Quae 

verba solus habet codex L, omittunt vers. Lat. et. Eus. Armen. A, v. Gutschmid 
ea ut additamenta lectoris delere iubet, tuetur Niese. 23 ?xi] Ant. om. C. Ap. 
24 ^v] Ant. Ixi iv c. Ap. 26 ^Kupieuce] C. Ap., iKpdx>ice Ant. 26 il dpxnc] C. 
Ap., ^K xaüxTic xf^c dpxf|c Ant. 26 aüxOüv] C. Ap., aüxoO Ant. 27 aüxöv] 

Ant., xoöxov TÖv C. Ap. 28 ßeßaciXeuKÖxi] C. Ap., ßaciXeücavxi Ant. 29 kcI] 
Ant., om. C. Ap. 34 TrapeY^veTO-BaßuXüiva] C. Ap.; öid xf\c ipf||aou uapaYivexai 
€lc BaßuXü)va Ant. 36 KoxaXaßuüv] C. Ap., irapaXaßd^v Ant. 



III. De Nabucodrossori successoribus ueque ad Nabonnedum 273 

nal srigav i^a^sv ngoo^ccgiacc^isvog yia) ävccyucccag ngbg rö (iTjx^Tt SvvaaO'ai rovg 
noXLOQKOvvtccg rbv notafibv avaargicpovrag inl rrjv nöXiv •KaraG-nsvä^siv, vnsQsßci- 
XsTO tQtlg ftsv TTjs ^vSov TCoXewg TCSgißöXovg, TQstg dh tf]g ^'|o), rovrwv äh rovg 
(ihv i^ 6ntfig nXivd'Ov kccI aocpälrov, xovg 6h i^ avrfig rfjg 7cliv9ov. Kai xsipeag 
ic^ioXoyag trjv %6Xlv Kcd xovg nvXwvag KOOfi^eag isQOTtgsn&g nQOGKuxsayisvccytsv 5 
xotg TtatQLKolg ßaeiXsioig itsgcc ixo^isvcc ixelvcov, uir^p Ouv tö |li4v ccväaxri^cc koI 
Ti^v Xomi^v TtoXvT^Xsiav laoKpöv icuuc Scxai iäv Tic ^Hr|Yf|Tai, -rrXi^v övxa fe vtcsq- 
ßoXriv mg ^isyäXa xal vTtsgrjcpceva 6vvsxsX469"r] rj^sgaig is. 'Ev Sh xoTg ßaßiXsioig xov- 
xoig ävaXiJii^uxa Xi%iva vipriXä ccvoiKodo^ii^aag Kai xr]v öipiv anoöovg öfiotoratTjv 
xotg ÖQsGi, Kaxci(fvxEv6ccg äivSgBßi ticcvx oSanolg i^sigyaeccxo y.ccl xaradxavaes xbv 10 
v,aXov\i£vov iigs^aazbv nagccdsißov dicc xb xr]v yvvai-na ccvxov imd'v^stv xfjg ögsiag 
Sicc&ieiog ag xt&gci^iiivriv iv xoig xaxa xi]v Mridiccv xönoig. 

TaOra in^v oötiuc icxöptiKev irepl toO irpoeiprm^vou ßaciXduuc Kai iroWä irpöc 
toOtoic ^v Tfl TpiTT| ßißXiu TUJV XaXba'iKOüv, ^v ^ (lificpsxai xolg ^EXXr]viiiotg avyygcc- 
(pBvaiv a>g nccxriv oloiiivoig vnb UsiLigdfiEag xfjg keavgiag xriffd-^vat xrjv Bccßv- i5 
X&va xai xa Q-av^idaiu KccxaßKevccad'flvai, nsgl avxrjv vn iyisivrig ^gyu ipsvfimg ys- 
ygcccpoßi. 

50. Africanus apud Eusebiuro, Praep. evang. X, 10 p. 488. Toö hi Na- 50 
ßouxoöovöcop |Livr||noveOei Bripiuccöc 6 BaßuXuüvioc. 19 

51. Tatianus, Oratio ad Graecos c. 37, p. 88 Schwartz. (Tatianum ex- 51 
cerpsit Clemens Alex., Stromata I, c. XXI, 122,1 — 2 p. 391 sq. P. et ad verburn 
Eusebius, Praep. evang. X, 11 p. 493). Bripwccöc, dvi^p BaßuXuüvioc, lepeüc toO Trap' 
aÖToic BriXou, kot' 'AX^Eavbpov y^ToviOc, 'Avtiöxuj tCü luex' auröv Tpixai T'i\\i 
'XaXöaiav kropiav' ^v xpicl ßißXioiC KaxaxdSac koI xct irepi xOüv ßaciX^iuv ^KÖ^ine- 
voc, dqpJiYeixai xivoc aöxüjv övo|aa Naßouxobovöcop , xoö oxgaxevaavxog inl ^oivi- 25 
Tiag nal 'lovSaiovg' dxiva hm xiüv Ka6' i^fidc iTpoq)rixujv icjuev KeKr|pUY|u^va T^TO- 
vöxa lu^v TToXu xfjc Muüc^ujc fiXiKiac Koxuüxepa, irpö hk. xf|c TTepcOüv i^Y^MOviac Ixeciv 
^ßöo|iriKovxa. Bripiuccöc hi kcjw dvi^p iKovuOxaxoc ■ koI xoüxou xcKjaripiov, 'lößac 
'TTepi 'Accupituv' Ypd<puuv, irapa Bripuuccot) q)r]ci MtMoBriKevai xi^v Icxopiav cid hi 
aöxip ßißXoi 'TTepi 'Accupiiuv' 6O0. so 

III. DE NABVCODROSSORI SVCCESSORIBVS VSQVE AD 
NABONNEDVM 

52. Polyhißtor apud Eusebium, Chron. ed. Karst p. 15, 5 — 10. Pergitnr 52 
fragmentum 47. 

„Und nach NabuJcodrossoros regierte sein Sohn Ämilmarudochos, 12 Jahre," 35 
den die Hebräergeschichte Ilmarudochos nennt. „Und nach ihm", sagt der Poly- 
histor, „regierte über die Chaldäer Neglisaros, 4 Jahre. Und darauf Nabodenos, 
17 Jahre. Unter welchem Kyros des Kambyses <^Sohny mit Krieg überzog das 
Land der Babylonier. Welchem sich entgegenwarf Nabodenos, der eine Niederlage 
erlitt und flüchtig wurde. 40 

1 ^T^pav l^uiOev] C.Ap. ^xepaAnt. 1 rrpocxapicdiaevoc] C.Ap., Kaxaxapicd- 

iLievoc Ant. 1 dvafKdcac] C. Ap. et. Ant. codd. ROLV, dvaKOivkac Ant. codd. SP. 
2 dvacxp^90vxac] C Ap,, dvacxp^x^javxac Ant. 3 xfic] C. Ap., om. Ant. 4 xouc 
^^v] C. Ap. (vers. Lat. , Euseb., xöxe yikv cod. solus Graecus L), om. Ant. 4 ^?] 
C. Ap., xfic Ant. 4 Koi dcqpdXxou — uXiveou] C. Ap. om. Ant. 6 irpocKaxe- 

CKeuoKcv] C. Ap., KaxecKeOacev iv Ant. 6 gxepa] C. Ap., gxepa ßaciXeia Ant. 

6 i)Tikp Jiv] C. Ap., iliv Ant. 7 jLiaKpöv] C. Ap., irepiccöv Ant. 7 ^cxai-^Erj- 

T^ixai] C. Ap., öv eiT] X^y^iv Ant. 8 övxa-düc] C. Ap., 6cov xö Ant. 9 ()v};r|Xd- 
Kai] C. Ap., dvujKo&6|Lir|ce Ant. 11 öpeiac] C. Ap., okeiac Ant. 23 juex' aöxöv] 
ILiexä Z^XeuKov Eus. 

Schnabel: Berossos und die babylonisch-hellenistische Literatur 18 



274 ni. De NabacodrosBori succesBoribos usque ad Nabonnedum 

68 68. Abydenus apud Eusebium, Chron. ed. Karst, p. 20, 14— 23; Praep. 

Evang. IX, 41, p. 457 b. 

„Er, der mit Allmacht wohl Befehle '0 )u^v BecTricac irapaxpfJMa ri<pdviCTo 
gab, er verschwand plötzlich den Augen 6 8i: itatg ccvrov 'Aii,iXy.aQovSo->iog ißaaUsvf. 
epurloB entrückt. Und es regierte dessen Tov dh xTjtfförrjs änoKvsivag ' ly^iodgrig 
Sohn Amilmarodokos, welchen )■ ein eigener XbItcsi nalda Aaßaacodgaaxov. Tovtov dh 
leibhafter Schwiegersohn Niglisaris tötete, dno&avövzog ßiaLm (iöqco, Naßovvrjöoxov 
Ihm blieb ein Sohn am Leben, Labosso- dnoSeixvvai. ßaaiXia, uQoarixovxä ot oiSiv. 
rakos, auch diesem, widerfuhr das Miß- Tov di Kvqov, kXwv BaßvXwva, Kagfia- 

10 geschieh, durch das Verhängnis eines ge- virig ijysnovij) öaghTai. 
waltsamen Todes zu sterben. Den Na- 
bonedochos befahl er auf den Thron des 
Königreiches zu erheben, der doch die- 
sem durchaus nicht gehörte. Diesem ge- 

15 währte Kyros, als er Bdbelon eingenom- 
men hatte, die Markgrafschaft des Lan- 
des der Karmanen; Darius der Kö- 
nig riß von seiner Provinz einiges an 

19 sich. 

64 54. losephus, Contra Apionem, I, 20—21, §§ 145—153 (Confer Ant. X, 11, 

§§ 229—231 et 247). 

Tä b^ irepl toO vaoö iTpoeipr||u^va toO i.v 'lepocoXO|uoic, öti KareirpHcOri |u^v üirö 
Tüüv BaßuXujviuJV ^TriCTpaTeucdvTUJv, ripEaro bk ttöXiv dvoiKobo|ueiceai Küpou rrjc 'Aciac 
Ti^v ßaciXeiav irapeiXriqpÖToc, ^k tuiv Br^pujccoö caqpiwc ImbeixOnceTai irapaTeO^vTuuv 

25 A^yei Yctp outuuc bid xpiTTic 

NccßovxoSQoeaoQog ^lsv ovv \isxu xo ap^aO'O'ai xov tiqosiqtkisvov nixovg iß- 
nsttwv tlg &QQ(o6xiav iiixrß,Xa^s xöv ßlov ßsßaaiXsvxiog hr} jly, r^s dk ßaaiXeiag 
xvgiog iyevExo 6 vibg avxov 'AfiiXficcgovdovxog. Ovxog ngoaxäg x&v Ttgayfuitoav 
Scvofuog aal &esXy&g ixtßovXsv9slg vnb xov ttjv &ä£X(prjv ^jjoinro? aixov NrigyXt- 

80 eagoeeoQOv icvrjgiO'r] ßaoiXsvoag Ixrj ß. Mextt 8s t6 dvaigt^f^vai xovxov dtadt- 

^äiievog xj]v ( gxw 6 intßovXsveag aixm NrigiyXioagöcaogog ißaaiXsvcev ^rrj S. 

Tovxov viog AaßaecsudgSoxog ixvgisvos fifv xfig ßaaiXiiag natg cov (i^vag &• 

inißovXsv&elg 8h 6id xo noXXä i\iq>aivEiv xaxoT^'ö'»] vnb x&v cpiXmv &7tsxvfinavißd'Ti, 

knoXo^ivov 8s xovxov 6vvsX96vxeg oi ImßovXsvaavxsg avxä xoiv^ xtjv ßaai- 

86 Xtiav ytsQi^&TjKuv NaßovvriSto xivl x&v in BaßvX&vog övxi i* x^g aixiig imevaxü- 
estog. 'FiTcl xovxov xa nsgl xov noxccybov xtL%r\ rfjg BußvXoavioiv jcöXstog i^ önxfjg 
nXiv&ov Kai &6<päXxov xarexoö^Tj'ö^T]. O^ar^g 8h xfig ßaeiXiiag avxov iv xa hnxaxai- 
Sexäxo) ?T6t izgos^fXr}Xv9(üg Kvgog ix r^g IlsgaiSog fxtra Svväiiicag noXXi^g v,axaaxgB- 
tlfäiitvog XTjv XoiTtrjv Aeiav n&eav oagfii^ösv ini xfjg BaßvXtoviag. Alo&ö^Bvog 8h 

40 Naß6vvr]8og xrjv icpo8ov aixov, inavx'^eag fisxa r^s 8vväit,{cog xal nagaxa^äiisvog 
TjCOrj&slg T^ ft«X?? ^^^ cpvyoiv öXi-yooxbg ovvtxXtlad'rj elg ttjv BogßiTinriv&v noXiv, 
Kvgog 8h BaßvX&va xaxaXaßofisvog xal evvxd^ag xa ^|ü) xr)g noXsajg xelxr} xara- 
exä^at 8iä xb Xiav avxm ngayiiaxixijv xal ivodXmxov (pav^vai xrjv nöXiv &vs^sv^tv 



27 |Li€TTiXXaEe] Euseb., |Li€TriXXdEaTO cod. L losephi. 28 *AmX^apoii6ouxoc] 
EuiX^apoüboxoc C. Ap. , 'AßiX|uapuübaxoc Ant. codd. Graec, Amilmathadocue 
Ant. vere. lat. Unde genuinam formam restitui. 30 NnpiT^icapoccöpou] NnpiTXic- 
coöpou c. Ap., cod. L, Nripi^Xicdpou Euseb. Unde veram formam restitui. 32 Aa- 
ßacceiLidpöoxoc] Aaßopocodpxoöoc c. Ap. cod. L, laborosardochus vers. lat., Aa- 
ßacccoapäxoc Euseb., Aaßocöpbaxov los. Ant. Unde genuina losephi forma Aa- 
ßacce-apöoxoc elici potest, quam in genuinam Berosi formam Aaßaccejudpboxoc 
ex nomine babylonico huius regis Labaäi-Marduk mutari oportet. 



i 



IV. De Persarum Regibus Bab. regn. V. De fine operis '^75 

inl Bogalmtav iyiTtoXioQX'^ßwv rov NaßovvriSov. Tov 8s Nccßovvqäov o-bx vnoybei- 
vavTog Tr]v noXioQKLUv, ccXX' iy^sigißapTos ccvtbv tiqotsqov, jjprjffaftfros Kvgog 
(piXcev&QwTCcag xal dovg o/>'.rjT7jpiov ccvrcp Kagfiaviav i^snsfiipsv ix rfjg BaßvXoivlag. 
Naßövvi^Sog ^isv ovv rb XoiTtbv tov XQ^vov SiayBrö^svog iv ixsivrj Tjj %ä)Qa v.ati- 

OtQS^S TOV ßlov. 6 

IV. DE PERSARVM REGIBVS BABYLONE REGNANTIBVS 

55. Polyhistor apud Eusebium, Chron. ed. Karst p. 15,11 — 17. Conficitur56 
fragmentum 52. 

Und es herrschte über Babelon Kyros 9 Jahre. Darauf als er in der Ebene 
i)aas sich in einen anderen Kampf eingelassen, kam er um. Nach ihm Kambyses: lO 
herrscht 8 Jahre. Und darauf Dareh 36 Jahre. Nach diesem Xerxes und weiter 
die übrigen Perserkönige. 

Also, gleichwie Berosos in betreff des chaldäischen Königtums kurzgefaßt 
im einzelnen überliefert, ebenso berichtet dasselbe auch der Polyhistor. u 

56. Clemens Alexandrinus, Piotrepticus IV, 65,1 — 3. Ti i-ioi Zaupo)LidTac KaTa-56 
X^T^iv, oöc Nu|uq)öJ)uupoc ^v 'No)Lii)uoic ßapßapiKOic' tö irOp cdßeiv icTopel, f\ toüc 
nigcag Kol TOuc Mrj&ouc Kol toüc juciyouc; Gueiv ^v OiraiGpiu toütouc ö Aivuiv Xd- 
Yei, 6eu)v äTdX|uaTa jnöva tö irOp koI liöuup vo^iloviac. Oük dTreKpuvpä|uriv o{)bi ti^v 
TOUTUJv ÖYvoiav. 6t Ydp Koi tö |uäXiCTa diroqpeuTeiv oiovtoi Tfic irXdvric, dXX' ek 
^T^pav KaToXic6aivouciv dirdTr^v d"fdX|LiaTa p^v 9eü)v oO SOXa koI Xiöouc ÜTreiXri- 20 
qpaciv öic-rrep "GXXrivec oi)b^ pi^v ißibac Kai IxveOuovac Koödirep AItOtttioi, dXXd iröp 
Te Kai ööaip übe qpiXöcoqpoi. Mctö iroXXdc p^vToi ücTepov Trepiööouc ^tOüv &vd-Q(o- 
noiLdfj ccydXiiaTcc aeßsLv ccvtovg Bripiuccöc ^v TpiTri 'XaX6atKU)v' irapiCTrict, toOto 
jigrce^iQ^ov tov ^uqsIov tov "Slxov flffjjyrjcaft^vou , bg itQwrog xflg 'AvatriSog xb 
ayaXiicc ccva6rj]ac(g iv BaßvXöavi xal Eovöoig v.al 'Exßcctcivotg HiQßaig xai Bäy-rgoig 25 
xai ^a(iaßK(p kccI I^ägdset VTtiSsi^s eißstv. 

V. DE FINE OPERIS 

57. Abydenus, apud Eusebium, Chron. ed Karst p. 25,82 — 36,1. 57 
„Dieserweise stellen sich die Chaldäer ihres Landes Könige von Aloros bis 

auf Alexandras dar. Des Ninos und der Samiram haben sie nicht sonderlich so 
acht." 



1 BopcmiTUJv] V. Gutschmid, Böpcmirov L vers. Lat. Eus. 3 aÖTip post 

(piXavSpiÜTTiuc aegre desiderari monuit v. Gutschmid. 24 'AvatTiboc] Tavaiftoc 

cod., corr. Bochart. Confer supra fragm, 15, 



18^ 




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