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Full text of "Über Ursprung und Bedeutung der französischen Ortsnamen"

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SAMMLUNG 

ROMANISCHER ELEMENTAR- 

UND HANDBÜCHER 

UNTER MITWIRKUNG VON 

PH. AUG. BECKER, E. BOVET, J. BRUCH, V. CRESCINI, 

K. V. ETTMAYER, H. GELZER, P. E. GUARNERIO, 

J. HADWIGER, E. HÖPFFNER, J. HUBER, 

W. KÜCHLER, E. LEW, S. PUSCARIU, C. SALVIONI, 

FR. ED. SCHNEEGANS, O. SCHULTZ-GORA, 

E. STAAFF, H. TIKTIN, J. VISING, K. VOSSLER, 

M. L. WAGNER, B. WIESE, W. v. WURZBACH, 

A. ZAUN ER 

HERAUSGEGEBEN VON 

W. MEYER-LÜBKE 

V. REIHE: UNTERSUCHUNGEN UND TEXTE 

2. ÜBER URSPRUNG UND BEDEUTUNG 
DER FRANZÖSISCHEN ORTSNAMEN 

I. TEIL 



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HEIDELBERG 1913 

CARL WINTER'S UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 






ÜBER 

URSPRUNG UND BEDEUTUNG 

DER FRANZÖSISCHEN 

ORTSNAMEN 

VON 

HERMANN GRÖHLER 

DR. PHIL.. PROFESSOR AM KÖNIGL. FRIEORICHSQYMNASIUM 
ZU BRESLAU 



I. TEIL 

LIGURISCHE, IBERISCHE, PHÖNIZISGHE, 
GRIECHISCHE, GALLISCHE, LATEINISCHE 

NAMEN 





HEIDELBERG 1913 

CARL WINTER'S UNIVERSITÄTSBUCHHANOLUNQ 



T«ria«fMr. 874. 



Alle Rechte, besonders das Recht der Übersetzung, werden vorbehalten. 



PC 



'irttL^.. I .«i-ri^fiTll 



Meiner lieben Frau 



VII 



Vorwort. 

Von etymologischen Werken, die das Gesamtgebiet 
der französischen Ortsnamen berücksichtigen, sind bis jetzt 
nicht viel mehr als bescheidene Anfänge vorhanden. 
Unter ihnen nimmt J. Quicherat, De lafortnation frangaise 
des anciens noms de lieux, Paris 1867, trotz seines Alters 
noch immer eine ehrenvolle Stelle ein, weil der Verfasser 
bestrebt ist, eine streng wissenschaftliche Methode zu be- 
folgen. Indessen ist es ihm, wie schon der Titel andeutet, 
mehr darum zu tun, die Gesetze darzulegen, nach denen 
die heutigen Namenformen aus den alten entstanden sind, 
als die Bedeutung dieser selbst zu ergründen. Dies hebt 
er in richtiger Erkenntnis der Schranken, die der Stand 
der Wissenschaft ihm zieht, auf S. 10 hervor, wenn er 
sagt: *Au point oU nous en sommes, le mieux est de ne pas 
tant s'inquWer du sens des noms, et de se reiifermer davon- 
tage dans Väude de Icurs formes*. Hippolyte Cocheris, 
Origine et formaiion des noms de Heu behandelt auf 
200 Seiten das weitschichtige Gebiet der verschieden- 
artigsten französischen Ortsnamen und liefert manchen 
wertvollen Beitrag; docli ist das Buch gerade für die ältere 
Periode völlig unzulänglich oder berücksichtigt sie über^ 
haupt nicht. So wird Bordeaux mit germanischem bort 
'Brett' in Zusammenhang gebracht; daß der erste Bestand- 
teil der aewm- Bildungen fast ausnahmslos ein Personen- 
name war, ist nicht erkannt; wichtige und leicht zu 
deutende Namen wie Bottrges, P^'igueux und Pirigord^ 
Linwges und Limousiu, Lyon, Laon, Izemore^ Perpignan 



Vin Vorwort. 

und viele andere sind nicht erwähnt. Auch die An- 
ordnung ist hier, im Gegensatz zu Quicherat, durchaus 
unwissenschaftlich: gallische, lateinische, germanische 
Grundworte werden in einem Abschnitte zusammen- 
geworfen, wenn nur die sachliche Bedeutung dies zu recht- 
fertigen scheint. 

Fehlt es so an befriedigenden Gesamtdarstellungen, 
so sind dafür einzelne Abteilungen von Ortsnamen oder 
bestimmte Landschaftsgebiete um so eingehender unter- 
sucht worden, allerdings meist nicht vom etymologischen 
Gesichtspunkte, sondern mit Rücksieht auf die Entwick- 
lung. Besondere Aufmerksamkeit hat die große und 
wichtige Gruppe der mit dem Suffix -acum gebildeten 
Namen erregt. Sie ist zuerst von dem unlängst ver- 
storbenen französischen Gelehrten d'Arbois de Jubainville 
bearbeitet worden, der sich überhaupt um die Erforschung 
dieses Gebietes der französischen Wortkunde das aller- 
größte Verdienst erworben hat; dann und durch ihn an- 
geregt von Kölscher, Juroszek, Östberg und vor altem von 
Skok, der die hierher gehörigen Namen Südfrankreichs 
fast vollständig behandelt hat. Von hervorragendem 
wissenschaftlichen Werte sind auch die Arbeiten von An- 
toine Thomas, dessen Studien über den Gegenstand keinen 
bestimmten Gesichtspunkt berücksichtigen. Eine fleißige 
Untersuchung über die französischen Ortsnamen der 
Schweiz besitzen wir in Henri Jaccard, Essai de toponymie 
de la Suisse romande. Beszard hat in seiner umfang- 
reichen Müde sur Vorigine des noms de lieux hdbiUs du 
Maine Ortsnamen der ehemaligen Provinz Maine, d. h. im 
wesentlichen der gegenwärtigen Departements Mayenne 
und Sarthe, etymologisch untersucht. Neben diesen Ar- 
beiten würde eine vollständige Bibliographie der Orts- 
namenkunde noch eine Unzahl anderer, minder um- 
fassender und mehr oder minder gelungener zu verzeichnen 
haben. Überhaupt ist in jüngster Zeit diesem Zweige der 
romanischen Philologie, der wenigstens in Deutschland 
lange arg vernachlässigt war, erhöhte Aufmerksamkeit 



Vorwort. IX 

zugewendet worden, und hier gebührt Meyer-Lübke das 
Verdienst, wichtige Fragen allgemeiner Natur angeregt 
und erörtert zu haben; 80 besonders in seiner Schrift 
«Die Betonung im Gallischen», femer in der «Einführung 
in das Studium der romanischen Sprachwissenschaft» und 
in der «Grammatik der romanischen Sprachen». Doch 
ist auch das Interesse dieses Gelehrten mehr auf die 
Entwicklung der Formen als auf ihre ursprüngliche Be- 
deutung gerichtet. Die letztere Seite berücksichtigt in 
ihrem wichtigsten Gebiete, den Ortsnamen gallischen Ur- 
sprungs, die Dissertation von C. A. Williams, Die fran- 
zösischen Ortsnamen keltischer Abkunft, Straßburger 
Dissert. 1891, 87 S. Wertvolle Beiträge namhafter Ge- 
lehrten liefern endlich die bedeutendsten romanischen Zeit- 
schriften, allen voran in Frankreich die Romania, in 
Deutschland die Zeitschrift für romanische Philologie, 
während Untersuchungen über gallische Ortsnamen in den 
verschiedenen Bänden der Revue Celtique zerstreut sind. 
Mein Hauptaugenmerk habe ich, wie es sich bei 
einer etymologischen Studie von selbst versteht, auf die 
Einreihung der einzelnen Namen in das jeweilige Sprach- 
gebiet gerichtet; innerhalb des umfangreichen Kreiseader 
Namen gallischen Ursprungs ergab sich naturgemäß eine 
weitere Gliederung in Ethnika, Toponymika im enge- 
ren Sinne und ursprüngliche Personennamen. Doch 
habe ich mich nicht entschließen können, diesem 
Einteilungsprinzipe zuliebe innerlich zusammengehörige 
Erscheinungen auseinanderzureißen, wie ich an einem 
Beispiele erörtern möchte: Die wichtige Gruppe der mit 
dem gallischen Suffix -acos gebildeten Worte forderte eine 
gesonderte Behandlung, schon damit dem Leser die stän- 
dige Wiederholung bedeutsamer Einzelheiten erspart bliebe. 
Dns erste Glied dieser Bildungen ist fast ausschließlich ein 
Personenname, und bei der Nennung dieses Elementes 
lag es nahe, auch die toponymen Erscheinungen zu er- 
wähnen, denen der Personenname ohne Suffix zugrunde 
lag. Dasselbe Gentilicium oder Cognomen geht aber, 



X Vorwort. 

wenigstens in Südfrankreich, auch Verbindungen mit dem 
lateinischen Suffix -anum oder mit den ligurischen Suf- 
fixen -ascum, -oscum, -uscum ein, und so erschien es ge- 
boten, auch derartige Verbindungen sofort anzureihen, 
deren übrige Vertreter an anderer Stelle zu besprechen 
waren. 

In dem vorliegenden Werke, das die wichtigsten Orts- 
namen des gesamten französischen Sprachgebiets in Eu- 
ropa berücksichtigt, fasse ich einerseits die Ergebnisse des 
bisher Geleisteten zusammen, andererseits bemühe ich 
mich, Lücken, die ich anderswo entdeckt habe, auszu- 
füllen und Irrtümer richtig zu stellen. Im Gegensatz zu 
der Mehrzahl der früheren Arbeiten lasse ich die rein 
lautliche Seite in den Hintergrund treten und berück- 
sichtige sie nur in der Weise, daß ich, von einer über- 
lieferten, gelegentlich auch von einer erschlossenen Grund- 
form ausgehend, so weit als möglich die wichtigsten 
Zwischenglieder bis zu der heutigen Gestaltung des Namens 
aufzähle, ohne aber die Ursachen zu erörtern, die für das 
Entstehen einer solchen Reihe maßgebend waren. Eine 
Beschränkung dieser Art schien mir aus mehreren Gründen 
notwendig. Einmal ist, wie ich mehrfach hervorgehoben 
habe, gerade die phonetische Seite der Ortsnamen schon 
verschiedentlich Gegenstand von Untersuchungen gewesen, 
so daß ich vieles bereits Gesagte hätte wiederholen 
müssen, was zu einer unnützen Belastung des Buches ge- 
führt haben würde; dann aber habe ich bei dem vor- 
liegenden Werke nicht nur den Romanisten, sondern auch 
den Geographen und Historiker, ja überhaupt den für 
etymologische Fragen zugänglichen Leser im Auge ge- 
habt, und diese alle würden umfassende Lautstudien eher 
abschrecken als anziehen. Übrigens habe ich da, wo in- 
teressante lautliche Probleme vorlagen, meist in den An- 
merkungen auf die einschlägige Literatur verwiesen. Ein 
Aufgeben dieses Grundsatzes und ein Eingehen auf sprach- 
geographische Darlegungen war jedoch da geboten, wo die 
ältesten Formen eines Namens nicht überliefert sind, 



Vorwort XI 

aber durch Vergleich mit ähnlichen Lautgebilden des- 
selben Sprachgebietes hergestellt werden können. Hier 
galt es also, durch Analogien nachzuweisen, daß die unter- 
nommene Rekonstruktion den örtlichen Lautgesetzen und 
damit höchst wahrscheinlich der Wirklichkeit entspricht. 
Daß aber die Deutung eines Namens mit einiger 
Aussicht auf Erfolg erst dann unternommen werden kann, 
wenn die ursprüngliche Form vorliegt, leuchtet ein; den, 
der etymologischen Untersuchungen fernsteht, mögen ein 
paar Beispiele aufklären: Nyons (Dröme) und Nyon 
(Schweiz, Vaud) scheinen gleichen Ursprungs zu sein, 
um so mehr, als die Orte nicht weit auseinanderliegen; 
gleichwohl geht das erste auf ein ursprüngliches Novio- 
magits, das zweite auf Noviodunum zurück. Chalons-sur- 
Marne, Chalons im Dop. Mayenne und Chalon-sur-Saöne 
stellen scheinbar denselben Namen dar und lauten doch 
alle drei ursprünglich durchaus verschieden; das erste ist 
der gallische Volksname der Catuvellauni, das zweite ein 
Caladunum und das letzte Gabilonnum', und neben diesen 
stehen noch mehrere andere ChaUm, deren Bedeutung un- 
sicher ist, weil sie nicht vor dem zwölften Jahrhundert 
belegt sind. Das Beispiel enthält also noch eine besondere 
Lehre: die historischen Formen dürfen nicht bloß relativ, 
sie müssen absolut alt sein, wenn ihre Deutung möglich 
sein soll. So sind insbesondere gallische und vorgallische 
Namenformen, die erst aus dem elften Jahrhundert oder 
noch später belegt sind, nur von bedingtem Werte. Mit 
dem Anfange des elften Jahrhunderts ist die Romani- 
sierung der Sprache schon so stark fortgeschritten, daß 
nur zu oft das ursprüngliche Substrat nicht mehr mit 
Sicherheit aus der jeweiligen Form herausgelöst werden 
kann. Dazu kommt, daß die mittelalterlichen Schreiber 
lateinischer Urkunden gern den Namen ihrer Zeit ein 
altertümliches, lateinisches oder gallo- lateinisches Gewand 
umhängen, daß sie mit anderen Worten ihre Urform re- 
konstruieren, was bei dem Stande ihrer sprachlichen Bil- 
dung nicht immer mit Erfolg geschieht. Beispiele hier- 



XII Vorwort. 

für werden sich im Verlaufe meiner Abhandlung reichlich 
ergeben. 

Noch ist es notwendig, ein Wort über den Umfang 
des Werkes im allgemeinen und insbesondere über den 
des vorliegenden ersten Bandes zu sagen. Daß ich nicht 
die Gesamtheit der französischen Ortsnamen besprechen 
konnte, wird jedem klar sein, der sich ein Ortsnamen- 
lexikon zur Hand nimmt, etwa das DicUonnaire geographi- 
que, topographique etc. de la France von A. Peigne. Für 
den Sprachforscher hat natürlich der Name eines un- 
bedeutenden Dorfes genau dasselbe Interesse wie der einer 
wichtigen Stadt oder Landschaft, ja er kann, wenn er 
nicht nur in seiner ursprünglichen Gestalt, sondern 
auch in recht vielen Zwischenformen überliefert ist, so- 
gar viel wertvoller sein als dieser. Rein lautliche oder 
sprachgeschichtliche Untersuchungen werden daher Rück- 
sichten der angedeuteten Art nicht walten lassen und den 
Stoff verwerten, wie er sich nach der formalen Seite am 
günstigsten darbietet. Anders verhält es sich bei einem 
etymologischen Versuche, der den Zweck hat, einen 
weiteren Leserkreis über Ursprung und Bedeutung der 
Ortsnamen eines großen Sprachgebietes aufzuklären. Hier 
mußten, sollte das Werk nicht einen ungebührlichen Um- 
fang annehmen, die Namen unbedeutender Ortschaften 
von der Besprechung ausgeschlossen werden, sofern nicht 
ein besonderes sprachliches Interesse ihre Behandlung 
wünschenswert erscheinen ließ; doch habe ich mich 
gerade für die älteste Periode nicht peinlich an diesen 
Grundsatz gehalten. Die Auswahl wurde sodann nicht in 
erster Linie bestimmt durch die Einwohnerzahl, sondern 
vielmehr durch historische und politische Bedeutung eines 
Ortes, und ich war bemüht, alle Namen bis herab zu den 
chefs-lieux de canton zu behandeln, außerdem historisch 
merkwürdige Plätze im weiteren Sinne, Schlachtenorte, 
Geburtsstätten bedeutender Männer u. dgl. — Den Orts- 
namen gleichwertig habe ich die Landschaftsnamen er- 
achtet, zumal da viele von ihnen auf dieselbe sprachliche 



Vorwort. XIII 

Wurzel wie jene zarückgehen. Dagegen sind Fluß- und 
Gebirgsnamen im allgemeinen nicht in den Kreis der Be- 
trachtung gezogen worden, sofern nicht ein wichtiger 
Ortsname sich aus ihnen entwickelt hat. Von den Fluß- 
namen stellen viele ein erheblich älteres Sprachgut 
dar als die Ortsnamen; ihre Deutung ist daher ent- 
sprechend schwieriger und unsicherer, um so mehr als 
dort die Urformen noch viel seltener erhalten sind als 
hier. In ähnlicher Weise dunkel sind auch die wich- 
tigen Gebirgsnamen Alpen, Pyrenäen, Jura, die überdies 
in der Topographie keine erhebliche Rolle spielen. 

Der erste Band des Buches, den ich hiermit den 
Lesern vorlege, umfaßt die ihrem Ursprünge nach ältesten 
französischen Ortsnamen, nämlich die ligurischen, ibe- 
rischen, phönizischen, griechischen, gallischen und latei- 
nischen. Von den späteren gehen die meisten ebenfalls 
auf lateinische Grundformen zurück und bilden die große 
Masse der romanischen Ortsnamen. Gleichwohl hätten, streng 
genommen, die aus der Zeit der römischen Herrschaft in 
Gallien stammenden lateinischen Worte hier aufgenommen 
werden müssen. Aquae, Forum, Castra, Colonia, Lucas, Saltus 
z. B. gehören mit zu den ältesten Überlieferungen auf 
toponymisühem Gebiete. Hier aber entstand insofern eine 
Schwierigkeit, als ein Teil dieser Worte entweder in 
früherer Zeit oder dauernd, zuweilen auch auf ein be- 
stimmtes Gebiet beschränkt, in den französischen Sprach- 
schatz übergegangen und dann zur Bildung jüngerer Orts- 
namen verwendet worden ist, die eine ganz andere Ge- 
stalt zeigen als die alten. Lat. Aquae bzw. ^^15 hat die 
ON. Air, Ax u. a. ergeben, während das Gemeinwort 
aqua südfranzösisch zu aigue, nordfranzösisch zu eau wurde 
und in ON. wie Aiguesmortes, Eaubonne u. dgl. auftritt. 
Sollten diese sprachlich eng zusammengehörenden Bil- 
dungen aus historischen Gründen voneinander getrennt 
werden? Lat. Castra, Castris lebt fort in dem ON. Cbatres, 
nicht aber als Gemeinwort, wo seine Stelle casteüum ver- 
tritt, das wiederum als Chuteau, südfranz. Castels, Castets 



XIV Vorwort. 

u. ä. in eine ganze Reihe von ON. eingetreten ist. Lat. Silva 
macht in Nordfrankreich frühzeitig mlat. forestis und bosc 
Platz, während es im Süden nicht bloß als Toponomasti- 
kum, sondern auch als Gemeinwort bis auf die Gegen- 
wartlebt. Um derartigen Unstimmigkeiten aus dem Wege 
zu gehen, habe ich mich entschlossen, in diesem Falle 
das geschichtliche Verhältnis dem sachlichen hintan- 
zustellen und die ursprünglichen lateinischen Gemein- 
worte sämtlich erst im zweiten Bande zu behandeln. 
Aus demselben Grunde, um nämlich Zusammengehöriges 
nicht auseinanderzureißen, mußten wiederum die latei- 
nischen Eigennamen, die zur Bedeutung von Ortsnamen 
übergegangen sind, hier noch aufgenommen werden, da 
eine große Menge, vielleicht die Mehrzahl von ihnen 
schon bei den mit dem Suffix -acum gebildeten Worten 
erörtert worden war. 

Die Ereignisse, die den Schluß der römischen Periode 
kennzeichnen, sind einerseits die Einführung des Christen- 
tums, andererseits die Einfälle und Niederlassungen ger- 
manischer Volksstämme auf gallischem Boden, zwei Er- 
scheinungen von gewaltiger Bedeutung nicht nur in der 
politischen Geschichte Frankreichs, sondern auch in der 
Entwicklung seines Volkstums und seiner Sprache, zwei 
Tatsachen vor allem, die in den Ortsnamen den kräf- 
tigsten Niederschlag gefunden haben. Wie die germanische 
Einwanderung die Verkehrssprache um eine nicht geringe 
Anzahl von Worten bereicherte, so verdankt ihr auch die 
Toponymie jene zahlreichen Verbindungen mit villa, mllaris, 
curtis (aus cohors), burgus, podium, kam usw., denen zwar 
meist ein lateinischer Ortsbegriff zugrunde liegt, deren Be- 
stimmungswort aber auffallend oft ein germanischer Per- 
sonenname ist. Die Christianisierung Galliens lieferte 
Appellativa wie monasterium, Oratorium, ecclesia, basilica u. a. 
in ihrer mannigfachen, nach der geographischen Lage 
verschiedenen romanischen Gestaltung und vor allem eine 
Fülle von Heiligennamen, die selbst wieder den ver- 
schiedensten Sprachen entstammen. 



Vorwort. XV 

Zu den von Osten horeinflutenden germanischen 
Wanderungen gesellen sich dann noch kleinere Menschen- 
wellen, wie die iberisch -vaskonische im äußersten Süd- 
westen, die bretonische und ein paar Jahrhunderte später 
die normannische im Nordwesten, die sämtlich auch 
sprachliche Spuren, besonders in den Ortsnamen hinter- 
lassen haben. Mit diesen allen wird sich der zweite 
Band des Werkes zu beschäftigen haben, der, wie ich 
hofle, dem ersten in nicht allzu weitem Abstände folgen 
8oU. 

Es bleibt mir noch die angenehme Pflicht übrig, 
Herrn Hof rat Professor Dr. W. Meyer- Lübke für eine 
große Reihe wertvoller Winke und Besserungsvorschläge, 
die er mir vor und während der Drucklegung zugehen ließ, 
auch an dieser Stelle meinen aufrichtigen Dank auszu- 
sprechen. 

Breslau, im September 1912. 

H. Qröhler. 



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Inhalt. 

" Seite 

Vorwort VII 

Häufig genannte Autoren und Werke XIX 

AbkOrtungen XXm 

Einleitung. 

I. Die Quellen 1 

II. EtbnograpliisclieB 4 

A. Die Ligurer 4 

B. Die Iberer 22 

C. Die Phönizier 24 

D Die Griechen 26 

E. Die Gallier 28 

F. Die Römer 41 

Die ältesten Ortsnamen und Ihre Bedentnng. 

I. Allgemeine Folgerungen aus den ethnographischen Ver- 
hältnissen 45 

II. Ligurische Namen 46 

III. Iberische Namen 60 

IV. Phönizische Namen 66 

V. Griechische Namen 68 

VI. Gallische Namen 71 

A. Ursprünglische Volksnamen 71 

B. Gallische Ortsnamen im engeren Sinne 94 

1. Komposita mit topischem Grundworte, und zwar: 

a) dunon 95 

b) duros 104 

c) rato- 109 

d) magos Hl 

e) ialon 118 

f) Mediolanum 129 

g) bona 180 

h) briga 181 

II 



XVin Inhalt. 

Seite 

i) nant- 137 

k) tala 137 

1) dubron 138 

m) Condate 139 

n) riton 140 

o) briva 141 

p) Novientum 143 

2. Ortsnamen, die einen anderen Appellativbegriff 
enthalten. 

a) Begriffe aus den drei Naturreichen .... 145 

a) Pflanzenreich 145 

ß) Tierreich 151 

Y) Mineralreich 153 

b) Andere Appellativbegriffe 154 

C. Gallische Götter- und Personennamen als Ortsnamen 162 

1. Sufiixiose oder mit anderen Suffixen als -aco 

gebildete 163 

2. Die mit dem SuflBx -aco gebildeten Namen. . 183 

a) Erstes Element ein gallischer Personenname 188 

b) Erstes Element ein lateinischer Personen- 
name 230 

c) Erstes Element ein germanischer Personen- 

name 303 

d) Stellungnahme zu der Frage, ob das erste 

Element ein Gemeinwort sein kann . . 305 
VII. Vorrömische Ortsnamen unsicherer Abstammung oder 

Bedeutung 306 

VIII. Ortsnamen, die auf lateinische Personennamen zu- 
rückgehen 338 

IX. Ursprüngliche Flußnamen als Ortsnamen 346 

X. Verzeichnis der ältesten Namenformen 355 

XI. Verzeichnis der französischen Namen 364 

XII. Verzeichnis deutscher Ortsnamen 377 



XTX 



Häufig genannte Autoren und Werke. 



a) Römische und griechische mit Angabe der Zeit, aus 
der sie stammen. 

Wegen der Ausgaben vgl. Teuffels Geschichte der römischen 
Literatur und VV. Christ, Geschichte der griechischen Literatur. 

Amraianus Marcellinus, Rerum gestarum libri, schrieb am 890 n. Chr. 
(Ammian.) 

Ausonius, gestorben um 395. Siebe Monumenta Germ, bist 

Avienus, Ora maritima nach einer Quelle aus dem 4. Jhd. vor Chr. 

C. Julius Caesar, Commentarii de hello Gallico. (Caesar BG.) 

Corpus Inscriptionum Latinarum. (CIL.) 

Corpus inscriptionum Rhenanarum ed. Brambacb. (CIR.) 

Fredegarius scholasticus mit Fortsetzungen, 7. und 8. Jhd. Siehe 
Monumenta Germ, bist (Fredegar.) 

Geographus Kavennas. Kosmographie aus dem 7. Jhd. mit Ein- 
schiebseln aus dem 3. Jhd. (Geogr. Rav.) 

Gregorius Turonenoie, schrieb zweite Httifte des 6. Jhd. Siehe 
Monumenta Germ. bist. (Gregor v. Tours.) 

Itineraria Antonini, Anfang des 4. Jhd. (lt. Ant.) 

Itinerarium Burdigalense seu Hierosolymitanum, aus dem Jahre 333. 
(It. Burd.) 

Mela Pomponius, gewöhnlich Pomponias Mela, Chorograpbia, 
starb um 50 n. Chr. (Mela.) 

Monumenta Germaniae historica, Quartausgabe. Aactores anti- 
quissimi, darunter Ausonius und Apollinaris Sidonius; Scrip* 
tores rerum Merovingicarum, darunter Gregor von Toors 
und Fredegar. (MGH.) 

Notitia dignitatnm omnium tam civilium quam militarium in 
partibus orientis et occidentis, um 410 verfaßt. (Not dign.) 

Notitia Galliarnm, Verzeichnis der gallischen Provinzen und ihrer 
Hauptstädte, zwischen 386 und 450. (Not Gall.) 

Notae Tironianae, Aufzeichnungen des M. TuUius Tiro, eines 
Freigelassenen des Cicero. (Not. Tir.) 

C. Plinias Secun<lus, naturalis historia, im Jabre 77 n. Chr. fertig- 
gestellt (Plinius.) 



XX Häufig genannte Autoren und Werke. 

Claudius Ptolemaeus, Geographia, zweite Hälfte des 2. Jhd. n, Chr. 
(Ptolemaeus.) 

Apollinaris Sidoniue, 480 gestorben. Siehe Monumenta Germ, 
hist. (Sidonius.) 

Strabo, Geographica, die ersten sieben Bücher in den Jahren 17 bis 
19 n. Chr. verfaßt. (Strabo.) 

Tabula Peutingeriana, eine Weltkarte, die die Verhältnisse des 
3. oder 4. Jhds. n. Chr. darstellt. Die Gallien betreffenden 
Teile sind vereinigt in dem Buche von Deejardins, Geo- 
graphie de la Gaule d'apräs la table de Peutinger. (Tab. 
Peut. oder T. P.) 

b) Moderne "Werke. 

D'Arbois de Jubainville, Recherches sur l'origine de la propri6t6 
fonciere et des noms de lieux habit^s en France. Paris 
1890. (Recherches oder Rech.) 

D'Arbois de Jubainville, Les noms gaulois chez Cösar et Hirtius 
'De hello Gallico'. Paris 1891. (Noms gaulois.) 

D'Arbois de Jubainville, Les premiers habitants de l'Europe, 
d'apräs les auteurs de l'antiquit^ et les recherches des 
linguistiques. 2 vol. Paris 1893. (Prem. Hab.) 

Berthoud et Matruchot, Etüde historique et ötymologique des 
noms de lieux habit^s du d^partement de la Cöte- d'Or. 
3 parties. Semur 1900—1905. (Berthoud et Matruchot.) 

Beszard, Etüde eur l'origine des noms de lieux du Maine. Paris 1910. 
(Beszard.) 

Cocheris, Origine et formation des noms de lieu. Paris 1885. 
(Cocheris.) 

Curtius, Grundzüge der griechischen Etymologie. 5., unter Mit- 
wirkung von Ernst Windisch umgearbeitete Auflage. 
Leipzig 1879. (Grundzüge.) 

Diez, Etymologisches Wörterbuch der romanischen Sprachen. Mit 
einem Anhange von A. Scheler. 4. Ausgabe, Bonn 1878. (E. W.) 

Dottin, Manuel pour servir ä l'ötude de l'antiquit^ celtique, Paris 1906. 

Esser, Beiträge zur gallo-keltischen Namenkunde. Malmedy 1884. 
(Beiträge.) 

Förstemann, Altdeutsches Namenbuch. I. Band. Personennamen. 
2. Aufl. Bonn 1900. 

Glück, Die bei C. Julius Caesar vorkommenden keltischen Namen. 
München 1857. (Kelt. Namen.) 

La Grande Encyclopedie par une soci6t6 de savants et de gens 
de lettres. Paris. (Grande Encyclopedie.) 

Gröhler, Die Entwickelung französischer Orts- und Landschafts- 
namen aus gallischen Volksnamen. Programm des Königl. 
Friedrichsgymnasiums zu Breslau. 1906. (Gall. Volksnameu.) 



HüuQg genannte Autoren and Werke. XXI 

HersOf;, Streitfragen der romaniiichen Philologie. 1. Baodchen. 

Die Lantgesetzfrage. Halle 1904. (Streitfragen.) 
flolder, Altceltischer Sprachschatz. 3 Bände, der dritte noch an- 
vollendet. Leipzif^ 1896—1910. (Holder.) 
Hölscher, Die mit dem Suffix -acum, -iacum gebildeten französischen 

Ortsnamen. Straßburg 1890. 
Jaccard, Essai de toponymie de la SaiRse romande. Lausanne 1906. 

(Jaccard.) 
Jullian, Histoire de la Gaule. Erschienen Band I— 1\^ 
Jnroazek, Ein Beitrag zur Kenntnis der jotazierten Konsonanten in 

Frankreich, in Zeitschrift für romanische Philologie. Bd. 27, 

8. 550 und 675. (Juroszek.) 
Longnon, Geographie de la> Gaule an siziöme si^cle. Paria 1878. 

(G^ogr.) 
Longnon, Atlas historiqne de la France. Drei Lieferungen mit 

begleitendem Text. Paris 1884—1889. (.\tla8.) 
Luchaire, Les origines linguistiques de 1' Aquitaine. Paris 1877. 

(Origines.) 
Luchaire, Etüde sur les idiomes pyr^n^ens de la r^gion frao(;ai8e. 

Paris 1879. (Idiomes.) 
Meyer-Lübke, Grammatik der romanischen Sprachen. 4 Bde. 

Leipzig 1890—1900. 
Meyer-Lübke, Die Betonung im Gallischen, in Sitzungsber. der 

Wiener Akademie der Wissenschaften, phil.-histor. Kl. 

Bd. 148. (Bftonung.) 
Meyer-Lübke, Einführung in das Studium der romanischen Sprach- 
wissenschaft. 2. Aufl. Heidelberg 1909. (Einführung.) 
Meyer-Lübke, Romanisches Etymologisches Wörterbuch. Heidel- 
berg 1912, im Erscheinen begriffen (Et. Wb.). 
Mflllenhoff, Deutsche Altertumskunde. Bd. 1—3. Berlin. (D. A.) 
östberg, Les voyelles völaires accentndes, la diphthongue au et 

la d^sinence -avus dans quelques noms de lieux de la 

France du Nord. Upsala 1899. 
Pauly-Wissowa, Realenzyklopildie des klassischen Altertums; bis 

jetzt sind 8 Bftnde erschienen. (Pauly-Wissowa.) 
Podersen, Vergleichende Grammatik der keltischen Sprachen. 1. Bd., 

Einleitung und Lautlehre. Göttingen 1908. 
Quicherat, De la formation fran<^8e dee anciena noms de lieux. 

Paris 1867. (Quicherat.) 
Revue Celtique, publice par H. Gaidoz et H. d'Arboia de Jubainville 

(Rev. Celt.) 
Romania, recueil trimestriel consacr^ k l'ötude des langnea et des 

littöratures romanes. Paris 1872 ff. (Romania.) 
Schulze, Zur Geschichte der lateinischen Eigennamen. Abb. der 

Göttinger Genellschaft der Wissenschaften, phil.-bisL Kl. 1904. 

(Schulze.) 



XXII Häufig genannte Autoren und Werke. 

Skok, Die mit dem Suffix -acum, -anum, -ascum und -uscum ge- 
bildeten südfranzösischen Ortsnamen. Zeitschr. für roman. 
Philologie. Beiheft II. (Skok.) 

Stokesund Bezzenberger, Urkeltischer Sprachschatz. Göttingen 1894. 
(Stokes.) 

Thesaurus linguae Latinae, Bd. 1—4. Leipzig. (Thesaurus.) 

Thomas, Essais de philologie franQaise Paris 1898. (Essais.) 

Thomas, Nouveaux essais de philologie francjaise. Paris 1905. 
(Nouveaux essais.) 

Thurneysen, Keltoromanischee. Die keltischen Etymologien im 
etymologischen Wörterbuch der romanischen Sprachen von 
Fr. Diez. Halle 1884. 

Walde, Lateinisches etymologisches Wörterbuch. 2. Aufl. Heidel- 
berg 1910. (Walde E. W.) 

Williams, Die französischen Ortsnamen keltischer Abkunft, Straß- 
burg 1890. (Williams.) 

Zeuß, Die Deutschen und die Nachbarstämme. München 1837. 
Anastatischer Neudruck, Göttingen 1904. (Die Deutschen.) 

Zeuß, Grammatica Celtica. 2. Aufl., besorgt von Ebel. Berlin 1871. 
(Gr. Gelt) 

c) Wörterbücher über Ortsnamen. 

Die bisher erschienenen Bände des Dictionnaire topographique 
und zwar von den Departements: 

Aisne von Matton 1871. 

Aube von Boutiot und Socard 1874. 

Basses-Pyr^n^es von Raymond 1863. 

Calvados von Hippeau 1883. 

Cantal von Am6 1897. 

Deux Sävres von Ledain 1902. 

Dordogne von Gourgues 1873. 

Dröme von Brun-Durand 1891. 

Eure von Blosseville 1877. 

Eure-et-Loir von Merlet 1861. 

Gard von Germer-Durand 1868. 

Haute-Loire von Chassain und Jacotin 1906. 

Haute-Marne von Roserot 1913. 

Hautes-Alpes von Roman 1884. 

Hörault von Thomas 1865. 

Loire-Införieure von Quilgars 1906. 

Marne von Longnon 1891. 

Mayenne von Maltre 1878. 

Meurthe von Lepage 1862. 

Meuse von Liönard 1872. 



AbkUrcangen. 



xxm 



Morbihan von Rosenzweig 1870. 
Moselle von Bouteiller 1874. 
Ni6vre von Soultrait 1865. 
Vienne von Redet 1881. 
Yonne von Qaantin 1862. 

Von anderen Sammelwerken ähnlicher Art: 

Coartet, Dictionnaire gtegraphiqoe, historique etc. du döpartement 
de Vaucluse. 2 Bände, Avignon 1857. 

Guigue, Topographie hietorique du d^partement de l'Ain. 

Port, Dictionnaire historique, göograpbique etc. du d^partement de 
Maine-et-Loire. Paris und Angers 1874. S Bde. 

Vivien de Saint-Martin, Nouvean Dictionnaire de G^graphie uni- 
verselle. Paris 1879 ff. 



Abkürzungen. 



abret. = altbretonisch. 

afi. = altfranz^siech. 

ags. = angelsilchsisch. 

ahd. = althochdeutsch. 

ai = altindisch. 

air. = altirisch. 

akorn. = altkornisch. 

aky. = altkymrisch. 

alts. oder as. = altsächsiach. 

bret. = hretonisch. 

engl. = englisch. 

FIN. = FluOname. 

frz. = französisch. 

gall. = galliscli. 

got = gotisch. 



gr. = griechisch. 

it. = italienisch. 

lat. = lateinisch. 

lig. ^ ligurisch. 

mbret = mittelbretonisch. 

mhd. = mittelhochdeutsch. 

nfz. := neufranzösisch. 

nhd. = neuhochdeutsch. 

ON. = Ortsname. 

PN. = Personenname. 

port = portugiesisch. 

prov. = provenzalisch. 

Span. = spanisch. 

VN. = Volksname. 



Einleitung. 

I. Die Quellen. 



l 



Unsere Kenntnis der ältesten Formen französischer 
Ortsnamen stammt aus den Schriftstellern des Alterturas 
und des frühen Mittelalters, sodann aus einer Anzahl von 
Itinrrarien, den Kursbüchern der römischen Kaiserzeit, 
aus einem reichen Schatze von Inschriften, dessen Hebung 
und Verwertung erst in den letzten Jahrzehnten ernsthaft 
in AngriflF genommen und noch nicht abgeschlossen ist, 
endlich aus einer alten Weltkarte. 

Von den lateinischen Schriftwerken stehen die Kom- 
mentare Cäsars über den gallischen Krieg als eine 
der genauesten und zugleich ältesten, wenn auch nicht 
gerade umfungreiclisten Quellen allen übrigen voran. Es 
folgen Livius, die Chorographia des Pomponius Mela, 
in der Zeit von 37 — 54 n. Chr. verfaßt, der ältere Pli- 
nius, dessen Naturalis Historia im Jahre 77 beendet ist, 
Tacitus u. a. Die Reihe der mittelalterlichen AuU)ren 
eröffnet Ausonius, der ebenso wie Ammianus Mar- 
cellinus im letzten Drittel des vierten Jahrhunderts ge- 
schrieben hat. Beider Zeitgenosse ist Rufus Festus 
A vienus, dessen Ora maritima, ein eigenartig anmutendes 
Lehrgedicht, von dem noch 703 Verse erhalten sind, die 
Bearbeitung eines griechischen oder vielleicht sogar pht)- 
nizischen Periplus aus dem Anfange des vierten Jahr- 
hunderts vor Christus und somit eine der ältesten Quellen 

Gröhler, Fmnxösisoho Ortsnamen. 1 



2 Einleitung. 

über den Westen Europas darstellt. Apollin aris Si- 
donius gehört der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts 
an, Gregor von Tours, der erste Geschichtschreiber der 
fränkischen Könige^ ebenso wie Venantius Fortunatus 
dem letzten Viertel des sechsten. Das unter dem Namen 
des Fredegar gehende Geschichtswerk ist in der ersten 
Hälfte des siebenten Jahrhunderts verfaßt, reicht aber 
in seinen Fortsetzungen bis in das achte hinein. Der 
zweiten Hälfte des siebenten Jahrhunderts entstammt die 
erste (griechische) Fassung des sogenannten Geographen 
oder Anonymus von Ravenna, der aber, wie man an- 
nimmt^ seine Wissenschaft zum Teil einer römischen 
Weltkarte des dritten Jahrhunderts verdankt. Hierzu 
kommen noch die Berichte über die verschiedenen Kirchen- 
versammlungen der ersten christlichen Jahrhunderte, be- 
sonders die auf gallischem Boden abgehaltenen, die für 
die Ortsnamenkunde nicht geringere Wichtigkeit haben 
wie für die Geschichte des Landes. 

Ungleich schwächer als die lateinischen fließen natür- 
lich die griechischen Quellen, doch sind einige unter ihnen 
wegen ihres Alters bedeutsam, so HecataeusvonMilet» 
Scymnus, Timaeus, Eratosthen es, deren Nachrichten 
uns hauptsächlich durch Strabos (gestorben um 20 n. 
Chr.) umfassendes geographisches Werk bekannt geworden 
sind. Der letzte in dieser Reihe ist Claudius Ptole- 
maeus, dessen aus der Mitte des zweiten christlichen 
Jahrhunderts stammende Geographia die älteren Mit- 
teilungen über Gallien oft in erfreulicher Weise ergänzt. 

Diese literarischen Werke im engeren Sinne er- 
fahren eine wertvolle Erweiterung durch eine Reihe von 
Itinerarien, unter denen die beiden aus dem Anfange des 
vierten Jahrhunderts stammenden Itineraria Antonini 
obenan stehen. Es sind Reichskursbücher mit Angabe der 
bedeutendsten Stationen des römischen Straßennetzes und 
deren Entfernungen voneinander. 

Zwei andere Sammlungen von Ortsnamen sind die 
Notitia provinciarum et civitatum Galliae, um. 



Die Quellen. 8 

das Jahr 400 verfaßt, ein Verzeichnis drr Provinzen 
(ialliens und ihrer Hauptstädte, und die Notitia dig- 
nitatum omnium, tum civilium cum militariura, in par- 
tibus orientis et occidentis, ein um das Jahr 410 ent- 
standenes Register der Hof-, Zivil- und Militärämter dea 
Reiches. 

Die Tabula Peutingerana endlich, die bedeu- 
tendste der uns erhaltenen alten Karten, in ihrer jetzigen 
Form aus dem dreizelmten Jahrhundert stammend, stellt 
eine Kopie einer römischen Weltkarte dar, die nach 
Longuou nicht vor dem Jahre 337 entstanden ist. Ihr 
zweifellos hoher Wert ist von den Gelehrten, besonders 
Frankreichs vielfach überschätzt worden, denn ihre Namen 
sind häufig recht ungenau und daher mit Vorsicht zu 
behandeln. 

Wenn ich erst an letzter Stelle die aus fast allen Teilen 
des weströmischen Reiches stammenden Inschriften 
nenne, deren bedeutendste Sammlung das gewaltige und 
noch nicht abgeschlossene Corpus Inscriptionum Latinaram 
ist, so wird doch jeder I^eser meines Buches sehen, daß 
tatsächlich ihnen ein ganz besonders hervorragender Rang 
unter den für die Ortsnamenkunde wertvollen Zeugnissen 
zukommt. 

Die in den vorgenannten und noch manchen anderen 
Urkunden enthaltenen Namen hat Auguste Longnon zu- 
sammengetragen, dessen beide für unsere Betrachtung 
wichtigsten Werke sind: 1. Geographie de la Gaule 
au sixieme siecle; 2. Atlas historique de la 
France, auf acht Lieferungen mit begleitendem Text 
berechnet, von denen aber bedauerlicher Weise nur drei 
erschienen sind. Leider nennt Longnon bei den einzelnen 
historischen Namenformen nur im allgemeinen die Periode 
— römische, merowingische, karolingische — in der 
der Name auftritt, ohne die genauere Angabe des Jahres, 
in dem er nachzuweisen ist. Gründlicher in dieser Be- 
ziehung ist d'Arbois de Jubainville, der besonders 
in seinen Retherches ein reiches Material liefert. Bei 



4 Einleitung. 

weitem am besten aber sind wir über diejenigen Departe- 
ments von Frankreich unterrichtet, von denen bereits 
ein amtliches Dictionnaire topographique vorhanden ist. 
Alle alten Namen, soweit sie gallisches Gepräge tragen, 
hat etwa bis zum siebenten Jahrhundert einschließlich 
Alfred Holder in seinem vortrefflichen Altceltischen 
Sprachschatz gesammelt, dessen dritter Band noch im 
Erscheinen begriffen ist. Ohne dieses wertvolle Denkmal 
treuen Sammelfleißes wäre das vorliegende Buch nicht 
möglich gewesen; vor allem konnte erst durch die Heran- 
ziehung der in den Inschriften enthaltenen zahlreichen 
gallischen Personennamen ein einigermaßen abschließendes 
Urteil über die gallische Periode der französischen Orts- 
namen erreicht werden. 



IL Ethnographisches. 



A. Die Ligurer. 

Das vom Atlantischen Ozean, von den Pyrenäen, 
dem Mittelländischen Meere, den Alpen und dem Rhein 
begrenzte Gebiet Europas ist zu der Zeit, da es in das 
Licht der Geschichte tritt, der Hauptsache nach im Be- 
sitze von Menschen, die sich der gallischen Sprache be- 
dienen, des wichtigsten und verbreitetsten Idioms der 
keltischen Sprachgruppe, und die Schriftsteller des Alter- 
tums nennen daher die Bewohner des Landes schlechthin 
Gallier oder Kelten. Diese Ausdrucksweise ist richtig, 
sofern sie eine Bevölkerung bezeichnet, die nach Sprache, 
Religion, Sitten, Gesetzen ein einheitliches Ganzes bildet; 
sie wäre falsch, wollte man das Gemeinsame auch auf 
den Körperbau, Fähigkeiten und Eigenschaften und vor 
allem auf die Abstammung übertragen. 

Die Gallier — ich verwende diesen Namen im Fol- 
genden stets in dem Sinne, wie die Römer ihn gebraucht 
haben, also zur Bezeichnung der keltisch redenden Ein- 



Kthnopraplüschi'«. 5 

wohner der luiuleii (iullit'u, «ler^ liausnlpincn und des 
cisalpinen, um sio von den Kelten, der Gesamtheit der 
Vertreter dos keltiHchpn Idioms, zu unterscheiden — die 
Gallier, einschließlich der im dritten Jahrhundert v. Chr. 
nach Kleinasien eingcwunderton Galater, werden uns von 
den Alten als ein Menschenschlag von hohem Korpcrhau, 
heller Hautfarbe, rötlichblondem Haar und blauen Augen 
geschildert, kurz in ihrem Äußeren durchaus nicht ver- 
schieden von den Germanen. V 

Wenn wir mit dieser Vorstellung, die wir von den 
Galliern erhalten, die Franzosen der heutigen Tage und 
insbesondere die Südfranzosen vei-gleichen, so zeigt sich 
eine starke Verschiedenheit; denn es herrscht hier bei 
kleiner bis mittelgroßer Statur der dunkle Typus vor, 
und die anthropologischen Forschungen haben noch eine 
ganze Reihe anderer mehr oder minder augenfälliger Ab- 
weichungen festgestellt. 

Ist diese Abweichung allein aus der Zuwanderung zu 
erklären, die seit der Eroberung Galliens durch die Römer 
stattgefunden hat? Die Einwandernden waren in den 
ersten Jahrhunderten nach der Unterwerfung vor allem 
Italiener, also Menschen von dunkler Komplexion und 
kleinem Körperbau, wohl geeignet, als Vorfahren der heu- 
tigen Franzosen zu gelten. Ihre Zahl kann aber un- 
möglich so hoch veranschlagt werden, daß sie ein Volk 
von ursprünglich heller Farbe in ein wesentlich brünettes 
umwandeln konnten. Den Alten erschien Gallien zu 
allen Zeiten als ein stark bevölkertes Land, und die 
Ziffern, die uns Cäsar an verschiedenen Stellen seiner 



» DiodorV28; Strabo IV 195 f.; Livius V44. Cllsar streift 
die wichtige Fraj^e nur, wenn er B. G. II 30 von den Bewohnern 
von Aduatuca meldet, sie hlltten sich über <lie geringe Körper- 
gr<iße der römiecltcn Soldaten lustig gemacht «quibasnam mani- 
buB aut quibufi viribus praesertim homines tantnlae statarae 
(nara plerumque hominibus Gallis prae magnitadine corpo- 
rum suoruin brevitas nostra contemtui est), tanti oneris 
turrini moturos esse confidcrent?» 



6 Einleitung. 

Kommentare^ über die Wehrkraft des Landes mitteilt, 
bestätigen die Eindrücke, die andere Autoren von der 
Bevölkerungsdichtigkeit gehabt haben. Neuere Schrift- 
steller haben festgestellt, daß Gallien zur Zeit seiner Er- 
oberung durch Cäsar an Einwohnerzahl nicht viel hinter 
dem Frankreich Ludwigs XIV. zurückgestanden habe.^ 

Eine so bedeutende Volksmasse mußte sich, sofern 
sie eine ethnologische Einheit darstellte, sehr lange gegen 
Einwanderer anderer Rassen behaupten, selbst wenn man 
berücksichtigt, daß durch die Kriege Cäsars die Bevölkerung 
bedeutend zurückgegangen ist. Dazu kommt noch, daß 
schon in den letzten Jahrzehnten der römischen Herrschaft 
und mit dem Verfall derselben zunehmend Germanen erst 
in kleineren Zügen, dann in gewaltigen Haufen in die 
gallisch-römische Provinz einfielen : die Westgoten in die 
südlichen, Alemannen und Burgunder in die östlichen, 
endlich mächtige Scharen von Franken in die nördlichen 
Teile des Landes. Da wir uns diese Germanen im all- 
gemeinen als hellfarbige, von den echten Galliern im 
Körperbau nicht wesentlich verschiedene Menschen zu 
denken haben, so waren sie durchaus geeignet, das hell- 
farbige Element zu verstärken, ja man könnte meinen, 
daß die neuen Einv/anderer im stände waren, den Einfluß 
der früheren fast völlig auszugleichen. Wenn bei den 
gegenwärtigen Einwohnern der dunkle Typus bedeutend 
überwiegt, so müssen andere Ursachen für diese Er- 
scheinung verantwortlich gemacht werden. 

Ein Fragment des Hecataeus bei Stephanus von Byzanz ^ 
bezeichnet Massalia als eine Stadt Liguriens, ttoXi? rf\q 
AiYUCTTiKfig Kaxd Triv KeXiiKriv, und diese Notiz wird be- 
stätigt durch eine andere bei Livius, wonach die aus dem 
transalpinen Gallien nach Italien eindringenden Gallier 



1 B. G. 1 29, II 4, VII 15 ff. Vgl. Strabo IV 196 und J. Jung, 
Die romanischen Landschaften des Römischen Reiches 190. 

^ Camille Jullian, Histoire de la Gaule II 8. Beloch, Die 
Bevölkerung der griechisch-römischen Welt 448 ff. 

» Steph. Byz. 435, 18. 



EtbnograpbiscbeH. 7 

Ligurer aus der Nachbarschaft von Massalia mit sich 
führten. Selbst Strabo * sagt noch in seiner Beschreibung 
des (rrenzgebietes zwischen Gallien und Italien: «Von 
Antipolis (jetzt Antibes) bis Massalia und n<x;h etwas 
weiter bewohnt diis Volk der Salyer die darüberliegendon 
Berge und, mit (Iriechen vermischt, einige Teile der Küste 
selbst. Die Salyer aber nennen die alten Griechen Lipjer 
und ihr Land, in dem jetzt die Älassilier wohnen, Ligy^tike; 
spätere aber nennen sie Keltoligyer und weisen diesen auch 
noch die Ebene bei Avenio (Avignon) und bis zur Rhone 
zu.» Plinius' endlich kennt die Ligurer wenigstens noch 
in dem Küstenstrich südlich der Durance. In viel 
früherer Zeit müssen sie die ganze Küste ostwärts vom 
Flüßchen Lez bei Montpellier eingenommen haben*, 
und historische Zeugnisse sowie das Studium der geo- 
graphischen Namen berechtigen uns, diese Grenze noch 
erheblich auszudehnen. 

Eratosthenes'' nennt die jetzige Iberische Halbinsel 
die Ligurische und bekundet damit, daß mindestens ein 
Teil von ihr in alter Zeit von Ligurern bewohnt war. 
Auch Korsika hatte nach dem übereinstimmenden Ur- 
teile älterer Schriftsteller ligurische Bevölkerung. Die 
Sikeler in Sizilien hält Philistus, der im vierten Jahr- 
hundert V. Chr. lebte, für Ligyer, die aus ihren Wohn- 
sitzen in Italien von Umbrern und Pelasgem vertrieben 
wurden; auch Festus versichert, daß die Sikeler und 
Ligurer lange vor Romulus das mittlere Italien be- 
wohnt haben. Der nördliche Teil von Etrurien war nach 
bestimmton Aussagen alter Autoren in frühester Zeit 
im Besitz der Ligurer*^, und im Norden reicht dieser Volks- 
stamm mindestens bis an den Po, dessen ältester Name 
Bodincus ausdrücklich als ligurisch bezeichnet wird. Nach 
Plinius^ ist die Stadt Ticinum eine ligurische Gründung. 

» IV 203. — » N«t. bist. in47. — » MöUenhoff, DA. II 173 f. 
* Bei Strabo II, 92. — * MOlIenhoff, a. a. O. 175. 
° III 17, wo aacb nocb andere Zengnisse der Anwesenheit 
Ton Ligarern in der Poebene. 



8 Einleitung. 

Die Städte Alhintemelium oder Album Intemeliuni und 
Album Ingaunum liegen in uraltem und noch in historischer 
Zeit rein ligurischem Gebiete; beide Namen sind zweifel- 
los ligurisch. Ein Alba Pompeia wird von Plinius^ und 
von Ptolemaeus^ zuerst erwähnt; es ist wahrscheinlich nach 
Cn. Pompeius Strabo genannt, der 79 v. Chr. Konsul war^, 
und liegt ebenfalls im alten Ligurien, heut Alba (Italien, 
Piemont). Alba Docüia Tab. Peut. oder vielleicht richtiger 
Alba Decelia Geogr. Rav. heißt ein jetzt untergegangener 
Ort an der ligurischen Küste zwischen Genua und Vada 
Sabatia. Zu diesen mitten im ligurischen Lande nach- 
weisbaren Alba kommen zwei in nächster Nachbarschaft, 
nämlich Alba Helvorum, jetzt Aps (Ardeche) und Alba 
Augusta an der Durance, das heutige Aulpt oder Aups 
(Var). Die Mutterstadt Roms, Alba Longa, könnte die 
oben erwähnte Bemerkung unterstützen, derzufolge die 
Sikeler vor ihrer Einwanderung in Sizilien Latium inne 
hatten.'^ 

Gemenelum It. Ant., ein Ort bei Nizza, jetzt Gimiez, 
bei Ptolemaeus^ Ke|Lieve\eov, erinnert in seinem Stamme 
an den zuerst von Strabo und Ptolemaeus überlieferten 
Namen der Cevennen tö K6|U|aevov öpo^, xd Ke|U)aeva öpr|. 
Westlich von der Rhonemündung gibt es nach Avienus^ 
eine Cemenice regio bezw. einen ager Cemenicus^ und hieran 
erinnert wiederum der Berg Cema an der Quelle des Var 
und der saltus Ceminius im südlichen Etrurien.'^ 

Östlich von Genua liegt an der ligurischen Küste ein 
Ort Vada Sabbatia It. Ant., bei Strabo ZaßßdTUJV oüaba, 
Vadum Sabatium Plinius. Der Name kehrt wieder in einem 
Orte Sabate T. P., Sabbatis beim Geogr. von Ravenna, 
der frühzeitg verschwunden, aber noch im Laciis Saba- 



1 1115,49. — 2 III 1, 45. — 3 Mommsen in CIL. V, S. 863. 

* Ein Alba Fucentia bei den Aquern ist dagegen erst nach 
den Samniterkriegen gegründet und vielleicht nach Alba Longa 
benannt. LiviusXl. Mommsen in CIL. IX, S. 371. 

* III 1, 39. — « Ora maritima 615 und 666. 
' Müllenhoff DA. III 176; vgl. 1 193. 



Kthnu^raphisches. 9 

Uhus itn südlichen Ktruricn, nn dem jenes lag, erhalten 
ist. Sabatus bezw. Sahhatus ist endlich der Name zweier 
Flüsse, von denen der eine in Südetrurien, der andere 
«ogar in Calabrien fließt. 

Während uns diese Anklänge weit in das Innere von 
Italien hineinführen, zeigen andere geographische Namen, 
daß auch die Nordgrenzen des einstigen ligurischen Ge- 
bietes erheblich über die in historischer Zeit bekannten 
hinausreichten. Schon der Name der Haupt.«*tadt von 
Ligurien, Genua, erinnert an Genf, das Genava der Alten. 
Ungleich auffallender als diese Zusammenstellung ist 
aber eine andere, die uns zugleich wieder auf unser 
eigentliches Gebiet, Frankreich, zurückleitet, ich meine 
eine in Orts- und Flußnaraen auftauchende Wurzel, die 
bald als hon\ bald als horb oder honn vorkommt und 
zweifellos ligurisch ist.' 

Das It. Ant. nennt an der Küste zwischen Venti- 
niiglia und Albenga einen Ort Litcus Bonnani\ ein Flüßchen 
Bormida, zum Tanftro gehend, liegt im Gebiete der 
ligurischen Statielli, und das heutige italienische Bormio, 
deutsch Worms, am Südausgange des Stilfser- oder 
Wormserjoches, liegt ebenfalls nicht weit ab vom historischen 
ligurischen Gebiete. Über den zweiten Teil von Lucus Iter- 
mani werden wir aufgeklärt, wenn wir in Inschriften aus 
Aix-en-Provence und aus Aix-en-Diois (Dröme) eine Gott- 
heit Bormanvs bezw. Bormana genannt finden.* Eine In- 
schrift von Bourbon-Lancy im westlichsten Teile des 
Dep. Saöne- et -Loire trägt die Widmung Bonnoni et Da- 
iiionae, das in zwei anderen Inschriften als Variation 
Boryont e< T^amo-wflt;*' wiederkehrt; Bouriwn-Lancy heißt in 
der Tab. Peut. sogar noch Aquis Bormonis. m und v 



» Eingehend bespricht sie tlArboid, Prem. Hnb. II 118 ff. 
Einzelnes auch bei Paul Kretschmer, Die Inschriften von Orna- 
vasso und die ligurisclie Sprache in Kuhns Zeitschrift für 
vergl. Sprachforschung 38, S. llSfl. O. Hirschfeld in CIL. XIII 1, 
S. 430. 

« CIL. XII «4. 1567. — « CIL. XIII 2805— 2i:07. 



10 Einleitung. 

wechseln auffallendervveise im Inlaute dieses Wortes, und 
für V findet sich später allgemein h ; denn niemand wird 
Bedenken tragen, die anderen Bourbon und ähnliche 
nun auch hierher zu stellen, die übrigens alle als ge- 
meinsame Eigenschaft den Besitz von (meist warmen) 
Quellen aufweisen. Noch erheblich nördlicher als das 
letztgenannte Bourbon-Lancy führt uns Bourbonne-les- 
Bains (Haute- Marne), und der nordöstlichste Punkt liegt 
sogar weit außerhalb Frankreichs, es ist das heutige Worms 
am Rhein, zuerst genannt von Ptolemaeus^ als BopßriTÖ- 
!LiaYO(g, im It. Ant. Borbitomago und in einer beachtens- 
werten Variante Bormitomago."^ Am weitesten nach Westen 
endlich liegen Bourbon- l'Archarabault (Allier), auf 
merowingischen Münzen Burhone oder Borbone^ und La 
Bourboule (Puy-de-Döme), dessen Zugehörigkeit durch 
seine warmen Quellen wahrscheinlich gemacht wird. In 
Portugal gibt es einen Badeort Caldas de Vizella, wie 
sein heutiger Name zeigt, ebenfalls mit warmen Quellen, 
und in einer dort gefundenen Inschrift* begegnet der 
Name eines Gottes Bormanicus. 

Die vorstehenden Darlegungen werden in erfreulicher 
Weise bestätigt und ergänzt durch die wertvollen Unter- 
suchungen, die d'Arbois de Jubainville in seinem Werke 
les Premiers Habitants de l'Europe über denselben Gegen- 
stand geführt hat. Der italienische Gelehrte Flechia hat 
nämlich in einem kleinen Schriftchen ^ den Nachweis ge- 
führt, daß die in geographischen Eigennamen Oberitaliens 
vorkommenden Suffixe -asco, -usco, -osco für das Ligurische 
charakteristisch sind und in anderen europäischen Sprachen 
nicht auftreten. D'Arbois hat, von dieser Beobachtung 

1 II 9, 9. 

^ Borbetomagu8 stellt eine hybride Bildung dar, deren 
zweiter Bestandteil das gall. Appellativ magos Teld' ist. 

^ Vgl. zu diesem und Bourbon-Lancy CIL. XIII 1, S. 430. 

* CIL. II 2402 nach Paul Kretschmer a. a. O. 

^ G. Flechia, Di alcune forme di nomi locali dell' Italia 
superiore, Torino 1871, Abdruck aus den Memoria della R. Ac- 
cademia delle scienze di Torino S. II, t. XXVII 275 ff. 



Kthnogruphisches. 11 

ausgehend, dio mit jenen Suffixen gebildeten Ortsnamen 
durch ganz Westeuropa verfolgt und ist ho zu dem Er- 
gebnis gelangt, daß dio Ligurer, denen die Schöpfung 
dieser Namen doch notwendig zugeschrieben werden muß, 
in alter Zeit den größten Teil von Oberitalien und noch 
das nördliche Gebiet von Toskana besessen haben, ferner 
Korsika, Portugal und Nordspanien, die Schweiz, West- 
tirol und Oberbayern, endlich von Frankreich das Tal 
der Rhone und Saone mit den angrenzenden Gebieten, 
als deren äußerste Ausläufer sich im Südwesten das Dep. 
Ariege, im Norden das Dep. Marne darstellen.^ 

Die Einwanderung der Kelten in das nördliche Frank- 
reich wird spätestens um das Jahr 500 gesetzt; es vergingen 
also gegen 450 Jahre, ehe die ersten römischen Schrift- 
steller in ihren Werken Ortsnamen aufzeichneten, aus 
deren Gestalt wir einen Schluß auf die Sprache einer 
älteren Schicht von Einwohnern ziehen könnten. In 
dieser langen Zeit hatte das kräftige Volkstum der Gallier 
längst das der früheren Besitzer des Landes vernichtet, 
diese selbst aber der Mehrzahl nach von Haus und Hof 
vertrieben und nach Süden gedrängt. Dazu kommt, daß 
die Ligurer noch in historischer Zeit das Wohnen in 
Städten verabscheuten ^ und daher bedeutende Orte, deren 
Namen tiich leicht hätten erhalten können, nur in sehr 
geringer Zahl besaßen. So sind in Nordfrankreich 
ligurische Ortsnamen ebensowenig mit Sicherheit nach- 
weisbar wie keltische in Nord- und Mitteldeutschland, ob- 
gleich es doch feststeht, daß die nach Westen über 
den Rhein vordringenden Keltenstämme vorher zwischen 
Rhein und Weser, ja über diese hinaus bis an der Elbe 
gewohnt hatten. Für Süddeutschland, wo die Kelten 
bedeutend länger weilten, lassen sich ihre Spuren in 
Ortsnamen sehr wohl verfolgen; auch hierin bilden 



• A.a.O. II 48 fr. und 115. 

" Dioilor V 39. TacUus Hist. II 13. Vgl. auch Livius XXXV 
11. 21. 22. 



12 Einleitung. 

sie ein Analogen zu den Ligurern in Südfrankreich. 
Widerstandsfähiger aber als die Ortsnamen haben sich 
allenthalben die Namen von Wasserläufen erwiesen ; 
während Städte, Dörfer, Ortschaften jeder Art vom Er- 
oberer vernichtet "wurden oder im Laufe der Jahrhunderte, 
sei es durch elementare Gewalten, sei es durch Krieg, 
Seuchen, Hungersnöte vom Erdboden verschwanden, blieb 
dieses Schicksal den Flüssen und Gebirgen erspart, und 
die neuen Herren waren eher bereit, die Namen, die sie 
dafür vorfanden, anzunehmen und beizubehalten. So 
möge durch eine kurze Betrachtung der auffallendsten 
Flußnamen der Versuch gemacht werden, noch helleres 
Licht über die Ausdehnung des ligurischen Gebietes, be- 
sonders in Frankreich, zu verbreiten. Sehr eingehend, 
wenn auch nicht in allen Punkten überzeugend, behandelt 
diese Frage wiederum d'/Vrbois de Jubainville im zweiten 
Bande seiner Premiers Habiiants de l'Europe^, und an ihn 
schließe ich mich bei meinen folgenden Ausführungen 
im wesentlichen an. - 

Daß der Name der Rhone, zuerst von den Griechen 
als Tööavog überliefert und von den Römern als RJiodanus 
übernommen, ligurisch und nicht gallisch ist, erhellt aus 
der Tatsache, daß auch Korsika, das nie von Kelten be- 
wohnt Avorden ist, einen Fluß Rkotanos besaß, der von 
Ptolemaeus^ erwähnt wird und dem heutigen Tavignano 
entspricht. Außer diesen beiden gibt es aber noch vier 
andere Flüsse dieses Namens, den einen in Norditalien, 
in der Provinz Emilia, noch jetzt Rodana geheißen und 
zuerst im 10. Jahrhundert als EJwdanus erwähnt, einen 
Zufluß des Cristolo, der selbst wieder in den Po geht; 
drei andere im ehemaligen Gallien. Von diesen ist der 

1 S. 124-17L 

^ Auch C. JuUian, Histoire de la Gaule I 112 ff. ist der Mei- 
nung, daß die Namen der Gebirge, Seen, Flüsse und Quellen 
nicht nur Frankreichs, sondern des ganzen westlichen Europa 
den Ligurern oder sprachverwandten Volksstämmen zu ver- 
danken sind. 

2 III 2, 5. 



Ethnographische». 13 

eine, von Fortunat als Rhodamis genannt, ein rechter 
Zufluß der Mosel, der jetzt als Ron oder Ren im Kreise 
Berncftstel fließt; der andere ist ein linker Nebenfluß der 
Sarthc, jetzt Rone, im 9. Jahrhundert Rhodanm; der 
dritte endlich ;;ehört zum nördlichen Teile des Garonne- 
becken.s.^ 

S(*quäna, der zuerst von Cäsar überlieferte alte Name 
der Seine, scheint nicht gallisch zu sein, da die gallische 
Sprache ursprünglich den Laut 7 nicht kennt. Sie ersetzt 
indogermanisches q wie das Griechische durch p; vgl. lat. 
eqittts *Pferd', gr. Ktttto?, gall. ejjosy im Personennamen 
Eporedorix; petor = lat. quattuor in petorrita 'ein vier- 
rädriper Wagen'. Daß das Ligurische ein q besaß, ersieht 
man aus dem Volksnamen Q^iariates und aus dem Per- 
sonennamen Quiamelms.^ Seqtiana ist also höchst wahr- 
scheinlich ligurisch, und derselbe Name kehrt vielleicht 
wieder im Flusse Yucar in Spanien, der im Altertum 
Sicanns heißt. Aber auch in Frankreich selbst finden wir 
noch Anklänge. Di6 Saone heißt bei Cäsar und anderen 
Schriftstellern Ärar; erst verhältnismäßig spät"* tritt der 
Name Sauconna auf, aus dem sich der heutige entwickelt 
hat. Lange mochte er im volkstümlichen Gebrauch geblieben 
sein und neben ihm gleichsam offiziell der von den er- 
obernden Galliern eingeführte Arar, bis schließlich der 
alte wieder die Oberhand gewann. Sauconna aber scheint 
nichts weiter zu sein als die im Volksmunde entstandene 
Umgestaltung von Sequana; dies wird wahrscheinlich ge- 
macht durch den Volksnamen der Sequäni, die ja auf dem 
linken Ufer des Flusses noch zur Zeit Cäsars wohnen und 
deren Namen (vgl. Garumni und Garumna) man doch 
lieber mit der Saöne als mit der weit abliegendeD Seine 
in Zusammenhang bringen wird, wie es bisher immer 
geschehen ist. Freilich machen die lautlichen und mehr 
noch die Ton Verhältnisse beider Wörter Schwierigkeiten; 



» Prem. Hab. II 124 flF. 

« CIL. XII 226 aus Antibes. — » Bei Fredegar IV 43, 89. 



14 Einleitung. 

sollte die gallische Betonung von Sequäna vielleicht Se- 
quäna gewesen sein? Strabo^ und Ptolemaeus^ schreiben 
ZriKodvaq. Ein Dorf im Dep. Sarthe heißt heute Saosnes 
oder Saönes, Saugonna im neunten Jahrhundert, Sagönna 
802; das g dieser Formen stellt wohl schon eine Er- 
weichung eines ursprünglichen c dar, so daß auch hier 
ein älteres Sauconna zu Grunde liegt, anscheinend wie 
oben ein Flußname, wie denn auch das Flüßchen, in 
dessen Nähe der Ort liegt, noch jetzt den Namen Saö- 
nette führt. 

Wenn es diese Zusammenstellung von Flußnamen 
wahrscheinlich macht, daß die Ligurer in ältester Zeit 
nicht nur einen Teil von Südfrankreich innegehabt haben, 
sondern daß sie mindestens bis ins Seinebecken hinauf- 
gereicht, ja wohl auch Teile von Süd- und Westdeutsch- 
land bewohnt haben, dann verdient eine Stelle der Ora 
maritima unsere Aufmerksamkeit, die Müllenhoff in seiner 
Kritik als einen späteren Zusatz zur uralten Quelle des 
Lehrgedichts, dem Periplus, hingestellt hat.^ Dort 
heißt es: 

si quis dehinc 
ab insulis Oestrymnicis lembum audeat 
urgere in undas, axe qua Lycaonis 
rigescit aethra, caespitem Ligurum subit 
cassum incolarum. 
Müllenhoff kommt zu dem Schlüsse, es könne «das 
Ufer oder das Land der Ligurer, der caespes Ligurum nur 
in nordöstlicher Richtung am Kanal hinauf im nordwest- 
lichen Frankreich gedacht sein,» und fährt fort: «Wer 
aber hätte hier je von Ligurern gehört?» Wenn ihm die 
neueren Forschungen schon bekannt gewesen wären, würde 
er vermutlich in ihnen nur eine Bestätigung der Nach- 
richten gesehen haben, die die Ora maritima über das 
Vorhandensein von Ligurern im nordwestlichen Frank- 
reich bringt. 

1 IV 189 u. ö. - =^ II8,2f. 
" A. a. O. I 95ff. 



Ethnographisches. 15 

Auch die anthropologische Forschung bestätigt das 
Vorhandensein von Menschen am Miltclrhein, die nach 
Schädel- und Körperbildung mit den Ligurern die engste 
Verwandtschaft aufweisen. Die Grabstätten, die hierfür 
in Betracht kommen, gehören der Mitte des zweiten Jahr« 
tausends vor unserer Zeitrechnung an.^ 

Wir müssen annehmen, daß die Ligurer in Nord- 
frankreich durch den ersten Vorstoß keltischer Scharen, 
die, von Norden und Osten kommend, über den Rhein 
setzten, Schritt für Schritt zurückgedrängt wurden. Vielo 
mochten als Hörige in ihren bisherigen Wohnsitzen bleiben,, 
ihre Sprache und ihr Volkstum aber wurde von den phy- 
sisch und national höher stehenden Eroberern vernichtet» 
Später schwanden die Rassengegensätze mehr und mehr, 
und es trat eine Vermischung durch Heirat ein, die 
den einst stark verschiedenen Typen Mittelstufen zu- 
gesellte. Andererseits suchten einzelne Ligurer bald nach 
der Eroberung sich eine gewisse persönliche Freiheit zu 
bewahren, indem sie den Eindringlingen die guten W\)hn- 
sitze überließen und sich in die weniger zugänglichen Ge- 
biete des Landes, die tiefen Wälder und die Gebirge, oder 
in andere Teile zurückzogen, die wegen ihrer geringen 
Fruchtbarkeit den Herren des Landes nicht begehrens- 
wert erschienen. Deloche hat in einem bemerkenswerten 
Artikel' alle Ortsnamen zusammengestellt, die noch in 
ihrer jetzigen Gestalt, deutlicher aber in ihren alten 
Formen sich als solche Zufluchtsorte versprengter Ligurer- 
haufen kennzeichnen. Ich erwähne hier nur die be^ 
deutenderen: Ligueil (Charente-Inferieure) heißt in einer 
Urkunde des 10. Jahrhunderts Villa Liguriacum. Ligueux 
(Dordogne) geht auf den Namen eines W^aldes zurück, der 
1115 Liguriencis silva hieß, und aus derselben Zeit kennen 
wir in jener Gegend einen Conventtts de lAgurio. Eine 



' Über sie handelt eingehend C. Mehlis, Die Ligurerfrage,. 
Archiv f(\r Anthropologie, XXVI 71—94 und 1043—1078. 
^ Les Ligures en Gaule in R. C. XVIII 865—378. 



16 Einleitung. 

Landschaft und ein Dörfchen Ligoure im Departement 
Vienne erscheint in Urkunden als Ligura. Trosly-Loire 
(Aisne) scheint ebenfalls nach der Bezeichnung eines 
Waldes Liguriiim benannt zu sein. Nach Gregor v. Tours ^ 
hieß endlich die Ebene zwischen Narbonne und dem 
Meere Ligiina, jetzt noch ia Liviere, was die Anwesen- 
heit von Ligurern in dieser Gegend verbürgt. 

Ich habe diese Untersuchungen über die Ausbreitung 
des ligurischen Volksstammes in geschichtlicher und vor- 
geschichtlicher Zeit darum breiter angelegt, als es viel- 
leicht berechtigt erscheinen möchte, und vor allem auch 
über die Grenzen Frankreichs hinausgeführt, weil mir 
daran lag, den Nachweis zu liefern, daß die Ligurer der- 
einst fast im ganzen westlichen Europa verbreitet gewesen 
sind und daß sie vor allem ein erhebliches Gebiet von 
Frankreich, nicht nur im Süden^ sondern auch im Norden 
besessen haben. Sie sind die ältesten geschichtlich erreich- 
baren Vorfahren der heutigen Franzosen, und d'Arbois 
de Jubainville ist geneigt, ihnen einen ungleich bedeu- 
tenderen Anteil an der Blutmischung der Bevölkerung 
seines Landes beizumessen als den Galliern, die als Er- 
oberer und Herrenvolk im wesentlichen das Heer bildeten 
und die durch die langen und ungemein blutigen Kämpfe 
mit Cäsar zum großen Teil aufgerieben worden seien. 

Über den Namen der Ligurer sind zwei verschiedene 
Ansichten aufgestellt worden. Die eine setzt voraus, daß 
die Bezeichnung Aifvq, plur. Aiyueg den Bewohnern des 
Landes von den Griechen gegeben worden sei. Gr. Xitu«; 
bedeutet 'hell tönend, laut singend', und so nennt ein 
ßcholiast zu Plato die Ligurer ein edvo? |nou(TiKUJTaTOV.^ 
Es liegt auf der Hand, daß hier die zufällige Überein- 
stimmung des Volksnamens mit dem griechischen Adjektiv 
den Anlaß zu der Erklärung gegeben hat, die um so 
haltloser ist, als sonst kein einziger Autor die Ligurer als 

^ De glor. matyr. 92. 

^ Camille Jullian, Histoire de la Gaule I 111, Anm. 1, der 
zugleich mehrere Einwände gegen diese Etymologie vorbringt. 



EthnogrnphiMches. 17 

besonders rausikalisch veranlagt hinstellt. Für ein- 
heimischen Ursprung des Namens Ligures sprechen nach 
Müllenhoff' ein jyagus Ligirrus und die Ligauni bei Nizza. 

über Lebensweise, Körperbau und geistige Eigen- 
fichaften der Ligurer liefern uns die Alten ziemlich genaue 
Nachrichten, vor allem Diodor* und Strabo^ die beide 
den Bericht des Posidonius wiedergeben, dann Livius^ 
und Avienus. Danach bewohnen die Ligurer ein steiniges 
und durchaus unfruchtbares Land, das reich an Wäldern 
ist. Nur durch schweres Arbeiten und Steinebrechen ver- 
mögen sie dem Boden karge Ernten abzugewinnen, der 
Haupt.sache nach aber leben sie von Jagd und Vieh- 
zucht; als Holzhacker, Steinklopfer und Seeleute leisten 
sie Unglaubliches. Der schweren Arbeit entsprechend 
ist ihr Körperbau klein und schmächtig, aber sie sind 
•darum nicht schwach, sondern im Gegenteil sehnig, un- 
gemein leistungsfähig und ausdauernd. Nach Avienus ist 
•der Ligurer pernix^ und Livius schildert ihn als vorzüg- 
lichen Läufer und Bergsteiger. Weniger bewundernswert 
sind die Charaktereigenschaften, denn übereinstimmend 
nennen die Alten sie betrügerisch, raublustig, grausam, 
rachsüchtig, allerdings auch äußerst tapfer, vor keiner 
Gefahr zurückschreckend, kühn und wagemutig. Kultur 
scheinen sie gar nicht besessen zu haben, und ihre Woh- 
nungen waren elende Hütten auf den Bergen oder auch 
Höhlen im Innern der Berge. 

Wem kämen bei dieser Schilderung nicht gewisse 
Gest.ilten in den Sinn, die man allenthalben bis in Nord- 
deutschland beobachten kann, wo schwere Arbeiten zu 
verrichten sind, in Steinbrüchen, bei Bauten von Eisen- 
bahntunneln, Talsperren, Gebirgswegen; kleine Menschen 
von dunkler Gesichtsfarbe und ebensolchen Haaren, aber 
sehnig, gewandt und ausdauernd, dabei anspruchslos in 
Speise und Trank, lebhaft in ihren Bewegungen und in 

» D. A. III 188. — « IV 20; V 39. 

» III 165; IV 202; V 218. 

* XXXIX 2, 3; XL 17 und 27, 12. 

Gröhler, Froniöslscbe Ortsnamen. S 



18 Einleitung. 

der Rede, aufbrausend und jähzornig, wenn es zum Streite 
kommt, und dann schnell bereit, mit dem Messer auf 
den Gegner loszugehen? Es sind italienische Arbeiter und 
gewiß viele von ihnen aus der engeren Heimat der alten 
Ligurer, den Seealpen oder dem Apennin, direkte Nach- 
kommen derer, die ich eben geschildert habe. 

Ungleich wichtiger als diese Erwägungen aber ist für 
unsere Gesamtbetrachtung die Frage nach der Sprache 
der Ligurer. Denn der Gedanke, daß wir ihnen als lange 
angesessenen Bewohnern des heutigen Frankreichs auch 
eine Anzahl der aus alter Zeit überlieferten Ortsnamen 
werden zuschreiben müssen, ist nicht von der Hand zu 
weisen. Überall, wo die zunächst in Betracht kommenden 
indo-germanischen Sprachen, das Keltische, Lateinische^ 
Germanische, für die Erklärung der Ortsnamen versagen,, 
werden wir in erster Linie auf das Ligurische als mög- 
liche Quelle unser Augenmerk richten müssen. Leider 
stellt uns gerade dieser Umstand für einen nicht geringen 
Teil unserer etymologischen Untersuchungen einen durch- 
aus negativen Erfolg von vornherein in Aussicht; denn 
wir wissen von der ligurischen Sprache herzlich wenig: 
und sind vor allem nicht in der Lage, sie mit einiger 
Sicherheit als Verwandte einer der uns bekannten Sprachen 
anzugliedern. Jedenfalls wird bei diesem Punkte unsere- 
Darstellung noch einen Augenblick verweilen müssen. 

Alles, was wir von der ligurischen Sprache besitzen, 
sind eine größere Anzahl von Eigennamen, der Haupt- 
sache nach persönliche; daneben^ wie schon mehrfach be- 
rührt, geographische, kurz Worte, deren Deutung uns fast 
ganz verschlossen bleibt. Ein Appellativum aiYuvvai, nach 
Herodot I 9 bei den Ligurern in der Gegend von Massalia 
'Kaufleute' bezeichnend, bietet gar keinen Anhalt in einer 
der uns bekannten Sprachen; ebensowenig ein ßaXapoi, 
das die Korsen im Sinne von 'Flüchtlinge' gebrauchen 
sollen. Mehr Wert legt Müllenhofif^ dem ligurischen; 



1 D. A. III 191. 



EthnoftraphischM. 19 

Namen des Po, Bodinais (bei Polybius II 16, 12 Bööctko?) 
bei, von dem Plinius ^ nach dem Zeugnis des Metrodoras 
aus Skepsis angibt, daß sein Name fundo carens, also 'der 
Grundlose', bedeute. Der Verfasser der Altertumskunde 
lehnt den Stamm dieses Wortes an lat. fundus, ahd. bo- 
dan, nhd. Boden an, so daß also dem Suffix -ine eine pri- 
vative Bedeutung zukommen müßte, wozu wiederum die 
indogermanischen Sprachen nicht den geringsten Anhalt 
gewähren. Im ersten Bande seines Werkes' betont Müllen- 
hoff, daß die Ligurer, die Räter in Tirol und die Iberer 
in den Pyrenäen zu der vorarischen Urbevölkerung 
Europas gehörten, und Rödiger, der Herausgeber des 
dritten Bandes, warnt S. 193 f. Anm. *** ausdrücklich, 
«man lasse sich aus der wiederholten Hervorhebung der 
Momente, die das Ligurische zu einer arischen Sprache 
zu machen geeignet wären, nicht irreführen. Es ist der 
Müllenhoffschen, sich gern im Zickzack bewegenden Dar- 
stellungsweise vielfach eigen, das scheinbar Richtige zu- 
nächst ins Licht zu rücken, um es dann um so entschiedener 
als das Unrichtige zu verwerfen.» In ähnlichem Sinne 
spricht sich auch Hirt^ aus. 

Erst in jüngster Zeit haben zwei Gelehrte, d'Arbois 
de Jubainville in «Les Premiers Habitants de l'Europe» 
und Paul Kretschmer in dem Aufsatze «Die Inschriften 
von Omavasso und die ligurische Sprache»^ einen ent- 
gegengesetzten Standpunkt eingenommen. Die Schrift 
Kretschmers zeichnet sich zwar durch nüchterne Sach- 
lichkeit vor den manchmal recht gewagten Kombina- 
tionen d'Arbois' aus; doch hat auch sie nicht vermocht, 
mich von der Zugehörigkeit des Ligurischen zu den indo- 

» N. H. m 122. - * S. 86. — • Die ImioRermanen I 43 ff. 

* Kuhns Zs. für vgl. Sprach forschg. XXXVIII (1905) 97 ff. 
Auch G. Herbig scheint in seinem Aufsätze. «Keltoligurische 
Inschriften ans Giubiasco» im Anzeiger für schweizerische Alter- 
tumskunde (Nr. 4^, 1905/1906 S. 187 ff. geneigt, das Ligurische für 
indogermanisch zu halten; vgl. besonders die Bemerkung auf 
S. 197. 



20 Einleitung. 

germanischen Sprachen zu überzeugen. Auf der anderen 
Seite hat sich d'Arbois wenigstens durch die Zusammen- 
stellung der mit dem ligurischen Suffix -asco gebildeten 
Ortsnamen und die Abgrenzung des ligurischen Sprach- 
gebietes nach dem Vorkommen solcher Ortsnamen ein ent- 
schiedenes Verdienst erworben. Kretschmer stützt seine 
Untersuchungen zunächst und vor allem auf die ligurische 
Wurzel borm-, die sich, wie schon oben mitgeteilt, in einer 
ganzen Reihe zweifellos ligurischer Ortsnamen findet. Da 
sich an allen oder fast allen diesen Orten warme Quellen 
finden, so liegt es nahe, meint Kretschmer, borm- mit 
deutschem tvarm zusammenzustellen, das selbst zu idgerm. 
g^horm 'warm' gehört, skr. gJiarmds "^Glut', apreuß. gorme 
"^Hitze', \a.t.formus, gr. depjuo^Svarm'. Gerade dieser Stamm 
diene im gr. -^epiud und phryg. feppiX] /ep|uai zur Bezeich- 
nung warmer Bäder^ und so sei durch die obige Reihe «ein 
Wahrscheinlichkeitsbeweis» für den indogermanischen Cha- 
rakter des Ligurischen erbracht. Hiergegen ist einzuwenden, 
daß die von K. vorausgesetzte Bedeutung borm ■= warm 
durchaus nicht nachgewiesen ist. Einmal besitzen gar 
nicht alle Orte dieses Namens warme Quellen, sie lassen 
sich weder für Lucus Bormani noch für Borbetomagus = 
Worms beweisen; das heutige Saint-Vulbas (Ain) soll 
früher Saint-Bourbatz geheißen haben (nach Holder), es 
besitzt jetzt noch Quellen, aber nur kalte, und doch ist 
auch hier eine Gottheit Bormana verehrt worden, wie eine 
Inschrift bei Allmer beweist. Sodann will auch für den 
Flußnamen Bormido in Ligurien die Bedeutung 'warmer 
Fluß' nicht recht passen. Die Römer würden vermutlich 
alle jene Orte mit dem Namen Aquae bezeichnet haben^ 
und einer derselben, Bourbon-Lancy, führt tatsächlich 
den Namen Äqtiae Bormonis in der Tab. Peut. Nichts 
ist also natürlicher, als auch für borm eine ähnliche Be- 
deutung anzunehmen. Das Naturvolk der Ligurer hatte 
auch einen Naturkult; Quellen, die durch Wasserreichtum 
oder durch ihre heiße Temperatur oder durch mineralische 
Beimischungen vor anderen ausgezeichnet waren, schienen 



Ethnofrraphischea. 21 

den Göttern heilig, und so bedeutet borm nichts weiter 
als 'die Quelle', spezifisch 'die heilige Quelle', und die 
dort vorehrte Gottheit erhielt den Namen Bormanus 'der 
Quellgott', der übrigens oft mit Apollo direkt identifiziert 
wird. Auf der Annahme, daß borm 'warm' bedeute, be- 
ruht aber die ganze Beweisführung Kretschmers; wenig- 
stens ist eine andere Übereinstimmung, die er mit dem 
Indogermanischen findet, nämlich die Ähnlichkeit der 
Suffixe, noch viel weniger ausreichend. Auf dem wich- 
tigsten Gebiete, dem der Bedeutung, werden wir eben ganz 
im Stich gelassen, denn auch ein Begriff wie alb-, das allem 
Anschein nach Stadt' bezeichnet, steht ohne Anklänge 
da. So wird man selbst das vorsichtige Urteil, das 
Kretschmer in dieser ganzen Angelegenheit fällt, nicht 
unterschreiben können. Sicherlich ist es uns nicht erlaubt, 
und das ist die wichtigste praktische Folgerung, die wir 
aus der ganzen Erörterung ziehen dürfen, zur Erklärung 
der Ortsnamen, die mit größerer oder geringerer Wahr- 
scheinlichkeit dem Ligurischen zugewiesen werden müssen, 
die indogermanischen Sprachen heranzuziehen. 

Zur Zeit der Eroberung Galliens durch Cäsar ist die 
Erinnerung an die Ligurer als frühere Bewohner des Landes 
bei der lebenden Generation so gut wie ganz geschwunden. 
Cäsar erwähnt sie nicht einmal. Ihre endgültige Unter- 
werfung auf italienischem Boden, wo sie ihre Selbständigkeit 
am längsten bewahrten, erfolgte im Jahre 14 v. Chr.^ Ihr 
Name lebt, wie mir scheinen will, außer in den oben er- 
wähnten Ortsbezeichnungen noch heute in dem sprachlich viel 
umstrittenen Golfe du Lion, dessen ursprüngliche, von den 
massaliotischen Griechen herrührende Benennung *köXtto5 
TU)V AiYuujv gelautet haben muß. Diese mag Jahrhunderte 
lang eine rein lokale Verwendung gehabt haben, die zum all- 
gemeinen Gebrauche, besonders auch bei den geographischen 
Schriftstellern des Altertums und des Mittelalters nicht 
durchdringen konnte, da ja als Ligurisches Meer, Mare 

' Nissen, Italische Yolkskonde II 32. 



22 Einleitung. 

Ligusticum, von alters her der Meerbusen von Genua galt, 
während für jenen die Bezeichnungen KeXriKÖq KoXTroq, 
auch |Vlacrö"aXiujTiKÖ(; KÖXiTog, lat. Sinus Gallicus oder wohl 
auch Mare Graecum im Gebrauch war. Der moderne 
Name scheint zuerst im 13. Jahrhundert bei Guillaume 
de Nangis vorzukommen, der ihn aber als mare Leonis 
auffaßt und dies durch die Stürme deutet, die jenes Meer 
häufig heimsuchen. 

B. Die Iberer. 

Die Ligurer sind nicht die einzigen, die vor dem 
Eindringen der Gallier das heutige Frankreich bewohnt 
haben. Als ihre westlichen Nachbarn werden, bis an den 
Atlantischen Ozean reichend, die Iberer genannt.^ Die 
auf altehrwürdiger Quelle beruhende Ora maritima gibt 
uns vv. 608 — 610 als Grenzfluß, der sie von den östlich 
anstoßenden Ligurern scheidet, den Oranus an: 

huius alveo 
Hibera tellus atque Ligyes asperi 
Intersecantur. 

Nach MüUenhoff^ wäre Oranus der alte Name des 
Lez bei Montpellier, eines Flüßchens, das freilich nicht 
geeignet war, zwei rivalisierende Völker dauernd von- 
einander zu scheiden, so daß es nicht wunder nehmen 
kann, wenn in den nächstjüngeren Quellen als Grenzfluß 
die Rhone auftritt und daß Scylax im heutigen Languedoc 
AiTue? Ktti "Ißripei; juiYciöeg, d. h. eine aus Iberern und Li- 
gurern gemischte Bevölkerung kennt. Die Ligurer reichten 
in früherer Zeit sicher bis an die Pyrenäen und wurden 
aus ihren Wohnsitzen hier eben durch die Iberer ver- 



1 C. Jullian glaubt aus einzelnen Stellen des Periplus von 
Avienus den Schluß ziehen zu müssen, daß die Kelten schon in 
Gallien festen Fuß gefaßt hatten, als die Iberer, von Spanien 
kommend, sich auf der Nordseite der Pyrenäen niederließen. 
Hist. de la Gaule I 255 f. 

2 D. A. I 190f. 



EthnograpbiHche«. 28 

drängt.^ Daß Iberer die ganze Mittelmeerküste bis 
zu den Pyrenäen inne hatten, wird aus den den 
obigen vorangehenden Versen der Ora maritima ersieht 
lieh; und dies ist nur ihr Besitzstand im Norden 
dieses Gebirges, im Süden reichen sie nach derselben 
Quelle mindestens bis zum Flusse Sicanus, dem heu- 
tigen .Tucar. Auch das ganze Gebiet zwischen Pyrenäen 
und Garonne war von iberischen Völkerschaften be- 
wohnt. Ob wirklich, wieLuchaire*, hauptsächlich aus sprach- 
lichen Gründen, annimmt, einzelne Stämme, wie die 
Vasates, Garumni und Consoranni, in alter Zeit auf dem 
rechten Ufer der Garonne gesessen haben, mag dahin- 
gestellt bleiben ; Ortsnamen deuten in dieser Gegend nicht 
mehr auf sie. Mit der Eroberung Galliens durch Cäsar 
schwand die iberische Sprache und das iberische Volkstum 
um so schneller dahin, als es schon vorher durch den 
Einfluß des benachbarten Keltentums, ja durch die Unter- 
werfung der Iberer seitens der Gallier eine erhebliche Ein- 
buße erlitten hatte. Charakteristisch hierfür ist die Aus- 
drucksweise Strabos^ wenn er versichert: «Die Aquitanier 
unterscheiden sich von den gallischen Stämmen ebenso- 
sehr in der Körperbildung wie in der Sprache, gleichen 
mehr den Iberern (d. h. also den jenseits der Pyrenäen 
wohnenden, noch nicht gallisierien); sie werden durch 
den Garonnefluß begrenzt und wohnen zwischen diesem 
und den Pyrenäen». Als Ostgrenze der aquitanischen 
Völkerschaften (im engeren Sinne) gibt er das Ende des 
Cevennengebirges bis zu den Tectosagen an. Unter der 
römischen Herrschaft wurde das iberische Element noch 
weiter zurückgedrängt, und heute würde wahrscheinlich 
kaum eine deutlichere Spur von ihm in Frankreich vor- 
handen sein als von den Galliern, wenn nicht im sechsten 
Jahrhundert die iberischen Vascones von der Südseite der 

' Uirschfehi, Aqaitanien in der Römerzeit, in SitsuDgsbe- 
richte der Konigl. Preuß. Akademie d. Wissenschaften, Berlin 
1896, S. 446. 

» Origines und Idiomes 18. — » IV 189. 



24 Einleitung. 

Pyrenäen herübergekommen wären und in den gebirgigen 
Teilen des Nordabhanges sich niedergelassen hätten, wo 
sie als Basken in freilich immer geringer werdender Zahl 
ihre eigenartige Sprache und einen Teil ihrer Sitten bis 
auf die Gegenwart bewahrt haben. ^ Nach ihnen 
erhält ein Stück des bisher als Äquitania bezeichneten 
Gebietes den iberisch-lateinischen Namen Vasconia, wor- 
aus, den Lautgesetzen entsprechend, afrz. Guascoigne, 
nfrz. Gascogne wurde. Äquitania, der Name für das 
gesamte Gebiet zwischen Pyrenäen und Garonne, der 
allerdings in der augusteischen Einteilung der Provinz 
Gallien den fünfmal größeren Bezirk zwischen Pyrenäen 
und Loire umfaßt, ist noch nicht in befriedigender Weise 
gedeutet worden; man kann nicht einmal mit Sicherheit 
angeben, ob das Wort iberischen oder ligurischen Ur- 
sprungs ist. Die romanisierte Form Aquitaine für das 
bis zum 13. Jahrhundert bestehende Herzogtum Aqui- 
tanien ist eine gelehrte Bildung, von der die volkstüm- 
liche zu trennen ist. Diese hätte nach südfranzösischen 
Lautgesetzen Äidaigne ergeben müssen, das auch wirklich 
als Name eines kleinen Gebietes, des Val d'Aidaigne, 
entstellt Val-de-Daigne, südöstlich von Carcassonne 
existiert. Andererseits entwickelte sich Äquitania mit vor- 
gesetztem Artikel zu la Guyenne, indem man in ■"'Laqui- 
tania die Anlautsilbe la für den Artikel hielt und *La 
Quitania trennte, dessen Hauptteil sich dann selbständig 
weiter bildete und südfrz. Guyana, nordfrz. Guyenne 
ergab (vgl. la Pouille aus Apulia, ma mie aus m'amie). 

C. Die Phönizier. 

Zwei Völker haben als Kolonisten schon im frühen 
Altertum die Mittelmeerküste besiedelt und auch in Frank- 



* So nehmen wenigstens die meisten der neueren Forscher 
an; der Hauptvertreter einer gegenteiligen Meinung ist J. Vinson, 
dessen Verdienste um die Erforschung des Baskischen darum 
nicht geringer sind. Vgl. von ihm La Langue ou les langues 
ib^riennes in Revue de Linguistique XL 1 — 23. Vgl. auch 
Schuchardt in Sitzungsber. der Kaiser]. Akademie. 157. Bd., S. 9S, 



Ethnographisches. 2S 

reich Spuren ihres Verweilens hinterlassen: die Phönizier 
und die Griechen. Tyrische und karthagische Kaufleute 
dehnten ihre Handelsbeziehungen auf alle Länder aus, 
die vom inneren Meere bespült wurden, und die schmale 
Meerenge, die bei den Säulen des Herkules Afrika von 
Europa trennte, war für die kühnen Seefahrer ja sogar 
der Ausgangspunkt zu Küatenfahrtcn im Atlantischen 
Ozean, die sich bis auf das zinnliefernde Britannien und 
die nordischen Meere mit ihren Bernsteinschätzen er- 
streckten. Da lag es wohl nahe, daß sie auch mit der 
Iberischen Halbinsel Handelsbeziehungen anknüpften, zu- 
mal da sich hier in verschiedenen Teilen edle Metalle 
fanden, nicht am wenigsten am Nordrande, in den Pyre- 
näen. So teilt uns denn auch Strabo, auf alte Quellen 
gestützt, mit, daß die Phönizier vor den Zeiten Homers 
den besten Teil Iberiens besaßen und Herren dieser 
Gegenden blieben, bis die Römer ihrer Herrschaft ein 
Endo machten.^ Vor allem war die ganze Ostküste 
von Spanien mit phönizischen Kolonien bedeckt, und 
hier, um Sagunt und Numantia, entspann sich ja 
der letzte Teil des Kampfes zwischen Karthagern und 
Römern um die Herrschaft im Mittelmeere. 

Weniger lebhaft als mit Spanien waren die Be- 
ziehungen der Phönizier mit dem südlichen Frankreich; 
oder vielleicht waren sie von hier schon verdrängt, als 
die ersten Geschichtschreiber Nachrichten über diese der 
griechischen Kulturwelt so entrückten Gegenden zu sam- 
meln begannen. 2 Der um 470 vor Chr. entstandene Peri- 
plus, auf dem Aviens Ora maritima beruht, rührt viel- 
leicht von einem Phönizier her, und gerade er führt uns 
bis nach Massalia, was auch darauf hindeutet, daß die Küste 
mindestens bis dorthin den afrikanischen Seefahrern wohl 
bekannt war. Endlich führt eine kleine Insel in der Nähe 



» III 150. 

'^ In ähnlicher Weise spricht eich auch Meltzer, Geschichte 
der Karthager I 84 und 150 aus. 



26 Einleitung. 

der heutigen Lerines nach PHnius ^ den Namen Phoenice. 
Daß dieses noch nicht die äußerste Grenze ihres Vor- 
dringens war, erkennen wir außer in anderen direkten 
Zeugnissen doch wohl auch aus dem Namen des Portus 
Herculis Monoeci^, jetzt Monaco, dessen zweiter Teil ganz 
offenbar nur ein von massaliotischen Griechen zurechtge- 
stutztes phönizisches Wort war. Ammian^ weiß zu melden, 
daß der Ort von Herakles angelegt worden ist, was mindestens 
auf sein Bestehen lange vor der Ankunft der Griechen hin- 
deutet. Allenthalben begegnen wir dem Namen des He- 
rakles ebenso wie dem der Venus (vgl. Portus Veneris, jetzt 
Port-Vendres) in den phönizischen Gründungen der 
Mittelmeerküste. Beide stellen uns nur in griechisch- 
lateinischem Gewände den Kult des Melkart und der 
Astarte dar, der in den Ortsnamen seinen Ausdruck 
findet. Ohne eine Kenntnis dieser Gegenden würden 
wohl auch Hannibal und später Hasdrubal ihre kühnen 
Züge durch Südgallien über die Alpen nach Italien nicht 
unternommen haben. Einen erheblichen Niederschlag in 
Ortsnamen hat allerdings diese phönizische Herrschaft 
nicht gefunden, einmal, weil die Zahl der hier gegründeten 
Emporien wohl nicht gerade bedeutend war, dann auch, 
weil die vorhandenen entweder untergegangen sind — He- 
raclea Caccabaria, Segesta TiguUiorum? — oder ihren Namen 
aufgegeben beziehungsweise in einer den neuen Verhält- 
nissen angepaßten Form erbalten haben, wie in den beiden 
eben angegebenen Beispielen. 

D. Die Griechen. 

Als Nebenbuhler der Phönizier treten auch in diesem 
Teile des Mittelmeeres frühzeitig die Griechen auf, be- 
sonders seit jene durch mächtige Nachbarn, zuerst die 
Assyrier, später die Babylonier, eines Teiles ihrer Macht 
beraubt worden sind. Ende des sechsten Jahrhunderts 
hatte der Großkönig Cyrus sich Kleinasien unterworfen 

' III 5, 79. - 2 Plinius HI 47. Strabo IV 201 f. — ^ XV 10. 



Ethnograpbisdies. 27 

und damit auch der Selbständigkeit der dortigen grie- 
chischen Kolonien ein Ende gemacht. Die jonischen Ein- 
wohner von Phocüa verließen nunmehr ihre Heimat und 
gründeten, dem Beispiele anderer Griechen folgend, die 
schon früher sich in Unteritalien und Sizilien angesiedelt 
hatten, im Jahre 600 auf ligurischem Gebiete die Kolonie 
Massalia oder Massilia.' 

Die Versuche, den Namen aus dem Griechischen zu 
erklären, haben zu keinem befriedigenden Ergebnisse ge- 
führt. Wir werden vieiraehr annehmen müssen, daß die 
Kolonisten sich an einem schon bestehenden Orte ver- 
mutlich ligurischen Ursprungs niederließen, dessen Namen 
sie beibehielten, allerdings mit entsprechender Anpassung 
an ihre eigene Sprache und den daraus folgenden pho- 
netischen Änderungen. Die neue Gründung blühte schnell 
empor und wurde die Mutterstadt von zahlreichen an- 
deren Siedlungen im unteren Rhonegebiet und an der 
ganzen Küste. Nach Osten zeigen die griechischen Orte- 
namen AthenopoUsy Antij)olis (Antibes), Nicaea (Nice, Nizza), 
Monoikos (Monaco) die Ausdehnung des massaliotischen 
Einflusses; nach Westen sind Agathe (Agde) und Leucate 
nur die äußersten Gründungen diesseits der Pyrenäen; in 
Spanien weisen Emponon (Ampurias), Hemeroscopium, "AKpa 
XeuKrj (Alicante) auf Massalia hin, und Mainake nahe 
beim heutigen Malaga wird von mehreren Autoren als 
die letzte aller Griechenstädte bezeichnet; landeinwärts 
endlich scheint Theline, das spätere gallische Arelate (Arles), 
der nördlichste Punkt gewesen zu sein.* Mancherlei Kämpfe 
hatten die Phocäer zu bestehen, zuerst mit den umwoh- 
nenden Ligurerstämmen , die auf die wachsende Macht 
der Kolonie neidisch waren', dann mit den Etruskern 

» Justin XLIII 3. 

' Eine umfassende Aufzeichnung aller massaliotischen Ko> 
lonien gibt Detlev Wilsdorf, Beitrage zur Ueschichte von Mar- 
seille im Altertum. Programm des Gymnasiums zu Zwickau, 
1889, 9ff. Über die älteste Periode der Geschichte der Stadt 
Müllenhoff D. A. 1177 ff. 

» Justin XLIII 8. 



28 Einleitung. 

und den auf ihren blühenden Handel eifersüchtigen Kar- 
thagern; doch blieben sie stets Sieger, und als später die 
Gallier immer weiter nach Süden vordrangen;, stellten sich 
diese der überlegenen griechischen Kultur nicht feindlich 
entgegen, sondern zogen es vor, die mächtige Stadt als 
Bundesgenossen zu gewinnen. Als Zeit der höchsten Blüte 
Massalias sieht man das Jahr 400 vor Chr. an, ohne daß- 
jedoch in den folgenden Jahrhunderten an einen er- 
heblichen Rückgang seiner Bedeutung gedacht werden 
darf. Vielmehr nimmt Mommsen^ an, daß noch kurz 
vor dem Erscheinen Cäsars, als Narbo schon römische 
Provinz war, der Stadt Massalia das Küstengebiet etwa 
von Montpellier bis Nizza und das Rhonebecken bis 
nach Avignon hinauf gehört habe. Ihre Selbständigkeit, 
die lange sogar die Römer nicht anzutasten wagten, endet 
erst mit den Bürgerkriegen, wo 49 Cäsar die pompejanisch 
gesinnte Stadt einnimmt; doch auch jetzt noch achtet er 
ihren berühmten Namen und ihr ehrwürdiges Alter und 
liefert sie nicht den Soldaten zur Plünderung aus.^ Und 
ist auch ihre Freiheit für immer vernichtet, so bleibt 
ihr Kultureinfluß weiter bestehen; sie ist bis ins Mittel- 
alter hinein «für Gallien, was Neapolis für Italien: das- 
Zentrum griechischer Bildung und griechischer Lehre». 

E. Die Gallier. 

Ungleich wichtiger als alle die vorher genannten Be- 
sitzer und Bewohner des Landes vor dem Eindringen der 
Römer sind, wenigstens für die Ortsnamenkunde, die 
Gallier. Sie stellen den Hauptzweig der zum indogerma- 
nischen Sprachstamme gehörigen Kelten dar, als deren Wohn- 
sitz vor der Spaltung in verschiedene Volks- und Sprach- 
glieder sich ganz allgemein die Gebiete östlich des Rheines 
bezeichnen lassen. Über die genauere Lage dieser Gebiete 



' Eöm. Gesch. V'*?!; vgl. auch Nissen, ItaliEche Landes- 
kunde II 138. 

2 Bell. civ. III 22. 



Ethnographisches. 29 

«ind zwei Anaich ten in Geltung: nach der einen, die durch 
■die ältesten Quellen wahrscheinlich gemacht wird, hätten 
wir die späteren Wohnsitze der Friesen und Juten als das 
Stammland der Kelten zu betrachten.^ Die Mehrzahl der 
neueren Forscher aber verlegt es in das Becken des Mains 
•und der oberen Donau.' Ihr Vordringen über den Rhein 
setzt d'Arbois etwa um das Jahr 600 vor unserer Zeitrech- 
nung an, Jullian etwa 100 Jahre später. Noch früher, 
vielleicht schon in vorhomerischer Zeit, wären einzelne 
Schwärme nach den Britischen Inseln übergesetzt, wo wir 
sie ja in historischer Zeit als die unumschränkten Herren 
des Bodens antreffen, freilich in ihrer Sprache von den 
Festlandkelten schon verschieden. Die Ursache der Aus- 
wanderung waren, ähnlich wie bei späteren Zügen der 
<3allier oder Germanen, teils Übervölkerung, teils das 
Drängen feindlicher Nachbarstämme, mitunter auch, wie 
alte Autoren ausdrücklich versichern, bei den an der 
See Wohnenden verheerende Sturmfluten. Kriegstüchtige 
Scharen, mehrere Hunderttausend Mann stark, zogen zu 
wiederholten Malen über den Niederrhein und besetzten, 
die wahrscheinlich ligurische Bevölkerung vor sich her- 
treibend oder unterwerfend, zuerst die südlichen Nieder- 
lande und Belgien, später, immer weiter vordringend, zwei 
Drittel des heutigen Fi-ankreichs, den ganzen Norden und 
den Westen, während das Becken der Rhone sowie die 
im Oberlauf der Seine und Loire gelegenen gebirgigen 
Landschaften zunächst von ihnen verschont blieben. 
Jullian^ nimmt an, daß die Einwanderer die weniger 
günstigen nördlichen und nordwestlichen Gebiete nach 



* Diese Ansicht vertritt von deutschen Gelehrten Marcks, 
Bonner Jahrbücher, Hd. 95, S. 86, und mit einigen Modidkationen 
Müllenhoff, D. A. II 227 ff., der als Südgrenze der keltischen Ur- 
heimat etwa die Mainlinie, als östliche die Weser ansieht; von 
franeösischen C. Jullian. Histoire de la Gaule I 227 ff. 

' So K. Zeuß, Die Deutschen 185 ff., und Niese in Pauly- 
Wiasowa, Keal-En7.vklopftdie VII 612 ff. 

• A. a. O. I 245. 



30 Einleitung, 

kurzem Aufenthalte wieder aufgegeben haben, daß sie 
weiter nach Süden vorrückten und daß die vorher 
vertriebenen Ligurer wieder in ihre alten Wohnsitze 
einzogen. Aber das Bedürfnis, sich weiter auszubreiten, 
machte sich bei den Eroberern immer von neuem wieder 
geltend und führte in den beiden folgenden Jahrhunderten 
dazu, daß das ganze Land, das Cäsar uns als Gallia vor- 
führt, in den Besitz gallischer Stämme überging. Bald 
wurden auch diese Grenzen zu eng: man überschritt die 
Pyrenäen im Süden, die Alpen im Osten, und schließlich 
zitterte sogar Rom vor den kühnen Scharen des Heerführers- 
Brennus. Ungefähr um dieselbe Zeit zog ein anderer 
Haufe das Donautal abwärts und begründete zuerst in 
Böhmen, später noch weiter im Osten seine Herrschaft. 
Seit dem Jahre 279 finden wir Gallier oder Galater plün- 
dernd in Griechenland, und bald darauf gründeten sie 
sogar ein Reich in Kleinasien, klassische Zeugnisse nicht 
bloß ihres Wandertriebes, sondern auch einer helden- 
mütigen Widerstandskraft, die keine andere Furcht kannte, 
als daß einmal der Himmel auf sie herabstürzen könnte.^ 
Einzelne Stämme mochten die Kelten schon in 
ihren rechtsrheinischen Wohnsitzen bilden, und stamm- 
weise, manchmal auch mehrere Völkerschaften zu einer 
stärkeren Heeresschar verbunden, zogen sie vermutlich 
zu verschiedenen Zeiten in das neue Gebiet ein. Sprache, 
Religion und Sitten waren das einigende Band, und 
einzelne hervorragende Persönlichkeiten vermochten auch 
eine Reihe von Staaten in einer Hand zu vereinigen 
und mittels dieser eine Herrschaft über ganz Gallien 
auszuüben, bis unter ihren schwachen Nachfolgern diese 
Führerschaft verloren ging und einer anderen Raum 
schuf. Auf solche Verhältnisse deutet der Äduer Divi- 
ciacus in der Rede hin, die er vor Cäsar hält^, und der 



> Strabo III 302. 

^ B. G. I 31, 3: Galliae totius factiones esse duas: harutn alte- 
rius principatum teuere Aeduos, alterius Arvernos. Hi cum tan- 
topere de potentatu int er se multos annos contenderent , factum 
esse etc. 



KthnographiBches. 81 

Helvetier Orgetorix ist gerade im Begriff, einen solchen 
Handatreich ins Werk zu setzen, als er durch Cäsars 
Erscheinen daran gehindert wird.' Zur Zeit, als Hannibal 
seinen Zug durch das südliche Gallien nach Italien unter- 
nimmt, beherrschten die Arverner ganz Gallien, und noch 
früher, etwa 400 Jahre vor unserer Zeitrechnung, soll ein 
halb sagenhafter König Ambigatus oder Ambicatus, dem 
Stamme der Bituriger angehörig, alle Kelten unter seiner 
Herrschaft vereinigt haben.' 

Viel erörtert und viel umstritten ist die Bedeutung 
von Cäsars Einteilung der Bevölkerung in die bekannten 
drei Teile der Aquitani^ Belgae und Celtae oder Galli, die 
unter sich durch die Garonne im Süden und die Seine und 
Marne im Norden getrennt sind. Die Verschiedenheit der 
Sprache, von der der Verfasser der Kommentare spricht, 
kann zur Zeit der Eroberung, was die Belgier und die 
eigentlichen Gallier betrifft, nur auf dialektliche Abwei- 
chungen beschränkt gewesen sein, denn die große Mehr- 
zahl der belgischen Volks-, Orts- und Personennamen 
stimmt mit denen der Celtica überein; bedeutender mag 
der Unterschied in den Gesetzen und Bräuchen, vielleicht 
auch in der Siedelung und der damit zusammenhängenden 
Lebensführung gewesen sein. Die Belgier waren später 
als die übrigen Gallier über den Rhein gekommen, ein- 
zelne Germanenhaufen waren ihnen nachgerückt, und die 
innige Berührung mit germanischer Sprache und ger- 
manischem Wesen konnte nicht ohne Einfluß bleiben, 
wenn man auch annehmen darf, daß die von ihrem 
Hauptkörper getrennten Germanen allmählich sich ihrer 
Nationalität und Eigenart entäußerten. Wenn jedoch 
Cäsar erkundet hat, daß die meisten Belgier von den 
Germanen abstammten ^ so sieht die heutige Forschung 
diese Tradition als bloße Ruhmredigkeit der Belgier 

» B. G. I 2,1. 

> Livius V 34, der allerdings irrtümlich Ambigatas in die 
Zeit des Tarquinius Priscas versetzt. 
» B. G. II 4, 1. 



32 Einleitung. 

an, und nur die Condrusi, Eburones, Caeroesi, Paemani 
werden von einzelnen, der Mitteilung Cäsars ent- 
sprechend, noch als frühere Germanen angesehen.^ 
Etwas anders lagen die Verhältnisse bei den Aquitaniern 
zwischen Garonne und Pyrenäen. Ihr Land war ursprüng- 
lich von Ligurern und Iberern, zwei von den Galliern in 
jeder, besonders aber in sprachlicher Hinsicht ganz we- 
sentlich verschiedenen Volksstämraen, bewohnt. Wann 
diese von den Herren des Landes unterworfen worden 
sind, wissen wir nicht; doch bestätigen fast die Ver- 
hältnisse der Gegenwart noch das Urteil, das Strabo^ über 
sie fällt, wenn er sagt: «Die Aquitanier, nicht nur der 
Sprache nach, sondern auch im Körperbau durchaus ab- 
weichend, gleichen eher den Iberern als den Galliern». 
■Genaueres ist über diesen Punkt schon oben ausgeführt 
worden. Das rein gallische Element, in dem nach Sprache, 
Religion und Sitten die ursprüngliche Bevölkerung des 
Landes zu Cäsars Zeiten völlig aufgegangen war, stellen 
die Bewohner der mittleren Gegenden dar, die in ihrer 
eigenen Sprache Kelten, von den Römern Gallier genannt 
werden. 

Name. Die Bezeichnung Galli ist verhältnismäßig 
spät nachzuweisen. Die älteren griechischen Schriftsteller 
gebrauchen ausschließlich die Form KeXxai und häufiger 
KeXxoi, die nach d'Arbois de Jubainville^ zuerst bei 
dem Geographen Hecataeus von Milet, um 500 vor 
Chr., auftaucht; ihm entspricht lat. Geltae. Das Land 
heißt KeXiiKri (sc. Y}hpa). Entgegen der Annahme mancher 
Gelehrten ist Gelta entschieden als keltisches Wort anzu- 
sehen; im Gallischen existiert ein Personenname GeltiUus, 
der eine Diminutivform des Volksnamens darstellt. Celtae 



^ Zeuß, Die Deutschen 186 ff"., der aber 212 Anm. auch die 
genannten vier Namen ebenso wie das Wort Germani als höchst 
wahrscheinlich keltische zu erkennen meint. 

2 IV 176. 

3 Prem. Hab. II 3940".; über denselben Gegenstand auch 
Dottin, Manuel pour gervir ä l'etude de l'Antiquit^ Celtique 11 ff". 



Kthnc^aphisches. 88 

bedeutet nach Glück *die Erhabenen, Hervorragenden*, 
zu einer Wurzel cel gehörig, die im lateinischen Verbuni 
ex-cellere und im Adj. celsvs 'hoch, erhaben', lit. Mta 'ge- 
hoben' erhalten ist. Rhys lehnt es dagegen an alts. 
altengl. hild 'Kampf an, so daß Celtae 'die Krieger' be- 
zeichnete. Während KeXxoi usw. die Gesamtheit der zum 
keltischen Sprachstamme gehörigen Völkerschaften umfaßt, 
verwenden die Römer den Ländernamen Qallia zur Be- 
nennung ihrer unmittelbaren Nachbarn, zunächst in Ober- 
itnlien. In diesem Sinne kommt es zuerst in der be- 
rühmten Stelle der Origines des Cato vor: Qallia duas res 
industriosissime persequitur, rem militarem et argute loqui. Im 
Namen der provincia Gallia Narbonensis wird es wenigstens 
für einen Teil, seit Cäsar für das gesamte jenseits der 
Alpen gelegene Keltenland verwendet; erst vom Länder- 
namen scheint der Volksname Gallvs abgeleitet zu sein. 
Eine Fortbildung des Stammes gall- dürfte in faXctTri?, 
plur. faXdiai vorliegen, wie bei den griechischen Schrift- 
stellern die 279 in Macedonien einfallenden Keltenscharen 
heißen, die unter demselben Namen dann in Kleinasien 
einen eigenen Staat gründen. Die Wurzel gal- oder gall- 
findet sich im air. gal 'Tapferkeit', ky. gail 'Mord', gäl. 
gal 'Schlacht', so daß Oalli also 'die Tapferen' oder 'die 
Krieger* bedeutet. Lat. Oallia ist nach dem Einfalle der 
Franken allmählich aus der Volkssprache ausgeschieden 
und später als gelehrtes Wort in der Form Gaule wieder 
eingeführt worden ^; es lebt aber als Ortsbezeichnung in 
der lautlich regelmäßigen Form Jaille (s. u.). 

Weniger gesichert erscheint die Etymologie von Belga. 
Zeuß* stellt es zweifelnd zu dem keltischen Eigennamen 
BoXTioq; B6Xyio<; heißt bei Pausanias^ Be/^tw« bei Justin* 
ein galHscher Heerführer. Man knüpft es an die Wurzel 
bhelgh- 'schwellen' an, vgl. got. balg-s, nhd. Balg, lat. /ollis 
'Schlauch, Beutel', air. bolg 'Sack'; lat. bttlga ist ein Lehn- 
wort aus dem Gallischen. Die Bedeutung wäre 'die Auf- 

» Gröhlor, Gall. Volksnamen 44. — » Gr. Cell. 140. 
» X 19. - « XXIV 5. 
Gröhler, Frnntösiscbe Ortsnamen. S 



34 Einleitung. 

geblasenen, die Stolzen'. Bei Cäsar kommt neben dem 
Volksnamen Belga auch einige Male Belgium 7A\y Bezeichnung 
des Landes vor^; doch schwindet dieses bald und wird 
frühzeitig durch das Adjektiv Belgica (sc. provincia) ersetzt, 
das rein substantivisch gebraucht schon bei Tacitus^ be- 
gegnet; aus ihm ist nfrz. la Belgique entlehnt.^ 

Körperbau, Charakter, Volkstum.* Die Gallier 
waren nach der übereinstimmenden Schilderung 
der Alten, die durch noch vorhandene Skulpturen 
bestätigt werden, schöne Menschen von hohem Körper- 
bau, heller Hautfarbe, blauen Augen und blonden, wal- 
lenden Haaren. Sie waren äußerst kriegerisch und im 
Kampfe ungemein tapfer, aber mehr ungestüm beim ersten 
Angriffe als ausdauernd bei fortgesetztem Widerstände. 
Überhaupt fehlte ihnen jene Zähigkeit, die die scheinbar 
viel schwächlicher gebauten Ligurer in so hohem Maße 
besaßen. Andere Fehler, die an ihnen hervorgehoben 
werden, sind Eitelkeit, Schwatzhaftigkeit, Streitsucht, 
mangelnder Sinn für Gehorsam und Unterordnung. 

Zu Cäsars Zeit befand sich das gesamte gallische 
Gebiet in der Hand von 60 bis 64 Völkerschaften, civi- 
tates, von denen einzelne wohlklingende, ja sogar prahle- 
rische Namen führen : Bemi = primi 'die Ersten', Bitu- 
riges 'die Weltkönige', Caiuvellauni "^die Kampftüchtigen' 
usw., während andere nach ihren Wohnsitzen bezeichnet 
werden: Mediomatrici 'die an der Matara (jetzt Moder) 
Wohnenden', Allobroges "die auf anderer (d. h. einst ligu- 
gurischer) Mark Wohnenden'. Jeder Volksstamm zerfiel 
in mehrere, durchschnittlich vier bis fünf Gaue oder pagi. 
Wenn Plutarch von 300, Josephus von 305, Appian gar 
von 400 t^vr\ oder Völkerschaften der Gallier spricht ^ 

1 ß. G. V 12 und 25; VIII 46 und 54. 

2 Ann. XIII 53. — ^ Gröhler, Gall. Volksnamen 46. 

< Caesar, Bellum Gallicum. D'Arbois de Jubainville, La 
Gaule au moment de la conquete romaine in Kevue celtique 
VIII 208 flf. JuUian, Histoire de la Gaule 1338 ff. Dottin, Manuel 
pour servir ä l'ötude de l'Antiquit^ Celtique 111 ff. 

* D'Arbois, Recherches 8, Anm. 4. 



KthnoKraphiHcbeB. 85 

80 können darunter nur die von Cäsar oft erwähnten pagi 
zu verstehen sein. Jeder Gau endlich umfaßte eine An 
zahl befestigter Orte, Städte, oppida, ferner Dörfer, tn'ci, 
und Einzelgehöfte oder aedificia. Die civitas Helvetiorum 
z. B. bestand aus vier paffi, von denen zwei, der pagus 
IHgurinus und der pagus Verbigentts, dem Namen nach 
bekannt sind; sie enthielt insgesamt 12 oppida, ungefähr 
400 vici und eine unbekannte Anzahl acrfZ/taa-' Übrigens 
sind die Städte nicht eine alte P^inrichtung der Gallier; 
vielmehr wohnten sie zu den Zeiten des Polybius noch 
in Dörfern ohne Mauern *, ähnlich wie die Ligurer, die sie 
als Besitzer des Landes vorfanden. Die Städte haben in 
erster Linie die Bedeutung von Festungen, in die sich im 
Kriegsfalle die Bevölkerung vom Lande zurückzog. Ihre 
Namen sind teils einfache Worte wie Oergovia, Bibrax^ 
Lutetia, teils Zusammensetzungen mit den Appellativßn 
^lünum, dürus^ mägus u. a. Ebenso scheinen die Namen der 
Dörfer gebildet zu sein ; wenigstens wird Ododurus von Cäsar* 
ausdrücklich als ein vicus Veragrorum bezeichnet. Die aedü 
ßcia, Einzelgehöfte, die nicht zu einem Dorfe gehörten, 
wurden besonders von Adligen und ihren Sklaven be- 
wohnt, lagen fem von den Städten, meist an einem Flusse 
oder im Walde ^ und waren aus leichtem Material, 
Fachwerk, Holz otler Stroh, erbaut. Sie wurden nach 
ihrem Besitzer bezeichnet, indem man an den Namen 
dieses das SuflBx -acum anhing: Äntunnacum, jetzt Ander- 
nach, ist das Grundstück des Galliers Antunnos; Carisia- 
cutHy jetzt Ch^risey (Deutsch-Lothringen) und Quierzy 
(Aisne), gehörte ursprünglich einem Manne namens Ca- 
risios. Eines der oppida jeder civitas galt als Hauptort, 
so Avancwn bei den Biturigern, Vesontio bei den Sequa- 
nern; nach der Eroberung Galliens durch die Römer ge" 
wannen diese Hauptorte so sehr an Bedeutung für alle 
Angelegenheiten des Staates, daß sie ihren ursprünglichen 



» Caesar, B. G. I 5 und 12. — » Polybius II 17,9. 
' B. G. III 1. — * B. G. VI 30, 8. 



36 Einleitung. 

Namen aufgaben und den der civitas annalimen. Statt 
Lutetia Parisiorum sagte man allmählich Parisii oder viel- 
mehr die Lokativform Parisiis, jetzt Paris^ statt Limönum 
Pictavis, jetzt Poitiers usw. Dieser eigenartige Vorgang, 
dem eine Reihe der bekanntesten französischen Ortsnamen, 
Bourges, Nantes, Tours, Rennes, Le Mans, Chartres^ Reims, 
Langres usw., im ganzen 44 oder 45, ihre Entstehung 
verdanken, ist in seinen Anfängen schon im ersten und 
zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung zu beobachten 
und erreicht seinen Abschluß unter Konstantin, der nach 
0. Hirschfeld im Jahre 310 oder 311 den Gebrauch des 
Volks- statt des alten Stadtnamens durch einen beson- 
deren Erlaß geregelt hat.^ 

Daß in älterer Zeit die monarchische Regierungsform 
bei den Galliern in Gebrauch war, ist bereits bei der Er- 
wähnung des Königs Ambicatus gesagt worden. Spuren dieser 
Einrichtung oder vielmehr Versuche einzelner Adliger, 
zu ihr zurückzukehren, findet Cäsar noch vor. Der Miß- 
brauch aber, den diese reguli mit ihrer Gewalt getrieben 
hatten, mehr noch das Streben der Gallier nach Unab- 
hängigkeit und ihre Abneigung gegen Gehorsam und 
Unterordnung hatten dazu geführt, daß aus allen kleinen 
Königreichen aristokratische Republiken wurden und daß 
jeder Versuch vornehmer Männer aus früheren Königs- 
geschlechtern, den alten Rang wiedereinzunehmen, mit 
dem Tode bestraft wurde. ^ An der Spitze jedes Staates 
befindet sich ein auf ein Jahr gewählter Beamter von vor- 
nehmer Geburt, der Gewalt über Leben und Tod hat ; Cäsar 
nennt ihn magisiratus oder princeps und mit einem ein- 
heimischen Namen vergobretus, d. h. einen, der Recht zu 
sprechen hat.^ Seine Befugnisse werden ergänzt durch einen 
ebenfalls aus Adligen bestehenden Senat und durch eine 
Volksversammlung. War so der politische Einfluß der 



^ Vgl. Gröhler, Gall. Volksn. und O. Hirschfeld, Die rö- 
mischen Meilensteine in Sitzungsber. der Berliner Akademie der 
Wissenschaften 1907 I 193 ff. 

« B. G. I 2—4; V 6; VIII 4, 1. - ^ ß. G. I 16. 



Kthnographisches. Vt 

Edlen beschränkt, so übten sie auf sozialem Gebiete einen 
ilesto größeren aus. Sie hatten zahlreiche KUienten, die 
sie durch Geschenke und durch Verleihung von Schutz 
in Abhängigkeit hielten und die ihnen dafür im Falle 
der Not beistanden, wie an dem Beispiele des Orgetorix 
zu sehen ist, der über nicht weniger als 10000 Schutz- 
befohlene verfügte. Wie in den verschiedenen Staaten 
einige Familien sich durch Ansehen vor anderen hervor- 
taten, so auch einzelne Völkerschaften im gallischen 
Staatenbunde: die Äduer, Arverner, Bituriger, Remer bil- 
deten Zentren, denen sich die weniger mächtigen Nach- 
barn anschlössen und zu denen sie in ein ähnliches Ab- 
hängigkeitsverhältnis traten wie die Klienten zu den 
Adligen. 

Die Sprache.^ Die keltischen Sprachen, zu denen die 
gallische gehört, bilden mit dem ihnen am nächsten ver- 
wandten Italischen, dem Germanischen und dem Grie- 
chischen die Gruppe der westindogermanischen Sprachen. 
Sie können in die Inselkeltischen und das Festland keltische 
oder Gallische zerlegt werden. Die inselkeltischen Idiome 
zerfallen wiederum in eine britische und eine gälische 
Gruppe, von denen die erstere drei Unterabteilungen um- 
faßt: 1. das Wallisische oder Kymrische, das betleutendste 
noch lebende keltische Idiom, das in Wales gegenwärtig von 
^/4 Millionen Menschen gesprochen wird; 2. das Kornische, 
da« bis zum Anfange des verflossenen Jahrhunderts in 

' Das (grundlegende Werk, das auch das Gallieche gebOhrend 
berücksichtigt, ist Johann Kaspar Zeuß, Orainmatica Celtica 
2. Aufl., besorgt von H. Ebel. Einen Überblick Ober die kel- 
tischen Sprachen und die Stellung des Gallischen in ihrem Kreise 
gibt Holder Pedersen in den einleitenden Paragraphen seiner 
vergleichenden Grammatik der keltischen Sprachen, einiges auch 
Thurneysen in seinem Handbuch des Altiriechen. Eine gate 
Übersicht über den Lautl)C8tand de» Gallischen, sein Verhältnis 
J5U den übrigen keltischen und su den wichtigsten indo- 
germanischen Sprachen bietet VVindisch in Gröbers Grundriß der 
Romanischen Philologie. Die wichtigsten erhaltenen WortstAmme 
venseichnet und deutet Dottin. Mnnuel 52 ff. 



38 Einleitung. 

Cornwall lebendig war; 3. das Bretonische oder Armorische, 
das die durch die germanische Einwanderung vertriebenen 
Bewohner der kornischen Küste vom fünften bis siebenten 
Jahrhundert nach der französischen Bretagne gebracht 
haben. Die beiden wichtigsten Zweige des Gälischen sind 
das Irische und das Schottische. Das Gallische zeigt in 
seinem Lautbestande größere Verwandtschaft mit der bri- 
tischen Gruppe als mit der gälischen ; doch sind charak- 
teristische Merkmale vorhanden, die uns verbieten, es ohne 
weiteres einer der beiden anzugliedern; vielmehr scheint 
es, als habe das Festlandkeltische, vielleicht schon wegen 
seiner geringeren Isoliertheit und seiner ständigen Be- 
rührung mit dem Germanischen einerseits und mit den 
italischen Sprachen andererseits, einen eigenen Entwicke- 
lungsgang genommen. 

Literarische Denkmäler im engeren Sinne, d. h. 
solche, die, sei es in poetischer oder prosaischer Form, 
ein bemerkenswertes Geistesprodukt darstellen, gibt es von 
der gallischen Sprache überhaupt nicht, und diese für 
unsere Untersuchungen so betrübende Tatsache bestätigt 
nur, was ältere Autoren, in erster Linie Cäsar, berichten. 
Er sagt von den Druiden, den Hauptvertretern des ge- 
samten Geisteslebens der gallischen Nation, daiß sie es 
nicht für richtig hielten, ihre Lehre und ihr Wissen 
schriftlich niederzulegen.^ In demselben Zusammen- 
hange aber teilt er zugleich mit, daß das Volk eine 
poetische Literatur von nicht ganz geringem Umfange 
besessen habe, denn er versichert, daß die Jünglinge, 
die sich dem hochangesehenen Druidenberufe widmeten, 
eine große Zahl von Versen auswendig lernen mußten 
und daß einzelne von ihnen eine zwanzigjährige Lehrzeit 
durchzumachen hatten. Ihrem Inhalte nach umfaßte 
die druidische Lehre Religion, Philosophie, Naturwissen- 
schaften einschließlich der Erd- und Himmelskunde, 
sowie die verschiedenen juristischen Disziplinen. Von 
diesem allem besitzen wir nicht eine Zeile. Was an 

^ B. G. VI 14. 



EthnoKraphisches. 89 

sprachliclien Denkmälern auf uns gekommen ist, sind 
etwa dreißig nicht einmal umfangreiche Inschriften: Grab- 
schriften, Widmungen oder Zeugniese über den Hersteller 
und Besitzer eines Gegenstandes, also verhältnismäßig 
wertlosen Inhalts. Ihrer Form nach können sie in drei 
Gruppen eingeteilt werden nach den Alphabeten, in denen 
sie aufgezeichnet sind. Die erste Gruppe ist in nord- 
etruskischen Charakteren abgefaßt, ihr Fundort Nord- 
und Mittelitalien; die zweite zeigt griechische Lettern und 
stammt aus der Gegend von Marseille; die dritte endlich 
weist lateinische Schriftzüge auf, ihre Heimat sind 
die verschiedensten Teile Frankreichs.^ Abgesehen von 
diesen Denkmälern verdanken wir unsere Kenntnis der 
gallischen Sprache noch etwa fünfzig Einzehvörtern, Gat- 
tungsnamen, Adjektiven usw., die sich in Glossen und bei 
griechischen und lateinischen Autoren zerstreut finden, 
und endlich dem sehr reichen Schatze von Götter-, Volks-, 
Personen- und Ortsnamen, wie sie außer von den Schrift- 
stellern durch die Inschriften Galliens, Oberitaliens, 
Spaniens, der Alpen- und der Donauländer übermittelt 
werden, und deren Sammlung in verschiedenen Bänden 
des Corpus inscriptionum Latinarum (CIL) nun fast ab- 
geschlossen vorliegt. Wer sich von der bedeutenden Zahl 
dieser Wörter einen Begriff machen will, der durchblättere 
Holders Altceltischen Sprachschatz. 

Einen orientierenden Überblick über die gallische 
Laut- und Formenlehre, soweit sie überhaupt erschlossen 
ist, gibt Windisch in Gröbers Grundriß der Romanischen 
Philologie.* Hier seien nur einige Punkte von allgemeinem 
Interesse erwähnt, auf die ich noch wiederholt im etymo- 
logischen Teile dieses Buches werde zurückkommen müssen. 

' Die Mehrzahl dieser Urkunden hat Whitley Stokes ge- 
sammelt und zu deuten versuclit in Bezzenberf^s Beitragen fOr 
vergleichende Sprachforschung XI. Band; desgleichen John Rhys, 
The Celtic Inscriptions of France and Italy in Proceedings of 
the British Acndemv, London 1907. 

« Band P 390 ff. 



40 Einleitung. 

Der Lautbestand des Gallischen stimmt im großen und 
ganzen mit dem des Lateinischen und Griechischen überein; 
es fehlen ihm im Verhältnis zum ersteren die Konsonanten 
// Ä und höchst wahrscheinlich auch q, und es besitzt, da- 
rüber hinausgehend und dem griechischen ^ entsprechend, 
eine dentale Spirans, die auf den Inschriften vielfach mit 
einem i), manchmal aber auch durch s bezeichnet wird. 
Lat. /, gr. qp erscheint im Gall. teils als &, teils als d. Der 
Laut q ist dem Urkeltischen nicht fremd und findet sich 
noch in den Ogaminschriften. Lateinischem q entspricht 
anlautend und inlautend im Gallischen sowohl wie im 
britischen Zweige des Inselkeltischen p, während der gä- 
lische Zweig dafür k (c, cJi) bietet. Gall. pempe 'iünt' ist 
bezeugt durch den Pflanzennamen pempedula oder pompe- 
dula "^Fünfblatt', der von Dioscorides und Apuleius aus- 
drücklich mit gr. TTevTdcpuWov, lat. quinquefolium übersetzt 
wird. Fünf heißt air. coic, cuic, dagegen aky. pimp, körn. 
pymp, bret. pemp; man vergleiche damit lat. quinque, aber 
umbrisch pump, oskisch pomüs = quinquies, endlich gr. 
TTtvie und in Zusammensetzungen Trejuir-ujßoXov, got. fimf. 
Inlautend ist dasselbe zu beobachten, wenn wir lat. eqiius, 
gr. iTTTTog '^Pferd' vergleichen mit air. altgäl. ech im Gegen- 
satz zu gall. epos in Eporedia, Eporedorix u. a., überein- 
stimmend mit dem britischen Zweige, nämlich aky. ep, 
wall, ep, eh, körn. bret. ep. Wegen der scheinbaren Aus- 
nahme, die in Sequana, Sequani liegt, vgl. oben S. 13. 
Dagegen ist das alte p schon im Urkeltischen geschwunden, 
daher gall. lanon "^Ebene' = lat. planus, ritus '^Furt' = 
lat. portus: Bemi = lat. primi usw. — Der Spiritus asper, 
lat. h, ist dem Gullischen fremd und sein Auftreten in 
den Namen Haedui, Helvii, Helvetii, Hercynia u. a. eine 
mißbräuchliche Hinzufügung, wie denn alle diese Namen 
auch ohne anlautendes h begegnen. 

* Es ist also nicht zulässig, lomhardisches fruda usw. 'Wild- 
bach' auf ein gall. früia zurückzuführen, wie es Rom. Et.Wb, no. 0545 
geschieht, sondern hier hat sich, wie schon die Gegend, auf die sich 
das Wort bezieht, vermuten läßt, ein ligurischer Stamm erhalten. 



Ethnographisches. 41 

F. Die Römer.» 
Die früher geschilderten Charakter- und National fehler 
der Gallier : ihr wankelmütiger, stets auf Neuerungen ge- 
richteter Sinn, ihre Abneigung gegen Zucht und Unter- 
ordnung, ihre geringe Ausdauer im Kampfe, fortwährende 
Streitigkeiten der einzelnen Staaten untereinander, das 
Fehlen eines kräftigen, freien Bauernstandes einerseits, 
Herrschsucht und Willkür des Adels andererseits, alles 
dieses waren Keime der Selbstvernichtung, die dem gal- 
lischen Staatswesen über kurz oder lang ein Ende bereiten 
mußten. Die erste Erschütterung erfuhr es, als Rom 
nach dem ersten Punischen Kriege und der Erwerbung 
Siziliens daran dachte, auch den nördlichen Teil der Halb- 
insel, die Gallia Cisalpi7m, in seinen Besitz zu bringen. 
Der Anstoß hierzu ging allerdings von den Galliern selber 
aus, die, durch ihre Volksgenossen jenseits der Alpen 
verstärkt, im Jahre 225 mit einem Heere von 70000 Mann 
in Etrurien einfielen, aber in einer Reihe blutiger Treffen 
zurückgeschlagen wurden, bis endlich im Jahre 222 ihre 
Unterwerfung stattfand, die durch die erfolgreiche Be- 
kämpfung einzelner Aufstände in den Jahren 200 bis 
191 und durch die • Vernichtung des mächtigen Stammes 
der Bojer nur vervollständigt wurde. Als dann im 
Jahre 125 die Bewohner von Massalia, von ihren ligurischen 
Nachbarn, den Salluviern, bedrängt, die Hilfe des Senats 
anriefen, fand dieser zum ersten Male Gelegenheit, in die 
Verhältnisse des jenseitigen Galliens einzugreifen. Der 
Konsul Fulvius Flaccus und nach ihm Caius Sextius be- 
freiten Massalia, und der letztere legte, um einen Stütz- 
punkt für spätere Unternehmungen zu besitzen, die Kolonie 
Aquae Sextiae (Aixen-Provence) an. Im Jahre 121 brachen 
Zwistigkeiten zwischen den Arvemem und Allobrogern 
mit den Äduem aus, und da diese sich der zu jener Zeit 

' Moiumsen, Römische Geschichte, I^SSSfif., II« 159 ff., 
m« 224 ff., V*7Iff. Herzog, Gallia Narbonensis 43ff. Jung, Die 
romanischen Landschaften des Komischen Reiches. JuUian, 
Histoire de la Gaule III. 



42 Einleitung. 

mächtigsten Völker des mittleren Galliens nicht allein 
erwehren konnten, nahmen sie ebenfalls ihre Zuflucht zu 
den Römern, die sich nun des ganzen Landstriches 
zwischen den Alpen, Cevennen und Pyrenäen bemächtigten, 
in dem uralten Narbo eine römische Kolonie schufen und 
nach dieser die neu erworbene Provinz Provincia Narho- 
nensis nannten. Sie wurde im Laufe der Zeit die Provincia 
Kar'eHoxilv, und ihr Name, allerdings auf einen Teil des 
Gebietes östlich der Rhone beschränkt, ist als Provence 
bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben.-^ Ihr 
Hauptzweck war zunächst wohl die Herstellung einer 
Verbindung zwischen Italien und dem ewig unruhigen 
Spanien. Etliche Jahrzehnte später wurde sie der Stütz- 
punkt, von dem aus Roms größter Feldherr und Staats- 
mann die endgültige Vernichtung des gallischen Namens 
ins Werk setzte. Acht Jahre, von 58 bis 51, genügten 
Caius Julius Cäsar, das von inneren Parteien zer- 
rissene, im Osten unaufhörlich durch die germanischen 
Nachbarn bedrängte Land zu unterwerfen. Selbst das 
einmütige Zusammenraffen aller Kräfte und die Opfer- 
willigkeit des Volkes unter Führung seines edlen Helden 
Vercingetorix war erfolglos. Er hatte nicht das Glück, 
das sechzig Jahre später dem germanischen Befreier Ar- 
minius beschieden war, oder vielmehr er hatte einen zu 
gewaltigen Gegner, als daß er das Verhängnis, das über 
sein Land hereingebrochen war, hätte abwenden können : 
Gallien wurde durch Cäsar die herrlichste Blume im 
reichen Kranze der römischen Provinzen. 

Nicht weniger wunderbar wie die schnelle Unter- 
werfung des Landes ist die geringe Zeit, die zu seiner 
Romanisierung notwendig war. Dies rührte wohl in erster 
Linie von der trefflich organisierten Verwaltung her, die 
der große Staatsmann in dem neu erworbenen Gebiete 



' Über den Umfang des Begriffes zu verschiedenen Zeiten 
vgl. Manteyer, La Provence du premier au douzifeme sifecle in 
M^moires et documents publ. p. la soc. de I'Ecole des Chartes 
VIII, S. Uff. 



EthnographischeB. 48 

einführte, indem er mit Weisheit und Milde das Staats- 
interesse wahrte und doch die Eigenart des Volkes nicht 
ohne Not verletzte. Zunächst wurde als Regierungs- und 
Gerichtssprache das Lateinische eingeführt, und da man 
den Gebrauch des Gallischen in allen übrigen Verhält- 
nissen duldete, so wurde diese Maßregel, die als das wich- 
tigste Moment bei der Romanisierung angesehen werden 
muß, ohne Widerspruch hingenommen. Die allmähliche 
Zulassung vornehmer Gallier zu den höheren Staatsämtem 
versöhnte den ehrgeizigen Adel mit den neuen Verhält- 
nissen, die Einrichtung eines allgemeinen Landtages, auf 
dem die einzelnen Stämme durch Vertreter ihre Angelegen- 
heiten scheinbar selbständig ordneten, ja sogar über die 
Verteilung der Steuern berieten, wahrte das Ansehen der 
Staaten und schmeichelte deren selbstgewählten Häuptern, 
während gleichzeitig der mit jener Versammlung ver- 
bundene feierliche Gottesdienst am Altare des Augustus 
die römische Staatsreligion einführte und den einst so be- 
deutenden Einfluß der Druiden brach. Die große Masse 
des Volkes endlich mochte den geordneten Verhältnissen 
der römischen Verwaltung und Rechtspflege den Vorzug 
geben vor der Abhängigkeit von einem einzelnen Mächtigen, 
der sie nicht minder besteuerte und gewiß manchmal 
willkürlicher richtete als der römische Beamte. So sind 
die Versuche zur Befreiung des Landes, die unter Tiberius 
und Nero unternommen wurden, ohne Erfolg geblieben, 
weil sie vom Volke nicht hinreichend unterstützt wurden 
und weil überdies die römischen Legionen am Rhein 
zahlreich genug waren, um lokale Erhebungen zu unter- 
drücken. 

Unter Augustus wurde im Jahre 27 eine Neueinteilung 
des gesaraten Gebietes vorgenommen, indem die fast schon 
romanisierte provincia NarbaneHsis als senatorische Provinz 
mit eigenartiger, den italienischen Verhältnissen nachgebil- 
deter Stadtgemeindeverfassung bestehen blieb, während 
das von Cäsar hinzugenommene Land in Anlehnung an 
die Einteilung, die der Eroberer dort schon vorfand, 



44 Einleitung. 

die drei Gallien bildete. Allerdings wurde Aquitanien be- 
deutend vergrößert und im Norden bis an die Loire hin 
ausgedehnt; die alte Belgica wurde um das linksrheinische 
Gebiet vom Genfer See bis zur Mosel erweitert, und das 
noch Übrigbleibende, Cäsars Gallia im engeren Sinne, er- 
hielt von seiner Hauptstadt Lugudunum, die zugleich 
das administrative Zentrum der tres Galliae war, den Bei- 
namen Gallia Lugdunensis. Während aber in der Nar- 
bonensis, wie oben gesagt^ die italische Stadtverfassung 
eingeführt wurde, blieb in den drei Gallien die alte 
Gauverfassung bestehen. Die Unterschiede beider hat 
Mommsen^ erörtert; für meine späteren Ausführungen 
ist eins von Wichtigkeit, was ich schon früher berühren 
mußte und was auch der große Geschichtschreiber her- 
vorhebt, daß nämlich in den einzelnen Gauen eine Ort- 
schaft eine so überwiegende Bedeutung hat, daß es gleich- 
gültig erscheint, ob diese mit ihrem eigentlichen Namen 
oder an Stelle dessen der Name der Völkerschaft genannt 
wird. Auf dem Landtage der drei Gallien, der sich all- 
jährlich am 1. August (zuerst im Jahre 12 v. Chr.) in 
Lugudunum (Lyon) versammelte, sind 64 verschiedene 
Gaue vertreten, die ungefähr den von Cäsar genannten 
gallischen Völkerschaften entsprechen und von deren 
Namen etwa zwei Drittel sich als Orts- oder Landschafts- 
bezeichnungen bis auf die Gegenwart erhalten haben. 

^ K. G. V*81f. 



45 



Die ältesten Ortsncimen und ihre 
Bedeutung. 

I. Allgemeine Folgerungen aus den ethno- 
graphischen Verhältnissen. 

Aus den vorangehenden Darlegungen folgt mit Not- 
wendigkeit zweierlei : erstens, daß die verschiedenen Volks- 
und Sprachstämme Spuren ihres Daseins, wenn nicht in 
der heutigen französischen Sprache im allgemeinen, so 
doch wenigstens in den geographischen Namen hinter- 
lassen haben müssen, die sich ja allenthalben in ihrem 
Bestände dauerhafter erweisen als die übrigen Sprach- 
eleraente; zum zweiten, daß bei der geringen Kenntnis, 
die wir von vielen und darunter den wichtigsten jener 
alten Idiome, dem Ligurischen, dem Iberischen und 
schließlich auch dem Gallischen, besitzen, die Einordnung 
der Ortsnamen in die einzelnen Sprachgebiete mit erheb- 
lichen Schwierigkeiten verknüpft ist. Diese wachsen, je 
weiter wir zurückgehen, und sie sind für das Ligurische 
und Iberische — die Namen phönizischen Ursprungs sind 
noch unsicherer — am bedeutendsten; einmal deswegen, 
weil die dorthin gehörigen Namen ja schon durch die 
gallischen Eroberer des Landes umgestaltet wurden, ehe 
sie von den römischen oder griechischen Schriftstellern, 
die sie sich ihrerseits wieder mundgerecht machten, über- 
liefert wurden ; dann, weil wir unsere mangelnde Kenntnis 
jener beiden Sprachen nicht durch Heranziehung ver- 



46 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

wandter Idiome ergänzen können, wie es wenigstens beim 
Gallischen möglich ist — das Baskische ist trotz seiner 
Verwandtschaft mit dem Iberischen doch nur von ge- 
ringem Nutzen, weil es uns nur in durchaus jungen 
Formen vorliegt. 

Wenn ich also zunächst versuche, eine Anzahl Namen 
als ligurische hinzustellen, so sollen meine Ausführungen, 
das betone ich ganz ausdrücklich, in vielen Fällen ledig- 
lich Hypothesen sein, denen ein größerer oder geringerer 
Grad von Wahrscheinlichkeit anhaftet; nur wenige können 
als vollkommen zuverlässig gelten, und eine Deutung 
kann gar nur für eine verschwindende Minderheit unter- 
nommen werden. 



II. Ligurische Namen. 



Welche Kriterien berechtigen uns, einen Namen dem 
Ligurischen zuzuweisen ? Zunächst die Lage der Örtlich- 
keit in denjenigen Teilen von Frankreich, die von der 
Wissenschaft als einst von Ligurern bewohnt erkannt 
worden sind. Unter ihnen stehen an erster Stelle natürlich 
die Gegenden, in denen ligurische Bevölkerung noch in 
historischer Zeit angesessen war, also die Mittelmeerküste 
östlich von der Rhone iind landeinwärts das Tal dieses 
Stromes und das Alpengebiet etwa bis zum Genfer See. 
In zweiter Linie kommen die Landschaften in Betracht, 
die d'Arbois^ durch das Vorhandensein von Ortsnamen 
mit den Suffixen ose-, mc-, ose- als einstmals ligurische 
festgestellt hat (vgl. S. 11). Als weiteres Merkmal 
ligurischer Ortsnamen darf der Anklang an Worte 
oder Namen gelten, die uns durch Schriftsteller 
oder durch Inschriften aus spätligurischem Sprach- 
gebiete übermittelt sind und deren Zugehörigkeit zu 
einer anderen als der ligurischen Sprache nicht zu er- 



1 Prem. Hab. II 115. 



Ligurische Namen. 47 

weisen ist. Hier ißt vor allem an MüUenhoffH Aufstellungen 
im dritten Bande der Deutschen Altertumskunde zu er- 
innern, die eine freilich mit Vorsicht aufzunehmende Er- 
weiterung erfahren hahen in den hierher gehörigen Ab- 
schnitten von d'Arbois, Les premiers Habitants de TEurope 
und Recherches sur TOrigino de la Propriete fonciere etc. 
Von einigem Werte ist endlich noch die Betrachtung der 
Suffixe, da außer den oben erwähnten asc-, usc-, ose- auch 
noch einige andere für das Ligurische charakteristisch 
sind, wenngleich sie diesem nicht ausschließlich eignen. 

Ich beginne die folgende Reihe mit denjenigen 
Namen, deren Zugehörigkeit zum Ligurischen am meioten 
feststeht, und gehe von ihnen allmählich zu den immer 
weniger gesicherten über. 

Zur ersten Gruppe gehören vor allen die mit den 
Stämmen alb- und borv- borm-, die schon oben bei der 
Feststellung der Grenzen des ligurischen Gebietes berührt 
worden sind (S. 8 flF.). 

Alba Helvorum oder Alba Helvia wird zuerst von 
Plinius* genannt. Das Wort bedeutet ganz augen- 
scheinlich 'Stadt der Heivier', einer ligurischen Völker- 
schaft, deren Namen Müllenhf)f in dem der Insel Elba, 
alt Ilva, wiederzuerkennen jglaubt. Es ist das heutige 
Aps (Ard^che), dessen Ubergangsformen als Albis, 
Alpes, Albs, Alps nachgewiesen sind. Aups (Var), in 
älterer Schreibung Atilpt, entspricht dem Alba Augtista 
des Ptolemäus.' Ähnlich wie lat. mlla sich in der 
romanischen Periode durch Suffixe erweitert und als 
villaris den verbreiteten Ortsnamen Villers und ähnliche, 
als inllaticum das Appellativum villa(/e ergeben hat, 
erscheint auch der ligurische Stamm alb- mit einem 
Suffix verbunden in AUnnnum CIL. XII 2493 f., Älbinno 
und Albenno auf merowingi sehen Münzen, jetzt Albens 
(Savoie). Auch Aubin (Aveyron) ist mehrfach auf mero- 
wingischen Münzen als Albetmo überliefert, endlich viel- 



' lU 86; XIV 48. — * II 10, 8 'AXßauTOÖora. 



48 Die ältesten Ortenatnen und ihre Bedeutung. 

leicht ein Artalbinno It. Ant. zweimal für eine Ortschaft 
im Gebiete des heutigen Basel. Das Suffix -inno tritt so 
stark in Namen altligurischen Sprachgebiets auf, z. B. in 
den Ortsnamen Briginnon bei Nimes, Morginnum (Isere), 
Morvhinum im Gebiete der Äduer, daß es ohne Bedenken als 
ein ligurisches in Anspruch genommen werden kann; die 
Form -enno, der wir auch im zweifellos ligurischen Ce- 
henna begegnen, ist, wie aus den obigen nebeneinander 
hergehenden Namen zu ersehen, nur eine Variante von 
-inno. 

In Albenate, das 950 für Aubenas (Ardeche) vor- 
kommt^, wäre dann das Suffix -enno mit einem zweiten, 
im Ligurischen (allerdings auch im Gallischen) ungemein 
verbreiteten Suffix -ate verbunden, eine nicht seltene Er- 
scheinung. 

Nur scheinbar gehört zu Alba der Name der alt- 
berühmten Hauptstadt des Dep. Tarn, Albi. Die ältesten 
Urkunden, die den Ort erwähnen, nämlich die Notitia 
dignitatum imperii orientis und die Not. Gall., 
kennen nur die adjektivische Form Älbigensis (genauer: 
Equites catafractarii Alhigenses; Civitas Albigensium). Auch 
Gregor von Tours schreibt gewöhnlich Älbigensis -urbs oder 
civitas, doch auch einige Male Albiensis; er ist auch der 
erste, der die substantivische Form verwendet, nämlich 
Diogenianum Albigae (sacerdotem) und Albige.^ Dadurch 
und durch die heutige Form Albi, die auf Albige 
beruht, erweist sich die ältere Annahme, daß ein lat. 
Gentilname Albiiis zu Grunde liegt, ohne weiteres als 
unrichtig. Ob die Worbildung gallisch oder ligurisch ist 
und was sie im Verhältnis zu lig. Alba 'Stadt' bedeutete, 
wissen wir nicht. Das Adjektiv Älbigensis hat den im 
Mittelalter und später oft gebrauchten Landschaftsnamen 
Albigeois erzeugt.^ 



1 Skok 49. — 2 Bist. Franc. II 13; IX 20. 

^ Geschieh tliclies über diesen bei Longnon, Atlas 144; auch 
bei Vivien de Saint-Martin, Nouveau Dict. de G^ogr. universelle 
«nter Albi. 



Ligurische Namen. 49 

Rein ligurisch ist Alehece, das ale Alebere Reiontm^ boi 
Plinius überliefert nla Alaehaece Haewrum ', die Hauptstadt 
der zweifellos liguriüchen Reit bezeichnet. 

Die mit dem ligurischen Stamme horm-^ horh-, borv ge- 
bildeten Ortsnamen sind zum größten Teil schon oben 
(S. Off.) besprochen. Hier sei noch nachgetragen Bormes 
(Var), da.s nach d'Arbois erst in einer Urkunde des 
11. Jahrhunderts als liorma auftritt. In Bourbon-Lancy 
ist der zweite Teil nicht, wie es scheinen möchte, ein 
Ergebnis eines älteren *Lentiacus oder *Lantiacus, sondern 
eine Umgostaltuiij? des schon in der Tab. Peut. belegten 
Aqttae Nisincii.* Der zweite Teil von Bourbon-Archam- 
bault oder Bourbon-l'Archambault ist ein per- 
manischer, speziell fränkischer Personenname Ercanbaldus. 
Ein Archambaud I. war um 959 Herr der Stadt und 
ihres Gebietes, das schon früh den Namen Bourbonnais 
führte und von dem auch die Dynastie der Bourbonen 
ihren Namen herleitet.^ 

Von demselben Stamme wie der Flußname Rhodanus 
(s. o. S. 12) ist auch mit anderem Suffix ein Ortsname ge- 
bildet, Roanne (Loire), das bei Ptolemaeus^ zuerst als 
'Pöbou)iva begegnet, adjektivisch Rodumnensis tractus in der 
Not. dign. occ, dagegen ungenau Roidomna Tab. Peut. ; spätere 
historische Formen sind Rodanna, pagiis Rodanensis, Atlas 
194 u. 19C. Der j)agus und comitatus Rodanensis wird 
noch im 10. Jahrhundert erwälmt und hat den neufranz. 
Landsclmf tsnamen Ro a n n e z entstehen lassen. Das Suffix 
-mva linden wir in den Flußnamen Garumna, Vultumna, 
Olomna u. a. wieder, die wohl sämtlich ligurisch sind. 
Der ligurische Stamm rod- dürfte ferner im Ortsnamen 
Rosans (Hautes-Alpes) vorliegen, dessen älteste Form 
dann *Rodanum lauten müßte mit dem im Provenzalischen 
üblichen Übergange rf > « = z. Die ältesten Formen des 

» Plinius III 36. - » Vgl. CIL. XII 845. 
' Vivien de Saint-Martin, Dict. de G^ogr. onter Boorbon- 
Archambault 
* II 8,11. 
G r ö h 1 e r , FraniOsItche Ortsuamen. 4 



50 Die ältesten OrtBnamen und ihre Bedeutung. 

Namens zeigen allerdings schon das heutige Gepräge Bo- 
sanum, doch gehört die früheste dem Jahre 1027 an; dafür 
erwähnt J. Roman ^ aus dem Jahre 739 eine Form Rodanone, 
die er allerdings mit einem Fragezeichen versieht (vielleicht 
nur, weil ihm der Übergang d"^ z unbekannt ist), die aber 
vortrefflich zu unserer Annahme passen würde. 

Wie eine ligurische Bildung mit dem Suffix -umna 
sieht auch das heutige Volonne (Basses-Alpes) aus, das mir 
aber in alter Form nicht vorliegt. 

Die Stadt Genua, f anzösisch G e n e s , heißt schon im 
frühen Altertum fevöa, fevoua, Genua^ und liegt in uraltem 
Ligurergebiete, das von den Galliern niemals angetastet 
worden ist. Das fast gleichlautende Genäva (einzelne 
Handschriften des Cäsar haben sogar die Schreibung 
Genua, die daher Holder in seiner Cäsarausgabe bevorzugt),, 
jetzt Genf, französisch Gen^ve, muß höchstwahrscheinlich 
damit zusammengestellt werden. Es ist außer bei Cäsar ^ 
noch belegt T. P. Gennaua, Not. Gall. Civitas Genavensium^ 
It. Ant. 347, 12 Cenava. In den Gesta Concil. Aquilei. 
aus dem Jahre 381 begegnet ein Diogenes episcopus Genu- 
ensis ; von da ab nur Genava und Genavensis, seltener 
Geneoensis. Für den ligurischen Ursprung spricht auch ein 
fundus Genavia auf der Tafel von Veleia.^ Zu verwerfen 
ist die Annahme Holders und Dottins, die in Genava die 
gallische Form des ligurischen Genua sehen und das 
Wort wie lateinisches Ostia, deutsches Gemünd als die an 
der Mündung liegende Stadt deuten, etymologisch zu air. 
gin 'Mund', Gen. geno, lat. ^ewa'^Wange', gr. Ytvuq'Kinn' usw. 
gehörig. Das würde eine enge Verwandtschaft des Li- 
gurischen mit dem Gallischen voraussetzen, die ich ja aus 
gewichtigen Gründen verwerfe; überdies kann man doch 
auch den Ausfluß eines Stromes aus einem See nicht als 
eine Mündung bezeichnen^ und andererseits ist das in der 
Nähe von Genua mündende Flüßchen so winzig, daß die 

' Dict. topogr. du d6p. des Hautes-Alpes. 

^ Artemidor bei Stephan von ßyzanz, Strabo, Livius. 

=> B. G. I 6, 3; 7, 1. — * CIL. XI 1147, S. VI 23. 



LiguriHche Namen. hl 

Bezeichnung von Crenua als 'Mtindungsetadt' nicht sehr 
wahrecheinlich ist. Zu der Bedeutung des Wortes wird 
also, wie fast immer bei ligurischen Naroen, ein non liquet 
gesetzt werden müssen. 

Unter den Völkerschaften Liguriens führt Plinius* 
die Quanates an, übereinstimmend mit einer Inschrift*, 
die in der Gegend des Örtchens Queyras (Hautes-Alpes) 
gefunden worden ist. Es unterliegt keinem Zweifel, daß 
der alte ligurische Volksname in dem des Dorfes sich 
erhalten hat. 

Die Hauptstadt der wahrscheinlich ligurischen Reii 
hat ihren ursprünglichen Namen Alebece (vgl. S. 49) früh- 
zeitig aufgegeben, vielleicht weil dieser mehrfach vorkam, 
wie auch die genauere Form Alebece Reiorum^ andeutet, 
und allmählich den Volksnamen für den Stadtnamen 
eingesetzt. Wir finden Reis Apollinaris Tab. Peut., Civitas 
Regensium und Reiensium Not. Gall. und oft später, end- 
lich Reios (accus.) Sidon. Apollin., daraus Riez (Basses- 
Alpes). 

Daß die Taurini in der Gegend des heutigen Turin 
(Augusta Taurinorum) Ligurer sind, wird sowohl von 
Plinius* als auch- von Strabo' versichert. Wir finden 
denselben Wort?taram im Ortsnamen Tauroenta, TaupoevTiov^ 
wieder, jetzt Tarente (Var). 

^;?te oder genauer Colmia Julia Apta'' heißt n&chrUnms^ 
die Hauptstadt der Vulgienter. Da die Lautverbindung pi 
nicht gallisch ist, so wird man den Namen ohne Bedenken 
für das Ligurische in Anspruch nehmen dürfen; jetzt 
Apt (Vaucluse). 

Ein ligurisches Stammwort berg- finden wir in Ber- 
gömton, das Plinius^ nach Cato eine Stadt der ligurischen 
Orumbovier nennt. Mit einem anderen Suffix verbunden, 

' III 85. — » CIL. XII 80, 8. 18. 

' Plinius III 36. — * III 123. — » IV 204. 

• Caesar, B. Civ. 114; Strabo IV 18Ö. 

» CIL. XII 696. 707. 1005. 1116. 1115. - » III 36. 

• III 124 f. 

4» 



52 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

erscheint derselbe Stamm in Bergusia It. Ant., Bergusium 
T. P., Birgusia Geogr. Rav., dem ältesten Namen für 
Bourgoin (Isere), das sich allerdings unmöglich aus den 
vorher genannten Formen entwickelt haben kann^ sondern 
wahrscheinlich durch germ. Burgimdius beeinflußt worden 
ist. Eine ähnliche volksetyraologische Umdeutung liegt 
auch bei zwei anderen, dem neuligurischen Gebiete nicht 
fernliegenden Orten vor, die ursprünglich denselben Stamm 
berg- enthalten haben, nämlich Bergogiafe, Atlas 168, jetzt 
Bourg-Saint-Andeol (Ardeche), und Bergintrum, It. 
Ant., T. P., jetzt Le Bourg-Saint -Maurice (Savoie), 
(germ. hurg, got. baurg-). 

Zweifellos ligurischen Ursprungs sind, wie schon 
früher ausgeführt worden ist, die geographischen Namen 
mit den Suffixen -asc, -ose, -iisc, deren erstes Element bei 
jüngeren Bildungen auch gallisch oder lateinisch sein kann. 
Am frühesten belegt ist aus dieser Gruppe Tarusco, Tapoucr- 
Kouv^, das Ptolemaeus als eine Stadt der (ligurischen) Salyer 
bezeichnet, das heutige Tarascon (Bouches-du-Rhone), und 
gleichen Ursprungs ist vermutlich auch das viel westlicher 
gelegene Tarascon im Dep. Ariege, das Plinius^ im 
Sinne zu haben scheint, wenn er von den Tarusco- 
nienses spricht. Wegen des Stammes weist d'Arbois^ 
auf den ersten Teil des gallischen Ortsnamens Taro- 
dunum hin, heute Zarten im Großherzogtum Baden. 
Näher läge der Vergleich mit Tarantasia, wenn dieser 
in der Not. Gall. als Civitas Ceutronium angeführte Name 
tatsächlich die älteste Form des heutigen Moutiers-en- 
Tarentaise (Savoie) darstellte. Tarentaise bezeichnet im 
Mittelalter also nicht mehr die Stadt, sondern eine Land- 
schaft. Aber sowohl die Tab. Peut. wie das It. Ant. und 
auch die besten Handschriften der Not. Gall. schreiben 
Darantasia, was somit die ältere Form ist. Das spätere 
Tarantaise mag durch Assimilation entstanden sein, vgl. 
den oberital. Ortsnamen Tortona aus Dertona. 



1 Strabo IV 178 f., 187; Ptolemaeus II 10,8. 

2 III 37. — ä Recüerches 601. 



Liffuriscbe Naroen. 58 

Venasque (Vaucluse) begegnet zum ersten Male in 
der Not. Gall. als Civitas Carpentoratensiuin, nunc Vindatuca. 
In den Berichten über verschiedene Konzilien des sechsten 
Jahrhunderts tritt das Adj. Vinda&censia, VetuJuascensis, 
Vi7i(lauscensis auf, 614 Vindesca, 739 pagus Venüaacinus. 
Das Wort scheint eine Bildung aus dem gallischen Per- 
sonennamen Vinda^ vom gall. Adj. *vindos 'weiß', air. 
ßnd^ glossiert albus, ky. gtq/n 'albus, candidus' mit dem 
lig. Suffix -tisc. — Der Pyrenäenpaß Port de Venasque hat 
mit unserm Natnen nichts zu tun, sondern ist nach der 
spanischen Stadt Venasque benannt, von der er ausgeht, 
um bei Luchon in Frankreich zu enden. 

N6vache (Hautes-Alpes) heißt Annavasca in einer 
Urkunde von 739, Nevasca 1118, Netxucha 122o *, abgeleitet 
vonj gallisclien Personennamen Annavus oder Anavus. 

Erheblich weiter nach Norden führt uns Champlost 
(Yonne), das nach d'Arbois im neunten Jahrhundert als 
Cambloscum vorkommt, eine Kontraktion von älterem 
*Camulos('um, aus dem gallischen Personennamen Camulus 
gebildet. 

Caderot(Bouches-du-Rhöne) kennt d'Arbois* aus dem 
Jahre 845 in der Form CmZarosro; ein Caderou89e(Vauclu8e) 
führt Quicherat47 auf Cailarosca zurück. Zu Grunde liegt 
beiden der einmal aus Spanien belegte, wahrscheinlich ligu- 
rieche Personenname Cadarus} Nicht so sicher ist es dagegen, 
ob auch Cadrela, Atlas 171, Cmlrella, Holder, hierher gehören, 
die ältesten Formen des Namens von Charolles (Saöne- 
et-Loire), mit dem so verbreiteten ligurischen Suffixe -et 
gebildet.^ Von dem Ortsnamen ist der berühmtere der 
Landschaft Charolais abgeleitet. 

Für Greasque(Bouches-du-Rhöne) lautet die älteste, 
aus dem 11. Jahrhundert stammende historische Form 
Oratiasca, die auf das lat. Gentilicium Gtatius als Stamm- 



' CIL. III 11161; VII 509. — ^ Skok 45. 
' Recherches 600. — * CIL. II 845. 

* Vgl. die lange Liste von Eigennamen bei MOllenhoff, 
I). A. III 18.3. 



54 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

wort hinweist. Übergangsformen sind: Ch-aziasca, Grezasca, 
Grezascha} 

Ebenfalls aus dem 11. Jahrhundert rührt die erste 
Erwähnung des heutigen Manosque (Basses -Alpes), 
Manuasca 1013, Manoasca 1024^, Manosca 1206^, dessen 
erster Bestandteil sowohl ligurisch (Manulia) als auch 
gallisch oder lateinisch sein kann. 

Mülienhoff ^ macht darauf aufmerksam , daß die 
Stadt Carrara, in ältester Form Gararia, auf altligu- 
rischem Boden angelegt, ohne Zweifel nach ihren 
Marmorbrüchen genannt ist. Die ligurische Wurzel car 
mag 'Stein' bedeutet haben, und es ist zu vermuten, daß 
dieser Begriff, wie in allen Sprachen, auch in den Orts- 
namen Frankreichs wiederkehrt. Nun erscheint das heu- 
tige Charroux (Vienne) auf einer merowingischen Münze 
als Carofo, Karrofum 789, Carrofense monast. 815, Carro- 
ficum um 1014, Charros 1247. Daß dies kein gallisches 
Wort ist, geht schon aus dem Vorhandensein des Lautes / 
hervor, der dem Gallischen bekanntlich fehlt. Es liegt 
also nahe,- es dem Ligurischen zuzuweisen, zumal da auf 
der Tafel von Veleia ein fundus Carrufanianus erscheint, 
der eine Weiterbildung des obigen Karrofum darstellt. Zu 
dieser auf sprachlichem Wege gewonnenen Vermutung 
paßt vortrefflich der Umstand, daß sich bei dem Orte 
zahlreiche megalithische Denkmäler befinden, denen er 
offenbar seinen Namen verdankt. Ob Charroux (Allier) 
gleichen Ursprungs ist, vermag ich mangels alter Formen 
nicht anzugeben ; auch über das Vorhandensein von Stein- 
denkmälern in der Nähe dieses Ortes finde ich keine An- 
gaben. Dagegen führt Quicherat 49 Charost (Cher) auf 
Karofium zurück. Charols (Drome) ist 956 als CarrovoUs, 
958 als Carrovolo belegt und gehört offenbar hierher. Be- 
züglich des berühmten Steinfeldes der Grau möchte ich 
mich der Vermutung Müllenhoffs'' anschließen, der den 

^ D'Arbois, Recherches 593. 

2 D'Arbois, Prem. Hab. IIlOl. — ^ Skok 45. 

* D. A, III 192. — 5 D. A. III 193. 



Lif^ruridche Namen. 55 

Ultosten einheimischen Namen für den ager lapideus, nilmlich 
Cravum, Atlas I7ö, auf ein ursprüngliches ♦f^iiravttm zurück- 
führt, das 80 tatsächlich unser ligurisches Stammwort ent- 
hielte. Denn daß die so aupenfällige Eigenart der Gegend in 
ihrem Namen zum Ausdruck kommt, darüber kann kein 
Zweifel herrschen. Meyer-Lübke stellt* -prov. craitc *unfrucht- 
bar', das man wohl an unser Wort anlehnen könnte, mit 
einem gall. *graucus zu grava 'Stein, Kies' ; wie aber soll 
der verschiedene Anlaut dieser Wörter miteinander in 
Einklang gebracht werden? 

Bltso und Bleso Castro auf merowingischen Münzen 
bezeichnet die Hauptstadt des Dep. Loir et Cher, Blois, 
Blesis (dat. plur.) beim Geographen von Ravenna; das 
Adj. Blesetisis findet sich wiederholt schon bei Gregor 
von Tours. Diesen Formen gegenüber, in denen der 
Stammvokal ausschließlich e ist, auf einen lateinischen 
Personennamen Blaesm hinzuweisen, wie d'Arbois' tut, 
scheint mir sehr gewagt. Gallische Namen mit diesem 
Stamm sind nicht erhalten, denn Blesamus und Blesa- 
mius bei Holder möchte ich als Kontraktionen von 
Belisamtts ansehen. Dagegen findet sich je einmal der 
Personenname Blesus in einer Inschrift von Dalmatien' 
und Blesio in einer solchen vom Niederrhein*. Was 
mich bestimmt, das Wort unter die ligurischen aufzu- 
nehmen, ist außer dem Fehlen anderer Anhaltspunkte 
vor allem das Vorkommen eines Ortsnamens BXri(Tivujv* 
auf Korsika. Das Gebiet von Blois heißt im MA. Blesensis 
pagus, frz. Blaisois oder Blesois. — Blesa ist der älteste 
Name eines Nebenflusses der Marne, jetzt Blaise, und 
auch nach diesem wurde ein pagiis Blesensis, Blesois, 
benannt, der zur Diözese Toul in Lothringen gehörte und 
die Hauptstadt Doulevant hatte. Einen dritten pagns 
Blesensis nennt Longnon.^ 

» Romanisches Etym. VVb. Nr. 3849. 

■' Rech. 505. — » CIL. III 6407. - * CIR. 70. 

» Ptolemaeu8 III 2, 7; Strabo V 224. 

« Atlas 109, 111 u. 115. 



56 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Vesontio, gen. Vesontiönis nennt schon Cäsar ^ als das 
oppidum maximum Sequanorum, Ptolemaeus^ OuicrövTiov, 
It. Ant. Vesontione und Visontione (abl.), jetzt Besannen 
(Doubs.), Die Formen mit e und i in der ersten Silbe 
wechseln miteinander ab, und dieses Schwanken reicht 
weit in das Mittelalter hinein. Ptolemaeus^ kennt noch 
zwei andere OuicrovTiov, das eine in Spanien, das ändere 
in Pannonien. Für ligurischen Ursprung spricht einerseits 
das Suffix -onf, das im Ligurischen nicht selten, im 
Gallischen nur im Volksnamen Vocontn vertreten ist, der 
aber auf ehemals ligurischem Boden vorkommt und daher 
wie Sequani wohl selbst ligurisch ist; andererseits kehrt 
auch der Stamm ves- häufig im Ligurischen wieder. Der 
Monte Viso heißt alt Vesülus; Vesuhia ist ein Nebenfluß 
des VaruSj beide in Ligurien; auch Vesona und Vesuna sind 
Flußnamen; Vesunna ist eine Quellgöttin, nach der auch 
die Hauptstadt der gallischen Petrucorii heißt, usw. — 
Vesulmm Gastrum wäre nach der Grande Encyclopedie* 
im neunten Jahrhundert als Name der heutigen Stadt 
Vesoul (Haute-Saone) zu finden, später FtsoZiVm, Vesuliim^ 
also ziemlich gleichlautend mit dem Berge. 

Soüates heißen zuerst bei Cäsar ^ die kampflustigen 
Bewohner eines Teiles von Aquitanien, die seinem Feld- 
herrn Crassus tapfer Widerstand leisteten; auch Softiafes** 
und ZuuTidTa?' findet sich. Da der Verfasser der Kom- 
mentare ihre Hauptstadt nur immer als oppidum Sotiatium 
bezeichnet, so trug die Völkerschaft vermutlich den 
Namen der Stadt, und mit Recht wird die Mutatio Scittio 
des It. Burdig. in *Sottia korrigiert. Für gallischen Ur- 
sprung des Namens spricht nichts, ebensowenig für 
iberischen, wohl aber für ligurischen ein Volksname Soti 
bei Plinius*; auch ein Adj. Sotanum, auf eine Wein 
erzeugende Ortschaft in der Gegend von Vienne bezogen, 



1 B. G. I 38f. 

2 II 9, 10. — 3 II 6, 53 ; 14, 14. — * Unter Vesoul. 
5 B. G. III 20 ff. — « Plinius IV 108. 

' Dio Cassius XXXIX 46. — « III 47. 



Ligariscbe Namen. 57 

widerspricht dem liRuriBchen Ursprünge des Namen« 
nicht, der in dem des Dorfes Soh (Ix)t-et-Garonne) fortlebt.* 
Avignon, die berühmte Hauptstadt des heutigen 
Dep. Vaucluse, wird schon von Artemidor (um 100 v. Chr.) 
erwähnt, aus <lem Stephan von Byzanz den Namen über- 
nommen hat als Aueviujv, tt6Xi? tAaaadKiaq. Die ältesten 
römischen Schriftsteller, die es nennen, nämlich Mela' 
und Plinius'' schreiben Avennio Cavarum, die Hauptstadt 
der Cnvnrer, mit «n, so auch Ptolemaeus* 'Aouevviwv 
KoXujvia, während der Zeitgenosse Melas, Strabo, die 
Form mit einem n bringt. In späterer Zeit wechseln 
beide Schreibungen, doch so, daß die mit nn vorherrscht. 
Das i in der zweiten Silbe, dessen Bildung durch das 
folgende mouillierte n begünstigt wurde, findet sich 
schon in den besten Handschriften des It. Hieros. Amnione. 
D'Arbois de Jubainville^ sieht den Namen als eine Weiter- 
bildung des lateinischen Personennamens Avennius an, 
was angesichts des Alters der Stadt entschieden zu- 
rückgewiesen werden muß. Außer der Lage deuten 
gewichtige Gründe anderer Art auf ligurischen Ursprung. 
Ein weiblicher Personenname Avenia erscheint in einer 
Inschrift von Verona*, eine Gottheit Abinius kommt 
in einer Inschrift von Cimiez' in rein ligurischem 
Gebiete vor (der Wechsel von b und v ist in ligurischen 
Wörtern häufiger als in anderen Südfrankreichs). Avinio 
ist nach Holder die älteste Form von drei Ortschaften, 
deren eine jetzt Avignon (.Jura) lautet, während die 
beiden anderen, in den Dep. Is^re und Haute-Garonne in 
moderner Form Avignonnet heißen; sie mögen wohl 
sämtlich Übertragungen des berühmteren Namens sein. Er- 
heblich von diesen abliegend ist allerdings das I^ndgut 
Bignon bei Sens (Yonne), der Geburtsort Mirabeaus, der 
nach Holder auf einer merowingischen Münze Abinio 
lautet und kaum hierher gerechnet werden darf. — Als 

* Vgl. auch Q^in^phie 6 and Atlas 21. 

« II 5, 75. - » III 36. — * II 10, 8. 

» Kecherchee 518. — « CIL. V 3382. — » CIL. V 7865. 



58 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Adjektiv zu dem an der Rhone gelegenen Avennio begegnet 
früh Avenniensis^ ^ das sich aber nicht dauernd gehalten hat 
und von einer jüngeren Bildung Avenionensis überholt wurde, 
aus der sich der Landschaftsname Avignonnais ent- 
wickelt hat, der ehedem für das Gebiet von Avignon in 
Gebrauch war. Ein drittes Adjektiv Avennicus begegnet schon 
in der Not. Gall., wo die Stadt als Civitas Avennicorum 
bezeichnet ist, und ist noch bei Gregor v. Tours und Fredegar 
gebräuchlich. In karolingischen Urkunden wechseln die 
beiden letztgenannten Formen mit einer neuen aus Aven- 
nicus gebildeten, Avennicinus, und diese hat sich als 
Com tat V enai Sä in = Comitatus Avennicinus noch bis in 
die Gegenwart erhalten.^ 

Nicht geringe Schwierigkeiten bereitet die Deutung 
des Namens Marseille (Bouches-du-Rhone). Einen Ver- 
such, ihn aus dem Griechischen zu erklären, was ja am 
nächsten liegt, hat Dederichs^ gemacht. Nach der ältesten 
Überlieferung, der des Scymnus, der sich auf Timaeus 
beruft^, hätten die Bewohner von Phocaea in Kleinasien, 
die von jeher weite Fahrten bis nach den westlichen 
Mittelmeerländern gemacht hatten, im Jahre 600, nach- 
dem ihre Stadt von Harpagus, dem Feldherrn des 
CyruS;, zerstört worden war, die Stadt Massalia im Lande 
der Ligurer gegründet. Auch Hecataeus nennt sie eine 
Stadt des Ligurerlandes in der Nähe des Keltenlandes, 
und noch Ptolemaeus weist sie den ligurischen Salyes zu. 
So liegt, da Anklänge an griechische Worte fehlen, die 
Vermutung nahe, daß die Gründer der Stadt den Namen 
einer schon vorhandenen Siedelung übernommen haben. 
Die beiden Formen^ die den Schriftstellern des Altertums 
geläufig waren, sind MacTdaXia, das von den griechischen, 



1 CIL. XII 2375 u. ö. 

^ Historische Nachrichten über den Comtat Venaissin bei 
Courtet, S. Xlflf. u. 19 ff. 

3 Rheinisches Museum IV 104 f., wo auch andere Erklä- 
rungen verzeichnet sind. 

■* Geograph! Graeci minores ed. Müller, S. 204, v. 209 ff. 



l^igurische Namen. fi9 

und Masailia^ das von den lateinischen bevorzugt wird. 
Anklänge aus dein ligurischen Sprachgebiete fühlen ; ein 
Hinweis auf den Ortsnamen Massava der T. Peut. er- 
scheint belanglos, da dieses erst 900 Jahre später über- 
liefert ist als unser Wort. Das unorganische r (vgl. 
Catussa > Chaource u. a.) tritt zuerst in Marsilia einer 
Urkunde von 950 auf, Marcelie 1136, Marcellie 1152, 
Marsseille 1236. 

Auch an phönizischen Ursprung des Namens Massalia 
hat man gedacht, zumal da Ausgrabungen in der Mitte 
des vorigen. Jahrhunderts eine Anzahl phünizischer Inschriften 
und Grabstelen zu Tage gefördert haben. Man nimmt 
längst an, daß diese durch Kaufleute aus Afrika nach der 
Oriechenstadt gebracht worden sind; doch mag immerhin 
die Möglichkeit einer früheren phönizischen Gründung 
offen gelassen werden. Der mächtigste Stamm der Nu- 
midier heißt nach Polybius^ MaacTuXioi MaaauXeiq, worin 
man wohl einen Anklang an unser Wort finden kann. 
C. Jullian, der aber den phönizischen Ursprung gleichfalls 
verwirft, erinnert noch an phöniz. 1na2zäl = T\)X^ {6Lyabr\).* 

Marseille-le-Petit (Oise), Marseille-les-Au- 
bigny (Cher) (lös, lat. latHS 'Seite' = bei) und Marseil- 
lette (Aude) sind mittelalterliche Gründungen von ehe- 
maligen Bürgern der Stadt am Mittelmeere. 

Auch Meze (Herault) wird wegen des ehrwürdigen 
Alters seiner Überlieferung zu den wahrscheinlich ligu- 
rischen Gründungen gerechnet werden dürfen. Mela 80 
erwähnt es als Mesua, im 9. Jahrhundert kommt es noch 
als Meson vor. 



» Bei StfHbo II 181; XVII 829. 
• Hl8t. de hi Gaule I 176, Anm. 



60 Die ältesten Ortsnarnen und ihre Bedeutung. 



III. Iberische Namen. 

Wie gering unsere Kenntnis dej* iberischen Sprache 
ist, habe ich schon an anderer Stelle hervorgehoben, und 
so ist auch die Einreihung der hierher gehörigen Orts- 
namen nicht vollkommen sicher, ihre Deutung noch 
weniger. Wir wissen, daß 'Stadt' im Iberischen ili ge- 
heißen hat, das auch in den Variationen Uli, eli, oli, iri 
auftritt, noch jetzt im Baskischen iri, ili, uri. So lautet 
der Name der spanischen Stadt Pamplona in der bas- 
kischen Provinz Navarra bei Strabo^ TTojUTreXiuv, und 
der Geograph fügt erklärend hinzu vjq av TTofiTTtiiÖTroXig 
"^gleichsam Pompeiopolis'. Die Iberer ehrten mit dieser 
Benennung ihren eigenen Unterwerfer Pompeius, wie 
später die Gallier den Cäsar mit Stadtnamen wie Caesaro- 
dunum, Caesaromagus, Juliobona. Pompelo wurde später 
durch das gallische Suffix -ona erweitert. Auch in Frank- 
reich gibt es eine Stadt gleichen Namens, Pampelonne 
(Tarn), die aber nicht etwa als iberische Gründung in 
Anspruch genommen werden darf. Sie verdankt ihren 
Ursprung dem Seneschall von Toulouse, Eustachius von 
Beauraarches, der sie 1280 anlegte und nach dem obigen 
Pamplona benannte, bei dessen Bekämpfung er sich als 
Offizier des Grafen von Artois ausgezeichnet hatte. ^ 

IXißeppiq^, 'IXXißepi^^, Eliumbernmi^, Eliberre T. P. sind 
die ältesten Namen der Hauptstadt der iberischen Ausci, 
Das Wort bedeutet '^Neustadt'. An seine Stelle trat 
später, wie so oft in Gallien, der Volksname, zuerst 
Äugusta (Auscorum)^, im It. Hierosol. civitas Äuscitis,. 
heute Auch (Gers). — Das obige Iliherri findet sich 
mit einem anderen iberischen Worte verbunden in 



"■ III 161. 

^ Vivien de Saint-Martin, Dict. ge'ogr. s. v. Pampelonne. 

^ Strabo IV 182. — " Ptolemaeus II 10,9. 

^ Mela III 20. — « Ptolemaeus II 7, 11. 



Iberische Namen. 61 

Caiicoliberi casirum, Atlas 62, jetzt Collioure (Pyr6n6e8- 
Orientftles); der erste Teil ist vermutlich gleichbedeutend 
mit dem Namen einer Stadt der iberischen Vaccaei in 
Spanien, bei Ptolomaeus^ KauKa, It. Ant. Cauca, heute Coca. 

Auch [luro, das in Spanien wiederholt auftritt, scheint 
das Element ili 'Stadt' zu enthalten; es ist im It. Ant. 
die älteste Bezeichnung des heutigen Oloron (Basses- 
Pyr6n6e8), Oloro civitas 606. — Ob man auch den Namen 
der Insel Oloron (Charentelnferieure) auf dieselbe Grund- 
form zurückführen darf, läßt sich mit Sicherheit nicht 
behaupten; die älteste historische Benennung ist Uliarus 
bei Plinius", Olario(nensis) bei Sidonius^; uli und ili wechseln 
tatsächlich, für baskisches Iribern = lUiberris findet sich 
auch Ulibarri* 

Ein letzter Name dieser Gruppe ist vielleicht Elusa, 
die Hauptstadt der zuerst von Cäsar ^ erwähnten Völker- 
schaft der Elusates, die auch Plinius kennt, während der 
Ortsname Elusa allein zuerst in der Tab. Peut. und im 
It. Hieros. begegnet, in karolingischer Zeit Elsa, Atlas 178, 
jetzt Eauae (Gers). Der Name des pagus Elesanus, der 
Ende des siebenten Jahrhunderts urkundlich nachgewiesen 
ist, hat sich in dem' Orte Castelnau-d' Auzan bis auf 
unsere Zeit erhalten.' 

Lapurdum ist bei Sidonius' der Name der heutigen 
Stadt Bayonne. Es hat sich zwar nicht als Ortsname, 
wohl aber als Ijandschaftsbezeichnung bis auf die Gegen- 
wart erhalten, le Labourd ist der westlichste, an das 
Meer anstoßende Zipfel des Dep. Basses-Pyrenees zwischen 
Adour und Bidassoa; um das Jahr 983 wird ein Epis- 
copahis Lasburdensis oder Laburdensis urkundlich erwähnt, 
Labort 1120. 



' n 6,49. - " IV 19, 109. — » Epist. VIII 6, 12. 

* Lachaire, Origines 16. Schuchnrdt, Sitzungsber. der Wiener 
Akademie. Bd. 15, S. 5. 

» B. G. III '27. 1. — • Longnon, Atla« 152. 

^ Epist. VIII 12, 7 Laptirdenshtm; auch in der Not. dign. 
occ. 42, 18ff. Laintrdo. 



62 Die ältesten Ortenamen und ihre Bedeutung. 

Mit Sicherheit kann als iberisch auch der Name des 
Flusses Adour in den Pyrenäen angesetzt werden, den 
zuerst Lucan^ mit der Quantität Atürus nennt, 'Aioupio^ 
Ptolemaeus^, bei Ausonius zweimsil Atürrus. Die heutige Form 
des Flußnamens setzt die Betonung Atürus voraus, während 
ein Atürus oder Atüra sich in dem nach dem Flusse be- 
nannten Orte Aire-sur-l' Adour (Landes) erhalten hat. 

Eine Civitas Turba ubi castrum Bogorra (vav. Bigorra) 
erwähnt zuerst die Not. Gall. unter den Städten Aqui- 
taniens. Plinius^ spricht von den Begerri als Be- 
wohnern dieser Stadt, und vor ihm nennt schon Cäsar* 
die Bigerriones unter den aquitanischen Völkerschaften. 
Später findet sich Begorra, seltener Bigorra für das 
heutige Cieutat bei Tarbes (Hautes-Pyrenees), während 
der alte Name sich nur als Landschaftsbezeichnung 
erhalten hat, besonders als unterscheidende Beifügung 
in Ortsnamen wie Bagneres-de-Bigor re u. a. Zwei 
Bigerra existieren auch in Spanien, das eine, von Livius^ 
als urbs der Oretani erwähnt, jetzt Becerra; das zweite, von 
Ptolemaeus® bei den Bastitanern genannt, ist das heutige 
Bigorra. Luchaire^ erklärt das Wort unter Zuhilfenahme 
einer Form Bi-gar aus dem 10. — 11. Jahrhundert als deux 
hauteurs "^zwei Hügel', Schuchardt^ in Anlehnung an bas- 
kisches ibai-gorri als 'roter Fluß, Rotwasser', Das zweite 
Element finden wir auch in dem iberischen Ortsnamen 
Calagurris, der einmal eine Stadt der Vascones, jetzt Cala- 
horra, ein anderes Mal das heutige Martres-de-Riviere (Haute- 
Garonne) bezeichnet. Das erstere kommt in der Form 
Calagorra lt. Ant. unserem Namen noch näher. 

Unter den Völkerschaften, deren Namen sich als 
Orts- und Landschaftsbezeichnung erhalten haben, sind 
zweifellos iberisch die Cerretani des Plinius", wie aus dem 
ausdrücklichen Zeugnisse Strabos hervorgeht, der sie ein 



1 I 420. — - II 7, 1. — 3 IV 108. 

* B. G. III 27, 1. — ö XXIV 41, 11. 

6 II 6,60. — 7 Idiomes pyr^n. 78. — 8 A. a. 0. 3 f. 

9 III 22 u. 23; Strabo IIL 162; Ptolem. II 6,68. 



Ilierische Naroen. 68 

IßnpiKÖv qpöXov nennt. Die von Avien' erwähnten fkretea 
sind ofienhnr mit ihnen identisch. Nach Phillips und 
Luchaire kehrt ihr Namo im beutigen Ortsnamen C^ret 
(Pyrenn^es-orientales) wieder. Ihr Gebiet hieß Cerrelania^ 
woraus die Bezeiclinung der kleinen Pyrenäenlandschaft 
Cerdagne entstanden ist.' 

Etwas weiter von den Pyrenäen ab führt uns Beziers 
(Hörnult), das zuerst in einer Inschrift^ als Baeterrae vor- 
kommt, wozu sich auch Strabo"* mit Baireppa gesellt, während 
Mela, It. Ant. und andere Beterrae haben; auf gallischen 
Münzen werden die Bewohner Betarrati genannt. Die ältesten 
Formen zeigen in der ersten Silbe ae und erinnern an den 
liöchst wahrscheinlich iberischen Flußnamen Bnetis und die 
Landschaft Baeturia, die nicht nach dem Baetis benannt 
zu sein scheint. Die heutig(; Form des Namens wird von 
einigen als Entwickelung aus späterem Baederis erklärt, 
indem intervokalisches d sich wie oft im Provenzalischen 
zu stimmhaftem s umgestaltet habe; doch ist es nicht 
ausgeschlossen, daß eine volkstümliche Form Besara, die 
sogar Avien v. 589 schon erwähnt, neben der offiziellen mit 
inlautendem t existiert und die moderne Gestaltung des 
Namens beeinflußt hat. 

Auch Ansei'' oder Auscii* kann wohl ohne Bedenken als 
ein iberisches Wort angesehen werden, wenn auch eine Erklä- 
rung davon nicht gelingen will. Man glaubt dieselbe Wurzel 
in dem Worte Eiiskara zu erkennen, mit dem die heutigen 
Basken ihre Sprache bezeichnen. Nach Mela waren sie das 
angesehenste und wohlhabendste Volk Aquitaniens. Ihre 
Hauptstadt hieß El'mmherrum (iberisch = Neustadt), jetzt 
Auch (Gers) (s. oben S. 60). 

Als unsicher, aber wahrscheinlich iberisch muß der 
Landschaftsname B^aru gelten, dessen Endung zwar auch 
dem Ligurischen eignet, für dessen Stamm aber dort 

> Oru mar. 550. 

' Vj?l. über sie Longnon, Geographie 6. 

' CIL. XII 4227. — * IV 182. 

» Caesar B. G. III 27. — • Mela III 20. 



64 Die ältesten Ortsnamen xind ihre Bedeutung. 

Anklänge nicht zu finden sind. Zeuß^ ist im Zweifel, 
ob das Wort gallisch oder iberisch sei. Die Benarni be- 
zeichnen bei Plinius^ in der zweifellos verderbten Form 
Venami für richtiges Venarni (der Wechsel von h und 
V ist dem ganzen Süden eigentümlich) eine Völker- 
schaft bezw. eine Stadt. Das It. Ant. nennt an mehreren 
Stellen Benearnum als erste Station des iter ab Äquis 
Tarbellicis (Dax) Tolosam, und die Not. Gall. führt eine 
civ. Benarnensium auf, an deren Stelle später der 
Ortsname Lascurris (zuerst erwähnt 980), jetzt Lescar 
(Basses-Pyrenees) trat, während Bearn als Name einer 
Provinz berühmt geworden ist.^ 

Zu den iberischen Worten ist zwar nicht mit Sicher- 
heit, doch mit großer Wahrschoinlichkeit auch Bordeaux 
(Gironde) zu rechnen. Cäsar nennt es nicht, weil sein 
Weg ihn zufällig nicht dorthin geführt hat; so ist Strabo* 
der erste, der es als BoupbiYotXa erwähnt, eine Stadt der 
Bituriger, die sich als das einzige fremde (gallische) 
Volk unter den Aquitaniern angesiedelt haben. Es 
scheint damals schon ein bedeutender Ort gewesen zu 
sein, was zugleich auf ein längeres Bestehen schließen 
läßt. Außer der Lage spricht für iberischen Ursprung auch 
der Name einer Stadt Boüpöoua in Lusitanien, die Ptole- 
maeus^ nennt, doch kommt der Stamm burd- auch sonst 
vor.® Das zweite Element -gala begegnet in einem 
Ortsnamen Turgala in Spanien.'' Doch kann wohl auch 
eine dialektische Nebenform zu cala vorliegen, das 
sich im häufigen rein iberischen Calagurris findet, aber 
auch dem Gallischen nicht fremd ist, wo wir Cala 
allein sowie die Zusammensetzung Caladunum antreffen. 
Burdegala, das neben Burdigala vorkommt, ist erst 
eine spätere Bildung und tritt zum ersten Male im It. 



1 Gramm. Celt. 774. — ^ iv 108. 

* Über den pagus Beneharnensis vgl. Longnon, Atlas 151. 

< IV 190. — MI 5, 8. 

6 Vgl. Pauly-WiB80wa III 1061 f. 

^ Bei Hyginus u. a. aus Holder. 



Iberische Namen. 65 

lii<>ros. auf, ist aber bei weitem vorwiegend auf den zahl- 
reichen Münzen der merowingischen Zeit. Der paffUfi 
Jiimügalensis hat sich später zum Landi^chaftsnamen Bor- 
de lais entwickelt. ' 

Bourdeaux (Drome) verdankt seinen Namen einer 
Familie, die den Ort von den Grafen von Diois als Lehen 
besnO und die selbst wohl der berühmten Stadt an der 
Garonnemündung entstammen mochte. Alte Formen sind 
Bunhgalis 1032, Bordel 1214, Bordeuz 1193.« 

Carcas sonne (Aude) heißt bei Plinius' Carcasum, 
bei Ptolemaeus"* KapKaauu var. KapKaaauj; erst in späterer 
Zeit ist der s-Lnut allgemein stimmlos geworden und 
das gallische Suffix ona angetreten (wie in Narhona 
statt des älteren Narha)\ wir finden CasteUum Carcassome 
im It. Hieros., Garcassione T. P. Desjardins und andere 
sehen in der ersten Silbe das phönizische carsh, 
catch,, cark 'Stadt' und halten somit den Ort für eine 
Gründung der Phönizier. Aber was sollte diese bewogen 
haben, in solcher Entfernung vom Meere, an einem wenig 
wasserreichen und zur Schiffahrt untauglichen Flüßchen 
eine Siedelung anzulegen? Da Carcasum nach Stamm und 
Endung nichtgallisches Gepräge trägt, so liegt nur die 
Möglichkeit vor, es dem Ligurischen oder Iberischen zu- 
zuweisen. Unter den erhaltenen ligurischen Namen sind 
Anklänge nicht zu entdecken, wohl aber gibt es in 
Spanien, im Gebiete der iberischen Bastitaner einen Ort 
KctpKa^, und nicht allzuweit davon entfernt erwähnt das 
It. Ant. ein Carcvvium. 

Daß auch Narbo, das heutige Narbonne (Aude) 
iberisch pei, verficht MüUenhoff* mit reichlichen Gründen 
der Wahrscheinlichkeit. Sein Auftreten in der Ora 
maritima, d. h. zu einer Zeit, wo die Gallier an der 



* Über dieses Longnon, Atlas 146. 

' Bran-Darand, Dict. top. du d^p. de la Dröme unter 
Bordeaux. 

» III 36. -- * II 10, fi 1 l'tol. II 6.r,0. 

• P. A. 1 186 ff. 

Q r ö b 1 e r , Französische OrUnuuen. ft 



66 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Mittelmeerküste noch nicht Boden gefaßt hatten, kann 
uns nur zwischen ligurischem und iberischem Ur- 
sprünge schwanken lassen, denn beide Völker müssen in 
alter Zeit ungefähr dort zusammengestoßen haben (s. o. 
S. 22). Avien nennt den Ort die gewaltige Hauptstadt 
des trotzigen Reiches der Elesyker: 

gens Elesycum prius 
loca haec tenebat atque Narbo civitas 
erat ferocis maximum regni caput. 

Ob diese nun Iberer oder Ligurer waren, wissen wir 
freilich ebensowenig anzugeben ; wohl aber ist für Narbo ein 
Anklang im Iberischen zu entdecken, währen der im Ligu- 
rischen ganz fehlt. Ein Arbonneim heutigen Basken- 
lande heißt alt Narbona.^ Aus dem von Hecataeus angeführten 
Ethnikum NapßaTo^ schließt Müllenhoff, daß eine ältere Form 
des Stadtnamens Ndpßa lautete, und stellt diese zu einem von 
Humboldt besprochenen iberischen iV^o)"6a; der Volksname 
'EXiffuKOi aber (so heißt er bei Hecataeus) erinnert ihn 
an das oben besprochene iberische eli 'Stadt' oder an den 
Ortsnamen Elusa. Die Gallier haben dann Narbo durch 
die in ihren Ortsnamen beliebte Endung -ona (vgl. das 
oben erörterte Carcasum-Carcasona) erweitert, doch ist den 
Römern ja durchaus noch die erste Form geläufig. 



IV. Phönizische Namen. 



Die Ora maritima nennt v. 567 ^^os^ Pyrenaeum 
iugum den amnis Boschinus; Mela" spricht in derselben 
Gegend von der colonia Buscino, desgleichen Plinius^, 
während Strabo* einen Fluß und eine Stadt dieses 
Namens kennt, der erstere offenbar nach der letzteren 



^ CIL. II 3876, wie ich aus C. Jullian, Histoire de la 
Gaule I 176 erfahre. 

2 II 84. — 3 ni 32. — ■* IV 182. 



PhOnizische Namen. 67 

benannt. Nach Müllenhoff gibt es einen karthagischen 
Hafon Huscino, was den phönizisehen Ursprung des Namens 
auUer Zweifel stellt. Der Ort ist später untergegangen 
und in seiner Nähe das heutige Perpignnn entstanden; 
doch erinnert an jenen noch ein alter Turm, Castell 
Rossillo, 5 km östlich von Perpignan. Die Stadt, die 
im Mittelalter als Ruscellione, Rossilione, Atlas 197, vor- 
kommt, hat der umliegenden Landschaft ihren Namen 
g€>geben, in den Urkunden Ruscinemis comitatus, pagus 
Rossilionotsis oder Russuliotieiisis, Atla8l54, jetzt Roussillon 
(I*yr6neß-Orientales). Die Grafen von R. hatten aus- 
gedehnten Besitz in Südfrankreich, und auf sie als Grund- 
herren sind wohl auch mehrere Ortsnamen Roussillon 
(Vaucluse, lefere, Saone-et-I^ire) zurückzuführen. 

Außer diesem kann kein Ortsname mit gleicher 
Sicherheit auf phönizisehen Ursprung Anspruch erheben; 
doch führe ich noch andere als möglicherweise hierher 
gehörig an. 

Meine Zweifel über die Zugehörigkeit von Monaco 
zu den griechischen Ortsnamen habe ich bereits oben 
(S. 2<)) ausgesprochen ; sie beruhen auf der Beobachtung, 
daß die meisten alten Namen dieser Gegend, die auf die 
Verehrung des Herkules oder der Venus hinweisen, phö- 
nizisehen Ursprungs sind. Das trifil gewiß auch auf den 
vorliegenden zu ; schon bei Hecataeus' heißt der Ort Movoiko?, 
und Strabo'' versichert, daß der Hafen des Monoikos einen 
Tempel des sogenannten 'HpaKXn? M6voiko<; habe und daß 
diesem Namen nach die Küstenfahrt der Massalier sich bis 
dorthin erstreckt zu haben scheine. MovoTko? wird nun 
erklärt aus gr. |li6vo? 'allein' und oiko? 'Haus' bezw. oJkciv 
'wohnen', und Nissen^ sagt: «Der Name wird entweder 
auf die Einsamkeit des Ortes oder auf den Tempel gedeutet, 
in welchem der Gott ohne Mitwohner verehrt sein sollte.» 
Nun ist aber ein Adj. jiOvoiKO^ außer in bezug auf unseren 



I 



» Fragin. 23 bei Steph. v. Byz. .S. 471. 
» IV 202. — » Ital. Landeskunile II 188. 

5» 



68 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Ort in der ganzen übrigen griechischen Literatur nicht 
belegt (luovoiKTiTog wird in diesem Sinne bei Lykurg 960 
gebraucht), und es liegt nahe, an eine durch die inassa- 
liotischen Griechen vorgenommene volksetymologische Um- 
gestaltung eines alten phönizischen Wortes zu denken. Als 
solches nennt Lavisse^ nach unbekannter Quelle Menuha, 
das 'Halteplatz, Ruhe' bedeute. Die moderne Form Mo- 
naco ist italienisch; die entsprechende französische Bil- 
dung ist Mounegue oder Monegue oder Mourgues, 
Morgues. 

V. Griechische Namen. 



Die Zahl der Ortsnamen griechischen Ursprungs, 
schon im Altertum nicht groß, hat im Laufe der Jahr- 
hunderte noch etliche Einbuße erlitten. Daß die Pflanz- 
stätte des Griechentums in Gallien, Massalia oder Mas- 
silia, nicht hierher zu rechnen sei, habe ich schon an 
anderer Stelle hervorgehoben; auch die übrigen, die ich 
aufzähle, sind nicht sämtlich als zweifellos griechisch 
gesichert. 

Nicaea^ NiKaia^ Nicia^, jetzt frz. Nice (Alpes-Mari- 
times), ital. Nizza, eigentlich 'die Stadt des Sieges' von 
gr. viKrj 'Sieg', entweder an der Stelle gegründet, wo 
von den massalischen Kolonisten ein Sieg über die 
ligurischen Besitzer des Gebietes davongetragen worden 
war, oder Übertragung des Namens eines der zahlreichen 
in der Heimat gelegenen NiKaia, von denen das in Bi- 
thynien wohl das bedeutendste war. Über die Zeit der 
Gründung ist nichts bekannt. 

Antipolis^ 'AviiiroXig '"', eigentlich 'Gegenstadt', ver- 
mutlich wegen ihrer Lage Nicaea gegenüber oder auch 



1 Histoire de France I 16. 

2 Plinius III 47; Mela II 76 u. a. 

2 Strabo IV 180, 184; Ptolemaeus III 1, 3. 

* It. Ant. 504. — ^ Mela II 76, Plinius III 35 u. ö. 

« Strabo IV 180, 184; PtolemaeuB II 10, 5. 



Griochischo Namen. 69 

im Sinne von gegnerische, rivalisierende Stadt, jetzt An- 
tibes (Alpes-Maritimes), von den Bewohnern selbst An- 
tiboul genannt. 

Agatha^ 'Axd^n'» gewöhnlich gedeutet als dyaöfi 
Tuxn 'das gute Glück', ist eine der ältesten Kolonien von 
Massalia und wohl bald nach diesem gelbst gegründet, 
jetzt Agdo (Herault). 

Als Leucata bezeichneten die Alten nach Mela^ einen 
Teil der Kü.sto am Ostfuße der Pyrenäen ; das Wort 
i?t vom gr. XeuKÖg 'hell, glänzend, weiß' abzuleiten und 
erinnert an den alten Namen AeuKoia für das Vorgebirge 
der Insel Leukas im Süden von Akarnanien. Tatsächlich 
ist ja Leucate im Dep. Aude noch heute der Name 
eines Vorgebirgee, das allerdings dem Seefahrer durch seine 
schimmernden Felswände ins Auge fällt und daher wohl 
jene Bezeichnung verdient; außerdem gibt es noch ein Dorf 
Leucate, und der Salzwassersee, an dem es liegt, heißt 
ebenfalls Etang de Leucate. Die unveränderte Form 
dieser Wörter zeigt übrigens, daß sie erst nach der Re- 
naissance von Gelehrten wieder eingeführt worden sind. 

Olbia* 'OXßia', jetzt das Dorf Eoubes (Var), unweit 
von Hy^res, verdankt wahrscheinlich seinen Namen wie 
Nicaea einem der verschiedenen Olbia in den griechischen 
Kolonien; am ehesten kommt das in Pamphylien ge- 
legene in Betr.'tcht. Das griechische Abstraktura öXßia 
bedeutet 'Glückseligkeit'. 

Citharisfa " wird von den Alten nicht ausdrücklich 
als griechische Kolonie erwähnt, doch macht der Name 
zweifellos den Eindruck eines griechischen; er begegnet 
sonst nicht in der alten Geographie, so daß auf diesem 
Wege keine Schlüsse gezogen werden können. Jullian^ 

* MelallSO; Plinius m 33. 

* Strabo IV 180. 182; Ptolemaeas U 10. 2. 
' II 82. — * Mela II 77. 

» Strabo IV 180. 184 ; l'tolemaeuB II 10, 8. 

* Mela II 77 post . . . Citharisten; Plinius III 85; Itin. 
roarit. 506. 

' Histoire de la Gaole I 398. 



70 Die älteBten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

meint, es bedeute eigentlich 'die Stadt der Zither' (vom 
gr. Kiddpa 'die Zither') und rühre davon her, daß die den 
Ort begrenzenden Hügel die Gestalt dieses Musikinstru- 
mentes hätten. Es wurde um 160 vor Chr. gegründet, 
als Sextius Calvinus nach Vertreibung der ligurischen 
Salyer den Massaliern die Küste überließ. Heute ein Dorf 
Ceyreste (Bouches-du-Rhone) in der Nähe von La Ciotat; 
interessante Mittelformen sind Cezireste 1021, Gezeresta 1025. 

Sprachlich, wenn auch nicht historisch, gehören zu 
den griechischen Namen noch zwei andere. Eine 
(Pyrenees-Orientales), im Altertum und im Mittelalter eine 
bedeutende Stadt, aber im Laufe der .Jahrhunderte oft 
geplündert und zerstört und jetzt nur noch ein Schatten 
seiner alten Größe, ist eine Gründung der Iberer, wie 
sein ursprünglicher Name Illiberis beweist. Konstantin 
der Große nannte es Helena^ nach dem Namen seiner 
Mutter, und daraus hat sich die heutige Form entwickelt. 

Oberhalb des heutigen Monaco, nicht weit von der 
Stelle, wo in römischer Zeit die Grenze zwischen Italien 
und der Provincia Narbonensis verlief, errichtete Augustus 
im Jahre 6 ein Denkmal zur Erinnerung an die end- 
gültige Unterwerfung der widerspenstigen Ligurer und 
zugleich wohl ein Grenzzeichen des italischen Gebietes, 
das Siegesdenkmal des Augustus, Tropaea Äugusti genannt, 
vom gr. TpÖTraiov, plur. Tpöiraia 'Siegeszeichen'. Das 
Denkmal, halb in Trümmer zerfallen, steht noch jetzt 
und neben ihm das Dörfchen 1 a T u r b i e ( Alpes-Maritimes), 
dessen Name auf jenen griechischen zurückgeht. 

1 Eutrop X 9. 



GaUiHch« Namen. 71 

VI. Gallische Namen.^ 



A. Ursprüngliche Volksnamen. 

Unter den gallischen Namen bilden, wie früher aus- 
geführt, eine besondere Gruppe die ursprünglichen Eth- 
nikrt, die erst im Laufe der ersten Jahrhunderte der 
römischen Herrschaft eine toponymische Bedeutung an- 
genommen haben (s. o. S. 36). Als Volksnamen gehören 
sie sicher zu dem ältesten gallischen Sprachgute, und so 
ist es berechtigt, wenn sie an erster Stelle behandelt 
werden. 

Das Alpen Volk der Catunges erwähnt zuerst Ciü^ar.* 
Das Wort ist nom. plur. von Catu-rix und bedeutet 
'Kampfkönige' von cätü 'Kampf, air. cath^ ky. mbret. caf, 
nbret. cad, germ. hathi, ahd. hadu, nhd. Hader, und rrx, 
gen. rigos, air. rr, lat. rcx, ri-gis 'König'. Sie waren ur- 
sprünglich ein mächtiges Volk, das sich, aus Deutschland 
kommend, in der nördlichen Poebene, im Rhone- und 
Seinebecken ansiedelte. Hier handelt es sich um den 



* FOr die Erklikiing kommen hauptsächlich in Betracht: 
J. K. Zeuß, Die Deatachcn und die Nachbarstämme; derselbe, 
Grammatica Celtica, 2. Aufl., besorgt von H, Ebel. Tourneur, 
Indices omnium vocabulorum linpuae priscae Gallicae, quae in 
Grammatica Celtica explanantur, im Archiv für keltische Lexi- 
kographie III 109 ff. C. W. Glück, Die bei Caius Julius Caesar 
vorkommenden keltischen Namen. Esser, Beiträge lur gall. 
Namenkunde. Whitley Stokes, Urkeltischer Sprachschat«, 
übersetzt, überarbeitet u. herausg. v. A. Bezzen berger als 
II. Band von Fick, Vergleichendes Wörterbuch der indoger- 
manischen Sprachen. H. d'Arbois de Jubainville, 1. Re- 
rherches sur l'origine de la propri6t6 fonciöre . . . en France; 
2. I.es Premiers habitants de l'Europe; 3. Les noms gaulois chez 
Ct^sar. Windisch, 1. Irische Texte und Wörterbuch; 2. dessen 
Beiträge in E. Curtius, GrundzOge der griechischen Etymologie. 
Walde, Etymologisches Wörterbuch der lateinischen Sprache. 
Thurneyaen, Keltoromanisches. G. Dottin, Manuel pour 
servir k l'^tude de l'Antiquitö Celtique. Stokes und Strachan, 
Thesaurus Palaoohibemicus. 

» B.G. 110,4. 



72 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

zweiten dieser drei Äste, die Caturiges am Oberlaufe der 
Durance, deren Hauptstadt Caturigo-magus {magus = Feld) 
zuerst im It. Ant. als Caturrigas auftritt, 11. Jahrhundert 
Cadorgas, jetzt Chorges (Hautes-Alpes). 

Trlcastini^, TpiKa(JTivoi bei Ptolomaeus^, der als ihre 
Hauptstadt Noiö)iiaYO(; = Noviomagos ^Neufeld, Neudorf' 
erwähnt, wofür aber schon Plinius^ Äugusta Tricastinorum 
kennt ; die Not. Gall. verzeichnet die civ. Tricastinorum 
und wenig später Apollinaris Sidonius* Tricastina urbs. 
Der erste Bestandteil des Wortes ist höchst wahrscheinlich 
das Zahlwort tri 'drei', das wir auch im VN. Tricorii 
'drei Heerhaufen' finden, der zweite ist noch nicht be- 
friedigend gedeutet, in späterer Zeit aber volksetyraologisch 
an lat. castrum 'Festung' angelehnt worden, denn der Ort 
erscheint heute, mit einem Heiligennamen verbunden, in 
der Form Saint-Paul-Trois-Chäteaux (Drome). Der 
Name des Heiligen findet sich zuerst in einer Urkunde 
von 1182; zu dieser Zeit hat also die dem heiligen 
Paulus geweihte Kirche, nach der die Stadt später ge- 
nannt wurde, schon bestanden. Der pagus Tricastinensis 
lebte im späteren Mittelalter wieder auf als le Tricastin, 
doch scheint diese Landschaftsbezeichnung jetzt in Ver- 
gessenheit gekommen zu sein. 

Vellävii^, später Vellavi stellt Glück ^ zu ky. guell, 
bret. körn, gwell 'besser' (vgl. engl, well, deutsch wohl), so 
daß der Name 'die Tapferen, Tüchtigen' bedeutet. Ihre 
Hauptstadt ist Buessio oder Bevessio, wofür Not. Gall. civ. 
Vellavorum, Gregor von Tours Vellavus oder Vellava urhs. 
Später gab die Stadt ihren alten Namen auf und wurde 
nach einem Heiligen Saint-Paulien genannt, während der 
Volksname im pagus Vellavicus, vulgär Vellaicus 845, heute 
le Velay erhalten blieb. Auch der Charakter als kirch- 
licher und administrativer Hauptort guig dem alten 
Vellavi — Saint-Paulien verloren, und an seine Stelle trat 



1 Livius V 34. 

2 II 10, 13. — ä III 36. — " Epist. IV 12,8. 

s Caesar B. G. VII 75, 2, - » Keltische Namen 164f. 



G«l!i»cho Namen. 78 

Ankiitm, das jetzt I.e I*uyen-\'elay (Haute- Loire) heißt. 
So erklärt es sich, daß einige Handschriften der Not. Gall. 
bei civitaa Vellavorum von späterer Hand die Beifügung 
tragen: tquae nutic Podium dicitur» {podium, nfrz. puy =i 
'Hügel, Anhöhe', ein in Südfrankreich viel verbreiteter 
Ortsname). 

Oäbäli. Vgl ir. gahiin ich nehme', körn, gacel, ky. 
gafael 'das Ergreifen', verwandt mit gerni. gebati, Sie 
werden zuerst von Caesar^ erwähnt. Ihre Hauptstadt 
Anderitum heißt civ. Gahalum in der Not. Gall., aber 
schon Gabalibus auf einem Meilensteine zu Ehren des 
Kaisers Postumus aus dem Jahre 265'; jetzt Javols 
(Ix)z6re), nur noch ein Dorf. Das Adjektiv Gabalitanus 
erscheint zuerst bei Sidonius^, später als Gavaldanus und 
ergab den Landschaftsnamen Gevaudan. 

Büteni^ ist vielleicht kein ursprünglich gallischer, 
sondern ein ligurischer Name, da der Flußname RtUuba, 
der denselben Stamm zeigt, nach Ligurien weist und die 
Personennamen Rutius, Rutaiitis auch in oder nahe bei 
ligurischem Sprachgebiete vorkommen; das Suffix -en ist 
in ligurischen Worten nicht selten, gehört aber auch dem 
Gallischen an. Die Ruteni hatten die Hauptstadt Sego- 
dunum, die auch die Not. Tiron. noch kennen^ während 
die Tab. Peut. zuerst Ruteni als Ortsnamen anführt, 
desgleichen die Not. Gall. und Sidonius, woraus später 
Rodez (Aveyron) wurde, mißbräuchlich auch Rhodez 
geschrieben, wohl in Anlehnung an Rhodanus. Die 
Adjektivform Rutenicus erscheint in der fehlerhaften 
Schreibung Rotonicus zuerst in einer Urkunde von 511, 
als Rotenecus 628 ^ und aus ihr hat sich der Name der 
Provinz le Rouergue entwickelt. 

Weit in altiberisches Gebiet führt uns der Name der 
Consoranni, zuerst und wohl in seiner ältesten Gestalt von 



» B G. VII 7, 2 u. ö. — » Holder I Sp. 1507. 

3 Epist V 13, 2. 

* Caeear B. G. I 46, 2 u. ö. 

> Holder 1254. 



74 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Plinius^ überliefert; doch weist Luchaire^ ihren Namen 
nicht dem Iberischen, sondern dem Gallischen zu. Eine 
Deutung ist bis jetzt nicht versucht worden; das Wort 
wird in ein Präfix con- = lat. con, cum (vgl. VN. Gondrusi 
neben dem PN. Dromos, PN. Contoutos neben Toutius) und 
ein sonst unbekanntes Stammelement zu zerlegen sein. 
Der Name ihrer Hauptstadt ist nirgends überliefert, 
vielleicht weil sie ursprünglich nur einen Zweig der 
Convenae bildeten und mit diesen den Ort Lugdunum 
Convenarum gemein hatten; erst die Notitia Galliarum 
nennt eine civitas Consoranorum ; ein Zeugnis aus der 
zweiten Hälfte des siebenten Jahrhunderts erwähnt einen 
Sesemundus Gonsoramnis urMs episcapus, und an einer 
anderen Stelle derselben Urkunde findet sich Goserannus 
urhis episcopus. Die doppelte Form des Namens^ die noch 
heute besteht — Conserans und Couserans (auch 
beide mit e) — war also schon in so früher Zeit vor- 
handen. Später hat der Ort seinen Namen geändert und 
heißt nach einem Bischof Glycerius (auch Lycerius; er 
starb in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts) 
Saint-Lizier (Ariege), während die aus dem Volks- 
namen abgeleiteten Formen noch als Landschaftsbezeich- 
nungen leben. 

Gadürci'^ KaöoöpKOi.* Hinsichtlich der Bedeutung 
weist d'Arbois de Jubainville^ hin auf die Wurzel cad, 
air. cad 'sich auszeichnen', aky. cadr, glossiert decorus, wo- 
von bret. kaer "^schön'. Ihre Hauptstadt hieß Divona 'die 
Göttliche', später Cadurci, das am frühesten in der Tab. 
Peut. gebraucht ist, Gadurcis in merowingischer Zeit, jetzt 
Gabors (Lot). Vom (pagus) Cadurcinus, irrtümlich auch 
Gaturcinus geschrieben, stammt prov. Gaerci^, frz. Quercy, 
Name einer ehemaligen Grafschaft. 

Boiates. Ihr Name findet sich bei keinem der 



1 III 32. — 2 Idiomes 37. 

3 Caesar B. G. VII 4. 5. 7 u. ö. 

* Strabo IV 190. — ^ Les noms gauloia 184 ff. 

« Longnon, Atlas 144. 



Gallische Namen. 75 

ftlttTon Autoren; doch nennt (-'äaar' die Vocaies, Pliniua* 
die Basaloeales, die in zwei Handschriften Basaboiates 
heißen. Da die Vasates Nachbarn der Boiates waren, so 
mag Plinius beide unter der Bezeichnung Basaboiates zu- 
sammengefaßt haben. Es ist kaum zu bezweifeln, daß 
Boiates, Bocates, Vocaies nur verschiedene Formen desselben 
Namens sind; der Wechsel von h und v ist im aquita- 
nischen Sprachgebiete nichts Ungewöhnliches und erklärt 
sich aus dem Charakter des Lautes als bilabialer stimm* 
hafter Spirans, der bald als bilabialer Verschlußlaut 6, 
bald als labiodentale Spirans t; ausgedrückt wird. Das 
Schwanken von c und t freilich ist sprachlich nicht ge- 
rechtfertigt, und man möchte an einen auf die ältesten 
Cüsarhandschriften zurückgehenden Schreibfehler glauben. 
Die Boiates tragen den Namen ihrer Hauptstadt Boii, 
wohl einer Gründung dos berühmten gallischen Volkes 
der Boii, das sich durch Wandertrieb und Unterneh- 
mungslust vor allen anderen auszeichnete und von dem 
ein Haufe hierher weit nach dem Westen versprengt 
worden sein mag. Boii führt d'Arbois de Jubainville zu- 
rück auf eine Wurzel bog je brise, je saisis le bien 
d'autrui' und deutet den Volksnamen als 'les conqu&ants'. 
Das It. Ant. erwähnt die Stadt Boii etwa 36 km (süd- 
westlich) von Bordeaux liegend; die Not. Gall. nennt die 
civ. Boiatium. Später verschwinden beide Namen, und 
nur die aus payus Boicus gebildete Landschaftsbezeichnung 
Buch erhält sich mit der Hauptstadt La Teste-de-Buch 
(Gironde)."* 

Santönes, Santöiii*, noch nicht befriedigend erklärt, 
nördlich von der Garonnemündung seßhaft. Ihre Haupt- 
stadt war Mediolanum (Mittenfelde), bei Ausonius^ zuerst 
Santonus, Gregor von Tours Santonas, woraus sich Saintes 
(Charente-Inf^rieuro) entwickelt hat. Der pagtts Santonicus 
ergab die spätere Provinz le Saintonge. 

> B. G. ni 28, 1. 

» IV 108. — » Vgl. auch Longnon, Atlas 151. 

♦ Caesar B. G. 1 10, 1 u. ö. — » Epiat XXV 79. 



76 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

PetrÖcorii'^ TTexpoKopioi^ enthält als erstes Element 
das Zahlwort petru Vier' in ähnlicher Form wie lat. qua- 
dru in quadrupes^ als zweites corio, ir. cuire 'Kriegerschar' 
zu got. harjis, nhd. Heer; das Wort bedeutet also 'vier 
Heerhaufen'. Die alte Hauptstadt Vesunna wird als civ. 
Petrocorionim in der Not. Gall. genannt, in nierowingischen 
Urkunden Petracoris, bei Sidonius Petragoris, jetzt Peri- 
giieux (Dordogne) mit der Übergangsform Peregues 1430. 
Der Provinzname Perigord geht zurück auf Petrocoricus 
506, Petrogoricus bei Gregor von Tours ^ und Mittelformen 
wie Peiregorc 12. Jahrhundert, Peiregor 1227, Peiregort 1253. 

Lemövices^ AejaoouiKeg.^ Das gallische Appellativ ^lemos 
bedeutet 'Ulme' nach ir. leamh, ky. Ibvyf; vices, das auch in 
den VN. Ebiirovices, Brannoviees vorkommt, gehört zu got. 
iveihan, ahd. ags. wtgan 'kämpfen', air. ßchim 'ich kämpfe', 
so daß vires 'die Streiter' bedeutete; dann müßte man frei- 
lich, wie d'Arbois will, in Lemos einen Personennamen 
sehen, was aber nur durch ein einmal überliefertes Lemo 
gestützt wird. Die Bedeutung des Volksnamens wäre dann 
'die Streiter des Lemos'. Ihre Hauptstadt, bei Ptolemaeus 
und bis ins siebente Jahrhundert Äugustoritum {rituni = 
Furt), heißt schon bei Sidonius^ Lemovices, in der Not. 
Gall. Civitas Lemovicum. Das heutige Limoges (Haute- 
Vienne) ist aus dem gallischen Akkusativ Lemovicas, Li- 
movicas zu erklären, der zuerst bei Gregor von Tours ^ 
und später oft als erstarrte Form begegnet, während Lemo- 
vicinus terminus den Ursprung des Provinznamens Limou- 
sin zeigt. 

Arverni. Sie werden schon von Apollodor genannt, 
bei Stephan von Byzanz als 'Apoepvoi, sodann oft bei 
Cäsar.^ Der Name ist noch nicht völlig befriedigend er- 
klärt; doch liegt es nahe, als Grundform '■^Äreverni an- 



1 Caesar B. G. VII 75, 2. — ^ Strabo IV 190 f. 

3 Hist. Franc. VI 6 ; VII 26. 

* Caesar ß. G. VII 4. 75 u. ö. 

° Strabo IV 190. — ^ Epist. VII 6, 7. 

^ Hist. Franc. VH 13; IX 20. — » B. G. I 31, 3 u. ö. 



Gallinche Namen. 77 

zunehmen, bcstehenil aus der Präposition are = griech. 
TTapd (Schwund des indogermanischen p im Gallischen 
Regel)' und rem- 'Erle'. Sie waren zu Cäsars Zeit und 
mehr noch vor seinem Erscheinen einer der müchtigsten 
gallischen Stämme.' Die Hauptstadt ihres Landes hieß 
zuerst Kemossus, später Augiistonemehim (= Fanum Augiisli), 
bis nilmählich der Name Arverni. zuerst in der Not. Gall., 
an die Stelle trat. Gregor von Tours gebraucht meist die 
Ablativform Arpe)iiis indeklinabel, daneben gelegentlich 
apud Atfenios. Aus Arvernis hätte sich über Alvemis 
Auvers entwickeln müssen, und tatsächlich gibt es auch 
in Nord f rankreich mehrere Dörfer dieses Namens, so ein 
Auvers-sur-0ise(0ise)i4/i'cr«is im neunten Jahrhundert ^ 
Gründungen ausgewanderter Auvergnaten. Unter Karl dem 
Großen wird neben Arverni die Bezeichnung Clarus Mom 
gebraucht, wie die Burg des Ortes schon zur Merowinger- 
zeit hieß. Als Ludwig XIIL mit der Stadt das nahe 
Montferrand vereinigte, erhielt sie den Doppelnamen 
Clermont-Ferrand (Puy-de-Döme) zum Unterschiede 
von mehreren anderen Clermont. Der Name der Land- 
schaft Auvergne geht zurück auf Arvemicus pagus, zu- 
erst 570 genannt, Arcermca regio.* 

BUitriges^, BiTOupiYe?^, eine in mehrere Stämme ge- 
teilte Völkerschaft, die als Bifnriges Vibisci zu beiden 
Seiten der Garonnemündung mit der Hauptstadt Bürde- 
gala, als Bit. Cubi südlich vom Mittelläufe der Ijoire ihre 
Sitze hatte. Der erste Bestandteil des Wortes bedeutet 
'Welt', air. bith, aky. 6i7, hyt, bret. bet, der zweite riges 
'Könige' ist schon bei Caturiges behandelt; das Wort 
htM'ßt also 'Weltkönigc'. Die Hauptstadt der Bituriges 
Cubi war Araricum (das am Flusse Avara, jetzt Y^ro 
gelegene), zu Cäsars Zeit ein befestigter Platz von 40000 

> Vgl. Pedersen I § 53. — « B. G. I 31. 

' Longnon, Geographie 481. 

'* Über ihre historisclten Verhilltnisse lA>ngDOD, Atlas 143. 

» Cafsar B. G. I 18, 6 u. ö. 

• Straho IV 190. 



78 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Einwohnern und weitberühmt durch seine Schönheit.^ 
Der Name des Volkes wird zuerst auf die Stadt an- 
gewendet von Ammian^ Biturrigae und Tab, Peut. Betu- 
riges, später Biturica oder Bituriga urhs. Aus BUüricas 
entwickelte sich das heutige Bourges (Cher), während 
der Landschaftsname Berry aus Biturigus pagus her- 
geleitet werden muß. ^ 

Pidönes, Pidävi. Cäsar* gebraucht nur die erste der 
beiden Formen, ebenso Strabo, Plinius, Ptolemaeus. Auso- 
nius und Paulinus Petrocordiae verwenden Fidones neben 
dem später entstandenen Pidavi, das den französischen 
Umbildungen des Namens zugrunde liegt. Für Pidavi 
erscheint auf merowingischen Münzen fast ausschließlich 
Pedav . . ., desgleichen bei Gregor von Tours. '^ Den Stamm 
des Wortes bringen Stokes und d'Arbois de Jubainville "^ 
mit mir. dcht, nir. docht 'a carver or engraver' zusammen, 
doch scheint das irische Wort aus lat. pidor entlehnt zu 
sein. Der Ursprung bleibt demnach dunkel. Die Haupt- 
stadt des Volkes war Limotium, Lemonum (Ort der Ulmen). 
Am frühesten findet sich Civitas Pidoniim auf den Ort 
angCAvendet in einer Inschrift des zweiten Jahrhunderts^, 
die im Museum von Poitiers aufbewahrt^ ist, dann bei 
Ammian^ Pidavi, in späterer Zeit meist indeklinabel Pic- 
tavis, Pedavis, woraus nfrz. Poitiers (Vienne) mit den 
Zwischenformen Peitieus im Leodegarliede, Peytiers 1266. 
Der Name der Provinz Poitou geht auf die Singular- 
form pagus Pidavus zurück, über Poyto 1296 und 1309.^^ 
Aus Pidavus ist endlich ein Adjektiv Pidavinus gebildet 
worden, das den Volksnamen Poitevin erklärt. 



^ B. G. VII 15: pulcherrima prope totius Galliae urhs. 
2 XV 11, 11. 

^ Vgl. dazu Meyer-Lübke, Betonung 10. 
* B. G. III 11; Vn4 u. 75; VIII 26. 
ö Nachweise bei Holder II s. v. Pictavi. 
6 Premiers Habitants II 284f. - ' CIL XIII 1129. 
8 R6det, Dict, top. du d6p. de la Vienne 321. 
« XV 11, 13. 
^^ Meyer-Lübke, Grammatik der romanischen Sprachen I § 50. 



GalliRche Namen. 79 

NAmnites^ erklärt Glück' als fortes, hinweisend auf 
ir. neamhain (effivadtas, vis, vehementia, violentia). Ihre 
Hauptetadt Condennrm heißt Partus Namnetum in der 
Tab. Pcut., dvUas Namnetum Not. Gall., Namnetis Not. Tir. 
87, 70, jetzt Nantes (Loire-Inferieure). 

Andecävi^ besteht aus der Partikel ande-, deutsch 
and-, etit- (auch erhalten in den gallischen ON. Andeca- 
mulus, Andetnatunnum u. a.) und einem Stamm, der im 
ky. caw Uigamen erhalten ist, so daß Glück"* zu der Be- 
deutung inmcem iuncti, federati 'die Verbündeten' gelangt. 
Der Name ihrer Hauptstadt Juliomagus {magus = Feld) 
wird zuerst in der Not. Gall. durch den Volksnamen er- 
setzt, der meist in der Ablativform Andecavis, von 453 an 
auch als Andegam auftritt, woraus sich allmählich Angers 
(Maine-et-I-ioire) entwickelt hat. Der pagiis Andecavus ergab 
den Provinznamen Anjou, das daraus gebildete Adjektiv 
Andecavimis wieder den Volksnamen Angevin. 

Türöm und Türönes wird von Cäsar ohne Unterschied 
gebraucht^, und auch bei den späteren Autoren wechseln 
beide Formen, doch so, daß die erstere überwiegt. 
D'Arbois de Jubainville leitet es von einer Wurzel tür- ab, 
ai. türas 'stark, mächtig', die noch im keltischen Männer- 
namen Turus und im Gentilnamen Turius auftritt.* Ihre 
Hauptstadt heißt noch in der Tab. Peut. Caesarodunum 
{duHum == Burg), in der Not. Gall. zuerst Turo7ies, jetzt 
Tours (Indre-et-Loire). Aus der Adjektivform Turonicus 
müßte man für die Landschaft nach streng französischen 
Lautgesetzen *Touronge erwarten, wofür in Westfrankreich 
auch *Tourange zulässig wäre; dieses aber hat sich nur 
als Volksname in der Form Tourangeau erhalten, 

» Caesar B. G. III 9. - « Kelt. Namen UO. 

» Plinias IV 18, 82, während Caesar U 35 u. ö. Andes 
schreibt; auch Tacitus, Annal. III 41, und Ptolemaeus nennen die 
Vülkerachaft Andecavi, das auch durch .spätere Autoren als die 
richtige Namensform gesichert ist. 

* A. a. 0. 24 f. — ' B. G. II 35, 8; VII 4. 75,8. 

*' CIL. V 4881 ; auch Turo kommt als Individualnarae vor: 
CIL. 112504; III 2794 u. a. 



80 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutan». 

während die Provinz Touraine heißt, nach Meyer- Lübke^ 
aus T'iironica entstanden. 

Väneti^ odievVenetea^^ Oueveroi'^ bedeutet nach d'Arbois 
"^Verbündete' von "^'venos zu ir. fine "^Familie' = *venia, 
ir, fini ^cognati\ bret. gouen 'race; vgl. aisl. winr, ags. ivin 
"^Freund'. Ihre Hauptstadt ist nach Cäsar Darioriton 
{riton = Furt), in der Tab. Peut. zuerst Veneti, Not. Gall. 
Giv. Venetum, in raerowingischer Zeit Venetis. Als Über- 
gangsformen zum heutigen Van n es (Morbihan) sind be- 
legt Venes 1273, Vanes 1336, Vennes 1424; der bretonische 
Name ist Gwened. 

Bedönes^ 'Pirivoöe?*' ist der Plural von ''^Redü, gen. 
*Bedönos, und Glück ^ lehnt es an das bekannte gallische 
Appellativum reda an, das als liehnvvort ins Lateinische 
übergegangen ist und die Bedeutung 'Wagen' hat wie 
auch im Air. de-riad = bigae, bimga; nir. riadh bedeutet 
aber 'Lauf', so daß nach Glück der Volksname entweder 
'die Schnellen, Hurtigen' bedeutet oder wahrscheinlicher 
ctirribus utentes, etwa 'Wagenkämpfer'; in den germanischen 
Sprachen gehören ags, rdd '^curriis, vehicidum', ahd. reita, 
nhd, reiten zu derselben Wurzel. Die Hauptstadt der 
Redones heißt Condate (= Confluentes, am Zusammenfluß 
von nie und Vilaine), civ. Bedonum Not. Gall., jetzt 
Renn es (Ille-et- Vilaine). 

Diahlinies^, ein Stamm der Aulerci. Für den Namen 
ihrer Hauptstadt Noviodiimim (Neustadt, Neuenburg) findet 
sich Not. Gall. civ. Diablintum, im fünften Jahrhundert 
Diablentas, spät Jabolentis, jetzt Jublains (Mayenne), ein 
Dorf. 

Ein zweiter Stamm der Aulerci sind die Cenomäni.^ 
Der Name bedeutet 'die ferne Wohnenden , die Ent- 
fernten', von *cen-, das nach Glück 58 ff. im air. dan = 



1 Einführung 194. — ^ Caeear B, G. III IS. u. ö. 

=• Zenß, Gr. C. 797. 

' Strabo IV 194 f. — '- Caesar B. G. II 34; VII 75,4. 

« Ptolemaeus II 8, 9. — ' A. a. O. 144. 

8 Caesar III 9, 10. — " Caesar B. G. VII 75. 



Gallische NameD. 81 

remötusj ultra, vgl. gr. {-K€t, attisch 4-K€ivo?, äol. Kf\vo?, 
enthalten ist. Das zweite Element ist der Stamm *inan-, 
den wir in lat. manere, gr. n^vuu 'bleibe', |jovr| 'das Bleiben' 
wiederfinden. Ptolemaeus gibt nls Hauptort des Stammes 
Ou(vöivov an, die Not. Gall. dafür dv. Cenomavvoiim. Im 
fünften und sech.sten Jahrhundert finden sich in buntem 
(jlemiacb die Formen Cenomavnis, Coenomannis, Cinomanis; 
noch interessanter sind die Bildungen mit l. Das Concil. 
Aurelianum vom Jahre 511 hat Frincipiun episcopus de 
Celemannis und an einer anderen Stelle episcopus ecdesiae 
Caelotnannicae, eine Urkunde von ()89 in pago Cilimanko.^ 
Aus diesen Formen hat sich Lemans entwickelt', das 
später in le Mans (Sarthe) getrennt wurde. In ähn- 
licher Weise hat sich *Celemanmcus pagus in den LÄnd- 
schaftsnamen le Maine umgewandelt. 

Der dritte von den vier Zweigen der Aulerci, deren 
Name sich erhalten hat, sind die 

Ebnrovires^, nach d'Arbois 'die Streiter des Eburos', 
vom PN. Eburos* und vic- 'Kämpfer' (vgl. S. 76). Als ihre 
Hauptstadt erwähnt Ptolemaeus MebioXaviov, wofür in der 
Not. Gall. civ. Ebroicorum, Ebroicas 511, Ehroegas 614, Jetzt 
Evreux (Eure).'* 

Cdrnütes.^ Zur Etymologie des Wortes erinnert 
Windisch an gr. Kctpvov, das nach einer Glosse des 
Hesychius fcxXdTai Kdpvov Tr|v adXniTTa auch echt gallisch 
war und 'Trompete, Hörn' bedeutete, also wohl 'Horn- 
bläser'. Ihre Hauptstadt Autricum (das am Fluß Äutura 
= Eure gelegene, vgl. S. 77) heißt zuerst in der Not. 
Gall. civ. Carnotum, Camotas (gall. acc. plur.) in mero- 

' Sftmtlich nach Holder s. v. Cenomanni. 
' Gröhler, Gall. Volksnamen 32 und Elise Richter in Voll- 
mollera Kritischem Jahresbericht X 84. 
' Caesar B. G. III 17 ; VU 75. 

* CIL. lU 4167 u. ö. 

* Die lautlichen Verhältnisse bespricht MeyerLQbke, Be- 
tonung S. 18 ff. und Östberg S. 87. 

' Caesar B. G. II 85 a. ö. 
Gröhler, Franifidache Ortsnamen. • 



8? , Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

wingischen und karolingischen Urkunden. Aus letzterem, 
mit Akzent auf der ersten Silbe, Cärnoias, ist nfz. Char- 
tres (Eure-et-Loire) zu erklären; als spätere Formen sind 
noch Cariis um 930 und Garniis aus dem Ende des 
12. Jahrhunderts belegt. 

Sänönes^ befanden sich auch unter den Galliern, die 
um 390 vor Chr. Rom eroberten und sich bald darauf 
an der umbrischen Küste ansiedelten mit der Hauptstadt 
Sena. Zeuß^ deutet den Namen als ^pugnaces' in An- 
lehnung an ir. cosnaim "^suche zu erwerben, mache streitig', 
indogermanische Wurzel seyi, son 'zum Ziele kommen', 
gr. dvu)iu. Die Senonen in Gallien haben die Hauptstadt 
Ägedincon, wofür civ. Senmium in der Not. Gall, erscheint, 
in merowingischen Urkunden Senones, Sens (Yonne). 
Das Ethnikum Senonais ist aus pagus Senonensis, zuerst 
519 erwähnt, entstanden, übrigens wie viele solcher 
Ethnika in der heutigen Form ein Latinismus. 

Beim Eindringen der Franken, vielleicht auch schon 
früher, wurden Angehörige des Senonenstammes nach an- 
deren Teilen des Landes versprengt, sie gründeten sich 
neue Wohnsitze und bezeichneten sie mit ihrem Volks- 
namen. So findet sich ein Senones (Vosges) schon in 
einer Urkunde von 661 als Senonae, ein Dörfchen Se- 
nonnes (Mayenne) heißt 705 Senona und auf einer mero- 
wingischen Münze Senonas; letzteres, ein erstarrter gall. 
acc. plur., ist vermutlich die korrekte Namenform, die 
von unkundigen Schreibern in Senona oder Senotiae ge- 
ändert wurde; die neufranzösische Form ist hier aus der 
Betonung Senonas entstanden, während Sens auf S6nones 
zurückgeht. Endlich gibt es ein Senonches (Eure-et- 
Loir), das erst spät als Senoncha und Senunchiae über- 
liefert ist und dem vermutlich ein älteres *Senonicas zu 
Grunde liegt (vgl. dominica ^ dimanche). 



^ Caesar II 2 u. ö., zur Quantität Lucan I 254; Silius I 624. 
* Gramm. Celt. 771. 



Gallische Namen. 88 

Trtcaases^ besteht aus der Partikel tri-, die wie lat. 
(rans, per zur Verstärkung gebraucht wird, und cassi für 
*cad'ti 'ausgezeichnet, überlegen, schön', ir. rais 'geeignet, 
vortreft'lich'.' Für den Namen ihrer Hauptstadt Augusto- 
bona findet man zuerst Tncasis im It. Ant., Tricasas bei 
Ammian.^ In merowingischer Zeit begegnet oft Trecae, 
Trecaa, Tricas, woraus sich, den Lautgesetzen entsprechend, 
Troyes (Aube) entwickelt hat. 

Oshmi^, Ossismi, Oxismii bedeutet nach Glück '^ 'die 
Kühnen' von osi, ky. osi und osiaro = conari, moliri, 
audere, gebildet wie Ecolisma, Bellismum. Ptoleraaeus 
nennt als ihre Hauptstadt OuopYOV, die Tab. Peut. da- 
für zuerst Osismi, desgleichen die Not. üall. dv. Ossismo- 
rum, später auch Oximae^, woraus Exmes (Orne) entstanden 
ist; der pagus Oxismemis zeigt den Ursprung des I^nd- 
schaftsnamcns Hi^>mois, auch mit dem Artikel ver- 
schmolzen Li^mois.^ 

CoriosölUes^y Conosoliiae enthält als erstes Element 
corio- (s. o unter Peirocorii), während das zweite, auch in 
den Personennamen Solitus, SoHta enthalten, unklar bleibt; 
es kommt als Ortsname zuerst Not. Tiron. 91 vor, Corio- 
siiltas, jetzt Corseul (C6tes-du-Nord), ein Dorf. 

Ahrincatui^ ist die gallische Form des körn, hebrenciat, 
glossiert dux, mbret. hambrouc, ambrouc. Die Tab. Peut. 
verzeichnet in ihrem Gebiete einen Ort Legedia (wahr- 
scheinlich falsch), Ptolemaeus führt als ihre Stadt "Ivrevo 
an, während die Not. Gall. schon eine civ. Abrincatium 
kennt, Abrincas bei Venantius Fortunatus, Abrenctas auf 
merowingischen Münzen, daraus Avranches (Manche). 



» Pllnias IV 107. 

' D'Arbois de JubainviUe, Noras gaulois 184 ff.; vgl. aach 
Glück, Kelt. Namen 163. 

» XVI 2, 7. — « Caesar B. G. II 34 u. ö. 

» A. a. 0. 141. — « Longnon, Atlas 64 u. 193. 

' Über den Vokal der ersten Silbe Meyer-Lübke, EinfQhr. 192. 

• Caesar B. G. II 34; HI 7. 

» Plinios IV 107 Ptolemaeus II 8, 8. 



84 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Säii oder Sagii kommt bei den älteren Schriftstellern 
nicht vor. Zur Bezeichnung der Hauptstadt, deren ur- 
sprünglicher Name nicht sicher festzustellen ist^, verwenden 
die Not. Tiron. zuerst Saius, das auch auf einer mero- 
wingischen Münze erhalten ist, civ. Sagiorum in der Not. 
Gall.^ Sagiis Atlas 197, woraus S6ez (Orne). Der Name 
kann vielleicht an das gallische Appellativ sagus, das ein 
Kleidungsstück bezeichnet, angelehnt werden, so daß die 
Sagii Träger eines sagus wären. 

Bodiocasses^, nach d'Arbois^ les Elegants vainqueurs' 
oder "^les grands vainqueurs'; ich möchte es lieber deuten 
als 'die Siegberühmten, die durch ihre Siege Berühmten' 
von bodio-, air. huaid 'Sieg' und cassi 'überlegen, berühmt' 
(s. o. bei Tricasses). Thurneysen hält eine andere Ety- 
mologie für möglich, indem er an mir. hudichass = HÖdio- 
cassos oder bödio-cassos 'blondlockig' erinnert. Äugustodurum 
{durum = Tor, Festung), ihr Hauptort, wird in der Not. 
Gall. durch civ. Baiocassium ersetzt {Baiocasses eine jüngere 
Form für Bodiocasses), später Baiöcas, jetzt Bayeux (Cal- 
vados). Der pagus Baiocassinus^, Baiocassini bei Sidonius 
und Gregor, Baigassini bei Fredegar gab dem Gebiete den 
Namen le Bessin. 

Vi[dücasses.^ Der erste Bestandteil des Kompositums 
ist gall. vid- 'Baum, Holz, Wald', air. fid, gloss. arbor, 
aky. guid, kom. guit; ahd. witu, ags. widu, wudu, engl. 
wood. Der Sinn des ganzen Namens ist nicht recht klar, 
da das zweite Element noch andere Bedeutungen zu haben 
scheint als die oben bei Tricassi angeführten; d'Arbois 
übersetzt 'les hommes superieurs de la foret'. Nach 
Ptolemaeus war ihre Hauptstadt 'ApeYevoua, in der Tab. 
Peut. Äraegenuae, wofür später der Volksname eintritt; als 
Übergangsformen zum heutigen Vieux (Calvados) er- 
scheinen Viduca, Veoca 1070, Veex 1239. 



* Longnon, Geographie 319. — ^ Flinius IV 107. 
^ Les noms gaulois 189 f. — ♦ Longnon, Atlas 98. 
^ Pünius IV 107. 



GalÜBcbe Namen. 85 

lAxövii^ gehört zu ky. üech 'latebra\ Uechu 'latere\ 
also etwa 'die in der Zurückgezogenheit Wohnenden*. 
Bei Ptolemaeus heißt ihre Hauptstadt Noviomaffus, in der 
Not. Gall. zuerst civ. Lexoviorum, Lixovios auf mero- 
wingischen Münzen, jetzt Lisieux (Calvados).' Der pagus 
Lexovinus, auch Lisuinus ergab den Namen der früheren 
Landschaft Lieuvin. 

Dürdcasses, als Volksname nicht belegt, enthält als 
erstes Element das gall. duron 'Festung', ir. dur^ so daß 
als Bedeutung 'die durch ihre Festungen Berühmten' an- 
genommen werden kann (vgl. Bodiocasses S. 84). Nach 
dem It. Ant. ist ihr bedeutendster Ort Juliohona Duro- 
casis, Tab. Peut. Durocassis, auf merowingischen Münzen 
Dorocas, das sich aus Durocassis entwickelt haben muß, 
wie oben Baiöcas aus Baiöcasses, um 930 Dtmis, jetzt 
Dreux (Eure-et-Ix)ir). Der aus pag^ts Ditrocassinus ent- 
standene Landschaftsname Dreugesin verschwindet mit 
dem Ausgange des Mittelalters, um einer neuen Bildung 
Drouais zu weichen, die das lateinische Suffix -ensis 
voraussetzt; es ist noch erhalten in dem Namen des 
Dorfes Boissy-en-Drouais (Eure-et-Loir). 

Pärisii^, nach Zeuß 'efficaces, strenui', *die Tat- 
kräftigen, Tapferen', für *Quarisii, abgeleitet vom Verbal- 
stamm *qari, *qariUf air. cuirim 'ich setze, stelle, lege*, 
ky. peri und Suffix -isio, auch in Alisia, Carisius, Tar- 
visius u. a. Cäsar nennt ihre Hauptstadt Lutetia und be- 
richtet von ihr: *Oppidnm Parisiorum positum in insula 
flumiyiis Seqtianae*. Strabo* nennt sie AouKOTOKia; Ptolo- 
maeus'^ AouKoreKia. Holder sieht Lutecia als Verkürzung 
von Lucotecia, Lucotocia an und deutet es als 'Wohnung 
des Lucotios?'. Im It. Ant. heißt sie noch Lutitia Pari- 
siorum (ähnlich wie einmal bei Cäsar); der Name Parisii 
für die Stadt erscheint zuerst Tab. Peut. In einem Be- 



» Caeaar B. G. HI 9. 11. 17. 
* Zorn I^atwandel Meyer- LObke, Betonung 18. 
» Caesar B. G. VH 57 u. Ö. - « IV 194. 
» n 8, 10. 



86 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

richte über ein Konzil zu Paris im Jahre 360^ heißt es: 
fides catholica exposita apud Parisiatii civitatem ab episcopis 
Gallicanis. Bei Ammian ^: Ädurus Memem revertit Parisios 
Caesar. Statt des Lokativs gebraucht dieser Schriftsteller 
stets die Form apud Parisios. Später tritt für den Namen 
der Stadt Parisius als indeklinables Substantiv auf, so 
zuerst Not. dign. occ. 42, 23, Auch Gregor von Tours 
gebraucht Parisius unverändert für alle Kasus außer dem 
Genitiv, und Longnon erklärt dieses wohl mit Recht 
als eine barbarische Form für oft verwendetes Parisios. 

Meldij Meldae^, zu air. meld, später mell, jetzt mealh 
'zart, lieblich, angenehm', nach Stokes und Ernault ver- 
wandt mit lat. mollis, germ. milda, got. milds. Zu ihnen 
gehört nach Ptolemaeus die Stadt 'Idiivov. Die Not. Gall. 
führt eine civ. Melduorum auf, Meldus sechstes Jahrhundert 
und später, jetzt Meaux (Seine-et-Marne) ; die Bewohner 
nennen sich noch heute Meldois (aus Meldensis). 

Bellövaci^ mit der Hauptstadt Caesar odunum. Der 
Name ist noch nicht befriedigend erklärt. Sein erster Be- 
standteil findet sich in dem Personennamen Bellorix, Bello- 
vesus, der letzte wohl in Segovax, vielleicht auch im 
Flußnamen Vacalus. Die Not. Gall. führt zuerst die 
civ. Bellovacorum als Stadt an, Bellovacis 6. Jahrhundert, 
jetzt Beauvais (Oise). Der pagus Bellovacensis ergab 
den Namen der Landschaft Beauvaisis oder Beau- 
voisis. Beauvais ist ein in Frankreich auch sonst vor- 
kommender Name, doch ist es meist irreführende Schrei- 
bung für Beauver aus bei veer = frz. Beauvoir, it. Belvedere. 
So möchte man auch Bei v es (Dordogne) auffassen, das 
aber in einer Urkunde aus karolingischer Zeit Belvacense 
monasterium lautet. Sollten die beiden Ortsnamen wirklich 
identisch^sein, so müßte man an eine geistliche Siedelung 
von Mönchen aus dem alten Beauvais denken. 



» Bei Holder 934. 
2 XVII 2, 4 aus dem Jahre 357. 
ä Caesar B. G. V 5; Strabo IV 194. 
* Caesar B. G. II 4 u. ö. 



Gallische Namen. 87 

Silmnectes * für älteres *Selca»ecte«, von *8elm 'Eigen- 
tum' in air. selb, ky. heltp, ir. sealbhan 'Herde' ; auch einen 
Gott der Viehherden Selvanos gab es l)ei den Galliern.* 
PtolemaeU8 nennt ihre HauptfiUidt 'ParonoTO?, doch hören 
wir sonst nichts von ihr. Statt dessen erscheint in der 
Not. Gall. zuerst die civ. Silvanectum, 511 ein episcopm de 
Silvanedis und so noch oft in späteren Urkunden und 
auf Münzen der merowingischen Zeit; jetzt Senli8(0ise) 

Suessiönes.^ Bacmeister* weist zur Erklärung auf eine 
Vorsilbe su- hin, die zu gr. €u 'gut' gehöre; der Rest des 
Wortes ist überhaupt noch nicht gedeutet. Ihre Haupt- 
stadt heißt bei Ptoleraaeus Autoüara OuecTtToviuv, auch in 
der Tab. Pcut. noch so, aber im It. Ant. schon SuessonaSj 
das in den Urkunden aus merowingischer Zeit in allen 
möglichen Variationen auftritt: Sexonas, Sessonas, Sessionas, 
Suessionas. Die Not. Gall. haben schon, der heutigen 
Form sich nähernd, Suessio und Fredegar mehrmals 
Soissianas^] doch ist letzteres sicher auf Rechnung eines 
erheblich später lebenden Abschreibers zu setzen, da diese 
verhältnismäßig junge Form in den zahlreichen Stellen 
bei Holder sonst nicht mehr begegnet; jetzt Soissons 
(Aisne). 

Bimi*, nach Zeuß von urkelt. *(p)rei-mo 'vom be- 
findlich' von *prei 'vor', ir. riam 'antea', ky. rhtryf 'König, 
.Vnführer', körn, ntif, vgl. lat. primus. Der Name ihrer 
Hauptstadt kommt schon bei Cäsar' als Durocortorum 
R^morum vor, und so lautet er auch noch im It. Ant., 
während in einem Bericht über das Concilium Arelatense 
vom Jahre 314^ die civitas Rhemorum als Stadt erwähnt 
wird; später Remis oder Remos^ , heute Reims (Marne), 



' Bei Plinius IV 106 entstellt in Ulmonedes. 

* Vgl. die Besprechung eines Artikels von Cagnat in Rev. 
celt. XXVI 282. 

* Caesar B. O. II 3. 6. 12 u. ö. — * Keltische Briefe 85. 
» Chronicum mi8; IV 54 n. 56. 

* Caeear B. G. II 8. 4. 6 u. ö. - ^ VI 44. 

* Bei Holder II 1120. — • Sidonius Apoll. Epist IX 7. 



88 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

mißbräuchlich auch R heims, die Bewohner Remois 
aus Remensis. 

Cätüvellanni wäre nach d'Arbois die ursprüngliche, 
durch Catuellanorum der Not, Gall. nahegelegte Form für 
ungleich häufigeres Gatalauni^, Catelamii^, ein Kompositum 
von catu "^Kampf' (s. o. unter Caturiges) und vellaunos 
'gut', von vellavo- aus der Wurzel vell ^gut', ky. bret. 
gwell 'besser'^, also '^die Kampftüchtigen'. Ein Zweig 
dieses Volkes hatte sich in Britannien in der Gegend 
des heutigen Cambridge niedergelassen. Die Hauptstadt 
des gallischen Stammes war Durocatalaunum [duron = 
Tor, Feste), wofür deutlich bei Ammian^ der Volksname 
gebraucht ist, Catalaunis in merowingischer Zeit, das sich 
über *Chadelons, '^•Chaelons zu Chälons, jetzt Chälons- 
sur- Marne (Marne) entwickelt hat. Die Landschaft hieß 
früher le Chalonge aus Caialaunicus ager, wofür später 
le Chälonnais (aus Catalaunensis) in Gebrauch kam. 

Lingönes^, zum sing. *Lingu gehörig; vgl. ir. lingid 
'springt', also 'die Springer (auf ihren Rossen)'.^ Ihre 
Hauptstadt Ändematunnum heißt Lingonas zuerst bei Eutrop'', 
Lingones in den beiden folgenden Jahrhunderten, das 
schließlich über *Lengones zu Langres (Haute-Marne) 
wurde. — Als eine Gründung ausgewanderter Lingones 
möchte ich den Ort Langogne (Lozere) ansehen, der in 
ältester Form Lingonia^ heißt (vgl. oben Auvers und 
Senonnes). 

Treveri^ nach K. Christ von Fluß und Stadt Treva^", 
ein von der Trave eingewanderter teutonischer Volks- 



1 Eutrop. IX 13. — 2 Ammian XV 11. 

^ D'Arbois, Noms gaulois 27 fF. 

* XV 11, 10: Secunda est Belgica, qua Amhiani sunt urbs 
inter alias eminens et Catelauni et Remi. 

^ Polybius II 17 AiYTOvei; von den nach Oberitalien ein- 
wandernden; Caesar B. G. I 26. 40; VI 44 u. ö. 

6 D'Arbois, Noms gaulois 105 f. — MX 23. — ^ Atlas 186. 

« Caesar B. G. I 37 u. ö. ; zur Quantität Strabo IV 194 u. ö. : 
TprioiLiepoi; Dio Cass. XL 11 u. ö. : Tpouripoi. 

^° TpeoOa bei Ptolemaeus 11 11, 27. 



Gallische Namen. 89 

stamm, der sich dann gallisiert haben müUte. ZeuO* 
denkt an die Intensivpartikel tre und ky. ffioyr 'das 
Grüno\ 'etwa Talbewohncr?'. Die heutige Stadt Trier, 
frz. Treves, wurde von Augustus als römische Niederlas. 
sung gegründet unter dem Namen colonia Augusta Treve- 
forum. Die Tab. Peut. hat noch Aug. TVescirorum, It. 
Ant. mohrfach Treveros. 

Air^ates^, nach Glück' aus der Partikel ad-, ky. od-, 
ir. ad- zu lat. ad 'an, bei' und trebates zusammengesetzt; 
letzteres eine Verlängerung des Stammes treb-, air. aky. 
treb, jetzt &ef 'Wohnung, Dorf, Stadt', bret. trev, zu 
lat. tribus, got. thaurp 'ager', as. thorp, ahd. dorf gehörig; 
auch die Verbindung mit der obigen Partikel existiert in 
einzelnen keltischen Sprachen, nämlich ky. athref = ad- 
treb Grund.stück, Besitz', ir. aitreabh; Atrebates bedeutet 
demnach 'Einwohner, Besitzer'. Ihre Hauptstadt heißt bei 
CaesarHirtius Nemetocenna, bei Ptolemaeus Nemetacum; dafür 
Not. Gall. civ. Atravatum, Atrabatas bei Hieronymus*, auf 
Münzen des 5. Jahrhunderts u. a. Atrasi Givitas, woraus jetzt 
Arras (Pas-de-Calais) geworden ist. Der pagtis Atrebatensit 
lieferte den späteren Provinznamen Artois. 

Ambiatii^ deutet d'Arbois* als 'die mit Wällen Ver- 
sehenen' unter Hinweis auf air. ime statt besseren imme, 
imbe, dat. plur. imbib, gloss. saepibus. Cäsar nennt mehr- 
fach ihre Hauptstadt Samarobriva (= Sommebrücke), die 
schon im It. Ant. Ambiaim heißt, jetzt Amiens 
(Somme). Der pagus Ambianensü ist die frühere Land- 
schaft Amienois.^ 

Vtrötnandui^ ist ein zusammengesetztes Substantiv. 
Der erste Bestandteil viro- mit I, wie der Übergang t^e 
beweist, ist wohl viros 'Mann*, ir. /er, ky. gwr, das sich 



* Die Deatschen and die Nachbarstamme 216 Anro. 
' Caesar B. G. II 16. — * Die kelt. Namen 88 ff. 

* Chron. a. Abr. 2383. 

» Caesar B. G. H 4. 15; VU 75. - • Noms gaulois 85. 
^ Über die lautliche Entwickelang vgl. Jaroszek 573. 
■ Caesar B. G. U 4. 16. 23. 



90 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

in mancherlei Personennamen wie Ägedovirm, Litovir, Sa- 
crovir findet; der zweite Bestandteil mmidus bleibt unklar, 
d'Arbois' Zusammenstellung mit griech. )Liebo)aai aber laut- 
lich unmöglich. Ein anderes Kompositum mit vir- ist 
Virodunum (s. u.). Für Augusfa Veromanduorum, wie die 
Hauptstadt des Volkes bei Ptolemaeus, im It. Ant. u. 
Tab. Peut. heißt, bringt die Not. Gall. zuerst bloßes civ. 
Veromanduorum , erheblich später erscheint Veromandis, 
Virmandis, Verniandis. Hier wurde Sanctus Quintinus, ein 
Märtyrer, beigesetzt, und so ging allmählich der Name 
des Heiligen auf die Stadt über: Gastrum sancti Quintini 
oder Sanctus Quintinus seit dem 10. Jahrhundert^, jetzt 
Saint-Quentin (Aisne). Der alte Name aber lebte fort 
in der Landschaft Vermandois = territorium Viroman- 
dense, der allerdings auch eine Ortschaft Vermand, 11 km 
nordwestlich von Saint-Quentin, angehört, Longnon weist 
nach, daß diese nicht vor der zweiten Hälfte des 12. Jahr- 
hunderts vorhanden war, und meint, daß sie ihren irre- 
führenden Namen irgend einem Halbgelehrten jener Zeit 
verdanke, ähnlich wie Vieux-Poitiers, Vieux-Chälons und 
andere; jedenfalls ist aber in diesem Vermand der alte 
Name der gall. Viromandui wieder erstanden. 

Tungri^, ToOvTpoi^. Ob der Name keltisch oder ger- 
manisch ist, kann nicht mit voller Sicherheit gesagt 
werden. Im ersteren Falle wäre er nach Zeuß zu ir. 
tuinge, ky. tung, tungad (iuramentum) zu stellen, also etwa 
'die Eidgenossen'. Ptolemaeus nennt ihre Hauptstadt 
'AroudrouKOV, was sich sicher mit Cäsars Äduatuca deckt, 
nur daß dieser die Stadt den benachbarten Eburonen zu- 
weist.* Das It. Ant nennt sie noch Äduaca Tungrorum, 
Ammian^ zuerst Tungris (loc.-abl. zum nom. erstarrt); 



^ Longnon, Geographie 411. 
2 Plinius IV 106; Tacitus, Agr. 36 u. ö. 
» Ptolemaeus II 9, 5. ~ "^ B. G. VI 32. 

* XV 11,7: Ägrippina et Tungris munita ; XVII 8, 3 : Cui, 
cum Tungros venisset, occurrit legatio. 



Galliache Namen. 91 

heute deutpch Tongern, franz. Tongres in Belgien 
(liimburg). 

Eine Anzahl gnllißchcr Ethniku ist niemalB zur Be- 
rk'utung von Ortsnamen gelangt, hat sich aber als Land- 
8ohaft«namen bis auf den heutigen Tag erhalten. Sie 
sollen hier zur Besprechung kommen. 

Vertamocöri, Vertamacori, Vertacomacori sind drei ver- 
schiedene Lesarten für den Namen einer Völkerschaft, von 
der Plinius* erzählt, sie sei gegenwärtig ein pagus der 
Vocontier und habe ehedem die Stadt Novaria (in Gallia 
Transpadana) gegründet. Die Vocontier werden nach 
den Angaben der Alten im Osten von den kottischen 
Alpen, im Westen von den Stämmen der Cavarer und 
Tricastiner begrenzt. Demnach könnten die Vertamocöri 
als pagus Vocontiorum sehr wohl in der heutigen Land- 
schaft Vercors gesessen haben, die einem Teile des Dep. 
Drome entspricht und deren Namenform unbedenklich 
aus dem alten Volksnamen abgeleitet werden darf. Diese 
Auffassung haben auch namhafte Gelehrte, wie Desjardins*, 
Nissen' vertreten, während sie von Longnon* bekämpft 
wird. Zur Deutut^g von Vertamocöri dient der Personen- 
name *Fer/(imo.s', ky. Gicrdaf, erhalten nur in den Kose- 
formen Vertamaca, Vertamica^, und das wiederholt genannte 
Appellativ cori- 'Heer*. 

VilXöcasses.^ D'Arbois^ vergleicht zu vc/to, dem ersten 
Teile des Kompositums, das ir. Subst. ßle = velia 'Recht- 
schaffenheit, Bescheidenheit' (über casses s. o. bei Tricasses) 
und deutet den Namen als 'les superieurs, les beaux par 
Thonnötetö, par la modestie, par la retenue'. Die Haupt- 
stadt des Volkes Rotomagus^ jetzt Rouen, ließ den Stammes- 
namen in toponymischer Bedeutung nicht aufkommen; 

» m 124. 

* G^graphie historique de la Gaule romaine II 282. 
' Italiecbe Landeskunde II 174. — * G^graphie 24. 
» CIL. XIII 10016, 15d und 10017. 889. 

• Caewr B. G. II 4; VII 75. 
' Les noms gaulois 218 f. 



92 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

doch ist schon im siebenten Jahrhundert von einem 
pagus Vücassinus die Rede^, der im 12. Jahrhundert volks- 
tümlich Velgesin, Veguesin, Veguessin, Vesquesin heißt, woraus 
die nfr. Form le Vexin entstand. Da ein Teil dieser 
Landschaft der Normandie, ein anderer der Ile-de-France 
angehörte, so unterscheidet man noch heute le Vexin 
norm and und le Vexin frangais. 

CäUti, seltener Caletes^ stellt Glück 44 zu ky. bret. 
calet, caled, air. calit, sämtlich in der Bedeutung 'hart', 
Windisch ^ weist auf ags. häledh aus älterem halith, as. 
helith, nhd. held hin. Vom siebenten Jahrhundert an 
findet sich in den Urkunden ein pagus Caletm, neben 
dem vorgenannten pagus Vücassinus ein Teil der civ. 
Botomagensium, in späterer Zeit pays de Caux genannt, 
das im allgemeinen dem heutigen Dep. Seine-Inferieure 
entspricht und in die beiden Teile Grand-Caux und 
Petit-Caux zerfällt. Auch das im Süden des Grand- 
Caux gelegene Städtchen Caudebec-en-Caux, das 697 
als Caliduni Beccum bezeugt ist^, geht nicht auf das lat. 
Adj. calidus zurück, wie es scheinen möchte, sondern 
ist eigentlich ^Caletum Beccum "^Bach der Caletes' {beccum 
= anord. heckr, schwedisch hack, dänisch hak 'Bach'). 

Unter den belgischen Völkerschaften, die an Germanien 
angrenzen, nennt Cäsar wiederholt die 

Condrüsi^ und versichert, daß sie zusammen mit 
einigen für uns bedeutungslosen Stämmen uno nomine 
Germani appellantur. Es ist hier nicht der Ort, ihre Zu- 
gehörigkeit zu den Germanen oder Kelten zu untersuchen; 
ihren Namen hat schon Zeuß^ als gallisch erkannt. Condrusi 
besteht aus der in gallischen Eigennamen jeder Art häu- 
figen Partikel con- und einem Element drüso-, das wohl 
zu ir. drüs^ druis 'libido' gehört, so daß der Volksname 



* Longnon, Atlas 97. 

2 Caesar ß. G. II 4; VIII 7; VII 75. 

^ Enzyklopädie von Ersch und Gruber XXXV 134. 

< Nach Holder unter Caleti. — » B. G. II 4; IV 6; VI 32. 

* Die Deutschen 212 Anm. 



OalHsche Namen. 98 

nach Glück ^ libidinosi 'die Ausschweifenden' bedeutete; 
es wäre dann ein Spottname, den die Feinde ihnen ge- 
geben hätten. Einer der neun pagi der civ. Tungrorum 
heißt in fränkischer Zeit pagtis Condrmhis oder CondriMtensis, 
Coitdrucium*, franz. le Condroz, heute zu Belgien (Namur 
und Lüttich) gehörig. 

MidüHi, MiduH ist der Name zweier gallischer Stämme, 
deren einer im südwe.stlichen Teile des heutigen Dep. 
Savoie wohnte, während der andere, der uns allein an- 
geht, unterhalb von Bordeaux in der durch ihren Wein 
berühmten Landschaft M^doc saß, die ihm ihren 
Namen verdankt. Diese 3ferfM/t erwähnt zueni Aitsoinus^ ; 
sie bildeten einen pagus der Bituriges Vivisci, den pagus 
Medulicm*, woraus sich über Medulcmt das französische 
Wort entwickelt hat. Eine Deutung des Namens ver- 
sucht d'Arbois*, indem er an den griechischen Personen- 
namen M^öuXXo? und das Verb |i€duu) 'ich berausche 
mich' erinnert. 

Gelegentlich haben sich Volksnamen auch als Orts- 
namen erhalten, ohne daß ein Vorgang wie der bei den 
eben erörterten stattgefunden hat. So kommt ein Icovium^ 
geschrieben Ycaniuiii, zweimal in den Acta sanctorum für 
heutiges Gingt (Rhone), vor, auch enthalten in dem be- 
deutenderen Le Bois-d'Oingt (Rhone). Zugrunde liegt 
offenbar der von Strabo * erwähnte Volksname der 'Ikövioi ; 
auch ein Personenname Icmius oder Iconio ist einmal' 
aus Spanien belegt. 

Sedüni heißt bei Cäsar* eine helvetische Völkerschaft, 
deren Namen in Sedunum 523 u. ö., jetzt Sion, deutsch 
Sitten in der Schweiz (Wallis), fortlebt. 

Trecorum^ Atlas 65, auch pagus Tncurinus 615 oder 
pagus quem Tricurium vocant. Holder, stellen die ältesten 



* Keltische Namen 64, Anm. 1. 

» Longnon, Atlas 133. — » Epist. IV 2 u. 16; IX 18. 

* Zuerst von Apollinaris Sidonius Epist VIII 12 genannt 

* Noms Kaulois 123 ff. — • IV 185 und VI 208. 
» CIL. U 898. — • B. G. m 1; VI 8 u. ö. 



94 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Formen des heutigen Treguier (C6tes-du-Nord) dar, 
bret. Treger (die Bewohner Tr^corois oder Trögorois). 
Einen Volksnamen Tricorii finden wir zuerst bei Livius^, 
als TpiKopioi auch bei Strabo^ und sonst zur Bezeichnung 
eines in der prov. Narbonensis südlich von Grenoble seß- 
haften Stammes. Möglich, daß einige Angehörige dieses 
V^olkes hoch oben nach der Bretagne verschlagen worden 
sind und ihre Stammeszugehörigkeit in dem Namen des 
neugegründeten Wohnsitzes zum Ausdruck gebracht haben, 
wie wir es bei den Arvernern und den Senonen be- 
obachten konnten, Tricorii stellt eich zu dem Volks- 
namen Petrucorii (S. 76) und besteht aus dem gallischen 
Zahlwort tri 'drei' und einem Subst. *corio 'Heer'. Der 
Küstenfluß Treguier hat von der Stadt seinen Namen 
erhalten, nicht, wie viel häufiger, umgekehrt. 



B. Gallische Ortsnamen im engeren Sinne. 

1. Komposita mit topischem Grundworte. 

Unter den ursprünglichen Ortsnamen sind sicher die 
ältesten nominale Kompositionen, deren Grundwort ein 
Appellativum mit toponymischer Bedeutung ist, wie Stadt, 
Burg, Dorf, Brücke usw., während das Bestimmungswort 
bald ein Adjektiv, bald ein Substantiv, und in letzterem 
Falle entweder ein zweites Appellativ oder auch ein Eigen- 
name ist. Da viele Orte dieser Gattung in den ersten 
Jahrhunderten nach der Besitzergreifung Galliens durch 
die Römer entstanden sind, so findet sich als erster Be- 
standteil auch zuweilen ein römischer Eigenname, der 
wie Augustus, Caesar, Julius meist eine Huldigung für 
den Kaiser zum Ausdruck brachte. Einige jener Grund- 
worte, wie dunum, erscheinen auch selbständig, d. h. ohne 
Attribut als Ortsname. Bei den allermeisten sind beide 
Bestandteile leicht zu deuten, so daß der Etymologe hier 
eins der dankbarsten Gebiete seiner Tätigkeit vor sich hat. 



» XXI 31. — 2 IV 185. 



GalÜBcbe Namen. 95 

Danon. 

Gallisches dtiuou, latinisiert dunum 'Fettang, Burg*, 
ist erhalten in air. dan 'castrum, arx\ ky. dtn zum ir. Verb 
ditnaim 'schließe'. Zu derselben Wurzel gehört gerui. tun 
*da8 Umzäunte, der Ort', engl, toini 'Stadt', ahd. zun, nhd. 
zäun. Da» gallische Wort hat aus der Bedeutung 'um- 
wallte Burg' den Begriff 'befestigte Anhöhe' und schließ- 
lich 'Anhöhe' überhaupt entwickelt, daher dunum in Zu- 
sammensetzungen vielfach glossiert als montem} 

JJunon, Dunum kommt nicht selten als selbständiger 
Ortsname vor' (eine Liste der hierher gehörigen Namen 
bei Holder). Für uns kommen in Betracht: Dun (Creuse), 
Dunum, Atlas 178, Dunum Reffis, ib. 245. Dun-sur- 
Auron oder Dun-le-Roi (Cher); Dun-sur- Meuse 
(Meuse). Andere Dun in den Dep. Ari^ge, Indre, Nievre. 
Fontaine-le-Dun (Seine-Inf6rieure), Duno, Dunis auf 
merowingischen Münzen, Casfrum Duni 1065. Cha- 
teaudun (Eureet-Loir), schon im Jahre 573 als Duno ge- 
nannt; in derselben Urkunde findet sich dafür Castro- 
dunum, 587 Castellum Dunum, später Casteldun. Hier 
wurde also zu einer Zeit, da das Verständnis der gal- 
lischen Sprache zu schwinden begann, dem gallischen 
Worte die lateinische Übersetzung hinzugefügt, und so 
entstand der Doppelname. Das zu der Stadt Chateaudun 
gehörige Gebiet hieß frühzeitig Dunensit pagus^, woraus 
sich der Landschaftsname le Dunois entwickelt hat, 
der andererseits wiederum dem wohlbekannten Personen- 
namen Dunois zugrunde liegt. Auf Castellodunum* geht 
auchChateldon(Allier) und vermutlich Chateldon (Puy- 
de-Döme) zurück.' Wie in diesen Namen lat. castellum 



* Ober die Vereinigung der beiden Begriffe 'Umwallang' 
and 'HOgeP spricht Meyer-LQbke, Betonung 24 ff. 

^ Im deutschen Sprachgebiete Daun, alt Dune in der Eife 
und Dhaun, Kr. Kreuznach ; endlich Thun in der Schweii, Kant 
Bern, am gleichnamigen See. 

« Atlas 109. — * Quicherat 48. 

» Über o<:ü vgl. Öatberg, a. a. O. Glff". 



"96 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

gleichsam erklärend zu dem gallischen Grundbegriffe trat, so 
das gleichbedeutende germanische T^Mrgf in Le-Bourg-Dun 
(Seine-Inferieure). Mit der gall. Präposition äre %ei ver- 
bunden erscheint das Wort in Aredummi, Atlas 165, 'bei 
der Burg', jetzt Ardin (Deux-Sevres). 

Unter den adjektivischen Attributen, die mit dnnon 
in Verbindung treten, ist wohl das häufigste novios 'neu', 
lat. novus. Equestres vel Koviodunum, also 'Neuenburg', 
heißt seit seiner Gründung vor dem Jahre 27 vor Chr. 
das heutige Nyon (Schweiz, Kant. Waadt), Noiodunmn 
Not. Gall., Nevidunum in späterer Zeit. 

Uxellos 'hoch', ir. nasal, glossiert nohilis, mir. vassal, 
üasal, kymr. körn, ucliel (vgl. gr. uipriXo^ ergibt ein Kom- 
positum '^Uxellodunum, das, als Exoldunum., Atlas 179, über- 
liefert, heutiges Issoudun (Indre) gezeitigt hat, während 
Exuldunum, Atlas 179, Ex o u d u n (Deux-Sevres) entspricht. 
Dasselbe Kompositum liegt vor im zweiten Teile von 
Le Puy-d'Issolu (Lot) Exelodtmum, Atlas 179, (Puy ist 
lat. podium 'Hügel, Anhöhe'). Auf ein substantivisch 
gebrauchtes '^uxellos, offenbar in der Bedeutung 'An- 
höhe', gehen zurück Uxellus vicus, jetzt Os seile (Doubs); 
Oxellum, Atlas 193, jetzt Le Petit- Oisse au (Sarthe); 
ferner Usseau (Vienne), Ussellum gegen 1065, Uxellum 
1103, Eusseau 1432. Nach diesem Orte ist auch ein 
Bach Usseau benannt, der dort seine Quelle hat und der 
in dem Ortsnamen Leigne-sur-Usseau (Vienne) ent- 
halten ist. Hierher gehört endlich noch Oxello auf einer 
merowingischen Münze, jetzt Ussel (Coreze), sowie zahl- 
reiche andere Ussel (AUier, Cantal, Gard, Haute-Loire, 
Lot, Puy-de-D6me); Oissel (Seine-Inferieure), für das 
Holder ohne Zeitangabe Oscellus anführt; höchst wahr- 
scheinlich auch Uzel (C6tes-du-Nord). Endlich kommen 
vor die Namen Ussels, Uxelle, Uxelles, Usselot. 
— Der verkürzte Stamm ux-, ir. as, uas = super, 
supra, bret. ws, uz, verbunden mit dem Suffix -sama 
(vgl. Belisama, Mariosama, Triyisamus) ist im Namen 
der Insel Ouessant (Finistere) enthalten, die schon der 



GalÜBcho Namen. 97 

Geograph Pytbeas^ als Ovlia&ixx] erwähnt, Uxantis lt. 
Ant. 

Vh'oft '«tark, kräftig, fest', kymr. gwyr* zu lat. vfrldis 
durfte das erste Element von Virodunum 'die feste Burg' 
sein, das in verschiedenen Gegenden Frankreichs Verdun 
ergab. Das bekannteste ist 1. Verdun-sur-Mouse 
(Meuse), Virodunum It. Ant., Veredunum sechstes Jahrhundert, 
Verdono siebentes Jahrhundert. 2. Verdun-sur-le-Doubs 
(Saöno-et-Ijoire), Fero^wwMm in merowingischer Zeit. 3. Ver- 
dun •8ur-Garonno(TarnetGaronne), Fe»Y/M«Mm, Atlas 247, 
und zahlreiche andere Vordun in den Dep. Arifege, 
Aude, Aveyron, Dordogne, Eure, IIaute-Ix)ire, Tarn, Savoie. 

Lügudunum, Lugdnnum ist der Name einer ganzen Reihe 
gallischer Städte, deren berühmteste und vielleicht älteste 
Lyon (Rhone) ist. Als die ursprüngliche Form muß 
Luguduvon gelten, das sich zuerst auf einer Silbermünze 
aus dem Jahre 42 v. Chr. findet, ferner in latinisierter 
Form Lugndunum bei Sueton^; Tacitus gebraucht ab- 
wechselnd Lngxidunum und Lugdunum. Über den Wert der 
beiden Formen spricht sich Dio Cassius* aus, wenn er 
sagt, daß AouYOubouvov die ältere, Aoutöouvov die gegen- 
wärtige Form sei.* Dementsprechend hat auch Plinius 
Lugdunum, Strabo und Ptolemaens Aoutöouvov usw. 

Über die Bedeutung des Wortes liegen mehrere Zeug- 
nisse aus dem Altertum vor, von denen leider keins den 
Vorzug hat, richtig zu sein. Das älteste und bekannteste, 
das vielfach auch heute noch als maßgebend zitiert wird, 
stammt von Kleitophon und ist durch Pseudo-Plutarch* 
überliefert. Danach bedeutet der erste Teil des Wortes, 
XoÖYO?, soviel wie 'Rabe', das Ganze also 'Rabenstadt'. ^ 

> Bei Strabo I 64. — « Williame 78. 

» Caligula 17 n. 20. — < 46, 50, 5. 

'' Kai oÖTiu(; ^xeivoi unone(vavT€? xd AouTOÖbouvov ^iv 
övo|aaoö^v, vOv hi AoOfbouvov xaXou^evov ^tcriöav. Eine Er- 
klnrung des einpfeschobenen « gibt Meyer-LQbke, Betonung 29 f. 

" De fluviis 6,4. 

^ MtI)^opo( hi, o(iuvoaKO-iT(a^ £|yiTrcipoc öirdpxuiv, xi^v 
itöXiv AoÜTbouvov npoar|t<^peua£v • XoOtov T<ip f^ öq)iöv t>iaX^icTi(i 
G r ö b 1 e r . Fr&nxtelsche Ortanamen. 7 



198 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Für XoÖYog *^Rabe' bieten weder die anderen keltischen 
noch überhaupt die indoeuropäischen Sprachen irgend- 
welchen Anhalt, und man kann getrost sagen, daß die 
ganze Deutung des Wortes falsch ist, zumal sich un- 
schwer erkennen läßt, woher sie stammt. Auf alten 
Münzen aus Lyon befindet sich ein Rabenkopf, und eine 
in Orange gefundene Terracottadarstellung zeigt den 
Genius der Stadt mit einem Füllhorn und zu seinen 
Füßen einen auf einem Steine sitzenden Raben. ^ Es 
liegt also eine alte Wappensage vor, deren wesentlichen 
Inhalt Kleitophon wiedergibt. — Eine zweite Erklä- 
rung enthält das Werk «De nominibus Galileis»^: Lug- 
duno deeiderato monte: dunwm enim montem. Wie der Er- 
klärer auf den 'Wunschberg' verfällt, ist schwer zu sagen. 
Leichter zu verstehen, weil auf dem Anklang der Worte 
beruhend, aber darum nicht minder irrig ist die Deutung 
des Heiricus in der Vita Sancti Germani^ : 

Lugduno celebrant Gallorum famine nomen 
Impositum quondam, quod sit mons lucidus idem. 
Welches ist demgegenüber die richtige Etymologie? 
Holder schließt sich der Auffassung von d'Arbois de 
Jubainville an, der, wie so gern, als erstes Element des 
Wortes einen Personennamen, in diesem Falle den 
Namen eines Gottes Lugus sieht, Lugudunon also 'Festung 
des Gottes Lugus'. Ein Göttername Lugus ist im ge- 
samten keltischen Sprachgebiete nicht einmal inschrift- 
lich nachgewiesen; nur Lugoves und Lugovibus, was 
d'Arbois als nom. bezw. dat. plur. zu *Lugus (für älteres 
*Lugovos) ansieht, ist je einmal belegt.^ Nun ist aber 
Lugudunon ein in allen Teilen Galliens ungemein ver- 
breiteter Name, wie aus den Nachweisen bei Holder, 



TÖv KÖpoKa KoXoOai, bouvov bi tötcov ilixovza • Kaddi? töTopei 
KXeiToqpüJv ^v iy' KTiceujv. 

1 CIL. XII 5687, 45. — ^ Holder 319, 28. 

3 Holder 308,27. 

* CIL. XIII 5078 im Gebiet der Helvetier und II 2818 in 
Spanien. 



Ualliscbe Namen. 90 

der auch die jetat untergegangenen Orte anführt, und 
zum Teil aus meinen eigenen Zusammenstellungen weiter 
unten zu ersehen ist; es wäre daher höchst auffallend, 
wenn der Name einer Gottheit, der so viele Orte ge- 
weiht waren, an diesen Orten selbst sich nicht ein 
einziges Mal erhalten hätte, während sonst die »Steine 
genug von allgemein verehrton und von Ix)kalgöttern 
reden. Die große Verbreitung des Namens macht es 
überdies von vornherein wahrscheinlicher, daß das erste 
Element ein Appellativuni oder ein Adjektiv ist, dessen 
Begriff eine leicht mit dunon zu verbindende Eigenschaft 
ausdrückt, und hierfür findet sich auch ein Anhalt im 
air. Adj. Komparativ laigiu 'kleiner', Superlativ lugem 
'kleinste', bret. lau 'klein'', das ohne Mühe einen gall. 
Stamm *lugus 'klein' zuläßt. Danach würde Lugudunon 
'Kleinburg, Lützelburg' bedeuten." 

Nach Ijyon ist der bedeutendste der auf Lugu- 
dunum zurückgehenden Orte 2. Laon (Aisne), zuerst 
530 urkundlich belegt als Lugdunum, bei Gregor von 
Tours Lugdumim Clavaium genannt, im siebenten Jahr- 
hundert Laudunum, Lauon 13. Jahrhundert, Loon 1257, 
Lan (also schon die heute gebräuchliche Aussprache 
wiedergebend) 1433; von dem mittelalterlichen pagus Lau- 
dunensis wurde die Landschaft Laonnois benannt.' 
3. Loudon (Sarthe), ein kleiner Ort, heißt nach Holder 
Lucdunum in der ersten Hälfte des siebenten Jahrhunderts. 
— Holder zählt zu diesen Namen noch: 4. Lion-sur-Mer 
(Calvados), das auf einem Hügel liegt. 5. Lau dun (Gard), 
ebenfalls auf einem Hügel, der noch ein römisches Kastell 
aufweist. 6. Lau zun (Lot-et-Garonne), mit Übergang 

• Windisch bei Cnrtius, Griechische Etymologie 192. 

* Über die Anfänge von Lyon, sowie Ober die ältesten 
Formen dea Namens vgl. Otto Hirschfeld in CIL. XIII 1, S. 248 ff., 
wo auch eine andere, meines Erachtens haltlose Erklärung von 
Zangemeieter, Heidelberger Jahrbflcber, N. F. V. 98 angeführt ist, 
nach der das Wort 'die am Wasser gelegene Burg^ bedeutet. 

' Wegen des a der ersten Silbe vgl. Ant. Thomas, Essais 
de Philologie fran9ai8e 877; Mejier-Labke, Betonmig 3L 



100 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

d'^ z wie oft in dieser Gegend, Doch sind diese drei 
durch wertvolle alte Formen nicht belegt. 

Segödünon ist als Name von vier verschiedenen Orten 
überliefert, zweimal bei Ptolemaeus für die Hauptstadt 
des gallischen Stammes der Ruteni, die diesen aber später 
zu Gunsten des Volksnamens aufgaben, und für einen 
Platz in der Maingegend. Sodann wird ein Segeduno in 
der Not. dign. occ. aus England genannt. Das einzige, 
das uns interessiert, ist das heutige Suin (Saone-et-Loire), 
als Seodunwm, Seudunmn, Sedunum, Atlas 81 u. 201, über- 
liefert, aber zweifellos auf die obige Urform zurückzu- 
führen. Das erste Element des Wortes, sego-, ist im ir. 
seg 'Stärke' zu suchen, zu got. sigis, nhd. Sieg, und findet 
sich in zahlreichen Zusammensetzungen, wie VN. Sego- 
vellauni, ON. Segobriga, Segobodiwn, PN. Segomarus u. a. 
Segodunon bedeutet danach ähnlich wie Segobriga 'die 
starke Festung'. 

Ein adjektivisches Element scheint auch in Magdunum 
enthalten zu sein, das neben Magedon als Urform mehrerer 
ON. nachgewiesen ist. Man wird ein Adjektiv *magos 
mit der Bedeutung 'groß' aus air. gleichbedeutendem 
mag erschließen können, das, durch ein Suffix erweitert, 
auch in ky. malt = gall. *magit ^maget, in Ädmagefobriga, 
'die sehr große Burg', enthalten ist. So stünden die 
obigen beiden Formen für *Magodunon 'die große Festung'. 
Magdunum heißt in den Acta Sanctorum^ das heutige 
Meung-sur-Loire (Loire). Auch Mehun-sur-Yevre 
(Cher) geht zurück auf Magdunum, später Maidunm, Meun^ 
während Medan (Seine-et-Oise) von Longnon, Atlas 188, 
als Magedon belegt ist.^ Schwierigkeiten bereitet Modunum, 
das Williams^ als älteste Form von heutigem Meudon 
(Seine-et-Oise) anführt; sollte es auf *Mogodunum aus 
älterem ^Magodunum zurückgehen, oder liegt ein uns un- 
bekannter Stamm niog vor, der auch in den PN. Mogetus, 
Mogetius auftritt? 

^ Bei Holder. — ^ Über a<^ü östberg, a. a. 0. 66. 
^ A. a. 0. 56. 



Gallische Namen. 101 

In einer zTreiten Reihe von <it/iton-Kompositionen ist 
das erste Element ein Personenname, der auf den ersten 
Gründer des Ortes oder auch wohl auf einen Helden hin- 
weist, dessen Name der Nachwelt überliefert werden 
sollte. Hierher gehört das 

Acitodunnm der Tab. Pout., das heutige Ahun (Creuse), 
das nach Holder später als Aciduntim und Agedwium auf- 
tritt, auf Münzen auch als AdeduM. Lautlich erscheint 
von diesen Formen nur Agedunum gerechtfertigt, das viel- 
leicht aus älterem *Agedoduhum kontrahiert worden ist 
und dessen erstes Element auch in Agedincum, der Haupt- 
stadt der Senones, vorläge. Ein PN. Agedos^ ist aus 
Spanien überliefert. Dieser oder ein Appellativ ist in 
dem ON. enthalten; Anklang an ein solches findet Glück* 
in ir. aighe 'Hügel' = age aus aged. 

*Ckiladunum, überliefert als *C<dadunno 710, Caladon 
832, Chaledone dSS, jetzt Chalons (Mayenne), enthält als 
ersten Bestandteil einen männl. PN. Cola, über den an 
anderer Stelle eingehend gesprochen wird.' 

Ebürödanony erhalten als Ebrodunum Tab. Peut., It. 
Ant. und später, Ebredunum 585 u. ö., Ebreun 12. Jahr- 
hundert, Emhrun 1388, Amhrun 1472 und oft bis ins 
18. Jahrhundert, aber als Ebrun noch 1512 nachgewiesen, 
das heutige Embrun (Hautes-Alpes) bezeichnend. Ein 
pagus Ebredunensis wird zuerst 739 erwähnt und hat zu 
der späteren Landschaftsbezeichnung Embrunais ge- 
führt, die jetzt kaum noch verwendet wird. Ein anderes 
Eburodunum, T. P. u. CIL. XIII 5063 f., Ebrodunum, Not. 
Gall., Everdunum, Atlas 179, ist das durch das Wirken 
Pestalozzis berühmt gewordene Yverdon oder Yverdun 
(Schweiz, Waadt), deutsch Ifferten. Eburos ist ein viel- 
belegter gall. PN.* und bedeutet nach d'Arbois eigentlich 
Eibenbaum. 



» CIL. II 5747. 6257. 6259. — « Kelt. Namen 17. 
' £ine andere Erklärung von Cala hält Beszard, Noma de 
lienx da Maine no. 7 und 8, für möglich. 
* CIL. III 4167. 5033. 6010, 82. 



102 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

A. Thomas^ weist Laucidunensis 895, Lausdunensis 977 , 
Losdunum 1059 und andere Varianten als die ältesten 
Formen von Loudun (Vienne) nach, wozu aus Redet^ 
noch Leuduno, Lauduno von merowingischen Münzen tritt. 
Thomas verweist wegen des ersten Teils auf einen gall. 
PN. Laucus.^ In gleicher Weise erklärt sich vielleicht auch 
Lauzun (Lot-et-Garonne), mit Übergang von inter- 
vokalischem d in stimmhaftes s (vgl. prov. lauzar = lat. 
laudare); historische Formen kann ich für diesen Namen 
nicht auftreiben. 

Medodunnum hat schon Cäsar* für heutiges Melun 
(Seine-et-Marne) ; das Int. Ant. zeigt Mecledo als Ablativ 
von Mededum, auf merowingischen Münzen findet sich 
wiederholt Medidone, vereinzelt Mededone. Man wird 
einen gall. Mannesnamen *Medos als ersten Bestandteil 
ansetzen können, der zwar nicht belegt ist, aber aus der 
Weiterbildung Medonius^ erschlossen werden kann und 
der selbst eine Kontraktion von gleichfalls belegtem Me- 
culonius darstellt. 

Minnodunum It. Ant., Minnodunensis^, Minodum Tab. 
Peut. entsprechen heutigem Moudon (Schweiz, Waadt), 
deutsch Milden. Ein PN. *Minnos kann aus dena Männer- 
namen Minnius und aus dem Frauennamen Minna'' ge- 
wonnen werden, so daß das Wort also 'Feste des Min- 
nos' bedeutet. 

*Tärödunum oder vielmehr daraus abgeleitetes *Taro- 
dunensis setzt d'Arbois de Jubainville^ mit Recht als 
älteste Form des Landscbaftsnamens Tardenoi s an, der 
noch jetzt in der alten Hauptstadt jenes Gebietes, Fere- 
en-Tardenois, lebt. Ein pagus Tardanensis wird 795, 
Tardonensis im neunten Jahrhundert genannt. Ein Tapo- 

^ Nouveaux Essais 55. 

2 j)ict top du d^p. de la Vienne. — » CIL. V 885. 

* B. G. VII 58 u. ö. 

5 CIL. II 4989. XV 1970. 

6 CIL. XIII 5042. 

' CIL. V 1892. 7034. XII 1871. XIII 1916. 
s ßev. celt. XXIV 212 ff. 



Gallische Namen. 108 

bouvov erwähnt Ptolemaeus* für das heutige Zarten bei 
Freiburg ina BreJHgau. Der erste Teil des Wortes ist der 
gall. PN. Taros^ latinisiert Tarm ', eigentlich 'der Schnelle' *, 
violleicht auch Tan-os* 

Bei nicht wenigen Orten, deren Gründung in die 
Zeit nach der römischen Invasion fallt, findet sich neben 
einem gallischen Grundworte als Bestimmungswort ein 
römischer Personenname. Caesarodunum, Augustonemetumt 
Augustoritum, Juliobona geben der Verehrung der Cäsaren 
Ausdruck, sind aber außer dem letzten in späterer Zeit an- 
deren Namen gewichen. — Von rfimmw-Kompositionen, die 
noch heute leben, sind zu erwähnen: 

Augustoduntim, das 1. die alte Hauptstadt der Äduer 
bezeichnet und als solche schon von Mela'^ und Tacitus 
erwähnt wird, jetzt Autun (Saöneet- Loire); 2. gehört 
hierher höchst wahrscheinlich Authon (Eure-et-Loir), das 
aber erst 1157 als Augustunum, gegen 1250 schon als 
Auton nachgewiesen ist.^ — Ein Göttemame Liber ist 
enthalten in : 

Liberdunum 894, vermutlich für korrekteres ^Libero- 
dunum, Leverdunum 960, Liverdunum Anfang des 12. Jahr- 
hunderts, jetzt Liverdun (Meurtheet-Moselle). Liber 
pater ist ein bei den Römern nicht selten gebrauchter 
Göttername. Ob damit immer Bacchus gemeint sei, er- 
scheint zweifelhaft; vielmehr geht aus einer Stelle bei 
Cicero^ hervor, daß es zwei Gottheiten dieses Namens 
gegeben habe. Das nicht seltene Auftreten des Namens 
in Gallien wird durch eine ganze Reihe von Inschriften 
bezeugt.* 



» n 11, 15. - « CIL. XIII 10010, 1884. 

• Nach Stokee, Sprachschatz 123. Vgl.auchWalde, E.W.764f. 

* CIL. XIII 555. — " III 2. 

* Zar laatlichen Entwickelung vgl. Meyer-LQbke, Beto- 
nang 27. 

^ Nat. Deor. 24. 

• CIL. Xn 59.3. 1075. 3078 a. ö., samüich aaa Südfrankreich ; 
XIII 5032. 5477 aus Kanton Waadt bzw. Dijon. 



104 Die ältesten Ortenamen und ihre Bedeutung. 

Cervidunum 843, aber Cervedone schon erheblich früher, 
nämlich bei Fortunat^ entspricht heutigem Cervon 
(Nievre), dessen Bestimmungswort im lat. Gentilnamen 
Cervius^ zu suchen ist. 

Gurcedunum 6. Jahrhundert, später Curcedonus, Holder, 
jetzt Courson-les-Carrieres (Tonne) wird auf ur- 
sprüngliches *Curtiodunon zurückgeführt werden müssen, 
vom uralten und sehr verbreiteten röm. Gentilnamen 
Gurtius. Den Beinamen les Carrieres verdankt der Ort 
den zahlreichen in der Nähe gelegenen Steinbrüchen, 
mlat. quadraria. 

Dur OS. 

Das der Überlieferung nach älteste Kompositum mit 
gall. duros ist das von Cäsar ^ genannte Ododurus, ein 
vicus der Veragri, das heutige Martigny in der Schweiz. 
Wie aus den mittelalterlichen Formen hervorgeht, die 
dieses Element enthalten, hat duros ein ü gehabt, denn 
es erscheint in den Urkunden teils als doro oder mit Aus- 
fall des Vokals als -tro (s. u.). Dies gestattet uns nicht 
die Anlehnung an ir. dür 'Festung' mit ü, noch an lat. 
dürus "^hart' ; vielmehr wird der Übersetzung in Endlichers 
Glossar der Vorzug gebühren, das doro mit osteum 'Tor, 
Tür' wiedergibt, woraus sich allerdings die Bedeutung 
'das mit Toren Versehene, die geschlossene Stadt' ent- 
wickelt haben mag.* 

Brivödürum Tab. Beut., It. Ant., Brioderum in karo- 
lingischer Zeit ergaben zwei Briare (Loiret, Seine-et- 
Oise). Der erste Bestandteil des Wortes ist das gall. 
hriva, 'Brücke, Furt', in den übrigen kelt. Sprachen nicht 



^ Vita S. Germani, c. 32. 

2 Cicero, Verr. V 114; Horaz, Sat. II 1,47 und 6,77. 

3 B. G. III 1. 

* Vgl. Meyer-Lübke, Betonung 36. E. Philipon, Le gauloie 
duros in Rev. celt. XXX 73 ff. Zur Gestaltung von -duro im Fran- 
zösischen auch Östberg 29. 



GalÜRche Namen. 105 

bezeugt, aber im Gallischen bo häufig, daß an der Deutung 
nicht gezweifelt werden kann; man vergleiche Briva 
Isarae, das durch den modernen Namen Pontoise direkt 
übersetzt wird, Samarohriva, Hauptstadt der Ambiani, 
eigentlich Sommebrücke usw. Die Lage von Briare an 
der Loire rechtfertigt seinen Namen als 'ßrückentor' 
oder 'Brückenfestung'. Eine ganz andere Gestalt hat 
dasselbe gall. Wort angenommen in Brieulles-sur- 
Bar (Meuse), über dessen Entwickelung Ant. Thomas 
spricht.* 

Dlvödürum wird zum ersten Male bei Tacitus' und 
nach ihm oft als Hauptstadt der Mediomatrici genannt, 
wofür in späterer Zeit Mettis, jetzt Metz, eintrat. Das Wort 
bedeutet 'Göttertor', vom Adj. divos für älteres *deivo8 
'göttlich' gebildet, vgl. lat. divus, auch ir. diu, kymr. diu. 
Wie sich Brivodufum zu Brioderum entwickelte, so Divo- 
durum zu *Diode)-um^ *Diodrum und mit weiterer Verein- 
fachung des Anlauts zu Joderus, Jodrus, Formen, die das 
It. Ant. als einzige für modernes Jouarre (Seineet-Mame) 
angibt, auch erhalten im bedeutenderen La Ferte-sous- 
Jouarre in demselben Departement. Gleichen Ursprung 
hat offenbar auch Jouars (Seine-et-Oise).' 

Begrifflich nahe steht Divodurura: 

*N^nit6dürum , das in seiner frühesten Gestalt als 
Nemptoduro bei Gregor von Tours*, etwas später in der 
Vita Genovefae als Nimetodorensis parrochia vorkommt, 
jetzt Nanterre (Seine). Das Wort bedeutet 'die heilige, 
die den Göttern geweihte Burg (bezw, Tor)' und enthält als 
ersten Bestandteil das Adj. nemetos 'heilig', auch als neu- 



* Essais 362. — * Hist. I 63. 

» Über das a der letzten Silbe vgl. östberg 29, der als 
Zwiscbenform Jouerre aufstellt, das va'\i Auxerre ans Autessiodurum 
zu vergleicben sei; doch ist seine Ansicht, daß die Einwirkung 
eines volkeetymologischen Jocis ara auf die ÜberfQhrong des 
erre in arre gewirkt habe, sicher falsch, wie schon der Vergleich 
mit Briare aus Brivodurum zeigt. 

* üist Franc. X 28. 



106 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

trales Substantiv nemeton gebraucht, air. nemed, glossiert 
sacellum (s. u.). 

Ein PN. bildet das erste Element der folgenden Ver- 
bindungen : 

Äutesäodurum scheint die älteste Form für heutiges 
Auxerre (Yonne) zu sein und findet sich so zuerst drei- 
mal in dem Bruchstück eines Itinerariums \ das Hirsch- 
feld dem 2. Jahrhundert zuweist. Die Tab. Peut. hat 
Autessio.-Duro, das It. Ant. Autesiodorum, in anderen Hss. 
Autissiodorum, die Not. Gall. Autisioderum] auch Gregor 
von Tours hat immer einfaches s, Fredegar statt dessen 
ein c, das doch wieder auf stimmlosen 5-Laut deutet. 
Der erste Teil des Namens ist offenbar der höchst wahr- 
scheinlich gall. PN. AutesHus, der einmal ^ durch eine In- 
schrift aus Nimes überliefert ist; freilich müßte man 
dann die Aussprache oder eine Nebenform *Autescius an- 
nehmen, aus der sich das Autessius unseres Wortes erst 
erklären ließe. ^ 

Epamanduödurum zeigt das It. Ant.^ für den Ort 
Mandeure (Doubs), den die Tab. Peut. als Epomanduo 
verzeichnet. Der Abfall der beiden ersten Silben hat sich 
schon beim Geographen von Ravenna vollzogen, der im 
übrigen ungenau Mandroda schreibt, Mandodrum Atlas 188. 
Der erste Teil des Kompositums ist nach d'Arbois ein 
PN. *Epomanduos, bestehend aus dem gall. Substantiv 
epos Tferd', air. eck, akymr. ep usw., zu lat. equus, gr. 
iTTTTOS, und einem Stamme manduo-, der sich auch im 
Volksnamen Viromandui findet (vgl. oben S. 89). 

*Icciöduros ist die genauere Form des bei Gregor 



1 CIL. XIII 2681 ; ein Überblick über die ältesten Formen 
des Namens findet sich S. 444 desselben Bandes. 

2 CIL. XII 3462. 

^ Über den Vokal der Endsilbe vgl. östberg 27 flf. ; Meyer- 
Lübke, Betonung 38; E. Herzog, Streitfragen 110; wegen Auteseias 
auch d'Arbois, Eecherches 546. 

* 386,4; Epamantuduru '649,2. 



Oallisehe Namen. 107 

von Tours ' als Iciodoro überlieferten, auf merowingischen 
Münzen Iciodoro oder Hicciodero genannten Ortes, dem 
jetzt Izeures oder Yzeures-sur-Creuse (Indre-et- 
Loire) entspricht; ein Izeure (Cdte-d'Or) heißt Iciodorum 
763, Izzoäora 830, Yzoire Anfang des 11. Jahrhunderte'; 
ein drittes Izeure (AUier) erscheint als hiotrwn Atlas 184. 
IsHoire-en-Auvergne (Puyde-Döme) wird Iciodorensis 
vinis bei Gregor von Tours genannt und setzt seiner 
heutigen Gestaltung nach ein Icciodurum voraus, 'die 
Festung des Icciu8\ vom viel gebrauchten und schon bei 
Cäsar ^ vorkommenden gall. PN. Zerit«, zu dem *Icius eine 
Nebenform bildet. 

Isamödoro und Isemodero finden sich auf Münzen der 
Zeit um 500 für den Ort Izernore oder Isernore (Ain). 
Isamos bedeutet als Adjektiv im Gallischen 'eisern', air. 
fem, mgill. mrtj, akymr. heam, abret. hoiarn; doch ist 
auch der PN. Isamos nicht selten auf merow. Münzen 
und seine Weiterbildung Isaminus auf Inschriften er- 
halten, so daß der obige Name entweder als 'Eisenburg' 
oder als 'Feste des Isamos' übersetzt werden kann. 

SdlSdürum Tab. Peut., It. Ant., Salodorum, Saloderum 
in merowingischer Zeit — bei Ptoleraaeus II 9, 10 irr- 
tümlich Tawöboupov, das Cluver in ZaXoboupov bessert — 
ist heutiges Soleure (Schweiz), deutsch Solothurn. Zur 
Erklärung des ersten Teils wird man wohl am besten 
an einen gall. Stamm sal- 'Salz' denken, der sich auch 
in Salomaco des It. Ant. = *Salomagvs erhalten hat, 
während andere Namenformen eine Verlängerung durch 
das Suffix -on zeigen, so der ON. Salona und die PN. 
Salonius, Saloninus. Salodurum wäre danach 'Salzburg 
oder 'Salztor'. Übrigens ist auch ein PN. Salu oft belegt. 

*Satoduros möchte ich als Urform von Seurre 
(Cöte-d'Or) ansehen, das urkundlich nicht vor Anfang des 
13. Jahrhunderts auftritt, und zwar als Saurra 1208, jSa- 

» Biet. Franc. X 81, 5 n. ö. 

» ßerüioud et Matrochot 45. — » Bell. Gall. II 31 a. ö. 



108 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

hurre 1277, Ceorre, Sehurre 1278.^ Daß der Vokal der 
ersten Silbe ein a war, wird durch die ältesten über- 
lieferten Formen hinreichend erwiesen; zur Gestaltung der 
Endung vgl. Jouarre aus *Diodurum und Auxerre aus 
Äutessiodurum. Bezüglich des ersten Bestandteils der 
Zusammensetzung liegt es nahe, an einen PN. zu denken, 
und als solcher bietet sich Satos mit einiger Wahrschein- 
lichkeit dar, das zwar nur einmal inschriftlich belegt^, 
aber dafür in zahlreichen Ableitungen enthalten ist, wie 
Satia, Satigenus, Satullus usw. — Ein älteres 

*Tar6duron sieht Holder im spät überlieferten Taradrum, 
Atlas 203, für heutiges Tarare (Rhone). Das erste Ele- 
ment des Namens wäre dann der oben (S. 102) unter 
*Tarodunum betrachtete PN. Taros. 

Ternöderum Not. Tiron., Ternoderinsem Fortunat^, 
Ternodorensis häufiger als Tornodorensis bei Gregor v. Tours, 
sind die ältesten Namen für Tonnerre (Yonne). Da ein 
gall. Wort mit dem Stamme fern- bislang nicht nach- 
gewiesen ist, so möchte ich die später überlieferten 
Formen mit o in der ersten Silbe, die übrigens von Gregor 
an zu überwiegen scheinen^, doch als die ursprünglichen 
ansehen und in ihnen als Bestimmungswort den PN. 
Tornos erkennen, der in mehreren Inschriften, besonders 
der Rheinlande vorkommt.^ 

Bolodro auf einer merow. Münze, Boloria zwölftes 
Jahrhundert, Bolotria 1330, aber Biluria neuntes Jahr- 
hundert ^ scheinen auf ursprüngliches Bolodurum zurück- 
zugehen, das auch sonst im gallischen Sprachgebiete 
nachgewiesen ist. Das erste Element der Komposition 
entzieht sich unserer Kenntnis, der heutige Name ist 
Bouloire (Sarthe). 

Im Gegensatz zu den vorgenannten Namen, wo duron 
das Grundwort bildet, erscheint es in einer kleinen 



* Berthoud et Matruchot 45. 

2 CIL. III 5465. — 8 Vita S. Germani 35, 102. 

* Vgl. Holder unter Turnodurum. 

^ CIL. XIII 10010, 1929f. u. a. - « Beszard no. 5. 



OalÜBcho Namen. 109 

Gruppe als erstes Element. Vom VN. Durocasses ist 
schon die Rede gewesen (S. 85). Die Hauptstadt der 
Remi heißt bei Cäsnr Durocortoi^im, was später dem Namen 
des Volkes hat weichen müssen. Im It. Ant. wird ein 
Durobrivae genannt, für das die Übersetzung 'Brückenfeste' 
sehr wohl passen mag. Von noch erhaltenen ON. dürften 
hierher zu zählen sein: 

Durclarum Atlas 171, jetzt Duclair (Seine-Inferieure), 
als dessen zweiten Bestandteil man ein gall. Adj. *claroa 
ansehen kann, das 'flach, eben' bedeutet haben dürfte, 
erhalten im air. Substantiv clar 'Tafel, Brett', mir. clor 
'Ebene'. 

Donqueur (Somme) heißt T. P. Duroico. Regiim, 
eine ungenaue Schreibung für wahrscheinlicheres *Duro- 
coreffutn, Dulcurium Atlns 178. Hier erschwert schon die 
unsichere Überlieferung den Versuch einer Erklärung des 
zweiten Elementes; vielleicht steht coregum für ursprüng- 
liches *conu)n, das wir in Petrucorii u. a. kennen ge- 
lernt haben, und das an got. harjis, nhd. Heer anzu- 
lehnen war, so daß sich für den Namen die Bedeutung 
'Heerestor' oder 'Heerfeste' ergäbe. 

Günstiger liegen die Verhältnisse bei Dormelles 
(Seine-et-Marne), Doromelbim 600. Daß dor in späterer Zeit 
für älteres dur eintrat, haben wir früher mehrfach ge- 
sehen; zum zweiten Teil des Wortes vgl. saltus Leu- 
Cornelius 'Weißberg' von mellos 'Hügel', ir. meall} 

Dor maus (Marne) heißt Vicm Duromannensis 1085, 
Duroniagnis 1129, Duroniannum 1178, und das wiederholte 
Auftreten des duro- beweist trotz der späten Überlieferung, 
daß der Name zu unserer Gruppe gehört, wenn auch das 
Ende des Wortes dunkel bleibt; höchstens könnte an den 
VN. Cenotnanni erinnert werden. 

Rdto-. 
Ein Grundwort rato-, vom nom. raton oder raios her- 
rührend, ist in einzelnen Zusammensetzungen erhalten, 

> Glack 139. 



110 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

deren verbreitetste der ursprüngliche Name für das heutige 
Straßburg ist, 'Apteviopaiov bei Ptolemaeus^ Argentoratus 
bei Ammian.^ Die natürlichste Deutung des Wortes 
scheint durch ir. rdth "^Burg, Festung' gegeben, und sie 
paßt so gut für die verschiedenen Zusammensetzungen, 
die uns als ON. entgegentreten, daß ich die Bedenken, 
die d'Arbois^ dagegen geltend gemacht hat, dadurch als 
aufgewogen erachten möchte. Nur der Vollständigkeit 
halber führe ich an ein ir. rath mit der Bedeutung 
'Gunst, Anmut', lat. gratia und den Hinweis auf lat. 
pratum 'Wiese'^; endlich gibt es ein gall. ratis, das bei 
Marcellus (siehe Holder) als filiculae '^Farnkraut' übersetzt 
ist und das gewiß für einzelne ON. in Betracht gezogen 
werden muß (s. unten). 

Außer dem oben genannten Argentoratum kommen 
noch einige andere vor, die sich bis auf die Gegenwart 
erhalten haben, nämlich Argentrö (Mayenne), Argentrato, 
Argentoreto neuntes Jahrhundert^, und Argentre-du- 
Plessis (lUe-et-Vilaine), für das mir alte Formen nicht 
vorliegen. Der Name bedeutet 'Weißenburg' vom gall. 
Subst. ar gantos, latinisiert argentos 'Silber' und Adj. 'silber- 
glänzend, weiß'. 

Auf Garbantordte, Plinius^, Garpentorate, Not. Gall. u. ö., 
Garpentrate, Atlas 173, geht heutiges Carpentras (Vaucluse) 
zurück, das vielleicht 'Wagenburg' bedeutet, vom gall. 
Subst. *carbanto 'Wagen', latinisiert carpetum, air. carpat. 
D'Arbois übersetzt den Namen als 'fabrique des chars', 
Holder nach Stokes und Ernault 'Menhir des Carbantos', 
indem sie in dem ersten Teile einen gall. Männernamen 
*Garhantos sehen, der aber, wie es scheint, nicht belegt ist. 
Nur ein Göttername Garpantus läßt sich nachweisen.^ 



1 II 9, 9. — 2 XV 11, 8. — ä Rech. 493. 

•* Walde, Et. W. unter pratum. 

^ Beszard no. 2. — « III 36. — ' CIL. XII 248. 



Gallische Namen. 111 

Mägos 
*Feld, Ebene' ist nächst durum das in Kompositionen ver- 
breitetste gallische Wort.^ Es ist erhalten in air. mach^ 
glossiert camptts, auch mag, neuir. magh, ky. mais, tnaes, 
kom. ruh, abret. ma, neubret. maes. Windisch stellt es 
zu aind. mahl 'Erde, Land', das selbst urverwandt ist 
mit mah 'groß', wovon lat. magnm. Höchst wahrscheinlich 
werden mit magos im Gegensatz zu dunon, duron u. a. 
ursprünglich nicht befestigte, offene Ortschaften, also 
Dörfer bezeichnet, was schon das Fehlen eines Wortes 
für 'Dorf in der gall. Toponymie vermuten läßt. 

Zum Unterchied von dtmon tritt magos allein als Orts- 
name nicht auf. In den sehr zahlreichen Zusammen- 
setzungen, deren Grundwort magos ist, bildet es stets den 
zweiten Teil, von dem sich aber bei der modernen Ge- 
staltung, wenigstens im franz. Sprachgebiete, nur das m 
des Anlauts als auslautendes n oder seltener m erhalten 
hat, während die hierher gehörigen deutschen Namen 
in der Erhaltung des zweiten Elementes treuer waren; 
vgl. Remagen aus Rigomagus, Nymegen aus Noviomagus, 
Brumat aus Brocomagiis usw.' 

Der erste Bestandteil der Kompositionen mit magos ist 

a) ein Adjektiv. Hierher gehören: 

Noviimägus, 'Neufeld, Neudorf', von novios, ir. nie, 
neu^ lat. novus usw. Er erscheint als 1. Noyon (Oise), 
Noviomago It. Ant. und öfters in späteren Urkunden, in 
merowingischer Zeit auch als Noviomo, Noiomo. 2. Noyon - 
Bur-Sarthe (Sarthe) Noviomo und Noiomo auf merow. 
Münzen. Zwei andere Noyon gibt es noch im Dep. Eure. 
3. Novion-Porcien (A^denne9)-^^OMmma5rtts T. P. 4. Nou- 
vion-en-Ponthieu (Somrae) Noviomum in karolingischen 
Urkunden. Eine ganze Anzahl von Nouvion und Le 



* Vgl. die zahlreichen hierher gehörigen Namen bei 
Holder II S84f. 

* Zur Behandlung des Themas -omagus im Französischen 
Ostberg 538*. Zum Schwunde des -ng- in den romanischen Worten 
auch Thurneysen, Keltoromanisches 33. 



112 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Nouvion kommen im Dep. Aisne vor; doch ist deren 
keins vor dem 10. Jahrhundert, die meisten erst später 
urkundlich erwähnt. 5. Noyen-sur-Sarthe (Sarthe) 
und Noyen- sur-Seine (Seine-et-Marne), beide Noviomum 
in meroAvingischer Zeit, Atlas 192. 6. Nyons (Drome) 
Noio|aaYO(; Ptolemaeus. 7. Nijon (Vosges) Noviomagus 
(Leucorum) Tab. Peut. 

Das Gegenteil von Noviomagos ist: 

Senomägos, das 'Altfeld, Altdorf bedeutet, vom gall. 
Adj. senos "^alt', air. sen, aky. Mn, körn, abret. hen, zu 
lat. senex, gr. Ivog, attisch evo^, got. sineigs. Ein Seno- 
mago der Tab. Peut. bezeichnet einen jetzt untergegangenen 
Ort im Dep. Dröme. Senan (Loiret) und Senan (Yonne) 
werden als hierher gehörig betrachtet. 

Argentömagus bedeutet 'Weißfeld' oder 'Silberfeld', 
vielleicht auch, wie d'Arbois de Jubainville^ lieber will, 
'Feld des Argantos', da Argantos auch als Personenname 
nachzuweisen ist. Eigentlich ist arganto- — die ursprüng- 
liche Form des Wortes — eine Erweiterung des Stammes 
arg-, der 'glänzend, weiß, silberhell' bedeutet, air. argat^ 
ky. ariant, körn, mbret. argant, vgl. gr. dpxri? 'licht, weiß- 
glänzend', lat. argentum 'Silber'.^ 

Auf ein altes Argentomagus geht zurück Argenton-sur- 
Creuse (Indre) Argantoniago It. Ant., Tab. Peut., Ar- 
gentomao in merowingischer Zeit; ferner Argen ton- 
Chäteau (Deux-Sevres) und Argen ton (Maine-et-Loire). 
Auch zwei Argen t an (Orne, Manche) gehören anscheinend 
hierher. — Das Wort argant-, argent- erscheint auch in 
zahlreichen Flußnamen als Verkürzung für Argentodubrum 
'Weiß Wasser', so besonders für das Flüßchen Argens im 
Dep. Var und Argence (aus *Argentia).^ Als Übertragung 
eines solchen FIN. werden wir die ON. Argent (Cher) 
und Argence (Calvados) ansehen müssen, während Ar- 
gen tat (Correze) Argentadum, Atlas 165, eine Verbindung 



^ Recherches 492. 

2 Walde, Et. W.^ 59f. — » Vgl. Esser, Beiträge 90f. 



Galliache Namen. IIS 

von argmto- mit dem gall. Suffix -ate voraussetzt; an dem 
letzteren Orte befinden sich jetzt noch Bleibergwerke, 
und es ist sehr wohl möglich, daß dos Vorkommen den 
silberäbnlichen Bleighmzes zu dem Namen Anlaß ge 
geben hat. 

Gien (Loiret) ist Atlas 182 als Giemum überliefert 
und erinnert wie Biomo, Rotomo und viele andere, die 
ich später behandle, durch sein m an eine ursprüng- 
liche Bildung auf magos. D'Arbois schließt auch tal- 
ptichlich auf ein früheres *Giemagvs; aber in diesem 
bereitet wieder das erste Element der Erklärung große 
Schwierigkeiten. Nun haben wir S. 80 gesehen, daß 
Jublains auf gall. Diablintes zurückgeht; daher ist wohl 
d'Arbois beizustimmen, der mangels einer besseren Er- 
klärung unseren Namen als *Diomagos für noch älteres 
*I>ivo»uigiis 'Götterfeld' deutet. 

Der erste Bestandteil der Komposita mit magos ist 

b) ein substantivum appellativum : 

Blätömago, verkürzt Blatomo, findet sich auf Münzen 
der Merowingerzeit für heutiges Blond (Haute- Vienne). 
Ich stelle hlato- zu air. blath 'Blume, Blüte', akom. biet, 
ky. blawd, deutschem blute, so daß Blatomagus also 
'Blumenfeld' hieße. 

Cassinumago Tab. Peut. entspricht heutigem C has- 
se non (Charente) und enthält als erstes Element gall. 
cassanos, das die Eiche oder einen anderen Baum be- 
zeichnete und woraus sich nfrz. chcne, afrz. chesne ent- 
wickelt hat. Die ursprüngliche Form des Namens ist 
also wahrscheinlich *Cassano)nagus, wie auch Meyer-Lübke* 
aus lautlichen Gründen feststellt. 

*Cätümagus setzt d'Arbois' für Caen (Calvados) an, 
dessen älteste belegte Formen^ erst dem 11. Jahrhundert 
entstammen, nämlich Cathim 1026, Cadum 1040, Cadomum 
1080, Caem Chaem 1155, sämtlich mit auelautendem m, 
das nach dem Beispiel anderer mittelalterlicher Umbil- 

' Betonung 41. — • Recherches 405. 
• Dict. top. da d^p. du Calvados 50. 
Grfthler, FnuDsAdtche OrtsDamen. S 



114 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

düngen mit großer Wahrscheinlichkeit auf ursprüngliches 
magus hindeutet. Catmnagus bedeutet 'Schlachtfeld', von 
gall. catus, das bereits S. 71 bei Caturiges besprochen ist.^ 

Ein Seebad in der Nähe von Caen ist das Dorf Ca- 
bourg, das 1077 als Gadhiirgus, Gathhurgus erwähnt 
wird; es scheint eine hybride Bildung zu sein, in der 
statt des ursprünglich vielleicht vorhandenen dunum das 
gleichbedeutende germanische Wort burgus getreten ist. 

Blgomägus oder Bicomagus^, Riomum, Atlas 64, sind 
die historischen Formen für heutiges Riom (Puy-de-Döme). 
Das Bestimmungswort hierin ist gall. rix, rigos '^König', ir. ri, 
bret. n, lat. rex, regis, so daß der Name "^Königsfeld' be- 
deutet. Ein zweiter Ort Riom -es-Montagnes (Cantal) 
— es veraltet gleich en les — ist nicht vor dem 12. Jahr- 
hundert belegt, geht aber vermutlich ebenfalls auf Bigo- 
magus zurück, desgleichen mehrere Rion (Ain, Landes, 
Yonne, Saöne-et-Loire). Noch wahrscheinlicher ist dies 
von Rians (Cher) Biomum, Atlas 196, und von diesem 
könnte man wiederum auf Rians (Var) schließen, das 
nicht in alter Form nachzuweisen ist. Eine andere 
Gruppe zeigt in der ersten Silbe u statt i, nämlich 
Ruoms (Ardeche), in früherer Zeit Bioms, und Ruan 
(Loir-et-Cher), Biomo auf merowingischen Münzen. Noch 
einige andere hierher gehörige ON. verzeichnet Holder II 
1188 f. Von deutschen sei erwähnt Remagen, Regierungs- 
bezirk Koblenz. — Nicht so sicher wie die Deutung von 
Bigomagus ist die von 

Batümagus, das als älteste Form von Ronen (Seine- 
Inf erieure), der Hauptstadt der Norraandie, angesehen werden 
muß. Häufiger als Batumagus begegnet Botomagus, das vom 
4. Jahrhundert an fast ausschließlich gebraucht wird; vom 
siebenten Jahrhundert an treten daneben die verkürzten 
Formen Botumo, Botomo, Bodomo, vornehmlich die mittlere 
sowohl in Urkunden wie als Münzlegenden auf, zu denen 



1 Zur Etymologie und zur lautlichen Entwickelung des Wortes 
vgl. G. Paris, Romania XXIV 632 und Östberg 54. 
^ Gregor v. Tours, In Glor. conf. 5. 32. 85 u. ö. 



OAlIiflche Namen. 115 

ein Roiomao von 511 den Übergang bildet, während Roem 
in karolingischen Urkunden als Vorstufe des modernen 
Namons interessant ist.* Von den frühesten Formen, auf 
die natürlich die Deutung des Wortes zurückgreifen muß, 
ist zu erwähnen 'PaT6^aY0? bei Ptolemaeus', Ratumagus 
Tab. Peut., Ratomago It. Ant/, denen sämtlich das a der 
ersten Silbe gemeinsam ist. Eine völlig befriedigende 
Erklärung des Namons ist bis jetzt noch nicht gegeben 
worden; doch ist höchst wahrscheinlich der erste Bestand- 
teil des Wortes das von mir S. 109 f. genauer besprochene 
rato- 'Burg, Festung', so daß also die Bedeutung 'Burg- 
dorf, Dorf in der Nähe einer Burg' vorliegt. Das Gebiet 
der Stadt, der pagus Rotomagensis merowingischer Urkunden, 
ergab den Landschaftsnamen Roumois, der jetzt kaum 
noch gebräuchlich ist. 

Ebenfalls auf Rotomagus geht ein kleiner Ort Pon- 
dron (Oise) zurück, entstanden aus Pont-de-Ron, und die 
ganz ähnliche Bildung Pont-de-Ruan (Indre-et-Loire) 
Rotomagus ^, Rodomago bei Gregor von Tours, Rotomo eben- 
falls in merowingischer Zeit. Höchst wahrscheinlich hat 
denselben Ursprung Redon (lUe-et-Vilaine), das Atlas 197 
als Roton verzeichnet ist. 

Spanwmagus, Spamomus, Spamon sind die ältesten 
Formen von heutigem Epernon (Eure-et-Loir). Der erste 
Teil des Namens ist gall. *sparnos 'Dorn', das aus körn, 
bret. spem erschlossen werden kann, so daß der Name 
Dornenfeld' bedeutet, wenn man nicht einen Personen- 
namen *Spa7-nos als Bestimmungswort annehmen will, der 
in Spamacum 6. Jahrhundert, Spanieacum 1042 und später, 
Esparnaium 1190, heute Epernay (Marne) vermutet werden 
muß, da die Bildungen auf -aaim wohl ausnahmslos 
als ersten Bestandteil einen PN. enthalten. 

Mehrere Vernon (Ardeche, Eure, Vienne) leiten 
d'Arbois und Holder von Vemomagm ab, ohne diese An- 
nahme durch alte Formen stützen zu können. Für 



> Vgl. UstbergSöff. - » 11 8, 7. - * 882,8. 384,1. 
« Ammian XIV 41, 12. 



116 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

*Vernomagus als Ursprungswort sprechen die irischen ON. 
Fernmagh, Fernmag, Fearmnhagh, die lautlich genau jenem 
gall. Namen ansprechen. Sie enthalten als Bestimmungs- 
wort gall. *vernos Erle', air. fern, nir. fearn, ky. guern, 
körn. bret. gwern. Vernomagos hat ungefcähr dieselbe Be- 
deutung wie das später zu besprechende Vernoialon, näm- 
lich "^Erlenfeld, Erlendori'. Übrigens gibt es auch einen 
gall. PN. Vernos. 

Mantalomagensem vicum nennt Gregor von Tours einen 
Ort, den er an anderer Stelle substantivisch als Man- 
iolömaus bezeichnet^, das heutige Manthelan (Indre-et- 
Loire). "^Mantalos ist anscheinend ein Gemeinwort, 
dessen Bedeutung aber auch aus ky. mantol "^die Wage' 
nicht erschlossen werden kann. Einen PN. Mantalos gibt 
es nicht, wohl aber verzeichnen T. P. und It. Ant. einen 
Ort Mantala im Gebiete der Allobroger und das lt. Ant. 
ein Peironianialum im Gebiete der Veliocasses. Sollte 
Mantalos die Bedeutung '^Kreuzweg' gehabt haben, so daß 
Petromantalum lat. Quadruvium entspräche? 

c) Zusammensetzungen, deren erstes Glied ein Eigen- 
name ist: 

Mösomagus nach 500, Mosomum auf merowingischen 
Münzen ist gebildet aus dem Flußnamen Mosa, "^die Maas', 
und entspricht heutigem Mouzon (Ardennes) an der Maas, 

Billiömago auf mehreren merow. Münzen ist der älteste 
Name für heutiges Bill om (Puy-de-D6me), gebildet mittels 
des gall. PN. *BilHus, der allerdings nur aus den Formen 
Billus^, BilUcus u. a. erschlossen werden kann. 

Carantömagus heißt Tab. Peut. der kleine Ort Cran- 
ton (Aveyron). Auch Charenton-sur-Cher (Cher) ist in 
seiner ältesten Form als Caranfomum, Atlas 173, überliefert, 
das zweifellos auf die obige Bildung mit magus zurück- 
geführt werden muß; Karentoniwm lautet nach Atlas 246 
in älterer Form auch Carentan (Manche). Das erste 



' HiBt. Franc. VlI 46 und X 31. 
2 CIL. XI 888. 



Gallische Namen. 117 

Element dieser Worte ist der PN. Carantos ', der eigentlich 
'Freund, Verwandtor' bedeutet und ein partio. des Stamnaes 
car- 'lieben' darstellt, air. caraim^ kymr. carqf 'ich liebe', 
zu lat. carus 'lieb' gehörig. — Charenton-le-Pont 
(Seine) kann nicht ohne weiteres zu den obigen Worten 
gestellt werden, da seine älteste historische Form Caran- 
tone, Atlas 173, ebensowohl eine Erweiterung des PN. 
Carantos mit dem Suffix -one darstellen kann wie eine 
vulgäre Umbildung von ursprünglichem Carantomagm. 

ComUmum 015, jetzt Condom (Gers), kann auf älteres 
*('ondoma(jnH zurückgehen und als erstes Element einen 
gallischen PN. Condos oder Condo^ enthalten. Mehr Wahr- 
scheinlichkeit aber hat die Annahme, daß ein ursprüng- 
liches *Condatomagos zugrunde liegt, d. h. 'das Dorf nn 
der Vereinigung zweier Wasserläufe', denn tatsächlich 
liegt Condom am Zusammenfluß der CJele und der Bai>c, 
zum Becken der Garonne gehörig. Von Condom ist ein 
früherer Landschaftsname Ci>ndomoi8 mittels des lat. 
Suffixes -ensis gebildet. 

Dulcomense castrum heißt 939 das Dorf Doulcon 
(Meuse); man kann, aus dem Adjektiv ein Substantiv 
*Duk'omum erschließen, das selbst wieder eine Verkürzung 
V(»n *Dulcomaffus bedeutet (vgl. oben Mosomum für Moso- 
niagus). Der erste Bestandteil des Wortes ist ein gall. PN. 
*/>«fco6', der in dem ON. Dulciaco einer merowingischen 
Münze enthalten wäre. Wichtiger als der Ort Doulcon 
ist der pagus Dulcomensis 832, Diilmitisis 870, Dolmensis 
893, woraus sich der Landschaftsname Dormois ent- 
wickelt hat, so zuerst 1254, aber noch 1756 als Doul- 
mois vorkommend und bis auf die Gegenwart erhalten im 
ON. Cernay-en-Dormois (Meuse). Die Landschaft um- 
faßte den größten Teil des heutigen Dep. Meuse, genauer den 
Oberlauf der Aisne bis zu ihrer Vereinigung mit der Aire. 



» CIL. VII 1083. CIR. 921. 1321. 1769; auch /.ahlreiche Ab- 
leitunKt-n wie Carantinti«, Carantillux, Carantocus u. dgl. sind belegt. 

* CIL. XII 1734. VII 1336, 341. XII 6686, 257; vgl. auch Ab- 
leitungen wie CondilUoa, Condollus u. a. 



118 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Eburomagi Tab. Peut., Hehromago It. Hieros. und 
Ausonius^, Ebromagus Paulin, Nolan. sind die Urformen 
des heutigen Bram (Aude). Jiber Eburos siehe ob. S. 81. 

Tornömagus heißt bei Gregor von Tours ^ das heutige 
Tournon-Saint-Martin (Indre), Turnomagus ein zweites 
Tournon (Indre-et-Loire), und Tournon (Savoie), Atlas 31. 
Auch Tournon (Ardeche), das bei Longnon, Atlas 285, als 
Torone überliefert ist, sowie zwei Tournon (Lot-et- 
Garonne und Savoie), von denen mir alte Formen nicht 
bekannt sind, gehören wohl hierher. Sie alle gehen zurück 
auf einen gall. PN. Tornos, der auch in anderen Orts- 
namen erhalten ist. — Eine hybride Bildung stellt 

Claudiömagus dar, das bei Fortunat^ und anderen für 
heutiges Clion (Indre) bezeugt und vermutlich nach dem 
Kaiser Claudius benannt ist. 

Magittu^, die älteste Form von May et (Sarthe), 
möchte ich als eine Verbindung des eben betrachteten 
magos 'Feld, Dorf' mit dem bekannten Diminutiv-Suffixe 
-itto (frz. -et) ansehen, das auch im PN. Sanuitto neben 
Sanuillus^ enthalten ist. 

Jdlon. 

Es gibt im Gallischen eine umfangreiche Gruppe 
von Ortsnamen, die die Endung -oialo, -ogilo, -oilo, in 
späteren Urkunden auch -olio und orthographische oder 
dialektliche Varianten davon zeigen. Der gall. Ursprung 
dieses zweiten Bestandteils kann nicht in Zweifel gezogen 
werden, da der erste in der überwiegenden Mehrzahl der 
Fälle sich als echt gallisch nachweisen läßt; nicht so 
leicht festzustellen ist das Wesen und der Ursprung des 
zweiten Elementes. Haben wir es mit einem bloßen 
Suffix, etwa einer Verkleinerungsendung zu tun, oder liegt 
ein selbständiges Wort vor, so daß jene Bildungen unter 
die Kompositionen gezählt werden müssen? Beide An- 

' Epist. XXI 2, 15. — 2 Eist. Franc. X 31. 

' Vita Martini III 270. 

^ Atlas 188. - 5 CIL. VI 18892. 



Gallische Namm. 119 

sichten sind vortreten worden, und einige der neueren 
Auffassungen sollen einleitend kurz besprochen werden, 
ehe ich meine Stellung zu der Frage charakterisiere.' 

Von entscheidender Wichtigkeit für eine richtige Be- 
urteilung der Sachinge ist natürlich die älteste Gestalt, 
in der die Endung auftritt. Leider sind die große Mehr- 
zahl der hierher gehörigen Namen so spät überliefert, daß 
wenigstens oialo, ogilo, oilo ziemlich gleichmäßig erscheinen, 
doch so. daß oialo unter den ältesten Formen ein ge- 
wisses Übergewicht hat. Es findet sich auch in dem 
ältesten überhaupt erhaltenen Worte dieser Gruppe, auf das 
d'Arbois de Jubainville' aufmerksam macht, im Adjektiv 
Maroialieis, das ein substantivisches ^Maroialum voraussetzt. 
Dieses Maroialicis entstammt einem poetischen Briefe des 
Paulinus von Nola^ an Ausonius, und letzterer ist 390 
gestorben, so daß der Brief also spätestens in diesem 
Jahre entstanden sein könnte. 

Aus dem späten Auftreten der Ortsnamen auf oialum 
einerseits und aus dem gänzlichen Fehlen dieses Elementes 
in den neukeltischen Sprachen andererseits zieht d'Arbois 
den Schluß, daß wir es hier überhaupt nicht mit einer 
gallischen Sprachform zu tun haben. Nach ihm ist 
oialum, «besser oialum^, ein spätlateinisches Suffix, das 
zur Bildung von Diminutiven aus Zusammensetzungen 
mit gall. nuiyus dient, eine Auffassung, die schon dar- 
um hinfällig ist, weil uns das Lateinische keinen An- 
halt für ein solches Suffix gibt. 

Esser geht in seinen Beiträgen zur gallokeltischen 
Namenkunde S. 82 ff. von der Form ogilo als der ur- 
sprünglichen aus und löst von dieser als zweites Element 
jener Namen ein Substantiv gilum los, das 'Wasser' be- 
deute und im irischen gil mit gleicher Bedeutung er- 
halten sei, indem er den Nachweis führt, daß der erste 
Bestandteil der fraglichen Komposita stets ein Flußname 

' Eine Obersicht Ober die altere Literatur zu dem Gegen- 
Htande findet sich bei Eoser, Beiträge 82 f. 
» Recherches 529. — » Carmina X 242. 



120 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

sei. Aber abgesehen davon, daß ihm dieser Nachweis 
nicht vollständig gelingt, scheitert seine Auffassung daran, 
daß ogilo erst eine jüngere Entwickelung von älterem 
oialo ist. 

Die richtige Erklärung hat meiner Ansicht nach 
Thurneysen gegeben. Er weist, von der Form oialo aus- 
gehend, auf ein kymr, Substantiv jäl hin, das an open or 
fair Space or region, a clear or open space bedeutet. Es 
kehrt also hier der bei den Galliern für unbefestigte Orte 
so gern gebrauchte Begriff 'Feld, Ebene' wieder, dem wir 
schon in dem viel verwendeten Grundworte magos be- 
gegnet sind und das wir später noch einmal in lanon der 
zahlreichen Mediolanon antreffen werden. 

Das Thema -ojalum trug nach gallischen Akzent- 
gesetzen den Ton auf o, dem Auslaut des Bestimmungs- 
wortes; dies bewirkte eine Schwächung des nachtonigen 
Stammvokals von jalum zu i, begünstigt durch den voran- 
gehenden cT-Laut. Daher findet sich als nächste Stufe 
des suffixartig gebrauchten zweiten Elementes ogilum, 
selten ogelum, worin g vor dem hellen Vokal die Geltung 
von j hat, das bei seinem halbvokalischen Charakter auch 
unterdrückt wird, so daß sich oilum ergibt. Hieraus ent- 
stand durch Metathese olium, das sich später, je nach der 
Gegend, in der es auftrat, zu euil, eil, eul wandelte.^ 

Ich gehe nun die wichtigsten der hierher zählenden 
ON. durch und spreche zunächt von denen, deren erster 
Teil ein Adjektiv zu sein scheint. 

*Ärg6ialum muß als nicht belegte Grundform für mo- 
dernes Argueil (Seine-Inferieure) angesetzt werden. Der 
Stamm argo- bedeutet 'glänzend, hell, weiß', zu griech. 
dpYÖg 'weiß'^, der Name also 'Weißfeld'. Die Erweiterung 
argento (S. 112) bildet den ersten Teil von 



* Zur späteren Gestaltung des Themas -oialon vgl. Östberg, 
29-33 und 90 ff. 

^ Weise in Bezzenbergers Beiträgen II 290. 



GaUiMbe Namen, 121 

Argeniöialum 097, Argentogclum 769, ArycittoyUum 824, 
jetzt Argeuteuil (Seineet-Oisc), heute noch durch Gips- 
brücho ausgezeichnet, die vielleicht den Naracn 'Weiß- 
feld' oder 'Silberfeld' erklären. 

*Vw(limlum wird von Holder zweifellos richtig als 
älteste Form von Vendeuil (Dordogne) angesetzt, das auf 
raerowiiig. Münzen Veitdogilo heißt. Ein Vendeuil (Oise) 
kommt Atla« G6 als Vindoibim vor; endlich gibt es noch 
ein Vendeuil (Aisne) und Vandeuil (Marne). Der erste 
Teil des Namens ist das schon an anderer Stelle (S. 53) 
besprochene Adj. vhulos 'weiß*, so daß ähnlich wie für 
Argneil und Argenteuil die Bedeutung 'Weißfeld' sich er- 
gäbe, oder auch der PN. Vindos. 

Ein drittes 'Weißfeld' ist *CaHtöjalum, als Cantogilum 
erst 936 erwähnt, jetzt Chanteuges (Haute-Loire). Das 
erste Element wird uns durch kymr. cant, raun, splendidits, 
albus, candidiis 'weiß' erklilrt. Chanteile (Allier), Can- 
tela Tab. Peut. und Sidon. Apoll, wäre eine Bildung mit 
demselben Stammworte und einem anderen Suffixe. 

Br&nölia ist nach Longnon, Atlas 170, der älteste 
Name von Brignoles (Var), für das Holder die Formen 
Bruniola, später Brinolium gefunden hat. Ich sehe in 
dem Bestimmungsworte das gall. Adjektiv bruno- 'braun'*, 
also 'Braunfekr. 

Diögüum 862 heißt Deuil (Seine-et-Oise); dio ist eine 
Nebenform von divo 'göttlich', so daß die Bedeutung 
'Götterfeld' vorliegt. — Das bei weitem verbreitetste Kom- 
])08itum mit ialon ist 

Maröjalvm, das, wie schon erwähnt, in der adjek- 
tivischen Form Maroialicis zuerst bei Paulin us Nolanus 
vorkommt. Die Identität ist nicht festzustellen. Die 
nächsten Marojalum begegnen im sechsten Jahrhundert, 
so Marojalensis villa bei Gregor von Tours, jetzt Mar eil 
(Sarthe); ferner zahlreiche Marcuil (Holder zählt 

* Weise in Beiträge II 276 u. 287. 



122 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

ihrer 26), deren ältestes, im Dep. Loir-et-Cher ge- 
legen, 278 als Marojalum nachgewiesen ist, andere 
Seine-et-Marne, Marogilum 862, Dordogne, Maroll 1109, 
Vendee, Oise, Marne, Somme, Cher usw. Ein besonderes 
Interesse bietet Mareuil-sur-Ay (Marne), das gar nicht, 
wie man aus dem Namen schließen sollte, an einem 
Flüßchen Ay liegt, sondern an der Marne, und daher auch 
nicht selten, z. B. 1381, Mareul-sur-Marne heißt. Der Bei- 
name rührt von einem Orte Ay her, der früher wohl 
bedeutender war als jetzt und dessen Etymologie an an- 
derer Stelle behandelt wird; man findet 1428 Mareuil-lez- 
Ay, d.h.M&reml bei Ay, lß76Mareuille-Ay, aber in demselben 
Jahre auch schon Mareuille-sur-Ay; die ältesten Formen sind 
Marogillus 9. Jahrhundert, ifaricMZMW 1042, Marogilum gegen 
1114. — Andere Ergebnisse von altem Marojalum sind 
zahlreiche Marolles mit unorganischem s der Endung, 
deren ältestes Marolles-les-Braults (Sarthe) Marojalum 
(villa)^ während von drei Marolles (Eure-et-Loir) das 
älteste erst im 12. Jahrhundert als yiairoUae auftritt; 
ferner Marolles oder Maroilles (Nord), Marogilo 615, 
Marigilo 749, Maricolae, Atlas 188; auch Maroeuil (Pas- 
de-Calais) lautet in einer alten, wohl durch mönchische 
Latinisierung beeinflußten Form Mariculae monasterium, 
Atlas 188; Marvejols (Lozere) ist mir in älterer Form 
nicht bekannt, gehört aber zweifellos auch hierher. Da- 
mit sind aber die Ortsnamen, die auf gall. Marojalum zu- 
rückgehen, bei weitem nicht erschöpft; Holder, der gewiß 
auch noch nicht vollständig ist, zählt mehr als vierzig 
Namen auf. — Die Erklärung von Marojalon ist durch 
das air. Adjektiv mar ^groß' gegeben, ky. mmvr, bret. 
meur, so daß der Name sich etwa zu deutschem 'Breiten- 
feld' stellen läßt. 

Naiogialum kommt zuerst bei Gregor von Tours 
vor und heißt heute Nieul-les-Saintes (Charente-In- 
forieure), d. h. das bei Saintes gelegene. Auch Nieul 



» Geographie 188. 



Gallische Nampn. 128 

(lijuite-Vienne) heißt Naiogialum^ Atlaa lül. yaiotjialum 
steht offenbar für ursprüngliches *Noviogiahtm cxler *Woio- 
(jialum 'Neufeld, Neudorf', vom Adjektiv tumos 'neu' ge- 
bildet und gleichbedeutend mit dem viel l)eliebteren 
Noviomagus. Für novios findet man in Zusammen- 
setzungen oft genug noio, z. B. Noxomagum bei Auso- 
niusS NoiomagensCes)^, Noiodunus Not. Gall. Durch Dissi- 
milation wurde das erste o von 7ioio zu a, wie auch Naio- 
öouvuj gelegentlich für N&vioduno vorkommt' Umgekehrt 
fehlt auch nicht Noviolio und Noiolio^ das erstere 615, 
das andere G90 für heutiges Nueil-sous-Passavant 
(Maine-et-Loire). Eine eigenartige Umgestaltung durch 
Volksetymologie hätte ein A^öriow/Mm erfahren, das Neu f- 
jours (Correze) ergab und über das Thomas' handelt. 

Sireuil (Charente) heißt nach Longnon'' schon im 
sechsten Jahrhundet Sirojalum, eine Zusammensetzung mit 
dem gall. Adj. *siros 'lang', das im air. s/r, körn. ky. 
bret. hir 'lang' erhalten ist, zu lat. sents 'spät' gehörig. 

Ceneuil (Haute-Loire) heißt 1097 Senoadum, um 
1145 Senuil, 1171 Seiieulh und ähnlich noch später. Die 
Übereinstimmung des Anlautes in diesen historischen 
Formen weist deutlich auf ein gall. Adj. settos 'alt' (vgl. 
S. 112), so daß also die Bedeutung des Namens 'Altdorf' 
ist. Eine ganz andere Entwickelung hat ursprüngliches 
*Senoialon in Seneujols (Haute-Ijoire) erfahren, Senolium 
um 1160, Scnoiolo 1178 u. ö. 

Der erste Bestandteil ist ein Substantivum appel- 
lativum : 

Avaloiohim 929, Avologile 928 ist heutiges Valu6- 
jols (Cantal), von dem Älittclforraen mit Abfall des an- 
lautenden a als Valojol 1239 und Valueiol 1296 belegt 
sind. In Endlichers Glossar ist avallo mit poma 'Apfel' 
übersetzt, akymr. air. ahall, brot. körn, aval, at^U, gäl. ab- 
hol; der Name bedeutet also wohl ein mit Apfelbäumen 



> Mosella 11. — » CIL. XII 1783 — « Holder II 789. 
* Noaveaux Essais 60 f. — ' Geographie 554. 



124 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedentung. 

bepflanztes Feld, wenn man nicht im ersten Teile den 
seltenen PN. Ahalus'^ sehen will. (Über den Stamm Ahall- 
und seine Verlängerungen in ON. siehe auch später.) 

Altoglio heißt nach d'Arbois^ heutiges Auteuil (Seine- 
et-Oise), während Altoilum im 12. Jahrhundert das jetzt 
zur Stadt Paris gehörende Auteuil bezeichnet. Der Name 
bedeutet 'Uferfeld', wie aus der Analogie von ir. alt 'Ufer, 
Küste', körn, als, glossiert lüiis, bret. aut 'Ufer' hervor- 
geht, die mit lat. alius 'hoch' stammverwandt sind. Auch 
die Lage jener beiden Orte am Ufer der Seine stimmt zu 
meiner Deutung. 

Casanögilo 828, Cassenoilo 927 führt Redet ^ für den 
ältesten von drei Orten Chasseneuil an; derselbe mo- 
derne Name findet sich auch in den Dep. Charente, 
Indre u. a., wogegen Gassen euil (Lot-et-Garonne) die 
ursprüngliche Form mit Erhaltung des c darstellt. Auch 
Casseuil (Gironde) ist nach Longnon, Atlas 62, ein altes 
Cassinogilum.^ Als erster Bestandteil ist ein in den 
übrigen keltischen Sprachen nicht erhaltenes und auch im 
Call, nicht direkt nachgewiesenes '^cassanos anzusetzen, 
das ich schon S. 113 erwähnt habe. Danach würde 
Casanögilo wie das schon erörterte Gassinomagus 'Eichen- 
feld' bedeuten. Überhaupt scheinen gern Pflanzennamen 
als erstes Element der yafow-Kompositionen gebraucht zu 
werden; das beweist auch 

Exidölium 571, Issidoil 1100, Monasterium Exidolii 
1116, heute Exideuil oder Excideuil (Dordogne). Von 
PN. vermag ich nur einmal belegtes Essidus hierher zu 
stellen; besser paßt anscheinend exedum, der gall. Name 
einer Pflanze, die Plinius^ erwähnt, die wir aber im 
übrigen nicht kennen. 

Lemöialum, Atlas 186, jetzt Li meuil (Dordogne), ver- 
mutlich auch Lim ejouls (Dordogne) und Limeil (Seine- 



1 CIL. VII 1336, 3. - 2 Recherches 545. 

* Dict. topogr. du d^p. de la Vienne. 

* Zahlreiche andere hierher gehörige bei Holder I 828. 
^ Nat. hist. 24, 175. 



Gallische Namen. 125 

et-Oise) enthält als ersten Bentandteil gall. *Umo» 'Ulme*, 
das in gall. Ort»- und V'olksnanien, wie Lemausum, Le- 
monum, Lemovices (S. 148) vorkommt. — Auf gall. 

Nantöialum gehen nach Holder nicht weniger als 26 
moderne ON. zurück, und man kann annehmen, daß in 
Wirklichkeit ihre Zahl noch größer ist. Am frühesten 
bezeugt ist ein Nantogilo auf einer merowingischcn Münze, 
jetzt Nanteuil-en- Vallöe (Charente); ungleich bedeu- 
tender ist Nanteuil-le-Haudouin (Oise), d.h. celui de 
Houdouin, Nantöialum, Atlas 191. Andere Nanteuil in den 
Dep. Aisne, Marne, Vienne, Dordogne. Nantojalum enthält 
als Bestimmungswort den gall. Stamm navt- 'Tal' (s. u.); 
es bezeichnet also 'ein Dorf im Tale', eine Bedeutung, 
die durch das zuerst genannte Nanteuil-en-Vall6e aus- 
drücklich bekräftigt wird. 

Rlgojalnm heißt bei Gregor von Tours der Ort Rueil 
(Seine-et-Oise), der um 816 als Rioilum urkundlich er- 
wähnt wird.^ Das Wort bedeutet ebenso wie früher er- 
wähntes Rigomagus 'Königsfeld'. 

Ungemein verbreitet in ganz Süd- und Mittelfrank- 
reich ist 

*Vernojalum, aber, wie es scheint, vor dem 10. Jahr- 
hundert nicht belegt', ein Beweis dafür, daß das Element 
•ialon nicht verstanden wurde und als Suffix etwa im 
Sinne von lat. etum gebraucht wurde, so daß alle die 
hierunter genannten Worte streng genommen nicht zu den 
altgallischen zu rechnen sind, obwohl beide Elemente des 
Kompositums sicher echt gallisch sind. Die Nordgrenze 
der mit verno gebildeten Namen wird durch die 
Departements Meuse, Marne, Aisne, Oise, Eure angegeben ; 
im eigentlichen Nordwesten fehlen sie ganz, hier enthalten 
Maine-et-Ijoire und Vienne die letzten Vertreter. Die 
nfrz. Form ist für Nord- und Mittelfrankreich Verneuil, 
Maine-et-Loire hat ein Vernoil, Loire ein Vernoille; 
in Sarthe und Savoie findet sich je ein Verneil, in 

> Recherches 582. 

' D'Arbois, Recherches 543. 



126 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Cantal Vernols; Verneuge zeigen Haute-Loire und 
Puy-de-Döme zweimal; im letzteren Dep. kommt auch 
ein Verneugheol vor, ähnlich Verneughol und Ver- 
nu6jols (beide Cantal). Endlich ist noch als Bildung 
mit Diminutivsuffix zu erwähnen Vernouillet (Seine- 
et-Marne, Seine-et-Oise, Eure-et-Loir, Loir-et-Cher, AUier). 
Über Vern- 'Erlenbaum', das allein und mit Suffixen 
verbunden in ganz Süd- und Mittelfrankreich ungemein 
verbreitet ist, spreche ich eingehender weiter unten. Eine 
Umgestaltung dieses gallischen Wortes nach frz. aune 
'Erle' ist wohl Auneuil (Oise). 

Blanöilum, sechstes Jahrhundert, entspricht heutigem 
Bleneau (Yonne) und enthält anscheinend den gall. PN. 
*Blanos, der als solcher nicht belegt ist, aber aus dem 
ON. Blaniacus, jetzt Bligny (Aube), und BXavujva bei 
Ptolemaeus^ erschlossen werden kann.^ 

Bönögillo villa heißt bei Fredegar um 617, Bonogilum 
834 der Ort Bonneil (Aisne); Bonneuil (Oise) lautet 
auf einer merow. Münze BonocUo. Bonneuil-sur-Marne 
(Seine) kommt nach d'Arbois^ zuerst 811 als Bonoilo vor. 
Zugrunde liegt höchst wahrscheinlich der gall. PN. Bonos, 
der in Bildungen wie BonicuSy Bonussa sowie im ON. 
Bonomagus enthalten sein mag. 

BrUuögilum ist zuerst 1031 erwähnt als Name für 
Breteuil-sur-Noye (Oise), das in den Acta Sanctorum 
Britolium heißt. Gleichen Ursprung dürften Breteuil 
(Eure) und Breteil (Ille-et-Vilaine) haben, die sämtlich als 
erstes Element den gall. PN. Brittus oder Briius^ zeigen. 

*Corb6ialon kann unschwer aus Corboüum, Atlas 175, 
für heutiges Cor bei 1 (Seine-et-Oise) erschlossen werden. 
Ein zweites Cor heil (Marne) lautet in der Tab. Peut. 
Corobilium und dürfte, wie so oft die Namen dieses Denk- 



' n 16, 6. 

^ Über die Behandlung des Suffixes in Bl^neau spricht Öst- 
berg 94. 

^ Recherches 535. 

* CIL. III 3271; V 5002 u. ö.; auch Britto ßrito kommen vor. 



GftUiBche Namen. 127 

roals, entstellt und durch eine der obigen Formen zu or- 
Betzeu Bein. Zugrunde liegt der guU. PN. C&rbosK 

Evrögilum findet Longnon, Atlas 03, in merowingischer, 
Ebrogilum, ib. 178, in karolingischer Zeit für heutiges 
Ebreuil (AUier). D'Arbois leitet es vom gall. PN. Eburos 
ab, diT irmchriftlich oft bezeugt und überdies in zahlreichen 
Toponymen wie Ebtdriacus, Eburodunum, Eburomagus vnihahen 
ist. Eburos hieß aber auch der Eibenbaum und aus dieser 
Bedeutungsind die ON. Y^vro-le-Chateau und Yevre-la- 
Ville (Loire) hervorgegangen, für die Atlas 179 Evera begeg- 
net; auch Yövre (Doubs) und Y6vres(Aube) sind hier auf- 
zuzählen. So könnte Ebrogilum wie Eburomagus 'Eibenfeld' 
bedeuten. Daß die Eibe in Gallien sehr verbreitet war, wird 
uns von Cäsar* ausdrücklich versichert, und die Bevorzugung 
von Pflanzennamen als erstes Element der Kompositionen 
mit Jahn ist früher von mir bereits betont und nach- 
gewiesen worden. 

Gargogilus führt Holder ohne nähere Angabe als 
älteste Form von Jargeau (Ix)iret) an. Ein PN. *Oargos 
ist bis jetzt nicht belegt; doch deuten Bildungen wie 
Gargonius, Gargeitus, Gargilius auf ihn hin. 

Sabolölium neuntes Jahrhundert, Sabolium 832, Sabo- 
leium 1219, Sahleyum 1379^ sind die historischen Formen 
des heutigen Sable-sur-Sarthe. Das erste Element ist 
lat. sahulum 'Sand\ das ganze Wort bedeutet also 'Sand- 
dorf\ und die Beschaffenheit des Bodens bestätigt die 
Richtigkeit des Namens, dessen Suffix allerdings eine von 
der üblichen abweichende Entwickelung zeigt.* 

Spinogilum super Secoiia fluvius und Spinogelum nennt 
Fredegar'' den Ort Epinay-sur-Seine (Seine), dessen 

' CIL. III 6497 u. ö.; vgl. auch die PN. Ck>rbilla, Corbeliui«. 

' Bell. Gall. VI 81: Catuvolcus tazo, cuius magna in Gallia 
Germaniaque copia est, se exanimavit. 

' Sämtliche Formen nach Beszard, Noms de lieux da 
Maine 48. 

* Vgl. zu diesem Östberg a. a. O. 91. Zum Namen selbst 
|A. liOngnon, Revue celt. XIII 36. 

' Liber biet. Franc. 43 und Chron. IV c. 79. 



128 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Endung vielleicht nur in der schriftlichen Form an die 
zahlreichen Epinay (z. B. Mayenne, Eure-et-Loir, Maine-et- 
Loire, meist mit dem Artikel) aus spinetum '^Dorngesträuch' 
angelehnt ist. Aber auch die reguläre Entwickelung 
Epineuil ist nicht selten, nur daß ich für sie historische 
Formen nicht beibringen kann, so in den Departements 
eher, Yonne, Charente usw. Ein anscheinend gall. PN. 
Spinus, auf den das erste Element des Wortes zurückgehen 
könnte, ist nur einmal inschriftlich beglaubigt, ebenso 
einmal ein Frauenname Spinia; doch sind beide so selten, 
daß man eher an Umdeutung von gall. *spar7ioialum (ß. 115) 
nach lat. spina denken darf. 

d) In einer kleinen Gruppe von m^ow-Bildungen be- 
reitet das erste Element Schwierigkeiten: 

Arcailus ist die erst aus dem Jahre 1119 belegte 
Form von heutigem Arcueil (Seine). Hier wird die 
Deutung schon durch die späte Überlieferung erschwert. 

Borgöialo ist auf einer merowingischen Münze der 
älteste Name des Städtchens Bourgueil (Indre-et-Loire), 
das später als Burgulium auftritt.^ Da es einen gall. PN. 
Brogos gibt, so könnte man an ursprüngliches '^'Brogoialon 
denken, das sich durch Metathese in Borgoialon gewandelt 
hätte; oder man hat in borg germ. bürg, got. baurgs zu 
sehen, was wenig wahrscheinlich ist, da es die einzige 
Verbindung mit einem germ. Bestimmungswort darstellen 
würde. 

Ligölio ist nach Holder das heutige Ligueil (Indre- 
et-Loire). Ich vermag weder einen Appellativstamm *% 
noch einen Eigennamen dieser Art im Gallischen aus- 
findig zu machen. (Vgl. jedoch oben S. 15.) 

Im Dep. Vienne gibt es zwei Orte Vouneuil-sur- 
Vienne und Vouneuil-sous-Biard, von denen der 
erstere 909 als Vodenögilus belegt ist, Vodonogilo gegen 940, 
Voenolio, Voonolio um 1100; der zweite kommt als Vogi- 
nolio 989, Vodonolio um 1000, Veonolium 1090 vor. Das 



^ Beides bei Holder. 



Gallische Namen. 129 

erste Element Vodetio- oder Vodono- entzieht sich unserer 
Kenntnis und begegnet sonst nicht. Holder verzeichnet 
aus dem neunten Jahrhundert einen ON. Vodanum und 
auf Vodano als älteste Form weist Voenolio. 

Nicht minder unsicher ist das erste Glied einer 
Urform *Vent6ialon, das einer ganzen Reihe von Namen, 
besonders Südfrnnkreichs zugrunde liegt; leider ist keiner 
früh bezeugt. Ich nenne: Venteuges (Haute-Loire) Ven- 
toiol 1298, Ventuejol 1320 u. ö. Diesen mittelalterlichen 
Formen stehen nahe die modernen Ventejouls (Lot), 
Ventejoux(Correze), Venteujol (Cantal) ; nördlicher liegen 
Venteuil (Puyde-Döme, Allier, Seineet-Marne, Marne). 

MSdJölanum 
ist ein in gallischen Landen ungemein verbreiteter ON. 
Das Grundwort lan- findet sich merkwürdigerweise fast 
gar nicht in anderen Verbindungen; ich vermag nur ein 
Vindolana^ als Name eines Kastells in Britannien anzu- 
führen. Lan kann lat. planus 'eben' entsprechen und 
'Ebene' bedeuten, während das erste Element lat. ine- 
dius, got. midjis 'Mitte' ist, so daß die topographisch 
z. B. für Mailand oder für Mediolanum im Marchfeld 
trefflich stimmende Bedeutung 'Mittenfeld' sich ergibt. Die 
am frühesten als Mediolanum, MebioXdviov überlieferten Orte, 
nämlich Mailand in Italien und einige im transalpinen 
Gallien, die ihren Namen aufgegeben haben, sind für 
unsere Betrachtung ohne Interesse. Das älteste in Frank- 
reich, dessen Name noch erhalten, ist das heutige Chäteau- 
meillant (Cher) Mediolano Tab. Peut., ad Mediolaneiisim 
castrum bei Gregor v. Tours.* Auch le Miolan (Rhone) 
wird schon in der Tab. Peut. als Mediolano erwähnt. In 
mehreren ist das gall. Wort später mit lat. mons verbunden 
worden, so besonders in Montmeillant (Ardennes). Auch 
Meylan (Isäre) ist in mittelalterlichen Urkunden noch als 
Mediolanum, später Afei/a/ium überliefert; ein zweites Mey- 
lan liegt im Dep. Lot-et-Garonne. Mälain (C6te-d'0r) 

^ Not. DigD. occid. and später. — * H. F. VI 22. 

Grübler, Fraiuteisehe OrUnameu. 9 



1^0 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

heißt Mediolanum nach Atlas 29, Molain (Jura) nach 
Atlas 189, desgleichen Moliens (Oise); Meulin (Seine- 
et-Loire) lautet noch Mediolani in einer Urkunde vom 
Jahre 881, Miolain im 14. Jahrhundert^ Mielan (Gers) 
Milani, Atlas 247; Moislains (Somme); Molliens-Vi- 
dame (Somme), Moiliens 1142 u. ö., Moliens 1175 u. ö.; 
Mo Hans (Dröme); Meilhan (Lot-et-Garonne) möchte 
A. Thomas^ wegen des moullierten l nicht von Mediolanum 
ableiten, sondern lieber als eine Weiterbildung des Gentil- 
namens Melius oder auch Aemilius mittels des lat. Suf- 
fixes -anus ansehen.'^ 

Bona. 

Ptolemaeus* nennt als Hauptstadt der Caletae ein 
'louXioßova, Juliobona auch Tab. Peut. und It. Ant. Andere 
Zusammensetzungen mit demselben Grundwort bona sind 
Augustohona und Vindobona. Der Stamm hon- ist bis jetzt 
noch nicht befriedigend erklärt. Anlehnung an ahd. büan, 
got. bauan 'bauen', die unter Hinweis auf ir. buia 'Hütte' 
von verschiedenen Seiten vorgeschlagen worden ist, ist 
zurückzuweisen wegen des zweifellos kurzen Stammvokals, 
der nicht nur durch obiges 'louXioßova, sondern durch 
das wohl ebenfalls hierher gehörige Bovujvia bei griechischen 
Schriftstellern festgestellt ist. Auch Bona, häufiger Bonna, 
für Bonn am Rhein wird hierher gehören; vgl. das ein- 
fache dunum neben den vielen Zusammensetzungen S. 95 flf. 

Von den obigen drei ON. hat sich in Frankreich nur 
Juliobona erhalten, das in einer Urkunde des siebenten Jahr- 
hunderts als Juliobona erscheint und nfrz. die Form Lille- 
bonne (Seine-Inferieure) angenommen hat.^ Eine Ver- 

1 Williams 63. — ^ Nouv. Essais 58. 

3 Über Mediolanum und seine nfrz. Formen spricht Longnon, 
Revue celt. VIII 37511., über die lautlichen Verbältnisse Juros- 
zek676ff. 

4 II 8, 5. 

* Gaston Paris in Romania XXIV 608 weist eine Übergangs- 
form Luillebone nach, wie denn auch ein Lulianus, LuUana für 
Julianus, a belegt ist. 



Gallische Nam«n. 181 

bindung vun bona mit einem dunklen ersten Elemente 
scheint in Silbona, Atlas 202, gegeben zu sein, jetzt 
Serbonnea (Yonne). — Recht verbreitet ist im alten gall. 
Sprachgebiete die Erweiterung des Stammes bon- durch 
das Suffix on-, wie sie in Bönonia vorliegt, das merk- 
würdigerweise allgemein die Entwickelung zu *Bolonia 
erfahren hat. Der früheste Vertreter dieses Typus ist ital. 
Bologna, von Cicero* und später oft als Bononia er- 
wähnt. Der älteste hierher gehörige Ort in Frankreich 
ist Boulogne-surMer (Pas-deCalais), das Cäsars Portus 
IHm^ zu entsprechen scheint, später Gesonon», seit Kon- 
stantin Bononitty Tab. Peut. Oesogiaco (für Oesoriaco) quod 
nunc Bononia. Die Origo Conetantini imperii II 4 sagt 
ausdrücklich: Ad patrem Constantium venu apud Bononiam^ 
quam Oalli piHus Gesoriacum vocabant.^ Die Form mit / 
begegnet zuerst in der Vita Vulmari (Holder): in pago Bo- 
loniensi. Außer diesem gibt es noch drei Boulogne (Seine, 
Haute-Garonne, Loiret-Cher), für die mir alte Namen 
nicht bekannt geworden sind; ein Boulogne (Nord) heißt 
Bolania, Atlas 169, ein Boulogne (Haute-Marne) Bulonia, 
Atlas 171. Übrigens ist es keineswegs ausgemacht, daß 
sie sämtlich auf Bononia zurückgehen, vielmehr kann 
für sie auch ein gall. PN. Bolonius, Buüonius in Betracht 
kommen, von dem man mit Sicherheit Bouligneux 
(Ain) (s. d.) ableiten muß. 

Briga. 

Das Wort brigUy erhalten in air. bri 'Berg', kymr. 
körn. bret. bre 'Berg, Hügel', entspricht genau deutschem 
Burg, wie gall. ritum deutschem Furt (s. u.)."* 

Die Grundbedeutung 'Berg, Gebirge' scheint im Namen 
der Landschaft la Brie erhalten zu sein, der in den Ur- 

» Epist. XI 18, 2. — » B. Gall. V 2 u. 5. 

> Zar Namengeschichte des Ortes Hirechfeld CIL. XIII 560 f. 

* Eine eingehende Studie über das Wort von d'Arbois. 
Eevue celt. XXVIII 355 ff. Einzelnes auchThurneysen, Keltorom. 49. 
Zu der ganzen Gruppe der hierher gehörigen Worte auch Meyer- 
LQbke, Betonung 21ir. 



132 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

künden ausschließlich in adjektivischer Form überliefert 
ist: pagus Briegius 632, Briegus, Brigeius, Brieius 641, 
Briegensis und Brigiensis,^ wovon Brigeius die älteste Bil- 
dung darstellt, bestehend aus briga -\- Suffix -eio. Als ON 
kommt briga allein nicht vor, sondern nur in Kompositen, 
besonders häufig in Spanien, wie die große Liste der bei 
Holder I 533 angeführten Namen zeigt, die fast ausschließ 
lieh nach der Iberischen Halbinsel gehören. Von gall 
Worten ist das am frühesten überlieferte das bei Cäsar ^ 
erwähnte Magetobriga oder, wie andere lesen, Ädmagetobria; 
auch Bandobrica It. Ant. neben Boudobriga, jetzt Boppard 
in der Rheinprovinz, zeigt die ursprüngliche Gestalt des 
Grundwortes noch unversehrt, da Formen mit g und mit 
c allenthalben, auch in Spanien, nebeneinander hergehen. 
Bei den für das französische Sprachgebiet in Betracht 
kommenden Namen ist, weil sie meist spät überliefert 
sind, der Begriff" briga stark entstellt zu bria, bera, vera usw. 
*Vindöbriga bzw. Vindobria dürfte die älteste Form 
einer ganzen Reihe von Orten sein, von denen Vendeuvre 
(Marne) am frühesten überliefert ist, da es schon auf 
merowingischen Münzen als Vindovera auftritt, Vendovera 
664, Vendopera 865. Ein Vendeuvre (Vienne) heißt 938 
villa Vindopere, wertvoller aber sind die später belegten 
Formen Vendobrie 973 und Vindobria um 1000. Be- 
deutender als dieses ist Vendeuvre-sur-Barse (Aube), 
das als Vendovera und adjektivisch (a fine) Vendobrense 
überliefert ist; endlich Vandoeuvre (Meurtheet-Moselle) 
Vindopera 971. Andere zweifellos hierher gehörige, aber 
in historischen Formen nicht überlieferte Namen sind 
Vendeuvre (Calvados, Cote-d'Or), Vanda?uvre (Sarthe), 
Vandoeuvres (Schweiz, Genf). Der erste Teil aller dieser 
Namen ist das Adjektiv vindos Veiß' (S. 53), das aller- 
dings auch als Eigenname Vindos auftritt, so daß neben 
der wahrscheinlicheren Übersetzung 'Weißenberg' auch 
'Berg des Vindos' in Betracht kommt. 

^ Holder, s. v. Briegius und Longnon, Atlas 170. 
2 B. G. I 31, 12. 



Gnllische Namen. 188 

Da.«! erste Element der ZusainmenBetzung mit briga 
ist ein . Personenname in 

Dondbrlya, das man wohl hinter Donobrum, Atlas 63 , 
Dotiohria, ib. 137, jetzt Chatel-Deneuvre, auch Chatel- 
rle-Neuvre (AUier) zu suchen hat. Ein zweites De- 
neu vre (Meurthe-et- Moselle) heißt Donobrium 1120 u. ö., 
Danttbre 1076, Dnnubrium 1152. Ein PN, Donnos, der 
nacl» Stokes 'braun, dunkel' bedeutet, ist oft belegt und 
wird u. a. von dem Könige der Cottier getragen, dem 
C'äsar das römische Bürgerrecht verlieh.' 

ModoverSQl, JfocftriMm zehntes Jahrhundert, Moyouvre 
1290, jetzt Moyeuvre (Deutsch-Lothringen, Bez. Dieden- 
liofen), werden von Thurneysen und d'Arbois wohl mit 
Recht zu den 6»n^a-Kom Positionen gestellt, Schwierigkeit 
bietet bei den spät überlieferten historischen Formen die 
Herstellung des Bestimmungswortes, als welches d'Arbois 
den gall. PN. Mogetos ansieht, zu mogos 'groß' gehörig, 
der selbständig und in anderen Zusammensetzungen auf- 
tritt. Ich vermag nichts Besseres an die Stelle dieser 
Konjektur zu setzen. Nicht günstiger steht es hinsicht- 
lich des ersten Teils mit 

Sodobria achtes Jahrhundert, jetzt Suevres (Loir-et- 
Cher), dem ein Sadcbria neuntes Jahrhundert, jetzt Sövres 
(Vienne) zur Seite steht; auch die Schreibung Sayvres 
kommt dafür vor. Ein gall. Stamm sod- ist weder in 
Appellativen noch in Eigennamen nachzuweisen, während 
ein PN. Sadios wenigstens einmal überliefert ist." 

Volobrega 1102, Volobreca 1121, Volobnca 12.— 14. Jahr- 
hundert, Valobregue 1496, die historischen Formen für 
Val abregne (Gard), lassen deutlich unser briga erkennen, 
das sich hier im Süden konservativer verhalten hat als 
in den bisher betrachteten Namen von Mittelfrankreich. 
Das erste Element entzieht sich unserer Kenntnis; viel- 
leicht ist an kymr. bret. gtcall zu denken, dessen Be- 



» CIL. XI 913. CIK. 639 und oft 
« CIL. XUl 10010, 1702. 



134 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

deutung 'mangelhaft, schlecht' allerdings nicht recht paßt ^; 
dem Sinne nach möchte ir. fül, kymr. gwyl, bret. goel 
'das Fest', ir. faelid, akorn. guilat 'heiter, froh' mehr zu- 
sagen, da 'Freudenberg' oder 'Berg der Feste' wohl zu 
verstehen ist. Übrigens ist ein OüoXoußpiYa im heutigen 
Portugal schon bei Ptolemaeus^ bezeugt; Volahrum 
13. Jahrhundert, jetzt Volesvres (Saöne-et-Loire) wird 
man auf älteres *Volabriga zurückführen dürfen. 

Der Stamm brlg-, verkürzt bri-, wird nicht selten 
durch Suffixe erweitert, und solche Bildungen, von denen 
ein Teil ursprünglich adjektivische Bedeutung gehabt 
haben mag, treten schließlich ebenfalls als Ortsnamen auf. 
Eine derartige Bildung scheint durch das dem gleich- 
lautenden lat. Suffix verwandte gall. -öso geschaffen zu 
sein, das in Brigiosum vorliegt. 

Brigiösum Tab. Peut., Briosum, Atlas 170, Briosso auf 
zahlreichen merow. Münzen ist der Name des heutigen 
Brioux-sur-Boutonne (Deux-Sevres). Ob auch Briouze 
(Orne) auf *Brigiosa zurückgeht, vermag ich leider nicht 
festzustellen, wahrscheinlich genug ist es. 

Briona heißt auf einer merow. Münze das heutige 
ßrienne-le-Chäteau (Aube), für das aber auf einer 
anderen Münze derselben Zeit auch schon die Form 
Brienna zu finden ist, Breone gegen 1000, Brena 1143 u. ö. 
In einer Urkunde aus dem Jahre 853 ist die Rede von 
den Duo Brionisi, worunter das eben genannte und das 
in der Nähe liegende Brienne-la-Vieille zu verstehen 
sind, wovon 451 die adjektivische Form Brionenses vor- 
kommt, 851 Brionna, Breona. Der ursprüngliche Vokal 
hat sich erhalten in zwei kleineren Orten Brion (Maine- 
et-Loire, Vienne), die beide schon in karolingischer Zeit, 
Atlas 170, als Adjektiv Brionensis belegt sind, wozu man 
als Substantiv ein Brionum oder aber *Briomagus, *Brigo- 



^ Air. plur. follig 'nachlässig' zeigt auch den Vokal o; über 
den Wechsel von o und o in diesem und anderen Worten siehe 
Pedersen I 34. 

^ II 6, 40. 



Gallische Namen. 135 

magus, eh h.' *Bergfeld, Dorf am Berge', wird ansetzen 
raü8een; die letztere Annahme wird unterstützt durch 
Briom 987 für den im Dep. Vienne gelegenen Ort, und 
wer meine Zusammenstellungen unter gall. magos durch- 
geht, wird eine hinreichende Zahl von Beispielen finden, 
wo da.s Grundwort mayos in mittelalterlichen Urkunden als 
einzige Spur ein auslautendes m und schließlich n zurück- 
ließ. Noch schwieriger gestaltet sich die Erklärung einiger 
anderer Namen, in denen aber unser briga, hria auch als 
Wurzel enthalten zu sein scheint. 

Briennom und später Briennone, Atlas 170, heißen 
Brienon-sur-Arman^on (Yonne) und Brienon (rx)ire). 
Auch hier deutet das auslautende m der ältesten er- 
haltenen Form auf eine Zusammensetzung mit magos, 
während das erste Element eine Erweiterung von briga 
mit dem Suffix enno erkennen läßt; letzteres gehört aber 
entweder der o- oder der a-Deklination an und hat eine 
weitere Verlängerung durch das Suffix ane erfahren. 
Brienno ist wahrscheinlich ein Personenname und Brienon 
bedeutet 'Feld, d. h. Dorf des Brienno' . Der Casus obli- 
quus dieses PN. kommt auch selbständig als ON. vor im 
Sinne von Briennonis praedium oder vUla, so in Brienon - 
l'Archeveque (Yonne) Brienno praedium,^ Brinon-les- 
Allemands (Ni^vre) Briennone, Atlas 170, Villa Brien- 
nonis 935. — Auch das Suffix onno verbindet sich mit 
dem Stamme bri(g). So bezeichnet ein mehrfach aus 
merowingitjcher Zeit nachgewiesenes Brionno den kleinen 
Ort Brion (Deux-Sövres) sowie Briant (Saöne-et- Loire). 
Ist hier das o des Suffixes in a übergegangen, so hat es 
sich in der danach benannten Landschaft Brion nais, 
pagiis Brioiincnsis erhalten, deren Name noch in Semur- 
en-Brionnais (Saöneet-Ix)ire) fortlebt. — Endlich sei 
noch ein Brienne (Ardennes) erwähnt, das nach Longnon, 
Atlas 170, zuerst als Briama auftaucht. 

Der Norainalstamm brig- scheint auch in ein gall. 
Verbum eingetreten zu sein, von dem wir im übrigen 

» M.G.H.Merov. IV 186,16. 



136 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

keine Kenntnis besitzen; doch erklärt sich so ein mit dem 
Partizipialsuffix -ant gebildetes *brigant, etwa mit der Be- 
deutung 'ragend, hervorragend', das sich am reinsten 
erhalten hat im britischen Volksnamen der Brigantes, 
abret. Brientin, d. h. 'Bergbewohner' oder 'die Hohen, 
Edlen', und das wir im F'N. Brigantius^, abret. Brient für 
*Brigentius wiederfinden. Castellum Brientii heißt in Spruner- 
Mencke, Historischer Atlas, das heutige Chateaubriant 
(Loire-Inferieure), und im Dep. Maine-et-Loire gibt es drei 
Orte dieses Namens, deren einer 1180 und später als 
Gastrum Briencii erwähnt wird. BpiTcivTiov heißt schon 
bei Strabo und Ptolemaeus das heutige Bregenz am Boden- 
see, der davon im Altertum sogar seinen Namen Brigan- 
tinus lacus führt. Aus Brigantius hat sich nach einem 
im Gallischen sehr gewöhnlichen Vorgange mit dem Suffix 
-one ein neuer Name Brigantio entwickelt, der wie die 
vorhergehenden gleichfalls als ON. auftritt. Brigantione 
(cas. obl.) heißt Tab. Peut. und It. Ant. der Ort Brian9on 
(Hautes-Alpes), beiläufig bemerkt die höchste Stadt Europas, 
so daß auf sie die Grundbedeutung des Wortes 'die Hoch- 
ragende" wohl zutrifit. Ein zweites Brigantione, das in 
karolingischen Urkunden das Attribut in Provincia führt, 
während das erste durch in Burgundia unterschieden wird, 
entspricht dem heutigen Brian9onnet (Alpes-Maritimes), 
hat also im Laufe der Zeit die Verkleinerungssilbe -ittum 
angenommen. Endlich gehört hierher aller Wahrschein- 
lichkeit nach auch der kleine Ort Bregangon (Var), den 
Stephanus von Byzanz nach Artemidor als TTepYcivTiGV, 
TToXig AiYUUJV, erwähnt. Der Kuriosität halber sei noch 
erwähnt, daß auch der portugiesische Fürstenname Bra- 
ganza auf das oben genannte Brigantia zurückgeht. 

D'Arbois hält den Stamm brig- für ligurisch, was 
angesichts seiner starken Verbreitung in Gallien, ja sogar 
in Britannien zurückgewiesen werden muß. Viel wahr- 
scheinlicher ist es, daß brigant- von brig- ganz zu trennen 
und als ein besonderer Begriff dem Ligurischen zuzu- 

1 CIR. 803 u. a. 



I 



Gallische Namen. 187 

pprechen i«t, wofür dns häufige Vorkommen dieses Namens 
im liguriachen Gebiete als I^weis wohl anzuerkennen 
wäre. Das zuletzt genannte Braganza <C Brigantia würde 
dem ja nicht widersprechen, eher die Brigantes in England. 

Nant'. 
Ein Stamm nant- ist als gall. Wort mit der Bedeutung 
'Tal' direkt bezeugt durch die Glossierung nanto valle, 
trinanto (res valles. ' Auch die übrigen kelt. Sprachen be- 
sitzen es: kymr. bret. nant, körn, nans glossiert vallis; 
vgl. savoj. wrt 'Bach\' Das einfache Wort erscheint 
im ON. Nant (Aveyron) Nantum, Atlas 191, sowie in 
Nant-le-Grand und Nant-le-Petit (Meuse), die 992 
schon als Nant bezeugt sind. Durch Suffixe erweitert 
ist der Volksname Nantiuxtes 'die Talbewohner' und der 
ON. Nantua (Ain) Nantiiadis und ähnlich in zahlreichen 
Urkunden aus dem neunten und zehnten Jahrhundert 
(für Nantuate?), Auch Nantiat (Haute -Vienne) scheint 
hierher zu gehören, doch liegen für dieses keine alten 
Formen vor. (Über Nantojalum = Nanteuil e. o. S. 125.) 

Tal: 

Ai. talam bedeutet 'Fläche, Ebene', ihm entspricht 
apr. talus 'Fußboden'. Eine Weiterbildung davon liegt in 
air. talam, glossiert als terra, vor. Ein gall. Stamm tal- 
mit der Bedeutung 'Fläche, Ebene' scheint ebenfalls 
existiert zu haben und dürfte im Kompositum 

Talamnda 'die weiße Ebene' erhalten sein, das also 
als ursprünglicher Flurname zu denken wäre. Talavinda 
bezeichnet in karolingischer Zeit das heutige Tallevende 
(Manche) und kommt auch in Saint-Germain-de-Talle- 
vende (Calvados) vor, einem Orte, dessen Lage auf einer 
Hochfläche durchaus zu seinem Namen paßt. 

Talamun, Atlas 203, der älteste Name des jetzigen 
Talmont (Vend6e), gehört offenbar auch hierher; doch ist 

^ De nominibas Gall. 8 bei Holder zitiert. 
» Meyer-Lübke, Rom. Et. Wb. 6818. 



138 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

das zweite Element des Wortes schon zu sehr entstellt, 
als daß seiner Erklärung näher getreten werden könnte. — 
Auch spanische ON. aus römischer Zeit, wie Talahriga 
'der Berg in der Ebene' oder 'der flache Berg'? und 
Talabara sind unter den Kompositen mit tal- zu nennen. 

In anderen Bildungen mag derselbe Stamm durch 
ein Suffix erweitert sein, so in 

Talarnum 739 und bis ins 13. Jahrhundert, von 1271 
an Tallardum, entsprechend der gegenwärtigen Form Tal- 
lard (Hautes- Alpes). 

An eine Verbindung mit dem gall. Suffix -avo ist 
möglicherweise zu denken bei Talva, Atlas 203, also 
spät überliefert, für älteres *Talava, jetzt Tauves (Puy-de- 
Dome). 

Fließendes Wasser mußte Naturvölker ganz besonders 
zur Anlage von Wohnstätten reizen, da es ihnen gleich- 
zeitig als Verkehrsstraße, als Schutz gegen feindliche An- 
griffe und zur Erwerbung ihres Lebensunterhalts diente. 
So darf es nicht wunder nehmen, daß eine ganze Reihe 
von ON. diesem Verhältnisse zum Wasser Ausdruck ver- 
leiht. Der allgemeinste Begrifi" dieser Art ist 

Duhron 
'Wasser', air. dohor, aky. dubr^ abret. dubr, dobr, duur und 
in wenig abweichender Gestalt noch in den lebenden 
keltischen Sprachen erhalten. Das einfache Wort erscheint 
als ON. meist in pluralischer Form. Die englische Stadt 
Dover, franz. Douvres, heißt Tab. Beut, und It. Ant. 
Dubris. In Frankreich ist ein kleiner Ort Douvres (Seine- 
et-Marne) noch aus dem Jahre 854 als villa Dubro (Abi.) 
bezeugt; bedeutender als dieses ist Douvres (Calvados), 
das freilich erst im elften Jahrhundert als Dopra, 1160 
als Dovera erscheint; andere Orte desselben Namens in 
den Dep. Ain, Jura, Haute-Savoie. Zusammensetzungen 
mit dubron haben sich nicht in großer Zahl erhalten, in 
manchen mag wegen später Überlieferung das zweite 



Galliaehe Namen. 139 

Element unkenntlich geworden sein. Gesichert ist nur 
Veniodubrum 'Erlenwasscr' von gall. vema 'Erle', ir. fem, 
ky. gitern, körn. hrei. giceni, als Flußname Verdouble im 
Dep. Aude, Vernazoubres, VernozoubreH und Ver- 
noubre, sämtlich im Dop. H6rault, ebendort auch als 
ON. Vernazoubres und Vernezoubres. 

Candäte 
bedeutet die Vereinigung zweier Flüsse (lat. Cot^flttentes, 
deutsch Gemünd, Münden usw.). Das Wort ist gebildet 
aus der Partikel con, ir. cm, lat. cm»», con und dem Sub- 
stantiv date, zur idg. Wurzel dhä "setzen, stellen' oder do 
'geben' gehörig. Ortschaften, die am Vereinigungspunkte 
zweier Wasserläufe lagen, wurden im Gallischen mit Vor- 
liebe Condate genannt, wie die reiche Menge alter und 
neuer Namen beweist, die Williams' und Holder aufzählen. 
Das Wort hat sich im Französischen nach zwei Haupt- 
richtuiigen entwickelt, je nachdem der gallische Akzent 
Cöndaie beibehalten wurde oder die lat. Betonung Conddte 
die Oberhand gewann. In ersterem Falle entstand Con des 
(Jura) am Zusamrajenfluß von Ain und Bienne; Cosne 
(Nievre) an der Loire und am Nohain, Condate It Ant, 
Condida gegen 600, Conada, Gonade, Cona 1157, Cone 1250, 
Cosne 1469; Cande8(Indre-et-Loire) Condate bei Fortunat, 
auf merow. Münzen und in adjektivischer Form Conda- 
tensis bei Gregor v. Tours, am Zusammenfluß von Loire 
und Vienne. 

Ungleich häufiger sind die auf der lat. Betonung be- 
ruhenden Formen, unter denen wiederum Conde die ver- 
breitetflte ist. Aus der Fülle der hierher gehörigen Orte 
seien hervorgehoben: Cond6-en-Brie (Aisne), Condate, 
Vereinigung von Aisne und Suippe; Cond6-8Ur-Escaut 
(Nord), Scheide und Hayne, Cotuiatum, Condete; Cond^- 
sur-Itun (Eure), am Zusammenfluß zweier Arme des 
Iton, Condate Tab. Peut., It. Ant.; Conde-sur-Noireau 
(Calvados), Cond6en-ßarrois (Meuse) Condatum 674, 

' A. a. ü. 50f. 



140 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

870. Im südfranzösischen Sprachgebiete hat sich die 
gallisch-lateinische Form fast unverändert erhalten; so in 
Condat (Gironde) Gondafe bei Ausonius^, an Isle und 
Dordogne; Condat (Lot) Gundadus um 898. Auch Cande 
(Maine-et-Loire) kann, wie aus seiner Lage am Zusammen- 
flusse von Erdre und Mandy hervorgeht, wohl sicher 
hierher gerechnet werden, wie denn die älteste überlieferte 
Form Gondeium 1080 eine oberflächliche Latinisierung 
von Cande, Gandiacus 1109 eine falsche, Gandatum eine 
annähernd richtige, Gandetum 1082 wieder eine falsche 
Rückbildung ist. Zu dieser Gruppe stellt Holder auch 
Conty (Somme), das zuerst als Gonteium auftritt, doch 
macht das t lautlich zu große Schwierigkeiten, 

Gleichbedeutend mit Condate ist meines Erachtens 
Gombralia, das nacli Holder als älteste Form des Namens der 
Landschaft Combrailles im Osten des Dep. Creuse anzu- 
sehen ist. Der erste Teil des Wortes ist noch reiner 
erhalten in Gomberanea^, dem Namen eines Flusses im 
heutigen Dep. Hautes-Alpes. Die erste Silbe hierin ist das 
eben bei Condate behandelte Präfix com-, während her zu 
lat. ferre, got. hairan 'tragen' gehört. Die Verbindung 
Gomber- im Sinne des gall. Condate hat sich auch im 
Bretonischen erhalten, wo die ON. Quimper, Quimperl6 
u. a. sie bis auf den heutigen Tag bewahrt haben; auch 
als Verb ir, commar 'ich ergreife', ky. cymmeraf besteht 
diese Verbindung noch jetzt. Das obige Gombralia steht 
offenbar für älteres '^Gomberalia und dieses vielleicht sogar 
für das erwähnte Comberanea und bedeutet die Gegend 
der Zusammenflüsse. Die Landschaft wird durchflössen 
vom eher, der hier mehrere Nebenflüsse aufnimmt. Auch 
im benachbarten Dep. Cantal gibt es zwei Ortschaften 
Combrailles. 

RUon 
bedeutet 'Furt, Übergang', akymr. rit, glossiert als vadum, 
abret. akorn. rit, stammverwandt mit lat. portus, ahd. fürt. 

1 Epist. V 31 f. - 2 CIL. V 7749, 7-8. 



Gallische Namen. 141 

Aiideritum ist der alte Name der Hauptstadt der Gabali, 
Augustoritum der der Lemovices. Von noch lebenden ON. 
kommen in Betracht zwei ursprüngliche 

*Noviöt'ilum, also 'Neue Furt\ deren eines als Noior- 
tum, Atlas 64, Noiordo vico auf einer merow. Münze, heutigem 
Niort (Deux-Sevres) entspricht. Auch Nort (Loire- 
Inf6rieure) wird von Holder hierher gestellt. 

*Camburitan ist vermutlich als Urform anzusetzen für 
Cambort 860, jetzt Chambord (Loir-et-Cher), das durch 
sein Schloß berühmte Dorf an der Loire. Cambo-, der 
erste Teil des Wortes, bedeutet 'gebogen, krumm', ir. kjr. 
bret. cflm, zu gr. <JKa|aß6?, got. alts. Aaw/ 'krumm' gehörig; 
*Camboritum ist daher wohl zu erklären als 'die Furt an 
einer Flußkrümmung'. Denselben Ursprung hat an- 
scheinend auch Chambourg (Indre-et-Loire) Camborte, 
Atlas 172, das sich unter volksetymologischem Einfluß 
von germ. burgus umgebildet hat. 

Gisors (Eure) kommt zuerst 968 als Gisortis vor. 
Ich trage kein Bedenken, den Namen des an der Epte 
liegenden Städtchens mit Louis Passy^ auf ein älteres 
'''Gisöritony 'die Furt des Gisos', zurückzuführen. Ein PN. 
*Gi80s ist allerdings nicht belegt, darf aber aus dem ON. 
Gisacus (bei Holder) erschlossen werden, da der erste Teil 
der Lokalnamen mit dem Suffix -acus stets ein PN. ist; 
auch als PN. kommt Gisaais zweimal vor. 

Bonnard (Yonne) heißt Bonorto (Ablativ) in einer 
Urkunde von 670, und d'Arbois deutet dies als *Botiö- 
riton 'Furt des Bonos' vom gall. PN. Bonos*, wenn nicht 
ein Adjektiv zugrunde liegt, dessen Bedeutung uns ent- 
geht. Bonnard liegt an der Yonne. 

Briva 
bedeutet 'Brücke'. Die älteste gall. Überlieferung ist 
in Satnarobriva = Sommebrücke, der schon von Cäsar er- 

' Kev. Celt. XXVI 271. 

' Aosonins, £pi{;r. 109 ff., auch in erweiterten Bildongen wie 
Bonüui, Boninut u. a. 



142 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

wähnten Hauptstadt der Ambiani, jetzt Amiens, gegeben. 
Ein Briva Isarae im It. Ant. ist später in Pontoise über- 
setzt worden. Der älteste noch erhaltene Name ist Briva 
Curretia bei Gregor von Tours ^ '^Brücke über die Correze', 
jetzt Brive-la-Gaillarde (Correze). Brives (Indre) 
kommt auf merow. Münzen als Briva vor; andere Brives 
in den Dep. Mayenne, Charente-Inferieure, Haute-Loire. 
Chabris (Cher), am Flusse Cher, lat. Garus, gelegen, 
lautet in seiner ältesten Form Caröbriae, Atlas 173, was 
wohl nur als ursprüngliches Carohriva 'Brücke über den 
Cher' gedeutet werden kann. Auch Salbris (Loir-et-Cher) 
gehört zweifellos hierher; es liegt an dem Flüßchen Grande 
Sauldre, das in älterer Zeit /SaZera heißt, vielleicht für ursprüng- 
liches *Sala, das als FIN. nicht ungewöhnlich ist; dann wäre 
Salbris ein gaW.'^Salabria oder besser *Salobria, dessen zweites 
Element sich Avie Chabris <^ Carobria entwickelt hat. — 
Das Stammwort briva hat auch Verlängerung durch das 
sehr verbreitete gall. Ortssuffix -ate erfahren, und auf 
solches Brivate bei Gregor von Tours ^ geht zurück Bri- 
oude (Haute-Loire), das sogar schon bei Sidonius ApoUi- 
naris^ in der wahrscheinlich künstlichen Nominativform 
Brivas vorkommt, im Charroi de Nimes*, d, h. im zwölften 
Jahrhundert Bride, Briude zuerst 1220. — Über Briare <1 
Brivoduros s. S. 104. Als eine dialektische Nebenform 
von briva, besser aber wohl als eine jüngere Bildung wird 
brio gelten müssen, das in Endlichers Glossar ausdrück- 
lich mit ponte übersetzt ist. Es erscheint als erstes Ele- 
ment in Briosarta, jetzt Brissarthe (Maine-et-Loire) 
'Brücke über die Sarthe', und in Briovera 'Brücke über die 
Vire', das aber seine alte Form zu Gunsten des Heiligen- 
namens Saint-L6 (Manche) aufgegeben hat. Auch ein 
Briotreidis kommt bei Gregor von Tours vor, ist aber noch 
nicht mit Sicherheit identifiziert. 



1 Bist. Fr. VII 10. — ^ Hist. Fr. X 29 n. ö. 
^ Carm. XXIV 16. — " Ed. Jonckbloet v. 825. 



Gallisclie Namen. 148 



Eine ähnlich isolierte Stellung wii' Mediolanum nimmt 
auch Novientum ein, auf das eine erhebliche Zahl moderner 
Namen zurückgeht, wenn auch die 39 von Holder auf- 
geführten nicht sämtlich diesen Ursprung zu haben 
brauchen. Leider ist von den alten Naroenformen keine 
vor dem sechsten Jahrhundert bezeugt, was die Deutung 
ungemein erschwert; doch dürfte Novientum das ursprüng- 
liche Wort sein, daneben kommt nicht selten Kovigentum 
mit hiatustilgendem g vor und in späterer Zeit noch 
allerlei andere Varianten. Das erste Element des Wortes 
ist klar: es ist das gall. Adjektiv novios 'neu', das auch 
sonst zahlreiche Verbindungen eingeht. Der zweite Be- 
standteil macht durchaus den Eindruck eines Suffixes, 
und als solches faßt ihn auch d'Arbois auf, der das Ganze 
als 'nouveauU = vUle neuve deutet. Dem Sprachempfinden 
ist es aber doch durchaus zuwider, daß eine Ortschaft als 
'Neuheit bezeichnet werden sollte, noch dazu in so vielen 
Vertretern, und man sieht sich achselzuckend nach einer 
besseren Erklärung um. Die meisten jener Ortschaften 
liegen an größeren oder kleineren Flußläufen, und so 
könnte die Bedeutung 'Neubrück' sehr wohl passen; wo 
kein Fluß vorhanden ist, müßte man dann annehmen, 
daß der Name zu einer Zeit gegeben wurde, als der eigent- 
liche Sinn desselben nicht mehr bekannt war. Brücke 
heißt im Gall. hriva, und seinem Vorkommen in ON. war 
der vorangehende Abschnitt gewidmet; doch ist es nicht 
so verbreitet, wie man es nach der Verwendung des Be- 
griffes in der Toponomastik anderer Sprachen, z. B. auch 
lat. pons in den romanischen, erwarten sollte. So ist 
hrira vielleicht für eine ältere Vokabel eingetreten, 
die sich an lat. pons. Stamm pont-, ai. panthas 'Pfad, 
Weg', av. panta, apr. pintis 'Weg*, arm. hun 'Furt, 
Weg' anschloß (ob gr. ttövto*; 'Meer' hierher gehört, 
wie einzelne wollen, erscheint mir sehr zweifelhaft). Indo- 

k germanisches anlautendes p schwindet in den keltischen 



144 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Sprachen^, und so könnte ein gall. *etito statt *pento in 
alter Zeit existiert haben, für das allerdings die übrigen 
kelt. Sprachen keinen Anhalt bieten. Gegen die Annahme, 
daß -ento ein Suffix sei, spricht die Beobachtung, daß 
außer in dem Flußnamen Druentia, sowie im ON. Mellen- 
tum (Mella zweimal als FIN. belegt) die Endung nicht 
weiter auf gall. Gebiete begegnet. 

Das häufigste Ergebnis von altem Novientum ist nfrz. 
Nogent^, dessen Hauptvertreter Nogent-sur-Marne 
(Seine), Novigentum bei Venantius Fortunatus (zweite Hälfte 
des sechsten Jahrhunderts), Noviento 692; Nogent-sur- 
Seine (Aube) Novientum, Atlas 192; zwei Nogent-le-Roi 
(Eure-et-Loir, Haute-Marne) ; das erstere, an der Eure 
gelegen, Novigentum Castrum 1028, später nach einer 
Familie Erembert benannt, die im elften Jahrhundert dort 
lebte, heißt Nogentum Loirembert (statt lou Irembert = celui 
d'Irembert) 1260, Nougent-le-Boi 1282, Nogent-le-Bembert 1298, 
Nogentum Begis 1300 — sollte le Roi in diesem Falle 
eine Verkürzung und volkstümliche Entstellung jenes 
Loirembert sein? Das zweite Nogent-le-Roy liegt auf 
einer steilen Anhöhe, die selbst von dem Flüßchen Treire 
bespült wird. Nogent-le-Rotrou (Eure-et-Loir) an der 
Huisne, Nuientus Castrum 930, Nogentum Botroudi 1238; 
der Beiname le Botroti ist also ähnlich wie im vorher- 
gehenden als celui de Botrou (Personenname) zu erklären. 
(Altfranzösisch hat der Artikel oft die Bedeutung des De- 
terminativums, während der Genitiv unbezeichnet bleiben 
konnte; vgl. la Saint Michel = la fete de Saint Michel, 
Hotel Dieu := Hotel de Dieu.) Es verdankt diesen Bei- 
namen einem Grafen Rotrou von Perche, der in der Mitte 
des elften Jahrhunderts die Stadt neu befestigen ließ und 
ihre spätere Bedeutung begründete. Nogent (Aisne 3), 
das älteste Novigentus 829, am Flüßchen Ailette; ein zweites 
an der Marne; Nogent- en-Bassigny (Haute-Marne); 

^ Pedersen, Grammat. der kelt. Sprachen § 53. 
^ Zur Entwickelung dieser und anderer französischer Formen 
Juroezek in Zeitschr. für roman. Philol. XXVII 565 ff. 



Gallische Namen. 145 

Nogont-Ies-Vierges (Oiso), an der Oise und der Bresche, 
Novientis villa.^ Andere Formen, die Novientnm angenommen 
hat, Bind: Noyant (Maine-et-Ix)ire) Nomentua 644; 
Nouvion (Aisne 3), davon zwei an dem Flüßchen Serre, 
das iilteste Nouvion-le-Vineux, zuerst Novihant, Atlas 
192, der Beiname Vinosum 'das Weinreiche' zuerst 1128. 
Andere Nouvion gehen auf Noviomaym zurück und sind 
schon früher behandelt. 

2. Ortsnamen, die einen anderen Appellativbegriff 
enthalten, 
a) Begriffe aus den drei Naturreichen, 
a) Pflanzenreich. 
Nächst den geographischen Begriffen im engeren Sinne, 
die im vorhergehenden Abschnitte behandelt worden sind, 
spielen in der Toponymie aller Sprachen die Entlehnungen 
aus den drei Naturreichen und vornehmlich die aus der 
Botanik eine wichtige Rolle. Ich brauche nur an deutsches 
Buchwald, Eichberg, Tannhausen, Birkicht, an Ebersdorf, 
Wolfshain, Goldberg, oder an franz. Fresnay (von fraxinus), 
Aulnay, Launay (von alnus), Faverolles (von faba), Fer- 
riöres (von ferrum) zu erinnern, um eine unendliche Reihe 
ähnlicher Bildungen ins Gedächtnis zu rufen. Wenn die 
Zahl der hierlier gehörigen gall. Ausdrücke verhältnismäßig 
klein ist, so hat dies einmal seinen Grund in unserer 
geringen Kenntnis des gall. Wortschatzes, die es uns nicht 
ermöglicht, alle Begriffe, die hier anzuführen wären, tat- 
sächlich zu deuten; dann aber auch daran, daß, ähnlich 
wie es auch in der späteren Zeit zu beobachten ist, die 
mit solchen Elementen gebildeten Namen wenigstens ur- 
sprünglich kleinere örtlichkeiten bezeichnen, von denen 
viele im Laufe der Jahrhunderte entweder gänzlich ver- 
schwunden sind oder doch eine Umnennung erfahren 
haben. Selbst die, die ich in diesen Abschnitt auf- 
genommen habe, sind nicht in ihrer Gesamtheit sprach- 

» M. Q. H. V 858, 18. 
Oröhler, FnuuMache Ortraunen. 10 



146 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

lieh unbestreitbar, einzelne hierher gehörige schon an 
früheren Stellen berührt. Ich beginne mit der wichtigen 
Gruppe der Pflanzennamen. 

Dervus oder silva Dervus und pagus Dervensis heißt 
in merowingischen Urkunden von 673 und später die 
heutige Foret-de-Der und die Landschaft Pays de Der^, 
die noch in einigen ON. wie Montier-en-Der (Haute- 
Marne) fortlebt. Aus air, daur, körn, dar, ky. derw-en, 
bret. derw, derv, derf 'Eiche' kann auf ein gall. *dervos 
mit gleicher Bedeutung geschlossen werden. 

*ÄbaU- ist als gall. Form für deutsches 'Apfel' 
zu erschließen aus ir. aball. *Aballia, die Bildung mit 
dem Suffix -ia, würde lat. pometum 'Apfelgarten ent- 
sprechen, und auf diesen Ursprung geht anscheinend der 
ON. Availle, Availles zurück, der im Dep. Vienne sieben- 
mal begegnet; älteste historische Form. Ävallia 1090. Die 
bedeutendste dieser sieben Ortschaften ist Availles-Li- 
mousine, so genannt wegen der Lage in der Landschaft 
Limousin; der unterscheidende Beiname tritt zuerst in 
einer Urkunde von 1420 als Limosine auf. Mit dem 
Suffix -one verbunden, erscheint derselbe Stamm in Aval- 
lon (Yonne), das schon Tab. Peut. als Äballo angeführt 
wird; merow. Münzen haben Aballone und Avallone. Auch 
Ol Ion (Drome) lautet noch im Jahre 1252 Avalono (ur- 
sprünglich vielleicht *^va/onMm), 1284 Aulono und noch im 
18, Jahrhundert Aulon. 

Gall. verna bedeutet die 'Erle', zu air. fern, glossiert 
alnus, ky. guern, körn. bret. gwern. Aus dem Gall. ist das 
Wort ins Afrz. übergegangen, wo verne ebenfalls 'Erle' 
heißt, das Südfranzösische kennt es sogar heute noch in 
den Formen vern, bern, vearne, verni, vergne usw. Daraus 
erklärt sich zugleich seine große Verbreitung in ON., 
darunter auch zahlreiche jüngere Bildungen, die sich meist 
durch den beigefügten Artikel von den alten unterscheiden. 
Am frühesten belegt ist wohl Ver (Oise), Verno vico auf 
einer merow. Münze. Vai res (Seine-et- Marne) erscheint zu- 

^ Dict. top. du d6p. de l'Aube 58. 



Gallische Namen. 147 

erat 710 als Vei-^no und später oft; die heutige Schreibung ist 
historisch ganz unberechtigt und wohl auf falsche Deutung 
zurückBuführen, man sollte Ver erwarten. Denselben Ur- 
sprung haben anscheinend Ver-lfeB-Chartres (Eure-et-Loir), 
Ver (Calvados) und mehrere Vers (Gard, Lot, Jura). Vert- 
laGravelle (Marne) heißt Vemum, Atlas 207. In anderen 
Gegenden hat sich auslautendes n erhalten, so in Vern 
(Dordogne), dessen amtliche Schreibung aber neuerdings 
Vergt ist, Vemium 1158, Lo Veiiih 1287, Vergt 1539. 
Verne begegnet in den Dep. Doubs und Haute-Loire, 
Le Verne in Saüneet-Ix)ire, La Verne in Vaucluse, 
Dröme, Saoneet- Loire. Auch das oben erwähnte Vergne 
(aus gall. ""vernia) ist ziemlich verbreitet, denn es findet 
sich in den Dep. Gironde, Charente, Haute Vienne, Deux- 
S^vres; La Vergne füllt im Dict. top. du Cantal nicht 
weniger als vier Spalten, zuerst belegt im Jahre 1209. 
Ferner sind zu verzeichnen Le Vergne, Les Vergnes 
und die Diminutivs Les Vergnettes, La Verniole, Les 
Vernioles und andere Schreibungen derselben Formen. Am 
verbreitetsten sind in ganz Frankreich die Bildungen mit den 
Suffixen -üium und eium, die alle möglichen Entwicklungen 
ergeben haben: Le Vernet, Les Vernets, La Vernette, 
ferner mit und ohne Artikel: Vernoy, Vernois, Vernay, 
Vernais, Verney, Verneix, Vernex. Auch das Suffix 
-osus wird im Sinne von -etum verwendet; fast scheint es, 
als ob es hier lediglich zur Differenzierung der vielen 
Namen dient, da es sonst in Verbindung mit Pflanzen- 
namen nicht gerade gebräuchlich ist; so kommen zahl- 
reiche Vernou und Vernoux besonders in Südfrankreich, 
aber auch noch in den Dep. Maineet-Loire und Loir-et- 
Cher vor. Ob wir es bei diesen Formen auf ouCx) immer 
mit dem Suffix -osus zu tun haben, wird allerdings zweifel- 
haft angesichts der Tatsache, daß Vernou (Indre-et- Loire) 
schon im sechsten Jahrhundert als Vernadwn bezeugt ist.* 
(Über Verneuil < Vernoialon vgl. S. 125.) 

* I^ngnon, Göogr. 19. Vgl. Aber die ganse Frage aocb 
östberg a. a. O. 46 ff. 



148 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Gall. Hemos, Himos^ bezeichnet 'die Ulme', wie aus 
ir. lern zu lat. uhnus, ahd. elmboum hervorgeht, und kommt 
mit Suffixen und in der Zusammensetzung mit jalon in 
einer ganzen Reihe von geographischen Namen vor. Am 
frühesten überliefert ist Lemonum oder Liniomim, die schon 
von Cäsar erwähnte Hauptstadt der Pictones, jetzt Poitiers. 
Auch der lacus Lemannus, der Genfer See, frz. lac Leman, 
wird schon von dem Verfasser der Kommentare genannt^, 
bei Strabo^ f) Ar||uevva Xijavr), Mela* wie Cäsar, zur Quan- 
tität Lucan I 396: Deseruere cavo tentoria fixa Lemanno. 
Dasselbe Wort kehrt mit geringer Abweichung auch zwei- 
mal in Britannien wieder, wo ein Hafen westlich von 
Dover im It. Ant. Portus Lemanis, Not, dign. imp. occ. 
Lemannis heißt; für den heutigen Loch Fine an der West- 
küste von Schottland begegnet bei Ptolemaeus^ die Form 
Aejuavvovio^ koXtto?. 

Lemane, Limane ist bei Gregor von Tours ^ der Name 
der heutigen Landschaft Limagne im Norden des Dep. 
Puy-de-D6me, in der Vita s. Austremonii (bei Holder) 
Limannia. 

Lemausus 702 ist die älteste Form für (Jas gegen- 
wärtige Limours (Seine-et-Oise). Denselben Ursprung 
haben mehrere Limeux (Cher, Somme), deren erstes 
Atlas 186 ausdrücklich als Lemausus überliefert ist; des- 
gleichen mit anderer Entwickelung des SuflSxes Limoux 
(Aude, Nie vre). '^ 

Limergues (Vaucluse) wird in einer Urkunde von 
1031 als Liminica vallis erwähnt, kann aber eine Ableitung 
des unser Stammwort vielleicht enthaltenden PN. Liminius 
sein, der bei Gregor von Tours vorkommt. 

Limogne (Lot) ist mir in alter Form nicht bekannt, 
doch führt Holder einen Flußnamen Limonia an, der dem 
ON. anscheinend ebenfalls zugrunde liegt. 

1 Vgl. Pedersen in Zeitschr. f. vgl. Spr. XXXVIII 313 flf. 

2 B. Gall. I 2, 3 u. ö. — ä IV 204. — MI 5, 74. 
* II 3, 1. — « Bist. Franc. III 9; V 25. 

^ Über ou < au Öatberg a. a. 0. 42 f. und Meyer-Lübke 
Grammatik I, § 288. 



GalliMhe Namen. 149 

Eine Bildung mit dem Suffix -acum im Sinne von 
lat. -etttiH Hchoint Limay (Seine-et-Oise) zu sein, für das 
mir ebenfalls historische Formen nicht vorliegen. 

Aus ir. teile 'Linde' ' kann man auf ein gall. *telia 
schließ<ni, das ebenfalls in einer Anzahl ON. erhalten ist. 
Da aber lateinisch die Linde auch tilia heißt, so kann 
auch dieses das Uraprungswort sein, und nur sehr alte 
Überlieferung würde die Ableitung aus dem Gall. sicher- 
stellen. Toulon (Var) wird zuerst von Lucan* als Telo^ 
Gen. -onis, erwähnt und später oft bis in das Mittelalter 
hinein in derselben Form, in römischer Zeit meist Telo 
Martins; die Form mit o in der ersten Silbe ist zuerst 
729 nachgewiesen. Auch die älteste Form von Toulon- 
sur-Arroux (Saone-et-Loire) lautet Telonno in der Tab. 
Peut., und ein zweites vom It. Ant. erwähntes Telonnum 
lag im Dep. Landes, hat aber seinen alten Namen auf- 
gegeben, während ein Toulon (Marne) um 1125 schon in 
der Form Tolone erscheint. Eine nicht einmal ganz klar 
datierte Münzlegende (vielleicht merowingisch) lautet Tita 
Castro und scheint zu dem in der Tab. Peut. überlieferten 
FiletM zu gehören, einer ungenauen Schreibung für kor- 
rektes Tilena, das mit heutigem Thil-Chätel (Cöte-d'Or) 
identifiziert wird. Ein Thil (Aube) kommt schon 664 als 
Tilerie, Tilius 845 und später vor, ein Thil (Marne) heißt 
Ende des zehnten Jahrhunderts Tilia. 

Durch zahlreiche Münzen aus merowingischer Zeit ist 
beglaubigt Telemate, die älteste Form für Tallende (Puy- 
de-Dome), das sich auch in Saint-Amand-Tallende 
erhalten hat; es ist vielleicht hierher zu stellen, obwohl 
dann das zweite Element tnatos oder matis 'gut', air. maUh, 
ky. bret. mat wenig passen will. 

Rätis wird von Marcellus (bei Holder) ausdrücklich 

als das gall. Wort für lat. filix 'Farnkraut' genannt und 

überdies durch die anderen keltischen Sprachen bestätigt: 

Jr. raith, abret. raten im Sinne des frz. fougeraie (Ort, wo 

[Farnkraut wächst), ky. redin, akorn. reden, glossiert ßlix. 

' Stokes und Bezsenberger 131. — * III 592. 



150 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Es ißt enthalten in dem zuerst von Ptolemaeus^ über- 
lieferten ON. 'PaTidtTov, Batiute 511 und bei Gregor von 
Tours, Baciate oft auf merow. Münzen, jetzt Reze-les- 
Nantes (Loire-Inferieure). Das Gebiet der Stadt hieß 
pagus Batensis, woraus sich franz. Rais, in neuerer Schrei- 
bung Pays de Retz entwickelt hat. Die Insel Re oder 
Rhe (Charente-Inferieure) heißt beim Geographen von Ra- 
venna Batis, 744 Badis. 

Ecidei . . . o vico lautet auf einer merow. Münze die 
älteste Form von Essoyes (Aube), das in jüngeren Ur- 
kunden als Yssoia 1084, Exogia, Exogium 1101, Essoia 
1164 genannt wird. Die spät überlieferten Namen mit x 
weisen auf ein ursprüngliches *Exideium hin, das wiederum 
den Pflanzennamen exedum unbekannter Bedeutung ent- 
hält, den Plinius^ erwähnt und der meiner Ansicht nach 
auch im Kompositum Exidolium = Excideuil (Dordogne) 
enthalten ist (S. 124). 

Ein gall. Hetu- mit der Bedeutung 'Birke' ist aus 
ky. bedtv, akom. bedew-en, bret. bezo zu erschließen, air. 
bethe wird glossiert als buxus; in der Verkleinerungsform 
betulla ist das Wort ins Lateinische übergegangen. Daraus ist 
vermutlich Bais (Mayenne) entstanden, dessen älteste 
Form BediscuMy Atlas 168, schon eine Erweichung des ur- 
sprünglichen ^Lautes zeigt. Doch ist es durchaus nicht 
sicher, ob der Name zum obengenannten *betu oder viel- 
mehr zu einem Stamme bed gehört, der sich als Beda 
Tab. Peut., It. Ant. u. ö. für Bitburg (Rheinprovinz) fast 
rein erhalten hat und auch in den ON. Bedata, Bedaios 
stecken kann. Zum Sufiix -isco vgl. die ON. Condatisco, 
Matisco u. a. 

Als Hypothese ist es auch anzusehen, wenn ich einen 
gall. Stamm bag-, bai- zu lat. fagus 'Buche', gr. cpriYog 
'Eiche', ags. böc, got. boJca stelle; doch wäre das Fehlen 
dieses Baumes in der gall. Toponymie ja höchst auffallend, 
und überdies ist eine bessere Deutung der mit diesem 
Elemente gebildeten Namen nicht möglich. Der am 

1 11 7, 5. — 2 XXIV 175. 



GAllisebe Namen. 151 

frühesten überlieferte iet Bagarum, das pchon auf einem 
Meilenzeiger aus dem ersten christlichen Jahrhundert für 
heutiges Bavay (Nord) vorkommt, BdtaKOV bei Ptolemaeus. 
(Zu -acum im Sinne von lat. -etum vgl. S. 115.) Der ein- 
fache Bauniname scheint vorzuliegen in Baia (bei Holder) 
für Baye (Marne). 

Ein kleiner Ort Coole (Marne) erscheint in zwei Ur- 
kunden von 869 und 983 als Villa Coslus und Coala^ 
offenbar ursprünglich der gall. Name des Haselstrauches, 
abret. aky. air. coli, glossiert cm-ylns, got. ahd. hasala. Ein 
Coulon (Yonne) wird ebenfalls von Holder in der alten 
Form Coslumnus verzeichnet, und der deutsche ON. Kusel 
(Bayrische Pfalz, nördlich von Kaiserslautern) heißt in alten 
Urkunden Coslum. 

ß) Tierreich. 
*Bibros 'Biber' kann erschlossen werden aus kern. 
be/er, bret. hieuzr zu lat. fiber, spätlat. beber, ahd. bibar usw. 
Der Biber lebt im Wasser, baut sich am Ufer von fließen- 
den, fischreichen Gewässern seine kunstvolle Wohnung 
und richtet durch seine reichliche Fischnahrung erheb- 
lichen Schaden an, weshalb er vom Jäger und Fischer 
mit gleichem Eifer verfolgt wird. Daß man einen Fluß, 
in dem sich zahlreiche Biber aufhalten, Biberfluß oder 
kurz Biber nennt, ist nicht zu verwundern, und so werden 
mehrere FIN. Bio vre auf jenes gall. Wort zurückgeführt 
werden müssen. Unmöglich ist es nicht, daß gall. bebros 
wie seine ai. Entsprechung babhrus zugleich die braune 
Farbe bezeichnet hat, was manchem vielleicht für einen 
Flußnamen passender scheinen mag. Am bekanntesten 
ist der kleine Nebenfluß der Seine, der sich bei Paris mit 
dieser vereint. Auf dasselbe *Bebros gehen auch eine 
Anzahl ON. zurück, sei es unmittelbar, sei es als ur- 
sprüngliche. Bezeichnungen von Wasserläufen, an denen 
der Ort lag. Ich nenne Bifevres (Belgien, Namur) Beveris^ 
Atlas 169; Biövres (Aisne) Beveria 1186, Bevra zwölftes 
Jahrhundert; Biävre (Ardennes, Seine-et-Oise). Älter als 



152 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

alle diese, aber dem Stamme nach zweifellos dazu gehörend, 
ist das schon von Cäsar ^ erwähnte Bibrade, die Haupt- 
stadt der gall. Äduer, bei Autun gelegen, das seinen 
Namen Äugiistodunum an die Stelle des früheren gesetzt 
hat; doch lebt der alte noch fort im Berge Mont-Beuvray 
und in dem nahen Örtchen Saint-Leger-sous-Beuvray 
(Saone-et-Loire). Bibrade stellt sich als eine oblique Form 
zum Nom. Bibrax dar, welch letzteres Cäsar ^ als ein op- 
pidum Bemorum nennt, das indes keine Spur hinterlassen 
hat. Eine Ableitung vom Stamme *bibr- mittels eines 
anderen Suffixes liegt endlich vor in Beuvron, je einem 
Nebenfluß der Yonne und der Loire, und einem kleinen 
Orte Beuvron (Calvados)^ Bevron und Beveron im elften 
Jahrhundert. 

Ein gall. *artos scheint in der Bedeutung 'Bär' exi- 
stiert zu haben und wird durch mir. art, ky. arth nahe- 
gelegt, zu gr. äpKTOc,, lat. ursus.^ Ein Artobriga 'Bärberg' 
wird von Ptolemaeus erwähnt, hat sich aber nicht erhalten. 
Arthona nennt Gregor von Tours mehrmals* für heutiges 
Artonne (Puy-de-D6me). 

Epos 'Pferd' ist zwar in vielen gall. Namen, wie 
Eporedia, Epona erhalten, hat aber in der frz. Topono- 
mastik nur geringe Spuren hinterlassen. Epomanduodurum 
= frz. Mandeure ist an anderer Stelle besprochen (S. 106). 

Tarvos war der gall. Name für den Stier^ gr. TaOpo?^ 
air. tarb, ky. bret. taru, körn, tarow, zu lat. taurus, wie 
aus einer Inschrift tarvos tri garanus hervorgeht, die ein 
Bildwerk erklärt, einen Stier mit drei Kranichen dar- 
stellend.^ Das Wort ist enthalten in Therouanne (Pas- 
de-Calais), das bei Ptolemaeus^ Tapoudvva heißt, Ter- 
vanna Tab. Peut., Tarvenna It. Ant., anscheinend eine 



1 B. G. 123; VII 55. 63. — ^ il 6. 

' Zweifel an der Zugehörigkeit der kelt. Worte sprechen 
Pedersen in Kuhns Zeitschr. XXXVl 106 und Zupitza XXXVIl 
393 A. aus. 

* Glor. Confess. 5. Vita patr. 5, 2. 

5 oiL. Xlll 3026. - 6 11 9, 4. 



GalÜRche Namen. 188 

Bildung mit dem häufigen gall. Suffix -ann-. Der Tar- 
vaneiisis pagus, der in Urkunden des siebenten JahrhundertB 
zuerst vorkommt (das Adjektiv Tarvaiiensis schon bei 
(jrcgor von Tours), ergab den Landschaftsnamen Ternois, 
der auch in einigen ON. noch erhalten ist. Ein Tervanne 
(Aisne) begegnet zuerst 1174 als Tervana, 1272 Tervmne, 
und ist aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls hierher 
zu rechnen. 

t) Mineralreich. 

Noch geringer sind die Spuren, die Ausdrücke aus 
dem Mineralreich in den gall. ON. hinterlassen haben. 
Ihre Anwendung setzt im allgemeinen die Ausbeutung 
eines Minerals in großem Betriebe voraus, und von einer 
solchen war gewiß in der vorröraischen Periode Galliens 
kaum die Rede, obwohl Cäsar ^ von Erzgruben bei den 
iberischen Aquitaniern berichtet. Daß die Gallier aber 
eine ganze Anzahl Metalle gekannt und verwendet haben, 
besonders auch das Gold, wird uns von den alten Schrift- 
stellern ausdrücklich bezeugt.' Gold, Silber, Blei, Eisen, 
Zinn, Kupfer war ihnen bekannt, ohne daß sich die 
Namen dieser Metalle sämtlich in der Toponymie nach- 
weisen lassen, was zum Teil an unserer Unkenntnis des 
Wortschatzes liegen mag. Die Salzgewinnung hingegen 
scheint Spuren in den ON. hinterlassen zu haben. 

Das Silber hieß bei den Galliern *arganton und viel- 
leicht unter Eintiuß des Lateinischen *argenton, air. argat, 
ky. ariivit, körn, argant, bret. archant, die gewiß nicht, 
wie Ebel will, Lehnwörter aus dem Lateinischen sind. 
Ein Teil der hierher gehörigen Wörter, wie Argenton, 
Argenteuil usw., sind schon bei den Kompositen besprochen. 
Andere, wie Argenta, Argentea, Argentaria, haben ihren alten 
Namen aufgegeben oder sind überhaupt untergegangen. 
Hier sei noch erwähnt Argentao auf merow. Münzen für 
älteres *Argentavum, jetzt Argen tal (Loire) mit Suffix- 

» ß. G. in 21. 

' Vgl. darüber C. Jullian, Hietoire de la Gaule I 75 ff. 



154 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

vertauschung. Ein Arge nee (Calvados) ist nicht in alter 
Form belegt, geht aber auf *Argentea zurück. (Vgl. S, 122.) 

Wegen isan "^Eisen' vgl, Izernore <i Isarnoduros und 
Yzernay <C Isarnacum. 

Deutsch 'Salz', lat. sal, gr. ä\c„ führen auf sald zu» 
rück. Die keltischen Sprachen haben die Weiterbildung 
air. sälann, ky. halan, körn, haloin. Darf man für das 
Gall. II aus Id annehmen, so könnte man das Wort in 
Marosallum wiederfinden, der schon der gallisch-römischen 
Periode angehörenden und später oft überlieferten ältesten 
Namenform für heutiges Marsal (Lothringen, Kreis 
Chäteau-Salins). Der Ort besaß lange Zeit Salz werke, 
deren Betrieb erst seit kurzem eingestellt ist. Auch der 
Name des Flusses la Seille, an dem Marsal liegt, deutet 
auf die Salzschätze hin, die der Boden jener Gegend birgt. 
Das Adjektiv mdros bedeutet 'groß', air. mär, glossiert 
magniis, schott. mbr, aky. abret. mor. 

b) Andere Appellativbegriffe. 

Acaunum heißt Anfang des fünften Jahrhunderts ein 
Ort, der sexaginta fere milibus a Genavensi urhe, d. h. von 
Genf entfernt liegt. Es ist das heutige Saint-Maurice-en- 
Valais, das übrigens häufiger als in der obengenannten in 
der Form Ägaunum begegnet, die z. B. Gregor von Tours 
immer schreibt. Ein solches '^Agaunum scheint auch in 
Agon (Manche) erhalten zu sein, einem kleinen Hafen 
an der steilen Küste des Kanals. Acauno ist nämlich 
glossiert als saxicm, petra 'Stein, Fels' und stellt sich ety- 
mologisch zu ky. hogi 'schärfen', lat. acus 'Nadel', acutus 
'spitzig' usw., gr. otKOvri 'Wetzstein'. 

Dümius mons, Atlas 27, ist der älteste Name des 
Puy-de-D6me. Ein episcopus ecciesiae Duniiensis in Spanien , 
einen Bischofssitz ^Dumium voraussetzend, wird in zahl- 
reichen Berichten von Konzilien erwähnt, zuerst im 
Jahre 589. Gleichen Ursprung möchte ich auch für den 
ON. Domme (Dordogne) in Anspruch nehmen, der als 
Gastrum de Doma veteri allerdings erst vom Jahre 1214 



Galliiche Namen. 155 

an nachgewiesen ist; der Ort liegt auf einem steilen Ab- 
hänge 147 m über der Dordogne. In demselben Departe- 
ment gibt es auch einen Mons de Doma 1280 und ein 
Castrum de Monte Domae^ das mit dem obigen Domrae 
nicht identisch zu sein scheint. Zur Erklärung des Wortes 
verweist Rhys auf mir. duma 'Hügel', Stokes auf gr. dr|M*Ji^v 
'Haufe' und Oiupö; 'Haufe, Schober'. 

Ambe ist in Endlichers Glossar mit rivo 'Bach, Fluß' 
erklärt, ebendort Inter ambes mit inter rivos 'zwischen den 
Flüssen'. Dieses kommt in der Form Intramnae neuntes 
Jahrhundert* für den kleinen Ort Entrammes (Mayenne) 
vor, der am Zusammenfluß der Jouanne und Ouette liegt. 
Ebenso gehört hierher Entrains (Niävre) Intaranum, 
Tab. Pout., Interamnum sechstes Jahrhundert und später 
oft, Antrain, d. h. der heutigen Form sich nähernd, zuerst 
149G. Das Grundwort *ambis gehört zu ai. dmhu^ ambh-as 
'Wasser', lat. amnis 'Fluß'.' 

Ein gall. *bragon scheint das Wort für 'Sumpf' zu 
sein und gehört zu gall. embrecton, das nach einer Glosse 
von Hesychius 'das Eingeweichte, der eingetauchte Bissen' 
bedeutet. Das Wort hat sich als Appellativum erhalten 
in prov. brac, afr. brai 'Schlamm'. Bragum, Atlas 170, 
bezeichnet das heutige pays de Bray, eine kleine Land- 
schaft im Dep. Seine-Inf^rieure. Auch als ON. ist Bray 
viel verbreitet, ähnlich wie gleichbedeutendes la Palud 
u. dgl. aus lat. palus. Als Braium sind noch überliefert 
Bray (Oise, Calvados, Aube, Aisne), als Braia mehrere 
Braye (Somme, Indre-et-Loire, Aisne); Bray-sur-Seine 
(Seine-et- Marne) heißt Atlas 170 Braiacus, wohl eine will- 
kürliche Latinisierung. Späteren Datums und vom franz. 
Appellativ abgeleitet sind die mit dem Artikel versehenen 
Namen Le Bray und La Braye, die auch Flüsse be- 

' D'Arbois, Prem. Hab. II 184. 

' Doch vgl. Walde, Et. Wb. unter amnis. Zu den beiden 
ON. auch Bessard no. 14 und Meyer-Lflbke, Confluentea in Ro- 
manische Forschungen XXIII 592, wo weitere Literatur ange- 
geben ist. 



156 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

zeichnen. Ein Brou (Eure-et-Loir) heißt Atlas 170 Brai- 
-acus, hat aber später dieses Suffix aufgegeben und dafür 
das suffixartig gebrauchte -jalon angehängt, das gleichzeitig 
die heutige Form erklärt: Braiolum 1030, Braiol 1060. 

Dumba, Atlas 178, jetzt la Dombes, in karoling. 
Urkunden pagus Donibensis oder Marchia Dunibarum, ist 
ein mit Sümpfen und Teichen angefülltes, von Rhone, 
Saone und Ain eingeschlossenes Gebiet, das den Südwesten 
des heutigen Dep. Ain ausmacht.^ Es liegt am nächsten, 
als ursprüngliche Form *Dubna anzusetzen und zur Er- 
klärung des sonst nicht allein begegnenden gall. Wortes 
an ky. dwfn, air. fu-domain 'tief, bret. don^ zu denken, 
Worte, die auch für die PN. Dumnorix = Dubnorix, Dubno- 
talos u. a, angezogen werden^ so daß die Bedeutung "^die 
Tiefe, tief gelegenes Gelände' sich ergäbe, die zu dem 
landschaftlichen Charakter der Gegend vortrefflich paßt. 
Bezzenberger stellt zum obigen d^lbno ein mittelnieder- 
deutsches dobbe mit der Bedeutung 'niedriges und sumpfiges 
Land', was also sprachlich und sachlich für unseren Fall 
angewendet werden könnte. 

Ein gall. Adjektiv *cambos 'krumm' kann aus air. ky. 
camm, nir. mbret. cam erschlossen werden, zu got. Jiamf 
'verkrümmt, verstümmelt', gr. Ka)Li7Tri 'Biegung', lat. campus 
'Feld', das ursprünglich 'Bodensenkung, Niederung' be- 
deuten mochte. Hieraus hat sich ein gall. ON. Cambo, 
cas. obl. Cambone, gebildet, der wahrscheinlich 'Fluß- 
krümmung' bedeutete, verdeutlicht durch MopiKd|ußri bei 
Ptolemaeus^ das wörtlich 'Meereskrümraung' heißt und 
eine Meeresbucht bezeichnet. Von ON. gehören hierher: 
Chambon (Cher), Cambone, Atlas 172; mehrere Chambon 
(Vienne), deren ältestes in einer Urkunde von 970 Cambon 
heißt. Chambon- sur-Voueize (Creuse) und Cambon 
(Tarn) dürften denselben Ursprung haben*, während zahl- 



' Historische Nachrichten bei Guigue, Topogr. historique 
du d^p. de l'Ain XXXVIII. 

2 Zeuß, Gr. Celt. 874. — MI 3, 2. 

* Zum letzteren MGH. Script. Merov. IV 587, 2. 



I 



Gallische Namen. 157 

reiche Le Chambon (Loire, Cantal, Ni6vre u. a.) nur 
zum Teil gall. Ursprungs sein mögen, zum anderen Teil 
lat. campns homis darstellen, das bei der Setzung des 
Artikels auch für die wirklich gallischen vorgeschwebt 
haben muß. 

Crapona ist nach Atlas 176 das heutige Craponnt« - 
sur-Arzon (Haute- Loire); doch hätte jene Form ein 
*Cravonne ergeben müssen, und man ist berechtigt, von 
einem älteren *Crappona auszugehen, dessen Name auch 
in dem PN. Crappaus^ = Crappaws erhalten und durch 
urkelt. *krappos, ky. craß' 'stark, fest', körn, crif, bret. 
o-eff dargestellt ist. Ein PN. Orapus^ zeigt dieselbe Ver- 
einfachung des Konsonanten wie der ON. Da -oim ein 
in gall. ON. ungemein verbreitetes Sulfix ist, so erhalten 
wir als Bedeutung den Begriff 'Befestigung', entsprechend 
lat. 'tirmitas', das in romanischer Zeit zahlreiche ON. 
Fert^ ergeben hat. Der im Dep. Bouches-du-Rhone ge- 
legene Canal de Craponne verdankt seinen Namen dem 
Erbauer Adam de Craponne, der im IG. Jahrhundert 
lebte und offenbar selbst nach der Stadt im Dep. Haute- 
Ijoire benannt ist. 

Capanna bezeichnet als volkstümliches Wort seiner Zeit 
Isidor, wenn er sagt: hanc (seil, casulam) rustici capannam 
vocant, und auf keltischen Ursprung deutet scheinbar ky. caban 
'Hütte' hin, das aber Thurneysen ^ selbst als ursprünglich 
romanisch kennzeichnet; seine Spur ist in den indogerma- 
nischen Sprachen nicht zu verfolgen, so daß man darin viel- 
leicht ein ligurisches Lehnwort des Gallischen zu sehen 
hat. Es hat sich übrigens in nahezu allen romanischen 
Sprachen erhalten: it. capanna, port. prov. cabana, span. 
cabaüa, frz. cabane, und ist demgemäß auch als ON. recht 
verbreitet. Aus dem achten Jahrhundert stammt ein ON. 
Capannas in pago Wapincensi (Gegend von Gap). Nfr2. 
Formen sind Chavannes, Chavagnes, Chevannes, 
Chevagnes; la Cabane, les Cabanes (beide auch mit 

» CIL. XII 3396 aus Nimes. — « CIL. UI 2979. 
* Keltoromauisches 53. 



158 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung, 

nn) sind schon durch den Artikel als junge Bildungen zu 
erkennen. Ein Chavanges (Aube) heißt 753 Cavanicas, 
Cavenge 1146, Ghavenge 1185, eine durch Suffix erweiterte 
Form des Grundwortes. Eine solche liegt auch in Ca- 
banisio vor, der ältesten auf einer merow. Münze verzeich- 
neten Form für heutiges Chabanais (Charente). Da- 
gegen sind die Bildungen auf -acum wie Cavaignac, Cha- 
vanay u. a. von einem PN. abzuleiten. 

Zu gall. *crava-s '^Stall', bret. kraou, Plur. crevier, ky. 
craw, körn, crow, crou, ir. crö, gehört Craonne (Aisne), 
in einer Form des neunten Jahrhunderts Graiihenna, für 
das gewiß *Crauhenna zu lesen ist, da alle späteren Formen 
im Anlaut ein c zeigen, nämlich Croona 906, Craunna 911, 
Graubena um 990, Craonna 1230; es läge also eine Ver- 
bindung des obigen Stammwortes mit dem Suffix -enna 
oder -onna vor. Verschieden davon scheint Cravant 
(Yonne), das um 901 Grevenniis lautet. Einen ganz ähn- 
lichen ON. Crebennus verzeichnet schon Ausonius^, und der 
einfache Stamm dürfte in einem Greva bei Holder er- 
halten sein. — Auch ob Crozon (Finistere) hierher zu 
rechnen sei, ist sehr zweifelhaft. Die älteste Form lautet 
Grauthon und kann vielleicht auf ein *Gravatonnum zurück- 
geführt werden. 

Ein urkeltisches *gortos, der Bedeutung und Ab- 
stammung nach zu deutschem 'Garten', lat. hortus, gr. 
XopTog 'Gehege, Hof gehörig, und im ky. garth, bret. 
garz 'Busch, Hecke' und gorz in liorz 'Garten' erhalten, 
scheint im ON. Gorze (Deutsch-Lothringen) fortzuleben, 
der nach Thomas^ spätestens 793 als Gorzia auftritt. 
Nach ihm käme der ON. Gorce und orthographische 
Varianten desselben in Südfrankreich häufig vor. 

Graux (Belgien, Namur) heißt Atlas 182 Grau. Es 
liegt anscheinend ein gall. *gravos 'Sand, Kies' zugrunde, 
das im akorn. grou 'Sand', ky. gro, bret. grou-an erhalten 
und als prov. grava, afrz. groe groue, nfrz. grh^e usw. in 
die romanischen Sprachen übergegangen ist. 

1 Epist. XII 23 f. und XIV 19. — ^ Nouv. Essais 52flF. 



Gallische Namen. 159 

LüteHa, der alte Name für Paris, wird von Zeufi* 
zu &iv..loth 'Schmutz' gestellt, ky. Uudedic 'schlammig', 
vgl. lat. lutum. (Doch siehe eine andere Deutung S. 85.) 
Der nämliche Stamm scheint erhalten zu sein in 
Lütiva, dem schon bei Plinius' erhaltenen Namen des 
heutigen Lodöve (H6rault), Loteva Tab. Peut., Civ. 
Lutevensium Not. Gall. Vielleicht handelt es sich um 
einen ursprünglichen Flußnnmen, der etwa 'l^ehrnwasser* 
bedeutete. Freilich gibt es auch einen PN. Lutevus^ und 
es ist nicht ausgeschlossen, daß dieser der ursprüngliche 
und der ON. der abgeleitete war, während nach der ersten 
Aufstellung das Verhältnis umgekehrt lüge. Vielleicht 
darf auch Lodena hierhergestellt werden, das nach Holder 
heutiges Luynes (Bouches-du-Rhone) bezeichnet. Der 
Name dieses Luynes wurde im 17. Jahrhundert auf den 
Ort Maillü (Indreet- Loire) übertragen, als dieses in den 
Besitz von Charles d'Albert, duc de Luynes, kam. Die 
Familie d'Albert führte wiederum den Namen Luynes 
seit dem Jahre 1535, wo Ldon d'Albert eine Jeanne de 
S^gur heiratete, die ihrem Gatten die Herrschaft Luynes 
im Dep. Bouches-du-Rhone in die Ehe brachte. 

Zum Stamme lut- gehört auch gall. lautro, das mit 
halneo 'Bad' glossiert ist* und das zu air. loathar, lothor 
gehört, gr. \ouTp6v 'Bad', lat. lautum von lavare 'waschen, 
baden'. Dieses liegt vor im ON. Lure (Haute-Saöne), 
Lutra, Atlas 63, und in zahlreichen FIN. Ein Kompo- 
situm mit lautro ist der ON. Lovolauttum bei Gregor von 
Tour8^ jetzt Vollere (Puy-de-Dome), dessen erstes Ele- 
ment nicht aufgeklärt ist, aber in dem ON. Lovincum 
und in den PN. Lovatus, Lovesius, Lovocatus enthalten sein 
dürfte. 



» Gr. Celt 15. 

' III 4, der die Einwohner Liiferani qui et Foroneronienaea 
nennt (vom lat., aber später wieder untergegangenen Forum 
Iset-onis). 

» CIL. XII 998. 1431. 2813 u. ö. 

* De nominibus Gallicis 7. 

' LoDgaon, GtSogr. 503 and Atlas 187. 



160 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Ein Stamm nem- tritt in mehreren ON. auf und 
wird klargestellt durch gall. nemeton, das in der verderbten 
Form nimidas erläutert wird durch den Indiculus super- 
stitionum et paganiarum (bei Holder unter nemeton): De 
sacris silvarum quae nimidas vocant. Hierzu paßt durch- 
aus air. nemed, glossiert sacellum, und gall. Vernemeton, 
glossiert fanum ingens {ver- Verstärkungspartikel wie lat. 
per in permagnus usw.). Das Wort wird mit Recht an- 
gelehnt an lat. nemus 'Hain', woraus sich die Bedeutung 
'heiliger Hain, Heiligtum, Tempel' entwickelt hat.^ 
Jenes Vernemetiim bezeichnet bei alten Autoren ver- 
schiedene örtlichkeiten, von denen nur eine ihren Namen 
bis auf die Gegenwart gerettet hat: Vernantes (Maine- 
et-Loire), Vernemetas, Vernimptas in merowingischer Zeit. 
Von diesem findet sich ein Adj. (in jjraedio) Vermentensi, 
und dieses legt den Gedanken nahe, auch im heutigen 
Vermenton (Yonne) eine Bildung zu sehen, die unser 
nemetum enthält. Holder kennt dafür nur die historische 
Form Vermentonnum ohne Zeitangabe, anscheinend eine 
bloße Latinisierung des modernen Namens; wenn man 
aber auf das obige Adjektiv zurückgeht, so könnte man 
für Vermenton ein ursprüngliches * Vernemetonmim erschließen , 
eine Bildung mit dem häufigen Suffix -onno, die sich der 
Erweiterung Nemetacum mit Suffix -aco an die Seite stellen 
läßt. — Andere gall. ON., in denen nemeton vorkommt, 
sind Augustonemetum, Nemetobriga, Nemetodurum u. a. Wäh- 
rend hier die Wurzel nem- durch das Partizipialsuffix -eto 
erweitert ist, erscheint sie mit dem Suffix -auso (vgl. ON. 
Ärausa, Ärausio, Lemausum, PN. Bellausus, Pennausius) in 
dem bekannten ON. Nemausus, jetzt Nim es (Gard), als 
NeiLiaucroi; zuerst von Strabo ^ genannt ; auch Plinius, Mela 
und viele spätere bieten die Form Nemausus. Mittelalter- 
liche Formen sind Nemosus 950, Nimis 1090, Nemse 1168. 
Denselben Ursprung hat auch der ON. Nemours (Seine- 
et-Marne) Nemaus, Atlas 191, Nemosium ib. 245. Während 



^ Vgl. Walde, Et. Wb. unter nemus. 
* IV 186—187 u. ö. 



GalliBche Namen. 161 

Nimes sich aus der Betonung N^mansus entwickelt hut, 
int (las zweite aus Nemmsus hervorgegangen (zur Ein- 
schiel)ung des unorganischen r vgl. JAmours <C Letnausum). 

Ein gall. tegia 'Haus, Hütte', verwandt mit air. teg, 
glo88. domus, nir. Ug, aky. tig, abret. ieg^ kom. H, gr. 
T^YO?. zu der Wurzel, die inx \&i. iegere, deutschem '/>acA* 
vorliegt, folgt aus graubünd., tirol., friaul. tedza, tedza, iiedza. 
Es hat mit der gall. Präposition are = lat. ad ein häufiges 
Kompositum Artegia, Artegiae ergeben, so in Arthies 
(Seine-et-Oise) Artegiae 690 \ A rtias (Haute- Loire) Artigiae 
1040; Artige (Vienne, dreimal) AWji/»a 1260; wahrschein- 
lich auch in Arthez (Basses-Pyr^nöes), das erst 1220 alH 
Artes nachgewiesen ist. Mit lat. oder gall. Präfix ad ver- 
bunden (vgl. Ad-magetobriga, PN. Adnamatus u. a) in *ad- 
tegia, das Juvenal in der Verbindung Maurorutn attegias 
als Appellativ 'Hütte' gebraucht.* Dieses ist als Ortsname 
zuerst überliefert in Adteias^ für Athies (Somrae). Ein 
Athis (Marne) heißt Atteiai in einer Urkunde von 948 
und später. Auf Ath6e (Indre-et- Loire) Ateia 907 weist 
Meyer-Lübke"* hin. Athies (Aisne) kommt zuerst 1131, 
aber schon in moderner Form vor, und Athis (Orne) stellt 
Cocheris 122 zu attegiä. 

Gregor von Tours erzählt*, daß Chlodwig mit dem 
Gotenkonig Alarich auf dem campus Vogladensis am zehnten 
Meilensteine von der Stadt Poitiers gekämpft habe. Es 
handelt sich um die Schlacht, durch die die Franken im 
Jahre 507 ihre Herrschaft auch über einen Teil des West- 
gotenreiches ausdehnten und deren örtlichkeit für die 
Historiker und Philologen lange ein Gegenstand des Streites 
gewesen ist; doch ist man jetzt darüber einig, daß nur 
der Ort Vouill6 (Vienne) in Betracht kommt. Aus dem 



» Cocheris 189. 

' Ein Appellativ Attegiam (tegttliciam) findet sich anchCIL. 
XIII 6054. 

» MGH. Merov. 11865,11. 

« Betonung 12 ; vgl. auch Schuchardt, Zs. f. roman. Phil. IV 126. 

I» Hist. Franc. II 27. 
Qröhler, Fmniöslsche Ortsnamen. 11 



162 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

obigen Adjektiv Vogladensis, das noch einmal als Vogladinsis 
wiederkehrt, würde man ein Substantiv Vogladum oder 
Voglade abstrahieren können. Nun kommt in der Vita 
Maxentii^ ein ON. Vocladum vor, und man wird ohne weiteres 
annehmen können, daß uns in diesem mit dem obigen 
der Lage nach übereinstimmenden Orte trotz der späteren 
Überlieferung eine ältere Form des Namens vorliegt als bei 
dem Geschichtschreiber von Tours. Vocladum ist eine Bil- 
dung aus dem Stamraworte *dad-, ir. cläd 'Graben', aky. 
claud, desgleichen akorn. in guer-daud, glossiert prato 
"Wiese', ky. dawdd, und dem Präfix vo-, air. fo, glossiert 
sub 'unter', aky., abret. guo- in Zusammensetzungen, zu 
lat. sub, gr. utto, ahd. oba. Vodadiim könnte also ein 
ursprünglicher Flurname mit der Bedeutung 'unterhalb 
des Grabens' oder 'am Graben' sein. 

C. Gallische Götter- und Personennamen als 
Ortsnamen. 

Schon bei den Kompositen, deren Grundwort ein 
geographischer Begriff ist, hat man bemerken können, daß 
als Bestimmungsort in vielen Fällen ein Personenname 
auftritt; es ist daher nicht zu verwundern, daß auch Per- 
sonennamen mit Suffixen in der Toponymie eine hervor- 
ragende Rolle spielen, und ihnen soll der vorliegende 
Abschnitt gewidmet sein. Das verbreitetste aller Suffixe 
ist die gall. Endung -äcum, und ihre häufige Verwendung 
sowie die mannigfache Gestaltung, die sie bei der Romani- 
sierung erfahren hat, rechtfertigt es, daß ich den damit 
gebildeten Ortsnamen einen besonderen Abschnitt widme. 
Andere viel gebrauchte Suffixe sind -äte (nur zur Bildung 
von Volks- und Ortsnamen verwendet), -öno (die auf o 
ausgehenden maskulinen und neutralen Suffixe haben 
größtenteils auch Femininformen auf a), -anno, -enno, -inno, 
■onno; -isso; -isco, -^co, -uco; -ävo. 

' Bei Holder. 



Gallische Namen. 168 

Andererseits kommen aber auch die reinen Personen- 
namen mit der Endung -us, -»««, -io, Gen. -ionis u. a., 
meist in der Form des Casus obliquus verwendet, vor, sei 
es, daß sie adjektivisch gebraucht werden mit Unter- 
drückung eines entsprechenden geographischen Haupt- 
wortes wie Villa, praedium, fundus ; sei es, daß der Casus 
obl. einen attributiven Genitiv zu einem jener Ausdrücke 
darstellt. Die Personennamen selbst können leicht in zwei 
Gruppen geschieden werden: Personennamen im engeren 
Sinne und Götternamen. Da die letzteren aber gar nicht 
selten selbst als Personennamen gebraucht werden, so ist 
es in vielen Fällen kaum möglich, festzustellen, ob die 
örtlichkeit einer Gottheit zu Ehren benannt ist oder ledig- 
lich den Namen des Gründers oder ersten Besitzers trägt; 
ich ziehe daher vor, im folgenden die beiden Gruppen 
nicht voneinander zu trennen. Immerhin soll den Göttern 
wenigstens insofern ein Vorrang eingeräumt werden, als 
ich meine Betrachtungen mit dem allgemeinen Begriffe 
'Gott, göttlich' beginne. 

Die Wurzel dlvo-, verkürzt ito-, mit der Bedeutung 
'göttlich' oder 'Gott' leitet Stokes 144 von älterem deivo 
her, das in air. dia 'Gott', körn, duy, bret. doe enthalten 
ist und auch im lat. dem und dxvus, gr. ÖToq 'göttlich' 
seine bekannten Vertreter besitzt. Von Kompositen ist 
Divodurum^ die 'Götterfeste' der Mediomatrici, schon früher 
berührt worden. Doch gibt es auch ein selbständiges 

Dea, genauer Dea Augusta Ändarta^, Dea Augusta Vo- 
contiorum auf Inschriften, Oivitas Dea Vocontiorum It. Ant, 
später einfach Dea, 1086 Dia, jetzt Die (Dröme).' Ein 
pnfftis Diensis, zu der Stadt Die gehörig, wird zuerst 739 
erwähnt und hat den Landschaftsnamen Diois ergeben, 
der noch in einzelnen Ortsnamen als Attribut besteht.' 



« CIL.XI11554ff. 

' Vgl. daeu Hirnchfeld, Gallische Stadien in Sitzungsber. 
der Wiener Akademie CHI, 1888, S. 297 ff.; Ihm in PW. IV 2285 f. 

' Historische Einzelheiten über das Diois in Bran-Dorand, 
Dict topogr. du d^p. de la Dröme 126, und Longnon, Atlas 140. 



164 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Diva, Dyva heißt in einer Urkunde von 1080 der 
Fluß Dive (auch Dives), der größtenteils im Dep. Cal- 
vados fließt und nach dem wiederum die Stadt Dives 
(Calvados) benannt ist, 1077 Portus Divae, doch auch 
schon im elften Jahrhundert einfach als Diva erwähnt. 

Dmo castruni, Atlas 63, Divione vom Jahre 500 an 
sehr oft, besonders bei Gregor von Tours, möchte ich als 
Verlängerungen des Stammes div- mit dem Suffix -ione 
ansehen; es ist das heutige Dijon (Cöte-d'Or). Eine 
andere Deutung bringt d'Arbois de Jubainville ^, der einen 
römischen Gentilnamen Divius zugrunde legt. Nach einer 
Mitteilung Gregors von Tours ^ ist der Ort vom Kaiser 
Aurelianus erbaut worden, was aber den gall. Ursprung 
des Namens keineswegs ausschließt. — Eine Verlängerung 
des Stammes div- mit dem Suffix -ona (vgl. lat. divinus 
mit divus) liegt vor in 

Divöna^, der ältesten Form für heutiges Divonne 
(Ain); denselben Namen Devona trägt schon bei Ptolemaeus 
die Hauptstadt der gall. Cadurci (jetzt Gabors). 

Verschiedenartige Deutung hat der Name der bel- 
gischen Stadt Dinant-sur-Meuse (Namur) erfahren, 
deren erstes Element ebenfalls gall. dio- 'göttlich' ist; 
die älteste Überlieferung des Wortes ist Dionans 656, die 
nächste Diönänte 11 4; aus beiden Formen kann ein älteres 
'*Dtvonant erschlossen werden, und dieses sieht Ernault 
als Kompositum an mit der Bedeutung '^Göttertal', vom 
Adj. divo und Subst. nant 'Tal' (s. S. 137), während 
d'Arbois mit Unrecht ^Divon-aniis abtrennt und in dem 
Worte eine Verlängerung des oben angeführten Divona 
mittels des Partizipialsuf fixes -ant sieht. 

Über Gien (Loiret) <C Gienium = ^'Diomagos s. S. 113. 

Ädnamatus und Annamaius sind häufig als gall. Per- 
sonennamen in Oberitalien nachgewiesen und nach Holder 
hinsichtlich des Stammes zum piktischen Adj. namet 'weiß' 



^ Recherches 520. — ^ Hist. Franc. III 19, wo sich auch 
eine genaue Beschreibung der Stadt findet. 

* Meyer-Lübke, Betonung 58 setzt Divona an. 



Gallische Namen. 165 

zu stellen, während dann ad eine Verstärkungspartikel 
wäre, 80 daß der ganze Name 'sehr weiß', d, h. vielleicht 
'sehr glänzend' bedeutete. Einfache» Namaiius kommt 
auch vor, und Adnamatius bzw. sein Fem. begegnet nicht 
selten in Inschriften aus der Rheingegend.* Ein Anna- 
nuUia endlich ist wiederholt, zuerst Tab. Peut. und It. Ant., 
auch Not. dig. occ. Adnamatia^ für einen Ort in Pannonien 
genannt, und es ist wohl sicher, daß Annemnsse (Haute- 
Savoie), das mir in alter Form nicht bekannt ist, den- 
selben Ursprung hat. 

*Alantius ist als Personenname nicht nachzuweisen ; 
da wir aber auf einer merow. Münze (bei Holder) den 
ON. Alanciaco lesen und die oco-Bildungen als erstes Ele- 
ment fast regelmäßig einen Personennamen aufweisen, so 
kann schon daraus auf das Vorhandensein eines solchen 
geschlossen werden. Daß es einen gall. Wortstamm alant- 
gegeben hat, dessen Bedeutung aber nicht bekannt ist, 
ersieht man auch aus dem Namen einer Göttin Alante- 
doba im cisalpinen Gallien' und aus Alantone It. Ant., 
dem Namen einer Station in Nordspanien. Alancione heißt 
Atlas 61 endlich das heutige Alen5on (Orne), in dem 
der oben angenommene PN. *Alaniim eine Erweiterung 
durch das Suffix -on erfahren hätte. 

AnecHus nennt Livius' einen Nervier. Auch Anectio- 
}narus, das als Beiname des Apoll mehrmals belegt ist, 
enthält den ersten Namen, verbunden mit dem Adj. maros 
'groß' — d'Arbois übersetzt es als 'großer Beschützer'. 
Von Anectius scheint mit dem Suffix -one ein neues Wort 
Anectio gebildet zu sein, das A. Thomas* dem heutigen 
ON. Nexon (Haute -Vienne) zugrunde legt. Dieses er- 
scheint in mittelalterlichen Urkunden als Aneisso, Aneycho 
und mit Abfall des anlautenden a als Neycho, latinisiert 
Annexonium, Nexonium, 

Ein gall. PN. Arausio kommt einmal inschriftlich vor 
und ist als Weiterbildung des ebenfalls einmal bellten 

» CIR 62. 865. 1628. — • CIL. V 4984. 
* Epitome 189. — * Noaveaaz Essais 61. 



166 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Männernamens Arausa^ anzusehen. Als älteste Bezeich- 
nung der Stadt Orange (Vaucluse) findet sich Ärausio 
sehr häufig und zuerst bei Livius.^ Über die Entwicke- 
lung der heutigen Form haben besonders Oskar Schultz^ 
und G. Paris* gehandelt. Nach ihnen hat Arausio zu- 
nächst durch Metathese *Aurasio ergeben; von diesem 
wurde ein Adj. Aurasica, kontrahiert Aurasca (civitas) ge- 
bildet, das Longnon, Atlas 141, auch nachgewiesen hat. 
Der Ersatz der romanischen Endung -asca durch das 
germanische und in Südfrankreich verbreitete Suffix -ing 
habe endlich zu der modernen Form Orange geführt. 

Av^dYcum nennt zuerst Tacitus^ als caput Helvetiorum 
und bezeichnet damit das heutige Dorf Avenches (Schweiz, 
Waadt), dessen deutscher Name Wiflisburg lautet. Aventia 
findet sich als gall. Personen- und Flußname, auch wieder- 
holt als Name einer Göttin*' und wird von Zeuß zum 
Stamme *avento gestellt, ky. eunt^ glossiert aequus, körn. 
ewn, zu nhd. eben gehörig, also gleichbedeutend mit 
lustitia. 

Avrionnum nennt Longnon als älteste, aus merow. Zeit 
überlieferte Form des heutigen Evron (Mayenne), für das 
Maitre '' die Schreibung Äureonnum 642, 650, Aurion 989, 
doch auch schon Ebron, die der heutigen Gestalt des 
Wortes nahekommende Bildung, angibt. Daß die Schrei- 
bung Au gleich Av zu setzen ist, beweist die spätere Ent- 
wicklung des Wortes; doch kann auch Avrionnum noch 
nicht die ursprüngliche Form des Namens sein, vielmehr 
ist '^Averionnum anzusetzen, eine Ableitung aus dem PN. 
Averius, der einmal inschriftlich belegt und außerdem aus 
dem ON. Averiacus (bei Holder) erschlossen werden kann. 
Das diesem zugrunde liegende *Averos würde nach Ernault 
'Sohn' oder 'Enkel' bedeuten. 

1 CIL. III 3690; II 2633. 

2 Epitome67; ferner bei Strabo IV 185; Plinius III 36. 
ä Zeitschr. für roman. Philologie XVin425ff. 

* Romania XXIV 306. 

5 Bist. I 68. — • CIL. Xni 5071—5073 u. ö. 

^ Dict. top. du d6p. de la Mayenne 122. 



Gallische Namen. 187 

Baginua, Bagina, vielleicht zu dem von mir S. 150 
besproobenen Stamme hag gebörig, erscheinen als Götter- 
namoh in einer Inschrift'; auch einen Bischof Baginus 
erwähnt eine Urkunde aus dem Jahn; G62. Baginiis findet 
sich kontrahiert als ^amu«', und da» Fem. Baina bezeichnet 
Mitte des neunten Jahrhunderts das Örtchen Beine (Marne), 
das in einer Urkunde von 1112 Bainna lautet. Gleichen 
Ursprung hat nach Holder auch Bayne (Ardöcbe). Ob 
Bains (lUe-et-Vilaine) ebenfalls hierher gehört, ist zweifel- 
haft; immerhin erscheint es so früh in der Form Bain, 
Atlas 167, daß ich es nicht ohne weiteres zu den aus lat. 
balneiim entstandenen Bains rechnen möchte. — Eine 
Weiterbildung von Bagimis mit dem Suffix -isson- liegt 
vor in den zwei auf merow. Münzen erhaltenen Formen 
Bagnissoni und Baiiiissone, den kleinen Ort Binson be- 
zeichnend, dessen Name sich auch in dem größeren Port- 
ä-Binson (Marne) erhalten hat. 

Balatonno findet sich auf zwei merow. Münzen neben 
einem dritten Ballatetone und späterem Baladon, Atlas 167, 
für heutiges Ballon (Sarthe). Ballatoniia villa heißt 657 
auch ein anderer Ort, dessen Identität nicht festgestellt 
ist, und Bildungen mit dem Stamm balat-, teils örtlich- 
keiten, teils Personen bezeichnend, sind auch sonst nicht 
selten. Ich trage kein Bedenken, das Stammwort mit 
Holder auch in dem Götternamen Belatos zu finden, dessen 
Wurzel durch kymr. bal Veißgesichtig', bret. bal 'Blesse', 
d. i. weißer Fleck auf der Stirne von Tieren, dargestellt 
wird, zu gr. cpoXö? 'glänzend'.' — Der Stamm balat- ist 
mit dem nicht häufigen Suffix edo verbunden in Batate- 
dine bei Gregor von Tours*, der ältesten Form des heutigen 
Balesmes (Indre-et-Loire). 

Belsus, Belsa sind als Personennamen beide im gall. 
Sprachgebiete nachgewiesen. Ein ON. Belsa ist durch 
Fortunat* und durch die Acta Sanctorum beglaubigt und 

> Holder 1 332. — » ib. 334. 

' Stokee 164. — * Hist. Franc. X31,6. 

^ ViU S. Germani 136. 



168 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

allmählich auf die heutige Landschaft Beauce übertragen 
worden, die durch ihre Fruchtbarkeit bekannte Korn- 
kammer Frankreichs, die den größten Teil der Departe- 
ments Eure-et-Loir und Loir-et-Cher umfaßt. — Eine 
höchst verführerische Erklärung des Wortes heisa, das 
'Feld' bedeuten soll, bringt Virgil. gramm.^: Bellum autem 
nonnisi in heisa, hoc est in campo agitur. Belsa enim ob hoc 
diciiur, quia belsa plurima quae sunt gramina profert. Weder 
die keltischen noch die übrigen indoeuropäischen Sprachen 
bieten irgend einen Anhalt für belsa in der Bedeutung 
'Feld- oder 'Gras'. Vielleicht ist es aber erlaubt, in dem 
immerhin spät überlieferten Worte eine Zusammenziehung 
aus älterem *Belisa zu sehen, auf das ein ON. Belisia 
hinzuweisen scheint; dann würde dieses Beiisa die Grund- 
form von 

Belisäma darstellen, das zunächst als Name einer 
gall. Gottheit überliefert ist.^ Nach Stokes und Rhys wäre 
das Wort eine Superlativbildung des Adj. belis (vgl. PN. 
Blesamus, Saxamus, FIN. Tragisama, ON. Uxama von uxos 
'hoch'), während Zeuß und d'Arbois^ darin eine Zusammen- 
setzung aus einem Stamm bei- 'brennen' und sama, zu gr. 
6|aö?, lat. similis, got. sama gehörig, erblicken. Auf diesen 
Götternamen gehen zurück: Belismum Atlas 168, jetzt 
Belleme (Orne); ferner Blesmes (Marne) Belesma 1094, 
Belema 1110, Belisma 1148; endlich Balesme (Haute- 
Marne) und Blismes (Nie vre). 

Bricillonno und Variante Bricilonno führt Gregor von 
Tours* als älteste Form des heutigen Brülon (Sarthe) 
an, das in der Form Bricilloo auch viermal auf merow. 
Münzen erscheint, während Formen mit u in der ersten 
Silbe seltener und anscheinend später auftreten.^ Der 
Stamm des Wortes ist ofiFenbar der viel belegte gall. PN. 



^ Bei Holder. 

2 CIL. XII, S. 162. — ä Rev. celt. XV 12. 

* Mir. S. Martini IV 23. — ^ Beszard no. 40 hat die erste 
gesicherte Form aus dem 9. Jahrh.; seine Deutung des Namens 
weicht von der meinigen ab. 



Gallische Namen. . 169 

Bricius, eioo Variante von Briccius, aus dem mittels der 
DiminutivBilbe -illo eine abgeleitete, aber bis jetzt noch 
nicht belegte Koseform *Bricillus gebildet ißt (vgl. Oella — 
CeÜülas, Carantos — CarantUlus, Tonlos — ToutUlus usw.); 
an diese ist dann das in Ortsnamen häufige Suffix -o^mo 
getreten. 

(joairum Canionis heißt nach Longnon, Atlas 173, der 
Ort Chateau-Chalon (Jura), dessen Name sich über 
*Chamon, *Charlon, *CAaWon"zu seiner gegenwärtigen Gestali 
entwickelt haben muß. Der PN. Camo, im übrigen nicht 
belegt, hat sich aus *Camtts (enthalten in Camius, Camia) 
gebildet. ^ 

Cätürus ist ein nicht gerade häufiger gall. PN.', von 
dem aber auch suffigierte Erweiterungen wie Caturicus, 
Catureius existieren. Ein *Caturus möchte ich heutigem 
Cadours (HauteGaronne) zugrunde legen, das in alter 
Form nicht belegt ist Cadorona ^ die älteste Überlieferung 
des Namens von Charonne bei Paris, zeigt das obige 
Wort in romanisierter Form und mit dem vielgebrauchten 
Suffix -otio verbunden. Der Name Caturus enthält viel- 
leicht das Appellativ catu- 'Kampf', das auch den ersten 
Bestandteil der Volksnamen Caturiges und Catuvellauni 
bildet und bei diesen genauer behandelt worden ist. 
Eine andere Erweiterung von catu- scheint im Männer- 
namen 

Catussa* vorzuliegen, von dem wiederum ein Gen- 
tilicium *Catussius gebildet ist, das d'Arbois* einmal in 
der Form Cattisius nachweist. Auf *Catüssia villa gehen 
zweifellos, wie schon der französische Gelehrte annimmt, 
die Formen Cadiisia 878, Caduscia 896, Cadmsia 1117 
zurück, die heutigem Chaource (Aube) entsprechen. 
Wegen der Einschiebung eines r vor stimmlosem s vgl. 
Marseille <C Massalia. 



* Über die lautlichen VerhHltiÜRse A. Thomas, Noaveaoz 
Essais 42. 

« CIL. n6256; HI 2779. — • Rev. celt. XX 93. 

* CIL. m 5892. — » Kecherches 404. 



170 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Cainon, Caitione heißt bei Gregor von Tours ^ die durch 
Karls VII. Hofhaltung bekannte Stadt Chinon (Indre- 
et-Loire), Gamo Castrum auch auf merow. Münzen. Auch 
Chateau-Chinon (Nievre) ist einmal als Münzlegende 
Cainone Castrum nachgewiesen. Ein PN. Gaino ist zwar 
nicht direkt zu belegen, kann aber aus dem ON. Cainiacus 
erschlossen werden und liegt überdies einem Männernamen 
Cainenis zugrunde ; er gehört vermutlich zu air. cäin 'schön, 
freundlich', ky. cain, bret. quen; vgl. gr. Kaivuddai 'ge- 
schmückt sein, sich auszeichnen'. 

Gisonius ist durch eine Inschrift aus der Rheinpfalz^ 
als Göttername und ein Cissonius durch zahlreiche andere 
Inschriften als Männername nachgewiesen; auch die Grund- 
formen Gissus, Gisus und Gisso sind belegt. Gisonium 
monasterium, Atlas 174, heißt das heutige Cysoing (Nord). 

Galus masc. und Gala fem. sind durch eine ganze 
Reihe von Inschriften aus gall. Gebiete als Personennamen 
bezeugt.^ Gala villa heißt bei Gregor von Tours und in 
zahlreichen späteren Schriftstellern sowie auf merowing. 
Münzen die Residenz des Königs Chilperich, jetzt C helles 
(Seine- et-Marne). Galos ist offenbar ursprünglich ein gall. 
Adjektiv, dessen Bedeutung wir aber nicht mehr mit 
Sicherheit feststellen können; Esser* erinnert an indisches 
käla 'schwarz'; auch an gr. KaXo? 'schön' kann gedacht 
werden, doch fehlen Anklänge aus den kelt. Sprachen. 
Mit dem Substantiv dünon 'Feste' ist das Wort in Gala- 
dunno^ dem heutigen Chälons (Mayenne), verbunden (s. 
oben S. 101). 

Gorhus ist als Personenname einige Male belegt ^ und 
auf ihm beruht zweifellos der mit dem Suffix -eio gebildete 
Ortsname Gorbeia, vom Jahre 660 an oft genannt, jetzt 
Corbie (Somme), dessen Name später auf die von dort 
ausgegangene Klostergründung Corvey in Westfalen über- 
tragen wurde. 

' Hist. Franc. V 11. — " CIL. IH 1831. 

2 CIL. Vn 1336, 216. XII 1662. 2497 u. ö. — < Beiträge 75. 

^ Fredegar, Chronic. IV 24. CIL. III 6497 u. ö. 



Gallische Namen. 171 

CorobiUa kommt auf einer Inschrift ' als Frauenname 
yor und ist ein Diminutivura des ebenfalls belegten 
Namens Gorobus. Aus CorobiUa hat sich eine Gentilform 
Corohilius entwickelt, die zwar nicht als Personenname, 
wohl aber als ON. Corobilium Tab. Peut. überliefert ist, 
jetzt Corbeil (Marne). — Freilich ist es nicht aus- 
geschlossen, daß die Notiz der Tab. Peut., wie so oft, 
ungenau und richtiger *Corbo%alum zu lesen ist; in diesem 
Falle wäre unser Corbeil gleichen Ursprungs mit dem 
im Dep. Seine-et-Mnrne gelegenen, das ich S. 126 be- 
sprochen habe. 

Gompendium, Conpendium bei Gregor von Tours' und 
oft bei den Autoren der folgenden Jahrhunderte sind die 
ältesten Formen des heutigen Compiögne (Oise). Auch 
Compogne (Belgien, Luxemburg) geht nach Holder und 
Compains (Puyde-Dome) nach Juroszeck^ auf dasselbe 
Grundwort zurück, das allerdings keine rein gall. Form 
mehr darstellt. Als solche erkennt Esser* einen Gentil- 
namen *Cunopennius, der sich selbst wieder aus dem 
einmal durch eine oberitalische Inschrift'* überlieferten 
PN. Cunopennus entwickelt habe. Cunopennus ist eine Zu- 
sammensetzung aus 1. Adj. cunos 'hoch, erhaben', ky. 
cwn 'Gipfel, Spitze', q/imu 'sich erheben', zu ahd. hiin 
'Riese'; und 2. penn 'Haupt, Kopf', air. cenn, ky. bret. 
penn, körn, pen, so daß also der ganze Name 'Hochkopf' 
bedeutete. Daß tatsächlich ein solcher Personenname und 
nicht das lat. Gemeinwort compendium im Sinne von 'Weg- 
abkürzung' vorliegt, erhellt aus einer Verbindung Com- 
pendiacum^, in der, wie nahezu immer, das erste Element 
wohl ein Personenname sein muß. 

Oiirmillus, Curmilla'^ ergaben einen ON. CtirmUiaca It. 
Ant., der in dieser Form entweder ungenau überliefert 



' Espörandieu 88. 
« Hist. Franc. IV 14. 

• Zb. fQr Rom. Phil. XXVII 688. 

« Picke Monatsschrift VI 489. — »CIL. V 4216. 

• Bei Holder. — » CIL. UI 12014,299. XII 4724 u.ö. 



172 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

ist oder sich später zu *GurmiUas verkürzt hat, wie aus 
der modernen Form Cormeilles (Oise) geschlossen werden 
kann. Ein Cormeilles-en-Vexin (Seine-et-Oise) ist 
Atlas 176 als Conneliae überliefert, so daß hier halb 
romanisiert die Form vorliegt, die für das obige Cormeilles 
angesetzt werden mußte. 

Excingillus^ ist eine Koseform von Excingus^, das 
selbst das Element cing- enthält, wie Cingetorix, Vercinge- 
torix, vielleicht zu ir. cingim 'ich gehe' gehörig. Auf Ex- 
cingillns, genauer die vulgäre Form '*Excingellus, wird der 
ON. Yssingeaux (Haute-Loire) zurückge führt ^ dessen 
älteste historische Form Issingaudum 985 und um 1000 
allerdings den obigen Ursprung nicht vermuten läßt. 

Exöbnus^ und Variante Exomnus'' sowie die dazu 
gehörigen Feminina übersetzt Holder mit '^ohne Furcht', 
von Präfix ex und Subst. ^ohnos 'Furcht', ky. ofyn, ofn, 
körn, own, mbret. aoun, oun. Exona vicus heißt in der 
Vita Sancti Germani und auf zahlreichen merow. Münzen 
das heutige Essonnes (Seine-et-Oise). 

Gaunissa, Atlas 181, ist die älteste bekannte Form 
des heutigen Gonesse (Seine-et-Oise), anscheinend ab- 
geleitet von einem PN. Gaunus^, dessen Urform sich viel- 
leicht im ON. Gavanodurum'' erhalten hat. 

Die Deutung von Hirson (Aisne) bereitet einige 
Schwierigkeiten, da die ältesten Formen erst aus dem 
zwölften Jahrhundert stammen: Iricio 1136, Irezun 1183, 
Terra Yricionis usw. Es gibt einen gall. PN, Irrms^, der 
mehrmals inschriftlich in Oberitalien belegt ist, dazu eine 
Erweiterung mit dem Suffix -ico: Irrico^, und so ist es 
wohl erlaubt, auch *Irricio, Variante *Iricio, anzusetzen, 
aus dem dann der moderne ON. entstanden wäre, dessen 



1 CIL. XII 3370. 5008. 

2 CIL. V 7221. 7224. XII 95 u. ö. 

3 Muret in Romania XXXVII 385 Anm. 3. 

" cm. 1572. — ä CIL. V 6101. XII 2604. CIR. 1079 u. ö. 
6 CIL. III 10950, — ^ rauavöboupov bei Ptol.1113, 3. 
8 CIL. V 2415. 2419. 7455. — » CIL. U 2843. 



Gallische Namen. 17S 

unorganisches h zuerst in Hirechon 1243 auftritt, während 
die korrektere Schreibung Ireaon noch in einer Urkunde 
von 1352 erscheint. 

Lonicus setzen Quicherat 33 und Holder als Grund- 
form für heutiges Lorgues (Var) an zum PN. Lonus} 
Zur Behandlung von Vokal -}" wicm» vgl. Skok 35 ff. 

*Lousönnu ist die nicht nachgewiesene, zweifellos aber 
ursprünglichste Form für Lausanne (Schweiz, Waadt), 
das in den ältesten Urkunden zur Bezeichnung des Genfer 
Sees verwendet wird, nämlich Tab. Pcut. Lamm Losonne 
und Lacus Ijosanenses, It. Ant. Lacu Lausonio. Das Subst. 
Lausonna, das der obigen gall. Form am nächsten steht, 
findet sich zuerst auf merow. Münzen, Lausanna Atlas 185. 
Zugrunde liegt vermutlich ein PN. *Lousus, aus Lousius 
zu erschließen, das auf einer merow. Münze zu Paris und 
in zwei Inschriften aus England erhalten ist. Lausus ist 
die der gallischen entsprechende lateinische Schreibung. 

Lucionmim, Atlas 187, heißt der durch Richelieus 
Namen berühmt gewordene Bischofssitz Lugon (Vendöe). 
Zwei andere Lugon, die vermutlich denselben Ursprung 
haben, befinden sich in den Departements Dordogne und 
Eure-et-Loir; auch Lusson (Cher) mag hierher gehören. 
Mit lat. mons 'Berg' verbunden erscheint der Name in 
Montlugon (Allier). Das Grundwort ist der auf gall. 
Münzen mehrfach belegte PN. Lucios, der also der gall. 
Sprache ebensogut angehört wie Lucius der lateinischen; 
auch ein britischer König Lucius wird von Beda und 
Nennius erwähnt. 

Lunäte 899 ist heutiges Lunas (H^rault), das aber 
nach Thomas' 804 schon in der Form Launates auftreten 
soll. Der Widerspruch, der hinsichtlich des Vokals der 
ersten Silbe zu bestehen scheint, läßt sich beseitigen, 
wenn man als ursprüngliche Form gall. *Loiuiate ansetzt, 
dessen ou in seiner diphthongischen Aussprache zwischen 
ati, und u geschwankt haben mag, wie Tutius neben 

» CIL. ni c. XX. 

« Dict. top. H^rault 99. 



174 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Toutius und andere Fälle beweisen. In dieser Gegend wäre 
alsdann nach einigem Schwanken der Wandel in u voll- 
zogen worden, während das gewöhnliche Ergebnis über an 
zu führte. Über den Wortstamra Auskunft zu geben, 
wird schwer sein; Lunus und Launus sind als Personen- 
namen überliefert; -ate ist ein verbreitetes gall. Ortssuffix. 

Magalona bezeichnet schon in der Not. Gall. als Givi- 
tas Magalonensium das heutige Maguelonne (Herault); 
der Geograph von Ravenna hat zuerst die Substantivform 
Magalona. Ein PN. Magalos, der anscheinend zugrunde 
Hegt, wird schon von Livius XXI 29, 6 und als MdYiXoi; 
von Polybius III 44, 5 erwähnt, einen Bojerfürsten im 
cisalpinischen Gallien bezeichnend; es bedeutet 'der Große', 
zu ir. mal 'Fürst', gr. juetaXo-, got. mikils, lat. mag-nus ge- 
hörig. Das Suffix -ono, -ona ist in gall. Namen jeder Art 
zu finden. 

Maso ^ das auch dem häufigen PN. Masonius zugrunde 
liegt, ist erhalten in Vallis Masonis, Atlas 206, jetzt Masse - 
vaux (Elsaß), deutsch Masmünster. 

*Mattinus und '^Mattina^ sind anscheinend gallische 
Personennamen und dürften ein nicht nachgewiesenes 
*Mattinius hervorgebracht haben, das in Matignicourt 
(Marne), zuerst gegen 1220, enthalten ist. Einer hieraus 
gebildeten Koseform *Mattinio verdankt der Ort Matignon 
(Cötes-du-Nord) wahrscheinlich seinen Namen. 

Villa Medullio 1070, Medullione 1135, Medulio 1251, 
Mevoillon 1288 sind die ältesten Namen des kleinen Ortes 
Mevouillon (Dröme). Zugrunde liegt ein PN. *Medtillio 
aus *Medullius oder Medulius^, ursprünglich einen An- 
gehörigen des vielleicht ligurischen Volkes der Medulli 
bezeichnend (vgl. S. 93). 



^ CIL. XII 4392. Schuerm. 3400. 3401 u. a. bei Holder. 

2 Nur mit t belegt CIL. 11112014, 368; X6151; XIII 2560; 
doch lassen die Namen Mattius Motto vermuten, daß auch die 
Formen mit tt bestanden haben, die allein den heutigen gerecht 
werden. — * CIL. III 8644. MeduUa V 2822. 



Oalliicbe Namen. 175 

Mermmo und Mironno kommen je einmal auf merow. 
Münzen für heutiges Möron (Maine-et-I^ire) vor. Ein 
ON. Merium erscheint nach Holder als älteste Form für 
heutiges Villevieille (Gard), und sein alter Name hätte 
sich heute noch erhalten in Sommiöres (Gard), das 1039 
als Sumerium^ romanisiert 1035 Someire, erscheint und das 
angeblich für Suh Merium steht. Ich vermag diese Ab- 
leitung nicht nachzuprüfen, stehe ihr aber ziemlich miß- 
trauisch gegenüber. Ein ON. Merohrica im keltischen Lusi- 
tanien wird von Plinius erwähnt — bei Ptolemaeus Mipo- 
ßpita und Mep^ßpiYa — und enthält anscheinend den 
Stamm des obigen Meronno. Doch auch die Formen mit t 
sind viel vertreten, zunächst in einem von Gregor, Frede- 
gar u. a. erwähnten Namen eines galatischen Königs Miro, 
dann in Mirobriga (nicht identisch mit dem obigen), das 
zwei verschiedene Städte Spaniens bezeichnet. 

Perona ist die in Heiligenleben aus merow. Zeit am 
häufigsten überlieferte Form des heutigen Peronne 
(Somme); daneben kommt noch ziemlich oft die Form mit 
rr: Perrona vor und je einmal Perrmia 585, die älteste 
Überlieferung überhaupt, und Perwina. Ich möchte Per- 
rmia für das Korrekteste halten, da uns ein zweifellos 
gall. PN. Perrus in zahlreichen Inschriften vorliegt^, von 
dem der Ortsname dann eine Weiterbildung ist. 

Petmris Atlas 194, PiMvürius 979, Pedveris um 1160 
sind die ältesten Formen von Pithiviers (Loiret) und 
werden von d'Arbois* mit Recht auf ein älteres Petuarios 
zurückgeführt, das als Ordnungszahl zu gall. *peirti oder 
*petor *vier' gehört und wie lat. (^uarius als Personenname 
gebräuchlich war. TTeiouapia heißt nach Ptolemaeus auch 
die Hauptstadt der britischen Parisii, und das hierzu 
gehörige Adjektiv Petueriensis^ paßt sehr gut zu den 
obigen Formen. 



• CIL. III 12014, 426; VII 1836, 829 u. ö. 
» Revue celt. XVIIl 246. 

* Not. dign. occ. 40, 81. 



176 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Beontio villa nennt Gregor von Tours ^ das heutige 
Rio ms (Gironde), das sein m wohl einer Anlehnung an 
andere Namen wie Riom (Puy-de-Döme) <; Rigomagus ver- 
dankt. Es liegt wenigstens kein Grund vor, an der 
Richtigkeit der von Gregor überlieferten Form zu zweifeln; 
man hat darin nur eine jüngere Gestaltung des aus Ober- 
italien mehrfach belegten PN. Regoniius, -a zu sehen ^, der 
selbst wieder eine Ableitung vom viel gebrauchten PN. 
Regus ist. 

Ressonum findet sich in Urkunden des zehnten Jahr- 
hunderts für zwei Ortschaften am linken Rheinufer, jetzt 
Resson (Meuse, Ardennes), sowie für Ressons-le-Long 
(Aisne); (der nicht seltene Beiname le Long deutet auf 
die langgestreckte Anlage eines Ortes). Ressona ist ein 
durch zwei Inschriften belegter Personenname, der wie der 
Ortsname mit dem Suffix -on- aus der Grundform '^Ressus 
entwickelt ist. Während sich letzteres nicht nachweisen 
läßt, begegnen wir den Ableitungen Ressius, Ressicus, Res- 
silla u. a. Das e des Stammes ress- ist vielleicht nur eine 
Schwächung von ursprünglichem o; das ältere ross- tritt, 
verbunden mit dem nicht gerade häufigen Suffix -ont-, 
in Rossonto (Dativ) und dem Adjektiv Rossontinsis auf, 
den aus merow. Zeit bezeugten Formen des Dorfes Res- 
sons-sur-Matz (Oise) und le Ressontois, einer beson- 
ders im Mittelalter bemerkenswerten Landschaft. Rosontus 
heißt endlich eine kleine Ortschaft im Dep. Aube, jetzt 
Resson. Neben diesen Namen mit ss gibt es auch ein Resius, 
Resülus und Reso mit einfachem s^. und zum letzteren 
gehört das im elften Jahrhundert zuerst genannte Rezonis 
villa, jetzt Rezonville (Deutsch-Lothringen). 

Roudius ist ein nicht gerade häufiger Personenname, 
abgeleitet vom gall. Adjektiv roudos 'rot', das selbst in air. 
rüad, nir. rüadh, abret., körn, rud wiederkehrt. Roudium 
heißt auf einem Meilenstein der Ort Roiglise (Somme), 

* In glor. confess. 47. 

2 CIL. V 1830. 1844 u. a. 

'^ CIL. XIII 2260 L. Secnndius Reso. 



Gallische Namen. 177 

Tab. Peut. fUlHchlich Podium für Rodium. RoigHse ist ent- 
standen aus Roye Eglise, offenbar inn Gegensatz zu einem 
anderen Uoye, das auch tatsächlich in demselben De- 
partement vorhanden ist, für das sich aber als historische 
Form nur Rauga, Atlas 196, nachweisen läßt. Raudium 
— au ist die gewöhnliche lat. Umschreibung von gall. ou — 
heißt bei Florus der Ort, wo 101 v. Chr. die Konsuln 
Marius und Catulus mit den germanischen Cimbern zu- 
sammenstießen, campus Raudius bei Aurelius Victor, campi 
Raudii bei Velleius. 

Sanoiino, Sanuonn . . . liest man auf zwei Münzbruch- 
stücken der raerow. Zeit für heutiges Cenon (Vienne), 
SanotHus portus in den Miracula Austrigisili episcopi \ die 
spätestens aus dem Jahre 650 stammen. Ob der Stamm 
mit n oder nn der richtige ist, läßt sich nicht feststellen, 
<la gall. PN. Sannus und Sannitis vorhanden sind, aller- 
dings nur einmal belegt, doch andererseits auch ein 
Frauenname Sa7ia und ein Sanus als Ortsname und Per- 
sonenname. Die Form Sanomwi ließe eine ursprüngliche 
Zusammensetzung mit gall. magm 'Feld, Dorf' vermuten. 

Sappius, seltener Sapius^, sind gall. Personennamen. 
Ein * Sappias (villas) könnte wohl dem heutigen Seyches 
(Lot-et-Garonne) zugrunde liegen; doch fehlen ältere 
Namenforraen. 

Sapaudus ist ein ziemlich verbreiteter gall. Personen- 
name, den u. a. mehrere hohe Geistliche in Südgallien 
trugen, zuerst bei Sidonius Apollinaris^ genannt, bei 
Gregor von Tours auch Sabaudus. Ein Suffix -audus 
kommt zwar im Gallischen vor, z. B. bagattdae, bascauda, 
doch läßt sich der vorliegende Name auf eine ältere Grund- 
form zurückführen, und diese wird durch den einmal über- 
lieferten PN. Sapavidus* an die Hand gegeben, dessen 
Stamm vielleicht wie der des obigen Sappius, Sapius im 



» MGH. Merov.IV 206, 34. 
* CIL. XII1357. 8822. 3873; V 7192. 
» Epist. V 10. — * CIL. XII 1838. 
G r ö b 1 r , FransOsische OrUnamuii. U 



178 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

gall. ^sappos "^Tanne', mbret. sap, woraus prov., afrz. sap,. 
nfrz. sapin, zu suchen ist; an sap- trat zuerst das Suffix 
■avo, und die so entstandene Form wurde alsdann durch 
das Suffix -ido erweitert (vgl. PN. Brigida, Savidus, Viridus). 
Aus obigem Sapaudus bildete sich ein Gentilicium *Sa- 
paudius, das als PN. nicht nachgewiesen ist; dagegen 
findet sich der hieraus entstandene Landschaftsname Sa- 
paudia zuerst bei Ammian^ nach der zweifellos richtigen 
Konjektur von Mommsen, dann in der Not. Dign. occ. und 
von da an öfters; Mittelformen sind Sabaudia, schon 806 
Saboia, nfz. Savoie. 

Saturatis um 804, Saturate, Atlas 201, später Sedraiis 
1008 — 1212, Seiras, sind ältere Formen für Ceyras 
(Herault). Ein PN. Saturus ist aus Frankreich und Eng- 
land je einmal nachgewiesen^, das Suffix -ate sehr häufig 
in Ortsnamen. 

Der PN. Sennianus^ ist eine Ableitung vom noch 
häufigeren Sennius und scheint dem Landschaftsnamen 
Seignanx zugrunde zu liegen, der noch in Saint-Martin- 
de-Seignanx (Landes) lebt; auch könnte Sennianus eine 
adjektivische Bildung aus Sennius sein, so daß an einen 
Sennianus pagus zu denken wäre. 

*Serofus ist nicht nachgewiesen, hat aber wahrschein- 
lich existiert und dürfte einem ON. Serota, der sich It. 
Ant. für eine Örtlichkeit Pannoniens findet, zugrunde 
liegen. Eine Ableitung Serotinus ist als Personenname 
gesichert. Von jenem *Serofus ist mit dem Suffix -enna 
ein ON. Serotennum gebildet, der auf merow. Münzen für 
Sardent (Creuse) zu lesen ist, in der Vita Pardulphi 
Sardenus genannt. 

Aus einem mehrfach belegten PN. Suricus vom un- 
gemein häufigen Surus ist die mit dem Suffix -tno (vgl. 
VN. Tricastini, ON. Belsinum, Vindocinum u. a.) gebildete 



1 XV 11, 17. — 2 CIL. XIII 5638 ; VU 78. 
^ CIL. 367; CIL. 1116150. 



Gallische Namen. 179 

VerlilngeruriR Süricina wenigstens einmal nachgewiesen.^ 
Auf diesen Namen geht das heutige Sorfeze (Tarn) zurück, 
für das sich schon frühzeitig Soricinum, Atlas 65, findet. 

Ein PN. *Teno, Gen. Tenonia, scheint dem ON. Thenon 
(Dordogne) zugrunde zu liegen, der 1197 als Teno bezeugt 
ist. *Teiio wäre als Personenname wohl eine Koseform zu 
ursprünglichem *Tenos, das vielleicht hinter der Abkürzung 
Teti* zu suchen ist; auch Teni kommt auf dem Bruch- 
stück einer Inschrift vor* und ein FIN. Tejia] endlich 
scheinen der ON. Tenobrica aus Spanien sowie Tenoilus, 
jetzt Thenailles (Aisne), dasselbe Element zu enthalten, 
dem wiederum air. tana, ky. feneu 'dünn*, lat. tenuis und 
teuer an die Seite zu stellen sind. 

*Tigernus ist anscheinend ein gall. PN., aber selb- 
ständig bis jetzt noch nicht nachgewiesen; Tigeniactis so- 
wie Tigernomaglos sind aus England mehrfach bezeugt; 
auch der Name des bekannten britischen Fürsten Vortigern 
enthält unser Wort als Hauptelement. Tigemus bedeutet 
'Herr' oder 'König', zu ky. tigern, ir. tigeme, abret. tiemy 
tiam, abgeleitet von einem Stammworte, das 'Haus' be- 
deutet (vgl. S. 161; zum Bedeutungsübergang vgl. lat. 
dominus 'Herr' von domus 'Haus'). Gregor von Tours er- 
wähnt zweimal Thigernum für heutiges Thiers (Puy-de- 
Döme), später Tiemum, Thiermim, Atlas 65, 204, 248. Im 
Bretonischen hat tigern seinen Charakter als Eigennamen 
aufgegeben und bezeichnet t^te, boiit. In diesem Sinne ist 
es im bret. ON. Audierne (Finistäre) enthalten, dessen 
erster Teil alt = rivage ist, so daß also das Wort tete de 
rivage, etwa 'Küstenvorsprung' bedeutet.* 

Tiiiciiis, Tincia^ sind als Personennamen sehr häufig, 
besonders in Südfrankreich durch Inschriften nachgewiesen. 
Älteres *Tincia (villa) liegt zweifellos dem heutigen Tence 

» CIL. III 1929. 

« CIL. XIII 6844. — » CIL. III 12014. 

* Zimmer in Abhandlungen Herrn Prof. Dr. A. Tobler ru- 
geeignet, S. 208. 

» CIL. XII 162. 1872. 4176 u. ö. 



180 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

(Haute-Loire) zugrunde, das Ende des zehnten Jahrhunderts 
wiederholt in adjektivischer Form als Tendanensis über- 
liefert ist. 

Trttins und sein Fem. Trttia sind die gall. Formen 
des lat. tertius, -a (aus *tritios), körn, trysse, iressa, bret. 
trede, gr. iphoc,, got. thridja. Sie sind als Personennamen 
besonders in Spanien belegt^, wo auch drei ON. Tritium 
vorkommen. Tritia oder Trittid^ heißt die Lokalgöttin 
von Trets (Bouches-du-Rhöne). 

Eine Koseform des oft belegten PN. Ucdus^ dürfte 
Ucdo sein, das nur als Ortsname überliefert ist, nämlich 
Ucdone (vicaria) für Usson-du-Poitou (Vienne), ferner 
Usson (Puy-de-D6me) TJdone und endlich Usson (Vaucluse). 

Viriatus heißt bekanntlich der tapfere Lusitanier, der 
im Jahre 149 v. Chr. seine Landsleute vorübergehend vom 
römischen Joche befreite und den zuerst Cicero und nach 
ihm viele Schriftsteller erwähnen. Auch von anderen 
Personen wird derselbe Name gebraucht, besonders in 
Spanien, aber auch in Oberitalien und sonst. Auf ein 
ursprüngliches '-^Viriaticum möchte ich TJriaticum zurück- 
führen, das nach Holder als älteste Form des heutigen 
Uriage (Isere) sowie im nahe gelegenen Saint-Martin- 
d'Uriage vorkommt. Nicht selten nämlich geht in 
gallischen (ursprünglich ligurischen?) Worten anlautendes 
V -\- Vokal in u über, wie aus den nebeneinander stehenden 
Formen TJnelli — Venelli, Urbigenus — Verbigenus, TJbisd — 
Vivisd, Uriconium — Viroconium u. a. zu ersehen ist. Eine 
Deutung des Namens Viriatus als '^der mit Armringen 
Versehene' ist durch das Appellativum viria "^Armschmuck' ^ 
gegeben. 

Vilcena lautet^ im Jahre 847 die älteste Form für 
Vincennes (Seine), den bekannten Vorort von Paris. Das 



1 CIL. II 666. 5304. Aus Lyon in XIII 1638. 

2 CIL. XII 255. 

=* CIL XII 2025 (Vienne). 2635 (Genf) u, ö. 

"" Nach Pliniua XXXIII 39 f. 

^ Nach Bournon in der Grande Encyclop6die unter Vincennes. 



Gallische Namen. 181 

Suffix -eno ist sieht selten, vgl. VN. Rutein, Uceni, PN. 
Cantena u. a. Der Stamm wilre dann ira gall. PN. 7t7tCTW* 
zu suchen, einer Koseform von Vilis. 

Villonissa ist zwar erst aus dem Jahro 1153 üher- 
liefert, kehrt aber in diesem und dem folgenden Jahr- 
hiHulert so oft wieder, daß es gewiß als ziemlich alter- 
tümlich angesehen werden kann; eine jüngere Form 
Villenossa ist sogar schon 1107 belegt und kommt der 
modernen Villenauxe (Aubo) (gespr. Villenausse) sehr 
nahe. Das Sufflx -issa kehrt in gall. Ortsnamen wie Can- 
Hssa, Carissa, Vindwiissa und noch häufiger in Personen- 
namen wieder, von denen es wohl erst auf jene übertragen 
ist. Als Stamm muß in ersteh Linie der gall. PN. Villoneos 
angesehen werden, der in einer umfangreicheren, bei Vaison 
gefundenen gall. Inschrift^ begegnet und selbst als Ver- 
längerung von häufigem Villo gelten darf; doch kennt 
Schulze ^ auch ein lat. etruskisches Villoniits, Vilonius, und 
bei der späten Überlieferung des Ortsnamens ist selbst 
gall. Vellaunm*' als Ursprungswort nicht auszuschließen. 

Vindanissa ist in der Form Vindoinissa einmal als 
Familienname nachgewiesen ^ eine Koseform des häufigen 
PN. Vindo, der zum gall. Adj. vindos 'weiß' gehört, oder 
von dessen Ableitung Vindonii4S. Als Ortsname ist Vindo- 
nissä oft überliefert. Am häufigsten von alten Autoren 
erwähnt wird das jetzige Windisch in der Schweiz, Kant. 
Aargau, im deutschen Sprachgebiet, das schon Tacitus" 
kennt. In franz. Gewände hat das gall. Wort zweimal 
Vendresse ergeben, da.s eine im Dep. Aisne, zuerst 553 
als Vindonissa genannt, das andere Ardennes, auf einer 
merow. Münze als Vendonesse bezeichnet. Deutlicher hat 
sich die alte Gestalt des Wortes erhalten in zwei Vende- 

* Venant. Fortan, carm. 111 13 tit. 
» CIL XII, S. 162, OöiXXdvco?. 

» Lat. KiKennamen 267 u. ö80. 

* CIL. XIII 8094; XU 2373; vgl. ON. Vellaiinodunum bei 
Cilsar B.ü. Villi. 

* CIL. XIII 4665. — • Hist. IV 61. 



182 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

nesse (Saöne-et-Loire) und in zwei Vandenesse (Cöte 
d'Or und Nievre). 

Ein pagus Vertudensis wird zuerst in einer Urkunde vom 
Jahre 696 genannt und verdankt seinen Namen der Haupt- 
stadt Vertus (Marne), die selbst in der Form Virtudis, Atlas 
208, später als der pagus erwähnt wird. Es gibt einen 
Beinamen des Apollo Virotutis, verkürzt auch als PN. Virtus 
oder Virthus, Gen. Virtutis, oft belegt^, was Rhys als "^man- 
healing or man-protecting' übersetzt, in Erinnerung an 
die Stelle bei Cäsar ^, nach der dieser bei den Galliern 
viel verehrte Gott von den Menschen die Krankheiten 
abwende. Danach wäre der erste Bestandteil des Namens 
gall. vlros '^Mann', air. fer, brit. gur, ky. gwr, zu lat. vir usw., 
während tut- an ir. cumtüth '^beschützen' anzulehnen wäre, 
das wohl zu lat. tutus und tueri gehören mag.^ 

*VitteUus ist bis jetzt nicht belegt, kann aber wohl 
eine Bildung mit dem Suffix -ellus oder -illus aus gall. 
"■'Vittus sein, das den Namen Vittia, Vittio^ Vittuna u. a. zu- 
grunde liegt. Vutellus 992 wäre nach Holder die älteste 
Form von Vitteaux (Cote-d'Or), vielleicht verschrieben 
oder verlesen für "'Vittellus. Auch Vittel (Vosges) gehört 
anscheinend hierher. 

Vivisco Tab. Peut., Vibisco It. Ant., beides Ablat., sind 
die ältesten Formen des modernen Namens Vevey (Schweiz, 
Waadt), deutsch Vivis. Die gall. Worte kehren wieder 
im Beinamen der in der Gegend von Bordeaux angesie- 
delten Bituriges Vivisci. Es handelt sich um eine Ab- 
leitung mit dem Suffix -isco aus dem gall. (allerdings 
auch lat.) PN. Vibius oder Vivius'^, den Ernault an air./e& 
Vortrefflich' anlehnt. 

Volovicus und viel häufiger kontrahiert mit Verdunk- 
lung des ersten Vokals Vulvicus ist an mehreren Stellen 
der Acta sanctorum der älteste Name für den Ort Volvic 



1 CIL. XII 2525; XIII 3185; XIII 10010, 1867. 

2 B. G. VI 17,2: ApoUinem morbos depellere. 

3 Vgl. Walde, Etym. Wörterb. 640. 

* CIL. XIII 10010, 2068. 2070 u. a. haben Vivus. 



Gallische Namen. 188 

(Puyde-Döme). Volovictts ist gleichzeitig; als Pereonenname 
belegt ^ 80 daß auch hier also ein ursprünglicher Personen- 
riame auf eine örtlichkeit übertragen ist. 

Ortsnamen mit dem gallischen Sofßz -aco. 

Unter den Ortsnamen der gallischrömiBchen Periode 
nehmen den breitesten Raum solche ein, die mit dem 
gall. Suffix -aco gebildet sind, und ihnen soll der folgende 
Abschnitt gewidmet sein. 

Das Suffix -rtco' (Noni. -acos, Acc. -acon), das uns ge- 
wöhnlich in lateinischer Form als Nom. -acus, Aoc. -acutnj 
aber auch als -aco, Fem. -aca und im Plur. -acis, -acos, 
•acas usw. überliefert ist, gehört zu der Gruppe der Nomi- 
nalsuftixe mit gutturalem Verschlußlaut, die sich durch 
alle indogermnnischen Sprachen verfolgen lassen. Der 
gutturale Verschlußlaut tritt bald an vokalische Elemente 
an, so daß Bildungen wie -aco, -ico, -uco usw. entstehen, 
bald auch an Konsonanten, wie in -sco, -neo usw. Alle 
diese Suffixe drücken das Verhältnis der artlichen Zuge- 
hörigkeit zu dem im Nomen enthaltenen Begriffe aus und 
dienen daher vornehmlich zur Schöpfung von Adjektiven, 
gr. TToXeiaiKÖ^, lat. modicus, poeticus, iuvencus, ursprünglich 
Adj. von iuvenvi, gall. Aremorica = maritima (seil, terra), Ava- 
ricum (das am Flusse Avarus gelegene oppidum), Candatisco 
zu Condate.^ 

Das gall. -aco wird in doppelter Weise gebraucht, 
einmal zur Bildung von Personennamen, anscheinend aus 
anderen Personennamen, denn Diviciacus* klingt an den 
ebenfalls von Cäsar genannten PN. Divico an, der selbst 
aus IHvicos (von divos 'göttlich') entstanden ist; andere 



» CIL. III 5552 (Salzburg). 

* Das o von -aco ist lang, wie d'Arbois in seinen Recher- 
che8 134 H. durch Beiego aus lat. Dichtern und durch den Ver- 
gleich mit anderen keltischen Sprachen nachgewiesen hat. 

' Bruguiann, Grundriß der vergl. Grammatik der indogerm. 
Sprachen II, V §§366H. und 385. 

* Caesar, B. G. 1 3, 5 u. ö. 



184 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Personennamen sind Valetiacus, Dumnacus^ aus Dunmus für 
älteres Dubnos. Weit häufiger ist die Verwendung des 
Sufiixes zur Bildung von Adjektiven, die im Gall. gewiß 
in weitem Umfange stattgefunden hat, obwohl sie bei 
unserer geringen Kenntnis der Sprache nicht unmittelbar 
nachzuweisen ist; doch lassen Erscheinungen in den 
übrigen keltischen Sprachen einen Rückschluß auf die 
gallische zu. Wir finden im Irischen das Adj. marcach, 
ky. marchawc "^equester' zu ir. marc 'Pferd'; air. haih-acJi 
'sterbend' zu hath 'Tod'. 

Auch die gall. Ortsnamen auf -aco sind ursprünglich 
Adjektiva, wie aus mancherlei Verbindungen ersichtlich 
ist, in denen der auf -acus auslautende Name an Sub- 
stantiva wie fundm, praedium, villa u. dgl. geknüpft ist, 
wie im folgenden zahllose Beispiele zeigen werden. Das 
Bewußtsein, daß man es mit einem Adjektiv zu tun hatte, 
schwand mit der Zeit immer mehr, so daß man bei Gregor 
von Tours und noch öfter bei Fredegar ein zum unver- 
änderlichen Substantive erstarrtes Adjektiv auf -acus in 
maskulinischer Form mit Femininen wie villa, civitas ver- 
einigt sieht: In villa Brinnacum^, Meltiaco villam puhlicam^, 
ad urbem Gamaracum.^ Will der Chronist wirklich das Ad- 
jektiv anwenden, so nimmt er eine Neubildung mittels 
des Suffixes -ense vor, und wir lesen bei Gregor domus 
Icciacensis (aus Icciacus von Iccius), pagus Nobiliacensis (aus 
Nobiliacus von Nobilius) usw. 

Doch hat auch das ursprüngliche Verhältnis des 
flexiblen Adjektivs in den Ortsnamen seinen Nieder- 
schlag gefunden, denn oft genug begegnen wir roma- 
nischen Formen, die ihrer Gestaltung nach einen gallolat. 
Namena uf -aca oder -acas voraussetzen. Die Verbindung 
mit -acus übernimmt so ganz und gar die Funktionen 
der ebenfalls adjektivischen, aber rein lateinischen 
Bildungen mit r-anus, die wie jene zur Bezeichnung 

1 Ib. VII 32, 4; VIII 26 f. 

2 Gregor H. Fr. IV 22. — ^ Fred. Chron. Contin. 42. 
* Fred. Chron. III 9. 



Gallische Nam«n. 185 

von örtlichkeiten verwendet werden. Beide drücken ein 
ßesitzverhältnis aus zwischen der im ersten Teile der 
flcMm- Verbindung genannten Perpon und dem beistehenden 
oder zu ergänzenden Grundstücksbegriffe villa, praeduim, 
fundus, pagiis usw. 

Tatsächlich ist auch das erste Element der mit acus 
gebildeten Ortsnamen ein Personenname, zunächst natürlich 
ein gallischer, später ein römischer und in seltenen Fällen 
ein germanischer; nur ganz ausnahmsweise und zu einer 
Zeit, als die Bedeutung des Suffixes schon verblaßt war, 
scheint es auch an Appellativbegriffe zu treten. Die Sitte, 
Grundstücke ' — denn um etwas anderes handelt es sich 
ursprünglich nicht — nach dem Namen des Besitzers zu 
nennen, mag schon vor der römischen Eroberung in Gallien 
üblich gewesen sein, doch besitzen wir kein Beispiel aus 
so früher Periode, was vielleicht nur darin seinen Grund 
hat, daß die ältesten Schriftsteller, die über Gallien be- 
richten, keinen Anlaß hatten, unbedeutende örtlichkeiten 
anzuführen. Auch die Itinerarien envähnen nur wenige 
Namen dieser Art, weil eben zur Zeit ihrer Entstehung die 
so bezeichneten Orte noch nicht zu größerer Wichtigkeit im 
gallisch-römischen ' Wegenetze gekommen waren. Der 
älteste mir bekannte ist Gesoriaann, das heutige Boulogne- 
sur-Mer, das schon Mela* erwähnt; ein pagus Chersiacus 
begegnet bei Plinius'; auch Bagacum, jetzt Bavay (Nord), 
Süll zuerst auf einem Meilensteine aus dem ersten Jahr- 
hundert unserer Zeitrechnung vorkommen. Cäsar nennt 
keinen einzigen Namen dieser Bildung. 

Die Verbreitung der aro-Namen ist sehr verschieden. 
Zunächst beschränken sie sich keineswegs auf Frankreich, 
wo wir allerdings die große Masse derselben antreffen; 
auch in Oberitalien, der alten Gallia Cisalpina, sind 
sie nicht selten, und einzelne Vertreter begegnen auch 

* Da, wo Cftsar (B. G. 1 5) von den Siedelangsverhältnissen der 
Hei votier spricht, nennt er nebeneinander opjtida, cid und pri- 
rata aedificia. 

» III 28. — > IV 106. 



186 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

in Spanien, wo ich im Vorbeigehen ein Lamhriaca, in 
Gallaecia, also nicht weit von der gallischen Grenze, no- 
tiert habe, das sogar den Vorzug eines bedeutenden Alters 
hat, da es schon von Mela^ erwähnt wird. Dagegen fehlen 
sie ganz in den von Galliern bewohnten Donauländern 
und in Kleinasien, sowie im inselkeltischen Sprachgebiete, 
wo gerade andere Bildungen mit demselben Suffix fest- 
gestellt werden konnten. Aber auch in Frankreich sind 
sie sehr ungleich verteilt; am häufigsten treten sie im 
Süden auf, wie aus der sorgfältigen Studie von Skok zu 
ersehen ist, trotzdem sie hier noch mit den rein latei- 
nischen Bildungen auf -anus konkurrieren, die dem Norden 
fremd sind. ^ 

Die Seltenheit der aco -Worte bei den älteren Schrift- 
stellern und mehr noch ihr Fehlen bei den Galliern der 
Donauländer und Kleinasiens beweist uns, daß die Schöpfung 
dieser Namen verhältnismäßig späten Datums ist, und 
daraus erklärt sich wiederum die Tatsache, daß die über- 
wiegende Mehrzahl derartiger Bildungen als Grundwort 
nicht einen gallischen, sondern einen lateinischen Per- 
sonennamen aufweist. Die Eroberer und Hauptbesitzer 
von Grund und Boden in der neuen Provinz machten den 
bestehenden Verhältnissen gleichsam ein Zugeständnis, 
wenn sie zur Bezeichnung ihres Eigentums ihren Namen 
statt wie in Italien mit dem Suffix -anus mit dem den 
Unterworfenen wohlbekannten -acus versahen und so den 
Anschein erweckten, als sei der neue Eigentümer kein 
Römer, sondern ein Gallier. Der Name selbst ist in der 
Regel ein Gentilicium auf -ius, seltener ein Cognomen oder 
gar ein Pränomen. Dadurch daß nun das Suffix -acus 
in der weitaus größten Mehrzahl der Fälle an Worte auf 

1 III 1, 10. 

^ Über ihr Vorkommen im Süden belehrt am besten das 
Register bei Skok, das nach Departements angeordnet ist; die 
Arbeit von Hölscher, die sich über ganz PVankreich erstreckt, 
ist im Gegensatz zu Skok sehr lückenhaft, so daß sichere Schlüsse 
aus ihr nicht gezogen werden können. 



GalliBohe Namen. 187 

•ins trat, so daß sich alu Endung -iacus ergab, ist man in 
späterer Zeit zu der Vor8tellung gekommen, als gebe ch 
ein »elbständiges Suffix -iacus, und bat dieses mißbräuch- 
lich auch an Individualnamcn gehängt, die nicht auf ius 
ausgingen. Umgekehrt haben aber auch Individualnaraen 
jeder Art die Fähigkeit angenonnncn, durch Hinzufügung 
der Endung ius in Gentilnamen überzugehen <xier doch 
wenigstens im Sinne solcher gebraucht zu werden, so daß 
€8 bei der Betrachtung der Ortsnamen auf -aco gar nicht 
mehr angängig ist, etwa Unterabteilungen der Art zu 
schaflen, daß man neben Bildungen aus einem Gentilicium 
solche aus einem Cognomen oder Pränomen unterscheidet, 
wie es d'Arbois im zweiten Teile seiner Recherches noch 
getan hat. Das Material für die genannten Neubildungen 
ist in den eroberten Provinzen ein ungemein buntes; 
nicht nur lat. Pränomina und Cognomina werden ver- 
wendet, sondern auch die einheimischen, in unserem Falle 
die gallischen und ligurischen Individualnamcn. Diese 
•drangen aus der Provinz allmählich auch nach Italien 
vor, und so ist es nicht immer gerechtfertigt, einen selte- 
neren Namen, der inschriftlich in Italien belegt ist, aus 
diesem Grunde für dinen lateinischen zu halten. ' 

Schwer zu beantworten ist die Frage, wie lange 
<Jie Sitte, Ortsbezeichnungen mit den Suffixen -aco, -iaco 
aus Personennamen zu bilden, gewährt hat Sichere Zeug- 
nisse darüber liegen nicht vor; doch ist es ganz zweifel- 
los, daß die Fähigkeit dazu noch bestanden hat, als der 
Oebrauch der gall. Sprache schon längst erloschen war. 
So trat, um ein charakteristisches Beispiel anzuführen, an 
Stelle des gall. Namens Octodurus, als der Ort nach seiner 
Zerstörung im Jahre 536 wieder aufgebaut wurde, Marti- 
niacum, jetzt Martigny (Schweiz, Wallis); man hatte 
dabei offenbar das Gefühl, einem unverständlich gewor- 
denen alten Namen eine moderne Form gegeben zu haben, 
und man war sich jedenfalls nicht bewußt, daß auch der 
neue noch ein gall. Element, wenigstens in seiner En- 
dung, enthalte. Das Beispiel ist noch aus einem an- 



188 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

deren Grunde wertvoll: Während die Verbindung mit 
-acum ursprünglich nur zur Benennung einzelner Gehöfte, 
aedificia, diente, wird sie schließlich, als sich zahlreiche 
derartige Einzelsiedlungen zu wirklichen Ortschaften aus- 
gewachsen hatten, auch von vornherein zur Bezeichnung 
von ganzen Gemeinden verwendet. Ob diese Art der 
Namenbildung auch nach dem. Eindringen der Franken 
noch üblich gewesen ist, läßt sich nicht erweisen, so sehr 
auch einige aco -Worte, deren erstes Element zweifellos ein 
germanischer Name ist, dafür zu sprechen scheinen. Ihre 
Zahl ist aber äußerst gering, und man darf nicht ver- 
gessen, daß einzelne Germanen schon lange vor den frän- 
kischen Eroberungszügen sich in Gallien niedergelassen 
und dort Grundbesitz erworben hatten. Zu den Römern, 
die dies getan, gehören in erheblichem Maße Veteranen 
der Legionen, die dort lange im Quartier gelegen hatten; 
warum sollten von den zahlreichen Germanen, die im 
römischen Heere dienten, nicht einzelne dem Beispiele 
ihrer römischen Kameraden gefolgt sein? Dies würde 
uns eine hinreichende Erklärung für das Auftreten ger- 
manischer Namen in den aco-Bildungen geben, selbst 
wenn ihre Zahl noch bedeutend größer wäre, als sie in 
Wirklichkeit ist. Gerade dieses letzte Moment, die ge- 
ringe Zahl der mit germanischen Namen gebildeten acum- 
Worte, scheint mir ein Beweis dafür zu sein, daß mit der 
neuen Herrschaft diese Art der Toponyrae aufgegeben 
wurde. An ihre Stelle traten die Komposita mit villa, 
curtis, hurgus usw., als deren ersten Bestandteil wir so oft 
einen germanischen Personennamen erkennen. 



I. Gallische Personennamen mit dem gallischen 
Suffix -aco. 

Alacius ist nur einmal durch eine Inschrift aus Ober- 
italien ^ als Personenname nachgewiesen und scheint dem 



1 CIL. V 1983. 



Gallische Namen mit dem Suffix -aco. 189 

ON. Allassao (Corröze) zugrunde zuließen, dessen älteste 
Form dann *Alaciacos lauten müßte. 

Auf dem PN. Ambasius^ beruht vielleicht der ON. Am- 
boiso (Indre-et- Loire), wenn auch die Schreibungen in vico 
Ambatiensi"^ Ambatia'^, Ambacia^ eher Ambatia vermuten 
lassen. Die Aufschrift Ambacia auf merowingischen Münzen 
neben einmaligem Ambasia hat keine sprachliche Bedeutung, 
Aus Ambatius, Avibasiiis ist ein ON. Ambatiacus gebildet 
worden, der, auch mit c geschrieben, im siebenten Jahr- 
hundert belegt ist und auf den Ambazac (Haute -Vienne) 
zurückgeht. 

Ambarrius und Ambarria^ kommen inschriftlich als 
Personennamen vor und bezeichnen eigentlich einen An- 
gehörigen des gallischen Volkes der Ambarri'^, d. h. der 
um den Arar, amb-Arari, Wohnenden. Die Ableitung 
Ambariacus 601 ist die älteste Form des heutigen Am- 
b6rieux-en-Dombe8 (Ain); ein zweites Amb^rieux- 
en-Bugey in demselben Dep. wird ebenfalls früh als 
vicus oder villa Ambariacus, Atlas 164, erwähnt mit den 
Zwischenformen Ambarreu, Ambayreu, Ambayrieu^; in jener 
Gegend haben vermutlich die von Cäsar envähnten Am- 
barri gesessen. Endlich heißt Ambeyrac (Aveyron) Am- 
bariacus, Geogr. 71. 

Ändius, Andia^ ist entweder abgeleitet von Andes, 
einer Nebenform von Andecavi, der von Cäsar oft genannten 
gallischen Völkerschaft im heutigen Anjou, oder von dem 
Orte Andes in Oberitalien, der Geburtsstadt des Vergil. 
Andiaciis 795* bezeichnet den Ort Angeac (Charente). 

Die Namenfornien ^Andehis, *Andellus sind nirgends 
nachzuweisen, scheinen aber im ON. Andelot (Haute- 
Marne) enthalten zu sein, der bei Gregor v. Tours und 

' CIL. III 7801. - » Sulpic. SeveruB, Dial. H 8, 4. 
' Paulinus v. P6rigord. 

* Fortanat u. Gregor v. Toars. 
^ CIL. XII 2416. 

« Caesar, B. G. I 11, 4; Liv. V 84, 5. 

' Guigue, Topographie histor. du d^p. de l'Ain 5. 

• CIL. Xri2256. 2274; V 1359 u. ö. — • Rech. 193. 



190 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Fredegar als Andelaus für ursprüngliches *Andelavus auf- 
tritt. Auch Les Andelys (Eure), aus der Vereinigung 
zweier Ortschaften entstanden, deren eine im neunten Jahr- 
hundert als Andelagus, etwas später als Andeleius für ur- 
sprüngliches '^Andelacus auftritt, hat den obigen Indivi- 
dualnamen zur Voraussetzung, der vielleicht eine vulgäre 
Entstellung des echtgallischen Andilliis, einer Erweiterung 
von Andius, bedeutet. Auf Andillus (bei Holder) beruhen 
jedenfalls zahlreiche *J[%(7iZZmcMs, die man in And 11 lac (Tarn), 
Andilly (Charente-Inferieure, Haute-Marne, Rhone, Haute- 
Savoie, Seine-et-Oise), Andille (Vienne) wiedererkennt. 

Artos, eigentlich '^der Bär', ir. art (auch Personen- 
name), bret. arth^, wird auch von den Galliern als Personen- 
name gebraucht (Nachweise bei Holder) und kommt als 
solcher in Zusammensetzungen vor wie Artobriga, *Arto- 
dunum. Die von Arfos gebildeten Gentilformen Artiusy 
Artia sind inschriftlich belegt ^; aus ihnen oder aus dem' 
PN. Arcius^ hat sich Arciacus entwickelt, ein in Frank- 
reich und Norditalien ungemein verbreiteter Ortsname. ^ 
Am wichtigsten sind 1. Arcis-sur-Aube (Aube) Arciaca, 
(seil, villd) schon im It. Ant. und später oft in römischer 
und merowingischer Zeit. 2. Arcy-sur-Cure (Yonne), 
Arsiacum 1133. Sicherlich gehören hierher auch, wiewohl 
nicht in altem Gewände nachgewiesen, zahlreiche Arsac 
(Gironde, Charente, Cantal, Haute-Loire u. a.), Arzacq 
(Basses-Pyrenees), Arzay (Isere), das nach Longnon^ Ar- 
silium heißt, so daß also später eine Suffixvertauschung 
eingetreten wäre. Andere bei Skok 149. 

Artenay (Loiret) ist in alter Form nicht belegt und 
kann daher auf verschiedenen Ursprung zurückgeführt 
werden, nämlich auf *Artenacus vom etruskischen Gentil- 
namen Artenna^ oder auf Artonacus, das auf einer mero- 

1 Vgl. Zimmer in Zs. f. vgl. Sprf. 36, 429 ff. 

2 CIL. III 4376; X 2622. — ^ CIL. VIII 9688; X 2626. 

* Vgl. die zahlreichen, allerdings nicht sämtlich gesicherten 
Orte bei Holder s. v. Artiacus. 

^ Atlas 166. — « Schulze 72. 



Gallische Namen mit dem Suffix -aco. 191 

wingischen Münze für heutigeH Arnac-Pompadour 
(Correze), überliefert ist und dessen Stammwort der gall. 
ON. Arthana bei Gregor v. Tours, jetzt Artonne (Puy-de- 
Dome) zeigt (S. 152). 

Atepo ist als gallischer Männername durch fünf In- 
schriften bezeugt, desgleichen ein PN. Atepa^, beides Ab- 
leitungen vom Appellativum ej)os 'Pferd'. Hieraus scheint 
ein spätrömisches (Jentile *Atepitts gebildet zu sein, auf 
dem wiederum der ON. *Atei)%acm beruht, der in der 
entstellten Form Attipiacus^ Atlas 1(>G, für das heutige 
Attichy (Oise) vorkommt. 

Aunus heißt bei Vergil ein Ligurer. * Ein ON. An- 
itaats ist durch eine merowingische Münze bekannt und 
bezieht sich vielleicht wie Onacum 1130 auf Aunay-en- 
Bnzois (Nievre); trotz der späten Überlieferung der letzten 
F'orm zeigt das o, daß nicht eine halb gelehrte Latini- 
sierung eines tatsächlich auf alnetiim von al7iH8 'Erle' be- 
ruhenden Toponyms vorliegen kann. 

Mit Aunus verwandt ist wahrscheinlich der Personen- 
name 

Aunedo, anis, der nach Holder I 293 einmal als sicher 
und einmal als wahrscheinlich belegt gelten kann und 
der im ON. Annedonnacnm It. Ant., Anedonnaco Tab. Peui., 
Aufienacus, Atlas 166, jetzt Aulnay-de-Saintonge 
(Charente-Inf6rieure) vorliegt, in welchem die Schreibung 
mit l auf volksetymologische Anlehnung an das un- 
gemein häufige Aulnay, Aunay ==■ Alnetum zurückzu- 
führen ist. 

Aurius ist nach Schulze 349 als lateinisch erwiesen, 
aber nur durch eine Stelle bei Cicero; daneben gibt es 
ein gall. Äura^ und einen noch zweifelloser als gallisch 



* CIL. XII 1127. 2795. 8944. 5085 n. a. Diese Namen und 
inte^e^<(«ante echt gallische Kompositionen mit dem gleichen 
stamme bei Holder 1256 ff. 

» Aeneis XI 700. 717. Auch CIL. XIU 504S u. a. Aunius 
CIL. XI 2951. 

' CIL. V 5968; XII 4684. 



192 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

kenntlichen PN. Äuriknus 'Sohn des Auros'. Auriac 
(Var) heißt Äurmcum 1032 ; ferner gibt es Auriac (Cantal, 
Dordogne, Gard, Hautes-Alpes) ohne Beleg und Aurec 
(Haute-Loire), Auriacum um 1030. Aurignac (Haute- 
Garonne) geht entweder auf ein nicht nachgewiesenes 
^Auriniiis zurück (Aurina kennt Schulze 349) oder autAuronius 
ib. Über Orgnac, Orignac u. a., die entweder denselben 
Ursprung haben wie das vorstehende oder von Oranius, 
Orenius, Oronius abstammen mögen, handelt Skok 60. 
Auch Origny (Orne) wäre dann hierher zu stellen. 

*Bagos, vielleicht zu *baga, air. häg 'Kampf gehörig, 
das aber sonst auf gall. Boden keine Spuren hinterlassen 
hat, könnte als Grundwort vorausgesetzt werden für 
das BayaKOV des Ptolemaeus^, Bagacum It. Ant., jetzt 
Bavay (Nord), das schon verhältnismäßig frühzeitig den 
Übergang von g in v zeigt, Bavacus, Atlas 168.^ (Doch 
vgl. hierzu auch S. 150 f.) 

*Balcius, eine Bildung aus dem Personennamen *Bal- 
cus, zu ir. hole 'fest, hart', ky.^ bret. laich 'stolz' gehörig, 
ist als Personenname nicht nachgewiesen, wohl aber 
kommt ein ON. Balcium vor^, das heutige Les Baux 
(Bouches-du-Rhöne); a.uch. Balciacum'^, heute Balzac (Avey- 
ron), enthält jenes Element, das, durch das Suffix -ino 
erweitert, *Balcinus und als Gentilicium '''Balcmius ergab. 
Balcinium ist die älteste überlieferte Form zweier Orts- 
namen, nämlich von Beauchamps (Somme), dessen 
Schreibung durch volksetymologische Anlehnung an lat. 
■Campus entstellt ist, und Bouchain (Nord). Der Übergang 
von c zu ch vor i ist Eigentümlichkeit der nördlichen 
französischen Dialekte, die cMl aus ecce ille usw. bilden. 

Balhius vom Cogn. Balhus^ hält Schulze 30 für illy- 
risch, doch kann es seinem Vorkommen nach ebenso gut 
igallisch sein. 6 Als Balhiacus oder genauer pagus Balhia- 



1 II 9, 6. 

^ Zur Erklärung vgl. Meyer-Lübke, Franz. Gramm. 127. 

=> Holder I 336. — * Ib. 335. ^ Pauly -Wissowa II 2820 ff. 

6 CIL. ni 2968a. 3160; V 344. 5201; X 4852; XII. 201. 



Galliicbe Namen mit dem Saffix 'aco. 198 

censis tritt bei Gregor von Tours' Baugy (Saöne-et- Loire) 
auf; andere zeigen schon die halbninianisierte Fonn Bai- 
giacus »i&it Ballriacua, so Baugii (Maine-et-rx)ire), Atlas 167, 
und zwei Bäg6 (Ain), deren eines Mitte des neunten 
Jahrhunderts als Balgiacus erscheint. Zwei Baugy (Cher, 
Oise) sind nicht in alter Form belegt. Bouhy (Niövre) 
findet sich um 600 als Baiigiacus, im zehnten Jahrhundert 
in der noch ursprünglicheren Gestalt Balgiaats und ist 
demnach auch hierher zu rechnen, obwohl auch ein seltener 
Name Baiujua existiert^, an den es angeschlossen werden 
kann. 

Mit Balhius scheint Balbinius verwandt zu sein ', das 
Balbigny (I^oire) zugrunde liegen muß. 

BHcnm, seltener Belinus* ist der Name einer gall. 
Gottheit, die etwa dem Apollo der Römer entsprach. 
D'Arbt)is stellt das Wort zu ai. gval 'brennen', ^valanas 
'glühend, glänzend'. Auch als Personenname finden sich 
Belenus, Beimus häufig in Inschriften und auf Münzen. 
Ein ursprünglicher Besitzername liegt vor in Belna villa 832 
und 862, jetzt Beaune-la-Rolande (Loiret). Das einst 
einem Gallier gehörige Grundstück ist Jahrhunderte später 
in die Hände eines' germanischen Besitzers namens Roland 
gekommen, der es Beaime de Roland oder vielmehr nach 
dem Sprachgebrauch seiner Zeit Beatme la Roland nannte, 
worin der Artikel la die Bedeutung des Determinativums 
Celle hat, zu dem der Name des Besitzers im präpositions- 
losen cas. obl. mit der Bedeutung des Genetivs beigefügt 
ist. Als diese Ausdrucksweise der lebenden Sprache ab- 
handen gekommen war, schien der weibliche Artikel einen 
weiblichen Personennamen zu erfordern, und so entstand 
die gegenwärtige Ausdrucksweise.* — Ein anderes Beaune 
(Cote-d'Or) gleichen Ursprungs heißt Belenum castrum auf 



* Miracaln Martini 11 16. 
» CIL. VIII 8725. 

' Doch vgl. Schulze 206, der es anders deutet. 
« CIL. V 7C2— 734 und 736—754; XII 401. 5958 u. ö. 
' A. Thomas, Nouveauz Essais 32. 
QrOhler, Pranxösische Ortsnamen. la 



194 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

einer merowingischen Münze, später Belniim und Belna. 
Das umliegende Gebiet heißt im MA. pagus Belnensis, zu- 
erst 664, woraus der Landschaftsname le Beaunois 
entstand. 

Während die voranstehenden Namen ein Propar- 
oxytonon Belena voraussetzen, werden zwei Belin auf 
spätgall. Belinum zurückgeführt werden müssen, nämlich 
Belin (Sarthe) und eine kleine Landschaft Belin, die 
Beszard^ in der Form in pago Belim schon 642, in Belino 
833 kennt; ihr Name ist noch erhalten in Saint-Ouen- 
en-Belin und einigen anderen Ortschaften der Gegend. 
Hierher gehört höchst wahrscheinlich auch Belin (Gi- 
ronde); doch können beide auch sehr wohl einen von 
Belenos zu trennenden PN. Belliniis mit 11^ als Ursprungs- 
wort haben. Aus einem der beiden eben genannten hat 
sich ein Gentilicium 

Bellenius^, BeJenius, Belinius, -a^ entwickelt. Als Beli- 
niacus, Atlas 168, ist Bligny-sur-Ouche (Cote-d'Or) über- 
liefert, während zwei andere Bligny von *Blanos her- 
zuleiten sind. Dieses, als Personenname nicht nachge- 
wiesen, bedeutet nach Holder eigentlich "^triefäugig', von 
der Wurzel bhlan, gr. qpXav "^sprudeln, schwellen'. Blanum 
hieß eine im fünften Jahrhundert zerstörte Stätte.^ Die- 
selbe Form hat offenbar auch das heutige Blain (Loire- 
Inferieure) gehabt, das Longnon, Atlas 159, als Bleing er- 
wähnt. Auf einen Gentilnamen *Blanius, enthalten im 
ON. Blaniohriga^, Variante Blannius'^, geht zurück Blania- 
cus 664, jetzt Bligny (Aube), Bleigni 1145. Auch Bligny 
(Marne) gehört hierher, das aber erst 1197 als Blaingneium 
nachgewiesen ist. Vgl. auch Bleneau oben S. 126. 



1 Nr. 1076. 

2 CIL. XII 401. 1866 u. ö. 

' CIL. VI 1057 f. 7518; VIII 4695 u. ö. 

* CIL. VIII 1799 u. ö. 

* Boutiot et Socard, Dict. topogr. du d^p. de l'Aube 20, 
unter Blaine. 

« CIL. II 2902. — ' CIL. 1X5611. 



Gallische Namen mit dem Suffix -aco. 195 

BeUus, Hella ' ebenso wie da« Gentilicium Bellim sind 
so oft auf gall. Bo<len belebt, daß an ibrer Zugehörigkeit 
zum Gallischen nicht gezweifelt werden kann. Bellacu» 
m.s^«m, Atlas 168, heißt heutiges Bellac (Haute- Vienne). 
— Eine W'eiterl)ildunR von BelluSt Beim (beide ursprüng- 
lich wohl unterschieden, später vermischt) mit dem Suffix 
•ico liegt vor in Belicum, Belica, BelUcense castrum, Bellitiumy 
sämtlich Formen für heutiges Belley (Ain), deren älteste 
schon auf merow. Münzen begegnen. — Auf ursprüng- 
liches *Belica geht sicherlich auch Belea zurück, das Tab. 
Peut. und It. Ant. für Beauche (Loiret) zu finden ist. 

Blattis ist nur durch eine Inschrift aus Piemont* als 
Personenname nachgewiesen. Davon ist *Blariaais ab- 
geleitet, das zwei Orten Bier 6 (Indre-et-Loire und Maine- 
et-Ix>ire) sowie einem B16ry (Seine-et-Oise), Blarit bei 
Holder, zugrunde liegen muß. 

Bennius, Bennia sind viel verwendete Gentilnamen. Ein 
nicht belegtes *Benniacns dürfte als Urform für Beneium 
1202 anzusehen sein, den ältesten Namen der Ortschaft 
Le Beny-Bocage (Calvados), Beneyum in Boscagio 1388. 
Der Artikel rührt offenbar von verkehrter Auffassung des 
Wortes Beny her, in dem man wohl das Partizip des 
Verbums b^iir 'segnen' zu sehen glaubte. 

Bercius^ ist nur einmal aus Spanien überliefert und 
vielleicht eine Nebenform des gleichfalls inschriftlich be- 
legten Namens Bircitts. Nach einem Besitzer namens 
Bercius ist eine Siedelung Berciaa« benannt, jetzt Bersac 
(Haute- Vienne). Gleichen Ursprung hat vermutlich Bercy, 
der Name eines früher in der Nähe von Paris gel^enen 
Dorfes, dem jetzt das 12. Arrondissement der Stadt ent- 
spricht. 

Blandus, Blanda sind als Personennamen in allen von 
Galliern bewohnten Gebieten nachzuweisen. Ein Ort 
Blazimont (Gironde) heißt nach I..ongnon, Atlas 169, in 

> Gregor v. Toore, De virt. Mart. 119; CIL. XII 2184; CIR. 
1.S02 u. «. 

» CIL. 7185. — • CIL.II1489. 



196 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

früher Zeit Blandi Mons. Auch die Gentilform Blandius 
begegnet nicht selten, und nach dieser sind zahlreiche 
örtlichkeiten als Blanäiacus, ronaanisiert Blangiacus, be- 
zeichnet, soBlangy(Seine-Inferieure),Blangy-le-Chäteau 
(Calvados), Blanzy (Aisne, Saöne-et-Loire), Blanzay 
( Vienne), B 1 a n z a c (Charente, Dordogne, Cantal), B 1 a n - 
zat (Puy-de-D6me) und viele andere.^ 

Bonos ist als kelt. Wort vom lat. Bonus zu scheiden, das 
nicht vor dem vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung als 
Cognomen auftritt; Bonus wird ausdrücklich als Name eines 
Briten überliefert^; auch suffigierte Bildungen wie Bonicus, 
Bonussa u. a. beweisen den gall. Charakter des Namens. 
Ein ON. *Bonacus ist zwar nicht belegt, wohl aber die 
romanisierte Form Bonagus^ für eine untergegangene Ört- 
lichkeit; denselben Ursprung hat höchst wahrscheinlich 
Bonnat (Creuse) und Bonnac (Ariege, Haute -Vienne, 
Cantal). Bonnieux (Vaucluse) möchte man als *jBomacMS 
auffassen; dem aber stehen wiederholte, wenn auch 
späte Belege gegenüber, nach denen die älteste Form 
Bonüiis, Bonilis, Bonus lautet, was ich als adjektivische 
Pluralformen vom Kosenamen *Bonillus bzw. *Bonillius 
aus Bonos deuten möchte. 

Braccius'^ (nach d'Arbois de Jubainville und Holder 
eine Ableitung von gall. braca 'die Hose') liegt mehreren 
Süd französischen Brassac (Lot, Tarn, Tarn-et-Garonne) 
zugrunde. 

Als eine andere Ableitung von braca 'Hose' möchte 
ich *Bracarius auffassen, nach dem einige Örtlichkeiten 
*Bracariacics genannt sind, nämlich Bragayrac (Haute- 
Garonne), das mir in alter Form nicht vorliegt, und B er- 
ger ac (Dordogne), von dem der jetzt vielgenannte Dichter 
des 17. Jahrhunderts seinen Namen herleitet; Brageyrach 



^ Vgl. Holder unter Blandiacue; Nachweise auch bei 
Longnon, Atlas 169 und bei d'Arbois, Recherches 163, der nicht 
weniger als 29 Ortsnamen auf altes Blandiacus zurückführt. 

2 Vgl. Holder I 488. 

3 Recherehes 469. — ^ CIL. X 6233-6235. 



Gallische Namen mit dem Soffix -aco. 197 

1100, Braiaracum 1116, Brajeracum 1122 usw.; dio Fonn 
mit Metathesp in der ersten Silbe, Berguerac, ist zuerst 
1379 nachgewiesen. 

*Brano8. eigentlich 'Rabe', air., mbret., ky., kom, bran 
'Rabe, Krähe', Nebenfonn *Brannns, ist zwar selbständig 
nicht nachgewiesen, wohl aber in zahlreichen Zustammen- 
Setzungen und suffigierten Bildungen, wie Branodununty 
Brannovic.es usw. Auf villa *Brana führt d'Arbois de Ju- 
bainville^ heutiges Braisne(Aisne) zurück, das im zehnten 
Jahrhundert schon in romanisierter Gestalt als Braina 
casfrum auftritt; allerdings könnte diesem auch *Bragina 
zugrunde liegen, eine Erweiterung des gall. Gemeinwortes 
braffiim 'Schlamm' (S. 155). 

*Brinnos scheint nur eine Schreibvariante für ur- 
sprüngliches Breimos zu sein, den bekannten Namen des 
gall. Heerführers, der 390 der Schrecken Roms wurde. 
Auf älteres *Breimaais geht der ON. Brinnacus zurück» 
der bei Gregor von Tours heutiges Berny (Aisne) bezeich- 
net, Bemaaim siebentes Jahrhundert. Denselben Ursprung 
zeigt Bernay (Eure), Brenaicus um 1000. 

Brigo, onisj nur einmal belegt, ist wohl eine Ableitung 
vom nicht nachgewiesenen *Bngos, das aber aus Zusammen- 
setzungen wie Brigomaglos, Brigovix erschlossen werden 
kann. Nicht selten ist die Verlängerung mit dem Suffix 
'WS als PN. Brigius und Brigia. Die Bildungen mit c 
statt g möchte ich nur als dialektische Abweichungen zu 
den genannten ansehen. Unter ihnen ist der PN. Bricos, 
Fem. Brica häufig nachzuweisen, desgleichen die Er- 
weiterungen Bricius, Bricia. Endlich werden auch die Bil- 
dungen mit cc nicht davon zu trennen sein; wenigstens 
erscheint der heutige ON. Brfechos (Inde-et-Loire) auf 
merowingischen Münzen in der Form Bricca und Brica.* 
Alle diese Namen können auf das Appellativ briga, Neben- 

* Kecherches 400. 

• Holder unter Bricca. Vgl. anch Znpitsa, Über Doppel- 
koneonanz im Irisclien in Kuhns Zs. f. vgl. Sprf. 86, wo S. 237 
t\ber cc im Gall. gesprochen ist. 



198 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

form brica '^Berg, Hüger, zurückgeführt werden, das selbst 
in zahlreichen Ortsnamen als Grundwort von Kompositen 
erscheint. (S. v. S. 131 f.) 

Auf einen PN. Breccius, einmal belegt^, Bricius, einen 
bei Gregor von Tours oft genannten Bischof bezeichnend, 
Bricmis^, Brictms, Brixius, vielleicht auch ^Brecius, gehen 
mehrere Ortsnamen zurück, von denen der am frühesten 
überlieferte Brece (Mayenne) ist, Briciacus 616, Bresceiuni 
1135, Bricemm 1165. Es folgt Brecy (Calvados) Brece- 
ium 1082; Brecy (Aisne) Breciams 1213; Brecey 
(Manche). 

Brixus hat einen einmal genannten PN. Brixius er- 
geben, der möglicherweise adjektivisch gebraucht ist in 
Brixius saltus, Atlas 170, der ältesten Form des Land- 
schaftsnamens LaBresse^; wahrscheinlicher allerdings ist 
mir die Deutung des Wortes als eines vom obigen hrica 
gebildeten Adjektivs mit der Bedeutung des lat. montanus, 
so daß im darauffolgenden saltus nichts weiter als die 
Übersetzung des gall. Wortes gegeben ist (vgl. Dunum 
Gastrum S. 95). Brixia ist auch der schon bei Catull 
und Livius gebrauchte Name der oberitalischen Stadt 
Brescia, deren Lage der letzten von mir gegebenen Er- 
klärung auch nicht widerspricht. 

Britannus, genauer Brittänos oder Brettanos, nach der 
ältesten, vielleicht von Pytheas stammenden Überlieferung 
TTpeTav(iKai vfiaoi)"*, ursprünglich Volksname, wurde auch 
als Personenname gebraucht und bildet das Wurzelwort 
zu Britannius, Brittanius, Holder I 565, aus dem wieder 
ein Lokalname *Brittanniaais, Brittinniacus, Brettiniacus 
entstand, die Grundform von heutigem Bretigny (Eure- 
et-Loir). 

Broccos, eigentlich 'der Dachs', ir. brocc, ky. broch, 



1 CIL. 11 1730. 

2 CIL.VII1336, 176-178; XII 4663 u. ö. 

^ Einige historische Notizen bei Guigue, Topographie 
historique du döp. de l'Ain XXXIII. 

■* Weiteres darüber bei Holder I 552. 



Gallische Namen mit dem 8uflix •auo. 199 

bret. broch, ist als Personenname fast auf allen von Gal- 
liern bewohnten Gebieten nachgewiesen und außerdem im 
ON. Brocomaffus 'Dachsfeld oder Feld (Dorf) des Brocos', 
jetzt Bruniath (Elsaß), erhalten. Broccius^ Broccia, Broo- 
chius ' haben einen ON. '^Brocciacus entwickelt, der in 
Brossac (Charente) vorausgesetzt werden darf, das Skok 67 
in den Formen Brociaco, Brocaco, Bruciaco, sämtlich ohne 
Datum, kennt. Das letztere weist allerdings auch auf den 
PN. Bniccius als mögliches Ursprungswort hin. 

Bügins, Bugia^ sind durch Steininschri^ten und Münzen 
als Personennamen bezeugt, während die Ableitung *Bu- 
giacum nicht überliefert ist, wohl aber als Grundform für 
heutiges Bugeat (Corröze) angesehen werden muß. Auch 
der Name der Landtichaft Le Bugey, einen Teil des Dep. 
Ain umfassend, geht wahrscheinlich auf *Bugiaain zurück. 

Bullius ist durch eine Inschrift aus Narbonne^ als 
Personenname gesichert und führt zu Buliaats 754, Boli- 
acits vor 854, Bulliams 1097, jetzt Bouilly (Aube), 
während ein Bouilly (Yonne) zuerst als Baudiliaais, 
Atlas 168, genannt wird, gebildet aus gall. Bmulillos*, 
latinisiert *BattdiUi(s, woraus wieder das Gentilicium Bau- 
dillius^ entstanden" ist. Auch VodoUacus sechstes Jahr- 
hundert, Geogr. 548, jetzt Bouillac (Gironde), kann ich 
mir nur als ureprüngliches *Baudiliacus erklären, da U 
Schreibung für mouilliertes l ist und anlautendes b im 
gaskonischen Dialekt oft mit v wechselt. Eine Verlänge- 
rung des PN. BuUiius ist 

BuUonius'^, das ohne Suffix den ON. Bologne (Haute- 
Marne), Bidonia, Atlas 171, ergeben hat, während Bou- 
ligncux (Ain) bei Guigue' die historischen Formen Bolo- 
niactim, Boliniamm, Buluniaco und andere Varianten zeigt. 



« CIL. in 5500; V 5971 f.; VI 13642. 

• CIL. III 3862. 5440 u. a. 

« CIL. XII 4664. — * CIR. 1650 u. ö. 
' Gregor v. Tours, in glor. Marl. 77. 

• CIL. XU 1094. — ' Topogr. hietor. de lAin. 



200 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Burnus^ ist enthalten in Saint- Jean -de-Bournay 
(Isere), das d'Arbois^ aus dem Jahre 739 als Bornaco kennt. 
Skok 159 führt mehrere Bournac aus dem Süden an, dar- 
unter Bournae (Aveyron), Bornago 838. 

Nicht ganz klar ist die Entstehung von Chomerac 
(Ardeche), für das als älteste Formen nur die von Mistral^ 
angeführten Ghaumeira b. 1. Calmeracum ohne Datum vor- 
liegen. Ein Chomerac (Drome) kennt Skok 219 als 
Ghalmeyracium 1336. Seiner Ableitung der Namen von 
einem Appellativum cJiaumiero kann ich nicht beipflichten. 
Es gibt bei Holder einen oft belegten gallischen PN. 
Calminius, ferner einen ON. Calmiliacum, später Calmidi- 
acum für eine jetzt nicht mehr vorhandene Örtlichkeit 
im Dep. Hautes-Alpes. Calmüliacm, elftes Jahrhundert, ist 
auch die älteste Gestalt von Chomelix (Haute-Loire), und 
als eine Variante dieser Form möchte ich Galmiriacus an- 
sehen, das nach Holder heutiges Saint-Leger-les-Mäcon 
(Saone-et-Loire) bezeichnet. *Calmiracus dürfte die frühere 
Gestalt der beiden obigen Chomerac sein, zurückgehend 
auf noch älteres *Calmilacus, das selbst aus einem PN. 
*Galmilus oder wahrscheinlicher *CalmiUus gebildet ist; 
jedenfalls bedarf der Name noch der Aufklärung. ' 

Caunus, bei Holder mehrfach belegt, ist die lat. Um- 
schreibung von echtgallischera Gounos, das als Inschrift 
einer gall. Silbermünze einmal vorliegt. Auch Gaiinius 
kommt vor*, und hieraus ist Gauniacus 976 abgeleitet, 
jetzt Chaunay (Vienne), Für ein zweites Chaunay 
(Eure-et-Loir) gibt Holder die Ableitung Gaunocensis (1. 
Gaunacensis) centena ohne Datum. Anders als diese beiden 
ist Chauny (Aisne) zu beurteilen, das 949 Galnacus heißt, 
Galniacum 1133, Galni 1153, aber Gauniacum schon 1067 
zum ersten Male. Ihm dürfte ein gall. PN. Gallo, onis^ 



1 CIL. II 2484 und bei Silius 16,559. — ^ Reeherches 497. 
^ Lou Tresor dou Felibrige I 539. 
* CIL. VIII 2583. 2588; XII 2182. 

^CIL. XII1201; 1116010,46; auch ein Ortsname Calone 
kommt It. Ant. 255,4 u. 370,4 vor. 



OalÜBche Namen mit dem Suffix -neo. 201 

zugrunde liegen, so daß dio Hlteste Form *CaUonaeus ge- 
heißen haben mag. 

Gämbua^, eigentlich 'der Krumme', air., ky. camm, 
mbret., kom. cam zu got., as. hamf, gr. (yKa|ißö<j, ist das 
Grundwort zum PN. Catnbim, Cambia, aus dem sich der 
auf morowingischen Münzen überlieferte ON. Cambiacus 
entwickelt hat. Auf dieses geht zurück Chaingy (Ix)iret) 
Cambiacus, Atlas 172, und Change (Sarthe) Cangiacus ib. 
— Mit Cambtis verwandt ist vielleicht 

Cambarm, das nur einmal * aus Mittelitalien als Ck)g- 
nomen überliefert ist. Für gallischen Ursprung zeugen die 
Gentilformen Cambarius, Fem. Caml>aria in drei Inschriften 
aus Nimes'', sowie der ON. Gambariacus*, jetzt Chamb6ry 
(Savoie). Mit lateinischem Adjektivsuffix ist Cambareiute 
(minis(erium), Atlas 172, gebildet, jetzt Camares (Aveyron) 
(zum Schwinden des b vgl. den ON. Tramesaigues [Aril'ge 
zweimal, Haute-Garonne, Hautes-Pyr6n6es] <C Inter ambas 
aqnas). 

Camubis'^ als Adjektiv 'mächtig, stark' ist ursprüng- 
lich der Name einer gallischen Gottheit, die dem römischen 
Mars entspricht; später wird es auch als Personenname 
verwendet^ Das Genlilicium Camulius ist oft belegt. Eine 
Bildung *CamuliacHs kann für Chambly (Oise) angesetzt 
werden, das mit Ausfall des tonlosen u in merowingischer 
Zeit, Atlas 62, als Camliacits vorkommt. Denselben Ur- 
sprung dürfte auch Chambley (Meurthe-et-Moselle) haben, 
das aber erst 1185 nachgewiesen ist. Allerdings könnten 
beide Namen sich auch aus *CamiUiacus, vom lat Cognomen 
CamilluSy entwickelt haben, zumal da die Gentilicia Camü- 
liiifi, CamelliuSy Camilins, Camelius belegt sind. 

CantOy onis ' ist eine Ableitung aus dem nur in Kom- 
positen wie Cantobennm und im viel gebrauchten Cantius 

» CIL. XII 5886, 168 u. ö. — « CIL. V 2590. 
> CIL. XII 3505. 8756. 8706. — * Recherchea 206. 
» CIR. 164; CIL. III 8671. 
• CIL. III 4893; XII 744 in weiblicher Form. 
' Schulze, Zur GoRchichte lateinischer Eigennamen 140 
und 441. 



202 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

erhaltenen *Cantos, eigentlich Sveiß', ky. can aus älterem 
cant-. Ein daraus gebildetes *Cantonacus ist höchst wahr- 
scheinlich die Urform des heutigen Chantonnay(Vendee), 
das uns nur mit dem lat. Suffix -anus als Gantuanum, 
Atlas 172, überliefert ist. 

Von einem PN. Canis, der durch Belege bei Holder 
als zweifellos gallisch erwiesen ist, sind Verlängerungen 
vorhanden, nämlich 

CariUus, Carilla^, besonders in Südfrankreich ver- 
breitet. Während *Carilms bis jetzt noch nicht nach- 
gewiesen ist, findet sich der ON, Gariliaco auf zwei mero- 
wingischen Münzen für heutiges Charly (Aisne), Garliacus 
852, Gharliacus 1110. Gleichen Ursprung können auch 
haben Charlieu (Rhone), das aber Atlas 173 als Garus 
Locus überliefert ist, und Charlieu (Loire), für das sich 
in noch späterer Zeit Garoli Locus und Ganis Locus findet. 
Daß der Übergang iacus ^ ieu in beiden Departements 
noch möglich ist, wird durch Salvinieux (Loire) <^ Sal- 
viniacum und für die Rhone durch die Liste bei Skok 252 
bewiesen. Garus Locus wäre dann eine künstliche Latini- 
sierung, 

Garisius, Garisia ist eine zweite Ableitung aus Garus 
und ungemein verbreitet, auch in nichtkeltischem Sprach- 
gebiete^, so daß Holder meint, es sei auch lateinisch, 
desgl. Schulze 147. Garisiaco auf merowingischen Münzen 
ist heute Quierzy-sur-Oise (Aisne); Garisiacus 875, 
Gariseium 1179, Gherexy 1350 heißt jetzt Cherisey 
(Deutsch-Lothringen). Ob auch Chersy (Yonne) hierher 
zu zählen ist, kann ich mangels alter Formen nicht 
feststellen. 

Stammverwandt mit Garos und den eben genannten 
Ableitungen ist auch 

Garantus'^, die lat. Form von gall. '^carantos, das in 
der Bedeutung 'Freund, Verwandter' das Part. Präs. des 

1 Schuerm. 1048 ff. — ^ CIL. XII1616. 1679 u. ö. 

^ CIL. XII 4538. 4683; CIR.439; aber auch CIL. VI 2907 n.ö. 

* CIR. 92L 1321 u. ö. 



Gallische Namen mit dem Suffix -aco. 208 

Verbs *earo 'ich liebe', air. caraim, vgl. lat. caruA '\\eh\ 
darstellt, ein viel gebrauchter Personenuame, der auch in 
Zunainiuensetzungen wie Carantomagn.s vorkommt. Cha- 
reutay (Rhone) muß auf älteres *C!aran/a^u« zurückgehen. 
Aus Carantus ist Carantius^ entstanden, woraus sich wie- 
derum der ON. Carantincns entwickelt hat, der als Caran- 
ciaco auf einer Münze der merowingischen Periode über- 
liefert ist; hierauf geht Cransac (Aveyron) zurück, Ca- 
randagtis 901.* 

Catunis und Caturo sind besonders auf der Iberischen 
Halbinsel als Personennamen anzutreffen, während in 
Gallien wenigstens ein Catur&mus begegnet.^ Der oberita- 
lischo Ort Cadorago (Como) weist noch deutlicher auf ein 
altes *Caturacum hin als frz. Chehery (Ardennes), das ich 
ebenfalls hierher stellen möchte; das gleiche gilt von Chery 
(Aisne) Caherium 1162, Chaheri zwölftes Jahrhundert. 

Catilm^ ist ein gall. Cognomen, das ein Gentilicium 
Catilmi^ veranlaßt hat. Ein ON. Catiliaco ist auf mero- 
wingischen Münzen erhalten, aber nicht identifiziert. Den- 
selben Ursprung haben sicherlich mehrere moderne Ca- 
dillac (Gironde, Dordogne). Nach Longnon, Atlas 171, 
wäre auch Chailly-en-Biere (Seine-et-Marne) ein altes 
Gadiliaco. 

Cabannm, Cavannus ist durch mehrere Inschriften als 
Personenname gesichert*^ und höchst wahrscheinlich gal- 
lisch; Formen auf -im.s fehlen. Ein *Gavannaais stellt 
Chavanay (Loire) dar. Bei anderen ist iacm als Suffix 
verwendet worden, so bei Chevaigne (Mayenne) Cave- 
niaco 787; Chavagne (DeuxSävres); mehrere Chava* 
gnac; Cavagnac (Lot). 

Cavaros'^y der Name eines gall. Königs, vom gall. 
Volksnamen der Cavares oder Cavari abgeleitet, den Zeufi 



» CIL. VI 1629; IX 4682 u. ö. — • Rech. 211. 
» CIL. II 5226; III 2779; XIII1984. 

♦ CIR. 1883 und als CatU . .. CIL. V 4186. 
» CIL. X 8042, 82; v«! auch Schulze 441. 

• Holller I 872. — » Polybius IV 46,4 u. ö. 



204 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

als "^die Riesen' deutet, zu ky. canr = gigas, ir. caur ^Held', 
hat ein Gentilicium Cavarius^ gebildet und dieses wieder- 
um den ON. Gavariacus 998, jetzt Cliaveyriat (Ain). 

Chimay (Belgien, Hennegau) bereitet Schwierigkeiten. 
Grandgagnage^ hat in einer Urkunde von 1088 die Form 
Cimay gefunden und im folgenden Jahrhundert die latini- 
sierten Formen Scimacuni, Cymacum, Simacum. Nun wird 
im Dialekt jener Gegend ci zu tsi^; es liegt also nahe, 
*Cimactim aus den obigen Varianten als Urform heraus- 
zulösen. Einen PN. *'Gimus, von dem dieses gebildet sein 
könnte, besitzen wir nicht; wohl aber sind Cim-a, Cimo und 
sein Gen. Cimonis je einmal als Personenname belegt (bei 
Holder). Ein Cimiao . . . einer verstümmelten Inschrift 
läßt nicht ersehen, ob wir es mit einem Personennamen 
oder etwas anderem zu tun haben; wohl aber ist Cimia- 
cimis als Beiname des Merkur aus Oberbayern nachge- 
wiesen*: alles Beweise, daß ein Stamm chn- dem Gallischen 
nicht fremd und mehrfach in Namen verwendet war. 

*Codicius ist weder als gallischer noch als römischer 
Name nachzuweisen, weshalb d'Arbois Coücius und Holder 
Guticius dafür einsetzen. Doch ist der ON. Godiciacum in 
ziemlich früher Zeit, nämlich 530, für heutiges Co ucy- 
le-Chäteau (Aisne) belegt; auch gibt es einen PN. Godo- 
nius, der mehrmals nachgewiesen ist und als Stamm 
dasselbe cod- wie unser Name enthält, so daß keine Ver- 
anlassung vorliegt, eine Bildung mit dem Suffix -ico ohne 
weiteres von der Hand zu weisen. Seinen Beinamen trägt 
Coucy-le-Chäteau im Gegensatz zu einem in demselben 
Dep. gelegenen kleineren Coucy-la- Ville von einer um 
920 erbauten und Anfang des 13. Jahrhunderts erneu- 
erten Burg. 



1 CIL. V 3042; X 5411 u. a. meist in Mittelitalien. 

^ Memoire sur les anciens noms de lienx dans la Belgique 
Orientale 32. 

3 Schwan-Behrena, Grammatik des Altfranzösischen ^, § 134, 
Anra. 

* CIL. III 5773. 



Gallische Namen mit dem Suffix -aco. 205 

Cölius, Colia^ treten in südfranzösischen Inschriften 
als Personennamen auf. Colia ist nach Holder auch die 
älteste Form des heutigen ON. Queille (Ariego), dessen 
Endung aber auf eine Grundform *Coliaaim hindeutet 
(doch hat acum in dieser Gegend sonst meist oc, selten 
at, nie t' ergeben). 

Comarius*, aus dem ebenfalls belegten Namen Comarus 
abgeleitet, hat ein *C(ymariaats ergeben, das als Comariago 
615 den kleinen Ort Coraere (Mayenne) bezeichnet. Auf 
dieselbe Grundform möchte ich Conriacm, Atlas 175, jetzt 
Condrieu (Rhone), zurückführen, das Skok 171, verleitet 
durch ein erst 12öl überliefertes Cotidriaco, mit Übergehung 
des obigen Conriacus an den nur in Zusammensetzungen 
gegebenen PN. *Condanu.s anlehnt. 

*Comartius (zu abret. comairde = collega, Holder) ist 
zwar nicht selbständig nachzuweisen, bildet aber den ersten 
Teil des einmal bezeugten PN. Comartiorix, der also etwa 
priim(^ inter pares bedeuten würde. Er dürfte im ON. 
Commercy (Meuse) fortleben, der aus meromngischer 
Zeit, Atlas 62, als Commerciacm überliefert ist, wofür also 
genauer *Comartiacm zu setzen wäre. 

Contiu.s^ ist im heutigen Coincy (Deutsch-Lothringen) 
enthalten, das in ältester Form Coiisiagus, Atlas 175, heißt. 

(Jontrovacus, Cuntrovaicus sind Formen, die sich auf 
merowingischen Münzen für Contrexeville (Vosges) 
linden, anscheinend Verstümmelungen, deren Urbild kaum 
zu erkennen ist. Ich möchte, von Cuntrovaicus ausgehend, 
als die nächste Vorstufe *Controviaais feststellen, das von 
der erstgenannten der beiden Überlieferungen nur wenig 
verschieden ist. *Gontroviacm hat sich entwickelt aus 
*C<yntrebiacus oder wahrscheinlicher aus *Contrubiacus\ das 
Stammwort der ersten Form könnte im britischen Götter- 
uamen Contrebis*^ das der zweiten im Volksnamen der 
Contrubii (bei Holder) gefunden werden, so daß also *Chn- 

' CIL XII 8625 u. 1181. 

» CIL. V 5997. — ' CIL. V 6207. Schuerm. 1586. 

* CIL. VII 284 u. 290. 



206 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

trubius ein aus einem Volksnamen entwickelter Personen- 
name wäre (vgl. PN. Cavarus mit VN. Cavares oder Gavariy 
Ämbarrius vom VN. Ämbarri u. dergl.). Wie sich aus 
Controviacus villa die eigenartige moderne Bildung erklärt, 
könnte nur an der Hand von Mittelformen, die mir nicht 
zu Gebote stehen, nachgewiesen werden. 

Condus ^ wird von d'Arbois zu ir. cond "^Bürger' gestellt. 
Condac (Charente) ist spätestens 615 als Condacus ge- 
nannt und wird von Holder irrtümlich unter Condafe auf- 
geführt. 

Connos, eigentlich "^geschickt, schlau', zu ir. con7i 'Ver- 
stand', anord. hannar "^geschickt', erscheint als Personen- 
name auf mehreren Münzen der Lemovices. Auch Connius, 
Gonnia sind durch Inschriften^ überliefert, und von diesem 
Gentilnamen ist *Conniacus abgeleitet, die Urform des 
modernen Cognac (Charente); desgleichen Cogny (Rhone), 
Coniaais, Atlas 175; Cognat (A liier). 

Zum PN. Gorbus, den ich S. 170 besprochen habe, 
gibt es eine Bildung nach der n-Deklination Corbo, und aus 
diesem hat sich ein ON. ^Gorbonacus entwickelt, jetzt 
Corbeny (Aisne), das allerdings nur in der variierten 
Form Gorbanacus, Atlas 175, und Gorbunaco vorliegt. Auf 
eine ganz verwandte Bildung, nämlich *Gorboniacus aus 
dem Gentil *Corbonius, kann manCorbigny (Nievre) zu- 
rückführen, das in ältester Form als Gorbiniacus 721 und 
Anfang des neunten Jahrhunderts bezeugt ist; der Über- 
gang von ^ i vor mouilliertem n ist nicht auffallend 
und hat seine Parallele in Goligny <C Goloniacus. 

*Gortorus, einmal erhalten als Gorterus ^, ein gallischer 
Männername, scheint auch den zweiten Teil von Duro- 
cortorum, der alten Hauptstadt der Memi, jetzt Reims, 
zu bilden. Die Besitzung eines Gortoros, Gortoriacus, Not. 
dign. occ, Gurtracus, Atlas 177, war das heutige Courtrai 
(Belgien, Westflandern), vläm. Kortrijk. Mit dem gall. 
Suffix -ate verbunden ist Cortorus oder Gorterus in Gor- 



' CIL. XTI 1734; VII1336, 841. 

2 CIL. XII 1933. 2212. - ^ Bei Holder. 



. Gallische Namen mit dem Suffix -aco. 207 

terate T. P., Carteras, jetzt Coutras (Gironde). Eflser* hält 
ohne Not Corterate für verderbt aus *Curto-ratum, das er 
als 'Lützelburg' übersetzt, von gnll. -ratum = ir. rath 
'castrum'. 

Cremius ist nur einmal durch eine Inschrift aus dem 
Dep. Gard als gall. Personenname nachgewiesen. * Er 
hängt vielleicht zusammen mit ir. rrevi Knoblauch', gr. 
Kpö^uov 'Zwiebel' und kann möglicherweise zu Cremona^ 
dem Naraon der oberitalischen Stadt, gestellt werden. Auf 
ein *Cremia<mm möchte ich Crömieu (Isere) zurückführen, 
für das Skok 173 nur die spät bezeugten Formen Crimeiaco^ 
Orinmt bringt. 

Crixus heißt schon bei Livius * ein gallischer Gladiator, 
bei Silius Italiens ein Heerführer der ßojer. Der auch 
sonst oft gebrauchte Name stellt die gall. Form von lat. 
Crispiis dar und bedeutet wie dieses 'lockig, mit lockigem 
Haare versehen', ky. crych (zur Verwendung als Eigen- 
name vgl. deutsches Krause). Davon abgeleitet sind Crix- 
snm, Crixinsy Crixia, viel gebrauchte Namen, aus denen 
sich wieder ein Toponym *Crixiacus entwickelte. Dieses 
liegt, allerdings in mehr oder weniger romanisierter Form, 
einer ganzen Reihe franz. Ortsnamen zugrunde. Ich er- 
wähne Crecy-en-Ponthieu (Somme) Grisciacus, Cresciu' 
aim, Atlas 62; Cr6cy-8ur-Serre (Aisne), zuerst als CV-im 
1132 erwähnt; Cr6cey (Cote-d'Or) Oriciacus, Atlas 176; 
Cressy (Seine-Inf6rieure) Grisciacus, ib.; Crissö (Sarthe) 
ib. Ob auch Cr6cy-en-Brie (Seine- et-Marne) hierher 
gehört, ist nicht ganz sicher ; wenigstens gibt Holder an"*, 
daß sich Crideciaco vico einer merowingischen Münze auf 
diesen Ort bezieht. Da ein PN. *Cridecius nicht nach- 
•rewiesen ist, läßt sich die Frage nicht entscheiden. 

Orolhis scheint in einer verstümmelten Inschrift aus 
Bregenz'^ der Name eine Töpfers zu sein. Auf *CrolUacum 

' BeitrU((e25. 

» CIL. XII 4150; vgl. auch VII 1336, 863 Of,ficina) Crem. 

* Epitome 95 u. 96. 

* Sprachschatz I 1167. — » CIL. UI 12014, 618. 



208 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

könnte Creully (Calvados) zurückgehen, das in seiner 
ältesten bekannten Form Croülie 1155 im Roman de Ron, 
Groelli 1160 bei Benoit de Sainte-Maure v. 33640 heißt. 
— Andererseits wäre auch die Ableitung von einem Namen- 
element, das durch Crotilo^ gegeben ist, nicht aus- 
geschlossen. 

Cumelius ist ein durch zwei spanische Inschriften^ 
bekannter Gentilname vermutlich gall. Ursprungs, Als ein 
älteres *Cumeliacus möchte ich Gumliacus, Atlas 176, jetzt 
Cunlhat (Puy-de-D6rae) deuten, das bei Skok fehlt. 

Danus^, zum Adjektiv *danos "^kühn', mir. ddna, und 
Dannus^, ursprünglich verschieden, wurden allmählich 
gleichbedeutend gebraucht, wie es am deutlichsten die 
Komposition Dannorix neben Danorix zeigt. Auch Danius, 
Dannius und ihre Feminina sind vielfach bezeugt, und 
aus ihnen haben sich entwickelt: Dagneux (Ain), von 
885 an als Danniacus, Dagniacus, Danneu, Dagnieu über- 
liefert^, und wahrscheinlich auch Daigny (Ardennes). 

Doccius, Docius, Dotius, Doutius, Dottius^ sind ur- 
sprünglich vielleicht nicht gleichbedeutend, gehen aber 
allmählich in einander über und kommen für die topo- 
nymische Form Dociacus usw. in Betracht. Hierher ge- 
hören: Doussay (Vienne) Dociacus 774; drei Dousse 
(Maine-et-Loire), deren ältestes Doxiacus um 1082; Doucey 
(Marne). Fraglich wegen des z statt c oder ss sind: Douzy 
(Ardennes) Dutdacus, Atlas 63, und Doisieux oder 
Doizieux (Loire). 

Dous'^, ein seltener Personenname, könnte wohl in 
Doacum^ Duacum^ enthalten sein, der ältesten Form für 
heutiges Douai (Nord), 



» CIL. VIT 326. — 2 CIL. II 2639. 2377. 

' CIL, V 5714 u. ö, auch als Dana. 

* CIR, 754 ; Schuerm, 1857. 

^ Guigue, Topogr. hist. du d6p. de l'Ain 131. 

« CIL. II 6257, 68; VII 1331, 42 u. ö.; XII 6030, 5. Auch bei 
Schuerm. und sonst. — II 628 u. ö. — X 5673. — U 5031. — 
III 296. 297. — ^ CIL. XII 5685, 36a. 36b. 

^ Holder und Longnon, Geographie 399. 



GalÜRche Namen mit dem Suflix -aoo. 209 

Elenius, EUemtis weist Holder mehrfach nls Personen- 
namen nach. ' Kliniarus^ anscheinpnd davon gebildet, be- 
zeichnet als Münzlegcndc aus merowingischer Zeit den Ort 
Allig ny (Niövre). 

Elmnts (über Bedeutung und Vorkommen siehe oben 
S. 127) hat eine (Jentilform Elmrim^ entwickelt, aus der 
der ON. *Eburiacus, Eboriaaus entstanden ist, nfranz. 1. Evry 
-(Seine-et-Marne, Seine-et-Oise, Yonne). 2. Ivry-la-Ba- 
taille (Eure); der Beiname rührt von der Schlacht her, 
in der Heinrich IV. 1590 die Ligisten unter Mayenne 
besiegte; Ivry-sur-Seine (Seine). Eine Zusammensetzung 
mit Eburus ist der PN. Ehurovix, der Singular des Volks- 
namens der Eburovices 'die Streiter des Eburos', der als 
Inschrift zweier Bronzemünzen erhalten ist. Von diesem 
scheint ein ON. *Eburoviciacus gebildet zu sein, der als 
Kbriciaciis, Atlas 178, überliefert ist und heutigem Evrecy 
(Calvados) entspricht; die kontrahierte Form Ebroici für 
älteres Eburovices ist mehrfach belegt.' 

Gabrus^ Fem. Gabra, latinisiert aus gall. gabro 'Ziege', 
air. gabor, lat. caper^ kommen selbständig als Personen- 
namen"* und in den zupammengesetzten ON. Gabromagus, 
(iabrosentum vor. Der bloße Name in pluralischer Form 
scheint verwendet zu sein in Giövres (Loir-et-Cher), das 
schon in der Tab. Peut, als Gabiis auftritt. Auch zwei 
Gesvres (Mayenne, Seineet-Marne) dürften auf Gabris 
zurückgehen. Ein Gentilicium *Gabriiis wird nur einmal 
von d'Arbois in der Femininform Gaberia nachgewiesen*, 
und von ihm ist der ON. Gabriacus gebildet, nfz. Gabriac 
(llerault) Gabriagum 804; Gabriac (Aveyron) ohne ältere 
Form. Gavray (Manche), dessen älteste urkundliche Form 
Oabaregitim, Atlas 181, als *Gabareium statt *Gabariacum 
aufzufassen ist mit Einschiebung eines euphonischen a in 
<lie Grundform; Gcvrey-Chambertin (Cöte-d'Or) Gi- 



» CIL. III 6010, 8.3a-f. Schaerm. 2065 f. 
» CIL. V 8541 u. ö.; X 8056, 129; XII 4154. 4788. 
j Longnon, Geographie 288. — * CIK. 1905 u. ö. 
» liech. 436. 
G r ö h 1 e r , Französische OrUnamen. 14 



210 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

vriacus 834^; Givry (Saone-et-Loire, Marne, Aisne). — 
Auch eine Erweiterung mit dem Suffix -onno oder -oite 
scheint von Gabros gebildet zu sein; wenigstens heißt 
eine Ortschaft Javron (Mayenne) auf merowingischen 
Münzen mehrmals Gavaronno^ vicus Gabronensis 780, Ga- 
bron 802. 

Gimia, ein weiblicher Name, ist einmal inschrift- 
lich belegt, ebenso die männliche Form als Gimmius.^ 
Ein Männername Gimio, der zweimal begegnet, ist offen- 
bar aus jenen abgeleitet. Ob Gimia nur eine Variante 
von Giama ist, zu '''giamos '^Winter', air. gam, lat. hiems 
gehörig, ist sehr zweifelhaft. Die Ableitung Gimiacus,. 
Atlas 182, ist die älteste urkundlich beglaubigte Form 
von heutigem Jumet (Belgien, Hennegau).^ 

Iccius ist ein sehr verbreiteter gall. Personenname,, 
der schon bei Cäsar* als Name eines vornehmen Römers 
begegnet. Ajektivisch verwendet, gleich Iccius fundus, er- 
scheint er im ON. Is-sur-Tille (Cöte-d'Or) Hicio 721.^^ 
Die Erweiterung mit dem Suffix -acus ergab 1. mehrere 
moderne Issy, nämlich Issy-les-Moulineaux oder 
Issy-sur-Seine (Seine) Isciacus, Atlas 184, und Issy- 
l'Eveque (Säone-et-Loire) Hissiacus 928.^ 2. Issey 
(Meuse) Isciacus 925. 3. Im Süden finden sich zahl- 
reiche Issac (Allier, Dordogne, Gironde, Lot-et-Garonne, 
Ardeche) ; endlich Yssac (Puy-de-Döme) Jc/aats, Geogr. 499. 
Über Iccioduros s. oben S. 107. 

lllius, Illia, Ilia verzeichnet Holder einige Male. 
Daß sie echt gallisch sind, beweist das Kompositum 
lUiomarius; auch lllos führt Holder auf. Yllia.cus {= 
*llliacus) nennt Guigue für heutiges II Hat (Ain), das bei 



1 Rech. 436 f. 

2 CIL. XTI 4980; V 7168. 

^ Wegen des u der ersten Silbe vgl. nfz. jumeau aus gemeh 
lus, ON. Jumihges aus Gemeticum. 
* B. G. II 3, 1 u. ö. 

^ J. Garnier, Nomenclature hiator. du döp. de la Cöte-d'Or, 34. 
8 Recherches 360, wo noch andere aufgezählt sind. 



GuIÜHche Iilamen mit dem äufiix -«co. 211 

Skok fehlt. II lies (Ptifl-de-Calais) heißt in der älteHten 
Überlieferung Hlegiae, Atlas 184, und dieses halte ich 
lür eine orthographische Variante von *Illeiae, späten 
Formen eines ursprünglichen *Uliacae. Auch Uly (Ar- 
dennes) wird man, solange historische Formen fehlen, auf 
*Illia<nttn zurückführen müssen. 

Isamm ist auf merowingischen Münzen und sonst 
als Personenname nachgewiesen (vgl. Holder) und bedeutet 
'der Eiserne'. Auf harnacus muß Yzernay (Maine-et- 
Loire) zurückgehen. 

*l8unus scheint ein seltener gallischer Personen- 
name gewesen zu sein. Eine Bronzemünze der Bitu- 
riges trägt die Inschrift Isunis. Isunisca Tab. Peut., 
Isinisca (dreimal) bezeichnet einen Ort im It. Ant. Das 
Gentilicium [sunim ist einmal durch eine Inschrift aus 
der Gegend von Turin belegt. Die Formen mit i in der 
zweiten Silbe treten ziemlich früh als Varianten auf, so 
auch in der verstümmelten Inschrift Mn . . . ^ und Isines. * 
Auf *Isuniacu8, *Isiniacus als Urformen weisen Isigny 
(Calvados), urkundlich erst Ende des zwölften Jahrhunderts 
belegt, und Isigny (Manche). 

Lambenis, vielleicht die Weiterbildung eines sonst un- 
bekannten *Lambos, erscheint einmal in einer oberitalischen 
Inschrift'' und bildet ohne SuflBx die ON. Lambres (Nord), 
Lambnis vicits bei Gregor von Tours*, und Lambres 
(Pas-de-Calais). Von Lamberus ist Lambriacum gebildet, 
das als Lambriaca einmal in Spanien belegt ist und an- 
scheinend heutigem Lambrey (Haute-Saöne) zugrunde 
liegt. — Daß die Ansetzung eines PN. *Lambos nicht un- 
berechtigt ist, beweist das Vorhandensein des PN. Lam- 
bicus^y und eine andere Erweiterung des Grundwortes liegt 
vor im ON. Lambiscum^, jetzt Lambesc (Bouches-du- 
Rhöne). 



» CIL. III 12014. — « CIL. II 1064. 
» CIL. V 449. — * Hiat. Franc. IV 36. 
» CIL. III 8047. - • AUrs 185. 



1«» 



212 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Langus ist durch eine Inschrift aus Narbonne^ belegt 
und anscheinend auch im spanischen ON. Langohriga 
und im schweizerischen Langaiun neuntes Jahrhundert für 
*Langodunum erhalten. Ein daraus abgeleiteter Gentil- 
name '"Langitis ist nicht nachgewiesen, wohl aber, wenn 
auch spät, Langiacum 961 und 1142, Lcmgado 944, 
Langat 1011, Lanjat um 1200, Lanjac 1260, jetzt Lan- 
geac (Haute-Loire) ; interessant ist das Schwanken der 
Endung zwischen ac und at. 

Lascius. ^ Häufiges Lascia vico, einmal auch Lacciaco 
auf merowingischen Münzen wären nach Holder die ur- 
sprünglichsten Formen von Lassay (Mayenne), Lacey 1200, 
Laceivm 1213. Laissac (Aveyron) heißt Laiciacum um 
das Jahr 1000, was sehr wohl auf den obigen Namen 
zurückgehen kann, aber ebenso gut auch auf Lucius, Lac- 
ceius, Lassius, Laticius; letzteres würde ich bestimmt an- 
nehmen, wenn Laiciacum zwei Jahrhunderte früher be- 
legt wäre. 

Lassonius, Lassonia sind je einmal überliefert^ und 
könnten als Ableitungen vom wahTscheinlich keltischen 
Volksnamen der Lassunni gelten, die Plinius erwähnt. 
Auf *Lassoniacus ist vermutlich Lassigny (Oise) zurück- 
zuführen. 

Laurus^ ist die lat. Umschrift von gall. *Louros, 
eigentlich ein Adjektiv '^genug, hinreichend', air. lour, 
kymr. Ilawer 'Menge', das nach d'Arbois^ auch als Sklaven- 
name gebraucht wurde. Lauracus, Atlas 185, ist heutiges 
Laurac-le-Grand (Aude). Die Ortschaft hat wiederum 
ihren Namen zur Bezeichnung einer Landschaft her- 
gegeben; denn Le Lauraguais im Dep. Haute-Garonne 
ist eine Weiterbildung von Lauracus mit dem lat. Suffix 
■ensis; wenn dafür gelegentlich in Urkunden Lauriacensis 
pagus auftritt, so haben wir es mit einer willkürlichen 



1 CIL. XII 4938, 

2 CIL. II 2988; VIII 5022. — ^ CIL. III 10728; CIR. 880. 
* CIL. III 2552; V 6073. 7903 u. ö. 

^ Revue celt. XVI 129 f. 



Gallische Namen mit dein SufHz -aco. 213 

Lutinisierung zu tun, die durch das Vorhandensein von 
Lauriairus für andere Ortsnamen noch begünstigt wurde, 
r.et/töres ist direkt beglaubigt für Loire (Maine-et-Loire) 
Lauriaais vilUi; Lauriac (Gers) kann keinen anderen 
Ursprung haben, während für Loirac (Gironde) nur lat. 
Lorius, Schulze 162, in Betracht kommt. Lorris (Loiret) 
ist Atlas 245 sogar nur als Loriacum überliefert, doch be- 
weist dieses späte Zeugnis nichts gegen ein ursprüng- 
lichef Lauriamtn. Auf deutschem Sprachgebiete gehen 
zahlreiche Lorch auf Lauriacus zurück; daw in Oberösterreich 
gelegene ist sogar durch zahlreiche Urkunden in jener 
gallolateinischen Form überliefert. 

Lögim kommt zweimal auf Inschriften als Personen- 
name vor. ^ Auch der ON. Loium des It. Ant., später 
Logium, der mit heutigem Caudebec-en-Caux (Seine-In- 
ferieure) identifiziert wird, ist hierher zu zählen. Davon 
abgeleitet Loiaais bei Holder, jetzt Lou6 (Sarthe). 

Lopos, Lopa sind je einmal als Personennamen nach- 
gewiesen* und anscheinend auch in den ON. Lopodunum 
und Loposagium erhaHen. Das letztere dürfte allerdings 
in der Tab. Peut., wie so oft, ungenau überliefert sein; 
denn abgesehen davon, daß der zweite Bestandteil der 
Bildung, -sagium, im Gallischen sonst nicht nachzuweisen 
ist, läßt sich auch da.s entsprechende moderne Luxiol 
(Doubs) daraus unmöglich erklären; Mittelformen stehen 
mir nicht zu Gebote. Die Gentilform Loppius (mit pp) 
erscheint einmal in einer Inschrift vou Pompeji und leitet 
zur Ortsbezeichnung Loppiacum, Lopiaciim hinüber, die 
heutigem Longchapt (Dordogne) zugrunde liegt. Dieses 
taucht allerdings erst im zwölften Jahrhundert auf als 
LopiaCy Lopchac, Loupchacum, Lupiacum, Loupxat (x-Schrei- 
bung für rA) 13. Jahrhundert, Lapiacum 1301, LoiKhat 1302. 
Neben der durch Volksetymologie entstellten modernen 
Form Longchapt ist auch heute noch Louchat ge- 
bräuchlich. 



' CIL. II 4036; XII 4188. — ^ Bei Holder. 



214 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Lousius^ kennzeichnet sich schon durch das ou als 
gallischer Name. Darauf möchte ich Luzy (Nievre) zurück- 
führen, da es in seiner ältesten Form bei Fortunat Lausea 
heißt; auch Lausia 900 kommt vor. au ist eine beliebte 
lat. Umschreibung des gall. Diphthongen ou, der wahr- 
scheinlich ähnlich dem langen geschlossenen o im eng- 
lischen cold, hone gesprochen wurde und dessen Ersatz 
auch nicht selten ö war. Das Suffix m, ia der obigen 
Formen wäre dann eine ungenaue Schreibung für da << 
iaca, so daß die Grundform *Loiisiaca angesetzt werden 
kann, die streng genommen *Lusie hätte ergeben müssen; 
doch kommt Luzy schon 1196 zum ersten Male vor. 

*Lucotos scheint ein gall. Personenname zu sein, der 
nicht selbständig nachzuweisen ist, aber im oft belegten Lu- 
kotiknos, Sohn des Lucotos, ferner in Lufjotorige von *Lugo- 
torix ^ und endlich in Lucotios enthalten ist, der Ab- 
stammung nach zu lucot- "^Maus', air. luch, gen. lochad 
gehörig. Eine Erweiterung des Namens ist *Locoteius, 
woraus der ON. Locoteiacus gebildet ist, der sich bei Ve- 
nantius Fortunatus ^ und auf einer fnerowingischen Münze 
findet, jetzt Liguge(Vienne), Locodiacinsis schon bei Gregor 
von Tours, Lugugiacus 962, Legudiacus 962 und 1077. 

Lücena heißt eine gall. Göttin auf einer Inschrift aus 
der Rhein pro vinz.* Auch die keltischen Bewohner eines 
Teils von Irland tragen den Namen Luceni. Endlich ist 
ein Gentilicium Lucenius auf gall. Boden belegt^, so daß 
*Lucenacus, das jedenfalls als Grundform für Lucenay- 
l'Eveque (Saone-et-Loire) angesetzt werden muß, als eine 
rein gallische Bildung angesehen werden darf. Lucenay- 
le-Duc (Cote-d'Or) ist in einer Urkunde von 883" als 



1 CIL. VII 600. 680 und auf einer inerow. Münze. 

2 Caesar, ß. G. V 22, 2. 

ä De virt. S. Hilarn XII 41. 

* CIR. 188, siehe auch Holder, der einen zweiten Bele^ 
anführt. 

^ CIL. V 7890; XII 4063. — « Reoherches 455. 



Gallische Namen mit dem Soffix -aco. 215 

LuceimacuH überliefert, waB entweder eine Variante des 
obigen *Lttcenacus ist oder auf einen lat. PN. *Lucennu8 
zurückgeht, der aus etruskischeni Laucinna^ entstanden 
wäre. Zweifelhaft, weil zu spät belegt, ist Lusigny (Aube) 
Lusinlarum 1136, das zu lAtrena, aber auch zu lat. Lucinius, 
Schulze 85, gehören kann. 

Liillua ist mehrfach als Name von Handwerkern im 
gall. Sprachgebiete anzutreffen.* Auf *LuUaats wird 
Loulay (Charente - Inferieure) zurückgeführt werden 
mÜBsen, das Skok nicht zu kennen scheint. Loeuilly 
(Aisne), eine Vorstadt von Laon, heißt in einer Urkunde 
von 1113 Luliacnm, 1238 Luilli. Ein Gentilicium Lollius^ 
könnte als orthographische Variante von Lullius angesehen 
werden. 

Madia ist aus Oberitalien als männlicher Personen- 
name nachgewiesen und ziemlich aus derselben Gegend 
wie dieses ein Cognomen Madiacus.^ Madiacum heißt in 
einer Urkunde von 634 das heutige Montm^dy (Meuse), 
das noch im zwölften Jahrhundert als Mona Madiensi^ 
1239 und später wiederholt als 3/o?</twntV/»/ auftritt, während 
bereits 933 und 936 die irreführende Latinisierung Mona 
medius festgestellt werden kann, die auch die heutige 
Schreibung noch beeinflußt hat. 

Maignelay (Oise), für das ich alte Formen nicht 
anführen kann, dürfte auf gall. MaffuUla*^' + a«« zurück- 
irehen. 

Mausaiiosj latinisiert Maiusaeos, ist der oft durch Münz- 
legenden gesicherte Name eines gall. Fürsten, auch der 
Beiname des Batavers Carausiiis. Er setzt ein nicht be- 
kanntes *Maiisos voraus, das als *Mausncus heutiges Mozac 
(Puy-deDöme) ergeben hat, ungenau als Mausiaciis über- 



' Scholue 85. — « CIL. XH 5686, 499 u. a. 
' CIL. X 1403. — * CIR.1845: CIL. XII 993 u. ö. 
* CIL. V 4637. 5198. 

« CIL. X 6584 ans Velletri; XIII 1088 aasSaintes; auch ein 
PN. Maffniilianua, X 8105, enthält dasselbe Element. 



216 Die ältesten OrtsnaiBea und ihre Bedeutung. 

liefert- Mauze (Deux-Sevres) und Mauzac (Dordogne) 
haben denselben Ursprung. 

Melius''-, Mellius^ sind wohl nicht voneinander zu 
trennen und nach ihrem Vorkommen als gallische Namen 
anzusehen; doch ist für die folgende Gruppe von Namen, 
die meist erst sehr spät oder in alten Formen gar nicht 
überliefert sind, auch lat. Maelius, Schulze 185, zu be- 
rücksichtigen. Hierhergehören: Meilhac (Haute-Vienne), 
Meillac (Ille-et-Vilaine), Meilly (Cote-d'Or); auchMeslay 
(Mayenne), das zwar erst 1230 belegt ist, aber in der Form 
Melleium, die zusammen mit Mellay 1367 deutlich erkennen 
läßt, daß die heutige Schreibung nur durch halbgelehrte 
Phantasien oder in Anlehnung an ein zweites Meslay-le- 
Grenet (Eure-et-Loir) entstanden ist, das Ende des 
elften Jahrhunderts Maslacus heißt und das d'Arbois^ vom 
Cognomen Musculus, Holder vom gall. PN, Massulus^ her- 
leitet. Eine Bildung mit dem lat. Suffix -ano ist Meil- 
han (Lot-et-Garonne) (vgl. S. 130). Wie weit Mont- 
melian (Savoie) hierher zu rechnen ist, bleibt nach den 
spät überlieferten Formen Montemelian 14. Jahrhundert^ 
Mons Melianus 1477 zweifelhaft, und auch Skok weiß mit 
dem Namen nichts anzufangen; es muß außer obigem 
^Melianus usw. auch Aemilianus und Mediolanum in Er- 
wägung gezogen werden.^ 

Da ein PN. *Milius, '^Millius nicht nachzuweisen ist^ 
so sind auch noch hierher zu stellen: Milhac (Tarn-et- 
Garonne) MiUiacum praedium im siebenten Jahrhundert^; 
Milhac (Dordogne); mehrere Milly in Nord- und Mittel- 
frankreich, von denen Milly (Vienne) 936 als Müiacus 
vorkommt; Millas (Pyrenees-Orientales). 

Wie es Musius und seine Ableitungen Musinus, Musin- 
nus (bei Holder) gibt, so mag wohl auch ein Diminutivum 



^ CIL. II 3013 u.a. aus Spanien; V 3680 u. a. in Oberitalien ^ 
XII 852 u. a. in Arles und Nimes 

2 CIL. IX 5221; XII 4127. — ^ Rech. 481. — * CIR.434. 
^ Vgl. über Aemilianus Ant. Thomas in Rev. celt. XX 433. 
6 MGH. Merov. IV 593. 



Gallische Namen mit dem Suffix ••oo. 217 

*Miisillus existiert haben, das im italienischen ON. Musi- 
glinno enthalten ist. Aus diesem oder aus ebenfalls nicht 
nachgewiesenem *MiisuUius muß Muzillac (Morbihan) 
entstanden sein, für das MusuliacKm 1120, MmuHac 1123 
und Mttsüac 1250 als älteste Formen belegt sind. 

Zwei Mornac (Charente, Charente-Inf6rieure) sind 
nach Holder zuerst als Mumacus überliefert Da ein PN. 
Mumus oder ähnlich nicht nachzuweisen ist, so wird 
man an häufig aus allen Teilen der keltischen Lande 
überliefertes Muranits denken müssen *, so daß als 
Grundform *Muranacum anzusehen wäre. Auch Mornay 
(Ain) mag hierher gehören; es ist erst 1164 als Momaco- 
belegt. 

Miisicus ist als Personenname oft und, wie es scheint, nur 
im keltischen Sprachgebiete anzutreffen*, so daß man trotz 
seines lat. Klanges doch darin einen echt gall. Namen 
wird sehen müssen, vermutlich eine Koseform von Musm, 
das ebenso wie Miisim einmal bei Holder belegt ist. 
Musicaco vico heißt auf einer merowingischen Münze der 
Ort Mouzay (Indre-et- Loire), während eine größere Kom- 
mune desselben Namens im Dep. Meuse nicht in alter 
Form überliefert ist. 

Najao (Aveyron), spät überliefert aXs Najacum, Atlas 
248, scheint auf *Kadiiu<i zu weisen, das allerdings nicht 
belegt ist, das aber in dem PN. Nadiaais^ und im ON. 
Nadilliacus bei Holder enthalten ist. *Naviacum zu dem 
lat. PN. Navius, Schulze 197, ist ausgechlossen, da Flaviacum 
in Aveyron Flaujac lautet. 

"'Nanto, Ollis ist bis jetzt als Personenname nicht 
nachgewiesen, scheint aber im Götternamen Nantosvelta 
enthalten zu sein. Der Genitiv dieses Namens liegt vor 
in Caslrnm Nantoiiis, G6ogr. 321, jetzt Chäteau-Landon 
(Seine-et- Marne), höchst wahrscheinlich auch in Nantoik 



» CIL. XII 5686, 61 Id; CIR. 1525; Schuerro. 8745 u. ö. 
« CIL. XII 3757; XIU 1575. 5817; CIR. 498. 
» CIL. XI 494. 



218 Die ältesten Ortenamen und ihre Bedeutung. 

(Saöne-et-Loire, Nievre, Yonne). Auf ein *Nantos als Grund- 
form weist auch das Gentilicium Nantius^ hin, das wiederum 
im ON. ^Nantiacus enthalten ist, in Frankreich mehrfach 
vorkommend. Am bekanntesten ist die Hauptstadt von 
Lothringen, Nancy (Meurthe-et-Moselle), Nandaco auf einer 
merowingischen Münze, Nanceiacus 896 und oft später, 
Nanceyo 1069. Für Nancy (Haute-Savoie) und Nanciat 
(Ain) weiß auch Skok 192 keine alten Formen anzugeben; 
ebenso wenig für Nantiat (Haute -Vienne), das natürlich 
wegen der Behandlung der Lautgruppe tia nicht zu Nan- 
tiacus gestellt werden kann. Er setzt daher *Nanteiacus 
von nicht belegtem *Nanteius als möglich an, was man 
besser durch Nanluacus, eine Bildung aus dem PN. *Nan- 
tuus ersetzt. Nantuacus ist nämlich bei Longnon, Atlas 191, 
für Nantoux (Cote-d'Or) überliefert, wobei ja allerdings 
die Entwicklung der modernen Form aus der alten noch 
der Aufklärung bedarf. Nantoacus kennt Longnon, Atlas 64, 
nun auch als ältesten Namen von heutigem Nantua (Ain), 
das aber später, Atlas 191, als Nantuadis erscheint. Skok 20 
nimmt bedauerlicherweise von dem ersteren keine Notiz 
und erklärt Nantuadis für eine jüngere Schreibung der 
echt gall. Form Nantuate, d. h. einer Bildung mit dem 
sehr verbreiteten gall. Suffix -ate. Sollte sich diese Auf- 
fassung bestätigen, so käme als Stammwort außer dem 
PN. *Nantu auch noch das Appellativ nant 'Tal' (s. oben 
S. 137) in Betracht, ja schließlich auch der Volksname 
der Nantuates, zumal da diese in jener Gegend tatsächlich 
ihre Wohnsitze gehabt haben. ^ 

*Patta^ ist nur einmal nachzuweisen, doch existieren 
Ableitungen wie Patteius, Pafto, Pattusius. Auf ^Pattacus 
dürfte Patay (Loiret) zurückgehen. 

Patera heißt bei Ausonius an zahlreichen Stellen ein 
berühmter Rhetor; auch im Irischen begegnet der Name 
in der Form Gathäir, und Namenformen wie Pateratus, 
Paferio, Paferius führt Holder aus keltischem Sprachgebiete 

1 CIL. III 5901; XIII 666. 805. 

2 Caesar ß.G. VI1.5. 10 u. ö. — => CIK. 745. 



Galliacbe Namen mit dem Suffix -aco. 219 

xvn. AuH *Paterants, kontrahiort *Pa/racM*, dürfte Payrac 
(Lot) entstanden sein. 

Psntos, Pinio.t sind wenigsten« als Femininum Pinta 
einmal durch eine Inschrift aus England erhalten.' Es 
sind die gall. Formen für lat. QuwtiiM, womit wie bei den 
Römern gelegentlich das fünfte Kind der Familie be- 
zeichnet wurde. Gebräuchlicher waren die Gentilformen 
Pentiiis, Pintvts und IHntia*, aus denen dann der ON. 
*Piniiacm^ Pinciacm abgeleitet ist. Letzteres erscheint in 
einer Urkunde von 711 für das heutige Poissy (Seine- 
et-Oise); auch einen pagus Pinciacitisis hat es gegeben, nach 
jenem Orte benannt, der noch in neuerer Zeit als Le 
Pincerais gelebt hat. 

Wie lat. Quintiis das Diminutiv Quintinus entwickelt 
hat, so * Pentos ein Pentium, das sich, adjektivisch gebraucht, 
als ON. Pantin (Seine) 1196 PentinUm^ erhalten hat. 
Späte Ableitungen aus einem hierher gehörigen PN. 
Pantin sind offenbar La Pantiniöre (Mayenne) und wahr- 
scheinlich Pantainville (Eure-et-Loir), das 1080 in einer 
Urkunde als Pantaginus villa bezeichnet ist, gewiß infolge 
einer halbgelehrten Schreiberetymologie. 

Unklar ist Pipriac(Ille-et-Vilaine), für da8lx)ngnon, 
Atlas 195, als historische Form Prif^jnriac anführt, des- 
gleichen Quicherat 30 Prisperiar. Ein lateinischer Name, 
der hinter diesen Formen sich verbirgt, ist nicht zu 
finden, ebensowenig ein gallischer ; dagegen macht es die 
Lage des Ortes wahrscheinlich, daß ein in. sei keltischer 
zugrunde liegt. 

Raniilus ist einmal durch eine Inschrift aus Rom"* 
belegt, sonst aber auf altrömischem Boden nicht anzu- 
treffen. Nun findet sich ein ON. Ramelaco auf einer 
Münze aus mei-owingischer Zeit, den Holder mit heutigem 
Le Remblay (Sarthe) identifiziert; der Schluß, daß 
obiges Ramilus ein gallischer Name sei, ist also nicht un- 

» CIL. II 551. — « CIL. III 6010. 162; XIII 7037 u. ö. 
' D'ArhoiH de Jubninville. Premiers Habitantn II 291. 
* CIL. XV 3557. 



220 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

berechtigt, vermutlich für genaueres *BamiUus aus eben- 
falls belegtem gall. Bamus oder Ramms. Ebenso ist es 
wohl gestattet, den belgischen Schlachtenort Ramillies 
(Brabant) auf älteres '•^Ramüiacas zurückzuführen. 

Auf Beccius^, Biccius^ beruht: Beciacus 868, heutiges 
Recy (Marne); die gleiche Form, ebenfalls in karolingischer 
Zeit, Atlas 196, bezeichnet Recey-sur-Ourse (Cote-d'Or);. 
endlich ist der ON. Les Riceys (Aube) aus der Ver- 
einigung von drei aneinandergrenzenden Ricey-Bas, 
Ricey-Haut und Ricey-Haute-Rive entstanden, für 
die schon auf merowingischen Münzen Biciacus, 695 Be- 
tiacus, Beciacus, im achten Jahrhundert Äicceiws begegnet; der 
letzte der drei Orte wird durch Ältaripa, Atlas 164, näher 
bestimmt. 

Biparus, gallisch oder ligurisch, ist nur einmal^ als 
Personenname aus Solothurn nachgewiesen und könnte 
wohl das Grundwort für heutiges Riberac (Dordogne)' 
bilden, das allerdings erst aus dem zehnten Jahrhundert als 
Bibhairac, Bibairacum 1090 belegt ist, wahrscheinlich zu- 
rückgehend auf älteres *Bipariacus. 

Bübios ist als Personenname auf einer gallischen 
Bronzemünze zu lesen, eine Nebenform von häufigerem 
Bubbius. Davon abgeleitetes Biibiacum, Atlas 197, be- 
zeichnet das heutige Rouge (Loire-Inferieure) ; auch mehrere 
Rougeac (Haute-Loire) gehen vielleicht darauf zurück, 
obwohl die älteste Überlieferung hier schon Boyago 897, 
Bogiacus 909 bietet, das an ein ebenfalls erhaltenes Bugus'^ 
anklingt. 

Buttonia heißt die Gemahlin eines Kaufmanns aus 
dem gallischen Stamme der Triboci." Diesen Namen 
möchte ich im schon romanisierten Bodoniacum suchen,, 
das im neunten Jahrhundert für Rosny-sous-Bois 
(Seine) erscheint neben Boogniacum, Booneium. Denselben 
Ursprung hat vielleicht auch Rosny-sur-Seine (Seine- 

1 GH.. IX 2960. - * II 3763 ; III 1818 ; V 7733 ; XII 2583. 2615. 

2 CIL. XIII 5177. - * CIL. III 12014, 479a u. ö. 
5 CLL. XIII 2018. 



GHlliHclie Namen mit «lern Suffix -aco. 221 

ot-Oise), Ivosiniy (Aubo), Kusnuy (Marne), dossen JBo- 
denaiam elftos Jahrhundort allerdings auch Rutenius^ als 
Grundwort zulüßt. 

Sadrus ist ein in zahlreichen Inschriften belegter 
galÜBcher Name*; auch die Gentilform Saciritts kommt 
vor^ und ist im heutigen Ceyz6riat (Ain) verl)orgen, 
dessen Schreibung auf irrtümliche Anlehnung an den 
Namen Caesar zurückzuführen ist, während ältere Formen 
im Anlaut ein s zeigen: Saisiriacum, Seysiriacum.* Denselben 
Ursprung hat Ceyzerieu (Ain), das in Urkunden sogar 
die Form Sasiriaco neben Samriaco aufweist, und Sai- 
zerais (Meurthe-et-Moselle). 

Sattonius und sein Femininum, in vielen Inschriften 
des gallischen Sprachgebietes erhalten*, ist eine Weiter- 
bildung der Namen Satto und Sattius und hat zu einem 
ON. '^Sattoniacufi geführt, der zwar nicht in dieser, wohl 
aber vielfach in ähnlicher Form erhalten ist: Saihonagium 
und Safhanagium stammen aus dem Jahre 714, adjekt. 
Sathanacensis aus 886, sämtlich auf den Ort Stenay 
(Meuse) bezüglich; ein anderes Stenay (Ardennes) heißt 
nach Ix)ngnon, Atlas 201, SaOianiaais. Noch deutlicher 
ist die ursprüngliche Form erhalten in Sathonay (Ain), 
für das Guiguc'' nur die sehr jungen Formen Satenay, 
Satennay anzuführen weiß, die auf *Sattoiuiaif{ vom PN. 
JSatto zurückgehen. 

Scaunis'', ein fremdartig klingender, vielleicht nicht- 
gallischer Name, muß mehreren Satriacus zugrunde gelegt 
werden, deren ältestes Villa Scuriacus 96G für Ecur^ 
(Vienne) bezeugt ist. Von drei Ecury im Dep. Marne 
begegnet das älteste Ecury -le-Repos von 1124 an mehr- 

» CIL. V 8261. 8448. 

» CIL. V 5885; XII 5686, 775 n. ö. 

» CIL. XIII 10010, 1690. 

* Giiifcue, TopQ);r. historique de l'Ain 66, der keine urkond- 
lirhe Erwfthuunjf vor 1084 kennt. 

» CIL. XIU 2195. 2259. 6437 u. ö. 

• Top. bist, du d^p. de lAin 872. 
' CIL. III 6707. 



222 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

mals als Gapella Escuriaci, während ein bedeutenderes 
Ecury-sur-Coole 1173 ^sc?/reiuw heißt. Ecurey (Meuse) 
tritt 1144 schon so ziemlich in der heutigen Form auf. 
Eine südfranzösische Bildung könnte Ecuras (Charente) 
sein. Zum Übergange au ^ u vgl. Tauriacus des folgenden 
Abschnittes. 

Scopilius und Scopilia^ sind gallische Personennamen^ 
für die auch die Variante Scuhilius vorkommt. Eine 
Villa ScuMliacus 844, Esculliacus elftes Jahrhundert ent- 
spricht heutigem Ecuil le (Maine-et-Loire). Dengleichen 
Ursprung hat offenbar Ecueille (Indre) und Escublac 
(Haute-Loire), das noch 1256 als Escuplac und 1270 als 
Escupliac das ursprüngliche *Scupiliacum erkennen läßt. 

Serotinus, Fem. Serotina finden sich in einer Reihe 
von Inschriften aus Gallien, einmal auch die Gentilform 
Serotinius.^ Hieraus muß ein *Serotiniacum gebildet sein,. 
das ich als Grundform für modernes Xertigny (Vosges) 
ansehe (anlautendes x für s ist in jener Gegend nicht 
selten; so gibt es z. B. zwei Xivry (Meurthe-et-Moselle), 
für die als ältere Formen Sujyeriacus 1049, Sivry 1243 
nachgewiesen ist). Das Stammwort Serota erscheint zuerst 
It. Ant., dann auch It. Burdig. und zu Sirotis entstellt 
schon in der Tab. Peut. als Name einer Ortschaft in Pan- 
nonia superior (vgl. Sardent S. 178). 

Slrus ist durch Inschriften aus Siebenbürgen, Ober- 
italien und vom Rhein ^ als gallischer Personenname ge- 
sichert und gehört zum Adj. Siros lang', air. sir, ky. ht)\ 
bret., körn. Mr-, vgl. lat. serus "^spät'. Siriacus ist als 
Ortsname überliefert, kann aber nicht mehr identifiziert 
werden; es ist vermutlich auch die Grundform von 
Cirey (Meurthe-et-Moselle), dessen ursprünglich anlautendes 
s wenigstens durch die späte Überlieferung Sires 1155 ge- 
sichert ist. Zwei andere Cirey (Haute-Marne) gehören 
wahrscheinlich ebenfalls hierher. 



1 Gregor v. Tours, Vit. patr. 9, 3; Acta Sanct. III, S.438D. 

2 CIL. XIII 7272. 

8 CIL. III 5096; V4842; CIR. 2019. 



Gallische Namen mit dem SufHx -neo. 223 

Solius^ mag uuh ülterom *Soulios entstunden sein, 
das .sich teils zu *Saulios, teils zu Solios, Sulios entwickelt hat 
*Saitlm istals Personenname nicht überliefert; doch findetsich 
für Sullysur-Loire(Loiret) auf merowingischen Münzen 
neben Soliaco, SoUiaco auch mehrmals SaiUiaco, desgleichen 
Sanliaco je einmal aus merowingischer Zeit für Souill6 
(Sarthe) und für Souilly (Meuse), welch letzteres von 932 
an oft als Soliacus erwähnt wird. Auf ^in ziemlich spät 
überliefertes Soliacus, Atlas 202. gehen auch Souillac 
(Lot) und Sully-la-Tour (Ni^vre) zurück. Endlich 
gehört hierher vermutlich der zweite Teil von Claye- 
Souilly (ßeineet-Marne). 

Ein PN. Spinus ist durch eine Inschrift aus Nimes* 
gesichert, auch Spinia^ und Spinnius* deuten auf ihn hin. 
So liegt es nahe, Epinac (Saone-et-Loire) als *Sphiacum 
zu deuten, um so mehr, als ein jetzt untergegangenes 
Epinuy (Nievre) 897 als Spinacium (für *Spinacum) er- 
scheint. Anders steht es mit Epinay-sur-Seine (Seine- 
etOise), dem als älteste historische Form Spinoffiliim, 
Atlas 203, entspricht, und das deshalb an anderer Stelle 
erörtert ist (S. 127).. 

Ein PN. Spalia ist einmal aus Spanien* überliefert, 
desgleichen von dort ein ON. Spaleia. Man könnte daraus 
einen PN. *SpaUo erschließen, den ich dem Orte Espalion 
(Aveyron) zugrunde legen möchte. Auch Espaly-Saint- 
Marcel (Haute-Loire) dürfte hierher gehören und von 
ursprünglichem *Spaliacum süimmen. 

Tarinus ist nur einmal in der Gegend von Lyon be- 
legt.*^ Auf *Tanniacus scheint Terguier (Aisne) zu- 
rückzugehen, das urkundlich erst spät überliefert ist, 
nämlich Terniacum 13. Jahrhundert; doch deuten Tarigny 
1419, Tarfftty 1498 darauf hin, daß der Vokal der ersten Silbe 
ursprünglich ein a war, wenn auch Übergang von älterem 

> CIL. XIII C972; V4729. 

• CIL. XII 3355. — » XIII 5736 (Ungre»). 

* V 6095 (Mailand). — » CIL. U 1402. 
<» CIL. XIII 10 001, 438. 



224 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

€ in ö nicht unmöglich ist. Auf *Tariniacus könnten auch 
Treignac (Correze) sowie Treigny (Yonne, Nievre) zurück- 
gehen, obwohl für diese vielleicht noch mehr gall. Trenus in 
Betracht kommt, das besonders in Ogaminschriften allein 
und als erster Bestandteil von Kompositionen erscheint. 
Es bedeutet 'der Starke, Tapfere, der Sieger' zu air. tren 
'stark', ky. tren 'ungestüm, heftig'. 

Törnos ist durch mehrere Inschriften aus gallischem 
Oebiete als Personenname überliefert^; vgl. Tornomagns 
neben Turnomagtis (S. 118), Tornodurum neben Turnodurum 
(S. 108). Eine Verwendung des bloßen Personennamens 
als Ortsname, also "^Torni praedium oder vüla, dürfte vor- 
liegen in Tours-sur-Marne (Marne), das 886 als 
Turnum erscheint. Tornacus heißt zuerst bei Hieronymus, 
dann in der ziemlich gleichzeitigen Not. Gall. und in der 
Not. Dign. occ. heutiges Tournai (Belgien-Hennegau), 
das allerdings in der älteren Tab, Peut. sowie im It. 
Ant. nur als Turnacum überliefert ist, was ich aber nur 
als eine Variante jenes ursprünglichen Tornacum ansehen 
kann, zumal da in späteren Quellen von Gregor von Tours 
an die Form mit o bei weitem vor der mit u überwiegt. 
Verschiedene andere Orte, die höchst wahrscheinlich den- 
ßelben Ursprung haben, führt Holder unter Turnacus an; 
so Tournay-sur-Dives (Orne) und Ternay (Loir-et- 
Cher), beide Atlas 205. Tornac (Gard) heißt Tornagiis 
814, Tornacus 922. Auch Tournay (Hautes-Pyrenees) 
gehört hierher, aber nur infolge von Übertragung des 
Namens der oben genannten belgischen Stadt; es ist eine 
mlle neuve, die im Jahre 1307 im Namen des Königs 
vom Marschall von Toulouse gegründet wurde und den 
Namen der königlichen Residenz an der Maas erhielt. 
— Auch mit dem Suffix -anus verbunden tritt Tornos 
auf in Tournan (Gers), Tornanum, Atlas 205, und höchst 
wahrscheinlich auch in Tournan (Seine-et-Marne), für 
das ältere Belege fehlen, — Ein Übergang von Tornos zur 



^ CIL. XIII 10010, 1929 u. 1930 u. a. 



Gallische Namen mit dem Safflx -aco. 225 

«•Deklination liegt vor in Tournon (Ardfeche), Tornone, 
Atlas 205, niöglicherweiKo auch in einem gleichnamigen 
Orte des Dop. Lot-et-Garonno, während Tournon-Saint- 
M artin (Indre) anderen Ursprung hat. (S. 118). 

Tartas (Landes) zeigt schon Atlas 204 die heutige 
Form. Da das Suffix -aatm in dieser Gegend gelegent- 
lich die Entwicklung zu as zeigt — vgl. Maillas (lindes) 
<^Malliacus, das allerdings Skok 11 anzweifelt — , so 
könnte man auch hier ein altes *Tartacus vermuten, her- 
rührend vom gall. PN. Tartos} 

U n i e u X (Loire), für das alte Formen nicht zu Ge- 
bote stehen, dürfte auf *Uniacus zurückgehen vom gall. 
Unius.* 

Utia ist nur einmal aus Südfrankreich belegt"' als 
Gentilicium des Stammwortes L'rus, das gallisch und 
germanisch (entlehnt auch lateinisch) den Auerochsen be- 
zeichnete. Uriacinn kennt Quicherat 39 als älteste Form 
von Huriel (AUier) (statt Z7riV, mit unorganischem h 
Hurie), Huriacum lOül . Auch Huiriat (Ain) zeigt dieses 
nicht berechtigte h, Guigue nennt ohne Zeitangabe als 
historische Formen Yurcacum, Vyria^ das Skok 60 zweifelnd, 
aber mit Unrecht auf Aurius zurückführen will. 

Vas-sius ist nach Schulze 450 echt italisch; da aber 
gallisch ein Appellativ vo,ssu.s 'Knecht, Diener' gesichert 
ist und der PN. Vassits in Gallien ebenfalls vorkommt, 
so wird Vassiiis beiden Sprachen angehören. Vassiacu.s, 
Atlas 207, entspricht heutigem Vassy (Haute-Marne), 
schon 662 Vuaseacit.s, um 1072 Vuasciacus; Vassy (Cal- 
vados) ist erst 1107 als Vadcium belegt, Vaacie 1155; 
im Dep. Yonne gibt es mehrere Vassy, von denen das 
bedeutendste Vassy- les-Avallon, iraJahrel210 Vasseium. 

VaiUy (Aisne) heißt 857 Vasliacus; daß das .s dieses 
Namens echt ist und der Name nicht wie andere Vailly 
(eher, Haute-Saöne) von Valitis abgeleitet werden darf, 



> CIL. XIII .3418. 10010, 1880. — « CIL. XII 5686. 
« CIL. XIII 327. 
Gröhlcr, Franz^iw-he Ortsnamen. lö 



226 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

geht aus den späteren historischen Formen hervor: Vaeslei 
864, Veislei 1138, Vesliacum 1143, Vaisly 1185. Das 
Grundwort ist Vassülius ^ mit seinen Nebenformen Vasilms, 
Vassellius, Vasselius^, zum Individualnamen Vassillus, -a* 
gehörig, derwiederum eine Koseform des vorher besprochenen 
Vassus darstellt. Auch La Gacilly (Morbihan)^ das im 
Dict. top. du Morbihan 74 ohne jede ältere Form erscheint 
und sich auch durch seinen Artikel als jüngere Gründung 
charaktarisiert, mag ein ursprüngliches Wassiliacm ent- 
halten, das aber, von irgend einer anderen, vielleicht nicht 
mehr vorhandenen Ortschaft entlehnt, zum Personen- 
namen geworden ist und nun, mit dem Artikel ver- 
bunden, la terre oder la maison de Gacilly bedeutet. — 
Eine sonst nicht belegte Nebenform der obigen Personen- 
namen scheint *Vassalius zu sein, das in Versailleux 
(Ain) enthalten sein dürfte, wie die häufigen historischen 
Formen Vassaliaco, Vassaleu, Vassalieux, Varsalieu bezeugen.* 
Auch Vasselay (Cher), spät als Vassalaicus, Atlas 207, 
belegt, verlangt ein Gentilicium ^Vassalius. 

Vercinius^ scheint eine Ableitung von Vereins^ zu 
sein (auch Vercus und Verco sind belegt) und hat sieb 
als Ortsname erhalten in Verchin (Nord) und in^ 
Verchain-Maugre (Pas-de-Calais). Derselbe Name oder 
Versinius, Schulze 253, liegt mehreren Versigny (Oise, 
Aisne) zugrunde, während man Versonnex (Ain, Haute- 
Savoie) lieber auf '^'Vercionacus oder dergleichen zurück- 
führen möchte. 

Verconniacum ist nach Holder die Grundform für 
Warquignies (Belgien-Hennegau), zu Verconnius oder 
Verconius gehörig. '^ 

Vercella^, ein aus einer Inschrift bekannter Personen- 
name, liegt in pluralischer Form dem berühmten Orte 

1 CIL. XII 2746. 2857; XIII 10021, 7. 

^ Belege bei Holder. 

3 CIL. V3570; XII 2286 u. a. 

■* Guigue, Topogr. bist, de l'Ain. 

s CIL. XIII10017, 886. — « CIL. XII 1052. 

' CIL. XII 907; XI 884. — « CIL. VIII 3463. 



(ialliRche Namen mit dem Suffix -aco. 227 

Vercellae zugrunde, in deBsen Nähe Marius 101 v. Chr. 
dem durch die Cimbern verbreiteten Schrecken ein Ende 
machte. Auf das nicht nachgewiesene Maskulin *Vercellu8 
oder auf ungleich häufigeres Verciüus^ geht anscheinend 
zurück Vercel (Doubs) und auf ein erhaltenes Gentilicium 
Vercellim bzw. das Fem. Plur. ""Vercellias zwei Ver sei lies 
(Haute- Marne). Als actim-Bildung tritt hierzu noch Ver- 
silhac (Haute-Loire). 

Vinay (Isöre) ist einmal aus dem Jahre 739 als 
Viennaticum belegt.* Daß aticum in dieser Gegend -ay er- 
geben sollte, ist schon darum ausgeschlossen, weil Sas- 
senage und Uriage in geringer Entfernung von Vinay die 
zu erwartende Gestaltung des Suffixes zeigen. Man wird 
daher berechtigt sein, das obige Viennaticum als eine un- 
genaue Überlieferung anzusehen, und tatsächlich kennt 
Skok 143 dafür die Formen Vinnaatm, Vinaicum, Vin- 
niacum, von denen die zweite als künstliche Latinisierung 
der heutigen Namenform wertlos ist. Die andern beiden 
deuten auf ein unbelegtes *Vimts oder *Vinnus hin, von 
denen nur die Gentilicia Vinius, Vinnius, Schulze 425, 
nachgewiesen ^ind. 

Vicani Vertillenses (oder Vertilienses) lautet eine 
römische Inschrift, die bei Vertäu It (Cöte-d'Or) gefunden 
worden ist und auf diesen Ort Bezug hat.'' Das zu- 
gehörige Substantiv ist danach der sonst nicht nach- 
gewiesene PN. *VertiUns (oder *Vertilius). Eine andere 
Bildung aus derselben Wurzel ist Vertiscus, der Name 
eines princeps der Remer."* Das Element Vertillus muß 
auch dem ON. Verteillac (Dordogne) zugrunde liegen, 
der in den Urkunden nicht vor dem 13. Jahrhundert 
vorkommt. 

Vfgius ist zweimal im gallischen Sprachgebiete be- 
legt* und bildet das Grundwort zu Vigiacum 691, Vi- 



I 



> CIL. m5037. 5113; XH 652 u. ö. 

s Atlas 208 und daraas entlehnt Holder III S15. 

* Berthood et Matruchot 99. — * Caesar-HirtiusBG. VIII 12. 

» CIL. III 11779; XIII 10017, 1080. 

16» 



228 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

diacum 715, Vigey 1215, jetzt Vigy (Elsaß-Lothringen, 
Bez. Metz). 

Vimpns^ oder Vimjnufi^ bilden einen ON. Vimpiacus, 
den ich hinter Guinchay (Saone-et-Loire) suchen möchte, 
obwohl mir historische Formen nicht zu Gebote stehen. 

Vinfium, der älteste Name der Stadt Vence (Alpes- 
Maritimes), wird von d'Arbois^ als ligurisch angesehen. Es 
kommt zuerst bei Ptolemaeus vor, der* Ouivxiov als die 
Stadt der (ligurischen) Nerusier bezeichnet, Civitas Vin- 
tiensium Not. Gall., vom vierten Jahrhundert an auch 
Ventium. Von dieser Stadt gibt es einen Beinamen Vintius 
für Mars als Schutzgott des Ortes und, jedenfalls ebenso 
abgeleitet, einen PN. Vintius, Vintia^, der, obwohl nicht 
häufig überliefert, doch ziemlich verbreitet gewesen sein 
muß, da es eine ganze Anzahl Ortschaften in allen Teilen 
Frankreichs mit dem Namen Vinciacum gibt. Der der 
Überlieferung nach älteste ist das jetzt unbedeutende, 
historisch aber durch den Sieg Karl Martels über die 
Neustrier berühmte Vincy (Nord), Vinciacum schon im 
Liber historiae Francorum cap. 53 und auch in karo- 
lingischer Zeit noch genannt. Mehrere andere Vincy 
liegen in den Dep. Aisne, Vosges, Haute-Savoie, Seine- 
et- Marne; ferner gehört hierher ein Vi ncey (Vosges), Vin- 
ciacus nach Quicherat 37, während Vin§a (Pyr^nees- 
Orientales) *Vintianus voraussetzt, das ich aber nirgends 
belegt finde. 

Vippius^ hält Schulze 519 für eine ganz junge 
Bildung, neben der auch einmal Vipius'^ vorkommt. 
Wenn beide Gentilicien zusammengehören, so sind sie 
von Vlpus nicht zu trennen, das nach seinem Vorkommen* 
in Gemenelium (Cimiez bei Nizza) entweder gallisch oder 



1 CIL. XII 5686; XIII 4707 ti. ö. — ^ m 4251. 

3 Prem. Hab. II 158. 

* III 1, 37. 

"^ CIL. X 431; V 7871 u. ö. 

« CIL.VI6488.7871. 7961f.; V7961u.ö.; XII 2590; XIII 2300. 

^ XII 2590. — 8 CILV 7874. 



Gallische Namen mit dem Saffix •aco. 229 

noch wahrscheinlicher ligurisch ist. *Vippiacu8 oder* Vipiacus 
wird man als Grundform für heutiges Vichy(Allier) an- 
setzen müssen, dessen ältester Name Aquae calidae zeigt, 
daß der Ort schon frühzeitig wegen seiner Quellen be- 
rühmt war.' 

Virius^ stellt Holder zu ir. ßr 'gerecht', ky. guHr. 
Viriacus ist als Ortsname sehr verbreitet und bezeichnet 
auf merowingischen Münzen heutiges Virey (Haute-Saone); 
Viry (Niövre) kommt von 60G an wiederholt als Viriaco 
vor; andere Viry in den Dep. Jura, Haute-Savoie, Seine- 
et-Oise, Aisne; mehrere Virieu (Isere, Ain); ein Viriat 
(Ain). Eine Landschaft Le Viry, im Dep. Niövre ge- 
legen, heißt in einer Urkunde vom Jahre 900 Veriacus. 

Zu VJricius und seiner Variante Vericius^ gehören: 
Verzy (Marne) Viriziacum 948, Virziacum 956, Verzeium 
1167; Verze (Saöne-et-Loire) ist Atlas 208 als Virciacus 
erwälmt; Verz6 (Sarthe) kommt nach Holder als Veri- 
ciacus vor. Auch Virsac (Gironde) kann hierher gehören. 
Eine Koseform von Viricius ist *Ftriao, erhalten in 
Vierzon (Cher) Virisiotie Atlas 208. 

Aus Virilius*, • Virillitis'' entsteht Virüiacus, schon 
auf merowingischen Münzen erhalten für Le Petit - 
Vrilly (Yonne); auch Vorlhac (Tarn-et-Garonne) kennt 
Mistral in der Form Virüiacum. 



» Vgl. auch Kech. 408. 

» CIL. II 5250; III 11650; V 5278. 5307 u. ö.; XII 1124; 
XIII 6914 u. ö. 

' CIL. XU 4024; III 12377 und oft, auch auf merow. 
Münzen. 

* CIL. III 8955; XUI 1326 u. ö. 
» V 4169; XII 615. 3292 u. ö. 

* In glor. conf. 46. 



L 



230 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

II. Lateinische Personennamen mit dem gallischen 
Suffix -aco. 

Äccius ist der Name eines ursprünglich umbrischen 
Geschlechtes^, dessen bekanntester Vertreter der Dichter 
L. Äccius war. — Aus *Äcciacus hat sich entwickelt 
Essey-lez-Nancy (Meurthe-et-Moselle), jetzt eine Vor- 
stadt von Nancy, Äcciagus 780, Äciacum 960, Aceio zwölftes 
Jahrhundert, Äcey 1248, Uscey von 1402 an. In dem- 
selben Dep. noch zwei andere Essey.^ Von zwei Essey 
(Ha Ute- Marne) heißt das eine gegen 860 Äbtiacus, was ich 
entweder für einen Schreibfehler oder für eine halbgelehrte 
Etymologie ansehen möchte, das andere Asciacus 950^ Aissi 
gegen 1177. Holder leitet von Acciaciis noch mehrere Asse 
(Mayenne^ Sarthe) ab; auch Essai (Orne) gehört wohl 
hierher. 

Ob Albius^ vom lat. Adj. albus abzuleiten ist, bleibt 
zweifelhaft; auch dem Gallischen ist ein Stamm alb- nicht 
fremd, und im Ligurischen besitzen wir den verbreiteten ON. 
Alba (S. 8 und 47) und PN. mit derselben Wurzel. Albiaco 
967 entspricht nach d'Arbois* dem heutigen Albiac 
(Lot); auch Aubiac (Gironde, Lot-et-Garonne) und Au- 
biat (Puy-de-D6me) weisen auf denselben Ursprung hin. 
Der bedeutendste Ort dieser Gruppe ist Alby (Haute- 
Savoie), das nach Skok allerdings erst 1353 als Albiaco 
belegt ist. 

Von Albus ist Albanus abgeleitet, das als Per- 
sonenname vorkommt^, aber auch eine rein toponyme 
Bildung sein kann. Es liegt vor in Alban (Tarn), wo- 
für ich historische Formen nicht beibringen kann. Das 
Gentilicium Albanius, Schulze 533, ergibt den ON. Au- 
bagne (Bouches-du- Rhone), das Saurel^ als Albanio, neuntes 



^ Pauly-Wissowa I 142. 

^ Lepage, Dict. top. du dep. de la Meurthe, 47. 

3 Pauly-Wissowa I 1317 ; Schulze 119. 

4 Eecherches 190. — ' CIL. II '2038. 

6 Dictionnaire des villes etc. du d6p. des Bouches-da-Rhöne. 
Marseille 1879; II 231. 



Lateinische Namen mit dem Suffix -aco. 231 

Jahrhundert, Villa AlbaTiea 1005 kennt. Albaniacus ergibt 
mehrere südfranz. Albagnac, Aubagnac, Aubagnat. 

Ein alter, bis in die Zeiten des ersten gallischen 
Einfalls in Italien zurückreichender Geschlechtsname ist 

Albinius^ vielleicht aus dem Cogn. Albinus abgeleitet\ 
den Deecke für liguri.sch, Schulze für etruskisch hält. 
Hieraus J/Wwtao<s, Atlas 163, jetzt Aubigny-en-Artois 
(Pas-do-Calais). Desselben Ursprungs sind zweifellos Au- 
bigney (Haute-Saöne), Aubigny (Cher, Aisne, Deux- 
S^vres, Calvados u. a.) und Aubigne (Ille-et-Vilaine), 
welch letzteres auch in Saint-Au bin-d'Aubign6 des- 
selben Dep. lebt. Im Südosten hat sich das l der ersten 
Silbe erhalten, wir finden Albigny in Saint-Pierre- 
d'Albigny (Savoie) und Albigny (Rhone). Andere hierher 
gehörige Namen aus Südfrankreich beiSkok 49. — Endlich 
sei als Bildung mit dem lat. Suffix -anum noch Aubignan 
(Vaucluse) erwähnt, Albinianum 844 nach Skok, während 
Courtet* neben diesem auch Albanianum, ja sogar Albi- 
nianim nennt. 

Allius, Schulze 423, Rech. 192, tritt um das Jahr 100 
V. Chr. in der römischen Geschichte auf. Auf Alliams 
gehen eine ganze Reihe von Ortsnamen zurück, von denen 
ich erwähne Aill6 (Vienne), Aliacus 673; zwei Ailly 
(Somme), ein anderes Eure. Auch die Pointe d'Ailly, 
<ler Name eines Kaps westlich von Dieppe, ist hierher zu 
rechnen; endlich aus Südfrankreich Aillac (Dordogne) 
und Aillas (Gironde). 

Albticius, außer in Italien besonders in Südfrankreich 
vorbreitet ', ist wohl, wie auch der Thesaurus annimmt, 
ligurischen Ursprungs. Albuciaciis kennt Skok 50 für 
heutiges Albussac (Corrtee). Longnon, Atlas 163, führt 
Albucime für Aubusson (Creuse) an, und andere Orte 
dieses Namens sind in den Dep. Vaucluse, Haute-Loire, 

' Pauly-WlBsowa I 1814; SchiiUe 119. Vgl. auch den ON. 
Albiitnum. 

* Dict. K^ogr. du d6p. de Vaucluse. 
' Thesaurus I 1497 f. 



232 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Puy-de-D6me, Orne vorhanden. Es ist ursprünglich der 
reine PN. Albudo, vielleicht eine Koseform von AlUicius, 
die allerdings durch Denkmäler nicht belegt ist. — Auch 
ein ''^Älbücus, gleichsam die Grundform zu Alhucius, mag 
bestanden haben, obwohl es als Personenname nicht nach- 
zuweisen ist; jedenfalls ist Albuca, Atlas 163, als historische 
Form für modernes Le Bugue (Dordogne) bezeugt.^ 

AmpMus erklärt Schulze 257 für eine bloße Variante 
von Ampiiis. Es hat sich erhalten im ON. Imphy 
(Nievre), der in einer Urkunde von 887 Ämßacus heißt, 
Emphi 1409. 

Anlhiac (Dordogne) heißt nach AÜ&s IQA Ampliaais, 
was vielleicht als eine Kontraktion von ^Ampeliacus vom 
PN. Ampelius, AmpelUus, Schulze 257, angesehen werden 
kann. 

AmantiushäXt Schulze 121 für etruskisch, während Otto^ 
den Namen von derStadt AmantiainBruttium ableitet.^ Der 
adjektivisch gebrauchte Name, also'''Amantia villaodev'''A7nmi- 
Humpraedium liegt anscheinend vor in A m a n c e (Haute-Saone). 
Für Amance (Meurthe-et-Moselle) hat Lepage Ähmantia 
875, Amansia Ende des neunten Jahrhunderts, Asmantia 
932, Amantium 1032^ worunter das vereinzelte Asmantia 
wohl als eine verfehlte Etymologisierung anzusehen ist, 
Amanziactis, Atlas 164, entspricht heutigem Amanze 
(Saone-et-Loire), und gleichen Ursprung haben jedenfalls 
Amancey (Doubs) und Amancy (Rhone, Haute-Savoie). 

'•'Anatius ist nicht belegt, kann aber aus Anatinus er- 
schlossen werden, und daraus hätte sich ein ^Anatiacus 
entwickelt, das als halbroraanisiertes Enaziacum, Atlas 248, 
die älteste Form von Ennezat (Puy-de-D6rae) darstellt. 

Aniciufi'^ ist ein aus Praeneste stammender Gentilname, 
auf den ich Anizy-le-Chäteau (Aisne) zurückführe, 
Anisiacus auf merowingischen Münzen des siebenten Jahr- 



1 Vgl. dazu Meyer-Lübke, Rom. Et. Wb. 825. 
^ Nomina propria latina a.a.O. 641. 
=^ Vgl. auch Pauly-Wissowa I 1725. 
-• Pauly-Wissowa I 2196. 



Lateiniiich« Namen mit dem Safflx »aco. 288 

hundertä. Anneoy (Haute-Savoie), das Skok befremdlicher- 
weise nicht behandelt, muß hierher oder zu einem gall. 
Anectius * gehören. 

Annim, seltener A7nus ist ein plebejischer Gentilname 
oskischcn Ursprungs. Cicero erwähnt ein Annianum prae- 
dium; ein ebensolches muß auch Aignan (Gers, Basses- 
Pyren^es) zugrunde liegen, während der gleiche Name mit 
dem Suffix -acum, also *Anniacuft für Aignay-le-Duc 
(C6te-d'0r) vorausgesetzt werden darf. 

Annonay (Ardöche) bereitet schon ökok205 Schwierig- 
keiten. Es gibt einen Gentilnamen Annonius in einigen 
Inschriften; doch ist als lateinische Grundform des ON. 
Anonacus, Atlas 164, belegt und für die gegenwärtige 
Form allein berechtigt. Da aber ein PN. *Ännonus nicht 
nachweisbar ist, so wird man auf Anno zurückgehen müssen, 
das durch mehrere Inschriften bezeugt ist ' und das Skok 
ohne Not unter die germanischen Eigennamen stellt. 

Antius, Schulze 123, ist in Ancy (Yonne) enthalten, 
Anciacuvi 721 u. ö. ; ein Ancy (Rhone) wird nach Skok 
im elften Jahrhundert als Anciaco erwähnt; Ancy-sur- 
Mo seile (Elsaß-Lothringen) heißt Anceiacum in einer Ur- 
kunde von 875. 

Arenus, Arrenusy Schulze 125, ergab einen ON. *Are- 
tiacus, kontrahiert *Aniacus, und darauf möchte ich 
modernes Arnac (Corröze, Haute- Vienne, Rhone) sowie 
zwei Arnay (Cöte-d'Or) zurückführen. 

Arrius, seltener Arius, ist ein besonders in Italien, 
aber auch in Gallien verbreiteter Name'', den wir als 
Ortsnamen gebraucht finden in Aire-sur-la-Lys (Pas-de- 
Calais), Aiia monasterio 856. Die Verbindung mit -acus 
zeigt in den Urkunden den Personennamen stets mit 
einem r : Ariacus 721, jetzt Hery (Niövre); Ariacus, Atlas 
165, jetzt Hery-sur- Alby (HauteSavoie) ; Ariacum 830 
für Heyrieux (Is^re); auch Heyriat (Ain), das erst 
sniit :il-^ f-jifa vorkommt, gehört gewiß hierher."* 

' LiviuH, Kpit. 139. 

» CIL. II 27S2; III 5610. — ' Thesaurus II 643 ff. 

■* Vfjl. über diese Gruppe auch d'Arbois, Recl». 379 ff. 



234 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Ärvius, Schulze 128, ein seltener Name, dürfte in 
Ervy (Aube) enthalten sein, da für dieses neben Erviacus 
1101 auch Ärviacus 1143, Arvi 1147 in Urkunden vor- 
kommt. 

Äsius ist nach den Angaben des Thesaurus^ ein 
nicht gerade häufig vorkommendes Cognomen, das man 
in Azay-le-Rideau (Indre-et-Loire) sowie in Saint- 
Benin-d'Azy (Nievre) wird suchen müssen; letzteres 
findet sich urkundlich zuerst als Sanctus Benignus 1287 
erwähnt, und Azy ist der Name einer Burg, die in der 
Nähe liegt und für die historische Formen nicht auf- 
zufinden sind. Ein Azy -le- Vif (Nievre) Äziacum 1156 
deutet durch sein Attribut an, daß es im Gegensatz zu 
einem untergegangenen Orte gleichen Namens steht, und 
diesen wird man jedenfalls in dem obigen zu suchen 
haben. Aus dem Süden dürfte hierher noch Aizac 
(Ardeche) gehören, während Azat (Haute- Vienne) jede 
Spur des i von ''^Äsiacus vermissen läßt und daher vielleicht 
anderen Ursprungs ist. 

Ein seltenes Asperius, Schulze 254, Anm. 2, zieht 
Skok 58 heran für Espira- de-l' Agly (Pyrenees- Orien- 
tales), für das er ein älteres Äspiria belegen kann, das 
dann auf ^Äsperianum zurückgehen müßte. Die ent- 
sprechende acum-Foxm könnten wir alsdann wohl in Es- 
pirat (Puy-de-D6me) sehen, für das aber alle historischen 
Formen fehlen. 

Attinius, Schulze 68 f., ist in Attigny (Ardennes) 
enthalten, das Atlas 62 Attiniacus heißt; ein zweites At- 
tigny (Vosges) ist nicht alt belegt, aber sicher auch hier- 
her zu stellen. 

Autius, Schulze 130, aber auch gall. Aucius oder ^Auctius, 
zu erschließen aus Audomarus ^, kann der folgenden Gruppe 
zugrunde liegen. Auxi-le-Chäteau (Pas-de-Calais) lautet 
Auciaco auf einer merowingischen Münze; Auxy (Loiret) 
ist Atlas 166 als Auciacus belegt; Oisy (Niövre) kommt 



1 II 796. — 2 CIL. III 5272. 



LateioiHübe Nomon mit dem Suffix -aco. 285 

im siebenten Jahrhundert als Audacm vor, Ausiacitm noch 
um 1100. Auxey (Cötod'Or) gehört wohl nicht hierher, 
da die älteste Form Alciacus^ sechstes Jahrhundert, eher 
an Alsins, Schulze 534, oder an AUHus^ ib. 71, denken 
läßt. 

*Audienaats aus Andiemis, Schulze 130, möchte ich 
in Oyonnax (Ain) vermuten, das Skok überhaupt nicht 
behandelt hat. Zwar kommt die Endung -aa? <^ acus in 
diesem Dep. sonst nicht vor, doch hal)en wir darin nur 
eine ganz moderne und willkürliche Schreibung zu sehen; 
die historischen Formen, die Guigue 278, leider ohne 
Daten, anführt, lauten de Oionaco, Genas, Oyonas, Oyenna. 

Die plebejische gens Aurelia, Schulze 468, ist eine 
der verbreitetsten römischen gentes; auf eine Nebenform 
Aurilius, die sich im zweiten Jahrhundert findet, macht 
Skok 60 aufmerksam. Atireliacus 899 ist die älteste Ge- 
stalt von Aurillac (Cantal) und von Orly (Seine).* 
Zwei Aureilhan (Landes. Hautes-Pyrenees) müssen ur- 
sprünglich *Aurelianum gelautet haben. Auch der Name 
Orleans (Loiret) gehört direkt zu diesen Ableitungen, 
nicht erst mittelbar, wie d'Anville annahm, der eine 
Anlehnung an den Namen des Kaisers Aurelianus ver- 
mutete. Diese Auffassung bekämpft d'Arbois* unter 
Hinweis auf die pluralische Form Aureliani, die sich schon 
in der frühesten Zeit findet und die als Abkürzung für 
ein vollständigeres fundi Aureliani anzusehen sei. Der 
gallische Name Cenabum ist der Not. Gall. bereits un- 
bekannt, da diese von einer civitas Aurelianorum spricht; 
bei Gregor von Tours erscheint Äurelianis (Abi.) neben 
Aurelianus als Ortsname. 

Avitiis^ ist ein nicht seltenes lateinisches Cognomen. 
Einen Ortsnamen Avitacum praedium nennt schon Si- 
donius.* Auch Aydat (Puy-de-Döme) setzt nach d'Arbois,* 
Avitacus voraus. Von Avitus ist ein Gentilicium Axntius 

> Kech. 434. — « Rech. 422. 

^ Paaly-Wia80waII2396; d'Arbois, Rech. 170. 

* Epist. U 2 ; Carm. XVIII. — » Rech. 145. 



236 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

gebildet, Schulze 34, Anm. 6, das, adjektivisch gebraucht, 
den ON. Avize (Marne) ergeben hat, Ävizia 1172, Avysia 
1200. Auf Ävitiacus endlich führt d'Arbois heutiges 
Avessac (Loire-Interieure) zurück.^ 

Barjac (Gard) läßt verschiedene Deutung zu, zumal 
da die historischen Formen Gastrum de Barjaco 1186 und 
Barjacum 1294 viel zu spät überliefert sind, als daß man 
auf sie irgendeine Erklärung gründen könnte. In Betracht 
kommen Barrius und Bargius^, letzteres gestützt durch 
ein Bargiacus bei Holder für heutiges Bargis in Chä- 
teauneuf-Val-de-Bargis (Nievre). Skok 152 scheint 
Bargius nicht zu kennen, denn er setzt ^Bardms vom 
gall. ^Bardus als mögliches Grundwort an, wogegen laut- 
lich natürlich auch nichts einzuwenden ist. 

Bassins, Schulze423, ist enthalten in Baissey (Haute- 
Marne) Basciaco villa 860 u.ö, und in Bessey(C6te-d'0r), 
das vom zehnten Jahrhundert an wiederholt als Basciacus 
erscheint. Auch Bessay (Allier) mag diesen Ursprung 
haben, während ein Bessay (Vendee) schon bei Gregor 
von Tours als Becciacus genannt und daher von d'Arbois^ 
mit Recht zum gallischen Cognomen Beccus gestellt wird. 
Ob Bessan (Herault) und Bessans (Savoie) zu einer 
dieser beiden Namengruppen gehören oder vielleicht zu 
Betius, Bettius, Schulze 403, ist schwer zu entscheiden, da 
ältere Formen fehlen. 

Ableitungen von Bassus sind Bassinius, Bassenius, 
Schulze 2 13 f., die wir im pagus Basiniacus 870, comitatus 
Basshiiacus 921 * suchen müssen, den ältesten Bezeich- 
nungen der späteren Landschaft Bassigny. — Auch 
Bessenay (Rhone) wird wohl hierher gestellt werden 
müssen, da ein PN. Bassenus nicht selten ist, während 



1 Recherches 138. Vgl. auch Kev. celt. XVI 114, wo 
d'Arbois aus der Form des Suffixes den Schluß zieht, daß hier 
bretonische Einwanderung vorliegt. 

2 CIL. VIII 12377, bei Schulze 73 f. 

* Recherches 342. 

* Dict. top. du dep. de la Haute-Marne s. v. Bassigny 



Lateinidcbe Namen mit dem Suffix «aco. 2B7 

^Besnenm nicht nachzuweisen ist und die illteste vor- 
kommende Form des ON. BessenacHS eine bloße I^tini- 
BJerunp; sein kann. 

Mehrere Bjiilly (Seine-et- Marne, Seine-et-Oise, Oise) 
dürften auf *Balliacu8 von Ballius, Schulze 206, zurOck- 
pehen. 

Bilius, Billiufi^, auch Billus* ist belegt. BilliacwtHbH 
ist die älteste Form von Billy (Aisne), und Billy (Niövre) 
heißt ebenfalls im neunten Jahrhundert Billiacum. Bill6 
(riU'-et-Vilftine) wird davon nicht zu trennen sein, und 
von südlichen Namen sei Billiat (Ain) genannt, das 
als BUUmmm bezeugt ist. Andere bei Skok 65f. 

Ob Bucdiis und Bucius nur Varianten desselben 
Namens oder verschiedenen Ursprungs sind, wage ich 
nicht zu entscheiden; auch Schulze 134 und 350 spricht 
sich nicht darüber aus; Skok stellt sie unter die kel- 
tischen Namen, was angesichts der Überlieferung nicht 
berechtigt ist. Auf Bueciaats scheinen die modernen 
Ortsnamen zurückzugehen, die in der ersten Silbe ou 
zeigen. Die wenigsten der hierher gehörigen Namen sind 
in alter Form überliefert; ich nenne als bedeutendere: 
Houssac (Creusc, Cantal 8 mal, ältestes villa Bociacus)\ 
r.oussac (Lot) Bossiaciim 972; La Boussac (Ille-et- 
Vilaine); Boussais (Deux-S^vres); Boussey (Eure). 
Auch Boissieu (Isore) und Bossieux (Ain) sind hier- 
her zu stellen, desgleichen Boissac (Haute-Vienne), wo 
der gutturale Laut auf den Vokal der Stammsilbe ein- 
gewirkt hat. Zur zweiten Gruppe gehören Buxy (Saöne- 
et-Loire) Buxiaais, Atlas 171; zahlreiche Bussy, die 
auch als Personennamen leben, z. B. Cöte-d'Or, Seine-et- 
Marne, Buceanis bzw. Buciacus, Atlas 171. Ob die über- 
lieferten historischen Formen alle echt und unanfechtbar 
sind, ist bei ihrem nicht gerade hohen Alter schwer zu 
sagen ; manche mögen künstliche Latinisierungen sein, 
was um so schwerer zu entscheiden ist, als sich hi diese 



Paulv-Wipsowa III 471. - « CIL. XI 



238 Die illteeten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Gruppe noch eine ganz andere hineinmischt, die sich in 
ihrer Entwicklung vielfach damit deckt, nämlich der 
Pflanzenname huxus '^Buchsbaum' mit dem Suffix -etum. 
So ist z. B. ein Bussy-en-Othe (Yonne) im neunten 
Jahrhundert als Buxido <I älterem buxetum überliefert; noch 
lehrreicher ist ein Bus sy (Marne), das folgende, zum Teil 
heterogene Formen nebeneinander aufweist: Buxidum um 
850, Buxitum um 1066, Bussiamm 1092, Buxeium 1030^ 
Busseium 1040. 

Brittius, Schulze 423, hat in Ortsnamen geringe 
Spuren hinterlassen, Briec (Finistere) erscheint im 
elften Jahrhundert als Brithiac.^ 

Boursay (Loir-et-Cher) liegt in alter Form nicht 
vor und ist höchst wahrscheinlich aMf^Bursiacus aus Bur- 
sius, Schulze 1 10, zurückzuführen. 

Cabelliiis, das Schulze 153 für etruskisch hält, dürfte 
in Chevilly (Loiret) enthalten sein; auch Quevilly 
(Calvados) und Le Petit-Quevilly (Seine-Inferieure) 
kann sich aus Cabelliacus entwickelt haben. *Cabellius geht 
dann zur 7i-Deklination über, und es entsteht Cabellio^ 
das, als Personenname nicht belegt, die älteste Form des 
heutigen CavaiUon (Vaucluse) darstellt, Ca^eZZio Plinius^,. 
KaßeXXiiuv schon bei Artemidor; besser paßt freilich zu 
der heutigen Form das von Strabo^ überlieferte KaßaWiuuv, 
das noch dazu durch einen inschriftlich belegten PN. Cabalio, 
Schulze 22 (vielleicht gallisch), gestützt wird. Auch Che- 
villon (Haute-Marne) CaviUonis 11^1 ist aus Cabellio oder 
Cabalio zu erklären; desgleichen Chalon-sur-Saone 
(Saone-et-Loire), das zuerst Cäsar* als Cabülonum erwähnt, 
eine Form, die auch bei den späteren Autoren vorherrscht. 

Chaussy (Seine-et-Oise) kommt im Jahre 690 (Holder) 
als Calciacus vor, das auf dem PN. Calcius beruhen wird. 

Gallus kommt in zwei Inschriften vor^, deren Fund- 
ort auf lateinischen Ursprung des Namens schließen läßt. 

^ Über die Endung -ec in diesem Namen d'Arbois, Eech. 138. 

2 II 36. - 3 IV 179 und 185. 

4 ß. G. VII 42, 5. 90,7. — ^ CIL. I 1180; VIII 16493. 



Lateinische Namen mit dem Suffix -aco. 289 

Callac (Cötee-du-Nord) und Callae (Var) sind zwar 
nicht in älteren Formen bezeugt, müssen aber auf *Cal' 
lacus zurückgehen. Verl)reiteter als das Cognomen Callus 
ist das Gentilicium Catlius Schulze 138 und Rech. 204, 
das rein erhalten zu sein scheint in Chailles (Loir-et- 
eher) = *CalUa8 (villas), während eine Fortbildung des 
PN., Callio, -onis, die natürlichste Erklärung des berühmten 
Chillon am Genfer See ergibt. P^ine Bildung mit dem 
lat. Suffix -ano ist Quill an (Aude), wofür Baich^re^ die 
Formen Calianum, Kalhannm, Qiiilianum kennt; Quilhan 
(Gard) ist ebenso zu beurteilen. Noch viel zahlreicher 
sind die Bildungen mit -aco: Cailly (Seine-Införieure) 
Calliacus, Atlas 172; Chailly-en-Brie (Seincet-Marne) 
heißt in der Tab. Peut Calagum, wofür aber Longnon 
mit Recht Calianim fordert. Andere hierher gehörige 
sind nicht in alter Form überliefert, so: Chailly-en- 
Biöre (Seine-et-Marne); Chailley (Yonne); Chaill^^ 
(Vendee zweimal); Chaillac (Indre, Haute -Vienne)^ 
Chilhac oder Chili ac (Haute- Ix)ire), erhalten auch in 
Lavoüte- Chilhac; Chilly (Haute-Savoie). 

Neben Calliiis kennt d'Arbois* auch zweimal die Form 
< 'aliiis, und an sie schließt sich am besten Ckilinim, Schulze 
lö8, an, das Stammwort für Chaligny (Meurthe-et- 
Moselle); doch existiert auch Callonius. 

Calvinius, Schulze 139, hat sich aus dem Cognomen 
( 'alvinus entwickelt und dieses wiederum aus dem Stamm- 
worte Calvus 'der Kahle' wie Quvitinus aus Quiutits usw. 
Calviniacm heißt Atlas 172 das heutige Chauvigny 
(Vienne), und Chauvign6 (Ille-et-Vilaine) ist jedenfalls 
auch hierher zu zählen. 

Caniarus findet sich nach d'Arbois* als Cognomen 
zweimal auf den Mauern von Pompeji; die Formen Ca- 
ynariiis, Camannus, Camarenus, Camaranius, Schulze 139. 
sind suffigierte Weiterbildungen desselben Stammes. Das 

' Los aoQifl latins et ronians des communes de l'Aade 90 
- Kech. 204. — » Rech. 171. 



240 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

von Camarus gebildete Adjektiv, nämlich Camarim (insula), 
die Insel des Camarus, Atlas 172, bat den bekannten 
Namen La Camargue (Boucbes-du-Rhone) ergeben. Ga- 
maracus Tab. Peut., It. Ant., Not. Gall. endlich ist der 
Name des heutigen Cambrai (Nord). Nach der Stadt ist 
der pagiis Gamhriacensis 677, Gamaracensis 799, 843 u. ö. 
bezeichnet, afz. le Cambresis, zuerst in dieser Form 
1376 und geschichtlich berühmt durch den Stadtnamen 
Cateau-Cambresis, heute Le Cateau. Ob auch das 
Cap Camarat (Var) hierher zu stellen ist, vermag ich 
nicht zu sagen, da mir ältere Formen nicht zu Gebote 
stehen. Das Gleiche gilt von den weit auseinander liegenden 
Orten Camaret (Finistere) und Camaret (Vaucluse), 
die allerdings eher wie ursprüngliche Bildungen mit dem 
gall. Suffix -ate aussehen. 

GamiUms, Gamilius, Gamellius, Camelius, Schulze 140, 
kommen neben gall. Gamulius (s. d. S. 201) in Betracht 
für Chemille (Maine-et-Loire) Gamiliacus 775; auch von 
zwei Chemille (Indre-et-Loire) ist das eine auf mero- 
wingischen Münzen als Cam?7iac'0 bezeugt. Chemillat (Ain) 
und zwei Chemillieu (Ain) treten ebenfalls als Gamüiacum 
auf. Chambly (Oise) heißt schon auf einer Münze aus 
merowingischer Zeit Gamiliaco, oppidum Gamliacense 627, 
pagus Gamüiacensis um 640 u. ö.; Chambley (Meurthe- 
et-Moselle), das erst Ende des zwölften Jahrhunderts in den 
Urkunden auftaucht, gehört ebenfalls hierher, vielleicht 
auch Cham biet (Allier). 

Chamigny (Sein e-et- Marne) kann aus '•' Gaminiacus 
vom PN. Gaminius oder Gamonius, Schulze 140, ent- 
standen sein. 

Gampanus und häufigeres Gampanius sind nach Schulze 
352 mehrdeutig; am nächsten liegt die Ableitung aus dem 
nicht gerade alten Volksnamen. Das der Überlieferung 
nach früheste Gampaniacus stammt aus dem Jahre 802 
und bezieht sich auf Champagne (Sarthe); Cham- 
pagne-le-Sec (Vienne) ist von 969 an als Gampaniacus 
bezeugt und trägt seinen Beinamen im Gegensatz zu 



Lateinische Namen mit dem Suffix -aco. 241 

Chainpugiie-leB-Marais in demselben Dop. Cham- 
pagnier (le^re) tritt erst Anfang des zwölften Jahrhunderts 
auf. Champigny (Marne) heißt um 940 Campaniacits, ein 
Charapigny-Hur-Marne (Seine) im Jahre 862 Campi- 
niacus. Zur Erklärung des t in diesen und anderen 
modernen Namen bedarf es nicht, wie Skok 70 will, der 
Ansetzung eines PN. *Campiniiis, der Übergang a"^ i ist 
vielmehr durch das mouillierte n hinreichend motiviert, 
wie auch die Parallele Montaniacus "^ MonÜgny usw. be- 
weist. Von den 38 Kommunen, deren Namen d'Arbois* 
auf Cam/;a«iacMÄ zurückführt, seien noch genannt: Ch am- 
pagney (Haute-Saöne); Champagnac (Dordogne); Cam- 
pagnac (Tarn, Aveyron), Campagnac-lös-Quercy (Dor- 
dogne); Camp6n6ac (Morbihan); Champagny (Savoie); 
Champignö (Maine-et- Loire). 

Canus, eigentlich 'grau von Haaren*, ist ein lateinisches 
Cognomen, für das d'Arbois* zahlreiche Beispiele aus 
Italien und CJallien anführt. Chanac (Lozöre), Ghanas 
(Isöre), Chanay (Ain), Chenay (Saone-et-Ijoire, Deux- 
Sevres), Cany (Seine- Inf^rieure), Channay (Indre-et- 
Loire) können sämtlich aus älterem *Canacus erklärt 
werden. Eben so häufig wie CamiH ist Canius, Schulze 142, 
woraus eich eine Anzahl Ganiacus ergeben: Caniac (Lot) 
Camiiacus in merowingischer Zeit*, Chagny (Ardennes), 
Atlas 172; unbelegt Chagny (Saone-et-Loire), Chaneac 
(Ardeche), Chignac (Dordogne), auch in Saint-Pierre- 
de-Chignac. Cagnes ( Alpes-Mari times) ist wahrschein- 
lich *Ca7iias (villas). 

Cantilius, Schulze 144, muß in Chantilly (Oise) 
enthalten sein. 

Chablis (Yonne) heißt in seiner ältesten Gestalt 
Capleia um 860, das ich mir als *Capliaais deute, da eius 



' Reell. 210. 
* Rech. 471. 

» MGH., Script. Merov. IV 588, 2. 
G r ö h I e r , Franx6sische Ort<niamen . M 



242 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

in mittelalterlichen Urkunden oft ursprüngliches -iacus 
darstellt — das auslautende a der obigen Form entspricht ja 
überhaupt der heutigen Gestalt des Wortes nicht und ist 
wohl ungenau. *Capliacus könnte dann eine Kontraktion 
von noch älterem *CapeUiacus sein, aus einem PN. CapelUus, 
Schulze 153, gebildet. 

Capito, Schulze 315 ^, ist ein häufiges lateinisches 
Cognomen, und aus ihm hat sich ein ON. *Capitonacus 
gebildet, der in der Form Captinacus^ Atlas 172, belegt 
ist und heutiges Capdenac (Lot) bezeichnet. Chaton- 
nay (Isere) hat vermutlich denselben Ursprung. 

Für Carnac (Morbihan) nennt Quicherat 41 ein älteres 
Carnacum ohne Datum; Carnacum 739 führt d'Arbois^ für 
Charnay (Saöne-et-Loire) an; auch Charny (Meuse) ist 
im neunten Jahrhundert als Carnacum belegt, während 
später Carniacum dafür auftritt; dazu Charny (Yonne), 
spät belegt. D'Arbois setzt a. a. 0. als Grundwort ein 
Cognomen '^ Camus an, das er an den Namen der keltischen 
Völkerschaft der Carni anschließt, für das sich aber 
keinerlei Beleg beibringen läßt. Eine zweite Möglichkeit 
der Erklärung wäre Carnacum = '^Garinacum vom Cognomen 
Carinus.^ Skok 218 endlich lehnt die Anknüpfung der 
obigen Worte an einen Personennnamen ab und sieht in 
dem Stamme ein keltisches Appellativum carn 'congeries 
lapidum\ '^Haufen, Hügel', eine Deutung, die mir noch 
unsicherer scheint als die beiden obigen. 

Casilius, Schulze 241, ein nicht häufiges Gentilicium, 
hat Casüiacus, Atlas 173, ergeben, jetzt Cazillac (Lot). 

Cassius^, der verbreitete Name einer plebejischen 
Gens, deren bekanntester Vertreter der Mörder Cäsars ist, 
findet sich auch nicht selten in Gallien. Cassiacus 670 
ist die älteste Form fär Chessy (Aube); Chessy-les- 



^ Vgl. auch Pauly-Wissowa III 1526 f. 

" Rech. 488. 

« Pauly-Wiseowa III 1591. 

^ Pauly-Wissowa lU 1678 ff. 



Lateinische Namen mit dem Suffix »aco. 248 

Min es (Rhone) — der Beiname von dort vorhandenen 
Kupferborgwerken — heißt Chassiacus, Atlas 174; Cheys- 
sieu (Isfere) Cassiams, Atlas 178. Auch Chassy (Cher, 
Yonnc u. a.) muß hierher gehören; Chassy (Niövre) ist 
sogar 864 als Cassiacum belegt. 

Chassigny (Saöne-et- Loire) kann auf CasseniuSy 
Schulze 147, zurückgehen oder auf eine nicht nachweis- 
bare gallische Bildung *Cas8inu8 (z. B. in Cassinomagus T. P. 
2 mal), vom gall. PN. *Cassiis, eigentlich 'die Eiche'. 

Cavinius, Cavinnius hält Schulze 76 für etruskisch. 
Caviniams finde ich als älteste Form für Chevigny 
(Marne); derselbe Ortsname kehrt wieder in den Dep. Nievre 
6 mal und Saone-et-Loire. (Vgl. auch gall. Cavannus, S. 203.) 

Cautius, Schulze 148, liegt dem ON. Cauciacus 719 
zugrunde, der dem heutigen Choisy-au-Bac (Oise) ent- 
spricht — le Bac bedeutet 'die Fähre'. Von den übrigen 
Choisy, die in Frankreich noch existieren, ist das be- 
deutendste Choisy-le-Roi (Seine), das nach Quicherat 
in der ältesten bekannten Form Cotiacum heißt; daß dieses 
sich nach bekanntem Vorgange aus älterem *Cautiacum 
entwickelt haben muß,, geht schon aus der Behandlung des 
anlautenden c hervor. Übrigens könnten einzelne Choisy 
auch auf gall. Causia^ zurückgehen. 

Celsius, Schulze 148, vom häufigen Cognomen Celsus, 
eigentlich 'der Hohe', gebildet, hat Celsiacus ergeben, das 
Atlas 174 für Souzy-la-Briche (Seine -et -Oise) be- 
zeugt ist. 

Sinceny (Aisne) wird in einer Urkunde von 877 als 
Cincinniacus erwähnt, Cincinhei 1130. Das Grundwort ist 
vermutlich *Cincinitis, eine bisher nicht nachweisbare 
Weiterbildung des Namens Cincitis, Schulze 266 (vgl. Ciri- 

riniMtHS). 

Für Clarius, aus dem viel gebrauchten Cognomen 
Clarus entwickelt, hat Pauly-Wissowa * nur ein Beispiel. 

» CIL. in 4987. 
« III 2628. 



mm 



244 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Ein terminus Clariacemis wird 667 auf heutiges Clery 
(Loiret) bezogen, während Clary (Nord) erst 1139 urkund- 
lich nachgewiesen werden kann. 

Glepius, Gleppius kennt d'Arbois^ in einer ganzen Reihe 
von Beispielen; dagegen ist eine anscheinend spätlateinische 
Form des Namens mit i in der ersten Silbe nicht zu 
belegen. Clippiaco heißt 717 der Ort Clichy (Seine) 
bei Paris. 

Coligny (Ain) Coloniacus, Atlas 175, muß, solange 
ein PN. *Colonius nicht nachgewiesen werden kann, auf 
ein seltenes Cognomen Colonus zurückgeführt werden ^^ 
das vielleicht eher gallisch ist als lateinisch und an das 
dann das Suffix -iacus getreten wäre. Einige andere hier- 
her gehörige Namen bei Skok 76, dem die Erklärung 
auch Schwierigkeiten bereitet. Von Coligny leitet der 
berühmte Hugenottenführer und Freund Heinrichs IV. 
seinen Namen ab. 

Couh6(Vienne) ist nicht vor dem elften Jahrhundert 
belegt, der Ursprung des Namens daher aus den ältesten 
Formen nicht mit völliger Sicherheit zu erkennen; Coacus 
elftes Jahrhundert, Cohec 1025, Coec 1080, Couhec 1305 
lassen entweder auf ursprüngliches *Goiacus von lat. Coius, 
Schulze 155 u. 168, oder auf *Gotacus von gall. Cotus^ 
schließen. 

Ob Cottinius lateinisch oder gallisch ist, steht nicht 
fest; der Stamm der gallischen Volcae Tectosages, die 
Gotini, die Tacitus* und nach ihm Ptolemaeus und Dio 
Cassius erwähnen, weicht mit -t- ab. Auf Gottiniacus 
geht zurück Cotignac (Var). 

Über Goccius vgl. d'Arbois^ Cosse-le-Vivien 
(Mayenne) ist als Gocciacum auf merowingischen Münzen 
und in einer Urkunde von 832 erhalten, in der Form 
Godiacum schon 802; auch Coussac (Haute -Vienne) er- 



1 Rech. 220. — ^ Plinius, Epist. 1X9; Colona CIL. V 3361. 
» Caesar, Bell. Gall. VII 32. 89. 67. 
* German. 43. 
^ Rech. 221. 



Lateinische Namen mit dem RatRx -aco. 245 

scheint auf merowingischen Münzen wiederholt als Cociacus 
und gehört entweder hierher oder zu CocitUy Schulze 426; 
Cusriacus 837 u. ö. für Coussay (Vienne) ist eine un- 
genaue Schreibung entweder für Cocciacua oder für *Cus- 
siactis von Cussim; Cousscy (Vosges) endlich ist nur in 
der halbromanischen Form Coxeium erhalten. 

Von mehreren Cu8 6ac(Haute-Loirc, Gironde, Vienne) 
ist das erste 993 als Cuciacus belegt; auch Cusset (Allier) 
heißt, Atlas 176, Cuciacus. Sie gehen auf CutHus oder 
Cucius mit «, Schulze 423, zurück. Hiervon weichen nur 
in der Gestaltung des Suffixes ab Cussey-sur-l'Oi- 
gnon (Doubs) Cussiacus, Atlas 177, und zwei Cussy (Cöte- 
d'Or, Saöne-et-Loire). Die Namen mit stimmhaftem 8 
wird man von 

Cusius oder Cutins, Schulze 158, ableiten müssen, so 
Cuisia (Jura); Cuisy (Meuse) Cuzeius810{z Umschreibung 
für stimmhaftes s); Cuisy (Seine-et-Marne) ist allerdings, 
Atlas 176, als Cuciacus überliefert, scheint aber doch eher 
dieser Gruppe zuzugehören als der vorigen. Für Cusy 
(Haute-Savoie) fehlen ältere Formen. Couisa (Aude) kann 
mit einiger Wahrscheinlichkeit hier eingereiht werden 
als ursprüngliches *Cusiaimm. 

*Coreliacum setzt Holder als Grundform für mehrere 
Corlay (Cotes-du-Nord, Indre, Saone-et-Loire) an; sie 
wären dann aus dem PN. Corelius, Corellius^ Schulze 441, 
entstanden. 

Aus dem viel gebrauchten Cognomen Crispus ', eigent- 
lich 'der mit krausem Haar', vgl. deutsches 'Krause' und 
u'allisches gleichbedeutendes Crixos (S. 207), hat sich ein 
Gontilicium Crispius gebildet und aus diesem ein ON. 
CrisjiidcHs. Am frühesten erwähnt wird ein Adjektiv 
Ctispiacetisis 664, das sich auf Cr^py-en-Laonnois 
(Aisne) bezieht; ferner sind bemerkenswert Cr6py oder 
Crespy-en-Valois (Oise) und Cr6pey (Meurthe-et-Mo- 
selle) Orepiaco 836, Cripiactm 948. 



Paaly-Wiaaowa IV 1722 ff. 



246 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Cupitius, Schulze 283, dürfte in Cubzac (Gironde) 
enthalten sein, das dann auf *Cupitiacus zurückginge, 
aber in alter Form nicht erhalten ist. 

Curtius ist der Name einer plebejischen Gens, die 
aber erst in spätrepublikanischer Zeit hervortritt.^ Ein 
Courgay (Indre-et-Loire) ist im Jahre 841 als Curciacus 
erwähnt. Auch Courcy (Manche) und Coursac (Dor- 
dogne) sind wohl hierher zu zählen, dann müßte man 
freilich annehmen, daß das auf letzteres bezogene Curi- 
siacus, Atlas 176, schlecht überliefert oder unrichtig identi- 
fiziert ist. — Eine Verbindung mit -anum stellt Coursan 
(Aude) dar. Aus *Curtio endlich mag Courchon (Basses- 
Alpes) entstanden sein, das Anfang des neunten Jahrhunderts 
als Corcione erscheint, und Cour gon (Charente-Inferieure) 
ohne alte Form, 

Aus Curtius kann sich Curtinus entwickelt haben, das 
in der verstümmelten Form Gurtin . . durch eine In- 
schrift^ bezeugt scheint. Jedenfalls ist der Name Cour- 
tenay (Loiret) als Curtinacus, Atlas 176, überliefert. 

Domitius ist ein uralter Gentilname, über den 
d'Arbois^ eingehend berichtet. Donzy (Nievre) kommt 
schon gegen 600 als Domiciacus vor, Donziacum 1120, 
Danziacum 1309 ; ein anderes Donzy (Saone-et-Loire) ; end- 
lich heißt Donzy auch eine kleine Landschaft im Dep. 
Loire. Danc6 (Orne) heißt Domciacus = *Domitiacus, 
Atlas 177. Im Süden gibt es Donzac (Landes, Tarn-et- 
Garonne), das zweite in einem merowingischen Texte* als 
Domedaco überliefert. — Aus Domitius hat sich ein PN. 

Domitianus^ gebildet, auf dem aller Wahrscheinlich- 
keit nach Donzenac (Correze) beruht, kontrahiert aus 
*Domitianacus. 



^ Mtinzer in Pauly-Wissowa IV 1865. 
2 CIL. V 1780. 

^ Rech. 229 f. Zur Geschichte des Namens auch Otto, No- 
mina propria a. a. 0. 881. 

^ MGH., Scriptores Merov. IV 587, 5. 
^ Seeck in PW. V 1311. 



Lateinische Namen mit dem Suffix -bco. 247 

Donatiua, aus dem Cognomen DoncUus^ gebildet, muß in 
Donnezac (Gironde) gesucht werden und mit dem Suffix 
•anus in Donn^zan, dem Namen einer kleinen Land- 
Bchaft des Dep. Ix)ire. 

Ducey (Manche) könnte wohl auf lat. Duceus, 
Schulze 160, zurückgehen, solange nicht alte Formen nach 
einer anderen Richtung weisen; doch vgl. auch gall. 
Duccius.* 

Falcotntis, Schulze 272, beruht auf dem Cognomen 
Falco^ und ein hieraus gebildetes *Falconiacus ist gewiß 
die Urform von Faucogney (Haute-Saöne). 

Fannius, Schulze 266, hat eine Nebenform Fanius.* 
Dieser Name scheint ohne Suffix heutigem Fains (Meuse) 
zugrunde zu liegen, für das als alte Formen nebeneinander 
erhalten sind Fannis, zehntes Jahrhundert, Fangia 965, 
Villa Fani 992, Fain 1022. Das Suffix acum war ur- 
sprünglich vorhanden, ist aber in späterer Zeit durch das 
entsprechende lat. Suffix anm ersetzt worden in Ville- 
fagnan (Charente), Villa Faniaca nach Atlas 208. 

Fidius, Schulze 475, hat Fidiaats 717 als Namen 
einer jetzt nicht mehr vorhandenen örtlichkeit ergeben.* 
Die Form Figiacus, achtes Jahrhundert, für heutiges 
Figeac (Lot) wird man nur als eine Romanisierung eines 
älteren Fidiacus ansehen können. 

Auf ein spätlateinisches, spezifisch christliches Cog- 
nomen Fideiiiius macht d'Arbois* aufmerksam und leitet 
davon Fezensac ab, den Namen einer französischen 
Landschaft, der nur noch in Vic-de-F6zensac (Gers) 
fortlebt, in einer Lebensbeschreibung Ludwigs des Frommen 
als Fidentiacus genannt. Ein anderer Landechaftsname, 
F^zensaguet in der Gasc(^e mit dem Hauptort 
Mauvezin stellt die obige Grundform mit der Verkleinerungs- 
silbe -ittum dar. 



> Otto, Nomina propria latiaa 780 ff. 

» CIL. n 5082; VII 248. — • CIL. EX 2647. 

* Rech. 23L 

^ Rech. 340. Vgl. J. Schwab, Nomina propria latina 658. 



248 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Firminius, Schulze 167, ist eine ziemlich junge Bil- 
dung aus Firminus hzw, Firmus und findet sich in 
Gallien und Germanien häufiger als in Italien. In beiden 
Ländern hat er auch Ortsnamen erzeugt, denn deutsches 
Firmenich, Kr. Euskirchen, Rhein provinz^ und franz. 
Firminy (Loire) können nur auf *Firminiamm beruhen. 

Auf Flaccius, Schulze 272, führt d'Arbois^ unter an- 
derem Flacey (Saone-et- Loire) zurück, dessen ^Flacciacus 
allerdings nicht belegt ist. Flassans (Var) ist an- 
scheinend aus * Flacdanus entstanden. 

Flavius, das bekannte Gentilicium, ist aus flavus 
'gelb, blond von Haaren', das auch als Cognomen ver- 
wendet wird, entstanden. Auf Flaviacus gehen zurück 
Flaviac (Ardeche); Fla vy (Oise^ Aisne); Flagey (Haute- 
Marne) und zahlreiche andere.^ Flayat (Creuse) wird 
besser von Flatus^ abgeleitet, das selbst allerdings wohl 
nur eine Vulgärform von Flavius ist. — Aus Flavins hat 
sich über Flavinus, Schulze 167, vermutlich Flavinius 
entwickelt, das Schulze nicht nennt, das aber zur Bildung 
von Flaviniacus nicht einmal nötig ist, da man ebenso- 
wohl das Suffix -iacus wie -acus gebrauchte. Übrigens 
gibt es auch einen PN. Flavonius. Flavignac (Haute- 
Vienne) heißt in karolingischer Zeit Flaviniacuni, Atlas 180; 
Flavigny-sur-Ozerain (Cöte-d'Or) ist noch früher, 
Atlas 63, in jener Form bezeugt ; andere Flavigny in den 
Dep. Meurthe-et-Moselle und Aisne. Neben Flavinius 
mochte ein durch Kontraktion entstandenes *Flaunius 
vorhanden sein, das sich ohne Suffix vielleicht in Floing 
(Ardennes) erhalten hat; jedenfalls ist Flauniacus, Atlas 180, 
als älteste Form für heutiges Flogny (Yonne) überliefert^ 
und Flaugnac (Lot) kann nur auf dieselbe Grundform 
zurückgehen. 



1 Bonner Jahrb. 105, 83. — ^ Rech. 233. 
' Vgl. dazu Skok 85, der auch die lautlichen Verhältnisse 
erörtert. 
. * CIL. VI 3388; XIV 2379. 



Lateinische Namen mit dorn Safflz -aeo. 249 

Florius hat pioh aus dem Individualnaraen Fhnu 
entwickelt, der nach Schuhe 480 wiederum dem Namen 
der Göttin Flora entstammte. Auf Florus wird Florac 
(Lozöre) zurückgeführt werden müssen, das nicht wohl 
aus *Floriacus entstanden sein kann, wie Qui(^erat will, 
sondern nur aus Floracus. Der ON. Floriactis ist in Gallien 
ungemein verbreitet und hat besonders häufig Fleury 
ergeben, das d'Arbois' für 17 verschiedene Ortschaften 
kennt; am frühesten überliefert sind Fleurey-sur-Ouche 
(Cöte-d'Or), Floriactis sechstes Jahrhundert, Floirac (Gi- 
ronde) und Fleurieu (Rhone), beide Atlas 180, und 
Fleury-sur-Andelle (Eure) neuntes Jahrhundert; ferner 
gehören wahrscheinlich hierher Fleur6(Vienne); Fleurier 
(Schweiz, Gant. Neuchütel). Fleury (Aude) ist nur mittel- 
bar dieser Gruppe zuzurechnen; der Ort hieß bis 1736 
P^rignan und erhielt seinen jetzigen Namen, als einem 
NeflTen des Kardinals Fleury dort ein Majorat geschaffen 
wurde. 

Fhrentius ist ein spätrömischer Gentilname, aber 
oft belegt', eine Weiterbildung von Florens bzw. Florus, 
auf der der ON. Florensac (H6rault) beruhen muß, ob- 
wohl die alte Form * Florentiacus nicht erhalten zu sein 
scheint. Dafür ist das vom nicht erweiterten Personen- 
namen gebildete Fleurance (Gers) in einer späteren Ur- 
kunde, Atlas 247, als Florentia beglaubigt; auch Florance 
(Elsaß-Lothringen) ist hierher zu stellen. 

Die Orte, welche heute den Namen Fontenay und 
Fontenoy tragen, gehören im allgemeinen nicht hierher, 
sondern sind Ableitungen von mlat. foniana 'Quelle' mit 
dem Suffix -eUtm. Ein Teil derselben aber kann auf 
Fontiniaats, Nebenform Fontaniacus zurückgehen, zum PN. 
Fontitnus, Schulze 212, gehörig. Dies gilt anscheinend 
von Fontenay-le-Comte(Vend6e) Fontaniacus, Atlas 180, 
und Fontenaium, Atlas 245. 

' Rech. 237. 

« Pauly-WiMowa VI 2757 ff. Vgl. auch J. Schwab a. a. 0. 
659 und Rev. celt XX 366. 



250 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

*Forminius ist als Personenname nicht belegt, kann 
aber aus Formius entstanden sein, das Schulze 527 für 
eine junge Bildung aus dem Stadtnamen Formiae hält. 
Aus Forminius müßte sich Forminiacum entwickelt haben, 
das für Form ig ny (Calvados) erst Ende des zwölften 
Jahrhunderts auftritt. 

Frangy (Haute-Savoie) ist nicht durch historische 
Formen belegt; es könnte zugrunde liegen Frennius, 
Schulze 169, oder Ferennim, ib. 165. Ein Frignicourt 
(Marne) ist als Freniaca cortis überliefert. 

Fraternius vom Cognomen Fraternus liegt Fresnay- 
sur-Sarthe (Sarthe) zugrunde, wieBeszard^ nachgewiesen 
hat. Die älteste historische Form des Namens ist in 
Castro Fraternense 997, dann Ferniacum elftes Jahrhundert, 
de Fraterniaco 1096, 1162, Frederniacus 1111, Freern4llQS, 
endlich Freernay, Fratemay, Fresne. In der letzten Form, 
deren Alter leider nicht überliefert zu sein scheint, ist 
zum ersten Male der Ursprung des Namens in Vergessen- 
heit gekommen und Anlehnung an den so ungemein ver- 
breiteten ON. Fraxinetum von fraxinus *^Esche' eingetreten, 
ein schlagendes Beispiel dafür, daß selbst scheinbar durch- 
sichtige und verhältnismäßig jung anmutende Namen 
ohne Heranziehung der Urformen nicht zuverlässig ge- 
deutet werden können. 

Fronto nennt Schulze 315 als lat. Cognomen, und 
dieses muß in Fronton (Haute-Garonne) enthalten sein, 
das also ein ursprüngliches ^Frontonis praedium darstellt. 
Das von Schulze vermißte zugehörige Gentilicium wäre 
dann Frontius^, ein seltener Name, der enthalten ist in 
Frontiacus^ Atlas 63, jetzt Fronsac (Gironde) ; ein an- 
deres Fronsac im Dep. Haute-Garonne. 

Frontinus.^ Von diesem Namen stammt anscheinend 
Fronten ay (Deux-Sevres) und Frontenac (Gironde, 



' 74 f. 

"■ CIL. XII 1723. 

^ Von Seeck in PW. VII 110 nachgewiesen. 



T>ateini«che Namen roit dem Suffix -aco. 251 

Haute-Loire). Ein Frontinianum Cash-um ist die älteste 
Form von heutigem Frontignan (Hörault). 

Fulcinius, Schulze 169, ist in Faucigny enthalten, 
dem Namen einer früheren Landschaft im heutigen Dep. 
Haute-Savoie, den Skok 88 in der älteren Form Fulcini- 
acum kennt. 

Auf Fusciüs^ beruht der Name der bekannten Graf- 
schaft Foix im Dep. Ariege, in ältester Form fälschlich 
Fuxum, Atlas 181, latinisiert; auch Fustius, Schulze 171, 
könnte dafür in Betracht kommen ebenso wie für meh- 
rere Fusciacus, die historischen Formen von Foicy (Aube) 
und Foissy (Yonne). Auch ein Foissac (Tarn-et-Ga- 
ronne) dürfte hierher gehören, trotz Fesciago*, das wohl eher 
für Fosciago verschrieben ist und auf Festius, Schulze 167, 
als Grundwort deuten würde. 

Oallus, der gallische Volksname', ist frühzeitig rö- 
misches Cognomen zahlreicher Familien geworden* und 
kommt als Individualname in gewissen Zusammensetzungen 
vor, wie Jaumont (Elaß-Lothringen), 14. Jahrhundert 
Jttlmont = älterem *GaUi mons. Aus Gallus hat sich 
schließlich ein plebejisches Gentiliciura Gallius entwickelt, 
das oft bezeugt ist und das als Gallia (seil, villa) auch 
in französischen Ortsnamen auftritt, so in Saint-Mars- 
la-Jaille (Loire-Inferieure), la Haute-Jaille und la 
Basse-Jaille (Mayenne) u. ö. Auf Gallius beruht auch 
Galliacus, Atlas 181 , südfranzösisch G aill ac (Tarn, Aveyron, 
Haute-Garonne) ; Jailleux (Ain) heißt bei Guigue ohne 
Datumangabo Jalliacus, Jailliacus; in Mittelfrankreich be- 
gegnet mehrfach Jailly (Cote-d'Or, Nievre). Eine Kose- 
form von Gallius ist Gallio, in Italien noch verbreiteter 
als in Gallien.* Als ein ursprüngliches *Gallionis praedium 
ist Gaillon (Eure) zu denken, das aber erst im zwölften 



» CIL. Xn 8499 aas Nlmea. 

« Vita Desiderii in MGH. Merov. ed. Kniach IV 587, 10. 

' Ober die Etymologie vrI. oben S. 88. 

* Nachweiae bei Holder I 1765 ff. 

» CIL. V 818. 5801 ; VI 18867 a. iS. 



252 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Jahrhundert als Gaillo bezeugt ist. Endlich fehlt nicht 
eine Bildung aus Gallius -\- lat. -aniim in Gaillan (Gironde). 

Für Jaligny (Allier) kommen, da die ältesten Formen 
nicht belegt sind, als Personennamen in Betracht Gallenius, 
Galenius, Galennius, Schulze 171, sowie Gallinius, Gallonius, 
Schulze 307. Letzteres liegt bestimmt vor in Jalogny 
(Saone-et-Loire) Galoniacensis ager. 

Garinius, Garenius, Schulze 146, ist in Jarny(Meurthe- 
et-Moselle) zu suchen, das in einer Urkunde von 936 
Garniacum lautet, offenbar kontrahiert aus älterem ^Gari- 
niacum. Vielleicht ist Jarnac (Charente) ebenso zu er- 
klären, da die Atlas 163 überlieferte historische Form 
Ajarniacus (castrum) schwer zu deuten und höchstens durch 
einen lat. PN. Ajanus Ajanius erläutert ist — das r müßte 
dann ein unorganisches Einschiebsel sein. 

Gaudiacus ist in einer ganzen Anzahl von Urkunden 
als Name französischer Ortschaften überliefert, von denen 
die wichtigsten unten aufgezählt werden sollen; daneben 
kommt auch die halbromanisierte Form Gaugiacus vor. 
Ein PN. *Gaudius, von dem sie hergeleitet werden 
könnten, ist nicht nachzuweisen; dagegen hat d'Arbois ^ 
auf den römischen Gentilnamen Gavidius hingewiesen, aus 
dem sich ein vulgäres ^Gaudius gebildet haben mag (vgl. 
*Flaunius <C Flaviniiis, Sapaudus <C Sapavidus, Gaunius <C 
Gavinius s. u.). Am frühesten ist Gaudiacus bei Gregor 
von Tours ^ erwähnt für heutiges Jone (Indre-et-Loire); 
andere Jone in den Dep. Orne, Maine-et-Loire, Sarthe, 
Loire-Inf6rieure. Auch Jouet-sur-l' Aubois (Ober) heißt 
im siebenten Jahrhundert Gaudiacus. Noch viel häufiger 
ist Jouy, darunter das im Dep. Meuse gelegene schon 770 
als Gaudiacus und Gaugiacus belegt ; von anderen Jouy seien 
genannt Jouy (Seine-et-Marne) und Jouy-en-Josas 
(Seine-et-Oise), beide Gaugiacus nach Atlas 181. Der an- 
lautende Guttural hat sich erhalten in mehreren Gouy, 
von denen zwei, in den Dep. Aisne und Pas-de-Calais gelegen, 



Kech. 240 f. — ' MGH., Scriptores Mer. II 580, 18. 



Lttfrinische Namen mit dem Sofflx -aco. 258 

von Longnon a.a.O. als Gau^iacu« erwähnt werden, während 
ein ungleich bedeutenderes in Belgien, Provinz Hennegau, 
nicht in alter Form bekannt ist. Von südlichen Orten ist 
nur Gaujac (Gard) 825 als Oaugiaciim, lÜöO als Gauiacvs 
erhalten, Gnujac (Lotet-Garonne) und Gaujacq (Landes) 
dagegen nicht belegt; auch .Tau jac (Ardeche) gehört hierher. 

Oavilius, Gavillius, Schulze 77, haben ein Gavüiacum, 
zwölftes Jahrhundert, ergeben, jetzt Juvillac (Puy-de- 
Dörae). 

Oavinins, Gavenius, Schulze 76, und Gabinius^ ib. 304, 
scheint der Verfasser des Werkes über die lateinischen 
Eigennamen voneinander trennen zu wollen. Vereinzelt 
erscheint für Gavinius auch öaMwiMS* (vgl. oben Öaru/i«.?^ 
*Oaudim\ und Gau7nacus, Atlas 181, ist die älteste Form 
von Joigny (Yonne), vermutlich auch von Joigny (Ar- 
dennes). Gevigney (Haute-Saone), nicht belegt, ent- 
spricht lautlich genau älterem *Gaviniaais, und Holder 
führt auch Gagny (Seine-et-Oise) auf diese Form zurück, 
woran sich dann Gagnac (Lot) wieder am besten als 
südfranzösische Parallele anschlösse. 

Gemellius, Schulze 441, ist enthalten in Gemiliaais, 
das schon in einer Urkunde von 580 und als Gemeliaeus 
auf merowingischeh Münzen für Jumilhac-le-Grand 
(Dordogne) vorkommt. (Wegen des u der ersten Silbe 
vgl. jumeati <^ gemellus, ON. Jumüges <I Gemetiaim u. a.). 

Gemelltis, das dem vorigen zugrunde liegt, ist nichts 
als das Diminutivum von Geminus 'Zwilling', das als 
Cognomen auftritt und seinerseits auch wieder ein Gen- 
tilicum Geminius, Schulze 108, erzeugt hat. *Gemimants 
wird man hinter Gemigny (I^oiret) und Jumigny 
(Aisne) vermuten dürfen. 

Gemücius hält Schulze 279 für einen Namen etrus- 
kischen Ursprungs, der sich aller Wahrscheinlichkeit nach 
im ON. G^mozac (Charente-Inferieure) erhalten hat. 

Gjmiiis, Gimmius, Schulze 357 und 426, können An- 
laß zur Entstehung von G ig nac (Heraul t) gegeben haben, 

> CIL. VI 8500 Gaunia. 



254 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

dessen älteste Form Giniacus, Atlas 182, eine bloße La- 
tinisierung sein mag. Andere Gignac in den Dep. Lot, 
Vaucluse, Bouches-du-Rhöne sind sämtlich erst spät be- 
legt. Mehrere Gigny (Jura, Yonne, Haute-Marne) dürften 
denselben Ursprung haben. 

Gaenius oder Gainius, Schulze 81, hat sich in Genay 
(Ain) erhalten, das Ende des achten Jahrhunderts in Jaen- 
naco heißt und wovon im zehnten Jahrhundert der ager 
Ganiacensis oder Janiacensis benannt ist. G6nat (Ariege) 
und Genas (Isere) mögen denselben Ursprung haben. 
Bei Skok fehlen alle drei. 

Gendrey (Jura) setzt ein Generiacum voraus, das 
Holder auch als Grundform angibt, jedoch ohne Beleg. 

Gengay (Vienne) ist Ende des zehnten Jahrhunderts 
als Gentiacum belegt; desgleichen Gengais (Deux-Sevres) 
in Atlas 181. Gentius weist d'Arbois ^ einmal nach, Schulze 
hat es nicht. Doch kommt für die ziemlich spät über- 
lieferten Formen auch Genicius, Genucius, Schulze 110, in 
Betracht. Jansac (Drome) gehört derselben Sippe an, 
und Beaugency ( Loire t) hat nur das in Ortsnamen 
nicht seltene schmückende Adj. beau vor seine gallo- 
romanische Stammform gesetzt. 

Einen PN. Gentilius kann d'Arbois^ wenigstens ein- 
mal nachweisen, und aus ihm hat sich Gentüiacus ent- 
wickelt, das 762 zum ersten Male für Gentilly (Seine) 
vorkommt. 

Die zahlreichen Germ ig ny können ebensogut aus 
Germiniacus wie aus Germaniacus entstanden sein, denn 
tatsächlich sind nach Schulze 36 die Gentilicien Germinius 
und Germanins vorhanden. Das älteste der überlieferten 
Germigny ist das im Dep. Marne gelegene, das nach 
d'Arbois in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts 
Germaniacus heißt. Auch Germigny (Cher) ist schon in 
merowingischer Zeit^ als Germaniacus bezeugt, während 



1 Rech. 513. — ^ Rech. 242. 
3 MGH., Scriptores IV 196, 25. 



Laleinitcbe Namen mit dem BafRx -aco. 255 

der gleich naroige Ort des Dep. Loire! Oerminiacus heißt, 
freilich erst in einer Urkunde des zehnten Jahrhunderts, 
die also nicht mehr beweiHkrtiftig ist. 

Oranius, Schulze 480, hat in Italien dieON. Gragnano 
undGragnana.ib. 237, gezeitigt, und auch franz.Grignan 
(Dröme) kann nur auf *0ranianu8 zurückgeführt werden; 
daneben tritt aber die in Gallien beliebtere Bildung mit 
■acum in mehreren Grigny (Rhone, Marne, Seine-et-Oise, 
Pas-de-Calais) auf. Endlich wird man in Grignon (Seine- 
et-Oise) eine mit dem Suflix -onem gebildete Koseform 
von OraniuSy also *GraHionü (iiraedium) erkennen müssen. 

Der folgenden Gruppe von Ortsnamen können die 
PN. Orafius, Schulze 424, Gracius, ib. 173, oder Graccius, 
Grattiiis, Graxius 535 zugrunde liegen, je nachdem das 
inlautende s stimmhaft oder stimmlos ist. Auf urkundlich 
nachgewiesenes Gratiacus, Grassiaais, Atlas 182, geht zu- 
rück Grezieux-le-March6 (Rhone); sodann aller Wahr- 
scheinlichkeit nach Grezieux(Ii(nre); zwei Gr^sy (Savoie); 
Gra5ay (Cher). Nur mit geringer Wahrscheinlichkeit ist 
auch Graissesac (Herault) hierher zu stellen, mit dessen 
ältester Form Graixantarias villatHs 804 und 806 ich nichts 
anzufangen weiß ; die nächste historische Form Gressiacum 
entstammt erst dem Jahre 1516 und paßt sehr wohl zu 
einem ursprünglichen *Gracciacus; vielleicht bestand zu 
einer Zeit der regelmäßig entwickelte Name *(Traissac, 
der aber durch Volkswitz in Graissesac entstellt wurde. 

Julius, der berühmteste lateinische Gentilname, ist 
natürlich auch in Gallien ungemein verbreitet gewesen. 
Von den zahlreichen hierher gehörigen Ortsnamen seien 
hervorgehoben Juillac (Corrtze, Charente), Juliacus, At- 
las 184; Juilly (Seine-et-Marne); Jully-8ur-Sarce(Aube); 
Julli^ (Rhone). Allerdings ist die Ableitung dieser Namen 
von lat. Julius nicht die einzige mögliche, vielmehr kommt 
auch gall. Julius, Fem.Julla^ und ein selteneres lat. Juilius* 



> CIL. XIII 84. 471. 522; VI 20743; XII mehrfach. 
« CIL. XV 6919, 256. 



256 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

in Betracht. Auf deutschem Boden geht der Name 
Jülich, Rheinprovinz, oxxi JuUacus zurück. 

Jussey (Haute-Saone) ist Atlas 185 als Jussiacus 
überliefert, zweifellos eine schon romanisierte Form, da 
*Jussus, Jussius nicht nachgewiesen werden kann. Skok93 
führt daher diesen und ähnliche Namen auf ursprüng- 
liches *Justiacus zurück, vom Cognomen Justiis gebildet. 

Juventus, Juvinius sind wohl nur Variationen desselben 
von iuvenis "^jung' abgeleiteten Namens^, dessen Topo- 
nomastiken Juviniacus lautet. Auf dieses gehen zahh'eiche 
Juvigny (Manche, Aisne, Marne, Meuse, Orne u. a.) zu- 
rück, ebenso Juvignac (Heraul t). Endlich ist Jeugny 
(Aube) 877 als Juviniacus bezeugt. 

Erhebliche Schwierigkeiten macht Juvisy-sur-Orge 
(Seine-et-Oise), da ^Gavisiiis oder dergleichen nicht nach- 
gewiesen ist; immerhin wäre das Vorhandensein einer 
solchen Ableitung aus Gavius mit dem Suffix -isius wohl 
möglich, vgl. Carisius, Minisius, Petrisius u. a. 

Juventius hat schon frühzeitig eine vulgäre Nebenform 
Juentius gehabt, Schulze 94, Anm. 4; dieses sieht Skok92 
mit Recht in heutigem Jonzac (Charente-Inferieure), das 
Atlas 184 als Joenzacus für ursprüngliches "^Juentiacus er- 
scheint. *Gaud€ntius, wovon es auch stammen könnte, ist 
nicht belegt. 

Für Levy-Saint-Nom (Seine-et-Oise) teilt Longnon^ 
Atlas 186, als älteste Form Lebiacus mit. Da ein PN. 
*Lehius nicht zu belegen ist, wird man an Laevius, 
Schulze 178, als Grundwort denken müssen. Auch Leg6 
(Loire-Inferieure) könnte auf *Laeviacus zurückgehen, doch 
kommt auch Lavius in Betracht, das Schulze 38 erwähnt 
und wozu man auch ein Stammwort Lavus belegen kann. 

Latinius, ungemein verbreitet, ist aus dem Volks- 
namen Latinus schon in alter Zeit entstanden, Schulze 176 
und 522. Sein häufiges Vorkommen in gallischen In- 
schriften veranlaßt Holder zu der Annahme, daß es auch 

^ Rech. 253. 



LateiniHche Namen mit dem Saffiz aro. 257 

in der gallischen Sprache existiert habe. Auf Latiniactu 
geht eine erhebliche Anzahl von Ortsnamen in allen 
Teilen Frankreichs zurück, wenn auch die heutige Form 
diesen Ursprung vielfach nicht mehr erkennen läßt. Am 
durchsichtigsten ist Ladignat (Haute-IiOire) Laft'ntaco 912 
und schon ein Jahrhundert früher als Cadignaco ver- 
schrieben für Ladignaco. Die Mehrzahl der hierher 
gehörigen Namen aber hat das t zwischen den Vokalen 
fallen lassen, so unter vielen: Lngnieu (Ain) mit den 
von Guigue erwälinten Mittelformen Laügniaais, Laanioco, 
Lannyaro, Lagniaco usw.; Lagny-sur-Marne (Seine-et- 
Marne); Lagny-le-Sec (Oise); Laign6-en-Belin(Sarthe), 
sämtlich Atlas 185 als Latiniacus belegt; ob mehrere 
Leignö (Vienne), von denen das bedeutendste Leign6- 
sur-Usseau schon 637 Laingniacus, 1084 Lainiacus heißt, 
hierher gehören, ist wegen der lautlichen Verhältnisse sehr 
zweifelhaft. D'Arbois^ will für Leign6 lat. Laenivs, 
Thomas' Lemnins zugrunde legen. — Eine Verbindung 
\on Latinius mit dem lat. Suffix -aniis liegt in Ledig nan 
(Gard) vor, das aus dem Jahre 1037 in der Form Ladinhan 
überliefert ist, ein Ladinanum ist dafür noch 1216 bezeugt, 
während die Form mit e in der ersten Silbe schon 1050 
zum ersten Male begegnet. 

TMudius, Schulze 179. Montlouis (Indre-et-Loire) 
heißt Atlas 190 Maus Laudiacus. Holder gibt an, der Ort 
habe früher Montlou^ geheißen, so daß die heutige Form 
eine Umbildung nach dem französischen PN. Louis zeigt. 
Skok 95 leitet auch Loudeac (Cotes-du-Nord) von Lau- 
diacus ab, indem er ein dazu gehöriges Lodiacus pagus be- 
legen kann. 

Lesius, Schulze 288, ist etruskischen Ursprungs. Auf 
*Lesiacus geht vielleicht Lezay (Deux-Sevres) zurück, für 
das mir alle Belege fehlen. Lizy (Aisne) ist 1202 als 
Leziacus bezeugt, und Lizy-sur-Ourcq (Seine-et-Marne) 
ist geographisch nicht erheblich davon getrennt. 



* Rech. 514. - < Nonv. Essais 55. 
Gröhler, Franxöalacbe OrUD«mcn. 17 



258 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Lessay (Manche) ist mir in historischen Formen nicht 
bekannt; am wahrscheinlichsten ist die Anlehnung an 
Lassius, Schulze 359. Zwei Lessy (Haute-Savoie, Elsaß- 
Lothringen) sind ebenfalls hierher zu stellen. 

Liberius ist nach d'Arbois^ eine vielleicht nur auf 
gallischem Boden entstandene Gentilform, die sich aus dem 
römischen Cognomen Liber entwickelt hat, wenn es nicht 
gar als rein gallische Bildung angesehen werden muß. 
Auf *Liberiacus führt d'Arbois die ON. Livry (Seine-et- 
Oise, Nievre, Calvados u. a.) zurück, desgleichen Li vre 
(Ille-et-Vilaine, Mayenne). 

Licinius ist ein sehr verbreitetes römisches Gentilicium, 
auch in Frankreich mehrfach in Inschriften belegt, wo es 
den ON. Liciniacus bildet. Ich erwähne von den hierher ge- 
hörigen Namen nur die wichtigsten und verweise im übrigen 
auf Skok und d'Arbois. Lezigne (Maine-et-Loire) heißt 
10^4: Liciniacus ; Lezigneux (Loire); Lezignat (Charente). 
Früh bezeugt ist Leziniacus, Atlas 63, Liciniacus 929 und 
1009, das aber heute Lusignan (Vienne) heißt und so- 
mit in doppelter Hinsicht bemerkenswert ist: das u der 
ersten Silbe findet sich zuerst in dem Roman Garin le 
Loherain ^; die Formen mit e in i in der ersten Silbe be- 
gegnen sonst bis zum Jahre 1307 auschließlich und sind 
im 14. und 15. Jahrhundert noch im Übergewicht, erst 
vom 16. Jahrhundert an tritt u in den Vordergrund; in 

der Endung hat Sufl&xvertauschung anus statt -acus — 

stattgefunden, deren erste Spur auch in der obigen Form 
des Garin zu erkennen ist. — Alte Bildungen mit dem 
Suffix -anus liegen vor in mehreren Lezignan (Aude, 
Herault), deren erstes im neunten Jahrhundert Licinianus 
heißt.3 

Liniacus ist in einer Urkunde von 565 der Name 
einer jetzt unbekannten Ortschaft. Auch Ligny (Nord) 



» Rech. 439. 

2 Ed. P. Paris, I 213 Lusignon. 

^ Revue des langues ronianes 1897, 149 f. 



Lateinische Namen mit dem SoflSz 'aco. 259 

iat durch Ix>ngnon, Atlas 186, ausdrücklieb als Liniaeus 
nachgowiesen, Ligny-en-Barrois (Meuse) 962 aUTAneius, 
worin man eine spätere Entwicklung von Liniaeus zu 
sehen hat. Ein Gentilicium *Linius ist anscheinend nicht 
belegt, wenn auch ein Cognomen lAnus existiert. Dieses 
ist aber viel zu wenig verbreitet, als daß man die zahl- 
reichen hierher gehörigen Namen davon ableiten könnte. 
Ich bin daher geneigt, nie mit Holder auf lat. LaeniuSf 
Schulze 186, zurückzuführen. Hierher sind außer den 
schon besprochenen Namen noch zu rechnen Ligny 
(Belgien, Namur), berühmt durch die Schlacht vom Jahre 
1815; Ligny-le-Chatel (Yonne); andere Loiret und 
Pas-de-Calais ; Lign6 (Loire-Inf6r.); endlich im Süden 
mehrere Lignac (Basses-Pyr^n^es , Haute-Vienne) und 
Lignat (Ix)t). Das oben erwähnte Linus^ endlich muß 
notwendigerweise in Anspruch genommen werden für Linac 
(Lot), Linay (Seine-ot-Oise, Ardennes), die dann Entwick- 
lungen von ursprünglichem *IÄnacus darstellen. 

Loisy-sur- Marne (Marne) leitet Holder von Lausius^ 
Schulze 85, ab. Ein zweites Loisy liegt im Dep. Saone- 
et-Loire. 

Lucanius hieß schon ein Centurio Cäsars'; Schulze 
532 ist geneigt, den Namen von der Stadt Luca abzu- 
leiten. Als Lucaniacus führt Quicherat 35 heutiges 
Loigny (Eure-et-Loir) an, für das Merlet im Dict. topogr. 
als älteste Form Luigniacum in Belsia 1224 nennt. Skok 98 
zählt hierher mehrere Lugagnac (Lot, Gironde, Lot-et- 
Garonne, LoireInf6rieure). 

Lucius ist ein ungemein verbreiteter römischer Vor- 
name, der aber, wie d'Arbois ' nachweist, schon vor Ende 
der Republik gelegentlich als Gentilname gebraucht wurde. 
Auf einfaches Lucius oder Lucii praedium glaubt d'Arbois* 

■ Rech. 541. 

« Bell. Gail. V 85, 7. 

» Rech. 259. 

* Rech. 368. 

17« 



260 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

mehrere Lux (Saone-et-Loire, Haute-Garonne) zurück- 
führen zu müssen, auch ein Lux (Cöte-d'Or), das aber 
LoDgnon, Atlas 187, als Lucus bezeichnet. (Lucus 'Hain' 
ist ein beliebter Ortsname, der aber gewöhnlich Luc er- 
geben hat). Der älteste Beleg, den ich für Luciacus 
finde, steht in einer Urkunde von 901, heutiges Lussac- 
le-Chäteau (Yonne) bezeichnend, für das aber die gleich- 
wertige, halbromanisierte Form Luciagus bereits 780 er- 
scheint. Der Beiname le Chäteau dient hier zur Unter- 
scheidung von mehreren gleichnamigen Orten, besonders 
eines Lussac-les-Eglises (Haute- Vienne). Denselben 
Ursprung haben Lussac (Gironde), mehrere Lucy (Yonne, 
Ain), sicherlich wohl auch Lussas (Ardeche), das aller- 
dings Atlas 187 Liiciafe heißt, das Skok aber 950 als 
Ludacense nachweisen kann. Grand-Luce oder Le 
Grand-Luc6 (Sarthe) ist in karolingischer Zeit als Luci- 
acus bezeugt; andere bei d'Arbois und Skok. — In Süd- 
frankreich ist auch die Form mit dem lat. Suffix -anus 
erhalten, unter anderen in Lussan (Gard), nicht vor dem 
13. Jahrhundert belegt. 

Lücinius macht den Eindruck einer Weiterbildung 
von Lucius, obwohl Schulze 85 und 183 zu anderer Auf- 
fassung neigt. Auf Luciniacum kann Lusigny (Aube) 
beruhen, doch darf nicht verschwiegen werden, daß 
Schulze Lusenus und Lusanius verzeichnet, die, wenn sie 
ü haben, ebensogut passen (vgl. S. 215). 

Lorlange (Haute-Loire) heißt 959 Villa Luzernanicas, 
Luzernangas elftes Jahrhundert, Lhuzarnanigas 1281, aber 
schon Lurlange 1120. Schulze 182 kennt einen PN. 
Lücernius, der aus *Lucernus entwickelt wäre, und dieses 
letztere müßten wir als Grundwort für unseren Namen 
ansehen. 

^Lupercius ist nirgends zu belegen, muß aber doch 
existiert haben, da Lubersac (Correze) Atlas 187 Luper- 
ciacus heißt, und den gleichen Ursprung hat Louvercy 



Lateinische Namon mit dem Suffix -neo. 261 

(Marne).* Übrigens findet sich ein ON. Lobercaco auf 
zwei Münzen' für einen nicht identifizierten Ort. Im 
Dep. Ni^vre gibt oh mehrere Lurcy, deren bedeutendstes 
Lurcy-le-Bourg in einer Urkunde von 859 Lursiacus 
heißt, wie man sieht, eine willkürlich konstruierte Form, 
da vom Ende des elften Jahrhunderts an wiederholt das 
richtige Luperciacus auftritt. Auch für Lurcy (Ain) hat 
Guigue in buntem Durcheinander und ohne Daten die 
Formen Luperciacum, Litherciacum, Lurciaco, Lurcieu u. a. 
Nach alledem wird man unbedenklich auch Lurcy (Allier), 
das in alter Form nicht vorliegt, hier einreihen dürfen. 
Allerdings kennt de Vit, Onomastioon, eine gens *Lurcia, 
doch hätte *Lttrciacus jedenfalls *Lour5ay ergeben, wie das 
Analogon CwrciaeM« > Couryais (Allier)' vermuten läßt. 

Lurius fehlt bei Schulze, während de Vit, Onoraasticon, 
eine gens dieses Namens anführt. Es muß mit t* an- 
gesetzt werden, da Luray (Eure-et-Loir), Luriacus erst um 
1300, und Lury-sur-Arnon (Cher) doch wohl darauf 
zurückgehen; auch Luyrieux (Ain) zählt Skok 97 mit 
Recht hierher; vielleicht darf auch Loirieu (Isfere) hier 
eingereiht werden, wenn ihm nicht vielmehr gall, Laurius 
oder Lorius zugrunde liegt. Vgl. auch Skok 97. 

*Lastrius kann aus Lmtricius, Schulze 254, erschlossen 
werden und ist dann in Lutry (Schweiz, Vaud) als 
Grundwort zu suchen, für das die Form Lustnacua aus 
den Jahren 516, 997 und 1079 belegt ist, Lustrey 
noch 1160. 

Matius, Mattius, Schulze 275 und 424, nach Streitberg 
gleichbedeutend, Macius, Schulze 184, Maccius, ib. 424, 
kommen sämtlich für die im folgenden zu besprechenden 
Ortsnamen in Betracht, wozu sich noch gall. Mascius und 



' A. Thomas, Rev. celt. XX 443 Anm. 1, meint, daß das ou 
der ersten Silbe im letzteren Namen statt des zu erwartenden 
u als eine künstliche WiederberstellnnK de« lat. Vokals anta- 
sehen sei, wie sie sich gelegentlich finde. 

» Holder II 277. — » Rech. 225. 



262 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Massius gesellt.^ Als Madacus 896, Maciagus 933 er- 
scheint M a s 8 i a c (Cantal) ; M a s s y (Sa6ne-et-Loire), Atlas 187; 
Massie (Isere) um 1016. Höchst wahrscheinlich gehört 
hierher auch Massat (Ariege). 

Magnius^, von magnus "^groß' abgeleitet, hat einen 
vielverbreiteten ON. Magniacus ergeben, auf den Holder 
nicht weniger als 35 moderne Namen zurückführt. Ich 
kann keine älteren Belege finden als 859 und 887 für 
Magny (Nievre); Magny-la-Ville (Cote-d'Or) Magnacus, 
Atlas 188; Magny-en-Vexin (Seine- et -Oise); Magne 
(Vienne); Magnac (Haute- Vienne) ; Magnat (Creuse). 
Möglicherweise ist auch Magnoac hierher zu ziehen, 
das Atlas 188 als Maienacum vorkommt, der Name 
einer kleinen Landschaft, die ihrem Umfange nach dem 
heutigen Kanton Castelnau-Magnoac (Hautes-Pyrenees) 
so ziemlich entspricht. Skok 101 leitet es von Magnio 
ab, doch paßt hierzu das obige Maienacum wenig; wer Be- 
denken trägt, dies als eine späte Schreibung von älterem 
Magniacum anzusehen, dem steht auch noch Maianus, 
Maianius, Schulze 185, zur Verfügung. — Ein Magny 
(Cote-d'Or) (verschieden von dem oben erwähnten) ist 
Atlas 188 als Manniacus urkundlich nachgewiesen, so daß 
man dieses wohl von Mannius oder Manius, Schulze 426 
und 469, herleiten kann, die für einen Teil der vor- 
stehenden Namen auch in Betracht zu ziehen sind. 

Mallius hat d'Arbois^ erörtert. Ein Malliacus 635 
entspricht heutigem Mai 11 et (Allier); sehr häufig sind 
die Formen Mailly (Somme, Marne, Yonne usw.), 
Maille (Vendee, Indre-et-Loire, Vienne), im Süden Mail- 
hac, Malhac und ähnliche, Maillat (Ain). Auch 
Maillezais (Vendee) heißt Malliacus, Atlas 188, ist aber 
nur aus dem Adjektiv *Malliacensis (seil, ager oder fundus) 
herzuleiten. — Mailiane (Bouches-du-Rhone), der Geburts- 
ort des Dichters Mistral, muß ein altes Malliana (villa) 



1 CIL. XII 5686, 557 a u. ö.; HI 5637; Schuerm. 3404 u. a. 
bei Holder; vgl. auch PN. Massa. 
^ Eech. 265. — s Rech. 266 f. 



Lateinische Namen mit dem Safflx -aco. 268 

Bein, eine Verbindung von Mallius mit dem SuflSx -anuSf 
wie deren der Süden noch mehrere aufweist. 

Mantius trennt Schulze von Mancius, auch ein männ- 
liches Cognomen Maticia kommt vor. Ich bin wegen der 
größeren Verbreitung von Mantius mit d'Arbois* geneigt, 
dieses als Grundwort von Mandacus anzusehen, das ver- 
mutlich heutigem Maincy (Seine-et-Marne) und Manzat 
(Puy-de-Döme) zugrunde liegt. Sicher geht Manziat (Ain) 
darauf zurück, da es vom zehuten Jahrhundert an wieder- 
holt als Mandacus erwähnt wird. Warum Skok 188 die 
beiden obigen Gentilnamen unter die gallischen versetzt, 
kann ich angesichts der häufigen Belege auf italischem 
Boden nicht einsehen. 

Mardiis aus Marcus und Martius von Mars* haben im 
späteren Latein dieselbe Aussprache gehabt und können 
daher beide in dem ON. Mardacus aufgegangen sein, der 
mir zuerst von 913 bekannt ist und mehrere Mar^ay 
(Indre- et -Loire, Vienne) und Marc 6 (Indre- et -Loire, 
Maine-et-Loire) ergeben hat. Sehr häufig ist ferner 
Marsac (Morbihan, Creuse, Loire-Inf6rieure, Corröze), 
von denen einige Atlas 188 genannt sind; Marsas 
(Gironde); Mar sat (Puy-de-Döme). Auch Max ey (Meuse) 
gehört hierher, denn es heißt im neunten Jahrhundert Mar- 
ceium, und 1327 findet sich Marcey, ja sogar noch 1402 Mar- 
ceyum neben Maceyum, die heutige Schreibung erscheint erst 
1580. — Etwas seltenpr, aber auch oft genug vorhanden sind 
im Süden die Bildungen mit lat. -anus, so im ON. 
Marsan (Gers) und im Landschaftsnamen Le Marsan 
(Landes), der wiederum in Mont-de-Marsan und Vil- 
leneuve-de -Marsan noch jetzt erhalten ist. Auf 
*Mardana villa ist vermutlich auch Marsanne (Dröme) 
zurückzuführen. — Etwas anders sind Marchiennes- 
Ville (Nord), Mardanae, Atlas 188, und Marchienne- 



» Rech. 268. 

* Bemerkungen über beide Namen bei d'Arbois, Rech. 
271 ff., Ober Marcius bei Schulze 464 ff. 



264 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

au-Pont (Belgien, Hennegau) zu beurteilen. Da Ab- 
leitungen mit -anus in Nordfrankreich sonst nicht vor- 
kommen, so wird man diese beiden nicht als Ausnahmen 
von der Regel zu betrachten haben, sondern es liegt in 
ihnen der allerdings von einem der beiden Marcius ab- 
geleitete, adjektivisch gebrauchte PN. Marcianus vor. 
Über ci ^ cJii im Pikardischen und Wallonischen ist schon 
mehrfach gesprochen worden. — Eine Weiterbildung von 
Mardus, Martins mit dem Suffix -io hat Marson (Marne) 
ergeben, das ich als Martione erst Anfang des elften Jahr- 
hunderts finde. 

Innerer Zusammenhang besteht auch zwischen Marcius 
und dem Gentilnamen Marcinius^, aus dem sich *Marci- 
niacus, jetzt Marcigny (Saone-et-Loire) entwickelt hat. — 
Schulze 188 kennt auch Marcinus und d'Arbois^ wenigstens 
einmal das Gentilicium Marcenus. Von einem dieser 
beiden Namen muß man Mareen at (Cantal) ableiten, 
das als Marcenacum erst 1395 belegt ist, so daß man 
hieraus über den Ursprung nichts schließen kann. 

Marcilius, Schulze 188, Anm. 4 u. 436, und Mar- 
cellius^ haben romanisch dieselbe Entwicklung genommen. 
Marcillac (Lot) lautet Marciliacus, Atlas 188, andere in 
den Dep. Aveyron, Gironde, Lot, Charente, Correze.; Mar- 
cillat (Allier) ist nicht belegt; Marcilly (Haute-Marne), 
Marciliacmn 834, andere in Aube, Saone-et-Loire usw.; 
endlich ein Marsilly (Charente-Inferieure). 

Marius ist der Gentilname des berühmten Rivalen 
von Sulla, des Besiegers der Cimbern, und kommt 
auch in Gallien oft vor. D'Arbois gibt* zahlreiche 
Ortsnamen an, die auf Mariacus zurückgehen ; ich er- 
wähne als die wichtigsten Mery-sur -Seine (Aube), nicht 
vor 1146 belegt; andere in den Dep. Cher, Seine-et-Oise, 
Calvados. Auch Mereville (Seine-et-Oise) kann hierher 
gehören; doch kommt bei vielen dieser Lautgruppe 



1 CIL. V 7946. — 2 Rech. 454. — ^ Rech. 145 f. u. 268. 
* Rech. 276. 



LateiniKcYie Namen mit dem Suffix -aco. 285 

auch Matriua (b. u.) in Betracht. — Marat (Puy-de- 
Döme) heißt nach I^ngnon, Atlas 188, Mariacm, womit 
jedoch die heutige Furm nicht in Einklang steht, die 
*Marqcus erwarten ließe; in diesem Falle läge der gall. PN. 
Marus, Mara^ zugrunde. 

Das Cognomen Marinus, Schulze 188, ist enthalten 
in Marin (Tarn) Marinius (wohl ungenau überliefert für 
Marinus) villa ira siebenten Jahrhundert.' Das Fem. Flur. 
^Marinas wird für Marines (Seineet-Oise) vorausgesetzt 
werden müssen, für das mir historische Formen nicht 
zur Verfügung stehen. Verbreiteter ist das Gentilicium 
Marinius, das mit dem Suffix -ana verbunden erscheint 
in Marignane (Bouches-du-Rhöne), Marignana, Atla8l88. 
Ortsnamen, die auf Mariniacus zurückgehen, sind sehr 
häufig.' Die bedeutendsten sind Marigny (Manche), 
Marigny-l'Eglise (Niövre), Atlas 188; andere C-otc-d'Or, 
Indre-et-Loire, Deux-Sovres. Marigne (Sarthe, Maine- 
et-Loire); Marignier (HauteSavoie) ; Marignac (Haute- 
Garonne, Charente-Inf^rieure). 

Marliacus, Atlas 188, lautet die älteste überlieferte 
Form von Marly-sur-Arroux (Saöne-et-Loire); auf 
Marly (Aisne) bezogen kommt im zehnten Jahrhundert 
die Form ager Marliacensis und MarHacus vor; noch be- 
rühmter als diese Orte und jedenfalls desselben Ursprungs 
wie sie ist Marly-le-Roi (Seine-et-Oise), das seinen Bei- 
namen trägt, seitdem Ludwig XIV. sich dort von Man- 
sard hatte ein ländliches Lustschloß erbauen lassen. Nur 
3 km von diesem entfernt liegt an der Seine Marly- 
la-M achine, von der gewaltigen Wasserhebemaschine be- 
nannt, die das Wasser des Stromes in eine hochgelegene 
Wasserleitung pumpen mußte, von der es nach Versailles 
geführt wurde. Endlich gibt es noch ein Marly (Nord) 
und Mar ly-la-Ville (Seineet-Oise). Als Grundwort für alle 



■ CIL. ni 6523 XX. a. Stellen. 
* MGH., Merov. IV 586, 5. 
' D'Arboifl a. a. 0. führt nicht weniger als 83 an. 



266 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

diese sieht d'Arbois^ ein wenig bezeugtes Cognomen 
Marülus bzw. Maryllus 2lx\, eine Variante von Marullus. 
Ich trage kein Bedenken, dafür Marullius^ Schulze 407, 
zu setzen, denn Marulliacus konnte gerade so gut zu 
Marliacus kontrahiert werden wie Marilliacus. Überdies 
deutet ein ON. Marolland (Haute-Savoie), für den man 
dann *Marullanum ansetzen müßte, durch sein noch er- 
haltenes ausdrücklich auf ein u vor IL Skok 216 führt 
diese ganze Gruppe auf das lateinische Äppellativum 
merula, nfz. merle zurück, was ich entschieden für falsch 
halte, wie denn überhaupt seine Ableitung der acus- 
Namen von Appellativen reichliche Gelegenheit zur Kritik 
bietet. 

Martinius^ ist ein im ganzen selten vorkommender 
Gentilname, der sich aber in Gallien einer ziemlichen 
Verbreitung erfreut haben muß, da d'Arbois vierzehn 
Martigny aufzählt, von denen das im Schweizer Kanton 
Wallis gelegene frühere Ododurus am bekanntesten ist, 
das nach seiner Zerstörung und Erneuerung im Jahre 516 
auch seinen Namen wechselte. Sehr alt ist auch die von 
Gregor von Tours^ erwähnte villa Martiniacensis für Mar- 
tigny (Indre-et-Loire). Andere Martigny in den Dep. 
Saone-et-Loire, Vosges, Aisne, Calvados, Manche; Mar- 
tigne bieten die Dep. Mayenne, Maine-et-Loire, Ille-et- 
Vilaine; Marti gnat (Ain). 

Masius, Schulze 189 f., auch in Gallien mehrfach be- 
legt, führt uns auf *Masiacm^ woraus das heutige Mey- 
zieux (Isere) entstanden sein könnte, für das Skok die 
älteren Formen Maysiacus und Mayseu kennt. 

Matrinius, Schulze 192, findet sich schon bei Cicero 
und oft in Inschriften, wie auch die ON. Matrignano und 
Madrignano in Italien von ziemlicher Verbreitung des 
Personennamens zeugen. Das älteste Matriniacus finde 
ich aus dem Jahre 938 für eines der drei Marnay im 



' Rech. 481 f. — » Rech. 279. — ^ Glor. conf. 8. 



Lateinische Namen mit dem Kaffiz -aoo. 267 

Dep. Vienne. Die halb romanieierte Form Madriniacus, 
neuntes Jahrhundert, entspricht heutigem Marnay(Aube); 
man wird berechtigt sein, auch Marnay (Haute-Saöne) 
hierlicr zu stellen, dem freilich, solange historische Formen 
fehlen, auch *Marinacus vom PN. Marinu3 zugrunde liegen 
kann. Auch für Merdrignac (Cötes-du-Nord) vermag 
ich keine bessere Ableitung als *Matriniaciis anzugeben, 
in das dann ein unorganisches r vor der Dentalis ein- 
gedrungen wäre. 

Matritis, nur einmal belegt, hält Schulze a. a. 0. für 
eine «einfachere Form» von Matrinius und das ebenfalls 
seltene Materius anscheinend für eine Variante von Matrius. 
Als Ortsname tritt Matrius, Atlas 189, für M6ru (Oise) 
auf, was, wenn es richtig sein sollte, ein lautliches 
Kuriosura bedeutete. Aus den obigen beiden Personen- 
namen kaim sich Matriacus entwickelt haben, das in der 
Form Madriacus, Atlas 64, am frühesten bezeugt wäre für 
M^rey (Eure) und Atlas 187 für M6r6 (Seine-et-Oiae). 
Matriacus findet sich Atlas 189 für Merry-le-Sec(Yonne), 
das seinen Beinamen seiner Lage in wasserarmer Gegend 
verdankt. Materiacus kommt nach Holder einmal in einer 
Inschrift vor für Madre (Mayenne) und wiederholt für 
Mairy (Meurthe-et-Moselle). 

Maurins fehlt bei Schulze ganz; d'Arbois kann es nur 
einmal aus Nordafrika belegen ^ und leitet es vom ungleich 
häufigeren Cognomen Maurus ab, das eigentlich ein Ethni- 
kum ist und einen Bewohner von Nordafrika bezeichnet. 
Wenn trotz dieser geringen Verbreitung von Maurius der ON. 
Mauriacus verhältnismäßig häufig ist — der französische Ge- 
lehrte zählt dreizehn moderne Namenformen — , so wird man 
hier einen der Fälle vor sich haben, wo das Suffix -iacum statt 
'Ocum an einen Namen tritt, der auf bloßes -tis statt -tt« 
ausgeht. Als Mauriacus ist schon 451 und noch oft in 
späterer Zeit Moirey (Aube) überliefert; ferner Mauriac 
(je einmal in Aveyron, Gironde, Dord(^ne, Cantal), wor- 

» CIL. Vm 9ril4. 



268 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

unter der Name der Ortschaft im Dep. Cantal besonders 
interessant ist, weil die Art seiner Überlieferung meine 
obigen Ausführungen bestätigt. Der Ort heißt nämlich 
im sechsten Jahrhundert Sandae Maurae Oratorium ^ 
(Oratorium = Kapelle), daneben findet sieh schon auf 
merowingischen Münzen und später in einer Urkunde 
von 818 Mauriacum. Hier ist also in verhältnismäßig 
später Zeit an das als christlicher Vorname beliebte 
Maura (auch Naurus ist häufig so nachgewiesen) das 
alte Suffix -acum bzw. -iacum getreten. Daß Maurus und 
Maura als speziell christlicher Personenname beliebt war, 
geht auch aus andern Verbindungen hervor. Lat. mons 
und spätlat. roca, über das an anderer Stelle gehandelt 
werden wird, verbinden sich sehr selten mit rein latei- 
nischen oder gallischen Personennamen, sehr gern aber mit 
romanischen und besonders mit germanischen. So finden 
wir auch Maurus mit mons vereinigt in Montmort 
(Marne) mit entstellender Schreibung aus Mons Maurus 
1042, Mons Mauri\102,Montmaur gegen \21Q\ desgleichen 
Rochemaure (Ardfeche, Cantal). Der reine Name Mau- 
rus hat sich anscheinend erhalten in Maure (lUe-et- 
Vilaine), das in alter Form nicht überliefert ist. — Da 
nach Skok 137 in Südostfrankreich Türiacus und Tauriacus 
zusammenfallen, so kommt für eine ganze Reihe von 
Namen neben Maurus, Maurius auch das verbreitete 
lateinische Gentilicium Murrius, Schulze 196, in Betracht, 
eine Folgerung, die Skok 106 nicht zieht. Hierher sind 
dann noch zu stellen Ville-Morieu (Isere); Moir^ 
(Rhone). Moreac (Morbihan) heißt 1008 Moriacum. 

Auch Maurentius weist d'Arbois^ als spätlateinischen 
und speziell christlichen Namen nach, der sich aus Maurus 
entwickelt hat. Auf Maurentiacus gehen eine Anzahl mo- 
derner Ortsnamen zurück, von denen der bekannteste 
Montmorency (Seine-et-Oise) ist. Hier ist Morency 



1 G6ogr. 289 f. 

^ Rech. 340 f. Vgl. Schwab, Nomina propria latina 668. 



Lateinidcbe Namen mit dem 8u£Bz -aco. 269 

wohl schon zum Personennamen geworden, das im Sinne 
des Casus obliquus ohne Präposition an das Grundwort 
mons antritt. Als Maurenciagi curtis 844 ist ein anderer 
hierher gehöriger Ort bezeichnet, nämlich Morancy- 
sur-rOise (Oise). 

Meciacus, Atlas 189, kommt als älteste Form 
von Messac (lUe-et- Vilnine) und Meyssiös (Isöre) 
vor; aller Wahrscheinlichkeit nach gehören hierher auch 
Meypsnc (Corröze) und Messei (Ome). Schwerer 
ist die Frage zu beantworten, welcher Personenname 
sich hinter diesen verschiedenen Ortsnamen verbirgt, 
denn Maecius, Mecius, Meccius^ Melius, Mettius, Messiits, 
MestiuSy ja schließlich auch Maecius und gallisches 
Miccius konnten sämtlich ein spätlateiniscbes Messiacus 
zeitigen. Von einem dieser Namen, nämlich Mettius (seil. 
fundus, ager), leitet d'Arbois^ das heutige Metz (Deutsch- 
Lothringen) ab, das als Hauptstadt der gall. Mediomatrici 
Divodurum (d. i. Götterburg), später Civitas Mediomatricum 
hieß, wie es noch in der Not. Gall. vorkommt, jedoch in 
mehreren Hss. mit der späteren Zufügung *id est Mettis.** 

Maximus ist das Cognonieni das dem ältesten Sohne 
der Familie gegeben wurde, und aus ihm mng sich in 
sehr später Zeit ein Gentilicium *Maanmius entwickelt 
haben, für das ich aber keine Belege finde. Maximiacus 
ist mehrfach bezeugt als älteste Form für zwei Orte des 
Dep. Ain: Messimy und Meximieux, Mittelfurmen 
Mayssimiacus, Mayssimeu u. a. Auch zwei Meyssignac 
(Haute-Loiro) gehen zurück auf Maximiacus 989, Mays' 
simnhac 1359. Eine Verbindung des Suffixes acum mit 
dem Cognonien Maximus ist für den Süden von Skok 108 
auch mehrfach nachgewiesen, und daraus ist unter an- 
deren Moymac (Corr^ze) zu erklären, ohne historische 
Belege. 

Mercurius. Daß die Gallier in ihrer Hauptgottheit 



« Rech. 428. 

- Vgl. Hirachfeld in CIL. XUI, S.404 und Xn, S.831. 



270 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

die Eigenschaften des römischen Merkur vereinigt fanden, 
teilt schon Cäsar ^ mit; vermutlich hat also nach der Er- 
oberung des Landes sein Kult die meiste Verbreitung ge- 
funden. Daneben wurde der Name Mercurius nicht bloß 
in Gallien, sondern überhaupt im romanischen Sprach- 
gebiete als Cognomen gebraucht.^ Die vulgäre Form des 
Wortes war offenbar Mercorius, das in Urkunden nach- 
gewiesen ist und auch aus der Form des ON. Mercceur 
(Correze) Mercorius S87 erschlossen werden kann; im Dep. 
Haute-Loire finden sich drei Mercceur, davon das be- 
deutendste Villa Mercoria 911 und später. Aus *Mer- 
curiacus sind heutiges Mercurey (Saone-et-Loire) sowie 
mehrere Mercury (Savoie, Haute-Loire) herzuleiten. 

Mettray (Indre-et-Loire) ist mir in alter Form nicht 
bekannt. Es liegt am nächsten, an Metrius zu denken, 
das Schulze 297 kennt. 

Montiagus villa heißt in der Vita Desiderii^ der 
kleine Ort Moussac (Lot); auch mehrere Monsac (Dor- 
dogne, Haute-Vienne) müssen darauf zurückgehen. *Mon- 
tius, *Moncius oder *Muntius sind nicht nachzuweisen, 
wohl aber Municius^ und noch häufiger Munatius, Schulze 
362. Aus *Municiacus kann ohne Schwierigkeit die kon- 
trahierte Form Munciacus abgeleitet werden, die auch für 
ein Moussy (Seine-et-Marne) durch mehrere mero- 
wingische Münzlegenden und eine urkundliche Erwähnung 
aus dem Jahre 658 gesichert ist. — Mit dem ligurischen 
Suffix -oscus erscheint derselbe Personenname in Moncioscus, 
Atlas, jetzt Monsols (Rhone). 

Anders wird gewiß Mousson (Meurthe-et-Moselle) zu 
beurteilen sein, erhalten auch in Pont-ä-Mousson, wo- 
für Ende des neunten Jahrhunderts Gastrum Montionis 
vorkommt, Montiacum und Montio Ende des elften Jahr- 
hunderts und Mongon noch 1191. D'Arbois^ setzt hier- 



^ ß. G. VI 17 : Deorum tnaxime Mercurium colunt etc. 

2 Vgl. Rech. 447. 

3 MGH., Script. Merov. IV 588, 16. — * CIL. V 1399. 
^ Rech. 596. 



Lateinische Namen mit dem Suffix -«co. 271 

für ein nicht belegtes *MontiM8, *M(mciu8 oder *Muntiu8 
an, woraus sich eine Form mit dem Suffix -me entwickelt 
biitte, was nur als ein Notbehelf anzusehen ist. 

Moissac (Tarn-et-Garonne) ist im Jahre 817 als 
Musciacus überliefert, und d'Arbois' leitet dieses und 
zahlreiche andere hierher gehörige Orte vom lat. Mustius, 
Schulze 197, ab, was gewiß richtig ist, da *Muscius bis 
jetzt nicht nachgewiesen ist; allenfalls käme noch Mussius 
in Betracht, wofür Schulze a. a. 0. auch eine ganze Anzahl 
Belege gibt. Auf gleichen Ursprung wird man auch mehrere 
nicht durch alte Formen klargestellte Namen wie Mols- 
sey (Jura), Moussy (Aisne) und Moussey (Vosge«) zu- 
rückführen können, wenn man nicht Munciaats (vgl. S. 270) 
dafür vorzieht. — Eine Bildung mit lat. -anus ist Mous- 
san (Aude), nach Skok 112 früher Modano^ Mosciano, 
Mossiano. 

Das Gentilicium Montanius tritt erst spät auf und 
ist nicht so verbreitet wie das Cognomen Monlamts (eigent- 
lich Adjektiv von mons 'Berg'), aus dem es entstanden ist.* 
*Montanacm von Monianus ist als Grundform anzusehen für 
Montenay (Mayenne), Atlas 190 hat Montaniaats, offenbar 
halbgdehrten Ursprungs; ebenso ist Montanay (Ain) zu 
beurteilen. Aus dem Gentilnamen entsteht das ungemein 
verbreitete Toponomastikuni Mmiianiacus, erhalten u. a. in 
Montagnac (Herault), Montanacum 990 (also ungenau über- 
liefert oder vielmehr ins Lateinische übersetzt); Monta- 
gnat, Montagneux, Montagnieu, sämtlich im Dep. Ain; 
Montaign6(Puy-de-Döme);Montagny(Saöneet-Loireu.ö.). 
Unter dem Einfluß des mouillierten n hat sich das a der 
zweiten Silbe vielfach in i gewandelt. So erklären sich 
zahlreiche Montignac, z. B. Dep. Aveyron, M&ntiuiacus, 
Atlas 190. Von vielen Montigny erwähne ich Mon- 
tigny-sur-Aube (Cöte-d'Or) Mantiniaats, Atlas 190; 
Montigny-le-Roi (Haute-Marne), d. h. celui du roi, 



' Rech. 286 f. 

' Vgl. daza Schulze 51 f. und andere Stellen. 



272 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

also ursprünglich ein Krongut, auch Montigny-en- 
Bassigny genannt und zuerst 921 erwähnt; Mon- 
tignies-sur-Sarnbre (Belgien, Hennegau) muß auf 
*Montaniacas (villas) zurückgeführt werden. 

Mücius, Schulze 194, wird man in den verschiedenen 
Mussy (Aube, Cöte-d'Or, Saone-et-Loire, Belgien-Luxem- 
burg) suchen müssen, von denen nur Mussy-sur-Seine 
(Aube) alt überliefert ist und zwar als Musdacum 815. Aus 
Mudonem, einer Verlängerung von Mudus, die nach d'Arbois^ 
einmal aus dem Jahre 862 für eine jetzt unbekannte Ört- 
lichkeit erhalten ist, wäre dann auch Musson (Belgien, 
Luxemburg) herzuleiten. 

Nepotius, Schulze 148, ist ein jüngeres Gentilicium, 
das sich aus dem Cognomen Nepos (eigentlich '^der Enkel') 
entwickelt hat. Als ^-Nepotianus pagus faßt Skok 112f. 
heutiges Nebouzan auf, den Namen der Pyrenäenland- 
schaft, die einen kleinen Teil der Dep. Hautes-Pyrenees 
und Haute-Garonne umfaßt. Nebouzat (Puy-de-D6me) 
und Niveze (Belgien, Lüttich) wären nach Skok ur- 
sprüngliche ^Nepotiacus. 

Nautius, Schulze 197, kann, solange nicht alte Formen 
bekannt sind, die uns auf einen andern Weg weisen, als 
Grundwort für Noce (Orne) angesehen werden, das also 
dann aus *Nautiacus entstanden wäre. 

Nerius, Schulze 363, bildet den Stamm des heutigen 
N^ris (AUier), das im Lauf der Jahrhunderte noch be- 
deutendere Wandlungen durchgemacht hat als andere 
Ortsnamen. Die älteste Bezeichnung des Ortes ist das 
gallische Kompositum Neriomagus "^Feld des Nerius' in 
Inschriften aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr.^ In 
der Tab, Peut. heißt es Äquis Neri (noch heute ist der 
Ort durch warme Quellen ausgezeichnet). In mero- 
wingischer Zeit findet sich dafür Nereus, was vielleicht 
*Nereius heißen soll statt Neriacus — eius ist oft die ro- 
manisch-lateinische Form für älteres -iacus — woraus sich 



Reell. 515. — - CIL. XIII 1373-1379. 



Lateinische Namen mit dem Saffiz -aco. 278 

der beutige Name am besten erklären läßt. Hier wäre 
also an Stelle des Kompositums Neriomagus, wie auch 
sonst gelegentlich, die Bildung mit dem Suffix acus ge- 
treten. Neriacus ist übrigens keine konstruierte Form, 
sondern wir finden im Dep. Ain mehrere Neyrieu, 
deren Hltestes 869 als Neriacum erscheint. VaUis Neriaci 
heißt Ende des zehnten Jahrhunderts das heutige Vau- 
gneray (Rhone), und mehrere Neyrac in den Dep. 
Avcyron, Ardtehe, Hautes-Alpes haben vermutlich den- 
selben Ursprung. Bedeutender als sie ist N6rac (Lot-et- 
Garonne), das erat Anfang des elften Jahrhunderts in 
Urkunden auftritt und daher auch eine andere Etymologie 
haben könnte; aus Namen wie Nerutius und Nero könnte 
man auf ein gallisches *Xeros schließen, lieber aber wird 
man an einmal überliefertes Nerrus denken (bei Holder), 
das einen ON. *Nerracus geliefert hätte, wenn man nicht 
vorzieht, auf ^arws zurückzugreifen und*Naracu8 als Grund- 
form anzusetzen. Für letzteres spricht besonders der 
Name Le Nayrac (Aveyron), der auch Neyrac ge- 
schrieben wird. 

Novellitis, das Schulze 482 für das Lateinische in 
Anspruch nimmt, mag wohl auch gallisch sein, denn es 
ist in Gallien nicht' weniger verbreitet als in Italien.* 
Es ist abgeleitet aus dem Cognomen Novellus (Holder), 
und als bloße orthographische Varianten können Novilius 
und Nobilius gelten, letzteres aus falscher Anlehnung an 
das Adj. nobilis entstanden. Der großen Verbreitung des 
Gentiliciums entspricht die des ON. Novelliacus, meist 
Noviliaciis und Nohiliaciis geschrieben, das mannigfache mo- 
derne Formen, besonders in Mittel- und Nord f rankreich 
ergeben hat. Ich erwähne Neuill6 (Indre-et-Loire) ^o6i- 
lianis, Noviliacus, Geogr. 17; Neu i IIa y (Indre) Kuviliants, 
Atlas 192; Nouaill6 (Vienne) heißt in zwei verschiedenen 
Urkunden aus dem Jahre 780 gleichzeitig NoMiacum und 



» Pliniaa XIV 144-146; CIL. m 5626; V 6051. 6054; XH 
1188; CIR. 1201. 1216 u.a. 

G r ö h 1 e r , Französische Ortsnamen. 18 



274 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Novaliacum, 808 Noviliactis und 832 Nuvüiacus; Neuillac 
(Finistere) Niulac, Atlas 192; Nouilly (Elsaß-Lothr.) No- 
veUiacus 875. Am häufigsten ist Neuilly, das d'Arbois 
in 23 Vertretern kennt. ^ Einfaches *Kovella liegt vermut- 
lich La Nouvelle (Aude) zugrunde, dessen Artikel wahr- 
scheinlich spät hinzugefügt ist. 

Numenius bespricht Schulze 197 eingehend als eine 
Erweiterung des etruskischen Pränomens Numa. Auf 
Numeniacus geht Nomeny (Meurthe-et-Moselle) zurück, 
Numeniaca villa 1075, Numiniaco 1130, Nommeni 1265. 

Olitius, Schulze 259, hat *Olitiacus ergeben, das für 
mehrere Olizy (Ardennes, Marne, Meuse) als Grundform 
vorausgesetzt werden muß. 

Ordus, Schulze 364, und Qrtius, ib. 174, sind mit 
demselben Rechte für Orgay (Loir-et-Cher) und Orsay 
(Seine-et-Oise) in Anspruch zu nehmen wie ürsius, das 
d'Arbois^ dafür ansetzt. Orchies (Nord) wird jedenfalls 
als *Orciacas (villas) gedeutet werden müssen. 

Pacciacus zu Paccius, Schulze 204, bezeichnet das 
heutige Passy, ehemals ein Dorf in der Nähe von Paris, 
jetzt längst zur Stadt gehörig und dort das 16. Arron- 
dissement bildend. Zahlreiche andere Passy zählt d'Ar- 
bois^ auf; eine andere Schreibung desselben Namens zeigt 
Pacy-sur-Eure (Eure). Ferner ist hierher zu zählen 
Passais (Orne), in alter Form nicht belegt, und Passay 
(Maine-et-Loire) Patiacus um 1100. 

Pavillius, Schulze 87 (auch Pavillus und Pavilus sind 
inschriftlich belegt), hat über *Pavilliacus das heutige 
Pavilly (Seine-Inf6rieure) ergeben, für das historische 
Formen noch ausstehen. 

Paternius, Schulze 192, ist aus dem Cognomen Paternus 
entstanden und bildet den ON. Paterniacum, der zuerst 
651 für Pagny (Meuse) vorkommt; auch Pagny (Meurthe- 

* Zahlreiche andere Bildungen aus Novelliacus verzeichnet 
d'Arbois, Rech. 292, Holder II 780 flf., südfranzöeische Skok 113. 
2 Rech. 385. — ^ Rech. 164. 



Lateinische Nanien mit dem Suffix -aco. 275 

et-Moselle) heiiJt Paterniacum 032, Pamei zwölftes Jahr- 
hundert, Pargnei 1267, Paignei 1477. Endlich ist Pay- 
erne (Schweiz, Vaud) ein altes Patemiacus 1014, wofür auch 
Patemay vorkommt; später aber hat man, wohl unter 
deutschem Einflüsse — der Ort liegt im romanisch- 
germanischen Grenzgebiet, deutsch 'Peterlingen' — das 
Suffix aufgegeben, und so ist Payerne gleichsam aus 
Pateniivs entstanden. Patemae, Peniae nennt Courtet* 
für Pernes (Vaucluse). — Aus dem Cognomen Pater- 
nu8 ist ein Patemacus gebildet, das in einer Urkunde 
von 791 als ältester Name für Pernay (Indre-et-Loire) 
vorkommt. 

Neben Patemius^ und von diesem wohl zu trennen, 
gibt es auch die Namen Patrinius und Patronius. Patriniacus 
851 lautet die älteste Form von Pargny (Aisne), und 
denselben Ursprung haben Parigny (Manche, Nifevre), 
Parigne (lUe-et-Vilaine, Sarthe). Parthenay (Deux- 
S^vres) heißt Atlas 193 Partmiacus, was wohl besser durch 
Metathese aus Patriniacus entstanden zu denken ist, als 
daß man mit d'Arbois das seltene, dem Griechischen ent- 
lehnte Parthenus zugrunde legt. 

Auf älteres, wenn auch nicht überliefertes *Petri- 
niaais vom spätlateinischen Cognomen Petrinus führe ich 
zurück P6rignac(Charente, Charente-Inf^rieure), Perigne 
(Deux-Sfevres), P6rigneux (Loire), P6rigny (Charente- 
Inf^rieure). 

Patricius*, in Spanien, Großbritannien und Gallien 
durch Inschriften gesichert, ist ein spät auftretender, 
wahrscheinlich christlicher Name (vielleicht vom Heiligen 
Patrick entlehnt). Patriciacus bezeichnet in karolingischen 
Urkunden mehrere jetzt unbekannte örtlichkeiten, und 
denselben Ursprung hat vermutlich das in alter Form 
nicht überlieferte Percy (Manche). 

Paullius, PauUits, ein aus dem Cognomen PauUiis, 
Schulze 503, entstandenes Gentilicium, muß in Gallien 



* Dict. göogr. de Vaucluse 267. - » Rech. 842. 

18* 



276 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

ziemlich verbreitet gewesen sein, wie die zahlreichen 
Pauliacus beweisen, die sich besonders im Süden finden 
und unter denen die wichtigsten sind: Pauillac (Gironde) 
Pauliacus, Atlas 194; Pouilly-8ur-Loire(Nievre) Pauliacus 
fünftes Jahrhundert und 680; Pouilly-en-Auxois (Cöte- 
d'Or), Atlas 194; Pouilly (Aisne) neuntes Jahrhundert; 
Paulhac (Haute-Loire) Pauliaco um 960; Paulhac 
(Cantal) ohne Beleg. Ferner gehören hierher noch 
Pouilley (Doubs); Pouille (Vienne) ; Poilly 
(Yonne, Loiret); Poille (Sartbe); Poilley (Manche); 
Poeuilly (Somme). Von den letzteren sind einzelne bei 
Longnon, Atlas 194, als Pauliacus bezeugt, für andere 
kann aber auch Pollius zugrunde liegen, wie Skok 117 
bemerkt. Als Diminutivum zu Paulhac muß Pau- 
Ihaguet (Haute-Loire) angesehen werden, Pauliacuni um 
888, Paulagetum zuerst 1148; es trägt seinen Namen 
offenbar zur Unterscheidung vom oben erwähnten Paulhac 
desselben Departements, beide liegen im Arrond. Brioude, 
also nicht weit voneinander entfernt. Als Analogen dazu 
kann Reilhaguet (Cantal), c°® de Reilhac, aus Begilius 
gebildet, angeführt werden, beides Bildungen mit dem 
lateinischen Diminutivsuffix -Utum. 

Pecius, Schulze 308 und 324, kann heutigem Pessac 
(Gironde) zugrunde liegen, das in alter Form nicht be- 
kannt ist, während die Bildung mit dem Suffix -amis, 
Pecianus, Atlas 194, für Pessan (Gers) überliefert ist. 

Petreius^ Schulze 366, ist ein altes Gentilicium, das 
in Peyriac (Aude) enthalten zu sein scheint, vermutlich 
einem alten *Petreiacus oder *Petriacus, wie denn ager Petri- 
acensis für das Gebiet einer villa Petreio unbekannter 
Lage durch eine Urkunde aus karolingischer Zeit be- 
legt ist.^ 

Pisenius, Pisinius, beide Schulze 209, oder Pisonius, 
ib. 210, sind in Pincy (Aube) enthalten, Pisiniacus 869, 
Pisniacus 892, Pisnacus 885. Daß nj vor folgendem Ton- 

^ Rech. 440. 



Lateinische Namen mit dem Suffix -aco. 277 

voknl hier einfaches n ergab, könnte auffallend erscheinen, 
doch ist diese Aussprache und Schreibung erst aller- 
jüngHten Datums, schon 1269 und von da an öfters bis 
inH 18. Jahrhundert finden sich die Formen Pignrey und 
Pigny, daneben allerdings auch schon 1169 Pincium ; das 
deutet auf ein frühzeitiges Schwanken der Aussprache 
hin, aus dem schlieOlich die nicht mouillierte als Siegerin 
hervorgegangen ist. 

PoUenius oder PolUnius, Schulze 366, verbirgt sich 
unter der Form Polemniacu.% Atlas 194 (vielleicht durch 
Anklang an Solemnitis veranlaßt), dem ältesten Namen für 
modernes Polig ny (Jura). Auch Polignac (Haute-Loire) 
wird darauf zurückgehen, obwohl Polemniacum erst 1162 
und noch mehrfach im 12. Jahrhundert dafür überliefert 
ist, während auffallenderweise die älteren, aus ganz ver- 
schiedenen Urkunden stammenden Formen lauten : Podani- 
acus um 930, Podomniacus um 1070, Podemniacus um 
1112, Podempnac 1128; da im 13. Jahrhundert auch 
Poemniac und Pozemniac (z aus lat. oder gall. rf) begegnen, 
BD muß hier ein eigenartiger Übergang von l^ d fest- 
gestellt werden, der lange festgehalten wurde, denn noch 
1473 findet sich Podonhaci. Einen Personennamen, auf 
den die Formen mit d sonst zurückgeführt werden 
könnten, gibt es anscheinend nicht. 

Pontius ist nach Schulze 212 etruskischen, nach an- 
deren umbrischen Ursprungs und frühzeitig ins Lateinische 
übergegangen. Ah *PonHas (villas) möchte ich Pouches 
(Somme) auffassen, dessen älteste Überlieferung Pontes, 
Atlas, unmöglich die heutige Form ergeben konnte, 
während tj vor Vokal im pikardischen Dialekt allerdings 
zu ch wurde. Als Ponciacus wird in einer Urkunde von 
832 nach d'Arbois wahrscheinlich das heutige Pono^ 
(Sarthe) bezeichnet. 

Aus Pontius haben sich mehrere andere Gentilnamen 
entwickelt, nämlich 

1. Pontilius, Schulze 212, in Italien und in den 
Provinzen ziemlich verbreitet. Es hat in Gallien ein 



278 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung, 

Pontiliacus, Atlas 195, ergeben, das über *Pontaliacus zu 
Pontailler-sur-Saone (Cöte-d'Or) geworden ist. Viel- 
leicht hat auch ein PN. *Pontalms existiert, da Pontail- 
lac (Charente-Inferieure) in ganz anderer Gegend auch 
auf *Pontaliacus zurückgeführt werden muß. 

2. Pontenius und seine Nebenform Pontinius, Schulze 
212, ist in Pontiniacus bei Gregor v. Tours, jetzt Pon- 
tigny (Yonne) enthalten. — Unklar ist dagegen Pon- 
tivy (Morbihan), dessen älteste Form Pontivi 1160 schon 
durchaus der modernen gleicht. Einen PN. *Pontivus 
kann ich nirgends ausfindig machen. Vgl. jedoch pagus 
Pontivus, jetzt Ponthieu. 

3. Pontitius^ ist ein seltenes römisches Gentilicium, 
dessen Vorkommen in Gallien bis jetzt nicht nachgewiesen 
zu sein scheint. Ponticiacus heißt bei Gregor von Tours 
das heutige Pionsat (Puy-de-D6me), dessen Entstehung 
wohl nur durch eine Metathese *Pitontiacus erklärt 
werden kann. 

Potentius, -a weist J. Schwab^ als spätlateinisches 
Cognomen nach. Es hat sich erhalten in Gastrum Potenti- 
acum, Atlas 173, jetzt Chäteauponsac (Haute -Vienne). 

Aus dem Cognomen Priscus 'alt' ist verhältnismäßig 
spät ein Gentilname Priscius^ gebildet, aus dem zahlreiche 
gall. Prisciacus hervorgegangen sind, u. a. Precy-sur- 
Oise (Oise), Atlas 195; zwei Precy (Aube) heißen schon 
in merowingischer Zeit Prisciacus^; später bezeugt sind 
mehrere Precy (Nievre) und ein Precy (Yonne); auch 
Pressac (Vienne) kann hierher gehören. 

Priscinius ist aus dem Cognomen Priscinus entstanden, 
das sich selbst wieder zu Priscus verhält wie Quintinus zu 
Quintus u. a. Als Prisciniacus erscheint im sechsten Jahr- 
hundert^ eines der beiden Pressigny im Dep. Indre-et- 
Loire, im Jahre 683 Pressagny (Eure). 



1 CIL. VIII s. 14900. — 2 Nomina propria latina 674. 
ä CIL. III 4951, 5B62 ; IX 1455. — * Rech. 300 f. 
^ Rech. 301, wo auch noch andere hierher gehörige Orte 
angeführt sind. 



Lateinische Namen mit dem Suffix -aco. 279 

Prouillao (Lot) heißt Pelroliaco in einer merO' 
wingischen Urkunde.' Als Grundwort wird man am 
besten Peironius, Schulze 209, annnehraen, wobei aller- 
dings der Übergang nj > {j Schwierigkeiten macht. 
Anders steht es mitPreuilly (Vienne) (fehlt bei Skok) 
und Preuilly-sur-Claise (Indre- et- Loire), denen man 
wohl Prouilly (Marne) zugesellen darf. Letzteres ist um 
818 als Proviliacus erhalten. Ein PN. Provilius oder 
Probüius ist mir nicht bekannt, mag aber existiert haben, 
wie es durch das Cognomen Prohilla* wahrscheinlich ge- 
macht wird. Wir haben ihn auch in Prouilhe (H^rault) 
zu suchen, Prulianum vilUi 804, Prolianum 936, sowie in 
Pruillö (Maine et- Loire) Pruniacus 1051. Skok 123 f. 
schlägt für diese und zugehörige andere Namen ein lat. 
Proculus, Schulze 460, vor, das nicht selten in synkopierter 
Form Pioda begegne. 

Aus Primius, Schulze 216, hat sich der ON. Primiacus 
entwickelt. Venantius Fortunatus' nennt eine villa 
Burdegalensis namens Praetniacum, die aber in einer an- 
deren Hs. Primiacum heißt und mit dem heutigen Prei- 
gnac (Gironde) identifiziert werden kann. Prangey 
(Haute-Marne) und Pringy (Haute-Savoie) haben den- 
selben Ursprung, zeigen aber eine andere Entwicklung 
der Lautgruppe mj vor betontem Vokal. Aus Primus 
mag sich in späterer Zeit nach Analogie des Zahlwortes 
auch ein PN. *Primarius entwickelt haben, für den ich 
allerdings keine Belege erbringen kann; auf ihn geht 
Pr^mery (Niövre) zurück, Primiriacus 887, Primeriacus 
1173. 

PudenÜus^ aus dem Cognomen Pudens gebildet, weist 
J. Schwab^ aus einigen späteren Inschriften nach, und 
d'Arbois leitet daraus u. a. Pouanc6 (Maine -et -Loire) ab, 
für das ich nur späte Formen finde: Poenciacum um 1050, 

' MGH., Scriptor. Merov. ed. Krusch IV 587. 

' CIL. III 3553. 

» Carm. I 20, tit. o. 6, S. 28 der MGH. Auctoree IV. 

* Nomina propria latina 678. 



280 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

am dieselbe Zeit auch Pauntiacum^ Poenci 1070. Dagegen 
erlauben uns die Lautverhältnisse nicht, Podensac 
(Gironde) hierherzuziehen, das erst spät überliefert ist 
und das Skok 122 auf ein *Potentius zurückführt (vgl. 
S. 278). 

Quinctius, Schulze 229, Quintius sind aus dem Vor- 
namen Quintus entstanden und in allen Teilen des rö- 
mischen Reiches verbreitet. Qumiiacus, meist in der 
Schreibung Quinciacus, begegnet auch ungemein häufig als 
Ortsname. D'Arbois^, zählt nicht weniger als 36 Ort- 
schaften auf, die vermutlich auf diese Grundform zurück- 
geführt werden müssen. Ich nenne als die wichtigsten: 
Quincy (Meuse), Quinciacus 770; Quincy (Seine-et- 
Marne)^; Quincy- sur-Armanyon (Cote-d'Or), Atlas 
195; Quincey (Aube) ib.; Quingay (Vienne), Ende des 
zehnten Jahrhunderts; ferner Quince (Maine -et -Loire); 
Quincey (Haute -Saone); Quincie (Rhone); Quincieux 
(Rhone). Weniger sicher ist es, ob auch Quissac (Gard) 
hierher gehört, das erst 1274 als Quintiacus, 1384 als 
Quinciacus auftritt, doch vermag ich eine bessere Er- 
klärung nicht beizubringen. 

Bennius, Schulze 281, ist zweifellos ein römisches 
Gentilicium, denn seiner großen Verbreitung in Italien 
stehen nur vereinzelte inschriftliche Belege in Gallien 
gegenüber. D'Arbois und Holder haben daher gewiß un- 
recht, wenn sie den Namen als gallisch ansehen und von 
dem personifizierten FIN. Benos '^Rhein' ableiten. *Benni- 
acus ist zufällig bis jetzt noch nicht nachgewiesen, trotz 
der sehr zahlreichen französischen Orte, die darauf zurück- 
geführt werden müssen — d'Arbois zählt 52; die nächst- 
liegende älteste Form ist Beniacus 969 für eines der 
drei Rigny des Dep. Vienne. Daneben gibt es Rigny 
noch in den Dep. Saone- et -Loire, Indre- et -Loire, Aube, 
sowie ein Rigney (Doubs). Andere Ergebnisse jenes 
Stammwortes sind Reignac in fünf und Rignac in 



1 Rech. 156 f. — ^ Cocheris 170. 



Lateinische Namen mit dem Suffix aco. 281 

sieben Departement« dea Südens. Doch finde ich für 
Rignac (Aveyron), das d'Arbois hierher rechnet, als 
älteste urkundliche Form Rutiniacus, Atlas 197, vom rö- 
mischen Gontilicium Rutenim (s. u.). Das Dep. Ain hat 
nobeneinander Rignat, Rignieu und Rignieux, deren 
älteste Form Riniaco nicht vor dem zwölften Jahrhundert 
nachgewiesen ist. In Mittel- und Nordfrankreich sind 
sieben Regny von Rennius abzuleiten, während Rei- 
gnier (Haute-Savoie) mangels älterer Formen unsicher 
bleibt. Skok 195f. nimmt es nicht auf und setzt für die 
ganze Reihe anscheinend einen PN. *Reniu8 an, 

Rcilhac (Cantal) kommt 999 als Rillacum vor. 
*Rillus oder dergleichen ist nicht nachzuweisen ; man wird 
daher an Regilius, Schulze 444, möglicherweise auch an 
ReguHus, ib., denken müssen. Dasselbe Stammwort mit 
dem Suffix -onus hat Reillanne (Basses- Alpes) ergeben, 
Reglana, Atlas 196. — Reilhac (Haute -Loire) heißt 954 
Reliacus, doch kommt ebenfalls im zehnten Jahrhundert 
eine Form Ridiliacus vor, die sicherlich nicht willkürlich 
gebildet ist und die uns einen wertvollen Fingerzeig für 
die Ableitung gibt, da ein Gentilicium Retilius, Schulze 
278 und bei Holder, vorhanden ist. Dasselbe Departe- 
ment Haute-Loire ieigt auch eine Diminutivform Reil- 
haguet, die schon an anderer Stelle berührt worden 
ist. — Zu dieser Gruppe gehören noch Reillac (Dor- 
dogne); Reilhac (Haute -Vienne, Corräze); Reilly (Oise); 
Rill6 (Indre -et- Loire); Rillieux (Ain); Rilly (Marne, 
Ardennes). 

Roins, Schulze 194, ist enthalten in Royat (Puy- 
de-D6me), das um 1400 einmal als JBoj/ac genannt wird ; 
derselbe Name auch Cantal und Ari^e. Berühmter und 
noch verbreiteter ist die Verbindung mit dem lat. SufHx 
•amtSy im alten pagus Roianensis von 1040 an genannt; 
danach heißt noch jetzt die Landschaft Le Royans, die 
einen Teil jenes früheren pagus umfaßt und deren Name 
in den Verbindungen Le Pont-en -Royans (Isöre), 
Saint-Nazaire-en-Royans (Dröme), Saint-Jean-en- 



282 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Roy ans (Drome) erhalten ist. Denselben Ursprung hat 
anscheinend Royan (Charente-Inferieure) ohne alte Form. 
Roujan (Herault), Castellum de Boyano 1059, Bojanum 
vom 12. — 16. Jahrhundert, wird trotz eines vereinzelten 
Bogianum 1172 und trotz der abweichenden Behandlung 
des palatalen Lautes doch hierhergestellt werden müssen; 
wenigstens zeigt in demselben Dep. Bo \i] a.n <Ci Bojanum 
937, Bujanum 990, Bojanum seit dem zwölften Jahrhundert 
dieselbe Entwicklung, desgleichen Bardejan (Herault)<; 
Barbejanum 990.^ 

Remuzat (Drome) ist völlig unklar und auch von 
Skok nicht erwähnt worden. Die ältesten Formen 
Bemusa, Bemusacum, Bemusatum gehen auf die Mitte des 
13. Jahrhunderts zurück und beweisen daher nichts. Von 
lateinischen Personennamen zeigt höchstens Bomatius, 
Schulze 368, einen entfernten Anklang. 

Der VN. Bomanus tritt nicht selten als Ortsname auf. 
Für ein Romans (Ain) findet sich 912 De Bomanis; ein 
anderes Romans (Dr6me)^heißt noch früher Goncoare ubi 
Bomanis monasterium, woraus vorübergehend Gonquers, At- 
las 175, später Bomanis, Atlas 197, wird; hier liegt viel- 
leicht der Name des Heiligen Bomanus zugrunde wie in 
Romain moti er (Schweiz, Vaud) Bomani Monasterium, 
Atlas 197, und in zahlreichen Saint-Romain, während 
in mehreren Romainville (Seine, Eure-et-Loir) der 
Name eines Besitzers i^omawMs enthalten ist.^ Eine Bildung 
von Bomanus mit dem Suffix -acus ist in mehreren 
Romenay (Saone- et -Loire, Cher, Nievre) zu suchen. — 
In einigen Romaneche (Saone -et -Loire, Ain) möchte 
ich das germanische Suffix -isca sehen, da die Orte im 
burgundischen Sprachgebiet liegen ; das erstere kann auch 



* Die beiden letzten Beispiele aus Skok 157 und 152. Seine 
Deutung von Royana und Roujan S. 224 weicht allerdings von 
der meinigen durchaus ab, da er ein Adj. *raudus, *rodus zu- 
grunde legen will. 

2 Vgl. Zs. für roman. Phil. XVIII 440 und G. Paris, 
Romania XXIV 307. 



Lateinische Namen mit dem SuflBx -aoo. 288 

d'Arbois' 1120 als Romaniscas nachweisen. — Der Gentil- 
name Bomanius ist aus alter Zeit überliefert, Sohulze 368, 
und bildet für sich allein den ON. Romagne (Vienne, 
Maine -et -Loire). Romaniacus ist aus dem neunten Jahr- 
hundert bezeugt für heutiges Romeny (Aisne), das noch 
im 16. Jahrhundert Romigni, Roumigny heißt. Es liegt 
ferner zugrunde den durch hiötorische Formen nicht be- 
zeugten ON. Romagnieu (Isöre), Romagnat (Puy-de- 
D6me), Romagn^ (Ille-et- Vilaine), Romagny (Manche). 
Romanius hat in Gallien die Nebenformen .Somintu«, Ruminius 
gezeitigt, die man freilich auch als besondere Bildungen an- 
sehen kann, obgleich sie erst spät auftreten; doch ist ^u- 
minius schon Schulze bekannt. Romigny (Marne) lautet 
SiO Rominiacus. Für Ruminiaais 900 findet sich um 1130 
Rumiliaais mit Dissimilation von mny zu mly, wie sie viel- 
fach vorkommt, heute Remilly (Nievre). RuminiacusS19 ist 
ferner heutiges Remigny (Aisne), bei dem sich das u 
der ersten Silbe bis zum Jahre 1300 nachweisen läßt; 
Rumigny (Ardennes) heißt im neunten Jahrhundert 
Ruminiacus. Zahlreiche andere hierher gehörige Namen bei 
d'Arbois. ' 

Romulius ist der ältere, Rotnilius der jüngere Name 
einer von Romulus abgeleiteten, sehr alten römischen 
Gens, Schulze 368. In Gallien sind neben diesen auch 
die Formen Rumilius, Rumelius gebräuchlich, doch wagt 
Schulze a. a. 0. nicht, mit Bestimmtheit Verwandtschaft 
zwischen beiden Gruppen festzustellen. Der ON. Rumüi- 
acu8, Rumeliacus erscheint erst im elften und zwölften 
Jahrhundert für Rumilly (Aube); denselben Ursprung 
hat offenbar Rumilly ( Haute -Saöne), Romilly-sur- 
Seine (Aube). Ein Remilly (Elsaß -Lothringen) heißt 
Rumeliacus 842, Rumiliacus 875; Remilly (Ardennes) 
Romeliacus, Atlas 197; Rombly (Pas -de -Calais) Rumli- 
acus^ ib. 

Rubenius, Schulze 220, ist anscheinend in Ruvigny 
(Meuse) als Gentilname zu suchen; wenigstens weisen die 

» Kech. 554. — « Rech. 803 f. 



284 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Formen Buviene 1106, Buvignei 1141 mit ihrer ersten 
Silbe auf jenen Ursprung hin. 

Bufius, Schulze 221, ist aus dem Cognomen Bufus, 
eigentlich 'der Rotkopf, entstanden, wie seine Nebenform 
Buffius aus Buffus. Auf Bufiacus beruhen Ortsnamen mit 
u in der ersten Silbe, während aus Buffiacus Formen mit ou 
hervorgegangen sind (vgl. denselben Unterschied heiBudacus 
und Buceiacus). Zur ersten Gruppe gehören trotz ihres 
ß: Ruffec (Charente) Bufiacus, Atlas 197; Ruffieux 
(Savoie); Ruffiac (Morbihan) Bufiacus, Atlas 197; Ruf- 
fey (Saöne- et -Loire) Bofiacus, ib. Auf Buffiacus gehen 
zahlreiche Rouffiac im Süden zurück, z. B, Aude, Can- 
tal, Charente, Aveyron. 

Büllius, Schulze 424, ist das Stammwort für mehrere 
Bulliacus, die in Rouillac (Charente), Rouille (Vienne), 
Rouilly (Aube) fortleben. Roulans (Doubs) ist Büllus 
-\- Suffix -anus. Davon zu scheiden ist *Bülms, Büllius 
vom Adj. rüllus 'ländlich, bäurisch', das auch als Cognomen 
verwendet wurde; dasFem.EMZia ist einigemal nachzuweisen.^ 
Aus Büliacus erklären sich mehrere Ruille, deren be- 
deutendstes Ruille-sur-Loir (Sarthe); auch verschiedene 
Rully (Saöne -et -Loire, Loire, Oise) sind hieraus herzu- 
leiten. 

Bunnius, Schulze 368, kommt in Betracht für Rou- 
gnac (Charente), Rougnat (Creuse), für die allerdings 
alte Formen nicht nachgewiesen sind. 

Sabius, Schulze 222, hängt vielleicht mit dem Namen 
einer italischen Gottheit Sabus zusammen ; seltener ist 
Savius.^ Auf '^SaUacus oder *Saviacus könnte Sagy 
(Saöne - et - Loire, Seine -et -Oise) zurückgehen, doch fehlen 
historische Formen. — Aus Sahius ist 

Sabinus entstanden, der Name des bekannten italischen 
Volksstammes, der aber auch als Individualname gebraucht 
wurde. Aus der Femininform *Sabina (villa) hat sich der 
ON. Savines (Hautes- Alpes) gebildet, der 1085 und 

1 CIL. V 3367; Schuerm. 4792. 

2 CIL. VI 25965. 



lateinische Namen mit dem Suffix -aco. 285 

später wiederholt ah Savina erncheint. Auch der Heiligen- 
name Saint -Savin gehört hierher. Savenay (Loire- In- 
f^rieure) ist nicht alt überliefert, kann aber sehr wohl 
aus *Sabiitacus entstanden sein. — Aus Sabinus entwickelte 
sich frühzeitig das Gentiliciuin Sabinius, Schulze 222, das 
Grundwort zu zahlreichen Sabi7nacu8, Savinianui — d'Ar- 
bois* kennt mehr als 80 Orte dieees Namens. Die 
häufigste neu französische Form hierfür ist Savigny, 
das einmal schon in merowingischer Zeit als Saviniaeu» 
erwähnt wird, Alias 65, das heutige Savigny-sur- 
Braye (Ijoir-et-Cher) ; andere in den Dep. Rhone, 
Saöne- et -Loire, Seine- et- Marne. Im Süden findet sich 
mehrfach Savignac (Cantal, Hörault u.a.); Savignö 
(Deux-Sovres) leitet hinüber zu Sevigne (lllc-et- Vilaine), 
das wohl als Stammgut der berühmtesten Trägerin dieses 
Namens angesehen werden darf. Hierher sind endlich 
noch zu zählen Sövignac (Cotcs-du-Nord), 86vignac 
und Sövignacq ( Basses -Pyr^nees). 

Saccius, abgeleitet aus dem Cognomcn Saccus, eigent- 
lich 'der Sack', sieht d'Arbois*, als Grundform für die fol- 
gende Gruppe von Namen an, für die aber noch verschiedene 
andere Gentilicia in Betracht kommen, die in ihrer 
Entwicklung mit jenem zusammengefallen sind, nämlich 
Sacius, SacHus, Schulze 223, und Satius, Sattius, ib. 224. 
Der älteste hierher gehörige Ortsname scheint Sayssao 
(Tarn) zu sein, Satiagus villa in der Vita Desiderii^; ein 
Saissac (Aude) ist erst nach dem zehnten Jahrhundert, 
Atlas 202, als Sexagum überliefert; älter als dieses sind 
wieder Sacy (Yonne) Soriaffits 670; Sacy (Oise) Saaanis, 
Atlas 197, und einige andere Sacy; endlich Sassy (Cal- 
vados). Cessy (Niövre) heißt Sassiacence monasteiium 
gegen 600, Sessiacits neuntes Jahrhundert. Auch Cessai 
(Lot) kann hierher gehören, obwohl Quicherat 35 dafür 
Cassiacus anführt, was sprachlich nicht ausgeschlossen 



' Rech. 126. — « Rech. 810. 

> MGH., Scriptores merov. IV 588, 1. 



286 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

ist (vgl. Sassenage <^ Cassanaticum). Skok läßt be- 
fremdlicherweise den Namen in seinen Betrachtungen 
fort. Cessieu (Ain), das jetzt noch im Namen Saint- 
Benoit-de-Cessieu lebt, heißt Locus de Saxiaco, Sayssieu, 
Seissieu bei Guigue 335; es verdankt den ersten Teil 
seines Namens einem Benediktinerkloster, das 859 dort 
gegründet wurde. 

Salius, Sallius, Schulze 224, das letztere zu einem 
Cognomen Sallus^ gehörig, haben mehrere ON. Sail er- 
geben, von denen zwei: Sail-les-Bains und Sail-sous- 
Couzan (beide Loire) durch Heilquellen ausgezeichnet 
sind; Sail-sous-Couzan verdankt seinen Beinamen einer 
Burg Couzan, deren Trümmer jetzt noch auf einem Felsen 
über dem Dorfe thronen. Saliacus setzt Holder als Grund- 
form für 24 Ortschaften an, von denen die bedeutendsten 
sind Saillat (Haute-Vienne), Saille(Loire-Inferieure) und 
Sailly(Somme, Pas-de-Calais u. a.). AuchSeilhac (Correze) 
gehört hierher, da es Atlas 198 als Salliacus aufgeführt 
wird. In Mittel- und Südfrankreich sind auch die Verbin- 
dungen mit dem Suffix -anum beliebt, die Skok 197 
allerdings verdächtig erscheinen, da sie auch Partizipial- 
formen auf -ens vom Verbum salire sein können. Ich 
erwähne Saillans (Dröme) Saillenz 1201 u. ö., Saillant 
(Puy-de-D6me) Sailhens und Le Saillant (Correze), das 
sich durch seinen Artikel als eine junge Bildung cha- 
rakterisiert. 

Salinius, Sallinius, Schulze 224. Als Saliniacus ist 
schon in merowingischer Zeit bezeugt Saligny (Yonne); 
andere Saligny in den Dep. Allier, Vend6e u. a. Im 
Süden findet sich häufig Salignac (Charente-Inferieure, 
Gironde, Dordogne), das letzte aus dem Anfange des 
zwölften Jahrhunderts bezeugt als Salenac, Salaihnach u. ä. 

Salvius, Schulze 93, ist ein in den letzten Zeiten 
der Republik auftauchendes Gentilicium. Salviacus, At- 
las 198, bezeichnet den Ort Sauviat (Haute-Vienne); 



1 CIL. IX 6078, 148; X 2627. 



Lateinische Namen mit dem Saffix -aoo. 287 

es ist auch als Ulteste Form für Salviac (Lot) anzu- 
setzen. Montsalvy (Cantal) gehört erst mittelbar 
hierher, denn -acus hat eich in dieser Gegend niemals 
zu y entwickelt, wie ein Blick auf das Register bei 
Skok 237 zeigt ; hier ist der zweite Teil des Wortes wohl 
der Name eines Besitzers Salvy; die spät überlieferten histo- 
rischen Formen lauten : Ecclesia montis SahnilOSO, Villa montia 
Salvis 1278. Eine Bildung mit dem Suffix -anus istSauvian 
(H^rault). Montsaugcon (Haute- Marne) heißt Mona 
Salvion 1033, Mo7is Salvionis 1101, Motis Salgio um 1105, 
Montsaujon mehrfach von 1172 an. Hier liegt eine Weiter- 
bildung des Namens Salnus mit dem Suffix -one vor. 
Für alle diese Namen kommt neben Salvins auch Silvius 
in Betracht, das dieselbe Entwicklung erfahren hat wie 
jenes (vgl. sauvage <Cisilvaticus und südfrz. seauve, 8auve<C 
Silva). 

Salvinius, Schulze 93, Silvinius und Silvaniua 371, 
konnten sich in gleicher Weise entwickeln. Sauvigny- 
les-Bois (Nie vre) heißt von 817 an in verschiedenen 
Urkunden Salviniacus. 

Sanciacus, das Atlas 198 für Sanxay (Vienne) be- 
zeugt ist, kann ebensowohl aus Sancius^ Schulze 473, wie 
aus Sanclius^ oder Sanicius entstanden sein. Ebenso sind 
auch herzuleiten Sanssac (Haute-Loire), Sancey (Doubs), 
Sanzey (Meurthe-et-Moselle). Sansan (Gers) ist dann 
eine Bildung aus einem jener Personennamen und dem 
Suffix -anus. 

*Sarrius erschließt Skok aus den Namen Sarra, 
Sarro, Sarrantts u. a.; Schulze 224 führt Sarins an. Daraus 
ein Sarriac (Hautes-Pyr6n^es) und mit dem Suffix -awu« 
Sarrians (Vaucluse). 

Für Sartilly (Manche) fehlen historische Formen; 
es ist wohl an Sertnllius, Schulze 230, als Grundform zu 
denken — dann wäre in der ersten Silbe e"^ a geworden. 

Satellius, Satelius, Satiliiis, Schulze 225, woraus be- 
stimmt Satilliacus 996 (nach Skok), jetzt Satillieu 
(Ardöche) zu erklären ist. 

^ Kech. 813. 



288 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Secundius^ aus dem bekannten Cognoinem Secundus, 
eigentlich den zweiten Sohn der Familie bezeichnend, 
ist enthalten in Secundiacus, jetzt Segonzac (Charonte, 
Lot, Dordogne). Eine Erweiterung von Secundius ist 

Secundinius, das in Secondigny und Secondign6 
(beide Deux-Sevres) vorausgesetzt werden muß. 

Für Securius, ein seltenes und spätgebildetes Genti- 
licium, weiß d'Arbois zwei Beispiele aus rheinischen In- 
schriften anzugeben; daß der Name ziemlich verbreitet 
war, geht aus den Ortsnamen hervor, die Holder auf 
Securiacus zurückführt, von denen aber keiner in historischen 
Formen vorliegt. Unsicher ist es daher auch, ob die fol- 
genden, die Holder nicht anführt, hierher oder vielleicht 
zü Sicorius, Schulze 130, gehören: Segre (Maine -et -Loire) 
Segreium, Segregium, Ende des elften Jahrhunderts, aber 
Castellum secretum 1070; Segrie (Sarthe, Orne), Segry 
(Indre). Segur (Aveyron, Cantal, Correze) muß entweder 
aus dem Cognomen Securus hergeleitet werden, aus dem 
sich obiges Securius entwickelt hat, oder es ist ein Appel- 
lativ für älteres Locus securus. Sir od (Jura) ist nach 
Holder in ältester Form als Siguroscus überliefert und 
stellt eine Bildung von Securus mit dem ligurischen 
Suffix -osco dar. 

Sellarius, anscheinend von sella '^Stuhl' abgeleitet, 
also 'Stuhlmacher', muß ein später Name sein, den ich 
inschriftlich gar nicht zu belegen vermag, der aber in 
Sillery (Marne) enthalten sein könnte, wenn man den 
Formen Seleriacum 1123, Selleri 1171 hinreichenden Wert 
beimessen darf. 

Ein spätlateinisches, selten gebrauchtes Gentilicium 
muß auch in Salency (Oise) gesucht werden, das At- 
las 201 Sellentiacus heißt, während Holder aus einer etwas 
früheren Urkunde Silentiacum verzeichnet. Personennamen 
mit dem Suffix -eniius wie Valentius, Picentius sind durch- 
aus junge Bildungen; so ist es wohl zu erklären, daß die 



1 Belege Rech. 314. 



Lateinische Namen mit dem Suffix -oco. 289 

Substrato jener -an<m-Worte nicht durch Inachriften be- 
legt werden können. 

Sellentacus, Sillinianut, Sigliniacus sind bei Holder die 
ältesten Nanienformen für Seignelay (Yonne). Als 
Personennamen hierzu sind anzusetzen Selenivs, Schulze 
227, Sillenus, Sillienus 231. 

Senessay (Vienne) heißt zuerst um 1100 und später 
Senecincus, daneben aber steht Sanariacus, das sich wieder- 
holt von 1120 ab findet; es ist daher unklar, ob Senicius^ 
Schulze 228, oder Sanicius, 143, als Grundwort anzusehen 
ist. Letzteres liegt ohne Suffix bestimmt vor in Senez 
(BassesAlpes), das schon Ptolemaeus ' als Zavinov kennt, 
Sanitium Not. Gall., Sanetium 506, Senedium 685. Die 
Lage des Ortes und der Umstand, daß Ptolemaeus es den 
Vediantii (Ouebaviiujv g. pl.) zuschreibt, machen es wahr- 
scheinlich, daß der Name ligurisch ist. Sennecoy 
(Saöne-et-Loire) ohne alte Belege ist ebenfalls hierher zu 
Stollen, desgleichen S^nissiat und Sinissiat (beide Ain). 

SereniuSy Serinia, Schulze 229, haben Sereniacus er- 
geben, das Skok einmal aus dem Jahre 896 belegen 
kann. Hieraus ist Serignac (Charente, Lot-et-Garonne, 
Tnrn-et Garonne) sowie S6rign6 (Vendie) entstanden. 
S6rignan (Herault, Vaucluse) würde man ohne weiteres 
als die entsprechende Bildung mit -anum ansehen, doch 
ist wenigstens das erste der beiden als Surignanus 990 
überliefert, was Skok 132 für einen Schreibfehler hält. 
Dem kann man nicht beipflichten, wenn man bedenkt, 
daß Surinus, Schulze 235, existiert. 

S6verac-le-Chateau (Aveyron) ist bei Ix)ngnon, 
Atlas 202, d. h. ziemlich spät als Severiacus überliefert, 
kann aber nur aus *Severants vom Cognomen Secerus ent- 
standen sein. Das Gleiche gilt von S6v^rac (Loire- 
Inf^rieure). Für Severius gibt d'Arbois* zahlreiche Bei- 
spiele, und ein hieraus gebildetes Severiacus bezeichnet 
schon im sechsten Jahrhundert, Gr^r. 292, das heutige 



» III 1, 89. - • Rech. 817. 
Uröhler, Fransösische Ortsnamen. 19 



290 Die ältesten Ortenamen und ihre Bedeutung. 

Civray-sur-Cher (ludre-et-Loire). Bedeutender als dieses 
ist Civray (Vienne), das als Severiacus und Sivriacus vor- 
kommt. Von südlichen Ortschaften ist am frühesten be- 
zeugt Civrieux (Ain), Sivriacus dSA, andere bei Skok 133. 

Silius ist am bekanntesten durch den Namen des 
Dichters Silius Italiens, der im ersten Jahrhundert unserer 
Zeitrechnung gelebt hat; eine Variante dieses ist Sillius, 
Schulze 232, während Selius, Sellius, 227, davon zu 
trennen sind, aber dieselbe Entwicklung durchgemacht 
haben wie die Namen mit i. Siliacus begegnet zuerst in 
einer Urkunde von 688^ und hat die modernen Formen 
Sille und Silly ergeben; am bedeutendsten sind Sille- 
le-Guillaume (Sarthe) — d. h. celui de Guillaume, 
früher das Besitztum eines Mannes namens Guillaume — 
und Silly-le-Long (Oise), dessen Beiname von seiner 
Längenausdehnung herrührt, beide Siliacus, Atlas 202 ; 
andere Silly in Belgien-Hennegau und Aisne; endlich 
ein Silli(Orne); im Süden Silhac (Ardeche). Bildungen 
mit -anum stellen die beiden Sillans (Isere, Var) dar; 
doch erscheint Sillans (Var) in frühester Zeit als CiZiawwm 
von Cilius, Cillius, Schulze 423. 

Silvius, Schulze 371, ist enthalten in Souge (Loir- 
et-Cher) und Sougy (Loiret), die beide, wenn a,uch spät, 
Atlas 202, als Silmacus vorkommen. Ein Sougy (Nievre) 
ist 966 als Selgiacus bezeugt und kann daher nicht hier- 
her gestellt werden, zumal da Seligius, Schulze 227^ eine 
durchaus ansprechende Herleitung bietet. 

Silvinius, Schulze 371, eine Ableitung von Silvius, ist 
höchst wahrscheinlich in Souvigni (Indre-et-Loire) und in 
Souvigny (Allier) enthalten, denen allerdings auch Sil- 
vanius zugrunde liegen kann. Souvanirgues (Haute- 
Loire) lautet in einer Urkunde von 906 Silvignanicus = 
Silvinianicus, dagegen im 13. und 15. Jahrhundert Salvi- 
nargues und Salvynihiergues. Hier wäre also der Name 



^ Rech. 321, wo auch weitere Angaben zum Personen- 
namen und zu den hierher gehörigen Ortsnamen zu finden sind 



Lateininche Namen mit dem BafQx -aco. 291 

Silvinius oder Salvinitu, Schulze 98, durch die Suffixe 
onus -\- tcus erweitert. 

Sinnius, Sennius. Schulze 425, und Senius, 228, sind 
in späterer Zeit zusammengefallen. Signy (Vienne) 
kommt 938 als Villa Siniacua vor, Signiacus 993. Im 
Dep. Ardennes gibt es ein Signy-l'Abbaye, das seinen 
Beinamen einer im Jahre 1134 vom heiligen Bernhard 
gegründeten Abtei verdankt, deren Kirche, lange eines der 
schönsten Bauwerke der Champagne, erst während der 
Revolution zerstört wurde. In demselben Dep. liegt 
Signy-le-Petit. Signes (Var) dürfte auf *5i««ta« (viWaJ!^ 
zurückgehen. 

Sollemnius^, seltener Solemnius sind als Personen- 
namen niclit gerade häufig bezeugt und aus dem Cog- 
nomen Sollemnis* entstanden. Dieses letztere ist selbst 
mehrfach als Ortsname gebraucht worden, so in Soles- 
mes (Sarthe), das auf einer merowingischen Münze Solem- 
nis heißt; für Sole sm es (Nord) findet sich Solemium und 
Solemnium 706 und noch mehrfach im Laufe des achten 
Jahrhunderts.' Auch Selommes (Loir-et-Cher) hat wahr- 
scheinlich diesen Ursprung, desgleichen Seloignes (Bel- 
gien-Hennegnu). Für Soulaines (Maine-et-Loire) ist, 
allerdings erst 1130, Sollejnniis belegt, während ein an- 
deres Soulaines (Aube) 1155 Sollania heißt; dem letz- 
teren könnte danach das lateinische Gentilicium Sola- 
nius, Schulze 371, zugrunde liegen. — Solletnpniacus 986 
und später entspricht dem Orte Solignac-sous-Roche 
(Hautc-Ix)ire), dessen Beiname als prope Rocham zuerst 
1302 auftaucht; ein Solignac-sur-Loire (Haute-Loire) 
heißt Solemniacus, Atlas 65. Solignac (Haute -Vienne) 
kommt 631 als Solemniacus vor; die entsprechende nord- 
französische Form ist Soligny (Loiret, Seine-et-Oise). 
Denselben Ursprung haben auch Soleymieux (Eure) 
und Saint- Jean-Soleymieux (Loire) und mit anderer 

' Rech. 828. 

^ Beispiele nur aus Gallien Rech. 502. 

* Rech. 370. 



292 Die älttsten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

P^ntwicklung des konsonantischen Elementes vor dem 
Ton vokale Soulange (Maine-et-Loire) Sollemniacus^ At- 
las 202, Soulangis (Cher) Solumniacus ib. und höchst 
wahrscheinlich Selongey (Cote-d'Or). 

Sonnius und Sonius, Schulze 425, begegnen außer in 
Inschriften von Rom auch in solchen aus Lyon und aus 
Novara. Dieser Personenname liegt offenbar dem durch die 
Acta Sanctorum vielfach bezeugten Sonegias zugrunde^ das 
die heutige Stadt Soignies (Belgien-Hennegau) bezeichnet. 
Sonegias = *Sonejas ist die romanisieite Form von ur- 
sprünglichem "^Soniacas. Auch Soigny und Sogny 
(Marne), die beide erst in Urkunden des zwölften Jahr- 
hunderts auftreten, gehen vermutlich auf *Soniacum 
zurück. 

Surinus, Surenus, Schulze 235, könnte, mit -acus ver- 
bunden, wohl eine kontrahierte Form *Surnacus, *Sornacus 
ergeben haben, auf die vielleicht Sornac (Correze) zu- 
rückzuführen ist, wenn nicht etwa ^'Saturnacus vorliegt, 
was mangels alter Formen nicht entschieden werden 
kann. Skok denkt an *Sormacus von Sornius, Schulze 
235, doch hätte der j-Laut dann irgendeine Spur zurück- 
lassen müssen wie in Sournia (Pyrenees-Orientales), das 
ich für altes *Sornianus aus Sornius halte. 

Spanius, Schulze 227, ist ohne Suffix enthalten in 
Espas (Gers), das Longnon, Atlas 203, als Spanis nennt; 
sodann in Fange (Elsaß-Lothringen), das 1093 Spanges, 
1137 und 1238 Espanges heißt. ^ Die älteste Verbindung 
mit -acus ist durch mehrere merowingische Münzlegenden 
Spaniaco, Ispaniaconivico, Espaniaco gegeben für den Ort 
Espagnac (Correze), den Skok ebensowenig erwähnt wie 
Ispagnac (Lozere); Epagny (Cote-d'Or) kennen Berthoud 
und Matruchot^ in den Formen Spaniacus, Hyspaniacus, 
Ispaniacus vom Ende des elften Jahrhunderts ab ; auch 
zwei Epagny (Aisne, Marne) gehören hierher. 



^ ßouteiller, Dict. top. de Ja Moselle 196. 

^ Etüde bist, et ^tyraologique des n. d. 1. de la C6te-d'OrII67. 



Lüteinisühe Nnmen mit dem Suffix »«co. 293 

Epernay (Mnrne) kommt in einer Urkunde von 
825 als Spemacufi vor, Spamacum 846. Ein zweites 
Epernay (Cöte-d'Or) heißt ebenfalls Spemacus 834.^ Das 
Grundwort ist ein PN. *Spemu8, der aus Spemius, Schulze 
271, erschlossen werden kann, und es ist nicht einzu- 
sehen, weshalb d'Arbois a. a. O. auf ein Cognomen Aspremts 
zurückgreifen will. Ich kann mich nicht entschließen, 
es zum gallischen Gemeinwort spem 'Dorn' zu stellen, da 
ein Personenname, auf den es zurückgeführt werden kann, 
zu Gebote steht. (Vgl. auch S. 115.) 

Schwieriger gestaltet sich die Frage nach dem Ur- 
sprünge von Etrepagny (Eure), wofür von 625 an 
wiederholt in Urkunden Stirpinißciis und Sterpiniacus be- 
gegnet; auch Eterpigny (Somme) kommt als Stirpiniacus, 
Atlas 203, vor, und Etrepigny (Ardennes, Jura), Sterpi- 
gny (Belgien-IiUxeniburg) müssen denselben Ursprung 
haben. Einen PN. *Stirpinius oder *Sterpiniu8 kennen 
weder die Sammlungen von Holder noch von Schulze, 
der letztere S. 237 allerdings Stertinius. Soll man an- 
nehmen, daß von dem letzteren eine Nebenform *Sterpiniu8 
mit dissimilierendem p statt t existiert hat? 

Sulcitis, Schulze 372, ist in Sulciacus, Atlas 203, ent- 
halten, dem jetzt Sucy-en -Brie (Seine-et-Oise) entspricht. 

Tabuf-nius, Schulze 162, anscheinend ein seltener Name, 
könnte in Taverny (Seine-et-Oise) und in Tavernay 
(Saöne-et- Loire) enthalten sein, für das alte Formen nicht 
vorliegen. 

TannitiSy Tannia* ist in Taniaais, Atlas 203, enthalten, 
jetzt Tannay (Niövre), wenn man nicht in der spät 
überlieferten Urform eine falsche Latinisicrung eines ur- 
sprünglichen *Tannetum zu tan 'Tanne' sehen will. 

Taurius, Schulze 234, ist, wie es scheint, im eigent- 
lichen Gallien durch keine Inschrift überliefert, muß aber 
doch ziemlich verbreitet gewesen sein, wie die zahlreichen 



' Rech. 462, .\nm. 4. 

' CIL. V 2518; XI 3489. 6608 und Schulte 425. 



294 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Ortsnamen beweisen^ die auf dieses Gentilicium zurück- 
gehen, neben dem allerdings auch Torius, Thorius, Schulze 
98, sowie Thurius, Turins und Turrius in Betracht kommen. 
Den suffixlosen Namen werden wir wohl hinter Thuir 
(Pyrenees-Orientales) suchen müssen, obgleich diese An- 
nahme durch historische Formen nicht gestützt wird. Ein 
Thoire (Ain) lautet nach Guigue Toria, Tauria. Noch 
besser ist Tauriacus verbürgt, am frühesten für T hure (Indre- 
et-Loire), Geogr. 17, ein anderes Thure im Dep. Vienne; 
Thury (Yonne) ist von Longnon, Atlas 204, als Tauri- 
acus nachgewiesen; erheblich später Thury-Harcourt 
(Calvados), dessen älteste Formen Torei 1008, Turie 1155 
bei Wace, Thorium, Tureium 1209. Thury (Cöte-d'Or, 
Oise). Toury{Eure-et-Loir) kommt schon 635 ahTaury- 
acum vor;^ von zwei Toury (Ni^vre) heißt das eine 
Tauriaco in einer Urkunde von 1103, das andere Toriacum 
1163; dazu kommt ein Thoury (Seine -et -Marne) und 
Thourie (lUe-et-V ilaine), letzteres Turrich, Atlas 205, aber 
bei Holder unter Tauriacus. Thore (Loir-et-Cher) Tauriaco 
um 658 (Holder) und Thor as(Haute-Loire) bilden den Über- 
gang zu den südfranzösischen Formen. Unter diesen seien 
genannt: Tauriao (Aveyron, Gironde, Lot u.a.); Toirac 
(Lot); Thoiras (Gard); Thoiria (Jura, Ain); Thoiry 
(Ain, Savoie). 

Taurinius, Schulze 527, muß in Frankreich häufiger 
verbreitet gewesen sein, als aus den Inschriften zu er- 
sehen ist. Von den hierher gehörigen Ortschaften ist die 
bedeutendste Torigny-sur-Vire (Manche), in alter Form 
nicht belegt; Thorign6 (Mayenne) heißt im zwölften 
Jahrhundert Tauriniacus; Thorigny (Aisne) ist zuerst 9 11 als 
Toriniacus genannt. Thorigny kommt außerdem noch 
vor in den Dep. Seine-et-Marne, Yonne, Vendee; Thorigne 
in Sarthe, Deux-Sevres, Ille-et-Vilaine. 

Tauricius hat d'Arbois^ zweimal als Gentilicium nach- 
gewiesen, und er führt darauf 16 Ortsnamen zurück, 
deren Urform Tauriciacus gelautet haben muß. Von ihnen 

1 Pertz, Dipl. 16, S. 18, 22. — ^ Eech. 331. 



Lateinische Namen mit dem Suffix -ftco. 295 

sind die bedeutendsten Tore 6 (Mayenne, Sarthe), Torcy 
(Saöne-et-Loire, Seine- et- Marne, Seine-Inf^rieure), endlich 
Torcieu (Ain). 

Taulhac (HauteLoire) würde man aus seiner ältesten 
überlieferten Form Tauliaco, Ende des zehnten Jahr- 
hunderts, nicht erkennen, da *Tauliu8 nicht existiert, 
ebensowenig aus Taolac 1252; nun heißt aber ein Tail- 
hac in demselben Dep. im elften Jahrhundert Taglac, um 
1078 Tatitlac (wohl verschrieben für *Taullac), Tauliacum 
um 1118. Hier hat also ein spätes Tauliacum moclemes 
Tailhao ergeben, und n)an wird berechtigt sein, Tauliaco = 
Taulhac auf *Tagtiliaaim, das uns wiederum als Grund- 
wort TaguUius, Schulze 240, an die Hand gibt, zurückzu- 
führen. 

Th«^nezay (Dcux-Sövres) ist Atlas 204, also ziemlich 
spät, als Teneaais überliefert, was von seltenem TetiTteius^ 
oder von Tennius, Schulze 425, abgeleitet wäre. Dann 
müßte man annehmen, daß in der modernen Namen- 
form ein hiatustilgendes z eingeschoben wäre, was recht 
unwahrscheinlich ist; vielmehr beruht wohl Teneacus auf 
einem Schreibfehler etwa für *Teneciacus, und das Grund- 
wort ist Tmetius, Tenatius, TenaciuSj Schulze 373, oder 
auch Tanicius, Tanuatus, ib. 241. 

Tessius, Thessius, Schulze 425, liegt modernem 
Tiercö (Maine- et -Loire) zugrunde, das man auf den 
ersten Blick als *Tertiacus (dieses ist für andere 
Ortsnamen belegt, vgl. Rech. 372) deuten möchte. Die 
alten Formen des Namens weisen uns, so jung sie im 
übrigen sein mögen, auf die obigen Personennamen hin; 
wir finden Teceium 1236, Tysceium 1244, Tyceium 1263 
und ähnliche Formen ohne r noch mehrmals im 13. Jahr- 
hundert, r begegnet zuerst in Treceyum 1326, Tierceium 
1362; für *Tessiacus spricht also die älteste, für *Ticiacu8 
die folgenden wenig jüngeren Formen. Im 14. Jahr- 
hundert ist dann vor s ein r eingeschoben worden — vgl. 



» CIL. XIV 1680 (Ostia). 



296 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Marseille <^ Massilia, Chaource <1 Gatussia u. a. — zweifellos 
nicht ohne Anlehnung an Tertiacus, zumal da tiers, tierce 
<C tertius, tertia zu jener Zeit noch durchaus gebräuchliche 
Zahlwörter waren, und jetzt hat vielleicht erst die Brechung 
des Stammvokals in ie stattgefunden, während die volks- 
tümliche Gestalt des Namens bis dahin ^Tessey oder 
*Tissey gewesen war. Thizy (Rhone) trage ich kein Be- 
denken ebenfalls hierher zu stellen, Titiacus, Tisiaco mehr- 
fach von 984—990 nach Skok. 

Tillius, Schulze 425^ und seine Nebenform Tilius sind 
sehr verbreitete römische Familiennamen und daher ist auch 
Tiliacus in Frankreich nicht selten. Ein Tiliacus neuntes 
Jahrhundert, Tiliacus oder Tilliacus 952 u. ö. bezeichnet 
das heutige Dorf Tilly (Meuse); Tilly-sur-Seulles (Cal- 
vados) heißt Tilleium 1242; andere Tilly in den Dep. 
Eure, Indre und Belgien-Brabant. 

Tintenius, Tintinius, Schulze 243, scheinen lateinisch 
zu sein ; doch gibt es auch einen wahrscheinlich gallischen 
Töpfernamen Tintini} Auch auf die italienischen ON. 
Tintignano, Tintennano, Tintiniano macht Schulze aufmerk- 
sam. Zu einer der obigen Namenformen gehört augen- 
scheinlich Tinteniac (Ille-et-Vilaine). 

Tonius, Tonnius, Tunnius, Schulze 374, sind nicht ge- 
rade seltene Gentilicia dunklen Ursprungs^ auf die die 
ON. Tonnay-Boutonne und Tonnay-Charente, beide 
im Dep. Charente - Inf eri eure, hinzuweisen scheinen, 
die freilich Skok in seine Sammlung nicht aufnimmt, 
vermutlich wegen der Endung, da -acum in diesem Dep. 
sonst nie ay ergeben hat. Sicherer sind wohl hierher zu 
stellen Tonnac (Tarn) und Thonac (Dordogne), die 
Skok 206 ohne Not und ohne Belege von germanischem 
Ätto ableiten will. 

Tossius, Tussius, Schulze 375 f., aber auch Tuscins, 
ib. 247, aus Tuscus, dem Volksnamen der Etrusker, ab- 
geleitet, kann die folgende Gruppe ergeben haben. Tos- 



1 CIL. XIII 10001, 439; 10010, 1910. 



Lnteiniseb« Namen mit dem Suffix -aco. 297 

Biat (Ain) kommt nach Skok als Tociaco vor; Tociacus 
heißt auch AUuh 205 ein Toucy (Yonne); Toussieu (Ubre) 
lautet in früherer Zeit Todeu (Skok), wa« seine Zugehörig- 
keit zu den vorstehenden wahrscheinlich macht. Thoiw- 
6oy (Ain), im zehnten Jahrhundert Tosciacus; Tboissia 
(Jura) ist hier nnzuHchließen. 

Tudertius hält Schulze 527 für ein junges Gentilicium, 
gebildet vom Namen der Stadt Tuder. Davon könnte 
Thouarc6 (Maine-et-Loiro) kommen, das im elften und 
zwölften Jahrhundert wiederholt als Toarciacus begegnet, 
anscheinend ronianisiert aus * Tiidertiacus. Thouars 
(Denx-S6vrep) hierher zu stellen, trage ich Bedenken, wenn 
die Form Toarcis, Atlas 65, wirklich so alt ist, wie es 
nach Longnons Einreihung scheint. 

l/(piM5, Schulze 234, ist in Oulchy-le-Chate au (Aisne) 
enthalten, dessen älteste Form UlcheiumCastrum96i wie in 
der Endung so auch im Stamm schon durchaus ro- 
manisches Gepräge trägt und dennoch im Anlaut das 
Grundwort noch durchscheinen läßt. Denselben Ur- 
sprung haben jedenfalls auch Ouchy (Saöne-et-Ix)ire und 
Schweiz, Wandt). Auf eine Weiterbildung von Ulpius, 
nämlich Ulpinius geht Upigny (Belgien, Namur) zurück, 
das Holder als Ulpiniacum anführt. 

Urbanitts, ürbinius, Schulze 381, werden, solange *0r- 
binius nicht belegt ist — Orbius bei Schulze 365 wäre das 
Grundwort dazu — für Orbigny in Anspruch genommen 
werden müssen, um so mehr als eines derselben, Orbigny- 
au-Mont (Haute -Marne), 834 als Hurbaniants erscheint, 
während die ältesten Foniien von Orbigny (Indre-et- 
Loire) Orbigniacus, Orbaniacus, Atlas 193, sind. 

ürsius^ Urssim, Schulze 261, ist enthalten in drei 
Urzy (Niövre), deren ältestes 887 als Ursiaco vorkommt. 
Gleichen Ursprung haben vielleicht Orsay (Mayenne, Seine- 
et-Oise) und Or9ay (Loir-et-Cher) (doch vgl. S. 274). 

Valentins, Schulze 376 und Schwab 682, wurde, 
adjektivisch gebraucht, in Frankreich vielfach als Orts- 
name verwendet. Das älteste Beispiel ist wohl Valence 



298 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

(Drome), das schon bei Plinhis^ Valentia heißt, auch 
Julia Valentia oder Valentia Segalaunorum. Andere Vale nee 
in den Dep. Tarn, Tarn-et-Garonne, Gers. Auf Valenti- 
acus 989 geht Valengay (Vienne) zurück, und gleichen 
Ursprung hat Valengay (Indre). — Dagegen ist Valen- 
ciennes (Nord), das schon in merowingischen Urkunden 
als Valentianae auftritt, nicht als eine Ableitung aus 
dem PN. Valentins -j- Ortssuffix -anus anzusehen , da der- 
gleichen Bildungen nur dem Süden eigentümlich sind, 
sondern es handelt sich hier um adjektivischen Gebrauch 
des spätlateinischen PN. Valentianus^ , also gleich* Valentianae 
villae '^das Grundstück eines Valentianus'. 

Ein Gentilicium Valentinius und das zugehörige Cog- 
nomen Valentinus hat J. Schwab^ mehrfach nachgewiesen; 
auf ihm beruhen Valentigney (Doubs) und Valentigny 
(Aube). 

Valerius ist ein sehr bekannter Gentilname, der 
allein eine Reihe von Ortsnamen bildet; unter ihnen ist 
Vallieres (Aube) 877 als Villa Valeris (statt villas Valerias) 
genannt; Vallieres (Elsaß-Lothringen, Bez. Metz) kommt 
erst 1053 als Wallerias vor, und Vallieres (Creuse) ist 
ebenfalls hierher zu rechnen; vielleicht auch Valleres 
(Indre-et-Loire). Anders hingegen sind die zahlreichen 
Namen mit Artikel La Valliere, Les Vallieres zu 
beurteilen, die nichts als Erweiterungen des lateinischen 
Appellativs vallis 'Tal' darstellen. Auf *Valeriacus gehen 
zurück: Valeyrac (Gironde, Lot), Vallery (Yonne), 
Vaudrey (Jura), Vaudry (Calvados). Auch Valreas 
(Vaucluse) würde hierher gehören, wenn die Angabe von 
Courtet^ richtig ist, wonach die älteste Namenform 
Valriacum lautet, doch kennt er selbst daneben auch 
Valriatis. 

Valius, Vallius ist lateinisch nach Schulze 376. Dar- 
auf gehen höchst wahrscheinlich zurück Vaillac (Lot); 

* III 36. — ^ J. Schwab, Nomina propria latina 721 f. 
3 AaO. 728 flf. 

* Dict. g^ogr. du d6p. de Vaucluse 359. 



Lateinidche Namen mit dem Suffix sco. 299 

Vailhac (Haute-Loire); zahlreiche Vailly (Niövre, Aabe, 
Cher, Haute-Savoie) ; Wailly (Paa-de-Calaia). 

Varatius und die Varianten Varacius, Varasiua be- 
spricht Schulze 376; einer dieser Namen oder Vareciua, 
Varicius, ib. 248, muß in Varzy (Niövre) enthalten sein, 
das vom fünften Jahrhundert oft als Varciacus bezeugt 
ist. Dagegen ist Varacieu (Isöre), wie alte Formen bei 
Skok 202 zeigen, auf Veracius, Schulze 379, zurückzuführen, 
das a der ersten Silbe erst eine jüngere Erscheinung. 

Varius, Varrius, Schulze 249, vom Cognomen Varus. 
Variacua heißt in der Vita St. Germani, siebentes Jahr- 
hunderts heutiges Vayrac (Lot); gleichen Ursprung hat 
Vair6 (Vendee); auch Veyriat (Ain) zeigt in seiner 
spät überlieferten historischen Form ein a: Vairia 1216 
(Skok) und gehört daher eher zu Vanus als zu Verius, 
Schulze 278. Dagegen sind Veyrac (Haute- Vienne) und 
Veyras (Ardäche) zweifelhaft, da von ihnen alte Formen 
nicht vorliegen. 

Für die folgenden Namen kommen mehrere Gentilicia 
in Betracht: Verinius, Schulze 278, ist anscheinend aus 
Veritis gebildet; Virinius kann Skok 202 einmal belegen, 
und Veroniiis ist sogar ziemlich häufig nachgewiesen. Der 
reine Personenname ohne Suffix hat ergeben: Les 
Vrains (Niövre) Viringium 849, Viringia noch 1049, so- 
dann Vrignes-aux- Bois (Ardennes). Auf *Venuiacus 
gehen aller Wahrscheinlichkeit nach zurück: Veyrignac 
(Dordogne); V6rigny (Allier, Eurc-et-Loir); Vrigny 
(Marne). 

Vatinius, Schulze 249, ist in Wattigny (Aisne) ent- 
halten, seit Mitte des zwölften Jahrhunderts bel^, des- 
gleichen in Wftttignies (Nord). 

Vesitis^ Schulze 255, bildet, adjektivisch gebraucht, 
den Namen Vesia (villa) 970, die älteste Form von Vaise, 
einer Vorstadt von Lyon. Veziacus 1184' entspricht heu- 
tigem Veyziat (Ain). 

' MGH. Script. Merow. IV 587. 

' Btii Skok 141, der aber anderen Ursprang vermotet. 



300 Die ältesten Ortsnamen und ihre Beiieutung. 

Versinius, Schulze 253^ wird in mehreren Versigny 
(Oise, Aisne u. a.) enthalten sein, ebenso wie Verzenay 
(Marne) von Versenus abgeleitet werden muß, also^Terse- 
nacus; Holder nennt diese beiden unter ^'Fimmacws, wozu 
ich aber keinen Personennamen ausfindig machen kann. 

Vibrius, Schulze 103 und 308, ist in drei Guibray 
dos Dep. Calvados enthalten, deren eines 1082 als Vibraij 
Wibrai auftritt; auch im Dep. Mayenne gibt es zwei 
Guibray ohne ältere Form. Skok 143 nennt einige 
Vibrac aus dem Süden. 

Viselius, Visellius, Schulze 256, aber auch Vicüius, 
Vicellius, ib. 102, und Vecilius, ib. 250, können dieselbe 
Entwicklung durchgemacht haben. Der bloße Personen- 
name liegt vor in Vizille (Isere) ohne alte Belege. 
Vezelise (Meurthe-et-Moselle) begegnet zuerst 960 als 
Adjektiv (ecdesia) Vizüiensis, und nur aus dieser Adjektiv- 
form ist der heutige Name zu erklären, der mit r statt 
des ursprünglichen l 1146 als Vizerisia erscheint, Vizelise 
1291, V^zelisse 1390. Mit dem Suffix -acus verbunden 
hat einer der obigen Namen Vezelay (Yonne) ergeben, 
wofür Longnon, Atlas 208, Virziliacus anführt, während 
Holder Viceliacum, Quicherat 37 Visiliacum kennt. Das 
letztere scheint den Vorzug zu verdienen, doch kann Vir- 
ziliacus nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen werden, 
da ein PN. Vircilla wenigstens einmal ^ vorkommt. 

Ob Victorius, Victrius, Vitorius und schließlich auch 
VitnriuSj Schulze 260, nur Variationen desselben Namens 
sind, wage ich nicht zu entscheiden ; jedenfalls kann für 
die folgende Gruppe von Ortsnamen nicht bloß der erste 
der obigen Personennamen herangezogen werden, wie 
d'Arbois^ tut. Gesichert ist allerdings die Form Vidori- 
aciis für Vitry-en-Arbois (Pas-de-Calais), das schon 
Gregor v. Tours im Jahre 575 nennt. ^ Dasselbe gilt von 
Vitry-en-Perthois, später Vitry-le-Brüle (Marne), 



1 CIL. III 5019. — 2 Rech. 334 ff. und 597. 
3 Hist. Franc. IV 36 u. ö. 



Lateinische Namen mit dem SnfRx -aco. 801 

Victoriacus 532, dos seinen Beinamrn hat, weil e«, ehe- 
mals ein bedouteuder Ort, zerstört wurde und später nur 
als ppllrlicher Flecken wieder erstand. Für die obdachlos ge- 
wordenen Einwohner des vernichteten Ortes errichtete König 
Franz I. 1545 in einiger Entfernung eine neue Siedlung, 
die nach ihrem Gründer Vitry-le-Franyois, d. h. celui 
de Fran^ois, genannt wurde. Außer diesen existieren noch 
zahlreiche andere Vitry, zum Teil ohne alte Namcn- 
fornien. Witry -lös- Reims (Marne) heißt Victuriacus 
um 04S. Holder zählt im ganzen 23 Vitry und \\'itry 
auf. In Südfrankreich begegnet mehrfach Vitrac, 
deren Holder 14 verschiedene kennt. Andere Bildungen 
endlich sind Vitre(IlIe-etVilaino); Vitrey (Haute-Saöne); 
Vitray (Orne, Eure-ct-Ix)ir, Allier), endlich ein Bitry 
(Nifevre), das schon um 600 als Vitriacus begegnet, während 
BUriacum 1157 zum ersten Male den Anlaut der modernen 
Form zeigt. Ein Personenname mit anlautendem b, der 
für Bitry etwa in Betracht käme, existiert nicht, so daß 
an der Identität der Form von 600 mit unserem Namen 
nicht gezweifelt zu werden braucht. 

Vilius, Villius, Schulze 267, liegt mehreren Viliacus, 
Villiacus zugrunde, deren älteste im neunten Jahrhundert 
für Vilieux (Isere) • bezeugt sind.^ Femer sind hierher 
zu stellen Vilhac (Arifege) und zahlreiche Villy (Aube, 
Calvados, Haute - Savoie). Anders ist Villy-en-Auxois 
(Cote-d'Or) zu beurteilen, da es 841 in der Form VUiliants 
auftritt, offenbar gebildet aus einem Gentilicium VUellius 
(vielleicht auch Vitulius\ Schulze 153, oder Vitalins.* Eine 
solche Bildung nimmt Holder mit Recht auch in An- 
spruch für zwei Villey (Meurthe-et-Moselle) VHiliagus, 
Vidiliaeus von 836 an; Villey- sur- Tille (Cöte-d'Or), 
Viilh' 1234; Villy-le-Moutier (Cote-d'Or) Vüliacus 1 120; 
endlieh Bedeilhac (Ariege), wo b auf gaskonischem Ge- 
biete für ursprüngliches v steht. 

Vinius, Vinnius, Schulze 425, muß man in Vignacq 



Kech. 836. - « CIL. XHI 4281. 5918. 



302 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

(Landes) vermuten, desgleichen in mehreren Vigneux 
(Ain, Aisne, Loire-Inferieure), in Vignieu (Isere) und in 
zahlreichen Vigny (Ain, Haute - Savoie, Saone- et -Loire, 
Loire, Eure- et- Loir). Vin ay (Isere) kommt nach Skok 143 
in den Formen Vinnacum, Vinai, Vinaicum vor, was auf 
^Vinnus als Personenname schließen läßt (vgl. auch S. 227). 

Vmesius, Vinisius, Schulze 71, kommen in Betracht 
für Vinezac (Ardeche); Venizy (Yonne); Vennecy 
(Loiret). 

Virsius, Virtius, Schulze 253, könnte in Verzy 
(Marne) vorliegen, wenn Virziacum 956 die älteste Form 
wäre; doch hat Flodoard um 948 Yiriziacum, das doch 
älter aussieht; ein PN. *Virisius ist nun allerdings nicht 
ausfindig zu machen, wohl aber Virusius und Virasius, 
Schulze 380 u. 384. V erze (Saone -et -Loire) ist Atlas 208 
als Virdacus bezeugt und scheint danach zu Virtius zu 
gehören (vgl. S. 229). 

Volonia, Schulze 99, konkurriert mit Volunmius, 
ib. 258, für Volognat (Ain), das Guigue in der Form 
Voloniacus nennt. Wenn Vonnas (Ain) 950 als Volniacus 
vorkommt, so kann das ebensogut eine Kontraktion von 
^Voloniacus, ^Volumniacus sein wie eine Ableitung von 
Volniiis, das Schulze ebenfalls nennt. Welchen Zusammen- 
hang mit diesen Personennamen Volon ne (Basses-Alpes) 
hat, ist mangels älterer Formen schwer zu sagen, doch 
kann man *Volumna als Ursprung vermuten, das nach 
Holder auch in Volnay (Cote-d'Or) enthalten ist, wenn 
er die erst um 1160 belegte älteste Form Volenay als 
^Volumnacus deutet. 



I 



Germanische Nanien mit dem Suffix -aco. 808 



III. Oermaniscbe Personennamen mit dem gallischen 
Suffix -aco. 

Förstemann, AltdeutschcB Nnmenbuch. I. Personennamen. 
Zweite Aufl. 1906. Walt(>tnath, Dio frtlnlciachen Elemente in der 
franzö8i8ch«n Spraclie. IH85. Meyer-Lnbke, Romanische Numen- 
Btudien. I. Die altportugiusischen Peraonennamen germanischen 
Ursprungs, in Sitzungsber. der Kais. Akad. d. Wissenscb. in Wien, 
1904, Bd. 149. 

Andeutungen über die Zahl der mit germanischen 
Personennamen gebildeten -aco-Worte habe ich bereits in 
der Einleitung zu diesem Teile gemacht. Wer den ent- 
sprechenden Abschnitt bei Skok durchblättert, kann leicht 
ein falsches Bild erhalten, da dort eine gro£!e Anzahl 
Namen als germanische auftreten, die es tatsächlich gar 
nicht sind; bei einigen sprioht der Verfasser selbst seine 
Bedenken aus, von den übrigen kann eine ganze Reihe 
als lateinische oder gallische erkannt werden. Ich führe 
hier nur die völlig gesicherten auf. 

Audignies (Nord) ist mir in älteren Formen nicht 
bekannt. Anlehnung an lat. Audenius, Schulze 130, ist 
nicht möglich; dagegen stehen aus dem Germanischen, 
auf das schon die Lage des Orte.s hinweist, mehrere 
Namen zu Gebote, Alding, Förstemann 57, und Aldine^ 
Aldini, beide zu got. aldSy ahd. dld 'alt' gehörig. 

Romery (Marne) kennt Holder in der ältesten Ge- 
stalt Hrotmariacm , das den PN. Hrotmar, Chrodmar^ 
Chrodomar u. ä., Förstem. 911, voraussetzt, eine Zusammen- 
setzung aus got. hroths, altsächs. hrödhr, ags. hridh 'Ruhm, 
Sieg', und ahd. märi, got. mers 'berühmt*. 

Ennery (Elsaß Lothringen) heißt 898 Huimeriaca 
villa, Anenacum 1181, Henerey 1224. Huniric, latinisiert 
Hunericus heißt nach Förstem. 929 schon im fünften Jahr- 
hundert ein Vaudalenkönig, zu huni, hüni, das selbst viel- 
leicht vom Volksnamen der Hunnen abgeleitet ist, und 
got. reiks 'König', lat. r&r, gall. rig. Auf denselben Per- 



304 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

sonennamen geht auch Onrezy (Marne) zurück, das nach 
Holder in mittelalterlichen Urkunden als Hunrezeium auftritt. 

Landrecies (Nord) entspricht dem von Longnon, 
Atlas 185, erwähnten Landriciacae (villae) und enthält als 
Stammwort den PN. Landirich, lat. Landericus^ Landricns, 
Förstem. 1009, von landa 'Land' und got. reiks 'König'. 

Ein zweites Kompositum mit germ. landa ist der 
PN. Lantwald, Landoald, La/idold, Landolt, Förstem. 1010, 
dessen zweiter Bestandteil das Verbum tvaldan 'walten' 
ist. Es liegt zwei Landouzy (Aisne) zugrunde, deren 
eines Holder in der ältesten Gestalt Landoldiacus anführt. 

Theudeberciaco, Teodeberciaco sind auf raerowingischen 
Münzen häufig auftretende Namen für Thiverzay (Vendee), 
eine Vorstadt von Fontenay-le-Comte. Theudobert, Theu- 
debert, Förstemann 1422, ist im sechsten Jahrhundert 
der Name zweier Frankenkönige; er besteht aus dem 
Subst. got. thiiida 'Volk' und dem Adj. got. bairhts, ahd. 
beruht 'berühmt'. 

Thiuda bildet mit reiks 'König' einen sehr verbreiteten 
PN. Theudericus, Tidericus, nhd. Dietrich, Förstemann 1445 ff. 
Der ON. Teudericiaco, Tidiriciaco und andere Varianten er- 
scheinen häufig auf merowingischen Münzen zur Be- 
zeichnung des heutigen Trizay-sur-le-Lay (Vendee). 

Warin, Werin, Guar in, Förstemann 1540, sind ent- 
halten in Guerny (Eure) Warnacus, Atlas 209; in Gue- 
rigny (Nievre) Wariniacus 849 und 887, Garigniacus 986. 

Vatunaco kommt auf drei merowingischen Münzen 
für heutiges Gannat (Allier) vor, während eine andere 
die Legende Vadinnaco zeigt. Dem letzteren nähern sich 
zwei Vaddomiaco merowingischer Münzen, die mit Gan- 
nay-sur-Loire (Allier) identifiziert werden. Ein Gannat 
(Puy-de-Döme) erscheint als Gatnacus, Atlas 181, gehört 
aber sicherlich auch hierher. Das Personenelement, auf 
das alle diese Ortsnamen zurückgehen, ist anscheinend 
Watto, Förstemann 1491, während Holder unbegreiflich er- 
weise ein Gentiliciura Vatinius zugrunde legt. 



GermaniBche Namen mit dem Suffix -aco. 805 

Die Frage, ob die Endung -acus, -iacua ausnahmsweise 
statt an Personennamen auch an Gemeinwörter getreten 
ist, läßt sich nicht mit voller Bestimmtheit beantworten, 
doch möchte ich sie eher verneinen als bejahen. Skok 
hat eine Reihe von Ortsnamen aufgestellt, deren erstes 
Element ein Appellativbegriff wäre; ihre Zahl wird sich 
mindestens erheblich einschränken lassen, da für viele 
als Stammwort ebensogut ein Personenname beigebracht 
werden kann ; in den wenigen Fällen aber, wo dies nicht 
gelingen will, ist zu erwägen, daß ein einst vorhandener 
Personenname durch die Ungunst der Verhältnisse vielleicht 
gerade nicht überliefert ist, wie ja manch einer, auf den 
wir ein Toponomastikon aufgebaut haben, nur durch einen 
einzigen Beleg nachzuweisen war. Zudem sind die urkund- 
lichen Zeugnisse, so sehr wir sie auch bei der Beurteilung 
und Deutung der Worte auf Schritt und Tritt heran- 
ziehen müssen, nicht unter allen Umständen verläßlich. 
Oft genug haben Chronisten, denen nur die volkstümliche 
Form eines Ortsnamens bekannt war, diese nach Gut- 
dünken latinisiert, und daß dabei Irrtümer unterlaufen 
mußten, liegt auf der Hand. So finden wir für Fon- 
tenoy (Meurthe-et-Moselle) in Zeugnissen aus dem Ende 
des zehnten Jahrhunderts wiederholt Fontiniacum, häufiger 
sogar als das in demselben Jahrhundert auftretende 
richtige Fontanetum. Dazu kommt, daß das lateinische 
Suffix -etum, das besonders an Pflanzennamen tritt, um 
einen Ort zu bezeichnen, an dem jene Pflanze in reich- 
licher Menge wächst, in einzelnen Gegenden dieselbe Ent- 
wicklung erfahren hat wie unser -acum, so daß eine Ver- 
wechslung und Vertauschung beider besonders nahe lag. 
Bucciacum vom PN. Bmcius und huxetum von huxus 'Buchs- 
bnura* scheint gelegentlich dasselbe Ergebnis gehabt zu 
haben, desgleichen Spinacum vom gall. PN. Spimts und 
spinetum von spina 'Dornstrauch'. So ist es mir möglich 
gewesen, sämtliche «cMm-Namen, die ich überhaupt in den 
Kreis meiner Betrachtung zu ziehen beabsichtigte, auf 
Personennamen zurückzuführen. In den seltenen Bei- 

QrObler, Fraiuix^Uche OrUnamtui. 90 



306 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

spielen wie Bagacum ^ Bavay, wo ein zugrunde liegender 
Personenname nicht ausfindig gemacht werden kann, stellt 
sich auch kein Appellativbegriff ein, der mühelos zur Er- 
klärung des Stammwortes herangezogen werden könnte, 
ein Beweis mehr dafür, daß wir auch mit verloren ge- 
gangenen Personennamen zu rechnen haben. 

Vorrömische Ortsnamen unsicherer 
Abstammung. 

Schon bei der Eingliederung und Deutung der in 
den vorangehenden Abschnitten behandelten Namen mußten 
an einzelnen Stellen Zweifel ausgesprochen werden, die 
durch unsere geringe Kenntnis der einschlägigen Sprachen 
begründet waren; doch überwog selbst in den nicht voll- 
kommen gesicherten Fällen die Wahrscheinlichkeit, daß 
meine Aufstellung das Richtige traf. Ich lasse nun eine 
leider recht umfangreiche Liste solcher Namen folgen, 
bei denen die Unsicherheit überwiegt. Gewiß ist auch 
die Mehrzahl von ihnen gallischen Ursprungs, doch fehlen 
entweder ähnlich klingende Erscheinungen im engeren 
gallischen Sprachgebiete, oder die keltischen Schwester- 
idiome versagen ihre so oft bewährte Unterstützung. An- 
dererseits darf nicht vergessen werden, daß viel ligurisches 
und iberisches, ja sicherlich auch noch früheres, gänzlich un- 
bekanntes Sprachgut in den Ortsnamen enthalten ist, und 
da ist es eben bei der Dürftigkeit unserer alten Quellen 
oftmals nicht möglich, das Dunkel zu lichten. Jedenfalls 
halte ich es für angemessener, in solchen Fällen be- 
scheidentlich ein non liquet auszusprechen, als in phan- 
tastischer Weise alle möglichen Etymologien mit den 
Haaren herbeizuziehen und damit das ohnehin nicht fest- 
gegründete Ansehen der etymologischen Wissenschaft 
noch mehr zu gefährden. Hier müssen wir uns eben damit 
begnügen, die überlieferten ältesten Formen vorzulegen und 
die Erwägungen daran zu knüpfen, die diese in Verbin- 
dung mit dem übrigen Sprach material sowie mit der geo- 
graphischen Lage des Ortes an die Hand geben. Gewiß 



Vorrömisrhe Ortanamen unsicherer Abntainmnng. 807 

wird gerade hier die größere Erfahrung berufener Kritiker 
manches ergänzen, was meinem Forschen entgangen ist. 

Abolena für Bollfene (Vaucluse) ist nach Courtet* 
in einer Urkunde Chlodwigs II. vom Jahre 640 enthalten 
und findet sich in einer solchen von 971 wieder. Bei 
Holder fehlt das Wort. Ptolemaeus' nennt einen Ort 
"AßouXa für heutiges Abla in Spanien; auch Abttlobrica 
beim Geographen von Ravenna enthält anscheinend den- 
selben Stamm, der vielleicht mit urkeltischem abu' 
'Fluß'' Verwandtschaft hat, wenn man nicht vorzieht, an 
gall. aballo- 'Apfel' zu denken. Das SuflBx -eno ist gleich- 
zeitig ligurisch und gallisch und findet sich in den gall. 
VN. Ruteni, Uceni und in den ON. Toureno^ Vindenae u. a., 
ligurisch in Audena, Cursena, Velacena u. a. 

Adesate, Atlas 163, ist die älteste Form des heutigen 
Axat (Aude); doch ist die moderne Form aus der alten 
kaum zu erklären; ich bin daher geneigt, für Adesate ein 
*Agesate einzusetzen, dessen Stamm dann wohl im Volks- 
namen Agessinates wiederzufmden ist^; das Suffix -ate ist 
im Gallischen sehr verbreitet, vgl. ON. Btiate, Lunate, 
Mimate u. a. 

Aganiicum^, jetzt Ganges (H^rault), ist im Dict. 
top. du dep. de l'HerauU erst 1140 als Agange erwähnt, 
aber in seiner obigen Form oft von 1150 an. Für den 
ersten Teil des Wortes bietet den einzigen Anhalt ein 
wahrscheinlich gallischer (vielleicht iberischer) PN. Agan, 
der in einer Inschrift der Landschaft Comniinges* Xtiban 
Deo Agan v. s. l. m. gefunden worden ist. 

Aginnutn, heute .\gen (Lot-et-Garonne), findet sich 
zuerst bei Ptolemaeus' als "Ayiwov ttöXi?; es begegnet 
ferner in der obigen lateinischen Form zweimal It. Ant.*, 
Tab. Peut. und häufig in mittelalterlichen Schriftstellern; 
die Form Agennum, die später immer gebräuchlicher wird, 

' Dict. RÖogr. des comtnanes du d^p. de Vaucluse. 
' II 6. 60. 

■ Stokee, a. a. 0. 10. — * Plinius 108. — » Quicherat 81. 
• CIL. Xril 130. _ MI 7. 11. - " 461, 7 und 462, 4. 

20» 



308 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

hat zuerst Hieronymus; in der Not. Gall. heißt die Stadt 
mit ihrem Gebiet Civitas Agennensium, und aus diesem 
Adjektiv hat sich allmählich die Form Agenais als 
Landschaftsname entwickelt, der sich auch noch in ein- 
zelnen Ortsnamen wie Le Mas-d'Agenais (Lot-et- 
Garonne) erhalten hat. — Auf ein gall. Aginnum geht 
höchst wahrscheinlich auch der Name Ayen (Correze) 
zurück, wofür Thomas ^ als älteste Form Ecdesia de Aenno 
gefunden hat. Dagegen ist Ajain (Creuse) nach Thomas^ 
nur aus einer Urform *Acanium zu erklären, gehört also 
nicht hierher. Der Stamm ag- tritt auf in ir. äg- "^Kampf', 
zu gr. otYiuv gehörig und wohl mit lat. Verbum agere 
'treiben, handeln' verwandt; doch entgeht uns die be- 
sondere Bedeutung, die das Wort im Gallischen an- 
genommen hat. Das Suffix -inno erscheint noch im gal- 
lischen Arduinna, Briginnum, Morginnum u. a. 

Aymetum ist die allerdings erst 1308 überlieferte 
Form des heutigen Eymet (Dordogne), wofür später 
Emetum auftritt. Ein PN. Aimus erscheint zweimal^; 
auch ein ON. Aimala kommt vor. Das Suffix -eto ist im 
Gallischen nicht gerade häufig, doch auch in Ortsnamen 
wie Gamhetum, Orretum nicht unbekannt. 

Alauna ist ein im keltischen Sprachgebiete nicht 
selten vorkommender Ortsname^ dessen ursprüngliche 
Form wohl im Namen der Gottheiten Alounae'^ zu suchen 
ist. Diese Grundform hat sich einerseits zu Alauna um- 
gebildet, das wir als älteste Bezeichnung zweier Orte in 
Britannien finden.^ Auch für Gallien verzeichnet die Tab. 
Peut. und das It. Ant. ein Alauna, dem heutiges Al- 
leaume (Manche) entspricht, ein kleiner Ort, der gegen- 
wärtig die Vorstadt des ungleich bedeutenderen Va log n es 
(Manche) bildet. Für letzteres tritt ziemlich spät Valonia 
auf, Atlas 246. Im Jahre 615 wird ein terminus Alaunensis 



1 Nouveaux Essais 52. — ^ ib. 36. — ^ CIL. V 6899. 6926. 
* CIL. III 5572 und 5581 aus Salzburg; ein Gott Mermrius 
Alaunus ist durch eine Inschrift aus Mannheim CIR. 1717 bekannt 
5 Holder I 76. 



VorrAroiflche Ortanamcn nnsichorer Abstammung. 309 

erwähnt, zuAllonnes (Sarthe) gehörig. Andererseits bat 
fiieh Alouna zu Alona gewandell, das einmal als Münz- 
legende ftU8 merowingißcher Zeit für Allonnes (Eare-et- 
Loir) begegnet und zu dem auch Allonnes (Maine-et* 
lioiro) gestellt werden kann. Alauna bzw. Alouna hat also 
oflenbar ursprünglich eine appellative Bedeutung gehabt, 
für die aber plausible Anlehnungen weder in den kel- 
tischen noch in den übrigen indogermanischen Sprachen 
zu ßnden sind. 

Das Wort Alauna scheint auch das zweite Element 
von Secalaunia, Atlas 102, zu bilden, der ältesten Namen- 
form für die Landschaft Sologne, die den südlichsten 
Teil des heutigen Dep. Loiret und die angrenzenden Ge- 
biete umfaßte. Ein ON. Alatmiay im jetzigen Dep. 
Basses- Alpes gelegen, wird mehrfach erwähnt.* Das erste 
Element ist wahrscheinlich ein Adjektiv und vielleicht 
erhalten im PN. Seais, Secos, Seca* Es gibt aber auch 
ein lig. 'AXaövoi und ein ebensolches Secenia. Holder ver- 
weist bei Secalaunia auf den VN. Segovellauni ; doch haben 
diese in der Umgegend von Valence ihre Sitze gehabt, 
auch wäre dann das c von Secalaunia nicht zu erklären. 

Alabonte^ hat sich im zweiten Teile von Le Mone- 
tier-Allemont (Hautes- Alpes) erhalten, für das aber 
schon das It. Ant. an einer zweiten Stelle^ AlamonU 
zeigt ; später wechseln Alamonte und Alamone ; die volle 
Form des heutigen Namens, nämlich Moiiastcrium de Ala- 
mone findet sich zuerst 1086. Die Urform Alabonte stellt 
Holder zu einem gall. *a/a6t, das im ir. älaib 'schön' er- 
halten wäre. Ich bin mehr geneigt, das Wort dem Li- 
gurischen zuzuweisen, einmal wegen der Lage des Ortes, 
dann auch wegen des Wechsels von b und m in den 
beiden ältesten erhaltenen Formen, der kein Zufall ist, 
sondern sich aus dem ursprünglichen Charakter des Lautes, 

* CIL. XI 8281 and 3284; als Alaunio auch Tab. Petit, 
und It. Ant. 

» CIL. V 4884; XIII 10010, 1760; III 4555. 

• It Ant. 842,4, CIL. XI 3281-8284. - * 888, l. 



310 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

eines bilabialen Reibelautes, erklärt; vgl. oben borb- und 
borm-. Die Bedeutung ist unbekannt. 

ÄUngonis Portus heißt schon bei Sidonius^ das heu- 
tige Langen (Gironde); auch Paulinus Nolanus spricht 
von der Älingonensis ecclesia, während 1182 Lingone mit 
Abfall des anlautenden Vokals begegnet.^ Derselbe im 
übrigen unbekannte Stamm, mit dem Suffix -avo ver- 
bunden, findet sich in Alingavias, das zweimal auf mero- 
wingischen Münzen für Langeais (Indre- et -Loire) nach- 
gewiesen ist.^ In späteren Urkunden wird allerdings 
nach Holders Verzeichnis derselbe Ort als Linguacum und 
Langiacum angeführt; doch haben wir es in diesen Fällen 
wohl nur mit späten Latinisierungen des bereits romanisch 
gewordenen Namens zu tun, nicht mit wirklich historischen 
Formen. 

Eine Wurzel ales- ist in einer nicht geringen Zahl 
von Orts- und Flußnamen vertreten, ohne daß man ihre 
Bedeutung mit Sicherheit feststellen kann. Holder weist 
auf ein air. all "^Fels', gen. aille hin, doch würde dieses 
gall. allios voraussetzen, während doch der Stamm ales- 
mit wurzelhaftem es lautet. Auch d'Arbois' Anlehnung* 
an lat. alnus 'Erle', das aus *aUsnos entstanden sei^ und 
an ahd. elira für älteres *alisa vermag nicht zu befriedigen. 
Das Fehlen dieses Elementes in den übrigen keltischen 
Sprachen und das Vorkommen einiger, meist junger geo- 
graphischer Namen in Korsika, die derselben Sippe an- 
zugehören scheinen, bestimmt ihn, darin die ligurische Be- 
zeichnung für die Erle zu sehen, während die echt gall. 
vernos sei, von dem ich an anderer Stelle ausführlich ge- 
handelt habe (S. 146).^ Der älteste Name, der jene Wurzel 



1 Epist. VIII 12, 3. 

2 ^nt. Thomas in Eev. celt. XX 94. 

* Longnon, Geographie 260 f., wo auch über die sprach- 
liche Seite gehandelt wird. 

" Prem. Hab. II 201. 

^ Die spätere lautliche Gestaltung läßt erkennen, daß ales- 
mit ^ anzusetzen ist, während die ältesten griechischen Über- 



VorrOmische Ortonaoien nnsicherrr Abutamooting. Sil 

enthält, ist Cäsara berühmtes Alesia^, offenbar identisch 
mit Aliee-Sainte-Reine (Cöte-d'Or), wie zahlreiche 
römiiiche und gallische Münzenfunde, sowie die Spuren 
römischer Wallanlagen ergeben haben, am Abhänge des 
Mont-Auxois, dcBsen Nordseite das Flüßchen Oze bespült, 
dem der Ort seinen Namen verdankt. Auch der südliche 
Bach, jetzt Oserain, scheint das obige Element enthalten 
zu haben, etwa *Alisaranus. Eine alte Inschrift, dip auf 
dem Berge gefunden worden ist, lautet Alisiia, und Münzen 
aus merowingischer Zeit weisen dieselbe Legende auf. 
Die Stadt muß nach ihrer Zerstörung durch Cäsar wieder 
aufgebaut worden und zu einiger Bedeutung gekommen 
sein, denn nach ihr wird im Mittelalter ein pagus Alisetma, 
Alsensis, Alsinsis genannt, frz. Auxois. Quicherat glaubte 
Cäsars Alesia in dem jetzt sehr unbedeutenden Dörfchen 
Alaiae (Doubs) zu erkennen, an dessen Stelle auch tat- 
sächlich Funde aus alter Zeit gemacht worden sind. E^s 
hat eine ähnliche Lage wie Alise, und das Flüßchen, nach 
dem es benannt ist, heißt jetzt Lison (mit Abfall des 
ursprünglichen Anlautes a); jedenfalls gehört der Name 
hierher; desgleichen Aliöze (Jura). Noch verbreiteter als 
diese Bildungen sind solche mit den im Gallischen be- 
liebten Sufiixen -ono und -oiia. Am frühesten belegt ist 
Alsontim 854, Aus&na 1137 für heutiges Auzon (Aube), 
am gleichnamigen Flüßchen gelegen. Andere Auzon in 
den Dep. Gard, Haute -Ix)ire, Vienne; als Flußnamen 
außerdem noch in den Dep. Basses- Alpes, Vaucluse, 
Dröme, Saöne- et -Loire, Loire, Puy-de-Dörae, Indre, 
Vienne. Das ursprüngliche / ist erhalten in Alzon 
(Gard) und Alzonne (Axide); das Nordfranzösisohe zeigt, 
der Lautentwicklung entsprechend, inlautend stimmloses « 
in Auxon (Doubs, Haute -Saöne, Aube) und Auxonne 
(Cöte-d'Or), nach dem auch die Landschaft Auxon nois 



lieferungen der hierher gehörigen Namen ein n als Vokal leigen, 
ao Strabo IV 191 u. ö. 'AXnoiav nöXiv and ebenso Diodor IV 19, 
Pintarrh, Cftear 27. 

» B. G. VII 68flf. 



812 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

benannt ist; Auxon (Aube) ist 869 als Alsonis, 980 als 
Alsonus, 1063 als Auso urkundlich belegt, während 
Auxon ne (Cote-d'Or) als Assona, Atlas 166, vorkommt; 
ferner Ausson und Aussonne (beide Haute- Garonne). 
Wieder ein anderes Suffix enthält Auzanoes (Creuse), 
das d'Arbois 1195 als Alsancia nachweisen kann, offenbar 
für älteres *Alisantia oder *Alisontia. Alsontia, Atlas 164, 
ist auch die älteste Form von Aussonce (Ardennes). 
Endlich sei der Vollständigkeit halber bemerkt, daß die 
Wurzel alis- auch weit in das deutsche Sprachgebiet 
hineinreicht und daß u. a. das vielumstrittene Aliso des 
Tacitus^ und das 'EXiffujv des Dio Cassius^ hierher zu 
rechnen sind.^ 

Andusia ist einmal inschriftlich belegt* für heutiges 
Anduze (Gard). Vielleicht ist zu trennen An-dusia und 
an- darin die gallische Negationspartikel, gr. d-, dv-, lat. 
in-, germ. un-, auch in den übrigen keltischen Sprachen 
an-^, während der zweite Teil denselben Stamm enthält, 
der in einem vom heiligen Augustin, Isidor u. a. erwähnten 
gall. dusii enthalten ist, 'unsauberen Geistern, Dämonen, 
die der Keuschheit der Frauen nachstellen'. Auch einen 
Ortsnamen Doso gibt es, jetzt Die uze (Deutsch- Lothringen), 
der oft auf merowingischen Münzen als Doso Vico vor- 
kommt, darunter einmal Duso Vico^; vielleicht ist an 
eine Grundform Donso- zu denken, die auch in den PN. 
Dousarnus und Dousonnus enthalten ist. Spätere Formen 
für Dieuze sind Duosa curtis lOßß, Dosia 1120, Dueze IZ Iß. 

Aramon ist als Name des Lokalgottes von Ar amen 
(Gard)^ bezeugt. Ein PN. Aramo wird in einer Inschrift 
von Nymwegen * genannt ; sonst läßt sich über das fremd- 
artig anmutende Wort nichts sagen; allenfalls könnte die 
erste Silbe ar ein Rest der gallischen Präposition are 'an, 
bei', zu gr. Trapd sein. 

TÄjtniäi. II 7. — 2 LI V 33. 

^ Vgl. auch Förstemann, Altdeutsches Namenbuch II 62 f. 

■• CIL. XII 3362. 

'" Zimmer in Kuhns Zs. XXIV 523 flF. 

Holder I 1310. - ' CIL. XII 297L — » CIR. 120. 



VorrOmiBche OrtHnatnen unBichpror AbnUmmung. 818 

Der Name der uralten Stadt Arie 8 (Boucbes-du- 
Rhöne) ist ebenfalls hierher zu stellen, obwohl von einigen 
andere Deutungen versucht worden sind . Der Ort ist 
eine Gründung der Massalier, die ihn 6r|XivTi nannten. 
Später, als die Gallier die Stadt und das umliegende Ge- 
biet in Besitz nahmen, ging dieser Name unter, und an 
seine Stelle trat Areläte, zuerst von Cäsar' erwähnt. Wenn 
dieses überhaupt eine gall. Bildung ist, so kann als Stamm 
tat- 'Sumpf gelten, das sich mit der schon früher (unter 
Arverni S. 76 f.) erörterten Präposition are 'bei' verbindet, 
was die Bedeutung 'Am Sumpfe' ergibt.' Tatsächlich liegt 
noch heute Arles in einer sumpfigen Niederung, die den 
Überschwemmungen der Rhone ausgesetzt ist. Eine an- 
dere Deutung aus dem Gallischen wäre die Annahme 
eines Stammes *arel-, der vielfach in geographischen 
Namen wiederzukehren scheint, so in Arel-aunum, *Arelincum, 
überliefert als Arlincum, Atlas 165, jetzt Arlane (Puy-de- 
Ddme), Arelaus für älteres *Arelavu8, wo an den Stamm 
die im Gall. nicht seltenen Suffixe -auno, -inco, -avo träten, 
wie in unserem Wort -ate. Sogar ein selbständiges Arella, 
allerdings mit ü, findet sich als Personenname', und 
dieses würde dann den von mir angenommenen Stamm 
fast rein darstellen. Endlich spricht mancherlei für 
ligurischen Ursprung des Wortes Arelate. Zuerst seine 
Lage in unmittelbarer Nähe des historisch- ligurischen Ge- 
bietes; dann das Vorkommen eines zweifellos ligurischen 
pagus Areliascus, den die Tafel von Velleja* erwähnt, und 
eines ON. Arelica.^ Es läge dann ein Stamm ar- vor» 
der durch die beiden im Ligurischen ungemein ver- 
breiteten Suffixe el und -at erweitert wäre, wie es in dem 
lig. VN. Cel-el-ates und im korsischen ON. KavcAdni der 
Fall ist. — Arelate hat man im Mittelalter als lat. cas. obl. 



> B. G. I 86; n 5. 

* Giack, Kelt. Namen 32 u. 114, wo die Analogien aus den 
kelt. Sprachen angeführt sind. 

» CIR. 846. - * CIL. XI 1147, 5,20. 
» CIL. V 4016 f. 



314 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

zu einem barbarischen nom. acc. Arelas angesehen, der zu- 
erst bei Prudentius (Ende des vierten Jahrhunderts) be- 
gegnet und aus dem sich die moderne Form entwickelt 
hat unter Zurückziehung des Akzentes auf die erste Silbe. 

Denselben Ursprung wie Arles scheint auch Arlet 
(Haute -Loire) zu haben, das nach Holder auf einer 
merowingischen Münze als Arlate vico bezeichnet ist. 

Ärisitum, ein Ortsname^ den zuerst Gregor von Tours 
erwähnt^, hat sich über Ärestum, Älestum zu Alais (Gard) 
entwickelt; die Form mit l, nämlich Alesto, finden wir 
nach Germer -Durand^ schon auf merowingischen Münzen 
und so mit auslautendem t bis Ende des zwölften Jahr- 
hunderts, Älez, Alles 1435. Das Suffix -ito dient im Gal- 
lischen zur Bildung von Appellativen, Fluß- und besonders 
Personennamen; von letzteren seien erwähnt Bituitus aus 
Bitus, Coinitus aus Coinus, Nonnitus Nonnita aus Nonnos 
Nomia. Holder führt einen spanischen ON. Arisa an, der 
das im übrigen unbekannte Stammwort zu Ärisitum ent- 
halten könnte, und heutiges Arzenc (Lozere) geht auf 
ein Arisencus merowingischer Zeit zurück, eine Bildung 
aus demselben Stamme und dem Suffix -inco. 

Ein zweiter Ortsname mit dem Suffix , -ito ist 
Eumbelito, nach Quicherat 42 die älteste Form des heu- 
tigen Rambouillet (Seine- et -Oise). Ein weiblicher PN. 
Bombella ist einmal aus Baeza in Spanien belegt^, und 
hieraus könnte man wohl ein gall. *BumbeUos erschließen, 
das dem obigen Ortsname zugrunde läge. Nach Longnon* 
wäre auch für Rambervillers (Vosges) ein älteres 
Bumbelitfum bezeugt; dann hätte sich in diesem nur der 
Stamm erhalten, der aber in germanischer Zeit durch die 
PN. Randhert oder Baginbert^ ersetzt oder wenigstens be- 
einflußt worden wäre; hieran ist dann noch spätlateinisches 
villaris 'Weiler', eine Weiterbildung von villa getreten. 



1 H. F. V 5 in MGH. 197, 5 ; vgl. Atlas 166. 
^ Dict. top. du d^p. da Gard 5. 
ä CIL. II 3342. — * Atlas 197. 
^ Foerstemann 1224 f. und 1246. 



VorrömiMche Ortsnamen unsicherer Abstatnmoniif. 815 

Besconum führt das Dict. top. du d^p. de Maine et- 
Loire als älteste Form für B6con (Maine et- Loire) an. 
Ein Stammwort *Be8cus, *Biscu8 oder dergleichen ist nicht 
nachzuweisen, wohl aber einmal ein PN. Boschs, von dem 
der obige Name allenfalls abgeleitet werden könnte, also 
ursprünglich *Basconum oder *Ba8connum. Das zur Stadt 
gehörige Gebiet, le Bäconnais, hat seinen Namen noch 
im ON. Le Louroux-Böconnai« bewahrt. 

Biaenate auf zwei merowingischen Münzen, Beennate^ 
Atlas 171, Bind die ältesten nachweisbaren Formen für 
Beynat (Corr6ze). Denselben Stamm, anscheinend mit 
dem ligurischen Suffix -osco verbunden, findet man in 
Beynost (Ain), das bei Guigue^ als villa de Baenno, 
Baienno, Bayno verzeichnet ist. Ob auch das Cap de 
B6nat (Var) hierher zu ziehen ist, vermag ich mangels 
historischer Formen nicht anzugeben. Die PN. Bienos und 
BieiM, zweifellos gallischen Ursprungs, sind mehrfach be- 
legt und könnten den Ortsnamen zugrunde liegen. 

Blavia kommt zuerst in der Tab. Peut. und It. Ant. 
(aus Blauto verbessert), später oft vor für Blaye(Gironde). 
Auch Blaye (Hautes-Alpes) hieße nach der Grande En- 
cyclop^die in älterer Zeit Blavia, Blaventum, während ich 
im Dict. topogr. nur Blaia 1177 finden kann. Stokes 187 
setzt ein urkeltisches blAvos 'gelb' an, ir. bla, zu lat. 
ßamts und vielleicht zu deutschem blati gehörig. Im Li- 
gurischen sind keine Anklänge zu entdecken, ebensowenig 
in gallischen Personennamen. 

Bradeia hat Fortunatus' für heutiges Brie-Comte- 
Robert (Seine -et -Marne). Der Stamm ist vielleicht ein 
gall. brahi- 'Gericht, Urteil', air. brath, aky. brot, braut, 
ky. braxcd, nach dem auch das bratude auf acht gallischen 
Inschriften' gedeutet wird und das zugleich im ON. Bratu- 
spanüum* enthalten ist. Das d unserer Form wäre dann 

* Topogr. histor. du d6p. de l'Ain 36. 
'' Vita 8. Germani in MGH. 20, 82. 

» CIL. XII, S.83 u. a. 

* Caesar B. G. n 13. 



8l6 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

schon auf Rechnung des Romanischen zu setzen. Das 
Suffix -eia ist nicht häufig und begegnet noch in den 
ON. Corbeia, Vareia, Ägeius. Der Name bedeutet also 
vielleicht 'Gerichtsstätte'. 

Bulla, Bola heißt nach Holder der Ort Beule (Seine- 
et-Oise); es ist vermutlich eine Kontraktion von ursprüng- 
lichem Bubula, das als Name mehrerer Flüsse überliefert 
ist. Eine Erweiterung dieses Bubula mit dem Suffix -io^i- 
liegt vielleicht vor in Bublione, das Longnon, Atlas 171, als 
älteste Form von Bouillon (Belgien, Luxemburg) an- 
führt, dem durch den Führer des ersten Kreuzzuges be- 
rühmten Orte. 

Brantosma, später Brantosmium, heißt nach Atlas 62 
und 170 das heutige Brantorae (Dordogne), für das in 
dieser Form keinerlei Analogie vorliegt, weder im Stamm 
noch in der Endung. Holder kennt ein Brantolium ohne 
Angabe von Zeit und Herkunft, das er ganz willkürlich 
auf * Brigantoiäliim zurückführt. 

Gambrimarum heißt in Urkunden aus den Jahren 690 
und 699 das heutige Cambremer (Calvados), Cambremerium 
1175, Das gallische Wort, das zugrunde liegt, macht den 
Eindruck eines Kompositums^ dessen zweiter . Teil das 
Adj. maros ist, air. mar, glossiert magnus, und das in 
zahlreichen Personennamen auftritt.^ Der erste Teil des 
Namens ist vielleicht das auch selbständig als Personen- 
name gebrauchte und an anderer Stelle von mir behan- 
delte Camarus oder Cambarus, das Ganze also höchst wahr- 
scheinlich ein zusammengesetzter Personenname. 

Caiocum hieße nach A. Thomas^ der heutige Ort 
Cayeux-sur-Mer (Somme). Im Kymrischen wird das 
gall. Suffix -acos zu -ocos, so daß wir an ein ursprüng- 
liches *Caiacus zu denken hätten, und dieses könnte als 
späte Form eines älteren *Cagiacus gelten vom seltenen 
gall. PN. Gagius, der vielleicht an ir. cai 'Haus', kymr. 
cae 'Gehege, Zaun' anzulehnen wäre. 

^ Vgl. Holder 432 unter maro. 
"" ßomania XXXIV 292, Anm. 4. 



VorrömiMche Oriflnamen unsicherer AbsUDtinang:. 817 

Cauipan ( Haute« -Py rankes) bringt man mangels 
einer besseren Erklärung mit dem Voltcsnnmen der Cam- 
poni zusammen, die Plinius' unter den in den Pyrenäen 
seßhaften Völkerschaften Aquitaniens anführt. Wenn die 
Zusammenstellung des Orts- und Volksnamens wohl be- 
rechtigt erscheint, so bleibt doch die Frage nach der Zu- 
gehörigkeit des letzteren ganz ungelöst. Die Form klingt 
immer noch am meisten an das Gallische an, wo ein ON. 
Campona, It. Ant., in Pannonien und Campilus, Orts- und 
Personenname, sowie das Gemeinwort campaguSt eine Art 
Schuh bezeichnend, daran erinnern. 

Gaionno viro und Caronte findet sieb je einmal auf 
einer merowingischen Münze für den Ort C harren 
(Creuse). Welches von den beiden Suffixen das ursprüng- 
liche war, wird kaum mit Sicherheit festgestellt werden 
können ; für -onno spricht ein Carwmas einer merowingischen 
Münze, das eine jetzt nicht mehr zu bestimmende ört- 
lichkeit bezeichnet, während ein Charron (Charente- 
Inf^rieure) nach der Grande Encyclop^die zuerst als 
Caronte nachweisbar wäre. Der Stamm Coro- kommt 
selbständig vor im ON. Caro vicus (merowingisch), im 
koni linierten PN. Carotnants und in dem PN. Caronius, 
beide durch Inschrifte;i belegt. Ein gall. Adj. *caros heißt 
'lieb, teuer' wie lat. catMs und sul)stantiviert 'der Freund'. 

Gerate nennt Gregor von Tours zweimal als einen 
vicus Turonicae urbis; es ist das in der Nähe von Tours 
gelegene Örtchen C6r6 (Indre-et-Ijoire). Personennamen, 
deren erster Bestandteil die sonst unbekannte Wurzel cer- 
ist, lassen sich mehrfach nachweisen, so Cereius, Ceranus, 

*CinconHum setzt schon Longnon, Atlas 21, für 
Tincontium des It. Ant. ein (die Tab. Peut. hat noch 
verderbter nncoUo), das heutige Sancoins (Cher). Das 
im Gallischen nicht häufige Suffix begegnet auch im VN. 
Vocontii und im ON. Degontium (für älteres Dtcontiutn ?). 
Der Stamm bleibt dunkel. 

> IV 108. 



318 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Gracatonnum findet sich bei Gregor von Tours ^ als 
älteste Form für Craon (Mayenne), das in späteren Ur- 
kunden Cregadonum, 1060 Credonium, zwölftes Jahrhundert 
Greone lautet. Ob Zusammenhang mit dem PN. Cracus^ 
vorliegt, ist schwer zu sagen. 

Gomhronita heißt nach den Acta Sanctorura (bei Holder) 
der Ort Combronde (Puy-de-Döme). Es könnte eine 
Bildung aus dem Stamm bron- sein mit der Vorsilbe con-, 
com-^ lat. cum-, con- entsprechend, und Suffix -ita. Gall. 
*bron bedeutet eigentlich 'Brust', dann in weiterem Sinne 
"^runder Hügel', entsprechend bret. hron, hronn mit gleicher 
Doppelung des Sinnes, akymr. hronn, ir. hruinne 'Brust', 
das Ganze also 'der Ort, in dessen Nähe sich zahlreiche 
runde Hügel befinden'. Ich weiß nicht, ob die geo- 
graphischen Verhältnisse diese konstruierte Deutung be- 
stätigen. Ein ON. Brona ist aus Spanien, ein Bronium 
aus Belgien bekannt. 

Gredulium, ohne Zeitangabe, ist nach Holder die äl- 
teste Form des heutigen Cr eil (Oise); auch ein Dorf 
Crillon (Vaucluse) geht nach Courtet^ auf CreduUo, d. h. 
den cas. obl. Gredulione, zurück. Einen Anklang an andere 
Worte vermag ich nicht zu finden ; allenfalls könnte man 
die wohl ziemlich spät überlieferten Formen als Romani- 
sierungen von älterem *Gredo-ialon ansehen, einer der 
zahlreichen Kompositionen mit gall. -ialon 'Ebene, Fläche', 
deren erster Teil dann ein PN. *Gredu oder auch *Gredos 
sein dürfte, der im PN. Gredius, wohl auch in Graedelins 
und im ON. Grediacus (beides bei Holder) enthalten wäre. 

Degontium, Atlas 63, ist das heutige Digoin (Saone- 
et- Loire). Im Dep. Haute -Loire gibt es ein Dorf Digons, 
Digonz um 1078, Digoncius zwölftes Jahrhundert, also 
offenbar gleichen Ursprungs wie das erste. Im Gallischen 
findet sich das Suffix -ont sehr selten, ungleich häufiger 
im Ligurischen, wo die VN. Brodiontii, Lepontii, Sogiontii 



^ De virt. S. Hart. III 7. - 2 CIL. III 2761. 
ä Dict. g6ogr. du d6p. de Vaucluse. 



Vorrömifiche Ortsnamen ansicherer Abstammang. 819 

und andere es aufweisen; auch die I^ge der beiden Orte 
laßt ligurischen Ursprung vermuten. 

J Mensis vicus bei Gregor von Tours, Dolus auf roero- 
wingischcn Münzen, heißt heutiges Döols (Indre). Dol- 
de-Bretagne (Ille-et-Vilaine) Icoromt in den Acta Sanc- 
torum als Dolum vor, und Dole (Jura) geht nach Holder 
auf älteres Dola zurück. Auf einen PN. weisen der nur 
einmiil belegte Frauenname Dola und der ON. DoUacus. 
Dolus (Indre- et -Ijoire), das bei Gregor von Tours schon 
in der Form Dolus begegnet, kann daraus aber doch nicht 
ohne weiteres hergeleitet werden ; ein *Doludum oder der- 
gleichen, das man voraussetzen müßte, kann ich nirgends 
ausfindig machen. 

Donia heißt in einer Urkunde vom Jahre 900 der 
Ort Domes (Nifevre), anscheinend ein gall. PN. *Dumos, 
Fem. *7)Mnja, eigentlich 'die Faust' ^ der als solcher nicht 
überliefert ist, der aber als Kurzform für sehr häufiges 
Dumacos, mbret. Domec 'der Starkfäustige^ verwendet 
werden mochte und der auch in den ON. Dumomagus 
und Durnovaria gesehen werden kann. 

Schwierigkeiten bereitet nicht bloß die Deutung, 
sondern ebensosehr die allmähliche Gestaltung von Doul- 
lens (Somme), das bei Dom Bouquet' im Jahre 931 als 
Donincum erscheint. Falls diese Form richtig und ur- 
sprünglich ist und falls sie überhaupt ein gallisches Wort 

darstellt incum ist in mittelalterlichen Urkunden auch oft 

die lateinische Umschreibung des germanischen Suffixes 
-ing — , so könnte an den gall. PN. Donnos erinnert werden, 
der Bildungen wie Donivs, Donilla, Donicvs ergeben hat 
und an den sehr wohl auch das gallische Suffix inco ge- 
treten sein könnte. Longnon nennt Atlas 245 eine späte 
Form Dulleiulium, die aber für die Etymologie wertlos 
ist, da sie nur eine Latinisierung des modernen Namens 
bedeutet. Wichtiger ist Dourlens, das A. Thomas' an- 
scheinend aus dem zehnten Jahrhundert anführt und aus 



' Vgl. Dlei, E. W. 586. - » Vni 187. - » Nouv. Essais 51. 



320 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

dem Doullens sich entwickelt habe. Um es sich erklären 
zu können, will der französische Gelehrte für unser äl- 
testes Donincum ein '^Domincum lesen, das aber wiederum 
für *Dornincum verschrieben wäre und aus dem sich 
durch Dissimilation Dourlens gebildet hätte. Man wird 
es mir nicht verübeln, wenn ich demgegenüber meiner 
Herleitung des Wortes immer noch den Vorzug gebe, 
zumal da die Dissimilation linc <^nmc eine Parallele in 
Boulogne <^ Bononia hat. 

Decetia, der Name der schon von Cäsar^ erwähnten 
Äduerstadt, jetzt Decize (Nievre), geht höchst wahrschein- 
lich auf einen gall. PN. *Decetos zurück, der aus dem 
air. PN. Deccedas (Gen.), ky. Decheti in Maccodecheti er- 
schlossen werden kann^ zu ir. Adj. deck 'der Beste' ge- 
hörig, das selbst mit lat. decef, decus 'Zierde', gr. dpi- 
öeiKeTO(; 'ausgezeichnet'^ verwandt ist. Spätere Formen 
des Ortsnamens sind Degetia (wohl verderbt) Tab. Peut., 
Decetia It. Ant. , Dizezeia Geogr. Rav., Disesia 1130, Di- 
sisia 1145. 

Dinia^, Aeivia*, Civitas Dinensium Not. Gall. ist der 
alte Name des heutigen D ig ne (Basses -Alpes). Ein sonst 
unbekanntes Element dino kann aus dem PN. Dinomagius 
und dem Götternamen Dinomogetimarus erschlossen werden ; 
doch ist auch ligurischer Ursprung des Ortsnamens bei 
seiner geographischen Lage nicht ausgeschlossen. 

Dortincum 855 führt Guigue ^ als älteste Form für 
Dortan (Ain) an, das seine heutige Gestalt über Dortencum, 
Dortentum angenommen hat. Dortenco ist auch zweimal 
auf merowingischen Münzen** für Dourdan (Seine -et- 
Oise) gebraucht, wofür Longnon, Atlas 177, nur Dordin- 
gum kennt. Eine ältere Form der obigen Namen stellt 
ein Durotinco der Tab. Peut., Durotingo beim Geogr. von 



1 BG. VII 33. 

2 Walde, Et. Wb. unter decet. - ^ Plin. III 37. 
■" Ptol. II 10, 8. 

^ Topographie historique du döpartement de l'Aiu. 
® Bei Holder, der das vorige gar nicht erwähnt. 



VorrOmische Ortsnamen unsicherer Al>fltammung. 821 

Ravenna für einen Ort dar, der mit dem heutigen De- 
goul (Isöre) identifiziert wird (natürlich gehören beide 
Worte etymologi.sch nicht zusammen). Der Stamm wäre 
dann ein seiner Bedeutung nach unbekanntes *duroto 
(vielleicht zu duros 'Tor' oder 'Burg', 8. 104), das auch 
in (lern PN. Dvrotix^ erhalten ist. Das Suffix -tnco ist 
in gullischen Namen nicht selten. 

Ecolisna ist zwar nicht die allerälteste, wohl aber die 
in alter Zeit am häufigsten überlieferte Form von heu- 
tigem Angoulöme (Charente). Es findet sich als £(M4/i«na 
(var. Iculisna) bei Ausonius', in der Not. Gall. als Civitas 
Ecolisnensium und ähnlich in mehreren Verhandlungen 
von Konzilien aus der ersten Hälfte des sechsten Jahr- 
hunderts. Bei Gregor von Tours wechselt Ecolisna mit 
Ecolesina und unwesentlichen Varianten davon. Früh- 
zeitig, nämlich zuerst in den Verhandlungen über das im 
Jahre 511 abgehaltene Konzil zu Orleans, begegnet die 
Form Kquilesima mit m statt n, während das epenthetischo 
n in der ersten Silbe zuerst 615 Ecclesia Engolismensis und 
von da an sehr häufig neben den immer seltener werdenden 
vorgenannten Formen auftritt. Ans diesem Engolisma hat 
sich die gegenwärtige Gestalt des Namens Angouleme ent- 
wickelt; das AdjekiW Engolismensis ist als Grundform für 
A ngoumois anzusehen, den Namen der früheren Provinz, 
die fast genau mit dem Dep. Charente übereinstimmt. — 
Zur Bedeutung von Ecolisna geben die keltischen Sprachen 
keinerlei befriedigenden Anhalt ; ligurischer oder iberischer 
Ursprung des Wortes ist daher nicht unwahrscheinlich, 
doch fehlen auch in diesen Sprachen deutlichere Anklänge. 

Edobola silva ist bei Fredegars Fortsetzer' der Name 
einer waldigen Gegend in den Dep. Dordogne und Girt>nde, 
die 1212 als Dobla und 1365 als Dupla urkundlich er- 
wähnt wird* und heute noch im Landschaftsnamen Le 
Double und in der Fordt du Double fortlebt. Ver- 



» Schuerm. 2048. — ' Epist. XV 21, 89. — • MGH. n 192,2. 
* Gourgues, Dict topogr. du d^p. de la Dordogne unter 
Double. 

Qröhler, Fnnitelache OrUnamen. U 



322 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

wandt mit Edöbola klingt der Name (vallis) Snhola^, 
Soula zehntes Jahrhundert^ Sola 1005, Soole 1391, heute 
die Landschaft la Soule im Dep. Basses-Pyrenees be- 
zeichnend. In den keltischen Sprachen findet sich kaum 
irgendein Anhalt für die Erklärung; und so ist wie für 
den vorigen auch für diesen Namen iberischer bzw. 
baskischer Ursprung wahrscheinlich. Longnon^ möchte 
den Volksnamen der iberischen Sibyllates oder SiUllates 
in Suhola wiedererkennen. 

Etanna heißt in der Tab. Peut. der Ort Yenne 
(Savoie). Da die Überlieferungen der Tab. Peut. sehr oft 
ungenau sind, so wäre es wohl möglich, daß die richtige 
Namenforra *Etenna lautete. Anklänge fehlen. 

Evauno lautet auf merowingischen Münzen das heu- 
tige E vaux (Creuse), das auch schon bei Gregor v. Tours^ 
als vicus Evamiensis erwähnt wird. Holder verweist auf 
den Namen einer arvernischen Gottheit Ivau (Dativ vom 
Nom. Ivaus = älterem Ivavos). Das Suffix -auno kommt 
in einer ganzen Reihe von Orts-, Personen- und Fluß- 
namen vor. Auch Eigennamen mit dem Stamme iv- 
gibt es, z. B. ON. Ivedio, Ivenna, PN. Ivatus, Ivantus, 
desgleichen mit ev-: Evena, Evotalis. Eine Deutung des 
Stammes ev-, iv- ist vielleicht durch bret. imn 'Eiben - 
bäum', körn. Jiiwin, ir. ibhar, ahd. iwa, ags, tw, eow, asl. 
Iva gegeben, über die noch an anderer Stelle gehandelt 
wird. 

Derselbe Stamm ev- dürfte auch in Yvranda 1180, 
Ivranda 1204 enthalten sein, das später durch die Verbindung 
Notre-Dame-de-l'Yvrande entstellt und durch volks- 
tümliche Einmischung von düivrer 'befreien' in La De- 
livrande (Calvados) umgewandelt worden ist. Der gall. 
Name Eviranda, Eguiranda ist in Frankreich ungemein 
verbreitet und hat sehr verschiedenartige moderne Ge- 
staltungen erfahren. Die bedeutendsten hierher gehörigen 
Ortschaften sind Iguerande (Saone- et -Loire) Evuiranda, 

* Fredegar IV 78. — 2 Geographie 6. 
^ In glor. conf. 80. 



Vorrömisohe Ortsnamen onsicherer Abstammung. 828 

Atlas 179; A igurando-sur- Bouzanne (Indre); Eygu- 
ran de (Corr^ze, Dordogne), deren lautliche Entwicklung 
durch den Anklang an südfranz. aigue 'Wasser' beeinflußt 
sein mag; Guirande, La Guirande, Les Guirandes 
(ans L'Eyguirande) finden sich in den Dep. Loire, Lot, 
Gironde, Charente; zahlreiche Ingrande, Ingrandes 
sind durch das Adj. ffrand beeinflußt. Noch rätselhafter 
als das ernte Element von Eviranda ist das zweite. 
TiOngnon und andere denken an ein gall. *randa, bret. 
rau, ranu, das 'Teil' bedeutet; auch auf deutsches 'Rand' 
wird verwiesen, aber hierzu will wieder die Bedeutung, 
die ich dem ersten Gliede geben möchte, nicht recht 
passen. 

Gargano (Ablat.) heißt in einer Inschrift aus der 
Zeit des Kaisers Antoninus Pius^ die kleine Gemeinde 
Saint-Jean-de-Garguier (Bouches-du-Rhöne). Ein 
sonst dunkler Stamm garg- ist in den PN. Oargenus, Gar- 
gilius, Gargonhis u. a. enthalten. 

Bei Fortunatus' kommt ein ON. Oegina vor, das 
heutige Gennes (Maine -et -Loire) bezeichnend, und Gre- 
gor von Tours nennt denselben Ort Geinensis vicus, Gena 
845. Zur Erklärung kann ich nichts beitragen. 

Gemmeticus findet sich in einer Urkunde vom Jahre 716, 
Gemeticus oft später, Gemedicits schon auf merowingischen 
Münzen als älteste Formen für Jnmiöges (Seine-Inf6- 
rieure). Anklänge fehlen im Gallischen durchaus. 

Lactora Tab. Peut. , Lactura It. Ant., Civitas Lacto- 
ratium Not. Gall. und in der Form Lactorates schon in 
einer Inschrift aus dem Jahre 176 n. Chr.' und oft in 
späterer Zeit, jetzt Lectoure (Gers), hält Zeuß^ für 
gallisch. Als Anklang aus keltischem Sprachgebiet ist 
vorhanden ein ON. Lactodoro It. Ant = *Laciodurum aus 
Britannien. 



' CIL. XII 594 und später noch Öfters Oberliefert. 
« Vito S. Albini 28. — » CIL. XIII 520. 
* Gr. Celt 779. 

21« 



324 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Lusareca, Lusarca} sind die ältesten Formen von 
heutigem Luzarches (Seine - et - Oise). Zugrunde liegt 
vielleicht ein Flußname *Lusara, der nicht nachgewiesen 
ist, dessen Wurzelwort aber in den je einmal belegten PN. 
Lusus, Lusa enthalten wäre. Das Suffix -ara ist in 
Flußnamen ungemein verbreitet — vgl. Isara (Isere und 
Oise), Samara (Somme), Oscara (Ouche) — und der Orts- 
name wäre dann mittels eines zweiten Suffixes -ica ab- 
geleitet, wie z. B. Ävaricum, die Hauptstadt der gallischen 
Bituriger, zum Flusse Ävarus (Eure) gehört, an dem es 
liegt. 

Lero und Lerina heißen bei Plinius^, Aripuuv bei 
Strabo^ und ähnlich noch oft bei Späteren die beiden 
Inseln Sainte-Marguerite und Saint -Honorat, deren alter 
Name sich aber in der Bezeichnung der ganzen Gruppe 
als lies Lerins oder weniger richtig lies de Lerins 
erhalten hat. Man kann wohl bestimmt sagen, daß die 
Namen nicht gallisch sind, ob sie aber ein phönizisches, 
griechisches oder ligurisches Element in sich schließen, 
wird schwerlich je festgestellt werden. Müllenhoff* neigt 
zu der letzteren Ansicht, doch sind zweifellos ligurische 
Anklänge nicht zu entdecken. 

Levitani heißt eine Völkerschaft in Aquitanien, deren 
Name im heutigen Landschaftsnamen Lavedan fortlebt. 
Anklänge an das Iberische, an das man der Lage wegen 
denken möchte, sind nicht vorhanden, wohl aber kommt 
ein Stamm Lev- mehrfach in gallischen Volks-, Orts- und 
Personennamen vor. 

Liradus, Atlas 186, könnte die Latinisierung eines 
älteren gall. Lirate sein, dessen Stamm in dem seltenen 
gallischen Personennamen Lirus ^ zu suchen wäre , 
während das Suffix in Ortsnamen oft vorkommt; heute 
entspricht Lere (Cher). Die Wurzel lir- enthält auch der 



» Pertz, Dipl. 49, S. 45, 24 u. 31 ; 57, 7 u. 37. 

^ III 79. — 2 IV 185. 

* D. A. III 179 f. — '' CIL. III 4376. 



VorrOmische Ortsnamen nnsieherer AbsUtnmanK. 825 

zusamraengeeetite ON. Liricantua, jetzt Larchant (Seinc- 
et-Marne), dessen zweiter Teil cant- das gall. Adjektiv 
rantos 'weiß, glänzend' sein könnte, zn ky. cant, rann 
'glänzend', vgl. lat. candidus 'weiß'. 

Lovincum 941 ist die Grundform für Loubnns 
(Saöne- et Loire). Wenn man die spät überlieferte Form 
noch als rein galliech ansehen will, ao trifft man den- 
selben Stamm in den PN. Lovatus, Lovesius und Laves- 
sitis, Lovoratus, sowie in den ON. Lovenno und Lovolautrum. 
Ky. leu, bret. lou 'Licht' würde gall. lovo- entsprechen. 
Sprachlich ist das Schwinden des intervokalischen v auf- 
fallend. 

Luxovium erscheint in zahlreichen Heiligenleben, zu- 
erst im zweiten Jahrhundert als Name für heutiges 
Luxeuil (Haute -Saöne). Ob der Stamm lux- zur Wurzel 
luk- 'glänzen' gehört, die in air. loche, körn, luhet 'Blitz', 
got. liuh-ath, lat. lux 'Licht' enthalten ist, ist schwer zu 
sagen; auch ein weiblicher PN. Luxsa ist einmal in 
Frankreich belegt.* Das Suffix -ovium findet sich nicht 
selten, u. a. im VN. Lexovii und in den ON. Gergovia, 
Segovia.* Eine ältere Form des modernen Namens ist 
Luxeu.* 

Matisco ist der schon von Cäsar* und später oft er- 
wähnte Name des heutigen Mäcon (Saöne -et -Loire); ein 
zweites Mäcon, auch Fontaine-Mäcon (Aube) wird 
451 als Matisconium, 1190 Fonsmacon genannt. Zur Er- 
klärung kann man an einen PN. Matus^ erinnern, der mit 
dem häufigen Suffix isco weitergebildet ist (vgl. ON. Oon- 
datisco, Latisco, Bediscum u. a.). 

Mellentum nennt Holder ohne Zeitangabe als älteste 
Form für Meulan (Seine- et Oise). Man kann bei dem 



« CIL. XIII 471. - » Vgl. Holder II 894. 

* Über die heutige Juroszek in Zeitschr. für roroan. Philo- 
logie XXVII 570 und Meyer-Lübke, Betonung. 

* B. G. VII 90, 8. 

» CIL. VIII 6021; Schuerra. 3442; auch MatUius, MatisoniuB 
sind auf gall. Gebiete belegt. 



326 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung, 

ersten Elemente an ir. meld "^angenehm' denken, zu got. 
mildeis, deutsch mild, lat. mollis. Wir finden es in dem 
Namen zweier Flüsse Mella, in den PN, Mellius, Mel- 
lonius u. a., sowie in dem komponierten ON. Mellosedum. 
Das zweite Element -entum, das wie ein Suffix aussieht, 
habe ich unter Novientum (S, 143) eingehend besprochen. 
Wenn man bedenkt, daß Mella als Flußname vor- 
kommt, so könnte Mellentum nach einem Wasserlaufe be- 
nannt sein, der in älterer Zeit an dieser Stelle sich in 
die Seine ergoß und jetzt verschwunden ist, 

Mauguio (Herault) ist als Melgorium, Atlas 189, 
überliefert, Melgarium 1060, Malgouerium 1170, Melgueil 
1557, Mauguel 1562, in der gegenwärtigen Gestalt zuerst 
1625. Eine Deutung vermag ich nicht zu geben. Über 
die Form spricht Luchaire.-*^ 

Malbodium monasterium heißt sehr oft in den Acta 
sanctorum die heutige Stadt Maubeuge (Nord), für die 
sich seltener die Formen Melhodium und Melibodimn finden. 
Zeuß^ meint, der erste Teil des Wortes sei sicher keltisch, 
der zweite noch nicht klar gestellt, spricht sich aber auch 
über den ersten nicht weiter aus. Da bodium das Nenn- 
wort ist, so muß dieses zuerst erkannt werden; es ist in 
zahlreichen Verbindungen wie Bodicus, Bodiccus, Bodivesus, 
Bodiocasses, Bodiontici, Teutobodiaci usw. enthalten und 
kommt einmal selbständig als ON. Bodium, jetzt Bue 
(Cher) vor. Zur Etymologie verweise ich auf air. büaid, 
ky. büd, abret. bud 'Sieg', mnd. bute, nhd. Beute. 
Schwieriger ist die Deutung des ersten Bestandteils. 
Esser ^ scheint ihn an gr. iiieXa^ 'schwarz' anzulehnen, das 
aber nach seinen Ausführungen auf S. 16 im Gall. meZawos 
gelautet haben muß und wozu auch das andere Element 
nicht paßt, weshalb er auf dessen Deutung verzichtet. 
Ein anderer Erklärer setzt als Grundform ^Mallobodium 



^ Etüde sur les idiomes pyr^nöens 208 und 213. 
"^ Die Deutschen 11. 
3 Beiträge 102. 



Vorrömiscbe Ortsnamen nniiichcrer Abataminang. 827 

an und meint, da« Wort bezeichne einen Ort, wo ein 
Heerführer namena Mallos' einen Sieg errungen habe. 

Mauritoimum führt Quicherat 48 als älteste Forro von 
Mortain (Manche) an. Ix)ngnon scheint es nicht zu 
kennen, so dnß man einiges Mißtrauen in die Richtigkeit 
der Form setzen muß, zumal da die Entwicklung zu dem 
heutigen Namen schwer zu erklären ist — man sollte 
*Morton erwarten. Vielleicht ist Mauritonnum eine falsche 
Lesung für *Mauritanum. Ein gallisches Element Maurit- 
läßt sich nicht nachweisen, dagegen ist das SuJQSx onno 
nicht selten, z. B. in Cdbilonno, Mediconnum, Lousonna. 

Menate heißt in zwei Heiligenleben (bei Holder) 
ein Kloster im territorium Arvemense, jetzt Menat (Puy- 
de -Dome), das bei Gregor v. ToUr.'?' in der adjektivischen 
Form monasterium Manatinse auftritt mit a in der ersten 
Silbe. Zugrunde liegt vielleicht ein PN. Manus^; auch 
Menatus, Meuatius sind Personennamen und mit ähnlichem 
Schwanken des Vokals wie im ON. einmal Manatia. 

Mimäte erwähnt Gregor von Tours* als Namen eines 
Berges und eines Ortes, und beides hat sich in ver- 
schiedener Entwicklung bis heute erhalten: der Berg ist 
der Mont Mimat, aus der regelrechten Betonung 
Mitndte entstanden, während der am Fuße des Berges 
liegende Ort jetzt Mende (Lozere) heißt, das nur aus 
Mimate mit Zurückziehung des Akzentes zu erklären ist. 
Der Stamm des Wortes scheint auch im gall. PN. Mitneius 
vorhanden zu sein. 

Namucum kommt zuerst bei dem Fortsetzer der 
Chronik Fredegars'' und von da an sehr oft auf Münzen 
und in Urkunden für Namur (Belgien) vor. Zum seltenen 
Suffix 'uco vgl. die PN. Nasucus, Nerunts, zum Stamm 
nam- noch Namu, Xamufa, Namicus. Später hat sich in 



' CIL. XIII 5804 u. ö. - ' Hist. Fr. V 12; Vitae Patr. XII 3. 

• CIL. XII 5686, 529» und oft aus der Schweiz und vom 
Rhein belegt bei Schnerm. 3236— 324L 

* Hist. Franc. X 29. 

» MGH. MeroT. II 171,4. 



828 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Namucum ein unorganisches r eingeschlichen, denn es be- 
gegnen in mittelalterlichen Urkunden die Formen Namur- 
cum und Namurum. 

Holder führt Pezincum ohne weitere Daten als älteste 
Form von Pezens (Aude) an; man kann denselben 
Stamm im gall. PN. Pesivius suchen, wenn man nicht 
vorzieht, Pezincum als die romanisierte Gestalt eines älteren 
*Pisincum anzusehen, dessen Stamm pis- ebenfalls in 
gallischen Personen- und Ortsnamen überliefert ist. 

Orolaunum kommt im It. Ant. für heutiges Arlon 
(Belgien, Luxemburg) vor. Glück ^ deutet launos aus 
urkelt. Havenos durch körn, lauen, louen, glossiert letus 
'fröhlich', abret. louen, ky. llawen Pilaris, laetus'. Wenn 
dieses als zweiter Teil des dann als Kompositum zu 
denkenden Wortes in Betracht käme, so wäre das Ganze 
ein sonst nicht nachgewiesener Personenname, dessen erster 
Teil dunkel ist. Andererseits gibt es einen gallischen 
Namen Arelaunum als Bezeichnung eines Waldes, wo are 
eine oft begegnende Präposition 'an, bei' ist (vgl. Ärverni 
und andere) und der zweite Teil irgend einen toponymen 
Sinn haben muß. (Siehe jedoch Lunate S. 173.) Nach 
Stokes bedeutet gall. oro- 'Rand, Ufer'. 

Odouna^, Odona 680 sind die ältesten Formen für 
Ouanne (Yonne); -ouno, -auno, -ono sind vielleicht nur 
verschiedene Schreibungen desselben Suffixes, das in 
manchen Eigennamen wie Älounae, Magounos neben Magonus, 
Taliounus u. a. auftritt, während die Wurzel od- als dunkel 
bezeichnet werden muß. Sie scheint noch enthalten zu sein 
im ON. Odomo&uf mehreren merowingischen Münzen, der ein 
*Odomagus als Grundform voraussetzen läßt. Übrigens liegt 
der Ort an dem gleichnamigen Flüßchen, so daß der Name 
vielleicht unter die ursprünglichen Flußnamen einzureihen ist. 

Perta vico lautet auf zwei merowingischen Münz- 
bruchstücken der Name des heutigen Ortes Perthes-en- 
Perthois, (Haute- Marne), nach dem zugleich die Land- 



Kelt. Namen 45, Anm. 2. — ^ CIL. XIII 2681b. 



VorrOmische Ortanatnen ansicherer Abetammang. SM 

Bohaft Perthois, der pagna Perienna S2d, benannt ist. Ein 
PertheH (Ardennes) wird von I>ongnon, Atlns 194, eben- 
falls als Perthae angeführt, und mehrere Pnrtbe finden 
sich in anderen Teilen von Frankreich. Zar Deutung 
findet sich weder im Gallischen noch in den übrigen kel- 
tischen Sprachen ein sicherer Anhalt. — Ein Adjektiv 
vom Stamme pert- mit dem gallisch -lateinischen Suffix 
•ico gebildet ist PerHeus bei Gregor von Tours*, das Bub- 
stantivisch gebraucht wird für vollständiges Perticua pagus^ 
PerHeus salhts und die heutige Landschaft le Perche im 
Südosten der Normandie bezeichnet. 

Reiteste villa heißt in der Vita Arnulfi' das heutige 
Rethel (Ardennes); indes haben wir es dort sicher mit 
einer ungenauen Überlieferung zu tun, da ein Suffix -«(< 
im Gallischen gar nicht vorkommt. Vivien de Saint- 
Martin^ führt ein Castrum Retextum oder Retectum als äl- 
teste Formen aus römischer Zeit an, was aber mindestens 
bezüglich der Endung die gleichen Schwierigkeiten er- 
gibt. E^ser^ hat ein Rotila, Rotula als Grundform ge- 
funden, und dieses stimmt überein mit der ältesten 
Gestalt von Rettel oder R6thel, das ostwärts vom 
obigen in Deutsch - Lothringen liegt (wenn es nicht viel- 
mehr damit verwechselt ist) und das RoHla 892, Rutheia 
1195, Ruttila 1218 usw. lautet. Letzteres sieht Esser für 
einen ursprünglichen Flußnamen an. Zu Rethel (Ar- 
dennes) gehört eine kleine Landschaft, le Röthelois, 
die in früheren Zeiten eine gewisse Bedeutung gehabt hat. 

Reuvisium oder Reuvisii pagus heißt im sechsten Jahr- 
hundert die Halbinsel, die die Bucht von Morbihan gegen 
Süden schließt, jetzt Ruis oder Rhuis, das auch noch 
im Namen der kleinen Stadt Sain t-Gildas-de- Rhuis 
(Morbihan) enthalten ist. Ob wir in Reuvisium ein altes 
gallisches oder vielmehr ein komisch- bretonisches Wort 
zu sehen haben, ist nicht zu entscheiden; Anklänge an 
andere gallische Worte fehlen. 

* Auch Geographie 155, Anm. 1. — ' Nach Holder. 

' Dictlonnaire de g^graphie universelle. — * Beitrige 115« 



330 Die ältesten Ortsnamen und ilire Bedeutung. 

Sau Jon (Charente-Inferieure) lautet Atlas 198 Sali- 
(fitiense monasterium, in den Miracula Martini (bei Holder) 
Salioniim, was mit der modernen Form zusammengehalten 
auf eine Substantivform *Saligio(ne) schließen läßt, wenn 
man nicht annehmen will, daß das g hiatustilgend ein- 
getreten ist. Die Wurzel sal- ist unklar, da die nahe- 
liegende Anlehnung an ir. sail, Gen. sailech, ky. helygen 
^Weide', lät. salix, deutsch "Salweide', lautlich nicht ein- 
wandfrei ist. 

Wenig verschieden von diesem Namen ist Salionno, 
das auf einer merowingischen Münze für Salon (Dor- 
dogne) vorkommt, während mir für Salon (Bouches-du- 
Rhone) ältere Formen nicht bekannt sind. Salonne 
(Elsaß- Lothringen) heißt 777 Salona. Mit einem andern 
Suffix erscheint der Stamm sal- verbunden in Salers 
(Cantal) Salernum 1100, Salerna 1268, Sallers 1688 und 
Salernes (Var), das Mistral auf spätlateinisches Salernae 
zurückführt. Auch das Salavense castrmn, das Longnon, 
Atlas 197, für heutiges Sauve (Gard) nennt, kann hierher 
gehören, zumal da ein ON. Salava auf zwei Münzen in der 
Landschaft Poitou erwähnt wird. Ob auch Salärs oder 
Pont-de-Salars (Aveyron) diesen Ursprung hat, kann 
ich nicht feststellen. 

Ein Kompositum mit salio- ist Salioclita It. Ant., jetzt 
Saclas (Seine- et -Oise), Sarclüas 635. Der zweite Teil 
des Namens ist zu air. diath 'Flechtwerk, Hürde' zu 
stellen, aky. cluit, mittellat. cleta, woraus franz. claie, viel- 
leicht mit einem Bedeutungswechsel wie im etymologisch 
dazu gehörigen got. hleßra, Meißra "^Hütte, Zelt'. 

Auch Saumur (Maine- et -Loire) scheint in seinem 
ersten Bestandteile jenen dunklen Stamm *sal zu 
enthalten; es kommt zuerst 968 und 978 als Salmurium 
Castrum vor und in drei anderen Urkunden aus dem 
Ende des zehnten Jahrhunderts als Gastrum qui dicitur 
Salmurus. Auch ein kleiner Ort Saulmory (Meuse) 
heißt Salmoreium 1049 und könnte wohl ebenfalls hierher- 
gestellt werden, während Sermorens (Isöre), die Vor- 



VorrOmisehe Ortanameo anMcherer Ahntaromaog. 881 

Stadt von Voiron, Salmoriugum, wegen seiuen Suffixes eher 
germaniächen Uroprungs zu Bein scheint. 

Endlich sind wohl auch die verschiedenen Versail- 
les hier einzureihen, deren Holder elf zählt (Dep. Audc, 
Haute- Garonne, Landes, Pouches -du -Rhone, Hautc- 
Vienne 2, Jura, Allier, Seine- In ferieure 2, Seine- et- Oise), 
dazu ein Versaille (Savoie). Holder deutet den Namen 
mit einem Fragezeichen des Zweifels als 'Koten, Seiden 
des Versos' und setzt als Erklärung hinzu 'Versalliae, 
Versallae casae. Das ist aus zwei Gründen zu verwerfen. 
Ein PN. Versos ist außer in einmal vorkommendem 
Versiknos *Sohn des Versos' nicht nachzuweisen, während 
doch die große Verbreitung des Ortsnamens über ganz 
Frankreich eine entsprechende Häufigkeit des Personen- 
namens voraussetzen würde; auch ein Suffix allo ist dem 
Gallischen, wie es scheint, unbekannt und zum mindesten 
müßte man der ungleich näherliegenden Bildung * Fersacos 
begegnen, die aber durchaus fehlt. Die Formen Versalliae, 
Versallae stammen in den wenigen Fällen, wo sie über- 
haupt urkundlich erwiesen sind, aus ziemlich später Zeit 
und können kaum als ursprünglich angesehen werden. 
Vielmehr liegt es nahe, nach Analogie von Virodunum'^ 
Ferrfuw, Viromandui^ Verinand(ois) »r\*VirosalHa, *Virosalia 
zu denken und dieses als ein Kompositum des oben er- 
wähnten soZ- mit dem Adj. viros *grün' oder Subst. vtros 
'Mann' anzusehen. 

Sesus und Sesa erscheinen beide auf merowingischen 
Münzen als Ortsnamen und enthalten vielleicht den 
Stamm des mit dem gall. Suffix -ano verlängerten Sezana 
937, Cesana 1079 usw., das sich im heutigen Sezanne 
(Marne) erhalten hat. 

Sidoloucum It. Ant., Sidotoco Tab. Peut., verschrieben 
für Sidoloco, Sedelaucum Ammian*, später meist Sedelocus. 
Während It. Ant. und Tab. Peut. für den ersten Bestand- 
teil die Form sido sicherstellen, zeigt die Form Ammians, 

» XVI 2, 8. 



332 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

daß das louc . . . des It. Ant. das Ursprüngliche ist, so 
daß uns in dem oben vorangestellten Sidoloucum die äl- 
teste Gestalt des heutigen ON. Saulieu (Cote-d'Or) 
zweifellos vorliegt. Schwieriger ist die Deutung. Das 
Bestimmungswort loucos gehört wohl sicher zur Wurzel 
luk 'leuchten', die wir im gr. XeuKO? 'weiß', lat. lux = luc-s 
'Licht', air. loche, körn, luhet 'Blitz' finden. Doch ist 
Loucos auch ein mehrmals belegter Personenname.^ Das 
erste Element kann ich nicht deuten. 

Sarlatum 817 macht den Eindruck einer gallischen 
Bildung mit dem häufigen Suffix -ate, zu dessen Stamm 
ich aber keinerlei Anklänge entdecken kann; die heutige 
Form lautet Sarlat (Dordogne). 

Dunkel bleibt uns auch die Bedeutung von Segustero, 
Segusterone Tab. Peut., It. Ant., Sisterone 614, jetzt 
Sisteron (Basses -Alpes); ob als erstes Element, wie 
einige meinen, gall. segus 'Sieg, Stärke' anzusehen sei, 
erscheint zweifelhaft; ligurischer Ursprung ist nach der 
Lage der Stadt nicht ausgeschlossen. Eine Erklärung 
versucht d'Arbois. ^ 

Tinurtium It. Ant., Tenurcio schon vorher Tab. Peut., 
endlich TiwMri^mm in der Vita Severi (bei Holder) sind die drei 
ältesten Formen für Tournus (Saone- et- Loire), während 
Gregor von Tours Gastrum Trinorciense und das Martyro- 
logium Hieronymi Trenortio bieten. Die beiden letzten 
Formen zeigen nur, daß sich vorübergehend ein un- 
organisches r in der ersten Silbe eingeschlichen hat. In- 
teressanter ist eine Variante Ternodo zu dem Trenor- 
tium des Martyrologium Hieronymi, weil diese der mo- 
dernen Namensform am nächsten steht; sie kann ohne 
weiteres durch Metathese aus dem Tenurcio der Tab. 
Peut. erklärt werden. Im neunten Jahrhundert findet 
sich Tornusium und Tornocium, Turnucium, und diese 
Formen veranlassen d'Arbois^, zur Ableitung das Cognomen 



^ CIL. XII 796 aus Arles; II 2487; 2871. 
2 Revue Celt. XXVII 118. — « Rech. 364. 



Vorrömiscbe Ortsnamen ansicherer Abstammung. 883 

Turnus heranzuziehen. Zur Erklärung des Namens werden 
wir uns vielmehr an die ältesten Überlieferungen halten 
müssen. Für das erste Element bietet sich als Anklang 
ky. tyno 'Tal', gloss. area, areola, vallicula, bret. tnou Tai', 
zu gr. <rr€v6? 'eng, schmal'*; auch einen Göttemaroen Tinos 
und einen PN. Tiniua gibt es." Der sonst unbekannte 
zweite Bestandteil li^t möglicherweise vor in Trivurtium^, 
jetzt Trevoux (Ain), für das Guigue* die wohl späteren 
Formen Trivultium, Trivoltium kennt; doch kommt nach 
Holder auch Trevurtium vor, dessen Htamm dann im VN. 
Treveri, vielleicht auch in Ätrehates (siehe beides S. 88 f.) 
zu suchen wäre. Ihrer Lage nach könnten die beiden 
Namen sehr wohl ligurisch sein, doch ist ein Suffix -urt 
weder in diasem noch im Gallischen nachzuweisen. 

Tolosa, jetzt Toulouse (Haute- Garonne) wird zuerst 
von Cicero und Cäsar '^ erwähnt. Zur Erklärung des wahr- 
scheinlich vorgallischen Wortes vermag ich nichts bei- 
zubringen. Die älteste Anlage des Ortes soll sich nicht 
an der heutigen Stelle, sondern 8, nach anderen 13 km 
südlicher befunden haben.* Nach der Stadt wurde zuerst 
eine civitas Tolosana. später ein pagus Tolosanus benannt, 
romanisiert Tolsan und im Dialekt jener Gegend Tolza 
oder Toulza. Dieser I^andschaftsname hat sich in ver- 
schiedener Gestalt als unterscheidendes Beiwort bei Orts- 
namen erhalten, so in Seysses-Tolosane und Martres- 
Tolosane (Haute-Garonne), in Cordes-Tolosane (Tarn- 
et-Garonne), in Cuq-Toulza (Tarn) u.a. — Ein zweites 
Toulouse ist eine kleine Gemeinde im Dep. Jura, die 
auf Anhöhen über dem Flüßchen Brenne liegt und nach 
den ältesten Urkunden als Mons Tolosa vorkommt.' 



* Stokes 128. 

* Beide« bei Holder. — » Atlas 31. 

* Dict. top. du d^p. de l'Ain 405. 
» B. Q. I 10; III 20 u. ö. 

* Vivien de Saint-Martin, Dict. de G^r. VI 762. Mattin 
in Grande Encyclop^die XXXI 212. 

* Vivien de St. Martin, a. a. O. 763. 



334 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

f 

Civitas Turba, uhi castrmn Bogorra lautet in der Not. 
Gall. der Name für die heutige Stadt Tarbes (Hautes- 
Pyrenees), der bei Gregor von Tours^ schon als Tarva auf- 
tritt. Die Erscheinung, daß ein u der Stammsilbe sich 
in a wandelt, ist natürlich höchst auffallend, und so ist 
vielfach die Identität von Turha und Tarbes angezweifelt 
worden. Longnon sucht ^ mit vielem Scharfsinn den mo- 
dernen Namen von älterem Talva abzuleiten, doch werden 
ihm gewiß nicht viele beipflichten. Wenn wir an Turha 
als dem Ursprünglichen festhalten, so ist die Frage nach 
der Zugehörigkeit dieses Wortes nicht kurzer Hand zu 
entscheiden^ wenn auch die meisten Gelehrten der An- 
nahme iberischen Ursprunges zuneigen, wobei sie sich auf 
den Namen einer Stadt in Spanien Turha (Var. TurdaY 
und auf ein ToupßouXa* bei den Bastitanern in Spanien 
stützen. 

Den Stamm trev wie in Trevurtium finden wir auch 
in Trevidon (Akk.), bei Sidonius^, das mit heutigem 
Treves (Gard) identifiziert wird. Quicherat^ sieht (mit 
Unrecht) in -idon die vulgäre Form eines älteren -ate, des 
im Gallischen und Ligurischen so verbreiteten Suffixes, 
und *Trevate habe seine Endung durch Zurückziehung des 
Akzentes verloren, wie Candes aus Conäate entsteht. 

Turturonno heißt auf einer ganzen Anzahl mero- 
wingischer Münzen bei Holder der heutige kleine Ort 
Tourteron (Deux-Sevres), und vier andere Tourteron, 
deren bedeutendstes im Dep. Ardennes liegt, dürften den- 
selben Ursprung haben. Für den Wortstamm ist ein An- 
klang in den übrigen keltischen Sprachen nicht zu finden; 
das Suffix -onno ist im Gallischen nicht selten^ vgl. 
Brionnum, Calanconnum u. a. 

Die frühere Landschaft Othe, im südwestlichen Teile 



1 In glor. confees. 48. 

2 Geographie 598 flF. 

^ Livius XXIV 42, 11. XXXIII 44,4. 

* Ptolemaeue II 6, 60. 

5 Carm. XXIV 82. — « A. a. 0. 42. 



Vorrömiacbe Ortsnamen unsicherer Abstammung. 885 

des heutigen Dep. Aube gelegen und bis in das Dep. 
Yonne hinüberreichend, noch jetzt als Name eines großen 
Forstgebietes daselbst gebriluchlich, erscheint im neunten 
Jahrhundert als lltta sallus oder Utta iilva. Das ursprüng- 
lich appellativc Element, dessen Bedeutung uns dunkel 
bleibt, ist auch in den PN. UUa *, Uttu und Utto enthalten. 
Der Name der Landschaft hat sich erhalten iro ON. Aix- 
en-Othe (Aube). 

Bei der Besprechung des VN. Basabocaks* habe ich 
den befremdlich klingenden Namen in Basales = Vasates 
und Bocates (ungenau oder dialektlich für Boiates) 
zerlegt. Vasates würde dann bei Plinius die erste lite- 
rarische Spur des aquitanisohen Volkes sein, das Ptole- 
niaeus'' OuacTctTioi (gebessert aus Ouaadpioi) mit der 
Hauptstadt Cossium nennt. Die letztere hat bei Gregor 
von Tours, wie so oft, den Namen der Völkerschaft an- 
genommen, denn der Geschichtschreiber der Franken 
spricht von einer urbs oder civitas Vasatetisis und be- 
zeichnet damit das heutige Bazas (Gironde), während die 
lautliche Entwicklung des Adjektivs den Landschaftsnamen 
le Bazadais ergeben hat. Ob Vasates iberisch, ligurisch 
oder gallisch sei, kann nicht entschieden werden. 

Verbinnm heißt im It. Ant. das heutige Vervins 
(Aisne), dessen Name übrigens, aber in entstellter Form, 
auch die Tab. Peut. schon kennt. Ein Anklang an 
den von Cäsar genannten pagus Verbigenus der Helvetier 
liegt vor, dessen Einwohner an den Rhein und nach 
dem Gebiete der Germanen flohen. Sollte ein Haufe so 
weit nach Norden verschlagen worden sein und eich in 
dem obigen Ortsnamen verewigt haben? Ein Substantiv 
*Verbinum könnte auch im Namen des pagus Verbone7isis in 
in Lothringen, nfz. le Vermois, enthalten sein, dessen 
Hauptstiidt zur Zeit seines Bestehens ViUe-en-Vermois 
( Meurthe - et - Moselle) war. 

» CIL. III 3598 bei Budapest. 
« Plinius IV 108. 
» II 7, 11. 



336 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Vertavus entpricht dem heutigen Vertou (Loire- 
Inferieure), dessen Kloster 570 von einem Abte Martin 
geleitet wurde. Über die Bedeutung des Namens spricht 
sich die Vita Martini abbatis Vertavensis aus, wo es 
heißt: Quem locum Vertanum (so in der Vita Martini 
immer statt des korrekten Vertavum, das sich in allen 
übrigen Urkunden^ findet) avenustate antiquitus dictum remur, 
woraus hervorgeht, daß Vertavus ein altes, d. h. ein gal- 
lisches Wort ist und daß es den Begriff des Schönen, 
Vortrefflichen ausdrücken muß. Nun gibt es ein abret. 
uuert 'Wert, Preis', ky. gwerth, zu deutschem Subst. und 
Adj. "Wert', got. wairßs, ags. weorß usw. gehörig, und 
diesen Stamm wird man in Vertavus suchen müssen, sei 
es, daß eine direkte Ableitung aus der Wurzel vert mit 
appellativer Bedeutung vorliegt, sei es, daß man auf 
einen Personennamen zurückgehen muß, der wie Vertacus, 
Verto jenes Element in sich schließt. Zum Suffix -avus 
vgl. den ON. Belenavus, den pagus Mosavus, die VN, 
Pidavi, Segusiavi u. a. 

Vienne-en-Dauphine (Isere) wird schon von Cäsar'^ 
erwähnt, dann von Strabo, der Ouievva schreibt, während 
Josephus Bievva hat. Für gallischen Ursprung des Namens, 
dessen Deutung im übrigen nicht gelingen wilF, spricht 
der Umstand, daß es in Frankreich noch dreizehn andere 
Ortschaften Vienne gibt, darunter zwei aus alter Zeit über- 
liefert, nämlich Vienne-en-Val (Loiret), das auf zahl- 
reichen merowingischen Münzen Fiewwa oder ViennaVico heißt, 
und Vienne-le-Chäteau (Marne), für das wenigstens aus 
karolingischer Zeit die Form Vienna belegt ist, während 
das unbedeutendere Vienne-la- Ville (Marne) Äxuenna 
(Flußnarae für die Aisne) lautet, Atlas 25 ; erwähnenswert 
ist von den übrigen noch Vienne (Loir- et- Cher), die Vor- 
stadt von Blois. — Das Gebiet des bedeutendsten Vertreters 



1 Z. B. MGH. Script. Merov. III, S. 567, 9 u. ö. 

2 B. G. VII 9. 

=• Buch, Alemannia IX 19, hält Vienna für einen ursprüng- 
lichen Flurnamen. 



Vorrömtflcbe Ortsnatnea unsicherer AbstAmmung. 887 

Vienne (Is^re) war im Mittelalter die civitas Viettnenaü, 
woraus sich der Landschaf tsname Viennois entwickelt hat. 

Vithlena heißt in zwei Urkunden von 692 und 802 
der Ort Villaines-la-Carelle (Mayenne), dos im neunten 
Jahrhundert auch schon als Villena auftritt, während 
mehrere Villaines in demselben Dep. nur in den sputen 
Formen Villena oder VUlana bezeugt sind, die sich an- 
scheinend aus der ersten entwickelt haben. Doch ist 
auch dieses sicher nicht die ursprüngliche Gestalt des 
Namens, sondern wir werden mit Beszard ^ auf die lat. 
PN. Vetileniis Vetulenus zurückgehen müssen; freilich sind 
diese wiederum zu selten belegt, als daß durch sie die 
verhältnismäßig zahlreichen ON. Villaine unbedenklich als 
erklärt gelten könnten.' Ein Vilaines (Sarthe) heißt Vitlena 
Atlas 208. 

Vivonne (Vienne) erscheint in zwei Urkunden von 
857 und 888 als adjektivisch gebrauchtes Vicovedaneyisis, 
um 930 Vkodoniiisis, 966 Vicoveonensis, das Substantiv zu- 
erst gegen 980 Vivedotia, 1068 Viveona und etwa 100 Jahre 
später Vivonne. Der erste Bestandteil der ältesten Formen 
ist allem Anscheine nach dos lat. Subst. vicus 'Dorf, das sich 
ja auch sonst in Ortsnamen erhalten hat, während der 
vermutlich gallische Personenname, der das zweite Element 
darstellt, bis jetzt nicht selbständig nachgewiesen ist 

Vinäocino heißt auf merowingischen Münzen dos 
heutige Ven dorne (Loir-et-Cher), das als Landschafts- 
bezoichnung pagus Vindocinensis auch in der Vita Sancti 
Germani des Fortuuatus' auftritt. Zur Erklärung des 
Wortes weiß ich weiter nichts zu sagen, als daß das erste 
Element das Adj. vindos 'weiß' ist. Holder kennt einen 
PN. Vindutius. 

Vorocio (Abi.) heißt auf zwei merowingischen Münzen 
der kleine Ort Vouroux (Allier), für den schon die Tab. 

' NomB de Heu du Maine nr. 91. 

' Über den Beinamen la Carelle und andere untersclieidende 
Attribute der verschiedenen V. siehe Beezard, a. a. O. 
» MGH. 46, 128. 
Qröhler, Fnuuteiicbe Oruoamen. SS 



338 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Peut. mit einer kleinen Ungenauigkeit Vorogio verzeichnet. 
Eine andere Variante der obigen Grundform ist wohl Voro- 
xium, das sich im Testamentum Abbonis 739 als Name einer 
jetzt unbekannten Örtlichkeit findet. Der ON. Vorocingus 
bei Sidonius enthält dasselbe Element mit dem SuflBx -inco 
verbunden. Eine Deutung vermag ich nicht zu geben. 



Ortsnamen, die auf lateinische Personennamen 
zurückgehen. 

Neben den mit dem gallischen Suffix -aco aus Per- 
sonennamen entwickelten Ortsnamen geht noch eine Reihe 
solcher einher, die ohne dieses Suffix gebildet und dort 
noch nicht behandelt sind. Es sind teils suffixlose, teils 
mit dem jenem -aco gleichwertigen lateinischen Elemente 
-ano {-ana^ -ani, -anae usw.) zusammengesetzte Wörter. In 
einigen Gegenden Südfrankreichs verbindet sich -ano gern 
noch mit -ico, und das Doppelsuffix -anico hat meisten- 
teils eigenartige Umbildungen einerseits in -argue, 
-ergue usw., andererseits in -ange erfahren.^ Es braucht 
kaum daran erinnert zu werden, daß sowohl die suffix- 
losen als auch die mit -ano, -anico verknüpften Personen- 
namen ursprünglich den Wert von Adjektiven hatten, die 
sich an gewisse Lokalbegrifife angliederten, bis schließlich 
diese letzteren fallen gelassen wurden. 

Das bekannte Gentilicium Antonius hat sich erhalten 
in Antoingt (Puy-de-D6me), das Ende des neunten 
und Anfang des zehnten Jahrhunderts wiederholt als 
Antonio belegt ist. Ein Antoing (Belgien- Hennegau) 
wird Atlas 165 als Antunium erwähnt, anscheinend eine 
vulgäre Form des obigen. 

Asinius, Schulze 129, begegnet in der Form Azinium, 
Atlas 167, als Grundwort des heutigen Anzin (Nord). 



^ Über die Entwicklung des Suffixes P. Meyer in Romania 
XXIV 544; P. Skok, a.a. 0. 36flF.; E. Muret, De quelques d^si- 
nences de noms de lieu dans la Suisse romande et en Savoie, in 
Romania XXXVII. 



Lateiniache Personennamen. 889 

Ärmatm^t ein nicht gerade seltenes Cognomen, das 
aber erst der späteren Zeit angehört, hat einen Gentil- 
namen Armatius entstehen lassen, der wenigstens durch 
eine Inschrift' überliefert ist. Dieses ist wieder das 
Stammwort zu einer Bildung *Armatianu9^ aus der ein 
Adjektiv Armatianiais abgeleitet ist. Armadamau TBCil. 
fundus) ist der von 931 an häufig bezeugte Name des 
heutigen Aimargues (Gard), der 813 schon in der Ge- 
stalt Armasanica zum ersten Male auftaucht. Will man 
letzterer Form als der älteren, wenn auch nur einmal be- 
zeugten den Vorzug geben, so bietet sich als Grundwort 
das Gentilicium Artnasius} Eine interessante Übergangs- 
form ist Armadanegues bei Skok 57, der auch eingehend 
über die Entwicklung des Wortes handelt. 

Augustus als Cognomen der Cäsaren erfreute sich in 
der Toponymie Italiens und der Provinzen großer Be- 
liebtheit und ist als eine Huldigung der Ansässigen einer 
Kolonie für die Verleihung des Kolonialrechtes durch 
Augustus oder einen späteren Kaiser anzusehen.* Die 
hybriden Bildungen Augiistodunum, Augustonemetum, Augusto- 
ritum zeigen, daß selbst die gallische Bevölkerung Frank- 
reichs sich wohl oder übel mit den neuen Verhältnissen 
aussöhnte, und bloßes Augnsta ist aus späterer Zeit mehr- 
fach bezeugt, wenn auch die einzelnen Ortschaften diesen 
zu Verwechslungen Anlaß gebenden Namen meist zu- 
gunsten des zur Unterscheidung geeigneten Attributes 
i^Suessionum^ Treverorum usw.) aufgegeben haben. Im 
französischen Sprachgebiet hat sich erhalten Aoste (la^re) 
Atigustum It. Ant., Augnsta Tab. Peut., auch auf Inschriften 
mehrfach genannt.* Aouste-en-Diois (Dröme) wird 
ebenfalls als Augustum vom It. Ant., als Augusta von der 
Tab. Peut. und Inschriften' erwähnt. Ein Dorf Aouste 



' Vgl. Hartmann in Pauly-Wissowa II 1179. 

« CIL. VIII 830. 

' Von Seeck, FW. II 1177 nachgewiesen. 

* Mommsen in Hermes XVIU 185 f. 

» CIL. XII 2893. 2395. 2424. — • CIL. XII 1721-1725. 

22* 



340 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

(Ardennes) hat anscheinend denselben Ursprung, ist aber 
in älteren Formen nicht nachzuweisen. 

Ein Gentilicium Äxius^ ist die Grundform für Aixe- 
sur-Vienne (Haute- Vienne) Axia, Atlas 167. 

Cepius, Schulze 351, muß für Seiches (Maine-et- 
Loire) angesetzt werden, das 848 als Villa Cipia auftaucht, 
1035 Cepia und in der zweiten Hälfte des elften Jahr- 
hunderts noch Cechia. Auf denselben Ursprung kann auch 
historisch nicht belegtes Seyches (Lot-et-Garonne) zu- 
rückgeführt werden, für das allerdings auch Seppius, 
Schulze 277, in Betracht kommt (vgl. auch S. 177). 

Gervius, Schulze 234, hat einen fundus Cervianus er- 
geben, schon in der Vita Desiderii^ die älteste Form des 
heutigen Servifes (Tarn). Auch Servies-en-Val (Aude) 
hieße nach Baichere^ in ältester Form Gervianum, und 
Servian (Herault) erscheint in Urkunden von 1065 und 
1150 als Gastrum de Gerviano, 1110 Servianum mit An- 
lehnung an Servius wie die heutige Schreibung. 

Der Name Gonstantius kam erst Ende des zweiten 
oder Anfang des dritten christlichen Jahrhunderts in Ge- 
brauch.* Gonstantius Chlorus, der Mitkaiser des Diocletian 
und Verwalter der Provinz Gallien, hat seinen Namen 
der heutigen Stadt Coutances (Manche) gegöben, voll- 
ständig Flavia Gonstantia, zuerst genannt Not. Gall. Wahr- 
scheinlich trat die neue Bezeichnung an Stelle des gall. 
Gosedia, als Gonstantius längere Zeit in dieser Gegend 
verweilte, um sich zum Zuge gegen die aufständischen 
Briten zu rüsten.^ Nach ihm führt auch der ganze 
Küstenstrich, dessen Mittelpunkt Goutances bildet, den 
Namen pagus oder ager Gonstantinus, noch heute le 
Gotentin.*^ 



1 Thesaurus II 1640. 

2 MGH. Merov. IV ed. Krusch 586, 7. 

^ Noms latins et romans des communes de l'Aude. 
■* J. Schwab, Nomina propria Jatina 688 f. 
^ Eutrop IX 22, 2. 

® Über die historischen Verhältnisse und die Grenzen des 
alten pagus Longnon, Atlas 101. 



Lateinische Personennamen. 84t 

ComuHus, Schulze 148, ist als ComuHm vicus im 12. 
und 13. Jahrhundert die anscheinend auf älterer Über- 
lief« rung beruhende Form des heutigen Cornus (Aveyron). 

Cöiius, Schulze 1 58, dürfte als *Cosia (villa) dem heu- 
tigen Coise (Savoie) zugrunde liegen, für das mir aber 
alte Formen nicht zu Gebote stehen. 

Damazan (l^t-etGaronne) könnte ein ursprüng- 
liches *DanMtianu8 (fundus) sein, eine Bildung aus dem 
Gentilicium Damatius, Schulze 355. Häufiger als dieses 
ist Domatius^; alsdann müßte Übei^ang des o der ersten 
Silbe in a angenommen werden, eine Erscheinung, die 
gerade in dieser Verbindung nicht selten ist (vgl. afz. 
dameiselle, nfz. detnoiselle <C daminicella und zahlreiche auf 
dominus zurückgehende ON. wie Dampierre (Jura, Haute- 
S&öne) <C Dominus Petrus, Dammarie (Meuse) << JDomtwa 
Maria). 

Oularo, der wahrscheinlich ligurische Name eines von 
Vienna abhängigen vicus im Gebiete der Allobroger hat 
nach Hirschfeld* Ende des vierten Jahrhunderts seinen 
alten Namen aufgegeben und zu Ehren des Kaisers 
Gratianus (359 — 383) die Bezeichnung Gratianopolis (gr. 
TTÖXi? 'Stadt') jetzt Grenoble (Isere) angenommen. Schon 
in einer Urkunde von 381 tritt ein episcopus Oratiano- 
politanus auf, und die Not. Gall. kennt amtlich eine 
civitas Gratianopolitana.^ Das Gebiet der Stadt hieß 
Gratianopolitanus pagus, was volkstümlich bald in Gratio- 
politanus verkürzt wurde, und hieraus entstand romanisches 
Graisivaudan, le Gresivaudan, das lange Zeit als 
Name einer Landschaft gebräuchlich war. 

In einer Urkunde vom Jahre 843 und später noch 
öfter wird ein pagus Minerhensis (6 = v in jener G^end) 
erwähnt, genannt nach einem castrum Minerba 873, das 
selbst entweder auf den Namen der Göttin oder auf 
einen PN. Minervus zurückgeht, der ebenso wie das Gen- 
tilicium Minervius, Schulze 483, existiert hat. Aus 

' Otto, Nomina propria 880 f. 

* CIL. XU, S.273. — » Vgl. auch Longnon, Atlaa 13. 



342 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Minervensis hat sich der Landschaftsname le Minervois 
entwickelt, der in einigen Ortsnamen wie Peyriac-Mi- 
nervois (Aude) bis auf den heutigen Tag fortlebt. 

Lanius^ kommt für Laignes (Cote-d'Or) als Stamm- 
wort in Betracht; Föns Lagnis 632 stellt die Übergangs- 
form eines ursprünglichen Lanias (aquas?) dar. 

Mimisius verzeichnet Schulze 241 als ein nicht ganz 
seltenes Gentilicium, und dieses setzt einen Individual- 
namen *Mimisus voraus, der, mit dem SuflSx -anus ver- 
bunden, den ON. Mimisanus, Atlas 190, ergeben hat, jetzt 
Mimizan (Landes). 

Das Cognomen Marianus^ liegt, mit dem Suffix -ico 
verbunden, zwei Ortschaften Meyrargues zugrunde, von 
denen die eine, im Dep. Bouches- du -Rhone gelegen, um 
1050 Maranigas heißt, während die zweite, Dep, Herault, 
in einer Urkunde vom Jahre 1166 als villa de Mairanicis 
erscheint. 

Mauritanus diente, wie alle Volksnamen, zugleich als 
Cognomen und scheint in Mortain (Manche) erhalten zu 
sein (s. o. S. 327). Zwei Mortagne (Orne, Vendee) gehen 
auf Mauritania (villa) zurück, und das erste ist Atlas 189 
urkundlich in dieser Form bezeugt. 

Nasius, Schulze 275, erscheint als Ndciov zuerst bei 
Ptolemaeus^, Nasium It. Ant. und später oft für das Dorf 
Naix-aux-Forges (Meuse). 

Schulze 73 kennt ein Gentilicium Olius mit der 
Variante Ollius und scheint geneigt, dieses mit Aulius zu 
identifizieren, das wiederum aus einem sonst nur als Vor- 
namen gebrauchten Individualnamen Aulus entstanden 
sein könnte. Ollus kennen wir aus einer pompejanischen 
Inschrift. Tatsächlich gehört ja der Übergang au'^o 
schon dem Vulgärlateinischen an. Mit den Suffixen -ano, 



^ CIL. V 4191; auch Lanus CIR. 1128 ist vorhanden. 
2 Rech. 575. 
« 11 9, 7. 



LAteinische PersoneniiAmen. MX 

und 'ico verbunden entsteht Olanicus = *Aulanictu, in der 
Form Otanicae^ das Grundwort für Olargues (H^rault). 

Perpenna, Schulze 88, eine Dissimilation von ur- 
Bprünglichem Perperna etruskischen Ursprungs, hat ein 
Gentilicium Perpenniiu entwickelt, das mit dem Suffix 
-ano den ON. *Perpennianus ergeben hat, in der Form 
Perpinianum, Atlas 194, für Perpignan (Pyr6n6es- Orien- 
tales) nachgewiesen, während mir für denselben Namen 
des Dep. GarJ historische Formen nicht bekannt sind. 

Petrucius, Schulze 170, ist als Petroda, Atlas 194, 
Petrucia, Atlas 248, für Peyrusse (Aveyron) bel^; der- 
selbe Name kommt auch in den Dep. Gers und Cantal 
vor. Peyrus (Haute Loire) dürfte auf das Maskulinum 
*Petniciiis (fundus) zurückgehen. 

Placentius* ist in Plnisance (Gers) enthalten, das 
schon früh als Placentia, Atlas 64, nachgewiesen ist. 

Pomponins, Schulze 212, ein bekanntes Gentilicium, 
ist die Grundform für das in seiner Schreibung volks- 
etymologisch entstellte Pontpoint (Oise), das d'Arbois 
aus dem Jahre 861 in der obigen lateinischen Gestalt 
nachweisen kann. Die Verlängerung durch das Suffix 
-ano liegt in zwei Pompignan (Gard, Tam-et-Ga- 
ronne) vor. 

Pouillon (Marne) heißt um 850 Villa Puüiotiis, 
während für Pouillon (Landes) eine ältere Namen- 
form Polio lautet.' Das lateinische Grundwort ist nicht 
mit völliger Sicherheit festzustellen. Schulze hat mit 
der Endung o nur ein Pulio; doch kann aus PuZ/iW, 
Pollius, die er ebenfalls kennt, sehr wohl eine spät- 
lateinische Bildung auf o hervorgegangen sein, die sich 
dann in den obigen Ortsnamen erhalten hätte; Skok hält 
in dieser Gegend auch eine Ableitung von PauUus für 
möglich. 



* Cocheris a. a. O. 187. 

' J. Schwab, Nomina propria latina 673. 

* Skok 117. 



344 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Quintinus, eine junge, wahrscheinlich erst in christ- 
licher Zeit entstandene Weiterbildung des lateinischen 
Pränomens Quintus hat anscheinend den ON. Quintin 
(Cotes - du - Nord) ergeben, den ich aber aus älteren Ur- 
kunden nicht nachweisen kann. 

Tiberiiis, Schulze 247 u. 479, hat sich in Thiviers 
(Dordogne) erhalten, das Atlas 204, also spät als Tiherium 
nachgewiesen ist. 

Tullum ist zwar nicht die älteste, wohl aber die 
korrekte historische Form der Hauptstadt der gall. Leuci, 
die zuerst Ptolemaeus^ als TouXXiov (doch in mehreren 
Hss. TouXXov), dann die Tab. Peut. als Tullio erwähnt; 
von da ab und zuerst im It. Ant. kommt das i der 
Endung nicht mehr vor. D'Arbois sieht in dem Namen 
das lateinische Cognomen Tullus, das adjektivisch ver- 
wandt zunächst praedium Tullum ergeben habe, woraus 
verkürzt der ON. Tullum entstanden sei, jetzt Toul 
(Meurthe-et-Moselle). Dies setzt voraus, daß der gallische 
Name der Hauptstadt der Leuci uns verloren gegangen 
und nur der spätere lateinische erhalten ist, ein Vor- 
gang, der freilich nicht ohne Beispiel dasteht, denn auch 
die Hauptstädte der Viromandui, der Suessiones und der 
Treveri sind uns nur in der (zufällig übereinstimmenden) 
Form Äugusfa überliefert; indessen wäre es doch auch 
möglich, daß jenes Tullum ein gallisches Wort darstellt. 
Von dieser Annahme ist Buck^ ausgegangen, der den 
Namen durch ein ir. tul 'Berg', tulan "^Hügel' deutet, was 
zu der Lage der jetzigen Stadt am Fuße eines steilen 
Hügels wohl paßt; leider vermag ich die beiden von ihm 
angesetzten irischen Worte nirgends aufzufinden. Als 
ToöXXov bezeichnet Strabo^ allerdings auch den heutigen 
Berg Triglav in den Julischen Alpen, und ein altes Tullum 
wäre nach Holder auch die heutige Stadt Tulln in Nieder- 



1 II 9, 7. 

^ Alemannia IX 19. 

« IV 207. 



T^ateinische PerRonennamen. 845 

Österreich an der Donau, beide im Gebiete der pan- 
noni8chen Gallier gelegen. 

Mit größerer Gewißheit als das vorangehendeWort kann 
auf einen lat. PN. Tu 11 ins (Isdre) zurückgeführt werden, 
das in einer Urkunde von 843 als ToUianum für älteres 
*Tullianum erscheint. 

Veranus, Schulze 379*, ist enthalten ino zweiten Teile 
von Vauvenargues (Bouches- du -Rhone), das ursprüng- 
lich Vallia Veranica heißt.* 

Varellius, VarilliuSj Schulze 248 f., liegen anscheinend 
den ON. Varilhes (Ari^ge), Vareilhes (H^rault), Va 
reilles (Yonne) zugrunde, von denen mir aber keiner in 
alter Form vorliegt. 

Im Anhange möge hier noch Platz finden Convenae, 
von convenire 'zusammenkommen', ein lateinischer Volks- 
name, den zuerst Plinius' erwähnt. Der Kirchenvater 
Hieronymus erzählt ', Cn. Pompeius habe nach der Unter- 
werfung Spaniens (also 72 v. Chr.) eine Anzahl Straßen- 
räuber und zusammengelaufenes Volk, latrones et convenae, 
in den Pyrenäen angesiedelt, utide et Convenarum urbs 
notnen accepit. Man könnte an der Wahrheit der Er- 
zählung angesichts ihrer späten Mitteilung zweifeln, wenn 
nicht schon Cäsar ^ eine Anspielung auf jenen Vorgang 
brächte, indem er sagt: Liceretne civibus ad cives de pace 
iegatos mittere, quod etiam fugitivis ab saltu Pyrenaeo 
predonibusque liciiisset. Die Hauptstadt des Völkchens hieß 
Lugdunum Convenarunif was zugleich erkennen läßt, daß 
die Mehrzahl der Angesiedelten keltischer Herkunft und 
Sprache war, bzw. daß die Umgegend der Hauptsache 
nach nicht mehr iberisch, sondern gallisch war.* An 



» Cartnlaire de Saint-Victor nr. 280, 238, 950. 
» IV 108. 

* II 357 ed. Misne. 

* Bell. Civile m 19. 

* Ober die Gründang vgl, O. Hirachfeld in Sitsang« berichten 
der Preaß. Akademie der Wissensch. 1896, 429-456. 



346 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

Stelle des alten Namens tritt zuerst der VN. Convenae in 
der Not. Gall. auf; im zwölften Jahrhundert wurde die 
Stadt nach ihrem Bischof Bertrand (f 1125) genannt. 
Das Gebiet, dessen administrativer Mittelpunkt sie war, 
hieß pagus Convenieus, später Commeniciis, Comminicus, nfz. 
Comminges oder Cominges, was sich im Namen der 
Stadt Saint-Ber trän d-de- Com minges(E[aute-Garonne) 
bis auf die Gegenwart erhalten hat. Ant. Thomas^ kennt 
die moderne Form Commenge und erörtert deren laut- 
liche Entwicklung. 

Ursprüngliche Flußnamen als Ortsnamen. 

Allgemein werden Orte auch nach Wasserläufen be- 
nannt, an denen sie liegen, nicht nur in der Weise, daß 
der Name als Kompositum auf die Lage der Örtlichkeit 
an dem Flusse hindeutet, wie in Saalfeld, Oderberg, 
Traunstein; auch der bloße Flußname wird als Ortsname 
verwendet, wie in Deutschland Fulda, Eger, Ems, in Ruß- 
land Moskau an der Moskwa u. a. m. Dabei zeigt es sich, 
daß der Fluß- und der Ortsname nicht immer dieselbe Ent- 
wicklung genommen haben, so daß die ursprüngliche Über- 
einstimmung nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist. 
Ein augenfälliges Beispiel hierfür ist der deutsche Name 
Ohlau, wie die Stadt jetzt noch heißt, während der Fluß 
Ohle, an dem sie liegt, seine slawische Endung durch eine 
deutsche ersetzt hat ; noch vor sechzig Jahren war auf 
Karten der FIN. als Ohlau oder Ohla zu lesen, und eine 
Straße in Breslau, wo die Ohle in die Oder mündet, 
heißt Ohlau -Ufer. Einzelne Fälle sind bei früheren Be- 
trachtungen schon gestreift worden, wo ich in der Lage 
war, etymologische Deutungen zu geben. Bei den hier zu 
behandelnden Namen stehe ich von einem Versuche 
dieser Art im allgemeinen ab ; wer an bloßen Hypothesen 
seine Freude hat, den verweise ich u. a. auf den zweiten 
Band von d'Arbois, les premiers habitants de l'Europe. 

1 Essais 2flF. 



UrBprQngUcbe Fluüoamen alt Ortsnamen. 847 

loh beginne mit den nicht komponierten Flul^namen, 
weil diese im allgemeinen älter sind als die Zusammen- 
Setzungen. 

Der Fluß Corröze, der mittelbar zur Dordogne gehört, 
heißt in den ältesten Urkunden Curetia, Atlas 62, und hat 
seinen Namen nicht nur einem Departement gegeben, 
sondern auch dem Städtchen Corr^ze, das er bespült. 

Sorg lies (Vaucluse) liegt an dem Flüßchen Sorgue, 
daH schon bei Strabo in der Form ZouXtu; vorkommt 
Über das Alter des Ortes kann loh nicht Auskunft geben. 

Nevers (Niövre), alt Nevimum It. Ant., NivemU 
Atlas 192, liegt am Flusse Nidvre, der selbst zuerst in 
der Form Niveris genannt wird, und trägt dessen Namen, 
der hier durch ein Suffix erweitert ist. — Der pagus 
Nivernenmy dem die Landschaft Niver na is ihren Namen 
verdankt, erscheint zuerst in Urkunden der Jahre 817 
und 843. 

Vaison (Vaucluse) ist die alte Hauptstadt der gal- 
lisohen oder ligurischen Vocontii, die in der Form noXiv 
Ouaaiujva zuerst von Strabo* erwähnt wird, Vasio bei 
Plinius und Mela, der es zu den reichsten Städten der 
Gallia Narbonensis zählt. Die alte Stadt lag am rechten 
Ufer des Flusses, dessen heutiger Name Ouveze lautet. 
Ob und was für ein Verhältnis zwischen dem Namen der 
Stadt und des Flusses besteht, ist nicht zu ermitteln. 

Mayen ne, ein Dorf an dem gleichnamigen Flusse 
und in dem danach benannten Dep., tritt als Ortsname 
zuerst in der Form Meodena castrum auf einer mero- 
wingischen Münze auf, im neunten Jahrhundert und 
später als Meduana, wie auch der Flußname in seiner 
frühesten Gestalt überliefert ist.' Über den Stamm des 
Wortes ist nichts Sicheres festzustellen. 

Erneia, Atlas 179, ist die älteste Form des Ortes 
Ern^e (Mayenne), der an dem gleichnamigen Flusse 

' IV 185. 

* Genaaere« darOber bei Beszard, Noms de lieox da Maine 
nr. 69. 



348 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

liegt, als aqua Erneia zuerst 1116 nachgewiesen.^ Ein 
Ernodurum des It. Ant. ist das heutige St.-Ambroise (Cher) 
am Flusse Amon, der also in früherer Zeit *Ernos oder 
*Erna geheißen haben mag. Einen Fluß Erne finde ich 
auch noch in Irland, Provinz Ulster. 

Uz er che (Correze) heißt im fünften Jahrhundert 
Userca, Atlas 65, was offenbar auf älteres *Userica zurück- 
geht, und dieses wiederum auf '^ Viserica, d. h. der an der 
Visera, jetzt Vezere, einem rechten Nebenflusse der Dor- 
dogne, gelegene Ort (vgl. Ävaricum bei Cäsar, an der Ävara, 
jetzt Auron, gelegen). Der FIN. Visera ist mehrfach in 
alter Zeit, zuerst bei Buricius^ fünftes Jahrhundert, er- 
wähnt, dem auch der erste Beleg für Userca entstammt. 
Zu Userca = Viserca vgl. meine Ausführungen bei Uriage, 
S. 180. 

Ein FIN. Visera scheint sich auch im ON. Väzeronce 
(Isere) zu verbergen, das bei Gregor von Tours ^ die Form 
Visorontia hat, auch Viseroncia und später Veseroncia; zur 
Endung vgl. Alisontia, Alsontia, Atlas 164, Mie an dem 
Flusse Alisa gelegene Siedelung' für Aussonce (Ardennes). 

Sumene (Gard) tritt urkundlich erst im zwölften 
Jahrhundert in der Form Sumena auf, was uns an den 
alten Namen der weit entfernten Somme erinnert, die bei 
Cäsar zwar Samara, aber in mittelalterlichen Zeugnissen 
Sumina heißt, bei Gregor von Tours in Sumna zusammen- 
gezogen. Der Fluß, an dem es liegt, jetzt Rieutort, 
wird in alten Urkunden Sumeneta genannt und soll in 
seinem Unterlaufe jetzt noch Ensumene heißen.^ Der 
Ort verdankt seinen Namen also offenbar dem Wasserlaufe, 
an dem er liegt. 

Sevres (Seine- et- Oise) heißt bei Fortunat* Savara 
und führt nach d'Arbois diesen Namen von einem Bache 
gleichen Namens, an dem der Ort lag und der auch in 
mittelalterlichen Urkunden noch erwähnt Wird. Auch die 



^. ßeszard, a. a. 0. nr. 65. 

2 MGH., Merov. I 113, 21 u. ö. — ' Prem. Habitants II 182. 

< MGH., Auct ant. IV 2, S. 17, 3. 



Ursprüngliche FluOnamen als Ortanamen. 849 

beiden S^vreflÜBse, nach denen das Dep. Deox-S^vree 
benannt ist, haben in alter 2^it vermutlich Savara ge- 
heißen. 

Vidtis ist in einer Urkunde von 627* ein Neben- 
fluß der Maas, an dem der Ort Noviantum liegt. Dieser 
hat später den Namen des Flusses angenommen, zuerst, 
wie es scheint, mit einem Suffix, denn wir finden 971 
Viddiocum, 1011 Vadum, im zwölften Jahrhundert Vedum 
als Ortsnamen, jetzt Void (Meuse). Vidus ist wohl ursprüng- 
lich ein gallisches Appellativ, das zunächst 'Baum', dann 
auch 'Gehölz, Wald' bedeutet, air. fid, gloss. arbor, aky. 
guid zu ahd. mtu, ags. ividu, wudu, engl, tcood. 

Die Visme, ein kleiner Fluß im Dep. Somme, heißt 
Vimina^ Atlas 208." Vismes oder Wismes-au-Val 
(Somme) ist auch der Name eines daran gelegenen Dörf- 
chens. Wichtiger als diese Ortschaf t ist ein nach dem Flusse 
bezeichneter pagus Vimnaus (für älteres ^Viminavus) super 
fluvio Vimitia, später le Vimeux, ein Teil der Picardie, 
dessen Name noch erhalten ist in Mons-en-Vimeux 
und M6ricourt-en-Vimeux. 

Gimont (Gers), das in einer späten Urkunde, At- 
las 247, als Gimons auftritt, liegt an der Gimone, einem 
Zufluß der Garonne, der Atlas 182 als Gimona bezeugt ist. 

Nur mit starkem Zweifel stelle ich hierher Allevard 
(Isäre), Aravardum, Atlas 165. Man könnte das letztere 
als eine gallische Bildung *are Vardum erklären, bestehend 
aus der Präposition are 'bei, an' und Vardum, dem 
Namen des Flusses, an dem es liegt, und der jetzt le 
Br^da heißt. Vardo heißt bei Sidonius der Gard oder 
Gardon. 

Bin Flüßohen Orbe entspringt im Dep. Jura und 
mündet nach kurzem Laufe in den Neuenburger See. 



' Li^nard, Dict top. de la Mease 259. 

' DenBelben Namen führt auch die Wümme nordwestlich 
von Bremen; vgl. dazu MüUenhoflf, D. A. II 232 und Zeuß, Gr. 
C. 784. 



850 Die älteeten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

An ihm liegt der Ort Orbe (Schweiz, Vaud), dessen 
Name von einigen mit dem des helvetischen Gaues der 
Urhigeni oder Verbigeni in Zusammenhang gebracht wird.^ 
Derselben Orbe verdankt auch Vallorbe (Schweiz, Vaud), 
seinen Namen, das nicht weit von seiner Quelle liegt. 
An den Namen des Flusses, der in alter Form nicht 
bekannt ist, erinnert noch der des Orb, eines kleinen 
Küstengewässers im Dep. Aveyron, das in der Ora 
maritima Orohus und bei Ptolemaeus "Opoßi(; lautet. 
Ein rechter Zufluß der Bormida in Piemont heißt Orba 
und ein Nebenfluß der Einzig in Hessen Orb. 

Hiermit sind wir schon zu den Zusammensetzungen 
gekommen, in denen ein Flußname auftritt. Das Grund- 
wort ist lat. vallis 'Tal' wie im vorhergehenden noch in 
Valbonnais (Isere), das an der Bonne, einem Zuflüsse 
des Drac, liegt; hier scheint also von dem Flußnamen 
ein Adjektiv gebildet worden zu sein, das zu vallis ge- 
treten ist. 

Orte, die an der Quelle eines Flusses liegen, er- 
scheinen im Dep. Marne und den angrenzenden Gebieten 
als Komposita des Flußnamens mit dem Grundwort 
somme oder som, entstanden aus lat. summus (seil, mons) 
== 'Spitze, Quelle', flektiert je nach dem Geschlecht des 
dabeistehenden Namens. 

Daß Vera ein Flußname war, geht aus dem gall, 
Kompositum Briovera hervor, jetzt Saint -L6-sur-la-Vire. 
Sommevoire (Haute -Marne) heißt Summa Vera im 
Jahre 854 und später; doch ist Vera hier (und vielleicht 
auch in Briovera) schon romanisiert; der Fluß kommt in 
einer Urkunde von 673 als Vigera vor, Vigor 662, Viera 
832, Veira 1172, Veria 1184. Auch ein anderer kleiner 
Fluß, die Viere, zum Becken der Marne gehörig, heißt 
878 Vigera, und zwei Vegre, zur Eure und zur Sarthe 
fließend, haben ofienbar denselben Ursprung. — Vielleicht 
ist auch Vihiers (Maine- et- Loire) hierher zu rechnen; 



* St, Martin, Dict. de G^ogr. universelle IV 335. 



Uraprnngliche FluOnamen ala Ortanamen. 851 

der Ort, an dem Fltißchen Lys liegend, erscheint als 
Vigerium in einer Urkunde von 1030, Viheris 1010. 

Axona lautet bei Cäsar und Späteren der Name der 
AiMne, die zur Oise geht. An ihrer Quelle liegt ein 
Dorf Sommaisne (Meuse), dos in einer Urkunde 
des zehnten Jahrhunderts als Summa Äsniae erwähnt 
wird. 

Sommedieue (Meuse) trägt in einer ziemlich späten 
Urkunde, Atlas 203, den Namen Summa Deuviae, benannt 
nach dem Flüßchen Dieue (zur Maas), das 984 bereits als 
Deuvia erwähnt wird. Wenn in einer vermutlich späten Ur- 
kunde dafür Somme d'Ieu^e erscheint, so liegt dieser Schrei- 
bung ein verunglückter Etymologisierungsversuch des 
Verfassers zugrunde, der uns nicht berechtigt, in dem 
gewaltsam hergestellten iewe eine Entwicklung aus ur- 
sprünglichem aqtia zu sehen. ^ Schon das obige Summa 
Deuviae ist eine Entstellung des ursprünglichem Summa 
Deuvia, wieSommevoire zutreflFend ala SummaVera überliefert 
war; denn stimmus ist in diesen Verbindungen Adjektiv wie 
im klassischen siimmus mons. Wer nach einer Etymologie von 
Deuvia forscht, den wird man auf gall. deva, deiva, diva 'die 
göttliche' verweisen müssen, das oft als Flußname wieder- 
kehrt.^ Daß deva in dieser Gegend eine solche Um- 
gestaltung erfahren konnte, geht aus dem Namen des 
Dorfes Dieue (Meuse) hervor, am rechten Ufer der Maas 
und vielleicht an einem Bache gelegen, nach dem es be- 
nannt ist; es heißt Deva zehntes Jahrhundert, Deva villa 
964, Deuvia 984 u. ö., Detaia 12. und 13. Jahrhundert, 
Deia 12. Jahrhundert. 

Sommevesle (Marne) heißt Sumnm Vidula 1043, 
Summevella 1159; der Fluß, an dessen Quelle es li^, ist 
die Vesle, ein Nebenfluß der Aisne, der in einer Urkunde 
um 850 als Vitula auftritt, hundert Jahre später Vidula^ 
ein Diminutiv des oben genannten Vidus. 



* Vgl. Meyer- Lnbke in Roman. Forschongen XXIII 593. 
^ Siehe Holder unter deva, diva. 



352 Die ältesten Ortsnamen and ihre Bedeutung. 

Sompuis (Marne) lautet Summus Puteus 1107, 
Summis Puteis 1185^ Sumpuis 1130, Sommepuy 1207. Hier 
ist das zweite Element lat. puteus "^Brunnen, Quelle'; der 
Fluß an dem der Ort liegt, heißt le Puis und ist ein 
rechter Zufluß der Aube. 

Ganz denselben Ursprung hat vielleicht Sommepy 
oder Somme-Py (Marne) an der Quelle der Py (la Py), 
eines rechten Nebenflusses der Suippe, für den mir aber 
ältere Namen fehlen; freilich ist sowohl die Form als der 
Übergang zum Femininum auffallend. 

Nach der eben erwähnten Suippe, Supia um 650, 
Suippia schon 907, später noch Sopia und Suppia, sind 
zwei Orte benannt, ein Suippes (Marne), Villa quae 
Sopia dicitur WIQ, Suipe IIZO, Suppia noch 1222; sodann, 
wiederum an der Quelle des Flusses gelegen^ Somme- 
Suippes (Marne) ohne ältere Formen. 

Somme-Yevre (Marne), an der Quelle der Yevre, 
die Atlas 166 Ävera heißt, ein häufig vorkommender 
Flußname. 

Bei einigen ist mir weder der Orts- noch der Fluß- 
name in alter Form bekannt: 

Somme-Bionne (Marne) an der Bionne. 

Somme-Tourbe (Marne) an der Tourbe (zur Aisne). 

Somsois (Marne) an der Quelle des Sois, der auch 
Lignon heißt. 

Somloire (Maine -et -Loire) an der Quelle der Ou^re, 
also für korrekteres Somme VOuere ; der Name des Flusses 
ist mir in alter Form nicht bekannt, und so ist nicht zu 
entscheiden, ob Ouere erst eine sekundäre Bildung für 
korrekteres Louere ist, indem das anlautende l irrtümlich 
als Artikel aufgefaßt wurde; der Ortsname macht diese 
Annahme jedenfalls sehr wahrscheinlich. 

Sommesous (Marne) liegt an der aus Somme und 
Sonde entstandenen Somme- Sonde, die zur Marne geht, 
eigentlich freilich an der Quelle der Somme; es scheint^ 
als ob früher die beiden Namen vertauscht worden sind. 



UrBprÜngliche FlaßDatneD als Ortsnamen. 858 

Nicht ganz sicher, aber sehr wahrscheinlich ist die 
Zugehörigkeit von Sombcrnon (Cöte-d'Or) zu dieeor 
(Jruppe. Der Name ist urkundlich nicht vor 1020 be- 
legt, Wo er als Sembemon nachgewiesen ist, ein wert- 
volleres Sutnbomun b^egnet erst 1076, Sumbemone 1104. 
Der Ort liegt tatsächlich an der Quelle der Brenne (zum 
Armanyon), deren Name als Bridena in merowingischer Zeit 
bezeugt ist. Die drei Quellflüsse des Gard heißen Gardon, 
es ist also nicht unmöglich, daß die Brenne in ihrem Ober- 
laufe vorübergehend *Brenon geheißen hat, wie es denn 
auch ein Flüßchen Brenon, zum Becken der Maas gehörig, 
gibt. Aus *Sombreiion konnte dann leicht Sombemon ent- 
stehen.' 

In einem Falle ist die Ijage eines Ortes in der Nähe 
einer Flußquelle durch lat. cajnU 'Haupt' ausgedrückt, 
nämlich in Chef-Bou tonne (Deux-S^vres) an derBou- 
tonne, einem rechten Nebenflusse der Charente, der im MA. 
Vultumna, Atlas 209, heißt. (Zur Endung vgl. Garumna u.a.) 

Recht verbreitet sind natürlich auch die Verbindungen 
von lat. pons 'Brücke' mit dem Namen des Flusses, über 
den der Übergang führt. Das älteste Beispiel dieser Art ist 

Pontoise (Seine- et- Oise), das schon von den Gal- 
liern als Brioa Isaräe 'Brücke über die Oise' bezeichnet 
und von den Römern bald in Po»is Isarae, Atlas 64, 
Pontisartty ib. 244, übersetzt wurde. 

Pontarion (Creuse) liegt am Flüßchen Taurion; 
Pont-Scorff (Morbihan), Pons Scarvi, Ponscorf 13. Jahr- 
hundert, am Scorö"; Pont-ä-Marcq (Nord) am Marcq; 
Pont-Aven (Finistöre) am Aven, bret. aven, auon be- 
deutet 'Fluß'; Pontrieux (Cotes-du-Nord) am Trieux. 
Jüngeren Ursprung verrät der Gebrauch der Präposition 
de in Pont-de-Veyle (Ain) an der Veyle, die in Ur- 
kunden des elften Jahrhunderts Vela heißt; der Name 
Pons Tele tritt Ende des zwölften Jahrhunderts auf, vor- 



* Die Frage erörtern in gleichem Sinne Berthond and 
Matmchot, Etüde des Noms de lieox de la Cöte-d'Or, S. Abt., 47 f. 
Oröhler, FraDsiMUche OrUnunen. M 



354 Die ältesten Ortsnamen und ihre Bedeutung. 

her wird Vela auch zur Bezeichnung der Stadt gebraucht. 
Am Ain liegt Pont-d'Ain (Ain), bei Chronisten des 
13. Jahrhunderts Pons Indis oder Pons Indi ^ ; eine ältere 
Form des Flußnamens, der auch die heutige Schreibung 
mehr entspricht, ist Innis, Hinnis, und diese ist enthalten 
in Poncinis, parrochia Poncinensis, Pontsins für *Pons Innis, 
jetzt Poncin (Ain), wenige Kilometer oberhalb des 
vorigen am Ain gelegen. 

» Guigue 299. 



816 



Verzeichnis der ältesten Namenformen. 

Boi Vorlmndensftin iiielirerer Können ist die verinullich üllesle 

nurifcnoninien, in /.weifelliatleit Fällen mehrere, erschlossene 

Formen nüt *. 



Ligurischc. 

Alnbonle 309 
Alamonte 309 
Alba 8 

Alba Augusla 47 
Alba Helvorum 47 
Albenate 48 
Albiga 48 
Albinnuni 48 
Albintemeliuin 8 
Album Ingaunum 8 
Alebece 49, 51 
Aplft 51 
Artalbinno 48 
Avenio 57 
Avcnnicinus 58 
Bergintrum 52 
Bergogiate 52 
Bergusium 52 
Bleso 55 
Bodincus 19 
Borbelomagos 10 
Borbone 10 
Borm 20 
Borma 49 
Bormida (Fl.) 9 
Bormonis (atjuis) 9 
Borvoni 9 
Burbone 10 
Cadaroscus 53 
Ciadrela 53 
*Caravum 55 
Carrofum 54 
CarroToUs 54 
Cenienelum 8 



K^maevov 8 
Cravum 55 
Darantasia 52 
Garumna (Fl.) 49 
Genava 50 
Genua 50 
Lerina 324 
Lero 324 
Ligura 16 
Liguria 16 
Liguriacum 15 
Ligurio 15 
Ligurium 16 
*A»Tuu)v(KdXnoO 21 
Manuasca 54 
M{issalia 58 
Mesua 59 
Olomna 49 

Suariates 51 
eiis 51 
Rhodanus (Fl.) 12 
Rhodumna 49 
*Rodanum 49 
Sabatia (rada) 8 
Sagonna 14 
Sauconna (Fl.) 13 
Saugonna 14 
Sequana (Fl.) 13 
Sotiates 56 
Sulgas 347 
Tarusco 52 
Tauroenta 51 
Tasio 347 
Vesontio 56 
Vesulium 56 
Vultumna 49. 



Iberische. 

Aquitania 24 
.\turus 62 
Aasci 63 
Baeterrae 63 
Begerri 62 
Benami 64 
Bigorra 62 
Burdigaln 64 
Calagurris 62, 64 
Carcasuni 65 
Caucoliberi 61 
Cerretani 62 
Edobola 321 
Elusa 61 
Iliberris 60 
lluro 61 
Lapurdum 61 
Narbo(na) 65 
Pompelon 60 
Subola 322 
Turba 334 
Turgala 64 
Uliarus 61 
Tasates 335 
Vasconia 24. 

PhSnIilsche. 

Monoikos 67 
Roschinus 66 
Ruscino 66. 

driechUche. 
Agatha 69 



856 



Verzeichnis der ältesten Namenformen. 



Antipolis 68 
Citharista 69 
Helena 70 
Leucata 69 
Nicaea 68 
Olbia 69 
Tropaea 70. 

Gallische. 

*Aballia 146 
Aballo 146 
Abolena 307 
Abrincatui 83 
*Acanium 308 
Acaunum 154 
Adesate 307 
Admagetobriga 132 
Adnamatia 165 
*Adtegiae 161 
Aduatuca 90 
Aganticum 307 
Agaunum 154 
Agedincon 82 
*Agedodunon 101 
*Agesate 307 
Aginnon 307 
Aimetum 308 
Alabonte 309 
*Alaciacus 189 
Alamonte 309 
Alancione 165 
Alauna 308 
Alesia 311 
Alingavia 310 
AUngo 310 
*Alisantia 312 
Alisia 311 
Aliso 312 
♦Alisontia 312 
Alona 309 
Alsancia 312 
Alsonum 311 
Alsontia 312 
*Altojalon 124 
Ambariacus 189 
Ambasia 189 
Ambatia 189 
Ambiani 89 
Andecavi 79 
*Andelacus 190 



Andematunnum 79, 

88 
*Andelavus 190 
Anderitum 73, 141 
Andiacus 189 
Andusia 312 
Anectio 165 
Annavasca 53 
Antun nacus 35 
Aramon 312 
Arausio 166 
Aravardum 349 
Arciacus 190 
Arcoilus 128 
Aredunon 96 
Aregenua 84 
Arelate 313 
*Argentavum 153 
Argentadum 112 
Argentia 112 
Argentojalon 121 
Argentomagos 112 
Argentoratuni 110 
*Argojalon 120 
Arisencus 314 
Arisitum 314 
Arlate 314 
Arlincum 313 
Arsilium 190 
Artegia 161 
*Artenacus 190 
Arthona 152 
Artobriga 152 
Artonacus 190 
Arverni 76 
*Atepiacus 191 
Atrebates 89 
Attipiacus 191 
Augustobona 83, 130 
Augustodunon 103 
Augustonemeton 77 
Augustoritum 76, 141 
Aunacus 191 
Aunedonnacus 191 
Auriacus 192 
Auriniacus 192 
*Autessioduros 106 
Autricum 81 
Avaloiolum 123 
Avaricum 35, 77 
Aventicum 166 



*Averionnum 166 
Baennus 315 
Bagacus 151. 192 
*Baginus 167 
Bagnisso 167 
Bainna 167 
Balatedino 167 
Balatonno 167 
Balbiacus 192 
Balciacus 192 
Balcinium 192 
Balcium 192 
*Basconum 315 
*Baudiliacus 199 
Baudobriga 132 
Baugiacus 193 
Bavacus 192 
Beda 150 
Bedata 150 
Bediscum 150 
Beennate 315 
Belca 195 
Belenum 193 
Belga 33 
Belgica 34 
Belicum 195 
Beliniacus 194 
Belinum 194 
Belisama 168 
Bellacus 195 
Bellismum 83 
Bellitium 195 
Belna 193 
Belsa 167 
*Benniacus 195 
Berciacus 195 
Besconum 315 
Beveris 151 
Beveron 152 
Biaenate 315 
Bibracte 152 
Bibrax 152 
Billiomagos 116 
Bituriges 77 
Blandiacus 196 
Blandi mons 196 
Blaniacus 194 
Blanoilum 126 
Blanum 194 
Blariacus 195 
Blatomagos 113 



Verzeichnis der ftlteften Nameo formen. 



857 



ßlavia 816 
tiodiocasses 84 
lioiates 74 
Hoicus 75 
Holodro 108 
Mona 130 
*Boniacu» 196 
iioniliis 19G 
Konügilum 126 
Uononia 131 
Bonoritum 141 
Horgoialon 128 
*Briicariacus IDü 
•Bracciacus 196 
Ikadeia 315 
Braga 155 
*Bra(?ialon 156 
Brat^ina 197 
Bragon 155 
Brana 197 
Brannovices 76 
Brantosma 316 
Bratusimntium 315 
Breciacus 198 
Brica 197 
Briciacus 198 
ßricillonno 168 
Briegus 132 
Brienno 135 
*Briennomagos 135 
Briga 131 
Briganlio 136 
Brigantius 136 
Brigiosum 134 
^Brigomagos 134 
Brinnacus 197 
Briona 134 
Hrionno 135 
Briosarta 142 
Briotreidis 142 
Briovera 142 
*Britlanniacus 198 
Briltiniacus 198 
Brituogilum 126 
Briva 141 
Brivate 142 
Brivoduros 104 
Brixius 198 
*Brocciacus 199 
Brocomagos 111 
Bronolia 121 



Bubia 816 
Bnblio 316 
Bubula 816 
*Buffiacas 198 
Bolliacus 198 
*Bulloniarus 199 
Bullonius 199 
•Burnacus 200 
Cal)ani8iuin 158 
Cadurci 74 
Caesarodiuion 79 
Caino ^70 
Caiocuin 316 
.Gala 170 
Caladunon 101 
Caleti 92 
♦Callonacus 201 
Calmiracus 200 
*Calmiriacus 200 
Calnacus 200 
Cambarense 201 
Cambariacus 201 
Cambo 156 
*Camboriton 141 
Cambrimarum 316 
Camponi 317 
*Caniuliacus 201 
•Camuloscum 53 
•Cantojalon 121 
♦Cantonacus 202 
Cäpanicas 158 
Capanna 157 
♦Caranlacus 203 
Caranliacus 203 
Carantotnagos 116 
Carantone 117 
Carbanlorate 110 
Cariliacus 202 
Carisiacus 202 
Camo 169 
Camutes 81 
*Carobriva 142 
Caronno 317 
Caronte 317 
*Cassanojalon 124 
*Cassanomagos 113 
Catalauni 88 
Cathburgus 114 
Calhiin 113 
*Catuinagos 113 
*Caturacus 203 



Catarigcf 71 
*Catunu 169 
*Catumia 169 
Catuvellauni 87 
Caunacua 200 
*Cavannaca8 203 
CaTariacns 204 
Celta 32 
Cenotnani 80 
Cerate 317 
Cer>'idunon 104 
Cesana 331 
•Ciniacus 204 
*Cinronlium 317 
Cissonium 170 
CUaudiomagos 118 
Codiciacus 204 
*Coliaca8 205 
*Coinariacus 205 
•Comartiacus 205 
Coniberanea 140 
*Comberalia 140 
Coinbronila 318 
Compendium 171 
Condacus 206 
Condate 80, 139 
*Gondalomagos 117 
Condevincon 79 
*Condomagos 117 
Condrusi 92 
•Conniacus 206 
Consoranni 73 
♦Contiacus 205 
Ck)nlrebiacus 205 
Conlrovacus 205 
•Contrubiacus 205 
Corbeia 170 
•Corbojalon 126 
*Corbonacus 206 
Coriosoliles 83 
Corobilium 171 
Cortoriarus 206 
Coslus 151 
Cracatonnum 318 
•Crappona 157 
Crauthon 158 
•Cravonna 158 
•Credojalon 318 
Credulio 318 
Credulium 318 
*Cremiacu8 207 



358 



Verzeichnis der ältesten Namenformen. 



Grevennus 158 
Crideciacus 207 
Crisciacus 207 
*Crixiacus 207 
*Crolliacus 207 
Gumeliacus 208 
*Cunopennius 171 
Gurcedunon 104 
Guretia 347 
*Gurmilias 172 
Danniacus 208 
Darioriton 80 
Decetia 320 
Degontium 318 
Diablintes 80 
Dinia 320 
Diogilum 121 
*Diomagos 113 
Dionans 164 
Diva 164 
Divio 164 
Divoduros 105 
Divona 74. 164 
Doacus 208 
Dociacus 208 
*Dolucium 319 
Dolus 319 
Donincum 319 
Donobriga 133 
Dorna 319 
Dortincum 320 
Doso 312 
Doxiacus 208 
Duacus 208 
Dubron 138 
Dulciacus 117 
*DuIcomagos 117 
Dumba 156 
Dumius 154 
Dunon 95 
Durclavum 109 
*Durna 319 
Durocasses 88 
Durocatalaunon 88 
*Durocorium 109 
Durocorlorum 87 
Duromannum 109 
*Duromellos 109 
Durotincum 320 
Duso 312 
Dutciacus 208 



Ebriciacus 209 
Ebrogilura 127 
*Eburiacus 209 
Eburodunon 101 
Eburomagos 118 
Eburovices 76, 81 
Ecolisna 321 
Eliniacus 209 
Epamanduoduros 106 
Eporedia 40, 152 
Erneia 347 
Etanna 322 , 
Evauno 322 
Eviranda 322 
Excingillus 172 
Exelodunon 96 
*Exideium 150 
Exidolium 124 
Exobnus 172 
Gabali 73 
Gabaregium 209 
Gabriacus 209 
Gabris 209 
Gabrom agos 209 
Gabrosentum 209 
Gallia 33 
Gargarius 323 
Gargogilus 127 
Gaunissa 172 
Gavanoduros 172 
Gavaronno 210 
Gegina 323 
Genieticus 323 
Gergovia 35 
Giemum 113 
Gimiacus 210 
*Gisoriton 141 
Givriacus 210 
Gorcia 158 
*Gravos 158 
latinon 86 
*Icciacus 210 
Iccioduros 107 
Iconium 93 
Illiacus 211 
Ingena 83 
Interambes 155 
Iricio 172 
Isarnacus 211 
Isarnoduros 107 
Isciacus 210 



*Isuniacus 211 
Isunisca 211 
luliobona 85, 130 
luliomagos 79 
Lactora 323 
Laiciacus 212 
Lambiscum 211 
Lambrus 211 
Langiacus 212 
Langobriga 212 
*Langödunon 212 
*Lasciacus 212 
*Lassoniacus 212 
Laucidunon 102 
Lauracus 212 
Lauriacus 213 
Lausea 214 
Lausonna 173 
Legedia 84 
Lemane 148 
Lemannus 148 
Lemausus 148 
Lemojalon 124 
Lemonum 148 
Lemovices 76 
Levitani 324 
Lexovii 85 
Liberdunon 103 
Ligojalon 128 
Limane 148 
Liminica' 148 
Limonia 148 
Limonum 78 
Lingones 88 
Liradus 324 
Liricanlus 324 
Locoteiacus 214 
Lodena 159 
*Logiacus 213 
Loiacus 213 
Lonicus 173 
Lopiacus 213 
Lopodmion 213 
Loposagium 213 
*Lousiaca 214 
Lousonna 173 
[jovincum 325 
Lovolautrum 159 
*Lucenacus 213 
Lucionnum 173 
Lucotokia 85 



VeraeichniB d«r IltMlMi Namenfonn«n. 



850 



LugduDuoi Convcnn- 

rum 74 
liUgdunon 97 
Lulincus 215 
*I.ullacun 215 
Lunate 173 
Lusnreca 324 
Lutecia 85. 159 
Luteva 169 
Lutra 159 
l.uxoTium 325 
Madiacus 215 
Madiensis (mniis) 215 
Magalona 174 
Magetobrigu 132 
*Magnillacus 215 
Magittu 118 
Magodunoii 100 
iMalbodium 326 
Mantaloniagos IIG 
Marojalon 121 
Marosalluin 154 
Maslacus 216 
Masonis rallis 174 
Matisco 325 
Mattinius 174 
Mauritonnuni 327 
Mausacus 216 
Meclodunon 102 
Mediolanum 129 
Mediomatrici 34 
Meduana 347 
Medulli 93 
Medullio 174 
Meldi 86 
Melgorium 326 
♦Melianus 216 
Melihodium 326 
Mellenlum 325 
•Melliacus 216 
Mcnate 327 
Meronno 175 
Miliacus 216 
Milliacus 216 
Miniate 327 
Minnodunon 102 
*Modobriga 1:^3 
•Mogelohripa 133 
Moricambe 156 
Mosomagos 1^6 
♦Muranacus 217 



Murnaciu 217 
Muüicncus 217 
'Musilliacus 217 
Muraliacas 217 
Nadiacus 217 
Najogialuin 122 
Naninelcs 79 
Namucum 327 
Nanciacus 218 
Nanl 137 
Nantojalon 125 
Xantonis rastrum 217 
\antuacu8 218 
Nnntuadis 137. 218 
Nantuates 218 
•Naracus 273 
Ncmausos 160 
Nemetacus 89 
Nemetocenna 89 
Nemetoduros 1Ü5 
Neriomagos 272 
•Nerracus 273 
Nevirnum 347 
Nivernensis 347 
Novaria 91 
Novientum 143 
Noviodunon 80 
Noviolium 123 
Noviomagos 72, 85, 

111 
•Noviorilon 141 
Octoduros 35 
Odoanna 349 
Odouna 328 
Orolaunum 328 
Oxismi 83 
Pantaginus 219 
Parisii 85 
•Paleracus 219 
•Pattecus 218 
Pedeverius 175 
Pentinum 219 
Perganlion 136 
Perruna 175 
Pcrta 328 
Perticus 329 
Pesincum 328 
Petrocorii 76 
Pctuaris 175 
Pictavi 78 
Pictones 78 



Pinciacns 219 
Prispiriac 219 
*RajDil«eni 219 
•Runiliacas 220 
Ratiat« 160 
Ratis 160 

HaturoagM 87, 114 
Kauga 177 
Reciacns 220 
Rcdonen 80 
'Hegontium 176 
Hcitcste 329 
Hemi 87 
HeoiiUo 176 
Hcssonam 176 
(Utiacos 220 
Reuvisium 329 
Revessio 72 
iUciacus 220 
Higojalon 125 
Rigotnagos 111. 114 
*Hi|)ariacus 220 
RodoDiacos 220 
Rogiacus 220 
Rossonto 176 
RoUla 329 
Rotomagos 91, 114 
Roadium 176 
Rubiacus 220 
Ruessio 72 
Rumbelilo 314 
lUimbcliltum 314 
Ruteni 73 
Sabololium 127 
•Saciriacus 221 
Sagii 84 
Saii84 
Salava 330 
Salcmum 330 
♦Saligione 330 
SaliocliU 330 
Sniionnum 330 
Salmurus 330 
Salona 330 
Salobria 142 
Sido<luros 107 
Samarobriva 89, 141 
Sanonno 177 
Santones 75 
Sapandia 178 
*Sappias 177 



360 



Verzeichnis der ältesten Namenformen. 



Sarlatum 332 
*Satoduros 107 
*Sattonacus 221 
*Sattoniacus 221 
Saturatis 178 
Sauliacus 223 
Savara 348 
*Scauriacus 221 
Scupiliacus 222 
Scuriacus 221 
Secalaunia 309 
Seduni 93 
Segobodium 100 
Segobriga 100 
Segodunon 73, 100 
Segustero 332 
*Selvanectes 87 
*Sennianus 178 
*SenojaIon 123 
Senomagos 112 
Senones 82 
Serota 222 
Serotennum 178 
*Serotiniacus 222 
Sesana 331 
Sidoloucus 331 • 
Silbona 131 
Silvanectes 87 
Siriacus 222 
Sirojalon 123 
Sirotis 222 
Sodobria 133 
Soliacus 223 
Solitus 83 
Soliiacus 223 
Spaleia 223 
*Spaliacus 223 
*Spalio 223 
Sparnacus 115 
Sparnomagos 115 
*Spinacus 223 
Spinogilum 127 
Suessiones 87 
Suraena 348 
Sumerium 175 
*Suricinum 179 
Talabara 137 
Talabriga 137 
Talamun 137 
Talavinda 137 
Talva 137 



*Tariniacus 223 
Tarodunon 102 
*Taroduros 108 
*Tartacus 225 
Tarvanna 152 
Telemate 149 
Telo 149 
Telonnum 149 
Teno 179 
Tenoilus 179 
Terniacus 223 
Ternoduros 108 
Thigernum 179 
Tilena 149 
Tilius 149 
*Tincia 179 
Tinurtium 332 
Tolone 149 
Tolosa 333 
Tornacus 224 
Tornanus 224 
Tornoduros 108 
Tornomagos 118 
Tornone 225 
*Tornos 224 
Trecoruni 93 
*Treniacus 224 
Treveri 88 
Trevurtium 333 
Tricasses 83 
Tricastini 72 
Tricorii 94 
*Tritius 180 
Trivurlium 333 
Tungri 90 
Turnacus 224 
Turnum 224 
Turones 79 
Turturonno 334 
Uccione 180 
*Uniacus 225 
Uriacus 225 
Uriaticum 180 
Userca 348 
Utta 335 
*Uxellodunon 96 
Uxellos 96 
Valonia 308 
Vasliacus 225 
Vassaliacus 226 
Vassiacus 225 



Veliocasses 91 
Vellavii 72 
Veneti 80 
Veragri 35 
Verbigenus 335 
Verbinum 335 
*Vercellias 227 
*Vercillus 227 
*Verciniacus 226 
Vercinius 226 
*Vercionacus 226 
Verconniacus 226 
Vermentonnum 160 
Vern 146 
Vernadum 147 
Vernemeton 160 
Vernium 147 
Vernodubron 139 
*Vernojalon 125 
*Vernomagos 115 
Versiniacus 226 
Vertamocori 91 
Vertavus 336 
*Vertilliacus 227 
Vertillum 227 
Vesunna 76 
*Vetilena 337 
Vicovedona 337 
Viducasses 84 
Vidus 349 
Vienna 336 . 
Vigiacus 227 
Vilcena 180 
♦Villonissa 181 
Vimina 349 
•Viminavus 349 
Vimpiacus 228 
Vinciacus 228 
Vindausca 53 
Vindobona 130 
Vindobriga 132 
Vindocinus 337 
Vindojalon 121 
Vindonissa 181 
Vinnacus 227 
*Vintianus 228 
Vintium 228 
*Vipiacus 229 
Viriacus 229 
*Viriaticum 180 
Viriciacus 229 



Verzeichnis der ältesten Namenformen. 



861 



Viricione 229 
Viriliacus 229 
Virodunon 97 
Viromandui 89 
•Virosalüii 331 
Virtudis 182 
•Viserica 348 
Vithlena 337 
•Vittellus 182 
Vivisco 182 
Vocladum 182 
•Vodanojalon 128 
VnduUacus 198 
•Volabriga 134 
»Volobriga 133 
Volovicus 182 
Vorgon 83 
Vorocium 337. 

Latelnlschr. 

*Acciacus 230 
Ajarniacus 252 
Albaniacus 231 
Albanius 230 
Albanus 230 
Albiacus 230 
Albiniacus 231 
Albinianus 231 
Albuca 232 
Albuciacus 231 
Aibucio 231 
Alciacus 235 
Alliacus 231 
*Amantia 232 
Amantiacus 232 
Ampeliacus 232 
Amphiacus 232 
*Anatiacus 232 
Anciacus 233 
*Anectiacus 233 
*Aniciacus 232 
Anisiacus 232 
*Anniacus 233 
Annianus 233 
Annonacus 233 
Antonius 338 
*Arenacus 233 
♦Ana 233 
Ariacus 233 
Armatianicus 339 



Arviaciu 234 
*Asiaciu 234 
♦Asperiacus 234 
"Aspcrianot 234 
Attiniac'us 284 
Auciacos 234 
*Audienaru8 235 
AaguaU 839 
Aureliaens 286 
Aureliani 236 
Avitacus 236 
Aviüa 236 
Avitiacus 236 
Axia 340. 
Balliacus 237 
Barbejanus 282 
•Bardiacus 236 
Bargiacus 236 
*BaiTiacus 236 
Basciacus 236 
*Bassenacus 236 
Bassiniacus 236 
Becciacus 236 
•Bettlanus 236 
Billiacus 237 
Brithiac 238 
Bucciacus 237 
Buciacus 237 
•Bursiacus 238 
buxclum 238 
Buxiacus 237 
buxidum 238 
Cabalio 238 
•Cabelliacus 238 
Cabellio 238 
Cabillonum 238 
Calciacus 238 
♦Caliniacus 239 
Callacus 239 
Calliacus 239 
•Calloniacus 239 
Calviniacus 239 
Cnmaracus 240 
Caniarica 240 
('ambriacensis 240 
Caniiliacus 240 
*Caniiniacus 240 
*Camoniacus 240 
Campaniacus 240 
Campiniacus 241 
*Canacus 241 



Caniacns 241 
*Canias 241 
•CantiliaoM 241 
*(A|>elliacu8 242 
('jipieia 241 
Captinacus 242 
«Carinacnt 242 
Camacns 242 
Caariacna 242, 286 
*Caflsioiaciis 248 
Cauciaens 248 
Caviniacus 243 
(^iacus 243 
('«pia 340 
Cervianus 340 
Cilianus 290 
Gincinniacus 243 
Cipia 340 
Clariacus 243 
Clippiacus 244 
Cocciacus 244 
*Coiacus 244 
(k)loniacus 244 
Constanlia 340 
Constantinus 340 
Convenae 346 
Convenicus 345 
Coreliacus 245 
Comutius 341 
•Cosia 341 
*Ck)tacus 244 
Cottiniacus 244 
Crispiacus 245 
Cuciacus 245 
*Cupitiacus 245 
Curciacus 246 
*Curtianus 246 
Curtinacus 246 
*Cusiacus 245 
*Cusianus 245 
Cussiacus 245. 
*I>amatianu8 341 
Domiciacuä 246 
*Domitianacus 246 
*I)onatiacus 246 
* Donalianus 247 
♦Duceacus 247 
Eliniarus 247 
*Falconiacus 247 
•Fanius 247 
Faoiacus 247 



362 



Verzeichnis der ältesten Namenformen. 



Fesciacus 251 
*Fidentiacus 247 
Fidiacus 247 
*Firminiacus 248 
*Flacciacus 248 
*Flaccianus 248 
*Fiaiacus 248 
Flauniacus 248 
*Flaunius 248 
Flaviacus 248 
Flaviniacus 248 
Floracus 249 
Florentia 249 
Florentiacus 249 
Floriacus 249 
Fontaniacus 249 
Forminiacus 251 
Freniacus 250 
Frontiacus 250 
*Frontinacus 250 
Frontinianus 251 
*Fronto 250 
Fulciniacus 251 
Fusclacus 251 
Fuscius 251 
Fuxum 251 
Gaenacus 254 
Gallia (villa) 251 
Galliacus 251 
Gallianus 252 
Galli (mens) 251 
Gallio 251 
Galoniacus 252 
Ganiacus 254 
*Gariniacus 252 
Garniacus 252 
Gaudi acus 252 
Gaugiacus 252 
Gauniacus 253 
Gaviliacus 253 
*Gaviniacus 253 
*Gavisiacuä 256 
Gemeliacus 253 
*Geminiacus 253 
Gemuciacus 253 
Generia cus 254 
Gentiacus 254 
Gentiliacus 254 
Germaniacus 254 
Germiniacus 254 
Gimiacus 258 



Giniacus 254 
Graniacus 255 
*Granianus 255 
*Granio 255 
Giatiacus 255 
Gratianopolis 341 
Gratianopolitanus 341 
Gratiasca 53 
Gressiacus 255 
laenacus 254 
*Iuenliacus 256 
luliacus 256 
lussiacus 256 
*Iustiacus 256 
luviniacus 256 
*Laeviacus 256 
Lanius 342 
*Lassiacus 258 
Latiniacus 257 
Latinianus 257 
Laudiacus 257 
Lausiacus 259 
Lesiacus 257 
Liberiacus 258 
Liciniacus 258 
Licinianus 258 
*Linacus 259 
Liniacus 258 
Lodiacus 257 
*Loriacus 261 
Lucaniacus 259 
Lucennacus 214 
Lucernanicas 260 
Lucianus 260 
Lucius 259 
Luperciacus 260 
Luriacus 261 
Lustriacus 261 
Maciacus 262 
Magnacus 262 
Magniacus 262 
Malliacus 262 
*Malliana 262 
Manciacus 263 
Manniacus 263 
*Maracus 265 
Marcenacus 264 
Marciacus 263 
Marcianus 263 
Marciliacus 264 
Marciniacus 264 



Marcio 264 
Mariacus 265 
*Marianicas 342 
*Marinas 265 
Mariniacus 265 
Marinianas 265 
Marinus 265 
Marliacus 265 
Martiniacus 266 
*Marullanus 266 
*Marulliacus 266 
*Masiacus 266 
Matriacus 267 
Matriniacus 266 
Matrius 267 
Maurentiacus 268 
Mauriacus 267 
Mauritania 342 
*Mauritanus 342 
Maurus 268 
Maximacus 269 
Maximiacus 269 
Meciacus 269 
Mercorius 270 
*Mercuriacus 270 
*Metriacus 270 
Mettius 269 
Minervensis 342 
Moncioscus 270 
Montanacus 271 
Montaniacus 271 
Montanianus 271 
Montiacus 270 
Monüniacus 271 
Montio 270 
*Mucciacus 272 
Mucio 272 
*Munciacus 270 
*Municiacus 270 
Musciacus 271 
Muscianus 271 
Nasium 342 
Neriacus 273 
Nobiliacus 273 
*Novella 274 
iN'ovelliacus 273 
Noviliacus 273 
Numeniacus 274 
Nuviliacus 273 
Olanicae 343 
Olitiacus 274 



Verzeichnis der lütetten Nuuonrorintfn. 



363 



Orhuiiiacus 297 
•OniacuH 274 
Puccincus 274 
t'nrliniacus 275 
Palemacus 276 
Pnteruae 275 
Faterniacus 275 
•Palriacus 274 
*F*alnclacu8 275 
I^itriniacus 275 
Pauliacus 276 
•Pavillincus 274 
•l'eciacus 27Ü 
Peoianus 27Ü 
•Perpen nianus 343 
Petreiacus 276 
Petriniacus 275 
i'etroliacus 27'J 
•Pelroniacus 27ü 
Petrucia 343 
•Petrucius 343 
Pisiniacus 276 
PlacenÜa 343 
Polemniacus 277 
•Polleniacus 277 
Pomponius 343 
Pomponianus 343 
Ponciacus 277 
Pontaliacus 278 
Pontias 277 
Poiiticiacus 278 
Pontiliacus 278 
Pontiniacus 278 
F'onüvus 278 
Polcntiacus 278, 280 
Piiniiacus 279 
Primiriacus 279 
Prisciacus 278 
Proviliacus 279 
Prulianus 279 
Prulliacus 279 
•Pudenliacus 279 
Pullio 343 
Ouinciacus 280 
Quintiacus 280 
Quinlinus 344 
*Regiliacus 281 
Reglana 281 
Retnusacus 282 
Reniacus 280 
Renniacos 280 



*Reliliacas 281 
Ridiliacufl 281 
Roiacus 281 
Roianus 281 
*Ronianacu5 282 
Romaniacun 283 
Romanisca 283 
Romanius 283 
Romanus 283 
Romeliacu« 2&1 
I\ominiacus 283 
Itubeniacus 284 
Iluffiacuä 284 
Ruflacus 284 
Ruliacus 284 
Rullanus 284 
Rulliacus 284 
Rumeliacus 28.'3 
Rumiliacus 283 
Ruminiacus 283 
Runniacus 284 
Rutiniacus 281 
•Sabiacus 284 
•Sabina 284 
•Sabinacus 285 
Sabiniacus 285 
Saciacus 285 
Sacciacus 286 
•Saliacus 286 
Saliniacus 286 
Salius 286 
Salliacus 286 
•Sallianus 286 
Salviacus 286 
Salviniacus 287 
Salvio 287 
Sanaciacus 289 
Sanciacus 287 
Sancianus 287 
Snnitium 289 
•Sarriacus 287 
•Sarrianus 287 
Sassiacus 285 
•Satiacus 286 
Satilliacus 287 
•Saviacus 284 
Saviniacus 285 
Secundiacus 288 
•Secundiniacus 288 
•Securiacus 288 
Securus 288 



"Seligiarus 21K) 
*SclIariacui 288 
Selleniacas 289 
Sellentiacus 288 
Scneciarus 289 
Serciiiacus 289 
Sertulliacus 287 
'Se'veracus 289 
Sigaroscus 288 
Siliacos 290 
Silleniacus 289 
Silvlacus 290 
"Silviniacns 290 
Silvinianicus 290 
Siniacus 291 
•Sinnias 291 
•Solanias 291 
Solomniacus 291 
Solemnis 291 
Solemnium 291 
•Soniacus 291 
Spaniacus 292 
Spanis 292 
•Spaiiius 292 
Spemacus 293 
Sterpiniacus 293 
Sulciacus 293 
•Surinacus 293 
•Surinianus 289 
•Tabumiacus 293 
•Tagulliacus 295 
Taniacus 293 
Tauliacus 295 
Tauria 294 
*Tauriciacus 294 
Tauriniacus 294 
Teneciacus 295 
•Tessiacus 295 
•Thurius 294 
Tibcrius 344 
Ticiacus 295 
Tiliacus 296 
TilUactts 296 
Tinteniacus 296 
Tisiacus 296 
Tiliacus 296 
TociacQs 297 
Toria 294 
Toriacus 294 
Toriniacus 294 
Tosciacus 297 



364 



Verzeichnis der franzöeischen Namen. 



*Tudertiacus 297 
*TuUlanus 345 
Tullum 344 
Ulpiacus 297 
Ulpiniacus 297 
Urbaniacus 297 
Ursiacus 274, 297 
Yalentia 298 
Valentiacus 298 
Valentianae 298 
*Valentiniacus 298 
*Valeriacus 298 
Valerias 298 
*Valiacus 298 
*Valliacus 298 
Varciacus 299 
*Varellius 345 
V^ariacus 299 
*Varillius 345 
*Vatiniacus 299 
Veraciacus 299 
Veranica vallis 345 



Veriacus 302 
*Veriniacus 299 
*Versenacus 300 
*Versiniacus 300 
Vesia 299 
*Vesiacus 299 
*Vibracus 300 
*Vibriacus 300 
Victoriacus 300 
Viliacus 301 
Villiacus 301 
*VJnesiacus 302 
*Viniacus 302 
Vinniacus 302 
Virciacus 302 
Viria 302 
Viriacus 302 
Virinius 299 
Virisiacus 302 
*Viseliensis 300 
*Visellius 300 
Visiliacus 300 



Vitiliacus 301 
Vitriacus 301 
Volniacus 302 
*Volumna 302 
*VoIumnacus 303. 

Germanische. 

*Aldiniacus 303 
öatnacus 304 
Hrotmariacus 303 
Hunneriacus 303 
"Hunriciacus 304 
Landoldiacus 304 
Landriciacae 304 
Teudericiacus 304 
Tidiriciacus 304 
Theudeberciacus 304 
Vaddonacus 304 
Valunacus 304 
Wariniacus 304 
Warnacus 304. 



Verzeichnis der französischen Namen. 



Agde 69 
Agen 307 
Agenais 308 
Agon 154 
Ahun 101 

Aidaigne (Val d') 24 
Aignan 233 
Aignay 233 
Aigurande 323 
Aillac 231 
Aillas 231 
Aille 231 
Ailly 231 
Aimargues 339 
Aire (Landes) 62 
Aire (Pas-de-Calais) 

233 
Aixe 340 
Aizac 234 
Ajain 308 
Alais 314 
Alaise 311 
Albagnac 231 
Alban 230 



Albens 47 
Albi 48 
Albiac 230 
Albigeois 48 
Albigny 231 
Albussac 231 
Alby 230 
Alengon 165 
Alieze 311 
Alise 311 
AUassac 189 
Alleaume 308 
Allemont 309 
Allevard 349 
Alligny 209 
Allonnes 309 
Alzon 311 
Alzonne 311 
Amance 232 
Amancey 232 
Amancy 232 
Amanzö 232 
Ambazac 189 
Amberieux 189 



Ambeyrac 189 
Amboise 189 
Amienois 89 
Amiens 89 
Ancy 233 
Andelot 189 
Andelys (les) 190 
Andillac 190 
Andille 190 
Andilly 190 
Anduze 312 
Angeac 189 
Angers 79 
Angevin 79 
Angouleme 321 
Angoumois 321 
Anizy 232 
Anjou 79 
Anlhiac 232 
Annecy 233 
Annemasse 165 
Annonay 233 
Antibes 69 
Antiboul 69 



Verzeichnis der fraolötiMchen Namen. 



866 



Antoing 338 
Antoingt 338 
Anzin 338 
Aoste 339 
Aouste 339 
Aps47 
Aptöl 
Aquitaine 24 
Arainon 312 
Arbonne 66 
Arcis 190 
Arcueil 128 
Arcy 190 
Ardin 96 
Argence 112, 154 
Argent 112 
Argental 153 
Argentan 112 
Argentat 112 
Argenteuil 121 
Argenton 112 
Argentr^ 110 
Ar^'ueii 120 
Arlane 313 
Arles 313 
Arlet 314 
Arlon 328 
Amac (Rhone) 233 
Arnac-Ponipadour 

191 
Arnay 233 
Arras 89 
Arsac 190 
Artenay 190 
Artbez 161 
Arlbies 161 
Artige 161 
Artois 89 
Artonne 162 
Arzacq 190 
Arzay 190 
Arzenc 314 
Ass« 230 
Ath6e 161 
Athies 161 
Athis 161 
Atticby 191 
Attigny 234 
Aubagnac 231 
Aubagnat 231 
Aubagne 230 



Aabena« 48 
Aobiac 280 
Aubiat 230 
Aubignan 281 
Aubign« 231 
Aubigny 281 
Aubin 47 
Aubasson 231 
Auch 63 
Audierne 179 
Audignies 303 
Aulnay 191 
Aunay 191 
Auneuil 126 
Aups 47 
Aurec 192 
Aureilhan 235 
Auriac 192 
Aurix:nac 192 
AuriUac 235 
Aussen 312 
Aussonce 312 
Aussonne 312 
Auteuil 124 
Authon 103 
Autun 103 
Auvergne 77 
Auvers 77 
Auxerre 106 
Auxey 235 
Auxi 234 
Auxois 311 
Auxon 312 
Auxonne 312 
Auxonnois 311 
Auxy 234 
Auzan 61 
Auzances 312 
Auzon 311 
Availle(s) 146 
Avalion 146 
Avenches 166 
Avessac 236 
Avignon 57 
Arignonnet 57 
Avize 236 
Avranches 83 
Axat 307 
Aydat 235 
Ayen 308 
Azat 234 



Azay 234 
Azy 234 
UM 193 
BaUly 236 
BaiuR (Ill-Vil) 167 
Btis 150 
BaiMey 286 
Balbigny 198 
Balesme 168 
Balesroe» 167 
Ballon 167 
Balzac 192 
Bargis 236 
Baijac 236 
Baasigny 236 
Baugö 193 
Baugy 193 
Bauz (les) 192 
Bavay 151. 192 
Baye 151 
Bayeuz 84 
Bayne 167 
Bazadais 335 
Bazas 335 
Btom 64 
Beauce 168 
Beauchnmps 192 
Beauche 195 
Beaugency 254 
Beaune 193 
Beaune-la-RoIande 

193 
Beaunois 194 
BeauTais 86 
Beauvoisis 86 
B6con 315 
B^onnais 315 
Bedeilhac 301 
Beine 167 
Belgiquc 34 
Belin 194 
Bellac 195 
Bellöme 168 
Belley 195 
BelTte 86 
B«nat 315 

BinyBocage (le) 195 
Bercy 195 
Bergerac 196 
Bemay 197 
Bemy 197 



366 



Verzeichnis der französischen Namen. 



Beny 78 
Bersae 195 
BesanQon 56 
Bessan 236 
Bessans 236 
Bessay 236 
Bessenay 236 
Bessey 236 
Bessin 84 
Beule 316 
Beuvray 151 
ßeuvron 151 
Beynat 315 
Beynost 315 
B6ziers 63 
Biövre{s) 151 
Bignon 57 
Bigorre 62 
Bille 237 
Billiat 237 
Billom 116 
Billy 237 
Binson 167 
Bitry 301 
Blain 194 
Blaisois 55 
Blangy 196 
Blanzac 196 
Blanzat 196 
Blanzay 196 
Blanzy 196 
Blaye 315 
Blazimont 195 
Bleneau 126 
Blere 195 
Blery 195 
Blesmes 168 
Blesois 55 
Bligny 194 
Blismes 168 
Blois 55 
Blond 113 
Boissac 237 
Boissieu 237 
Boissieux 237 
Bollene 307 
Bologne 199 
Bonnac 196 
Bonnard 141 
Bonnat 196 
Bonneil 126 



Bonneuil 126 
Bonnieux 196 
Bordeaux 64 
Bordelais 65 
Bormes 49 
Bossieux 237 
Bouchain 192 
Bouhy 193 
Bouillac 199 
Bouillon 316 
Bouilly 199 
Bouligneux 199 
Boulogne 131 
Bouloire 108 
Bourbon 9 
Bourbon-Archam- 

bault 10, 49 
Bourbon-Lancy 49 
Bourbonnais 49 
Bourbonne 12 
Bourboule (la) 12 
Bourdeaux 65 
Bourges 78 
Bourgoin 52 
Bourg-Saint-Andeol 

52 
Bourg-Saint-Maurice 

52 
Bourgueil 128 
Bournac 200 
Bournay 200 
Boursay 238 
Boussae 237 
Boussais 237 
Boussey 237 
Bragayrac 196 
Braisne 197 
Bram 118 
Brantome 316 
Brassac 196 
Bray 155 
Braye 155 
Brece 198 
Brecey 198 
Breches 197 
Brecy 198 
Breganqon 136 
Bresse 198 
Breteil 126 
Breteuil 126 
Bretigny 198 



Brianqon 136 
Brian9onnet 136 
Briant 135 
Briare 104 
Brie 131 
Brie-Gomte-Roberl 

315 
Briee 238 
Brienne 134 f. 
Brienoii 135 
BrieuUes 105 
Brignoles 121 
BrJnon 135 
Brion 134 f. 
Brionnais 135 
Brioude 142 
Brioux 134 
Briouze 134 
Brissartlie 142 
Brive 142 
Brives 142 
Brossac 199 
Brou 156 
Brülon 168 
Buch 75 
Bue 326 
Bugeat 199 
Bugey 199 
Bugue (le) 232 
Bussy 2371'. 
Buxy 237 , 
Cabane(s) 157 
Cabanne(s) 157 
Cabourg 114 
Caderot 53 
Caderousse 53 
Cadillac 203 
Cadours 169 
Caen 113 
Cagnes 241 
Gabors 74 
Cailly 239 
Callac 239 
Callas 239 
Camarat 240 
Camares 201 
Camaret 240 
Camargue 240 
Cambon 156 
Cambrai 240 
Cambreraer 316 



Vcneichnis der fransösiachen Namen. 



W 



CambrMs 240 
Campagnar 241 
Campaii 317 
(^mp^neae 241 
Condes 139 
Candö 140 
Caninc 241 
Cnny 241 
Clapdeiiac 241 
Garcti&iuinie 65 
Garen lun 117 
Carnac 241 
Carpenlras HO 
Caüaeneuil 124 
Gasseuil 124 
Caudel)ec 92 
Caux 92 
Cavagnac 203 
CavailloM 238 
Cayeux 316 
Casdllac 241 
Ceneuil 123 
Cenon 177 
Cerdagne 63 
Göret 63 
Cervon 104 
Cessac 285 
Cessai 286 
Gessieu 286 
Gessy 285 
Ceyras 178 
Geyreste 70 
Ceyztrial 221 
C.eyz6rieu 221 
Chabanais 158 
Chablis 241 
Chabris 142 
Chagny 241 
Chaillac 239 
GhaiUö 239 
Ghailles 239 
Ghailley 239 
Chailly 239 
Chailly-en-Biüre 203 
Chaingy 201 
Chaligny 239 
Chalon (Jura) 169 
Chalon-surSaöne 238 
Gbalonge 88 
Chälonnaiä 88 
ChaIons(Mayenue)101 



Ch&lons 88 
Ghanib«ry 201 
Ghamblet 240 
Ghambley 201. 240 
Ghambly 201. 240 
Ghambon 156 
(niamburd 141 
(UiambouiK 141 
Ghainigny 240 
Ghampagnac 241 
Champagne 240 
Ghampagney 241 
Gbaiii|>a^Miier 241 
Ghampi^Miy 241 
Ghamplusl 53 
Gbanac 241 
Ghanas 241 
Ghanay 241 
Ghaiieac 241 
GhaDgö 201 
Ghannay 241 
Ghantelle 121 
Ghanteuges 121 
GhantiUy 241 
Ghantonnay 202 
Ghaource 169 
Gharentay 203 
Gharenton 116 f. 
Gharlieu 202 
Gharly 202 
Gharnay 241 
Gharny 241 
Gbarolais 53 
GharoUes 53 
Gharols 54 
Gharonne 169 
Gharosl 54 
Gharron 317 
Gharroux 54 
Gharlrcs 82 
Ghassencuii 124 
Ghassenon 113 
Ghassigny 243 
Chassy 241 
Ghäteaubriant 136 
Ghäteau-Gbnlon 169 
Ghäteau-Gbinon 170 
GhAteaudun 95 
Ghüteau-Landon 217 
Gh&teaunieillant 129 
Ghäteauponsac 278 



ChÄtel-Deneovre 188 
Ghateldon 96 
Chatonnay 241 
Ghaunay 200 
Gbauny 200 
Ghaa«y 288 
Ghaurign« 288 
Chanvigny 289 
Ghavagnac 208 
GhaTagn« 203 
Ghavagnee 157 
Ghavanay 208 
Gbavangea 168 
Gharannes 167 
Ghaveyriat 204 
Ghef-Boutonne 868 
Gh6hery 203 
Ghelles 170 
Chemillat 240 
Ghemillc 240 
GhemiUieu 240 
Ghenay 241 
Gherisey 202 
Ghersy 202 
Gb«ry 203 
Chessy 241 
Ghevagnes 157 
Ghevaigni 203 
Ghevannes 157 
Ghevigny 243 
Ghevillon 238 
Ghevilly 238 
Gheyssieu 241 
Ghignac 241 
Ghilhac 239 
Ghillac 239 
Ghillon 239 
Ghilly 239 
Ghimay 204 
Gbinon 170 
Gboisy 243 
Gbomelix 200 
Gbotnerac 200 
Gbomörac 200 
Ghorges 82 
Gimiez 8 
Girey 222 
Givray 290 
Givrieux 290 
Qary 243 
a^ 243 



Verzeichnis der französischen Namen. 



Clichy 244 
Clion 118 
Gognac 206 
Cognat 206 
Gogny 206 
Coincy 205 
Goise 341 
Coligny 244 
Gollioure 61 
Gombrailles 140 
Gombronde 318 
Gomere 205 
Gominges 346 
Gommenge 346 
Gommercy 205 
Gomminges 346 
Gompains 171 
Gompi^gne 171 
Compogne 171 
Condac 206 
Condat 140 
Gonde 139 
Gondes 139 
Gondom 117 
Condomois 117 
Gondrieu 205 
Gondroz 93 
Gonserans 74 
Contrexeville 205 
Conty 140 
Goole 151 
Gorbeil (Seine-Oise) 

126 
Gorbeil (Marne) 171 
Gorbeny 206 
Gorbie 170 
Gorbigny 206 
Gorlay 245 
Gormeilles 172 
Gornus 341 
Gorreze 347 
Gorseul 83 
Gosne 139 
Gosse 244 
Gotentin (le) 340 
Gotignac 244 
Goucy 204 
Gouhe 244 
Gouisa 245 
Goulon 151 
Gourijay 246 



Gourchon 246 
GourQon 246 
Gourcy 246 
Goursac 246 
Goursan 246 
Gourson 104 
Courtenay 246 
Gourtrai 206 
Gouserans 74 
Goussac 244 
Coussay 244 
Goussey 245 
Goutances 340 
Coutras 207 
Gransac 203 
Granton 116 
Graon 318 
Graonne 158 
Craponne 157 
Grau 54 
Gravant 158 
Grecey 207 
Gr6cy 207 
Greil 318 
Gremien 207 
Grepey 245 
Grepy 245 
Grespy 245 
Gressy 207 
GreuUy 208 
Grillon 318 
Grisse 207 
Grozon 158 
Gubzac 245 
Guisia 245 
Guisy 245 
Gunlhat 208 
Gussae 245 
Gusset 245 
Cussey 245 
Gussy 245 
Cusy 245 
Gysoing 170 
Dagneux 208 
Daigne (Val de) 24 
Daigny 208 
Damazan 341 
Dance 246 
Decize 320 
Delivrande 322 
Deneuvre 133 



Deols 319 
Der 146 
Deuil 121 
Die 163 
Dieue 351 
Dieuze 312 
Digne 320 
Digoin 318 
Digons 318 
Dijon 164 - 
Dinant 164 
Diois 163 
Dives 164 
Divonne 164 
Doisieux 208 
Doizieux 208 
Dol 319 
Döle 319 
Dolus 319 
Dombes 156 
Dome (Puy de) 154 
Domme 154 
Donnezac 246 
Donnezan 247 
Donqueur 109 
Donzac 246 
Donzenac 246 
Donzy 246 
Dormans 109 
Dorrnelles 109 
Dormois 117 
Dornes 319 
Dortan 320 
Douai 208 
Double 321 
Doucey 208 
Doulcon 117 
Doullens 319 
Dourdan 320 
Doussay 208 
Dousse 208 
Douvres 138 
Douzy 208 
Dreugesin 85 
Dreux 85 
Drouais 85 
Ducey 247 
Duclair 109 
Dun 95 
Dunois 95 
Eause 61 



Veneicbnifl der franiAtiadien Namen. 



seo 



Ebreuil 127 
Kcuellle 222 
Kcuillo 222 
Eouras 222 
Kcuri« 221 
Ecurey 222 
Kcury 2211. 
KIne 7ü 
Kmbrun 101 
Knnery 303 
Kiineznt 232 
Kntmmnies inf) 
Kntrnins 165 
Eoubes 69 
Epagny 292 
Epernay 115. 293 
Epernon 115 
Epinac 223 
Epinay (NitWie) 223 
Epinay (Seine) 127 
Epineuil 128 
Ernte 347 
Krvy 234 
Escublnc 222 
Espagnac 292 
Espalion 223 
Kspaly 223 
E»pas 292 
Kspira 234 
Espirat 234 
Essai 230 
Essey 230 
Essonnes 172 
Essoyes 150 
Eterpigny 293 
Etrepagny 293 
Etrepigny 293 
Evaux 322 
Evrecy 209 
Evreux 81 
Evron 166 
Evry 209 
Excideuil 124 
Exideuil 124 
Exoudun 96 
Ex nies 83 
Eygurande 323 
Eyniet 308 
Fains 247 
Faucigny 251 
Faucogney 247 



Fizennc 847 
F^zensaguet 247 
Figeac 247 
Firminy 247 
Flacey 248 
Flagey 248 
Flaaeans 248 
Flaugnac 248 
Flaviac 248 
Fiavignac 248 
Flavigny 248 
Fiavy 248 
Flayat 248 
Fleurance 249 
Fleur* 249 
Fleurey 249 
Fleurier 249 
Fleurieu 249 
Fleury 249 
Flogny 248 
Fiüing 248 
Floirac 249 
Hörne 249 
Florance 249 
Florensac 249 
Foicy 251 
Foissac 251 
Foissy 251 
Foix 251 
Fontenay-le-Conile 

(Vendöe) 249 
Formigny 250 
Frangy 260 
Frosnay-sur-Sartho 

250 
Frignicourt 250 
Fronsac 250 
Frontenac 250 
Frontenay 250 
Fronti^fnan 251 
Fronton 250 
Oabriac 209 
Gacilly (la) 226 
(lagnac 253 
Gagny 253 
Gaillac 251 
Gaillan 252 
Gaillon 251 
Ganges 307 
Gannat :V)4 
Gannav 304 



Garnier 328 
üascogiie 24 
Uaujac 253 
Gatüacq 263 
Gaule 83 
Gavray 209 
Gemigoy 863 
G^moxac 263 
Genas 264 
G«nat 864 
Genay 864 
Gen^is 264 
Gen^y 264 
Gendrey 264 
G«nes 60 
Genive 60 
Gennes 823 
Genlüly 264 
Germigny 264 
Gesvres 209 
Gevaudan 73 
Gerigney 253 
Gevrey 210 
Gien 113 
Giövres 209 
Gignac 253 
Gigny 254 
Gimont 349 
Gisors 141 
Givry 210 
Gonesse 172 
Gorce 168 
Gorze 158 
Gouy 252 
Gra<;ay 255 
Graisivaudan 341 
Graiss&sac 255 
Graux 158 
(ir^asque 53 
Grenoble 341 
Grinst vaudau 'Ml 
Grisy 266 
Grdzienx 866 
Grignan 256 
Grignon 256 
Grigny 265 
Guörigny 304 
Guerny 304 
Guibray 300 
Guinrhay 228 
Gutrandc 323 



O r ö b 1 e r , FnniöaiKhe Oruu«iiiMi. 



370 



Verzeichnis der französischen Namen. 



Guyana 24 
Guyenne 24 
H^ry 233 
Heyriat 233 
Heyrieux 233 
Hirson 172 
Huiriat 225 
Huriel 225 
Iguerande 322 
lUiat 211 
inies 211 
Uly 211 
Imphy 232 
Ingrande 323 
Ingrandes 323 
Is 210 

Isernore 107 
Isigny 211 
Ispagnac 292 
Issac 210 
Issey 210 
Issoire 107 
Issolu 96 
Issoudun 96 
Issy 210 
Ivry 209 
Izemore 107 
Izeure 107 
Izeures 107 
Jaille 251 
Jailleux 251 
Jailly 251 
JaUgny 252 
Jalogny 252 
Jansae 254 
Jargeau 127 
Jarnac 252 
Jarny 252 
Jaujac 253 
Jaumont 251 
Javols 73 
Javron 210 
Jeugny 256 
Joigny 253 
Jonzac 256 
Jouarre 105 
Jouars 105 
Jone 252 
Jouet 252 
Jouy 252 
Jublains 80 



Juillac 255 
Juilly 255 
JuUie 255 
Jully 255 
Jumet 210 
Jumiöges 323 
Jumigny 253 
Jumilhac 253 
Jussey 256 
Juvignac 256 
Juvigny 256 
Juvillac 253 
Juvisy 256 
Labourd 61 
Ladignat 257 
liagnieu 257 
Lagny 257 
Laigne 257 
Laignes 342 
Laissac 212 
Lambesc 211 
Lambres 211 
Lambrey 211 
Landon 217 
Landouzy 304 
Landrecies 304 
Langeac 212 
Langeais 310 
Langogne 88 
Langen 310 
Langres 88 
Laon 99 
Laonnois 99 
Larchant 325 
Lassay 212 
Lassigny 212 
Laudun 99 
Laurac 212 
Lauraguais 212 
Lauriac 213 
Lausanne 173 
Lauzun 99 
Lavedan 324 
Lecloure 323 
Ledignan 257 
Lege 256 
Leigne 257 
Leman 148 
Lere 324 
Lerins 324 
Lessey 258 



Lessy 258 
Leucate 69 
L6vy 256 
Lezay 257 
Lezignan 258 
Lezignat 258 
Lezigne 258 
Lezigneux 258 
Lieuvin 85 
Lignac 259 
Lignat 259 
Ligne 259 
Ligny 258 
Ligoure 16 
Ligueil 15, 128 
Ligueux 15 
Liguge 214 
Liilebonne 130 
Limagne 148 
Limay 149 
Limeil 124 
Limejouls 124 
Limergues 148 
Limeuil 124 
Limeux 148 
Limoges 76 
Limogne 148 
Limours 148 
Limousin 76 
Limoux 148 
Linac 259 . 
Linay 259 
Lion (Golfe du) 21 
Lion-sur-Mer 99 
Lisieux 85 
Liverdun 103 
Liviöre 16 
Livre 258 
Lizy 257 
Lod^ve 159 
Loeuilly 215 
Lolgny 16 
Loirac 213 
Loire 16 
Loire 213 
Loirieu 261 
Longchapl 213 
Lorgues 173 
Lorlange 260 
Lorris 213 
Louchat 213 



Venseichnia der frani^iHchen Namen. 



871 



lioudtee 267 
Ijondon 99 
lx)udun 1Ü2 
lx>uö 213 
Louhans 325 
Loulay 215 
Ijouvercy 2()() 
Lubersac 2()0 
I.ucö 260 
Lucenay 214 
IiU(:on 173 
Lucy 260 
liUgagnac 25'J 
Lxxnaa 173 
liUrcy 261 
liure 159 
I.uray 261 
Lury 261 
Lusignnn 258 
Lusigny 215, 260 
Lussac 260 
Lussan 260 
Lussos 260 
Lusson 173 
Lutry 261 
Lux 259 
Luxeuil 325 
Luxiol 213 
liUynes 159 
FiUyrieux 261 
Luzarches 324 
Luzy 214 
Lyon 97. 
Mäcon 325 
Madr6 267 
Magnac 262 
Magnat 262 
Magno 262 
Magnoac 262 
Magny 262 
Maguelonne 174 
Maignelay 215 
Mailhac 262 
Maillane 262 
Maillat 262 
Maillu 262 
Maillct 262 
Maillezais 262 
Mailly 262 
Maincy 263 
Maine 81 



Mairy 267 
M&lain 129 
Malhac 262 
Mandeure 106 
Manosquc 54 
Mans (ie) 81 
Manthelan 116 
Manzat 263 
Manziat 263 
Maral 266 
Marqay 263 
Marc« 263 
Mnrccnnt 264 
Marchienuc 2(i3 
Marchicnne.s 263 
Mjircigny 264 
Msircillac 264 
Marcillat 264 
Marcilly 264 
Mareil 121 
Mareuil 121 f. 
Marignac 265 
Marignö 265 
Marignier 265 
Marigny 265 
Marin 265 
Marines 265 
Marly 265 
Mamay 266 
Mara'ull 122 
Maroilies 122 
MaroUand 266 
MaroUes 122 
Marsac 263 
Marsal 154 
Marsan 263 
Marsanne 263 
Marsas 263 
Marsat 263 
Marseille 58 f. 
Marseilletlc 59 
Marsilly 264 
Marson 264 
Martignat 266 
Marlign«^ 266 
Martigny 266 
Marvejols 122 
Massat 262 
Massevaux 174 
Massiac 262 
Massiv 262 



MaMj 262 

Maabeoge 826 
Mangnio 886 
Mann 268 
Manriae 267 
Manzac 216 
Mauz« 216 
Maxey 263 
Mayenne 347 
Mayet 118 
Meanx 86 
MManlOO 
M«doe 93 
Mehnn 100 
Meilhac 216 
Meilhan 130. 216 
Meillac 216 
Mcilly 216 
Meldois 86 
Melnn 102 
Menat 327 
Mende 327 
MerccEur 270 
Mercurey 270 
Mercury 270 
Merdrignac 267 
M^r« 267 
M«r«TiUe 264 
M«rey 266 
M^ron 175 
Merry 267 
Meru 267 
M6ry 264 
Meslay 216 
Messac 269 
MeMey269 
Messimy 269 
Mettray 270 
Metz 269 
Meudon 100 
Meulan 325 
Meulin 130 
Meung 100 
Mexiraicux 269 
Mcylan 129 
Meymac 269 
Meyrargaes 848 
MeyMac 869 
Meyasite 869 
M^aaigoae 269 
Meyxienz 266 



372 



Verzeichnis der französischen Namen. 



Meze 59 
Mielan 130 
Milhac 216 
Millas 216 
Milly 216 
Minial 327 
Mimizan 342 
Minervois 342 
Miolan 129 
Moire 268 
Moirey 267 
Moislains 130 
Moissac 271 
Moissey 270 
Molain 130 
Moliens 130 
MoUans 130 
Molliens 130 
Monaco 67 
Monegue 68 
Monsac 270 
Monsols 270 
Montagnac 271 
Montagnat 271 
Montagneux 271 
Montagnieu 271 
Montaigne 271 
Montanay 271 
Montenay 271 
Montignac 271 
Montignies 272 
Montigny 271 
Montlouis 257 
MontluQon 173 
Montmedy 215 
Montmelian 216 
Montmeillai.t 129 
Montmorency 268 
Montmort 268 
Montsalvy 287 
Montsaugeon 287 
Morancy 269 
Moreac 268 
Morgues 68 
Morieu 268 
Mornae 217 
Mornay 217 
Mortagne 342 
Mortain 327, 342 
Moudon 102 
Mounegue 68 



Mourgues 68 
Moussac 270 
Moussan 271 
Moussey 271 
Mousson 270 
Moussy (Seine -et - 

Marne) 270 
Moussy (Aisne) 271 
Mouzay 217 
Mouzon 116 
Moyeuvre 133 
Mozac 216 
Musson 272 
Mussy 272 
Muziilac 217. 
Naix 342 
Najac 217 
Namur 327 
Nanciat 218 
Nancy 218 
Nant 137 
Nanterre 105 
Nantes 79 
Nanteuil 125 
Nantiat 137, 218 
Nanton 217 
Nantoux 218 
Nantua 137, 218 
Narbonne 65 
Nayrac 273 
Nebouzan 272 
Nebouzat 272 
Nemours 160 
N6rac 273 
Neris 272 
Neufjours 123 
Neuillac 274 
Neuillay 273 
Neuille 273 
Neuilly 274 
Neuvre 133 
Nevache 53 
Nevers 347 
Nexon 165 
Neyrac 273 
Neyrieu 273 
Nice 68 
Nieul 22 
Nijon 112 
Nimes 160 
Niort 141 



Nivernais 347 
Niveze 272 
Noce 272 
Nogent 144 
Nomeny 274 
Nort 141 
Nouaille 273 
Nouilly 274 
Nouvelle (la) 274 
Nouvion 111 f. 
Nouvion (Aisne) 145 
Novion 111 
Noyant 145 
Noyen 112 
Noyon 111 
Nueil 123 
Nyon 96 
Nyons 112. 
Oingt 93 
Oisseau 96 
Oissel 96 
Oisy 234 
Olargues 343 
Oleron 61 
Olizy 274 
Ollon 146 
Oloron 61 
Onrezy 304 
Orange 166 
Orbe 350 
Orbigny 297 
Orqay 274. 297 
Orchies 274 
Orgnac 192 
Orignac 192 
Origny 192 
Orleans 235 
Orly 235 
Orsay 274, 297 
Osselle 96 
Othe 334 
Ouanne 328 
Ouchy 297 
Ouessant 96 
Oulchy 297 
Oyonnax 235 
Pacy 274 
Pagny 275 
Pampelonne 60 
Fange 292 
Pantainville 219 



Verteichnis der franzAHischen Namen. 



878 



Pantin 219 
Pnntini«re (la) 211) 
l'argny 276 
l'ariKi»!' 276 
l'iirijrnv 275 
Paris 85 
Parthcnay 275 
Pafsais 274 
Passay 274 
Passy 274 
Patay 218 
PauÜlao 276 
Paulhac 276 
Paulha(fuet 276 
l'auillac 276 
Pavilly 274 
J'ayerne 275 
Payrac 219 
Perche 329 
Percy 275 
P^rignac 275 
P6rigne 275 
P^rigneux 275 
Perigny 275 
P6rigoi-d 76 
P^gueux 76 
Peroay 275 
Pemes 275 
Ptronne 175 
Perpignan 343 
Perihe 329 
Perthes 328 
Perlhois 328 
Pessac 276 
Pessan 276 
Peyriac 276 
Peyrus 343 
Peyrusse 343 
Pezens 328 
Pincy 276 
Pionsal 278 
Pipriac 219 
Pilhiviers 175 
Plaisancc 343 
Podensac 280 
PcFuilly 276 
Poill6 276 
Poilley 276 
Poilly 276 
Poissy 219 
Poilevin 78 



Poltier» 78 
Poitoa 78 
F'olignac 277 
PoUgny 277 
Pompignan 343 
Ponc* 277 
Ponches 277 
Poncin 354 
PondroM 115 
Pontaillar 278 
F'ontailler 278 
Pont-ü-Marcq 353 
F'ontarion 363 
Ponl-Aven 363 
Pont-d'Ain 364 
Pont-de-Ruan 115 
Pont-de-Veyle 353 
Ponlhieu 278 
Pontigny 278 
Ponlivy 278 
Ponloise 353 
l'ontpoint 343 
Pontiieux 363 
Pont-Scoi-ff 363 
Port-Vendres 26 
Pouanc6 279 
Pouillö 276 
Pouilley 276 
Pouillou 343 
Poullly 276 
Prangey 279 
Pröcy 278 
Preignac 279 
Prtm^ry 279 
Pressac 278 
Pressagny 278 
Pressigny 278 
Preuilly 279 
Pringy 279 
Prouilhe 279 
Prouillac 279 
Prouilly 279 
Provence 42 
ProuiI16 279 
Puy d'Issolu 96 
Queillö 206 
Quercy 74 
guevilly 238 
Quevras 51 
Ouierzy 202 
guilhan 239 



QaiUan 239 
QainQfty 280 
Qnine« 880 
Qaincey 280 
Qiiinci« 280 
(^uincieux 280 
Qainlin 844 
Quissac 280 
Rambcrvillers 314 
Rambouillet 314 
Ramillies 220 
R6 160 
Recey 220 
Rery 220 
Reden 115 
Regny 281 
Reignac 280 
Reignier 281 
Reilhac 281 
Reilhaguet 281 
Reillac 281 
Reillannc 281 
Reilly 281 
Reims 87 
Remblay 219 
Remigny 2^3 
Remilly 283 
R«miUy 283 
R^mois 88 
Remazat 282 
Reimes 80 
Reason 176 
Ressons 176 
Ressontois 176 
Rethel 329 
R6thel 329 
Röthelois 329 
Rettel 329 
Retz 150 
Röz« 160 
Rezonville 176 
Rhö 150 
Rhodez 73 
RhAne (H.) 49 
Rhuis 329 
Rians 114 
Rib^rac 220 
Ricey 220 
Riceys (les) 220 
Riez 51 
Rignac 280 



374 



Verzeichnis der französischen Namen. 



Rignat 281 
Rigney 280 
Rignieu 281 
Rignieux 281 
Rigny 280 
Rille 281 
Rillieux 281 
Rilly 281 
Riom 114 
Rioms 176 
Rion 114 
Roanne 49 
Roannez 49 
Rochemaure 268 
Rodez 73 
Roiglise 176 
Romagnat 282 
Romagne 283 
Roraagn6 283 
Romagnieu 283 
Romagny 283 
Romainmotier 282 
Romainville 282 
Romanechc 282 
Romans 282 
Rombly 283 
Romenay 282 
Romeny 283 
Romery 303 
Romigny 283 
Romilly 283 
Rosnay 221 
Rosny 220 
Rossillo 67 
Reuen 114 
Rouergue 73 
Rouffiae 284 
Rouge 220 
Rougeac 220 
Rougnac 284 
Rougnat 284 
Rouillac 284 
Rouille 284 
Rouilly 284 
Roujan 282 
Roulans 284 
Roumois 115 
Roussillon 67 
Royan 282 
Royans 281 
Royat 281 



Roye 177 
Ruan 114 
Rueil 125 
Ruffec 284 
Ruffiac 284 
Ruffieux 284 
Ruflfy 284 
Ruille 284 
Ruis 329 
Rumigny 283 
Rnmilly 28 5 
Ruoms 114 
Ruvigny 283. 
Sable 127 
Saclas 330 
Sacy 285 
Sagy 284 
Sail 286 
Saillans 286 
Saillant 286 
Saillat 286 
Saille 286 
Sailly 286 
Saintes 75 
Saintonge 75 
Saissac 285 
Saizerais 221 
Salärs 330 
Salbris 142 
Salency 288 
Salernes 330 
Salers 330 
Salignac 286 
Saligny 286 
Salon 330 
Salonne 330 
Salviac 287 
Sancey 287 
Sancoins 317 
Sansan 287 
Sanssac 287 
Sanxay 287 
Sanzey 287 
Saöne (fl.) 14 
Saönes 14 
Saosnes 14 
Sardent 178 
Sarlat 332 
Sarriac 287 
Sarrians 287 
Sartilly 287 



Sassy 285 
Sathonay 221 
Satillieu 287 
Saujon 330 
Saulieu 332 
Saulmory 330 
Saumur 330 
Sauve 330 
Sauvian 287 
Sauviat 286 
Sauvigny 287 
Savenay 285 
Savignac 285 
Savigne 285 
Savigny 285 
Savines 284 
Savoie 178 
Sayssac 285 
Sayvres 133 
Secondigne 288 
Secondignv 288 
Seez 84 
Segonzac 288 
Segre 288 - 
Segrie 288 
Segry 288 
Segur 288 ■ 
Seiches 340 
Seignanx 178 
Seignelay 289 
Seilhac 286 
Seine (fl.) 13 
Selommes 291 
Selongey 292 
Senan 112 
Senan 112 
Senessay 289 
Seneujols 123 
Senez 289 
Senissiat 289 
Senlis 87 
Sennecey 289 
Senonais 82 
Senonches 82 
Senones 82 
Senonnes 82 
Sens 82 
Serbonnes 131 
Sermorens 330 
Servian 340 
Servies 340 



VerseichiUB der frantAHisfrhen Namen. 



87ft 



Seurre 107 
Söverac 289 
S«Tignac 286 
S«Tignacq 286 
SöviKn6 28Ö 
Sövres (Vienne) VMi 
Siyres (SeineetOisc) 

348 
Seyches 177. 340 
Sizannc 331 
Signes 291 
Signy 291 
Siihac 290 
Sillans 290 
Sillt' 290 
Sillery 28S 
SilU 290 
SiUy 290 
Sinceny 241 
Sinissiat 289 
Sion 93 
Sireuil 123 
Siroz 288 
Sisteron 332 
Sogny 292 
Soignies 292 
Soigiiy 292 
Soissons 87 
Solesmes 292 
Soleure 107 
Soleymieux 2!U 
Solignac 291 
Soligny 291 
Sologne 309 
Sonibernon 353 
Somloire 351 
Sonimaisne 351 
Somme-Bionne 352 
Sommedieue 351 
Soniinepy 352 
Sommesous 352 
Somnie Suippes 352 
Soiuine -Tourbe 362 
Sommevesle 351 
Soinmevoire 350 
Somnie -Yevre 352 
Sominiöres 175 
Sompuis 352 
Somsois 352 
Sortre 179 
Sorgues 347 



Surnac 292 
So8 57 
Souge 290 
Sougy 290 
Soiiillac 223 
SouillÄ 223 
Souilly 223 
Soulaines 291 
Soulang« 892 
Soulaogi» 298 
Soule (la) 388 
Sournia 298 
Souvanirgues 290 
Souvigni 290 
Souvigny 290 
Souzy 241 
Steiiay 221 
Sterpigiiy 293 
Sucy 293 
Suövres 133 
Suin 100 
Suippes 352 
Sully 223 
Suni^nc 348 
Tailhac 295 
Tallard 138 
Tallende 149 
Tallevende 137 
Talmont 137 
Tannay 293 
:iarare 108 
Tarascon 52 
Tarbes 334 
Tardenois 102 
Tarente 51 
Tarentaise 62 
Tartas 225 
Taulhac 295 
Tauriac 294 
Tauves 138 
Tavernay 293 
Taverny 293 
Tence 179 
Tergnier 223 
Ternay 224 
Ternois 153 
Tervanne 163 
Tlienailh's 179 
lliönezay 295 
Thenon 179 
TlU'rouanne 152 



Thiers 179 
Thil 149 
Thirerxay 304 
Thiviert 344 
Tbizy 896 
Thoins 894 
Thoire 894 
ThoirU 894 
Thoiry 894 
Thoiasey 897 
Thoiasi« 897 
Thouac 896 
Thuras 294 
Thore 294 
Thorign* 294 
Tborigny 294 
Thouarc^ 2*J7 
Thouars 297 
Tliourie 294 
Thoury 294 
Thuir 294 
Thure 294 
Thury 294 
Tiercö 296 
TUly 296 
Tinttoiac 296 
Toirac 294 
Tolosane 333 
Tolsan 333 
Tolza 333 
Tongres 91 
Tonnac 2% 
Tounay 296 
Tonnerre 108 
ToTci^ 295 
Torcieu 295 
Turcy 295 
Toriguy 294 
Tomac 294 
Tossial 29ti 
Toucy 297 
Toul 344 
Toulon 149 
Toulouse 333 
Toulza 333 
Touraine 80 
Tourangeau 79 
Tournai 224 
Touman 224 
Toumay 224 
Tournon 118 



376 



Verzeichnis der französischen Namen. 



Tournon (Ard^che) 

225 
Tournus 332 
Tours (Indie-el-Loire) 

71 
Tours (Marne) 224 
Tourteroii 334 
Toury 294 
Toussieu 297 
Trecorois 94 
Tr^guier 94 
Treignae 224 
Treigny 224 
Trets 180 
Treves (Trier) 89 
Tröves (Gani) 333 
Trevoux 333 
Tricastin 72 
Trizay 304 
Troyes 83 
TuUins 345 
Turbie (la) 70. 
Unieux 225 
Upigny 297 
IJriage 180 
Urzy 297 
Usseau 96 
Ussel 96 
Usselot 96 
Ussels 96 
Usson 180 
Uxelle 96 
Uxelles 96 
Uzerche 348 
Uzel 96. 
Vailhac 299 
Vaillac 298 
Vailly (Aisne) 225 
Vailly 299 
Vaire 299 
Vaires 146 
Vaise 299 
Vaison 347 
Valabregue 133 
Valbonnais 350 
Val de Daigne 24 
Valenqay 298 
Valence 297 
Valenciennes 298 
Valentigney 298 
Yalentigny 298 



Valeyrac 298 
Valleres 298 
Vallery 298 
Valliöres 298 
Vallorbe 350 
Valognes 308 
Valr6as 298 
Valuejols 123 
Vandenesse 181 
Vandeull 121 
Vandeuvre 132 
Vandoeuvre 132 
Vannes 80 
Varacieu 299 
Vareilhes 345 
Vareilleä 345 
Varilhes 345 
Varzy 299 
Vasselay 226 
Vassy 225 
Vaudray 298 
Vaudry 298 
Vaugneray 273 
Vauvenargues 345 
Vavrac 299 
Veiay 72 
Venaissin 58 
Venasque 53 
Vence 228 
Vendenesse 181 
Vendeuil 121 
Vendeuvre 132 
Vendöme 337 
Vendres 26 
Vendresse 181 
Vennecy 302 
Venizy 302 
Ventejoux 129 
Venteuges 129 
Venteuil 129 
Venteujol 129 
Venteujouls 129 
Ver 147 
Vercel 227 
Verchain 226 
Vercors 91 
Verdouble (Fl.) 139 
Verdun 97 
Vergne 147 
Vergnes 147 
Vergneltes 147 



Vergt 147 
Verigny 299 
Verlhac 299 
Vermand 90 
Vermandois 90 
Vermenton 160 
Vermois 335 
Vernais 147 
Vernantes 160 
Vernay 147 
Vernazoubres 139 
Verne 147 
Verneil 125 
Vernet 147 
Vernette 147 
Vernettes 147 
Verneuge 126 
Verneugheol 126 
Verneughol 126 
Vernex 147 
Vernezoul)res 139 
Verniole 147 
Vernioles 147 
Vernoil 125 
Vernoille 125 
Vernois 147 
Vei-nols 126 
Vernon 115 
Vernou 147 
Vernouillel 126 
Vernoux 147 
Vernoy 147 
Vers 147 
Versaille 331 
Versailles 331 
Versaillieux 226 
Verseilles 227 
Versigny 226 
Versilhac 227 
Versonnex 226 
Vert 147 
Vertault 227 
Verteillac 227 
Vertou 336 
Vertus 182 
Vervins 335 
Verze 229 
Verzenay 300 
Verzy 229, 302 
Vesoul 56 
Vevey 182 



Verteicbnit draUcber Ortanftintn. 



377 



Vexin 92 
Veynu: 899 
VeTres 899 
Veyriat 299 
Veyrignac 899 
Veyziat 299 
V^zelay 300 
V^zelise 300 
V«zeronce 348 
Vibrac 300 
Vichy 229 
Vienne 336 
Viennois 337 
Vierzon 229 
Vieux 84 
Vignacq 301 
Vigneux 302 
Vignieu 302 
Vigny 302 
Vigy 228 
Vihiers 351 
Vilaines 337 
Vilhac 301 
Vilieux 301 
Villnines 337 
Villefagnan 247 
Villenauxe 181 
Villey 301 



viuy aoi 

Vimeux 849 
Vinay 227, 808 
Vin<:a 228 
VinrennM 180 
Vincey 888 
Vincy 888 
Vin6zac 302 
Virey 229 
Viriat 229 
Virieu 229 
Virsac 229 
Viry 229 
Vismes 349 
Vitrac 301 
Vitray 301 
Vitr6 301 
Vilrey 301 
Vitry 300 
Vitteaux 182 
Vitlel 182 
Vivonne 337 
ViziUe 300 
Void 349 
Volesvres 134 
Vollore 159 
Volnay 302 
Volognat 302 



Volonne 808 
Volvic 182 
Vonnas 308 
Vouillö 161 
Vouneail 128 
Vooroax 837 
Tniiu 899 
Vrignet 899 
Vrigny 899 
YrfllT 889. 
WaiUy 899 
Warnui^niefl 226 
Wattignies 299 
Wattigny 299 
Wismes 849 
WUry 301. 
Xertigtiy 228 
Xivry 222. 
Tenne 322 
Y6vre 127 
Y«m8 127 
Tssac 810 
Tasingeaux 172 
Yverdon 101 
Yverdau 101 
Yvrande 322 
Yzernay 211 
Yienres 107. 



Verzeichnis deutscher Ortsnamen. 



\ndernacli 35 
Bitburg 150 
Bonn 130 
Boppard 132 
Bregenz 186 
Brumalh 199. 
Corvey 170. 
»aun 95 A. 2. 
Firmenicli 248. 



»enf 50. 
jQlich 256. 
Kusel 151. 
MeU 269 
Milden 102. 
Nymegen 111. 
Peterlingen 275. 
Remagen 114. 



Sitten 93. 
Thnn 95 A. 2 
Tongern 91 
Trier 89 
Tulln 345. 
Windisch 181 
Worms 10. 
Zarten 103. 



C. F. Wintersche Buchdruckerei. 



CARL WINTERS UNIVERSlTAi.,»v.c...w 



Indogermanische Bibliothek 

herausgegeben von IIehmann Hiht und W. STHEiTiicnot. 

Erste Abteilung: Lehr- und Handbücher. 

I. Reihe: tiruuinintikcn. 

1. Haiidbiu'h «Ich Sanskrit mit Texten und UIoHHar. Kine Ein- 
führung in cia.s spracliwissensch. Studium des Altindischcn von 
Alhkht 'l'nuMH. I. Teil: Grammatiic. iJ. Aufl. von H. Hirt. 
M. 10—, geb. M. 18.50. II. Teil: Texte und Glossar. M. 4.-, 
gel). M. n.öü. 

:2. Handbuch der griechischen Laut- und Formenlehre. Eine 
t^iiif. in das sprachwiss. Studium des Griechischen von Hkriukn 
HiHT. [i. unigearb. Aufl. In Vorbereitung. 

3. Handbuch der lateinischen I^ant- nnd Formenlehre. Eine 
Einf. in das sprachwiss. Studium des Lateins von FeROiKAin) 
Sommer. ±/3. Aufl. M. 9.—, geb. M. 1^2.—. 

Kritische Krläutcrangen zur lateinischen Lant- nnd Formen- 
lehre von Fkrdinand Sommkr. M. 4. — , geb. M. '».80. 

4. Kritisch-historische Syntax des griechischen Verbnms der 
klassischen Zeit von J. M. Stahl. M. 20.-, geb. M. 23. — . 

5. Awestisches Elementarbnch von H. Rkichelt. M. 13. — , geb. 
M. 15.50. 

6. Handbuch des Altirischen von R. Thurnktsbn. I. Teil: 
Grammatik. M. 15.—, geb. M. 17.50. II. Teil: Texte und Wörter- 
buch. M. 2.40, geb. M. 4.40. 

7. Elementarbnch der oskisch-umbrischcn Dialekte von 
C. I). BucK. Deutsch von E. Prokosch. M. 5. — , geb. M. 7.—. 

8. Handbuch der griech. Dialekte von A.Thumb. 2. Aufl. in Vorb. 

9. Einleitung in die Sprache des Neuen Testaments von 
J. II. Moui.TON. Auf Grund der vom Verfasser neubearb. 3. engl. 
Auflage übersetzte deutsche Au.sgabe. M. 7. — , geb. M. 9.80. 

10. Alturmenisches El.-Huch von A. Mkillit. M. 5.40, geb. M. 7.40. 

11. Urslavische Grammatik. Kinf. in das vorgleich. Studium der 
slavischen Sprachen von J. J. Mikkola. I. Lautlehre. M. 3.60. 

12. Litauisches Lesebach mit Grammatik und T?8rterbnch von 
A. Lkskien. M. H.— , geb. M. 8. — . 

13. Indogermanische Grammatik von Hermann Hirt. I. Einleitnng. 
Etymologie. Konsonantismus. M. 15. — , geb. M. 17. — . II. Der indo- 
germanische Vokalismus. M. 6. — , geb. M. 8. — . III. Das Nomen. 
M. 14.50, geb. M. 16.80. IV. Doppelung. Zusammensetzung. 
Verbum. M. 15.—, geb. M. 17.—. V. Der Akzent. M. 17.50, 
geh M. 20.—. 

14. Einführung in das Stndtnni der indogermanischen Spnch- 
Tvissenschaft von Jos. Schrunkn, übersetzt von W. Fiscam. 
M. 6.-, geb. M. 7.80. 

15. Handbuch der altbnlgariachen (altkircbenslaT.) Sprache. 
Grammatik, Texte. Glossar von A. Lkskien. 6. Aufl. M. 7. — , 
geb. M. 9.20. 

16. Lettisches Lesebuch. Grammatische und metrische Vorbemer- 
kungen, Texte, Glossar von J. Enozklin. M. 4.—, geb. M. 5.60. 

l 1 



CARL WINTERS UNIVERSITATSBUCHHANDLUNG IN HEIDELBERG. 

17. Lateinische ümgangsspraclie von J. B. Hofmann. M. 5. — , 
geb. M. 6.50. 

18. The Syntax of Cases in the narratiTe and descriptire Prose 
of the Brähnianag by Hanns Oertel. Teil I. The disjunct use 
of Cases. M. 24.'—, geb. M. 26.—. 

19. Syntax der litauischen Postpositionen und Präpositionen 
von EiiNST Fraenkel. M. 20.—, geb. M. 22.50. 

20. Nenpersische Orammatili: von H. Jensen. Im Druck, 

II. Reihe: Wörterbücher. 

1. Lateinisches etymologisches Wörterbuch von A, Walde. 
3. Aufl erscheint in etw^a 15 Lieferungen, je M. 1.50. 

2. Slavisches etymologisches Wörterbuch von E. Berneker. 
2. unveränderte Aufl. 1. Band A— L. M. 19.50, geb. M. 22.—. 

3. Etymologisches Wörterbuch der europäischen (germanischen, 
romanischen u. sla vischen) Wörter orientalischen Ursprungs. 
Von K. LoKOTSCH. M. 13.—, geb. M. 15. — . 

Zweite Abteilung: 
Sprachwissenschaftliche Gymnasialbibliothek 

herausgegeben von Max Niedermann. 

1. Historische Lautlehre des Lateinischen von Max Niedermann. 
2. Aufl. 2. Abdruck. Kart. M. 2.—. 

2. Neuhochdeutische Sprachlehre. I. Laut- und Wortbildungs- 
lehre von Willy Scheel. Kart. M. 2. — . 

3. Traite de stylistique francaise par Ch. Bally. 1. 2. Aufl. 
Kart. M. 5. — , geb. M.. 6. — . II. Exercices d'application. 2. Aufl. 
Kart. M. 4.—, geb. M. 5.—. 

4. Historische Sprachlehre des Neufranzösischen von Eugen 
Herzog. I.Teil: Einleitung, Lautlehre. Kart. M. 4. — . 

5. Historische Formenlehre des Lateinischen von A. Ernout, 
übersetzt von H. Meltzer. 2./3. Aufl. Kait. M, 3.—. 

6. Einführung in die Syntax von Rudolf Blümel. Kart. M. 4. — . 

7. Sprachwissenschaftlicher Kommentar zu ausgewählten 
Stücken ans Homer von Eduard Hermann. Kart. M. 2.50, 

8. Griech. Wortbildungslebre von A. Debrunner. Kart. M. 4. — . 

9. Kurze Geschichte des Englischen von Henry Cecil Wyld. 
Übersetzt von H. Mutschmann. Kart. M. 5. — . 

10. Kurze Einführung in die deutsche und allgemeine Sprach- 
lautlehre (Phonetik) von Jörgen Forchhammer. Kart. M. 2.90. 

Dritte Abteilung: Untersuchungen. 

1. Über Beimwortbildungen im Arischen und Allgriechischcn. 

Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung von Hermann Güntert. 
M. 6.80, geb. M. 8.80. 

2. Recneil des publications scientiflques de Ferdinand de 
Saussure. M. 20.—, geb. M. 23.50. 

3. Die Grrnndbedeutuiig des Konjunlttivs im Griechischen von 
Adolf Walter. M. 2.50. 

2 



CARL WINTERS UNIVERSlTATSBUCHHANüLUNC IN HEIDELBERG. 



4. Die Entwickinnir des K-Safllxeg In den IndoRemiADliicliei 

SpracluMi vun F. Kwai.». M. 1. •_'.'). 

5. llli^ iiriiiiärvn liii«<rJ(<ktiuii<'U in den iiidogrrinaiiiMch6B 
Spruclu'ii, Ulli l)e.sun<lerur MerOck-sichti^'un^' iIch (iriecbucben, 
liiiteiiiisclien uiiti (iurinaiii.Hrhon von K. Sciiwk.mmkr. M. i.50. 

G. Die ilruiidluKt^ der riionctik. Ein Vcisinh, die phunetische 
WLs-sciiscliall auf toslcr .s(ira(h|)hy.siol()j;i.sclu;r (irundlago auf- 
zuliaucu, von J. Fohchha-mmkh. M. •». — . k»-!). M. 8. — . 

7. Die alten balkanillyrlMclien (^eographiMcbcn Nanieo. Auf 
Grund von Aulorvn und InscbrlAeu iiearbeitet von H. Kiuhk. 
M. «i.nO, gel). M. 8.20. 

8. Die DucnoH-ln.schrirt von KmilCioi.dma.nn. M. 10. — ,geb. M. li.— . 

9. Lexikon nltillyrlHcher rersonennanien l>ear))eitet vun li. Khahe. 
M. 1()..M), Kt''>- M- •-•'>0. 

10. Die identifizierende Funktion der Ich'Deixls Im Indoeoro- 
pUiNcht-n. Kim- cthnolu^isch-spruchwisscnschaflliche Unter« 
suchuni? von Tu. Baader. M. 5.50, ^eb. M. 7. — . 

Vierte Abteilung: Sprachgeschichte. 

1. Gesebicbt© des Griccbiscben von A. Meillet. Ül>ers€lzl von 
H. Mki.tzkr. M. 7. — , gel). M. 1». — . 

2. Indovrernianiscbe Eigennamen alx Spieirel der Kultar- 
geschlchte von Kki.ix Soi.mskn f- Ilerau.sjregeben und bearbeitet 
von Kr.nst Kraenkki,. M. 5. — , geb. M. 7.20. 

3. Die Sprache, ihre Natur, Kntwicklungr nnd Entatehnnf tod 
O. Jkspehsen. Vom Vorta.><ser durrligeseliene Üi)erselzung aus 
dem Englischen von R. Hittmair und K. Waibel. M. 14. — , 
geb. M. 16.50. 

Fünfte Abteilung: Baltische Bibliothek 

herausgegeben von Georg Gerullis. 

1. LelÜKChe Grammatik von J. Endzelin. M. 22.— , geb. M. 26.—. 

2. Mosvid. Die ältesten litauischen Sprachdenkmäler bis 1570. 
Herausgegeben von G. Gerui.ms. M. 10. — , geb. M. 18. — . 

3. W'örterbneh der lltauiMcben Schrirthprache. Litauisch- 
Deutsch. Bearbeitet von M. Niedermann, A. Senn und Fr. i^REiiDER. 
Erscheint in Lieferungen, je M. 1.50. 



Germanische Bibliothek 

herausgegeben yon Wilhelm Strkitbero f. 
Erste Abteilung: Elementar- und Handbücher. 

I. Reihe: fJrammaliken. 

1. Urgernianisebo (ilramniatik. Einfuhrung in das vergl. Studium 
der altgermanischen Dialekte von W. Streitbkro. 2. Aufl. in Vorb. 

2. Gotisches Eienientarbueh von W. Streitbkro. 5./6. Aufl. 
M. 4.—, geb. M. 5.iK). 



CARL WINTERS UNIVERSITATSBUCHHANDLUNG IN HEIDELBERG. 

3. Altisländisclies Elementarbnch von A. Heusler, 2. Aufl. M. 5. — , 
geb. M. 6.80. 

4. Altenglisches Elementarbnch von K. D, Bülbbing. I. Teil: 
Lautlehre. M. 4.80, geb. M. 6.80. 

5. Altsäohsisches Elementarbnch von F. Holthausen. 2. Aufl. 
M. 5.—, geb. M. 6.80. 

7. Mittelhochdeutsches Elementarbuch von V. Michels. 3./4. Aufl. 
M. 5.—, geb. M. 6.80. 

8. Emsländische Grammatik von H. Schönhoff. M. 7. — , geb. M. 9.50. 

9. A modern English grammar by 0. Jespersen. I. Sounds and 
spellings. 4. edition. M. 10, — , geb. M. 12.~. II. Syntax. 1. vol. 
3. edition. M. 11.50, geb. M. 13.50. Appendix zu II (für die 
1. u. 2. Aufl.) M. 1.-. III. Syntax. 2. vol. M. 11.50, geb. M. 13.50. 

10. Deutsche Syntax. Eine geschichtliche Darstellung von 0. Be- 
HAGHEL. I. Die Wortklassen und Wortformen. A. Nomen, Pro- 
nomen. M. 15. — , geb. M. 18. — . II. Die Wortklassen und Wort- 
formen. B. Adverbium. C. Verbum. M. 10. — , geb. M. 12.50. 
III. Die Satzgebilde. M. 26.—, geb. M. 29..50. 

11. Grammatik der nrnordischen Rnneninschriften von A. Jo« 
HANNESsoN. M. 3. — , geb. M. 4.70. 

12. Shakespeare-Grammatik von W. Franz. 3. Auflage. M. 14.50, 
geb. M. 17.50. 

13. Handbuch der mittelenglischen Grammatik von R. Jordan. 
I. Teil: Lautlehre. M. 6.30, geb. M. 8.30. 

14. Die Moringer Mnndart. Laut- und Formenlehre nebst Sprach- 
proben. Ein Beitrag zur nordfriesischen Dialektforschung von 
Erika Bauer. M. 6.50, geb. M. 8.—. 

15. Die Mundart von Südvorarlberg und Liechtenstein. Von 
Leo Jutz. M. 20.—, geb. M. 23.—. 

16. Historische Grammatik der niederländischen Sprache» 
I. Einleitung und Lautlehre. Von M. J. van der Meer. M. 16. — , 
geb. M. 18.50. 

17. Frühneuhochdeutsche Grammatik von Virgil Moser. 1. Band: 
Lautlehre. 1. Hälfte : Orthographie, Betonung, Stammsilbenvokale. 
M. 10.—, geb. M. 12.—. 

III. Reihe: Lesebücher. 

1. Altfriesisches Lesebuch mit Grammatik und Glossar von 
W. Heuser. M. 3.60, geb. M. 5.60. 

2. Mittelliochdeutsches Übungsbuch. Herausgegeben von G. von 
Kraus. 2. vermehrte Aufl. M. 6.50, geb. M. 8.50. 

3. Althochdeutsches Lesebuch für Anfänger von J. Mansion. 
Mit 2 Tafeln. M. 2.40, geb. M. 4.20. 

4. Altenglisches Lesebuch für Anfänger von M. Förster. 
3. Aufl. Kart. M. 2.—. 

5. Englisches Lesebuch. Herausgegeben von Fr. Brie. XIX. Jahr- 
hundert. Kart. M. 3. — . 

6. Speeimens of Tndor Translations from the classics. With 
a glossary by 0. L. Jiriczek. Kart. M. 4. — , 

7. Beownlf-Materialien. Zum Gebrauch bei Vorlesungen zu- 
sammengestellt von Max Förster. 5. verb. Aufl. M. —.85. 

4 



A 



CARL WINTERS UNIVERSITATSBUCHHANDLUNO .. .:. .UELSERC. 



8. Poetische Fraiciuoiite dei 12. und 18. Jahrhuudert«. Herans- 

ifeneln'ii von FitiKDiucii Wilhklm uiui 1(i<:iiaiu> Nkwai.ii. Kart. M. 3. — . 
U. Mitt(«Ivii^liHi'iH>s LfS(<l>U(*li für AurUng<>r vun Karl BnoitHEa 

und H. HiTTMAiii. K:irt. M. .t.-JO. 
10. Aithoch<leuthcli(>!> LoHcbacli vun Kit. Wilhelm und K. NrwAU). 
I. Trosaische Oüiikiiiiiler. Kart. M. i.80. 

IV. Iteibe: »'Jirtorbücher. 

1. NorwcifliicIi-däniMcheM etynioloifischcM Wörtcrhnrli. Auf 
Grund ilor Obersetzung von II. DAVibstui neu I 

Ausgabe mit Literaturnachweisen strittiger i . . 

doutscbeui und allnonlischum Wörlerverzuichnii» vun ii. S. Kalk 
und Alk Toiu". "2 Hilnde. M. 44. — , geb. M. 51, — . 

2. Wörterbuch der nltgerninuKHchen rerHoneii- iiud VOIker- 
namen. Nach der tlberiieferutig des kla-ssischen Altertums be- 
arbeitet von M. Scini^xFELD. M. 8. — , geb. M. 10.—. 

3. MlttelhochdeutHcheH >VUrterbuch zu den deutschen Sprach 
denkmiilern Bölimens. Von Fr. Jelinek. M. 20. — , geb. M. 23. — 

4. SprachMoliatz der angelHUchtiiMchen IHchter von C. W. M 
Grei.n. Neu herau-st-'. von J. J. Köhler. M. 'J2. — , geb. M. 26. — 

5. Altfrlesiüches Wörterbuch von h\HoLTHAusE.'«.M.7.50,geb.M.9.&0 

6. Etymolugisches Wörterbuch der amerikanischen (IndU* 
uiselioii) Wörter im Deutschen von Kahl I^kotsch. M. 3.50, 
geb. M. 4.50. 

V. Reihe: Alterturnnknude. 

1. Nordisches Oeistesleben In heidnischer und frühchrist* 
lieber Zeit von A. Olrik. Übertragen von W, Ranl«!Ch. Mit 
zahlreichen Textabbildungen. :2. Aufl. M. 5.—, geb. M. 7. — . 

2. Alt^ermaniHche KeIi(;ionsgeHchichte von K. IIklm. Band I. 
Mit 51 AbbildungeiK M. 6.40, geb. M. 8.50. 

Zweite Abteilung: Untersuchungen und Texte. 

1. Beitrüge znr germanischen Sprach- und Kulturgeschichte 
von n. ScHRönEH. 1. Teil: Streckformen. M. 6.—, geb. M. 8.— . 
Ü. Teil: Ablautstudien. M. 3.—, geb. M. 4.50. 

2. Theophilns. Mittelniederdeutsches Drama, in drei Fassungen 
herausgegeben von R. I'etsch. M. 2. — . 

3. Die gotische Bibel. Herausgeget>en von W. Streitbero. Der 
gotische Text und seine griechische Vorlage. Mit Einleitung, Lee- 
arten u. Quellennachweisen, sowie den kleineren Denkmälern als 
Anhang. Gotisch -griechisch -deutsches Wörterbuch. 2. Aufl. 
M. 9.:20, geb. M. 11.80. Das Wörterbuch allein (geh.) M. 3.—. 

4. Lessings Fanstdichtnng. Mit erl&uternden Beigaben heraus- 
gegeben von R. Fetsch. M. 1.20, geb. M. 2.40. 

5. Rhjthmisch-melodische Stadien. Vorträge und Aufsätze tod 
E. SiEVEHs, M. :^.iJO, geb. M. 5. — . 

6. Germanische Pflanzennamen. Etymologische Untersuchungen 
von R. liOEWE. M. 5. — , geb. M. 7.50. 

7. Geschiclite der nenhochdentschen Grammatik von den An- 
fängen bis auf Adelung von M. II. Jelli.nkk. 1. Halbband M. 7.50, 
geb. M. 9.50. 2. Halbband M. 10.—, geb. M. 18.—. 



CARL WINTERS UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG IN HEIDELBERG. 

8. Arnold luimesseu, Der Sündenfall. Mit Einleitung, An- 
merkungen und Wörterverzeichnis neu herausgeg. von F. Krage. 
M. 6.40, geb. M. 8.40. 

9. Edda. Die Lieder des Codex regius nebst verwandten Denkmälern. 
Hrsg. von G. Neckel. I. Text. 2. durchges. Auflage. M. 5.30, 
geb. M. 7.30. II. Kommentierendes Glossar. M. 6. — , geb. M. 7.50. 

10. Die Kathariueulegende der Hs. II, 143 der Kgl. Bibliothek zu 
Brijssel. Herausgegeben von W. E. Collinson. M. 4. — , geb. M. 5.50. 

11. Unterguchungeu zur Bedeutungslehre der angelsäch- 
sisclien Dichtersprache von L. L. Schügkino. M. 3.—, geb. 
M. 4.50. 

12. Die niröiächen Lieder des Nibelungenzyklus von H. de Boor. 
M. 3.20, geb. M. 5.—. 

13. Rother. Herausgegeben von J. de Vries. M. 4. — , geb. M. 6. — . 

14. Ziele und Wege der Schallanalyse. Zwei Vorträge von 
E. Sievers. M. 1,50. 

15. Beiträge zur germanischen Sprachwissenschaft. Festschrift 
für Otto Behaghel. Hrsg. von W. Hörn. M. 14.—, geb. M. 17.—. 

16. Deutsclie Sagversdichtungen des IX. -XI. Jahrhunderts, 
nebst einem Anhang: Die gotische Bergpredigt, herausgegeben 
von E. SiEVERS. M. 5. — , geh, M, 6,50. 

17. Germanentum und Hellenismus. Untersuchungen zur germa- 
nischen Religionsgeschichte von F. R, Schröder. M. 6. — , geb. 
M. 8.—. 

18. Die Deutschen und die Nachbarstämme von Kaspar Zeuss. 
Manuldruck nach der Erstausgabe 1837. M. 8.—, geb. M. 10.50. 

19. Zur Wortwalil in der frühneuhochdeutschen Schriftsprache 
von K. V, Bahder. M. 8. — , geb. M. 10.—. 

20. Probleme der englischen Sprache und Kultur. Festschrift 
für Johannes Hoops. Herausgegeben von W, Keller. M. 15. — , 
gpb. M, 17.50. 

21. Uni ersuchungen über die deutsche Verbstellung in ihrer 
geschiclitlichen Entwiclilung von Friedrich Maurer. M. 10. — , 
geb, M, 12,—, 

22. Nibelungenstudien I. Nibelungenlied, Thidrikssaga und Bal- 
laden. Von H. Hempel. M, 14.50, geb. M, 16.—. 

23. Kleists Novellen , Michael Kohlhaas" und ,Die heilige Cäcilie" 
im Wortlaut der ersten Fassung. Neudruck besorgt von H. Meyer- 
Benfey. Kart. M. 1.25. 

24. Schallanalytische Versuche. Eine Einführung in die Schall- 
analyse von Günther Ipsen und Fr. Karg. M. 12.— geb. M, 14,—. 

25. Kundry von Hermann Güntert. Mit 2 Tafeln. Kart, M. 3,50. 

26. Studien zur mitteldeutschen Bibelübersetzung vor Luther. 
Von F, Maurer. M. 7.—, geb, M. 9.—. 

27. Psyoholosisches Moment und Vokalquantität in der ale- 
mannischen Mundart von Lenzkirch im Schwarzwald. Von 
Kurt Ketterer. M. 4. — . 

28. Richard Hodges, The English Primrose (1644). Herausgegeben 
mit vollständigem Wortindex von Heinrich Kauter, M, 7.—, 
geb. M. 9.—. 



CAKI. WINTERE UNIVERSITATSBUCHHANOLUNC IN HEIDELBERG. 



S9. Der nenIiochdeut«che RhythmaH In Dichtanf und ProM. 

Von HuüOLK Hi.Cmki,, M. ")..'»(), y^-h. M. l'A). 
30. Der Wiener Meerfahrt, herauHKeifelieii von Hichahü Ncwalo. 
Kart. M. l.JO. 

Dritte Abteilung: 
Kritische Ausgaben altdeutscher Texte 

horuu.sgogüt)en von C. v. Kiuus and K. Zwii:nzi.<<.^ 

1. Der heilinre (ieorg Keiuhoti« Ton Dame. Nach sAinu. u.uiü- 
schriflen herausgesehen von C. von Khaus. M. 10. — , geb. M. 11.—. 

2. Der Wiener Onnald. Ilerausgegelien von (J. Haksccke. M. 2.10, 
geh. M. AMi). 

3. Der arme Heinrieh von Hartmann von Aue. Oherlierening und 
Herstellung liernusg. von E. (iikrach. Ü.Aufl. M. '2.44J, geb. M. 3.86. 

4. IlruchHtUcke von Konrad Flecks Flolre und UlancheflAn 
Nach den Handschriflen F. und P. unter Heranziehung von 
IJH. herausgegeben von C H. Hische."«. M. 2.80, geb. M, 4.50. 

5. Rittertreue. Eine niiltelhochdeutsche Novelle. HeraasgegebflO 
von H. Thoma. M. 1.60. 

6. Der JUiii^ere SIgenot. Nach sflmtlirhen Hand-Hcbririen and 
Drucken hrsg. von A. Cr.. Schoener. M. 15. — , gel). M. 17.r>0. 



Sammlung romanischer Elementar- und Hand- 
bücher herausgegeben von \Vilmk.i,m Meyer-Lübkb. 
I. Reihe: (jranimatlken. 

1. Einruhrung in das Studium der romanihchen Sprachwissen- 
schaft von W. Meyer-Lübkk. 3. Aufl. M. h.- , geb. M. 6.W. 

2. Historische Uramniatik der französischen Sprache von W. 
Meyer-Lübke. I. I^ut- und Flexionsluhre. 2. und 3. durch- 
gesehene Auflage M. 5.—, geb. M. 6.50. II. Worlbildungsleiu-e. 
.M. 3.—, geh. M. 4.80. 

3. Altprorenzalisches Elementarbach von 0. Schültz-Gora. 
4. Aun. M. 4.40, geb. M. 6.20. 

4. Altitalienisehes Elementarbuch von B. Wiese. 2.Aufl. M. 7. — , 
geb. M. 8.80. 

5. Alt spanisches Elementarbach von Adolf Zadrir. S. Aufl. 
M. 3.S0. geb. M. 5.S0. 

6. Rumilnisches Elementnrbnch von H.Tiktin. M 4.80, geb. M. 7. — . 

7. Katalanische Grammatik. Laut- und Formenlehre, Syntax, 
Wortbildung. Von Joseph Hubeh. M. 7.50, geb. M. 9. — . 

II, Reilie: Lileratnrjreschichte. 

1. Grundriß der altfranzüsisohen MterHlnr. I. Xltestc Denk- 
mäler. Nationale Holdendichlnng von Pii. Auo. Bkckkr. 
M. 'A.—, geh. M. 4.r>0. 

2. Geschichte des französischen Romans von Wolfoaro von 
WuRZBACH. I. Band: Von den Anfängen bis zum Ende des 
XVII. Jaiirhunderts. M. 7.—, geb. M. 9.50. 

7 



CARL WINTERS UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG IN HEIDELBERG. 

3. Geschichte der spanischen Literatur von J. Fitzmaurice-Kelly. 
Übersetzt von E. Vischer, herausgeg. von A. Hämel. M. 17.50, 
geb. M. 20.—. 

4. &uy de Maapassant von Heinrich Gelzer. Mit Bildnis. M. 8. — , 
geb. M. 10.— . 

5. J. B. de Almeida Garrett und seine Beziehungen zur Romantik 
von Otto Antscherl. M. 14.50, geb. M. 17. — . 

6. Die humoristische Gestalt in der französischen Literatur 
von Walter Gottschalk. M. 16. — , geb. M. 18.50. 

7. Fogazzaros Stil und der symbolistische Lebensroman von 
O. Leo. M. 16.-, geb. M. 18.-. 

8. Dante in Deutscliland. Bibliographie der deutschen Dante- 
Literatur 1416—1927. Von Theodor Ostermann. M. 40.—, geb. 
M. 44.—. 

III. Reihe: Wörterbücher. 

1. Etymologisclies Wörterbuch der rumänischen Sprache. I. La- 
teinisches Element von S. Pu§cariu. M. 6. — , geb. M. 8.50. 

2. Petit Dictionnaire Proven^al-Fran^ais par E. Levy. 2. Aufl. 
M. 6.50, geb. M. 8.50. 

3. Romanisclies etymologisches Wörterbuch von W. Meyer- 
LüBKE. 3. Aufl. erscheint in etwa 20 Lieferungen, je M. 2.50. 

4. Die romanischen und deutsclien Örtlichlieitsnauien des 
Kantons Graubünden von August Kühler. M. 14. — , geb. M. 16. — . 

5. Etymologisches Wörterbuch der französischen Sprache von 
Ernst Gamillscheg. M. 40. — , geb. M. 45. — . 

IV. Reihe: Altertumskunde. Kulturgeschichte. 

1. Frankreichs Kultur und Sprache. Geschichte der französischen 
Schriftsprache von den Anfängen bis zur Gegenwart von Karl 
Vossler. 2. neubearb. Aufl. M. 7.50, geb. M. 9.50. 

2. Die sprichwörtlichen Redensarten der französischen Sprache. 
Ein Beitrag zur französischen Stilistik, Kultur- uud Wesenskunde 
von Walter Gottschalk. Band I M. 9. — , Band II M. 8.50; I/II 
geb. M. 20.—. 

V. Reihe: Untersuchungen und Texte. 

1. Der Einfluß der germanischen Sprachen auf das Vulgärlatein 
von Josef Bruch. M. 5.—, geb. M. 7.20. 

2. lieber den Ursprung und die Bedeutung der französischen 
Ortsnamen von K. Gröhler. I. Ligurische, iberische, phönizische, 
griechische, gallische, lateinische Namen. M. 10. — , geb. M. 12.— . 

3. Das Ninfale Fiesolano Giovanni Boccaccios. Kritischer Text 
von Berthold Wiese. Mit 2 Tafeln. M. 2.80, geb. M. 4.30. 

4. Hauptfragen der Romanistik. Festschrift für Ph. Aug. Becker. 
M. 9.—, geb. M. 11.—. 

5. Idealistische Neuphilologie. Festschrift für Karl Vossler. Hrsg. 
von V. Klemperer und E. Lerch. M. 8. — , geb. M. 11.—. 

6. Reto R. Bezzola. Abbozzo di una storia dei gallicismi italiani nei pri- 
mi secoli (750 —1 300). Saggio storico-linguistico. M.9. — , geb. M. 1 1 . — . 

7. Das Katalanische. Seine Stellung zum Spanischen und Proven- 
zalischen. Sprachwissenschaftlich und historisch dargestellt von 
W. Meyer-Lübke. M. 6.50, geb. M. 8.50. 

8 



CARL WINTERS UNIVERSITATSBUCHHANDLUNC IN HEIDELBERG. 

Sammlung slavischer Lehr- und Handbücher 

horiuH^'i'^'fln'ii von A. Lkskikn f und K. liniNKkm. 
I. Reihe: Grammatiken. 

1. Grammatik der ultbalKarlMchen (altkirchouHlur.) Spruclie von 

A. Leskikn. Ü. Aull. M. :>.-, ^vb. M. (i.so. 
8. SlnvI.Hclic [Mioiu>tik von Olak Hiuxu. M. «.— , \geh. M. 8.50. 

3. Urslavi.sc'li(> («ruiiimatik von J. J. MiKKou. I. I^utlehri'. M.3.W. 

4. Grammatik der Merl)o>kroatiHclieii Sprache. l>autlehre. Stamm- 
bildunj?, Fnfnieiilehro von A. Lkskikn. M. 11. — , ifeb. M. 14. — . 

5. Verfdeicheiide Grammatik der Hiavischen Sprachen von Khanz 
MiKi.osicii. (Manulneudrutk.) 11. SlainnibililunK-slehre. (Jeb. 
M. 17.—. IV. Üyidiix. Üeb. M. 33.-. 

II. Reihe: W«rterhUcher. 
1. Slavisches etymologiseheH Wörterbuch von Erich BER.<iKKnt. 

Hiiiid I. A— li. !2. unveränderle Aufl. M. iy.50. geb. M. *«.— . 

III. Reihe: Texte and UnterHitchungen. 

1. Die altt.Hchechische Alexandreis. Mit Einleitung und (il >- .ir 
boiau.sut'^r. von Reinhoi.d Thautma.nn. M. n. — , geb. M. 7. — . 

2. Die Verba rcflexlra in den glaTischen Sprachen von ÄLroHs 
Marouliks. M. 7.—, geb. M. 8.50. 

3. Das Statut von >Vi8lica in polnischer Fansung. Kritische 
Au.sgabe von 0. Ghüne-ntmai.. M. 5. — , geb. M. G.50. 

4. Der altkirchenMlavIsche Codex SupraHÜenHls von Alpom 
MAiuiUi,it:s. M. 17. — , geb. M. 19.—. 

5. Die Itildunc der slavischen Personen- nnd Ort.tnamen. 
Drei Aldiandluiigen von Fra.nz Miklosich. M<inulneudruck aus Donlc- 
scliriflen der Aicadeniie der Wissonschaflen, PhU.-hist. Klasse, Wien 
18«Jü— 1874. 4«. M. 2-).-. geb. M. 28.—. 

(>. Das Euirenius-Psalterrra^ment. Mit Erläuterungen herausgeg. 
von 0. (JhL'nk.nthal. M. '2.")(). 



Slavica 

herausgegeben von M. Murko. 

1. Die protestantische Kirchenordnnnir der Slovenen. Eine Ute- 
rarisch-liulturliistoriscli-philolo^'isclie Untersuchung von Fr. Kidric. 
M. 4.r)0. 

S. Slavische ond Indogermanische Intonation von Karl H. Meter. 
M. 1.(50 

3. Der Untergang der Deklination im Dnlgarlschen von Karl 
H. Meveh. M. 2.—. 

4. Das Asyndeton in den Balto-Slavischen Sprachen von 
G. S. Kem.kr. M. 2.50. 

5. Die Wortfolge im Litauischen von E. Schwentwer. M. 1. — . 

6. Die Schönhengster Ortsnamen von E. Sakdbach. M. 3.50. 

9 



CARL WINTERS UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG IN HEIDELBERG. 

7. Akzentbciregnng in der rnssischen Formen« u. Wortbildung 

von R. Nachtigall. I. Substantiva und Konsonanten. M. 8. — . 

8. Die Schulkomödien des Pater Franziszek Bohomolec S. J. 
Ein literatuigeschichtlicher Beitrag zur Kenntnis der Anfänge der 
modernen polnischen Komödie von Ad. Stender-Petersen. M. 1 1.60. 

9. Die litanisthen Akzentverschiebungen und der litauische 
Yerbalakzent von Torbiörnsson. M. 2. — . 



Bibliothek der klass. Altertumswissenschaften 

herausgegeben von J. Geffcken. 

1. Mathematik uud Astronomie im klassischen Altertum von 

E. Hoppe. M. 6.—, geb. M. 8.50. 

2. Italische Gräberkunde von Fr. von Duhn. I. Teil. Mit 173 Abb. 
auf 37 Tafeln und V2 Karten. M. 30.—, geb. M. 35.—. 

3. Geschichte Yorderasiens und Ägyptens vom 16. Jahrb. v. Chr. 
bis auf die Neuzeit von Fr. Bilabel und A. Grohmann. I. Bd.: 
16.— 11. Jahrb. v. Chr. von Fr. Bilabel. Mit 2 Karten. M. 33.—, 
geb. M. 36.—. 

4. Griechische Literaturgeschichte von J. Geffcken. 1. Bd.: Von 
den Anfängen bis auf die Sophistenzeit. Mit einem Sonderband : An- 
merkungen. 2 Bände. M. 30. — , geb. M. 35, — . 

5. Nomenciator Metricus. Alphabetisch geordnete Terminologie der 
griechischen Verswissenschaft von Otto Schroeder. Kart. M. 3.50. 

6. Das Haus des Herodes. Zwischen Jerusalem und Rom. Von 
Hugo Willrich. M. 10.—, geb. M 12.—. 

7. Grundriß der griechischen Versgeschichte von Otto Schroeder. 
M. 6.—, geb. M. 7.50. 



Religionswissenschaftliche Bibliothek 

herausgegeben von W. Streitberg t- 

1. Vorlesungen über den Islam von J. Goldziher. 2. Aufl. von 
F. Babinger. M. 12. — , geb. M. 14. — . 

2. Die christliche Legende des Abendlandes von H. Günter. 
M. 6.40, geb. M. 8.40. 

3. Die Geschichte d. Dalailamas v. G. Schulemann. M. 7.—, geb.M.9. — . 

4. Die Entstehung der Speisesakramente von E. Reuterskiöld. 
M. 4.—, geb. M. 5.50. 

5. Altgennauische Religionsgeschichte von Karl Helm. I. Band. 
Mit 51 Abbildungen. M. 6.40, geb. M. 8.50. 

6. Der Ausgang des griechisch-römischen Heidentums von 
J. Geffcken. 2. Tausend. Mit Nachträgen. M. 10.—, geb. M. 12.50; 
Nachträge allein M. 1.50. 

7. BAIIAEIA TOY 0EOY. Eine religionsgeschicbtliche Studie zur vor- 
kirchlichen Eschatologie von August von Gall. M. 27.50, geb. M. 30. — . 

8. Gebet und 0|)fer. Studien zum griechischen Kultus von 
Fr. Schwenn. M. 7.50, geb. M. 9.—. 

10 



C:\Rl. WINTERS UNIVERSITATSBUCHHANDLU.\_ .. ..LIOELBERC. 



9. IHIOYT BAIIAEYI OY BAIIAEYIAr. Die inewianiHche üa- 
al)lKUigiKli<^itHt>i'we^urig vuiii Aunreleii Johannes des Täurera Ui 
zum Untorgaiig Juknbs des (lerechlen, nach der ncuei^-lilusienen 
Kroherung von Jerusalem des KlaviuH Josephu.s uiul den christ- 
lichen Quellen diirtreMteilt von Hur. Ei«lkii. Hand I M. 44. — , 
geh. M. 48.-. Hand II M. üt>.— , geh. M. m.-. 



Kulturgeschichtliche Bibliothek 

lierausgt'Ket)en von W. Kov. 
I. Reihe: Ethnoio^iHche nihllotliek. 

1. DicMptliododer Ethiioloji^ie von F. (Jhäbnkr. M.4.— , geh. M.ß. — . 

2. Da» ult«^ Äu'j|)t«'n von A. Wikdkmann. Mil 7S Text- und 86 Tafel- 
ahbil.luiigon. M. i:^.— . ach. M. l.")6(). 

3. ItahjloaieM und AsHjrrien von Hhuno Meissnxr. I. Hand. Mit 
i:tö Textahhildungen, HA Tafelabhildungen und 1 Karte. M. 18.—, 
geh. M 21.—. 

4. Babylonion and AHsyrlen von Rruno Meissner. II. Hand. Mit 
4(» Te.xtahl)ildungen, ö."> Tafelabhildungen und 2 Karten. M. 19. — , 
geh. M. ;2-2.— . 

5. Die Hpraohfanillien und Sprachenkrelite der Erde too 
P. VV. ScH»in)T X. r. I). Mit einem Atlas von 14 Karten in Lilho- 
grupliie. M. 42. — , geh. M. 4."). — . 

6. Rassen und Keligloncu Im alten Yorderagien von Max Skxver. 
Mit S Texlahh. und 9 Tafeln. M. 25.—, geb. M. 28.—. 

II. Reihe: Hlbliathok der KuropälHchen Knltnrgettchlchte. 
1. Reli(;iuns|reMchichto Kuropas von Cxm. Clkme.n. I. Hd.: His 
zum Untergang der nichtchrislliohen Religionen. Mit 130 Text- 
abbildungen. M. 17.—, geh. M. 19,—. 



Die denttüche Liternlnr der Aurkliirungttzolt. Filnf Kapitel aas 
der Literaturgeschichte des achtzehnten Jalirhunderts mit 
einem Anhang: Die allgemeinen Tendenzen der Geniebewegung. 
Von Albert Köster. M. lü. — , geh. M. 12. — . 

Geschichte der deutsehen Literatur. Herausgegeben von Alrert 
KrtsTER t und Julius 1'etehsen. 1. Hand: Heldendichtung, 
Geistlichendichtung, Ritlerdichtung von HntMAini 
Schneider, o. Professor an der Universität Tübingen. M. 20.^, 
geh. M. -22.80. 

Das Gesicht des deutschen Minnesangs and seine Wandlangen. 
Von H. Langenrucher. M. 5 nO. 

Germanische Wiedererstelinng. Ein Werk Ober die germanischen 
Grundlagen unserer Gesittung. Unter Mitwirkung von Claudius 
Bojunga, Alhrecht Haupt, Karl Helm, Andreas Heusler, Otto 
Liuifler, Friedrich v. d. Leyen, Josef Maria Müller-Hlattau, 
Claudius Freiherr von Schwerin herausgegeben von Hkrmakh 
NoLLAU. Mit 10 Farbentafeln. Geb. M. 28.- 

11 



CARL WINTERS UNIVERSITATSBUCHHANDLUNG IN HEIDELBERG. 

Bergman, G., Abriß der schwedischen Grammatik. Kart. M. 1.60. 

Bezold, Carl, Babylonisch-Assyrisches Glossar. Nach dem Tode des 
Verfassers unter Mitwirkung von Adele Bezold zum Druck 
gebracht von Albrecht Götze. M. 26.—, geb. M. 30.—. 

BoiSACQ, ;^MiLE, Dictionnaire etymologique de la langue grecque, 
etudiee dans ses rapports avec les autres langues indo- 
europeennes. Seconde edition. Gebunden M. 30. — , 

Ettmayer, K. von, Vademecum für Studierende der romanischen 
Philologie. Kartoniert M. 3.—. 

Favre, Gh., Thesaurus verborum quae in titulis Jonicis leguntur 
cum Herodoteo sermone comparatus. M. 12. — . 

Goetze, A., Akademische Fachsprache. M. 1.20. 

Goldmann, E., Beiträge zur Lehre vom indogermanischen Charakter 
der etruskischen Sprache. I M. 8. — ; II M. 21. — . 

Grein, C. W. M., Dichtungen der Angelsachsen. I M. 3.50; II M. 3.80. 

Günther, A., Altlettische Sprachdenkmäler in Faksimiledrucken. 
2 Bände. M. 20.—, geb. M. 25.—. 

Härder, Ernst, Deutsch - arabisches Handwörterbuch. M, 18. — , 
geb. M. 21.-. 

Harrington, James, Oceana. Edited with notes by S. B. Liljegren. 
M. 11.20. 

Honigmann, Ernst, Die sieben Klimata und die TTOAEIZ ETTIIHMOI. 
Eine Untersuchung zur Geschichte der Geographie und Astro- 
logie im Altertum und Mittelaller. M. 25. — . 

Honti, R., Itahenische Elementargrammatik. Geb. M. 2.50. 

Horten, M., Indische Strömungen in der islamischen Mystik. 
IL Lexikon wichtigster Termini der isl. Mystik in Persien 
um 900. (Heft 13 der Materialien z. Kunde d. Buddhismus, 
hrsg. von M. Walleser.) M. 10. — . 

Jensen, H., Neudänische Laut- und Formenlehre. Kart. M. 2.—. 

— Neudänische Syntax. Kart. M. 4. — . 

Jespersen, 0., Eine internationale Sprache (Novial). Kart. M. 4.50. 

— Novial Lexike. Internationales Wörterbuch. Kart. M. 4. — . 
Jones, Daniel, Phonetic Readings in English. lötb Edition. Kart. 

M. 1.50. 

Karst, J., Geschichte der armenischen Philologie. In kritischer Be- 
leuchtung nach ihren ethnologischen Zusammenhängen dar- 
gestellt. Mit Beilagen und Exkursen über die asianisch-medi- 
terraneische Vorgeschichte (Schriften d. Els.-Loth. Wiss. Ges. 
C, 2) M. 10.—. 

KiRKPATRicK, John, Handbook of Idiomatic English, as now written 
and spoken. Containing Idioms, Phrases and Locutions. 
Adapted for Students and Travellers of all Nationalities. 
3d edition. Geb. M. 5.50. 

Klein, K. K., Rumänisch-deutsche Literaturbeziehungen. M. 7. — . 

Langenbucher, H., Das Gesicht des deutschen Minnesangs und seine 
Wandlungen. M. 5.50. 

van der Meer, M. J., Grammatik der neuniederl. Gemeinsprache. 
Mit Übungen und Lesestücken von M. Ramondt. Kart. M. 4. — . 

Paodler, Fr., Die hellfarbigen Rassen und ihre Sprachstämme, 
Kulturen und Urheimaten. Ein neues Bild vom heutigen und 
urzeitlichen Europa. Mit 2 Tafeln. M. 7.—, geb. M. 9.—. 

12 



CARL WINTERS UNIVERSITATSBUCHHANDLUNG IN HEIDELOERC. 

Pos, H. J., Zar liOgik der 8prachwiM«nschaft. M. 5.—. 

— Kritiitche Sluilien Ahcr philolo^hcho Muthucle. H. 3.J0. 
Raynouahd, M., IiUxii|Uti Homnii ou Dk'tinniiajro de la langue dm 

troubadours coinpar^'e avec l)*s autros langnee de I Eorope 

Laliiie. ManuUlruck nach der Krhtnusgabe von 1836—46 

(Paris). (\ Teile in & Bftnden. M, IbO.— , geb. M. 170.—. 
Rrckendouf, II., Arabische Syntax. M. Ü. — , geb. M. S5.Ö0. 
Rkichklt, H., Die Soghdischen liand-scbririenreste dee Britischen 

Museums. In Unii^cbrifl und mit Übersetzung. I. Die bad« 

dliistischen Texte. M. 10. — . 
RozwADOwsKi, J., Wortbildung und Wortbedeutung. M. 3.—. 
Saaz, Jo(i. von, Der Ackermann aus Böhmen. Hcrsg. von Alois 

Bkunt. (Alldeutsches S<hrifllum aus Böhmen, hersg. Ton 

K. Gierach. 1.) Kart. M. i.— . 
Schmitt, A., Untersuchungen zur allgemeinen Akzentiehre mit Anwen> 

düng aurden Akzent des Griechischen und l^ateinUchen. M. 5.50. 
Schreiber, Die niederländische Sprache im deutschen Urteil (Schriften 

des Holland-Instituts, iNeue Reihe. Heft 6). M. 1.50. 
ScHRÖER, A., Neuenglisches Aus^prachwörterbuch. 2. verb. Aufl. 

Geb. M. 8.-. 

— Neuenglische Elementargrammatik. 2. Aufl. Kart. M. i.60. 
Spikgelbero, W., Demotische Urammaük. M. 2<. — , geb. M. 25. — . 

— Koptisches Handwörterbuch. M. 23.50, geb. M. 25.—. 
Stand und Autgaben der Sprachwissenschaft. Festschrift fDr Wilhelm 

Streitberg. Von J. Friedrich, J. B. HoriiAN.v, W. Horn, J. Jordau, 
G. Ipsen, H. Junker, F. Karo, C. Karstien, K. H. Metkr, 
V. Michels, W. Forzio, H. Reichelt, E. Sievers, F. Sommer, 
F. Specht, A. Walde, A. Walter, J. Weisweiler, H. Zellol 
M. 22.—, geb. 2fi.— . 

Strecker, Karl, Moralisch-satirische Gedichte Walters von Chatillon. 
Aus deutschen, englischen, französischen und italienischen 
Handschriften. Karl. M. (». — . 

Transkription, Phonetische, u. Transliteration. Nach den Verhandl. d. 
Kopenhagener Konferenz im April 192'). Redig. v.OttoJespersk» 
und Holger Pedersen. Übersetzt von Carl Mkinhof, M. 2. — . 

Vossler, K., Die philos. Grundlagen zum .sHiien neuen Stil* des Guido 
Guinicelli, Guido Civalcanti und Dante Alighieri. M. 3.50. 

— Positivismus und Idealismus in der Sprachwiss en s c ha f t. Eine 
sprachphilosophische Untersuchung. M. 3. — . 

— Sprache als Sciiöpfung und Entwicklung. Eine theoretische 
Untersuchung mit praktischen Beispielen. M. 4. — . 

— Geist und Kultur in der Spi-ache. M. 8.—, geb. M. 10. — . 

— I^ Fontaine und sein Fabel werk. Mit 10 Holzschnitten. 
M. 4.—, geb. M. 5.50. Büttenausgabe geb. M. 12.—. 

— Italienische Literatur der Gegenwart von der Romantik znra 
Futurismus. Kart. M. 3.50. 

— Salvatore di Giacomo, ein neapolitanischer Volksdichter in 
Wort, Bild und Musik. Halbpergamentband M. 4. — . 

— Die Göttliche Komödie. 2. verb. Auflage. 2 BAnde. M. 25.—, 
geb. M. 30.—, Pgt. M. 50.—. 

— Leopanli. M. '>. — , geb. M. 7. — . 

13 



CARL WINTERS UNIVERSITATSBUCHHANDLUNG IN HEIDELBERG. 

Walleser, Max, Die buddhistische Philosophie in ihrer geschichtlichen 
Entwicklung. I. Teil: Die philosophische Grundlage des 
älteren Buddhismus. 2. unveränd. Aufl. M. 5. — . 2. Teil: Die 
mittlere Lelire (Mädhyamika-sästra) des Nägarjuna. Nach der 
tibetischen Version übertragen. M. 5. — . 3. Teil : Die mittlere 
Lehre des Nägarjuna. Nach der chinesischen Version übertragen. 
M. 5. — . 4. Teil: Die Sekten des alten Buddhismus. M. 6. — . 

— Der ältere Vedänta. Geschichte, Kritik und Lehre. M. 3. — . 
Wartburg, W. v., Französisches etymologisches Wörterbuch. Eine 

Darstellung des gallo romanischen Sprachschatzes. In Lie- 
ferungen. Je M. 4.80. 
Weidenbach, Das Geheimnis der schweren Basis : Das Jery slavenicum. 
M. 2.—. 

— Der Sprachlautglobus. M. 1.50. 

Wendt, G., Syntax des heutigen Englisch. Geb. M. 14. — . 

— Grammatik des heutigen Englisch. M. 4. — , geb. M. 6. — . 

— Enghsche Grammatik für Überklassen. M. 2.— , geb. M. 3.30. 

Beiträge, Deutschrechtliche. Herausgegeben von K. Beverle, Band 
1 — 12. Verzeichnis auf Wunsch. 

— zur neueren Literaturgeschichte. Herausgegeben von W. Wetz, 
Band 1 — 4. Neue Folge, herausgegeben von von Waldberg, 
Band 1 — 16. Verzeichnis auf Wunsch. 

— Würzburger, zur englischen Literaturgeschichte. Heraus- 
gegeben von 0. L. JiRiczEK, Band 1—4. Verzeichnis auf Wunsch. 

Forschungen, Anglistische. Herausgegeben von J.Hoops, Band 1 — 69. 

Verzeichnis auf Wunsch. 
Kultur und Sprache. 

1. Der englische Roman der neuesten Zeit von W. F. Schirmer. 
M. 1.50. 

2. Dänisches Heidentum von G. Schütte. Mit 26 Abb. M. 3. — . 

3. Das dichterische Kunstwerk von Emil Winkler. M. 2. — . 

4. Zarathustras Leben und Lehre von Chr. Bartholomae. 
M. —.80. 

5. Die Frau im Sasanidischen Recht von Chr. Bartholomae. 
M. -.80. 

6. Germanen und Kelten. Historisch-linguistisch-rassenkund- 
liche Forschungen und Gedanken zur Geisleskiisis von 
Gustav Neckel. M. 3. — . 

Orient und Antike. Herausgegeben von G. Bergsträsser, F. Boll f 
und O. Regenbogen. 

1. Kleinasien zur Hethiterzeit. Eine geographische Unter- 
suchung von A. Götze. M. 1.50. 

2. Theophrast bei Epikur und Lucrez von E. Reitzenstein. 
M. 4.50. 

3. Die Glaubwürdigkeit von Herodots Bericht über Ägypten im 
Lichte der ägyptischen Denkmäler von Wilhelm Spiegelberg. 
Mit 5 Abb. im Text und 2 Tafeln. M. 3.—. 

4. Die Stellung der Frau in der vorgriechischen Mittelmeer- 
kultur. Von E. KORNEMANN. M. 3. — . 

5. Der otnovoiLiiKÖc des Neupythagoreers Bryson und sein Einfluß 
auf die islamische Wissenschaft. Von M. Plessner. M. 22.— . 

U 



CAKl. WINTERS UNIVEKSITATSBUCIIHANOLUNC IN HEIDELOERC. 



6. Ursprang and Rntartanfr In der G^M>hicbtschr«ibang d«« 

Piiseidonioa. Von K. Hkimhardt. M.«jri<). 

7. riutins Lfl)cn. Unicr«u(-huiigcn zur Uiugniphie PloUns 
von Hans üi-fKRUA.N.N. M. i.— . 

Repetitoricn zum Studium altfranzAsischcr Literaturdenkmiier. 
IIeriiu.s(reK(-l>en von K. R. v Kttmatkh. 

1. Der Hosi'iiroman I. Von K H. v. Ettmaykh. If. 1.80. 

2. Das Rolandsli.d. Von K. Winklkh. M. 1.20. 
Sammlung mittellateiruHcher Texte. Hentusgcgebcn von A. Hilka, 

Band 1 — IG. Verzeichnis auf Wunsch. 
— vul^cArlatriinischer Texte. Ilcraus(r*'Kt'tx'" von W. Herasüs 

und H. MoRrf, Band 1— ß. Verzeit hnis auf Wunsch. 
Studien, Kieler, zur entflisc-hen Philologie. Herausgegeben von 

F. Holthausen, Band 1 — 5 und Neue Folge 5—7. Verzeich- 
nis auf Wunsch. 
Textbibliotliek, Englische. Herausgegeben von J. Hoops, Band 1 — 19. 

Verzeichnis auf Wunsch. 
Texte, Alt- und Mitlelenglische. Herau.sgegeben von F. Holthauskh 

und L. MonsHACH, Band 1 — II. Verzeichnis auf Wunsch. 
Texte, Kommentierte griechische und lateinische. Herausgegebeo TOD 

J. Geffckk.n. n.iiid 1— (». Verzeichnis auf Wunsch. 



Cariuina Iturana. Kiilisch herausgefrphen von Ai.r...>- ii...^A luui 
Otto Schümann. I. Hanil: Text, H. Band: Kommentar. 1. Die 
moralisch-satirischen Dichtungen. Text I. mit 
5 Farbentafeln kart. M. ti.-, Kommentar I. kart. M. 90. - . 



Des Aristoplinne.H Werke. Obersetst von J. G. DnovsKit. Manul- 
neudruck der 3.. Auflage. 9 Teile in I Bande. Geb. M. 12.—. 

Bcowulf. übersetzt und crlilulert von Huoo Gkrino. 9. Aufl. 9. Ab- 
druck. Karl. M tJ.iSü. 

Eplktet. Was von ihm erhalten ist Nach den Aufzeichnungen 
Arriuns. Neubearbeitun^' der Obersetzung von J. G. Sihuithefi 
von H.Mücke. Geb. M. '.>.-. 

Die Schrift Über da» Erhabene. Deutsch mit Einleitung und 
Erläuterungen von H. F. Müller. M. l.hu. 

Griechenlyrik — Rönierlyrik in deutsche Verse Qbertragen Ton 
J. M. Stowasser. Zwei Bande Deckenzeichnung von Franz 
Hein. Geb. M. 7.—. 

Hellenische Sänger in deutschen Versen von K. pRitipaiiDARZ und 
Franz Hein. Mit Zeichnungen von Franz Hein. Kart. M. 1.—. 

Die Tragödien des SophokleH. In den Versmaßen der Urschrift 
ins Deutsche übersetzt von Cari. Bruch. Neue Au5gnl)e mit 
Einleitung und EiläuteruiiKen von H. F Müllkb. In Pappband 
mit Decken- und Titelzeichnung von Franz Hein. Geb. M. 4. — . 

Spinoza, Von den festen und ewigen Dingen. Cbertrajfen und 
eingeleitet von C. Gerhardt. (Dilnndruckpapier. XL u. 594 S.) 
Geb. M. 9.50. Die beste Kinmhrung in Spinozas Lehre. 



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CARL WINTERS UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG IN HEIDELBERG. 

Germanisch-Romanische Monatsschrift 

in Verbindung mit F. Holthausen und W. Meyer-Lübke 

herausgegeben von Dr. Heinrich Schröder, Kiel, 

und Prof. Dr. F. R. Schröder, Würzburg. 

Band I— Vlll je M. 12.—, geb. M. 15.—. 

Band IX— XV je M. 9.—, geb. M. 12.—. 

Band XVI/XVII je M. 13.50, geb. M. 16.50. 

Band XVIII, 1930, im Erscheinen; halbjährlich M. 6.75. 



Wörter und Sachen 

Kulturhistorische Zeitschrift für Sprach- und Sachforschung 

in Verbindung mit J. J. Mikkola, R. Much, M. Mürko 

und der Indogermanischen Gesellschaft 

herausgegeben von H. Güntert, R. Meringer und W. Meyer-Lübke. 

Bd. I— X, 4», je M. 20.— ; Bd. XI M. 25.— ; Bd. XII, Heft 1 M. 20.— ; 

Heft 2 M. 30.—. 

Beihefte: 

1. Die Hanf- und Flachskultur in den frankoprovenzaHschen 
Mnndarteu mit Ausblicken auf die umgebenden Sprach- 
gebiete von Walter Gerig. 4°. Mit 53 Abb. M. 10. — . 

2. Beiträge aus dem landwirtschaftliclien Wortscliatz Württem- 
bergs von Max Lohss. .4". Mit 27 Abb. und 6 Karten. M. 11.—. 

3. Les appellations du traineau et de ses parties dans les 
dialoctes de la Suisse Romane par Gust. Huber. 4°. Mit 
40 Abb. M. 6.50. 

4. Das ländliche Leben Sardiniens im Spiegel der Sprache. 
Kulturhistorisch-sprachliche Untersuchungen von M. L. Wagner. 
4». Mit HO Abb. M. 14.—. 

5. Die Benennungen von Sichel und Sense in den Mundarten der 
Romanischen Schweiz von Franz Hobi. 4°. Mit 12 Abb. M. 6. — . 



Acta Philologica Scandinavica 

Tidsski'ift for Nordisk Sprogforskning 

udgivet af 

Jons. Br0ndum-Nielsen og Lis Jacobsen. 

Bd. I— V je M. 17.50. 



Litteris 

An International Critical Review of the Humanities 
edited by 
S. B. LiLJEGREN and Lauritz Weibull. 
Jahrgang I (1924; 2 Hefte) M. 5.60; Ärsbok M. S.- 
Jahrgang II— V (je 3 Hefte) je M. 9.—. 



Ausgegeben Oktober 1930, 

16 0. F. Wintersche Bnchdruckerei. 



PC Gröhler, Hermann 

2576 über Ursprung und Bedeutung 

G7 der fjranzösi sehen Ori^snainen 



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